— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöf ſiſcher Literatur vor Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Seſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. 3.(Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Büc cher: 4 4 Bücher: her: 6 Bücher: .—— auf 1 Monat: 1 Mk.—— Pf. 1 r 50 Vf 2 Mk. Pf. „ 2— 3 4„—„ Auswärt ige Abonnenten haben für Hin lund Zurückſendung der, lcher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und deſtete Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf indem Diejenigen, welche die ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. „ ſ Ueberſetzt 24 — — — Q⏑ 2 + G& n — Caroline von Woltmann. Leipzig 1814 Amſterdammer Kunſt⸗ und Induſtrie⸗Comptoir. „—y——a 2 — — 82— ηά 25 — —2— +— ☛ —— — —— 2 — 6 „Q ⸗ — ₰ Zweiter Band. Ein Mo mich, tt ſeliges der lang bei Ihr von Ih⸗ ſeyn. Gäͤte, Schleichkuͤnſte. Erſtes Kapitel. Ein Brief von Mrs. Beaumont an Miß Walſingham. „Mehr als ich auszudruͤcken vermag, ſchmerzt mich, theuerſte Miß Walſingham, ein ungluͤck⸗ ſeliges Mißgeſchick, das mich abhalken muß von der laͤngſt verheißenen, laͤngſt erwarteten Freude, bei Ihrer Familienfete am Dienſtag zur Feier von Ihres lieben Vaters Geburtstag zugegen zu ſeyn. Doch ich vertraue Ihrer vermittelnden Guͤte, meine liebe junge Freundin, Sie werden A 2 4 mein Ungluͤck Herrn Walſingham gehoͤrig vor⸗ ſtellen. Machen Sie ihm fuͤhlbar, ich beſchwoͤre Sie darum, daß mein Herz bei Ihnen Allen iſt, und verſichern Sie ihm, dies ſei keine alltaͤgliche Entſchuldigung. In der That bediene ich mich nie ſolcher Kunſtgriffe gegen meine Freunde; gegen dieſe, und vor allen beſonders gegen Sie, meine Theure, ſpreche ich allezeit durchaus gerade und frei heraus. Amelie, die, unter uns geſagt, Sie lieber hat als jemals, iſt ſo betroffen und betruͤbt uͤber dieſen Unfall, daß ich ſchon merke, ich wer⸗ de nicht eher wieder gut angeſehen ſeyn, als bis ich einen Tag beſtimmen kann, wo wir zu Ihnen kommen wollen: aber wann das geſchehen ſoll, haͤngt von Umſtaͤnden ab, die ich nicht wohl nen⸗ nen kann.“ „Freundlichſte Ehrfurcht, und liebevolles An⸗ denken Ihrem ganzen theuren Kreiſe. Nichts Neuees von nung zu! Unv 2 5 Neues von dem jungen Kapitain? Keine Hoff⸗ nung zu ſeiner Ruͤckkehr von der See? Unveraͤnderlich mit vollkommener Wahrheit meiner liebſten Miß Walſingham aufrichtige Freundin Eugenia Beaumont. Nachſchrift; aber beſonders zu leſen. Offenherzig zu bekennen, meine liebe junge Freundin, ſo iſt die geheime Urſach, aus welcher ich mir die Freude verſage, bei der Fete am Dienſtag gegenwaͤrtig zu ſeyn, daß ich ſo eben gehoͤrt habe, in dem naͤchſten Dorfe bei Ihnen an waͤren garſtige Wind⸗ pocken ausgebrochen; und ich geſtehe, ich fuͤrchte ſelbſt das leere Gerüͤcht von derglei⸗ chen wegen meiner Amelie: doch wuͤnſchte ich nicht, daß dies in Ihrem Hauſe rucht⸗ 6 bar wuͤrde, denn Sie werden einſehn, wie Ihr Herr Vater dies fuͤr eine leere weibiſche Furcht halten wuͤrde, und Sie wiſſen, wie beſorgt ich um ſeine Achtung bin. Ich bitte Sie darum, verbrennen Sie dieſe Zeilen. Doch, wohl erwogen, waͤre es, glaube ich, das beſte, Ihrem Vater die Wahrheit, die ganze Wahrheit grade heraus zu beken⸗ nen, wenn es nicht anders ſeyn kann.— Kurz, ich ſchreibe in Eil, ich vertraue mich nun, wie allzeit, gaͤnzlich Ihrem Ermeſ⸗ ſen.“ „Nun, Liebe,“ ſagte Herr Walſingham end⸗ lich zu ſeiner Tochter, die am Fruͤhſtuͤckstiſch ſitzend dieſes Briefchen las und wieder las,„wie lange werden wir noch ſo da ſitzen, ein Bild zar⸗ ter Verlegenheit. Ich muß dir nur, ſo viel an mir iſt, ih dieſen will, der waltiges „K „N ſingham. iſt eine rem ſee dahin, zu regie heit dur „T Oberſt „L dat, v daß ſie 7 mir iſt, zu Huͤlfe kommen, und geloben, daß ich dieſen Brief von Mrs. Beaumont nicht ſehen will, der wieder, wie gewoͤhnlich, irgend ein ge⸗ waltiges Geheimniß zu enthalten ſcheint.“ „Kein Geheimniß, nur—“ „Nur eine Heimlichkeit?“ ſagte Herr Wal⸗ ſingham.„Dieſe allerliebſte Wittwe Beaumont iſt eine Schleichkuͤnſtlerin. Ich kenne ſie ſeit ih⸗ rem ſechzehnten Jahre. Damals arbeitete ſie dahin, einen Mann zu bekommen, nachmals, ihn zu regieren, was ſie auch mit ſieghafter Gewand⸗ heit durchgeſetzt hat.“ „Was fuͤr eine Art von Mann war denn der Oberſt Beaumont?“ „Ein trefflicher Mann; ein treuherziger Sol⸗ dat, voll der ſtrengſten Ehre und Redlichkeit.“ „So ſpricht es doch ſehr fuͤr Mrs. Beaumont, daß ſie das Vertrauen eines ſolchen Mannes der⸗ 8 maßen beſaß, daß er ſie ſeinem Sohn und ſeiner Tochter zur Vormuͤnderin beſtellte.”“ „Haͤtte er lange genug gelebt, ihren wahren Charakter kennen zu lernen, ſo ließe ſich nichts dawider einwenden, Liebe; aber der Oberſt ſtarb wenige Jahre nach ſeiner Vermaͤhlung und lebte waͤhrend derſelben faſt ausſchließlich bei ſeinem Regiment.“ „Sie werden aber dennoch zugeben, daß Mrs. Beaumont ſein Zutrauen, ſeit dem er tod iſt, gerechtfertigt hat. Iſt ſie nicht eine gute Vormuͤnderin und eine liebevolle Mutter gewe⸗ ſen?“ „Nun, was die Vormuͤnderin betrifft, duͤnkt mich, ſie hat ihrem Sohn als ſolche zu viel Geld und zu viel Freiheit verſtattet. Ich habe erfah⸗ ren, daß der junge Beaumont betraͤchtliche Sum⸗ men beim Pferderennen verloren hat. Ich gebe dir zu, daß Mrs. Beaumont eine liebevolle Mut⸗ ter ſei; u beſorgt u aber desr geſtehen, iſt bei d einem S Kinder, ten, wu taler K vermoͤg anſtiften das thä heit, u da war ſie dies nur niW men, dazub weshal 9 ter ſei; und bin ebenfalls uͤberzeugt, daß ſie ſehr beſorgt um das zeitliche Wohl ihrer Kinder iſt; aber deswegen, Liebe, kann ich dir doch nicht zu⸗ geſtehen, daß ſie eine gute Mutter ſei. Sie iſt bei der ganzen Erziehung ihrer Kinder nach einem Syſtem voll Argliſt verfahren. Wenn ihre Kinder etwas lernen, oder thun, oder laſſen ſoll⸗ ten, wurde irgend ein theatraliſcher oder ſentimen⸗ taler Kunſtgriff ins Werk geſetzt, ſie dahin zu vermoͤgen; Jemand mußte einen andern Jemand anſtiften, Amelien zu bewegen, daß ſie dies und das thaͤte. Nichts, das heißt nichts von Wahr⸗ heit, uͤberkam ihnen geradezu von der Mutter: da war ein Fluͤſtern und Hehlen, und:„„ſagen ſie dies ja nicht Amelien; und, daß Eduard jenes nur nicht erfaͤhrt, er moͤgte Luſt zu Etwas bekom⸗ men, wovon ich nicht gern ſaͤhe, daß er Luſt dazu bekaͤme, und, ich habe meine Urſachen, weshalb ich nicht wuͤnſche, daß er erfuͤhre, ich — ——— —— * 5 4 1 10 ſahe es nicht gern, wenn er Luſt dazu bekaͤme.““ Da war immer eine Wahrheit, die wegen eines gewaltig guten Endzwecks verhehlt werden mußte; und Dinge und Menſchen wurden in falſchem Lichte aufgefuͤhrt, um bei abſonderlichen Gelegen— heiten abſonderliche Wirkungen hervorzubringen. Das diente im Einzelnen und zur Behandlung huͤlfloſer, unwiſſender, leichtglaͤubiger Kinder vor⸗ trefflich; aber gieb nur acht, was fuͤr Folgen die⸗ ſes Syſtem nach ſich zieht. Die Kinder wachſen heran, und ſehn und hoͤren und merken nicht alle⸗ zeit, wie die Muͤtter es wuͤnſchen. Sie treten hervor in die Welt, in Verkehr mit Andern; da gehen ihnen die Augen auf, ſie durchſchauen das ganze ſchlaue Gewebe, woran ihre Kindheit ſo artig gegaͤngelt worden, und das Vertrauen auf die Aeltern iſt fuͤr immer zerſtoͤrt.“ Miß Walſingham gab die Wahrheit desjeni⸗ gen zu, was ihr Vater ſagte, aber ſie aͤußerte dch zug ſihr gem ritaten v der Fral viel iſt monts. denn be unverke Gemüͤt Ehrlich und obe chem S ſo hat den ſch Sie ge Mts. ſind.“ 7 herzig 11 doch zugleich, daß dies ein, bei der Erziehung, ſehr gewoͤhnlicher Mißgriff ſei, der ſogar Autho⸗ ritaͤten von Gewicht, nehmlich des Rouſſeau und der Frau von Genlis fuͤr ſich habe.„Und, ſo viel iſt gewiß,“ fuhr ſie fort,„daß Mrs. Beau⸗ monts Kinder nicht hinterliſtig geworden ſind; denn beide, ſowol Amelie als Beaumont, ſind unverkennbar offene, wahrhafte und ehrenwerthe Gemuͤther. Ja, Beaumont uͤbertreibt faſt die Ehrlichkeit; er iſt geradehin in ſeinem Weſen; und obgleich Amelie furchtſam iſt, von freundli— chem Sinn, und voll Scheu Jemand zu kraͤnken, ſo hat ſie doch immer Herz genug, ſelbſt unter den ſchwierigſten Verhaͤltniſſen, wahr zu ſeyn. Sie geben mir wenigſtens zu, lieber Vater, daß Mrs. Beaumonts Kinder aufrichtig geworden ſind.“ „Es thut mir leid, Liebe, daß ich unbarm⸗ herzig erſcheinen muß, aber ich kann nicht umhin 12 zu ſagen: eben die Fehler der Aeltern bewirkten eine Neigung zu den entgegengeſetzten Tugenden bei den Kindern. Die Kinder leiden durch dieſe Fehler, erkennen und verachten ſie, und ſuchen ſie zu vermeiden. Was Amelie und Beaumont betrifft, ſo iſt ihnen die Bekanntſchaft mit unſrem Hauſe auch vortheilhaft geweſen. Sie haben bei uns den Vortheil der Wahrheit kennen gelernt; ſie haben dich und meinen herrlichen Muͤndel, den Kapitain Walſingham, liebgewonnen; er bekam uͤber das Gemuͤth des jungen Beaumont große Gewalt, die er zum Vortheil deſſelben benutzt hat. Deine Freundſchaft, denk ich, war auf gleiche Art vortheilhaft fuͤr Amelien. Da ihr faſt von einem Alter ſeid, ſo hatteſt du Gelegenheit, ihr Zutrauen zu gewinnen; deine ſtaͤrkere Seele bekraͤftigte die ihre, und beſeelte ſie mit dem Muth, der zur Wahrhaftigkeit noͤthig iſt.“ „Nun gut,“ erwiderte Miß Walſingham, „in Kle wenig h aber we gewwiß derſelber wird a 13 „in Kleinigkeiten mag wohl Mrs. Beaumont ein wenig hinterliſtig gegen ihre Kinder verfahren ſeyn, aber wenn es wichtigere Dinge gilt, da hat ſie gewiß keinen andern Gedanken, als das Wohl derſelben; und ihre Liebe wird uͤberwiegen, und ſie wird alle Kunſtgriffe bei Seite legen, wo das Gluͤck der Kinder auf dem Spiele ſteht.“ Herr Walſingham ſchuͤttelte den Kopf. „Glaubſt du denn wirklich, liebe Marianne, daß, zum Beiſpiel, bei der Vermaͤhlung ihres Sohnes und ihrer Tochter, Mrs. Beaumont et⸗ was anders beruͤckſichtigen wuͤrde, als Vermoͤgen, und was man in der Welt Connexionen und ein Etabliſſement nennt?“ „Ich glaube wirklich nicht, daß Mrs. Beau⸗ mont darauf hauptſaͤchlich ſehen ſollte. Wir ſind doch eben nicht reich, und ſie zieht uns Manchen vor, die groͤßere Guͤter und hoͤheren Rang ha⸗ ben.“ 14 „Du muͤßteſt ſagen, ſie thut, als zoͤge ſie uns vor;“ entgegnete Herr Walſingham.„Meinſt du, ſie ſei redlich? Da iſt mein Muͤndel, der Kapitain, den ſie ſo ſehr zu ſchaͤtzen vorgiebt; meinſt du wirklich, Mrs. Beaumont wuͤnſche, daß ihre Tochter ihn heyrathe?“ „Ja doch. Aber Mrs. Beaumont muß in dieſer Sache vorſichtig verfahren; das iſt Vorſicht und keine Verſtellung. Sie wiſſen ja, daß mein Vetter Walſingham ſeine Neigung zu Amelien nie erklaͤrt hat; im Gegentheil, daß er ſie ihr auf das gewiſſenhafteſte verbarg, weil er nicht Vermd⸗ gen genug beſaß, um zu heyrathen, und zu ehr⸗ ſam war, um da Liebe zu ſuchen, ja nur zu wuͤn⸗ ſchen, wo er keine Moͤglichkeit zur Verbindung vorausſah.”“ „Er iſt ein braver Junge!“ rief Herr Wal⸗ ſingham.„Es giebt kein Opfer an Vergnuͤgen oder Vortheil, welches er nicht ohne Bedenken ſeiner pfcht da e zu jed jeder Vet — Ich gebe, ſei genheit bar mach de allzzit Mindil Freund. „M „S Kapitain Eidam Hunter 7E „3 ne Kent Iugend · 15 Pflicht darbringen koͤnnte. Fuͤr ſeine Freunde iſt er zu jeder Anſtrengung, zu jedem Dulden, zu jeder Verlaͤugnung faͤhig. Fuͤr ſein Vaterland! — Ich bitte nur Gott, daß er ihm Gelegenheit gebe, ſeinem Vaterlande zu dienen. Ob Gele⸗ genheit und Erfolg ſeinen Werth der Welt kund⸗ bar machen werden, weiß ich nicht; aber ich wer⸗ de allzeit ſtolz auf ihn ſeyn, als auf meinen Nuͤndel, meinen Blutsverwandten, meinen Freund.