Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ollmunn in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und Teſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk. Pf. 4 — „ 3 3 5. Answrtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zuräckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Das Chor der gefangenen Trojanerinnen. Polyxena. Ulyſſes. Talthybius. Eine Magd der Hecuba. Agamemnon. Polymeſtor. —— Zueignung. D Swieten, deſſen Nahm' ein Lobſpruch ift, Und der den allerunbedeutendſten Der Nahmen bald zum Lobſpruch machen würde, Schon lange liebt und ehret dich mein Herz, Sennt deine Größe, fühlet deinen Werth; Nicht des Miniſters Werth nur, den die erſte Der Herrſcherinnen an der Herrſcher erſten Geſandt hat, dort ihr Stolz, ihr Bild zu ſeyn, Nicht nur den Werth des Wiſſenſchaftenpflegers, Der überall mit ſeinen Augen ſieht, Mit ſeinen Ohren höret und die kleinſte Von ſeinen Pflichten, wie die größte, thut; Auch jenen beſſern Werth des Menſchenfreunds, Aus deſſen Kiſten in die hagre Hand Schuldloſen Armuths ein Pactolus fließt. Der vielen Weiſen Nahrung für den Geiſt Und für den Körper reicht. Zwar dieſe Thaten Sind unbekannt; der edle Thäter wirft Den Mantel des Geheimniſſes um ſie: Allein die Muſe tritt zu ihnen hin, Entreiſſet ihnen dieſen Mantel, hüllt Sie in ein Feyerkleid, das ihre Hand Aus Strahlen der Unſterblichkeit gewebt, Und führt ſie ſo geſchmückt dem Enkel zu. Auch dieſes, edler Swieten, iſt dein Werk, Daß man den Gaumen unſrer Jünglinge 1 Im reichern Maß, als hiebevor geſchehn, Die honigſüßen Früchte ſchmecken läßt, Die einſt dem Boden Griechenlands entkeimt. Da du ſo warm die weiſen Alten liebſt, So wirſt du auch der Deutſchen Hecuba Dein Auge gönnen; freylich iſt ſie nur Ein Holzſtich jenes göttlichen Gemähldes, An dem der Vorwelt heiße Thräne klebt, Und auch der Nachwelt Thräne, wenn Geſchmack Und Menſchlichkeit nicht ausſtirbt, kleben wird. — — — —) 2— — „)—„— Erſte Handlung. Der Schatten des Polydorus. 36 Polydorus, Priams Sohn, erzeugt Mit Ciſſeus Tochter Hecuba, erſcheine, Denn ich verließ das Thor der Finſterniß Und das verborgne Schattenreich, wo Pluto, Von andern Göttern fern, ſein Haus gegründet. Als die Gefahr, zu fallen unterm Speer Der Griechen, Trojen näher kam; da ſandte Mein banger Vater in geheim mich fort Zu ſeinem alten Gaſtfreund Polymeſtor. Der baut die ſegenreichſte Flur von Tracens Halbinſel und beherrſchet mit der Lanze Ein Roſſe nährend Volk; auch gab mein Vater Viel Golds mir heimlich mit, daß, ſtürzeten Die Mauern Trojens, ſeine Söhne doch, Die ſich gerettet, nie ein Mangel drückte. Mich als den jungſten konnt' er leicht entbehren, Da ich nicht Waffen tragen, nicht den Speer In ſchwacher Knabenrechte ſchwingen konnte. So lange Trojens Gränzſtein'*) aufrecht ſtanden .. 3 *) Die Graͤnzſteine wurden von den Siegern umgewor⸗ fenz auf dieſes zielt der Dichter. —— — 8— Und unverſehrt vom Feuer unſre Thürme, Mein Bruder Hector mit der Lanze ſiegte; Verpflegte mich der Tracer wohl, ich wuchs, Ich Elender, gleich einem Sproß empor. Doch wie des Hector Seel' und Troja hin war, Der Herd des Vaters Priam umgeſtürzt: Er ſelbſt, vom blutbetrieften Sohn Achills Mi — Ermordet am Altar der Götter ſiel; De Da tödtet mich, mich Unglückskind der Gaſtfreund Hi Und wirft mich in die See, daß er des Golds De In ſeinem Hauſe ſich bemächtigte.. Ge Nun lieg' ich an dem Ufer, unbeweint. Aus Und unbegraben, von der Meeresfluth ß In manchem weiten Kreis herum getrieben. Ein Doch meiner Mutter wegen fährt mein Geiſt Ni Empor, verläßt den Leichnam und beſchwebt 1 Drey Tage ſchon der Oberwelt Gebiethe; Seit nähmlich meine jammervolle Mutter PVon Trojens Ufern kam und hier verweilt; Denn in dem Hafen liegt der Griechen Flotte; Sie ſelber ſitzen müßig am Geſtade, N Weil über ſeinem Grabe Peleus Sohn Erſchienen und ihr ganzes Heer, das gierig Der Heimath zugerudert, ſäumen macht.* de Er heiſcht zum Ehrenlohn und als ein Opfer Auf ſeinem frühen Grabe meine Schweſter, A Polyxena; die wird er auch erhalten; Die Griechen, ſeine Freunde, laſſen ihn Nicht unbeſchenkt; heut ſtirbt Polyxena, e Verurtheilt von dem Schickſal, heut erblickt Die Mutter zweyer Kinder Leichen, bie X— „ —— —— Der unglückſel'gen Jungfrau und die meine. Ich, der Beſtattung Ehre zu erlangen, Will am beſpülten Ufer einer Magd Erſcheinen, weil ich von den untern Mächten Erhalten, daß mein Leichnam in die Hände Der Mutter fall' und in dem Grab verweſe. Mir alſo wird das, was ich wünſche, werden. Doch fort! ich will der greiſen Hecuba Hier aus dem Wege gehn; ſie naht dem Zelt Des Agamemnon, durch mein Schattenbild Geängſtiget; o Mutter, die geriſſen Aus hoher Burg, den Tag der Knechtſchaft ſah, So elend jetzt, als glücklich hiebevor! Ein Gott hat für dein vorig Wohlergehn Mit gleichem Maß dir Elend zugemeſſen. Hecuba, das Chor der Trojanerinnen. Hecuba. Ihr Mädchen führet, führt aus dem Hauſe mich, Mich greiſes Weib, einſt eure Beherrſcherinn, Nun eurer Knechtſchaft Mitgenoſſinn; Richtet mich auf und ergreift und hebet Den matten Körper, faſſet die alte Hand! Ich aber will auf einen gekrümmten Stab Die Rechte lehnen, will die langſam Wankenden Schritte zu fördern ſuchen. Blitz des Zeus, o finſtere Nacht, was will o manches Schrecken, manches Phantom, das mich PVom Schlaf empor treibt? hehre Erde, Schwärzlich befiederter Träume Mutter! O S — 10—— Ich ſuch es wegzubannen, das Nachtgeſicht, Das ich von dir, o theure Polyxena, Von dir, mein Sohn, der nun gerettet Tracen bewohnet, im Traum erblickte. Ach ich erblickt' es deutlich, nicht zweifelhaft,. Das ſchreckliche Geſicht; o erhaltet mir Den Anker meines Hauſes, meinen Einzigen Sohn, ihr der Hölle Götter! Zwar ſchützet ihn im ſchneeigen Thracien„ Die Obhuth unſers Gaſtfreunds; doch neue Qual Bedräuet mich, uns Jammervollen Kommt nun bald wieder ein Jammerbothe. Noch niemahls fühlt' ich Schrecken und Bangigkeit So unabläſſig; ach wann erblick' ich doch Des Helenus und der Caſſandra Göttliche Seelen, daß ſie die Träume WMir deuten! denn ich ſah, wie mit blut'ger Klau' Der Wolf ein Hirſchkalb tödtete, das er erſt Erbärmlich mir aus meinem Schooße Wegriß, das ſah ich, und meine Schrecken 5. Vermehrt der Geiſt Achills, der ob ſeinem Grab Erſchienen iſt und eine Trojanerinn Zum Opfer heiſchet, wendet, Götter, Dieſes von meiner, von meiner Tochter! Das Chor. Ich fliege, Hecuba, zu dir, Vom Zelt des Herrn, dem ich durchs Loos Als Sclavinn zufiel, durch den Speer. Der Danaer erbeuter und Aus meiner Vaterſtadt gejagt. Verringern werd' ich nicht dein Leid, — „— n Mal the. keit — 11— Schwer, ſchwer iſt meiner Bothſchaft Laſt, Ein Schmerzen⸗Herold bin ich dir. Denn der geſammte Griech'ſche Rath Las, ſo verlautet, las dein Kind Zum Opfer dem Peliden aus. In goldnen Waffen, wie du weißt, Erſchien er über ſeinem Grab Und hielt die Schiff' auf, die, durchs Meer Zu eilen, an den Seilen ſchon Die Segel feſt gemacht, und ſchrie: Wohin ihr Griechen? ſchifft ihr fort Und laſſet unbeſchenkt mein Grab? Ein Streit erhob ſich nun im Heer, Laut, wie des Sturmes Woge rauſcht, Es theilte ſich in zwey Parteyn; Die eine ſprach dem Geiſt Achills Das Opfer zu, die andre nicht. Auf eure Rettung war bedacht Des Atreus Sohn, der Bettgenoß Der Seherinn Caſſandra; doch Die Heldenzweige von Athen, Des Theſeus Söhne, redeten Zum Volke beyde, doch der Rath Von beyden war derſelbe, war: Mit jungem Opferblut das Grab Achills zu ſchmücken, weil es ſich Nicht zieme, der Caſſandra Bett Dem Speer des Helden vorzuziehn*). *) Das heißt, es gezieme ſich nicht, die Forderung des tapferſten Griechen deßhalb abzuweiſen, weil Caſ— ſandra von Agamemnon geliebt wird. Der Streit ward heftig, beyderſeits War gleicher Eifer; endlich kehrt Ulyſſes der gefällige, Rankvolle, ſüße Sprecher ſich Zum Volk und überredet dieß: »Man dürfe nicht den tapferſten »Der Griechen um ein Sclavenblut »Fehlbitten laſſen, daß im Haus Proſerpinens ein Todter nicht »So ſchmähete: die Danaer »Verließen Ilions Gebieth, »Undankbar gegen Danger, »Die für ihr Wohl gefallen ſind.“ Nicht lange, ſo erſcheint er ſelbſt, Zieht dir dein Kind vom Buſen weg, Reißt ſie aus deinem alten Arm. In Tempel, zu Altären fleuch, Umfaſſe des Atriden Fnie, Fleh zu den Göttern im Olymp, Fleh zu den Unterirdiſchen! Erhalten dir Gebethe nicht Die arme Tochter, ach! ſo mußt Du ſehn, daß auf das Grab Achills Die Jungfrau hinſinkt, daß ihr Blut Mit ſchwarzem Glanz dem Hals entſtürzt, Der vormahls Goldgeſchmeide trug. Hecuba. Weh mir Armen! welcher Klagruf Soll von meinen Lippen tönen Elend macht ein elend Alter, Elend macht mich dieſe Knechtſchaft. Ach! Nicht Velch Mein Meihe Soll Velq Unhe Unhe Mich Freut Mir Ungli Führ Eine Hom Dei Wel Für 9) Woe Und Mei Und zt/ Führe du die Greiſe! Tochter Für dein Leben zittern machet. Wozu der ahndungsvolle Zuruf? — Ach! ſie iſt nicht zu ertragen, Nicht zu dulden! wer beſchützt mich? Welche Städte? welche Völker? Mein Gemahl iſt hin, dahin ſind Meine Kinder! ſoll ich hieher, 2 Soll ich dorthin? wohin flieh' ich? Welcher Dämon, welcher Gott hilft? Unheil, o ihr Troerinnen, Unheil habt ihr mir verkündet, Mich zu Grund, zu Grund gerichtet! Freudenleer iſt dieſes Leben Mir geworden, führe du mich, Unglücksfuß, zu jener Halle, Einer unglückſel'gen Mutter, Komm, komm aus dem Hauſe, höre Deiner Mutter Stimm', erfahre Welche, welche Schreckenpoſt mich Polyrena.. O Mutter, Mutter, warum rufſt du?. Was haſt du Neues mir zu melden Und machſt, daß ich mit Vogelſchnelle Mein Haus verließ, nicht ohne Schrecken, Und hieher flog? Hecuba. O weh mir, Tochter! Polyrena. Ein fürchterlicher Eingang! Weh deinem Leben! O Kind, Kind einer armen Mutter! Polyrena. Sprich, was bedeutet dieſe Rede? Der Sohn des Peleiden dringet Auf einen Rathsſchluß, der auf ſeines Erzeugers Grab dich ſchlachten heiße. Polyxena. Hecuba. Polyrena. Rede, birg es Mir länger nicht; ich bebe, Mutter. Ich bebe, warum ſtöhnſt du? ſage. Hecuba. Hecuba. O welch ein übergroßes Uebel Verkündeſt du! erklär', erkläre Mir alles. Hecuba. Nun, ich will, ſo ſchrecklich Es auch zu ſagen iſt, dirs ſagen, Man meldet mir der Griechen Ausſpruch; Sie haben deinen Tod beſchloſſen. Polyxena. O arme Mutter, alles, was ſchrecklich iſt, Ertrugſt du! welches neue Verderben hat Ein Dämon dir bereitet, ſchrecklich Iſt es, mit Worten nicht auszuſprechen! Hin iſt ſie deine Tochter! ich ſoll mit dir Im kummervollen Alter ſelbſt kummervoll Wehe, Wer Mit 2 Der ———— Nicht dienen; gleich dem Kind der Löwinn, Gleich der auf Bergen genährten Farſe, Werd' ich aus deinen Armen geriſſen und Mit abgeſchnittner Gurgel zur Unterwelt, Hinab zu Pluto's finſtrer Wohnung Wandern und elend bey Todten liegen! Ach arme Mutter! dich nur beklag' ich, mit Der Wehmuth Laut und Thräne beklag' ich dich; Nicht meine Schmach, mein traurig Ende. Beſſer geſtorben, als ſo gelebet! Zweyte Handlung. Ulyſſes, Hecuba, das Chor. Das Chor. Sieh Hecuba, mit ſchnellem Fuße naht Ulyſſes, neue Bothſchaft dir zu bringen. utyſſes. Mich dünket, Hecuba, du weißt den Willen Des Heeres ſchon, weißt, welche Meinung ſiegte Doch will ich ſie dir ſagen, man beſchloß Auf des Peliden hohem Grab dein Kind Polyrena zu ſchlachten, mir befahl man Die Jungfrau zu geleiten, doch als Prieſter Steht des Achillens Sohn dem Opfer vor. Was willſt du nun? doch wohl nicht mit Gewalt Sie mir entreiſſen und ins Handgemenge Mit mir gerathen? denk, daß Uebermacht Mein Loos ſey, dein Loos Unglück; auch im Unglück Des Beſten ſich beſinnen, das iſt Weisheit. Hecuba. Weh, weh! es ſcheint, mir ſteh ein Kampf bevor, Ein Kampf voll Seufzer, nicht der Thränen leer. Und ich ſtarb nicht da, wie ich ſterben ſollte; Zeus hat mich nicht getödtet, nein, erhalten, 3. Du Da Ge So len 8 ſigte ſter Gewalt Unglit bevor/ nen leit. lte; lten/ — 17— Daß ich von einem Uebel in ein größers Mich ſtets geſtürzet ſäh', ich Elende! Doch darf ich,(wenn es Sclaven ja vergönnt iſt, Von Freyen Dinge, die nicht bitter, nicht Herznagend ſind, zu forſchen) Und deiner Antwort harren 2 Ulyſſes. Heub dich befragen Frage nur; Zeit kann ich dir wohl gönnen. Weißt du noch, Wie du Flion als Spdher kamſt, Das Kleid zerriſſen, das Geſicht verſtellt, Und thränennaß den Bart vor Todesfurcht. ulyſſes. Wohl weiß jchs, dieſer Unfall glitt nicht bloß An meines Herzens Oberflächen ab. Hecuba. Die Tyndaris erkannte dich, entdeckt' es Mir, mir allein. Ulyſſes. Ja, die Gefahr war groß. Hecuba. Du lagſt vor mir, umfaßteſt meine Knie; ulyſſes. Daß mir die Hand an deinem Kleid erſtarb. Hecuba. Gerettet hab' ich dich, dir fortgeholfen; Ulyſſes. So daß ich noch dieß Lageslicht erblicke. Theater. B — 18— Hecuba. Was ſagteſt du da, ganz in meiner Nacht? Ulyſſes. Was ich erſinnen kaze⸗ nur um nicht Zu ſterben. Hecuba. Nun beweiſt nicht dein Beginnen, Du ſeyſt ein böſer Mann, ich that dir wohl: Du ſelbſt ge eſtehſt es, aber thuſt uns doch Nichts Gutes, Böſes nur, ſo viel du kannſt. Ihr Redner, die ihr euch beym Volk um Ehren Beeifert, undankbar Geſchlecht, o hätt' ich Euch nie gekannt! ihr achtet Freunde nicht, Ihr ſchadet ihnen, um der Menge Gunſt Euch zu erſprechen; doch durch welches Klügeln Verführt, beſchloß man meiner Tochter Tod? Zwingt euch das Schickſal Menſchen auf dem Grab Zu ſchlachten, wo allein der Rinder Blut Vergoſſen werden ſoll? will der Pelide Die todt, die ihn getsdtet? o mein Kind That ihm kein Leid; nur Helenen, die muß er Auf ſeinem Grab zum Opfer heiſchen, die Zog ihn nach Troja, riß ihn ins Verderben. Will man von den Gefangnen jene wählen, Die Schönheit uber andre hebt, auch dieß Kommt uns nicht zu, die Tochter Tyndars läßt An Wohlgeſtalt die unſern hinter ſich, Und ungerecht war ſie, wie wir erfunden. Mit dieſen Gruͤnden ſtritt die Billigkeit; Nun hör' erſt das, was ich als eine Schuld Von dir zurücke fordre; du geſtehſt, Daß du Berührt h ſe Reiß ni Sie nit An ihr Sie iſ Wegw Der, Wer g Es ſeyn Ein T O Lher Erbarm Syrich, Die ihr Pon de Erbarn Das 2 Sprich Pitd 1 Van Und de Nein, Daß er Und la ſen, lüßt Daß du fußfallig dieſe Wang' und Hand Berührteſt, ich berühre nun die deine, Ich flehe dir, erwiedre meine Wohlthat, Reiß nicht mein Kind aus meinen Armen, tödtet Sie nicht, der Todten ſind ja ſo genug! An ihr labt ſich mein Herz, vergißt des Unglücks, Sie iſt mir Troſt ſtatt Vieler, Vaterland, Wegweiſerinn, Ernährerinn und Stütze. Der, ſo befiehlt, muß Böſes nicht befehlen, Wer glücklich iſt, nicht wähnen, daß er ſtets Es ſeyn werd'; ich wars auch und bins nicht mehr; Ein Tag entriß mir alles Wohlergehn. O Theurer, deſſen Kinn ich faſſe, hör', Erbarme dich, geh, zu der Griechen Heer, Sprich, daß es euern Ruhm befleckte, Weiber, Die ihr nicht gleich getödtet, jetzt erſt weg Von dem Altar zu ziehen und zu tödten. Erbarmt euch, das Geſetz heißt euch nicht minder Das Blut der Sclaven, als der Freyen ſchonen. Sprich, wenn auch kunſtlos, deine Würde ſchon Wird überzeugen, denn dieſelbe Rede Wenn ſie vom Mund des unberühmten Mannes Und des berühmten kommt, wirkt nicht dasſelbe. Chor. Nein, nein! ſo hart iſt keines Menſchen Herz, Daß er beh deinen Seufzern, deinem Weinen Und langen Klagen trockner Augen bliebe. Ulyſſes. Laß, Hecuba, laß dich belehren, bring Durch Eifer den nicht auf, der weiſe ſpricht. Dich, der ich Rettung danke, zu erhalten „ Bin ich bereit, auf dieſer Rede bleib“ ich. Doch läugn' ich nicht, daß ich dem Volke rieth, Man ſollte nun, da Troja fiel, dein Kind Dem Tapferſten des Heeres, der ſie heiſcht, Zum Opfer bringen; vieler Städte Weh Entſpringt daraus, wenn man dem Unverdroßnen, Dem Tapfern mehr nicht, als dem Feigen, lohnt. Der Peleid' iſt unſrer Ehre werth, Er ſtarb den Heldentod für Griechenland. Und ſchändlich wärs den Freund im Leben achten, Nicht achten nach dem Tod. Wie wenn ein Heer Sich wieder ſammelt, und die Feldſchlacht naht, Wer ſagt mir, ob wir dann, ſehn wir den Todten Verdienter Ehren darben, dennoch kämpfen, Ob unſer Leben ſchnöde ſchonen werden? Ich ſelbſt, ich laſſe mirs, ſo lang' ich lebe, An wenigem zum Unterhalt genügen; Doch wünſcht' ich ehrenvoll mein Grab zu ſehn; Den Dienſt erweiſt man mir auf längre Zeit. Dein Leiden, ſagſt du, iſt erbarmenswerth; Wiſſ', auch bey uns ſind viele ſo bedrängt, Als du es biſt, Greiſ', abgelebte Mütter Und Jungfraun, die den edlen Freyer miſſen, Der überdeckt von Idas Staube modert. ⁰ Drum dulde dieß: uns, wenn wir Tapfere Nicht ehrten, würde man der Thorheit zeihn. Ihr Barbarn handelt an den Freunden nicht Freundſchaftlich und bewundert die als Helden Gefallnen nicht, drum iſt Achäa glücklich, Ihr aber fühlt die Folgen eurer Räthe. — Ach! ad Unwürd 9 voch War it Als de So vi Zuſam Unfaf Beled' Er ſelh Ih ſih Die re Daß i 3hh ſl Riht Wollt Die ſ Es fe Vone Ih n Piel! Wer; 357 Alz Nur Nun Der Ve reth, ßnen, lohnt. achten, Heer aht, odten ſehn; elt⸗ en Chor. Ach! ach wie ſchwer iſt ſtets der Sclaven Stand! Unwürdigkeiten zwingt man ſie zu dulden. Hecuba. O Tochter, all mein Flehn, dich nicht zu ſchlachten, War in den Wind geflehr: vermagſt du mehr Als deine Mutter, o ſo ruf in Eile So viele Tön', als eine Nachtigall, Zuſammen, daß man deines Lebens ſchone, Umfaſſe kläglich dieſes Mannes Knie, Bered' ihn,(denn an Gründen fehlts dir nicht, Er ſelbſt iſt Vater) dein ſich zu erbarmen. Polyrena. Ich ſeh', Ulyſſes, du verbirgſt im Kleid Die rechte Hand, verwendeſt das Geſicht, Daß ich dein Kinn nicht faſſe; ſorge nicht, Ich fleh' dir nicht beym Zeus, ich folge dir, Richt nur aus Zwang, auch weil ich ſterben will. Wollt' ich es nicht, ſo wär' ich eine Feige, Die ſchnöd' ihr Leben liebt; wozu auch nützt' ich Es ferner noch? mein Vater war der König Von allen Phrygern, ſo begann mein Daſeyn. Ich wuchs mit ſchönen Hoffnungen empor; Viel königliche Freyer ſtritten ſich, Wer mich als Braut nach Hauſe führen ſollte. Ich Arme war von den Idäerinnen Als Frau geehret, war, die Sterblichkeit Nur abgerechnet, einer Göttinn gleich. Nun bin ich eine Sclavinn, ſchon der Nahme, Der mir ſo fremd iſt, macht den Tod mir werth. Wie wenn mein Herr, und dieſes wird, wer immer . 2* 1— 22„ Mit Silber mich erkauft, wenn er ein Mann Von hartem Herzen wäre, mich, des Hector Und vieler Helden Schweſtern zwänge, Brot In ſeinem Haus zu backen, die Gemächer Zu reinigen, am Webeſtuhl zu ſitzen Und traurig meine Tage zu verleben? Wie wenn ein irgendwo gekaufter Knecht Mein Bett entehrte, das man hiebevor Nicht unwerth eines Königs achtete. Nein! lieber ſchließe ſich, noch da ich frey bin, Mein Auge, weihe ſich mein Leib dem Pluto; Drum führe, führe mich zum Tod Ulyſſes! Denn keine Hoffnung ſeh' ich, keinen Grund, In Griechenland je Glück mir zu erwarten. Du hindere mit Wort und That uns nicht, O Mutter, billige, daß ich ihn, den Tod, Unwürdiger Behandlung vorgezogen. Wer Böſes zu verkoſten nicht gewohnt iſt, Erträgt es zwar und beugt den Hals ins Joch; Doch ſchmerzt es ihn, todt wär' er glücklicher, Denn ſchmählich leben iſt kein kleines Uebel. Chor. Wie zeichnet doch, wer hoher Abkunft iſt, Sich merklich unter andern aus, wie wächſt F Würdigen der hohen Abkunft Glanz! Hecuba. , edel ſprachſt du zwar, doch miſcht ſich ℳ In dieſen Edelmuth; ſoll Peleus Sohn Befriedigt werden, ihr vom Vorwurf frey, So tödtet die nicht; mich, Ulyſſes, führt Zu ſeinem Scheiterhaufen: mich durchbohrt, 5 Mich, k Durch Richt d Achillen Zuglei Unde Mit Mit Nicht O hi Gih Du un r er/ chmnerz Mich, keine Schonung! ich gebar ja Paris, Durch deſſen Pfeil der Sohn des Thetis fiel. Ulyſſes. Richt dich, o Greiſe, forderte der Geiſt Achillens, ſondern die. ecub. So tödtet ihr mich Zugleich mit meiner Tochter: tränkt die Erde Und euern Todten, der es heiſchet, zwiefach Mit Blute. Ulyſſes. Rein! der Tochter Tod genügt. Fern ſey es, daß wir Tod' auf Tode häufen; O müßten wir doch dieſen nicht verhängen Hecuba. Du mußt mit ihr mich ſterben laſſen, mußt. utyſſes. Mußk wußt ich doch nicht, daß ich Herren habs Hecuba. Wie Epheu an die Eiche, häng' ich mich An ſie. Ulyſſes. Nicht doch, dafern du Klügre hörſt. Hecuba. Mit meinem Willen ſoll ſie nicht von hier. ½ Ulyſſes. Nicht ohne ſie werd' ich von hinnen gehn. Polyxena. O höre mich, und du, Laertiade, Gib der mit Recht erzürnten Mutter nach. Du Unglückſelige, widerſtrebe nicht Gemaohl beſtellen? Den Siegern, oder willſt du auf den Boden Mit wunder Haut dahin geſtreckt, entſtellt Von jugendlichen Händen und von mir Geriſſen werden, nein, das ſollſt du nicht. Unwürdig wär' es; nun, geliebte Mutter, Gib mir die theure Hand und füge Wang' An Wange, denn der Sonnenſcheibe Glanz Seh' ich nur jetzo noch und dann nicht mehr. Drum nimm mein letztes Lebewohl, o du, Die mich gebar, ich geh' zur Unterwelt. Hecuba. Ich aber, Tochter, ſoll auf dieſer dienen? Polyrena. Geh unverlobt, das mir beſtimmte Brautbett Beſtieg ich nicht. 8 Hecuba. O wir Beklagenswerthe! Polyxena. In Pluto's Klüften lieg' ich fern von dir. Hecuba. Weh mir! was thun? und wo end' ich mein Leben? . Polyxena. Ich, eines Freyen Tochter, ſterb' als Sclavinn. Hecuba. Ich kinderlos, die funfzig Kinder trug. Polyrena. Was ſoll ich dir an Hectorn und den alten Hecuba. Sag', ich ſey der Weiber Unglücklichſtes. = Genähr Ereilte PVohl Und Den Ehn der O Li Doch Noch Und ben! in⸗ — 2 5 Polyrena. O Brüſte, die mich ſüß Genährt! Hecuba. O du noch vor der Zeit vom Tod Ereilte! Polyrena. Lebet wohl, Caſſandra, Mutter! Hecuba. Wohl leben mögen andre, nie werd' ichs. Polyxena. Und Bruder Polydorus bey den Tracern, Den Pferdebändigern! Hecuba. Wenn er noch lebt! Ich glaub' es kaum, ſo ganz unglücklich bin ich. Polyrena. Er lebt und drückt dein ſterbend Aug' einſt zu. Hecuba. Noch vor dem Tode tödtet mich der Gram. Polyrena. Hüll' in Gewänder mir das Haupt und führe Von hinnen mich, Ulyſſes, denn ſonſt ſchmilzt, Eh' man mich würgt, mein Leben bey den Klagen Der Mutter und durch mein Gewein das ihre. O Licht, ich darf dich noch beym Nahmen nennen, Doch dein genieß' ich länger nicht, als ich Roch zwiſchen des Achilles Scheiterhaufen Und ſeines Sohnes Opfermeſſer ſchwebe. Hecuba. Ach! ich vergehe, jddes Glied erſtirbt mir! Kind, ſchließe feſt dich an die Mutter, ſtrecke Die Hand aus, gib, verlaß mich Kinderloſe, Verlaß mich nicht! es iſt um mich gethan! Freundinnen, ha! daß ich ſie jetzo doch Hier vor mir ſäh', die Sparterinn, die Schweſter Der Söhne Zeus, ihr ſchönes Augenpaar Hat ſchändlich die beglückte Stadt zerſtört. Chor. Seeluft, die du über den Schwall der Fluthen Schnelle, meerdurchwallende Schiffe leiteſt, Wo wirſt du mich hinwehn, damit ich fremdes Eigenthum werde? Etwan an die Küſte von Doris, etwan Ans Geſtade Phtiens, wo flurbefruchtend, Durch das Land Apidanus rauſcht, der Vater Schönen Gewäſ ſers. Oder werd' ich, ausgeſchifft in der Inſel, (Wo zuerſt erzeuget ſo Palm' als Lorber, Um Latonens Göttergeburt zu ſchmücken, Heilige Sproſſen Ihr gereichet) kläglich als Hausgenoſſinn Leben und der Göttinn Diana Bogen Und ihr goldnes Stirnband mit Delos Jungfraun Singend erheben? Oder dort, wo Pallas Athene mit dem Schönen Wagen herrſchet um Strand Iliſſens Zierlich in den purpurbeblümten Teppich Allerley Farben S Syam Rings Pänd L Aelte Pon Unte Scla Dien Klift e Sticken, mit der Nadel bald Pferd' an Wagen Spannen, bald den Sohn des Saturnus mit dem Rings umflammten Blitze die Söhne Titans Bändigen laſſen? e Weh mir! weh ob meinen Gebornen, meinen Aeltern, meiner Vaterſtadt, die erobert. Von dem Speer der Griechen und angezündet Unter dem Rauch ſtürzt! ije Aber ich, ich werde bey fremden Völkern 6 Sclavinn heißen, Aſien, das Europen Dienſtbar ward, verlaſſen, mein Bett mit Pluto's Klüften vertauſchen. Dritte Handlung. Talthybius, das Chor, Hecuba. Talthybius. Wo, Troerinnen, find' ich Hecuben, Die vormahls über Ilion geherrſcht? Das Chor. Sie liegt nächſt dir, Talthybius, verhüllt In ihr Gewand, den Rücken auf der Erde. Talthybius. O Zeus, was ſoll ich glauben? ſiehſt du wirklich Auf Menſchen nieder, oder nährt ihr Wahn Umſonſt die Meinung von der Götter Daſeyn, Und lenkt all unſer Thun ein blinder Zufall? War dieſe nicht der reichen Phryger Fürſtinn, Des hochbeglückten Priamus Gemahlinn? Und jetzt iſt ihre Stadt zerſtört, ſie ſelbſt Liegt, eine greiſe, kinderloſe Sclavinn, Hier auf dem Boden und befleckt im Staub Ihr elend Haupt; weh! weh! alt bin ich zwar, Doch eher wollt' ich ſterben, als in ſolch Ein Unglück fallen: auf, du Arme! hebe Die Seit' empor, empor dein ſchneeweiß Haupt. e O Mitſ Auf! Daß Zu m die Un O 2 Sta Doch Mit Mich Retz Veyt Zhhl Ahi Hecuba. Wer du auch ſeyſt, was gönnſt du meinem Körper Die Ruhe nicht und ſchüttelſt mich Betrübte? Talthybius. Ich bin Talthybius, der Griechen Herold, Und Agamemnon ſendet mich zu dir. Hecuba. O Theurer, kamſt du, weil die Griechen mich Mitſchlachten wollen? o erwünſchte Bothſchaft! Auf! laß uns eilen, Greis! nimm mich mit dir. Talthybius. Daß du dein todtes Kind begrübeſt, dieß Zu melden kam ich her, es ſchickten mich Die zwey Atriden und Achäens Volk. Hecuba. Weh mir! was ſagſt du! alſo nicht um Tod, Um Unglück mir zu bringen, kamſt du her! O Tochter! von der Mutter weggeriſſen, Starbſt du, ich armes, dein beraubtes Weib! Doch melde mir, wie habt ihr ſie getödtet? Mit Schonung oder grauſam und als Feinde? O ſprich: ſo ſchmerzlich auch die Nachricht iſt. Talthybius. Du machſt zum zweyten Mahl ob deiner Tochter Mich weinen, nun, ihr Unglück dir erzählend, Netz' ich mein Aug' und netzt' es, wo ſie fiel. Beym Opfer deiner Tochter ſtand das ganze Zahlreiche Heer der Griechen um das Grab Achillens; oben auf dem Hügel ſtellte Sein Sohn Polyxenen zu recht, ich ſtand Mit viel dahin beſchiednen Jünglingen, — 30— Damit wir deinem Kind herab zu ſpringen Verwehrten; ſieh! nun faßt der Sohn Achills In ſeine Hand den vollen, goldnen Becher, Gießt ſeinem todten Vater Söhnungsopfer, Dann gibt er mir ein Zeichen, daß ich Schweigen Dem ganzen Heer geböthe; mitten ſtehend Ruf' ich, ſchweigt, Griechen ſchweiget, alles Volk Verſtumme! da ſie nun geſchwiegen hatten, Sprach er: Nimm, Peleus Sohn und mein Erzeuger, Die Söhnungsopfer, die die Abgeſchiednen Heraufziehn, komm, o komm, daß du vom ſchwarzen, PVom unbefleckten Mädchenblute trinkeſt, So wir dir weihen, ich und dieſes Heer. Sey uns geneigt, laß uns zu ſchneller Schiff⸗Fahrt Die Seile löſen, glücklich wiederkehren Und jeden ſeine Vaterſtadt erreichen. So ſprach er, wünſchend fiel das Heer ihm bey⸗ Nun faſſet er ein goldnes Schwert am Griff, Entziehts der Scheid' und winket den daher Beſchiedenen, die Jungfrau anzufaſſen. Doch ſie, ſo bald ſie es bemerket, ſprach: Ihr Griechen, die ihr meine Vaterſtadt Verheeret habt, ich ſterbe gern, und niemand Betaſte mich, ich biethe hohen Muths Den Hals dar, aber laßt mich, laßt mich los; Frey tödtet mich, ich fleh' euch bey den Göttern, Frey will ich ſterben; denn ich Fürſtinn ſchämte Mich in der Unterwelt des Sclavennahmens. Das Volk gab murmelnd Beyfall, Agamemnon Der König ſelbſt befahl den Jünglingen, Sie frey zu laſſen, dieſe thatens auch, So w Der i Sie a Perno Zerrei Des Schö Dan Sieh Durch Genic Halb Die( Des Peſor Und Eih Den War Beſch Auft Des en — 3 1— So wie die letzteren Befehle deß, Der über alle herrſcht, zu ihnen kamen. Sie aber, als ſie jetzt der Herren Wort Vernommen hatte, faſſet ihr Gewand, Zerreißts hoch von der Schulter bis zur Mitte Des Leibs hinab, zeigt ihren ſchönen Buſen, Schön, wie der Buſen eines Marmorbildes, Dann kniet ſie hin, die Jammerworte ſprechend: Sieh Jüngling, willſt du dieſen Buſen hier Durchſtoßen? ſo durchſtoß' ihn, oder das Genick? hier iſt der Hals ſchon: voll des Mitleids, Halb wollend und halb nicht, durchſchneidet er Die Luft⸗Canäle mit dem Schwerte; Brunnen Des Blutes ſprangen, ſie war noch im Tod Beſorgt, daß ſie nicht unanſtändig fiele Und das verhüllte, was vor Männeraugen Sich zu verhüllen ziemt; als nun die Wunde Den Tod ihr bracht', und ſie den Geiſt verhauchte, War jeder Grieche rund um ſie her anders Beſchäftiget; denn dieſe warfen Zweige Auf die Erblaßte, jene trugen Stämme Des Fichtenbaums herbey, zum Scheiterhaufen Sie aufzubaun; wer nichts herbey trug, hörte Von denen, welche trugen, ſo ſich ſchelten: Nichtswürdiger, du ſtehſt mit leerer Hand, Verhülleſt, ſchmückſt ſolch eine Jungfrau nicht? Eilſt du nicht auch der heldenmüthigen, Der edlen Seel' ein Traurgeſchenk zu bringen? So ſprachen ſie von deiner todten Tochter; Dich aber, einſt die glücklichſte durch Kinder, Seh' ich nun elend, wie kein Weib es iſt. Chor. O bittres Unglück gohr im Kelch des Schickſals Für meine Vaterſtadt und Priamus Erzeugten! ſo verhängten es die Götter. Hecuba. O Tochter, welches meiner Uebel ſoll ich Betrachten? gar zu viele ſind um mich, Und eines hält mich ab, dem andern mich Zu überlaſſen, ſtets ruft neuer Jammer Mich von dem erſten weg, und Unglück folgt Auf Unglück; doch kann ich dein Leiden mir Nicht aus der Seele wiſchen; dieſes muß ich Betrauern, doch der Schmerzen Uebermaß Haſt du gemildert, weil du edel ſtarbſt. Nicht ſelten trägt ein ſchlechter Grund, wenn heilſam Der Himmel einwirkt, gute Frucht; dagegen Ein guter Boden ſchlechte Frucht, ſo bald Er jener Dinge, die er brauchet, darbt: Nicht ſo bey Menſchen: denn der Böſe bleibt Stets böſe, gut der Gute, Mißgeſchick Verderbt ſein Herz nicht, immer iſt er gut. Doch was wirkt mehr auf Menſchen? Aeltern oder Erziehung? wahr iſts, wohl erzogen werden Iſt eine Tugendſchul', und kennet man Die Tugend recht, ſo lernt man aus den Regeln Des Guten auch, was ſchändlich ſey, erkennen. Doch furchtlos ſtößt mein Herz die Reden aus. Du, o Talthybius, geh nun zurück Und melde den Argivern, daß mir keiner Mein Kind berühren und daß man die Menge Entfernet halten ſoll; denn Feuer iſt So arg n Der Krie Der, ſo Du aber Die Urne Seewaſſe Die Toe Perauht Und au Doch ka Pohlan Von nei Vil ich Pillecht Der neut O Purg O Prig An hin So viel Heroh 9 Gehügte Pon Ho Und der Begriſt der Ne Vie eite Kein Un Ele nterga kheat So arg nicht, als die unbezähmte Menge Der Krieger iſt, und ein geſetzlos Schiffvolk. Der, ſo nichts Böſes thut, ſcheint ihnen böſe⸗ Du aber alte Dienerinn, geh, nimm Die Urne, tauche ſie ins Meer und bringe Seewaſſer, daß ich nun zum letzten Mahle Die Tochter waſche, ſie, des Bräutigams Beraubte Braut, die jungfräuliche Gattinn, und auf der Bahre ſie nach Würde zeige. Doch kann ich dieſes wohl? ich habe nichts. Wohlan ſo gut ich kann in meinem Unglück⸗ Von meinen Mitgefangnen hier im Zelt Will ich Geſchmeide ſammeln; manche hat Vielleicht ja doch ein Stückchen ohne Wiſſen Der neuen Heern aus eignem Haus entfremdet. O Burg voll Glanz, o mein einſt glücklich Haus! O Priamus, an Koſtbarkeiten und An Kindern reich und ich, die greiſe Mutter So vieler Kinder, wie ſind wir zum Nichts Herab gekommen! wie beraubt des einſt Gehägten Stolzes! dennoch ſchwillt der Menſch PVon Hochmuth, der in ſeinem reichen Haus, odet Und der mit Ehrennahmen von den Bürgern Begrüßt, wie nichts iſt dieß, und alle Schlüſſe Der Menſchen, ihrer Zunge Prahlereyen egeln Wie eitel! Wen von einem Tag zum andern n. Kein Unfall trifft, der iſt der Glücklichſte. Chor. Elend wurde damahls mir ſchon, mir wurde e Untergang ſchon damahls beſtimmt, als Paris Theater. C 16 lſam 3 Auf des Ida's waldiger doh die erſte Tanne gefället. Daß er über ſchwellende Fluthen führe, Führe zu der Helena Bett, der ſchönſten Erdetochter/ welche der goldgelockte Titan beſtrahlet. Uns umringet Arbeit und Zwang, der bittrer Iſt, als Arbeit; Ilium liegt zerſtöret; Eines Bürgers Thorheit hat allgemeines Unheil geſtiftet. Andern iſt ihr Untergang beyzumeſſenz Alſo ward der wichtige Zwiſt entſchieden, Den auf Ida zwiſchen drey Götterkindern Paris entſchieden: Krieg war die Entſcheidung und Mord und meines Hauſes Sturz, doch ſeufzen auch an Erotens Schönen Fluren Spartiſcher Jungfraun viele, Die ſich zu Hauſe Satt geweint, und Mütter gefallner Söhne Legen Hand ans ſilberne Haar, zerfleiſchen Sich die Wang' und färben in ſelbſtgemachten Wunden die Nägel⸗. F Clende Und V Was Wesſ Rie d Schme Unglü Sieh! Geuf Ungli Gebie Das Verau bittter weines ens iele/ Zöhne ten Vierte Handlung. Eine Magd, das Chor, Hecuba. Die Magd. Fte Wegde, wo iſt Hecuba, die ganz Elende, die an Unglück allen Männern Und Weibern vorgeht? keins nimmt ihr den Kranz⸗ 2 Das Chor⸗ Was will hier deine laute Zunge, die Weisſagerinn der Uebel? werden denn Nie deine trauervollen Poſten ſchlummern? Die Magd. Schmerz bring' ich Hecuben; es iſt nicht leicht, unglücklichen zu melden. Chr Sieh! eben kommt ſie aus dem Hauſe, wie e dich zu hören. Die Magd. O du ganz Unglückliche, mehr, als ich ſagen kann! Gebietherinn, du biſt dahin, du ſiehſt Das Licht nicht mehr, des Gatten, deiner Kinder Beraubt, geiaht aus deiner Stadt, vetloren! 2 Hecuba. Du meldeſt mir nicht neue Dinge, ſagſt Ein ſchon bekanntes Unglück; kommſt du, mir Den Leichnam der Polyxena zu bringen, Die zu beſtatten aller Griechen Hand Beſchäftigt ſeyn ſoll? Die Magd. Ach! ſie weiß es nicht! Beweint die Tochter und berührt den neuen Verluſt nicht. Hecuba. Oder bringſt du mir Caſſandra's Der Seherinn begeiſtert Haupt? Die Magd. Du ſprichſt Von der, die tt, und weinſt nicht um den Todten? Sieh jenen nackten Leichnam, wird wohl dieß Dir wunderbar und unerwartet ſcheinen. Hecuba. Weh mir! ich ſehe meinen todten Sohn! Seh Polydörus, den der Thracer mir In ſeinem Haus bewahrt, hin bin ich Arme! Ich bin vernichtet! Sohn, o Sohn! weh! weh! Ich raſe, wie des Bacchus Dienerinnen, Mun da ich weiß, daß mein ergrimmter Feind Auch dieſes Unheil noch auf mich gebracht. Die Magd. Unglückliche, du weißt den Tod des Sohns? Hecuba. Unglaublich iſt, unglaublich dieß Schauſpiel und Neu, neu! es ſtürmen Uebel auf Uebel het Ri Entſet Gohn Der Star Du 35 Der Des Die Wel Der Dir Zeus Das Ver Anz Mei Vo Sei mir cht dras ſt odten! e weh! eind Richt Einer meiner Tage gehet Thränenleer unter und ohne Flage. Choi. enu iſts, entſetzlich, was wir dulden! Hecuba. Sehn, Sohn der unglückſeligſten Der Mütter! ach! durch welch Geſchick Starbſt du? durch welch Verhängniß liegſt Du hier? und wer erwürgte dich? Die Magd. Ich weiß es nicht, ich ie ihn nächſt 3 Ver Küſte. Hecuba. Trank ein Speer das Blut Des Jünglings? warf das Meer ihn aus? Die Magd. Die Welle trieb ihn auf den glatten Sand. Hecuba. Veh mir! ach! ich verſteh den Traum Der vor den Augen mir geſchwebt. Dir galt er, Sohn, dem nun nicht mehr Zeus Sonne ſcheint; es täuſchte nicht, Das ſchwarz geflügelte Phantom. Ehot. Wer tödtet' ihn? kannſt du mir dieß Anzeigen, Träumedeuterinn? Hecuba. Mein Gaſtfreund thats, der Reiſige Von Thracien, in deſſen Haus Sein greiſer Vater ihn geſandt, Daß der ihn bärge vor dem Feind. — 38— Chor. Weh mir! was ſagſt du! that er dieß⸗ Des Golds ſich zu bemächtigen? Hecuba. O That, die auszuſprechen ſich Die Zunge ſcheut! verruchte That; Den Glauben überſchreitet ſie; Sie iſt nicht zu erdulden! ha Wo bleibt das heil ge Gaſtrecht? Wo Konnteſt du, verruchteſter aller Menſchen, Konnteſt du zerfleiſchen den Leib des armen Junglings: ohn' Erbarmen die Glieder mit dem Stahle zerſchneiden! u Chor. Elende, dir lud eines Dämons Zorn Mehr Qualen auf, als allen Sterblichen. Doch jetzo ſchweigt, Freundinnen, denn ich ſeh„ 3 ſich der König Agamemnon naht. Agamemnon, Hecuba. Agamemnon. Was zauderſt du, o Hecuha, die Tochter Im Grab zu bergen? hat Talthybius Mir nicht gemeldet, daß der Griechen keiner Dein Kind berühren ſoll? auch ließen wir Sie unberührt; du aber ſteheſt müßig, Dieß wundert mich, ich komme, dich zu rufen; Was dort geſchah, war billig, wenn doch etwas An einer ſolchen That zu loben iſt. Doch welcher todte Troer lieget hier In Zel Umhüll Elender Vos ſ Ves Unfaſſ Und Venn Pon ſ Sich! Auch Piell Fein Wen Zufri Pas Für Etha Bey Boy 9b.. Wa, enſchen, rmen nit dem ſh fenj etwos Im Zelte? denn das Kleid, das ſeinen Leib umhüllet, ſaget mir, er ſey kein Grieche. Hecuba. 8 Elender Sohn und ich noch mehr als du! Was ſoll ich nun! des Agamemnon Knie Umfaſſen oder ſtil mein Uebel tragen? Agamemnon. Was kehrſt du mir den Rücken zu und ſchweigſt Und ſagſt nicht, was geſchah? wer iſt denn dieſert Hecuba., Wenn er als Sclavinn mich, als Feindinn nich Von ſeinen Knien wegſtieß', o ſo mehrte Sich meine Qual: Agamemnont Ich bin kein Seher, der, Auch wenn du ſchweigeſt, deinen Willen weiß. Hecuba. Vielleicht verkenn' ich auch ſein Herz und fürchte Feindſeligkeit, woran es gar nicht denkt. Agamemnon. Wenn du nicht reden willſt, ſo bin ichs Zufrieden, und verlange nichts zu hören. Hecuba. Wos ſinn' ich lang'! ich kann ja ohne dieß Für meine Kinder keine Rache nehmen. Erhalsen oder nicht, ich muß es wagen! Bey deinen Knien fleh' ich, Agamemnon; Bey deinem Bart und der beglückten Rechte! Agamemnon. Was forderſt du? die Freyheit? leicht erlangſt Du die. Hecuba. Nein, nein! nur Rach' an dem Verräther, Die nur; gern dien' ich dann mein Leben lang. Agamemnon. Wohlan, warum xufſt du denn mich zu Hülfe? Hecuba. Ganz andrer Dinge wegen, als du denkſt. Siehſt du den Körper dort, um den ich weine? Agamemnon. 3 ſeh' ihn, doch was willſt du weiter? Hecuba. Ich Gebar ihn, trug ihn unter meinem Herzen. Agamemnon. Du Arme du! iſts deiner Kinder eines? Hecuba. Kein Priamide, der vor Troja fiel. Agamemnon. Gebarſt du, Weib, denn andre Kinder noch? Hecuba. Den auch, wiewohl umſonſt, ſo zeigt ſichs jetzt. Agamemnon. Wo war er bey dem Umſturz Ilions? Hecuba. Der PVater, ihn zu retten, ſandt' ihn fort. Agamemnon. 1 Nur ihn von allen übrigen Geſchwiſtern? Und wohin? Hecuba. Hierher, wo man todt ihn fand. Piell 3u Do etrither, lang. ülfe weine? 5 jetzt. and. „—— Agamemnon. Pielleicht zum König Polymeſtor? Hecuba. Ja. Zu dem, und mit ihm das unſel'ge Gold! Agamemnon. Doch wie, wie ſtarb er? wer hat ihn getödtet? Hecuba. Wer ſonſt, als unſer Gaſtfreund Polymeſtor? Agamemnon. O Arme! nicht wahr? durch das Gold verblendet? Hecuba. So wars; ſo bald er Trojens Fall vernommen. Agamemnon. Wo fandſt du ihn? wer trug den Leichnam her? Hecuba. Die Magd; ſie ſtieß an dem Geſtad' auf ihn. Agamemnon. Ihn ſuchend oder ſonſt beſchäftiget? Hecuba. Sie ging nach Waſſer für Polyxenen. Agamemnon. Es ſcheint, er hat ihn erſt ermordet, Ins Meer geworfen. Hecuba. an So er ihn; Und ließ den Todten auf den Fluthen irren. Agamemnon. Du daurſt mich; unermeßlich iſt dein Leiden. Hecuba. Hin bin ich; unverſucht hlieb mir kein Uebel. Agamemnon. Ach! war wohl je ein Weib ſo unglückſelig! Hecuba. Keins; wenn du nicht das Unglück ſelber nennſt. Doch hör' itzt, was ich fleh', dein Knie umfaſſend: Ich gebe mich zu Frieden, ſchein' ich dir Mit Recht zu leiden; doch wo nicht, ſo werde Mein Racher an dem ungerechten Gaſtfreund. Die ungerechtſte That beging er, nicht Des Himmels Götter, nicht des Orcus ſcheuend. Er ſaß mit mir ſo oft an einem Tiſch, Der erſte meiner Gäſte, meiner Freunde. Und als er alles, was er fordern konnte, Genoß, und wir den Sohn ihm anvertrauten, Erſchlägt er ihn, und würdigt, da er doch Schon morden wollte, den Gemordeten Anch nicht des Grabs, er wirft ihn in das Meer; Wir ſind zwar Sclavinnen, vielleicht auch machtlos; Doch mächtig ſind die Götter, mächtig iſt Das über ſie ſelbſt herrſchende Geſetz. Denn durchs Geſetz erkennen wir die Götter; Das zeichnet uns die Gränzen zwiſchen Recht Und Unrecht vor; das kam zu dir, o Fürſt; Und wenn du es mit Füßen treten läſſeſt, Nicht Mord des Gaſtfreunds und nicht Meineid ſtrafſt; So iſt den Sterblichen nichts heilig mehr. Doch nein! du wirſt ſo große Laſterthaten Verabſcheun, mich mit Achtung und Erbarmen Behandeln; wie ein Mahler, der ein Bild Von ferne nur betrachtet, ſo betracht' Auch du nur obenhin mein Leiden; ich . Wer Vrr Bin Und O w Ich Wa Wir Und Der Und Vie Wer So Dn Wa Per Do nnſt, ſſend: rde end. Meer; chrlos ſen War eine Fürſtinn, bin nun deine Sclavinn, War reich an Findern, bin nun kinderlos, Bin alt, bin meiner Vaterſtadt beraubt, verlaſfen Und aller Menſchen Unglückſeligſte. O weh mir Armen, du entziehſt den Fuß mir, Ich werde nichts erflehn, o weh mir Armen! Was mühn wir uns, wir Sterbliche, was ſtreben Wir gllen Künſten nach, ſo viel wir können, Und lernen doch in der Beredſamkeit, Der einz'gen Menſchenherrſcherinn, nicht aus? Und miethen uns nicht Meiſter, die uns lehren Wie man bereden, wie erhalten könne? Wer davf wohl künftig noch ſich Glück verſprechen? So viele meiner Kinder ſind dahin, Ich ſelbſt gefangen, eile meiner Schmach Entgegen, ſeh' den Rauch von meiner Stadt Aufwallen; ach! vielleicht fleh' ich auch jetzt Bey Venus Freuden dir umſonſt: doch wag' ichs. An deiner Seite ruhet meine Tochter, Die Seherinn, die, welche Phrygien Caſſandra nennt, willſt du nicht zeigen, daß Dir ihre Küſſe theuer ſind? nicht ihr Und mir um ihretwillen ihre ſüße Umarmung lohnen? Herr, die Menſchen ſetzen Ja ſonſt auf nächtliche Liebkoſungen Und ihre Reitze keinen kleinen Werth. Drum höre mich: du ſiehſt den Todten hier Was du ihm Gutes thuſt, das thuſt du deinem Verwandten; doch wie ſchwach iſt meine Bitte, Da nur allein die Zunge bitten kann. O daß durch Dädals Kunſtwerk oder eines Unſterblichen in meine Händ' und Arime Und Füß' und Haare Sprache kommen könnte! Sie alle ſollten dir mit einem Mahl Die Knie umfaſſen, alle ſollten weinen, Mit mancherley Geſprächen dich beſtürmen Und rufen: Herr, der Griechen größtes Licht, Erhör' uns, beut zur Rache deine Hand Der Greiſen hier, zwar iſt ſie bis zu Nichts Herab gekommen, doch beut ihr die Hand! Der Gute muß ja die Gerechtigkeit Handhaben, ſtets den Böſen Böſes thun. Chor. Der Zeiten Wechſel wirkt ſelbſt auf den Bund Der Freundſchaft, ſöhnet uns mit Feinden aus Und macht zu Haſſern, die uns wohl gewollt. Agamemnon. Gerührt durch dich, durch dieſe flehnde Rechte, Durch dein und deines Sohnes Mißgeſchick, Auch der Gerechtigkeit, der Götter wegen Schafft' ich dir gerne Rach' an dem Verruchten: Wenn ich nur, dir willfahrend, den Verdacht Des Heers, als hätt' ich um Caſſandra's willen Dem König Thraciens den Tod bereitet, Nicht auf mich lad'; ich fürchte dieß mit Recht. Das Heer erblickt im König einen Freund, Im Todten einen Feind, dir iſt er werth, Doch das iſt deine Sache, nicht des Heers⸗ An dieſes denke, willig ſollſt du mich Zu deinem Dienſte finden und bereit, Doch ſäumig, falls die Danaer mich ſchmähn. Ach! Der i Dem Daß Doch So Mitr Dem Jo, Pem In Sonf Doch Du Mit Wer Dief Sie, Dure Pie Die nnte! ht, hts und aus ollt. Hecuba. Ach! von den Menſchen iſt nicht einer frey. Der iſt des Reichthums Sclave, der des Glücks, Dem wehrt das Volk, dem des Geſetzes Buchſtab, Daß er der Willkühr folg' und ſeinem Herzen. Doch weil du gar ſo ſehr die Menge ſcheueſt; So will ich dich von dieſer Furcht befreyn. Mitwiſſer ſey, nicht Helfer, da ich Böſes Dem Mörder dieſes Todten hier bereite. Ja, halte noch mich ohne Rückſicht ab, Wenn ein Tumult im Heer entſteht, der Thracer In Mitte ſeiner Qual um Hülfe ruft: Sonſt ſorge nichts, ich führ' es glücklich aus. Agamemnon. Doch wie? was willſt du? wirſt du mit dem Schwert, Du Greiſe, dieſen Barbarn tödten, oder Mit Giftgetränken oder anderm Werkzeug? Wer wird den Arm dir leihn, wo findſt du Freunde? Hecubg. Dieß Dach verbirgt der Troerinnen Schaar. Agamemnon. Sie, die Gefangenen, der Griechen Beute? Hecuba. Durch ſie beſtraf' ich meinen Mörder. Agamemnon. Doch Wie werden Weiber Männer bändigen? Hecuba. Die Meng' iſt mächtig, ja unüberwindlich Durch Ränke; — 46— Agamemnon. Mächtig iſt ſie, doch 6 kann Auf Weiber nicht vertrauen. Hecuba. Tödteten Nicht Weiber der Aegyptus Söhne? trieben Nicht Weiber alles Männervolk aus Lemnos? Wie ichs bewirke, das ſey meine Sorge. Gib dieſer Magd nur ſicheres Geleite Durchs Heer, du aber, Magd, geh zu dem Thracer Und ſprich mit Liſt: dich rufet Hecuba, Vordem die Fürſtinn Trojens, deinetwillen So ſehr, als ihretwillen ruft ſie dich Sammt deinen Kindern, denn auch dieſe müſſen So manche Red' aus ihrem Munde hören⸗ Du, Sönig, laß mit der Beerdigung Der erſt ermordeten Polyxena Mich zaudern, daß den Bruder und die Schweſter Ein Feuer aufzehr' und die Mutter, doppelt Wehklagend, in die Erde ſie verberge. Agame mnon. Es ſey! zwar dürft' ich dir die Bitte nicht Gewähren, könnt' ich unter Segel gehn. Doch da kein Gott uns gute Winde ſchickt, So müſſen wir wohl einer beſſern Fahrt Entgegen ſehn und hier verweilen; möchte, Was du beginnſt, gelingen! wichtig iſt Für Staaten und für Einzelne, daß Böſes Die Böſen leiden, Gute glücklich ſeyn. Cbor. Du, mein Troja, du wirſt unüberwindlichen hrater jſſen weſter lt Städten künftig nicht mehr beygezählt, rings bedeckt Dich ein Nebel der Griechen, Stürzet dich mit dem Speer, dem Speer. Abgeſchoren iſt dir, Arme, die herrliche Thurmkron' und von dem Rauch, der dich umzingelte, Biſt du ſchwarz und beflecket; Nicht mehr wandl' ich in dir einher— Das Verderben ergriff mich in der Mitternacht, Da wenn ſüßer der Schlaf ſich in das Auge ſtreut, Nach dem Mahl, wie der Gatte Von Geſängen und frohem Schmaus anft im Bette geruht,(ruhig am Nagel auch Hing der Speer) und den Lärm kommender Danaer Nicht gehöret, ſie ſtrömten Von den Schiffen nach Jlium. Ich wand eben ums Haar Binden und ſah dabey In den glänzenden Rund goldener Spiegel, trat, Daß ich ſänk' auf das Lager, Näher ſchon zu dem Bettgeſtell; Da durchrauſcht' ein Getöſ' Ilion; alſo ſcholls Durch die bebende Stadt: Söhne der Griechen, wann Eilet ihr nach dem Umſturz Dieſer Feſte der Heimath zu? Da verließ ich das Bett, Doriſchen Mädchen gleich, Sonder Ueberkleid, floh, floh zu der Delia Tempel, aber vergebens; Denn ich Elende ſah den Tod Meines Gatten, und ward dann in ein Schiff geſetzt, Schaute fern nach der Stadt, und wie das Schiff zurück Eil', aus unſeren Gränzen: Sank ich kraftlos vor Schmerzen hin. Ich verwünſchete dich, Schweſter der Söhne Zeus, Dich Iddiſcher Hirt Paris, ihr brachtet mich Um mein Vaterland, euer Brautfeſt trieb mich aus meinem Haus; Doch nicht Brautfeſt, es war eines erzürnten Gotts Strafgericht: o daß doch Helena von dem Meer Nie mehr heim gebracht würde, Nie ihr väterlich Haus mehr ſäh'! Fuͤnfte Handlung⸗ Polymeſtor, Hecuba. Polymeſtor. 