600 Leihbibliothet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih und geſebedingungen. 6 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 2. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe binterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 5 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für wchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ——————— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. — ————, 4„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlörene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß ver Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt ver Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihereit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ———,————,——,—— —. * Der Verſchvender. Eine Erzählung von W. Harriſon Ainsworth. Aus dem Engliſchen von 5. A. Kretzſchmar. Peſt, Wien und Feipzig, 1857. Hartleben's Verlags⸗Erpedition. Vun gefangen wendig zl ren— 0 fern nur Na ſtücke aus ten ihret Eir in ein fe ten Bril ſich. Er ein Coll igt, m Salbe, Lippen und all für eife war ei in ein Maskenſcherze. des Abends an⸗ ittlerweile hatte die eigentliche Aufgabe gefangen und die Mehrzahl der Masken begann es noth⸗ wendig zu finden, die angenommenen Charaktere durchzufüh⸗ ren— ob mit Glück oder nicht, darauf kam wenig an, da⸗ fern nur darüber gelacht ward. Marktſchreier und Gaukler führten überraſchende Kunſt⸗ ſtücke aus. Quackſalber rühmten die wunderbaren Eigenſchaf⸗ ten ihrer Univerſalmedicinen. Einer davon, ein italieniſcher Charlatan, phantaſtiſch in ein feuerfarbenes Gewand gekleidet und mit einer ungeheu⸗ ren Brille auf ſeiner Adlernaſe, zog die ganze Kundſchaft an ſich. Er hatte Lebenselixire, Liebestränke und Liebespulver; ein Collyrium, aus den Augen einer ſchwarzen Katze verfer⸗ tigt, mit deſſen Hilfe man im Finſtern ſehen konnte; eine wenn man ſie einem Schlafenden auf die Salbe, welche, 1 Lippen ſtrich, dieſen zwang, alle Fragen zu beantworten und alle Geheimniſſe zu offenbaren— ganz beſonders nützlich für eiferſüchtige Chemänner. Das Schönſte von allen aber war eine koſtbare Flüſſigkeit, von welcher einige Tropfen, in ein Bad gegoſſen, alte Weiber wieder jung machten. t Der Verſchwender. I. 2 Die Liebestränke wurden von manchem ſeußenden Schä⸗ fer begierig gekauft und ohne Wirkung verſtockten Schönen aufgedrängt; die Wirkſamkeit des Jugendelirirs aber ward auf wunderbare Weiſe bethätigt. Die alte Dame mit dem hohen kegelförmigen Hute kaufte eine Phiole und nicht ſobald hatte ſie den Inhalt der⸗ ſelben hinuntergeſchluckt, als ihr Mantel und Hut wie auf einen Zauberſchlag zu Boden fiel und ſie in dem Gewand einer jungen leichtfüßigen Columbine erſchien. Ein herumſchwärmender Harlekin, welcher Zeuge dieſer Umwandlung geweſen, ſprang ſofort auf ſie zu, bog das Knie, legte ſeine Hand auf das Herz, als ob er von ihren neugeborenen Reizen ganz hingeriſſen wäre— und tanzte dann in tollem Wirbel mit ihr fort, während ein paar Pier⸗ rots ihn verfolgten, indem ſie laut kreiſchten, die Columbine gehöre ihnen, und die Menge aufforderten, ſie aufzuhalten. Dieſe Pierrots ſchienen, beiläufig geſagt, eben ſo wie die Scaramouche und Polichinelle vollkommen allgegenwärtig zu ſeyn und ſpielten alle Arten muthwilliger Streiche, indem ſie manches zärtliche Tétera-Téte unterbrachen, alten Damen und ernſten ehrwürdigen Herren auf die Abſätze traten, aller⸗ hand Witzworte von ſich gaben, die zuweilen ſo dreiſt waren, daß ihnen dafür ein Fauſtſchlag zu Theil ward, den hübſche⸗ ſten Masken den Hof machten und mit mehreren derſelben davonliefen, ſich Mäntel, Degen und Schärpen aneigneten und ſich dann mit den Eigenthümern darum zankten und in ihren handgreiflichen Späßen ſich durch nichts einſchüchtern ließen als durch tüchtige weitſchallende Schläge von den Prit⸗ ſchen der Harlekine, die denn auch ſehr häufig angewendet wurden. Abgeſehen von all dieſen Scherzen und Narrenspoſſen wurden e Lürken, Knappen vorbrach Vi ſchuhen M ſchat ſic intereſſir fallen ar günſtigte Staram wußten ten Zeit ſtand zu terne Pf Ei die ihm ſchlägig geblibe Scherze ſort wie ſe ms. 9 lichen 1 ſen Me ſn 8 Grade andere ute el⸗ auf nd ſer das ren 3 wurden auch groteske Tänze aufgeführt, an welchen Juden, Türken, Höflinge, Schäfer und Schäferinnen, Ritter und Knappen theilnahmen, was eine ſehr drollige Wirkung her⸗ vorbrachte. Vielleicht der beſte von dieſen war ein Tanz in Hohß⸗ ſchuhen von ein paar Bauern, der lauten Beifall etweckte. Man darf aber nicht glauben, daß die ganze Geſell⸗ ſchaft ſich bei dieſer Kurzweil betheiligt oder auch nur dafür intereſſirt hätte. Viele der jungen Elegants fanden blos Ge⸗ fallen an dem Wirrwar, weil er ihre eigenen Abſichten be⸗ günſtigte, und vermehrten denſelben folglich, indem ſie die Scaramouche in ihren Streichen ermuthigten. Dabei aber wußten ſie es immer ſo einzurichten, daß ſie gerade zur rech⸗ ten Zeit hinzukamen, um einer bedrängten Schönheit Bei⸗ ſtand zu leiſten oder einer leichtgläubigen Duenna ihre ſchüch⸗ terne Pflegebefohlene abzunehmen. Einführungen waren nicht nöthig. Jeder forderte Jede, die ihm beliebte, zum Tanze auf und erhielt ſelten eine ab⸗ ſchlägige Antwort. Bis jetzt war die Harmonie der Geſellſchaft ungeſtört geblieben. Wenn auch einmal in Folge eines handgreiflichen Scherzes ein Zwiſt auszubrechen drohte, ſo ward er doch ſo⸗ fort wieder erſtickt. Man trennte die Streitenden und lachte ſie aus. Liebeleien kamen ſehr häufig und zuweilen unter bedenk⸗ lichen Umſtänden vor. Mehre Paare, die ſich von der gro⸗ ßen Menge entfernt hielten oder von den Sophas und Seſ⸗ ſeln Beſitz nahmen, waren offenbar bis zu einem hohen Grade der zärtlichen Leidenſchaft vorgeſchritten, während andere ſich in das dichteſte Gewühl hineinſtürzten, in der 4 Meinung, daß ſie hier vor jeder Beobachtung am ſicherſten wären. Bei dieſem Wirrwar war es nicht leicht, ſofort die Perſon zu entdecken, die man ſuchte, und man konnte ſich deshalb nicht wundern, wenn mancher nachläſſige Ehemann oder Cavalier, der ſeine Schöne zu weit aus den Augen ge⸗ laſſen, ſie während des ganzen Abends nicht wiederfand. Dieſelbe Schwierigkeit würde Monthermer bei ſeinem Suchen nach Luch Poynings erfahren haben, wenn nicht unerwarteterweiſe der Page ihm zu Hilfe gekommen wäre und ſich erboten hätte, ihn zu ſeiner Herrin zu führen. „Iſt eure Herrin allein?« fragte Gage überraſcht. „Sie iſt im Vorzimmer,« entgegnete der Page. „Wißt Ihr aber auch gewiß, daß ſie kein Irrwiſch iſt? ſagte Monthermer, indem er den jungen Fant mit einigem Mißtrauen betrachtete. „Ich weiß nicht, was das iſt,« entgegnete der Page, „aber ich laſſt mich nicht zum Beſten haben, wie ein gewiſſer Jemand, den ich nennen könnte.« „Meint Ihr damit mich, Burſche?« rief Gage. „Nein, Sie ſelbſt meinen ſich damit und haben viel⸗ leicht nicht Unrecht. Seitdem wir uns zum letzten Mal ſahen, habe ich ermittelt, daß Miſtreß Jenhns dasſelbe Coſtüm an⸗ genommen hat wie meine Gebieterin, und der Bruder mei⸗ ner Gebieterin hat ſich auch davon überzeugt. Ich ſagte Ih⸗ nen gleich, daß Miſtreß Jenyns ihm Gehör ſchenken würde, wenn er ihr den Hof machte— und ich hatte Recht. Schauen Sie hin!* „Zum Teufel! was ſehe ich da?« rief Monthermer. In der von dem Pagen angedeuteten Richtung hin⸗ ſchauend, gewahrte er ein Paar, welches auf der entgegen⸗ * geſetzten augenſc Allem welche I daß ſe haften( womit ihnen v zum B Lone. Miſtreſ Gage 6 veranle les aus über e liebten wünſch in eine ſtrafte. murme »Wen erhalt ſten die ſich ann ge⸗ em icht äre 176 em ge ſſer iel⸗ 5 geſetzten Seite des Zimmers in einem Sopha lehnte und augenſcheinlich in einem verliebten Geſpräch begriffen war. Allem Anſcheine nach war es die Señora und der Hidalgo, welche kurz vorher das Spielzimmer verlaſſen. Das Benehmen der Dame ließ Gage keinen Zweifel, daß ſie ſich für ihren Begleiter ſehr intereſſirte, und die leb⸗ haften Geberden und die raſchen Bewegungen ihres Fächers, womit ſie faſt zu ſprechen ſchien, verriethen, was zwiſchen ihnen vorging. „Nun, geſtehen Sie immer noch nicht, daß Sie ſich zum Beſten halten laſſen?« fragte der Page in ſpöttiſchem Tone. „Ich muß mich überzeugen, daß jenes Paar wirklich Miſtreß Jenyns und Arthur iſt, ehe ich antworte,“ rief Gage ärgerlich. „Wahrſcheinlich haben Sie Luſt, eine Ruheſtörung zu veranlaſſen und ſich dadurch dem Gelächter des ganzen Saa⸗ les auszuſetzen,« entgegnete der Page, indem er ihn aufhielt. „Was ſoll das nützen? Sie ſind zu ſehr Weltmann, um über eine ſo geringfügige Sache, wie der Verluſt einer Ge⸗ liebten iſt, die Faſſung zu verlieren und ſollten ſich eher Glück wünſchen als ſich ärgern. Sie ſind ſie nun los.* „Bei meiner Seele, ich glaube es ſelbſt!“ rief Gage in einem Tone, der ſeine Worte aber einigermaßen Lügen ſtrafte.»Führe mich zu Miß Poynings.« „Nun, ſo folgen Sie mir,« entgegnete der Page und murmelte, während er ſich Bahn durch das Gewühl brach: „Wenn wir ihn nur eine Stunde lang in dieſer Stimmung erhalten können, ſo iſt er gewonnen.« II. Was während des Soupers geſchah. Zwei Damen ſaßen im Vorzimmer, als Monthermer mit dem Pagen es betrat. Die eine davon war die reizende ſpaniſche Señora, welche er hier zu finden erwartete, die andere konnte man nach ihrem Coſtüm für eine junge Venetianerin aus dem ſechs⸗ zehnten Jahrhundert halten. Sie trug ein Kleid von koſtba⸗ rem ſchwarzen Sammt und ſah aus wie ein Porträt von Tintoretto. Beide waren dicht maskirt. Als Monthermer ſich näherte, ſtanden ſie auf und er⸗ wiederten höflich ſeinen Gruß. 5 Gage wendete ſich zuerſt zu der Señora. »Ich bin heute Abend gänzlich mhſtificirt worden,« ſagte er,»und finde, daß ein Maskenball ebenſogut ſeine Schattenſeiten hat, als ſeine Freuden. Bis jetzt hat mich ſtets das Unglück verfolgt. Sie müſſen bemerkt haben, daß noch eine Dame ein ſpaniſches Coſtüm trägt, welches dem Ihrigen vollkommen gleich iſt. Ich habe eine halbe Stunde lang mit ihr in der feſten Meinung getanzt, meine Tänzerin ſey Miß Poynings.* »Sehr ſchmeichelhaft für Miß Poynings. Aber woher wiſſen Sie, daß Sie jetzt recht angekommen ſind?s entgegnete die Señora. ſagte G ſch, ni Page bemer glaubt rmer ora, man ſech ehg⸗ ſechs⸗ ſtba⸗ von en,“ ſeine ſtets noch igen mit Miß 0 „Zum zweiten Male könnte ich mich ſchwerlich täuſchen,* ſagte Gage,»und obſchon ich nicht behaupten kann, eine Maske zu durchſchauen, ſo gibt mir doch etwas die Ueberzeugung, daß mir Ihre Züge eben ſo wie die Ihrer Genoſſin vollkom⸗ men bekannt ſind.* „Wirklich? Und für wen halten Sie dieſe Dame?“ „Für eine alte Freundin.* „Nein, Sie müſſen ſie beim Namen nennen.“ „Nun denn, ich werde mich von der Wahrheit, glaube ich, nicht weit entfernen, wenn ich ſie Clara Fairlie nenne.“ Hier begannen die beiden Damen zu lachen und der Page ſtimmte aus Herzensgrunde mit ein. „Sie entwickeln großen Scharfſinn, das muß ich ſagen,* bemerkte die Venetianerin in leicht verletztem Tone.»Ich glaubte nicht, daß Sie mich ſo ſchnell erkennen würden.“ „Ihr ſeyd auch in der That Beide ſo vollſtändig ver⸗ kleidet, daß es einem Hexenmeiſter Mühe machen würde, Euch zu entdecken,« erwiderte Gage.„Ueberdies ſprecht Ihr in ſo leiſem Tone, daß man auch nicht nach der Stimme urthei⸗ len kann.* „Der Vorhang der Maske ändert den Schall,« ſagte die Señora. „Ja, und zwar ſo ſehr, daß Ihre Stimme die Clara Fairlie's zu ſehn ſcheint,“ bemerkte Gage. „Und die meinige?“ rief die Venetianerin. „Bei Gott! Ihre Stimme klingt wie Luch's. Na, ich glaube, es iſt dies blos ein Spiel der Einbildungskraft. Doch warum ſollen wird hier bleiben Es wird nicht lange dauern, ſo wird das Souper aufgetragen. Geſtatten Sie mir das Ver⸗ gnügen, Sie dahin zu begleiten.“ 8 Mit dieſen Worten bot er jeder der Damen einen Arm und führte ſie in den Ballſaal. Bald aber ward ihm eine ſeiner Schützlinge ent⸗ führt. Kaum hatten ſie ſich unter die bunten Schaaren ge⸗ miſcht, als der läſtige Hidalgo hinzutrat und, indem er der Señora einige Worte zuflüſterte, ſie fortführte. Es war keine Zeit zu weiteren Auseinanderſetzungen, denn in dieſem Augen⸗ blick wurden die Thüren des Speiſeſaales aufgeriſſen und die begierige Menge rauſchte hinein zu dem lange erwarte⸗ ten Mahle. Jeder Sitz an der prachtvoll ausgeſtatteten Tafel, mit Ausnahme einiger am obern Ende, die für den Geber des Feſtes und ſeine ſpeciellen Freunde reſervirt waren, ward augenblicklich ausgefüllt und dann ein allgemeiner Angriff auf die verlockenden Speiſen gemacht. Seine Dame zu einem reſervirten Sitz führend, forderte Gage ſie auf, einige Erfriſchungen zu ſich zu nehmen; ſie wei⸗ gerte ſich jedoch und entſchuldigte ſich mit ihrer Abgeneigtheit, ſich zu demaskiren. Während Monthermer zu beiden Seiten der Lafel auf die lange Reihe ſeiner fantaſtiſch herausſtaffirten Gäſte ſchaute und Vermuthungen anſtellte, wer ſie wohl alle ſeyen, entdeckte er, wie er glaubte, den Hidalgo und die Seſora, welche am untern Ende der Tafel ſaßen, und wollte eben hin⸗ ſchicken, um ſie bitten zu laſſen zu ihm heraufzukommen. Gerade in dieſem Augenblicke aber erſchien Maſter Fairlie und augenſcheinlich in großer Unruhe. In faſt rauhen Worten Gage's Dame anredend, forderte der Verwalter ſie auf, ſich zu demaskiren. . —— D ſchiden Gage ſ walter. meine 2 . ſagte G ref Fa zimmer gewechſ 9 Naske mal be Mühe tete Ge von Ge mit ei welcher führten wi ich rte uf n — ——— 9 Die Dame zog ſich jedoch zurück und weigerte ſich ent⸗ ſchieden der Aufforderung Folge zu leiſten. »Halt, halt, Fairlie! das darf nicht geſchehen!« miſchte Gage ſich ein. »Ich bitte um Verzeihung, Sir,« entgegnete der Ver⸗ walter.»„Ich wünſchte mich blos zu überzeugen, daß dies meine Tochter iſt.« »Nehmen Sie meine Verſicherung, daß dem ſo iſt,« ſagte Gage. „Ich habe Urſache zu glauben, daß Sie ſich irren,« rief Fairlie.„Eben habe ich von den Dienerinnen im Vor⸗ zimmer erfahren, daß die beiden Damen dort ihre Coſtüme gewechſelt haben.* Als die Venetianerin dies hörte, nahm ſie ihre Maske ab. S »Miß Poynings!« rief Gage,»ich bin heute Abend ein⸗ mal beſtimmt, genarrt zu werden.“ „Aber wo iſt denn nun meine Tochter?« fragte Fairlie. „Sie werden ſie bald herausfinden, wenn Sie ſich die Mühe nehmen wollen, die Tafel hinabzuſchauen,« antwor⸗ tete Gage. „Das iſt nicht Clara,« ſagte Fairlie, indem er in der von Gage angedeuteten Richtung hin ſchaute, und ſetzte dann mit einiger Bedeutſamkeit hinzu:»Das iſt die Dame, mit welcher Sie tanzten und die Sie ſpäter in das Spielzimmer führten.« »Ah ſo! Und der Hidalgo, welcher neben ihr ſitzt, iſt, wie ich vermuthe—* „Doch nicht mein Bruder Arthur, hoffe ich?« rief Luch. „Rein, es iſt Sir Randal de Meſchines, das andere 10 Paar— das heißt meine Tochter und Maſter Arthur Poy⸗ nings— ſind verſchwunden.* „Was ſagen Sie, Fairlie?“ rief Gage und konnte ſich des Lachens nicht enthalten.»Na, beunruhigen Sie ſich des⸗ wegen nicht. Ich glaube, ſie werden bald wieder auftauchen. Setzen Sie ſich mit uns zum Souper.“ „Ich bitte mich zu entſchuldigen, Sir. Ich muß gehen und Clara aufſuchen.“ „Nun, Sie werden doch nicht etwa glauben, Arthur habe ſie entführt!“ rief Monthermer mit erneuertem Geläch⸗ ter;„das wäre in der That ein Spaß.« „Ich weiß nicht, was ich denken ſoll, Sir. Vielleicht kann Miß Poynings einigen Aufſchluß über die Sache geben.“ „Wenn ſie es auch könnte, ſo verlaſſen Sie ſich doch darauf, daß ſie es nicht will und erſparen Sie ſich daher die Mühe, ſie zu fragen,« entgegnete Gage. „Das bemerke ich allerdings, Sir. Geſtatten Sie mir daher, mich zu entfernen und meine Nachforſchungen ander⸗ wärts fortzuſetzen.“ „Wie Sie wollen, Fairlie. Ich rathe Ihnen jedoch, die Sache leicht zu nehmen. Ich habe eben ſo viel Grund als Sie, ärgerlich zu ſeyn und dennoch komme ich nicht aus der Faſſung.“ Und als der Verwalter ſich entfernte, wendete Gage ſich zu Luch und ſagte: „Welchem Umſtande habe ich das Vergnügen Ihrer Ge⸗ ſellſchaft heute Abend zu danken, Miß Poynings? Iſt es bloße Neugier, einen Maskenball zu ſehen?“ „Nicht ganz,«entgegnete ſie.»Ich hatte mehr als einen Grund zu kommen. Alle, ſelbſt Du, werden mich wegen des kühnen Schrittes, den ich gethan, tadeln, wenn ich aber im Stande nicht d aus ih es nich nete A Dich ſigt, ſchr be guüge auf d ßoh⸗ ſich des⸗ chen. ehen hur äch⸗ mir del⸗ die als der hage loße inen — * 11 Stande bin Dir einen Dienſt zu leiſten, ſo frage ich weiter nicht darnach.“ »Mir einen Dienſt zu leiſten— auf welche Weiſe?“ »„Indem ich deine Augen der Gefahr öffne. Gage ſah ſie lächelnd an. „Clara Fairlie hat Dir deine Rolle einſtudirt, wie ich ſehe,« ſagte er,„doch da wir von Clara ſprechen— was iſt aus ihr geworden? Vielleicht ſagſt Du es mir, obſchon Du es nicht ihrem Vater ſagen wollteſt.« „Ich habe Grund zu glauben, daß ſie fort iſt, entgeg⸗ nete Luch mit einigem Zögern. „Fort?« rief Gage, nicht wenig ſtutzend.„Wie ſoll ich Dich verſtehen?6 „Frage mich nicht weiter. Ich habe Dir ſchon mehr ge⸗ ſagt, als ich hätte ſagen ſollen.«, „Wenn es ſo iſt, wie ich vermuthe, ſo wird mich dies ſehr bekümmern,« entgegnete Gage in ernſtem Tone.»Es iſt ein übereilter Schritt uud ſie wird ihn bereuen.« „Sie iſt mit ihrem Vater nicht glücklich.« „Warum nicht! Er liebt ſie ja zärtlich.« „Das mag wohl ſeyn, doch— ich kann mich jetzt nicht er erklären. O, Gage, wie kannſt Du einem Manne wie Fairlie dein Vertrauen ſchenken!“„ „Weil ich ihn immer des Vertrauens würdig gefunden habe. Aber laß uns ein wählen.* Dieſes ganze Schauſpiel hier gibt mir keine amüſanten Gedunken ein, Gage. Im Gegentheil, es drückt mich nieder. Iſt es möglich, daß eine ſolche Luſtbarkeit Dir wirkliches Ver⸗ gnügen kann? Sieh Dich in dem Zimmer um— höre auf die Töne, welche an dein Ohr ſchlagen. Sind dieſe Gäſte des herrlichen Banketts würdig, welches Du um ihretwillen 12 veranſtaltet haſt? Wenige, ja vielleicht keiner unter ihnen, fühlt wirkliche Freundſchaft für Dich, während mehre darunter ſemn g ſind, welche Dich ins Verderben zu ſtürzen ſuchen und dies Bechern auch noch vollführen werden, wenn Du blind gegen ihre Künſte bleibſt.« j üß „Ich bin kein Freund von Moralpredigten, Luch, und war da Du haſt zu der deinen eine ſeltſame Stunde gewählt.“ daß u „Ich habe die einzige Gelegenheit benützt, die ſich mir wahr⸗ und der ſcheinlich darbieten wird, um Dir einen guten Rath zu ertheilen, der, wie ich fühle, Dir ſehr widerlich ſeyn wird, den mir aber hatte, ſ die Freundſchaft nicht zurückzuhalten geſtattete. Ich bin nun Frke, fertig und muß Dich bitten, mich in das Vorzimmer zu füh⸗ prachtv ren, wohin mein Bruder bald nachkommen wird, wenn er Schwe uicht ſchon dort iſt.* L „Nein, ſo kann ich mich nicht von Dir trennen, Luch. genomn Bleibe noch einige Winuten bei mir. Lieber will ich mich von. Begeſſte Dir ausſchelten, als von faſt irgend Jemanden loben laſſen. N Wenn Du den rechten Weg einſchlägſt, ſo kannſt Du vieh⸗ legt ha leicht meine Beſſerung herbeiführen.“ 1 ſene Et Lucy ſchüttelte den Kopf. Verſan »Wie aber muß ich das gute Werk begin wo ein fragte Gage. Perſn »Entſage dieſer Geſellſchaft vollſtändig.“ ſhafen »Das iſt ein ziemlich ſchwieriger Anfang. Was dann? 9 „Du darfſt nicht mehr ſpielen.« dr Fi „Aber wie ſoll ich dann exiſtiren? Ich habe keine on⸗ udg dere Erregung. Wenn ich auch den Verſuch machen llte,„ ſo fürchte ich doch, er würde mir nicht gelingen. Du mußt mir gudn beiſtehen.* »Erſt muß ich einige Symptome von B g ſehen. Ich kann aber dieſe geräuſchvolle Umgebung nicht länger ertra⸗ Fax Lochte „ algen nter dies ihre und 6 an⸗ lte, nir gen. Der Lärm betäubt mich. Ich bitte Dich führe mich zu meinem Bruder.“ Der Champagner und andere Weine, in überfließenden Bechern genoſſen, hatten mittlerweile begonnen ihre Wirkung zu äußern und die Zungen der Geſellſchaft zu entfeſſeln. Groß war das Geſchrei, laut war das Gelächter. Kein Wunder, daß Lucy ſich ſehnte, einem ſolchen Schauplatz des Auftuhrs und der Verwirrung zu entrinnen. In dem Augenblicke aber, wo ſie endlich Gage vermocht hatte, ſie nach dem Vorzimmer zu geleiten, erhob ſich Beau Freke, der einen ottomaniſchen Prinzen vorſtellte und ſehr prachtvoll coſtümirt war, gebot den lärmenden Zechern Schweigen und brachte die Geſundheit ihres Wirthes aus. Wir brauchen nicht erſt zu ſagen, wie dieſer Toaſt auf⸗ genommen, eben ſo wenig, wie daß er mit faſt wahnſinniger Begeiſterung getrunken ward. Nachdem der tumultuariſche Applaus ſich ein wenig ge⸗ legt hatte, ſtand Gage im Begriff ſich für die ihm erwie⸗ ſene Ehre zu bedanken, als die Aufmerkſamkeit der ganzen Verſammlung nach der Thür des Speiſeſaales gelenkt ward, wo ein Kampf zwiſchen den dort poſtirten Lakeien und zwei Perſonen ſtattfand, die ſich durchaus mit Gewalt Einlaß ver⸗ ſchaffen wollten. Nach einer Weile trugen die angeſtrengten Bemühungen der Eindringlinge den Sieg davon und Sir Hugh Poynings und Paſtor Chedworth brachen in den Saal. Unter einer Flut von Flüchen und unzuſammenhän⸗ genden Ausrufungen gab Sir Hugh zu verſtehen, daß er ſeine Tochter ſuche. Sein Erſcheinen ſowohl als das des Caplans erregte allgemeine Heiterkeit und das lautſchallende, ſpöttiſche Geläch⸗ 14 ter, womit beide begrüßt wurden, trug nicht dazu bei, die Ent⸗ N rüſtung des alten Baronets zu beſchwichtigen. eugnſt, Sir Hugh war ohne Rock, Halstuch und Perrücke, er U trug eine übermäßig hohe Nachtmütze auf dem Kopf. Geſicht Maſter Briscon folgte ihm dicht auf dem Fuße und be⸗ ſtreß J mühte ſich vergebens ihn zurückzuhalten. »Wo biſt Du, Luch? Wo biſt Du?“ ſchrie er.»Warum aber kei zeigſt Du Dich nicht, Dirne?« wegen r »Mäßigen Sie ſich, Sir Hugh, ich bitte Sie,« rief der N 3 Gaſtwirth.»Sie werden die Damen zu Tode erſchrecken.« leicht ve .„Gleich ſchafft mir meine Tochter, Briscon, oder beim ters mi Himmel!“ »Da ſitzt ſie, Sir Hugh,s entgegnete der Gaſtwirth, den)« indem er auf die Senora zeigte. mer ge „Was, in dieſem ſchwarzen Spitzenkleide! Wißt Ihr das auch gewiß, Briscon? Macht mir nichts weiß, ſonſt. Mann. haue ich Euch in Kochſtücke zuſammen.« n „Sie können mir unbedingt glauben, gnädiger Herr.« nich d. Hierauf ergriff der alte Baronet die unglückliche Se⸗ Ufil nora bei der Hand und zerrte ſie trotz ihres Geſchreies und 6 Widerſtandes von ihrem Stuhl hinweg. mn, »Das iſt eine niedliche Geſchichte!“ rief er.»Gleich gen komm mit zu deiner Mutter, Luch! Wie konnteſt Du Dich unterſtehen, ohne Erlaubniß dieſen Ball zu beſuchen? Du ſollſt aber dafür Rede ſtehen!« ih »Befreiet mich denn Niemand von dieſem trunkenen alten Narren und wirft ihn zur Thür hinaus!s rief die Se⸗ e nora.»Sie verdienen eine tüchtige Tracht Hiebe für Ihre. M Rohheit, Sir, und ſollten ſie auch bekommen, wenn ich ein 3 zuvor Mann wäre. Ich danke dem Himmel, daß ich nicht Ihre 3 lich N Tochter bin.« d den G um ich ich lſt en 15 „Nun, ſo laß mich dein Geſicht ſehen, da Du mich ver⸗ leugneſt,« entgegnete der alte Baronet. Und während er dies ſagte, riß er ihr die Maske vom Geſicht und erblickte nun die ſchönen Züge der galanten Mi⸗ ſtreß Jenyns. „Huil« rief er.»Das iſt ein ganz allerliebſtes Geſicht, aber keinerdings das meiner Luch. Madame, ich bitte Sie wegen meiner Heftigkeit um Verzeihung.« Mittlerweile hatte die eigentliche Delinquentin, wie man leicht vermuthen wird, dem Thun und Treiben Ihres Va⸗ ters mit nicht geringem Entſetzen zugeſehen. „Wie ſoll ich entrinnen, ohne von ihm bemerkt zu wer⸗ den?« ſagte ſie zu Gage.»O, wenn ich nur auf mein Zim⸗ mer gelangen könntel« „Das will ich möglich machen,« entgegnete der junge Mann.»Komm mit!* Und ſie am Arme faſſend, machte er ſich auf den Weg nach der Thür, während er ſich auf der andern Seite der Tafel hielt. Wahrſcheinlich wären ſie auch unbeachtet davon gekom⸗ men, wenn nicht Miſtreß Jenyns die Aufmerkſamkeit des alten Baronets auf ſie gelenkt hätte. „Da ſchauen Sie,« ſagte ſie boshaft. „Ja wirklich, das iſt ſie!« ſchrie Sir Hugh.»Das iſt meine Luch, das will ich beſchwören. Halt! halt! ſag ich!« Je mehr er aber ſchrie, deſto weniger ſchienen die Flie⸗ henden geneigt, auf ihn zu hören. Ihren Schritt beſchleuni⸗ gend, erreichte ſie ſehr bald die Thür und verſchwand lange zuvor, ehe Sir Hugh ſie erreichen konnte, denn er ſah plötz⸗ lich durch die Diener den Weg verſperrt, während Briscon den Caplan Chedworth zurückhalten half. III. Wie Maſter ECibbits ſich an Arthur Pounings zu rächen ſuchte. Und nun müſſen wir, um die nöthigen Erklärungen zu geben, zu der Stunde des Abends zurückkehren, wo wir Sir Hugh Poynings und ſeinen Caplan verließen, als dieſel⸗ ben von dem für ſie gebrauten ſtarken Punſch vollſtändig über⸗ wältigt auf ihren Stühlen eingeſchlafen waren. Sobald der Gaſtwirth bemerkte, daß ſeine Gäſte ſich in dieſem hilfloſen Zuſtande befanden, während er zugleich überzeugt war, daß die Wirkung dieſes Schlaftrunkes bis zum frühen Morgen dauern würde, ließ er ſie in die Wagen⸗ remiſe transportiren, wo Sir Hugh's Reiſewagen unterge⸗ bracht worden, und der Länge nach auf die Sitze des geräu⸗ migen Fuhrwerkes legen. Dieſer Transport ward ohne die mindeſte Schwierigkeit ausgeführt, denn die beiden Zecher waren viel zu betrunken, um irgend welchen Widerſtand zu leiſten, und nachdem man ihnen Perrücken, Cravaten und Oberkleider abgenommen und ſie mit Nachtmützen, Kopfkiſſen und Decken verſehen, überließ man ſie ihrer Ruhe. Der ſchlaue Gaſtwirth verſchloß hierauf die Thür der Wagenremiſe, ſteckte den Schlüſſel in die Taſche und lachte im ———— Stillen über das Gelingen ſeines Anſchlages. 9 —— 1 De wie wir G gehüllt, barg, ſ hinein. Di welcher, graute, nutze, Er nes wie erfahren griff ſtün und hein Mi daß der ſigte ſi, den Hen Di nun inſ Mi oſtümer dichtn bald all konnun. kirgng igenen in den du Lerſ räu⸗ keit ken, nan und der im — 47 Dennoch aber wurden ſeine Vorſichtsmaßregeln vereitelt, wie wir gleich weiter erzählen werden. Gegen Mitternacht näherte ſich ein Mann in einen Mantel gehüllt, unter welchem er eine angezündete Hornlaterne ver⸗ barg, ſich der Wagenremiſe, ſchloß die Thür auf und ging hinein. Dieſer Mann war Niemand Anderer als Maſter Tibbits, welcher, da er einmal geſchworen, ſich, noch ehe der Morgen 1 graute, an Arthur Pohnings zu rächen, dieſe Gelegenheit be⸗ nutzte, um ſeine Drohung in Ausführung zu bringen. Er hatte einen Theil des Abends in der Geſellſchaft ſei⸗ nes wieder aufgefundenen Weibes zugebracht und von ihr erfahren, daß ihre junge Herrin und Maſter Arthur im Be⸗ griff ſtünden, Sir Hugh's Befehlen ungehorſam zu werden und heimlich den Ball zu beſuchen. . Miſtreß Pinchbeck wünſchte um alles in der Welt nicht, daß der alte Herr etwas davon erführe, denn er würde, ſagte ſie, Maſter Arthur oder ihrer jungen Herrin niemals den Betrug verzeihen, den man ihm geſpielt. Dies war gerade das, was Tibbits wollte. Rache ſtand nun in ſeiner Macht und er frohlockte im Stillen. Mit erheuchelter Gleichgiltigkeit fragte er, in welchen Coſtümen die jungen Leute den Maskenball zu beſuchen ge⸗ dächten und erfuhr von ſeiner redſeligen Ehehälfte ſehr bald alle Einzelnheiten, die ſeinem Vorhaben dienlich ſehn konnten. Später, als der Ball begann, trieb ſich Tibbits an der Eingangshalle und auf den Gängen umher, bis er mit ſeinen eigenen Augen den ſpaniſchen Hidalgo und deſſen Begleiter in den Ballſaal hatte treten ſehen. Der Verſchwender. II. 18 Während er noch einige Minuten verweilte, den bunten Schwarm im Saale betrachtete und ein Vergnügen beneidete, welches er nicht theilen konnte, kamen der zweite Hidalgo und ſeine Begleiter und ſetzten ihn durch ihre genaue Aehnlichkeit mit der erſten Gruppe in nicht geringes Erſtaunen. Wer konnten dieſe Perſonen ſeyn? Fragen konnte nichts helfen. Auch kam ja weiter nichts darauf an. Entweder mußte der erſte oder der zweite Spanier Arthur ſeyn. Beide waren im Ballſaal. Davon war er überzeugt und obſchon einige Verwirrung entſtehen mochte, ſo konnte doch der junge Poynings der Entdeckung nicht entgehen. Deshalb wollte er nun Sir Hugh aufwecken und ihm die angenehme Neuigkeit mittheilen. Ein verſchmitzter Burſche wie Tibbits thut nichts halb. Deshalb können wir faſt überzeugt ſeyn, daß der ſchlaue Kammerdiener ſich mit dem ſeltſamen Quartier, in welchem der alte Baronet ſich befand, bekannt gemacht hatte, und obſchon Maſter Briscon den Schlüſſel zur Remiſe in Sicher— heit gebracht, ſo hatte der gewandte Schurke doch Mittel ge⸗ funden das Schloß zu öffnen. Ein dem Hausknecht in die Hand gedrückter Kronthaler hatte ihm einen andern Schlüſſel ſowohl, als auch eine Laterne zur Verfügung geſtellt. Gerade aber als er ſich auf den Weg machen wollte, ward er unterbrochen. Miſtreß Pinchbeck war während der letzten zwei Stunden beſchäftigt geweſen, ihre junge Dame für den Ball anzukleiden und nun, da ſie frei war, kam ſie, um ihn aufzufordern, daß er mit ihr zu Abend ſpeiſe. Um ihren Verdacht nicht rege zu machen, ſah Tibbits ſich genöthigt ihren Wunſch zu erfüllen und ſetzte ſich, wie⸗ wohl ſehr ungern, mit ihr in ein den Dienern angewieſenes Hinterz lich wie L Niſtre Geſpré Herrin hervor ihren W was ich Pinchbe glücklic gegnet er ein 9— ndeſſe Ven daran ſchn mit da den bunten en beneidete Hidalgo und e Aehnlichkeit en. konnte nichts n. Entweder ſehn. Beide und obſchon h der junge cken und ihm t nichts halb. der ſchlaue in welchem t hatte, und ſſe in Sicher⸗ och Mittel ge er Kronthalet ls auch eine nachen wollte, hrend der Dame wä junge e war, kam ſie, ppeiſe. 4 n ſah ibbit ſetz ieſenes ie ſich wie⸗ 19 Hinterzimmer, indem er ſich vornahm, ſich ſobald als mög⸗ lich wieder loszumachen. Dennoch aber blieb er länger, als er erwartete, denn Miſtreß Pinchbeck erregte ſeine Neugier dadurch, daß ſie ein Geſpräch wieder erzählte, welches ſie zwiſchen ihrer jungen Herrin und Clara Fairlie mit angehört, und aus welchem hervorging, daß Clara Fairlie den Entſchluß gefaßt hatte, ihren Vater noch in dieſer Nacht zu verlaſſen. »Und ich kann ſie wirklich nicht tadeln, wenn Alles, was ich von Maſter Fairlie höre, wahr iſt,« ſetzte Miſtreß Pinchbeck hinzu.»Das arme Mädchen! Sie iſt ſehr un⸗ glücklich.* »Ich ſehe aber dazu keinen erheblichen Grund,« ent⸗ gegnete Tibbits,„und was Maſter Fairlie betrifft, ſo ſcheint er ein ſehr guter Vater zu ſeyn, wie nun Väter einmal ſind. Indeſſen, das iſt Sache der jungen Dame, nicht die meine. Wenn ſie einmal davonlaufen will, ſo werde ich ſie nicht daran hindern. Wahrſcheinlich aber wird ſie nicht geſonnen ſeyn, allein fortzugehen. Ganz gewiß ſteckt hier ein Liebhaber mit dahinter, darauf will ich ſchwören.« »Nein— nein— ſie iſt halb von Sinnen, ſage ich Dir.« »Sie muß es ganz ſehn, wenn ſie ſolche dumme Streiche begeht,« entgegnete Tibbits mit hämiſchem Lächeln.„Ich kann nicht ſagen, daß ich ſie bedaure. Eher dauert mich der alte Fairlie, dem ſo etwas gewiß ſehr unlieb ſehn wird.« „Es wäre ſchade um dein Mitleid, wenn Du es an einen ſolchen Schurken wegwürfeſt. Ich bedaure ihn nicht im mindeſten und würde mich ſogar freuen, ihn in Tyburn hängen zu ſehen.* „Still! nicht ſo laut, liebes Kind!« rief Tibbits, in⸗ dem er ſich erſchrocken umſah.»Es iſt ein Glück, daß Dich 20 Riemand gehört hat. Du darfſt von Maſter Fairlie nicht in ſo unehrerbietigen Ausdrücken ſprechen. Er iſt auch nicht ſchlechter als jeder andere Verwalter, deſſen Herr thöricht genug iſt, ihm zu trauen,* ſetzte er in gedämpftem Tone hinzu. „Das mag wohl ſeyn,« entgegnete Miſtreß Pinchbeck, „aber das iſt immer noch keine Entſchuldigung für ſeine Spitz⸗ büberei. Er thut ja alles Mögliche, um Maſter Monthermer zu ruiniren.* „Ich muß Dich nochmals zur Vorſicht ermahnen. Hier iſt nicht der Ort, wo Privatangelegenheiten beſprochen wer⸗ den können. Zum Glück iſt das ganze Dienſtperſonal gerade jetzt abweſend. Höre mich an, ſetzte er flüſternd hinzu.»Ma⸗ ſter Monthermer iſt dazu geboren, betrogen zu werden— es iſt dies mit manchen Menſchen einmal ſo. Der alte Fairlie wird ohne Zweifel das Meiſte von ihm profitiren, aber es gibt auch Andere, die ich nennen könnte, und welche ebenfalls einen Antheil an der Beute haben werden. Mein eigener Herr, Maſter Freke und Sir Randal werden ein hübſches Sümmchen wegſchnappen— geſchweige denn Miſtreß Jenyns.* „Erwähne mir nicht dieſes entſetzliche Geſchöpf, Tibbits,“ rief Miſtreß Pinchbeck mit dem Ausdruck tugendhafter Ent⸗ rüſtung.»Dieſes Treiben empört mein Innerſtes. Ich wun⸗ dere mich nicht über Miß Fairlie's Entſchluß, zu fliehen. Auch ich würde fliehen, wenn ich mich in ſolchen Verhältniſſen be⸗ wegen müßte. Meine junge Herrin billigt ihren Entſchluß und Maſter Arthur ebenfalls. „O, Maſter Arthur billigt ihn ebenfalls?“ rief Maſter Libbits.„Aha! Nun beginne ich in der Sache klarer zu ſehen. Vielleicht wird er ihr auf ihrer Flucht mit behilflich ſeyn, nicht wahr?