“ „Mrs. Beaumont ſpricht eben ſo von ihm.“ „Spricht, aber denkt nicht. Nein, nein! Kapitain Walſingham iſt es nicht, den ſie zum Eidam will. Sie will Amelien mit Sir John Hunter verheyrathen.“ „Sir John Hunter?“ „Ja, Sir John Hunter. Ein Geſchoͤpf oh⸗ ne Kenntniſſe, ohne Moralitaͤt, das nicht einmal Jugend fuͤr ſich anzufuͤhren hat. Er iſt faſt vier⸗ 16 zig Jahr alt, ſo alt, daß er Ameliens Vater ſeyn koͤnnte, aber er iſt der Mann, den ſie zum Gemahl fuͤr ihre geliebte Tochter vorzieht, weil er muthmaßlicher Erbe großer Guͤter iſt, und An⸗ wartſchaft auf eine Grafſchaft beſitzt. Das iſt eine gute Mutter.“ „O nein, nein!“ rief Miß Walſingham, „Sie thun Mrs. Beaumont Unrecht; ich verſi⸗ chere Sie, daß ſie Sir John Hunter ſowohl ver⸗ achtet als wir.“ „Gut; aber bemerke nur, wie ſie die ganze Hunterſche Familie hoch haͤlt.“ „Wohl; doch das geſchieht der verſtorbenen Lady Hunter zu Ehren, welche ihre innigſte Freun⸗ din war.”“ „Innigſte Freundin! ein recht ſentimentaler Unterhaltungsfetzen!“ „Doch ehn bereden gertochter nn ſeht, ter, heyra im Verme Da 7— Walſinghe ihr Sohn dieſe fuͤr geklagt, für Littere und Plau „S um ſch Sie darf kau mich au Lady Hu zugethan 19 ein bereden moͤgte, daß ſie dich gern zur Schwie⸗ gertochter haͤttte, waͤhrend ſie alles Moͤgliche da⸗ ran ſetzt, daß ihr Sohn die Naͤrrin, Miß Hun⸗ ter, heyrathe, die zweimalhunderttauſend Pfund im Vermoͤgen beſitzt.“ „Da irren ſie ſich zuverlaͤſſig,“ ſagte Miß Walſingham.„Mrs. Beaumont fuͤrchtet, daß ihr Sohn Miß Hunter heyrathen koͤnne, und haͤlt dieſe fuͤr ſo albern als Sie ſelbſt; ſie hat mir ge⸗ geklagt, daß dieſelbe nicht den geringſten Sinn fuͤr Litteratur, fuͤr irgend Etwas außer fuͤr Putz und Plauderei beſaͤße. „So wundert es mich, daß ſie ſie beſtaͤndig um ſich hat.“ „Sie findet ſie langweilig genug; aber, ich darf kaum wieder damit kommen, denn Sie lachen mich aus, es geſchieht wegen der verſtorbenen Lady Hunter. Wegen ihrer war ſie der Tochter zugethan; und jetzt hat Miß Hunter ſich derma⸗ 2 20 ßen an ſie gehaͤngt, und iſt ſo voll Dank und und Liebe, daß Mrs. Beaumont ſagt, es wuͤrde grauſam ſeyn, ſie abzuſchuͤtteln.“ „Sehr einleuchtend! Aber die Wahrheit von dem Allen muß ich, mit Mrs. Beaumonts Verguͤnſtigung, bezweifeln; ich will es nicht gra⸗ dehin eine Luͤge, nur Etwas dergleichen nennen. Wir werden ſehn; indeſſen, Kind, ſei auf dei⸗ ner Huth vor deiner Leichtglaͤubigkeit und vor Mrs. Beaumonts Kuͤnſten. Ich habe allzeit ge⸗ funden, daß die Freude und der Vortheil des gegenſeitigen Vertrauens den augenblicklichen Schmerz uͤberwogen, welche die offene Wahrheit Freunden verurſachen mogte. Unſer haͤusliches Gluͤck iſt einzig aus Offenheit und Wahrhaftigkeit entſprungen. Wir haben kein Hehl gegeneinander, keine Cabinetsintriguen.“ Bei dieſen Worten ging Herr Walſingham aus dem Zimmer, und ſeine Tochter, in Nachden⸗ kin verlohr Aufträge das Haus Daſſelbe! ſhite, nal Plymouth dem Geſta Fſſcher, Baumſtu ſo mahle flüͤchtigen alſo zeich nah am was das Fotelle” „D montpar Bediente hier gewe nander, ngham ꝛchden⸗ 21 ken verlohren, welches ihr ſelbſt Mrs. Beaumonts Auftraͤge aus dem Gedaͤchtniſſe brachte, verließ das Haus, um einen Spaziergang zu machen. Daſſelbe lag in einem ſchoͤnen Theil von Devon⸗ ſhire, nahe der See, in der Nachbarſchaft von Plymouth; und als Miß Walſingham laͤngs dem Geſtade dahinging, erblickte ſie einen alten Fiſcher, der eben ſein Boot an einem vorragenden Baumſtubben vor Anker legte. Die Geſtalt war ſo mahleriſch, daß ſie ſtill ſtand, dieſelbe mit fluͤchtigen Zuͤgen aufzunehmen, und waͤhrend ſie alſo zeichnete, kam eine Frau aus einer Huͤtte nah am Strande hervor, und fragte den Fiſcher, was das Gluͤck beſcheert habe.„Eine huͤbſche Forelle“ ſagte dieſer,„und einen Johndoree.“ „Dann nur fort damit, ſogleich nach Beau⸗ montpark,“ ſagte die Frau,„Mrs. Beaumonts Bediente, Martin, iſt waͤhrend du fort wareſt, hier geweſen, und hat mir im Vertrauen geſagt, 22 —— die Madam muͤßte unſre ſchoͤnſten Fiſche zum I b Dienſtage haben, und einen Johndoree, wenn er fuͤr Geld zu haben waͤre.“ Jetzt erblickte die Frau Miß Walſingham, machte einen Knix und ſagte:„unterthaͤnige Dienerin, Miß Walſing⸗ ham.“ „Zum Dienſtage?“ fragte Miß Walſingham, nalſo gewiß zum Dienſtage hat Mrs. Beaumont die Fiſche beſtellt?“ „O, ja doch, Miß. Der Martin ſagte noch dazu, was er in der Bedientenſtube gehoͤrt hatte, daß ein alter Herr, ein recht abſonderlicher alter Herr kommen ſollte, ſo reich, ſo reich, als einer; aus der Fremde, ein alter Freund des Oberſten ſeeliger. Und der alte Mann kommt gerades Weges her von London, um Dienſtag Mittag in dem Park zu ſpeiſen. So, Mann, nur fort mit der Forelle und dem Johndoree, da ſie noch friſch ſind.“ 1 A nicht die Wahrhe Di R diente, N und der läſſiger un den noch Nachricht Es war ſtage ein tete; er Beaumo zum n er 23 „Aber warum ſagte Mrs. Beaumont denn nicht die Wahrheit gerade heraus, wenn das die Wahrheit iſt?“ dachte Miß Walſingham. Zweites Kapitel. Die Nachricht, welche Mrs. Beaumonts Be⸗ diente, Martin, in der Bedientenſtube gehoͤrt und der Fiſcherfrau mitgetheilt hatte, war zuver⸗ laͤſſiger und buͤndiger, und weder ſo mißverſtan⸗ den noch ſo mißberichtet, als dies bei dergleichen Nachrichten gewoͤhnlich der Fall zu ſeyn pflegt. Es war wahr, daß Mrs. Beaumont am Dien⸗ ſtage einen alten Herrn, der Palmer hieß, erwar⸗ tete; er war ein Freund des verſtorbenen Oberſten Beaumont geweſen, und neuerdings aus Jamaica 24 zuruͤckgekehrt, allwo er ein betraͤchtliches Vermoͤ⸗ gen erworben hatte. Es war auch wahr, daß dieſer alte Herr etwas abſonderliches an ſich hatte, aber nicht von der Art, wie die Fiſcherfrau wohl meinte, kein abſonderliches Verlangen nach Forellen und Johndorees, doch wohl ein abſon⸗ derliches Verlangen ſeine Mitmenſchen gluͤcklich⸗ zu ſehn; eine abſonderliche Großmuth, Offenheit und Redlichkeit, wobei er ſeiner Seits den Kunſt⸗ griffen ſo feind, als arglos gegen Andre war. Da er ſeit manchem Jahr ſchon in Weſtindien gelebt hatte, ſo wußte er nichts von Mrs. Beaumonts Geſinnungen; er kannte ſie nur aus Briefen, in welchen ſie ihm durchaus aufrichtig und liebens⸗ wuͤrdig erſchienen war; dazu machte ſeine unge⸗ meine Freundſchaft gegen ihren verſtorbenen Ge⸗ mahl ihn ihr ebenfalls geneigt. Der Oberſt Beanmont hatte ihn zum Mitvormund ſeiner Kinder beſtellt. Da er aber von England abwe⸗ ſnd löt, h übernommen hatte er als die Wittwe ihrer Rechnn ihres Sohn war, gegen ſollte der jo ſten Gebur ſtellungen, Heurn Paln den guten kommen, o Verſcherun die in zehl △. Jamaica zu in London wandten zu Perwan Vermoͤ⸗ r, daß an ſich herfrau n nach abſon⸗ uücklich fenheit Kunſt⸗ ar. Da gelebt monts fken, in jebens⸗ unge⸗ een Ge⸗ Oberſt ſeiner abwe⸗ 25 ſend lebte, hatte er nur die Ehrenvormundſchaft uͤbernommen; den Ehevertrag ſeines Freundes hatte er als Zeuge unterſchrieben; und jetzt fand die Wittwe fuͤr noͤthig, daß er bei der Ablegung ihrer Rechnungen und bei der Muͤndigwerdung ihres Sohnes, deren Zeitpunkt nun eingetreten war, gegenwaͤrtig ſey. Nach wenigen Tagen ſollte der junge Beaumont ſeinen einundzwanzig⸗ ſten Geburtstag begehn. Ihre dringenden Vor⸗ ſtellungen, das von ihr bezeigte heiße Verlangen, Herrn Palmer kennen zu lernen, bewogen endlich den guten alten Mann nach Beaumontpark zu kommen, ob er gleich kraͤnklich war, und, ſeiner Verſicherung nach, mit der Weſtindiſchen Flotte, die in zehn Tagen abſegeln ſollte, wieder nach Jamaica zuruͤckkehren mußte, alſo nur eine Woche in London mit ſeinen guten Freunden und Ver⸗ wandten zubringen konnte. „Verwandt war er nur in einem ſehr entfernten 26 Grade mit den Beaumonts, und gerade eben ſo nahe mit den Walſinghams; andre Verwandte hatte er nicht, und konnte durchaus frei uͤber ſein Vermoͤgen verfuͤgen. Auf dieſes Vermoͤgen hatte die ſchlaue Wittwe einen tiefangelegten Anſchlag gemacht, wenn gleich es in der That eines ſolchen nicht bedurfte; denn Herr Palmer war gemeint, entweder den Beaumonts ſein großes Vermoͤgen zu hinterlaſſen, oder es unter den Beaumonts und Walſinghams zu theilen, ſo daß, wenn es ihr aufrichtiger Ernſt mit dem Wunſche einer Dop⸗ pelheurath zwiſchen den einzigen Abkoͤmmlingen beider Familien geweſen waͤre, ſie ihrer Sache ziemlich gewiß ſeyn konnte. Es fuͤhrte dann ein grader, bequemer Weg an dies Ziel ihrer Wuͤn⸗ ſche, aber er war ihr zu grade. Sie konnte mit all' ihrer Feinheit nicht begreifen, daß die grade Linie die kuͤrzeſte zwiſchen zwei Punkten ſey, ein Satz, der ſowohl fuͤr die Moral als fuͤr die Ma⸗ themalik gilt nicht nur die ſcheiſte und Sie hatt deſſen Ausfüt daß wir die beſtimmt ang Handlung n Zuerſt! Permäͤgen i ſchanzen, un von ſeinen hams, zurd eine geheime dieſelben un waren. De o ſchien ih ſie auseinan fihrbar. ben ſo vandte er ſein hatte ſchlag ſolchen meint, moͤgen monts penn es Dop⸗ lingen Sache nn ein Wuͤn⸗ ate mit grade y, ein e Ma⸗ 27 thematik gilt; ihr beduͤnkte die Schlangenlinie nicht nur die ſchoͤnſte, ſondern auch die kuͤrzeſte, ſicherſte und ſchicklichſte. Sie hatte einen dreifachen Plan entworfen, deſſen Ausfuͤhrung ſich dermaßen kreuzen mußte, daß wir die Hauptzwecke, welche ſie beabſichtigte, beſtimmt angeben wollen, damit die ſo verwickelte Handlung nicht zu ſchwer begriffen werde. Zuerſt hatte ſie die Abſicht, das Palmerſche Vermoͤgen ihrer eigenen Familie ungetheilt zuzu⸗ ſchanzen, und dieſerhalb wollte ſie Herrn Palmer von ſeinen andern Verwandten, den Walſing⸗ hams, zuruͤckhalten, gegen welche ſie von jeher eine geheime Abneigung empfunden hatte, weil dieſelben ungemein offene, zuverlaͤſſige Menſchen waren. Da jener nur eine Woche bleiben konnte, ſo ſchien ihr der von ihr gemachte Plan, ihn und ſie auseinander zu halten, gar leicht und aus⸗ fuͤhrbar. 