2 theuerſter der Menſchen, Priamus Und du, geliebte Hecuba, mir treten Die Thränen in die Augen, wenn ich dich Erblicke, wenn ich deiner Stadt und deiner Vor kurzem erſt geſtorbnen Tochter denke. Wie darf man doch auf gar nichts rechnen! nicht Auf Herrlichkeit, nicht darauf, daß wer einſt Beglückt war, künftig nicht unglücklich ſeyn wird. So miſcht die Hand der Götter Heil und Unheil Und ſchickt Verwirrung uns von allen Seiten, Damit wir ſie in dieſer Ungewißheit PVerehren. Doch wozu die Klage? denn Die lindert nicht das Uebel, das uns traf. Doch falls du zürnſt, daß ich nicht gleich zu dir Geeilet, ſo vergib; als du hierher kamſt, War ich im Herzen Thracens, wie ich wieder Theater.— — 5 0— Hier eintraf, ſetzt' ich über meine Schwelle Den Fuß ſchon, herzueilen, als die Magd Mir Nachricht von dir gab; ich hört' und kam. Da b Hecuba. Ich ſchäme mich, die Blicke zu erheben, So ſchrecklich ſchlug mein Unglück mich zu Boden, Vie Und kann in dieſem Zuſtand dir, der glücklich Mich kannte, nicht gerad' ins Auge ſehn. Doch halte dieſes nicht für Mißgunſt, nein! Erfa Der Wohlſtand ſelbſt verbeut es, Polymeſtor, 3 Daß Weiber Aug' in Aug' auf Männer ſchaun. Polymeſtor. Kein Wunder! doch worin bedarfſt du mein, ern Daß du mich aus dem Hauſe hierher riefſt? n nd Hecuba. i Nur mich betrifft es, was ich deinen Kindern Und dir zu ſagen habe; drum befiehl, Daß dein Gefolge ſich von hier entferne. In Polymeſtor. Geht; ſicher kann ich hier alleine bleiben, Denn du biſt gut geſinnet gegen mich, Und Und gut geſinnt iſt das Achder Heer. Doch wie, wie ſoll der Freund im Glück den Freund Behi Im Unglück dienen? ſprich, ich bin bereit. 3 eif Hecuba. ti Erſt ſage mir: mein Sohn, den du aus meiner Und ſeines PVaters Hand empfangen haſt, Und bey dir aufbewahret, lebt er noch? Vom andern nachher. 3 Polymeſtor. d O was den betrifft, kam. Da biſt du glücklich. Hecuba. Theurer Freund, du ſprichſt,⸗ Boten, Wie deine Würd' es heiſcht; cich 3 Polymeſtor. Was willſt du weiter n! Erfahren? ſtor, Hecuba. hun. Denkt er noch an ſſeine Mutter? Polymeſtor. 1 Er wollte gar verſtohlen dich beſuchen. ³* Hecuba. t 1 Und ſein aus Troja mitgebrachtes Gold iſt Unangegriffen? dem Polymeſtor. Iſt unangegriffen In meinem Haus verwahrt. Hecuba. Verwahr' es ferner und trachte nicht nach deines Freundes Habe. Polymeſtor. Behüth! 65 zehre von dem Meinigen. Freund Hecuba. Weißt du, was ich nun dir und deinen Kinbein Entdecken will? Polymeſtor. nibet Nein, doch ich ſolls ja hören. Hecuba. Du liebe meinen Sohn ſo, wie ich dich. v 52„ Polymeſtor. Was iſts? was ſollen wir von dir erfahren? Hecuba. Erfahren ſollt ihr, wo die Priamiden Ihr Gold vergraben. Polymeſtor. Soll ich dieß dem Sohn Andeuten? Heouba. Ja, gerade du, du biſt Gewiſſenhaft. Polymeſtor. Wozu die Gegenwart Von meinen Kindern? Hecuba. Es wiſſen. Polymeſtor. Klug und beſſer überdacht, Als ich es hätte! eenb. Weißt du Pallas Tempel In Jlion? Polymeſtor. Dort iſt das Gold! doch welches Wahrzeichen? Hecuba. Ein erhabner ſchwarzer Stein. Polymeſtor. Haſt du ſonſt nichts von dem, was Troja vitht, Mir zu vertraun? Daß, ſtirbſt du, doch ſie Sit Die Rich Dirſ Do Fei Zu Ko Unt Do ren? „doch ſi vel ein. j bitht/ Hecuba. Die Schätze, Souſt du bewahren. Polymeſtor. die ich mittrug, Wo ſind die, verhüllt In deinen Kleidern oder ſonſt verſteckt? Hecuba. Sie ſind in dieſem Haus, wo aufgehäuft Die Beute liegt. Polymsſtor. Und wo liegt denn die Beute? Nicht an dem Strande, nächſt der Griech ſchen Flotte? Hecuba. Dieß Dach verbirgt nur die gefangnen Weiber. Polymeſtor. Doch iſt es ſicher? ſind nicht Männer hier? Hecuba. Kein einziger Achder, wir allein. Doch komm ins Haus; die Griechen werden bald Zur Heimfahrt in ihr Land die Anker lichten. Komm, daß du das vollbringeſt, was du ſollſt, Und dann mit deinen Kindern wiederum Dort hinkehrſt, wo du meinen Sohn verbargſt. Chor. Noch haſt du nicht die Strafe gefühlet, doch Du wirſt es, dem vergleichbar, der, wo die Fluth Kein Port begränzet, guer hinein fällt; ſein Leben! auch muß Verderben Den faſſen, welcher Götter und Recht zugleich Hin iſt Beleidiget, die Hoffnung, mit der du kamſt, 54„ Täuſcht, führet dich zum Todtenherrſcher. Ha! von unkriegriſchen Händen fällſt du. Polymeſtor, das halbe Chor, Hecuba. Polymeſtor. Weh mir! man raubet mir das Augenlicht! Das halbe Chor. Freundinnen, hörtet ihr des Thracers Klagruf? Polymeſtor. Weh, wieder weh! ihr Kinder, ſeyd gemordet! Das halbe Chor. Ein neuer Gräuel ward im Haus verübt. Polymeſtor. S euer ſchneller Fuß entflieht mir nicht. Zerſtören will ich dieſes Haus, zertrümmern! Das halbe Chor. Seht, ſeht! er ſchleudert nun den ſchweren Wurf⸗ ſpieß! Wie, wenn wir Hecuben und ihren Mägden Beyſprängen, auf ihn ſtürzten? jetzo ruft Uns die Gelegenheit. Hecuba. Zerſtöre ſie, Zertrümmre dieſe Thore! nichts verſchont! Du ſchaffſt doch niemahls in die Augenäpfel Dir helles Licht mehr, noch erblickeſt du Die Kinder mehr, die ich getödtet habe. Das halbe Chor. Haſt du gefangen, haſt du überwältigt Den Thracer, und behandelt, wie du ſagteſt? Du Blin Und Die Get Do Ic Un her. uſt du. uba. guf det! fel 5 Hecuba. Du wirſt ihn bald vor dieſem Hauſe ſehn Blind und mit blindem, irrem Fuße wandeln. Und auch die Leichen ſeiner beyden Kinder, Die ich mit den erleſ'nen⸗ Troerinnen. Getödtet; ha! gebüßet hat er mir! Doch ſieheſt du, da kommt er aus dem Haus. Ich will von hier, will ferne ſtehen, denn Unbändger Zorn fleußt von dem Thracer aus. Polymeſtor. Weh, wo ſteh' ich? wohin geh' ich? Wen ruf ich um Hülf'? ich ſtütze, Gleich des Walds vierfüßgen Thieren Mich im Gehen auf die Hände. Soll ich hierher? ſoll ich dorthin? Daß ich ſie, die mörderiſchen Troerinnen, haſche? dieſe Haben mich zu Grund gerichtet! Die verruchten Phrygerinnen, Die verruchten! wohin flohen Sie vor mir, in welchen Winkel? Sonne nimm von mir den Nebel, Heile du den Blinden, heile Mir die blutgen Augenlieder. Doch ſtill, ſtill! ich höre leiſe Der Trojanerinnen Fußtritt. Wann, wann werd' ich auf ſie ſtürzen, Zur Genüge ſie zerfleiſchen, Ihr Gebein zermalmen, meine Schmerzen rächen und den wilden Thieren ſie zum Futter geben? Weh mir Armen! wohin ſtürz' ich, Entſ Laſſe meine Kinder, dieſen Iſt Dienerinnen Pluto's, dieſen Ach, Raſenden! zerſtückeln werden Vo Sie die Armen, auf den Bergen Sol Rings verſtreun, ſie vor die Hunde, Zur Eine blutge, ſchreckenvolle De Speiſe! vor die Hunde werfen! Ach! wo ſteh' ich ſtill? nach welcher De Seite kehr' ich mich? ich wurde, En Meine Kinder ſchlecht bewahrend, Des In dieß Haus des Gräuls getrieben, hin Einem Schiff gleich, deſſen leinen 8 Gef Segel los gebunden wallet. 30 Das Chor. Elender, großes Unglück kam auf dich, Pen Und ſchrecklich hat ein Dämon, der dir zürnt, 1tse Dein ſchändliches Beginnen dir vergolten. Pera Polymeſtor. Mit O kommet ihr Thracer, Vom Kriegsgott begeiſtert, Ihr Träger der Lanzen Und herrlicher Waffen, Achder, Atriden! 5 Euch ruf' ich, laut ruf' ich,* 6 Kommt, kommt beh den Göttern! d Wie? hört man mich, oder Hilft niemand? was ſäumt ihr? go Die Weiber, die Weiber, Die haben mich ſchändlich D . D Zu Grunde gerichtet? irnt, — — 5— Entſetzlich, entſetzlich Iſt das, was wir litren. Ach, meine Verſtümmlung! Wohin jetzt mich wenden? Soll ich durch den Aether Zum hohen Pallaſte Der Himmliſchen fliegen, Wo ſtrahlendes Feuer Den Augen Orions Entfährt und den Augen Des Sirius? ſoll ich Hinab an das ſchwarze Geſtade des Pluto, Ich Elender, ſtürzen? Das Chor. Wem mehr des Uebels aufgebürdet wird, Als er ertragen kann, dem darf man nicht Verargen, wenn er ſein unglücklich Leben Mit einem andern zu vertauſchen ſucht. Agamemnon, die Vorigen. Agamemnon. Ich kam auf das Geſchrey, denn leiſe nicht Ertönte die Felſentochter Echo Durchs Lager, wüßten wir nicht, daß die Thürme Der Phrygier durch unſern Speer gefallen; So ſchreckte nicht wenig dieſer Lärm. Polymeſtor. Du Theurer, denn, ich kenne deine Stimm', O Agamemnon! ſiehſt du, was wir leiden? Agamemnon. Wer, armer Polymeſtor, richtete Dich ſo zu Grunde, färbte mit Blut Die Augenäpfel, machte blind das Auge Und mordete die Kinder? ſchrecklich mußt' er, Wer es auch war, dir und den Kindern zürnen. Polymeſtor. Ach! Hecuba mit den Gefangnen hat mich Zu Grund gerichtet, mehr noch, als zu Grund Gerichtet. Agamemnon. Wie? Was ſagſt du? iſt es wahr, Weß er dich zeihet? Weib, wie durfteſt du Solch einer Gräuelthat dich unterwinden? Polymeſtor. Weh mir! was ſagſt duk iſt ſie unfern, ſprich, Wo iſt ſie? daß ich ſie mit meinen Händen Zerreiſſ und ihre Haut mit Blut beflecke. Agamemnon. Was iſt dir? Polymeſtor. Bey den Göttern bitt' ich dich, Laß wider ſie, laß meine Hände wüthen! Agamemnon. Halt! wirf die Barbarey aus deinem Herzen Und ſprich, daß ich, ſie gegen dich verhörend, Ob du mit Unrecht littſt, nach Billigkeit Entſcheide. Polymeſtor. Nun! ich ſpreche. Polydorus Der Priamiden jüngſter, Hecubens Gebor Als d Pertr 351 Pie Das Zu 3 30 Ein Zum Perw Und Vie As Da Mir Der Zu Daß 39 da Um Dieß Veſt Ind Den die Ben Pon Ent — 5 9— Geborner ward mir von dem Priamus, Als dieſem Trojens Fall ſchon ahndete, Vertrauet, daß ich ihn bey mir erzöge: Ich tödtet' ihn; warum ich ihn getödtet, tet, Wie klug, wie vorſichtsvoll ich hierin that, ürnen. Das hör' ich fürchtete dir einen Feind Zu ſchonen, welcher Trojens Schaaren wieder ich In neu erbauter Stadt verſammelte; Grund Ich fürchtete, die Griechen, wenn ſie hörten, Ein Priamide lebe, brächten dann Zum zweyten Mahl den Krieg nach Phrygien, wahr, Verwüſteten und plünderten mein Thrace, du Und wir Benachbarten, wir litten wieder, ² Wie jetzt geſchah, um der Trojaner willen. Als Hecuba den Tod des Sohns erfuhr, „ſprich Da rief ſie mich voll Liſt, als wollte ſie den Mir anvertrauen, wo in Jlion ke. Der Priamiden Gold vergraben ſey, Zu ſich ins Haus, mich nur und meine Kinder, Daß, ſagte ſie, kein andrer es erführe. Ich ſetzte mich aufs Bett, die Knie beugend; dich, Da ſaßen rechts und links die Trojerinnen Um mich, als einen Freund, herum, ſie hielten Dieß Kleid hier, das Geweb' Edonſcher Hände, en Beſahen es beym Lichte, prieſens, nahmen, zrend, Indeſſen andre meinen Speer betrachtet, Den Mantel und das Oberkleid mir weg. Die, welche Mutter waren, ſtreichelten Bewundernd meine Kinder, gaben ſie Von Hand zu Hand, ſie ſo vom Vater zu Entfernen; mitten unter freundlichen 1 15 — 6 0— Geſprächen, kannſt dus glauben, zogen ſie Urplötzlich Dolch' aus ihrem Kleid und bohrten Die Knaben nieder; andre feſſelten Feindſelig meine Händ' und Füße, riſſen Mich bey dem Haar zurück, wenn ich das Antlitz Erheben und— den Kindern helfen wollte. Ja nicht einmahl die Hände konnt' ich regen, Ich Elender, gebändigt von der Menge. Doch jetzt, jetzt ward der Gräuel aller Gräuel Verübet; ſie faßten Nadeln, bohrten mir Die unglückſelgen Augenäpfel aus; Blut quoll heraus: ſie flohn durch die Gemächer. Ich ſpringe, wie ein wildes Thier, empor, Verfolge dieſe blutgen Hündinnen, Gleich einem Jäger, ſuche längſt der Mauer, Brech' und zertrümmre: ſiehſt du, Agamemnon, Dieß litt ich deinetwegen, deinen Feind Ermordend, litt ichs; doch wozu die langen Geſpräche? was man Böſes von den Weibern Je ſagte, ſagt und ſagen wird, dieß faſſ' ich In dieſe Worte: weder Land, noch Meer Nährt eine ſolche Brut, wie Weiber ſind, Wer immer um ſie war, der kennet ſie. Das Chor. Schmäh nicht, noch tadle deiner Leiden wegen Das ganze weibliche Geſchlecht ſo ſehr; Zwar mehren einige der Böſen Zahl, Doch andre ſind von neidenswerther Tugend. Hecuba. Die Zunge ſollt', o Agamemnon, nie Mehr bey den Menſchen gelten, als die That. Gut ſ Schw Nie ſ Beſche So d Allein Sie Der Zu Vas Den Gott Die Den Bewe Die Pern Du Die Wen Das Das Var Ihn Umri Un Ihn, Gen Den Pa Gef ſte orten 6 Antlitz egen, Gräuel emächer r, uer, emnon, gen eibern — 61—. Gut ſprechen ſollte der, der gut gehandelt, Schwach deſſen Rede ſeyn, der Arges that. Nie ſollte die Beredſamkeit ein Unrecht Beſchönigen; zwar freylich heißen die, So dieſe Künſte wohl verſtehen, weiſe. Allein ſie heißen ſo nicht bis ans Ende: Sie gehn zu Grund, und keiner noch entrann. Der Eingang, Herr, galt dir? nun wend' ich mich Zu jenem, ſeine Reden zu erwiedern. Was? Agamemnons wegen, und den Griechen Den zweyten Krieg zu ſparen, würgteſt du, Gottloſer, meinen Sohn; fürs erſte wiſſe: Die Barbarn werden niemahls, können niemahls Den Griechen hold ſehn: und um weſſen Gunſt Bewarbſt du dich ſo eifrig? ſuchteſt du. Die Sippſchaft der Achäer? biſt du ein Verwandter, oder was bewog dich? doch Du fürchteteſt, daß bey der zweyten Landung Die Griechen nicht dein blühend Land verheerten: Wem, ſprich, wem hoffſt du dieſes einzureden? Das Gold, wenn du die Wahrheit ſagen willſt, Das und dein Vortheil würgten meinen Sohn. Warum, dieß ſage mir, warum erſchlugſt du Ihn damahls nicht, als Ilion noch aufrecht, Umringt von Thürmen ſtand, als Priamus Am Leben, Hectors Lanze ſiegreich war, Ihn, welchen du in deinem eignen Haus Genähret, oder übergabſt ihn lebend Den Griechen, wenn du den verbinden wollteſt. Warum mußr itzt erſt der zu deinem Herd Geflohne Gaſt getödtet werden, itzt, 6 Da uns der Sonnenſchein des Glücks verließ, Und Trojens Rauch von ſeinem Umſturz zeugt. Zwar Nun höre, daß für einen Böſewicht Doch Dich alle Welt erkenne, höre, wie Scht Du als ein Freund der Griechen handeln mußteſt. Nich Du mußteſt ihnen, da ſie, lang' entfernt Mir Von ihrem Vaterlande, Mangel litten, Der 13 Dieß Gold, das, wie du ſelbſt geſteheſt, ſein, Du Nicht dein war, überreichen, aber du Per PVerwahreſt es immer fort in deinem Haus, Auf Hältſt itzo noch die gierge Hand darauf. It Ruhm wäre dir geworden, hätteſt du Bey Genährt, gerettet meinen Sohn; ein Edler Pie Zeigt ſich als einen Freund im Mißgeſchick; Syr Beglückte finden allenthalben Freunde. Dru Hätt' Armuth dich gedrückt, mein Sohn in Wohlſtand So Gelebt, ſo wär' er dir ein großer Schatz 1 Geweſen; nun haſt du nicht ihn zum Freund, We Verloreſt den Genuß des Golds, verlorſt Unt 6 Die Kinder, und biſt ſelbſt in dieſem Zuſtand. Dir aber, Agamemnon, ſey geſagt: Und Man wird dich, wenn du dieſem Hülfe leiſteſt, Für böſe halten, einem redlichen,* WVel Gerechten, frommen, edlen Gaſtfreund ſoll Man wohlthun; aber er iſt dieſes nicht. Du Man wird auch dich für ſeines gleichen halten 35 Und glauben, daß das Laſter dir gefalle. Doch meine Herrn zu ſchmähen, ziemt mir nicht. du Das Chor. Sieh, wie den Menſchen eine gute Sache Un Gelegenheit zu guten Reden gibt! verließ, z zeugt. n mußteſt. nt t ſein, aus, dler hick; Vohlſtand at Freund, rſt guſtand. eiſteſt/ — 6 3— Agamemnon. Zwar iſts mir läſtig, fremde Händel ſchlichten. Doch muß ichs; denn mit Anſtand kann man ein! Schon vor die Hand genemmenes Geſchäft Nicht wieder von ſich ſchieben; wiſſe denn, Mir ſcheint, du tödteteſt den Gaſtfreund nicht Der Griechen wegen, meinetwegen nicht: Du thatſt es, um des Golds, das du zu Haus Verwahret, Herr zu ſeyn, und ſuchſt, ergriffen Auf böſer That, dich zu beſchönigen. Iſt Gäſte morden eine Kleinigkeit Bey euch? bey uns Achdern iſts ein Gräuel. Wie könnt' ich alſo ſelbſt gerechtem Tadel, Spräch' ich dich los, entgehn? ich könnt' es nicht. Drum, da du das, was ſich nicht ziemt, gethan, So leide nun auch das, was nicht gefällt. Polymeſtor. Weh mir! es ſcheinet, eine Sclavinn ſiegt, Und ein verächtlich Weib ſtraft einen Fürſten. Hecuba. Und iſts nicht billig, da du Böſes thatſt? Polymeſtor. Weh! meine Kinder! weh! mein Augenlicht! Hecuba. Du leideſt ihretwegen, glaubeſt du, Ich leide meines Sohnes wegen nicht? Polymeſtor. Du freueſt dich, Verruchte? ſpotteſt mein? Hecuba. Und ſollt' ich mich nicht freuen, bin ich nicht Gerächt an dir? N N Polymeſtor. Nicht lange 86 du dich: Du wirſt ins Naß des Meers. Hecuba. Bringt man zu Schiff mich Nach Hellas? Polymeſtor. Von der Segelſtange ſtürzen. Hecuba. Wer ſchleudert dort mich mit Gewalt hinab? Polymeſtor. Du ſelber ſteigeſt an dem Maſt empor. Hecuba. Mit Flügeln auf dem Rücken, oder wie? Polymeſtor. Du wirſt in einen Hund mit Flammenblicken Verwandelt. Hecuba. Wie erfuhrſt du die Verwandlung? Polymeſtor. Der Seher Thracens, Bacchus ſagt' es mir. Hecuba. Sagt' er dir denn nicht auch dein unglic vor? Polymeſtor. Dann hätteſt du mich nicht mit Liſt gefangen. Hecuba. Werd' ich zum Hund todt oder lebend werden? Polymeſtor. Todt; und das Grab wird deine Nahmen führen. Det Der De He Di R dich: öchiff mich ſtürzen. hinab? ie? nblicken vandlung? mir⸗ lüc vor! efangen⸗ — 656— Hecuba. Den Nahmen meiner Umgeſtaltung oder Den meinigen? Polymeſtor. Man nennet es das Grab Des armen Hunds, ein Schreckenbild den Schiffern! Hecuba. Ha! immerhin! weil ich dich nur beſtraft. Polyme ſt or. Auch muß dein Kind Caſſandra ſterben. Hecuba. Schrecklich! Dir, dir geſheh es! Polymeſtor. Dieſes Mannes Gattinn Die itzund übel Haus hält, wird ſie tödten. Hecuba. Nie wolle ſo die Tochter Tyndars raſen! Polymeſtor. Und ihn, ihn auch, das Beil noch ein Mahl Agamemnon. Biſt du von Sinnen? willſt du durchaus Strafe? Polymeſtor. Ja, tödte mich, doch harrt das Blutbad dein In Argos. Agamemnon. Reißt ihr ihn nicht fort, ihr Knechter Polymeſtor. Kränkt dich die Nachricht? Agamemnon. Stopft den Mund ihm zu. Theater. E — 6 6— Polyme ſ or. Schließt mir ihn immer, ausgeredet hab' ich. Agamemnon. Gleich werft ihn auf ein unbewohntes Eiland, Da er mit frechem Mund uns alſo Ee Du Hecuba, du unglückſelige, Begrabe beyde Todten, aber ihr Eilt mit mit in die Zelte, denn ich fühle, Daß heimwärts ſchon die günſtgen Winde wehn. O möchten wir nach ſo viel Trübſal glücklich In unſer Vaterland zürücke ſchiffen, Und glücklich finden, was wir dort verlaſſen! Das Chor. Eilet, o ihr Freundinnen, nach dem Hafen, Eilet in die Zelte, bald werden eure Hände Sclavenarbeit verſuchen Hartes Verhängniß! e — — — — * S Die Amme Medeens. Die Handlung gehet in Corinth vor. Chor der Weiber, ihrer Dienerinnen. Die zwey Söhne Medeens. Der Aufſeher über ihre Kinder. Aegeus, Konig von Athen. Ein Bothe. An den Freyherrn von Loeella*). —— Verehrter Freund, der alle Zaubertsne, Worin die Griechiſche Camöne Entzücken in das Herz des erſten Volks geſpiels,⸗ Als ein Gelehrter kennt, und als ein Weiſer fühlt, Nun ſchallt von meinen Deutſchen Saiten Des Euripid Geſang; groß iſt der Gegenſtand, *) Der Gütigkeit dieſes verdienſtvollen Gelehrten habe ich nicht wenige Aufſchluͤſſe und Zurechtweiſungen zu verdanken. Es war längſt der Wunſch aller Freunde der Wiſſenſchaften, daß er die edle Gefälligkeit, wo⸗ mit er den Schatz ſeiner außerordentlichen Kenntniſſe jedem auch nur halb Bekannten mittheilet, auf die ganze littetariſche Welt ausdehnen und ſie mit der Ausgabe irgend eines Griechiſchen Schriftſtellers er⸗ freuen möge. Dieſer Wunſch ſoll nun bald erfullt werden. Zu groß für meine Kraft: doch wenn ich ja zu Zeiten Die wahre Weiſe traf, die echten Töne fand; So iſt es dein Verdienſt; du ſelber intonirteſt, Du ſtimmteſt mir das Saitenſpiet und führteſt Bey mancher Stelle mir die Hand. — 2 2„— e — „—„— nich ja zu fand; onirteſt, fihrte —r————,———— V Erſte Handlung. Die Amme, der Aufſeher, Medea, das Chor. Die Amme. D wäre doch die Argo nie nach Colchis Durch die Cyanſchen Inſeln durch geflogen. Wär' in des Peleus Wäldern nie ein Schiffholz Gefället worden, hätte nie die Hand Der Helden, die das goldne Fell dem Fürſten Theſſaliens zu bringen ausgezogen, Das unglückſelge Ruder angefaßt! Dann hätt' auch die Gebietherinn Medea, Von Liebe gegen Jaſon überwältigt, Nie zu Jolcos Thürmen hingeſteuert, Roch hätte ſie zum Vatermord die Töchter Des Pelias beredet, noch Corinth Mit ihren Kindern und Gemahl bewohnt. Den Bürgern zwar, wohin ſie flüchtete, Iſt ſie willkommen, iſt des Gatten Stütze, So viel ſie kann; fürwahr ein großes Glück, Wenn Eintracht herrſchet zwiſchen Mann und Weib. Nun aber herrſchet Haß; entzweyet ſind, Die vormahls ſich geliebet, Jaſon ſchläft — — 82— Verrathend meine Frau und ſeine Kinder, Im königlichen Bett, als Tochtermann Des Fürſten Creon, der dieß Land beherrſcht. Medea aber elend und entehrt, Berufet ſich umſonſt auf ſeine Schwüre, Erinnert ihn umſonſt an ſeine Rechte, Zum Unterpfand der Treu' ihr oft gereicht, Und heiſcht umſonſt die Götter ſelbſt zu Zeugen, Mit welchem ſchwarzen Undank er ihr lohne. Seit ſie ſein ſchändliches Beginnen weiß, Sitzt ſie von Schmerz zermartert, ohne Speiſe Die ganze Zeit hindurch, zerfließt in Thränen, Schlägt nicht die Augen auf, hebt ihr zum Boden Geſenktes Antlitz nicht, beym Rath der Freundſchaft, Taub, wie ein Felſen und die Meeresfluth. Und dreht ſie ja den weißen Hals zurück, So klagt ſie mit ſich ſelbſt und weint und jammert Um ihren alten Vater, um ihr Haus Und Vaterland, das ſie für einen Gatten Verlaſſen hat, der jetzt ſie ſo beſchimpft. Ach! durch ihr Elend hat ſie nun gelernt, Sein Vaterland verlaſſen fromme nicht. Sie haſſet ihre Kinder, deren Anblick Nur ihre Qual vermehrt; ich fürchte, ſie Beginnt ein Unheil, ihr Gemüth iſt heftig Und duldet nicht ſo leicht; ich kenne ſie. Vielleicht, daß ſie verſtohlen ſich ins Innre Des Hauſes ſchleicht, wo ihr gebettet iſt, Und dort mit ſpitzem Stahl ihr Herz durchbohrt. Vielleicht daß ſie den König und den neu Verlobten tödtet und ihr Mißgeſchick Per Unt De 25 ₰ 8 er, errſcht. icht, Zeugen, ohne. / Speiſe ränen, m Boden undſchft, h. k, djamnert nre nibehr⸗ 1 — Vergrößert; denn gewaltſam handelt ſie Und ihren Feinden wird der Sieg nicht leicht. Doch ſieh! die Knaben kommen von der Laufbahn Und denken nicht die Leiden ihrer Mutter. Gram pflegt an jungen Seelen nicht zu haften⸗ Der Aufſeher. Wie? Stehſt du, alte Selavinn meiner Frau, Allein am Thor und zählſt die Unglücksfälle Medeens her? kann ſie dich denn entbehren? Die Amme. Greis, dem die Aufſicht über Jaſons Kinder Vertrauet iſt, ein guter Diener fühlt Der Herren Unglück tief und kränkt ſich mit⸗ Ich trat im Uebermaße meiner Schmerzen Hier vor das Thor, dem Himmel und der Erde Die Leiden der Gebietherinn zu klagen. Der Aufſeher. Hört noch die Arme nicht zu klagen auf? Die Amme. Aufhören? Nein! Begonnen hat ihr Uebel Nun erſt und nicht den Mittelpunct erreicht. Der Aufſeher. Die Thörinn, darf ihr Sclave ſo ſie nennen, Sie klagt und weiß noch nicht die neuen Uebel. Die Amme. Was iſt es, Alter? ſag' es immerhin? Der Aufſeher. Nein! hätt' ich auch das erſte nicht geſagt! Die Amme. Bey deinem Bart verhehle dieß nicht deiner Mitdienerinn! ſie ſchweigt ja, iſt es nöthig⸗ Der Aufſeher. Jüngſt kam ich zu Pirenens heilger Fluth, Wo bey dem Steineſpiel die Alten ſitzen; Da hört' ich einen reden, der nicht glaubte, Daß ich ihn höre; Creon, der Beherrſcher Des Landes, ſprach er, wolle dieſe Kinder Sammt ihrer Mutter aus Corinth verbannen. Ob dieſe Rede wahr ſey, weiß ich nicht, O möchte ſie doch falſch befunden werden! Die Amme. Und wird wohl Jaſon ſeine Kinder ſo Behandeln laſſen, zürnt er gleich der Mutter? Der Aufſeher. Die ältere Verwandtſchaft weicht der neuern, Und dieſes Haus hat nicht mehr Reitz ſür ihn. Die Amme. So iſt's geſchehn um uns! ein zweytes Uebel Stürmt her, da wir noch mit dem erſten ringen. Der Aufſeher. Du ſchweig' itzt und behalte dieß bey dir; Noch darf es die Gebietherinn nicht wiſſen. Die Amme. Hört, arme Kinder, hört, wie euer PVater Mit euch verfährt; ich will ihm zwar nicht fluchen, Er iſt mein Herr; doch lohnt er ſchlecht den Freunden. Der Aufſeher. Wem iſt es unbekannt, daß jedermann Sich ſelber mehr als ſeine Freunde lieht; Es treib' ihn nun Gewinnſucht oder Ehrgeitz? Die Amme. Geht, denn das iſt das Beſte, gehet, Kinder, luth, zen; laubte, ſcher inder rhannen. ht. den! Mutter? euern, für ihn. 5Uebel ſten ringen⸗ dir; iſen. ater icht fuchen, n Freunden. t; neit jindel/ „ 55„ Run in das Haus; du aber bringe ſie Nicht zur gebeugten Mutter, ſondern halte Sie ſtets entfernt von ihr, ſo weit du kannſt. Jüngſt ſah ich ſie; ihr Blick war wild, ſie führte Richts Gutes wider dieſe hier im Schilde. Auch ruht ihr Zorn, ich weiß es, eher nicht, Als bis er einen, wie ein Blitzſtrahl, trifft. So treff' er denn die Haſſer, nicht die Freunde, Medea(im Hauſe). Weh mir, zum Unglück Gebornen, Von ſo viel Uebeln Verfolgten! Weh mir! wo find' ich den Tod? Die Amme. Ich ſagt' es ja vorher; kommt, Kinder! Bewegt iſt die Seele der Mutter, Und reg' ihre Galle; drum gehet, O gehet geſchwind in das Haus. Laßt ja euch nicht wieder erblicken Und naht ihr nicht wieder, befürchtet Die wilde Gemüthsart, die ſchreckliche Stimmung Der trotzigen Seele. O gehet, o eilet, ſo ſehr ihr nur könnet, Ihr Klagen iſt eine bedeutende Wolke, Ein warnendes Zeichen, daß nun das Gewitter Des Zornes nicht fern iſt. Was wird es beginnen Ihr ſchwer zu verſöhnendes, heftig ergrimmtes, Durch Unglück zerriſſenes Herz. Medea. Weh, weh mir! was litt ich für Elend! Werth iſt es der lauteſten Klagen. Verfluchte Brut der unſeligſten Mutter, 2— Zu Grund geh' und mit dir dein Vater Und dieſes ganze Geſchlecht! Die Amme. O weh mir! haben die Kinder Wohl Theil an des Vaters Verbrechen Und warum haſſeſt du ſie? Ihr Armen, ich zittre für euch! denn der Fürſten Gemüther ſind furchtbar; ſie legen den Zorn So leicht nicht ab, nur an das Befehlen, Nicht an das Gehorchen gewöhnt. Im Mittelſtand, dünket mich, lebt es Sich beſſer, hier wird uns ein ruhiges Alter, Wenn auch nicht ein Alter voll Größe, zu Theil. Der Mittelmäßigkeit Rahme, Schon dieſer hilft durch und ihn führen Iſt für die Menſchen das Beſte. Doch das Uebermäßige währt nicht Und wirket nur größeren Unfall, Wenn jemahls ein Gott auf die Glücklichen zürnt. Das Chor. Ich hörte der Colcherinn Stimme, Ich hörte ſie ſchreyen, die Arme, Noch iſt ſie nicht ruhig. Sprich, Alte, Ich ſah in der Halle ſie klagen. Mich kränket der Jammer des Hauſes; Feindſelig wird ihr begegnet. Die Amme. Wir haben kein Haus mehr; verſchwunden Iſt alles! Jaſon bewohnet Des Königs Pallaſt, und Medeen Verzehret der Gram in dem innern Gemach. Perl Des Doe Beſ Ein De tßürſten Zorn 1/ er, Lheil. en zümt. Ach! meine Gebietherinn tröſten Richt einmahl die Reden der Freunde. Medea. Warum trifft die Flamme des Himmels Mein Haupt nicht? Was ſoll mir das Leben? Es iſt mir verhaßt; ich tauſcht' es Gern gegen des Todes Behauſung⸗ Das Chor. O Zeus, o Licht und o Erde, Habt ihr ſie gehöret die Flage Der unglückſeligen Frau? Die Sehnſucht nach deinem Gemahle, Verblendete, wird noch die Stunde Des Tods dir beſchleunigen; häge Doch ſolche Wünſche nicht mehr! Beſteigt auch dein Jaſon Ein anderes Bett: So reiſſe doch Zorn nicht Dich außer die Schranken; Denn Jupiter rächt dich, Verzehre dich ſelbſt nicht In Klagen um ihn. Medea. O große Themis, o hphe Diana, Ihr ſeht, was ich leide! mit heiligen Schwüren Band ich den verwünſchten Gemahl. O könnt' ich einſt ihn ſammt ſeiner Verlobten Zerſtücket in ihrem Pallaſt dort erblicken, Sie, welche zuerſt mich entſetzlich beleidigt. O theuerſter Vater, o Stadt, die ich ſchandlich Verlaſſen, den eigenen Brüder erwürgend! —— ———— 7 89„ Die Amme. Hört ihr, was ſie ſaget? Sie rufet Zur Themis, die jede Verwünſchung Erfüllet, ſie rufet zum Rächer Des Meineids, dem mächtigen Zeus. Auch nicht im geringſten vermag ſie Dem tobenden Zorn zu gebiethen. Das Chor. O könnten wir ſie nun bewegen Vor uns zu erſcheinen und Worte Der Freundſchaft zu hören, Wenn erſt ſich ihr ſchrecklicher Unmuth Der Sturm ihter Seele geleget. Die Amme. Nie wenigſtens ſoll mein Eifer Den Freunden entſtehn. Das Chor. So gehe denn, führ' aus dem Hauſe Sie hierher und ſag' ihr: O eile Medea, bevor du ein Unheil An einem der Hausgenoſſen verübſt. Die Amme. Ich will es verſuchen, nur fürcht' ich, Mir folgt die Gebietherinn nicht. Doch bin ich verpflichtet, den Dienſt euch Für eure Sorgfalt zu leiſten; Wiewohl der Gebietherinn Antlitz, Wie das einer ſäugenden Löwinn, Ergrimmet, wenn von dem Geſinde Sich eines, zu ſprechen, ihr naht. Man würfe mit Rechte den Ahnen Perk Zum Erfa Doc Beg Vod Der Der Hier Am Bey Die — 59 Verkehrtheit und Unverſtand vor; Zum Gaſtmahl, zu Feſten, zu Tafeln Erfanden ſie Hymnen, das Ohr zu entzücken. Doch keiner der Menſchen erfand noch Geſänge, Begleitet vom Klange vollſtimmiger Saiten, Wodurch wir den ſchrecklichen Jammer der Seele, Der Todtſchlag, der Unheil, der gräßlichen Umſturz Der Häuſer bewirket, zu ſtillen vermöchten. Hier könnten die Lieder dem Menſchengeſchlecht Am nützlichſten werden; was ſtrengt man die Stimme Beym Mahl an? Da rufet der Ueberfluß ſelber Die lächelnde Freud' in die Herzen der Menſchen. Das Chor. Ich hör' ein Geſchrey/ ein Stöhnen und Klagen; Sie klaget mit bitterſten Schmerzen; ſie ſchilt Den Jaſon einen Verräther am Bunde Der ehelichen Treu', einen böſen Gemahl. Und rufet ob ihrem erlittenen Unrecht Die Götter um Rach' an, vor allen die Tochter Des Jupiter, Themis, die Göttinn der Eide, Die hierher ſie führte Auf nächtlicher Woge Des unermeßlichen Meeres, Wo) eingeengt zwiſchen Colchis und Hellas, Die ſalzige Fluth erbrauſ't. ——— Sweyte Handlung. — Medea, Creon, der Chor. Nedea. Corintherinnen, ich verließ das Haus, Damit ihr mich nicht ſchmäht; zwar kenn' ich viele, Die in der Einſamkeit berühmt, und viele, Die in der Fremd' es wurden: einige, Unthätig ruhend, zogen ſich den VPopwurf Der Trägheit, zogen ſich Verachtung zuz Zwar freylich ſoll man nicht zu raſch entſcheiden. Ob einer bieder ſey, kann unſer Auge Richt von der Stirn ihm leſen; Unpecht handelt, Wer Menſchen haſſet, die ihn nie gekränkt, Bloß auf den erſten Anblick ohne Prüfung. Ein Fremder zwar muß ſich genau nach denen, Die ihn beherbergt, richten; tadelnswerth Iſt ſelbſt der Bürger, der aus Eigenſinn, Aus Thorheit andern Bürgern läſtig wird. Mir hat mein unverhofftes Mißgeſchick Den Geiſt gebeugt, ich bin zu Grund gerichtet. Das Leben hat nun nicht mehr Reitz für mich, Und ſterben will ich Freundinnen, mein Gatte, Mein Iſt je Ach! Bega Die 1 Zuerſt Erkar Noch Obl Dem Enteh Noch Sie Hein Ihr Grli Leht Kei Wo Ein Eilt Bey Vir Zwo In Dot Der Do D Ge 30 ng. t. un' ich viel viele/ wif zu entſcheiden. 2 eht handelt/ rntt/ üfung⸗ denen/ ſinn/ . gerichtet· ür mich in Gatte/ Mein Augenmerk bey allem, was ich that, Iſt jetzt der Männer böſeſter geworden. Ach! unter den belebten, mit Erkenntniß Begabten Weſen ſind wir Weiber doch Die unglückſeligſten. Wir müſſen uns Zuerſt mit großen Schätzen einen Gatten Erkaufen und uns ihm leibeigen ſchenken. Noch ärger iſt, ja das Gefährlichſte, Ob bieder oder boßhaft jener ſey, Dem wir uns ſchenken; denn die Eheſcheidung Entehrt uns, auch darf ſie das Weib nicht fordern. Kach neuen Sitten und Geſetzen muß Sie als Verlobte leben; denn wofern Kein Sehergeiſt ſie leitet, kennt ſie des Ihr einſt beſtimmten Gatten Denkart nicht. Gelingt es ihr, ſich wohl darein zu finden, Lebt ihr Gemahl vergnügt mit ihr und legt Kein hartes Joch ihr auf, ſo iſt ſie glücklich. Wo nicht: ſo iſt es beſſer, daß ſie ſterbe. Ein Mann, gequält von häuslichem Verdruß, Eilt aus dem Haus und lindert ſeinen Unmuth Bey Freunden oder Andern gleiches Alters. Wir müſſen nur nach Einer Seele ſchaun. Zwar ſagen ſie, wir lebten ſtets gefahrlos In unſerm Haus; ſie ſtritten mit der Lanze. Doch irren ſie; ich wollte lieber drey Mahl Den Feind beſtehn, als ein Mahl nur gebären. Doch du haſt ſolche Klagen nicht zu führen. Du haſt hier deine Stadt, des Vaters Haus, Genuß des Lebens, Umgang mit den Freunden. Ich bin verbannet, einſam, von dem Gatten, Theater, F ——— ———— — —S ——— — — — —— — 82„. So freventlich beleidigt„habe weder Verwandte, weder Mutter, weder Bruder, Die in den Bord bey dieſem Sturm mich lenkten. Drum möcht' ich Eines nur von dir erhalten, Daß du mir Weg und Mittel zeigteſt, meine Beleidigungen am Gemahl zu rächen, An ihm, an ſeiner Braut und ſeinem Schwäher. Kein Wort dawiber! ja; das Weib iſt ſonſt Voll Furcht, ſie taugt nicht in die Schlacht, und ſelbſt Der Anblick eines Stahles macht ſie beben. Doch wurde ſie als Gattinn je beleidigt, Dann gleichet nichts der Mordgier ihrer Seele. Das C hor. Ich ſteh' dir bey; gerecht iſt deine Rache, Medea, und kein Wunder, daß du trauerſt; Doch ſiehe, Creon naht, der Fürſt Corinths, Und meldet dir die neueſten Beſchlüſſe. Creon. Dich, o Medea, die mit finſterm Antlitz Der mich aus einem fernen Land entführte, Dem Gatten dräut, verbann' ich aus dem Lande. ort, ſammt den Kindern! zaudre nicht; denn i 5 bin Urheber der Verbannung, und ich kehre Nicht eh'zurück nach Hauſe, bis ich dich Aus dem Corinthiſchen Gebieth vertrieben. Medea. Weh mir! wie ganz bin ich zu Grund gerichtet! Nichts bleibt von meinen Feinden unterſucht, Und dieſem Unglück kann ich nicht entgehn. Doch n Wart Fur Ich Unh Auf Un u Un De Du Den Den Geh Und Ach Th ln V Zu Sin Sie Unt Und Nic Pie De 6 De hrte, ruder, ich lenkten. halten, meine Schwüher. ſonſt ht, und ſelbſt eben. Seele⸗ e werſt; rinthö/ iß ben Lonbe⸗ t; denn ich Doch, wenn auch hart bedränget, darf ich fragen: Warum verbannſt du mich von hier, o Creon? Creon. Kurz, ohne meine Reden einzukleiden, Ich fürchte dich; du könnteſt meiner Tochter Unheilbar ſchaden. Dieſe Furcht beruht Auf mehr als einem Grund; du biſt verſchmitzt Und eine Meiſterinn in Frevelthaten. Nun traureſt du ob dem Verluſt des Gatten, Und, wie ich höre, droheſt du ſogar Dem Schwäher, dem Verlobten und der Braut, Du würdeſt etwas wagen; darum ſuch' ich Dem Unheil vorzubeugen, eh' es kommt. Denn beſſer iſt's, Medea, jetzt von dir Gehaſſet ſeyn, als mich erweichen laſſen Und mein unzeitig Mitleid ſpät bejammern⸗ Medea. Ach! Creon, nicht nur jetzt, ſchon längſt vorher That mir der Menſchen hohe Meinung Schaden Und brachte mir manch großes Mißgeſchick. Wer weiſ' iſt, bilde ſeine Kinder nicht Zu allzu klugen Menſchen: denn nicht nur Sind die zu kleineren Geſchäften träge; Sie laden auch den Neid der andern Bürger Und ihren Haß auf ſich. Wer Thoren neue Und weiſe Dinge ſagt, ſcheint ihnen unnütz, Nicht weiſe; jenen aber, deren Seelen Vielfache Kenntniß ſchmückt, iſt jeder läſtig, Den ſeine Stadt für weiſer hält als ihn. Ach! dieſes harte Schickſal trifft auch mich. Denn weil ich klug bin, weck ich vieler Neid: F 2 —— ——— — — — ————— — —————— ——— 8 4— Dem ſchein' ich träge, dem ein Sonderling, Dem ungefällig und wohl nicht zu klug. Du aber, du beſorgſt, daß ich dir ſchade. O fürcht' es nicht; ich bin nicht in der Lage, Daß ich auf Fürſten Unheil bringen könnte. Und du, wie hätteſt du mich denn beleidigt? Doch nicht hierdurch, daß du dir einen Eidam Nach deinem Sinne wählſt? Nur meinen Gatten, Den haſſ' ich, du thatſt, wie mich dünket, klug; Und nun beneid' ich nicht dein Wohlergehn. Verlobt euch und ſeyd glücklich; aber laßt Mich hier nur wohnen; wenn auch hart behandelt, Will ich doch ſchweigen vor den Mächtigern. Creon. Was du mir ſagſt, klingt lieblich in dem Ohr, Doch Furcht, du ſinneſt uns zu ſchaden, füllt Mein Herz; ich trau' dir minder, als zuvor. PVor einem Weib und auch vor einem Mann, Deß Zorn ſchnell los bricht, hüthet man ſich leicht, Doch ſchwer vor dem, der klug zu ſchweigen weiß. Drum fort ſogleich, fort ohne viele Reden! Beſchloſſen iſt's, und keine Kunſt bewirkt dir Das Recht zu bleiben, da du gram mir biſt. Medea. Bey deinen Knien, der neuverlobten Tochter! Creon. Verlorne Worte! mich bewegſt du nicht. Medea. Du treibſt mich fort und ehreſt nicht die Liten?²) *) Die Göoͤttinnen der Bitten. No B rling, de. Lage, önnte. digt? Eidam en Gatten, et, klug; ehn. ßt behandelt rn. EE „fült uvor. Rann/ nſch lict igen weif. en t dir biſt. hter! je Liten 7¹) ——— X 35— Creon. Ich liebe mehr mein eignes Haus als dich. Medea. O Voaterland, wie ſehr denk' ich nun dein! Creon. Nach meinen Kindern lieb' ich es am meiſten⸗ Medea. Ach! welch ein großes Uebel iſt die Liebe Den Sterblichen. Creon. Ja wohl, nachdem es fällt. Medea. Du kennſt, o Zeus, den Stifter dieſer Uebel! Creon. Se Schwätzerinn, befreye mich vom Kummer. Medea. Selbſt kummervoll, erreg' ich ihn nicht andern. Creon. Bald treibt der Sclaven Hand dich mit Gewalt PVon hier. Medea. Richt doch! ich bitte nur, o Creon. Creon. Roch, ſcheint es, willſt du mich beläſtigen? Medea. O nein! ich zieh'; die Gunſt, mich hier zu taſſen, Begehr' ich nicht. Creon. Wohlan, was widerſetzeſt Du dich noch länger und entfernſt dich nicht? — 36— Medea. Nur dieſen Tag noch laß mich hier verweilen! Wohin ich fliehn ſoll, muß ich doch erwägen Und Unterhalt für meine Kinder ſuchen; Denn ach! ihr Vater denket nicht daran. 1 Erbarme du denn, der auch Kinder hat, Dich ihrer; hier geziemt dir Gütigkeit. 1 Denn nicht für mich bin ich bey unſrer Flucht Beſorgt; nur ſie, ihr Unglück nur bewein' ich. Creon. Mein Herz iſt nicht tyranniſch, doch ſehr oft Hat allzu große Nachſicht mir geſchadet. Auch jetzt, ich fühl' es, handl' ich unklug, doch 7 3 3 Gewähr' ich deine Bitte, Weib! Mur wiſſe, Wenn Phöbus nächſtes Licht in unſern Gränzen 3 Mit deinen Kindern dich erblickt, ſo ſtirbſt du, 3 Das iſt mein Ausſpruch, und er lüget nicht. 1 Nun weil es ſeyn muß, weile heut noch hier. 1 3 Heut wollen wir noch wachen, daß du keine Der Frevelthaten ausübſt, die ich fürchte! Das Chor. O unglückſeliges Weib, Wie vieles mußt du erdulden, Wohin nun dich wenden? Wo findſt du Gaſtfreundliche — ——— 2— Zuflucht, ein Haus und ein La ahd, Das rettend dich aufnimmt? In welch ein gränzenlos Meer von Uebeln 3 Hat dich, o Medea, das Schickſal geſtürzt. Medea. Ha! überall mißhandelt man mich ſchändlich. 6 Wer kann es läugnen? aber glaubet nicht, S—.— ————— r ———— Daß Ein Und Glar Ihn Ven Unt Du No Dr Der Dot Und Per Si Un Ja Jt Hi Re verweilen! erwägen en; rer Flucht ewein ich ſehr oft iklug, doch wiſſe, Gränzen ſtirbſt du, t nicht. och hiet. u keine dein Land, Daß Alles ihnen hingeht, wie ſie wähnen. Ein ſchwerer Kampf droht noch den Neuverlobten Und kein geringes Unheil den Perwandten. Glaubſt du, ich hätte dieſem je geſchmeichelt, Ihn nur geſprochen oder angerührt Wenn es mein Vortheil nicht, mein Plan nicht heiſchte. Und er iſt Thor genug, ſtatt meinen Anſchlag Durch Landsverweiſung zu vereiteln, mir Noch dieſen Tag zu gönnen, den ich nütze, Drey meiner Feinde rächend zu ermorden, Den Vater und die Braut und meinen Gatten⸗ Doch viele Wege gibts, ſie zu verderben; Und welchen unter allen wähl' ich mir? Verheer' ich ihren Brautpallaſt mit Feuer? Schleich' ich verſtohlen in ihr Schlafgemach Und ſtoß in ihre Bruſt das ſcharfe Schwert? Ja, wenn ich nur nicht wagte, daß ergriffen Im Haus und auf der That, ich meinen Feinden. Hierdurch noch ſterbend zum Gelächter würde. Rein! lieber geh' ich den bequemern Weg⸗ Den ich ſchon kenn', und tödte ſie mit Gift. Doch ſind ſie todt, welch eine Stadt nimmt dann Mich auf? Wo iſt ein Gaſtfreund, der zum Schutz Sein treues Haus und eine Freyſtatt biethet? Ach nirgends! Darum will ich kurze Zeit Hier weilen noch, bis ſich ein Rettungsort, Gleich einem feſten Thurm im Krieg, mir zeigt. ²) Die Bittenden beruhrten die Haͤnde, Knie, auch das Kinn und den Bart derer, von denen ſie etwas er⸗ halten wollten. — 88— Und heimlich und mit Liſt den Mord beginnen. Doch treibt ein unvermeidlich Mißgeſchick Mich aus Corinth; ſo ſey das Aeußerſte Vorher gewagt! ich greife nach dem Schwert, Ich tödte ſie, und koſtet's auch mein Leben, Denn bey der Schutzfrau, die ich aus den Göttern Am meiſten ehre, die, zur Helferinn, Von mir erwählt, das Innre meines Hauſes Bewohnt, bey Hecaten! wer unter ihnen Mir Herzeleid verurſacht, ſoll ſich deſſen Gewiß nicht freun. Ich will die Hochzeit ihnen Betrübt und bitter machen, bitter meine Verbannung aus dem Land und ihre neue Verwandtſchaft. Auf denn, o Medea! ſpare Nun keine Kunſt, ſo viel du deren weißt, Denk' und erfind'! auf zu der furchtbarn That! Nun gilt es hohen Muth. Du ſieheſt, was Du leiden mußt; des Siſyphus Geſchlecht Und Jaſons Hochzeit darf nicht Hohn dir ſprechen. Dir, die von einem edlen Vater ſtammt, Von Helios ſelbſt, und reich an Kenntniß iſt. Auch ſind wir Weiber von Ratur ſchon wenig Geſchickt zum Guten, aber Künſtlerinnen Und ausgelernt in Freveln jeder Art. Das Chor. Zurück fließt wieder heiliger Ströme Quell ²) *) Ein gewoͤhnlicher Ausdruck bey den Alten etwas Un⸗ erwartetes und Unnatürliches zu bezeichnen. Eben ſo ſagt Doid, als er die Untreue eines Freundes erfährt: In caput alta Suum labentur ab aehuore retro Flu- mind. Trist. L. J. Eleg. 7. Un Be Au Un Ri H — „— e beginnen. ck te chwert, eben, en Götter Halſſes n t ihnen Ue are t was t ſprchen iß iſ. wenig — 8 9 Und Recht und Alles gehet zurück, denn nur Auf Liſten ſinnen jetzt die Männer, Frevelhaft brechen ſie heil'ge Schwüre. Berühmt wird unſer Leben hinfort, es kehrt Sich Fama weg von ihnen, und Ehre krönt Das weibliche Geſchlecht, das künftig Böſe Gerüchte nicht mehr verfolgen. Auch wird der Muſen Chor in der Alten Lied Uns nicht der Untreu' ferner beſchuldigen. Der Lehrer der Geſänge, Phöbus Hatte des Lieds und der Leyer Gaben Richt in der Weiber Seelen gelegt, denn ſonſt Hätt' unſer Gegenlied auch das männliche Geſchlecht beſtraft: der Vorzeit Bücher Machen uns beyden ſo manchen Vorwurf. Du aber flohſt mit raſendem Herzen, fort Aus deines Vaters Hauſe, beſtiegſt das Schiff Und fuhrſt dahin mit dem Verräther Zwiſchen zwey dräuenden Meeresfelſen. Nun, Arme, nun bewohnſt du ein fremdes Land; Verwitwet iſt dein Bette, dein Schlafgemach Verlaſſen, du mit Schmach beladen, Flüchtig, aus dieſem Gebieth verbannet. Im großen Hellas wohnt nicht die Heiligkeit Der Eide mehr, noch wohnt die beſorgte Scham, Die vor dem Laſter bebet; beyde Flogen hinauf zum verwandten Himmel. Du aber, Unglückſelige, haſt im Sturm Kein väterliches Haus, das zum Port dir dient, Auch deine Küſſe ſind nun werthles; Mächtiger herrſcht hier die Königstochter. — Dritte Handlung. Jaſon, Medea, das Chor, Aegeus. Jaſon. Nicht jetzo nur, ſchon oft hab' ich bemerkt, Zaumloſer Zorn wirk' unheilbares Uebel. Du konnteſt mit Ergebung in den Willen Der Mächtigern dieß Land, dieß Haus bewohnen. Doch thöricht läſterſt du und wirſt verbannt. Ich zwar, ich acht' es nicht, fahr' immer fort Und rufe: welch ein Böſewicht iſt Jaſon! Doch für die Läſterung der Fürſten nur Die Strafe der Verbannung dulden, iſt, Das glaube mir, Gewinn. Ich ſuchte ſtets Des wider dich erzürnten Königs Grimm Zu lindern und die Freyheit, hier zu bleiben, Dir zu erringen, doch du läſſeſt nie Von deiner Thorheit ab und ſchiltſt die Fürſten In einem fort, darum wirſt du verbannt. Ich aber, doch nicht müde, Freundſchaftsdienſte Dir zu erweiſen, kam, für dich zu ſorgen, Daß du und deine Kinder nicht Corinth In Dürftigkeit verlaßt und nichts euch fehle. 8 8 S* ) 2— ö„ — — — 4, wohnen⸗ nt. fort Verbannung zieht der Uebel viel nach ſich; Und wenn du gleich mich haſſeſt, o Medea, So kann ich doch dir niemahls übel wollen. Medea. Erzböſewicht, denn mit der Zunge nur, Mit der nur kann ich deine Frechheit ſtrafen; Du wagſt dich vor mich, du, den Göttern, mir, Dem ganzen menſchlichen Geſchlecht verhaßt! Dem Freund, den man gekraͤnkt, in's Antlitz ſchauen, Das iſt nicht Kühnheit, iſt nicht hoher Muth. Die ärgſte Seelenkrankheit, die den Menſchen Befallen kann, das iſt es— Unverſchämtheit. Doch gut, daß du gekommen, wenigſtens Kann ich mein Herz erleichtern und dich ſchmähn, Du ſollſt es hören, mit Verdruß es hören, PVom erſten denn will ich zuerſt beginnen. Ich habe dich errettet, das weiß jeder Der Griechen, der die Argo mit beſtieg, Ich habe dich errettet, da du hinzogſt, Der Stiere Flammen hauchend Paar in's Joch Zu ſpannen und die Mörderſaat zu ſden. Durch mich nur fiel der Drache, welcher ſchlaflos Das goldne Fell in viel verſchlungnen Kreiſen Bewacht, durch mich ſchien dir die Rettungsſonne. An meinem Vater und den Meinen treulos, Schifft' ich mit dir hinüber nach Jolcos, Mein Herz, nicht die Vernunft zu Rathe ziehend. Durch mich ſtarb Pelias den jämmerlichſten Der Tode, von der Töchter Hand erwürgt. So hab' ich dich von aller Furcht befreyt. Und doch, da ich ſo viel für dich gethan, Verräthſt du mich, gottloſeſter der Menſchen, Und ſuchſt ein neues Bett, wiewohl ich Kinder Dir gab; denn wärſt du kinderlos, ſo dürfte Die neue Liebe noch verzeihlich ſeyn. Ha! kraftlos ſind die Schwür'; ich weiß nicht, wähnſt du, Daß jene Götter, welche damahls herrſchten, Nun nicht mehr herrſchten, oder daß den Menſchen Seit dem ein neu Geſetz gegeben ward, Denn du biſt ja des Meineids dir bewußt⸗ D meine Rechte, die du oft ergriffſt, O dieſe meine Knie, wie treulos hat Mich dieſer Böſewicht hier hintergangen, Entehrt, und meine Hoffnungen getäuſcht! Doch immerhin! ich will nunmehr mit dir, Als wie mit einem Freund, und Manne reden, Von dem ich noch ein großes Glück erwarte. Ich will dir Fragen thun, du aber ſollſt Nur noch abſcheulicher hierdurch erſcheinen. Wo wend' ich mich nun hin? Zu meinem Vater? Ihn und mein Land verrieth ich dir und floh. Zu den bejammernswerthen Peliaden? Sie, deren Vater ich ermordet, werden Gewiß mich ſchön in ihrem Haus empfangen. So iſt's! Den Meinigen bin ich verhaßt, Und manche, denen ich nicht ſchaden ſollte, Macht' ich um deinetwillen mir zu Feinden. Doch hochbeglückt vor vielen Griechinnen Ward ich durch dich zum Lohn für meine Dienſte. Des trefflichſten, des treueſten Gemahls Kann ich mich rühmen, ich Unglückliche! en, linder fte en, Menſchen Dienſt „„ 93„ Doch muß ich ohne Freund, verwieſen und PVerlaſſen fliehn mit den verlaßnen Kindern. So wird's dem Neuverlobten Ehre bringen, Daß ſeine Retterinn und ſeine Kinder Als nackte Bettler Griechenland durchirren, O Zeus, du gabſt den Menſchen ſichre Zeichen, Unechtes Gold zu kennenz ach! warum Iſt, einen böſen Mann zu unterſcheiden, Kein Merkmahl ſeinem Körper eingeprägt. Das Chor. Der Zorn iſt heftig und nicht leicht zu heilen, Wenn Freunde je mit Freunden ſich entzweyen. Jaſon. Beredſamkeit, ich ſeh's, bedarf ich hier Vor deiner läſternden Geſchwätzigkeit, Als ein geſchickter Steuermann, vorbey Zu ſteuern mit hoch aufgeſpannten Segeln. Wiß, weil du ſo mit deiner Wohlthat prangeſt, Ich ſeh' von allen Göttern, allen Menſchen Nur Cyprien für meine Retterinn Bey meiner Schiff⸗Fahrt an; zwar biſt du ſchlau, Doch zu gehäſſig wäre die Erzählung, Wie du aus unvermeidlichen Gefahren Mich zwar gerettet haſt, allein gezwungen Zu dieſer That durch die Gewalt der Liebe. Doch will ich dieß nicht ſchärfer unterſuchen. Du warſt mir nützlich, ich geſteh' es gern, Doch du gewannſt bey meiner Rettung mehr, Als du gewährt; zuerſt lebſt du hierdurch In Hellas, ſtatt in deiner Barbarn Lande. Du lernteſt die Gerechtigkeit, du lernteſt, Daß nicht Gewalt, daß nur Geſetze gelten. Dann kennen alle Griechen deine Klugheit. Du biſt berühmt, da niemand dein gedächte, Bewohnteſt du der Erde letzte Gränzen. Ich möchte weder Gold in meiner Wohnung Behußee ſehn, noch ſüßre Lieder tönen, is Orpheus, ſollt' ich hohen Ruhm entbehren. Dieß, weil du doch zum Wortkampf mich gefordert, ieß ſey die Antwort auf den bittern Vorwurf, Daß du ſo viel Gefahren mich entriſſen. Von der Verlobung mit der Königstochter, Die du gehäſſig darſtellſt, will ich zeigen, Daß mich hierzu nicht Wolluſt oder Thorheit Vermocht; nein, wahrer Eifer für dein Wohl Und meiner Kinder Glück.