* Miſtreß Pinchbeck nickte bejahend. „ gleich, Tübbits habe. nicht et Blick muß m mich en richten und ſa den vi enige Naſtr ſharf bald w — 21 irlie nicht in„Na, nun iſt das Geheimniß heraus. Ich dachte mir ſt auch nicht gleich, daß ein Liebhaber hierbei eine Rolle mitſpiele,« rief Herr thöricht Tibbits.„Wann und wo wollen ſie ſich denn treffen?« nTone hinzl.„Ich weiß weiter nichts, als was ich Dir ſchon geſagt reß Pinchbeck habe.— Aber was ſoll das heißen? Du willſt mich doch ſeine Spit⸗ nicht etwa verlaſſen?« ſagte ſie mit zärtlich vorwurfsvollem Monthermer Blick, als ihr Mann ſich erhob, um fortzugehen. »Ich muß mich losreißen, Liebchen,« entgegnete er.»Ich ahnen. Hier muß meinem Herrn bei dem Souper aufwarten. Sobald er rochen wer⸗ mich entläßt, komme ich wieder.« rſonal gerade„Du weißt, wo Du mich findeſt, Tibbits,« ſagte ſie. hinzu.»Mo⸗ Der Diener antwortete, daß er dies allerdings wiſſe, werden— 6 und eilte fort, weil er fürchtete, noch ferner aufgehalten zu Fairlie wird werden. aber es gibt Als er den Hof erreichte, blieb er ſtehen und nachdem e ebenfals er einen Augenblick lang nachgedacht, beſchloß er vor allen Nein eigenr Dingen Maſter Fairlie aufzuſuchen und ihn von der beab⸗ in hübſh ſichtigten Flucht ſeiner Tochter in Kenntniß zu ſetzen. In dieſer Abſicht lenkte er ſeine Schritte nach dem Ball⸗ ſaale, und nachdem er Maſter Briscon erklärt, daß er an Maſter Fairlie eine wichtige und dringende Botſchaft auszu⸗ treß Jenyns.“ öpf Libbis ndhafter En ch wun richten habe, wies ihn der Gaſtwirth in das Spielzimmer . hen. luh und ſagte, daß er dort den Gegenſtand ſeines Suchens fin⸗ ſlichen.* hälniſſen be⸗ den würde. Zufällig war Maſter Fairlie beſchäftigt und es verging einige Zeit, ehe der Kammerdiener mit ihm ſprechen konnte. Poſtr Durch die Mittheilung nicht wenig überraſcht, nahm Maſter Fairlie den Kammerdiener beiſeite und befragte ihn ſcharf, auf welche Weiſe er zu dieſer Kenntniß gekommen ſeh. Anfangs ſchien der Verwalter ungläubig zu ſeyn, aber bald ward ſeine Unruhe offenkundig. Er verſprach Tibbits Gutſchluß und n ſehen⸗ — arel chiſſich ſehn 22 eine dem ihm geleiſteten Dienſte angemeſſene Belohnung, be⸗ fahl ihm Stillſchweigen und entließ ihn dann. Hierauf begann Fairlie ſeine Nachforſchungen, welche bald zu der Entdeckung führten, daß ſeine Tochter verſchwun⸗ den war. Auf alle Fälle ermittelte er, daß eine ſpaniſche Señora und ein Don kürzlich den Ballſaal ſo eilig verlaſſen hatten, daß dadurch Aufmerkſamkeit erregt worden war. Auf ferneres Nachfragen erfuhr er, daß zwei Damen, die, wie er nicht zweifeln konnte, Clara und Luch geweſen, hinter einem der Schirme im Vorzimmer die Kleider gewech⸗ ſelt hatten. Was ihm dann in dem Speiſeſaale begegnete, haben wir bereits geſehen und verlaſſen ihn vor der Hand, um Maſter Tibbits zu folgen. Nachdem es dieſem gelungen, Maſter Fairlie zu alarmi⸗ ren, begab er ſich nach der Wagenremiſe um mit Sir Hugh einen gleichen Verſuch zu machen. Als er die Thür des Wagens öffnete, fand er die beiden Herren behaglich in ihre Decken gewickelt und um die Wette ſchnarchend. Er hielt dem alten Baronet die Laterne dicht vor das Geſicht und ſchüttelte ihn ſo tüchtig, daß er ihn bald erweckte. Durch das Licht erſchreckt und nicht begreifend wo er war, ſchrie Sir Hugh:»Diebe! Diebe!« und indem er ſich gleichzeitig bemühte, von dem Sitz herabzuſpringen, wobei er ſich aber in die Decke verwickelte, fiel er auf den noch ſchla⸗ fenden Caplan, deſſen Geſchrei ſich ſofort zu dem ſeinen geſellte. Durch die auf ihm laſtende Bürde halb erſtickt und in der Meinung, man wolle ihn ermorden, faßte der Caplan Sir Hugh bei den Ohren und ſchlug weidlich auf ihn los. Der alte Baronet antwortete auf dieſelbe Weiſe und der Kampf hätte einige Zeit dauern können, wenn Tibbits ſich nicht heranhie des ande 6 Caplans rend Si In eine and Sohn un ſend ſce De wegte V aus den juziehen wr auß Zu Ott, wo und tro dem Ob 5 einem Höhlich J wriſchen tinen g N Rgnete lohnung be ngen, welhe r verſchwun⸗ ine ſpaniſche lig verlaſſen en war. wei Damen uch geweſen ider gewech⸗ e begegnete, r der Hond e zu glarmi⸗ Sir Hugh r die beiden n die Wetie ht vor das ald erweckte. fend wo er ndem er ſich gen, wobei noch ſchla⸗ inen geſellte ückt und in der Caplan ihn los⸗ Peiſe und enn xibbits 23 ſich nicht eingemiſcht und dadurch, daß er die Laterne dicht heranhielt, die Kämpfenden in den Stand geſetzt hätte, einer des andern Züge zu unterſcheiden. Groß war die Ueberraſchung und das Entſetzen des Caplans, als er ſah, auf wen er ſo losgepaukt hatte, wäh⸗ rend Sir Hugh nicht weniger erſtaunt war. Indeſſen, der Zorn des alten Baronets nahm ſofort eine andere Richtung, als er von Tibbits erfuhr, daß ſein Sohn und ſeine Tochter wirklich auf dem Maskenballe anwe⸗ ſend ſeyen. Der Caplan bemühte ſich, Oel auf das ſtürmiſch be⸗ wegte Waſſer zu gießen, aber vergebens. Sir Hugh kletterte aus dem Wagen heraus und ging ohne erſt ſeinen Rock an⸗ zuziehen oder ſeine Nachtmütze abzunehmen, einen ſeiner Die⸗ ner außuſuchen. Zu dieſem Zwecke begab er ſich in die Küche, als den Ort, wo er am wahnrſcheinlichſten von ihnen hören würde, und traf hier ſeinen Kutſcher, welcher mit Tom Maddocks, dem Oberhausknecht, und ein paar Grooms Karten ſpielte. Beccles machte große Augen, als er ſeinen Herrn in einem ſo ſeltſamen Aufzuge erblickte und glaubte, er müſſe plötzlich den Verſtand verloren haben. In dieſer Meinung ward er noch beſtärkt, als er perem⸗ toriſchen Befehl erhielt, den Wagen herauszuziehen und ohne einen Augenblick Verzug die Pferde anzuſpannen. „Was! jetzt, mitten in der Nacht, Sir Hugh?“ ent⸗ gegnete er. „Thut, was ich Euch ſage, Beccles,« entgegnete Sir Hugh in befehlendem Tone.»In einer halben Stunde ſeyd Ihr zum Aufbruch fertig, oder Ihr verliert euern Dienſt.“ * 24 »Wohlan, ich werde mein Beſtes thun,« entgegnete der Kutſcher, indem er mürriſch aufſtand. Und von Tom Maddocks und den Grooms begleitet, begab er ſich in den Stall. W Unter welchen Umſtänden Sir hugh Pounings Reiſe⸗ wagen abfuhr. Kurz nachher ereignete ſich ein anderer außerordentlicher Vorfall, welcher Beccles auf den Gedanken brachte, daß ſein alter Herr nicht das einzige Mitglied der Familie ſey, mit welchem es, wie man zu ſagen pflegt, ein wenig rapple. Kaum hatte der Kutſcher mit Hilfe ſeiner Freunde den Wagen aus der Remiſe geſchoben und die Decken und andere von den Schläfern darin zurückgelaſſene Sachen herausge⸗ räumt, als ein langer Spanier mit einer Dame von ſtattli⸗ chem Anſehen, aber— wie es Beccles vorkam— ziemlich ſonderbar gekleidet, während ihre Züge durch eine Maske verdeckt wurden, raſch auf ihn zukam und ihm befahl, ohne einen Augenblick Verzug die Thür des Wagens zu öffnen. Nicht wenig erſtaunt, aber Arthurs Stimme erkennend, obſchon der Maskenanzug des jungen Mannes ihn anfänglich verblüfft, gehorchte Beccles, und die Dame ſprang ſofort in den Wagen, und zog ſich in die fernſte Ecke zurück, wie als ob ſie ſich verſtecken wollte. Arthur neigte ſich einen Augenblick lang zu ihr, ſprach leiſe einige Worte mit ihr, machte dann die Thür zu, führte Beceles ſo weit, daß der Hausknecht und die Grooms nichts hören konn zu halten Weiſe belä »Ich ich ſtelle ſi auf Euch v nach ihr ge Vagen ſche dafür, daß hinzu inde ſpannen,« »Ve Aufbruch ehet in den »Jo, wenn erm hindern) „Ih itgend ein „Liel Feuer und digen Er Vr ſuhen, d mnſündig „Gu es mir ſ ehn.⸗ Reiſe⸗ ntlicher aß ſein h, mit e. de den andere ausge⸗ ſtattli⸗ iemlich Maske ohne n. nnend, inglich fort in ie als ſprach führte nichts 25 hören konnten, und befahl ihm, bei der jungen Dame Wache zu halten und darauf zu ſehen, daß ſie nicht auf irgend eine Weiſe beläſtigt werde. „Ich habe ihr meinen Schutz verſprochen, Beccles, und ich ſtelle ſie unter Eure Obhut, weil ich weiß, daß ich mich auf Euch verlaſſen kann. Es iſt möglich, daß Nachſuchung nach ihr gehalten wird, aber laßt keinen Menſchen in den Wagen ſehen, am allerwenigſten Maſter Fairlie. Sorgt auch dafür, daß dieſe Kerle da die Mäuler halten,« ſetzte er hinzu, indem er auf Tom Maddocks und die Grooms deutete. „Sir Hugh hat mir befohlen, die Pferde ſofort anzu⸗ ſpannen,« bemerkte Beccles.„Soll ich das thun?« „Verſteht ſich. Macht Euch ſo ſchnell als möglich zum Aufbruch fertig, laßt aber Sir Hugh unter keiner Bedingung eher in den Wagen ſteigen, als bis Ihr mich ſehet.« „Ja, Maſter Arthur, das iſt ſehr bald geſagt. Aber wenn er nun durchaus hinein will, wie ſoll ich ihn dann hindern?* „Ihr werdet ſchon ein Mittel ausfindig machen, braucht irgend eine Entſchuldigung, um Zeit zu gewinnen.« „Lieber Maſter Arthur, Ihnen zu Liebe ginge ich durch Feuer und Waſſer, aber Sir Hugh darf ich doch nicht belei⸗ digen. Er könnte mich ja gleich aus dem Dienſte jagen.« „Macht Euch keine Sorgen, Beccles. Ich werde dafür ſorgen, daß Euch nichts geſchehe und Euch noch obendrein anſtändig belohnen. Befolgt meinen Befehl.« „Gut, gut, Maſter Arthur, es ſoll geſchehen, obſchon es mir ſehr ſauer ankommt, Sir Hugh ungehorſam zu eyn. „Ich werde Alles verantworten, ſage ich Euch,« ent⸗ gegnete Arthur, indem er raſch davonging.»Ich will ver⸗ 26 dammt ſeyn, wenn ich begreife, was er eigentlich will!« dachte Beccles.»Mit dem Sohn ſcheint es eben ſo wie mit dem Vater im Oberſtübchen nicht ganz richtig zu ſeyn. Na, jedenfalls muß ich's mit dem jungen Herrn halten.« So bei ſich denkend kehrte er zu dem Hausknecht und den Grooms zurück und bat ſie, ſeiner Inſtruction gemäß, in Bezug auf die im Wagen ſitzende Dame die ſtrengſte Verſchwie⸗ genheit zu beobachten. Während die Pferde angeſpannt wurden, überlegte er bei ſich ſelbſt, was unter den obwaltenden Umſtänden zu thun das Beſte ſey, und das Ergebniß ſeines Nachdenkens war, daß er Tom Maddocks befahl, auf den Bock zu ſteigen und ſich bereit zu halten, fortzufahren, ſobald er, Beccles, ihm einen Wink geben würde. Eben war Maddocks aufgeſtiegen und hatte die Peitſche in die Hand genommen, als Maſter Fairlie, von Bellairs, Chaſſemouche und einem Fackelträger begleitet, plötzlich in den Hof hereingeeilt kam. Der ungewohnte Anblick eines angeſpannten Reiſewa⸗ gens zu einer ſolchen Stunde erregte. natürlich die Aufmerkſam⸗ keit des Verwalters, und ſich an Beccles wendend, fragte er, was dieſe plötzliche Abreiſe ſeines Herrn zu bedeuten habe. Da er auf dieſe Frage keine genügende Antwort er⸗ hielt, ſo befahl er dem Kutſcher, die Wagenthür zu öffnen. »Wozu, Sir?« fragte Beccles mürriſch. „Weil ich vermuthe, daß Jemand darin verſteckt iſt. Das iſt genug für Euch.« »Nein, das iſt es nicht. Ich bin überzeugt, Sir Hugh würde Ihnen nimmermehr erlauben, einen Fuß in ſeinen Wa⸗ gen zu ſetzen, und ſo lange ich eine Hand rühren kann, es zu verhindern, ſollen Sie es auch nicht.« 4 ſchen ihr Er geriſſen, geeilt. 6 Beecles. docks, un „4 nouche. Ur welcher dem Fre Di verloſch, „ nicht we überzug 6uh, gegen m daß ich mermeh nun hal J das Fr habige nng 9 V Hutez ich will!“ ſo wie mit ſehn. Na, knecht und gemäß in Ve rſchwie⸗ erlegte er nzu thun ens war, teigen und cles, ihn je Peitſche Bellairs, ich in den Reiſewa⸗ fmerkſam⸗ fragte er, ten habe⸗ wort er⸗ u öffnen. Sir Hugh einen Wa⸗ nn, es zu 27 „Ah, ma foi, da ſehn eine Dame in das Wagen, ich ſehen ihr ganz deutlich!s rief Chaſſemouche. Er hatte dem Fackelträger die Fackel aus der Hand geriſſen, und war damit an die andere Seite des Wagens geeilt. „Es iſt weiter Niemand als Miſtreß Pinchbeck,« ſchrie Beccles.„Ich will ſie aber nicht ſtören laſſen.« „Packt Euch eurer Wege, Ihr Naſeweis,« rief Mad⸗ docks, und hieb mit ſeiner Peitſche nach dem Franzoſen. „Ah sacre bleu! Ihr wollen mich ſchlagen! rief Chaſſe⸗ mouche. Und er ſchleuderte ſeine Fackel nach dem Hausknecht, welcher dem gefährlichen Wurfgeſchoß glücklich auswich und dem Franzoſen dafür einen zweiten Peitſchenhieb verſetzte. Die Fackel fiel in einen kleinen Waſſertümpel und verloſch, ſo daß Alles wieder in Dunkelheit war wie zuvor. „Wartet, Burſche!“ rief Fairlie,»ich werde mich nicht weiter von Euch zum Narren halten laſſen. Ich bin überzeugt, daß meine Tochter in dem Wagen iſt. Ich rathe Euch, Raiſon anzunehmen. Ich habe die Mittel, Gehorſam gegen meine Befehle zu erzwingen, und verlaßt Euch darauf, daß ich davon Gebrauch machen werde.* „Nochmals ſage ich, Maſter Fairlie, Sie ſollen nim⸗ mermehr einen Fuß in den Wagen meines Herrn ſetzen, und nun haben Sie Ihre Antwort, Sir.« In dieſem Augenblick ward eine kleine Diverſion durch das Erſcheinen zweier anderer Perſonen auf der Bühne herbeigeführt, von welcher die vorderſte Sir Hugh Poy⸗ nings war. Der alte Baronet trat plötzlich aus der Seitenthür des Hotels, und dicht hinter ihm folgte ſein Caplan. ———— 28 »Was ſoll das heißen!* rief Sir Hugh.»Will man viel⸗ leicht meinen Wagen mit Sturm nehmen?« »Es wird dieſem ungeziemenden Wortwechſel vielleicht ein Ende machen, Sir Hugh,« ſagte Maſter Fairlie,„wenn ich Ihnen ſage, daß ich meine Tochter ſuche.« »Gerade in demſelben Falle befinde ich mich auch, Sir, ich ſuche die meine. Ich ſah ſie ſo eben mit dem jungen Sauſe⸗ wind Gage Monthermer den Ball verlaſſen, und habe jede Spur von ihr verloren.« »Ich werde gern bereit ſeyn, Ihre Nachforſchungen zu unterſtützen, Sir Hugh, wenn Sie mir erſt den Anblick der Dame geſtatten wollen, welche in Ihrem Wagen ſitzt.« »Ich wußte nicht, daß eine Dame darin ſitzt« entgeg⸗ nete der alte Baronet.»Wer iſt es, Beccles?« »Ich habe Maſter Fairlie ſchon geſagt, daß es Miſtreß Pinchbeck iſt, aber er will mir nicht glauben und will hin⸗ ein und ſich ſelbſt überzeugen. Ich weiß aber, daß Sie dies nicht erlauben werden, gnädiger Herr.« »Ich weiß wirklich nicht, was ich ſagen ſoll,« entgeg⸗ nete Sir Hugh.»Wenn es Miſtreß Pinchbeck iſt, ſo kann ſie ja ausſteigen.« »Ei, ei, gnädiger Herr!« rief Beccles, vich hätte nicht gedacht, daß Sie ſich von einem Mann wie Maſter Fairlie in's Bockshorn jagen ließen. »In's Bockshorn jagen? Du alberner Kerl! Wiſſe, daß ein Poynings ſich niemals in's Bockshorn jagen läßt.« »So habe ich Sie allerdings immer ſagen hören, Sir Hugh, aber dies da ſieht ganz verdammt ſo aus.« »In der That, Sir Hugh, die Unverſchämtheit dieſes Menſchen iſt unerträglich, und ich wundere mich, daß Sie ſo etwas dulden,« bemerkte Maſter Fairlie in ſchmeichelndem Tone.»6 gewiß we entſchuldi Ihre eig darin ſitz kommen von Ihre gegnete de Und ſich entſch hartnäck M Du unter »S Her, da Diener, e kriegen ſechten« „D ſchwaßzen Fairie ſheinich nacht nu ibenugt nit, ihn Burſhen. »Ich ſra man viel⸗ l vielleicht e,„wenn uch, Sir, n Sauſe⸗ abe jede ungen zu nblick der «entgeg⸗ MWiſtreß will hin⸗ Sie dies entgeg⸗ kann ſie ätte nicht irlie ins Viſſe, läßt.“ en, Sit t dieſes ß Sie ſo helndem 29 Tone.„Es thut mir leid, Sie zu incommodiren, aber ganz gewiß werden Sie mich unter den obwaltenden Umſtänden entſchuldigen. Wenn Sie in den Wagen ſteigen, und mir auf Ihre eigene Wahrnehmung hin verſichern wollen, daß die darin ſitzende Perſon nicht meine Tochter iſt, ſo bin ich voll⸗ kommen zufriedengeſtellt. Ich ſollte meinen, ſo viel könnte ich von Ihrer Gefälligkeit erwarten.« »Ja dagegen habe ich nichts einzuwenden, Sir,« ent⸗ gegnete der alte Baronet. Und er näherte ſich dem Wagen, Beccles aber pflanzte ſich entſchloſſen vor die Thür. „Sie werden es nicht thun, gnädiger Herr,« ſagte er hartnäckig. „Was ſoll ich nicht thun, Schurke! Donnerwetter Du unterſtehſt Dir wohl gar, Dich mir zu widerſetzen? »Sie ſollen ſich nicht dadurch erniedrigen, gnädiger Herr, daß Sie Maſter Fairlie gehorchen. Ich bin ein zu treuer Diener, als daß ich meinen Herrn auf dieſe Weiſe herum⸗ kriegen ließe. Laſſen Sie mich und ihn die Sache aus⸗ fechten.* „Du mußt betrunken ſeyn, Burſche, daß Du ſo etwas ſchwatzen kannſt!« ſchrie der alte Baronet. „Ich bitte um Verzeihung, Sir Hugh,« unterbrach ihn Fairlie.„Der Menſch iſt ganz nüchtern, hat ſich aber wahr⸗ ſcheinlich vorgenommen, mir einen Poſſen zu ſpielen, und macht nun von dieſem hinterliſtigen Mittel Gebrauch. Ich bin überzeugt, daß mein Argwohn gegründet iſt. Erlauben Sie mir, ihn ordentlich vorzunehmen. Wollt Ihr verſtändig ſehn, Burſche? fragte er Beccles in ſtrengem, aufgebrachtem Tone. „Ich frage Euch zum letzten Mal.« „Meine Antwort iſt dieſelbe wie vorhin,« entgeg⸗ 30 nete der Kutſcher.„Na,« ſchrie er Maddocks zu,„fahr fort!* Die Peitſche knallte, und einen Augenblick ſpäter war das ſchwerfällige Fuhrwerk in Bewegung. Als Maſter Fairlie es ſich fortbewegen ſah, ſtieß er einen Ruf der Wuth aus, und hatte große Luſt ſeinen kecken Gegner zu Boden zu ſchlagen, doch hielt ihn vielleicht einige Furcht vor den Folgen davon zurück. Was Sir Hugh betraf, ſo konnte er trotz ſeines Aergers nicht umhin, über dieſe unerwartete Beendigung des Streites zu lachen. Niemand bezweifelte, daß der Wagen ſehr bald werde aufgehalten werden, und die Meiſten der Verſammelten folgten ihm, als er aus dem Hofe des Gaſthauſes hinaus⸗ raſſelte. Mittlerweile hatte ein großer Theil der Geſellſchaft, die, wie wir erwähnt, ſich vor dem„Engel« verſammelt, ſich zer⸗ ſtreut. Immer aber war noch eine bedeutende Anzahl in der Nähe der Thür des Hotels, während zahlreiche Wagen auf der entgegengeſetzten Seite des Platzes aufgefahren ſtanden. Außer dieſen gab es noch Sänften in Menge, und um die letztern herum eine Menge Gruppen von Lakeien, Trä⸗ gern und Fackeljungen, welche rauchten, tranken, und ſich auf andere Weiſe amüſirten.. Als Sir Hughs ungeheurer Reiſewagen auf den Platz herausgeraſſelt kam, ſetzte er alle Zuſchauer in nicht geringes Erſtaunen. Niemand konnte ſich denken, was ihn zu dieſer Stunde der Nacht herausgeführt habe. Das Geſchrei Maſter Fairlie's und der Andern„Halt! haltl« ward von hundert Stimmen wiederholt, und ſelbſt, wenn Maddocks die Abſicht gehabt hälte, noc Portal de Ger Dutzend S die Stuf des Page und befahl rend Maſt Vagen zu ſollte, ſah Hotel here kirt und i Hin atlaſſenes In Geger ſo daß ſei erkennen! Er! worfen. die Stuf zunächſtſt ter ſaßen Wir ſch Ale aber auch j zeigen ſch ſine Er hinduch ſchri wil e 1,»fahr päter war er einen nGegner e Furcht Aergers Streites ld werde ammelten s hinaus⸗ aft, die, ſich zer⸗ l in der gen auf nden. und um n, Trä⸗ und ſich en Platz geringes Stunde — ʒairli Stimmen gehabt 31 hätte, noch weiter zu fahren, ſo hätte er doch nicht über das Portal des Hotels hinauskommen können. Gerade als er die Pfepde anhielt, kam ein halbes Dutzend Lakeien in der prächtigen Livrée der Monthermers die Stufen herabgeeilt und poſtirte ſich zu beiden Seiten des Wagens. Maſter Briscon folgte ihnen faſt unmittelbar und befahl Maddocks von dem Bocke herunterzuſteigen. Wäh⸗ rend Maſter Fairlie mit der Menge kämpfte, um an den Wagen zu gelangen, und neugierig war, was hier geſchehen ſollte, ſah er zu ſeinem unendlichen Erſtaunen Gage aus dem Hotel herauskommen, mit einer Dame am Arme, die mas⸗ kirt und in einen ſchwarzen Domino gehüllt war. Hinter ihnen kam ein netter kleiner Page, deſſen weiß⸗ atlaſſenes Coſtüm zum Theil durch einen Mantel bedeckt ward. Im Gegenſatz zu dieſen Beiden trug Monthermer keine Larve, ſo daß ſeine Züge bei dem Fackellicht vollkommen deutlich zu erkennen waren. Er hatte einen weiten Ueberrock über die Schultern ge⸗ worfen. Während Gage mit ſeiner ſchönen Begleiterin ſchnell die Stufen herabkam, ward die Wagenthür durch den ihr zunächſtſtehenden Lakeien geöffnet und einen Augenblick ſpä⸗ ter ſaßen die Dame und der Page im Wagen, während die Thür ſich hinter ihnen ſchloß. Alles dies war das Werk weniger Secunden— ſo kurz aber auch dieſer Zeitraum war, ſo genügte er doch, Fairlie zu zeigen, daß noch eine zweite Dame— höchſt wahrſchein⸗ lich ſeine Tochter— ſich in dem Wagen befand. Er verdoppelte ſeine Bemühungen, ſich durch die Menge hindurchzudrängen, aber vergebens. Als letztes Hilfsmittel ſchrie er Gage zu, dieſer aber nahm keine Notiz von ihm, weil er anderweit beſchäftigt war. 32 Mit außerordentlicher Behendigkeit zu dem von Mad⸗ dock ſo eben geräumten Sitz hinaufkletternd, raffte Gage die Zügel auf und hieb mit der Peitſche ſo nachdrücklich auf die Pferde ein, daß dieſe ſofort ſich in Galopp ſetzten. Nun ward von den Zuſchauern, die ſich an dem ganzen Vorgange nicht wenig ergötzten, ſofort Platz für den Wagen gemacht, der unter allgemeinem Gelächter und Beifallsge⸗ ſchrei ſehr bald verſchwand. Sir Hugh kam gerade in dem Augenblick hinzu, als der Wagen abfuhr, und lachte eben ſo herzlich als die Ande⸗ ren, als Fairlie ihn bewog, einen anderen Ton anzu⸗ ſchlagen. »Wiſſen Sie denn, daß Ihre Tochter fort iſt, Sir Hugh? fragte Fairlie.„Sie ſitzt in dem Wagen— und die meine ebenfalls.« »Meine Tochter! Was! Hat er gewagt, ſie zu entfüh⸗ ren! Donnerwetter! dann muß ich ſofort Jagd auf ſie ma⸗ chen. Einen Wagen, einen Wageén!« Obſchon aber eine Menge Fuhrwerke zur Hand waren, ſo rührte ſich doch Niemand auf dieſen Ruf. »Es iſt meine Schuld, daß dies geſchehen iſt, Vater,« rief Arthur herbeieilend.„Ich werde aber Alles wieder gut machen. Sobald als mein Pferd geſattelt iſt, reite ich ihnen nach. »Sie ſollen nicht allein reiten,« ſagte Maſter Fairlie. „Auf der Stelle ein Pferd, Briscon!« »Und für mich auch eins,« ſchrie Sir Hugh.»Wir wollen uns Alle zur Verfolgung aufmachen. Aber zum Teufel, ich muß meinen Rock anziehen und mich ein wenig für die Jagd in Ordnung bringen. Wenn Gage jenen hölliſchen Berg „ ohne Hem ſollte, ſo aus mein Drei Eine benden He Int dern und langſamer mochten.« glückichen Zitraum f Drei echörter Erſchopfu Dieſe von Wül ſunnten P gen Taume Einſchrint Jede gung geb irgend ir Ausſh ſ weif Vorf Verſchwen L R Du Lerſhn von Mad⸗ e Gage die ich auf die em ganen en Wagen inzu, als die Ande⸗ on anzu⸗ iſt, Sir uentfüh⸗ ſie ma⸗ d waren, Vater,“ eder gut reite ich Fairli⸗ ohne Hemmſchuh hinunterfahren und dabei den Hals brechen ſollte, ſo wäre ihm das ganz recht— aber was würde dann aus meiner armen Luch werden?« Die Ehrenſchuld und wie ſie bezahlt ward. Drei Monate ſind vergangen. Eine lange Zeit in dem Leben unſeres ſo geſchwind le⸗ benden Helden. In drei Monaten konnte er eben ſo viel Geld verſchleu⸗ dern und eben ſo viele Thorheiten begehen, als andere und langſamere Menſchen in eben ſo vielen Jahren zu leiſten ver⸗ mochten. In drei Monaten haben manche Menſchen durch einen glücklichen Schlag ein Vermögen erworben und in demſelben Zeitraum fand es Gage eben ſo leicht, eines zu verthun. Drei Monate ſind alſo vergangen— drei Monate un⸗ erhörter Ausſchweifung, Verſchwendung, Schwelgerei und Erſchöpfung. Dieſe drei Monate ſind in London in der Geſellſchaft von Wüſtlingen, Spielern und anderen Prieſtern des ſoge⸗ nannten Vergnügens verlebt worden. Sie ſind in einem ewi⸗ gen Taumel von Zerſtreuung vergangen. Keine Pauſe, kein⸗ Einſchränkung, immer vorwärts mit derſelben raſenden Eile. Jeder Tag hat ein neues Amuſement, eine neue Auf⸗ regung gebracht. Jeder Tag iſt durch eine Thorheit, durch irgend einen wahnſinnigen Streich, durch eine ungezügelte Ausſchweifung oder durch einen kaum denkbaren Beweis von Verſchwendung bezeichnet worden. Der Verſchwender. II. — 34 Jede Racht iſt in erniedrigenden Orgien vergangen, in Spielhöllen oder auf den Gaſſen in Kämpfen mit der Wache. Der Becher der Freude iſt bis auf die Hefen geleert worden. Der vermeinte unerſchöpfliche Beutel des Fortuna⸗ tus iſt faſt leer. Die Laufbahn iſt beinahe beendet. Auf den erſten Anblick ſcheint es kaum glaublich, daß ein Menſch, der nicht von Sinnen iſt, ſich der übertriebenen Thorheiten und laſterhaften Exceſſe ſchuldig machen ſollte, welche wir unſerem Helden beigemeſſen haben, um ſo mehr, da wir ſtets dabei erwähnt haben, daß es ihm durchaus nicht an guten Eigenſchaften fehlte. Das Gute in ihm ward aber jetzt vom Böſen bemeiſtert. Verſuchungen aller Arten nachgebend, war er gefallen. Sein Reichthum, welcher richtiger angewendet ihm eine ſtolze Stel⸗ lung verliehen und ihn in den Stand geſetzt hätte, tauſend wohlthätige und würdige Thaten auszuführen, war anſtatt eines Segens ein Fluch geworden. Er diente nur dazu, ſei⸗ nen Körper zu entnerven und ſeinen Geiſt zu zerrütten, indem er ihn zu einer Zielſcheibe für den Schmarotzer und Gauner und deren Harpyengefolge machte. Träg, üppig und verſchwenderiſch begnügte er ſich an⸗ fangs damit, Vergnügungen zu erkaufen, als aber dieſe in Folge öfterer Wiederholung und allzu zügelloſen Genuſſes ihn nicht mehr reizten, ſuchte er Aufregung im Spiel, und was an⸗ fangs bloße Zerſtreuung geweſen war, ward am Ende eine alles Andere abſorbirende Leidenſchaft. Ohne Karten und Würfel konnte er nicht exiſtiren und obſchon ſeine ungeheuren Verluſte am Spieltiſche als Hemm⸗ niß hätten wirken ſollen, ſo reizten ſie ihn doch vielmehr an, immer weiter zu ſpielen. Er war nicht ohne Augenblicke der Ueberlegung, ja ſo⸗ gar der Re als ſie auf In und wenn Exceſſe. Auf deres zu S jes, welch Tages gehe war ſeit la Streiche er Berühmth Obſ bhezeit wa Ehrenſchult riger ehren wurden, d Gläutige Für deren Verſ derben beic vorher, dem er nic ſilben Umf deutlich me tunige G ſchſt zu v Cr dſt, bloz merkſante gangen, in der Vache. fen geleert s Fortuna⸗ blich, daß ertriebenen hen ſollte, nſo mehr, durchaus bemeiſtert. len. Sein ſtolhe Stel⸗ e, tauſend ar anſtatt dazu, ſei⸗ en, indem d Gauner r ſich an⸗ ſe in Folge ihn nicht was an⸗ Ende eine ſtiren und s Hemm lmehr an ja ſo⸗ 19 gar der Reue, aber er verbannte dieſe Gefühle eben ſo raſch, als ſie aufſtiegen. In der letzten Zeit hatte er angefangen ſtark zu trinken, und wenn er vom Wein erhitzt war, beging er wahnſinnige Exceſſe. Auf dieſe Weiſe erreichte er, wenn er auch nichts An⸗ deres zu Stande brachte, doch das Hauptziel ſeines Ehrgei⸗ zes, welches darin beſtand, für den größten Wüſtling des Tages gehalten zu werden. Seine grenzenloſe Verſchwendung war ſeit langer Zeit Stadtgeſpräch und ſeine abenteuerlichen Streiche erwarben ihm eine durchaus nicht beneidenswerthe Berühmtheit. Obſchon aber ſein baldiger Sturz von allen Seiten pro⸗ phezeit ward, ſo behauptete er doch ſeine Stellung, denn ſeine Ehrenſchulden wurden ſtets richtig abgetragen. Ob ſeine we⸗ niger ehrenvollen Schulden mit gleicher Pünctlichkeit bezahlt wurden, darnach fragte Niemand— ausgenommen ſeine Gläubiger. Für die ſchöne Sirene, deren Reize ihn gefeſſelt und deren Verſchwendung in nicht geringem Grade zu ſeinem Ver⸗ derben beigetragen, war Gage immer noch ſo verblendet wie vorher, ja vielleicht in noch weit höherem Grade, denn ſeit⸗ dem er nicht im Stande geweſen war, ihre Launen in dem⸗ ſelben Umfange zu befriedigen wie früher, ließ ſie es ſich ſehr deutlich merken, daß ihr wenig an ihm lag, und dieſe offen⸗ kundige Gleichgiltigkeit ſteigerte, weit entfernt, ſeine Leiden⸗ ſchaft zu vermindern, dieſelbe faſt bis zum Wahnſinn. Er ward furchtbar eiferſüchtig auf ſie, und da ſie ſehr oft, blos um des Vergnügens willen ihn zu quälen, die Auf⸗ merkſamkeiten irgend eines anmaßenden Laffen ermuthigte, * ———————— —— 36 ſo war mehr als ein Duell die Folge ihrer herzloſen Hand⸗ lungsweiſe. Miſtreß Jenyns achtete weiter nicht darauf, daß ihr Anbeter auf dieſe Weiſe um ihretwillen ſein Leben aufs Spiel ſetzte. Sie lachte, wenn er ihr von den feindlichen Begeg⸗ nungen erzählte, an welchen er betheiligt geweſen, und ver⸗ ſicherte, daß ihre Berühmtheit dadurch nur erhöht werde. Gage machte nun— aber zu ſpät, um davon Nutzen zu haben— die Entdeckung, daß die ſchöne Schauſpielerin gänzlich ohne Herz war. Sie liebte ihn nicht blos jetzt nicht, ſondern hatte ihn überhaupt niemals geliebt. Dies begriff er, aber dennoch blieb ſeine wahnſinnige Leidenſchaft unheilbar. Die Circe hatte ihn vollſtändig bezaubert. Einmal und nur einmal, ſeitdem er ſich hatte feſſeln laſſen, hatte ſich ihm eine Gelegenheit dargeboten, dieſe Feſſeln zu ſprengen. Es war dies unmittelbar nach dem merkwürdigen Mas⸗ kenball in Burh St. Edmunds, wo er auf einige Tage ſeine Freiheit wiedergewann und, beſſeren Einflüſſen nachgebend, ihre gefährliche Geſellſchaft mied. Ehe aber eine Woche verging, lag er wieder zu ihren Füßen und obſchon die ſchöne Siegerin geneigt war, zu ver⸗ zeihen, ſo trug ſie doch Sorge, daß ihre Gnade nicht ſo leicht erlangt ward und forderte Bürgſchaft für künftigen Gehorſam. Es iſt möglich, daß es Gage damals hätte gelingen können, ſich gänzlich von, ihr loszureißen, wenn ſie nicht einen geheimen und mächtigen Bundesgenoſſen an Fairlie ge⸗ habt hätte. Hauptſächlich durch ſeine Vermittlung kam die unheil⸗ volle Wiederausſöhnung zu Stande. Vonr Pis welche ſein allerdings ohne hundi gende Bir ſchon bi ſit Ende gebrar Die brauchte ble tete auf den wie ein geſ ſelbſt vor L Die E ungekehrte der Unterge verpfändet Caſtle, obſc geltend gen lleber volls Mobi agen, ſen ihn inſt ge von den ha werden ſob Denn beuchre de welhe ſein enjger de ſen Hand⸗ f, daß ihr aufs Epiel en Begeg⸗ und ver⸗ werde. on Nutzen uſpielerin ett nicht, begriff er, unheilbar. tte feſſen ſe Feſſeln en Mas⸗ age ſeine chgebend, zu ihren „zu ver⸗ nicht ſo künftigen gelingen ſie nicht e unhil⸗ 37 Von nun an aber behauptete die Sirene ihre Herrſchaft. Bis jetzt hatte Maſter Fairlie allen Geldforderungen, welche ſein leichtſinniger Dienſtherr an ihn ſtellte, entſprochen, allerdings nicht ohne erheuchelte Vorſtellungen und auch nicht ohne hundertprocentige Zinſen für die Darlehen und genü⸗ gende Bürgſchaft für die Wiederbezahlung, aber er hatte ſchon bei ſich zu überlegen begonnen, wie bald die Sache zu Ende gebracht werden müſſe. Die Mine war bereit zu explodiren und die Lunte brauchte blos daran gelegt zu werden. Der Verwalter war⸗ tete auf den geeigneten Augenblick dazu und traf mittlerweile wie ein geſchickter Ingenieur alle Vorſichtsmaßregeln, um ſich ſelbſt vor Beſchädigung ſicher zu ſtellen. Die Stellung der beiden Männer war mittlerweile eine umgekehrte geworden. Fairlie war Herr und Monthermer der Untergebene. Gages Beſitzungen in Suffolk waren alle verpfändet— und der eigentliche Beſitzer von Monthermer Caſtle, obſchon er bis jetzt ſeinen Anſpruch darauf noch nicht geltend gemacht, war Felix Fairlie. Ueberdies war auch Monthermer's ſämmtliches pracht⸗ volles Mobiliar, ſein Tafelgeſchirr, ſeine Gemälde, ſeine Equi⸗ pagen, ſeine Pferde, mit einem Wort alles Werthvolle, was ihm einſt gehört, ebenfalls an Fairlie verpfändet und konnte von dem habgierigen Verwalter zu ſeinem Eigenthume gemacht werden, ſobald es ihm beliebte. Dennoch aber trieb Gage es immer fort wie zeither und bewahrte dabei dasſelbe flotte elegante Aeußere. Seine Pferde und Equipagen waren immer noch die Bewunderung Aller, welche ſie in Piccadilly oder im Park ſahen, und nicht ein einziger der Stutzer, die man im Mall oder in St. James 38 Street antraf, zeichnete ſich durch ein koſtbareres oder ge⸗ ſchmackvolleres Coſtüm aus. Seine Feten, die er in ſeinem Hauſe in Dover Street gab, waren immer noch glänzend und von ſeiner zahlreichen Dienerſchaar war auch nicht ein einziger entlaſſen worden. Die meiſten derſelben hatten, als ſie ſahen wie die Sache ging, thunlichſt für ſich geſorgt. Allerdings hatten einige der Geſchäftsleute, welche unſer Held mit ſeiner Kundſchaft beehrte, nachdem ſie unter der Hand von dem Stand der Dinge unterrichtet worden, ziem⸗ lich ungeſtüm Zahlung verlangt, Maſter Fairlie aber hatte es bis jetzt immer noch ſo einzurichten gewußt, daß Gage nicht perſönlich von Manichäern behelligt worden war. Nachdem wir auf dieſe Weiſe gezeigt, wie unſer Held die letzten drei Monate verlebt, fahren wir in unſerer Erzäh⸗ lung weiter fort. Eines Morgens gegen das Ende des Monats Juli früh⸗ ſtückten mehre junge Leute, größtentheils ſehr elegant und koſtbar gekleidet, aber von einem ausſchweifenden Lebens⸗ wandel verrathenden Aeußeren, zu einer ziemlich ſpäten Stunde in dem großen Zimmer von White's Chocoladehauſe in St. James Street. Einige durchflogen, während ſie ihre Chocolade ſchlürf⸗ ten, die Journale, nicht um zu ſehen, was in der politiſchen Welt vorgehe— denn um dergleichen Dinge kümmerten ſie ſich wenig— ſondern um irgend eine ſcandalöſe Anekdote oder Geſchichte aufzuſchnappen, womit ſie ſpäter ihre Be⸗ kannten amüſiren könnten. Andere und dieſe waren die lär⸗ mendſten unter der Geſellſchaft— erzählten ihre nächtlichen Abenteuer in den Straßen und Spielhäuſern— wie ſie High Holborn und Chancery Lane durchſtreift und den alten in oder nahe die Fenſte gekämpft empfange ihre bepfl und wied deren Tra wie ſi am heuern M trnen, ze ſtäben. Der aus den mand An Zeit nit Acre und ter ſehr be Gag gebrült⸗ die e un beranlaßt Und Uninge der dama warn, zukühlen, nſtändic mißhand De welches ſet pe le oder ge⸗ ver Street zahlteichen worden. i Sche ſche unſer mter der n, ziem⸗ ber hatte age nicht nſer Held er Erzäh⸗ uli früh⸗ gant und n Stunde ſe in St. e ſchlürf⸗ volitiſchen nerten ſi Anekdoie ihre Be⸗ ndie lär⸗ nichtich ſie high alten in 39 oder nahe an dieſer Straße wohnenden ſchuftigen Advocaten die Fenſter eingeſchlagen; wie ſie wacker mit der Schaarwache