1 1 28 Demnaͤchſt wuͤnſchte Mrs. Beaumont ihre Tochter mit Sir John Hunter zu verheyrathen; weil Sir John Hunter der muthmaßliche Erbe großer Guͤter, welche die Wigramſchen Guͤter hießen, war, und weil ſeine Familie Anſpruͤche auf den Ruͤckfall der Grafſchaft Puckeridge beſaß, die ihm nach dem Tode eines nahen Verwandten zukam. Drittens wuͤnſchte ſie eine Heyrath zwiſchen ihrem Sohne und Miß Hunter, der Stiefſchweſter Sir Johns, die um zwanzig Jahr juͤnger war als derſelbe. Sie zog dieſe Braut Miß Walſing— ham freilich aus dem Grunde vor, den Herr Walſingham angegeben; weil dieſelbe nehmlich ein unabhaͤngiges Vermoͤgen von zweimalhundert⸗ tauſend Pfund beſaß, aber auch weil dieſelbe ſo kindiſch war und ſo albern, daß ſie hoffen konnte, ſie leicht zu beherrſchen, und auf die Art ihre Ge⸗ walt uͤber ihren Sohn beizubehalten. Miß Hun⸗ ter war ſeht. merkt, daß d Eindruck auf Hoffnung da gehoriger Be ſeiner ernſten ſingham wuͤr Aber di rigkeiten en Kapikain I liebte, wen hatte: ſie f jeßt zut Se kehren moͤgt aufhielt: d ſ, den he tem vorzieh ichtigt, d ſſe mogte d e beſaß, vandten zwiſchen eſchweſter ger war Valſing⸗ en Herr nehmlich hundert⸗ ieſelbe ſo nkonnte, ihre Ge⸗ tiß Hun⸗ 29 ter war ſehr huͤbſch; Mrs. Beaumont hatte be⸗ merkt, daß deren Schoͤnheit oftmals genugſamen Eindruck auf ihren Sohn gemacht hatte, um die Hofſnung darauf zu begruͤnden, daß mit Huͤlfe gehoͤriger Behandlung er ſich durch dieſelbe von ſeiner ernſten, beſonnenen Vorliebe zu Miß Wal⸗ ſingham wuͤrde abwendig machen laſſen. Aber dieſen Plaͤnen traten mancherlei Schwie⸗ rigkeiten entgegen. Sie wußte, daß Amelie den Kapitain Walſingham, und daß dieſer Amelien liebte, wenn gleich er dieſe Liebe nie bekannt hatte: ſie fuͤrchtete, daß der Kapitain, welcher jetzt zur See war, grade zu derſelben Zeit zuruͤck kehren moͤgte, in der Herr Palmer ſich bei ihr aufhielt: denn ſie wußte wol, wie er ein Mann ſei, den Herr Palmer Sir John Hunter bei wei⸗ tem vorziehn wuͤrde. Insgeheim war ſie benach⸗ richtigt, daß Herr Palmer den Adel haſſe, und ſie mogte demnach bei der Anweſenheit deſſelben 30 Sir Johns Bewerbung nicht offenbar beguͤnſtigen. Dieſe Widerſpruͤche mußte ſie ausgleichen, und beſchloß deshalb— aber hoͤren wir ſie ſelbſt. „Liebe Hunter,“ ſagte ſie,„jetzt ſind wir allein, jetzt will ich Ihnen mein Innres offen⸗ baren; ich laure ſchon zwei Tage auf eine Ge⸗ legenheit, aber in dem Gewuͤhl, worin ich mich befinde! Wo iſt denn Amelie?“ „Aus, ſpazieren. Sie ſagte, Sie haͤtten ihr geheißen, auszugehn, daß ſie von ihrem Kopfweh befreiet wuͤrde und wol ausſaͤhe, wenn heute Herr Palmer kaͤme. Ich wollte nicht mit, da ſie mir beim Fruͤhſtuͤck zufluͤſterten, Sie haͤtten mir etwas zu ſagen.“ „Aber Sie aͤußerten doch nicht, daß ſie des⸗ wegen nicht mit wollten? Nicht wahr, Sie ha⸗ ben doch Amelien nicht entdeckt, daß ich Ihnen was zu ſagen haͤtte?“ „ nein meinem Anzu neuen Hut an „Necht, moͤgte nicht einander etw duͤrfte. Beſ Sie! „Aber Sie, ich kar ben als Sie. und einer S ich, iſt, we Der einf wieder auf. Mes. Bean an das F leiſe oh gl wir nun wei Kopfweh ute Herr ſie mir r etwas ſie des⸗ Sie ha⸗ )Ihnen 31 „O nein! ich ſagte, ich haͤtte noch was an meinem Anzuge zu beſorgen, und muͤßte meinen neuen Hut aufprobiren.“ „Recht, Liebe, recht ſo. Sie wiſſen ja, ich moͤgte nicht gern, daß ſie daͤchte, wir haͤtten mit einander etwas zu ſprechen, das ſie nicht hoͤren duͤrfte. Beſonders da es ſie betrifft.“ 1 „Sie! So?“ ſagte Miß Hunter gezogen. „Aber auch Sie, meine Liebſte. Glauben Sie, ich kann und werde keine Tochter lieber ha⸗ ben als Sie. Mit einem Sohn, wie der meine, und einer Schwiegertochter, wie die meine, hoffe ich, iſt, werde ich die begluͤckteſte Mutter ſeyn.“ Der einfaͤltigen Miß Hunter Antlit klaͤrte ſich wieder auf.„Aber jetzt, meine Liebe,“ fuhr Mrs. Beaumont, ſie bei der Hand faſſend und an das Fenſter fuͤhrend, fort, und ſprach ganz leiſe, ob gleich Niemand im Zimmer war,„ehe wir nun weiter von demjenigen ſprechen, was mir 8 32 5- zunaͤchſt am Herzen liegt, muͤſſen Sie mir gleich zuvoͤrderſt ein Billet an Ihren Bruder ſchreiben, denn Eines habe ich vergeſſen, wie ich immer vergeßlich bin; aber ich kann nicht denken, wo es das Gefuͤhl gilt. Manche Leute ſind allzeit ſo beſonnen und vorſichtig, davon habe ich leider nichts. Nun, Sie muͤſſen es gut machen. Schreiben Sie, und ſagen Sie Sir John, daß ich in der Verwirrung, als er um Amelien an⸗ hielt und ich ſeinen Antrag ſo freimuͤthig billigte, ihm zu ſagen vergaß, es muͤſſe ja Niemand mer⸗ ken, daß ich ihm mehr Hoffnung gebe, als darin liegt, daß er ſich um meine Tochter gleich jedem andern Manne bewerben darf. Nein, bleiben Sie, bleiben Sie, Sie verſtehen mich noch nicht. Sehen Sie, kurz grade heraus, Sie wiſſen, der alte Palmer koͤmmt heute. Nun, ſehen Sie, Liebe, es liegt meiner Familie wegen, zu der Sie Sich doch wol rechnen, denn ich rechne Sie allezeit dazu, dn und g Go mein ich dieſen guten hegen und zu er bleibt nur it die: ih Leuten, wel und welche d nem Reffen chen hat, d der junge M hat der alte Sproß, das mals einen( iidicule Gii haben auch dazu ſind eigenwillig in ihem J II. ir gleich hreiben, immer ken, wo dallzeit ſch leider machen. ihn, daß elien an⸗ billigte, ind mer⸗ ls darin ch jedem bleiben ſcch nicht. ſſen, der den Sie, der Sie e allezeit dazu, 33 dazu, und als ein recht bedeutendes Mitglied. So mein' ich, Beſte, daß es unſer Vortheil iſt, dieſen guten alten Mann in allen Stuͤcken zu hegen und zu Willen zu ſeyn. Sie wiſſen wohl, er bleibt nur eine Woche bei uns, und die Sache iſt die: ich weiß von zuverlaͤſſiger Hand, von Leuten, welche damals mit ihm gelebt haben, und welche die Urſach kennen, warum er mit ſei⸗ nem Neffen, der vor zwei Jahren ſtarb, gebro⸗ chen hat, daß dieſe Urſach darin beſtand, weil der junge Mann Baron geworden war. Damals hat der alte Palmer geſchworen, kein adlicher Sproß, das waren ſeine eignen Worte, ſollte je⸗ mals einen Schilling ſeines Geldes erben. Solche ridicuͤle Grille! Aber dieſe Londner Kaufleute haben auch ihre kleine excentriſche Ideen; und dazu ſind ſie ſo ſtolz auf ihre Weiſe, und ſo eigenwillig und voll kaufmaͤnniſches Hochmuthes in ihrem Weſen, daß gar kein Auskommen mit II. C 34 ihnen iſt, wenn man ihren Launen nicht zu Willen lebt. Ich bin uͤberzeugt, wenn Palmer ahndete, daß ich nur wuͤnſchte, Amelien mit Sir John zu verheyrathen, er vermachte keinem von uns einen Pfennig, es kame Alles an die Wal⸗ ſinghams. Stellen Sie, Liebe, das nun Ihrem Bruder vor, und ſagen Sie ihm, daß ich nicht das Mindeſte dawider habe, wenn er herkommen will, waͤhrend Herr Palmer hier iſt, aber daß er ſich nicht daran ſtoßen muß, wenn er in meinem Benehmen eine anſcheinende Kaͤlte wahrnimmt. Ich hoffe, er kennt mich, wenigſtens kennen Sie mich, liebſte Albina. Er muß ſich ſogar nicht wundern, wenn ich mich genoͤthigt ſehe, die Wal⸗ ſinghams zu beſuchen, oder bei mir zu ſehn. Zwar habe ich dagegen unter der Hand ſchon Vorkehrungen getroffen; ſollten jene Leute aber zufaͤllig erfahren, daß Palmer hier ſei, und dann kommen, und Sir John traͤfe ſie, ſo muß er nich eſferſüch ten Achtung Jch muß da den, daß ich gerſohn häͤlt ſchehn. Sie und ihr Vor Ameltens, ren Sie ihn noch piel be noch viel beg „Mein Sie das de ſo lange Bu Gott im H nicht in ei und dann iſ es nun Johl fatal, daße icht zu Palmer mit Sir mem von ie Wal⸗ h Ihrem ich nicht rkommen er daß er meinem hrnimmt. nnen Sie gar nicht die Wal⸗ zu ſehn. nd ſchon euute aber und dann hmuß er 35 nicht eiferſuͤchtig werden, wenn ich mit der groͤß⸗ ten Achtung vom Kapitain Walſingham ſpreche. Ich muß das thun, um Herrn Palmer einzubil⸗ den, daß ich einen Buͤrgerlichen lieber zum Schwie⸗ gerſohn haͤtte, ſonſt iſt es um uns bei ihm ge⸗ ſchehn. Sie wiſſen ja, es iſt meines Sohnes und ihr Vortheil, ſo gut als ihres Bruders und Ameliens, den ich vor Augen habe. Nun erklaͤ⸗ ren Sie ihm das Alles, Beſte, Sie koͤnnen das noch viel beſſer thun, und ihrem Bruder alles noch viel begreiflicher machen, als ich es koͤnnte.“ „Mein Gott, Mrs. Beaumont, wie koͤnnen Sie das denken. Sie ſchreiben ſo huͤbſch, und ſo lange Briefe uͤber Alles, und ſo geſchwind! Gott im Himmel! ich kriege das Alles gewiß nicht in einen Brief, ehe Herr Palmer koͤmmt, und dann iſt es bald Zeit zum Anziehn. Ich koͤnnte es nun John in fuͤnf Minuten ſagen; es iſt recht fatal, daß er heute nicht hier iſt.“ C 2 36 „Gut, Liebſte, aber wie waͤre es denn, wenn Sie zu ihm fuͤhren? Sie bemerken ſo vollkom⸗ men richtig, daß dergleichen ſich viel beſſer ſagt als ſchreibt. Ich ſehe ſelbſt an der Uhr, daß Sie nicht mehr Zeit haben, einen langen Brief zu ſchreiben und ſich anzukleiden. Ich thaͤte, wie leid es mir auch ſeyn muß, Ihrer Gegenwart zu entbehren, wohl am beſten, wenn ich darein wil⸗ ligte, daß Sie auf einen Tag zu Ihrem Bruder gehen. Ich will Ihnen meinen Wagen und Wil⸗ liamſon geben.“ So ſagte Mrs. Beaumont, klingelte nach dem Wagen und ſetzte dann noch hinzu:„Aber gedenken Sie Ihres Verſprechens, morgen gewiß, wenigſtens uͤbermorgen wieder da zu ſeyn, wenn ich den Wagen etwa morgen nicht miſſen koͤnnte. Ich moͤgte, wenn ich es irgend verhuͤten kann, um keinen Preis zugeben, daß ſie abweſend waͤren, waͤhrend Herr Palmer hier iſt, Sie wiſſen ja, wie ich Sie betrachte, als meine liebe Wagen fuh ſtand an der „Dul gut!“ ſagte mont ganz ſtand. Der bereit gewe oder beſonr hätte argm Anſpannen Morgen fol „Leben Gewiß, S fernt?“ ſo binen an Liebes, an der. Aber und ſie fol , wenn vollkom⸗ ſiſſer ſagt daß Sie Brief zu aite, wie wart zu rein wil⸗ Bruder und Wil⸗ eaumont, ann noch pprechens, wieder da rgen nicht, es irgend ben, daß lmer hier chte, al⸗ 32 meine liebe Tochter, liebſte Albina.“— Der Wagen fuhr unterdeſſen vor, und Williamſon ſtand an der Thuͤr, Miß Hunter zu begleiten. „O, liebe Mrs. Beaumont, Sie ſind zu gut!“ ſagte das arme Ding, das Mrs. Beau⸗ mont ganz trefflich mit Worten abzufinden ver⸗ ſtand. Der Wagen war ſo ſchnell auf ihren Wink bereit geweſen, daß eine etwas nachdenklichere oder beſonnenere Perſon, als Miß Hunters, wohl haͤtte argwoͤhnen moͤgen, daß ſchon Befehl zum Anſpannen ertheilt geweſen ſey, um ſie dieſen Morgen fortzuſchaffen. „Leben Sie wohl, meine einzige Albina. Gewiß, Sie bleiben nicht lange von mir ent⸗ fernt?“ ſagte Mrs. Beaumont, waͤhrend ſie Al⸗ binen an die Hausthuͤr begleitete.„Tauſend Liebes, an Jedermann, beſonders an Ihren Bru⸗ der. Aber, liebe Miß Hunter, noch ein Wort,“ und ſie folgte ihr bis an den Wagen und fluͤſterte 38 ihr zu:„eines habe ich vergeſſen, und ich uͤber⸗ V gen ſpringen, laſſe es gaͤnzlich Ihrer Klugheit und Einſicht; daß Amelien ich ſagte, daß Herr Palmer nichts davon wiſſen ber meine 2 muͤßte, daß ich Sir Johns Bewerbung beguͤn- der. Es we ſtige..“ Ehre; uͤberd „Schon gut, ſchon gut, ich verſtehe ſchon.“ Nan diiten n „Bleiben Sie, Liebe; Sie muͤſſen wiſſen, ziß in Tit h daß das ganz unter uns bleiben muß, nicht ein⸗ der Kulſchet 1 mal mein Sohn darf es erfahren. Sie kennen nen wuͤnſch 9 ihn ja, wie aufbrauſend er iſt, und wie einge⸗ Rühe zu bti nommen fuͤr Walſingham. Man koͤnnte nicht nih, br; h wiſſen, was daraus entſtehen moͤgte, wenn es vom Tiitt au unbedachtſamerweiſe herauskaͤme; da ſie beide ſo nich diſt hißig ſind, Edward und Sir John. Man kann nant, m nicht ſorgſam genug ſeyn, Unheil zwiſchen Maͤn⸗ ich will Sie nern zu verhuͤten. So warnen Sie ja Ihren nen zu ſi Bruder, daß er es mir uͤberlaſſe, Alles mit Ed⸗ uuß ich mi ward und Amelien auszumachen.“ Hier hielt ſie lichkeit verla Miß Hunter abermals auf, die ſchon in den Wa⸗ ſinn, wenn th uͤber⸗ inſicht; wiſſen beguͤn⸗ ſchon.“ wiſſen, cht ein⸗ e kennen ſe einge⸗ te nicht venn es beide ſo tan kann n Min⸗ a Ihren mit Ed⸗ hiclt ſie den Wa⸗ 39 gen ſpringen wollte.„Sie verſtehen doch, Liebe, daß Amelie noch von nichts weiß, alſo kein Wort uͤber meine Zuſtimmung an ſie von Ihrem Bru⸗ der. Es verſchoͤbe Alles. Ich vertraue ſeiner Ehre; uͤberdem—“ und ſie zog Miß Hunter zum dritten male zuruͤck. Dieſe ſtand mit einem Fuß im Tritt, den andern hatte ſie in der Luft: der Kutſcher, der ungeduldig war und fortzukom⸗ men wuͤnſchte, bearbeitete ſeine Pferde, um ſie zur Ruhe zu bringen, indeß er immer laut rief:„brr, ſteh, brr; hoh, hoh, hrr!“ Miß Hunter ſprang vom Tritt auf die Erde.„Gott, wie aͤngſtigen mich dieſe Pferde Ihrentwegen!