—— F deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oklkmann in Gieſen, 6 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256.. ——————, ——— — Seih und Feſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet 4. Abonnement. Daſſelbe imuß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 3 auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3 3„— 6 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung 5 3 der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 2 6. Schadenersatz. 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Der wandernde Schatten oder die Mahnungen der Todtengruft. ————————————— 4 5 ¹ Cturfürſ Auguſt von Sachſen war 6 5. voll Entzuͤcken, als ihm eine holde Tochter 3 geboren wurde, und umarmte mit neuem Feuer ſeine geliebte Gemahlin, Anna von 3 Dänemark, die ihm mit dieſer Tochter zum ſechſten Male zurief:„Auguſt iſt Vater eines ſchoͤn gebildeten Kindes!“— Au⸗ guſt lebte in einer zufriedenen und gluͤck⸗ * lichen Ehe, die am Geburtstage eines je⸗ den ſeiner Kinder reicher an Freuden ge⸗ worden war, und fuͤhlte ſich dann am gluͤcklichſten wenn er ſein Entzuͤcken mit ſeiner tugendreichen Gattin theilen konnte. 3 Die Zeitbücher erzahlen ein hellig, daß Auguſt prachtliebend und ſtolz war, und dieſe Prachtliebe, verbunden mit uͤppigen die ſeiner Sinnlichkeit in a en ſeinen Anordnungen Snni ichtbar werden ließ; wo⸗ denn kam, daß Schmauſereien, entaͤnze, Feſte und Spiele jeder Art, ſtets mit einander wechſelten, und ſo wurde denn ſein Hof einer der präch⸗ 8 tigſten, Zugleich aber auch einer der aus⸗ ſchweifendſten in Deutſchland. n dieſem allgemeinen Jubel erwuchs Anna, und ſog alles Gift der Wolluſt und der Verſchwendung mit gierigen Zügen ein, ehe ſie dieſe verfuͤhreriſche Amme, die ſo viele unſchuldige Maͤdchen faͤugt, nur dem Namen nach kannte; ollein in den ſpaätern Jahren ihres Lebens wirkte dieſes ganzen Weſen nach und nach mitgetheilt hotte, nur zu heftig, und toͤdtete endlich ibre ihre Tugend. 5 ſchuldloſe Anna, aufgewachſen Die eingeſogene Schleichgift, das ſich ihrem — unter den Abwechſelungen von Spielen Luſtbarkeiten und Feſten, gewohnte ſich ſe ſehr an dieſe Lebensart, daß ſie dieſelbe allein fuͤr ehrenvoll, und die Ergoͤtzlichkei⸗ ten, die an dem prachtvollen Hofe ihres ſtolzen Vaters herrſchten, allein fur wun⸗ ſchenswerth hielt. Ihr gänzes Leben war bisher einer berauſchenden Fruͤhlingsſtunde aͤhnlich geweſen, wenn die frohen Sänger rings umher ihre Morgenmelodien anſtim⸗ men, und die Sinne des Wallenden feſ⸗ ſeln,— ſie ſah und hoͤrte nichts, was um ſie vorging; nur der Freude opferte ſie die Tage ihrer Jugend. Und ſo umgau⸗ kelten ſie lauter liebliche Traͤume in bun⸗ ten Geſtalten, ſo floſſen lauter angenehme Empfindungen aus der ungetruͤbten Quelle ihres Herzens hervor, wenn man den kin⸗ diſchen Kummer abrechnet, den ſie biswei⸗ len bei einer im Tanz zerriſſenen Perlen⸗ ſchnur, oder bei einer verlornen Schmuck soſe empfand. MWit jedem Jahre entfalteten ſich neue bönheiten bei Anna, ſo daß ſie im ſ Jahre in der That ene weib⸗ des ſchön geformten Koͤrpers, als der viel verſprechenden Anlagen des Geiſtes. Anna konnte Alles werden, nur mußte die Hand eines geſchickten Lehrers die Bache ihrer Empfindungen und Leiden⸗ ſchaften kluglich leiten, wenn ſie nicht die ßen ſollten. Dem ungeachtet war ſie der Gegen⸗ ſtand der allgemeinen Bewunderung; denn der groͤßere Haufe begnuͤgt ſich ja ſchon, die äußere Geſtalt, oder eine ſcheinbar gute Handlung zu bewundern, ohne einen tiefen Blick in das verborgene Räder⸗ werk der kuͤnſtlichen Maſchine zu thun. Kein Fremder kam nach Dresden, der nicht mit gierigen Augen nach der ſchoͤnen 63 und tugendreichen Prinzeſſin blickte, und ieder geſtand, daß ſeine Stns bei ufer uͤberfluthen und die Daͤmme zerrei⸗ —— — 9 weitem übertroffen worden ſey. Niemand aber bewunderte ſie kaufrichtiger und herz⸗ licher, als— ſie ſich ſelbſt. So unbe⸗ ſcheiden indeß dieſe Selbſtliebe war, ſo ſehr verdiente ſie doch Entſchugigung; denn ſie war ja eine ganz nitüpliche und nothwendige Folge ihrer Erziehung. Von Jugend auf wurde ſie die ſchoͤne Anna genannt, und ihre eitle Mutter, ſtolz auf die reizende Tochter, ermangelte nicht, ihr noch im vierzehnten Jahre, da ſie ſchon zur Jungfrau reifte, dieſen Namen zu ge⸗ ben, der nun freilich lebhaftern Eindruck auf die Jungfrau, als ehedem auf das Kind machte. Mit innigem Vergnuͤgen und kindi⸗ ſchem Wohlgefallen hoͤrte ſie von ihrer Amme, oder auch von ihrer Mutter, erzaͤh⸗ len, daß der Kaiſer einſt ſie als Kind auf die Arme genommen, und ſie das ſchöne Annchen genannt habe. Gluͤhend wie das hoͤchſte Morgenroth, von dem aus jungfraͤulicher Schaam und Freude ge⸗ miſchten Gefühle, ſchlich dann die Prin⸗ zeſſin in das nächſte Gemach, um die Spiegelwaͤnde zu fragen, ob der gute Kaiſer die Wahrheit geſagt habe; und mit dem ſuͤßen Gedanken:„Ich bin wirklich ſchoͤn!“ verließ ſie die ſchmeichelnden Ge⸗ maͤcher wieder. Jedermann, gering und vornehm, jung und alt, pries denn nun mit lauter Stimme die erhabenen Eigenſchaften und die Schon⸗ heit der wirklich erhabenen und ſchonen Fürſtentochter; theils, weil die allzu zart⸗ lichen Eltern durch die Lobſpruͤche, der Tochter dargebracht, ſelbſt Schmeicheleien erhielten, die ſie gern hoͤrten,— denn welche Eltern hoͤren ihre Kinder nicht gern loben?— theils, weil Anna wirklich eine ſeltene Schoͤnheit war. Der ſchlanke Wuchs; das himmelblaue Auge; das Elfenbein der wohlgeordneten Zaͤhne; der ſchoͤn ge⸗ rundete Arm; der hohe, in das blendendſte Weiß ſo kuͤnſtlich verſtrichene Purpur; uberhaupt die Majeſtät ihrer die F ———— 8 —„— 11 in ihrem Gange und in jeder Bewegung ſichtbar war, waren Gegenſtande, die Fe⸗ der mit ſeinem Beifalle beehren mußte, der geſunde Augen und Gefuͤhl fuͤr wahre Schönheit hatte. Aber eben dieſes all⸗ gemeine Lob war Gift, das den guten Saamen, der etwa hie und da aufkeimte in dem Herzen der Prinzeſſin, zerfraß; denn ſie gewöhnte ſich nach und nach ſo an dieſe Sprache, daß ſie fuͤrderhin Wahr⸗ heit von Schmeichelei nicht mehr zu un⸗ terſcheiden vermochte, ſondern diejenigen, die ſie gering ſchaͤtzten, fuͤr Frevler, und die bedächtlich von ihr ſchwiegen, fuͤr Ungeſittete hielt. Wer ihres und ihrer Eltern Beifalls zugleich theilhaftig werden wollte, muͤßte ihrer Schoͤnheit Lobredner ſeyn. So wurde ihr die Wahrheit fremd, und ſo konnte ſie denn auch in der Folge ihres Lebens die Schmeichelreden eines Betrügers nicht unterſcheiden, der ſie an einen ſchroffen Abgrund fuͤhrte, in welchen ſie unvorſichtig hinab ſturzte, da die e * —— 12 Fuͤße des Boͤſewichts auf feſtem Boden Blaͤtter entfaltet, ſo flatterten auch ſchon Schmetterlinge jeder Art um ſie herum, und verunreinigten ſie theils, oder ver⸗ ließen dieſelbe im nächſten Augenblicke wieder. Kaum hatte Anna den ſechzehn⸗ ten Fruͤhling erlebt, ſo erſchien auch ſchon ein ganzes Heer von Stutzern und Frei⸗ ern an Auguſts Hofe, buhlten um Anna's gunſtiges Kopfnicken, und warben um ihre Hand. Unter dieſen Bewerbern befand ſich auch Johann Caſimir, der junge Herzog von Coburg. Johann Caſimir war der Sohn des ungluͤcklichen Johann Friedrich des Mittlern, von Gotha, der nach dem algemeinei Ausſpruche ungluͤcklicher war, as er nach erhabenen Eigenſchaften Kaum hatte die junge Roſe die erſten 1 13 und der Güte ſeines Herzens, allen Handlungen abſpiegelte, verdiente Das Ungluͤck des Vaters hatte auf den Sohn den lebhafteſten Eindruck ge⸗ macht, und in ſein Antlitz die Furchen 5 des Kummers und Ernſtes gezogen. Erſt zwanzig Jahre alt, haͤtte man bei einem jungen Manne voll Kraft und Geſundheit, Lebhaftigkeit und gluͤhende Liebe für die reizende Fuͤrſtentochter erwarten ſollen; allein Johann Caſimir war ernſt, duͤſter, und empfand nur zuweilen eine gewiſſe Waͤrme und einen lebhaftern Kreislauf des Blutes, wenn die zauberiſche Anna ihm nahete, welchem Gefuͤhle er fälſchlich den Namen Liebe beilegte. Lange befehdete Johann Caſimir dieſe Geſchlechtsneigung; allein der Kampf fiel doch endlich zu ſeinem Nachtheile aus, und er mußte ſich nothgedrungen entſchlie⸗ ßen, der ſchoͤnen Anna von ſeiner ver⸗ ſchloſſenen Liebe ein Wörtchen zu ſagen. Erhitzt vom Weine und Tanze trat er 14 mit ſeiner ſchoͤnen Tänzerin in einen Ne⸗ benſaal, um einige Erfriſchungen zu ge⸗ nießen. Anna ſetzte ſich ermuͤdet auf ein Sopha, wo ſich zwiſchen ihm und ihr fol⸗ gendes Geſpräch entwickelte Anna(ſehr erhitzt). ch, wie heiß, wie ermuͤdet bin ich!— Ihr ſeyd ein flinker Tanzer, edler Prinz— ich haͤtte das nicht von Euch geglaubt. Caſimir. Nicht geglaubt?— Deſto beſſer fuͤr mich, daß ich mehr leiſtete, als Ihr von meinem Ernſte erwartetet. Aber was ich von Euch glaubte, Prinzeſſin, ging ſchon in Erfuͤllung. Anna. Beinahe haͤttet Ihr mich um den Athem getanzt. Caſimir. Das thut mir leid, Prin⸗ zeſſ n. Wenn Ihr befehlt, ſo will ich euͤnftig traͤger tanzen, oder beſſer— gar ncht. Anna. Nein lieber Caſimir, ſo wwar es nicht gemeint; tanzt nur immer flͤchtig, ich werde Euch nicht zuruͤck bleiben. 15 Ich wollte damit nur ſo viel ſagen, daß ich Euern duͤſtern Ernſt mit Eurer Mun⸗ terkeit nicht zuſammen reimen kann. Caſimir. Das muß ich abermals bedauern; denn Ihr haͤttet wiſſen können, daß das Ungluͤck meines Vaters nicht in meinen Fuͤßen, ſondern in meinem Herzen ſitzt. Die Fuͤße huͤpfen, aber das Herz blutet. Caſimir ſchwieg und ſah voll hohen Ernſtes ſtarr vor ſich hinz ſeine Freude, ſein froher Muth war ihm entſchwunden „ durch das Andenken an ſeinen ungluͤck⸗ lichen Vater, der entfernt von ihm in ewiger Kerkernacht ſchmachtete. Auch Anna verſtummte, denn ſie erſchrak ob ihres Taͤnzers finſtern Blicken.— Nach langer Pauſe hob ſie mit liebreicher Stimme wieder an: 3 Anna. Ich wollte Euch nicht trau⸗ rig machen, Prinz, denn ich war ja ſelbſt ſo froh ob Eurer Luſtigkeit. Caſimir. Und doch fuͤhrtet Ihr h— 16 meine Gedanken hin zu meines Vaters Kerker? Anna(ſehr unbefangen). Ich re⸗ dete ja nur von Euch, und dachte gewiß nicht an Euern Vater. Und wie leicht vergißt ein Mädchen alle Vaͤter beim Ge⸗ nuß der Freude, beim froͤhlichen Ringel⸗ tanz!— Ihr thut mir Unrecht, lieber Vetter! 3 Caſimir. Iſt Eure Rede ſonder Trug und Liſt?— Ja gewiß, ſie iſt es; denn Euer unſchuldiges Auge buͤrgt mir fur die Guͤte Eures Herzens.— Greund⸗ lich). Seht, Prinzeſſin, ich hatte ein großes Werk vor; aber S ſtörtet mich zur Unzeit. Anna. Auch ein gutes Werk? Caſimir(verduͤſtert). Das bin ich nicht im Stande zu behaupten. Erſi die Folgen beſtimmen den Werth unſers Handelns. Anna. Ihr ſeht ſo traurig aus, ———— 17 daß es mir durch die Seele ſchneidet Seyd doch munter, lieber Vetter! Caſimir. Traurig?— Nein, liebe Anna! ich bin nicht traurig, nur nach⸗ denkend.— Wenn Ihr's erlaubt, ſo will ich Euch ſonder Ruͤckhalt mein Vorhaben eroͤffnen. 5 Anna(freundlich). Sehr, gern lieber Vetter! Caſimir. Seht, mein Vater ſchmach⸗ tet noch in harter Haft, und der Eurige— Anna(raſch). O, mein Vater iſt unſchuldig an Johann Friedrichs Unglück! — Sagtet Ihr das nicht oft ſelbſt? Caſimir. Doch iſt mir's immer, als wenn er noch eine große Schuld an mich abzutragen haͤtte. Heute will ich ſe⸗ hen, ob er gern bezahlt. + Anna(verwundert). Was iſt er Euch denn ſchuldig? Caſimir(mit Ernſt ſie anblickend). . Die Hand ſeiner ſchönen Tochter. „ 2 18 Die Prinzeſſin erſchrak ob dieſer Rede gewaltig; aber der einmal in Bewegung geſetzte Liebhaber eilte ſchnell von dannen, 8 ohne ihr Erbeben und die Blaͤſſe ihrer Wangen zu bemerken. Nichts hatte in⸗ wiſchen auf Anna's unſtetes Herz tiefen, bleibenden Eindruck gemacht, und die Re⸗ des duſtern Johann Caſimir vermog⸗ ten dies eben ſo wenig, da gerade zur rechten Zeit ein fuͤrſticher Jungling er⸗ ſchien, und ſie zum deutſchen Wirbeltanze. einlud. Sogleich ſchwanden die unange⸗ nehmen Gedanken;— ſie huͤpfte leicht⸗* ſinnig in den Reihen der Tanzenden, und mtit dem Ende des Tanzes entſchwand auch ſchon jede Spur von dem Bilde des ſin⸗ ſtern Herzogs von Coburg aus ihrem leicht⸗ ſinnigen Herzen. So froh, ſo ſorgenfrei, ſo kindiſch unbefangen wie vorher, ſcherzte und taͤndelte ſie mit jedem, der ſich ihr naͤherte. ₰ Aber Johann Caſimir trat ohne viele„ na hin zum Churfuͤrſten, der eben — — — 19 einer Flaſche Rheinwein ſeinen ganzen Beifall ſchenkte, und bat um ſeine ſchone Tochter.„Herr Churfuͤrſt!“ hob er mit ernſter Wuͤrde an,„mein Vater ſchmachtet im Gefaͤngniß;— troͤſtet ſeinen trauernden Sohn, den Enkel des großmuthigen Jo⸗ hann Friedrichs, und ſchenkt ihm Eure ſchoͤne Tochter Anna zur ehelichen Haus⸗ frau.“— Der Churfuͤrſt vermogte vor Er⸗ ſtaunen nicht den Becher, den er eben er⸗ ⸗ griffen hatte, zum Munde zu fuͤhren, ſon⸗ dern betrachtete den jungen Fuͤrſten mit ſtarrenden Augen.—„Blickt mich nicht ſo forſchend an, als ob Trug verborgen läge in meinem Herzen,“ ſetze der Herzog hinzu,„und macht glucklich durch die Hand Eurer Tochter den Sohn eines ungluͤck⸗ llichen Vaters!“— Die letzten Worte des Jünglings drangen tief in die Seelz des Cburfurſten, und mahnten ihn ſchnell zur Antwort.„Nicht durch mich,“ rechtfertigte ſich Auguſt,„und Ungluͤck und Kummer ſonder Maaß und Ziel wuͤrde mein ſeyn, wenn Euer Vater mit Recht uͤber mich klagen und ſeuſfzen könnte. Doch, das bei Seite, beſter Prinz! Ich werde mich gewiß bemuͤhen, dem Sohne meines un⸗ gluͤcklichen Vetters zu beweiſen, daß gegen ihn nicht Haß. und Groll in meinem Her⸗ zen wohnt.“ Das Geſpraͤch endigte ſich kurz, denn Caſimir antwortete weiter nicht, ſondern ob er an Tugend und Redlichkeit gaͤnzlich verzweifelte, und nur zum Ungluͤck geboren zu ſeyn glaubte. Aber der Churfurſt war thätig zum Vortheile des jungen Herzogs, dem er vielleicht wirklich eine Schuld mit der Hand ſeiner Tochter abtragen wollte, die er vom Vater entlehnt oder geraubt hatte; denn alle Fuͤrſten, die um Anna's Hand ſich bewarben, wurden theils ver⸗ nachlaͤſſigt, theils mit Hoflichkeit auf die Zukunft vertröſtet, waͤhrend Johann Caſi⸗ mir das Kleinod erhielt, das er nicht zu ſchaͤtzen und vor Flecken zu bewahren entfernte ſich duͤſter und gedankenvoll, als — — ————— . — 21 wußte. Unweiſe und tadelnswerth han⸗ veite Auguſt, einen Mann, wie der Her⸗ zog war, nicht vorher zu prufen, ehe er ihn zu ſeinem Sohne annahm; denn bei einer auch nur fluchtigen Beobachtung wuͤrde er bald eingeſehen haben, daß der Herzog ven Coburg weder den guten Wil⸗ len, noch die noͤthigen Kenntniſſe beſaß, ſeine Anna weislich zu leiten und voll⸗ kommen zu begluͤcken. Der Vater verkündigte mit großem Wortgepraͤnge der Tochter die Werbung des Herzogs, und füͤgte hinzu, wie es ihm erfreulich ſeyn wuͤrde, wenn ſie Jo⸗ hann Caſimirs Hand gefäͤllig annaͤhme. Die leichtfertige, ſpielende Anna ließ ſich den Antrag ihres Vaters wohl gefallen, weil es ihr noch zur Zeit ganz gleich galk, welchen Fürſten man ihr zum Gemahl geben wollte. Alle junge Männer hatten die eitle Fuͤrſtentochter bisher mit ſuͤßen Schmeicheleien uͤberhäuft; Allen hatte ſie Glauben geſchenkt, und Einen wie den 22 Andern behandelt. Nie hatte ſie im Tau⸗ mel der Freude, in dem ſie lebte, die Pruͤ⸗ fung angeſtellt, ob ſie mit ihrem ihr be⸗ ſtimmten Gemahle, deſſen duͤſtere Laune allgemein bekannt und mit ihrer Froͤhlich⸗ keit gar nicht zu vereinbaren war, ver⸗ gnügt leben koͤnne; nie hatte ſie erforſcht, ob an dem kleinen Hofe des Herzogs der naͤmliche Ton, die nämliche Lebensart herrſchen, und die naämlichen Ergötzlich⸗ keiten und Feſte immerdar wechſeln wuͤr⸗ den, an welche ſie ſich ſo unzertrennlich gewöhnt hatte, ſondern ſie uͤberließ die Auflöſung dieſer Fragen der Zukunft, und uebte in den Zerſtreuungen des väterlichen Hauſes eben ſo gedankenlos dahin, als in den Jahren der Kindheit. Nicht ein⸗ mal die Moͤglichkeit dachte ſie ſich, daß Alles dieſes ſich zu ihrem Nachtheil än⸗ dern koͤnne. Gutwillig reichte ſie dem duͤſtern Jo⸗ hann Caſimir, der nicht vergnugt ſeyn konnte, ihre Hand an dem feſtlichen 6 ———— der Verlobung, und war recht herzlich ftoh, ols die Glückwünſche beendigt waren, womit ſie ihre Eltern und alle anweſen⸗ den hohen Gäſte überhäuften, weil dieſe ernſthaſte Ceremonie die Freude von ihr geſcheucht und Thraͤnen der Wehmuth in ihre Augen gepreßt hatte. Viele Tage hindurch dauerten die Feſte und Ergoͤtz⸗ lichkeiten, die der Churfuͤrſt bei dieſer. Ge⸗ legenheit anordnete, aber nach Verlauf zweier Jahre wurde erſt das Beilager ge⸗ halten. Bald darauf verließen die jungen Eheleute das Hoflager des Churfuͤrſten; denn Johann Caſimir harrte nicht einmal bis zur Beendigung der Feſte, die ihm zu Ehren gegeben wurden, und Anna verließ zugleich auch die Freuden des Le⸗ dens. Das kleine, ſtille Coburg hatte fur die Tochter des prachtliebenden Auguſt 24 zu wenig Reize, und das eingezogene, geraͤuſchloſe Leben ihres Gemahls ſchien ihr unertraͤglicher und verabſcheuenswuͤr⸗ diger, als die Einſamkeit einer Eremiten⸗ klauſe. Sie haſchte gierig nach Freuven und Genuß, aber fand beides nicht,— und ihr Gemahl, verſunken in Truͤbſinn und Mißmuth, bemuͤhte ſich im geringſten nicht, ihr die Zeit zu kuͤrzen und ſie allmaͤh⸗ lig an eine ſtillere und geräuſchloſere Le⸗ bensart zu gewoͤhnen; vielmehr war er jetzt noch viel finſterer und unertraͤglicher als in Dresden, da er noch Liebhaber und Bräutigam war. Jetzt lernte Anna, was ſie in Dresden nicht hatte lernen moͤgen — weinen, und einen Schritt bereuen, den ſie ſorglos aus dem Hauſe der Freuden in das Trauerhaus des Mißmuths ge⸗ than hatte. Nicht lange bewohnte ſie mit idrem Gemahl das herzogliche Schloß, die Eh⸗ renburg genannt, als ſie ein neuer uner⸗ warteter Schlag traf, den ſie um ſo hef⸗ — — „ ℳ * 3 25 tiger empfand, je weniger ſie ihn voraus⸗ geſehen hatte. Churfürſt Auguſt ſtarb, und mit ihm Anna's letzte Hoffnung und Freude. Die ſchmerzerfuͤllte Tochter beklagte und beweinte ihren Vater; denn ſie weinte jetzt immer, ſo oft ſie an Dresden dachte und es fuͤhlte, daß ſie Johann Caſimirs Gattin ſey. Mit Ungeſtuͤm drang ſie in ihren Gemahl, ſie nach Dresden zu fuͤhren, um dem Leichenzuge des geliebten Vaters beizuwohnen, und ſo die letzte kindliche Pflicht zu erfullen.— Wer kann zu allen Stunden den Bitten eines ſchoͤ⸗ nen Weibes widerſtehen?— Selbſt der finſtere Johann Eaſimir vermochte es nicht; er bewilligte den Wunſch ſeiner weinenden Gattin, und begleitete ſie in die Reſidenz, wo Churfuͤrſt Auguſt einige Tage darauf beigeſetzt wurde. Der Herzog verweilte nicht lange in Dresden, ſondern verließ pald wieder die ihren Landesvater be⸗ trauernde Stadt, die ſeiner Gemahlin ſelbſt jetzt weit weniger als ehedem be⸗ 26 hagte, unter beſtaͤndigem Weinen und Weh⸗ klagen ſeiner noch immer geliebten Anna. Der Herzog, duͤſter und in ſich ver⸗ ſchloſſen; die Herzogin melancholiſch und kummervoll— kamen beide nach kurzer Friſt zu Coburg wieder an. Allein der ſchwere Kummer, der an dem Lebenskeime des trauernden Weibes nagte, hatte doch den Gemahl ein wenig nachgebender, auf⸗ merkſamer und gefälliger gegen ſeine Gat⸗ tin gemacht. Man ſchloß dieſes aus dem Betragen des Herzogs; denn jetzt wech⸗ ſelten Feſte mit Feſten, jetzt verjagte ein Vergnuͤgen das andere, und Coburg war das im Kleinen, was Dresden im Großen war: ein Schauplatz des Wohllebens und des Vergnuͤgens. Johann Caſimir wußte gar wohl, wie ſeine Gattin vernünftig be⸗ handelt werden mußte, und haͤtte er nur nach und nach dieſe Feſte und Ergötzlich⸗ keiten verringert— denn ſein kleines Her⸗ zogthum konnte freilich den Aufwand nicht bezahlen, welchen dieſe Taumelſchmauſe † —————— — S——— —— —— . tin, ſanftmüthig geleitet, allmaͤhlig eine Füͤrſtin geworden ſeyn, die den Beifall und die Lobſpruͤche ihrer Zeitgenoſſen ver⸗ dient, und ſich gluͤcklicher in dem Genuſſe ſtiler häuslicher Freuden gefuͤhlt haͤtte, als in jenem brauſenden Jubelgeſchrei. Wirklich ſtarb der Wurm des Kum⸗ mers in ihrem Buſen, und jugendlicher Frohſinn roͤthete wieder friſcher ihre Wan⸗ gen. Anna war gans das ausgelaſſene, immer heitere Maͤdchen wieder, das einſt fahig war, Johann Caſimirs erkaltetes Herz zur Liebe zu erwaͤrmen. Aber der Herzog befand ſich nicht wohl bei dieſen Schmauſereien, und war vald geſaͤttigt von dieſen rauſchenden Freu⸗ den, vielleicht auch von der froͤhlichen Laune ſeiner Gemahlin, die ſich ſo gar ſchlecht zu ſeiner Trockenheit und ſeinem Truͤbſinn ſchickte. Die Feſte⸗ Spiele und 5 koſteten— ſo wuͤrde ſeine verbildete Gat⸗ Zerſtreuungen hörten alle mit Einemmuſe auf, und Einſamkeit und Langewfile 28 marterten jetzt die an ſtete Veraͤnderun⸗ gen verwoͤhnte Tochter des prachtlieben⸗ den Vaters. (8en6 des Herzogs.) Johann Caſimir und Anna. Anna(auf und niedergehend). Lie⸗ ber Caſimir, die Zeit wird Euch nun auch wohl ſehr lang? Caſimir(ſteht vor ſich hin). Ses ich nicht wuͤßte. Anna. O leugnet das nur nicht; auch iſt es Euch nicht zu verargen. Das ewige Einerlei ermuͤdet die Geduld des ſchlaͤfrigſten Menſchen. „ Caſimir. Feſte und Schmäuſe er⸗ muͤden; doch nicht ſtille Betrachtung, nicht nuͤtzliches Nachdenken, nicht die Erinnerung an ſeinen Vater. Anna. Laßt doch das beruhen, und ſtelet lieber uͤber Lebensgenuß und die 29 Beſtimmung des Menſchen Beobachtungen an.— Wir können ja Eurem Vater doch nicht helfen. Caſimir(finſter). So reben Wei⸗ ber! der arme Vater ſchmachtet unver⸗ ſchuldet in der Gefangenſchaft; ſeine Erb⸗ guter ſind dem Sohne widerrechtlich ge⸗ nommen von ſtolzen Raͤubern, und er ſollte frohlich ſeyn, und in dem Getümmel der Freude herumſpringen wie ein Beſeſſener? Anna(der Rede ihres Gemahls nicht achtend). Ach, wie langſam ſchleicht die Stunde, und wie freudenleer!— Ein Vorſchlag, lieber Gemahl! Veranſtaltet ein Luſtiagen,— ich will mich als Jägerin der Vorwelt kleiden. Ihr ſelbſt ſollt mich nicht kennen, lieber Herzog, wenn ich durch die Gebuͤſche geſchlichen komme in alter deutſcher Tracht, hoch aufgeſchuͤrzt das Gewand, und leichte Sandalen mit grü⸗ nen Riemen an die nackten Fuße geſchnalltz auf dem Ruͤcken tont der volle Köcher . mit jedem Schritte, und den abgeſpannten 30 Bogen trage ich in der Linken, indem ich mit der Rechten den gierigen Spuͤrhund zuͤgele; am gruͤnen Bande ſchaukelt das ſiberne Hifthorn, womit ich Euch laut zu⸗ rufe im weiten Forſte.