„ Doch bleib gelaſſen. Als ich hierher kam aus Jolcos, folgten Mir auf den Fuß viel ſchwere Uebel nach. Nun frey' ich Flüchtiger die Königstochter. Konnt' ich mir Hülfeloſen beſſer helfen? Ich thu' es nicht, wie du mir hämiſch vorwirfſt, Aus Ueberdruſſe deiner, und erfüllt Von Liebesſehnſucht für die neue Braut, Nicht um der Kinder viel zu zeugen; mir Genügt an den Gebornen, und ich rechte Darüber nicht; ich thu's, daß wir bequem Und frey von Mangel leben; denn ich weiß, Vom Armen eilen alle Freunde weg. Ich thu' es, meine Kinder zu erziehn, Wie ihrer Abkunft ziemt: und beyde Sprößling' In Ein Geſchlecht klug zu vereinigen Und ſo beglückt zu ſeyn. Du ſelbſt bedarfſt 89 8 ung tbehren⸗ gefordert, wurf, heit ßohl gelaſſen. wirfſt/ m eiß/ Der Kinder noch, und mir auch frommt den ſchon Erzeugten durch die künftigen zu helfen. Nun, handl' ich thöricht? Dieß behaupteteſt Du ſelbſt nicht, kränkte dich nicht meine Heirath. Doch dahin iſt's gekommen mit euch Weibern! Bleibt nur das Ehbett rein, dann glaubt ihr Alles Zu haben; doch trifft hierin euch ein Unfall, Dann iſt auch nichts ſo herrlich und ſo ſchön, Was ihr nicht feindlich anſeht; ach! es ſollte Der Mann ſich anders Kinder zeugen können, Und das Geſchlecht der Weiber gar nicht ſeyn. Die Menſchen drückte dann kein Uebel mehr. Das Chor. O Jaſon, zwar geſchmückt war deine Rede; Doch bünkt mich, wider Willen ſag' ich dirs, Du nicht wohl, daß du dein Weib verriethſt. Medea. Wie anders denk' ich doch, als viele Menſchen! Wer ungerecht iſt, doch gewandt im Sprechen, Der ſcheinet mir der größten Strafe werth. Denn wenn er prahlet, ſeine Zunge könn' ein Un⸗ recht Beſchönen, wagt er liſtig zu betriegen; Und darf mit Recht kein echter Weiſer heißen. Drum ſpare du die feinen Wendungen, Die Rednerkraft. Ein Wort ſchlägt dich zu Boden. Wenn du es redlich meinteſt, mußteſt du Nicht heimlich dieſes Bündniß ſchließen; nein! Du mußteſt erſt mich zu bereden ſuchen. Jaſon. Ja du, du hätteſt mich in meinem Plane — 9 6— Schön unterſtützt, du, die nicht einmahl jetzt Des Herzens wilden Zorn bezähmen kann? Medea. Nicht dieſes war dein Grund; nein! eine Fremde Schien als Gemahlinn, auf das Altar dir Nicht ehrenvoll genug. Jaſon. Nun wiſſe denn, Nicht Hang zum Mädchen hieß mich die Verwandt⸗ ſchaft Des Königs ſuchen, wie ich ſchon geſagt. Dich zu erretten ſucht' ich ſie und Brüder Von königlichem Blute meinen Kindern Zu geben und durch ſie Schutz meinem Hauſe. Medea. O weg von mir mit dieſem läſt'gen Glück, Weg mit den Schätzen, die durch Seelenkränkung Erworben werden! Ja ſon. Weißt du, wie dein Wunſch Kann umgeſtimmet werden und du dann Für weiſer gelten? wünſche, daß das Gute Dir niemahls läſtig ſchein' und halte dich, Wenn du beglückt biſt, nicht für unbeglückt. Medea. Ja ſpotte! du haſt einen Zufluchtsort; Ich muß verlaſſen aus dem Lande fliehn. Jaſon. Dein Werk! Drum klage niemand an⸗ Bre Für So Pi 2 jetzt Fremde Perwandt⸗ Hauſe⸗ nkrunkung Vunſh te 1 t. Medea. Was that ich? Verrieth ich dich um einen andern Gatten? Ja ſon. Mit böſen Flüchen fluchteſt du dem Herrſcher⸗ Medea. Ward mir nicht auch in deinem Haus geflucht? Jaſon. Ich will mit dir nicht mehr darüber rechten. Brauchſt du von meinen Schätzen Unterſtützung Für deine Kinder, oder auf die Flucht, So rede, gern und nicht mit karger Hand Will ich dir geben und will Zeichen ſenden, Daß jeder Gaſtfreund Gutes dir erweiſe. Willſt du es nicht; ſo biſt du eine Thörinn: Laß ab von Zorn, dieß beſſert deinen Zuſtand⸗ Medea. Von allen deinen Freunden nütz' ich keinen Und nehme nichts. Rein! nichts ſollſt du mir geben. Des Böſewichts Geſchenke frommen nicht. Die Götter rief' ich doch zu Zeugen, Alles Will ich für dich und deine Kinder thun. Doch dir gefällt das Gute nicht, du ſtößeſt Hartnäckig deiner Freunde Hand zurück. Hierdurch vergrößerſt du dein Unglück. Medea. Geh! Die Sehnſucht nach der Braut verzehrt dich ſonſt, Verwellſt du länger außerm Hauſe. Nimm ſie! Theater. G Vielleicht erhört ein Gott mich, und du feyerſt Ein Hochzeitfeſt, das du bereuen wirſt. en Chor. 3 Kommt ohne Maß die Liebe zu Sterblichen, So ſcheucht ſie guten Nahmen und Tugend fort; Kommt aber Cytherea mäßig, bel Dann iſt von allen Göttinnen keine Die So anmuthsvoll. O ſchone, Beherrſcherinn, Und ſchnelle deine ſicher ereilenden, Hell In Sehnſucht eingetauchten Pfeile Niemahls auf mich von dem goldnen Bogen. po Ja, Mächtige, die über der Gatten Zwiſt Mit Scharfſinn urtheilt, aber ein Ehebett Pon Voll Eintracht ſchätzet, mir gefalle Keuſchheit, der Göttergeſchenke größtes. Pu Bricht mein Gemahl auch ſeine beſchworne Treu'“, So müſſe doch mein Herzeleid niemahls mich R Zu wechſelſeitigen Gezänken Und unerſättlichem Streit bewegen. V D Vaterland, und du, mein geliebtes Haus, O daß ich nie, verbannet und fern von euch, 3 Der Armuth kummervolles Leben Unter den bitterſten Schmerzen führe. Leh Der Tod, der Tod raff' eher von hinnen mich ind meiner Tage letzter ſey dieſer Tag! N Denn ſeines Vaterlandes Boden Miſſen, iſt wahrlich der Uebel größtes. PB Wir wiederhohlen hier nicht Erzählungen, Wir ſahn es ſelber; du, o Medea, littſt 3 So ſchrecklich! und wo ſind die Freunde, Wo iſt die Stadt, die ſich dein erbarmte. feyerſt n fort; zogen. rel', e⸗ — 9 9— Der undankbare, welcher dem Freunde nicht Den Buſen aufſchließt, und in dem Mißgeſchick Ihm nicht empor hilft, geh zu Grunde! Riemahls gewinnet er meine Freundſchaft. Aegeus. Heil dir, Medea! einen ſchönern Eingang, Die Freunde zu begrüßen, gibt es nicht. Medea. Heil dir auch, Aegeus, Sohn des weiſen Königs Pandion, Heil! von wannen kommſt du her? Aegeus⸗ Vom alten Heiligthume des Apoll. Medea. Was trieb dich zu des Erdballs heilger Mitte? Aegeus. Ich fragte, wie ich Kinder hoffen dürfte. Medea. Wie, bey den Göttern! lebſt du kinderlos? Aegeus. Ja kinderlos, ſo will's ein böſer Dämon. Medea. Lebſt du mit einer Gattinn, oder einſam? Aegeus. Mir ſind nicht fremd des Ehebettes Freuden. Medea. Was alſo ſagt' Apoll dir von den Kindern? Aegeus. Zu weiſe Wort', als daß ein Menſch ſie faßte. Medea. Dürft ich wohl auch den Götterausſpruch wiſſen? G 2 , 100 Aegeus. Vorzüglich du; denn hier bedarf es Weisheit. Medea. „Weil ich's denn hören darf, was ſprach Apoll? Aegeus. Ich ſoll nicht ehe, was hervor ragt, löſen, Medea. Bis du— was denn gethan, wohin gelangt? Aegeus. Bis ich zu meinem Herd nicht wiederkehre. Medea. Doch warum ſchiffteſt du nach dieſem Land? Aegeus. Hier lebet Pittheus, der Trözener Fürſt. Medea. Der frömmſte, wie es heißt, von Pelops Söhnen. Aegeus. Ihm denk ich das Hrakel mitzutheilen. Mede. Weiſ' iſt er und geübt in ſolchen Fällen. Aegeus. Und mir der liebſte meiner Waffenfreunde. Medea. Sey glücklich und erhalte, was du wünſcheſt! Aegeus. Warum verräth dein Aug' und Körper Gram? Medea. Der Menſchen böſeſter iſt mein Gemahl. Aegeus. Was ſagſt du? klage deutlich mir dein Leid. Nich Durt Er n Medea. heit. Mich, die ihn nie gekränkt, mißhandelt Jaſon⸗ Aegeus. ol? Durch welche That denn? rede deutlicher. 3 Medea. Er nahm ſich noch ein Weib; ſie herrſcht im Hauſe. Aegeus⸗ Wie, dieſe Schandthat durft' er wirklich wagen? Medea. Ja! und verſchmähet mich, einſt ſeine Freundinn. Aegeus. Haßt er dein Bett nun? oder liebt er ſie? 7 Medea. Sie liebt er raſend. O der Ungetreue! Aegeus. Nun iſt er denn ſo böſe, fort mit ihm! Söhnen⸗ Medea. Er ſuchte die Verwandtſchaft mit dem Sönig. Aegeus. Und wer, vollende, gab ihm ſeine Tochter? Medea. Der in Corinth hier herrſchet, König Creon. Aegeus. Verzeihlich iſt es, daß du dich betrübſt. t Medea. Weh mir! und überdieß bin ich verbannt, ni Aegeus. Von wem? das iſt ja noch ein neues Unglück. Medea. Der König Creon treibt mich aus Corinth⸗ Aegeus. Und gibt es Jaſon zu? das lob' ich nicht. Medea. Mit Wörtern zeigt er Mitleid, nicht mit Thaten. Und nun beſchwör' ich dich bey deinen Wangen, Bey deinen Knien; fußfällig bitt' ich dich. Erbarm', erbarme dich der Unglückſelgen. Laß mich nicht ſo verlaſſen und verbannt; Nimm mich als Gaſtfreund in dein Land und Haus; Dann ſoll von Zeus mit Kindern deine Liebe Geſegnet ſeyn, du ſelbſt beglückt einſt ſterben! Du weißt nicht, was du hier gewannſt; du ſollſt Nicht kinderlos mehr bleiben, ſondern Erben Durch meiner Arzenehen Kräfte zeugen. Aegeus. Ich bin bereit, dir zu willfahren, Weib, Aus manchem Grund, zuerſt der Gözter, dann Der Kinder willen, deren Zeugung mir Schon die Natur verſaget, du verſprichſt: D werd' es wahr! Kommſt du nach Attica, So nehm' ich gern als Biederfürſt dich auf. Nur dieß, Medea, ſag' ich dir voraus: Weg aus Corinth führ' ich dich nimmermehr. Doch meine Wohnung, kommſt du ſelbſt dahin, Iſt dir ein ſichrer, ewger Zufluchtsort. Nur ſetz' allein den Fuß aus dieſem Lande; Denn ſchuldlos möcht' ich auch vor jenen ſeyn, Mit welchen hier das Gaſtrecht mich verbindet. Medea. So ſey es! Alles trefflich, wär' ich nur Des jetzt von dir gegebnen Worts gewiß. Wa I6 Und Dich Ve Es Unt Au Vie Dar — — c—— Thaten. angen, d Haus; iebe ben! du ſolſt en dann a/ hr. ohin,/ eyn/ det⸗ — 10 3 e Aegeus. Woas quält dich, oder traueſt du mir nicht? Medea. Ich trau' dir; doch des Pelias Geſchlecht* Und Creon haſſen mich; darum verbinde Dich mir mit einem Schwure, daß du nie, Wenn ſie aus deinem Land mich ſchleppen wollen, Es dulden werdeſt. Falls du bloß mit Worten Und eidlos es verheißeſt, lieferſt du Aus Freundſchaft gegen ſie mich ihren Bothen Vielleicht doch aus; denn Ohnmacht iſt mein Loos, Das ihre Reichthum und der Herrſchaft Glanz⸗ Aegeus. Von kluger Vorſicht zeugen deine Reden. Was du von mir begehrſt, verſag' ich nicht, Denn dieß befeſtiget nicht nur dein Wohl, Es dient zu meiner eignen Sicherheit Und zur Entſchuldigung bey deinen Feinden. Drum ſage mir des Eides Worte vor. Medea. Bey unſers Erdballs Feſten ſchwöre, ſchwöre Bey meines Vaters PVater Helios Und bey dem ganzen Stamm der Götter. Aegeus. 2 Was Soll ich zu thun, was nicht zu thun dir ſchwören? Medea. Mich nie aus deinem Lande zu verbannen, Noch, weil du lebſt, zu dulden, daß daraus Mich einer meiner Feinde mit ſich ſchleppe. a. 104— Aegeus. Ich ſchwöre bey der Erde, bey dem helſen Geſtirn des Helios und allen Göttern: Ich will befolgen, was du jetzt begehrt. Medea. Genug! Was aber ſoll dir widerfahren, Wenn du die feyerlichen Eide brichſt? Aegeus. Was Böſewichtern zu geſchehen pflegt. Medea. Nun iſt mein Wunſch erfüllet. Reiſe glückſich! Ich folge dir, ſo bald ich, ausgeführt, Worauf ich ſinn', und was ich will, erlangt. Das Chor. Der Sohn der Maja, der hohe Begleiter, Bringe dich König nach Haus. Erreichet werde der Zweck deiner Reiſe; Denn als den edelſten Mann Zeigteſt du, Aegeus, dich mir. Medea. O Jupiter, o Rache Jupiters, Und du, o Licht des Helios, nun werden Wir glorreich über meine Feinde ſiegen! Den rechten Weg, Freundinnen, trafen wir. Nun hoff' ich ihnen alles zu vergelten. Woran es mir am meiſten fehlte, both Mir Aegeus, einen Port nach meiner That. Bin ich einmahl in Pallas Land und Stadt, Dann häng' ich in dem Schiff das Ruder auf. Jetzt will ich meinen Vorſatz dir vertraun, Ich will zu Jaſon einen Hausgenoſſen — dt/ auf⸗ — 105— Hinſenden, daß er hier vor mir erſcheine, Dann holde Wort' ihm gehen, wie mir Alles Einleuchte, wie ich ſelbſt nun die Verlobung Mit ſeiner Königstochter billige, Um die er mich verrieth und wie dieß Alles Mir wohlgethan, mir weiſ und nützlich ſcheine. Nur bitten will ich, daß man meinen Kindern Zu bleiben gönne, nicht als ob ich ſie In dem verhaßten Land hier meiner Feinde Mißhandlungen ſchnöd' überlaſſen wollte; Nein! daß ich ſo mit Liſt die Königstochter Ermorden könne; denn zu ihr hin ſend' ich Die Kinder mit Geſchenken und der Bitte, Daß man ſie nicht aus dieſem Land verbanne. Die Braut ſoll einen fein gewebten Mantel Und einen goldgeflochtnen Kranz empfangen, Doch bringt ſie nur den Schmuck an ihren Leih, Geht ſie zu Grund und mit, wer ſie berühret. So ſollen jene gift'gen Säfte wirken, Womit ich dieſe Gaben übertünche. Jedoch genug von den Verhaßten! ach! Und dann— ich ſeufze, welche Laſterthat Ich dann verüben muß! denn meine Kinder Will ich ermorden; niemand ſoll ſie retten. Und hab' ich Jaſons ganzes Haus in Jammer Geſtürzt, ſo eil' ich nach vollbrachtem Frevel, Den Tod der theuren Kinder fliehend, fort Aus dieſem Land; das iſt doch nicht zu dulden, O Freundinnen, daß unſte Feind' uns höhnen. Wohlan, es ſey vollbracht! denn iſt das Leben Für mich noch ein Gewinn? kein Paterland, 166— Fein Haus, kein Rettungsmittel hab' ich mehr. Ich Thörinn, die, von dieſes Griechen Rede Betrogen, meines Vaters Haus verließ! Doch mit der Götter Beyſtand ſoll er büßen. Er ſoll die Kinder, die ich ihm gebar, Todt ſehen und mit ſeiner neuen Braut Auch keine zeugen, denn die Schändliche Soll ſchändlich durch mein Gift zu Grunde gehn. Für ruhig, ſchwach und feige will ich nicht, Ich will für's Gegentheil gehalten ſeyn. Für hold den Freunden, fürchterlich den Feinden; Denn hochberühmt iſt ſolcher Menſchen Leben. Das Chor. Da du mir dieſen Anſchlag anvertraut, So muß ich die Vollführung dir mißrathen. Dieß heiſcht von mir die Sorge für dein Wohl Und der Gehorſam gegen die Geſetze. Medea. Umſonſt! zwar iſt der Rarh dir zu verzeihn. Du duldeſt nicht die Uebel, die ich dulde. Das Chor. Weib, deine Kinder tödten, kannſt du das? Medea. So wird am meiſten mein Gemahl gekränkt. Das Chor. Du aber ſelbſt höchſt unglückſelig ſeyn. Medea. Gleichviel! umſonſt iſt jeder Widerſpruch. Auf! geh' und bringe Jaſon her, denn jedes Treu' fordernde Geſchäft vertrau' ich dir. Doch wirſt du ſicher nichts von dem entdecken, Pat Geb Ir Die Mit Vor Und Ein Mi Hi V De de gehn. einden; en. n⸗ Pohl n. de iken/ — 107— Was ich beſchloſſen habe, wenn du deiner Gebietherinn geneigt biſt und— ein Weib. Das Chor. Ihr Erechtiden, lange beglücket und Die Söhne ſel'ger Götter, auf heiliger Auf unbeſtegter Erd' erzeuget, Immer luſtwandelnd in reinen Lüften, Mit hochberühmter Weisheit ernahrt ihr euch; PVom keuſchen Chor der Muſen, ſo ſagt der Ruf, Ward einſt die Harmonie, die blonde Tochter des Himmels, bey euch erzogen. Und ſanfte, lieblich wehende Lüfte blies Einſt Venus durch das ganze Gebieth, da ſie Cephiſus ſchöne Fluthen ſchöpfte. Immer umſchlingend die goldnen Haare, Mit einem friſchen, düftenden Roſenkranz Hieß ſie die Schaar der Amor zur Weisheit ziehn, Daß die, als ewige Gefährten Jegliche Tugend ihr üben hülfen. Wie ſoll nun dich, Verbrecherinn, Mörderinn Der eignen Kinder, irgend ein friedlich Land, Wie eine Stadt an heilgen Flüſſen Unter den redlichen Bürgern dulden? O überdenke vorher das Mißgeſchick Der Kinder, überdenke den Mord, wir flehn, Bey deinen Knien flehn wir alle: Tödte nicht, tödte nicht deine Kinder! Wie wirſt du deinem Herzen und deiner Hand Die Kühnheit einzuflößen vermögend ſeyn, Daß du zur Gräulthat deine Kinder Faſſeſt? wie wird ſich der Mitleidsthränen ———— . „ 106„— Dein auf die Unglückſel'gen gewandtes Aug' Erwehren? wirſt du dennoch die Mörderhand Mit deinem Blut beflecken können, Wenn ſie vor dich hin ſich flehend werfen? werfen! Vierte Handlung. Jaſon, Medea, das Chor, der Aufſeher. Jaſon. J0 komm' auf dein Geheiß, denn ob du gleich Mich haſſeſt, laſſ' ich doch nicht fehl dich bitten Und höre willig, was du noch verlangſt. Medea. Ich bitte, Jaſon, laſſ', was ich geſagt, Vergeben ſeyn, denn dir geziemt es, Nachſicht Mit meinem Zorn zu haben, da wir uns So manche Wohlthat wechſelweiſ“' erzeigt. Nun hab' ich ſelbſt zur Rede mich geſetzt Und alſo ausgeſcholten: o ich Arme, Was raſ' ich da und zürne wider jene, Die für mein Beſtes ſorgen: dem Beherrſcher Corinths und meinem Gatten bin ich gram, Ihm, der, bedacht auf meinen wahren Vortheil, Die Königstochter ehlichet und Brüder Aus dieſem Stamme meinen Kindern gibt. Und ich behielte noch den Groll im Herzen? Ich traurte, da die Götter mich beglücken? Hab' ich nicht Kinder? weiß ich nicht, daß wir — 110— Erſt jüngſt, verbannet aus Theſſalien Und freundelos, ein traurig Leben führten? Dieß überdenkend, fand ich mein Betragen Höchſt unvorſichtig, thöricht meinen Zorn. nun lob' ich dich, und halte dich für weiſe, Daß du in die Verwandtſchaft mich gebracht. Und mich halt' ich für thöricht; denn ich hätte An deinem Plan Theil nehmen, zur Verbindung Werkthätig helfen, bey dem Bette ſtehn Und deiner Braut mit Freuden dienen ſollen. Allein wir ſind nun einmahl, was wir ſind, Ich will nicht eben etwas Arges ſagen, Doch— Weiber! aber du darfſt nicht das Böſe Nachahmen, nicht für Thorheit Thorheit geben. Ich ſag' es, ich geſteh's, daß ich zuvor Geirret; nun erwog ich Alles beſſer⸗ Kommt, Kinder, kommt hierhes, verlaßt das Haus, Herbey! grüßt euren Vater, ſprecht mit ihm, Wie ich es thu', vergeßt wie ich des Haſſes, Den wir zupor auf theure Freunde warfen. Geſchloſſen iſt der Bund joßt, aller Groll Verbannt; faßt ſeine Rechte,(wehe mir! Wenn ich der tief verborgnen That gedenke!) Ihr Kinder könntet ihr noch lange leben, Roch oft die theure Hand ihm reichen!— Wie Ich Arme noch ſo ängſtlich, ſo geneigt Zu Thränen bin, denn da ich meinen Streit Mit euerm Vater ſpät geendigt habe, Füllt' ich mein zartes Angeſicht mit Thränen. Das Chor. Auch mir bricht eine wieder aus den Augen. 3 Ach Ent Und Es Ven Dot Und Erke Euch Ein Der San Gede Und Bit Unt Doe Das Und Doq — 1 11— Ach! daß kein größers Unheil, als ſchon iſt, Entſteh! 1 Jaſon. Ich lobe, Weib, dein jetziges ſe, Und tadle nicht dein voriges Betragen. ht. Es iſt begreiflich, daß die Gattinn zürne, hüite Wenn ihr, Gemahl ein anders Bündniß ſchließt; indunz Doch hat dein Sinn ins Beſſ're ſich geandert Und wenn auch ſpät der Gegengründe Stärke Erkannt. Das heißt als eine Weiſe handeln! Euch aber, Kinder, hat des Vaters Vorſicht Ein großes Glück bereitet mit dem Beyſtand Löſe Der Götter; denn ich hoff', ihr werdet einſt Sammt euern Brüdern in Corinth regieren, Gedeiht nur; für das Andre ſorgt der Vater Und irgend eine Gottheit, die euch hold iſt. O daß ich doch dereinſt euch wohl erzogen Bis an das Ziel der Mannbarkeit gelangen Und über meine Feinde ſiegen ſähe! Doch du, was netzeſt du mit friſchen Thränen Das Auge, kehrſt die weiße Wange weg Und höreſt ungern meiner Rede zu 2 Medea. O es iſt nichts; ich denk an dieſe Hinder. Wie J a ſo n. Sey nur getroſt; ich ſorge ja für ſie. treit Medea. Ich will getroſt ſeyn, will auf dich vertraun. nen. Doch zärtlich und geneigt zu Thränen ſind Wir Weiber von Natur. 112„ Jaſon. Doch warum wimmerſt Du ſo um dieſe Kinder? Medea. Ich gebar ſik. Und als du erſt gewünſchet, daß ſie leben, Dacht' ich voll Mitleid: Wird es auch geſchehn? Doch das, worüber du zu ſprechen kamſt, Iſt theils geſagt, theils will ich noch es ſagen. Der König dieſes Landes wünſchet mich Entfernt! dieß, ſeh' ich, iſt für mich das Beſte, Daß ich nicht dir im Wege ſey, noch ihnen, Die mich für ihres Hauſes Feindinn halten.. Drum will ich auch von hier ins Elend gehn. Nur für die Kinder flehe Creon an, Damit du hier ſie ſelbſt erziehen mögeſt. Jaſon⸗ Ich weiß nicht, ob ich ihn bereden werde, Allein ich halte den Verſuch für Pflicht. Medea. Heiß deine Gattinn ihren Vater bitten, Daß meine Kinder nicht verbannet werden. Jaſon. Gewiß! auch hoff' ich ſie zu überreden, Sie iſt ja doch ein Weib, wie alle andern⸗ Medea. Ich will darin dich unterſtützen, will Ihr Gaben ſchicken, die, ich weiß es, Alles An Schönheit übertreffen, was man jetzt Von Waaren findet, einen goldnen Kranz Und fein gewebten Mantel; beydes tragen Ihr Der Sie In As Ein Def Ihr Der pi Va Gl De P G B erſt , eſchehn! ſagen. Beſte, en, en. gehn n⸗ Ihr meine Kinder hin. Geſchwinde bringe Der Diener einer dieſen Schmuck hierher. Sie iſt beglückt nicht nur in Einem Punct, In tauſenden; da ſie den beſten Mann Als Gatten und den Schmuck beſitzet, den Einſt Helios, der Vater meines Vaters, Den Enkeln gab. Nehmt dieſe⸗Brautgeſchenke, Ihr Kinder, in die Hand und bringet ſie Der Herrſcherinn, der glücklichen Verlobten. Nicht zu verachten iſt, was ſie empfängt. Jaſon. Warum beraubeſt du dich thöricht deſſen? Glaubſt du, es fehl' an Gold und Prunkgewän⸗ dern Dem königlichen Haus? verwahren, nicht Wegſchenken ſollſt du die Kleinodien⸗ Bin ich der Gattinn werth, ſo weiß ich ſicher, Sie wird mich höher achten, als die Schätze⸗ Medea. O ſage das nicht! durch Geſchenke ſollen Die Götter ſelber ſich bewegen laſſen. Und bey den Menſchen wirken tauſend Reden So kräftig nicht wie Gold; ihr lachet nun Das Glück, ein Gott vermehrt ihr Wohlergehn, Sie herrſcht, ich aber kaufte gern die Kinder Von der Verbannung nicht mit Gold nur, auch Mit meinem Leben frey. Auf denn, ihr Söhne, Begebt euch in das nahe Fürſtenhaus Zu eures Vaters neuem Weib und meiner Theater. H — 11 ½— Gebietherinn, fleht, bittet ſie um Schonung, Daß man kuch nicht aus dieſem Land verbanne. Auch bringt ihr dieſen Schmuck und liefert ihn In ihre Hand; das iſt vor allen nöthig. O geht, ſo ſchnell ihr könnt, und wenn ihr Alles Wohl ausgerichtet habt, ſo bringt der Mutter Von jenem, was ſie wünſchet, gute Bothſchaft⸗ Das Chor. Der Kinder Leben hoff' ich nicht mehr, nicht mehr. Schon gehen ſie zum Tode; die Braut empfängt Im goldnen Hauptſchmuck ihr Verderben, Schlinget ihn froh um die blonden Locken. Sie reitzt des Kleides himmliſcher Glanz, ſie ſchlingt Das Band um ihre Stirn, in der Unterwelt Nun bald geſchmückt; ſo tödtet Liſt ſie. Richt zu vermeiden iſt ihr Verderben⸗ Doch du, des Fürſten Eidam, unglücklicher Verlobter, bringeſt, ohn' es zu wiſſen, Tod Der Braut, den Kindern ſtatt der Rettung Unheil; welch Jammer iſt dir verborgen! Auch klag' ich dich, unglückliche Mutter, dich, Die ihre Kinder tödtet, weil ihr Gemahl —Ihr Ehbett ungerecht verlaſſen Und es nun theilet mit einer Andern⸗ Der Aufſeher. Gebietherinn, befreyt von der Verbannung Sind deine Kinder, es empfing die Braut Aus Und ha Be Unt Ve „( ung, rbanne. rt ihn ihr Alles lutter hſchaft. r, nicht npfängt ben, n Locken. anz, ſie rwelt ſie⸗ rben⸗ her Lod ettung borgen! dich/ dem⸗ 9 Aus ihrer Hand mit Freuden die Geſchenke, Und Gnade ward daher den Ueberbringern. Medea. Ha! Der Aufſeher. Doch, warum ſtehſt du bey dieſem Glücke Betroffen da, verwendeſt dein Geſicht Und freuſt dich nicht zu hören, was ich melde? Medea. Weh, weh! Dieß paßt zu meiner Bothſchaft nicht. Medea. Weh, weh noch ein Mahl! Der Nuffeher. Täuſchte mich die Hoffnung/ Und ſagr ich dir ſtatt eines Glücks ein Unglück? M edea. Du ſagteſt, was du ſagteſt; dir verarg' ich Es nicht, o Greis. Der Aufſeher. Warum ſchlägſt du die Augen Zum Boden nieder und vergießeſt Thränen? 5 2 — 11 6— Medea. Die bittre Noth dringt ſie mir ab; die Götter Und ich, ich Thörinn, ſchmiedeten den Anſchlag. Der Aufſeher. Nur Muth, man ſendet einſt dich wieder her Zu deinen Kindern. Medea. Eh' noch werd' ich Andre Hinunter ſenden; o ich Unglückſelge! Der Aufſeher. Nicht dich allein trennt man von ihren Kindern: Der Sterbliche muß leicht das Unglück tragen. Medea. Das will ich. Du geh' nun hinein und laß Den Knaben ihr gewöhnlich Mahl bereiten. O Kinder, Kinder, ihr habt eine Stadt nun, Ein Haus, worin ihr künftig lebt, mich Arme Verlaſſend und der Mutter ſtets beraubt. Mich aber treibt man in ein andres Land, Bevor ich Freud' an euch erlebt, euch glücklich, Geſehen, euch vermählet, Braut und Bett. Geſchmücket und die Fackel hoch geſchwungen. O wehe mir! o mein verwünſchter Starrſinn! So hab' ich euch, ihr Söhn', umſonſt erzogen, Umſonſt mich abgemattet und gelitten, Als ich mit bittern Schmerzen euch gebar. Einſt hofft' ich, Arme, feſt auf euch, ich hoffte, Götter Anſchlag. r her E indern: rogen. laß en⸗ nun An d ücklich/ ett ngel rſinn! rzogen/ l. hofft — 1 1— Ihr würdet mich in meinem Alter nähren Und, was den Sterblichen vor Allem werth iſt, Mit eignen Händen meiner Aſche noch Den letzten Dienſt erweiſen; doch dahin Iſt dieſe ſüße Hoffnung! denn ich werde Nun ſonder euch ein traurig Leben führen, Ein Leben mir zur Qual; auch euer Zuſtand Wird nun verändert; nicht mehr werdet ihr Die Mutter ſehn mit dieſen lieben Augen. Weh mir! was kehret ihr ſie jetzt auf euch Und lächelt mir mit dieſem letzten Lächeln? Ach! ach! was ſoll ich thun? mir bricht das Herz. Nun ich der Kinder fröhlich Aug' erblickte, Vermag ichs nicht, ihr Weiber. Fort denn, fort Mit meinem vorigen Entſchluß! ich will Aus dieſem Lande meine Kinder führen. Wie? durch ihr Unglück ihren böſen Vater Zu kränken, ſollt' ich ſelber zwiefach leiden? Nein! fort mit meinem vorigen Entſchluß! Doch was beginn' ich? Will ich, ungerächet An meinen Feinden, ihr Geſpötte werden? Ich muß das Aergſte wagen! Feigheit war es, Daß ich ſo weiche Reden meinem Herzen Entſchlüpfen ließ. Fort Knaben, in das Haus! Wer nicht mein Opfer mit begehen darf, Der ſeh' ſich vor; doch meine Hand durch Mitleid Entehren will ich nicht. Ach! nimmermehr, Mein armes Herz verübe dieſes nicht! Laß ſie in Ruhe, ſchone deine Kinder⸗ Sie werden, anderswo mit dir das Leben Zubringend, dich im Mißgeſchick erheitern. — 118— Rein, nein! bey den Verderbern um den Thron Des Pluto! nimmer laſſ' ich meine Kinder Den Feinden hier, Mißhandlungen zu dulden. Ja ſterben müſſen ſie, und weil die Noth Es heiſcht, will ich, die ſie gebar, ſie tödten. Ja! dieſes iſt ſo gut ſchon, als geſchehn. Und unvermeidlich; die Verlobte trägt Bereits auf ihrem Haupt den Kranz und ſtirbt, Das weiß ich ſicher, in dem Prunkgewande. Ich aber geh' auf jammetvollen Wegen Und auf noch jammervollre ſend' ich dieſe. Anreden will ich meine Kinder, gebt, Ihr Knaben, gebt der Mutter eure Rechte! Grüßt ſie! o liebſte Hand! o liebſtes Antlitz! O edle Miene, reitzende Geſtalt Der Knaben! Seyd beglückt, doch dort! was pur Zu hoffen war, nahm euer Vater euch. Wie angenehm ſind die Umarmungen! Wie zart die Haut, wie ſüß der Kinder Odem! Fort! ich vermag nicht mehr euch anzuſchaun. Mich überwältiget mein Mißgeſchick. Ich weiß es zwar, wie groß die Gräulthat iſt, Die ich nun wage; doch die Ueberlegung Beſiegt der Zorn, der für die Sterblichen Ein ſtäter Quell der größten Uebel iſt. Das Chor. Schon oft mit mir ſelber grübelnd Und heftig ſtreitend, erwog ich, Ob unſerm Geſchlechte gezieme Dem Forſchungsgeiſt nachzuhängen. den Thron inder dulden. oth tödten. n. und ſticht, vande⸗ 1 eſe. L3 echte! ntlitz! wos hiet er Oden! ſchaun. that iſt⸗ hen — 11 9— Zwar weilet eine der Muſen, Weisheit zu lehren, bey uns. Doch nicht bey Allen; man findet Rur wenige Weiber vielleicht, Die gerne den Muſen ſich weihn. Ich darf es behaupten, die Menſchen, Die, ehlicher Freuden nicht kundig, Nie Kinder gehabt, ſind beglückter, Als jene, die Kinder gezeugt⸗ Denn welche nicht aus der Erfahrung Es wiſſen, ob Kinder uns ſüße Gefühl' oder bittre gewähren, Erſparen ſich mancherley Uebel, Doch welchen zu Haus die gefällige Saat Der Kinder empor ſproßt, die ſeh' ich von Sorgen Ihr Leben hindurch, gequält. Zuerſt ob der guten Erziehung, Dann ob dem Erbgut; und endlich Iſt ungewiß, ob ſie für böſe, Ob ſie ſich für redliche Kinder bemüht. Eines noch will ich erwähnen, Was von allen Uebeln das letzte Für alle Sterblichen iſt. Es ſey nun von ſorgenden Aeltern. Genug des Reichthums erworben, Die Kinder zu nähren, und dieſe Hinan zum männlichen Alter Gereifet, und edel geworden und gut. Wie wenn alsdann der verderbende Dämon, Der Tod, ſie faſſet und fern aus den Augen Der Menſchen zum Pluto hinab ſchleppt? 130— Ach! mußten denn über die Menſchen Die Götter nebſt anderen Qualen Den Schmerzen beym Tode der Kinder, Den bitterſten Schmerzen verhängen! — —————————— Fuͤnfte Handlung. Medea, ein Bothe, das Chor, die Kinder, Jaſon. 3 Medea. Freundinnen, lange ſchon des Ausgangs harrend, Erwart' ich dorther Nachricht, welche Wendung Die Sache nahm, doch hier erblick' ich einen Der Diener Jaſons athemlos ſich nahn. Ein neues Unglück ſcheint er zu verkünden. Der Bothe. O du, die gottlos eine ſchwarze That Verübet hat, Medea, flieh und eile In ſchnellem Wagen oder Schiffen fort. Medea. Wie hätt' ich dieſe plötzliche Verbannung Verdient? Der Bothe. Nun eben ſtarb die Königstochter, Und auch ihr Vater ſtarb durch deine Zauber. 122— Medea. O ſchöne Nachricht, die du bringſt! ich zähle Hinfort dich unter meine Freund' und Gönner— Der Bothe. Was ſagſt du? biſt du klug, nicht ſinnlos, Weib? Du bringſt Verderben auf des Königs Haus Und höreſt gern die Nachricht, zitterſt nicht? Medea. Hierquf konnt' ich auch manches dir erwiedern. Doch ſprich mit Muße, Freund, erzähle, wie Sie ſtarben. Du verdoppelſt mein Vergnügen, Dafern ihr Ende höchſt erbärmlich war. Der Bothe. Als deiner Kinder Paar mit ihrem Vater In dem Pallaſt der Braut erſchien, da freuten Wir Diener uns, die wir an deinem Unglück Theil nahmen; Fliſtern ging von Ohr zu Ohr. Du, hieß es, und dein Gatte ſeyd verſöhnt. Wir küſſen, der das blonde Haupt des Knaben, Der ihre Hand; ich ſelbſt, in meiner Freude, Geleite ſie in das Gemach der Frauen. Sie, die wir als Gebietherinn ſtatt deiner Nun ehren, ſiehet liebevoll auf Jaſon, Bevor ſie noch dein Kinderpaar erblickt⸗ Doch dann bedeckt ſie ſich die Augen, wendet Die weiße Wange weg; der Knaben Ankunft Empörte ſie. Bald aber ſtillt dein Gatte Der Schönen Zorn und Galle, da er ſpricht: —— e — — 1 23— Sey nicht den Freunden gram, laß ab vom Zorn, zihle Und wende wieder dein Geſicht hierher. önner— Halt die für gutgeſinnt, die dein Gemahl Für ſolche hält, nimm die Geſchenk' und ſeh⸗ Zu deinem Vater; meinetwegen laſſ' er o6, Veih! Hier meinen Kindern die Verbannung nach. as Als ſie den Schmuck erblickt, vermag ſie nicht mehr icht! Zu zürnen, ſie verheißt dem Gatten Alles. Kaum war er mit den Kindern aus dem Hauſe, Legt ſie das neue bunte Kleid ſchon an, edern. Setzt auf das Haar den goldnen Kranz und reiht „wie Die Locken vor des Spiegels Glanz und lächelt igen Das unbeſeelte Bild des Körpers an, Dann hebt ſie ſich von ihrem Sitze, wandelt Mit weißem Fuß, den Boden kaum berührend, Durch den Pallaſt; entzückt ob den Geſchenken, er Streckt ſie den Hals und wendet oft, ſehr oft freuten Die Augen rückwärts, ganz ſich zu beſchaun. nglick Bald aber geht ein ſchrecklich Schauſpiel an. u Ohr Sie dndert nun die Farbe, wanket rücklings, ſöhnt. An allen Gliedern zitternd, und ſinkt hin naben, Auf einen Stuhl, daß ſie nicht niederſtürze. Ude, Cin greiſes Weib, der Dienerinnen eine, Erhebet hier ein gräßlich Angſtgeſchrey. Pans oder eines andern Gottes Zorn Traf ihre Frau, wähnt ſie; doch als ſie ſiehet, Den weißen Schaum aus ihrem Munde dringen, ndet Die Sterne ſich in ihren Augen drehn unft Und ohne Blut die Wangen; da verwandelt Ihr Angſtgeſchrey ſich in ein lautes Weinen. ih Sogleich eilt eine Magd zum Haus des Paters, — 124— Die andre zu dem neu Verlobten hin, Und meldet ihm das Mißgeſchick der Braut. Von ſtätem Hin⸗ und Wiederlaufen tönt Das ganze Haus; die Krankheit unterdeß Geht ihren grauſen Gang mit ſchnellem Fuß, Wie ein geſchwinder Renner an das Ziel. Als ſie, die ſtumm, die Augen erſt geſchloſſen, Mit ſchwerem Stöhnen nun erwacht, die Arme! Ein doppelt Uebel ſtürmet her auf ſie. Der goldne Kranz, der um ihr Haupt ſich win⸗ det, Speyt wunderbare Fluthen eines Feuers, Das Alles aufzehrt, und ihr fein Gewand, Das deine Kinder zum Geſchenke brachten, Frißt an dem weißen Fleiſch der Unglückſeligen. Auf ſpringet ſie von ihrem Sitz und brennend Flieht ſie durch die Gemächer, Haupt und Haar Stets ſchüttelnd, um den Kranz von ſich zu ſchleu⸗ dern. Umſonſt! mit feſten Banden haftet der, Und durch der Haare Schütteln lodert nur Das Feuer noch ein Mahl ſo ſtark empor. Sie ſelbſt, beſiegt vom Uebel, fällt zu Boden. Ihr Vater nur, ſonſt niemand, konnte ſie Erkennen; denn entſtellet war ihr Auge, Verwildert ihr Geſicht; von ihrer Scheitel Troff Feuer, untermiſcht mit Blut, herab. Und wie des Harzes Thränen, floß das Fleiſch Zerfreſſen von dem unbekannten Gift. Ein ſchrecklich Schauſpiel. Keiner wagten wir Den Leichnam zu berühren, und dieß gab ut. Fuß, oſſen, Arme! ſich win — 12 5— Das gute Glück uns ein; doch dieſes Jammers Unkundig, kommt der Vater in das Haus, Stürzt auf die Todte hin, beginnt ſogleich, Zu heulen, ſchließt die Arme feſt um ſie, Küßt ſie, und ruft: O arme Tochter, wer Der Götter gab dir dieſen Jammertod, Und machte ſo mich, dein beraubten Greis, Zu einem Grab? ach! daß ich mit dir ſtürbe! Er ruft's, und, als er nun ſich ausgeweint Und ausgeſtöhnt, will er den alten Körper Erheben, doch er klebt am Zauberkleide, So wie der Epheu an des Lorbers Aeſten. Ein furchtbar Ringen folgt: er will ſein Knie Los machen, doch zurück zeucht ihn die Todte; Und ſtrebt er, mit Gewalt ſich zu befreyn, So reißt er vom Gebein ſein altes Fleiſch. Zuletzt verliert ſich ſeine Kraft, er ſinkt Entſeelt dahin, vom Uebel überwältigt. Nun liegt der alte Vater bey der Tochter, Sie beyde todt; ein thränenwerthes Schickſal! Du aber, nun du dieß gehöret, fleuch, Denn nur durch Flucht entgeheſt du der Strafe. Schon lange halt' ich Menſchenherrlichkeit Für Schatten, und ich darf es kühn behaupten, Daß jene Sterblichen, die man als weiſe Und als gewandte Redner ſchätzt, gerade Die größten Thoren unter allen ſind. Denn glücklich iſt wohl keins der Menſchenkinder. Mit vielen Schätzen kann zwar der vor jenem Geſegnet ſeyn, doch glücklich keineswegs. — 126— Das Chor. Viel Uebel, ſcheint es, haben heut die Götter Nicht ünverdient auf Jaſons Haupt gehäuft. O Arme, wie bedauern wir dein Schickſal, Du Tochter Creons, die ob der Vermählung Mit Jaſon in das Haus des Pluto wandelt⸗ Medea. Beſchloſſen iſt es, Freundinnen, ſo bald ich Die Kinder umgebracht, zu fliehn und nicht Durch Zaudern zur Verrätherinn an ihnen Zu werden, daß ſie dann von einer Hand, Feindſeliger, als dieſe, bluten müßten. Ihr Tod iſt unvermeidlich, und darum Will ich ſie tödten, ich, die ſie gebar. Auf! waffne dich, mein Herz! was ſteh' ich an, Die That zu thun, die ſchrecklich iſt, doch nö⸗ thig? Auf, meine arme Hand, greif' um den Dolch, Greif' und ertöffne mir des Unglücks Bahn! Medea, ſey nicht feig' und denke nicht, Wie du die Kinder, ach! die theuern Kinder, Geboren! Nur noch dieſen kurzen Tag Vergiß der Kinder noch, dann aber traure! Sie waren, wenn du gleich ſie ſelbſt getödtet, Dir dennoch werth. Ich unglückſelig Weib! Das Chor. O Erd' und du, der Alles erleuchtet, Strahl Des Helios, ſeht, blickt auf die Elende, Eh' ſie mit blutger Hand die Kinder Faſſet, ihr eigenes Selbſt ermordend. 7() cc tter ft. l, ung delt⸗ ich an doch ni⸗ — 127— Sie ſind aus deinem hohen Geſchlecht; das Blut Der Götter darf nicht fallen durch Sterbliche. Halt, Fürſt des Lichts, zurück ſie, zähme, Treib' aus dem Hauſe ſie, die Erinnys. Und du, die herkam von der Cyaniſchen Eilande Feiſen, von den unwirthlichen Geſtaden, haſt umſonſt mit Schmerzen Kinder geboren, du Unglückſelge! Warum ergriff ſo ſchreckliche Wuth dein Herz, Und folgte Mord ihr? Wer mit verwandtem Blut Den Boden netzt, den faßt Verderben: Ueber ſein Haus kommt der Götter Rache. Der eine Knabe(innerhalb). Weh mir! was thun? wie fliehn der Mutter Hand? Der andere. Ich weiß es nicht; wir ſind verloren, Bruder! Das Chor. Hörſt du das Geſchrey? hörſt du die Kinder? D armes, unglückliches Weib! Ich will in das Haus den Kindern zu Hülfe, Dem Morde zu wehren. Der eine Knabe. Helft uns beym Zeus! es iſt die höchſte Zeit! Schon ſtehet uns das Meſſer an der Kehle. Das Chor. Wie eiſern, Elende, biſt du, Wie ſteinern, daß du die Sproſſen, Die du hervor gebracht, ſelber Mit mordenden Händen vernichteſt! Nur Eine weiß ich, nur Eine der Vorzeit, Die Hand an die theuern Kinder gelegt, Ino; die Götter ſandten ihr Tollheit, Da des Donnergottes Gemahlinn Zur Flucht aus dem Hauſe ſie zwang. Die Elende ſetzet über das Ufer Den Fuß hinaus, ſie fällt in das Meer Zur Strafe des gottloſen Mordes; Und ſtirbt mit beyden Kindern zugleich. Gibt es ein ſchrecklicher Loos? O jammerreiches Bette der Weiber, Wie manche Quelle des Unglücks Warſt du für die Sterblichen ſchon! Jaſon. Ihr Weiber, die ihr an dem Thore ſtehr, Iſt ſie, die Miſſethäterinn Medea, Im Haus hier, oder floh ſie ſchon? Sie muß Im Bauch der Erde ſich derbergen, oder Zum Flug den Körper in den Luftraum heben, Wenn ſie der Rach' entgehn will, die des Königs Verwandte drohn. Hat ſie gehofft, die Fürſten Des Landes umzubringen, und alsdann Aus dieſem Hauſe ſtraflos fliehn zu können, Doch weniger um ſie, als meine Kinder Bin ich beſorgt, die ſie beleidigt hat, Die werden ihr's vergelten; nur das Leben Der Kinder zu beſchützen kam ich her; Pa Nu Unl Hie ht ie muß r heben/ König Fürſten men hen es Daß die Verwandten Creons, an der Mutter Den ungerechten Mord des Königs rächend, Run nicht vielleicht die Kinder auch mißhandeln. Das Chor. Du kenneſt, Armer, deines Unglücks Umfang Roch nicht; ſonſt würdeſt du nicht alſo ſprechen. Jaſon. Was iſt es? ſtrebt ſie auch nach meinem Leben? Das Chor. Die Kinder ſtarben von der Mutter Hand⸗ Jaſon. Was ſagſt du? Ach! Wie elend machſt du mich! Das Chor. Nur wie an Todte denk' an deine Kinder. Jaſon. Und wo ermordete ſie ihre Kinder, Hier, oder in dem Haus? Das Chor. Eröffne nur Die Thüren, und du wirſt das Blutbad ſehn. Jaſon. Sogleich ſchließt auf und ſchafft den Riegel weg⸗ Ihr Diener, daß ich dieſes doppelte Verbrechen ſeh' und ſie zur Strafe zieh“ Theater. J — 1 30 Medeg. Was ſchüttelſt du die Thür und ſtrebſt mit He⸗ beln Sie aufzuſprengen, die Ermordeten Und mich, die Thäterinn, hier aufzuſuchen? Laß ab von dieſer Arbeit, und dafern Du mein bedarfſt, ſo ſage, was du willſt. Denn niemahls wird mich deine Hand berühren. Mein Ahnherr Helios gab mir einen Wagen, Der mich aus aller Feinde Hand befreyt. Ja ſon. O du abſcheulich Weib, verhaßt den Göttern, Mir und dem ganzen menſchlichen Geſchlecht! Du konnteſt in den Buſen deiner Kinder, Die du geboren haſt, den Mordſtahl ſtoßen Und mich, Verlaſſ'nen nun, zu Grunde richten. Das thateſt du, und doch nach ſolchem Gräuel Siehſt du die Sonne noch, die Erde noch. Verderben über dich! Nun bin ich weiſe; Ich war es nicht, als aus der Barbarn Land, Aus deinem Haus ich in ein Griechiſches Dich führte, dich, du Ungeheur, des Vaters, Des Lands Verrätherinn, das dich erzog. Die Götter lenkten deinen böſen Dämon Jetzt gegen mich; eh' du die ſchöne Argo Beſtiegſt, ermordeteſt du deinen Bruder, Der mit dir aufwuchs; ſo beganneſt du. Hierauf, vermählt mit mir, gebarſt du Kinder Und tödteſt ſie der neuen Gattinn wegen. Das hätte keine Griechinn je gekonnt; Doq Mein dich lnba Doch Fürt Dir du Der Mein Des Joch Und Und rebſt mit He uſuchen? n willſt. berühren. Wagen, freyt. Göttern, ſchlecht! nder, lſtoßen nde richten. m Griuel e noch. eiſe; arn Lond, ſhes Poters rzog non Argo er, u. du Kinder egen⸗ 1 „—— Doch wählt' ich dich vor ihnen; dieſe Heirath, Mein Abſcheu, mein VPerderben iſt ſie nun! Dich wählt' ich, dich, kein Weib, nein! eine Ls⸗ winn, Unbändiger, als die Tyrrhenſche Schlla. Doch tauſend Schmähungen ſind ſtachellos Für dich; ſo ſehr iſt ſchon die Unverſchämtheit Dir zur Natur geworden. Geh zu Grunde, Du Miſſethäterinn, du, mit dem Blut Der Kindet übertüncht! Ich aber muß Mein Mißgeſchick beweinen, daß ich nicht Des neuen Eheglücks genießen kann, Noch jene Kinder, die ich ſchon erzeugt Und jetzund aufzog, lebend mehr erblicken Und ſprechen kann; verloren hab ich ſie! Medea. Fürwahr! ich hätte Vieles zu erwiedern Auf deine Reden, wüßte Zeus es nicht, Was ich für dich gethan, wie du's vergolten. Ha! durfteſt du mein Bett verſchmähn, in Wonnt Fortleben und mein ſpotten? durfte mich Die Königstochter und, der ſie dir gab, Fürſt Creon ungeſtraft von hier verbannen? Nenn' eine Löwinn mich, wenn dich's gelüſtet Und eine Scylla, des Tyrrhenſchen Meers Bewohnerinn; hab' ich doch auch dagegen, So wie es billig war, dein Herz verwundet⸗ Jaſon. Du leideſt mit, dn theileſt meine Qual⸗ * — 132— Medea. Wiß, gerne leid' ich, wenn nur du nicht lacheſt. Jaſon. Ihr Söhne, welch ein Ungeheur von Mutter Ward euch zu Theil! Medea. Ihr Kinder, welch Verderben Bracht' eures Vaters Wolluſt über euch! Jaſon. Doch meine Hand ermordete ſie nicht. Medea. Dein Unrecht aber und die neue Heirath. Jaſon. Der Heirath wegen haſt du ſie erwürgt? Medea. So wähneſt du, daß dieſes für ein Weib Ein kleines Uebel ſey? Ja ſon. Klein für ein keuſches; Allein für dich iſt jedes. Ding ein Uebel. Medea. Doch jene ſind nicht mehr, das wird dich nagen. Jafon. Sie ſind noch, und als blutige Geſpenſter Umflattern ſie das Haupt der Mörderinn. 9 Enpi Leicht Pas Rein In Daß uft Des Den 36 Bey Du icht laheſ. Mutter h Perderben ! Peib keuſches; el. nagel⸗ nſter nn⸗ —— 133— Nedea. Die Götter kennen dieſes Unheils Stifter. Jaſon. Ja, deine ſchwarze Seele kennen ſie. Medea. Ich haſſe dich, und deine bittern Reden Empören mich. Jaſon. Mich eben ſo die deinen. Leicht iſt es uns, zu ſcheiden. Medea. Nun wohlan, Was ſoll ich thun? ich ſelber wünſch' es. Jaſon. Laß Die Todten mich begraben und beweinen. Medea. Rein! ich begrabe ſie mit dieſer Hand In Juno's Hain, der Schloßbeſchirmerinn, Daß ſie kein Feind entehren und ihr Grab Aufwühlen kann; auch ſtift' ich hier im Reich Des Siſyphus ein herrlich Feſt und Opfer, Den Mord an meinen Kindern zu verſöhnen. Ich aber geh' in des Erechthens Land. Beym Sohn Pandions, Aegeus, wohn'ich dort. Du, Böſewicht, ſtirb eines böſen Todes, Wie billig iſt, zerſchellend mit den Reſten — 134— Der Argo dir das Haupt, nun da du ſiehſt, Wie jammervoll ſich unſre Heirath endet. Jaſon. Der erſchlagenen Kinder Erinnys Und der Blutſchuld Rächerinn Dice Verderbe dich! Medea. Welch ein Gott, welch ein Dämon erhörte Dich, Schwüreverletzer, Betrieger der Gäſte? Jaſon. Ha! Scheuſal! Ha Würgerinn der Kinder! Medea. Geh nach Hauſe, die Gattinn begraben. Jaſon. Ich geh', zweyer Kinder beraubt. Medea. Noch klagſt du wenig; erwart' erſt das Alter. Jaſon. O theuerſte Kinder! Medea. Der Mutter, nicht dir. Faſon. Doch würgteſt du ſie. u ſiehſt, det. thörte Giſn inder! en⸗ Atet. icht dit⸗ — 135— Medea. Dich hierdurch zu kränken. Jaſon. Weh mir! ich Unglücklicher möchte Die Lippen der Kinder berühren! Medea. Run ſprichſt du mit ihnen, nun willſt du ſie küſſen; Eh' ſtießeſt du ſie zurück. Jaſon. Bey den Göttern! Laß, laß mich die zarte Haut Der theuerſten Kinder berühren. Medea. Du ſollſt es nicht, dein Flehn iſt verſchwendet. Jaſon. O Jupiter hörſt du, wie ſie mich zurück weiſ't, Wie ſie mich mißhandelt, das Scheuſal, Die Würgerinn ihrer Kinder, die Löwinn. Was noch allein mir vergönnt iſt und möglich, Das will ich beginnen, will heulen, will toben umher Und die Götter zu Zeugen rufen, Daß du mir nicht einmahl vergönneſt, Die Kinder, die du erſchlugſt, Zu berühren und zu begraben. — 136— O hätt' ich ſie niemahls erzeuget, Sie, die ich nun ſehn muß, ermordet von dir. Das Chor. Zeus ordnet ſo manches im hohen Olymp. Die Götter vollbringen, was niemand gehofft. Das Erwartete kommt nicht zu Stande; Doch zum Unerwarteten fand Die Gottheit ſich eigene Wege. Dieß iſt der Ausgang der ſchrecklichen That. t von dir. 1 mp. gehoft. de; 8 — * . 2* — — * — — — — *. 8 8 — * An Denis. 36 ſtieg auf des Helicons Klippe, (Es war ſchon am Morgen ſchwül), Und trank mit gieriger Lippe Am Borne der Aganippe Den heißen Gaumen mir kühl; Dann ſtreckt' ich die müden Glieder Im ſchattigen Lorberhain Auf düftende Roſen nieder, Nickt' und ſchlief ein. Sanfte Harmonien dringen Plötzlich in mein Ohr; Ich erwach', ich fahr' empor, Alle Muſen ſingen Wechſelweiſ' im Chor; Ihre gold'ne Leyer Iſt zu dieſer Feyer Neu begränzt, Freud' entglänzt Ihrem Aug', ein Roſenſchleyer, Ueber Lilien gedeckt, Scheint ihr Antlitz; halb verſteckt Bläht ihr Buſen ſich im Kleide, Werth, durch ein Jahrhundert lang Phöbus einziger Geſang Und der Götter Augenweide In Kronions Burg zu ſeyn. Alle Vögel in dem Hain Dehnen ihren Hals und ſchauen; Mich ergreift ein heilig Grauen, Als ihr Chor mir näher zieht, Und mein trunk'nes Auge ſieht In des heil'gen Chores Mitte Den Mdonides Homer, Neben ihm mit gleichem Schtitte Geht ein Fremdling groß und hehr. Dieſer auch war blind, wie er, Dieſem auch ward von Apollen Wiederum das Licht verliehn, Und frohlockend ſehn ſie ihn Täglich nun im ſchimmervollen Wagen den Olymp durchziehn. Aber ich kann nun nicht länger, Meiner Wißgier widerſteh'n, Wer, ſo frag' ich, darf dem Säanger Des Achill zur Seite gehn? Wie? du ſchwingeſt eine Harfe In der linken Hand? In der rechten ruht der ſcharfe, Silberblanke Speer, verwandt?