“ rief Mrs. Beau⸗ mont;„Martin, trete er daneben. Liebſtes Kind, ich will Sie nicht laͤnger aufhalten, es wird Ih⸗ nen zu ſpaͤt; ich wollte nur noch das ſagen, daß ich mich gaͤnzlich auf Ihres Bruders Ehr⸗ lichkeit verlaſſe; aber außerdem wird es nicht uͤbel ſeyn, wenn Sie ihm zu Gemuͤthe fuͤhren, aber 40 auf eine recht delikate, delikate Art, Sie wiſſen ſchon, daß es auch ſein Vortheil iſt, mir Alles zu uͤberlaſen. Doch das muß ja nicht von mir kommen. Sagen Sie Alles wie von ſich ſelbſt. Nennen Sie mich gar nicht, und compromittiren mich um Gottes Willen nicht. Sie verſtehen mich doch?“ „O recht gut, recht gut. Noch einen Kuß, Liebe, und nun Adieu. Iſt meine Kleiderſchach⸗ tel drinnen? Sagen Sie dem Kutſcher, er ſoll ſchnell fahren, ich fahre nicht gern langſam. Nun mit Gott, liebſte Mrs Beaumont. Es iſt mir, als ob ich fuͤr eine Ewigkeit ſchiede, und es iſt doch nur fuͤr einen Tag.”“ „Liebes, herziges Kind! Wie ich die Ge⸗ muͤthlichkeit liebe! Mit Gott! Fahr Er ſchnell zu, wie Miß Hunter verlangt.“ Unſre ſchlaue Wittwe blieb, nachdem der Wagen fortgefahren war, gar zufrieden mit dem Prrtande ihr als man ihm Pertrauen ar Inſttuktionet nige Minnte fen vor der daraus aufſe zurckkam. Baaunon geweſen, Inſaſen! Pachter, dem Kapite ie wiſſen ir Alles von mir ch ſelbſt. omittiren verſtehen en Kuß, derſchach⸗ e, er ſoll m. Nun iſt mir, nd es iſt die Ge⸗ Er ſchnell hdem der mit dem 41 Verſtande ihrer Vertrauten, der nie mehr ſpuͤrte als man ihm zu ſagen fuͤr gut fand, und voll Vertrauen auf einen Geſchaͤftstraͤger, der ſeine Inſtruktionen nicht uͤberſchreiten konnte, noch ei⸗ nige Minuten in tiefem Nachdenken auf den Stu⸗ fen vor der Hausthuͤr ſtehen, bis ihr Sohn ſie daraus aufſchreckte, der von ſeinem Morgenritt zuruͤckkam. Drittes Kapitel. Beaumont war auf einer benachbarten Meierei geweſen, allwo einer von Herrn Walſinghams Inſaſſen haußte, der Birch hieß, ein ehrſamer Paͤchter, aus Irrland gebuͤrtig, deſſen Sohn mit dem Kapitain Walſingham zur See war, welcher 4² ihn auf Beaumonts Fuͤrbitte unter ſeinen beſon⸗ dern Schutz genommen hatte. Die Eltern hatten 1 eben an jenem Tage einen Brief von dem Sohne erhalten, und zeigten ihn in der Freude und dem Stolz ihres Herzens dem jungen Beaumont, der oftmals bei ihnen vorzuſptechen pflegte, um ſich zu erkundigen, ob ſie Nachrichten von ihrem Sohn oder dem Kapitain haͤtten? Er las die Briefe gern, welche der junge Birch ſchrieb; ſie waren voll einfaͤltiger Herzlichkeit und hatten einen ge— wiſſen Irlaͤndiſchen Strich, den des jungen See⸗ manns Engliſche Erziehung nicht zu verwiſchen vermogt hatte. Birch an ſeine Eltern. S. M. S. die Ambuscade. „Geehrteſte Eltern, „Ich ſchreibe von der See: Breite N. 44 Grad, 15 Minuten. Laͤnge, W. 9 Grad, 45 Minuten. T 3 melden, d dn, als ich vetſprach. C Fleiſchſchaluy, Depeſchen, w geſtatten, unſ anthalten hal nicht weiter, wozuj miq m thue ich, da ts zum Beſte nichs ſchnli men zu ſioßen was an mir gewandt hat Konigs Die ticht weggen Leweſen waͤre in beſon⸗ un hatten Sohne -und dem nt, der ſich zu Sohn Briefe ſe waren inen ge⸗ n See⸗ wiſchen buscade. N. 44 ad, 45 43 Minuten. Wind, Nord Nord Oſt, um ihnen zu melden, daß ſie mich nicht ſo bald ſehen wer⸗ den, als ich in meinem Letzten vom ſechzehnten verſprach. Geſtern um zwei Uhr blrachte die Fleiſchſchaluppe meinem guten Kapitain einige Depeſchen, wonaͤchſt wir, ſo Wind und Wetter geſtatten, unſren Lauf wenden werden. Was ſie enthalten haben, weiß ich nicht zu ſagen, es iſt nicht weiter gekommen als an die Lieutnants; aber wozu mich mein guter Kapitain kommandirt, das thue ich, damit bin ich zufrieden, und weiß daß es zum Beſten iſt. Ich fuͤr mein Theil verlange nichts ſehnlicher, als mit den Franzoſen zuſam⸗ men zu ſtoßen, und meinem Kapitain zu zeigen, was an mir iſt, und daß die Muͤhe, die er an⸗ gewandt hat, einen Mann von Ehre, der ſeines Koͤnigs Dienſte Ehre macht, aus mir zu bilden, nicht weggeworfen iſt. Wenn er mein Bruder geweſen waͤre, oder mein Vater, er haͤtte nicht — 4 1 — 4 3 1 aa 7 mehr fuͤr mich thun koͤnnen. Mit Gottes Huͤlfe will ich auch nie von ſeinen Lehren weichen, denn das iſt mein Trachten in allen Stuͤcken, wie er zu ſeyn; und er ſagt, daß wenn ich mich danach auffuͤhre, ich bald Lieutnant werden koͤnnte, und ein Lieutnant von des Koͤnigs Flotte iſt ein Herr, wie nur einer in England, der hat das Recht, (das ſagt nur Schweſter Kaͤthchen) die erſte Da⸗ me aus London aus dem Wagen zu helfen, wenn er will und wenn ſie will. Aber auf Damen zu kommen, da wir, wills Gott, bald ins Feuer kommen werden, und ich vielleicht nicht ſobald wieder Gelegenheit haben werde; zu ſchreiben, indem es heißt, wir ſteuren ſuͤdwaͤrts mit der Flotte, um die Franzoſen und Spanier zum Gefecht zu bringen: ſo will ich nur alles Neue in dieſem Brief ausſchuͤtten. Aber befehlt der Kaͤthe aufs Leben, und vergeßt es bei Leibe nicht, daß kein Wort von dem, was nun konmt, auck cb es dem K teiſchlagen ko ich nicht nenn waͤhrend wir chen und zwe Wind warte ten wit denr (was das! erklaͤren, zu mich immer wie er ausſo⸗ nicht laͤnger laubniß, a Abends zu (wie mein mir immer wieder um muͤßt ihr j ttes Huͤlfe hen, denn wie er zu ch danach linte, und ein Herr, s Recht, erſte Da⸗ fen, wenn ir, wills und ich diit haben vir ſteuren zzoſen und ill ich nur en. Aber heßt es bei was nun 45 koͤmmt, auskommen darf, weil ich nicht welß, ob es dem Kapitain lieb waͤre, oder was es ihm verſchlagen koͤnnte, ihm, und noch Jemand, die ich nicht nennen will. Nun muͤßt ihr wiſſen, daß waͤhrend wir zu... lagen, wo wir ſechs Wo⸗ chen und zwei Tage vor Anker lagen und auf den Wind warteten, und auf dies und das, da pfleg⸗ ten wir denn, ich und mein Kapitain zu ſondiren, (was das heißt, kann ich euch nicht ſo beſonders erklaͤren, zumal in einem Briefe); denn er nahm mich immer vorzugsweiſe vor Andern mit; und wie er ausſondirt hatte und mich zu dem Geſchaͤft nicht laͤnger brauchte, ſo bat ich ihn um Er⸗ laubniß, auf irgend eine Stelle hinzugehn und Abends zu fiſchen; was er denn auch erlaubte, (wie mein guter Kapitain nach gethaner Pflicht mir immer gern Alles zu gefallen thut) wenn ich wieder um zehn Uhr am Bord ſein wollte. Nun muͤßt ihr wiſſen, daß es da zu Lande Kloͤſter 46 nen Brief, d will ich ihn foderte und ke giebt, wovon du ohne Zweifel ſchon gehoͤrt haben wirſt, Kaͤthchen, daß es gottloſe Oerter ſind wo man junge katholiſche Frauenzimmer unverheyra⸗ thet einſperrt, oft, wie man vernuͤnftiger Weiſe ungefäht alo muthmaßen kann, ganz gegen ihren Willen. Dort me eingeſpelet iſt in einer der Vorſtaͤdte auch ein Kloſter, welches hohe Hintermauern auf den Garten hinaus hat, einer Gpanie todt, und i Beichtoater, nicht wollten der an dem Strande liegt, und unter dieſen Mau⸗ ern pfiegten wir zu ſondiren, und da fiſchte ich auch immer nachmals. Eines Abends nun, ſie nicht wuͦr ich denk an nichts weniger, da kommt ein di⸗ daif, wenigſ cker Blumenſtraus uͤber die Mauer geflogen, in ſperrten . und ein Stein darin, daß ich einen Satz davor m von ihre thue, und ſofort drei Abende hintereinander, im⸗ hätte mitelt mer zur ſelbigen Stunde; bis ich endlich eines Anwaldes in 4 Abends hinaufſehe an die Mauer, wie die Zeit nommen, u 4 wieder herankoͤmmt, daß die Straͤuße geſchmiſſen todt. So n wurden, und ſehe einen Stein der an einen Strick Jehen richt gebunden iſt, hinablaſſen, und an dem Stein ei⸗ ſetlich todt ort haben ſind wo erheyra⸗ eer Weiſe in. Dort welches us hat, n Mau⸗ ſchte ich s nun, ein di⸗ geflogen, t davor der, im⸗ ch eines die Zeit ſchmiſſen 1 Strick Stein ei⸗ 47 nen Brief, den ich nicht mehr ſo woͤrtlich weiß, weil ich ihn dem Kapitain gab, der ihn mir ab⸗ foderte und keine Abſchrift habe; aber er lautete ungefaͤhr alſo: dort in dem Kloſter waͤre eine Da⸗ me eingeſperet, die Tochter eines Englaͤnders von einer Spanierin, die beiden Aeltern die waͤren todt, und ihre Spaniſchen Verwandten und ihr Beichtvater, oder katholiſcher Prieſtermann, die nicht wollten, daß ſie nach England kaͤme, damit ſie nicht wuͤrde, was ſie von Geburtswegen ſeyn darf, wenigſtens von Vaterſeite, eine Proteſtan⸗ tin, ſperrten ſie hier von Kindheit auf ein. Ei⸗ ner von ihren Verwandten aber, in England, haͤtte mittelſt eines gottloſen Gerichtsmannes, oder Anwaldes inzwiſchen Beſitz von ihren Guͤtern ge⸗ nommen, und mache allen Leuten weis, ſie ſei todt. So waͤre ſie denn auch, da man ſeit ſieben Jahren nichts von ihr vernommen, was man ge⸗ ſetzlich todt nennt, aber dieſe Art Todes bedeute —/—-— 48 nichts, ſobald ſie nur wieder erſchiene. Deswe⸗ gen, heißt es in dem Briefe weiter, moͤgte ſie gar zu gern aus dem Kloſter und nach England hinuͤber entkommen. Aber ſie geſtaͤnde, daß ſie weder jung noch huͤbſch waͤre, und vielleicht nim⸗ mermehr reich wuͤrde; wer ihr alſo helfen wollte, der muͤßte es um Gotteswillen und ſonſt nichts thun; denn obgleich ſie alle Koſten treulich erſtat⸗ ten wolle, koͤnnte ſie doch nichts weiter verſprechen, und wuͤßte die Gefahr des Unternehmens ſei groß; großer fuͤr den, der es ausfuͤhrte, als fuͤr ſie ſelbſt. Aber ſie wuͤßte die Engliſchen Seeleute waͤren ſo brav, als großmuͤthig; dieſe Stelle des Briefes war ganz herrlich ausgedruͤckt, und ging mir gra⸗ de ans Herz, als ich’ ſie las; ſie wuͤnſche, Kapi⸗ tain Walſingham moͤchte ſie unter ſeinen unmit⸗ telbaren Schutz nehmen koͤnnen; ſie haͤtte Anſtal⸗ ten getroffen uͤber die Gartenmauer zu entkommen, wenn er ein Boot bereit halten wollte, das ſie auf aufſein Schif ſlben Stunde lich herablaſſe binden, und Dies,Alles ſe antlüchen woll ham ſelbſt kan vermuthlich, ſie wuͤßte dur Ehre ſei, un dem Fall un Das ſtand A auegeleſen, un merkte ich, zu Dame mich f ſe nicht geſch Jih alſo zu meinem und wie ſie Il. Deswe⸗ moͤgte ſie England daß ſie cicht nim⸗ en wollte, iſt nichts ich erſtat⸗ erſprechen, ſei groß; ſie ſelbſt. waͤren ſo es Briefes g mir gra⸗ he, Kapi⸗ nen unmit⸗ ite Anſtal⸗ ntkommen, e, das ſie auf 49 auf ſein Schiff braͤchte; am naͤchſten Abend zu der⸗ ſelben Stunde wollte ſie den Stein wie gewoͤhn⸗ lich herablaſſen, er moͤgte ſeine Antwort daran binden, und ſie wuͤrde ſie demnaͤchſt heraufziehn. Dies Alles ſchloß ſie damit, daß ſie gar nicht entfliehen wollte, wenn nicht Kapitain Walſing⸗ ham ſelbſt kaͤme ſie abzuholen,(der ſich ſelbſt alſo vermuthlich, als ſich ſelbſt beurkunden ſollte) denn, ſie wuͤßte durch ſeinen Ruf, daß er ein Mann von Ehre ſei, und daß ſie und ihr Geheimniß auf je⸗ dem Fall unter ſeinem Schutze geborgen waͤren. Das ſtand Alles in dem Briefe; und als ich ihn ausgeleſen, und nach der Unterſchrift geſehen hatte, merkte ich, zum Dank fuͤr meine Muͤhe, daß die Dame mich fuͤr meinen Capitain hielt, ſonſt haͤtte ſie nicht geſchrieben und Blumenſtraͤuße geworfen. Ich alſo nehme den Brief, und bringe ihn zu meinem Kapitain, und was der antwortete, und wie ſie nachmals miteinander uͤbereinkamen, II. D ———— 50 (vermuthlich mittelſt Signale) das ging mich nichts an. Er ſagte mir und ich ihm kein Wort weiter von der Sache, bis in derſelben Nacht, als wir nach England abſegeln wollten. Da nahm er mich beiſeite, und ſagte:„Birch, willſt du mir beiſtehn? ich verlange dies nicht als dein Ka⸗ pitain, alſo kannſt du es halten wie du willſt. Willſt du mir helfen jene Dame, welche unrecht⸗ maͤßiger Weiſe dort feſtgehalten zu werden ſcheint, zu befreien und ſicher nach ihrer Heimath zuruͤck⸗ zuſchaffen, zu ihren Verwandten? Ich ſagte, ich wollte das und was ſonſt noch thun, wenn er es verlangte, denn er wuͤrde nichts Schlechtes von mir verlangen; und was die Dame betraͤfe, ſo machte ich mir eine Ehre daraus, ſie nach alt England und zu den rechtmaͤßigen Verwandten zu⸗ ruͤck bringen zu helfen. Mir ſchiene es nur, wenn ich ſo frei ſeyn duͤrfte es zu ſagen, ſeinetwegen Schade, daß ſie nicht jung und nicht huͤbſch waͤre. Worauf er la wäre vielleich Dann beſtim noch dazu net große Stadte wir unter der langten. Ac Grab bei L. Wagſtuͤck a glauben, un leute hatten, ſtion. Nur teten und paf es waͤre irg Ales entdech zog ſeine R und ſie ſchl vbs iſt zu ab ich, der ing mich ein Wort n Nacht, Da nahm willſt du dein Ka⸗ du willſt. e unrecht⸗ en ſcheint, ith zuruͤck⸗ ſagte, ich venn er es echtes von betraͤfe, ſo e nach alt vandten zu⸗ nur, wenn ſeinetwegen ööſch waͤn. 51 Worauf er laͤchelte, und nichts ſagte, als:„es waͤre vielleicht fuͤr ihn am beſten, wie es waͤre.