— Kommt, Theu⸗ rer, laßt uns die Befehle dazu geben. Caſimir. Ich mag nicht jagen.— Armer Vater! nur Dein Sohn denket Deiner— Niemand ſonſt unter Deinen Verwandten und Freunden!— 555 Anna(verdrießlich). So wollen wir eine Luſtreiſe nach Eiſenach machen. Es iſt ſo ſchoͤn, ſo freundlich in jener Ge⸗ Caſimir. Ich mag die freundlichen gete und freundlichen Gegenden nicht ſehen; denn faſt immer liegen Schlangen unter ihrer Freundlichkeit verborgen.* Anna. So laßt uns ſonſt eine Veränderung, eine Zerſtreuung ſuchen. Ich ſage Euch, es iſt unausſtehlich hier in bieſer finſtern Burg, die gan einer Tod⸗ gleicht. — —— — 31 Caſimir. Und ich verſichere Euch, daß es in dieſer finſtern Burg recht an⸗ genehm, recht freundlich iſt, und daß ich weder Veraͤnderung liebe, noch ſuche. Anna(voll Unmuth). So thut, was Euch erfreut, mein Herzog; doch muthet mir nicht zu, daß ich bei Euch verduͤſtern, menſchenſcheu und menſchenfeindlich werden ſoll. Mit Eurer Durchlaucht Erlaubniß reiſe ich morgen nach Eiſenach.* Caſimir. Das geſchaͤhe wirklich ohne meine Erlaubniß; denn ich bitte Fuch, hier in meiner Ehrenburg zu bleiben.— (Ernſt und ſtreng). Und wenn ich Euch einen guten Rath ertheilen ſoll, ſo fuͤgt Euch nach dem Wunſche Eures Eheherrn, und treibt die Begierde nach Schmaus und Tanz aus Eurem Herzen, oder d⸗ wartet ferner kein eheliches Gluͤck. Anna. Wie könnte ich das noch er⸗ warten?— Jede Freude iſt laͤngſt ver⸗ loſchen in meinem Herzen, ſeit ich das Haus meines Vaters verließ. O, warum 32 habe ich es verlaſſen!?— Und hier iſt's ſo unfreundlich, oͤde und menſchenleer! Caſimir(erzuͤrnt). Anna, begebt Euch in Euer Gemach. Bei Gott, ich kann nichts weniger hoͤren, als das Heulen und Wehklagen der Weiber; ſo wie ich nie Auguſis ſchwelgeriſche Ergoͤtzlichkeiten liebte, die ſeine verwoͤhnte Tochter noch nicht vergeſſen kann, noch dieſelben je an neinem Hofe einfuͤhren werde. Anna. Harter, ſtolzer Mann! Caſimir. So geht und klagt, was Euch beliebt; nur ſchonet meine Ohren. Anna. Ihr werdet es wohl noch ereuen, daß Ihr ſo ſtolz, ſo lieblos 1* mich ſeyd! Caſimir. Weil ich Eure ozn Rinſch⸗ nicht befriedige? Hand ſeiner Tochter Euch zuſagte, da waret Ihr ſtolz auf dieſen Vorzug; da ſpracht Ihr zu mir:„Auguſte Eidam wird Pin liebe Anna wohl halten!“— 30 Anna. Als Churfuͤrſt Auguſt die — wußte damals noch nicht, daß die Mänſer ge Treue und Glauben halten, der Ehe geknupft iſt. (barſch). Schweigt von Anna! und laßt mich nun Wahrheit ich bin Eurer Eurer Klagelieder herzlich nur ſo lang bis das Band Caſimir ſolchen Dingen, in allein; 5 denn Gegenwart u muͤde. Wir nicht, wir ſcnuten nicht, wir tanzen nicht, und jagen nicht.— Anna, fangt Muͤcken ob der Lurgeweſ oder zählt die Sterne, oder betet, oder ſchlaft: Mittel genug, die Zeit zu toͤdten. Und ſomit wißt Ihr meine Geſinnungen⸗ Herzogin! Jetzt entfernt Euch— denn meine Langmuth duͤrfte 1 ſich in Zorn ver⸗ wandeln, und Euch gefährlich mihen Geht! Anna. Barbar! Unmenſch! unwuͤr⸗ dig, Auguſts Eidam zu ſeyn! Sie geht weinend fort.) 6 Caſimir. Thoͤricht, was Eva Mut⸗ ter nennt! Weil der ſtille, ehrbare Ehe⸗ S mann die Schwelgereien und Feſte, g uguſts Hof ſo zünens 3 nicht ihn weibliche Thorheit einen Barbaren und Unmenſchen! Aehnüche zwiſiigkeiten fielen faſt taͤg⸗ lich zwiſchen dem Herzog und ſeiner Ge⸗ mahlin vor, und entfernten die ohnehin unähnlichen Gemuͤther immer weiter von inander. Anna fehlte, aber Caſimir be⸗ lichkeit an ſich gezogen, ſie mit Nachſicht behandelt, und, indem er ſie fuͤr einfachere nuß und rauſchenden Luſtbarkeiten ent⸗ hutſamkeit gewiß belohnt, und Anna die zärtlichſte Gattin geworden ſeyn; denn ſie liebt, und nicht bezahlen kann, ſo nennt handelte ſeine junge Gattin doch in der That auch nicht ſo, wie es die Klugheit gebot. Haͤtte er ſeine Gemahlin mit Zaͤrt⸗ Freuden empfaͤnglich gemacht, Uon der ſtrafbaren Begierde nach ſinnlichem Ge⸗ wöhnt, ſo würde ſeine Sorgfalt und Be⸗ . ———————ͤ————— ——— „ — — 35 war lenkſam, nachgebend und gefühlvoll. Aber durch ſein ſtolzes und rauhes Weſen entfernte er die beleidigte Anna immer mehr von ſich, die nun Theilnahme, Unter⸗ haltung und Genuß der Freude bei An⸗ dern ſuchte, da ſie alles dieſes bei dem F Gemahl nicht finden konnte.— und nur gar bald fand ſich ein Betruͤger, der die Schwächen und Lieblingsneigungen des leichtſinnigen Weibes, das kaum die Kin⸗ derſchuhe abgelegt hatte, benutzte, und ſie in einen unabſehbaren Abgrund ſtürzte. Noch ein anderer Umſtand, der größ⸗ tentheils das rauhe Benehmen des muͤr⸗ riſchen Herzogs gegen ſeine Gemahlin be⸗ ſtimmte, vermehrte ſeine Unzufriedenheit, und erzeugte endlich gegen ſie eine Gleich⸗ guͤltigkeit, die an Geringſchaͤtzung grenzte. — Schon waren einige Jahre verfloſſen, und noch zeigte ſich keine Hoffnung, die dem Herzog einen Erben verkuͤndigt haͤtte. Dieſer Umſtand war ihm um ſo unange⸗ nehmer, und bei ſeiner feindſeligen Laune 2 36 in der That unerträglich, je mehr er hoffte, daß wenigſtens ſeine Kinder zu dem Be⸗ ſitze der angeerbten Guͤter wieder gelangen wuͤrden, die ſeinem ungluͤcklichen Vater entriſſen worden waren. Dieſe Gleichgultigkeit, dieſe Kaͤlte theilte ſich denn nur zu bald der unzu⸗ friedenen Anna mit, ſo, daß ſie Tage lang leben konnte, ohne ihren Gemahl zu ſehen, oder ſich nach ihm zu ſehnen.— Die conventionelle Liebe, die jedem Theile erlaubt, zu thun was ihm beliebt, und nur eine gewiſſe äußere Achtung und erheuchelte Zufriedenheit fordert, war in jenen Zei⸗ ten, wo heliche Treue fuͤr eine unver⸗ letzbare Tugend mit Recht gehalten wurde, noch nicht Mode; und deshalb war das Betragen beider Eheleute auffallend, und ein Gegenſtand der Neugierde und Miß⸗ billigung. K 6 —,„— 37 In dieſer druͤckenden Lage, betven Theilen gleich unertraͤglich, befanden ſich der Herzog und ſeine Gemahlin, als ein Italiener, der Hieronimus Scotus 8 ſich nannte, am Hofe erſchien, un nd teils ven duͤſtern Herzog mit— Sa ſpielerküunſten beluſtidte,— denn er ieß ſich fuͤr einen Zauberer zaten,— Itheils das Herz der liebekranken Anna mit neuen Wuͤnſchen und Freuden erfuͤllte, zugleich aber auch die erſten Grundſteine legte, worauf ſie ſich ſelbſt das Gebäude ihres namenloſen Ungluͤcks errichtete. 6 3 Hieronimus Scotus Fhatte ſich eine genaue Kenntniß von den Schwaͤchen des menſchlichen Herzens, ſo wie den Meinungen und Irrthuͤmern ſeiner Zeit⸗ genoſſen erworben, unh wußte dieſe Kennt⸗ niß zu ſeinem n zu ſeiner Ab⸗ ſicht, die freilich ſtets nicht die redlichſte war, wohl anzuwenden und zu benutzen. Allgemein war damals der Glaube an ge⸗ wiſſe uͤbernaturliche Kräfte, Geheimniſſe und Verbindungen mit Geiſtern.— Nie⸗ mand zweifelte daran, daß Menſchen an⸗ getroffen wuͤrden, die durch ihre Verbin⸗ dung mit den Unſichtbaren und ihre Schwarzkunſt, zukuͤnftige Dinge vorher verkuͤndigen, Wunder bewirken, und Gei⸗ ſter erſcheinen laſſen konnten. Dieſen Wahnglauben benutzte Scotus, und ver⸗ kuͤndigte mit marktſchreieriſcher Geſchwaͤtzig⸗ keit und Dreiſtigkeit, er beſitze die goͤtt⸗ liche Gabe, zukuͤnftige Dinge voraus zu 3 ſehen, und dem Menſchen ſeine Schickſale auf das genaueſte zu weiſſagen, ſo wie er durch verborgene Kuͤnſte und Kräfte Wunder thun, und Geiſter herbei rufen könne. Mit dieſer Unverſchaͤmtheit ver⸗ 6 band er gewiſſe Gaukeleien und Kunſiſtuͤcke, ie ubernatürlich ſchienen, womit er die Augen vlendete unv die ſtaunenden Zu⸗ ſchauer uͤberredete, er ſey wirklich der große % Wunderthäter, der alle dieſe unmenſch⸗ itchen Dinge hervorbringen könne, deren er ſich rühmte. —,— leichtglaͤubige Seelen, die ihm hu ldigten, Wahrheit hielten. An jedem deutſchen ſich dieſen widerſinnigen Kuͤnſten widmete, 1 39 Mit dieſen Kuͤnſten durchzog Scotus Ftalien und Deutſchland, und fand überall und im Ernſte ſeine Gaukelſpiele fuͤr baare Hofe fand er offene Thuͤren,— denn Ruhm eilte vor ihm her,— und unt Furſten ſogar Bewunderer und Anhänger, die ihm freigebig Glauben und Reichthum ſchenkten; denn welche andere Abſicht kann ein ſolcher Taſchenſpieler haben, als die, ſich die Thorheit und Leichtgläubigkeit der Menſchen zinsbar zu machen?— Neben⸗ bei mochte auch Wolluſtgier ein Antrieb. geweſen ſeyn, daß der ſchlaue Italiener und die väterlichen Fluren verließ, um in Deutſchland zu ſchwelgen. Er war ſo verſchmitzt, ſo geldgierig, ſo unternehmend, ſo betrugeriſch und ſo wolluͤſtig, als nur je ein Betruͤger dieſer Art geweſen jeßn mochte. Dieſer tauſenbfältig ihin oun 40 erſchien jetzt, da vie Mißhelligkeiten der beiden fuͤrſtlichen Eheleute den boͤchſten Grad erreicht hatten, am Hofc des Her⸗ zogs zu Coburg, und wurde mit offenen Armen aufgenommen; denn ſein Ruhm war auch hieher vorausgegangen, und hatte ihm die Veigung und den Beifall dieſes duͤſtern Fuͤrſten erworben, der ein ſo großer Freund des Uebernatürlichen und Wunderbaren war. Die erſte Abſicht des Italieners mag allerdings nur geweſen ſeyn, auch an die⸗ ſem oſe die Leichtgläubigkeit zu brand⸗ ſchatzen, und ſeinen Ruhm zu vergroͤßern. Allein zu dieſer Hauptabſicht geſellte ſich bald noch eine zweite: der ſchönen Her⸗ zogia Gun und Liebe zu gewinnen. Er die ſchöne Anna, und entbrannte ge⸗ gen ſte in Begierde nach dem Genuß ih⸗ Vr Feize; d och wußte ver abgefeimte en, n ſeine glühende Leidenſchaft ſo n gen, 23 ſie auch das ge⸗ — Gaukler ſeine Worte ſo kluglich abzuwä⸗ ——— — 41 — übteſte Auge weder in Blicken noch Hand⸗ lungen entdecken tanite—„Was mir zu jeder andern Zeit ſchwer und faſt un⸗ möglich geworden wäre, gelingt jetzt ſon⸗ der große Mühel“ ſprach wohlgemuth zu ich ſelbſt der Betrüger, der die ganze Ver⸗ faſſung am herzog lichen Hofe mit einem Blick uͤberſah. Er hatte allerdings richtig gerechnet; denn die vernachläſſigte Anna ſchien ja nur auf eine guͤnſtige Gelegenhei zu warten, um eine Leere die ſie druͤckend fuͤhlte, und bisher keine ſolche Gelegenheit gehabt hatte, ſie aus fuͤllei. zu können, und ſich fuͤr die Vernachläſſigung und Geringſchaͤtzung von ihrem Gemahle zu entſchaͤdigen. Nur Jahre reifen den Menſchen, und nur, wenn er zu einer beſtimmten Reife gelangt iſt, erwacht der den die Natur in das menſchliche Weſen legte, wenn der ſchlafende Keim nicht zu früh⸗ 1 zeitig durch die Hitze des Treibhauſes er⸗ waͤrmt und hervorgelockt worden iſt. 42 erreichte kaum die Jahre, wo das Kind zur Jungfrau übergeht, als ſie ſchon, ohne Gefuͤhl eines gewiſſen Beduͤrfniſſes, einem Manne angetrauet wurde, den ſie jetzt, da die Natur ihre Rechte behauptete, nicht lieben konnte. Daher dieſe Leere in ihr und um ſie— daher der Wunſch, ein Weſen gleichdenkend und gleichfuͤhlend zu finden— daher der Durſt nach dem Ge⸗ nuſſe der Liebe, der freilich in Caſimirs froſtigen Umarmungen nicht geſtillt werden Hieronimus Scotus erſchien, und alle 3 e 5„ e. Gegen aͤnde, welche die luſterne Anna umgab veraͤnderten ihre Geſtalt,— neue Wuͤnſche, neue Freuden keimten in ihrem Buſen. Der Raliener war ein feiner, ſchmeichleriſcher Mann, der ſich oft mit der Herzogin unterhielt, und ihre Lange⸗ weile mit luſtigen Erzählungen und Spie⸗ len bannte, doch immer ſo, daß auch der Neid keine zweideutigen Gerüchte darüber verbreiten konnte. Der Herzog war ſroh, 43 N daß er auf dieſe Weiſe von den laͤſtigen Beſuchen ſeiner Gemahlin befreiet wurde, und ermunterte oft den Italiener ſelbſt, ſeine Gemahlin zu beſuchen, beſonders wenn er einen Ueberfall von ihr zu ge⸗ warten hatte. Schon war Scotus der Herzogin nicht mehr gleichgultig— ſchon erwartete ſie mit heißer Sehnſucht die Stunde, wo er gewöhnlich erſchien; aber der Kuͤnſtler that jetzt noch einen iff in die Saiten— und ſeine geuͤbte Hand griff allemal die rechten Akkorde— der die beſte Wirkung that, zugleich aber auch Anna's Eknd un⸗ vermeidlich befoͤrderte. Mit viel eu ruhm⸗ redigen Worten verſprach er nämlich dem mißmuthigen Weibe Fruchtbarkeit, wodurch der Unwille des Herzogs in Nachſicht und Guͤte, und ſeine Gleichguͤltigkeit in heiße z* verwandelt werden wüͤrde. Anna aubte dem ſchlauen Betruͤger— denn was glaubt ein ſchwaches Weib nicht, wenn ihm die Erfullung ſeines liebſten Wun⸗ — ſches mit aller Gewißheit geweiſfagt wird? ſchen die einträgliche Gabe nicht bezweifelten.— wollen den li⸗ ſtigen Gaukler in eine eſprächez zwiſchen ihm und der leich bi en Furſtin in einein entlegenen Zier der Ehrenburg velauſchen, 5 1 der Weiſſagung Durhluct Rede iſt. unng. Und voch weiß ich ic kei⸗ — ldig zu ertragen. Seotus. 3hr werbet vatuch ein . — zumal in jenen Zeiten, wo die Men⸗ pes Vergehens ſchuldig, und bemuͤhe mich ſtets, ſeine menſchenfeindliche Si ſo ge⸗ 45 Gegenſtand der Bewunderung und Ehr⸗ furcht!—(Schmeichelnd); Glaubt mir, ſchöne Fuͤrſtin! in Italien legte man ei⸗ nem Weibe, mit Euern erhabenen Eigen⸗ ſchaften und preiswuͤrdigen Tugenden be⸗ gabt, den Namen einer Heiligen bei. Anna(errothend). Schweigt da⸗ von, Scotus, und ſpottet meiner nicht. Scotus. Die tiefſte Verehrung ge⸗ gen Euch erlaubt mir keinen Spott.— Wahrheit iſt es, was ich Euch verſichere. Anna. Und Ihr werdet doch im Ernſt nicht glauben, daß ich Eure unfei⸗ nen Schmeichelreden fuͤr wahre Geſinnun⸗ gen halte? Scotus. Nehmt die kleine Uebet⸗ treibung weg, und Ihr habt die wahrſten Geſinnungen meines Herzens. Anna. Dieſe ſind? Scotus. Darf ich frei reden⸗ gnaͤ⸗ digſte Frau? Anna. Nicht anders. Scotus. Mein Vaterland wärde 46 Euch verehren; denn in Italien wuͤrde weder Fuͤrſt noch Buͤrger glauben, die ſchoͤne Anna von Sachſen ſey nur da, um Kinder zu gebähren. Anna(erſchrickt). Was ſagt Ihr, und was ahne ich?— Scotus. Die Wahrheit; denn Sco⸗ tus fuͤhret Euch an ſeiner Hand, der die Wahrheit kennt und liebt. Erlaubt mir, theure Fuͤrſtin, daß ich Euch einmal die Gegenwart vorhalte, und nicht in die Zu⸗ kunft ſchaue, wie ich gewoͤhnlich zu thun pflege. Seht, ſchoͤne Gebieterin! Euer Gemahl iſt Euch abgeneigt, ſlieht Euern Uumgang, und wird zornig, wenn ein Jun⸗§. ker Euern Namen nennt. Warum denn Anna. Das weiß ich nic eben iſt mein Kummer. Scotus. In Deutſchland hält man es fuͤr ein gewaltiges Ungluͤck, mit wel⸗ chem der Himmel ungerathene Voͤlker heim⸗ ſucht, wenn das Land eines Fürſten an 47 15* ſeine Anverwandte faͤllt, und eine Für⸗ ſtin ihrem Gemahle nicht ſechs bis zwölf Knaben ſchenkt.— Jetzt werdet Ihr das Raäthſel ſelbſt Euch loͤſen koͤnnen. Anna(auffahrend). Ha, jetzt tagt's in meiner Seele!— Jetzt kenne ich die Urſache deines Unwillens und deines Haſ⸗ ſes, unbilliger Mann! Scotus. Wayrlich, in JItalien iſt man in dieſem Punkt vernuͤnftiger; denn dort freuen ſich die Fuͤrſten, wenn ſie keine, oder nur wenige Kinder zu erziehen haben. Anna. Und doch bin ich unſchuldig! — Iſt es mein Verſchulden, daß Gott die Fruchtbarkeit mir verſagt?—(Weinth. Ach! ich bin ein ungluͤckliches Weib! Scotus(ſehr theilnehmend). Gewiß, ich beklage Euch, theuerſte Fuͤrſtin! O, wenn nur meine Kunſt hinreichte, wie gern wollte ich Euch dienen— Euch mein ganzes Leben widmen!— Anna. Ich weiß es wohl, bier hoͤrt die Kunſt der Menſchen auf, und fängt 48 die Allmacht Gottes an.— Gott hat mei⸗ nen Leib verſchloſſen!— Scotus. Da habt Ihr wohl Recht, gnädige Frau! Nur durch die Allmacht Got⸗ tes, nur dyrch Huͤlfe der unſichtbaren Geiſter, nur durch jene Wunderkraft, die nur wenigen Eingeweiheten geſchenkt wurde, — kann Eure Unfruchtbarkeit von Euch genommen, und Ihr eine froͤhliche und gluckliche Mutter werden. Anna(ächelnd). Und Ihr ſeyd ja eingeweiht in dieſe geheimen Kuͤnſte— Euch gehorchen ja die Geiſter?— So ſpricht wenigſtens die Welt. Scotus Lächelt nicht ſo ſpöttiſch, ſchöne Frau! Ihr ſahet nur bisher das Spielwerk meiner erhabenen Kunſt, denn ich wollte Euern neugierigen Augen nur eine Unterhaltung geben. Aber ich ver⸗ ſichere Euch, daß ich durch den Beiſtand meiner Obern, jener guten Geiſter, Dinge bewirkt habe, die Euch in Erſtaunen ſetzen wuͤrden, wenn Ihr ſie nur erzählen hoͤrtet. 149 und ich ſchwore Euch bei meinem Namen daß Ihr durch weine Künſte binnen Jah⸗ resfriſt Euerm Gemahl einen wohlgeſtal⸗ teten Knaben darreichen ſollt, wenn— Anna(freudig erſtaunt). Ihr ſcherzt, Scotus! dann waͤret Ihr allmaͤchtig. Scotus. Ich ſcherze nicht, denn jene unſichtbaren Geiſter ſind allmaͤchtig.— Aber laßt uns nun abbrechen. Seht, theu⸗ erſte Gebieterin! ich wuͤnſche nichts mehr als Euer Gluͤck, und es betruͤbt mich ſehr, daß es des Herzogs Unzufriedenheit ſo merklich ſchmaͤlert. Anna. Darum erklart mir Eure Geheimniſſe, wenn ſie mich doch gluͤcklich machen können, und Ihr mein Gluͤck und meine Ruhe in der That wuͤnſcht. Scotus. Der heißeſte Wunſch mei⸗ nes Herzens! Aber wird meine ſchoͤne Ge⸗ viete in auch die Forderungen erfuͤllen können, die damit verbunden ſind, und ohne welche ich keinen gluͤcklichen Ausgang verſprechen kann?— Kaſteiung des tn — — 50 naͤchtliches Beten und Wachen, der Kuß des heiligen Kreuzes, ohne Furcht und Grauen, wenn auch die Geiſter um Euch toſen und wimmern,— ſind Forderungen, die einer eben ſo ſchoͤnen als froͤhlichen Fuͤrſtin unmoͤglich gefallen koͤnnen. Anna. Wenn ich mich aber dem⸗ ohngeachtet entſchloſſe, alle dieſe Forderun⸗ gen zu erfuͤllen? Scotus. Dann wuͤnſche ich Euch im Voraus Gluͤck zu einem Prinzen, und zu der Liebe Eures erlauchten Gemahls. . Anna(entſchloſſen). Wohlan denn, Stotus! ordnet und beſtimmt Euer Zau⸗ berwerk. Mit Freuden wag ich alles— denn ich muß meinem Gemahl einen Sohn, und dem Lande einen Fuͤrſten geben, wenn ich ſelber gluͤcklich werden will. Scotus. Meine theure Gebieterin! ſchon Euer Wunſch iſt mir Befehl— Doch noch Eins muß ich erinnern: Hin⸗ gebung in meinen Willen, voͤlliger Gehor⸗ ſam bei allem, was ich ſage, iſt noth⸗ . 2 4 k — 6 3 51 wendig, wenn der Erfolg Euren Wuͤnſchen ganz entſprechen ſoll. Ihr duͤrft nicht gruͤbeln, oder nachdenken, wenn dieſe oder jene Handlung vorgeht, die Euch zwei⸗ deutig oder unehrbar ſcheint; ſondern nur glauben daß alles im Ganzen ſeinen Nutzen hat, und mir von den Unſichtbaren vor⸗ geſchrieben iſt. Anna. Wohl, wohl! wenn nur meine Wuͤnſche erfuͤllt werden.— Ich will Euch dienen und gehorſam ſeyn wie eine Magd. O, wie will ich frohlocken, wenn ich ſagen kann; Caſimir, ich habe Dir einen Sohn geboren! Scotus. So kommt um die Mit⸗ ternachts ſtunde in mein Gemach. una(ſtutzend). In Euer Gemach? Scotus, das iſt wider meine Wuͤrde, hnnte meiner Ehre Todesſtunde wer⸗ Bedenket dies, und mein Zimmer. Scotus. Der naͤmliche Fall. u* dann wuͤrde Euer guter Leumund S 52 wenn die Welt erfuͤhre, Scotus ſey um Mitternacht bei Euch im Schlafgemach Unſere Zuſammenkunft muß ein ewiges Geheimniß ſeyn, aber mir muͤßt Ihr vertrauen, und meinen Verordnungen gemaͤß leben, wenn ich Euch nuͤtzlich wer⸗ den ſoll. Die unſichtbaren Geiſter kennen weder Rang noch Wohlſtand. Anna(nach einer kleinen Pauſe). Wohl! ich komme, Scotus! Haltet alles bereit.— O Gott! wie froh, wie heiter will ich dann zu Bette gehn— als Mut⸗ ter!(Sie entfernt ſich.) Scotus(allein, luͤſternd ihr nachſe⸗ hend). Schoͤnes, herrliches Weib! Mei⸗ ſterſtuͤck der Natur!— Göttliches Gaukel⸗ iel! welche ſelige Stunden lächeln durch p dich mir entgegen!— Ja, ich will froh genießen, wo die Natur die Tafel mit ſo ſuͤßen Fruͤchten beſetzt hat!—— Der betruͤgeriſche Gaukler, ungt von dem ſchandlichſten Feuer, traf alle In ſtalten, um die unbedachtſame Fuͤrſtin in das Gewebe ſeiner Liſt zu verſtricken, und ſie ſelbſt unvermerkt zu ſeiner ſträflichen Begierde zu kitren. Es ſchlug die Mitternachtsſtunde, die noch in jenen Zeiten Geiſtern und Geſpen⸗ ſtern gewidmet war, und Anna, die jede Viertelſtunde ſorgſam gezählt hatte, ver⸗ ließ das weiche Lager, huͤllte ſich in ein leichtes Nachtkleid, und eilte, indem eine kleine Handlaterne ihr den Weg erleuch⸗ tete, mit Ungeduld ihrem Verfuͤhrer ent⸗ gegen. Sie zitterte, wie vom Fieberfroſt geruͤttelt; denn ſie fürchtete Geiſter, die ſie nicht zu fuͤrchten hatte, und ging los in die Arme eines Mannes, den ſie in ver That mehr zu fuͤrchten hatte, als jene Weſen der Einbildung. Haſtig oͤffnete ſie jetzt die Thure des Italieners, der ſie ſchon lange gierig er⸗ wartete.„Hu! wie todt, wie hehr die ſchen. daß die Gegenſtände alle im tiefſten Schat⸗ ten ſtanden. Auf einem kleinen ſchwarz behangenen Tiſche erblickte man ein Kru⸗ Todtenkopf, vor welchem abermals ein beruͤhrte. Um dieſes papierne Kreuz war 54 Mitternacht!“ rief ſie, indem ſie den ſcheuen Fuß' uber die Schwelle ſetzte; aber eben ſo ſchnell bebte ſie zuruͤck, als ſie in eine wohlduftende Wolke trat, und die feierlichen Anſtalten erblickte, die der Gauk⸗ ler getroffen hatte, um ſie gaͤnzlich zu taͤu⸗ „ * Nur mit einer duͤſtern Lampe hatte Scotus das einſame Zimmer erleuchtet, ſo cifir, und vor dieſem einen ſchneeweißen ———— aus ſchwarzem Papiere geſchnittenes Kreuz log, das der Zauberer gewoͤhnlich brauchte, um die Anweſenden zu taͤuſchen; denn unter demſelben war ein kleines Maſchi⸗ nenwerk von Draht verborgen, das ſich fchnell um den Gegenſtand ſchlang, der es ein Kreis gezogen, in welchen verſchiedene Charaktere und unbekannte Figuren gezeich⸗ 3 ————— 55 net waren. Ein gleicher, größerer Kreis befand ſich vor dem Tiſche auf dem Bo⸗ den, und ähnliche Figuren und Charaktere umgaben ihn. In der Mitte ſtand ein Rauchfaß, aus welchem duftender Weih⸗ rauch in die Höhe dampfte, und die hehre Feierlichkeit vermehrte. Scotus ſtand vor dem Kreiſe mit dem weißen Zauberſtabe in der Hand, und in ein langes Gewand gehullt, das mit Farben und Figuren man⸗ cherlei Art geziert war. Er ſchien zu be⸗ ten, und im Begriff zu ſeyn, das Rauch⸗ faß zu ergreifen— verſtellte Furcht ver⸗ zoͤgerte dieſen Entſchluß. Dieſe ganze Zubereitung war eingehuͤllt in wogende Dampfwolken, und die Stille der Mitter⸗ nacht vermehrte noch das Schauderhafte. Wer kann es der furchtſamen Anna, die mit Erwartung großer Dinge und mit Furcht vor den wandelnden Nachtgeſtalten zitternd hereintrat, verargen, wenn ſie ob dieſem Anblick beinahe ſinnlos zuruͤck bebte, und einer Ohnmacht nahe war?—„Gott — 5 . 3 ———— 2** 56 ſey mir gnaͤdig und barmherzig!“ ſchrie die Herzogin, und wollte fliehen; allein der Schrecken hatte Blei in ihre Gebeine gegoſſen, daß ſie mit aller Anſtrengung ſich nicht fort bewegen konnte.—„Stille, ſtille, traute Herzogin!