. Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gieſten, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und geſebedingungen. 1 Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: St— f T „3 4 3 6 7 S— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe ij auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——— ———— Glaube, Liebe, Hoftnung. Drei Novellen von 5„ w i Cottbus, 1842. Verlag von Eduard Meyer. Drei Worte nenn' ich euch, inhaltſchwer, Sie gehen von Munde zu Munde, Doch ſtammen ſie nicht von außen her; Das Herz nur gibt davon Kunbe. Dem Menſchen iſt aller Werth geraubt, „ Wenn er nicht mehr an die drei Worteſglaubt. Schiller. wohlgeborenen Frau Emmy Hentſchel hochachtungsvoller Verehrung N zugeeignet 3 vom Verfaſſer. — l. Glaube IMI. Hoffnung„ Poch, aus der Erde Racht empor, Schwingt ſich zu dir mein Glaube,* Und nur fuͤr dich, Herr, Aug' und Ohr, Fuͤr nichts im Erdenſtaube. Heil dem, der ſich auf dich verläßt, 6 Mit Einfalt hofft, und ſich nur feſt An deinem Wort mag halten. Stunden dor Anbacht. 1. „Glaube! mein Sohn,“ ſagte der ehrwuͤrdige Pater Antonio zum jungen Grafen Leonardo Chia⸗ retti, und wiſchte ſanft die nußbraunen Locken von des Juͤnglings ſchoͤner Stirn,„und du wirſt wieder Beruhigung finden in deinem Herzen.“ „Ich habe geglaubt, ehrwuͤrdiger Vater,“ ent⸗ gegnete der Juͤngling, und ſchwere Thraͤnen rollten 6 aus den ſprechenden Augen,„wie kein Menſch glau⸗ ₰ ben konnte; aber mein Glaube iſt erſchuttert in ſei⸗ nen Grundpfeilern, und ich bin der v verfallen.“ 1* 4 „Suͤndige nicht, mein Sohn, in der Traurig⸗ keit deiner Seele;“ verſetzte der greiſige Pater,„dein Glaube war nicht echt, wenn er erſchuͤttert werden konnte, und Zweifel in deine Bruſt das Schickſal vermochte zu ſäͤen. Gott iſt die Liebe, und der feſte Glaube an ſeine unerſchoͤpfliche Guͤte, lindert alle Leiden, die die Herzen der Menſchen treffen. Es giebt drei heilige Symbole in der Welt, an die der Menſch den Glauben nie verlieren muß; ich will ſie dir mitgeben, mein Sohn, auf die Reiſe deines Le⸗ bens. Das erſte iſt der Glaube an die unendliche liebende Fürſorge Gottes! Er faßt die Liebe, die Stärke des Höchſten, und die Hoffnung an ein beſ⸗ ſeres Leben in ſich; denn daͤucht uns Sterblichen auch der gottliche Rathſchluß oft hart, waͤhnen wir uns auch oft von der Stärke ſeines gottlichen Wil⸗ lens vernichtet, und ſchwindet uns auch oft durch die uns auferlegten ſchweren Pruͤfungen ſelbſt die Hoffnung hier jemals gluͤcklich werden zu können, oder wohl gar, durch die Liebe Gottes einer beſſern Zukunft entgegen zu gehen, liegt dies doch nur in unſern engen Begriffen von der guͤtigen, liebenden Allmacht des Höchſten. Das, was Gott uͤber uns verhaͤngt, iſt immer gut; der wahre Glaube an ihn ſtärkt uns in jeglicher Gefahr und gießt Troſt in unſer Herz und lindert den Schmerz deſſelben, gleich dem erquickenden Balſam von liebender Hand ge⸗ traͤufelt in tiefer blutender Wunde. Ja, lieber Sohn, 5 Gottes Staͤrke zertruͤmmert oft unſern Koͤrper und läßt unſere Seele unendliche Qualen erdulden; aber ſeine Liebe wacht auch dann uͤber uns, und der Glaube an ihn giebt uns die Hoffnung: die ſchwer⸗ ſten Gefahren zu uͤberwinden und nach uͤberſtandenen Leiden, die uns ſeine Weisheit geſendet, einzugehen in die Freuden ſeines himmliſchen Reiches. Darum trage, was dir auch auferlegt wird und vom Schick⸗ ſale beſtimmt iſt, in Demuth des Herrn, denn ſeine Liebe iſt unwandelbar! und ſchließe ſtets die Worte unſeres Heilands, des goͤttlichen Sohnes, der fuͤr uns ſein Blut hingab, uns zu erloͤſen von den Suͤn⸗ den, in dein Gebet: Vater, iſt es moͤglich, ſo laß dieſen bittern Kelch an mir voruͤber gehen; doch nicht mein, ſondern Dein Wille geſchehe! und dann wirſt du Ruhe finden in deinem Herzen.— Das andere Symbol, mein Sohn, iſt das eigene Selbſtvertrauen des Mannes! laſſe es nie aus deiner Bruſt ent⸗ ſchwinden. In ihm iſt dir die Kraft deines Lebens, die Liebe und Freundſchaft, und der Glaube an eine Vergeltung verliehen. Verliere nie das Vertrauen an dich ſelbſt, dann haſt du Kraft, die Stuͤrme des Lebens zu tragen und bewahrſt deine Seele vor Verzweiflung; denn vertrauſt du dir, wird deine Kraft, deine Liebe und das hehre Gefühl der Frelnd⸗ ſchaft ſtets leben in deinem Buſen und du wirſt die Ueberzeugung immer feſter gewinnen, daß dieſes Leben blos ein Pruͤfſtein iſt zu einem ſchoͤnern Jen⸗ ſeits. Saͤe hier den goldnen Saamen des Guten und vermeide das Böſe, dann wirſt du dort be⸗ lohnende Fruͤchte erndten, und in deinem letzten Augenblicke nicht zittern vor Gottes Vergeltung! Aber nur der, welcher ſtark in ſich ſelbſt iſt, wandelt feſt auf der Bahn der Gerechten!— Zum Dritten nun, glaube an die Wuͤrde der Frauen! und ehre dieſe, wie dich ſelbſt. Sie ſind das Diadem des Erdballs! denn in ihrem Gefolge findeſt du die Tu⸗ gend, die Schoͤnheit, und die Treue, geſchmuͤckt mit den Perlen der holden Unſchuld und reizenden Anmuth. Zwar ſind auch unedle Steine gefaßt in das herrlich prangende Geſchmeide der Erde; aber die Edlen uͤberſtrahlen den matten Schimmer der Unechten, und dieſe heben nur den Glanz jener zur höhern Glorie. Ein edles Weib perſoniſicirt auf Er⸗ den die Verheißungen des Paradieſes; in ihren Ge⸗ fuͤhlen legte der Schoͤpfer ſeine Liebe, ſeine Reinheit, und die zauberiſche Anziehungskraft, die uns hinreißt, ſeine Schoͤpfung und die Frauen zu verehren; in ih⸗ ren Koͤrpern gab er uns den Genuß ſchwelgender Wonne, und in ihren zarten Seelen ſpiegelt ſich uns das wohlwollende Auge Gottes. Wie die Sonne klar leuchtend am blauen Firmament von keinem Woͤlkchen getruͤbt, die Knospe der Lilie erbricht und ihren Balſamduft zieht in den Aether, ſo ſtrahle ſtets die Wuͤrde der Frauen in dein Herz, und ſo ſpende ihnen deine Verehrung. Glaube an ihre 7 Tugend, denn ein edles Weib kann ſich fuͤr ihren Glauben, ihrer Liebe, ihren Pflichten opfern; aber nie wird ſie ihre Tugend vernichten.“ „Dieſe drei Symbole, mein Sohn, ſchließ in dein Herz, ſie moͤgen dich begleiten; glaube an ſie, und du trägſt eine Welt in deiner Bruſt, die keine Macht kann beſiegen, die dir Troſt, Ruhe und Er⸗ gebung in den Willen des Hoͤchſten ſpendet und dich ſelbſt noch an den Pforten des Grabes, bekraͤnzt mit dem hehren Bewußtſein: Jenſeits das Gluͤck zu genießen, ſelig und ewig in Klarheit zu wandeln, die dir die Zuverſicht giebt: dort deine Geliebte, als Engel des Lichts, wieder zu finden und in Ewig⸗ keit zu umarmen.“„Und nun geh, mein Sohn,“ fuhr Antonio mit Ruͤhrung fort, die Hand auf das Lockenhaupt des Juͤnglings ſegnend legend,„und nimm meinen Segen; die heilige Jungfrau wird dich beſchuͤtzen und deine Camilla bewahren in ih⸗ rer gebenedeiten Liebe; was ich fuͤr euch thun kann, das erwartet vom Freunde; doch iſt alle Muͤhe ver⸗ gebens: ſo ſtärke und troͤſte euch euer Glaube!“ Schluchzend ſank Leonardo an die Bruſt des ehrwuͤrdigen Paters, ſeine Thränen rannen unge⸗ hemmt und erſtickten ſeine Worte.„Geh, Leonardo,“ ſagte der Greis noch einmal ſchonend, und auch ihm benetzten die Quellen der Ruͤhrung die bleichen Wangen,„geh, mache uns die Trennung nicht noch ſchwerer; ſei ein Mann, und wenn du von Camilla 8 Abſchied nimmſt, zeige dich ſtärker, wie hier; des Mannes beſaͤnftigende Feſtigkeit iſt der Weiber Friede und des Glaubens Kraft iſt unendlich; und wer da glaubet, der wird erhöret werden.“ Ein leiſer Kuß Antonios auf des Juͤnglings Stirn und dieſe Worte ſtillten Leonardos Thränen; ſanft richtete er ſich auf, und ein wehmuthsvolles Lächeln umſpielte ſeine ſchoͤnen Lippen.„Sorgt nicht, Vater,“ begann er,„Camilla ſoll mich nicht ſo ſchwach ſehen, wie Ihr; ich werde ſie noch trö⸗ ſten, ob mir gleich das Herz dabei ſpringen wird in grauſen Martern; aber Euch brauche ich meine Ge⸗ fuͤhle nicht zu verbergen; Ihr ſeid ja im Schmerze erprobt, und Eure Gottſeligkeit findet Linderung fur Alles.“ „Glaube wie ich,“ entgegnete der Pater,„und auch du wirſt dieſen Troſt finden.“ „Das werde ich,“ ſagte Leonardo;„und lebet wohl und ſchuͤtzt meine Camilla!“ Noch einmal umarmten ſich beide zum Unter⸗ pfand ihres Verſprechens; dann riß ſich der Juͤng⸗ ling los und enteilte der Zelle; Antonio aber ſank auf ſeine Knie vor dem Bilde des Erloͤſers, fuͤr Le⸗ onardos und Camillens Heil in frommer Andacht zu beten. Z. Leis zitternd verhallte der letzte Ton der Cither, den Camilla den Saiten entlockt, in den Raum des jungfräulichen Zimmers. Sanft legte ſie das tonende Inſtrument neben ſich auf die ſchwellenden Kiſſen der Ottomane und ihr roſiger Mund begleitete den Liebling ihrer Freuden, jetzt ihrer Klagen, mit ei⸗ nem wehmuthsvollen Ausdruck.„Ruhe!“ ſagte ſie, kaum den Sammet der Lippen bewegend,„dich wird man mir doch wohl laſſen.“ Und wie in der Mut⸗ ter liebendem Antlitz ſich die Schmerzen des kranken Säuglings ſpiegeln, blickte Camilla auf ihre Cither, aber ohne Thränen im bangenden Auge, nur bemuͤht, die Geliebte ſorgender zu betten und ſchon erſtarrt bei dem Gedanken: auch ſie koͤnne ihr werden ent⸗ riſſen. Faſt blendend fiel der Schein des Gewoͤlkes der in Gold und Purpur untertauchenden Sonne auf die ſchone Geſtalt Camillas, die wie eingefugt, in uͤppigſten Formen, in die weichen Polſter ſaß in Gedanken verſunken. Schmucklos rollten ſich ihre ſeidenen Locken in ſpiegelnder Schwaͤrze von den weißen Schläfen auf den wogenden Buſen und vol⸗ len Nacken, nur leicht bedeckt mit ſchneeigen Blon⸗ den, die im Glanze der Beleuchtung ſpielten wie verſchiedenfarbiges, edles Metall, angelegt, um die Wogen zu preſſen, die im unerlaͤßlichen Schwellen 10 aus den Falten ihres himmelblauen Kleides ſchienen zu ſteigen. Nur eine einzige weiße Roſenknospe, ſchon halb verwelkt, mit wenigen hängenden Blät⸗ tern, lauſchte aus der Fuͤlle der Locken, und das ſinkende Licht der naͤhrenden Erde umſtrahlte das ſchöne Geſicht mit einer zauberiſchen Glorie. Unbe⸗ merkt von Camilla war Leonardo in das Zimmer getreten und ſtaunend in ihren Anblick verſunken; ſein Herz ſchlug hörbar, aber es konnte Camilla aus ihrem wachenden Traume nicht wecken, und erſt als Leonardo ſich ihr ſtuͤrmiſch zu Fuͤßen warf, lenkte ſie auf ihn die dunkeln Sterne ihrer brennenden Augen, die beim Anblick des Geliebten gleich in lie⸗ bender Ruͤhrung uͤberfloſſen, und die hohe Stirn des Juͤnglings bethauten. Mehrere Minuten verflogen ſo im ſtummen Rauſche ſchmerzvoller Wonne, im Gefuͤhle des Entzuͤckens einander ſo nahe zu ſein, und doch nur zum letzten Male, um fuͤr immer ge⸗ trennt nun zu werden. Mit zahlloſen Kuͤſſen bedeckte Leonardo die Haͤnde Camillas, und auch ſie druckte ihre gluͤhenden Lippen auf ſeine benetzte Stirn: den geſpendeten Thau fuͤr ihre Seele wieder zu ſaugen. Mit Leonardo zugleich war ſchweigend auch eine ehr⸗ wuͤrdige Matrone ins Zimmer getreten; ſie war die ältere Schweſter der Mutter Camillas und liebende Pflegerin dieſer. Zehn Jahre ſchon hatte Claudia ihren Gatten verloren, und ſelbſt kinderlos, ſich mit ganzer Liebe der damals ſechsjährigen Camilla ange⸗ 11 nommen, als deren Mutter, das Zeitliche ſegnend, ihren Koͤrper wiedergab der Erde, und ihren Geiſt empor ſchwang zum ewigen Leben. „Kinder,“ begann die Matrone, mit ſanft be⸗ wegter Stimme,„ich habe nur wenig Zeit Euch zu goͤnnen, ſo gern ich auch nie zu trennen Euch wuͤn⸗ ſche; doch lange kann dein Vater, Camilla, und der Mareſe nicht bleiben, darum faſſet Euch kurz: eh' ſie zuruͤck kehren, muͤßt ihr noch ſcheiden.“ Die ſchonenden Worte der Matrone ermahnten Leonardo, warum er gekommen; auch an ſein Verſprechen, das er Antonio gegeben: ſich ſtark zu zeigen in den ſchwerſten Augenblicken, die noch das Schickſal hervorgezaubert in ſeinem Daſein. Gefaßt erhob er ſich daher von ſeinen Knieen und umſchlang die ſchöne Weinende, und küßte ihre Thränen von den zarten Wangen. „Weine nicht, Holde,“ ſagte er, in beſaͤnfti⸗ genden, bittenden Lauten, die ſo gern Eingang ſin⸗ den und Beruhigung gießen in liebende Herzen, wenn ſie den Lippen des heiß Geliebten zaubriſch entſtro⸗ men,„weine nicht, wir ſehen uns wieder. Auch mein Glaube war vernichtet; ich glaubte an keinen Gott mehr, und doch füuͤhlte ich, daß ich nie ſo no⸗ thig ſeiner bedurfte, ich glaubte an keine Zukunft mehr, und doch zitterte ich bei dem Gedanken: der⸗ einſt ſie zu genießen nicht würdig zu erſcheinen; ich glaubte an keine Liebe mehr, und doch hatte ich nie 12 ſo geliebt; ich war in einen ſchrecklichen Irrwahn verfallen. Nur der Tod an deinem Huͤgel ſchien mir willkommen, und doch bebte ich fuͤr dein Leben und hatte nicht die Kraft mir das meinige zu rau⸗ ben.— Antonio hat mich geheilt; er gab mir mei⸗ nen Glauben wieder und ſenkte die Hoffnung zuruͤck in mein Herz, dich ewig mein nennen zu können. Sind auch unſere Koͤrper getrennt, unſere Seelen kann Niemand zerreißen, und der Glaube an ein beſſeres, ewiges Leben, wenn wir das Zeitige in Demuth des Herrn vollbracht, ſoll uns ſtaͤrken: die⸗ ſes mit Muth und Stärke zu tragen; was auch das Schickſal verhaͤngt, dort werden wir wieder vereinigt.“ „Leonardo,“ entgegnete Camilla, das ſchöne Haupt von des Juͤnglings Buſen erhebend,„Dir als Mann geziemt vielleicht dieſe Sprache, denn die ſturmiſchere Seele des Mannes träumt nur Zerſto⸗ rung, kann ſie ihr Gluͤck nicht bewahren; die ruhi⸗ gere des Weibes iſt mehr zum Dulden geſchaffen. Ich habe nie den Glauben verloren: Dich Jenſeits wieder zu finden, wo die Seelen der Reinen ſich un⸗ zertrennlich lieben duͤrfen in Wonne. Nur der Ge⸗ danke, daß der Vater es iſt, der des Weibes Ge⸗ fuͤhle in ſeiner Tochter ſucht zu zerſtoͤren, um ihren Koͤrper dem eitlen Glanze zu opfern, empoͤret mein Herz, und laͤßt mich unnennbare Qualen erdulden. Ich bin und bleibe nur dein! Muß ich auch noch des Marcheſes Umarmung ertragen, erhaͤlt er nur 13 die vergaͤngliche Huͤlle der unſterblichen Seele; vor ſeinen Augen werde ich verwelken, wie dieſe Knospe in meinen Haaren, und mein Geiſt wird dich dann liebend beſchuͤtzend umſchweben, bis auch du ein⸗ gehſt in das Land der Freuden, den Lohn deines Glaubens und deiner Liebe zu erndten. Dann wird nichts uns mehr trennen, und der göttliche Sohn der ſchmerzenreichen Mutter dir zurufen: Dein Glaube hat dir geholfen!“ Eine andaͤchtige hehre Ruhe hatte ſich waͤhrend dieſer Worte uͤber das feine Antlitz Camillas ergoſ⸗ ſen, und die magiſche Beleuchtung ließ ſie wie ein hoͤheres Weſen erſcheinen.„Nimm dieſe Knospe der weiſen Roſe,“ fuhr ſie fort, ſich dieſelbe aus ihrer Lockenfuͤlle loͤſend,„ſie iſt ſchon halb verwelkt. So empfaäͤngt auch mich der Marcheſe, und ich werde, wie ſie, verwelken, ehe ich noch aufbrechen konnte, in voller Bluͤthe des Lebens Gluͤck zu genießen. Und denke an mich; iſt ſie zu Staub auf deinem Herzen vertrocknet, denn bin auch ich nicht mehr, und dann komm zuruͤck, und pflanze ihr Ebenbild mit liebender Hand auf meinen Huͤgel.“ „Camilla,“ ſagte der Juͤngling mit weicher Stimme, von tiefer Ruͤhrung ergriffen,„ich geſtehe es mit Beſchaͤmung, dieſe Hoheit der Seele, dieſe heilige Ruhe, dieſe Ergebung in den Willen des Hoͤchſten habe ich dir nicht ganz zugetraut; aber lebe, lebe aus Liebe zu mir. Wenn auch dein Koͤr⸗ 14 per fuͤr mich verloren, laß mir die Beruhigung: nicht Urſache ſeines Unterganges zu ſein. Ein Weib von deiner Seelengröße kann ſelbſt den Tod zwin⸗ gen ſich von ihr zu wenden, und ihre Stärke kann ein ihr verhaßtes Leben ertragen, wenn ſie dadurch Beruhigung gießt in das Herz des Geliebten. Auch du wirſt mit der Zeit dein Schickſal erträglich fin⸗ den; das Leben wird dann neue Reize fuͤr dich ge⸗ baren, und dein Glaube ſelbſt deine Leiden verſuͤßen. „So lange mein Schoöpfer befiehlt, werde ich tragen was die Pflicht von mir heiſcht, und ſein Wille mir auferlegt;“ verſetzte Camilla,„aber kannſt du einer Lilie gebieten in uͤppiger Fulle zu prangen, wenn der Giftwurm den Saft ihres Lebens ſaugt? Sie welkt, ob auch der Thau des Himmels ſie noch erquicke, ob auch die Sonne noch freundlich ihr gluͤhe; iſt ihre Kraft erſchöpft, ſinkt ſie dahin, und keine menſchliche Macht kann ſie retten.“ „So rette dich dein Glaube, Camilla; er gieße neuen Balſam in deine Adern und vernichte den Giftkeim deiner Schmerzen.“ „Strahlt nicht auch der kranken Lilie die Sonne? Leonardo, ſie ſtirbt doch wenn ihr das Gift in den Kelch tritt. So auch der Menſch, wenn ihm das Herz wird vergiftet.“ „Dein Herz, Camilla, erhalte die Liebe, ſie entkräfte das Gift und gebe dir Leben.“ „Auch den Kelch der vergifteten Lilie benetzen 15⁵ ſanft die Kriſtallperlen der laſurnen Sphaͤre mit kuͤhlender Labung, aber ſie lindern nur die brennen⸗ den Leiden, ohne den Tod der Blume verſcheuchen zu koͤnnen.“ „Sprich nicht immer von Tod und Sterben, liebe Tochter,“ fiel Claudia ein,„ein junges und ſtarkes und Gott ergebenes Gemuͤth, iſt noch fuͤr manches Gluͤck empfaͤnglich, und hat Muth das Schwerſte zu tragen, wenn es die Ueberzeugung faßt, den Geliebten ſich dadurch herrlich zu zeigen. Der Glaube an eine moͤgliche Aenderung der peinlich⸗ ſten Lage, und an eine vielleicht noch freudige ir⸗ diſche Zukunft, muß uns aufrecht erhalten, ſollten wir auch gezwungen werden, den bitterſten Kelch bis auf den letzten Tropfen zu leeren; denn die Kraft des wahren Glaubens iſt wunderbar groß und ſeine Gewalt nicht zu faſſen. Ein glaubiges Gemuͤth fin⸗ det ſelbſt in jeglichem Unglücke Troſt. Schoͤn iſt ſchon deine fromme Ergebung in den Willen des Höch⸗ ſten, aber dein Glaube noch nicht feſt genug, um das Opfer mit kindlichem Herzen zu bringen, oder an die Allmacht des Unendlichen nicht zu zweifeln, der noch Alles zu deinem Gluͤcke zu lenken vermag. Ein Wink von ihm zertruͤmmert die Welt, und ein Wink von ihm kann ſie neu und herrlicher wieder erſchaffen; darum glaube vertrauend, daß er auch deine Wuͤnſche zu erfuͤllen vermag, wenn ſeine Weisheit es nicht anders beſchloſſen.“ ——— —— 16 Ein bitter laͤchelnder Zug umſpielte leiſe die Lippen der Liebenden; ſie ſchienen nichts mehr zu hoffen, aber ihr kindlich frommer Glaube, in dem ſie ſeither gelebt, und aus welchem nur Leonardo auf Augenblicke, durch die bevorſtehende Trennung und Verheirathung ſeiner Geliebten an einen andern Mann, geruͤttelt worden war, gewann ſchnell die Oberhand uͤber das bittere Gefuͤhl, was ihre Seele durchzuckte, und glättete bald wieder die ſchönen Zuͤge in duldende Anmuth. „Ich werde an eine Rettung glauben,“ entgeg⸗ nete Camilla,„bis der letzte Faden des Schleiers der Hoffnung verfliegt, und auch dann uͤber mich ergehen laſſen, was Gott verhaͤngt hat; aber muͤßte ich nicht in Leonardo jeden Glauben an meine Liebe vernichten, wenn ich in glanzvollen, rauſchenden Freuden zu leben vermoͤchte, wenn ich an des ver⸗ haßten Gatten Seite prangte, wie die Granate in uͤppigen Blättern? muͤßte Leonardo nicht in jedem frohlichen Blick, den mir dies eitle Leben entlockte, meine Verworfenheit leſen? Koͤnnte ich je meine Gefuͤhle ſo wegwerfen, er wuͤrde ein Recht haben mich zu verachten! Gluͤcklich, ſelig,“ fuhr ſie fort mit erhoͤhtem Ausdruck und ſchlang ihre runden Arme um Leonardos Nacken, den Geliebten preſſend an ihren wallenden Buſen,„kann ich nur wer⸗ den in deinen Armen! und nur verwelken, wirſt du mir entriſſen! Glaube an meine Liebe, ſie 17 iſt ewig ob auch der Koͤrper vergeht, dein iſt bie Seele! Gluͤhend druͤckte ſie den Purpurſaum ihrer Lippen auf die des Juͤnglings, und ſie ſogen den wuͤrzigen Necktar der Kuͤſſe, als wollten ſie Seele um Seele vertauſchen; und in dieſen Kuͤſſen lag mehr, als was ſie durch Worte auszuſprechen ver⸗ mochten. Claudia wehrte ihnen nicht, noch einmal zu trinken den nimmer ſaͤttigenden Quell liebender zaͤrtlicher Herzen, doch als Minute auf Minute ver⸗ rann, und jeder Kuß die Gluth nur heißer anfachte, bangte ſie vor der Ankunft des Vaters Camillas und des Marcheſen, und trat zu den Liebenden, ſchonend ſie aus dem ſeligen Taumel zu wecken und an die Trennung zu mahnen. „Kinder,“ ſagte ſie ſanft,„nur die Beſorgniß zwingt mich, Euch ſtören zu muͤſſen; trifft Euch der Graf hier beiſammen, wuͤrde er unfehlbar ſogleich Camilla mit dem Marcheſe vermaͤhlen, und die ſchöne Zeit, dieſe Verbindung vielleicht noch abwenden zu können, ginge uns unwiederruflich verloren. Daher fuͤgt Euch jetzt in Euer Geſchick und beſchleunigt die Trennung, köſtlicher wuͤrzt ſie ja des Wiederſehns gluͤckliche Stunde.“ „So lebe denn wohl, meine Camilla,“ begann der Juͤngling, erwacht durch die Rede der Matrone und ſich windend aus den Armen der Geliebten, „was auch geſchieht, ich glaube feſt an deine Liebe; I. 2 18 glaube auch an die Meinige; und ſehen wir auch hier uns nicht wieder: ich folge dir bald, oder gehe muthig voran zu unſerer ewigen Wonne. „Lebewohl,“ ſagte Camilla,„hier, oder dort, ſehen wir uns wieder!“ Noch einmal begegneten ſich ihre Lippen in bren⸗ nendem Zauber; aber keine Thraͤne drang aus ihren Wimpern und kein Wort entklang mehr ihrem Munde. Ihre Gefuͤhle nur vereinigten ſich in harmoniſchen Wehen, und verſchlangen ſich in magiſchen Banden. Hehr war die Stimmung die Alle durchbebte, voll unausſprechlichen Gluͤcks und unnennbaren Schmer⸗ zen; jeder fuͤhlte ganz, was er beſaß, was er ver⸗ lor, und nur die Kraft ihres frommen ergebenen Glaubens vermochte ſie aufrecht zu halten.— Doch die Trennung mußte erfolgen, zaͤrtlich druͤckte Lev⸗ nardo daher die Geliebte zuruͤck auf die weichen Kiſ⸗ ſen der Ottomane, worauf ſie bei ſeinem Eintritt geſeſſen, umſchlang ſturmiſch die mit gefalteten Hän, den daſtehende Matrone, und enteilte dem jungfraͤu⸗ lichen Gemach in gluͤhender Wallung.— 3. Noch hatte Leonardo nicht lange ſein Zimmer erreicht, als naher Huſſchlag ihm die Ankunft des Grafen Savanetti und des Marcheſes Girolani mel⸗ dete. Beide kamen von einem kurzen Spazierritt zuruͤck; aber ſtatt erquickt von der Pracht der herr⸗ 19 lichen Flur, die ihre Pferde durchſchritten, lag nur Mißmuth in ihren Zuͤgen. Eiſig und ernſt leuchtete die Seele des Grafen Savanetti aus ſeinen ſchwar⸗ zen Augen, garnirt mit buſchigen grauen Braunen, die Stirn lag mißmüthig in Falten, und um die roͤmiſche Naſe und eingefallenen, baͤrtigen Wangen, ſo wie dem gebietenden Mund, ſchien ſich die Unem⸗ pfindlichkeit ſelbſt gelagert zu haben. Stolz trug er ſein Haupt auf dem athletiſchen Koͤrper, als trotze er der nagenden Zeit und verachte ihre zehrenden Wellen, immer bereit, keck jeder Gefahr entgegen zu treten, und in der Schule des bewegten Lebens abgehaͤrtet gegen alle ſanften Gefuͤhle. Auch in den Zuͤgen des Marcheſes Girolani war keine ſanfte Regung zu leſen, Unmuth hatte ſich auf ſeiner flachen Stirn gewölkt, und die duͤnnen roth⸗ braunen Haare des Schaͤdels umſpielten die leiden⸗ ſchaftliche Gluth ſeiner Wangen, waͤhrenh ſeine ſtechen⸗ den Augen, im gelblichen Roth ſchimmernd, unſtätt nach den Fenſtern der Villa des Grafen ſchweiften, und ſeiner kurzen Naſe und den ſchmalen Lippen Spott und Hohn umzuckte, welche Gefuhle der durftige Kneebelbart zu bemaͤnteln umſonſt ſich bemuͤhte. Wie beide Reiter der Villa diagonal kamen, ließ der Marcheſe ſein Pferd courbettiren, um ſeine kleine Figur auf dem edlen Thiere aufmerkſam hervorzuheben; auch das Pferd des Grafen, obgleich dieſer es ſcharf hielt, wurde unruhig, aber ſo lärmend auch der Hufſchlag 22 20 ertönte, Niemand ließ ſich an den Fenſtern blicken, die Ankommenden zu begrüßen. Nur die Stallknechte eilten herbei, die muthigen Thiere aus den Haͤnden der Herren zu empfangen und wieder zur Pflege zu fuhren, und der Pfoͤrtner öffnete die Fluͤgel des Thores, des Eintrittes der Gebieter harrend. „Iſt Graf Chiaretti aus dem Kloſter ſchon zu⸗ ruͤck?“ fragte der Marcheſe haſtig, ſich geſchmeidig aus dem Sattel ſchwingend und dem Diener das Pferd uͤbergebend. „So eben, Signoria,“ entgegnete Fabio des Grafen Diener eilig, um ſeinen Nebengeſellen Filippo, im Solde des Marcheſes, mit der Anwort zuvor zu kommen, die ſchon auf deſſen Lippen ſchwebte. „Wenn eine halbe Stunde keine Zeit iſt,“ brummte Filippo mürriſch ſich vorgegriffen zu hören, „dann iſt der Herr Graf allerdings erſt ſo eben zuruͤck gekehrt“ Ein lächelnder Blick des Marcheſes, der ſich jedoch gleich wieder in Unruhe verlor, ſchien Filippo fur dieſe Bemerkung zu danken; doch der Graf Sa⸗ vanetti zog die Augenbraunen finſter zuſammen, als ſei ihm die Frage des Marcheſes, ſowie auch die Antwort Filippos nicht angenehm, und ohne weiter ein Wort zu verlautbaren, ſchritten beide Reiter in die Villa. „Marcheſe,“ begann der Graf, wie ſie in ein reich decorirtes Zimmer getreten waren,„Sie haben 21 mein Wort, und dies ſollte Ihnen genuͤgen; ich aber habe Urſach den Juͤngling zu ſchonen.“ „Die Beſorgniß, meine Rechte dennoch ange⸗ taſtet zu ſehen,“ entgegnete der Marcheſe— „Kann hier nicht eintreten,“ fiel ſchnell der Graf ihm ins Wort,„meine Tochter iſt edel, und auch der Juͤngling; und beide fuͤgen ſich in meinen Willen mit kindlichem Gehorſam.“ „Wohl!“ verſetzte der Marcheſe ſich bekämpfend, aber Beide lieben ſich auch!“— „Wozu ſie ein Recht hatten,“ unterbrach ihm der Graf wieder,„ſo lange ich es ihnen nicht hemmte; doch jetzt ehren ſie meine Beſtimmung; nur wenn dies nicht der Fall waͤre, geben ſie mir ein Recht mit Schaͤrfe zu verfahren. Morgen reiſt jedoch Chiaretti ab und in vier Wochen wird Camilla Ihre Gattin. Bis dahin bitte ich Sie, dieſelbe nicht mit auflau⸗ ernden Dienern zu umſtellen; dies iſt ihrer nicht wurdig, und ich wuͤnſche, daß dergleichen auch ferner nicht geſchehe.“ Stumm neigte ſich der Marcheſe gegen den Grafen; denn er fuͤrchtete den kalten beſonnenen Ernſt deſſelben eben ſo, wie ſeine Leidenſchaft fuͤr Camilla in ihm brannte; auch der Graf pochte hier⸗ auf, obgleich ihm jene gluͤhenden Gefuͤhle fremd waren. Nur Ehrgeiz und Stolz kannte ſein Herz, und dieſe Regung glaubte er in dem Verfahren des Marcheſes beleidigt; fur alle zartern Gefuͤhle war er 22 unempfänglich. Stets nur in Staatsintriguen ver⸗ wickelt, hatte er nie geliebt, ſondern nur dem Ehr⸗ geize und Stolze gelebt, hoher zu ſteigen und im⸗ mer mehr Einfluß im Staate ſich anzueignen, war ſein Ringen; aber er ſtieg nicht; er begrub ſich nur unter den Truͤmmern ſeines eigenen Gebaͤudes und zerſtoͤrte dadurch ſein großes Vermögen, und es blieb ihm nur der Wiederſchein des fruͤheren Glanzes ſeines Hauſes. Auch Leonardos Vater hatte Graf Sava⸗ netti in ſeine Plane verwickelt, und mit ihm buͤßte Graf Chiaretti ſein eitles Streben durch den Ver⸗ luſt des groͤßten Theils ſeiner Guͤter. Als Chiaretti dann ſtarb, ſetzte er noch zum Vormund ſeines ein⸗ zigen Sohnes den Grafen Savanetti, welcher Leo⸗ nardo in ſein Haus nahm und deſſen uͤbrig gebliebe⸗ nes Vermoͤgen verwaltete. Hier faud Leonardo ſeine Camilla, ein zartes kraͤnkliches Weſen, wie die Knospe der weißen Roſe mit Mehlthau bedeckt, in ſich ſelbſt verſiegend, ehe ſie noch zur Bluͤthe erbreche, unter dem Schutze ihrer trauernden Tante Claudia. Faſt noch Knabe fuhlte ſich Leonardo doch hingeriſſen von den Leiden Camillas; ein ſchon verklaͤrter Engel erſchien ſie ihm, der nur noch auf Erden wandle, um in kindlicher Unſchuld die Leiden der Heiligen zu repraſentireg, und ſein Herz fuͤllte ſich mit ihrem Bilde in unuͤber⸗ ſchwenglicher Wonne. Betend verlor er ſich in den Gedanken an ſie, und ſeinem kindlich frommen Glau⸗ 23 gen entgegen, hehr in heiliger Klarheit, und duldend in frommer Ergebung. Auch in Camillas ſanftem Gemuͤthe druͤckte ſich die reine Verehrung Leonardos, ſie war gern in ſeiner Naͤhe; wie der junge Vo⸗ gel ſich wohlthaͤtig waͤrmt unter den ſchuͤtzenden Fittig ſeiner Mutter, erquickten ſich ihre Leiden in ſeinen Ge⸗ fuͤhlen, und ihr kranker Koͤrper ſonnte ſich in ſeinen theilnehmenden Blicken. Ihre Seele zerſloß in Leo⸗ nardos, ſie verſtanden ſich; ſie ſog aus ihm ihr Le⸗ ben und laͤchelte dankbar dem Juͤngling, und er be⸗ thaute die Leidende mit ſeinen Thraͤnen und war doch begluͤckt ſie froh zu ſehen; und ihre Herzen ver⸗ ſchmolzen ſich wie das Gold mit dem Golde, einen Reif bildend, unverweslich fuͤr die Ewigkeit und nicht mehr zu trennen und zu unterſcheiden. Fünf Jahre verlebten ſie ſo, und Camilla feierte ihren funfzehn⸗ ten Sommer und Leonardo erreichte den zwanzigſten ſeines Lebens. Graf Savanetti voll eiſigen Grolls, ſeine politiſchen Plaͤne geſcheitert zu ſehen, kuͤmmerte ſich wenig um Beider Beginnen; ſein Streben ging nur dahin, ſeinem Hauſe den alten Glanz wieder zu geben und noch auf eine hoͤhere Stufe zu ſteigen. Zwar vorſichtig gemacht durch die erbitterten Un⸗ glucksfaͤlle baute er jetzt beſonnener; allein eben die⸗ ſes Dichten und Trachten nach Groͤße, ließ ihm keine Zeit, ſeiner Tochter liebende Aufmerkſamkeit zu widmen und Camilla blieb der mutterlichen Pflege Claudias ben leuchteten ihre Zuͤge in jedem Kopfe einer Heili⸗ 24 faſt ganz uberlaſſen; der ehrwuͤrdige Vater Antonio aber war ihr und Leonardos Lehrer, und alle Drei bemuͤhten ſich, die kranke Blume herzlich zu warten. Wenn auch Graf Savanetti das gluckliche, zaͤrt⸗ liche Einverſtändniß der Herzen ſeiner Tochter und Leonardos von Zeit zu Zeit ſahe, ſchien er doch we⸗ nig darauf zu achten, noch ihnen zu wehren; denn Camilla daͤuchte ihm ein zu ſchwacher Grundſtein, um darauf ſeinen Ehrgeiz zu bauen, und in Leonardo ſah er blos die Rudera gefallener Größe, die, wenn ſein Gluͤcksſtern ihm wirklich im Leben nicht mehr leuchte, mit ſeinen Truͤmmern verbunden, ihm als den letzten Anker ſeines ſchwankenden Schiffes, eben nicht unangenehm vor die kalte Seele traten. Aber faſt ploͤtzlich, nach zuruͤckgelegtem funf⸗ zehnten Jahre, genaß das kränkelnde Kind Camilla, unter den Haͤnden ihrer liebenden Pfleger; ihr Geiſt hatte die wohlthaͤtige Sorge dieſer eingeſogen, und die Natur ſetzte ſich in ihrem Koͤrper, und goß friſchen Balſam in ihre Adern, den Giftkeim zerſtoͤrend, und ſie erbluͤhte zur reizendſten Jungfrau. Faſt täglich athmete ſie friſcheres Leben, die Bläſſe ſchwand von ihren Wangen und zartes Karmin durchhauchte ihren Sammet, die Formen rundeten ſich, als waͤren ſie aus der Natur ſelbſt gegoſſen, und die verloͤſchenden frommen Augen laͤchelten in zaubriſchem Wohlſein, und der Klang ihrer Stimme, nicht mehr beaͤngſtigend, hallte in melodiſchen Toͤnen. Gluͤcklich prieſen ſich 25 die, die ſie liebten, die fuͤr ſie gebetet hatten zum göttlichen Vater; ihr Gebet war erhoͤrt, und ihr Glaube an ſeine Allmacht, durch Camillas herrliche Entwickelung geſtärkt, und ihr Glaube ſah ſie ſchon in Seligkeit wandeln in Leonardos Liebe; denn jetzt empfand Camilla fuͤr den Juͤngling das heiligſte der gottlichen und irdiſchen Gefuͤhle, und Leonardo ſchwaͤrmte in ihnen, und Antonio und Claudia ſegneten den Bund beider Herzen in ſtiller Andacht. Da riß abermals das politiſche Gewebe des Grafen Savanetti, und nur die kuͤnſtliche Beſonnen⸗ heit, womit er die Faͤden geſponnen, konnte ihn erret⸗ ten von der Verweiſung des Landes und Einziehung ſeiner noch uͤbrig gebliebenen Guͤter. In der ſpan⸗ nenden Erwartung, endlich die lang erſehnte Stufe zu erklimmen, war ihm das holde Erbluͤhen Camillas faſt gleichguͤltig voruͤber gegangen, und obgleich ihm die ſchwindende Hoffnung der Befriedigung ſeines Ehrgeizes bitter druͤckte, konnte doch ſein Stolz nicht gebeugt werden und ſein Herz wappnete ſich nur noch mehr mit Unempfindlichkeit gegen alle menſch— liche Gefuͤhle, nur in der treuloſen Politik lebend und ſich darin zu begraben. Um dieſe Zeit ſah der Mar⸗ cheſe Girolani Camilla; ſchon viel gelebt hatte der Marcheſe, doch nie ein weibliches Weſen geſehen, was ihn mehr hinzureißen vermochte, und ſein leiden⸗ ſchaftlicher Character fand niemals den Preis zu hoch, um ſeine Wuͤnſche zu kroͤnen. Schnell machte er da⸗ 6o*. 26 her die Bekanntſchaft des Graſen und erſt, als der Marcheſe um die Hand Camillas anhielt, erwachte Savanetti aus ſeinem Traume und erkannte den Edelſtein, den er bis jetzt unbeachtet am Wege ſeiner Politik hatte liegen laſſen, und der ihm nun den alten Glanz ſeines Hauſes ſollte wieder verſchaffen; denn der Marcheſe war einer der reichſten Großen des Landes, und eine ſolche Verbindung kam dem Grafen erwuͤnſcht, um ſeinen Stolz in etwas zu ſaͤt⸗ tigen. Nie gewohnt, in ſeinem Hauſe Einſpruch anzu⸗ nehmen, trug Graf Savanetti auch kein Bedenken, dem Marcheſe die Hand ſeiner Tochter zuzuſichern, ohne erſt Camillas Gefuͤhle des Herzens zu fragen, und auch Girolani war nicht edel genug, um wahre Liebe zu fuͤhlen; nur leidenſchaftliche Flammen brann⸗ ten in ihm und ohne Ruͤckſicht ſuchte er ſie zu befrie⸗ digen. Wie vom Donner geruͤhrt vernahmen die Liebenden daher, was ihnen drohe, ſie erſtarrten; denn ihre Furcht vor dem abſchreckenden gebieteriſchen Grafen, war ſo groß, daß ſie im erſten Augenblick keinen Widerſpruch wagten, und nur ſeinen ihnen be⸗ kannten eiſigen, feſten Willen mit Schrecken vernah⸗ men. Anſcheinend fuͤgten ſie ſich deshalb in Alles, doch Leonardo eilte ſchnell in das Kloſter, den wuͤrdi⸗ gen Lehrer davon zu unterrichten, daß er ihnen helfe, und Antonio uͤbernahm es mit dem Marcheſe und dem Grafen zu ſprechen. Allein des Marcheſes lei⸗ denſchaftliches Gemuth ward nur noch daruͤber ent⸗ ſlammter, daß Camilla ſchon liebe; ſeine Gluth haßte in Leonardo von nun an nur den beguͤnſtigten Nebenbuhler und er erkannte nicht deſſen heilige Rechte der Liebe; Graf Savanetti aber hielt die Ge⸗ füͤhle ſeiner Tochter und Leonardos nur fuͤr kindiſche Tändelei; denn die Politik erkennt keine andere Re⸗ gung, als das Streben nach erhoͤhtem Glanze und groͤßerer Macht; und da der Marcheſe auf ſofortige Entfernung Leonardos drang, erhielt dieſer auch Be⸗ fehl, eine mehrjaͤhrige Reiſe, angeblich zur Erweite⸗ rung ſeiner Studien, anzutreten. Unter dieſen Um⸗ ſtaͤnden war an keinen Einſpruch zu denken, wenn nicht des Grafen Zorn erregt werden ſollte; nur Fuͤg⸗ ſamkeit in ſeinen Willen mußten ihn ſicher machen, damit die Zeit noch eine mögliche Aenderung des Schickſals der Liebenden herbei zu fuhren vermoͤchte, deſſen Leitung Antonio und Claudia uͤbernahm. Da⸗ her nahm auch Leonardo Abſchied von ſeiner Lieben und war jetzt bereit, Urlaub von dem Grafen Sava⸗ netti zu nehmen. 4. Die ſtumme Verneigung des Marcheſes, der für. jetzt noch guten Grund fand, den Stolz des Grafen 1 zu fröhnen, nahm dieſer nur auf als ihm gebuͤhrend; denn wenn auch ſein Ehrgeiz den Marcheſe als Schwie⸗ 28 gerſohn wuͤnſchte, konnte er ſich doch nicht herablaſ⸗ ſen, dieſen deshalb zu ſchmeicheln; dies war der Feh⸗ . ler in ſeinem Streben; er wollte nur herrſchen; aber da er zum Hofmann nicht war geboren, um dies in⸗ direct zu können, ſcheiterten alle ſeine ehrgeizigen Pläne, und man koͤnnte des Grafen Verfahren ſchwerlich Politik nennen, wenn nicht ſein ganzes Sinnen nur die politiſchen Verhältniſſe des Staates, „ in welchen er lebte, getroffen haͤtten; er wollte ſich emporſchwingen an das Ruder des Staates, aber ſein Stolz hemmte jede Schwungkraft und laͤhmte nur ſeine eigenen Mittel, und ſchreckte ſeine Verbindun⸗ gen ab, die ihre Mitwirkung oft theuer bezahlten. „Es iſt billig,“ fuhr Graf Savanetti nach eini⸗ gen Augenblicken fort und zog die Glocke,„daß ich den Juͤngling freundlich entlaſſe, dies bin ich ſeinem Vater und ihm ſchuldig; er hat mir nie Anlaß 1 zur Unzufriedenheit gegeben während des Aufenthal⸗ tes in meinem Hauſe.“ „Auch ich,“ entgegnete der Marcheſe, ſeine Züge ruhig geſtaltend,„werde mir erlauben, ihn mit meinen beſten Gluͤckwuͤnſchen zu begleiten.“ Auf den Ruf der Glocke trat ein Bedienter ein. „Graf Chiaretti,“ begann der Graf,„iſt zu erſuchen, uns aufzuwarten.“ „Signore,“ verſetzte der Diener,„befahlen mir ſo eben, ihn zu melden.“ 29 „So iſt er willkommen!“ ſagte der Graf, und der Diener oͤffnete Leonardo die Thuͤr zum Eintritt. Mit ſchwerem Herzen hatte Leonardo dieſen letz⸗ ten Abſchiedsgang begonnen; er hatte ſich vorgenom⸗ men, in der Vorausſetzung den Grafen allein zu tref⸗ fen, dieſen, nicht fur ſich, aber fuͤr Camilla um Scho⸗ nung zu bitten; allein ein verſtohlen hoͤhniſch laͤcheln⸗ der Blick des Marcheſes drängte ſeinen Vorſatz zu⸗ ruͤck und auch das kalte Geſicht ſeines Vormundes ließ ihm keine Hoffnung der Gewaͤhrung ſeiner Bitte ſchopfen, ſelbſt haͤtte er des Marcheſes peinliche Ge⸗ genwart als nichtig betrachten wollen. Tiefe Ruhe, in Glauben an eine gütige Vorſehung lag auf Leo⸗ nardos Antlitz und in Ungluͤck Ehrfurcht gebietende Zuͤge, ſo daß des Marcheſes boͤſer Sinn nicht wagte im Hohne zu harren. „Sie haben jetzt die Jahre erreicht, Chiaretti,“ hub Graf Savanetti an,„wo der Staat bald Ihre Thätigkeit in Anſpruch zu nehmen berechtigt iſt; doch hierzu beduͤrfen Sie der Kenntniß der Welt, denn mit bloßer Buͤchergelehrſamkeit und Froͤmmigkeit iſt es nicht abgethan. Ich glaube, daß Antonio einen feſten Grund des Lebens in Sie gelegt hat, und will wuͤnſchen, daß mich mein Glaube nicht taͤuſcht, und ich Sie ſtets als beſonnener Mann, der die Ehre ſeines Hauſes bewahrt, zu achten vermag. Ihr Va⸗ ter hatte ungluͤck, ſo wie ich; aber dies entmuthige 1 Sie nicht, ſondern ſtreben Sie immer nach dem hoͤch⸗ 30 ſten Ziele; denn weichlicher Genuß und bloße Be⸗ wahrung deſſen, was uns geworden in ſteter Zufrie⸗ denheit, erſchlafft die Seele und macht den Menſchen zum Sclaven!“ „Signoria!“ entgegnete Leonardo mit Ruhe, „ich werde Ihre Worte bewahren; aber ſie ſtimmen nicht uͤberein mit meinem Herzen; wollten alle Men⸗ ſchen in ſtetem Ringen nur haſchen nach einem Phan⸗ tom, wuͤrden ſie ſich unter einander zertreten, und nur der Starkſte die Obhand behalten, ohne dennoch das Ziel zu erreichen; denn er haͤtte das ſelbſt zer⸗ nichtet, wonach er rang, die Herrſchaft uͤber andere! aber waͤren dieſe auch blos temporar kraftlos erlegen, er wuͤrde nicht ermangeln, ſie in ſeiner Stärke zu ket⸗ ten, und erſt dann wahre Sclaven erſchaffen. Wer von der Vorſehung nicht zum Herrſcher beſtimmt iſt, iſt darum noch kein Sclav, und es muß auch ſolche Menſchen geben, die in gemaͤßigter Beſonnenheit ihr Leben vollbringen, ohne nach Herrſchaft zu trachten, nur im Glauben an die Guͤte des Hoͤchſten und in dankbarer Anerkennung und Zufriedenheit deſſen, was Gott ihnen beſchieden.“ „Meine Geſchäfte haben mir zu wenig Zeit ge⸗ laſſen,“ erwiederte der Graf finſter,„ mich mit Ihrer Erziehung zu beſchaͤftigen, und der Einfluß eines le⸗ bensſatten Prieſters ſcheint daher in Ihnen Wurzel gefaßt zu haben. Aber auch ohne Ihre Froͤmmigkeit verwerfen, noch Ihre Worte ſtrafen zu wollen, wer⸗ 31 den Sie doch andere Anſichten bekommen, wenn Sie erſt in des Lebens Stuͤrme treten. Jeder lenkt in ih⸗ nen ſein Schiff, und wer am kuͤhnſten ſteuert, bleibt Meiſter und erreicht das Land ſeiner Wuͤnſche.“ „Wenn das Auge Gottes wohlthaͤtig auf ihn ruht,“ verſetzte Leonardo beſcheiden,„Ja! Aber iſt ſein Beginnen Frevel, zerſchellt das Schiff an der Klippe ſeines Strebens, und verſinkt mit ihm in das Meer ſeiner Schuld.“ „Graf Chiaretti,“ bemerkte der Marcheſe hinwer⸗ fend,„ſcheint fuͤr das Kloſter erzogen.“ „Ich kann Ihnen dies nicht anrechnen,“ ſagte Graf Savanetti mit eiſiger Kaͤlte, von der Bemer⸗ kung des Marcheſes keine Notiz nehmend,„denn Sie ſind nur der Wiederhall der Stimme Antonios und darum kein Wort weiter. Sie reiſen morgen und werden mir von Zeit zu Zeit berichten, und meine Verordnungen befolgen, bis ich Sie einſetzen kann in die mir von Ihrem Vater anvertrauten Guͤter. Ein triumphirendes Zucken umſpielte den Mund des Marcheſes, und eben wollte er einen zweideuti⸗ gen Gluͤckwunſch auf die Reiſe an Leonardo richten, als der Garf fortfuhr:„Sie wgren ſeither in mei⸗ mem Hauſe ein ſtiller, beſcheidener Gaſt, Graf Chia⸗ retti, und meiner Tochter ein Bruder, und meiner Schwägerin faſt Sohn; ſie hat mir nur immer Gutes von Ihnen berichtet; dies iſt zu ehren und deshalb 32 ſoll Ihnen auch ein Abſchied von Beiden nicht ge⸗ wehrt werden.“ Mit dieſen Worten zog der Graf wieder die Glocke, und befahl dem eintretenden Diener, Camilla und Claudia zu ihm einzuladen. „Meine Braut,“ begann der Marcheſe zu Leo⸗ nardo,„wird Sie gewiß mit den beſten Gluͤckwuͤn⸗ ſchen begleiten, und auch ich gebe Ihnen die Mei⸗ nigen fuͤr die Dauer Ihrer Reiſe; und wenn Sie zuruͤckkehren, bitte ich um die Ehre Ihres Beſuches, um an mein und meiner Gattin Gluͤck Theil zu neh⸗ men. Es muß Ihnen wohl ſein,“ ſetzte er hinzu mit einem ſchadenfrohen Blick die ruhige Faſſung Leo⸗ nardos zu zerſtoͤren ſuchend,„Ihre geliebte Schwe⸗ ſter in meinen Armen die Wonne des Lebens ge⸗ nießen zu ſehen.“ „Ich werde ſtets den wärmſten Antheil an ih⸗ rem Schickſale nehmen,“ entgegnete Leonardo, ohne ſich irritiren zu laſſen,„ſie iſt eines wuͤrdigen Man⸗ nes wuͤrdig, und es ſollte mich ſchmerzen, wenn das Verhaͤngniß etwas anderes uͤber ſie beſchloſſen hätte.“ „Wie ſoll ich das verſtehen, Graf!“ fragte Gi⸗ rolani ſchnell, und ſeine gelbrothen Augen gluͤhten. „Nur wie ich es meinte, Marcheſe!“ verſetzte Leonardo ſeine Ruhe behauptend. „Sie ſind zu ſtuͤrmiſch, Girolani,“ nahm Sa⸗ vanetti das Wort, durch die Gelaſſenheit Leonardos irre gefuͤhrt und darin nur ſeine eigene berechnende 33 Kälte erblickend,„ich finde es natuͤrlich, daß ein ed⸗ ler Juͤngling der eblen Jungfrau einen wuͤrdigen Mann wuͤnſcht.“ In dieſem Augenblick traten die Damen ein und der Graf fuhr fort:„Graf Chiaretti wird uns mor⸗ gen auf laͤngere Zeit verlaſſen, und ich ließ Euch rufen, um ihm Lebewohl zu ſagen.“ Mit unterdruͤcktem Grimm verneigte ſich der Mar⸗ cheſe gegen die Eintretenden; auch Leonardo zollte ihnen ſeine Ehrerbietung in banger Gelaſſenheit; bis⸗ ijetzt hatte er ſich ſtark gefuͤhlt und dem Hohne und der Kaͤlte gegenuͤber ſeinem Herzen getrotzt; aber der Anblick des ungluͤcklichen Opfers des Glanzes machte ihn wanken. Doch nur fuͤr wenige Augenblicke; ſein Glaube fluͤſterte ihm Stärkung zu, und ermahnte ihn, nicht in Gegenwart der Veraͤchter der heiligſten Ge⸗ fuhle an ihn zu zweifeln. Feſt ſchritt er daher auf Claudia zu, fuͤhrte ihre Hand an ſeine Lippen und ſprach einige Worte des Dankes fur die ihm ſeither bewieſene Guͤte; ſodann kußte er die Hand Camil⸗ la's und bat ſie, ihre ſchweſterliche Liebe ihm zu be⸗ wahren, im reinen Glauben zu beharren, und ſich herrlich zu zeigen, ſtets der Verehrung wuͤrdig, und ſagte Beiden geruͤhrt Lebewohl!— „Glaube auch Duz“ ſagte Claudia bewegt,„un⸗ ſer Gebet ſoll Dich begleiten; wandle ſtets im wah⸗ ren Glauben der heiligſten Kirche, und auf dem 1 3 34 Wege der Tugend, und gedenke unſerer liebend in der Entfernung.“ Auch Camilla hatte ſich gefaßt, um die Ceremo⸗ nie ſtandhaft zu ertragen, denn als ſolche wurde der jetzige Abſchied Leonardos von den Damen nur be⸗ trachtet, da der Graf ihn aus keinem andern Gefuͤhle angeordnet haben konnte, als die Etiquette ſeines Hauſes nicht zu verletzen, auf die er ſtreng hielt. Aber Camilla ſprach nur die drei Worte, wie Leo⸗ nardo ihr die Hand kuͤßte:„Glaube, liebe, hoffe!“ und begleitete dieſelben mit einem leiſen Druck ihrer Rechten, der den Juͤnglig troſtreich durchfuhr. Gluͤhend betrachtete der Marcheſe alle Bewegun⸗ gen der Damen und Leonardos; ſein Inneres tobte; denn er durchſchaute die Maske der Abſchiednehmen⸗ den und kannte ſich zu wohl, um ſeine eigene Nie⸗ drigkeit in der Erhabenheit ihrer Mienen zu leſenz doch er zaͤhmte ſeine Wuth, um den Stolz des Gra⸗ fen nicht zu beleidigen, denn dieſer war befriediget, wenn er ſeinen Ehrgeiz gekroͤnt und ſeine Befehle befolgt ſah; ob daruͤber die Herzen zerſprangen, kuͤm⸗ merte ihn nicht; aber er duldete dann auch keine Beleidigung der Folgſamen, weil er darin ſeinen Willen angetaſtet waͤhnte, und deshalb nahm er auch jetzt von dem Anklang der innern Saiten Claudias, Camillas und Leonardos, wenn er ſie ja toͤnen zu hoͤren im Stande war, keine Kenntniß, und befrie⸗ digte nur, was er dem aͤußerem Anſtand glaubte 35 ſchuldig zu ſein, und in dieſer Art wuͤnſchte auch er Leonardo gluͤckliche Reiſe. 5. Der fromme Pater Antonio hatte ſich von ſei⸗ ner Kniee erhoben; ſein heißes Gebet hatte ihn ge⸗ ſtärkt, wie ſchon oftmals in den ſchweren Drangſa⸗ len ſeines duldenden Lebens; auch er war ein Opfer der Liebe, und ſein Herz wußte daher die Schmer⸗ zen Leonardos zu wuͤrdigen, und der Abſchied von dem Juͤngling ergriff ihn tief, und offnete blutend die al⸗ ten, nie vernarbenden, brennenden Wunden. In ſeine Hände hatte Leonardo die Errettung Camillas gelegt, und er hatte gelobt zu thun, was er vermoͤchte; aber er zweifelte ſelbſt daran, dem Juͤngling die Braut zu erhalten, wenn nicht Gott ſie durch ein Wunder errette; denn er kannte ihres Vaters eiſigen Sinn nur zuwohl, als auf die Hoffnung zu bauen, ihn durch Bitten, Gruͤnde und Ermahnungen zu be⸗ wegen, die Verbindung mit dem Marcheſe ruͤckgaͤn⸗ gig zu machen. Eins ließ nur Hoffnung ihn blicken, und ſein Wort hielt er gern.„Gott iſt ſtark,“ ſagte er,„und thut Wunder durch ſeine Kraft, die ſeine Macht verkuͤndigen; vielleicht gelingt es auch mir fuͤr Leonardo jetzt auszuwirken, was des Hoͤchſten Weisheit für mich nicht zutraͤglich fand; der Name des Herrn ſei gelobt!“ 3* 36 Einige Tage nach Leonardos Abreiſe ließ ſich Antonio bei dem Grafen Savanetti melden. „Was wollt Ihr, frommer Vater,“ begann der Graf, der eben die bluͤhenden Anlagen der Villa ſinnend durchſchritt;„Ihr ſeid willkommen, doch hoffe ich, daß Ihr mir diesmal nicht naht, um meine Plaͤne zu durchkreuzen.“ „Graf“ verſetzte Antonio,„wir kennen uns ſchon über dreißig Jahre, und wenn ich mir dieſe Zeit zu⸗ ruͤckrufe und erwaͤge, wie ſtets Ihr gehandelt, ſollte ich wohl zweifeln, auf einen beſſern Weg Euch noch fuhren zu koͤnnen; aber noch einmal will ich es ver⸗ ſuchen, ob wirklich alle Gefuͤhle, die zart und in hehrer Wonne das Herz durchbeben, in dem Eurigen erſtarrten, oder ob ich es nicht jetzt noch vermag, die eiſige Huͤlle zu loͤſen. „Spart in dieſer Angelegenheit Eure Worte,“ entgegnete der Graf finſter, die buſchigen Braunen zu⸗ ſammenziehend,„mein Entſchluß ſteht unwandelbar feſt, wie die Sonne am Himmel. Ihr ſeid alt und uberſatt des Lebens, niedrig geboren, kennt Ihr nicht die Anſpruͤche, die in den Herzen des hohen Adels wohnen und Eure kloͤſterliche Einſamkeit und gott⸗ ergebener Wandel, hat Euch abgeſtumpft fuͤr die Be⸗ dürfniſſe des Lebens, die uns nothwendig ſind, ſelbſt koͤnntet Ihr ſie mit uns fuͤhlen.“ „Was nennt Ihr fuͤhlen, Graf,“ erwiederte An⸗ tonio,„iſt es der Kitzel, wenn Ihr Großen der Erde 37 von Gold und Silber und Damaſt und Seide ſchwelgt, oder Euch in Sammet, vielleicht gar in Purpur, ver⸗ braunt mit Hermelin, kleidet, und üͤber Heere from⸗ mer Menſchen gebietet, die vor dem Wink Eurer Haͤnde, Eurer Augenlider und bereit ſtehenden Scher⸗ gen zittern? oder iſt es der Kitzel, daß Ihr Euren armen Unterthanen erſcheint wie die Strafe Gottes, daß Ihr ihren ſaueren Schweiß verpraßt und ſie zwingt, Euch Palaͤſte zu bauen, um bald dort oder dort nach Eurer Laune leben zu koͤnnen in ſchwelgen⸗ dem Ueberfluß, und daß Ihr dieſe Armen, wenn ſie Euren Hunden nicht gehoͤrig den Hof machen, geißelt und peinigt und einſperrt in feuchte Hoͤhlen, oder vielleicht gar mit dem Tode beſtraft? oder ſind die Todeszuckungen dieſer Elenden Eure Gefuͤhle?“—— „Pfaffe!“ donnerte der Graf, und ſeine Augen rollten, als wollte er mit ihnen den Redner ver⸗ nichten. „Prieſter des hoͤchſten Gottes und ſeiner heiligen Kirche bin ich,“ verſetzte Antonio mit ehrfurchtsvoller Wuͤrde,„und Ihr ſeid Graf und Gebieter uͤber Land und Leute: aber bin ich auch nur ein ſchwacher Knecht Gottes, gab mir der Herr doch die Kraft, furchtlos den Großen der Erde entgegen zu treten. Meine Sendung iſt heilig, denn ſie beruht auf der Liebe, und Gott iſt die Liebe! Glaubet an ſie, Graf, und laßt ihr heiliges Feuer ſtroͤmen in Euer Herz, und dann ſprecht mit mir von Gefuͤhlen!“ 38 „Ich halte mich nicht berufen,“ entgegnete der Graf wieder kalt,„noch in meinen bejahrten Tagen einer thörigten Leidenſchaft Gehoͤr zu geben; und nun laßt uns abbrechen; ich wuͤnſche nicht unangenehm und hitzig gegen einen Diener der Kirche zu werden.“ „Dies liegt in Eurem Glauben,“ ſagte Antonio ſanft,„daß Ihr die Knechte Gottes achtet, und wohl dem, der des Herren Wort verehrt; denn es heißt: was du dem geringſten meiner Knechte thuſt, haſt du mir ſelbſt gethan.— Entſpringt Eure Achtung fuͤr einen Diener der Kirche nun aber wirklich aus reinem Glauben, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Euch auch fuͤr die Liebe empfaͤnglich zu machen; denn die Liebe, Graf, iſt keine Leidenſchaft, ſie iſt das erhabenſte, reinſte und heiligſte Gefuͤhl der menſchlichen Herzen; wer ſie fuͤr Leidenſchaft haͤlt, iſt keiner Liebe faͤhig, in ſeinen Adern quillt nur Be⸗ gierde. Die Leidenſchaft wird nur vom fluͤchtigen Augenblick erzeugt; iſt ſie geſaͤttiget, verfliegt ſie, wie ihr Erzeuger; doch die Liebe iſt ewig, ſie iſt Gottes Character! Darum glaube und liebe, und die Hoff⸗ nung iſt Dein Erbtheil!“ „Das iſt alles recht gut, frommer Vater,“ ent⸗ gegnete Graf Savanetti,„aber wozu ſoll das; mei⸗ nem Glauben wird hoffentlich Niemand etwas vor⸗ werfen koͤnnen; ich ehre die Kirche und ihre Diener, und ſind wir in der Liebe verſchieden, liegt dies in unſerer Geburt; ich liebe die Groͤße, und Ihr liebt 39 weichliche Gefuͤhle, die ſich in Euer Herz druͤckten in Euren jungen Jahren, und die die ſtrengen Andachts⸗ uͤbungen und Euer heiliges n auch jetzt noch nicht ganz verwiſcht zu haben ſchelnen. Fühlen wir daher auch nicht fuͤr ein und daſſelbe, koͤnnen wir. darum doch beide fuͤhlen.“ „Nein, Graf,“ erwiederte der Pater,„Ihr fuͤhlt nicht; Euer Gefuͤhl iſt blos ein eitler Kitzel der Sinne, denn Ihr Großen achtet nicht die Gefuͤhle der Men⸗ ſchen, wie ſie in deren Herzen zaͤrtlich entkeimen, ſon⸗ dern ſucht ſie zu zertreten zur Befriedigung Eurer Luͤſte und Erhoͤhung des Glanzes Eurer Umgebung; und aus dieſem Grunde iſt Eure Liebe kein morali⸗ ſcher Trieb der Natur. Nur der, welcher die Men⸗ ſchen liebt um ihrer Selbſt willen, in dem der Glaube liebend ausſtroͤmt, nur der kennt die Gefuͤhle der Liebe gegen ſeinen Näͤchſten. Doch wollt Ihr mich uͤberzeugen, daß der Herr wirklich dieſen himmliſchen Glauben, dieſe Fuͤlle ſeines Ichs in Euer Herz ge⸗ goſſen hat; ſo werdet Ihr auch die Gefuͤhle Eurer Tochter ehren; ſie liebt mit der ganzen Staͤrke ihrer ſchoͤnen Seele, und wird geliebt mit heiliger Vereh⸗ rung, faſt mehr wie der Menſch ſich wohl ſollte an Irdiſches ketten; und wollt Ihr mir beweiſen, daß Ihr fuͤhlt, ſo gebt Eure Camilla dem Grafen Leo⸗ nardo Chiaretti!“ „Mann Gottes,“ ſagte der Graf mit einem ſchnei⸗ ſ denden Lächeln,„Ihr verlangt einen unmöglichen Be⸗ 40 weis und eine ſtaͤrkere Ueberzeugung, wie St. Tho⸗ mas. Camilla iſt dem Marcheſe verſprochen, und ich kann ſie nicht g em Grafen Chiaretti geben; Beide wuͤrden ſich Kicht lange neben einander dulden.“ „Ihr habt Camilla verſprochen, ohne ihr Herz zu befragen, Graf,“ verſetzte Antonio,„und Ihr habt nicht die aͤltern Rechte Chiarettis beruͤckſichtiget; jetzt iſt er fort und Ihr duͤrft nichts mehr von ihm be⸗ fuͤrchten, und Ihr wuͤrdet dies auch nicht noͤthig ha⸗ ben, waͤre er noch hier, denn ſeine Gottesfurcht wuͤrde ihm ſelbſt in der Naͤhe das Schreckliche tragen hel⸗ fen und ſein Glaube ihn ſtaͤrken; doch iſt es, ſo wie es iſt, noch beſſer, er ſieht wenigſtens nicht die Lei⸗ den der Geliebten, wenn er ſie auch in der Entfer⸗ nung fuͤhlt und die Trennung ihn ſchmerzt. Aber Graf, er hat heilige Rechte an Camilla, ſie war eine kranke, ſchon in der Knospe hinwelkende Blume, ſein Athem hat ſie erfriſcht, ſein Geiſt ihre Seele be⸗ lebt und ſein Koͤrper ihren Koͤrper geſtaͤrkt durch ſeine Naͤhe; ſeine liebe, zaͤrtliche Sorge fuͤr ſie, hat ſie er⸗ quickt, wie der Mairegen die junge Saat, faſt ver⸗ dorrt von brennender Sonne, daß ſie uͤppig empor ſproſſe; und er hat ſie bewahrt in treuer Pflege, wie der Kuͤnſtler ſein Bild ſchuͤtzt vor jedem Staͤubchen; ſo er ſie vor ſcheinend drohenden Gefahren. Rein war ſeine Liebe, wie die des goͤttlichen Meiſters zu ſeiner jungfraͤulichen Mutter, und ſo nach haͤtte er wohl verdient, vor jedem Andern, daß er ſie auch 41 liebe wie der Juͤngling ſeine Geliebte, und wie der Mann das Weib, wenn die Kirche geſegnet ſie Beide.“ „Moͤglich,“ entgegnete Savanetti,„daß Chiaretti Einfluß geuͤbt auf Camillas vollkommenerer Entwick⸗ lung, doch wer muͤht ſich nicht vielmals im Leben umſonſt, und Andere nehmen, was ihm gebuͤhrt; mir iſt es oft ſo ergangen, frommer Vater, und was Ca⸗ millas Herz anbetrifft, ſo kann nur ich daruͤber be⸗ ſtimmen, ſie iſt mein Fleiſch, und dies vergebe ich nach meiner Einſicht.“ „Verkaufen wollt Ihr es, Graf!“ verſetzte An⸗ tonio,„wolltet Ihr wuͤrdig vergeben, was Gott Euch vertraut, duͤrftet Ihr nicht Wucher treiben mit Eurem Kinde, und die Gefuͤhle deſſelben verſpotten; es iſt kein eitles Gold, Eure Camilla, ſondern ſie iſt ein theueres Pfand von Gottes Liebe, Euch von ihm ge⸗ geben zur ſeligen Freude, daß Ihr in ihr ſeine Guͤte verehrt.“ „Des Kindes Pflicht iſt, den Eltern gehorſam zu folgen!“ „So lange die Eltern des Kindes Moral nicht zu zerſtoͤren ſuchen, Graf, ja! Aber es iſt auch Pflicht der Eltern fuͤr das Wohl ihrer Kinder zu ſorgen und ſie nicht der Verzweiflung preiszugeben fuͤr das ganze Leben. Der Herr legte in Eurem Kinde ſeine Liebe und die muͤßt Ihr ehren um Gottes Willen; denn das Kind iſt kein Marmorbild, daß der Kuͤnſt⸗ ler verkauft, um den hoͤchſten Preis, oder zerſtört 42 nach ſeinem Belieben. An Gottes Thron muͤßt Ihr Rechenſchaft geben von Eurem Kinde und dort wird das Kind Euch entgegen treten mit den Schmerzen und Qualen im Antlitz, die Ihr jetzt ſeinem Herzen verurſacht und worin Ihr ſein Daſein ſucht zu be⸗ graben; dann werdet Ihr erkennen, was Ihr hier verſpottetet und der Herr wird Euch richten nach den Leiden Eures Kindes! Der Glaube an eine Vergel⸗ tung muß Euch ſchon hier eiſig durchſchuͤtteln!“ „Glaubt Ihr mich damit zu kirren, frommer Vater, ſo irrt Ihr Euch. Mein Glaube ſagt mir, daß Camilla mir Pflicht ſchuldig, und dieſe Pflicht nehme ich in Anſpruch, ich ſorge dadurch fuͤr ſie, wie ich fur das Beſte es halte; denn die weichlichen Ge⸗ fuhle beruhen in ihrer Einbildung und in der Ge⸗ wohnheit des Umganges mit Chiarettiz iſt ſie des Marcheſes Gemahlin, wird ſich das geben, und die augenblickliche Veraͤnderung der Perſonen, die Ihr Schmerz und Qualen zu ernennen beliebt, in der neuen Gewohnheit nur mit Freude auftauchen.“ „Der Marcheſe, Graf, iſt nicht der Mann, der Camilla einen Chiaretti vergeſſen machen koͤnnte, ſelbſt wenn ich ſeine Perſoͤnlichkeit hier gar nicht wollte beruͤhren; ich kenne den Marcheſe Girolani beſſer, als Ihr, und ihr wißt, es iſt nicht meine Art Ver⸗ läumdung zu pflegen; aber Wahrheit iſt keine Ver⸗ làumdung und es iſt hier nothwendig, daß ich ſeinen Character Euch aufdecke. Er iſt falſch, Rache duͤr⸗ 43 ſtend und blutgierig; ſein Glaube iſt nur der Genuß, den er um jeden Preis ſich erkauft und wenn er ge⸗ ſaͤttigt, tritt er die zarteſten, heiligſten Gefuͤhle mit Fuͤßen. Er wird Eure Camilla zerknicken und ſie wegwerfen, wie der Knabe das zerbrochene Spielzeug, ſobald ſie den Reiz der Neuheit fuͤr ihn verloren, und doppelter Schmerz muß dann in ihrem Buſen wuͤhlen, daß der Zerſtoͤrer ihres Gluͤckes, auch ſie ſelbſt noch verſpottet! „Wie!“ fuhr der Graf auf,„koͤnnt Ihr das be⸗ ſchwoͤren, Antonio? Huͤtet Euch vor Verlaͤumdung!“ „So hoch Ihr wollt, beſchwoͤre ich meine Aus⸗ ſage,“ verſetzte der Pater,„und baͤnde mich nicht die Pflicht, ich koͤnnte noch mehr Euch entdecken, doch, was ich Euch mittheilen kann, ſollt Ihr wiſſen.“ Ein leiſes Rauſchen im nahen Gebuͤſch verrieth ihnen, daß ſie nicht allein ſeien: doch der Graf war aufmerkſam geworden auf die Worte Antonios und verlangte die Fortſetzung ſeiner Rede. „Ich will Euch gewaͤhren,“ ſagte der Pater, „doch kommt, wo uns Niemand behorcht!“ Und ſie gingen in die Villa in das Zimmer des Grafen. 6. „Beginnt, ehrwuͤrdiger Vater,“ begann der Graf geſpannt, den Greis mit der Hand zum ſitzen auf weiche Poſter einladend, denn die Warnung des 44 weit und breit vom Volke als heilig verehrten, from⸗ men Paters hatte Eingang in ihm gefunden, und wenn er ſie auch aus keinen andern Gruͤnden beruͤck⸗ ſichtigt haben wuͤrde, als ſich vielleicht gegen den Mar⸗ cheſe nicht ſelbſt bloszugeben, und aus Beſorgniß, ſeine Tochter unnuͤtz zu ofern, und dann abermals ſeine ehrgeizigen Plaͤne ſcheitern zu ſehen, ſo war doch gerade dies fuͤr ihn Hebel genug, etwas Naͤhe⸗ res von Antonio uͤber den Character des Marcheſes Girolani zu erforſchen zu ſuchen und Geheimniſſe zu entdecken, die vielleicht einen Prieſter nur unter dem Siegel der Beichte anvertraut waren;„ich vertraue Eurer Gottesfurcht, daß Ihr mich mit Wahrheit be⸗ richtet, denn der Luͤgner iſt dem Herrn ein Graͤuel!“ „Was ich Euch vertraue, Graf, ſchoͤpfte ich aus der Seele eines verirrten Schafes von Gottes Heerde, ſchon hatte es die Natur des reißenden Wolfes an⸗ genommen und viel Blut vergoſſen; doch der Herr ſchlug ſeinen Leib und ſein Gewiſſen und hatte mich niedrigen Knecht dazu auserſehen, es wieder in Got⸗ tes Liebe auf die Bahn des Guten zu lenken. Reuig kehrte es zuruͤck und buͤßte ſeine Frevel, und der Herr wird ſeinen Glauben ſtaͤrken. Vernehmt denn: Marcheſe Girolani hatte ſeit mehreren Jahren einen eigenen Bravo im Solde, der ſeine Rache durch Blut ſaͤttigte und die Opfer ſeiner Luͤſte ſchlachtete, ſobald der Wuͤſtling ihrer uͤberdruͤſſig war, und die er durch Falſchheit und Heuchelei fuͤr ſich wußte zu 45⁵ gewinnen. Dieſen boͤſen Diener ſtrafte Gott durch Laͤhmung ſeiner Glieder und der Hoͤchſte ließ mich ihn finden im Elend, und erleuchtete meine ſchwa⸗ chen Kenntniſſe von der Kraft der Kraͤuter und ih⸗ rer Zubereitung als Medicin fuͤr Kranke, und ließ mich ihn heilen. Ich wußte nicht, welchen Tieger ich pflegte, doch haͤtte ich es auch gewußt, meine Sor— ge wäre nicht minder geweſen, denn die heilige Kirche iſt reich an Gnade und dem reuigen Suͤnder wird gern vergeben, und je groͤßer die Schuld des Verirr⸗ ten, deſto mehr Gnade gießt der Herr auf die, die den Schuldigen bekehrten und zuruͤckfuͤhrten zur from⸗ men Heerde Gottes, dem Hoͤchſten in Demuth zu dienen. Als nun der Menſch genaß von ſeiner Krank⸗ heit und den gottſeligen Wandel der Unſerigen, und die frommen Andachtsuͤbungen ſahe, oͤffnete ſich ſein Herz und er erkannte ſeine Verworfenheit und beichtete mir ſeine Suͤnden. Schaudernd ſind die Thaten, die er ſchon vollbracht und die groͤßtentheils ruhen auf dem Marcheſe; doch ſein Inneres war ſelbſt zer⸗ ſchmettert davon, und nachdem er reuig Beſſerung gelobt, vergab ich ihm ſeine Frevel im Namen des Herrn und goß Troſt in ſeine Seele und fuͤhrte ihn wieder ſeinem Gott zu auf die Bahn des wahren, reinen Glaubens. Hierdurch ward er mein eigen und hatte kein Hehl mehr vor mir; denn ich war ihm werther geworden, wie ihm ſein Vater war geweſen und ich freute mich, ihn gerettet zu haben.“ 46 „Weiter, weiter!“ ſagte Savanetti, und es ſchien als fuͤhle er wirklich die Naͤhe des Abgrundes, in welchen er ſeine Camilla bereit war zu ſtuͤrzen und ſchaudere zuruͤck vor der klaffenden, graͤßlichen Tiefe. „Genug, Graf,“ verſetzte Antonio,„das Uebrige ward mir unter dem Siegel der Beichte vertraut; die Opfer ſelbſt kann ich nicht nennen.“ „Koͤnnt Ihr nicht nennen!“ wiederholte der Graf wieder kalt,„und doch ſoll ich Euch vertrauen, ohne hinlaͤnglichen Beweis und Beurtheilung der Vergehen? Frommer Vater, ſie erſcheinen vielleicht Euch blos ſo groß, weil Gott Euch eine weiche Seele gegeben, denn waͤren ſie wirklich ſo ſchrecklich, warum uͤberliefert Ihr den Marcheſe nicht dem Arm der Ge⸗ rechtigkeit, um ihn zu ſtrafen und unſchaͤdlich zu ma⸗ chen fuͤr kuͤnftige Faͤlle?“ „Dann muͤßte ich auch meinen Pflegling hin⸗ geben,“ entgegnete Antonio,„aber er iſt noch nicht reif vor Gottes Thron zu erſcheinen; ein langes buͤßendes Leben muß ihn erſt noch voͤllig mit dem Herrn verſoͤhnen, damit er Gnade findet im ſtrengen Gericht. Und fuͤr kuͤnftige Faͤlle iſt geſorgt; ſo wie der Marcheſe wieder mordet, wird er ohne Schonung der Gerechtigkeit uͤberliefert, aber ich fuͤrchte nur, daß er zu hoch ſteht, um die verdiente Strafe auch wirk⸗ lich zu empfangen; denn leider iſt bei uns keine Gleichheit vor dem Geſetze! und die Geſetze ſelbſt liegen an Schlaffheit darnieder und werden in ihrer 47 Schwäche gewandt nach den Raͤnken ihrer liſtigen, gewiſſenloſen Vollzieher!“ „Antonio,“ entgegnete Savanetti faſt zutraulich, ſogleich das Lieblingsthema von ihm auffaſſend,„Ihr kennt die Maͤngel unſerer Verfaſſung im Staate eben ſo gut, als ich; doch ſind die Menſchen nicht ſelbſt an ihr Schuld, und werden ſie nicht von ihrer eige⸗ nen Kraftloſigkeit niedergebeugt? Ihre Seelen ſind erſchlafft unter dem Drucke ihrer ihnen angeboren wer⸗ denden Tyrannen; geduldig beugen ſie den Nacken dem Sohn, worauf der Vater getreten und ſteigt auch augenblicklich der Sinn fuͤr eine hehre Freiheit in ihnen empor, iſt dies doch nicht von Dauer; die Furcht vor den Schergen läßt ſie bald wieder zu⸗ ruͤckſinken in ihre alte Lethargie und ſie tragen un⸗ wuͤrdig ihr Leben in Knechtſchaft, wie Sclaven. Waͤ⸗ ren die Plaͤne ſo mancher gegluͤckt, es ſtaͤnde an⸗ ders um Recht und Freiheit! Aber die Kirche ſelbſt unterdruckte dieſe, denn auch ſie geht Hand in Hand mit den Unterdruͤckern des Landes, und hält die Menſchen im blinden Glauben gefangen!“ „Laſſen wir das, Graf,“ ſagte der Pater, und leiſes Laͤcheln umſpielte ſein blaſſes Geſicht,„in die⸗ ſem Punct werden wir ſchwerlich uͤbereinkommen, und daher iſt es beſſer, daß wir ihn nicht erſt beruͤh⸗ ren; wer zum Regieren geboren, der ſollte mit Weis⸗ heit regieren, und wer zum Gehorchen geſchaffen, der ſollte mit Weisheit gehorchen. Leider iſt Beides in 48 allen Ländern nicht der Fall, wenigſtens nur ſelten bei einzelnen Perſonen zu finden, und daraus ent⸗ ſpringt die ſchreckliche Krankheit der Voͤlker; aber deshalb iſt noch Niemand berechtigt, durch Blut eine Herrſchaft zu ſturzen, die bei vernuͤnftigerer Leitung ſich vernuͤnftiger und ſegensreicher koͤnnte entwickeln, denn Blut erzeugt nur wieder Herrſchaft, und nur der wahre Glaube kann ſanfte, gerechte Regierung gebaͤren.“ „Nun der wahre Glaube kann fanfte, gerechte Regierung gebaͤren!“ wiederholte Savanetti zweideu⸗ tig.„Und dadurch wollt Ihr beweiſen, frommer Va⸗ ter, daß nur die Kirche zur Herrſchaft geboren und dem heiligſten Vater in Rom die Unterthaͤnigkeit gebuhre der ganzen Erde. Freilich wohl, die Völker koͤnnten nichts kluͤgeres thun, als ſich unbedingt dem Haupte der Chriſtenheit unterwerfen, wenn ſie in ewi⸗ ger Lethargie ihr Leben wuͤnſchten zu verbringen.“ „Wir wollen nicht wieder bitter werden, Graf Savanetti,“ fiel dieſem Antonio in die Rede,„Ihr kennt meine Grundſatze zu ſehr, als mich zu beſchul⸗ digen, ich finde durchweg die Herrſchaft der Paͤpſte fuͤr gut, und ſeid auch zu klug, um meine Worte nicht verſtanden zu haben. Ebenſo iſt es nicht Zweck meines Hierſeins mich um Staatspolitik mit Euch zu ſtreiten, ſondern meine Bitten ſollen nur in das Herz eines Vaters dringen, daß er ſein Kind nicht opfre dem augenblicklichen Glanze, der es zu zertre⸗ ten droht, damit Vater und Kind durchwandeln des 49 Lebens ſteinigen Weg im vertrauenden Glauben an Gottes Guͤte, und nicht in Eurem eiſigen Willen ſeine Liebe werde begraben. Denn der Menſch iſt leider zu ſehr geneigt, die Vorſehung zu ſchwaͤchen, wenn er von ſeiner boͤſen Saat giftige Fruͤchte nur erntet.“— Heilige Zuͤge hatten ſich in das Antlitz des Pa⸗ ters gepraͤgt und ſeine milden Blicke ſtrahlten in Wuͤrde aus den greiſen Wimpern und trafen die ſchwarzen Augen des Grafen, als wollten ſie ihnen Sanftmuth einfloͤßen. Das ganze duldende Leben Antonios, die Ergebung in ſeine herben Leiden und der fromme, vertrauende Glaube, in welchem er ſein Daſein in Andacht vollbracht, ſo wie die ausgeſtan⸗ denen bittern, gluͤhenden Schmerzen ſchienen ſich in dieſem Augenblicke in ſeinen Zuͤgeln zu ſpiegeln und geboten eine ehrfurchtsvolle Verehrung: So ſtrahlt das Haupt eines Heiligen, der fuͤr ſeinen Glauben litt und ſtarb, und den uns Guido Reni zur ſtum⸗ men Anſtaunung durch die Macht ſeines Pinſels zau⸗ briſch vor die Seele gefuͤhrt. Nur wenige Secun⸗ den konnte Graf Savanetti den hehren Blick des Pa⸗ ters ertragen, dann ſenkte ſich der Seinige, als be⸗ kenne er ſein Unrecht, die Wuͤnſche des frommen Mannes nicht laͤngſt ſchon gewillfahrt zu haben; aber doch ließ ſein Stolz es nicht zu, ſich beſiegt zu erklaͤren. „Savanetti,“ hub Antonio wieder an mit ſanf⸗ ter bewegter Stimme,„ſo wie Ihr jetzt die Augen I. 4 5⁰ verbergt, ſo verbarg ſie auch Euer Vater, wie die irdiſche Huͤlle Leonore's eingeſetzt wurde in die Gruft und ihr Geiſt in Verklaͤrung ſchon ſchwebte. Sein Stolz ließ es nicht zu, mir Leonoren, Eure Schwe⸗ ſter, zur Gattin zu geben und er mußte dafuͤr nach wenigen Jahren die Herrliche als Leiche begruͤßen. Moͤchtet Ihr nie dieſen Vorwurf zu machen Euch haben: Moͤrder Eures Kindes zu ſein!— Ich habe Euren Vater vergeben, und auch Leonore bat fuͤr ſein Gluͤck, ſeine Ruhe, in ihren letzten Stunden; aber erinnert Euch des Abſchiedes Eures Vaters von dieſer Welt! und koͤnnt Ihr dennoch Camilla an Gi⸗ rolani vermaͤhlen, dann gab Euch der Schoͤpfer kein Herz, um menſchlich zu fuͤhlen, ein Krokodill nur hat Euch erzeugt und Ihr ſtuͤrzt mit Eurem Kinde Euch ins Verderben!“ Dieſe Worte des Paters ſchienen einen noch tiefern Eindruck auf das Gemuͤth des Grafen Sava⸗ netti zu machen; die Natur behauptete ihr Recht; des Vaters ſchwere Sterbeſtunde durchbebte ſein In⸗ neres und auch der geopferten Schweſter todte Huͤlle umſchwebte ſeinen Geiſt. Aber ſo qualvoll ſolche Bilder auch vielleicht jeden andern beaͤngſtiget und lange bei ihm verweilt haͤtten, traten ſie doch bei Savanetti bald in den Hintergrund, und nur die Beſorgniß der moͤglichen eigenen Taͤuſchung umduͤ⸗ ſterte dann ſeine Stirn. Doch die Reden Antonios hatten Wurzel geſchlagen; die ſtrahlenden Schilder 51 der getraͤumten herrlichen Verbindung ſeiner Toch⸗ ter mit dem Marcheſe umwoͤlkten ſich vor den Au⸗ gen des Grafen mit drohenden Abgruͤnden und er bangte bei dem Gedanken, daß dieſer letzte Griff nach dem glaͤnzenden Phantom, ihm vielleicht eben⸗ falls mißgluͤcken koͤnnte und ihn in ewige Dunkelheit zu werfen vermoͤchte. Sein Entſchluß war gefaßt, aber er kaͤmpfte noch eine ganze Weile, ehe er ſich gegen Antonio aͤußerte, deſſen Blicke in geſpannter Erwartung auf den Grafen ruhten, um aus den Zuͤ⸗ gen ſeines Geſichtes die innerſten Gefuͤhle und Be⸗ wegungen zu ſtudiren. „Euer beſſeres Selbſt ſcheint die Oberhand zu ge⸗ winnen,“ begann der Pater, als ſich die Mienen Sa⸗ vanettis etwas ruhiger geſtalteten,„und wohl Euch, daß Ihr der Stimme Eures Freundes Gehoͤr ſchenkt, dem Euer und Eurer Tochter Wohl am Herzen liegt.“ „Wenn Ihr recht haͤttet, Antonio,“ entgegnete der Graf wie aus einem duͤſtern Traume zuckend erwachend,„ich koͤnnte mich uͤberreden laſſen, Eure Wuͤnſche zu kroͤnen, doch Ihr habt nicht, Ihr koͤnnt nicht recht haben; ſoll ich denn immer nach leeren Trugbildern haſchen und mich nur gemuͤht haben, das ganze Leben hindurch, um mich ſelbſt zu betruͤgen?“ „Sobald Ihr keinen reellern Zweck des Lebens ſucht, Graf,“ verſetzte der Pater, zutraulich Sava⸗ nettis Hand ergreifend,„habt Ihr umſonſt gelebt und Euer Muͤhen war vergebliche Arbeit, darum ma⸗ 4* chet gut, was Ihr noch könnt, huͤtet Euch vor dem Marcheſe und ſchuͤtzt Euch vor Verzweiflung. Eure Camilla wird leiden, aber ihr Glaube wird ſie be⸗ ſchuͤtzen und im Glauben wird ſie entſchweben, wenn Ihr auf Eurem eiſigen Willen beharrt und ſie opfert dem nichtigen Glanze, wonach Ihr ſtets nur geſtrebt in dieſer Welt.“ „Und doch, Antonio, iſt der Werth der Welt nur ihr Glanz, ohne Glanz iſt ſelbſt die Sonne werthlos!“ „Steht ab davon, Graf,“ erwiederte der Pater ſanft,„und Ihr werdet ruhiger ſein in Eurem Her⸗ zen; der Werth der Welt ruht nur in der Bruſt ei⸗ nes jeden Menſchen, iſt er zufrieden mit ſeinem Schick⸗ ſale und ergießt ſich der Glaube in ſein Herz, hat er auch den Werth der Welt errungen und iſt gluͤckli⸗ cher bei ſaurer Arbeit und duͤrftigem Leben, als die Großen in ſchwelgendem Ueberfluſſe, mit belaſteter Seele.“ „Ha! wer iſt mit ſeinem Schickſale zufrieden?“ „Der, welcher in Gott den guͤtigen Vater ver⸗ ehrt, der ſeine pruͤfenden Schlaͤge ohne Murren er⸗ traͤgt, und im Glauben beharrt auch bei verlorener Hoffnung.“ „Gluͤcklich wer dies kann!“ „Der Mann! Er vermag es, wenn ein heiliges Gefuͤhl ihn leitet, und dieſes Gefuͤhl iſt die Liebe!“ „So nehmt denn von mir, Antonio, einſtweilen 53 die Verſicherung, daß ich Eure Worte reiflich erwaͤ⸗ gen werde, und wenn ich gegruͤndet ſie finde, darnach handle.“ „Ihr werdet die Wahrheit finden, Graf, wenn Ihr nur danach ſuchet und Euch nicht blenden laßt durch die ſtrahlende Luͤge! Der Herr erleuchte Euch und ſchenke Euch Frieden!“— Faſt geruͤhrt ſenkte. Savanetti ſein ſtolzes Haupt, als Antonio die Haͤnde erhob ihn zu ſegnen; dann reichte er dem Pater die Rechte, die dieſer herzlich druͤckte und ſich entfernte. 2. Still blutenden Herzens war indeß Leonardo mit ſeinem Mentor in Rom angekommen. Hier war er angewieſen, vorzugsweiſe die Rechtswiſſenſchaft zu ſtudiren, deren Hauptgrund Antonio ebenfalls in ihn gelegt hatte. Denn ehe dieſer ſich fuͤr ſein ganzes Leben in die heiligen Mauern eines Franciscaner⸗ kloſters einſchloß, um in ihnen die Schmerzen ſeiner Seele zu ſtillen, und von dort aus in raſtloſer Thä⸗ tigkeit noch fuͤr die Menſchen liebend zu wirken, die ſeine Gefuͤhle zertraten, hatte auch er ſich dem Stu⸗ dium der Rechte gewidmet gehabt und bereits eine Stellung im Staate bekleidet. Doch ebenſowenig wie ſein Lehrer fortfahren konnte, nach der Zerſtoͤrung ſeiner Liebe ſein Amt zu behaupten, hatte Leonardo Neigung zum Studium des trocknen Rechtes, ſein 5⁴ Geiſt, an und fuͤr ſich zur religioͤſen Schwaͤrmerei geneigt, fand darin keine Nahrung, und niedergedruͤckt durch die Trennung von Camilla, uͤberließ er ſich ganz der Religion, nur in ihr Beruhigung zu finden.