gekämpft und welche furchtbaren Hiebe ſie ausgetheilt und empfangen, wobei ſie zum Beweis dieſer letztern Behauptung ihre bepflaſterten Köpfe vorzeigten— wie ſie feſtgenommen und wieder befreiet worden, während die Conſtabler und deren Trabanten ſie nach der Polizeiſtation ſchleppten und wie ſie am Ende als Sieger hervorgegangen, mit einer unge⸗ heuern Maſſe von Trophäen in Geſtalt von zerſchlagenen La⸗ ternen, zerbrochenen Schnarren und zerſplitterten Conſtabler⸗ ſtäben. Der Mann, welchem dieſe Nachtſchwärmer ihre Befreiung aus den Händen der Diener des Geſetzes verdankten, war Nie⸗ mand Anderer als Gage Monthermer, welcher zur gelegenen Zeit mit einer andern Schaar von wilden Geſellen von Long Acre und Drury Lane hergekommen war und die Nachtwäch⸗ ter ſehr bald in die Flucht geſchlagen hatte. Gage hatte, wie ſich ergab, tüchtig getrunken und»ſchön gebrüllt«— mit einem Worte, er hatte in den Stadttheilen, die er und ſeine Genoſſen beſucht, fürchterliche Ruheſtörungen veranlaßt. Und hier wird der geeignete Ort ſeyn, zum Beſten der Uneingeweihten zu erwähnen, daß die jungen Renommiſten der damaligen Zeir nach einem tüchtigen Trinkgelag gewohnt waren, ſich dadurch zu amüſiren und das erhitzte Gehirn ab⸗ zukühlen, daß ſie die Straßen durchſchwärmten und jeden anſtändigen Menſchen, der ihnen begegnete, inſultirten und mißhandelten. Dann und wann drangen ſie mit wahnſinnigem Geheul, welches ſie»„Brüllen“ nannten, in die öffentlichen Gaſthäu⸗ ſer, trieben die Gäſte hinaus und begannen die Kellner zu 40 prügeln, Aushängeſchilder zu beſchmieren, Thürklopfer abzu⸗ drehen, Fenſter einzuſchlagen, Laternen auszulöſchen und Sänftenträgern auf die Abſätze zu treten— dies gehörte zu den unſchuldigſten Späßen dieſer jovialen jungen Herren. Schon ſeit geraumer Zeit hatte Gage ſich unter dieſen Nachtſchwärmern oder Mohocks, wie ſie ſich gern nennen hör⸗ ten, ſo viel Ruhm erworben, daß er mit gemeinſchaftlicher Zuſtimmung zu ihrem Anführer erwählt worden war. Gage war ſtolz auf dieſen Titel und brachte ſehr natür⸗ lich ſeine Erwählung auf Rechnung ſeiner ausgezeichneten Verdienſte als Nachtſchwärmer, dennoch aber exiſtirte noch ein anderer, obſchon nicht öffentlich angegebener Grund, wel⸗ cher die Mohocks bei der Wahl ihres Anführers beſtimmt hatte. Solche Streiche, wie ſie verübten, konnten nicht immer ungeſtraft begangen werden. Irgend Jemand mußte den Tanz bezahlen und wer war dies wohl beſſer im Stande als Gage? Unſer Held fand daher bald, daß, wenn es auch etwas Schönes war, Anführer der Nachtſchwärmer zu ſeyn, es doch auch etwas ziemlich Koſtſpieliges war, dieſe Stellung zu be⸗ haupten, und daß die Reparatur aller von ſeinen Anhängern zerſchlagenen Fenſter, die Wiedervergoldung und das Wieder⸗ malen der von ihnen entſtellten Aushängeſchilder, die An⸗ ſchaffung neuer Thürklopfer, abgeſehen von den Geldſpenden an Nachtwächter und andere Leute und den Pflaſtern für zer⸗ ſchlagene Köpfe— er fand, ſagen wir, bald, daß dieſe Dinge, wenn ſie häufig wiederkamen und dann allemal ihn allein trafen, ein ganz leidliches Sümmchen koſteten. Viele von Gage's nächtlichen Heldenthaten wurden von den jungen Leuten mit unendlichem Wohlgefallen erzählt und große Bewunderung ſeines Muthes und ſeiner Geſchicklichkeit zu erkenn verdiene, dieſen P Tiſche, vier Per kennen! für den Na als ob men hätt De beizuſteh wäre di als die Pt zu dem ihr Opf Es ſiner 2 Betrüg wollte n leren w warum nn Kne dienten D haben WMulton H » ganz al abzu⸗ n und rte zu n. dieſen en hör⸗ ftlicher natür⸗ hneten noch d, wel⸗ ſtimmt immer Tanz Gage? etwas 5 doch zu be⸗ ingern ieder⸗ enden 1r zet ieſe l ihn n von t und ichkeit 41 zu erkennen gegeben. Alle ſtimmten überein, daß er mit Recht verdiene, ihr Anführer zu ſeyn, und bedauerten nur, daß er dieſen Poſten nicht lange mehr bekleiden könne. An einem Tiſche, ein wenig entfernt von der übrigen Geſellſchaft, ſaßen vier Perſonen, die wir das erſte Mal in Monthermer Caſtle rennen lernten und welche damals die größte Freundſchaft für den reichen Beſitzer dieſes Schloſſes zu erkennen gaben. Nach ihrem jetzigen Geſpräch zu urtheilen ſchien es aber, als ob die Wärme ihrer Freundſchaft bedeutend abgenom⸗ men hätte. Der Gedanke, Gage in der Stunde der Bedrängniß beizuſtehen, ging ihnen nicht einen Augenblick lang bei und wäre dies auch der Fall geweſen, ſo hätten ſie ihn doch ſofort als die größte Thorheit verbannt. Von der Zeit an, wo wir ihnen zuerſt begegneten, bis zu dem gegenwärtigen Augenblicke hatten dieſe Undankbaren ihr Opfer unausgeſetzt im Auge behalten. Es war nicht ihre Schuld, daß Gage gegen das Ende ſeiner Laufbahn in die Hände einer gemeineren Claſſe von Betrügern gefallen war. Sie hatten ihn gewarnt, aber er wollte nicht auf guten Rath hören. Wenn er ſein Geld ver⸗ lieren wollte, wie ein Gentleman— und an Gentlemen— warum ſpielte er denn mit gemeinen Gaunern in einer gemei⸗ nen Kneipe— mit Schuften, welche ſich falſcher Würfel be⸗ dienten? Wie konnte er ſich ſo allen Reſpect vergeben? Dieſe vier Perſonen waren, wie man ſchon errathen haben wird, Sir Randal de Meſchines, Beau Freke, Lord Melton und Brice Bunburyh. Hören wir ihrem Geſpräch ein wenig zu. „Dann meinen Sie wohl, es ſeh mit unſerm Freunde ganz aus, wie, Sir Randal?« bemerkte Brice Bunburh. 42 „Ich bin davon feſt überzeugt,« entgegnete der junge Baronet.„Vorgeſtern Abend verlor er im Würfelſpiel fünf⸗ hundert Pfund an mich und als ich mich geſtern gn Fairlie wendete, um das Geld zu bekommen, ward es mir ver⸗ weigert.“ „Hm! das ſieht allerdings verdächtig aus!“ rief Brice.„Bis jetzt ſind alle ſeine Ehrenſchulden bezahlt worden. „Noch vorige Woche bezahlte er mir tauſend Pfund,« bemerkte Freke lächelnd;„ſeitdem habe ich nicht wieder mit ihm geſpielt. Fairlie gab mir einen Wink, als er mir das Geld einhändigte, und ich habe mich darnach gerichtet.« „Fairlie warnte auch mich,“ ſagte Sir Randal. »Dann müſſen Sie ſich den Verluſt auch geduldig ge⸗ fallen laſſen,« bemerkte Brice.»„Unter ſolchen Umſtänden hät⸗ ten Sie nicht ſpielen ſollen.« „Aber dennoch bin ich nicht geſonnen, das Geld einzu⸗ büßen. Er muß mich bezahlen.* „Aber wie zum Teufel ſoll er das, wenn Fairlie nichts mehr hergibt?« ſagte Lord Melton.»Mir ſchuldet er auch eine kleine Wette von einigen hundert Pfund, aber ich be⸗ trachte ſie als verloren.« »Sie können handeln, wie Sie es für angemeſſen erach⸗ ten, Mylord,« entgegnete Sir Randal,»ich aber gedenke bezahlt zu werden.* »Aber nochmals frage ich, wie?« ſagte Lord Melton. „Das werden Sie ſehen, wenn Sie bis um zwei Uhr hier bleiben,« entgegnete Sir Randal lachend. Dann zog er ſeine Uhr heraus und ſetzte hinzu: »Sie werden nicht lange zu warten brauchen. Es fehlt nur noch eine Viertelſtunde an der Zeit.* 4 einem einem Sprec ter nie werde wird,« ch Kom brüch mer! iſche den Beth nan nesn Gott Gag er junge iel fünf⸗ n Fairlie mir ver⸗ rief bezahlt Pfund,“ der mit mir das . uldig ge⸗ 1den hät⸗ d einzl⸗ lie nichts er auch 43 Bei dieſen Worten blickte ein junger Herr, welcher an einem nahen Tiſche bis zu dieſem Augenblick anſcheinend mit einem Zeitungsblatt beſchäftigt geweſen, auf und ſah den Sprecher an. Sir Randals Aufmerkſamkeit ward jedoch dadurch wei⸗ ter nicht erregt. „Ich will Ihnen ſagen, was ich gethan habe und dann werden Sie ſelbſt beurtheilen, was wahrſcheinlich geſchehen wird,« fuhr der junge Baronet in gleichgiltigem Tone fort. „Ich habe ein Billet an Gage abgeſendet und ihm gemeldet, daß Fairlie mir die Zahlung verweigert hat, und ihn daran erinnert, daß die Schuld eine Ehrenſchuld iſt. Ich habe ihm geſagt, daß ich zu der eben genannten Stunde hier ſeyn werde und das Geld zu empfangen erwarte.« „Er wird eine Entſchuldigung ſenden,« ſagte Brice. „Nein, das wird er nicht,« entgegnete Sir Randal. „Er weiß, daß ich keine Entſchuldigung annehmen werde. Kommt er nicht, ſo bezeichne ich ihn öffentlich als einen Wort⸗ brüchigen und dann iſt ſein Ruf als Mann von Ehre auf im⸗ mer vernichtet.“ „Schuft!“ rief leiſe der junge Mann an dem andern Tiſche. „Meine Meinung iſt daher, daß das Geld geſchafft wer⸗ den wird,« fuhr Sir Randal fort,„trotz der gegentheiligen Betheuerungen des alten Fairlie bin ich doch überzeugt, daß man ihm dieſe kleine Summe noch auspreſſen kann.* „Ei, ei! fünfhundert Pfund ſind in meinen Augen kei⸗ neswegs eine kleine Summe,« bemerkte Brice.„Wollte Gott, ich hätte ſo viel, doch hoffe ich, Sie werden es mit Gage nicht aufs Aeußerſte treiben. Bedenken Sie, wie viel 44 Sie ſchon von ihm bekommen haben und wie oft Sie von ihm tractirt worden ſind.* »Das iſt mir einerlei,« entgegnete der junge Baronet. »Ich muß bezahlt werden. Jetzt,« ſetzte er hinzu, indem er wieder die Uhr hervorzog,„fehlen noch zehn Minuten auf Zwei.« »Meiner Treu! Es wird mir nachgerade ganz unheim⸗ lich zu Muthe,« bemerkte Brice, indem er aufſtand.„Ich werde mich drücken. »Setzen Sie ſich,« rief Sir Randal in gebieteriſchem Tone.„Sie ſollen bei der Unterredung zugegen ſeyn.« »Unterredung!“ rief Brice, indem er zögernd der Aufforderung Folge leiſtete.„Glauben Sie denn, er werde in eigener Perſon kommen? »Das läßt ſich nicht bezweifeln.* „Das Beſte, was Gage thun kann, um ſeinen ruinirten Vermögensumſtänden wieder aufzuhelfen, iſt, eine reiche Erbin zu heirathen,« bemerkte Freke. »Aber wo ſoll er eine ſolche finden?« fragte Lord Mel⸗ ton lachend. »Fairlie's Tochter, wenn ſie ihn haben wollte, wäre ge⸗ rade die rechte.« »O der alte Fairlie würde jetzt nicht in die Partie willi⸗ gen, ſo ſehr er ſie früher auch wünſchte,« ſagte Brice. »Ich verbiete mir alle Scherze über dieſes Thema, meine Herren,« entgegnete Sir Randal.„Fairlie hat mir ſeine Tochter zur Ehe verſprochen.« »Ihnen?« rief Freke;„mir hat er dasſelbe Verſprechen gegeben.* »In der Abſicht, Sie mit einander zu veruneinigen,« ſagte Brice;„aber laſſen Sie ihn ſeine Abſicht nicht erreichen. Was n würde dazu weiß ſo un bemer meiner Venn zu wit bung neigu »Gag dens1 mal a Sie 7 Purh merkt inirten Erbin MWel⸗ D Mel⸗ äre ge⸗ hema, mir rechen 45 Was mich betrifft, ſo wünſche ich, Gage bekäme ſie. Dadurch würde ihm wieder aufgeholfen.« „Ich ſage Ihnen aber, daß für ihn gar keine Ausſicht dazu vorhanden iſt,« rief Sir Randal ungeduldig.„Fairlie weiß zu wohl, was er vorhat, als daß er ſeine Tochter an einen ſo unverbeſſerlichen Verſchwender verheirathen ſollte.« „Na, dann iſt aber ja auch Luch Poynings noch da,« bemerkte Brice,„ein ganz allerliebſtes Mädchen und nach meinem Dafürhalten noch viel hübſcher als Clara Fairlie. Wenn er verſpricht, ſich zu beſſern und ſich dem Landleben zu widmen, ſo kann er ſie vielleicht überreden, ſeine Bewer⸗ bung anzunehmen.* „Das glaube ich nicht, denn ſie iſt von ihrer albernen Zu⸗ neigung zu ihm ſchon längſt geheilt,« entgegnete Sir Randal. „Gage und ich ſind ihr oft in Ranelagh, Marhlebone, Gar⸗ dens und an andern Orten begegnet und ſie hat ihn nicht ein⸗ mal angeſehen.« „Da wir gerade von Clara und Luch ſprechen, wiſſen Sie noch, wie er mit dieſen Beiden nach der Maskerade in Bury in Sir Hugh Poynings Reiſewagen davonfuhr?s be⸗ merkte Freke. „Ha! ha! hal« rief Brice,»damals haben wir über dieſes drollige Abenteuer nicht ſchlecht gelacht! Für Gage hätte die Sache jedoch leicht ſchlimm ablaufen können. Man hätte Zehn gegen Eins gewettet, daß er den Hals brechen müſſe, als er im geſtreckten Galopp jenen ſteilen Hügel hinunterfuhr und den Wagen umwarf. Es war nur ein Glück, daß die armen Mädchen keinen Schaden nahmen. Einen furchtbaren Schrecken müſſen ſie aber doch gehabt haben. Entſinnen Sie ſich noch der kläglichen Erſcheinung, die ſich Allen darbot als — 46 ſie nach dem»Engels zurückgebracht wurden? Die einzige Mun⸗ tere unter ihnen war die kleine Lettice Rougham. Sonderbar, daß ihr Vater gerade zur rechten Zeit hinzugekommen war, um ſie Alle aus ihrer Gefahr zu erretten und Gage unter den Hufen der Pferde hervorzuziehen, die ihm ſonſt ganz gewiß ſehr bald das Gehirn aus dem Kopfe geſchlagen haben würden.* „Dafern er deſſen darin hat, was ſich aber bezweifeln läßt,« lachte Sir Randal. „Na, ich glaubte, daß das Abenteuer dieſer Nacht eine große Veränderung in ſeinem Charakter herbeigeführt hätte,“ fuhr Brice fort.»Einige Tage lang ſchien er nach ſeiner Rückkehr nach London geneigt zu ſeyn, ein neues Leben zu be⸗ ginnen und unſere Geſellſchaft eben nicht mehr ſehr zu lieben. Bald jedoch fand ſich Alles wieder und er verfiel in ſeine alten Gewohnheiten.* „Dafür haben wir hauptſächlich Maſter Fairlie zu dan⸗ ken,« bemerkte Lord Melton. „Ja, weil wir ihm nothwendig waren,« bemerkte Beau Freke.»Ich werde nimmermehr ſeinen Schrecken vergeſſen, als er eine kurze Zeit lang wirklich glaubte, Gage ſtehe im Begriff ſich zu beſſern. Er glaubte, ſeine Beute werde ihm entriſſen werden. Miſtreß Jenyns, welche entfernt worden, mußte ohne Verzug wieder in ihre Rechte eingeſetzt werden.“ „Dies geſchah, um einem reineren Einfluß entgegen zu wirken, welcher auf den gutmüthigen Narren ſeine Wirkung zu äußern begonnen,« ſagte Brice.»Hätte man Gage nur noch eine Woche gehen laſſen, ſo hätte er Luch Poynings ge⸗ heirathet— das heißt, wenn ſie ihn hätte haben wollen— und dann hätte er Maſter Fairlie und einigen andern ſo ge⸗ fälligen Freunden auf immer Lebewohl geſagt.« S » horcht mer iſt könnte, weiter zornige grif zu jedoch ſich au nicht k mer ur dert, unord Spiße jauſt währe nehme e Mun⸗ derbar, n war, nter den gewiß haben zweifeln cht eine hätte, ſeiner nzl be⸗ u lieben. ne alten zu dan⸗ te Beau n als er Begrif entriſſen te ohne egen zu irkung ge nur ings ge⸗ llen— n ſo ge 47 „Nicht ſo laut,“ ſagte Beau Freke.»Wie mir ſcheint, horcht der junge Mann an jenem Tiſch auf unſer Geſpräch.« „Na, wenn er nicht geradezu ein Freund von Monther⸗ mer iſt, ſo kann er nichts gehört haben, was ihn intereſſiren könnte,« lachte Lord Melton.»Wir haben ja von Niemanden weiter geſprochen.« Mehr als einmal hatte der fragliche junge Mann einen zornigen Blick auf die Sprechenden geworfen und im Be⸗ griff zu ſtehen geſchienen, ihr Geſpräch zu unterbrechen. Jetzt jedoch nahm er wieder das Zeitungsblatt zur Hand und ſchien ſich ausſchließlich damit zu beſchäftigen. „Es iſt zwei Uhr!« rief Sir Randal.„Nun wird er nicht kommen.« „Sie irren ſich— da iſt er!« rief Brice Bunburh. „Ich wollte, ich könnte verſchwinden,« ſetzte er bei ſich ſelbſt hinzu. Während dies geſprochen ward, trat Gage in das Zim⸗ mer und nachdem er die Begrüßungen der Geſellſchaft erwie⸗ dert, ging er weiter auf Sir Randal zu. Seine Kleidung war, obſchon koſtbar, doch ein wenig unordentlich und er ſah noch wüſter aus als früher. Seine Spitzencravate war nachläſſig befeſtigt, ſeine Perrücke zer⸗ zauſt und ſein Geſicht vor Schwelgerei abgezehrt und hohl, während trotz ſeiner Bemühungen es zu verbergen, ſein Be⸗ nehmen etwas ſichtbar Verlegenes hatte. Als er ſich dem Tiſche näherte, an welchem ſeine ehema⸗ ligen Freunde ſaßen, eilte Brice ihm entgegen und drückte ihm mit affectirter Wärme die Hand. Beau Freke und Lord Melton waren in ihrem Beneh⸗ men ebenfalls ziemlich cordial, Sir Randal aber zeigte ſich weniger zuvorkommend und verneigte ſich blos ſteif. 48 „Ich wußte, daß Sie ſich pünktlich einfinden würden, Monthermer, ſagte er.„Ich ſagte es auch unſern Freunden.“ „Ich muß Sie bitten, mich zu entſchuldigen, Sir Ran⸗ dal,« entgegnete Gage.»Es thut mir außerordentlich leid, Sie in Ihrer Erwartung zu täuſchen, aber Fairlie weigert ſich, den verlangten Vorſchuß zu leiſten. Eine ſo geringfügige Summe kann für Sie von keiner Wichtigkeit ſeyn und ich werde Sie in einigen Tagen bezahlen.“ „Sie werden mich entſchuldigen, Maſter Monthermer,« entgegnete Sir Randal,„wenn ich Sie an das erinnere, was ich ſchon in meinem Briefe andeutete, daß nemlich dieſe Schuld eine Ehrenſchuld iſt und bezahlt werden muß, wenn Sie nicht Ihres guten Namens als Gentleman verluſtig gehen wollen.“ „Ja, ja— das weiß ich wohl. Ich werde das Geld auch bezahlen— es iſt mein Vorſatz, zu bezahlen, nur ge⸗ ben Sie mir einige Tage Friſt. Ich bin in dieſem Augenblick gerade in großer Verlegenheit.“ „Ihre Verlegenheiten werden ſich wahrſcheinlich nicht mindern, Sir, und ich kann Ihnen daher keinen weitern Auf⸗ ſchub gewähren.“ „Aber zum Teufel! was ſoll ich denn machen, Sir Randal?« rief Gage.»Wie ſoll ich das Geld auftreiben?“ „Ja, das iſt es eben— gerade das ſagte auch Lord Melton„ miſchte Brice ſich ein.»Was zum Teufel ſoll er thun, um das Geld außzutreiben?“ „Daran hätten Sie eher denken ſollen,« ſagte Sir Randal. „Wollen Sie mir den Betrag nicht auf einige Tage leihen, Freke?s ſagte Gage zu dem Stutzer, der jedoch den Kopf ſchüttelte und ſein Bedauern zu erkennen gab, daß er die an ihn geſtellte Bitte abſchlagen müſſe. 2* »„ lord)« Nange „Sie b indem Geld he Ihnen zu appe haben, »Ich 9 Geld b unwilli erſt M Genugt nen Ge Sie ſch beſect uchtet chigen » ine ſ dn9 junge Hen Der Pe würden, unden.“ ir Ran⸗ lich leid, weigert ingfügige und ich ermer,“ re, was Schuld ie nicht wollen.“ das Gedd nur ge⸗ genblic ch nicht ern Auf⸗ 49 »Wollen Sie mir vielleicht den Gefallen thun, My⸗ lord?« ſetzte Monthermer hinzu, indem er ſich mit demſelben Mangel an Erfolg an den hochadeligen Sportsman wendete. „Sie brauche ich wohl gar nicht erſt zu fragen?« ſchloß er, indem er Brice Bunburh anredete. „Sie ſollten mich nicht zweimal bitten, wenn ich das Geld hätte, Monthermer,« entgegnete Brice.„Ich würde es Ihnen mit dem größten Vergnügen leihen.« »Dann bleibt mir nichts übrig, als an Ihr gutes Herz zu appelliren und Sie zu bitten, noch einige Tage Geduld zu haben, Sir Randal,« ſagte Gage zu dem jungen Baronet. »Ich gebe Ihnen mein Wort als Gentleman, daß Sie das Geld bekommen.« »Dieſes Wort genügt mir nicht,« entgegnete Sir Ran⸗ dal in beleidigendem Tone. »Wie!* rief Gage zuſammenfahrend, indem er zugleich unwillkürlich die Hand an den Degen legte.»Das iſt das erſte Mal, daß man an meinem Worte zweifelt. Ich verlange Genugthuung für dieſen Schimpf!« »Bezahlen Sie mir erſt das Geld, dann werde ich Ih⸗ nen Genugthuung geben, Maſter Monthermer. Aber bilden Sie ſich nicht ein, daß ich die Klinge mit einem Manne von befleckter Ehre kreuze— und als ein ſolcher werden Sie be⸗ trachtet werden, ſobald ich Sie öffentlich als einen Wortbrü⸗ chigen bezeichne.* »Befleckte Ehrel« rief Gage in aufgeregtem Tone,„kann eine ſo ſchimpfliche Bezeichnung auf mich angewendet wer⸗ den? Habe ich gar keinen Freund mehr?« „Wie es ſcheint, nicht,« ſagte der wiederholt erwähnte junge Mann an dem andern Tiſche. Zugleich näherte er ſich, Der Verſchwender. II. 1 50 und war, wie ſich nun ergab, Niemand Anderer als Arthur Pohnings.* „Ich will Dir das Geld leihen, welches Du bedarfſt,« ſetzte er hinzu, indem er eine Brieftaſche in Gages Hand legte.»Bezahle dieſen ehrenwerthen Herrn,“ rief er in wegwerfendem Tone und betrachtete dabei Sir Randal mit dem Ausdrucke der tiefſten Verachtung. „Ich werde das auf dieſe Weiſe dargebotene Geld nicht annehmen!“ rief Randal. „Beim Himmel, Sie ſollen es nehmen!« rief Gage, in⸗ dem er die Brieftaſche öffnete und die darin enthaltenen Banknoten dem jungen Baronet aufdrang.„Zählen Sie ſie, Sir— zählen Sie ſie in Gegenwart dieſer Herren, denn ich traue Ihrem Worte nicht. Hurrah, meine Ehre iſt gerettet! Arthur, ich bin Dir ewig verbunden.“ „Dankbarkeit iſt Alles, was Ihr Freund wahrſcheinlich wieder bekommen wird, Monthermer, deshalb iſt es recht von Ihnen, verſchwenderiſch damit zu ſeyn,« ſagte Sir Randal. „Maſter Arthur Poynings, Sie werden eine Rechnung mit mir zu ſchlichten haben. Es iſt nicht das erſte Mal, daß wir uns begegnen, wenn Sie mir aber eine nochmalige Gelegen⸗ heit gewähren wollen, ſo verſpreche ich Ihnen, daß es die letzte ſeyn ſoll.« „Ich weiſe Ihre Herausforderung zurück, Sir Randal!“ ſagte Arthur. „Was, Sir?* hl, ich weiſe ſie entſchieden zurück und zwar weil Sie ein Gauner ſind, als den ich Sie überall bezeichnen „Ja wo werde.“ Kaum waren dieſe Worte aus Arthurs Mund, als Sir Randals Degen aus der Scheide fuhr, und er würde den jun⸗ * gen der G wirt herb Frek es fü mit e Gage nen! aber ins * Art Ben ner Po Bä chn Arthur darſſt,“ 3 Hond ef er in ndal mit ld nicht age, in⸗ haltenen Sie ſie denn ich geretter cheinlich echt von Randal. ung nit daß wir Gelegen⸗ jo 66 die [0 landal war weil ezeichnen den jur 51 gen Pohnings angegriffen haben, wenn Gage ihn nicht bei der Gurgel gefaßt und mit Gewalt zurückgeſchleudert hätte. In einem Augenblicke war das ganze Zimmer in Ver⸗ wirrung. Die übrige Geſellſchaft erhob ſich ebenfalls und eilte herbei. Sir Randal war ſo wüthend aufgebracht, daß Beau Freke und Lord Melton aus Beſorgniß vor weiterem Unheil es für klug hielten, ihn mit fort zu nehmen, was ihnen auch mit einiger Mühe gelang. Als endlich die Ordnung wieder hergeſtellt war, ſah Gage ſich um nach Arthur, um ihm für ſeinen ſo zur gelege⸗ nen Zeit gekommenen Beiſtand zu danken, der junge Mann aber war verſchwunden. VL„ Wie Miſtreß Jenpns einen Blick in Mafter Firlie's Geldcaſſe that und was ſie dabei gewann. Maſter Fairlie war allein in einem geräumigen Zimmer in Monthermer's prachtvollem Hauſe in Doverſtreet. Wir nennen das Haus Monthermer's, aber blos aus Artigkeit, denn in Wirklichkeit gehörte es dem gegenwärtigen Bewohner des Zimmers. Das Zimmer, welches wir jetzt in Augenſchein zu neh⸗ men gedenken, befand ſich auf der Hinterſeite des Hauſes im Parterre und ging auf einen Garten, in welchem einige ſchöne Bäume ſtanden, die jetzt natürlich mit ihrem vollen Laub⸗ ſchmucke verſehen waren, denn es war Sommer. Zwiſchen den hohen Fenſtern und dem Tiſche, an wel⸗ 3 chem der Verwalter ſaß, ſtand ein Schirm, ſo daß man ihm von außen nicht zuſehen konnte. Die Bäume fingen den Sonnenſchein auf und der hohe Schirm verdunkelte das Zimmer noch mehr und verlieh ihm ein düſteres Anſehen. Auch die Geräthſchaften waren dunkel⸗ farbig und die Wände, da wo ſie nicht durch Büchergeſtelle in Anſpruch genommen waren, mit ausgewählten Gemälden, größtentheils aus der niederländiſchen Schule, behängt. Es war nemlich die Bibliothek oder das Studirzimmer und früher das Lieblingsaſyl des ehrenwerthen Sackville Spen⸗ cer, des frühern Beſitzers des Hauſes, geweſen, welcher jeden Tag viele Stunden in der Geſellſchaft ſeiner geliebten Autoren zuzubringen pflegte. Das ganze übrige Haus war von Gage gleich nach dem Ankaufe neu und prachtvoll möblirt worden, dieſes Zimmer aber Fairlie zu Gefallen, der es zu ſeiner Beſchäftigung aus⸗ erſehen, in ſeinem urſprünglichen Zuſtande geblieben. Hier verbrachte er täglich eben ſo viele Stunden, als der gelehrte Sackville Spencer zuzubringen gewohnt geweſen, aber mit ganz anderen Studien. Unſer Verwalter machte, wie man ſich leicht denken kann, mit den Poeten, Philoſophen und Theologen, von wel⸗ chen er umgeben war, nur geringe Bekanntſchaft. An der Kunſt fand er eben ſo wenig Geſchmack als an der Literatur. Zu⸗ weilen ließ er ſich allerdings herab, die Gemälde anzuſehen, ſelten aber, ja vielleicht nie, beachtete er die Marmorbüſten auf ihren Piedeſtalen, deren kalter Blick ihn als einen Ein⸗ dringling in ihr Heiligthum zu betrachten ſchien. Die einzigen Bücher, welche ſeine Aufmerkſamkeit feſſel⸗ ten, waren Rechnungsbücher, während der einzige Gegen⸗ ſtand achte beſſe die dieſe ſat doch tiefe wei nöh mit un ga che den ein bro Be 2 53 ſtand an den Wänden, den er der Aufmerkſamkeit würdig er⸗ achtete, ein Plan von Monthermer's Beſitzung in Suffolk war- So oft er einige Minuten übrig hatte, oder ſich von ſeiner ſelbſt aufgelegten Arbeit zu erholen wünſchte, pflegte er ſich vor dieſe Karte zu pflanzen und mit dem Finger die Gren— zen irgend einer beſondern Grundſtücksparcelle zu verfolgen und zu überlegen, ob irgend eine für ihn einträgliche Veränderung, — denn jetzt betrachtete er ſich als den Beſitzer dieſer Güter — bewirkt werden könnte. Ueberhaupt traf er fortwährend nach ſeiner Anſicht Ver beſſerungen in dem Beſitzthume ohne die mindeſte Rückſicht auf die Wünſche und Bequemlichkeit der Pächter und bildete in dieſer Hinſicht wie in allen andern einen auffallenden Gegen⸗ ſatz zu dem alten Squire Warwick. Das Zimmer bot wenig noch ſonſt Bemerkenswerthes, doch müſſen wir erwähnen, daß links von dem Camin ein tiefer Wandſchrank angebracht war, deſſen Thür jetzt theil— weiſe offen ſtand, während jenſeits dieſes Wandſchrankes und näher nach dem Garten ſich eine Nebenthür befand, welche mittelſt eines kurzen Ganges in ein anſtoßendes Gemach führte, und einen Privateingang in die Bibliothek bildete,— ein Zu⸗ gang, der nur von Fairlie ſelbſt oder mit ſeiner cusdrückli chen Erlaubniß benutzt ward. Nicht weit von dem Verwalter ſtand in dem Augenblicke, den wir gewählt, um ihn in ſeiner Einſamkeit zu belauſchen, eine große Geldcaſſe mit doppelten Schlöſſern verſehen und breiten eiſernen Bändern beſchlagen. Dieſes geheimnißvolle Behältniß ward gewöhnlich der größeren Sicherheit hal ber in dem Wandſchrank untergebracht, war aber an dieſem Morgen daraus hervorgezogen worden, um die Durchſicht ge— wiſſer darin verwahrter Documente bequemer zu machen. ——————————— ———— 54 Maſter Fairlie war ſeit fünf Stunden mit ſeinen Rechnungen beſchäftigt, indem er die eingetragenen Poſten mit allerhand Notiz⸗ und Beibüchern verglich und a Zah- lencolumnen aufrechnete. Er war ſoeben mit ſeiner Arbeit fertig, und wie es ſchien, zu ſeiner gänzlichen Zufriedenheit, denn als er das wuchtige Hauptbuch zuſchlug und die meſſingenen Haſpen desſelben befeſtigte, ſpielte ein triumphirendes Lächeln auf ſeinem Geſicht. Dann drehte er ſich in ſeinem Stuhle herum, ſchloß die Geldcaſſe auf und ſtand im Begriff, ein Bündel Papiere hin⸗ einzulegen, als die vorhin erwähnte Seitenthür ſich plötzlich öffnete und Miſtreß Jenyns hereintrat. Das Lächeln auf dem Geſicht des Verwalters ſchwand augenblicklich und gab einem ganz andern Ausdruck Raum. Er war kein Freund von Störung und ließ ſein Mißfallen merken. „Wie kommen Sie zu dieſer Thür herein, Madame? rief er heftig.»Sie wiſſen, daß das nicht ſeyn ſoll. Ich muß Sie bitten, ſich zu entfernen. Ich bin in dieſem Angenblicke dringend beſchäftigt.« Die ſchöne Schauſpielerin achtete jedoch nicht auf das, was er ſagte, ſondern eilte herbei und hielt ihm den Arm feſt, ehe er den Deckel der Caſſe zumachen konnte. „Schon oft habe ich mich geſehnt, den Inhalt dieſes eiſernen Kaſtens zu ſehen,« rief ſie,»und nun kann ich meine Neugier befriedigen. Was iſt denn das?« ſetzte ſie hinzu, indem ſie einige Pergamente aufraffte und ſie an das Fenſter trug.»So wahr ich lebe eine Verſchreibung von Gage de Monthermer über gewiſſe Ländereien und Pachtgüter in der Grafſchaft Suffolk an Felir Fairlie für vierzigtauſend Pfund! Pos, Gage geli fort. falh ſchen pfůn Ma wen lieh glei ten tar ſeinen Poſten ge Zah⸗ er das Haſpen Un auf loß die ere hin⸗ plötlich ſchwand Raum⸗ ißfallen dame?“ Ich nuß genblit uf das, n Arm t duſes h meine hinzll Fenſter hage de in del pfindl 55 Was, Fairlie! Sie wollen doch damit nicht ſagen, daß Sie Gage vierzigtauſend Pfund geliehen haben?“ „Laſſen Sie ſich unbekümmert um das, was ich ihm geliehen habe. Geben Sie mir das Document wieder.« „Nicht eher als bis ich es genau angeſehen,“ fuhr ſie fort.»Was bedeutet hier dieſe Bemerkung, Fairlie?“ „Sie bedeutet, daß, wenn das Darlehen nicht zur Ver⸗ fallzeit zurückbezahlt wird dann das Wiederverkaufsrecht erlo⸗ ſchen iſt. Mit andern Worten, die Ländereien ſind mir ver⸗ pfändet.* „Sie gehen ſehr vorſichtig zu Werke, das muß ich ſagen, Maſter Fairlie. Die Ländereien müſſen doch, ſollte ich meinen, wenigſtens noch einmal ſo viel werth ſeyn, als die darauf ge⸗ liehene Summe.* „Das iſt wohl möglich,“ entgegnete der Verwalter gleichgiltig. „Oder vielmehr dreimal ſo viel. Ich wollte darauf wet⸗ ten, Fairlie, daß Sie bei dieſem Geſchäft nahe an hundert⸗ tauſend Pfund verdient haben.« „Unſinn! wie abgeſchmackt Sie doch ſchwatzen, Madamels „O gar nicht abgeſchmockt! Aber ich bin noch nicht fer⸗ tig. Gott ſtehe uns bei! Da ſehe ich eine zweite Verſchreibung über andere Ländereien in Suffolk, mit Einſchluß des Parkes und des Schloſſes.« „Und auch hier habe ich mich genöthigt geſehen, die Ver⸗ fallelauſel mit anzuhängen; Sie verſtehen?« „Den Juden zu ſpielen, wollen Sie wahrſcheinlich ſagen. Sie erklären, Sie ſeyen genöthigt geweſen, dieſes ſtrenge Ver⸗ fahren einzuſchlagen, doch glaube ich, daß nur ſehr wenig Nöthigung dazu erforderlich geweſen iſt. Sie ſcheinen auf eine —— 56 oder die andere Weiſe das ganze Beſitzthum des armen Mon⸗ thermer in Ihre Gewalt gebracht zu haben.« »Des armen Monthermer!s wiederholte der Verwalter mit hämiſchem Lächeln.„Seit wann haben Sie denn ange⸗ fangen, Mitleid für ihn zu fühlen. Sie trugen ja kein Be⸗ denken, den Vogel mit rupfen zu helfen. Ich kann Ihnen Ih⸗ ren Profit ganz genau nachrechnen und weiß, daß Sie in runder Summe Monthermer's Beutel um einige zwanzigtau⸗ ſend Pfund leichter gemacht haben.* „Aber das iſt gegen Ihren Gewinn, Fairlie, eine bloße Kleinigkeit. Ueberdies habe ich auch im Spiel Alles wieder verloren.« „Aber wer iſt daran Schuld? Ich verſtehe meinen Ge⸗ winn zu behalten und da Sie den Umfang desſelben kennen zu lernen wünſchen, ſo will ich es Ihnen ſagen.« Mit dieſen Worten ergriff er ſie bei der Hand und lenkte ihre Aufmerkſamkeit auf den an der Wand hängenden Plan. „Schauen Sie her, Madame. Alles, was Sie auf die⸗ ſer Karte ſehen, iſt mein: dieſe Felder und Wieſen, dieſes Schloß, dieſe Dörfer, dieſe Gehöfte, dieſe Moorländer, dieſe Hügel, dieſer breite Landſtrich, welcher ſich fünfzehn Meilen weit bis an die Küſte der Nordſee erſtreckt, alles dies ge⸗ hört mir.« „Welch einen großen Landeigenthümer haben Sie aus ſich zu machen verſtanden, Fairlie! Aber laſſen Sie mich Sie fragen, mein werther Herr, und da Niemand in der Nähe iſt, um Sie zu hören als ich, ſo können Sie mir aufrichtig antworten. Glauben Sie, daß Sie dieſes ganze Beſitzthum auf ehrliche Weiſe erworben haben?« „Auf eben ſo ehrliche Weiſe als ob es auf dem gewöhn⸗ lichen Wege gekauft worden wäre. Ich habe nicht mehr ge⸗ than, e haben Sie ni fände ein ar tauſen ſind ei Caſſe wahru Sie; beza h ſchloſ ſchon treibe keine Schu n Mon⸗ twalter n ange⸗ Dt 3 nen Jh⸗ zigtau⸗ e bloße wieder en Ge⸗ kennen d lenkte — 5 than, als unter ähnlichen Umſtänden jeder Andere gethan haben würde.“ „O, ſchämen Sie ſich, Sie abſcheulicher Heuchler! Wenn Sie nicht Gage gegenüber den Wucherer geſpielt hätten, ſo be⸗ fände er ſich noch in eben ſo guten Umſtänden, wie irgend ein anderer Edelmann in Suffolk. Für jede ihm geliehene tauſend Pfund haben Sie dreitauſend zurückverlangt. Sie ſind ein fürchterlicher Blutſauger, Fairlie. Sind Sie jetzt bei Caſſe?« „Wenn Sie damit meinen, ob ich noch Geld in Ver⸗ wahrung habe, welches Gage gehört, ſo antworte ich: nein.“ „Dann fürchte ich beinahe, daß es vergeblich ſehn wird, Sie zu bitten, mir dieſe von ihm ausgeſtellte Anweiſung zu bezahlen; es iſt eine Kleinigkeit, einige hundert Pfund.« „Ich habe meine Rechnung mit Maſter Monthermer ge⸗ ſchloſſen und leiſte keine weiteren Vorſchüſſe. Ich habe dies ſchon zum Uebermaße gethan. Von nun an muß er Geld auf⸗ treiben, wo er kann und wie er kann. Von mir bekommt er keines mehr, davon können Sie überzeugt ſeyn. Er muß ſeine Schulden bezahlen oder ins Gefängniß wandern.« „Ins Gefängniß? Sie hartherziger alter Geizhals!“ „Ich muß deutlich ſprechen, Madame, ſonſt könnten Sie thun, als hätten Sie mich nicht verſtanden. Ihr reicher Anbeter iſt ruinirt, unbedingt ruinirt. Ich rathe Ihnen als Freund, ſich einen andern Liebhaber zu ſuchen, einen ebenſo reichen, wenn Sie können, und der auch ebenſo verſchwenderiſch iſt. Laſſen Sie mich Ihnen dieſe Pergamente wieder ab⸗ nehmen.* Und indem er dies ſagte, nahm er ihr die Urkunden aus der Hand und legte ſie ſorgfältig in den eiſernen Kaſten. 58 Während er ſo beſchäftigt war, ſchlich ſich Miſtreß Jenhns leiſe hinter ihn und ſchaute ihm über die Schulter nach dem Inhalt der Caſſe. Ihre Geberden verriethen, daß ſie dabei eine Entdeckung machte, von welcher ſie glaubte, ſie ſey von Wichtigkeit. Zufrieden mit der auf dieſe Weiſe erlangten Kenntniß trat ſie eben ſo leiſe wieder zurück. Als Fairlie die Caſſe zugeſchloſſen hatte, wendete er ſich nach der Schauſpielerin herum und ſagte eilig: „Haben Sie ſonſt noch etwas zu befehlen, Madame? Ich bitte, faſſen Sie ſich kurz. Ich habe Ihnen ſchon geſagt, daß ich beſchäftigt bin.« „O, ich wünſche nicht im mindeſten, unſere Unterredung über die Gebühr auszudehnen. Ich verlange weiter nichts als Caſſe für dieſe Anweiſung.