“ lispelte der Gauk⸗ ler, indem er leiſe zu ihr trat, und ihre Lampe ausloͤſchte—„Scheucht meine Gei⸗ ſter nicht hinweg!“— Anna athmete tief bei dieſer Rede, und blickte ſchuͤchtern um ſich, ob etwa ein Geiſt hinter ihr ſey. „Was habt Ihr vor mit mir, Scotus?“ gab ſie ihre Furcht zu erkennen.„Was jollen dieſe ſchauderhaften Denkmaͤler des Todes?“—„Euch Leben und Freude ge⸗ ben, holde Anna!“ troſtete der Betruͤger. „Laßt uns beten, und den Beiſtand der unſichtbaren Maͤchte gewinnen!“— Sco tus kehrte ſich fuͤrder nicht an die beaͤng⸗ ſtigte Anna, ſondern betete. Hoch klopfte der Herzogin das Herz, und ſie ſuchte in der Angſt alle Gebete in ihrem Gedächt⸗ niſſe hervor, die ſie in der Eile nur auf⸗ X 57 finden konnte, unbeſorgt, ob ße ben ge⸗ genwaͤrtigen Abſichten angemeſſen waren oder nicht. Ohne ſeine ernſten Mienen mit freu⸗ digern zu wechſeln, murmelte Scotus an⸗ daͤchtig ſeine ſogenannten Gebete fort, rief oft mit frevelnder Zunge den Namen der heiligen Dreifoltigkeit, und ergriff end⸗ lich die Rauchpfanne, die im Zauberkreiſe ſtand. Eine helle Flamme loderte hoch auf, als er ſich der Herzogin näberte, die halb todt in einen Armſtuhl zuruͤck ſank. — Auch dieſer Umſtand irrte den Gaukler nicht; ering. um ſie herum, und dichter Dampf umſloßſ ie todtenbleiche Anna. „Tretet in den Kreis! die unſichtba⸗ ren Maͤchte erhoͤren unſre Gebete, und ſchenken Euch den Sohn der Hoffnung! ½ raunte der Betruͤger dem betäubten Weibe ins ſcheue Ohr, ſobald ſie die Augen wie⸗ der Iffnete. Dieſe Worte, die ihre liebſte Hoffuhng wieder neu belebten, gaben ibr Muth 6 Entſchloſſenheit. Sie roff ⸗ 58 ſich auf und trat kuͤhn in den Zauberkreis. Scotus folgte ihr. Er ſprach wieder ei⸗ nige unverſtändliche Worte, die er wahr⸗ ſcheinlich ſelbſt nicht verſtand, und beraͤu⸗ cherte aufs neue die bange Herzogin, die voll Erwartung dem Ausgange der Sache entgegen ſah. Man hätte glauben ſollen, Anna hoffe, in dieſem Augenblicke ſich ei⸗ nes Sohnes erfreuen zu duͤrfen, da ſie ſo erwartungsvoll vor ſich hinblickte.— Scotus murmelte fortwaͤhrend, trat vor die Betrogene und beruͤhrte mit dem weißen Stabe die Rauchpfanne. Sogleich öiſchte eine leichte Flamme in die Hoͤhe mahnte der Betruͤger die Herzogin mit bare Geiſter,“ ſetzte er hinzu,„die ihr ſo oft ſchon die Gebete Eures Dieners er⸗ hoͤrtet, ſeyd uns nahe, ſeyd uns anädig!“ Betäubt trat Anna hinzu und* 8 und erhellte die dunklen Wolken.—„Tre⸗ et naͤher, Eva's gluͤckliche Tochter!“ er⸗ feierlicher Stimme,„und legt Eure Hand auf das heilige Kreuz! Und ihr, unſicht⸗ —————— ten!“— Er ergriff ihre zitternde Hand, 59 ihre Hand ſchüchtern auf das Kreuz; aber wie erſchrak ſie, als ſich die beiden Ame deſſelben plotzlich um ihre Hand ſchlangen! Sie ſprang mit Entſetzen laut aufſchreiend zuruͤck.—„Ihr unſichtbare Geiſter, ver⸗ nichtet die arme Anna nicht!“ rief ſie athemlos aus. Aber der Italiener mur⸗ melte noch einige Worte vor ſich hin, machte verſchiedene Bewegunzen mit der Hand, zeichnete Figuren in die Luft, und beruͤhrte abermals das Kohlfeuer mit dein weißen Stabe. Zum dritten Male ſchoß eine gelbe Lichtflamme in die Hoͤhe, die dunkle Lampe verloſch ſogleich, und dichte Finſterniß umgab die betäubte Herzogin und ihren Verfuͤhrer.—„Scotus, wo ſeyd Ihr? Was wird aus mir?“ ſtohnte ſie beklommen.„Wir ſind Kinder des Todes!“ —„Ruhig, ruhig, theure Herzogin!“ ent⸗ gegnete Scotus.„Die Unſichtbaren ſind zuruͤck geflohen in ihre ſelige Heimath. Kommt, laßt uns ins Nebenzimmer tre⸗ ————————— ₰ und ſie, hoch erfteut, nur ein menſchlichess Weſen zu erfaſſen, ſchmiegte ſich an ihren Verfuͤhrer als an ihren Retter und theu⸗ erſten Freund. Wolluͤſtig umſchlang er das betrogene Weib, druͤckte den hoch gewoͤlbten Buſen ſtark mit ſeiner Rechten, und fuͤhrte ſie ſo in das nächſte Zimmer, das er wohlbe⸗ daͤchtig mit vielen Wachskerzen erleuchtet hatte;— denn auch der Wechſel der Fin⸗ ſterniß und des Lichtes ſollte ſtarken Ein⸗ pruck auf die weiblichen Gefuͤhle machen, welches auch wirklich geſchah. „Freund!“ ſprach Anna, deren Lippen zum erſten Male dieſer Name entgleitete, „was beginnt Ihr mit mir?— Was ſoll daraus werden?“ „Was Ihr hofft und wünſchet, meine üße Freundin!“ nahm Seotus das Wort. Die Unſichtbaren, deren Prieſter ich auf Erden bin, erhoͤren unſere Gebete.“ „Woher ſchließt Ihr das? fragte ſie heiter.„Schreckliche Furcht erfaßte mich, 6¹ als ſich das heilige Kreuz um meine Hand ſchlang.— Was hat dies zu bedeuten?“ „Noch nicht heilig genug,“ entgegnete der Heuchler,„noch nicht rein von aller Miſſethat ſeyd Ihr, liebe Herzogin! Laßt uns allnaͤchtlich fortfahren mit Gebet und Rauchopfer, und ich prophezeie Euch den beſten Erfolg. Ihr werdet Mutter werden eines ſchoͤnen Knaben, und dadurch Euern grollenden Gemahl verſoͤhnen.“ „Großer Gewinn,“ erwiederte ſie ſreu⸗ dig,„reichliche Belohnung wird es mir fuͤr vie große Angſt meines Herzens ſeyn⸗ — O Freund! ich fuͤrchte die Geiſter— ich fuͤrchte Eure Zauberkuͤnſte!“ „Fuͤrchtet nichts bei mir!“ verſetzte der ſchmeichelnde Betruͤger.„Gute Geiſter ſchwebten in den heiligen Wolken, die Euch umgaben.— So laßt uns nun ſcheiden, meine Theuerſte! die Morgen⸗ roͤthe prangt ſchon am öſtlichen Himmel — wir muͤſſen uns trennen. Seyd vor⸗ ſichtig, ſeyd kalt gegen mich, in Anderer 62 Gegenwart“— fuͤgte er die Lehre hinzu —„und kommt morgen wieder, wenn Al⸗ les ſchlaͤft, und nur die Liebe wacht!“ „Ich komme!“ erwiederte ſchamhaft die Herzogin, indem ihr Scotus verwegen den erſten Kuß auf die Stirne druͤckte, den ſie von dem heiligen Manne erdulden 3 zu muͤſſen glaubte. Mit haſtiger Eile und hoͤher geroͤtheten Wangen verließ ſie dar⸗ auf das Gemach ihres Verfuͤhrers. Der ſchlaue Italiener frohlockte uͤber den erſten gluͤcklichen Erfolg ſeines Gau⸗ kelſpiels, und hoffte nun mit Gewißheit beide Wuͤnſche in Wirklichkeit zu verwan⸗ deln, namlich: Reichthum und Anna's Liebe ſich zu erwerben. Wohlbekannt mit der Denkart ſeines Zeitalters und den Ei⸗ genheiten des weiblichen Herzens, hatte er dieſe Zauberſpiele unternommen, theils um der leichtglaͤubigen Herzogin eine große Meinung von ſich und ſeiner Verbindung mit hoͤheren Geiſtern beizubringen, theils nach und nach bei dieſer Gelegenheit ihre 8 63 guneigung und Freundſchaft zu erbuhlen; denn er wußte nur zu gut, daß Freund⸗ ſchaft im weiblichen Herzen nahe an Liebe grenzt. Zudem kannte er Anna ſo genau als ſich ſelbſt, und bemerkte gar wohl, daß ſie ohne Mittheilung und geſelligen Um⸗ gang nicht zu leben vermochte. Indem nun der Italiener dieſen Umſtand benutzte, ſchilderte er ihr oft die Freuden einer gluͤcklichen Ehe, die alle aus wahrer inni⸗ ger Liebe entſpringen, und hielt dann Jo⸗ hann Caſimirs ernſtes und muͤrriſches Be⸗ tragen gegen dieſes Gemaͤlde, das er ſo reizend ſchoͤn hingezaubert hatte. So ge⸗ lang es ihm denn, gleich einem Diebe, leiſen Fußtrittes ſich in dos Herz des ſorg⸗ loſen Weibes zu ſtehlen, und ſie gegen ihr Vermuthen und wider ihren Willen zur verbotenen Liebe zu gewoͤhnen. 5 anichtiich ſette Anna ihre Beſuche 3 bei dem vermeintlichen Zauberer und Gei⸗ — ſterbanner fort, ohne des Zwecks dieſer Zuſammenkuͤnfte zu gedenken. Das naͤm⸗ liche Gaukelſpiel mit neuen Veränderun⸗ gen blieb ihr immer intereſſant, und ſie gewoͤhnte ſich bald ſo an dieſe Art der Unterhaltung, daß ſie mit Ungeduld der Mitternachtsſtunde harrte, und dann mit heißem Durſte ihres Verfuͤhrers kuͤhlenden Gifttrank verſchlang. Scotus ſetzte zwar ſein Spielwerk ſort, doch kuͤrzer als vorher, um die ubrige Zeit deſto bequemer zu ſeiner wahren Ab⸗ ſicht benutzen zu koͤnnen. Er lehrte daher der Herzogin verſchiedene Kartenſpiele, die in Deutſchland beinahe noch ganz unbe⸗ kannt waren, und erdreiſtete ſich, Kuͤſſe zum Preiſe des Sieges feſtzuſetzen. Auch dieſes ließ ſie ſich nach kurzem Wi⸗ derſtande gefallen, denn Scotus hatte ihr ſo große Ehrfurcht, und mit dieſer ſo heiße Liebe einzuflößen gewußt, daß ſie alles that, was er befahl— alles erlaubte, ——— 2 .—˙—————— ———— 7 — —,.—— —————— 65 ihm zu thun beliebte, es mochte n lich ſeyn, oder Tugend und Sitt te beleidigen. „Euer Gemabl ſprach er inſtmnts bei einer ſolchen Zuſammenkunft,„iſt doch ein ſehr finſterer, muͤrriſcher Mann! Deine eiskalte Liebe muß wohl große Beſchwerde fuͤr eine ſo gefuhlvolle Frau ſeyn? 20 „Das wohl nicht!“ entgegnete Anna mit Spott,„denn er hat keine Liebe iu ihr.“ „Was denn ieſi, liebe Herzogin?⸗ virſette der ſpoͤttelnde Scotus.—„Er iſt doch Euer Gemahl, ja lieben?“ „Eben weil er muß, darum dulbet er nun!— Caſimir liebt mich nicht; das wißt Ihr ſelbſt fo gut als ich!“ erwiederte ſeufzend die Herzogin. „Leider wohl!“ antwortete der Heuch⸗ ler.„Darum bewundere— beklage, wollte ich ſagen— darum beklage ich oft Euer Schickſal, das Euch an eine Marmorſäule folglich muß er Such 5 ——— 66 band, und Euch nöthigt, das kalte Gebild zu liebkoſen.— O laßt ihn immer muͤr⸗ riſch ſeyn, den ſtolzen Eheherrn, und ge⸗ nießt des Lebens veſte Freuden, da Euch noch Jugend und Geſundheit zum Genuſſe winkt. Das iſt mein beſter Rath.“ „Ein guter Rath,“ ſeufzte Anna, „doch nicht ausfuͤhrbar!“ „Warum nicht?“ entgegnete Scotus, und kuͤßte ſie, um ihr zu beweiſen, daß er die Mittel kenne, dieſen Rath auch Anna erroͤthete.„Loſer Mann!“ ver⸗ . ſie ſchamhaft, und ſtrich ihre Schwa⸗ nenhand uͤber ſeine heiße Wange.„Eure Lippen gluͤhen ja wie Feuer.— Seyd voch ruhig!“— Ihre Augen Kienen darum zu bitten. „Ruhig, wenn ich Euch ſehe?“ ſen ergluͤhend der Wolluͤſtling— da wuͤrdet Ihr der Almacht eben gut, 28 meinem 67 Verweſung: verzehre nicht! und dieſe gän 3 diger der Starken wuͤrden ihre Kraft ver⸗ laͤugnen und Euch gehorchen.“ „Was redet Ihr, Stotus?“ rief ſie ſcheinbar beſtuͤrzt.„Seyd Ihr wahnſin⸗ nig?“ „Wenn Ihr brennende, Alles verzeh⸗ rende Liebe, gereift unter der heißeren italiſchen Sonne, Wahnſinn nennt, dann ſprecht Ihr wahr!“ erwiederte Scotus mit geiler Gluth.„Aber mein Herz nennt es Liebe, heiße, kuͤhne Feuerliebe zu Euch, meine Anna, des Unwuͤrdigen wuͤrdige Gattin!“— Und niederſtuͤrzte der Luͤſt⸗ ling zu des ſchoͤnen Weibes Fuͤßen, und erfaßte ihre brennende Hand. Anna er⸗ ſchrak, aber doch nicht ſo wie die Unſchuld⸗ Die Schlange, die vor ihren Fuͤßen in ſchoͤnen Kreiſen herumziſchelte, ſchien ihr nicht Gift zu haben, das tödtet,— nicht die ſcheußliche Geſtalt, die zuruͤckſchreckt. —„Was thut Ihr, lieber guter Scotus? 12 v3 ermahnend und nur halb wider⸗ — —————— . 7 68 ſtehend die Herzogin.„Steht auf und laßt ab von ſolchen Dingen— ſoichen Forderungen!“— Scotus hatte eigentlich noch nichts geförbert; aber die liebeſeh⸗ nende Anna mochte wohl in Gedanken be⸗ rechnet haben, daß es doch zu gewiſſen Forderungen kommen wuͤrde, und deshalb redete ſie unuͤberlegt von Forderungen, die noch nicht geſchehen waren. Dem Liſtigen entging das verrathene Geſtaͤndniß nichtz er ſprang haſtig auf und umfaßte gierig die Ergluͤhende.„Heiße, gluͤhende Liebe, ſuß und berauſchend, fordre ich von Euch, meine geliebte Gebieterin— meine Goͤt⸗ tin, die mir ein unſichtharer Geiſt guͤtig in die Arme fuͤhrte!“ antwortete wolluſt⸗ athmend der Verfuͤhrer.—„Laßt mich, Verwegener!“ rief, nur ſchwach noch ſtraͤu⸗ bend, die Herzogin, und wand ſich in den entnervten Armen des Wolluͤſtlings, doch ſo, daß ſie ohne Muͤhe gehalten werden konnte.— Anna gluͤhte, Scotus ſchwelgte, — und die Tugend haͤngte den Trauer⸗ . . ————— flor um;— denn es war die Stnt welche Anna's Fall gebar.—— Lange nach Mitternacht verließ ſie erſt das Ge⸗ mach des Suͤnders, nicht mit dem frohen unſchuldigen Sinn, der ohne Liſt und Un⸗ ruhe war; ſondern mit dem aͤngſtenden Gefuͤhle einer Schuld. Ihre Knie zitter⸗ ten, als ſie durch die vervorgenen Gänge und Gallerien ſchlich, und ſie fürchtete zum erſten Mal, bemerkt und verrathen zu werden, woran ſie vorher gar nicht gedacht hatte; denn jetzt wandelte ſie auz dem Wege der Suͤnde. Menſchenſcheu und angſtvoll verbarg ſie ſich am folgenden Tage, und erbebte im Innerſten, wenn ihr duͤſterer Gemahl ſich zeigte; denn ſie glaubte, Jedermann könne ihr Vergehen auf der Stirne leſen. — Aber nicht ſo war Scotus, der ſehr viel gemein hatte mit jenem Thiere, da bei jeder Bewegung ſeine Farbe veraͤndert. 4 Froͤhlich, leichtfertig, ſcherzend trat er her⸗ vor, und unterhielt den Herzog mit n ð ———————————— ——— „ 70 gen Maͤhren und ſcandalöſen Geſchichten, um ſeine Aufmerkſamkeit zu feſſeln, damit er die nachtbeilige Veränderung an ſeiner Gemahlin nicht entdecken moͤchte; denn er ſah nur zu deutlich, welche feindſelige Em⸗ pfindungen in Anna's Buſen kämpften. Es gelang dem Gaukler auch, des.⸗Herzogs bloͤde Augen zu blenden, aber Anna's ſturmevolles Herz vermochte er nicht u beruhigen. Endlich war der unge Tag vorbei geſchlichen, und Scotus erwartete ſeine hohe Verfuͤhrte um ſo begieriger, je gewiſ⸗ ſer er hoffte, durch Wiederholung der Suͤnde und durch ſeine uͤberzeugenden Reden ih⸗ rem Perzen Staͤrke und Schamloſigkeit mitzutheilen; allein zu ſeinem Befremden erſchien Anna nicht. Der Luͤſtling ging hin und her in ſeinem Zimmer, horchte, hoffte, ſuchte die urſache warum die 1* ———— „ 71 Herzogin wohl noch nicht komme?— Aber Anna kam nicht. Sie⸗ war zu peftig von ihrem Gefuͤhle beſtuͤrmt, zu ſehr von Angſt und Furcht beunruhigt, als daßlſie ſchon heute wieder dieſe nächtliche Wallfahrt haͤtte un ternehmen koͤnnen.„Nein, ich bleibe“ rief ſie ſich ſeibſt zu und loͤſchte die Lampe —„Gute Geiſter fliehen die Strafwuͤrdige — ſie darf ihren Schutz nicht hoffen in der bangen Mitternacht.“ Sie warf ſich angekleidet aufs Lager, und durchwachte eine lange ſchreckenvolle Nacht. Scotus ergrimmte ob dem Ausblei⸗ ben der Herzogin.„Entweder,“ rief er zornig,„kommt Anna iörgen, oder ich ver⸗ laſſe uͤbermorgen den dummen Herzog!“ So war denn alle Hoffnung verſchwunden, und der Wollüſtige mußte fur dieſes mal ſeine Begier mit Troſtſpruͤchen zur Ruhe verweiſen. Hingeworfen auf ſein Ruhe⸗ polſter, ſchnarchte er lange noch, als ſchon⸗ die Sonüe mittägliche Waͤrme auf die Erde herab ſtrahlte.— ——— —— die eine und die naͤmliche Handlung auf die Menſchen macht. Einer fuhlt Angſt⸗ weil er ſo handelte, und weiß der innern ſtrafenden Stimme nicht zu entgehen; in⸗ dem der Andere bei der naͤmlichen That Freude und Zufriedenheit genießt, und etwa nur die Entdeckung und das Schwert der Gerechtigkeit fuͤrchtet. Die erſten Grundſätze von Recht und Unrecht, von Tugend und Laſter, dem Kinde eingeprägt und die damit verbundene Lebensart, Sit⸗ ten und Gewohnheiten werden wohl die Urſachen dieſer Verſchiedenheit ſeyn, und den ſcheinbaren Widerſpruch loͤſen. Ob es aber fuͤr das allgemeine Wohl der Men⸗ ſchen nicht beſſer waͤre, wenn dieſes Ge⸗ fühl von Recht und Unrecht, von guten und böſen Handlungen, vom Schicklichen und Unſchicklichen ſorgfältiger als gewoͤhn⸗ ic gewartet, und in die jugendlichen Her⸗ zen ein zepraͤgt würde, iſt eine ganz andere Se die der beishend 73 beantworten muß. Ohne dieſe Mißbili⸗ gung der böſen Handlungen faͤllt Tugend und Rechtſchaffenheit im Werth, gleich ei⸗ ner veralteten Waare,— und wie dieſe fallen, ſteigen die Preiſe jener Modeortikel, Irreligioſität, Steſie Koketterie und Leichtſinn.— Mißvergnuͤgt erſchien Scotus am fol⸗ genden Tage vor dem Herzoge, und bat um Erlaubniß, uͤbermorgen abreiſen zu duͤrfen, weil wichtige Geſchaͤfte ihn an ei⸗ nen andern Hof riefen, die er unmöglich vernachlaͤſſigen koͤnnte.—„Ziehet hin in Gottes Namen!“ entgegnete der Herzog, und leerte ohne die geringſte Gemuͤthsver⸗ aͤnderung einen vollen Pokal, der eben vor ihm ſtand.— Aber auf die junge Herzo⸗ gin machte der ploͤtzliche Entſchluß ihres Lieblings— das war Scotus geworden — Coburg zu verlaſſen, den tiefſten Ein⸗ druck. Sie war zu ſehr erſchrocken, zu ſehr aus aller Faſſung, als daß ſie ver⸗ mögend geweſen waͤre, ſchickliche und 7 74 rebdende Worte vorzubringen.—„So danke ich denn Euer Durchlaucht ſehr fuͤr alle mir erwieſene Gnade, und widme Euch in Zukunft meine Dienſte!“ endigte Scotus, indem er ſeinen Ruͤcken tiefer beugte.—„Ziehet hin in Frieden, wenn es Euch beliebt,“ verſette der truͤbſinnige Herzog,„und bleibt an meinem Hofe, wenn Ihr wollt.“— Scotus dankte eil⸗ fertig der Herzogin noch fuͤr die ihm er⸗ zeigte Gnade, und entfernte ſich mit be⸗ deutenden Seitenblicken, welche ſie alle wohl verſtand.— Auch Anna ſuchte die Einſamkeit, und Caſimir war froh, die läſtigen Schwätzer los zu ſeyn, dehnte ſich behaglich in ſeinem Lehnſtuhle und leerte tit Flaſche. — Anna war traurig, ſann hin und her, und konnte die wahre Urſache der ſchleu⸗ nigen Abreiſe nicht finden.„Vielleich 75 zurnt mir der ſchöne Italiener,“ ſprach ſie zu ſich ſelbſt—„weil ich geſtern nicht 6 erſchien? Vielleicht treibt ihn Scham und Reue fort?— Vielleicht?— Ja, es iſt beſſer, wenn er reiſet!— Aber ihn nicht wieder ſehen, den ich liebe? der mir hei⸗ ßer Liehe Suͤßigkeiten ſchenkte?—— Nein, ich muß ihn ſehen! zum letzten— letztenmale!“ So zweifelte, ſo kaͤmpfte die liebekranke Anna mit ihren eigenen Em⸗ pfindungen; aber die Zauberkuͤnſte des Ita⸗ lieners hatten, gleich dichten Nebeln, ihre Denkkraft umzogen, daß ſie Gluͤck und Un⸗ gluͤck, und die Wege zu beiden nicht mehr unterſcheiden konnte. Kaum war alles ruhig— kaum hatte der Bruder des Todes ſeine Schale Mohn⸗ ſaft ausgegoſſen, ſo eilte auch Anna mit ſchnellen Schritten zum Letztenmale, wie ſie glaubte, in die Arme des zaͤrtlichen Scotus, der mit luͤſterner Gier auf ſie lauerte. Wie hoch ſchwoll ſeine Bruſt— wie ſtuͤrmte ihm das Blut ſiedend hinauf ————————————— 3* e 76 ins Antlitz, als er leiſe Fußtritte, das rauſchende Nachtgewand, und die unter⸗ ſuchende Hand an der Klinke ſeiner Thuͤre gewahrte! Sie oͤffnete ſich, und Anna trat im leichten Nachtkleide, wie wohlthaͤ⸗ tige Huldgoͤttin, herein. Furcht und Haſt hatte die rothe und weiße Farbe unnach⸗ ahmlich ſchoͤn auf ihren Wangen vermiſcht, und ihre reizende Schoͤnheit wurde noch durch wehmuͤthige Mienen mehr erhoͤht als vermindert. „Ich ſollte Euch zuͤrnen, und doch komme ich zu Euch!— Scotus, warum wollt Ihr mich verlaſſen? Ihr kennt mein Ungluͤck, Ihr kennt die Grauſamkeit des Herzogs— und doch verlaßt Ihr mich?“ — Mit unnachahmlich wehmuͤthigem Tone klagte ſie dieſe Worte heraus. Scotus. Muß ich nicht, holde Ge⸗ bieterin? Lange harrte ich geſtern— der Morgen fand mich ohne Schlaf,— aber meine theure Anna erſchien nicht!— Anna Cverſchaͤmt). Ich wollte und Der Prieſter mag Tugend nennen, was 77 konnte nicht. Was mein Herz gelitten— wie es gekaͤmpft hat einen fürchterlichen Kampf!—(Sich an ihn ſchmiegend). War es nicht Suͤnde?— 8 Scotus(lächelnd). So nennen es die Menſchen— Anna(ſeufzend). Und mein Herz— Scotus. Dem in der Jugend Vor⸗ urtheile und Woahnglaube eingepraͤgt wur⸗ den. Und dies wäͤre die Urſache, warum Ihr mich nicht begluͤcken wolltet?— O gewiß, ich hielt Euch fuͤr weiſer und kluͤ⸗ ger, als daß dieſe Kleinigkeit Euer tu⸗ gendhaftes Herz beunruhigen koͤnnte! Anna. Iſt es noch tugendhaſt?— Die Tugend hat uns verlaſſen, mein Sco⸗. tus— wir ſind wohl ungluͤcklich!— Scotus. Die Natur iſt eine Toch⸗ ter Gottes, meine Liebe! Was ſie gebie⸗ tet, iſt recht; was Recht iſt, iſt Tugend. ihm gut duͤnkt; ich nenne Tugend, was vie Natur gebietet.—(Ihre Wongen ſtreichelnd). Bannt dieſe aͤngſtlichen Zwei⸗ fel von Euch, meine Theure! es ſind Ge⸗ ſpenſter der Einbildung, Moͤrder des Men⸗ ſchengluͤcks. Laßt uns des Lebens beſte Freude genießen, bis die Natur es verbie⸗ tet. Bald wird herbſtliche Luft dieſe Sei⸗ tenlocken bleichen, dieſes ſiedende Blut kuͤh⸗ len, und dann uͤbt immer auch die Tugend der Prieſter; denn alsdann erlaubt es Euch die Natur. Anna. Aber die Welt? mein Ge⸗ mahl?— Johann Caſimir zertritt die un⸗ gluͤckliche 2 wenn er deß Si ah⸗ net. Scotus. Cr ſo und darf nichts ahnen. Bei allem was Euch heilig iſt, bei den unſichtbaren Geiſtern beſchwoͤre ich Euch: laßt Eure Gnade fuͤr mich, die ich ſo gerne Liebe nennen moͤchte, nicht be⸗ merken. Seyd finſter, abgeneigt, ſpoͤttiſch gegen mich; nur vergeßt nicht, in der mitternaͤchtlichen Stunde Euern treuen Diener zu begluͤcken.— 33 — u M —8 ————————— —.————— —————— 79 . Anna(zaͤrtlich). Ach, mein Freund! Ihr wollt ja aber morgen ſchon abreiſen. Scotus(ſie umfangend). Wie koͤnnt ich Euch jetzt verlaſſen? wie koͤnnt ich gluͤcklich ſeyn ohne Euch?— O dieſe Welt iſt ohne lebende Weſen, und mir in der That ein Thal des Jammers und Elendes, wenn ich ohne Euch ſeyn und leben ſoll! Anna(kokett). Man hoͤrt es an Eu⸗ ren Schmeichelreden, daß Ihr ein Italie⸗ ner ſeyd. Scotus(feurigg). Ha! dann be⸗ daure ich die armen Deutſchen, wenn ſie ſo ſtumpf ſind, daß ſie nicht einmal die Sonnenſtrahlen Eurer Augen, die ſanfte Morgenroͤthe Eurer Wangen fuͤhlen. Der gerade Mann, der ich zu ſeyn mich rüh⸗ me, muß doch reden, wie er fuͤhlt! Und das nennt Ihr Schmeichelreden? Anna(lächelnd). Ihr ſollt denn Recht haben, loſer Schwätzer!„ Scotus, Ich tie vntic wör 6 liebe Anna!“ entgegnete Scotus, und um⸗ ſing ſeine ſchoͤne Gefangene mit wolluſii⸗ e Gier—— Aber herab rolle der Vorhang uͤber die unkeuſche Gruppe!——— Mit jedem Tage, vielleicht auch mit jeder Nacht, wuchs die innige Vertraulich⸗ keit der beiden Liebenden. Es verging ekeine Nacht, wo nicht Anna ohne Mah⸗ nung das Gemach des Italieners ſuchte. Sie vergaß dabei, daß ſie deshalb kam, um durch die Zauberkunſte jenes Betru⸗ gers Fruchtbarkeit zu erlangen, und Sco⸗ tee auch ſein Gaukelſpiel, das eine weit angenehmere Unterhaltung un Verführten. Der ſchöne Anna in ſein Gemach und in Arme gelockt hatte; denn er — — 81 leichtſinnige, bethörte Weib, handelke nicht allemal ſo vorſichtig, wie es ihr Scotus gelehrt hatte. Ein Wort, ein Blick, raſch und innig auf den Italiener geworfen, ver⸗ rieth manchem Hoͤfling mehr, als je haͤtte ofſenbar werden ſollen. Man ſprach ſchon in vertrauten Zirkeln von dem geheimen Ein⸗ verſtaͤndniſſe der Herzogin mit dem Gauk⸗ ler, und harrte mit heimli cher Schaden⸗ freude auf den Augenblick, wo Caſimir die Augen offnen, und den Betruͤger ſei⸗ ner Rache opfern wuͤrde. Dieſer Muthmaßung gab das Geruͤcht beinahe Gewißheit, daß die Herzogin nächtli cher, Weile auf der Gallerie leiſe hin wandelnd zu dem Zimmer des Ita⸗ lieners geſehen worden ſey. Dies fand nun allgemeinen Glauben, was man bis⸗ her nur vermuthet hatte. Dem Scharfblick des Sotis konnte dieſes ungünſtige Ereignißz nicht 6 entgehen. Er ſah wohl ein, daß ſeine Freiheit und vielleicht ſein Leben auf dem 82. Spiele ſtehe, ſobald dieſe geheimen Zu⸗ ſammenkuͤnfte entdeckt wurden. Aller ſei⸗ ner Ermahnungen ungeachtet, wurde Anna immer unvorſichtiger— denn Liebe macht blind, und der Blinde iſt unvorſichtig. Er bat und beſchwor ſie, uͤber Zunge und Auge zu wachen,— aber ſie ver⸗ mochte nicht, ihr Verſprechen zu halten. Auch die naͤchtlichen Beſuche wollte er ver⸗ mindern, und nach und nach ganz einſtel⸗ len; allein alle ſeine Bemuhungen waren umſonſt: Anna kam gegen ſeine Wuͤnſche, und drang ſich oft wider ſeinen Willen in ſein Schlafgemach— denn jede gute Pflanze war vom Mehlthau der Luſt in ib⸗ rem Herzen verdorrt, und nur die einzige Diſtel der Wolluſt bluhete im verodeten Lande. „Ich laſſe Euch nicht los, trauter Scotus!