— Lange ſchon hatte er gewuͤnſcht, wenn auch un⸗ ter andern Umſtaͤnden, als in ſeiner jetzigen Verban⸗ nung, den praͤchtigen Dom St. Peters zu ſehen, von welchem ihm Antonio und Claudia ſo Herrliches er⸗ zahlten. Jetzt betrat er ihn mit ehrfurchtsvollem Staunen und hinreißenden Gefuͤhlen, er ſchwelgte in dem Anſchau des einzigen Kunſtwerkes und ein hei⸗ liger Schauer durchrieſelte ſein Inneres bei Betrach⸗ tung der Meiſterwerke, womit der Dom ſo reichlich geſchmuͤckt iſt. Aber ſo ſehr er ſich auch in der groß⸗ artigen Pracht des roͤmiſchen Gotteshauſes verlor, und ſo hehr auch die feierlichen Handlungen ſeine Seele durchdrangen, daͤuchte er ſich nicht ganz befrie⸗ diget, er ſuchte etwas, was er dort nicht fand, die Ruhe! Die unzaäͤhligen Gemaͤlde ſtoͤrten ihn, in ihm thronte nur ein Ideal, das zu bewahren er wuͤnſchte, und dort traten ihm zu viel Geſtalten entgegen, die er zwar verehrte und etiſch liebte, aber ſie nicht mit ſeiner Liebe zu Camilla verweben konnte.— Doch einem reinen Gemuͤthe, wie Leonardos, voll frommer Kindlichkeit, konnte es in Rom nicht fehlen, ſeine Sehnſucht zu kroͤnen, und ſo fand er denn auch un⸗ ter den zahlreichen Kirchen der Stadt bald eine, die ſein Streben befriedigte. Es war der ſtille An⸗ 55⁵ dachtsort frommer Carmeliter, die hier im heiligen Glauben den Hoͤchſten verehrten. Schon die Lage der Kirche ſchien eine freundliche Ruhe zu umſchwe⸗ ben und ihr Inneres, in geſchmackvoller Einfachheit, war ganz dazu geſchaffen, ſchwaͤrmeriſche, ungluͤckliche Seelen an ſich zu ziehen, um von den Bildern der Heiligen den himmliſchen Vater, um Troſt und mu⸗ thige Ertragung des ſchmerzenreichſten Lebens zu bit⸗ ten. Fuͤr Leonardo hatte aber dieſe heilige Staͤtte noch etwas Anziehenderes; in einer kleinen angrenzen⸗ den Kapelle traf ſein Auge auf ein Altarbild und feſtgewurzelt blieb es darauf ruhen. Es war die heilige Jungfrau vom Berge Carmel in knieender Stellung vor dem Kreuze des Erloͤſers, allein Leo⸗ nardo glaubte die Zuͤge des Geſichtes ſeiner Camilla zu ſehen, wie er ſie oft betend getroffen in heimathli⸗ cher Kapelle. Von nun an beſuchte er dieſen Ort der Heiligkeit täglich, ſo lange ihm nur geſtattet war, dort verweilen zu können, denn der Zauber, welcher von dem Altarbilde auf ihn ſtrahlte, that ihm wohl, und es daͤuchte ihm, als bete er vereint mit ſeiner Camilla; und wandte er ſich zur Heiligen dann, ih⸗ ren Beiſtand anzuflehen, glaubte er eine Erhoͤhung ſeines Gebetes in ihren gottſeligen Mienen zu leſen und ſeinkkindlicher Glaube goß täglich mehr und mehr Beruhigung in ſein Herz, und ließ immmer mehr und mehr die Hoffnung in ihm entkeimen, Camilla ſei nicht fur ihn verloren, und was er glaubte und hoffte 56 und fuͤhlte, moͤge folgender Auszug ſeines erſten Briefes an Antonio berichten. „Ich bin jetzt, heiliger Vater,“ ſchrieb er unter andern,„in den Mauern der Beherrſcherin der fruͤ⸗ heren Welt, die noch jetzt von ihrer Macht nichts verloren hat, wenn auch ihre phyſiſche Staͤrke ge⸗ laͤhmt wurde. Doch das Phyſiſche iſt ja immer nur von geringerm Werthe, und wird erſt zum Schatze, wenn das geiſtige mit ihm zerſtoͤrt wird, denn nur die Seele lebt in dauernder Glorie und ſchmuͤckt den Koͤrper. So auch Rom, und ſeine Schoͤnheit und Kraft, es iſt der Centralpunct des religioſen Geiſtes der Welt und der Kunſt. Aber Ihr wißt dies ja alles beſſer, wie ich es zu ſagen mich koͤnnte erkuͤhnen, und daher werdet' Ihr mich auch gewiß entſchuldigen, wenn ich nur von meinem eigenen Sein zu Euch rede.— Den Tempel der Tempel, wovon Ihr mir ein ſo feierliches Bild fruͤher gabt, habe ich nun ge⸗ ſehen und mich in ſeiner Herrlichkeit ſtaunend begei⸗ ſtert; ich wurde hingeriſſen von ſeiner Großartigkeit und praͤchtigen Kunſtwerken, und die heiligen Aemter durchſtroͤmten mich mit unnennbarer Macht, aber, ſcheltet mich nicht, es war mir Alles zu erhaben, ich waͤhnte Himmel und Erde vereiniget und verlor mich zuletzt im Unendlichen, ohne Beruhigung zu finden, mein Herz ſehnte ſich nach einem ſtillen, einfachen Heiligthume, um fuͤr Camilla zu beten und mich ganz meinen Gefuͤhlen in ungeſtoͤrter Andacht uber⸗ 57 laſſen zu koͤnnen. Und jetzt habe ich gefunden, was ich vermißte. Eine Kapelle an der Kirche der Car⸗ meliter enthaͤlt fuͤr mich den geiſtigen Schatz meines Lebens, und meine irdiſchen Wuͤnſche hat die Hand eines Kuͤnſtlers dort auf ein Altarblatt gezaubert in der Darſtellung der heiligen Jungfrau vom Berge Carmel, und hierher habe ich verpflanzt meinen Glau⸗ ben, meine Liebe und meine Hoffnung. Die Unruhe, die ſich meiner wieder bemaͤchtiget hatte, iſt aus mei⸗ nem Herzen verſchwunden und der reine Glaube an Gottes unendliche Allmacht laͤßt mich mein Schickſal erträglicher finden, als ich es waͤhnte, jetzt erſt fuͤhle ich ganz, welchen unendlichen Dank ich Euch ſchulde, daß Ihr mich wappnetet mit der Macht des Glau⸗ bens und welche Kraft Eure letzten Worte in mir äußern, und ich glaube nicht zu prahlen, wenn ich Euch verſichere, daß die drei Symbole, die Ihr mir mitgabt, feſt wie die Angeln der Erde in meiner Bruſt eingeprägt ſich haben. Ich bange nicht mehr fuͤr Ca⸗ milla, Gott wird ſie ſchuͤtzen!— Auch dem kal⸗ tem Rechte, welches zu ſtudiren ich her geſchickt wurde, fange ich an wieder Geſchmack abzugewinnen, unter Eurer Leitung war es eine heilige Lehre, und wenn ich auch jetzt fuͤhle, daß ſie uͤberall heilig iſt, werdet Ihr mir doch nicht zuͤrnen, wenn ich mich des Ausdruckes„dem kalten Rechte“ bediene. O warum können ſich nicht ſtets Recht und Gefuͤhl in waͤrmſter Umarmung verſchlingen, und die Pflicht als 58 ſanfte Schweſter liebend begruͤßen? es wuͤrden we⸗ niger Herzen gebrochen und die Menſchen ein gluͤck⸗ licheres Leben genießen. Doch Gott will es nicht, daß es ſo ſei, und ſein Wille geſchehe! Wenn Ihr Camilla ſehet, heiliger Vater, gruͤßt ſie von mir, ich ſelbſt darf nicht an ſie ſchreiben, der Zufall könnte meinen Brief dem Marcheſe in die Haͤnde fuͤhren⸗ und wenn ich ihr auch nur troſtreiche Worte ſchickte, doch zu vielfachen Unannehmlichkeiten fuͤr ſie Anlaß geben, und neue Qualen will ich ihr nicht verurſa⸗ chen, ſie hat deren ſchon zu viel um mich und ich werde ein langes Leben beduͤrfen, um meine Schuld bei ihr abtragen zu koͤnnen, wenn mir Camilla noch vom Himmel beſchieden. Und ich glaube das Beſte! Auch der mutterlichen Claudia, Ehrwuͤrdiger, werdet Ihr mich gewiß gern empfehlen und ihr fuͤr die mir erzeugte Liebe danken, und ich darf Euch Beide wohl nicht an das mir gegebene Verſprechen erinnern, Ca⸗ milla zu erloͤſen ꝛ. Zum Gluck fuͤr Leonardo war der ihm von ſei⸗ nem Vormund mitgegebene Mentor, Rialdi, ein Mann von zartem Gefuͤhle, der die volle, fromme liebende Seele des Juͤnglings zu ſchätzen wußte, und ihn nur durch die Gewalt der vertraulichſten Freund⸗ ſchaft zu lenken ſich bemuͤhte.— Er ſah recht gut ein, das Leonardo in einer Kriſis lag, die durchaus nicht mit Schärfe behandelt ſein wollte, wenn aus ſeinem im Glauben und in der Liebe ſchwärmenden 59 Zoͤgling nicht ein traͤumender, ſchwermuͤthiger Kopf⸗ haͤnger gebildet werden ſollte, und daher ließ er auch Leonardo Anfangs ſo viel Freiheit, als dieſer ſich ſelbſt nehmen wollte, in der Vorausſetzung, daß in dem bewegten Leben Roms des Juͤnglings Seele bald eine andere Richtung annehmen muͤſſe, wenn es ihm gluͤcke, ſich des Vertrauens ſeines Zoͤglings ganz zu bemaͤchtigen.— Mit der groͤßten Vorſicht ging Rialdi daher zu Werke, und Leonardo, der die freund⸗ liche Sorge des Mentors fuͤr ihn nicht verkannte, glaubte es dieſem ſchuldig zu ſein, Freundſchaft um Freundſchaft zu vertauſchen. So gelang es denn Rialdi, den Juͤngling bald wieder fuͤr alles Schoͤne und Große und Erhabene empfaͤnglich zu machen und nach und nach immer mehr an ſeine Studien zu feſ⸗ ſeln, wobei er es doch gern geſtattete, daß Leonardo ſeine uͤbrige Zeit ſeinem Glauben und ſeiner Liebe in der Kapelle der Carmeliterkirche widmete; denn der Menſch muß ein Ideal haben, woran ſein Herz haͤngt, ob gluͤcklich oder unglucklich, gleichviel, es ſpornt ihn in beiden Faͤllen an, nach dem hoͤchſten, reinſten Werth zu ringen und ſchuͤtzt den Juͤngling vor ausſchwei⸗ fender Leidenſchft.— 8. In ſich verſchloſſen war Savanetti mehrere Tage nach der Unterredung mit Antonio verblieben; nichts 60 weiter hatte man an ihm bemerkt, als baß er gegen den Marcheſe ein etwas groͤßeres Ceremoniel beobach⸗ tete und alle ſeine Handlungen und Worte nur noch von einer eiſigeren Kaͤlte durchwebt waren, die ſich mit ſeinem gebietriſchen Stolze vermiſchte, und ſeiner umgebung nur Furcht und Zittern einfloͤßte. Wider ſeine Gewohnheit hatte er auch ſeine ſcharfen, ſchwar⸗ zen Augen einige Mal auf Camilla ruhen laſſen, als wolle er das Innerſte ihrer Seele entfalten, und wenn dann das Maͤdchen bang athmete und ihr Buſen preßte die Furcht in der Erwartung einen ſchreckli⸗ chen Befehl bald zu vernehmen, und ihre Wangen erbleichten, war er unruhig geworden und hatte die Tochter verlaſſen.— Aus dieſem Benehmen des Gra⸗ fen ließ ſich nichts Gutes ahnden, und wenn ſchon Camilla und Claudia durch den Pater unterrichtet waren, welches Geſpraͤch er mit dem Grafen gefuͤhrt, mußten ſie doch vermuthen, daß deſſen Wille dadurch ſich nur noch unwiderruflicher feſtgeſetzt in ihm hatte. Doch dies war bei Savanetti keinesweges der Fall; er ſchwankte zwiſchen Stolz und Beſorgniß, und die⸗ ſes Schwanken ſuchte er mit Kaͤlte zu decken, denn er glaubte ſein Anſehn verletzt, wenn er den einmal ertheilten Befehl zuruͤcknehmen ſollte, und ſo gern er daher mit Camilla und Claudia uͤber das, wöß ihn druckte, Ruͤckſprache genommen haͤtte, konnte er doch nicht Gelegenheit finden, ſich daruͤber zu äußern und verließ lieber die Tochter, als eine Schwaͤche zu ver⸗ 61 rathen. Die Natur indeß loͤßte die Rinde von ſei⸗ nem Herzen. Camilla wurde krank, der innere Gram und die ſtets geſpannte Furcht, nun bald den Gelieb⸗ ten ganz zu verlieren, und dem gehaßten Mann fuͤr immer angehoͤren zu muͤſſen, zehrte an dem Marke ihres Lebens und die Eosfarbige, eben zu erbrechen ſcheinende Roſe, verwandelte ſich faſt ſichtbar wieder in ihre weiße kraͤnkelnde Schweſter, vom heißen Strahle der Sonne verſengt, in gluͤhendem Verwelken. Zum erſten Male in ſeinem Leben fuͤhlte Savanetti viel⸗ leicht jetzt menſchliche Ruͤhrung, und die Zeit ſchien ihm gekommen, wo er reden muͤſſe, um durch ſein ſtolzes Schweigen nicht das ganze Spiel zu verlie⸗ 3 ren, und wenigſtens zu retten, was er noch zu ret⸗ ten vermochte, oder doch wieder mit friſcher Hoff⸗ nung Camilla zu beleben. „Tochter,“ ſagte er daher mit freundlicher Stimme, ſanft Camillas Hand ergreifend, in Gegenwart ſeiner Schwaͤgerin Claudia,„was fehlt Dir; das bluͤhende 6 Roth hat Deine Wangen wieder verlaſſen und Deine Heiterkeit ſcheint ſich in dumpfes Bruͤten verloren zu haben. Dein ganzes Weſen iſt veraͤndert, und doch hörte ich noch nicht von Dir, was Schuld darauf 1 uͤbte. In Deiner Lage ſollteſt Du glucklich ſein, wie die Lerche ſich im Entzuͤcken emporſchwingt in den ſ. blauen Aether, hell trillernd ihr Lied in freudigem Wohlſein, denn der Brautſtand ſind die gluͤcklichſten Tage des Maͤdchens. Ich habe mich zwar nie um 62 ſo etwas viel bekuͤmmern können, doch ich kann es mir denken, und ich habe fuͤr Dich einen Mann ge⸗ waͤhlt, der in Stande iſt Dir des Lebens Genuſſe zu verſchaffen, in welcher Art ſie auch ſein moͤgen in ſte⸗ tem Glanze und hoher Stellung; und dieſer Gedanke der herrlichſten Zukunft muͤßte Dich angenehm erful— len, wenn Du die Gruͤnder Deines Gluͤckes nicht mit Undank gedenkſt zu belohnen.“— „Ich habe Ihren Willen, mein Vater,“ entgeg⸗ nete Camilla ſchuͤchtern,„mit Ehrfurcht vernommen, und werde meine Pflichten erfuͤllen, die Sie von mir heiſchen; doch ich kann die Natur nicht zwingen mir das zu bewahren, was ſie mir gab, und nun für gut findet mir wieder zu nehmen.“ „Du thuſt wohl der Natur zu viel, liebe Ca⸗ milla,“ verſetzte der Graf noch vertrauenerregender, „und ich glaube nicht zu irrren, wenn ich behaupte, Du ſelbſt zerſtoͤrſt die Natur!“ Eine fluͤchtige Roͤthe uͤbergoß Camillas Antlitz; ſie fuhlte die Richtigkeit der Worte ihres Vaters und ſchaͤmte ſich ſeinen theilnehmenden Worten ausgewi⸗ chen zu ſein; gern hätte ſie ſich ihm zu Fuͤßen ge⸗ worfen und ihr ganzes Herz ihm entdeckt, aber der ſtrenge, gebietende Mann, der jetzt auf einmal ſich liebend ihr nahte, ſtand ihr zu fern, und ſie bangte, nur ſeinen Zorn erregen zu koͤnnen; darum ſchwieg ſie und wagte nichts zu entgegnen. „Schwager,“ begann Claudia nach einer kurzen 63 Pauſe,„Sie haben ſich Ihrer Tochter nie als zaͤrt⸗ licher Vater gezeigt, und werden ihr daher auch ver⸗ zeihen muͤſſen, daß Ihre Worte ſie jetzt nur noch mehr beaͤngſtigen. Doch wenn ich nicht irre, muͤſſen Sie die Gefuͤhle des Herzens Camillas kennen, und in dem weiblichen Herzen liegt die Natur des Weibes; wird aber der Kern zerdruͤckt, kann die Schale nicht lange mehr glaͤnzen. Was Sie ſehen iſt Ihr Werk, vollenden Sie das Ganze.“ „Sie ſollten ſchonender ſein, Claudia,“ ſagte Sa⸗ vanetti und ſenkte den Blick,„mein ganzes Leben iſt mit Ungluͤck uͤberhaͤuft geweſen, und nun ſich mir des Gluͤckes Pforte begann ſtrahlend zu oͤffnen, ſind Sie noch bemuͤht, ſie mit Nacht zu umfloren.“ „Nicht ich, Graf,“ erwiederte Claudia,„verdiene dieſe Beſchuldigung, was ich troͤſtendes zu bereiten vermochte, iſt geſchehen; ich bin aber nicht im Stande groͤßere Kraͤfte zu aͤußern, als mir vom Schoͤpfer verliehen, und ich kann das Verhaßte nicht in das Geliebte verwandeln.“ „Sollte Camilla wirklich den Marcheſe haſſen?“ fragte der Graf mehr ſeiner Tochter zugewandt und von ihr, nicht von Claudia eine Antwort erwartend. „Ja!“ verſetzte dennoch Claudia,„und wenn Sie wollen, auch verabſcheuen!“ „Ich hoͤrte gern Camillas eigene Meinung,“ be⸗ merkte Savanetti, die Stirn etwas in Falten legend; aber bald glätteten ſich wieder die zornigen Furchen, 64 und ſo ſanft wie ihm moͤglich fuhr er fort:„Habe zu mir Vertrauen, liebe Tochter, und entdecke mir Dein Herz und ſeine geheimſten Gefuͤhle, ich will ſie ehren, und iſt es mir moͤglich, ſie beruͤckſichtigen zu koͤnnen, ſollſt Du uͤber mich Klage zu fuͤhren nicht urſache finden. Sprich, iſt Dir die Verbindung mit dem Marcheſe ſo peinlich, daß ſie Grund Deines Ver⸗ welkens ſein koͤnnte?“ „Vater,“ hauchte Camilla in banger Beklommen⸗ heit,„werden Sie mir nicht boͤſe, aber ich kann den Marcheſe weder lieben noch achten; mein Leben ge⸗ hoͤrt ohnedies nicht mehr dem Rauſche der Welt, mein Verlangen und meine Wuͤnſche ſind nur das Kloſter.“— „Hm!“ entgegnete der Graf,„dies iſt wieder eine neue Schwierigkeit auf die zu ſtoßen ich nicht ahn⸗ dete; wie man mir ſagte, hat ſich Deine Liebe zu Chiaretti gewandt, und Du verlangſt nun nach dem Schleier, Einer muß mich daher wohl hintergehen!“— „Keiner!“ ſagte Camilla etwas gefaßter,„meine Liebe zu Chiaretti iſt noch dieſelbe; es wuͤrde mein groͤßtes Gluͤck ſein, ihn nur zu ſehen, alle Schoͤnhei⸗ ten Gottes, die Er der großen Schoͤpfung verlieh in ihm zu betrachten, und mir das ſeligſte Entzuͤcken gewaͤh⸗ ren mit Leonardo beten zu koͤnnen, und mich in der Goͤttlichkeit ſeiner herrlichen Seele zu verlieren! doch nach Ihrer Beſtimmung darf er ſich mir nicht mehr nahen, und daher werden Sie wohl den Wunſch nicht 65⁵ unbillig finden, wenn ich in die heiligen Mauern ei⸗ nes Kloſters mich ſehne, um dort an ihn zu denken und fuͤr ihn zu beten im harmoniſchen Weſen ſeines Geiſtes.“ „Du ſchwaͤrmſt zu ſehr, liebe Tochter,“ verſetzte Savanetti,„glaube mir, das was Du jetzt fuͤr das Wuͤnſchenswertheſte haͤltſt, wurde Dir auf die Dauer zur unendlichen Qual werden, und dann iſt keine Er⸗ loͤſung mehr fuͤr Dich zu hoffen, wenn die Schwär⸗ merei Dich verlaſſen, und dies muß und wirb ſie, ich habe es erlebt an Deiner Tante Leonore.“ „Auch ich ſtimme nicht dafuͤr,“ nahm Claudia das Wort,„daß Camilla die Annahme des Schleiers werde geſtattet; nur die Verzweiflung, ſich von der ſchrecklichen Lage zu befreien, die ihr zu bereiten der Vater gedenkt, treibt ſie in das Kloſter, und nicht wahrer, gottlicher Beruf, tief gefuͤhlt und ſtreng ge⸗ pruft in innerſter Seele, und ſie wuͤrde ſich ſonach blos in die heiligen Hallen einzwaͤngen, ohne dort das Gluͤck zu finden, wonach ſie ſtrebt, und es könnte nicht fehlen, daß ſie nur zu bald dieſen Schritt bit⸗ ter bereute. Auch Antonio iſt mit mir gleicher An⸗ ſicht, und er kann hierin ein wuͤrdiges und beach⸗ tungswerthes Urtheil wohl faͤllen.“ „Dann wird auch meine Tochter bei ihrem Ent⸗ ſchluſſe nicht beharren,“ ſagte der Graf guͤtig ei⸗ nen leiſen Kuß auf Camillas Stirn druͤckend,„und ſich dem Leben wieder geben, dem ſie ſich wollte ent⸗ 5 66 ziehen, und auch wir werden unſerer Seits thun, was die Moͤglichkeit geſtattet, um ihr Daſein angenehm zu bekränzen.“ Laͤnger konnte ſich Camilla nicht mehr halten; die Hoffnung Leonardo bald wieder zu ſehen, und das verhaßte Band, welches ſie an den Marcheſe ket⸗ tete, ſchon zerriſſen waͤhnend, durchbebte ſie in zar⸗ teſter Wonne und ſie ſank zu den Fuͤßen des Vaters, ihm fuͤr ſeine Guͤte zu danken. Doch konnten Worte nicht ihren Lippen entſtroͤmen, heiß nur brannten ihre Kuͤſſe auf den Haͤnden ihres Erzeugers, und ſanfte Thraͤnen entquollen ihren Augen; aber dieſe ſagten ihm, dem jetzt weich Geſtimmten, welches bittre Opfer er von Camilla verlangt und welche ſelige Freude er jetzt in ihr gegoſſen. Auch in Claudias Augen glaͤnz⸗ ten die Perlen freudiger Hoffnung und zu dem Gra⸗ fen tretend ſagte ſie liebreich, auf die Knieende zei⸗ gend:„Ihr ſeht, wie wenige Worte hinreichten, das wieder zu beleben, was Ihr faſt ſchon zerſtoͤrt, und Ihr werdet fuͤhlen, Schwager, wie Camilla Euch dan⸗ ket; moͤchtet Ihr doch handeln, um dieſen Dank ganz zu verdienen.“ „Stehe auf, liebe Tochter,“ ſprach Savanetti weich,„vielleicht gelingt es mir noch, Deine Wuͤnſche zu kroͤnen, obſchon ſchwierige Hinderniſſe zu uͤber⸗ winden meiner erwarten; denn ich gab dem Marcheſe mein Wort, Dich ihm als Gattin zu uͤbergeben, und er wird nicht ſo Jeicht abſtehen von der Erfuͤllung 67 deſſelben. Seine Leidenſchaft fuͤr Dich ſcheint mir ein unterirdiſches Feuer, deſſen Gluth nicht zu daͤmpfen, und iſt ſein Charakter, wie ich ſchildern ihn hoͤrte, habe ich mich in einen ſchlimmen Handel verfangen und ſehe kein gutes Ende. Aber glaube mir, mir liegt ſelbſt daran, ihn zu entlarven, und mein Intereſſe 1 hat mit dem Deinigen ſich jetzt verſchmolzen.“ 3 Sanft hob er die Tochter auf, in ihrem himm⸗ liſchen Blick konnte er ihre Dankbarkeit leſen, die ſie jetzt erfuͤllte.„Mein Vater,“ begann dann Camilla, „Ihre Guͤte will ich nie wieder verkennen, noch an ihr zweifeln: denn Sie erkannten die Schmerzen h⸗ rer Tochter und muͤſſen ſo auch ihre Leiden mit fuͤh⸗ len, wenn der Himmel nicht das Haͤrteſte von ihr ab⸗ wendet. Aber dieſes Gefuͤhl ſoll mich ſtark machen des Schickſals Schlaͤge mit Muth zu tragen und der Glaube an Ihre zaͤrtliche Liebe und Sorge fuͤr mich, wird mich wohlthaͤtig durchrieſeln, wie die Quellen mit klaren Kryſtallſtroͤmen erquicken die ausgetrockne⸗ ten Fluren. Sie werden abwenden nach Moͤglich⸗ keit den bittern Kelch, der mir bevorſteht zu leeren, doch wenn die Nothwendigkeit es erheiſcht, wird Ihre Tochter ihn trinken in frommer Ergebung.“ „Maͤdchen,“ ſagte der Graf, dem dieſe Worte, mit der ganzen Hoheit aus Camillas ſchoͤner Seele geſprochen, noch tiefer ergriffen, wie ſchon der Augen⸗ blick geſtimmt ihn hatte, und vollends das väterliche Gefuͤhl der Natur in ihm erweckten,„Du ſollſt mich 5* ——= —— 68 nicht beſchaͤmen, iuß ich Dich noch dem Marcheſe vermaͤhlen, befiehlt dies nur die Ehre, das heilige Wort des Mannes! und vereint will ich dann mit Dir das Unabwendbare tragen. Fuͤr jetzt aber faſſe Dich und laß mich handeln; Antonio und Claudia moͤgen liebend Dein pflegen und Dein Glaube Dich troͤſten und die beſte Hoffnung Dir zufuͤhren die Be⸗ ruhigung Deiner Seele.“ So viel Guͤte hatte Camilla von dem ſtrengen Vater nimmer erwartet; auch Claudia hatte ihn in ſolcher Stimmung niemals geſehen, und er ſelbſt mochte ſich wohl unwiſſend darin verwickelt finden; aber ſie war ihm nicht unangenehm, und er erkannte, daß die Welt noch etwas Schoͤneres enthält, als der aͤußere Glanz zu geben vermag, daß die wahre Gluck⸗ ſeligkeit nur entſprießt aus dem liebenden Herzen und keine Hoheit eine ſolche Minute im Stande iſt zu erſetzen, wo das zarte Kind ſich ſchmiegt an den Vater in vertrauender Liebe, und ſich willig opfert aus reinem Gefuͤhle fuͤr die Bewahrung ſeiner Ehre. So neu nun in Savanetti auch dieſe heiligen Toͤne klangen, uͤberließ er ſich doch noch eine gute Weile ihrem Zauber, und erſt, nachdem er Camilla noch⸗ mals wiederholt, ihre Verbindung mit dem Marcheſe womoͤglich aufzuheben, entfernte er ſich von den Da⸗ men, ſein Verſprechen zu loͤſen. 9. Ein Uhr nach Mitternacht war eben voruͤber und alle Bewohner der Villa des Grafen Savanetti hatten bereits die Ruhe geſucht, durch ſuͤßen Schlaf ſich zu ſtaͤrken. Nur der Marcheſe Girolani ging noch in ſeinem Zimmer umher, unruhig, aber leiſe lauſchenden Trittes und bei dem kleinſten Geraͤuſche eines Inſectes oder Purms oder Knacken der Moͤbel aufmerkſam horchend. Stuͤrmiſch warf er ſich auf die Ottomane, aber eben ſo raſch ſprang er wieder auf, ſeine Wanderung fortzuſetzen, ſchleichend wie die raubende Katze, im Herzen bangend vor der Verfol⸗ gung des Jägers. Das Zimmer war eins der pracht⸗ vollſten in der Villa, denn der Graf wollte den Schwiegerſohn ehren; allein der Zufall hatte merk⸗ wuͤrdig geſpielt und in der Decoration des Mar⸗ cheſes Seele gezeichnet. Eine glaͤnzend ſchwarze Ta⸗ pete mit matten Verzierungen, ebenfalls ſchwarz, deckte die Waͤnde, an welchen einzelne, in goldene Rahmen gefaßte, werthvolle Gemaͤlde prangten, groͤßtentheils duſtern Charakters, harmonitend mit den ſchwarzen und mit Gold geſchmuͤckten Moͤbeln. Vorzuͤglich hell, nach Morgen und Mittag gelegen, war das Zimmer am Tage ein ſeltener, luxurioͤſer, aber nichts weniger als druͤckender Aufenthaltsort, und ſeine prachtvolle Ausſchmuͤckung documentirte den Werth des Gaſtes, 70 den man zu bewohnen es anwies; doch jetzt, ſorgfaͤl⸗ tig die Fenſter verhangen, und nur erhellt durch zwei matt brennende Wachskerzen, erſchien es wie das Hoch⸗ gericht umſtellt von ſtrahlend verlockender Suͤnde, und das unſtaͤte Umherſchleichen des Marcheſes ließ ver⸗ muthen, daß auch die Erinnyen zur Zeit es bewohn⸗ ten. Und um dem Ganzen einen wirklich verfuͤhreri⸗ ſchen Anſtrich zu geben, hatte der Marcheſe einige Haufen blank gepraͤgten Goldes nachlaͤſſig auf den Tiſch geſchuͤttet, als ſeien ſie ſeiner Beachtung nicht werth, und er Jeglichem einlade, ſich damit die Taſchen zu fuͤllen. Jetzt ſtand er wieder ſtill, geſpannt hor⸗ chend; die Thuͤr klinkte ſacht, und herein trat ein Mann in mittler Groͤße, im Gewande eines Domi⸗ nicaners. „Willkommen, Anſelmo,“ begann der Marcheſe, auf den Dominicaner zuſchreitend mit gedaͤmpfter Stimme,„Ihr laßt lange auf Euch warten. Erſt viele Tage, und nun Ihr endlich angelangt ſeid, an den Ort, wo Ihr fuͤr mich ſollt wirken, wieder Mi⸗ nuten, zwar nur Minuten, doch fuͤr mich von ſchwe⸗ rer Bedruͤckung.“ „Meine Uhr zeigt eben erſt Ein Uhr,“ entgegnete der Dominicaner, nachdem er vorſichtig die Thuͤr zuge⸗ klinkt und den Nachtriegel vorgeſchoben, auch das Licht ſeiner Blendlaterne verloͤſcht und die letztere auf den mit Gold belaſteten Tiſch geſtellt hatte;„komme ich zu ſpaͤt, iſt die Schuld nicht mein.“— 71 „Laßt uns vergleichen,“ ſagte der Marcheſe, eine koſtbar goldene Uhr mit Brillanten reich beſetzt in die Hand nehmend, waͤhrend der Dominicaner die Sei⸗ nige ebenfalls hervorzog und ſie zur Vergleichung hinhielt.„Ihr habt fuͤnf Minuten weniger als ich,“ fuhr Girolani dann fort, den fluͤchtigen Blick auf die Uhren heftend,„und uͤberhaupt ein fuͤr Euch un⸗ wurdiges Machwerk von elendem Silber. Tauſchen wirz die Traͤgheit Eurer Uhr iſt mir mehr werth, als die Brillanten der Meinigen, denn ich werde in Zu⸗ kunft nicht nöthig haben auf Euch zu warten.“ Die grauen Augen des Dominicaners blitzten vor habgierger Freude. „Der Tauſch iſt ungleich, Marcheſe,“ erwiederte er, langte aber dabei nach der mit Brillanten beſetz⸗ ten und hielt ſeine Uhr zur Uebergabe bereit.— „Thut nichts,“ verſetzte Girolani, die Uhren wechſelnd und die eingetauſchte dann auf den Tiſch legend,„ich bin damit zufrieden und weiter iſt nichts von noͤthen; es wäre denn, daß Eure Uhr einen be⸗ ſondern Werth für Euch haͤtte.“ „Das nicht,“ bemerkte der Pater, das theure Kunſtwerk liſtig in der Hand wiegend und gefaͤllig betrachtend,„und wenn auch, ſo haͤttet Ihr nur zu befehlen.“ „Dann ſind wir wegen dieſer Kleinigkeit einig,“ ſagte Girolani, und mit der Hand auf einen am Tiſche ſtehenden Stuhl deutend, fuhr er fort,„und nun 72 ſetzt Euch, Anſelmo, und laßt uns zur Hauptſache ſchreiten.“ Der Pater ſteckte die Uhr ein und nahm Platz, und der Marcheſe ſetzte ſich ihm gegenuͤber veraͤcht⸗ lich das auf dem Tiſche liegende Gold mit dem Arm wegſchiebend und begann wieder:„Ihr ſeid bereits davon unterrichtet, daß ich mich mit der Tochter des Grafen Savanetti zu verheirathen gedenke, ſchweigt! es iſt nicht anders vorbeizukommen; der Weg zum Genuß fuͤhrt hier nur durch die Kirche; ich habe das Feld recognoscirt von allen Seiten und Ihr koͤnnt mir wohl zutrauen, daß, wenn ich anders Breſche zu ſchießen wuͤßte, als von der Hauptſchanze auf den Hauptwall, ich Untergrabungen angelegt haben wuͤrde. Daher kein Wort mehr daruͤber; was in Zukunft geſchehen koͤnnte, iſt meine Sache, doch fuͤr jetzt han⸗ delt es ſich blos darum, die Trauung wirklich zu vollziehen.“ „Wie Ihr mir ſchriebt, war ja alles ſchon in Ordnung,“ bemerkte der Pater,„und der Graf gab Euch ſein Wort!“— „Das war, und das that er; allein ich habe guten Grund zu glauben, daß Savanetti umzudre⸗ hen wuͤnſcht. Das Maͤdchen liebt bereits den jungen Grafen Chiaretti, und obgleich ich dieſen ſchon aus dem Wege geraumt habe, laͤßt doch der Franciscaner Antonio nicht ab, den Grafen zu Gunſten Chiarettis 73 zu beſtuͤrmen und hat Erſtern neulich Mittheilungen gemacht, woruͤber ich erſtaunte.“ „In Eurer Gegenwart, Marcheſe?“ fragte der Dominicaner faſt beißend,„ja, ja, der Franciscaner nimmt ſich viel heraus.“ „Thorheit! In meiner Gegenwart wuͤrde er es am allerwenigſten thun; doch haͤtte er auch wirklich das Herz, es waͤre mir unſchaͤdlicher, als hinter dem Ruͤcken. Nein! der Zufall ließ mich im Gebuͤſch in den Anlagen dieſer Villa verſteckt, ein Geſpraͤch zwi⸗ ſchen dem Grafen und Antonio vernehmen, was ich zwar nicht beendigen hoͤrte, denn der alte Fuchs mußte meine Naͤhe wohl ſpuͤren, und ging deshalb mit dem Grafen auf deſſen Zimmer; aber woraus ich genug erfuhr, daß er mir ſehr gefaͤhrlich zu werden vermag und es auch wohl bereits geworden iſt. Noch hat ſich indeß der Graf nichts merken laſſen: er iſt nur etwas formeller gegen mich geworden und behandelt alles Uebrige mit furchtbarer Kaͤlte, die ihm eigen; aber Filippo, mein getreuer Spuͤrhund, hat mir be⸗ richtet, daß Pietro jetzt in dem Kloſter der Francis⸗ caner ſich befindet, und ich fuͤrchte, er hat Antonio gebeichtet und dieſer weiß mehr, als mir zutraͤglich. Ihr thatet ſehr unrecht, den Schurken in meiner Ab⸗ weſenheit zu excommuniciren!“— „Er hatte es verdient, Marcheſe!“ ſagte Anſelmo ſehr ruhig.“ „Weil er ſich weigerte, ſein Meſſer fuͤr Euch zu — 74 fuhren; freilich, Anſelmo, aber Ihr hättet doch wohl 0 ein Anderes finden koͤnnen und mir das Seinige be⸗ wahren ſollen, oder konntet Ihr ihn nicht mehr zu leben fuͤr wuͤrdig erachten, ein ſchmerzſtillendes Puͤl⸗ verchen reichen.“ „Hm!“ bemerkte der Pater gelaſſen.„Er lebt blos noch aus Irrthum, ſtatt ein Schmerzſtillendes bekam er ein Schmerzerregendes; doch iſt dies viel⸗ leicht in Zukunft noch ins Gleiche zu bringen.“ „Wenn er uns ſelbſt erſt aus dem Gleichgewichte gebracht! Anſelmo, ich fange an, mich unheimlich zu fuͤhlen, dieſer Pietro mit Antonio vereint, ſind uns zwei ſchlimme Feinde.“— 1„Vielleicht auch nicht,“ verſetzte der Pater, ohne aus ſeiner Gelaſſenheit zu weichen,„Antonio muß fallen, und Pietro wieder der Unſrige werden; ein nochmaliger Irrthum kann dann nicht mehr vorfallen, und Beide werden ein ewiges Schweigen beobachten.“ „Und glaubt Ihr dies bewerkſtelligen zu können, Anſelmo?“ 3 Des Dominicaners Mienen, die waͤhrend Giro⸗ 13 lanis Vortrag nur Gleichguͤltigkeit, mit einem leiſen Anflug von Spott uͤberzogen, verkuͤndeten, nahmen jetzt eine gierige Habſucht an; ſeine grauen Katzen⸗ augen ſchweiften uͤber die Goldhaufen, und die Pu⸗ pillen ſchienen ſich zu vergroͤßern; allein bald wieder 4* unterdruͤckte er die Gefuͤhle, die ihn durchzuckten und ſagte gelaſſen:„Mit Gold, Marcheſe, ſprenge ich die 75 Erde aus ihren Angeln. Und wer ſich dies getraut, kann auch mit den noͤthigen Mitteln verſehen, ein paar Feinde bekaͤmpfen.“ „Wenn nichts weiter dazu erforderlich iſt, als Gold, Anſelmo,“ entgegnete Girolani, dem der Blick des Paters nicht entgangen war, ſich aber ſo gleich⸗ guͤltig ſtellend, und mit der Hand die auſ dem Tiſche 1 liegende gepraͤgte Maſſe ſeinen Spießgeſellen freigie⸗ 1 big zuſchiebend,„ſo nehmt hiervon, ſo viel Euch be⸗ liebt, und langt es noch nicht zu, ſollen ſich neue Stroͤme ergießen.“ „Dies iſt fuͤr jetzt viel zu viel,“ erwiederte der Dominicaner ebenſo,„allein wollt Ihr Euch ſplendid zeigen, koͤnnt Ihr mir ein funfzig Stuͤck abzaͤhlen; ich werde ja ſehen, wie weit damit zureichen.“— „Funfzig, Anſelmo,“ ſagte der Marcheſe,„wer⸗ den ſchwerlich weit langen, oͤffnet Eure Taſchen und laßt mich ſie fuͤllen, denn es iſt mir lieber, Ihr habt Vorrath von dieſem Pulver, als daran Mangel.“ „Wie Ihr wollt, Marcheſe; doch belaſtet mich nicht zu ſchwer, ich bin fremd hier im Hauſe und weiß vieles Geld nicht zu bergen.“ f „Furchtet nichts, wenn Ihr auch fremd ſeid, ſeid Ihr doch ſicher, daß man es Euch hier nicht ab⸗ nimmt.“— Mit dieſen Worten hatte der Domini⸗ caner ſeine Kleidung geoͤffnet und der Marcheſe ließ einige Hände voll Goldſtuͤcke in die dargebotene Ta⸗ ſche gleiten, bis der Pater ſie gefuͤllt fuͤhlend ſprach: 76 „Es iſt genug, Marcheſe!“ denn es lag ihm daran den Schein der Uneigennuͤtzigkeit zu bewahren, weil er hierdurch ſtets mehr von Girolani bekam, als er erwartete, und denſelben ſich ihm auch noch ver⸗ pflichtet erhielt, wenn ſchon der Marcheſe ſeine Geld⸗ opfer und die ihm dafuͤr geleiſtet werdenden Dienſte 1 zu ſchaͤtzen wußte, und ſie uͤberhaupt wohl Beide er⸗ kannten, was ſie gegenſeitig an ſich hatten; aber ihre Intereſſen waren verwebt, und wenn ſie auch ſonſt ſich zu beurtheilen verſtanden, hielten ſie doch den Schein der Freigebigkeit und der Uneigennuͤtzigkeit äußerlich aufrecht. „Gut denn,“ verſetzte Girolani,„ich kann Euch 16 nicht zwingen, auch wißt Ihr ja, wo ich zu finden.— Fur die Beiden,“ fuhr der Marcheſe dann fort, nach⸗ dem er wieder dem Pater gegenuͤber Platz genom⸗ men,„waͤre alſo geſorgt. Die ſchnelle Ausfuͤhrung 31 uͤberlaſſe ich Euch und Ihr werdet nicht ſaͤumen; al⸗ lein, was ſchon von Antonio geſchehen iſt, muͤßt Ihr wieder vernichten, und in Gemeinſchaft mit mir den 3 Grafen zwingen, mir Wort zu halten.“ „Dies verſteht ſich von ſelbſt, verlaßt Euch auf meinen Beiſtand, mit dem morgenden Tage fange ich an zu operiren und Ihr werdet Euren Zweck nicht verfehlen, denn ich kenne ſo ziemlich Savanettis ſchwache Seite von fruͤher her, und werde ihn ſchon in ſein eigenes Garn verwickeln, ſobald er uns daraus will entfliehen. Aber den Pietro muͤßt Ihr ſelbſt aus N ſeinem Schlupfwinkel zu locken und zu gewinnen ſu⸗ chen, der Schurke wuͤrde meinen Worten nicht glau⸗ ben. Ihr habt jedoch nichts mit ihm vorgehabt, und er iſt Euch noch gewiſſer Maßen verpflichtet, auch wißt Ihr wohl am beſten ihn zu behandeln. Iſt er aber einmal erſt wieder in die Falle, laßt fuͤr das Uebrige mich nur ſorgen, ich weiß ſolche Wichte zu kirren.“ „Dabei bleibt es,“ ſagte der Marcheſe dem Pa⸗ ter die Hand reichend,„und verſchwiegen bis in das Grab.“ „Hier meine Hand,“ entgegnete der Dominica⸗ ner im ſcherzenden Tone,„und wenn Ihr nicht plau⸗ dert, im Grabe werdet Ihr es von ſelber ſchon laſſen, doch gebe ich Euch dann Freiheit zu reden, was Ihr wollt. Fuͤr jetzt gute Nacht; Gluͤck zur baldigen Trauung.“ Der Pater hatte ſeine Laterne angezuͤndet und entfernte ſich eben ſo ſtill, als er gekommen war. Leiſe verriegelte der Marcheſe wieder hinter ihm die Thuͤr und einige unverſtaͤndliche Worte murmelnd, warf er ſich auf die elaſtiſche Ottomane, nicht aber findend die ſuͤße Ruhe des Schuldloſen, deſſen Leben verfließt angenehm oder bei ſaurer Arbeit, immer im reinen, frommen Glauben. 78 10. Die weiche Stimmung in welcher Savanetti ſeine Tochter verlaſſen hatte, uͤbte ihren Einfluß fort. Immer ſchon war es ſein Wille geweſen mit Pietro, dem argen, fruͤheren Diener des Marcheſes, Ruͤck⸗ ſprache zu nehmen, um ſich wo moͤglich von den nä⸗ heren Umſtaͤnden deſſen, was ihm Antonio uͤber Gi⸗ rolani berichtet, an der Hauptquelle zu uͤberzeugen. Jetzt brachte er dies in Erfuͤllung und die Unterre⸗ dung mit Pietro fiel ganz ſo aus, wie aus den Wor⸗ ten Antonios wohl war zu ſchließen, und gab dem Grafen die Gewißheit der Schlechtigkeit des Marche⸗ ſes; denn Pietro entdeckte ſich gegen Savanetti ſo vertrauenerregend und hingebend, und beantwortete jede Frage mit ſo beſtimmter Sicherheit, daß der Graf nicht an der Wahrheit der Ausſagen des Bravo zwei⸗ feln konnte und nun mit Schrecken erkannte, in wel⸗ ches gefahrvolle Spiel er eingelaſſen ſich hatte.— Ein doppeltes Intereſſe herrſchte jetzt in ihm, des Marcheſes ſich zu entledigen, ſein eigenes und das fruͤher nie gekannte, liebende Gefuͤhl fuͤr ſeine Toch⸗ ter, und er gelobte ſich, ſie glucklich zu ſchaffen, wenn ihn das Verhaͤngniß diesmal noch aus den boͤſen Schlingen entwinden, in die er ſich gewickelt, und er fand den Gedanken gar angenehm, im ruhigen Gluͤcke der Liebe Camillas und Chiarettis, ohne Einmiſchung in die Händel der Welt und Streben nach nichtiger 79 Große, ſein Alter ſanft zu verleben. So aͤndert ſich der Menſch, muͤrbe gemacht durch die Schläge des Schickſals, und kommt endlich zur Erkenntniß der Liebe und des Glaubens, fruͤher oder ſpaͤter, und wenn nicht eher, doch auf dem Lager zum ewigen Entſchweben, ſelbſt wenn er noch ſo trotzig ſein Un⸗ gluͤck getragen oder ſtets ihm vergoͤnnt war, im Gluͤcke die Gefuhle der Religion und der Liebe verachten zu duͤrfen.— Der Dominicaner, auf Veranlaſſung des Mar⸗ cheſes herbeigeeilt und dem Grafen als Beichtiger ſei⸗ nes zukuͤnftigen Schwiegerſohnes von dieſem vorge⸗ ſtellt, und beſonders empfohlen als ein Mann von uͤberreicher Frömmigkeit, auf dem die Gnade Gottes ruhe, hatte in der Villa des Grafen Savanetti auch ſeine Wohnung angewieſen erhalten, und war ſein, dem Marcheſe gegebenes Verſprechen zu erfullen ei⸗ frigſt bemuͤht. Aber ſo fein und ſanft und zart er auch die Glocken ſeiner verfuͤhreriſchen Harmonica zu be⸗ ruͤhren wußte, um den Grafen einzuſchlaͤfern und fuͤr ſich zu gewinnen, und ſo delicat er auch die großen Vorzuge ſeines Beichtkindes, deſſen grenzenloſen Reich⸗ thum, Guͤte des Herzens, Gefuͤhl fur Ehre und Wuͤrde und Rechtlichkeit dem Grafen beizubringen ſuchte, blieb dieſer doch ſtandhaft und ſah nur in dem Pater eine heuchleriſche Kreatur des ihm jetzt verabſcheuungswuͤr⸗ dig erſcheinenden Marcheſes. Allein immer noch war keine naͤhere Erklaͤrung erfolgt; der Graf war mit — 80 ſich in Zweifel, wie er am beſten ſie anbringen ſollte, ohne ſein einmal gegebenes Wort zu verletzen, und obgleich er mehrere Mal entfernte Andeutungen blicken ließ und im Allgemeinen von Aufhebungen der Ver⸗ loͤbniſſe zu ſprechen begann, wußte der Dominicaner doch ſtets ſich ſo geſchickt zu winden, daß er nie zu einem Reſulte konnte gelangen. Dies war von An⸗ ſelmo Plan; es ſollte die Zeit, bis zu welcher der Graf ſein Wort verpflichtet ſei zu loͤſen, fuͤr dieſen unbenutzt verſchweben und dann ſollte der Marcheſe plotzlich hervortreten, die Schmuͤckung des Opfers ver⸗ langen und den Grafen im Weigerungsfalle an ſein Ehrenwort erinnern, ſo, daß derſelbe nicht mehr aus⸗ zuweichen vermoͤchte.— Fuͤr alle dabei Betheilig⸗ ten waren dies qualvolle Tage, und fuͤr den Mar⸗ cheſe waren es Tage der Hoͤlle in Ungewißheit ſo lange zu harren. Seine Ungeduld kannte keine Gren⸗ zen, und ſo ſehr auch Anſelmo zur Maͤßigung rieth, fand er doch kein Gehoͤr; Girolani wollte Gewißheit, denn es daͤuchte ihm die Schrecklichſte nicht ſchreckli⸗ cher, als dies Schwanken zwiſchen der Furcht des Verluſtes der Braut und der laͤchelnden Hoffnung ſich mit Camilla zu vermaͤhlen. „Einige Tage fruͤher oder ſpaͤter,“ ſagte er da⸗ her zu Anſelmo,„kann hierbei nichts ausmachen, fuͤr mich aber ſind es Stunden des ewigen Feuers, das mich gluͤhend durchrollt, wie die Lava die Fugen des Veſuves, ohne Abkuͤhlung zu finden. Will der Graf 81 mir ſein Wort nicht halten, wird er muͤſſen, heute oder morgen, und wir lernen nur um ſo eher ſeine Winkelzuͤge kennen, und koͤnnen uns danach richten.“ „Wenn Ihr Euch nicht mehr zu halten vermoͤgt,“ entgegnete der Pater gelaſſen,„ſo thut was Euch gut duͤnkt und rechnet auch dann auf meinen Bei⸗ ſtand; aber ich ſtimme dafuͤr: man muß erſt Antonio zur Ruhe bringen und Pietro gewinnen, damit ſie nicht gegen uns wirken.“ „Bis heute war es mir noch nicht moͤglich, ſie zu erlangen,“ erwiederte der Marcheſe;„allein ich glaube, daß dies bald geſchieht. Ueberdies wird der Graf wohl ein wachſames Auge auf ſie haben und jede Uebereilung mit ihnen konnte mir nur ſchaden, waͤhrend, wenn wir ſie unberuͤckſichtigt laſſen und ihn an ſein Wort bindend erinnern, ſie ihm, daſſelbe zu⸗ ruͤckzunehmen, ſchwerlich moͤchten beſtimmen und Pie⸗ tro oͤffentlich gegen mich nicht auftreten wird, aus Liebe zu ſich ſelbſt. Ihre Rechnung bleibt immer ge⸗ ſchloſſen, ſobald ſich nur ſchickliche Gelegenheit dazu findet.“ „Wie es Euch beliebt,“ verſetzte der Pater, und ſie gingen zum Grafen. Savanetti empfing Beide wie gewoͤhnlich. Schlau wußten der Dominicaner und der Marcheſe das Geſpraͤch zu lenken, bis ſie endlich die Richtung deſſelben wie von ungefaͤhr dahin brachten, wohin ſteuern geſonnen. Der Graf, jetzt auf Alles 6 82 gefaßt, konnte die Tendenz nicht lange verkennen, und es fiel ihm daher gleich auf, daß ſeine Gegner das herbeizuziehen ſich bemuͤhten, was ſie ſeither ſorg⸗ faltig vermieden; aber eben ſo gewandt in Intriguen als jene, ſchien er ſich unbemerkt verwickeln zu laſſen und hielt ſeine Aeußerungen nur ſtets im Allgemeinen. „Es iſt,“ ſagte er,„allerdings oftmals der Fall, daß der Menſch ſich veraͤndert, und ſeine fruͤheren Meinungen und Anſichten verwirft; ein anderer Ideen⸗ gang entwickelt ſich in ihm, und er wird gleichguͤltig gegen etwas, das zu erringen ihm das ſchoͤnſte Ziel vormals geſchienen.“ „Ich ſuche dies in der veraͤnderlichen Natur des Menſchen, Signoria,“ verſetzte der Dominicaner, „und da die Natur es in ihm gelegt, ſollten wir dies auch fuͤr gut anerkennen; aber doch glaube ich nicht zu viel zu ſagen, wenn ich behaupte: der Menſch muͤſſe das Heilige ſtets bindend fuͤr ſich erachten und darf in dieſem nicht wanken noch weichen.“ „Auch ich bin dieſer Meinung,“ nahm der Mar⸗ cheſe das Wort,„das, was wir einmal als heilig anerkennen iſt unverletzlich und ſteht uns dann zu erhaben, als daß wir die Macht hätten, es wieder zu vernichten. So muß uns z. B. die Religion und die Ehre als zwei goͤttliche Palaͤſte erſcheinen, in de⸗ nen wir leben; aber uns nie der Gedanke einkom⸗ men, auch nur einen Stein ruͤcken zu wollen, noch viel weniger den Grund zu untergraben.“ 8³ „Sie haben ſehr recht, Marcheſe,“ erwiederte Sa⸗ vanetti,„der Glaube und die Ehre ſind zwei unver⸗ letzliche Puncte, und jeder Mann, der Anſpruͤche auf Rechtlichkeit macht, wird ſie halten in ihrer ganzen Bedeutung; ſie ſind das Princip des Lebens und muͤſſen unverruͤckt bleiben, und meine Aeußerung: der Menſch wanke und ſei unter gewiſſen Umſtaͤnden deshalb nicht zu verdammen, kann ſich auch nur auf Nebenverhaͤltniſſe des Lebens beziehen, die ſich drehen um das hehre Princip, wie die Erde und der Mond und die Sterne um die Sonne.“ „Eine ſchoͤne Anſicht,“ bemerkte der Pater ver⸗ bindlich,„die ich in Ihnen, Signoria, auch nur ver⸗ muthete, und Sie werden mir gewiß die Erlaͤuterung entſchuldigen, wenn ich noch hinzuſetze, daß aber auch die Nebenverhältniſſe ſich oft mit dem Principe ſo unzertrennlich verſchlingen, daß wir ſie vereint als heilig muͤſſen erachten.“ „Wenn dieſer Fall eintritt,“ ſagte der Graf et⸗ was finſter und kalt,„verſteht es ſich von ſelbſt; es wäre denn, daß man das Heilige wollte an den Pro⸗ fanen verſchwenden, dann wuͤrde eine Ermaͤßigung des ſtrengen Begriffes eintreten koͤnnen, ohne Ver⸗ letzung des Heiligen.“ Der Marcheſe wurde unſtaͤtt, doch ſuchte er ſich mit Gewalt zu bekaͤmpfen; allein es gelang ihm nicht ganz, und ehe der Dominicaner ihm noch mit einer Antwort zuvorkommen konnte, verſetzte er ſchnell: 6* 84 In dieſer Verlegenheit, Herr Graf, duͤrften Sie „ wohl nicht kommen.“— „Wenigſtens will ich es nicht wuͤnſchen!“ ent⸗ gegnete der Graf mit ſeinem ganzen Stolze und ſei⸗ ner furchtbaren Kaͤlte, eben ſo unbedachtſam wie der Marcheſe, und ging ſcharfen Schrittes im Zimmer umher. „Mich will es beduͤnken,“ hub der Pater ge⸗ ſchmeidig an, einen bedeutſamen Blick auf Girolani werfend,„daß beide Signoria in dieſem Geſpraͤche etwas Unangenehmes finden, was mir freilich verbor⸗ gen, und ich zu ergruͤnden zu ſchwach bin; daher iſt es Ihnen recht, ſo brechen wir ab und gehen auf ei⸗ nen andern Gegenſtand uͤber, den Wunſch eines gluͤck⸗ lichen Herzens betreffend und woruͤber Ihnen, Herr Graf, die entſcheidende Stimme wohl zuſteht. Der Herr Marcheſe wuͤnſcht, daß ich die Trauung mit ſeiner Braut vollziehe.“ Der Graf hemmte ſeinen Fuß und ſchien ſich einige Augenblicke zu beſinnen; dann erwiederte er: „Ich, frommer Vater, kann hieruͤber ſchwerlich be⸗ ſtimmen; dies iſt Sache des Brautpaares, und will man ſchonend verfahren, bleibt wohl die Wahl der Braut. Mich däucht, ohne Euch zu nahe treten zu wollen, es wuͤrde meiner Tochter lieber ſein, wenn ſie ihr alter Lehrer und Freund und Beichtvater An⸗ tonio, ehelich verbände, doch iſt mir jeglicher Prieſter 85⁵ des Herrn ſehr recht, falls die Trauung noch wird vollzogen.“ „Sollten denn noch Scrupel zu uͤberwinden ſein,“ fragte der Dominicaner,„ich hielt die Trauung fuͤr voͤllig gewiß!“ „Auch ich weiß es nicht anders,“ bemerkte der Marcheſe verwundert,„ſollten Sie, Herr Graf, die⸗ ſelbe jetzt aufheben wollen?“ „Das Maͤdchen, Marcheſe,“ begann Savanetti nach einem kurzen Beſinnen,„wuͤnſcht es, daß die Verlobung aufgehoben und die Trauung nicht voll⸗ zogen werde, ich habe meine Tochter nicht befragt, als ich ſie Ihnen zuſprach, denn ich konnte nicht ver⸗ muthen, daß ich ſo bedeutenden Widerſtand finden wuͤrde; haͤtte ich das gewußt, haͤtte ich Ihnen nim⸗ mer Hoffnung auf Camilla gemacht. Wer kennt die Weiber, ich glaubte es recht gut zu machen, und nun verkennt man meine Guͤte;— ſie hat ſich den Chiaretti in den Kopf geſetzt, wie Sie auch ſchon wiſſen, und der iſt nicht heraus aus ihr zu bringen, und ſie rechnet ſelbſt auf Sie, daß Sie mich nicht veranlaſſen werden, die Trauung mit Zwang zu voll⸗ ziehen.— Bleiben wir Freunde und laſſen Sie dem eigenſinnigen Maͤdchen den Willen.“—— „Ich erſtaune!“ ſagte der Dominicaner und fal⸗ tete die Haͤnde in ſtarrer Verwunderung. „Und ich nicht minder, Herr Graf,“ verſetzte der Marcheſe,„das Mädchen will nicht und appellirt 86 an mich ſelbſt! Läge es in meiner Macht ihr zu will⸗ fahren, ſie haͤtte dies umſonſt nicht gethan, doch ich kann nicht mehr zuruͤck, wenn nicht die Bewohner des ganzen Koͤnigreichs mit Fingern auf mich weiſen ſollen und verſpotten mit laͤſternden Zungen. Ueber⸗ legen Sie nur, Herr Graf, meine Verlobung iſt im ganzen Lande bekannt, und hat Aufſehen erregt, und welches Aufſehen wuͤrde es nun erregen, wenn ſie ruͤckgängig wuͤrde; ich waͤre der Spott des Hofes und die Zielſcheibe des elendeſten Witzboldes. Nim⸗ mer kann ich dies geſtatten, ſelbſt wenn ich nicht be⸗ ruͤckſichtigen wollte, was ich dabei verliere und meine Liebe zu Camilla zu bezaͤhmen vermochte.“ „Der Herr,“ ſagte der Pater in heuchleriſcher Froͤmmigkeit und hob ſeine gefalteten Hände empor, „bewahre jeden Glaͤubigen vor ſolcher Schande; ſie verfolgt ihn bis in das Grab und noch im Grabe iſt er gehrandmarkt.“ „Camilla,“ bemerkte der Graf ruhig, ohne ſſich beſtechen zu laſſen durch Beider Worte,„vertraut, Marcheſe, Ihrem Edelmuthe und auch ich, und ich hoffe mein Glaube leitet mich nicht irre. Sie wer⸗ den des Maͤdchens Gefuͤhle ehren und mich nicht zwingen ſie zu zerſtoͤren. Eine Entſchuldigung vor der Welt laͤßt ſich wohl finden, ohne daß Sie Beide an den Pranger ſich ſtellen.“ „Ich kann nicht!“ rief der Marcheſe, ſich ver⸗ zweifelnd ſtellend und in einen Lehnſtuhl werfend 87 „Meine Ehre erfordert es, daß Camilla als Gattin mir werde uͤbergeben, und eher reiße man das Herz mir aus dem Buſen, als daß ich meine Ehre verletze!“ „Entſcheide du, mein Herr und Erloͤſer, in die⸗ ſer ſchwierigen Lage,“ fuhr der Pater fort zu beten, „und erleuchte uns mit Weisheit, daß wir uns finden aus dieſem Labyrinthe, ohne zu verletzen das Hei⸗ ligſte nach deiner göttlichen Lehre!“—— „Marcheſe,“ hub der Graf wieder an, nicht ach⸗ tend des Dominicaners Geſchwaͤtz,„ich habe in mei⸗ nem Leben Niemand um etwas gebeten, und niemals geglaubt, daß dies moͤglich ſein koͤnnte; aber ich bitte Sie jetzt feierlichſt: ſtehen Sie ab von Ihrem Ver⸗ langen, und zeigen Sie ſich großmuͤthig gegen Camilla!“— „Ich kann nicht!“ wiederholte Girolani außer ſich, jetzt ebenfalls im Zimmer umhergehend,„verlan⸗ gen Sie, was Sie wollen, nur nicht die Verletzung meiner Ehre!“ „So war dies meine erſte und letzte Bitte!“ ſagte Savanetti wieder ſtolz und kalt. „O koͤnnte ich ſie gewaͤhren!“ erwiederte der Marcheſe.„Aber ich darf nicht! Und ſelbſt noch zur Bewahrung Ihrer Ehre, Graf, muß ich ſie erinnern an Ihr Wort!“— „Das werde ich halten und meine Ehre nicht verletzen! Camilla wird die Ihrige!“ Mit einem fuͤrchterlichen Ernſte und ſchneidender Hoheit und Kaͤlte ſagte der Graf dieſe Worte, ſo daß den Marcheſe ſie durchbebten und er nur im Stande war eine Verneigung darauf zu geben, und der Pa⸗ ter ſchuͤchtern ſich umſah; und ehe Beide noch wieder zu ſich gekommen, war der Graf aus dem Zimmer verſchwunden.— 11. „Es iſt vorbei!“ ſprach Savanetti in das Zim⸗ mer ſeiner Tochter tretend, in welchem er außer Ca⸗ milla, ſeine Schwaͤgerin Claudia und den ehrwuͤrdi⸗ gen Pater Antonio traf.„Was ich konnte habe ich gethan, aber dennoch iſt die Trauung unabwendbar.“ Wie vom Donner wurden die drei Anweſenden von dieſen Worten getroffen; ihr Glaube wurde er⸗ ſchuͤttert, in dem ſie ſeither gelebt und gehofft, und der Blick der Hoffnung ſchien vor ihnen ſich zu verhuͤllen. „Keine Rettung?“ fragte endlich Antonio, der zuerſt ſich erholte. „Keine!“ entgegnete der Graf, und erzählte ſo⸗ dann das eben gepflogene Geſpraͤch mit dem Mar⸗ cheſe und Dominicaner. Schluchzend warf ſich Camilla an ihres Vaters Buſen, um ihn zu danken fuͤr das, was er gethan, und noch einmal beweinend ihr trauriges Verhaͤng⸗ 89 niß; doch dann richtete ſie ſich empor, und eine edle Reſignation umſtrahlte ihr ſchoͤnes Geſicht. „Thut nichts weiter, Vater,“ ſagte ſie,„ſchon zuviel erniedrigte ſich das Erhabene gegen die Ver⸗ worfenheit; Gott wird mir helfen! Mein Glaube ſagt mir, daß ich den Marcheſe nimmer als Gattin umarme!“ Savanetti erwiederte nichts; auch Claudia ver⸗ harrte im Schweigen, und ſelbſt Antonio ſchien einige Augenblicke zu ſchwanken; dann bemerkte er:„Gott thut Wunder, und der Glaͤubige ſoll nicht zweifeln.“— „Und ich zweifle nicht; ſeine Macht wird mich liebend beſchuͤtzen,“ fuhr Camille fort,„ein Traum hat mir meine Rettung verheißen und mein Glaube ſoll halten an die Hoffnung bis zur letzten Minute.“ „Ein Traum, liebe Tochter,“ verſetzte der Graf, „iſt oft leere Taͤuſchung, doch wenn Du Dich wohl darin fuͤhlſt, ich moͤchte ihn nimmer zerſtoͤren.“ „Es war, Vater, kein Traum gewoͤhnlicher Art,“ begann wieder Camilla,„ſondern ich glaube, der Hoͤchſte hat ihn mir geſendet, daß ich um ſo ſtaͤrker ſeiner Guͤte vertraue. Dort, vor den drei Kreuzen, die ehrwuͤrdiger Vater Ihr pflanztet erſt kurzlich auf den ſammetgruͤnen Huͤgel den frommen Wandrer mahnend zur ſtillen Verehrung, traͤumte ich zu lie⸗ gen in ehrerbietiger Entfernung, um Abwendung mei⸗ ner Qualen zum goͤttlichen Heiland flehend. Und wie ich ſo bittend die Hände erhob und die Blicke ———— — 90 geheftet hielt an den Himmel, war vor mir unbe⸗ merkt ein ſchneeweißes Lämmchen getreten an den Fuß des Kreuzes des Herrn. Weinend und ſchmerz⸗ umhuͤllten Antlitzes warf es ſich auf ſeine Kniee die frommen Augen gerichtet auf den himmliſchen Erloͤ⸗ ſer, zitternd in bang belaſteter Seele und glaͤubig vertrauend in Demuth. Ein unnennbares Gefuͤhl durchrieſelte mich und zog mich naͤher mit dem Lei⸗ densgefaͤhrten in harmoniſchen Verein zu beten; aber ich konnte nicht naͤher und ſchien gefeſſelt an den Ort, wo ich kniete. Da daͤuchte es mir als haͤtte des Lämmchens Bitte Gnade bei dem Herrn gefunden; es wurde ruhiger und ſenkte dankbar den Blick; und auch ich verfolgte ſeines Augen Stern, und auf dem blumigen Raſen lagen die Worte in goldener Schrift: „Was auch geſchieht: Glaube!“ Doch ploͤtzlich verſchwanden die Worte, Blitze zuckten aus heller Shpaͤre und der Donner rollte in krachendem Toben und fuͤllte unſere Herzen mit Schrecken, und der Miſſe⸗ thaͤter, der den Herrn geläſtert, bekam Leben am Kreuze und entwand ſich dem Holze und dem Eiſen, woran er geheftet, mit den Fuͤßen die Erde dann ſtampfend in frevelnder Verachtung, und die Hand gegen den Him⸗ mel geballt.— Gluͤhend rollten ſeine Augen in ihren Hoͤhlen, und wie der Tieger ſich ſturzt auf die bebende Herde, ſprang er in blutdurſtiger Gier auf das Lämmchen, um es zu rauben. Dies aber draͤngte ſich ſcheu hinter das Kreuz des Herrn, und der Miſſethäter 91 ſprang fehl; allein nicht ließ er ab die erkieſene Beute zu haſchen, und wilder noch als zuvor ſturzte er auf das Laͤmmchen und preßte es hohnlachend in ſeine Arme, nun ſicher ſich glaubend des Raubes. Eine fuͤrchterliche Angſt ſah ich das Laͤmmchen durchzucken, ſeine Thränen quollen, und des ſchmerzenvollſten Opfers ſich bewußt, trug es doch die Gefahr in ſtum⸗ mer Ergebung.— Auch mich hatte eine unendliche Bangigkeit ergriffen; ich glaubte das Pochen meines Herzens zu horen und verſuchte Huͤlfe zu rufen und wollte dem Lämmchen gern beiſtehen; allein die Stimme verfagte mir und ich blieb gefeſſelt, da wo ich kniete.— Da krachte wieder der Donner, ein Blitz durchzuckte die Luft, und der Miſſethäter, der den Herrn gebeten, daß er ſeiner gedenke, wenn er kommt in ſein Reich, loßte ſich ſchwebend von ſei⸗ nem Kreuze, voll reuigen Blickes und kraftvoll, und zurnend dem Gottesverächter. Dann trat er auf die⸗ ſen zu, edlen und ſichern Feuers im Auge, gleich dem des königlichen Loͤwen, und eine gluͤhende Kugel in ſeiner rechten ſchwingend, warf er damit den Raͤuber, daß dieſer blutend ſtuͤrzte zur Erde, und das Laͤmm⸗ chen ohnmächtig ſeinen Armen entſank, und vom ſchwarz ſpringenden Blute wurde betuͤnchet. Eine hei⸗ lige Verklaͤrung ergoß ſich jetzt uͤber die Scene. Das ſchmerzenreiche Antlitz des Herrn bekam Leben, und ſtrafend blickte es auf den, der die Kugel geſchleu⸗ dert, und dieſer, dadurch erbebend vor der That, die 92 er begangen, warf ſich zu den Fuͤßen des Erloͤſers flehend, und deutend auf das ohnmächtige Lämmchen, daß ohne ſeine Huͤlfe waͤre verloren geweſen, und um Schonung bittend fuͤr ſich, daß er ſeigenmaͤchtig ge⸗ handelt. Und die Zuͤge des Heilands erheiterten ſich und ſeliges Laͤcheln umſchwebte ſein ſchoͤnes Geſicht in himmliſcher Glorie, und die Worte ſprach er zum Reuigen:„Dir werde durch ſtrenge Buße vergeben! Und das Laͤmmchen lebe begluͤckt, ihm hat ſein Glaube geholfen!“ Und es winkte der Herr mit den Wimpern der Augen einen entfernt ſtehenden Seraph, den ich jetzt erſt erblickte, und der Seraph, verſtehend den Wink ſeines goͤttli⸗ chen Meiſters, eilte herbei und nahm liebend das Laͤmmchen in ſeine Arme, es kuͤſſend und mit ſeinem Athen belebend und ſaͤubernd vom Blute mit zuaͤrt⸗ licher Sorge. Da war mir als loͤßte ich mich auf in uͤberſchwenglicher Wonne und entſchwebte leicht von dem Ort meiner Andacht hin zu den Kreuzen, und wie ich angelangt dort war, verſchwand das Laͤmmchen, ich erkannte den Seraph, und ſaß an Chia⸗ rettis Buſen in entzuͤckender Liebe.“— Camilla ſchwieg. Sie hatte mit hehrer Begeiſte⸗ rung geſprochen und die Anweſenden kaum zu ath⸗ men gewagt, ſo bedeutungsvoll erſchien ihnen der Traum, doch wußte ihn keiner zu loͤſen. Savanetti war zu neu in dieſer Region und Claudia, wenn auch tief religioͤs, hatte doch ſelbſt zu herbe Erfah⸗ 98 rungen gehabt, als an directe Wunder zu glauben, wenn ſchon ſie bemuͤht ſtets geweſen, das empfaͤng⸗ liche Gemuͤth Camillas im kindlichfrommen, unbe⸗ dingten Glauben zu erhalten. Nur Antonio, der ſchwer Gepruͤfte im Leben, ſah, trotz ſeiner bitteren Erfahrungen, in dem Traum einen Fingerzeig Got⸗ tes, der Beachtung verdiene und Camilla ermahne, nicht on ihrer Rettung zu zweifeln und im unſchul⸗ digen Glauben, ohne Modification, zu beharren. „Ein ſchoͤnes Bild,“ ſagte er daher,„meine Tochter, wenn auch beaͤngſtigend erſt fuͤr Deine Seele, hat Dir der Hoͤchſte geſendet, und ſeine Liebe wird wahrmachen, was er Dir verſprochen; baue fort auf dieſe Hoffnung und erwarte glaͤubig das Ende.“ „Ich daͤchte aber doch,“ bemerkte Savanetti, „wir bauten vor, und uͤberließen uns nicht des blin⸗ den Zufalls in ſorgloſer Ruhe; denn der Herr ver⸗ herrlicht nur den Glauben an ihn, wenn der Menſch in Thaͤtigkeit wirkt und muthig das Steuerruder lenkt ſeines Schickſals.— Freilich bleibt uns nur Eins noch uͤbrig Camilla frei zu machen und es ko⸗ ſtet vielleicht ein anderes Opfer; aber ich halte dafur, daß wir lieber dieſes bringen, als die Tochter dem ſchaͤndlichen Heuchler vermaͤhlen.“ „Und dies wäͤre?“ fragte Antonio. „Pietro dem Marcheſe oͤffentlich gegenuͤber zu ſtellen, und deſſen Thaten durch Erſteren enthuͤllen zu laſſen. 94 „Dann iſt Pietro verloren,“ ſagte Antonio ſchmerzhaft,„ich haͤtte gern ihn gerettet.“ „Wir wollen mit der möglichſten Schonung ge⸗ gen ihn verfahren,“ entgegnete der Graf,„doch wie Ihr ſelbſt ſeht, ſteht uns kein anderes Mittel jetzt weiter zu Gebote.“ Langſam hob Camilla die ſchoͤnen Lider ihrer zauberiſchen Augen. Ihr Blick begegnete Antonios, der das geliebte Weſen wehmuͤthig betrachtete und eben Opfer um Opfer erwog. Er konnte nicht zwei⸗ felhaft ſein, und doch haͤtte er viel darum gegegeben, dieſe letzte Rettung nicht anwenden zu duͤrfen. Ca⸗ milla las ſeine Gefuͤhle. „Opfert ihn nicht,“ ſprach ſie,„er bedarf das Leben nothiger als ich; aber laßt ihn ſo viel thun, wie er unbeſchadet ſeiner eigenen Sicherheit mir kann gewähren, und das Uebrige ſtellt dem Höͤchſten an⸗ heim, ich glaube, dann iſt mir ſchon hinlaͤnglich geholfen.“ „Laßt uns das reiflich uͤberlegen, Antonio,“ be⸗ gann der Graf,„leicht moͤglich, wir erhalten noch Beide.“— 12. Der Mond war aufgegangen, ſeine Purpur⸗ gluth, in welcher er ſich empor geſchwungen, eben er⸗ loſchen, und blaß fielen ſeine Strahlen auf die Erde, „ 95 muth laͤchelnd. Auch die drei Kreuze, von Antonios ſegensreichen Haͤnden geſetzt, waren magiſch beleuch⸗ tet und gelehnt an das Kreuz des Suͤnders; zur Rechten des Herrn ſtand eine kleine Figur, gehuͤllt in einen ſchwarzſeidenen Mantel.— Es war der Marcheſe Girolani, der in Ungeduld aͤngſtlich hier harrte, bruͤtend uͤber ein neues Bubenſtuͤck. Jetzt ließen ſich leiſe Tritte vernehmen; der Marcheſe horchte und ſeine fuchſigen Augen ſchweiften umher ſcharf ſpaͤhend, den Annaͤhernden zu entdecken. Bald war dieſer erforſcht und ein gedämpftes:„Hilf Teufel!“ floß murmelnd von des Marcheſes Lippen, wobei er auf die Knie ſank vor den Kreuzen, betend ſich ſtellend.— Gleich darauf hatte auch der Nahende den Gi⸗ pfel des Huͤgels erreicht, und ehrerbietig ſeine Knie beugend vor den heiligen Zeichen und ſich bekreuzi⸗ gend Stirn und Bruſt, ſprach er andaͤchtig ein Gebet.— „Das klingt ja ſo vortrefflich fromm,“ ſagte der Marcheſe ſich erhebend im hoͤhniſchen Tone,„als hat⸗ teſt Du ſchon vierzig Jahre lang Heiden bekehrt, und ſeit einem halben Jahrhundert die Regeln der Kirche im ſtrengſten Sinne und voͤlliger Ueberzeugung gehalten.“ „Mir waͤre wohl beſſer,“ entgegnete der An⸗ kömmling,„ich haͤtte es gethan!“ „Ha, ha!“ lachte der Marcheſe,„recht ſo, vor— dem Verbrecher wie dem Guten in gleicher Sanft⸗ S— 90 trefflich! ſehr ſchoͤn! Du biſt in Allem Meiſter, auch Meiſter in der Verſtellung!“ „Ich verſtelle mich nicht, Signoria,“ verſetzte der Erſtere,„der heilige Glaube bat mich wahrhaft durchdrungen, und ich bin weit entfernt, mit der Re⸗ ligion profanen Spott zu treiben.“ „Koͤſtlich, koͤſtlich!“ rief der Marcheſe ſich die Haͤnde reibend,„ich ſehe, Du biſt heute bei ſo guter Laune, als haͤtte Dein Meſſer einen Probeſchnitt ge⸗ than, vor welchem Du ſelbſt erſtaunteſt. Aber, Kerl, wie ſiehſt Du denn aus? Reitet Dich denn ja der lebendige Teufel, oder hat er Dir blos die Jacke eines Faulthieres geborgt. Ha, ha! in die Kutte eines Franciscaners biſt Du gekrochen? doch halt! Schlauer Vogel, ich merke, Du witterſt den Domi⸗ nicaner hier in der Naͤhe! Sehr gut, vortreffliche Verkleidung, in welcher der Bluthund Dich ſchwer⸗ lich vermuthet.“ „Ich habe den Dominicaner nicht zu fuͤrchten, Signoria!“ ſprach der Andere faſt beleidiget, und wieder in einen demuͤthigen gemaͤßigten Ton fallend, fuhr er fort:„Das Kleid, was ich trage, ſoll meine Suͤnden verhuͤllen, die ich fuͤr Euch beging, und viel⸗ leicht gewaͤhrt mir Gott fuͤr reuige Buße Verzeihung.“ „Das heißt,“ ſprach der Marcheſe ſpottend wei⸗ ter,„Du haſt Dich in den Orden der Franciscaner begeben und traͤgſt ihre haͤrnene Kleidung, um Dein thatenreiches Leben zu beſchließen und Dich in den 97 Ruheſtand zu verſetzen, damit Dir durch Faullenzen eine ſogenannte Seligkeit werde zu Theil, wovon Dir die einfaͤltigen Narren, Deine jetzigen Collegen, vor⸗ geredet haben, und Du biſt Eſel genug ihnen zu glauben. Ein heroiſcher Entſchluß, fuͤr den Du auf gut tuͤrkiſch die Baſtonade verdienteſt, wenn er wirk⸗ lich wahr iſt, und deshalb will ich es bisjetzt noch nicht glauben. Nicht ſo, Pietro, Dir beliebt blos ein Faſchingsroͤllchen zu ſpielen, um unter der Kutte der Enthaltſamkeit in des Lebens Genuß doppelt ſchwel⸗ gen zu koͤnnen.“ „Signoria irrt,“ erwiederte Pietro,„die heilige Kleidung ſoll meinen Koͤrper jetzt und fuͤr immer um⸗ geben und durch fromme Andacht und ein Gott ge⸗ faͤlliges Leben, will ich meine Seele ſuchen zu retten; nie wieder betaͤube mich der verfuͤhreriſche Genuß!“ „Das wird immer beſſer; alſo fuͤr immer, und aus voͤlliger, frommer und reuiger Ueberzeugung biſt Du Franciscaner geworden?“ „Fuͤr immer und aus Ueberzeugung!“ „Und was verſprichſt Du Dir davon fuͤr Be⸗ lohnung?“ „Vergebung meiner Suͤnden und ein ewiges Leben!“— „Narr!“ lachte der Marcheſe,„ein ewiges Le⸗ ben! Wer hat einen Begriff von der Ewigkeit, und wer kann Dir ein ewiges Leben verſprechen! Das Leben, was Du jetzt genießt, iſt das Deinige, und 7 98 nicht mehr gehoͤrt Dir die Zukunft! Sie iſt nur ein Popanz, mit dem die Pfaffen die elenden Abergläu⸗ bigen ſuchen zu ſchrecken, um in den zeitlichen Guͤ⸗ tern dieſer unbekuͤmmert ſchwelgen zu koͤnnen. Sie iſt ein liſtiges Gaͤngelband, ausgedacht und angelegt den Menſchen von den Pfaffen, nichts weiter! Eine verfuͤhreriſche Buhlerin mit kaltem, eiſigem Herzen, die uns ihre Reize zeigt von ferne in lockendem Zau⸗ ber, aber wie ein Nebelbild verſchwindet, wenn wir ſie erreicht zu haben waͤhnen, und wir umarmen nur beſinnungsloſe, dunkle Nacht. Sie iſt ein Wahn, der uns die Wirklichkeit nimmt, wenn wir uns ihm uͤberlaſſen, und der nicht werth iſt, daß wir ihm eine Minute des Lebens opfern. Iſt der Koͤrper todt, ſtockt das Blut in den Adern, und verweßt mit dem Koͤrper, und Staub wird Geiſt und Koͤrper, oder Blut und Fleiſch und Knochen! Darum, was Du hier nicht genoſſen, iſt Dir ewig verloren!“ „Nein Signoria,“ entgegnete Pietro,„mein Glaube ſagt mir: es giebt einen Gott, der furchtba⸗ rer Vergelter unſerer ſchlechten Thaten, aber auch ein liebender Vater uns iſt, wenn wir ſeine Geſetze ge⸗ halten.“ „Geſetze und Gott und Gottesgeſetze!“ wieder⸗ holte der Marcheſe.„Und Unſinn und Furcht und Furcht und Unſinn iſt daſſelbe! Koͤnnten wir ein Geſetz annehmen, ſo waͤre es das der Natur; alles Uebrige iſt Machwerk der Menſchen, elende Betruͤge⸗ 99 rei, die von ſelbſt in ein leeres Nichts zerfließt, ſo⸗ bald wir wagen ihr dreiſt ins Antlitz zu ſchauen. Das Geſetz der Natur aber iſt nur: leben und ver⸗ weſen und Fortpflanzung durch ſich ſelbſt, ſo lange der Naturkoͤrper noch in Kraft iſt; doch ſinkt er da⸗ hin, iſt er todt und duͤnget die Erde!“ „Und doch fand ich Signoria hier betend? Wer ſolche Grundſaͤtze hat, ſollte auch nicht beten, es iſt ihm dann nur unnuͤtze Muͤhe! Ja, ja! es gab eine Zeit, wo ich auch ſo dachte; aber Gott ſei es ge⸗ dankt, ſie iſt voruͤber.“— „Glaubſt Du, ich habe dieſe Göͤtzenbilder, auf⸗ geſtellt von einem fanatiſchen Prieſter, angebetet? dann biſt Du der Thoren groͤßter und ich muß mich ſchämen mit Dir einen vertrauten Umgang jemals gehabt zu haben. Nur weil ich Dich nicht ſogleich in Deiner Mummerei erkannte, beobachtete ich den Schein der Frömmigkeit; denn wie konnte ich ver⸗ muthen, daß Du Dich mir ſo wuͤrdeſt präſentiren. Der Schein aber, Pietro, beherrſcht die Thoren, und der ihn zu beobachten verſteht, iſt ihr Meiſter, und Alles in der Welt, was auf Hypotheſen beruht, iſt nur Schein; nur das, was ich feſthalte, was ich ge⸗ nieße, iſt Wirklichkeit, und wer den Augenblick zu er⸗ greifen verſteht, kann den Genuß ſpannen bis zum hoͤchſten Entzuͤcken. In ihm liegt die Seligkeit, und wer ſie erhaſcht, dem wird ſie zu Theil; waͤhrend der, der ſie in frommer Andacht gleichgiltig laͤßt an ſich 7* 100 voruͤber ſchweben, ſie auf immer verliert. Dir ſollte ich doch dergleichen zu ſagen nicht mehr noͤthig ha⸗ ben, oder haſt Du ſchon zu viel genoſſen? und hat mein Gold Deine Kraͤfte ſo erſchoͤpft, daß Du ſagen kannſt: ich habe gelebt und will nun blos noch in der angenehmen Erinnerung leben! Dann brauchſt Du freilich kein Gold mehr, die Erinnerung haſt Du umſonſt!“— „Eine ſchreckliche Erinnerung hat Euer Gold mir verſchafft.“ „Und doch eine ſchoͤne, Pietro, die, wenn Du vernuͤnftig zuruͤck denkſt, nur Angenehmes Dir bie⸗ tet; und daher meine ich auch, Du entſagteſt Dei⸗ nem jetzigen albernen Entſchluß und trittſt wieber in den Kreis froͤhlicher Menſchen, die des Augenblickes Gunſt genießen in unbekuͤmmerten Erwarten der Zu— kunft und ſich nicht quaͤlen mit Grillen, die ihrem aufgeklaͤrten Geiſte unwuͤrdig ſind.“ „Nein, Signoria, ich fuͤhle mich ſo wohler bei meinem jetzigen Glauben und werde darin beharren.“ „Und bedenkſt nicht, daß Du meinem Glauben dadurch eine große Stuͤtze raubſt; denn Du weißt, ich glaube nur an die Macht meines Goldes und an die ſichere Richtung Deines Dolches; alles Uebrige iſt Thorheit.— Aber Du mußt Dich dadurch ge⸗ ſchmeichelt fuͤhlen, daß ich Dich mit einer beſondern Ehre belege.“ 101 „Die ich ablehnen muß; mein Dolch iſt zerbro⸗ chen fuͤr immer.“ „Auch fuͤr den Dominicaner?“ „Auch fuͤr ihn!“ „Elender Kerl, den man anſpornen muß ſeine Ehre zu retten! Weißt Du, was dieſer Dominicaner Dir gethan! Nicht genug, daß er Dich excommuni⸗ cirte, als Du Dich nicht bereitwillig ihm zeigteſt, Deinen Dolch fuͤr ihn zu fuͤhren; er gab Dir auch noch ein Pulver, was Deine Glieder laͤhmte und nur⸗ſeiner Faſelei haſt Du es zu danken, daß Du Dich noch am Leben befindeſt; Dein Tod war beſchloſſen und iſt es noch, dieſer Anſelmo verfolgt Dich; darum komme ihm zuvor, weil eine gute Gelegenheit ſich Dir jetzt durch mich bietet.“ „Fuͤr mich mag er leben, Signoria, er iſt ein Geweihter des Herrn, uͤber den ich nicht zum Rich⸗ ter geſchaffen, wenn er auch unwuͤrdig lebt, und was uͤber mich beſchloſſen, muß ich in Demuth erwarten.“ „Weil das Ehrgefuͤhl und Deine Kraft in Dir erſtorben! Seit wenn iſt es Mode geworden, daß ein muthiger Bravo eine ſolche Sprache fuͤhrt? Waͤrſt Du noch Deiner Kraft Dir bewußt, und wohnte noch Muth in Deiner Bruſt, Du koͤnnteſt nimmer ſo ſpre⸗ chen. Einer alten Betſchweſter gleichſt Du jetzt, die in ihren jungen Jahren in dem Taumel ihrer Wol⸗ luſt nur lebte und nun im herannahenden Alter nicht zauberiſche Reize genug mehr beſitzt, um die Gegen⸗ 102 ſtände ihrer Luͤſte zu feſſeln, und in der der Dämon erwacht, ſie mahnend zur Buße. Pfui uͤber Dich alte Kokette!“ „Schmaͤht wie Ihr wollt, mich ſollt Ihr nicht reizen.“ „Weil Du unreizbar biſt, ein elender Fuſcher, der ſein Handwerk nur ſchaͤndet! Waͤreſt Du zuͤnf⸗ tig, beim Teufel, Du wuͤrdeſt Dich ehrbar behaupten! Ein gemeiner Fuſcher nur biſt Du, und verdienſt mit Recht ausgeſtoßen zu werden aus Deiner Zunft; Lehrjunge von Bravo, der ſich einbildete Meiſter zu ſein!“— Mit einer ſchneidenden Veraͤchtlichkeit hatte der Marcheſe dieſe Worte geſprochen. Sie durchzuckten Pietro wie der Blitz die dunkelſte Nacht; ſeine ſchwar⸗ zen Augen glänzten rollend in ihren Hoͤhlen und ſeine Mienen verzogen ſich zu einem krampfhaften Laͤcheln, ausdruͤckend gluͤhende Wuth. „Elender, gemeiner Fuſcher, Lehrjunge!“ wie⸗ derholte er. „Ha, Marcheſe, ich wuͤnſche das Meiſterſtuͤck an Ihnen abzulegen, und meinen Zunftbrief durch Ihr Blut zu unterſchreiben.“ „Moͤchteſt Du? ſieh, das waͤre ein beſtialiſcher Streich, fuͤr den ich Dich an den Galgen wuͤnſchen koͤnnte, wenn ich nicht ſeinen Werth beſſer erwaͤgte. He! iſt endlich das ſtockige Blut wieder in Umlauf und Feuer gerathen? Haben ſich endlich Deine Ner⸗ 103 ven wieder geſpannt und hat der Fuſcher Dein Ehr⸗ gefuͤhl erregt? Ha, ha! daß es doch fuͤr den Teufel ſelbſt einen Koͤder giebt, womit man ihn zu locken vermag. Warum beharrſt Du jetzt nicht bei Dei⸗ nem frommen, ſanften, alles vergebenden Glaubn. Fuſcher! Lehrjunge oder Meiſter! es kann Dir ja gleich ſein, fuͤr was ich Dich halte!“ Der Bravo kochte vor innerem Groll. Mit Ge⸗ walt ſuchte er die ihn durchſtroͤmende Gluth zu un⸗ terdruͤcken; aber umſonſt; das wilde Feuer, welches die veraͤchtlichen Worte des Marcheſe in ihm empor⸗ gelockt, behielt die Oberhand, und beleckte in flam⸗ mender Spannung jeden Nerv. Seine Augen blitz⸗ ten und mit verzerrt teufliſchen Zuͤgen ſprach er ſchreck⸗ lich:„Der Dominicaner ſterbe; ſein Tod documen⸗ tire meine Meiſterhand! Weil denn die Hoͤlle mich wieder verlockt, mag auch die Hoͤlle ihr Opfer erhal⸗ ten!— Die Hoͤlle ſelbſt ſoll mir den Zunftbrief ſchreiben!“— Der Marcheſe war einige Schritte zuruͤckgewi⸗ chen; doch bald wieder gefaßt, klopfte er den Bravo auf die Schulter und ſagte:„Jetzt erkenne ich Dich wieder, Deine Sprache iſt die eines kuͤhnen Mannes, der Beleidigungen verſteht ſtrafend zu raͤchen. Deine Hand, der Dominicaner ſtirbt!“ „Er ſtirbt!“ entgegnete Pietro mit der Rech⸗ ten einſchlagend.„So wie ihn meine Augen er⸗ blicken, hat er zum letzten Male die Sonne geſehen!“ ——— 104 „Dein Handſchlag verbirgt mir die Ausfuhrung der That,“ verſetzte der Marcheſe,„und hier dieſer Beutel loͤſche einſtweilen einen Theil meiner Verbind⸗ lichkeiten. Nimm! ein ſchwererer folgt nach, hat der Dominicaner geendet, und Du kannſt dann auf Dei— nen Lorbeern ausruhen; es iſt die letzte Thaͤtigkeit, die ich von Dir verlange.“ „Ich bedarf des Goldes nicht,“ ſprach der Bravo nach kurzem Beſinnen,„der Dominicaner iſt mir jetzt verfallen, ich will Euch blos den Meiſter beweiſen!“ „Unnoͤthige Ziererei; auch der Meiſter freut ſich des Lohnes!“ „Nicht, wenn er das Meiſterſtuͤck macht, hat der Meiſter den eitlen Gewinn nur vor Augen; ſeine Kunſt will er beweiſen und ſeiner Zunſt wuͤrdig ſich zeigen. Ich nehme nichts, ſpart Eure Worte!“ „So bleibe ich Dein Schuldner, Pietro, bis Du verfuͤgſt uͤber das Gold; es liegt zu jeder Zeit für Dich bereit; hole es ab nach Deinem Belieben. Doch ehe wir ſcheiden, muß ich Dich noch naͤher unterrich⸗ ten; darum hoͤre, warum ich den Tod des Domini— caners von Dir verlange.“ „Aus Freundſchaft doch wohl,“ erwiederte der Bravo mit einem grinſenden Lachen,„ja, ja, er war Euer Freund, Signoria, und jetzt ſoll ich ihm Eure ewige Freundſchaft verſichern. Was geht mich das Naͤhere an, genug, daß Ihr mein Wort habt.“ „Gut denn, nenne es wie Du willſt, Freund⸗ 105 ſchaft, Haß oder Rache, mir recht, meinetwegen kannſt Du es liebende Sorge auch nennen, wenn er nur ſtirbt. Aber das Wenn! muͤſſen wir naͤher beſprechen.“ „Schlagt vor!“ „Ehe die Sonne zum zweiten Male aufgeht, ſei die Kette der Uhr ſeines Lebens zerriſſen, und hierzu bietet ſich uns morgen Nacht die beſte Gelegenheit dar. Du kennſt das Kloſter der Dominicaner wenige Stunden von hier, und der Hohlweg, durch welchen jeder Reiſende muß, um von hier aus hinzugelangen, iſt Dir nicht minder bekannt. Dort ſtellſt Du Dich an, denn wie ich ſicher in Erfahrung gebracht, will Anſelmo ſeinen Ordensbruͤdern morgen Nacht, ehe noch die Sonne emportaucht, einen Beſuch abſtatten in aller Heimlichkeit. Auch der Zweck dieſer Reiſe iſt mir nicht verborgen, und wenn Du ihn hoͤren wirſt, moͤchte ſich Dein Muth und Deine Rache wohl noch foͤrder entflammen: Sie wollen den Untergang An— tonios beſchließen!“— Der Marcheſe hielt einige Augenblicke inne, um die Wirkung zu beobachten, die dieſe Entdeckung auf den Bravo moͤchte hervorbringen, dann fuhr er fort: „Deines Freundes, des Franciscaners Antonio!“— „Meines Vaters!“ fiel der Bravo heftig ein, „fuͤr den ich gern mein Blut ließe fließen! Ha, ihr Tieger! ich will euch zeigen, daß Pietro ſeines Va⸗ ters Haupt weiß zu beſchuͤtzen!