« „Ich habe Ihnen, glaube ich, ſchon umſtändlich aus⸗ einandergeſetzt, daß ich das Papier nicht bezahlen kann. Maſter Monthermer hätte es Ihnen nicht geben ſollen. Er kann nicht Unbekanntſchaft mit ſeiner Lage vorſchützen. Schon ſeit einigen Tagen habe ich mich genöthigt geſehen, alle Zah⸗ lungen für ſeine Rechnung einzuſtellen. Sie haben vielleicht gehört, daß ich ihm geſtern fünfhundert Pfund verweigerte, die er brauchte, um eine Ehrenſchuld an Sir Randal de Meſchi⸗ nes zu bezahlen.« „Das iſt ſehr gemein von Ihnen, Fairlie. Ich hoffe, Sie haben gehört, auf wie edle Weiſe Arthur Poynings ſich gegen ihn benahm. Doch kommen Sie, Sir. Ich muß das Geld haben. Ich gehe nicht eher von der Stelle.« »Wirklich?“ „Ganz gewiß. Bis jetzt bin ich Ihre Mitſchuldige gewe⸗ ſen, nun gedenke ich auf meine eigene Fauſt zu handeln. ————— Ganz k Feindit zu ent ſehr b Grun lache wiß ich m deckt mach mur wür dam dure Pfu von kon Ja ter un Sl Jenhns ach dem ſie dabei ſch von Kenntniß e er ſich me! Ich agt. daß erredung ichts als ich aus⸗ n kann. llen. Er Schon ile Zeh⸗ vielleicht gerte die PMſhr ch hoffe, ng ſich muß das ge gewe ßandeln. 59 Ganz beſtimmt werden Sie nicht wünſchen, mich zu Ihrer Feindin zu machen, Fairlie.“ „Wenn ich wegen meiner Weigerung, Ihrem Verlangen zu entſprechen, dieſes Unglück haben ſollte, ſo werde ich es ſehr bedauern, aber dann hilft es weiter nichts.« „Sie werden es aber bereuen, Fairlie, und mit gutem Grunde. Ich kann Ihnen viel ſchaden, und werde es auch.“ „Ah bah, bah! Solche abgeſchmackte Drohungen ver⸗ lache ich, Madame.“ „Immer lachen Sie, Sir. Sie werden aber ganz ge⸗ wiß nicht lachen, wenn ich Gage eine Mittheilung mache, die ich mir durch einen Blick in Ihre Geldeaſſe verſchafft habe.* „Zum Teufel, was meinen Sie? Was glauben Sie ent⸗ deckt zu haben?“ „Vollkommen genug, um es für Sie der Mühe werth zu machen, mir tauſend Pfund zu bezahlen, damit ich ſchweige.“ „Verdammtes Weib! Was kann ſie geſehen haben?“ murmelte Fairlie.»Sie muß etwas entdeckt haben, ſonſt würde ſie nicht eine ſo kühne Stirn zeigen.— Wohlan, Ma⸗ dame, wir ſind ſtets gute Freunde geweſen und ich wünſche durchaus nicht mit Ihnen zu brechen. Sie ſollen dieſe tauſend Pfund haben. Aber merken Sie wohl, nicht als Bezahlung von Gages Anweiſung.“ „Wie Ihnen das beliebt. Dafern ich nur das Geld be⸗ komme, ſo bin ich zufrieden. Ich dachte mir gleich, daß Sie Raiſon annehmen würden,“ ſetzte ſie mit ſpöttiſchem Geläch⸗ ter hinzu. Fairlie gab keine Antwort, ſondern ſetzte ſich nieder, um ein Schuldbekenntniß niederzuſchreiben. Während die Schauſpielerin dieſes unterzeichnete, ſchloß er ein Schubfach ——ů ˙ ˙“ ·Ü·— —— 60 auf, nahm einen Stoß Banknoten heraus und händigte dieſe ihr ein. »Sie dürfen mich aber nicht wieder incommodiren,« ſagte er. Verſprechen kann ich nichts,« antwortete ſie. »Miſtreß Jenyns,“ bemerkte Fairlie aufſtehend,„ehe wir uns trennen, will ich Ihnen einen guten Rath geben. Glauben Sie mir, von Gage iſt nichts mehr zu bekommen. Um Ihretwillen rathe ich Ihnen, ihn ſofort zu verlaſſen. Ueberhaupt wundere ich mich, daß Sie ſo lange bleiben.« »Ich habe gegenwärtig auch durchaus noch nicht die Abſicht, ihn zu verlaſſen, Maſter Fairlie. Ich habe von ſeinen Verhältniſſen noch keine ſo ſchlechte Meinung, wie Sie mir beibringen möchten. Er kann ſich noch wieder auf⸗ helfen.« »Nimmermehr! Er iſt hoffnungslos verloren, ſage ich Ihnen!“ rief der Verwalter faſt zornig.»Wenn Sie geneigt wären, mich anzuhören ich ſehe aber ſchon, daß Sie es nicht ſind,« ſetzte er ſich ſelbſt unterbrechend hinzu.„Guten Tag, Madame! Thun Sie wie Sie wollen.« „Ich glaube, es iſt meine Schuldigkeit, Ihnen zu ſa⸗ gen, wie ich das Geld anzuwenden gedenke, welches Sie mir auf ſo gefällige Weiſe gegeben haben, Maſter Fairlie.« »Ich frage nicht darnach, wie Sie es anwenden, zu irgend einer Thorheit, am Spieltiſche ohne Zweifel.« »Fünfhundert Pfund werden verwendet, um Maſter Ar⸗ thur Pohnings wieder zu bezahlen.« Was der Teufel, Madame! Sind Sie von Sinnen?« »Die andern fünfhundert werde ich zu einem Experiment verwenden, welches, hoffe ich Gage's Vermögensumſtänden wieder aufhelfen wird.* —— S N zahlen? es unte heſtohle 9 Schau demſell faum ander Um E und ſhen nen igte dieſe nodiren, d„ehe geben kommen. erlaſſen. en.“ icht die abe von wie Sie der au⸗ ſage ich 9 ene i gt den, zu ſter Ar⸗ nnen eriment ſtänden 61 „Aufhelfen!— Und Arthur Poynings wollen Sie be⸗ zahlen? Geben Sie mir ſogleich das Geld zurück. Sie haben es unter falſchen Vorſpiegelungen erlangt. Sie haben mich beſtohlen!« Aber mit einem lauten ſpöttiſchen Gelächter riß die Schauſpielerin ſich von ihm los, und entfernte ſich raſch auf demſelben Wege, auf welchem ſie hereingekommen war. VII. Woraus hervorzugehen ſcheint, daß Maſter Juirlie zu⸗ weilen mehr verſprach, als er zu halten gedachte. Maſter Fairlie war ſehr aufgebracht. Er ſchritt einige Zeit lang in ſeinem Zimmer hin und her, und hatte kaum ſeinen Gleichmuth wieder gewonnen, als die Thür am andern Ende des Zimmers ſich öffnete, und Pudſey eintrat, um Sir Randal de Meſchines anzumelden. Der Baronet folgte dem Kellermeiſter auf dem Fuße, und konnte nicht abgewieſen werden. Obſchon daher Fairlie ſich gern geweigert hätte, ihn zu ſehen, ſo machte er doch ein freundliches Geſicht, begrüßte ſei⸗ nen unwillkommenen Beſucher und bot ihm einen Sitz. „Natürlich haben Sie gehört, was geſtern bei White s geſchehen iſt, nicht wahr, Fairlie?s fragte Sir Randal, ſo⸗ bald ſie mit einander allein waren.„Seitdem habe ich einen Freund zu dem jungen Pohnings geſendet, dieſer aber weigert ſich, mir Genugthuung für den mir angethanen Schimpf zu geben.* ———————— —— „Aber Sie werden ihn doch nicht entwiſchen laſſen?“ rief Fairlie. „O machen Sie ſich deshalb keine Sorge. Ich werde ihn zu einem Duell zwingen, und dann—“ „Ihm die Lunge durchbohren, wie? Ganz recht! Ganz recht! Ich haſſe den Menſchen eben ſo ſehr, als Sie ihn haſſen, Sir Randal. Beiläufig erwähnt werden Sie ſich wundern zu hören, daß Miſtreß Jenyns im Begriff ſteht, ihm das Geld wieder zu bezahlen, welches er Gage geſtern geliehen.* „Miſtreß Jenyns will ihn wieder bezahlen?“ rief der Baronet mit unverſtelltem Erſtaunen.»Eher hätte ich erwar⸗ tet, daß Gage ſeine Schulden bezahlen würde. Was iſt denn aber los? Hat ſie vielleicht eine plötzliche Laune für den jun⸗ gen Poynings gefaßt? Wenn dies der Fall iſt, ſo werde ich die Liebſchaft im Keime erſticken. Der Teufel hole ſie! Peg iſt eben ſo wie ihr ganzes unbeſtändiges Geſchlecht.“ Dann nahm er plötzlich einen andern Ton an und ſetzte hinzu: „Wann ſoll denn die Sache zum Ausbruch kommen? Alle Welt ſpricht von dem Vorfalle geſtern bei Whike's, und da es nun allgemein bekannt iſt, daß Gage nicht einmal eine Ehrenſchuld bezahlen kann, ſo werden alle ſeine Bekannten ſich von ihm zurückziehen. Sie ſcheinen gar nicht zu wiſſen, was außer dem Hauſe vorgeht, Fairlie. Die Thüren ſind von ungeſtümen Gläubigern umlagert. Dieſer Zuſtand der Dinge kann nicht lange mehr dauern.“ „Das iſt auch nicht meine Abſicht. Wenn Sie ſich die Mühe nehmen wollen, Sir Randal, morgen hierherzukom⸗ men und nach Maſter Monthermer zu fragen, ſo werden Sie fi dringe nach Fuß eine Flet bleibe lache Fai Nat klag zeug vor eine bekt Fa da Be 3e laſſen! werde ihn z recht! ls Sie ihn Sie ſich iff ſteht e geſtern rief der ich erwar⸗ s iſt denn r den jun werde ich ſie! Peg und ſeßte kommen iles, und inmal eine Bekannten zu wiſſen, n ſind von der Ding e ſich d cherzulon werdel 63 Sie finden, daß er plötzlich die Stadt verlaſſen hat— in dringenden Geſchäften.“ „O Sie beabſichtigen ihn in die Provinz zu ſpediren, nach Monthermer Caſtle, nicht wahr?“ „Mit meiner Bewilligung ſoll er niemals wieder einen Fuß in das Schloß ſetzen, und ich glaube nicht, daß ſeine Reiſe eine weite ſeyn werde. Sein erſter Anhaltpunkt wird im Fleet⸗Gefängniſſe ſeyn, wo er wahrſcheinlich einige Monate bleiben wird.“ h h rief der Baronet den Witz be⸗ lachend. „Ich habe alle Vorbereitungen bereits getroffen,« fuhr Fairlie fort.»Seine Verhaftung wird noch heute ſtattfinden. Natürlich werde ich nicht ſelbſt dabei als handelnd auftreten, der klagende Gläubiger, Maſter Nibbs, aber iſt blos mein Werk⸗ zeug. Was die lärmenden Burſche betrifft, die Sie draußen vor dem Hauſe geſehen haben, ſo bekommt keiner von ihnen einen Heller. Meine Anſprüche gehen vor. Jene können nichts bekommen.* „Meiner Treu, Sie ſind ein verteufelt geſcheider Kerl, Fairlie. Ich habe unendlichen Reſpect vor Ihnen. Und nun, da Sie vollkommen in der Lage ſind, unſer Arrangement in Bezug auf Ihre Tochter in Ausführung zu bringen, ſo iſt es Zeit, Sie daran zu erinnern.“ „Nein, Sir Randal, jetzt iſt die Zeit noch nicht da. Obſchon ich factiſch Herr des Eigenthums bin, ſo bin ich es doch noch nicht auf oſtenſible Weiſe. Bin ich erſt einmal im anerkannten Beſitz, ſo werde ich dann gern bereit ſeyn, Ihre Vorſchläge anzuhören.* „Meine Vorſchläge? Zum Teufel, Sir, ich bin nicht 64 bei Vorſchlägen ſtehen geblieben. Die Sache iſt abgemacht. Ich verlange Erfüllung unſeres Vertrags.“ „Und er ſoll erfüllt werden, ſobald die Zeit dazu da iſt, Sir Randal. Warum zweifeln Sie an mir?“ „Weil— doch gleichviel— ich will nicht in Ungewiß⸗ heit bleiben. Ich muß die Ueberzeugung haben, daß Ihre Tochter meine Bewerbung annmmt.“ „Durch Uebereilung werden Sie Ihr Vorhaben nur vereiteln, Sir Randal. Ich muß Zeit haben, um meine Toch⸗ ter vorzubereiten. Sie iſt in der letzten Zeit krank, ſehr krank geweſen, und ich habe mit der Abwickelung von Monther⸗ mer's Angelegenheiten ſo viel zu thun gehabt, daß mir keine Zeit geblieben iſt, an etwas Anderes zu denken, doch will ich dieſe Sache unverweilt in's Auge faſſen.« Gerade in dieſem Augenblicke erfolgte eute ſehr gelegene Unterbrechung durch Pudſey. Der Kellermeiſter meldete nem⸗ lich, daß Maſter Freke draußen ſey, und ein Wort mit Ma⸗ ſter Fairlie zu ſprechen wünſche. „Sagt, Maſter Fairlie ſey beſchäftigt, Pudſey,“ rief Sir Randal. „Halt, Pudſey,“ mengte der Verwalter ſich ein.„Ich muß Maſter Freke ſprechen.* Der Kellermeiſter verneigte ſich und verließ das Zimmer. „Zum Teufel, das iſt ärgerlich!“ rief Sir Randal. „Ich mag mit Freke nicht zuſammentreffen. Ich will durch die kleine Thür fortgehen, wie ich ſchon oft gethan.“ „Ja, thun Sie das, Sir Randal,“ rief der Verwal⸗ ter ſehr erfreut, ihn los zu werden. „Nehmen Sie ſich in Acht, daß Sie kein falſches Spiel mit mir treiben, Fairlie!« rief der Baronet, indem er auf die Seitenthür zuſchritt, wie in der Abſicht, das Zimmer zu verlaſ Rüͤcke po ſch unben derth Fairli entfer in De macht. Ich azl da iſt, Ungewiß⸗ daß Ihre haben nur eine Toch⸗ ſehr krank Monther⸗ mir keine ch wil ich r gelegene ldete nen⸗ mit Ma⸗ dſeh,“ rief Ich 6 Zimmel. vil durch rVerwal hes Spiel m er ul zinmer iu 65 verlaſſen. Als er aber bemerkte, daß der Verwalter ihm den Rücken zudrehte, öffnete er ſchnell die Thür und ſchloß ſie eben ſo ſchnell wieder, ging aber nicht hinaus, ſondern ſchlich ſich unbemerkt hinter den oben erwähnten Schirm. Einen Augenblick ſpäter öffnete Pudſey wieder die Vor⸗ derthür, und Beau Freke trat ein. »Sie werden wohl errathen, was ich will, nicht wahr, Fairlie?« bemerkte Beau Freke, ſobald der Kellermeiſter ſich entfernt hatte. »Sie trauen mir mehr Scharfſinn zu, als ich beſitze, Sir,« entgegnete der Verwalter ſich verneigend.„Ich weiß wirklich nicht, welchem Umſtande ich das Vergnügen verdanke, Sie heute Morgen bei mir zu ſehen.« »Wirklich? Sie überraſchen mich. Ich glaube, Sie würden mich erwarten, um die Bedingungen unſeres Arran⸗ gements zu vervollſtändigen.« »Ich muß geſtehen, Maſter Freke, daß die Ueberraſchung jetzt auf meiner Seite iſt. Ich glaubte, alle unſere Arrange⸗ ments wären abgeſchloſſen.« »„Sie affectiren da ein Erſtaunen, welches Sie, wie ich überzeugt bin, nicht fühlen, Fairlie. Doch es bedarf keiner langen Umſchweife, und ich will ſofort zur Sache kommen. Mein jetziger Beſuch bezieht ſich auf Ihre Tochter.« „Sie haben alſo wohl von ihrer Krankheit gehört, und kommen, um ſich nach ihrem Befinden zu erkundigen?« „Von ihrer Krankheit? Nein. Ich will doch nicht hof⸗ fen, daß ſie gefährlich iſt?« »Nein, ich fürchte dies jetzt nicht mehr, Sir, bin aber in großer Angſt um ſie geweſen— in ſehr großer Angſt, das kann ich Ihnen verſichern.« Der Verſchwender. II. 66 ienen, ſo oft ich ſehen,“ entgegnete Beau Freke „Sie iſt mir immer ſehr reizend erſch das Glück gehabt habe, ſie zu als ob er nicht unbedingtes Vertrauen auf mit einer Miene, Nachdem er ein we⸗ die Verſicherungen des Verwalters ſetzte. nig gehuſtet, ſetzte er hinzu: „Ich kann nicht glauben, daß Sie treulos an mir zu handeln beabſichtigen, Fairlie, obſchon mein Vertrauen zu Ihnen einigermaßen dadurch erſchüttert worden iſt, daß Sie, wie ich erfahren habe, Ihre Tochter auch Sir Randal ver⸗ ſprochen haben.* „Darf ich fragen, woher Sie dieſe haben, Sir?“ „Aus der allerbeſten Quelle— von ſelbſt.“ „Sir Randal iſt die allerunreinſte Quelle, aus der Sie mein lieber Maſter Freke. Er hat Grund Nachricht erfahren Sir Randal ſchöpfen könnten, dazu, Sie zu hintergehen.“ „Dann ſtellen Sie in chen gegeben zu haben?“ „Unbedingt ſtelle ich es in Abrede. Er hat allerdings ſehr oft von meiner Tochter mit mir geſprochen, und da ich in gutem Einvernehmen mit ihm zu bleiben wünſche, ſo habe ich ihm nicht allen Muth benommen. Wahrſcheinlich hat er nun einige unbedeutende Ausdrücke der Zuſtimmung von mei⸗ ner Seite als ein unbedingtes Verſprechen ausgelegt— das iſt die ganze Sache.“ Abrede, ihm ein ſolches Verſpre⸗ „Dies ändert meine Anſicht von der Sache allerdings unzweifelhaft, Fairlie. Ich begreife vollkommen, weshalb Sie einen Zwiſt mit Sir Randal zu vermeiden wünſchen und begreife auch, wie ſeine Eitelkeit ihn zu dem Glauben bewo⸗ gen h gewi Schn ich wW zur h Char Schi koſtt ſo oft ich zeal Freke trauen auf er ein we⸗ n mir z trauen zu andal ver⸗ erfahren Sir Randal us der Sie hat Grund alerding d da ich obe un ſche, ſo h inlich hat ei⸗ ung von me das 6 6 95 o allerdin d vünſchen in wesh wo⸗ lauben 8 gen haben kann, er ſey für eine junge Dame unwiderſtehlich — zu einem Gatten für Clara taugt er aber durchaus nicht.« »Ganz gewiß nicht, mein lieber Maſter Freke— ganz gewiß nicht. Sir Randal iſt der Allerletzte, den ich mir zum Schwiegerſohne wünſchte, während Sie der Erſte ſind, den ich wählen würde. Ich verſichere Ihnen, ich würde es mir zur hohen Ehre anrechnen, mit einem Gentleman von Ihrem Charakter in ein näheres Verhältniß zu treten.« Natürlich verlor Sir Randal, während er hinter dem Schirme ſtand, keine Sylbe von dieſen Bemerkungen, und es koſtete ihm einige Mühe, ſeine Wuth zu zügeln. „Ihre gute Meinung iſt mir ſehr ſchmeichelhaft, Fair⸗ lie,« ſagte Beau Freke,„und ich zögere daher nun nicht weiter, Sie zu bitten, Ihr Einverſtändniß dadurch zu beur⸗ kunden, daß Sie mich ſofort mit Ihrer Tochter verloben.« »Ich muß noch um einige Tage Friſt bitten, mein lieber Maſter Freke. Sobald Monthermer's Angelegenhei⸗ ten gänzlich abgewickelt ſind, werde ich dieſer Sache meine Aufmerkſamkeit zuwenden, gerade jetzt aber habe ich ſo viel zu thun, daß ich kaum durchkommen kann, auch halte ich die gegenwärtige Gelegenheit, in ſo weit meine Tochter in Frage kommt, für keine günſtige. Sie iſt noch viel zu unwohl, als daß man ſie jetzt beunruhigen dürfte.« „Ich glaube kein Wort von ihrer Krankheit,« dachte Beau Freke.»Der Schurke will mich blos hinhalten, aber ich laſſe ihn nicht aus dem Garne.— Es iſt ja nicht im min⸗ deſten nöthig, Miß Fairlie zu beunruhigen,« ſetzte er dann laut hinzu.„Geben Sie mir Ihr Verſprechen ſchriftlich und ich werde vollkommen damit zufrieden ſehn.« „Sie verlangen ein ſchriftliches Verſprechen, Maſter Freke? Genügt denn mein Wort nicht?“ —— 68 „In ſolchen Fällen iſt es immer das Beſte, einen Be⸗ weis von den Abſichten der Betheiligten in den Händen zu haben. Ich muß ein ſchriftliches Verſprechen mit einer Con⸗ ventionalſtrafe— einer bedeutenden Conventionalſtrafe— für den Fall der Nichterfüllung haben. Sie haben mich Vor⸗ ſicht gelehrt, Fairlie.« Auf dieſe Weiſe in die Enge getrieben wußte Fairlie kaum was er thun ſollte und Sir Randal überlegte eben, ob er vortreten und dem Auftritt ein Ende machen ſollte, als zur unausſprechlichen Herzenserleichterung des Verwalters Maſter Pudſey wieder eintrat und meldete, Miß Fairlie ſey ſo eben angekommen und wünſche unverweilt bei ihrem Vater vorgelaſſen zu werden. Der Verwalter entgegnete, er werde ſie augenblicklich ſprechen, und ſetzte, als Pudſey ſich entfernte, hinzu: „Wir wollen dieſe Sache ein andermal zum Abſchluß bringen, mein lieber Maſter Freke. Sie dürfen meiner Toch⸗ ter nicht begegnen. Gehen Sie durch die Seitenthür, Sir— hier!— Sie kennen ja den Weg. Raſch, Sir, raſch! ſie wird ſonſt hier ſehn, ehe Sie fort ſind. Fairlie glaubte, er habe ſich ſeines läſtigen Beſuchers entledigt. Aber er irrte ſich. Beau Freke führte dasſelbe Ma⸗ növer aus wie Sir Randal— mit gleicher Gewandtheit und mit gleichem Erfolge. Nur ſchlüpfte er, anſtatt hinter den Schirm, in den Wandſchrank, deſſen Thür, wie wir ge⸗ ſagt haben, ſehr bequem offen ſtand. Kaum war er in dieſes Verſteck hinein, ſo trat Clara Fairlie ins Zimmer. Wie ter ſchb erſt jetz len ſter ſch Rö Au me A v inen Be⸗ Händen zu einer Con⸗ alſtraft— nih vr vI. te dur Wie Clara Fairlie ſich bemühte, ihren Pater zu über— — reden, Gage's Schulden zu bezahlen. ſollte, a berwaltets Fairlie hatte nicht gelogen, als er erklärte, ſeine Toch⸗ ʒairlie ſeh ter ſey unwohl, ſondern es ſtand mit ihr ſogar noch viel ren Pater ſchlimmer, als er ſelbſt geglaubt hatte. Ihre äußere Erſcheinung hatte ſich, ſeitdem wir ſie das genblcich erſte Mal ſahen, ſehr verändert. Ihre Schönheit war noch unverändert, doch flößte ſie n Pbſchliß jetzt eher Unruhe ein, als ſie Bewunderung erregte. iner Toch⸗ Wenn man ſie anſah, konnte man nicht umhin zu fürch⸗ r, Sir— ten, daß die heimtückiſche Krankheit, welche unter den Schön⸗ raſch ſe ſten und Zarteſten ihre Opfer ſucht, begonnen hatte, an ihrem ſchon ſchwächlichen Körper zu nagen. n geſuchers Ihr Teint war durchſichtig klar und von einer hektiſchen ſelbe Ne⸗ Röthe angehaucht, welche den Glanz ihrer großen dunkeln zewandtheit Augen erhöhte. ſutt hint Eine immerwährende Schwermuth brütete auf ihrer wie wit g marmornen Stirn, und es lag in ihrem ganzen Weſen ein Ausdruck von Mattigkeit, welcher außerordentliche Schwäche rat Clara verkündete. Seit ihrer Ankunft in London— nun über drei Mo⸗ nate her— hatte Fairlie ſeine Tochter wenig zu ſehen bekom⸗ men. Er hatte ihr eine Wohnung in Jarmynſtreet im Hauſe einer bejahrten Dame, Miſtreß Lach, mit welcher er bekannt war, gemiethet und ſie hatte hier während dieſer ganzen Zeit nur mit einer einzigen Dienerin, Lettice Rougham, gelebt. Fairlie war mit Monthermer's Angelegenheiten ſo be⸗ ſchäftigt und ſo darauf erpicht, ſeine Machinationen zu einem erfolgreichen Ausgange zu führen, daß ihm für die Erfüllung häuslicher Pflichten wenig Zeit übrig blieb. Clara kam ihm niemals zu nahe und oft verging eine Woche zwiſchen ſeinen Beſuchen bei ihr. Seit dem Vorfalle in Burh St. Edmunds, wo Clara entfliehen wollte und nur der Zufall ſie zurückgeführt, hatte eine kältere Geſinnung zwiſchen Vater und Tochter Platz ge⸗ griffen. Fairlie konnte ihr ihren Ungehorſam nie ganz verzeihen und ſie willigte nur unter der Bedingung ein, bei ihm zu bleiben, daß ſie nicht länger gezwungen werde, unter Monther⸗ mer's Dach zu wohnen. Der armen Clara war ihr Daſehn verbittert. Sie hatte aufgehört, faſt an Allem Intereſſe zu finden, was Perſonen von ihrem Alter Vergnügen machte. Sie miſchte ſich weder in die Geſellſchaft noch beſuchte ſie öffentliche Vergnügungsorte und vermied auf ihren Spa⸗ ziergängen alle Plätze, auf welchen heitere Menſchenmaſſen ſich bewegten, ſo viel als möglich. Eine einzige Freundin war ihr treu. Luch Poynings bemühte ſich, ihre Schwermuth zu zerſtreuen und ſah mit gro⸗ ßer Beſorgniß die Einwirkungen, welche geheimer Kummer auf ihre Geſundheit zu äußern begann. Aber ſelbſt Luch's wohlgemeinte Bemühungen ſchlu⸗ gen fehl. Lide Oyer und unbe auf wo, ware Die jun erk der vie lie A ge et bekannt gunzen Zeit gelebt. iten ſo be⸗ nzu einem Erfüllung erging eine wo Clara ihrt, hatte rPlatz ge⸗ n vetzihen bei ihm ju rWonther⸗ Sie hatte s Perſonn ch beſuchte ihren Spa⸗ ſchennaſſ en gohning eh mit gro' er Kumme ngen ſch⸗ 71 Vergebens verſuchte das muntere Mädchen die arme Leidende durch feurige Schilderungen von Feſtlichkeiten, von Opern und Theatern, von Redouten in Marylebone Gardens und von Maskeraden in Ranelagh zu verlocken,— Clara blieb unbeweglich. Sie war nicht einmal zu vermögen in die Parks oder auf den Wall zu gehen— ausgenommen zu den Stunden, wo, wie ſie wußte, nur wenig Menſchen dort anzutreffen waren, womit Lettice Rougham freilich nicht einverſtanden war. Wir dürfen indeſſen nicht ungerecht gegen Lettice ſeyn. Die kleine Dirne hatte trotz ihrer Flatterhaftigkeit ein wirk⸗ lich gutes Herz und hegte die aufrichtigſte Sympathie für ihre junge Herrin. Oft vergoß ſie Thränen um ihretwillen und erklärte Luch, ſie glaube, Miß Clara ſterbe am gebrochenen Herzen. Und Luch begann allmälig dieſe Befürchtungen zu theilen. Der Mann, welcher den veränderten Zuſtand von Cla⸗ ra's Geſundheit zuerſt hätte bemerken ſollen, war gerade der, der ihn zuletzt gewahrte, und er wäre mit dieſer Veränderung vielleicht auch noch länger unbekannt geblieben, denn Clara ließ gegen ihn keine Klage laut werden, wenn nicht Miſtreß Luch es für ihre Pflicht gehalten hätte, ihm ihre Befürchtun⸗ gen mitzutheilen. Fairlie— die Gerechtigkeit verlangt, dies zu ſagen— erſchrak darüber nicht wenig. Er traf Verfügung, daß ſeiner Tochter jede Aufmerkſamkeit zu Theil werde, und daß der beſte ärztliche Rath für ſie in Anſpruch genommen werde. Miſtreß Lacy ſchüttelte verzagend den Kopf, als ob ſie glaubte, daß dies alles nichts helfen würde, doch verſprach ſie, den Wünſchen des Vaters gebührend nachzukommen. Mehre Tage lang hierauf war Fairlie außerordentlich — ———————— 72 beſorgt um Clara und ſtattete ihr häufige Beſuche ab; allmä⸗ lig aber ward er weniger unruhig und am Ende gelang es ihm, ſich zu überreden, daß ſeine Befürchtungen ungegrün⸗ det ſeyen. Clara ſeh ohne Zweifel krank, meinte er, aber nicht gefährlich. Und in dieſer Meinung ward er beſtärkt, weil ſie trotz Miſtreß Lach's Bitten allen ärztlichen Rath ablehnte. Fairlie's Herz war durch die Habgier ſo verhärtet, daß es kaum irgend einer zärtlichen Regung fähig war, und in ſeinem blinden Streben nach Gewinn fragte er nicht darnach, ob er Alles opferte, was ihm hätte theuer ſehn ſollen. Im Vergleich mit dem ungeheuern Einſatz, um welchen er ſpielte, ſchienen alle anderen Dinge von geringerem In⸗ tereſſe zu ſeyn, ſobald aber das Ziel, nach welchem er ſtrebte, erreicht wäre, wollte er ſeine Tochter ſorgfältig pflegen und überwachen. Mittlerweile— ſo dachte er— konnte ihr ja wenig Schaden geſchehen. n Nach dem, was wir hier vorausgeſchickt haben, kann man ſich leicht denken, daß Clara's unerwarteter Beſuch ihrem Vater große Ueberraſchung bereitete und eine gewiſſe bange Ahnung in ihm erweckte. Beide ſchwiegen einige Minuten lang, während welcher Fairlie ſeine Tochter mit forſchendem Blick betrachtete. Offen⸗ bar hatte ſie ihre ganze Energie für dieſe Unterredung zuſam⸗ mengerafft und die Röthe auf ihrer Wange täuſchte ihn. Er glaubte, ſie ſähe wieder beſſer aus und er ſagte ihr das. „Ich weiß nicht, ob es mit mir beſſer oder ſchlimmer ſteht, entgegnete ſie in ſchwachem Tone,»ich bin nicht ge⸗ kommen, um von meinen Leiden zu ſprechen. Was ich zu ſagen habe, bezieht ſich auf Dich und auf Gage.“ F gen geb „Du l deiner wachen handelt gut zu d Antwor und de Manne zu mir 6 ſchweig bitte O N N ſt die Gages Ndch Barſcht s nit wieder Du g Zwe Rch allmä⸗ lang es gegrün⸗ er, aber ſie trotz tet, daß und in darnach, welchen ren In r ſtrebie, gen und ihr ja . n, kann ch ihren ſſe bange welchet DOffen⸗ zuſam⸗ as. ſchlimmer nicht F zu ſagen 73 Fairlie's Stirn umwölkte ſich und er ſchien ihr Schwei⸗ gen gebieten zu wollen. „Vater, ich bitte Dich, mich anzuhören,« fuhr ſie fort. „Du haſt unrecht an dieſem jungen Manne gehandelt, der deiner Obhut anvertraut war und deſſen Intereſſen zu über⸗ wachen deine Pflicht war. Du haſt ſehr unrecht an ihm ge⸗ handelt, aber es iſt noch nicht zu ſpät, dieſes Unrecht wieder gut zu machen.« Der Verwalter ſchüttelte den Kopf, gab aber ſonſt keine Antwort. „Um ſeines Vaters willen, welcher dein Gönner war und dem Du Alles verdankſt, um des armen verirrten jungen Mannes ſelbſt willen, um meinetwillen, wenn Du noch Liebe zu mir haſt, flehe ich Dich an, ihn zu retten.« Immer noch bewahrte Fairlie hartnäckiges Still⸗ ſchweigen. „Verſchließe nicht dein Ohr meinen Bitten! Sprich, ich bitte Dich.“ „Was kann ich ſagen? Ich kann nichts für ihn thun.“ „Vater, ſagte Clara in ernſtem, feierlichen Tone,„dies iſt die letzte Bitte, die ich an Dich zu ſtellen habe. Bezahle Gage's Schulden, mache ihn frei.« „Welche ungeheure Abgeſchmacktheit Du da ausſprichſt, Mädchen!* rief Fairlie zornig.»Ich ſoll die Schulden dieſes Verſchwenders bezahlen? Unſinn über Unſinn! Was würde es nützen, wenn ich es thäte? Binnen zwei Monaten wäre er wieder ganz in derſelben Lage. Es thut mir leid, Clara, daß Du Dir dieſen Weg gemacht haſt, wenn dies der einzige Zweck deines Beſuches iſt. Glaube mir, Gage verdient keine Rückſicht.« „Er verdient jede Rückſicht von deiner Seite, Vater. 74 Wie man mir ſagt, ſteht er in Gefahr, verhaftet zu werden. Iſt dies wahr? Du leugneſt es nicht? Vater, wirſt Du ruhig zuſehen, wenn der Sohn deines Wohlthäters ins Gefängniß geſchleppt wird? O pfui, pfui!* Und ſie brach in einen leidenſchaftlichen Thränen⸗ ſtrom aus. „Das Geſetz muß ſeinen Verlauf haben. Ich kann es nicht hindern,“ ſagte Fairlie in unerbittlichem Tone. „Das ſagſt Du mir!« rief Clara indem ſie den Kopf emporrichtete und ihren Vater mit verächtlichem Blicke anſah. „Nun gut, denn ich will es nicht verhindern, wenn Du einmal die Wahrheit wiſſen willſt.«* Clara machte eine gewaltſame Anſtrengung und er⸗ hob ſich. „Leb wohl, Vater!« ſagte ſie,»in dieſer Welt ſehen wir uns nicht wieder.“ „Setz Dich, Mädchen, ſetz Dich!« rief Fairlie.„Ich bitte Dich, ich befehle Dir. Um deinetwillen und nur um deinet⸗ willen habe ich gearbeitet, um Reichthum zu erwerben. Ich habe kein Kind weiter, keinen andern Gegenſtand für meine Liebe. Alles wird dereinſt dein ſeyn. Warum ſoll ich das, was ich erworben, an einen Verſchwender wegwerfen?“ „Gib ihm ſein Eigenthum zurück. Ich mag nichts da⸗ von haben.“ „Clara, Du raubſt mir den Verſtand. Laß die Dinge ihren Lauf gehen. Er muß eine harte Lehre bekommen. Sie wird ihm nützen und vielleicht läßt ſich ein Mittel erſinnen, um ihm ſpäter wieder außzuhelfen.« „Und mittlerweile ſoll er mit deiner Zuſtimmung, auf dein Anſtiften, ins Gefängniß geworfen werden?“ „Mit meiner Zuſtimmung, auf mein Anſtiften, Clara?“ nicht ve Lb w Schult verlan Porſch dann it lange, then, wählt oder zu ſtel uhig ler od Beid 75 „Ja, Du nimmſt Theil an dem Unrecht, wenn Du es nicht verhinderſt. Doch ich habe geſagt, was ich zu ſagen hatte. werden. Qu ruhig Gefngniß Leb wohl!« „Nein, nein, Mädchen, ſo dürfen wir nicht ſcheiden.« Thränen⸗„Ich bleibe nur, wenn Du Dich dazu verſteheſt, Gage's Schulden zu bezahlen.« lam es„Nun, wenn ich mich dazu verſtehe, zu thun, was Du — verlangſt, obſchon gegen meine eigene Reigung, gegen jede den Kopf Vorſchrift des geſunden Menſchenverſtandes, wirſt Du Dich ce anſch. dann in Zukunft fügſamer zeigen?« wenn Du„Ja, in allen billigen Dingen.« ²„Ja, aber Du könnteſt dann leicht das, was ich ver⸗ lange, als unbillig betrachten.“ g und er⸗ —— „Nun ſo laß mich es wiſſen.« t ſchen wit„Willſt Du heirathen, wie ich es von Dir wünſche?“ „Ich habe jetzt ganz andere Gedanken, als ans Heira⸗ „Ich bitte then, Vater. Haſt Du vielleicht einen Mann für mich ge⸗ in deinet⸗ wählt?* echen. Ich„Zwei junge Männer von Stand trachten nach dieſem fir meine Glück: Sir Randal de Meſchines und Maſter Freke.« l ich das,„Lieber will ich ins Grab ſteigen, als mich mit Einem rfen7“ oder dem Andern von dieſen Beiden vermälen.« richts do⸗„Na, ich habe dies blos geſagt, um Dich auf die Probe zu ſtellen,« rief Fairlie, durch ihre zunehmende Bläſſe beun⸗ die Ding⸗ ruhigt.„Sey verſichert, ich werde Dich niemals einem Spie⸗ mmen⸗ Si ler oder einem Wüſtling opfern und dieſe jungen Männer ſind d erſimen Beides. Ich habe mit Dir ganz andere Abſichten.« »Ich bitte Dich um meinetwillen nicht weiter zu beun⸗ mung u ruhigen. Laß mich gehen.« Und ſie taumelte nach der Thür, ehe ſie aber dieſelbe 76 erreichen konnte, verließen ſie die Kräfte und ſie ſank auf einen Stuhl.* „Was fehlt Dir?“ rief ihr Vater, indem er auf ſie zu⸗ ſprang. „Eine plötzliche Mattigkeit iſt es,« entgegnete ſie,„wei⸗ ter nichts. Es wird ſchnell vorübergehen.“ In dieſem Augenblicke ließen ſich draußen eilige Tritte vernehmen und gleich darauf flog die Thür auf und Lettice Rougham ſtürzte ins Zimmer. „O Miß Claral« rief Lettice,»es iſt gekommen, wie wir erwarteten. Man hat ihn verhaftet.« „Schweig, Dirne!“ rief Fairlie.„Siehſt Du nicht, daß deine Herrin unwohl iſt? Hole lieber etwas, was ſie wieder ermuntert.“ „Hier, Miß, riechen Sie an dieſes Fläſchchen. O mein Himmel, was wird aus ihm werden! Ich will nicht ſchweigen,« ſagte ſie zu Maſter Fairlie.»Der arme Maſter Monthermer iſt verhaftet worden, Miß. Man ſteht im Begriff, ihn fort⸗ zuführen.« „Verhaftet!« rief Clara, indem ſie ihren Vater anſah. „Ja, Miß, und die Diener ſagen, es ſey auf Maſter Fairlies Anſtiften geſchehen. Sie ſchrien alle Pfui über ihn und wohl haben Sie Grund dazu. Auch ich ſchreie Pfui! Ja, ja, ſchauen Sie mich ſo zornig an, als Sie wollen, Sir, ich fürchte mich nicht im Mindeſten.“ Clara ſchien ihre Kräfte eben ſo ſchnell wieder zu ge⸗ winnen, als ſie dieſelben verloren. „Reich mir deinen Arm, Lettice,“ rief ſie,„und hilf mir hinaus. Ich werde ihn in Freiheit ſetzen.« „Du! Wie willſt Du denn das machen?“ rief Fairlie. „Komm mit mir und Du ſollſt es ſehen,“ entgegnete ſie, N rickbeb ihn bei heit iſt ſeiner? ſcher a gegenü ſchweie lächter auf de tete au wi ich haben auch uns h So w luſga ſchen »Ich nach den Wen ſank auf uf ſie zu⸗ ſie,»wei⸗ ilige Tritte und Lettice mmen, wie⸗ nicht, daß s ſie wieder O mein ſchweigen,“ Nonthermer ihn fort⸗ ter anſch. auf Maſter i über ihn Ffuil Je⸗ n Sir ich der zu g⸗ n hiff nir f Foirli gegne ſe „Ich kann ihm nicht gegenübertreten,“ ſagte Fairlie zu⸗ rückbebend. „Aber Sie müſſen! Sie ſollen!“ rief Lettice, indem ſie ihn bei der Hand ergriff und mit fortzerrte.„Ihre Anweſen⸗ heit iſt nothwendig.“ Fairlie hätte gern Widerſtand geleiſtet, aber die Blicke ſeiner Tochter zwangen ihn, ſie zu begleiten. Sobald die Luft rein war, traten die beiden Lau⸗ ſcher aus ihren beiderſeitigen Verſtecken hervor und einander gegenüber. Sie ſtierten einander einige Augenblicke lang ſchweigend an und brachen dann Beide in ein ſchallendes Ge⸗ lächter aus. „Was! waren Sie hier?« fragte Beau Freke, indem er auf den Schirm zeigte. „Und Sie waren da?« entgegnete Sir Randal und deu⸗ tete auf den Wandſchrank.„Ich dachte, Sie wären fort, aber wie ich ſehe, ſind Sie ebenſo neugierig wie ich. Wohlan, wir haben das gewöhnliche Glück der Horcher gehabt. Wir haben uns Spieler und Wüſtlinge nennen hören, gleichzeitig aber auch etwas erfahren, was zu wiſſen ſehr gut iſt. Fairlie hat uns hinter's Licht geführt und gedenkt ſich unſer zu entledigen. So weit dies mich betrifft, ſoll er finden, daß dies keine leichte Aufgabe iſt.“ „Und wenn er mich loszuwerden gedenkt, ſo wird er ſehen, daß er ſich verteufelt geirrt hat,« ſagte Beau Freke. „Ich werde an ihm haften wie ein Blutegel.* „Von einer Heirath mit ſeiner Tochter kann natürlich nach dem, was wir gehört, nicht die Rede ſeyn. Wir wer⸗ den aber andere Mittel finden, ihm etwas auszupreſſen. Wenn er vielleicht gedenkt, ſeinen übelerworbenen Gewinn in 78 Ruhe zu genießen, ſo muß er uns ſchwere Procente als Schweigegeld bezahlen.« „Das verſteht ſich,« entgegnete Beau Freke lachend.„Er ſoll nicht ſo leicht aus unſerem Netze kommen, das verſpreche ich ihm. Doch laſſen Sie uns nur ſehen, was man vor hat. Ich wette hundert gegen eins, daß er Gage's Schulden nicht bezahlt.