*) Aehnlich den Kometenſchweifen, Zieht er helle, lange Streifen Hinter dir im Sand. *) Dieſes war bep den Helden Hſſians ein Zeichen des Friedens. ʒeiin de Und in euerm Vaterland Ruft Calliope, verehrte Niemand noch den greiſen Held2 Der vom Lied und aus dem Feld Jederzeit als Sieger kehrte, Fingals großen Sohn, Den ich ſelbſt den Heldenton In dem fernen Norden lehrte, Oh er gleich erſt itzund ſich, Itzund erſt zu mir bekehrte. Wenn ich ſeiner Seele mich In der Mitternacht bemeiſtert, Zu Geſängen ſie begeiſtert Und dann ſchnell entwich, Wähnt er, daß die Luftgeſtalten Frommer Manen ihn umwallten, Was er für ihr Fliſtern hielt, War die Luft, die in den Falten Dieſes Kleides ſanft geſpielt. Doch ihr edlen Deutſchen miſſen Sollt ihr länger nicht ſein Lied, Das der Vorzeit Finſterniſſen Jüngſt ein weiſer Schott' entriſſen: In Thereſiens Gebieth Will ich einen Liebling wählen; Als Vertrauter Oſſians, Soll er dieſes Dichterſchwans Hohe Kunden nacherzählen. . — Mein Denis Glück zur Wahl und dieſen Haͤnde⸗ druck; Mit Rechte zieret dich Apollo's Feyerſchmuck, Mit Rechte lohnet dich der Beyfall wahrer Kenner: Poll Ehrfurcht und gebückt umſtehn wir jüngern Männer Den Edlen, der zuerſt an unſ'rer Donau Strand Den dicht verwachſ'nen Weg zum Muſentempel fand⸗ Jüngſt macht' ich den Verſuch, was Seneca, der kühne, Der weiſe Seneca von einer Römer⸗Bühne Gelehret hat, mein Volk zu lehren; horcheſt du Denis, dieſem Lied und nickſt ihm Beyfall zu: Dann, Freund vergönn'es mir, dann will ich voll Entzücken Das nicht mißrath'ne Lied mit deinem Nahmen ſchmücken: Und wenn wir ſchon im Grab, im Grab, das weich und kühl, Uns müde Wanderer gelagert, vom Gewühl Der Welt uns ganz erhohlt; dann zeugt nicht ohne Klagen, Nicht ohne Zärtlichkeit in ſpäten Folgetagen Ein Biedermann von uns; wir waren beyde werth, Ich, daß du mich geſchätzt, du, daß ich dich verehrt⸗ en Hände⸗ ck, tKenner: jüngern Strand npel fand⸗ Seneca/ e eſt du zu: ll ich voll Nahmen das weich icht ohne gen de werth/ 4 zerehrt⸗ Vorbericht. Atreus erwurgte die Sohne ſeines Bruders Thyeſtes, welcher ſeine Gemahlinn verfuͤhrt hatte, und ſetzte ſie bey einem Mahle dem Va⸗ ter vor, ein Mahl, vor dem die Sonne er⸗ ſchrak und zuruͤck wich. Thyeſtes fragte das Drakel zu Delphi, wie er ſich an ſeinem Bru⸗ der rächen koͤnnte. Es rieth ihm, ſeine eigene Tochter zu beſchlafen. Aegiſthus war die Frucht dieſer Blutſchande. Er gewann die Liebe Cly⸗ taͤmneſtrens, der Gemahlinn Agamemnons, wel⸗ cher der aͤltere Sohn des Atreus und dazumahl vor Troja war, und toͤdtete ihn bey ſeiner Ruͤckkehr. Perſonen. Der Schatten des Thyeſtes. Clytämneſtra. Ihre Säugamme. Aegiſthus. Chor der Argiverinnen oder Mycenerinnen⸗ ODreſtes, eine ſiumme Perſon. Agamemnon. Caſſandra. Eurybates. Electra. Strophius. Chor der Trojanerinnen. Pylades, eine ſtumme Perſon. Erſte Handlung. Der Schatten des Thyeſtes. Aus Pluto's Höhlen, aus des Orcus Klüften Komm' ich, Thyeſtes, auf die Oberwelt; Doch ſind mir beyde Welten gleich verhaßt; Hier mach' ich alles fliehn, und dort floh ich. Mein Herz erſchrickt, Angſt bebt durch mein Gebein; Ich ſeh' des Vaters, ſeh' des Bruders Laren, Hier ſetzen die Pelasger auf das Haupt Der neuen Könige die Krone, hier iſt Der ſtolzen Zepterführer hoher Sitz, Hier der Verſammlungs⸗, hier der Speiſeſaal. Zurücke! lieber am betrübten Pfuhl Gewohnet, nah' beym Höllenwächter, deſſen Dreyfacher Hals die ſchwarze Mähne ſchüttelt, Wo der ans ſchnelle Rad Gebundne ſich In Kreiſen dreht, wo, immer rückwärts rollend, Der Stein des Wälzers Arbeit fruchtlos macht. Wo an der Leber, die ſich ſtets erneut, Der PVogel ſchwelgt, wo mitten unter Quellen Den Tantalus ein heißer Durſt verzehrt, Wenn er getäuſcht nach fliehndem Waſſer ſchnappt, So ſchwer beſtraft, weil er ein ſchrecklich Mahl Den Göttern vorgeſetzet: doch wie klein Theater. K Iſt ſein Theil an den Sünden unſer Zähl' alle, die der Cnoſſier als ſchuldig Des Mords verurtheilt, du, Thyeſtes, läſſeſt Sie an Verbrechen alle hinter dir, Dein Bruder dich. Mein eig'nes Eingeweide Hab' ich bey ihm verzehrt, ich wurde ſatt Von den in meinen Leib begrab'nen Söhnen. Doch hierin machte mich das Glück nicht ſtrafbar. Ein größers Laſter noch, der Tochter Bett Beflecken, heißt es mich; ich zage nicht, Beginne den befohl'nen Frevel, daß Ich Vater aller Kinder Leib genöße. Nun geht die Tochter, ſo geboth das Schickſal, Mit einem Kinde ſchwanger, welches würdig Mein, ſeines Vaters, iſt; zu ihrem Urſprung Ward die Natur von mir zurück gezwungen, Ward Sohn und Enkel, Anherr und Erzeuger, Gemahl und Vater, Nacht und Tag verworren. Spät erſt, nachdem ich vieles Uebel, ſelbſt Den Tod litt, wird, woran ich ſchon verzweifelt, Der Götterſpruch erfüllt; denn Agamemnon, Er, erſt der König aller Könige, Der Feldherr aller Feldherrn, deſſen Wimpel Nach ſich her tauſend Schiffe zog, die weit Der Troer Meer mit Segeln überdeckten, Kehrt nun nach zehen Sonnenjahren, kehrt, Um ſeinem Weib den Hals zum Mord zu reichen. Bald ſchwimmt dieß Haus in meiner Mörder Blut: Ich ſehe Schwerter, Aexte, Lanzen, ſeh' Des Königs Haupt, mit ſchwerem Beil geſpalten. Verbrechen naht und Liſt und Mord und Blut. Stamns! läſſeſt veide tt hnen. t ſtrafbar. ett / chickſal, irdig ſpruns en brzeuget⸗ rworren⸗ lbſt verzweifeli nnon/ impel eit n ehrt/ u reichen Blut“ örder h geſpaltin⸗ d Blut⸗ 1 47— Die Mahlzeit wird bereitet: heut, Aegiſthus, Ernt' ich die Früchte deiner Zeugung ein. Warum drückt Scham dein Angeſicht zu Boden? Warum wankt ungewiß die Rechte dir? Was überlegſt du, marterſt dich und fragſt: Ziemt mich's? wohlziemt es dich, ſieh auf die Mutter⸗ Doch ha! warum dehnt dieſe Sommernacht Sich plötzlich zu der Winternächte Dauer? Was hält die ſinkenden Geſtirn' am Pbl? Ich ſäume dich, o Sonn', erſcheine denn. (Er gehet ab.) Chor der Argiverinnen. O Glück, wie täuſcheſt du durch Glanz Die Könige! wie ſtelleſt du Die Großen an des Abgrunds Rand! Den Zepterträgern iſt kein Tag Gefahrlos, lacht nie ſanfte Ruh'; In ihrem Herzen ſtürmt es ſtets Mit Sorgen wechſein Sorgen ab. Mehr raſ't des Meeres Ebb' und Fluth Auf Libyens Sandbanken nicht Und des Eurinus Woge, nah' Dem Eispol, ſchdumt, tief aufgeregt, richt ſchrecklicher, wenn am Olymp Des nie meerunter ſteigenden Bothes lichter Wangen glänzt, Als du, o Glück, wenn hoch herab Du Fürſten ſchleuderſt. Daß man ſie ſcheue, wünſchen ſie K 2 Und fürchten ſie; die holde Nacht Verſaget ihnen Sicherheit; Der Schlaf, der Sorgenbändiger, Entfeſſelt ihren Buſen nicht. Wo iſt ein Schloß, das nicht zerfiel Durch wechſelſeitge Frevelthat, Nicht durch Verräther Waffen litt? Recht, Zucht und eheliche Treu' Fliehn von den Höfen, ſie beſucht Bellona mit der blut'gen Fauſt, Beſucht Erinnys, die den Stolz Entflammet, die Begleiterinn Der allzu Mächt'gen, deren viel Jedwede Stunde niederſtürzt. Ja, wenn auch Liſt und Waffen ruhn, So ſinket doch durch eigenes Gewicht, was groß iſt, beuger doch Das Glück ſich unter ſeiner Laſt. Die Schiffer ſcheu'n auch guten Wind, Wenn er zu ſtark die Segel ſchwellt. Die Thürme, deren ſtolzes Haupt In hohen Wolken ſich verliert, Schlägt gern der regenreiche Süd; Der Wald, voll dichter Schatten, ſieht Bejahrter Stämme Fall; der Blitz Fährt auf die höchſten Berge hin. Die ungeheuren Förper ſind Der Krankheit off'ner, kleines Vieh Springt auf der Weide hin und her; Den höchſten Nacken ſucht das Beil. Wen himmelan Fortuna hebt, Den hebt es, ihn zu ſtürzen, nur. Ein kleines Glück iſt bleibender. O ſelig, wer mit ſeinem Loos In gold'ner Mittelmäßigkeit Zufrieden lebt, am ſicheren Geſtade fortgewehet, längſt Der Küſte rudert und aus Stolz Dem off nen Meere nie ſein Schiffchen anvertraut. Zweyte Handlung. Clytämneſtra, die Amme. Clytämneſtra. Waoa⸗ ſuchſt du, feiges Herz, gelinde Mittel Und wankſt? Verſperrt iſt ſchon der beſſ're Weg. Einſt hatt' ich rein des Gatten Bett und Zepter Bewahret, eine keuſche Witwe; jetzt Iſt Sittſamkeit dahin, Recht, Treue, Pflicht Und Zucht, die eingebüßt nie wieder kehrt. Nun laß die Zügel ſchießen, treibe mich Zu jeder Frevelthat, das Laſter bahnt Am ſicherſten durch Laſter ſich den Weg. Geh itzo mit dir ſelbſt zu Rath und denk' An alle Liſten unſeres Geſchlechts, An alle Gräuel, welche je ein treulos, Aus blinder Lieb' unſinnig Weib begann, Was je ſtiefmütterliche Hände thaten: Was die von böſer Brunſt ergriff'ne Jungfrau, Als ſie aus Phaſis im Theſſal'ſchen Schiff Entflohen, unternahm, an Dolch und Gift. Wo nicht, ſo ſtiehl mit dem Gefährten dich, — tel WVeg⸗ Zeptet icht — 151— Schnell aus Mycen zu fliehen, in ein Schiff. Wos räthſt du feige Liſt mir, Flucht, Verbannung? Dieß that die Schweſter, mir ziemt's mehr zu thun. Die Amme. O Königinn, berühmte Tochter Ledens, Was rolleſt du in deinem Sinne, ſchweigend, Unfähig dir zu rathen? welcher Sturm Durchraſet deine ganz empörte Seele? Schweig' immerhin! Schmerz iſt auf deinem Antlitz; Was dich auch auäle, Zeit nur gönne dir: Oft heilt Verzug das, was Vernunft nicht heilt. Clytämneſtra. Weg mit Verzug; zu dieſem iſt mein Uebel Zu dringend, Feuer zehrt an meinem Herzen, Furcht, beygeſellt dem Schmerzen, ſpornet mich, Neid pocht in meiner Bruſt, ſchmachvolle Liebe Bejocht die Seel'; entwindet mir den Sieg, Und Trotz der Flamme, die mein Herz umgibt, Sträubt ſich die Zucht, zwar matt, beſieget, nieder⸗ Getreten, dennoch; wild treibt's mich umher: So weiß, bekämpft hier Fluth, dort Sturm das Meer, Die Woge nicht, wem ſie gehorchen ſoll. Drum iſt die Herrſchaft meiner Hand entſchlüpft. Ich geh' wohin mich Zorn, Schmerz, Hoffnung treibt, Den Winden übergeben iſt mein Schiff. Für Seelen, welche wanken, iſt das Beſte, Dem Zufall ſich zu überlaſſen. Die Amme. Blinde Tollkühnheit nur wählt dieſen ſich zum Führer. — 152— Clytämneſtra. Kann der ein ungewiſſes Uebel ſcheu'n, Den ſchon das größte drückt? Die Amme. Verborgen, ſtraflos Bleibt deine Schuld, wenn du ſie alſo läſſeſt. Clytämneſtra. Hellglänzend ſind der Könige Verbrechen. Die Amme. Du, die das erſte Laſter ſchon gereut, Du rüſteſt dich zu einem zweyten noch? Clytämneſtra. Ein Thor hält in der Boßheit Maß. Die Amme. Wer Laſter Mit Laſtern deckt, der mehret, was er fürchtet. Clytämneſtra. Durch Feuer auch und Eiſen heilet man. Die Amme. Doch wer verſucht das Aeußerſte zuerſt? Clytämneſtra. Zur höchſten Höh' muß ein Verbrecher klimmen. Die Amme. Denk an der Ehe heil'gen Nahmen. Clytämneſtra. Ich, Zehnjähr'ge Witwe ſoll des Gatten achten? Die Amme. Erinnre dich der Kinder, die ihr zeugtet. Clytämneſtra. Und auch der Hochzeitfackeln meiner Tochter? —) 3„= S„ 66c) trafles ſer tet⸗ Achills auch, des von ihm verheiß'nen Eidams? O er hat ſchön mir Mutter Wort gehalten!*) Die Amme. Sie kaufte Wind der Flotte, die gefeſſelt Am Ufer ſtand, dem trägen Meer Bewegung. Clytämneſtra. O Schmerz! o Scham! ich, aus dem göttlichen Geſchlechte Tyndars hab' ein Söhnungsopfer Der Flotte Griechenlands geboren; ha! Das ſanfte Brautbett, das er meiner Tochter Bereitet, ſanft, der Pelopiden werth! An dem Altare ſtand der Vater opfernd, Ein ſchöner Brautaltar! ſelbſt Calchas bebte Vor Schrecken über ſeinen eig'nen Spruch Und die zurück geſchlag'nen Opferſlammen. D Stamm, auf Laſter größ're Laſter häufend, Du kaufſt den Wind mit Blut, den Krieg mit Mord. Die Amme. Doch tauſend Schiffe ſegelten dann ab. Clytämneſtra. Sie ſegelten nicht unterm Schutz der Götter. Bey Aulis ſtieß die laſterhafte Flotte Der Hafen aus; ſo ward der Krieg begonnen, So fortgeführet, Agamemnon des Gefang'nen Weibs Gefang'ner, unerbittlich Und einer Gott geweihten Jungfrau wegen Schon damahls raſend, weigert ſich, dem Prieſter Des Phöbus die geraubte Tochter wieder *) Als Iphigenia geſchlachtet werden ſollte, wurde ſie unter dem Vorwande, ſie mit Achillen zu verloben, von ihrer Mutter weggefuͤhret, — 154— Zu geben; nicht Achills unbändig Droh'n, Nicht Calchas, der allein die ferne Zukunft Voraus weiß, dem er glaubt, wenn er mein Kind, Und nicht glaubt, wenn er eine Sclavinn heiſcht, Das ſieche Volk nicht, noch der immer neu Empor gethürmten Scheiterhaufen Glanz, Nichts beugt ihn, nichts; indeſſen Griechenland Mit. dem Verderben ringt, ermattet er, Vom Feinde fern, durch Wolluſt und erſetzt, Daß ja ſein geiles Lager niemahls leer Barbariſcher Beyſchläferinnen ſey, Die erſte Buhlſchaft ſchnell durch eine zweyte, Liebt des Achill Gefang'ne, ſchämt ſich nicht Sie aus dem Arm des Gatten wegzureiſſen. Ein ſchöner Feind des Paris! wieder wund Raſ't er, entbrannt in Trojens Seherinn, Und kehret, nun er Flion geſtürzt Und ſich Trophäden aufgerichtet hat, Als einer Sclavinn Mann, als Priams Eidam. Auf! rüſte dich mein Geiſt, denn du bereiteſt Nicht kleine Kriege; ſeinem Laſter komme Das wenige zuvor! ha! welchen Tag Erwart' ich, Feige? den, wenn Pelops Zepter Der Phrygiſchen Gefang'nen Beute wird. Wie? oder ſind's die unverlobten Töchter, Iſt es Hreſt, der ſeinem Vater gleiche, Was dich zurück hält? rührt dich dieſer Unglück? O eben denen droht der größte Sturm. Die wider meine Kinder raſende Stiefmutter nahet ſchon; was ſäum' ich nochk Durch meine Bruſt, iſt ſonſt kein Weg als der, t eiſcht, and idam⸗ eſt epter nglüc noch z der/ — 1 5 5— Dutch meine geh' das Schwert und tödt' uns beybe. Mein Blut ſey mit des Gatten Blut vermiſchet, Mein Sturz ſtürz' ihn; dann ſchmerzet nicht der Tod, Wenn jener, den wir haſſen, mit uns ſtirbt. Die Amme. Laß, Königinn, es nicht zum Ausbruch kommen, Bezähme dich, bedenke, was du wagſt. Er kommt, des ſtolzen Aſia's Bejocher, Europens Rächer, führt die Beut' aus Troja Und die ſo ſpät beſiegten Phryger mit. Und den willſt du verſtohlen, den mit Liſt Bekämpfen, den, ſo nicht Achill verletzt, Wiewohl er ſchon das Schwert in wilder Hitze Gezückt; nicht der Ajaxe Tapferſter, Unbändig durch den ſchön beſchloßnen Selbſtmord; Nicht Hector, der allein der Griechen Sieg Verzögert, nicht der ſchwarze Memnon, nicht Des Paris ſichrer Pfeil, nicht Panthus Fluth, Der Rüſtungen und Körper fortgewälzt; Nicht Simois, vom Blut Erſchlagner roth; Nicht Cyenus, des Neptun ſchneeweißer Sohn; Nicht Thracens Schaar, geführt vom tapfern Rheſus; Und nicht die Amazone mit der Pelta, Dem bunten Köcher und dem Beil bewaffnet; Den, welchen alle dieſe nicht verletzten, Den willſt du bey der Rückkehr in ſein Haus Erwürgen? willſt durch frevelhaften Mord Beflecken den Altar? wird Griechenland, Das nun durch ihn ſiegreiche Griechenland, Den Mord nicht rächen? ſieh, ſieh in die Zukunft! Schon nahen Waffen, Pferde nahen ſchon, Von Schiffen ſtrotzt das Meer, im Blute ſchwimmt Der Boden! des zerſtörten Troja Schickſal Iſt auf die Danaer zurück gewälzt! Drum ſuche ja dich zu beruhigen Und zähme deine wilde Leidenſchaft. Aegiſth, Clytämneſtra, die Amme. Aegiſth. Die Zeit, vor der ſtets meiner Seele graute, Die Zeit des Falls, fürwahr, nun iſt ſie da. Was zageſt du? was fliehſt du, wirfſt die Waffen Beym erſten Anfall weg? glaub', Elender, Der Götter Zorn bereitet dir Verderben: Beut jeder Strafe dein verächtlich Haupt, Beut deine Bruſt dem Dolch, dem Feuer dar. Clytämneſtra. Dem Mann, der ſo, wie du, erzeuget worden, Aegiſth, dem gilt der Tod für keine Strafe. Aegiſth. Du Tochter Ledens, du begleite mich Und theile die Gefahr, der feige Feldherr Und tapfre Vater ſoll dir ſo viel Blut, Als er vergoſſen hat, zurücke geben. Doch wie? du bebeſt, Bläſſ' umzieht die Wangen⸗ Das Auge ſenket ſich, ermattet, ſtarrt? Clytämneſtra. Die eheliche Liebe ſiegt und kehrt In dieſe Bruſt; laß mich zurücke gehn, Wovon es nie ſich zu entfernen ziemte, Daß ich der keuſchen Zucht mich wieder weihe, c 2—2 — 2 3—„ 7— 60= hwimmt aute/ da. Vaffen ar rden Banhen/ he/ — 157— Jetzt wenigſtens; nie iſts zu ſpät zur Tugend: Faſt ſchuldlos iſt ein Herz, das Reue fühlt. Aegiſt h. Wohin reißt dich die Hoffnung, o Bethörte? Verſprichſt du dir von Agamemnon Treue? Müßt' auch nicht Angſt an deinem Herzen nagen, So würde doch ſein ſtolzes Glück ihn aufblähn, Betduben; er war ſeinen Bundsgenoſſen, Als Ilium noch ſtand, ſchon unerträglich; Wie glaubſt du, wird erſt jetzt durch deſſen Umſturz Sein angeborner Trotz gewachſen ſeyn! Er ſchied als König von Mycen, nun kehrt er Als Wüthrich, Glück vermehrt des Menſchen Stolz; Er kehrt, umringt von Buhlerinnen, ha! Welch eine große Schaar! doch aus der Schaar Ragt hoch empor des Phöbus Dienerinn, Die Sclavinn, die den KFönig feſſelt; willſt Auch du, ihr Nachgeſetzte, willſt auch du Ein Nebenweib im Bett des Gatten dulden, So wird doch ſies nicht wollen; ach das Aergſte Für Gattinnen iſt eine Buhlerinn, Die öffentlich das Haus des Manns beherrſcht. Das Ehbett und den Thron theilt niemand gern. Clytämneſtra. Aegiſth, was reiſſeſt du mich wieder hin Zum Rand des Abgrunds, gibſt, da ſie ſchon ſank, Der Flamme meines Zornes neue Nahrung? Hab' auch der Sieger gegen die Gefangnen Sich größre Freyheit, als er ſollt', erlaubt; Der Frau, der Gattinn ziemts nicht, das zu wiſſen. Der Fürſten Eh' hat eigene Geſetze: 1 5 1 1 3 1 5 8 r Und darf mein Herz, der Schandthat ſich bewußt, Ein ſtrenger Richter dem Gemahle ſeyn? Wer Nachſicht braucht, muß Nachſicht leicht gewahren⸗ Aegiſth. Ja gegenſeitiger Vertrag hierin Iſt billig; doch der Fürſten ſtolze Rechte, Sind dieſe neu, ſind ſie dir unbekannt? Sie halten für ein Vorrfcht ihres Throns Alleine bürfen, was ſonſt niemand darf⸗ Clytämneſtra. Verzieh nicht Menelaus Helenen? Sie, die Europen doch und Aſien Gleich elend machte, kehrt mit ihm zurück⸗ Aegiſth⸗ Den hat verſtohlne Liebe nicht beſtrickt, Sein Herz nicht von der Gattinn weggewandt⸗ Der Deine ſuchet Schuld an dir, ſucht Vorwand. Und wär' dein Herz auch rein, was nützet dem, Den ſein Gebiether haßt, ein redliches, Ein tadelloſes Leben? er iſt ſchuldig, Man unterſucht es nicht, doch ſchuldig iſt er. Hoffſt du verachtet und verbannt nach Sparts Zurück zu gehn, zum heimiſchen Eurotas; So lindert eitle Hoffnung deine Furcht; Die darf nicht fliehen, die ein Fürſt verſtößt— Clytämneſtra. Doch nur Getreue wiſſen meinen Fehl. Aegiſth. Die Treu' betritt der Fürſten Schwelle nie, 5ch Mit Urhe Awußt, währen⸗ ndi. zorwand⸗ zet dem⸗ tto tößt⸗ ¹ 169— Clytämneſtra.» Ich will ſie durch Geſchenke feſſeln, will Mit Gold mir Treue kaufen. Aegiſth. Die mit Gold Gekaufte Treu' wird auch um Gold verkauft. Clytämneſtra. Ein Reſt von Scham bebt noch in meinem Buſen Empor; was kämpfeſt du dagegen, räthſt Mir ſchmeichelnd Arges, ha! ich edles Weib, Ich wählte dich Verbannten vor dem König Der Könige? Aegiſth.. Warum ſcheint dir Atrides Porzüglicher als ich, der Sohn Thyeſtens? Clytämneſtra. Sag' immer auch ſein Enkel. Aegiſth. * phökus iſt Sei meines Daſeyns, mein Geſchlecht Beſchämt mich nicht. Clytämneſtra. Was ſagſt du, Phöbus ſey Urheber eures laſterhaften Stammes? Er, den ihr aus dem Himmel triebt, die Zügel Zurück zu lenken zwangt, daß gähe Nacht Den Erdball überdeckt; was flichſt du, Kühner, In deine Frevelthat die Götter ein? Du, der vom Vater ſchon die Kunſt gelernt, Die Freuden eines fremden Betts zu ſtehlen, Du, der nur bey verbothnen Küſſen ſich — 160— Als Mann gezeigt; fort! hebe dich von hinnen! Mit dir verſchwinde dieſes Hauſes Schmach, Es öffne ſich dem König, dem Gemahle. Aegiſth. Ich bin gewöhnt an Unglück, die Verbannung Iſt mir nicht neu; nicht aus dem Hauſe nur, Auch aus dem Land entflieh' ich, Königinn, Wenn du es mir befiehlſt; auf deinen Wink Senkt auch in dieſe jammervolle Bruſt Mein Schwert ſich ſchnell. Clytämneſtra. Und dieſes duldet' ich, Ich Blutbegierige? nein! die geſündigt, Iſt ihrem Mitverbrecher Treue ſchuldig. Komm, daß wir jetzt uns über unſre Lage, Die ſo gefahrvoll iſt, berathen mögen. Chor der Argiverinnen. Ihr edlen Jungfraun ſingt von Phöbus; Dir kränzet feyernd dieſe Menge Das Haupt ſich, und der Inachiden Noch unverlobte Töchter laſſen Die jungfräulichen Haare flattern, Und ſchütteln den geweihten Lorber. Begleitet ihr auch unſ're Chöre Thebanerinnen, ihr auch Jungfraun, Die ihr den kühlen Eraſinus, Ihr, die ihr den Eurotas trinket, Und ihr, geboren am Ismenus*), *) Es waren zwey Flüſſe dieſes Rahmens, einer bey Argos, der andere in Attika. Da nun in dieſem Geſange fremde Jungfranen von den Argiverin⸗ Der Wo Die Den Ent Der Den Den Geſe Und Erté Nich Rich Und Wen Auch Ber Als Der Die Der Und Den Zur Did Det innen! 1 ung ur, höbus einer bey Argvein — 1 6 1— Der ſtill an grüne Raͤnder ſpület, Wo des Tireſias Erzeugte, Die Seherinn der Zukunft, Manto, Den Opferdienſt Latonens Kindern Entrichten hieß: nun ſpanne Phöbus, Der Frieden kehret, ſpann' als Sieger Den Bogen ab. Den gold'nen Köcher, voll mit leichten Geſchoſſen, lege von der Schulter, Und unter den behenden Fingern Ertöne lieblich deine Leyer, Richt hoch, nicht ſtolz, Nicht ſchlachtenfeyernd, ſonbern einfach Und leicht, wie die gelehrte Muſe, Wenn ſie von deinen Scherzen ſinget. Auch magſt du jene ſtärk're Saite Berühren, welche damahls tönte, Als Titans Söhne vor den Augen Der Götter durch den Blitzſtrahl fielen. Die wilden Ungeheuer thürmten Den Oſſa und den Pelion auf Und über beyde den Olympus, Den Fichtenträger, lauter Stufen Zur Himmelsburg. Dich auch, du Schweſter und Gemahlinn Des Großen, königliche Juno, nen eingeladen werden, dieſe Feyer mit zu bege⸗ hen, ſo muß der Attiſche, nicht der Argiviſche ver⸗ ftanden werden, obgleich Gronod den Trumpf dar⸗ auf ſetzt: Abeant in Atticam cum Attico vu6 Frasino. Theater. L . — 162— Theilhaberinn des Zepters, ehren Wir, deine Schaar; du ſchirmeſt Argos, Das dir in allen Röthen flehet, Lenkſt in der Rechten Krieg und Frieden. Empfang' itzt Agamemnons Opfer, Als Siegerinn. Dich feyert die aus Buchs geſchnitzte, Viellöcherige Pfeife, dir tönt Sanft unter weiſer Jungftaun Fingern Die Saite, dir ſchwingt ſich die Fackel In unſ'rer frommen Mütter Händen. Vor den geheiligten Altären Sinkt dir des Stieres weiße Gattinn, Des Pflugs nicht kundig, keine Streifen Des Joches an dem Hals. Auch dich, des Donnerers Erzeugte, Glorreiche Pallas, deren Spitze Oft nach der Dardaniden Thürmen Sich wandte, dich verehrt die alte Und jüngere Matron' im Chore Vereinigt; dir, wenn du herab ſteigſt, Schleußt ſich durch prieſterliche Hände Der Tempel auf, dir eilen Schaaren Der Opfernden entgegen, feſtlich Das Haupt bekränzt. Uralte, ſchwache Greiſe bringen Dir Dank für die erfüllten Wünſche, O Trivia; ſie gießen zitternd Den Opferwein dir aus, auch unſ're Bittſtimme tönet wieder, Delos, Von den Cyclad'ſchen Inſeln eine/ Doch Er tr Der! kunt o, den. rn el n ifen Dein mütterliches Land muß ſtill ſtehn, Wenn du, Lucina, winkſt, eh' trugen Es Winde hin und her, doch itzo Hängts, eingewurzelt, an der Erde. Trotzt, dem es erſt zu folgen pflegte, Dem Wind, und hält gebund' ne Schiffe. Du zähiſt; als Siegerinh, bie Leichen Der Kinder Niobens, ſie drücket, Ein jammernswerther Stein den Gipfel Des Sipylus, Indeß noch immer neue Thränen Der alte Marmor weint. Dich Götterpaay“ dich ehren Männer Und Frauen, voll des frommen Eifers. Doch du vor allen, Vater, Herrſcher, Bliszſchleuderer, vor deſſen Winke Auf einmahl beyde Pole zittern, O Jupiter, du, unſers Stammes Urheber, nimm geneigt die Gaben, Und blick' auf dein nicht ungerathnes Geſchlecht herab. Doch ſiehe, ſchnellen Schrittes naht ein Krieger/ Er trägt ein unzweydeutig Freudenzeichen, Der Lorber an der Lanze Spitz“! Es iſt Eurybates, des Königs treuer Diene. ———— Dritte Handlung. Eurpbates. Clytamneſtra. Eurybates. So ehr' ich doch, des langen Irrens müde, Die väterlichen Laren, und der Götter Altär' und Tempel; kaum glaub' ich mir ſelbſt. Bringt Opfer den Unſterblichen, der Stolz, Die Zier Achäens, Agamemnon zeucht Nur endlich ſiegreich in ſein Haus zurück. Clytämneſtra. Die frohe Nachricht kam mir ſchon zu Ohren. Doch wo verweilb mein volle zehen Jahre Zurück gewünſchter Gatte? hält die See, Hält ihn das Land noch fern? Eurybates. Er ſetzte glorreich, Voll Ruhms und unbeſchädigt, ſeinen Fuß An den verlangten Strand. Clytämneſtra. Laß uns durch Opfer Den frohen Tag und die zwar zaudernden, Iſt d Das Vie Da ke Selbſt Erlitt Pon Nur ßaſt Spr Ver Soll Die Bey Sy Me Iſ üde, ſelbſt. lz, hren. e glortich uß urh Ofer n Doch guten Götter ehren! ſage, lebt Der Bruder meines Gatten? ſage, wo Iſt meine Schweſter? Eurybates. Zuverläſſ'ge Nachricht Kann ich nicht geben, allzu ungewiß Iſt das Geſchick der Schiffenden; doch hoff ich Das Beſte, fleh' darum die Götter an: Wie die zerſtreute Flott' im Meere war, Da konnt' ein Schiff das nächſte nicht erblicken; Selbſt Agamemnon, irr' auf weiter Fluth, Erlitt hier mehr des Unglücks, als im Krieg. Von einer ſolchen Flotte führet er Nur wenig Schiff', und die zerſtört zurück. Faſt dächte man, er wäre der Beſiegte. Clytämneſtra. Sprich, welcher Zufall hatte meine Schiffe Verſchlungen, und zerſtreuet die Piloten? Eurybates. Du forderſt, was zu ſagen bitter iſt. Soll ich zu frohen Kunden böſe miſchen? Die bange Seele flieht zurück und ſchaudert Bey der Erinnerung ſo großer Uebel. Clytämneſtra. Sprich! wer ſein Unglück zu erfahren flieht, Mehrt ſeine Furcht, ein ungewiſſes Uebel Iſt quälender. Eurybates. Nachdem nun Troja ganz Verbrannt von unſern Händen, und die Beute Getheilt war, eilet jeder in die See. — 166— Der Krieger ſchnallt das Schwert von müder Lende, Die Schilde liegen auf dem Vordertheil Des Schiffs, unangeſehn; zum Ruder greift Die kriegeriſche Hand, und jeder Aufſchub Scheint allzu lang dem Ungeduldigen. Wie von des Königs Schiff das Zeichen glänzte, Und die Trompete laut den Rudrer, ſich Zu fördern, rief, da zeichnet und eröffnet Der goldne Schnabel an des Feldherrn Schiff Die Bahn, wo tauſend Schiffe ſegeln mußten. Uns treibt zuerſt ein leiſer Wind, der ſanft Ans Segel ſchlägt, und kaum erhoben zittert Die ſtille Fluth von Zephyrs lindem Hauch. Das Meer erglänzet theils von Schiffen, theils Wird es bedeckt davon; wir frenn uns, Trojens Geſtade nackt und menſchenleer die Höhen Des weichenden Sigäums zu erblicken. Die Jugend faſſet und bewegt zugleich Die Ruder, wechſelweiſe hebet jeder Die ſtarken Arm' und unterſtützt die Winde. Es zittert die durchfurchte Fluth, ſie ſchlägt An unſrer Schiffe Seiten, weißer Schaum Kocht zwiſchen ihnen und dem blauen Meer. Wie ſtärkrer Wind die vollen Segel ſpannte, Vertraut man ihm das Schiff, verläßt die Ruder, Der Krieger ſtreckt ſich auf die Ruderbank Und mißt, wie weit vom fliehenden Geſtade Das Schiff gerückt, mit ſeinen Blicken, oder Erzählt vom Krieg, vom Drohn des tapfern Hestor, Vom Wagen des Achill, und wie der Held Um Löſegeld die Leiche ſeines Feindes Zurick Unden Auf J Indeß Delphi Ihr E Forth Dreht — — — 2 2 2 — — der Lende, reift b glänzte, et Schif nußten. anft ttert ch. „cheils Lrojens n inde. lagt um deer. nnte/ die Rudtr, nk ſtade oder ern heitor eld Zurück gab, daß die Flamme ſie verzehrte; Und wie das Blut des Königs Priamus Auf Jupiter Herceus Altar ſpritzte. Indeß vergnügen ſich rings auf dem Meer Delphine, welche gern in ſtiller Fluth Ihr Spiel beginnen und mit krummen Rücken Forthüpfen auf dem Waſſer, ihre Schaar Dreht ſich in Kreiſen, ſchwimmt um unſre Schiffe Begleitend her, ſchwimmt voraus, ſchwimmet rück⸗ wärts, Run ſcherzet an des erſten Schiffes Schnabel Ihr Chor, nun kreuzt er um das tauſendſte. Das Ufer ſchwindet ſchon, die Felder fliehn, Kaum nimmt man mehr Iddens Spitzen wahr; Ein ſchwarzer Streif von Trojens Rauch iſt alles, Was ein auch noch ſo ſcharfes Auge ſieht. Run ſpannt die müden Roſſe Phöbus ab/ Schon ſtürzt der Tag vom Himmel, und ſein Licht Macht den Geſtirnen Platz; ein Wölkchen, das Aus einer ſchwarzen Kugel ſich entfaltet, Befleckt den Glanz des Phöbus, da er ſcheidet Und ſeine Makel warnen vor dem Meer. Die Nacht beſtreuet Anfangs zwar den Himmel Mit Sternen, windelos ſind unſre Segel: Doch jähling rauſcht ein Murmeln von den Gipfeln Der Berge her, und droht ein großes Unheil.— Das ufer ſeufzt lang nach, die Woge ſchwillt Beym Nahn des Winds, der Mond verhullet ſich, Die Sterne fliehen, zu den Wolken ſteigt Das Meer auf, und der Himmel ſchwindet weg. dicht Nacht nur iſts, ein dichter Nebel auch 2 68 Liegt auf den Schatten, raubet alles Licht, Vermiſchet See und Himmel, überall Sind ausgebreitet übers Meer der Oſt, Der Süd, der Weſt, der Nord und thürmen, ſich Bekämpfend, von dem tiefſten Grund es auf. Jedweder zeiget ſeine Wuth, jedweder Erſchüttert es feindſelig, heulend wickelt Ein Wirbelwind die ganze Fluth zuſammen. Der Nord von Strymons Ufern häufet Schnee, Der Süd aus Libyen treibt nach der Sandbank Die Schiffe hin, doch bleibet er nicht Herrſcher. Der regenſchwang're Notus*) mehrt die Fluth Durch Güſſe; gegen Aufgang raſ't der Eurus, Der ſtets der Nabathäer Reich' und Meer' Erſchüttert, auch der Nordweſt hebt ergrimmt Das Haupt; es ſcheint, es ſoll aus ihren Angeln, Die Welt gehoben werden, alle Götter Aus dem geborſt'nen Himmel niederſtürzen, Und wiederum das ſchwarze Chaos herrſchen. Die Fluthen widerſteh'n dem Winde, der Empört die Fluthen wieder, es gebricht An Raum dem Meere, Regengüſſ“ und Wogen Vereinen ihre Waſſer, auch der Troſt *) Auster und Morus werden allgemein fuͤr Synonima gehalten; hier aber als zwey Winde genannt, die ſich um die Herrſchaft des Meeres ſtreiten; ſo wenig⸗ ſtens erklärte Farnabius dus verdächtige Wec manet in Austra; konnte aber keine Paralell⸗Stelle zum Behufe ſeiner Meinung anfuͤhren. Vielleicht wird un⸗ ter Lilcus der Suͤdweſt verftanden, den die Grie⸗ chen M, die Römer Africus heißen. Zu t, rnen, ſch auf. en. Schnee, ndbank rſcher⸗ Fluth urus/ mmt Angeln, en. zohen Synorin annt, die ſo neri⸗ o munet tele zun nird un⸗ die Grie⸗ ——————— — 1 6 9— Zu ſehn, zu wiſſen, was es iſt, das uns Zu Grunde richtet, der Troſt fehlet auch. Denn überall verdränget Finſterniß Das Licht, ein ſtygiſch Dunkel liegt umher. Rur manchmahl glänzt ein Feuer, wenn der Blitz Aus der zerriſſ'nen Wolke furchtbar ſchimmert. Erwünſcht iſt dieſer Schein den Elenden, So ſüß ſcheint ihnen auch ein grauſes Licht. Die Flotte ſelbſt bekriegt ſich, ein Schiff ſtößt Ans and're Schiff, ein Vordertheil ans and're, Und eine Seitenwand beſchädiget Die nächſte Seitenwand, hier thut das Meer Sich auf, weit gähnend, faßt, verſchluckt ein Schiff Und ſpeyt es wieder auf die Wogen aus; Dort ſinkt ein zweytes Schiff durch eig'ne Laſt; Dort gibt ein drittes die zerlechzte Seite Den Wellen preis; ein viertes iſt bedeckt Von einer ungeheuern Wog'; ein fünftes Schwankt leicht, zerriſſen, ohne Schmuck daher, Die Segel und die Ruder fehlen ihm, Kein Maſt mit hohen Stangen ragt empor, Verſtümmelt ſchwimmt's im Meere Joniens. Vernunft und Uebung unternimmt nichts mehr, Dem Uebel wich die Kunſt, die Schiffer ſteh'n Betäubet, müßig, denn das Ruder ſank Aus ihrer Hand, ſie nöthigt zu Gebethen Das Uebermaß der Furcht, und Ein Gebeth Schallt von der Troer und der Griechen Mund. O Macht des Schickſals! ſieh! Ulyß beneidet Den Ajax, Menelaus Hectorn, Pyrrhus Den Vater und der Sieger Agamemnon ——— — 170 Den Priamus, der, ſo vor Troja ſank, Heißt glücklich, weil es ihm vergönnet war, Daß er mit Ruhm auf ſeinem Poſten fiel, Und ihn die Erde deckt, die er beſiegt. Indeſſen ſie, nichts Großes unternehmend, Ein Spiel der Wellen werden, und ein feiges Geſchick ſo viele tapf're Männer aufreibt. Verſchwendet, riefen ſie, verſchwendet wird Der Tod hier; du, wer du auch immer biſt, OD Himmliſcher, den ſolch ein Mißgeſchick Noch nicht geſättigt hat, erheit're doch Dein görtliches, von Zorn umwölbtes Antlitz! Selbſt Ilion würd' unſern Unglücksfällen Den Zoll der Thränen nicht verſagen, dauert Dein Haß, willſt du die Dorier vernichten, So ſollten die doch, derentwillen wir Zu Grunde geh'n, nicht mit zu Grunde geh'n. Beruhige der Wogen Zorn, die Flotte Führt Danaer, doch Troer führt ſie auch. So ſprachen ſie, und hätten mehr geſprochen, Doch hemmten Fluthen ihre Stimme. Sieh! Ein neues Mißgeſchick! bewaffnet mit Des grimmen Vaters Blitz, verſucht nun Pallas, Was ſie mit dieſem Feuer, mit dem Haupt Meduſens in der ſchrecklichen Aegide Und mit dem dräunden Speer zu thun vermag. Vom Himmel heulen neue Stürme her. Rur Ajax, unbeſiegt von allen Uebeln, Ringt wider ſie, als er das Segel eben, Die Seile ſpannend, einzog, da ergriff Die Flamm ihn ſchnell; noch ſtürzt ein zweyter Strahl — „S 22 2 2 S 22 2 —„ — n. * gunhl — 171— Heraß, den mit zurück gebogener, Gewiſſer Hand die Göttinn, ihren water Nachahmend, ſchleuderte. Durchs Schiff und Ajar Dringt der, und reißt ein Theil von beyden los. Auch dieß ſchreckt nicht den Held; er ragt verbrannt, Gleich einem Felſen, aus dem Meer empor, Peitſcht die ergrimmte See, theilt mit der Bruſt Die Waſſer, faßt und zieht das Schiff zu ſich: Im finſt'ren Meere leuchtet Ajax; rings Verbreitet Glanz ſich auf die Fluthen; nun Erreicht er einen Fels und donnert wüthend: Ich bin dem Feuer und dem Meer entgangen, Ich habe Pallas, Himmel, Blitz und See Beſiegt; mich ſchreckte nicht der Kriegesgott Von dannen, ich allein ſtand wider ihn Und Hectorn, Phöbus Pfeile trieben mich Von meinem Poſten nicht, ich überwand Die ſammt den Phrygern; und nun ſcheut' ich dich? Dich, die mit ſchwacher Rechte freinde Keil' Auf mich her ſchleudert. Ha! mag er auch ſelbſt Sie ſchleudern, mag er! Eh' der Raſende Fortläſtern konnte, macht mit ſeinem Dreyzack Der aus der Tiefe ſteigende Neptun Den Felſen los; der Fels ſtürzt, Vjar mit, Der nun vom Meer, vom Feuer, von der Erde, Nach langem Ringen überwältigt, liegt. Ein größers Uebel noch erwartet uns Schiffbrüchige, wo täuſchend Caphareus Mit ſchnellen Wirbeln die geheimen Felſen Bedeckt, dort iſt die See an Waſſer arm, Und wallet untief über das Geſtein. — 1 7 2— Stets wechſelt Ebb' und Fluth; ein hohes Bergſchloß Sieht von der ſteilen Höhe beyderſeits Das Meer, hier deines Pelops Ufer und Den Iſthmus, der gekrümmt und ſchmal die Fluthen Joniens von Phryxus Fluthen trennt; Dort Lemnos, das durch Mord berüchtigt iſt; Und Chalcis und den Hafen, welcher ſtets Die Schiffe ſäumen macht. Dieß Bergſchloß nun, Beſteiget Nauplius, und von der Zinne Hebt er mit böſen Händen eine Leuchte, Die treulos uns an dieſe Klippen lockt. Die Schiffe ſpießen ſich an Felſenſpitzen, Das eine wird beſchädiget durch die Vom Waſſer karg nur überdeckte Sandbank: Das andre bleibt zur Hälfte feſt am Felſen, Indeß die andre Hälfte fortſchwimmt, an Ein drittes Schiff, das rückwärts ſteuern will, Prellt, und ſo wie es ſelbſt zerſchmettert iſt, Es auch zerſchmettert: ach! wir fürchten jetzt Das Land mehr, als die See: doch endiget Die Wuth des Sturms ſich in der Dämmerung. Und Phöbus kehrt zurück, da Troja nun Rachopfer gnug empfangen, trauernd zeigt Der Tag die Gräuel, ſo die Nacht verübt. Clytämneſtra. Soll ich ob des Gemahles Wiederkunft Mich freuen, oder jammern? zwar erfreut Mich ſeine Rückkehr, doch die ſchwere Wunde Des Reichs muß ich beklagen, ſöhn', o Vater, Der die vom Donner widerhallende Polläſte des Olymps erſchüttert, ſöhne 8 — „ 3 — 8 5 6 — — — ſchloi luthen nn vill, 3, tzt Ung⸗ de otet — 173— Die Götter endlich mit den Griechen aus: Run kraͤnze feſtlich jede Stirne ſich, Süß töne die Schalmey den Lobgeſang Der Götter, und an ihrem hohen Altar Fall' Opfervieh, ſo weiß, wie junger Schnee. Doch ſiehe! traurig, ſchmucklos nahet ſich Der JIliaden Schaar; hoch ragt empor Die Prieſterinn Caſſandra, tritt ſtolz auf, Und ſchüttelt wild begeiſtert ihren Lorber. Caſſandra, Chor der Trojanerinnen. Arge Lebensluſt, du ſüßes Uebel, du der Menſchheit Feindinn! Ohne dich blieb' ihr ein Ausweg In dem Elend, Unglückſelge Riefe Tod, der Allbefreyer In den Hafen ewger Ruhe. Wer das fürchtetliche Dunkel*) Acherons, des Styr betrübte Wogen, nicht betrübt erblicket, Wer dem allzu langen Leben Sich erkühnt, ein Ziel zu ſetzen, Dieſen lohnet tiefe Ruhe. Den erſchüttern keine Schrecken, Keine Flammen des erzürnten Donnerers, kein Sturm des Glückes. *) Ich habe hier der Deutlichkeit wegen die Ordnung geaͤndert, und einige Verſe hinauf geruͤckt. Der ſcheut nicht 6 Bürger Rotten, Nicht des Siegers Grimm und Drohen, Nicht die Raſerey der Fluthen, Die der Nordweſt aufpeitſcht, nicht die Wilden Schlachten, nicht des Staubes Wolk“, aufſteigend vor der Barbarn Reiterſchwarm, er bebet nicht beym Untergang der Nationen, Wenn an ihren hohen Wällen Feindlich Feuer nagt; er zittert Vor dem ungezähmten Ktieg nicht, Jeder Knechtſchaft Bande bricht er Und verſchmäht die wandelbare Gunſt der Götter, einem Fönig, Einem Gott gleich; welch ein Unglück Iſt es nicht zu ſterben wiſſen! Unſre Vaterſtadt zerſtören Sahn wir, ſahen Doriſch Feuer In der Schreckennacht die Hduſer Unſers Jlions verzehren. ⁰ Nicht durch Krieg und Waffen fiel es, Wie vordem, als es die Pfeile Des Alcid beſiegten. Troja, Dich hat nicht der Sohn der Thetis, Nicht ſein ihm nur allzu theurer Freund beſieget, wenn gleich dieſer, In erborgten Waffen glänzend, Als ein falſcher Peleide, In den Staub die Troer ſtreckte Nicht der wahre Peleide, Als ſich ſeine wilde Seelé n, e Satt getrauert, und auf hohen Wällen die Trojanerinnen Vor dem ſchnellen Läufer bebten. Troja, du verlorſt den letzten Troſt im Unglück, denn du wurdeſt Nicht durch Tapferkeit beſieget. Zehen Jahre widerſtandſt du, Zehen Jahr', um durch die Liſten Einer einz'gen Nacht zu fallen. Ach! wir ſahn die ungeheure Laſt des triegenden Geſchenkes, Führten, allzu ſchnell Verräthern Trauend, führten ſelbſt der Griechen Böſes Denkmahl in die Mauern. Mitten in dem Thor erbebte Noch das Roß, das in dem Bauche Krieg und Fürſten trug, wir konnten Nun in ihren eig'nen Schlingen Die Pelasger fangen, konnten Nun durch ihr Werk ſie vernichten. Denn es tönten mehr als ein Mahl Die bewegten Schild' und ſandten In das Ohr ein hohles Raſſeln: Und dem liſtigen Ulyſſes Wollte Pyrrhus nicht gehorchen, Sondern murrt' ihm laut entgegen, Doch die ſorgenloſe Jugend Schätzte ſich durch die Berührung Der geweihten Seile glücklich, Hectors Sohn und die den Manen Des Achill Verlobte führten, — 176— Jedes Schaaren gleichen Alters, Er die Knaben, ſie die Mädchen. Mütter in dem Feyerſchmucke Brachten Opfer dar, und Männer Auch im Feyerſchmucke drängten Sich zu dem Altar. Ein Jubel War das ganze, weite Troja. Hecuba ſogar war fröhlich. Seit des Hector Scheiterhaufen Nun zum erſten Mahle fröhlich O was ſollen wir, von Schmerzen Tief gebeugt, zuerſt beweinen? Was zuletzt? die Mauern Trojens, Die der Götter Hand erbauet, Und die unſ'rige verheeret? Oder die geweihten Tempel, Brennend überm Haupt der Götter? Nein, nicht dieſen Uebeln ſollen Unſre heißen Thränen fließen Sondern dir, erhab'ner Vater; Ach ich ſahe, ſahe deine Alte Gurgel nur mit wenig Tropfen Pyrrhus Eiſen färben. Caſſandra. Ihr Troerinnen mäßigt eure Thränen, Die Folgezeit wird noch von euch ſie heiſchen. Beweinet und beklaget nur die Leichen Der Eurigen, nicht meinen Jammer; der Verſchmahet Mitgenoſſen, auch genüg' Ich ſelbſt, den Fall der Meinen zu betrauern. 1 z zuern⸗ Das Chor. Laß Thränen mit Thränen Vermiſchen, mehr quälen Verſchwiegene Schmerzen. Laß uns in Gemeinſchaft Die Unſern betrauern. Du kannſt nicht, o Jungfrau, Wiewohl durch das Unglück Gehärtet, geſtählet, So vielfachen Umſturz Alleine betrauern. O dieſes vermöchte Der edle Geſang nicht, Mit dem Philomela In mancherley Weiſen Den Itys beklaget; Vermöchte die Schwalbe Mit ihrem Geſchwätz nicht, Die hoch auf der Spitze Biſtoniſcher Dächer Die ſchändliche Liebe Des Gatten beweinet. Sie beyde, ſie könnten Dein armes Geſchlecht nicht Nach Würde betrauern. Ja dieſes vermöchten Sogar nicht die letzten Geſänge des Cyenus, Der ſchneeigen Schwäne Berühmteſten, welcher Des Danaus Fluth und Theater. M Des Iſters berudert. Dieß könnte der bangen Alcyonen Lied nicht, Da wenn ſie den Cryz Beſingen, daß ſanfter Die Woge dazu rauſcht, Und wieder der Stille, Der triegenden Stille, Des Meers ſich vertrauen, Indem ſie die Jungen Im wankenden Reſte Mit Sorgfalt erwävmen. Dieß könnte, wenn ſie auch Sammt dir ſich die Arme Zerſchnitte, dieß könnte Die traurige Schaar nicht, Die ſelbſt ſich entmannte, Den Attis beweinet Und dir raſ't, o Göttinn, Mit thürmendem Hauptſchmuck. Unzählbar, Caſſandra, Sind unſere Thränen; Doch unſere Leiden, Die ſind es nicht minder. Wie? reiſſeſt du vom Haupt die heil'ge Binde! Die Götter ehren, däucht mich, iſt vor allen Der Unglückſel'gen Pflicht. Caſſandra. Mein Jammerſtand Siegt über jede Furcht; durch kein Gebeth Verſöhn' ich mehr die grimmen Götter; nichts Das Hab' Und e Richt Vo i Richt In u Sind Verw Der] So n Erfuh In ei Den Und Erble Ihr Die Uönt die Sie Das die Mit die 2 „d „ e ge PBind or olln nneſun ebeth nichti hn Wenn ſie auch wüthen wollten, übrigt' ihnen. Das Glſck hat ſeinen Zorn an mir erſchöpft. Hab' ich ein Vaterland noch, eine Schweſter Und einen Vater zu verlieren? trank Nicht Grab und Altar alles Blut der Meinen? Wo iſt der Brüder hoch beglückte Schaar? Nicht war, dahin! und wenig Greiſe blieben In unſrer öden Burg; die Schwägerinnen Sind, die Lacänerinn nur ausgenommen, Verwitwet alle; du auch, Herrſcherinn“ Der Phrygier, die nur dem Scheiterhaufen So manchen königlichen Sohn gebat, Erfuhrſt ein neues Schickſal; umgeſtalket In einen grimmen Hund haſt du den Hector, Den Priamus, dich ſelber überlebt, Und wüthend deiner Stadt Ruin umbellt. Das Chor. Die Seherinn ſchweigt plötzlich; ihre Erbleichen;;heftig zittern ihre Glieder; Ihr weiches Haar ſträubt ſich empor und lupft Die Binden: in der athemloſen Bruſt Tönts dumpf; ihr rollend Auge ſchweift umher, Die Sterne drehn ſich aufwärts, itzo ſtarren Sie wild, nun hebet ſie mehr als gewöhnlich Das Haupt, tritt hoch einher, nun ringet ſie, Die Kehle zu eröffnen, murret nun Mit halbgeſchloßnem Mund und hält nicht mehs Die Wuth des Gottes in der Bruſt zurück. Caſſandra. Wozu die neuen Stacheln heil'ger Wuth? Wozu die Raſerey, die wieder mich M 2 — — 180„ Sinnloſe fortreißt? weiche, Phöbus, weiche! Ich bin nicht dein mehr, löſch' in meiner Bruſt Die tief verborgnen Flammen aus: für wen Soll ich begeiſtert ſchwärmen, ſoll ich raſen? Mein Troja fiel: was übriget mir noch, Mir Seherinn, der niemand glaubt? wo bin ich? Das holde Licht entfliehet; tiefe Nacht Schwärzt meine Wangen; eingehüllt in Dunkel Verbirgt der Aether ſich; doch jetzt, ſieh, ſieh Jetzt glänzen am Olymp zwey Sonnen: zweyfach Iſt Argos, doppelt heben ſeine Häuſer ſich. Ich ſeh' die Wälder Idens! Unheil bringend Sitzt zwiſchen Göttinnen ein Hirt als Richter. Scheut, Fürſten, warn' ich, die verſtohlne Brut⸗ Der Hirten Zögling ſtürzt noch euer Haus! Warum ſchwingt raſend die Spartanerinn Gezückte Dolch' in ihrer Weiberhand, Gleich einer Amazone? welchen Mann Sucht ihre mit dem Stahl bewehrte Fauſt? Welch anders Bild zieht nun mein Aug' auf ſich? Der Thiere Sieger, der Marmarſche Löwe, Liegt von unedlem Zahn am Hals verwundet, Liegt unterm blutgen Biß der kühnen Löwinn. Warum ſagt ihr, ihr Schatten meiner Freunde, Ich ſey die einzige Gerettete? Ich folge dir, o Vater, deſſen Grab Ganz Troja war, dir, Bruder, Schutz der Phryger Der Griechen Schrecken: ach! ich ſeh' dich nicht, Wie einſt, mit Ruhm bedecket, deine Hände Sind nicht vom Brand der Griechſchen Schiffe warm. Zerriſſen ſeh' ich deine Glieder, wund Pon ſt dir T Rur a Auch d Unkenn Der ne Vohlo des g Führt den( kuch Vey de Schlie Danit Mycen Geht he! Biuſt en 1 bin ich dunkel ſieh! weyfach uf ſch! — det inn. unde/ phryge nicht⸗ de e warſ⸗ — 181— Pon ſchweren Feſſeln dieſe ſtarken Arme! Dir Troilus, dir folg' ich, der im Kampf Rur allzu ſchnell auf den Peliden ſtieß; Auch dir, Deiphobus! ach! ganz verſtellt, Unkenntlich iſt dein holdes Angeſicht! Der neuen Gattinn dankſt du dieß Geſchenk! Wohlan! ich will den Styr befahren, will Des gier'gen Höllengottes ſchauen; heut Führt Charons Schiff zwey königliche Seelen, Den Sieger, die Beſiegte; ſchließt ihr Schatten, Euch fleh' ich und auch dir, o heil'ge Fluth, Bey der die Götter ſchwören, nur ein wenig Schließt jetzt des ſchwarzen Poles Rücken auf, Damit die leichten Schaaren Phrygiens Mycen erblicken! ſeht, ihr Ungluͤckſel'gen, Seht hin! der Grimm des Schickſals wandte ſich. Die ſcheußlichen Schweſtern ſchwingen, Herſtürmend, blutige Geißeln In ihrer Rechten, die Linke Bewaffnen brennende Fackeln; Wuth ſchwellet die bleiche Wang' auf, Um die zernagten Gedärme Sind ſchwarze Todtengewänder; Die nächtlichen Schrecken rauſchen, Am ſchlammigen Pfuhle liegen Die langen Rieſengebeine, Von Zeit und Fäulniß zerfreſſen. Der müde Tantalus ſchnappet Nicht mehr nach triegenden Quellen, Die ſeine Lippen umſpielen. Der Schmerz ob der neuen Leiche Macht ihn des Durſtes vergeſſen. Doch Dardanus, unſer Erzeuger, Tritt zierlich einher, und frohlocket. Das Chor. Sie! jetzo legt ſich ihre Wuth von ſelbſt, Nachdem ſie ausgeſchwärmet, und ſie fällt: So fällt am Altar mit gebrochnem Knie Und mit verwundetem Genick die Farre. Kommt! hebt vom Boden die Begeiſterte. Doch ſieh! nun endlich naht ſich Agamemnon Den Seinigen, ihn kränzt des Sieges Lorber. Ihm eilt' im Feyerſchmucke ſeine Gattinn Entgegen, beyde kommen Hand in Hand. e. mnon orber. n . Vierte Handlung. Agamemnon, Caſſandra, Agamemnon. Nun kehr' ich endlich unverletzt zu meinen Penaten, theures Erdreich ſey gegrüßt! Dir ſchicken vieler Barbarn Länder Beute, Dir ſtrecket die beſiegten Arme Troja, Das Haupt des lange mächtgen Aſiens. Warum liegt hier der hingegoſſ'ne Leib Der Seherinn? warum erbeber ſie? Was wanket ihr Genick? hebt ſie empor Ihr Diener, und mit kaltem Naſſe bringt Sie wiederum zu ſich: doch ſchon eröffnet Ihr ſchwaches Auge ſich dem Tageslicht. Verſammle deine Lebensgeiſter, ſieh Den Hafen nach dem Elend, wir begehn Heut einen Feſttag: Caſſandra. Den beging auch Troja. Agamemnon. Laſſ am Altar uns opfern. Caſſandra. Am Altar ſiel Mein Vater. Agamemnon. Laß zum Jupiter uns flehn. Caſſandra. Zu dem Herceiſchen*)2 Agamemnon. Du glaubſt wohl Troja Zu ſehen? Caſſandra. Ja! auch den Priamus. Agamemnon. Hier iſt nicht Troja! Caſſandra. Wo ich Helenen Erblicke, dort iſt Troja, dünket mich. Agamemnon. Scheu' deine Frau nicht, Dienerinn! Caſſandra. Die Freyheit Iſt nah“ Agamemnon. Du lebeſt ſicher hier. Caſſandra. Der Tod Iſt meine Sicherheit. *) Ein Beynahme des Jupiters, in ſo fern er alles be⸗ ſchüßzet, was innerhalb des Zaunes war. Am Al⸗ tare des Herceiſchen Jupiters wurde Priamus von dem„ Pyrrhus ermordet, worauf Caßfandra anſpielet. „—„ Voja les be⸗ In A on den Agamemnon. Es drohn dir keine Gefahren. Caſſandra. Aber dir droht eine große. Agamemnon. Waos ſoll ein Sieger ſcheun? Caſſandra. Das, was er nicht ſcheut⸗ Agamemnon. Ihr treuen Diener haltet ſie zurück, Bis ſie den Gott aus ihrem Buſen haucht: Sie möchte ſonſt in dieſer Raſerey, Und ihrer nicht bewußt, ein Unheil ſtiften. Dir aber Vater, welcher die Gewölke Zertreibt, und fürchterliche Donner ſchleudert, Dir, dem die Sieger reiche Beute bringen, Und dir auch, Schweſter des allmächtgen Gatten, Argolſche Juno, will ich ſüßes Rauchwerk Arabiens und Eingeweide der Verſprochnen Opferthiere flehend weihn. Chor der Argiverinnen. Du, durch berühmte Bürger berühmte Stadt, O Argos, Argos, theuer der zürnenden Stiefmutter, du ernähreſt große Zöglinge, macheſt durch ſie der Götter Ungleiche Zahl gleich, deines erhabenen Alcides, zwölf Gefahren erwarben ihm Den Götterrang, ihn zu erzeugen Wurde das Weltgeſetz umgeſtoßen. — 186— Denn ſein allmächtger Vater verdoppelte Die feuchte Nacht, im eilenden Wagen hielt Er Phöbus auf, und hieß die Pferde Phöbens mit langſamem Schritt zurück gehn. Der Aufgang fühlt', es fühlte der Niedergang Alcids Geburt, der Mächtige konnte nicht In Einer Nacht erzeuget werden. Knabe, beſtimmet, den großen Himmel Zu ſtützen, dir ſtand, als du geboren wardſt, Die Welt ſtill, deinen quetſchenden Arm empfand Der Löwe Nemeens, die Hirſchkuh Und der Verwüſter Arcadſcher Fluren, Der Eber: brüllend mußte der wilde Stier Dem Helden nachziehn, mußte die noch im Tod Furchtbare Schlang' all ihre Leben, Da er den Hals ihr verbrannte, laſſen. Hin ſank durch ſeine Keule das Unthier, dem Drey Zwillingsköpfe wuchſen aus Einem Leih, Und jauchzend trieb er oſtenwärts die Herden Hesperiens, ſeine Beute; Entführt' aus Thracen Pferde, die der Tyrann ticht mit dem Gras von Strymons und Hebrus Strand Gefüttert, denen er zerfleiſchte Gäſt' in die blutige Krippe legte. Bis er,(das letzte Blut, ſo den wilden Schlund Benetzt), er ſelber ihnen zur Speiſe ward. Hippolyte, die ſtolze, ſahe Mitten vom Buſen das Wehrgehänge Sich rauben, hoch herunter fiel Stymphalis, Da Herculs Pfeil die Wolken durchſchnitt, der Baum and Mit goldner Frucht, noch nie beraubet, Schlüpft' in die Luft aus des Pflückers Händen; Das Goldblech rauſcht'; es hört' es der giftige Schlafloſe Wächter, da ſchon der ganze Hain Des blinkenden Metalls leer war, Und auf dem Rückzug der Sohn Alemenens Herauf geſchleppt an dreyfacher Kette, ſtand Der Höllenhund verſtummend, mit keinem Mund Wagt' er zu bellen, denn das Unthier Scheute die Farbe des fremden Lichtes. Die lügenhaften Enkel des Dardanus Erfuhren zwey Mahl, was dein Geſchoß vermag, Du ſtürzteſt Jlion in zehen Tagen, die unſern in zehen Jahren. 