“ ſprach die oft verleitete Anna, wenn ſie merkte, daß er aͤngſtlich die Stunden zaͤhlte, und ſie zum Abſchiede mahnte.„Ihr lehrtet mich die Süßigkeit 8 5 * 83 der Liebe kennen,— ſchenkt mir nunmehr auch noch eine Stunde des Vollgenuſſes der Wonne!“—„O wie gluͤcklich bin ich⸗ wenn mich die Luft umfließt, die Ihr ath⸗ met!“ ſchmeichelte Scotus mit erheuchelter Freundlichkeit.„Aber die Hähne rufen den Morgen ſchon aus. Daß uns nur Niemand belauſcht— Nemand Euren Heimgang entdeckt!— Gott! wir waͤren Beide verloren!“—„Mir bangt nicht bei Euch!“ rief die gluͤhende Anna—„In Euren Armen fuͤrchtet Anna nicht die Hand des Raͤchers— ſelbſt nicht den Tod!“— Scotus aber ſchien wirklich den Tod zu furchten, denn er ermunterte ſie ernſtlicher, als zuvor, zur Ruͤckkehr, und ſie mußte endlich ſeinen Bitten Gehoͤr geben. Der Italiener ſoh denn nun wohl ein, daß es bei dieſen Umſtaͤnden„nicht rathſam ſey, in der Ehrenburg lznger zu verweilen; aber wie er ſich oömachen ſollte, ohne entdeckt, durch Anna ſelbſt ver⸗ rathen zu werden, das war ein Rachſel⸗ 84 welches er nicht zu loͤſen vermochte. Lang⸗ ſann er auf Liſt und Betrug und auf heimliche Flucht; aber alle Verſuche konn⸗ ten fehl ſchlagen, und er dabei um Frei⸗ heit und Leben kommen, welches ihm ſo theure Guͤter waren. Nachdem er ſich lange mit den Entſchluſſen und Mitteln zur Flucht berumgequaͤlt hatte, ſchlug er einen Weg ein, der ihm in ſo fern die groͤßte Ehre machte, als er ein Beweis von der genauen Kenntniß des weiblichen Herzens iſt; aber im Gegentheil zur groͤß⸗ ten Schande gereicht, weil er ein Zeuge der Sittenloſigkeit und verſtellter Bosheit iſt. „Ich muß mich losreißen,“ ermahnte ſich Scotus,„es koſte was es wolle! Anna liebt mich ſo ſehr, daß ſie alles verraͤth, undmich um Freiheit und Leben bringt, ich m& oͤffentlich oder heimlich abreiſen. Sie zed. Glauben an meine Liebe, wenn ich ſie ver aſſe;— ſie umſtricke neue Liebe, und ße vei gißt mich in den Armen des neuen Buhle ſchluß des h l⸗ chen er mit der groͤßten Behutſamkeit aus⸗ führte. Es war ein Meiſterſtück der Liſt und Boöheit. „ n1“— Das war der Ent⸗ eimtuͤckiſchen Gauklers, wel⸗ —— — Am Hofe des Herzogs zu Coburg lebte ein junger Mann, aus einer alten Ritterfamilie entſproſſen, die ſtolz auf ihre Tugenden und ihre großen Männer bisher geweſen war. Dieſer Juͤngling, Utrich von Lichtenſtein genannt, beſaß in der That alle Eigenſchaften, um Liebe in der Bruſt eines fuhlenden Weibes zu erween 8 Er ſtand in den Blüthenjahren des rei⸗ ſenden Juͤnglings, war reizend ſchoͤn, voll⸗ kommen und maͤnnlich, und vereinte mit der Schoͤnh und Pracht. eit ſeiner Geſtalt Zierlichkeit Er war ein Gegenſtand der Bewunderung und des Wohlgefallens al⸗ ler Frauen, die ihn ſahen; und zu ver⸗ —— 7 £ 85 wundern war es allerdings, daß Anna dieſen Füngling ſo wenig bemerkt hatte, da er doch gewiß eher Liebe einzufloͤßen faͤhig war, als ein Mann, deſſen hagere Geſtalt ein ſicherer Zeuge ſeiner Schwel⸗ gerei und Ueppigkeit war. Scotus erkor dieſen Juͤngling zum Werkzeuge ſeiner Heimtuͤcke; denn er hoffte durch ihn am ſicherſten ſeine Abſicht zu erreichen. Aber dieſe Sache einzuleiten, einen Andern zum Liebhaber umzuſchaffen und ihn dann an ſeiner Statt unterzuſchieben, das war nur dem Genie dieſes Betruͤgers moͤglich, und koſtete größere Muͤhe und Aufmerkſamkeit, als alle jene magiſchen Spielwerke, die früherhin die Herzogin bethörten. Um zu ſeinem Zweck zu gelangen, ſuchte Scotus vor allen Dingen die Be⸗ kanntſchaft und Freundſchaft Ulrichs von Lichtenſtein zu erringen, welches dem viel⸗ ſeitigen Manne, der alle Formen der Tu⸗ gend und Gottloſigkeit annehmen konnte, bald gelang. ulrich glaubte einen — —— Freund und Biedermann zu gewinnen, und erhielt einen Betruͤger, der ihn ſeines Vortheils wegen zu eben den Uebelthaten verfuͤhrte, die er ſelbſt bisher begangen hatte. Ulrich von Lichtenſtein war kein Wei⸗ berhaſſer. Er liebte den Uumgang ſchoͤner Frauen, und war auch wohl bei ihnen ge⸗ duldet; aber ſelbſt der Neid und die Miß⸗ gunſt konnten bisher ſeinen Namen und ſeine Tugend nicht zweideutig machen.— „Deſto beſſer!“ dachte Scotus—„ſo faängt der erſte Funke, der gerade in ſein Herz fällt.“— 5 ulrich beſuchte jetzt fleißig ſeinen neuen Freund, und Scotus hielt ihn mit angenehmen Geſprächen einmal laͤnger als gewoͤhnlich auf⸗ Zufaͤlligerweiſe, wie Ul⸗ rich glaubte,— denn Scotus war vom Gegentheil uͤberzeugt,— erſchien auch die Herzogin. Es war kurz vor Mitternacht, bis Anna behende peteintrat, und Scotus in die Arme eilen wollte. Anna erſchrak, Ulrich erbebte, Scotus läͤchelte.—„Seyd herzlich uns willkommen, theure Herzogin!“ nahm Letzterer das Wort—„und erſchrek⸗ ket nicht ob dieſem jungen Manne; er iſt mein vertrauteſter, innigſter Freund, der alle meine Geheimniſſe wiſſen darf.“ „Doch nicht die meinigen!“ rief Anna etwas erzurnt, und wollte ſich entfernen; aber Scotus heelt ſie zuruͤck, und Ulrich entſchuldigte ſich, ſo gut er in der Eile vermochte. Die Herzogin ſchwieg;— aber Sco⸗ tus ſchwatzte fort, erzahlte Geſchichten und Neuigkeiten, die noch geſchehen mußten, wenn es Neuigkeiten ſeyn ſollten, und ließ der Herzogin Zeit, zu üͤberlegen, daß gute Worte in dieſem Falle nuͤtzlicher als wären, Gehorſam beſſer als Befehl. hdem ſie dieſe Bemerkungen gemacht hatte, betrachtete ſie von der Seite den Freindling, und fand ohne große Muͤhe, daß er ein ſchön gebildeter und kraftiger Juͤngling ſey. Bei dieſer zweiten Be⸗ „— — —— 89 ⸗ merkung erheiterte ſich ihr Auge, und die ſchwärzlichen Bogen dehnten ſich weiter aus, wie ſchwarze Wolken, welche die Sonne umlagert hatten, ſich weiter herum⸗ ziehen, wenn ſie ein kuhlender Veſtwind fächelt.— Scotus entging kein Blick von . dem allen, und ſchon hatte er in Gedan⸗ en auf der einen Seite geſiegt; aber auf der andern hatte er freilich mehrere Hin⸗ derniſſe zu bekämpfen, wie er ſelbſt wußte. — Nur eine halbe Stunde verweilte die Herzogin und verließ dann das Gemach des Betrügers, indem ſie dem Ritter noch zurief, keine Sylbe von ihrer Anweſenheit auszuplaudern, ſo lieb ihm ſein Leben waͤre, —„ Ulrich(wie einer Erſcheinung ihr nachſtarrend). Was war das, Scotus? Scotus(lächeind). Die Herzogin Anna, wenn Ihr recht ſahet. 90 Ulrich. Kaum trau' ich meinen Augen!— Scotus. Ihr habt in der That recht geſehen, lieber Freund! Ulrich. Und was macht ſie hier bei Euch um Mitternacht, wenn ich fragen darf? Scotus(mit Bedentung). Gebt Euch die Antwort ſelbſt auf Eure Frage. Ulrich. Meine Antwort wuͤrde Euch vielleicht ſehr kuͤhn ſcheinen. Scotus. Deſto beſſer! Ein Beweis, daß ich gläͤcktich bin, und Ihr mir mein Gluͤck nicht goͤnnt. 3 Ulrich(warnend). Ein Gluͤck, gelegentlich den Kopf koſten kann! Scotus. Wer alle Gefahren im Ge⸗ nuß der Freude berechnen wollte, wuͤrde uber der Rechnung die Freude ſelbſt vergeſſen, und keine Fliege ohne Todesfurcht verſchlingen koͤnnen.— Laßt uns nicht reden, ſondern genießen!— Ulrich. Das mag vielleicht in N 9¹ Welſchlond Sitte ſeyn; der Deutſche rech⸗ net erſt, und genießt dann den Ueberſchuß. Scotus. Da wird leider nicht viel ubrig bleiben! ulrich(ernſt). Aber das Wenige ſchmeckt ihm doch gut, weil er weiß, daß Freiheit und Leben dabei geſichert ſind. Scotus Cacht ſpöttiſch). Eine ſchoͤne Moral! freilich gedeiht ſie nur unter fro⸗ ſtigen Himmelsſtrichen. ulrich(rocken). Kann wohl ſeyn⸗ uurrich von Lichtenſtein ging unzufrie⸗ Pn uber dieſe Begebenheit, und unſchlüſ⸗ ſig, was er beginnen ſollte. Bald war er Willens, dem Herzog den ganzen Vor⸗ gang zu entdecken; bald fuͤrchtete er die Rache des Italieners; bald ſah er Anna auf dem Blutgeruͤſte— und ſo quälten ihn die ganze Nacht hindurch ängſtigende Gedanken und Zweifel.. 92 Scokus ſuchte fruͤh die Herzogin auf, und entdeckte ihr, daß utrich zu fuͤrch⸗ ten ſey wenn er nicht in ihr Netz ver⸗ wickelt wuͤrde.„Der Thor,“ ſetzte er hinzu,„wäre faͤhig, unſer ſchoͤnſtes Ge⸗ heimniß zu entdecken, und dann wehe Euch und mir!“— Anna erbebte abermals; denn was Scotus ſagte, waren immer noch Hrakelſpruͤche, die der Grieche ſeiner delphiſchen Prieſterin nicht treuer glauben konnte.—„Laßt mich hur machen, Theure!“ endigte er ſeine Rede— Ich will den maͤnnlich ſchoͤnen Juͤngling ſchon fan⸗ gen; er ſoll unſer Geheimniß gewiß nicht ausplaudern. Beſcheidet ihn nur zu u und laßt mir die Sorge.“ Die Herzogin folgte. Ulrich erſchien, neigte ſich tief vor ſeiner Fuͤrſtin; doch keck trat Scotus hinzu, fuͤhrte ihn naͤher hin zur Herzogin, legte die Hand des Füͤnglings in die ihrige, und verließ, ohne ein Wort zu reden, das Gemach.— Eine , harte Probe für den unſchuldigen Jüngling! 93 Jetzt noch haͤtte er gewiß ſeinen Mantel in der Hand der ſchoͤnen Anna zuruͤckge⸗ laſſen, und wäre geflohen, wie weiland der keuſche Joſeph der noi Poti⸗ phar. 3 ulrich ſtand da wie ein Schulknabe, der ſeine Lection vergeſſen hat, und den Stock des lateiniſchen Zuchtmeiſters fuͤrch⸗ tet. Er wußte nicht, wie ihm geſchah⸗ und was er beginnen ſollte. Hätte ihn die Herzogin am Mantel gefaßt, ſo hätte er doch das Gewand zuruͤcklaſſen und flie⸗ hen koͤnnen; aber leider hatte ſie ihn bei der Hand,— und eine weiche warme hat eine außerordentliche Kraft, ie die Erfahrung ſchon ſo Manchen lehrte⸗ So ſtand der arme Ulrich da; aber Anna beſchaute mit Luſternheit den ſchoͤnen Juͤng⸗ ling, und entbrannte gegen ihn mit un⸗ gewoͤhnlicher Begier. Eben beſann ſich die Herzogin, wie ſie das Geſpraͤch ein⸗ leiten wollte, um den Ritter zu kirren,— und ſie wuͤrde ſicher die Su S 8—. 8*—— 2———— — 5 2 4 6* . Schamhaftigkeit deſſelben mit bitten Spottreden verfolgt haben, welches ſchon vorher der luͤſterne Blick, der den Jüng⸗ ling traf, und der ſanfte Feuerdruck ihrer Hand verkuͤndigte. Ulrich bielt nicht lange aus im Feuer, ſondern zog ich in aller Haſt, und ohne die Ehrfurcht zu beobach⸗ ten, die er ſeiner Fuͤrſtin und noch einer ſo ſchoͤnen Frau ſchuldig war, zuruck. „Eure Durchlaucht werden gnädigſt ver⸗ zeihen!“ rief er zerruttet— ich kann hier nicht weilen.“ Und ſo wand er ohne weitere Umſtaͤnde ſeine Hand aus der ihrigen los, und eilte ſchleunig davon. Ergrimmt verfolgte Annä's Blick de Jüͤngling, der Muth genug beſaß, den Reizen und Lockungen eines ſchonen lü⸗ ſternen Weibes zu widerſtehen und zu entfliehen„Und dennoch ſollſt Du meine Wuͤnſche befriedigen, ſtolzer Thor!“ ſprach ſie entſchloſſen—„wenn dieſe Roſen noch bluͤhen und dieſes Auge noch ſtrahlet!“— Anna kannte die Waffen, die ſie bisher 95 gebraucht hatte, zu gut, als daß ſie an dem beſten Erfolge einen Augenblick haͤtte zweifeln ſollen. Indeß koſtete es doch meh Mähe, und forderte laͤngere Zeit und Beha chkeit, als ſie anfangs gloubte. — Uuie ſah die Gefahr in ihrer ganzen fuͤrchterlichen Groͤße, welcher er entgegen ging, ſobald er in einen vertrauten Um⸗ gang mit der Herzogin verwickelt wurde, und vermied daher alle Gelegenheit, Anna zu ſehen oder in ihr Gemach zu kommen; allein Anna arbeitete dieſem Entſchluſſe gerade entgegen. Sie draͤngte ſich, ſo oft ſie konnte, dahin, wo Ulrich ſich befand; ie beſchied ihn oft ſogar im Beiſeyn des Herzogs in ihr Gemach,— und er mußte gehorchen, wollte er die Rache der Her⸗ zogin nicht reizen. Scotus freute ſich uͤber dieſe glückliche Veränderung der Herzogin, die er ſorg⸗ 96 faͤltig bemerkt hatte, und ſchloß aus den ſparſamen naͤchtlichen Beſuchen, daß An⸗ na's verleitetes Herz— mit einem an⸗ deren Gegenſtande beſchaͤftigt ſey, und demnach ſeine Abweſenheit, ohe 3 ver⸗ bluten, wohl werde ertragen k. ½. m ganz ſicher zu gehn, verſprach er noch der Herzogin bald wieder zu kemen, und dann mit ihr nach Welſchlalb zu fliehen. Die Herzogin glaubte dieſer Vorſwiegelung mit vieler Gutmuͤthigkeit, oder heuchelte wenigſtens dieſen Glauben an ſeine Red⸗ lichkeit.— „Alſo wollt Ihr doch ſcheiden, lieber Scotus?“ ſprach Anna bewegt—„och die ungluͤckliche Anna verlaſſen, die ih Liebſtes Euch hingab?“ Scotus. Gewiß, theure ich wuͤrde Euch niemals verlaſſen, wenn das Geſetz der Notbwendigkeit nicht geböte! Wie ſollte ich den Ort gerne verlaſſem, wo ich die Schoͤnſte und Lieblichſte ihrets Ge⸗ ſchlechtes umfaßte und der Freuden jUeber⸗ 97 rafen mich von meiner Theuren ab; aber vald will ich wieder bei Euch ſeyn. Anna. Gewiß? Stetus. Koͤnntet Ihr zweifeln? Und dann welche Freude des Wiederſehens! dann will ich Euch an dieſes lautklopfende erz drücken, und Euch nie mehr aus dieſen Armen laſſen!(Umarmt ſie). Anna. So ſey es denn, wenn es ſeyn muß!— Kommt aber bald wieder, mein Theurer! verſprecht und ſchwoͤrt mir das! Scotus. Bei dem unſichtbaren eiſte, der mich in Eure Arme fuͤhrte, 1 ſchwoͤre ich Euch baldige Ruͤckkehr! nnn Wie langſam wird mir die Zeit vorüber ſchleichen!— wie viele Thraͤ⸗ nen werden dieſes Auge trüben, bis Ihr wieder kommt!— Scotus. Und doch kenne ich Einen, der dieſe Thraͤnen trocknen, und den klei⸗ nen Verluſt, den Ihr durch meine Abwe⸗ maß bei ihr genoß?— Vichtige Geſchäſte ſenheit etwa erleidet, ſetzen wird. Anna(erröthe. Ihr Gee zur Unzeit! Scotus. Der Scherz erteichtert den Kummer in der herben Abſchiedsſtunde. Ich meine nur ſo, liebe Anna! Ulrich von Lichtenſtein iſt ein wohlgebildeter Juͤng⸗ ling, der verlaſſene Frauen in der Ein⸗ ſamkeit ſchon troͤſten kann. Anna(ſehr verlegen). Das mir, Scotus, dem ich Alles hingab?— Dieſen Vorwurf verdiene ich nicht. Scotus. Wie koͤnnt Ihr dieſen reichlich Euch Scherz als Vorwurf nehmen? Fuͤhrte Euch nicht ſelbſt den holden Juͤngling zu?— Ohne Mittheilung, ohne Freund⸗ ſchaft, ohne Liebe iſt das Leben wieklich einer Gefangenſchaft gleich, und dohne den Gebrauch bieſer wohlthätigen Nittel, welche die Natur verordnete, ſchwindet die Ge — ſundheit und der frohe Muth, der Kum⸗ 8 mer nagt die Bluͤthen, und die Thränen bleichen die welkenden Wangen. Ich fürch⸗ 99 tete wirklich, Anna moͤchte den Verluſt des geſelligen Umganges nicht ertrogen; 5 darum fuͤhrte ich den jungen Ritter in ihre Arme— und darum lehrte ich ſie, auch ohne mich gluͤcklich zu leben. Anna(beleidigt). Spart Eure Weis⸗ heit, Scotus, und ziehet hin, um andere — Frauen in Eure Zaubernetze zü verſtricken. Scotus(ſchmeichelnd). Seyd nicht ungnädig, holde Gebieterin! Es ſteht ja in Eurer Macht, ulrich den Abſchied wie⸗ der zu geben, und einſam zu leben.— Nur Eine Bitte gewaͤhret mir noch⸗ ehe ich Euch verla ſſe. Anna(heftig). Keine mehr, ſo lange ich athme!— O hätte ich Euch nie ge⸗ ſehen; nie Euren Taͤuſchungen, Euren ma⸗ Gaukeleien gelauſcht! Verfuͤhrt verloren meine Unſchuld, meine klagt das Gepiſſen gegen meine von Eu ſtraft mich mit Kummer und Angſt!— rin nennt mich Ehebrecherin, und 100 Scotus(will ſie kuͤſſen). Anna! trautes Weib! wie kommen dieſe Zweifel, dieſe Vorurtheile des Poͤbels wieder in Eure erhabene Seele?. Anna(ihn wegſtoßend). Belce Mann der Suͤnde!—— Nach langem Zwiſte ſoͤhnte ſich doch die betrogene Anna mit dem Verfuͤhrer wieder aus, und verſprach ihm endlich, bei ſeiner Ruͤckkunft Coburg heimlich zu ver⸗ laſſen, und mit ihm nach Italien zu ent⸗ fliechen.—„H wie wollen wir da gluck⸗ lich ſeyn, Arm in Arm herumwandeln in den lachenden Gefilden, und uns allein genug zu unſerm Gluͤcke ſeyn!“ ſprach* dann Scotus heuchelnd, und war froh, das Gewiſſen des ſchwachen Weibes aber⸗ 1 mals eingeſchlaͤfert zu haben.— Ob Anna ſeine Wiederkunft wirklich erwartete und hoffte, und den ernſtlichen Wunſch hegte,: mit ihm zu entfliehen, war ſehr zu be⸗ zweifeln; denn ſie hatte Zeit gehabt, aufs* Neue zu bemerken, daß 5 reizende Utrich —— — Diener, wenn er 401 die Stelle des abgelebten Scotus gut er ſetzen wurde. Darum ſchien ſie nur den Reden des liſtigen Mannes Glauben zu geben, um ihn nur zu uͤberreden, daß ſie ganz an ihm hange, und ohne ihn nicht leben könne.— Jetzt trat utrich von Lich⸗ tenſtein herein, um ſeinem vermeinten Freunde das letzte Lebewohl zu ſagen.— Anna's Antlitz rothete ſich höher bei dem Anblicke des Juͤnglings, der uͤber die Ge⸗ genwart der Herzogin nicht mehr wie ehedem erſchrak; denn ihre Zuſammenkuͤnfte mit dem Italiener waren ihm kein Ge⸗ heimniß mehr.„Verzeiht gnädig Eurem zur Unzeit kommt! Auch iſt mein Geſchaͤft ſogleich beendigt;“ ent⸗ ſchuldigte ſich der Juͤngling—„denn ich wollte meinem Freunde nur Lebewohl ſa⸗ gen.“ 6 „Das war auch meine Abſicht!“ fiel Anna ein, um zweideutigen Zweifel zu töſen, der auf Unichs Stirne ſtand.— „Zu ubergroße Huld⸗ theuerſte Gebieterin! 102 zu vfel Freundſchaft, Herr Ritter!“ nahm Scotus das Wort, und rettete durch ſeine wohlangebrachte Geſchwaͤtzigkeit die Her⸗ zogin aus einer großen Verlegenheit; Ul⸗ rich aber ließ er Zeit, die Reize der ſchoͤ⸗ nen Fuͤrſtin zu muſtern.— Noch lange zögerte Anna's ungewiſſer Fußtritt, ehe er uͤber die Schwelle trat, nicht Scotus wegen,— denn dieſer hatte ſeinen Platz in ihrem Herzen dem maͤnnlich ſchoͤnen Uhich uͤbergeben,— ſondern um jenen wohlgeſtalteten Juͤngling noch laͤnger be⸗ aͤugeln, und e Verdienſie abwaͤgen zu koͤnnen. Scotus verließ am folgenden Tage Johann Caſimirs ſtattliche Ehrenburg, um in andern Gegenden ſeine betruͤgeriſche Rolle von Neuem zu ſpielen. Nie kam er wieder zurück nach Coburg. Anna beklagte zu ſpät,„ſeinen Vorſpiegetungen geglaubt, ½ ſeinen Lockungen gefolgt zu haben; allein Thraͤnen und Bußpſa⸗ X —— — —————— 103 men konnten doch die Vergangenheit nicht zur Gegenwart, das Geſchehene nicht un⸗ geſchehen machen.——— —————————— Zweiter Abſchnitt. . Sco tus war dahin gezogen, und Anna war ſich nun ganz allein uberlaſſen. Die Liſt und Verſchlagenheit des Italieners verwöhnte Weib ganz ohne Fuͤhrer und Freund, und folgte unvorſichtig ihren 6 Wuͤnſchen und Leidenſchaften.— Scotus um ihn picht lange fließen wuͤrden, denn 1 hatte bisher die Herzogin geleitet, und ſie vor mancher unvorſichtigen That ge⸗ ſichert, aber jetzt war das leichtſinnige hatte Recht gehabt, daß Anna's Thränen 6 ſie verſiegten ſchon am erſten Morgen nach ſeiner Abreiſe, und ſie ſann auch ſchon ——— —,——— 405 darauf, wie ſie ihren neuen Liebling, den Ritter ulrich von Lichtenſtein, ganz in die Netze ihrer Leidenſchaft verſtricken wollte. Stets ergriff ſie jetzt die Gelegenheit, um den Ritter zu ſeyn; auch erdreiſtete ſie ſich, ihn auf ihr. Gemach zu beſcheiden. — Scotus hatte am Hofe des Herzogs verſchiedene Kartenſpiele eingeführt, die vorher noch ganz unbekannt waren; auch unich war ein Schuͤler des Gauklers ge⸗ weſen; Anna wußte dies, und noͤthigte ihn oft, mit ihr zu ſpielen.— Der Her⸗ zog billigte dies Vergnügen; denn er wurde doch wenigſtens dadurch von Anna's laͤſtigen Beſuchen befreit. Ob er ihre Ab⸗ ſicht mit Ulrich vielleicht ahnete und ſie in ihrer eignen Falle fangen wollte, iſt unbekannt; wenigſtens konnte ein ſolcher Verdacht bei ihm gar wohl entſtehen, weil dem Fuͤrſten unmoͤglich unbekannt ſeyn konnte, was der ganze Hof ſchon wußt. Utrich empfand ſelbſt etwas ſin Auns 406 das der Liebe ſehr aͤhnlich ſah; aber er war nicht ſo berauſcht davon, daß er den Abgrund nicht vor ſeinen Fuͤßen haͤtte ſehen ſollen, in den er ſich bei einem ein⸗ zigen unvorſichtigen Schritte ſtuͤrzen mußte. Er vermied eben ſo ſehr die Herzogin, als ſie ſeinen Umgang ſuchte, und that ſich ſelbſt das Gelubde, nie in Anna's ſchaͤnd⸗ liche Abſicht zu willigen. Man ſpielte damals noch nicht. Geld, und Anna ſchlug einmal dem behut⸗ ſamen Juͤnglinge vor, um Kuͤſſe zu ſpie⸗ len.„Es iſt eine Art der Beſtrafung fuͤr Euch,“ ſprach ſie,„wenn Ihr verlieret; denn Ihr ſeyd dem weiblichen Geſchlechte abhold.“— Ulrich mochte ſich entſchuldi⸗ gen, wie er wollte; es blieb bei dem Ent⸗ ſchluſſe: man ſpielte um Kuͤſſe. Er mochte nun verlieren oder gewinnen, ſo wurde gekuͤßt,— das ſah der Ritter voraus. Zum Gluͤcke fuͤr ihn verlor Anna— viel⸗ leicht abſichtlich— zuerſt, und Ulrich mußte ſic gefallen laſſen, einen Kuß zu empfan⸗ 107 Er fammelte allen ſeinen Muth, um dieſes Abentheuer maͤnnlich und feſt Sein Blut rumorte freilich zu beſtehen. ſehr arg in den der Weiber die g Adern, als die Schoͤnſte lühenden Lippen auf ſeine Wangen druͤckte; aber er ſiegte. Anna lächelte ſchalkhaft⸗ und er glaubte die Ar⸗ veit des Herkules gethan zu haben, als er das Zimmer verließ.— ————— ſetzte Anna pieſes Spiel mit ohne daß ſie einen Schritt 4 weiter zum Ziele gekommen war; denn 3 der Ritter hotte den feſten Entſchluß ge⸗ ſaßt, auf keine Weiſe in die ſchaͤndlichen Abſichten der Herzogin einzugehen. Es eldenmuͤthiger Vorſatz, den nur gekuͤhltem Blute vollig Als die Herzogin nihm abglitten faßte fie endlich Lange ulrich fort, 3 war ein h eeein Greis mit ab haͤtte ausfuͤhren koͤnnen. 3 ſah, daß alle ihre Pfeile a und alle Netze zertiſſen; ſo 108 den Entſchluß, ſich deutlich zu erklaͤren, und ihren Liebling durch Spottreden zu ihrer Abſicht zu bringen; denn ſie zweifelte gar nicht mehr, daß heiße Liebe in ſeinem Buſen unter der Aſche glimme, welche die kalte Hand der Vernunft darüber geſtreut hatte. Einſt faßen ſie wieder einmal in ih⸗ rem Gemache, und kuͤrzten die Zeit mit* dem gewöhnlichen Spiele; da ſprach die luͤſterne Anna:„Ihr ſeyd nicht verliebt, Utrich?“ Ulrich. Ich darf es nicht ſeyn; denn die Vernunft verbietet es. Anna. Auch die Natur? ſ — Ulrich. Auch ſie; denn Vernunft iſt ein Geſchenk der Natur. 