“ Dann beſtimmte er, welches Boot, und wen er noch dazu nehmen wollte, und die Stunde. Die große Stadtglocke ſchlug eben zwoͤlf Uhr, als wir unter der Mauer des bewußten Kloſters an⸗ langten. Alles war ſtill und ſo ſtumm, als das Grab bei Leib und Leben. Denn es war ein Wagſtuͤck auf Leben und Tod, das koͤnnt ihr glauben, und wir wußten es wohl und die Schiffs⸗ leute hatten eine ſchreckliche Angſt vor der Inqui⸗ ſition. Nun wir paßten und warteten, und war⸗ teten und paßten ſo lange, daß wir ſchon meinten, es waͤre irgend was ſchief gegangen, oder gar Alles entdeckt; der Kapitain mußte in See, und zog ſeine Repetieruhr vor, und ließ ſie repetiren, und ſie ſchlug dreiviertel auf eins, und er ſagte: „es iſt zu ſpaͤt, wir muͤſſen zuruͤck.“ Eben da gab ich, der mit der Laterne in der Hand auflau⸗ D 2 52 erte, das Zeichen, und erſt kommt ein weißer Buͤndel an dem Stein mit dem Strick herab, da legten der Kapitain und ich die Strickleiter an, und herunter kommt die Dame, wie ſie ging und ſtand, und kein Wort, und fort mit ihr: eins, zwei, drei, ſo hatte der Kapitain ſie in das Boot, und ab ſtießen wir, und ruderten darauf los aus Leibeskraͤften, maͤuschenſtill. Mir iſt, als hoͤrt ich noch dieſen Augenblick das Schlagen unſerer Ruder und das Klatſchen der Wellen, wir haͤtten ſie gern zum Schweigen gebracht, aber das ging nicht; indeſſen hoͤrte es Niemand, oder keiner gab darauf Acht. Ihr koͤnnt euch den Schrecken der Dame, bei dem geringſten Windſtoß, bei der geringſten Bewegung der Wellen, nicht vorſtellen, wie das Boot nun in See ging; denn außerdem, daß ſie von Natur furchtſam war, wie alle, oder doch die meiſten Frauenzimmer, wenn ſie zum erſtenmal aufs Waſſer kommen, ſo hatte die arme Seele noch d und ſch an iht gluͤken i men, wo ſiei wie ein huͤffl der, daß ſie zu ſchreien n nehmen ſollt wir Mannen men. Es n man haͤtte e und Alles wa ker am Tau, ftzier und M die Ruͤckkehn mſch ſcitlan Ale, als ei de, und hit herunter get weiße erab, da eiter an, ging und hr: eins, las Boot, los aus als hoͤrt n unſerer ir haͤtten das ging der keiner Schrecken 3, bei der vorſtellen, außerdem, alle, oder ſie zum die arme ◻ Seele noch dazu gewacht und vielleicht gefaſtet, und ſich an Leib und Seele abgeaͤngſtigt, ob es ihr gluͤcken moͤgte, aus dem Kloſter zu entkom⸗ men, wo ſie ihr Lebelang eingekerkert geweſen war, wie ein huͤlfloſes Kind. Es war noch ein Wun⸗ der, daß ſie ſo gut beſtand als ſie that, und ohne zu ſchreien, woran Kaͤthe und andre ein Beiſpiel nehmen ſollten. Wir waren auch froh genug, wir Maͤnner ſelbſt, als wir bei dem Schiffe anka⸗ men. Es war dermalen eine Stille am Bord, man haͤtte eine Stecknadel koͤnnen fallen hoͤren, und Alles war vollkommen ſegelfertig. Der An⸗ ker am Tau, die Segel bereit zum Aufziehn, Of⸗ fizier und Matroſen in geſpannter Erwartung auf die Ruͤckkehr unſres Bootes. Unſer Boot ſtrich raſch ſeitlang; und wie verwunderten ſie ſich dann Alle, als eine verſchleierte Frau ausgeladen wur⸗ de, und hinaufgezogen, und halb ohnmaͤchtig herunter genommen. Mir iſt in meinem Leben F 54 nicht ſo leicht ums Herz geweſen, als da wir ſie und uns ſicher auf der Ambuscade am Bord hat⸗ ten. Der Anker wurde ſogleich gelichtet, alle Segel aufgeſpannt, und das Schiff trat in See. Der Kapitain gab der Dame ſeine Cajuͤtte: die Schildwache wurde verdoppelt, und Alles das puͤnktlichſt nach ſeinem Befehl vollzogen, was ihren Ruf unter ſo zweideutigen Umſtaͤnden be⸗ wahren konnte. Ich kann euch die Neugier nicht beſchreiben, und du ſelbſt, Kaͤthe, kannſt dir keine Vorſtellung davon machen, mit welcher jeder auf ſie erpicht war; ſie wollten ſie alle gar zu gern ſehn, wie ſie zum erſten Mal aufs Verdeck kam, und waren wunder wie dienſtfertig mit Licht bringen; aber das half nichts, ſie konnten nicht wegen des Schleiers. Alles, was wir dennoch herausbrachten, war, daß ſie eine huͤbſche Figur hatte, und Etwas an ſich, woraus man ſah, daß ſie nichts Ordinaͤres war. Am folgenden Tage uhlt det I auf den Ve ihr Geſcht wundtung, de, daß ſie Ueberdem ha feine Juwel den ſie am Tage auf behrde anſt darauf Ach ſowohl reic ganz im G. meines Er meinem g. viel ich a was er fu ihn. Ich ſchreiben, wir ſie ord hat⸗ ltet, alle in See. litte: die lles das n, was nden be⸗ gier nicht annſt dir her jeder gar zu Verdeck mit Licht ten nicht dennoch he Figur ah, daß en Tage 4 55 wehte der Wind ihren Schleier beiſeite, da ſie auf dem Verdeck ſaß, und da konnten wir denn ihr Geſicht erkennen, und ſahen zu unſrer Ver⸗ wundrung, und gewißlich zu des Kapitains Freu⸗ de, daß ſie ohne Widerrede jung und huͤbſch war. Ueberdem habe ich Urſach zu vermuthen, daß ſie feine Juwelen mit ſich fuͤhrt, außer einen Ring, den ſie am Finger trug, und den ſie am naͤchſten Tage auf dem Verdeck ihm mit gar hoͤflicher Ge⸗ behrde anſteckte, wie ſie merkte, daß Niemand darauf Acht gab. So zweifle ich nicht, ſie ſei ſowohl reicher als huͤbſcher, wie ſie ſich machte, ganz im Gegentheil von andern Frauen, was ihr meines Erachtens ſehr zur Ehre gereicht, und meinem guten Kapitain zu gute koͤmmt; denn ſo viel ich abnehmen kann, ſo hat ſie, nach Allem, was er fuͤr ſie gethan, keinen Widerwillen gegen ihn. Ich habe nicht Zeit, ein Woͤrtchen mehr zu ſchreiben, als herzliche Gruͤße an Kaͤthchen und 56 2 Nancy, und Toms und Mary, und die kleine Betty; und daß ich Ihnen, geehrteſte Aeltern, viel Geſundheit wuͤnſche, wie ich, Gott ſei Dank, auch jetzt recht geſund bin. Ich verbleibe Ihr gehorſamer, Sie liebender Sohn, 3 John Sirchh. P.§. Ich breche den Brief wieder auf, Ihnen zu melden, daß wir ſogleich ſuͤdwaͤrts ſteuern, alleſammt froh in der Hoffnung, auf die Franzoſen und Spanier zu treffen. Unſre Dame haben wir ſo eben am Bord eines engliſchen Packetboots abgeſetzt. Gott geleite ſie und dieſen Brief gluͤcklich nach England.“ Das romantiſche Abentheuer, ſammt der Art, wie es erzuaͤhlt war, haͤtten Beaumont beluſtigen mägen doch des Briefes, gleichguͤllig wuͤnſchte, ſe den, begann barkeit, mit das großes und mit de im Laufe zen zu fͤr tet, ſo waͤr den. So⸗ ganzen Zei noch, als blikte, wo Huntet de ie kleine Aeltern, i Dank, r, Sie hnen zu ſteuern, auf die Unſre ad eines tt geleite gland.“ der Att, eluſtigen 57 moͤgen, doch ihn beunruhigte der Wink am Schluß des Briefes, daß die Dame ihrem Befreier nicht gleichguͤltig ſeyv. Beaumont, welcher aufrichtig wuͤnſchte, ſein Freund moͤgte ſein Schwager wer⸗ den, begann die ſpaniſche Dame mit ihrer Dank⸗ barkeit, mit ihren Ringen, mit dem Intereſſe, das großes Ungluͤck und Huͤlfloſigkeit erwecken, und mit den Verſuchungen zur Liebe, welche ſich im Laufe einer weiten Reiſe darbieten, von Her⸗ zen zu fuͤrchten. Haͤtte er die Nachſchrift beach⸗ tet, ſo waͤre ſein Gemuͤth in Etwas beruhigt wor⸗ den. So aber erwog er jenes Alles waͤhrend der ganzen Zeit ſeines Heimrittes, und erwog es noch, als er ſeine Mutter auf den Stufen er⸗ blickte, wo wir ſie verlaſſen haben, waͤhrend Miß Hunter davon fuhr. 58 Viertes Kapitel. „ Haſt du Miß Hunter begegnet, lieber Sohn? fragte dieſe. „Ja, ich traf den Wagen in der Alllee. Sie faͤhrt zu Hauſe, nicht wahr?“ ſagte er in einem gar vergnuͤgtem Tone. „Ach die Arme! ja,“ erwiederte Mrs. Beau⸗ mont in einem betruͤbten.„Das arme Kind!“ „Warum denn, Mutter, iſt ihr was zuge⸗ ſtoßen? Was iſt vorgefallen?“ „Vorgefallen! ach nichts. Sagt ich denn, daß etwas vorgefallen waͤre? Du ſprichſt ſo laut,“ fluͤſterte ſſe ihm zu;„dein Reitknecht hat jedes Wort gehoͤrt. Bleib nur, bis er fort iſt, dann laß uns ſprechen.“ „Ich mache mir nichts daraus, wenn auch alle Welt hoͤrt, was ich ſage,“ rief Beaumonk hxliu; doch ufbrauſende Ton und T Mutter, we daß man S „Mein iichten ſo mißverſtehl erzaͤhlen d gen ſo wwun „Ja! „Sie hab meinen Ur Etvas vor „Vor Menſchen die Zeit u deinem A arglos ge Sohn 20 r Allee. te er in 8. Beau⸗ Kind!“ as zuge⸗ ch denn, ſo laut,“ at jedes ſt, dann nn auch eaumonk 59 haſtig; doch ſogleich, als unterdruͤcke er ſeinen aufbrauſenden Unwillen, ſetzte er mit gelaſſenerem Ton und Blick hinzu,„ich begreife auch nicht, Mutter, warum Sie immer ſo viel Angſt haben, daß man Sie behorche.“ „Mein Lieber, du weißt ja, Domeſtiquen richten ſo viel Unheil dadurch an, daß ſie Alles mißverſtehn und mißdeuten, was ſie hoͤren; ſie erzaͤhlen die Sachen ſo verkehrt wieder, und brin⸗ gen ſo wunderliche Geruͤchte aus!“ „Ja wohl, wahrhaftig,“ ſagte Beaumont, „Sie haben wohl recht. Vergeben Sie mir meinen Ungeſtuͤm; ich wollte, Sie koͤnnten mir Etwas von Ihrer Vorſicht und Geduld abgeben.“ „Vorſicht! Ach, lieber Eduard, die lernen Menſchen von unſrer offnen Gemuͤthsart erſt durch die Zeit und durch truͤbſelige Welterfahrung. In deinem Alter bin ich zehnmal ſo unvorſichtig und arglos geweſen als du jetzt biſt.“ 60 „Sie?— Aber bin ich denn arglos. Als Knabe war ichs; und ich wollte, wir blieben in manchen Stuͤcken Kinder. Der Argwohn iſt mir an allen Menſchen verhaßt, am meiſten an mir ſelbſt. Und doch—“. Hier ſtockte Beaumont, aber ſeine Mutter nahm das Wort, und ergoß ſich ſogleich in ge⸗ laͤufige Lobeserhebungen uͤber die angeſtammte Argloſigkeit ſeiner Natur. „Aber Sie wollten ja Etwas von Miß Hun⸗ ter ſagen, Mutter?“ „Ach ja. O, es war nichts, als daß es mir leid thut, daß du nicht gewußt haſt, daß ſie an dieſem Morgen abreiſen mußte, und daß du alſo nicht Abſchied von ihr nehmen konnteſt. Das arme Kind!“ „ Abſchied, Mutter? Als ich ihr mein Kom⸗ pliment machte, und ihr einen guten Morgen wuͤnſchte, wie ich ihr eben begegnete, ſagte ſie tershall. mit ja, ſie C ſchiednehme morgen wie „Das arme Weſen ſagte ich ih motgen wi mir herur Hihe bring firt aus. ob es eben haben, wa weißt— als erwart tende Aeuf naͤckigem abermals Eduand,! Als ben in iſt mir an mir Mutter hin ge⸗ ſtammte 5 Hun⸗ daß es daß ſie daß du t. Das Kom⸗ Norgen agte ſie 61 mir ja, ſie ginge nur auf einen Tag nach Hun⸗ tershall. Da iſt doch wohl kein großes Ab⸗ ſchiednehmen vonnoͤthen, wenn ich eine Dame morgen wiederſehe.