“ „Die Wette gilt,“ entgegnete Sir Randal, während ſie miteinander das Zimmer verließen. IX. Ein übereiltes Verſprechen. Das Verderben ſtierte nun unſerm leichtſinnigen Helden ins Geſicht. Und dennoch blieb wunderbarerweiſe, wenn man die furchtbare Lage, in die er ſich verſetzt ſah, in Erwägung zog, ſein Muth ungebrochen. Umlagert von einer Schaar Mah⸗ ner, die keine Entſchuldigungen mehr annehmen wollten, ohne Hoffnung für die Zukunft, von ſeinen Freunden verlaſſen, ohne eine andere Ausſicht als das Fleet⸗Gefängniß, leiſtete er ganz gewiß Wunderbares, wenn er auch nur noch einen Schimmer von Heiterkeit bewahrte. Dieſe Heiterkeit war vielleicht erheuchelt, aber auf jeden Fall imponirte ſie ſeinen Dienern und erregte ihre Bewunderung. Am Morgen des letzten Tages, den er dem Anſchein nach in ſeinem eigenen Hauſe verleben ſollte, ſtand er ſpät auf und machte ſeine Toilette mit ſeiner gewohnten Ruhe und Sorgfalt und plauderte dabei heiter mit Chaſſemouche und Bel⸗ lairs, während ſie ihm beim Ankleiden behilflich waren und ihm ſeine Chocolade brachten. Bei Aune ſo die ſie it verſchob Ende n ſtand z Zögern heitete ren, ab — hml helft mi „ ſagte werden ſein d6 lairs h mehrt dem er mich je würde »Aher nte als nd.»Er rſpreche or hat. n nicht end ſie Helden nn man wägung Mah⸗ n ohne erlaſſen, leiſtete ch einen eit war e ſeinen Anſchein er ſpät uhe und Bel⸗ nd ren und 79 Beide Diener waren von ſeiner Freundlichkeit und guten Laune ſo bezaubert, daß ſie eine unangenehme Mittheilung, die ſie ihm zu machen hatten, bis auf den letzten Augenblick verſchoben. Endlich jedoch, nachdem ihre Verrichtungen zu Ende waren, fühlte Bellairs ſich gezwungen, den Gegen⸗ ſtand zur Sprache zu bringen, was er mit bedeutendem Zögern that. „Es thut mir wirklich leid, Sir,« ſagte er,„Ihre heitere Stimmung durch unangenehme Bemerkungen zu ſtö⸗ ren, aber die Nothwendigkeit verlangt, Ihnen mitzutheilen — hm!— Ihr wißt, was ich ſagen will, Chaſſemouche— helft mir einmal auf das richtige Wort.« „Parbleu! Ich ſeyn viel zu verlegen, um zu ſprechen,« ſagte der Franzoſe,„aber ich hoffen, daß monsieur mir werden pardon geben. Er ſeyn der allerbeſte Herr und ich ſein désolé ihn zu müſſen verlaſſen.“ „Das iſt ganz auch meine Meinung, Sir,« ſetzte Bel⸗ lairs hinzu.»Es thut mir außerordentlich leid, daß ich nicht mehr die Ehre haben kann, Ihnen zu dienen.“ „Warum wollt Ihr mich verlaſſen?« fragte Gage, in⸗ dem er ſie mit gut erheucheltem Erſtaunen anſah.»Ihr habt mich ja ſtets zu meiner vollſtändigen Zufriedenheit bedient.“ „Wenn ich meinem Willen folgen könnte, Sir, ſo würde ich Sie niemals verlaſſen,« entgegnete Bellairs, „aber—* „Ich ſehe ſchon, wie es ſteht,« rief Gage lachend. „Ihr wollt mehr Lohn haben. Wohlan, ſprecht mit Fairlie.“ „Sie ſind ſehr gütig, Herr, und Chaſſemouche ſowohl als ich wiſſen Ihre edelmüthigen Abſichten zu würdigen. Sie haben ſich gegen uns ſtets wie ein Edelmann gezeigt.“ 8⁰ „Wie ein prince, ſagen ich,« warf der Franzoſe da⸗ zwiſchen. „Ganz recht, wie ein Prinz, wie ein Fürſt. Wir haben niemals die mindeſte Urſache zur Klage gehabt— meint Ihr nicht auch, Chaſſemouche?“ „Nicht die mindeſte,« wiederholte der Franzoſe.„Unſer neuer Herr ſehn da ganz anders.“ „Euer neuer Herr?« rief Gage.„Zum Teufel, habt Ihr Euch denn weiter verdungen, ohne mir vorher zu kün⸗ digen?« „Um alles in der Welt würden wir nicht unrecht an Ihnen gehandelt haben, Sir,« ſagte Bellairs,»aber Ma⸗ ſter Fairlie machte es zur ausdrücklichen Bedingung, daß ſein Arrangement mit uns geheim gehalten werden ſollte, bis er uns Erlaubniß gäbe, davon zu ſprechen.“ „Alſo Maſter Fairlie nimmt Euch mir ab? Wie* ſagte Gage. „Nicht uns allein, Sir,« entgegnete Bellairs;»er hat das ganze Hausperſonal gemiethet.« „Was! ohne mir ein Wort zu ſagen?“ rief Gage. „Er ſchien es nicht für nothwendig zu halten, Sir, entgegnete Bellairs.„Entſchuldigen Sie meine Freiheit, Sir — aber, ſo ergeben wir Ihnen auch ſind, ſo hätten wir doch nicht ſo lange in Ihrem Dienſte bleiben können, wenn Maſter Fairlie uns nicht unſeren Lohn bezahlt hätte.“ „Sonach hattet Ihr alſo wohl kein Vertrauen zu mei⸗ ner Fähigkeit, Euch zu bezahlen.“ „Wir hatten vollkommenes Vertrauen zu Ihrem Wunſche, dies zu thun, aber wir fürchteten, daß ein Tag kommen möchte, wo Ihnen die Mittel dazu gebrächen. Verzeihen Sie mir, n lich gek C der d große winner 6 eine gu Haus nicht k bis zu mals aber i bemerk Verrä der D ſerem Sie a gang Hinto ſcher derte der, lire, ler, Dir woſe da⸗ Wit haben meint Ihr ſe.»Unſer fel, habt zu kün⸗ mrecht an aber Ma⸗ doß ſein te, bis er Vie „„el hat hage. n, Sir,“ heit, Sir iten wir n, wenn ju mer Vunſche kommen hen Si — 81 mir, wenn ich hinzufüge, daß dieſer ſchlimme Tag nun wirk⸗ lich gekommen iſt.“ Es trat eine kurze Pauſe ein, während welcher Gage, der durch das, was er ſoeben gehört, augenſcheinlich in große Aufregung verſetzt worden, ſeine Faſſung wieder zu ge⸗ winnen ſuchte. Endlich wagte Chaſſemouche eine Bemerkung zu machen. „Wenn monsieur wollen geruhen von mir anzunehmen eine gute Rath,“ ſagte er,»ſo werden er gehen aus die Haus ſo ruhig und geſchwind wie möglich und ſo crediteurs nicht kommen in die Weg.“ „Was fliehen ſoll ich, Chaſſemouche? Nein, ich weiche bis zum letzten Augenblick keinen Fußbreit. Fairlie wird nie⸗ mals zugeben, daß man mich moleſtire.“ „Meiner Treu, Sir, ich möchte es nicht gern ſagen, aber ich glaube faſt, daß er ſchuld iſt an Ihrer Verhaftung,* bemerkte Maſter Bellairs. „O, Du verleumdeſt ihn!« rief Gage.»Einer ſolchen Verrätherei iſt er nicht fähig!“ „Wohlan, die Zeit wird's lehren, Sir,s entgegnete der Diener,„und ich hoffe nur, daß Ihre Meinung von un⸗ ſerem neuen Herrn ſich als eine richtige erweiſen möge. Wenn Sie aber vielleicht dieſen Morgen Luſt haben, einen Spazir⸗ gang in den Park zu machen, ſo empfehle ich Ihnen zur Hinterthür hinauszugehen. Sie werden finden, daß dies der ſicherſte Ausgang iſt. Ihre Gläubiger lauern Ihnen zu Hun⸗ derten auf, Sir. Die ganze Straße wimmelt davon: Schnei⸗ der, Wagenbauer, Perrückenmacher, Schuhmacher, Juwe⸗ liere, Strumpfwaarenhändler, Handſchuhmacher, Tuchhänd⸗ ler, Seidenhändler, Spitzenhändler, Paſtetenbäcker, Feder⸗ Der Verſchwender. II. 6 82 viehhändler, Fleiſcher, Sattler, Uhrmacher, Weinhändler— alle Ihre Lieſeranten liegen auf der Lauer.“ „Zum Teufel! iſt denn keiner von ihnen bezahlt worden7“ „Niemand iſt bezahlt worden, Sir— ſeit Ihrer An⸗ kunft in London,« entgegnete Bellairs.„Sie haben gänzlich auf Credit gelebt.“ „Zum Teufel, das iſt ja ſchändlich!« rief Gage.»Wo iſt denn mein Geld hin? Fairlie wird mir ſagen, der Spiel⸗ tiſch habe mich darum gebracht; obſchon ich aber große Sum⸗ men verloren habe, ſo kann doch nicht Alles auf dieſe Weiſe verſchwunden ſeyn. Ich bin auf die abſcheulichſte Weiſe betro⸗ gen worden— aber von wem?— Nun iſt es zu ſpät, dieſe Frage aufzuwerfen— o Thor, Thor, der ich geweſen bin!“ Und ſich mit Vorwürfen überhäufend, die wir nicht als ganz unverdient betrachten können, ſank er auf einen Stuhl, während die beiden Diener, in der Meinung, daß ihre Gegen⸗ wart nicht länger wünſchenswerth ſey, ſich aus dem Zimmer ſchlichen. Gage blieb in tiefe, ſchmerzliche Betrachtungen verſun⸗ ken, bis er durch eine leichte Berührung an der Schulter aufgerüttelt ward und als er aufblickte, Miſtreß Jenyns neben ſich ſtehen ſah. „Sie ſcheinen ſehr bekümmert zu ſeyn,« ſagte ſie. „Und wohl habe ich Grund dazu, Peg, entgegnete er. „Ich habe keine Guinee mehr in der Taſche und weiß auch nicht, wohin ich mich wenden ſoll, um eine zu erhalten. Sie lächeln, als ob Sie mir nicht glaubten— aber ich ſchwöre Ihnen, daß es die Wahrheit iſt. Haus, Diener, Equipagen Gemälde, Geſchirr— alle meine Habe iſt dahin. Fairlie hat Alles genommen oder wird Alles nehmen, und ich erwarte blos ne fen un welche kanni Gelegi Niſtre zu Piſ men. glaube Asſi zu en Cben zu ſeh mir, ſupre vom ſo a muß ande bin vori der ändler— n bezahlt Ihrer An⸗ en gänzlich age.»Po der Spiel⸗ toße Sum⸗ dieſe Weiſe geiſe betro⸗ pät, diſe veſen binl“ ir nicht als nen Stuhl, re Gegen⸗ m Zimmel en verſun⸗ rSchulter ſie. gegnele et. weiß auch alten. Sie ſchwöre Fquipagen Fairle hu 5 erwarte 83 blos noch den Augenblick, wo er mich aus dem Hauſe wer⸗ fen und mich der Meute hungriger Gläubiger preisgeben wird⸗ welche draußen lauern, um mich ſofort zu packen. Aber ich kann ihnen allen noch entrinnen. Wenigſtens ſollen ſie keine Gelegenheit haben, mich in meinem Unglück zu verſpotten.“ „Ich errathe Ihren verzweifelten Vorſatz,“ entgegnete Miſtreß Jenyns.»Sie brauchen aber vor der Hand weder zu Piſtol, noch zu Dolch, noch zu Gift Ihre Zuflucht zu neh⸗ men. Ihre Lage iſt noch nicht ſo ganz hoffnungslos, als Sie glauben.* „Sie flößen mir neues Leben ein, Peg. Iſt wirklich Ausſicht für mich vorhanden, dieſer furchtbaren Bedrängniß zu entrinnen?“ „Werden Sie erſt ruhig, ſonſt ſpreche ich kein Wort. Eben habe ich Fairlie geſprochen. Anfangs ſchien er unerbittlich zu ſehn, aber ich fand Rittel, ihn zu rühren. Es gelang mir, ihm Angſt zu machen und dadurch tauſend Pfund aus⸗ zupreſſen.* „Und haben Sie dieſes Geld bei ſich? Es kann mich vom Untergange retten.“ „Sie ſollen es haben, dafern Sie mir verſprechen, es ſo anzuwenden, wie ich ſage. Mit der Hälfte der Summe muß Arthur Poynings' Darlehen zurückgezahlt werden.“ „Beſſer könnte es nicht angewendet werden. Und die andern Fünfhundert— was ſoll damit geſchehen?** „Sie müſſen Ihr Glück mit den Würfeln verſuchen. Ich bin überzeugt, daß Sie gewinnen werden. Es träumte mir vorige Nacht, daß Sie im Spiel Ihr ganzes Vermögen wie⸗ dergewonnen hätten.* „Möge der Traum in Erfüllung gehen! Ich will ſpielen, 5 84 als wenn es mein Leben gälte. Und ſo wird es auch ſeyn, denn wenn ich verliere—« „Ach bah! An's Verlieren dürfen Sie nicht denken. Sie müſſen ſich vornehmen, zu gewinnen.« „Nun gut, ich will gewinnen!« rief Gage. „Halt! die Hälfte Ihres Gewinnes muß mein ſeyn. Möge der Betrag ſeyn, welcher er wolle. Sind Sie damit einverſtanden?“ »Jd.* „Nun gut; hier iſt das Geld. Schlagen Sie den Be⸗ trag Ihrer Schuld an Arthur Poynings in ein Couvert und ich werde Sorge tragen, daß die Sendung richtig an ihn befördert wird.“ „Ich werde dieſen Dienſt, den Sie mir da leiſten, nicht ſogleich vergeſſen, Peg,“ entgegnete Gage, während er ein kurzes Billet an Arthur ſchrieb und die Banknoten hinein⸗ ſchlug.»Sie haben mir eine große Laſt vom Herzen genom⸗ men, indem Sie mich in den Stand ſetzen, dieſe Zahlung zu machen,« ſetzte er hinzu, indem er ihr den Brief gab. „Die Schuld iſt blos übertragen,« entgegnete ſie.„Und nun Adieu auf kurze Zeit. Verſuchen Sie nicht, Ihr Zim⸗ mer zu verlaſſen, bis ich wiederkomme. Und dann müſſen Sie nach dem Groom Porter's Hotel eilen. Ihr Unglück wird ſich wenden. Vergeſſen Sie aber nicht— die Hälfte des Ge⸗ winnes iſt mein.« „Hier meine Hand darauf,“ entgegnete er.»Sollte ich ſo glücklich ſeyn, hunderttauſend Pfund zu gewinnen— wie ich hoffe— ſo gehören fünfzigtauſend Ihnen.* „Und Sie werden Niemanden geſtatten, Ihnen vom Spielen abzureden?« wird— ſechen!“ ſcheucht ganz an ſen laſſ haufen Spieles L trat pli ſein Ge kein A richtd ſind de ſchrie( che ih ner bl in da 5 ſehn„Ich glaube nicht, daß Jemand dieſen Verſuch machen wird— wird er aber gemacht, ſo wird er fehlſchlagen.« ns„Genug!“ entgegnete Miſtreß Jenyns.»Auf Wieder⸗ ſehen!“ Und mit triumphirendem Lächeln entfernte ſie ſich. mein ſchn. Dieſe Unterredung mit der ſchönen Schauſpielerin ver⸗ Sie danit ſcheuchte alle düſteren Betrachtungen Gage's und erweckte eine ganz andere Gedankenreihe. Seiner Phantaſie den Zügel ſchie⸗ ßen laſſend, ſah er ſich ſchon am Spieltiſch ſitzen, mit Gold⸗ eden Be⸗ haufen und Banknotenrollen, dem Ergebniß eines glücklichen ouvert und Spieles, vor ſich. ig an ihn eſun nih Die Verhaftung. end er ein en hinein⸗ Während Gage ſich dieſen trügeriſchen Träumen hingab, en genom⸗ trat plötzlich Maſter Bellairs wieder ein und verrieth durch ahlung zu ſein Geſicht, daß etwas Beunruhigendes vorgefallen war. ab.„Kommen Sie mit mir, Sir, raſch, raſch!— es iſt ſe.„Und kein Augenblick zu verlieren!« rief der Diener.»Die Ge⸗ Ihr Zin⸗ richtsdiener ſind im Hauſe und kommen eben die Treppe her⸗ nn miſſen auf. Sie müſſen ſich in irgend einem Winkel verſtecken, bis glick wird die Gefahr vorüber iſt. Ha! es iſt ſchon zu ſpät! Sie te des Ge⸗ ſind da!* „Verriegle die Thür, Bellairs. Laß ſie nicht herein!* ſchrie Gage. Der Diener bemühte ſich, dieſer Weiſung zu gehorchen, ehe ihm dies aber möglich war, traten zwei ſtämmige Män⸗ ner von harten, ſchroffen Zügen und mit Knüppeln bewaffnet „ Solle ih ie — wW om nen b 4 in das Zimmer. —————— 86 „Ha! ha! wir waren ein wenig zu geſchwind für Euch, mein Freund,« ſchrie der vorderſte der Beiden.»Da haben wir ihn, Martin,« ſetzte er mit einem heiſern Gelächter zu ſeinem Cameraden hinzu. „Ja, ja, Ned Craggs,“ entgegnete der Andere,„das iſt der Herr.“ Und mit dieſen Worten eilte er nebſt ſeinem Cameraden auf Gage zu, hielt ihm eine Schrift vor die Augen und rief? „Sie ſind unſer Gefangener, Maſter Monthermer. Wir verhaften Sie auf Antrag von Maſter Iſaak Nibbs in Billi⸗ ter Lane, Geldverleiher.“ „Zurück, Schurken, wenn Euch euer Leben lieb iſt! rief Gage, indem er zurückſprang und den Degen zog.„Ich kenne Maſter Nibbs nicht und habe niemals etwas mit ihm zu thun gehabt.* „Da irren Sie ſich, Sir,« rief ein artiger kleiner Mann, welcher in dieſem Augenblick an der Thür erſchien. Er war ſchlicht in einen Anzug von roſtigem Schwarz geklei⸗ det und trug eine hohe Cravate, graue Strümpfe und vier⸗ eckig geſchnittene Schuhe.„Sie irren ſich, Sir, ſage ich noch⸗ mals,« fuhr er in ſehr ſanftem Tone fort.„Sie haben fünf⸗ tauſend Pfund von mir geliehen und mir eine Schuldverſchrei⸗ bung darüber gegeben.* „Ich kann mich nicht darauf beſinnen,« entgegnete Gage. „Es iſt möglich, daß ein ſo geringfügiger Umſtand Ih⸗ rem Gedächtniß entfallen iſt, Sir,“ entgegnete Iſaak Nibbs. „Zufällig aber habe ich das Document bei mir. Hier iſt es,“ ſetzte er hinzu, indem er ein Pergament hervorzog.„Das Geld ward in Ihrem Auſtrage und für Sie an Maſter Fair⸗ lie bez Unterſe » pfange entgeg »Yir richtsdi 6 Degen » nichts. riſſen Arthu Faſſn Häſch ſugte legen von enge der Ihre hehf welc dfür Euch, Da haben elächter zu ere,»das Cameraden nund rief: ermer. Wir bs in Bill⸗ n lieb iſtl i ns nit ihm get kleiner ir erſchien⸗ warz gelli⸗ ſe und vier⸗ ng ich nc⸗ zaben fin⸗ uldverſchri⸗ entgegnete mſand ſurk Wt hier iſt i. rzog⸗ Vo Nſtr a 87 lie bezahlt. Sie werden doch, hoffe ich, nicht Ihre eigene Unterſchrift leugnen wollen?“ „Ich leugne, daß ich die fünftauſend Pfund jemals em⸗ pfangen habe. Ich bin betrogen worden!“ rief Gage. „Wir wollen uns darüber weiter nicht ſtreiten, Sir,« entgegnete Maſter Nibbs mit unerſchütterlicher Höflichkeit. „Mir genügt, daß ich Ihre Schuldverſchreibung habe. Ge⸗ richtsdiener, thut eure Pflicht.“ Gage aber ſtand auf der Defenſive und hielt mit ſeinem Degen die Häſcher im Schach. „Kommen Sie, Sir,« rief Craggs,»es nützt Alles nichts. Sie dürfen ſich nicht gegen das Geſetz auflehnen.“ In dieſem Augenblick ward plötzlich die Thür aufge⸗ riſſen und es traten noch zwei Perſonen ins Zimmer. Dieſe waren Sir Hugh Poynings und ſein Sohn Arthur. Gage ward durch ihr Erſcheinen nicht wenig aus der Faſſung gebracht und ſeine Verwirrung benutzend ſtürzten die Häſcher ſich plötzlich auf ihn und entwaffneten ihn. „Es thut mir leid, Sie in dieſer Lage zu ſehen, Gage,« ſagte Sir Hugh nähertretend.„Ich hörte, daß Sie in Ver⸗ legenheit wären, und komme, um zu ſehen, ob ich Ihnen von Nutzen ſeyn kann.* „Verſchonen Sie mich mit Ihrem Mitleid, Sir Hugh,* entgegnete der junge Mann ſtolz,„ich begehre es nicht.“ „Sie verſtehen mich ganz falſch, Gage,* entgegnete der alte Baronet freundlich.»Fern ſey es von mir, Sie in Ihrem Unglück beleidigen zu wollen. Ich möchte Ihnen lieber helfen, wenn ich kann. Wie viel beträgt die Summe, wegen welcher man Sie verhaften will?* „Fünftauſend Pfund.“ 88 »Donnerwetter, das iſt keine Kleinigkeit,« rief Sir ugh,»und mehr als ich wegwerfen möchte. Kann denn die ache nicht arrangirt werden?« »Nur durch Bezahlung der Schuld, Sir Hugh,« ent⸗ gegnete Maſter Nibbs. »Ich möchte deiner großmüthigen Abſicht nicht hinder⸗ lich ſeyn, wenn ſie Gage etwas nützen könnte,« bemerkte G S Arthur,„aber dies iſt blos ein kleiner Theil ſeiner Verbind⸗ lichkeiten. Wie Du geſehen haſt, wimmelt das Haus von ſei⸗ nen Gläubigern, und wenn er auch von dieſem hier erlöſt wird, ſo faſſen ihn dann die andern.« »Das iſt ſehr wahr, Arthur,« entgegnete Gage.»Ich kann Sir Hugh's Beiſtand nicht annehmen, und laſſ' mich Dir ſagen, daß das Geld, welches Du mir kürzlich auf ſo freundliche Weiſe in White's Kaffeehaus vorſchoſſeſt, Dir von einem Freunde zurückgezahlt werden wird.« »Mach Dir darüber keinen Kummer,« entgegnete Arthur. „Wir verſäumen hier die Zeit,« ſagte Maſter Nibbs zu den Häſchern.»Bringt euren Gefangenen mit. Setzt ihn in eine Kutſche und führt ihn nach der Poltzeiſtation in Chan⸗ cery Lane.* »Und iſt es wirklich ſo weit gekommen?s ſtöhnte Sir Hugh.»O, Gage, es ſchmerzt mich in der Seele, den Sohn Ihres Vaters in einer ſo ſchmachvollen Lage zu ſehen! Ich würde Ihnen helfen, wenn ich könnte— aber, wie Arthur ganz richtig geſagt, es iſt unmöglich.« »Wenn mir nur noch ein Tag vergönnt geweſen wäre, ſo wäre dies nicht gechehen, Sir Hugh,« entgegnete der iunge Mann, während er in Begleitung der Gerichtsdiener das Zimmer verließ. N ins Ha von iht 2 dicht g erhobe nungen 6 zwiſcher Spießr ſie dur mit H den hi ihrem Theil ju mü tet mi lich, heran Schlo von rief Sir ann denn die hugh,“ ent⸗ ticht hinder⸗ bemerkte er Verbind⸗ us von ſei⸗ hier erlöſt Gag.»ch laſſ mich zlich auf ſo ſt, Dir von entgegnete aſter Wbbs Sett ihn on in Chan⸗ ſöhnte Sit den Sohn ſchen!) vie Arthur en wäre⸗ e der gegnei richtdienet 89 Mittlerweile hatten auch die übrigen Gläubiger Zutritt ins Haus erhalten und die große Eingangshalle wimmelte von ihnen. Als ſie Gage zwiſchen den beiden Gerichtsdienern und dicht gefolgt von Ribbs die Treppe herunterkommen ſahen, erhoben ſie ein wüthendes Geſchrei und hielten ihm ihre Rech⸗ nungen hin und verlangten ſofortige Bezahlung. Es iſt, wie man geſtehen muß, nichts ſehr Angenehmes, zwiſchen einer Rotte wüthender und getäuſchter Gläubiger Spießruthen zu laufen, und Gage bemühte ſich vergebens, ſie durch Worte des Bedauerns zu erweichen. Seine Erklärungen und Entſchuldigungen wurden nur mit Hohn und Spott aufgenommen und der Tumult hatte den höchſten Grad erreicht, als auf einmal Clara Fairlie mit ihrem Vater in der Hausflur erſchien und das Geſchrei zum Theil verſtummte. Clara unter ſo erniedrigenden Umſtänden entgegentreten zu müſſen, ſteigerte Gages Verzweiflung auf faſt unerträg⸗ liche Weiſe. Er war außer ſich vor Scham und Verwirrung. Sein ſtolzes Herz drohte zu berſten und indem er ſeinen Blick von ihr abwendete, erſuchte er die Gerichtsdiener, ihn weiter und ſo raſch als möglich durch die Menge hindurchzuführen. „Bringt mich wohin Ihr wollt,“ rief er,„nur hal⸗ tet mich um's Himmels willen nicht länger hier auf.« Obſchon aber die Gerichtsdiener vollkommen bereit wa⸗ ren, ſeinen Wunſch zu erfüllen, ſo war dies doch nicht mög⸗ lich, denn die Menge drängte ſich fortwährend ungeſtüm heran und fand zu viel Vergnügen an der Angſt ihres Schlachtopfers, als daß ſie es p leicht hätte entrinnen laſſen. Zur Verzweiflung getrieben, verſuchte nun Gage, ſich von Cragg's Fauſt loszumachen und es würde ihm gelungen 90 ſeyn, ſich von dem einen der Häſcher zu befreien, wenn der andere ihn nicht deſto feſter gepackt hätte. Auf dieſe Weiſe ſah er ſich gezwungen, ſich ganz ruhig zu verhalten. Oben auf der Treppe ſtanden Sir Hugh Poynings und ſein Sohn als keineswegs theilnahmloſe Zuſchauer des Auf⸗ tritts. Es war lange her, ſeitdem Arthur Clara geſehen, denn obſchon ſeine Schweſter, wie wir bereits bemerkt, ihre Freundin häufig beſuchte, ſo hatte er ſie doch niemals begleitet. Luch's Schilderung des bedenklichen Zuſtandes von Clara's Geſundheit hatte ihn auf eine große Veränderung in der äußeren Erſcheinung der letzteren vorbereitet, aber den⸗ noch erſchütterte ihr Anblick ihn auf das Furchtbarſte. Die Röthe, welche während ihrer peinlichen Unterre⸗ dung mit ihrem Vater in ihre Wange emporgeſtiegen, war jetzt einer tödtlichen Bläſſe gewichen. Sie ſtützte ſich auf Lettice und hatte augenſcheinlich ihren ſinkenden Kräften das Aeußerſte zugemuthet. Dennoch aber leuchtete ihr dunkles glänzendes Auge von Entſchloſſen⸗ heit, und als ſein Blick eine Secunde lang auf Arthur fiel, glaubte er den Beweggrund zu verſtehen, der ſie hierher⸗ geführt. Was Fairlie betraf, ſo ſchien er in großer Unruhe zu ſeyn und fühlte ſich nächſt Gage vielleicht unter der ganzen Verſammlung am unbehaglichſten. »Führe mich weiter, Lettice,« ſagte Clara in leiſem Tone,„ſonſt verlaſſen meine Kräfte mich ganz.* Und mit Hilfe ihrer Dienerin einige Schritte weiter⸗ gehend, fragte ſie: haftun laſſun erfülle entgeg die Eh ſt ſo ſezen welch nicht tauſe kom auf ten, den mer ſtu wenn der ganz ruhig ynings und r des Auf⸗ a geſehen, erkt, ihre h niemals andes ven nderung in aber der⸗ ſte. Unterre⸗ egen, war nſchtinlich t. Dennoch niſchloſſen⸗ rthur fil ſe hierher⸗ Unruhe zl det ganſin in leiſen tte weiter⸗ 91 „Wer iſt der Gläubiger, auf deſſen Antrag die Ver⸗ haftung erfolgt iſt?“ „Ich bin es,« entgegnete Maſter Iſaak Nibbs. „Dann muß ich Maſter Monthermer's ſofortige Frei⸗ laſſung verlangen,“ ſagte Clara. „Mit dem größten Vergnügen werde ich Ihren Wunſch erfüllen, dafern meine Forderung vollſtändig bezahlt wird,« entgegnete der Geldmäkler.„Wenn ich nicht irre, ſo habe ich die Ehre, mit Miß Fairlie zu ſprechen, und wenn dem ſo iſt, ſo wird Ihr geehrter Herr Vater Ihnen auseinander⸗ ſetzen, daß ich genöthigt bin, mit einer Härte zu verfahren, welche meinen Gefühlen widerſtrebt. Ich bin aber wirklich nicht der Mann, der eine ſo bedeutende Summe wie fünf⸗ tauſend Pfund einbüßen könnte.“ „Und wir können es auch nicht,“ ſchrien die andern Gläubiger;„wir ſind Alle nicht die Leute, die chr Geld ver⸗ lieren können. Hunderte ſind für uns eben ſo viel, als Tau⸗ ſende für einen reichen Mann wie Maſter Nibbs.* „Sie werden ſich zufriedenſtellen laſſen, glaube ich,* fuhr Clara zu dem Geldmäkler fort,»wenn Sie die Verſi⸗ cherung meines Vaters haben, daß Ihre Forderung bezahlt werden ſoll.“ „O ja! Maſter Fairlie's Verſprechen wird mich voll⸗ kommen zufriedenſtellen,* entgegnete Nibbs mit einem Tone und mit einem Blick, welcher beträchtlichen Zweifel in Bezug auf die Wahrſcheinlichkeit, eine ſolche Verſicherung zu erhal⸗ ten, verrieth.»Wie ſoll ich verfahren, Sir?« ſetzte er zu dem Verwalter gewendet hinzu.„Soll ich Maſter Monther⸗ mer in Freiheit ſetzen laſſen?“ Fairlie ward von widerſtreitenden Gefühlen ſo ſehr be⸗ ſtürmt, daß er nicht im Stande war; zu antworten. Maſter 92 Nibbs ſah ihn verwundert an. Er erwartete eine entſchiedene Verneinung. »Mein Vater wird dafür Sorge tragen, daß Ihre Forderung bezahlt wird— darauf können Sie ſich verlaſſen,« ſagte Clara. »Ich zweifle keinen Augenblick an Ihrem Worte, Miß Fairlie— beſonders da Ihr verehrter Herr Vater keinen Widerſpruch erhebt, aber dennoch würde ich gern ſehen, wenn er ſeine ausdrückliche Zuſtimmung erklärte. Clara wendete ſich nun zu ihrem Vater. »Bedenke, was ſo eben zwiſchen uns vorgegangen iſt,« flüſterte ſie.„Ich verlange dieſen Act der Gerechtigkeit von Dir.« »Maſter Nibbs, die Schuld ſoll bezahlt werden— ich verſpreche es,« ſagte Fairlie mit gewaltiger Anſtrengung. »Genug, Sir, ich bin vollkommen zufriedengeſtellt,« entgegnete der Geldmäkler. Und er gab den Gerichtsdienern einen Wink, daß ſie den Gefangenen freilaſſen ſollten. Alle ſchienen nicht wenig überraſcht zu ſeyn und einen Augenblick lang trat unter den übrigen Gläubigern Still⸗ ſchweigen ein; ſobald ſie ſich aber von ihrem Erſtaunen erholt hatten, wendeten ſie ſich wie Ein Mann gegen Fairlie und riefen, daß keine Ausnahmen gemacht werden dürften, daß keinem der Gläubiger eine ſpecielle Begünſtigung zuſtehe und daß der Billigkeit und dem Rechte zufolge alle ihre Forde⸗ rungen auf dieſelbe Weiſe bezahlt werden müßten. »Alle, die gerechte Anforderungen an Maſter Monther⸗ mer haben, werden vollſtändig bezahlt werden,« ſagte Clara. »Weißt Du, was Du verſprichſt, Mädchen?« rief Fairlie faſt außer ſich.„Kaum werden zwanzigtauſend Pfund hinreichen, um alle dieſe Leute zu befriedigen.« gegnete chüchte macht würde N ſehte ſi mir me meinen nete C keit al Ihren g Ihnen komm MUnte Gläub von J ung Spre entſchiedene daß Ihre verlaſen,“ ter keinen rn ſehen, ngen iſt,“ von Dir.“ en— ich ngung. ngeſtelt,“ daß ſie und einen en Stil⸗ nen erholt irlie und ſun, daß ſtche und Nonther⸗ blar 70 rief nd Pfund 93 „Und betrüge die Summe noch einmal ſo viel,s ent⸗ gegnete Clara mit einer gebieteriſchen Miene, die ihn ein⸗ ſchüchterte,»ſo muß ſie geſchafft werden.« „Die Schulden ſind aber aus purer Narrheit ge⸗ macht—* „Es läßt ſich nicht ändern. Maſter Monthermer muß völlig freigemacht werden.« „Nöthige mich nicht dazu— mein ganzes Vermögen würde daraufgehen. Um Deiner ſelbſt willen laſſ Dir rathen.“ „Ich frage nicht darnach— ich bedarf nichts, ver⸗ ſetzte ſie in leiſem Tone.»Thue wie ich verlange, wenn Du mir meine letzten Stunden verſüßen willſt.« In dieſem Augenblick brach ſich Gage Bahn bis zu ihr durch die Menge. „Ich kann nicht zugeben, daß Ihr Vater durch meine Thorheit leide, Clara,« ſagte er.»Ich muß die Folgen meiner eigenen Unklugheit tragen.« „Sie brauchen kein Bedenken zu tragen, Hilfe von meinem Vater anzunehmen, Maſter Monthermer,« entgeg⸗ nete Clara.»Er trägt blos eine lange Schuld der Dankbar⸗ keit ab, welcher er ſeinen Wohlſtand verdankt— ich meine Ihren Vater. Uebrigens bin ich gewiß, daß er, wenn er mit Ihnen zuſammenrechnet, dabei immer noch nicht zu kurz kommen wird.“ „Er ſoll auch nicht durch mich verlieren,« rief Gage. „Unter dieſen Umſtänden, Fairlie, glaube ich meinen Herren Gläubigern verſichern zu können, daß alle ihre Rechnungen von Ihnen ohne Verzug werden bezahlt werden.« „Laßt uns hören, was Maſter Fairlie zu dieſer Erklä⸗ rung ſagt,« bemerkte ein Wagenfabrikant, welcher als Sprecher für die Andern fungirte. 94 „Bringt morgen eure Rechnungen und befreit uns jetzt von eurer Gegenwart,« rief Fairlie wüthend. „Nun, ſo kommt, Freunde,« ſagte der Wagenfabri⸗ kant;„wir wollen Maſter Monthermer und der übrigen Ge⸗ ſellſchaft nicht länger läſtig fallen. Wir ſind Miß Fairlie un⸗ endlich verpflichtet und freuen uns, daß ein Geſchäft, welches ſo unangenehm zu werden verſprach, auf ſo zufriedenſtellende Weiſe geendet hat.“ Und ſich ehrerbietig vor Clara verneigend entfernte er ſich, gefolgt von den übrigen Gläubigern, während Maſter Iſaak Nibbs und die Gerichtsdiener den Nachtrab bildeten. Sobald die Eingangshalle 7 Leuten geräumt war, wendete Gage ſich zu Clara und agte: „Was kann ich thun, um meine Dankbarkeit für den Dienſt zu beweiſen, den Du mir geleiſtet haſt? Mein Leben ſteht zu deiner Verfügung.« „Entſage dem Spiele! Das iſt Alles, was ich ver⸗ lange.* „Verſprechen Sie wie ein Mann, Gage,« rief Sir Hugh, indem er mit ſeinem Sohne hinzutrat.»Schwören Sie feierlich, keine Karte und keinen Würfel mehr anzurühren und es kann dann noch etwas aus Ihnen werden.“ „Den Schwur thut er vielleicht, aber halten wird er ihn nicht,« bemerkte Fairlie verächtlich. »Ich mag nicht ſo ſchlecht von ihm denken,« ſagte Clara.„Gib mir dein Wort als Ehrenmann, Gage, daß Du hinfort dem Spiele entſagen und niemals wieder ein Spielhaus betreten willſt.« „Ich gebe Dir mein Wort als Ehrenmann,« wieder⸗ holte Gage. Und ein heimlicher Schauer durchrieſelte ihn, als er dies ſag welches » Pohnin ges ſt wird.« N aller ſe zu lock ein un überft Helde würde Aber in we chen tuns jetz zagenfabri⸗ ibrigen Ge⸗ Fairlie un⸗ ft, welches denſtellende ntfernte et nd Maſter bildeten. n geräumt it für den Nein Lben s ich ver⸗ «tief Sir „Schoren aurihren n wird er en,“ ſagie Gage, daß wieder ein wieder⸗ hn, als er 95 dies ſagte, denn er entſann ſich des übereilten Verſprechens, welches er Miſtreß Jenyns gegeben. „Wir ſind Zeugen dieſes Gelübdes,« ſagte Sir Hugh Poynings und Arthur. „Und wir auch,“ ſetzte Beau Freke hinzu, der mit Sir Randal an dem Ende des in die Halle führenden Gan⸗ ges ſtand.„Wir werden ſehen, ob er ſein Wort halten wird.* „Glauben Sie mir, ich werde Mittel finden, ihn trotz aller ſeiner Schwüre und Gelübde wieder an den Spieltiſch zu locken,« entgegnete Sir Randal.„Qui a joué jouerz iſt ein untrügliches Axiom.« „Ich habe Dir noch etwas zu ſagen, Gage, rief Clara. „Um meinetwillen bitte ich Dich—6 Der junge Mann ſah ſie mit geſpannter Erwartung an. Die Bitte ward aber nicht ausgeſprochen. Eine plötz⸗ liche Ohnmacht überwältigte Clara und ſie ſank bewußtlos in ſeine Arme. XI. Der böſe Genius. Die Periode, bei welcher wir nun angelangt ſind, iſt überfüllt von Schmach und Schande für unſern verblendeten Helden. Gern würden wir darüber hinweggehen— gern würden wir einen Schleier über ſeine Verirrungen werfen. Aber dies darf nicht geſchehen, es iſt nothwendig, zu zeigen, in welche Tiefen der Entwürdigung ein Opfer der verderbli⸗ chen Leidenſchaft des Spiels verſinken kann. 96 Bis jetzt iſt der ſtolze Name, den Gage von ſeinen Ah⸗ nen empfangen, unbefleckt geblieben. Thorheiten und unzäh⸗ lige, faſt beiſpielloſe Exceſſe haben ſeine Laufbahn bezeichnet, aber er hat nichts gethan, deſſen ſich ein Gentleman ſchämen müßte. Sein Wort iſt ſtets heilig geweſen, ſeine Ehre ohne Flecken geblieben. Aber welchen Werth haben wohl die Schwüre eines Spielers? Welches Vertrauen kann man wohl ſeinem Ver⸗ ſprechen, ſich zu beſſern, ſchenken? Iſt er wohl durch die Thränen und Angſt Derer, welche ihn lieben und von ihm abhängen, von ſeinem verderblichen Treiben abzubringen? Können ihre ihn umklammernden Arme ihn von den fluchbe⸗ ladenen Tiſchen zurückhalten, wo das Verderben ſeiner harrt? Der Trunkenbold kann mäßig werden— der Wüſtling kann ſich beſſern— der Spieler aber niemals! So war es auch mit Gage. Trotz der ihm von dem edelgeſinnten Mädchen, welches zwiſchen ihn und das Ver⸗ derben trat, geleiſteten Dienſte, obſchon er auf ihr dringendes Bitten den Karten und Würfeln entſagt; obſchon er wußte, daß die Verletzung ſeines Schwures ihr, der er ſo tief ver⸗ ſchuldet war, die ſchmerzlichſte Wunde zufügen würde; ob⸗ ſchon er das Schmachvolle ſeines Verhaltens fühlte und mit Recht fürchtete, daß hinfort ſein Name nur mit Verachtung genannt werden würde— trotz allem dieſem war nach den in dem vorigen Capitel erzählten Vorgängen kaum eine Woche vergangen, als er auch ſchon ſein, Clara gegebenes Verſprechen und ſeinen Eid vergeſſen hatte und wiederum am Spieltiſche ſaß, umgeben von den falſchen Freunden und verworfenen Genoſſen, welche ihn ſeines Vermögens beraubt und ihn in der Stunde der Noth auf niedrige Weiſe verlaſſen hatten. 4 len wir 2 Bezahl wie nie bene V Gages legenhe D eine th gelnäß geweſe ihn nu andau zurück der mi elende hier o Credit aufzut Darle ſch h den kö det ge zuſtch und Der nſeinen Ah⸗ und urzäh⸗ nbezeichnet, nan ſchämen Ehre ohne würe eines ſeinem Ver⸗ l durch die d von ihm bzubringen? den fluchbe⸗ einer harrt? üſting kann m von dem dringendes er wußte, ſo tief ve⸗ würde ob⸗ e und nit Verachtung t nach den taum eine gegeben cerum n unden und ts beraubt verlaſſen Durch welche Einwirkung dies ſo gekommen war, wol⸗ len wir nun erzählen. Aller Verbindlichkeiten und Verlegenheiten durch die Bezahlung ſeiner Schulden enthoben— denn Fairlie hatte, wie nicht unerwähnt bleiben darf, das ſeiner Tochter gege⸗ bene Verſprechen pünktlich gehalten und ſämmtliche Gläubiger Gage's bezahlt— hatte der junge Mann nun die beſte Ge⸗ legenheit, ein neues und ganz anderes Leben zu beginnen. Das wüſte Leben aber, welches er geführt, hatte ihn für eine thätige Beſchäftigung gänzlich unfähig gemacht. An re⸗ gelmäßiges Arbeiten oder Studiren war er niemals gewöhnt geweſen und Vergnügungsſucht und Ausſchweifungen hatten ihn nun ſo entnervt. daß er ſchon vor dem Gedanken an eine andauernde Beſchäftigung mit Schrecken und Widerwillen zurückbebte. Der einzige Beruf, der ſich für ihn zu eignen ſchien, war der militäriſche, aber wie konnte er in ſeinem gegenwärtigen elenden Zuſtande in die Armee treten? Welche Rolle konnte er hier ohne ausreichende pecuniäre Mittel ſpielen? Und dieſe hatte er nicht. Seine Taſchen waren leer, ſein Credit dahin und er konnte keinen Plan erdenken, um Geld aufzutreiben. Niemand machte ihm Vorſchüſſe und für ein Darlehen hatte er keine Sicherheit zu bieten. Die Schwierigkeiten, die er in dieſer Beziehung vor ſich ſah, hätten vielleicht durch Clara's Vermittelung entfernt wer⸗ den können, denn dieſe würde ihr gutes Werk nicht unvollen⸗ det gelaſſen haben, aber ſie war nicht im Stande, ihm bei⸗ zuſtehen. Seit jenen gewaltigen Anſtrengungen zu ſeinen Gunſten und dem erſchütternden Auftritt, den ſie vorher mit ihrem Der Verſchwender. II. 7 ——— 98 Vater gehabt, hatte ihr Leiden ſich bedeutend verſchlimmert und ſie war keiner geiſtigen oder körperlichen Anſtrengung mehr fähig. Auf dieſe Weiſe war Gage ſeiner einzigen Ausſicht auf Beiſtand beraubt, denn der Stolz erlaubte ihm nicht, ſich an Sir Hugh Poynings zu wenden. Bis jetzt bewohnte er noch das Haus in Dover Street⸗ nachdem er von Fairlie Erlaubniß erhalten, einige Tage noch da zu bleiben. Nothwendig aber konnte dieſer Zuſtand der Dinge nicht ſo fortdauern. Etwas mußte geſchehen. Geld mußte geſchafft werden, aber wie? Er ſaß vom Morgen bis zum Abend in ſeinem Zimmer und zerſann ſich den Kopf nach Auskunftsmitteln, aber es fiel ihm keines ein als das, welches unterſagt war. Wos dir fünfhundert Pfund betraf, welche Miſtreß Jenyns ihm gegeben, damit er ſie am Spieltiſche verwende, ſo hatte er ſie mit einem Briefe zurückgeſendet, in welchem er die Unmöglichkeit der Erfüllung ihrer Wünſche auseinan⸗ derſetzte. Auf dieſen Brief gab die Schauſpielerin keine Antwort und von dieſer Zeit an, beinahe eine Woche lang, ſah und hörte er nichts von ihr. Dieſer Hausarreſt ward ihm endlich ſo unerträglich— denn ſchon die Scham über ſeinen gänzlichen Mangel an Geld hielt Gage ab, ſeine gewohnten Plätze zu beſuchen, oder auch nur einen Fuß über die Schwelle zu ſetzen— daß er Muth zuſammenraffte, an Fairlie zu ſchreiben und ihn um ein Darlehen von einigen hundert Pfund zu bitten. Seine Hoffnung auf eine günſtige Erwiederung ſeines Geſuches war allerdings eine ſehr geringe. — Fe ſch ver unter k Frih und ſi hielt e zu beg hätte i Engla Antr ſortg welch on d 3h ande ten Vnt näch ſein Si M im verſchlimmert n Anſtrengung Ausſcht auf m nicht, ſih over Street e Tage noch Dinge nicht ußie geſchaff inem Zimmer aber es ſtel elche Miſtreß e verwende, in welchem e auseinan⸗ ine Antwort g, ſah und rträglich— Nangel an zu heſuchen, u ſeßzen— iben und chre ju bitten⸗ erung ſeines 99 Fairlie's Antwort lautete wie folgt: „Sie ſollen die verlangte Summe haben, wenn Sie ſich verbindlich machen, ſofort das Land zu verlaſſen, aber unter keiner andern Bedingung. Laſſen Sie mich bis morgen Früh Ihren Entſchluß wiſſen.