“ „Dies habe ich von Dir erwartet,“ entgegnete 106 der Marcheſe,„und wenn Anſelmo faͤllt, iſt Antonio ſicher; nur der Dominicaner iſt, aus altem Haß, die Triebfeder des Todes Deines Freundes oder Vaters. Aber hoͤre weiter; der Dominicaner iſt die Liſt und der Betrug ſelbſt. Um unerkannt nach dem Kloſter ſeiner Bruͤder zu gelangen, wird ſich Anſelmo in das Gewand eines Franciscaners verhuͤllen und ſo, auf einem Maulthier ſicher ſich waͤhnend, ſeine Reiſe an⸗ treten.— Nun waͤre mein Vorſchlag der, daß Du wohl verſteckt in des Hohlwegs dichtem Gebuͤſch Dich hielteſt und aus Deinem Hinterhalte eine Kugel ihm ſenbeteſt ins falſche Herz, ſobald Du ihn erblickſt. Alles hierzu iſt Dir guͤnſtig; der Mond ſcheint hell, daß man auf tauſend Schritt eine Nadel ſieht blinken, und bei Deiner Gewandtheit mit der Buͤchſe, Deiner feſten Hand, und Deinem ſichern Auge kann Dir der Schuß unmoͤglich mißgluͤcken, und Du haſt noch den Vortheil, den Verdammten nicht ſelbſt beruͤhren zu duͤrfen. Hierzu ſteht Dir meine beſte Buͤchſe zu Ge⸗ bote, und ich ſelbſt will ſie Dir holen, wenn Du noch ein wenig verweilſt. „Gleich viel, Kugel oder Dolch; er ſtirbt!“ „Ich ziehe die Kugel vor, Pietro, zeige mir hierin Deine Kunſt und ich erlaſſe Dir jede andere Probe; nachher kannſt Du Dich immer noch uͤber⸗ zeugen, ob er todt, und noͤthigen Falls den Genick⸗ fang ihm geben.“ „Aber warum nicht den Dolch?“ 107 „Weil Anſelmo Dich koͤnnte gewahr werden, und Du jetzt zu ſehr von frommen Gefuhlen durchwebt biſt, und vielleicht nicht ſtandhaft genug ſein koͤnnteſt, bei Deinem Entſchluß zu beharren, wenn ſeine Worte Dich umſtricken, und wir wären dann Beide verloren; denn des Dominicaners Macht iſt ſo groß wie ſeine Tuͤcke!“ „Sorgt nicht, er ſoll keine Zeit haben lange zu reden; doch wenn es Euch beliebt, ſo ende er auch durch die Kugel; mir iſt es gleich, jeder Zuck ſei eine Schmach in meinem Zunftbrief!“ „Laß Dich umarmen, Meiſter!“ rief der Mar⸗ cheſe in wildem Feuer ſeiner Freude, den Bravo ſtuͤr⸗ miſch umfaſſend.„Und nun komm, empfange die Buͤchſe!“— 13. Des jungen Grafen Chiarettis Tage floſſen un⸗ ter Studien dahin. Rialdi hatte ſich immer mehr und mehr ſeiner bemaͤchtiget, und wußte ihn ſo ge⸗ ſchickt zu leiten, daß die Trennung von Camilla ſei⸗ nen Geiſt immer weniger beſchäftigte und Leonardo ſich faſt gänzlich ſeinem Beruf und den Kuͤnſten hin⸗ gab. Ein religioͤſer Anflug blieb ihm jedoch bei Al⸗ lem eigen, und ſo ſehr Rialdi ſich auch bemuͤhte ſei⸗ nen Zoͤgling, mittelſt den Empfehlungen des Grafen Savanetti, bei verſchiedenen Familien einzufuͤhren und „ 108 Leonardo dadurch Gelegenheit gab, mehrere geiſtreiche und ſchoͤne Maͤdchen kennen zu lernen, ſo begegnete dieſer die holden Geſchoͤpfe doch nur mit ausgezeich⸗ neter Verehrung, ohne ſich zu ihnen hingezogen zu fuͤhlen; ſein Ideal ſchien ihm nirgends weiter erreich— bar, es wohnte einzig in ihm, wie die Gottheit. Dagegen waren haͤufige Spazierparthien in der ſchoͤnen Umgegend Roms Leonardos Lieblingsneigung geworden und ſeine Mußeſtunden, die er nicht in der Carmeliterkapelle verbrachte, wurden fleißig hierzu be⸗ nutzt, wobei ihm Rialdi ſtets treulich begleitete.— So gingen ſie Beide eines Abends an den bluͤhen⸗ den Ufern der gelblichen Tiber, als ſich, wie von un— gefaͤhr, ein fremd gekleidetes Maͤdchen zu ihnen ge⸗ ſellte und ſich anbot ihnen wahrzuſagen. „Geh, mein Kind,“ ſagte Rialdi,„wir beduͤrfen Deiner Kunſt nicht; was die Gegenwart beut, ſehen wir klar, und die Zukunft werden wir wie Maͤnner erwarten.“ „Soll ich auch Euch nicht wahrſagen, Signore,“ ſagte das Maͤdchen nach Chiarettis Hand langend, „ich leſe in Euren Augen, daß Ihr gern den Schleier der Zukunft moͤchtet lüften.“ „Nein, auch mir nicht!“ entgegnete Leönardo, „der fromme Chriſt erwartet, was das Schickſal ihm beſtimmt und lebt nur im reinen Glauben, ohne Gott zu verſuchen. Doch iſt Dir an einer Gabe gelegen, ſo nimm, und ſei freundlich entlaſſen.“ 109 Mit dieſen Worten reichte er dem Maͤdchen ein Geldſtuͤck, das ſie dankend annahm; allein gleichzei⸗ tig dabei Leonardos Hand ſich bemaͤchtigte und ſprach: „Auch ich bin eine glaͤubige Chriſtin; doch da Eure Gabe ſo reichlich iſt, muͤßt Ihr mir auch erlauben, ſie zu verdienen, und wenn ich Euch etwas Ange⸗ nehmes ſage, koͤnnt Ihr ja unbeſchadet Eures Glau⸗ bens es fuͤr Ernſt halten oder Scherz, und Euch meiner freundlich erinnern, wenn ich Wahrheit ge— ſprochen.“ „Laß es gut ſein, mein Kind,“ bemerkte Rialdi, die Hand Leonardos zuruͤckziehend, die dieſer dem Mädchen mechaniſch gelaſſen,„wir wollen uns auch ſo Deiner erinnern.“ Aber es war ſchon zu ſpaͤt; des Maͤdchens ſcharfe, ſchwarzbraune Augen hatten bereits in Chia⸗ rettis Hand ſtaunend geleſen, und Leonardo, dem ihr Mienenſpiel auffiel, konnte ſich nicht enthalten zu fra⸗ gen:„Du mußt etwas Beſonderes erblicken; und nun Du einmal doch wider meinen Willen in meiner Hand meine Zukunft geleſen haben wilſſt: ſo theile auch mit, was Du weißt, mein Glaube ſoll dadurch nicht ſchwanken.“— Rialdi war damit unzufrieden; er fuͤrchtete Leo⸗ nardos empfaͤngliches Gemuͤth moͤchte ſich von Neuem durch einen zweideutigen Spruch zu ſehr der religio⸗ ſen Schwaͤrmerei hingeben, und nahm Chiarettis Arm, — —— — —— 11⁰ um mit ihm zu enteilen.— Allein in dieſem Augen⸗ blick ſprach auch ſchon das Madchen: „Nur durch den Tod gewinnſt Du ſchön'res Leben, Und der Tod kann Dir die Braut nur geben. Er wird der Schönen ſich vermählen, Daß ſie als Bräut'gam Dich kann wählen; Und hat er blutig ſie zur Frau gemacht, Gibt Dir die reine Braut der Liebe ſüß'ſte Nacht.“ Und ehe Leonardo und Rialdi die Worte noch hoͤrten ganz verklingen, war die Wahrſagerin in den nahen Gebuͤſchen verſchwunden. „Was meinen Sie dazu?“ fragte Leonardo den Mentor,„nur der Tod kann mir ein ſchoͤners Leben und die Braut geben, und doch wird er ſich mit ihr vermaͤhlen; blutig wird er ſie zur Frau machen, und doch ſoll mir der reinen Braut Liebe laͤcheln in ſuͤße⸗ ſter Nacht!“ „Ich meine,“ verſetzte Rialdi ernſt,„Sie haͤtten Ihre Hand nicht hinhalten ſollen, um dergleichen dunkeln Spruͤchen auszuweichen; doch da es nun ein⸗ mal geſchehen, erwarte ich, daß Sie nicht weiter daran denken, und die ganze Begebenheit nur als einen Scherz betrachten, wie es Ihrem Glauben geziemt, und ſich nicht etwa in der Aufloͤſung des myſtiſchen Spruches verlieren. Was ein albernes Maͤdchen un⸗ ſinniges ſpricht, muß der ſtarke Mann nicht beachten; nur der Liebe Tändeleien kann er vielleicht aus⸗ nahmsweiſe in einzelnen Fällen ebenſo erwiedern; 111 aber wo es um ernſte Dinge ſich handelt, die Ein⸗ fluß fuͤr das ganze Leben koͤnnten uͤben, muß er auch ernſt dergleichen verwerfen.“ „Sie haben Recht,“ entgegnete Leonardo,„es liegt zu viel Widerſpruch in den Worten, als daß man ſie koͤnnte erwaͤgen; nur bleibt es immer auf⸗ fallend, daß gerade mir das Maͤdchen ſie ſagte. Al⸗ lein ich bin gefaßt auf Alles, und will mich nicht quaͤlen, den geheimnißvollen Spruch zu entziffern.“— Und wieder das unterbrochene Geſpraͤch anknuͤpfend, ſetzten Beide den Spaziergang fort. So ſehr auch nun Chiaretti ſich bemuͤhte, an die Erſcheinung des Maͤdchens und ihre Worte nicht mehr zu denken, ſtand das braune, nicht haͤßliche Antlitz der Wahrſagerin ihm doch immer vor Augen, und ihr zweideutiger Spruch hallte beſtaͤndig wieder in ſeinem Innern. Selbſt in der Carmeliterkapelle, wo⸗ hin er noch nach beendigtem Spaziergange ging, ſeine Abendandacht zu verrichten, verließen ihn nicht dieſe Gedanken und miſchten ſich in ſein Gebet, und die heilige Jungfrau vom Berge Carmel ſchien ihm heute bläſſer, als er ſie je geſehen. Er fing an zitternd fuͤr Camilla zu bangen, denn die Zeit ihrer Vermaͤh⸗ lung war nicht mehr fern, und des dunkeln Spru⸗ ches Deutung glaubte er nur auf das Jenſeits an⸗ wenden zu koͤnnen. In dieſer Stimmung kam er nach Hauſe, wo er einen Brief von Antonio vor⸗ fand.„Freue Dich, mein Sohn,“ ſchrieb der treue 112 Freund unter andern,„es iſt uns gelungen, die eiſige Kruſte von dem Herzen Deines Vormundes zu ſchmel— zen, und die Hoffnung, daß Camilla die Deinige noch wird, laͤchelt Dir ſchoͤner als je.“ Dann ſetzte ihm Antonio das Geſchehene umſtaͤndlich auseinan⸗ der, ſo weit es damals war gediehen, und ſchloß mit den Worten:„Nur noch fehlt es dem Grafen an eine ſchickliche Gelegenheit, ſich ſeines Wortes gegen den Marcheſe zu entbinden; aber auch dieſe wird uns der Herr finden laſſen, und Ihr werdet bald den Lohn Eures frommen Glaubens durch die irdiſche Seeligkeit empfangen.“ Leonardo jubelte in wonni— gen Gefuͤhlen, wie das Kind, das ſein glaͤnzendes Spielzeug lange vergebens geſucht und es nun auf einmal wieder erblickt in geringer Entfernung und freudig und voll Ungeduld darauf zueilend es ſchon in Gedanken druͤckt an ſein kleines Herzchen.— Auch Rialdi nahm den waͤrmſten Antheil an Chiarettis Freude, und unter frohen Vermuthungen und gluͤck⸗ ſeligen Verheißungen der Zukunft ſuchte endlich Leo⸗ nardo das naͤchtliche Lager, um auch der Ruhe zu genießen, woran der Mentor ihn mahnte. Aber lange wich der Schlaf ſeinen Augen, nur ein myſtiſcher Nebel ſchien ſeine Sinne als Traum⸗ gebild zu umgaukeln, der ihm bald die bluͤhenden Fluren des Spazierganges zeigte, die Wahrſagerin vorfuͤhrte, mit dem Klange ihrer dunkeln Worte, bald das Altarbild in der Karmeliterkapelle ihm vor⸗ 113 ſchweben ließ, und endlich Antonios Brief in ſchoͤnen Farben geſchmuͤckt vorhielt, bis ſich das Ganze luftig in einander verſchmolz und er wirklich einſchlief.— Und num regelte Morpheus das Chaos der Bilder, und Leonardo träumte: er ſchwebe im Geiſte uber einen ſchoͤnen Garten voll prangender, herrlicher Blu⸗ men und gruͤnenden Matten, auf welchen letztern eine zwei Kinder, ein Knabe und ein Maͤdchen, in ſuͤßer Unſchuld taͤndelnd und koſend ſaßen, und von den kleinen weißen Bluͤmchen Kraͤnze ſich wanden und ſchaͤkernd ſich ſchmuͤckten. Melodiſch hauchten jetzt die buntgefiederten Saͤnger, Bewohner der bluͤ⸗ henden Straͤucher, ihr Lied in frommen Choraͤlen, und die Kinder, durchdrungen von den hehren Klaͤn⸗ gen, knieten nieder, die zarten Haͤndchen zum Gebet erhoben, und die lieblichen Sterne ihrer klaren Augen gerichtet gen Himmel dem reinen, großen, göttlichen Laſurgewoͤlbe, von keinem Woͤlkchen getruͤbt. Da ſchlich ſich heran zu den Betenden ein beutegieri⸗ ger Wolf mit blutigem Rachen, und mit einem Sprunge das zarte Maͤdchen ergreifend, lief er da⸗ von mit ihr in fluͤchtiger Eile. Erſtarrt ſah der Knabe einen Augenblick dem Raͤuber nach, doch dann raffte er ſchnell ſich empor, ihn leichten Fußes einzu⸗ holen, und abzunehmen die weinende Kleine. Aber vergeblich nur war die Muͤhe des Knaben; er war zu ſchwach, obgleich eingeholt er hatte den Wolf, die⸗ ſen zu bekampfen, der ihn noch höhniſch verlachte. . 8 114 Allein nicht ab ließ der Knabe den Wolf zu verfol⸗ gen und ſo gelangten ſie auf einen Berg, den Chia⸗ retti fur den Berg Karmel erkannte, und in der Ferne ſah das Kreuz, vor welchem die heilige Jungfrau knieend betend lag. Und wie das Ungethuͤm den Gipfel erreicht mit dem Maͤdchen, ſich wenig kuͤmmernd um den nacheilenden Knaben, war die Jungfrau ver⸗ ſchwunden und eine große Schlange lag zuſammen⸗ gerollt vor dem Kreuze. Heulend ſtutzte der Wolf und wollte entweichen; aber im ſelben Augenblick ſtuͤrzte die Schlange auf ihn zu, und ſich mit Blitzes⸗ ſchnelle um ihn windend, druͤckte ſie den Raͤuber kra⸗ chend zuſammen, daß er Blut ſpeiend fallen ließ ſeine Beute, und das zarte Maͤdchen der Knabe konnte gewinnen. Froh auf athmete Leonardo, der nur un⸗ thaͤtiger Zuſchauer ſein durfte, und freute ſich der lie⸗ benden Sorge des Knaben, mit welcher er die ohn⸗ maͤchtige Kleine zaͤrtlich ſuchte zu beleben, und wie Chiaretti wieder auf die Schlange und den Wolf ſeine Blicke richtete, lag der Letztere todt in ſeinem Blute, und ſtatt der Schlange ſtand ein ehrwuͤrdiger Eremit da, ſegnend die Kinder. Und an der Hand nahm der Eremit die zitternden Kleinen und fuͤhrte ſie zu⸗ ruͤck nach dem bluͤhenden Garten, deſſen ſtrahlende Pforte ſchon von fern leuchtete in zauberiſchem Schim⸗ mer; und wie ſie anlangten, las Leonardo, eingefugt in der Pforte Bogen und prangend im reinſten Feuer der Brillanten, die Worte:„Des kindlichen Glau⸗ 115 bens ſchoͤner Lohn.“ Und es war ihm als verkoͤrpere ſich ſein Geiſt und er träte mit ein, ſeine ſchwebende Hoͤhe verlaſſend, in den herrlichen Garten. Da ver⸗ ſchwanden ploͤtzlich der Eremit und die Kinder, und wie er ſtaunend ſich noch umſah, eilte auf ihn zu eine reizende Geſtalt in lächelnder Wonne, er erkannte ſie, flog ihr entgegen, und empfing ſeine heißgeliebte Camilla.—— Als Chiaretti erwachte, ſtand ihm der Traum noch immer vor Augen. Er war boͤſe, daß die Sonne ſchon die blauen Fluthen des Meeres wieder verlaſ⸗ ſen: er hatte ſich ja ſo unausſprechlich wohl in Ca— millas Armen befunden. „Sie gruͤbeln gewiß wieder,“ ſagte Rialdi laͤ⸗ chelnd ſchonend, als er den Juͤngling wach noch traͤu⸗ mend fand;„wer wollte denn die myſtiſchen Worte des Mädchens nicht weiter erwagen?“— „Sie erfuͤllen mich auch jetzt weniger,“ entgeg⸗ nete Leonardo,„aber ein Traum beſchaͤftigt mich noch, und er und der Spruch des braunen Maͤdchens ſtimmen in Seltſamkeit uͤberein.“ „So laſſen Sie mich ihn doch auch hoͤren!“ verſetzte der Mentor, und Chiaretti erzaͤhlte den Traum. 14. Wie Antonio wieder in den Mauern ſeines Klo⸗ ſters eingetroffen war, wollte er ſogleich mit Pietro 8* 116 wegen der Anklage des Marcheſes Ruͤckſprache neh⸗ men; aber der Bravo war nicht gegenwaͤrtig, er hatte ſich unter einem ſchicklichen Vorwande entfernt und ſollte ſich noch wieder einfinden. Der ganze Abend, die Nacht und der folgende Tag bis Mittag verging, und immer noch kehrte Pietro nicht zuruͤck. Antonio war um ihn beſorgt; auch hatte er verſprochen am Nachmittage die graͤflliche Familie abermals zu be⸗ ſuchen, um ihnen die Verhandlungen mit Pietro mit⸗ zutheilen, und er ließ daher uͤberall nach dieſem fra⸗ gen, wo er nur konnte deſſen Aufenthalt vermuthen. Doch ſtets ohne Nachricht kamen die Abgeſandten zuruͤck; es hatte Niemand den Bravo geſehen, und Antonio mußte, ohne Ruͤckſprache mit Pietro genom⸗ men zu haben, ſich nach der Villa des Grafen bege⸗ ben.— Die Nachricht von des Bravos Entfernung erſchuͤtterte Alle; Niemand wußte ſich den Grund davon anzugeben, noch zu ahnden, weshalb er ver⸗ ſchwunden und wohin er die Richtung genommen. „Es iſt vielleicht eine weiſe Fuͤgung Gottes,“ ſagte Antonio, nachdem man hin und wieder das Verſchwinden Pietros beſprochen,„daß ſich der Un⸗ gluckliche gerade jetzt entfernt, und wenn ich wuͤßte, daß es ihm wohl ginge, ich wuͤnſchte mir ſeine Zu⸗ ruͤckkunft; fuͤr jetzt bleibt mir das Ganze jedoch ein Beſorgniß erregendes Raͤthſel.“ „Sollte er in die Schlingen des Marcheſes und Dominicaners gefallen ſein,“ bemerkte Savanetti 117 dunkel ahndend,„Sie haben wohl ſeine Spur aus— gekundſchaftet, ihn verlockt, und dann einen ewigen Brief geſchrieben, damit ſie ſicher ſind von ihm nicht verrathen zu werden.“ „Das kann ich kaum glauben,“ entgegnete An⸗ tonio,„er kennt dieſe Beiden zu gut, als ihnen zu trauen, und iſt dem Dominikaner zu ſehr Feind; auch halte ich ihn fuͤr zu klug, als ſich denſelben zu uͤberliefern. Ueberdies war ſein Name im Kloſter Niemand bekannt; er lebte dort unter Fra Bruno, wie ich ihn taufte, weil er ganz braun war, als ich ihn fand, und auch von ſeinem fruͤheren Leben und Verhaͤltniſſen iſt Keiner als ich im Kloſter unterrich⸗ tet; ebenſo hielt er ſich ſtets allein, und fuͤhrte einen wahrhaft buͤßenden Wandel, der ihm gewiß aus dem Herzen kam; und deshalb wuͤßte ich nicht, wie ſein fruͤherer Herr oder der Dominicaner ihn entdeckt ha⸗ ben ſollte.“— „Aber wo ſollte er ſtecken, ehrwuͤrdiger Vater?“ „Das weiß Gott, ich will mir die Muͤhe nicht verdrießen laſſen, nach ihm zu forſchen; doch waͤre es mir Beruhigung, wenn ich in Sicherheit ihn wuͤßte.“ „Und unſere Anklage?“ „Muß nun doch erfolgen; ich werde Pietros Beichte entdecken, und jetzt ſelbſt als Anklaͤger des Marcheſe auftreten. Wir haben nur wenig Zeit noch, allein ich denke ſie gut zu benutzen, obgleich ein Ge⸗ 118 ſchäft fuͤr meinen Orden meine Thaͤtigkeit in dieſen Tagen ebenfalls in Anſpruch nimmt. Doch muß es uns Sorge ſein vor Allem, Pietro zu erkunden, da⸗ mit wir ihn benachrichtigen, was geſchehen und er noch kann uͤber die Grenze des Landes gelangen.“ „Dies ſei meine Sorge,“ ſprach Savanetti,„iſt er noch hier, wird er auch auszukundſchaften ſein, und die Mittel zur Flucht ſollen ihm reichlich fließen, ſo wie ſeine Zukunft bedacht werden.“ „Nehmen wir die Gegenwart nur gehoͤrig wahr, die Zukunft wird ſich von ſelber geſtalten, wenn Ihr nicht wieder ruͤckfallt und Euren eignen Sinn ſtets wollt behaupten.— Aber wo iſt Camilla und Clau⸗ dia geblieben; laſſen wir ſie nicht aus den Augen, die Luft hier iſt Gift, und wer ſie unvorbereitet ath⸗ met, kann leicht ſich vergiften. Unſern Feinden iſt Alles zuzutrauen, ſie ſind im Stande, die Braut vor der Tihuung zu rauben, und ſie noch einmal von uns zu verlangen, und nimmer moͤchten wir ſie wohl wieder dann ſehen.“ Der Graf, jetzt immer nur Arges waͤhnend, wurde aͤngſtlich uͤber Camillas ſtilles Entfernen und trat ſogleich den Weg an, um ſie zu ſuchen. Sie war mit Claudia, nachdem ſie Pietros Verſchwinden vernommen, in die Capelle geeilt, dort zu beten.— Knieend lag die Braut auf den Stufen des Altars, vor dem Bilde, welches der beſondere Liebling ihrer ſeeligen Mutter geweſen. Es war zwar nur Copie von jm Kuell nd! pont und fihru nur Nut löſer kopf Köry Perft nach der — von Guido Renis hohem Altarblatte in der Kapu⸗ zinerkirche zu Bologna, daͤrſtellend den Heiland am Kreuze und darunter ſeine Mutter und Johannes und Magdalena; aber die herrliche Zeichnung war von der Hand eines Meiſters noch einmal geſchaffen, und wetteiferte mit dem Originale in vollendeter Aus⸗ fuͤhrung. Kein Laut toͤnte uͤber die Lippen Camillas; nur gerichtet den wehmuthsvollen Blick auf den die Mutter ſeinen Liebling als Sohn uͤbergebenden Er⸗ loͤſer, preßte ſie die gefalteten Haͤnde an den hoch⸗ klopfenden Buſen in ſtummer Andacht, unbeweglichen Koͤrpers, als habe ſie zuruͤckgelaſſen dieſen in ſchoͤner Verſteinerung, und ihre Seele ſei ſchon entflohen nach dem ewigen Lichte. Auch Claudia kniete neben der jugendlichen Freundin, aber ihr Gebet war be⸗ lebt, und nur Camilla perſonificirte die heilige Ruhe des Glaubens, das feſte Vertrauen an der Huͤlfe des Hoͤchſten, und zeichnete das hehre Wort: Glaube! mit hinreißender Gewalt und Verehrung ſeiner hohen Bedeutung. Leiſen Fußes traten jetzt der Dominicaner und der Marcheſe in die Capelle. Sie ſtutzten, als ſchlage ſie das boͤſe Gewiſſen beim Anblick des gläubigen Maͤdchens, und wie beſchaͤmt der Tiger zuruckſchleicht, wenn ſein Sprung die erkieſene Beute verfehlte, zo⸗ gen ſie ſich geraͤuſchlos in einen Beichtſtuhl. Nicht lange jedoch dauerte ihre Beſtuͤrzung, dann ſetzten fie ſich ſo, als hoͤre der Dominicaner die Beichte des 120 Marcheſe und ihre gierigen Augen ſchweiften nach den Stufen des Altars, ſaugend an der heiligſten, ungluͤcklichſten der Braͤute. „Iſt ſie des Opfers werth, das ich bringe,“ fluͤſterte der Marcheſe in das Ohr des Dominicaners, „was meint ihr, Anſelm?“ „Zehn ſolcher!“ entgegnete der Gefragte zer⸗ ſtreut, ohne die Richtung ſeiner Augen zu veraͤndern. „Seht nur,“ begann der Marcheſe wieder mit teufliſcher Luſt die Sinne des Paters noch mehr ſpannend,„die glaͤnzenden Flechten ihres ſeidenen Haares kuͤſſen verſchwenderiſch die Mamorſtufen des Altars, als wollten ſie die Alabaſterſtirn mit dem heiligen Marmor verbinden. Seht nur, wie ſich die Woͤlbungen der Brauen in dem blaſſen Sammet der Wangen verlieren, und dieſe ſich vereinigend mit dem zarten Ovale des Kinnes die Roſen der Lippen an⸗ zuziehen ſcheinen, in welchen die feingebogene Naſe ſich betaͤubt vom duftenden Hauche. Seht nur den reizenden Hals, wie er ſich verliert in die Fuͤlle des uͤppigen Buſens und Nackens, und aus dieſen quel⸗ len die abgerundeten Arme und Lilienhände, druͤckend zuruͤck die Schlaͤge des aͤngſtlichen, bräutlichen Her⸗ zens. Seht nur wie ſich Buſen und Nacken preſſen zur umſpannenden Taille, und dieſe ſich endlich er⸗ gießt in die Falten des ſilbergrauen Kleides, und dann nehmt zu Huͤlfe die Phantaſie, und Ihr muͤßt dieſes Weib fuͤr das Reizendſte der Erde erkennen.“ 121 Der Dominicaner war der Beſchreibung mit wolluͤſtigen Augen gefolgt, und eben wollte er ſeinem Beichtkinde etwas entgegnen, als Graf Savanetti und Antonio in die Capelle traten, die Geſuchten er⸗ blickten, und ſich zu den Knieenden geſellten, mit ihnen in Gemeinſchaft zu beten. „Laßt uns fortſchleichen,“ fluͤſterte der Marcheſe, „ehe man uns bemerkt!“ „Nein!“ verſetzte der Pater, wie verwirrt im Anſchauen Camillas verſunkenz„ich bleibe und will mich ſaͤttigen! Dieſes Maädchen iſt geſchaffen einen Prieſter raſend zu machen!“ „Anſelmo!“ rief der Marcheſe beſturzt und ſich vergeſſend, von Furcht und Beſorgniß und Schrecken dieſer leidenſchaftlichen Worte durchbebt, und er er⸗ kannte, in welche Verſuchung er den Pater gefuͤhrt. Der Ruf des Namens ſchlug an das Ohr der Betenden. Ein edles Zuͤrnen uͤbergoß das Antlitz Camillas, und waͤhrend Savanetti und Antonio und Claudia ihre Blicke nach der Gegend richteten, wo⸗ her der Ruf gedrungen, ſchloß Camilla ihre Andacht und enteilte der Capelle. 15. Grollend verſchwebte das letzte Krachen des naͤchtlichen Gewitters. Einzelne Wolken nur peitſchte die obere Atmosphare noch ſegelnd umher, waͤhrend 122 die untere Region ſchon ſtiller geworben, und neu belebt durch den köſtlich erquickenden Regen ihre bal⸗ ſamiſchen Duͤfte in friſcher Fuͤlle entathmete. Nur momentan war das blaſſe Antlitz des Mondes zu ſehen, und in der Entfernung zuckte noch hin und wieder der ſengende Blitz, ſterbend in ſeiner letzten Kraſt, wie das verloͤſchende Auge des kranken Loͤwen in dunkler, nachtumhuͤllter Hoͤhle.— Ein faſt wildes Terrain bot der Hohlweg dem Auge dar, in wel⸗ chem Pietro den Dominicaner ſollte erwarten; von beiden Seiten nur mit niedrigem Gebuͤſch bewachſen, ſchlaͤngelte ſich der Weg ſchmal eine felſige Anhöhe hinauf und verlor ſich erſt dann wieder in bluͤhenden Fluren.— Den obern Eingang des Engpaſſes, von wo aus ſeine Windungen theilweiſe zu uͤberſehen waren, hatte der Bravo zu ſeinem Standpunkte ge⸗ waͤhlt, und gelehnt an einen knorrigen, verkruͤppelten Baum, ſtand er jetzt hier faſt unbekuͤmmert erwar⸗ tend des geiſtlichen Opfers und blickte nach den eilen⸗ den Wolken. Nachlaͤſſig hingeworfen lag neben ihm eine ſchoͤn gearbeitete Doppelbuͤchſe auf dem naſſen Boden, und es ſchien, als ob er ſie nicht wuͤrdig er⸗ achte, die Todeskugel in des Dominicaners Herz zu ſchleudern. Alles blieb ſtill, nur das Pochen des eigenen Herzens hoͤrte Pietro, und von Zeit zu Zeit durchfuhr ein lauer Luftzug die Zweige der Straͤu⸗ cher, ſchuͤttelnd die Kryſtallperlen des Regens hinab in harmoniſchem Säaͤuſeln. „ 123 „Poche nicht,“ ſprach der Bravo, den Blick von dem Firmamente abwendend, und den Hohlweg hin⸗ abgleiten laſſend,„poche nicht, bald hat er geendet und meinen Zunftbrief mit ſeinem Blut beſiegelt!“ Ein unwillkuͤrliches Schaudern uͤberrieſelte ihn bei dieſen Worten.„Ha, ha!“ fuhr er lachend fort, „fuͤrchteſt Du Dich, Pietro, den Fuſcher abzuwaſchen, mit dem Blute eines Geiſtlichen, den die Hoͤlle ton⸗ ſurirt? Sie hat ein Meiſterſtuͤck an ihm gemacht, und ich mache das Meinige an ihm; was iſt das weiter! — Sie muß mir es Dank wiſſen, daß ich ihr den Entlaufenen zuruͤckſende!— Sie ſelbſt hat mich dazu aufgefordert, und ich begehe nur blos des Urtheils Vollſtreckung.—— Aber“ hub er in einem Weilchen zoͤgernd an,„was wird Antonio ſagen, mein Vater, mein lieber Vater, wenn ich ihm des neuen Mordes Laſt beichte?—— Wird er mich nicht verſtoßen aus ſeiner heiligen Naͤhe, in der ich mich ſo wohl fuͤhlte, wie das Kind am Herzen der Mutter, deſſen Lehre des frommen Glaubens mich Suͤnder durchdrang, wie der ſanfte Kuß eines unſchuldigen Maͤdchens, als ich noch rein wandelte in jugendlichem Frohſinn von keinem Morde belaſtet.—— Wird er mir ver⸗ geben?——— Er wird!“ rief er ploͤtzlich wie aus einem Traume erwachend.„Sein eigenes heiliges Leben beſchuͤtzt dieſer Mord, und um ſein theures Haupt zu bewahren, will ich mich mit Freuden in die Gluth der graͤßlichſten Hölle ſtuͤrzen!— Domi⸗ 124 nicaner Du ſtirbſt fuͤr meinen Vater und meine Ehre! — Aber nicht mit der Buͤchſe will ich Dich erlegen, ſie iſt unſicher bei dem heutigen Gewoͤlk; mein Dolch, lange ausgeruht von blutiger Arbeit, ſoll Dich ſen⸗ den nach dem Ort Deiner Beſtimmung, und noch ſterbend will ich Dir meinen Namen und den meines Vaters zurufen, damit Du weißt, wie Pietro ſich raͤcht und ſeinen Vater weiß zu beſchuͤtzen!— Was Du mit dem Marcheſe gehabt, geht mich nichts an; ich habe mit ihm fuͤrder nichts mehr zu ſchaffen: mein Leben ſei nur der Buße geweiht und meinem lieben Vater———“ Der Schall entfernten Hufſchlages hemmte des Bravos Selbſtgeſpräͤch. Seine Augen ſchoſſen wie Blitze uber den Hohlweg und in der eben grauenden Morgendaͤmmerung ſah er einen verhuͤllten Reiter in den Engpaß einbiegen. Er fuhr zuſammen; doch bald ſich erholend, zog er den blinkenden Dolch aus dem Guͤrtel, und mit wilder Freude ihn ſchwenkend, erwachte in ihm die fruͤhere teufliſche Luſt des Mor⸗ dens, durſtig lechzend nach dem Blute des Opfers. Dann zog er ſich gekruͤmmt ſchleichend den Hohlweg behutſam hinab, immer gedeckt von den Straͤuchern bis zur erſten Biegung, dort lauſchend den Reiter er⸗ wartend.— Nicht lange durfte er harren; unbekum⸗ mert und ſorglos ſaß der Pater, gegen die Morgen⸗ luft vermummt, auf ſeinem Thiere, die Zuͤgel ſchlaff hängen laſſend auf deſſen Hals, und zog langſamen 125 Schrittes ſeine Straße.— Jetzt bog das Maulthier um die letzte Biegung des Hohlwegs; der Bravo ſpannte die Nerven, und mit einem Sprunge das Opfer auch ſchon umſchlingend, rief er mit fuͤrchter⸗ licher Stimme:„Pietro! Antonio!“ und ſenkte den Dolch in den Buſen des Paters.— Doch im naͤmlichen Augenblicke, als die Spitze des Stahles drang in die Bruſt des Reiters, rief dieſer ebenfalls:„Pietro, mein Sohn, was willſt Du beginnen!“ Die Kopfbedeckung zog ſich hinab, der Bravo erſchrak als ob der Blitz ihn beruͤhre, die Hand mit dem Dolche zuckte, und Antonio ſank blu⸗ tend von dem Maulthiere hinab in den Arm des Bravos.— Wie die Statue, von toͤnendem Erze gegoſſen, feſtgenietet ſteht und unbeweglich auf ſchwerem Fun⸗ damente, ſtand der Bravo eine Weile in ſchrecklicher Erſtarrung ſeine Augen auf die blutende Wunde ge⸗ heftet, in welcher der Stahl noch ſteckte von der ner⸗ vigen Hand krampfhaft gepreßt. Dann erſchlafften ſeine Sehnen, und Antonio fiel aus ſeinem Arm auf den ſteinigen naß beregneten Boden. Erſt jetzt be⸗ kam der Mörder wieder Leben; ſeine Augen rollten graͤßlich in ihren buſchigen Höhlen, gleich dem des entſetzlichſten Wahnſinnes, und in ungethuͤmer Ver⸗ zweiflung, den Dolch aus der Hand ſchleudernd, warf er ſich zerknirſcht uͤber den Pater, ſich verwuͤn⸗ ſchend, fluchend der Höͤlle, und ſchmaͤhend die Erde 126 und den Himmel.— Frei ließ der Bravo toben die Wuth die ihn ergriffen, bis ſie ſich nach und nach in weicheren, klagenden Jammer verlor und der Schmerz ihm Thraͤnen entlockte. Er kuͤßte die blaſſen Wan⸗ gen, die erloſchenen Augen des ehrwuͤrdigen Koͤrpers, wie der zaͤrtliche Braͤutigam die ohnmaͤchtige Braut wohl wieder ſanft ſucht zu beleben, und ſeine gluͤhen⸗ den Lippen preßten die kalten des frommen Freundes, und riefen ihn zu erwachen, noch einmal zu erwachen vom ewigen Schlafe. Doch vergebens war jede Muͤhe. — Da ſchien in den Bravo die Beſinnung ploͤtzlich zuruͤckzukehren; haſtig riß er auf die Bekleidung des Paters, und ſtillte das Blut und verband die Wunde ſo gut er augenblicklich es konnte, und einen Zweig dann brechend im nahen Geſtripp, noch beperlt vom kuͤhlenden Regen, ſchwenkte er die Tropfen auf die Bruſt und auf das Antlitz Antonios, ihn dadurch zu wecken. Nicht lange, ſo kam auch in den Lebloſen wie⸗ der Regung, und die Augen aufſchlagend, ſah er ſanft auf ſeinen Moͤrder und reichte ihm die Hand und ſagte mit matter Stimme:„Rette— Camilla— aus der Gewalt des Marcheſe— rette——“ und wieder verſagte ihn die Sprache erloͤſchenden Auges.— „Rette Camilla aus der Gewalt des Marcheſe, rette!“ wiederholte Pietro mit dumpfer Stimme, und es ſchien ein Lichtſtrahl ſein Inneres zu durchfliegen. „Ha!“ fuhr er dann auf,„deshalb die Buͤchſe? 127 Marcheſe, Teufel, Satan!— Kein Fehlgriff!— Dein Werk!!“—— Und wuͤthend rannte er hin und holte den weggeſchleuderten Dolch und die im Graſe ruhende Buͤchſe, und in die linke Hand hoch empor haltend die Mordinſtrumente, kniete er nieder an den Koͤrper Antonios die Rechte auf das Crucifix des Vaters gelegt, und murmelte einen furchtbaren Schwur zwiſchen den knirſchenden Zaͤhnen.— 16. Der Tag der Trauung Camillas war erſchie⸗ nen, und in der Villa des Grafen Savanetti Alles in banger Verwirrung. Der Graf ſelbſt, in dumpfes Bruͤten verſunken, ließ in eiſiger, theilnahmloſer Ge⸗ laſſenheit geſchehen, was er, ſeinem Ehrenworte zu⸗ folge, zu aͤndern nicht mehr vermochte; denn ſeit dem Morgen, wo Antonio in Geſchaͤften ſeines Ordens nach dem Dominicanerkloſter hatte reiſen wollen, und von dem Mordſtahle des Bravos getroffen nieder⸗ ſank, war auch er verſchwunden und keine Spur von ihm zu entdecken. Alle ausgeſandten Kundſchafter. kamen ohne Nachricht zuruͤck; ſie berichteten nur die Spuren, die in dem Hohlweg ſie gefunden, und brach⸗ ten auch einige Tage darauf das Maulthier, auf welchem Antonio abgeritten war, eingefangen in das Kloſter der Franciskaner, woraus man auf einen Mord wohl ſchließen, aber Niemand beſchuldigen 128 konnte; denn der Dominicaner und der Marcheſe hat⸗ ten ſich weislich gehuͤtet, ſich auch nur einige Schritte von der Villa zu entfernen, damit man ja nicht den mindeſten Verbacht auf ſie vermoͤchte zu lenken. Sie heuchelten vielmehr noch die lebhafteſte, mitleidvollſte Theilnahme, und der Marcheſe bot ſchwere Beutel Goldes dem, der von Antonio ſichere freudige Nach⸗ richt einbraͤchte, oder auch nur muthmaßlich anzuge⸗ ben vermoͤchte, welchen Weg er, oder beſtimmtes Ende genommen. Doch alles Suchen war umſonſt, der Bravo und der Pater waren nirgends zu finden.— Der Marcheſe brauchte nun nichts mehr zu fuͤrch⸗ ten, wenigſtens war keiner mehr da, der es gewagt haben wuͤrde, gegen ihn aufzutreten; wenn er auch im Innern bei dem Gedanken an Antonio und Pietro bebte. Mit dem Dominicaner hatte er ſich auch wie⸗ der verſtaͤndigt, oder dieſer mit ihm; denn wenn auch einer des andern Untergang vielleicht im Stillen be⸗ ſchloſſen, bewieſen ſie ſich doch aͤußerlich gegenſeitig das groͤßte Vertrauen, weil einer den andern noch brauchte, und ſie jubelten heimlich uͤber das Erringen ihres Sieges.— Trotzig in ſeiner ſcheinbaren Sicher⸗ heit verlangte der Marcheſe nun von dem Grafen die Erfuͤllung ſeines Wortes und die Vollziehung der Feierlichkeit: Camilla mit ihm zu vermaͤhlen; und der Graf, der ihm nichts mehr entgegen zu ſetzen ver⸗ mochte, mußte ſeinem Verlangen willfahren.— Mit unerſchutterlicher Staͤrke im Glauben, wenn 120 auch zerriſſener Seele, hatten Camilla und Claudia des frommen Freundes Verſchwinden vernommen, doch hofften ſie noch bis auf den letzten Tag Nach⸗ richt von ihm zu erhalten, die das ganze ſcheußliche Gewebe des Marcheſe wuͤrde enthuͤllen; ſie glaubten Niemand anders als ihm die Schuld ohn alle dem, was geſchehen, aufbuͤrden zu duͤrfen, wenn auch der Dominicaner ihn treulich dabei unterſtuͤtzte.— Aber alles Harren war vergebens.— Die Sonne, welche zum letzten Male Camilla als Jungfrau ſollte begruͤßen, ſtieg in ſchoͤnſter Pracht aus den Fluthen des Meeres, als gälte es heute einen Freudentag zu verherrlichen, und ſchien in eigener Luſt nur ſchwel⸗ gend, ſich wenig um die Schmerzen der irdiſchen Be⸗ wohner zu kuͤmmern. Ihres Traumes eingedenk, ging Camilla noch einmal mit der muͤtterlichen Freun⸗ din nach den drei heiligen Zeichen, dort um ihre Ret⸗ tung zu flehen. Glaͤubig warf ſie ſich nieder vor dem Kreuze des Erloͤſers; ihr Gebet entſtroͤmte heiß ihren bebenden Lippen, und ihre Lilienhaͤnde ringend, entquollen Thraͤnen ihren reizenden Augen. Nicht laͤnger konnte ſie wehren dieſen Quell, die Gefahr war zu nahe, und ruͤttelte maͤchtig an ihrem kindlich frommen Glauben. Doch ſo gluͤhend ſie auch bat, ſo ſehr ſie auch wand die zarten Finger, unbeweglich blieben die Zuͤge des Heilandes und die Miſſethäter zu ſeiner Rechten und Linken ruͤckten nicht die klein⸗ ſten Glieder; ſie waren aus Holz nur geſchnitzt und F 9 130 ohne Gefuͤhl fuͤr menſchliche Leiden und ohne fuͤhlende Seele. Alles blieb ſtill, nur das Schluchzen beider Betenden entſchwebte leiſe vom Huͤgel. Dann hemm⸗ ten ſich aber auch die Thraͤnen der Braut, die Lip⸗ pen bebten nicht mehr und wie in der Kapelle ſie geblickt nach dem Bilde des Herrn, blieb ſie noch eine Weile unregſam auf ihren Knieen, bis ſie erſchopft niederſank auf den Raſen.— Nur eine leichte Ohn⸗ macht hatte ſich ihrer bemächtigt; es gelang Claudia bald ſie zuruͤck wieder zu rufen in's Leben, und mit edler Reſignation dann ihrer Pflegerin die Hand rei⸗ chend, ſprach Camilla gefaßt:„Nun komm, ſchmuͤcke das Opfer.“— Nach dem Verlangen des Marcheſe ſollte die Trauung nur ganz einfach und in aller Stille von dem Dominicaner in der Kapelle des Grafen vollzo⸗ gen werden; erſt nachdem die Feierlichkeit erfolgt, ſollten Feſte an Feſte ſich reihen und in Pracht und Glanz Alles uͤberſtrahlen, was noch in dieſer Art ge⸗ ſehen worden war, und wie dergleichen zu geben dem großen Reichthume und Range des Marcheſe gebuͤhre. Savanetti hatte ſich dieſem in nichts widerſetzt, er war wie vernichtet, und endlich muthlos gebeugt von den Schlägen des Schickſals; auch Camilla und Claudia waren nicht dagegen; es war ihnen vielmehr dieſe Anordnung der Trauung ſehr recht, und es durften daher zu der Feierlichkeit nur wenig Vorbereitungen getroffen werden 131 Dieſe hatte der Dominicaner geſchäftig angeord⸗ net; nur das Eine war von dem Grafen auf den Wunſch Camillas beſtimmt: die Trauung ſolle nun auch ganz ſtill und erſt am Abend erfolgen, und kein Ton Muſik dabei erſchallen.— Aber auch der ver⸗ hängnißvolle Abend erſchien, ohne daß Antonio und Pietro das Mindeſte von ſich ließen verlauten.— Die Kerzen in der Kapelle ſtrahlten im vollen Glanze; die Braut war geſchmuͤckt und der Marcheſe harrte ungeduldig der Uebergabe der Unglücklichen. Nur wenige Gaͤſte waren als Zeugen geladen; ſie hat⸗ ten ſich alle bereits in dem Saale der Villa verſammelt und uͤberhaͤuften ſchon den Marcheſe mit ihren Gluck⸗ wuͤnſchen. Jetzt traten auch Camilla und Claudia in den Saal und wurden von dem Grafen empfan⸗ gen, und nachdem er die uͤblichen Ceremonien beob⸗ tet, uͤbergab er die Tochter wieder der muͤtterlichen Freundin, bot ſeine Rechte dem Marcheſe und deutete durch ein Zeichen den Damen an, den Zug zu eroͤff⸗ nen und den Gäſten, ſich ihnen anzuſchließen. Keine Brautfuͤhrer und Brautjungfern waren zu ſehen, nur mehrere Bediente ſchlichen mehr als gingen der Braut leuchtend voran, waͤhnend, ſie komme immer noch zei⸗ tig genug an die für das Leben bindende Stätte, um ſich dem verhaßten Gemahl zu übergeben; denn ſelbſt in die Seelen der Bedienten war die Trauer Ca⸗ millas gedrungen.— Schweigend gelangte ſo der Zug von der übrigen Dienerſchaft gefolgt in die Ka⸗ 9* 132 pelle; ſauber gereinigt, hatte dieſe der Dominicaner mit Blumen decoriren laſſen, und die Kerzen nicht geſpaart; aber es war keine wohlgefällige Harmonie im Ganzen, die Blumen ſchienen erſtorben und die grell leuchtenden Kerzen blendeten druckend das Auge. — Alles war ſtill wie im Grabe, und da ſich die Braut jeden muſikaliſchen Klang verbeten, wurde vor der Trauung auch keine Meſſe gehalten. Der Do⸗ minicaner ſtand demzufolge ſchon, die Verlobten er⸗ wartend, vor dem Altare und ſprach uͤber ſie, nach⸗ dem Braut und Braͤutigam von dem Grafen und Claudia die Stufen hinauf gefuͤhrt worden waren, und auf der oberſten vor dem Prieſter niederknieten, die ritualmäßige Einſegnung und das Pater noster. Dann ging er uͤber in ein allgemeines Kirchengebet, worauf er die Trauringe weihte und das Brautpaar aufforderte, ſich gegenſeitige Liebe und Treue zu ge⸗ loben, legend dabei Camillas Rechte in die Rechte des Marcheſe. Aengſtlich gepreßt und leiſe entſchwebte Beiden das: Ja, und verlor ſich in den Worten des Dominicaners, der hierauf dem Bräutigam den Trau⸗ ring anſteckte und ihm den Ring der Braut in die Hand gab, damit er ſich dieſer vermähle.— Reglos und finſtern Blickes hatten bis jetzt Savanetti und Claudia ſtarr vor ſich hinſehend geſtanden, auch die uͤbrigen Zeugen fuͤhlten ſtumm die peinliche Stim⸗ mung, welche bei der Trauungsceremonie herrſchte, und die Dienerſchaft hatte kaum zu athmen gewagt; 133 doch bei den Worten des Marcheſe die er unter An⸗ leitung des Dominicaners ſprach:„Mit dieſem Ringe, Camilla, vermaͤhle ich Dich, und nehme Dich zu mei⸗ ner Gattin im Namen des Vaters ꝛc.“ wandte Sa⸗ vanetti das Haupt und eine Thräne entquoll ſeinen Augen und Claudia konnte den ihrigen nicht mehr wehren; und indem der Marcheſe fortfuhr:„im Namen des Sohnes der uns erloͤſet ꝛc.,“ knackte es durch die Stille der Kapelle in ſchauerlichem Tone, als ſtrenge die ſterbende Todtenuhr ſich noch einmal an, die letzten Kräfte zuſammennehmend, in das Holz nagend ein⸗ zubohren, worin ſie gelebt und das nun ihr Grab bald ſolle werden. Der Marcheſe erſchrak; es durch⸗ drang ihn dieſer Ton, als wuͤrde das Schwert der Nemeſis ihn in den Buſen geſtoßen; ſeine Sprache verwirrte ſich, und nur mit Muͤhe ſprach er noch ſtockend:„im Namen des heiligen Geiſtes ꝛc.“— Auch der Dominicaner wurde unſtaͤtt; ſcheu hatte er ſeine grauen Augen umherſchweifen laſſen, doch nichts erblickt; ſeine Worte wurden tonlos, als kaͤmen ſie aus der dunkeln Gruft, ohne Accent geſprochen von raͤchenden Geiſtern und ſeine Haͤnde zitterten bei dem zu ertheilenden Segen. Endlich entquoll das Amen ſterbend ſeinen Lippen, und Camilla war unwider⸗ ruflich dem Marcheſe verbunden.— Aber im ſelben Augenblicke krachten auch die Gewoͤlbe der Kapelle, noch einmal, und der Marcheſe und Dominicaner ſtuͤrzten von den Stufen des Altars, ſich waͤlzend in 134 ihrem Blute und gräßlich zuckend aushauchend ihre ſuͤndigen Seelen.— Ein laͤhmender Schrecken hatte ſich Aller be⸗ mächtigt; Camilla und Claudia lagen in Ohnmacht, und Savanetti mußte ſchnell ſich anhalten, um nicht ebenfalls niederzuſinken. Dann entſtand eine allge⸗ meine Verwirrung; Alle wollten helfen, und keiner wußte, wo er zuerſt anfaſſen ſollte. Endlich erholte ſich der Graf und ertheilte die noͤthigen Befehle; die Braut und Claudia wurden hinweggetragen und der Ort ſogleich unterſucht, woher die Schuͤſſe entſendet. Aber Niemand war dort zu finden; nur auf dem Chore, dem Altare gegenuͤber, lag ein Zettel mit den Worten: „Der Marcheſe und Dominicaner mußten fallen als Opfer der Rache, wo es mir auch moͤglich war ſie zu erlangen; Blut um Blut, ſie werden des Meiſters Hand wohl erkennen. Meines Vaters Wunſch iſt nun erfuͤllt: Camilla gerettet. WMir vergebe der Hoͤchſte!“— 17. Ein Jahr nach dieſer ſeltſamen, fuͤrchterlich blu⸗ tigen That, ſtand Camilla wieder bräutlich geſchmuͤckt in derſelben Kapelle, aber gluͤcklich ſtrahlenden Auges und Wonne fuͤhlenden Herzens. Ihr zur Seite ſtand der jugendlich ſchöne Braͤutigam, Graf Leonardo — 5 135 Chiaretti, und nicht druͤckende Stille, ein hehres Te Deum durchwogte die Gewoͤlbe der heiligen Staͤtte, und erfuͤllte die zahlreiche Verſammlung mit namen⸗ los ſeeligen Gefuͤhlen. Auch kein unwuͤrdiger Prie⸗ ſter vollbrachte die feierliche Handlung, ſondern das ehrwuͤrdige Haupt des Paters Antonio ſtrahlte vor dem Altare.— Der Dolch des Bravo war, in Folge des Schrek⸗ kens deſſelben, nicht toͤdlich in den liebenden Buſen gedrungen, nur die Ueberraſchung und der augenblick⸗ liche Schmerz hatte den Greis ohnmaͤchtig gemacht, und ein alter Eremit im Gebirge, zu dem Pietro den Lebloſen auf Umwegen getragen, hatte die Wunde unterſucht und pflegend geheilt, und ſchon lange war Antonio wieder geneſen. Jetzt ſollte er die Gluͤck⸗ lichen, im Glauben Gepruͤften, ehelich verbinden; ſo wollte es der Graf, der nur in dem Gluͤcke Camillas und des edlen Chiarettis das ſeinige noch ſuchte, und der fromme Vater loͤſte dieſe Aufgabe gern mit dem ganzen Anſtande ſeiner heiligen Wuͤrde. Ein ſchoͤne⸗ res Leben ſchien fuͤr Alle aufgegangen; die dunkle, ſchreckenvolle Vergangenheit war ſanft verſchleiert und die feierliche Handlung wurde in jubelndem, religiö⸗ ſem Gluͤcke vollzogen⸗ Doch ehe noch Antonio das Sacrament vollſtaͤn⸗ dig ſchloß, kniete ein Einſiedler auf die unterſte Stufe des Altars, um auch fuͤr ſich einen Segen zu erbit⸗ ten. Es war Pietro, der ſeither bei dem alten Arzte —* 136 ſeines väterlichen Freundes im Gebirge lebte, und dort ein buͤßendes, frommes Leben fuͤhrte, ſich ganz hingebend der bitterſten Reue. Und der ehrwuͤrdige Franciskaner ihn erblickend, vollendete die Feierlichkeit mit den Worten:„Gott iſt die Liebe, und wer in der Eintracht der Liebe und des Glaubens lebt, dem laͤchelt die Hoffnung: das ſchoͤnſte Jenſeits dereinſt zu erringen, die heiterſten Tage der ſeligen Ewigkeit, unvergaͤnglich, immer im klarſten Lichte des eben an⸗ brechenden wonnigen Morgens und reinen Entzuͤckens. Gottes Liebe iſt unendlich, wie die Bahnen ſeiner Welten, und auch der reuige, buͤßende Suͤnder erhaͤlt ſeine Verzeihung, wenn er im Glauben ſie wuͤrdig weiß zu erringen, und genießt dereinſt die göttlichen Freuden, wie Euch ſchon verholfen hat, meine Kin⸗ der, zur irdiſchen Seligkeit Euer kindlich frommer Glaube!“— * — — — * = — Krone des Lebens, Gluͤck ohne Ruh Liebe biſt Du. Goethe. 1. „Willſt Du geliebt ſein, ſo liebe!“ hauchte Viola ſchwaͤrmeriſch von den ſchoͤnen Lippen und ihre Au⸗ gen ruhten auf einer Centifolie, womit ihre Schwa⸗ nenhand koſend ſpielte.„Willſt Du geliebt ſein, ſo liebe!“ entgegnete ein junger Mann, indem er auf die Knie ſank, die Linke Violas ergreifend und einen Kuß auf ſie druͤckend mit gluͤhenden Lippen und uberſchwenglichen Gefuͤhlen.„Willſt Du geliebt ſein, ſo liebe!“ wiederholte Viola, ſanft ihre Hand dem jungen Manne entziehend, und ihre Augen trafen die ſie verſchlingenden Blicke Alwins.„Ewig!“ rief der Juͤngling mehr Worten nicht maͤchtig mit melodiſch klangvoller Stimme, die das Herz durchdringt mit ſuͤßem Beben und die Geliebte uͤberzeugt von der Wahrheit der brennenden Gefuͤhle, und aufſpringend ſchloß er ſie ſturmiſch in ſeine Arme, die ſanft Straͤu⸗ 140 bende kuͤſſend in unnennbarem Feuer.„Sie mißver⸗ ſtehen mich,“ ſagte Viola, ſich der Umarmung Al⸗ wins ſchonend entwindend,„es giebt eine Liebe, die nur den Geiſt in zaubriſche Wonne verſetzt, ohne daß ſich die Körper beruͤhren.“—„Die die Geliebte an⸗ betet, wie der roͤmiſche Chriſt die Mutter Gottes!“ fiel Alwin ein;„die in der Geliebten ſeinen Gott verehrt und ſich verliert in den unendlichen Raum ihrer Selbſt, wie der Ocean in den Ocean, ſtets ſich er⸗ neuernd, ſchwellend und ſchwellend, und in jeder Welle fur ſich neue Nahrung findend, brauſend oder ſanft dahin gleitend, je nach der augenblicklichen Regung der Sphaͤre und die Liebe nach der der Seele; nim⸗ mer ruhend, und gluͤcklich in ſteter Wallung.“ „Maͤnner koͤnnen nicht ſo lieben,“ entgegnete Viola laͤchelnd,„ſie fuͤhlen nicht jene Zartheit im Her⸗ zen, um ſich blos mit geiſtiger Liebe zu begnuͤgen, haͤtten ſie auch das Ideal ihrer Liebe gefunden. Ihre rauheren Gefuͤhle koͤnnen nur an die perſoͤnliche Wirklichkeit hangen und dies auch nur ſelten dauernd mit der ganzen Kraft ſich immer verjuͤngender Liebe; idealiſch iſt ihnen nur die Schoͤpfung der Welt. Denn ſollen ſie ein Geſchöpf lieben, muͤſſen ſie es beſitzen, um an ihm ihre Liebe zu aͤußern und in ihm neue Nahrung fuͤr ihre Liebe zu ſuchen; doch ſchwin⸗ det ihnen die Hoffnung des Beſitzes ihres Ideals, verfliegt auch ihre Liebe. Männerliebe kann ſich hoöch⸗ ſtens nur an Perſoͤnlichkeit ketten.“ —, 141 „Und doch ſollte ich Sie mißverſtehen,“ verſetzte Alwin ſcherzend,„wenn Sie mir nicht die Kraft zu⸗ trauen, mein Ideal nur geiſtig⸗idealiſch⸗etiſch lieben zu koͤnnen, dauernd, und mit der ganzen Staͤrke mei⸗ ner Seele!“ „Haben Sie mir nicht aber das Gegentheil be⸗ wieſen,“ erwiederte Viola leiſe und hocherroͤthend; „aber ich darf Ihnen deshalb nicht zuͤrnen; denn ich haͤtte Ihre Eitelkeit nicht ſo hoch auf die Probe ſtel⸗ len ſollen.“ „Um mich hoffen zu laſſen in Sie mein Ideal anbeten zu duͤrfen!“ „Wollen Sie mich durch eine Galantrie ſtrafen, oder glauben Sie mich eitel genug, um mich glauben machen zu koͤnnen; ich wuͤrde mir einbilden je das Ideal eines Mannes zu ſein?“ „Strafen, ſchoͤne Dame,“ ſagte Alwin, wieder die Hand Violas ergreifend,„ſtrafen kann und will ich Sie nicht, ſelbſt ſollten Sie nur in ſcherzender Laune mit meinen Gefuͤhlen getaͤndelt haben, um mir gleich darauf den ſchoͤnſten Traum meines Lebens neckend zu zerreißen. Der Augenblick war zu wonne⸗ erfuͤllt fuͤr mich, als daß er Strafe verdiente, waͤre er auch nur ein leerer Wahn geweſen; aber koͤnnte ich Sie wirklich damit eitel machen, in Ihnen mein Ideal gefunden zu haben, dann waͤre ich ſtolz darauf und unterwerfe mich jeder Pruͤfung meiner Liebe!“ „Tage, Wochen, ja ſelbſt Monate, mein Hert, 142 glaube ich, koͤnnten ſie die Pruͤfung mit Ehren be⸗ ſtehen; aber Jahre ſind lang, und der Männer Geiſt nur die Sinnlichkeit ſuchend, kann ſich nicht ſo große Zeiträume mit einer geiſtig⸗idealiſch⸗etiſchen Liebe be⸗ gnuͤgen.“ „Sollten Sie ſchon die Maͤnner von dieſer Seite ſo genau kennen gelernt und geliebt haben?“ „Ich habe Beides! erwiederte Viola nach einer kleinen Pauſe, ohne Alwin ihre Hand zu entziehen, „warum ſollte ich es Ihnen verheimlichen; aber was ich liebte ſollte blos Phantaſie ſein; mein Ideal zer⸗ floß in der Wirklichkeit und ließ mich blos einen ge⸗ woͤhnlichen Mann blicken. Waͤhrend ich fuͤr ihn ſchwaͤrmte, hoffte er meinen Beſitz, und als er ihn geſichert glaubte, ſchwand mir jede Täͤuſchung ſeiner hoͤheren Liebe.“ „Und Sie entſagten Ihrer Liebe und der Sei⸗ 3 nigen?“ 3„Meiner Liebe entſage ich nie! Eben ſo gluͤhend 7 wie fruͤher lebt noch mein Ideal in meinem Herzen, und keine Zeit vermag es zu kuͤhlen; aber der Mann, den ich in ihm ehren, lieben, anbeten ſoll, muß es ſich anpaſſen, wenn ich unzertrennlich von ihm ſein ſoll. Dies konnte Jener nicht; er zerriß vielmehr meine Liebe, indem er mein Ideal als ein Hirnge⸗ ſpinnſt hinſtellte, das im Leben nicht exiſtire. Und hierdurch mußte ich aufhoren das fuͤr ihn zu fuͤhlen, womit mein Herz ihn ausgeſchmuͤckt hatte. Der Ge⸗ 143 liebte ſchwand, und nur noch der Mann ſtand vor mir, der meinen ſchoͤnen Traum mir zerſtörte in dem ich ſchwelgend glaubte durchs Leben zu wandeln. Er verſtand mich nicht!“ „Vielleicht machen Sie unerfuͤllbare Anſpruͤche an unſer Geſchlecht!“ „Wenn Sie eine Hoheit der Seele, die fern wie nah in der Geliebten die ganze Befriedigung ihrer Liebe findet, die im Ungluͤcke wie im Gluͤcke unzer⸗ trennbar mit der Geliebten Liebe verſchwiſtert, nur in der Liebe der Geliebten ihr Leben ſucht, die ge⸗ trennt von der Geliebten eben ſo treu und heiß lo⸗ dert, wie in ihrer Naͤhe, die aller phyſiſchen Leiden⸗ ſchaften ſich zu enthalten vermag und ſelbſt bei ver⸗ lorner Hoffnung, die Geliebte zu beſitzen, dennoch alle ihre Liebe in ihrem Herzen concentrirt findet und da⸗ bei beharrt bis zum Tode, fuͤr unerfuͤllbar von Ih⸗ rem Geſchlechte halten. Ja! dann gehoren meine An⸗ ſpruͤche in die Unmoͤglichkeit und meine Liebe wird nie verſtanden werden von einem Manne.“ „Unmöglich iſt uns dieſe Liebe nicht!“ rief Alwin mit Feuer. „Und doch,“ verſetzte Viola,„koͤnnen Maͤnner nicht ſo lieben!“— „Willſt Du geliebt ſein, ſo liebe!“ entgegnete Alwin ſchwaͤrmeriſch und ſeine Augen glaͤnzten in lie⸗ bendem Zauber.„Ich will Dich lieben entfernt wie nah und in Deiner Liebe das hoͤchſte Gluͤck meines — —— ——— ——— 144 Daſeins finden; ich will Dich lieben wie die Mutter den Saͤugling, und meine Liebe ſoll in Dir ver⸗ ſchmelzen wie der Thautropfen in der Centifolie, be⸗ rauſcht von ihrem Ambra und ſich zertheilend in ihren roſigen Blaͤttern, um ſie zu erquicken; meine Liebe ſoll in Deiner Liebe ſchwelgen, wie meine Blicke ſchweifen an den geſtirnten Himmel und jedes Wort Deiner Liebe ſoll mir ein Stern ſein leuchtend auf dem Wege meines Lebens.“ „Alwin,“ ſagte Viola zitternd,„betruͤgen Sie nicht ſich und mich und geben meiner Liebe noch mehr Nahrung; verloͤſchen Sie lieber eine Flamme ehe ſie das ganze Gebaͤude ergreift; ich kann unendlich lie⸗ ben, aber ich bin auch eben ſo ungluͤcklich in der Liebe. Ganz von ihr ergriffen verlange ich ſie ganz ſo von dem Geliebten; allein da ich nur geiſtige Liebe bie⸗ ten kann, wuͤrde ich Sie und mich vielleicht der Ver⸗ zweiflung uͤberliefern, wenn ich ihre Gluth annehme, und zu ſpäte Reue uns erdruͤcken; wenigſtens mich, ſollten Sie ſich nicht mit dieſer Liebe begnuͤgen.“ „Viola! waͤren ſie wirklich jeder koͤrperlichen Liebe unfaͤhig? ſollte nicht der Kuß des Geliebten Ihre Liebe heißer in Ihrem Herzen entzuͤnden, als der bloſe Gedanke an ihn? Sollten Sie nicht auch, wenn Sie geiſtig Ihre Liebe erwiedert fänden, in der Perſon des Geliebten Ihr Ideal finden, und ſollte dieſes nicht Kraft genug ſpenden können, daß Sie den Geliebten mit eben der Gluth umarmten, wie er 145 Sie zu umarmen, ewig an ſich zu druͤcken, brennt, oder koͤnnen Sie einen Geiſt kuͤſſen ohne ſich einen Koͤrper dabei zu denken? Gewiß nicht; der Menſch iſt dies nicht faͤhig; ſelbſt ſeinen Gott ſucht er ſich zu verſinnlichen!“ Schweigend ließ Viola das ſchoͤne Haupt auf ihren Buſen ſinken, und die Augen ruhten auf der Centifolie, die ihre Haͤnde mechaniſch zerfluͤckten. Sie hatte geliebt, unnennbar geliebt; aber nur ihre Phantaſie hatte ſich das Gebilde erſchaffen, das ſie in dem Geliebten zu er⸗ blicken glaubte; ſie zitterte nicht fuͤr ihn, aber ſie zitterte fur ihre Liebe; ſie konnte ſich ruhig von ihm trennen, aber ſie bangte bei dem Gedanken: ihre Liebe koͤnne ſie verlaſſen. Sie lebte blos in der Ideenwelt, und wenn ſie auch außer ſich war, und vom Schmerz tief ergriffen, als ihr Geliebter ſie aufgab und ſie ihre Taͤuſchung erkannte, blieb doch ihre Liebe in ihrem Buſen geſchloſſen und aufbewahrt, und ihre Liebe ſelbſt gab ihr Troſt. So waren zwei Jahre verfloſ⸗ ſen, als ſie Alwin kennen lernte, und ſie im zwan⸗ zigſten ihres Lebens. „Gewiß nicht,“ wiederholte Viola langſam fuͤr ſich,„der Menſch iſt dies nicht faͤhig, ſelbſt ſeinen Gott ſucht er ſich zu verſinnlichen!“ Und ihre Blicke erhoben ſich von den Blaͤttern der Centifolie und trafen zuſammen mit den ſchmelzend leuchtenden Al⸗ wins. Der loſe Knabe ſpannte die Sehne des ge⸗ fährlichen Bogens, die Pfeile entſchwirrten dem Ge⸗ II. 10 145 ſchoß und ſenkte ſich in die Herzen der in ihren An⸗ blick ſich verlierenden, und es eilte der ewige Schuͤtze herbei und brach die Pfeile ab zum Zeichen der un⸗ ausloͤſchlichen Liebe ſo lange die Herzen noch ſchla⸗ gen, und ſtillte die blutenden Wunden mit der Se⸗ ligkeit und Wonne der jungen Liebe trunkener Minute. Das Phantaſiebild der Liebe Violas enthuͤllte ſich zaubriſch vor ihren Augen, die dunkelblonden Haare des Juͤnglings leicht gekraͤuſelt, die hohe Stirn und griechiſche Naſe, die dunkelblauen Augen und geſunden Wangen, die vollen friſchen Lippen des be⸗ redeten freundlichen Mundes, umſpielt von einem ſaubern Bärtchen, und das Oval des Kinnes mit lockenden Zügen, die ſchlanke aber kräftige Figur, mit der Haltung der edlen Seele, daͤuchte ihr von der Schoͤnheit geformt und fuͤr ſie zum Ideale erſchaffen. Alle Nebenbilder ſchwanden, und ſie ſog ein die For⸗ men des feurigen Mannes mit entzuͤcktem Herzen, wie die durſtende Erde den Tropfen des kuͤhlenden Regens, und klammerte ſie feſt in ihren Innern mit der Kraft unendlicher Liebe, ſie nimmer wieder ent⸗ laſſend.— So auch Alwin. In den klaren Vergiß⸗ meinnichtsaugen Violas von herrlichen Bogen der Brauen geziert lag ſeine Welt, die ihn anzog mit magiſcher Staͤrke. Der reiche Lockenfall des ſchoͤnen Hauptes des deutſchen blonden Maͤdchens tauchte küſſend auf die Wogen des von der Zartheit geform⸗ ten Buſens, die blendende Stirn und blühenden Wan⸗ 147 gen, die feine Naſe und granatquellende Lippen, das roſig ſchimmernde Kinn mit dem Gruͤbchen, der zarte Teint von Hals und Buſen und Nacken, die zuum⸗ ſpannende Taille der ſonſt vollen Figur und abge⸗ rundeten Formen, druͤckte ſich in ſeine Seele, um ihn ewig als ſein Ideal zu umſchweben, und ſie ver⸗ tauſchten in dieſem Augenblick Liebe um Liebe, Treue um Treue, Leben um Leben. Die Sprache war zu arm fuͤr Beide; die Lippen beruͤhrten ſich und beſie⸗ gelten in einem minutenlangen Kuß den Bund hei⸗ liger Liebe unzertrennlich fuͤr das irdiſche Daſein und dauernd noch in der Ewigkeit hoffnungsvollen Raͤu⸗ men. Nach und nach lichtete ſich der ſuͤße Taumel, der ſie umgaukelt, und die junge Liebe entſtrömte be⸗ bend vom Gluͤcke in Worten, unter holdem Erroͤthen des reizenden Maͤdchens. „Welche Schwierigkeiten auch zu überwinden ſind,“ hub Alwin an, nachdem das erſte Taͤndeln der Liebenden in Beſorgniß fuͤr die Zukunft war uͤber⸗ gegangen,„ich zittre nicht vor ihnen, Viola; im Be⸗ wußtſein Deiner Liebe trotze ich dem Verhaͤngniße und biete Jeglichem die Stirn mit keckem Muthe; der Kraft der Liebe iſt nichts unmoͤglich, was in der Moͤglichkeit liegt, und wer in ſich fuͤhlt dieſe Stäͤrke treibt im Meere der Liebe nicht veränderlicher Winde preis gegeben ſchwankend umher; feſt haͤlt er das Steuer im treuen Herzen, blickt ſicheren Auges nach dem ſchoͤnen Ziele und kuͤmmert ſich nicht um die um 10* 148 ihn tobenden Elemente: ob auch der Sturm, der Blitz, zerſplittre, zerſchelle die Maſten, noch als Wrack ſteuert die Liebe in den Hafen der hoͤchſten Se⸗ ligkeit.“— „Oder in das Grab!“— Fuhr Viola fort mit trauriger, klangloſer Stimme;„Ich fuͤrchte, ich furchte fur Dich; ich bebe, ich zittre fuͤr meine Liebe; die Schwierigkeiten, die in den Weg ſich ſtellen uns koͤnnten, werden, Feuriger, Dich zertruͤmmern oder Deine Liebe verkuͤhlen, beides mir zum graͤßlichen Schmerze.“— „Fuͤrchte nichts von dieſen, Viola,“ bat Alwin troͤſtend,„erhalte Du mir nur Deine Liebe fuͤr die⸗ ſes Leben und die meinige iſt Dir geſichert in Beſon⸗ 3 nenheit auf ewig. Nicht uͤbermuͤthig will mit dem dunkeln Schickſale ich in die Schranken treten zum 6 Kampfe, es koͤnnte ſiegend mich ſpottend verlachen, 6 denn meine Kraͤfte ſind nur menſchlich; aber glaube 3 der Verſicherung: meine Liebe ſoll nichts mir ent⸗ reißen. Ich will Dich lieben entfernt wie nahe und in meiner Liebe die groͤßte Gluͤckſeligkeit finden, wenn Du treu an ihr Dich ſtets rankſt, die das Leben mir zu bieten vermag; in meiner Liebe zu Dir vereinige ſich mein Wollen, mein Wuͤnſchen, mein Streben und werde vergoͤttlicht durch den ſuͤßen Moment Deines Kuſſes!“ „Und wenn getrennt wir zu leben gezwungen?“ „Dann begeiſtere mich der Gedanke an den erſten 149 Augenblick in dem unſere Liebe entkeimte; er verſuͤße mir die Schmerzen der Trennung, und wird Kraft mir geben meine Liebe Dir zu bewahren, und wenn auch ſchwaͤnde der letzte Stern der Hoffnung, mein, ganz mein, Dich nennen zu können.“ Viola ſank an den Buſen des Juͤnglings. „Auch von mir,“ ſprach ſie leiſe,„weiche nie Dein Bild und meiner Liebe heilige Verehrung fuͤr Dich⸗ Es umſchwebe mich wachend und im Traume, wie die Sonne immer die Erde beſtrahlt; es gebe mir Muth und Kraft treu meiner Liebe zu bleiben auch in den erſchuͤtterungsvollſten Stunden die bevorſte⸗ hen mir koͤnnten; es gebe mir Troſt in den ungluͤck⸗ lichſten Augenblicken und in den des tiefſten Schmer⸗ zes; es erleuchte mein Leben lieblich auch in den dunkelſten Momenten und weiche nimmer aus mei⸗ ner Seele. Nimm mich ganz als Dein, ich bin es, ſo wahr Gott die Seligkeit mir einſt ſchenke, auf ewig!“— „Amen!“ ſagte Alwin, nachdem er die letzten Worte Violas feierlichſt wiederholt, auch ſſeine Liebe durch den Schwur bekraͤftigend. P. Zwei Jahre waren verfloßen ſeit Alwin und Viola ſich den Schwur ewiger, gegenſeitiger Liebe geleiſtet. Nur zu bald hatten die Verhältniſſe ſie ge⸗ 150 trennt und Beide Zeit gehabt ſich in der geiſtig⸗idea⸗ liſch⸗etiſchen Liebe zu pruͤfen, deren Viola fruͤher al⸗ lein faͤhig ſich glaubte, uͤber jeden koͤrperlichen An⸗ ſpruch erhaben, und zu welcher auch Alwin ſich ſtark genug fuͤhlte. Und ſie hatten dieſe Probe der Schik⸗ kung ruͤhmlich beſtanden. Beide liebten ſich noch mit der erſten Gluth des himmliſchen Feuers, Beide verehrten ſich noch mit unausſprechlichem Entzuͤcken und Beide traͤumten ſich noch in ihrer Liebe eben ſo gluͤcklich, als in der Stunde des heiligen Verſpre⸗ chens der Herzen und Seelen. Von Zeit zu Zeit war ihnen auch die Wonne geworden ſich zu ſehen; denn ſchuͤtzend hatte ihre geheime Liebe Gott Eros bisher bewahrt vor Verraͤtherei, und ſie hatten ge⸗ ſchwelgt in den Momenten ihres Anblicks. Jetzt aber zog der liſtige Knabe im tuͤckiſchen Muthwillen den Schleier von dem Geheimniſſe und enthuͤllte die Ge⸗ fuͤhle Violas den rauhen und wuͤllſtigen Blicken ih⸗ rer herzloſen Verwandten, und die ſpitzige Zunge boshafter Verlaͤumdung bemuͤhte ſich Alwins Liebe zu zeichnen mit ſchwarzſchmutzigen, niedrigen Farben. In einem Zimmer ſeines väterlichen Schloſſes ſaß Baron von Steinheim, Violas Vater, auf dem niedrigen Lehnſtuhl vor einem Schreibtiſche das Haupt auf dieſen und der Linken geſtuͤtzt und in der Rech⸗ ten eine kurze alte Tabakspfeife haltend, den blaͤu⸗ lichen Dampf aus dieſer entwickelnd. Eine verbli⸗ chene Sammetmuͤtze mit abgeſtoßenem Pelze, bedeckte 151 den faſt kahlen Schaͤdel, deſſen Seitenhaare lang und grau ſpaͤrlich um die Schlaͤfen und faltigen Wangen ſpielten; aus den buſchigen Brauen der gefurchten Stirn leuchteten zwei graublaue Augen, als wären ſie zur Bewachung des Mammons und der Wolluſt geſchaffen, und die kurze magere Habichtsnaſe, die eingefallenen Lippen und das hervorſtehende Kinn vollendeten eben nicht angenehm das Profil des Ba⸗ rons, obgleich er ſich oftmals wohlgefaͤllig in den Glanz ſeines gruͤn geweſenen, zerriſſenen Schlaf⸗ rockes ſpiegelte. Jetzt ruhten ſeine Blicke jedoch auf eine nicht weit vom Tiſche ſitzende bruͤnette Weibs⸗ perſon mit wolluͤſtig ſtechenden, frechen Augen, die bei ihm in jeder Hinſicht den Rang einer Aufwaͤr⸗ terin bekleidete. „Alſo wie war es, mein Minchen?“ flagte der Baron, nachdem der Bericht ſeiner Concubine ſchon ein Weilchen geſchwiegen, als habe er ſich in der An⸗ ſchauung ihrer Reize verloren gehabt und ihre Worte nur dunkel vernommen. „Wie ich Ihnen ſchon erzählte, Herr Baron,“ verſetzte Minchen laͤchelnd uber die Zerſtreutheit ihres Herrn, und ſich dadurch geſchmeichelt fuͤhlend,„der Menſch mit dem herriſchen Weſen, als haͤtte er der ganzen Welt zu befehlen— und du mein Gott, es iſt doch nichts dahinter— iſt angeblich in Fraͤulein Viola verliebt, und Fraulein Viola ſterblich in ihn, und damit ſie ſich oͤfter ſehen können und ſprechen 152 und ſchoͤn thun in heimlicher Stille, hat er das. Nachbargut gekauft, wenn man etwas unbezahltes als gekauft betrachten kann, und denkt nun gewiß Fraͤulein Viola zu heirathen und ſeine Schulben mit dem ſchonen Golde meines lieben Herrn Barons zu zahlen.“— „Denkt er, Minchen, denkt er,“ ſprach der Ba⸗ ron aufſtehend, und die Kreatur auf die Wange leicht klopfend,„was doch ein Menſch nicht alles denkt; aber gut, daß er blos denkt; ho ho, Minchen! ich will ſeinen Gedanken ſchon eine andere Richtung ge⸗ ben und er ſoll in ſeinem Leben nicht mehr daran denken meine Tochter zu freien und ſeine Schulden mit meinem Golde zu bezahlen.“ „Es waͤre auch abſcheulich,“ ſagte die Weibsper⸗ ſon, wenn ſo ein Menſch, an dem nichts iſt, weil er kein Geld hat, und der nichts weiter kann als groß thun, das ſchöne Vermoͤgen meines gnaͤdigen Herrn verſchwenden, und das theuere Fraͤulein ungluͤcklich machen ſollte. Ja, wenn er reelle Abſichten haͤtte, waͤre ich gewiß die, die ein liebendes Paar unter⸗ ſtuͤtzte, denn der Schmerz zerſtoͤrter Liebe iſt groß, ich kann es mir denken;— du mein Gott, ich muͤßte vergehen, wenn ich meinen geliebten Herrn ſollte ver⸗ lieren;— aber ſo, es iſt ja klar zu ſehen, daß der Menſch blos nach dem Gelde des Vaters trachtet und das huͤbſche, ſanfte, gute Fraäͤulein nur als Zugabe mitnimmt und——“ 153 „Der Schmerz zerſtorter Liebe iſt groß,“ wie⸗ 5 derholte der Alte, anerkennend ſchmunzelnd die nie⸗ dtige Perſon kuͤſſend,„iſt er groß, iſt er groß? Geld, ich will es glauben, mein Minchen, Du bekoͤmmſt einen ſo guten Herrn nicht wieder. Bitte nur, daß ich es noch lange Dir bleibe; und ich werde, mein Minchen, ich werde, wenn Du Dich nur gut haͤltſt und mich pflegſt; ich bin ja erſt ein ruͤſtiger Sechszi⸗ ger, nicht wahr ruͤſtig, mein Kind, nicht wahr ruͤſtig?“ „Pfui, gnaͤdiger Herr!“ entgegnete die Kreatur, coquett die Augen niederſchlagend und die langen Finger des Barons ſich abwehrend,„wer wird denn immer—“ „Verliebt ſein, mein Minchen, meinſt Du,“ fiel der Luͤſtling ihr in die Rede,„wenn er ſeinem huͤb⸗ ſchen Kinde ungeſtoͤrt gegenuͤber ſteht. Sieh, in mei⸗ nem Alter hat das nichts mehr zu ſagen, ich bin in den Jahren der Beſtaͤndigkeit und weiſen vorſichts⸗ vollen Ueberlegung, wo jeder junge Springinsfeld ſich durch ſchwere Proben erſt hinzuarbeiten hat; aber trotz dem immer noch jung an Geiſt und ruͤſtigen Koͤrpers; doch es iſt mir lieb, daß Du den Men⸗ ſchen nicht leiden kannſt; es bezeugt mir dies von Dir auch eine verſtaͤndige Liebe und lobenswerthe Treue, und dies ſoll Dein Schade nicht ſein. Sei nur außer Sorge, mein Schaͤtzchen, bevor der Sau— ſewind meine Tochter nimmt, muß ich erſt ſagen: 154 Nimm! aber ich werde ſagen: Packe Dich! und dann iſt der Spaß vorbei.“ „Und das Fraäulein wird ſagen: ich will ihn doch! denn Gott weiß, was der Menſch ihr fuͤr einen Liebestrank gegeben hat, und Sie werden ſich gewin⸗ nen laſſen, oder wenn nicht, wird ſie mit ihm davon laufen.“— „Pah! ſie ſollen mich nicht uͤberliſten, und wenn ſie läuft, mag ſie laufen; ich enterbe ſie und habe dann einen Erben weniger, und meinen Fluch ſchicke ich ihr nach als Mitgift!“ „Ach!“ fuhr die ehrloſe Kreatur bedauernd heuchleriſch ſort,„mir thut es nur leid um das arme Fraͤulein; mein Gott, ſie kann nicht dafuͤr, denn der ſchlechte Menſch hat ihr den Kopf durch ſeine Kuͤnſte verruͤckt; aber einen beſſern und reichern Mann koͤnnte ſie doch alle Tage bekommen.“ „Koͤnnte ſie bekommen, mein Minchen, koͤnnte ſie,“ fiel der alte Harpar wieder ein,„habe nur Ge⸗ duld, ſie wird bekommen. Wen meinſt Du denn un⸗ gefähr ſo, mein Minchen!“ „Nun da waͤre der Herr Baron von Gorgo, ein artiger, beſcheidener und gottesfurchtiger und auch nicht armer Herr; er wuͤrde gewiß ein guter Ehe⸗ mann werden, und heirathen muß Fraͤulein Viola nun doch einmal.“ „Du haſt vollkommen Recht, Gorgo hat zwar eben auch keine Schätze, als das Gold der hervorge⸗ 15⁵ ruͤckten Jahre; aber er hat doch wenigſtens ſein gu⸗ tes Auskommen und mehr als der windbeutliche Spinginsfeld. Und uͤberdem iſt es gut, wenn die er⸗ wachſenen Kinder nicht ſo lange im vaͤterlichen Hauſe bleiben; vorzuͤglich die Toͤchter; ſie koſten ihren Vaͤ⸗ tern viel Geld, ſind zu nichts weiter zu gebrauchen, als ein Bildchen zu pinſeln und ein verliebtes Lied⸗ chen zu ſingen oder wohl gar durch eigene Worte eins zu phantaſiren; wollen den Ton angeben im Hauſe und verlangen, daß ſich der Vater nach ihnen richten ſolle. Alſo mag ſie den Gorgo heirathen, mein Minchen, mag ſie heirathen.“ „Ja, mag ſie, mein lieber Herr Baron, aber ſie wird nicht moͤgen; ſie wird ihr Koͤpfchen aufſetzen und ich ſehe es noch kommen, ſie heirathet doch den großthuigen Menſchen und macht ſich und die ganze Familie ungluͤcklich.“ „Sie wird nicht, Minchen, ſie darf nicht, Min⸗ chen; ich verfluche ſie alle zuſammen und gebe ihnen keinen rothen Heller, Du kannſt Dich darauf verlaſ⸗ ſen, mein Schaͤfchen, keinen rothen Heller!“ „Dann nimmt er ſie ohne Geld und beſchwich⸗ tigt ihr Gewiſſen durch ſeine falſche Liebe; und wenn er ſie erſt hat, wird der Herr Baron doch zahlen und den Fluch zuruͤcknehmen, und das arme Fraͤulein bleibt doch ungluͤcklich.“ „Mache mir den Kopf nicht warm, Minchen, mache nicht; ich ſage Dir, ſie heirathet ihn nicht den 156 Lidrian ohne Geld, und wenn ſie vor meinen Augen ihren Geiſt aufgiebt. Dies iſt noch beſſer, als wenn ich vielleicht mit der Zeit zehn armſelige Erben mehr bekäme, die wie die Blutigel ſich an meine Geldſäcke legten und mit freundlichem Wedeln den koſtbaren Saft ausſaugen. Ich ſage Dir, ſie heirathet ihn nicht, denn ich bin am allerwenigſten der Mann, der einem Lump die Taſchen fuͤllt und ihm ſeine Tochter zum Zeitvertreib uberläßt. Wenn nichts mehr hilft, ſollen mich die Geſetze ſchuͤtzen und ich bringe den luͤſteren Kerl auf das Zuchthaus, und wenn er auch zehnmal aufrichtig meine Tochter lieben ſollte. Und nun, Minchen, hole ſie mir her, ſie ſoll gleich hier⸗ her kommen, Minchen; ich will ihr ins Gewiſſen re⸗ den, wie es einem redlichen Vater zukoͤmmt, der auf das Seinige haͤlt. Geh, mein Minchen, gehe hole!“ Das verworfene Geſchoͤpf glaubte ihr Werk einſtweilen vollendet zu haben und ging Viola zu rufen. Sie hatte ſich der Herrſchaft uͤber den alten geizigen und dennoch wolluſtigen Baron ſchon lange bemaͤchtigt, und benutzte daher jeder Zeit ihren Ein⸗ fluß auf das würdige Haupt der Familie, die vor⸗ kommenden Verhältniſſe nach ihren Launen zu gän⸗ geln. Der koſtbaren Perle der Familie, der engel⸗ guten Viola— wie kommt ein ſolcher Vater zu einer ſolchen Tochter?— war ſie eine furchtbare Strafe. Das zarte, feinfuͤhlende Mädchen war gezwungen die⸗ ſer Unwuͤrdigen freundlich zu begegnen, wenn ſie ſich ₰. — 157 nicht die groͤßten Grobheiten ihres Herrn Vaters aus⸗ ſetzen wollte, da der Herr Baron bei Gelegenheit ei⸗ ner Verachtung, die Viola gegen ſeine Concubine blicken ließ, ſich nicht entbloͤdete, die Tochter aus ſei⸗ nem Zimmer zu werfen, und ſeine ſaubere Pflegerin bat, die ihr zugefuͤgte Beleidigung ihm zu Liebe? zu vergeſſen, was denn auch aͤußerlich geſchah, und welche Großmuth und Anhaͤnglichkeit durch Geſchenke be⸗ lohnt wurde. Seit dieſer Zeit, wenn ſchon es meh⸗ rere Jahre her waren, blieb Viola dem lieben Min⸗ chen ihres zaͤrtlichen Herrn Vaters ein Dorn im Auge, obgleich dieſe gegen Viola die freundlichſte und zuvorkommenſte Demuth zeigte und gegen den Baron die herzlichſte Beſorgniß fuͤr die Tochter heu⸗ chelte, aber immer deren Wuͤnſche durch eine dritte Perſon, oder eben durch ihre Beſorgniß wußte zu vereiteln. Gern haͤtte ſie Viola aus dem Hauſe entfernt, um dann mit dem Alten und den Uebrigen ihr Spiel ungeſtoͤrt treiben zu koͤnnen; allein ſeit der Aufhebung der erſten Verlobung Violas hatte ſich dieſe noch zu keiner andern Parthie entſchließen koͤn⸗ nen und jeden Bewerber ſtets zuruͤck zu halten ge⸗ wußt, bis ſie ſpaͤter mit Alwin das Buͤndniß der Liebe ſchloß und nun erſt recht keinem Andern Ge⸗ hoͤr gab. Auch Alwin ſtand bei dem abgefeimten Minchen nicht in Gunſt; er kannte ihre ganze Schlech⸗ tigkeit durch Viola und konnte es nicht uber ſich ge⸗ winnen, dieſer Ehrloſen, wie ſie es erwartete und 15⁸ vielleicht auch von Andern gewohnt war, die als Gaͤſte in das Haus kamen, den Hof zu machen, ſon⸗ dern er blieb neutral und ſchien ſie nicht zu bemer⸗ ken, wenn er ſich auch kluͤglich ihr nicht gerade feind⸗ lich gegenuͤber ſtellte. Hierdurch fand ſie ihre Ge⸗ fallſucht aber beleidiget, nannte Alwin einen hochmuͤ⸗ thigen, ſtolzen, prahleriſchen Menſchen, und hatte den Biedern bei dem alten Baron ſchon in ein grelles Licht geſtellt, als der Schlauen der Zufall Violas Liebe verrieth und Alwin ſich in der Nachbarſchaft an⸗ kaufte. Jetzt ſchien ihr die Zeit ihrer Rache gekom⸗ men. Sie legte ſich auf die Lauer, ſchlich den Lie⸗ benden, von deren Liebe die Uebrigen noch nichts ahndeten, auf Tritt und Schritt nach, und hatte bald Gelegenheit die gluͤhenden Gefuͤhle der reinen, ſchoͤnen Herzen Violas und Alwins zu entdecken, und freute ſich im Stillen dieſes ſelige Buͤndniß zu zer⸗ truͤmmern, auf den Geiz und die Gefuͤhlloſigkeit des Barons fuͤr wahre Liebe ihre tuͤckiſchen Plaͤne ſetzend. Der alte Baron war ganz der Mann, ſeine Toch⸗ ter der Bosheit und dem Mammon zu opfern; ſein Gold war ſein Gefuͤhl, und die ehrloſe Kreatur ſein Gaͤngelband, in deren wolluͤſtigen Schlingen er lag. Nie hatte er Geld, wenn ſeine Frau oder Viola ihn darum baten, um fuͤr ſich etwas zu kaufen; aber im naͤchſten Augenblicke kaufte er fuͤr ſeine Concubine, wenn auch mit ſeufzendem Herzen, ein ſchwer ſeide⸗ nes Kleid oder ein theures Tuch, und zählte wohl⸗ 15⁵9 gefällig ſeine Dukaten und berechnete die bald wie⸗ der fälligen Zinſen ſeiner Staatspapiere. Bei allen ſeinem Geize liebte er fortwaͤhrenden Beſuch; allein dieſer ging nie auf ſeine Koſten; er lud die Frem⸗ den blos ein und hatte, um dies ohne Aufwand ſei⸗ ner Seits zu koͤnnen, ſeinem Sohn das Gut uͤber⸗ geben, deſſen Kaufgeld dieſer jedoch bei fremden Ca⸗ pitaliſten borgen mußte, um es ſeinem Vater zu zahlen; denn wenn auch der Baron junior die beſten Anlagen zu den loͤblichen ſparſamen Talenten ſeines wuͤrdigen Vaters in vielen Stuͤcken zeigte und an⸗ geeignet ſich hatte, traute der Alte in Geldſachen nicht ſeinem eigenen Sohn, wofuͤr dieſer aber auch des Va⸗ ters Aufwaͤrterin als Gemeingut betrachtete, und ſie in chriſtlicher Liebe fuͤr Beide lebte, um mit deſto groͤßerer Gewißheit juͤdiſche Zinſen ziehen zu können. Die Mutter Violas hatte ſich waͤhrend der langen Jahre ihrer Verheirathung auch auf die Seite des Geizes gelegt; ein Mann ohne Geld galt bei ihr ebenfalls nichts, oder wenig mehr, und wurde von ihr nur nach dem aͤußerem Ceremoniell behandelt, deſſen ſie glaubte ſich ſelbſt ſchuldig zu ſein; hierzu kam noch zur Zeit dieſer Geſchichte die Schwäche ihres Alters und demzufolge beſchraͤnkten Verſtandes, wenn gleich ſie, in der Jugend fein gebildet, oft noch zierlich zu ſpre⸗ chen wußte, und der Mißmuth, das ihr natuͤrlich auch verhaßte Minchen im Hauſe dulden zu muͤſſen. Viola war alſo die einzige Ausgeartete dieſer Familie, die 160 wie ein Phoͤnir lebte unter den Harpyien, und nur nach den Gefuͤhlen ihres ſchoͤnen Herzens handelte und liebte; und dieſe Arme ſollte jetzt vor den Schranken der Gefuͤhlloſigkeit erſcheinen, um dort ihre Liebe verhoͤhnen zu laſſen und nach Minchens Vor⸗ ſchlag verkuppelt werden.