2 6 Fuͤnfte Handlung. Caſſandra.. S Ein großes Werk, der Arbeit eines ganzen 1 Jahrzehends gleich, beginnet man darin. 9 Ha! was iſt dieß? auf, auf mein Geiſt! empfange. Den Lohn der Wuth! wir, wir Beſiegte, ſiegen! So recht! mein Troja du erſtehſt und liegend Zogſt du Mycen mit in den Untergang. Dein Sieger flieht, ſo deutlich mahlte noch Mein Sehergeiſt mir nichts; ich ſchau' es, bin Zugegen, ich genieß' es, meine Sinne Täuſcht nicht ein Blendwerk: laßt es mich betrach⸗ ten! Ein Mahl wird in des Königs Burg bereitet, Dem letzten Mahl der Phrygier nicht ungleich; Trojanſche Purpurdecken breiten ſie Aufs Lager, trinken aus dem Gold des alten Aſſaracus, er ſelbſt lehnt, hoch gelagert, Am Leib ein buntes Kleid, die Beute Priams.! Die Gattinn heißt ihn feindliche Gewänder Mit den Geweben ihrer treuen Hand Vertauſchen: ha! mein Herz entſetzt ſich, bebet! ge — 139— Den Gatten alſo wird der Ehebrecher, Den König der Verbannte tödten, das Verhängniß kommt; das letzte Gaſtmahl wird Des Herren Wunden ſehen, ſpritzen wird Sein Blut in den Pokal: ſeht; ihn umwickelt Das Kleid ſchon, ſo dem mordenden Verräther Ihn preis gibt, ſo den Ausgang ſeinen Händen Verſaget und ſein Haupt in den geräumgen Und nirgends aufgetrennten Falten birgt. Der Halbmann ſtößt den Dolch ihm in die Seite, Mit zitternder, mit ungewiſſer Hand, Und tief nicht; mitten im Verwunden ſtockt er. Mit einer ſcharfen Axt hat Tyndaris, Die Raſende, die kühne Hand bewaffnet. Und wie man am Altar das Beil nicht wider Den Stier erhebet, eh' man mit den Augen Den Platz zum Schlag an ſeinem Hals bezeichnet, So windet ſie auch ihre Mörderhände Bald hierher, und bald dorthin; ha! nun hat er Sein Theil; es iſt geſchehn! hier hangt das Haupt Noch kaum am Hals, hier ſtrömen auf den Rumpf Blutbäche, dort klappt zuckend noch der Mund. Auch itzo weichen ſie noch nicht, er eilt Zu den Entſeelten und zerfleiſchet ihn. Sie hilft, durch dieſe Gräulthat zeigen beyde Der Ihrigen ſich würdig: ſie, die Schweſter Der Helena, und er, Thyeſtens Sohn. Sieh! Titan ſteht, als ob ſein Tagewerk Pollendet wär', unſchlüſſig, welchen Weg Er wandeln ſoll, ob den gewöhnlichen, Ob jenen Weg, den ihn Thyeſt gelehrt. —————— — 190— Electra, Strophius, Dreſtes, Pylades. Electra. Fleuch, einzge Stütze nach des Vaters Tod, Fleuch aus den Frevlerhänden deiner Feinde! Vom Grund zerſtört iſt unſer Haus, das Reich Dahin, doch wer, wer iſt wohl dieſer Gaſt, Der ſeinen ſchnellen Wagen hierher lenkt? Ich will, mein Bruder, dein Geſicht verhüllen Und ihm entziehn; doch, Thörichte, du bebſt, Vor Fremden bebeſt du; die Deinen ſind Dir ſchrecklich; weg mit banger Furcht, Oreſtes! Ein treuer Freund iſt hier und Schutz mit ihm. Strophius. Ich Strophius kehr' itzt aus Phocis, mit Dem Siegerkranz geſchmückt, dem Freunde Glück Zu wünſchen, deſſen Hand nach einem Kampf Von zehen Jahren Jlion geſtürzt. Doch wie? wer netzet hier das ttauernde Geſicht mit Thränen? ſtehet ſorgenvoll Und bange da? die Königstochter iſts, Electra; Thränen in dem frohen Haus? Electra. Der Vater liegt, ermordet von der Mutter, Den Sohn, auch den, will man ihm beygeſellen; Aegiſthus herrſchet hier durch Venus Liſt. Strophius. O Menſchenglück, das niemahls lange währt! Electra. Bey meines Vaters Angedenken fleh Ich dir, bey ſeinem Zepter, den der Erdkreis — 9 1 Gekannt, und bey den wandelbaren Göttern, Nimm meinen armen Bruder mit und birg ihn Freundſchaftlich. Strophius. Zwar ſollt' Agamemnons Mord Mich ſchüchtern machen; doch ich unternehm' es. Getreu dem Freund im Glücke ſeyn, iſt billig, Dem Freund im Unglück, Pflicht. Nimm dieſen Kranz Scherzhafter Kämpfe Lohn, faſſ' in die Linke Den grünen Siegerzweig, daß er dein Haupt Beſchirme; dieſe Palme, das Geſchenk Des Jupiter Piſäus, ſoll zugleich Zur PVorbedeutung dir und Hülle dienen. Du aber Sohn, mein Wagenlenker, lerne Pon deinem Vater treu dem Freunde ſeyn. Und nun, ihr ſchnellen Pferde(daß ihr ſchnell ſeyd, Weiß Griechenland) flieht, rollet mit dem Wagen Aus dieſem Land, dem Sitz der Frevel, fort. Electra. Er fliehet— weg iſt er; der Wagen ſchwindet Im Flug aus dem Geſicht; nun bin ich ſicher, Erwarte ruhig meine Feind', und biethe Mein Haupt den Wunden dar; ſie nahet ſich, Des Gatten blutge Siegerinn; ihr Kleid Trägt noch befleckt die Spur der Gräuelthat, Die Hände ſind von friſchem Blut noch naß, Und auf der wilden Stirne ſtehet: Mordt Ich will zum Altar treten; laß Caſſandra Laß deine Binden mich auch ſchirmen, das, Was du befürchteſt, ſteht auch mir bevor. — 192— Clytämneſtra, Aegiſth, Electra, Caſſandra. Clytämneſtra. Boßhafte, freche Feindinn deiner Mutter, Erſcheinſt du öffentlich, du, eine Jungfrau? Eleectra. Ich Jungfrau floh der Ehebrecher Haus. Clytämneſtra. Wer hielte dich für eine Jungfrau? Electra. Niemand: Denn ich bin deine Tochter. Clytämneſtra. Mehr Verehrung Der Mutter! Electra. Dir, dir hab' ich abgelernt Verwandtſchaftspflichten zu erfüllen. Clytmneſtra. Jetzt Schwillt zwar dein Herz von Männerſtolz empor, Doch ſollen bittre Strafen dich bezähmen Und wieder weiblich machen. Electra. Irr' ich, oder Ziemt nicht das Schwert auch Weiberhänden? Clytämneſtra. Wähnſt du, Du Thörinn, du ſeyſt uns gleich? Dei Als Un U —— ta. por, Electra. Euch? wer iſt Dein zweyter Agamemnon? wer? Sprich doch Als Witwe; todt iſt dein Gemahl. Clytämneſtra. Bald werd' ich Als Königinn die ungezähmten Reden Der Frechen ſtrafen; doch nun ſage mir, Sag' alſogleich: wo iſt mein Sohn, dein Bruder? Electra. Weit aus Mycen. Clytämneſtra. Bring mir den Sohn zurück. Electra. Und du den PVater⸗ ClytAmneſtra. Welcher Ort verbirgt ihn? Electra. Ein ſichrer, wo kein neuer Herrſcher droht: Und dieſe Nachricht muß die gute Mutter Befriedigen; die zürnende fragt weiter. Clytämneſtra. Noch heute ſollſt du ſterben. Electra. Gern! doch ja Durch deine Hand! ich weiche vom Altar. Gefällt es dir, das Schwert mir in die Kehle Zu ſenken, ſieh! hier iſt ſie; oder ins Genick, gleich Opferthieren, ſieh! es harrt, Gehorſam harrt es deinem Stahl entgegen⸗ Der Frevel iſt vollbracht, waſch' immerhin Theater. N — 1 0 4— Mit dieſem Blut die Rechte, die dir erſt Des Gatten Mord beflecket, übertüncht. Clytämneſtra. Du Mitgenoß der Herrſchaft und Gefahr, Tritt her, Aegiſth: die Tochter läſtert boßhaft Die Mutter und verhehlet ihren Bruder. Aegiſth. Halt, Raſende, der böſen Stimme Ton Zurück und ſtoß nicht ſolche Reden aus, Die einer Mutter Ohr nie hören ſoll. Ceet3 Auch er, des gräulichſten von allen Laſtern Vollführer, gibt mir Lehren, er, durch Blutſchand Erzeuget, den die Seinen ſelbſt nicht recht Zu nennen wiſſen, er, der Schweſter Sohn, Des Vaters Enkel. Clytämneſtra. Säumſt du noch, Aegiſth, Ihr mit dem Schwert das Frevlerhaupt vom Rum⸗ pfe Zu haun? ſogleich her mit dem Bruder, oder Dem Leben⸗ Aegiſth. In des Kerkers finſtern Mauern Und unter Martern jeder Art verlebe Sie ihre Tag'; arm, dürftig, eingeſperrt, Verſtaltet, Witwe vor der Eh', verbannt, Gehaßt von Allen, mit dem Sonnenlicht Nicht mehr bekannt, erliege ſie den Uebeln.“ Dann zeigt ſie uns vielleicht den Jüngling an, Den ſie uns jetzt verhehlt⸗ ſchand ſh, Ruſ⸗ erh n * — 105— Electra. Gib mir den Tod. Aegiſth. Wenn du ihn ſcheuteſt, dann gäb' ich ihn dir⸗ Ein unerfahrener Tyrann iſt der, Der mit dem Tod nur ſtraft. Electra. Was gibt es Aergers? Legiſth Das Leben, wenn du nach dem Tode ſeufzeſt. * Clytämneſtra. Ihr Knechte ſchleppt das Ungeheuer weg. Weit von Mycen, im Winkel unſers Reichs, Werft ſie in einer Höhle finſtre Nacht, Und bindet ſie, damit der Kerker ſie Bezähme, die aufrühreriſche Jungfrau. Du aber ſollſt mir mit dem Leben büßen, Gefangene Gemahlinn, Buhlerinn Im Fürſtenbette; ſchleppt ſie weg, ſie folge Dem Gatten, deſſen Herz ſie mir geraubt. Caſſandra. O ſchleppt mich nicht; ich gehe vor euch her Und eile meinen Phrygiern die Erſte Die Freudenpoſt zu bringen, daß das Meer Von umgeſtürzten Schiffen voll, Mycen Erobert iſt, und er, dem tauſend Führer Gehorchten, nun mit uns ein gleiches Schickſal Erlitt, auch er durch eines Weibes Liſt und Ehbruch ſiel: nun ſchleppt mich immer fort, N 2 196— Stirb, du Raſende! Caſſandra. Clytémneſtra. Die Raſerey ergreifet bald auch euch. Gelebt zu haben, ſelbſt nach Trojens Sturz Gelebt zu haben. 8 8 — — — — — — 8 5 — 8 — — 8 2 8 — 8 ₰ — du⸗ 8 — — . 8 6 Eduard der Dritte. Ein Trauerſpiel in fuͤnf Aufzuͤgen. Nach dem Franzöſiſchen des Greſſet. *———————— ——— ———— —̃—— ————— Perſonen. Eduard der Dritte, Fönig in England. Alzonde, Erbinn des Schottiſchen Reiches unter dem Nah⸗ men Aglae. Berzog von Vorceſtre, Miniſter. Eugenia, verwitwete Gräfinn von Salisbury, deſſen Tochter. Graf Arondel. Volfar, Hauptmann der Leibwache. Glaſton, Hffiecier derſelben. Ismene, Eugeniens Vertraute. Amelia, von Alzondens Gefolge. Leibwache. Die Handlung gehet in London vor. Des Foiſers Maſeſtät wuͤnſchte gereimte Ueberſetungen Franzöſiſcher Trauerſpiele. Ich wählte dieſes der wohl⸗ gezeichneten Charaktere wegen, und hauptſaͤchlich, weil mich die edle Hffenherzigkeit entzuͤckte, womit der weiſe Vorceſtre dem raſchen Eduard ſo nüßliche Wahrheiten ſagt. „deſſen ſungen rwohl⸗ wonit Erſter Aufzug Erſter Auftritt. Alzonde. Amelia. Alzonde. Weg mit Bedenklichkeit! taub iſt für ſie mein Ohrz Was ſoll ich fürchten, ich, die alles ſchon verlor? Es ende nun einmahl mein Elend, oder Leben! Der iſt der Kette werth, der Freyheit ſich zu geben Richt wagt. Seit dem mein Volk mich wieder zu ſich rief Nach meiner Ahnen Sitz, ich wonnevoll das Schiff Beſtieg, mein Land ſchon ſah, ja mich im Geiſt zurücke Schon wähnet' aber ach! des böſen Schickſals Tücke Auch dieſe Hoffnung täuſcht', und hierher mich ver⸗ ſtieß O wie viel Zeit nicht da mein Haß verſtreichen ließ, Unthätig, unbenützt! Der Rache Schwert zu ſchärfen Iſt Schottland ſchon gelehrt, bereit ſchon abzu⸗ werfen Sein Joch; es ladet mich nach Edimburg*), es harrt Zum Ausbruch ſonſt auf nichts, als meine Gegen⸗ wart: Indeß begnügt ſich hier die Tochter ihrer Fürſten Zu winſeln, wie ein Kind, und Rache nur zu dürſten. Ha! dieſe Maske ſoll nicht länger mich entweihn: Tod oder Königinn muß meine Loſung ſeyn. Amelia. Laß, Fürſtinn! Ueber Zorn nur noch die Klug⸗ heit wachen; Oft ſcheitert ein Entwurf, den wir im Eifer machen. Laß reifen deinen Plan, ſey des Erfolgs gewiß, Und dann verlaß die Stadt; denn könnte dich wohl dieß, Daß du gefangen biſt, erniedern? Was iſt Schande, Von welcher niemand weiß? Dennals in deine Lande Ein Schiff dich bringen ſollt', und in unſel'ger Fahrt Auf Englands Flotte ſtieß, und weggenommen ward, So kannte man dich nicht: noch wiſſen itzt die Britten, Daß ſie die größte Beut', Alzonden ſelbſt, erſtritten. Alzonde. Für Sclavenherzen nur iſt dieſes Troſt; ein Joch, Und ſey's auch unbekannt, drückt Fürſtenſeelen doch. Mag nie ein fremdes Ohr die Kette raſſeln hören, Das meine höret ſie: genug mich zu entehren! Geheimniß decket nur, entſchuldigt Fehler nicht, Wenn hier ein Richter iſt, der uns das Urtheil ſpricht. *) Die Hauptſtadt Schottlands. —— rſten r zu eihn: Klug⸗ chen. . wohl anbe, Lande Fohrt ward, itten/ itten. Joch, doch. bren/ richt — 201—— Auch kann ich Frieden nie mir hoffen, nie mir ſchaffen; Geboren, als ver Zwiſt der Könige mit Waffen Mein Schottland überſchwemmt, mußt' ich, ein Kind noch, fliehn. Mein Vater, mich dem Schwert des Siegers zu entziehn, Lag Aslos*) Fürſten an, mir Zuflucht dort zu gönnen. Ich reiſ“, er ſtirbt inbeß. O hätt' er denken können, Ich, Erbinn eines Throns, von Heldenblut geſtammt, Durch alles um mich her zu blutgem Haß entflammt/ Beſtimmet ſeine Rach' und meine zu vollführen Würd' einen Augenblick in träger Ruh' verlieren! Zwar in Norwegen noch, da konnt' ich ohne Schmach Gebiethen meinem Haß, verſchieben meine Rach', Aufopfern ſie ſogar dem ſchon gehofften Frieden; Denn man hat dazumahl mein PVolk und mich be⸗ ſchieden, Daß bald vereinen würd' ein heilig Liebesband Mit Eduarden mich, mit Schottland⸗ Engelland. Doch langes Zaudern zeigt, daß man uns nur ge⸗ täuſchet: Ich fühle, was von mir die Pflicht, die Rache heiſchet; Der Ahnen Schatten gehn aus ihrem Grab hervor, Sie drohn mir mit der Hand⸗ ſie donnern in mein Ohr: — *) Aslo oder Hpslo, die damahlige Reſidenz der Ror⸗ wegiſchen Fuͤrſten, ſchon im Jahre 1060 von Harald angeleget. —— 202— »Wir herrſchten, und du dienſt; ſtatt Zepter trägſt du Ketten. »Fällt denn dein Vaterland, und kannſt du es nicht retten, »So fall zuerſt: doch nie, nie würdige dich ab! »Zwey Plätze ziemen dir, nur zwey, Thron oder Grab.“ Ehrwürd'ge Schatten, ja! Alzonde wird euch hören, Wird euer Heldenblut durch Feigheit nicht entehren; Obgleich ſie in den Staub das grimme Schickſal warf. Sollt' ihr doch ſehn, ob ſie ein Sieger höhnen barf. Cerechter Eifer! doch kann hier ein Werk ge⸗ lingen So weiter Ausſicht, hier, wo dich nur Feind' um⸗ ringen? Alzonde. Trotz dem Amelia, werd' ich doch meinen Plan (Ich ſchmeichle mir's gewiß) durchſetzen. Hör'ihn an: Der Volfar, den du ſiehſt, des jungen Königs Schmeichler, Mit Gnaden überhauft, der Volfax iſt ein Heuchler. Vorceſtern haſſet er; ſein Anſehn, Einfluß, Rang Iſt ihm ein Dorn im Aug: argliſtig wie die Schlang', Und an Talenten doch nicht fähig ihm zu gleichen, Sucht er ein ähnlich Glück durch Laſter zu er⸗ ſchleichen, Gewiſſer ſchadend, weil er Undank und Verrath Mit jeder Höflingskunſt ſchlau übertünchet hat. Er dient mir; zwar ich weiß, wie ſehr Gefahr wir laufen, Wenn wir Verräthern traun; auch mich kann er verkaufen. Doch both ich ihm zu viel, both ihm in meinem Land Den erſten Platz nach mir: er leiht mir ſeine Hand, Daß ich den Schotten theils durch Briefe mich erkläre, Und ſie ſich mir, theils hier den Geiſt des Auf⸗ ruhrs nähre, Der ſtets noch in der Bruſt der Unzufriednen glüht, und helle Flammen gleich beym kleinſten Hauche ſprüht. O hiervon hoff' ich viel; bey Britten folgen Thaten Stets den Entſchlüſſen nach, ſo wie den Körpern Schatten. Der Ausbruch ihres Zorns iſt raſch, iſt fürchterlich: Heut murret dieſes Volk, und morgen rächt es ſich⸗ Ob ſeiner Ahnen Recht höchſt eiferſüchtig haltend, Mit dem, der es verletzt, als wie mit Räubern, ſchaltend 2 Droht's oft dem Throne ſelbſt, und ſtrafet Könige. Man naht ſich—— Volfar iſt's, der Mitver⸗ ſchworene. Zweyter Auftritt. Volfax. Alzonde. Amelia. Volfax. O Fürſtinn! deine Flucht bleibt allzu lang ver⸗ ſchoben: Faſt jedes Hinderniß hab' ich bereits gehoben. Bald iſt dein Erbe dir zurück geſtellt, die Schmach Gerächt; der Sieger hängt nun andern Sorgen nach. Verwirrung herrſchet hier: das Heer, gewöhnt zu ſiegen, 3 Verlangt nach Eduard, verlangt nach neuen Kriegen. Auch neigt zu dem Entſchluß ſich ſtets ſein Heldenſinn, Und ich, treu unſerm Plan, beſtärk' ihn noch hierin. Jedoch Vorceſtre's Rath, Vorceſtre's Wunſch iſt Friede: Den wird er Eduard zu predigen nicht müde. Doch glückt's dem Stolzen auch den Frieden zu erflehn, So ſtürz' ich dadurch ihn; er ſteht auf ſteilen Höhn, — 2b4— Und rings iſt Abgrund. Schon ſucht' ich ihn anzu⸗ ſchwärzen, Verdacht zu wecken ſelbſt im königlichen Herzen, Sucht' Argwohn wider ihn argliſtig auszuſtreun: Ein Schritt noch, und er wird nicht mehr im We⸗ ge ſeyn. Auch Schottland beut die Hand: erſchein an ſei⸗ nen Küſten, Erſchein nur, und ein Heer wird dir zum Dienſt ſich rüſten. Alzonde. Indeſſen deine Liſt das Herz des Königs ſucht, Und immer mehr zum Krieg entflammt, ſeh' ich die Flucht Zu fördern: doch ich darf nicht ſo verſtohlner Weiſe Forteilen; meine Flucht ſeh' ähnlich einer Reiſe. Doch nun entferne dich: nimm jeden Wink in Acht; Ein längeres Geſpräch erregte leicht Verdacht. (Volfar ab). zu hn, zu⸗ ſei⸗ enſt 6 Dritter Auftritt. Alzonde. Amelia. Alzonde. Du ſiehſt, wie alles ſich zum großen Zweck vereinigt: Doch wiß noch einen Grund, der meine Flucht be⸗ ſchleunigt. Wiß, Arondel, der einſt mich in Norwegen ſah, Iſt, wie verlautet, hier. Gott wie viel wagt' ich da, Wenn er mich ſäh', erkennt'! O laß von hiek uns eilen; Wir dürfen länger nicht, als dieſen Tag, verweilen. Amelia. und ſcheinet dir ſo leicht die Flucht Gefan⸗ gener? Alzonde. Porceſtre ſchützet mich, der Troſt Unglücklicher. Er wird nach Neuſtrien(du weißt es ja, ſie glauben, Dieß ſey mein Vaterland) die Rückkehr mir erlauben: Hier eben ſucht' ich ihn. Ach, da ein Thron bereit Mich zu empfangen ſteht, da meine Sicherheit, Da Schottlands Wohl mir räth, ſchnell dieſe Stadt zu meiden, Kann ich(glaubſt du es wohl ¹) von hier nur zit⸗ ternd ſcheiden. Amelia. Was hielte denn dich hier? iſt dir nicht ein Pallaſt, Den dieſe Fremdlinge ſo ſtolz geſchmückt, verhaßt? Siehſt du nicht mit Perdruß ſich übermüth'ge Britten — 20 6— Mit friſchen Lorbern blähn, den Schotten abge⸗ ſtritten? Und deiner Ahnen Thron von Eduard entweihn, Dem Räuber deines Glücks, dem Wüthenden— Alzonde. Halt ein! Entwirf, ſtatt einen Held, der Erde Stolz, zu mahlen, Nicht eines Wüthrichs Bild; Trotz aller meiner Qualen Zürn' ich auf Eduard nicht, mein Schickſal klag“ ich an, Und wer auch zürnt' auf ihn, den liebenswürd'gen Mann? Genug! das Uebrige mag meine Röthe ſagen. O Gott! ich konnte ſo mein Leiden kaum ertragen, War ſo ſchon tief gebeugt, und ach! nun kömmſt auch du Mit deiner Höllenpein, grauſame Lieb', hinzu! Ich lang' hier an, die Bruſt von Zorn und Rach' entzündet: Ein Blick von Eduard— und Zorn und Rache ſchwindet; Die Liebe zieht, damit's zum Widerſtand an Kraft Uns fehle, mit in's Spiel die Lieblingsleidenſchaft. So machte ſie in mir Stolz und die Hoffnung rege: Wie? wenn Britanniens Held zu deinen Füßen läge; Du, die du ſeine Kett' ißt um dich klirren hörſt, Des Siegers Siegerinn, die Hochbeglückte wärſt, In deren treuen Arm er aus dem Schlachtfeld eilte, zu er — 207— Und die, ſo wie ſein Herz, auch ſeine Lorbern theilte? Dieß fliſtert ſie mir zu: ich aber hör' es kaum, So häng' ich auch ſchon nach dem wolluſtvollen Traum, Und rein vergeſſen ſind die königlichen Triebe, Die Ahnen, meine Lag': und Liebe, nichts als Liebe, Lieb' herrſcht in meiner Bruſt. Zwar trug ich Feſ— ſeln, ja! Doch gernetrug ich ſie, denn ihm, ihm war ich nah' Doch, Hirngeſpinnſt, entflieh! verfehlt hab ich's, verfehlet Der ſüßen Hoffnung Ziel,„er hat bereits ge⸗ wählet. Auch iſt— ſcharf ſieht das Aug' der Nebenbühlerinn— Sie meinen Blicken nicht entwiſchet; immerhin! Mag er! denn was hab'ich mit Liebe noch zu ſchaffen? Weg, weg damit! mein Loos iſt Herrſchen nur und Strafen. Und weil die Liebe denn an dieſem Hofe hier Mein Elend voll gemacht, ſo mag ſie auch dafür An eben dieſem Hof mit Blut und Thränen büßen. Porceſtre kömmt. Laß uns! ich will mein Schick⸗ ſal wiſſen. Vierter Auftritt. Alzonde unter dem Rahmen Aglae. Vorceſtre. Alzonde. Du, der theilnehmend ſtets Elender Klagen hört, Und ihrer Bitten ſie, vermag er's, gern gewährt, ———————————— ————— — 208— Pieh Mylord! auch auf mich mit väterlichem Blicke. Ich wünſch', ich ſehne mich nach Neuſtrien zurücke. Zwar weiß ich, daß ich kaum hierher gefangen kam, Als mich auch ſchon in Schutz Porceſtre's Groß⸗ muth nahm: Zwar kann mir dieſer Hof bey jenen Ehren allen, Die er auf mich gebracht, nicht anders als gefallen: Doch bin ich fremd, und, Herr, verzeih! das ſtärk⸗ ſte Band Knüpft dennoch immer uns an unſer Vaterland. Ich weiß, mein Flehen wird dein edles Herz er⸗ weichen; Dir iſt's ja ſüß, die Hand Unglücklichen zu reichen. PVorceſtre. Wenn ich das Werkzeug bin, wodurch der Himmel dir Dein Schickſal linderte, hat meine Freundſchaft hier Den Aufenthalt am Hof an meiner Tochter Seite Dir ehrenvoll gemacht, Aglae! o ſo ſtreite Dein Wunſch mit meinem nicht! von Reiſen ja nichts mehr, Nuritzo nicht; denn nie bedurft' ich dein ſo ſehr. Geheimer Kummer nagt an meiner Tochter Herzen, Ich weiß nicht deſſen Qual: doch theil' ich ihre Schmerzen. Sie will von London weg nach einem Landgut ziehn, Und hofft, ſo wie der Stadt, dem Gram auch zu entfliehn. Und du verließeſt ſie in einer ſolchen Lage? Vereinige vielmehr mit eines Vaters Klage der thier eite n 0 rzen/ ihre ndhu auch — 20 9— Der Freundſchaft Bitte: frag ihr ab, was denn zum Glück Ihr fehl', und halt ſie hier in meinem Armzurück. Du ſelber, dieſe Zeit zu deiner Reiſe wählend, Erreiſeteſt vielleicht dir nichts als neues Elend. Unſicher iſt die Fahrt; ein Reſt von Schottlands Heer, Entronnen aus der Schlacht, durchkreuzet noch das Meer. Drum laß rückkehren erſt nach Engelland den Frie⸗ den, Und wenn du drauf beſtehſt, ſo ſey es dann ge⸗ ſchieden. Alzonde. Wer eilt ins Vaterland, kann der Gefahren ſcheun? Doch, Herr, vergib! ſoll ich vielleicht die erſte ſeyn, (Warum denn eben ich*) die unerhört dich bittet, Und die ihr Herz vor dir vergeblich ausgeſchüttet? Sonſt fiel es ja dir hart, ſelbſt glücklich, um v6 her Unglückliche zu ſehn? Vorceſtre. Ich glücklich? o wie ſehr Betriegt der Schein! der Rang, an den man mich geſchmiedet, Verträgt ſich nicht mit Glück. Wenn oft mein Geiſt ermüdet, Und hinſinkt, ſehet ihr beym Glanz der Eitelkeit Die Außenſeite nur, und nicht mein innres Leid. O allzu ſchwere Laſt! um ſich nur Neider haben, Die heilſamſten Entwürf⸗ heimtückiſch untergraben, Und über Hof⸗Cabal' und über Völkerwehn, Oft über Zufall ſelbſt ſich aufgefordert ſehn Theater. O — 210— Zu ſtrenger Rechenſchaft, des ganzen Reiches Plagen Und deſſen Sorgen all auf ſeinen Schultern tragen, Das iſt das goldne Joöch, vom Himmel mir be⸗ ſchert; Ein Loos, beneidet ſtets, und ſtets bedauernswerth. Nebſt ew'ger Sclaverey, Verläugnung und Gefahren, Die, ach! von je her ſchon Miniſter⸗Antheil waren, Erſchwert noch dieß mein Amt, daß hier die höch⸗ ſte Macht Getheilt iſt: beyderſeits belauert mich Verdacht. Ich darf dem Throne nichts, darf nichts dem Volk vergeben, Soll zwiſchen Monarchie und Frepheit Bande weben, Die beyde durch ſich ſelbſt beſtärken, ſo daß frey Das Polk, der König nur der erſte Bürger ſey. Auch fehlts mir ſchon an Kraft, die Rolle fortzu⸗ ſpielen; Wer vieler Herr iſt, der iſt auch der Sclav' von vielen, Und Menſchenherrſcher ſeyn iſt nur ein traurig Recht. Zu ſehn, wie thöricht dieß armſelige Geſchlecht Wünſcht, handelt, Plane macht, ſich koſet oder necket, Und mit Scheintugenden wahrhafte Fehler decket, Zu ſehn, wie jeder Tag die Warnung uns erneut: Die Größe ſey ein Nichts, das Leben Eitelkeit. Doch ſieh! der König. Geh, Eugeniens Gram zu lindern: Ich will befliſſen ſeyn, den deinen auch zu mindern. lagen agen, ir be⸗ verth. hren, aren, ht. Volk eben, e ey⸗ orthl⸗ n Recht. cht oder ecket rneut keit. am ju ern⸗ 2 Fuͤnfter Auftritt. Eduard. Vorceſtre. Volfax. Glaſton. Wache. Eduard(zu Volfar.) Ja, Polfax, mach' es kund, daß Eduard gern ge⸗ währt, Was itzt ſein Heldenvolk durch dich von ihm begehrt. Soll unſre Gränzen ſtets nur die Natur beſtimmen? Soll hoher Muth umſonſt in Britten⸗Herzen glimmen? Nein! bald muß Englands Fahn' an fremden Ufern wehn, Und halb Europa ſich in unſern Banden ſehn. Anſtatt im Hafen hier unthätig ſtill zu liegen, Soll meine Flotte nun durch alle Meere fliegen, Daß, wo ſie ſich nur zeigt, ſie Völkerrichterinn, Der Welt Erſtaunen ſey, Europens Königinn; Mein London aber ſtolz die andern Städte frage: Wer zählt, wie Eduard, ſo viele Sieg' als Tagek (Zur Wache ²) Ihr laßt uns! Sechster Auftritt. Eduard. Vorceſtre. Vorceſtre. Herr! verzeih, wenn mir ins Angeſicht Der-Seele Kummer ſtieg; ihn bergen konnt'ich nicht. Du ließeſt, angeſteckt vom Eifer der Soldaten, Da Staat und Menſchlichkeit dir laut zum Frie⸗ den rathen, 4 —————— ———————— Da freudig ſchon das Volk die Früchte deines Siegs Erwartet, wieder los die Furie des Kriegs? Der Offenherzigkeit bin ich ſtets treu geblieben: Nun da's Entſcheidung gilt, muß ich ſie doppelt lieben. Ein edles freyes Volk thut dir durch meinen Mund Die Rechte, die es hat, und ſeine Wünſche kund. Den Krieg, ein Uebel ſtets, doch damahl unentbehrlich, Beganneſt du mit Muth, und endeteſt ihn herrlich, Dein Recht auf Schottlands Thron, ſo dir dein Ahnherr ließ, Behauptend. Engelland erwartet nur noch dieß, Daß du die Schotten nun, die, ſchon ſo oft be zwungen, Sich allzeit wieder los von unſerm Joch gerungen, Auch durch ein heilig Band an uns zu knüpfen ſtrebſt, Und ihrer Fürſten Kind mit auf den Thron erhebſt. Ich weiß, daß dieſes Land ſchwer ſeine Frevel büßte, Entvölkeret, verheert und ähnlich einer Wüſte Nur wenig Rächer zählt: ich weiß es, jetzund räth Ihm alles, ja dich nicht zu reitzen. Aber ſteht Vor unſern Blicken auch das Buch der Zukunft offen? Und darf der Schotte nie auf beſſre Zeiten hoffen? In ſeiner Söhne Bruſt erloſch noch Rache nicht. Wie? wenn ſie jähling aus in neue Flammen bricht, Er uns die Kette gibt, womit wir ihn gebunden? Ein unverſehner Streich ſchlägt immer tiefre Wun⸗ den. Kein Schott', Erfahrung lehrt's, war ruhig je ein Sclav', Und wo es Freyheit gilt, iſt auch der Feige brav⸗ Ziegs oppelt Mund und. hrlich, trlich, rdein ngen, ſtrehſt, thebſt. hüßte, d rith ht ofen! offen! cht. briht nden Wun⸗ je ein — 213— Die Häupter ſind dahin: doch wird in ſolchen Kämpfen Der erſte Waghals ſchnell ein Haupt, ein Held. Zu dämpfen Hoffſt du den Aufruhr leicht, ſiehſt neue Siege nur Für dich voraus? es ſey! doch wenn das Glück auch ſchwur, Von deinen Fahnen nie zu weichen, o ſo klebet Doch allzeit Menſchenblut am Heldenlorber. Bebet, Ihr Fürſten! denn ein Gott gab es in eure Hand, Und fordert's einſt von euch. Du, Herr, kannſt Engelland In ſeinen Hoffnungen, auch wirſt du es nicht täuſchen, Wirſt thun, was Pflicht von dir, und Wohl des Landes heiſchen. Du warſt ſo frühe ſchon Held und Eroberer, Sey nun auch guter Fürſt, das iſt dein würdiger. Nach dieſem Titel wird's dein großes Herz verlangen: Drum laß den Frieden uns von deiner Hand em⸗ pfangen. Schick', um in Zukunft auch zu ſichern unſre Ruh', Geſandte morgen nach Norwegens Küſten zu, Die dort dein Ehband bald zu knüpfen ſich befleißen: Dieß hofft der Staat von dir, und das haſt du verheißen. Eduard⸗ Owelch' Erinnerung! Vorceſtre, nein! nichts mehr Von dieſem Band; mein Herz verabſcheut es zu ſehr. Vorceſtre. Wie? hör' ich recht? doch nein! du ehreſt dein Verſprechen, — 21 4— Du ehrſt dich ſelbſt zu viel, um jemahl es zu brechen: Alzonde theilt gewiß dein Bert, ſo wie dein Reich. Iſt nicht ein Fürſtenwort den Götterſprüchen gleich? Das deine, von dem Staat ſchon feyrlich ange⸗ nommen, Hat dadurch einen Grad von Würde mehr bekommen. Gefährlich wär' ein Bruch; den König, der Gehör Richt dem Geſetz mehr gibt, hört England auch nicht mehr. Rie kann er ungeſtraft dawider ſich vergehen; An eines Abgrunds Rand ſcheint dieſer Thron zu ſtehen: Er ſinkt unfehlbar, ſtützt ihn nicht Gerechtigkeit. Drum gibt mein Eifer, gibt mir deine Sicherheit Ein Recht, daß ich dir frey auch kühne Waohrheit ſage, So wirf nur einen Blick auf deiner Ahnen Tage! Herr, ihre Tugend lehr', ihr Unglück warne dich. Noch mehr— ich mein' es treu, warum verkleinert' ich? Auch unſre Zeit kann dir ein redend Beyſpiel geben; Dein Vater ſelbſt verlor die Kron'eh' als das Leben. Im Leben glücklich ſeyn, und noch im Tod gekrönt, Das konnt' er, hätt' er nur nicht das Geſetz gehöhnt, Dos größer war, als er. Nie um Gefahr bekümmert, Hat oft die Freyheit hier den blut'gen Thron zer⸗ trümmert, Hier, wo man Tyranney den Despotismus ſchilt, Wo, was das Vaterland nur rächt, für Tugend gilt. Eduard. Mein Thron der fürchtet nichts, da Helden ihn umringen, techen Reich. gleich ange⸗ mmen. Gehor h nicht ron 3u keit. hetheit eit ſage, Loge! ne dich. kleinert geben leben. krönt, ehöhnt, immert, ron zer⸗ ſchilt/ end gilt. den ihn Gebildet unter mir: g'nug ſieggewohnter Klingen, Dräng' auch ſich bis zu mir hinan Rebellentrutz, Entführen ihrer Scheid', und föchten mir zum Schutz. Doch ſagteſt du nicht auch, der Staat, der Staat beſtünde Auf Frieden, ſagteſt du? o der einſeit'gen Gründe! O des mißbrauchten Worts! Sprich, iſt denn der Soldat, Er, der ſein Leben ſelbſt dahingibt für den Staat, Richt deſſen beſſrer Theil? und ein Paar Dutzend Greiſe, Voll von ſich ſelber nur, und ſpät durch's Alter weiſe, Die lahmten deſſen Fuß, der ſchon zum Siege läuft, Die hielten deſſen Arm, der ſchon nach Lorbern greift? Mag man doch Unheil mir pathetiſch prophezeyen: Ich werd', auch darf ich nichts bey ſolchen Stützen ſcheuen. Pon vielen Königen ſtammt euer König ab, Doch ahmt er keinen nach, als der Geſetz' euch gab⸗ An Plane, die der Held reif mit ſich ſelbſt erwogen, Legt er auch Hand⸗ wenn gleich ſich drüber ungezogen Ein Volk geberdet, das nichts als gehorchen ſoll. Ja eben dieſem Volk gefällt zuletzt doch wohl Jedwede Neuerung, es lernet jenen ſchätzen, Der aushielt: magſt du auch aufs Spiel die Krone ſetzen Gewinn nur, und du haſt ihm nie zu viel gewagt. Rur dem Erfolg gemäß bewundert's, oder klagt. PVorceſtre. Gewalt,(omöchte doch dein Engel dich bewahren, Ja dieſe Wahrheit nie, nie ſelber zu erfahren!) 316— Gewalt erhält kein Reich, und wenn ich's ſagen darf, So wiß! das Polk, wie es ſich Einem unterwarf, Wollt' ihm zu Kindern ſich, zu keinen Sclaven eignen, Und ſeine Freyheit mehr noch ſichern, nicht ver⸗ läugnen. Dein Recht beſiegelt das, daß du geliebet wirſt: Lieb auch! mach unſer Glück! deßwegen biſt du Fürſt. Eduard. Wohlan, ein Mittel noch den ganzen Zwiſt zu enden, Noch eines übriget, und— ſteht in deinen Händen. Nach Sieg gelüſtet's mich, mein England wünſchet Ruh', Ich opfre ſeinem Wunſch den Heldenruhm: doch du, Du aufgeklärter Freund von dieſen ſtolzen Räthen, Vertritt bey ihnen mich, wie du jetzt ſie vertreten. Sie thun auch was für mich, der viel für ſie gethan. Als weiſer Bürger und als treuer Unterthan Bewirke, daß man nicht bey meinem Wort mich faſſe, Und mich mit Thron und Herz nach Willkühr ſchal⸗ ten laſſe. Wer wird denn banges Blicks ſtets in die Zukunft ſehn? Zu hart fiel Schottland auch, um wieder aufzuſtehn. Und nun denn, du, mein Freund(denn ſo darf ich dich nennen), Kennſt meinen Ruhm, lern' jetzt auch meine Schwach⸗ heit kennen: Wiß, daß bey all dem Prunk mich inn'rer Kummer drückt, Za ſiegreich und gekrönt bin ich, doch nicht beglückt. 2 2 22 darf, warf, onen, ver⸗ mer ct. Ich ſuche Lärmen, mich der Schwermuth zu entziehen, Ich fliehe vor der Ruh', ach! vor mir ſelbſt zu fliehen. Vorceſtre. Herr! was, was fehlte dir? Eduard. Des Tugendhaften Blick Scheut edle Liebe nicht: warum hielt ich zurück Mit dir? Ich ſchätze dich, kann, ohne zu erſchrecken, Dir mein Geheimniß, ja, und dir zuerſt entdecken: Die Tugend und der Reitz, weit über jeden Rang Erhaben, zeichnen aus die, der ſo ſtark, ſo bang Dieß Herz entgegen klopft: auch wirſt du meine Flammen— Hör' ihren Nahmen nur— du wirſt ſie nicht ver⸗ dammen. Beglückter Vater! ja—— doch wie? zurück fährſt du? Du bebſt, deckſt mit der Hand die bleiche Wange zu? Vorceſtre. Den, welchem Ehre glänzt, den kann nicht Hochmuth blenden. Es ehret meinen Stamm, ſo bald ihn Laſter ſchänden, Kein Zepter; Tugend iſt mir theurer noch, denn er, Und Bürger ward ich eh“, als Vater: nimmermehr Perführt mich Stolz und Rang und Kron' und all die Götzen Der Menſchengröß'; in ſich ſind ſie für nichts zu ſchätzen. Die wahre Größe ſteckt in ſchalem Prunke nicht: Aus nichts keimt ſie hervor, als aus erfüllter Pflicht. — 216— Doch dieſe Schwachheit wird bey dir nicht Wurzel ſchlagen, Du ſetzeſt nicht den Ruhm von deinen Jugendtagen, Glück, Frieden, ſelbſt den Thron, vielleicht noch mehr aufs Spiel. Mein König, glaube mir, ich fürchte nicht zu viel, Ich kenne dieſes Meer, befahr es ſchon ſo lange, Sah manchen Schiffbruch ſchon. Nur dieſes macht mich bange: Ein leiſes Lüftchen wird oft Sturm, und dann iſt hier Nichts heilig als der Staat: ja hat man Unheil dir Beym Ausbruch ſolches Sturms als ungewiß ver⸗ kündigt, So hat man ſich am Staat, der Ehr' und dir verſündigt. Eduard. Dein Eifer iſt mir werth, doch ſiehſt du all⸗ zu weit, Vielleicht zu dunkel auch aus lauter Sorgſamkeit. Ergrauet in dem Rath, gewöhnet an den Frieden, Willſt du, ich ſoll auch mich an Vorurtheile ſchmieden, Hältſt ſie für Regeln, bloß weil ſie ihr Alter ſchützt, Und nur den Thron für feſt, auf dem ein Schwäch⸗ ling ſitzt. Weit anders denkt der Held: er ſieht ſich Menſchen fröhnen, Er ſieht den Himmel ſelbſt all ſeine Thaten krönen, Ihn hat ſein großes Herz zum Herrn der Welt be⸗ ſtimmt, Der zwar Geſetze gibt, doch niemahl welche nimmt. urzel tagen, t noch u viel, nge macht nn iſt eil dit ß ver⸗ nd dir du al⸗ nkeit. rieden⸗ nieden/ ſchützt, hwäch⸗ enſchen krönen/ zelt be nimmt — 219— Und ich, ich ließe mich vom frechen Pöbel leiten? Ich ſetzte mich zurück in meiner Ahnen Zeiten, Und bräche, ſo wie ſie, auf Thronen unterthan, Aus ſchnöder Feigheit nie mir eine neue Bahn? Bey Gott, die brech' ich mir! genug, du wirſt mich faſſen, Auch unterſtützen: doch Eugenia will verlaſſen, So ſagte man, die Stadt. Geh, halt ſie hier zurück; Ein Thron erwartet ſie—— trau' immer meinem Glück, Vielleicht auch meinem Ruhm, und endlich einem Heere. Der Pöbel rechne drauf, daß ich ihn ſchweigen lehre. Wer höhnet mein Geſetz, wer reitzet meine Wuth, Der ſoll's nicht ungeſtraft, für das bin ich dir gut. Vorceſtre. Du willſt ein edles Volk durch Sclavenketten ſchmähen? Wohlan! ſo ſieh denn hier dein erſtes Opfer ſtehen. Ich kenne meine Pflicht, hab' ihr ſtets nachgeſtrebt, Soll ich ſie kränken itzt? Sprich! ich hab' ausgelebt. Eugenia denkt wie ich, das hoff'ich; denn Verräthern Dankt ſie ihr Daſeyn nicht. Von allen unſern Vätern War jeder Biedermann, war jeder Patriot. Auch ſie zieht Weigerung und ehrenvollen Tod Gewiß dem Throne vor: doch machte falſche Größe Sie ſchwindlicht und der Pflicht uneingedenk, vergäße Bis dahin ſich ihr Herz, ſo bannt ſie mein Geheiß Aus Engelland: ſie ſoll—— Eduard. Genug, verweg'ner Greis! ————————————— —.—.—— —,——— Sieh zu, daß nicht zu ſehr dein Scharfſinn mich erbitt're: Thu, wie ich dir befahl! hörſt du? wo nicht, ſo zittre! Mir laß ſie, mir allein die Sorge für den Staat; Denn herrſchen kann ich ſelbſt, und brauche nie⸗ mands Rath. (Ab.) Siebenter Auftritt. Vorceſtre. Welch böſer Genius verſcheuchet ſtets den Frieden Von dir, mein Vaterland! wie leicht, o weh mir müden, Betäubten Wanderer! wie leicht tritt ſichs hier fehl!— Und dein Rath fehlt mir auch, geliebter Arondel! Welch' Einſamkeit hält dich, du weiſer Mann, ver⸗ borgen? Du Unbeſtechlicher? O daß, ſeit als den Sorgen, Den Ketten eines Hofs dein freyer Fuß enteilt, Vorceſtre nie erfuhr, wo denn ſein Freund verweilt! Verlaſſen ſteh' ich hier. Wohlan denn, Himmel! wache Du für die Redlichkeit, du für die gute Sache! Noch ein Mahl höre mich der Held, doch, großer Gott! Iſt er nur Wüthrich mehr, dann höre du mich, Tod! nmich zittre! ötaat; e nie⸗ Ab) eden mir 1— ndel! „ver⸗ gen t/ veilt! vache zott! Tod! Eſter Auftritt Eugenia. Ismene. Ismene. Wes will der Blick voll Scham, der ſchüchtern um ſich ſchauet? Gereut dich's, daß du ganz der Freundſchaft dich vertrauet? Iſt denn der Gegenſtand von deiner Leidenſchaft, Iſt Eduard dein nicht werth, ſie ſelbſt nicht tu⸗ gendhaft? O Gräfinn! ſolche Gluth beſteht mit Zucht und Ehre. Wer würde ſchuldlos ſeyn, wenn Lieb' ein Laſter wäre? Eugenia. O über deine Liſt, durch die mir das entfuhr, Was ich der ganzen Welt ſtets zu verhehlen ſchwur! Grauſame! ſollteſt du nicht meine Schwachheit ehren, Mich tröſten liebevoll, mich ewig ſchweigen lehren? Doch weil ich mich vergaß, weil dieſe Thräne mich Beym Nahmen Eduard verrieth, ſo fleh' ich dich, 222— Schon' eines armen Weibs Schamhaftigkeit, errege, Sie durch Geſpräch nichtmehr, damit ich zweifeln möge, Ob dieß Geheimniß je entſchlüpfte meiner Bruſt, Ob du es annoch weißt, ob du es je gewußt. Ismene. Warum verbargſt du mir dein Leiden? fließt die Thräne Nicht ſüßer an der Bruſt der Freundſchaft? Eugenia. Ach, Iſmene! So frühe ſchon der Pflicht geopfert, und dem Schmerz Ein Raub, wagt' ich kaum ſelbſt zu blicken in mein Herz. Und dieſes wunde Herz, wann war es je ſein eigen? Wann konnt' es je der Welt ſich unverſchleyert zeigen? Salisbury erhielt von mir nur meine Hand, Wie konnt' er fordern mehr? ich hatt' ihn kaum gekannt. Zwar zärtlich, ſanft, getreu, ſchien er nur mir zu leben: Ich weiht' ihm Dankbarkeit, mehr konnt' ich ihm nicht geben; Mein Herz ſparrt', immer frey, ein ſüßeres Gefühl Für einen andern auf. Doch grauſam trieb ſein Spiel Das böſe Glück mit mir! denn nun rief ſeine Tücke Zum zweyten Mahle mich an dieſen Hof zurücke. Hier mußte—(tadle mich, du ſtrenge Tugend! nicht, Wenn dieſer Seufzer warm aus meiner Seele bricht) Hier mußte meinem Blick der junge Held begegnen! Stets werd' ich dieſen Tag beweinen, ſtets ihn ſegnen! Er ward mir mehr als Herr: in ſüße Trunkenheit War meine Seele ganz verſunken! all' die Zeit, —) 223 ertege, Wo ich ihn nicht geſehn, wo ich ihn nicht geliebet, mige, Hielt ich für undurchlebt. Entzückt, und doch betrübet, ruſt, Mein nicht mehr mächtig, klagt' ob dieſem ſüßen Wahn ßt. Mich mein Gewiſſen ſelbſt im Schooß der Tugend an. Doch ſtets bezwang ich mich; die Pflicht, und der ießt Gedanken, Daß ich nicht mein mehr ſey, erhielten mich in Schranken. Ich ſchwieg, ich kämpft', ich ſchwieg: was aber ſnene! hält mich itzt, hmer Da nicht mehr Gattenpflicht mein wehrlos Herz be⸗ nnein ſchützt? O in den Abgrund mich nicht ſelbſt hinein zu ziehen, igen Bleibt mir ein Mittel nur— ſchnell dieſe Stadt igen? zu fliehen. Ich muß, ich werd' es. Lieb' iſt ohnehin ſo ſchwach, tum Und laäuft dem kleinſten Schein von einer Hoffnung nach. ſeben: Ja, Freundinn! ſelbſt bey mir gab's Augenblick', hn in denen Sich meine Leidenſchaft, ſonſt nur genährt von zefih Thränen Syiel Nicht unbelohnet glaubt'; e hing, ſo dünkte mich, gid⸗ An meines Eduards Blick oft warm und inniglich! Und wenn er ſprach mit mir, ſo ſchien mir ſeine Rede, ice Trotz ſeinem Heldenernſt, oft zärtlich, ja wohl blöde. nicht Doch weg mit Träumerey! ſie mehret nur mein Leid: ihti) Nichts übriget mir mehr als Tod und Einſamkeit. gnenf Kömmt denn mein Vater nicht? Daß er, der doch nl mich liebet, nheit Aus dieſem Qualenort zu retten mich verſchiebet! t/. Ismene. Bald wirſt du hier ihn ſehn: doch warum flie⸗ heſt du? Was ſchließet ſich dein Ohr der Hoffnung Liſpeln zu? Hat Englands Thron nicht Reitz? Eugenia. Schweig, ſpare deine Künſte, Als eine Wirklichkeit mir ſchöne Hirngeſpinnſte Zu zeigen. Weg damit! was ſollen Schmeicheleyn Mir, meiner Leidenſchaft? Das Glück, geliebt zu ſeyn, Will ich, ſo ſüß es iſt, mit keiner Schwachheit kaufen: Drum laß mich der Gefahr, o laß mich ihr entlaufen. Voll Mißtrauns in mich ſelbſt, verlaſſ' ich dieſen Ort, Ich fliehe, was ich lieb', und immer ſeufz' ich fort. Der Tod— was zaudert er?— nur der löſcht mei— ne Flammen: Doch raff' ich noch zur Flucht die letzte Kraft zu⸗ ſammen, Will grauſam gegen mich, und treu ſeyn meiner Pflicht; Mehr kann ein ſterblich Weib bey ſo viel Schwach⸗ heit nicht. Wer dann mich ſtrafbar glaubt, der rechn' es zum Verbrechen Dem Himmel an, nicht mir! Nur— du mußt mirs verſprechen! Nur du entzieh nicht auch mir deine liebe Hand! Verlaß die Freundinn nicht an ihres Grabes Rand! Auch wirſt du lange nicht mitfühlen meine Schmerzen; Mein Tod, der uns befreyt, iſt ſchon in dieſem Herzen. M N N. un fie eln zu Künſte, ſte helehn ſeyn, achheit aufen. en Ort, h fort. ht mel⸗ aft zu⸗ Ppfichtj hwach⸗ es zum t mits — 225— Bis dahin tröſte mich; du noch mein einzig Glück In meiner Einſamkeit, verbirg vor meinem Blick Den liebenswürd'gen Mann, und zeige mir den König. Sag: Eduard ſey zu groß für mich, ihn rühre wenig, Er wiß'es nicht einmahl, mein immerwährend Leid, Und einer andern ſey ſein ganzes Herz geweiht. Du ſiehſt, ich helfe dir mich ſelbſt zu hintergehen, Vielleicht werd' ich dadurch mich doch geheilet ſehen. Doch nein! ſprich nie von ihm in meinem Zufluchtsort, Kein Wort von Eduard, hörſt du? kein einzig Wort! Ach! warum hat das Glück, ſtets über mich ergrimmet, Selbſt meines Lebens Reitz zu deſſen Qual beſtimmet, Und eine Leidenſchaft zur Schwachheit umgeprägt, Die Tugend ſollte ſeyn, da Ruhmgier ſie erregt? Man kömmt, entferne dich— Zweyter Auftritt- Vorceſtre. Eugenia. Eugenia. Ich ſuchte dich nun eben. Zu meiner Reiſe war ſchon der Befehl gegeben: Was widerrufſt du ihn, mein Vater? ſoll ich denn um dieß das erſte Mahl zu dir vergeblich flehn? Wie? du antworteſt nicht? wie? dein Geſicht wird trüber, Voll Ernſtes?— Vorceſtre. Weichlichkeit laß kleinen Seelen über! Die Zeiten ändern ſich: der Weiſe folget nach, Und ändert auch zugleich Geſinnungen und Sprach' Theater. P Eugenia! kenneſt du wohl deinen Stamm? die großen, Die braven Männer all', aus dieſem Stamm ent⸗ ſproſſen? Eugenia. Ich weiß, nur Bürgerfreund' hat er hervor gebracht, Und mein Herz lehrt mich, wie das ihrige gedacht. Vorceſtre. Die Welt weiß, was wir thun, der Himmel, wie wir denken. Doch ſage, müßt' es mich und unſre Väter kränken, Wär' jetzt der ganzen Welt, wie du denkſt, offenbar? Eugenia. Ich weiß, daß Schwachheit nur ſtets unſer An⸗ theil war. Den Männern ziemt's, den Staat zu ſchützen, zu regieren: Wir können nichts, als ihn durch unſre Sitten zieren. Und doch, ich fühl' in mir(ſey's nun in unſerm Blut, Sey's durch dein Beyſpiel, Herr!) zuweilen Helden⸗ muth. Iſt je mein Tod dem Staat mehr als mein Leben nütze, So fall' ich gern für ihn als Opfer oder Stütze, Gern unterzieh' ich mich der ſonſt ſo bittern Pflicht, Mein Vater! denn ſo ſehr häng' ich am Leben nicht. Der Himmel zeuge mirs! nicht Hoffnungen, noch Ju⸗ gend— Vorceſtre. Mein Kind, nicht deinem Schwur, ich glaube deiner Tugend, großen, nm ent⸗ rhewor gedacht. Himmel, kraͤnken, fenbar? nſer An⸗ tzen zu nzieren m Blut, Helden⸗ in Leben tütze/ pficht, en nicht. noch Il⸗ gloube Ich glaube meinem Blut. Laß die Gelegenheit, Die in Jahrhunderten ſich kaum dem Weibe beut, Nicht ungenützet; wiſſ', zu noch erhabnern Stufen, Als unſre Väter ſelbſt, hat Ehre dich gerufen; Es gibt noch einen Rang, der über Throne reicht, Und— dein iſt, wenn dein Herz ſich deſſen würdig zeigt. Eugenia. Gebeut! du biſt ja ſtets Herr über meine Tage. Von dir geſchätzt zu ſeyn, was iſt, das ich nicht wage? Vorceſtre⸗ Dein Ausſpruch richte dich: dein Vater— denk' den Fall— Hat zwiſchen Englands Glück und einem Thron die Wahl. Der Thron iſt ſein, er darf nur Pflicht und Land verrathen, Nun wanket ſein Entſchluß: was würdeſt du ihm rathen? Eugenia. Ich rieth' ihm Weigerung und ehrenvollen Tod; Mehr als ein böſer Fürſt gilt mir ein Patriot. Vorceſtre. Das ſprach die Tugend ſelbſt. O nun fahr' ich in Frieden Zur Gruft: dein Schickſal wars, was du ſo ſchön entſchieden. Wohlan denn, edles Weib! du deines Stammes Zier! Du Schutzgott deines Volks! o wie, wie dank ich dir! Dein wartet größrer Ruhm, als eine Krone tragen, Als ſie verherrlichen, der Ruhm— ſie auszuſchlagen⸗ P 2 Erfahr'denn: du biſt es, die, Trotz Geſetz und Staat, Nun eben Eduard zum Thron berufen hat. Sieh zu, welch einen Schluß jetzt deine Seele faſſe: Schon morgen, ſo du willſt, regierſt du— ich erblaſſe. Du zitterſt? ich verſteh', auch dein Geiſt prophezeyt Die ſchlimmſten Folgen ſich von dieſer Zärtlichkeit: Doch habe Dank, kein Thron verblendet deine Jugend. Mein Vaterherz lebt auf in ſeiner Tochter Tugend. Der junge König, was hat er mir zugetraut! Glaubt' er, als redlicher, als freyer Mann ergraut, Könnt' ich dieß weiße Haar durch niedern Ehrgeitz ſchänden, Sclav' ſeiner Thorheit ſeyn, und durch ein Laſter en⸗ den? Nein! nein! zu ſehr lieb' ich das Land, das mich gebar, Ich gab ein Beyſpiel dir, wie ich dirs ſchuldig war. Auch kannſt du jetzt, mein Kind, und ſollſt von hin⸗ nen ziehen, Mir ſelbſt iſt dieſer Hof verhaßt; ich ſelbſt muß flie⸗ hen. Wir fliehn mitſammen, bald wirſt du den König ſehn, Hier ſeine Liebe dir, ha! ſeine Schmach, geſtehn. Ich rüſte mich mit dir der Ruhe zuzureiſen, Bleib, und genieß' des Ruhms, ihn ſelber abzuweiſen. Ab.) Dritter Auftritt. Eugenia. Nun jetzt, erſt jetzt iſt ganz des Unglücks Köcher leer; Er liebet mich, ich reiſ', und ſeh' ihn nimmermehr! M — — 22( . Staat, le faſſe: erblaſſe. pheeyt ſchkeit: Jugend. ugend. t! ergraut, cwet aſter en⸗ h gebar, dig war. von hin⸗ nuß lie⸗ nig ſehn⸗ ſtehn. . uweiſen. b) cher leet; emehr! —— 2209— O du, für den dieß Aug' in ew'gen Thränen ſchwim⸗ met, Mein Schmerz und meine Luſt! ſo war ich dir beſtim⸗ met? Doch ward auch eine Kluft, die uns auf ewig trennt, Eröffnet zwiſchen uns; die Lippe, die ſchon brennt, Dir Liebe bis ins Grab zu ſchwören, ſoll nun lügen, Soll dich, du Einziger! um deinen Sieg betriegen, PVerräthriſch gegen dich und dieſes arme Herz? Nein! fliehen muß ich—— Gott! er ſelbſt! dir iſt mein Schmerz Bekannt, o hilf mir ihn verhehlen.—— Vierter Auftritt. Eduard, Eugenia. Eduard. Sie erbleichet! Sie wollte fliehn!