6 Anna. Die Natur hat Euch karg⸗ lich ihre Gaben mitgetheilt. Ihr ſchickt Euch gut zum Huͤter der Weiber am 3 Hofe des Sultans. utrich. Meint Ihr das? 3 nn Gewiß! Und wenn Ihr mit — — 409 ein gutes Wort gebt, ſo ſollt Ihr En⸗ pfehlung an die unglaͤubige Majeſtät er⸗ halten. ulrich. Spottet nur! ih due willig. Anna. Ich ſetze den Fall, ein zärt⸗ liches Weib liebte Euch; wollt Ihr ſ troſtlos verlaſſen? 8 utrich. Iſt ihre Liebe unerlaubt, ſo mag ſie verzweifeln, ehe ich in ihre ſtraͤflichen Wuͤnſche willige. Anna. Ihr ſeyd ſehr grauſam! Warum ſoll ſie ſo ſchrecklich buͤßen, daß ihr ein kalter finſterer Ehemann gegeben wurde? ulrich. Dann nehme ſie sr. flucht zum Gebete. Anna(ſchmachtend). Ach! das iſt kein Zufluchtsort fuͤr liebekranke Stien — ulrich, ich liebe Euch! ic(betreten). Veli Suen 3 — e 110 Anna. Freude nur— nur ein ſchoͤ⸗ nes Thal der Wonns ſieht mein Auge, lieber Ulrich! Ulrich(warnend). Und wenn Euer Gewiſſen auch ſchweigt,— wird der Her⸗ zog Eure Schritte nicht belauſchen, nicht das Verborgenſte entdecken?— Dann wehe Euch und mir! Anna. Furchtſamer Juͤngling! die Liebe iſt ſtark wie der Tod. Das blöde Auge des traͤgen finſtern Caſimirs ſieht nicht ſo weit— ſieht unſerer Liebe ſuͤße Frenden nicht. urrich(ernſt und feſt). Nein! ein rechtlicher Mann muß die Schwächen ei⸗ nes Weibes nicht mißbrauchen.— Ver⸗ zeiht mir dieſe ungeſchminkten Worte, Herzogin, und glaubt, daß ich es beſſer mit Euch meine, als wenn ich mich Eurem Begehren fuͤge. Unna(erzürnt). O Feigling!— Nein, ich begehre nichts von einem Manne, dem die Natur ihre beſten Gaben verſagte. * 11¹ Die Herzogin entfernte ſich eilig, und ließ den Juͤngling betroffen ſtehen. Er ging traurig von dannen, und faßte noch feſter den Entſchluß, die Herzogin ſo viel als möglich zu meiden und nie ſträflich gegen ſeinen Fuͤrſten zu handeln. So verſtrich die Zeit, und die Her⸗ zogin kam keinen Schritt weiter; aber eben dieſer Wiverſtand, eben dieſe Ver⸗ ſchmaͤhung fachte ihre Leidenſchaft immer noch mehr an, als daß ſie dadurch vertilgt worden wäre.—„Ulrich muß doch noch in meinen Armen ruhen!“ ſprach ſie oft zu ſich ſelbſt,— und wer weiß es nicht, daß in dieſem Falle die Weiber gar zu orn ihr Wort halten!—— 1 Dem in ſich verſchloſſenen, duͤſtern Herzog, den vor Anna's Liebe ekelte, weil ſie ihm keinen Erben ſchenkte, war nur eine Leidenſchaft. noch 38 112 die er aus dem Schiffbruche ſeiner Em⸗ pfindungen und Neigungen gerettet hatte; er liebte nämlich die Jagd, weil man doch da ohne Nachtheil Thiere toͤbten kann.— Jetzt kam der Herbſt, und er beſuchte die waldigſten Gegenden ſeines Herzogthums, um dieſe Neigung zu befriedigen. Der Jagd wegen begab er ſich mit ſeinem gan⸗ zen Hofe nach Eisfeld, einem nahe ge⸗ legenen Landſtädtchen, und Anna begleitete ihren Gemahl dahin. Hier war es, wo ſie uber die Tugend des Juͤnglings ſiegte, und ihn endlich in dem um ihn geſchlun⸗ genen ſeidenen Florgewebe ſing.— Die Tugend weinte, als der biedere Juͤngling ſiel, der die liſtig aufgeſtellten Netze ei⸗ ner ſelbſt Verfuͤhrten ſo lange gemiedet hatte, und der Menſchenfreund wende⸗ ſein Auge von dieſer entehrenden Scene.— Der Herzog bewohnte ein kleines al⸗ tes Schloß, und ſeinem Hofſtaat und der Herzogin waren einige Zimmer, vielleicht aus Abſicht, in dem Hintergebaͤude ange⸗ 3 —————— —————— 113 wieſen, die recht dazu eingerichtet ſchienen, geheimer Liebe Aufenthalt zu ſeyn.— „Jetzt oder nie“— ſagte die Herzogin entſchloſſen—„ruht Ulrich in meinen Ar⸗ men!“— Sie war ſo entbrannt, daß ſie im Taumel der Begierde und Luſt alles ihrer ſträflichen Leidenſchaft auſopfern wollte. Bei jeder Gelegenheit verfolgte ſie den Juͤngling mit ihrer ſtrafbaren Nei⸗ gung, und geſtand ihm ohne Ruͤckhalt, daß ſie ſeit langer Zeit ſchon heiße, innige Liebe für ihn im Buſen trage.„Und ſie verzehrt die arme Anna,“ ſetzte ſie ſchmach⸗ tend hinzu,„wenn ſie nicht Gegenliebe findet, heißgeliebter utrich!“— Der Juͤng⸗ ling wankte.— Entzückt that ſie ihm jetzt Vorſchläge zu heimlichen Zuſammen⸗ kuͤnften.„Mein Gemahl“— ſprach ſie weiter—„zieht alle Morgen beim erſten Strahle der Sonne in den Borſt; da kommt zu mir in meine Kammer, in meine Arme, die ſchon ſo viele Nächte ver⸗ geblich nach Euch ausgeſtreckt waren. 114 Seyo nicht laͤnger ſo grauſam gegen mich — verſchmaͤht die heiße Liebe nicht, die ſo treu fuͤr Euch in meinem Buſen gluͤht!“ Mit lebhaften Farben ſtellte der Juͤng⸗ ling ſeiner Gebieterin die Gefahr vor, welcher ſie Beide ſich bei der Befriedigung ihrer Wuͤnſche ausſetzten.„Wie leicht ent⸗ deckt“— ſetzte er beſorgt hinzu—„eine dienſtfertige Zofe oder ein ſchlauer Hoͤfling unſere Zuſammenkunft, und dann mich und Euch der Grimm des Herzogs.“— „Furchtſamer!“ ſchalt die Herzogin—„be⸗ rechnet die Liebe die Gefahr? Kommt nur morgen; Ihr ſollt ſehen, daß weder Zofe noch Hoͤfling Eure Tritte belauſcht. Ich will gewiß ſorgen, daß dieſes ſchoͤne Ge⸗ heimniß verborgen bleibe— mir ſelbſt ſol es ein Geheimniß ſeyn.“— Noch viele Ueberredungen und Schmeicheleien fügte die Herzogin hinzu, und Ulrich ver⸗ ſprach endlich am folgenden Morgen, wenn der Herzog die Burgfeſte verlaſſen hätte, bei ihr zu erſcheinen.— Wie glühte Anna's —— 1¹⁵ Wonge— wie kochte ihr Blut durch das blaue Adergewebe!— Aber der Morgen kam— Anna harrte voll banger Furcht, und lauſchte begierig auf jedes Geraͤuſch; doch ulrich ſiegte noch einmal, und erſchien nicht in dem Gemache der Herzogn. Anna entbrannte nur noch heftiger durch dieſe Weigerung ihres Geliebtenz und ſie kam einſt ſelber bei der Morgen⸗ vimmerung in Ulrichs Schlafgemach. Er erwachte durch das Knarren der Thuͤre, die ſie leiſe oͤffnete, und ſprang erſchrocken vom Lager auf, als er die Herzogin er⸗ kannte. Da ſtand er im leichten Nacht⸗ gewande, alle maͤnnlichen Reize und Schoͤn⸗ heiten preisgegeben dem weiblichen luͤſter⸗ nen Auge.— Die Herzogin gluͤbte bei ſeinem Anblicke vor Luſternheit und Be⸗ gier, ohne ein Wort reden zu koͤnnen.— Aber Uulrich rief aͤngſtlich:„Was wagt Ihr, Frau Herzogin?!“ und ohne ihre Ant⸗ wort abzuwarten oder auf ſie zu ochten, verließ er das Gemach und eilte in die 116 anſtoßende Kammer, die er ſchnell ver⸗ riegelte. Allein welcher Juͤngling iſt ſo ſtark, ſo feſt in ſeinen Entſchluͤſſen, ſo ganz Herr ſeiner Leidenſchaften, daß er nicht endlich dem ſanften Floͤtentone der Liebe lauſchen⸗ und entlockte Gefuͤhle befriedigen ſollte?— Ulrich beſaß nicht Unempfindlichkeit und Staͤrke genug, die nur die Natur verleihen, oder das Alter erſetzen kann, um fuͤrderhin den Sieg uͤber ſich ſelbſt und die allge⸗ waltige Macht der Liebe erkaͤmpfen zu köͤnnen.—„O kommt zu der ſchmachten⸗ den Anna!“ rief ſie mit ſchmelzender Stimme und mit Thraͤnen in dem blauen Auge—„kommt, holder Juͤngling! ver⸗ ſchmaͤht Eure arme Anna nicht laͤnger; lieber gebt ihr den Tod, als dieſe lange Martern unbefriedigter Liebe!“ Sie riß bei dieſen Worten das Kleid auf und entbloͤßte ihren ſchoͤnen Buſen, der hoch empor wogte, und wieder tiefer ſank, wie das kochende Blut zuruͤckfluthete.„Tödtet, tödtet mich, * 117 Urrich!“ ſprach ſie mit erſterbendem Tone, indem ſie in einen Lehnſtuhl ſank.— Das Auge des unerfahrnen Juͤnglings war feſt gezaubert auf dieſen Gegenſtand; es regten ſich in ſeiner Bruſt Gefuͤhle, die er noch nicht kannte,— und er zitterte bei dieſem unvermutheten Anblicke.„Ich komme, Anna! ich komme!“ rief er er⸗ gluhend, ſank bebend an ihren Buſen und verbarg darin ſein Antlitz.—„Morgen in der Fruͤhſtunde!“ lispelte Anna, und be⸗ deckte ihn mit ihren Feuerkuͤſſen.—„Mor⸗ gen!“ erwiederte der betaubte Juͤngling— und ach! er ließ ſie am folgenden Morgen nicht warten.— Sobald der Herzog mit ſeinem Jagdgefolge das Schloß verlaſſen hatte, ſchlich Ulrich ſcheu wie ein Dieb durch die Gänge hin, und oͤffnete zitternd die Thuͤre, welche zu Anna's Schlafgemach fuͤhrte.——— So wurde Anna verfuͤhrt, und ver⸗ fuͤhrte nun ſelbſt. Schwer wurde ihr die erſte Sunde, leichter die zweite, bis ſie 118 endlich ſich ſo an dieſe Ausſchweifungen gewoͤhnte, daß ſie ihre ſuͤndige Handlung nicht mehr fuͤr Laſter bielt, und das Sträfliche derſelben nicht fuͤhlte.— Einmal hatte Ulrich der Sirenen⸗ ſtimme der ſchoͤnen Anna gefolgt und in ihren Armen geſchwelgt,— und nun ward ihm das zweite Vergehen leicht und angenehm. Anna und Urrich lebten nun⸗ mehr in der großten Vertraulichkeit, und Letzterer hrach jetzt ſo oft vom verbotenen Baume die ſüßen Fruͤchte, als er nur un⸗ bemerkt in den Garten ſchleichen konnte. Die Zeit flog den Liebenden pfeilſchnell dahin, und Anna ertrug nun gern Caſi⸗ mirs muͤrriſche Laune, weil ſie oft des Lebens ſuͤßeſte Freuden an Ulrichs jugend⸗ licher Bruſt genoß.— Die lange Uebung und der Heißhunger nach den verbotenen Fruͤchten machte die Herzogin nachlaͤſſiger und unvorſichtiger; ſie wochte nicht mehr ſo ſorgfältig uͤber ihre Blicke; ihre Zu⸗ ſammenkünfte waren nicht mehr ſo geheim, * * 119 als daß ſie dem Auge des Reides und der weiblichen Neugierde haͤtten verborgen bleiben können.— Anna lebt mit Ulrich in verbotener Liebe! war die allgemeine Sage am Hofe; nur der Herzog ſchien dieſes nicht zu bemerken, oder wollte es nicht bemerken. Anna kannte ihren Gemahl zu wenig. Sie glaubte, daß er ihrer gar nicht ach⸗ tete, ihre Schritte und Handlungen nicht bemerkte,— und wirklich mußte dies ein Jeder glauben, der den Herzog nicht kannte; denn es war auch nicht der kleinſte Un⸗ wille mehr als gewoͤhnlich gegen Anna ſichtbar, keine Gemuͤthsveränderung, kein bedeutendes Wort— nichts von dem al⸗ len; denn der Herzog blieb wie und was er war: muͤrriſch, uͤbellaunig, zufriedener ohne Geſellſchaft, und manchmal ſogar jovial, wenn Anna abweſend war⸗ Be⸗ ſonders hatte er ſich auch in der Tha nicht um die Herzogin bekuͤmmert, oder ſie ſorgfaͤltig beobachtet, ob ihm gleich 120 mancher Hoͤfling zweideutige Worte zu⸗ geraunt hatte; allein ſo viel es ohne Muͤhe geſchehen konnte, hat er doch das Betragen ſeiner Gemahlin beobachtet, und was er ſelbſt nicht ſah, verkuͤndigte ihMm ein treu ergebener Diener, dem er den Auf⸗ trag gegeben hatte, genau auf Anna zu ſehen, und ſie bei Tag und Nacht zu be⸗ obachten.— Der Schlauheit dieſes Die⸗ ners gelang es bald, die Geheimniſſe der Herzogin zu erfahren. Er wußte alle Zu⸗ ſammenkuͤnfte, alle Liebkoſungen und alle Scherze uͤber den Herzog, und hinterbrachte alles getreulich ſeinem Herrn. Johann Caſimir wußte alſo ſchon lange, was in ſeinem Hauſe vorging; allein er wollte erſt Gewißheit und Zeugen haben, ehe er die Herzogin des Ehebruchs beſchuldigte: denn er freute ſich vielmehr als es ihm leid war, auf dieſe Weiſe eine Gemahlin los zu werden, die ihm keinen Sohn und Erben geboren hatte. Er hatte ſchon jetzt den ganzen Plan entworfen, wie er gegen 121 die Herzogin handeln wollte; daher kom es, daß er wirklich in der Folge ſo uber⸗ legt gegen die Herzogin verfuhr, und ſie ſo kaltbluͤtig zur ewigen Haft verurtheilen ließ. Je vorſichtiger, verſtellter und kalt⸗ bluͤtiger der Herzog verfuhr, deſto leiden⸗ ſchaftlicher und unvorſichtiger handelte die verleitete Anna. Ihre Liebſchaft war in der Stadt und auf dem Lande bekannt, nur Johann Caſimir ſchien ſie nicht zu bemerken, und man wußte in der That nicht, was man von dem Herzog denken und halten ſollte. Bei dieſen Geſpraͤchen uund Urtheilen naͤherte ſich die Sache auf einmal ihrem Ende, und zog die Auf⸗ merkſamkeit des geſammten Deutſchlands auf ſich. Es iſt der letzte traurige Zeit⸗ raum in Anna's Leben. *— Alles war vorbereitet, die Mine ge⸗ 122 fullt; ſie harrte nur auf die Zuͤnblunte. Nur noch eine naͤchtliche Zuſammenkunft wollte man abwarten, und dann die bei⸗ den Strafbaren zu gefaͤnglicher Haft brin⸗ gen— Und die Ungluͤcklichen ließen ihre Feinde nicht lange vergeblich lauern!— Der Herzog hatte unter irgend einem Vorwande Coburg verlaſſen, vorher aber verſchiedenen Hoͤflingen den Auftrag gege⸗ ben, die Herzogin und Ulrich von Lichten⸗ ſtein genau zu beobachten. Kaum war der Herzog abgereiſet, als die verblendete Anna ſchon ihren Liebling zu einer naͤcht⸗ lichen Zuſammenkunft einladen ließ. Er erſchien in der Nacht, und genoß zum Letztenmale die Freuden verbotener Liebe. — Als er gegen Morgen das Gemach der Herzogin verließ, und leiſe durch die Gaͤnge ſchlich— traten ploͤtzlich zwei Hof⸗ herren hervor, und fragten nach der Ur⸗ ſache dieſer Nachtwanderung.— Ulrich ſtand wie vom Blitz getroffen, und wußte nicht, wie ihm geſchah.—„Seyd Ihr auf 123 3 rechtem Wege“ ſprach der Eine— praucht Ihr nicht zu erſchrecken; iſt dies nicht ſo mag der Herzog richten.“— Oyne ſeine Antwort abzuwarten, wurde die Wache herbeigerufen, und der Uebel⸗ thaͤter in ein feſtes Gefaͤngniß gebracht. Die Herzogin boͤrte das Geraͤuſch, horchte an der Thuͤre, und ahnete ſogleich das Ungluͤck, das ſie am folgenden Mor⸗ gen traf. Mit welchen peinigenden Ge⸗ fühlen von Furcht und Hoffnung durch⸗ wachte ſie den Reſt der Nacht! denn des Schlummers wohlthaͤtiger Balſam gießt ſich nur uͤber die Zufriedenen und Kum⸗ merloſen aus,— und ſie harrte mit pei⸗ nigender Erwartung dem erſten Sonnen⸗ ſtrahle entgegen. Sie erſchien in voller Pracht am öſt⸗ lichen Himmel, und verkundigte den ſchoͤn⸗ ſten Herbſttag. Anna verließ angſtvoll das Lager, horchte auf Fußtritte, ging un⸗ uhig von einem Orte zum andern, ſchaute in die blaͤuliche Ferne— aber uberall 124 fand ſie weder Ruhe noch Zufriedenheit. Ihr lachte die Flur, ihr leuchtete die Sonne nicht lieblich. Endlich hoͤrte ſie Menſchenſchritte haſtig auf ihr Zimmer zueilen— ſie erſchrak, und ſank todtenblaß in einen Lehnſtuhl. Jetzt öffnete ſich die Thuͤr, und der Herzog trat ergrimmt mit einigen Hoͤflingen herein. „Darf ich meine keuſche Ehefrau ſo fruh in ihren heiligen Betrachtungen ſtö⸗ ren?“ redete Caſimir die bedaurenswerthe Anna mit boshaftem Lächeln an.— Sie vermochte nicht zu antworten, obgteich der Herzog eine Antwort zu erwarten ſchien. —„Scheinheilige Betruͤgerin, ehebrecheri⸗ ſches Weib!“ rief er drohend mit donnern⸗ der Stimme—„Eure ſchoͤne Liebſchaft iſt entdeckt, Eure thieriſchen Schwelgereien allgemein bekannt; aber die Rache des gekraͤnkten Ehemannes ſoll Euch vertil⸗ gen!“— Anna ſank ob dieſer harten Drohung in eine tiefe Ohnmacht.—„Sie verſcheidet!“ rief der Hauptmann, welcher 125 mit dem Herzoge gekommen war.— „Deſto beſſer; ſo erſpare ich die Unter⸗ ſuchungskoſten!“ ſetzte der Herzog hoͤhnend hinzu.„Ihr ſteht mit Eurem Kopfe fuͤr Eure Gefangene!“ Mit dieſen Worten verließ er die lebloſe Anna, ohne nur um⸗ zublicken, ob ſie noch lebe, oder wirklich geſtorben ſey.— „Wohl Dir, unglüaliche!“ ſprach der menſchenfreundliche Hauptmans, indem er zu ihr trat—„Wohl Dir, wenn Du nie wieder erwachteſt!“ Allein nur zu bald begann das ſtockende Blut ſeinen Kreis⸗ lauf, und Anna oͤffnete die umduͤſterten Augen.—„Was geht vor mit mir? Was wollt Ihr hier, Hauptmann? Wo iſt Ul⸗ rich?“ fragte ſie haſtig, und der gefuͤhl⸗ volle Mann erklaͤrte ihr mit vieler Scho⸗ nung die Abſicht ſeines Hierſeyns und den herzoglichen Befehl.„Der Soldat muß gehorchen!“— ſetzte er wehmuͤthig hinzu—„Eure Durchlaucht werden mir es nicht beimeſſen, daß ich hier bin.— ————————————————— 126 „Nein, nein!“ rief die Herzogin weinend —„Sagt mir nur— wo Urrich iſt?“— „Nennt dieſen Namen nicht, meine Ge⸗ bieterin! Ulrich von Lichtenſtein iſt Ge⸗ fangener. Ihr werdet leicht die Urſache errathen— Euch und ihn beklagt mein Herz!“—— Tiefe Melancholie ſank herab auf Anna's Haupt, das ſich hinab zur Erde ſenkte. Kein Seufzer keine Thraͤne erleichterte ihren gepreßten Buſenz nur ihre Strafwuͤrdigkeit, ihr Verbrechen, ihr Ungluͤck ſah ſie vor ſich, und weidete ſich daran.— Sie wurde ſcharf bewacht. Niemand wurde zu ihr gelaſſen, Niemand durfte ihr Nachricht geben von Ulrich von Lichtenſtein, und von ſeinem Geſchicke.— Kurz darauf wurde die Herzogin, und utrich von Lichtenſtein Tages vorher in Verhaft genommen, und ſchon am folgen⸗ den Tage verordnete der Herzog ein Ge⸗ richt, das aus ſeinen Geiſtlichen und ei⸗ nigen vom Adel beſtand, zur Unterſuchung. „Man ſoll mir nicht den Vorwurf machen⸗ 127 Anna verfahren bin!“— ſprach er zu ſei⸗ nen Raͤthen—„Ein unparteiiſches Gericht ſpreche das Urtheil uͤber ſie und ihren Ver⸗ fuͤhrer. Nur was recht iſt, ſoll ihnen ge⸗ ſchehen!“— Der Herzog bedachte nicht, daß der Menſchenkenner nicht die aͤußere Handlung zum Maßſtabe ſeines Urtheils nimmt, ſondern nach den geheimen Trieb⸗ federn im menſchlichen Herzen und nach den Urſachen derſelben allein den Werth einer Handlung beſtimmt. Dies abgerech⸗ net, verfuhr der erzuͤrnte Ehemann ganz nach der Ordnung, ſo daß ſelbſt ſeine Feinde und Anna's Vertheidiger ſein Ver⸗ fahren nicht tadeln konnten. Gleich am andern Tage nach der Gefangennehmung der Herzogin ließ der Herzog ein Reſcript an das Conſiſtorium zu Coburg ergehen, in welchem er dem⸗ ſelben mit bekuͤmmertem Gemuͤthszuſtande zu erkennen gab:„daß ſeine Gemahlin, die Fuͤrſtin Anna, H vogin u Sah 128 durch Anlockung des boͤſen Feindes und ihrer eigenen Luͤſte ſich hätte verfuͤhren laſſen, zuerſt mit Hieronimus Scotus, und dann mit Ulrich von Lichtenſtein in einer ſtraͤflichen Vertraulichkeit zu leben. Und da er dieſer Verbrechen wegen nun nicht gewillt ſey, ſie ferner fuͤr ſeine Ehe⸗ gattin zu halten, ſondern ſich vielmehr gebuͤhrlicher Weiſe von ihr ſcheiden laſſen wolle: ſo trage er den Gliedern dieſes Gerichtes auf, einen Tag zu beſtimmen, wo die Herzogin gebuͤhrlich vorgeladen und die Eheſcheidung vorgenommen wer⸗ den ſollte.“ 3 So wenig ſich das Conſiſtorium die⸗ ſes Auftrags,— der allerdings unange⸗ nehm war, da man noch nicht wußte, wie ſich der churfürſtlich ſächſiſche Hof bei dieſem ganzen Handel benehmen wuͤrde,— entſchlagen konnte; ſo vorſichtig handelte es doch bei der ganzen Unterſuchung, ſo daß ihm weder Partheilichkeit noch Unbil⸗ ligkeit zur Laſt gelegt werden konnte. 129 Indeß iſt es doch uffellend, daß der Herzog noch am naͤmlichen Tage die Ehe⸗ ſcheidungsſache dem Conſiſtorium uͤbertrug, und eine Verordnung von demſelben an die Superintendenten in Franken und Thuͤringen erging, die Herzogin aus dem Kirchengebete auszuſchließen, und am Schluſſe fuͤr eine zu beten. Wenn auch der Herzog alles dieſes befohlen hatte, ſo ſieht man doch wenigſtens, daß die Sache mit der groͤßten Eilfertigkeit betrieben wurde⸗ Ehe das Conſiſtorium ſich der ganzen Sache unterzog, that es noch zweimal Vorſtellungen an den Herzog, die auch beide ſogleich nach ibrem Inhalte gewaͤhrt wurden. Man ſtellte naͤmlich dem Herzoge vor, daß es nothwendig ſey, alle Beiſitzer dieſes geiſtlichen Gerichtes ihrer Pflichten zu entl⸗ ſſen, damit auch der Schein der Partheilichkeit wegfallen moͤchte; und dann dieſes Gericht mit dem Sahie 130 entlaſſen werden muͤßten, zu vermehren. Der Herzog fand dieſe Forderung nicht unbillig, entließ alle Beiſitzer ihrer Pflich⸗ ten, und entbot den Hofrichter, der ſich in Jena aufhielt, nach Coburg; ſo wie er auch zweien Maͤnnern aus der Ritterſchaft, Moriz von Helldrit und Hartmann von Wangenheim, den Beiſitz bei dem verord⸗ neten geiſtlichen Gerichte auftrug. Alle erſchienen, und mit ihnen noch einige andere Männer des geiſtlichen Stan⸗ des, die insbeſondere zu dieſer wichtigen Sache berufen worden waren. Nun wurde der Herzog und die Herzogin in beſon⸗ deren Schreiben des Conſiſtoriums einge⸗ laden, vor dieſem Gerichte zu erſcheinen. Der Herzog erſchien nicht ſelbſt, ſondern ſchickte einen Bevollmaͤchtigten, der ſeine Sache fuͤhrte. Die Herzogin kam in ei⸗ gener Perſon, und mit ihr der ehrliche Moriz von Heldrit, der ihr zum Beiſtand zugegeben worden war. — 131 Wir verloren uͤber dieſen ernſthaften Zuruſtungen zu einem ſo ſtrengen Gerichte, die ungluͤckliche Herzogin und ihren Lei⸗ densgefaͤhrten aus dem Geſichte; wir wol⸗ len ihr noch einige Minuten widmen, ehe wir ſie zu jenem furchtbaren Tribunale vegleiten. Lange ſaß Anna in tiefen Truͤbſinn gehuͤllt auf ihrem Zimmer, und wußte nicht, wie ihr geſchah. Oft ſuchte ſie der Hauptmann, der in der That ein Bieder⸗ mann war, zu beruhigen und zu troͤſten, aber ſie hoͤrte nicht; ſie konnte noch nicht die Beruhigungsgruͤnde fuͤhlen, denn ſie hatte fuͤr alles, was außer ihr vorging, keinen Sinn. Die Zeit heilt Wunden des Leibes und der Seele; wenigſtens aͤndert ſie ihre Geſtalt und Beſchaffenheit,— und die wenigen Tage, die Anna bis zu jenem Gerichte verlebte, brachten auch keine große Veraͤnderungen bei ihr hervor. Die Wunde heilte zwar nicht, aber ſie war 132 voch auch nicht mehr toͤdtlich, wie ſie An⸗ fangs ſchien; obgleich gaͤnzliche Geneſung eben ſo wenig zu hoffen war. Wie aus einem fuͤrchterlichen Traume erwachte die Herzogin endlich, und heiße Thraͤnen der Reue und Wehmuth rollten uͤber ihre bleichen Wangen.„Was iſt aus mir geworden?“ ſprach ſie zum Haupt⸗ mann, der ihr Zimmer nicht verlaſſen durfte—„Eine Gefangene in meines Gemahls Hauſe; eine Verbrecherin, die mehr als dieſe Strafe verdient hat!“ „Das wolle Gott verhuͤten!“ erwie⸗ berte der theilnehmende Hauptmann.— „Ihr habt mehr Freunde, als Ihr glaubt, theure Herzogin! Alle hoffen und wuͤn⸗ ſoen Eure Unſchuld,— und ich bin wahr⸗ u nicht der Letzte, welcher dieſen S hegt!“ Anna. Unwuͤrdig iſt die arme Anna Eurer Theilnahme, biederer Hauptmann! MNein, ich leugne nicht— ich bin die Ver⸗ brecherin, fuͤr welche mich der Herzog haͤlt. 133 Hauptmann. Redet nicht ſo, und 5 glaubt ſicher, daß man Euch nicht zu ei⸗ nem Geſtaͤndniſſe zwingen wird, das I nicht freiwillig thut. Anna. O das thue ich! Meiner Seele Angſt und Noth iſt groß; ich will meine große Sunde bekennen, und reuig Buße thun, daß ich meine Seele rette von der ewigen Pein. Hauptmann. Man darf Euch nicht verurtheilen, denn Ihr ſeyd eine churfuͤrſtlche Prinzeſſin. Das werden Eure Verfolger wohl beherzigen. Anna. Bin ich das noch?