— 3. „Nun? Nur herein, Prinzeß, nur herein!“ rief der alte Baron von Steinheim, als Viola ihr Koͤpf⸗ chen zur Thuͤr hineinſteckte, um zu ſehen, ob der Herr Papa anweſend ſei,„immer her, eine ſchoͤne Ge⸗ ſchichte, das ganze Dorf ſpricht davon; aber ich werde ſie ausfegen mit eiſernen Beſen.“ „Was denn, lieber Vater!“ fragte Viola, nichts weniger als den Verxath ihrer Liebe ahndend, da der Baron in Folge der Mittheilungen ſeiner Concubine, oftmals Klatſchpoſtillen erfuhr, die er auszufechten ſich berufen fuͤhlte, wobei es natuͤrlicher Weiſe aber immer verblieb, indem ſeine Ritterſchaft ſich ſtets in Kannegießern mit ſeiner Familie verlor, die Viola gezwungen wurde mit anzuhoͤren. In dieſem Augenblick öffnete ſich die Thuͤr noch einmal und die Frau Baronin nebſt dem Herrn Sohn, ebenfalls von Minchen zur Conferenz aus eige⸗ ner Machtvollkommenheit eingeladen, traten in das Zimmer. 161 „Gut, daß Ihr auch kommt,“ nahm der Baron das Wort,„ſehr gut daß Ihr kommt, wir ſind nun gleich alle beiſammen und können die liebliche Ge⸗ ſchichte gehoͤrig beſprechen.“ Mit dieſen Worten trat er vor Viola.„Alſo verliebt ſind wir, in einen ar⸗ men Schlucker verliebt, der nichts iſt, nichts hat, nichts kann; nichts iſt als ein ſtolzer Narr, nichts hat als Schulden und nichts kann als verliebten Maͤdchen die Koͤpfe verruͤckt machen, um ſodann des Vaters Geld in ſeine Taſche ruͤcken zu wollen; aber wir werden den Spieß wenden, dem Laffen die Thuͤr weiſen, das Fraͤulein einſperren und wachſame Au⸗ gen zum Huͤter beſtellen.“ „Wie denn, Vater!“ fragte die Baronin, und der Herr Sohn wiederholte gelaſſen als Echo:„Huͤ⸗ ter beſtellen!“— Viola ſah gleich aus der ganzen Art und Weiſe des Vortrags ihres Vaters, welchen Dienſt ihn das ſaubere Minchen geleiſtet, und ſetzte ſich, im Bewußt⸗ ſein ihrer edlen Liebe, ruhig auf das Sopha, ohne zu antworten, und den weitern Fortgang zu erwarten. Der Baron aber beantwortete die Frage ſeiner Frau mit der Erzählung deſſen, was ihm ſeine Concubine berichtet, wobei er jedoch zehnmal verſicherte, die Ge⸗ ſchichte auf oͤffentlicher Straße von den Leuten ge⸗ hoͤrt zu haben, um ſein Minchen dadurch aus jedem Verdacht des Verrathes zu ſtellen. „So wird man hintergangen,“ ſchloß er,„von IM. 11 162 ſeinem eigenen Kinde hintergangen: es exiſtirt keine Kindesliebe mehr, die Vater und Mutter verehrt und um ihren weiſen Rath ſie fragend vertraut; das Ei duͤnkt ſich jetzt kluger als die Henne, und die Kin⸗ der warten blos auf den Tod ihrer Eltern, um mit ſchwindelnden Liebhabern die paar Thaler Erbvermoͤ⸗ gen zu verpraſſen, die die Alten ſauer erworben. Nichts als exaltirte Begriffe von Liebe und kein Ge⸗ danken der Zukunft, womit man den Hunger ſtil— len will. He! ich frage Dich ernſtlich, ich frage Dich, iſt es wirklich Dein Gedanke den ſchlechten armſeli⸗ gen Menſchen zu freien?“ „Es iſt mein Gedanke,“ erwiederte Viola, ſtolz ſich von dem Sopha erhebend,„Alwin, dem edlen, redlichen Mann, meine Hand als Gattin zu reichen, und zum Ueberfluß ſetze ich noch hinzu, daß er Jahre lang mein Herz ſchon beſitzt.“ „Beſitzt?!“— wiederholte Odo, ihr Bruder, wel⸗ chen Namen ihm der Vater gegeben, um dadurch ſo⸗ gleich ſeinen Erben zu bezeichnen. Die Mutter ſchlug die Haͤnde uͤber den Kopf zuſammen, und der Alte trabte ſchnaubend im Zimmer umher. Waäͤhrend dieſer Zeit blickte Minchen erwartungs⸗ voll des Ausganges der Conferenz durch ein Fenſter ihrer Stube, und ſah mit heimtuͤckiſcher Freude den biedern Alwin uͤber den Wirthſchaftshof kommen, um den Bewohnern des Schloſſes einen Beſuch ab⸗ zuſtatten 163 „Du kommſt eben recht, hoffaͤrtiger Menſch,“ ſagte ſie fuͤr ſich,„und wirſt zum letzten Male wohl dieſe Schwelle betreten.“ Mit dem Melden des Beſuches wurde es im Steinheimſchen Hauſe ſo genau nicht genommen, denn dies haͤtte unnuͤtze Diener erfordert; daher klopfte Alwin auch der alten Gewohnheit gemaͤß ſogleich an die Thuͤr des Zimmers des Barons und trat auf ein barſches„Herein!“ des Alten ein. Wie gewoͤhnlich begruͤßte er die Familie; kuͤßte der Baronin die Hand, die ihm dieſe jedoch nur ge⸗ zwungen uͤberließ, dann die Violas, und reichte die Rechte dem Baron, um ſie ſodann auch Odo nach deutſcher Sitte zu bieten, da Beide zoͤgerten ihm da⸗ mit zuvorzukommen. Doch der Alte ſagte blos ein kaltes:„Guten Tag!“ das ſein Sohn wiederholte, und ging im Zimmer umher, ohne die dargereichte Hand anzunehmen. Der Empfang fiel dem jungen Manne auf; er ſah Viola an, und in ihrem ſchoͤnen, truͤben Geſichte las er das Vorgefallene. „Wenn ich die Herrſchaften ſtoͤrte,“ begann er nach dem bereits abgelegten Hut wieder langend, „bitte ich um Entſchuldigung und die Erlaubniß, ein andermal aufwarten zu duͤrfen.“ „Nicht noͤthig, Herr— Herr—“ ſchnaufte der Baron, nicht laͤnger halten ſich koͤnnend, als haͤtte er Alwins Namen vergeſſen,„obligirt; es waren der 11* 164 Beſuche ſchon zu viel, und wir Alle depreciren auf Fernere.“ „Dies iſt wohl ein Irrthum, Herr Baron,“ verſetzte Alwin mit edlem Anſtand,„oder——— „Kein Irrthum in calculo, unſerer Seits,“ fiel der Alte ihm in die Rede,„wenn auch bei andern Leuten. Mit einem Worte rund heraus, gehen Sie ein Haus weiter, hier bluͤht Ihnen kein Gluͤck, kein Geld, kein Maͤdchen, hier iſt nichts mitzunehmen, als ein gehorſamer Diener!“ „Und mein Herz!“ ſagte Viola dem Geliebten die Hand reichend.„Alwin, man iſt uns zuvorge⸗ kommen unſere Liebe zu entdecken; wer! kann ich mir denken, wahrſcheinlich ein verabſcheuungswuͤrdi⸗ ges Subject.“—— „Kein Subject, kein Subject!“ ſchrie der Ba⸗ ron,„die Leute im ganzen Dorfe ſtecken die Koͤpfe zuſammen und reden davon auf offener Straße.“—— „Und wenn die ganze Welt auf allen Maͤrkten davon ſpraͤche, daß ich Alwin liebe und er mich, koͤnnte mir dies nur zur Ehre gereichen,“ fuhr Viola fort, und hier wiederhohle ich meinen Schwur: ewig die Seinige zu ſein und zu bleiben!“ „Zu bleiben!“ ſprach Odo echoniſch, mit offenem Munde daſitzend und mit Erſtaunen Viblas energiſche Rede vernehmend. Die Mutter ſagte nichts, aber der Alte wuͤthete deſto mehr im Zimmer umher, jedoch nur abgebrochene Worte und Drohungen murmelnd. 165 „Sie haben die Worte Ihrer Tochter vernom⸗ men, Herr Baron,“ hub Alwin nach einem Weilchen mit wuͤrdevollem Ausdrucke an, den erſten Sturm vorubertobend laſſend,„und ſind bereits ſchon fruͤher von dem Geheimniſſe unſerer Liebe unterrichtet. Durch wen! iſt gleichgultig, obgleich es einer ſuͤßen Pflicht mich uͤberhebt, Sie ſelbſt davon in Kenntniß zu ſetzen und dabei gleichzeitig um die Hand Ihrer Tochter geziemend zu werben; doch die Sache iſt nun ein⸗ mal geſchehen, ehe Viola und ich den paſſenden Zeit⸗ punct herangeruͤckt glaubten, und ſo erlauben Sie mir jetzt noch das Letztere und ſegnen den Bund un⸗ ſerer Liebe durch Ihre Genehmigung zur ehelichen Ver⸗ bindung.“ „Liebe— Genehmigung— Verbindung! polterte der Baron.„Ei ſeh mir doch, wer hat Ihnen das weiß gemacht. Der Teufel ſegne Ihre Verbindung, meintwegen mit ſeiner Großmutter, nicht ich mit mei⸗ ner Tochter, und damit holla!“ „Holla!“ rief Odo bekraͤftigend, und ſprang jetzt von dem Stuhle auf. „Herr Baron,“ entgegnete Alwin gelaſſen,„Sie ſind in Hitze und ich muß Ihnen daher Ihre Worte vergeben, auch wenn nicht Ihre Tochter mir als Ge⸗ liebte zur Seite ſtaͤnde, und mit flehenden Augen zur Nachſicht mich mahnte; denn in der Wallung fuͤhrt der Menſch oft eine Sprache, die er bei ruhigem Blute be⸗ reut, oder nie geaͤußert haben wuͤrde, wenn beſonnen er 166 ſich bedacht; und ſo ſei davon weiter keine Rede, wenn ſchon ich Sie bitten muß, ſich ferner jeder Be⸗ leidigung zu enthalten, da ich wiſſen wuͤrde, Ihnen Schranken zu ſetzen.“ Odo ſank in ſeine vorige Stellung zuruͤck. Der Baron hemmte den Fuß, nahm die Pelzmuͤtze ab, ſtrich ſich uͤber die Platte, als wollte er ſeine Hitze beſänftigen, und Alwin von oben bis unten beſehend, ſagte er:„Was wollen Sie noch; Sie haben mei⸗ nen Willen gehoͤrt!“ Das habe ich,“ verſetzte der junge Mann;„aber eben ſo uͤberzeugt bin ich auch, daß man keinen Mann von Ehre auf dieſe Art und Weiſe die Thuͤr zu wei⸗ ſen berechtigt iſt; es ſteht zwar in Ihren Willen, da⸗ bei zu beharren, ohne daß ich Sie aus ſehr theuren Ruͤckſichten zur Verantwortung zoge; denn die Ehr⸗ loſigkeit der Handlung wuͤrde nicht auf mich laſten, ſondern auf Sie zuruͤck fallen; aber dennoch wuͤnſche ich dies nicht aus Liebe zu Ihrer Tochter und Ach⸗ tung fuͤr deren Vater. Und gleichzeitig bitte ich Sie die Gruͤnde mir anzugeben, warum Sie Violas Hand mir verweigern.“— „Aus dreißigtauſend,“ erwiederte der alte Har⸗ pax, jetzt faſt ſchneidend kalt und mit liſtiger Ver⸗ ſchmitzheit,„die ich aber nicht nennen will, weil ich es fuͤr erforderlich nicht halte, und uͤberdem habe ich Erben genug und brauche keine Vermehrung.“ 167 „Vermehrung!“ wiederholte Odo, um auch ſei⸗ ner Seits ſeine Geſinnungen kund zu geben. „Vater,“ begann Viola, an den Geliebten ſich ſchmiegend, als ſehe ſie ihn ſchon dreißigtauſendmal verloren, und wolle die letzte Minute noch ſeiner Liebe Naͤhe ſchwelgend genießen,„ich habe ſelten Dich um etwas gebeten und bin immer zufrieden geweſen, wenn Du nichts mir gewaͤhrteſt, aber heute bitte ich Dich, ſei menſchlich, denn ich bin gewiß nicht zufrieden, wenn Du Unmenſchlich- und Unmoͤglichkeiten von mir ſollteſt verlangen. Meine Liebe zu Alwin iſt ſo feſt gewurzelt in meinem Herzen, wie die Achſen der Erde in den Polen, und keine menſchliche Macht ſoll ſie mir je entreißen; Gott allein haͤtte die Kraft hierzu, und er wird mir die Seligkeit nicht rauben, die er mir gab, und auch Du wirſt es nicht; auch Du wirſt mich nicht zwingen, alle uͤbrigen Ruͤckſich⸗ ten zu vergeſſen, und nur meiner Liebe zu leben.“ „Und auch mich koͤnnteſt Du vergeſſen, Viola!“ hub die Baronin ſeufzend an.„ Deine Mutter, die Dich zwei und zwanzig Jahre mit zaͤrtlicher Beſorg⸗ niß liebte, um der Unbeſtaͤndigkeit der Welt, dem Manne, Dich in die Arme zu werfen und ſeiner ver⸗ änderlichen Liebe zu folgen? O fluͤchtiger Rauſch ſinnlicher Jugend! das ſtarke Tau des ſichern An⸗ kers zerhauſt Du ſpottend und eilſt auf gebrechlicher Gondel leichtſinnig auf das glanzende Meer, um Dich ——— 168 in ſeinen Wellen wenige Augenblicke zu ſpiegeln, trotz des drohenden ſtuͤrmiſchen Orkans.“ Wie die Ranken des Epheus, um die junge Eiche liebend verſchlungen, die tobenden Wetter ent⸗ feſſeln und knicken zur Erde, riß ſich Viola von der Bruſt des Geliebten, erſchuttert durch die Worte der Mutter, und ſank weinend zu ihren Fuͤßen. Arg blickte der Alte ihr nach; doch wonnig folgten ihr die Augen Alwins.„Noch etwas zu erinnern?“ fragte der Baron dieſen boshaft.„Noch viel!“ entgegnete der junge Mann mit gefuͤhlvoller Stimme;„geſtat⸗ ten Sie Ihrer Tochter die Ausuͤbung der Natur und dann hören Sie ihre Liebe!“ „Mutter!“ ſagte Viola, das ſchoͤne Haupt der wallenden blonden Locken nach einigen Augenblicken erhebend, thraͤnenden Auges,„nicht dem fluchtigen Rauſche ſinnlicher Jugend ſollſt Du das Wort zur Befriedigung reden. Die Jahre lang ſchon waͤhrende feſte, reinſte Liebe nimmt Deinen Beiſtand nur in Anſpruch und bittet Dich, das Gluͤck Deiner Tochter zu gruͤnden. Ich bin von Alwins treuer Liebe uͤber⸗ zeugt, wie von dem Daſein des gutig waltenden Got⸗ tes, obgleich dem menſchlichen ſchwachen Auge ſie beide körperlos nur koͤnnen ſich zeigen und im ver⸗ borgenen wirken in uͤberſchwenglicher Fuͤlle. und ich liebe Alwin nicht minder; er iſt mir Alles, Alles, was dieſe Welt Schoͤnes, Erhabenes, Heiliges mir bietet, und Du kannſt mir mein Alles nicht nehmen; 169 Du kannſt nicht verlangen von Deinem Kinde, daß es der Mutter opfere des Paradieſes Seligkeit und in die finſtere Nacht dadurch beide verſenke, wenn es in der Mutter Macht liegt, dem Kinde die himmliſche Wonne zu gewaͤhren, um dann aus ſeinen entzuͤckt ſtrahlenden Blicken das Gluͤck ihres Lebens zu ſaugen.“ „Zu ſaugen!“ wiederholte Odo, mit dem Fuße auf den Dielen ſtampfend, als durchbebe ihn wirk⸗ lich eine Ruͤhrung und er koͤnne nicht anders ſie aͤußern. Der Baron ging muͤrriſch im Zimmer um⸗ her, die Baronin weinte. Alwin trat zu der Letzteren. „Denken Sie ſich in mir, gnaͤdigſte Frau,“ hub er an und eine Thraͤne entquoll ſeinen brennenden Wimpern,„einen Mann, der ſein Theuerſtes des Le⸗ bens in die kuͤhle Erde verſenken ſoll, der weinend und von tiefem Schmerze ergriffen ſich ſeines ganzen Gluͤckes beraubt ſieht, und nur mit gebrochenem Her⸗ zen daſteht, dem nichts bleibt, als die Hoffnung Jen⸗ ſeits des Grabes ſeine Geliebte wieder zu finden, dem freudenlos dieſe Erde geworden, dem nichts geblieben, als der Huͤgel der Theuren mit ſeinen Thraͤnen zu tränken, und Sie haben die Gefuͤhle, die in dieſer Minute mein Herz wehmuthsvoll durchzittern, und Sie werden, wenn Sie dies fuͤhlen, nicht verlangen, daß ich Viola entſage, und— meine Liebe ehren.“— „Ehren!“ rief Odo, abermals mit dem Fuße auftretend, und von dem Stuhle aufſpringend. Don⸗ nerwetter! macht ein Ende mit dieſem Salm und — — — 170 Qualm von Liebe und Grab und Fuͤhlen, und wie⸗ derum Liebe, und noch einmal Liebe! ich koͤnnte ſo flau werden, als wenn ich die Nachricht bekaͤme, das große Loos gewonnen zu haben, und aus lauter Ge⸗ fuhl dem Boten einen— nein, hol' mich der Teu⸗ fel! das iſt zu viel— fuͤnf Silbergroſchen geben; es baben ſchon reichere Leute gar nichts verabreicht.— Es iſt fuͤr Sie nun einmol hier nichts zu holen, Herr! der Vater will nicht, und Wir—— meine Wenigkeit, wollte ich ſagen auch nicht, und damit baſta! Wir bleiben aber darum gute Grenznachbarn, die einander kein Leids thun.“—— Viola erhob ſich von ihren Knien; mit Verach⸗ tung blickte ſie auf den herzloſen rohen Bruder, ſo daß er in ſeiner ruͤden Rede ſtockte, und reichte Al⸗ win mit einem himmliſchen Laͤcheln dann die Hand, die dieſer ſanft druckte und mit der ganzen Hoheit ei⸗ ner edlen Seele auf den niedrigen Sprecher herab ſah. Die Liebende wandte ſich jetzt zur Mutter.„Giebſt Du uns auch keine liebreiche Antwort, Mutter,“ fragte ſie melodiſch,„iſt auch Dein Gefuͤhl begraben und und dringt die bittende Stimme der Tochter nicht mehr zu Deinem liebenden Herzen, daß Du zu ehren von mir verlangſt?“ „Was ſoll ſie denn antworten,“ nahm der Ba⸗ ron das Wort,„als was bereits ſchon erklaͤrt iſt; es wird nichts daraus! Exaltirte Sentimentalitäten ver⸗ dienen weiter keine große uͤberlegte Erklaͤrung. Ver⸗ 171 ruͤcktheit iſt eine Hitze im Gehirn, und wer zu große Hitze hat, nehme kalt Waſſer und kuͤhle ſich ab. Dies iſt der ganze status causne! Und nun befehle ich Dir, daß Du den Herrn dort loslaͤßt, und Sie, mein Herr, werden die Guͤte haben, meine Tochter ferner nicht mehr zu beruͤhren.“ „Iſt dies auch Dein Wille, Mutter?“ fragte Viola dieſe noch einwal, ohne dem Befehle nach⸗ zukommen, ſondern ihren Arm um Alwins Nacken le⸗ gend, als dieſer die Hand oͤffnete. „Ich kann mich von Deinem Gluͤcke noch nicht uberzeugen, meine Tochter,“ entgegnete die befangene Frau,„daher iſt es beſſer, wir laſſen die Zeit ent⸗ ſcheiden.“— „Dann kann ich mich auch nicht uͤberzeugen, daß Ihr jemals mich liebtet,“ verſetzte Viola;„Ihr ſeid graͤßliche Menſchen!“ Und feſt noch einmal ſich ſchlingend an den Geliebten, kuͤßte ſie Alwin mit dem ganzen Feuer ihrer gluͤhenden Liebe. Dann ließ ſie ihn los und fuhr fort:„Fahre hin Körper, Du ſiehſt, daß kein Gefuͤhl hier zu finden, bis die Zeit mir wie⸗ der Dich giebt, aber Dein Geiſt bleibt mein, ich laſſe ihn nicht! ich verpfaͤnde Dir dafuͤr den Meini⸗ gen; kein Menſch ſoll je ſeine Huͤlle beruͤhren, und ſollte je mein Verſprechen ich brechen, ſo entzieh mir Deine Liebe, dies ſei meine furchterliche Strafe!“— 4. Mit Wuͤrde hatte ſich Alwin der Familie verab⸗ ſchiedet, und mit großer Kaͤlte war er entlaſſen wor⸗ den. Nur zu Viola ſprachen ſeine brennenden Au⸗ gen das zaͤrtlichſte Lebewohl, und die ihrigen redeten ihm thraͤnend das hehre Wort ſchmerzlicher Trennung aus bangendem liebendem Herzen. Minchen trium⸗ phirte; ſie hatte ihre Rache gekroͤnt, und der Baron klatſchte ihr Beifall, wozu der Herr Sohn bei Gele⸗ genheit accompagnirte oder mit Minchen allein ſein Schaͤrflein nachtraͤglich brachte. Auch die Mutter wurde von Beiden noch beſonders aufgeredet, und die ſchwache Frau ließ ſich leiten, wie der Sohn und Vater es wuͤnſchten. Viola wurde mit Spionen, die die Furcht beſoldete, umſtellt, um auch jede Corre⸗ ſpondenz mit Alwin unmoͤglich zu machen; aber der Liebe iſt keine Moͤglichkeit unmoͤglich; gleich dem brau⸗ ſenden Waldſtrom, der erſt beſcheiden entſpringt aus dem zackigen Felſen und ſich dann reißend fortwälzt im ſteinigen Bette, immer weiter und weiter die ufer ſich wuͤhlend und jede Welle ſchaͤumend zerbre⸗ chend im fliegenden Dahinſchießen am ſpitzigen Blocke, den die Erſchuͤtterung oder das Alter der Erde von der großen Kette geloͤſt und in dem Weg ihm ge⸗ waͤlzt, nicht achtend die klaffende Tiefe, ſondern herun⸗ ter ſich ſtuͤrzend voll kecken Muthes im donnernden Falle und ziſchend wieder emporſteigend aus gaͤſchen⸗ —— 173 der Brandung, bis ihm die Natur ſanftere Ufer zum ruhigen Laufe anweiſt und er Segen verbreitend da⸗ hin rollt, ſucht ſich das liebende Herz die Bahn zu dem liebenden Herzen zu brechen, wenn ihm die Liſt nicht gelingt, des Weibes getreue Begleiterin. So hatte auch Viola es durchgeſetzt, mit Alwin cor⸗ reſpondiren zu duͤrfen. Wie die Liſt nicht gelang, faßte ſie den Alten in die ſchwache Flanke, und er⸗ klarte dem ſaubern Minchen offen den Krieg. Dei Perſon machte Miene ſich zu widerſetzen, doch mit jedem Male ſteigerte Viola ihre Verachtung gegen ſie; die Mutter nahm in dieſer Affaire ihre Parthie, die Dienerſchaft ſteckte die Koͤpfe liſtig zuſammen und kicherte auf Minchens Koſten ins Faͤuſtchen, und trat ebenfalls auf des Fraͤuleins Seite. Die Perſon ſah ſich verlacht und raſte; und in ihrer Wuth vergaß ſie ſich ſo weit, ſich dem Fraͤulein oͤffentlich mit Wor⸗ ten zu widerſetzen. Das Taubenblut der engelſanf— ten Viola fing an zu ſieden, das Herzchen bebte, ih⸗ ren Alwin, ſich und ihre Liebe zu raͤchen, und im Nu ergriff ſie die Hundepeitſche des Herrn Vaters und peitſchte das zorngluͤhende Minchen, die ſich deſ⸗ ſen nicht getraͤumt, zur Thuͤr hinaus. „Auf meine Ehre, mein Fraͤulein!“ ſagte der anweſende Lieutenant von Flauwitz mit erſchutternder Lache,„auf meine Ehre, dieſe Courage haͤtte ich Ih⸗ nen nicht zugetraut, Sie hauen ja ein wie eine Schwa⸗ dron Huſaren in eine Oſteria.“ „Man muß endlich einmal ein Exempel an der Frechheit ſtatuiren!“ entgegnete Viola, ruhig die Peitſche aus der Hand legend, und wieder ihren Platz einnehmend. Der Herr Baron zog wuͤthend ein langes Ge⸗ ſicht und brummte, aber mußte doch in Gegenwart der Fremden, die alle uͤber Violas Executionsvoll⸗ ſtreckung herzlich lachten, zum boͤſen Spiele eine gute Miene machen; die Mutter ſchuͤttelte uͤber die mu⸗ thige Tochter laͤchelnd den Kopf, und der Herr Bru⸗ der blieb neutral, d. h. erſtarrt ſitzen. Wie ein Lauf⸗ feuer verbreitete ſich die Attaque unter die Diener⸗ ſchaft, in einer halben Stunde wußte das ganze Dorf davon und jubelte und lobte das Fräulein, und der Alte— des langen Haders endlich muͤde— bat ſei⸗ nem Minchen die Schmach ab, und ließ ſeinen Geld— beutel bluten, und das Kaperſchiff Minchen ließ die Briefe nun frei paſſiren und— behielt die Pruͤgel. Durch dieſen determinirten Act erwarb ſich Viola eine gewiſſe Autoritaͤt; denn obgleich ſie ſich ſchämte, dies Mittel ergriffen zu haben, um geiſtig dem Ge⸗ liebten ſich mittheilen zu konnen, und dadurch erſt recht die Genehmigung zu einer Verbindung mit Alwin verſcherzte, hatte ſie doch drei furchtbare Feinde mit deren eigenen Schwächen geſchlagen, die nun nicht mehr wagten ihrem Geiſte ſtoͤrend in den Weg zu treten, furchtend ſie moͤchte noch eine ſtärkere Macht um ſich ſammeln und frei der Oeffentlichkeit die my⸗ 175 ſtiſchen Geheimniſſe ihrer Gegner kund geben; denn die Niedrigkeit ſchließt nur ſtets von ſich ſelbſt, und dem Geitze und der Schande iſt die Furcht rechte Schweſter. Wo Viola den Muth zu dieſem Ge⸗ waltſtreiche herbekommen hatte, wußte ſie ſelbſt nichtz aber genug es war geſchehen, und da man ſich nun anſcheinend nicht weiter um ihr Thun bekuͤmmerte, wurde die Liebe immer kecker; ſie ging mit ihren Kammermaͤdchen ſpazieren, verirrte ſich zufaͤllig bis zur Grenze des Nachbargutes, und der Zufall fuͤgte es ſtets ſo, daß grade zu dieſer Zeit Alwin dort jagte. Ein Blick, ein Haͤndedruck, einige Kuͤſſe, mehrere Worte, und dann ging ein Jeder wieder nach Hauſe. Der Familie konnte dies nicht verborgen bleiben, denn es geſchah am hellen Tage und boͤſe Spaͤher und Poſtentraͤger ſtehen hinter allen Baͤumen, wenn auch die geheime Liebe nur von Vertrauten umgeben ſich waͤhnt, und das Kleeblatt ſchmiedete daher die Pfeile im Stillen und die Mutter mußte ſie abſchießen.— Viola weinte, verſprach halb und halb nicht mehr hinzugehen, und doch lenkte der blinde Knabe ihre Schritte immer wieder nach dem jagenden Alwin.— Was alle zuſammen nicht bewirken konnten: naͤmlich die Liebenden zu ſtoͤren, weil ein Jeder ſeine eigene Schwaͤche erkannte, war dem Baron von Gorgo allein vorbehalten. Ebenfalls ſchmutzig geitzig wußte er jedoch einen gewiſſen Anſtand um ſeinen Geitz zu werfen, da er in der Schule der großen 176 Welt ſeine Kräfte phyſiſch und moraliſch erſt leicht⸗ ſinnig erſchopft und dabei gelernt hatte, unter gleißneri⸗ ſcher Fröͤmmigkeit und Uneigennuͤtzigkeit die Rudera der zerruͤtteten Schaͤtze noch einmal aufzuſtapeln, um dann ſein heranruckendes Alter, wie dies gewoͤhnlich bei ſol⸗ chen Verſchwendern der Fall iſt, durch ein huͤbſches . Weibchen nochzu erfriſchen und durch deren Vermögen 4 ſich ein ſorgenfreies Leben zu verſchaffen. Mit allen Hunden gehetzt, war ihm feiner Weltton nicht abzuſpre⸗ chen, und er ein ſo routinirter Schurke, daß er ein ſchär⸗ feres Auge, als des eines unerfahrenen Maͤdchens, wohl zu taͤuſchen vermochte. Seine Sprache war gefaͤllig, ſeine Reden voll ſophiſtiſch⸗verfuͤhreriſch⸗mo⸗ raliſchen Inhalts, als ſei er nur ſtets der Rechtlich⸗ keit Prieſter geweſen und ſein Auge wußte er zu um⸗ ziehen mit dem Schleier des feinſten Gefuͤhls, als ſpräche er aus dem redlichſten Herzen, und nicht aus 1 dem Schlamme verworfener Zerruͤttung. Dies war der Mann, den das Triumvirat der himmliſchen Viola beſtimmte; die Wahl war ihrer wuͤrdig. Täglich wurde er zuvorkommender aufgenommen, erhielt ſtill⸗ ſchweigend freie Hand ſich Viola, wenn es ihm be⸗ liebte, zu naͤhern und vielleicht auch unter dem Fuße Andeutungen, als Schwiegerſohn willkommen zu ſein. Wie der Fuchs, nie raubend in der Naͤhe ſeines Baues, wenn ihn nicht der groͤßte Hunger dazu zwingt— ¹ und dies war bei Gorgo nicht der Fall, er mußte ſich erſt wieder reſtauriren— ſondirte er daher zuvoͤrderſt die ent⸗ 2 —* 177 fernteſten Kammern des Herzens Violas. Er achtete ihre Liebe, ermahnte ſie ſogar zur beharrlichen Treue, entwickelte bei dieſer Gelegenheit anſcheinend ein Herz voll gluͤhender, uneigennuͤtziger Freundſchaft und be⸗ dauerte zu ſchwach zu ſein, das ungluͤckliche Maͤdchen in ihrer Liebe nicht unterſtuͤtzen zu koͤnnen.— Anfangs achtete Viola ſeiner wenig, ihre Seele war zu voll von Liebe fuͤr Alwin; doch er ließ ſich nicht abſchrecken, und nach und nach ſchenkte ſie den Reden Gorgos Auf⸗ merkſamkeit, theilte ſie dem Geliebten treu mit, und bald unterhielt ſie ſich nicht ungern mit dem Ver⸗ larvten.— Alwin warnte; er durchſchaute die Raͤnke des ruinirten Moraliſten, der die Freundſchaft zum Deckmantel nahm, ſeinen Luͤſten zu froͤhnen, und flehte mit den heißeſten Worten der Liebe, Viola moͤchte ihn fliehen. Doch ſie glaubte ihre Liebe zu ſtark, als daß ein Gorgo je koͤnne Einfluß auf ſie uͤben; ſie wollte vielmehr ſeine Freundſchaft benutzen, um da⸗ durch Alwin zu erzielen, da ſie ſah, daß Gorgo taglich mehr Gewalt im elterlichen Hauſe ſich nahm, ohne daß man ihn wehrte, und hielt zuletzt Alwins Beſorgniß fur eine eiferſuchtige Schwaͤche. Aber nicht lange, ſo war es ihr Beduͤrfniß Gorgos falſche Mo⸗ ral zu hoͤren, Sie bewunderte die zarte Entwickelung ſeines ſchoͤnen Geiſtes, den dieſer Schurke aufſteckte, wie der Kaper die befreundete Flagge, und verwickelte ſich in ſeinen Ideen.— Alwin erfuhr Alles; ihre Liebe war ja nur ihm; er warnte wieder, noch einmal, II. 12 178 noch oftmals, aber vergebens; ſie glaubte nichts Boͤ⸗ ſes zu thun, wenn ſie dem geiſtreichen Manne zu⸗ hoͤrte und mit ihm ſprach und die Gefuͤhle ihres Herzens ſich in ſeiner Entwicklung ſpiegelten, und verlor ſich in einem Meere voll Bewunderung fuͤr die herrliche, moraliſche Ideenwelt des feinen Weltmannes. Taͤglich war Gorgo im Steinheimſchen Hauſe; Alwin wußte es ſtets, ſelbſt wenn er ihn auch nicht vorbei fahren ſah, ſagte es ihm das Pochen ſeines Herzens; er wurde unruhig; mit reißender Schnellig⸗ keit ſah er die Geliebte den Abgrund entgegen eilen; oftmals harrte er ihrer vergeblich, und wenn ſie end⸗ lich erſchien, erzaͤhlte ſie von Gorgo und ſeines Gei⸗ ſtes Fuͤlle.— Alwin bat ſie aus ihrer Taͤuſchung zu erwachen, zeichnete ihr mit treuen, aber graͤßlichen Farben die Schlange, die im Buſen ſie naͤhre und— ſie wunderte ſich, daß er Gorgo fuͤr ſich gefaͤhrlich halten koͤnne— verſprach ihn nicht mehr zu ſehen, ſchwur abermals ewige Liebe und— lag doch an Gorgos Blick gefeſſelt, wie der liebliche Vogel, wenn die giftige Schlange ihn anſtiert, ſobald ſich der Ver⸗ aͤchtliche ihr nahte. Sanft hing der Mond eines Abends an dem blauen Zelte des geſtirnten Himmes. Alwins Herz tobte im Innern mit bangenden Schlaͤgen, und eine tödtende Angſt hatte ſich ſeiner bemaͤchtigt. Er wußte Gorgo' wieder bei Viola; es litt ihn nicht mehr in den Raͤumen des Zimmers, ſie wollten ihn erdrüͤcken 179 die Luft deuchte ihn ſtickend, und mechaniſch nahm er den Hut und eilte hinaus in die freie Natur. Seine Fuͤße zitterten, als ſtaͤnde ihm bevor ein graͤß⸗ liches Ungluͤck zu ſchauen; es zog ihn mit magiſchen Gewalten nach Viola, und doch wagte er keinen Schritt weiter zu gehen. Er ſchaͤmte ſich an Violas Liebe zu zweifeln, die ſo treu, ſo ſehr fur ihn“ allein nur geſchlagen, und doch fluſterte der Argwohn miß— trauiſche Worte ihm ins Ohr und Herz, und ehe er es noch erwartete, ſah er ſich am Garten des Stein⸗ heimſchen Gutes. Alles blieb ſtill.„Wo ſie jetzt ſein mag!“ fragte er ſich leiſe, und die Aspe fluͤ⸗ ſterte ihm zu:„Bei Gorgo!“ Er erſchrack.„Nicht moͤglich,“ ſagte er,„ſie kann nimmer ihre Liebe ver⸗ geſſen, ein hoͤlliſcher Daͤmon nur iſt es, der mich pei⸗ nigend verfolgt!“ Und doch wieder fluͤſterte die Aspe:„Tritt ein und ſieh!“„Ha! waͤre ſie hier im Garten mit ihm; allein, beim blaſſen Schimmer des Mondes, hoͤlliſche Qual!“ Und ehe er noch aus⸗ gedacht, hatte er leiſe den Garten betreten. „So iſt es wahr?!“ rief er ſchmerzdurchdrin⸗ gend, daß die Luft zitternd erſchallte, und in fuͤrch⸗ terlicher Regung enteilte er fluͤchtigen Fußes dem Garten, in wahnſinniger Verwirrung. „Mein Gott, mein Gott, was hab ich gethan!“ rief Viola, und ſank zu den Fußen Gorgos, ehe er ſie noch zu halten vermochte. Doch im naͤmlichen Augenblicke erholte ſie ſich, als reflectire die eben er⸗ 12* 180 folgte große Erſchuͤtterung die Kraft ihres Koͤrpers, ſtieß den ſie aufheben wollenden Baron von Gorgo von ſich, und eilte nach dem Geliebten. Aber fort war er, vergeblich toͤnte der Ruf des zerriſſenen lie⸗ benden Herzens, und nicht im Stande weiter zu ge⸗ „ hen, ſank ſie bewußtlos auf den gruͤnenden Raſen. — . „Laſſen Sie den Reiſewagen zurecht machen,“ ſprach Alwin finſter zu dem Inſpector ſeines Gutes, „ich will dieſe Nacht noch verreiſen!“ Kopfſchuͤttelnd ging der ehrliche Diener aus dem Zimmer des K und gebot dem Kutſcher die Ausfuͤhrung des Befeh⸗ les.— Alwin war in einer ſchrecklichen Stimmung, ſeine Welt war ihm untergegangen, ſeines Lebens Stern erloſchen und nichts als der gluͤhende Schmerz zuruͤckgeblieben in ſeines biedern Buſens ſtuͤrmiſchen Wogen. Was er im Steinheimſchen Garten geſe⸗ hen, durchzuckte ihn wie der ſengende Blitz, er⸗ ſtarrte das Blut in ſeinen Adern und ſpannte krampf⸗ haft die Sehnen und dorrte das Mark in den Kno⸗ chen. Unter der Linde, dort wo unzählige Male an 3 ſeiner Bruſt Viola gehangen, ſaugend aus ſeinen Blicken die Wuͤrze ihres Lebens und wonnig berauſcht von den warmen Kuͤſſen des Geliebten, unter jener Linde dem Denkmale ihrer erſten Liebe, an welcher Viola ſonſt niemals vorbei ging, ohne ſich zu fragen 181 mit der Hand auf dem Herzen: Haſt du vielleicht Un⸗ recht gegen Alwin gehandelt? und mit freundlicher Stimme das reine Bewußtſein jedesmal ihr zufluͤ⸗ ſterte: Nein! du warſt ihm treu wie die Blume der Sonne! unter jener Linde, der Zeugin der erſten Se⸗ ligkeit ihrer Liebe, an der ſo herrliche Stunden ſich reihten, wo jedes Blatt ihr Alwins unendliche Liebe zurufen mußte, konnte ſie vergeſſen, was ſie gelobt, konnte ſie vergeſſen welche Strafe der eigene Schwur ihr dictirte.— Der ſchoͤne Abend hatte Viola verlockt ſeinen lauen Athem in dem Garten zu genießen, und Ba⸗ ron von Gorgo war ihr gefolgt. Sie dachte an Al— win; doch bald wußte der Schlaue ſich ihrer Seele zu bemaͤchtigen und verwickelte ſie in ein Labyrinth der erhabenſten Schwingungen des Geiſtes, daß ſie be⸗ wundernd ſich darin verlor, und in dem Manne, der ſolche Ideen ſo zart ihr vorzugaukeln vermochte, ein hoͤheres Weſen erblickte. Sie war aufgeloͤſt von der Fuͤlle der herrlichen Gedanken; ſie verfolgte deren Richtung mit geſpanntem Eifer und ſchwaͤrmte in an⸗ deren Regionen, und war willenlos ſeinem Schritte gefolgt.— So war ſie mit Gorgo angelangt bei der Linde. Er ergriff ihre Hand, ſprach verfuͤhreriſch fort von der Freundſchaft hehrem Entzuͤcken, von der Wonne des Mannes einer geliebten Freundin die Ge⸗ fuͤhle ſeines Herzens mittheilen zu koͤnnen, und vor dem Gluͤcke von dieſer erkannt zu werden als Freund, — und ſchlang ſeinen Arm um den Nacken Violas, um den Schweſterkuß bittend, mit ſanftem Erbeben der verlockenden Stimme. Sie wehrte ihm nicht und gewaͤhrte— und in dieſem Moment fuͤhrte das nek⸗ kende Schickſal ihr den Geliebten zu, hoͤhniſch ver⸗ lachend menſchliche Liebe. Er ſah, und wähnte ver⸗ ſinken zu muͤſſen; ſie ſah, und erwachte aus myſti⸗ ſchem Traume, fuͤhlend die Schuld dieſer Minute von deren Entſtehung Alwin nicht unterrichtet ſein konnte und ſonach das Schlimmſte, die Untreue, von ihr mußte vermuthen.— Und ſo war es auch. Graͤßlich erwachte in ihm der laͤngſt geſchlum⸗ merte Verdacht, den er mit Macht bis jetzt ſtets un⸗ 1 terdruͤckt; das idealiſche Gebilde, womit ſeine Liebe Viola umſponnen zerfloß in grinſendgrellen Farben, und er erblickte nur noch durch den zauberiſchen Ne⸗ bel das gewoͤhnliche Weib, fröhnend die Luͤſte der ſuͤndigen Leidenſchaft, das ſich verſtellt erhoben⸗hatte zu der erhabenſten, reinſten Liebe. Sein Entſchluß war gefaßt; ſo ſchrecklich betrogen ſich waͤhnend, wollte er nie wieder ſehen ſeines Gluͤckes und Schmerzes ſchoͤnſte Schlange und weit von ihr ſeiner Liebe nur laben, nur bewahrend des koͤſtlichen Bildes unendli⸗ chen Reiz, doch fliehend deſſen giftigen Athem; das Erwachen war zu gräßlich, als daß er noch in ihrer Naͤhe konnte verweilen.— Sinnend ging er im Zim⸗ mer umher, klingelte und befahl Licht! Der Diener ſah ihn erſtaunt an, blickte auf die bereits brennen⸗ 183 den zwei Kerzen, und fragte, wie viel er noch an⸗ zunden ſolle.—„Meinen Kopf,“ ſagte Alwin fuͤr ſich ſtatt der Antwort,„ haͤtte ich geſetzt als Pfand ihrer Liebe, und ich hätte ihn feſter geglaubt, wie die Sonne am Firmamente. Der arme Herr phan— taſirt, dachte der Diener, und fragte beſorgt, ob er den Arzt vielleicht holen ſolle.„Wer iſt denn krank, Johann!“ fragte Alwin, deſſen dumpfer Schmerz nach einem Weilchen uͤberging in weicher Ruͤhrung. „Ich glaubte Sie, Herr.“——„Ich! biſt Du von Sinnen? Ich bin nie geſuͤnder geweſen, wie eben jetzt; ich war verruͤckt, jetzt bin ich geneſen! Geh, packe ein, ſpaͤteſtens um drei Uhr will ich fahren!“ Kopfſchuͤttelnd ging der Diener und that wie ihm be⸗ fohlen. Keine Sylbe des Abſchieds wollte Alwin erſt an Viola richten; er wollte verſchwinden, ohne Lebewohl ihr zu ſagen, und ſie ihrem Schickſale uͤber⸗ laſſen; er hatte ja oftmals gewarnt und ſie nie ſeine liebende Stimme gehoͤrt; er mußte alſo annehmen, daß ſie ihn immer faͤlſchlich hintergangen und ihre Liebe ein roſiger Schleier ihm nur war, der den ſchwaͤrzeſten Verrath hold ſchimmernd bedeckte; aber mit Gewalt zog es ihn hin nach dem Schreibtiſche, ſeine Phantaſie ſchweifte in der Wonne der Vergan⸗ genheit und in dem bittern Schmerze der Gegen⸗ wart und zeigte ihm der Zukunft trauriges Dunkel. und er ergriff die Feder, noch einmal der Geliebten, Treuloſen vorzuhalten ſeine Liebe und ſeine Treue 184 ihr zu verkuͤnden, und es floſſen die nachfolgenden Verſe auf das Papier aus ſeinem blutenden Herzen. So war's ein Traum von wenig ſel'gen Stunden, Den ich in Deiner Liebe glücklich war, Ein Traum der ſchön, mit Roſengluth umwunden, Mein ganzes ird'ſches Lebensgluͤck gebar, Ein Traum, der nun, in dunkle Nacht verſchwunden, Im Herzen mir nur läßt Meduſens Haar. Ach! der ſo göttlich ſchön mir vorgeflimmert, Daß er im Chaos ſelbſt noch lieblich ſchimmert. Ein Traum nur wat's, den ich durch's ganze Leben, So gern verträumt an Deiner warmen Bruſt, Für den mein Herzblut gern ich hingegeben, Wenn Du bewahrt mir ſeine hehre Luſt; Der ſich in magiſch holden Banden ſchien zu weben, Wie zarter Epheu um Aurora's Bruſt, Durchſichtig rein, wie klares Meergebilde, In duft'ger Pracht, gleich einem Maigefilde. ſ Ein Traum, für den ich bis zum eiſ'gen Pole Gewandert wär' in froher flücht'ger Eil, Wenn dadurch mir das ſchönſte der Idole 1 Geworden wäre hier von Dir zu Theil; Für den geſchmerzt nicht hätte mir die Sohle Des blut'gen Fußes, mir kein Fels zu ſteil Geweſen wär', für den, könnt' ich ihn retten, Ich in die Hölle ſelbſt mich wollte betten. Er war ſo ſchön, wie ſanft Thaulilien-Glocken Harmoniſch ſäuſelnd ſpielen im Zephyr, So rein, wie zart gefallene Schnees Flocken, So fromm, wie nur das heiligſte Brevir; 185 Das Herz begann in Andacht nur zu ſtocken, In ihm lag ſtets der Liebe höchſte Zier, Und wie mit blauem Aether übergoſſen, War aus der Treue nur der Traum geſproſſen. Ein Engelslaͤcheln ſchien ihn nur geboren, Mild von ber Gottheit zaubriſch ſelbſt umſchwebt, Die Liebe hatte ſich ihm auserkoren, Wie reine Liebe nur in unſchuld lebt; Er war ein Muſterbild der keuſchſten Horen, In Fülle von den Grazien durchwebt; Denn wie der Seraph Gott den Höchſten liebet, War er von keiner Leidenſchaft getrübet. Und dieſen Traum, den konnteſt Du zerbrechen, Durch flücht'ge Liebe zu dem andern Mann! O dieſer Dolch wird noch mein Herz zerſtechen, Wenn längſt das Leben ſchon aus mir entrann; Treuloſe! nicht durch Schmach will ich ihn rächen, Es tage Dir, wie treu ich lieben kann: Ob Du im falſchen Arm Dich auch magſt wiegen, Ich will durch Treue Deine untreu' rügen. Ich will, ich will es mit Gewalt nicht glauben, Daß mich betrog Dein holder Liebesgruß;⸗ Du ſollſt mir die Erinnerung nicht rauben Der Seligkeit an Deinen erſten Kuß, Ich will ſie feſt in's Herz mir glühend ſchrauben, Sie war zu ſchön! ein ſolcher Hochgenuß Kann nimmer ſich aus dem Gedächtniß wiſchen: Dein Spott ſelbſt würde ewig ihn auffriſchen! Doch fern von Dir will ich der Liebe leben, Deß ſüßer Traum zu bittern Schmerz mich riß, —— 186 Ich will die Liebe mit der Treu' verweben, und heile nie der gift'ge Schlangenbiß; Ich will ein Vorbild Dir der Liebe geben und meines Sieges bin ich dann gewiß: Dein Herz ſeufzt bang, daß meine Lieb es labe, Wenn längſt ich ſchlumm're ſanft im kühlen Grabe.— Die Lichte waren herabgebrannt; eine Thräne entrollte dem Auge Alwins und ſaugte ſich feſt in des Papieres blendender Weiße.„Sei Du das Sie⸗ gel meiner Gefuͤhle!“ ſagte er leiſe, und verſiegelte das gebrochene Blatt, zum letzten Male den Namen als Adreſſe zu ſchreiben, der ſo innig theuer gelebt in ſeinem Innern, der ſo ganz erfuͤllt ſeine Seele, und der nun ewig ſtumm vergraben liegen ſollte in ſeinem treuen Herzen. Dann ſtand er auf, oͤffnete das Fenſter, und es ſchweiften die Blicke nach den Fluren der Heimath Violas.„Lebet wohl,„ſprach er bang,„lebet wohl ihr Zeugen meines Gluͤckes, daß in ſchmerzvolles Leid min verwandelt raſtlos mich wird verfolgen. Traget ſie ſanft, die der Himmel auf Erden mir gab, wenn ſie ihn auch zur Hoͤlle um⸗ ſchaffte; beſchuͤtzet ſie, die ſo ſchoͤn ihr erzogt, zur treuen Liebe geboren, wenn auch der Athem des Ver⸗ ſuchers ihr Herz verpeſtete und ſie mich vergaß. In euren Bluͤthen iſt ſie entſproſſen, in euren Bluͤthen iſt ſie gediehen, laßt ſie nicht ganz untergehen, im giftigen Schlamme, ſondern faͤchelt ihr liebend zu eurer Duͤfte Balſam und— erhaltet ſie ewig im 187 Rauſche gluͤcklicher Verblendung, daß nie ſie gräßlich erwache—— oder fuͤhrt ſie zur Erkenntniß auf den Fluͤgeln des Blitzes ehe noch der Verbvorfenheit Opfer ſie wird, und leitet ſie—— in den Arm wuͤrdiger Liebe;— ich bin vergeſſen; ich hab es geſehen und werde ihre Ruhe nicht mit mir nehmen.“——— Im Safranguͤrtel tauchte Eos empor; ein friſcher Luft⸗ zug umſpielte die gluͤhenden Wangen Alwins und weckte ihn mahnend an ſeine Reiſe. Noch einen weh⸗ muthsvollen Blick warf er hin auf die ruhende Land⸗ ſchaft, die ſich mit roſigem Schleier jetzt ſchon um⸗ zog, und dann ſchloß er das Fenſter.— Der In⸗ ſpector empfing ſeine Befehle, den Brief an Viola zur Beſorgung, und als Helios kaum die Saͤume des Waldes gekuͤßt, ſaß er ſchon in den Wagen, fort⸗ rollend in fluͤchtiger Eile. 6. Baron von Gorgo war Viola gefolgt; auch ihr Kammermaͤdchen, die ſie von fern begleitete, eilte auf das aͤngſtliche Rufen der Gebieterin herbei. Gorgo wollte ſie fortſchicken nach Huͤlfe, doch das Maͤdchen beſtand darauf, daß er ſelbſt gehe und litt keine Be⸗ ruͤhrung Violas. Wuͤthend rannte er in das Schloß und machte Allarm; ſogleich wurden die erforderlichen Anſtalten getroffen; man trug Viola in ihr Zimmer, verſuchte die nothigen Belebungsmittel und brachte 188 wieder in ihr das Leben zuruͤck. So ſehr angegriffen und ſchwach ſie auch war, verlangte ſie doch gleich Schreibmaterialien, um an Alwin zu ſchreiben; aber ſie wurden ihr verweigert. Nun wollte ſie das Maͤd⸗ chen fortſchicken, doch dieſe fuͤrchtete ſich, es war ſpaͤt Nacht ſchon geworden. Sie wollte ſelbſt gehen; al— lein man erklaͤrte ſie fuͤr verruͤckt, ſtellte den Bruder als Wache, und es blieb ihr nun nichts anderes uͤbrig, als den Morgen abzuwarten, um ſich Alwin mittheilen zu koͤnnen. „Alſo geſchoſſen hat er nach Ihnen?“ ſprach der Baron zu Gorgo, nachdem ſie Viola verlaſſen; „geſchoſſen und Viola zu Boden geſchlagen? Der Hallunke! Ich will ihn das Schießen und Schlagen einſtreichen morgenden Tages!“ „Geſchoſſen,“ wiederholte Gorgo,„wie ich Ihnen ſagte, mich wunderts, daß ſie den Knall nicht ge⸗ hoͤrt; und Viola zu Boden geſchlagen, als die Ku⸗ gel mich nicht getroffen, was Sie an ihrer bluten⸗ den Stirne auch ſehen. Waͤre ich nicht im erſten Schrecke auf die Seite geſprungen, haͤtte er auch mir gewiß den Schaͤdel geſpaltet; ſo aber machte ich gleich Laͤrm, und als ich ihn erfaſſen wollte, entfloh der feige Boͤſewicht den ſichern Tod mir noch ſchwoͤrend.“ „Wir werden ihn ſchwoͤren lehren,“ entgegnete der Baron,„wir werden ihn ſchwoͤren lehren; das Maas iſt voll und er ſoll mir nun nicht entgehen. Erſt das Maͤdchen den Kopf verruͤckt machen, und 189 jeden kindlichen Gehorſam aus ihr entlockend, daß ſie ſich den Eltern widerſetzt, und nun ſie zur Vernunſt gekommen, den Freund erſchießen und das Kind er⸗ ſchlagen— wir werden ihn faſſen den Burſchen, die Geſetze ſollen mich ſchuͤtzen. Sein Gut wird con⸗ ſiscirt— was will ich denn, es iſt ja nicht bezahlt — moͤgen die Glaͤubiger es annehmen; aber ſein Name kommt an den Pranger und er aufs Zucht⸗ haus! Laſſen Sie mich machen, Gorgochen, und bleiben Sie heute Nacht hier, der Kerl koͤnnte Sie noch auflauren und doch erſchießen; er war von jeher ein Verſchwender und wird den theuren Preis bes Pulvers darum nicht beruͤckſichtigen, es koſtet ja ſo anderer Leutens Geld.“— Gorgo raͤusperte ſich fuͤr das Compliment ſeines lieben Schwiegervaters in spe, wonach ihm derſelbe nicht einen Schuß Pulver werth hielt; verſicherte eine unbaͤndige Courage zu haben, und beſtand darauf nach Hauſe Jahren zu wollen; aber der Alte ließ es nicht zu, befahl ein Bett zurecht zu machen, und der Herr Baron von Gorgo ließ aus Freundſchaft fuͤr den Alten ſeine Courage ſchwinden und ging zu Bett, bei ſich ſelbſt uͤberlegend, daß er morgen dadurch das Fruͤhſtuͤck zu Hauſe erſpare, und die Nacht doch ei⸗ gentlich keines Menſchen Freund ſei. Die— Violas hatte ſich auf das Sopha geſtreckt und uberließ es der Schweſter ſich ſelbſt zu bewachen. Dieſe ſaͤumte auch nicht, die Gelegenheit 190 zu benutzen, ſtand auf als ſie den Bruder ſchnarchen hoͤrte, ſuchte Schreibmaterialien, und theilte ihrem Geliebten mit, was ſich zugetragen, bat flehentlichſt um ſeine Verzeihung und gelobte hoch und theuer: von jetzt ab Gorgo nie mehr ihr Ohr zu leihen, er moͤge nun wirklich ſo gut ſein, als er ſich ihr bisher gezeigt, oder ſo ſchlecht, als Alwin ihr denſelben hin⸗ geſtellt habe. Kaum ließ ſich Finettchen bei der Ge⸗ bieterin ſehen, wurde ihr der Brief zugeſteckt, und ein treuer Bote trabte damit ſchnell nach dem Gute Alwins. „Gut, daß Ihr kommt,“ ſprach der Inſpector zum Postillon d'amour, hier iſt ein Brief fuͤr Euer Fraͤulein!“ „Ich habe aber auch einen und ſoll auf Ant⸗ wort warten,“ entgegnete der Bote. „Das wird nicht angehen,“ erwiederte der In⸗ ſpector,„nehmt nur den Brief wieder mit zuruͤck, mein Herr iſt verreiſt, und hat nicht hinterlaſſen, wenn eher er wieder eintrifft, das Uebrige wird er Eurem Fraͤulein wohl ſchreiben.“ Eilig trabte der Bote wieder heim; berichtete an Finettchen was er gehoͤrt, und uͤbergab ihr die Briefe, ſie der ungeduldig harrenden Viola zu uͤber⸗ bringen. Das Wort: verreiſt! durchzuckte dieſe ſchnei⸗ dend! ſie ahndete den Inhalt Alwins Briefes und wagte nicht ihn zu erbrechen; bebend hielt ihre ſchoͤne 191 Hand das verhaͤngnißvolle Papier, als ſei ihr To⸗ desurtheil darin verborgen, das Herzchen pochte in ungeſtuͤmen Schlaͤgen, als wollte es die zarte Huͤlle zerſprengen und traurig hing der Vergißmeinnichts⸗ blick auf die Zuͤge des entfernten Geliebten, die er mit zitternder Rechte ſchien geſchrieben zu haben. Minuten der Ungewißheit wie gräßlich ſeid ihr! mit magnetiſcher Staͤrke reißt ihr uns hin zu ent⸗ falten des Schmerzes unendliche Qualen, und mit magnetiſcher Staͤtke ſtoßt ihr uns ab nicht zu luͤften des dunkeln Schleiers verborgene Falten. O haͤtt' ich Gewißheit, Gewißheit! ruft das Herz mit draͤn⸗ genden Toͤnen, und ſchrecklich zerſchmettert es der Ge⸗ wißheit druͤckende Kunde, wenn entfeſſelt die geheim⸗ nißvollen Banden. Toͤdtende Minuten! und doch, ehe ihr ausſpracht das vernichtende Wort, umgau⸗ kelt euch noch der Hoffnung ſeliges Laͤcheln! wir wa⸗ gen den Druck, es liegt enthuͤllt vor dem wir ge⸗ bebt, der Hoffnung lebendes Bild ſchwindet, wie Nebel dem Blicke, und troſtlos ſinken wir zuruͤck, mit zerrißener Seele. So auch Viola. Das Sie⸗ gel war geloͤſt, der Brief des Geliebten entfaltet und brennenden Schmerzes las ſie der Verſe ergreifenden Inhalt. Sanft weinend druͤckte ſie dann das be⸗ thraͤnte Papier an die heißen roſigen Lippen, als kuͤſſe der Engel den ſtrengen Spruch des Herrn, der das Urtheil ewiger Verdammniß ihm ſpricht, und barg es in die Gluth des wogenden Buſens. 192 „Ich hab' es verdient,“ hauchte ſie leiſe, und doch rang ſie wund die Lilienhaͤnde,„ich hab' es ver⸗ dient; Dein Spruch iſt hart, aber gerecht! Ich habe den Schwur, den heiligen, Dir verletzt und nicht gehoͤrt Deine liebende Warnung, und muß nun er⸗ tragen ohne Murren der eigenen Schuld fuͤrchterliche Strafe. Ich muß es ertragen, daß Du treulos mich haͤltſt, und doch— koͤnnt' ich nur noch einmal meine reine Liebe zu Dir in ihrer ganzen Unſchuld Dir ent⸗ ſchleiern, ich wollte ewig vergehen in Deines Ver⸗ gebens leuchtendem Blicke.“— Stumm uͤberließ ſie ſich dem Schmerze, und der bleiche Knabe mit⸗brennend eingefallenen Augen und abgehaͤrmten Wangen und bebenden Munde wuͤthete ungefeſſelt in ihrem Innern, und willig duldete ſie, daß er ſeinen Geſchwiſtern dem Gram und der Reue reichte die Hand ſie zu begleiten durchs Leben, deſſen Reiz fuͤr ſie erloſchen, wie die glaͤnzende Fackel un⸗ vorſichtig getaucht in rauchend ſiedender Quelle. Li⸗ ſtig hatte Gorgo unter dem Mantel der chriſtlichen Liebe und des Vergebens, und aus angeblicher Scho⸗ nung gegen Viola, den alten Baron gebeten des At⸗ tentats jenes Abends, deſſen er Alwin beſchuldigte, nicht weiter zu gedenken, und der Alte hatte es ihm auch verſprochen, einſehend, daß er nichts dabei konne gewinnen, doch war ihn Alwin durch dieſen ihm un⸗ tergelegten Gewaltſtreich um ſo haſſenswerther gewor⸗ den. Gegen Viola ſpielte Gorgo den Leidtragenden; 193 aber ſie achtete nicht ſeiner, und duldete nur im All⸗ gemeinen ſeine Naͤhe, wenn es von ihr unbedingt ge⸗ fordert wurde. Dagegen ſandte ſie noch täglich Bo⸗ ten nach dem Gute Alwins, immer hoffend der Ge⸗ liebte kehre zuruͤck, und es ſei verraucht das erſte Brauſen beleidigter Liebe. Doch er kam nicht wie⸗ der, und ſchon waren lange acht Tage ihr ſchrecklich langſam verfloſſen. Da konnte ſie ſich nicht mehr halten; ſie eilte ſelbſt zum Inſpector, ihn zu bitten den Aufenthalt ſeines Herrn zu erkunden. „So eben,“ begann der Diener,„mein Fraͤulein, habe ich einen Brief erhalten; der Herr hat das Gut verkauft. Auch nimmt er Abſchied von mir, und ſchreibt: er ſei, wenn ich dieſe Nachricht bekaͤme, be⸗ reits unter anderm Namen weiter gereiſt, und des⸗ halb jede Forſchung nach ihm vergeblich. Dies ſoll ich berichten, dem, der nach ihm fragt; leſen Sie ſelbſt, hier iſt der Brief.“ „Das iſt hart!“ ſprach Viola leiſe, nachdem ſie geleſen, und ſank auf den ihr zunaͤchſt ſtehenden Stuhl mehr Worten nicht maͤchtig. Dann erhob ſie ſich, ſagte dem Inſpector Lebewohl und wankte nach Hauſe. Gorgo jubelte im Stillen als er die Kunde vernahm, der alte Baron und Odo freuten ſich deſſen, und Minchen jauchzte, ihre Rache gekuͤhlt jetzt zu ha⸗ ben, und die Mutter hoffte, Viola werde den Ent⸗ flohenen bald nun vergeſſen. Aber ſie vergaß ihn I. 13 194 nicht; ihr Geiſt war Anfangs vernichtet, und als ſie ſich in etwas gefaßt, ſann ſie nur darauf, den Ge⸗ liebten zu erkunden. Nach langem Sinnen ſchien ihr hierzu Niemand tauglicher als Gorgo; war er wirklich der Mann, wie er ſich bisjetzt ihr gezeigt, mußte er willig die Hand dazu bieten, Alwins Aufenthalt zu ent⸗ decken, um zuruͤck ihn zu rufen, und ſich noch bemuͤ⸗ hen, die Vorurtheile ihrer Eltern zu bekaͤmpfen, und war er nicht, was ſie ſich von ihm verſprach, glaubte ſie die beſte Gelegenheit zu haben ihn kennen zu ler⸗ nen, um ihm dann die wohlverdiente Verachtung fuͤhlen zu laſſen. Vorſichtig naͤherte ſie ſich daher wieder dem Schlauen, und forderte von ſeiner ihr zugeſicherten Freundſchaft die Erfullung der Wuͤnſche ihres Herzens; aber eben ſo behutſam wich er ſtets aus und ſchuͤtzte die Unmoͤglichkeit des Verlangens vor. Viola ward arg⸗ woͤhniſch, doch ſchien ſie ſich von ſeiner Behauptung aͤußerlich zu uͤberzeugen und ſchlaͤferte ihn ein, damit er ſelbſt ſich verrathe. Und er ging in die Falle, glaubte ſeinem Ziele nahe zu ſein und fing leiſe an Alwins Charakter zu verdaͤchtigen und denſelben Viola in grelles Licht hinzuſtellen. Dies war genug fuͤr ſie ihn zu erkennen, aber ſie huͤtete ſich wohl ihre Gefuͤhle zu verrathen und ſuchte ihn nur noch mehr zu verwickeln und ſicher zu machen. Es gelang. Er trug ſeine Liebe ihr an; ſie wich aus, er wurde ſtur⸗ 195 miſcher, und nahm zuletzt die Vermittelung der El⸗ tern in Anſpruch. Jetzt erklaͤrte ſie ſich beſtimmt und nahm ihn jede Hoffnung. Doch er, erhitzt auf den Preis, wonach ſo lange er heuchleriſch gerungen, ſtellte ſeine Bewerbung nicht ein; die Eltern ſprachen von Zwang, wenn Viola nicht freiwillig die Hand ihm reiche, und er ſchuͤrte das Feuer immer ſtaͤrker. „Sie ſcheinen vergeſſen zu haben, Herr Baron,“ ſagte Viola, als ſo hoch der Bogen geſpannt, und man wiederholt in ſie drang die Verlobung mit Gorgo zu vollziehen,„daß ich bereits liebe, und meiner Liebe treu bleiben will!“ „Ich waͤhnte Sie geheilt von dieſem Rauſche,“ entgegnete Gorgo,„und Sie werden die Beſtimmung Ihrer Eltern ehren!“ „Und ich waͤhnte Sie ſo edel meine Liebe zu ehren,“ verſetzte Viola mit Wuͤrde,„und ich ver⸗ lange daher von Ihnen, daß Sie nicht mehr in mich dringen, noch meine Eltern damit erhitzen.“ „Nimmermehr!“ rief der Veraͤchtliche, ſich ver⸗ geſſend,„ich muß mein Ziel erreichen, wonach ich ſo lange geſtrebtz; ich muß Sie beſitzen, um welchen Preis es auch ſei!“ „Und wollen mich zwingen laſſen zu einer Ver⸗ bindung mit Ihnen? Schurke, Sie vergeſſen Ihre Rolle, die Sie ſeither geſpielt! Sie ſind entlarvt: ich wollte mich blos von Ihrer Schlechtigkeit uͤber⸗ zeugen, ſonſt haͤtte ich Sie laͤngſt ſchon keines Blickes 13* 196 mehr gewuͤrdiget! Was giebt es wohl Elenderes auf der Welt, als einen Mann, der die Macht der Eltern benutzt, um ein ſchwaches Mädchen zu zwingen ihn als Gattin zu umarmen. Ein ſolcher Mann iſt ein frevelnder Schurke an der Weiblichkeit! Jetzt ſtehen Sie ganz ſo graͤßlich mir vor der Seele, wie Ihr Bild fruher ſchon vorgefuͤhrt mir wurde; hoͤren Sie denn: ich verſchmaͤhe Sie, Heuchler, der mir die un⸗ eigennuͤtzigſte Freundſchaft gelobte, der mir den Ge⸗ liebten dadurch entriß, weil ich ſo ſchwach war ſei⸗ nen verfuͤhreriſchen falſchen Reden mein Ohr zu lei⸗ hen, und der jetzt Zwang gebrauchen will, wider mei⸗ nen Willen und Neigung mich an ſeine Seite zu ſchmieden: ich verachte Sie aus dem Grunde meines Herzens!“— Gorgo kochte vor Wuth.„Nicht ſo hitzig, mein Täubchen,“ ſprach er, im Bewußtſein die Macht der Eltern auf ſeiner Seite zu haben, und gereiztem Feuer,„vielleicht werden wir noch kirre!“— „Elender Wicht!“ ſagte Viola veraͤchtlich, und drehte ihm den Ruͤcken und ging. Gorgo tobte bis zum Raſen; er ſchlug ſich vor dem Kopf, ſo dumm ſich benommen zu haben in ſei⸗ ner Wallung und nun ſich uͤberliſtet zu ſehen, wo er den ſichern Fang ſchon glaubte in ſeinen Händen; aber er wollte jetzt nicht weichen und ließ alle Mie⸗ nen ſpringen, die Eltern Violas immer mehr und mehr fuͤr ſich zu gewinnen. Und dies gluͤckte ihm nr ju gu und befhl Pulobte( lubende I ſö eſc von ihr v druckes: die Entſch ankommt ferner in ben. Die gen nir n des Lihen ionen, ka tenſeite n Nodel w Leiche, w über Eu Gott wi ſchfende und die! den nich Die zing ſchn mend, Dillen, ine ſlc Mane es auf Eltern en ihn iſt ein ſtehen e Ihr n Sie die un⸗ en Ge⸗ ar ſei⸗ u lei⸗ r mei⸗ ite zu meines mein cht der trijtem und ich vor in ſi⸗ wo er änden; r und te ihm 197 nur zu gut. Man drang ſtuͤrmiſch drohend in Viola und befahl ihr in einer Generalſitzung ſich als die Verlobte Gorgos zu betrachten. Ruhig hoͤrte das liebende Maͤdchen die Gebietenden an, doch als ſie ſich erſchoͤpft und nun eine genehmigende Erklärung von ihr verlangten, ſprach ſie feſt und erhoͤhtem Aus⸗ druckes:„Nie werde ich Gorgos Gattin! Ihr kennt die Entſchloſſenheit meines Charakters, wenn es darauf ankommt mich entſchloſſen zu zeigen, und ſobald Ihr ferner in mich dringt, werde ich die Beweiſe Euch ge⸗ ben. Dies ein fuͤr alle Mal wo Ihr Zwang anle⸗ gen mir wollt zu einer Verbindung; denn habt Ihr des Lebens Glanz mir geraubt durch Eure Machina⸗ tionen, kann es mir nicht ſchwer fallen ſeine Schat⸗ tenſeite noch vollends zu verloͤſchen! Der Stich einer Nadel wird hinreichen, und Ihr koͤnnt dann meine Leiche, wenn es Euch beliebt, vermaͤhlen. Mein Blut uͤber Euch! Ich ſterbe dann für meine Liebe, und Gott wird mir vergeben; die Liebe iſt ja die ewig ſchaffende Kraft des Unendlichen in welcher er lebt, und die Fehler der Liebe koͤnnen nur gerichtet wer⸗ den nach dem Grade der Liebe und ihrer Reinheit!“ Die Mutter ſchauderte zuſammen; der Baron ging ſchnaubend im Zimmer umher, Kraftworte brum⸗ mend, und Odo ſtampfte mit dem Stocke auf die Dielen, nicht begreifen koͤnnend, wie ein Maͤdchen eine ſolche Sprache zu fuͤhren im Stande ſei, eines Mannes willen, der kein Geld habe. 198 Aber es blieb dabei; man hatte nur zu gut ſchon erfahren, wie ſtark das Feuer der Liebe zu Alwin in Viola loderte, und wagte deshalb weiter keinen Angriff, ſondern begnuͤgte ſich mit Stillſchweigen, der Zeit das Uebrige uͤberlaſſend. Gorgo empfing an⸗ ſcheinend ergeben von dem Baron das ultimatum Violas, doch brannte in ihm die Tu ſich raͤchen zu wollen, ſeiner wuͤrdig. Auch Minchen ſchien ſich zu finden, wenn ſchon ſie ſich vornahm, die junge Heroin der Liebe doch noch zu umſtricken mit boshaften Geweben, um ſie aus dem Hauſe zu entfernen und deren Liebe zu vereiteln. So vergingen Monate, ohne daß man an Alwin aͤußerlich dachte; aber in Violas Herzen lebte ſein Bild ſtets in ſchönen Tin⸗ ten und ſie lebte ihrer Liebe. Da rief ein neuer Krieg im Hauſe den anſcheinend Vergeſſenen wieder hervor. Das immer kecker werdende Minchen hatte die Baronin toͤdtlich beleidiget und die alte Frau, dieſe Schmach ſich tief kraͤnkend zu Herzen nehmend, wurde krank, und war nahe dem Tode. Die Diffe⸗ renzen zwiſchen Mutter und Tochter waren lange wieder ausgeglichen; denn wenn auch die Baronin Violas Liebe nicht genehmigte, gab ihr dieſe doch die ganze Zaͤrtlichkeit der beſorgten Tochter um ihre Mut⸗ ter, und die alte Frau hatte nicht Urſache uͤber Viola zu klagen; ſie ſuchte den nagenden Schmerz zu ver⸗ bergen und zeigte ſich heiter, um nur der Mutter das Leben angenehm, ſo viel in ihren Kraͤften ſtand, zu ui Lohhter La9 un gend di tiche. det Po nitete die ne weiche en, e dernbe xut di ſin, er des zo vorg Uufli es ſc ſpnc ſen: nußt ken b zun hetzlo liß ſ Stin meir inn hon win en der um zu zu toin ſten und ate, in⸗ euer edet atte rau, ö, ffe⸗ nge nin die ut⸗ ola ver⸗ tter nd 199 zu verſüßen. Dankbar erkannte die Baronin der Tochter wohlthuende Sorge, die nun auch nicht wich Tag und Nacht von dem Bette der Kranken, pfle⸗ gend die Schwache mit der aufmerkſamſten kindlichen Liebe. Doch immer bedenklicher wurde der Zuſtand der Patientin, der Arzt gab ſie endlich auf, und be⸗ reitete die Familie, vorzuglich Viola, ſchonend vor, auf die nahe Entſchwebung der geliebten Seele. Das weiche Herz der Tochter zerfloß in marternden Qua⸗ len, es war zu viel, zu dem bereits im Buſen lo⸗ dernden Schmerz auch dieſen noch zu geſellen, und nur die Beſorgniß, der Mutter nichts fehlen zu laſ⸗ ſen, erhielt ſie aufrecht und ſpannte noch die Glieder des zarten Koͤrpers und ſchuͤtzte die zerriſſene Seele vor gaͤnzlicher Erſchlaffung. Es ſahen die Uebrigen die Aufloͤſung der Leidenden mit berechnender Kaͤlte, und es ſchien, ihnen dieſer Zeitpunct gunſtig Viola das Ver⸗ ſprechen von der ſterbenden Mutter abnehmen zu laſ⸗ ſen: Alwin fuͤr das ganze Leben zu entſagen— Odo mußte daher die geſchmiedeten Pfeile bei der Kran⸗ ken verſchießen, und ſie dahin zu bewegen ſuchen, zum angeblichen Gluͤcke der Tochter, den angelegten herzloſen Plan auszufuͤhren, und die ſchwache Frau ließ ſich gewinnen.— „Tochter,“ ſprach ſie deshalb mit ſchwacher Stimme, als ſie mit Viola allein,„Du ſiehſt, daß bald meine Uhr abgelaufen und ich Dich zuruͤck laſſen muß, in wenigen Stunden vielleicht ſchon, auf dieſer Erde 200 und gern wollte ich ſterben, wenn ich gluͤcklich Dich wuͤßte; doch ich kann dieſen Troſt nicht mitnehmen in das Grab, denn Deine Gefuͤhle kann ich nicht ſegnen. Laß mich ruhig entſchlummern und ver⸗ ſprich mir——“ „Rede nicht aus, Mutter;“ fiel Viola ein, die geſpannt gelauſcht auf die Worte der Kranken und ihr Geiſt ſchien geſtärkt durch himmliſche Kräfte,„ich durchſchaue das kalte Gewebe, das man vorgeſpiegelt Dir hat, um mich der Verzweiflung fuͤr das Leben zu uͤbergeben; verlange von mir den Tod und ich folge, nur verlange nicht die Entſagung meiner Liebe. Alwin lebt ewig in mir und nur er bleibt meiner Wuͤnſche Streben, ich zittre fuͤr ihn wie das Blatt der Aspe in ſteter Beſorgniß und ſtuͤndlich wird mein Gebet zum himmliſchen Vater ſteigen ihn liebend zu ſchuͤtzen, ſo lange noch ein Hauch in mir iſt, lebt er auch ſtets von mir in unbekannter Entfernung. Kannſt Du dieſe Gefuͤhle ehren nicht wollen? Nim⸗ mer iſt dies Dein Verlangen! denn auch mein Geiſt wird noch beben fuͤr den Geliebten, wenn Gefahren ihn drohn und liebend ſich an ihn ſchmiegen, wenn er zaͤrtlich meiner gedenkt, und wonnig werde ich ihm entgegen eilen, entſinkt auch ihm einſt der Seele ir⸗ diſche Huͤlle.“—. „Tochter, wenn ich nur die Ueberzeugung mit⸗ nehmen koͤnnte, daß Du gluͤcklich wuͤrdeſt mit ihm.“— „Er iſt ja entfernt von mir, und nicht kenne ich ſins ſe biel Schmet tin ich wenni 5 brec Perda wähn ich he reine jedes ich es Schte legen ſen hiet des ben t geſen nit ſ Buſe und i miß Kun fn, — — men ſicht ber⸗ die und ich gelt hen ebe. ner latt nin zu lebt ng. im⸗ eiſt ren 201 ſeines Aufenthaltes verborgene Tiefe, und ich werde ſie vielleicht nimmer erfahren, mir zum graͤßlichen Schmerze; aber entdecke ich wohin er ſich verbarg, dann bin ich auch gluͤcklich und es haͤlt mich nichts! auch wenn ich das heiligſte Verſprechen Dir gebe, ich muͤßte es brechen; ich eile zu ihm und reinige mich von des Verdachtes ſchmuzigen Flecken, womit er belaſtet mich waͤhnt, und waͤre es die letzte Stunde meines Lebens, ich hauchte aus die Seele in Wolluſt, kann ich meine reine Liebe noch je ihm beweiſen. Daher erlaß mir jedes Geluͤbde, ich kann es nicht halten, oder wuͤrde ich es uͤber mich können gewinnen, es waͤre das Schrecklichſte, was Du noch zum Schrecklichen aufer⸗ legen mir könnteſt.“ „Er wird lange treulos ſein, und Dein vergeſ⸗ ſen haben, liebe Tochter; Du muͤhſt Dich umſonſt hier ab. Männerliebe iſt fluͤchtiger als der Rauſch des Trunkenen und ihre Treue kuͤrzer, als das Le⸗ ben der Ephemere.“ „Alwin iſt treu, Mutter, und hat mich nicht ver⸗ geſſen, und kann es nicht, ich fühle es nur zu gut, mir ſagt es mein Herz; er nährt den Schmerz in den Buſen wie ich, und der Gram nagt an ſeinem Leben, und ich trage die Schuld ſeiner Qualen, und dieſe muß ich loͤſen ſabald ich kann, ſo raſch, als ich nur Kunde von ihm erhalte.“ „Dann verſprich mir wenigſtens ſtreng zu pruͤ⸗ fen, und gieb Dich nicht im blinden Wahne ihm 202 hin,“ ſagte die Mutter ſchwach, und ſank zuruͤck auf die Kiſſen. „Das verſpreche ich Dir gern; denn ich bin uͤberzeugt, er wird jede Probe beſtehen.“ In einigen Tagen ſtarb die Baronin. Viola kniete tief erſchuͤttert an dem Bette der Todten und war aufgelöſt in den Gefuͤhlen des großen Verluſtes und heiß entrollten die Thraͤnen ihren Wangen. Die Herzloſen ſahen den weichen Zuſtand der zaͤrtlichen Tochter und noch einmal wollten ſie dieſe Stimmung benutzen ihr das Verſprechen abzunehmen, ihre Liebe zu Alwin zu entſagen, da ihnen die Leidende noch ergriffener ſchien, als da die Mutter noch lebte, und ſie muͤrbe genug gemacht von den Schlägen des Schickſals jetzt ihnen däuchte. Unbeachtet ließ Anfangs Viola ihre Worte; doch ſie ſtanden nicht ab von ihrem Verlangen und er⸗ neuerten es ſtets mit drohender Strenge. Da erhob ſich die Weinende, als erhebe ſich ein Engel von dem Gebet; die Thränen ſtockten in den brennenden Au⸗ gen und die Lippen zitterten als ſo ſie begann:„Ihr verlangt einen Schwur, wohlan, er ſei Euch ge⸗ währt! So ſchwöre ich denn hier bei den theuern ueberreſten meiner geliebten Mutter dem Manne mei⸗ ner Liebe ewige Liebe und Treue, ſo w05 Gott mir helfe zu Seligkeit, Amen!“— „So nicht, ſo nicht!“ riefen Vater und— und Viola entgegnete:„So wird es bleiben, bis Ihr auch m ſi jlſa 2 Horbſ den Stein noch trauet ſchwat Liche Nnſe infa der bild ner feine kleine hie 7 noch ſchthe bewo boten Sche konn en auf bin nd ies ie hen n9 ebe och nd des ern mir 203 auch mich in die Erde verſenkt!“ und erſchoͤpft ſank ſie zuſammen auf die Leiche der Mutter. 7. Wieder hatten ſich Fruͤhling und Sommer und Herbſt und Winter zweimal gekuͤßt. Die Trauer um den Tod der Baronin war von der Familie von Steinheim laͤngſt aufgehoben; aber Viola hatte ſie noch nicht abgelegt. Zwar nicht mehr ganz tief trauernd in der Kleidung, ging ſie doch nur ſtets in ſchwarzem Sammet, und die noͤthigen Bäͤnder und Tuͤcher und ſonſtigen Toilettenſtuͤcke waren von den dunkelſten Farben. Nur der Ring des Geliebten, ein einfacher Goldreif mit fuͤnf kleinen Tuͤrkiſen und in der Mitte ein kleiner Rubicell, ein Vergißmeinnicht bildend, und zwei zarte Ohrringe, in welchen ein klei⸗ ner Anker und ein kleines Herz hing, ſo wie eine feine goldne Kette um den weißen Nacken an der ein kleines Kreuz den wogenden Buſen umſpielte, waren die Pretioſen womit ſie ſich ſchmuͤckte. Sie trauerte noch immer um den entflohenen Geliebten. Mancher achtbare Mann hatte ſich waͤhrend dieſer Zeit um ſie beworben und es wurden ihr glaͤnzende Parthien ge⸗ boten; allein immer lehnte ſie jede Bewerbung mit Schonung, aber Wuͤrde und ernſthaft ab, und nichts konnte ſie gewinnen irgend eine Verbindung zu ſchlie⸗ ßen. Ihre Liebe war nur Alwin; rein und wahr und 204 treu wollte ſie ihm dieſelbe bewahren, ſtets hoffend noch ſeinen Aufenthalt zu entdecken, ihn zu uͤberzeu⸗ gen von ihrer Unſchuld und in ſeinen Armen das Gluͤck zu genießen, was ſie allein glaubte nur bei ihm zu finden. Vater und Bruder hatten ſich endlich daran gewoͤhnt, ihr den Willen zu laſſen, da ſie den entſchloſſenen, ſich in jeder Hinſicht beſonnen zeigen⸗ den und bis zum kalten Ernſt jetzt geſtimmten Cha⸗ rakter Violas nichts entgegen zu ſetzen wagten, und ſich dieſe dafuͤr um ihr Thun und Treiben nicht be⸗ kuͤmmerte, und das noch immer florirende Minchen nicht ſchien als anweſend zu betrachten. Zwar aͤr⸗ gerte ſich dieſe Kreatur über Violas Betragen; allein ſie hatte ihren Zweck mit Alwin erreicht, den man jetzt als verſchollen betrachtete, und da ſie ungeſtört ihren Nutzen zog, war auch ſie gleichguͤltig gegen eine Verbindung und Entfernung Violas aus dem Hauſe geworden, und erfreute ſich vielmehr noch im Stillen an dem Schmerz des trauernden Fraäuleins. Durch den Tod der Baronin und durch die erlangte Majorennitat hatte Viola die Dispoſition uͤber das ihr zugefallene muͤtterliche Vermoͤgen erhalten, und ſie lebte nun blos ihrer Liebe und in ſtiller Zuruͤck⸗ gezogenheit im elterlichen Hauſe und den dieſen um⸗ gebenden Fluren der Natur und den ſchoͤnen Kuͤn⸗ ſten und Wiſſenſchaften. Viel natuͤrliche Anlage zur Muſik und Malerei, und darin durch fruͤher genoſ⸗ ſenen Unterricht und fleißiger Selbſtubung recht huͤbſch gllide iche 5 ten we gutet in le doch iht a ſien Nuf und in b netri taſtlo tuſ noch ſelb zut Au ein ört gen m⸗ zu ſoſ⸗ ſ 20⁵5 gebildet, hatte ſie in dieſen Kuͤnſten ſich eine ziem⸗ liche Fertigkeit erworben, und ihre plaſtiſchen Arbei⸗ ten waren von zartem und herrlichem Kolorirt und guter Zeichnung. Aber ſo ſehr ſie ſich auch bemuͤhte ein leichtes, frohliches Leben in ihnen zu legen, trug doch jede einen ſchwaͤrmeriſchen, ungluͤcklichen Zug, ihr aus der Seele genommen. Auch ihren Phanta⸗ ſien auf dem Fügel und ſelbſt componirten kleinen Muſikſtucke durchhauchten die Gefuͤhle ihres Herzens und waren gewoͤhnlich in Amol und verloren ſich in bang zitternden Accorden. Ebenſo fuͤhrten ihre metriſchen Arbeiten nur die Sprache des zerdruckten, raſtlos nach Gluͤck ſtrebenden, aber immer wieder ge⸗ tauſcht zuruͤckgeworfenen, weichen Innern, und die nachſtehende Klage, gedichtet und componirt von ihr ſelbſt, ſang ſie taͤglich in Begleitung des Fluͤgels oder zur Guitarre, ſehnend das ſprechende klare, blaue Auge gerichtet auf das Bild des Geliebten. O Du fühlſt nicht meine Schmerzen, Glaubſt nicht meinem treuen Herzen, Das fuͤr Dich nur glüht und ſtirbt. Glaubſt nicht, daß mein ganzes Leben, All' mein Hoffen, all' mein Streben, Nur um Deine Liebe wirbt. O Du kennſt nicht meine Thränen, Die mit heißem Liebesſehnen Rinnen um verlor'nes Glück! Glaubſt nicht, daß ich jene Tage 206 Oft mit banger Liebesklage Weinend rufe mir zurück. Gieb der Blume Luft und Regen, Zum Erquicken, zum Bewegen, Sonne fehlt doch ihrem Blick; Nimm das Himmelslicht der Blüthe, Die in Freude wonnig gluͤhte Und verwelkend ſinkt ihr Blick. Glaubſt Du, daß mein Aug' nicht weinet? Wenn die Sonne mir nicht ſcheinet Deines Auges klarer Stern!— Nicht, daß ohne Deine Liebe Meines Lebenstage truͤbe, Ruhe, Gluͤck und Freude fern!! Wenn das größte Glück verloren, Wird kein andres mehr geboren, Und die Hoffnung bricht den Stab, Ohne Dich ſind alle Freuden Nur Erinn'rung meiner Leiden— Meiner größten Wonne Grab.— Glaube meines Herzens Trauer Eh' der kalte Todesſchauer Tödtet meines Lebens Sein.— Wenn Du Alles mir willſt rauben, Schenke mir nur Deinen Glauben: Daß ich ewig liebend Dein!— Gewoͤhnlich, wenn das Klagelied von ihren ro⸗ ſigen Lippen entſchwebt und die letzten Accorde, her⸗ vorgezaubert durch die Beruͤhrung der glaͤnzenden Cariatur vollönen weißen S fruliche meriſche den Vel ten ſie lenden tt Sc lichen ſchwelgt zigten, Perluſt die Ho Blice den, u tende ſale Beklo Nutter ſonme hitte u tinkt blis ſi „ get M ſolchen ſune en ro⸗ „hen zenden 207 Claviatur ihres ſchoͤnen Flügels oder der Saiten der volltoͤnenden Guitarre, mit den zarten Fingern der weißen Hand, ſanft in den netten Räumen des jung⸗ fraͤulichen Zimmers verhallten, ließ Viola das ſchwaͤr⸗ meriſche Koͤpfchen ſinken und nicht ſelten entrollten den Vergißmeinnichtsaugen helle Thraͤnen, als woll⸗ ten ſie kuͤhlen das Brennen des klopfenden, ſchwel⸗ lenden Buſens. In dieſen Momenten lag ihr groͤß⸗ ter Schmerz; denn wenn ſie auch dann in den lieb⸗ lichen Bildern der Erinnerung gluͤcklicher Tage ſchwelgte, mahnten ſie dieſe, um ſo ſchoͤner ſie ſich zeigten, um ſo nagender an den ihr unerſetzlichen Verluſt des Geliebten. Hätte ſie Alwin ſo geſehen, die Herrliche, wie ſie da ſaß mit dem ergebenen Blicke der Madonna, in Demuth tragend ihre Lei⸗ den, und der Natur die Rechte gewaͤhrend das blu⸗ tende Herz durch den ungehemmten Lauf der Kry⸗ ſtallperlen menſchlicher Gefuͤhle, von ſeiner bangen Beklommenheit in etwas zu lindern, als ſitze die Mutter vor des geliebten, ſuͤßen Saͤuglings Leiche in frommem Gebet, er wäre ihr zu Fuͤßen geſtuͤrzt und hätte um Vergebung gefleht, ſie verkannt und ge⸗ kraͤnkt ſo zu haben, und wäre es der letzte Augen⸗ blick ſeines Lebens geweſen. „Wenn ich ein Raphael waͤre,“ ſagte ein jun⸗ ger Mann, der einſt unbemerkt von Viola in einer ſolchen Minute war in ihr Zimmer getreten, und ſtaunend in ihrem Anblick verſunken kaum zu athmen 208 gewagt, bis ſie das Köpfchen langſam erhob und ihn dann mit einem zauberiſchen Lächeln begruͤßend, durch welches aber der Schmerz nur blickte, willkommen hieß:„So wuͤrde ich dich malen, und nie wieder eine Madonna ſollte mein Pinſel erſchaffen; ich haͤtte das Hoͤchſte in dieſem einen Bilde vollendet!“ „Wenn wirſt Du doch aufhoͤren zu ſchmeicheln, Vetter,“ entgegnete Viola,„ich halte Dich uͤber die gewoͤhnliche Gattung der Maͤnner erhaben, und doch ſcheinſt Du noch oft ihr leeres Geſchwätz nachzuah⸗ men und Dich wohl gar darin zu gefallen.“— „Ich danke Dir fuͤr das Erſtere, Couſine,“ ver⸗ ſetzte der Vetter, ein reicher Majoratsherr Baron von Seefeld, galant,„und auch das Letzte erkenne ich gebuͤhrend an, in ſofern mich mein leichtes, friſchwal⸗ lendes Blut, manchmal verleitet gegen andere Da⸗ men Schmeicheleien zu außern, die nur Galantrie ſind und faſt die Wahrheit beleidigen; aber zu Dir ſpreche ich immer nur aus reiner Ueberzeugung, wie ich es erkenne und fuͤhle, und meine Verehrung kann Dich ſchwerlich verletzen; ſie iſt nur auf nahe blutsverwandte Freundesliebe und Achtung gegruͤndet, wenn ich auch im Allgemeinen noch hinzuſetzen muß Liebe!“— „Welche Gefuͤhle, die hehr und ſchoͤn an ſich, Ihr Männer nur zu oft in Eurem Egoismus ver⸗ geßt, und in Leidenſchaften ausarten laßt, und da⸗ durch Euch ſelbſt entwuͤrdiget;“ erwiederte die junge Dame,, Vetet, ſchonteſ, wollteſt e Dit nie vumag. „Jl ter, blt richt de der ſein Stubien, licht zu geltnt, und Dii ich noch Aſo mi Dir 9 wahrhe nur rin H 0 Rehner. „be ſihr ſort ich verſ worde Pas 2 ganz D vilier I. nd ihn durch mmen wieder hitte eicheln, ber die d doch chzunh⸗ ver⸗ on von we ich ſewal⸗ re Da⸗ glantrie zu Dit 9, wie ehrung nohe gründet, en muß n ſih⸗ us ver⸗ und de⸗ it junge 200 Dame,„und daher wuͤrdeſt Du auch wohl thun, Vetter, wenn Du mich mit Deinen Artigkeiten ver⸗ ſchonteſt, und in mir blos ein gewoͤhnliches Maͤdchen wollteſt erblicken, fuͤr die Du gleichguͤltig lebſt, da ſie Dir nie mehr, als Gleichguͤltigkeit entgegen zu ſetzen vermag.“ „Ich leugne es nicht, Couſine,“ ſagte der Vet⸗ ter, bluͤhend und ſchoͤn wie Bacchus und kaum er⸗ reicht das Alter des Mannes, gewandt gebildet in der feinen Welt und weit gereiſt, voll kenntnißreicher Studien, ganz geſchaffen das Herz eines Mädchens leicht zu erobern,„von allen Damen, die ich kennen gelernt, wuͤrde ich Dir den Preis nur ſtets reichen und Dein Beſitz wuͤrde mich gluͤcklich machen, wie ich noch nie ein Glͤck ahnden mir konnte. Das heißt alſo mit kurzen Worten: ich liebe Dich und biete Dir Hand und Herz und die zaͤrtlichſte Liebe und wahrhafte Treue: ſo lange mein Blut in den Adern nur rinnt.“—— „Du vergißt, Vetter!“ unterbrach Viola den Redner. „Laß mich ausreden!“ bat der junge Mann und fuhr fort.„Aber ſo heiß ich Dich auch liebe, nie wurde ich verſuchen Dich durch Liſt zu gewinnen, ja ich wuͤrde mich ſchamen an dieſes Mittel nur zu gedenken. Was Du mir geben kannſt und willſt, ſtelle ich offen ganz Deinem Herzen anheim, nur was dies aus frei⸗ n Neigung zugeſtehen mir wird, entſcheide.