« Während Gage noch über dieſen Vorſchlag nachdachte und ſich mehr als halb geneigt fühlte, ihn anzunehmen, er— hielt er einen unerwarteten Beſuch von Miſtreß Jenyns. „Ah, Peg,“ ſagte er, indem er ſich erhob, um ſie zu begrüßen,»ich freue mich, daß Sie kommen. Außerdem hätte ich Sie vielleicht nie wiedergeſehen. Ich ſtehe im Begriff, England auf immer zu verlaſſen.« „Sie wollen England verlaſſen?— Aus eigenem freien Antriebe?« fragte ſie. „Ich habe keine große Wahl.« „Das dachte ich mir. Aber warum wollen Sie denn fortgehen? Warum wollen Sie eine Geſeliſchaft verlaſſen, welche Sie ſo angenehm gefunden haben? Niemand pflegte an dem Leben in London mehr Geſchmack zu finden, als Sie. Ich habe Sie hundertmal erklären hören, daß Sie nirgends anders ſich ſo amüſiren könnten wie in London, und Sie hät⸗ ten doch jede Hauptſtadt Europa's verſucht. Ich lobe mir London, ſagten Sie, mit ſeinen ſchönen Theatern, ſeinen nächtlichen Gelagen, ſeinen heitern, anregenden Maskeraden, ſeinen Opern, ſeinen Redouten, ſeinen Kaffeh⸗ und ſeinen Spielhäuſern! Ja, es gab eine Zeit, Gage, wo nach Ihrer Meinung es nichts Herrlicheres geben konnte als eine Nacht im Groom⸗Porter's Hotel.“ „Dieſe Zeiten ſind vorbei,« entgegnete der junge Mann ſeufzend.„Meine Börſe iſt leer und kann nicht wieder gefüllt * 100 werden. Ich habe nicht die Mittel, noch länger hier zu leben. Fairlie wünſcht, daß ich ins Ausland gehe.« »Er wünſcht ſich Ihrer zu entledigen. Nun empfehle ich Ihnen gerade, da zu bleiben— ihm zum Poſſen.“ »Ich würde mir dadurch nur ſelbſt den größten Poſſen ſpielen,« entgegnete Gage.»Wie ſoll ich noch an den Ver⸗ gnügungen theilnehmen, welche Sie eben erwähnten? Meine Geſchmacksrichtungen ſind noch dieſelben, aber ich bin nicht mehr im Stande, ſie zu befriedigen. Die Theater und Mas⸗ keraden ſind für mich eben noch ſo anziehend wie je, aber ich muß ſie meiden. Ich kann kein Kaffehhaus betreten, denn ich wage nicht eine Flaſche Wein zu verlangen, weil ich ſie nicht bezahlen kann. Ich, der ich ſonſt die prächtigſten Feten von London gab, der ich Hunderte— ja Tauſende in einem Kaffehhauſe von St. James und Covent⸗Garden ver⸗ than,— der ich jedem Weibe, welches mir für den Augen⸗ blick gefiel, Gold mit vollen Händen gegeben— der ich in Wolluſt geſchwelgt wie ein Monarch des Morgenlandes der ich den Genuß um jeden Preis gekauft— der ich über meine Verluſte im Spiel gelacht, obſchon dieſe Verluſte ver⸗ derblich waren— ich, der ich vor noch drei Monaten Herr dieſes Hauſes mit Allem, was darin iſt, war und zwanzig Meilen einer der ſchönſten Grafſchaften in England mein Eigenthum nennen konnte— ich bin in dieſe furchtbare Be⸗ drängniß verſetzt. Von dem ganzen Reichthum, den ich ver⸗ ſchwendet, iſt auch nicht eine Guinee mehr übrig und ich ſehe mich genöthigt, mein Haupt zu verhüllen, weil ich nicht die Verachtung der Welt ertragen kann. Nein, nein, ich muß Fairlie's Anerbieten annehmen. Ich werde ins Ausland ge⸗ hen und irgendwo Kriegsdienſte nehmen. Sie werden nicht wieder Schlack Lage durchg iſt, we ſten N gemach ju th wolche grifer daß e Aber Hleib tung ſtände Fairl Gege nicht ichn in9 den! hen 2— ſpie mal C2 er zu leben. n enpfehle ſen. ßten Poſſen den Ver⸗ en Meine bin nicht nd Mas⸗ , aber ich eten, denn veil ich ſie ſen Feten de in uden ver⸗ en Augeh⸗ der ich in ndes ich über. rluſte ver⸗ aten Herr zwani ind mein tbare Be⸗ nich ve⸗ d ich ſehe nicht die ich miß sland ge den nicht 101 wieder von mir hören— oder nur, daß ich auf irgend einem Schlachtfeld gefallen bin.“ „Dies iſt pure Narrheit, Gage. Betrachten Sie Ihre Lage doch ruhig und vernünftig. Sie haben Ihr Vermögen durchgebracht, wie ſchon Mancher vor Ihnen gethan. Dies iſt, wenn man Ihren Charakter bedenkt, durchaus kein Wun⸗ der. Sie ſind jetzt ohne Hilfsquellen und greifen nach dem er— ſten Anerbieten von Beiſtand, ohne zu bedenken, warum es gemacht wird. Hüten Sie ſich, abermals einen falſchen Schritt zu thun. Erkennen Sie denn nicht den Beweggrund, aus welchem Fairlie wünſcht, daß Sie das Land verlaſſen? Be⸗ greifen Sie nicht, daß Ihre Gegenwart ihm läſtig iſt, und daß er Sie gerne für immer aus dem Wege ſchaffen möchte? Aber gehen Sie auf ſeinen verrätheriſchen Vorſchlag nicht ein. Bleiben Sie, wo Sie ſind. Stellen Sie ſich unter meine Lei⸗ tung und ich mache mich verbindlich, Ihren Vermögensum⸗ ſtänden wieder aufzuhelfen. Ich beſitze eine große Macht über Fairlie, die er gern abſchütteln möchte, die aber durch Ihre Gegenwart geſichert und befeſtigt wird. Ich kann mich jetzt nicht genauer erklären, aber Sie können verſichert ſeyn, daß ich nicht vergeblich ſpreche. Als Mittel zu dem Zweck, den ich im Auge habe, muß Ihre erſchöpfte Caſſe wieder gefüllt wer⸗ den und dies kann blos auf Eine Weiſe geſchehen. Sie verſte⸗ hen mich.* „Nur zu gut,“ ſagte er, indem er ihren gefährlichen Blicken auswich.„Ich verſtehe Sie nur zu gut, Peg⸗ Aber Sie locken mich vergebens. Ich kann nicht,— ich darf nicht ſpielen. Sie wiſſen, daß ich einen Schwur gethan habe, nie⸗ mals wieder eine Karte oder einen Würfel anzurühren.« „Und was iſt das weiter?s rief ſie verächtlich.»Wollen Sie ſich, von einem übereilten Verſprechen beherrſchen laſſen, . 102 welches Sie in einem Augenblicke gegeben, wo Ihr Urtheil ind geblendet war? Clara Fairlie hatte kein Recht, dieſen Schwur zu verlangen. Ihre Anſprüche auf Ihre Dankbarkeit ſind lä⸗ 5 cherlich und verdienen keine Beachtung. Sie zwang ihren Va⸗ tiger ter einen bloßen Act der Gerechtigkeit zu üben— das iſt Al⸗ 31 les. Aber ſelbſt zugegeben, obſchon ich es nicht zugebe,— daß 9 . ſie großmüthig handelte— und daß ihre Großmuth Sie an nir ſie feſſelte, ſo kann doch kein von ihr abgepreßter Eid von dem . Verſprechen entbinden, welches Sie vorher mir gegeben. Ich Ihre vertraute Ihnen eine gewiſſe Summe an, damit Sie dieſelbe auch im Spiel verwenden ſollten, unter der Bedingung, daß die hit Hälfte des Gewinnes mein ſey. War es nicht ſo? Gaben Sie von mir nicht Ihr Wort darauf?« For „Ich kann es nicht leugnen, aber ich konnte es nicht vorausſehen, in welche Umſtände ich Clara gegenüber kom⸗ we men würde. Geben Sie mir mein Wort zurück, ich bitte Sie ge darum.* »Nimmermehr! Ich verlange ſogar, daß Sie es heute da noch erfüllen. Hier ſind die fünfhundert Pfund, die ich Ihnen in ſchon einmal übergeben. Wenden Sie dieſelben an, wie ich ge⸗ n ſagt habe.« l „Um Clara's willen bitte ich Sie inſtändig, nicht auf. 3 dieſe Weiſe in mich zu dringen.« »Was geht Clara mich an, und warum ſoll ſie meinen Abſichten in den Weg treten? Ich bin entſchloſſen, daß Sie n ſpielen ſollen. Machen Sie Ihre Rechnung mit ihr ſpäter il ab. Die meine muß zuerſt an die Reihe kommen.« „Ach, wenn ichFairlie die Summe zurückbezahlen könnte, die er für mich bezahlte, ſo würde ich mich dann aller Ver⸗ pflichtungen enthoben fühlen. »Warum ſo gewiſſenhaft? Ich ſage Ihnen, Fairlie iſt Ihr Urtheil ſen Schwur keit find lä⸗ g ihren Va⸗ das it A⸗ ebe,— daß uth Sie an id von dem geben. Ich Sie dieſelbe g, daß die Gaben Sie into es nicht enüber kom⸗ h bitte Sie ie es heute ich Jhnen wie ich ge⸗ „ nicht auf lſie meinen daß Sie ihr pätr hlen könnie⸗ aller Ber⸗ ʒairlt it ein Betrüger, ein Schurke, der Sie von Anbeginn beſtohlen hat. Wenn es Ihnen aber zur Beruhigung gereicht, ſo bezah⸗ len Sie mit Ihrem Spielgewinne zurück, was er Ihren Gläu⸗ bigern bezahlt hat.“ „Eine vortreffliche Idee!« rief Gage, indem er begie⸗ rig dieſen Vorſchlag feſthielt.„Ja, es ſoll ſo ſeyn, wie Sie mir rathen.“ „Ich rathe Ihnen keine ſolche Thorheit. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, ſo bekäme Fairlie von mir keinen Heller, auch würde ich nicht eher ruhen, als bis ich ihn gezwungen hätte, ſeinen ganzen Raub wieder herauszugeben. Doch da⸗ von ſpäter. Sie müſſen zunächſt damit beginnen, daß Sie ſich Fonds verſchaffen.* „Sie ſcheinen als gewiß anzunehmen, daß ich gewinnen werde. Bedenken Sie aber doch, wie ungläcklich ich bis jetzt geweſen bin.* „Nun aber werden Sie gewinnen. Ich bin überzeugt davon. Kommen Sie, und ſpeiſen Sie heute Abend bei mir in meiner Wohnung am Haymarket und dann werden wir nach dem Groom⸗Porter's Hotel gehen, wo Sie ſo hoch ſpie⸗ len können, als Sie wollen. Sir Randal und Maſter Freke werden ſicherlich dort ſeyn.“ „Mit dieſen Leuten ſpiele ich nicht!“ rief Gage. „Sie wollen nicht mit ihnen ſpielen? Unſinn! Sie kön⸗ nen ja gar keine beſſere Rache nehmen, als wenn Sie ſie mit ihren eigenen Waffen ſchlagen und das Geld, welches Sie ver⸗ loren haben, wieder gewinnen. Und das werden Sie auch. Ich verſpreche Ihnen ein Glück, wie Sie es noch niemals ge⸗ habt haben.* „Sie ſcheinen ſehr zuverſichtlich zu ſehn, Peg, aber gut iſt es immer, wenn ich muthig und vertrauensvoll einem Ver⸗ 104 ſuche entgegengehe, welcher, komme was da wolle, mein letzter ſeyn ſoll.« »O faſſen Sie nicht noch mehr Vorſätze gegen das Spiel, denn Sie wiſſen ja, daß Sie dieſelben nicht halten,« rief Miſtreß Jenyns lachend.„Und nun nehmen Sie das Geld. Um acht Uhr erwarte ich Sie.« Und mit dieſen Worten verließ ſie ſchnell das Zimmer, während Gage wie ein Träumender zurückblieb. Ein langer Kampf fand in ſeinem Herzen ſtatt, und en— dete, wie ſich vorausſehen ließ, damit, daß ſein böſer Genius den Sieg gewann. XII. Ein Brief von Clara. Der Abend war da. Eine Sänfte ſtand in der Haus⸗ flur, um Gage nach dem Hahmarket zu bringen, und er war im Begriff hineinzuſteigen, als Lettice Rougham zu der offen⸗ ſtehenden Hausthür hereinkam. Als ſie Monthermer erblickte, kam ſie eiligſt auf ihn zu, überreichte ihm ein Billet und bat ihn inſtändig, es zu leſen, ehe er das Haus verließe. »Iſt es von deiner Herrin?« fragte er. Lettice antwortete bejahend und ſetzte hinzu: »Ach leider, Sir, iſt ſie ſehr krank, doch machte ſie eine Anſtrengung, um dieſe Zeilen an Sie zu ſchreiben, in der Hoffnung, daß ſie nicht ohne Erfolg ſeyn würden. Leſen Sie den Brief, ich bitte Sie darum, vielleicht gehen Sie dann nicht. Es wird ihr das Herz brechen, wenn Sie es thun, ganz z ewißl« rief ſie, indem ſie in Thränen ausbrach. gewi Gage⸗ nen be ch Ih verdie werigſ Ach hin ge ſur al Vorl für wa ſhe olle, mein das Spiel, Aten,“ rief das Geld. s Zimmer, t, Und en⸗ ſer Genius deer war der offen⸗ uf ihn ju zu leſen, nachte ſe eiben, in en. Leſen Sie dann un, gan 105 „Nun, wohin glaubſt Du denn, daß ich gehe?“ rief Gage, indem er ſie überraſcht anſah.»Was ſollen dieſe Thrä⸗ nen bedeuten?“ „Na, um Ihretwillen vergieße ich ſie nicht, das kann ich Ihnen verſichern,« entgegnete Lettice ein wenig ſpit.»Sie verdienen nicht, daß ſich Jemand um Sie gräme, am aller⸗ wenigſten ein ſo ſanftes gutherziges Weſen wie meine Herrin. Ach, mein Gott, was wird mit ihr werden, wenn Sie dort⸗ hin gehen!« „Schweig doch mit dieſem Unſinn, Lettice! Was für alberne Gedanken haſt Du Dir in den Kopf geſetzt?“ „Es ſind keine albernen Gedanken, ſondern die ſchlichte Wahrheit. Kommen Sie einen Augenblick auf die Seite, Sir, damit ich mit Ihnen allein ſprechen kann.“ Und ſobald ſie ſich ſo weit entfernt hatten, daß die Sänftenträger und Diener ſie nicht hören konnten, ſagte ſie in leiſem Tone: „Sie ſtehen im Begriff, einen ſchlimmen Weg zu betre⸗ ten, und werden es Ihr ganzes Leben lang bereuen. Verſuchen Sie nicht, mich zu täuſchen, denn Sie können es nicht. Ich weiß recht wohl, wo Sie zu Abend ſpeiſen wollen, und mit wem, und was Sie ſpäter zu thun gedenken, und meine gute Herrin weiß es auch.“ Einen Augenblick lang war Gage ſprachlos und in der Meinung, daß ſie einen Vortheil über ihn errungen, beſchloß Lettice, denſelben zu verfolgen. „Ich freue mich, daß Sie noch nicht alles Schamgefühl verloren haben,« fuhr ſie fort,»und ich beginne Hoffnung für Sie zu faſſen. Sie wundern ſich vielleicht, woher ich weiß, was Sie vorhaben, und ich will es Ihnen ſagen. Ich kam ſchon heute Morgen an Ihr Zimmer mit einem Auftrage, deſ⸗ ſi 106 ſen Ausrichtung nun zu ſpät iſt, es war aber etwas ſehr Gutes und Freundliches, etwas zu Ihrem Rutzen, von Sei⸗ ten meiner guten Herrin, als ich die Thür blos angelehnt fand, und da ich eine weibliche Stimme hörte, welche ich ſo⸗ fort erkannte, ſo blieb ich ſtehen, um zu horchen. Es war vielleicht unrecht von mir, dies zu thun, aber ich konnte nicht anders. Ich hörte, was zwiſchen Ihnen und dieſem ſchlechten, falſchen Weibe geſprochen ward. Ich wußte gleich bei dem er⸗ ſten Worte, welches ich ſie ſprechen hörte, was ihreAbſicht mit Ihnen ſey, und ich ſchauderte, als Sie nicht ſofort, wie es einem Ehrenmann geziemt hätte, ihre niedrigen, abſcheulichen Vorſchläge zurückwieſen. „Lettice, wie kannſt Du Dich unterſtehen in dieſem Tone mit mir zu ſprechen?“ »Ich kann mich einmal nicht beherrſchen, Sir; was ich denke, muß ich ſagen. Sie verdienten ſchon Tadel, daß Sie dieſem Weibe überhaupt Gehör ſchenkten, noch weit mehr aber, daß Sie bewilligten, was ſie verlangte. Sie ahnten nicht, was mich zu Ihnen führte.« »Nun und was war dies, Lettice?« »Das kann ich Ihnen jetzt nicht ſagen. Meine Herrin hat es mir verboten.— Er darf nie erfahren, was ich für ihn zu thun gedachte, ſonſt legt er mir vielleicht einen falſchen Be⸗ weggrund unter, ſagte ſie, als ich mit bekümmertem Her⸗ zen zu ihr zurückkehrte, und erzählte was geſchehen. Ich will mich nicht weiter um ihn bekümmern, ſetzte ſie hinzu; er verdient keine Rückſicht. Allerdings, Miß, kann ich nicht umhin, Ihnen beizupflichten, entgegnete ich, und ich will Jh⸗ nen auch durchaus nicht verhehlen, Sir, daß dies meine Meinung war und noch iſt. Die arme Seele, ſie weinte lange, als ob ihr das Herz brechen wollte, und obſchon ich alles Nögl nicht. bis d verlo ſie d er ge gelgl ihri ing rüht rihr und die bit ich wä den bſ me etwas ſchr von Sei⸗ os angelehnt welche ich ſo⸗ n. Cs war konnte nicht m ſchlechten, bei dem el⸗ Abſicht mit ort, wie es abſcheulichen dieſem Tone ir; was ich l daß Sie mehr aber, nicht, was eine Herrin ich fir ihn falſchen Be⸗ ertem Her⸗ hen 3 ſie hini⸗ ich niht ch wil J dies meine eint⸗ lange, ich lles 107 Mögliche that, um ſie zu tröſten, ur gelang mir dies doch nicht. Nach einer Weile ward ſie gefaßter und blieb ruhig, bis der Abend herannahte, wo ſie dann Papier und Feder verlangte, und ich ſtützte ſie im Bett mit Kiſſen, während ſie dieſen Brief an Sie ſchrieb. Langſam, ſehr langſam ward er geſchrieben, und mit großer Mühe. O, wenn Sie ihr en⸗ gelgleiches Geſicht hätten ſehen können, das lange, aufgelöſte, ihr über die Schultern herabhängende Haar und ihre hagern Finger! Es war ein Anblick, der ein Herz von Stein hätte rühren mögen, und ich glaube, er würde auch das Ihre ge⸗ rührt haben. Als ſie fertig war, ſiegelte ſie den Brief zu und trug mir auf, ihn an Sie zu beſtellen. Sage ihm, es ſey dies das letzte Mal, daß ich ihn je beläſtige, ſagte ſie, aber bitte ihn meinen Wunſch zu erfüllen. Und nun, Sir, nachdem ich geſagt, was ich zu ſagen hatte, will ich mich entfernen, während Sie den Brief leſen.« „Das iſt nicht nöthig, Lettice,“ entgegnete Gage, in⸗ dem er das Billet auf die Seite legte.»Ich kann es jetzt nicht leſen.* „Nicht leſen? So grauſam werden Sie nicht ſeyn. Ich mag an ſo ſchwarze Undankbarkeit nicht glauben.* „Ich kann nicht länger warten. Ich habe mich ſchon ohnedies verſpätet. Morgen Früh werde ich an deine Herrin ſchreiben. Wenn ſie Dir wirklich ſo ſehr am Herzen läge, wie Du ſagſt, ſo hätteſt Du ihr nicht verrathen ſollen, was Du zufällig dieſen Morgen hörteſt, denn Du konnteſt Dir gleich denken, daß ihr dadurch unnöthiger Kummer bereitet würde. Das beſte Mittel jedoch, deinen Irrthum wieder gut zu machen. iſt, daß Du nun ſchweigſt. Du darfſt mich nicht verrathen, Let⸗ tice. Ich verlaſſe mich auf deine Verſchwiegenheit.“ —— —— —— ——— 108 »O, auf mich verloaen Sie ſich ja nicht. Meiner Herrin verſchweige ich nichts.« »Nun gut, wie Du willſt. Wenn aber aus deiner Un⸗ klugheit etwas Uebles entſteht, ſo iſt die Schuld dein.« Dies war zu viel für die arme Lettice. Sie ward ganz verdutzt. »O laſſen Sie ſich erbitten, den Brief zu öffnen, ehe Sie gehen, Sir!« rief ſie, indem ſie eine letzte Anſtrengung machte, ihn zurückzuhalten.„Heffnen Sie ihn, und ich bin überzeugt, Sie werden dann nicht länger auf Ihrem gottlo⸗ ſen Vorſatze beſtehen. Gage gab keine Antwort, ſondern riß ſich von ihr los, eilte nach der Sänfte und befahl den Trägern, ihn ſo ſchnell wie möglich nach dem Hahmarket zu bringen. Lettice wartete nicht, um die plumpen Scherze der La⸗ keien mit anzuhören, oder ihre Neugier in Bezug auf die Ur⸗ ſache ihres Beſuches zu befriedigen, ſondern begab ſich trau⸗ rig und mit langſamen Schritten zurück nach Jermyn Street, ungewiß, welches Verhalten ſie in Bezug auf ihre Herrin beobachten ſollte und faſt geneigt zu glauben, es werde das Beſte ſeyn, Gage's Rathe zu folgen und in Bezug auf ſeinen Wortbruch Schweigen zu beobachten. Als ſie durch Piccadilly ging, begegnete ihr Arthur Poynings und ſeine Schweſter, die von einem Abendſpazir⸗ gange in Hydepark zurückkamen, und da Luch die Nieder⸗ geſchlagenheit der Zofe gewahrte, ſo fragte ſie ſie beſorgt nach der Urſache. Lettice, welche glaubte, hier brauche ſie ſich nicht zu verſtellen, erzählte ihr Alles, was geſchehen, und Schweſter und Bruder— beſonders aber die erſtere— wurden durch dieſe Mittheilung nicht wenig beunruhigt. . Gagee ſungt hei Clo Nacht onpfal die grö Thir! nan ſi und Sund wiſſen lihe treffe norge und hitte nach hera umt nie beſſ ben und geſt ſche Neiner Hetrin s deiner Un⸗ dein. ward ganz öffnen, ehe Anſtrengung und ich bin Nem gotilo⸗ von ihr los, hn ſo ſchnell erze der L⸗ auf die Ur⸗ b ſich trau⸗ nyn Street, ihre Herrin rde das we auf ſeinen ihr Arthur lbendſpaitr⸗ die Niedel⸗ eſorgt nach ich nicht zu Schweſter rden durch Arthur ward dadurch ſogar zur förmlichen Wuth gegen Gage aufgereizt, obſchon er um Luch's willen ſeine Entrü⸗ ſtung unterdrückte. Er rieth ſeiner Schweſter einige Stunden bei Clara zuzubringen und da nöthigenfalls auch während der Nacht bei ihr zu bleiben, und indem er ihr ſowohl als Lettice empfahl, bei dem, was ſie ihr in Bezug auf Gage ſagten, die größte Vorſicht zu beobachten, begleitete er ſie bis an die Thür von Miſtreß Lach's Hauſe in Jermyn Street, wo, wie man ſich entſinnen wird, die arme Clara ein Aſyl geſucht hatte, und verließ ſie hier, indem er verſprach, zu einer ſpätern Stunde wieder zu kommen. Luch konnte ſich in Bezug auf ſeine Abſichten einer ge⸗ wiſſen bangen Ahnung nicht erwehren, doch glaubte ſie, es ließe ſich kaum erwarten, daß er Gage noch an dieſem Abend treffen würde und den nächſten Tag war er vielleicht ruhiger. Sie irrte ſich. Arthur hatte ſich vorgenommen, daß der morgende Tag nicht dämmern ſollte, bevor er Gage geſehen, und ihm über ſeine Handlungsweiſe ſeine Meinung geſagt hätte. Wir kehren nun zu Gage zurück. Während er vorſichtig nach dem Haymarket getragen ward, zog er Clara's Brief heraus und erbrach das Siegel. Es war noch hell genug, um die Buchſtaben zu erkennen und er las wie folgt: „Man hat mir geſagt, ein eingefleiſchter Spieler könne nie gebeſſert werden. Ich glaubte es nicht, denn ich hegte eine beſſere Meinung von deinem Charakter als daß ich hätte glau⸗ ben ſollen, irgend eine Leidenſchaft könne ſo überwältigend und unwiderſtehlich ſeyn, daß dadurch jeder gute Vorſatz um⸗ geſtoßen und alles Ehrgefühl vernichtet werden könnte. Nun ſehe ich meinen Irrthum ein. Ich ſehe einen Menſchen auf deſſen gegebenes Wort ich unbedingtes Vertrauen geſetzt, wie⸗ 110 der in den Netzen, aus welchen ich ihn befreit glaubte. Er hat ſeinen Schwur gebrochen und ſich entehrt. »Aber laß Dich warnen, Gage— laß Dich warnen, ſo lange noch Zeit iſt. Kehre um, und wenn Du ſchon vor der Thür der Verſucherin ſtehen ſollteſt, ſtoße ſie zurück, wenn ſie Dich hineinlocken will. Verſchließe ihren gleißneri⸗ ſchen, lügenhaften Worten dein Ohr. Zerſprenge die Ketten, in welche ſie Dich geſchlagen. Entfliehe ihr! Wenn Du ihr Be⸗ reich betrittſt, ſo biſt Du verloren— unrettbar verloren. »Ich hatte mich Traümen deines künftigen Glückes hinge⸗ geben— Träumen, aus welchen ich leider mit rauher Hand wachgerüttelt worden bin. Ich dachte mir Dich, wie Du nach einiger Zeit durch geeignet geleitete Bemühungen hätteſt wer⸗ den können— wohlhabend und geachtet. Ich ſah Dich deiner früheren Stellung wieder gegeben und durch die Hand und die Liebe eines Weſens beglückt, welches in jeder Beziehung Deiner würdig iſt. Und obſchon ich wußte, daß ich ſchon lange zuvor, ehe dieſe glückliche Zeit käme, nicht mehr ſeyn würde, ſo grämte ich mich deswegen doch nicht. Nun ſind alle dieſe Hoffnungen vernichtet. „Gern würde ich Dir dein Verſprechen zurückgeben, aber es ſteht nicht bei mir, Dich davon zu entbinden. Aber ich kann Dich bemitleiden— ich kann Dir von Herzen verzeihen— ich kann für Dich beten— und dies werde ich bis zum letzten Augenblicke thun. Leb wohl! Clara.« Dieſer rührende Brief machte auf Gage gewaltigen Ein⸗ druck und er fühlte ſich faſt geneigt, der Mahnung zu gehor⸗ chen und ſofort umzukehren. Aber er beſaß nicht Kraft genug, um ſeine Bande zu ſprengen. Sein guter Genius hatte ihn verlaſſen, und als er ſich vor der Thür der Verſucherin ſah, ging er hinein. aubte. Er hat Dich warnen, Du ſchon vor ße ſie zurück, ten gleßneti ge die Ketten, n Du ihr Be⸗ verloren. Glückes hinge⸗ rauher Hond wie Qu nach n hätteſt wer⸗ ah Dich deiner die Hand und der Beziehung h ſchon lange ſchn würde⸗ ind alle dieſe ictgeben, aber Aber ich kam mihn— i bis zum leßzten lara.“ waltign Ein⸗ ung iu gehor Rruft gen nius hatt in chn i Eine Nacht im Groom Porter's Potel. Jenyns gab die größte Freude zu erkennen, als ie ihn ſah. Sie war ausgewählt geklei gekleidet und hatte ni ie⸗ hender ausgeſehen.— „ Bunbury, Jack Braſſey und Nat Miſt waren e fal eingeladen worden, und wie ſehr geneigt Gage auch wai ihr letztes Benehmen gegen ihn zu rügen, ſo konnte er doch„. Beweiſe von Freundlichkeit nicht un⸗ erwiedört laſſen, und ſchüttelte daher rei i e daher allen Dreien herzlich die „Ich Sie bitten, mich in Bezug auf den neulichen Wfollybei White's zu entſchuldigen, Monthermer, ſagte Brice.»Wir benahmen uns Alle ſehr ungerecht gegen Sie,— aber es thut uns verteufelt leid.* 3,»Es gut, Brice,« entgegnete Gage,„mit Ihnen habe ich ja ga keinen Streit gehabt, Sir Randal hat mich aber auf das Empfindlichſte beleidigt.“ *„ 30 will auch nicht verſuchen, ſein Benehmen zu be⸗ entgegnete Brice,„denn es war unverantwort⸗ * aber 3 geſteht jetzt, daß er vollſtändig Unrecht gehabt, und iſt ſeine Thorheit wieder gut zu machen. So⸗ bald Si ihm begegnen, gedenkt er Ihnen Abbitte und mit Maſter Freke iſt es derſelbe Fall. O, wie— wir uns Alle, zu erfahren, daß der alte Fairlie Ihre Schult bezahlt hat! Warum aber haben Sie ſich ſeit dieſem Tage vo uns fern gehalten? Wir haben uns auf dem Wall und i den Kaffehhäuſern vergebens nach Ihnen umgeſehen.“ In dieſem Augenblick ward gemeldet, daß das Soupe ſervirt ſey und Gage dadurch der Nothwendigkeit einer An wort überhoben. Miſtreß Jenyns ging voran in das Nebenzimmer, wo ein Mahl ſervirt war, auf welches Loriot ſelbſt hätte ſtolz ſeyn können. Jedes Gericht war eine Delicateſſe— koſthare Weine machten in überfließenden Humpen die Runde und dle Heiterkeit der Geſellſchaft ſtieg, ſo wie die Beche wurden. Miſtreß Jenyns hegte keinen Wunſch, dem Frohſinn ihrer Gäſte Einhalt zu thun, trug aber Sorge, daß Gage nicht zu viel für ihren Zweck tränke. Indem ſie daher Brice Bunbury und den Anderen geſtattete, ſo viel Champagner und Burgunder hinunterzuſtürzen, als ſie Luſt hatte ſchränkte ſie ihn klüglich auf Claret. Man kann ſich denken, daß die Geſellſchaft bei der Auf⸗ gabe, welche ſie vorhatte, nicht lange nach dem Souper noch ſitzen blieb— nicht halb ſo lange als Brice gewünſcht hätte — ſondern ſich ndh Spring Gardens begab. Vor dem Aufbruch nahm Miſtreß Jenyns ihren Freund Gage bei Seite und rieth ihm nochmals, mit äußerſter Vorſicht zu ſpielen, indem ſie ihm zugleich ein paar Würfel einhän⸗ digte und ihm ſagte, daß dies die glücklichſten wären deren ſie ſich jemals bedient. In dem Groom⸗Porter's Hotel angekommem, gingen ſie die Treppe hinauf und traten in das Zimmen— ſtets Hazard geſpielt ward. Hern F5 blict ſame linc ſchſt hund L. um lüſ Si Gl ſi Di ein al le 6 Ihre Schoh en. das Soupt einer immer, wo hätte ſtolz che—— in Frohſinn duß Gage daher Brice hampagner I hatto- vel der M⸗ Souper noh vönſcht bäte hren Frund ſuet Vorſcht urfel einhä'⸗ iten. derel men, gingen V. — boſthare nde und de . 113 Der große runde Tiſch ſtand gedrängt voll— einer der Herren aber entfernte ſich eilig, als er unſeren Helden er— Das Erſcheinen unſeres Helden gab Anlaß zu bedeut⸗ ſamen Blicken, welche Beau Freke und Sir Randal zwiſchen einander wechſelten, doch grüßten ſie ihn Beide auf die höf⸗ uchſte Weiſe. m age vo F Wel und blickte, und Gage nahm ſeinen Platz ein. 1ls die Reihe des Spielens an ihn kam, ſetzte Gage hundert Pfund und nahm die ihm von Miſtreß Jenyns gege⸗ —„glücklichen Würfel“ heraus. ieben lebt!s rief Sir Randal. Ein Paſch!e rief Gage und raffte das ganze aus eimgen hundert Pfund beſtehende Geld vom Tiſche. „Sagte ich Ihnen nicht, daß Sie gewinnen würden?“ flüſterte Miſtreß Jenyns, welche hinter ihm ſtand.»Fahren Sie fort, ſetzen Sie Alles, was Sie gewonnen haben. Das Glück wird Ihnen treu bleiben.« Und ſo war es auch. In weniger als einer Stunde war er Herr von über fünftauſend Pfund. Ueberzeugt, daß heute ſein Glückstag ſey, fuhr er fort und verdoppelte immer⸗ während die Einſätze und weder Sir Randal noch Beau Freke ſchienen geneigt, ihm entgegen zu ſeyn. Anfangs hatten ſie beabſichtgt, daß er einen kleinen Betrag gewinnen ſollie— überzeugt, daß ſie ihr Geld wiederbekommen könnten, ſobald ſie wollten— aber ihre Berechnungen trafen nicht mehr zu⸗ Die Wurſel fielen gerade ſo, wie Gage wollte, und als ob ein Zaubörer den Becher geſchüttelt hätte. Aergerlich ſowohl als verwundert über Gage's ununterbrochenes Glück und ent⸗ ſchloſſen, Penſelben Einhalt zu thun, ſetzte Sir Randal tau⸗ ſend Pfurnd und Beau Freke folgte ſeinem Beiſpiele. 8 ——— ——— ——— —— „ 114 Miſtreß Jenyns berührte leiſe Gages Arm. Er zitterte vor Erregung, der Druck aber beruhigte ihn ſofort wieder. Abermals hatte er den höchſten Wurf und raffte das ſämmtliche Geld vom Tiſche. Seine Gegner ſtierten einander an. Sie konnten es nicht verſtehen, fühlten ſich aber gereizt, weiter zu ſpielen. Viertauſend Pfund wurden auf den Tiſch gelegt und wechſelten in einem Augenblick den Beſitzer. Nochmals ward der Einſatz verdoppelt— die Würfelbecher klapperten und Gage gewann achttauſend Pfund. Sein triumphirender herausfordernder Blick ſtachelte ſeine Gegner an, ihr Spiel fortzuſetzen. Die Einſätze waren nun ernſt geworden und Aller Augen hefteten ſich auf Gage, als er den Becher ſchüttelte. dumpf das Fluchen ſeiner Laut war ſein Triumphgeſchrei Gegner. Wollten ſie Revanche nehmen? Wagten ſie noch weiter zu ſpielen? Sie antworteten damit, daß ſie die S doppelten. 5 Es war ein ſchauerlicher Augenblick und Gatze waro bleich und kalte Schweißtropfen perlten auf ſeiner Stirn. Er klapperte aber kühn mit dem Becher und warf enſchloſſen die Würfel.—. Hurrah! es war ein famoſer Wurfl Aber es war der letzte. Seine Gegner hatten nun genug. Sie wallten dieſe Nacht nicht mehr ſpielen und Gage ſtand als Gewinner von beinahe fünfunddreißigtauſend Pfund vom Tiſche auf. Er war faſt von Sinnen vor Freude— Sun we toll und ſchrie wie betrunken. Dergleichen Kundgebungen waren an dieſem“ zu häuf nen und hätt Lha hätt und heit Hie Un len bri der wo ſii hi ha du hi r zitterte wieder. rafte das onnten es ſpielen. elegt und als ward rten und ſtachelle und Aler ſchittelt. hen ſeiner ſe voch ſit w ahe waro Stirn. Er ntſchloſen lten diſt innel von . 115 häufig, als daß ſie viel Aufmerkſamkeit hätten erregen kön⸗ nen und nur Wenige achteten auf ſeine wahnſinnigen Worte und Geberden. Seine Gegner ertrugen ihre Niederlage beſſer, als man hätte erwarten ſollen— beſſer als ſie dieſelbe auch in der That ertragen haben würden, wenn ſie ſich nicht überredet hätten, daß ſie bald ihrerſeits triumphiren würden. Deshalb drückten ſie dem Gewinner herzlich die Hand und ſagten ihm, er müſſe ihnen bei einer anderen Gelegen⸗ heit Revanche geben, womit er ſofort einverſtanden war. Hierauf gingen ſie anſcheinend unbefangen nach Hauſe. Während dieſer ganzen Zeit hatte Miſtreß Jenyns den Gewinn ihres Freundes ſorgfältig im Auge behalten und theilte, damit nicht ſpäter ein Mißverſtändniß zwiſchen ihnen entſtehen möchte, den Betrag in zwei Haufen. Als Gage wieder an den Tiſch zurückkam, zeigte ſie ihm, was ſie gethan, ſteckte ihren Antheil an der Beute ein und überließ ihm den Reſt. Er war damit zufrieden und begann die ihm zugefal⸗ lenen Banknotenrollen und Goldſtücke in Verwahrung zu bringen. Nachdem dies geſchehen und die»glücklichen Würfel« der Eigenthümerin auf ihr Verlangen wieder zurückgegeben worden, ward ein Wagen herbeigerufen und Miſtreß Jenyns ſtieg, nachdem ſie von Gage zärtlichen Abſchied genommen, hinein und fuhr fort. Gage blieb einen Augenblick an der Thür des Spiel⸗ hauſes ſtehen und ſchwelgte in den Wonnegefühlen, welche durch ſein Glück in ihm erweckt worden. Es gingen Leute inoin und heraus, aber er achtete nicht darauf. Endlich je⸗ * 116 doch bemerkte er einen langen Mann in kurzer Entfernung, der, wie es ſchien, auf ihn wartete und ihn beobachtete. Unſer Held hatte in dieſem Augenblicke zu viel Geld bei ſich, als daß er ſich in eine unnütze Gefahr hätte begeben ſollen, und ſtand daher im Begriff fortzugehen, als der fragliche Mann raſch auf ihn zugeſchritten kam, und Gage ſah nun beim Scheine der über dem Portal hängenden Laterne, daß es Arthur Pohynings war. Gage wäre der Begegnung gern ausgewichen, aber dies war nun nicht mehr möglich, beſonders da Arthur ihn beim Arm ergriff und feſthielt. „Du darfſt nicht von der Stelle, bis Du gehört haſt, was ich Dir zu ſagen habe,« rief der junge Poynings.»Du haſt den Namen eines Gentleman und Ehrenmannes auf immer verwirkt und darfſt Dich hinfort blos zu Spielern und Gaunern geſellen. Du haſt Dich der niedrigſten Undank⸗ barkeit ſchuldig gemacht und, o Schande für einen Monther⸗ mer, dein gegebenes Wort gebrochen. Du haſt Dich zum Werkzeug einer der Verworfenſten ihres Geſchlechts gemacht und Dich dazu verſtanden, Mitſchuldiger ihrer Kniffe und unredlichen Künſte zu werden.« „Wie!“ rief Gage,„willſt Du vielleicht damit ſagen, ich hätte falſch geſpielt?