— Schat⸗ ten meines Vaters, vergieb! Verzeihe Dei⸗ ner verleiteten Tochter! Ein Boͤſewicht leitete ihre Gefuͤhle dahin wie Waſſerbaͤche, und verfuhrte ſie zur ſündlichen Luſt! Hauptmann. Sprecht nicht ſo laut, theure Herzogin! es dürfte ein gedunge⸗ ner Verleumder Eurer Reden lauſchen und Euch anklagen vor Gericht. Ich ſage Euch, man kann Euch nicht zwingen. — 134 Anna. Ihr meint es gut, lieber Hauptmann! Ein Tropfen Linderung in die tiefe Wunde iſt Eure Theilnahmez aber ich kann und mag nicht leugnen— vor Gericht will ich mein Verbrechen ge⸗ ſtehen: es mag mich nach aller Strenge des Geſetzes richten. Hauptmann. Thut das nicht, Frau Herzogin! Euer Gemahl iſt grauſam— hofft keine Nachſicht! Anna Ich hoffe keine! Aufgeſchreckt dus dem ſuͤßen Taumel ſtehe ich da, und ſchaue mit Angſtgefuhl meiner boͤſen Tha⸗ en Schaͤndlichkeit. Bittre Reue nagt an dieſem ſuͤndigen Herzen;— nur Strafe Undert die große Angſt meiner Seele. Hauptmann. So ſey Gott Euch gnaͤdig! Anna. Gott ſey mir armen Sinde⸗ rin gnädig!— Füblt, Hauptmann, wie mir die Stirne gluͤht— wie dies Herz angſtbou emporſchläat! Wenn mir Gott nicht gnädig ſeyn wuͤrde? 135 Hauptmann. Gewiß iſt er Euch gnädig, arme Fürſtin! denn wer ſo bereut und büßt, iſt ſeiner Gnade würdig. Aber die Menſchen?— Bedenkt, was die Ge⸗ ſetze ſprechen in ſolchen Faͤllen!— Redet anders vor Gericht, als hier. Anna. O die Menſchen und ihre Geſetze fuͤrchtet die ungluckliche Anna nicht!— Was verordnet das Geſetz? Hauptmann. Ehebruch ſtrafen die Geſetze mit dem Tode. Erſchrecket nicht, und redet anders vor Gericht; man kann gegen Euch nicht peinlich handeln. Anna Cbeſtuͤrzt) ⸗ Den Tod?— (Cfaßt ſich). So fließe denn mein Blut zur Buͤßung meiner Sänden— ich zittre nicht. Aber der arme Verfuͤhrte wird doch dieſer Strafe nicht wuͤrdig erkannt werden? ſtein hat ſchwer geſuͤndigt; ſeine Strafe wird haͤrter als die Eurige ſeyn. Anna(angſtvoll). So kann Goit Hauptmann. Ulrich von Lichten⸗ —————————————— 2 136 nicht ſprechen!— Ach ulrich, wie groß iſt meine Schuld! Ich verfuͤhrte den ſchuldloſen Juͤngling!— O Gott! wohin ſoll ich fliehen vor Dir? wo mich verber⸗ gen vor meinem Gewiſſen, daß ich Ruhe finde?—— Der biedere Hauptmann erſchoͤpfte ſeine Beredtſamkeit, um die leidende Her⸗ zog in zu troͤſten; aber alle ſeine Bemuͤhun⸗ gen waren ohne gluͤcklichen Erfolg. Sie harrte aͤngſtlich dem Tage des Gerichtes entgegen, um Recht zu erhalten von der Hand ihrer Richter. Durch die Strafe hoffte ſie ihre Schuld zu vermindern, Gott durch willige Duldung zu verſoͤhnen, und in dieſem Bewußtſeyn Ruhe zu er⸗ langen. 4 . p Trauriger noch war die Lage des verleiteten Utrichs. Er war nach ſeiner 137 Verhaftung in ein duſteres unterirdiſches Gewölbe geworfen worden, das kein Son⸗ nenſtrahl, ſondern nur eine duͤſtere Lampe, die das Bild eines Sterbenden zu ſeyn ſchien, ſparſam erleuchtete. Kein Menſch durfte ihn von dieſer Zeit an ſehen und beſuchen, als ſein gefuͤhloſer Kerkermei⸗ ſter, und die Maͤnner, die zur Unter⸗ ſuchung verordnet waren. Da lag der arme Jüngling, weinte, klagte, hoffte und harrte ängſtlich der Stunde des ſchmachvol⸗ len Todes, den er ſich nahe dachte. Kum⸗ mer und Reue nagten eben ſo an ſeinem Herzen, Ruhe floh eben ſo fern von ihm, und die Qualen der Hoͤlle ſchreckten ihn eben ſo, wie ſeine ſchone Verfuͤhrerin. Ewige Gefangenſchaft, oder Verban⸗ nung in die rauheſte Gegend war ihm gelinde Strofe, und er faßte den Entſchluß, den beleidigten Fuͤrſten um dieſe Gnade anzuflehen. Er forderte desbalb Dinte, Feder und Papier, das man ihm zu die⸗ ſem Behufe willig reichte, ſo ſtreng be⸗ — 138 wacht und genau beobachtet er auch ſonſt wurde. Er ſchrieb on den Herzog, und uberſchickte ihm am andern Morgen einen Brief folgenden Inhalts: „Durchlauchtigſter Herzog, gnaͤdigſter Fuͤrſt und Herr! Aufgefordert von Eurer Durchlaucht Kanzler und Raͤthen, die Wahrheit treu und aufrichtig zu reden, geſtehe ich frei⸗ willig und ohne Zwang meine ſchwere „Schuld, die ich, verfuͤhrt durch des Teu⸗ fels Liſt und Trug, gegen Euch began⸗ gen habe. Oft reizte mich die Herzo⸗ gin durch ihre Schoͤnheit und ihre ſuͤßen Schmeichelreden zur Suͤnde der Un⸗ keuſchheit, aber ich floh die Gelegenheit; oft bot ſie mir Trotz in bittern Stachel⸗ reden, aber ich achtete deß nicht. Al⸗ lein welches Junglings Kraft iſt ſo groß, daß er ſtets ſolchen Lockungen zu wi⸗ derſtehen vermag? Ich fiel endlich, ein⸗ gelullt von der Sirenenſtimme der Wol⸗ luſt— Gott ſey mir gnaͤdig! O ſo 1 —— 139 verzeihet, gütiger Fünſt und Herr! ver⸗ zeihet dem verleiteten Juͤnalinge, deſſen 3 Lebenskraft der Kummer verzehrte deſſen Blut in Reue und Buße vertrocknet. Laßt ihn ſchmachten in ewigem Kerker, oder verbannt ihn fern von hier, zu kaͤmpfen gegen die Unglaͤubigen,— nur ſchont ſeines Lebens, um Eure beleidigte Ehre und des Himmels Zorn zu ver⸗ ſöhnen. Leben iſt ihm größere Strafe als Tod; aber Schande, Tod auf dem Blutgeruͤſte unerträgliche Laſt, und ein Erbtheil ſeiner unſchuldigen Familie, die ſeinen Gebeinen deshalb in fernen Zeiten fluchen wuͤrde. Gnade fleht der Ungluckliche für Recht. Bis zu dem kummervollſten Leben ſind Euch meine Dienſte in Unterthänigkeit gewidmet. urrich von Lichtenſtein“ Was der Herzog fuͤhlte, als er dieſes vffene Geſtändniß eines gefallenen Juͤng⸗ lings las, iſt unbekannt; doch aber wurde ihm aus irgend einer Abſicht ſeine Bitte 140 gewaͤhrt: denn er endigte wenigſtens nicht auf dem Blutgeruͤſte. Man ſagt, der Ungluͤckliche waͤre zur ewigen Gefangenſchaft verurtheilt worden, und habe ſein Leben, eingekerkert in einen alten Thurm, muͤde und lebensſatt ver⸗ haucht. Nach dem ganzen Zuſammenhange der Geſchichte war die Wuth des Herzogs nnicht ſo groß, als ſie ſchien,— und am wenigſten war Ulrich ein Gegenſtand der⸗ ſelben. Dem muͤrriſchen Herzoge war das ſchon Gewinn genug, von einer Ge⸗ mahlin getrennt zu werden, die ihm keine Kinder ſchenkte. Der Tag des Schteckens, an welchem Gericht gehalten werden ſollte, erwachte; Anna noch eher als er, denn kein wohl⸗ thätiger Schlummer thaute auf ihre Au⸗ genlieder herab ſeit der Zeit ihrer Haft. 141 Abgezehrt und bleich, wie eine Geffalt der Verweſung, gehuͤllt in ein dunkeles Bußkleid,— denn Schmuck und Schoͤn⸗ heit hatte ihr die ſuͤße Wolluſt und der herbe Gram geraubt— trat die Herzogin in Begleitung des biedern Moriz von Helldrit in den Verſammlungsſaal, wo ſich ihre Richter ſchon alle in ſchwarzer Tracht befanden. Freudige Heiterkeit friſchte die verwitterten Farben ihres Geſichts ein wenig, als ſie die Richter erblickte; denn ſie kam mit dem Gedanken, daß mon ihr die Strafe des Todes zuerkennen wuͤrde, und nichts ſtärkte und troͤſtete ſie mehr, als daß ſie mit ihrem Blute die Sunde des Ehebruchs buͤßen, und dadurch gerecht⸗ fertigt vor dem hoͤchſten Richter 6 erſcheinen wuͤrde. Kurz wurden ihr nun die verſchie⸗ denen Klagen des Herzogs vorgelegt, und ihre Antwort und Vertheidigung verlangt. Allein Anna, die ihre Strafwurdigkeit ſo ſehr fuͤhlte und mit heißen Thränen be⸗ 142 reute, leugnete nicht, fondern bekannte alle ihre Verirrungen mit einer Freimuͤ⸗ thigkeit und Heiterkeit, die ſelbſt ihren Richtern Thraͤnen entlockte. Und wer hätte auch das verirrte Weib, noch vor wenigen Wochen eine Fuͤrſtin in koͤſtlichen Gold⸗ ſtoff gekleidet, und ein Gegenſtand der Bewunderung ihrer Schoͤnheit wegen, jetzt bleich wie ein Geſpenſt der Nacht, ver⸗ bluͤht und buͤßend— wer haͤtte ſie nicht mit Thraͤnen beklagen muͤſſen?— Mit der groͤßten Gegenwart des Geiſtes hatte ſie ihre Vergehen zuſammmenhaͤngend erzaͤhlt; jetzt ſetzte ſie eben ſo ſtarkmuͤthig hinzu: „So kennt ihr denn meine Verbre⸗ chen, edle Herrn und Richter! drum ſprecht nun ſtrenges Recht, ohne Anſehen der Perſon; denn jede Strafe iſt Linderung meiner namenloſen Pein.“— Die Richter berathſchlagten ſich un⸗ ter einander, bis ſie endlich ihre Meinun⸗ gen vereinigten und zu Recht erkannten? daß der Herzog von ſeiner bisherigen 143 „Gemahlin Anna, weil ſie des Ehebruchs mit Hieronimus Scotus und Ulrich von Lichtenſtein uͤberfuͤhrt worden und geſtaͤn⸗ dig ſep: nach geiſtlichen und weltlichen Rechten geſchieden und ihm erlaubt ſeyn ſollte, in eine anderweitige Eheverbindung zu treten. Ferner ſollte die eingebrachte Morgengabe dem Herzoge verbleiben, je⸗ doch ſollte er die Geſchiedene nothduͤrftig ernaͤhren und unterhalten.“ Trauriger als ſie kam, verließ die Herzogin ihre Richter. Sie hoffte Straſe, und da war von nichts als Scheidung und Ernährung die Rede. Klagend trat ſie in ihr Gewahrſam zuruͤck und weinte bittere Zaͤhren des Grams und ihrer ge⸗ taͤuſchten Erwartung. Eben ſo wenig als Anna, wurde der Herzog durch dieſe Sentenz befriedigtz aber nur anderer Abſicht. Geſchieden von Anna war er zwar nach ſeinem Wunſche; aber was ſollte er nun mit der Geſchie⸗ denen beginnen?— Noch immer mußte 3. 144 er die Verwandten derſelben fuͤrchten, ob er gleich jetzt kuhnere Schritte wagen zu duͤrfen glaubte, weil das Churſächſiſche Haus bisher ſtillſchweigend dei Vorgange zugeſehen hatte, und ſich in dieſe Sache nicht miſchen zu wollen ſchien. Mit Recht und Fug mußte er ſie verbannen oder einkerkern koͤnnen, wenn er nicht boͤſe Folgen erwarten wollte. Wohlbevaͤchtig wurde auf Johann Caſimirs Befehl der peinliche Prozeß gegen Anna und Urrich von Lichtenſtein eroͤffnet, und von dem Schoͤppenſtuhle zu Jena ein Urtheil ge⸗ faͤllt, daß beide Verbrecher durch das Schwert des Henkers vom Leben zum Tode gebracht werden ſollten.— Wie freute ſich Anna, als ſie dieſe Nochricht erhielt! Helle Freudenthraͤnen rollten uͤber ihre bleichen Wangen; denn durch ihren Tod hoffte ſie ihre Schuld abzubuͤßen, und dadurch der Gnade des Himmels theilhaftig zu werden. Allein welche Traurigkeit um⸗ huͤllte ſie, als der Bote hinzuſetzte, daß 145 die Gnade des Herzogs die Todesſtrafe in ewige Gefangenſchaft verwandelt habe! Anna konnte ſich nicht faſſen, und beinahe zornig trug ſie dem Geſandten auf:„Sagt Eurem Herrn, dem Herzog, daß Anna nicht danke ab dieſer grauſamen Gnade— ſie fordre Recht und keine Milde!“— Der gute Mann wußte nicht, ob er hoͤre, oder ob er traͤume. Er hoffte der Ungluͤck⸗ lichen eine frohe Nachricht zu bringen, und alle ſeine Erwartung war getäuſcht.„Ein unbegreifliches Weib!“ ſagte er zu ſich ſelbſt, und verließ die Herzogin voller Verwunderung uͤber ihre heroiſche Ant⸗ wort. Der Herzog bekuͤmmerte ſich inzwiſchen wenig um die Reden und Empfindungen der begnadigten Anna. Ihm war es ge⸗ nug, ſie ohne Verantwortung von ſich ent⸗ 10 146 fernen, und ſie ihr uͤbriges Leben in einem dunklen Kerker verſchmachten zu laſſen. Schon vor der Unterſuchung wurde Anna aus dem Schloſſe des Herzogs ver⸗ bannt, und auf der Veſte Coburg als Ge⸗ fangene ſorgfaͤltig bewacht. Gleich nach Beendigung dieſer wichtigen Sache und dem erhaltenen Urtheil von Jena, ließ ſie der ſtrenge Gemahl wohl bedeckt nach Ei⸗ ſenach fuͤhren, wo ſie drei lange Jahre hindurch, abgeſondert in der haͤrteſten Ge⸗ fangenſchaft lebte; denn der Herzog gab ihr nur ſo viel, daß ſie kaum die noth⸗ wendigſten Bedurfniſſe befriedigen konnte. Wie hart buͤßte die Verſtoßene, und wie ſtandhaft und geduldig ertrug ſie ihr Un⸗ gemach, ohne je ihres harten Gemahls mit Unwillen zu erwähnen.„Mir iſt noch Gnade geſchehen,“ troͤſtete ſie ſich— „den Tod heiſchten meine Miſſethaten!“ — Wer die ungluͤckliche ſah, beklagte ſie und ſchenkte ihr Thraͤnen des Mitgefuͤhls. So ſchon, ſanftmuͤthig, fromm und liebe⸗ voll bewohnte noch keine Gefangene jene dunklen Gemaͤcher des Schreckens und der Verweſung.. Der Herzog ließ die Unglückliche, man weiß nicht aus welcher Urſache, von Eiſenach nach der Veſte Callenberg, und dann in das fraͤnkiſche Kloſter Sonnenfeld bringen, wo ſie abermals ſieben traurige Jahre verlebte. Vermuthlich wollte er ſie entfernen aus einer Gegend, wo ſie durch ihre Ergebenheit in ihr hartes Geſchick ſo viele Freunde ſich erworben hatte. Und ſo wurde Anna endlich auch wieder gen Coburg gefuͤhrt, ob ſie gleich aͤngſtlich bat, ſie nicht in jene Gegend zu bringen, wo 5 ſie alles an ihr verlornes Gluͤck, an jene verbotenen ſuͤßen Freuden erinnerte, die 8 ſie jetzt verabſcheute,— wo ihr Gemahl lebte, und ſich in den Armen einer andern Gattin gluͤcklicher fuͤhlte, als ehedem, da Anna in ſeinem Schloſſe hauſete.„Nur nicht gen Coburg führt mich“— bat Anna, und Angſt und Abſchih malte ſich in allen 148 ihren Zuͤgen—„nicht an den Ort, wo ich den Gedanken zur Suͤnde liebgewann, und ihn zur Wirklichkeit ſchuf!“ „Was thut Euch das, geliebte Fuͤr⸗ ſtin?“ wendete ihr Geleitsmann ein.— „Denkt, Ihr wohntet noch zu Sonnenberg; denn Niemand wird Euch hier daran er⸗ innern, daß Ihr wo anders lebt.“ „Verbeegt mich in eine Todtengruft, oder in eine Spalte der Erde, ehrenfeſter Ritter!“ verſetzte Anna mit Angſt.„Meine Suͤnden heiſchen ſolche Strafe, und Anna murret nicht darob; nur nicht nach Coburg fuͤhret mich Ungluͤckſelige!— O habt Er⸗ barmen mit der Angſt des wohlgeſtraften Weibes!“ „Verſtehe ich Euch recht,“ erwiederte der Ritter, o fuͤrchtet Ihr des Herzogs Laune, die ihn etwa zu Euch führen koͤnnte; oder ſeiner jetzigen Gemahlin Neugierde, die ſchoͤne Anna zu ſehen?“ „Und wenn es alſo waͤre?“— ſprach Anna verwirrt—„Seht, Hauptmann! 149 zehn ſchreckenvolle Jahre hindurch ſchlep⸗ tet Ihr mich herum von einem Kerker zum andern,— ich murrte nicht!— Ver⸗ nachläſſigt, vergeſſen von ihren Dienern, ſchmachtete Anna, eine geborne Fürſtin, oft Tage lang ohne Brod und Waſſer; der Hunger heiſchte ungeſtüm ſeine Spen⸗ den, die Natur erlag,— und doch ſchwieg mein Mund, obgleich mein Herz blutete; — ich klagte nicht!— Gerechte Strafe fur die Suͤnderin! rief ich laut aus, wenn mich mein Elend uͤberſchreien, und laute Fluͤche mir erpreſſen wollte.“ „Oft bewunderte ich Eure ſtille Er⸗ gebenheit in Euer Geſchick,“ ſagte ihr Huͤ⸗ ter geruͤhrt,„wenn ich dann und wann auf Befehl des Herzogs Euch beſuchte.“ „Aber jetzt klage ich laut ob Eurer Kunde!“ entgegnete Anna.„H fuͤhrt mich nicht gen Coburg, wo ich ſuͤndigte, und wo Menſchen leben, welche die Ur⸗ heber meiner Suͤnde und meiner Leiden ſind!— Habt Erbarmen, edler Ritter 150 und verſagt mir dieſe Bitte nicht!“— „Herzlich beklage ich Euer Geſchick, theure Anna!“ erwiederte der Hauptmann— „Da ich nun Eurer Abneigung Triebfe⸗ der kenne. Gerecht iſt Euer Unwille, gerecht Eure Klagen.“ „Was kann man fuͤr andere Abſichten haben,“ ſprach Anna in bitterem Schmerze, „als meines Ungluͤcks zu ſpotten, ſich an meiner abgezehrten Geſtalt zu letzen, und mit Stachelreden und Hohngelächter grau⸗ ſam mich zu peinigen?“ „Und doch“— entgegnete der Haupt⸗ mann betruͤbt—„muß ich dem Befehle meines Herrn gehorchen. Der Soldat, liebe Herzogin, hat keinen Eigenwillen, wie Ihr wißt. So ſein Herr ſagt: „„Toͤdte den Unſchuldigen!““ ſo thut er es, und laͤßt das Gewiſſen ſeines Vorge⸗ ſetzten fertig werden mit der That.“ „Schrecklich iſt meine Strafe!“ jam⸗ merte Anna, doch ſich bald wieder faſſend, ſprach ſie dann:„Schwer waren die Leiden 15¹ die ich trug, ſchwerere worten noch mei⸗ ner! Willig dulde ich ſie hier zur Tilgung meiner Suͤnden.— Fuͤhrt mich gen Co⸗ burg, Hauptmann! ohne Murren unter⸗ werfe ich mich nunmehr jeder Demuͤthi⸗ gung, die meiner wartet. Und ſo ging Anna kummervol, doch geſtarkt durch den Wunſch, ihre Suͤnden zu tilgen durch noch groͤßere Leiden, der Stadt entgegen, die ſie unſchuldig mit lautem Jubel in ihre Mauern aufnahm, und mit Schande elaſtet ausſtieß Heiße Thraͤnen rollten über ihre blaſſen Wangen⸗ als ſie in der Veſte Coburg ankam.„Soll das verfuͤhrte Weib des Kummers hier noch enden?“ quaͤlte ſie ſich ſelbſt, und verſchloß ſich in die kleine Zelle, welche ihr zur Wohnung angewieſen wurde. 4 ——————— Anna hatte vermuthet, daß ihr Schic⸗ 152 ſal nun noch grauſamer ſie verfolgen wuͤrde, da ſie wider ihren Willen nach Coburg gebracht wurde; allein ſie hatte ſich diesmal betrogen. Der Herzog hatte theils ſeine Abſicht erreicht, da er in den Armen einer zweiten Gemahlin erwarmte; theils mochte er, oder vielleicht auch ſeine jetzige Gemahlin, fuͤhlen, daß Anna's Schickſal doch zu grauſam ſey: deshalb wurde von dieſer Zeit an ihr gramvolles Leben merklich erleichtert, und Anna ſelbſt genoß jetzt ruhigere e und eine Art wehmuthiger Freude an dem Orte, den ſie mit Angſt und Thränen wieder begruͤßt hatte. Man erlaubte jetzt, daß verſchie⸗ dene ihrer alten Freundinnen, die oft der Ungluͤcklichen ein mitleidvolles Andenken gewidmet hatten, ſie beſuchen, und ihr die Einſamkeit durch liebevolle Geſprache auf⸗ heitern durften. Dadurch gewann ſie wie⸗ der Liebe zum Leben und Muth, die Reiſe durch die finſtern, dornenvollen Wege fort⸗ zuſetzen. Die Erfuͤllung aber einer ihrer 153 ſehnlichſten Bitten und peißeſten Wünſche, die ihr ſo viele Jahre verſagt wurden, ſöhnte ſie ganz mit der Welt und allen ihren Feinden aus. 3, Oft hatte Anna gebeten, man moͤchte ihr einen Prediger vergoͤnnen, der in jeder Woche gottesdienſiliche Uebung in ihrer Zelle hielte, ſie oft beſuchte, und ihr Trö⸗ ſter und Berather in allen Vorfällen wäre. Allein dieſe Bitte fand nie Gehoͤr. Zwar erhielt ſie zuweilen Beſuche von Predigern; aber dieſe waren ſo kurz und von ſö we⸗ nigem Nutzen, da ſtets andere erſchienen, und ſich keiner ihr Vertrauen erwerben konnte, daß ſie ſich wirklich oft die Be⸗ ſuche der lieben Geiſtlichen verbat. Jetzt war der Herzog ſo gefällig, ihre Bitte in weiterem Umfange zu gewaͤhren. Johann Oldenburger, Diaconus zu Coburg, erhielt die Weiſung, Predigten im Gemache der verhafteten Anna zu halten, und ſie ſo oft, als ſie es verlangte, zu beſuchen. Jetzt erſt erfreute ſich Anna, daß man ſie nach 154 Coburg gefuͤhrt hatte, weil ſie ihren ſehn⸗ lichſten Wunſch erfuͤllt ſah, und nun unter der Leitung des frommen Geiſtlichen Gott reiner dienen zu koͤnnen glaubte. Selige, wonnevolle Stunden, ganz der Andacht geheiligt, entflohen ihr wie Fruͤh⸗ lingstage in der Geſellſchaft des biedern Greiſes, der ihr Freund, Rathgeber, Lehrer und u Beichtvater war. Taͤglich dachte ſie an das Ende ihres Lebens, das zugleich das Ende ihres Grames und ihrer Leiden ſeyn wuͤrde, und der fromme Mann lei⸗ tete ihre Gedanken und Wuͤnſche ſo, daß ſie mit Sanftmuth und ſtiller Ergebung dahin lebte, und die Wege der Vorſehung verehrte.„Gewiß iſt es Euch heilſam ge⸗ weſen,“ ſprach er oft,„daß Eure Suͤnde offenbar geworden; dena dadurch wurdet Ihr Eure Verirrungen erſt gewahr. All' das Ungemach, und alle die Strafen hie⸗ nieden erinnerten Euch an die Ewigkeit, vie Ihr vergeſſen im Taumel der Sunden, und an Gott, der Euch ſaſt fremd ge⸗ 155 worden war! darum harrt ruhig der To⸗ desſtunde, und hadert nicht mit Gott, jenſeits wird es Euch beſſer werden.— Sie haderte auch nicht mit Gott, die arme Dulderin! ſondern hoffte von ihm Begna⸗ digung und eine frohe Zukunft. Endlich ſchlug ſie, die erſehnte Stunde ihres Todes, und machte ihrer Haft, die ihr zwanzig lange Jahre Freiheit und Ei⸗ genwille geraubt hatie, und allen ihren Leiden und ihrem nagenden Kummer ein Ende. Ihr ſchlug dieſe hehre Stunde nicht zu fruͤh, denn ſie hatte ſchon die vorher⸗ gehenden Minuten ſorgſam abgezaͤhlt. Mit froher Heiterkeit fuͤhlte Anna die Abnahme ihrer wenigen Kraͤfte und ihre Mattigkeit und Schwaͤche, welche trugloſe Boten des Todes ſind. Wohl ordnete ſie alles, was noch ihr Eigenthum war, und das waren 156 ihre Gedanken und Gefuͤhle und ihre Sterbekleider. Mit Belhulfe ihres Be⸗ rathers, des ehrlichen Oldenburgers, be⸗ reitete ſie ſich zuvoͤrderſt ſorgfaͤltig auf ih⸗ ren Tod, verzieh allen ihren Feinden, be⸗ reute nochmals alle ihre Suͤnden, und verſoͤhnte ſich mit Gott. Jetzt forderte ſie ihr Sterbekleid, welches ſie vor ſich hin auf den Tiſch legte und die wenigen Um⸗ ſtehenden bat, ſie nach ihrem Hinſcheiden damit zu bekleiden. Zwei Tage darauf verſchied Anna, die verfuͤhrte und durch harte Strafen verbeſſerte Herzogin. Sie ſtarb ſtandhaft, ruhig, vom Geiſt der Re⸗ ligion geſtaͤrkt zur letzten wichtigſten Stunde. Wehmuͤthige Thraͤnen zollte ihr der Menſchenfreund, der dem Verirrten gern den rechten Weg zeigt, und dem Strau⸗ chelnden ſeine Hand beut; nur der ſtolze Heuchler, der mit Tugend prahlt, die er nicht beſitzt, ging laͤſternd voruͤber, und ſtreute Diſteln und Dornen auf Anna's Todtengruft. Aber die Nachwelt noch ſchenkt der Verfuͤhrten willig Mitleiden 6 und ſchonendes Urtheil, indem ſie es ein⸗ ſieht, daß ohne ihren muͤrriſchen Gemahl und den welſchen Verfuͤhrer Anna als ein Muſter einer guten Fürſtin und Ehefrau, begabt mit allen nachahmungswuͤrdigen Tugenden, vielleicht hätte aufgeſtellt wer⸗ den koͤnnen. Der Herzog befahl, den Leichnam wie⸗ der nach Sonnenberg zu bringen, welches geſchah, und ließ ihn daſelbſt nicht ohne Pracht in dem Chore der Floſterkirche bei⸗ ſetzen. Darauf bedeckte er die Gebeine mit einem Grabſteine, der ſo kalt war wie ſein Herz. Keine Thraͤne fiel von ſeinem Auge; aber das Mitleid weinte, die Sanft⸗ nuth verhuͤllte ſich, und die Demuth klagte öber ſeine Haͤrte und Strenge. — Nach Johann Caſimirs Tobe ging 158 die Sage: er koͤnne nicht ruhen im Grabe, ſondern erſchiene allnaͤchtlich mit jammer⸗ vollen Geberden, und flehe Vergebung von der ungluͤcklichen Anna, die, gehuͤllt in ihr weißes Sterbegewand, mit Abſcheu ſeinen Armen ſtets entflohen waͤre, bis ein Greis im Prieſterkleide, vermuthlich jener biedere Prediger, der Anna's Troſt im Leben war, erſchien, und die entzwei⸗ ten Gemuͤther verſöhnte.— Noch jetzt erzaͤhlt man in Coburg dieſe Geſchichte, wenn den Reiſenden Johann Caſimirs in Stein gehauenes Bildniß gezeigt wird. 2. Der Fuͤrſten gunſtling oder das enthuͤllte Geheimniß. Erſter Abſchnitt. Angeſehen und hoch verehrt herrſchte Manfredo in Faenza. Er war ſeinem Bruder Tancredo in der Regierung ge⸗ folgt, als ſein Neffe, deſſen Vormund er früher war⸗ plötzlich ſtarb, und ihm ſein Erbrecht und ſein Fuͤrſtenthum hinterließ. Die Laien und die Geiſtlichkeit waren 3 mit Manfredo's Regierung unzufrieden. Seine Krieger liebten ihn als einen tap⸗ fern Feldherrn, wovon er Proben gegebe hatte; und der Adel hatte Ehrfurcht vor ſeinem Landesherrn. Man ſehnte ſich nur nach der Ge —— 162 wißheit, den Regierungszuͤgel von Faenza in den Haͤnden der Nochkommen des Fuͤr⸗ ſten Manfredo zu ſehen. Dieſe Wuͤnſche wurden laut, und Manfredo, der bis in ſein vier und zwanzigſtes Jahr unverehelicht geblieben war, entſchloß ſich jetzt, die Wuͤnſche ſeiner Unterthanen zu erfuͤllen. Davon wurde jetzt allgemein geſprochen, und Hoffnungen und Wuͤnſche lebten in frohen Erwartungen auf. Damals lebte an Manfredo's Hofe ein junger talentvoller Mann, Ubaldo Zerbini, deſſen Bekanntſchaft der Fuͤrſt vor einiger Zeit in Venedig gemacht hatte, der ihm gefiel, und den er mit glaͤnzenden Anerbietungen nach Faenza an den Hof berief.