“— 14 21⁰ „Biſt Du fertig?“ fragte Viola, als Seefeld einen Augenblick inne hielt;„ſo hoͤre auch meine un⸗ umwundene Erklärung, die Dir ein fuͤr alle Mal wird genugen; denn ich glaube zu einem edlen Manne zu ſprechen und will Dir daher auch das Geheimſte meines Herzens nicht verbergen; es wird mich ſchutzen und Dich! Du weißt, daß ich ſeit fuͤnf Jahren einen Mann liebe, wie nur ein weibliches Weſen je einen Mann zu lieben vermochte. Nichts konnte dieſe Liebe zerſtoren und ihre Reinheit beflecken; nur kurze Zeit wa⸗ ren meine Sinne von dem Hauche einer Schlange betäubt, ohne jedoch meine Liebe zu entkräften, und ich weiß noch jetzt mir ſelbſt nicht zu enträthſeln, was mich zu dem Heuchler Gorgo damals hinzog. So viel ſchwebte mir immer vor; ich wollte ſeine Freund⸗ ſchaft fuͤr meine Liebe benutzen, um durch ſeine Vermittelung lvon meinen Eltern die Genehmigung zu einer Verbindung mit Alwin zu erhalten. Und dies wurde der Grund meines ganzen Ungluͤcks. Denn ſo lange Alwin hier war, war ich es, trotz dem ge⸗ ſpannten Verhaͤltniſſe, nicht, ich konnte ihn ſehen und ſprechen, und das war mir genug und auch ihm, und man wuͤrde endlich doch noch unſere Wuͤnſche gekrönt haben. Doch Alwin reiſte ab, und waͤhnte mich treulos, und ich ſchwoͤre es; nie wurde die Lau⸗ terkeit meiner Liebe zu ihm getruͤbt und kann es nie⸗ mals werden, und ſehe ich den Mannzmeiner Liebe nimmer wieder: ſo lange das Leben lmir leuchtet, ich blei gin— auf De Deinem wie ich teſt, de in me lebte f nimmt find,, Pettra macht, deln. liebt Dein ren ſchend plat, Einem laſſen lißt in H ihm d iber ſchin, ment⸗ Steſelh eine un⸗ le Mal Manne eheimſt ſchüben en einen je einen iſe Liehe Zeit we⸗ chlange en, und n was o9. Go Frund⸗ ſch ſeine hmigun en Und 5. Denn dem gi⸗ chen und uch ihm, Vinſche dwoͤhnte die Lal⸗ nes nie ner Libe leuchtet 211 ich bleibe ſein, er ſoll mich rein im Jenſeits empfan⸗ gen.— Dies, lieber Vetter, iſt das, was ich Dir auf Deine Liebeserklaͤrung nur kann entgegnen; aber Deinem Edelmuthe vertraue ich, damit Du erkennſt wie ich Dich achte, daß Du der einzige Mann wä⸗ reſt, den ich als Gattin anzugehoͤren vermoͤchte, wenn in meinem Herzen nicht ein unausloͤſchliches Ideal lebte fuͤr das ich bebe und zittre und ach! vielleicht nimmer erreiche!“— „Viola!“ begann Seefeld ihre Hand ſanft ergrei⸗ fend,„ſo ſehr ich Deine Liebe ehre und Dir fuͤr Dein Vertrauen danke, und ſo ſehr gluͤcklich mich auch das macht, kann ich doch nicht umhin, Dich leiſe zu ta⸗ deln. Biſt Du uͤberzeugt, daß Alwin Dich ebenſo liebt und nicht längſt ſchon im Taumel des Lebens Dein hat vergeſſen? Du fliegſt wohl nach einem lee⸗ ren Phantome und verſchmaͤhſt, im luftigen, berau⸗ ſchenden Kreiſe nur ſchwindelnd, den ruhigen Anker⸗ platz, wo Dir ein zaͤrtlicher Aufenthalt wird geboten. Einem Manne, der ſo lange die Geliebte kann ver⸗ laſſen aus bloßem Verdacht und nichts mehr von ſich läßt hoͤren, kann wohl nimmer zarte Liebe wohnen im Herzen.“—— „O ſprich nicht weiter ſo von ihm, ſie thront ihm dieſe hehre marternde Flamme, wie die Gottheit uͤber den Sternen, und ſeine Liebe iſt ſo rein und ſchoͤn, wie das Laſurgewoͤlbe des geſtirnten Firma⸗ ments. Du haͤtteſt ihn kennen ſollen, wie er liebte 14* — 212 und eben, weil ſo ganz ſeine Liebe nur ich war, glaubte er ſich ſo graͤßlich betrogen.— Aber hätte er auch ein Weſen gefunden, das ſeine Liebe zu erwerben vermochte, es waͤre nur eine ge⸗ rechte Strafe fuͤr mich. Doch nein; er war mir treu, wie Kaſtor dem Bruder!— Und nun, Seefeld, dringe ferner nicht mehr in mich; ich habe Dir ohne Hehl meine Gefuͤhle vertraut und ich achte Dich zu hoch, als Dich je betruͤgen zu wollen; denn ſollte ich auch wirklich ſchwach genug ſein koͤnnen, Deinen Be⸗ werbungen Gehoͤr zu geben, obgleich ich mich jetzt * 8 noch ſtark halte einen Thron auszuſchlagen, und Dir jemals als Gattin folgen, Du haͤtteſt Dich nur dem Betruge vermaͤhlt; ſein Bild, vermoͤchteſt Du es auch auf kurze Dauer zu umhuͤllen, wuͤrde bald wie⸗ der in ſeiner ganzen Lieblichkeit in meinem Herzen erwachen und ſtets den Vorrang vor dem Deinigen haben, und die leiſeſte Entdeckung ſeines Aufenthal⸗ tes wuͤrde auf immer uns trennen; ich muͤßte zu ihm und ſollte ich ſchmachtend wandeln durch Saharas tief brennender Sande.“— Zart kuͤßte Seefeld die Hand Violas, die ſie ihm ſanft entzog.„Ich bedaure Dich, Arme, Du verdienteſt glücklich zu werden. Nimm den Kuß den meine heißen Lippen ſo eben auf Deine Hand druck⸗ ten, als ein Siegel meiner unzerbrechlichen Freund⸗ ſchaft; ſie ſei kein heimtuckiſches Gewebe wie Gorgo es fruͤher Dir heuchelte; er hat ſeine Strafe dafuͤr ethalten langen ihn balt F „— net Er nie Bo Seine er hätt letzten nicht d haben, blic er len die war et achtun treiben die K unwü — puc, ben ühe drei Se nr ihnli hin da hwar, Aber ſeine ine ge⸗ rtreu, eefeld, ohne ich zu lte ich en Be⸗ h jetzt d Dir it dem Du es ald wis Herzen Ninigen fenthal⸗ zu ihm ahares die ſie ne, Du ſuß den d drüd⸗ Frund⸗ e Gorgo t dafut 213 erhalten, das böſe Weib mit welchem er ſich nach langem Suchen, des Geldes wegen, vermaͤhlte, martert ihn bald zu Tode und er iſt gerecht gerichtet worden.“ „Der veraͤchtliche Menſch, er verdient kaum ei⸗ ner Erwaͤhnung,“ verſetzte Viola,„ich wuͤnſchte ihm nie Boͤſes, was er hat, hat er ſelbſt ſich verdient. Seine Niedrigkeit ging ſo weit, Alwin anzuklagen, er haͤtte nach ihm geſchoſſen jenen Abend, als ich zum letzten Male ſah den Geliebten, und er ſchaͤmte ſich nicht dieſen zu beſchuldigen, mich niedergeſchlagen zu haben, obgleich ich nur, ſchrecklich durch den Augen⸗ blick ergriffen, in Ohnmacht ſank, und nur beim Fal⸗ len die Stirn an einem Dorn leicht ritzte; und ſpaͤter war er noch unverſchämt genug, als ich meine Ver⸗ achtung fuͤhlen ihn ließ, Spott mit meiner Liebe zu treiben, wie ein gemeiner Menſch, und ſetzte dadurch die Krone ſeiner Schlechtigkeit auf, ohne die andern unwuͤrdigen Intriguen, die er ſpann, zu gedenken.“— Die Augen Seefelds waren, waͤhrend Viola ſprach, leicht im Zimmer umher geſchweift und blie⸗ ben uber dem Fluͤgel auf ein Bild an deſſen Seite drei Schleier, ſchwarz, roth und gruͤn hingen, als ſei es nur auf Augenblicke enthuͤllt und ſonſt für ge⸗ wöhnlich den Blicken durch die zarten Fäden des dreifachen Gewebes verborgen, gerichtet. Die junge Dame bemerkte dies jetzt und eilte hin das Bild zu umſchleiern. „Laſſe es enthuͤllt, Couſine,“ bat Seefeld,„ich 214 habe es doch nun einmal geſehen, und ahnde auch und erkenne wem die Züge entnommen, und Du ſtel⸗ leſt ſie nicht preis profanen Blicken.“ Viola hemmte hocherröthend den Fuß.„Es zeigt mir unſtreitig eine der glucklichen Scenen Eurer Liebe,“ fuhr Seefeld fort, Viola nachſchreitend und dem Gemaͤlde naͤher ſich ſtellend,„und Du wirſt dem Freunde einen kleinen Commentar nicht verſagen.“ „Du ſiehſt den erſten Moment, wo ſich unſere Herzen fuͤr immer verbanden,“ begann Viola,„ach, uber fuͤnf Jahre ſind es jetzt her. Wäre ich weni⸗ ger Stuͤmperin in der plaſtiſchen Kunſt, Du muͤßteſt auf ſeinen und meinen Lippen leſen die Worte: willſt Du geliebt ſein, ſo liebe!““ Die Linde kennt alle meine Freuden und alle meine Leiden; da⸗ mals, wie zum erſten Male unter ihrem wuͤrzigen Schatten ich mit ihm ſaß, entquollen mir faſt unbe⸗ wußt die Dir eben geſagten Worte, und er von glei⸗ chen Gefuͤhlen ergriffen fuͤr mich, ſank auf ſein Knie ſie ſchwärmeriſch gottlich tönend zu wiederholen und es ward auf ewig geſchloſſen der Bund, der jetzt brennend durch meine Schuld unſere Seelen belaſtet. Tadle mich nicht, daß ich zuerſt ausſprach die Worte der Liebez es war nur ein geiſtiges Feuer ohne phy⸗ ſiſches Begehren;— ich war zu voll von ihm und es loderte uberhell flackernd im Herzen: ich hatte die gleiche Flamme ja laͤngſt ſchon in ſeinen ſtrah⸗ tenden Augen fuͤr mich brennen geſehen. Damals, ich dö his Id fed b eiho herrlich auf im e nid Jahre hulch vonni liebe Um ſchwa den zu v het ſ hem( ochte Hiſehe nend, liünt nen de zuch Du ſtl⸗ „Es Eutet end und irſt dem gen.“ h ünſit 6„ch ch weni⸗ muͤßteſt Wortet Re Linde denz da⸗ witzie tſt unbe⸗ von hl⸗ ein Knie len utd det jeht belaſtet⸗ ie Worte ohne phh⸗ ihn und ich hatte nen ſth⸗ Pamals, 215 ach, damals, war eine neue Welt mir aufgegangen; das Ideal, was ſchon ſeit Jahren meiner Seele gau⸗ kelnd vorſchwebte, wonach ich mich innig ſehnte es zu erhaſchen, fand ich in ihm, es ſtieg empor mir herrlich wie die eben erwachende Sonne, und es waͤre auf immer um meine Ruhe geſchehen geweſen, hätte er nicht gleiche Gefuͤhle mit mir getheilt.“— „Armes Herz, Du haſt ja auch jetzt keine Ruhe!“ „Und doch tauſche ich nicht, waͤre es möglich die Jahre zuruͤck zu drehen, wie die Zeiger der Uhr; ſelbſt durch den bitterſten Schmerz blicken jene Stunden wonnig hindurch, wo an ſeinen Lippen ich hing. Die Liehe hat ja ohne dies keine Ruhe. Auch wenn der Arm des Geliebten die Geliebte zaͤrtlich umſchlingt ſchwankt ſie zwiſchen namenloſem Gluͤcke und zittern⸗ den Aengſten; aber es iſt eine ſelige Unruhe, und zu vergleichen der, wenn das liebende Herz verſchmaͤ⸗ het ſich fuͤhlt.“— Seefeld hatte waͤhrend deſſen die Zuͤge des auf dem Gemaͤlde vor Viola knienden Alwins naͤher be⸗ trachtet.„Ich ſollte das Geſicht irgend wo ſchon geſehen haben,“ begann er nach einem Weilchen ſin⸗ nend,„und doch habe ich nie Deinen Geliebten ge⸗ kannt, bis ich jetzt im Bilde ihn ſchaue.“ „Wo, wo, Seefeld!“ fragte Viola raſch⸗ „Goͤnne mir Zeit mich zu beſinnen. Auf mei⸗ nen Reiſen dächte ich, waͤre mir ein Mann vorge⸗ kommen, der ihn aͤhnelt; doch dies iſt ja bei ſo vie⸗ 216 len Menſchen der Fall. Aber wieder dies ſchwaͤrme⸗ riſche und dennoch feſt blickende, Wohlwollen und ungluck, Geiſt und Kraft leuchtende, dunkelblaue Auge, ſcheint mir nur ein und demſelben anzugehoͤren, der fluͤchtig meinem Gedächtniß jetzt vorſchwebt.“— „Ich bitte Dich, ſprich, ſprich, wo Du ihn ſa⸗ heſt!“ ſprach Viola bebend, den Geliebten gefunden ſchon waͤhnend,„es giebt nur zwei ſolche Augen auf dieſer Welt, Du kannſt nimmer Dich irren!“ „Faſſe Dich, Couſine,“ entgegnete Seefeld,„es iſt moͤglich, daß ich den Mann Deiner Wuͤnſche ent⸗ decke; ich ſehe nur zu gut, wir können uns nie mehr ſein, wie Schweſter und Bruder, und deshalb ſollſt Du auch, als Bruder, bewährt ſtets mich finden. So weit ich mich jetzt noch erinnere, war der Mann, der die Zuͤge des Bildes traͤgt in meinem Alter; aber er bluͤhte nicht mehr wie Deine Phantaſie auf die Leinwand ihn malte und er fruͤher in Friſche noch lebte, obgleich ihm intereſſante Schoͤnheit dennoch, wie ich ihn ſah, abzuſprechen nicht war, und iſt er es, der Dir entflohen, gieb der Hoffnung Raum, daß wir ihn finden!“— Violas Augen glaͤnzten entzuͤckt; aber ſie war nicht faͤhig zu ſprechen. Ihr Geiſt umarmte ſchon den trauernden Geliebten und kuͤßte hervor wieder der abgehaͤrmten Wangen roſige Bluͤthen, und der edle Seefeld verſank wieder ſtumm in ihren ſchoͤnen Anblic enden baren heitere Nooſ der v bewip ſiegen anſtänd gernde der de gehab thige Bedi einem den Fi dit, ſc und at Augen den 9 Hurd, den E mit de hwärne⸗ len und e Auge, ten, der ihn ſo⸗ funden gen auf 0 elb,„es he ent⸗ ie mehr h ſollſt finden. Mann, er; aber auf die che noch ch, wie tet es, mn, daf ſie war te ſchon wiedet und der ſchönen 217 Anblick, und freute ſich, der Theuren Qual vielleicht enden zu koͤnnen. S. Unfern eines freundlichen Dorfes, in einer frucht⸗ baren Gegend gelegen, ſaß, in den Fruͤhſtunden eines heiteren Tages auf einem Eichſtamme mit ſammeten Mooſe bewachſen und beſchattet von einer noch in der vollſten Kraft des Wachsthums ſtehenden hoch bewipfelten Eiche, ein Mann, tief in den ihn durch⸗ fliegenden Gedanken verſunken. Sein Anzug war anſtaͤndig und fein, doch in Folge des auf ihm la⸗ gernden Staubes der Fußreiſende nicht zu erkennen, der den Koͤrper zur Erholung von den bereits heute gehabten Strapazen im Schatten der Eiche die noͤ⸗ thige Ruhe vergönne. Ein Felleiſen, die nöthigſten Beduͤrfniſſe des Reiſenden enthaltend, ſtand nebſt einem Stocke gelehnt an den alten Stamm, und zu den Füßen des Mannes lag eine große ſchwarze Huͤn⸗ din, ſchoͤn behaͤngt und mit glaͤnzend langen Haaren und ausgezeichnet voller Fahne, die klugen braunen Augen gerichtet auf den ſinnenden Herrn. Jetzt fiel dem Reiſenden das ſeidene Schnupftuch aus der Hand, womit er vor wenig Augenblicken ſich noch den Schweiß getrocknet von der hohen Stirn, und die Huͤndin, die Bewegungen ihres Herrn folgend mit den Augen, ſprang auf das Tuch, mit den weiſ⸗ 218 ſen, ſcharfen Zähnen behutſam ängreifend, und üͤbet⸗ reichte es dem Gedankenvollen mit freundlichen We⸗ deln der uͤppigen Fahne und treuem faſt herzlichem Blicke. „Ich danke Dir, Freia!“ ſagte der Mann, den ſchönen Kopf des achtſamen Thieres liebend ſtrei⸗ chelnd, und die Huͤndin kuͤßte die Hand, die das Tuch ihr entnahm, als verſtaͤnde ſie die Worte, die ihr Hert zu ihr geſprochen, und legte ſanft den Kopf, ſich niederſetzend, auf das Knie des Dänkba⸗ ten.„Treües Weſen,“ führ der Reiſende fort,„Du bleibſt mir ſtets mit gleicher Liebe gewogen, bb ich dir auch nichts weiter bieten koͤnnte, als meine Gegen⸗ liebe, und Deinen Hunger zu ſtillen ſchwarzes Btod, und die Kryſtallwellen des Baches den Durſt Dir zu loſchen. Immer floͤhlichen Muthes ſpringſt Du um mich herum mein freudenleeres Leben mit zu er⸗ heitern und die ſchwatzen Wolken druckender Qualen aus dem Herzen zu verſcheuchen, unb mit treuet Be⸗ ſorgniß bewacheſt Du mich, wenn vom Schläft uber⸗ mannt bie muden brennenden Augen ich ſchließe. Nicht den ſchmeichelnden Worten des Nahenden giebſt Du Gchoͤr, ob er Freund oder Feind, erſt ſuchſt Du mich forgſam zu wecken, daß ich ins Antlitz ihn ſehe, ehe Du ihin geſtatteſt ſich mir zu nähern und auch dann noch beobachteſt Du den Fremdling mit ſchat⸗ fen Blicken, immer beteit mit eigner Brüſt müch zu ſchuͤtzen, und wüͤrdeſt gewiß gern Deine Seele ent⸗ hulche dich bi Pittu Ubet von d das ihnen wur i wyti bläul ſanm gey— von) nur d ſiegt loſe ſicht ſchien freier teten güol Du ſorſit ſin, ſ Eldbe iſ noin übet⸗ jen Pe⸗ rzlichem nn, den 0 ſtrei⸗ die das ötte, die uft den Dänkba⸗ th„Du Gin⸗ es Brod, utſt Dit ingſt Du it zu et⸗ Hülen euet Be⸗ ift uber⸗ ſchüeße det gübſt ichf Du ihn ſche⸗ und ch it ſchar tich zu Siiſe eit — 19 hauchen, wenn Du mich gerettet nur ſaͤheſt— und doch biſt Du blos ein Thier, dem der Schoͤpfer nicht Vernunft gab zu fuͤhlen der reinen Liebe hehre Flamme. Aber eben darum beſchaͤmſt Du die Menſchen, die von dem eiteln Scheine der falſchen Welt betaͤubt das Heiligſte verſpotten, was Gott in die Herzen ihnen goß: die treue, dauernde Liebe! Ein Pfuhl nur iſt dieſer Goͤtterfunke in ihnen, enthauchend me⸗ phytiſche Duͤnſte, und von Zeit zu Zeit entzuͤndend bläuliche Irrlichte, die ſie im Wahne halten fuͤr Ori⸗ flammen, wenn ſie auftauchen in huͤpfenden Spruͤn⸗ gen— und ſie waͤhnen ſich dann ergluͤht und beſeelt von der goͤttlichen Urkraft; doch ein leichter Wind nur darf wehen, und was ſie fuͤr ewig gehalten, ver⸗ fliegt in Nichts, wie des ſchlechten Witzes gedanken⸗ loſe Leere.“— Ein bitteres Lächeln umzuckte das Ge⸗ ſicht des Reiſenden, die Lippen offneten ſich, und er ſchien den ihn durchſtroͤmenden herben Gefuͤhlen in freier Rede Luft machen zu wollen, doch bald glaͤt⸗ teten ſich wieder die Zuͤge und nur ein Seufzer ent⸗ quoll ſeinem Buſen. Dann begann er wiedet:„Bleibe Du mir nur treu, meine Freia, ich will dafuͤr auch ſorgſam Dich pflegen; ſollteſt auch Du mich verlaſ⸗ ſen, ſtehe ich ja ganz allein unter des gefuͤhlloſen Erdballs herzloſen Geſchoͤpfen.“— „Mich rechnen Sie wieder fuͤr nichts!“ ſagte ein Mann, der, ohne daß Freia Notiz von ihm ge⸗ nommen, noch der Reiſende ihn beachtet, zu Beiden 220 getreten war, in faſt beleidiget, doch mehr wehmu⸗ thigem Tone.„Wenn nur Freia bleibt, den Johann mag der erſte beſte Sturm mitnehmen und treiben wohin es ihm beliebt: ſein Herr iſt ſeiner uͤberdruſ⸗ ſig, und kuͤmmert ſich nicht um den treuen Diener.“— „Sei vernuͤnftig Johann,“ entgegnete der Rei⸗ ſende dem Sprecher die Hand reichend,„wenn Du mich verlaͤßt, ich koͤnnte es Dir nicht verdenken; leicht findeſt Du einen reichern, der Dir mehr geben kann als ich, und bei dem Du beſſere Tage genießeſt. Bei mir haſt Du kein ruhiges Leben, wonach ſich jeder Menſch ſehnet; denn mich ſelbſt treibet die Unruhe von Ort zu Ort ohne Raſt, bis mich die Erde bedeckt.“— „Sollte man doch meinen, Sie ſeien ein Raͤuber und Moͤrder, wenn man Sie ſo ſprechen hoͤrt, und nicht weiß, welch ein guter Herr Sie ſind, der Allen nur wohl will,“ verſetzte der Diener;„aber mit mir meinen Sie es nicht gut, wenn Sie den Laufpaß ſchreiben mir wollen, und mit Freia auch nicht; denn wer ſollte ſie denn fuͤttern? und mit ſich meinen Sie es erſt recht nicht gut; denn wer ſollte Ihnen denn ſagen: hier iſt eine Stadt, hier muͤſſen wir uͤber Nacht bleiben!“— „Ich will Dich auch nicht fortſchicken, Johann,“ fiel der Reiſende dem Diener in die Rede,„ſondern ich meine nur, wenn Du Dich wollteſt verbeſſern, koͤnnte ich mich nicht uͤber Deine Entfernung bekla⸗ gen doo den 0 „N et gewo t,„d behten ſchon g Hoffte Friia ich auch danit w nun ſche fiſches hnm ich noch die Fli fonnte Frin ⸗ da werd ſch ſun he wih iftet wißen Bud, g Gabel! einn il wehmi Johann treiben berdrüß ner.— det Rei⸗ enn Du nz leicht ben kann ſeſ. Bei h jeder he von cät.“— Räubet zrt, und der Allen mit mir Laufpaß ſ; denn meinen te Ihnen ſſen wit ohann“ „ſondern erbeſſern, ng bekla⸗ 221 gen, das iſt ſo der Lauf der Welt! aber jetzt nimm den Torniſter und laß uns weiter gehen.“— „Nicht von der Stelle,“ ſprach Johann, als ſei er gewohnt nach beſter Einſicht ſeinen Herrn zu lei⸗ ten,„das iſt es ja eben, weshalb Sie mich nicht ent⸗ behren koͤnnen. Drei Stunden ſind wir nun heute ſchon gelaufen und haben nichts als ein paar Taſſen Kaffee genoſſen; aber ich weiß, Sie ſind hungrig und Freia auch, und ich nicht minder, und deshalb habe ich auch dort aus dem Gaſthauſe Lebensmittel geholt, damit wir alle Drei uns ſtaͤrken, und das haben Sie nun ſchon wieder vergeſſen. Freilich gab es blos friſches Brod und gute Butter, aber auf dem Lande kann man nicht mehr erwarten, und fuͤr Sie habe ich noch ein Stuͤck Cervelatwurſt im Torniſter und die Flaſche iſt auch gefuͤllt mit Wein, ſo gut ich ihn konnte bekommen; ich trinke mal Bier, und fuͤr Freia habe ich ſchon einen klaren Brunnen entdeckt, da werde ich ihr den Morgentrunk ſchöpfen.“ Willenlos war der Herr ſitzen geblieben und ſah ſtumm dem Serviren des Dieners entgegen, wel⸗ cher waͤhrend ſeiner anordnenden Rede den Torniſter geoͤffnet hatte, und nun den Baumſtamm mit einer weißen Serviette bedeckte, worauf er Butter und Brod, auch die mitgebrachte Wurſt und Meſſer und Gabel legte. Hierauf zog er die Flaſche Wein und einen kleinen Kryſtallbecher hervor und fuͤllte letzteren —— 222 mit der edlen Fluͤſſigkeit, ihn hinſtellend vor ſeinen Herrn. Auch Freia ſah der Dienſtfertigkeit ruhig, wenn auch aufmerkſam zu, ohne aus ihrer Stellung iinc h n „Wenns nun gefällig iſt,“ begann der Serviteur, mit der Hand auf das frugale Mahl deutend,„ſo wuͤnſche ich guten Appetit!“ Der Reiſende langte zu und reichte dann dem Jo⸗ hann das Brod mit dem Bemerken: Freia auch ei⸗ nen Theil zukommen zu laſſen.. „Soll gleich bekommen!„entgegnete der Diener und ſchnitt eine tüͤchtige Schniete ab, und ſie mit Butter beſtreichend und zierlich mit der Schale der Wurſt belegend. uberreichte ſie dem Hunde, ſodann ſelbſt ſich verſorgend.„Ein herrliches Brod,“ fuhr er nach einem Weilchen fort, als habe er etwaß auf dem Herzen, deſſen er ſich gern ſo ſchnell wie möglich mochte entledigen, und doch nicht wiſſe, wie er ſchicklich damit hervor treten ſolle;„wie Flaumfedern locker und doch kräftigen Geſchmackes— ſehen Sie nur lieber Herr, auch Freia laͤßt recht gut es ſich ſchmecken.“ „Das Brod iſt gut,“ erwiederte der Reiſende, Heine Anzeige, daß die Leute hier den des Roggens zu ſchaͤtzen wiſſen“— „Ja wohl!“ ſprach Johann weiith als ſein an wieder verſtummte.„Erſt wenn man in der Welt herum gereiſt iſt, und allerhand ſchlechtes Brod ken⸗ nen gelernt hat, erkennt man den großen Vorzug des gln. litabe inner e ſutet ben kan hen, ſe Sagen ſin! Schtif lnz 6 deß gu iſ und ſumer „ tes B dem! ich ni ih ni ſlte lleit e hereſe Reuen 6 Grtt ich pe kin ot ſeinen ttuhig Stelung ewiteut, tend,„ſo dem Jo⸗ uch ei⸗ Diener ſie mit chale der ſodann od“ fuhr twas auf ie müglich rſchickch m locker Sie nut hmeen“ Reiſinde, etth des ſein hen der Welt Brod ken⸗ ozig d 22³ guten Brodes, wie z. B. dieſes hier, und da ich ein Liebhaber von gutem Brode bin, wuͤnſchte ich auch immer gutes Brod zu eſſen; denn es iſt um nichts theurer als Schlechtes, und wo man das Gute ha⸗ ben kann, ſollte man es fuͤglich auch nicht verſchmaͤ⸗ hen, ſondern die Guͤte Gottes dankbar anerkennen. Sagen doch die Apoſtel in der Bibel; hier iſt es gut ſein, laßt uns Huͤtten bauen! d. h. ich bin kein Schriftgelehrter um ſolche Spruͤche auslegen zu wol⸗ len; aber was ich davon verſtehe, halte ich dafuͤr, daß gutes Brod eine große Hauptſache zum Gutſein iſt, und wenn ich es mir recht uͤberlege und alles zu⸗ ſammen nehme——“ „So moͤchteſt Du hier bleiben,“ um immer gu⸗ tes Brod eſſen zu koͤnnen, Johann!“ fiel der Herr dem Diener in die Rede. „Sagte ich das! wie, weiß es Gott, das habe ich nicht geſagt,“ verſetzte Johann,„aber luͤgen kann ich nicht, und daher geſtehe ich auch gleich offen, es ſollte bald ſo herauskommen, wie Sie ſagtem“— „Und wie ich Dir vorhin ſagte, Johann, dabei bleibt es; ich bin Dir nicht boͤſe, wenn Du Dich verbeſſern kannſt, und will Dich auch noch Deiner neuen Herrſchaft als braven Diener empfehlen.“ „Ich Sie verlaſſen, lieber Herr, nein! ſo wahr Gott lebt, der Gedanke iſt mir nicht eingekommen; ich verlaſſe Sie nicht und ſollte ich in meinem Leben kein Brod mehr zu eſſen bekommen und mit Freia 2²4 vertrockneten Schiffszwieback kauen muͤſſen, daß uns die Backenknochen ſtehen bleiben. Aber wenn Ihnen das gute Brod eben ſo gut ſchmeckte, wie der Freia und mir, wuͤßte ich ein Mittel, wodurch uns allen dreien geholfen werde koͤnnte.“ „Und das waͤre?“ „Lieber Herr, laſſen ſie mich mal recht frei von der Leber herunter ſprechen, was mich ſchon lange beengt, und nehmen Sie es einem redlichen Diener nicht übel, wenn er ſeine Herzensmeinung ſagt, wie ihm der Verſtand gewachſen iſt; denn jetzt bietet ſich eine Gelegenheit dazu dar, und wenn ich nun nicht reden darf, ſchlage ich mir auf den Schnabel und rede kein Wort mehr.“ „Nun ſo rede lieber, Du wuͤrdeſt Deinen Vor⸗ ſatz doch nicht halten koͤnnen.“ „So will ich denn reden; aber Sie muͤſſen mich auch anhoͤren und es mir nicht uͤbel nehmen, wenn ich ein wenig weit aushole; d. h. nicht von Adams Suͤndenfall, wie dies vielleicht bei Rednern jetzt Mode iſt, aber doch ſo weit ich es fuͤr nothwendig halte. Alſo: warum Sie Knall und Fall von Ihrem Gute abreiſten, Braut und Gut nicht mehr ſehen wollten, daruͤber kann ich nichts ſagen; denn wenn ich auch manchmal beſcheiden danach fragte, zog ſich auf Ihrer Stirn eine Gewitterwolke zuſammen, die Donner und Blitz drohte und— ich bekam keine Ant⸗ wort weiter, als:„das geht Dich nichts an!“ alſo nicht! ſcwebt hi. A hiſt be von da Braut ich bel hrauch er hat Sie d men i Sie de poft hi niſen? gen! b riſt d lich a ich m denn 52 das wihnlic Tage ſi den ic doh t hin g ben L dehul gen de I. daß uns n Ihnen er Freia ns allen frei von lange Diener agt, wie etet ſic in nicht bel und nen Vol⸗ ſſen mich n, wenn E mn jrtt thwendig n Ihren hr ſehen m wen zog ſch nen, di eine Ant⸗ n!“ alſo 225 ſchwebt daruͤber fuͤr mich ein undurchdringliches Dun⸗ kel. Auch wie Sie Ihr Gut ſo ſchnell und vortheil⸗ haft verkauft hatten, und mir befahlen: ich ſollte Sie von da an nur Herr Anders, aber den Namen Ihrer Braut nie mehr nennen, fragte ich: warum? und ich bekam dieſelbe Antwort. Gut, ſagte ich, du brauchſt Deines Herrn Geheimniſſe nicht zu wiſſen, er hat gewiß ſeine Gruͤnde dazu. Aber kaum hatten Sie das Kaufgeld, was Sie vom Gute herausbeka⸗ men in ſicheren Papieren in der Brieftaſche, ſchickten Sie den Kutſcher zuruͤck, und wir fuhren mit Extra⸗ poſt hinaus in die weite Welt. Wo werden Sie hin⸗ reiſen? fragte ich.— Ich reiſe zu meinem Vergnuͤ⸗ gen! bekam ich zur Antwort. Gut, dachte ich, da reiſt du mit zum Vergnuͤgen, und ließ mich behag⸗ lich auf dem Bocke ſchaukeln.— Anfangs glaubte ich nun wirklich, daß Ihnen das Reiſen Spaß mache; denn ich hoͤrte oftmals aus dem Wagen ihre Stimme: das zu ſehen hätte ich nie geglaubt!— Ich auch nicht! ſagte ich, wenn ich auch manchmal nur ein ge⸗ woͤhnliches Kornfeld ſah, was wir zu Hauſe alle Tage ſehen konnten, ſo lange nicht abgeerntet war; denn ich dachte, dein Herr iſt kluͤger als du, und muß doch etwas beſonderes ſehen, was du mit deinem Ge⸗ hirn gar nicht begreifen kannſt. Aber als ich dieſel⸗ ben Worte wohl uͤber hundert mal von Ihnen wie⸗ derholt hoͤrte, und bemerkte, daß Sie ſogar die Au⸗ gen dabei zuhatten, nehmen Sie es mir nicht uͤbel, II. 15 dachte ich: Dein armer Herr iſt wirklich nicht recht rich⸗ tig im Oberſtubchen, er durchfliegt mittelſt Extrapoſt die halbe Welt mit zugemachten Augen, faͤhrt Tag und Nacht, und das aus lauter Vergnuͤgen! So ka⸗ men wir nach Wien, und Gott weiß wo noch alles hin, und endlich nach Venedig. Hier ging zum Glück der Wagen entzwei, ſonſt hatte ich nicht ein⸗ mal einige kaltblutige Stiefkinder der alten edlen Dogen mit Ruhe eſſen koͤnnen.— Waͤhrend dieſen Muſſetagen fragte ich: Herr, wo werden wir hinrei⸗ ſen, wenn der Wagen fertig iſt?— Nach Sicilien! war die Antwort.— Das wird gut werden, dachte ich, du kannſt kein Wort wälſch und dein Herr iſt ſo karg mit den Worten, als ob ihm jedes einen Du⸗ katen koſtete, und nun ſitzt er hier in Venedig in der Stube, und ſtutzt die Hand auf dem Ellbogen, als ob er träume: ſonderbares Verguugen, das hätte er zu Hauſe auch haben koͤnnen.— Dann mußten Sie wohl das Heimweh bekommen. Johann! riefen Sie eines Morgens, ſchaffe raſch den Wagen, ich halte es hier nicht mehr aus, beſtelle Poſt, wir reiſen zu⸗ ruͤck nach Deutſchland!— Gut, ſagte ich, wir rei⸗ ſen nach Deutſchland; hier verſteht man ſo keinen Menſchen ein Wort, und Freia iſt fuͤr Italien zu warm angezogen. Der Wagen war fertig und wir fuhren ab.— Als wir noch zehn Meilen von Ihrem geweſenen Gute entfernt waren, fragte ich: Lieber Herr, wo werden wir nun hinfahren?— Nach mei⸗ nen Gl kaſt! ſ Sie mi ſch dar Du haſ helle 2 weinte Freia jnge, eins nicht m ute, ſ chen mo ich dar Warun ich, un Ich de ner an als die ſind Si ſagten, in diſe ſi jim ilar, w nicht n der b, Hier ſ trecht rich Ertrayoſ fihrt Tug Sok⸗ noch alles ging zum nicht ein⸗ lten edlen tend dieſen wir hinre Sicilien! en, dachte ert iſt ſo einen Du⸗ edig in der ogen, als s hitte er ußten Gie nefen Eie ich halte niſen zu⸗ wit ri⸗ ſo keinen ötalien zu gund nir on Ihren h kicher Noch me 227 nem Gute: ſagten Sie.— Das haben Sie ja ver⸗ kauft! ſagte ich. Da ſahen Sie mich an, als wollten Sie mir es nicht glauben, doch endlich ſchienen Sie ſich darauf zu beſinnen und ſagten: Ach, Johann, Du haſt Recht! ich darf dort nicht wieder hin! und helle Thraͤnen liefen Ihnen aus den Augen. Ich weinte mit, aber freilich wußte ich nicht warum, und Freia hing auch den Kopf, als wenn es ihr nahe ginge, daß ſie mit dem weißen Huͤndchen des Frau⸗ leins— ich weiß ſchon, welches Fräulein ich meine— nicht mehr herum ſpringen ſollte.— Nur eine Mi⸗ nute, ſagten Sie, daß ſich ein Stein hätte erwei⸗ chen mögen, moͤchte ich ſie noch ſehen, und gern wollte ich dann dieſes Leben auf immer beſchließen!— Warum reiſen Sie denn nicht hin, lieber Herr, ſagte ich, und Sie entgegneten mit ſchmerzlicher Stimme: Ich darf nicht! Laß anſpannen wir wollen nach ei⸗ ner andern Weltgegend fahren, die weniger gluͤhend, als die eingeſchlagene Richtung!— Aber warum ſind Sie denn erſt her gefahren? fragte ich, und Sie ſagten, weil ich mich zerſtreuen wollte! und traten in dieſer Zerſtreuung noch Freia auf den Fuß, daß ſie jaͤmmerlich ſchrie.— Mir aber wurde erſt jetzt klar, was ich ſchon lange geahndet; doch ich durfte nichts ſagen, denn gleich hieß es: ſchweig! Du weißt nicht was Du redeſt!— So fuhren wir denn wie⸗ der ab, und kamen endlich im Winter nach Poſen. Hier ſchienen ſich die truͤben Wolken etwas zu erhel⸗ 228 len; Sie fingen an wirklich Zerſtreuung zu ſuchen, machten verſchiedene Partien mit, und anziehende Be⸗ kanntſchaften konnten nicht fehlen. Ich will hiermit nicht ſagen, daß Sie die Gräfin Faverowska beſon⸗ ders anzog, denn das geht mich nichts an; aber ſie ſieht doch nun einmal dem Fraͤulein, welches ich nicht nennen darf, ſehr aͤhnlich, und jede Aehnlichkeit hat ihr anziehendes. Guter Herr, ſagte ich, die Frau Graͤfin averowska iſt eine ſchoͤne Dame, und ſcheint die Deutſchen gern zu haben, weil ihre ſelige Frau Großmutter aus Deutſchland ſtammt, und unſere Freia ſcheint ihr auch ſehr zu gefallen.— Kann ſein, ſagten Sie, Johann, was ſchoͤn iſt, iſt nicht immer gut!— Nach einigen Wochen ſchickte Ihnen die Frau Gräfin ein paar huͤbſche Schecken zum Praͤſent, und Sie— ſchickten die ſchönen Thiere mit einem Complimente zuruͤck, verkauften ſchnell Ihren Wagen, und heidi! gings nun zu Fuß wieder nach Deutſch⸗ land. Warum denn das, lieber Herr? fragte ich, und Sie ſagten: Ich muß eine Fußpartie machen, das Fahren bekömmt mir nicht.— Gut, ſagte ich, und lief mit. So kamen wir nach Hamburg, trab⸗ ten von dort in die Kreuz und Quer nach Aachen, und kamen endlich in gleicher Reiſemanier den Win⸗ ter wieder in Wien an. Guter Herr, fragte ich, warum laufen wir denn ſo herum? und Sie ſagten: Johann, ich will Länder, Staͤdte und Menſchen ken⸗ nen lernen und mich belehren.— Gut, ſagte ich, da wirſt Du Du nehr bet Herr, ſiten? w ben, oder ich ſagte Merkwür Johann, es dann bogen ge Johannis Burſche, treibt, unt Vien anl kutſchirt! chen kam WVien, w es auch und in 2 die Piſte bihrnd zurick geſi der ſhine wer Geſc Eimn fir luſt nich ſuchen, nde Be⸗ hiermit beſon⸗ aber ſie ich nicht hteit hat die Frau nd ſcheint lige Ftau d unſere ann ſein, ht immer öhnen die nPrüſent, nit einem n Wagen, Deutſ⸗ ugte ich e mochtn, ſogte ich urg, trab⸗ ch Aachen, den Vin fragte ich, Sie ſegten⸗ nſchen ken gte ich, N 229 wirſt Du daſſelbe thun, aber wahrſcheinlich profitirſt Du mehr als dein Herr, denn wenn ich fragte: lie⸗ ber Herr, wie heißt dieſer Fluß, den wir eben paſ⸗ ſirten? wunderten Sie ſich gar keinen geſehen zu ha⸗ ben, oder wenn wir in eine große Stadt kamen und ich ſagte: Guter Herr, wollen Sie ſich nicht die Merkwuͤrdigkeiten hier beſchauen?— ſagten Sie: Ja Johann, laß Dir nur Alles zeigen, Du kannſt mir es dann erzählen und blieben den Kopf auf den Ell⸗ bogen geſtuͤtzt ſitzen, als wollten Sie die Offenbarung Johannis auslegen.— Der Zufall iſt ein neckender Burſche, der gern auf unſere Koſten ſein Spielchen treibt, und deshalb hatte er auch, ehe wir noch in Wien anlangten, ſchon die Graͤfin Taverowska hin⸗ kutſchirt und fuͤhrte ſie Ihnen in den Weg. Auswei⸗ chen kann man nicht immer, vorzuͤglich nicht gut in Wien, wo die Gaſſen ſehr eng ſind, und deshalb war es auch ſehr natuͤrlich, daß Sie ihr aus Artigkeit, und in Beruͤckſichtigung der fruͤheren Bekanntſchaft, die Viſite machten und ſie dieſe Aufmerkſamkeit ge⸗ buͤhrend anerkannte, wenn Sie ihr auch die Schecken zuruͤck geſchickt hatten.— Nun wird dein Herr doch bald wieder aufleben, dachte ich, als ich Sie einſt mit der ſchoͤnen Gräfin in den Staberle fahren ſah; denn wer Geſchmack an Narrenspoſſen findet, hat auch Sinn fuͤr huͤbſche Weiber, und wer Sinn fuͤr huͤb⸗ ſche Weiber hat, fuͤhrt auch ein froͤhliches Leben und laͤuft nicht herum wie ein Traͤumer, der die Gegen⸗ 230 wart uͤber die Vergangenheit vergißt und an der Zu⸗ kunft verzweifelt.— Da— wie ich gerade im be⸗ ſten Denken war— plumps! fiel mir der Gedanke ins Waſſer und mich uͤberliefen eiskalt die Worte: Johann, wir muͤſſen ſchnell abreiſen!— Wohin? fragte ich.— Fort, wohin es iſt!— Und die Grä⸗ fin?— Bleibt hier!— Allein? ſie iſt doch eine ſehr ſchoͤne Frau und ſieht dem Fraͤulein ſo ganz aͤhnlich!— Sie iſt ein Engel, aber Engel giebt es viele; doch nur eine Gottheit!— Die Päſſe wurden viſirt, und Marſch! gings zum Thore hinaus nach Prag.— So laufen wir nun umher, lieber Herr, bis heute, und wenn ich Sie fragen duͤrfte: Warum? und Sie wollten ehrlich antworten, muͤßten Sie gewiß ſagen: Ich weiß es ſelbſt nicht!— Iſt es doch; als ob der ewige Jude ſich getheilt hätte und waͤre in uns Beide gefahren.“— Schweigend hatte der Reiſende die Rede ſeines Dieners angehoͤrt und ſtatt ſelbſt zu eſſen ſeine Hun⸗ din mit dem fuͤr ſich abgeſchnittenen Brode gefuttert. Jetzt ſchoͤpfte Johann einen Augenblick Athem und der junge Mann erhob langſam das Haupt und fragte mit leidender Stimme:„Biſt Du fertig?“ „Noch lange nicht, lieber Herr,“ entgegnete Jo⸗ hann;„wenn Sie nicht boͤſe ſind, war es erſt die Einleitung zu dem was ich eigentlich ſagen will, und mit Ihrer Erlaubniß fahre ich daher fort. Ihre Reiſe hat alſo, was aus dem Vorhergeſagten klar hwotge ſolte in Augen 3l werther fillen, n um eine um die ich mir ſundheit men, d Backen den Grit und hiet gen werd der Reiſ „6 auf, al troffen. Gedanke erſchrecke hier wie ufteuen; Gewalt ſtohen, hut und Gnade Eugel der Zl⸗ N im be⸗ Gedanke e WVorte: Wohin? die Grä⸗ eine ſehr hnlich!— ele; doch iſitt, und Prag.— is heute, und Sie iß ſagen: us ob der e in uns kde ſeines tine Hün⸗ gefütert. them und aupt und fertig?“ egnete Io⸗ es erſt die wilh und ut. Ihn agten kle 231 hervorgeht, keinen Zweck; aber ein vernuͤnftiger Mann ſollte in der Welt nichts thun, ohne einen Zweck vor Augen zu haben, und je beſſer dieſer iſt, deſto lobens⸗ werther fuͤr ihn. Nun ließ ich es mir aber noch ge⸗ fallen, wenn Sie auch zwecklos umher reiſten, blos um eine Grille durchzuſetzen: reiſen zu wollen, oder um die jetzige Mode mit zu machen. Aber das kann ich mir nicht gefallen laſſen, daß Sie dabei Ihre Ge⸗ ſundheit aufopfern. Sie ſind jetzt ſo herunter gekom⸗ men, daß man Ihnen das Vaterunſer durch die Backen blaſen koͤnnte, und ſcheinen nur noch ſo in den Graͤten zu hangen; daher beduͤrfen Sie der Ruhe und hier iſt der Ruhepunct, wie ich Ihnen gleich zei⸗ gen werde.“— „Haſt Du mir ein Grab hier beſtellt?“ fragte der Reiſende duͤſter dem Diener in die Rede fallend. „Grab, lieber Herr!“ rief Johann und ſprang auf, als ſei er von einem electriſchen Schlage ge⸗ troffen.„Wie Sie doch nichts als ſolche verzweifelte Gedanken im Kopfe fuͤhren, und mich immer damit erſchrecken. Nein, lieber Herr, dem Leben ſollen Sie hier wieder gegeben werden und ſich Ihres Daſeins erfreuen; wer wird denn ſo eigenſinnig ſein und mit Gewalt alle Guͤte Gottes, die er einem bietet, von ſich ſtoßen, wenn er dem Eigenſinne nicht den Willen thut und ihm direct ſein Paradies verleihet; es iſt Gnade genug von ihm, wenn er uns durch einen Engel an die Pforten ſeiner Herrlichkeit fuͤhren läßt 232 und über ſeine Gottheit ſchaltet, wie er für gut es befindet, und jeder Menſch ſollte dieſe Gnade dank⸗ bar anerkennen. „Wie ich aus Engel und Gottheit ſchließen kann, Johann, fiel der Reiſende wieder ein,„ſcheinſt Du den Plan zu haben, mich hier verheirathen zu wollen; ich bedauere aber, Deine gute Abſicht nicht annehmen zu koͤnnen, und debhalb komm und laß uns weiter gehen. Freia, komm!“ „Mein herzliebſter, beſter Herr,“ ſagte Johann betroffen, und drängte den jungen Mann mit bitten⸗ dem Blicke auf den verlaſſenen Platz zuruͤck;„hoͤren Sie mich doch nur erſt an, und dann koͤnnen Sie ja immer noch ſagen Ja oder Nein! meinetwegen mich auch pruͤgeln, ich bin mit Allem zufrieden. Freia, kuſche dich hin, du ſiehſt, der Herr het noch nicht ge⸗ geſſen und keinen Tropfen getrunken. Lieber Herr, eſſen Sie nur erſt und trinken Sie ein Glas Wein, daß Sie ſich wenigſtens ein Bischen ſtärken und ver⸗ geben Sie mir, wenn ich manchmal ein Eſel bin, ich bin es aber nur aus Liebe zu Ihnen!“ Ein leiſes Lächeln umſpielte das blaſſe abgema⸗ gerte, aber noch ſchöne Geſicht des jungen Reiſenden, und willig nahm er den Sitz wieder ein und langte von neuem nach dem Mahle und fuͤhrte den Kryſtall⸗ becher an die Lippen. Johann ſchwieg, um den Herrn nicht wieder zu ſtoͤren, aber als dieſer die Ab⸗ ſicht nch „erſ Ende Ruh Nit Gru nieß von Nac wihr ir gut t ade dank ßen kann, heinſt Du zu wollenz annehmen uns weiter ſte Ihann mit bitten⸗ ck;„horen nen Sie ja wegen mich en. Freic, och nicht ge⸗ Licher Hert, Glas Wein, en unb ver⸗ ſel bin, ich aſſe abgema⸗ nReiſenden, und langtt en Krſſul⸗ jeg un den iſer die Ab⸗ 233 ſicht des Dieners bemerkte ſprach, er:„Du hatteſt noch mehr mir zu ſagen, fahre fort!“ „Wenn ich Sie nur nicht ſtöre, beſter Herr, „verſetzte Johann darauf,„ſo koͤnnte ich nun zu Ende bald kommen; ich war eben dabei Ihnen den Ruhepunct anzeigen zu wollen— und der iſt hier. Mit einem Worte: kaufen Sie das Gut auf deſſen Grund und Boden wir jetzt uns befinden, und ge⸗ nießen Sie hier die ſchöne Natur und ruhen Sie aus von den gehabten Strapazen, und eine angenehme Nachbarſchaft wird Ihnen ſchon Zerſtreuung ge⸗ waͤhren.“ „Kennſt Du die Nachbarſchaft ſchon?“ „Ich will alles berichten, was ich im Gaſthauſe erfuhr, als ich Brod und Butter dort holte, und das iſt: daß das Gut hier heute zum Verkauf ſteht und wahrſcheinlich ſehr billig fortgehen wird, weil ſich noch kein Kaͤufer eingefunden hatte, und nach der Mei⸗ nung des Gaſtwirthes auch wohl nicht viel kommen werden, da heut zu Tage bei den billigen Getreide⸗ preiſen ſich ein jeder huͤtet ein Gut zu kaufen und Guͤter in Menge ausgeboten werden. Aber das Gut iſt das, was es abgeſchätzt iſt, untern Bruͤdern werth, meinte der Mann, und wer es dafuͤr bekoͤmmt, thut einen guten Kauf. Hierauf habe ich mir alle Branchen erzählen laſſen und ſelbſt die Taxe durch⸗ geſehen, wo ich denn auch Alles beſtatiget fand, und rathe Ihnen nun als treuer Diener, daß Sie es 234 kaufen und ſich hier haͤuslich niederlaſſen. Und was die Nachbarſchaft betrifft, ſo— ſo wuͤrde ſich ja das Naͤhere wohl finden— ich meine das gute Verneh⸗ men mit den Nachbarn oder wenn auch ja eine Nach⸗ barin dabei ſein ſollte.“—— „Und die heißt?“ „Lieber Herr, da wir doch nun einmal nicht nach Ihrem geweſenen Gute zuruͤck duͤrfen, und das Fraͤulein ſich vielleicht auch ſchon lange verheira⸗ thet hat.“——— „Komm, Johann, komm, ich habe kein Geld ein Gut kaufen zu koͤnnen!“ rief der Reiſende ſchnell und ſprang von dem Stamme auf, eilenden Schrit⸗ tes ſich entfernend, und Freia folgte ihm behende. „Herr, lieber Herr, beſter Herr!“ rief Johann, als er ſich von den erſten Schrecken erholt hatte; aber der Herr hoͤrte ihn nicht, und wandelte fluͤchtig weiter. Seufzend packte der Diener ſeinen Torniſter, huckte ihn auf und folgte dann ſchnell dem jungen Gebieter.„Ach,“ ſtoͤhnte er,„das Fraͤulein muß ihm garſtig mitgeſpielt haben, ſonſt wuͤrde er doch einmal zur Beſinnung gelangen. Nun laͤuft er grade wie⸗ der die Straße, wo wir erſt hergekommen, und das dumme Thier, die Freia, ich könnte mich uͤber ſie aͤr⸗ gern, ſpringt immer vorweg, als machten wir eine Parforcejagd durch Europa.“— welc dert Früt page in Fah Ge halte ihten hinte ein Rei auf nicht Gri Und wes ſich ja das ute Verch⸗ eine Nach⸗ inmal nicht n und das ge vetheira⸗ ein Geld ſende ſchnell den Schiit⸗ behende. tief Johann, echolt hatte; delte flüchti en Tomiſer dem jungen in muß ihn doch inmal tpudt wir en, und dos iber ſe ir ten wir eine 9. Noch hatte Johann nicht die Straße erreicht, von welcher ſein Herr und er abgewichen war, um unter der und auf der erwaͤhnten Eiche zu ruhen und das Fruͤhmahl einzunehmen, als eine glaͤnzende Equi⸗ page an dem fluͤchtigen Reiſenden vorbei rollte. Der junge Mann zog mechaniſch ſeinen Hut die voruͤber Fahrenden zu begruͤßen und eilte weiter. Die in dem Wagen ſitzende Dame ſtutzte, dankte und gebot, den Gegengruß halb nur ausſprechend, dem Kutſcher zu halten. Der Wagen ſtand; die Dame erhob ſich von ihrem Sitz, ſah dem Enteilenden nach und befahl dem hinten aufſtehenden Jäger ſchnell einige Worte. Wie ein Blitz flog der Jäger hinunter und trabte dem Reiſenden nach, ihn bald und ſeinen Fe⸗ derhut ziehend. „Gnaͤdige Frau Graͤfin laͤßt um einen Augen⸗ blick Unterhaltung bitten.“ Sagte der Jäger ſich verbeugend. Der Reiſende ſah ihn an, als wundere er ſich auf einmal eine Figur vor ſich zu ſehen, die er hier nicht vermuthet. „Sind Sie es,“ ſagte er dann,„und die Frau Gräͤfin Taverowska dort in dem Wagen?“ „Zu befehlen, gnaͤdiger Herr, Frau Graͤfin er⸗ kannte Sie waͤhrend des Vorbeifahrens.“ Unentſchloſſen blieb der junge Mann noch einige 236 Augenblicke ſtehen, als uͤberlege er, ob er der Einla⸗ dung Folge leiſten ſolle; doch jetzt rief ihn die Gra⸗ fin einen guten Morgen zu, und er konnte unmoͤglich ſo die Artigkeit verletzen, ihn nicht zu erwiedern. „Intereſſanter Fluͤchtling,“ ſagte die Grafin, als der Reiſende ſich ihrem Wagen genaͤhert,„was verdient der fuͤr Strafe, der bei einer Freundin fluͤch⸗ tig und unaufmerkſam voruͤbereilt!“ „Der Dame die Hand zu kuͤſſen und um Ver⸗ der junge Mann mit einer feinen Verneigung. „Halten Sie das fuͤr Strafe?“ „Die Freundin beſtraft den Freund nur durch Belohnung, gnaͤdige Frau.“ verſetzte die ſchöne Frau laͤchelnd, dem Freunde die weiße Hand reichend, die dieſer ſanft kuͤßte,„doch ₰ ſagen Sie mir, ob ich es dem Zufalle verdanke, Sie hier zu treffen, oder ob Sie mir einen unverhofften Beſuch auf meinen hieſigen Guͤtern zudachten, und wer Ihnen meinen jetzigen Aufenthalt mitgetheilt, damit ich mich bei ihm bedanken kann.“ „Drei Fragen, meine gnaͤdige Frau, die ich aber aufrichtig leider nur damit beantworten kann, daß ich Sie am allerwenigſten hier vermuthete, noch wußte, daß Sie Guͤter in hieſiger Gegend beſitzen.“ „Daß Sie mich hier am allerwenigſten vermu⸗ theten, beweiſt wenigſtens, daß Sie vielleicht leiſe an gebung ſeiner Zerſtreutheit zu bitten.“ Entgegnete „Sie ſollen mich nicht ungroßmuͤthig finden,“ nich bri ſchon nir mein nuch das mein nen, kam Der gebot in n mi gekt He nen mit ſchen Gut⸗ ließ haut 8 die der Einl⸗ n die Gri⸗ unmäglich iedern. ie Gräfin, het,„was undin ſüch⸗ d um Ver⸗ Entgegnete gung. nur durch hig ſinden,“ Frunde die tüßte,„doch erdanke, Eie unverhofften dachten, und nitgitheilt, die ich abet 1 kann, daß te noch wußte. en“ gſen vem⸗ ſicht liſt un 237 mich gedacht haben, und deshalb ſei Ihnen auch das Uebrige vergeben; man muß Ihrer Sonderbarkeit ſchon viel zu Gute halten. Aber dennoch ſollen Sie mir nicht ganz ungeſtraft davon kommen. Allons, mein Herr, hier iſt Platz im Wagen, Sie fahren mit nach Eichhof, wo Sie ſo eben herkommenz ich will das Gut kaufen und habe heute grade Niemand von meinen Beamten zu Hauſe, den ich haͤtte ſchicken koͤn⸗ nen, da mir dieſe Idee erſt vor einer Stunde ein⸗ kam. Sie wiſſen, ich bin immer ſchnell entſchloſſen.“ Der junge Mann kuͤßte abermals der Dame die dar⸗ gebotene Hand, der Jäger oͤffnete den Schlag und im naͤchſten Moment rollte der Wagen davon.— „Gott ſei Dank!“ ſagte Johann,„mir iſt in meinem Leben kein Weib erwuͤnſchter in den Weg gekommen, wie eben dieſe Graͤfin heute, und mein Herr hat noch nie eine vernuͤnftigere Richtung in ſei⸗ nen Träumereien eingeſchlagen.“ Dann trabte er mit Freia dem Wagen nach. Wie er in dem Gaſthof ankam, war ſein Herr ſchon in dem Nebenzimmer beſchaͤftiget die Taxen des Gutes durchzuſehen; auch Freia war bereits dort und ließ ſich geduldig das ſchwarze glänzende Seiden⸗ haar von der blendend weißen Schwanenhand der Gräfin ſtreicheln. Liſtig legte Johann ſeinen Tor⸗ niſter ab, und blickte lächelnd durch die halboffene Thuͤr, bald auf ſeinen ſtudirenden Herrn, bald auf die Dame und Freia, und dachte ſich das Beſte im 238 Stillen. Gravitaͤtiſch ſchritt er ſodann im Zimmer umher, ſich ſchon als Premierminiſter des Dorfes traͤumend, da er das Geſpraͤch ſeines Herrn mit der Graͤfin nicht gehoͤrt hatte, und aus dem Sichtbaren zu ſchließen, ſteif und feſt glaubte, ſie habe ihn be⸗ redet, das Gut fuͤr ſich zu kaufen. Jetzt trat auch der Jaͤger in das Zimmer und Johann forderte Wein, die alte Bekanntſchaft zu erneuern, und auf ferneres Wohlwollen zu trinken. Schlau ſchenkte er ein und trank dem Jaͤger im Bewußtſein ſeiner getraͤumten Wuͤrde zu: auf gute Nachbarſchaft.— „Wie ſo?“ ſagte der Jaͤger,„wird ſich Dein Herr hier auch ankaufen?“ „Nun, heute, hier!“ verſetzte Johann pfiffig, den Stupiden bedauernd, daß er ſo wenig Raffinement beſitze. „Da biſt Du irre, mein Freund,“ entgegnete der Jaͤger;„meine Frau Graͤfin wird das Gut kau⸗ fen und Dein Herr ſieht blos die Taren durch und wird fuͤr ſie darauf bieten. Ich hoͤrte es, wie ſie ihn um dieſe Gefälligkeit bat.“ Alle ſuͤße Träume ſchwanden dem armen Ge⸗ tauſchten; zitternd ſetzte er das Glas aus der Hand, und begann wieder den Kreislauf durch das Zimmer, aber diesmal mit haͤngenden Fluͤgeln.„Das darf nimmermehr geſchehen,“ dachte er bei ſich,„kauft mein Herr nicht das Gut, ſo laͤuft er wieder davon, und laͤßt Gräfin Gräfin ſein. Aber hat er Gelegen⸗ Ftau ſtand und mir nem und e Mung ſilen binge und ohne mnge n Zimmer s Dorſes n mit der Sichtbaten he ihn be⸗ trat auch dete Wein, uf ferneres et ein und getriumten ſich Dein yfifſig, den Raffinement entgegnete ds Gut iu⸗ burch und ts, wie ſie umen Ge⸗ ʒ der Hand, das Zimmi, „Des duf ſch,„auſt jeder daon, er Gelegen⸗ 239 heit, ſie alle Tage zu ſehen und muß bleiben,—— hum— hum— wenn ſie nur mal herauskäme, ich ſpraͤche mit ihr rein von der Leber weg—— wie kriege ich ſie nur heraus—— winken darf ich nicht, denn da wuͤrde ſie ſich uͤber mich Eſel wundern,—— wenn ich nur eine Liſt wuͤßte—— hum, hum— hum—.“— Endlich ſchien er ein Mittel gefunden zu haben die Graͤſin hinaus zu bugſiren. Keckſtellte er ſich in die Thur und rief Freia von der Dame ab. Der Hund kam zu ihm, die Graͤfin lockte ihn wie⸗ der, und er folgte; aber Johann rief ihn abermals ab. Nun ſtand die Graͤfin auf, den ſonſt ſo beſchei⸗ denen Diener um dies ſonderbare Benehmen befragend. „Schneiden Sie mir den Kopf ab, gnädigſte Frau Graͤfin,“ ſagte Johann leiſe und die Thraͤnen ſtanden ihm in den Augen,„wenn ich ein Eſel bin und nachher die Zunge noch extra, aber erlauben Sie mir jetzt Ihnen ein paar Worte aus Liebe zu mei⸗ nem Herrn zu vertrauen.“ Die Graͤfin laͤchelte, trat aber in die Gaſtſtube und erklaͤrte ſich bereit ſeinen Vortrag anzuhören. Nun goß Johann ſein Herz aus, wie noͤthig es ſei, ſeinen Herrn von dem herumreiſenden Leben abzu⸗ bringen, wenn er nicht bald ganz entzwei gehen ſolle, und wußte ihr die Sache ſo plauſibel vorzureden, ohne ſie nur im mindeſten dabei ſeine uͤbrigen Hoff⸗ nungen blicken zu laſſen, daß ihm die Graͤfin ver⸗ ſprach von dem Kaufe des Gutes abzuſtehen, wenn ſie ſeinen Herrn dazu bewegen koͤnne. „Die Taxen, gnaͤdigſte Frau,“ begann der junge Mann in einem Weilchen, nachdem die Graͤfin wie⸗ der in das Nebenzimmer getreten war, und Johann die Thuͤr vorſichtig angelehnt hatte, damit die zu erwartende Scene nicht belauſcht werden koͤnne,„ſchei⸗ nen mir in Verhaͤltniß des Flaͤcheninhaltes, der Acker⸗ klaſſen und ſonſtigen Branchen des Gutes nicht zu hoch angelegt zu ſein, und man könnte wohl noch etwas mehr fuͤr dieſe Beſitzung bezahlen, ohne grade zu theuer zu kaufen. Haben Sie daher die Guͤte mir zu beſtimmen, wie hoch ich bieten darf und ich werde mich dann ſofort an Gerichtsſtelle begeben.“ „Meinen Sie,“ ſagte die Graͤfin, zerſtreut mit den langen weichen Behängen Freias ſpielend, wie aus einem angenehmen Traume erwachend, worin ſie Johanns Rede verſetzt, indem ihr ihr Herz ſelbſt ſagte, was der Diener liſtig vermied zu beruͤhren und liebliche Bilder der Vergangenheit mit ſanft anzie⸗ henden Tinten vor ihrer Seele gaukelnd jetzt ſchweb⸗ ten;„verfahren Sie ganz nach Gutduͤnken, wenn ich kaufen muß, iſt mir der Preis gleich.“— „Sie muͤſſen nicht, gnädigſte Frau,„verſetzte der Reiſende betroffen,„es war Ihr freier Wille, und Sie haben auch jetzt noch allein zu befehlen.“ „Sehr recht, werther Freund, vergeben auch Sie mir mal eine Zerſtreutheit. Ich habe mich anders disponi igen! fit hi nbe ig beſt gutt N und da 6 We gekron „ gen zu dinen; ſchſi „ ta, geglau ſch ge ben, di ſo balh „6 hieru unedlen nicht g hen, w I. ſtchen wem in der junge Gräfin wi⸗ und Johann damit die zu önne,„ſhei⸗ tes, der Acker⸗ utes nicht zu te wohl noch ohne grade her die Güte dorf und ich le begeben.“ „zuftrut mit ſpielend, nie ſchend, worin ihr Hen ſülhſ burihren und t ſanſt ane⸗ ib jct ſhwet⸗ dunken, wenn ich“— „veſſttte be ier Vilke, und eſehlen“ tgeben u Si be nich undin 241 disponirt. Die hieſige Nachbarſchaft iſt ſehr armſe⸗ lig an Leuten von feinem Ton, und da ich mich jetzt iftet hier aufhalten werde, wie fruͤher, wo ich die mir in der Gegend gehörigen Guter nur ſelten und fluch⸗ tig beſuchte, muß es mir wuͤnſchenswerth ſein gute Nachbarſchaft zu bekommen; vielleicht gůct es und erhaͤlt noch einen angenehmen Kaͤufer. „Ich moͤchte von inſch gekroͤnt— e „Eitle Galantrie, werther Freund, die Ihnen ei⸗ gen zu ſein ſcheint, wenn Sie ſich wollen ihrer. dienen; aber ſollten Sie ſie erfullen, wuͤrden Sie ſich ſelbſt und andern zum Lugner werden.“. „Sie haben gewiſſermaßen ein Recht, gnadigſte Frau, mir zuͤrnen zu drfen, aber ich habe nicht geglaubt, daß Sie es können.“—. „Womit Sie ſagen wollen: daß Sie glauben ſich gewiſſermaßen bei mir ein Recht erworben zu h ben, der Freundin zartes Wohlwollen zu v ſo bald es Ihnen beliebt.“— „Gnädigſte Frau, ich weiß nicht, wie Sie jetzt hierauf kommen, ich habe Ihnen offen die Gefuhl meines Herzens entdeckt, und Sie koͤnnen mich kei unedlen That beſchuldigen.“ „Das ſei auch fern von mir, und ebenſo ehre ich gewiß Ihre Gefuͤhle am meiſten; aber das iſt nicht Recht von Ihnen, daß Sie nur das Weib ſe⸗ hen, wenn ſi ſich die Freundin beſorgt Ihnen nahet. 16 „ Der Zufall, oder nennen Sie es wie Sie wollen, führte uns zuſammen; ich habe Ihnen nicht geleug⸗ net, welchen tiefen Eindruck Ihr erſter Anblick in mir zuruͤck ließ, doch dies erfolgte erſt ſpaͤter. In Poſen lernten wir zuerſt uns kennen; Sie ſchienen mich nicht ungern zu ſehen, und ich vermied Ihre Gegen⸗ wart nicht. Damals wußte ich noch nichts von Ih⸗ rer Braut und es war mir wohl nicht zu verdenken, wenn mein Herz ſich zu dem neigte und Wohlwol⸗ len ihn blicken ließ, der es erfuͤllte. Sie wurden immer kaͤlter, und endlich verſchwanden Sie ganz. Anfangs fuͤhlte ich mich beleidigt; aber nicht lange konnte dies dauern, ſo mußte ein ſolch ſonderbares Benehmen einen doppelten Reiz entwickeln; denn Sie waren mir eine zu intereſſante Erſcheinung. Allein Ihre Spur zu entdecken gluͤckte mir nicht, und ich mußte es nun dem Zufalle überlaſſen, ob ich je wie⸗ der Sie fände. In Wien trafen wir wieder zuſam⸗ men; dort wurden wir bekannter, und ich erfuhr, was Sie druckte und die Urſache Ihres Verſchwindens aus Poſen. Eine Offenherzigkeit iſt der andern werth, und auch mein Herz lag Ihnen enthuͤllt. Sie ver⸗ ſchmaͤhten wenigſtens nicht meine Freundſchaft. Ein ſo ſeltner Mann wie Sie ſind iſt jedem edlen Weibe theuer, und ich begnugte mich gern mit dem, was Sie geben mir konnten. Doch Sie verſchwanden zum zweiten Male und baten mich blos brieflich: Sie Ihrem Schickſale zu uͤberlaſſen, es ſei Ihnen nicht ich b Ms zun d durke ſchz d ſicht ſt faſ als d waͤhr der G ſoch k wtig lunft. in den Erma drück rigt terliche dohin. det ire Ruhe fege hen Si ten Le beng iebe Sie wolln, nicht gleug lnblick in mit In Yoſen ſchienen mich Ihre Gegen⸗ nichts von Ih⸗ z verdenken, und Vohlwol⸗ Sie wurden en Sie ganz. er nicht lange ſonderbares kelnz denn Sie inung. Allin nicht, und ich ob ich je wie⸗ vieder zuſam⸗ nb ich efüht, Verſchwindens r adurn wetth ült. Sie ve⸗ nſchft En m cdlen Weibe nit den wa ie uuſtwudn blos hiiefich: 1 e ſei Inn 243 nicht moͤglich, laͤnger in Wien zu verweilen. Und ich konnte nichts fuͤr den Mann thun, fuͤr den ich Alles mit Freuden gethan hätte. Heute treffe ich Sie zum dritten Male; aber wie?! faſt nur noch ein Ge⸗ danke Ihres fruͤheren Seins, wie ich in Poſen Sie ſah; das ſchwaͤrmeriſche Auge, was ſchon in Wien nicht viel von ſeinem fruͤheren Glanze mehr trug, iſt faſt erloſchen, die Wangen noch viel abgehaͤrmter, als dort, und dahin ſinkend der Koͤrper von den fort⸗ waͤhrenden Strapazen, die Sie ihm zumuthen, und der Geiſt gewiß jetzt zerſtort in ſich ſelbſt, bruͤtet nur noch dumpf in der Vergangenheit, verſchmaͤhend trotzig jeden lächelnden Blick einer frohlichen Zu⸗ kunft. Wollen Sie nun der Freudin den Schmerz in den Buſen druͤcken, Sie ſo verlaſſen zu muͤſſen? Ermannen Sie ſich, nur den ſchwachen Geiſt zer⸗ druͤckt die preſſende Buͤrde; der edle ſtarke Geiſt aber tragt das bitterſte Schickſal mit maͤnnlicher unerſchuͤt⸗ terlicher Wuͤrde und ſinkt nicht in entnervter Schwaͤche dahin.— Wird es Ihnen zu ſchwer ſich ſelbſt wie⸗ der kraͤftig empor zu ſchwingen, goͤnnen Sie nur Ruhe dem Koͤrper und uͤberlaſſen der Freundin die Pflege des Geiſtes, Kaufen Sie dies Gut, und gewin⸗ nen Sie wieder Geſchmack an der Natur und dem heite⸗ ren Leben, und wenn zu ſchwer ſich fuͤhlt Ihre Seele beengt, eilen Sie zu mir, ich will die Schrauben mit zärtlichſter Hand der treueſten Freundin luͤften.— Ihre Liebe bliebe aber unangetaſtet in Ihrem Herzen.“—— 16 244 „ „Mein Herz mag Ihnen ſagen, gnaͤdigſte Frau,“ entgegnete der junge Mann, die Hand der Graͤſin ergreifend und an ſeine Bruſt druͤckend,„wie ganz, wie tief ich Ihre Guͤte erkenne, aber Sie verlangen von mir die Unmöglichkeit. Vergeſſen Sie mich, lange hoffe ich ſoll meine Qual nicht mehr waͤhren.“— „Nein Alwin, ich laſſe nicht ab in Sie zu drin⸗ gen mein Verlangen zu erfullen; was ein Weib hoch ſchätzt, giebt es nicht leichten Preiſes dahin; Sie muͤſſen ein anderes Leben beginnen; die bloße An⸗ gabe der Unmöglichkeit ſchützt Sie hier nicht. Ich weiß, welchen Platz ich in Ihrem Buſen einnehmen wuͤrde, wenn Ihre Braut Sie nicht fruͤher geſehen; aber ich weiß auch, wie weit ich jetzt darin thronen nur darf, ſo lange ich nichts Naͤheres uber das Maͤd⸗ chen erfahre, um deſſen Namen ich Sie bis jetzt ver⸗ gebens gebeten und deshalb laſſe ich Sie auch nicht mehr fort. Es muß ſich erklären, ob das Maͤdchen noch frei iſt, die Sie ſo uͤbereilt verließen und gleiche Gefuͤhle fuͤr Sie im Herzen hegt, wie die Ihrigen ihr entgegen ſchlagen; dann— werde ich ſie Ihnen ſelbſt zufuͤhren! doch ſollte dies nicht ſein,— werden Sie von nun an als uͤberlegender Mann handeln, und können Sie nicht vergeſſen und Erſatz fuͤr Ihren Verluſt finden— ſo ehren Sie Ihre Liebe in ſtiller Zuruͤckgezogenheit und laſſen Ihre Freundin dieſe, * ſo viel als moͤglich, erheitern.—— Sie ſind noch iie6 unentſchloſſen,“ fuhr die Grafin fort, als Alwin ſumn Bnſß Peth und G nyfer kine in der die S hat n ſonde die S kiebe Ihre Naſſ. mutte ich er Schr ſegt/ des W ſin 1 die V hewor 3 übel igſte Frau,“ der Griſin „wie ganz, ie vetlangen emich, lange hren.“— Sie zu din⸗ in Weib hoch s dohin; Sie die bloße An⸗ et nicht. Ich en einnehmen riher geſehen; darin thronen über dos Mid⸗ ie bis jebt vet⸗ Sie auch niht das Midchen ſen unb gliche tie hgnihr ſe Ihnen ſilſt wrden Si n hindn ud gihe i ſiln ʒrunin diſe Sie ſnd vb t, als Uwn o1 245 ſtumm blieb und ihre Hand ſinken ließ von der Bruſt;„Sie wuͤrden es nicht ſein, wenn nicht der Werth Ihrer Liebe mit der Kraft Ihres Körpers und Geiſtes verſchwunden waͤre. Kann ſich der wohl tapfer nennen, der der Gefahr feig ſich entzieht? Wo keine Gefahr iſt, iſt auch keine Tapferkeit und nur in der Gefahr ſtrahlt des tapfern Mannes Muth und die Staͤrke der Treue und Tugend. Ihre Braut hat wahrlich nicht Urſache Ihre Liebe fuͤr etwas Be⸗ ſonderes anzuerkennen, denn die Proben Ihrer Treue, die Sie geben ſind Flucht von dort, wo Sie Ihre Liebe koͤnnten pruͤfen, wo Sie beweiſen koͤnnten, daß Ihre Liebe gelaͤutertes Gold iſt, unverbrennbare Maſſe.— Ich bin Polin, und nur von meiner Groß⸗ mutter rollt deutſches Blut in meinen Adern; aber ich erkuͤhne mich mit Ihrer deutſchen Liebe in die Schranken zu treten, und wir wollen ſehen wer ſiegt!“— „Ich!“ ſagte der junge Mann im Bewußtſein des Werthes ſeiner ſchmerzlichen hehren Gefuͤhle, und ſeine Augen glänzten voll ſtolzem Feuer, als hätten die Worte der Graͤfin die ganze Lebenskraft wieder hervor in ihm gerufen. „Jedem andern wuͤrde ich dieſes ſtolze Ich! ſehr uͤbel nehmen; Ihnen— belohne dieſer Kuß!“ ſagte die Gräfin lieblich und druͤckte die roſig ſchwellenden Lippen auf den Mund Alwins, und ſcherzhaft lä⸗ 2¹6 chelnd ſetzte ſie hinzu, wie ſich die Lippen beruͤhrt: „Ihre Braut mag mir ihn wiedergeben!“— 10. Das Gut war gekauft, und Alwin unter den Namen von Anders der Beſitzer. Johann erklaͤrte ſich ſelbſt zum erſten Miniſter, wie dies in Spanien jetzt Mode iſt, und ernannte großmuͤthig die ſchönhaä⸗ rige Freia als Mitregentin ſeines hohen Departe⸗ ments, in ſo weit es ſich uͤber Gekochtes und Gebra⸗ tenes erſtreckte. Wenige Tage nach erfolgter Beſitz⸗ nahme des Gutes machte Alwin die noͤthigen Viſiten und die Gräfin Faverowska erhielt nicht die Letzte. Seine Einrichtung war aͤußerſt einfach. Alle Zim⸗ mer in dem noch gut decorirtem Schloſſe blieben wie er ſie vorfand, und nur das, welches er zu ſeinem Wohnzimmer erwaͤhlt, wurde neu gemalt, ſo wie auch das anſtoßende Schlafkabinet. Ein feines Blau erhielten die Waͤnde und eine luftige Epheuguirlande, in chamois, ſchlaͤngelte ſich an der leis roſig leuch⸗ tenden Decke. Die Geſtelle der Moͤbeln und Ueber⸗ zuͤge waren ſchwarz und nur drei große Kupferſtiche, ein Marienbild mit dem Kinde nach Morillos, die Liebe in ihrer ganzen uͤberſchwenglichen Zartheit und Gluth und Seligkeit und Unſchuld und Anmuth dar⸗ ſtellend, ein Abendmahl, wie der Beſte aller Men⸗ ſchen es hielt mit ſeinen Freunden, und ſelbſt den, der ihn nolo de ſnifeite Genälde Lode ne Glorie o war keir ein Bil ſch dar einer b hill, a win die( les ang ju empf ſiltſamn wieder f ſie in i Braut ben einz ſunbjuft wur nicht ertathen. „Eie ſigte di iche un Ir Di H „0 berühn: unter den n erlärte n Spanien die ſtinhi n Deyarte: und Gebru⸗ gter Beſit⸗ igen Viſiten t die Lette Alle Zim⸗ ſe blieben wie er zu ſeinen alt, ſo wi ſeines Blau euguirlande, wig leuch⸗ n und lcher⸗ Kupftſſiche vrilos, di Zattheit und Unmuth dar ſe cller Men n ſbſ du 227 der ihn verrieth, daran Theil nehmen ließ, nach Leo⸗ nardo da Vinci, die Liebe gegen alle Menſchen per⸗ ſonificirend, und ein Chriſtus am Kreuze, nach dem Gemaͤlde Duͤrers, die Liebe ſelbſt im martervollen Tode noch verherrlichend, ſtrahlten in ihrer reinen Glorie an der blauen Wand uͤber dem Sopha. Sonſt war kein Schmuck im Zimmer zu ſehen. Nur noch ein Bild war im ganzen Hauſe, wenn der Beſitzer ſich darin befand, und das hing, umſchlungen von einer blonden Locke, aber in ſchwarzem Atlas ver⸗ huͤllt, auf ſeinem Buſen. Selten nur beſuchte Al⸗ win die Graͤfin Taverowska, doch wenn er kam, war alles angewieſen, ihn mit der groͤßten Aufmerkſamkeit zu empfangen und die edle Frau bemuͤhte ſich den ſeltſamen trauernden Mann mit zarter Schonung wieder fuͤr das Leben zu gewinnen. Oftmals drang ſie in ihn: ihr den Wohnſitz und Namen ſeiner Braut zu vertrauen, um naͤhere Kunde von derſel⸗ ben einziehen zu koͤnnen, doch jedes Mal lehnte er ſtandhaft der Graͤfin Bitte ab, und auch Johann war nicht zu bewegen ſeines Herrn Geheimniß zu verrathen. „Sie ſind ein Eigenſinn im hoͤchſten Grade,“ ſagte die Gräfin zu ihm, als ſie wieder eine abſchlaͤ⸗ gliche Antwort erhalten,„und verdienten wirklich, daß Ihr Maͤdchen Sie vergeſſen hätte.“ „Das hat ſie lange,“ entgegnete Alwin ſchmerzhaſt, „dies iſt ja der Grund meiner Entfernung von ihr.“ 248 „Wenn Sie ſich nun aber täuſchten und ſie treu Ihrer harrte, quaͤlen Sie ſich und Ihre Braut nicht vergebens? Laſſen Sie uns Gewißheit erkundenz im ſchlimmſten Falle wird Ihnen dieſe mehr Ruhe ge⸗ ben, als das ewige Bruͤten uͤber die Untreue Ihres Maͤdchens, die noch durch nichts documentirt, als was vielleicht ein fluͤchtiger, unbeſonnener Augenblick Ihnen zeigte. Iſt ſie nun aber auch wirklich ver⸗ maͤhlt und gluͤcklich, muß Ihre Liebe in dem Gluͤcke Ihrer Braut Troſt finden, wenn Sie uneigennützig lieben wollen, als edler Mann; allein iſt ſie noch frei, dann— enden ſich ja alle Ihre Leiden und des Maͤdchens dauernde reine Liebe iſt erwieſen und die Verſoͤhnung wohl leicht zu bewirken.“ „In meinem Herzen,“ erwiederte Alwin,„lebt ihr Bild rein und treu, aber unerreichbar; nur ein teufliſcher Dämon umſchwebt mich quälend ihre Un⸗ treue hoͤhnend mir zufluͤſternd; doch ich ſchenke ihm keinen Glauben, kann aber nicht dafuͤr, daß er die Kraft des Lebens mir entſauget. Allein wer mir die Gewißheit ihrer Untreue verkuͤndet, ſtößt mich ganz in die dunkelſte Tiefe und kein lieblicher Schein kann dann mehr auf Augenblicke meine Seele erhellen und ſelbſt der Tod, der mir jetzt in der Ungewißheit will⸗ kommen waͤre, wuͤrde mich graͤßlich erbeben, ich ſanke dann mit der Ueberzeugung dahin: ſie auf ewig ver⸗ loren zu haben. Ueberlaſſen Sie es dem Schickſale den Knoten zu loͤſen; ich kann es nicht. So oft vir ic nlhen dabon ſct ſch hingn Porha dung; Einſich 2 bald fund el beſchloß darnach zur Ge Manne und n verſche gezoge miſche tert unh hatte, auf de der gep⸗ ju giſt Virde directie ſinnt llen und eit wil⸗ ich ſänke wig ver⸗ icſole — ooft S 249 wie ich auch ſchon wollte ihr meinen Aufenthalt ver⸗ rathen, ſchreckten mich immer die entſetzlichſten Träume davon ab, und zitternd ließ ich jedesmal meinen Vor⸗ ſatz ſchwinden. Es erwartet ein noch boͤſeres Ver⸗ haͤngniß uns Beide, wenn ich es wage den myſtiſchen Vorhang zu luͤften, das ſagt mir die dunkele Ahn⸗ dung; darum laſſen Sie den Hoͤchſten nach ſeiner Einſicht uͤber uns ſchalten.“— Die Graͤfin drang nicht mehr in ihn; ſie glaubte bald ſelbſt, Viola habe ſich vermaͤhlt, und ihr Herz fand eben keinen Grund dies nicht zu wuͤnſchen; doch beſchloß ſie im Geheimen ſo viel es ihr moͤglich ſich darnach zu erkundigen, und wenn ihre Vermuthung zur Gewißheit geworden, dem fuͤr ſie ſo intereſſanten Manne durch ihre Liebe Erſatz zu bieten und nach und nach ſeine duͤſtern Traͤume in ihren Armen zu verſcheuchen. Alwin lebte indeß fortwaͤhrend in ſtiller Zuruͤck⸗ gezogenheit auf ſeinem Gute. Die brennende ſtur⸗ miſche Unruhe, die ſeine ſonſt erhabene Seele gemar⸗ tert und den Körper bisher raſtlos umher getrieben hatte, glich einem Schiffe ohne Steuer und Maſt auf dem endloſen Ocean vom Sturme hin und wie⸗ der gepeitſcht, ſchien ſich mehr in ruhigem Schmerz zu geſtalten, den der feſte uͤberlegende Mann mit Wuͤrde und Anſtand weiß zu ertragen. Die Haupt⸗ direction der Wirthſchaft beſorgte er ſelbſt mit be⸗ ſtimmter Entſchloſſenheit, doch fuͤr alle Nebenſachen 250 und fuͤr die ſpecielle Ausfuͤhrung der Anordnungen war der in dieſem Fache kenntnißreiche treue Johann beſtellt und ſonach das Factotum uͤber Menſchen und Thiere, obgleich ihm Freia manchmal durch eigen⸗ maͤchtige Erwuͤrgung einer Ente die unumſchraͤnkte Herrſchaft uͤber die letztern ſtreitig machte, aber dann die Ermordete zur Strafe auch ſelbſt verſpeiſen mußte, welche Attentate jedoch nicht vielfach vorkamen, da Freia im Allgemeinen gutmuͤthiger Natur war, und ſich nur zuweilen aus langer Weile ein kleines Ver⸗ gnuͤgen machte unter die wackliche Entenſchaar zu fahren. Und warum ſollte man dem Hunde dies uͤbel deuten? Freia zaͤhlte ſich gewiſſermaßen mit zum Hoſſtaate, und wie viel Hofſchranzen giebt es nicht, die aus langer Weile die Unſchuld zerknicken, wie Freia die Entenköpfe? Sollte ich Eins von Bei⸗ den ſein, wäre ich lieber Hund, wie Hofſchranze!— Mit vielen Kenntniſſen hatte Alwin den Dienſt als Artillerie⸗Officier aus Liebe zu Viola verlaſſen und ſich mit ſeinem ſchwachen Vermoͤgen in ihrer Naͤhe angekauft, nur um ſie ſehen und ſprechen zu koͤnnen und mit der Zeit ganz ſich ihres Beſitzes ungeſtoͤrt zu erfreuen. Jetzt fing er an ein Studium nach dem andern wieder hervorzuſuchen; aber es genuͤgte ihm Keins; in der Mathematik ſah er nur den berechnen⸗ den Geitz des Barons, in der Tactik die liſtigen Intriguen, wodurch er ſein Gluͤck verloren und die Geſchichte zeigte ihm nichts wie herzloſe Menſchen. — Mnſ niht u witdig ihn ni immer und b tigen; und e Geſel lange, Beſhl wurden bindun vol F ſich v etwir Per und et mi als ei geliebte boler zu bet hrößten ſch ih war als ſ ordnungen te Iohann ſchen und ch eigen⸗ mſchränkte abet dann ſen mußte, kamen, da n, und leines Per⸗ nſchaar zu unde dies naßen mit n gicht 6 zerkniden, ns von Bei⸗ ſchranze!— Dienſt als rlaſſen und ihter Nihe zu konnen ts ungefür m nach den genigte ihm nberechnen⸗ di liſigen n und di e Nunſchel⸗ 251 Nun ſchritt er zur Philoſophie und ſchien ſich hierin nicht ungern vertiefen zu wollen; doch ſeine liebens⸗ wuͤrdige Freundin, aufmerkſam ihn beobachtend, wollte ihn nicht in Gruͤbeleien verſinken laſſen und zog ihn immer mehr und mehr an ſich. Sie wollte bauen, und bat ihn um Rath und die Zeichnungen zu fer⸗ tigen; ſie wollte ihre Guͤter in der Cultur verbeſſern, und er mußte die Anordnungen uͤbernehmen; ſie gab Geſellſchaften und er durfte nicht fehlen, und nicht lange, ſo waren die Diener gewohnt, nur von ihm Befehle zu erhalten, ſeine Beſuche bei der Graͤfin wurden taͤglich, und man fluͤſterte ſich eine nahe Ver⸗ bindung in die Ohren, und Johann rieb ſich die Hände voll Freude uͤber die guten Auſpizien. Doch er freute ſich vergebens; die feine zarte Herzlichkeit der Grafin, erwiederte Alwin ſtets mit eben ſo feiner dankbarer Verehrung, aber nie ließ er mehr blicken als dieſe und hielt ſich immer in faſt kalter Entfernung, wenn er mit der Graͤfin allein war, und behandelte ſie nur als eine hochzuſchaͤtzende Freundin und aufmerkſam geliebte Schweſter. Auch ſie ſchien ihn nur mit voller Liebe als einen theuern Freund und Bruder zu betrachten, konnte Stunden lang mit ihm in der groͤßten Unbefangenheit ſchwatzen, und doch freute ſich ihr Herzchen, wenn er zeitiger kam, als ſie ihn erwartet, und war unwillig, wenn er zeitiger abritt, als ſie gerechnet.— „Erinnern Sie ſich noch jenes huͤbſchen Barons, 252 werther Freund,“ ſagte die Gräfin eines Tages zu Alwin,„deſſen Bekanntſchaft wir in Wien machten? 3u Er hat ſehr artig an mich geſchrieben und ſich noch ih de fuͤr die freundliche Aufnahme in meiner Geſellſchaft„ bedankt; auch hat er den intereſſanten blaſſen Mann„ mit den feſten ſchwaͤrmeriſchen blauen Augen nicht Eie le vergeſſen und ſich nach Ihrem jetzigen Aufenthalte zu ſche erkundiget. Sie waren einige Tage in Angelegen⸗ nen 3 heit Ihres Gutes verreiſt, und da er dringend um ₰ ſchleunige Antwort bat, habe ich ihn bereits zuruͤck Ihrr geſchrieben und mitgetheilt, was er wuͤnſchte zu wiſ⸗ noch 1 ſen. Jetzt faͤllt mir dies erſt wieder ein, obgleich es Ihnen wohl ſchon an zehn Tage her iſt.“ P „Und ſein Name?“ fragte Alwin ſinnend. wiß i „Seefeld!“ Glaube „Seefeld! der Vetter von——“ Erde „Von———“ wiederholte die Gräfin, und 3 die Worte:„Ihrer Braut!“ erſtarben ihr zitternd eine 1. auf der Zunge in dunkeler Ahndung. Zwei koſtbare wir n Thraͤnen glaͤnzten dann in ihren ſchoͤnen Augen und kn— ſie reichte dem Freunde bebend die Hand.„Braut?!“„L fragte ſie leiſe. ſiſe il „Wenn Sie das Maͤdchen meiner Schmerzen noch ſe vin ſo nennen können, theuere Freundin,“ entgegnete Al⸗„4 win ſanft,„Ja!“ 3 nnge „Und das ſagen Sie mir ſo ke't!“ „Blos mit Ruhe jetzt, gnaͤdige Frau; ich habe hetu meinen Geiſt gezwungen ruhig in die Vergangenheit — Tages zu machtent ſich nh eſellſchaſt en Mann gen nicht lufentholte Ingelegen⸗ ingend un eits zurick e zu wiſ⸗ bgleich es gend. rüfin, und iht zitternd ei koſtate Augen und „Braut!?!“ merjen noh gegnete Al⸗ 1 i hi egngnhit 253 . zu blicken, ruhig die Gegenwart zu ſehen, und ruhig der Zukunft ins Auge zu ſchauen. Ihnen verdanke ich, daß ich vollbringen es kann.“ „O, Ihre Ruhe iſt graͤßliche Kaͤlte!“ „Koͤnnen Sie Ihre Lehre Kälte wohl nennen? Sie lehrten mich ja in der Freundin das Weib nicht. zu ſehen, und wie ich die Freundin verehre, muß Ih⸗ nen Ihr Herz genuͤgend wohl ſagen.“ „Glauben Sie, daß ſich Seefeld im Auftrage Ihrer Braut nach Ihnen erkundiget, daß ſie Ihnen noch treu, und hereilen jetzt wird, um— ſich mit Ihnen zu verbinden?“— Was ich weiß hoͤrte ich von Ihnen, und mehr weiß ich nicht, wie ich bereits Ihnen ſagte, mein Glaube iſt: ohne Hoffnung und ohne Furcht das Ende entgegen zu ſehen.“— „Und wenn ſie vermaͤhlt ſich haͤtte, und es blos eine leere Anfrage von Seefeld waͤre geweſen, oder wir nun mehr Gewißheit ihrer Vermaͤhlung erhiel⸗ ten— Alwin.“—— „Wuͤrde der Geiſt des Freundes ſich nur noch feſter klammern an den Geiſt der Freundin— und ſie wuͤrde dem Freunde Troſt nicht verſagen.“— „Doch wenn ſich die Freundin vermaͤhlte und der Gatte entfernt vom Freunde ſie hielt?“ „Dann muß ich Geliebte und geliebte Freundin betrauern.“— „Die Freundin will Dir nimmer dieſe Trauer 254 bereiten— Alwin— nimm ſie ganz als Dein!“ ſagte die ſchoͤne Frau und ſchlang ſich ſtuͤrmiſch um den Nacken des jungen Mannes in gluͤhendem Be⸗ ben ihre ſchwellenden Lippen preſſend auf die Seinigen. „Ganz als meine theuerſte Freundin, ganz als meine geliebteſte Schweſter!“ entgegnete Alwin, wie die erſte Gluth ſie gedaͤmpft.„Mehr verlange nie!“ „Ich will ja zuruͤckſtehen, Alwin, aber wenn Du alle Hoffnung verloren, auf die, die ein aͤlteres Recht an Dir hat—— bat die junge Frau lieblich koſend. —„Auch dann nicht?“— „Auch dann nicht!“— „Menſch, haſt Du wirklich ein Herz, das Liebe kann fuͤhlen? Ich moͤchte es ſehen; Dein Herz muß ein kalter Klumpen nur ſein von Erz!— Ha! haͤtte ich doch die Macht, Deine Braut auf den Fluͤ⸗ geln des Sturmes in dieſem Augenblicke herzaubern zu koͤnnen; könnte ich ſie doch rein wie ein Seraph Dir vorſtellen; ich wollte es jetzt, blos um zu ſehen, ob die Liebe im Buſen Dir thronet! Der Sieg iſt Dein! ich erkenne es! aber lieben kannſt Du nicht!