“. „Das iſt nun nicht ſo ausgemacht, als das arme Weſen denkt. Um ſie aufrecht zu erhalten, ſagte ich ihr, als ſie von mir ging: ich wuͤrde ſie morgen wiederholen laſſen. Komm doch hier mit mir herunter, in den Schatten, Eduard, die Hitze bringt mich um, und du ſiehſt auch ſo eſchauf⸗ firt aus. Ich meine, daß ich nicht recht weiß, ob es eben klug ſein moͤgte, ſie ſo viel hier zu haben, waͤhrend Herr Palmer bei uns iſt. Du weißt—“ Hier hielt Mrs. Beaumont inne, als erwarte ſie eine Zuſtimmung, oder eine einlei— tende Aeußerung; aber ihr Sohn beharrte in hart⸗ naͤckigem Schweigen, und ſie ſah ſich genoͤthigt, abermals zu ſagen:„Du weißt, mein liebſter Eduard, du weißt ja?“— „Ich weiß wahrlich von nichts.“ „Du wuͤßteſt nicht!“ „Meiner Treu nichts. Bei meiner Seele ich wuͤßte nicht, was Herrn Palmers Ankunft mit Miß Hunters Abreiſe zu thun haben koͤnnte. Das Haus iſt, denk' ich, groß genug fuͤr beide, und fuͤr uns Alle obenein. Uebrigens geht mich das Gehen oder Bleiben der Schoͤnen nichts wei⸗ ter an, als in ſofern Hoͤflichkeit und Gaſtfreund⸗ ſchaft es mit ſich bringen.— Ich uͤberlaſſe das Alles Ihnen, Sie uͤberheben mich der Muͤhe, den Wirth zu machen ja ſo geſchickt.“ Dieſe Antwort, von der kein Tuͤtelchen dem⸗ jenigen entſprach, was Mrs. Beaumont gern hoͤren wollte und zu hoͤren hoffte, warf alle ihre Gedankenfolge ganz auseinander; nicht, daß die Empfindung, welche ſie ausſprach, ihr neu geweſen waͤre, aber ſie erwartete nicht, daß ſie ihr in dieſem Augenblick in ſo duͤrren Worten geklei⸗ dtt ſo de waren in unverhoff ſelben de Sinn da ſondern w wie unerw ſer weibli und ließ dringen, „Und ndaß ſich muͤndig bi Sie ſollen wollen, ſtehen Si nigſtens fügte er buͤrgen, eele ich unft mit koͤnnte. ſir beide, ht mich chts wei⸗ ſſtfreund⸗ laſſe das lihe, den en dem⸗ ont gern alle ihre daß die geweſen ihr in geklei⸗ 63 det ſo derb entgegentreten ſollte. Ihre Argumente waren in Schlachtordnung geſetzt, und dieſe un⸗ unverhoffte Bewegung des Feindes verruͤckte die⸗ ſelben dermaßen, daß ein minder kriegsgewandter Sinn dadurch nicht nur in Verwirrung gebracht, ſondern wohl gar geſchlagen geweſen waͤre. Aber wie unerwartet der Streich kam, ſo ſetzte ſich un— ſer weiblicher Hannibal doch unverzuͤglich wieder, und ließ den Feind ungeſtuͤm und ſiegreich vor⸗ dringen, bis er umzingelt war. „Und darin, hoff ich,“ fuhr Beaumont fort, „daß ſich nichts aͤndern ſoll, wenn ich nun auch muͤndig bin. Verlaſſen Sie Sich darauf, Mutter, Sie ſollen hier im Hauſe bitten, wen ſie ſehen wollen, und darum bitte ich Sie, liebe Mutter, ſtehen Sie demſelben vor, wie es geweſen iſt, we⸗ nigſtens bis ich heirathe. Fuͤr meine Frau,“ fuͤgte er laͤchelnd hinzu, kann ich freilich nicht buͤrgen, ehe ich ſie habe.“ „Und ehe wir wiſſen, wer es ſeyn wird,“ fuͤgte Mrs. Beaumont gleichguͤltig hinzu.„Aber, wie du ſagſt, kommt Zeit, kommt Rath. Ueber⸗ dem kenne ich wenig Maͤdchen in der Welt, mit denen ich in dem Verhaͤltniß von Schwiegermutter zu Schwiegertochter beiſammen wohnen moͤgte; ja kaum eine. Aber wo ich auch wohnen mag, ſo lange ich irgendwo wohne, ſo hoffe ich, du wirſt mir die Gerechtigkeit und die Freude nicht verſagen, mein Haus als das deine zu betrachten. Gott weiß, durch mich ſoll kein fremder Mann das Recht erlangen, dir die Herrſchaft meines Schloſſes, oder meiner Huͤtte, was es ſeyn mag, ſtreitig zu machen. Uebrigens, lieber Edward,“ fuhr Mrs. Beaumont fort,„wirſt du nie gegen meine Neigung waͤhlen, denn die deinige wird ſie hier, wie in allen Dingen beſtimmen.“ Der Sohn kuͤßte ihr voll feurigen Dankes die Hand. „Du „Ou meine H mir ungel heiten ver andeute, n Du mußt jeht, ſo m Dir gefal „I zu ungehin lernt, mein durch die wohl ein, hat mir ſche mein Fehle auf mich; habt; aben et ſie mit wollten mi II. wird,“ „Aber, Ueber⸗ lt, mit ermutter moͤgte; n mag, ich, du de nicht rrachten. Mann meines yn mag, dward,“ ie gegen ige witd 1 nkes die „Du 65 „Du witſt, hoffe ich, nicht denken, daß ich meine Herrſchaft hier zu verlangern ſuche, oder mir ungebuͤhrlichen Einfluß auf deine Angelegen⸗ heiten verſchaffen will, wenn ich im Allgemeinen andeute, was mir deinem Gluͤcke foͤrderlich ſcheint. Du mußt dereinſt fuͤr dich ſelbſt waͤhlen; und biſt jetzt, ſo wie immer, ungehindert, zu thun was Dir gefaͤllt.“ „Ja wohl, ja wohl! Ich bin immer nur zu ungehindert geweſen, und habe nicht genug ge⸗ lernt, meinen Willen und meine Lridenſchaften durch die Vernunft zu regieren. Das ſehe ich wo l ein, und mein braver Freund Walſingham 9 hat mir ſchon vor einigen Jahren geſagt, daß dies mein Fehler waͤre, und mir eingebunden, Acht auf mich zu haben. Die habe ich auch wohl ge⸗ habt; aber ich fuͤrchte, nicht ſo ſtreng, als haͤtte er ſie mit auf mich gehabt. Nun, Mutter, Sie wollten mir andeuten; was meinen Sie?“ II. E — 1 66 „Der Kapitain Walſingham, liebſter Sohn, hat ſein Urtheil vielleicht beſſer in Erkennung der Thatſachen, als der Veranlaſſungen bewaͤhrt. Ich weiß, daß die Schwaͤche meiner Mutterliebe dir waͤhrend der Kindheit, und vielleicht noch un⸗ vorſichtiger waͤhrend der Jugend eine zu unbe⸗ ſchraͤnkte Freiheit, fuͤr dich zu denken und zu han⸗ deln, verſtattet hat. Ach, deiner Mutter Er⸗ ziehungsgrundſaͤtze entſprangen mehr aus dem Gefuͤhl, als aus dem Verſtande. Der Kapitain Walſingham kennt meine Irrthuͤmer nicht beſſer, als ich ſelbſt.“ „Glauben Sie, Mutter, er dachte nicht daran, Sie zu beſchuldigen. Er iſt nicht der Mann, der einen Sohn uͤber die Irrthuͤmer ſei⸗ ner Mutter erleuchten wuͤrde, wenn ſie deren haͤt⸗ te. Er hat nie anders von Ihnen, als mit der groͤßten Ehrfurcht geſprochen. Und da ich ihm nun einmal auf meine Unkoſten Gerechtigkeit wi⸗ dahihn war, wie einer Gele⸗ ſprach, un beſtand, den Fehler beherrſchun nachdruͤcl ſtens in vergeſſen Aber ich b wollten, ſcht.. „Oke dich fuͤr v ken ſelbſt ten, daß Beheriſch änen ſiar Sohn, ung der ewaͤhrt. tterliebe toch un⸗ 1 unbe⸗ zu han⸗ tter Er⸗ -us dem Kapitain t beſſer, te nicht nicht der umet ſti⸗ eren haͤt⸗ mit der ich ihm gkeit wi⸗ 67 derfahren laſſen muß, ſo will ich nur geſtehen, es war, wie ich mich deſſen recht wohl erinnere, bei einer Gelegenheit, wo ich Ihnen zu heftig wider⸗ ſprach, uud gegen Ihren Willen auf meinem Kopf beſtand, als er mich bei Seite nahm, und mir den Fehler vorſtellte, wozu der Mangel an Selbſt⸗ beherrſchung mich verleitete. Und das that er ſo nachdruͤcklich, daß ich hoffentlich ſeitdem, wenig⸗ ſtens in keinem erheblichen Fall, den Eindruck vergeſſen habe, den er in meiner Seele zuruͤck ließ. Aber ich bringe Sie von dem ab, was Sie ſagen wollten, ſie wollten mir Rath geben in Hin⸗ ſicht „O keinesweges, Rath keinesweges; ich halte dich fuͤr vollkommen tuͤchtig, dich in allen Stuͤk⸗ ken ſelbſt zu berathen. Ich wollte dir nur andeu⸗ ten, daß, da du von deiner Mutter nicht an Beherrſchung gewoͤhnt biſt, und, Gott ſei Dank, einen ſtarken Sinn beſitzeſt, der eher bricht als E 2 68 ſich beugt, es zu deinem Gluͤcke unumgaͤnglich noͤthig iſt, daß du eine Frau von ſanfter, gefaͤlli⸗ ger Gemuͤthsart bekoͤmmſt, eine Frau, die nicht auf ihrem Sinn beſteht, und nicht von ihrer Mei⸗ nung eingenommen, nicht widerſpaͤnſtig, nicht unvernuͤnftig, nicht halsſtarrig iſt.“ „Ja wohl, unvernuͤnftig halsſtarrig darf ſie nicht ſeyn; aber eine knechtiſch geſinnte Frau wuͤrd' ich verachten.“ „Das verſteht ſich; doch Nachgiebigkeit, wel⸗ che aus Liebe entſteht, verdient nicht, daß man ſie knechtiſch nenne, und wuͤrde dir auch nicht knechtiſch duͤnken. Ich bin uͤberzeugt, daß es einen Grad von Zaͤrtlichkeit giebt, von Neigung, von enthuſiaſtiſcher Reigung, der das Gemuͤth immer zu einer gewiſſen Sanftmuth und Beug⸗ ſamkeit ſtimmt, von welcher ich mir denke, daß ſie dir vorzuͤglich reizend ſeyn wuͤrde, und zu deinem Gluͤcke durchaus weſentlich gehoͤrt. Kurz, ich kenn eetragen. „O, tig ſehr! „Ich roth vor ſanft, ſo Meinung „Sie mich in der ſchlug mit Oteauches, nich nicht, viel beſſer aber grade fuhr er la den Buſch „Sch für wunde anglich gefaͤlli⸗ le nicht r Mei⸗ nicht darf ſie te Frau it, wel⸗ aß man h nicht daß es deigung, Gemuͤth d Beug⸗ kke, daß und zu „Kutz, ich kenne dich, du kannſt nicht gut Widerſpruch ertragen.“ 3 „O, Mutter, da irren Sie Sich wahrhaf⸗ tig ſehr!“.— „Ich irre mich? und er wird ſchon eben ganz roth vor Aerger, weil ich ihm widerſpreche, ſo ſanft, ſo freundlich, als ich nur kann, ſeiner Meinung von ſich ſelbſt widerſpreche!“ „Sie verſtehen mich nicht, Sie verſtehen mich in der That nicht,“ ſagte Beaumont, und ſchlug mit ſeiner Reitgerte auf die Blaͤtter eines Strauches, der neben ihm ſtand.„Sie verſtehen mich nicht, oder ich verſtehe Sie nicht. Ich kann viel beſſer Widerſpruch ertragen, als Sie meinen, aber grade heraus: das kann ich nicht ertragen,“ fuhr er laͤchelnd fort,„was ich hier thue: auf den Buſch klopfen.“ „Seh einer nur! Was ſeid ihr Maͤnner fuͤr wunderliche Geſchoͤpfe! Sieht er nicht ganz 70 ſo aus, wie ſein ſeliger Vater, der mir ſagte, er haͤtte gern, daß man ihm widerſpraͤche, und keine drei Tage mit einer Frau ausgedauert haͤtte, die es haͤtte wagen wollen, ihm geradezu zu wider⸗ ſprechen. Was ich an Einfluß auf ſein Gemuͤth gewonnen habe, und alles Gluͤck unſerer Verbin⸗ dung, verdanke ich dem Umſtande, daß ich dieſer Bemerkung uͤber ſeinen Charakter mehr traute, als ſeiner Verſicherung. So mache ich denn auch auf einiges Urtheil uͤber dasjenige Anſpruch, was dei⸗ nem angeerbten Temperamente entſpricht.“ „Ohnfehlbar, Mutter, ohnfehlbar. Aber um zur Sache zu kommen, muß ich eine beſtimmte Frage thun. Deuten Sie mit dieſen Anmerkun⸗ gen auf beſondere Perſonen? Giebt es ein Maͤd⸗ chen, mit der Sie mich ſogleich verheyrathet zu ſehen wuͤnſchten?“ „Ja— Miß Walſingham.“ „Miß ſutzte voll Nutter der langte. 7 entzuͤckt!“ „Erſt wie ſehr Aber— „Abe „Es ſatt fäͤnd nicht, ihre Einwendu uͤbel neh „Sa ubel.” „W ich gege gte, er id keine tte, die wider⸗ Gemuth Verbin⸗ ch dieſer hute, als auch auf was dei⸗ -7 Aber um eſtimmte mmerkun⸗ in Maͤ⸗ rathet zu 71 4 „Miß Walſingham!“ rief Beaumont und ſtutzte voll freudiger Verwunderung, als ſeine Mutter den Namen nannte, den er zu hoͤren ver⸗ langte.„Liebſte Mutter. Ich bin erſtaunt und entzuͤckt!“ „Erſtaunt? wie ſo? Du weißt doch wol, wie ſehr ich Miß Walſingham hochſchaͤtze. Aber—* „Aber. Sie ſagen aber.“ „Es giebt kein Maͤdchen, bei der kein Aber ſtatt fände. Doch es gebuͤhrt ihrer Freundin nicht, ihren Werth zu verkleinern. Meine einzige Einwendung gegen ſie iſt— Du wirſt es gewiß uͤbel nehmen, wenn ich ſie ſage.“ „Sagen Sie, ſagen Sie; ich nehme es nicht uͤbel.“ „Wolan; die einzige Einwendung, welche ich gegen ſie habe, iſt ihre Ueberlegenheit. Sie — 7 . 72 iſt, verzeihe, daß ich es ſage, jedem Manne/ dich ſelbſt nicht ausgenommen, uͤberlegen.“ „Das meine ich ebenfalls, und es freut mich.“ „Es freut dich? Nun darin ſtimme ich nicht mit dir uͤberein. Ich muß geſtehen, es wuͤrde mich als Mutter ein wenig kraͤnken, wenn mein Sohn ſeine Frau nicht uͤberſaͤhe, und die Ver⸗ gleichung zwiſchen ihm und ihr immer waͤhrend des ganzen Lebens vor Augen ſtaͤnde, und taͤglich und ſtuͤndlich gemacht wuͤrde, und von Jeder⸗ mann außer mich ſelbſt. Ich geſtehe, ich habe muͤtterliche Eitelkeit, und wuͤnſchte meinen Sohn, wie bisher, als Herr und Meiſter in ſeinem eig⸗ nen Hauſe zu ſchen.