« »Es iſt möglich, daß Du blos das unwiſſende Werk⸗ zeug dieſes ſchändlichen Weibes geweſen biſt— daß Du aber mit falſchen Würfeln geſpielt haſt, davon bin ich überzeugt,« entgegnete Arthur.»Ich war zugegen, als Du in das Zim⸗ mer trateſt. Ich machte Platz für Dich am Tiſche— obſchon Du mich nicht bemerkteſt und nahm eine Stellung ein, wo ich dein Spiel beobachten konnte. Miſtreß Jenyns' Benehmen fiel mir auf und ich bemerkte einen eigenthümlichen Blick an ihr, mehr Geg täuſ Ehr den gebe auf haſt Arn ach ſch tfernung htete. Geld bei begeben als der Gage ſah Laterne en, aber thur ihn ört haſt, gs»Du nnes auf Sypielern Undank⸗ Monther⸗ dich zun genacht niffe und it ſogen⸗ de Verk⸗ Du aber erzeugt das Zin⸗ obſchon , wo ich hnenſil an ihr als Du zum erſten Male warfeſt. So wie Du weiter ſpielteſt und immerfort gewannſt, beſtärkte ſich mein Verdacht immer mehr und ich wundere mich blos über die Blindheit deiner Gegner. Ohne Zweifel wurden ſie durch den Glauben ge⸗ täuſcht, daß ſie mit einem Ehrenmann ſpielten— einem Ehrenmanne, meine ich, nach ihren Begriffen, nicht nach den meinen.“ „Das iſt nicht wahr!“ rief Gage.»Ein ſolcher Betrug kann mir nicht geſpielt worden ſehn.“ „Haſt Du noch die Würfel, mit welchen Du ſpielteſt?« fragte Arthur. „Ich habe ſie nicht mehr— ich habe ſie ihr zurückge⸗ geben— aber ich werde nicht ruhen, bis ich meine Zweifel aufgeklärt habe. Wenn Du eine falſche Beſchuldigung erhoben haſt, ſo ſollſt Du mir mit deinem Leben dafür ſtehen.“ Arthur lachte verächtlich und rief, indem er Gage's Arm losließ, mit einem Gemiſch von Mitleid und Ver⸗ achtung: „Handle, wie Dir beliebt— glaube, was Dir beliebt — ich frage nicht darnach. Du biſt geboren, um betrogen zu werden und wirſt daher den Behauptungen dieſes Weibes, dem poſitiven Beweis vom Gegentheile zum Trotz, Glauben ſchenken. Es wird aber eine Zeit kommen, wo Du die Wahr⸗ heit erkennſt. Ich werde die Beſchuldigung, die ich gegen jenes Weib ausgeſprochen, niemals zurücknehmen und eben ſo wenig einen einzigen Ausdruck widerrufen, deſſen ich mich in Bezug auf ſie bedient habe. Du verdienſt jeden Ausdruck der Verachtung, mit dem man Dich überhäufen kann. Aber glaube nicht, daß ich Dir Satisfaction geben werde. Ich ſchlage mich blos mit einem Ehrenmanne und Du haſt jeden Anſpruch auf dieſen Namen verwirkt.« 118 Mit dieſen Worten drehte er ſich auf dem Abſatz herum und entfernte ſich. Nicht lange darauf machte Gage ſich auf den Weg nach Miſtreß Jenyns Wohnung, und trat, ohne ſich anmelden zu laſſen, unerwartet in ihr Zimmer. Sie war im Begriff ihren Gewinn zu zählen, und ver⸗ rieth, als ſie Gage erblickte, wohl Ueberraſchung, aber nicht die mindeſte Befangenheit. »Wo ſind die Würfel, die Sie mir geliehen hatten?“ rief er.»Geben Sie mir ſie ſogleich noch einmal.« »Was? wollen Sie ſchon wieder ſpielen?« ſagte ſie⸗ „Begnügen Sie ſich doch mit dem, was Sie ſchon gewonnen haben. Ihr Glück könnte ſich wenden.* „Vielleicht thut es dies, wenn ich ehrlich ſpiele, aber ich will lieber verlieren, als auf eine andere Weiſe ge⸗ winnen.* „Ich verſtehe Sie nicht. Hat Sie Jemand falſchen Spie⸗ les beſchuldigt?« »„Ja, Arthur Poynings war zugegen, während ich ſpielte und er erklärt, die Würfel ſeyen gefälſcht geweſen. Geben Sie mir ſie augenblicklich. »Da ſind ſie,« entgegnete Miſtreß Jenyns, indem ſie in einem Haufen Gold herumwühlte und ein paar Würfel zum Vorſchein brachte.»Unterſuchen Sie und urtheilen Sie ſelbſt.* Gage nahm die Würfel und zerſchlug ſie auf dem Herde in Stücke. Sie waren von maſſivem Elfenbein. »Sind Sie nun befriedigt?« rief Miſtreß Jenyns.»Ich wünſchte, Sie hätten mehr Vertrauen zu mir und weniger zu Arthur gehabt, denn indem Sie dieſe Würfel zerſchlugen, zerſtörten Sie Ihr eigenes Glück.* vom auch hab zu! dete gute Jen Un chel haf gri wi 9 In 8 herum Peg nach nelden zu und ver⸗ ber nicht atten ſagte ſi. ewonnen le, aber Peiſe ge⸗ en Spi⸗ ch ſpielte zeben Sie nden ſie Vürfil eilen Sie auf den . ns.„3h weniger ſchlugen, 119 „Gleichviel,« entgegnete Gage,»es iſt mir eine Laſt vom Herzen genommen, weil ich gefunden, daß ich, wenn auch unabſichtlich, mich nicht falſchen Spieles ſchuldig gemacht habe, und eben ſo freut es mich, die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß Arthurs Verdacht gegen Sie ein ungegrün⸗ deter war.“ „Ich bin Ihnen und Maſter Arthur Poynings für Ihre gute Meinung von mir ſehr verbunden,“ entgegnete Miſtreß Jenhyns. „Verzeihen Sie mir, Peg, daß ich Ihnen dieſe große Ungerechtigkeit zugefügt. Aber Arthurs Vorwürfe und Sta⸗ chelreden verletzten mich auf's Empfindlichſte, und ſeine bos⸗ haften Beſchuldigungen gegen Sie ſchienen eine gewiſſe Be⸗ gründung zu haben, die ich nicht anders als auf die Weiſe, wie ich gethan, widerlegen konnte.“ „Aber Sie werden ihn doch für ſeine verleumderiſche Inſolenz zur Rede ſtellen?“ rief Miſtreß Jenyns. „Ich kann keine Satisfaction von ihm verlangen, denn er weigert ſich, ſich mit mir zu ſchlagen. Aber ich muß und werde mir Recht verſchaffen. Ich gehe mit einem ſeltſamen Project um, nuh ich auszuführen hoffe. Morgen ſollen Sie hören, worin es beſteht.“ „Warum wollen Sie mir es nicht jetzt ſagen?“ „Nein, es wäre zwecklos, das Project zu erwähnen, ſo lange ich nicht gewiß bin, im Stande zu ſeyn, es zu ver⸗ wirklichen. Aber ich glaube, es wird Sie überraſchen.* „Das iſt wohl möglich. Hoffentlich haben Sie doch Ih⸗ rer Abſicht, Fairlie wieder zu bezahlen, entſagt.“ „Ich bin feſter dazu entſchloſſen als je. Es iſt dies ſogar ein weſentlicher Theil meines Planes, wie Sie finden werden, wenn ich Ihnen denſelben mittheile.« 120 »Sie ſtehen doch nicht etwa im Begriff, mich ſobald zu verlaſſen?8 »Ich bin in dieſem Augenblicke kein angenehmer Geſell⸗ ſchafter, ſonſt würde ich bleiben. Arthurs bittere Vorwürfe quälen mich, und ich mag thun was ich will, ſo kann ich nicht umhin, an Clara zu denken. Ihr Bild ſteigt fortwährend vor mir auf. Gute Nacht!“ Und ihre Hand an ſeine Lippen drückend, entfernte er ſich. XIV. Ein eigenthümliches Verlangen. Früh am nächſten Morgen ſuchte Gage ſeinen ehemali— gen Verwalter auf, und als dieſer ihn ſah, fragte er ihn ſofort, ob er geſonnen ſeh in's Ausland zu gehen. »Nein,« entgegnete Gage,„ich werde bleiben. Sie müſ⸗ ſen wiſſen, daß ich geſtern Abend im Groom-Porter's Hotel war, Fairlie.« Der Verwalter gerieth ſofort in die furchtbarſte Wuth. »Alſo Sie ſind wieder am Spieltiſg geweſen?« rief er.»Und Sie haben die Frechheit, es zu geſtehen, ſich deſſen zu rühmen? Ich ſagte meiner Tochter gleich, daß Sie Ihren Schwur brechen würden. Ich ſagte ihr, daß es Wahnſinn ſey, Ihre Schulden zu bezahlen. Und ich hatte Recht.« »Wie viel haben Sie für mich bezahlt, Fairlie?“ be⸗ merkte Gage, indem er ſich ſetzte, obſchon Fairlie ihn nicht dazu aufforderte. »Wie viel?“ entgegnete Fairlie mit immer höher ſtei⸗ gender Wuth.»Mehre Tauſende, es geſchah aber meiner Tochter zu Gefallen. Es thut mir nun leid, daß ich ihrem Drän wegn wiſſe habe gen b iing beza raſch meir lie. Doc ſobald zu ſer Geſell⸗ Vorwürfe nich nicht hrend vor entfernte ehemali⸗ fragte er . Sie müſ⸗ rs Hotl le Wuth. n* rief ich deſen ie Ihren Pahnſinn ie7« be⸗ hn. nicht her ſtei meinet ihrem 121 Drängen nachgab und das Geld auf ſo thörichte Weiſe wegwarf.* „Aber die Summe!— Ich will genau die Summe wiſſen.« „Ich begreife nicht, wozu Sie das wiſſen wollen; ich habe aber gerade dreizehntauſend Pfund bezahlt.“ „Und damit ſind alle meine Gläubiger befriedigt?“ „Ja, alle. Nibbs allein bekam fünftauſend. Die übri⸗ gen betrugen zuſammen achttauſend, eine bedeutende Summe, ein ganzes Vermögen. Aber Clara wollte es einmal ſo.« „Sie haben durch mich noch nie etwas eingebüßt, Fair⸗ lie, und Sie ſollen auch jetzt nichts einbüßen,« entgegnete Gage, indem er eine dicke Rolle Banknoten hervorzog. „Was! Sie wollen mich doch nicht etwa wieder bezahlen?* ſtammelte Fairlie im Tone der größten Ueber⸗ raſchung. „Dieſe Noten gehören Ihnen, ſobald ich die Quittungen meiner Gläubiger bekomme.« „Hier ſind ſie, ſammt und ſonders,« antwortete Fair⸗ lie.„Wie ſind Sie plötzlich zu ſolchem Reichthum gekommen? Doch ich brauche nicht zu fragen, da Sie mir ſelbſt ſagen, daß Sie in dem Groom⸗Porter's Hotel geweſen ſind. Ha! hal ha! Sie müſſen ein ſeltenes Glück gehabt haben, Sir, eine ſo be⸗ deutende Summe zu gewinnen.* „Darum laſſen Sie ſich nur unbekümmert, Fairlie. Wir ſind quitt.“. „Ja wohl, Sir,« entgegnete der Verwalter höflich. „Ich weiß aber nicht, ob ich dieſes Geld nehmen darf. Clara wird mir niemals verzeihen, wenn ſie davon hört.« „Von mir wird ſie es nicht hören, alſo hegen Sie in 122 dieſer Beziehung keine Furcht. Aber hören Sie, Fairlie, ich habe eine Bitte an Sie.« »Ich werde mich ſehr freuen, Ihnen dieſelbe zu ge⸗ währen, dafern es in meiner Macht ſteht,« entgegnete der Verwalter. »Vielleicht ſind Sie nicht ſo bereit dazu, wenn Sie hö⸗ ren, worin meine Forderung beſteht. Ich empfinde nemlich einen unwiderſtehlichen Wunſch, eine Woche in Monthermer Caſtle zuzubringen.« »O nichts leichter als dies, Sir. Ich werde mich freuen, Sie dort zu ſehen.* »Aber ich wünſche nicht, als Gaſt dort zu ſeyn, ſon⸗ dern als Herr und Meiſter.« »Das, fürchte ich, iſt unmöglich,« entgegnete Fairlie mit freundlichem Lächeln.„Es thut mir außerordentlich leid, aber—* »Ich wußte, daß Sie Einwendungen dagegen machen würden, aber laſſen Sie mich ausreden. Ich wünſche weiter nichts als die Rolle, die ich einſt dort ſpielte, wieder auf kurze Zeit zu übernehmen. Mit Ende der Woche werde ich ſie wieder aufgeben.* »Wohlan wohlan, wenn dies Alles iſt, ſo bin ich be⸗ reit, Ihnen den Willen zu thun.« »Aber noch mehr als dies; ich wünſche meinen Freun⸗ den ein großes Gaſtmahl zu geben, ein fürſtliches Gelag mit einem Wort.* »Aber nicht auf meine Koſten, Sir, nicht auf meine Koſten!* »Durchaus nicht. Ich habe noch dreitauſend Pfund und dieſe will ich darauf verwenden.« »Eine ſonderbare Idee, Sir, und Ihrer vollkommen würdig verſteck bei der könner ferner feiern, der G Sit,1 len ſc dingu dieſe irlie ich lbe zu ge⸗ egnete der n Sie hö⸗ de nemlich onthermer ich freuen, ſchn, ſon⸗ ete Fairlie lich lid n machen he weitet wieder auf rde ich ſi in ich b⸗ en Freln⸗ Gelag nit uf nein ollommen 123 würdig. Können Sie mir aber auch verſichern, daß Sie keine verſteckte Abſicht dabei haben?“ „Meine Abſicht iſt einfach, ein letztes Gaſtmahl zu geben, bei dem man ſich meiner erinnere. Wenn es vorüber iſt, ſo können Sie mit Beſtimmtheit darauf rechnen, daß ich Sie nicht ferner beläſtige.“ „Ich bin vollſtändig beruhigt. Sie ſollen ein Gelage feiern, wie nie zuvor eines in dem Schloſſe oder irgendwo in der Grafſchaft gegeben worden. Ich kenne Ihre Prachtliebe, Sir, und werde die geeigneten Vorbereitungen treffen. Sie ſol⸗ len ſchmauſen wie Belſazar. Doch muß ich eine einzige Be⸗ dingung ſtellen.“ „Nennen Sie dieſelbe.« „Bis Mitternacht ſollen Sie Herr des Hauſes ſeyn. Nach dieſer Stunde werde ich den Titel wieder annehmen.“ „Einverſtanden.« „Welchen Tag beſtimmen Sie für das Gaſtmahl?“ „Morgen über acht Tage.“ „Aber bis dahin könnten Sie leicht wieder ſpielen, Sir, und Ihr Glück wird Ihnen vielleicht untreu. Um jede Verle⸗ genheit zu vermeiden, werden Sie daher wohlthun, wenn Sie mich im Voraus bezahlen.“ Gage lachte und überreichte ihm drei Banknoten, jede von tauſend Pfund.„Da, nun ſind Sie vollkommen ſicher,« ſagte er. „Verlaſſen Sie ſich darauf, ich werde Ihnen keine Schande machen,“ ſagte Fairlie.»Monthermer Caſtle iſt auf eine Woche Ihr Eigenthum, und wenn ich während dieſer Zeit hinkomme, ſo geſchieht es blos, um die Vorbereitungen zu dem großen Gaſtmahl zu leiten. Laden Sie ſo viel Gäſte ein, als Sie wollen. Leben Sie, wie Sie zu leben gewohnt ge⸗ 124 weſen ſind, in Saus und Braus. Sparen Sie nichts. Wagen, Pferde, Diener, Geſchirr, Wein— Alles ſtelle ſig ich Ihnen bis morgen über acht Tage zur Verfügung.« un »In dieſer Woche will ich ein Jahr leben,« rief Gage, bont »und wenn ſie vorüber iſt— doch gleichviel!— Ich will nicht war an die Zukunft denken. Der Genuß der Gegenwart iſt, was ich begehre. Ich möchte mich gern ſofort auf den Weg nach nach dem Schloſſe machen.* nerer .»Der Reiſewagen ſoll binnen einer Stunde für Sie nit mit vier Pferden angeſpannt ſtehen,« entgegnete Fairlie. »Bellairs und Chaſſemouche werden Sie begleiten, und im ſ. Laufe des Tages werde ich das übrige Dienſtperſonal nach⸗ ware ſenden. Wenn Sie mir das Verzeichniß der Perſonen zuſtellen 3 wollen, die Sie einzuladen wünſchen, ſo will ich die Einla⸗ het, . dungen ohne Verzug ausſenden. Sie können alle Arrange⸗ ments getroſt mir anvertrauen. Ich werde ſoſort die nöthigen weck Befehle ertheilen.« Aug Und als er zu dieſem Zweck die Klingel zog, verließ ihn ſen Gage und begab ſich auf ein Zimmer, wo er ſich niederſetzte, Er um ein paar Briefe zu ſchreiben. thun 1 Alles war zu der beſtimmten Zeit in Bereitſchaft, Gage Wa ſetzte ſich in ſeinen herrlichen Reiſewagen und raſſelte ſo hin ſchnell, als vier Pferde ihn ziehen konnten, aus London hinaus. ſcha Die Geſchwindigkeit, mit welcher er fuhr, war ſo groß, e5 1 daß er, noch ehe es Abend ward, die Grenze der großen chr Beſitzung erreicht hatte, welche er einſt ſein nannte. imn 1 Die Straße führte ihn innerhalb einer kurzen Entfer⸗ nung vor dem Leuchtthurmhügel vorüber und er konnte nicht eri dem Drange widerſtehen, welcher ihn trieb, das vertraute ſch i Bild wieder einmal zu überſchauen. ie nichts. Alles ſtelle ng. rief Gage, h will nicht t iſt, was Weg nach für Sie e Feirlie. und in nal nach⸗ n juſtellen die Einla⸗ Atrange⸗ e nöthigen verließ ihn iederſebte⸗ ft Gage raſſcte ſ 18 London r ſo groß, e gwſen n Gntfer⸗ nnte nicht vertraute 125 Demgemäß befahl er dem Poſtillon Halt zu machen, ſtieg aus, ließ die Diener bei dem Wagen zurück und erſtieg den Hügel allein. Es war ein ſchöner Abend und die Ausſicht von dem Gipfel der Anhöhe nie bezaubernder geweſen. Alles war noch ganz ſo, wie da er es das letzte Mal geſehen. Er ſah herrlich angebaute Aecker und Felder, die ſich nach allen Richtungen hinzogen— die Gehöfte und beſcheide⸗ neren Hütten von Heuſchobern umgeben— die Waldungen mit ihren Colonien von Krähen. Die Schnitter waren den ganzen Tag beſchäftigt gewe⸗ ſen, die goldene Frucht einzuſammeln, aber noch viele Felder waren mit Getreidegarben beſäet. Der Anblick dieſer friedlichen ſchönen Scene ſchien geeig⸗ net, ein unruhiges Herz zu beſchwichtigen. Aber Gage beſchwichtigte er nicht. Im Gegentheile er⸗ weckte er Gedanken von eigenthümlicher Bitterkeit. Einen Augenblick lang ſchien der Schleier vor ſeinen Augen zu rei⸗ ßen und er ſah ſeine Handlungsweiſe in ihrem wahren Licht. Er kam ſich vor wie ein Wahnſinniger. Ein ſolches Beſitz⸗ thum wegzuwerfen!— wie hatte er ſo etwas thun können? War das Unheil nicht wieder gut zu machen? War Alles da⸗ hin? Ja, Alles, Alles!« Bis jetzt hatte ſein Blick das Schloß vermieden. Jetzt ſchaute er darauf hin. Ja— da ſtand es, ſtolz über die es umgebenden Bäume emporragend— ein prachtvoller, ehrwürdiger Gegenſtand! Und auch dieſer war für ihn auf immer dahin! Der Gedanke war Wahnſinn und ſo unerträglich fand er ihn, daß er mit dumpfen Verwünſchungen ſeiner Thorheit ſich abwendete und den Hügel hinabeilte. Am Fuße der Anhöhe angelangt, ſah er ſich plötzlich 126 einem Manne gegenüber, den er vorher nicht bemerkt, der pra ihn aber beobachtet hatte. dah »Was, Mark Rougham, ſeyd Ihr es?« rief er. „Ja wohl,« entgegnete Mark,„und es iſt ein ſeltſa⸗ an mer Zufall, der mich an dieſem ſchönen Abend hier mit Ih⸗ nen zuſammenführt, gnädiger Herr.« und 1»Sehd Ihr noch einer meiner Pächter? Ich meine, ein Pächter von Maſter Fairlie?« fragte Gage. So »Nein, nein. Ich bin Voigt bei Sir Hugh Poynings dieſ in Redham,« entgegnete Mark,„und habe dort eine ſehr Ret 4 gute Stellung— ganz behaglich für mich und meine Fami⸗ nuur lie. Ich habe durchaus keinen Wunſch, Maſter Fairlie's Pächter zu ſeyn, obſchon ich zuweilen mich nach dem Kuh⸗ půͤ brückengute zurückſehne. Auch jetzt war ich blos hierherge⸗ xa 1 gangen, um mich einmal an dem Anblick des alten lieben En 1 Platzes zu ergötzen. Entſchuldigen Sie meine Freiheit, wenn ich Ihnen eine ſchlichte Frage vorlege. Ich thue ſie, weil mir Ihr Wohlergehen am Herzen liegt. Ich habe gehört,* Sie hätten eine ungeheure Maſſe Geld im Spiele verloren.« »Das iſt auch wahr, Mark,« entgegnete Gage.»Ich 5 habe, wie Ihr ſagt, eine ungeheure Maſſe Geld verloren — mehr als ich jemals wieder bekommen werde, fürchte ich.« 6. »Das iſt ſchade,— ſehr ſchade!« ſtöhnte Mark.„Doch dies iſt nicht gerade die Frage, die ich zu thun beabſichtigte. ſ Sie können ſehr viel verloren, aber doch nicht Ihr ganzes Vermögen verloren haben. So ſchlimm wird es doch hoffent⸗ lich nicht ſeyn?* »Glaubt das Schlimmſte, Mark, ich mag Euch nicht täuſchen.* ge »Alſo iſt es wahr?« rief Rougham verzweifelnd;„dieſe emerkt, der if er. tein ſeltſa⸗ ier mit Jh⸗ meine, ein Pohnings t eine ſehr neine Fami⸗ er Fairlies dem Kuh⸗ hierherge⸗ alten lieben heit, wenn e ſie, will abe gehört verloren.“ Gage.„) ld verloren fürchte ich. ark.„Doch uſchiu Ihr gu och hoffent⸗ ßuch nicht elnd; vi 127 prachtvolle Herrſchaft— die ſchönſte in ganz Suffolk— iſt dahin— verſpielt!« Und das Geſicht mit den Händen bedeckend, fing er laut an zu weinen. Endlich ſchüttelte Mark ſeine Gemüthsbewegung von ſich und ſagte: „Niemals hatte ich geglaubt, dies von Ihres Vaters Sohne zu hören, Sir. Er ſtarb nur wenige Schritte von dieſer Stelle in meinen Armen und dies gibt mir vielleicht ein Recht, Sie in ſeinem verehrten Namen zu fragen, was Sie nun zu thun gedenken? „Das kann ich Euch jetzt nicht ſagen, doch ſollt Ihr es ſpäter erfahren, Mark. Kommt morgen über acht Tage bei Tagesanbruch wieder hierher und Ihr ſollt meinen letzten Entſchluß erfahren.« „Hierher, Sir? Ich ſoll Sie hier wieder treffen?“ „Wie ich eben geſagt habe heute über acht Tage bei Tagesanbruch.“ „Ein ſeltſamer Ort und eine ſeltſame Stunde,“ be⸗ merkte Mark. „Die Zuſammenkunft iſt vielleicht noch ſeltſamer,« ſagte Gage düſter. „Ich hoffe, daß ſie zu etwas Gutem führen wird,“ ſagte Mark.„Sie kennen doch die Prophezeiung in Bezug auf Ihre Familie?“ „Ich habe etwas davon gehört,“ entgegnete Gage; „wie iſt ſie eigentlich?« „Die Verſe lauten, wenn ich mich recht entſinne, fol⸗ gendermaßen,« entgegnete Mark: 128 Dicht an dem Hügel, den der Leuchtthurm ziert, Ein ſtolzer Monthermer Haus und Hof verliert; An demſelben Platz iſt der Weg nur klar— Bietet einem andern beides ſich wieder dar.«“ „Allerdings eine ſeltſame Prophezeiung,« ſagte Gage nachdenklich.»„Iſt der Weg nur klar«— Was ſoll das heißen? Doch es nützt nichts, jetzt darüber nachgrübeln zu wollen. Verfehlt nicht Euch einzufinden, Mark.« „Freitag bei Tagesanbruch, dafern noch ein Athem⸗ zug in mir lebt, können Sie darauf rechnen, mich zu ſehen,« entgegnete Rougham. „Und ob in mir noch ein Athemzug lebt oder nicht, ſo werdet Ihr mich auf alle Fälle hier finden,« verſetzte Gage. „Und nun lebt wohl, Mark.* Und ohne weiter ein Wort hinzuzuſetzen, eilte er nach dem Wagen und überließ es Rougham, über ſeine geheim⸗ nißvollen Abſchiedsworte nachzudenken. KW Eine ſchlaſloſe Nacht. Gage's Wiedererſcheinen in Monthermer Caſtle rief un⸗ ter den benachbarten Gutsbeſitzern, ſo wie überhaupt in der ganzen Grafſchaft eine außerordentliche Senſation hervor. Niemand erwartete ihn hier wieder zu ſehen— auf alle Fälle nicht in der Eigenſchaft des Herrn und Beſitzers und dieſer war er allem Anſcheine nach immer noch. Natürlich hatte ſich das Gerücht von ſeinem gänzlichen Ruin ſchon längſt verbreitet. Dergleichen Nachrichten fliegen ſehr ſchnell. ter dieſ doch rige ode plöt don und extr ſein alle kün Fiſt hes dari Fai denk auf jert, ſagte Gage ſoll das grübeln zu ein Athem⸗ zu ſehen,“ er nicht, ſo ſehte Gage⸗ e er nch ine gehein⸗ ſle tief u⸗ upt in der on herwor⸗ ale ßile und dieſer gůnlichen 129 Ueberdies erzählte man ſich, daß ſeine ſämmtlichen Gü⸗ ter von Fairlie in Beſitz genommen worden ſeyen, und obſchon dieſes Gerücht noch der Beſtätigung bedurfte, ſo ward es doch allgemein geglaubt, weil es mit dem bekannten habgie⸗ rigen Charakter des Verwalters vollkommen übereinſtimmte. Und gerade jetzt, wo Alle glaubten, er ſitze im Fleet oder irgend einem andern Schuldgefängniß, kehrte Gage plötzlich zurück, hatte, wie man erzählte, die Reiſe von Lon⸗ don in ſeiner gewöhnlichen prachtliebenden Weiſe zurückgelegt und war von ſeinen gewöhnlichen Dienern begleitet. Auch ſchien er durchaus keine Veränderung in ſeiner ertravaganten Lebensweiſe eintreten laſſen zu wollen, denn ſein erſtes Geſchäft bei ſeiner Ankunft war, Einlädungen an alle ſeine Bekannten zu ſenden und ihnen ſeine Abſicht zu ver⸗ künden, eine Woche lang offenes Haus zu halten und die Feſtlichkeiten mit einem großen Gaſtmahl zu beſchließen, wel⸗ ches ſie mit ihrer Gegenwart zu beehren erſucht worden. Die Empfänger dieſer Einladungen erſtaunten natürlich darüber nicht wenig. Da ſie in Gage's Arrangement mit Fairlie nicht eingeweiht waren, ſo wußten ſie nicht was ſie denken ſollten. Der Eine ſagte zu dem Andern: „Haben Sie ſchon gehört, daß Monthermer wieder auf dem Schloſſe iſt und ſeinen alten Saus und Braus wie⸗ der begonnen hat?“ Und der Andere entgegnete, er habe es allerdings ge⸗ hört, könne es aber kaum glauben. Deshalb habe er ſich vorgenommen, morgen hinüberzufahren und ſich zu über⸗ zeugen. Der Verſchwender. I. 130 Und hierauf kamen ſie Beide überein. Gages Einladung anzunehmen. Ihr Beiſpiel ward allgemein befolgt. Viele gingen aus Neugier— noch weit mehr, weil ſie überzeugt waren, eine überaus gutbeſetzte Tafel zu finden— und einige Wenige, weil ſie Gage perſönlich gewogen waren und ſich wirklich freuten, ihn in ſeiner Heimat wieder willkommen heißen zu können. So groß war der Zuſammenfluß von Gäſten, daß am dritten Tage ſchon jedes Zimmer in dem ungeheuer großen Herrenhauſe beſetzt war, mit alleiniger Ausnahme derjenigen, welche für die aus London erwarteten Gäſte reſervirt worden waren. Die, welche auf gute Mahlzeiten gehofft hatten, ſahen ſich in ihrer Erwartung nicht getäuſcht. Schon früher war der Herr des Schloſſes wegen ſeiner verſchwenderiſchen Gaſt— freundſchaft berühmt geweſen, ſeine gegenwärtigen Banketts aber übertrafen an Gediegenheit und Glanz Alles, was er früher gegeben. Nichts fehlte, was der verwöhnteſte Epikuräer wünſchen konnte, während die durſtigſten Fuchsjäger genug— und zuweilen mehr als genug— Burgunder und Claret be⸗ kamen. Die beſten von Gage's Nachbarn hielten ſich, wie man ſich leicht denken kann, fern und nahmen keinen Antheil an dieſen Feſtivitäten, die Zechbrüder aber, welche ſich wirklich einfanden, überredeten ihn, daß es viel beſſer ſey, wenn der⸗ gleichen hochnäſige Geſellſchaft wegbliebe. Es wäre Schade um jedes freundliche Wort und jeden Becher guten Weines, den man an ſie verſchwendete. Er ſelbſt ſeh ihnen lieber als die ganze Geſellſchaft zuſammengenommen. Er ſey der beſte und gaſt Her davl ſchw eine revi von melt Mo von Pri ner Ny er! Einladung gingen aus varen, eine ige Wenige, ich wirklich heißen zu daß am uet großen derjenigen, virt worden ten, ſchen friher war ſchen Gaſt n Bankets , was r wünſchen — und er 19 Claret be⸗ wie nan Antheil an ſch wirklih wenn der⸗ Schade um Beines, den ber als die „ beſte und 131 gaſtfreieſte Mann von der Welt und verdiene ein Dutzend ſolche Herrſchaften zu beſitzen. Der Leſer denke ſich ein halbes Schock alte Zecher(einige davon Sechsflaſchenmänner), eine gleiche Anzahl flotter aus⸗ ſchweifender Jünglinge, frühere Genoſſen unſeres Helden, nebſt einer Anzahl jener gemiſchten Leutchen, die man auf den Jagd⸗ revieren der Provinz antrifft und er hat dann einen Begriff von der Geſellſchaft, wie ſie jetzt auf dem Schloſſe verſam⸗ melt war. Vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen gab es nichts als wildes Zechen und Jubeln. Am vierten Tage war die Geſellſchaft durch die Ankunft von Sir Randal de Meſchines, Maſter Freke, Lord Melton, Brice Bunbury, Nat Miſt und Jack Braſſey mit ihren Die⸗ nern vermehrt und ſpäter an demſelben Tage kam auch Myſtreß Jenyns. Dieſer letzte Gaſt war für Gage eine Ueberraſchung, er hatte ſie nicht erwartet. „Sie werden finden, daß ich durchaus nicht im Wege bin,“ ſagte ſie zu ihm, als ſie ſeine Verlegenheit bemerkte, während er ſich bemühte, ſie lächelnd willkommen zu heißen, „und ich bitte Sie, keine Umſtände mit mir zu machen, ſon— dern mich unterzubringen, wo Sie Luſt haben. Fairlie ſagte mir, es wäre kein Platz für mich und Sie wollten mich auch gar nicht haben, aber ich wußte es beſſer und deshalb bin ich da. Aber mein Himmel, wie unwohl Sie ausſehen! Was iſt Ihnen? Ich verſichere Ihnen, Sie ſehen jetzt zehn Jahre älter aus, als da ich Sie das letzte Mal ſah.« Dies ward im Scherz geſagt, aber es war von der Wahrheit nicht weit entfernt. Gage hatte in der That ſein * 132 jugendliches Ausſehen ganz verloren und war fürchterlich ab⸗ gemagert und verſtört. Seit ſeiner Rückkehr nach dem Schloſſe hatte er wenig Ruhe gehabt. Das große Schlafzimmer, welches er benützte, hatte früher ſeinem Vater gehört und er bildete ſich ein, ſeltſame Töne darin zu hören. In der Nacht vor Mhſtreß Jenyns Ankunft war er un⸗ ruhiger als gewöhnlich geweſen. Nachdem er ſich ſtundenlang auf ſeinem Pfühl hinundhergeworfen und vergeblich einzu⸗ ſchlafen verſucht, ſtand er auf, kleidete ſich, von abergläubi⸗ ſchem Schrecken ergriffen, ſchnell an und ging hinaus in die lange Gallerie, in welcher die lebensgroßen Bildniſſe ſeiner Ahnen hingen. Jetzt aber waren es nicht mehr Bildniſſe, ſondern furcht⸗ bare Geſpenſter. Der Mond warf ſeinen bleichen Schein durch die entge⸗ gengeſetzten Fenſter und auf dieſe Weiſe beleuchtet traten die Geſtalten der alten Monthermers aus ihren Rahmen heraus wie Geiſter. Das erſte Phantom, welchem Gage begegnete, war Ra⸗ dulphus, ein geharniſchter Baron aus der Zeit Eduards des Erſten und Gründer der Familie. Auf dieſen unheimlichen Schatten folgte Sir Lionel, welcher von Eduard dem Dritten zum Ritter geſchlagen wor⸗ den, dann Kenric der Weiſe, Randal der Stolze, Redwald der Rieſige und viele Andere: Oswald, welcher unter der Regierung Eduards des Vierten blühte; Egbert, ein tapferer Page in den Tagen Heinrichs des Achten, ein ſchlauer Staats⸗ mann zur Zeit Eliſabeths; Sigbert, von Jacob dem Erſten zum Ritter geſchlagen; Arthur der Cavalier; Vernon, Gages Großvater, und zuletzt Warwick, ſein Vater. ſtalt und da ß verd vert ſcha ihre glei daß n aufi wa vol erlich ab⸗ m Schloſſe ützte, hatte n ſeliſame war er Uh⸗ undenlang ich einzu⸗ ergiäubi us in die dern furch⸗ die entge⸗ traten die ien heraus e, wal Ra⸗ pos duards des Lionel⸗ lagen wol⸗ edwald unter der in tapſirer er Stauts⸗ en Erſtn on, Goges 133 Dicht neben dem Schatten Warwicks ſchwebte die Ge⸗ ſtalt eines jungen ſchönen Weibes. Ihre Blicke waren zärtlich und bekümmert auf ihren irrenden Sohn geheftet, ſo zärtlich, in dieſem Augen⸗ blick und er machte ſich bittere 2 iemals hatte er die Liebkoſungen einer Mutter gekar att ima Rath ihm wohl etwas genützt haben, wenn es der Fall geweſen wäre? Hätte eine Mutter ihn vom Untergange retten können? Nein, nein. Er verdiente unterzugehen. Er hatte jeden Anſpruch auf Mitleid verwirkt. Ueberwältigt von ſchwarzen verzweifelnden Gedanken, ſchaute er die Reihe von Phantomen entlang und begegnete ihren Blicken mit eben ſo finſtern wie die ihren, indem er zu⸗ gleich einem gefaßten furchtbaren Entſchluß Worte lieh. Aber die Geſpenſter zürnten und ſchienen zu murmeln, daß er ſelbſt im Grabe keinen Platz neben ihnen haben ſolle. Plötzlich ward er aus dem Zuſtand der Betäubung, in welchen er allmälig gerathen, durch den von unten her— aufdringenden Schall lauten Gelächters und Lärmens auf⸗ gerüttelt. Ein großer Theil ſeiner Gäſte durchjubelte zechend die Nacht. In ihrer Geſellſchaft konnte er Vergeſſenheit finden und ohne einen Augenblick zu warten, eilte er zu ihnen hinunter. Als er aber das Zimmer erreichte, wo die Geſellſchaft war, ward er durch den Anblick, der ſich ſeinen Augen darbot, vollſtändig angewidert. Quer über das Zimmer lagen umgeſunkene Geſtalten, einige von Wein und Punſch ſo berauſcht, daß ſie nicht im 134 Stande waren, aufzuſtehen, einige in feſtem Schlafe mit in Unordnung gerathenen Kleidern und umhergeworfenen Per⸗ rücken. Nur noch etwa ein halbes Dutzend waren im Stande, ihre Sitze am Tiſche nuſt und dieſe tapfern Zecher begrüßten Gage mik trun enem Geſchrei und forderten ihn auf ſich zu ihnen zu geſellen. Außer Stande aber, ſeinen Widerwillen zu bekämpfen, entfernte er ſich ſchnell, weckte einen Groom, begab ſich nach dem Stalle und befahl ihm ſein Lieblingsroß Heißſporn zu ſatteln und ritt dann hinaus in den Park. Der Groom glaubte, ſein Herr müſſe den Verſtand ver— loren haben. Im Galopp ſprengte er fort und in den abgelegenſten Theil des Parkes hinein, aber die ſchwarze Sorge ſaß hin— ter hm. Ein Trupp geſpenſtiſcher Reiter holte ihn ein und ritt neben ihm her. Vergebens trieb er Heißſporn zur äußer⸗ ſten Schnelligkeit an, die geſpenſtiſche Rotte hielt Schritt mit ihm. Er kannte ſie alle, Redwald den Rieſen, Kenric mit ſei⸗ ner hohen Stirn, Randal mit ſeiner ſtolzen Haltung, Arthur mit ſeinen wallenden Locken, und ſein Vater, ja ſein Vater ritt an der Spitze des Trupps. Er mochte reiten wohin er wollte, ſo folgten ſie ihm. Wenn er in geſtrecktem Galopp eine Lichtung entlang ſauſte, ſo waren die geſpenſtiſchen Reiter neben ihm; wenn er auf einer Anhöhe den Zügel anzog, ſo machten ſie eben⸗ falls Halt. Er drückte die Hand vor die Augen, als er ſie aber wie⸗ der wegnahm, waren ſie immer noch da. mir auf tet viel ſen afe mit in rfenen Per⸗ im Stande forn Zecher ten ihn auf bekämpfen b ſich nch ißſporn zu erſtand ver⸗ bgelegenſten ge ſaß hin⸗ n und ritt zut äußer⸗ ielt Schrit nrir mit ſe ung, Arthur in Vater rit ſi ihm⸗ ung entlang * wen er n ſe hor ſe ober wi⸗ 135 Was wollt Ihr von mir?s rief er.»Warum folgt Ihr mir ſo?“ Die Geſtalten gaben keine Antwort, ſondern zeigten auf das Schloß. „Ich weiß was Ihr meint,“ fuhr er fort.„Ihr ſchel⸗ tet mich, daß ich es verloren. Aber beruhigt Euch. Ehe noch viele Tage vergehen, ſollen meine Fehler alle gebüßt werden.“ So wie er dieſe letzten Worte ſprach, zerrannen die Ge⸗ ſpenſter in Nebel und er ritt langſam und ohne weitere Be⸗ unruhigung nach dem Schloſſe zurück. Als der Groom das Pferd wieder in den Stall führte, wunderte er ſich, was der junge Squire vorgehabt haben müſſe. Heißſporn hatte kein trockenes Haar am ganzen Leibe und ſah aus, als ob er vom Kopf bis zum Fuße mkt Waſſer übergoſſen worden wäre. Die Ereigniſſe dieſer Nacht hatten Gage's Ausſehen ſo verändert, daß Myſtreß Jenyns Bemerkung, er ſehe volle zehn Jahr älter aus, dadurch beſtätigt ward. XVI. Wie Gage wieder verleitet ward zu ſpielen und mit welchem Relultat dies geſchah. Sir Randal und Beau Freke waren nach Monthermer Caſtle in der Hoffnung gekommen, ihr Geld wieder zu bekom⸗ men, aber es ſchien, als ob ſie in dieſer Hoffnung getäuſcht werden ſollten. Es war allerdings jeden Abend geſpielt und auch ziem⸗ lich hoch geſpielt worden, aber Gage nahm keinen Antheil ir 136 daran. Der Grund war, daß er keine Fonds beſaß und ſich deshalb genöthigt ſah, die Rolle eines bloßen Zuſchauers zu ſpielen. Es war eine neue Kränkung für ihn, daß ſeine zuletzt angekommenen Gäſte ihn an ſein Verſprechen erinnerten, ihnen Revanche zu geben. Er entſchuldigte ſich ſo gut er konnte, aber er fühlte, daß ſie ihn als einen Feigling betrachteten, von allen Charak⸗ teren der, welchen er am meiſten verachtete, und dies ſchmerzte ihn aufs Empfindlichſte. »Dies pflegte nicht der Fall zu ſeyn, als wir das letzte Mal hier waren, Monthermer,«“ ſagte Sir Randal.„Da⸗ mals konnten Sie einer Partie Piquet oder Gleek nicht wider⸗ ſtehen und waren beim Würfelſpiel mein beſtändiger Gegner. Warum wollen Sie ſich nicht zu uns ſetzen? Was ſagen Sie zu einer Partie Landsknecht oder Whiſt? Ich ſpiele Alles mit, Tiktak, Ein und Ein, Paſſage, oder was Sie ſonſt wol⸗ len. Setzen Sie ſich wenigſtens.« »Entſchuldigen Sie mich, Sir Randal; ich ſpiele heute Abend nicht.« »Aber, zum Teufel, Menſch, haben Sie denn ein zwei⸗ tes Gelübde gegen Karten und Würfel gethan? Wenn dem ſo iſt, ſo rathe ich Ihnen, es zu brechen wie das erſte. Ich möchte gern noch einige tauſend Pfund an Sie verlieren.« »Ich auch,« ſetzte Beau Freke hinzu.„Wir wollen Sie von jedem neuen Gelübde, welches Sie vielleicht gethan ha⸗ ben, entbinden, Monthermer. Und ohne Zweifel werden Sie wieder dasſelbe Glück haben, was Sie neulich im Groom⸗ Porter's Hötel hatten.« In dieſem Augenblicke rief Lord Melton, der mit noch Einigen beim Fünfkartenſpiele ſaß: Stiche gilt!« jett n Lord. aufdec hätten ſchn, dieſe nhns digt, ihn g nen, nehm Sio ſt tige 6 fühe Gog Sie Pag ghe ß und ſich chauers zu eine zuleßzt rten, ihnen er fühlt, n Charak⸗ ſchmerzte das letze dal.„Da⸗ icht wider⸗ er Gegnel⸗ ſagen Sie piele Alles onſt wol⸗ erſt. 3 4 ieren⸗ vollen Sie than ha⸗ erden 5 Groom⸗ ie noch mi 137 „Ich wette hundert Pfund, Monthermer, daß ich alle Stiche gewinne.* Gage hatte die größte Luſt zu entgegnen:„Die Wette gilt!« aber er that ſich Gewalt an und ſagte blos:»Ich wette jetzt nicht.“ „Nun, was zum Teufel hält Sie denn ab?