— hab' ich, o Gräfinn, dich ver⸗ ſcheuchet? Eugenia. Herr, meines Königs Blick war nie mir fürch⸗ terlich. Eduard. Dein König? welch ein Nahm', o er empöret mich! Wird mich Eugenia nie mit einem ſüßern nennen? Wird nie ein Fürſt auf mehr als Ehrfurcht hoffen kön⸗ nen? Macht unſre ſchale Pracht das zärtlichſte Gefühl In feinen Seelen ſcheu, ſo herrſche, wer da will! 230 Auch iſt zur Dienſtbarkeit die Schönheit nicht geſchaf⸗ fen: Ihr, die ſelbſt Könige mit ihren Zauberwaffen Bejocht, gehört der Thron: und heut beſteigt ſie ihn⸗ Ja? heut krönt Liebe ſie durch mich zur Königinn, Wenn anders ſich das Glück nicht zum Geſetze machte, Ein Gut mir zu entziehn, wornach ich lange ſchmachte. Eugenia. Du klagſt? Unglücklichen ſteht nur dieß Vorrecht zu, Und wer(deß dank' ich Gott) iſts weniger als du? Ja ſollt' auch deine Tag' ein kleiner Kummer kränken, So läßt doch Ehre dir kaum Muße dran zu denken. Europa ſieht auf dich; das Buch der Ewigkeit Nennt einſt dich Englands Stolz, den Helden deiner Zeit. Herr zweyer Meere, gib all deinen Feinden Ketten, Uns Fried' und Segen; ich will Dank zum Himmel bethen, Wenn in die Einſamkeit, die ewig mich verſchließt, Der Ruhm von jenem dringt, was du der Erde biſt! Eduard. Grauſame! weiter nicht. Du ſollteſt mich ver⸗ ſtehen. Mißdeuteſt du mein Herz, verkenneſt du ſein Flehen? Dieß wädre denn mein Lohn, daß du entflöhſt von hier? O bleib! gib dieſer Stadt Geſetze, gib ſie mir. Laß meinen bängſten Wunſch ſein ſüßes Ziel erſtre⸗ ben! Bey Gott! ich glaube nicht zu herrſchen, nicht zu le⸗ ben, Au N 8 2 — — — gechaf⸗ . ſi ihn, m, nachte, machte, orrecht u nken, ken. deinet etten, Himmel ſhhißt, De biſt! ich ver⸗ on hier ⸗ erſtre⸗ t zu e⸗ 231— So lang' Eugenia noch durch Kaltſinn mich betrübt, Richt annimmt meinen Thron, nicht Lieb' um Liebe gibt. Wie, dieſen Ernſt? er ſcheint mir Unglück weiszuſa— gen. Ha!—— doch nicht dich allein hab' ich hier anzukla⸗ gen.— Eugenia. Nur mich; ſelbſt folg' ich gern dem Ruf der Tu⸗ gend nach, Auch wenn ſie koſtet. Fuͤnfter Auftritt. Eduard. Wie? ſie fliehet? welche Schmach! unbeugſamer! dein Werk! Man machte dich verdäch⸗ tig, Mein Herz ſprach ſtets für dich: doch allzu niederträch⸗ tig Verriethſt du dieſes Herz. O werthlos iſt er mir, Der Thron Britanniens, theil' ich ihn nicht mit ihr. Und darin ſoll ich nichts als Widerſtand befahren? Die Tugend machet hier die Menſchen zu Barbaren, Man ſpottet meiner Qual, trotzt dem Befehlenden: Beſteht denn dieſes Volk aus lauter Königen? Ich, treibet man mit mir noch länger ſein Gehöhne⸗ Will ſchlagen einen Streich, der durch Europa töne, Will lehren dieſes Volk, das ſeine Fürſten ſchilt, Wer Herr in London iſt, und weſſen Wort hier gilt⸗ 232— Sechster Auftritt. Volfax, Eduard. Eduard. Räche mich an einem Undankbaren! Volfax. Herr! nenn' ihn, und dieß Schwert ſoll ſchnell der Scheid' entfahren! Eduard. Ihn nennen! O ſein Nahm' iſt das Unglaublichſte! Der Weiſe, dieſer Freund von ſeinem Könige, Dem ich mein Herz vertraut, mein Anſehn übertra⸗ gen, Vorceſtre konnte mir ſolch' eine Wunde ſchlagen! Vorceſtre! Volfax. Hör'ich recht? der ſchien ja das Organ Der Ehre: doch vielleicht iſt dein Verdacht nur Wahn, Vielleicht zeiht ihn ein Feind aus Haß nur böſer Tha⸗ — ten. Eduard. Ich zeuge wider ihn, mich ſelbſt hat er verrathen. Hier ſprechend als Rebell bewährt'er den Verdacht, Den man mir gegen ihn ſchon vorlängſt beygebracht. Volfax. Herr! mir auch ſagte man von teufliſchen Ent⸗ würfen, Doch ich rechtfertigt' ihn; wem wird man trauen dür⸗ fen, Wenn ſo der Schein betriegt? hſe! ibertra⸗ n! rhan Wohn⸗ ſer ⁊ho⸗ rathen⸗ dacht/ rocht. en Ent⸗ uen dit⸗ 233— Eduard. D ſprich, was hörteſt du? Sag' alles, denn ich trau' ihm jetzt auch alles zu. Volfar. Ich bitte dich, mein Fürſt! erlaß mir mehr zu ſagen, Noch andre wiſſens auch; ich möcht' ihn nicht verkla⸗ gen. Zu ſchwarz auch ſchien es mir, zu gräulich dieß Ver⸗ gehn. Eduard. Wer ein Mahl treulos iſt, was iſt zu ſchwarz für den? Volfar. Du willſt es, Herr! wohlan! Wen dein Mund treulos heißet, Der iſts, wenn noch ſo ſehr die Außenſeite gleißet Und wirklich geht— vergleich' ich ſo der Zeiten Lauf Mit ſeinen Handlungen— ein ſchrecklich Licht mir auf⸗ Weißt du, er war im Rath dir allemahl entgegen, Und Friede, Friede war ſein ew'ger Wunſch: verwegen Schien dieß mir damahls ſchon, doch, daß es tückiſch war, Das ahndete mir nicht, jetzt iſts mir ſonnenklar. Eduard. Ja, hierin ſagſt du recht; erſt heut durft' er be⸗ gehren, Daß ich, ein ſchwacher Fürſt, nicht mehr die Ruhm⸗ gier hören, Ja durch Alzondens Hand um Friede betteln ſoll. Volfax. O ſeinen Plan dabey ſeh' ich nur allzu wohl; Indem er von der Bahn des Helden weg dich führet, Verhehlet er dir ſchlau, daß Schottland rebelliret. Eduard. Wahr, PVolfar, wahr; mir kam hierüber ſchon Bericht Von mancher Treuen Mund, doch von dem ſeinen nicht Volfax. Vermäntlung war doch nie dem Patrioten eigen, Nur ein Verräther kann Veprätherey verſchweigen. Vielleicht, da er ſo warm für die Rebellen ſprach, Jagt er im Stillen ſelbſt dem ThroneSchottlands nach, Und rieth dir darum nur die Flotte zu zertrennen, Damit die Schotten ſo ſie leichter meiſtern können. Zwar hat er Tugenden und dein Vertrauen, Herr! Doch ein ſo naher Thron, wie leicht verblendet der? In ſolchen Fällen zeigt berüchtigter Verbrecher Uns die Geſchichte gnug; der Ehre Ruf wird ſchwächer, So wie die Hoffnung wächſt: was man für Tugend gab, Iſt meiſtens Larve nur, und dieſe legt man ab, So bald bequemern Weg zum Ziel ein Laſter hahnet. Eduard. O der Verräther! Volfax. Deß wollt' ich dich noch ermahnet, Daß ſelber ſeine Wuth nicht ſo gefährlich iſt, Als ſeiner Tugend Schein. Das Volk, durch ſolche Liſt Bethört, durch dieſen Ernſt, durch dieſe Cato⸗Mienen Verſuhrt, dient wiber dich, und glaubet dir zu dienen. 7—) ohl; hret, ſchon nicht igen, ach, en. etr! der!? icher, gend net⸗ Des Aufruhrs Fahne ſelbſt, ſonſt allgemein verhaßt, Wird ehrenvoll vielleicht, wenn ſeine Hand ſie faßt. Eduard. Man führ' ihn her— doch wie? er ſelber kömmt. Siebenter Auftritt. Vorceſtre. Volfax. Eduard. PVorceſtre. Verſage Mir eine Bitte nicht, die letzte, die ich wage: Herr, hätte dieſem Staat des Lebens Reſt zu weihn Mein Schickſal mir vergönnt, wie glücklich würd' ich ſeyn! Doch, da ich mich ſo grau, ſo nahe ſchon dem Grabe Nicht mehr umſchmelzen konnt, und drum mißfallen habe, So will, ſo muß ich jetzt auf ewig London fliehn, Und einen Gegenſtand des Haſſes dir entziehn. Erlaube, das ich itzt, dem Höfling nur im Wege, Dem Staat nicht nützlich mehr, mich ſelbſt verbannen möge! Ein unbekannter Ort ſoll meine Zuflucht ſeyn, Bis meine Stunde ſchlägt, und ruhig ſchlaf' ich ein, Weiß ich mein England nur dir ewig unterthänig, Und dankbar und beglückt; weiß ich nur, daß mein König, Für den mein brechend Aug' um Heil noch flehen wird, Der Fürſten höchſtes Gut, Volksliebe, nie verliert. Eduard. Geh! das, was ich beſchloß, werd' ich dich wiſſen laſſen. Achter Auftritt. Eduard. Volfax. Eduard. Was denkſt du nun? fürwahr, unglaublich! nicht zu faſſen! Wie kann er ſchuldig ſeyn? du haſt es ja gehört, Er hat Verbannung nur als einen Lohn begehrt. Volfax. Auch mich befremdet' es: könnt' ich ihn ſchuld⸗ los glauben, Wie herzlich freut' ich mich! wenn er nur nicht auf Schrauben Jedwede Handlung ſetzt': auch dieſer trau' ich nicht, Ja meinen Ahndungen gibt ſie nur mehr Gewicht. Wie ſchlau! nachdem er es vielleicht ſchon abgekar⸗ tet, Schon ein Rebellenheer ſein als des Hauptes war⸗ tet, Hat er zur Reiſe ſelbſt Verſtattung angeſucht. So wehrt er dem Verdacht, und ſichert ſeine Flucht, Und iſt er einmahl fort, ſo trotzt er deiner Rache. In Schottland herrſchen nur Geſchöpfe ſeiner Mache: Sie, die an ihre Stell' ein Wink von ihm geſetzt, Sind auch durch einen Wink zum Aufruhr angehetzt, Und er, der, wie es ſcheint, ſo gern im Trüben fiſchet, Verräth dich, wenn er bleibt, und herrſcht, wenn er entwiſchet. Ein Augenblick zu ſpät, ſo iſts vielleicht gethan Um Schottlands Thron, zumahl da er den großen Plan Mit ſo viel Vorſicht führt, und ſollt' er ja mißlin⸗ gen, Schon ſeine Tochter ſucht in Sicherheit zu bringen: Eugenia ſoll entfliehn, vielleicht entfloh ſie ſchon. Eduard. niht Entflohn Eugenia? Eugenia entflohn? t, Wohlan, ich muß zuvor dem Undankbaren kommen. 3 Der Schritte, die ſie thun, laß keinen dir entkommen; Ich will bis auf den Grund von ſeiner Seele ſehn, huld⸗ Und hat er meine Huld, nur mich zu hintergehn, Pur ſeinet Frevelthat ſich ungeſtraft zu freuen, „Gebrauchet, o ſo ſoll's ihn reuen, bitter reuen! Sritter n Erſter Auftritt. Alzonde. Volfax. Volfarx. König will dich ſehn: doch darfſt du nichts beſorgen; Wir ſind, o Fürſtinn! nun Voreeſtre fiel, geborgen⸗ Durch ſchlaue Zeugniſſe, dem König beygebracht, Erhielt ich eben itzt, daß er in meine Macht Den Stolzen gab, doch ſchien's ihn ſelbſt noch im Ertheilen Zu reuen des Befehls; man muß ihn übereilen. Er kömmt. Zwepter Auftritt. Eduard. Alzonde unter dem Nahmen Aglae. Alzonde. Du riefſt mich, Herr! nimmt denn dein großes Herz An meinem Schickſal Theil? will's der Verbannung Schmerz dir edel lindern? nichts borgen⸗ racht, noch im ilen⸗ glae. nnun Eduard. O wie gern! ich ſelber leide, Und ſuche Troſt bey dir. Der Tag, beſtimmt zur Freude, Wird mir ein trüber Tag; die meine Seele liebt, Hab' ich Unglücklicher in Furcht geſetzt, betrübt. Ich weiß, es darf auf dich ſich meine Hoffnung ſtützen, Eugeniens Nahm' iſt dir Auffordrung ihr zu nützen. Nun denn! iſt dir ihr Glück und ihre Größe werth, Hat je dein eignes Herz der Liebe Ruf gehört, So rette ſie und mich, zerſtreue jene Schrecken, Worin ſie ſchwebet, eil' ihr alles zu entdecken; Sag' ihr: ihr Vater ſey nur angeklaget, nicht Verurtheilt, ihr Verkuſt ſey mir von mehr Gewicht, Als ſelbſt der ſeinige, ſo ſehr ich ihn auch ſchätze: Sag' ihr, daß Liebe gern, und zweyfach es erſetze, Wenn ſie geſchadet hat; der fall' es nur zur Laſt, Was ich, von ihrer Flucht erſchreckt, betdubt, in Haſt, Mein ſelbſt nicht mächtig mehr, geſagt und unter⸗ nommen.* Nun aber mög' es auch, zu was es wolle, kommen, Sie habe nichts zu ſcheun. Aglae, ja noch mehr: Sag' ihr, daß, wenn ſogar ihr Vater ſtrafbar wär', Ihr ſchönes Auge doch nicht ſeinetwegen weine, Er iſt ihr Vater ja, und der iſt auch der meine. Mißkennt ſie ihre Macht? es hält von ihr ein Blick Den ausgeſtreckten Arm der Rache ſchnell zurück. — 240— Sie komme nur, ſie theil', entſchloſſen mir zu leben, Nur meinen Thron mit mir, und alles iſt vergeben. Alzonde. Willſt du ihr Wohl, o Herr! und deins be⸗ feſtigen, O ſo beſchwör' ich dich, vergiß Eugenien! Sie, die Salisbury mit ihren heißen Thränen Noch ſtets beweint, wird nie der Schwermuth ſich entwöhnen, Denn ein getreues Herz, ſo lang der Schmerzen Raub, Bleibt immer bey dem Ruf der zweyten Liebe taub⸗ Auch bittet ſie dich nie um ihres Vaters Leben; Der Tugend glaubte ſie durch Bitten was vergeben, Da Unſchuld ihn beſchützt; drum, Hert! willſt du ihr Glück, So laß ſie heut noch fliehn. Eduard⸗ Soll ich mich um ihr Glück Noch kümmern, ich mich noch um eine Stolze grämen, Die meine Krone ſich nicht würdigt anzunehmen, Voll Stolz zurück mich weiſt, voll Abſcheu flis⸗ hen will? Nein! nimmermehr! laß ab, unwürdiges Gefühl, Für die, die ſo mich kränkt, mich ſo beſchimpft, zu ſprechen! Ich muß verſchmähten Thron, verſchmähte Liebe rächen. ð) e „—) 0 5— ir zu ben. ns be⸗ nen uth ſich metzen taub⸗ ben; tgeben, illſt du 6lie Stolz en, fühl/ mpft/ Liebe — 2 4 1— Auch dürfte ſie nicht flehn für ihren Vater, ſie Strafbarer noch als er— weh' mir! ich ſchwärme! Wie? Ich ſelber lieferte, ſtatt ihren Gram zu enden, Statt Thränen, die ſie weint, mit mitleidsvollen Händen Zu trocknen, jenen Mann, der ihr das Leben gab, Den Henkern aus? ich grüb' ein ihr ſo ſchrecklich Grab? O nein, Eugenia! nein! iſt nicht ſich ſelber kränken, Das kränken, was man liebt? ich darf nur dein gedenken, Und all mein Zorn verfliegt. Aglae! ſag ihr doch: Bleibt meiner Liebe nur ein Funken Hoffnung noch, So komme ſie; ſie wird ihr Glück und meines gründen, Wird auf dem Richterſtuhl den Liebenden nur finden. Zeig ihr, daß meine Wuth, ja meine Raſerey Entſchuldiget genug durch ſolche Liebe ſey. Doch ſäheſt du, daß nichts die ſtolze Seele rühre, Und daß man ſeine Zeit mit Flehen nur verliere, Dann ſag ihr, daß auch Stolz in Eduards Buſen wohnt, Er, wenn ſie Zärtlichkeit mit nichts als Undank lohnt, Würd' ohne Rückſicht dann auch ihres Vaters Lebem“ Gleich andrer Schuldigen preis dem Geſetze geben; Kurz ihrer eignen Wahl ſtünd' itzo zu Geboth Huld und Gerechtigkeit, ein Thron und ein Schaffot. Aglae, geh zu ihr, verheiß, bitt, droh und klage; An deiner Antwort hängt das Schickſal meiner Tage. Theater. — 2 4 2— Dritter Auftritt. Alzonde. Ha! alſo ſah ich recht! die Nebenbuhlerinn 9 Iſt glücklich? welch ein Wort entwiſchte mir! ich bin Von ſchnöder Leidenſchaft ja völlig frey, ich lache Verliebter Thorheit ja: der Thron nur und die Rache Beſchäftigen dieß Herz. Weh mir! noch iſt es ſchwach: Der Seufzer klagt es an, der itzt aus ſelbem brach, Die Thräne klagt es an, die warm herunter rollte. O ſehn müßt' ich ihn nicht, wenn ich ihn haſſen wollte! Ha! dieſes fehlte noch, daß er von ſeiner Gluth Für ſie mich unterhielt. Auf denn! daß mir ihr Blut Für alle Bitterkeit verſchmähter Liebe büße! O den Unglücklichen ſchmeckt Rache doppelt ſüße: Ja, wer auf ſeinen Feind ein Theil des Elends bringt, Es hört, wie er auch ſeufzt, es ſieht, wie er auch ringt, Der iſt halb elend nur.—— Sie kömmt. O hilf mir lügen, Mein Angeſicht, und ſie um ihren Sieg betriegen! Vierter Auftritt. Alzonde unter dem Rahmen Aglae. Eugenia. Eugenia. Noch kömmt Ismene nicht, wo ſie doch weilen mag? Auch du verläſſeſt mich an dieſem Jammertag. ich bin lache ſchwach: nbrach, r rollte. nhaſen Gluth mir ihr e! lt ſüße: Elendo er auch nnt. 0 triegen zugenic. nm! rtag — 243— Alzonde. Flieh, theure Freundinn! flieh ein Land voll Grauſamkeiten! Pielleicht will man auch dir den Untergang bereiten⸗ Eugenia. Mein Vater in Gefahr, und ich, ich ſollte fliehn? O nein! ich zittre zwar, doch zittr' ich nur für ihn⸗ Fuͤnfter Auftritt. Alzonde. Eugenia. Ismene. Eugenia. Wohlan! was bringſt du uns? Ismene. Der Fürſt hat ſich verſchloſſen, Um ſein Gemach iſt Ernſt und Schweigen: von den Großen Traf ich nur Volfax an; er folgt mir auf dem Schritt, Und bringt vielleicht für dich erwünſchte Nachricht mit. Eugenia(zu Alzonde.) Du meine Freundinn! du mein letzter Troſt, bemühe Dich, bis zu Eduard hinan zu dringen; ſiehe, Ob er es ſelber war, der mich von ſich verbannt? Frag' ihn, warum er's that, und wer ſich unterſtand, Bey ihm, bey einem Held, die Unſchuld anzu⸗ ſchwärzen? Und ſpricht er dir von mir, ſo mahl' ihm meine Schmerzen, Sag' ihm, daß er allein mein Auge weinen macht, Ich hätt' es nie verdient, ich hätt' es nie gedacht; Nur möcht' er, da bereits gnug heißer Thränen floſſen, Nun vollends nicht den Dolch mir in den Buſen ſtoßen. Sechster Auftritt. Eugenia. Volfax. Ismene. Eugenia. Beruhige mein Herz! welch' Unglück trennet mich Von meinem Vater? was bedroht uns? ſprich, o ſprich! Volfax. Der Fürſt vertraut' ihn mir, und ich muß für ihn ſtehen. Mehr weiß ich ſelber nicht. Eugenia. Ich kann ihn alſo ſehen? Gewiß, er rührt auch dich; bedrängter Tugend Schmerz, O Mylord! rühret ja jedwedes Edlen Herz. Wohlan denn, führe mich, und laß zu ihm uns eilen, Ich will Gefahr und Tod, o alles mit ihm theilen. Volfax. Jetzt kannſt du ihn nicht ſehn, denn wiß, daß eer vielleicht Vor ſeinen Richtern ſchon, auf ihr Geheiß, ſich zeigt. ⸗ nmacht, edacht; Thrinen Buſen net mich ſprich, ich muß ſo ſehen ugend rz ihm uns ntheilen wiß/ daß „„ 245„ Eugenia. Vor ſeinen Richtern? was wagt nn ihm an⸗ zudichten? Was für ein beſſ'rer Mann darf meinen Pater richten? Volfax. Man bleibt, ſo nah' dem Thron, ſehr ſelten⸗ oder nie Unſchuldig. Eugenia. O ſieh nur auf ſeine Sitten, die, Die ſind Beweiſes gnug, mehr hat er nicht von⸗ nöthen; und Tugend, lerne das, bleibt Tugend auch in Fetten: Er heiligte Gewalt durch ſtrenge Redlichkeit. Ein Herz, der Laſter Sitz, von Stolz und Haß entweiht, Mag nützen dieſen Rang zu Rach und Bubenſtücken, Mein Vater nützt' ihn nur die Menſchheit zu be⸗ glücken. Doch du, dufreylich nicht für dieſen Rang gemacht, Befleckſt der Unſchuld Glanz durch niedrigen Ver⸗ dacht. Daß du ja wider ſie kein einzig Wort mehr wageſt! Verehre ſie, Barbar! wenn du ſie nicht beklageſt. Sie ſelber ſpricht ſich los, wenn Haß und Ty⸗ ranney Sie auch verurtheilt hat, und bleibt in Ketten frey. Doch gnug! ich ſprach mit dir ſchon länger, als ich ſolte. Du wähneſt doch nicht gar, daß ich dich bitten wollte“ — 246— O hierin, eitler Lord, verſtündeſt du mich ſchlecht: Der Thron nur hat allein an meine Bitt' ein Recht. Ich gehe—— Volfar. Niemand darf heut vor den König kommen, Und, Gräfinn, dein Nahm' iſt hiervon nicht aus genommen. Siebenter Auftritt. Eug enia. Ismene. Eugenia. Auch von dem Fürſten ſelbſt entfernt mich ihre Wuth. Mein Pater! o es gilt gewiß dein theures Blut, Die Ahndung ſagt es mir, die meine Seel' er⸗ ſchüttert. Ismene. O Gräfinn! doch vielleicht haſt du zu viel ge⸗ zittert: Schützt ihn denn Unſchuld nicht, hat er nicht Freunde wiel? Eugenia. O den ſchützt Unſchuld nicht, den man geſtür⸗ zet will: Ja ſie iſt, wo Cabal' und Haß das Urtheil ſprechen, Das unverzeihlichſte, das ſchrecklichſte Verbrechen. Und Freunde? ſuche nur bey Hof die Freundſchaft nicht, Wo ein Inſecten⸗Schwarm den goldnen Thron um⸗ kriecht, ſilcht. Und jeder Höfling faſt, berduchernd Erdegötter, in Rht. Zum feilen Schmeichler wird, der Schmeichler zum Verräther. Meinſt du, daß man ein Herz durch Wohlthun konmen, da gewinnt, ſcht aus Und daß es Einen gibt, der edel ſich erkühnt, Gefallner Freund zu ſeyn? Man dienet nur dem Götzen, Der eben Mod' iſt, weiß an ihm auch nichts zu ſchätzen, Als nur des Fürſten Gunſt; laß dieſe Gunſt ver⸗ gehn, ich ihre So fliehet alles weg, und läßt ihn einſam ſtehn. Doch meine Sorge wächſt mit jedem Augenblicke. 3 Blut, Wo doch Aglae bleibt: noch iſt ſie nicht zurücke Seel er⸗ Vom König. O gewiß, daß ihre Zärtlichkeit Sich meinen Todesſtreich mir anzukünden ſcheut! Was hilft's minutenlang mir Kummer zu erſparen? riel ge⸗ Sie komm', und rede nur, ich muß es doch erfahren. Frune Achter Auftritt. * Arondel. Eugenia. Ismene. geſtün Arondel. Wenn hier an dieſem Hof, wo man heut ohne ſpuchen⸗ Scham ichen. Gekränkter Tugend noch die letzte Stütze nahm, ndſchoft Doch euer ſanftes Herz ſtets ihre Stimme höret, Und auch nach ſeinem Fall den Edlen noch verehret, So ſaget mir, wo wird Vorceſtre aufbewahrt? Eugenia. Großmüth'ger Fremdling! ja wohl fremd; denn deiner Art Gibts keinen hier: wie kömmt's, daß du in ſeinem Leide Noch meinen Vater ſuchſt? Arondel. Dein Vater er? o Freude! D unverhofftes Gluck! Eugenia. Sprich, welcher Heldenmuth Führt dich zu deſſen Schutz, der ſeiner Neider Wuth Nun preis gegeben iſt, deß Redlichkeit mit Feind⸗ ſchaft Der edle König ſelbſt unedel lohnt? Arondel. Die Freundſchaft! Doch keinen Lobſpruch mehr, denn den verdien“ ich nicht, Ich bin ja dankbar nur, und Dankbarkeit iſt Pflicht. Den Thron belagert ſtets ein Haufen feiler Schmeich⸗ ler, Der Freund des Günſtlings iſt faſt immer nur ein Heuchler. Ich ehrt' an ihm nicht Rang, nicht Hof⸗Alfanzerey, Nur Tugend; der blieb er, und ich blieb ihm getreu. Zwar Zeit und Alter hat verſtellet dieſe Züge, Der Hof kennt mich nicht mehr, doch war er mei⸗ ne Wiege, nd; denn in ſeinem Freude! benmuth Neider eind⸗ ndſchoft! wien ich pficht. chmeich⸗ nur ein anzereh/ getrel⸗ 4 er men — 2 4 9— Und da der Himmel uns ſo unverhofft vereint, Wiß mein Geheimniß ganz: ſieh deines PVaters Freund, Sieh Arondel in mir! Als ihn noch Ehren krönten, Mehrt' ich nicht jener Zahl, die ſeinem Glück nur fröhnten; Doch, nun ſich mit dem Glück das Hofgewürm verlor, Tritt Freundſchaft auf, und ſucht ihr altes Recht hervor. Eugenia. Gott, ſeh' ich, ſorgt doch noch für meines Va⸗ ters Leben, Da er zu dieſer Zeit ihm dich zurück gegeben. Arondel. Ich kam hier an, ſucht' ihn, um von Geheim⸗ niſſen, Höchſt wichtig für den Staat, mich zu entledigen, Und ſah Verdienſte, die Altäre haben ſollten, Mit nichts als Grauſamkeit dem edlen Greis ver⸗ golten. Was für ein Böſewicht hat tückiſch ihn verſchwärzt? Und iſt denn niemand hier, der edel und beherzt Zum Schutz der Unſchuld auch unaufgefordert flöge, Die Maske vom Geſicht dem frechen Lügner zöge, Und donnernd, daß darob Britanniens Thron erbebt“ Aufriefe: weh dem Mann, der Unſchuld untergräbt? Du, die zur Ahnenzeit, wovon ich noch die Sitten, Gottlob! nicht abgelegt, die Herzen meiner Britten Beſeelt', o Wahrheit, wo, wo biſt du hingeflohn? Verbannte dich dieß Land von ſeiner Fürſten Thron? — 250— Getroſt! du ſollſt durch mich hier wieder Mode werden. Des Höflings Gaukelſpiel, die knechtiſchen Geberden Der Schranzen, alles, was an eine Schmeicheley Von weitem gränzt, ſey fern; von Furcht und Hoff⸗ nung frey, Will ich für Tugend, die Gefahr und Tod umſchweben, Laut reden, aber doch kein Haar breit ihr vergeben, Und wenn auch Tyranney mein Todesurtheil ſpricht: Der ſo den Tod nicht ſcheut, ſcheut auch den Henker nicht. Eugenia. Wohlan denn, Mylord! laß mich deine Klug⸗ heit leiten, Die meine ſtehet ſtill: dieß Aug, von Dunkelheiten Umſchwebt, kann weinen nur. Denn ach! bey je⸗ dem Blick, Den's in die Zukunft thut, bebt es vor Gräul zurück. Bald ſeh' ich Volfax Arm(er leider! iſt ſein Wächter) Mit Tod gerüſtet, bald die Bande ungerechter, Gedung'ner Richter, die vielleicht ihn in geheim— O Moylord, laß mich fort! zu lang iſt's, daß ich ſäum'. Ich will zum Kerker hin, will vor die Thüre treten, So will ich ſtehen, ſo; ſie ſollen ihn nicht tödten, Bevor ſie nicht zuerſt durchbohret dieſes Herz. Arondel. thät'gen Schmerz. Hier, Gräfinn, braucht es mehr als bloß un⸗ 1— er Mode Geberden eicheley nd Hoff⸗ ſchweben⸗ vetgeben, i ſpricht: en Henker ne Klug⸗ nkelheiten be je lul jiriẽ. iſt ſen echter ß 1 „doß ürt treten/ Her- ʒ bloß n neri· — 25— Geh! ſuche durch den Schwarm der Höflinge zu dringen Bis zum getäduſchten Thron, um Wahrheit hinzu⸗ bringen: Beſchäm', entlarve ſie die ſchlaue Heucheley, Die jetzt im Trüben ſiſcht, zähl' auch auf mich hierbey. Entreißen will ich ihn dem drohenden Verderben, Und kann ich dieſes nicht, an ſeiner Seite ſterben. (Ab.) Reunter Auftritt. Eugenia. Ismene. Eugenia. So kam es hierzu auch? muß ich noch ein Mahl denn Ihn, den ich haſſen ſollt', und den ich liebe, ſehn? Doch er, er gibt gewiß mir meinen Vater wieder; Mord zu gebiethen iſt ſein Herz zu groß, zu bieder, Und wenn er denn auch nichts beym Schmerz der Tochter fühlt, So fleh' ich— ſelbſt zu dir(da's meinen Vater gilt) O Liebe! neige du zu meinen Klagetönen Sein Herz, und wirke du durch der Geliebten Thrä⸗ nen! Vierter Aufzug.⸗ Erſter Auftritt. Alzonde. Amelia. Alzonde. Wehlan, Amelia! haſt du zu Stand gebracht, Was, ſich zu letzen, ein verzweifelnd Herz erdacht? Amelia. Ich habe. Alzonde. Doch was iſt's? iſt's Mitleid oder Reue, Daß ich zur Hälfte nur mich meiner Rache freue? Mein Schickſal nöthiget mich ja zur Grauſamkeit. Der Fürſt nur habe nicht, daß er ſich ſammle, Zeit! Denn als er itzt durch mich die falſche Nachricht hörte, Wie ſtolz die Gräſinn ihn zurücke weiſ', empörte Sich Anfangs zwar ſein Zorn, doch nichts als Lie⸗ be ſchien Durch dieſen Zorn! ſie iſt— ſpricht er— ſie Kö⸗ niginn. hraht! etdocht! der Relle he frele uſankeit. ſamnlt nprte —ſe ts as Lie⸗ sn 253— Vorceſtren wird ein Blick von ihr Verzeihung ſchaffen, Die Lieb', ich kenne ſie, die Liebe kann nicht ſtrafen. Ha! dieſes alſo ſind die Früchte meiner Liſt, Daß meine Feindinn ihm itzt nur noch theurer iſt? Aufdenn, Alzonde! Muth zum fürchterlichen Strei⸗ che! Die Luſt nur übrigt dir, an einer Feindinn Leiche Dein Aug' zu weiden. Ach! ſo war es nicht genug, Daß mich des Schickſals Hand mit jedem Unglück ſchlug? Nicht elend wollt' es nur, auch laſterhaft mich wiſſen, Und zwingt mich nun das Blut der Unſchuld zu vergießen. 3 weyter Auftritt. Volfax. Alzonde. Amelic. Alzonde. Welch langes Zaudern? weißt du nicht, Verderben bringt Auf des Erfinders Haupt ein Laſter, das mißlingt? Denk nur, wenn Eduard Eugeniens Thränen ſähe. PVolfax. Beſorge nichts, ſie kömmt nicht in des Thro⸗ nes Nähe. Ich habe freye Macht, und nütze meine Zeit: Der König iſt verſenkt in ſtumme Traurigkeit. Auch ſoll er ungeſtört in dieſer Lage bleiben, Und, übereilt von mir, das Urtheil unterſchreiben, Das meinen ſtolzen Feind zu dem Schaffot ver⸗ dammt. Den Richtern, wider ihn von gleichem Haß ent⸗ flammt, Wird es ein Leichtes ſeyn, Verbrechen aufzufinden; So bald man ſtrafen will, ſo fehlt es nicht an Gründen. Indeß iſt über Stadt und Port die Herrſchaft mein, Unb, deiner Bande los, ſchiffſt du dich morgen ein. Alzonde. Ja, ſtürze deinen Feind, erfülle dein Ver— ſprechen, Und auch Alzonde wird das ihre dir nicht brechen. Dritter Wufrrit Volfar. Geh nur! Verderben laurt, du ſtolze Königinn, Auf dich: du biſt es nicht, mein Haß iſt's, dem ich dien'. O fällt Vorceſtre nur, dann trifft auch dich die Reihe, Ich nenne dich; dieß zeigt dem König meine Treue, Und bringet mich empor. Gewiſſen, ſchweig! im Sturm Der Schlacht denkt nicht der Held, ob etwa einen Wurm Sein Fuß zertritt. Doch was verlangt der Fremde ſehnlich Nach Eduard, oder nach Porceſtren? ungewöhnlich e 2 c— — 600 „ t ver⸗ ß ent⸗ inden; cht an mein, en ein. n Per⸗ hen⸗ inn, enich die Trelle⸗ im einen Frunde öhnlih Iſt ſo ein feſter Muth an Höfen. Immerhin! Ich will den Schleyer ſchon von dem Geheimniß ziehn. (Zur Wache:) Ihr bringt Vorceſtren her! Vierter Auftritt. Volfax. Glaſton. Wache. Volfar. Dich, Glaſton, laſſ“ ich ſorgen Für das, was man indeß beginnet, da verborgen Ich hier erlauren will, was mit dem Böſewicht. Vorceſtre in geheim ein Unbekannter ſpricht. Zuvörderſt, daß man ja des Königs Willen ehre, Und ſhe Einſamkeit ja niemand, niemand ſtöre! Fuͤnfter Auftritt. Vorceſtre. Volfax. Wache. Vorceſtre. Was kündigt man mir an? Iſt's nur der Tod, ſo ſrich! Volfax. Ein Fremder langt hier an, und ſehnlich wünſcht er dich Zu ſprechen alſogleich zeigt er ſich deinem Blicke. Der Fürſt geſtattet es.(Zur Wache:) Ihr ziehet euch zurücke. — 256 e Sechster Auftritt⸗ Vorceſtre(allein.) Wer auch zu dieſer Zeit mich noch zu ſprechen hätt'? O Gott! du wirfſt vielleicht zur Rettung mir ein Bret In meinem Schiffbruch zu! Ach! daß nur kein Verräther Der Unbekannte wär', und ich durch ihn das Wet⸗ ter Abwenden könnte, das mein Vaterland bedroht! dur Englands Untergang fürcht' ich, nicht meinen Tod. Wo weint wohl itzt mein Kind? du kenneſt ihre Tugend, Sey du ihr Vater denn, der Leiter ihrer Jugend⸗ D Herr! Ich murre nicht: mein Jammer zwar iſt groß, Auch ſollten, wie es ſcheint, nur des Verbrechers Loos Die Uebel alle ſeyn; doch ſeit aus dieſem Lande Die Freyheit flog, ſeit uns der Despotismus Bande Von Eiſen anlegt, iſt der Tod kein Uebel mehr; Er iſt ein ſanfter Freund: wohlthätig führet er Uns der Vollendung, uns der Gottheit beſtem Segen, Der jenſeit ihres Grabs der Frommen harrt, ent⸗ gegen. Der Böſe wünſche ſich zurück ins erſte Nichts: Ich glaub' es nicht, daß Gott den Ausfluß ſeines Lichts, * Der 36h Der Ein An Au „ Mo d 2 . — 8 S hättt wir ein ur kein 6 WVet⸗ oht! meinen eſt ihre Jugend⸗ Prechers lande Vande nehr et e Segen⸗ t/ ent⸗ 6 ſein Die Seele, mit dem Leib, der nur ein Haus von Erde, Der nur ihr Kerker iſt, zugleich vertilgen werde: Ich glaub'es nicht, daß ſtets der edle Mann ein Ball Des blinden Glücks ſoll ſeyn, und daß nicht auch ein Mahl Ein Tag vergeltender Gerechtigkeit erſcheinet, An dem die Tugend jauchzt, an dem das Laſter weinet. Auf dieß hofft meine Seel', und ſtrebt zu dem empor, Der mich ſchon hier im Staub zur Herrlichkeit erkohr⸗ Man nahet ſich. Siebenter Auftritt, Arondel. Voreeſtre. Vorceſtre. Wer iſt's, der mich zu ſprechen heiſchet? Arondel. O mein Vorceſtre! Vorceſtre. Gott! hat mich mein Aug' getäuſchet? Dich ſeh' ich Arondel, dich? ach? zum letzten Mahl. O welch ein Augenblick voll Süßigkeit und Qual! So überraſcht mich denn erſt an des Todes Pforte Der Freundſchaft heiliger Beſuch! an welchem Orte, Geliebter! weileſt du? Weh mir! daß ohne dich Des Lebens größter Theil mir freudenleer ver⸗ ſtrich! Theater. R 258 So lang vermißt' ich dich, und itzt mußt' ich dich finden, Der ew'gen Trennung Schmerz nur bittrer zu em⸗ pfinden. Arondel. Verlier nicht, Freund! die karg uns zugemeſſ⸗ ne Zeit, Brich deine Bande ſelbſt, da Nacht und Dunkelheit Dem Irrthum günſtig iſt: ſchon iſt ein Schiff ge⸗ miethet. Dieß Land, das wider dich mit Teufelsboßheit wüthet, Flieh es! an deiner Statt bleib' ich; wär' auch gewiß Mein Tod, du weißt es ja, für dich iſt er mir ſüß! Laß Freundſchaft die Partey verlaſſener Unſchuld nehmen, Und ſo den Himmel ſelbſt, der ſie vergaß, beſchämen. Vorceſtre. Mein Leben kauf' ich nicht mit Riederträch⸗ tigkeit; Auch bin ich nur beſorgt für deine Sicherheit. Du mußtentfliehen, du! denn dich auch ins Verderben Mitreißen, Arondel! das hieße doppelt ſterben. Arondel. Wie kömmt es, daß dein Herz, ſo jenen, den es liebt, Nothwendig ſchätzen muß, noch Raum dem Arg⸗ wohn gibt, Als wär' ich nicht wie du von jeder Furcht entfernet, Als hätt' ich nicht die Kunſt zu ſterben auch gelernet? Bey Gott! die iſt nicht ſchwer: der Weiſe, nie zu Haus In dieſer Pilgerwelt, wünſcht ſehnlich ſich hinaus; Zu Por r ich dich trer zu em⸗ s zugemeſſ Dunkelheit Schf g⸗ eit wüthet, auch gewiß r mir ſüß! Unſchuld beſchämen. iedertrach⸗ rheit. Perderben ſterben. jenen, den den Ah⸗ entfernel⸗ bgelem! tie zu Hol hinaus Sein Leben iſt ein Schlaf, den ſchwere Trdume ſchrecken, Bis daß der Tod erſcheint, wohlthätig ihn zu wecken, Ja wärſt du kinderlos, ich ſpräche weiter nicht; Doch deine Tochter macht das Leben dir zur Pflicht. Denk dir, ſie läge hier, wo ſie auch wirklich läge, Schnitt' ihr nicht Volfar Liſt heimtückiſch alle Wege Zu deinen Füßen ab; ſie netzete dein Knie Mit einem Thränenguß; beſchwüre dich, ſo früh Sie nicht in einer Welt, die ſie alsdann nur haſſen, Nur ewig fliehen müßt', allein zurück zu laſſen! Vorceſtre! würdeſt du wohl auch bey ihrem Flehn Wegwenden das Geſicht, und ſtarr zum Boden ſehn? Zumahl, wenn gar vielleicht— denn Boßheit kennt nicht Schranken, Von Henkershand—— O Schmach, o ſchrecklicher Gedanken! Vorceſtre. Was thut die Hand dazu, durch die ich blu⸗ te? Schmach Folgt Laſterhaften nur in ihre Grube nach. Arondel. Ich weiß, wer ſich entſchloß, der Tugend nur zu fröhnen, Und ſo ein Opfer wird, deß Tod ſollt' Ehre krönen; Doch wähnt einmahl die Welt, urtheilend nach dem Schein, Dort, wo ſie Strafe ſieht, müſſ' auch Verbrechen ſeyn. R 2 — PVorceſtre. Der Tugend inn'rer Werth, der kann allein uns adeln, Nicht ihren Ruhm, ſie ſelbſt lieb' ich; die Welt mag tadeln, Sie mag mich preiſen, je nachdem es ihr gefällt, Du ſchätzeſt mich, mein Freund! das iſt mir eine Welt. Auch weiß ich nur zu gut mein gräuliches Verbrechen, Es iſt der edle Stolz, nicht für mich ſelbſt zu ſprechen; Mein Leben, wenn nicht das zu meinem Schutze ſpricht, Kann ich verlaſſen zwar, drum betteln kann ich nicht. Glaub, Arondel, ich that, was ich mit Ehren konnte; Eh' Boßheit unverlarvt zu zeigen ſich begonnte, Sprach ich ſchon Eduard hier, und— Huld, die mich entzückt! Hier auch hat der Monarch mich gnädigſt weggeſchickt. Sprich, kann ich ferner noch mich vor ſein Antlitz wagen? Ein Volfax laſſe ſich ſo etwas zwey Mahl ſagen. Auch ſind mir weder Tod, noch Bande fürchterlich, Eugenien fürcht' ich nur, Eugenien und dich! Halt ſie entfernt von mir: mein Vaterherz zerriſſe Ihr Anblick; ſag' ihr nur, daß ich ſie leben hieße. Und bey der Freundſchaft, die auch Tod nicht bre⸗ chen kann, Nimm du als Vater itzt dich der Verwaiſten an! Vorceſtre lebe fort in eurem Angedenken, Verehret ſeinen Tod, doch laßt ihn euch nicht kränken. — 0 — S 8 82 7 Un ann allein die Welt hr gefüllt, mir eine Berbrechen, ſprchen; un Shutze nich niht. n konnte; onnte, Huld, di eggeſchickt ein Antlit lſogen⸗ irhterich/ dich! erz zertiſe ben hießt nicht br⸗ giſten an uh iht — 201— Arondel. Wohlan, weil denn mein Freund Vertheidi⸗ gung und Flucht Für niederträchtig hält, und nur zu ſterben ſucht, So darf ich ſeinen Muth nicht mehr zurücke halten, So übriget mir nichts, als mit ihm zu erkalten. Ja, ſtirb, du edler Mann! die Welt iſt dein nicht werth; Doch ſtirb, wie du gelebt, bewundert und verehrt. Durch ſeinen Tod das Aug' boßhafter Feinde weiden, Ihn auf Tyrannenwink durch Henkershände leiden, Das mag ein Sclav' indeß der Weife ſich ihn gibt, Und aus dem Leben geht, wenn es ihm ſelbſt be⸗ liebt. Dieß Loos verdieneſt du, zwar biſt du ohne Waffen, Doch deß ſey unbeſorgt, ich weiß hier Rath zu ſchaffen, Und bin dir's ſchuldig; nimm, Gwar zittert meine Hand) Nimm dieſen Dolch— er iſt der Freundſchaft Unterpfand; Er wird, was ich nicht kann, von unverdienten Ketten, Von Schmach, von Henkern, ſelbſt von Volfar dich erretten. Nimm! und haſt du ihn denn, wie's Britten ziemt, gebraucht, So werd' er auch noch warm in dieſe Bruſt getaucht, Daß ja mein Schatten bald mit deinem ſich vereine, Ganz Engelland es ſeh', und wer ein Herz hat, weine! —————————— ———— Vorceſtre. Selbſtmörder, ob ſie gleich der Haufen tapfer preiſt, Verrathen, wie mich däucht, ſtets einen feigen Geiſt: Trotz der Beſchwerlichkeit vollenden ſeine Reiſe, Den Tod anrücken ſehn, das muß der wahre Weiſe, Und das will ich; der Gott, der uns das Leben gab, Der fordert Rechnung auch, wenn wir's verſchwen⸗ den, ab. Drum laß uns ſelber nicht die Tugend übertreiben, Laß treu der Menſchlichkeit, treu der Natur uns bleiben. Dein trauriges Geſchenk, behalt es: unbewegt Harr' ich hier duldend aus, bis meine Stunde ſchlägt. Es iſt ein andrer Dienſt, den itzt dein Freund erwartet, Den England von dir heiſcht. Sieh! was man ab⸗ gekartet. Ich ſteckte dieſen Brief— er iſt von Volfax Hand— Für Eduarden bey, als ich den Lohn hier*) fand. Mach' ihm an meiner Statt die unverhoffte Freude, Wie ſeines Günſtlings Werk—— Volfarx cherein ſtuͤrzend.) He, Wach'! ergreift ſie beyde! Arondel (mit dem Dolche, den er noch in Haͤnden haͤlt, ihn toͤdtend.) Elender! dieſes ſey dein letztes Bubenſtück, Stirb!(Zur Wache:) Nun, was ſoll es ſeyn? was bebt ihr ſcheu zurück? *) Auf ſeine Ketten deutend. Un fen tayfer gen Geiſt: Reiſe, hre Weiſe, Leben gab, verſchwen⸗ ertreiben/ atur uns ewegt de ſchligt. derwartet, man ab⸗ rHand— ) fond⸗ te Freude, ntüdtend) nſtück/ yn wos rickt — 263— ſtreben. h 5 * leben! orceſtre. So lan ißten ſi. 6 mißten ſich zwey tugendhafte Freund“ n ſie ſich durch Feſſeln nur vere int. Fuͤnfter Aufzug, Erſter Auftritt. Eduard. Glaſton, Wache. Eduard. Sein Todesurtheil? ja, ich wills beſtätigen: Doch führt auch ſeinen Freund und Mitverſchworenen Zuerſt hierher, Glaſton. Mein Fürſt, mit der Verzweiflung Zähren Fleht dir Eugenia, noch ein Mahl ſie zu hören.. Eduard. Sie komme! geh! Zweyter Auftritt. Eduard. Wohlan! ſie kömmt. O Höllenpein Der Ungewißheit! was, was wird mein Schickſal ſeyn? Doch Muth! ich will ihr Troſt, ſie wird mir Hoffnung geben. O Gott, wie ſchön iſt ſie! für ihres Vaters Leben Bürgt dieß ihr ſchmachtendes, ihr naſſes Auge. v— igen: ſchworenen ng Zihten hören⸗ llenpein Hoffnunh eben uhe⸗ — 265— Dritter Auftritt. Eduard. Eugenia. Eugenia. Herr! Nur dieß Mahl noch, und dann beläſtigt dich nicht mehr Ein jammervolles Weib; du weißt, man will ihn tödten, Hin iſt der edle Greis, eilſt du nicht ihn zu retten. Eduard. Trotz ſeinem ſchändlichen erwieſenen Verrath Könnt' ichs; allein er ſtirbt, weil du es willſt! Eugenia. So hat Die Unſchuld nicht mehr Schutz am Thron der Er⸗ degötter? Die Stütze dieſes Staats verurtheilten Verräther: Und du, ach! einſt ſein Freund, du läſſeſt es geſchehn? Dein königliches Aug ſchließt ſich, um nicht zu ſehn? Der ſonſt der Menſchheit Recht in jedem Bettler ehret, Hat meinen Vater eh' verurtheilt, als gehöret. Wohl! wiſſ' denn, daß du auch mein Todesurtheil ſprichſt, Daß du auch dieſes Herz zugkeich mit ſeinem brichſt. Doch nein! dein Auge blickt Erbarmenz; ſieh ſie fließen, Die bittern Thränen, und ſieh mich zu deinen Füßen. Eduard. O liebſte Gräfinn, Ziel all meiner Wünſche! du, Du knieſt vor mir, vor mir, deß Leben, Glück und Ruh' In deinen Händen ſteht? bin ich's, der dich betrübte? Biſt du's, die bittet? ach, ein einzig Wort, Geliebte! Macht deinen Vater frey, macht dich zur Königinn, Und mich zu einem Gott. Eugenia. So iſt er denn dahin, Da meine ſtrenge Pflicht, die ich von ihm gelernet, Da die, du weißt es, mich von dieſem Rang entfernet. Eduard. Mein Unglück, das weiß ich, weiß, was du für mich fühlſt, Iſt Kaltſinn oder Haß, ob du ihn gleich verhüllſt, Und Pflicht nennſt: dieſer Tag beweiſt mir zur Ge⸗ nüge, Daß ich ein Thor bin, wenn ich länger mich betriege. Auch will ich es nicht mehr, will alle meine Kraft Zuſammen raffen, die unſel'ge Leidenſchaft Aus meinem blutenden verſchmähten Herzen reißen, Nicht mehr ein ſchwacher Fürſt bloß deinetwegen hei⸗ ßen. Gerechtigkeit verlangt das Leben Schuldiger: Ein König höret ſie, noch ſchont' ein Liebender. Eugenia. O Gott! was ſoll ich thun, und wie ſoll ich ihn retten? Vergeſſ' ich meiner Pflicht, ſo wird der Gram ihn tödten, Gedenk' ich meiner Pflicht, ſo droheſt du uns, du! Eduard. So rennt denn, Raſende! ſelbſt dem Verderben zu. (Er will fort.) bte ebte! nn, 1, ernet. u füt Ge⸗ iege⸗ ißen/ nhei⸗ h ihn n ihn Eugenia(ihn zuruck haltend.) O bleib! die Liebe ſelbſt—— welch Wort iſt mir entfahren? O hüthe dich, mein Mund, es je zu offenbaren—— Herr! weil nur blinde Wuth und ungerechter Haß In deinem Herzen mehr uns übriget, ſo laß Die Tochter wenigſtens zu ihres Vaters Füßen Noch ein Mahl ſinken. Gott! ſollt' ich's erleben müſſen, Daß ſein ehrwürdig Haupt auf dem Schaffot—— erbarm', Herr! meines Jammers dich; ich will in ſeinem Arm, Will vor ihm ſterben— Eduard. Nein, du brauchſt nicht ſeine Lehren, Grauſame! braucheſt nur dein eigen Herz zu hören: Unaufgehetzt von ihm, haßt mich ſchon das genug; O der Beleidigung, die noch kein Fürſt ertrug! Ja, deines Vaters Tod, dein Unglück und das meine Iſt dein Werk. Vierter Auftritt. Eugenia. Ach! er geht! Undankbarer! ich weine, Ich fleh' auf meinen Knien;: umſonſt, du hörſt mich nicht! O Tag voll Grauſamkeit, o allzu ſchwere Pflicht! Wie? ſoll ich ihm vielleicht nacheilen, ihm geſtehen— Doch ſieh! man nahet ſich. Fuͤnfter Auftritt. Eugenia. Arondel. Wache. Eugenia. Mylord! es iſt geſchehen. Mein Vater iſt dahin, und Tod— mein Wunſch. Sechster Auftritt. Arondel. Wache. Arondel. Sie weint, Sie flieht: ſo iſt's denn wahr! haſt du, dir ſelber feind, Britannien! durch gekrönt' und ungekrönte Würger Die Stütze dieſes Staats, den letzten deiner Bürger, Geſchlachtet! doch vielleicht iſt er noch nicht dahin; Sie war voll Angſt, und Angſt hat einen eignen Sinn: Stets zitternd ſieht oft die in jedem Wölkchen Blitze. O Ungewißheit! ſcharf, wie zehner Dolche Spitze, Verwundeſt du mein Herz, vervielfachſt meine Qual: Mein Freund ſtarb ein Mahl nur, ich aber hundert Mahl.(Zur Wache:) O ihr, die Tyranney, zwar nur zum Mord, gedungen, Habt ihr von Menſchlichkeit nicht ganz euch los ge⸗ rungen, Iſt eure Bruſt nicht mit dem Harniſch, der ſie deckt, Aus Einem Stück, ſo ſprecht! ein Wort von euch er⸗ weckt en. unſch. ſelbet iger hel, Sinn⸗ litze⸗ 0, ual: indert ngen⸗ os ge⸗ eckt/ h et⸗ — 2 6 9— Die Hoffnung, oder wird auf ewig ſie zerſtören; Es ſey auch, wie es ſey, ich will als Mann es hören: Doch hören muß ichs. Wie? ihr ſchweiget, ihr getraut Mir' nicht zu ſagen? O dieß Schweigen ſpricht ſo . laut, Wie zehen Donner:„todt iſt er.“ Wohlan denn, ſtehet Nicht ſtill auf halbem Weg; hier iſt ein Herz auch, ſehet! (Sein Kleid aufreiſſend.) Ich mach es euch bequem, und ſegn' euch noch dafür, Den vor dem Scheuſal, das da Menſch heißt, ekelt mir. Siebenter Auftritt. Glaſton. Arondel. Wache. Glaſton. Der König kömmt; du kannſt bisher ſtumm bey den Fragen, Die dir die Pairs des Reichs gethan, ihm ſelber ſagen, Was dich rechtfertiget. Arondel. O mit Rechtfertigung Geb' ich nicht mehr mich ab; mein Freund iſt todt: genung! Zwar hätt' ich dieſes Reich dem Untergang entriſſen, Doch ſeine Frevelthat ſoll es mir bitter büßen! Ich ſchweige: fallen mags durch ſeiner Feinde Schwert; Solch eine Mördergrub' iſt nicht der Schonung werth: Auch folgt die Strafe ſchon geflügelt dem Verbrechen. Bereitet das Schaffot— mehr hab' ich nicht zu ſpre⸗ chen. — 2 0— Achter Auftritt. Eduard. Arondel. Glaſton. Wache. Eduard. 1 Bleib, und geſteh, was dich zu dem Verräther führt, 3 Der das Schaffot ſogleich mit dir beſteigen wird. ſ Arondel. So lebt er, lebt er noch— unſägliches Ver⸗ gnügen, 1 Nicht mehr gehofft! ſo wird doch noch die Unſchuld ſiegen, Und wirds durch mich! doch nein! nur du haſtees gethan, O Gott! und deinen Rath beth'ich hier dankbar an. Eduard. Wie! ſelbſt vom Tod bedraut, willſt du für andre ſßrechen? Ha! falſche Großmuth löſcht dein ſchändliches Ver⸗ brechen Nicht aus; wer biſt du? wie kamſt du nach Engelland? Du, durch ein Laſter nur an meinem Hof bekannt! Arondel. Gelaſſen will ich ſie, die Vorwürf' alle, tragen; Verurtheilt durch den Schein, darf ich mich nicht beklagen. Doch hält gewiß mein Fürſt, hat er mich ganz gehört, Mich ſeines wärmſten Danks, mich ſeiner Achtung werth. räther rd. Per⸗ ſchuld ſte ar an. Per⸗ lund! annt! agen; nicht — 271— Die Wahrheit ſoll durch mich nackt vor dem Thron erſcheinen. Für deine Ahnen, Herr! floß oft das Blut der Meinen Der Nahmen Arondel, denk' ich, verkündet dir Wohl keinen Feind, und wiß, der lebet noch in mir. Doch ob mich gleich Geburt und Glück dazu er⸗ kohren, Dem Fürſten nah' zu ſeyn, liebt' ich doch, frey geboren, Die Selaverey des Rangs, den Prunk der Höfe nicht, Wo mancher große Mann und mancher Schmeich⸗ ler kriecht. Weltbürger, und gereitzt von keiner andern Ehre, Als der, die in uns iſt, floh ich dieß Land, und kehre Nur darum itzt zurück, weil noch ein ſtark Gefühl In mir für ſelbes ſpricht, und ich es retten will; Denn wiß, Alzonde floh Norwegen; ſie erwartet Von den Rebellen Schutz: es iſt ſchon abgekartet, Und darum hat ſie ſich nach Schottland einge⸗ ſchifft; Ja die Verrätherey hat ſelbſt ihr heimlich Gift Bey Hof hier ausgeſtreut: ich hatt' es kaum er⸗ fahren, So flog ich, meinem Freund es auch zu offen⸗ baren, Und ſah, wie haſtig du—— doch keinen Vorwurf, Fürſt! Der iſt der bitterſte, den du mir machen wirſt; —.———————————— Auch nicht ein Wort zum Schutz Vorceſtre's! Ich kann ſchweigen; Sein Leben ſpricht für ihn, doch wollt' ich hier mich zeigen, Denn Freundſchaft, treuer als das Glück, trägt Für⸗ ſtengrimm, Trägt Sclavenketten, geht ſelbſt in den Tod mit ihm. Doch daß ich einen Dolch in Volfax Herz geſtoßen, Dafür erwart'ich Dank: ſieh deines Lieblings großen, Dir unbekannten Plan! er ſteht auf dieſem Blatt. Du kennſt doch wohl die Hand, die's unterzeich⸗ net hat? Lies, Herr! und wankſt du noch? mich däucht, wer von uns beyden Den Tod verdienet hat, läßt ſich nun leicht ent⸗ ſcheiden. Eduard⸗ O des heimtückiſchen Verräthers! es iſt klar, Daß auch Aglae mit von den Verſchwornen war Doch du, des Himmels Freund! du, denn der Allgerechte Nach London ſendete, daß er uns Wahrheit brächte, Sollſt ſehen, Eduard ſey ſie zu hören werth, Weil er, wen ſie beſchützt, zu kränken nicht begehrt⸗ Zwar hätt' ich ohne Schmerz, das muß ich dir ge⸗ ſtehen, Aufs wartende Schaffot Vorceſtren ſteigen ſehen; Denn er bracht' über mich viel Gram, viel Herzeleid: Doch Zorn und Rache ſchweigt vor der Gerechtig⸗ keit. „) E er mich tFür⸗ od mit toßen, roßen, Blatt. erzeich⸗ t, wer t ent⸗ t klar/ war nn der rächte⸗ 1 egehtt⸗ dir ge⸗ hen nchtih — 2 3 3 5 (Zur Wache) Geht, ſagt ihm, er ſey frey: ich bäth' ihn, her⸗ zukommen. Auch führt Aglaen her; eh'als ich noch vernommen Ihr ſchändliches Complott, erlaubt' ich ihr zu fliehn: Nun ſoll ſie reden!(Zu Glaſton:) Du flieg zu dem Hafen hin, Er ſey ſogleich geſperrt, und nicht geöffnet eher, Als wieder mein Befehl ihn öffnen heißt. Neunter Auftritt. Eduard. Vorceſtre. Arondel. Wache. Eduard⸗ Tritt näher⸗ Vorseſtre! was dir auch die Boßheit zugedacht, War alles fruchtlos, Gott hat über dich gewacht, Und Unſchuld triumphirt. Dir deine Bande löſen, Dich bitten, ferner mir zu ſeyn, was du geweſen, Iſt nur Gerechtigkeit; das ausgeſöhnte Glück Gibt dir durch meine Hand, was du verlorſt, zurück. 3 Nur Eines fehlet noch, wenn der Verluſt dich ſchmerzet, Die Freundſchaft Eduards. Warum du ſie verſcherzet, Weißt du nur allzu wohl, auch weißt du, welcher Preis Sie wieder dir gewinnt. Vorceſtre. Herr! alles, was ich weiß, Iſt, daß ich deiner Huld und Achtung unwerth wäre, Nähm' ich je meinen Rath zurück; die wahre Ehre Theater. S Gibt nicht jedwedem Wind, als wie ein Schilfrohr, nach: Feſt ſteht ſie, bleibt ſich gleich, und führt nur Ei⸗ ne Sprach', Und nun ein Augenblick das Wohl des Reichs ent⸗ ſcheidet, Es ſtürzet, oder es befeſtiget, da kleidet Den Fürſten Liebe nicht: ganz andre Sorgen, Herr! Heiſcht Englands Wohl und deins von dir. Gebeut vielmehr, Aglaen ſchnell hierher zu führen! ſie geſtehe, Wer mitverſchworen ſey. Eduard. Sie kömmt. Zehenter Auftritt. Eduard. Alzonde. Vorceſtre. Arondel. Glaſton. Wache. Arondel. Gott! was ich ſehe, Iſt es ein Traum? Sie ſelbſt— Alzonde. Schweig nur! auch ohne dich Wird mein Geheimniß itzt enthüllt, und das durch mich; Ja, durch mich ſelber. Zwar ob meinem Haupte ſchweben Seh' ich das Wetter, doch ich habe ſatt das Leben. Schilfrohr, hrt nur Ei⸗ Reichs ent⸗ t Sorgen, ir. Geheut he, Glaſton. ich ſehe ⸗ ddus durh n Halhte us liben (Zu Eduard:) Du Eduard, meiner Qual Urheber! ſieh in mir Alzonden. ehre ſie— am Range gleicht ſie dir. Eduard. Alzonde! Alzonde. Ha! du lernſt nicht ungeſtraft mich kennen! Mein Nahme zwar iſt Tod, und doch wollt' ich mich nennen. Was kannſt du denn, Tyrann? nur tödten kannſt du mich; O weit empfindlicher trifft meine Rache dich. Zu ſehn, wie unſer Feind im tief zerriſſnen Herzen Den Pfeil herum trägt, bang ſich windet, ſeiner Schmerzen Kein Ende finden kann, o dieß iſt Wonne, dieß Macht dem Beleidigten auch ſelbſt den Tod noch ſüß. In deinen Banden frey, ſann ich auf ſolche Rache; Doch was verweil ich hier? itzt iſt ja meine Sache Entſchieden: auch empört's mein fürſtliches Gefühl, Wenn über mich ein Feind den Herrſcher ſpielen will!(Sie geht ab). Eduard(zur Wache:) Folgt ihr auf jedem Schritt. Eilfter Auftritt. Eduard. Vorceſtre. Arondel. Wache. Eduard. Umhüllt von Dunkelheiten Schien mir Alzondens Red', ich weiß ſie nicht zu deuten. S 2 Gefangen, droht ſie noch: doch warum quäl' ich mich? Ohnmächt'ge Wuth erſchöpft zuletzt mit Drohen ſich. Ich muß den Augenblick, der ſich mir darbeut, nützen, Das, was ich liebe, zu erhöhen, zu beſitzen. Der Himmel winket mir, ich glaub' ihn zu verſtehn; Alzonden ſtürzt' er nur, Eugenien zu erhöhn. Zwoͤlfter Auftritt. Eduard. Vorceſtre. Arondel. Glaſton. Glaſton. Mein Fürſt! Alzonde ſtieß an des Pallaſtes Pforte Sich einen Dolch ins Herz; dieß waren ihre Worte: »Zu ſterben ziemt mir nur durch mich: doch zit⸗ tre du, »Feind meiner Ruhe! Gift ſchließt noch zwey Au⸗ gen zu. »Barbar! der alles mir, ſogar mein Herz entriſſen, »Du ſollſt aus meinem Haß, wie ſehr ich liebte, ſchließen, »Und ſehn, wie ich mich, groß in jeder Leidenſchaft, »Als Liebende gerächt, als Königinn beſtraft.