“ Beaumont antwortete nicht, und ging ſchwei⸗ gend umher; ſeine Mutter, die nicht vermogte beſtimmt zu unterſcheiden, ob die Betroffenheit, welche in ſeinen Mienen offenbar wurde, aus Mibüligun erwuͤnſchter warteke vor zeichen ſeine ebens, den L. chen. Sie na ft: D es mich h kenne, we zur Geſell Walſingha meine Wuͤ laſſen, ur wohl erwe ſte zu dei 1 Und Mutter? e, dich freut ih nicht wuͤrde taͤglich Jeder⸗ habe Sohn, mm eig⸗ ſchwei⸗ rmogte enheit, als 73 Mißbilligung ihrer Bemerkungen, oder aus deren erwuͤnſchter Wirkung auf ſeinen Stolz herruͤhre, wartete vorſichtig auf einige entſcheidende Kenn⸗ zeichen ſeiner Empfindungen; doch ſie wartete ver⸗ gebens, denn er war entſchloſſen, nicht zu ſpre⸗ chen. Sie nahm demnach wieder das Wort und ſag⸗ te:„Du mußt uͤberzeugt ſeyn, daß, inſofern es mich betrifft, ich kein Maͤdchen auf der Welt kenne, welches ich ſo gern zur Schwiegertochter, zur Geſellſchafterin und Freundin haͤtte, als Miß Walſingham. Aber ich halte es fuͤr Pflicht, meine Wuͤnſche und Gefuͤhle außer dem Spiel zu laſſen, und dasjenige vorzuziehn, was, alles wohl erwogen, meine Vernunft als das Dienlich⸗ ſte zu deinem Gluͤcke erklaͤrt.“ „Und wen wuͤrde Ihre Vernunft vorziehn, Mutter?“ 74 „Ja, das kann ich nicht ſagen, wenn ich nicht alle meine Gruͤnde darlegen kann. Und, ich weiß wirklich nicht— was ſoll ich ſagen?“— „Liebe Mutter, ſagen Sie alle ihre Gründe, ſonſt verſtehen wir einander nie, und kommen mit dieſen halben Erklaͤrungen nimmermehr aufs Reine.“ Hier wurden ſie unterbrochen; ſie ſahen Herrn Twigg, einen zierlichen Geiſtlichen, der auf ſie zu kam. Beaumont mußte ſeine langweiligen Schmeicheleien uͤber die Schoͤnheit von Beau⸗ montpark, uͤber die Zweckmaͤßigkeit der Verbeſſe⸗ rungen, die gemacht waren, gemacht wurden, und ohne Zweifel bald gemacht werden wuͤrden, mit anhoͤren. Endlich machte Mrs. Beaumont ſeiner oder ihrer eignen Ungeduld ein Ende, in⸗ dem ſie Herrn Twigg den Auftrag gab, zu gehn und die neuen Anlagen ganz allein zu beſehn. Ganz allein aber, ſagte ſie, muͤſſe er gehen, damit ſie ſein die zwei ſung abg ob mane Sehr gech Gang ein ſeine einſa Mutter ſ fortzufah Mes. viel wagte Gegenſtand mer am l eräffnete ſ kt, daß in ihn ve wuͤrde m dem daß biſäße ſ enn ich nd, ich Gruͤnde, men mit hr aufs n Herrn r auf ſie weiligen Beau⸗ zerbeſſe⸗ wurden, wuͤrden, taumont e, in⸗ zu gehn beſehn. damit 75 ſie ſein recht unzweideutiges Urtheil hoͤrte, uͤber die zwei Linien, welche man zu der neuen Einfaſ⸗ ſung abgeſtochen habe; er ſolle auch entſcheiden, ob man es Einfaſſung oder Gehege nennen muͤſſe. Sehr geehrt durch dieſen Auftrag, ſchlug er den Gang ein, auf welchen ſie hinwies, und begann ſeine einſame Wallfahrt; worauf Beaumont ſeine Mutter ſogleich erſuchte, mit ihrer Erklaͤrung fortzufahren. Mrs. Beaumont hielt dafuͤr, daß ſie nicht viel wagte, die Eitelkeit eines Mannes uͤber einen Gegenſtand zu ſchmeicheln, wodurch ſie wol im⸗ mer am leichteſten geſchmeichelt wird, deswegen eroͤffnete ſie ihm, mit einiger delikaten Umſichtig⸗ keit, daß eine gewiſſe junge Dame bereits ſterblich in ihn verliebt waͤre; ihre ungemeine Zaͤrtlichkeit wuͤrde machen, daß ſie nur fuͤr ihn lebte; außer⸗ dem daß ſie von Natur ſanft und lenkſam waͤre, beſaͤße ſie nicht die mindeſte geiſtige Ueberlegenheit, 76 ſondern die allerhoͤchſte Meinung von ſeiner Faͤ⸗ igkeit ſowol, als von ſeinem Charakter und ſei⸗ 7 9 2 nen andern Vorzuͤgen; kurz, ſie weihe ihm eine ſo enthuſiaſtiſche Anbetung, daß dieſe den Glau⸗ ben an die Unfehlbarkeit des Ehemanns feſt be⸗ gruͤnden wuͤrde, und ſo ihm den vollſten Genuß hauslichen Friedens, haͤuslicher Gewalt, haͤusli⸗ cher Ueberlegenheit ſichern koͤnnte. Beaumont ſchien nicht ſo bewegt, als ſeine Mutter vermuthete, daß es die Eitelkeit eines Mannes durch eine ſolche Erklaͤrung, ſeyn wuͤrde. Er antwortete lachend:„Wenn ich dies Alles ernſtlich und buchſtaͤblich nehmen, und wenn es meiner Eitelkeit einleuchten ſoll, daß dieſe Dame aus Liebe fuͤr mich ſtirbt, ſo bin ich doch ſo un⸗ ritterlich geſinnt, daß ich nicht einſehe, wie es eben mein Gluͤck befoͤrdern wuͤrde, wenn ich mich zur Rettung ihres Lebens hinopferte. Daß ich fuͤr ſie paſſe, glaube ich ſchon, ſo fern als man aus Eite mich paß „Mei antworten „Nun mit Gruͤn Haſt mit Liebe „Peh) iſt darum! heutzutage ols gut.” „Garſt Schnack! du haſt ni ein ander „Jeht zigkeit wilh hm eine h Glau⸗ feſt be⸗ Genuß haͤusli⸗ ils ſeine it eines wuͤrde. Alles venn es Dame ſo un⸗ wie es ch mich aß ich ls man ner F⸗ (und ſei⸗. 77, aus Eitelkeit dergleichen glaubt; aber ob ſie fuͤr 74 mich paßt, das iſt eine andere Frage.“ „Mein Lieber, dergleichen iſt ſchwer zu be⸗ antworten.“ „Nun beantworten Sie es, wie ſie es wollen; mit Gruͤnden der Moral, der Empfindſamkeit.“ „Haſt du kein Mitleid, und iſt Mitleid nicht mit Liebe verwandt? 4 3 „Verwandt! 0 ja, Mutter; aber verwandt iſt darum noch nicht befreundet. Sie wiſſen wohl, heutzutage vertragen ſich Verwandte oͤfter ſchlecht als gut.“ „Garſtige Spihfindigkeit! weit hergeholter Schnack! unartiger Junge! Aber ich ſehe ſchon, du haſt nicht Luſt ernſthaft zu ſeyn, wir wollen ein andermal von der Sache weiter ſprechen.“ „Jetzt oder nie, Mutter, um der Barmher⸗ zigkeit willen!“ 78 „Barmherzigkeit! da du keine haſt? So ſeid Ihr Maͤnner; euch iſt dies Spaß und uns der Tod.“ „Der Tod? liebe Mutter, Sie wiſſen ſo gut als ich, daß die Frauen nicht mehr vor Liebe ſter⸗ ben. Wollen Sie Ihren Sohn zum Thoren ma⸗ chen.“ „Ich nicht, und keine Frau, das iſt klar; aber unter uns, ich fuͤrchte wir haben, freilich abſichtslos, aber unwiderbringlich, das arme ver⸗ trauensvolle Maͤdchen zur Thoͤrin gemacht.“ „ Aber, Mutter, wem hat ſie vertraut? ich kann betheuren mir nicht, ich habe mir nichts vorzuwerfen, Gott ſei Dank! Mein Geywiſſen ſſt rein; ich bin ſo ungalant geweſen als moͤglich, ſo grauſam als meine Natur nur geſtatten wollte. Mir kann wahrhaftig Niemand aufbuͤrden, daß ich falſche Verſprechungen gegeben haͤtte; ich ſpre⸗ che kau gen, ich 7— Dame d „3 nicht.“ Das — es wiſſen mehr geſ oder ich. „Mr Gohne be und daß nchte Sa und licß Prophete ausgema Beaumon ſpräche; So und uns aſo gut iebe ſter⸗ ren ma⸗ iſt klar; freilich me ver⸗ 44 ut! ich nichts hewiſſen moͤglich, wollte⸗ en, daß ich ſpre⸗ 79 che kaum mit ihr, ich errege keine falſche Hoffnun⸗ gen, ich ſehe kaum die junge Dame an.“ „Du weißt alſo doch, von welcher jungen Dame die Rede iſt?“ „Ich ſollte vielleicht thun, als wuͤßte ich es nicht.“ „Das waͤre unnuͤtze Ziererei. Ach! ich fuͤrchte, es wiſſen die Sache nur zu Viele, und haben viel mehr geſehen und gehoͤrt, als einer von uns, du, oder ich.“ 3 „Mrs. Beaumont bemerkte, daß an ihrem Sohne bei dieſen Worten die Farbe ſich veraͤnderte, und daß er ploͤtzlich ernſt ward. Sie hatte die rechte Saite getroffen, und beruͤhrte ſie wiederum, und ließ ſie forttonen, mit Meiſterhand und mit Prophetenfeuer.„Sie ſagte, daß alle Welt fuͤr ausgemacht annaͤhme, Miß Hunter werde Herrn Beaumont heyrathen; daß man uͤberall davon ſpraͤche; daß alle ihre Correſpondenten ihr davon 30 d 8 geſchrieben und bei ihr angefragt haͤtten, wann die Heyrath vollzogen werden wuͤrde? Um dieſe Ausſage zu beſtaͤtigen, langte ſie eine Menge Briefe aus ihrer Taſche hervor, von Mrs., von Miß, von Lady A. und Lady Z. „Ja, ¹“ fuhr ſie fort,„wenn es nicht weiter ausgekommen waͤre, als im Kreiſe naher Ver⸗ wandten und Bekannten, ſo wollte ich mir noch nicht ſoviel daraus machen, man koͤnnte der Sa⸗ che widerſprechen und ihr widerſprechen laſſen, man ſchickte das arme Kind in ein Bad, und das Ge⸗ ruͤcht verloͤhre ſich, wie es wohl mit Geruͤchten geht; aber an dergleichen zu denken iſt jetzt zu ſpaͤt, denn die Sache iſt ganz oͤffentlich geworden; ſtie ſteht in der Zeitung; da iſt der Paragraph, den ich noch heute Morgen aus meinem Exemplar ſchnitt, damit das arme Maͤdchen ihn nicht ſaͤhe. Neulich, ich glaube du haſt es ſelbſt geſehn, ſtand ſo etwas Aehnliches darin.„Es heißt, daß Herr 1 Beau⸗ Beaumo ganorden von Sir. un des gegangen worin du kil ſah, g wußte nich was ich ſa aͤrger zu blatt wegzu Dingen, a füͤhlt die E Hand ins Nath und „Und mont haſti „Das nur eine g II. . wann m dieſe Briefe 1 Miß, t weiter er Ver⸗ nir noch der Sa⸗ m, man as Ge⸗ ruͤchten ph, den remplar ht ſaͤhe. ſtand aß Herr Beau⸗ 81 Beaumont von Beaumontpark, ſobald er muͤndig geworden ſeyn wird, Miß Hunter, die Schweſter von Sir John Hunter von Devonſhire, zum Al⸗ tare des Hymen fuͤhren werde.“ Als du heraus gegangen wareſt, nahm Albine das Zeitungsblatt worin du geleſen hatteſt, und als ſie dieſen Arti⸗ kel ſah, glaubt' ich, ſie werde umſinken. Ich wußte nicht, wie ich mich verhalten ſollte. Denn was ich ſagen konnte, das vermogte das Uebel nur aͤrger zu machen. Ich verſuchte, das Zeitungs⸗ blatt wegzuſchieben, und ſprach von zwanzigerlei Dingen, aber das half nichts, nein, nein, ſie fuͤhlt die Sache zu tief. Obgleich ſie lieber die Hand ins Feuer gelegt haͤtte, ſo faßte ſie doch Muth und fing zuerſt davon an.“ „Und was ſagte ſie, Mutter?“ fragte Beau⸗ mont haſtig. „Das arme, einfaͤltige Kind! Sie hatte nur eine Furcht, daß du es geſehen haͤtteſt, da — . II. F ———— ———— ——— — 1 4 F 82 ſie um die Welt nicht moͤgte, daß du es laͤſeſt; was du von ihr denken wuͤrdeſt; ſie koͤnnte dir nicht wieder unter die Augen treten; was zu thun waͤre? Man muͤßte die Sache widerrufen; Je— mand muͤßte dies thun.— Und nun quaͤlte ſie mich, ich ſollte den Widerruf in die Zeitung einruͤcken laſſen. Ich ſtellte ihr vor, es ſei ver⸗ nuͤnftiger, die Aufmerkſamkeit nicht durch neue Anzeigen noch mehr auf die Perſonen zu lenken. Aber ſie war nicht in einer Stimmung, vernuͤnf⸗ tigen Vorſtellungen Gehoͤr zu geben. Was du ſagen wuͤrdeſt, war ihr einziger Gedanke. Sie ſagte: Wenn ich nicht ſchreiben wollte, ſo wollte ſie ſogleich ſelbſt ſchreiben, und ihren Namen un⸗ terzeichnen. Und ſo hatte ſie noch tauſend chimaͤ⸗ riſche Plane, bis ich endlich ganz boͤſe werden und ihr ſagen mußte, ſie muͤſſe Leuten folgen, die mehr Einſicht haͤtten, als ſie. Darauf war ſie ſo gebeugt, ſo beſchaͤmt, daß mir das Herz wirk⸗ lich blutet hart mik nicht meh ein fuͤnffch froh war, kommt. J milie ſehen moͤgte. D das armej vor einem g wie die Sac mehr daran, nimmſt. In aber davon bben ſo gute machen, de Sir John wenn er die alte Onkel a z läͤſeſt; inte dir zu thun en; Je⸗ uaͤlle ſie Zeitung ſei ver⸗ rch neue u lenken. vernuͤnf⸗ Was du e. Sie ſo wollte men un⸗ dchima⸗ e werden geen, die f war ſie erz wirk⸗ 83 lich blutete, indeß ich ſie ſchalt. Aber man muß hart mit ihr verfahren; denn ſie hat zuweilen nicht mehr Vorſicht und Gewalt uͤber ſich, als ein fuͤnfjaͤhriges Kind. Ich verſichre, daß ich froh war, ſie fortzuſchaffen, ehe Herr Palmer kommt. Denn ein paar neue Augen in der Fa⸗ milie ſehen ſo viel, was man nicht ſehen laſſen moͤgte. Du fuͤhlſt, wie ſchrecklich es waͤre, wenn das arme junge Geſchoͤpf ſich in ſo fruͤher Jugend vor einem Fremden compromittirte. Und wirklich, wie die Sachen ſtehen, glaube ich, denkt Niemand mehr daran, ſie zu heyrathen, wenn du ſie nicht nimmſt. In Anſehung des buͤrgerlichen Vortheils, aber davon hat ſie keine Ahnung, koͤnnte ſie eine eben ſo gute, wenn nicht eine noch beſſere Heyrath machen, denn ihr Vermoͤgen iſt ſehr betraͤchtlich; Sir John gedenkt es auch noch zu vermehren, wenn er die Wigramſchen Guͤter bekommt; und der alte Onkel Wigram kann nicht ewig leben. Aber F 2 84 die gute Albine, ich wollte ſchwoͤren, ſie weiß nicht, wie teich ſie werden wird, oder was du haſt. Liebe, Liebe, nichts als Liebe fuͤhlt ſie, und ſo umſonſt! Sie iſt wahrhaftig herzlich zu beklagen!