« rief der Lord.„Sehen Sie,« ſetzte er hinzu, indem er ſeine Karten aufdeckte,„wenn Sie mich beim Wort gehalten hätten, ſo hätten Sie gewonnen.« Um nicht weiter dergleichen Aufforderungen ausgeſetzt zu ſeyn, verließ Gage bald nachher das Spielzimmer und kehrte dieſe Nacht nicht wieder dahin zurück. Am nächſtfolgenden Abend aber gelang es Myſtreß Je⸗ nyns ihn an den Würfeltiſch zu locken. Er hatte ſich entſchul⸗ digt, wie zuvor, aber ſie nahm ihn bei Seite und forderte ihn auf, ſein Glück nochmals zu verſuchen. „Ich müßte doch erſt Geld haben, um ſpielen zu kön⸗ nen, Peg,* ſagte er mit erzwungenem Gelächter. „Das ſollen Sie auch haben,« entgegnete ſie.»Hier nehmen Sie meine Brieftaſche. Sie iſt gefüllt mit Banknoten. Sie ſollen für mich ſpielen, und ſcheuen Sie ſich nicht, tüch⸗ tige Einſätze zu machen. Den Gewinn wollen wir theilen, wie früher.“ „Haben Sie Ihre glücklichen Würfel bei ſich?« fragte Gage und ſah ſie mit bedeutſamen Blicke an. „Die, auf welche ich das meiſte Vertrauen ſetzte, haben Sie zerſchlagen« entgegnete ſie,„ich habe aber noch ein Paar und die können Sie verſuchen, wenn Sie Luſt haben.* „Geben Sie her,« entgegnete Gage;»wie hoch kann ich gehen?* „Dieſe Brieftaſche enthält beinahe Alles, was Sie für — 138 mich in dem Groom⸗Porter's Hotel gewannen— ungefähr ſiebzehntauſend Pfund. Ich bin vollkommen bereit die ganze Summe zu riskiren.* „Sie thäten beſſer, ſie mir nicht anzuvertrauen.“ „Ach was da! ich habe nicht die mindeſte Beſorgniß,« entgegnete ſie, indem ſie ihm ein Paar Würfel in die Hand drückte.„Ich weiß, Sie werden gewinnen. Kommen Sie mit.“ Und indem ſie ihn an den Tiſch führte, rief ſie: „Meine Herren, ich freue mich, Ihnen zu melden, daß ich Maſter Monthermer überredet habe, mitzuſpielen.« Dieſe Mittheilung ward mit lautem Beifall aufgenom⸗ men und ſofort für Gage Platz an dem Tiſch gemacht. Sir Randal ſowohl als Beau Freke fragten, wie viel er zu ſetzen gedenke. „Tauſend Pfund,« war die Antwort. Die Würfel klapperten, und Gage verlor. Miſtreß Jenyns, die neben ihm ſtand, machte eine Ge⸗ berde der Ueberraſchung flüſterte ihm aber zu, er ſolle den Einſatz verdoppeln. Er that dies und verlor abermals. Die Schauſpielerin biß ſich vor Aerger auf die Lippe, winkte ihm aber fortzufahren. Er gehorchte, aber ohne beſſeres Glück. Der Einſatz war nun achttauſend Pfund und Gage machte eine Pauſe, ehe er das Geld auf den Tiſch legte. Mi⸗ ſtreß Jenyns aber wollte vom Aufhören nichts wiſſen. Das Glück war immer noch gegen ihn und die achttau⸗ ſend Pfund wurden von ſeinen Gegnern weggerafft. Er hatte nun im Ganzen fünfzehntauſend Pfund verlo⸗ ren, folglich bis auf zweitauſend den ganzen Inhalt der Brief⸗ taſche. leich höt Ent eine ſpie ſoif ieih — ungrführ eit die ganze rauen.“ Beſorgniß,“ lin die Hand ten Sie mit.“ melden, daß ll aufgenom⸗ macht. ſen, wie viel chte eine Ge⸗ er ſole den auf die iypbe⸗ nd ſch legte wiſſen⸗ d die achtal⸗ Mi⸗ afft. vb⸗ Brieß⸗ pfund ſt der und Gage „Setzen Sie, was wir noch haben,« flüſterte Miſtreß Jenyns,„und würfeln Sie ſorgfältig!« ſetzte ſie bedeutſam hinzu. Gage bemühte ſich ihren Weiſungen Folge zu leiſten, aber er ward wieder geſchlagen und die Brieftaſche war leer. Seine Gegner forderten ihn auf, noch weiter zu ſpielen, aber er ſchüttelte den Kopf und verließ den Tiſch. „Es thut mir leid, ſo ſchlecht geſpielt zu haben,“ ſagte er zu Miſtreß Jenyns, welche ihm eilig nachgefolgt war.„Viel⸗ leicht wäre es beſſer gegangen, wenn ich die Würfel benutzt hätte, welche Sie mir gaben.« „Was, dieſe haben Sie nicht benutzt?“ rief ſie mit einem Ausbruche von Wuth.»Nun iſt mir die Sache klar. Närrin, die ich war, mich Ihnen anzuvertrauen! Sie haben mich ruinirt.“ „Aber, Peg—* „Sprechen Sie nicht mit mir, meine Geduld iſt zu Ende. Geben Sie mir die Würfel und laſſen Sie mich ſelbſt einen Verſuch machen. Doch nein— nein— ich kann nicht ſpielen. Mein ganzes Geld iſt hin. Können Sie mir keines leihen— Frn Pfund wären genug.« habe nicht den hundertſten Theil mehr von dieſer Summe,« antwortete er. Miſtreß Jenyns ſah ihn an, als ob ſie ihn vernichten könnte— plötzlich aber ſchien ihr Zorn ſich zu legen. „Es muß etwas geſchehen, um dieſen Fehler wieder gut zu machen,“ ſagte ſie im Tone erzwungener Ruhe.»Wir müſ⸗ „Ich ſen morgen über Fairlie mit einander ſprechen.« „Ueber Fairliel« rief Gage.»Was über ihn?“ „Richt ſo laut, entgegnete ſie.»Die Diener ſind alle ſeine Spione und einige davon könnten Sie hören. Es war 140 mir, als ob dieſer Mann horchte,« fuhr ſie fort, indem ſie auf Pudſey deutete, welcher nicht weit von ihnen ſtand. „Morgen will ich Ihnen meinen Plan mittheilen. Sie ſind mir Genugthuung für meinen Schaden ſchuldig, den Sie mir ſo eben zugefügt, und ich werde Ihnen zeigen, wie Sie dies auf umfaſſende Weiſe thun können. Doch jetzt laſſen Sie uns ſcheiden. Ich bin überzeugt, daß dieſer Menſch horcht. Tref⸗ fen Sie mich morgen Früh bei Zeiten— in dem Bibliothek⸗ zimmer.« Und ſie verließ das Zimmer, während Gage an den Würfeltiſch zurückkehrte und dem Spiele zuſah. „Ich that recht daran, daß ich ihre Würfel nicht be⸗ nutzte,“ dachte er.»Beſſer verlieren, als auf unredliche Weiſe gewinnen.* XVII. Eine Juſammenkunft im Epheuthurme. Der vorletzte Tag ſeiner Friſt war nun da und nach we⸗ nigen Stunden mußte Gage auf immer dem geborgten Glanze entſagen und aufhören, Herr von Monthermer zu ſehn. Noch ein Tag und Alles war dann vorüber. Wohlan, was that es? Hatte er nicht alle Genüſſe erſchöpft? Hatte er nicht ſich ſatt geſchwelgt? Hatte er den Becher der Freude nicht bis auf die Hefe geleert?— Nun konnte er ihn ohne Bedauern von ſich werfen. Ja, vielleicht ohne Bedauern, aber ſicherlich nicht ohne Gewiſſensbiſſe, nicht ohne Reue. Er wagte nicht auf ſeine wahnſinnige Laufbahn zurück⸗ zublicken, auf die unzähligen Thorheiten, die er begangen, und v Bruſt wüſſte ſcheuch len bi bis de etwas weſen dem ſechſte Raſe der Schl ner noch lage, heuer juſetz Lage fiber ihle Grl) tt, indem ſi ihnen ſtand. len. Sie ſind den Sie mir wie Sie dies ſſen Sie uns horcht. Tref⸗ Bibliothel⸗ zge an den fel nicht be⸗ f unredliche ne. und nach we⸗ rgten Glanze u ſehn. e. Wohlan, höpft! Fr del Freude ihn ohne ch niht r fbahn zurl r begangen⸗ 141 und vergebens ſuchte er die Stimme des Gewiſſens in ſeiner Bruſt zu erſticken. Dieſe Stimme machte ſich ſelbſt mitten im lärmenden, wüſten Gelage hörbar. Sie erkältete ihm das Blut und ver⸗ ſcheuchte den Schlaf von ſeinem Lager, ja ſie trieb ihn zuwei⸗ len bis an den Rand des Wahnſinns. Aber es mußte ja nun baldAlles ein Ende nehmen, und bis dahin wollte er von keiner Einſchränkung, keiner Pauſe etwas wiſſen. Wenn ſeine Laufbahn kurz und glänzend ge⸗ weſen war, wie die eines Meteors, ſo ſollte auch ihr Schluß dem plötzlichen Erlöſchen eines ſolchen gleichen. Solche Gedanken bewegten ihn, als er am Morgen des ſechſten Tages nach ſeiner Rückkehr über die breiten ſammtenen Raſenplötze des Gartens ſchritt und die ſteinernen Stufen der Terraſſe hinaufſtieg, welche nach den Ruinen des alten Schloſſes führte. Er war ohne Begleiter, denn noch nicht ein einziger ſei⸗ ner zahlreichen Gäſte war aufgeſtanden. Die Stunde war noch eine zu frühe für ſie nach ihrem langen nächtlichen Ge⸗ lage, und viele ſtanden nicht vor Mittag auf, wo ſie dann neuer Reizmittel bedurften, um dieſes wüſte Leben weiter fort⸗ zuſetzen. Ihr Wirth jedoch, der nicht ſchlafen konnte, verließ ſein Lager bei Zeiten, und ſuchte ſeine pulſirende Stirn und die fieberhaft zitternden Glieder in der friſchen Morgenluft zu kühlen. Abgeſehen hiervon hatte er aber auch noch einen andern Grund zu ſeinem frühen Spasirgange. Als er ſich in der vorigen Nacht auf ſein Zimmer zu⸗ rückzog, fand er auf ſeinem Toilettetiſch ein Billet von weib⸗ 142 licher Hand, die er zu kennen glaubte, obſchon er der Schrei⸗ berin keinen beſtimmten Namen zuweiſen konnte. Das Billet war ohne Unterſchrift und enthielt blos einige Worte, in welchen er erſucht ward, nächſten Morgen nach dem Epheuthurme zu kommen, wo eine Freundin ihn zu ſehen wünſchte. Die ſtrengſte Verſchwiegenheit ward dabei gefordert. Es hatte eine Zeit gegeben, wo ein ſolches Billet ſeine Neugier gereizt und ſeiner Eitelkeit mit dem Gedanken an eine Eroberung geſchmeichelt haben würde, aber jetzt lebten keine derartigen müßigen Gefühle mehr in ihm. Dennoch beſchloß er zu gehen und eben um der Auf⸗ forderung Folge zu leiſten, lenkte er jetzt ſeine Schritte nach den Ruinen des alten Schloſſes. Er war noch nicht weit auf der Terraſſe gekommen, als er ſeine Augen aufhebend, die bis jetzt in Folge ſeines me⸗ lancholiſchen Brütens auf den Boden geheftet geweſen, einen Mann auf ſich zukommen ſah, und da er ſofort Mark Rou⸗ gham erkannte, ſo blieb er ſtehen, bis der letztere hinzukam, denn er war der Meinung, er werde ihm in dieſem Augen⸗ blick im Wege ſehn und überlegte, wie er ſich ſeiner entledigen ſollte. „Guten Morgen, gnädiger Herr,« rief Mark, indem er, als er näher kam, den Hut abnahm.»Ich war eben auf dem Wege nach dem Hauſe, um zu ſehen, ob ich ein Wort mit Ihnen ſprechen könnte. Nun aber iſt dies nicht nöthig, da Sie ſchon auf dem Wege nach dem Epheuthurme ſind.« „Ah, Ihr wißt alſo, daß ich dorthin gehe? Vielleicht wißt Ihr auch, daß ich geſtern Abend ein Billet bekommen habe 7* „Ob ich das weiß! Ich hab' es ja ſelbſt gebracht. Ich bat ei wo E von! viel S halte gebre ſicht zeugt Seel Erde Das ſon Frar Gleie der Schrei⸗ enthielt blos ſten Morgen reundin ihn ward dabei Billet ſeine edanken an jezt lebten um der Auf⸗ Schritte noch kommen, als ſeines me⸗ weſen, einen Nark Ror⸗ ehinzlkam⸗ ieſem Augen⸗ er entledigen ck, inden er, eben auf in Vort mit ihig da Sie e Viellicht 1 belommen bracht 36) 143 bat eine der Dienerinnen, es in Ihr Schlafzimmer zu legen, wo Sie es ganz gewiß finden würden. Sie errathen doch, von wem es iſt? Gott ſchenke ihr Segen dafür! Ich hätte ſo viel Herzensgüte und Aufopferung gar nicht für möglich ge⸗ halten, wenn ich es nicht geſehen hätte. Das Herz iſt mir faſt gebrochen bei dem Anblick, den ich geſtern hatte, ſo viel Rück⸗ ſicht für Andere, ſo wenig Sorge für ſich ſelbſt! Ich bin über⸗ zeugt, wenn irgend ein Menſch im Stande iſt, eine ſündige Seele vom Verderben zu retten, ſo iſt ſie es. Es gibt auf Erden keine Zweite.« „Wen meint Ihr denn, Mark?“ „Nun wen ſoll ich ſonſt meinen als Miß Farrliel Das, was ich ſo eben geſagt, kann von keiner andern Per⸗ ſon ihres Geſchlechtes gelten. Nicht als ob ich anderen Frauen Unrecht thun wollte, aber ſie hat wirklich nicht ihres Gleichen.“ „Ihr veranlaßt mich faſt zu der Vermuthung, daß ſie hier iſt, Mark. Doch das iſt ja unmöglich; es müßte denn ſich mit ihrer Geſundheit ſehr gebeſſert haben.* „Es geht mit ihr vielleicht wirklich ein wenig beſſer als früher,“ entgegnete Mark,»aber ihr Leben hängt immer noch an einem Faden, der jeden Augenblick zerreißen kann. Trotz ihrer Krankheit und Abſpannung aber iſt ſie wirklich hier, und es iſt ein wahres Wunder zu nennen, daß ſie im Stande geweſen iſt, eine ſo lange Reiſe zu machen. Ihr bra⸗ ves gutes Herz aber hat ihr Kräfte gegeben, und der Himmel hat ihr ebenfalls ſeinen Beiſtand geliehen.« „Aber was führt ſie denn hierher?“ rief Gage. „Wie können Sie ſo fragen? Sie iſt gekommen, um Sie zu ſehen, um mit Ihnen zu ſprechen, um zu ſehen ob ſie Ihr Herz rühren kann, und ich hoffe, daß es mit Gottes 144 Hilfe ihr auch gelingen wird. Hatten Sie nicht an ſie ge⸗ ſchrieben, Sir, ehe Sie London verließen?“ „Allerdings ſchickte ich ihr einige in aller Eile geſchrie⸗ bene Zeilen und meldete ihr, daß ich auf eine Woche nach Monthermer Caſtle ginge. Ich wußte kaum, was ich ſchrieb, ſo eilig war ich.« „Mögen Sie geſchrieben haben, was Sie wollen, Sir, ſo hat Ihr Brief ſie doch bewogen, Ihnen zu folgen. Trotz aller Gegenvorſtellungen brach ſie an demſelben Tage, wo Sie die Reiſe antraten, mit meiner Tochter Lettice ebenfalls auf, und reiſte in kurzen Stationen bis nach Bury St. Edmunds. Hier ruhte ſie aus, ſchickte aber, während ſie dies that, einen Boten voraus an Maſter Gosnold, den Obergärtner, und ließ ihn erſuchen, die Zimmer in dem Epheuthurm zu ihrem Em⸗ pfange in Bereitſchaft zu ſetzen.« „Ich entſinne mich gehört zu haben, daß ſie eine Vor⸗ liebe für den alten Thurm hatte, und ihn wieder bewohnbar machen ließ,« bemerkte Gage. „Ja, dies geſchah, nachdem Maſter Arthur Poynings das Unglück gehabt hatte, verwundet zu werden, und dort⸗ hin geſchafft worden war,“ fuhr Mark fort.„Eine ſchlimme Geſchichte das, Sir, die noch viel ſchlimmer hätte ablaufen können, als es der Fall geweſen iſt. Ich dachte, der junge Herr müßte ſterben, und ohne Miß Fairlie's Pflege und Sorg⸗ falt wäre dies vielleicht auch ſo gekommen. Sie wachte aber die ganze Nacht bei ihm, pflegte ihn wie eine Schweſter, und verließ ihn nicht eher, als bis er auf einer Tragbahre nach Reedham gebracht ward. Von dieſer Zeit an faßte ſie eine Vorliebe für den alten Thurm. Aber wie ich ſagte, während ſie in Bury ausruhte, ward ein Bote an Maſter Gosnold ge⸗ ſendet, damit dieſer die Zimmer für ſie in Stand ſetze, und cht an ſie ge⸗ Eile geſchri⸗ Voche nah s ich ſhrieb⸗ lgen. Troß age, wo Sie enfalls auf, . Edmunds. s that, einen ner, und ließ uihren En⸗ ſe eine Vor⸗ bewohnbat ur Pohnings en, und dolt Fine ſhlimme ätte ablaufen te, der junge ge und Sorg⸗ wachte aber chweſter, und gbehre w fußte ſie eine te, während Gesnold ge⸗ d ſehe und 145 gleichzeitig ſchickte Lettice einen Mann nach Reeham, um mich in Kenntniß zu ſetzen, daß Sie kämen. Zum Glück war Sir Hugh mit ſeiner Familie ſo eben von London zurückgekehrt, und ich konnte daher nicht umhin, die Sache gegen Maſter Arthur zu erwähnen, dieſer ſagte es natürlich Miß Luch, und dieſe entſchloß ſich ſofort, hierher zu kommen und ihre Freun⸗ din zu pflegen. Maſter Arthur und ſeine Mutter hatten, wie Sie ſich leicht denken können, allerlei dagegen einzuwenden, aber das Lange und Kurze von der Sache war, daß Luch ſich nicht abhalten ließ und hierher ging.« »Was! Miß Poynings iſt auch hier?« rief Gage er⸗ ſtaunt. „Ja wohl iſt ſie da, Sir,« entgegnete Mark.»Sie und ihr Bruder trafen mit Miß Fairlie auf dem Kreuzwege auf der Hälfte zwiſchen hier und Reedham zuſammen, und Maſter Arthur geleitete ſie geſtern Abend hierher, und ſah ſie bequem untergebracht, ehe er wieder fortging, und das iſt die ganze Geſchichte, doch nein, noch nicht die ganze, denn Miß Luch ſchrieb das Billet an Sie, welches ich, wie ich Ihnen ſchon ſagte, ſelbſt beſtellte. Und nun, Sir, ſoll ich Sie zu ihr führen?“ Gage war einen Augenblick lang unentſchloſſen und dann, wie zu dieſem Wiederſehen Kräfte ſammelnd, ſagte er: „Geht voran, Mark.* Es ward nun kein Wort weiter zwiſchen ihnen ge⸗ ſprochen. Als ſie den Thurm erreichten, ging Mark hinein, wäh⸗ rend Gage außen wartete, bis er gerufen würde. Dann folgte er ſeinem Führer eine kurze Wendeltreppe hinauf und trat in ein hohes kreisrundes Zimmer, welches Der Verſchwender. II. 10 146 mit ziemlichem Geſchmack und jeder nöthigen Rückſicht auf Be⸗ quemlichkeit ausgeſtattet war. Die Geräthſchaften waren ſchwerfällig und altväteriſch, ſtanden aber mit dem Zimmer in Einklang. Eine kupferne Lampe hing von der gerieften Decke herab, und ein düſterer Spiegel in einem Rahmen von Ebenholz war über dem alterthümlichen Caminſims angebracht. Die ſteiner⸗ nen Mauern waren mit alten Tapeten bedeckt, und die tie⸗ fen Fenſterbrüſtungen durch dichte Vorhänge verhüllt. Ein Holzfeuer brannte luſtig auf dem Herde, und die Flamme erleuchtete das Zimmer. Auf einem Sopha in der Nähe des Herdes und in Shawls gehüllt lag Clara. Neben ihr ſaßen Luch Poynings und Lettice Rougham. Mark trat nicht mit Gage ein, ſondern machte die Thür hinter ihm zu und blieb draußen. Einige Augenblicke lang herrſchte tiefes Schweigen, wel⸗ ches nur durch das halb unterdrückte Schluchzen Lettices un⸗ terbrochen ward. Endlich hörte man eine leiſe Stimme ſagen: „Tritt näher— ich bitte Dich.« Und Gage näherte ſich dem Sopha, auf welchem die Leidende ruhte. „Setze Dich auf einen Augenblick neben mich,« fuhr Clara in ihrem ſanften matten Tone fort,„und laß mich Dir die Urſache meiner Anweſenheit hier erklären. Ich hatte nicht geglaubt, Dich jemals wiederzuſehen, aber Mitleid hatte alle anderen Gefühle beſiegt, und ich habe beſchloſſen, auszuharren bis an's Ende. Deshalb bin ich gekommen. Ich will Dir keine Vorwürfe machen, daß Du dein mir gegebenes Verſprechen gebrochen haſt. Ich verzeihe es Dir und bitte den Himmel, daß er Dir ebenfalls verzeihe.« ſicht auf Be⸗ alwäteriſch, Decke herab, Fbenholz war Die ſteiner⸗ und die ti⸗ ült. de und die in der Rähe e Rougham chte die Thür weigen, wel⸗ Lettices un— welchem di nich ſuhr aß nich Qit h hatte nicht d hatte al⸗ aujuharti il ir keine Prrſprechen immel en binn 4 Dann ſchwieg ſie einige Augenblicke, worauf ſie in feſterem Tone wieder anhob: „Und nun laſſ mich eine Frage an Dich thun, die ich aufrichtig zu beantworten bitte. Haſt Du meinem Vater das Geld wiederbezahlt, welches er für deine Schulden vorge⸗ ſchoſſen? Zögere nicht— ich muß die Wahrheit wiſſen— ich habe ein Recht, ſie zu wiſſen.« „Da Du ſo in mich dringſt, ſo bin ich gezwungen zu geſtehen, daß ich ihn wieder bezahlt habe,« antwortete er. „Ich hoffte dadurch mein ſchmachvolles Benehmen gegen Dich einigermaßen wieder gut zu machen.« „Wenn Du mir gefolgt hätteſt, ſo wäre dieſer neue Kummer mir erſpart worden!* rief Clara ſchmerzlich. Und ſie ſank auf einige Augenblicke auf das Sopha zu⸗ rück, während Luch herbeieilte, um ſie zu ſtützen. »O es iſt ſchwer zu tragen,« rief ſie nach einer Weile, »aber es muß wo möglich ausgeglichen werden. Jetzt ſage mir, Gage und ſage mir aufrichtig— zu welchem Zwecke biſt Du hierhergegangen?* „Um noch eine Woche lang Herr von Monthermer zu ſeyn,« antwortete er. „Aber wie kam es, daß mein Vater in deine Rückkehr willigte? „O, ich fand Mittel, ihn zu überreden— oder um mit der Sprache gerade herauszugehen, ich machte es loh⸗ nend für ihn, mich einige Tage lang dieſe Rolle ſpielen zu laſſen. Morgen Mitternacht iſt meine Zeit um.* „Und was gedenkſt Du dann zu thun?« fuhr Clara fort. Gage gab keine Antwort. Nach einer kurzen, peinlichen Pauſe ſtand er auf und ſagte kurz: 148 „Es kann nichts nützen, dieſe Unterredung noch weiter auszudehnen. Sie kann zu nichts führen. Für mich iſt keine Rettung möglich. Mache Dir meinetwegen keine weiteren Sorgen, Clara.* »Bleib!« rief ſie, ihn zurückhaltend;„Du darfſt nicht ſo gehen. Du haſt irgend einen furchtbaren Entſchluß gefaßt. Ich leſe das in deinen Blicken. Geſelle nicht noch Verbrechen zur Thorheit. Vernichte nicht dein ewiges Wohl. O höre mich an, Gage, höre mich an!“ »Es iſt zu ſpät— mein Entſchluß iſt gefaßt!“ rief er mit einem Blick und Ton, der an Wahnſinn grenzte. „O ſage nicht das! Es können Dir noch viele Jahre des Glückes beſchieden ſeyn. Vereinige deine Bitten mit den meinen, Luch— rede ihm zu— rede!« Luch verſuchte ihr zu gehorchen, aber ihre Gemüths⸗ bewegung raubte ihr die Sprache. „Alle deine Bitten ſind vergebens,« rief Gage.»Nichts kann mich von meinem Vorſatze abwendig machen. Leb' wohl, Clara— leb wohl, Luch! Denket von mir das Beſte, was Ihr könnt.« Und ſich von ihnen losreißend, ſtürzte er aus dem Zimmer. »O, was wird aus ihm werden!« rief Luch, indem ſie neben Clara auf die Knie niederſank. »Es muß eine letzte Anſtrengung gemacht werden, ihn zu retten,“ murmelte Clara,„eine letzte Anſtrengung.« noch weiter ſich iſt keine ine weiteren darfſt nicht hluß gefußt. Verbrechen — l. O höre viele Jahre en mit den e Gemüths⸗ 4 e.„Richts Leb wohl Leſe, was r aus den inden ſe XVIII. Wie Maſler Pudſeu ſeine Freunde bewirthete. Während die zahlreichen Gäſte ſich in den Hallen von Monthermer Caſtle luſtig machten und dieſelben von dem Lärm ihrer Gelage wiederhallen ließen, wurden in den unte— ren Zimmern ähnliche Bacchanalien gefeiert. Die Menge der in dem Hauſe verſammelten Lakeien, Grooms und anderer Diener ſchmauſte und zechte eben ſo luſtig wic die Herren. Schwelgerei und Tumult herrſchte überhaupt in dem ganzen Hauſe und das Hauptſtudium ſeiner Bewohner— mochte ihr Rang ſeyn, welcher er wollte— ſchien darauf gerichtet zu ſeyhn, ihre Gelüſte im vollſten Umfange zu be⸗ friedigen. Niemand verſuchte dieſem wuſten Treiben Einhalt zu thun, denn Fairlie war noch nicht erſchienen und Gage be⸗ kümmerte ſich nicht darum. Dafern ſeine und ſeiner Freunde Bedürfniſſe befriedigt wurden, konnten die Diener machen, was ſie Luſt hatten, und wir können überzeugt ſehn, daß ſie dieſe Freiheit nicht unbenutzt ließen. Man kann ſich ſchwerlich ein beklagenswertheres Schau⸗ ſpiel denken, als welches dieſes edle und einſt ſo gut geord⸗ nete Haus jetzt darbot. Früher, zu Warwick de Monthermer's Zeit, war ſtets echte Gaſtfreundſchaft hier geübt worden und das ganze um⸗ fangreiche Hausweſen ward auf die bewundernswürdigſte Weiſe geleitet. Freigebig ohne Verſchwendung, nobel ohne Prahlſucht, 150 einen vortrefflichen und ſogar köſtlichen Tiſch führend, mit dem beſten Wein im Keller und niemals damit kargend, frei⸗ müthig in ſeinem Weſen, höflich und außerordentlich gutmü⸗ thig, aber ſtets ſeine Würde und Selbſtachtung bewahrend, war der alte Squire das echte Muſterbild eines engliſchen Landedelmannes. Bei ſeinen Lebzeiten war das Schloß ſtets voll von Geſellſchaften, aber von Unordnung oder Exceſſen wußte man darin nichts. Wie ganz anders war es jetzt! Die Gäſte folgten dem Beiſpiele des Wirthes und ließen allen ihren Gelüſten den Zügel ſchießen und die Diener folgten natürlich, da ſie ſich keinem Zwange unterworfen ſahen, dem Beiſpiele ihrer Herren. Keiner wußte, wie bald ſchon Gage's Laufbahn enden ſollte, aber Jeder fühlte, daß ſolche wahnſinnige Extrava— ganzen nicht lange dauern könnten und man beſchloß daher die Zeit ſo viel als möglich zu benutzen. Im Erdgeſchoß herrſchten förmliche Saturnalien. Die Dienerhalle war in fortwährendem Aufruhr. Die Tiſche blie⸗ ben darin den ganzen Tag gedeckt und die Ueberreſte der bei jedem Mahle Monthermer und ſeinen Gäſten ſervirten Delica⸗ teſſen kamen mit noch vielen anderen ausgewählten Gerichten hier wieder zum Vorſchein. Auch fehlte es nicht an guten Getränken, um die pican⸗ ten Speiſen hinunterzuſpülen. Maſter Pudſey hatte unum⸗ ſchränkte Herrſchaft über den Keller und Niemand konnte ihn beim Austheilen der Vorräthe der Knauſerei beſchuldigen. Im Gegentheil, ſelbſt wenn er Wirth anſtatt Keller⸗ meiſter geweſen wäre, hätte er ſich nicht nobler und frei⸗ gebiger zeigen können. Ein großer Bonvivant, Freund von ——— lend, mit end, frei⸗ h gutm⸗ ewahrend, engliſchen voll von ußte man gten dem üſten den a ſi ſich ele ihrer hn enden Ertrava⸗ oß daher lien. Die der bei n Delica⸗ Gerichten die pian⸗ e unum⸗ mnt in igen⸗ tt Kellr⸗ und ſri und von„ 151 Geſellſchaft und ein erheiterndes Glas liebend, führte dieſer Amphitryon der Speiſekammer bei den allgemeinen Mahlzei⸗ ten den Vorſitz, indem er ſeinen Freund Maſter Trickett zu ſeiner rechten und Maſter Tibbits zu ſeiner linken Hand Platz nehmen ließ und Sorge trug, daß ſie gut bedient wurden. Dann ſaß er mit ihnen noch ſo lange als er konnte, und wenn ſeine Pflichten ihn hinwegriefen, verſorgte er ſie erſt mit einem guten Vorrath von Burgunder und Claret. Am Abend, wenn die Mühen des Tages vorüber wa⸗ ren, verſammelte ſich eine ausgewählte Geſellſchaft auf Ein⸗ ladung in dem Privatzimmer des Kellermeiſters, wo ein trauliches warmes Souper ſie erwartete, auf welches dann eine köſtliche Bowle Punſch folgte. Hier wurde ein kleines ruhiges Spielchen gemacht, eben ſo wie in dem Spielzimmer oben. Maſter Pudſey war— es thut uns leid, dies bemer⸗ ken zu müſſen— durch ſeine Erfahrung nicht gewitzigt wor⸗ den, ſondern hatte viel Geld— auf alle Fälle viel für ihn eben ſo wie in früheren Tagen beim Gleek und Piquetſpiel an die beiden habgierigen betreßten Raben, Tibbits und Tri⸗ ckett, verloren. Auch war er bei dieſen Gelegenheiten nicht der einzige Verlierer. Bellairs und Chaſſemouche waren eben ſo unglücklich, gerade wie noch ein halbes Dutzend anderer Dummköpfe, die ſich mit dieſen gewiſſenloſen Gaunern einließen. Seltſamerweiſe fiel dieſen ſonſt in der Regel ſo argwöh⸗ niſchen Leuten durchaus nicht ein, daß ſie betrogen wurden. Es liegt aber im Spiel eine Verblendung welche die Wahrnehmungsgabe ſeiner Jünger abzuſtumpfen ſcheint. Sey dem wie ihm wolle, ſo waren zwei Rächte für die 152 Herren Trickett und Tibbits vollkommen hinreichend, dem un⸗ vorſichtigen Kellermeiſter ſeinen in einem halben Jahre er⸗ ſparten Lohn abzunehmen. Am dritten Abend mußte er Geld borgen, um wieder mitſpielen zu können, und nachdem ihm dies ebenfalls abge⸗ nommen worden, würde er bedeutende Unruhe empfunden haben, wenn er nicht die Idee gehabt hätte, daß er ſich von einer anderen Seite her ohne Mühe friſche Fonds verſchaffen könne. Dieſe Ueberzeugung hielt ihn aufrecht, da er ſich aber doch ein wenig mißlaunig fühlte, ſo braute er eine Bowle ſtarken Punſch, und einige Gläſer von dieſem herrlichen Ge⸗ tränk brachten bald die gewünſchte Wirkung hervor. Unter ihrem balſamiſchen Einfluſſe vergaß der Keller⸗ meiſter nicht blos ſeine Sorgen, ſondern ward auch weniger vorſichtig als gewöhnlich und ſprach ungenirter, als er hätte thun ſollen. Nachdem eine zweite Bowle Punſch geleert worden, ward eine dritte auf den Tiſch geſetzt und Pudſeh, der ſich nun in eine gehobene Stimmung verſetzt fühlte, bemerkte, in⸗ dem er die Gläſer ſeiner Freunde füllte: „Wohlan, meine Herren, wir haben eine ſehr ver⸗ gnügte Zeit gehabt, das werdet Ihr ſelbſt zugeben. Es iſt Jammerſchade, daß ein ſolches Leben nicht immer dauern kann. Wir haben jetzt nur noch zwei Tage übrig.“ „Nur noch zwei Tage, Maſter Pudſey?“ bemerkte Maſter Trickett.„Was meint Ihr damit?“ „Ich meine, was ich ſage,« entgegnete der Keller⸗ meiſter mit ſchlauem Blinzeln und leerte ſein Glas, ehe er weiter fortfuhr.„Uebermorgen Nacht machen wir die Bude zu.“ nd, dem un⸗„Zum Teufel! Es thut mir verdammt leid, ſo etwas nJohre er⸗ zu hören,« ſagte Trickett.»Ich habe mich, ſeitdem ich hier bin, ganz leidlich amüſirt. Euer Herr kehrt wohl wieder un wieder nach London zurück?s nfalls abge⸗„Maſter Monthermer iſt nicht mein Herr,« antwortete empfunden Pudſey,„obſchon ich gegen ſeinen Dienſt an und für ſich nichts er ſich von einzuwenden hätte. Ich ſpiele blos auf den ausdrücklichen verſchaffin Wunſch meines jetzigen Herrn bei der gegenwärtigen Gelegen⸗ heit die Rolle des Kellermeiſters. Ich weiß wirklich nicht, was er ſich aber der junge Herr thun wird, wenn Maſter Fairlie in Beſitz eine Bowle kommt— ich glaube aber, er wird das Schloß ganz und rlichen Ge⸗ gar meiden müſſen.« „Das iſt Schade,“ bemerkte Maſter Trickett.»Ihr wer⸗ det durch den Tauſch nicht gewinnen, Maſter Pudſey. Unter Fairlie's Commando wird Alles ganz anders werden, oder ich müßte mich ſehr irren. Er wird Euch Allen ſcharf auf die Finger ſehen und Ihr werdet, fürchte ich, dann nicht mehr die Schlüſſel zum Keller behalten.* „Da könnt Ihr Recht haben, Trickett,“ enigegnete der Kellermeiſter.»Wenn der alte Fairlie gebietet, werden wir or. der Keller⸗ uch weniget als er htte ert worden⸗ ſy, der ſih emerkte, in⸗ bald gar nicht mehr wiſſen, wie Burgunder und Claret ſcht ver ſchmeckt, und was ein ſtilles Souper mit einigen Freunden ben. 6 it und eine Bowle Punſch nachher betrifft, ſo iſt ſo was gar er daum nicht mehr möglich. Wir müſſen daher die Gegenwart ſo viel nützen, als wir können.“ „Ich glaube nicht, daß ich in meinem Dienſt bleiben werde,« bemerkte Bellairs— er war beinahe eben ſo be⸗ rauſcht als der Kellermeiſter.„Das Leben hier wird mir dann 4 henetkt er Kel B ehe r nicht mehr zuſagen. Auch kann ich mich nicht entſchließen, iob it de Diener bei ſo einem gemeinen Manne wie Fairlie zu ſehn.« „Ja wohl, er ſeyn weiter nichts als ein roturier 1« rief Der Verſchwender. II. 11 154 Chaſſemouche.»Ich ſeyn gewohnt an beſte société und haben nur gekräuſelt Perrücken von gentilhommes— morbleul Ich ſehn zu gut für canaille.« „Er iſt auch wirklich nicht der Mann, der zum Herrn einer ſolchen Beſitzung taugt,“ rief Tibbits.»Mir wäre es ein großes Vergnügen, ihn zum Schloſſe hinauswerfen zu ſehen.“ „Ma foi! mir auch!“ rief Chaſſemouche.»Ich werde zuſehen mit große plaisir, wenn er wird chassé par la belle porte, ich geben meinen Fuß ſelbſt mit dazu— ha! hal hals „Füllt die Gläſer, Pudſey,“ rief Bellairs,„und laßt uns ihm ein Pereat bringen! „Von ganze Herz!« entgegnete der Franzoſe,„rasades, mesieurs!“ Der Kellermeiſter machte keine Einwendung und der rebelliſche Toaſt wurde unter allgemeinem Gelächter ge⸗ trunken. „Ich kann mir,« bemerkte Tibbits,»nur gar nicht er⸗ klären, wie Fairlie die ganze Herrſchaft Monthermer ſo in ſeine Hände hat bekommen können. Ich glaube, Ihr wißt die ganze Geſchichte, Pudſey, und könntet ſie uns erzählen, wenn Ihr ſonſt wolltet.« „Allerdings weiß ich viel,« entgegnete der Kellermei⸗ ſter,„mehr als ich erzählen mag. So viel aber kann ich ſagen, meine Herren— und Ihr mögt es mir nun glauben oder nicht, wie Ihr wollt— daß es auf mich an⸗ kommt, ob Fairlie in dem Beſitze dieſer ſchönen Herrſchaft bleiben ſoll.« „Was Ihr nicht ſagt!* rief Trickett, die Ohren ſpitzend, während die andern Zuhörer ähnliche Ausrufungen des Er⸗ ſtaunens hören ließen.»Wie, Ihr habt ihn in eurer Ge⸗ walt, Pudſeh?“ de und haben norbleu! zum Herin wäre es ein nzu ſehen.“ „Ich werde ar la belle hal ha!“ und laßt „rasades, ng und der elächter ge⸗ ar nicht er⸗ ermer ſo in „Ihr wißt nõ ezählen, Kellemei⸗ et kann ich glauben 6 an⸗ nun mi n Herrſchaft mikohd ren ſibe⸗ des Er⸗ en eurer Gl⸗ — „Nein, das will ich nicht gerade ſagen,« entgegnete der Kellermeiſter fürchtend, daß er ſchon zn weit gegangen ſey;»ich meine, daß Fairlie und ich einander verſtehen wer⸗ den, wenn wir die Sache beſprechen.“ „O, das glaube ich,“ entgegnete Trickett.„Wohlan⸗ ich will Euch einen guten Rath geben, alter Junge. Wenn Ihr einen Handel mit ihm abſchließt, ſo laßt ihn nicht zu leichten Kaufes durch.“ „O da ſorgt nur nicht,“ entgegnete Pudſey, indem er den Zeigefinger an die kupferfarbene Raſe legte. „Ihr ſeyd aber nicht der Einzige, deſſen Verſchwiegen⸗ heit erkauft werden muß. Pudſey,“ bemerkte Bellairs.„Ich weiß eben ſo viel wie Ihr und werde für mein Schweigen auch eben ſo gute Bezahlung verlangen.“ „Parbleu, mes ieurs! Ihr müſſet nicht glauben, daß Niemand haben Ohren ſo lang wie eure,« rief Chaſſemouche. „Ich ſagen Euch, meine ſeyn noch viel länger und mein Mund müſſen werden geſtopft eben ſo wie eure— hal ha! ha!* „Na, ich hoffe, daß Ihr alle zuſammen Fairlie nicht ſchlecht zuſetzen werdet,“ bemerkte Trickett lachend.»Er wird, wie es ſcheint, noch viele Rechnungen abzumachen haben, ehe ihm vergönnt iſt, ruhigen Beſitz zu nehmen. Mein Herr, Sir Randal, wird ihm auch ein wenig zu ſchaffen machen und ich bin überzeugt, daß Miſtreß Jenyns ebenfalls nicht umſonſt hierher gekommen iſt. Bellairs ſah den Sprecher ſcharf an, machte aber keine Bemerkung. „Ich glaube, ich kann das Spiel errathen, mit welchem ſie umgeht,“ fuhr Trickett fort. „So7 rief Bellairs.»Wos iſt es denn?« 156 „Das iſt mein Geheimniß. Ihr ſollt es für das haben, was es werth iſt, aber ich muß etwas damit verdienen. Apro⸗ vos, Maſter Pudſey wann kommt denn Fairlie hier an?« »Das weiß ich nicht beſtimmt,« entgegnete Pudſey aus⸗ weichend. „Ich wollte eine Kleinigkeit wetten, daß er ſchon da iſt,« bemerkte Tibbits.„Ich ſah Jemanden, der ſehr viel Aehn⸗ lichkeit mit ihm hatte, heute Abend über den Hinterhof gehen.* »O das iſt ganz unmöglich! Ihr müßt Euch geirrt haben!* rief der Kellermeiſter. »Das iſt wohl möglich— aber dennoch bin ich bereit darauf zu wetten.* »Ach lieber gar! Auf ſo etwas wette ich nicht.« Bellairs und Chaſſemouche wechſelten bedeutſame Blicke. »Na, wenn er hier ſeyn ſollte, ſo will ich hoffen, daß er Alles mit angehört hat, was wir von ihm geſprochen ha⸗ ben,« bemerkte Trickett lachend,»Ihr würdet dann in ſeiner Gunſt ſehr hoch ſtehen, Pudſey!“ »Na laßt uns von etwas Anderem ſprechen, Ihr Her⸗ ren,« entgegnete der Kellermeiſter unruhig;„wir haben dieſes Thema nun lange genug behandelt. Trinkt lieber aus und füllet dann die Gläſer wieder.« Die Converſation gerieth nun allmälig ins Stocken. Pudſey ſah mürriſch und ſchläfrig aus und Bellairs und Chaſſemouche waren auch nicht viel lebhafter. Sobald daher die Bowle Punſch geleert war, brach die Geſellſchaft auf. Ende des zweiten Theiles. Druck und Papier von Leop. Sommer in Wien. das haben, ienen. Apro⸗ hier an? —— Pudſeh aus⸗ chon da iſt“ r viel Aehn⸗ n Hinterhof Euch geirrt bin ich berei ſame Blick hoffen daß ſpr ochen ho⸗ mn in ſeiner Ihr Her⸗ wir haben t lieber aus ins Stocken. ellairs und wor, hrach rey Control Chart Sreen Nellow Red Magenta