“ Erſchoͤpft ſank die Gräfin auf einen Stuhl beide Haͤnde deckend uͤber das ergluͤhte Geſicht. „Willſt Du mein Herz,“ ſagte der junge Mann und ſank auf ein Knie vor der Erzuͤrnten,„ſo trenne es aus, hier iſt es, nur zweifle nicht an meiner gluͤ⸗ henden Liebe fuͤr Viola und Dich!“ Und indem er ſich das Portrait Violas vom Halſe nahm und die ſir Bi S nhrer hrauf ſinſte hen 3i den in ſei De ſirner lnd ſan 3 puch „aber ich die die Fr diſe( ler aſ nen? ſiſ s und ie Leinn lß Vi de 3) umt hnte Deiin!“ rmiſch un ndem Be⸗ Seinigen. ganz als Awin, wie unge niel“ rwenn Du lteres Recht ich boſend. „dos diebe Hetz miß Hal hite f den Fl⸗ hetzaubem ein Seruph m zu ſehen, er Sieg iſ Du niht!“ Stuhl bede junge Mann n„o trenne meinet gir Und inden ſe nahm und 255 die Atlaskapſel loͤſte, fuhr er fort:„Hier haſt Du ihr Bild, und das Uebrige ſage Dir Dein Herz!“ Schweigend betrachtete die Graͤfin das Portrait mehrere Minuten; ihre Augen ſchienen erſt erſtaunt darauf geheftet, doch immer mehr gingen ſie uͤber in ſanfte Gluth und ruhten dann mit Wohlgefallen auf den Zuͤgen Violas, und doch nicht verbergen koͤnnend den innern Kampf ihrer Seele. „Es iſt uͤberwunden!“ ſagte ſie dann.„Gott ſei Dank, ich werde es mit ſeiner Huͤlfe auch noch ferner uberwinden. Und Du, Alwin, vergieb mir!“ und ſanft weinend ſank ſie an ſeinen Buſen. „Ich habe Dir nichts zu vergeben, Freundin,“ ſprach Alwin die Graͤfin enger preſſend in ſeine Arme, „aber Du kannſt mich auch nicht verdammen, wenn ich dieſen Engel treu bleibe und doch mit heißer Liebe die Freundin halte im Arme. Sind nicht dieſe Locken, dieſe Stirn, dieſe Augen, nur um einen Schein hel⸗ ler als die, die mich jetzt anſehen, Dir wie entnom⸗ men? iſt nicht dieſe Naſe, dieſer Mund, dieſes Kinn faſt das Deine? nur die Blicke von Dir ſind feuriger und die Naſe ſcheint ſtolzer und mehr Leben iſt in Deinem Antlitz, und nicht den ſchwaͤrmeriſchen Ueber⸗ guß Violas traͤgt es, ſonſt ſeid zum ſprechen einan⸗ der Ihr ähnlich, als waͤret Ihr Schweſtern.“ „Die iſt mir Viola von jetzt an; Alwin, wie konnteſt Du dieſes Maͤdchen verlaſſen; dieſes Auge konnte nicht lügen—— wie viel bittere Thränen 256 mag es haben um Dich geweint! Grauſamer Mann, ich koͤnnte boͤſe mit Dir werden, um den Schmerz zu raͤchen, den Du Deinem Maͤdchen bereitet.“— In dieſem Augenblicke ertoͤnte ein Poſthorn; der Poſtillon hieb in die vier dampfenden Braunen und fuhr donnernd uͤber den Schloßhof. „Was iſt das?“ ſagte die Gräfin.„Beſuch— ein Herr und eine Dame— ein Maͤdchen auf dem Ruͤckſitz!— Seefeld und—— was zittere ich denn —— Deine Braut— Alwin—— ich habe ver⸗ ſprochen ſie Dir zuzufuͤhren—— es ſei!“ Stuͤr⸗ miſch ſchlang ſie ſich noch einmal um den Nacken des jungen Mannes, druͤckte einen gluͤhenden Kuß auf ſeine Lippen, und enteilte dann dem Gemache. Alwin war der Graͤfin an das Fenſter gefolgt. Auch er ſah die Equipage vorfahren; ein Blick und er hatte Seefeld erkannt und an deſſen Seite die ſchmerzlich betrauerte, heiß geliebte Viola. Sein Blut ſtockte; doch nur einen Moment, dann begann es gluͤhend in den Adern fluͤchtig zu kreiſen und das Herz pochte in ungeſtuͤmen Schlaͤgen. Jetzt ſtand der Wagen, der Kuß der Grafin brannte auf ſeinen Lip⸗ pen und ſie entfloh dem Zimmer; er wollte nach, doch vermochte er nicht ſeinen Fuß von der Stelle zu heben; nun ſah er ſie am Wagen, hoͤrte die lieb⸗ liche Stimme zaͤrtlich gruͤßen die Braut, ſah wie die Arme der Freundin, die ihn ſo eben noch mit bren⸗ nender Liebe gepreßt, die Geliebte umſchlangen und es ſchw namenl und do ſigem „ der erſt ſiben nir eit Heilig „ zende e „ libe 3 vihnte — ich 6 die 1 ſe zu dieſe E thüten ehtn. P unhüll enpot ſigen Flor lucht behre I. mer Mann, en Schmerz eitet.— Poſthon; n Braunen „Beſuch— en auf dem tete ich den h habe ver⸗ i“ Stür⸗ den Nacken enden Kuß Gemache. nſter gefolgt. n Blick und n Seite die ßiola. Sein dann behun ſen und das t ſtand der f ſinen kip⸗ wollte nich, n ber Stell örie di lib⸗ „ſch witt h nit bun tmn un 257 es ſchwand ihm die Sehkraft umhuͤllt von dem Flore namenloſer Gefuͤhle, er ſtand angewurzelt in Nacht, und doch jauchzte ſeine Seele in der Morgenroͤthe roſigem Schimmer. „Ich weiß Alles,“ ſagte die ſchoͤne Frau, nach der erſten Begruͤßung der Ankoͤmmlinge, wie ſie die⸗ ſelben ſchon in das Schloß gefuͤhrt;„ Sie bringen mir einen Engel, Herr Baron, und ich ſoll einem Heiligen dieſen Engel uͤbergeben.“ „Einem Heiligen?“ hauchte Viola leiſe, die rei⸗ zende Frau aͤngſtlich betrachtend. „Ja, meine Liebe, einen Heiligen! der in treuer Liebe Jahre lang ſchmachtete nach ſeiner treulos ge⸗ waͤhnten Geliebten: ein Cherub unter den Maͤnnern⸗ — ich kann ihm die Unſchuld doch uͤbergeben.“—— Ein ſanfter Haͤndedruck Violas ſagte der Gräfin die Antwort und zugleich das ſehnliche Verlangen, ſie zu Alwin zu fuͤhren. Die Freundin verſtand dieſe Sprache der Reinheit und Wonne, die Fl uͤgel⸗ thuͤren ſprangen auf und Viola ſtand vor dem Ge⸗ liebten. Wie der Nebel des Morgens die bluͤhende Flur umhuͤllend bis die Sonne aus den Purpurfluthen empor ſteigt und ihn luͤftet, und ſich dem Auge dann zeigen die brillant geſchmuͤckten Gefilde, hob ſich der Flor von den Blicken des jungen Mannes und ſie leuchtete im magiſchen Zauber auf die ſo lange ent⸗ behrte Geliebte. Dann ſenkten ſie ſich in ſprachloſem II. 17 258 Entzuͤcken, als waͤre der Pracht es zu viel, als koͤnn⸗ ten ſie nicht ertragen den Glanz, der ihnen entgegen ſtrahle und die Zuͤge des erroͤthenden Antlitzes ver⸗ riethen, was das Herz in hoher Empfindung bewegte: es bedurfte nicht der Sprache leeres Getoͤn. Auch Viola ſchlug nieder die Augen mit holdem Erxroͤthen und die Gefuͤhle ihrer Seele ſpiegelten ſich in dem Madonnenantlitze mit ſanftem Erbeben, ebenfalls ver⸗ ſtummend in des Augenblickes hehrer Wonne. Aus⸗ breitend die Arme dann nach dem Geliebten wollte ſie vorwaͤrts, aber die Kraͤfte verſagten ihr und ſie ſank in die Arme der Graͤfin, von dort auf den Stuhl, den Seefeld gereicht, und der Mann ihrer Liebe tau⸗ melte zu ihren Fuͤßen. Glaͤnzenden Auges ſahen Freund und Freundin auf die ſtumme Gruppe; der Mann ſah die Geliebte in den Armen des Geliebten und das Weib den Ge⸗ liebten in den Armen der Geliebten; aber kein nei⸗ diſches Feuer bewegte ihre Herzen, ſie laͤchelten ſanft zu dem Gluͤcke des Freundes und der Freundin, und alle vier umſchlungen ſich dann im eblen Bewußtſein ihrer erhabenen Gefuͤhle und weinten die Thränen der reinſten zarteſten Freude. „Seid glaͤcklich!“ ſagte die Graͤfin geruͤhrt, die klaren Perlen aus den Augen entwiſchend,„Eure Liebe verdient, es zu ſein.“— Und auch Seefeld ſprach weich:„Kroͤne das Glt ghi wir n Un5 1 ihrer raft its; Uns ſinben began ihlt Und wohn vs zu dieſe bie tete ne lußt i Die 4 heten ten ti Minn ſen d wuͤri zu ſei A, als könn⸗ en entgegen ntlitzes ver⸗ ng bewegte: itön. Auch en Erröthen ſich in den chenfalls ver⸗ onne. Aus⸗ iebten wolle ihr unb ſie den Stuhl, Liebe tau⸗ und Freundin hdie Grliebte Weib den Ge⸗ aber kein wi ichelten ſanſt teundin, und Bewußtſin die Thrinn 1 ngerihtt de ſcen, Eu „Kn da 259 Gluͤck ſo Eure Tage, wie die Liebe Ihr jetzt uns gezeigt.“— Koͤnnten wir doch hiermit beſchließen die Liebe, wir wollten freudig weglegen die Feder; doch es iſt uns nicht vergoͤnnt die Liebe ungeſtoͤrt auf Erden in ihrer Seligkeit Fuͤlle wallen zu laſſen. Dieſe Ur⸗ kraft iſt nur allein beſtändig und ungetruͤbt im Jen⸗ ſeits; und daher muͤſſen wir auch noch berichten, was uns Fama ferner verkuͤndet.— Der erſte ſelige Rauſch des gluͤcklichen Wieder⸗ findens der Liebenden war entſchwebt, und ruhiger begannen die ſtuͤrmiſchen Herzen zu ſchlagen; man erzählte und ließ ſich erzaͤhlen; man lachte und weinte, und war froh und heiter in edler Seele. Viola wohnte bei der Gräfin und Seefeld bei Alwin; aber Eos weckte kaum die Maͤnner, ſo ſaßen ſie auch ſchon zu Pferde und ſprengten nach den Magneten oder dieſe rollten ihnen in ſcharfem Trabe entgegen, wenn die Herren ſäumig ſich zeigten. Jeder Tag entfal⸗ tete neue Reize und jede junge Sonne verſprach neue Luſt in ſchoͤner Natur und treulich liebendem Kreiſe. Die Damen enthuͤllten frei ſich die Gefuͤhle ihrer Herzen und verſchwiſterten ſich immer enger und lern⸗ ten taͤglich ſich mehr lieben und ſchaͤtzen; und die Mäͤnner hatten kein Hehl gegen einander und ſchloſ⸗ ſen den Bund treuer Freundſchaft und lebten wie wuͤrdige Bruͤder.— Auch Johann jubelte aus Liebe zu ſeinem Herrn; ihm war es recht, ob ſich dieſer 17* 260 mit Viola oder der Graͤfin vermaͤhle; er wollte ihn ja blos gluͤcklich ſehen, und Freia war der Liebling von Allen und bekam manch gutes Bischen.— Und wenn Johann ſo recht bei guter Laune war und ſah wie ſein Herr trunken ſich in die Veilchenaugen des Fraͤuleins verlor, die der alleinige Wunſch ſeines Lebens geweſen, dachte er bei ſich:„Meiner Seele, es iſt doch ſo unrecht nicht, daß mein Herr ſich die alte Liebſte noch heirathet; denn wenn ich es mir recht uͤberlege und alles zuſammen rechne, iſt Fi⸗ nettchen ein huͤbſches Maͤdel, die eines redlichen Die⸗ ners Herz wohl koͤnnte erfreuen, obgleich die Kam⸗ merkaͤtzſchen der Frau Graͤfin auch eben nicht uͤbel ſind. Aber der Menſch erinnert ſich einmal gern der alten guten Zeiten, und Finettchen ſcheint gar nicht aͤlter geworden zu ſein; nur ein Wenig voller als fruͤher, doch das laͤßt ſich jeder ehrliche Mann gern gefallen ſo lange die Abrundung— alter Eſel— un⸗ terbrach er ſich hier ſelbſt— das verſteht ſich am Rande— in Ehren bleibt und nicht temporaͤr iſt: naͤmlich bei einer Jungfer. Viola hatte den Wunſch geaͤußert, Alwins haͤus⸗ liche Einrichtung in Augenſchein zu nehmen, ehe et⸗ was daran geaͤndert wuͤrde, bisjetzt war noch Alles ſo vorhanden, wie in den truͤben Tagen des jungen Mannes es angelegt wurde, und da die Graͤfin auch noch nicht ihres Freundes einfache ſchwaͤrmeriſche Zimmerdecoration geſehen hatte, und ſie nur aus Al⸗ wiſs junge hiſe den 2 gegen Das Freu der! betti terho vor ſ tel, 1 ſchlec dem um laſſt ppan glaͤlt inme gehti Boö den den Fr ver un — wollte ihn er Liehling en.— Und war und ichenaugen unſch ſeines tiner Salle, Nr ſich die ich es wit hne, iſt Fi⸗ blichen Die⸗ die Kam⸗ nicht übel mal gern der nt gar nicht g voller als Mann gem Eſel— ⸗ eht ſich am enporät iſt — lwins hůus⸗ men, che et n nih Ules n des jungen Grifn uc ſhnimiſe nt us 1 5 261 wins Bericht kannte, beſchloſſen beide Damen die jungen Männer eines Morgens zu uͤberraſchen. Doch dieſe hatten ebenfalls fruͤh ſatteln laſſen und kamen den Damen bereits auf der Haͤlfte des Weges ent⸗ gegen geſprengt den guten Morgen ihnen bietend⸗ Das ſtoͤrte jedoch nichts in dem Vorhaben, die Freunde warfen die Pferde herum, nachdem ſie von der Abſicht der Damen unterrichtet waren, und cour⸗ bettirten neben dem Wagen her, in heiterer Un⸗ terhaltung. „Teufel! was war das!“ brummte ein Mann vor ſich hin, der in einem abgetragenen grauen Man⸗ tel, mit gruͤnen Felbelkragen, gehuͤllt hinter einem ſchlecht beſpannten alten Wagen ſtand, und eben vor dem Gaſthauſe zu Eichhof angekommen zu ſein ſchien, um den Pferden Heu vorzulegen und ſie traͤnken zu laſſen. Seine abgelebten, gelbgrauen Geſichtszuge ſpannten ſich, die Furchen der Suͤnde momentan aus⸗ glaͤttend, die ſtieren erloſchenen Augen blitzten noch einmal auf aus der Ohnmacht, die das Laſter auf ſie gedruͤckt, und verfolgten in teufliſcher Scheelſucht und Bosheit die leicht dahin galopirenden Freunde und den voruͤberrollenden Wagen der Damen, bis ſie in den Schloßhoſe ſeinem Baſiliskenblicke entſchwanden. „Fraͤulein von Steinheim,“ fuhr er dann fort, mit verzerrtem Munde,„hier? und Seefeld und der Hund und——— wer war nur die andere Dame— — ſollte— nein!— der Haß des Alten iſt zu groß —— wart!— dahinter will ich kommen— ich will dir den elenden Wicht noch nachſalzen— das Wort haſt du von ihm, und er ſoll an mich gedenken!“— 11. „Minchen, Minchen! Minchen, ſoge ich, Min⸗ chen!“ rief der alte Baron von Steinheim, zitternd einen Brief in den Haͤnden haltend, und vom Lehn⸗ ſtuhle aufſpringend, als habe ihm eine Bremſe ge⸗ ſtochen,„Minchen, meinen Pelz— den Fußſack— Minchen, ich ſage flink— den Wagen, laß anſpannen — wo iſt Odo— wo ſteckt er— die Reiſekoſten muß mir der Schlingel verguͤten— Lug und Trug! den Pelz— flink, Minchen.“—— „Aber lieber Herr Baron, was haben Sie denn vor,“ fiel endlich Minchen ein, da ſie aus den abge⸗ brochenen Saͤtzen und Worten des Alten nicht klug werden konnte, und derſelbe im Zimmer umher lief, als ſei Feuer in ſeinem Hauſe ausgebrochen;„Sie erſchrecken einen faſt zu Tode!“ „Schrecken, Tod? O noch mehr Minchen, Ver⸗ ſchwendung, grenzenloſe Verſchwendung; Verfuͤhrung! hole mir den Odo— flink— hole— Ihr ſollt alles hören; ich will mich waͤhrend der Zeit etwas ſammeln.“ Minchen ſprang fort und trat in einem Weil⸗ chen darauf mit Odo in das Zimmer des Barons. „Nun erzaͤhlen Sie, Herr Baron!“—„Was ʒůlt en de . Euch nieder pagen fin, S ſomm da ließ d tir V „ Her zihlt geſc uſ als Setzt men Gorg i geſc S6 — hat — ich wil das Vort nken!“— ich, Min⸗ m, zitternd vom Leh⸗ Brenſe ge⸗ Fußſack— anſpannen koſten muß Twg! den en Sie denn zs den abge⸗ n nicht llug unhet lif chen;„Sie inchen, Ver Purfihrung! hr ſolt lles a5 ſemneln“ einem Veil⸗ es Baren — P 263 giebt es denn?“ Erſcholl faſt zugleich von den Lip⸗ pen der Ankoͤmmlinge. „Was es giebt, was es giebt! he! ich will es Euch erzahlen, was es giebt!“ fuhr der Baron jetzt wieder auf:„Ein Dutzend Hunde und Pferde, Equi⸗ pagen, daß nur alles flinkert, Geſellſchaften und Graͤ⸗ fin, Seefeld und Davonlaͤufer, Verſchwender alle zu⸗ ſammen; das giebt es, und Viola mitten drunter, o das ſchoͤne Geld der lieben Mutter!“— „Es iſt doch die Moͤglichkeit!“ ſagte Odo und ließ den Schnabel aufſtehen in Ermangelung ferne⸗ rer Worte. „Ich werde nur noch aus Allem nicht recht klug, Herr Baron,“ verſetzte Minchen;„ich daͤchte Sie er⸗ zählten uns von Anfang an.“— „Soll gleich geſchehen, mein Minchen, ſoll gleich geſchehen, habe nur Geduld; Ihr kamt mir noch zu raſch auf den Hals und die Sache iſt zu wichtig, als daß man nicht ſollte daruͤber aufgebracht ſein. Setzt Euch nur, ich will Euch erzählen.“ Beide nah⸗ men Platz und der Baron begann:„So hoͤrt denn! Gorgo, der ſparſame, goldene Gorgo, hatte ſich end⸗ lich von ſeiner Sybille losgeriſſen— die, unter uns geſagt— der Teufel ſelbſt ſein ſoll und dem armen Schlucker wohl manchmal die Hölle perſonificiren mag — um ſeine Geſundheit im Bade etwas zu reſtau⸗ riren— was er, beilaͤufig geſagt, auch nicht nöthig hatte, denn die Baͤder haben theures Pflaſter—= und 264 kommt nun zuruͤck; und wie er zuruͤck kommt, will er die friſche Luft noch ein Bischen genießen, um nicht zu zeitig nach Hauſe zu kommen— und wie er ſo des Morgens grade in einer Dorfkneipe ab⸗ ſteigt, um ein Fruͤhſtuͤck einzunehmen, da— purr! ſauſen vorbei Reiter, Kutſchen und Pferde, Hunde, Jäger, Lakaien, als wenn ein Koͤnig gefahren kaͤme, der nur in die Saͤckel ſeiner Unterthanen greifen darf— weil ihm die Narren nicht auf die Finger ſchlagen— und wer meint Ihr, wer vorbei ſauſt— der weggelaufene Menſch, der meine Tochter mal freien wollte, Fraͤulein Viola ſelbſt, zu meiner Schande, Monſieur Seefeld und eine Graͤfin aus Polen, Zacker⸗ mentska, oder wie das Weib heißen mag. Und ſo geht es alle Tage in dulce jubilo, und weſſen Geld wird es koſten, wer wird bezahlen muͤſſen? meine Tochter! Seefeld wird ſich zuruͤck ziehen, wenn ſie in der Patſche ſitzen; der eine Kerl hat nichts, und die Graͤfin mag wohl auch ſo eine ſein, die einem Kunſtreiter nachgelaufen iſt.— Ich muß hin, ich muß gleich hin, und die Reiſekoſten muß mir See⸗ feld verguͤten; ich verklage ihn, wenn er ſie nicht gutwillig giebt; ich verklage ihn!“ „Es iſt mir doch die Moͤglichkeit!“ wiederholte Odo und ſaß ſonſt erſtarrt. „Mir auch!“ ſagte Minchen,„wir glauben hier das Fraͤulein gut aufgehoben bei der alten Frau Ba⸗ ronin von Seefeld, und nun faͤhrt ſie mit dem Herrn Sohn in die Welt und treibt ſich in ſolch ſchlechter Gellſhaf ſn gleih tathen, un nigen du s mein ſich ins F glücklich g Vie kann wiß, das heimihen.“ „h ible Naria nen, abet Noch ders von der alt Re pock, und In) umgeben b ten. Die L bi in en tion ſigen Brief, des Uwits unh Tahn abg ns noch be tuſützt, 9 deß ber ſche det 1i t, will n um d wie pe ab⸗ purr! Hunde, käme, greiſen Finget ſauſt— r mal chande, Zacker⸗ Und ſo en Geld meine wenn ſie htö, und ie einem in, ich ir Ser⸗ ſie nicht edecholte ben hier ßrau Ba⸗ en Hertn ſchlechtet 265 Geſellſchaft herum. Ja, lieber Herr Baron, Sie muͤſ⸗ ſen gleich hin; der Menſch iſt im Stande ſie zu hei⸗ rathen, und, du mein Gott; wenn ihr ſchoͤnes Ver⸗ moͤgen durchgebracht iſt, wer wird bezahlen muͤſſen, als mein lieber Herr, und der ſchlechte Menſch lacht ſich ins Faͤuſtchen, doch noch das liebe Fraͤulein un⸗ gluͤcklich gemacht zu haben. Ach Jammer und Noth! Wie kann man ſich taͤuſchen! ich dachte ganz ge⸗ wiß, das Fraͤulein wird den Baron von Seefeld heirathen.“— „Ich auch, ich auch!“ fiel der Alte ein;„keine uͤble Mariage, darum ließ ich ſie ihm auch mitneh⸗ men, aber nun, he! ich muß hin, ich muß hin!“— Nach vielen hin und her raiſoniren und beſon⸗ ders von Minchen ertheilten Inſtructionen, wurde der alte Reiſewagen hervorgezogen, der Baron einge⸗ packt, und hin fuhr er die Gluͤcklichen zu ſtoͤren. In heiterer Zufriedenheit ſaßen die Liebenden, umgeben von Freund und Freundin, in Alwins Gar⸗ ten. Die Damen hatten es angenommen, einen Kaffee bei ihm einzunehmen, und in angenehmer Converſa— tion flogen ihnen die Stunden lieblich dahin. Die Briefe, des Barons Genehmigung zur Verbindung Alwins und Violas einzuholen, waren vor einigen Tagen abgegangen und die Bitte des jungen Paa⸗ res noch beſonders von Seefeld und der Graͤfin un— terſtutzt, auch die Verhaͤltniſſe ſo auseinander geſetzt, daß der Alte rechtlicher Weiſe nichts gegen die Wuͤn⸗ ſche der Liebenden haben konnte, und, wenn er nicht 266 ſtörrig auf ſeinen Eigenſinn beharre, ſah man ein freudiges Reſultat entgegen.— Auf einmal wurde Freia laut; Alwin wieß ſie zur Ruhe, doch ſie ließ ſich nicht beſaͤnftigen und ſchlug heftiger nun an. Jetzt wurde die Geſellſchaft aufmerkfam, und ſah einen Mann fluchtigen Schrittes und ſpaͤhenden Bli⸗ ckes auf ſie zu eilen, hinter welchem Johann trabte. „Mein Vater!“ ſagte Viola leiſe und wurde blaß wie die Lilie. Es war der Baron. Wie er die Geſellſchaft er⸗ reicht hatte, gruͤßte er oberflaͤchlich, ging auf die Toch⸗ ter zu, ergriff ſie bei der Hand und ſagte barſch: „Du kommſt mit! und Dir, Neffe, werde ich das Uebrige zuſchicken. Marſch!“ „Herr Baron,“ verſetzte Alwin ihm mit Wuͤrde entgegentretend;„Sie ſind hier in meiner Beſitzung und werden mir erlauben, Sie willkommen zu heißen: Seien Sie mir ein werther, angenehmer Gaſt, und laſſen Sie uns die etwanigen kleinen Differenzen mit Anſtand und Ruhe beſprechen.“ „Wozu ſprechen, ſprechen!“ erwiederte der Alte; „Sie kennen meinen Willen, und meine Tochter auch; mit Dir, Monſieur Neffe, werde ich ſchon Ruͤckſprache nehmen; Du packſt die Sachen, Viola, und damit baſta! Marſch!“ „Herr Baron,“ ſagte die Graͤfin mit vieler Ar⸗ tigkeit,„eſaͤnftigen Sie ſich und haben Sie die Guͤte mir Ihr Ohr auf wenige Augenblicke zu leihen; ich „beihe nihls, alle zuſn; ab ih viel zu „Onktl 6ie ſind u „Nit fine Unſtä giht mich n ich enange Boln b wor erſchtte ſiet Piola t ſche wurde ſinftigen; ocht ihn d nichts helf; laſſen, und wenn mni „Das n un,“ ſigte ſibſ die erß natenn und Nenſn zuve wifignu ſe Ihnn ſt lten ʒil „So, ſi wollen doh ein wurde e ließ an. d ſah Bli⸗ rabte. wurde haſt er⸗ och⸗ — harſch: ich da Virde Beſitung heißen: haſt, und nen nit der Ute; ter auch; üoſprache ind danit vielet A⸗ u leihenj 267 „Leihen, leihen,“ fiel der Alte ein,„ich leihe nichts, allenfalls auf ſichere Hypothek gegen gute Zinſen; aber auf keiner Weiberzunge; da haͤtte ich viel zu leihen! he, Viola, Marſch!“ „Onkel!“ rief Seefeld;„bedenken Sie doch, wo Sie ſind und mit wem Sie ſprechen!“— „Mit einem Schlingel wie Du biſt, werde ich keine Umſtaͤnde machen, und wer die Uebrigen ſind, geht mich nichts an; ich will mein Kind; das kann ich verlangen; ich bin der Vater!“ Viola bebte an allen Gliedern; auch die Graͤfin war erſchuͤttert und der Sprache nicht maͤchtig; ſie hielt Viola umſchlungen und dieſe ſie.— Alles Moͤg⸗ liche wurde verſucht, den Zorn des Barons zu be⸗ ſaͤnftigen; Seefeld nahm ihn bei Seite, bat, flehte, machte ihm die ruhigſten, vernuͤnftigſten Vorſtellungen, nichts half; mit Alwin wollte er ſich gar nicht ein⸗ laſſen, und zuletzt drohte er Gensd'armes zu holen, wenn man ihn die Tochter nicht ſo fort ausliefere. „Das werden Sie nicht noͤthig haben, Herr Ba⸗ ron,“ ſagte Alwin in edlem Feuer,„ich bin hier ſelbſt die erſte Polizeibehoͤrde, und Ihre Tochter iſt majorenn und hat daher Fug und Recht uͤber ihre Perſon zu verfuͤgen; daber bitte ich Sie auch jetzt ſich zu maͤßigen und Ihre Tochter ausſprechen zu laſſen: ob ſie Ihnen folgen, oder hier bleiben will, in welchem letztern Falle ſie vor jeder Gewalt geſchuͤtzt iſt!“ „So, ſo?“ grinſte der Alte;„ſo, ſo?! nun wir wollen doch ſehen?! He! willſt Du hier bleiben und 268 enterbt ſein, oder willſt Du folgen? he, ich frage! willſt Du folgen?“ „Ich werde hier bleiben, lieber Vater,“ ent⸗ gegnete Viola zitternd,„und wenn Du Dich erſt be⸗ ruhiget haſt, wirſt Du es mir auch gern erlauben.“— „Hier bleiben willſt Du,“ ſchrie der Baron gei⸗ fernd in Wuth,„hier bleiben, Rabenkind! und lieber enterbt ſein und hungern, wenn Deine paar Dreier verpraßt ſind; ha! ich will Dich hier bleiben lehren! Verflucht ſeiſt Du und Dein Verfuͤhrer und Eure Nachkommen, ſo lange ſie exiſtiren! Der Vater ver⸗ flucht Dich mit dem graͤßlichſten der Fluͤche, den je eine Zunge geſprochen, und der Vater wird Dich noch auf ſeinem Todtenbette verfluchen!— Fluch Dir ungehorſames Kind, fluch Deinem Buhlen!— und nun verheirathet Euch und nehmt als Mitgift meinen Fluch!!“— „Ach!“—— ſeufzte Viola und das ſchoͤne Haupt ſank auf den Buſen der Freundin. Graͤßlich erſchuͤttert waren die Anweſenden von den Worten des Barons, und eine lange Pauſe trat ein, ehe ſie ſich wieder konnten erholen. Violas Glieder flogen, als durchſchuͤttle ſie das kalte Fieber in ſeinem ſtärkſten Grade, und die Gräfin bebte und hatte Noth, ſich und die Freundin auf den Sitzen zu erhalten, und die Maͤnner ſahen ſich ſtumm an, als ſei ihnen der Athem entwichen; Seefeld ermannte ſich zuerſt und reichte betrubt dem Freunde die Rechte. Der alte Baron war verſchwunden. d Fren 8 „Alte hit in det „Meit Simme, net hie ju entdecke wir dennoc Dos glühende zarten Hr und nun er Anweſenden. wöhnliche H tende Boter len, wihter Statt eine Alle waren feber ſih i ten gemein men nicht b bi der Har ten Gute, n ſien G mahen zut weſend zu Tagen— M belebteg ten des S frage! ent⸗ etſt be⸗ en.— on gei⸗ d liebet Dreier lehten! nd Eure ter ver⸗ den je d Dich — Fluch hlen!— Nitzift ns ſchöne den von e Nauſt lte Fiebet bebte und den Eiten 209 „Alter Cerberus,“ ſagte Johann,„Gott lohne dirs in der Ewigkeit!“ „Meine Traͤume,“ ſprach Alwin mit bewegter Stimme,„ſind in Erfuͤllung gegangen; eine dunkele Macht hielt mich ab, meinen Aufenthalt der Braut zu entdecken, und nun es das Schickſal gethan, ſind wir dennoch verloren.“— Das Zittern Violas wurde immer heftiger; eine gluͤhende Hitze durchwallte die ſchoͤnen Formen des zarten Koͤrpers; ſie fing an irre Worte zu lallen, und nun erforderte ſie die ganze Aufmerkſamkeit der Anweſenden. Bald uͤberzeugte man ſich, daß ge⸗ woͤhnliche Huͤlfe hier nicht ausreiche, und ſchickte rei⸗ tende Boten zur Stadt, einen Arzt ſchleunigſt zu ho⸗ len, waͤhrend man ſie ins Bett einſtweilen brachte. Statt einen Arzt kamen zwei, auch noch ein dritter; Alle waren der Meinung, daß ein hitziges Nerven⸗ ſieber ſich ihrer bemaͤchtiget, beriethen ſich, und kurir⸗ ten gemeinſchaftlich.— Die Graͤfin und Alwin ka⸗ men nicht von ihrem Bette; auch Seefeld war ſtets bei der Hand, und abwechſelnd blieb ein Arzt auf dem Gute, den Gang der Krankheit zu beobachten, um ſeinen Collegen dann die noͤthigen Mittheilungen machen zu koͤnnen und ſelbſt gleich im Nothfalle an⸗ weſend zu ſein; doch Alles blieb vergebens, nach drei Tagen— war ſie todt!— Und zweifelnd ſtand der Geliebte un der Leiche der Geliebten, und Freund und Freundin benetzten ſie tief ergriffen mit den Zaͤh⸗ ren des Schmerzes.— 270 „Wo iſt mein Kind!“ rief der alte Baron, ver⸗ ſtoͤrt eindringend in das Zimmer. „Dort!“ ſagte Alwin, dem der Schmerz ſtockte beim Anblick des herzloſen Geſchoͤpfes;„dort! ſie ruht aus von Ihrem Fluche! Ich werde ihr bald folgen!— Ihnen ſei vergeben; doch ehe Sie fort⸗ gehen, ſehen Sie hier auf die drei Bilder, pragen Sie tief ihren Sinn ſich ein ins Herz, wenn Sie eins haben, und dann gehen Sie zu— Ihrer Con⸗ cubine!“—— Vernichtet ſtand der Alte an der entſeelten Huͤlle ſeiner Tochter, die wie ein reiner Engel da lag im Sarge, beſtreut mit der jungfraͤulichen Myrthe, in heiliger Verklaͤrung; aber bald erwachte der Geizhals wieder und erklaͤrte: daß er ſich die etwanigen hier befindlichen und ſeiner Tochter zuſtehenden Documente ausbitte.— „Die ſollen Sie haben!“ ſagte die Graͤfin zum Veraͤchtlichen,„ſie ſind bei mir niedergelegt.“ Und von Allen verachtet und verabſcheut reiſte er gleich nach der Beerdigung ab. Eine eigene Gruft hatte Alwin mauern laſſen, grade groß genug, um zwei Saͤrge zu empfangen, um recht kuͤhl zu betten die Geliebte und ſich ein Plätzchen an ihrer Seite zu ſichern. Vergebens ſuchte der Freund und Freundin ihn zu erheitern, die angegriffene Seele und ſein durch das Reiſen ſtrapa⸗ zirter Koͤrper, der ſich nur auf kurze Zeit erholt hatte, wurde vom Schmerze uͤberwaͤltigt und mit jedem Lege ſink vi der H d Baum ber Geliebt wh imme vinnen, d berſchwun ben Viola, Net beider liche und Ginb ijtes ſut ehenfol ihenden ru Ichenn ds Glt un uen rtel Gub iu liel Di Gifn: nit fiſchen s ſid un Lode dn Pund i d zlhe deln Hen De el B nnhn hen w ſuin dy ſign Vb uſ n, vet ſtocte rt! ſi bald e fort⸗ pràgen n Sie et Con⸗ nHuͤle lag im rthe, in Geizhals igen hier ocumente äfin zun Und et glich tn laſſen, npfangen, ſich ein Vergebens diten, di en ſtrape⸗ holt hatt⸗ nit jcen 271 Tage ſank er mehr und mehr dahin.— Und ſchon wie der Herbſtwind die gelben Blätter ſchuͤttelte von den Baͤumen, fand ihn Johann todt auf dem Grabe der Geliebten. Die Graͤfin war außer ſich, ſie hatte noch immer gehofft, ihn wieder fuͤr das Leben zu ge⸗ winnen, doch nun war freilich jede Hoffnung ihr verſchwunden. Sanft ließ ſie den Treuen betten ne— ben Viola, und ein ſchoͤner einfacher Leichenſtein bekun⸗ det beider Verbluͤhen. Aber auch Freia wollte die Liebe und Treue vereinen, ſie wich nicht von dem Grabe ihres Herrn, verſchmaͤhte alle Nahrung, und ſtarb ebenfalls fuͤr ihre Liebe. Zu den Fuͤßen der Liebenden ruht ſie mit dieſen in ſchoͤnem Verein.— Johann bekam laut Teſtament ſeines Herrn das Gut und heirathete Finettchen und noch die ſpaͤ⸗ teſten Enkel dieſer treuen Seelen werden gewiß das Grab der lieben Herrſchaft ihrer Voreltern bekraͤnzen. Die Graͤfin averowska beſucht es alle Jahr, um es mit friſchen Blumen zu ſchmuͤcken, und da ſie See⸗ feld am Todestage Violas hier fand, ſchloſſen Beide den Bund fuͤr das Leben ſich gegenſeitig zu troͤſten und zu lieben wie die Entſchlummerten und ihre edeln Herzen ſegnete Gott durch eine gluͤckliche Ehe. Der alte Baron ſtarb bald nach Alwin, qualvoll, mit erwachtem Gewiſſen, die Seele enthauchend. Min⸗ chen verdarb ſpaͤter im Spital, wohin ihr Handwerk ſie gefuͤhrt, was noch zu gut fuͤr ſie war, und von Odo ſagen wir blos: er ward geboren, nahm ein Weib und ſtarb! Und Gorgo— den ließ unſer Herr 272 Gott lange leben, damit ſein Weib ihm das Leben verſuͤße, wie er heimtuͤckiſch zerſtort, die ſchoͤnſte, reinſte Liebe!— „Gut daß ſie ſtarben,“ ſagte der Freund, wie ich dieſe Novelle bis hierher geleſen, die die Liebe hier ſollen perſonificiren. Nach dem Fluche des ſatani⸗ ſchen Vaters konnten ſie ſich nicht vereinigen; wir haben nun einmal in unſere Religion dieſe Vorurtheile angenommen und unſere Seele fuͤhlt ſich belaſtet, wenn ſie die beſtehenden Geſetze nicht achtet, obgleich die Worte eines ſolchen Vaters nicht ſollten zur Be⸗ ruckſichtigung gezogen werden. Das Leben iſt der Liebe Grab, und wer weiß, ob ſie noch treu ſich waͤ⸗ ren geblieben, haͤtten ſie noch. ferner gelebt. Auch ich habe geliebt und liebe noch, wie Alwin lieben nur konnte; waͤre mir die Geliebte geſtorben, ich haͤtte ſie nimmer verloren; an ihrem Huͤgel haͤtte ich Troſt mir geholt und dieſes Leben damit mir geſtaͤrkt. Mir wurde es nicht ſo gut geboten. Das Leben iſt der Liebe Grab! es verſpottet und hoͤhnet die Treue.— Sie wurde treulos!— und mir iſt nichts mehr ge⸗ blieben.— Nicht einmal die Hoffnung: dort ſie wie⸗ der zu finden;— auch dort muß ich die ganze Ewigkeit allein nur wandeln, und mein gluͤhender Blick darf nur ſchweifen durch des Grabes dunkle Pforte und hoffen auf Gottes ewige Liebe—!“—— — Leben chonſt, id, wie be hier ſatani⸗ en; wir wurtheile helaſtet, oboleich zur Be⸗ iſt der ſich wi⸗ t. Auch in lieben ich hitte ich Tf tkt Nit Ereue.— mehr ge⸗ die ganze — tt ſi wi⸗ glüheden bes dunle HMI. S offnung. bittoritehe Novelle. nicht Ze ſchikern; Jünglin pfen mit und des t die alt jungen der hochl als Gat freien 5 Zů bunfelbl gefulen Die Hoffnung fuͤhrt ihn ins Leben ein, Sie umflattert den froͤhlichen Knaben, Den Juͤngling bezaubert ihr Zauberſchein, Sie wird mit dem Greis nicht begraben: Denn beſchließt er im Grabe den muͤden Lauf; Noch am Grabe pflanzt er— die Hoffnung auf. Schiller. 1. „Nicht Zeit iſt jetzt zu ſuͤßen Liebestaͤndeleien, nicht Zeit um ſcherzend koſend mit der Braut zu ſchaͤkern; das Vaterland iſt in Gefahr und ruft den Juͤngling und die Jungfrau zu den Waffen, zu kaͤm⸗ pfen mit den Vätern und den Muͤttern fuͤr Freiheit und des väterlichen Heerdes heiliger Staͤtte!“ Sprach die alte Suliotenheldin Moſcho Tſavellina zu zwei jungen Palikaren, die gleichzeitig um die Hand der hochherzigen Kaido, Moſchos Tochter, warben, ſie als Gattin heim zu fuͤhren in der tapfern Vaͤter freien Huͤtte. Zuͤchtig ſchlug die Jungfrau die hehr blickenden dunkelblauen Augen nieder, die mit lieblichem Wohl⸗ gefallen uͤber die ſchoͤnen Zuͤge des edlen Drakos 18 276 leicht geſchweift, und auch der Sohn des Helden Dimos Zerwas verſtummte und ſenkte die Lieder uͤber die ſtrahlenden Sterne, fuͤhlend die Kraft, die ihm die Blicke Kaidos geſpendet und froh belebt im In⸗ nern von der Hoffnung, daß ſie den Vorzug ihm gebe. Doch der andere Bewerber, Pilios Guſſis, voll von leidenſchaſtlichem Feuer fuͤr die Jungfrau, be⸗ gnuͤgte ſich nicht mit dem Ausſpruche der Mutter und entgegnete:„Im ſtetem Kriege mit den Bar⸗ baren haben unſere Vaͤter unſere Muͤtter als Braͤute umarmt, uns gezeugt, erzogen und zu Vertheidigern des Vaterlandes gebildet; das ſchneidende Schwert in das Blut der Feinde getaucht und die toͤdtende Kugel ſicher in ihre Herzen geſendet, und wenn von blutiger Arbeit ſie ſiegreich heim kehrten mit Beute beladen, die Braut, die junge Gattin gekußt, und die Kinder geſpielt mit den noch rauchenden Waffen, ihre Vaͤter ſich nehmend als Vorbild: ſollten wir jetzt ab⸗ weichen von den alten Gebräuchen? Es iſt der ſchoͤnſte Siegeslohn des Mannes, daß das Weib ihn herze, wenn er die Feinde bezwungen, daß ſie ruhe in ſei⸗ nem nervigen Arme der Tod und Verderben geſchleu⸗ dert: es iſt die groͤßte Aufmunterung zur Tapferkeit, wenn das Weib dem Manne umguͤrtet das Schwert und ihn kuͤſſend entlaͤßt mit den Worten: Gehe und ſiege! So haſt Du ſelbſt es gehalten mit Deinen Herrn den tapfern Helden Lampros Tſavellas, der leider ſchon vor mehreren Jahren, aber ruhmbedeckt, enſſchlſ heiiger N 65 das Vat jeht de heran m und zw nen fall warum das kau oder um das Weil Kampf i Wahl de denz de ſich fühl „S Veiſchen terredun dung wa abet in ſteckten, Schwert blikte nete ihn dunkelhr und die Ehrin Helden er übet ie ihn im In ug ihn ſis, voll tau, be⸗ Muttet den Bat⸗ Bräute heidiger Schwert etödtende wenn von nit Beute t, und die zuffen, ihre it jebt cb ber ſchnſt ihn herze⸗ ſhe in ſi en geſchlu⸗ Tayfirkil 3 Schwert Gche und nit Dinen welli der uhnbwe 277 entſchlafen; willſt Du jetzt abweichen von eigener heiliger Sitte?!“ „Noch nie,“ verſetzte die alte Palikarin,„war das Vaterland ſo in Gefahr, wie jetzt es bedroht; zieht doch der uͤbermuͤthige Tyrann von Jannina heran mit unuͤberſehbaren Schaaren es zu erdruͤcken, und zweifelhaft iſt noch der Ausgang; wir alle koͤn⸗ nen fallen im Kampfe oder doch theilweiſe, und warum ſoll dann die Jungfrau den Braͤutigam oder das kaum vermaͤhlte Weib den Gatten betrauern, oder umgekehrt der Braͤutigam die Braut, der Mann das Weib! Laſſen wir frei die Jungfrau bis der Kampf iſt entſchieden und geſtatten ihr dann die Wahl des Wuͤrdigſten, des tapferſten von Euch Bei⸗ den; denn nur zu dieſem kann ihr Herz hingezogen ſich fuͤhlen.“ „So ſei es!“ ſagte ein Fuͤnfter, der vor einem Weilchen ſchon in das Zimmer getreten und die Un⸗ terredung ſtillſchweigend vernommen. Seine Klei⸗ dung war die eines Moͤnches des heiligen Baſil; aber ein breiter Guͤrtel, in welchem zwei Piſtolen ſteckten, und der zugleich als Geheng eines kurzen Schwertes diente, das an ſeiner linken Seite ſcharf blickte, umſchloß das moͤnchiſche Habit und bezeich⸗ nete ihn auch als Krieger. Begeiſtert ſtrahlten die dunkelbraunen Augen unter den langen Wimpern und die ernſten Zuͤge des blaſſen Geſichtes geboten Ehrfurcht, und der volle grauweiße Knebel⸗ und 278 Kinnbart, beide ſich vereinigend, und letzterer bald die Piſtolen beſpielend, zeigten die reifen Jahre des Mannes, und die klangvolle tiefe feſte Stimme bekun⸗ dete die Sicherheit kenntnißreicher, weiſer Erfahrung, und aus der Haltung des ganzen Koͤrpers, der Be⸗ wegungen und Blicke ſprach die kalte Ueberlegung der Seele und tapferſte Unerſchrockenheit in den dro⸗ hendſten Gefahren. Beſcheiden verbeugte ſich Drakos vor dem Naͤ⸗ hertretenden, auch Pilios Guffis neigte ſich vor ihm, doch nicht aus herzlicher Aufrichtigkeit, ſondern in ge⸗ zwungener Etiquette und faſt zweideutigem Blicke, der die innere Stimmung unbedachtſam drohte zu verrathen; wogegen Moſcho und Kaido den kriege⸗ riſchen Moͤnch mit aller Ehrerbietung begruͤßten; dan⸗ kend erwiederte der Moͤnch die Begruͤßung und fuhr dann fort:„Wenn der Tyrann beſiegt und von Suli, Kinughi und Kiapha unbedroht wieder flat⸗ tern der Freiheit heilige Fahnen, reiche die Jungfrau dem Edelſten von Euch die Hand und folge ihm als Gattin ſein Leben wonnig bekraͤnzend; bis dahin ge⸗ leite Euch die Liebe in den Kampf, und der Glaube und die Freiheit, fuͤr die Ihr fechtet, ſtaͤrke Eure Nerven, und die Hoffnung belebe Euch zu erringen den herrlichſten Lohn; kämpfet fuͤr Eure Liebe und fuͤr Euren Glauben, und die Hoffnung wird Euch lͤchelnd umſchweben; denn alle drei ſind eng ver⸗ wandt und heilige Zeichen: die Liebe iſt die Mut⸗ — ter hillig büfe den; Zweif da D ob ei „Beib nn u Unteri dem e bührt. die J grſtat und] Beide nihrt zu ve Eure Bnſ mir jun ds zut 9 jjih er bald hre des ebekun⸗ fehung, der Be⸗ berlegung den dro⸗ dem Ni⸗ vor ihm, em in ge⸗ Blicke, drohte zu den biege⸗ ißten; du⸗ und fuhr und von wiedet fu⸗ eJungfrau ge ihm als dahin ge⸗ der Glaube ſörke Eure zu ertingen e Liebe und wird Euch ſn en v ſi de Vut⸗ 279 ter des Glaubens und die Hoffnung des Glaubens Tochter!“ „Wir muͤſſen uns Deinem Ausſpruche fuͤgen heiliger Vater,“ nahm Pilios Guſſis das Wort,„und duͤrfen dem ehrwuͤrdigen Moſcho entgegen nicht han⸗ deln; aber es will mich beduͤnken, als ſetzteſt Du Zweifel in unſerer Tapferkeit und unſerm Edelmuth, da Du dem Edelſten die Jungfrau verſprichſt: als ob einer unwuͤrdig ſich zeigen muͤſſe.“. „Nicht ſo, mein Sohn,“ verſetzte der Moͤnch; „Beide koͤnnt Ihr Euch als edel und tapfer bewaͤh⸗ ren, und dies ſetze ich ſogar von Euch voraus; allein unter den edelſten Maͤnnern iſt einer immer der Edelſte, dem auch mit vollem Rechte dann der Vorzug ge⸗ buͤhrt. Ueber dem kann nur beſitzen einer von Euch die Jungfrau als Gattin, und da die freie Wahl ihr geſtattet, kommt die Liebe hier noch mit ins Spiel und hat die entſcheidende Stimme, ſelbſt wenn Ihr Beide Euch als die tapferſten, edelſten Helden be⸗ währtet. Suchet daher Eure Kraͤfte und Tugenden zu vereinen und machet Euch angenehm dem Ziele Eurer Wuͤnſche; doch verſchließt vor dem Neide die Bruſt, wenn das Herz Kaidos entſchieden. Gebt mir Eure Hände, Euch als Kampfgenoſſen, als Freunde zu lieben, wem auch treffe die Wahl! Denn das Herz des edlen Weibes laͤßt ſich nicht zwingen zur Liebe; es neigt ſich nur hin zu dem, der es an⸗ zuziehen verſteht, wie die Sonne die Kryſtallper⸗ 280 len des Thaues und jede unreine Leidenſchaft iſt ihm fremd.“ Die jungen Palikaren reichten dem Moͤnche die Rechte und dieſer ſegnete, die Haͤnde zuſammen fuͤ⸗ gend, den Bund. Dann begann er wieder:„Schon morgen iſt Euch vergoͤnnt, Eure Stirn mit dem Lor⸗ beer zu zieren und den Ruhm Eurer Waffen zu be⸗ gruͤnden. Der Tyrann ruͤckt heran mit ſeinen Soͤld⸗ lingen, und der neue Polemarch iſt nicht geſonnen, ſich blos auf Vertheidigung unſerer Felſen zu be⸗ ſchraͤnken: kuͤhn wird er dem uͤbermuͤthigen Feind ent⸗ gegen gehen und Furcht und Verwirrung in ſeine Schaaren jagen.“ „Wer iſt zum Polemarchen erwählt, heiliger Vater?“ fragte Moſcho, und der Moͤnch entgegnete wie gluͤckwuͤnſchend der alten Heldin:„Dir zur Ehre, Dein Sohn, Photos Tſavellas. Der Senat hat ihm die Leitung des Ganzen uͤbertragen.“— Entzuckt ſtrahlten die Augen der Mutter, und Kaido und Drakos riefen freudig:„Photos iſt Po⸗ lemarch! Jetzt glaͤnzt uns die Hoffnung des Sie⸗ ges!“ waͤhrend Pilios Guſſis gedehnt fragte, als habe er die Worte des Moͤnches nicht richtig verſtan⸗ den und nur halb traͤumend gehoͤrt:„Photos iſt Polemarch 21“ „So ſagte ich,“ verſetzte der Alte,„und wohl den Sulioten, daß ſie ſeine Tugenden und den hel⸗ demit hie L Latet, hen B Nönch nur und d worde Leitun zur S „ ſicht n wenn iſt zu Eintr chen, Freun Pyrte dnh Oben armu der 1 Hand Phor Pufe dh 1 enſchtſt iſ Nönce di mmen fü⸗ t„Schon it den Lor⸗ fen zu be⸗ inen Söld⸗ geſonnen, ſen zu be⸗ ßeind ent⸗ gin ſeine t, heiliger entgegnete t zur Ehr, t hat ih utlet, und os iſt Po⸗ des Sie⸗ ragte, als tig vetſan⸗ Phons iſ und wohl d den hel⸗ 281 denmuͤthigen Geiſt erkannten, das Erbe von ſeinem hochherzigen Vater!“ „Das ich ebenfalls wuͤrdig erkenne, heiliger Vater,“ ſprach Pilios Guſſis, wie entſchuldigend den Blick ſenkend, als koͤnne er den ſcharfen des Moͤnches nicht ertragen, womit ihn dieſer firirte, „nur wunderte ich mich, daß man Dich uͤbergangen, und der ehrbare Dimos Zerwas nicht beruckſichtiget worden, falls Du ausgeſchlagen haͤtteſt die obere Leitung. Sonſt wuͤßte ich nicht, wen ich Photos zur Seite vermoͤchte zu ſetzen.“ „Was der Senat beſchließt, darf den Juͤngling nicht wundern,“ entgegnete der Moͤnch faſt ſtreng, „wenn er auch vielleicht bald als Haupt ſeiner Phara iſt zu betrachten.“— Die Thuͤr des Zimmers öffnete ſich und der Eintritt des Herrn des Hauſes, des neuen Polemar⸗ chen, Photos Tſavellas, nebſt ſeinem vaͤterlichen Freunde, des greiſen Dimos Zerwas, hemmte die Worte des Moͤnches. Moſcho und Kaido begruͤßten den kaum funf und zwanzig Sommer zuruck gelegten Oberanfuͤhrer der Sulioten mit der herzlichſten Um⸗ armung, geehrt den jungen Helden, Sohn und Bru⸗ der nennen zu koͤnnen; auch Drakos reichte ihm die Hand voll zuverſichtlicher Hoffnung auf die Talente Photos, und Pilios Guſſis folgte dem Beiſpiele des Waffengefaͤhrten, wenn ſchon voll innern Neides, doch äußerlich heuchelnder Freude. 282 „Als Haupt Deiner Phara,“ begann Drakos ſodann zu Photos gewandt,„bin ich Dir Rechen⸗ ſchaft ſchuldig, weshalb ich mich hier bei den Frauen mit Pilios Guſſis befinde, waͤhrend Du Dich be⸗ riethſt mit den Aelteſten des Volkes uͤber des Vater⸗ landes Vertheidigung und das Vertrauen des Se⸗ nates auf Dich, Dich zum Polemarchen ernannte, und auch des Vaters fragendem Blicke muß ich ge⸗ nügen. Und ſo vernehmt. Vom Freunde erfuhr ich, vaß Pilios Guſſis in Dein Haus eile, um Kaido, Deine Schweſter, zu werben; ich aber liebe Kaido ebenfalls ſchon lange, ohne den Muth gehabt zu ha⸗ ben, die Wuͤnſche des Herzens zu verrathen, weil mir die Jungfrau ſtets zu erhaben erſchien, einen Jüng⸗ ling als Weib ſich geben zu koͤnnen; doch da Pilios Guſſis Anſtand nicht nahm ſie zu begehren, glaubte ich gleiche Rechte mit ihm beanſpruchen zu duͤrfen, und um keine Zeit zu verſaͤumen, folgte ich ihm ſchnell, auch meine Wuͤnſche der Mutter und Jungfrau zu entdecken, ehe ich noch vermochte Dir und dem Va⸗ ter davon Kenntniß zu geben. Und ich hege die Hoffnung, daß der Vater nichts gegen meine Wahl, wenn ich mich auch fuͤr jetzt willig dem Ausſpruche Moſchos und des heiligen Vaters unterwerfe.“ „Mir ward die Genehmigung zu dieſer Verbin⸗ dung vom altem Vater ſchon ertheilt,“ ſprach Pilios Guſſis,„aber auch ich muß mich einſtweilen mit den genfi ſi ſi 5 Nönch on de der N Zerwa ſtellten gerrof fihtte Elch Ihr e ſpruch ſich d ntzi nich hunde ſtolzen Uſere auch Drak uſſ zu ne lent Niin n Drakos r Rechen⸗ n Frauen Dich be⸗ Poter⸗ etnnnte, uß ich ge⸗ erfuhr ich, um Kaido, be Kaido bt zu ha⸗ „weil mir nen Jing⸗ da Pilos n, glaubte zu dürſen, hn ſchnel noftnu zu dem Po⸗ hege die ine Wehl Ausſpuche rfe“ tuch Jibs en ni den 283 getroffenen Anordnungen begnuͤgen, wenn Photos nicht ſollte ſofort anders entſcheiden.“ Fragend blickte der junge Polemarch auf den Moͤnch und die Mutter, und letztere unterrichtete ihn von dem bereits ausgeſprochenen Entſchluß, waͤhrend der Moͤnch mit Kaido heimlich ſprach, und Dimos Zerwas nach Moſchos erfolgter Rede, unter den ge⸗ ſtellten Bedingungen, dem Sohne ſeinen Segen zur getroffenen Wahl ertheilte. „Auch ich,“ ſagte Photos hierauf,„Waffenge⸗ faͤhrten, kann nicht anders entſcheiden; keinem von Euch will wehe ich thun, darum bleibe es ſo wie Ihr es vernommen; laßt der Schweſter den Aus⸗ ſpruch, wenn der Feind glucklich vertrieben, ohne daß ſich dann Neid und Groll und Haß in Eure Buſen entzuͤnde. Eben ſo ſtelle ich es Euch frei, ob Ihr mich morgen wuͤnſcht zu begleiten und zu den zwei hundert Palikaren wollt treten, mit denen ich dem ſtolzen Aly entgegen zu gehen denke, ihm den Muth unſerer Männer und die Schaͤrfe unſerer Schwerter auch außerhalb des Gebirges fuͤhlen zu laſſen.“ „Ich bitte um die Erlaubniß hierzu,“ verſetzte Drakos beſcheiden.„Und auch ich,“ bemerkte Pilios Guſſis keck,„werde nicht ſäumen, Theil an dem Zuge zu nehmen und werde noch mehr Juͤnglinge geſtel⸗ len von meiner Phara.“ „Bis jetzt ſitzt noch Dein Vater im Senate, Pilios,“ entgegnete Photos unzufrieden mit dem Blaͤ⸗ 284 hen des Kecken,„und wenn auch alt und ſchwach und nicht voͤllig und raſch mehr bei Kraͤften, hat er doch ſchon die noͤthigen Befehle an ſeine Phara er⸗ theilt; es iſt daher nicht erforderlich, daß Du einen Aufruf erlaͤßt! Geſtelle Dich ſelbſt nur, wenn Du willſt, dies wird fuͤr morgen gnuͤgen.“ „Wie Dir es genehm iſt, Polemarch!“ erwie⸗ derte Pilios Guſſis mit verbiſſenem Ingrimm. Ein Bote ſchritt ein und richtete ſich auf den Moͤnch; dieſer wieß ihn an Photos, und nachdem er ſeinen Vortrag gehalten, traten Dimos Zerwas, Moſcho, der Moͤnch und der junge Polemarch zuſam⸗ men ſich zu berathen, und der Bote nahm ſeine Entlaſſung. „Wir waͤren nun bis auf Weiteres abgefertiget, Drakos,“ begann Pilios Guſſis zu dieſen,„und muͤſſen Beide jetzt dem Gluͤcke froͤhnen, damit es ſich guͤnſtig uns zeige. Das Opfer des Einen iſt ver⸗ gebliche Muͤhe; doch laſſen wir uns ſie nicht ver⸗ drießen, der Preiß iſt zu hoch und zu ſchoͤn, um nicht danach ſehnend aufopfernd zu ſtreben.“ Und indem er ſich an Kaido wandte, ſprach er fort:„Sollteſt Du uns nicht bis dahin ein Wörtchen mitzugeben haben in den Kampf: Ein ſolcher Talisman begei⸗ ſtert die Seele des Juͤnglings und ſtärkt den Arm zu ruhmwuͤrdigen Thaten.“ Die dunkeln Sterne der hehren Augen Kaidos hefteten ſich auf die jungen Palikaren und lieblich ſpuh Pf gwihn onn 6 Norge lioten, fanden chen, u ſuls ſi Yhotos ſtudig ſihter Pharg fiſer zweck juuf bichn Ordn tes vo lin, d ſung L ſch. ſehen 285 ſchwach ſprach ſie zu ihnen:„Ihr ſelbſt beſtimmt mir die hot e Wahl; noch darf ich keinem von Euch den Vorzug ha en gewähren; das Weib entſcheidet nur ſtets wie der u inen Mann es verdient— ſieget und hoffet!“— enn du etwie⸗ m. Glaͤnzend ſtieg die Sonne des Juni auf am h auf den Morgen des folgenden Tages. Die freiwilligen Su⸗ ſchdem et lioten, die den Feind entgegen zu gehen beſchloſſen, Zetwas, ſtanden voͤllig geruͤſtet vor dem Hauſe des Polemar⸗ ch zuſan⸗ chen, und es hatten Drakos und Pilios Guſſis eben⸗ ahn ſeine falls ſich einzufinden nicht geſaͤumt.— Jetzt trat Photos in Begleitung des Prieſters hinaus; mit tgefuig, freudigem Jubel empfingen die Palikaren den An⸗ ſen,„und fuͤhrer und ordneten ſich dann in Reihen nach ihren danit es Pharas. Eine kurze Anrede, vom Polemarchen mit nn it ve⸗ feſter kuͤhner Stimme geſprochen, verfehlte nicht ihren nicht vet⸗ Zweck und belebte noch mehr die munteren Krieger; in niht bierauf ſegnete der Moͤnch die kleine Schaar, die mit und indem vielen Tauſenden kaäͤmpfen bald ſollte, und in beſter eolut Ordnung zogen die Maͤnner darauf im Namen Got⸗ nitjugeben— von dannen, nur wenige an Zahl, aber ein Haͤuf⸗ nnbeg lein, das von dem Muthe beſeelt und von der Hoff⸗ t dn um nung des Sieges begleitet wurde. Vergebens hatten Pilios Guſſis und Drakos * gid nach Kaido geſpaͤht, ſie ließ ſich aus Abſicht nicht und leblih ſehen, aber der Moͤnch war zu Drakos herangetreten und ſprach zu ihm leiſe:„Sei tapfer, mein Sohn, wie es dem Manne gebuͤhrt, den das Vaterland ruft ſeine Pflicht zu erfullen und auf deſſen Kräfte ſeine Väter vertrauen, deſſen Name als Held in Tugend dereinſt der Nachwelt ſoll glaͤnzen; allein es fuͤhre Dich der kalte Muth, nicht tollkuͤhne Hitze, damit Du ſiegend zuruͤck kehrſt und unſere Hoffnung ſich freudig erfulle, nicht aber die Thraͤnen des Schmerzes in die Augen uns treten. Es giebt Herzen, die ſtark und unerſchrocken ſich zeigen im Kampfe, aber zart und zerbrechlich nur ſind in der Liebe.“— Der Buſen des jungen Kriegers ſchlug hoͤrbar; er wollte dankend die liebreichen Worte des ehrwuͤr⸗ digen Prieſters erwiedern, aber das Commando zum Abmarſche erſcholl und immer puͤnktlich ſich zeigend und gehorſam ſeinen Obern, trat er in ſeine Rotte, ehe er noch eine Antwort von den Lippen entfließen zu laſſen vermochte; allein ſeine Blicke ſagten dem Moͤnche die Gefuͤhle des edlen Herzens und baten ihn der zu danken, die zart ſeiner gedenke. Wer konnte es anders ſein als Kaido, die er anbetete, aber die eben deshalb je hoͤher ſeine Verehrung ſich ſtei⸗ gerte, zu erhaben ihm gedaͤucht, daß er ſelbſt nicht gewagt ſeine Liebe zu ihr ſich zu geſtehen. Jetzt hatte die Noth das Siegel des Herzens gelöſt und der Beſcheidene taumelte in der wonnevollen Hoff⸗ nung wieder geliebt zu werden von der angebeteten Geliebten, der Zierde des Volkes, der geprieſenen Hel⸗ — diy i znſe in wi heil dem Freihei Jüngl Thate ſiſch Lhum ihre B Stimn hen, det T zen, ſlhſ ten, echebe ws ſi ſen“ ſie ſi der 1 hinter gber; Ha! Geli hen Sohn, and nit ſte ſeine Tugend es fühte de, damit fnung ſich Schnerzes n, die ſark aber zart g horbar; chrwuͤr⸗ mordo zum ſich xigend ſeine Rolte, nentfließen ſagten den und baten enke. Wet betete, abet ng ſich ſte ſelbſt icht chen. Jett gelſ und volen Hyf⸗ angebetten iſeen h 287 din, die das Schwert ſchon gefuͤhrt ruhmwuͤrdig als zarteſte Jungfrau, faſt Kind noch, gegen die Barba⸗ ren, wie dieſe fruͤher bedroht des geliebten Vaterlan⸗ des heilige Berge. In entzuckter Begeiſterung marſchirte Drakos dem Feinde entgegen, die Waoffengefaͤhrten ſangen Freiheitslieder, daß die Berge weit hallten und der Juͤngling gluhte, ſeine Waffen zu ſchwingen und mit Thaten zu ſchmuͤcken; der felſige Pfad ſchien ſich ela⸗ ſtiſch unter ſeinen Sohlen zu heben und vor jedem Thurme, den die Sulioten erbaut an den Engpäſſen, ihre Berge zu ſchutzen, fluͤſterte ihm melodiſch eine Stimme in ſchwebenden Toͤnen:„Hier wird ſie ſte⸗ hen, fuͤr Dich zittern, wenn die blinkenden Saͤbel der Tuͤrken uͤber Dir blitzen und Beifall Dir jauch⸗ zen, wenn Du zerſtreuſt die Rotte und fliegend ver⸗ folgſt mit ſchneidendem Schwerte die feigen Barba⸗ ren, und dankend ihre weißen Haͤnde zum Himmel erheben, kehrſt Du liebend zuruck und des Vertrauens, was ſie auf Dich geſetzt, Dich haſt wuͤrdig bewie⸗ ſen.“— Eine unendliche Stimmung iſt dies, wenn ſie ſich des Buſens des Juͤnglings bemeiſtert; vorn der lockende Ruhm unter Tod und Verderben und hinter ſich die zärtliche Liebe bangend und zitternd, aber nur zu erringen durch heldenmuͤthige Thaten. Ha! wem ſie noch laͤchelt die Hoffnung im Arme der Geliebten, am Buſen der Theuern, die Liebe ſchwel⸗ gend zu trinken, wen ſie noch leitet im Glauben, daß ſie, die Einzige, des Juͤnglings liebend gedenke und ſeufzend fur ihn bebe liſt er gezogen in morden⸗ der Schlacht: den durchwehet ſie heilig und groß; ihm däucht es nur klein den Himmel fuͤr den Preis zu erſtuͤrmen.— Nicht ſo befand ſich Pilios Guſſis. Weniger von der Natur bevorzugt an Schoͤnheit wie Dra⸗ kos, war ihm auch deſſen edle tapfre Seele nicht eigen; Mißtrauen und Furcht und rachſuͤchtig, aber auch großprahleriſchen Raiſonnements und Eigenduͤn⸗ kel waren die Haupzuͤge ſeines Charakters. Ohne höhere Liebe, brannte er nur in leidenſchaftlicher Gluth nach Kaidos Beſitz, dem braungelockten Maͤdchen aus aller Fuͤlle weiblicher Reize gegoſſen und erha⸗ benen Herzens, als waͤre Eythere und Pallas zu ei⸗ ner Form verſchmolzen und den Grazien das reg⸗ ſame Leben entlehnt.— Es war daher nicht hoffnungsvolle Zuverſicht, womit Pilios Guſſis in den Kampf zog, nur die Noth fuͤhrte ihn von der Leidenſchaft getrieben, und der Groll gegen Drakos begleitete ihn, daß dieſer gleiche Anſpruͤche an Kaido gewagt. Die Palikaren traten jetzt aus den Schluchten ihrer heimathlichen Berge und marſchirten auf der Straße gen Jannina. Von hier kam der feige Wu⸗ therig, Aly Paſcha, mit vielen Tauſenden ſeiner Soͤld⸗ linge gezogen, den alten Haß gegen die Sulioten zu zuhlen, der dieſe tapfern Bergbewohner durch ihren Mh ſicht Niten 6eld u geopfet net w betwi nußte nina. ſurchth glaubte Fucht ſen, de dert ke 6 emfa er ho und und hi in wie pittin ſchb nach hinde in R un he een IMI. id gedenke n morden⸗ groß; ihm Preis zu Weriger nie Du⸗ Serle nicht chtig, aber kEigendin⸗ ts. Ohne cher Gluth Midchen und erhe⸗ llas zu i⸗ n das reg⸗ Zuwuſcht, mr die ieben, und doß dieſer Schluchten ten auf der n fügt Vi⸗ ſiner Sil⸗ Sulioen zu. durh ihrn 289 Muth auf ſich gezogen. Vergeblich hatte er oft ſchon verſucht, der Kuͤhnen Republik zu zerſtoren, die dieſe in Mitten der tuͤrkiſchen Tyrannei ſich geſchaffen und viel Geld und Krieger hatte der Paſcha ſchon an Suli geopfert; aber ſeine Rache konnte er nie froͤhnen, im⸗ mer wurde er mit bedeutendem Verluſte von den un⸗ uͤberwindlichen Sulioten geſchlagen und beſchaͤmt mußte er ſtets fliehen nach ſeinem Raubneſte Jan⸗ nina. Doch jetzt hatte er ein ganzes Jahr lang eine furchtbare Armee geſammelt und ſie ſelbſt anfuͤhrend, glaubte er diesmal ſeinen Zweck zu erreichen und Furcht und Schrecken uͤber die Sulioten zu verbrei⸗ ten, deren groͤßte Streitkraft nur aus funfzehnhun⸗ dert kampffaͤhigen Maͤnnern beſtand. Sobald der Polemarch ſich den Tuͤrken nach den empfangenen Kundſchaften nahe genug glaubte, ließ er halten. Die Geſaͤnge der Palikaren verſtummten und jeder beſchaͤftigte ſich mit den Waoffen ſie ſchuß⸗ und hiebfertig zu halten. Dann theilte er die Schaar in vier Zuͤge, je zu funfzig Mann und ließ den Ca⸗ pitain Mitokokalis, Pilios Guſſis und Drakos zu ſich beſcheiden. „Hoͤrt meinen Plan!“ begannder junge Pole⸗ march:„bald muͤſſen ſich uns die erſten Colonnen der Feinde nun zeigen und ein kuhner Angriff von uns muß in Verwirrung und Schrecken ſie ſetzen. Ihn auszufuͤh⸗ ren habe ich vier Zuge formirt, wovon Drakos mit dem hier auf der Straße vorſchreitet und die Turken 19 290 in der Front angreift, waͤhrend Mitokokalis und ich, jeder mit einem Zug in die Flanken uns werfen und Pilios Guſſis mit den letzten funfzig Maͤnnern den Ruͤckzug deckt oder dort hineilt zur Unterſtuͤtzung, wo Hilfe von Noͤthen. Lange wird Drakos nicht koͤnnen auf der Straße verweilen, doch es kommt nur darauf an, des Feindes Spitze mit kecker Entſchloſſenheit ha⸗ ſtig zu werfen und zuruͤck zu draͤngen, ehe ſie noch an Widerſtand denken und drohend in Schach das fernere Vordringen zu halten, waͤhrend wir in die Flanken den Tod ſenden aus unſeren Büchſen und und ſo die Soͤldner klaͤglich entmuthigen.“ „Ich will Dir keine Vorſchrift machen, Pole⸗ march,“ bemerkte Pilios Guſſis innerlich ſehr zu frie⸗ den mit dem ihm zugefallenen Commando, aber doch fur nothig baltend, den Plan des Anfuͤhrers äußerlich zu widerſprechen, um leuchtend ſeine Tapferkeit her⸗ vor zu ſtellen;„nur bitte ich Dich zu erklaͤren, daß ich durch Deine Anordnung im Muthe gegen Drakos zuruͤck geſetzt nicht erſcheine; denn waͤhrend er fech⸗ tet werde ich den Feind in der Ferne zu beobachten nur haben.“ „Scheint es Dir, daß Drakos einen Vorzug genießt,“ entgegnete der Polemarch,„mag das Loos zwiſchen Euch beiden entſcheiden; meine Abſicht war es nicht, Dich zuruͤckſetzen zu wollen. Hier ziehe die Halmen, der Laͤngſte beſtimmt den Vormarſch!“ „Du haſt Dlch bereits entſchieden, Polemarch,“ erſti nm 10 es fuben. 6 Euch Guſſis ſcheidu 3 Hand Zün Bide det An getrau genblic lonne hefohle bo, w Be, os h benbu 3 zu it de Undn iitgeg ne. is und ich werfen und innern den ütung wo nicht konen nur darauf oſſenheit ha⸗ ehe ſie noch Schach das wir in die üchſen und chen, Pole⸗ ſeht zu ſtie⸗ o, aber doch erö äußerlich pferkeit he⸗ tklrn daß egen Otakos end e fech⸗ beobachten inen Lorzu ag dis Loos Abſcht wu in jiehe di nurſch!“ ylenanh⸗ 291 verſetzte Drakos, der mit Freude den Ausſpruch ver⸗ nommen, als erſter glaͤnzen zu koͤnnen im Kampfe, und es will uns wohl nicht geziemen dagegen zu ſtreben.“— „Ihr ſollt mich keiner Partheilichkeit zwiſchen Euch beſchuldigen; es entſcheide das Loos; Pilios Guſſis mag waͤhlen und Drakos wird mit der Ent⸗ ſcheidung zufrieden ſich ſtellen.“ Zoͤgernd zog Pilios Guſſis den Halm aus der Hand des Polemarchen; es war der längere, und die Juͤnglinge mußten die Commandos vertauſchen, Beide mit ſchwerem Herzen, der Eine aus Furcht, der Andere aus Beſorgniß, ſich nun nicht, wie ſchon getraͤumt, auszeichnen zu können.— In dieſem Au— genblick gewahrte man auch die heranruͤckenden Co⸗ lonnen der Tuͤrken: die Palikaren ordneten ſich wie befohlen und Pilios Guſſis ruͤckte mit ſeinem Zuge vor, waͤhrend Photos und Mitokokalis abbrachen vom Wege, dem Feind in die Flanken zu fallen, und Dra⸗ kos betrubt halten blieb mit ſeinen Leuten, dem Ne⸗ benbuhler von Ferne dann folgend.— Die Tuͤrken ſtutzten, eine bewaffnete Macht vor ſich zu ſehen; Furcht und Schrecken glaubten ſie un⸗ ter den Sulioten durch ihr Anrucken zu verbreiten, und nun trat ihnen plotzlich keck ein Haͤaͤflein Krieger entgegen, der furchtbaren Aymee den Weg zu hem⸗ men. Schnell faßte ſich indeß der Anfuͤhrer der erſten 19* 292 tuͤrkiſchen Colonne, und Pilios Guſſis, der nur mit ſei⸗ nem Aerger ſich beſchaftiget, nicht lieber ſtill geſchwiegen zu haben und entbehrend jedes entſchloſſenen kalten Muthes, ließ das erſte Staunen der Turken entflie⸗ gen und griff erſt an, nachdem ſie ſich ſchon zum Wi⸗ derſtand gegenuͤber geſtellt. Dennoch eroͤffneten die Sulioten ein lebhaftes Feuer; aber immer ſtärker und dichter drangen die Tuͤrken heran, und ehe Pilios Guſſis noch Zeit gewann, einen ungeſtuͤmen Angriff zu wagen, waren ſchon ſeine Palikaren zerſprengt und konnten ſich, einzeln vertheidigend, kaum noch zu⸗ ruͤck ziehen. Jetzt erſchien auch Photos und Mitoko⸗ kalis in den Flanken des tuͤrkiſchen Heeres; allein ſie waren bereits uͤberflugelt und konnten nicht wir⸗ ken, und mußten nur bedacht ſein, den eigenen Ruͤck⸗ zug zu decken.— Mit den Augen des Falken hatte jedoch Drakos des Nebenbuhlers Manoͤver begleitet und deſſen Fehler erkannt; wie der Sturm flog er herbei mit ſeinen Kriegern, nahm die bereits fluͤchti⸗ gen Sulioten auf und warf ſich mit des Blitzes Schnelle und des Orkanes Gewalt brauſend auf die Turken. Angefeuert durch des Juͤnglins Beiſpiel und in eigener Gluth hauten die Palikaren nun ein, jeder Hieb endete ein Leben und jeder Schuß gab einen Tobten; die Muſelmaͤnner geriethen in Ver⸗ wirrung, wichen, und nun auch von Photos und Mitokokalis Leuten im Ruͤcken beſchoſſen ſturzten ſich die Colonnen zuruͤck und riſſen fliehend mit ſich fort in mi un Z zl tre ließ e den Endl ricke lioten Glanz undr katen eeic ſeine Man gunſt ſigel wyrd auße moch mn ſrin wiſſ ſine linu nur mit ſil⸗ geſchwiegen enen kalten icken entſlie⸗ on ze Wi⸗ töfneten die t ſtärket und ehe Pilios men Angif n zerſprengt um noch zu⸗ nd Nitoko⸗ etes; allein n nicht wit⸗ igenen ic⸗ Falken hotte övet begleitt turm ſoh er enits ſlicht⸗ des Blitzes ſend auf di ins Beiſill nen mn ein, 1Echß gob hen in Ven Photo um ſüntn ſih nit ſch fort 293 in wildem Raſen, was ihnen begegnete, bis die Su⸗ lioten ſie nicht mehr toͤdtend verfolgten. 3. Der ſtolze Paſcha glaubte ſeinen Augen nicht zu trauen, wie er die Fluͤchtigen erblickte. So fort ließ er die hintern Colonnen aufmarſchiren und drohte den mit der Kugel, der an die Flucht noch gedenke. Endlich brachte er ſeine Armee wieder zum Stehen und ruͤckte abermals vorwaͤrts, das kuͤhne Haͤuflein Su⸗ lioten zu zerſchmettern; aber nur noch erblickte er den Glanz ihrer Waffen in der Abendſonne hell leuchtend, und mußte ſehen, wie mit Beute bepackt die Pali⸗ karen jubelnd zogen nach ihren Bergen, ohne daß er erreichen ſie konnte durch ſeine Geſchuͤtze. Schmaͤhend ſeinen feigen Soͤldlingen entwarf Aly doch gleich den Plan des Angriffes; alles ſchien ſich fuͤr ihn noch gunſtig zu geſtalten, das Terrain erlaubte eine Ueber⸗ flügelung der Sulioten, wenn ſie ſchnell ausgefuͤhrt wurde, ſo daß er Photos mit ſeinen Kriegern noch außerhalb der Engpaͤſſe von dieſen abzuſchneiden ver⸗ mochte, und die Gebirge waren zugaͤnglicher als je; man konnte Hoͤhen in den Schluchten der Wald⸗ ſtrome erſteigen, denn die große Hitze hatte die Ge⸗ waͤſſer ausgetrocknet und die Sulioten konnten nach ſeiner Meinung an den vielen jetzt zugaͤnglichen Stel⸗ len unmoͤglich ſeiner funfzehnfach ſtaͤrkern Armee wi⸗ 294 lioten; ihte Unſn Gie Unn derſtehen. Schnell ſandte er daher den Aga von Paramythia nach den Hoͤhen von Britſakha, und ein ſtarkes Corps ſeiner beſten Truppen ſollte das Dorf 3 hgeden Syſtruni nehmen und den erſtern dann folgen, waͤh⸗ v 4 nit z 1 rend er am folgenden Tage mit ihnen gemeinſchaft⸗ nit„ ſieder zu lich gegen Suli ſich richten und den Hauptort der wackern Bergbewohner erſtuͤrmend vernichten wollte. Aber die nach Britſakha abgeordneten zehntauſend behnen. get, lüͤcht Albaneſen kamen dem Befehle nicht nach und nah⸗ ſptengt, u men, da die Dunkelheit ſie uͤberfiel, in Syſtruni Nacht⸗ der Fende quartier, in der Hoffnung, auf ihre Staͤrke trotzend, tijult be morgen noch zeitig genug den erhaltenen Befehl aus⸗ berorbnc fuͤhren zu koͤnnen.— hebot noch Dem ſcharfen Blicke des jungen Polemarchen waren ſie war dies Manoͤver nicht entgangen, und von der cher und! Dunkelheit der Nacht beſchuͤtzt marſchirte er ebenfalls Ein pani mit ſeinen Palikaren nach Syſtruni, ſich unweit des von allen Dorfes legend in einen Hinterhalt und genau beobach⸗ krachendd tend das Heer der Tuͤrken. Reihen, ke Der Morgen roͤthete die Berge; die Albaneſen⸗ gen; die 2 brachen auf, weit entfernt an die Naͤhe der Sulioten jcder pacht zu denken und wollten ihren Marſch fortſetzen. Ploͤtz⸗ und in de lich trat ihnen Mitokokalis mit wenigen Palikaren der Richt 3 entgegen, ſie neckend beſchießend. Die Tuͤrken erſtaun⸗ Nenge bo 1 ten wieder beim Anblick der kuͤhnen Krieger, aber ten das G bald laͤchelten ſie veraͤchtlich uͤber die kleine Anzahl Sig derſelben, die verſuchen wollte den Marſch ihrer Maſ⸗ mun zuru 13 ſen zu hemmen. Doch immer kecker wurden die Su⸗ jubelnder on d ein Dorf waͤh⸗ chaft⸗ t der vollte. uſend nah⸗ Nacht⸗ zend, aus⸗ achen n det enfalls it des obuch⸗ meſen oten Pöt⸗ likaren ſtaun⸗ „abet Amohl Naſ⸗ ie Su⸗ 295 lioten; ihre Kugeln flogen toͤdtend in die Reihen der Albaneſen und jeder Schuß ſtreckte einen Tuͤrken zur Erde. Unwillig daruͤber und der geſtrigen Schmach noch gedenkend, ruͤckte endlich Muſtapha Zyguris mit zweihundert Kriegern ſtuͤrmiſch vor, die Kecken nieder zu ſaͤbeln, und dem Heere den Weg blutig zu bahnen. Jetzt widerſtanden die Sulioten nicht laͤn⸗ ger, fluͤchtig zogen ſie ſich zuruͤck, wie einzeln zer⸗ ſprengt, und allmaͤhlich folgte ihnen die ganze Maſſe der Feinde. Allein kaum hatten die letzten den Hin⸗ terhalt betreten, gab Photos ſeinen Palikaren zum Hervorbrechen das Zeichen, ſchoß Zyguris nieder, und bevor noch die Tuͤrken wußten wie ihnen geſchah, waren ſie umringt und wurden von den durch Straͤu⸗ cher und Felſen gedeckten Sulioten lebhaft beſchoſſen. Ein paniſcher Schrecken ergriff die Muſelmaͤnner; von allen Seiten bedroht und vorn und im Ruͤcken krachend die Buͤchſen und einſchlagend das Blei in ihre Reihen, konnten ſie ſelbſt ſich nicht einmal vertheidi⸗ gen; die Verwirrung unter ihnen ward immer groͤßer, jeder pachte nur an die Erhaltung des eigenen Lebens, und in der ſchrecklichſten Unordnung flohen ſie feig in der Richtung von Britſakha mit Zuruͤcklaſſung einer Menge von Todten und uͤberließen den kuͤhnen Palika⸗ ren das Schlachtfeld mit Leichen und Beute bedeckt.— Siegeslieder anſtimmend zogen die Sulioten ſich nun zuruͤck in ihre geliebten heimathlichen Berge, voll jubelnder Freude, den uͤbermuͤthigen Feind ſo ent⸗ 2906 ſdieden geſchlagen zu haben und die Hoffnung im Herzen, daß ihnen auch ferner lächle der Sieg, und lobend und anerkennend die weiſe tapfere Fuͤhrung ihres jungen heldenmuͤthigen Polemarchen. Nur Pilios Guſſis ging ſtill in ſich gekehrt hinter dem Zuge und ſchien keinen Antheil an der allgemeinen Freude zu nehmen; denn obgleich ihm der Polemarch kei⸗ nen Vorwurf wegen ſeines mißlungenen Angriffes am geſtrigen Tage gemacht, war ihm aber auch kein Lob er⸗ theilt worden, welches Drakos von ſeinen Landsleuten reichlich geerntet.— Mit welcher Hoffnung ſollte er jetzt mit Drakos in die Schranken vor Kaido treten; er, der nichts Beſonderes gethan und nur mit dem Strome fortgeriſſen gekaͤmpft wie jeder der ubrigen Waffen⸗ gefaͤhrten, und dies nicht einmal aus wahrem Muthe, ſondern aus Verzweiflung und um dem Spott zu entgehen, als Feiger ausgezeichnet zu werden. Dies ſagte ihm die innere richtende Stimme und umdu⸗ ſterte dadurch ſeine Seele mit argem Neid und Haß gegen den edlen kuhnen Drakos und die Leidenſchaft fuͤr Kaido fachte die Flamme. Es iſt gemeiner Men⸗ ſchen Art, dem Wuͤrdigen zu grollen, da ſie zu ſchlecht ſind ſich zu ihnen zu erheben und wenn ſie ein glei— ches Ziel mit denſelben vorgeſteckt ſich haben, bruͤten ſie nur auf der Edlen Untergang und Verderben, um dann durch Liſt ihre Wuͤnſche und Hoffnungen zu kroͤnen. Drakos dagegen ſchwebte gluͤcklich im Bewußt⸗ ſein ſeines Werthes freudig und hoffnungsvoll der Himt Vifen u r erſen ds Gebir Nönch tr Infomml nahnte ſi gen. Di ihnen zut die Ktieg empfange die Bruſt beglückt du Paters. hörte er ſi meiſte Ru den ſollte Lochter d las. Pho alem Vol donn die den Schl eines Kön chen Kran beln der iett mit n Tayferket enes Pid im und ſter nen kei⸗ am et⸗ uten 297 Heimath entgegen, reichlich behangen mit erbeuteten Waffen und tragend den eroberten halben Mond ſei⸗ ner erſten Tapferkeit Zeuge.— Der naͤchſte Thurm des Gebirges war jetzt erreicht und der kriegeriſche Moͤnch trat den Siegern entgegen und belobte die Anköͤmmlinge mit enthuſiaſtiſchen Worten und er⸗ mahnte ſie ferner, ſich ihrer Thaten ebenbuͤrtig zu zei⸗ gen. Die Kunde von dem, was ſie vollbracht, war ihnen zuvor ſchon geeilt und auch in Suli wurden die Krieger von den Zuruͤckgebliebenen mit Jauchzen empfangen. Dimos Zerwas druͤckte den Sohn an die Bruſt mit Entzuͤcken und der junge Palikare war begluckt durch dieſen Lohn des in Waffen ergrauten Vaters. Aber taumelnd voll unnennbarer Wonne hoͤrte er ſeinen Namen zaͤhlen zu den Dreien, die der meiſte Ruhm der Tage gebuͤhre und die bekraͤnzt wer⸗ den ſollten von den ſchoͤnen Haͤnden der hochherzigen Tochter des ſchon ruhenden Helden Lampros Tſavel⸗ las. Photos und Mitokokalis ſchmuͤckten zuerſt vor allem Volke die Kraͤnze Kaidos, und leiſe zitterten dann die Lilienfinger der angebeteten Jungfrau an den Schlaͤfen des bebenden Juͤnglings, der die Krone eines Koͤnigs eingetauſcht nicht haͤtte fuͤr den einfa⸗ chen Kranz, der feſten Schrittes den blinkenden Saͤ⸗ beln der Tuͤrken war entgegen gegangen, und der jetzt mit niedergeſchlagenen Augen den Lohn ſeiner Tapferkeit empfing und nicht wagte in das Antlitz eines Maͤdchens zu ſchauen. ———— ——— 298 Auch Pilios Guſſis ſchlotterten die Knie wie Kaido das gruͤne Gewinde dem Nebenbuhler hing uͤber die Locken, er wollte den Blick wenden und fliehend den Platz verlaſſen, um nicht Zeuge von Dra⸗ kos Gluͤcke zu ſein, aber er vermochte keins von bei⸗ den; ſeine Augen blieben ſtier geheftet auf den Ge⸗ genſtand ſeines Neides und ſeiner leidenſchaftlichen Wallung, und noch, wie ſchon das Volk ſich zerſtreut, und die Krieger geſucht ihre Huͤtten, um beim fru⸗ galen Mahle wiederholt ihren Lieben zu erzaͤhlen, was ſie vollbracht, ſtand er wie angewurzelt, hinblickend in die leere Luft, wo Kaido vor Drakos hatte ge⸗ ſtanden. Endlich belebten ſich wieder die Zuͤge ſeines Geſichtes, die Zaͤhne knirſchten in wildem Grimme und die Augen ſchienen Blitze zu ſpruͤhen und ein tuͤckiſches Laͤcheln umzog die bebende Lippe.„Ehe dieſer Kranz noch duͤrr,„brummte er dann,„iſt Dein Leben erloſchen!“ „Weſſen Leben, mein Sohn?“ fragte der kriege⸗ riſche Prieſter, der unbemerkt zu ihm heran war ge⸗ treten. Pilios Guſſis fuhr ſchaudernd zuſammen, als rufe die Stimme des juͤngſten Gerichtes den Suͤn⸗ der und die brennenden Wangen uͤberzog eine erblaſ⸗ ſende Kaͤlte; doch bald erholte er ſich wieder und ge⸗ wandt in tuͤckiſcher Rede entgegnete er ſo dreiſt es ihm der Augenblick nur geſtattete:„Wie kannſt Du fragen, heiliger Vater; wer bedroht die Sulioten mit Untergang und Verderben als Aly Paſcha von Jan⸗ nin un jede ihnlichen ſingeführ letten T laſſen a noch det ſſt duͤr, zählen u „Ei „durhfie töbtef ben nen; aber ich nicht aus wele vollbring Haus, Nuhe un zu ſprech eſch, k Der Priſer beantwor der Perſi lichen Y ſeten und Koyf haus ez wie ing und ra⸗ hei⸗ Ge⸗ ichen reut, fr⸗ „was ctend e ge⸗ eines imne 299 nina. Des Tyrannen Tod endet unſere Beſorgniß, und jedem tapfern Juͤnglinge muß geluͤſten nach einem ähnlichen Zeichen, dem ſich heute drei meiner Waf⸗ fengefährten erfreuten. Mir war das Geſchick in den letzten Tagen nicht guͤnſtig, doch ich werde nicht ab⸗ laſſen auch mir einen Kranz zu verdienen; drum ehe noch der den Kaido um Drakos Schlaͤfe gehangen iſt duͤrr, denke ich den Feind unter die Todten zu zaͤhlen und auch meine Stirn zieren zu laſſen.“ „Ein großes Vorhaben,“ verſetzte der Moͤnch, „durchfliegt Deine Seele; wenn Du im Kampfe toͤdteſt den Tyrannen, werden die Sulioten Dich kroͤ⸗ nen; aber Meuchelmord, auch am Feinde veruͤbt, kann ich nicht loben. Er bleibt immer ein Schandfleck, aus welchem Anlaß er auch geſchieht, und wer ihn vollbringt, iſt ein Mörder! Jetzt eile in Dein Haus, Dein Vater liegt auf dem Bette der ewigen Ruhe und wuͤnſcht Dich vor ſeinem Sterben noch zu ſprechen, und ehe Du etwas thuſt gegen Aly Paſcha, komm zu mir, damit ich Dir rathe.“— Der Ueberraſchte war froh, ſo bald von dem Prieſter fortkommen zu koͤnnen, ohne weitere Fragen beantworten zu muͤſſen und eilte ſchnell hinweg mit der Verſicherung: vor der Ausfuͤhrung ſeines angeb⸗ lichen Planes den Moͤnch davon in Kenntniß zu ſetzen und ſeinen Rath zu erbitten. Kopfſchuͤttelnd ging darauf der Prieſter in das Haus des Polemarchen. 4. Durch die ſchlaue Verlockung und theilweiſe furchtbare Niedermetzelung der nach Britſakha be⸗ ſtimmten Albaneſen Seitens der Sulioten, war Aly Paſcha in ſeinem Unternehmen bedeutend geſtört wor⸗ den und er bedurfte ſechs volle Tage die Truppen wieder zu ſammeln, und den Angriff auf Suli vor⸗ zubereiten. Photos hatte während dieſer Zeit die feindliche Armee ſtreng beobachtet und ſeine Kund⸗ ſchafter raportirten genau jede ihrer Bewegungen Alles was Haͤnde hatte von den tapfern Bergbewoh⸗ nern war geſchaͤftig, das geliebte Vaterland zu be⸗ feſtigen, um ſelbſt gedeckt, ſicher zuruͤck ſchlagen zu können die etwa anſtuͤrmenden Tuͤrken, und es ar⸗ beiteten in der Hitze des Tages und ſelbſt in der Nacht wo es zulaͤſſig war, das Weib neben dem Manne, die Jungfrau neben dem Juͤngling und das Kind neben dem Kinde in ſchoͤnem Vereine von einer Hoff⸗ nung belebt, von einem Wunſche erfuͤllt und von einem Geiſte beſeelt: der Liebe zu den heimathlichen Bergen, der Sicherung ihres Glaubens und zu be⸗ wahren der heiligen Freiheit uneingeengtes Leben. Es daͤuchte ihnen ſchrecklich, daß ſie beugen ſollten den freien ſtolzen Nacken, um ſich anlegen zu laſſen das Joch der Knechtſchaft eines willkuͤhrlichen Herr⸗ ſchers, und ſie waren bereit, lieber kämpfend zu ſter⸗ ben, als feig zu tragen die Schmach ſo vieler in Le⸗ ſen. M thetz b mur als aufge Pölket, Perth ſi goldbordi Orden u daß ſie! das Lüch Unterthar gend ver Rechte mi wirſt dut ins Her, ſchuf; w ie ſelbſt lig meht liche So Götzenbild dich vulſp Schönhei Fäden ha ſie nenne bewahre, gen und önne er wie er veiſe be⸗ Aly wor⸗ ppen vor⸗ t die dund⸗ gen woh⸗ be⸗ n zu 3 at⸗ Necht anne, Hind hof⸗ von lichen beben. ſollten laſſen Hern u ſter⸗ in Le⸗ 301 thargie verſunkenen Voͤlker, die von ihren Fuͤrſten nur als Sclaven werden betrachtet. Wenn wirſt du aufgehen Sonne der Freiheit in den Buſen der Voͤlker, wenn wirſt du ihnen leuchten, daß ihren Werth ſie erkennen und nicht ſchmeichelnd um die goldbordirten Throne mehr kriechen, ſchnappend nach Orden und Aemtern; wenn wirſt du ſie erhellen, daß ſie nicht mehr buhlen in niedriger Kabale um das Lächeln eines Einzelnen, der im Schweiße der Unterthanen ſich wolluͤſtig badend in Ueppigkeit ſchwel⸗ gend verpraßt das Mark der Menſchen, die gleiche Rechte mit ihm von Gott haben empfangen; wenn wirſt du den Menſchen das ſtolze Bewußtſein gießen ins Herz, daß Gott ſie mit gleichen Rechten alle er⸗ ſchuf; wenn wirſt du klaͤren ihren Verſtand, daß ſie ſelbſt ſo viel achten ſich lernen, um nicht freiwil⸗ lig mehr zu dienen als Fußſchemmel ſelbſtiſcher Fuͤr⸗ ſten. Ach, lange wirſt Du noch ſchlummern himm⸗ liſche Sonne, ich fuhl' es: eine eigene Freiheit, ein Goͤtzenbild haben ſich die Menſchen erſchaffen und dich verſpotten ſie damit in deiner Urkraft lieblicher Schoͤnheit. Tauſend und aber tauſend kuͤnſtliche Faͤden haben ſie angelegt ihren Goͤtzen, den Freiheit ſie nennen, und damit er den Schein der Freiheit bewahre, ſind die Feſſeln dem Auge myſtiſch verbor⸗ gen und es ſcheint dem unſchuldigen Betrachter, als koͤnne er ſich wirklich willkuͤhrlich bewegen; aber ſo wie er abweicht von der vorgeſchriebenen Bahn, —— 302 flugs ziehen ihn tauſend Ketten in alten Lauf wieder hinein. Als ob der Götze Verſtand hätte ſieht er ſich dann um, was dies zu bedeuten, da er ſelbſt im Wahne frei ſich geduͤnkt und ſein Fuͤhrer ruft laͤchelnd hoͤhniſch ihm zu:„Ja, ja, zweifle nicht, du biſt die Freiheit! frei kannſt du dich bewegen wohin du nur willſt; allein zittere, weicheſt du ab aus der dir vorgeſchriebenen Bahn.