— Ubaldo folgte dem Rufe, wurde von dem Fuͤrſten ſehr gnaͤdig aufgenom⸗ men, ausgezeichnet und geſchätzt. Der Hof war etwas unwillig uber den Vorzug, welchen der Fremdling ge⸗ noß; denn ſchon ſahen erfahrne Hofmänner in ubaldo einen Günſling des Furſten 163 aufbluͤhn: eine Blume, die viele Neider, aber wenige Freunde zu finden pflegt. Die Hofleute hatten keine vergeb⸗ lichen Ahnungen. Ubaldo ſchwang ſich wirklich nach und nach, ohne daß er ſelbſt es wußte, zu der Hoͤhe eines fürſtlichen Guͤnſtlings empor, wohin ihn Manfredo, ohne daß er gleichfalls wußte, wie oder warum er das that, erhob. Das ging ſo nach und nach, und ohne Berechnung von beiden Theilen, zu, daß Ubaldo von dem Fuͤrſten Freund ge⸗ nannt wurde, ehe er wußte, womit er Benennung verdient habe. eldein Anſehen vergroͤßerte ſich mit . Tages er ſelbſt aber ſah ſich um nichts groͤßer jetzt, als er ſich vorher ge⸗ ſehen hatte. Er kannte ſeinen Werth, und b ihn nicht erſt durch eine Gnade zu erhalten. 2 Dieſe Vertraulichkeit fuͤhrte weſlen und Ubäldo wurde auch zum Vertrauten der Privatgeheimniſſe des Fuͤrſten gemachtz 164 ſo daß dieſer ihm einſt in einer vertrau⸗ lichen Stunde ſein groͤßtes und wichtigſtes Geheimniß enthuͤllte. Dieſe Enideckung ſetzté den Guͤnſt⸗ ling in Erſtaunen, welches dem Fuͤrſten nicht entging. Manfredo(befremdet). Uboldo!— Wie? Du wrirſt blaß? Du zitterſt?— Du ſchweigſt?— ubaldo(verlegen). Mein Fürſt!— Manfredo. Freund! ubaldo. Ich wuͤnſchte, nie Theil⸗ nehmer dieſes Geheimniſſes geworden zu ſeyn Manfredo. Beruhige Dich daruber, ubaldo! zeige dich meines Zutrauens werth!— Es kann nun einmal nicht an⸗ ders ſeyn. ubaldo. Weil es ſo iſt! Manfredo. Und weil es nun ſo bleiben muß. Mein Tod kann alles wie⸗ der gut machen.— Nun, Ubaldo! habe ich noch einen Auſtrag für Dich; eine 165 Angelegenheit, bei der ich mein ganzes volles Zutrauen in Dich ſetze.— Die Tochter des Herzogs von Caſtro war mit dem Prinzen von Urbino vermaͤhlt; ſeit zwei Jahren iſt ſie Wittwe. Der Ruf ſagt viel von ihrer Schoͤnheit und ihrem Verſtande. Ich bin Willens, ihr meine Hand zu reichen, und habe Dich erſehen, in dieſer Angelegenheit mein Rathgeber⸗ dann der Botſchafter an ihres Vaters Hofe, und mein Freiwerber bei der Prin⸗ zeſſin zu ſeyn.— Begib Dich unerkannt nach Caſtro, beobachte die Prinzeſſin, lerne ſie kennen, gib mir Nachricht von Deinen Entdeckungen, und etwarte ſodann meine weiteren Verfuͤgungen. ubaldo. Verlaßt Euch ganz au. mich, mein Fuͤrſt! Nanfredo. Ich lege hiermit mein Wohl und Weh in Deine Haͤnde, in die Haͤnde meines Freundes. Ich bin feſt überzeugt, daß du mein Zutrauen nicht mißbrauchen wirſt.— Die Heirathsge⸗ 166 fandtſchaft nittſ Du ganz in der Stille dh. ubaldo. Ich werde mich zu beneh⸗ men wiſſen. Heimlich reiſte Ubaldo ab, und kam unter einem andern Namen nach Caſtro, wo die Prinzeſſin Jſabella ſeit dem Tove ihres Gemahls an ihres Vaters Hofe lebte. Ubaldo wußte ſich bald bei Hofe Zu⸗ titt zu verſchaffen, und zeigte ſich, als e dem Herzoge vorgeſtellt wurde, von eiter ſo vortheilhaften Seite, daß er ſo⸗ zeich leichtes Spiel bekam. Der Herzog unterhielt ſich ſehr lange und freundlich mit ihm, bewunderte ſeine Klugheit, und war von ſeiner Wohlreden⸗ heit und ſeinem feinen Betragen entzuͤckt. „Wolt Ihr mir das Vergnuͤgen goͤn⸗ 167 nen,“ ſprach der Herzog—„ſo lange Ihr hier verweilt, mein Gaſt zu ſeyn ſo werdet Ihr mir viele Freude gewaͤhren. Ich bitte Euch ſogar darum, recht lange hier bei uns zu bleiben, wenn es ſich thun laſſen will.“ Dieſes ſchmeichelhafte Anerbieten nahm ubaldo an, und der Herzog befahl, ihn ſeiner Tochter ſogleich vorzuſtellen. „Ihr werdet an iht“— fuhr er fort — eine Liebhaberin der Wiſſenſchaften und eine Freundin finden; ſo wie auch ich mich von ganzem Herzen Euern Freund nenne. ubaldo wurde ber Prinzeſſin vorge⸗ ſtellt. Sie war ſehr guͤtig, eine geiſtreiche Dame, im zwanzigſten Lenze ihres Lebens, reizend und liebenswerth. ungluͤcklicher Augenblick vieſes Zu⸗ ſammentreffens! Um Ubaldo's Ruhe war es geſchehen.— Die Braut ſeines Fuͤr⸗ ſten, um die er werben ſollte, entzuckte und bezauberte ihn, und die unſelige 168 Leidenſchaft der Liebe erwachte in ſeinem Buſen. Feſt hielt ihn der allmaͤchtige Zauber gefangen. An ſeine Rettung konnte er nicht mehr denken; es war zu ſpaͤt zu fliehen: er war verloren. ubaldo war ein ſchoͤner junger Mann. Gleichguͤltig verließ ihn die Prinzeſſin nicht; aber bis zur Leidenſchaft war ihre Empfindung fuͤr ihn noch nicht geſtiegen. Das iſt bei tugendhaften Frauenzimmern nur ein Werk der Zeit. Ubaldo vergaß, ſeinem fuͤrſtlichen Freunde Nachricht von ſich und der Prin⸗ zeſſin zu geben; er vergaß ſich ſelbſt. Seine Leidenſchaft wuchs mit jeder Stunde, und drohte ſchon die Schranken zu durch⸗ brechen, als er erſt nachdachte, wie er dem drohenden Ungewitter entrinnen wollte. Es war zu ſpät. Er blieb. Er uberließ ſich mit Wohlgefallen ſeinen Em⸗ pfindungen, und gewahrte, daß Iſabella ſeine bezeichneteſten Schritte nicht bemerkte, — 169 oder nicht bemerken wollte. Das machte ihn muthig und kühn. Es war ihm nicht mehr zu helfen. Einſt traf er die Prinzeſſin auf ei⸗ nem Morgenſpaziergange im Schloßgarten luſtwandelnd an. Er hatte nicht den Muth, ihr auszuweichen; ſie haͤtte das auch vielleicht nicht gern geſehen. So naͤherten ſie ſich einander, ſo trafen ſie zuſammen, und hier kam es ohne Prunkreden ſogleich zu einer weit zwangloſern Unterhaltung. Iſabella. Man konnte darauf rech⸗ nen, daß einen Freund der ſchoͤnen Natur dieſer herrliche Morgen ins Freie locken wurde. Aber daß Ihr eben dieſen Gar⸗ ten waͤhltet, um die Freuden eines ſchoͤnen Morgens zu genießen, das— ubaldo. Iſt gewiß nicht Zufall, gnädigſte Prinzeſſin! 3 170 Iſabella. Ei!— Ich hatte wirk⸗ lich auf den Zufall in Eurer Antwort ge⸗ rechnet. Ubaldo(ſeufzend). Ach nein! es iſt nicht Zufall— Iſabella. Alſo Vorſatz?— Vor⸗ fatz, hier zu luſtwandeln, um—— Was feblt Euch?— Ihr ſeht wahthaftig aus, als wenn Ihr Euch irgend worin verrech⸗ net haͤttet. ubaldo(ſchmachtend). Prinzeſſin! Iſabella. So feierlich auf einmal! — Wobher dieſe Umwandlung in einem geitblic?— Was heißt das?—— Der heitere Morgen iſt es doch unmöglich, der Euch ſo ſehr verſtimmt? Ubaldo. Fuͤr einen Unglücklichen gibt es keinen heiteren Morgen. ubaldo. Sehr! Iſabella. Und wo bleibt Euer Vorſatz, hieher zu gehen? Iſabella. Wie? unglücklich ſeyd —„—„ — „ 17¹ ubaldo. Ich wollte mich zu zer⸗ ſtreuen ſuchen. Iſabella. Die Zerſtrenung iſt eine Freundin auf ſehr unſichern Wegen. ubaldo. Ich habe geſtern Briefe erhalten, die mich ſehr traurig machen. Iſabella. Das ſind vermuthlich Familienangelegenheiten? Ubaldo. Angelegenheiten der Freund⸗ ſchaft.— Erlaubt mir, Euch zu eroͤffenen, was mich kuͤmmert. Iſabella. Wenn ich es wiſſen darf.— Ubaldo. Ich habe einen p Wir lieben uns, wie ſich gewiß noch keine Freunde geliebt haben.— Dieſer Freund iſt Hofkavalier eines Prinzen, deſſe gan⸗ zes Zutrauen er beſitzt. Der Paz hat ihn als Freiwerber an einen benachbarten Hof geſchickt, und mein unbeſonnener Freund hat— o es iſt ſchrecklich!— Iſabella(geſpannt). Nun? 5. Ubaldo. Er hat die Pflicht gegen 172 ſeinen Herrn vergeſſen; er hat treulos an ihm gehandelt, und fuͤhlt ſelbſt Leiden⸗ ſchaft fuͤr die Braut des Prinzen. Iſabella. Weiß es der Prinz? Ubaldo. Noch nicht.(Sich vergeſ⸗ ſend). Wenn er es aber erfährt,— dann wehe dem Ungluͤcklichen! Er iſt ohne Ret⸗ tung verloren!—— Iſabella(erſchrocken). Mein Gott! wie ſprecht Ihr ſo leidenſchaftlich! ubaldo(ſucht ſich zu faſſen). Ich liebe meinen Freund! Iſabella. Weiß die Braut— ² ubaldo. Noch nichts. I†ſabella. Sie hat Euerm Freunde doch nicht etwa—2 Ubaldo. Sie hat gar nichts gethan, was ihn berechtigen koͤnnte, ſeine Leiden⸗ ſchaft zu naͤhren; und dennoch hegt ſie der Ungluͤckſelige gleich einer Freundin in ſeiner Bruſt. O! ſie iſt eine Natter, die er zu einem toͤdtenden Biſſe in ſeinem Buſen erwaͤrmt. 2 e— 173 Iſabella(beinahe betroffen). Ihr muͤßt dieſen Freund ſehr lieben, da Ihr ſo aͤngſtlich fur ihn beſorgt ſeyd! ubaldo. Ich liebe ihn von ganzer Seele,— und dennoch muß ich ihn iett haſſen!— Iſabella. Was wird er thun? ubaldo. Er wird fuͤr ſeinen Fuͤr⸗ ſten um die Hand der Prinzeſſin werben, und dann— Iſabella Nun? und dann?— ubaldo(feſt). Dann wird er doch wohl Muth genug haben, ſich einen in die Bruſt zu ſtoßen! Iſabella(erſchrocken). Wie?! Ubaldo. Er verdiente ſonſt nct mein Freund zu ſeyn! Iſabella. Ihr ſeyd in heftiger Bewegung! Ubaldo. Iſt mein Freund tit ein treuloſer Bube? 174 Ifabella. Ihr nehmt die Sache allzu gewiſſenhaft. Ubaldo. Allzu gewiſſenhaft? Iſabella. Ich wrill ſeiner Leiden⸗ ſchaft das Wort nicht reden; aber— Ubaldo. Koͤnnt Ihr ihn ent⸗ ſchuldigen? Iſabella. Ich meine nur— ubaldo(zitternd). Koͤnnt Ihr ihn entſchuldigen? Iſabella. Setzt Euch in ſeine Lage, und— Ubaldo(ausbrechend, heftig). Ha! ich bin in ſeiner Lage! Iſabella(erbebt). Um Gotteswil⸗ len! was ſagt Ihr? ubaldo(ſtͤrmiſch). Ja! Vernehmt es, und verabſcheut mich.— Ich ſoll fuͤr den Fuͤrſten Monfredo von Faenza um Eure Hand werben, und ich Elender liebe!— Iſabella(ſchnell). Faßt Euch!— (Aengſtlich). Seyd wenigſtens— 8 M 2 175 — Uubaldo(dringend). Ich verlange mein Urtheil! Iſabella. Von mir? Ubaldo. Von Euch, die ich— Iſabella. Von mir erwartet kein Urtheil in meiner eigenen Angelegenheit. Ubaldo(verzweifelnd). Nun dann! ſo will ich ſelbſt mich verurtheilen.(Er zieht einen Dolch). Iſabella(angſtvoll). Haltet ein! Ubaldo. Ich bin des Todes ſchul⸗ dig! Fſabella. Keine Unbeſonnenheit! ſie macht nichts gut. Ubaldo. Wollt Ihr einen— ² Iſabella(einfallend). Laßt mich nichts mehr hoͤren! Ubaldo. Ich will Euch— Iſabella. Still davon! ſiill! Ubaldo Gzieht ein Miniaturgemaͤlde hervor). Hier iſt das Bild meines Fuͤr⸗ ſten.— Jetzt gehe ich zu Eurem Vater, und entledige mich meines Anftrags. Ich „ 176 werbe im Namen des Fuͤrſten von Faenza um die Hand der angebeteten Prinzeſſin, und— weiß mein Leben— Iſabella(ſtreng). Nochmals ge⸗ biete ich Euch, keine Unbeſonnenheit zu begehen, bei Eurer Lie— bei der Ehr⸗ furcht, die Ihr mir ſchuldig ſeyd!— Uuvaldo(ruhiger). Ich kann meine Augen nicht mehr gegen Euch aufſchlagen; ich habe inich unterſtanden—— Fſabella(faͤllt ihm ins Wort). Iſt der Fuͤrſt in dieſem Bild getroffen? Ubaldo lerſchrocken). Zum Sprechen! Iſabella. Er iſt ein Vierziger? Ubaldo. Vier und vierzig. Iſabella. Und war nie vermaͤhlt? ubaldo. Noch nie. Iſabella. Er iſt der alleinige Be⸗ herrſcher von Faenza? ubaldo(ſtockend). Jetzt iſt— Er iſt es. keine Erben? Iſabella. Hinterließ ſein Bruder — —— W — „— 0 — Ubaldo. Einen Sohn. Iſabella. Und der iſt todt? ubaldo. Er ſoll protziich geſtorben ſeyn. Iſabella. Er ſoll—² ubaldo. Ich war noch damals in Venedig. Ich bin ein Fremdling in Faenza, und kenne Manfredo's Familien⸗ geſchichte nur der Sage nach— Iſabella. Ich nehme in Euch ei⸗ nen Freund mit nach Faenza. Uubaldo(betroffen). Wie? Ihr wollt— ² Iſabella. Ich will dem Fürſten meine Hand reichen. ubaldo(wirft ſich nieder). So em⸗ pfangt, als meine Fuͤrſtin, von mir die erſte Huldigung, von einem treuen Unter⸗ than, der— Iſabella. Steht auf!— Seyd klug, und bedenkt, daß— Ubaldo Cuſpee. Prinzeſſin! Ihr— 12 178 Iſabella(guͤtig). Ich verzeihe Euch.— Wir Bebn zuſammen nach Faenza, und— ubaldo. 5ch bin ein Verräther an meinem fuͤrſtlichen Freunde! Iſabetla. Dennoch vergebe ich Euch.— Seyd klug!— Keine Unbeſon⸗ nenheit.— Geht jetzt zu meinem Vater, und— dieſen Abend ſpreche ich Euch. Sie ging.— Er ſah ihr lange nach. —„Ja! ich habe Dich verſtanden!“ rief er endlich hoch entzuͤckt, und eilte zu dem Werzog. Hier übergab er ſein Kreditiv, und 66 förmlich in Manfredo's Namen um die Hand der Prinzeſſin. einigen Tagen nn er er⸗ 179 wuͤnſchte Antwort.— Hierauf fertigte er ſogleich einen Boten nach Faenza ab, ſandte Iſabellens Bild, ſchilderte ihre Gei⸗ ſtesgaben, und meldete, daß ſein Gewerbe angenommen worden ſey. Manfredo war erfreut, endlich einmal etwas von ſeinem Ubaldo zu hoͤren. Das Bild der Prinzeſſin riß ihn hin, und er fertigte ſogleich einen Eilboten mit der Gegenantwort und mit Briefen an den Herzog und an ſeine Braut ab, begleitet mit koſtbaren Geſchenken. Indeſſen hatte Ubaldo immer Gele⸗ genheit geſucht, Iſabellen zu einer naheren Erklarung zu bringen; doch kam es nicht dazu.— Dies machte ihn mißtrauiſch und zuruͤckhaltend. Die Prinzeſſin ſelbſt mußte das bemerken, und ſie nahm ſich die Frei⸗ heit, ihm das zu verſtehen zu geben. 5 Iſabella. Seit ich die Braut Eu⸗ n res Fuͤrſten bin, Ubaldo, macht Ihr der Zuruͤckhaltung eben ſo gut den Hof, als Ihr ihn mir macht. — 180 ubaldo. Die Zuruͤckhaltung iſt eine fuͤr Kronen geborne Dame.— Wie koͤnnte ich mich anders, als mit Ehrfurcht, meiner gebietenden Frau nahen? Hier iſt jeder freie Blick, jedes vertrauliche Wort ein frecher Dieb, der es nicht ungeſtraft wagt, ein Heiligthum zu veſchimpfen, das er anbeten ſoll. Iſabella. Dieſer feierliche Ton gibt mir vorlaͤufige Nachricht, wie ich Euch als Hofmann zu Faenza finden werde.— Der Fuͤrſt nennt Euch Freund; die Fuͤr⸗ ſtin wird Euch zu ihrem Zeremonienmei⸗ ſter machen ubald Das wird die Fürſtin wohl nicht e wenn ſie mich nicht alle Augenblicke uͤber Zerſtreuung, und uͤber aus Zerſtreuung unterlaſſene Sf Rede ſetzen will. Iſabella. Eure Fürſtin iſt ſehr nachſichtsvoll. ubaldo. Eine wohrhaft fuͤrſtliche Tugend! 181 Iſabella. Sie wird auch die Gar⸗ tenſcene vergeſſen. ubaldo(bitter). Sie hat ſie ſchon vergeſſen. Fſabella llächelnd). Glaubt Ihr das? Meint Ihr, daß ich ſo vergeßlich bin? ubaldo. Ich glaube, daß man alles ſeyn kann, was man ſeyn will. Iſabella(bedeutend). Schwerlich! Wenn dem alſo waͤre, was wäret Ihr jetzt? ubaldo(verlegen). Glücklicher wäre ich, als ich es jemals zu werden hoffen daif!* Iſabella. Das beweiſt nun gegen Eure Rede. ubaldv. Aber nicht gegen mich ſelbſt. Gibt es nicht auch gluͤckliche Traͤume? Iſabella. Ttäume ſind keine Wirk⸗ lichkeiten. 6 ubaldo. Aber ſind doch Etwas 1—— Iſabella. Genug! ich verlange we⸗ 182 niger Zuruͤckhaltung von Euch. Das iſt es, woruͤber wir ſprechen. Ubaldo. Darf ich mich erdreiſten zu bemerken, daß Ihr Zuruͤckhaltung mit Ehr⸗ furcht verwechſelt?— Ihr ſeyd meine Fuͤrſtin jetzt, und ich 18, was ich Euch ſchuldig bin. Iſabella. Aufrichtigkeit vor allem. Ubaldo. Stellt mich auf die Probe. Iſabella(ihn fixirend). Legt Ihr die Liebe an und ab, wie Euer Schwert? Ubaldo(duͤſter). Dieſe Leidenſchaft iſt ein zweiſchneidiges, furchtbares Schwert, deſſen Schaͤrfe mich ſchon tief verwundete. Iſabella. Keine Seitenſprünge, ſtatt einer Antwort! Ubaldo(verwirrt). Ich habe— ich finde keine Antwort. * Iſabella Cforſchend). Liebe gebiert, ſagt man, den ſtaͤrkſten Haß? ubaldo(ſanſt). Ergebenheit und Ehrfurcht dulden keinen Haß. Wenigſtens ich 163 Euch ruhig zu ſehen.— Ihr muͤßt Euch verehelichen. Ich ſelbſt will Eure Frei⸗ werberin werden. Es iſt Gegengefaͤllig⸗ keit.. ubaldo(bitter laͤchelnd). Ich bin nicht eigennuͤtzig, meine Fuͤrſtin, und danke ſonach Eurer Gnade. Ich werde mich nun nicht verbinden. Iſabella(ihn ſcharf anblickend). Nicht? ubaldo. Nein. Iſabella. Niemals? ubaldo(zerſtreut). Für die Zukunft freilich kann Niemand ſtehen. Iſabella(im Tone des Vorwurfs). ubaldo!— ubaldo. Meine Fuͤrſtin?— Iſabella. Ihr wollt gefürchtet ſeyn! ubaldo(betreten). Ich— Wie meint Ihr— ² Iſabella. Ich leſe es in Euern Augen, daß Ihr uͤber einem Plane brütet, 184 Ubaldo. Der— Ja wrirklich! ich bin verrathen. Alſo— hoͤret meinen Plan. Sobald ich Euch gluͤcklich nach Faenza gebracht habe, gehe ich zu den W Rittern. Iſabella Gerbiben) Ubaldo!— Ubaldo. Bloß, damit ich mein Fech⸗ ten nicht verlerne. Iſabella. Was wird Manfredo dazu ſagen? Ubaldo. Nichts mehr, als eben das, was die Fuͤrſtin dazu ſagen wird:„Ziehe hin in Frieden!! Iſabella(ſanft). Das wird die Fuͤrſtin nicht. Ubaldo(ſie anblickend). Nicht? Iſabella. Sie wird ſagen: Ubaldo! Du biſt der einzige Mann, den ich Unbe⸗ kannte hier wenigſtens laͤnger, als alle andere kenne, die mich umgeben. Ziehe alſo nicht zu den Rhodiſern; bleib hier in Faenza, und werde mein Rathgeber, wenn * ich Deines Rathes bedarf.— Will dann ubaldo doch noch gehen? ubaldo(ſchmerzvoll). O Fürſin! Ihr treibt auf Koſten meiner Ruhe mit mir ein ſonderbares Spiel. Iſabella. Treibt auch Ihr auf meine Unkoſten ein ſonderbares Spiel, ſo ſind wir in der naͤmlichen Beſchäftigung. ubaldo. Bei Gott! ich verſtehe Euch nicht. Iſabella. Das thut mir leid!— Es iſt aber doch noch beſſer, as wenn Ihr mich mißverſtehen koͤnntet. ubaldo. Dieſes Räthſel— Iſabella. Ueberlaßt die Aufloͤſung der Zeit.— Ihr geht mit mir nach Faenza, und uͤberlaßt die Rhodiſer ihrem Schickſal. Der Graf von Savoyen und die Genueſer werden wohl ſchon Sorge tragen, Rhodus zu entſetzen. Euch brau⸗ chen wir zu Faenza.— Nochmals— Eure beſte Freundin wird, wenn Ihr es woli die Zeit ſeyn. 186 Der Einzug der Braut zu Faenza ging mit großer Pracht vor ſich⸗ 5 Manftedo war entzuckt, Iſabella ſchwamm im Schimmer fuͤrſtlicher Pracht zufrieden dahin, und ubaldo wurde reich⸗ lich belohnt. Dir frohen Tage der glaͤnzenden Hoch⸗ zeitfeſte waren voruͤber, die Räuſche wur⸗ den ausgeſchlafen, alle ſchwammrn noch in bezaubernden Träumen;— aber Ubaldo wachte, und konnte weder ſchlafen noch traͤumen. Der Fuͤrſt kam ſeiner Gemahlin nicht von der Seite. Er hatte ſie ſehr lieb ge⸗ wonnen, und fand ſie ungemein zaͤrtlich, ſo daß er mehr als einmal mit Entzuͤcken zu Ubaldo ſagte: Ubaldo!„ach wie gluͤck⸗ lich waͤhlteſt Du fur mich!“ So viele Worte des Fuͤrſten waren auch ſo viel Dolchſtiche fuͤr ſein Herz.— Kaum konnte er ſich noch verſtellen.— Er fing allmählig an, eine Figur zu ſpielen, die dem ganzen Hofe auffiel. Selbſt der % 187 Fuͤrſt wurde auf ſein Betragen enblich aufmerkſam. Oft fragte er Ubaldo, was ihm fehle? Und eben ſo oſt antwortete dieſer ihm, daß er es ſelbſt nicht wiſſe. Die Fuͤrſtin ſprach er aͤußerſt ſelten, und wenn en ſie ſprach, ſo machte ſie ſich ſehr fein uͤber ſeine Verlegenheit luſtig. Das konnte er nicht ertragen. Dieſe Kraͤnkung empoͤrte ſeinen Stolz. Seine Leidenſchaft fuͤr ſie verwandelte ſich nun in Haß. Von Liebe ſprach er nun nicht mehr, doch ſchwur er ſich zu raͤchen. Jetzt fing er an, ſich zu verſtellen, und affectirte eine gewiſſe Luſtigkeit, die ſehr oft ins Uebertriebene fiel. 4 Zweiter Abſchnitt. Zu Faenza lebte damals eine Gräfin Gismonda, in einem Alter von unge⸗ faͤhr ſechs und zwanzig Jahren, ein feuri⸗ ges, tiefblickendes und ſtolzes Weib. Sie war beleidigt von Manfredo, der fruͤher vertraut mit ihr gelebt hatte. Jetzt wurde ſie allenthalben zuruͤckgeſetzt; das konnte ſie nicht ertragen. Sie durſtete nach Rache, vlieb zu Faenza, und erwartete ungeduldig den Augenblick, in welchem ſie triumphiren wollte. Shrem Scharfblic entging Ubaldo 189 nicht. Sie ahnete ſeine Unzufriedenheit und zog ihn nach und nach zu ſich. Gismonda war klug und verſchlagen; ſie fand bald Ubaldo's ſchwache Seite auf. Sie kam ihm entgegen, und er wurde zutraulich. Allmaͤhlig kamen beide ſic ſo naht, daß ſie ohne Bedenken ſich die Haͤnde rei⸗ chen konnten. Um deſto ſicherer zu gehen, that die Graͤfin den erſten Schritt, bei welchem ſie nichts wagte, und Ubaldo war ſonach gezwungen, den zweiten Schritt zu thun, wie das ganz 2 war. An einem ſchoͤnen Abende ſaßen beide in der Graͤfin Kabinet zuſammen. Per⸗ lender Wein ſchaͤumte in den Bechern, die ubaldo hitzig leerte, u und die Se 190 freundlich immer wieder fullte⸗ F Ihre Au⸗ gen warfen Strahlen,— Ubaldo war jetzt leicht zu entzunden. Ein ſüßer Tau⸗ mel bemaͤchtigte ſich ſeiner Sinne,— die Graͤfin benutzte den berechneten Augenblick, — und der ſchoͤne Juͤngling lag in den Armen einer wolluͤſtigen Bacchantin.— Glut verſchmolz in Glut— Flamme er⸗ goß ſich in Flamme— Entzuͤcken rang mit Entzuͤcken,—— und ſanftes Ermat⸗ ten kroͤnte die kuͤhnſten Wuͤnſche.——— Sie hielt ihn feſt— ſie rang mit ihm um den Preis— ſie ermattete ihn mit feurigem Zuvorkommen—— ſie feierte einen dreifachen Triumph——— und Ubaldo ermuͤdet in ihren Armen.— So fand ihn die Morgemöthe, und weckte ihn mit lieblichem Koſen. Er ſah ſich an Gismonda's Seite, und konnte ih⸗ ren Armen nicht entfliehen. Sie erwachte von ſeinen Kuͤſſen zu neuen Freuden.— Sie hielt ihn mit 191 lieblichem Zauber gefangen, und zog ihn mit jedem Augenblick tiefer in ihre Schlingen.— Gismonda. So wird Manfredo jetzt bei Iſabellen liegen— der Treuloſe! der einſt in dieſen Armen, von der Liebe Gluͤck berauſcht, mir ewige Treue ſchwur, und ſo eulos ſeine Schwuͤre brach!— uhaldo(duͤſter). Ach! Gismonda. Doch wozu ſoll das Dir, mein Lieber? Das Vergangene ſey vergangen— ubaldo. Nein! es ſey nicht ver⸗ gangen!— Gismonda. Und warum nicht, da mich das Gegenwaͤrtige ſo ſehr begluͤckt? — Ich mache keinen Anſpruch an den Fuͤrſten. Er liebt ſeine Gemahlin, die ſchon das Pfand ſeiner Liebe ſichtbar un⸗ ter ihrem Herzen trägt. Ihre Kinder wer⸗ den uͤber Faenza alsdann herrſchen, und— Ubaldo(raſch). Nein! das ſollen ſie nicht! 192. Gismonda. Nicht?— Warum nicht? ubaldo. Ich beſitze einen Talis⸗ man, der Iſabellens beleidigenden Stolz zu Boden ſchmettern ſoll. Ich kann Schloͤſ⸗ ſer und Banden ſprengen.— Ihre Kinder ſollen nimmer zu Faenza herrſchen!— Sismonda C(ſtaunend). Ubaldo! was ſagſt Du? Ubaldo. Was ich erfullen kann. Gismonda. Ich verſtehe Dich nicht. Wilſſt Du Iſabellens Kinder morden? Ubaldo. Ich bin kein Moöͤrder. Aber ich kenne Einen, der ehen ſo eut als ein Moͤrder iſt. Untecht ſoll Unrecht blei⸗ ben. Jeder an ſeinen Ort; dahin, wo er hin gehoͤrt. Gismonda. Ich begreife nicht, Uvaldo, was Du ſagen willſt.— Du kennſt doch meinen Oheim, den Morcheſe dObero? Dieſer grübelt einem ſchreck⸗ ichen Geheimniß nach. Er will wiſſen, daß Manfredo's Brudersſohn, der Prinz 193 Rinaldo, dem der Purpur von Faenza eigentlich gehoͤrt, auf Befehl des erdroſſelt worden ſey. ubaldo(heftig Nein, ſo iſt es nicht! Er iſt noch am Leben. Gismonda. Wie? Er lebt noch, ſagſt Du? ubaldo(fuͤrchtenàd). Ha! nun weißt Du Alles— Doch, beim Himmel! Du weißt zu viel. Gismonda. Ich?