“ Eduard. Welch Ahndung ängſtiget mein banges Herz! Man eile, Man bitt' Eugenien, daß ſie nicht mehr verweile— uil ich hen ſich. darbeut, en. erſtehn; öhn. on. Pforte Worte: doch ſit⸗ wey Au⸗ ntriſen/ liebte, ſchuft, 6 6 Herj! weile— Letzter Auftritt. Eugenia(geſtüßzt von ihren Dienerinnen.) Eduard. Vorceſtre. Atondel. Ismene. Glaſton. Eduard. O Gott des Himmels! ſo zeigt ſie ſich meinem Blick'? Vorceſtre. Ha! darum hießeſt du mich leben, iſee Glück! Eugenia. Warum durch Klagen mir die Augenblicke rau⸗ ben, Die noch der Schmerz mir gönnt? Mein Vater! darf ich's glauben, Daß Heucheley entlarvt, errettet Unſchuld iſt? O Wonne, welche mir den Todeskelch verſüßt! Nur Eines noch! ſchon lang' ſeufzt' unter dieſer Bürde Mein krankes Herz: obgleich ich's nie geſtehen würde, Wenn längres Leben noch—— doch an des Grabes Rand Gibts kein Geheimniß mehr,(zum König) mein Eduard! deine Hand! Wiſſ'! für einander ſchuf der Himmel unſre Herzen, Ich liebte dich—— noch itzt—— es iſt geſchehn!— Sie ſirbt.) PVorseſtre. 0 Scmerzen„ Zehnfachem Tode gleich! Eduard. Zieh mich, du Engel! zieh Mich mit! Gott, was ſoll mir mein Leben ohne ſie? Die — Eine komiſſche — — 0 in zwey Aufzügen. Perſonen. Roſalia, eine reiche Pachterinn. Nannette, ihre Tochter. Chriſtel, Nannettens Liebhaber. Georg Stumpf, der Richter, Rofaliens Bruder. Roſenhuͤgel, ein Stußer. Hauptmann von Edelſee. Louiſe von Erthal. Corporal Hagel. 3 Eine Gerichtsperſon. Die Handlung geht in einem Heſterreichiſchen Dorfe vor. Die Muſtk iſt vom Herrn Paul Wranißky, erſten Drche⸗ ſter⸗Director in wirklichen Dienſten der k. k. Theatral⸗ Hof⸗Direction. Iruder. orſe bor⸗ ien Orche⸗ Lhearul⸗ —————— Erſter Anfzug⸗ Erſter Auftritt. (Ein Plas im Dorfe. Links Roſaliens Haus. Rechts eine Laube. In einiger Entfernung das Rathhaus.) Roſalia. Georg. Edelſee. Roſalia. Georg. 1 iſt der Tag der Freude, Der ſchoͤnſte Tag im Jahr, Im feinen Sonntagskleide Prangt unſrer Jungen Schaar. Auch unſre Mädchen zeigen Sich heut in vollem Glanz, Schon ſtimmet man die Geigen Zum muntern Reihentanz. Ro ſalia. Wie heiter lacht der Morgen, Wie freut ſich Jung und Alt. Hauptmann. - Nur dieſes Herz voll Sorgen Iſt fur die Freude kalt. Georg. Nun gnädiger Herr, kommen Sie in Ihr Quartier. Der Herr Corporal iſt ſchon vor⸗ ℳ 282— aus. Mit dir, Schweſter, habe ich nachher auch ein Paar Worte zu reden. Seit aus deiner Tochter Ma⸗ riandel eine Mamſell Nannette geworden iſt, ge⸗ fällt ſie mir ganz und gar nicht. Hauptm. Iſt dieſe Nannette das hübſche Mäd⸗ chen, die uns eben begegnet iſt? Georg. Ja, dieſe iſt es. Hauptm. Ein liebenswürdiges Kind. Georg. So ſo. Ja vor ihrer Mamſellwer⸗ dung hätten Sie ſie kennen ſollen. Verzeihe mir, Schweſter, ſo oft ich ſie anſehe, ärgere ich mich. Vor ein Paar Monathen ſtrich ſie ihre ſchwarzen Haare aus dem Geſicht, band ſie in einen Knoten zuſammen, und ſtürzte ein Häubchen darauf, da ſah ſie denn aus, allerliebſt! Was thut ſie aber jetzt? Sie zerrauft ſich mit Fleiß das Haar, und läßt es über die Naſe herab hangen, weil eben in der Stadt die Strobelköpfe Mode ſind. Hauptm. Man muß der Jugend etwas zu gute halten. Georg. Ey! ſie iſt vor zwey Monathen auch jung geweſen. Aber— aber— Schweſter, ich mag nicht reden, ich ärgere mich nur. Der verdammte Stadtnarr! Allen unſern Mädchen hat er den Kopf verdrehet. Ro ſalia. Nun ſo iſt ja meine Tochter zu ent⸗ ſchuldigen, wenn es ihr gegangen iſt, wie allen andern. Georg. Aber deine Tochter iſt ja nach der neuen Mode erzogen, und doch ärger geſchoſſen als alle andern. uch ein ter Ma⸗ ſt, ge⸗ eMid⸗ nſellwet⸗ he mir/ h nich⸗ warzen Knoten auf/ da ſie ober r und eben in twas zu en uch ich mag dommte en Koyf rzu nt⸗ vie olen nach der hoſin m — Ro ſalia. Immerhin! deßhalb wird doch ſie am ſicherſten und am geſchwindeſten wieder geheilt ſeyn. Georg. Du brauchſt dein mütterliches Anſehen nicht, du tändelſt und ſchwatzeſt mit ihr, als wärſt du ihre Spielgeſellinn. Roſſalia. Ich beſitze das VPertrauen meines Kindes. Glücklich die Mutter, die ſich deſſen rüh⸗ men kann! Georg. Du beſitzeſt ihr Vertrauen? Vortreff⸗ lich! Hat ſie dir auch vertraut, daß ſie in den Mon⸗ ſieur Roſenhügel verliebt iſt? Roſalia. Sie macht mir aus keinem ihrer Gedanken ein Geheimniß. Georg. Der arme Chriſtel, der braveſte Kerl in der ganzen Gegend, der ſie ſo lange, ſo redlich liebt! Ro ſalia. Würde Chriſtel glücklich ſeyn, wenn ſie ihn heirathete, ohne ihn zu lieben. Ein ſtürmi⸗ ſcher Vater, wie du einer wäreſt, könnte ihm viel⸗ leicht ihre Hand erzwingen, ich will ihm zugleich ihr Herz verſchaffen. Hauptm. Edle Mutter, ich bewundere ſie. (Der Corporal tritt auf.) Gehe er nur voraus, ich kom⸗ me ſchon. Er, Herr Richter, mache ſich weiter kei⸗ ne Mühe, ich ſehe dort ſchon meine Wohnung. Setze er immer ſein Geſpräch hier fort, ſo wenig auch das Recht auf ſeiner Seite zu ſeyn ſcheint. Und ſie, Frau, lebe ſie wohl. Möchten alle Mütter ihr gleichen! Aur 6 Aeltern, wollt ihr gute Ehen Und vergnugte Kinder ſehen, So verbannet allen Zwang. Sehet nicht auf hohen Rang, Sehet nicht auf große Guͤter, Rur auf Gleichheit der Gemuͤther, RNur auf Redlichkeit und Treu'. Daß die Lieb' am Brautaltare Ihres holden Werks ſich freu', Und dem neu verlobten Paare Seinen Weg bis zu der Bahre Sanft mit Blumen uͤberſtren'. cus.) Zweyter Auftritt. Ro ſalia. Georg. Ro ſalia. Haſt du es gehört? Georg. Ja, die Hetren Officiere geben immer den Müttern Recht, die ſchöne Töchter haben. Glaub aber nicht, daß es ihm Ernſt iſt mit ſeinem Lobe. Er thut ja ſelbſt das Widerſpiel. Frag' ihn einmahl, ob er der Vertraute ſeiner Recruten iſt. Ja beym Militär, da geht es anders zu. Ich habe ſelbſt den Spaß zehen Jahre mitgemacht, und es freut mich, wenn ich daran denke. Da iſt Ordnung⸗ Subordination, will einer nicht, wie er ſoll, da heißt es: Ihr Racker, ihr Teufelskerl! Corporal herbey! zwanzig Prügel dem Kerl! So gehet es denn auch, und anders nicht. Ro ſalia. Aber ein Mädchen iſt kein Recrut. Georg. Noch ärger ſind ſie als die Recruten⸗ — gel en imtmer r haben. it ſinem jrg ihn uten iſ. und es ordnunh ſoll/ da Curpotul gehet e Rectut wrerutil und darum müſſen ſie auch mit Schrfe zu Raiſon gebracht werden. Roſalia. Nicht doch Bruder. D eitit x. Roſalia. Durch Guͤte läßt ſich viel bewirken. Georg. Noch mehr durch Haslinger*) und Birken. Roſalia. Die Sanftmuth iſt der Mütter Pflicht. Georg. 3. Rein! ohne Schläge geht es nicht. Ro ſalia. Wenn auch ein Madchen ſich vergeht, Rur vorgeſtellt, nur zugeredt! Georg. So bald ein Mädchen nicht parirt, Gleich zugepufft und maulſchellirt! Roſalia. Geduld bey unſrer Kinder Schwächen. 15 Georg⸗ Rein, biegen muß es oder brechen. Beyde. Ich bitte,— ſchweige ſtill. Man bleibet doch nach all dem Zanken Bey ſeinen vorigen Gedanken Und jeder thut doch, was er will. (Georg ab.) *) So nennet das Volk die aus Haſelſtauden gemachten Stöcke, deren ſich beſonders die Corporale zu be⸗ dienen pflegen.. — 266— Ro ſalia. Geh nur, Trotzkopf! Mit all dei⸗ nem guten Herzen verſtehſt du doch nicht die Kunſt, dir Freunde zu erwerben. Und was iſt eine Mutter, die nicht die Freundinn ihrer Kinder iſt? Doch hier kommt Chriſtel. Er ſieht traurig darein. Der arme Junge! Meine Tochter begegnet ihm übel; doch der Sturm, hoffe ich, wird vorüber gehen. Dritter Auftritt. Chriſtel. Ro ſalia. Ro ſalia. Nun wie ſteht es, Chriſtel? Das iſt ja kein Kirchtagsgeſicht. Chriſtel. O für mich gibt es keinen Kirch⸗ tag mehr. Sollte man glauben, daß ihre Tochter, Frau Roſalia, ſo wankelmüthig ſeyn, und alle Per⸗ ſicherungen, alle Schwüre vergeſſen könnte, als wd⸗ ren ſie weggeblaſen. Ich werde dir immer gut ſeyn, lieber Chriſtel. Ja, ſeit Mon⸗ ſieur Roſenhügel hier iſt, hat es ſich ausgechriſtelt. Roſalia. Aber biſt du auch gewiß, daß meine Tochter dich nicht mehr liebt. Chriſte l. Ich wollte lange daran zweifeln, und verſuche es zu Zeiten noch, aber es geht ein⸗ mahl nicht mehr an. Sie ſtößt mir ja alle Augen⸗ blicke die Naſe auf ihre Gleichgültigkeit. Roſalia. Das iſt mir leid. Dein Vater war ein Ehrenmann, mein erſter Freund, als ich mich hier niederließ, und den Pacht antrat. Deine Mut⸗ ter.... Nun du weißt, ob ſich Schweſtern mehr it all dei⸗ die Kunſt, e Mutter, Doch hier Der arme doch der el Das en Kitch⸗ Tochter, dolle Per⸗ as ni t imme ſeit Mon⸗ daß meine weifeln. geht ein⸗ le Augen⸗ Poter vo 4 c n deine Mu lieben können. Aber wo ſteckt ſie, daß ich ſie nicht ſehe? Chriſtel. Sie iſt nach Zwoldorf, eine Schuld einzutreiben. Eigentlich hätte ich hin ſollen, weil aber heute Kirchtag iſt, ſo ſagte ſie: Lieber Chri⸗ ſtel, du arbeiteſt ſo fleißig für mich, es iſt billig, daß ich auch einmahl für dich arbeite, bleib alſo hier, und unterhalte dich gut auf dem Kirchtage. O du lieber Gott! hat ſich viel zu unterhalten! Ein Menſch, den man nicht mehr liebt, unterhält ſich ſein Lebtag nicht. Roſalia. Wenn meine Tochter wirklich auf⸗ gehört hätte, dich zu lieben, ſo geſtehe ich, daß mir dieſes höchſt verdrießlich wäre. Chriſtel. Wäre? Iſt, liebe Frau Roſalia, iſt. Setze ſie dieſen Verdruß immer in Empfang. Der verwünſchte Monſieur Roſenhügel mit ſeinem Catogan, ſeinem halb Dutzend Gillets, ſeinen bun⸗ ten Hoſen, ſeinem dicken Stock und ſeiner großen Unverſchämtheit! Beſtändig ſtecken ſie beyſammen. Sie lernt alle ſeine Lieder, ſie lacht über alle ſeine Einfälle. Sonntags tanzte ſie immer mit ihm. Ich ſtand hinter der Baßgeige mit naſſen Augen. Nicht einmahl bemerkt hat ſie mich. Abends ſpielten wir blinde Kuh. Ich mußte die blinde Kuh ſeyn, und es bleiben den ganzen Abend, denn wenn man Ver⸗ druß mit ſeinem Mädel hat, ſo gehet einem nichts von Statten. Indem ich nun herum tappe, höre ich Jungfer Mariannen und den Monſieur Roſen⸗ hügel kichern und fliſtern. Da war es gar aus. Ich nahm die Binde herab, ſagte, mir ſey nicht — 2 88— wohl, es war auch keine Lüge, und ſetzte mich in einen Winkel. Roſalia. Aber vielleicht war alles dieſes nur Scherz und Reckerey. Statt Mariannen auszu⸗ ſchmälen, hätteſt du lieber thun ſollen, als merk⸗ teſt du nichts, und dich befleißen, doppelt liebens⸗ würdig zu ſeyn. Chriſtel. O ich ſchmäle niemahls! So gar wenn ich weine und ſie ſchaut auf mich, mache ich gleich ein fröhliches Geſicht— So—(er zeigt es) damit ſie nur nicht ungeduldig werden ſoll. Liebenswürdig zu ſeyn befleiße ich mich auch. Ich trage meine Sonn⸗ tagskleider, ja ſogar meinen goldenen Siegelring auf alle Tage. Meine ſibbernen Schnallen, meine ſilbernen Rock⸗ und Hemdknöpfe kommen gar nicht mehr in unſern großen nußbäumenen Kaſten. Was hilft es? Nichts. Der Catogan und das vierfache ilet koſten viel weniger und gelten viel mehr. Monſieur Roſenhügel hat in Wien eine Menge Lie⸗ der gelernt, die er jetzt wieder von neuen auf Jung⸗ fer Mariannen componirt. Ich habe auch einmahl ein Lied componiren wollen, das hat angefangen: Ich liebe ſie mehr als mein Leben, Mehr als mein Leben lieb' ich ſie. Aber beym Anfang iſt es geblieben. Mehr habe ich nicht zuſammen gebracht. Ro ſali a. Was du mir ſagſt, kränkt mich nicht wenig, denn dieſer Monſieur Roſenhügel taugt nicht für meine Tochter. Chriſte l. Freylich nicht. Roſalia. Und taugt überhaupt nicht viel. mich in ieſes nur auszu⸗ Us merk⸗ liebens⸗ So gar ich gleich damit ſe vürdig zu e Sonn⸗ iegelring „meine ar nicht ten. Vis vietfuhe iel mehr. enge kie⸗ uf Jung⸗ inmahl gefungen hobe ich nkt nich ht eie Sa S —— Chriſtel. Nun Gott Lob und Dank, daß ſie das glaubt. Ro ſalia. Seine letzte Reiſe nach Wien hat ihn noch mehr verdorben. Chriſte l. Das zeigt ja der Augenſchein. Roſalia. Eine hübſche Figur hat er. Chriſtel. Hm! ich finde ſie nicht hübſch, ich. Ro ſalia. Auch Verſtand. Chriſtel. Man ſagt es, wer weiß aber, iſt es wahr. Er hat den Stadtverſtand mitgebracht, der, wie manche Waaren in der Stadt, zwar gut ausſieht, aber nicht recht brauchbar ſeyn ſoll. No ſalia. Alle Mädchen im Dorfe laufen ihm nach⸗ Chriſtel. Möchten doch alle laufen, wenn nur ihre Tochter ruhig bliebe. Ro ſalia. Reich iſt er nicht. Chriſte l. Reich 2 Iſt doch das Zeug 6 al⸗ len ſeinen Kleidern geſpart. Das liegt alles an, wie eine zweyte Haut. Ro ſalia. Und wie meine Nachbarinn geſagt hat, iſt er etwas eigennützig. Er liebt das Hei⸗ rathsgut meiner Tochter wenigſtens eben ſo ſehr als ihr Geſicht. Chriſtel. Ich wollte, ſie hätte gar kein Hei⸗ rathsgut,(ſeufzend) aber auch keinen Monſieur Ro⸗ ſenhügel. Roſalia. Höre, mein Freund; noch dürfen wir nicht verzweifeln. Mariannen kann der Vorzug geſchmeichelt haben, den ihr Roſenhügel vor allen Maädchen des Dorfes gibt. Die Eitelkeit iſt leider Theater. T — 290— die Quelle der meiſten weiblichen Thorheiten. In⸗ deſſen hat ſie doch ein gutes Herz, und mit ei⸗ nem guten Herzen und einer gaten Mutter kömmt ein Mädchen von ihren Thorheiten immer zurück. Auch weißt du, welches Vertrauen ſie in mich ſetzt. Ich will mein Möglichſtes thun, ſie dir und der Vernunft wieder zu geben. Chriſtel. Um des Himmels willen nur das nicht! Die Vernunft laſſe ſie aus dem Spiele, die ver⸗ dirbt alles. Ich will, daß Marianne mich aus Ver⸗ gnügen lieben ſoll, wie einſt, nicht aus Vernunft. Liebe Frau Roſalia, konnte ſie mich doch lieber leh— ren, artig ſeyn, und allerhand Stadt⸗Manieren an⸗ nehmen. Ich habe ſchon meine Mutter darum ge⸗ bethen, aber die ſagt, mir fehle nichts, und ich ſey allerliebſt. Roſalia. Das ſage ich auch. Chriſtel. Eine ſchöne Allerliebſtheit, wenn man den Müttern gefällt, und den Töchtern miß⸗ fällt. Roſalia. Rur Geduld! Du ſollſt ſchon auch der Tochter gefallen. Dort ſehe ich ſie. Entſerne dich jetzt. Chriſtel. Der Monſteur Roſenhügel bringt mich noch um. Lebe ſie wohl, Frau Roſalia. Lebe wohl, mein Sohn. Ro ſalia. Chriſtel(ſich umwendend.) Wie hat ſie ge⸗ ſagt? Ro ſalia. Lebe wohl, mein Sohn. Chriſtel. Das iſt gar ein ſchönes Lebewohl. (Rußt ihr die Hand, und eilet fort.) Niten. In⸗ d mit ei⸗ tter kömmt er zurück. mich ſett. rund der r das nicht! , die ver⸗ aus Per⸗ Vernunft. lieber leh⸗ nieren an⸗ darum ge⸗ und ich ſey heit, wenn chtern miß⸗ ſchon auch Entſerne gel blint hot ſe h⸗ gebeuoß eilet for E — 291— Viertet Auftritr. Nannette. Roſalia. Nt ſer Nannette. Der Manner Herzen zu beſtricken, Iſt wahrlich eine ſchoͤne Kunſt. Wenn einer, artig zum Entzuͤcken, Voll Demuth fleht um unſre Gunſt, Die andern Maͤdchen ſauer ſehn Und faſt vor Aergerniß dergehn, Er keine ſtehet, keine hoͤrt, Dann fuͤhlt man erſt der Schoͤnheit Werth⸗ Die Treu' iſt zwar nicht zu verachten, Das Herz mahnt den, der eines hat. Doch ewig kann man ja nicht ſchmachten, Man wird es doch am Ende fatt. Der Liebe gar zu ſuß Gericht Verdirbt ein Tropfen Untreu' nicht⸗ Man miſcht in ſuͤße Raͤſchereyn Auch bittte Mandeln mit hinein. Ha! iſt die Mutter hier? Ro ſalia. Ein ſonderbares Lied, mein Kind! Es iſt noch nicht lange, daß du es ſingſt⸗ Nannet. Monſieur Roſenhügel hat mich's ge⸗ lehrt. Doch wenn ich recht ſah, ſo war Chriſtel bey der Mutter. Hat er ſich etwa über mich beklagt? Roſalia. Nein, nurüber ſich ſelbſt. Er fürch⸗ tet dir mißfallen zu haben. Nannet⸗ Er weiß nicht, was er redet⸗ 2 — 292— Ro ſalig. Ich habe ihn beruhigt. Du liebſt ihn noch immer? Nicht wahr? Nannet. Seir einiger Zeit iſt er viel weniger liebenswürdig. Ro ſalia. Wirklich? Aber warum ſagteſt du mir das nicht, du, die mir alles ſagt? Nannet. Ja darüber wäre viel zu reden. Sieht die Mutter, der Herr Chriſtel iſt auch nicht ohne Fehler. Ich habe nun ſo manchen an ihm be⸗ merkt. Ro ſalia. Und welche denn? Nannet. Er hat das beſte Herz, das iſt wahr. Er iſt der ehrlichſte Junge von der Welt. Er liebt ſeine Mutter von ganzer Seele, und für mich liefe er durchs Feuer. Alles das iſt wahr; ich geſtehe es, denn ich bin gerecht aber.. Ro ſalia. Und ſeine Fehler? Nannet. Seine Fehler.—(In Verlegenheit.) Je nun— er hat— er iſt— kurz— ich glaube, ich liebe ihn nicht mehr. Roſſa li a. Ja das iſt freylich der größte Feh⸗ ler für einen Liebhaber. Doch wir wollen ſehen, ob wir Chriſteln den Fehler nicht abgewöhnen können. Nannet. Ach wie gut die liebe Mutter iſt! Ich fürchtete, ſie würde böſe werden. Ro ſalia. Ueber das, was du mir ſagſt, wer⸗ de ich nie böſe. Nannet. Die Mutter weiß, daß ich ihr nichts verhehle. Roſalia. Nun denn. Liebſt du alſo Chriſteln nicht mehr? liebſt weniger gteſt du u reden⸗ uch nicht ihm ben ſt wahr. Er liebt ih liefe ſtehe e, egenheit glaube⸗ te Feh⸗ hen, ob können⸗ 1 ner iſt! ſt, wen hr nichts Nannet. Dafür kann ich auch nicht ſtehen. Ich will der Mutter aufrichtig ſagen, wie mir ums Herz iſt. Monſieur Roſenhügel iſt ein Herr Vet⸗ ter des Herrn Amtmann, ein hübſcher, artiger Menſch⸗ ein Menſch, der viel Verſtand hat, ein Menſch, der in der großen Welt gelebt, der Wien geſehen, und dort den erſten Fräulein den Kopf verrückt hat. Die⸗ ſer Monſieur Roſenhügel liebt mich ganz außeror⸗ dentlich. Alle Mädchen im ganzen Dorfe möchten vor PVerdruß darüber berſten, das freut mich. Chriſtel iſt niedergeſchlagen, traurig, und gehet herum, wie der Schatten an der Wand. Das thut mir leid. Ich möchte ihn gern beruhigen, aber es doch nicht mit Roſenhügeln verderben, ihn immer lieben, und von Roſenhügeln immer geliebt werden. Ro ſalia. Ja höre Kind, das iſt ſchwer zu vereinigen. Aber wenn es auch möglich wäre, wür⸗ deſt du dir keinen Vorwurf über deine Ungerechtig⸗ keit machen? Nannet. Ungerechtigkeit? Ro ſalia. Allerdings. Jeder gäbe dir ein gan⸗ zes Herz, du jedem nur ein halbes. Wäre das ehr⸗ lich geſpielt? Nannet. Rein; es wäre betrogen. Ich muß alſo zwiſchen Chriſteln und Roſenhügeln wählen? Ro ſalia. Und wenn du gewählt haſt, bey dem Gewählten bleiben, denn wieder wechſeln wäre gleich⸗ falls eine Ungerechtigkeit. Nannet. Wie ſo? Ro ſalia. Als mir unſer gnädiger Herr ſo viel Wieſen, ſo viel Aecker, ſo viel Weingärten in Pacht ———— gab, mußte ich ihm 5000 Gulden Pachtſchilling im voraus erlegen. Wenn er mir vor der Ernte geſagt hätte: Frau Roſalia, packe ſie ſich! Wäre das nicht ungerecht; denn durch die Ernte muß ich ja nicht nur meinen Pachtſchilling wieder herein bekom⸗ men, ſondern noch über dieß etwas für meine Ge⸗ fahr, Muhe und Arbeit. Nannet. Natürlich. Ro ſalia. Nun denn; wenn du einem Liebha⸗ ber deine Treue verſprichſt, und nimmſt ſie in dem Augenblicke wieder zurück, wo er durch die Heirath ſoll belohnt werden, ſo handelſt du nicht gerechter, als der gnädige Herr, wenn er mir meine Felder nähme. Nannet. Die Mutter hat Recht. Es iſt doch ſchwer, gerecht zu ſeyn. Die Mutter weiß, daß ich Chriſteln meine Treue verſprochen habe. Roſalia. Ohne Zweifel haſt du wichtige Ur⸗ ſachen, ſie ihm zu nehmen. Nannet. Gar keine Urſache habe ich, das eben ärgert mich. Roſa lia. Ziehe dein Herz wohl zu Rath. Nannet. Mein Herz ſpräche für Chriſteln, das wäre ſo ziemlich richtig; wenn ich es aber zu deutlich merken laſſe, ſo nimmt Monſieur Roſenhü⸗ gel ein anderes Mädchen, und die ſiehet mich über die Achſeln an, und bildet ſich ein, ihre Larve hät⸗ te mir den Monſieur Roſenhügel abſpänſtig gemacht. So was iſt eben nicht angenehm, liebe Mutter. Ro ſali a. Haſt du weiter keine Urſache als dieſe? ling im e geſagt as nicht ja nicht bekom⸗ ne Ge⸗ Liebha⸗ in dem Heirath erechter, Felder iſt doch daß ich tige U⸗ das eben Futh⸗ riſteln, aber zu oſenhi⸗ ich uber re hit⸗ nacht utter⸗ che al . 2 95— Nannet. Doch. Chriſteln habe ich Unrecht gethan, das müßt' ich geſtehen, es ihm wohl gar abbitten. Roſalia. Wenn man jemanden Unrecht ge⸗ than hat, ſo ſcheint das wohl billig. annet. Ja hier auf dem Lande, aber in Wien nicht. Monſieur Roſenhügel ſagt, daß ein hubſches Mädchen dort niemahls Unrecht habe, und wenn ſie auch jemanden beleidigt hat, ſo müſſe doch der Beleidigte ſie um Verzeihung bitten. O das al⸗ lerliebſte Wien! Doch ſieh! Hier kommt Monſieur Roſenhügel ſelbſt, gar mit einem Strauß in der Hand.(Huͤpft ihm entgegen.) F t Roſenhügel. Ro ſalia. Nannette⸗ Roſenh. Ja Mademoiſelle, es iſt der glück⸗ liche Roſenhügel, der ihnen hier indeſſen die erſte Hälfte ſeines Nahmens gibt. Seit er für Sie Blu— men ſucht, wachſen ſie doppelt ſchön im Garten ſei⸗ nes Onkels. Theuerſte Madame Roſalia auch Sie hier? Nun muß ich mein Bougquet abtheilen. Ver⸗ zeihen Sie, ſchöne Nanni, ich muß. Dieſe volle Roſen, Madame, ſchämen ſich von ihren Wangen übertroffen zu werden. Dieſe Knoſpen, Mademoi⸗ ſelle, werden auf ihrem Buſen ſich öffnen vor lau⸗ ter Freude, ſich in ſo guter, ſo gleichartiger Ge⸗ ſellſchaft zu finden. Nannet. RNun Mutter, hat er Verſtand oder nicht? Roſſenh. Ich weiß, Ihr Onkel iſt mein Feind? Nannet. Sie erweiſen mir allzu viel Ehre. Ich habe keine ſo vornehmen Verwandten— Herr Georg der Richter iſt nichts als mein Vetter. Ro ſenh. Mein Onkel der Amtmann könnte es ihm entgelten laſſen. Aber dazu denkt er zu erha⸗ ben. Er will ihn beſchämen, und— Ihnen wohl⸗ thun, Madame Roſalia. Jüngſt hat er in ſeinen alten Papieren herum geſucht und zuföälliger Weiſe eine Urkunde gefunden, vermöge deren ſie als Be⸗ ſitzerinn dieſes Hauſes auf das Haus und die Grund⸗ ſtücke eines gewiſſen Chriſtel Anſpruch machen können. Der Chriſtel iſt, wie ſie am beſten wiſſen, ein dum⸗ mer Bauerntölpel. Nannet.(zuerſt auffahrend, aber gleich wieder einlenkend) Ey, verzeihen Sie Monſieur Roſenhü⸗ gel. Nun ſo gar dumm iſt er eben nicht, und dabey ein herzensguter Junge. Ro ſa lia. Ein fleißiger, ehrlicher Junge, der mehr Geld hat, als mancher Stadt⸗Windbeutel Schulden. Ro ſenh. Das Geld ſoll er los werden. Mein Onkel räth Ihnen den Prozeß zu führen, und bürgt für den glücklichen Ausgang. Roſalia. Der Herr Amtmann meint es gar zu gut. Roſenh. Es iſt der Mühe werth, daß man es überdenke.(Zu Nannefte.) Wiſſen Sie, was heu⸗ te geſchehen iſt? Nannet. Was denn? Roſenh. Des Fleiſchers Liſel— kein übles Feind? Ehre. n. Hetr er. könnte zu erha⸗ n wohl⸗ nſeinen er Weiſe als Be⸗ Grund⸗ konnen. in dum⸗ wieder Koſenhi⸗ ht, und ige, det ndbeutel Mrin n, und es at man a hel⸗ n ible Maädchen, ſchwarze Augen, gut gemacht, und nach Ihnen die reichſte Partie im ganzen Dorfe, ſchreibt mir eine förmliche Liebeserklärung.(Da er ſieht, daß Roſalia ihn hoͤrt, wendet er ſich bald zur Mutter, bald zur Tochter.) Mein Onkel will ihren Prozeß ſeiner Frauen Bruder dem Herrn von Schnappweg, empfeh⸗ len. Der iſt Advocat und ein Kernmann. Mit der Hälfte ſolcher Behelfe, als mein Onkel Ihnen lie⸗ fert, hat er ſchon ein Paar Dutzend Familien an den Bettelſtab prozeſſirt. Ro ſalia. Ich glaube es. Roſenh. Durch den Aufhackknecht hat ſie mir den Brief geſchickt.— Ich rathe Ihnen, dieſe Ge⸗ legenheit nicht aus den Händen zu laſſen.— Ich antwortete, daß mein Herz ſchon gefeſſelt ſey.— Ob der Bengel und die alte Hexe, ſeine Mutter⸗ betteln gehen oder nicht.— Und daß ich dem Ge⸗ genſtande meiner Zärtlichkeit ſchon viele Fräulein in Wien aufgeopfert hätte— Was ihn betrifft/ ſo kann er ſich irgendwo als Knecht verdingen, und ſeine alte Mutter.. je nun im Spital hier iſt es gar nicht übel— Zum Beyſpiel das Fräulein Mi⸗ mi. Sie iſt die Tochter des Herrn Balthaſar Edlen von Beutelfreund, eines Geldkupplers und ſteinrei⸗ chen Mannes, und eben ſo raſend in meine ſchöne Hand verliebt, als das gnädige Fräulein Thereſe Küßgern, die Tochter eines Diurniſten bey dem löblichen Magiſtrate in meine Ohrläppchen— Nun Madame, was ſoll ich meinem Onkel ſagen?— Wohlan Mademoiſelle, bin ich Ihnen getreu? Roſalia. Danken Sie indeſſen dem Herrn Amtmann in meinem Nahmen, und bringen Sie die Urkunde her. Wir wollen uns dann darüber be⸗ reden. Ein Burſch. Frau Roſalia, der Müller iſt hier, den Kauf des Getreides zu ſchließen. Ro ſalia. Ich komme. Ehe du zum Tanze geheſt, ſiehe in der Speiſekammer ein Bißchen nach. Und Sie, hohlen Sie bald die Urkunde. (In das Haus ab.) Sechster Auftritt. Nannette. Ro ſenhügel. Ro ſenh. Ich muß erſt die Haupturkunde aus Ihren ſchönen Augen hohlen, und dann Sie zum Tanzplatze begleiten. Die Geſchäfte bey der Tochter g'hen den Geſchäften für die Mutter vor. O theuer⸗ ſte Nanni, wie glücklich werden wir leben! Denn kaum ſind wir getraut, ſo verlaſſen wir das trau⸗ rige Dorf, und eilen in die Stadt. wannet. Wien muß doch der Himmel auf Er⸗ den ſeyn. Roſenh. Allerbings, beſonders wenn das Chor der Engel daſelbſt durch meine Nanni ver⸗ ſtärkt wird.„ Nannet. Nur ſagt man, daß die dortigen Engel etwas flatterhaft ſeyn ſollen. Ro ſenh. Eine Stadtſchönheit, mein Kind, iſt wie die Sonne und die Frühlingsluft, zu wohl⸗ thätig um bloß einen einzigen Mann zu beglücken, vos laſſen ſich auch manche Ehemänner gefallen, aber Sie die ber be⸗ üller iſt Tanze Bißchen Urkunde. nde aus Zie zum Tochter d theuer⸗ n Denn as trau⸗ auf En nn das ni vel⸗ dortigen n Kind/ eglücien⸗ llen/ aber erga reciprocum, wie der Herr Amtſchreiber ſich auszudrücken pflegt. Nannet. Die Art zu leben in Wien iſt al⸗ lerliebſt. O erzählen Sie mir doch wieder, Mon⸗ ſieur Roſenhügel, wie die Frauenzimmer in dieſer Jahreszeit ihren Tag zubringen. Es hat mir das er⸗ ſte Mahl gar zu gut gefallen. Ro ſenh. Hören Sie alſo die Beſchäftigung einer Frau von gutem Tone. Am fruͤheſten Morgen um acht oder neun Steigt ſie aus dem Bett in den Wagen hinein, Im Augarten trinket ſie ſchlechten Faffeh, Und ſchakert und lacht in der Seufzer-Allee. um eilf Uhr friſirt man Madam noch ein Mahl, Hilft in den Foureau ihr und bindt ihr den Schal, Dann blaͤſ't ſie ins Buͤchschen und geht renovirt In artige Kirchen, zu ſehn, was paſſirt. Die Zeit bis zur Tafel die wendet ſie an, Den Geiſt ſich zu bilden aus— einem Roman; Nach Tiſch in den Prater: halt Kutſcher! denn jeßzt Wird in die Allee ſich ſpazieren geſett. Sier bringet denn jede galantere Frau Die neuen Liebhaber und Kleider zur Schau. Auch kuſſet man Freundinnen voll Sympathie, Und erſt, wenn ſie weg ſind, verläſtert man ſie. Um ſieben ifts Zeit ins Theater zu gehn, Da ſieht man die Hper, und wird auch geſehn. Dann hin auf den Graben, vom Graben nach Haus, Hier ruht man vom nühlichen Tagewerk aus. Nannet. Das iſt alles ſchön und gut; aber ein Hauptvergnügen iſt doch vergeſſen, das Ver⸗ — 300— gnügen an den Kindern und ihrer Erziehung. Mei⸗ ne Mutter behauptet, daß dieſes zugleich die erſte und die ſüßeſte Pflicht der Aeltern ſey. Ro ſenh. Ja ſehen Sie, mit den Kindern hält man es ſo. Bis ſie vier Jahre alt ſind, führt die Mamma ſie überall ſelbſt herum, und erntet Com⸗ plimente über die Artigkeit und Schönheit ihrer kleinen Producte ein. Auch kann man bis dahin mit ihnen tändeln, ſpielen, ſich die Zeit vertreiben, und— einen Schooßhund erſparen. So bald ſie aber älter werden, folglich auch älter machen, weg damit! Da übergibt man ſie einem Hofmeiſter oder einer Gouvernante, die man oft anſehnlich bezahlt. Beym Herrn von Rudelhofer, zum Beyſpiele, hat der Hofmeiſter, ſollten Sie es glauben? faſt ſo viel, als der Friſeur der gnädigen Frau. Nannet. In dieſe Gewohnheiten dürfte ich mich ſchwerlich finden. Wenn ich je Kinder hätte, ſo, denke ich, würde ich ſie eben ſo lieben, eben ſo behandeln, wie meine Mutter mich. Doch ich will nur einige kleine Hausgeſchäfte beſorgen. Sie war⸗ ten wohl auf mich und führen mich dann zum Tanze. Ro ſenh. Im Triumphe führe ich Sie dahin. Nannet. Des Fleiſchers Liſel platzt vor Aergerniß. Das wird ein Spaß ſeyn! (In das Haus ab.) i Mei⸗ die erſte dern hält ührt die et Com⸗ it ihrer is dahin ttreiben, hald ſie en, weg ſter oder hezahlt. ele, hat foſt ſo r hatte/ eben ſo ich wil ie war⸗ ann zum ie dahin. latzt vor 30 Siebenter Aufdritt. Roſenhügel(allein.) Liſels Brief hätte nicht erwünſchter eintreffen können, der hat Rannetten erſt recht ins Feuer ge⸗ ſett. Indeſſen wollen wir es mit der Briefſtellerinn auch nicht verderben. Sie wird freylich nicht den vierten Theil ſo reich als Nannette. Aber—— Man kann nicht wiſſen... Dieſe Frau Roſalia er⸗ trägt meine Bekanntſchaft mit ihrer Tochter, aber das iſt auch Alles. Sie ſcheint die Ehre gar nicht zu fühlen, die ich ihr zudenke, acht Tage nach der Hochzeit meine Schulden bezahlen zu dürfen. Heute ſoll es ſich aufklären; heute bekomme ich eine reiche Braut, wenn anders das eifrige Gebeth meiner Cre⸗ ditoren die Wolken durchdringt. Da ſehe ich ſchon wieder den verwünſchten Richter. Ich will ihm aus dem Wege gehen, und mich hier in die Laube ſetzen⸗ Achter Auftritt⸗ Georg. Frau von Erthal. Georg. Gnädige Frau, da im Wirthshauſe zu wenig Platz für Sie iſt, ſo erweiſen Sie mir die Ehre, bey mir zu wohnen. Hier.(Auf das Rath⸗ haus deutend.) Fr. v. Erthal. Das ſcheint ja das Rathhaus zu ſeyn. Georg. Ganz recht, gnädige Frau. Sie ſehen über der Thür auch unſer Wapen, einen blauen ———————— K 302 Igel im grünen Felde. Eine feine Colliſion auf den Nahmen des Ortes Stachelfeld. Das Wapen habe ich inventirt, denn ich bin Richter allhier. Euer Ghaden ſollen in der Rathsſtube ſchlafen ſo gut, als ob ſie ſelbſt Rathsherr wären. Es können jetzt ohnehin keine Seſſionen gehalten werden. Fr. v. Erthal.(Ohne recht auf ihn Acht zu haben und bloß mit ſich beſchäftigt.) Nicht? Warum denn nicht? Georg. Seit ich dein Senior Barthel Sack⸗ berger voriges Jahr in der Seſſion ein Paar Maul⸗ ſchellen gegeben habe, wollen die Geſchwornen nicht mehr erſcheinen. Ro ſenh.(für ſich.) Verfluchter Kerl! wenn er ſchon ſo einem Amts⸗Collega mitſpielt. Es iſt nur ein Glück, daß der Amtmann mein Vetter iſt. Georg. Da kommen Euer Gnaden Leute. Ich will ſie gleich hinweiſen⸗ Fr. v. Erthal. Thu er es, Herr Richter! ich Fomme nach. Reüner Luf Frau v. Erthal. Ich Unglückliche! Drey Jahre von dem entfernt zu ſeyn, den ich liebe, und nicht einmahl ſeinen Aufenthalt zu wiſſen! Aber ich will ihn finden, wie Minna von Barnhelm ihren Tellheim, und ſollte ich die ganze Welt durchreiſen. Einſt, Luiſe, einſt kniete er zu deinen Füßen. Es ſtand bey dir, ihn und dich glücklich zu machen. Biſt du nicht reich auf den en habe r. Euer ſo gut, nen jetzt Acht zu Warum el Sack⸗ ar Maul⸗ nen nicht wenn Es iſt Better iſt eute. 36 ichter! ich entfemt l ſeinen inden, wie und ſolle einſt uiſe/ hn dir/ icht nich V ⸗— 3 03— und Witwe? Ein Wort, und er wäre der Deinige geweſen. Aber weiblicher Muthwille und Eiferſucht traten zwiſchen dich und ihn. Der täglichen Krän⸗ kungen müde, entfloh der zärtlichſte aller Liebha⸗ ber. Aber kaum war er fort; ſo erwachte mein Herz, und rächte dich, gemißhandelter Wilhelm! Meine Stunden fließen trübe, Wie ein Regenbach, dahin. Wilhelm, den ich ewig liebe, Dich vertrieb mein Eigenſinn: Theurer Juͤngling, ach verzeihe Meinen Thränen, meiner Reue; Eile zu der Liebe Gluͤck, Eil' in meinen Arm zuruck. Ach! umſonſt iſt meine Klage! Wilhelm hoͤret mich nicht mehr; 5 Alle meine Lebenstage Bleiben wuͤſt und freudenleer. Thraͤnen werd' ich ſtets vergießen, . Bittte Thraͤnen ohne Zahl, und mir ſelbſt geſtehen muͤſſen, Ich verdiene meine Qual. (In das Rathhaus ab.) Zehnter Auftritt. Nannette. Roſenhügel. Gleich darauf Georg. Später Ro ſalia. N annet. Bſt Bſt, Monſieur Roſenhügel! Roſenh. Hier mein Engel. Nannet. Nun wäre ich fertig⸗ Georg. Hat der Henker den Kerl ſchon wie⸗ der bey dem Mädchen! Ich muß doch ein wenig horchen. Roſenh. Der Reſt des Tages gehört alſo dem Vergnügen und mir⸗ Nannet. Aber hören Sie! Ein Paar Mahl muß ich doch mit Chriſteln den Saal herum wal⸗ zen. Es kränkt ſonſt den armen Jungen, und ſehen Sie—— kränken—— kränken will man doch niemanden. Georg(für ſich.) Ganz hat er ſie doch nicht zur Stadtmamſell umſchaffen können. Roſenh. Wie? Kümmern Sie ſich um die Laune eines ſolchen Bengels? Doch nach ihrem Ge⸗ fallen. Ich finde ſelbſt, daß Sie nicht ganz Unrecht haben, und während Sie mit Chriſteln tanzen, wilk ich mich mit des Fleiſchers Liſel herum drehen, da⸗ mit die arme Närrinn doch auch einen vergnügten Augenblick genieße. Georg. Da ſehe mir ein Menſch den feinen Spitzbuben an! Nannet. Was? Mit der Liſel, mit dem hof⸗ färtigen, hämiſchen, ſtichelnden Geſchöpf! Das väre mir recht. Wenn ſie mit der tanzen, mein Leb⸗ tag ſchaue ich ſie nicht mehr an. Roſenh. Wenn Sie aber mit Chriſteln tan⸗ zen, warum ſoll ich— Nannet. Ey was! Ich tanze mit Chriſteln, weil er mich dauert. Sie aber wollen mit der Liſel tanzen, weil es mich ärgert. Juſt mit der ſollen Sie nicht tanzen—(Gelinder.) Sie haben ja oft hon wie⸗ in wenig alſo dem Mahl um wol⸗ und ſehen man doch nicht zur m die hrem Ge⸗ Unecht zen, will ehen/ do⸗ ergnügten en feinen dem hof⸗ Dut mein Let⸗ ſteln tan⸗ Chriſeln ten Liſt der ſolm en ja ſ 305 geſagt, daß ich zu befehlen habe, daß Sie ewig mein Sclave ſeyn werden. Roſenh.(für ſich. Warte nur; wenn ich dich einmahl habe, ſo ſollſt du tanzen, wie ich pfeife. Nannet. Was ſagen Sie? Ro ſenh. Ich ſage, daß Sie Recht haben. Nun zum Tanze. Quartett⸗ Nannette. Doch daß Sie ja mit der Liſel nicht tanzen, Noch, ſißet ſie etwa, ſich hin zu ihr pflanzen. Roſenhügel. Sie durfens nicht ſorgen, gewiß nicht, mein Schaßz! Doch nehm' ich indeſſen den ſchoͤnſten Erſat. (Er will Nannetten küſſen. Sie ſträubt ſich. Georg ſteckt ſeinen Stock dazwiſchen, ſo daß Roſenhügels Kuß auf den Stock fällt.) Georg. Soll dieſer erwiedern den zaͤrtlichen Schmatz? Roſenhügel chalb prahlend, halb furchtſame) Mein Herr, ich bin des Amtmanns Vetter. Georg. Was geht mich das an, alle Wetter, Iſt etwa hier die Amtskanzley? 2 GQtuf Nannetten deutend.) Roſenhügel. Ich ſcherzte mit dem ſchoͤnen Kinde, Ein Küßchen iſt ja keine Suͤnde. Ro ſalia(im Hauſe.) Waos fuͤr ein Laͤrmen? welch Geſchrey? Theater. ü 3 0 6—— Nannet⸗(ernſthaft zu Roſenhügel.) Doch daß es kuͤnſtig unterbleibe, Das bitt' ich mir gehorſamſt aus. Georg. Find' ich Sie nochmahl hier, ich treibe, Bey meiner Seele, Sie nach Haus. Ro ſalia(aus dem Hauſe.) Speyſt du ſchon wieder Gift und Flammen? Georg. Denk nur! hier find' ich ſie beyſammen, Da ſchnaͤbelt ſich das Taubenpaar. Ro ſalia(mit gelindem Vorwurf zu Rannetten.) Kind iſt es wahr? 1 Nannette. 3 Es iſt nicht wahr. Georg⸗ Wohl iſt es wahr. Nannette und Roſenhügel. Es iſt nicht wahr. Nannette. Monſieur hat mich nur küſſen wollen. Ro ſalia. Monſieur, fürwahr, das iſt nicht ſchön, Georg⸗ Monſieur kann ſich zum Teufel trollen. Roſenhügel. Monſieur wird hin zum Amtmann gehn. Alle vier. Ich bin doch wirklich zu beklagen; Heut, do ſich alle Serzen freun, Muß der Verdruß an meinem nagen, Muß ich ſo fruͤh voll Unmuth ſeyn⸗ nen? Nonnetten) wahr. ſenhügel t wahr. ——— — „ 30)„ Ro ſalia(für ſich.) Auf, unterdruͤcke die Gefuͤhle! Ein froh Geſicht zu ſchlechtem Spiele! Zu Georg Wegen einer Kleinigkeit Lieber Bruder keinen Streit. Roſalia. Nannette. Roſenhügel⸗ Wegen einer Kleinigkeit Zzruder Lieber Vetter keinen Streit. Richter Georg(immer brummend auf und ab.) Einr ſchoͤne Kleinigkeit! Mit dem Wiener⸗Stutzer ſpaßen Und von ihm ſich kuͤſſen laſſen! Hohl der Fuchs die Kleinigkeit! Nannette und Roſenhügel leiſe zu Ro⸗ ſabia. Der Vetter brumme nur für ſich, Wir halten ihm nicht länger Stich. Roſalia(leiſe.) Schon recht, er brumme nur für ſich; Ich halt' ihm felbſt nicht laͤnger Stich. Roſalia in das Haus, Nannette und Roſenhügel in die Scene.) Georg. Gar nicht will ich mich mehr ihrer annehmen, in ihr Unglück will ich ſie rennen laſſen, das naſenwei⸗ ſe Mädchen und die närriſche Mutter. Meinetwegen heirathe ſie den Windbeutel! Ihre Thälerchen wird er bald durchgebracht haben, dann packt er ſich zum Teufel und läßt ſie ſitzen, darauf verwette ich mei⸗ nen Kopf. So geht es, wo keine Subordination, und der nicht Herr von Hauſe iſt.(Auf ſeinen Stock.) U 2 5 Doch was hilft mein Predigen? Sie hören mir nicht einmahl zu. Ich will lieber nach Hauſe und ſehen, ob die gnädige Frau ſchon eingezogen iſt⸗ Eilfter Roſalia,(die an der Thuͤr lauſchte), gleich darauf Chriſtel Ro ſalia. Weg iſt er. Ein rauher, aber ein her zensguter Mann. Im Grunde hat er nicht ganz Un⸗ rocht. Roſenhügel iſt bloß ein Geck, er iſt gewiß auch ein Spitzbube. Und dennoch fürchte ich, daß mehr als ein vorüber gehender Geſchmack mein Kind zu dieſem Laffen hinziehet. Sieh da Chriſtel mit einem Geſichte, das meine traurigen Zweifel beſtätigt! Chriſtel. O Frau Roſalia, Frau Roſalia, wie ſehr bin ich zu beklagen! Ro ſalia. Wie? Du haſt geweint? Chriſtel. Hab' ich etwa nicht Urſache dazu? Ro ſalia. Was iſt dir denn geſchehen? Chriſtel. Sie kennet den Stahr, den ich ſchon Jahr habe, und der ſo deutlich ſagt: Ich liebe Mariannen⸗ ein Ro ſalia. Ja wohl kenne ich ihn. Chriſtel. Ich habe ihn alle Tage ſelbſt gefüt⸗ tert, Morgens um 5 Uhr, zu Mittag um 12 Uhr, und Abends um 7 Uhr. Roſalia. Nun dieſer Stahr? Chriſtel. Da es ausſieht, als liebe mich Jungfer Marianne nicht mehr; ſo denke ich bey mit? nmir nicht nd ſehen, . . eſch darauf ber ein her⸗ ganz Un⸗ geniß uch daf mehr Kind zu nit einen Roſolia/ che dazuk en! nih ſon 12 lhr, liebe nich be n — 3 0 9 3 Schenk ihr jetzt den Stahr. Sie wird ſich wenig⸗ ſtens deiner erinnern, wenn ſie immer hört: Ich liebe Mariannen. Ich nicht faul, nehme den Vogel aus dem Bauer, binde ihm das ſchönſte Band meiner Mutter— weiß ſie, das rothe mit den weißen Streifen, die Unſchuld und Liebe bedeu⸗ ten, das binde ich ihm um den Fuß, um ihn ſo ihrer Jungfer Tochter anzubiethen. Ro ſalia. Saheſt du meine Tochter? Chriſtel. Freylich. Funfzig Schritt von hier. (Mit einem Seufzer.) Sie ging mit dem Monſieur da zum Tanze. Ich ließ aber nichts merken, nahm meinen Hut ab und erwartete ſie. Von weiten ſchon ſahen ſie mich und meinen Pogel. Da lachte der Monſieur und wiſperte Jungfer Mariannen etwas in das Ohr. Nun kamen ſie endlich, und nun ſah ich, daß ich verloren bin. Roſſalia. Du machſt mich ungeduldig. Er⸗ kläre dich doch. Was hat denn meine Tochter ge⸗ ſagt? Chriſtel. Was ſie geſagt hat, weiß ich wohl und werde es lange nicht vergeſſen. Ro ſalia. Wenn du aber willſt, daß ich es auch wiſſe, ſo rede. Chriſtel. Sie hat geſagt, ſie mache ſich nichts aus den Thieren, die immer einerley ſagen, und ſie ſchicke mich und meinen Vogel ſpazieren. Das hat ſie geſagt und hat zugleich den Stahr ausge— laſſen. Der flog davon und rief immer: Ich liebe Mariannen. Ro ſalia. Dieſes abſcheuliche Betragen ſieht „ 310— meiner Tochter nicht ähnlich. Und du, was haſt du gethan? Chriſtel. Ich konnte nicht davon fliegen, ich blieb wie verſteinert auf dem Platze ſtehen, aber dennoch ſagte mein Herz wie der Stahr: ich liebe Mariannen. Ro ſalia. Das kommt gewiß von dem ver⸗ wünſchten Roſenhügel. Der hat Mariannen dazu verleitet. Chriſtel. Jetzt iſt alles aus, Frau Roſalia. Ich ſehe nun deutlich, ihre Tochter liebt mich nicht mehr. Ich muß alſo meinen Entſchluß faſſen und er iſt gefaßt. Ro ſalia. Ich kann dir freylich nicht mehr ſo viel Hoffnung geben, als vorher. Indeſſen— Chriſtel. Nein! Nach der Stahrgeſchichte hat kein Indeſſen mehr Statt. Mein Entſchluß iſt gefaßt. Wie der Stahr ſah, daß man ihn nicht mag, pack⸗ te er ſich ſogleich fort. Der Stahr hat Recht. Ro ſalia. Höre. Ich habe etwas erdacht, das uns noch alle glücklich machen kann. Chriſtel. Ja alle bis auf mich. Roſſalia. Würde ich ſelbſt es ſeyn, wenn du es nicht wäreſt. Mein Vorſatz iſt ſchwer auszu⸗ führen. Gelingt er aber, ſo iſt dir und mir ge⸗ holfen. Chriſtel. Mir iſt nicht zu helfen. Roſalia. Pfuj, nicht gar ſo kleinmüthig! vas haſt du ſiegen, ich hen, aber ich liebe dem ver⸗ nnen dazu Roſalia nich nicht ſen under mehrſo en— 6ihehn iſgefaſt mag, pad⸗ echt. acht das n, wenn er ausz⸗ mir ge ithig! Die Lieb' iſt wie ein Würfelſpiel; Bald haſt du wenig und bald viel. Ein Kluger wird nicht tollkuhn wagen, Er hofft und ſeßzet nie zu raſch. Doch wird er auch nicht gleich verzagen, Man wirft nicht immer einen Paſch. Ich ſahe manchen viel verlieren Und hoͤrt ihn ſchreyn und lamentiren, Auf einmahl wandte ſich das Gluͤck, und er gewann ſein Geld zurück. Drum ſenke du nicht gleich die Fluͤgel, Jeßzt freylich ziehet Roſenhuͤgel; Bald aber wendet ſich das Glück, Und du gewinnſt ihr Herz zurück. 66.) Zwoͤlfter Außtritt. Chr iſt el(allein.) Ja ja, gute Frau! du prophezeyeſt mir eine reiche Ernte, obwohl der Hagel meine Halmen zer⸗ ſchlagen hat. Mein Entſchluß iſt unveränderlich. Nur meine arme Mutter dauert mich. Doch ſie wird ihren Sohn lieber todt als ſo gequält wiſſen. Ach Himmel, da kommen ſie ſchon wieder! Fort, fort von hier.(Eilends ab.) — 312— Dreyzehnter Auftritt. Roſenhügel. Nannette. Dom et 6 Roſenhügel(ſie nachziehend.) Kommen Sie, was ſoll das Strauben? Meinem Liebchen treu zu bleiben, Sey nun ewig meine pflicht. Nannette. Wie mein Herz im Buſen ſchläget! Welch ein Kampf darin ſich reget! Soll ich, oder ſoll ich nicht? Roſenhügel. Ihrer warten ſchon die Freuden In dem großen, ſchönen Wien. Nannette(für ſich.) Ach! was wird nicht Chriſtel leiden. D wie ſehr beklag' ich ihn! Ro ſenhügel. Jedes Maͤnnerherz wird glühen. Selbſt mit Ordensband und Stern Werden bald die größten Herrn Zu Rannettens Fuͤßen knien. Nannette. Vor mir knien? O gehn Sie fort. Roſenhügel. Knien vor Ihnen, auf mein Wort. Nannette. Vor mir knien? Ey das wäre! Roſenhügel. Und ſie ſchaͤzen ſichz zur Ehre. Nannette. Vor mir knien, mit Band und Stern? Roſenhügel. O ſie werdens herzlich gern. Nannette(mit laͤcherlichem Stolze.) Wenn ſie dann recht ſchön mich bitten, Reich' ich jenem ſo die Hand, Zupf' ich dem am Drdensband, Rick' ich gnädig ſo dem dritten. Roſenhügel. Eilen wir! ſchon iſt es Zeit. Nannette. Nun wohlan! ich bin bereit. Beyde. Hin zur Mutter, daß ſie höre Segnen ſoll ihr frommer Mund Unſrer Li⸗be Freudenbund. (In das Haus ab.) ſchwöre; Vierzehnter Auftritt. Roſſalia(von der Hinterthuͤr.) Ich bin ſo unruhig. Bey dieſer Thür geh' ich in das Haus, bey der andern wieder heraus. Ich zittere meiner Tochter wegen. So ein Stutzer iſt für das Herz eines unerfahrnen Madchens, was ein Wild für unſere Aecker iſt. In wenig Stunden zer⸗ ſtört er, was wir durch viele Jahre mühſam geſäet haben. Himmel, was iſt das! Hand in Hand kom⸗ men ſie aus dem Hauſe. —————————————— — 3r4— Fünſzehnter Auftritt Nannette. Roſenhügel. Roſalia. (Schlußgeſang.) Ro ſenhügel. Ich bin von dieſem Engel da Zum Lebens-Compagnon erkohren, Wir haben Treu' uns zugeſchworen, Run ihren Segen, Frau Mamma! Roſalia. Mein Kind hat Sie zum Mann erkohren? Mein Kind hat Ihnen Treu' geſchworen? und alle das in ſolcher Eil'? Das nimmt mich Wunder. Roſenhügel. Ich erſtaune. Madom' iſt heut nicht guter Laune, Mich wunderte das Gegentheil. Mit meinem Sing- und Tanz⸗Talente, Mit dieſem Air frey und galant, Mit dieſer weißen, runden Hand, Die ſelbſt der Reid nicht tadeln könnte, Mit dieſem Mund, gemacht zum Kuß, Mit dieſem wohl geformten Fuß, Den manche Dame ſchon gefunden, Crobert man in wenig Stunden, So wahr ich ſelbſt ein Wiener bin, Das Herz der ſchonſten Wienerinn. Ro ſalia. (Für ſich.) Der Geck! wie iſt er mir zuwider! Zu Rannette.) Und du, du ſchlägſt die Augen niedes? Du ſchweigſt? (Zedes für ſich.) 315— Roſenhügel. Aus lauter Scham? NRicht wahr? Ro ſalia(bitter.) Ja, ja, ſie ſchaͤmt ſich, das iſt klar. Nannette(verwirrt und ſtotternd.) Monſieur hat Alles vorgetragen. Ich habe weiter nichts zu ſagen, Ro ſalia. Komm, ſiehe ſtarr mir ins Geſicht, Liebſt du den Herrn? Du ſchweigſt betroffen. Liebſt du den Herrn? Roſenhügel. Das will ich hoffen? Ro ſalia. Liebſt du den Berrn? Nannette(zaudernd.) Warum denn nicht? Ro ſalia. † Viel iſt ihr nicht an ihm gelegen. Roſenhügel. Wie ſollte ſie noch Zweifel hägen? Nannette. . Ich bin ſo bange, ſo verlegen. 3 Alle vier. * Roch immer wanket Wahl. wird ſie ſich Bald aber Sich ſelber nicht zu rathen wiſſen, Das iſt ein Zuſtand voller Qual. entſchließen. 316„ Sechzehnter Auftritt. Georg. Vorige. Georg. ungluͤcklicher Chriſtel! Ich moͤchte vergehn. Mich danert nur die Mutter. Hier weiß ich, beym Himmel! Richt Huͤlfe, nicht Rath. Roſalia und Nannette. Was iſt ihm geſchehen? Roſenhügel(zu Rannetten.) Sie kuͤmmern, mein Engel, Sich noch um den Bengel. 3 Roſalia und Rannette. Was iſt ihm geſchehen? Seder; wir; fehen. 1 Georg. Er wurde Soldat. Roſalia und Nannette. D Himmel, Soldat! Roſenhlgel(fur ſich.) D bravo Soldat! Roſalia(zu Nannetten.) Saget dir nicht dein Gewiſſen, 1 Du allein ſeyſt Schuld daran. Nannette. Leider ſagt mir mein Gewiſſen, Ich allein ſey Schuld daran. 5 Roſalia(zu Georg.) Ach! wenn ich ihn rette, So geb' ich mit Freuden — 317— 1 Mein halbes Vermoͤgen. D geh doch zum Hauptmann! Georg. Es iſt nun zu ſpät. Nannette. Die goldene Kette, Den Ring mit Rubinen Rehmt Vetter! Der Hauptmann Laͤßt wohl ſich bewegen. Ghm alles anbiethend.) Georg. Run iſts zu ſpät. Roſenhügel Grgerlich für ſich.. Das halbe Vermoͤgen, Die goldene Kette, Den Ring mit Rubinen. Die Rärrinnen raſen, Zum Glck iſt's zu ſpät. Roſalia und Nannette⸗ i dennznicht zum Hauptmann gehen? Georg. Für Chriſteln Alles in der Welt. Doch wer kann fuͤr den Ausgang ſtehen? Soldaten brauchet man, nicht Geld. Roſenhügel Ich ſpiele hier, bey meiner Ehre, Richt eine glaͤnzende Figur. Wenn eine Musketier-Montur, Mein Engel, ihnen lieber wäre Als ſo ein galant-Komme aus Wien. So duͤrfen Sie ein Wort nur ſprechenz Gleich wuͤrd' ich mich zurücke ziehn. Georg. O durft' ich nur ſtatt ihrer ſprechen! — 318— Nannette(einlenkend.) Das Mitleid iſt ja kein Verbrechen. Roſenhügel. Was Mitleid? hier bedarf man keins. Der Bengel iſt nicht zu beklagen. Wollt' er nicht die Muskete tragen; Wer ſollt' es— etwa unſer eins? Georg. 