“— Und der Goͤtze geht dumpf, wohin der Lenker ihn leitet.— In dieſer Form, heilige Göttin, wandelſt du nur auf der Erde; o du weinſt uͤber dieſe Verſtuͤmmelung mit Aſtraͤa gewiß bittere Thränen; denn die Lieder, die dir er⸗ klingen, find nur Spott und das Lob, das die Men⸗ ſchen dir zollen, nur Hohn: vergieb ihnen; aber ſie ſelbſt koͤnnen es ſich nie vergeben, daß ſie ihre wuͤr⸗ dige Menſchheit ſo tief erniedrigen!— Endlich am Sten Juni 1800 war es Aly Paſcha gelungen, ſein Heer wieder ſchlachtfertig aufſtellen zu koͤnnen und am Neunten mit dem Erſcheinen Auro⸗ ras ſollte die Erſtuͤrmung von Suli beginnen. Eine ſchwuͤle Nacht deckte ihren braunen Mantel uͤber das, tuͤrkiſche Lager, und um ſich kräftig zu ſtaͤrken zur blutigen Arbeit des morgenden Tages, deſſen Sonne zum letzten Male nur leuchten noch ſollte fuͤr Viele, hatten ſich die Soͤldlinge dem Schlaf uͤberlaſſen. Richt ſo ruhig und ſorglos verhielten ſich die bedraͤng⸗ ten Sulioten; ſtets in Waffen hatten ſie aber heute die Schwerte vorzuͤglich geſchaͤrft und die Buͤchſen ſorg⸗ ſun gurini ſhlubende i der Te Nm Hauſ Orakos be geſagt noc an den Frauen ge in Deinen trockene er waren ihm die Hoffnur Afm umher un s der P Sypitze des ren. ili Reihen de inmet noe Hftung Komf w zu wat e gdrungen ſche, die er wolle und Di ſchweigend ieder t er ſelbſt tuft t, du vohin s der geht dieſer Erde; ſräa t er⸗ Men⸗ u ſie wir⸗ uſchs en zu Auro⸗ Eine das nzut Sonne Viele, laſn. dräng⸗ ute die ſorg⸗ 303 ſam gereiniget und feſt mit der Kugel und dem ſchleudernden Pulver geladen, und zweihundert funf⸗ zig der Tapfern harrten wieder in ſtiller Ruhe vor dem Hauſe des jugendlichen Polemarchen. Auch Drakos befand ſich unter ihnen; ihm hatte Kaido geſagt noch vor wenigen Stunden, als er Bericht an den Polemarchen erſtattet und Urlaub von den Frauen genommen:„Laß mich auch morgen flechten in Deinen Kranz neue Blumen und nimmer ver⸗ trockene er an Deiner Schlaͤfe!“ und dieſe Worte waren ihm elektriſch durchdrungen und hatten erhoͤht die Hoffnung des Juͤnglings. Aufmunternd ging der Prieſter bei den Kriegern umher und mahnte zum ſtandhaften Muthe, und als der Polemarch erſchien, trat er ſelbſt mit an die Spitze des Zuges, die Palikaren zum Siege zu fuͤh⸗ ren. Pilios Guſſis dagegen befand ſich nicht in den Reihen der Sulioten, ihm lieb, ſtand er am Bette des immer noch nicht verſchiedenen Vaters: er hatte ſeine Hoffnung nicht auf das Schwert geſetzt, nicht im Kampfe wollte er ſich wuͤrdig hervor heben, hier⸗ zu war er zu feig; die Liſt war in ſeinen Buſen gedrungen, ſie ſollte kroͤnen die leidenſchaftlichen Wuͤn⸗ ſche, die er hegte, die um jeden Preis er befriedigen wollte und die in ihm wuͤthende Rache ſollte ſie kuͤhlen. Die Palikaren hatten in Marſch ſich geſetzt und ſchweigend zogen ſie behutſam durch die Dunkelheit der Nacht. Immer leiſer wurden ihre Tritte, je nä⸗ 304 her ſie dem Lager der Tuͤrken kamen und vor⸗ ſichtig ſpaͤhend ließen ſie raſtlos ſpielen die Augen. Jetzt waren ſie auf einen Kreuzweg gekommen und im groͤßten Schweigen theilte ſich der Zug in vier Abtheilungen, wovon eine Photos, die Andere der Moͤnch, die Dritte Mitokokalis und die Vierte Dra⸗ kos befehligend fuͤhrte. Dann loͤßten ſie ſich auf und verſchwanden allmaͤhlig, kriechend und ſchleichend, eingehuͤllt in die dunkle Sphaͤre. Plotzlich ward die tief herrſchende Ruhe krachend und blitzend geſtoͤrt; ein furchtbares Gewehrfeuer begann von allen Sei⸗ ten, Blitz auf Blitz, Knall auf Knall erfolgte; don⸗ nernde Commandos erſchollen und wildes Rufen durch⸗ zitterte die Luft Schrecken verbreitend. An allen Ecken und Enden loderte bald das Lager der Feinde in leckender Flamme, und die aus dem Schlafe auf⸗ taumelnden Tuͤrken flohen in beſturzter Verwirrung hin und her. Die Sulioten! die Sulioten! droͤhnte es zitternd von Mund zu Munbe und nirgends ſicher liefen die aufgeſchreckten Tuͤrken nach allen Seiten und lieferten ſich ſelbſt den mordenden Schwertern der tapfern Palikaren. Gegen drei Stunden ließen ſich die zitternden Feinde in verzweifeltem wirren Hin⸗ und Herrennen und der groͤßten Finſterniß graͤßlich knatternd erleuchtet vom brennenden Lager ſchlachten; an Widerſtand ſchienen ſie nicht mehr zu denken und nur einzelne Haufen rotteten ſich zuſam⸗ men, aus Inſtinkt, wie die weidenden Thiere, wenn der Vf ſi gumnbtacht zn ſollte le hi enporſti ſn. Die L gen ſtatt de hiren, Blit und rollte1 aus ſchwarz die nun ge zerſprenot ſl ſichend in n nung aus de den zu rette Zuubetet,! ſünden un zu kämpfen und den N növers der ſin der bet ihnen ſchne Freiheit ben Enkel in he Starr det Tytann ſch de Uus ſihend auf ſchinen. 4 lII. or⸗ ugen. und vier re der Dra⸗ h auf ichend, d die eſört; Sei⸗ don⸗ durch⸗ allen Feinde fe auf⸗ virrung öhnte ſichet Seiten werter ließen wirten nſterniß Lager nehr il ſam⸗ „wenn 305 der Wolf ſich ihnen naht, um Speiſung zu holen. Dann brach der Tag an, der zum Untergang der Sulio⸗ ten ſollte leuchten; aber nur neue Schrecken brachte die emporſteigende Eos fuͤr die geaͤngſtigten Albane⸗ ſen. Die Wolken thuͤrmten ſich, als wollte der Mor⸗ gen ſtatt den Tag die ſchauerlichſte Nacht heute ge⸗ baͤren, Blitz und Donner, Sturm und Hagel ziſchte und rollte und heulte und praſſelte durch die Luͤfte aus ſchwarzen Wolken und ſtuͤrmte auf die Tuͤrken, die nun ganz außer Faſſung geriethen und einzeln zerſprengt flohen, ohne zu wiſſen wohin, das Weite ſuchend in wilder jagender Eile; ihnen war die Hoff⸗ nung aus dem Herzen gewichen, ſelbſt das nackte Le⸗ ben zu retten, denn ſie hielten die Sulioten fuͤr boͤſe Zauberer, denen alle Kraͤfte der Natur zu Gebote ſtaͤnden und gegen die Menſchen vergeblich verſuchen zu kaͤmpfen. Und ſo war durch ihren Aberglauben und den Muth und die eracte Ausfuͤhrung des Ma⸗ noͤvers der Palikaren der ſo gefuͤrchtete Tag zu Gun⸗ ſten der Letztern entſchieden und die Hoffnung bluͤhte ihnen ſchoͤner wie je: des lieben Vaterlandes heilige Freiheit bewahren zu koͤnnen noch fuͤr die ſpaͤteſten Enkel in herrlich freudiger Zukunft. Starr vor Staunen und Verwunderung ſah der Tyrann ſein gewaltiges Heer, von welchem er ſich die Ausfuͤhrung von Wunderkraͤften verſprochen, fliehend auf der großen Landſtraße nach Jannina er⸗ ſcheinen. Wuͤthend hieb er die Erſten nieder mit ei⸗ III. 20 306 genen Haͤnden und fluchte und tobte, um die Alba⸗ neſen zum Stehen zu bringen; allein ihre Furcht war zu groß, immer enger draͤngten ſich die Maſſen und riſſen mit ſich fort, was ihnen Widerſtand leiſtete. Endlich doch gelang es dem Paſcha, die Flucht in et⸗ was zu regeln und einem Ruͤckzuge aͤhnlich zu machen; aber zum Kampfe mit den Sulioten konnte er die Tuͤrken nimmer bewegen. Sie ſchwuren bei ihren Baͤrten: die Bergbewohner ſeien Vampyre, die nur die Geſtalt der Menſchen angenommen haͤtten, um dieſe zu morden und betheuerten hoch und feſt, wie ſie geſehen, daß die Palikaren unverwundbar und ein Einziger ſich zu zwanzigen vervielfaͤltigen koͤnne, und die Weigerung des ganzen Heeres war ſo be⸗ ſtimmt und allgemein, dieſen Krieg nicht fortſetzen zu wollen, daß Aly ſelbſt die Hoffnung verlor, in offener Schlacht je die Sulioten beſiegen zu koͤnnen. Aber der Haß des Paſchas gegen die Tapfern war zu groß, um nicht alles aufzubieten, doch endlich und mit der Zeit ihre Vernichtung herbei zu fuͤhren, und da ihm ein anderes Mittel unausfuͤhrbar erſchien, wollte er die Kuͤhnen durch den Hunger zwingen, ſich ihm zu ergeben. So fort ließ er daher zwoͤlf Forts an den Eingangen des Gebirges errichten und ſchnitt dadurch den Sulioten die Verbindung mit den Be⸗ wohnern des flachen Landes ab, denn in jede kleine Feſtung legte er eine ſtarke Beſatzung und beſchraͤnkte ſo die Soͤhne der Berge nur auf ihre Felſen, die ihnn jüch zu lim ni ſurhen kriftig Ufſhtung nger und e borängten erloren die ten Vaterla ſchlugen ſie Blokadelinie boger der A Lebensmittel! Fiinde auf d lungen, tügli der anſingen Auch anſteck herbſte ein u wirrung ball fündigten un irgend einen und mut nit der Lyrann ludauer zu Indeß zuſttung Alba⸗ twar mund iſtete. in et⸗ chen; er die ihten ie nt n, um k, wie rund koͤnne, ſo be⸗ ten zu offener Aber var 0 und und ſſchien, en, ſich Forts ſchritt en Be⸗ e kleine hrinkte n, die 307 ihnen jedoch die noͤthigen Lebensmittel und Munition zu liefern nicht waren im Stande. Trotz ihren viel⸗ fachen kraͤftigen Ausfaͤllen konnten die Sulioten die Auffuͤhrung der Forts nicht verhindern und immer enger und enger ſchloſſen die Feſtungen ſie ein und bedraͤngten ihre bedenkliche Lage.— Aber dennoch verloren die Sulioten nicht die Hoffnung des gelieb⸗ ten Vaterlandes Freiheit ſiegend zu retten. Muthig ſchlugen ſie ſich bei Tag und bei Nacht durch die Blokadelinien oder ſchlichen mit Liſt in und um die Lager der Tuͤrken und ſelten kehrten ſie ohne geraubte Lebensmittel oder gefangene Feinde zuruͤck, ſo daß die Feinde auf dieſe Weiſe, trotz ihrer befeſtigten Stel⸗ lungen, taͤglich neue Vertuſte erlitten und ſchon wie⸗ der anfingen unwillig zu murren gegen den Paſcha. Auch anſteckende Krankheiten fanden ſich im Spaͤt⸗ herbſte ein unter den Tuͤrken und machten die Ver⸗ wirrung bald ſo vollkommen, daß ſie Aly den Dienſt kuͤndigten und abzuziehen verlangten, ehe ſie noch irgend einen Vortheil uͤber die Sulioten errungen, und nur mit Muͤhe und Liſt und Geld vermochte der Tyrann die Truppen zu befaͤnftigen und zur Ausdauer zu gewinnen.— 5. Indeß war wenige Tage nach der gluͤcklichen Zerſtreuung des großen tuͤrkiſchen Heeres der Vater 20* 308 von Pilios Guſſis verſchieden und der junge Mann nun das Haupt ſeiner Phara geworden, und es ſtand ihm jetzt Sitz und Stimme im Senate zu mit den Aelteſten des Volkes. Hiernach hatte ihn ſchon lange geluͤſtet; ſeine Familie war eine der reichſten unter den Bergbewohnern und ſtark an Zahl, ſo wie wieder verwandt mit andern der angeſehenſten Pharas, und außerdem hatte er ſich fruͤher ſchon immer befreun⸗ det mit den kurz vor dem Ausbruche des letzten Krieges abtruͤnnig gewordenen Botſaraͤern, wenn auch dies nur in heimlicher Stille. Eben ſo verfehlte er nicht ſich durch ſcheinbare Uneigennuͤtzigkeit beliebt bei dem Volke zu machen und verſtand es, kleine Freigebigkeiten bedeutſam hervorzuheben und den Schein von etwas Rechtem zu geben. Auch ſelbſt mit dem kriegeriſchen Moͤnche hatte er eine lange Unterredung Hinſichts ſeines angeblichen Mordan⸗ ſchlages auf Aly Paſcha gehabt und deſſen Mißbilli⸗ gung des Vorſatzes ſogleich ſo feſt ergriffen, daß er nicht allein davon abſtand, ſondern auch von des Prieſters religioͤſen Lehren ſo ſchwärmeriſch durchdrun⸗ gen ſchien, wie dieſer ſeltſame Mann ſie predigte, und demnach aͤußerlich war der eifrigſte Verehrer des Moͤnches und ſeines enthuſiaſtiſchen frommen hoff⸗ nungsvollen Glaubens. Gegen Photos und Drakos betrug er ſich zuvorkommender als je und ſelten nur nahm er Gelegenheit mit Kaido zu riden, der er dann immer die ausgezeichneteſte Achtung bewies, ohne nur ben& bin zul nhnung u Vie ſen erricht veſchanzte nn Dorfe das auf ei einer ſiack St. Vener berſah. Ue muel, mit d der Ungebe ſommen L mahnungen wonnen u die Ausda hofnungsvt Cden und Gujotn ti men und ſii Doch Sulioten; eſehr ihre ien nitgendi igs we nidet die ſiunf Nann s ſtand ſit den lange ſter den wieder as, und befteun⸗ letzten n auch ehlte et beliebt d es, en und Uuch ne lange ordan⸗ Wibill⸗ daß et on des rchdrun⸗ gte und htet des en hoff Dtalo lten nut „der et ſes, ohne — 309 nur den Schein der in ihm brennenden Leidenſchaft blicken zu laſſen.— Aber alles war nur ſchlaue Be⸗ rechnung um ſeinen Zweck zu erreichen. Wie die Tuͤrken immer enger durch die von ih⸗ nen errichteten Feſtungen die Gebirge einſchloſſen, verſchanzten ſich auch die Sulioten ſtets feſter in ih⸗ ren Doͤrfern und vorzuͤglich bewog ſie der Moͤnch, das auf einen ſteilen Bergkegel liegende Kiunghi zu einer ſtarken Feſtung hervor zu heben, die er dann St. Veneranda hieß und mit klöſterlicher Einrichtung verſah. Ueberhaupt war dieſer Prieſter, der ſich Sa— muel, mit dem Beinamen das juͤngſte Gericht nannte, der Angebetete des Volkes. Durch einen ſtreng frommen Wandel und ſeine ergreifend religioͤſe Er⸗ mahnungen und Predigten, hatte er alle Herzen ge⸗ wonnen und ſein tapferer Muth im Kampfe und die Ausdauer in den peinlichſten Lagen und ſein ſtets hoffnungsvoller Glaube, ſo wie gleiche Liebe fuͤr alle Edlen und fuͤr die heimathlichen Berge, feuerte die Sulioten täglich an ſich ihm zum Vorbild zu neh⸗ men und ſeiner aͤhnlich zu werden. Doch immer bedentlicher wurde der Zuſtand der Sulioten; die wenigen Nahrungsmittel, die ſie mit Gefahr ihres Lebens täglich rauben ſich mußten, reich⸗ ten nirgends mehr zu und es war das Ende des Krieges noch nicht abzuſehen, da Aly Paſcha uner⸗ muͤdet die Beſatzungen der Feſtungen rekrutirte und feſter und feſter die Mauern ließ ziehen. In dieſer 310 Noth wandten ſie ſich nach Auswärts dort Hilfe zu ſuchen und waren auch ſo gluͤcklich mit einigen Paſchas und Agas und Deys, die ihnen zunaͤchſt, als tuͤrkiſche Obern befehligten, Schutz⸗ und Trutzbuͤndniſſe abzu⸗ ſchließen zum gemeinſchaftlichen Kampfe gegen den habgierigen Aly. Schon lange war davon im Se⸗ nate die Rede geweſen, doch immer hatte man da⸗ mit noch nicht zu Stande kommen koͤnnen, bis end⸗ lich die Verhandlungen geſchloſſen, nun aber auch gegenſeitig Geiſeln gewechſelt werden ſollten, um ſich unaufloͤslich zu verbinden. Im Stillen hatte Pilios Guſſis ſchon hierauf gefußt, ſich ſeines verhaßten Ne⸗ benbuhlers wenigſtens vorerſt zu entledigen und um dann ferner ſeine Plaͤne ſchmieden zu koͤnnen, und ſein Einfluß brachte es auch wirklich im Geheimen dahin, daß Drakos und ein juͤngerer Bruder des Po⸗ lemarchen, Kitſos Tſavellas, als Geiſeln mit noch vier andern Palikaren wurden gewaͤhlt und nach Delvino unter Paſcha Muſtaphas Verwahrung ge⸗ geben werden ſollten. Photos und Samuel durch⸗ blickten die Wahl ſogleich mit ſcharfem Auge und er⸗ kannten den, der ſie gelenkt, denn leider mußte man dergleichen Geiſeln unter zehnmal neunmal als ver⸗ loren betrachten, da bei dem kleinſten Anlaß die Tuͤr⸗ ken ſich nicht entbloͤdeten, ſie zu ſchlachten; aber ſie konnten nichts thun, die Erwaͤhlten zu retten, der Se⸗ nat hatte nach Stimmenmehrheit entſchieden und die Edlen konnten ſich nicht erniedrigen, den ihnen, trotz ſiur Si ſinenen in zu la Nit Drakos von dem zubereiten zukommen ſprich zu das Opfer ich erkenne ihm Dine ſen glht gitiger Herrn un zu entſag ſeligſen ben oftne die Pfiile Go auch beß der Gabe, da benden Dines j Et vird r und wenn bhurrich Hilfe zu Paſcha türkiſche ſe abzu⸗ gen den in St⸗ man da⸗ bis end⸗ ber auch un ſich gilios ſten Ne⸗ und um un, und Heheimen des Po⸗ mit noch nd nch tung ge⸗ el durch⸗ e und e⸗ ußte man als ver⸗ die Tuͤr⸗ ;cber ſe „det S⸗ nen, twt 311 ſeiner Scheinheiligkeit, ſchon vielfach veraͤchtlich er⸗ ſchienenen Pilios Guſſis auch nur ihre Beſorgniß bli⸗ cken zu laſſen. Mit ruhiger Faſſung vernahmen die Juͤnglinge Drakos und Kitſos das uͤber ſie verhaͤngte Geſchick von dem Moͤnche, der es uͤbernommen hatte ſie vor⸗ zubereiten, ehe noch der Befehl vom Senate ihnen zukommen konnte. Dann nahm er Drakos allein und ſprach zu ihm liebreich:„Doppelt, mein Sohn, iſt das Opfer, was Du dem Vaterlande ſollſt bringen; ich erkenne es; einmal vielleicht Dein Leben und mit ihm Deine Wuͤnſche der Liebe, die in Deinem Bu⸗ ſen gluͤht fuͤr Kaido; aber zage nicht, es waltet ein guͤtiger Gott uͤber Dir: wer in ergebener Demuth des Herrn und maͤnnlicher Faſſung ſein Theuerſtes weiß zu entſagen, dem bluͤht die ſchoͤnſte Hoffnung des ſeligſten Gluͤckes. Der Neid und die Bosheit glau⸗ ben oftmals zu verletzen, doch zuruͤck fliegen vielfach die Pfeile und toͤdten den, der ſie tuͤckiſch entſendet. So auch gieße die Hoffnung ſich in Deine Bruſt, daß der Hoͤchſte noch kroͤne Dein Leben mit herrlicher Gabe, daß Er Dir noch gebe die Jungfrau zur lie⸗ benden zärtlichen Gattin, zu verſuͤßen die Stunden Deines irdiſchen Daſeins in entzuͤckender Wonne. Er wird wachen uͤber Dir mit wohlwollender Sorge und wenn Du im Glauben und in der Liebe treu und beharrlich Dich zeigeſt, und die Hoffnung niemals ver⸗ 312 lierſt, Dich fuͤhren in ſeiner Guͤte zum ſchönſten der Ziele und ſeine Gnade fuͤr und fuͤr Dir ertheilen.“ „Heiliger Vater,“ verſetzte der Juͤngling,„Deine erhabenen Lehren werden nimmer aus meinem Her⸗ zen entſchweben; mein Glaube iſt feſt wie der Fels in ſeiner Wurzel und ſollte ich ihn erleiden den Tod, wird meine Liebe mich noch in den letzten Augen⸗ blicken umlaͤcheln mit himmliſcher Glorie; aber bis dahin ſoll Glaube und Liebe mich troͤſten in der Ent⸗ fernung von Kaido und die Hoffnung Anker werfen in meine Seele und ſie erhellen mit dem roſigen Strahle der auftauchenden Sonne. Gruͤße Kaido von mir, noch iſt kein Wort der Liebe mir von ihr geworden und nicht kenne ich die Gefuͤhle ihres Her⸗ zens aus ihrem Munde; aber was Du mir von ihr geſagt, und wie ſie zitternd beruͤhrt meine Schlaͤfe und ihre bebenden Worte in den Kampf mich gelei⸗ tet, hat mich erfuͤllt mit unnennbar ſeliger Wallung und giebt mir die Hoffnung, geliebt zu werden von der holdeſten Jungfrau.“ „Nicht taͤuſcheſt Du Dich, mein Sohn,“ erwie⸗ derte der Moͤnch.„Ihr Herz hatte gewaͤhlt, ehe Du noch trateſt mit Deiner Liebe hervor, und da Dir die Zeit jetzt gemeſſen, loͤſe ſich das Schweigen der Jung⸗ frau; komm, Du ſollſt als Braut ſie umarmen: ſie iſt Dein, wie auch der Wuͤrfel noch faͤllt, hier oder dort!“ Trunkenen Rauſches im Vorgefuͤhle des erſten die Nen Kufis he dn Prie hetat er Lorhereit hos Ent Mädchen als Sam wie die verſenkt, pochende en die 2 ſehen das Schonhit vollet Fi hatte nie und jeßt hen. Ir der Hoff Schlacht; hingegebe quolvolle liebten be wos ſchn in nagen Leid fuͤr egällent Der ſten der eilen.“ „Deine m Her⸗ Nt Fels en Tad, Augen⸗ ber bis der Ent⸗ werfen wfigen Kaido don ihr e Her⸗ von ihr Schläfe h gele⸗ Polung en von etwie⸗ ehe Du Dir die Jung⸗ en: ſie iet odet etſten 313 Kußes heiligem Wehen erreichte der Juͤngling mit dem Prieſter das Haus des Polemarchen und bebend betrat er die Schwelle, wo die Geliebte verweilte. Vorbereitet war Kaido ſchon durch Photos von Dra— kos Entfernung als Geiſel, und das ſonſt kuͤhne Maͤdchen zitterte noch von banger Ahndung ergriffen, als Samuel mit dem Geliebten vor ihr erſchien, und wie die Roſe ſich neigt von dem Strahle der Sonne verſenkt, ſank der Lieblichen ſchoͤnes Haupt auf den pochenden Buſen, und den dunkeln Augen entquol⸗ len die Thraͤnen des Schmerzes, wie ſie ſah vor ſich ſtehen das auserwaͤhlte geliebte Opfer in bluͤhender Schoͤnheit und uͤppiger Jugend und maͤnnlich kraft⸗ voller Fuͤlle. Er war nie ſo ſchoͤn ihr erſchienen, es hatte nie die Liebe fuͤr ihn ſo heiß in ihr gebrannt und jetzt ſollte ſie vielleicht zum letzten Male ihn ſe⸗ hen. In den Kampf hatte ſie ihn ziehen laſſen mit der Hoffnung des Sieges, ſie bebte ſelbſt nicht in der Schlacht; aber ihn als Geiſel den treuloſen Tuͤrken hingegeben zu ſehen, daͤuchte ihr ſicherer Dod unter qualvollen Martern, wie dieſe Barbaren ſchlachten die Menſchen. Sie waͤhnte hoffnungslos den Ge⸗ liebten betrauern zu muͤſſen bis zum Grabe. Und was ſchmerzt mehr als hoffnungsloſe Liebe? Sie iſt ein nagendes Gift an edle Herzen, ein zerdruͤckendes Leid fuͤr Koͤrper und Seele, ein peinigender Daͤmon, vergaͤllend das Leben.— Der Juͤngling ſah die reizende Jungfrau alei⸗ 314 chen, die ſeine Phantaſie, ſeine Liebe ſtets ihm ge⸗ zeigt als ein himmliſches Gebilde hehrer goͤttlicher Vollkommenheit, zu erhaben von einem Menſchen Gluͤck zu empfangen, nur wandelnd auf Erden die Schoͤpfung Gottes zu verherrlichen; er fuͤhlte was ihre Seele durchzuckte, es drangen ihre Gefuhle zu ſeinem Herzen und im Taumel der ſuͤßeſten Luſt, wenn auch der bitterſte Schmerz ſie erzeugte, ſank er zu den Fuͤßen Kaidos ihre zitternde Hand preſſend an die gluͤhenden Lippen.— Der Prieſter trat zu ihnen und ſegnete ſie Beide, dann fuhr er fort: „Dieſer Augenblick durchwehe Euch heilig waͤhrend der ganzen Dauer Eures Lebens; er gebe Euch Troſt im Tode und die Hoffnung in Unſterblichkeit uͤber den Sternen einſt ewig in Liebe zu wallen. Gott, der in Eure Buſen ſenkte den Kern ſeiner eigenen Urkraft, wird nicht wieder trennen, was er einmal fugte zuſammen; ſcheidet auch der Koͤrper vom Koͤr⸗ per, der Geiſt bleibt mit dem Geiſte verwebt.“— Sanft hob Kaido auf den knieenden Juͤngling, ihre Blicke begegneten ſich in zauberiſchen Strahlen und der erſte Kuß brannte auf den roſigen Lippen. „Ich habe getrunken,„ſprach Drakos ſodann, „aus der Schaale der Seligkeit den koͤſtlichſten Nektar des Lebens und bin nun bereit auch den bitterſten Kelch des Todes zu leeren.“— „Es gehe voruͤber an Dir ber Letztere mit zar⸗ ter Schonung,“ verſetzte Kaido und legte die Lilien⸗ hund auf ſehm Hu rider!“ So den geſcht nenen tu auch dar wurden ſ Mangel a nate wor Betge it und obg Landes t die flach und ſo i niſſe des zu verſch bis jeti waren fl tung gef luſt des der Hun keit in! ſchon ge tmattet m ge⸗ ttlichet enſchen den die e was ihle zu n Luſt, ſank er reſſend tnt zu ſort: nd der Trſt t über Gbit, eigenen einmel nr⸗ ngling, trahlen ippen. ſodann, Nektar itterſten nit zar⸗ 315 hand auf die Rabenlocken des Juͤnglings, als wolle ſie das Haupt ſegnend mit Hoffnung erfuͤllen;„Kehre wieder!“— 6. So viel Vortheile ſich nun auch die Sulioten von den geſchloſſenen Buͤndniſſen mit den fuͤr ſich gewon⸗ nenen tuͤrkiſchen Obern verſprachen und mit der Zeit auch daraus zu ziehen im Stande waͤren geweſen, wurden ſie doch taͤglich mehr von dem druͤckendſten Mangel an Lebensmitteln belagert. Ueber zehn Mo⸗ nate waren ſchon ſeit Anfang der Blokade ihrer Berge in den Strom der Vergangenheit gefloſſen, und obgleich Aly Paſcha bis dahin noch keinen Fuß Landes von ihnen erobert, hatte er doch Meilen weit die flache Gegend um das Gebirge verwuͤſten laſſen und ſo ihnen die Mittel benommen, ſich die Beduͤrf⸗ niſſe des Lebens, wenn auch darum erſt kaͤmpfend, zu verſchaffen. Nur wenig Tapfere hatte der Krieg bis jetzt ihnen gekoſtet, kaum ein viertelhundert Mann waren fuͤr des Vaterlandes Vertheidigung und Ret⸗ tung gefallen und theuer hatten die Tuͤrken den Ver⸗ luſt des Lebens der kuͤhnen Palikaren gebuͤßt; aber der Hunger wuͤthete nun in ſeiner ganzen Graͤßlich⸗ keit in den Bergen; die Greiſe, durch das Alter ſchon geſchwaͤcht an Geiſt und an Nerven, ſanken ermattet dahin, und die Kinder ſchrien nach Brod, 316 und un, ho Cis lugenblid Entfernunz on ſih, ſchreckte d ſich zul gend zuri Tief würdige weinend ringend die zarten Haͤnde und noch nicht begreifen koͤnnend, warum all dies Elend, und die Kraͤſte der Maͤnner und Frauen ſchwanden, als zehr⸗ ten ſie ihre eigene Staͤrke. Und dennoch verloren die Tapfern nicht die Hoffnung noch ſiegend ſich aus dem furchtbaren Kampfe zu winden. Die Liebe zum Vaterlande, die Liebe zur Freiheit uͤbertoͤnte die Stimme der Natur, und ſie naͤhrten ſich, taͤglich auf Erloͤſung hoffend, lieber von wilden Wurzeln und Baumrinde, als daß ſie annahmen die glaͤnzendſten Anerbietungen des tuͤckiſchen Tuͤrken. Aber zuletzt elten Un wurde ihnen die ungewohnte Speiſe toͤdtlich, die ent⸗ kraͤfteten Koͤrper ſanken ſterbend dahin und der Tod ung de entſtellte ſie gleich ſo furchtbar, daß man ſie ſchau⸗ dn Sen dernd verſenkte und der Hunger nicht wagte die ge⸗ n ſch ſchwollenen Leichname der Verſchiedenen zu verzehren. ſn Seit Drakos Entfernung hatte Pilios Guſſis ver⸗ ii ihn ſucht ſich immer mehr und mehr der Famile Tſa⸗ ter und vellas und dem Prieſter ſchmeichelnd zu naͤheren; er Meilen b wurde nicht bitter zuruͤck gewieſen von den Edeln, Yhotos u aber eben ſo wenig konnte er ſich Vertrauen gewin⸗ Zuwts t nen und das Erſte nur fuͤhlend froh im betaͤubten vihrend leidenſchaftlichen Herzen, ſtieg ſeine Hoffnung mit Auc jedem Tage hoͤher, Kaido noch als Gattin dereinſt ſte Biſe zu umarmen. Wo es nur zulaͤſſig war begleitete er nnndete daher die Jungfrau und zeigte ſich nur aufmerkſam Gelibten fuͤr ſie und war bemuͤht die allgemeine Noth von wenn ſie ihr möglichſt abzuwenden; aber wuͤrdevoll und kalt dß Pil h nicht nd die zehr⸗ erloren ich aus be zun nte die ich auf n und endſten zuleßt e ent⸗ Tod ſchau⸗ die g⸗ ehren⸗ is ver⸗ Tſ⸗ nz et Fdeln, gewin⸗ aubten 8 mit ereinſt tete er erkſam h von d kalt 2* und ernſt, wie ſie ſich immer gezeigt, bis die Liebe das Eis von dem keuſchen Buſen geſchmolzen auf Augenblicke, und ſich nur feſter wieder ſeit Drakos Entfernung um ihn gelagert, wies ſie doch ſchonend von ſich, was der Leidenſchafkliche ihr weihte und ſchreckte deſſen Feuer, wenn es drohte praſſelnd um ſich zu lecken, jedes Mal mit der ſtrengſten Tu⸗ gend zuruͤck. Tief betrubt ſahen der junge Polemarch und der wuͤrdige Prieſter das Dahinſchwinden der tapfern Krieger. Da entſchloſſen ſie ſich zu einem verzwei⸗ felten Unternehmen Lebensmittel fuͤr die Bewoͤlke⸗ rung der Berge von Suli zu ſchaffen, und wie ſie dem Senate mitgetheilt ihren Entſchluß, griffen ge⸗ gen ſechshundert Maͤnner und Frauen zu den Waf⸗ fen durchzubrechen durch die feindlichen Linien und fuͤr ihre Bruͤder und Schweſtern, Muͤtter und Vaͤ⸗ ter und Kinder Nahrung zu holen aus der vier Meilen von ihnen entfernten ruſſiſchen Stadt Parga. Photos und Samuel fuͤhrten die Kuͤhnen und Dimos Zerwas blieb zuruͤck als Anfuͤhrer, das Vaterland waͤhrend der Zeit ihrer Abweſenheit zu beſchuͤtzen. Auch Kaido hatte das Schwert um den alaba⸗ ſter Buſen gehangen und die Buͤchſe trug der abge⸗ rundete Arm; ſie wollte nicht unthaͤtig ſein und dem Geliebten ſich in der Entfernung herrlich beweiſen, wenn ſie auch nicht verhindern konnte noch wollte, daß Pilios Guſſis durch ſeine Gegenwart ſie belaͤ⸗ 318 ſtige. Alles ging gluͤcklich; die dunkelſte Nacht um⸗ huͤllte die entſchloſſenen Palikaren und erſt als ſie die feindlichen Feſtungen im Ruͤcken, gewahrten die nachlaͤſſigen Tuͤrken das ihnen unbegreifliche Unter⸗ nehmen. Mehrere Tage verweilten nun die Sulioten in Parga, wo ſie reichlich verpflegt, auch ſo viel Le⸗ bensmittel ſammelten fuͤr ihre ungluͤcklichen Zuruͤck⸗ gelaſſenen, als ſie zu tragen vermochten und kecken Muthes traten ſie dann wieder an den Ruͤckmarſch mit der zuverſichtlichſten Hoffnung des Gelingens des gefaͤhrlichen Wagſtuͤcks. Indeſſen hatten die Tuͤrken Kundſchafter geſtellt und ſich vorgenommen die zuruͤckkehrenden Sulioten zu vernichten; ein ſtarkes Corps, doppelt ſo zahlreich als die Palikaren an Maͤnner und Frauen, wurde aus den Feſtungen gezogen und unter Anfuͤhrung des Paſchas Ismael abgeordnet die Verwegenen zu uͤberfallen und nieder zu ſaͤbeln. Doch die Albaneſen waren nicht zu bewegen ſich weit von den Forts zu wagen, bei welchen die Sulioten vorbei mußten, um wieder nach ihren Bergen zu gelangen, noch voll Aberglau⸗ ben und Furcht, und ſtellten ſich nur auf in der Naͤhe ihrer Feſtungen, doch ſperrend die Straße. Schweigend und vorſichtig ruͤckten die Palikaren heran; ſogleich marſchirte der Zug, als man die Feinde erblickte, dichter zuſammen; hundert weniger ſchwer beladene Krieger umgaben die Belaſteten und der Moͤnch, Kaido und Photos an der Spitze zogen muthig vore xils huſſ die glech d ſpnntet B den Schwe war zu kä nern fin und fuͤr ſei wechſelnden Nädchen z Zůge fren ungeben, w hit ohne 5 Nönches 6 uf ſeinen Siber ſchi Beſchauer und die G heiligkeit Photos der chen Fihrer Uhrigen t Vuth, eher Bird fig lſen und ich den ket bwht talen. ht un⸗ als ſi ten die Unter⸗ ulioten viel be⸗ Zurich kecken knarſch ens des geſtellt ten zu ich as us den Peſchas erfallen warn wagen, wiedet erglau⸗ in der likaten an die veniger en und zogin — —— 319 muthig voran den Durchgang zu erzwingen. Auch Pilios Guſſis hatte ſich der Jungfrau naͤher gedruͤckt, die gleich dem Prieſter und dem Bruder mit ge⸗ ſpannter Buͤchſe in weißer Hand und dem blinken⸗ den Schwerte an ſchoͤn abgerundeter Huͤfte bereit war zu kaͤmpfen, und der Leidenſchaftliche zitterte im Innern fuͤr das Leben der hochherzigen Jungfrau und fuͤr ſein Eigenes, als ſchuttle ihn der Froſt des wechſelnden Fiebers. Es war etwas Erhabenes das Maͤdchen zu ſehen an der Seite des Prieſters; ihre Zuͤge ſtreng und hehr, doch von reizender Schoͤnheit umgeben, waren ihre dunkeln Augen in Entſchloſſen⸗ heit ohne Furcht auf die Feinde gerichtet, und des Moͤnches Geſicht, ausdruͤckend das feſte Vertrauen auf ſeinen Gott und der lange Bart, glaͤnzend wie Silber, ſchien trotzend Ehrfurcht zu fordern, und der Beſchauer mußte waͤhnen: es habe ſich der Glaube und die Ehre verbunden, fuͤr die Bewahrung ihrer Heiligkeit vereinigt zu kaͤmpfen. Ebenſo umſtrahlte Photos der kalte uͤberlegende Muth und des ſiegrei⸗ chen Fuͤhrers Kraft auf ſich ſelbſt; aber die Zuͤge der Uebrigen trugen Furchtbares an ſich; die verzweifelte Wuth, eher das Aeußerſte zu wagen, als ſich und ihre Buͤrde feig zu ergeben, war auf ihren Antlitzen zu leſen und ihre Blicke leuchteten in wildem Feuer gleich dem des edlen Löwen, den ein Rudel Hunde keck bedroht, ihm die mit Muͤhe erlegte Gazelle zu rauben. 320 Jetzt waren die Sulioten auf Schußweite den tuͤrkiſchen Colonnen nahe gekommen und die Albane⸗ ſen hatten ſich ſchon zum Angriff fertig gemacht, als das ſcharfe Auge Ismaels die Schoͤnheit der Jung⸗ frau gewahrte. Zauberiſch umnebelten ſich ſeine Sinne; er glaubte eine der Houris aus dem Para⸗ dieſe ſeines Propheten zu ſehen, und je naͤher der Zug ruͤckte, an deſſen Spitze ſie prangte, je mehr blendete ihn die herrliche Erſcheinung. Der Athem ſtockte ihm; er vergaß das Commando und elektriſch zuruck weichend voll heiliger Scheu, wie vor ihn ſie trat, folgten die Tuͤrken ſeinem Beiſpiele erſchreckt von den drohenden Augen und Mienen der anruͤcken⸗ den Palikaren und oͤffneten die Waffen anziehend die Reihen, und das ſchwer bepackte kleine Haͤuflein ta⸗ pferer Sulioten marſchirte in tiefer Stille an den Feinden voruͤber, ohne daß eine Buͤchſe auf ſie ſich entladet. Eine gute Weile blieben die Tuͤrken faſt ohne Regung, dann erwachte Ismael Paſcha aus ſeinem Traume; die heilige Scheu, die er beim An⸗ blick Kaidos empfunden ſchwand, ſeine Adern gluh⸗ ten voll Begierde nach den Reizen der Jungfrau und das Verlangen ſie ſich zu erobern durchzuckte ihn maͤchtig. Mit ſturmiſcher Haſt ſpornte er die Tuͤr⸗ ken zum Nachſetzen an und an ihre Spitze ſich ſtel⸗ lend, und großen Lohn ihnen zuſichernd, wenn ſie die ſchoͤne Beute wuͤrden erjagen, wogten die Sold⸗ linge in wildem Gebruͤlle dahin, als wollten ſie den hinnel eiſ tie Engiſ zinde Anſ Ninch un potten Kri den Tuͤrke lute zu b Rücken for Perhe ſchen bie zu enpfan Lod ſchleud bcliche B bot unſon nen; ſie der fur di den Porthe und mehr zogen: Ki hh; aber nenden St hie Augen Nun tenohner iſe beni⸗ iihren ihn file und e ien zu hi IM. ite den Albane ht, als Jung⸗ h ſeine n Yara⸗ iher der je meht t Mhem elektriſch ihn ſi rſchreckt ntücken⸗ chend die flein ta⸗ an den fſe ſch rlen fiſt ſcha aus eim An⸗ n glͤh⸗ ftan und uckte ihn die Tür ſch ſi⸗ wenn ſi ie Söl⸗ ſie den 321 Himmel erſtuͤrmen. Aber die Sulioten hatten ſchon die Engpaͤſſe ihrer Berge erreicht, und als ſie der Feinde Anſtuͤrzen gewahrten, machten Photos, der Moͤnch und Kaido, umgeben von den leichter be⸗ packten Kriegern, Front keck die Stirn den anruͤcken⸗ den Tuͤrken zu bieten, und den Marſch ihrer Lands⸗ leute zu beſchuͤtzen, den dieſe auch ruhig in ihren Ruͤcken fortſetzten. Vergebens hatten die Albaneſen gebruͤllt, wie ſie ſahen die Entſchloſſenheit, womit die Palikaren, ſie zu empfangen bereit, gelaſſen anlegten die ſichern Tod ſchleudernden Büchſen, ſiel ihnen das augen⸗ blickliche Brauſen des Muthes und Ismael Paſcha bot umſonſt alles Moͤgliche auf, ſie neu zu entflam⸗ men; ſie waren zu keinem Angriff zu bewegen und der fuͤr die Jungfrau ergluͤhte Paſcha gewann nur den Vortheil zu ſehen, wie ſich vorſichtig immer mehr und mehr die Sulioten drohend in ihre Berge zuruͤck zogen: Kaido entſchwebte ihm wie der raͤchende Se⸗ raph; aber zuruͤck ließ ſie in ſeinem Herzen den bren⸗ nenden Stachel des leidenſchaftlichen Begehrens ihres die Augen entzuͤckenden Koͤrpers. Nun war auf einige Zeit die Noth der Berg⸗ bewohner gehemmt; auch die geſchloſſenen Buͤnd⸗ niſſe bewieſen ſich jetzt bald fuͤr ſie vortheilhaft und fuͤhrten ihnen Manches zu, das ſie durch kuͤhne Aus⸗ faͤlle und eben ſo kuͤhne Ruͤckzuͤge in ihre Felſen wuß⸗ ten zu bringen. Als Aly Paſcha jedoch von allen die⸗ III. 21 322 ſen Kunde vernahm, war ſein Zorn ohne Grenzen; er wuͤthete in ſeinem Heere und ſchrie uͤber Verrath, ließ köͤpfen und aufknuͤpfen, und nur mit vieler Muͤhe konnte ſich Ismael bei ihm rechtfertigen. Doch all dieſes Toben und Raſen nutzte ihm nichts; taͤg⸗ lich wurden die Sulioten verwegener, griffen ſogar die Feſtungen an und zogen reichlich Lebensmittel und Munition an ſich, und ſchuͤchterten durch ihre Verwegenheit die Albaneſen ſo ein, daß dieſe den Ge⸗ horſam verweigerten.— Trotz dem verlor der Ty⸗ rann die Hoffnung nicht, ſeinen zerſtoͤrenden Zweck zu erreichen; was ihm die Gewalt der Waffen nicht konnte erringen, ſollte ſein Gold nun bewirken.— 2. In dem Hauſe des Polemarchen ſaß Dimos gerwas der alte treue Freund der Familie Tſavellas und der Prieſter Samuel, ſich mit Photos uͤber das Wohl der Republik und fernere Verfahren des Krie⸗ ges gegen Aly Paſcha berathend. Auch die Frauen Moſcho und Kaido nahmen Theil an der Unterre⸗ dung: Sie bekaͤmpften ebenfalls mit den Feind, nicht ſcheuend, deſſen Pulver und Blei und ihre Tapferkeit hatte ſich daher auch eine Stimme im Rathe errungen. Ein Bote trat ein und brachte Depeſchen, die der Tyrann von Jannina geſendet. Der Polemarch iberg die nr in Bl Nſn Sinn wagen auf ſlben den n ſchien ſe zu muͤſſen. ihn ungewi und Kaido dieſem das Nönch wu ſonſt inmer Geſchtes ſc gebens ben Stimmung kuiſten ſei marhen u dus Papi ſane Lerf wohl, wie zu forden. ſich einet nicht uber Mopieres e hald werde Brritt ſiht Euch udwiypn Brinzen; Venath, t vieler n. Doch Ns; täg⸗ fen ſogar ensmittel uch ihre den Ge⸗ der Ty⸗ en Zweck ffen nicht en.— Dimos Iſabellas let das des Krie⸗ e Ftauen Unterr⸗ n Feind, un ihn imme im 6 polena 323 uͤberflog die Papiere und legte ſtumm ſie bei Seite; nur ein Blatt hielt er noch in der Hand und ſchien deſſen Sinn nicht faſſen zu koͤnnen, oder nicht zu wagen aufzuſchlagen die Augen, um den Inhalt deſ⸗ ſelben den Verſammelten nicht ſogleich zu verrathen; er ſchien ſein Inneres erſt beruhigen, erſt ſammeln zu muͤſſen. Langſam erhob er dann den Blick, ließ ihn ungewiß ſchweifen uͤber Dimos Zerwas, Moſcho und Kaido und heftete ihn darauf auf den Prieſter, dieſem das Blatt ſchweigend uͤberreichend. Auch der Moͤnch wurde nachdenkend nachdem er geleſen; ſeine ſonſt immer in gleicher Faſſung beharrenden Zuͤge des Geſichtes ſchienen Beſtuͤrzung auszuſprechen und ver⸗ gebens bemuͤhte er ſich durch einen tiefern Ernſt die Stimmung ſeines Innern zu bemaͤnteln. Mechaniſch kreiſten ſeine Blicke ſodann gleich denen des Pole⸗ marchen und ebenfalls ſtumm gab er dieſem zuruͤck das Papier.— Den Anweſenden konnte dies ſelt⸗ ſame Verfahren nicht entgehen, und die Frauen ſo⸗ wohl, wie Dimos Zerwas, ſchienen eine Erklaͤrung zu fordern. Endlich begann der Moͤnch als habe er ſich einer ſchweren Pflicht zu entledigen:„Zuͤrnet nicht uͤber unſer unheimliches Schweigen; aber des Papieres Inhalt iſt von druͤckender Laſt und nur zu bald werdet Ihr deren Schwere tief mit uns fuͤhlen. Bereitet Euch vor das Schlimmſte zu hoͤren und ſtahlt Euch mit Muth es in Ergebung zu tragen und wappnet Euch mit heroiſcher Kraft dem Voter⸗ 21* 324 lande die hoͤchſten Opfer zu bringen, die vielleicht ſeine Erhaltung duͤrften erheiſchen; aber laßt auch die Hoffnung nicht verſengen in Eure Herzen, daß ſich noch Alles zum Gluͤcke und Gutem zu leüken ver⸗ mag und nur voruͤbergehend iſt der Schmerz, doch dauernd herrlich die Freude.“ Eine dunkele Ahndung durchbebte Kaido; doch Moſcho und Zerwas, ſchon mit ſo vielen Gefahren vertraut geworden im Leben, die ihre Herzen ſtark ertragen und oftmals ſiegend hervorgegangen aus drohendem Untergange, den ſelbſt die kühnſte Hoff⸗ nung nicht zu bezwingen gedachte, und daran ge⸗ woͤhnt, alles dem Vaterlande willig zu opfern, baten des Geheimniſſes Schleier zu luͤften. Noch einen bedeutenden Blick warf Photos auf die leis bebende Schweſter: allein ſie hatte ſich ja im Kampfe als Heldin bewaͤhrt und war Suliotin aus edlem Hauſe und konnte nicht weibiſch zittern noch klagen; auch ſie mußte wiſſen zu entſagen fuͤr des Vaterlandes heilige Freiheit. Und es begann der junge Polemarch:„Der Tyrann iſt geſchaͤftig, mit ſeinem Golde die von uns geſchloſſenen Buͤnd⸗ niſſe mit unſern Nachbarn zu brechen, und bereits iſt es ihm ſchon leider zu Delvino gegluͤckt; der Be⸗ fehlshaber des Kaſtells hat, von Aly beſtochen, unſere Geiſeln ihm ausgehändigt und nur noch iſt von ih⸗ nen am Leben Dimos, Dein Sohn, und Kitſos mein Bruder!“— Einen Augenblick hielt Photos inne un de dann fihr e rliden, we geben.— ſen, entſche ihret Kinde Tief e was regun eiſchuttert gefeſelt mi Kaido glich her erſtar Midchen ſe den bleich goßer gi ſtibſe de reiner dirt rettende 2 ſchwinmen Unemlich Ein lodtenihnl Hrzen wa die kippen zuie Ha pern der 1 und von: llenglos ſ vielicht auch die daß ſih ken ver⸗ t, doch do; doch Gefahren tzen ſink gen aus ſte Hof⸗ aran ge⸗ n, baten hotos auf te ſich ja Sulivtin ſch zite ſtgen für ß begann xihifig en Bünd⸗ d bereitz det Be⸗ en, unſere ſtwn i t Phte 325 inne, um den Uebrigen Zeit zur Faſſung zu laſſen, dann fuhr er for:„Aber auch ſie ſollen lden Tod erleiden, wenn wir dem Paſcha nicht Suli ſofort uͤber⸗ geben.— Ehe wir nun den Senat zuſammen ru⸗ fen, entſcheide Dimos und Moſcho juͤber das Loos ihrer Kinder.“ Tief ergriffen von dieſer Kunde ſaß Dimos Zer⸗ was regungslos in ſich verſunken; auch Moſcho war erſchuttert davon und wie gelaͤhmt auf ihrem Sitze gefeſſelt mit zerreißendem Schmerze im Herzen, und Kaido glich einer Bildſaͤule fruͤher lebenden Koͤrpers, aber erſtarrt in dem Augenblicke, wie fragend das Maͤdchen ſah an den Himmel, die Worte noch auf den bleichen Lippen: dies konnteſt Du mir thun großer guͤtiger Vater, mir deinem ſchuldloſen Ge⸗ ſchoͤpfe, das ſtets im frommen Glauben an dich, in reiner Liebe, ihre ganze Hoffnung ſetzte auf Deine rettende Allmacht und unendliche Gnade! und halb ſchwimmend die Thräͤnen im Auge, ausdruͤckend den unermeßlichen Schmerz des heiß liebenden Buſens. Eine lange Pauſe des Schweigens hatte ſich todtenaͤhnlich auf alle gelagert; nur das Pochen der Herzen war hoͤrbar, ſonſt alles ſtill, keiner wagte zuerſt die Lippen zu oͤffnen. Endlich hob Dimos Zerwas das greiſe Haupt; Thraͤnen rollten aus den buſchigen Wim⸗ pern der Augen uͤber die von der Sonne verbrannten und vom Alter gefurchten Wangen, und dumpf und klanglos ſprach er, aber feſt ohne zittern:„Er ſterbe! 326 Es iſt der einzige Sohn, den ich hoffnungsvoll fuͤr mein Alter erzog es zu ſtuͤtzen mit liebender Pflege; aber das Vaterland kann um ſolchen Preis nimmer werden verkauft! Es ſchlachte der Wuͤthe⸗ rich ihn: aus ſeinem Blute bluͤhe aufs Neue Sulis Freiheit!“ Die harten Worte des Vaters, der den einzigen Sohn dem Voaterlande opferte, brachten erſt wieder Leben in die ſchoͤne Erſtarrte; ſie fuhr mit der Rech⸗ ten an die linke Seite der Bruſt, als durchſchneide ein Dolch den ſchwellenden Alabaſter und ein leiſer Seufzer entquoll den wieder ſich roͤthenden Lippen, waͤhrend ihre Augen ſich faſt flehend auf die Mutter hefteten: nicht einen gleichen Ausſpruch wie der ihr gefuͤhllos daͤuchtende Zerwas zu thun.— Allein auch der alten Heldin war ſchneidend des greiſigen Kriegers Stimme durchdrungen; ſie ſelbſt hatte nie den Tod geſcheut und den Saͤugling auf dem Arme ſich in die Reihen der Feinde mit dem vernichtenden Schwerte geſturzt, wie Suli einſt ebenfalls hart be⸗ draͤngt bald waͤre erobert, und ihr Beiſpiel hatte an⸗ gefeuert die Maͤnner und Weiber zum Kampfe und die Freiheit wurde ſiegend errungen. Aber jetzt war die Gefahr ihr nicht ſo nahe vor Augen, der Saͤug⸗ ling war zum bluͤhenden Juͤnglinge unter tauſend⸗ facher Sorge gereift, und dem Henker ſollte ſie ihm nun uͤbergeben.— Kaido ſah der alten Frau beben⸗ des Zagen, und ſie ſchoͤpfte Hoffnung fuͤr ihre Liebe; wie wat es Liebling a ihten Herz uſen Bli egeſſen bornen nit det e lich oft ih im zarten hetzigen riſen. D den Gede des Jing derte den und Pfli De riſeltet tette, un „Er ſterl nicht die kilie ge loſer Er Kei pel der ihem B ich! 9 dit im ungsvoll liebendet en Preis Vüthe⸗ ue Sulis einzigen ſſt wiedet det Rech⸗ chſchneide ein leiſet Lippen, t Mutter ie der ihr Mlein greiſigen hatte nie den Ume nichtenden hat b hatte on⸗ mpfe und jett war er Siug⸗ r tauſend⸗ te ſie ihn — rau bebe hre Liebez 327 wie war es auch zu verlangen, daß die Mutter den Liebling auf den Block ſollte liefern, den ſie unter ihrem Herzen in ſchoͤnſter Hoffnung getragen, bei deſſen erſten Blick in die Welt ſie die eigenen Schmerzen vergeſſen und entzuͤckt in das klare Auge des Neuge⸗ bornen geſchaut, den ſie an ihren Bruͤſten geſaͤugt mit der eigenen Staͤrke des Lebens und der unend⸗ lich oft ihr dafuͤr dankbar gelaͤchelt, der die Zuͤge trug im zarten Antlitze des Mannes ihrer Liebe, des hoch⸗ herzigen Helden, den leider ſchon der Tod ihr ent⸗ riſſen. Das Mutterherz ſtraͤubte ſich empoͤrend bei dem Gedanken, daß der Mund ausſprechen ſollte des Juͤnglings Vernichtung; aber das Vaterland for⸗ derte den Preis; ſie kaͤmpfte ſchrecklich zwiſchen Liebe und Pflicht: es war eine furchtbare Pruͤfung. Der Kampf war entſchieden; ein Schauer uͤber— rieſelte die alte Heldin wie der des Todes; ſie zit⸗ terte, und doch ſprach ſie mit entſtroͤmenden Zaͤhren: „Er ſterbe!“— Weiter wollte indeß ihr die Stimme nicht dienen und erſchoͤpft ſank ſie zuruͤck, wie die Lilie gebrochen vom Sturm dahin ſinkt auf gefuͤhl— loſer Erde. Kein Seufzer entſtieg diesmal dem ſchoͤnen Tem⸗ pel der Jungfrau, nur die Frage ſchien wieder in ihrem Blicke erſtarrt:„Weib, wie iſt Dir dies moͤg⸗ lich! Haſt Du kein Herz, was zartfuͤhlend ſchlaͤgt Dir im Buſen, iſt Deine Seele rauh wie die der un⸗ 328 empfindlichen Maͤnner, die ihrem Goͤtzen kalt das Theuerſte opfern, nur um ihren Goͤtzen zu froͤhnen!?“ Der kriegeriſche Prieſter hatte die Jungfrau beobachtet, er verſtand den Ausdruck ihrer Seele und liebreich trat er zu ihr. Segnend legte er ſeine Rechte auf ihre blendende Stirn, aber erſchreckt zog er ſie wie⸗ der zuruͤck, als kalter Schweiß die Hand ihm be⸗ thaute. Dann ſprach er ſanft:„Ermanne Dich, Kaido! Es legt der Vater den Sohn, die Mutter den Letztgebornen auf den Altar des Vaterlandes ſein Heiligthum dadurch zu bewahren; es lege die Jungfrau auch den Geliebten dahin. Groß iſt das Opfer, doch nimmer geht es verloren, was Du im Glauben entbehrt waͤhrend des irdiſchen Daſeins leuchtet Dir dort in ewiger Liebe: die ſtrahlende Hoff⸗ nung winkt Dir der Seligkeit dauerndes Gluͤck.“— Leiſe kuͤßte Kaido die Hand des Prieſters, und wie das vom ſchweren Fuße herunter getretene Veil⸗ chen ſich ſanft wieder erhebt, wenn es der lauen Fruͤhlingsnacht koͤſtlicher Thau ſtaͤrkend gelabt und die Sonne freundlich ihm laͤchelt am roſigen Mor⸗ gen, ſtand ſie auf und ſprach in ergebener Demuth: „Ich bin gefaßt, heiliger Vater; was auch der Höchſte beſchloſſen; es wird mich ſtaͤrken der Glaube, es wird mich troͤſten die Liebe, es wird mich erquicken die Hoffnung.“ Det G des edlen Noſcho bei dem Befch Naſcha ver denn jedet wurde als ten auch ih nen Bribe Ausfall eine Jett efüllt; de ten aus d weiſelte lücklichen Ziele bei durchwogte i ihen 2 ſhnimeri forfuhr n und iſer und die B iu nehmen, Dir net klöſerl Kgen un lt das en!?“ ngfrau le und Rechte ſit wie⸗ ihm be⸗ Dich, Mutter erlandes ege die iſt das Du im Daſeins e Hof⸗ — und ſe Wil⸗ lauen bt und . Nor⸗ demuth: buſe be, e icen gezogen und der Senat hatte ihn zum Befehlshaber 8. Der Senat hatte dem hochherzigen Entſchluß des edlen Dimos Zerwas und der alten Heldin Moſcho beigeſtimmt und die Exequien fuͤr die von dem Befehlshaber des Kaſtells von Delwino an Aly Paſcha verkauften Geiſeln waren feierlichſt gehalten; denn jeder Suliote, der in des Tyrannen Haͤnde fiel, wurde als todt betrachtet. Aber die Palikaren hat⸗ ten auch ihre bereits verlorenen und verlorengegebe⸗ nen Bruͤder furchtbar geraͤcht und bei einem kuͤhnen Ausfall eine Menge Tuͤrken erſchlagen. Jetzt glaubte Pilios Guſſis ſeinen Plan ſchon erfuͤllt; der Nebenbuhler war von ſeinen Landsleu⸗ ten aus der Liſte der Lebenden geſtrichen und er zweifelte nicht, daß Aly in ſeiner Blutgier den Un⸗ gluͤcklichen bald ſchlachte, und die Hoffnung ſeinem Ziele bei Kaido ſich nun unaufhaltſam zu nahen, durchwogte ihn um ſo mehr, als die Jungfrau nichts in ihrem Betragen gegen ihn geaͤndert; ſie war nur ſchwärmeriſcher geworden im Glauben, den Samuel fortfuhr mit Begeiſterung den Sulioten zu predigen und öfter noch wie fruͤher ergriff ſie das Schwert und die Buͤchſe an den Ausfallen der Maͤnner Theil zu nehmen, kalt trotzend den groͤßten Gefahren.— Der kriegeriſche Moͤnch war faſt ganz nach ſei⸗ ner kloſterlich eingerichteten Feſtung St. Veneranda 330 daſelbſt ernannt. Auch Kaido und Moſcho waren vielfach dort mit dem Kriege beſchaͤftiget und die Zeit, die dieſer nicht nahm in Anſpruch weihten ſie der Re⸗ ligion und der Bitte um Rettung der wenn auch ſchon verloren gegebenen geliebten Opfer. Oſftmals ſtand die Jungfrau auf dem zwei kleinen Kanonen tragenden Hauptthurm von St. Veneranda und blickte mit den ſchoͤnen Augen bei betenden roſigen Lippen gen Jannina, immer noch die Hoffnung im Herzen, der Geliebte werde erſcheinen und der Bru⸗ der ihn begleiten. So ſtand ſie auch eines Tages. Der rechte Arm lehnte an eine Kanone und die Haͤnde waren gefaltet. Ihr in den Ruͤcken war Pilios Guſſis leiſe getreten, faſt eben ſo reglos die reizende Jungfrau betrachtend, wie ſie unbeweglich ſchaute in die Ferne; aber ſeine Augen ſpielten in brennendem Verlangen, als wolle er die zarten Formen einſau⸗ gen und mit ſich verweben, und unwillkuͤhrlich ſchweif⸗ ten ſeine Blicke mehrmals ab von der herrlichen Geſtalt nach dem zur Seite liegenden Thurme von Vila. Ein Schauer durchfuhr ihn; es ſchuͤttelte ihn ſo heftig, daß die Waffen klirrten und er ſelbſt erſchrack, und Kaido ſich umwendend jetzt ihn ge⸗ wahrte. Der Jungfrau Antlitz umſchwebte eine hei⸗ lige Ruhe, und noch einmal nach der Gegend von Jannina ſich wendend, wollte ſie den Thurm ſchwei⸗ gend verlaſſen. Allein Pilios Guſſis, unter der Zeit gefaßt, vertrat ihr den Weg und ſprach:„Verzeih, —— wnih ſiht Suli Oih zu ſe den Deine ußzubieten „Wo iſt auch „In „In „Vo und meine fir immer, felt; nur lich: Du Tod Dir „Un nung“ v „auf im men; ich Gegenwan ich nima Ein denſchaft Sprchen vetgebens lag er ſi unſchlin „J waren ie Zit, der Re⸗ nauch ſtmals Ranonen da und roſigen nung in der Bru⸗ Teges. und die a Nilios e nizende ſchaute in emnenden en einſau⸗ ſtn herrlichen Thum ſchüttelt er ſelbſt tt ihn ge eine hi⸗ egend von mn ſhwi t der Zeit Vurzih 331 wenn ich Dich ſtoͤrte; ich kam jedoch in guter Ab⸗ ſicht; Suli iſt ſeinem Untergang nahe, und ich liebe Dich zu ſehr, um Dich nicht warnen zu ſollen vor den Deiner Perſon drohenden Gefahren; nicht alles aufzubieten, Dich zu retten.“ „Was uͤber Suli verhängt,“ verſetzte Kaido, „iſt auch mein Schickſal; faͤllt es, falle auch ich.“ „In die Hände der Tuͤrken!“ „In die des Todes; mir bleibt keine Wahl.“— „Womit Du zugleich mir mein Urtheil ſprichſt und meine Hoffnung auf Deinen Beſitz niederſchlaͤgſt fuͤr immer, die mich bis jetzt noch truͤgeriſch umgau⸗ kelt; nur zu ſehr iſt meine Ahndung mir nun deut⸗ lich: Du liebſt Drakos und ſein Geſchick macht den Tod Dir erwuͤnſcht.“— „Und Pilios Guſſis hat durch Drakos Entfer⸗ nung,“ verſetzte die Jungfrau ernſt und mit Wuͤrde, „auf immer ſeine Bewerbung um mich zuruͤckgenom⸗ men; ich bitte Dich daher, mich ferner mit Deiner Gegenwart zu verſchonen und Deine Hoffnung, die ich niemals anfachte, gänzlich zu daͤmpfen.“ Eine fluͤchtige Roͤthe uͤberzog das Antlitz des Lei⸗ denſchaftlichen und Kaido verſuchte waͤhrend dem Sprechen abermals den Weg zu gewinnen; jedoch vergebens; denn ehe ſie den Bewerber noch umkreiſte, lag er ſchon zu ihren Fuͤßen und ihre Knie ſtuͤrmiſch umſchlingend, flehte er:„Vergieb!“ „Ich habe Dir vergeben,“ ſprach ſie ſchonend, — 332 „Dir iſt die hohe Kraft, die Geliebte gluͤcklich zu ma⸗ chen durch eigene Entſagung nicht gegeben und des⸗ halb war Dir auch das gelobte Freundſchaftsbuͤnd⸗ niß nicht heilig. Laß jetzt wenigſtens das Gefuͤhl Dich noch durchwehen, daß das Weib nicht lieben kann, wo ſie nicht zu achten vermag. Haſt Du auch meine Freundſchaft verſcherzt auf edle Achtung ge⸗ gruͤndet, ſuche nicht noch durch unlauteres Betragen Verachtung Dir zu erringen. Stehe auf und nie wieder wage es mich zu beruͤhren.“ Dunkle Gluth goß dieſe Sprache uͤber die Wan⸗ gen des Knieenden; er bebte und Zorn und Leiden⸗ ſchaft durchwuͤhlten ſein Inneres, und die Letztere die Oberhand gewinnend, druͤckte er feſt ſeinen Kopf an die Jungfrau, wenigſtens zu genießen, was der Augenblick ihm reichte. Erſt auf die wiederholte Mahnung Kaidos ſprang er auf.„Verſuche den Veſuv zu loͤſchen,„rief er, aber nicht das Feuer, was mich gluͤhend verzehrt. Mein mußt Du ſein und ſollte ich dadurch ewig die Verdammniß erwerben. Ich bin meiner nicht mehr maͤchtig, ſobald meiner Liebe es gilt, wie der Don⸗ ner durchrollt ſie meine Adern, und wie der Blitz durchzuckt ſie meine Nerven; es iſt ein Toben und Sengen, ein Brauſen und Ziſchen, als wollte das Feuer ſich mit dem Waſſer vermaͤhlen. Meine Sinne ſind befangen wenn ich Dich nicht ſehe in aͤngſtlich peinigendem Stumpfſinn und wenn Du mir leuch⸗ tß, it tie min Beg vor Vetzw „Ung zu beklage Deiner L an Drakd die Exequ der Lede Nebel nac umbiſtert der leidenſ däucht, n und ver leichten „Pe chend u wihrend von Vil iitter fü lockend preis, ale iner ſich dih ihn nſin af nich zu me⸗ und des⸗ Gefühl h liehen Du auch tung ge⸗ Betragen und nie ie Wan⸗ Leiden⸗ Letztete ſen Kopf was der ſptang „rif et, vetzehrt. ewig die ht meht der Don⸗ der Blit ben und ollte des ne Sinn ingſlih nit luch⸗ . teſt, iſt rieſig mein Verlangen und graäßlich brennend mein Begehren. Gieb Dich mir und ſchuͤtze mich vor Verzweiflung!“ „Ungluͤcklicher!“ verſetzte Kaido ſanft;„Du biſt zu beklagen, und erregſt mein Mitleid; aber ich kann Deiner Leidenſchaft nicht froͤhnen, ſelbſt bände mich an Drakos kein Eid, geleiſtet in heiliger Kapelle, als die Exequien fuͤr den Edlen wurden gehalten. Denn der Leidenſchaft Gluth verdampft wie der druͤckende Nebel nach oben, iſt das wilde Verlangen geſtillt und umduͤſtert dann ſchwer die Sonne des Lebens. Was der leidenſchaftlichen Hand Gold beim Erringen ge⸗ daͤucht, wird nur zu bald in ihr gemeines Metall und verworfen, iſt der Schein ihm erloſchen, oder leichten Preiſes verkauft!“ „Verkauft!?“ wiederholte Pilios Guſſis erblei⸗ chend und ein Schauer uͤberrieſelte ihn abermals, waͤhrend ſeine Blicke wieder fluͤchtig nach dem Thurme von Vila ſchweiften.„Nimmer vor mir, aber ich zittere fur Dich; denn des Tuͤrken Anerbieten iſt zu lockend und Du giebſt Dich zu ſehr den Gefahren preis, als daß nicht Gelegenheit dazu ſein ſollte und einer ſich finden, den ſchweren Lohn zu verdienen und Dich ihm uͤberliefern.“ „Wie ſoll ich dich verſtehen, Pilios?“ fragte die Jungfrau:„hat Aly Paſcha vielleicht einen Preis auf mich geſetzt, daß man mich ihm ausantworte, da⸗ 8 334 mit er mich und Drakos zuſammen toͤdte und den Bruder, und ſich an unſern Qualen ergoͤtze?“ „Nicht Aly Paſcha trachtet bis jetzt nach Dir, wenn gleich Du ihm ein Dorn im Auge auch ſein magſt, „verſetzte Pilios Guſſis.„Siehe dort hin gen Vila! Erkennſt Du nicht jenen Tuͤrken, der mit dem Po⸗ lemeskop allein Dich fixirt, ſo bald Du Dich ſehen laßt hier auf dem Thurme! Er iſt es, der zwanzig tauſend Piaſter bietet dem, der Dich ihm uͤbergiebt!“ „Ismael Paſcha wird ſo hohen Werth nicht um mich verſchwenden,“ entgegnete Kaido, nachdem ſie ſcharf in die Ferne geſpaͤht;„Du biſt wohl irrig berichtet.“ Der Palikare zog einen Brief hervor und uͤber⸗ reichte ihn Kaido.„Lies!“ ſagte er,„die Zuͤge die⸗ ſer Schrift und ihr Sinn ſprechen nur zu deutlich aus ſein Begehren und heben jeden Zweifel.“ Die Jungfrau las; dann faltete ſie das Papier wieder zuſammen und gab es zuruͤck.„Die Adreſſe iſt an Dich,“ ſprach ſie gelaſſen,„und es koͤmmt nun auf Dich an, ihren Inhalt zu verbreiten oder willſt Du ſelbſt den Lohn Dir verdienen?“ „Zum Gluͤck an mich,„verſetzte Pilios Guſſis, „aber meinſt Du, Ismael wird ſich damit beruhigen, wenn auch ich nicht willig die Hand zur Ausfuͤh⸗ rung ſeines Planes ihm biete; ſo gut wie er aus Zufall mich waͤhlte, Dich ihm zu verkaufen, wird er an Andere ebenfalls den Antrag formiren, und nicht jeder Sili den kehnt „Du ibigen ho „Und hatem zu Glaubens hrichſt dan meinetweg Pilios Gu ni liebt d ſchlägt und zug mu Du aufni Dich dabe Du vielle „De ſch und aus welch lihen ſcho Gie dem Bro ch vetyſ und auch lnwi Junnine, ſir Drnkt Guſſs ſi und den 2 nach Dir, in magſe, en Bila! dem Po⸗ ich ſchen zwanzig ergiebt!“ nicht um chdem ſie ohl irrig und über⸗ ʒůge die⸗ deutlich Popier e Aoreſſe s kömmt ten odet 3 Guſſis, eruhigen, Ausſih⸗ et aus wird er und niht 335 jeder Suliote moͤchte der Verſuchung entgehen und den Lohn verſchmaͤhen, wie ich.“ „Du thuſt nur des Landsmaͤnnes Pflicht, im uͤbrigen hoffe ich, Gott wird mich ſchuͤtzen.“ „Und findeſt es nicht ſo ſchrecklich des Tuͤrken Harem zu zieren, als mir anzugehören in Deines Glaubens ſchwaͤrmeriſcher Hoffnung; freilich Du brichſt dann nicht Deinen Eid, der doch nur wohl meinetwegen wurde geleiſtet; denn der Tuͤrke iſt nicht Pilios Guſſis der Dir verhaßte, weil er Dich wahnſin⸗ nig liebt, der zwanzigtauſend Piaſter deinetwegen aus⸗ ſchlagt und den dafuͤr auch nicht ein guͤtig lächelnder Zug nur belohnt. Deſſen wohlgemeinte Warnung Du aufnimmſt mit eiſiger Kaͤlte, als wollteſt Du Dich dabei in Gleichguͤltigkeit uͤben, und deſſen Liebe Du vielleicht im Innern verlachſt.“— „Deſſen Wahn ich bedaure von Herzen, daß er ſich und andere in die wogende Brandung geſtuͤrzt, aus welcher ſchwerlich ein rettender Arm die Ungluͤck⸗ lichen ſchoͤpfet. „Gieb Dich mir!“ rief Pilios Guſſis in wil— dem Brauſen;„gieb Dich mir und alle ſind gerettet! Ich verpfaͤnde mit meinem Leben das Deines Bruders und auch Drakos wird aus den Haͤnden Alys erloͤßt!“ Unwillkuͤhrlich richtete Kaido die Blicke nach Jannina, ſie war keinen Augenblick unentſchloſſen ſich fuͤr Drakos und den Bruder zu opfern, wenn Pilios Guſſis ſie Beide koͤnne erloͤſen und eben wollte ſie 336 ſich ihm verſprechen, als der Ungeſtuͤme noch einmal die Worte wiederholte, und Moſcho und Dimos Zer⸗ was und Photos auf der Zinne des Thurmes er⸗ ſchienen und hoͤrten wovon hier die Rede. „Er ſterbe!“ donnerte Dimos mit maͤchtiger Stimme;„ein Zerwas verdanke keinem Guſſis das Leben!“ Auch Moſcho wiederholte dieſe Worte nur mit Nennung des Namens ihres Stammes; und Photos trat auf Kaido zu und ſagte zu Pilios Guſſis:„Weiche! nie wird ſie die Deine, Tſavellas und Guſſis ſind zwei Pole, die ſich nimmer koͤnnen vereinen; auf Dir laſtet niedrige Schmach, Du haſt durch Argliſt und Falſchheit und Hinterliſt bei uns Dir Verachtung erworben.“— 9. Das Gold Aly Paſchas hatte richtig die ge⸗ ſchloſſenen Buͤndniſſe der Sulioten mit ihren Nach⸗ barn nach und nach getrennt und auch die uͤbrigen geſtellten Geiſeln in ſeine Haͤnde geliefert, die er an Zahl faſt dreißig zu Jannina ſaͤmmtlich ließ ent⸗ haupten. Aber ein Aufſtand der Armatolen und die Empoͤrung des Paſchas Georgim zu Adrianopel, ge⸗ gen den Aly auf Befehl des Großherrn ſeine Armee ſenden mußte, hatten den Tyrannen verhindert mit Kraft die Blokade und Eroberung von Suli fort⸗ zuſetzen, und die jede Gelegenheit wahrnehmenden — 4 Polikuun n ſet Zit Vo j ſinmeln tiriſchen H natolen wu und im Sp Nuftar, de hrianopel von Sulid Erobetung Mehrer wider um kleiſten V von der P dlich mit log jedoch et dir tayfe ſgfültig nuhm er z Golde unte Ein g lange Kri die Unzuft ien ertegt. leben mußt Guſis Jo Yons, u dyrnen UM. einmal 08 Zer⸗ mes er⸗ nöchiger uſſis das borte nur nes; und u Pilios Tſavellas er können Du haſt tbä uns ig di g⸗ ten Noch⸗ ie uͤbrigen die et an ließ ent⸗ n und die nopel, ge⸗ ine Urmee indett wit Sul fort nehmenden —— 337 Palikaren waren geſchäftig geweſen ſich waͤhrend die⸗ ſer Zeit Vorrathe an Munition und Lebensmitteln zu ſammeln und nun bereit jaufs Neue Trotz dem turkiſchen Heere zu bieten.— Der Aufſtand der Ar⸗ matolen wurde indeß bald zu Gunſten Alys gedaͤmpft und im Spaͤtſommer des Jahres 1801 erſchien auch Muktar, des Tyrannen älteſter Sohn, wieder von Adrianopel mit einem großen Heere vor den Bergen von Suli die Blokade abermals anzuheben und die Eroberung der Felſenfeſten mit Ernſt nun zu beginnen. Mehrere Monate lagen jetzt die Tuͤrken ſchon wieder um die Gebirge, ohne daß ſie auch nur des kleinſten Vortheils ſich konnten beruͤhmen, als Aly von der Pforte den ſtrengſten Befehl erhielt, nun endlich mit den Sulioten Frieden zu ſchließen. Dies lag jedoch nicht in dem Plan ſeiner Rache, womit er die tapfern Bergbewohner gedachte zu zuͤchtigen und ſorgfältig des Großherrn Verordnung verheimlichend, nahm er zur Liſt ſeine Zuflucht, daß ſie von ſeinem Golde unterſtuͤtzt ihm helfe ſiegen. Ein guͤnſtiger Zeitpunkt bot ſich ihm dar. Der lange Krieg, deſſen Ende noch nicht abzuſehen, hatte die Unzufriedenheit einiger reichen Suliotiſchen Fami⸗ tien erregt, die die große Einſchraͤnkung, worin ſie leben mußten, hoͤchſt unbequem fanden, und Pilios Guſſis Rache bruͤtend gegen Dimos Zerwas und Photos, verſaͤumte nicht, das Feuer zu ſchuͤrren. Dem Tyrannen blieb dieſer Zwieſpalt nicht verborgen; er 111. 22 338 ſetzte hierauf ſeine Hoffnung und die Unterhandlun⸗ gen mit den Unzufriedenen wurden ſchleunigſt ange⸗ knuͤpft. Mit anſcheinend guͤnſtigen Friedensvorſchlä⸗ gen ſanbte er daher einen abtruͤnnigen Sulioten, Kitſos Botſaris, an ſeine Landsleute ab, und ließ ihnen verſprechen, Alles auf den alten Fuß wieder zu ſetzen, wenn ſie ihm erlauben wollten, einen feſten Thurm in Suli erbauen zu duͤrfen, in welchem er den Kitſes Botſaris als Polemarchen mit noch andern vierzig Sulioten von ſeiner Phara legen wolle, die die Aufſicht uber dik Gebirgsbewohner fuhrten, damit er ſicher, daß ſie fernerhin ſein Gebiet nicht mehr beunruhigten. Recht gut ſah er aber auch ein, daß Photos Tſavellas nie ſeine Zuſtimmung hierzu ge⸗ ben wurde und der kuͤhne Held fuͤr ihn immer ge⸗ fährlich bliebe in den Gebirgen, und der Abgeſandte hatte daher auch die Hauptbedingung zu ſtellen: Pho⸗ tos ſolle des Vaterlandes werden verwieſen.— Zue voͤrderſt wandte ſich Kitſos Botſaris an den ihm von fruͤher ſchon befreundeten Pilios Guſſis und dieſer, dem die Anträge des Paſchas vorzuͤglich hin⸗ ſichts Photos erwuͤnſcht kamen, bot ſeinen ganzen Einfluß auf, ſeine Landsleute in heimlicher Stille da⸗ für zu gewinnen, und als er ſich der Stimmenmehr⸗ heit verſichert, trug der Abgeſandte dem Senate Alys Friedensvorſchlaͤge vor. Scheinbar verlangte man noch drei Tage Bedenkzeit; allein als ſie verronnen, wurden die Bedingungen des Tyrannen angenom⸗ mn und entfirnen. Sol nen Lank ren geger jedoch ſe in ihret vor die durchſcha Untergan trünnigen lichen T aufnehme der nut obziehen weht be rihmlic muel,! Luſt 0 jungen man m Niederl der St ſeinen nung de N ſommlu nahm terhandlun⸗ nigſt ange⸗ nsvorſchli⸗ Sulioten, und ließ Fuß wieder einen feſten chem er den ſoch andern nwolle, die ten, damit nicht mehr ch in, doß en immet g Abgeſandte ellen: Tho⸗ en.— Zl⸗ mden ihm Guſſis und ziglih hi⸗ inen ganzen er Stille de⸗ immenmeht⸗ Senate Ays langte man e verromel, n angen o⸗ 339 men und Photos eroͤffnet, daß er ſich aus Suli ſolle entfernen. Solche Undankbarkeit hatte der edle Mann ſei⸗ nen Landsleuten nicht zugetraut, ſolch ein Verfah⸗ ren gegen ihn nimmer vermuthet; kraͤftig erhob er jedoch ſeine Stimme, die Undankbaren noch einmal in ihrer Verblendung zu warnen; er fuͤhrte ihnen vor die Seele, den Plan des argliſtigen Paſchas durchſchauend, wie ſie mit raſchen Schritten ihrem Untergange entgegen gingen, wenn ſie einen Ab⸗ truͤnnigen des Vaterlan des und die Kreatur des ſchaͤnd⸗ lichen Tyrannen mit vielen Verraͤthern in ihrer Mitte aufnehmen und ſich ſo feig dem Feinde uͤberlieferten, der nur auf ihr Verderben ſinne, aber ſicher bald abziehen muͤſſe, falls ſie bei ihrer tapfern Gegen⸗ wehr beharrten und ihrem Muthe, den ſie bis jetzt ruͤhmlich bewieſen. Allein Photos ſowohl, wie Sa⸗ muel, der kriegeriſche Moͤnch, ſprachen nur in die Luft, Pilios Guſſis hatte bei ſeinen Landsleuten den jungen Polemarchen ſo zu verdaͤchtigen gewußt, daß man nur in ſeiner Warnung eine Weigerung der Niederlegung ſeiner Wuͤrde erblickte, und glaubte, der Stolz ſpreche aus ihm, und der Senat blieb bei ſeinem Entſchluß und drang auf ſofortige Entfer⸗ nung des ſiegreichen Polemarchen.— Mit bittern Gefuͤhlen verließ Photos die Ver⸗ ſammlung, wo die Tuͤcke mehr galt als die Tugend, nahm Weib und Kind aus dem Hauſe ſeiner Väter, 22 340⁰ ergriff die lodernde Fackel und ſie ſchleudernd in des Gebaͤudes brennbaren Raͤumen, uͤbergab er den Flam⸗ men das Aſyl hochherziger Helden, damit es nicht feige Tuͤrken entweihten. Thraͤnenden Auges wandte er dann den geliebten heimathlichen Bergen den Ruͤcken und ſchritt ins Exil nach Khortia begleitet von einer kleinen Schaar kuͤhner Gefaͤhrten. Moſcho und Kaido aber ſchloſſen ſich gaͤnzlich ein in St. Ve⸗ neranda mit Samuel. Freudig uͤberraſchte dem Paſcha die Nachricht der gelungenen Liſt; der wollte dem Botſchafter kaum glauben, denn er hatte ja lange genug den verzwei⸗ felten Muth und die berrſchende Einigkeit der Su⸗ lioten kennen gelernt, und wußte, wie reichlich ſie jetzt mit Vorraͤthen aller Art verſehen waren, um eine lange Blokade bequem aushalten zu koͤnnen. Aber das Erfreulichſte war ihm doch die Entfernung des Polemalrchen, deſſen große Beharrlichkeit und Tapferkeit und Vaterlandsliebe er fuͤrchtete, und es daͤuchte ihm nun leicht die endliche Eroberung Su⸗ lis vollenden zu koͤnnen. Um indeß noch leichter zu ſeinem Zwecke zu gelangen und auch den Verbann⸗ ten ſuͤr ſich zu gewinnen, ſandte er eine ehrenvolle Botſchaft an den abgeſetzten Polemarchen und ließ ihn nach Jannina einladen.— Photos war unent⸗ ſchloſſen, ob er den Tieger in der Höhle ſolle beſu⸗ chen, doch endlich ließ er ſich dazu von ſeinen Freun⸗ den bewegen und nahm die Einladung unter der Be⸗ dingung unerzug laubt ſei, zu zieher zu vorth bedenken likaren d um deſt Vi gen, eilt Junnina begrüßte. waren d herrliche ſcherzen übergro ſporte erreicht. Au St. P Geliebte iht das Unkomn Uhrdun niher 1 kunnte Ruten ſchn in d in des en Flam⸗ es nicht s wandn gen den beglitet Moſcho St. Ve⸗ hricht der tet kaum betzwei⸗ der Su⸗ ichlich ſie aren, um können. ntſemung Reit und „und es ung Su⸗ ichtet zu Verbann⸗ hrenvolle und ließ r unent⸗ lle beſt⸗ n Freun⸗ der Be⸗ 341 dingung an, daß Drakos und ſein Bruder Kitſos unverzuͤglich werde in Freiheit geſetzt und ihnen er⸗ laubt ſei, ſicher und ungehindert nach St. Veneranda zu ziehen.— Aly gab alles zu; der Tauſch war zu vortheilhaft fuͤr ihn, als daß er ſich haͤtte koͤnnen bedenken und ſelbſt offnete er den beiden jungen Pa⸗ likaren den Kerker und entließ ſie ohne Buͤrgſchaft, um deſto mehr Vertrauen ſich bei Photos zu erringen. Wie zwei junge Loͤwen, dem engen Kaͤfig entſprun⸗ gen, eilten Drakos und Kitſos aus dem Raubneſte Jannina muthig den Bergen zu, wo zuerſt das Licht ſie begruͤßte. Drakos Wuͤnſche und Liebe und Hoffnung waren dort, ihn zog die Sehnſucht machtig hin zu der herrlichen Jungfrau und befluͤgelte ſeine Fuͤße. Leicht ſcherzend warf der juͤngere Gefaͤhrte ihm vor ſeine uͤbergroße Eile, aber ein gluͤckliches Laͤcheln des Aeltern ſpornte auch jenen und bald hatten ſie die Gebirge erreicht. Auch heute ſtand Kaido auf dem Thurme von St. Veneranda. Sie wußte nicht, daß Photos den Geliebten und den Bruder erloͤſt, und doch ſchlug ihr das Herz hoͤher, als ſie in der Entfernung die Ankommenden noch wie Puncte gewahrte. Von ſuͤßer Ahndung ergriffen ſchaͤrfte ſie ihre Blicke; immer näher und naͤher kamen die Wanderer, ſie er⸗ kannte ſie ſchon fuͤr Griechen, und nach wenig Mi⸗ nuten leuchtete ihr das ſchoͤne Geſicht des Geliebten ſchon in deutlicher Klarheit.— Zu angenehm und 342 uͤberraſchend war ihr dieſe Erſcheinung; ſie glaubte ihre Augen getauſcht, die Lilienhand fuhr uͤber die ſeidenen Brauen, als wolle ſie den ſcheinbaren Zau⸗ ber loͤſen, um nicht der lieblichſten Hoffnung in Un⸗ gewißheit hin ſich zu geben, aber wieder erblickten ihre blauen Sterne die edlen Zuͤge des geliebten Juͤnglings und betend ſank ſie auf die Knie mit ge⸗ falteten Haͤnden, dem himmliſchen Vater zu danken. So fand ſie noch Drakos, nachdem er die Feſte betreten, den juͤngern Gefaͤhrten bei der erfreuten Mut⸗ ter gelaſſen und ſich nach Kaido erkundigt, fluͤchtigen Laufes die Steigen des Thurmes erſtiegen. Ein herrlicher Anblick entfaltete ſich ſeinen Augen, zwi⸗ ſchen den kleinen Kanonen kniete das Mädchen in reizender Schoͤnheit innig dankend dem guͤtigen Schö⸗ pfer fuͤr die Erfuͤllung der in ihren Buſen nie ganz untergegangenen Hoffnung, immer noch nicht genug des Gebetes waͤhnend fuͤr das Gluͤck, das die Liebe nur traͤumte. „Kaido!“ hauchte der Juͤngling mit zaͤrtlicher Stimme und war in Begriff nieder zu ſinken neben der Holden; aber der liebliche Ton war noch nicht verhallt, als ſie ſchon ſich erhoben und„Drakos!“ von den roſigen Lippen ſtammelnd, den lang Vermißten mit den runden Armen umſchlang. Es waren Worte nicht noͤthig die Gefuͤhle der Liebenden laut zu ent⸗ wickeln, die Lippe brannte an der Lippe, der wo⸗ gende Buſen wallte an der klopfenden Bruſt und ie Aune n in nomig ihnn die it Fůll. Doch voradieſes nen Seel ilios Gi tos Unku iichte nic war er ſ er lauſche nach den in glihe Setle. ſo kocht glöhend den Fu ben zu ertönte Bebend WVorte verließ N tyram glaubte uͤber die ren Zau⸗ in Un⸗ echlicten geliebten ie nit g⸗ u danken. die Feſe ten Mut⸗ lüchtigen n. Ein gen, zwi⸗ ädchen in gen Scho⸗ nie ganz cht genu die kiebe zůrtlicer ken neben noch nicht kos!“ von ermißten ren Vorte t zu ent⸗ det wo⸗ gruſt und 343 die Arme waren verſchlungen um Nacken und Nacken im wonnigen Rauſche unendlicher Liebe: es ſchwand ihnen die Umgebung, ſie fuͤhlten ganz ihrer Selig⸗ keit Fuͤlle. Doch wie der Boͤſe ſchaut durch die Pforte des Paradieſes, neidiſchen Blickes betrachtend der from⸗ men Seelen gluͤckliches Wallen, blitzten die Augen Pilios Guſſis auf die Umſchlungenen. Er hatte Dra⸗ kos Ankunft augenblicklich vernommen und dem Be⸗ richte nicht trauend, da es unmoͤglich ihm daͤuchte, war er ſchnell dem Juͤnglinge gefolgt. Jetzt ſah er lauſchend der Liebenden Wonne. Die Hand fuhr nach dem Dolche und preßte krampfhaft den Griff in gluͤhendem Zittern und Mord durchzuckte ſeine Seele. Beide ſollten ſie fallen als Opfer ihrer Liebe, ſo kochte jetzt die Rache in ihm verſchmolzen mit ſder gluͤhenden Eiferſucht Toben, und ſchon hob er leiſe den Fuß ſich wild auf ſie zu ſtuͤrzen, ihnen das Le⸗ ben zu rauben, als des Moͤnches Stimme von unten ertoͤnte und ſeine Gluth eiſig abkuͤhlend erſchreckte. Bebend ſcheu zog er ſich zuruͤck und unverſtaͤndliche Worte murmelnd von den heißen trocknen Lippen verließ er eilig den Thurm. 