— Manfredo's Todfeindin?— Ich kann zu viel nicht wiſſen. Ich bin zwar nur ein Weib; doch in dieſem Buſen klopft ein maͤnnliches Herz. Ubaldo! ha! Du haſt Dich keinem plauderhaften Madchen anvertraut. Ich weiß, ſo wie ein Mann, Geheimniſſe auf⸗ zubewahren. Ich fuͤrchte auch den Tod nicht, und bebe nicht zuruͤck vor der Ma⸗ jeſtatsmiene eines gekroͤnten Verbrechers. — Entdecke Dich meinem Oheim, macht Euch einen Anhang, zieht den Prinzen hervor aus ſeinem Todeswinkel, wo er 13 ₰ 194 ſchmachtek, ſetzt ihn auf den väterlichen Thron, gebt Faenza ſeinen rechtmaͤßigen Fuͤrſten wieder, und laßt ſonach die ſtolze Rärrin mit ihrem erlauchten räuberiſchen Gemahli in ihres Vaters großes Land ziehen. Dort moͤgen ſie Kriegsheere gegen Euch werben, oder von Eurem Gnadengelde leben, wie ſie wollen.— Die Stimme ver unterbruͤckten Unſchuld ruſt Dich zu ihrem Raͤcher auf. Du biſt ein mitſchul⸗ diger Verbrecher, wenn Du dieſen Ruf nicht hören willſt! ubaldo. Geduld!— Laß uns ung⸗ ſam, aber ſicher gehen. Gismonda. Bedenke aber auch daß Langſamkeit der Unſchuld das Leben koſten kann. Wird Manfredo S dann iſt der Prinz verloren. ubaldv. Dazu ſoll es nicht kom⸗ ment— Gismonda. Wo wird der vu gefangen gehalten? ubaldv. Auf dem nn n Rimini.— Gismonda! zeige Dich meines Vertrauens würdig. Indem ich von Dir gehe, bin ich ganz in Deiner Gewalt. Verraͤthſt Du mich an den Fuͤrſten, ſo— Gismonda. Eher an den Teufel, als an dieſen gewiſſenloſen Verräther.— Du ſollſt mich werth Deines Zutrauens finden. Ich kenne die Verraͤtherei noch, wohl aber die Rache; ſie ſchlummert bis jetzt in meinem beleidigten Buſen, und wird nunmehr furchtbar erwachen zu ſei⸗ nem Verderben! Sie verließen das Lager, auf wel⸗ chem Liebe ſie ſo weich gebettet hatte, und Uhaldo war eben im Begriff aus dem Hauſe der Graͤfin zu gehen, als ihm ein Hauptmann von der furſtlichen Leib⸗ wache mit Gefolge entgegen trat. 196 ubalvo(ſtutzt). Wo hinaus, Haupt⸗ mann? Gilt S 86 der Graͤfin oder mir? Pztiah Euch.— Gebt mir Euern Degen, und folgt mir ohne Wider⸗ ſtand. ubaldo n Ich? Hauptmann. Ihr, Ubaldo Zerbini! Auf Befehl des Fuͤrſten. uubaldo(gefaßt). Hier iſt mein Degen. Wo führt Ihr mich hin? Hauptmann. Sogleich zum Fuͤr⸗ ſten ſelbſt.— „Was iſt das?“— ſchrie die Graͤ⸗ ſin zum Fenſter heraus. „Man nimmt auf Befehl des zürſten mich gefangen!“— antwortete Ubaldo, und folgte dem Hauptmann. Gismonda flog voll Angſt und Wuth zu ihrem Oheim. 9 197 ubaldo wurde zu dem Fuͤrſten ge⸗ fuhrt, beläͤchelt von den Hofleuten⸗ gefeſ⸗ ſelt von der Wache.— Er blieb mit Manfredo allein. Manfredo(heftig auf ihn zugehend). Verraͤther! ubaldo(ruhig). Bin ich das? Manfredo. Ha Treuloſer! den ich mit Wohlthaten uͤberhäufte, und der mir Alles mit ſchändlichem Undank vergalt!— Aber noch bin ich Herr uͤber Dein Leben, und Du ſollſt mit Deinem Kopfe Deine Verraͤtherei zahlen! ubaldo(kalt). Welcher Verraͤtherei klagt man mich an? † Manfredo. Ich will Deine Treu⸗ toſigkeit gegen mich in Caſtro vergeſſen. Doch haſt Du außerdem meiner Gemahlin auch noch Argwohn wegen des Prinzen Rinaldo beigebracht. Dies Geheimniß ſollſt Du nicht verplaudern, und Deiner Vertraulichkeit mit der rachſuͤchtigen När⸗ rin Gismonda will ich Schranken ſetzen. 198 ubalbo(wie vorher). Ich habe der Fürſtin nicht geſagt, daß Rinaldo lebt. Vermuthet ſie es, deſto ſchlimmer fuͤr ſie und fuͤr Euch! Manfredo(wuͤthend). Nir aus den Augen, Niedertraͤchtiger! ubaldo(alt laͤchelnd). Hier iſt kein Echo, gnaͤdiger Herr! Manfredov. Mit Deinem Leben ſollſt Du dieſe Frechheit bußen!— Die Wache trat auf einen Wink des Fürſten in das Zimmer, und Ubaldo wurde ſogleich in enge Haft auf das Kaſtel der Stadt gebracht. ismonda ſchilderte indeſſen ihrem Oheim die Gefahr ſo dringend, daß der Marcheſe ſogleich zu ſeinen Freunden eilte, ſie davon in Kenntniß zu ſetzen. Dieſe —,— — 199 machten ſich nun mit auf, und hatten ſchon eine Zeit lang die Stadt im Ruͤcken, als Gismonda in in Verhaſt genommen, und ebenfalls auf das Kaſtell gebracht wurde. Sie folgte ſehr gefaßt, da ſie das Geheimniß in Sicherheit wußte. Der Marcheſe und ſeine Freunde be⸗ waffneten in aller Eile einige Bauern und Banditen, und drangen gegen Mor⸗ gen, als eben die Zugbruͤcke niedergelaſſen wurde, mit Gewalt und gaͤnzlich unver⸗ muthet in das ſchwach beſetzte Schloß, in welchem ſich der Prinz befand. Der Kommandant mußte ſich ergeben. Des Faenza gegen Abend Prinzen Kerker wurde aufgeſprengt, und er ſelbſt im Triumphe nach Rimini ge⸗ fuhrt. Das Volk ſtrömte haufenweiſe herbei, und alles bewaffnete ſich, dem Prinzen nach Faenza zu folgen. Ein Jeder wollte Zeuge ſeiner feierlichen Thronbeſteigung ſeyn; Jedermann nahm Theil an ſeinem 200 Schickſal, und freuten ich ſtine Be⸗ freiung. Das Geruͤcht hatte dieſe Begebenheit bald nach Faenza getragen.— Manfredo ſchaͤumte vor Wuth. Die Gefahr war dringend. Zaudern konnte ihm das Leben, wenigſtens die Freiheit koſten. Er mußte alſo ſein Heil in der ſchleunigſten Flucht ſuchen.* ubaldo und Gismonda wurden in bedeckte Wagen geworfen, die fuͤrſtlichen Koſtbarkeiten eiligſt zuſammengerafft, und ſo nahm Manfredo mit ſeiner die Flucht nach Caſtro. Auf dem Wege wurde der Wagen, in dem Ubaldo ſich befand, von einem Trupp Bauern angehalten. Sie meinten Koſtbarkeiten zu erbeuten, und retteten dadurch Ubaldo das Leben.— Gismonda war nicht ſo gluͤcklich. Sie wurde mit nach Caſtro geſchleppt.— Ubaldo eilte nach Rimini, und wurde dort mit Froh⸗ locken empfangen. 201 Die Thronbeſteigung des Prinzen Rinaldo in Faenza ging ohne Hinderniß vor ſich. Seine Vaſallen und Untertha⸗ nen leiſteten ihm hoch entzuͤckt den Eid der Treue, und Alles jauchzte ſeinem neuen Herrſcher Gluͤckwunſche entgegen. Einige Tage darauf fand man den Prinzen ftuͤh, vom Schlage geruͤhrt, todt im Bette. Der allzuſchnelle Wechſel ſeiner Lebensart trug die Schuld dieſes trauri⸗ gen Zufalls. Manfredo's Parthei erhob ſogleich wieder das Haupt. Er ſelbſt kam alsbald von Caſtro nach Faenza zuruͤck, und mit genauer Noth entflohen der Marcheſe und Ubaldo.— Letzterer ging, ohne zu wiſſen⸗ wohin der Marcheſe entronnen war, nach Venedig, wo er bekanntlich gelebt hatte, ehe er noch nach Faenza ging. . Dritter Abſchnitt. In Venedig nahm Ubaldo den Na⸗ men Oſorio Penagna an, bezeg ein kleines Gartenhaus in der Caledelle Be⸗ curie, und lebte ſtill und eingezogen bei ſeinem Wirthe, der ein Gaͤrtner war, und von dem Ertrage ſeines Gartens und von ſeines Hausgenoſſen Miethzins lebte. Der Gärtner Thomas bekümmerte ſich um keine Welthaͤndel, wußte kein Wort von der Revolution zu Faenza, arbeitete fleißig, ſchickte ſeine Frau mit Obſt, Ge⸗ muͤſe und Blumen auf den Markt, und 203 hatte weiter keinen Gram, als den, daß der Himmel ſeine Ehe nur mit zwei Toͤch⸗ tern und keinem Sohne geſegnet hatte. Dazu war auch nun wenig Hoffnung mehr vorhanden, denn eine ſeiner Toͤchter, Thereſe, war bereits ſiebenzehn, und die andere, Annette, dreizehn Jahre alt. 6 Ein Gluͤck war es fuͤr Ubaldo, daß er Wiſſenſchaften beſaß, ſonſt waͤre er un⸗ ter ſolchen Umſtaͤnden dem Tode der Lan⸗ genweile naͤher, als irgend einer andern Todesart, geweſen. Aber ſo abgeſondert von der großen Welt er auch lebte, ſo wenig hielt er ſich doch ganz ſicher. Er ging daher nur ſel⸗ ten aus, und nur dann, wenn er Beß hoͤren wollte. Des Gaͤrtners Toͤchter waren ſeine Aufwaͤrterinnen und Geſellſchafterinnen zu⸗ gleich, und er war froh, wenn er ſie nur zur Unterhaltung bringen konnte. *„——— 204 Einſt hrachte ihm Thereſe ſein fruga⸗ les Abendbrod, als er ſie erſuchte bei ihm zu bleiben, und ihm etwas zu erzahlen, weil ihm die Zeit lang wurde. Thereſe. Ei! ſagt mir nur, wie Ihr mir vorkommt? Ihr ſeyd ſo ein ar⸗ ttger und huͤbſcher Herr, klagt uͤber Lange⸗ weile, und geht doch faſt gar nicht aus dem Hauſe. Wenn Ihr zuweilen in Ge⸗ ſellſchaft gehen wolltet, wuͤrde Euch die Zeit gewiß nicht lang werden. Aber da ſitzt Ihr den ganzen Tag auf einem Fleck, und ſeht ſo nachdenkend aus, als hätte erlauchte Republik Euch aufgetragen, Mittel auszuſinnen, um ſie aus dem Bann zu löſen.— Ich weiß doch wahr⸗ lich nicht mehr, was ich von Euch ſoll! ubaldo. Was Du wrillſt, Thereſe; nur nichts Böͤſes.. Thereſe. Aber warum ſitzt Ihr denn immer ſo nachdenkend da? So duͤrfte mein kuͤnftiger Mann nicht ſeyn. „ 205 ubaldo. Wer iſt der? Thereſe. Das kann ich Euch wohl ſagen.— Seht, in der Straße neben an hat ſich eine Fremde, unbekannte Dame ein Haus mit einem Garten gekauft. Dieſe hat einen jungen Gaͤrtner ange⸗ nommen, ein Florentiner von Geburt, und ein geſchickter Menſch; und der will mich ehelichen.— Vorgeſtern hat er mir's ge⸗ ſagt. Wenn ich nun will, ſo iſt es tig,— und ich will!— Seht, ſo das zuſammen. Ubaldo. Aha!— Und wie nennt ſich denn die fremde Dame, deren Gaͤrtner Du zum Manne nehmen willſt? Thereſe. Das kann ich Euch nicht ſagen, und mein Bräutigam Anello weiß es auch nicht. Ubaldo(raſch). Kann ich ſie nicht einmal zu ſehen bekommen? Thereſe. Hu! wie Ihr gleich oben pinaus wollt, wenn von einer Daßne die Rie iſt! 3 muͤßt erſchrecklich verliebt 206 6„Thereſe!“— ſchrie die Mutter;— „vergißt Du denn ganz und gar das Wiederkommen?“ Thereſe(erſchrocken). Ach Gott! Nun wird es wohl etwas abſetzen.— Aber kommt mir, und fragt wieder nach der Dame!— Gute Nacht! — Trotz des Verbots war Ubaldo doch neugierig, er wußte ſelbſt nicht warum, die Dame kennen zu lernen, nach der er nicht fragen ſollte. Er ſchlich daher ſo lange um die bezeichnete Wohnung herum, bis er endlich einmal ein weibliches Ge⸗ ſicht, ſtark verſchleiert, am Fenſter erblickte. Durch den Schleier konnte er nicht ſehen, aber man ſah ihn. Das Fenſter wurde zugeſchlagen, und die Dame flog herab 207 in die Hausthuͤr.— Er wollte eben ſich entfernen, als ihm die Dame winkte. Er trat naͤher zu ihr. Sie ſchlug den Schleier zuruͤck, und Ubaldo ſah— Gismonda vor ſich ſtehen.— Es wurde kein Wort geſprochen.— Die Graͤfin nahm ihn bei der Hand, und fuͤhrte ihn die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Hier fiel ſie ihm ſtuͤrmiſch um den Hals. Sie kuͤßten ſich, und weinten mit einander. Ubaldo. Gismonda! Du hier? Gismonda. Ach, mein Ubaldo! Ubaldo. Sprich, wie entkamſt Du? Gismonda. Als Manfredo nach Faenza zuruͤckkehrte, ſchenkte mir Iſabella in Caſtrs mit unerwarteter Großmuth die Freiheit. Sie gab mir Geld und Rath, eilig zu fliehen.— Ich fand in Verona meinen Oheim, der nach Frankreich gehen wollte. Er rieth mir, einſtweilen in Ve⸗ nedig einen Zufluchtsort zu ſuchen, und 208 5 theilte mit mir ſein Vermoͤgen.— und wie biſt Du hieher gekommen? ubaldo erzaͤhlte ihr ſeine Befreiung durch die Bauernrotte.— Sie beſchloſſen, ſich kuͤnftig nur des Abends zu ſprechen, und nahmen Abrede, mit einander nach Frankreich zu gehen. Gismonda war ſchwanger. Sie nannte ubaldo ihren Gemahl und den Vater ihres Kindes, das ſie unterm Herzen trug. Ubaldo verſicherte ſie ſeiner Treue und Beſtändigkeit.— So ſchieden ſie von einander, und verſprachen ſich, ein⸗ ander den folgenden Abend wieder zu ſe⸗ hen, und bald darauf e Abreiſe anzu⸗ treten. . 209 Thereſe war bei ihrem Braͤutigam ⸗ geweſen. Sie ſah Ubaldo von Gismonda kommen, und eilte ihm ſogleich auf ſein Zimmer nach. Thereſe. Da haben wir's!— Ihr ſeyd ja doch bei der Dame geweſen? ubaldo. Zufälliger Weiſe kenne ich ſie von Genua her. Sie erwartet hier ihren Gemahl, der aus Kandia zuruͤck kom⸗ men wird. Sie iſt eine Rittersftau. Ihr Mann iſt mein Freund. Thereſe(durchs Fenſter ſehend, er⸗ ſchrocken) Ach, heiliger Markus! Seht doch nur, ſeht!— Uubaldo. Was gibt's? Thereſe. Der Wagen der Staals⸗ Inquiſition haͤlt vor unſerm Hauſe. Ach, das Ungluͤck! Ubaldo(betreten). Thereſe! liebes, gutes Mädchen! rette mich!* Thereſe(aͤngſtlich). Ach Gott! wie denn?— Seyd Ihr denn ein Verbrecher? 210 ubaldo. Ein unglücklicher!— Rette mich, liebes Kind; ſonſt bin ich verloren! Garten hinab!— Eben wollte Ubaldo den Rath There⸗ ſens befolgen, als die Diener des furcht⸗ baren Gerichts in das Zimmer traten. Der Hauptmann aus Faenza kam mit ih⸗ nen, und rief ihnen zu:„Das iſt er!“— Sogleich wurde Ubaldo ergriffen. Man bemaͤchtigte ſich ſeiner Schriften und Habſeligkeiten, packte alles zuſammen, ſchob ihn in den Wagen, und fuhr mit ihm nach dem Staatsgefaͤngniſſe zu. Thereſe eilte mit dieſer Nachricht zu Gismonda. Ehe der Morgen noch graute, eilte die Gräfin aus Venedig fort. Thereſe(haſtig). Springt in den 2— ℳ e Ubalbhh, ſeh⸗n 21¹ ubaldo ſaß nicht lange im Kerkert. Man brachte ihn einſt des Abends in eine Gondel, packte ihn, als er ausſtieg, in einen bedeckten Wagen, und fuhr mit ihm davon. Seine Haͤnde waren gebunden. Der Gardehauptmann aus Faenza ſaß bei ihm. Auf die Frage:„Wohin fuͤhrt Ibr mich?“ erhielt er von dem Hauptmann die Antwort:„Nach Faenza.“— Hier kamen ſie auch endlich an, nin Ubaldo erhielt ſogleich Quartier auf dem Kaſtell, wo er einige Tage in ſtrenger Haft ſaß, und endlich vor den Fuͤrſten wurde. b urei ᷓupßy ver le n 3— 6 Man Du fühtſt atſoꝰ doch, en wie ſchwer Du mich beleidigt haſt? ubaldo. Ich fuͤhle es. — Manfredo. Und Du 1* 7 ubaldo. Euern Zorn und den Tod. Manfredo. Du Dich ent⸗ ſhutdigene ubaldo. Womit? Manfredo. Haſt Du keine Eut⸗ ſhuldigung? ubaldo. Keine. Manfredo. Kann ich nichts fuͤr Dich und Deine Freiheit thun? ubaldo. Nichts. Manfredo. Weißt Du gar un Dich zu retten? ubaldo. Keinen. Manfredo. Fühlſt Du i viſer ubaldo. Schrecklich! 8 Manfredo. So kann ich Dich nicht haͤrter ſtrafen, als wenn ich Dir Leben ſchenke. ubaldo(hoͤhnend). Thut das nicht! Manfredo(ſtreng). Soll deine That ungeahndet bleiben?— Der Tod wurde jetzt für Dich eine Wohlthat ſeyn, 7 2¹3 und ich bin es überdruͤſſig, kunftig noch immer Dein Wohlthaͤter zu heißen. Ich vergebe Dir. Ich ſchenke Dir das Leben. — Man fuͤhre ihn zu den Karthaͤuſern! Der Fuͤrſt ging, und Ubaldo wurde in das Karthaͤuſerkloſter gebracht. 6 Hier lebte er dreißig Jahre, und ſtarb, als Manfredo ſchon laͤngſt zu ſeinen Vatern gegangen war, halb ſinnlos und lebensſatt. Gismonda ſoll gleichfalls als Nonne in einem franzoöſiſchen Kloſter geſtorben ſeyn, und von ihrem Oheim, dem Mar⸗ cheſe, hat man nie wieder etwas gehoͤrt. Enbe. Rachſtehende intereſſante Romane ſind ſehr zu empfehlen, und in allen Buchhand⸗ lungen Deutſchlands zu haben: Albiny, J., Herzlande von Rappoltſtein oder die Verbrecherin aus Eiferſucht; das Strafgericht und der Reinſteiner. Ninrgeſhichten aus dem Mittelalter. 1Lhlr. 4 Gr. der wandernde Schatten oder die Mahnungen der Todtengruft, und andere S aus dem Vittelalter. 3 41 Thlr. Buch, das, ohne Titel. Wer lachen will, der es. i einem illum. Kupfer. 20 Gr⸗ Fouqus, Friedrich Boton de la Motte, die Fahrt in die neue Welt.— Das Grab der Mutter. Von Alexis dem Wanderer. 1 Thlr. Erzählungen von Eliſe ——— Freiftau von Hohenhauſen, Mar — 1 von Schenkendorf, Eduard Weß⸗ ſow, Freiherrn von Muͤnchhauſen, Ernſt Wahlert, Julie Freifrau von Bechtolsheim, Aleris dem Wan⸗ derer u. a. m., herausgegeben von Dr. Fr. Raßmann. 1Thlr. Geweiheten, die, der Nacht oder die Raͤu⸗ bercolonie im Drachenthale. Ein Ro⸗ man von T. Baron von P***n 4 Theile. 4 Thlr· Hildebrandt, C., die Gemaͤcher des ungluͤcks oder der Geprufte. 3 Theile. 3 Thlr. 4Gr. Derſelbe, Rollino der furchtbare Raͤu⸗ berhauptmann in den Apenniniſchen Fels⸗ — 3 Theile. Mit einem Kupfer. 3 Thlr. 16 Gr. Herſelbe, das Vehmgericht oder die unſichtbaren Oberen. 3 Theile. Mit 1 Kupf. 3 Thlr. 12 Gr. Johanna die Heldin der Bluthechzeit. Ein Roman vom Verfaſſer der Pau⸗ owna. 3 Theile. 2 Thlr 20 Gr. 2..* 1— 6. „ Lady Glami oder der Kerker von Stirling. Ein Roman nach Walter Scott von Heinr. Muͤller. 3 Thl. 3 Thlr. 4 Gr. Loda die Lautenſpielerin, und andere Er⸗ zählungen von Aleris dem Wande⸗ Robert. Ein Roman nach dem Engliſchen des John Blackwell. 3 Thl. 3 Thlr. Samiel oder die Wunderpille. Farze mit Geſang und Tanz in 4 Akten und in Knittelverſen.(Parodie des Freiſchutzen). Mit Beibehaltung der geſammten Muſik von Carl Maria v. Weber. 12 Gr. Klausner, der, im Schwarzwalde. Ritter⸗ man aus dem rten Jahrhundert. Von C. Hildebrandt. 2 Thl. 1 Thlr. 5 16 Gr. Kloſterſturm, der, oder wunderbare Ret⸗ tung aus dem Schlachtgetuͤmmel. Ro⸗ man vom Verfaſſer des Pfarrhauſes zu Remsdorf. 3 Theile. 3 Thlr. 6 Gr. Knackmandeln. Unterhaltungsbuͤchlein fuͤr heitere Geſellſchaften und Freunde einer frohen Lafelrunde. Enthaltend Witz⸗ und Blitzfunken, Schwaͤnke, Anekdoten, Abentheuer, Launen und humoriſtiſche Erzaͤhlungen. Zweite, gaͤnzlich umgear⸗ beitete Auflage. 1 Thlr. Knappen, die drei, Rolands, und Ritter Hans von Hackelberg, oder der wilde Jäger. Zwei Volksſagen mit 1 Kupf. 22 Gr. Königsflucht, die, oder Hieronimus und ſeiner Staatsdiener Ankunft in Frank⸗ reich. Ein Gegenſtuͤck zum Abſchiede von Caſſel. 10 Gr. Kuno von Schreckenſtein, oder die weiſſa⸗ gende Traumgeſtalt. Eine Ritterge⸗ ſchichte von C. Hildebrandt. 3 Theile 3 Thlr. 12 Gr. Kuͤnſtlerfahrt. Roman von E. Schulze. 2 Baͤndchen. 1 Thlr. 10 Gr. Landpfarrer, der, von Schoͤnberg. Von DPr. St. Kunze. 2 Theile. Mit 1 Kupfer. 2 Thlr. — geonardo, der Baſtard, ober das Schlöß⸗ chen am Strande. 20 Gr. Liebe bis ins Grab. Ein Roman vom PVerfaſſer des Sarazenenſchwerdts 1 Thlr. Liebesprobe, die. Roman vom Verfaſſer des Albert von Reinſtein. 2 Theile Limbert der Schreckliche, oder der Thaten Lohn. Vom Verfaſſer des Romans: „Benno von Rabeneck.“ 2 Bändchen. 1 Thlr. 14 Gr. Löwenburg, die, oder die Wunder des Heiligenbildes. Vom Verfoſſer des Benno von Rabeneck. 3 Bände. 3 Thlr. 3 4 Gr. Ludovika, vder Verbrechen aus Liebe. Ein Roman von C. Friedrich. 2 Theile. Mappe, die rothe. Erzählungen und Auf⸗ ſätze vom Verfaſſer der Wundergeſchich⸗ ten und Legenden det Deutſchen. 13 Gr. Marie, das Mäbchen der Danneilshoͤhle. — Eine Geſchichte aus dem 121ten Jahr⸗ hundert, von C. Hildebrandt. 1 Thlr. Mariaheim, das Kloſter, oder Herrmann von Wolfsburg. 2 Thle. 1 Thlr. 20 Gr. Mary und Jerome, oder Liebe und Betrug. WMehr als Roman. Von Baptiſt von Heinsburg. 2 Bde. 1 Thlr. 18 Gr. Matz, Fuͤrſt von Waſſerland, oder der Regent in der Einbildung. Ein Luſt⸗, Leid⸗, Schau⸗und Freudenſpiel in 3 Aufzugen. 12 Gr. Meuchelmoͤrder, der. Roman vom Verf. des Albert von Reinſtein. 2 Baͤndchen. 2 Thlr. Michael der Kloſterbruder, oder die Wege des Schickſals. 14 Gr. Miethskutſche, die. Komiſcher Roman von C. Nicolai. 2 Thle. 1 Thlr. 20 Gr. Mitternachtsglocke, die, oder Walther von Windheim. Roman von Jean Pierre, Verf. des Romans: Thomas Imgart. 1 Thlr. 4 Gr. Morgenlaͤnderin, die ſchoͤne; oder Maͤd⸗ hentreue. Roman vom Verfaſſer der Paulowna. 1 Thlr. 4 Gr. Negerſclab, der. Roman von C. Hilde⸗ brandt. 2 Theile. 2 Thlr 12 Gr. Novellen von Dr. J. Fr. G. Nagel. 5 1 Thlr. Novellenſchatz des deutſchen Volkes. Her⸗ ausgegeben von Ludw. Puſtkuchen. Mit einem Vorwort vom Verfaſſer von Wil⸗ helm Meiſters Wanderjahren 3 Baͤnde. mit Kupfern. a Band 1 Thlr. 12 Gr. Nußknacker, neueſter theatraliſcher. Samm⸗ lung von Schnacken, Schnurren, Anek⸗ voten und Lächerlichkeiten jetzt noch le⸗ bender und verſtorbener Schauſpieler und Schau ſpielerinnen, nebſt einer Weihe an Aug. von Kotzebue. Allen Mitglie⸗ dern und Freunden der Schauſpielkunſt ans Herz gelegt von Gabriel Schlegel. Mit 1 Kupfer⸗ 12 Gr. October, der achtzehnte, oder das eiſerne 5 „— 8 Kreuz. Ein Roman von C. Hildebrandt. 3 Theile. 3 Thlr. 12 Gr. Opfer, das, der Rache, der Giftbe⸗ cher. Eine Geſchichte aus der Vorzeit von H. Wuller. 3 Thle. 3 Thlr. Opfer des Zeltgeiſtes. Ein Roman von Phillppine von Mettingg. 2 Theile. 2 Thlr. 8 Gr. Oökar und Malvina, oder die Macht der Baterlandöliebe. Eine Urkunde aus dem heiligen Kriege. 2 Bd. 1 Thlr. 14 Gr. Paulowna, oder das ungluͤckliche Madchen im Todtengewölbe unter dem brennen⸗ den Moskau. Ein Schaudergemaͤlde aus dem franzoͤſiſch ⸗ruſſiſchen Kriege von H. Muller. 3 Bde. 3 Thlr. 8 Gr. Perlenſchnur, die. Aufgereiht vom Mr. 2 Theile. Mit 2 Kpf. 1 Thlr. 20 Gr. Pfarrhaus, das, zu Liebenthal, oder die ſeltene Braut. Von H. Muͤller. 2 Thle. 1 Thlr. 20 Gr. Pillenſchächtelchen, ſatyriſches. Enthaltend —— Pips, Plappertaſche, die. ——— Pontolino, Prtendent, der. ein eman nach Wal⸗ Anekdoten, Epigramme, witzige Einfaͤlle und Lächerlichkeiten von noch lebenden und verſtorbenen Aerzten und Wundaͤrz⸗ ten. Geſammlet und herausgegeben von Ciriacus Nieswurz. Mit r Kupfez. 12 Gr. des Kleidermachers Sohn, luſtige Abentheuer und tolle Streiche, oder die Aufklärung in Kraͤhwinkel. Scherzhaf⸗ ter Roman. 1 Thlr. 4 Gr. Enthaltend witzige Zuge, ſatyriſche Bonmots, Anekdoten und Lächerlichkeiten von noch lebenden und verſtorbenen Frauen und Maͤdchen. Ein Sorgenbrecher fuͤr Maͤdchen, Frauen Matronen, Juͤnglinge, Männer und Greiſe. Geſammlet von Ilſegarte Klatſch⸗ roſe. Mit 1 Kupf. Gr. der furchtbare Raͤubethaupt⸗ mann, oder die Schreckniſſe der Teufels⸗ grotte. Zweite verbeſſerte Auflage. 2 Theile. 1 Thlr. 12 Gr. ter Scort, bearbeitet von H. Mäller 3 Theile. 3 T Prinzenmord aus Eiferſucht. Ein Fſycho⸗ logiſches Gemalde. G Rächenden, die, oder die Shwarzen Ge⸗ mächer des Inquiſitiowkerkers zu Tolevõ 2 Theile. 2 Tbl. 8 Gr. Raͤuber— ie n den Füften des Latro⸗ feſens.* 1 Thlr. 4 Gr. Rater⸗, Diebes⸗ und Gaunerarchiv, Keueſtes. Eine Sammlung liſtiger * Kniffe, witziger Zuͤge und Anekdoten 6. beruͤchtigte Rauber und Gauner. Aus Aktenſtuͤcken und glaubwuͤrdigen Papie⸗ ren gezogen. Mit 1 Kpf. 20 Gr. Reden und Predigten, geiſtliche, zum Todt⸗ lachen. Oder Driginal⸗Auszuge aus merkwuͤrdigen Predigten und geiſtliche Reden, welche im 17ten und„ Jahrhunderte wirklich gehalten ſind. Geſammlet und zum B Mißvergnuͤgten herausg. Lachemann.* Reiſe, humoriſtiſche, durch ein hochſeliges Wönigreich. An das Licht geſtellt von Pereer Hilarius. 2 Bde. 2 Thlr. 4 Gr. Reiſeſcenen und Reiſeabentheuer, wunder⸗ liche, auc greuz⸗ und Querzuge einès neutſchen Muſenohns des 19ten Jahrh. vo iel a Eoſta. 1 Thlr. Rieſenſteinburg⸗ Frauen⸗ wuͤrde. Ein hiſt.* Gemaldey der Vorzeit von C. Nicolai. 2 1Thlr. 16 GK Rino, over der Liebe Täuſchung. Roman von E. Schulze. 1 Thlr. 4 Gr. „ —