3 Roch ſchimpfen will der Pflaſtertreter! Halt' er ſein Maul, das rath' ich ihm. Er droht ihm mit dem Stocke.) Roſenhügel. Er grober Kerl, was unterſteht er— (Wie Georg ihm nahe kommt, furchtſam und höflich.) Mein Herr nur nicht ſo ungeſtuͤm! Goſalia und Nannette halten Georgen.) (Für ſich.) Sie halten ihn, nun kann ich ſchmähen. Ward ſo ein Frevel je gefehen? Georg. So laßt mir nur die Haͤnde frey⸗ Roſalia und Nannette. O mäßige doch deine Site O maͤßiget doch eure (Roſenhügel zieht aus dem Stocke eine Klinge.) Rur feſt gehalten alle zwey! Sonſt laͤuft er ſelbſt an dieſe Spitze. Georg. Der Eſel der! Troß ſeiner Spitze Schlag' ich ihm Arm und Bein entzwey. Ro ſenhügel. Nur feſt gehalten alle zwey! Ro ſalia und Nannette. maͤßi dei Zuih⸗ ch Hitze. Georg. Ich ſchlag' ihm Arm und Bein entzwey. tocke.) öflich.) ähtn. linge Siebzehnter Auftritt. Frau von Erthal. Vorige. Fr. v. Erthal. Was fuͤr ein Läͤrmen, welch' Geſchrey? Georg. Ein Junge den ſie einſt geliebet, Doch nun durch Wankelmuth betrubet, Ließ bey dem Hauptmann Edelſee Als Musketier ſich unterhalten. Fr. v. Erthal. Was hoͤr' ich? Hauptmann Edelfee? O welche ſuͤße Toͤne ſchallten Von ſeinen Lippen! Edelſee, Mir iſt ſo wohl, mir iſt ſo weh! Geliebter find' ich hier dich wieder! Doch helft! mir beben alle Glieder. Roſalia und Nannette(ſie haltend.) Nur einen Stuhl her— Fr. v. Erthal. Ich vergeh'. (Sinkt in Ohnmacht.) Nannette. Sie ſtirbt, ſie ſtirbt! ihr Herz ſteht ſtille. Roſalia. Starr iſt die Hand, blaß ihr Geſicht. Roſenhügel. Rein, nein! ſo ploͤßlich ſtirbt man nicht, Das iſt halb Hhnmacht nur, halb Grille, und heißet in der Stadt Vapeurs, Die auf der Stelle zu curiren Pfleg' ich Faccons bey mir zu fuͤhren. Eau de Colngne, mille Vleurs? Foupirs dAmhur, odeur des carmes, Oeil de Venns, eætrait des lurmes, Confortatiſ des tendres ooeurs. (Er gibt ihr alle zu riechen. Sie nieſet.) Alle. Zur Geſundheit. Sie erwacht! Welche Schönheit, welche Pracht! (Ihr Kleid und ihre Ringe betrachtend.) Roſenhügel. (Ihr die Hand ſammt dem Fläſchchen noch immer vorhaltend⸗) Wenn ſie meine Hand erblicket, So iſt ſchon ihr Herz beruͤcket, So iſt ſchon mein Gluͤck gemacht. Fr. d. Erthal. So iſt er hier! D Tag der Freuden, Du ſtrahlſt mir doppelt ſchön auf eine Nacht voll Leiden! Allein was wird er thun, da wir uns wieder ſehn? Wird er die Grauſame verſchmäh'n, Wird er zur Reuigen auf Amors Fittich fliegen? Zwar, ich derdiene nicht zu ſiegen. Doch Liebe, hoͤre du mein Fleh'n, Laß Gnade dieſes Mahl vor ſtrengem Recht er⸗ geh'n! Georg. Ro ſalia. Nannette. Roſenhügel⸗ Bald ſcheinet ſie ſich zu betruͤben, Bald lacht ſie; was bedeutet dieß? Die gute Dame ſcheint zu lieben, Ja, ja, ſie liebt, Roſenh. Ja ſie liebt mich, Fr. v. Etthal. Wie, wenn er mich, die ihn betruͤbte, NRun gleichfalls kraͤnkte, nicht mehr liebte, Louiſe, welch ein Mißgeſchick! es iſt gewiß. — ieſet.) tend.) ltend) Nacht wiedet ſiegen? echt er⸗ — — — — Theater. — 321— Roſalia. Nannette. Georg. ihn Wie w d tm ie wenn der Hauptmann Und* bald troſtlos wieder kehrte! O Chriſtel, welch ein Mißgeſchick! Roſenhügel. Wie, wenn er los vom Hauptmann käme, Nannett' ihn dann da Capo nähme, Ihr Schuldner, welch ein Mißgeſchick! Ahe.. Doch Muth, wer wird denn gleich verzagen? Das Beſte hoffen, alles wagen, Das iſt der naͤchſte Weg zum Gluͤck. nicht hörte! ————————————— ——————— Erſter Auftritt. Hauptmann. Corporal.“ Duett. Hauptmann. We⸗ ſagt der Angeworb'ne, und wie beträgt er ſich? Corporal. Er ſitzet unterm Hfen Und weinet bitterlich. Hauptmann. Der taugt nicht zum Soldaten, Das ſah ich Anfangs ſchon. Corporal. Er ward es, ſagt er ſelber, Aus Deſperation. Hauptmann. Vielleicht geneckt vom Amtmann, Vielleicht von Noth gedruckt? Corporal. Ein ungetreues Mäͤdel Hat ihm den Kopf verruͤckt. zweyter Aufzug⸗ — Hauptmann. Der arme liebe Junge! Begegn' er ja ihm gut. Corporal. Ganz wohl! Da kommt er ſelber, Der heulende Recrut. Beyde. 6 Dem Tapfern und dem Feigen Setzt ſcharf die Liebe zu; Erobert ihre Herzen, Erbeutet ihre Ruh'. (Der Sauptmann wirft einen mitleidigen Blick auf cpriſen und gehet ab.) 1 Zweyter Auftritt. . Corporal. Chriſtel. Corp. Aber ſchämt euch doch, Chriſtian! Zu weinen wie ein altes Weib! Denkt doch, ihr die Ehre habt Soldat zu ſeyn. das? Ich kann ja weinend auch exerciren. Corp. Den Teufel auch! Ein Soldat muß la⸗ chen, wenn ihm gleich der Kopf halb weg iſt. Chriſte l. Wenn aber ſein Herz ganz weg iſt, wie dann? Jetzt kam ich, Herr Corporal, ihn um Feder, Dinte und Papier zu bitten. Corp. Wollt ihr gewiß an eure Ungetreue ſchrei⸗ ben? Thuts, wenn es euch Freude macht. Nur laßt ſie laufen. Das hölliſche Donnerwetter ſoll ſie er⸗ ſchlagen! Chriſtel. Herr Corporal, da ſoll eher das hölliſche Donnerwetter das ganze Regiment, und 2 Chriſtel. Wenn ich auch weine, was hut —— — ——— ——————— — 3 2 4— mich ſelbſt erſchlagen. Nein!, Sie hat ſo viel Schuld nicht. Der verwünſchte Wiener Stutzer, Monſieur Roſenhügel, der hat mich unglücklich gemacht. Corp. Wißt ihr was, Camerad? Wenn euch das Affengeſicht begegnet, ſchlagt es hinter die Ohren. Chriſtel. Gott behüthe! Es iſt ja des Herrn Amtmanns Herr Vetter. Corp. Was kümmert euch nun der Amtmann und ſein Vetter? Ein jeder Pfeifer bey uns iſt mehr werth, als zehen Amtsvettern und eben ſo viele Muhmen, wenn ſie nicht jung und hübſch ſind. Hat er euch etwa inſultirt? Chriſtel. Nein das nicht! Aber geſchimpft hat er mich. So oft er meinen Nahmen nennt, ſo ſetzt er immer dazu: Der Bengel. Corp. Wenn er es noch ein Mahl thut, ſo gebt ihm eine tüchtige Maulſchelle. Chriſtel. Muß ich das thun? Erfordert es der Dienſt? Corp.(halb lächelnd.) J nun freylich— Die⸗ ſer Rock leidet keine Beſchimpfung. Chriſtel. Wenn er mich aber hernach einen Lüm⸗ mel heißt? Corp. So gebt ihm die zweyte Maulſchelle. Chriſtel. Ich hätte mich nimmermehr unter⸗ ſtanden. Da es aber zum Dienſt gehört, werde ich nicht ermangeln. Corp. Recht ſo Camerad! Jetzt kommt, ich will euch Feder, Dinte und Papier geben. Aber ſagt es dem Teufelsmädel nur recht in den Bart. — 325„ öchuld S nſeut Nun da ihr bey uns ſeyd, bekommt ihr zehen Mä⸗ . del für Eines. Arie. er die So bald man ein Quartier bezieht, Hern Pflegt Venus flugs zu recrutiren, Als Tambour muß ihr Sohn Cupid tnenn Mit eigner Hand die Trommel ruͤhren. . Da kommen Mädchen oder Fraun, tmehr Ihr ſchones Herz zu präſentiren. z viele. Den Stutzern raͤth man aufzuſchaun, 1 Hat Links um zu machen, zu marſchieren. 5 Dann dienet uns der Schönen Heer, inpft Doch jede nur als Volontär. und ſollt' ein Herz auch deſertiren, n, ſo So lacht dazu ein kluger Mann; Er wirbt, die Zahl zu romplettiren, ut, ſo 6 Im Augenblick ein neues an. 1 (Beyde ab.) deit e Dritter Auftritt. Die⸗ Roſenhügel(nachdenkend.) . Es iſt doch ein verfluchter Streich! Wenn der E. Kerl los wird, ſo hat mir ſein Soldatwerden weit mehr geſchadet, als genützt! Nannette hat ihn ohne⸗ elle. hin nie recht vergeſſen können. Nun kömmt noch untet⸗ das Mitleid hinzu, und ſchickt Hülfstruppen einer rde Liebe, die ich ſchon ſo hübſch zum Weichen gebracht hhabe. Wenn ich nur wenigſtens ſo lange das Feld nt, ich behaupte, bis ſie meine Frau iſt, und meine Schul⸗ 2ber den bezahlt hat. Von meinem Herrn Vetter habe Bart⸗ ich keinen Pfennig zu hoffen. Er hat ſelbſt Schul⸗ e 3 2 6 den. Freylich wollte er die Bauern herzlich gern ſchinden, aber die gnädige Herrſchaft leidet es nicht. Das Kreisamt iſt ihm auch auf der Haube. Lauter üble Aſpecten! Der letzte Mahnbrief vom Schnei⸗ der Mausgern um die 660 Gulden geht mir ge⸗ waltig im Kopf herum. Er iſt Flegel genug, ſeine Drohung zu erfuͤllen, und mich einſperren zu laſ⸗ ſen. Geſchieht das, ſo bin ich weg, weg wie der Stier in der Wiener Hetze, den des Hetzmeiſters Sultel ein Mahl beym Ohre hat. Denn da fallen alle andern Hunde über ihn! her, ob ſie gleich vorher nur in einer ehrfurchtsvollen Entfernung gebellet haben. Aus dieſem Unglück kann mich nichts retten, als eine reiche Heirath. Daß man aber auf die Wei⸗ ber gar nicht rechnen kann! Arie. Der Weiber Herz iſt ein Pallaſt, Bewohnt von manchem boͤſen Gaſt. Am Thore hängt der Tugend Schild, So wenig ſie darin auch gilt. Im erſten Stocke macht ſich breit Die liebe Mamſell Eitelkeit, Als Kammerjungfern ſtehn um ſie Die Put ſucht, die Koketterie. Im zweyten Stock iſt Hof⸗Quartier, Der Herr von Flatterſinn wohnt hier. Herr Wankelmuth, Serr Unbeſtand Sind als Adjuncten bey der Hand. Der dritte Stock ſcheint leer zu ſeyn, Doch zog hier Frau Verſchwendung ein. — gem nicht. Lauter chnei⸗ it ge⸗ ſeine U laſ⸗ ie der eiſters falen orher bellet etten, Vei⸗ 327 Sie hat nicht Kleidung, noch Geräth Weil alles im Verſahamt fteht. Im vierten Stock wohnt Mutterp flicht, Doch der iſt ſo geräumig nicht, und ſie erhält ſich nur mit Müh', Die andern alle necken ſie. Roch gibts der Bodenzimmer drey Für Freundſchaft, Zärtlichkeit und Treu'. Doch Eigenſinn, der Herr vom Haus, Jagt manchmahl ſie auch hier heraus. Vierter Auftritt. Ro ſalia. Ro ſenhügel. Roſſalia. Sieh da Monſieur Roſenhügel! Sie ſangen wohl gar, wie mich dünkt. Roſenh. Ganz recht Madame, ich ſang ein Loblied auf das ſchöne Geſchlecht. Ro ſalia. Das hat niemand mehr Urſache als Sie; wäre es auch nur der Dankbarkeit wegen. Roſenh.(lächelnd.) Je nun! Man iſt nicht ge⸗ macht, die Schönen zu verſcheuchen. Ro ſalli a. Wie ſteht es mit der Urkunde? Roſenh. Könnte ich je einen Ihrer Befehle vergeſſen? Hier!(Zieht ſie aus der Taſche. Roſalia will ſie nehmen.) Um Verzeihung. Mein Onkel, der Amt⸗ mann, Sie wiſſen, er iſt der beſte Mann, doch hat er manchmahl Grillen— verboth mir bey ſei⸗ ner Ungnade, das Papier eher aus der Hand zu geben, als bis Sie Gebrauch davon machen, und dieſen Rechtshandel dem Herrn von Schnappweg übergeben wollen. O, ſagte er mir, Madame Ro⸗ 328 ſalia wird ohnehin bald ihre Tochter verheirathen, und dann dieſe Urkunde zur Vermehrung der Mit⸗ gift brauchen. In dieſem Falle rechne ich auf das Vergnügen, die Schrift der Mamſell Braut ſelbſt zu überreichen. Roſali a. Der Herr Aintmann meint es doch gar zu gut. Allein das ginge ja nur an, wenn ich meiner Tochter bey ihrer Ausſtattung mein ganzes Vermögen übergäbe. Roſenh. Und wer zweifelt daran Madame? Kennt nicht jedermann ihre edlen Geſinnungen, ih⸗ re mütterliche Zärtlichkeit? Warum hätten Sie denn auch ein ſo großes Vermögen zuſammen gebracht, als um ihrer Tochter Willen? Roſalia. Es iſt wahr, ohne mich würde ſie wenig genug haben. Ihr Vater war arm. Ich hei⸗ rathete ihn aus Liebe, und machte ſein Glück. O Monſieur Roſenhügel, welch ein Vergnügen das Glück eines Mannes zu machen, den man liebt! Ro ſenh. Sie werden dieß Glück nun wieder in Nannetten und ihrem Schwiegerſohne genießen. Sie werden dem guten Jungen ſagen: Mein Freund, du betheſt meine Tochter an, du gefällſt ihr. Seyd glücklich, und liebt eure Mutter. Er und Nannette werden ſich dann zu ihren Füßen werfen. Sie werden Beyben ihren Segen geben, und zugleich den hohen Schrank in ihrem Schlafzimmer öffnen. Hier, mein Sohn, werden Sie ſagen, hier ſind meine Obli⸗ gationen, mein bares Geld, der Schlüſſel zu dem ungeheuern Schüttboden. Dir übergebe ich dieß al⸗ les. Sey nun der Vormund meiner Tochter und eirathen, der Mit⸗ auf das ut ſelbſt es doch wenn ich nganzes ladame? gen, ih⸗ ie denn ebracht, ürde ſie Ich hei⸗ lick. O gen dos liebt! wieder enießen⸗ Freund/ Seyd annette werden hohin t mein e Obli⸗ zu dem ieß o ur und — 329„ der meinige. Er wird hierauf mit Thränen ih⸗ re Hand benetzen, und Ihnen ſchwören, daß ein Blick Ihrer Tochter, ein gütiges Lächeln von Ih⸗ nen mehr werth iſt, als alles Geld, und alle Schüttböden in ganz Heſterreich. Das wird eine Scene geben!— Sehen Sie, ich habe ein zärt⸗ liches Gefühl. Schon der bloße Gedanke daran entlockt mir Thränen der Freude. Ro ſalia. Alles ſchön und gut, Monſieur Roſenhügel! Sie haben aber vergeſſen, daß ich erſt 36 Jahre alt bin. Ein Herz hat man auch. Es iſt wohl nicht unmöglich, daß ſich noch jemand findet, dem ich gefalle? Roſenh.(fuͤr ſich.) Der Teufel wird ja die Alte nicht verblenden! Wenn ſie wieder heirathet, ſo beſtiehlt ſie mich um ihr halbes Vermögen. Ro ſolia. Was ſagen Sie Monſieur Roſen⸗ hügel? Ro ſenh. Ich ſage, daß ſich nicht bloß Ein Jemand, ſondern ein ganzes Schock von Jemanden finden würde, dafern Sie—— Noſalia. Wohlan denn! Wenn ich meine Tochter ausgeſtattet hätte, und ich dann mit mei⸗ nem übrigen Vermögen, das vier Mahl ſo viel be⸗ trägt, und mit der bewußten Urkunde vor einen artigen, galanten, jungen Mann träte, wie zum Bey⸗ ſpiel Sie, und ihm ſagte: Mein Freund, Sie ge⸗ fallen mir; wenn ich dann den Schrank in meinem Schlafzimmer öffnete, und fortführe: Hier ſind meine Obligationen, mein bares Geld, der Schlüſ⸗ ſel zu den Schüttböden, Ihnen übergebe ich dieß — 330*— alles, wenn Sie mich lieben, wenn Sie der Mei⸗ nige ſeyn wollen. Er wäre denn vor Entzücken außer ſich, und ſchwüre mir ewige Treue— das gäbe eine Scene! Sehen Sie, ich habe ein zärtliches Gefühl! Schon der bloße Gedanke daran entlockt mir Thränen der Freude. Ro ſenh.(füt ſich.) Mir entlockt er auch Thrä⸗ nen, aber Freudenthränen ſind es nicht. Roſalia(ihn umarmend, als ob ſie ſich vergäße.) O mein Geliebter! O mein Alles!—— Verzei⸗ hen Sie, Monſieur Roſenhügel. Das Bild jener Glückſeligkeit ſtand ſo lebhaft vor meinen Augen— Ihre Reitze——— O Himmel! ich weiß vor Verwirrung nicht, was ich ſagen ſoll. Erlauben Sie, daß ich mich einen Augenblick ſammle.(Sie geht ſeitwärts auf und ab.) Ro ſenh. Jetzt gehet mir ein Licht auf. O ich Dummkopf, der ich nicht ſah, daß ſie ſelbſt in mich verliebt iſt! Ja nun verſtehe ich, warum ihr meine Verheirathung mit Nannetten mißfiel. Iſt mir auch recht, Madame Roſalia. Sie ſind zwar noch ein Mahl ſo alt, haben aber vier Mahl ſo viel Vermögen, mithin ſind funfzig pro Cent klarer Gewinn. So einen Handel ſchließt man nicht alle Tage. Auf Monſieur Roſenhügel! die bittere Arze⸗ ney herzhaft hinab geſchluckt, die Bonbons darauf, (das Geld bezeichnend) verſüßen den Mund wieder. (Zu ihr gehend.) Ach, theuerſte Madame Roſalia, was haben Sie durch ihre Erklärung in meinem Her⸗ zen für eine Verwirrung angerichtet?— Man ſollte immer ſeinen erſten Eingebungen folgen, und ſein V al cke ort me da wi —₰ Mei⸗ außer gübe tliches tlockt thri⸗ rgůße.) Betzei⸗ jenet en— ß vor auben ie geht uf. 0 lbſt in um ihr n tnoch o viel klarer t olle Arze⸗ arauf, wieder⸗ ſalia/ nhet⸗ ſollte ſit — 331— Herz gehen laſſen, ohne ihm das Gängelband der Weisheit anzulegen, und den Fallhut der Klugheit aufzuſetzen. O theuerſte Roſalia! Ro ſalia. Pfuj Monſieur Roſenhügel! Dri⸗ cken Sie mir nicht ſo die Hand, Sie machen mich ordentlich roth. Wenn ich nicht wüßte, daß Sie meine Tochter lieben, ich könnte auf ſonderbare Ge⸗ danken gerathen. Allein ich weiß—— Ro ſenh. Was wiſſen Sie denn auch? Was Sie am nöthigſten wiſſen ſollen, wiſſen Sie ge⸗ wiß nicht. O dürfte ich Ihnen mein Herz öffnen dürfte ich Sie in das geheimſte Archiv desſelben führen. Ro ſalia. Was würde ich auch darin ſehen? Das Bild meiner Tochter. Roſenh. Allerdings. Aber nur werth als Co⸗ pie, nur im Vorzimmer aufgehänget. Im innerſten Gemach würden Sie das Original— ſich ſelbſt wür⸗ den Sie erblicken. Roſalia. Gehen Sie! Sie haben mich zum Beſten. Roſenh. Hören Sie denn alles, und wie es gekommen iſt.— Ro ſalia. Still, die fremde Dame—— Roſenh. Eben jetzt! Sie erlauben mir doch dieſes Geſpräch nachher fortzuſetzen? Ro ſalia. Gefährlicher Mann! faſt ſollte ich nicht! Roſenh. Deſto beſſer! Nichts ſchmeckt den Damenſ ſüßer, nichts thun ſie ſicherer⸗ als was ſie nicht, ſolen. — Funfter Avftritt Fr. v. Erthal. Ro ſalia. Roſenhügel⸗ Fr. v. Ert. Ein Wort mit Ihnen, Frau Ro⸗ ſalia. Roſenh.(fur ſich.) Die kommt gewiß her, mich zu ſehen! Fr. v. Ert. Schaffen Sie uns doch den Nar⸗ ren vom Halſe. Ro ſenh.(für ſich.) Wahrſcheinlich ſprach ſie jetzt von meiner ſchönen Hand! Ro ſalia. Wollen Sie nur einen Augenblick bey Seite treten, oder dort ſpazieren gehen, Mon⸗ ſieur Roſenhügel? Roſenh. Recht gern.(Fur ſich.) Madame iſt eiferſüchtig.— Jetzt muß ich ihr ſchon gehorchen. (Geht im Hintergrunde auf und ab.) Fr. v. Ert. Ihr ehrwürdiger Nachbar, in dem ich unverhofft einen alten Bekannten fand, hat mir Ihren Charakter und Ihre Umſtände geſchildert. Sie iſt eine vortreffliche Frau, und ich komme, Sie über Chriſtels Schickſal zu beruhigen. Wenn ihr Bruder den Auftrag, den ich ihm gab, gut aus⸗ richtet, ſo wird Chriſtel vielleicht noch heute wieder frey. Roſalia. Gnaädige Frau, wie großmüthig ſind Sie? Womit haben wir dieſe Güte verdient? Und der arme Chriſtel, was hat er gethan, daß eine fremde Dame ſich ſeiner ſo edel annimmt? Fr. v. Ert. Ich kenne die Liebe und ihre Qua⸗ len aus eigener Erfahrung. Urſache genug, un⸗ gl füͤ igel au Ro⸗ iß her, en Nar⸗ pruch ſe genblic „Mon⸗ dame iſt ehorchen. bar, in and, hat ſchilbet ne Sie zenn ihr zut aut⸗ wieder jntht erdunt! duß on/ — 333— glücklichen Verliebten beyzuſpringen! Nur das Ge⸗ fühl des eigenen Leidens weckt lebhaft unſer Mitge⸗ fühl für fremdes. Adie Der Begluͤckte, deſſen Freuden Rie ein Kummer unterbrach, Bleibet kalt bey fremden Leiden, Fuͤhlet keinem Dulder nach. In des Gluͤckes Sonnenglanze, Unter heller Freuden Blüh', Keimet nicht des Mitleids Pflanze, Oder keimet nur mit Muͤh'. Aber in des Kummers Schatten, Auf des Grams bethränten Matten Wäͤchſet und gedeihet ſie. Sechster Auftritt. Roſalia. Roſenhügel. Roſenh. Endlich iſt ſie fortgegangen. Ro ſalia. Ich ſollte es vielleicht auch; aber ich weiß nicht, welche geheime Macht mich hier zurück hält. Roſenh. Hören Sie denn die Biographie meines Herzens. Als ich aus Wien, dem Mittel⸗ puncte des Geſchmacks und des Vergnügens, in dieſen traurigen Ort kam, wollte ich ſchon am zwey⸗ ten Tage mein Bündel ſchnüren, ſo unerträglich war mir dieſer Aufenthalt. Aber noch denſelben Morgen ward er mir zum Paradieſe. Ich erblickte eine rei⸗ tzende Witwe von dreyßig Jahren, etwas darüher * X vielleicht, an Schönheit alle Mädchen weit über⸗ treffend. Piu hianca di giglio, Piu ſresca di rosa, Bel occhio, bel ciglio, Vvace et caetera. Einen einzigen Fehler hatte ſie, ach einen Fehler, der es mir unmöglich machte, ihr meine Leidenſchaft zu geſtehen! Sie war reich, fürchterlich reich, und ich kann auch nicht den entfernteſten Verdacht des Eigennutßes ertragen. Darum verſchloß ich meine Liebe in meinem Buſen. Drey Tage darauf begeg⸗ net mir ein liebenswürdiges Mädchen, die dem Ge⸗ genſtande meiner Liebe ſehr ähnlich ſah, doch ähn⸗ lich wie ein Buch in Duodez einem prächtigen Quar⸗ tanten, oder wie eine Nachbildung in Gyps einer herrlichen Statue von Marmor. Dieſe Aehnlichkeit war mir genug; ich rede mit dem ſchönen Kinde, warte ihr auf, ſuche ihre Gunſt, erhalte ſie, und begnüge mich alſo mit dem Duodez, mit dem Ab⸗ druck im Gyps. Ro ſalia(ſeufzend.) Nun aber haben Sie doch gewählt, Sie haben doch ihr Herz verſagt. Roſenh. Ein Wort und ich ſage es wieder los. Roſalia(verſchämt.) Sie mißbrauchen mei⸗ ne Schwachheit. Aber wiſſen Sie, ich gehe gern ſicher. Als ich meinen erſten Mann heirathen ſoll⸗ te, war er auch ein wenig verplämpert. Er beſuchte ein artiges Mädchen— Thereſe hieß ſie— ver⸗ muthlich weil ſie mir ähnlich ſah. Ich ſagte ihm it über⸗ Fehler, enſchaft h, und cht des hmeine begeg⸗ em Ge⸗ h dhn⸗ Ouar⸗ ps einer nlichkeit Kinde/ ie, und en Ab⸗ en Sie rſagl⸗ wiedet n mei⸗ he gern en ſel⸗ eſuchte ver⸗ gte ihn Briefe meinem le — 335— aber, daß mir dieſe Aufſuchung der Aehnlichkeiten mißfiele, und forderte, daß er in einem deutlichen bendigen Porträte den Abſchied 3 Ro ſenh. Und der Lohn dieſes Opfers? Roſalia. War das Original mit allem, was ich mein nennen konnte. Aber wohl gemerkt! PVor⸗ her mußte der Abſchied geſchrieben werden. Duett. Roſenhügel. Dinte, Feder und Papier; Zu gehorchen ziemet mir. Ro ſalia. Bitte nur ins Haus zu gehen; Alles wird zu Dienſten ftehen. Ro ſenhügel. (Run, Gottlob! bekomm' ich Geld.) Ro ſa lia. (Warte, Schuft, du biſt geprellt ¹) Roſenhügel. Ach ich brenne vor Verlangen, Als Gemahl Sie zu umfangen! (Die Ducaten zu empfangen) Stuͤnd' ich doch am Altar ſchon! (Stuͤnd' ich doch beym KFaften ſchon) Wenn wir dort das Jawort tauſchen, (Wenn dort volle Säcke rauſchen,) Himmel welch ein Zauberton! Roſalia. Gibts ein groͤßeres Vergnügen, Als der Treu' im Arm zu liegen, (Als Betrieger zu betriegen,) 336— Wie mein Gluͤck mir nun verſpricht Bald die Ihrige zu heißen, (Ihm Rannetten zu entreißen,) Mehr beym Himmel! wuͤnſch' ich sicht. Beyde. Monche wird es zwar verdrießen, t Doch das ſtort nicht unſern Plan. Auf! Trotz allen Hinderniſſen Fange die Vollführung an. ſ(Roſenhügel ab.) Siebenter Auftritt. Roſſalia. Rein, nein Monſieur Roſenhügel! Nicht dieſer Plan ſoll vollführt, wohl aber ſoll ein Schurke an⸗ geführt und Chriſtel befreyt werden. Ich will nun zur fremden Dame gehen. Roſenhügel mag warten. 1 Seine ſaubere Erklärung bleibt doch nicht aus. O die abſcheulichen Männer! Freylich leitet ſie nicht R alle ein ſo ſchändlicher Eigennutz wie dieſen. Aber dagegen haben ſie hundert andere Fehler. Chriſtel iſt eine Ausnahme; mein Mann war es auch. Der ſe gute Mann! Er ärgerte ſich oft über den Schul⸗ p. meiſter, wenn der uns Mädchen das Lied wider die Männer ſang, und dennoch hatte der Schul⸗ g meiſter nicht unrecht. Ich will mir dieſes Lied in 3 das Gedächtniß zurück rufen. Wenn ich es einſt ſ vor einer großen Verſammlung ſinge, ſo wird ge⸗ ti wiß manche geplagte Frau aus Herzensgrunde klat⸗ ſchen.(Rachſinnend.) Richtig, nun hab' ichs! 6) dieſer ke an⸗ l nun arten⸗ 6. O nicht Aber hriſtel Det Zhul⸗ wider Schul⸗ ied in einſt rd ge⸗ klat⸗ — — e.„ Ihr Mädchen, ſelbſt der Männer beſter Gleicht einem laͤrmenden Drcheſter. Die Herrſchſucht ſitzet am Clavier Und alles horcht und folget ihr. Der Zank ſtreicht ſcharf geſtimmte Geigen, Der Zorn läßt nicht die Bäſſe ſchweigen, Aus hellen Pfeifen toͤnt der Spott. Der Wo lluſt wilde Bratſchen raſen, Stolz, Eitelkeit und Ehrgeit blaſen, Selbft Wind, den windigen Fagott. Zwar manchmahl zu der Menſchheit Ehren Laͤßt ſich mit ſanften Melodien Der Flötenſpieler Amor hoͤren; Und ſelbſt die Herrſchſucht merkt auf ihn, Weich bey den ſchmelzenden Accenten, Allein von andern Inſtrumenten Wird er zuletzt doch uberſchrien. Gn das Rathhaus ab.) Achter Auftritt. Roſenhügel, bald darauf Chriſtel, dann der Corporal und der Hauptmann. Roſenh. Madame Roſalia! Hier— Fort iſt ſie. Ich wette, ſie hohlt ſchon die Zeugen. Deſto beſſer! Denn wenn der verdammte Schneider Maus⸗ gern mich eher klagen ſollte—— Was ſehe ich? Chriſteln in der Montur! den Kerl will ich herum hohlen, der ſoll mir's kriegen.(Goͤhniſch.) Sieh, ſieh! Wie iſt denn Herr Chriſtel in dieſen Sterbe⸗ kittel gekommen? K. Chriſtel(traurig.) Spotten Sie nicht, Monſieur Roſenhügel. Die Liebe hat ihn mir angezogen. Theater. Y Ro ſenh.,(vornehm.) Das hat man davon, wenn man ſich mit Leuten von Rang meſſen will⸗ Er Dummkopf! Chriſtel. Dummkopf. Das iſt erlaubt.— Für ſich.. Wenn er mich nur keinen Bengel odkr Lümmel heißt7 denn da müßte ich ihn ins Geſicht ſchlagen. Der Herr Corporal hat es ausdrücklich befohlen und geſagt, daß es der Dienſt erfordert. Roſenh. Ich habe es ihm oft gerathen, er ſoll der Mademoiſelle Nannette aus dem Wege ge⸗ 1. hen. Aber was half mein Reden? 3 D 1 a 1 e 4. Roſenhügel. Das hat er von den Liebeleyen; Für ihn war nie ein ſolcher Spaß, Er dummer Bengel! Chriſtel. (Gibt ihm voll Ehrfurcht eine Maulſchelle.) Sie verzeihen! Allein der Dienfit erfordert das. Roſenhügel. (Zuerſt das Geſicht vor Schmers haltend, dann mit Stolz und etwas Furcht.) D Jemini! Potz alle Wetter! Er maulſchellirt des Amtmanns Vetter, Er Schuft, er Schurk, er Grobian! Chriſtel. Schuft, Schurk und Grobian paſſieren; Denn deßhalb Sie zu maulſchelliren Ward kein Befehl mir kund gethan⸗ an, will. odir Heſicht ücklich dert. n er 9e Ge⸗ vlz un Roſenhügel. (Er ſcheint den Frevel zu bereuen, Ruͤn mach' ich erſt die Hoͤll“ ihm heißz) Der Hauptmann ſelber, daß er's weiß— X Wird bald ihn Lümmel— Chriſtel. (Gibt ihm wieder eine Maulſchelle.) Sie verzeihen! Auf meines Corporals Geheiß... Roſenhügel. (Die Klinge aus dem Stock ziehend.) Nun duld' ich's nicht länger, nun muß ich mich rächen, Bald ſoll ihm die Luſt, mich zu ſchlagen, vergehn. Chriſtel. Zu Hülfe! Herr Hauptmann! man will mich er⸗ ſtechen, Und dieß darf erſt in der Battaille geſcheh'n. (Der Corporal tritt auf einer Seite auf. Der Hauptmann un⸗ bemerkt von der andern.) Corporal. Was gibts, was gibts? Gar handgemein? Herr, fieck' er ſeinen Bratſpieß ein. Beyde(zugleich. Herr Corporal, er mag entſcheiden! Ich darf wohl dieſen Schimpf nicht leiden. Chriſtel. Und ſchlug darum nach meiner Pflicht Monſteur ſogleich in's Angeſicht. Roſenhügel. und fuhr mir wider alle Pflicht WMit ſeiner Hand in's Angeſicht. Corporal. Wißt, der Prozeß iſt leicht entſchieden, Hert Stutzer wohl that Chriftian. YM 2 3 7 — 8 46— Und geb' er ja ſich bald zufrieden, Denn ſonſt fang' ich von neuem an. ſenhügel. Chriſtel. Corporal Ro ſenhügel. 8 — Es wird ſich zeigen, wer gewinnt. Hauptmann(hervor tretende) 6 Ich hab' es ſelbſt gehoͤrt, geſehen. . Alle. D gut, daß Sie zugegen ſind. 1 Hauptmann(zu Roſenhuͤgeln.) 5 Wag' er nicht mehr den Mann zu necken! Sonſt kommt er nicht ſo leicht davon. (Zu den Andern Laßt ihn nur laufen, dieſen Gecken. (Roſenhügel eiligſt ab.) Ich danke ſehr und laufe ſchon. Alle(ihm nachſehend.) O ſeht, er trollt ſich nach Vermoͤgen, 1 Schon auf den Feldern huͤpfet er. O Liebe, wenn doch deinen Schlagen Richt ſchwerer zu entrinnen waͤr'! Du geißelſt ohne aufzuhoͤren, Und wenn die Streiche nicht entehren, So ſchmerzen ſie doch deſto mehr. (Der Corporgl mit Chriſteln ab. Rein, nein! Zum Hauptmann will ich gehen. Die andern. 3 Schon recht! Er mag zum Hauptmann gehen. ſi Alle. RNeunter Auftritt. Der Hauptmann(allein.) Ja, ja, ſie ſchmerzen deine Schläge, o Liebe. Drey Jahre ſind es, daß mich Louiſens Grauſam⸗ ehen. hen. eru ab⸗ gb.) 7 — —— „ * 3 4 1 een keit von dem Orte meiner Geburt, von meinen Freun⸗— den, von meinen ſchönſten Hoffnungen weg in die weite Welt trieb. Und noch kann ich ſie nicht vergeſſen. Alles weckt meinen leiſe ſchlummernden Gram, beſonders der Anblick dieſes armen Jungen, der ein ähnliches Schickſal zu haben ſcheint. Ich will ihn gern los geben, wenn ſein Madchen ihren Fehler bereut. Aber erſt will ich mich recht bitten laſſen. Die nahe Ge⸗ fahr, ihn zu verlieren, ſoll ihre faſt erloſchene Lie⸗ be wieder anfachen und ſie lehren, ein treues Herz beſſer zu Rathe zu halten. Zehenter Auftritt. Georg. Der Hauptmann. Georg. Euer Gnaden Herr Hauptmann wer⸗ den verzeihen, ich bin der Richter vom Orte. Hauptm. Wenn der Ort es ihm verzeihet, ſo verzeihe ich ihms auch. Doch wir kennen uns ja ſchon. Was ſteht zu ſeinen Dienſten, Herr Richter? Georg. Ich habe eine unterthänige Bitte. Es hat ſich vor ein Paar Stunden bey Euer Gna⸗ den löblichem Regimente ein Mann, Chriſtian Gut⸗ herz mit Nahmen, unterhalten laſſen? Hauptm. Ja. Was weiter? Georg. Er iſt klein, mißmuthig, verzagt, ich glaube gar bucklicht, ſieht nicht, was ihm vor der Naſe iſt, an feinem Gehör fehlt es ihm auch. Er kränkelt beſtändig, und wenn er der Kälte lan⸗ ge ausgeſetzt iſt— Hauptm. Cächelnd.) So möchte er gern wie⸗ ———————— — 342— der beym warmen Ofen ſitzen und— los ſeyn. Nicht wahr? Mein lieber Herr Richter, das ge⸗ het nicht ſo leicht an. Der Herr warja ſelbſt Soldat. Georg. Zehen Jahre. Hauptm. Ich hätte es ſchon aus der Geſchick⸗ lichkeit gemerkt, womit er alle Gruͤnde hervor ge⸗ ſucht hat, dem Manne los zu helfen. Aber wenn er auch wirklich ein Magazin aller Krankheiten und Fehler wäre, ſo kann ich ihn bey dem jetzigen Man⸗ gel an Recruten doch nicht frey laſſen, um kein Lö⸗ ſegeld, es möchte auch noch ſo groß ſeyn. Georg. Wenn ich aber einen andern Mann ſtelle, den Euer Gnaden dienſttauglicher finden werden. Hauptm. Da ließe ſich vielleicht reden. Ich bin aber ſchwer zu befriedigen; das ſage ich im voraus. Georg. Wenn Euer Gnaden nicht ſelbſt ge⸗ ſtehen, daß Sie Zeitlebens keinen ſo guten und ſchö⸗ nen Recruten gehabt haben; ſo ſoll aus unſerm Handel nichts werden. Auch brennt er vor Begier⸗ de, unter Ihnen zu dienen. Er erwartet mich hier in der Nähe; ich gehe ihn hohlen und bin gewiß, daß ihn Euer Gnaden mit Freuden um den Chri⸗ ſtel vertauſchen werden. Arie. Er iſt nicht groß, doch wohl gemacht, Und wird gewiß bey Tag und Racht, Soch Dero Hrdern gern pariren. Auch ſteh' ich gut fuͤr's Deſertiren. — 343— Sie laͤcheln—— Auf mein Richterwort! Rie lauft er Euer Gnaden fort. Er iſt kein Neuling mehr im Kriege, ſi Und ſcharf verfolgt er ſeine Siege, Der Strenge gibt nicht leicht Pardon; ick⸗ So kennt man ihn drey Jahre ſchon. ge⸗ Den eben damahls,(geht die Sage) enn Bezwang er einen tapfern Mann, n Der ſich von dieſer Riederlage Noch jetzt nicht recht erhohlen kann. an⸗ Eilfter Auftritt. nn Der Hauptmann. Guter Mann! Wenn du in mein Herz ſehen könnteſt, du würdeſt dir alle deine Lügen erſpart im haben. Mein Mitleid⸗ nicht deine Perheißungen bewegen mich, ihm zu helfen. Das flatterhafte Mäd⸗ chen wird ihr Unrecht einſehen, und ihn wieder von — ———————— neuem lieben.(Mit einem Seufzer.) Glücklicher Menſch! ich will dich dieſer Entzückungen nicht berauben. Ich 4 weiß, wie ſchmerzlich es iſt, ſie ewig entbehren müſſen. et⸗ hi Zwölfter Auftritt. iß, ri⸗ Georg. Frau v. Erthal(als Mann in einen Mantel eingeſchlagen, verdeckt ſich dos Geſicht mit dem Hute.) Der Hauptmann⸗ Georg. Hier, Euer Gnaden Herr Haupt⸗ mann, ſtelle ich Ihnen Ihren Recruten. Fr. v. Ert. Cbleibt in einiger Entfernung ſtehen.) Hauptm.(ächelnd.) Was Teufel Herr Richter, der iſt ja aus Lilliput! Wo ſoll ich dann dieſen Zwergen hinſtellen. Ins zwanzigſte Glied, nicht wahr? Georg. Nehmen Euer Gnaden es nicht übel. Er wird doch bald avancieren, ſo klein er auch iſt, und ich denke es noch zu epleben, daß Euer Gnaden unter ſeinem Commando ſtehen werden. Ich muß jetzt fort. Den Recruten laſſe ich hier. Wenn Euer Gnaden mit ihm allein ſind, ſo ſtehe ich dafür, daß Sie ganz außerordentlich zufrieden ſeyn werden. (Eilig ab.) Dreyzehnter Auftritt. Der Hauptmann. Fr. v. Erthal. Hauptm.(ihm nachrufend.) Herr Richter! Herr Richter!— ich glaube wahrhaftig, es rappelt ihm im Kopfe.(Zur Fr. v. Erthal.) Und ihr, ſteht nicht lange da. Packt euch fort. Euch kann ich nicht brauchen. Fr. v. Ert.(den Mantel wegwerfend und auf ihn zueilend.) Wirklich nicht Wilhelm? Duett. Hauptmann. Gott! wenn mein Auge mich nicht täuſchet.„ Louiſe! Fr. v. Erthal⸗ Wilhelm! Hauptmann. Welch ein Gluͤck! dieſen. nicht übel. h iſt, haden muß Euer daß en. ab) Herr ihm nicht nicht auf — 345— Fr. v. Erthal. Den ich vom Himmel ſtets geheiſchet, Den gibt er endlich mir zuruͤck. Hauptmann. Die meiner Treue Werth verkannte, Die mich verwarf, die mich verbannte, Die kehrt nun ſelbſt zu mir zurück. Fr. v. Erthal. Mein Wilhelm, ja! ich will's geſtehen, Mich fuͤhret Reu' und Liebe her. Ach, ſeit ich dich nicht mehr geſehen, Sah ich die Freude auch nicht mehr. Hauptmann. Du wirſt mich alſo— Fr. v. Erthal. Ewig lieben. Hauptmann. Durch Wankelmuth, durch Eigenſinn— F tb Der Männer beſten nie betruͤben. Hauptmann. Und deine Hand— Fr. v. Erthal. Da nimm ſie hin Hauptmann. D Theuerſte, mein ganzes Leben Sey nur ein einziges Beſtreben, Dir zu gefallen, ſo wie heut. Beyde. Seht her auf uns, ihr edlen Herzen! Tragt mit Geduld der Liebe Schmerzen. Einſt ſegnet ihr die Pruͤfungszeit, Frinnrung an vergang'ne Leiden Erhoöhet gegenwärt'ge Freuden, Und mehret jede Seligkeit. (Beyde ab.) Vierzehnter Auftritt. Chriſtel. Gleich darauf Nannette. Chriſtel.(Aeußerſt traurig, im Vuſen ein Papier.) Jetzt will ich denn von Frau Roſalien Abſchied nehmen, ihr dieſes Papier übergeben, und dann in Gottes Nahmen in die Battaille gehen. Ich weiß zwar weit und breit keinen Feind. Aber der Herr Corporal hat geſagt, der würde ſchon kommen. Wenn mir nur Marianne nicht begegnet. Weh mir, da iſt ſie.— Nannet. Um des Himmels willen Chriſtel! Was haſt du gethan? Du willſt dienen? Chriſtel. Ich diente Ihr, Jungfer Marian⸗ ne, aber ſtatt mich zu avanciren, hat Sie mich fortgejagt, mich infam caſſirt. Ich ſuchte mir alſo einen andern Capitän, der zwar nicht ſo liebens⸗ würdig iſt, aber zuverläſſiger. Nannet. Chriſtel, iſt es möglich, daß du dieſe Thorheit begangen haſt. Chriſtel. Ich habe wohl eine gefährlichere be⸗ gangen. Das Aergſte, was mir als Soldat geſchieht, ſt, daß ich todt geſchoſſen werde; das iſt freylich nicht angenehm. Wenn man aber ſein Herz dahin gibt, und es wird zuerſt angenommen, bald dar⸗ auf aber verſchmäht, zerriſſen und an den empfind⸗ lichſten Orten mit hundert Nadelſtichen gepeiniget, das iſt, beym Himmel! noch unangenehmer. 5 rie we H ge m ſt 00 — e ab.) papiet.) bſchied dann ch weiß r Hert mmen h mt hriſtel! Narian⸗ e nmich nir alſo liebens⸗ daß du here be⸗ ſhih fuylch dahin d dar⸗ myfind⸗ einiget Nannet. Was wird deine Mutter ſagen? Chriſtel. Weinen wird ſie. Aber—— Hier ſteht alles darin. Verzeihe Sie Jungfer Ma⸗ rianne. Ich ſuchte Ihre Mutter, nicht Sie. Ich wollte, ich wäre fort, ohne Sie geſehen zu haben. Nannet. Fort willſt du, und bald? Chriſtel. Heute noch. Ich muß wohl. Der Herr Corporal ſagte mir, der General würde mor⸗ gen eine Schlacht liefern. Er warte nur noch auf mich. Und da kann ich den ehrlichen Mann nicht ſitzen laſſen. Nannet. Lieber Chriſtel, man täuſchte dich. Chriſtel. Ja leider! Wenn ich nur noch Ihre Frau Mutter ſprechen, und ihr dieſes Pa⸗ pier einhändigen könnte. Nannet. Was iſt denn das für ein Papier? Zeige es doch—— Nun darf ich es nicht ſehen? Chriſtel. Sie wird es ſchon übermorgen ſe⸗ hen; wenn ich todt geſchoſſen bin. Nannet.(weinend.) Rede mir nicht von Todt⸗ ſchießen. Ich beſchwöre dich bey Allem, was dir werth iſt—— Nun was iſt denn in dem Pa⸗ pier? Chriſtel. Nichts, nichts. Nannet. Ich bitte dich, Chriſtel, wenn du mich je geliebt haſt, zeige mir das Papier. Chriſtel. Sie bittet mich. Sie nimmt mich bey der Hand. O wenigſtens habe ich noch Einen glücklichen Augenblick erlebt!(Er gibt es ihr.) Hier. Wenn Sie bittet, ſo verſage ich Ihr nichts. Aber gebe Sie es ihrer Frau Mutter. er 3 4 8— Nannet.(für ſich.) Was das ſeyn mag!(Lieſt.) »Mein Teſtament.“— Was? Dein Teſtament? Chriſtel. Natürlich. Wenn ich morgen in die Battaille gehe, ſo muß ich doch heute meine Sa— chen in Ordnung bringen. Nannet.(lieſt.)»Da ich in dieſer Welt nichts »mehr zu thun habe, ſo iſt das Beſte, ich gehe vhinaus, und zwar bey Gelegenheit der morgigen „Battaille. Ich erkläre alſo die Frau Roſalia zur PVollſtreckerinn dieſes meines letzten Willens.“ »Erſtens bitte ich meine liebe Mutter um Ver⸗ »zeihung, daß ich mich ohne ihre Erlaubniß todt⸗ „ſchießen laſſe; da es aber der erſte Verdruß iſt, »den ich ihr mache, ſo hoffe ich, daß ſie mir ihn vverzeihen wird, beſonders, da ich nichts mehr »thun will, was ihr mißfällt.“ (Fuͤr ſich.) Ich kann kaum weiter leſen. Der arme Junge!(Lieſt.) »Zweytens vermache ich Herrn Georg Stumpf, »Richter allhier, mein Spaniſches Rohr mit dem »großen ſilbernen Knopf, doch unter der Be⸗ »dingung, daß er nicht etwa die Geſchwornen »damit prügle, und der Frau Roſalia und der »„Jungfer Nannette nicht mehr bittere Vorwürfe vmache.“ »Drittens vermache ich dem Pudel Alertel, den vich der Jungſer Marianne geſchenkt habe, »zwölf Gulden alle Jahre Zeit ſeines Lebens. »Denn wenn ſie den Monſieur Roſenhügel heira⸗ „thet, ſo wird ſie ihn vermuthlich aus dem Hau— »ſe jagen; und ich kann nicht zugeben, daß die— — 349— Liſ)»ſer Hund, der lange mein Camerad geweſen iſt, nt„vor Hunger ſterbe.“ Piertens und letztens kommt die Hauptſache. zn»Mein ganzes übriges Vermögen vermache ich »der Jungfer Marianne——— Ich verzeihe nichtz vihr meinen Tod und alles, was ſie mir ange⸗ ehe»than hat, und wünſche von Grund meines cgien»Herzens, daß ſie mit dem Monſieur Roſen⸗ in zu vhügel nicht angeführt ſey. Das Einzige bit⸗ „te ich ſie, daß ſie ihren erſten Buben Chriſtel Ver⸗„taufen laſſe, und wenn ſie ihn liebt, und ihm todt⸗»ſchön thut, ein wenig an den todten Chriſtel ſiß„denke, damit mir die Zeit in der andern Welt »nicht lang werde.“ t ihn(Sie weimt.) mehr „Das iſt mein ganzer letzter Wille, und zugleich am„das erſte und letzte Mahl, daß ich einen andern „Willen habe, als den der Jungfer Marianne. unf»Urkund deſſen meine Unterſchrift. it dem»„Chriſtian Gutherz.“ 1P Und dich konnte ich mißhandeln! O ich abſcheuliches otnen kädchen! Aber ich will es wieder gut machen. d. Mein ganzes Leben will ich dazu anwenden, es wie⸗ wuft der gut zu machen. , du(Sie umarmt ihn und laͤuft ab,) hobe/ eben heira⸗ Hal ß di⸗ „ 3560— Funfzehnter Auftritt. Chriſtel. Wach'ich oder träum ich? War ſie es, die ihren Wankel muth bereute, mir wieder Liebe ſchwor— mich umarmte. O ich glücklichſter unter allen Men⸗ ſchen! Nein Herr General, verzeihen Sie mir, aber jetzt kann ich mich nicht todtſchießen laſſen, das werden ſie ſelbſt einſehen. Leben will ich(lachend) und leben laſſen, denn ich werde gewiß nicht umſonſt ein Ehemann ſeyn. Ich muß ſogleich zum Haupt⸗ mann, ihm abſagen. Aber wie? wenn er mich nicht los ließe?— Ey wie ſollte er nicht? Das gibt ja die Vernunft, daß die ältere Verbindung der neuern vorgeht. Fort mit dem Gedanken und mit allen, die mein Gluͤck verbittern könnten! Nicht einmahl an den Stahr will ich denken, der an der ganzen Geſchichte Schuld iſt. Halt! Der Stahr iſt unſchuldig, er iſt ein honnet-homme, es ging ihm wie mir, und wenn er jetzt hier wäre, ſo würde er ganz anders empfangen werden. Aber ich will auch ſtatt des Einen Stahrs künftig ihrer drey haben. „Ich liebe Mariannen“ braucht keiner zu lernen, denn das ſage ich ihr ſchon ſelbſt. Aber pfeifen ſollen mir die drey Kerle, und jeder anders. eihren vor— Men⸗ emir, laſſen/ lochend) inſonſt Haupt⸗ h nicht gibt ng der nd mit RNicht an der tahr iſ ing ihn ürde er l auch haben. denn len mir Der erfle ſchrecke Roſenhuͤgeln; Schleicht der ſich etwann in mein Haus, So ſchlägt der Vogel mit den Flügein, Und pfeifet ſo den Stadtherrn aus. (Er pfeift.) RNeckt Mariannen mich, wie heute, Gibts einen haͤuslichen Tumult, Dann pfeifet ſanft mir ſelbft der zweyte Ein Ehſtandsliedchen von Geduld. (Er pfeift.) Doch wenn wir uns beym Nachtmahl herzen, Und dann mein Weibchen ſeufzt und glüht; So locket uns zu ſuͤßen Scherzen Der dritte Stahr und pfeift dieß Lied (Er pfeift, ab.) Sechzehnter Auftritt. Nannette. Roſenhügel. Nannet. Alſo gar in einer eigenen Schrift haben Sie Ihre Liebe zu mir abgeſchworen. Da ge⸗ ben Sie ſich eine vergebliche Mühe. Es iſt nur um das Papier Schade. Ro ſenh.(für ſich.) Dacht' ichs doch, daß ſie Einſpruch thun wird. Meine verzweifelte Hand! Es iſt ein ordentliches Unglück, gar ſo eine ſchöne Hand zu haben. Die Mädchen verfolgen einen.(Laut.) Mein Engel, es thut mir wirklich leid, aber— — Nannet. Mir thut es gar nicht leid, daß ich einen Menſchen, wie Sie, los bin. Wo ich auch meine Augen hatte! Sehen Sie ſich nur einmahl in den Spiegel, und laſſen Sie ſich Gerechtigkeit widerfahren. Der Schneider und der Friſeur haben das Meiſte zu Ihrem Daſeyn beygetragen. Wenn ſie die Arbeit von dieſen zwey Leuten wegnehmen, ſo kann man den Reſt durch ein Nadelöhr fädeln. Roſenh. Mamſell Nannette wird beleidigend; doch das wird ſich geben, wenn ſie nur einmahl weiß, wer ich bin. kannet. Als ob ich das nicht ſchon wüßte! Roſſenh.(wichtig). Ey! Hat die Frau Mutter ſchon geſchwatzt? Alſo wer bin ich? Nannet.(unwillig.. Ein Narr ſind Sie. Roſenh. Angeführt! Ihr Papa bin ich. Nannet. Sie mein Papa. Nun wenn das wahr iſt, ſo will ich— Siebzehnter Auftritt. Roſalia. Der Hauptmann. Fr. v. Er thal. Georg(treten vor dem Ende der vorigen Scene auf, ſo daß ſie die leßtern Reden hören.) Schlußgeſang. Ro ſalia. Zweifle nicht, denn mein Verſprechen Gab ich ihm und wills nicht brechen ich auch nahl keit ben enn ſen, eln. nd; nohl fte! tter das gen Theater. — 353— Nannette. Ey die Mutter ſpaßet nur Mit der dummen Stadtfigur. Ro ſalia. Du wirſt dich bequemen muͤſſen— Roſenhügel. Dem Papa die Hand zu kuſſen. Ro ſalia(lächelnd.) Thu' es alſo nur geſchwind. Roſenhügel(prahlend.) Wer iſt jetzt der Narr, mein Kind? Nannette. Liebe Mutter—(Zu Roſenh.) Sie erlauben— (Faßt ſeine Hand, wirft ſie aber wieder zurück.) RNein, ich kanns, ich kanns nicht glauben. Roſalia. mein Kind, du kannſt es glauben, Bin ich etwa gar ſo alt, [Dder gar ſo ungeſtalt? Roſenhügel Gugleich.) Ja Mamſell, Sie koͤnnens glauben. Wiſſen Sie, man wird nicht alt Bey ſo vieler Wohlgeſtalt. Hauptmann. Georg(für ſich.) Ha! was ſoll ich von ihr denken? Kann ſie Willens ſeyn, ihr Herz Dieſem Wetterhahn zu ſchenken? Rein, ſie treibt gewiß nur Scherz! 8 Ro ſalia(Gzugleich für ſich.) Ha! ich weiß wohl, was ſie denken, Doß ich Willens ſey, mein Herz Dieſem Wetterhahn zu ſchenken; NRein, ihr Herrn, es iſt nur Scherz! Achtzehnter Auftritt. Corporal. Chriſtel. Vorige.(Chrifiel nicht mehr in der Montur.) Corporal. 3 Sier iſt er in dem alten Kleide! Nannette(auf ihn zueilend.) Mein Freund, mein Alles!— Welche Freude! 3 Fr. v. Erthal. Nimm, Vielgeliebter, meinen Dank! 1 Roſalia. Georg. Chriſtel. Nannette. O Euer Gnaden, tauſend Dank! Hauptmann(zu Rannetten.) 6 Doch, Mädchen, künftig keinen Zank! Denn krieg' ich Chriſteln jemahls wieder, So kommt er nicht ſo leicht davon⸗ Ro ſalia und Nannette. Sie kriegen ihn gewiß nicht wieder, Er bleibt bey uns, das weiß ich ſchon. Nannette. Richt wahr, mein Freund? l nicht ude! „* — 355—— Ro ſalia. Richt wahr, mein Sohn? Georg und Chriſtel. Rein, nein! Sie kriegen. nicht wieder, Man führet ja, ſo viel ich weiß, Den Eſel Ein Mahl nur auf's Eis. Ro ſalia(zu Chriſteln.) Nun hoͤre mich! Du willſt ſie haben, und ſie will dich? Nannette und Chriſtel. d ich ſyn wi Eh' ſoll man lebend mich begraben, Eh' ich von Roſalia. Schon gut. Ro ſenhügel(wichtig.) Rur ſlill! Roſalia. Doch zur Verhuͤthung ſpaͤter Klagen Muß ich euch das im voraus ſagen, Klein iſt die Mitgift, daß ihrs wißt! Chriſtel(etwas ungeduldig.) Und wenns ein Kupferkreuzer iſi. 3 2 — 356— Georg(eftig.) Was? Klein die Mitgift? alſo ware Die Rarrenheirath keine Mahre! Ey pfuf, du Rabenmutter du! Beſtiehlſt dein Kind! Ro ſalia(mit Wuͤrde.) Brav! ſchimpfe zu! Du Sprudelkopf mit grauen Haaren! Ein Richter weiſ' und hocherfahren, Der könnte minder vorlaut ſeyn. Alle. Richter Vetter Erſt angehöret, dann entſchieden! Auch Kluge trieget oft der Schein. Herr geb' er ſich zufrieden, Ro ſalia(zu Roſenh.) Ich muß doch dieſe Schrift zerreißen, Und bitte Sie es gut zu heißen. Roſenhügel. Sie können dieſe Schrift zerreißen. Sie mag ſtatt einer Mitgift ſeyn. Ro ſalia. Wohlan! ich thu' es und erkläre, Daß mein Vermoͤgen groß und klein Nur einzig—— dieſen zweyn gehöre, Hier meiner Tochter, meinem Sohn. Doch meine wertheſte Perſon, So wie ſie iſt mit Leib und Seele, Steht ganz zu dieſes Herrn Befehle Mein Schatz! — 3 5 7 e Roſenhügel. Ihr Schaß ich, ohne Geld. Ro ſalia. Ich weiß, Sie ſind nicht eigennützig. (Ihm ſchmeichelnd.) Bloß meine Schoͤnheit—— Roſenhügel. Nicht ſo hitzig! Es gibt nichts Duͤmmers in der Welt— Alle(einfallend.) Als einen Gecken, den man prellt. Hauptmann⸗ Was kommen da fuͤr drey Geſtalten, Mit ernſter Stirn und tiefen Falten? Neunzehnter Auftritt. Eine Gerichtsperſon mit zwey Gerichtsdienern. Die Vorigen. Die Gerichtsperſon. 3 „ Vom Magiſtrat der Hauptſtadt Wien Iſt mir befohlen, wegen Schulden, (Es ſind ſechs hundert funfzig Gulden,) Den Herrn gefaͤnglich einzuziehn. (Er ſtellt Roſenh. ein Papier zu.“ 358— Sie ſtellten auf des Mausgern Klage Bisher ſich niemahls vor Gericht. Drum bin ich jetzo hier und frage: Wird er bezahlet oder nicht? Roſenhügel(ängſtlich.) ſ Der Kläger weiß doch nicht zu leben. Die Gerichtsperſon. Wird er bezahlet oder nicht? Roſenhügel(weinend.) Ich will ihm einen Wechſel geben. Die Gerichtsperſon. ſ Mit einem Wechſel zahlt man nicht. 1 Roſenhügel(von den Gerichtsdienern gehalten, für ſich.) Der Teufel hat ihn hergefuͤhret! Wenn man mich Einmahl arretiret, So bleib' ich ewig im Arreſt. 3 Ich muß,(Zu den Gerichtsdienern.)(Ihr haltet gar zu feſt) Mich ihren Klauen zu entreißen, In einen ſauren Apfel beißen. (Zum Hauptm.) Herr Hauptmann, hier ſteht ein Recrut, Zwar rauf' ich ſchlecht, doch pfeif' ich gut: Und wenn man bey dem Regimente Als Pfeifer mich gebrauchen könnte.—— Der Hauptmann(lächelnd.) Ein toller Einfall Doch es ſey! Der Mann, ihr Herren, iſt nun frey. (Die Gerichtsperſon und die Gerſchtsdiener ab.) halten, gar zu pin.) Roſenhügel. Ihr Stutzer, die ihr nur die Flügel Am kleinen Liebesgotte ſchäßzt, Denkt an den Pfeifer Roſenhügel, Der arme Schelm, er buͤßet jetzt! Bald pfeift er bey den Kriegsbeſchwerdeu, Doch ſollten alle Pfeifer werden, Die ſind, was er iſt, ungetreu, H Himmel, welche Pfeiferey! Darum will er aus gutem Herzen Das Opfer fuͤr die Andern ſeyn. Sie mögen ſchäkern, kuſſen, ſcherzen, Der neue Pfeifer pfeift allein. Alle, Sie moͤgen ꝛc. Hauptmann. Louiſe ſieh, nach Trauertagen Hat uns der Liebe Glück erfreut! Für Alles, was wir einſt ertragen, Belohnt ſie uns mit Wucher heut. Ihr zärtlichen und treuen Berzen, Erhebet ſie in lautem Chor. Sie pflanzet Sorgen, ſäet Schmerzen, Doch Gluͤck und Segen keimt empor. . Sie pflanzet 2c. Georg(zu Roſalien.) Verzeih, ich habe grob gefehlet, Daß ich ſo hißig ſchmaͤlt' und ſchrie. — 3 6 0— Roſalia. Wer nut aus gutem Herzen ſchmälet, Beleidigt gute Herzen nie. Hauptm. Fr. v. Erthal. Chriſtel. Nannette. Theurer Theure Den Schwur der Zärtlichkeit und Treue. Und morgen bring' ich am Altar Ihm mit dem Ring dir wieder dar. Roſenhügel. Statt nach dem Trauungsring zu greifen, Muß ich mich außer Athem pfeifen: Doch ich verdien' es, das iſt klar. Alke. Ihr Juͤngling' und ihr Maädchen alle, Die ihr wollt freyen, ſeht euch vor, Gefangen in der eignen Falle, Steht hier ein geldbegierger Thor. D nehmt daran euch ein Exempel, Flieht Eigennutz und Unbeſtand Und wallet zu der Ehe Tempel Rur einzig an der Liebe Hand. Dann huͤpft bey eurem Bochzeitstanze Die Freude mit und jauchzt ihr Lied, Und kroͤnt euch mit dem Myrtenkranze, Der auch im Alter nicht verbluht. Empfange nun aufs neue ette. 3 Raſchſchrift z 1 S p er, Aus Florians Bonne mere ſind die Hauptzüge dieſer Oper entlehnt. Das Ganze iſt jedoch ſehr ge⸗ andert und nationaliſirt, welches auch einige Pro⸗ vincial⸗Ausdrücke veranlaſſet hat. Wenn man die großen Forderungen der Muſik erwägt, wenn man bedenket, daß der Autor ſich beſtrebte, nebſt dieſen auch die billigen Wünſche der Sänger zu erfüllen, und jeden an einen ihm angenehmen und vortheil⸗ haften Platz zu ſtellen; ſo wird man dieſes Sing⸗ ſpiel der N achſicht nicht unwürdig ünden. Ueber dieß berechtigt ihn die kurze Zeit, die ihm zur Ver⸗ fertigung desſelben zugeſtanden wurde, an das Pu⸗ blicum eben die Bitte zu thun, die Martial an ſei⸗ nen Kaiſer gethan hat: Da veniam subitis; non displicuisse meretur, Festinat, Caesar, qui placuisse tibi. Der Verfaſſer. Inhalt. Hube Trauerſpiel des Euripides Medea. Trauerſpiel des Euripides Agamemnon. Trauerſpiel des Senera. Eduard der Dritte. Trauerſpiel nach dem Franzöſiſchen des Greſſet„ 3 Diegute Mutter, Komiſche Oper nach Flo⸗ rian.. ⸗ rey Control Chart Sreen Nellow Bed Magenta Srey 2 GSrey 3 Srey 4 . 4 . — 3—*—