10. Mit hoher ehrenvoller Auszeichnung empfing der Tyrann den verwieſenen Polemarchen; er uberhaͤufte 344 ihn mit Schmeicheleien aller Art, pries ſeine Tapfer⸗ keit und Klugheit bis zur Verſchwendung und bot ihm reiche Geſchenke, angeblich ſeinen erlittenen Ver⸗ luſt im undankbaren Vaterlande zu erſetzen. Der junge Mann behauptete jedoch nur ſeine Pflicht ge⸗ than zu haben, die ſeine Landsleute auf ihn geladen und lehnte alles beſcheiden ab, was der Paſcha ihm reichte. Er wollte durch nichts an Aly binden ſich laſſen, noch weniger aber dadurch vielleicht ſeinem Vaterlande ſchaden; doch ſah er aber auch recht gut ein, in weſſen Haͤnde er ſich jetzt befand, um ſich von der Vorſicht bedachtſam leiten zu laſſen, ja womöglich ſelbſt Alys Geheimniſſe zu erforſchen, was dieſer ge⸗ gen Suli beſchloſſen und die ſeinen Landsleuten von großem Nutzen ſein konnten. Denn der Edle haßte nicht die, die ihn verbannten, er beklagte nur die irre gefuͤhrten Gefaͤhrten in ihrer Blindheit. Ebenſo vor⸗ ſichtig wie Photos war aber auch des Paſchas Be⸗ nehmen, jenen zur Rache gegen ſein Vaterland zu entflammen. Leis und entfernt nur beruͤhrte er an⸗ fangs dieſen Punkt, bis er getaͤuſcht durch den Po⸗ lemarchen immer mehr damit hervorruͤckte und end⸗ lich in einer geheimen Unterredung ſeine Plaͤne enthuͤllte. „Jetzt, mein lieber Sohn,“ wie er Photos ſchmei⸗ chelnd nannte, ſagte der Paſcha,„iſt Suli mein. Nur Dein Vater und Du hatten die Kraft, meine Armehn zu vernichten, doch ohne Eure Leitung ſind die Sulun ſnd mur rücken we und mithi duß es vel ſür daſſelb Pforte ſtr zu verich Schwert g nung ver pfen bring „Und wild die ſchen Dit gnglichte cher Suli terlandes Dir muth Begnüge pilig zug ſin zwiſch „Dat Ah zutn hen Schu den im A Volk unt inen St lch hat n Tapfer⸗ und het tenen Ver— ten. Der Pflicht ge⸗ hn geladen Paſche ihm binden ſich icht ſinen cht gut n ſich von womöglich dieſet g⸗ leuten von Fdle haßte ur die irte henſo vor⸗ ſchas Be⸗ terlond zu tte er an⸗ den Po⸗ und end⸗ ne Pläne os ſchmei⸗ zuli mein. ſt, meine 9 ſind die 345 Sulioten nicht mehr uͤbermenſchlich im Kampfe; es ſind nur rohe Krieger, die meine Heeresmaſſen er⸗ druͤcken werden, denn die Weisheit hat ſie verlaſſen und mithin die ſiegende Staͤrke. Schande uͤber Suli, daß es vergeſſen konnte, was die Familie Tſavellas fuͤr daſſelbe gethan; haͤtte ich nicht von der hohen Pforte ſtrengen Befehl, dieſes widerſpenſtige Volk zu vernichten, ich wuͤrde mich ſchaͤmen, noch ein Schwert gegen ſie zu zuͤcken. Mit Deiner Verban⸗ nung verwieſen ſie die Ehre, und Ehrloſe zu bekaͤm⸗ pfen bringt nicht Ruhm dem Sieger. „Und dennoch, Paſcha,“ verſetzte der Polemarch, „wird die Eroberung der Gebirge noch viel Men⸗ ſchen Dir koſten; ich kenne ihre Staͤrke und Unzu⸗ gaͤnglichkeit wohl am beſten, und es iſt noch man⸗ cher Suliote dort, der gleich mir geſinnt fuͤr des Va⸗ terlandes heilige Freiheit gern opfert ſein Leben und Dir muthig die Stirn bietet bis zum letzten Hauche. Begnuͤge Dich daher mit dem, was man ſchon gut⸗ willig zugeſtanden Dir hat und laß ſonſt Frieden ſein zwiſchen Dir und meinen Landsleuten.“ „Das darf ich nicht lieber Sohn,“ entgegnete Aly, zutraulich die Hand legend auf des Polemar⸗ chen Schulter;„ich kriege nicht mehr fuͤr mich, ſon⸗ dern im Auftrage des Großherrn und muß ihm dies Volk unterwerfen, das ſich erkuͤhnt hat lange genug einen Staat in ſeinen großen Staaten zu biltzn. Auch hat es mich zu viel ſchon gekoſtet, als 346 nicht an ihm ſollte ſaͤttigen meine Rache, es muß fallen! und wenn Du ein Mann biſt, muß auch in Deinem Buſen ſich die Rache entzuͤnden und Du vergelten die Schmach, die angethan Dir wurde.“ „Wie kann ich mich rächen, Paſcha,“ erwiederte Photos, die wahren Gefuͤhle ſeines Herzens, das lange ſchon ſeinen Landsleuten vergeben, mit Macht unterdruͤckend;„arm und verbannt bin ich ein Fluͤcht⸗ ling nur auf der Erde ohne Heimath, und muß fremde Dienſte bald nehmen, um mich und die Mei⸗ nigen kuͤmmerlich zu erhalten. Suli aber iſt ſtark befeſtiget und es bedarf nur wenigen Muth und ent⸗ ſchloſſene Fuͤhrung, um noch lange den groͤßten Hee⸗ resmaſſen zu trotzen. Vergebens wirſt Du daher noch viele Menſchen verſchwenden, und wenn es fuͤr Dich, der die Kraft fuͤhrt zu ſtark, was kann der arme Fluͤchtling dann thun? Nur beweinen kann er ſein Schickſal!“ „Ich will Deine Thraͤnen trocknen, geliebter Sohn,“ verſetzte Aly,„und Dich reichlich belohnen und Dir die Macht geben, Dich genuͤglich zu rächen an die Undankbaren, wenn Du nur einen kleinen Gegendienſt mir dafuͤr zu leiſten verſprichſt.— Recht gut weiß ich, wie viel die Eroberung der Gebirge mir moͤchte noch koſten; denn wenn auch Kitſos Bot⸗ ſaris in Suli den Befehl ubernimmt, iſt Suli noch nicht das ganze Gebirge und mir iſt mit jenem nur wenig geholfen. Gehe Du hin nach Kiapha und St. Venetat Samuel jetzt ind ſiche ſie ich nicht wſern zu z nſehen bei fir von mit vermagſt. Deine Rac an ganzen doch ſollen gung bleibe Des bei dem A er ſeine G ich gehe i anzutreten Dir vollbr Ueben alé Nuſte Al) Paſch echtn ſi os ſcharf ſer die Bl Du noch „Nein , es muß uß auch in d Du wurde.“ erwiederte rzens, das mit Macht ein Flüch⸗ und muß nd die Mei⸗ er iſt ſark th und ent⸗ tößten Her⸗ Du daher wenn es für —— nxn kann der weinen kann 1, glliebter ch belohnen ch zu richen einen klinen — Rt der Gebitge Kitſo Bot⸗ ſt Suli wo it jeen nu güphe un 347 St. Veneranda wo Dimos Zerwas und der Moͤnch Samuel jetzt als Polemarchen die Vertheidigung leiten, und ſuche ſie zu gewinnen mir die Feſtung zu raͤumen, daß ich nicht erſt noͤthig habe mein Heer an den Felſen⸗ neſtern zu zerſplittern, denn ich weiß, Du haſt großes Anſehen bei beiden Polemarchen und es werde Dir da⸗ fuͤr von mir der Lohn ſo viel Du an Gold zu tragen vermagſt. Fuͤr Suli buͤrgt mir Botſaris; aber fuͤr Deine Rache buͤrge ich Dir; ich werde ſie nehmen am ganzen trotzigen Volke mit furchtbarer Strenge, doch ſollen die Deinen verſchont von jeder Beleidi⸗ gung bleiben.“ Des edelmuͤthigen Mannes Seele empoͤrte ſich bei dem Antrage des Tyrannen; allein klug verbarg er ſeine Gefuͤhle und entgegnete:„Wohl, Paſcha, ich gehe ein Deine Befehle, noch heute erlaube mir anzutreten meine Miſſion, daß ich ſchleunig das Werk Dir vollbringe.“ Ueberraſcht durch die Bereitwilligkeit des ihm als Muſter der Tugend bekannten Mannes wurde Aly Paſcha mißtrauiſch; langſam ſtrich er mit der Rechten ſeines langen Bartes Fuͤlle und fixirte Pho⸗ tos ſcharf mit den Augen. Doch ruhig ertrug die⸗ ſer die Blicke und frei ſie begegnend fragte er:„Haſt Du noch etwas zu erinnern?“ „Nein, lieber Sohn,“ verſetzte der Mißtrauiſche, mnichts weiter, als ich bereits von Dir verlangte; 348 aber doch eine Kleinigkeit noch: was laͤßt Du mir als Buͤrge Dein Wort aufrichtig zu loͤſen?!“ „Ich verlange auch keine Buͤrgſchaft von Dir, Paſcha,“ entgegnete der Polemarch faſt mit Unwillen, „und habe auch nichts, was ich ſetzen Dir koͤnnte!“ „Von mir, lieber Sohn,“ ſprach Aly beſaͤnfti⸗ gend,„bedarfſt Du auch keine; denn wenn Du mei— nen Auftrag aufrichtig vollbringſt, werde ich mit Va⸗ terfreuden mein Gegengeloͤbniß Dir halten, da Du ſicher erkennſt, wie groß mir Dein Dienſt; aber biſt Du aus meinen Haͤnden und kehrſt nicht zuruͤck und hintergehſt mich faͤlſchlich: Du moͤchteſt zum zweiten Male Jannina wohl nimmer freiwillig betreten. Doch damit Du ſiehſt, welches Vertrauen ich in Dich ſetze, gieb mir den Handſchlag und Dein Ehrenwort nur zum Pfande, daß Du mir wieder kehrſt, wie Du auch Deine Sendung vollbringſt: Dies ſoll mir gnuͤgen.“ Photos bereute jetzt, ſich ſogleich bereitwillig ge⸗ funden zu haben, aber eine Weigerung des Verlan⸗ gens Alys konnte den Polemarchen nur offenbar ver⸗ daͤchtigen und er gab in ſeinem Edelmuthe daher ſchnell, was der Tyrann von ihm verlangte, und mit den beſten Gluͤckwuͤnſchen des Paſchas ſodann verſe⸗ hen, verließ er augenblicklich Jannina. Schnell verbreitete ſich in Suli die Ankunft des Verbannten, als Geſandter des Feindes. Man pries ſich gluͤcklich, den Mann verwieſen zu haben, der nur zum Tyrannen uͤbergegangen zu ſein ſchien und die kiſenungen Aber wie et den verſamr vicelte und iſungen 5 dn etmahn zu vertheidi Ns Tyrann ffneten ſich ſie ſahen di garnen gede is Oberau und ſelbſt d ſs früher g Unrecht ſie nit ſo vie ſie ihten 1 und einige ſumm vor gnze Volk in Suli z Kieges zu len Perl nung erlitte Photo zmen; al ungte erd ſs und di äßt Du mir en aſt von Dir, nit Uwilen, Rt könntel“ Alh beſinſti enn Du mei⸗ ich mit Pa⸗ lten, da Du ſt; abet biſßt tzurick und zum weiten etteten. Doch in Dich ſeze, tenwort ur wie Du auch mir gnügen.“ reitwilig ge⸗ des Verlan⸗ offenbar ver⸗ muthe daher gte, und mit dann veiſ⸗ Ankunft des Nan pries ben, det nut hien un di 349 Läſterzungen ſtempelten ihn ſchon zum Verräther. Aber wie erſtaunte man, als der Hochherzige vor dem verſammelten Senate Aly Paſchas Plaͤne ent⸗ wickelte und ſtatt ſeine Landsleute zur Uebergabe der Feſtungen zu bereden, ſie in feurig patriotiſchen Re⸗ den ermahnte, in Einigkeit ihr Vaterland und ſich zu vertheidigen und ſich nicht den Schlachtmeſſern des Tyrannen willig und feig zu uberliefern.— Jetzt oͤffneten ſich den tapfern Bergbewohnern die Augenz ſie ſahen die Hinterliſt, womit ſie der Paſcha zu um⸗ garnen gedachte, der Thurmbau und Kitſos Botſa⸗ ris Oberaufſicht in Suli wurde ſogleich verworfen und ſelbſt die Häupter der Pharas, die Pilios Guſ⸗ ſis fruͤher gewonnen, erkannten mit den Uebrigen, wie Unrecht ſie gegen den jungen Helden gehandelt, der mit ſo viel Liebe und Aufopferung ſeiner ſelbſt fuͤr ſie ihren Undank vergelte.— Nur Pilios Guſſis und einige ihm nahe verwandte Familien blieben ſtumm vor innerem Groll, ſonſt aber vereinigte das ganze Volk ſeine Bitten, den Verbannten zu bewegen, in Suli zu bleiben und wieder die Fuͤhrung des Krieges zu uͤbernehmen und verſprachen ihm gleich allen Verluſt zu erſetzen, den er durch ſeine Verban⸗ nung erlitten. Photos war nicht zweifelhaft was er ſolle be⸗ ginnen; aber um ſeine Landsleute zu pruͤfen, ver⸗ langte er die Verweiſung der Phara des Pilios Guſ⸗ ſis und dieſen ſelbſt, ſo wie einige der reichſten Fa⸗ 35⁰ milien, die er in Verdacht hatte, daß ſie mit dem Paſcha unterhandelt. Sie ſollten fuͤr immer ver bannt bleiben aus dem Gebirge. Die, welche des jungen Polemarchen Werth fuͤhlten, waren ſogleich bereit hierzu, ihre Stimme zu geben; allein da es grade die reichſten und weit verzweigteſten Familien waren, die Photos wuͤnſchte zu entfernen, zauderte der groͤßte Theil der Bergbewohner uͤber ſie der Ver⸗ bannung Wort auszuſprechen; denn leiver gilt über⸗ all auf der Erde das Geld hoͤher als die Tugend, und man verſuchte allerlei Ausfluͤchte ein ſolches Ver⸗ fahren als unvortheilhaft zu beweiſen.— „Es war nur eine Probe, Eure Geſinnungen zu erforſchen,“ ſagte der Edle zum Volke, als er die ablehnenden nichtigen Gruͤnde, ſein Verlangen nicht willfahren zu koͤnnen, vernahm,„ich halte dem Ty⸗ rannen mein Ehrenwort, und gehe fuͤr Euch in den Kerker, vielleicht auf das Schaffot! Aber laßt mein Blut nicht unnuͤtz entſtroͤmen, ſeid einig und beharrt tapfer bei des Vaterlandes Vertheidigung, dann leuch⸗ tet Euch auch die Hoffnung es ſiegreich zu retten, und Ihr bewahrt ſeine heilige Freiheit!“ Erſtarrt ſtand das Volk; es fuͤhlte ſich unwuͤrdig gegen dieſen hochherzigen Mann und viele gelobten, als Vorbild ihn ſich zu nehmen. Und von St. Vene⸗ randa donnerten die kleinen Kanonen und Moſcho und Kaido und Drakos und Kitſos winkten dem Helden ſchmerzlich Lebewohl, wie er vorbei ging am Fuße ber wes unb Jeme urch ſei Lhurme v dort ſo la fur ihn u noch auft w Beglei dieſer Ver gut wie J ger Tück ſen, kocht lung, un in ſeine war jetz für Kaide zuhndige fete. Je kohn ſih vor ſein Ind Ausfüllr Lheil zu und der ſie mit dn t imnet ver⸗ ewelche d varen ſogleich allein da es eſten Fanilin nen, zauderte er ſie der Ver ider zit übe⸗ die Tugen, in ſolches Ven tſinnungen zu ke, als er di etlangen nich halte dem Ty Euch in den bet laßt min ig und beharn g dinn luuch eich zu retten ſich unwrdiß e gelobten, al on St. Ven und Woſcht winkten dn ubi gn un 35¹ Fuße der Feſte und Abſchied nahm von Dimos Zer⸗ was und Samuel dem Prieſter. 11. Ismael Paſcha ſah jetzt Tage lang vergebens durch ſein Polemeſkop von Vila aus nach dem Thurme von St. Veneranda. Der Stern, der ihm dort ſo lange in magnetiſchem Lichte geleuchtet, war fuͤr ihn untergegangen, denn ſelten nur erſchien Kaibo noch auf dem Thurme und dann nur ſtets in Dra⸗ kos Begleitung. Dem Tuͤrken konnten die Urſachen dieſer Veränderung nicht verborgen bleiben und ſo gut wie Pilios Guſſis den gluͤcklichen Drakos in ar⸗ ger Tuͤcke beneidete und deſſen Vernichtung beſchloſ⸗ ſen, kochte das Blut Ismaels in eiferfuͤchtiger Wal⸗ lung, und er bot alles Moͤgliche auf, die Jungfrau in ſeine Gewalt zu bekommen. Im ganzen Gebirge war jetzt der Preis bekannt, welchen Ismael Paſcha fur Kaido Pilios Guſſis geboten, und dem noch aus⸗ zuhaͤndigen verſprach, der ihm die Jungfrau uͤberlie⸗ fere. Jedoch kein Suliote wollte den ſchaͤndlichen Lohn ſich verdienen und der Tuͤrke mußte nach wie vor ſein luͤſtiges Begehren bekaͤmpfen.— Indeß ließ ſich Kaido nicht behindern an den Ausfaͤllen ihrer Landsleute gegen die Tuͤrken tapfer Theil zu nehmen; ſie ſchritt im Vertrauen auf Gott und der Hoffnung, daß Er ſie beſchutze, kuͤhn an der 352 Seite des Prieſters und des Geliebten zum Kampfe und vorzuͤglich die Sulioten zu St. Veneranda wa⸗ ren es, die unter dieſer enthuſiaſtiſchen Anfuͤhrung großen Schaden zufuͤgten den Tuͤrken. In einer Nacht, die an Dunkelheit glich dem ſchwarzen Gefieder der Raben, marſchirte ein Theil der in St. Veneranda eingeſchloſſenen Palikaren wie⸗ der unter bekannter Leitung gen Vila in behutſamer Stille.— Wie durch Zufall hatte Pilios Guſſis an dieſen Ausfällen von Suli aus mit den Kriegern ſei— ner Phara ſtets Theil genommen und ſich dadurch faſt wieder das Vertrauen des Moͤnches erworben; denn' es ſchien, als ziehe er nur aus in uneigennutzi⸗ ger Liebe, um Kaido zu ſchuͤtzen, falls Gefahren uͤber⸗ raſchen ſie ſollten. Heute war er jedoch nirgends zu ſehen und auch kein Palikare von ſeiner Phara ließ ſich erblicken. Nichts deſto weniger ahndete man in⸗ deß Arges, und ein Zug Sulioten zweigte ſich ab, als ſie an der zur Ausfuͤhrung ihres Unternehmens ſchicklichen Stelle angelangt, die Feſtung Vila zu beobachten und das etwanige Ausdringen der Tuͤrken zuruͤck zu ſchlagen, waͤhrend ein anderer Zug einen Transport Waffen hinter der Feſtung in Empfang nehmen ſollte, den man von Parga erwartete. Bei letztern befand ſich Samuel und Drakos und Kaido und den beobachtenden fuͤhrte Mitokokalis. Alles blieb ruhig. Aber kaum hatten die Palikaren Vila im Ruͤcken, als Waffengetoͤſe ihre Aufmerkſamkeit uf ſch z eine bedeu un ſe ab huſtes Fet Pönch ſei zuhme de zun nicht und ſchne fend, verſt durh ſich 5 g ilte ſchnel Ungeſtum tingt ſic dervereini Beit mael Pa Sein lei zen Staͤ gern verſ zu erringe zu woge khrenden Kelungen, Und det ſo herhha zu leiſten Siuz ſ II. m Kanyfe eranda wa⸗ Anführunz gich den ein Theil likaren wie⸗ behuſſamer s Guſſis an riegern ſe ich dadurch erworbenz wigennitzi⸗ fahren uͤer⸗ itgends zu Phara ließ te man in⸗ te ſich ab, ſternehmens Vila zu der Tuͤrken Zug einen Enyfung riele Bei und Kaido ie. Ales kren Vila neriſunkit 35³ auf ſich zog und im ſelben Augenblicke auch ſchon eine bedeutende Rotte Tuͤrken ſich auf ſie ſturzte, um ſie abzuſchneiden von ihren Gebirgen. Ein leb⸗ haftes Feuer begann, doch unerſchrocken fuhrte der Moͤnch ſeine Krieger; er erkannte, daß die Empfang⸗ nahme der Waffen den Tuͤrken verrathen und ihm nun nichts, als ein geſchickter Ruͤckzug mehr bliebe, und ſchnell auch die nöthige Dispoſition hierzu tref⸗ fend, verſuchte er mit den Seinen nach den Bergen durch ſich zu ſchlagen. Es gelang. Mitokokalis, das Feuer vernehmend, eilte ſchnell mit ſeinen Kriegern herbei, warf ſich mit Ungeſtuͤm auf die Feinde, und dieſe, ſelbſt nun um⸗ ringt ſich ſehend, wichen zuruͤck und duldeten die Wie⸗ dervereinigung der Palikaren. Beim Glanze des Gewehrfeuers war jedoch Is⸗ mael Paſcha die Jungfrau nicht verborgen geblieben. Sein leidenſchaftliches Begehren erwachte in der gan⸗ zen Staͤrke, und abermals großen Lohn ſeinen Krie⸗ gern verſprechend, wenn es ihnen gluͤcke, Kaido ihm zu erringen, fanden ſich die Tuͤrken willig, das Aeußerſte zu wagen und ſtuͤrzten von Neuem auf die zuruͤck kehrenden Sulioten.— Dieſen war es noch nicht gelungen, ſich wieder vollſtandig ordnen zu koͤnnen und der Angriff der wilden Tuͤrken erfolgte diesmal ſo herzhaft, daß die Palikaren unmoͤglich Widerſtand zu leiſten vermochten, ſondern einzeln zerſprengt nur Schutz ſuchten in ihren Felſen. Aber eben dadurch III. 23 354 war Ismael Paſcha die ſchon ſicher getraͤumte ſchoͤne Beute entgangen. An der Hand des Geliebten hatte Kaido mit dieſem, geſchuͤtzt von der dunkeln Nacht ſich in eine Felſenhoͤhlung gerettet, die nur den Su⸗ lioten bekannt und ſich ſtill darin haltend, braußten die Feinde an ihnen voruͤber.— Wie die Liebenden gehofft, wagten ſich die Tuͤrken nicht ſo weit in die Gebirge, vorzuͤglich da es Samuel gelungen, einige Krieger um ſich zu ſammeln, die ſie mit ſcharfen Schuͤſſen empfingen, und da auch hier und da in ih⸗ ren Ruͤcken ſchon wieder einzelne Buͤchſen knallten, deren Entladung fuͤr ſie Beſorgniß erregte, zogen ſich fluchend die Tuͤrken zuruͤck, vergeblich ihre Anſtren⸗ gung verſchwendet zu haben.— Bald herrſchte wieder die tiefſte Ruhe. Einzelne Sterne nur durchbrachen jetzt die Schwaͤrze des naͤcht⸗ lichen Himmels in lieblichem Flimmern, als wollten ſie der Hoffnung Entzuͤcken verkuͤnden, die uns nach uͤberſtandenen dunkeln, ſchweren Leiden des Lebens lacht, dort, wo ſie freundlich herblickten. Arm in Arm traten Drakos und Kaido nun aus der Fels⸗ höhlung, die ſie verbargen, um ſich nach St. Vene⸗ randa zu wenden und wieder mit ihren Gefährten zu vereinigen. Vorſichtig horchten ſie erſt, ob ſie auch ſicher ihren Weg könnten nehmen, und da alles laut⸗ los blieb, drangten ſie ſich durch das dichte Gebuͤſch, womit die Hoͤhle umſtanden, das Freie und den Weg zu gewinnen. Nt nhes Ge ſil, kein noch über Bald we hohet S und fluch der Stra bog, ſtr gefuͤhrt t ſürzt ſa tönte u Füßenz i entiſſen, eine voh nach de derte d Widche ſchon d Verk w kannte „ jitternd Feuer,, ih geſt nen Arn den Do ut Beid iunte ſhine liebten hatte neln Nacht ut den Su⸗ d, hraußten ie Liebenden weit in die ngen, einige mit ſcharfen d da in ih⸗ ſen knallten, e, zogen ſich hre Anſtren⸗ e. Einzelne ſe de nicht als wollten die uns noch des bebens n. Anm in 1 der Fels⸗ h St. Ven⸗ n Gefihrten ob ſe uch a alles lau⸗ hie Gebiſc, nd den Vi 355 Plötzlich jedoch daͤuchte es ihnen, als hoͤrten ſie nahes Geraͤuſch, ſie ſpaͤhten; aber wieder war alles ſtill, kein Blatt ſchien ſich zu regen, und ſcherzend noch uͤber ihre Beſorgniß, drangen ſie abermals vor. Bald war der Weg erreicht, nur noch ein ſtarker hoher Strauch, eine Ecke bildend, war zu umgehen und fluͤchtiger konnten ſie dann enteilen.— Auch der Strauch war paſſirt; allein indem Drakos herum bog, ſtreckte ihn ein eiſiger Schlag auf den Kopf, gefuͤhrt durch einen Gewehrkolben, zu Boden. Be⸗ ſtuͤrzt ſtand Kaido, wie dumpf der gewaltige Hieb ertoͤnte und ſie den Geliebten fallen ſah zu ihren Fuͤßen; im ſelben Moment war ihr auch die Buͤchſe entriſſen, das Schwert von der Seite geloſt, und eine rohe Hand wuͤhlte in dem jungfraulichen Buſen nach dem Dolche, den ſtets ſie dort trug und ſchleu⸗ derte dann weg die toͤdtende Waffe, und ehe das Maͤdchen noch wußte wie ihr geſchah, waren auch ſchon die zarten Haͤnde gefeſſelt. Alles war das Werk weniger Augenblicke und als es vollbracht, er⸗ kannte erſt Kaido in den Thaͤter Pilios Guſſis. „Jetzt biſt Du mein!“ rief der Verbrecher mit zitternder ſchuldbelaſteter Stimme in leidenſchaftlichem Feuer,„mein! wie Du es werden mußteſt, ſo hatt' ich geſchworen, als ich in ſeligem Taumel in ſei— nen Armen Dich ſah und der Prieſter mich ſtoͤrte den Dolch ins Herz Euch zu ſtoßen. Damals ſoll⸗ tet Beide Ihr fallen. Ha! ich danke es dem Pfaffen; 2 356 jetzt iſt es beſſer. Mein biſt Du! durch Blut erwor⸗ ben, und nur durch Blut kannſt Du mir wieder werden entriſſen.“ Schaudernd wandte ſich die Jungfrau von ihm und wuͤrdigte dem Moͤrder keine Antwort, ſondern ſank auf die Knie neben dem lebloſen Geliebten, ſanft ihn beweinend. Mit verzweifelter Kraft riß Guſſis jedoch die Weinende auf und fuhr fort:„Beweinſt Du ihn, der den Tod fuͤr Dich hat empfangen? Ha! ich be⸗ fehle es Dir, keine Thraͤne um ihn entquille mehr Deinen Augen; ich will ihn nicht ſehen den Schmerz, um den mir in der Seele Verhaßten; gutwillig oder gezwungen ſollſt Du mir laͤcheln; mir, nur mirz mir ſollſt ganz Du gehoͤren!“ Immer noch blieb Kaido ſtumm; ihr Schmerz und ihre Verachtung war zu groß, als daß ſie den Ruchloſen haͤtte antworten koͤnnen; allein als er in ſie drang ihm zu folgen und im Weigerungsfalle mit Gewalt ſie fortzufuͤhren bedrohte, erwachte die Klug⸗ heit in ihr und ſie erklaͤrte ſich zu Allem bereit, ſo bald er die Haͤnde ihr loͤſe. Zu feig indeß, der unge⸗ feſſelten Jungfrau ſich allein gegenüber zu ſehen, da ſie ſehr leicht ſich einer von den an der Erde lie⸗ genden Waffen konnte bemächtigen, und nur zu gut ihre Kuͤhnheit kennend, weigerte Pilios ſich, ihr Ver⸗ langen zu erfullen und beſtand darauf, daß ſie ge⸗ bunden ihm folge. „Vl di Jun „Do ſchet bin Pemoͤge Oich an, „Un zu folge In räuſch ſi nung ihr Bergen Dtatos Auch Pi ſtarben gwaltic men un Iömgel verttat, mend er „S die krun ten; ah den det chwirte Hi wart de öre ſi Blut erwor⸗ mir wieder au von ihm ſondern ſunk en, ſunft ihn jedoch die ſt Du ihn, Hal ich be⸗ guile mehr en Schmerz, twilig oder ener mitz ihr Schmerz daß ſie den in als er in ngsfull nit e die Klug⸗ m bereit, ſo ſ det ung⸗ zu ſchen da er Eide li⸗ n ju git , in Ln daß ſie g⸗ 357 „Wohin gedenkſt Du mich zu fuͤhren,“ ſprach die Jungfrau dann,„wenigſten dies laß mich wiſſen.“ „Dort hin,“ verſetzte Pilios Guſſis,„wo ich ſicher bin Deines Beſitzes, weit uͤber das Meer. Mein Vermoͤgen wird uns begleiten und es kommt auf Dich an, ob Du gluͤckliche Tage Dir willſt bereiten.“ „Und wenn ich mich entſchloſſen weigere Dir zu folgen,“ fragte Kaido,„was beginnſt Du dann?“ In dieſem Augenblicke ließ ein entferntes Ge⸗ raͤuſch ſich vernehmen; die Jungfrau ſchoͤpfte Hoff⸗ nung ihrer Rettung, denn der Schall kam von den Bergen und ſie glaubte gewiß Samuel habe ſie und Drakos vermißt, und komme nun Beide zu ſuchen. Auch Pilios Guſſis mußte dies wähnen; die Worte ſtarben ihm auf den Lippen, er wurde unſtaͤtt, und gewaltig die Jungfrau umſchlingend mit beiden Ar⸗ men und hochhebend, wollte er mit ihr fliehen, als Ismael Paſcha an ihm vorbei ſprang, den Weg ihm vertrat, und ein donnerndes Halt! den Feigen laͤh⸗ mend erſchreckte. „Stirb!“ brullte der Tuͤrke ſodann und ſchwenkte die krumme Klinge den Kopf des Bebenden zu ſpal⸗ ten; aber Pilios Guſſis wich aus und der Saͤbel, den der Tuͤrke in der Eil nicht feſt gefaßt mit der Hand, ſchwirrte nur in der Luft an ihm und Kaido vorbei. Hierdurch gewann Pilios Guſſis wieder Gegen⸗ wart des Geiſtes; ein Gedanke durchzuckte ihn; er hoͤrte ſich von einer Herde Tuͤrken umringt, und 358 ſchnell, ehe der Paſcha noch das Piſtol gezogen und geſpannt, trat er ihm entgegen und ſprach:„Ismael Paſcha, erkenne mich! Ich bin Pilios Guſſis. Nur fuͤr Dich raubte ich die Jungfrau. Hier, ſie iſt Dein eigen!“— 12. Wie ſo verſchieden von dem erſten brillanten, freundlichen und zuvorkommenden Empfange war der Zweite, als Photos wieder Jannina betrat. Die Kunde wie er ſeinen Auftrag erfuͤllt war ihm ſchon vorangeeilt uud Aly Paſcha, Wuth ſchaͤumend ſich uͤberliſtet zu ſehen, fuͤhlte nicht die edle That des edlen Mannes und ließ ihn ſofort von ſeinen Haͤ⸗ ſchern ergreifen und in Ketten und Kerker ihn ſchmie⸗ den und werfen.— Mit Seelenſtaͤrke ertrug der junge Held fuͤr ſeine Landsleute die Schmach, und kein Wort der Klage uͤberſtroͤmte ſeine Lippen, viel⸗ mehr grade jetzt daͤmmerte ſchoͤn ihm die Hoffnung, daß, da er den Tyrannen entlarvt, Suli werde hal⸗ ten ſich koͤnnen und wenn er auch als Opfer des Vaterlandes falle, das Geliebte doch gerettet werde vom Drucke des blutgierigen Paſchas und ſiegreich bewahre ſeine herrliche Freiheit.— Wer giebt nicht ſein Leben gern fuͤr dich Freiheit, o Goͤttin, wenn du wandelſt auf des Vaterlandes heiligen Auen und Höhen. Der Greis bietet füͤr Deine Erhaltung unetſtw geehr genden L ing das ſebſ die tend in ſihen fü nit ſtrah So zu empfa in Jömo Viedererl vermuthe tigen ve züglich t ſal ahn Stunde an und wurde leß er blic fün Vaffen daß ſie Be ihrten azt, zu per, wo kihen gezogen und h„Jemeel Guſſs. Nut ien ſi iſt n brillanten, ange war der betut. Die r ihn ſcon humend ſich le That des nſeinen Hi⸗ ker ihn ſchwie⸗ ke ertrug der Schmach, und Lippen, biel⸗ ie Hoffnung, li werde hal⸗ ls Oyfer des getettet wede* und ſigrich er giebt ncht ttin, wenn du n Aun und e Echaltun 359 unerſchrocken noch dar dem Dolche die vom Alter ab⸗ gezehrte Bruſt, das Weib, die Jungfrau des ſchwel⸗ genden Buſens Alabaſter, der Mann und der Juͤng⸗ ling das ſtolz tragende Haupt dem Schwerte, und ſelbſt die Kinder ſehen den Tod fuͤr Dich nicht zit⸗ ternd in das Auge. Es iſt ein heiliger Wahn zu ſterben fuͤr dich, und des Kerkers Oede erhellſt du mit ſtrahlender Hoffnung.— So war auch Kaido gefaßt lieber den Todesſtreich zu empfangen, als ſich fuͤr immer einkerkern zu laſſen in Ismaels Harem, wenn nicht die Stunde ihrer Wiedererloͤſung ſchlage. Sehr richtig hatte ſie indeß vermuthet, daß Drakos und ſie bald von den Ih⸗ rigen vermißt werden wuͤrden; aber da ſie Beide vor⸗ zuglich der Gebirge kundig, und Samuel ihr Schick⸗ ſal ahnden nicht konnte, hoffte er von Stunde zu Stunde auf ihre Ruͤckkehr. Doch der Morgen brach an und immer noch waren ſie nicht erſchienen. Jetzt wurde der Prieſter beſorgt, nach allen Richtungen ließ er die Gebirge durchkreuzen, und trauriger An⸗ blick fuͤr ihn, er ſelbſt fand den lebloſen Drakos, die Waffen Kaidos, und er konnte nicht mehr zweifeln, daß ſie in die Haͤnde der Tuͤrken gefallen. Betruͤbt trugen die Palikaren den Waffenge⸗ fährten nach St. Veneranda; der kriegeriſche Seelen⸗ arzt, zugleich auch kundig der Heilkunde fuͤr die Koͤr⸗ per, wandte Alles an, den jungen Mann wieder ins Leben zu rufen, und da der Schlag von der Elaſti⸗ 360 citäͤt der Kopfbedeckung gebrochen nicht ſeine ganze Staͤrke auf den Schaͤdel zu aͤußern vermochte, ge⸗ lang es ihm auch nach und nach in den nur ſtark Betaͤubten neue Regung zu bringen. Doch auszu⸗ ſagen, wie Alles zugetragen ſich habe, vermochte Dra⸗ kos nicht; nur dunkel ſchwebte es ihm vor, als habe er Pilios Guſſis beim Hinſinken erkannt; aber er ſelbſt hielt dieſem der That nicht faͤhig und glaubte ſein Auge getaͤuſcht, und dies um ſo mehr, da Pilios Guſſis von Keinem bemerkt worden war.— Allein ſchon dieſes anſcheinende Phantaſiegebilde reichte hin, Verdacht gegen Pilios Guſſis in dem Herzen Sa⸗ muels zu erwecken, vorſichtig erkundigte er ſich, ob jener Suli am Abend verlaſſen, und da er die Be⸗ ſtatigung hiervon durch die Wachen der Thuͤrme erhielt, ſchien ihm Pilios Guſſis ohne Zweifel der Thaͤter; nur blieb ihm noch dunkel, wo Kaido geblieben, denn Pilios war gegenwaͤrtig in Suli.— Doch auch hierin wurde Licht.— Getrieben von dem ſchlagen⸗ den Gewiſſen und durch die leidenſchaftliche eiferſuch⸗ tige Gluth, nun durch eigene ſchlechte That die Ge⸗ liebte auf immer verloren zu haben, ging er gleich einem Wahnwitzigen herum, ſuchte ſeine Freunde zu beſtimmen, Vila anzugreifen und zu erobern, und aus ſeinen abgebrochnenen Reden ging hervor, daß er Kaidos Aufenthalt wiſſe.— Das ganze Volk nahm Theil an der Jungfrau Schickſal, und dem Moͤnche wurden die Reden Pilios Guſſs b ſelbſt zu ſprich im fit ſie zi wiſe un werſuch ntlocken. Anblick d tete die; leute die Kaido w wos geſch ſo viel vi Zuge de ſchließen troffen ſe nommen die Tür Die als er el wohrte Nordget Höhle ir ſcher ſit Hintethe onnte; gen ver ſeine ganze nochte, ge⸗ n nur ſtark och auszu nochte Dra⸗ ot, als habe nt; aber er und glaubte t da Pilios — Allein reichte hin, Herzen Sa⸗ e ſich, ob ger die Be⸗ ürme echielt, det Thütet; blieben, denn Doch uch em ſchlagen⸗ he eiſerſic thut di 6 g er gleih Freunde ju mn, und aus or, doß er er Jungftau den Pilo 361 Guſſis berichtet, ſo daß ſich jener entſchloß, dieſen ſelbſt zu erforſchen. Samuel ging daher zu ihm, ſprach im Allgemeinen von Kaido und der Moͤglich⸗ keit ſie zu retten, wenn man ihren Aufenthalt nur wiſſe und ſchnell koͤnne verfahren, und ließ nichts unverſucht, dem ihm Verdaͤchtigen das Geheimniß zu entlocken. Aber Pilios Guſſis erſchreckt durch den Anblick des Prieſters, war auf ſeiner Hut; er furch⸗ tete die Verachtung und Strafe, womit ſeine Lands⸗ leute die verbrecheriſche That wuͤrden ruͤgen, wenn Kaido wieder in Freiheit geſetzt werden ſollte und was geſchehen berichte, und der Moͤnch konnte nur ſo viel von ihm erfahren, daß er allerdings ſich dem Zuge der Palikaren von St. Veneranda habe an⸗ ſchließen wollen, allein zu ſpaͤt und erſt dann einge⸗ troffen ſei, als ſie ſchon zerſtreut den Ruͤckzug ge⸗ nommen, worauf er ſeine Perſon verborgen, bis ſich die Tuͤrken entfernt.— Dies war auch in der Hauptſache richtig; denn als er eben ſelbſt wollte die Felshoͤhle betreten, ge⸗ wahrte er Drakos und Kaido; der lang gehegte Mordgedanke durchſchoß ihn, er zog ſich ſtatt in die Höhle ins Gebuͤſch zuruͤck; die Gelegenheit war guͤn⸗ ſtig, und er vollzog, was er beſchloſſen, da er voͤllig ſicher ſich glaubte. Denn auch er hatte aus ſeinem Hinterhalte die Tuͤrken zuruͤck brauſen hoͤren und konnte nicht ahnden, daß Ismael Paſcha mit Weni⸗ gen verſteckt ſich hatte, um die etwa noch unterhalb 362 gebliebenen Sulioten, ſo bald ſie ſich hervorwagten, in ſeine Gewalt zu bekommen. Nichts deſto weniger wollte Pilios Guſſis jedoch Kaido in den Haͤnden der Tuͤrken laſſen, aber nur mit ſeinen Freunden ſollte ihre Befreiung geſchehen, und ſobald er ſie wieder erlangt, war ſeine Abſicht mit ihr zu entflie⸗ hen. Deshalb ſuchte er auch die ihm befreundeten Sulioten zu einem Sturm auf Vila zu bereden, vorgebend: Vila ſchraͤnke Suli zu ſehr ein, wie dies das letzte Beiſpiel bewieſen, und Zeit und Umſtaͤn⸗ den die Ausfuͤhrung ſeines heimlichen Planes uͤber⸗ laſſend. Wirklich war der Thurm von Vila derjenige Wachtpoſten der Tuͤrken, der die Sulioten am mei⸗ ſten beſchraͤnkte und auch Samuel hatte ſchon laͤngſt den Vorſatz gefaßt, ihn zu zerſtoͤren, wozu es bis da⸗ hin jedoch noch nicht war gekommen, da man faſt immer noch ſo gluͤcklich geweſen war, die Tuͤrken zu taͤuſchen und die Zufuhr an Munition und Lebens⸗ mittel, trotz der Feſtung in die Berge brachte. Jetzt wurde des Moͤnches Aufmerkſamkeit aber aufs Neue auf Vila gerichtet, und kaum war er von Pilios Guſſis gegangen, als ihm ausgeſandte Spaͤher auch ſchon die Kunde hinterbrachten: Kaido befinde ſich dort in Ismael Paſchas Gewalt und ſei dieſem in der letzten Nacht von einem Sulioten uͤbergeben, dem der Paſcha dafuͤr großmuͤthig das Leben geſchenkt. Der Prieſter war nicht mehr zweifelhaft; Dra⸗ ſos dunl lenkten m Guſſö, u mehr aug jett Nebe der zu e zu volzi von Vila Samuel hinreißent die Sulie ſie ihnen Gebirge! der helde und dem durh wi ſchwuren Sc beſchloſſ daß ſein führen: gen, un zu leiſte tathen, det ſchin danmte als mit Kaido worwagten, ſo weniget en Huͤnden n Freunden obald ur ſe hr zu enfi⸗ befteundeten zu bereden, tin, wie dies und Unſtän⸗ Aanes uber⸗ la derjenige ten am mei⸗ ſchon längſt u es bis da⸗ man fiſt Lürken zu und Lebeus⸗ cht. Jeht gufs Neue von ilos Spihe uch befinde ſih ii dieſen in ergeben dim 363 kos dunkle Erinnerung und die erhaltene Nachricht lenkten mit Beſtimmtheit den Verdacht auf Pilios Guſſis, und deſſen unſtätes Benehmen lieferte noch mehr augenſcheinlich den Beweis. Doch dies war jetzt Nebenſache, es kam nur darauf an, Kaido wie⸗ der zu erlangen und die Ausfuͤhrung unverzuͤglich zu vollziehen, ehe der Tuͤrke noch Zeit gewann, ſie von Vila wohl gar zu entfernen.— Kraͤftig ließ Samuel daher vor der verſammelten Gemeinde in hinreißender Rede ſeine Stimme ertoͤnen und forderte die Sulioten auf, die Jungfrau zu retten, indem er ſie ihnen als den ſchuͤtzenden Engel, der Ehre der Gebirge hinſtellte, und die Sulioten, ſich erinnernd der heldenmuͤthigen Jungfrau, die ſie alle verehrten, und dem verſtoßenen Photos in etwas gerecht da⸗ durch wieder zu werden, griffen zu den Waffen und ſchwuren Vila zu erobern. Schon zur naͤchſten Nacht wurde die Erſturmung beſchloſſen; Pilios Guſſis bebte; er zweifelte nicht, daß ſeine Landsleute, was ſie ſich vorgenommen aus⸗ fuͤhren würden, wenn ſie mit Ernſt ans Werk gin⸗ gen, und fuͤr dieſen ſchien der Moͤnch ihm Buͤrgſchaft zu leiſten und er konnte jetzt nicht mehr davon ab⸗ rathen, wollte er ſich nicht hinſtellen als verdaͤchtig der ſchimpflichen That, die auch ſeine Freunde ver⸗ dammten. Es blieb ihm daher nichts weiter uͤbrig, als mit zu ziehen, um aus dem allgemeinen Kampfe Kaido womoͤglich noch zu entfuͤhren und noch einmal 364 ſchoͤpfte er Hoffnung fuͤr die lodernde Flamme ſei⸗ nes Buſens das Linderungsmittel zu erringen. Indeß die Palikaren zum Kampfe ſich ruͤſteten wurde Kaido von Ismael Paſcha beſtuͤrmt, ſich ihm zuergeben; aber wir enthalten uns die naͤhere Ausfuͤh⸗ rung deſſen, denn dergleichen iſt ſchon genug vorhanden und eine leichte Phantaſie kann ſich nach Geſchmack Bilder und Sprache hiervon aufs Neue waͤhlen. Bis Mitternacht hatte der Tuͤrke vergeblich die Worte verſchwendet; nur er war in Vila noch wach und die Jungfrau, dieſe hoffend auf ihre Befreiung und weinend in Trauer um Drakos, und jener hoffend auf die Erfuͤllung ſeiner Wuͤnſche. Plotzlich erhellte ein furchtbarer Blitz die Nacht, eine donnernde Ex⸗ ploſion folgte, und es zitterten die Gebaude der Fe⸗ ſtung und die Erde bebte.— Aufgeſchreckt aus den Liebesgedanken, ſprang Ismael Paſcha zum Fenſter, ein Aechzen und Stoͤhnen ſcholl ihm entgegen und bald hoͤrte er das Geheul der Beſatzung, die aus dem Schlafe geſcheucht, ſchon alle in die Luft ge⸗ ſprengt ſich waͤhnten, und: die Sulioten! die Su⸗ lioten! toͤnte es aus aͤngſtlichen Kehlen in wildem Wirrwar. Auch Kaido hoͤrte das Rufen, und die Haͤnde faltend ſagte ſie in frohem Entzuͤcken:„So vergoͤnnſt du mir, guͤtiger Gott, wenigſtens noch an ſeiner Leiche zu ſterben.“ Ein zorniger Blick Is⸗ maels traf ſie, das Fenſter flog zu, daß die Scheiben an dem Eiſengitter klirrend zerſchellten und eilig das — —— ʒinner be Thün Untet un die E ifung 9 Nine ang dit Luft ſe Mouerwer Schwerte graute ha Und nurn in geſlücht ts ihnen d Sor Erftuͤrmun fen Blick und er ke den Angt j uͤbettr ſtag, doch ſig doru nit ſeine gend rich Haupt de ig gege nalte ih nichſen net Sun Flamne ſi ingen. ſih rüſteten hete Asfth⸗ 3 vorhanden ch Geſtmas tue wihlen. ch die Worte h wach und freiung und ner hoffend klich echellte nnernde Er iude det Fe⸗ eckt aus den zum Fenſter ntgegen und , die aus die Luft ge⸗ n! die Su⸗ in wildem n, und die cken:„Go ens noch an ie Schiten no eilg des 365 Zimmer verlaſſend, verſchloß er doch bedachtſam die Thuͤr. Unter Mitokokalis und Samuels Anfuͤhrung wa⸗ ren die Sulioten ſtill bis an die Außenwerke der Feſtung gelangt und hatten hier eben ſo ſtill eine Mine angelegt, die beim Springen viel Albaneſen in die Luft ſchleuderte und eine große Breſche in das Mauerwerk riß. Jetzt drangen die Palikaren mit dem Schwerte in das Innere und wie der Morgen kaum graute hatten ſie ſchon ſaͤmmtliche Werke erobert, und nur noch in das Hauptgebaͤude waren die Tuͤr⸗ ken gefluͤchtet und hatten ſich darin verſchanzt, ſo gut es ihnen die Eile erlaubte. So viel wie moͤglich war Pilios Guſſis bei der Erſtuͤrmung von Vila unthaͤtig geblieben; dem ſchar⸗ fen Blicke des Moͤnches war dies nicht entgangen, und er kam mit Mitokokalis uͤberein, Pilios Guſſis den Angriff auf das Hauptgebaͤude jetzt zur Strafe zu uͤbertragen. Muͤrriſch vernahm dieſer den Auf⸗ trag, doch er mußte folgen, wollte er ſich nicht als feig documentiren und die Verachtung ertragen, wo⸗ mit ſeine Landsleute jeden Feigen begegneten. Za⸗ gend ruͤckte er vor; es daͤuchte ihm, als ſolle er das Haupt der Meduſa erblicken, das Herz ſchlug gewal⸗ tig gegen die Rippen und das rächende Gewiſſen malte ihm gräͤßlich den Tod, den er vielleicht im naͤchſten Augenblicke koͤnne empfangen, als Lohn ſei⸗ ner Suͤnde. Er hatte ſich dieſes Auftrags nicht ver⸗ 366 ſehen; nur im Truͤben wollte er fiſchen. Die Tuͤr⸗ ken blieben anfangs ihig, und blos wenige Zimmer des Gebaͤudes waren erleuchtet; hier waͤhnte Pilios Guſſis Kaido und er hatte ſich nicht getaͤuſcht; un⸗ willkuͤhrlich ließ er dorthin ſchweifen die Blicke und ſie ſtand da in ihrer ganzen Schoͤnheit. Er aber ſah nur einen zuͤrnenden Engel, der ihn bei dem Höchſten verklage und zitternd am ganzen Koͤrper wollte er eben die Augen weg von ihr wenden, als die Tuͤrken eine ſtarke Gewehrſalve gaben und die Kugeln graͤßlich pfeifend um ihn flogen. Die Hoͤlle ſchien ſich ihm zu oͤffnen, eine fieberhafte Angſt be⸗ maͤchtigte ſich ſeiner, und wegwerfend die Buͤchſe, lief er ohne Beſinnung zuruͤck, das Weite zu ſuchen. Allein ein laut donnerndes:„Steh, Memme!“ aus des Moͤnches Munde hemmte ploͤtzlich ſeinen Lauf; er ſtand, die Knie ſchlotterten ihm, und erſt der Spott der um ihn verſammelten Sulioten konnte wieder etwas Spannung ſeinen Gliedern gewaͤhren, daß er dem Hohngelaͤchter zu entfliehen vermochte. Der junge Morgen brach an und leuchtete freund⸗ lich den Sulioten und Tuͤrken; viele der Letztern, waren waͤhrend der Nacht eine Ernte des Todes ge⸗ worden und die, welche noch in das Gebaͤude ge⸗ fluchtet, hatten groͤßtentheils den Muth verloren und verlangten von Jsmael Paſcha, daß er capitulire. Der Tuͤrke war ſchwer hierzu zu beſtimmen; aber als Samuel ſelbſt ihm ehrenvolle Bedingungen vor⸗ 6 ſhlug fn der Henu vgen 5 hint dies den ſie he wranda zu Gebäude ſ hils von ihtes wa ie Türken Mn Gehorſ doß et zinnet, wi nn äußerſt woren die in bereit, Ubzug den erfolgte, d und hele hren Qe Mten. 2 Lirken di videt di 6 war j ſhuld lar len Eo Fnmen n nied nige Zinner ihn Pios tuſcht; un⸗ e Blice und . Et cber ihn bii dem nzen Körper wenden, als ben und die Die Hille e Angſt be⸗ die Buͤchſe, te zu ſuchen. emme!“ aus ſeinen Lauf; ſt der Spott onnte wieder hren, daß er e. chtete freund⸗ der Letztern, Todes ge⸗ Gebaͤude ge verloren und er copitulin mnen; abn gungen vol⸗ 367 ſchlug, fand er ſich geneigt ſie anzunehmen; nur zu der Herausgabe der Jungfrau war er nicht zu be⸗ wegen. Hiermit war den Sulioten indeß wenig ge⸗ dient, die Befreiung Kaidos war ihnen Ehrenſache; denn ſie hatten geſchworen, ſie wieder nach St. Ve⸗ neranda zu fuͤhren; aber ebendeshalb mußten ſie das Gebaͤude ſchonen, was ihnen ſonſt, da es groͤßten⸗ theils von Holz nur war erbaut, zu zerſtoͤren ein Leichtes waͤre geweſen.— Endlich wurde man einig; die Tuͤrken und Albaneſen verweigerten dem Paſcha den Gehorſam und hielten ihn in ihrer Mitte gefangen, ſo daß er zu Kaido nicht konnte gelangen, deren Zimmer, worin er ſie eingeſperrt, ziemlich an dem ei⸗ nen aͤußerſten Ende des Gebaͤudes lag; aber kaum waren die Verhandlungen geſchloſſen und die Sulio⸗ ten bereit, die Jungfrau zu empfangen, und freien Abzug den Tuͤrken zu geſtatten, als eine Exploſion erfolgte, das lange Gebaͤude mitten auseinander riß und helle Flammen, durchbrechend durch den furcht⸗ baren Qualm, von allen Seiten das Holzwerk be⸗ leckten. Die Sulioten konnten nicht anders als den Tuͤrken die Schuld hiervon beimeſſen, waͤhrend dieſe wieder die Sulioten fuͤr die Thaͤter hielten; allein es war jetzt nicht die Zeit hier Schuld und Nicht⸗ ſchuld lange zu erwaͤgen, das Feuer praſſelte nach allen Ecken und die Tuͤrken ſtuͤrzten ſich in die Flammen, um ſich zu retten, und die Palikaren hie⸗ ben nieder was herauskam und ſie konnten erlan⸗ 368 gen. Es war eine grenzenloſe Erbitterung und Ver⸗ wirrung, denn in wenig Minuten loderte das ganze Gebaͤude in Gluth und die Sulioten verloren bald die Hoffnung, die Jungfrau retten zu koͤnnen. Schnell ließ Samuel jedoch, den die ruhige Faſſung nicht verließ, mehrere Leitern an das Fenſter legen, wo Kaido in frommer Ergebung ſtand die graͤßliche Zer⸗ ſtoͤrung um ſich hoͤrend und ſich in ihr Schickſal mit ſtandhaftem Muthe ergebend. Der Prieſter war der erſte auf ſeiner Leiter, ihm folgten mehrere auf der andern, und ſchon brachen ſie mit Loͤwenſtaͤrke die eiſern Gitter aus den Angeln und Samuel reichte der Jungfrau die rettende Hand, als Ismael Paſcha in das Zimmer ſturzte, ſtuͤrmiſch Kaido umſchlang und mit ihr verſchwand in Rauch und in Flammen. Nachzudringen war dem Prieſter und ſeinen Ge⸗ faͤhrten unmoͤglich, durch den erhaltenen Luftzug war auch dies Zimmer im Nu entzuͤndet und es blieb ihnen nur der Ruͤckzug noch uͤbrig. Dennoch gab Samuel die Jungfrau nicht auf; er umkreiſte das Gebaͤude, vermuthend Ismael Paſcha wolle durch einen geheimen Ausgang Kaido entfuͤhren, und eben war er auch erſt an des Hauſes unbeſetzte hintere Seite gelangt, als er den Tuͤrken durch eine Pforte mit ſeiner Beute ſah erſcheinen. Fluͤchtig eilte der Paſcha uͤber den Hof die nahen Außenwerke und dann das Freie zu gewinnen; aber eben ſo fluͤchtig folgte ihm im Eifer der Prieſter, und ehe Ismael noch ein kleines fin,k ſtelt u Kidos 5 ſchling um de llein murl ſtürzt nmli Blut den wie Fall als ſchli doch entfe zürn noch erlo ſt Ne me gen bet 9 und Per⸗ das ganze rloren bald en. Schnell ſſſung nicht t legen, wo rüßliche ger⸗ Schicſal mit ſtet war der rere auf der wenſtärke die muel reichte masl Paſcha o umſchlang nFlammen. d ſeinen Ge⸗ Luftzug war und es blie Dennoch gab mkreiſte das wolle durh en, und eben ſſette hintere eine Pfrt htig eilte der erke und dam ſichig ſogt gel noch ein 369 kleines Blockhaus, mit der ſich ſtraͤubenden Jung⸗ frau, konnte erreichen, hatte der Moͤnch ihn ſchon ge⸗ ſtellt und forderte mit dem Schwerte die Befreiung Kaidos. Feſt das Maͤdchen mit dem linken Arme um⸗ ſchlingend, zog auch der Tuͤrke den Saͤbel, ritterlich um den ſchoͤnen Preis mit dem Prieſter zu kaämpfen; allein noch waren wenig Streiche gewechſelt, als Sa⸗ muel von einem Dolche im Nacken gebohrt zur Erde ſtuͤrzte und Ismael Paſcha gleich darauf von der naͤmlichen Waffe in die Bruſt getroffen in ſeinem Blute am Boden ſich waͤlzte.— Nur zwei Secun⸗ den waren noͤthig geweſen die That zu vollbringen, wie Blitz auf Blitz, erfolgte Stoß auf Stoß und Fall auf Fall, und kaum kuͤßte der Tuͤrke die Erde, als auch der Moͤrder die Jungfrau ſchon wollte um⸗ ſchlingen. Im halten Wahnſinn langte er nach ihr, doch Kaido wich aus, ergriff ſchnell das dem Prieſter entfallene Schwert und es ſchwingend ſprach ſie er⸗ zuͤrnt:„Zuruͤck Boͤſewicht! So wie Du wagſt mich noch einmal zu beruͤhren, iſt Dein verruchtes Daſein erloſchen!“ Bleich wich Pilios Guſſis einen Schritt; Kaido erſchien ihm jetzt abermals furchtbar; er glaubte die Nemeſis im Morgenſtrahle der Sonne mit dem Flam⸗ menſchwerte zu ſehen, und den Anblick nicht ertra⸗ gen koͤnnend, ſchlug er zitternd nieder die Augen in betäubtem Rauſche.— Mehrere Minuten ſtand er III. 24 370 ſo, und als er endlich wieder wagte die Blicke zu heben, war die Jungfrau verſchwunden; er hoͤrte Stimmen, die ergluͤht nach dem Boͤſewicht riefen; er erkannte ſie fur die ſeiner Landsleute, und vom ra⸗ chenden Gewiſſen getrieben, floh er in fuͤrchterlicher Angſt in die dickſte Wildniß der Berge von Suli. 13. Die Erſtuͤrmung und Vernichtung des Forts Vila ſetzte von Neuem die ganze tuͤrkiſche Armee in Schrecken und Aly Paſcha raßte, als er die Kunde vernahm. Er verlangte von ſeinem Heere, daß es dagegen ſofort Suli mit Sturm nehmen ſolle; aber die Tuͤrken waren nicht dazu zu uͤberreden, klagten vielmehr uͤber die ewige Unruhe, in der ſie der uner⸗ muͤdliche Feind hielt Tag und Nacht, und fingen ſchon wieder an Zuͤgeweis zu entlaufen.— Der Tyrann von Jannina wußte abermals kein anderes Mittel, als zur Liſt ſeine Zuflucht zu nehmen. Er zeigte der Pforte, die auf Frieden drang, daher an: daß die Sulioten mit den Franzoſen im Buͤndniß, von welchen ſie auch Waffen und Kriegsmunition erhielten, ganz Griechenland in Aufruhr zu ſetzen beabſichtigten und die Pforte in Schrecken daruͤber, er⸗ ließ einen Firman, der allen Muhamedanern die Ver⸗ tilgung der Sulioten zur Pflicht machte. Jetzt glaubte ſich Aly Paſcha am Zielez ein neues Sohn 2 netant volſte gend der u nem bens gewe der ſchm ſchw nera zens Stu mae liote ihn kon e Blice zu nz er hörte t riefen; er und vom ri⸗ fürhterlicher von Suli. g des Forts he Anmee in t die Kunde Nere, doß es n ſolle; aber eden, klagten ſie der unen und fingen en.— Der kein andetes nehmen. Er g, daher an im Bündniß, tiegsmniton hr z ſetzen ndarüͤher, er nen die Vn 3 nZilz i 371 neues Heer wurde geſammelt, und ſeinem zweiten Sohne Veli ertheilte er das Oberkommando. Waͤhrend die Ruͤſtung erfolgte, war in St. Ve⸗ neranda Drakos unter der lieblichen Pflege Kaidos vollſtaͤndig geneſen; des ſchoͤnen Mannes kraͤftige Ju⸗ gend hatte ihm dem Tode entriſſen und noch bluͤhen⸗ der und in herrlicherer Fuͤlle ſtand er wieder da, ſei⸗ nem Volke ein Schmuck und ſeiner Geliebten des Le⸗ bens koſtbarſte Wuͤrze.— Auch die Wunde des Prieſters war nicht toͤdtlich geweſen, und der Alte hatte ſich ſchon ziemlich wie⸗ der erholt, obgleich ihm immer noch das Genick ſchmerzte und ihm das raſtloſe Leben mehr noch er⸗ ſchwerte. Doch er lebte fuͤr ſeine Feſtung St. Ve⸗ neranda, ſie zu erhalten war der Wunſch ſeines Her⸗ zens und dieſe Hoffnung verſuͤßte ihm noch manche Stunde des ſchmerzlichen Daſeins.— Selbſt Is⸗ mael Paſchas Bruſtwunde war geheilt und die Su⸗ lioten hielten ihn gut, wenn auch in Haft, daß ſie ihn bei ſchicklicher Gelegenheit an Aly auswechſeln konnten. Nur Pilios Guſſis ſchien der einzige ohne Hoff— nung Verlorne zu ſein; er ließ ſich Wochen lang nach der Eroberung von Vila vor ſeinen Landsleu⸗ ten nicht blicken und dieſe haͤtten auch das Todesur⸗ urtheil uͤber ihn geſprochen, wenn nicht Samuel das Wort ihm geredet und die Sulioten bewogen, ihn zur Strafe ſeiner Suͤnden in Verachtung leben zu 24* 5 372 laſſen. Endlich, wie er vernommen, daß ſein Leben geſichert, kehrte er nach Suli zuruͤck; aber Alles floh vor ihm, wie vor der Peſt. Unter der Maske des Stumpfſinnes ertrug er jedoch jede Verachtung, und da man ſpaͤter wirklich ſeinen Geiſt fur zerruͤttet hielt, nahm man wenig Notiz von ihm und duldete ihn nur als ein laͤſtiges Mitglied des Staates.— Nichts deſto weniger war er jedoch geiſtig zerſtoͤrt, blos zu ſeiner Sicherheit ſpielte er die Rolle eines Wahn⸗ witzigen und in dem Suliotenhaäuplinge Kutſonikas war ihm noch ein Freund geblieben, und auch mit den abtruͤnnigen Botſaraern hielt er noch, wie mit jenem, in heimlicher Stille freundſchaftliche Unter⸗ handlungen. Die fuͤrchterlichſte Rache kochte in ſei⸗ nen Buſen; denn nachdem er jede Hoffnung, auf den Beſitz Kaidos verloren, und in Vila als Ausreißer war verſpottet, hatte er ſchon damals durch eine er⸗ ſpaͤhte Oeffnung ein Pulverſaß und andere brennbare Materialien in das Gebaͤude der Tuͤrken geworfen und die Abſicht gehabt, der Jungfrau durch die Flam⸗ men Schweigen zu gebieten. Den Ausgang ſeines Werkes ſah er entgegen in dem kleinen Blockhäus⸗ chen; der Zufall fuͤhrte ihm Kaido noch einmal zu, und was dort weiter geſchehen, iſt bereits berichtet. Jetzt war ſeine Rache jedoch umfangreicher und kochte im Verborgenen, wie die Gluth des Feuer⸗ ſpeienden Berges. Im September des Jahres 1803 hielt endlich Ay7 zu ber Pelis birge, bereit, ſchmet dieſem falle ſchifi Vener da bei eſten und ſi von d wurde ſirtigt hielte die ſchnel drang lich an Nach nach ſer h ten tayf bon ſein Leben r Alles ſoh Maske des chtung, und ertttet hielt, duldete ihn .— Nihts ört, blos zu ines Wahn⸗ Kutſonikas nd auch mit h, wie mit ſtliche Unte⸗ kochte in ſii⸗ ung, auf den s Ausreißer urch eine e⸗ ere brennbar ken geworfen ch die Flan⸗ gung ſines n Blodhiu⸗ c einmal zu, ritz betihtet. gricht und h des Fuen hielt endlich — 3 G Aly Alles reif, die Sulioten auf ewig von der Erde zu vertilgen. Ein drittes neues Heer ruͤckte unter Velis Befehl am 25ſten unaufhaltſam in die Ge⸗ birge, erklimmend die Hoͤhen von Suli, und jetzt bereit, jede ihnen entgegentretende Macht nieder zu ſchmettern. Nur ungffaͤhr ſechzig Maͤnner waren an dieſem Tage in Suli geblieben, die Feſte im Noth⸗ falle zu vertheidigen, die uͤbrigen aber waren be⸗ ſchaͤftiget, Greiſe und Weiber und Kinder nach St. Veneranda zu ſchaffen und theilweiſe nach Kiapha, da beide Ortſchaften auf Bergkegel lagen und dem erſten Anlauf nicht ſo ausgeſetzt waren wie Suli, und ſie nicht ahndeten, daß gerade an dieſem Tage von den Tuͤrken ein Angriff mit der ganzen Macht wuͤrde erfolgen. Die tapferen Zuruͤckgebliebenen recht⸗ fertigten indeß das auf ſie geſetzte Vertrauen; als hielten ſie ſich fuͤr unuͤberwindlich, ſtuͤrzten ſie auf die ſtuͤrmenden Albaneſen und feuerten ſo ſicher und ſchnell, daß die Feinde jeden Schritt, den ſie vor— drangen mit vielen Kriegern bezahlten; aber ploͤtz⸗ lich wurden ſie im Ruͤcken beſchoſſen; Pilios Guſſis an der Spitze fuͤhrte eine Maſſe Tuͤrken, die er des Nachts durch eine den Sulioten nur bekannte Schlucht nach Suli gefuͤhrt und in die dort verlaſſenen Haͤu⸗ ſer hatte verborgen, und ſo zwiſchen zwei Uebermach— ten ſich nicht zu halten vermoͤgend, brachen ſich die tapfern Palikaren doch Bahn bis zu einer Anhoͤhe, von wo aus ſie ſich mit St. Veneranda in Verbin⸗ 374 dung zu ſetzen vermochten. Nun ſtand den Tuͤrken nichts mehr entgegen; in trunkener Freude marſchir⸗ ten ſie unter Kiapha vorbei, und bald ſtanden ſie in der verlaſſenen Bergſtadt Suli, wonach ſie ſo lange, als Ziel ihrer Wuͤnſche, gerungen. So leicht hatte Veli ſich die Erſtuͤrmung von Suli nicht ge⸗ traͤumt, und ohne Pilios Guſſis Verrath, der die Ab⸗ weſenheit ſeiner Landsleute benutzte und mit dem Paſcha den Angriff heimlich entwarf, waͤre ihm wohl nimmer die Eroberung gelungen; denn durch Suli war er Herr des Gebirges mit Ausnahme von St. Veneranda und Kiapha geworden, und die Sulioten haͤtten ihre Hauptfeſte gewiß bis auf den letzten Mann tapfer vertheidiget. Auch Aly Paſcha jubelte, als er die Nachricht empfing; in ſeiner Freude ſendete er zwoͤlf Beutel an Pilios Guſſis und befahl ſogleich ſeinem Sohne, Suli noch ſtaͤrker zu befeſtigen und ſofort den Sturm auf St. Veneranda und Kiapha auch zu beginnen, da die Truppen jetzt noch in friſchem Muthe williger wuͤrden die Felſen erklettern, wie ſpaͤter.— Veli kam dem Befehle puͤnktlich auch nach; doch alles Bom⸗ bardement auf beide Feſtungen blieb ohne Wirkung, und jeder Sturm der Tuͤrken wurde zuruͤck geſchla⸗ gen mit bedeutendem Verluſte fuͤr dieſe. Anderthalb Monate waren wieder verfloſſen, ohne daß Veli St. Veneranda noch Kiapha vermochte zu ſchaden, allein jetzt fingen in den Feſtungen an Kriegs⸗ bedirftiſe die Venätt Nagajine i len ind dit den Hriſch Nige und Greiſe und Nangel au man nicht in dem fiſ Der h in Jannina ſinet Lan ſchwach gen Dimos Ze ter und S zu halten wenn ern weislich u war zu feſ blieb ihn rannen u Ah Paſhe nen und ftagte er d ſinen Be „Ich hn, Veſſ ürken ſchit⸗ en ſie ſie ſo leicht ht ge⸗ die Ab⸗ it dem n wohl Suli on St. ulioten litzten achricht Beutel Sohne, Stum 375 beduͤrfniſſe und Lebensmittel zu ſchmelzen; denn durch die Verraͤtherei des Pilios Guſſis waren auch die Magazine in Suli in die Hände der Tuͤrken gefal⸗ len und die wenigen Vorraͤthe, die in den beiden an⸗ dern Ortſchaften aufgeſtapelt waren, gingen auf die Neige und vorzuglich Kiapha, wo ſich eine Menge Greiſe und Weiber und Kinder befanden, litt ſchon Mangel an Mundvorrath und einen Ausfall konnte man nicht wagen, da uͤberhaupt ringsumher, außer in dem feſten Suli, nichts waͤre zu finden geweſen. Der hochherzige Photos Tſavellas, immer noch in Jannina im Kerker ſchmachtend, erfuhr die Noth ſeiner Landsleute; er fuͤhlte, daß der Prieſter zu ſchwach geworden, um kraͤftig zu handeln und der alte Dimos Zerwas ſich ihm anſchließe, und ſeine Mut⸗ ter und Schweſter und ſelbſt Drakos nicht das Ganze zu halten vermoͤchten und alle untergehen wuͤrden, wenn er nicht in den Stand ſetzen ſich koͤnne fuͤr ſie weislich und thäͤtig zu handeln. Aber ſein Kerker war zu feſt, als daß er befreien ſich konnte und es blieb ihm daher nichts anderes uͤbrig, als den Ty⸗ rannen um eine Unterredung bitten zu laſſen.— Aly Paſcha glaubte von Allem Vortheil ziehen zu kon⸗ nen und genehmigte ihm den Wunſch, und liſtig fragte er den Helden, wie er vor ihm erſchien, nach ſeinem Begehren. „Ich will nach St. Veneranda und Kiapha ge⸗ hen, Weſſir,“ entgegnete Photos,„und meine Lands⸗ 376 leute zu bewegen ſuchen, daß ſie die Gebirge verlaſ⸗ ſen; denn haſt Du auch Suli jetzt in Deiner Ge⸗ walt, wirſt Du doch St. Veneranda und Kiapha nie uͤberwinden und ſie bleiben Dir ein ſchreckendes Hinderniß in den Gebirgen, wird ihre Vertheidigung nur maͤßig tapfer gefuͤhrt, und Du biſt nie Herr des Gebirges und mußt ſtets bei der kleinſten Nachlaͤſſig⸗ keit Deiner Feldherren eine totale Niederlage Deines Heeres befuͤrchten. Und dann kann es doch auch nicht Deine Abſicht ſein, fortwaͤhrend eine ſtarke Ar⸗ mee dort halten zu wollen und die Koſten ihrer Un⸗ terhaltung nutzlos zu verſchwenden.“ Arg laͤchelte Aly.„Glaubſt Du,“ ſprach er dann nach kurzem Beſinnen,„ich werde Dich zum zweiten Male entlaſſen, damit Du wieder mir ent⸗ gegen zu handeln vermagſt? Dein Ehrenwort mir zu halten moͤchte wohl leid Dir geworden ſein im Ker⸗ ker und nicht wieder bekaͤmen Dich meine Augen zu ſchauen, wohl aber wuͤrdeſt Du mir Schaden uͤber Schaden zufuͤgen, biſt Du entfeſſelt und frei in St. Veneranda.“ „Mein Weib und meine Kinder, Weſſir,“ ver⸗ ſetzte Photos,„laſſe ich Dir zur Buͤrgſchaft, daß mein Verſprechen ich loͤſe; iſt Dir dies genehm, ſo laß mich ziehen, und harre des Ausgangs.“ Einige Augenblicke uͤberlegte Aly mit ſanftem Wiegen des Hauptes; der Vorſchlag ſchien ihm vor⸗ theilhaft, denn hatte er die Sulioten nur erſt aus ihren Feft Nnſche it ſchend dar ucht dies icht zu ſchaft, do Du verſp Kinder le Zwöl Venerand Thurme öffnend, Eingang terne, un und das ſchritt ſi zu Gefuͤn Jetzt hot eine Thü ein in di Der zu beten. „St ſuu, ic das Lebe tlaſ⸗ r Ge⸗ iapha endes igung tr des liſſig⸗ Deines h auch e A⸗ rer Un⸗ ihren Feſtungen, dauchte ihre Vernichtung auf dem Marſche ihm leicht, und den Polemarchen ſcharf an⸗ ſehend dann, ſprach er mit eiſiger Kaͤlte, um Photos recht die Worte fuͤhlen zu laſſen und ſein Inneres nicht zu verrathen:„Ich nehme an Deine Buͤrg⸗ ſchaft, doch wiſſe, handelſt Du entgegen dem, was Du verſprochen, wird Dein Weib geſpießt und Deine Kinder lebendig gebraten.“ 14. Zwoͤlf Uhr Ritternacht ſchlug die Uhr in St. Veneranda. Eine leichte Geſtalt ſchwebte an dem Thurme voruͤber und geraͤuſchlos die ſchwere Thuͤr öffnend, trat ſie in das Innere, vorſichtig wieder den Eingang verſchließend. Hier zog ſie eine Blendla⸗ terne, unter dem Mantel verborgen geweſen, hervor, und das Gemaͤuer von dem matten Scheine erhellt, ſchritt ſie in die unterſten Räume des Thurmes, die zu Gefaͤngniſſen eingerichtet waren. Es war Kaido. Jetzt hatte ſie in dem langen unterirdiſchen Gang eine Thuͤr erreicht; der Riegel knarrte, und ſie trat ein in die ſchauerlich dumpfe Zelle. Der Gefangene lag auf ſeinen Knien und ſchien zu beten. „Steh auf, Pilios Guſſis,“ ſprach die Jung⸗ frau,„ich komme Dich zu befreien. Ich weiß, daß das Leben Dir lieb iſt vor Allem und deshalb ſollſt 378 Du auch leben; die Verbrechen, die Du begingſt, moͤge Gott Dir verzeihen und er ein ſeliges Ende Dir ſchenken. Hier ſollſt Du nicht fallen; Du ſuͤn⸗ digteſt um mich, da Du nicht Mann genug warſt Deine Leidenſchaften zu zaͤhmen, und ich muß Dich daher erloͤſen. Moͤge Dein Herz ſich ferner veredeln.“ Ohne Regung blieb jedoch Pilios Guſſis. Noch einmal redete Kaido ihn an, aber keine Antwort er⸗ folgte. Dann ſchritt ſie auf ihn zu in der Meinung er ſchlafe, um ihn zu wecken. Doch kaum beruͤhrte ſie leiſe ſeinen Kopf mit der Hand, ſo fiel der Kniende um und lag todt zu ihren Fuͤßen. Er hatte ſelbſt ſich erwuͤrgt mit der Kette, die um den rechten Arm und den linken Fuß ihm war gelegt. Jede Hoff⸗ nung des Lebens war ihm entſchwunden und in dumpfer Verzweiflung hatte er den Tod ſich gege⸗ ben; denn der naͤchſt anbrechende Morgen ſollte ſein letzter ſein und er hingerichtet werden vor allem Volke, als ſchaͤndlicher Verraͤther zur graͤßlichen War⸗ nung. So hatte der Senat das Urtheil gefaͤllt, als er von Veli gegen Ismael Paſcha ihm war ausge⸗ liefert worden.— Schaudernd trat die Jungfrau zu⸗ ruͤck von dem Entſeelten und enteilte dem Thurme, da ſie nicht mehr zu retten vermochte. Ein erfreulicherer Anblick, als die Hinrichtung Pilios Guſſis, wurde den Sulioten an demſelben Morgen zu Theil. Photos trat in die Mitte ſeiner Landsleute und neue Hoffnung belebte ſie alle, wie ſi den ju Porten et Gefangenſ nuch Patg zu bitten, Penerande dies geſch Venerande und daß der aus d tet die S weiſe, daß man verſe trauen un Wurde d Nur ganz des haben; ſi ſigen den hielten de fir zu gr randa ve „Be der Tyr Vorhabe qualvoll haben, k Auc ingſ, Ende ſün⸗ eine dahet Joch it et⸗ inung rührt ſiende ſelbſt m Hof⸗ nd in gege⸗ e ſein allem 379 ſie den jungen, edlen Helden erblickten. Mit kurzen Worten erzaͤhlte er ihnen, um welchen Preis er ſeine Gefangenſchaft verlaſſen und daß er jetzt bereit ſei, nach Parga zu gehen und die Einwohner jener Stadt zu bitten, die Greiſe, Weiber und Kinder von St. Veneranda und Kiapha aufzunehmen; aber wenn dies geſchehen, er mit den ſtreitbaren Maͤnnern St. Veneranda gegen den Tyrannen wolle vertheidigen, und daß er ſelbſt die Hoffnung hege, die Tuͤrken wie⸗ der aus dem Gebirge zu ſchlagen. Jauchzend ſtimm— ter die Sulioten in ſeinen Vorſchlag, und zum Be⸗ weiſe, daß man bereit ſei wieder gut zu machen, was man verſchuldet, zeigten alle das unbedingteſte Ver⸗ trauen und der Senat bekleidete ihn wieder mit der Wuͤrde des erſten Polemarchen. Nur Moſcho, Kaido und Samuel billigten nicht ganz des Sohnes und Bruders und Freundes Vor⸗ haben; ſie hatten empfunden, was das hieß, die Ih⸗ rigen dem Tode zu weihen, die ſie liebten und ſie hielten das Opfer, das er bringe dem Volke, daher fur zu groß, und ſich ſelbſt ſtark genug St. Vene⸗ randa vertheidigen zu koͤnnen. „Bedenke,“ ſagte der Moͤnch,„was Du thuſt; der Tyrann wird nicht ermangeln, ſo bald er Dein Vorhaben erfaͤhrt, Dein Weib und Deine Kinder qualvoll zu ſchlachten und die Reue, ſie geopfert zu haben, koͤnnte Dich ſpaͤter ergreifen.“ Auch Moſcho und Kaido redeten ſo; aber Photos 380 entgegnete:„Er wird es nicht wagen, Hand an ſie zu legen, mich durchſtroͤmt die ſchoͤnſte Hoffnung die Lieben wieder zu ſehen. Doch ſollten ſie wirklich als Opfer auch fallen, ſo fließt ihr Blut fuͤr das Vaterland! und mein Weib wird wiſſen zu ſterben und die Stimme des Vaterlandes, das in Noth, muß die des Vaters uͤbertoͤnen. Es ſind nur drei, ein Weib und zwei Kinder; ich aber rette durch ſie Hunderte von Greiſen, Weibern und Kindern meines Volkes, die alle ſonſt ſind verloren und dem Schwerte der Tuͤr⸗ ken ſchon ſo gut wie verfallen; und harren die Maͤn⸗ ner in Tapferkeit an meiner Seite, auch das Vater⸗ land und ſeine heilige Freiheit!“ So herzlos Pho⸗ tos auch als Gatte und Vater erſchien im erſten Au⸗ genblicke, konnten die Seinigen ihn doch nur bewun⸗ dern, wie ſie reiflicher ſeinen Plan uͤberlegt, und von den beſten Segenswuͤnſchen begleitet, eilte er dann nach Parga. Die Einwohner dieſer Stadt waren nicht abge⸗ neigt, des Helden Wunſch zu willfahren, allein ſie konnten in dieſer wichtigen Sache nicht eigenmaͤchtig handeln und wollten erſt die. Genehmigung ihrer Re⸗ gierung von Korfu einholen, um deren Schutz dann geſichert zu ſein, falls Aly ſich geluͤſten ſollte, ſeine Rache auf ſie ausſtroͤmen zu laſſen. Sofort wurde daher ein Schiff an den ruſſiſchen Befehlshaber nach Korfu entſendet und Photos beſchloß bis zu deſſen Ruͤckkehr in Parga zu weilen. Winterſtuͤrme erſchwer⸗ ten jedoch dem Schiffe die Fahrt und ſchon hatte Photos viele Tage in Parga vergebens gewartet, als er die Nachricht bekam, der dem Verraͤther Pilios Guſſis befreundet geweſene Kutſonikas pflege von = Fiopha a Schrel ve eſte; aber gung und auch den Stomm 3 zur Dimo noch in de luſt war d zen, und d tiren, führ vielen Gre gen Winte von hiet a leiten zuk Kaun Sulioten traf. Die Nachtichte ſo vetſchie Ort und wüthete e fuhr und Peli der Vortan mit wart er handel nuhm Uh) Stritet, Oog ſeiner Fil zu können n ſie g die rtlich das erben muß WVeib derte olies, Tuͤr⸗ Min⸗ Bater⸗ Pho⸗ Au⸗ wun⸗ von dann abge⸗ nſie ichtih Re⸗ dann ſeine urde nach beſſen 381 Kiapha aus mit den Tuͤrken Unterhandlungen. Schnell verließ er nun Parga und eilte nach jener Feſte; aber Kutſonikas hatte ſchon mit Velis Bewilli⸗ gung und ſeiner ganzen Phara Kiapha verlaſſen und auch den ſonſt tapfern und edlen und zahlreichen Stamm Zerwas bewogen, mit ihm zu ziehen und nur Dimos Zerwas war allein von ſeiner Phara noch in der Feſtung geblieben. Durch dieſen Ver⸗ luſt war die Mannſchaft auf ein geringes geſchmol⸗ zen, und da Kiapha uͤberhaupt ſchwer zu verprovian⸗ tiren, fuhrte Photos die ganze Beſatzung und die vielen Greiſe, Weiber und Kinder, benutzend die lan⸗ gen Winternachte, gluͤcklich nach St. Veneranda, um von hier aus die Schwachen deſto ſicherer nach Parga leiten zu koͤnnen, und uͤberließ Kiapha den Flammen. Kaum war indeß die Vereinigung ſämmtlicher Sulioten bewirkt, als Aly Paſcha ſelbſt in Suli ein⸗ traf. Die Belagerung währte ihm zu lange und die Nachrichten von des Polemarchen Beginnen, trafen ſo verſchieden und widerſprechend ein, daß er ſich an Ort und Stelle ſelbſt wollte uͤberzeugen. Schrecklich wuͤthete er, als er den Plan des Polemarchen er⸗ fuhr und was dieſer ſchon vollbracht; er beſchuldigte Veli der Verraͤtherei und es kam zu einem harten Wortkampfe zwiſchen Vater und Sohn. Aber hier⸗ mit war nichts weiter gethan; wollte er ſiegen, mußte er handeln, und als daher die erſte Hitze verbrauſt, nahm Aly ſeine ganze Armee, gegen achtzehntauſend Streiter, ſie ſelbſt anfuͤhrend gen St. Veneranda. Obgleich Photos die Ueberzeugung hatte, von ſeiner Felſenfeſte jeden Sturm der Tuͤrken abſchlagen zu koͤnnen, kam ihm Aly doch zu uͤberraſcht; denn 382 er hatte den Abzug nach Parga noch nicht bewerk⸗ ſtelligen koͤnnen, und wenn die Tuͤrken auch St. Ve⸗ neranda nicht eroberten und ſich blos auf eine ernſte Blokade beſchraͤnkten, waren in der Feſte doch zu viel muͤßige Eſſer, als daß man in Beruͤckſichtigung dieſer, ſich lange zu halten vermochte. Doch nichts deſto weni⸗ ger verlor der junge Polemarch den Muth und die Hoffnung, noch ſeine Landsleute und das Vaterland zu retten. Trotzig verweigerte er deshalb auch jede Uebergabe dem Paſcha, und es ſleigerte ſich dadurch deſſen Zorn ſo ſehr, daß er große Belohnungen ſei⸗ nen Kriegern verſprach, wenn ſie St. Veneranda ein⸗ nehmen wuͤrden, Gold unter ſie warf, und jeden Su⸗ lioten in Stuͤcke zu reißen drohte, der in ſeine Ge⸗ walt moͤchte gelangen. Mit wahrer Menſchenverſchwendung leitete Aly den Angriff auf St. Veneranda, die Tuͤrken und Albaneſen thaten ihre Schuldigkeit, jedoch vermoch⸗ ten ſie nicht gegen die Felſen und den Enthuſiasmus der Palikaren zu ſiegen. Samuel hatte des heiligen Kreuzes Fahne auf die Kapelle geſteckt und hoch flat⸗ ternd im ſpielenden Winde, begeiſterte ſie die Su⸗ lioten im Kampfe mit ſtets neuer Staͤrke, und nach ſiebenſtuͤndigen furchtbarem Feuer ſah ſich auch der ſtolze blutgierige Paſcha mit den Truͤmmern ſeiner Armee zum ſchimpflichen Ruͤckzuge genoͤthiget.— Seine Wuth war grenzenlos; er war vor Zorn der Worte nicht maͤchtig und ſich auf ein Pferd werfend, uͤberließ er Veli das fernere Verfahren und ſprengte nach Jannina. Hier ſollte zuerſt die Familie des Polemarchen ſeine Rache kuͤhlen; er hatte furchtbare Martern er⸗ ſunen für ſich alles vetzehren, ſ, daß d Kinder ent ſin ſuh auf und n femeiſters er, der Be wurde von weiſe trat Emire in der Suliot ihn zu bew Mlein kau auch der G tos Weib und ſchnell das bitten Wos Hunger u übetfult und Veli ſchnitten Brlagerte ben Tage Feinde un gers, ehe dauerte ih Kindet, ede Hof fünden d bewert⸗ St. Ve⸗ eernſte zu viel dieſet, o weni⸗ und die aterland ſh jede dadurh gen ſei⸗ da ein⸗ en Su⸗ ne Ge⸗ ete Ahh en und ermoch⸗ iasmus heiligen ch fat⸗ e Su⸗ d nach uch der ſeinet get.— orn der erfend, prengte narchen ern er⸗ — — 383 ſonnen fuͤr das Weib und die Kinder; aber als hätte ſich alles gegen ihn verſchworen, ihn im Zorne zu verzehren, berichtete bleich und zitternd der Kerkermei⸗ ſter, daß das Gefaͤngniß leer und Photos Weib und Kinder entflohen. Als haͤtte der Schlag ihn getrof⸗ fen, ſah Aly ſtumm vor ſich hin; dann brauſte er auf und wollte mit dem Saͤbel den Kopf des Ker⸗ kermeiſters zerſpalten, doch leere Luft nur durchhieb er, der Bebende hatte ſchleichend ſich entfernt und wurde von ihm nie wieder geſehen. Ungluͤcklicher⸗ weiſe trat in dieſem Augenblick ſeine Gemahlin Emire in das Zimmer, den Wuͤtherich um Schonung der Sulioten zu bitten, und fuͤr ihren Sohn beſorgt, ihn zu bewegen, einen guͤtlichen Frieden zu ſchließen. Allein kaum hatte ſie ihren Vortrag geendet, als auch der Gedanke in ihm empor ſtieg, daß ſie Pho⸗ tos Weib und Kinder zur Flucht habe verholfen, und ſchnell ein Piſtol ziehend, druͤckte er es ab auf das bittende Weib in beſinnungsloſem Raſen. Was kein Sturm vermochte, gelang endlich dem Hunger und dem Durſte. St. Veneranda war zu uͤberfuͤllt mit Menſchen; das letzte Brod verzehrt, und Veli hatte der Feſtung auch das Waſſer abge⸗ ſchnitten und hielt ſie ſo eng eingeſchloſſen, daß die Belagerten nicht das Mindeſte konnten erlangen. Sie⸗ ben Tage kaͤmpften die Helden jedoch noch mit dem Feinde und den Qualen des Durſtes und des Hun⸗ gers, ehe ſie an eine Kapitulaton dachten; aber dann dauerte ihnen das Schickſal ihrer Greiſe, Weiber und Kinder, die ermattet dahin ſanken, und da ihnen jede Hoffnung war entſchwunden unter dieſen Um⸗ ſtänden das Vaterland zu retten, unterhandelten ſie 384 mit Veli um freien Abzug. Dieſer wurde ihnen durch eine ſchriftliche Acte gewährt und da von Parga un⸗ terdeß eine guͤnſtige Nachricht eingegangen war, wo⸗ nach die Stadt ſich zur Aufnahmr der Sulioten be⸗ reit erklaͤrte, ſollte Photos die Ungluͤcklichen dahin fuͤhren. Ehe jedoch noch die bisher freien Krieger das geliebte Vaterland verließen, fuͤgte Samuel in der Kapelle feierlichſt Drakos und Kaidos Haͤnde zu⸗ ſammen und ſegnete den ehelichen Bund mit ergrei⸗ fender Rede. Dann nahm er Abſchied von ſeinen Lieben und auch Dimos Zerwas und Moſcho ſagten den Ihrigen fuͤr dieſes Leben Lebewohl. Sie woll⸗ ten des Vaterlandes Fall nicht uͤberleben und von freier Erde noch entſchweben nach jenem ewig freien Reiche und keine Bitte vermochte ſie abzubringen von ihrem Entſchluſſe. Nit blinkenden Waffen geſchmuͤckt zogen Pho⸗ tos und die Neuvermaͤhlten ihren Landsleuten mu⸗ thig voran, ein neues Vaterland ſich zu ſuchen, thrä⸗ nenden Auges Abſchied nehmend von dem alten Ge⸗ liebten und wie ſie einige Stunden entfernt von ihm waren, ruͤckten die Tuͤrken ein, um Beſitz von St. Veneranda zu nehmen. Ein ſeltſamer Anblick uͤberraſchte jedoch die ro⸗ hen Söhne des feurigen Propheten und die Alba⸗ neſen erſtaunten, ſcheu ſchlagend das Kreuz.— Auf einem großen Kaſten, bis am Rande mit Pulver ge⸗ fullt, ſaß der Prieſter in geiſtlichem Ornate die bren⸗ nende Lunte in der Hand und ihm zu Seiten Moſcho und Dimos Zerwas im kriegeriſchen Schmucke und in der M Ale drei ſi den Regur Sclaben, ner Gnade „Nur digen“ ſtige Serl fri! Iſ follen, hab Seelen zu ſchweben uber dem blicken de kaum wa fen und weihten„ In Kinder, i wirklich? einer Na hefteit un Sonne ſe die Schu Weſten n „La dem Geli treten, b ſie unter hier iſt d jiehen; n durch tga Un⸗ , we⸗ ten be dahin ger das in der nde zu⸗ etgtei⸗ ſeinen ſagten e woll⸗ nd von g freien en von Pho⸗ en m⸗ ſ thri⸗ ten Ge⸗ on ihm on St. die ro⸗ e Alba⸗ if lver ge⸗ ie bren⸗ Moſch e und 385 in der Mitte des Kaſtens ſtand die heilige Fahne. Alle drei ſchienen ganz ohne Leben. „Ergebt Euch!“ rief der Anfuͤhrer der Tuͤrken, den Regungsloſen zu.„Ihr ſeid nun des Paſchas Sclaven, da Ihr hier noch werdet gefunden und ſei⸗ ner Gnade verfallen.“ „Nur der Koͤrper kann zum Sclaven ſich ernie⸗ drigen,“ entgegnete der Prieſter ruhig,„wenn eine feige Seele in ihm wohnt; doch der kuͤhne Geiſt iſt frei! Iſt auch St. Veneranda in Eure Haͤnde ge⸗ fallen, habt Ihr doch nicht die Macht, unſere freien Seelen zu zuͤgeln. Vom Vaterlande ſollen ſie ent⸗ ſchweben zu einem neuen, herrlicheren; denn dort uͤber dem blauen Gewoͤlbe laͤßt uns die Hoffnung blicken der ewigen Freiheit ſelige Geſilde!„Und kaum waren dieſe Worte vertoͤnt, erbebten die Tuͤr⸗ ken und Berge, und die drei freiwillig dem Tode Ge⸗ weihten waren vom Leben geſchieden. In Parga traf Photos ſein Weib und ſeine Kinder, ihn hatte die Hoffnung nicht betrogen, denn wirklich waren ſie von des Tyrannen Gemahlin in einer Nacht waͤhrend ſeiner Abweſenheit von Jannina befreit und nach jener Stadt geſendet. Und als die Sonne ſank in das Meer, ſtand Kaido gelehnt an die Schulter des gluͤcklichen Gatten und ſchaute gen Weſten mit hehrem Blicke in die gluͤhenden Wolken. „Laß uns hier nicht weilen,“ ſprach ſie ſanft zu dem Geliebten;„kaum hat mein Fuß dieſe Erde be⸗ treten, brennt doch ſchon mir die Sohle; dort, wo ſie untergeht die glaͤnzende Sonne, nur iſt Freiheit; hier iſt druͤckende Schwuͤle. Nach Weſten laß uns ziehen; denn noch lange wird es waͤhren, ehe dieſes 386 Land ſich vom Drucke uͤbermüthiger Herrſcher be⸗ freit, obgleich auch ihm einſt ſeine freie Stunde wird S, 4 1 ſchlagen, wenn die Menſchen ihren Werth wuͤrdig erkannt. In Weſten laß uns ein neues Vaterland 1 8⸗„ ſuchen, ehrend das Alte, und wenn wir dort unſere irdiſchen Tage in Tugend vollbracht, wird uns auch 16 8⸗ v.⸗ winken aus dem Jenſeits lieblich ins himmliſche ſ— Reich, wo die Liebe nur waltet, durch des Glaubens erquickende Pforte, zum ewigen gluͤcklichen freien Le⸗ 2355% ben, huldvoll die immer bluͤhende Hoffnung!“— 28 2⸗ o. 2810 18 — — Druck don Fr. Ruͤckmann in Leipzig. e with würig terland unſete ü auch mliſche laubens eien Le⸗ ßeiplig. —— — cd de dd — S 00 S n„ — — do — 412. 44 6 44 11 „S8» N „8* 8 47 12⸗„ 49 4 55 6 62 3 65 3 „ l. und nun lebet tc. Räumen ſt. Raum. Marcheſe ſt. Ma⸗ reſe. v» ⸗ dann ſt. denn. ⸗„Seelen ſt. Seele⸗ ⸗ den ſt. dem. ⸗ſeine kurze Naſe und die ꝛc. ⸗erlittenen ſt. erbit⸗ terten ihn ſt. ihm. ſeinen ſt. ſeiner. dem ſt. den. dieſem ſt. dieſen. in welchem er lebte, betroffen ꝛc. im ſt. in. im ſt. in. an ihm ſt. ihn ⸗ außeren ſt. aͤuße⸗ rem. ⸗ ſeinen Knien ſt. ſei⸗ ner Kniee. Knechte ſt. 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Ga⸗ lantrie. gleich ſt. glich. einem ſt. einen. leuchteten ſt. leuch⸗ tete. „ ihm ſt. ihn. „ verzweifelnd ſt. zweifelnd. pf auf Ellbo inen. . Gg⸗ nen. leuch⸗ O em