“. Mrs. Beaumont haͤtte getroſt dieſen Mono⸗ log fortfuͤhren koͤnnen, und keine Unterbrechung von Seiten ihres Sohnes zu befuͤrchten gebraucht, der entſchloſſen war, alles Moͤgliche mit anzuhoͤ⸗ ren, was ſie uͤber dieſen Gegenſtand vorbringen moͤgte. Gewiſſe Pauſen nur, wo ſie einer Ant⸗ wort gewaͤrtig ſchien, ergaͤnzte er mit:„es thut mir wirklich leid, Mutter;“ und,„ ich kann mir nicht helfen, Mutter.“ Doch bemerkte Mrs. Beaumont, daß dieſer letzte Ausruf im Verlauf ihrer Rede immer ſeltener, und:„es thut mir wirklich leid, Mutter;“ weniger als Flickwort, und mit immer herzlicherem Ausdruck geſagt wurde. Da ſie nun in ſo weit ihres Soh⸗ nes herzens di Baͤume d „Verſpr ich beſchwir Niemand ſo her wiſſen zu ſen Worten Gebehrde z⸗ meine arme ten Schlag „Ich v der direkt n Hand anbiet ſchluß vorh fruͤher oder mich nicht gen, daß mir den G hinreichend ſie weiß was du uͤhlt ſie tzlich zu Moxno⸗ brechung ebraucht, t anzuhd⸗ dorbringen ner Ant⸗ „es thut ich kann bemerkte ustuf im ind: ne? niger als Ausdruck res Soh⸗ 85 nes Herzensguͤte erregt, und ihre Tochter durch die Baͤume daherkommen ſah, rief ſie ploͤtlich: „Verſprich mir auf alle Faͤlle, beſter Edward, ich beſchwoͤre dich, verſprich mir, daß du um Niemand ſonſt anhalten willſt, ohne es mir vor⸗ her wiſſen zu laſſen, und laß mir Zeit,“ bei die⸗ ſen Worten'ſchlug ſie die Haͤnde mit bittender Gebehrde zuſammen,„nur einige Wochen Zeit, meine arme kleine Albine auf dieſen harten, har⸗ ten Schlag vorzubereiten!“ „Ich verſpreche Ihnen, Mutter, daß ich we⸗ der direkt noch indirekt irgend einer Perſon meine Hand anbieten werde, ohne daß ſie meinen Ent⸗ ſchluß vorher wiſſen. Und ein paar Wochen fruͤher oder ſpaͤter, darum braucht meine Mutter mich nicht zu beſchwoͤren, ſondern mir nur zu ſa⸗ gen, daß ſie es wuͤnſcht. Selbſt ohne daß ſie mir den Grund davon angaͤbe, wuͤrde mir dies hinreichend ſeyn. Sind Sie damit zufrieden?“ 86 Ueberſchwaͤnglich zufrieden! Wie immer mit„Dan J dir, mein geliebter Sohn.„9, die „ Aber mehr verlangen ſie in dieſer Angelegene Briefe, Zett heit nicht von mir, denn ich muß meinen Willen Beaumont u haben.“.„Wie konnte „Natmuͤrlich, ohnfehlbar, ganz deinen Willen, lichtſinnig ſe gewiß, natuͤrlich.“ ſe mein Po Beaumont wollte Einiges hinzufuͤgen, das gebracht?“ alſo anhub:„es iſt beſſer, ich ſage Ihnen ein fuͤr„Der! 1 alle mal, daß ich nimmermehr—“ Aber ſeine ihn vor der Mutter unterbrach ihn mit:„ſtill! Lieber, ſtill! Nachden kein Wort weiter, denn da koͤmmt Amelie, und hatte, ſagte du ſiehſt wohl ein daß ich in ihrer Gegenwart ßen?“ De nicht uͤber dieſe Sache ſprechen kann.“„Meine Geiſtlichen; liebe Amelie, wie erſchoͤpft ſiehſt du aus; du biſt ſtehern, der mir zu Liebe gewiß uͤber deine Kraͤfte gegangen, geſammt b und nun wirſt du am Ende doch elend ausſehn, halb drei9 wenn Herr Palmer ankoͤmmt. Was fuͤr einen Weib oder Brief haſt du denn da?“ 1 ucn befa A imer mit gelegen⸗ Willen Willen, in, das un ein fuͤr ber ſeine er, ſtill! lie, und ꝛgenwart „Meine du biſt gegangen, ausſehn, ür einen 87 „Von Miß Walſingham, Mutterchen.“ „O, die Windpocken! nimm dich in acht, Briefe, Zettel, alles kann anſtecken!“ rief Mrs. Beaumont und riß ihr das Papier aus der Hand. „Wie konnte die liebe Miß Walſingham auch ſo leichtſinnig ſeyn und mir ſchriftlich antworten, da ſie mein Poſtſkript geleſen. Wer hat den Brief gebracht?“ „Der kleine Poſtbothe, Mutterchen, ich traf ihn vor der Loge des Thuͤrſtehers.“ Nachdem Mrs. Beaumont den Brief geleſen hatte, ſagte ſie:„Aber was ſoll denn das hei⸗ ßen?“ Derſelbe enthielt ein Certificat von dem Geiſtlichen des Kirchſprengels, den Kirchenvor⸗ ſtehern, dem Apotheker und Barbier, welche ins⸗ geſammt bezeugten; daß kein Individuum inner⸗ halb drei Meilen von Walſingham, es ſei Mann, Weib oder Kind im Kirchſpiel von den Wind⸗ pocken befallen ſei, oder nur Symptome der An⸗ 4 7 / 88 ſteckung aͤußere. Dabei folgende Zeilen von Miß Walſingham: „Mein Vater traͤgt mir auf, dieſes ein⸗ liegende Geſundheitscertificat an Mrs. Beau⸗ mont zu uͤbermachen, woraus Sie erſehen wird, daß wir nicht laͤnger in Quarantaine gehalten zu werden brauchen; wenn demnach keine anderweitige Urſach uns des Vergnuͤ⸗ gens beraubt, Sie bei uns zu ſehen, ſo hof⸗ fen wir bald auf den langverheißenen Be⸗ ſuch, Herzlich die Ihre, Marianne Walſingham.“ „Es freut mich ja ungemein,“ fuhr hernach Mrs, Beaumont fort,„daß es nur ein falſches Geruͤcht war, und daß wir nicht, Gott weiß wie lange, von den lieben Walſinghams getrennt ſeyn ſollen.“ „So kont Muͤtterchen. ich?“ rief A „Es iſt n Tag beſtimme tungen, ſo nimmt es üb kommt, den „9 der mont,„T wandte als macht, um wol ſieben n Freilich dann iſt es din Tag be Nach einer haben. D. lopiren kann in Miß eſes ein⸗ ö. Beau⸗ erſehen antaine demnach Nerans Vergnuͤ⸗ ſo hof⸗ en Be⸗ am.“ hernach falſches veiß wie unt ſeyn 89 „So koͤnnen wir ja morgen hin; nicht wahr? Muͤtterchen. Ich will ſogleich ſchreiben; ſoll ich?“ rief Amelie. „Es iſt nicht noͤthig, Liebe; wenn wir einen Tag beſtimmen, und es finden ſich dann Abhal⸗ tungen, ſo ſcheint dies unfreundlich, und man nimmt es uͤbel, wie du ſiehſt. Und Herr Palmer koͤmmt, den wir nicht allein laſſen koͤnnen.“ „O der geht gewiß mit uns,“ ſagte Beau⸗ mont,„Walſinghams ſind ſo gut ſeine Ver⸗ wandte als wir; und da er hundert Meilen macht, um uns zu beſuchen, ſo macht er auch wol ſieben mehr, um ſie zu ſehn.“ „Freilich,“ erwiederte die Mutiter,„aber dann iſt es hoͤflich und freundlich, daß man ihn den Tag beſtimmen laͤßt. Der arme alte Mann! Nach einer ſo langen Reiſe muß er etwas Ruhe haben. Denke nicht, daß er mehr ſo herumgal⸗ lopiren kann wie du, lieber Edward.“ 90 „Aber,“ ſagte Amelie,„da Walſinghams wiſſen, daß er in der Gegend iſt, ſo kommen ſie natuͤrlich ſogleich, ihn zu beſuchen. „Woher wiſſen ſie das denn?“ „Ich dachte.— Ich meinte, Sie haͤtten es ihnen geſchrieben, Mutter, als ſie ſchrieben, daß wir nicht nach Walſinghamshaus zu Herrn Wal⸗ ſinghams Geburtstag kommen koͤnnten.“ „Nein, Liebe; ich war ſo voll von den Wind⸗ pocken, und von Angſt deinetwegen, daß ich an gar nichts weiter dachte.“ „Liebe, gute Mutter! Aber da das doch nun nichts iſt, waͤre es nicht am beſten, ich ſchriebe gleich durch den Poſtboten einige Zeilen zuruͤck, und meldete, daß Herr Palmer heute hier ankommt und nur eine Woche bleiben kann?“ „Ja wohl! Liebe; aber ich will ſelbſt ſchrei⸗ ben, ich habe meine beſondern Gruͤnde. Und jetzt, unter uns, Kind, muß ich dich warnen, nie zu erwͤ Woche bleib gen ihn, da aus, als we tens habe ich ſtehſt, weil Amelichen; von Sachen „Thor Beaumont „Näaͤm wenig betre „Welq Aber ſie tie bote mit d „Brie fut mich? „Ja, wen, weiß inghams enmen ſie atten es n, daß (n Wal⸗ Wind⸗ jich an ss doch n, ich Zeilen ute hier 12“ ſchrei⸗ Und varnen, 91 nie zu erwaͤhnen, daß Herr Palmer nur eine Woche bleiben kann. Erſtlich iſt es unartig ge⸗ gen ihn, da wir es nicht gewiß wiſſen, und ſieht aus, als wollten wir ihn forttreiben; und zwei⸗ tens habe ich Urſachen dazu, die du nicht ver⸗ ſtehſt, weil du noch zu wenig von der Welt weißt, Amelichen; und uͤberhaupt iſt es immer thoͤrigt, von Sachen zu ſprechen.“ „Thoͤrigt, von Sachen zu ſprechen!“ ſagte Beaumont laͤchelnd. „Naͤmlich der Art;“ fuͤgte ſeine Mutter ein wenig betreten hinzu.“ „Welcher Art?“ fragte er ohne Verzug. Aber ſie rief:„ſtill, Lieber, da kommt der Poſt⸗ bote mit dem Eſel.“ „Briefe fuͤr mich, mein lieber Kleiner, Briefe fuͤr mich?“ „Ja, Madam, viele hier fuͤrs Haus, fuͤr wen, weiß ich nicht, das Felleiſen wirds lehren.“ 92 Mit dieſen Worten hob der Knabe das Felleiſen von ſeinen Schultern. „So gieb her,“ ſagte Mrs. Beaumont,„ich bin immer ſo begierig auf Briefe. Sie war eben jetzt beſonders begierig, das Felleiſen zu eroͤffnen, um eine Unterhaltung abzubrechen, die ihr nicht behagte. Unter einer weitſchattenden Buche ſaß jetzt unſre Heldin auf einem Gartenſeſſel und un⸗ terſuchte mit ihren geheimnißreichen Blicken die Siegel der vielen angekommenen wichtigen Briefe, um zu entdecken, ob dieſelben auf der Poſt er⸗ brochen geweſen, und ob die Couverte auch mit der gehorigen Vorſicht umgelegt waͤren, ſo, daß kein neugieriger Blick durch die Falten habe drin⸗ gen konnen. Ihr Sohn zerriß den Umſchlag der Zeitungen, und Amelie, uͤber ſeine Schulter ge⸗ lehnt, indeß er ſie auseinander ſchlug, fluͤſterte leiſe:„nichts Neues von der Flotte, Bruder?“ Mrs. Beaumont, welche feinere Gehoͤrnerven beſaß, als i füͤſter galt, mit forſchen eiftig in der Blatt umſe ihrer Mutte thete ſie und fuͤr den Ä die Zeitun „Nain nnein, An ſeſſen, ale Amelie doch die„ und nahm deſſen Lau kerſuchen „Wap Muts vo Felleiſen it,„ich ar eben roffnen, r nicht ſche ſaß nd un⸗ ſcken die Briefe, oſt er⸗ ich mit 0, daß e drin⸗ lag der lter ge⸗ füͤſterte der?“ rnerven 93 beſaß, als irgend Jemand, beſonders wo es Ge⸗ fluͤſter galt, ſah auf von ihren Briefen, und maß mit forſchenden Blicken Ameliens Antlitz, welche eifrig in der Zeitung las. Indeß Beaumont das Blatt umſchlug, blickte dieſe auf, und als ſie ihrer Mutter Auge auf ſich geheftet ſah, erro⸗ thete ſie und fragte, ohne Faſſung etwas beſſeres fuͤr den Augenblick zu erſinnen, ob ihre Mutter die Zeitungen zu haben wuͤnſche? „Nein,“ entgegnete Mrs. Beaumont kalt, „nein, Amelie; ich bin nicht ſo auf Politik ver⸗ ſeſſen, als du ſeither geworden biſt.”“ Amelie wandte, obgleich nicht die Gedanken, doch die Augen von dem Zeitungsblatte hinweg, und nahm ihre Zuflucht zu dem Buchenbaum, deſſen Laub ſie mit großer Aufmerkſamkeit zu un⸗ terſuchen ſchien. „Wahrhaftigen Gott! da iſt was Neues, was Neues von der Flotte!“ rief Beaumont, ſich 94 ploͤtzlich zu ſeiner Schweſter, und dann gefaßter, zu ſeiner Mutter wendend.„Mutter, es heißt! daß ein großes Treffen zwiſchen den Englaͤndern, den Spaniern und Franzoſen ſtatt gehabt hat. Man hat noch nichts Naͤheres, aber es heißt: zehn Franzoſiſche Schiffe waͤren genommen, vier Spa⸗ niſche in die Luft geſprengt, ſechs Spaniſche Kriegs⸗ ſchiffe zu Grunde gerichtet, und ein Silberſchiff genommen. Walſingham muß dabei geweſen ſeyn. Mein Pferd! Ich will in dieſer Minute hinuͤber zu Walſinghams und hoͤren, ob ſie die Zei⸗ tung ſchon geſehen, und ob in der ihrigen vielleicht mehr davon ſteht.“ „Hinuͤber! liebſter Eduard,“ ſagte ſeine Mutter, ihm den Weg vertretend, du bedenkſt nicht, daß Herr Palmer..“ „Ei was Palmer! Verzeihen Sie, Mutter, ich habe nichts wider den alten Mann, den Freund meines Vaters. Allen Reſpekt vor ihm! Gegen Eſenezeit bi er kann nic Uhr iſt bald! um wieder Froſch, mich zu empfange „In ein Meilen nac zuruͤck, un und dann n „Ich b liche bedacht mein Pferd funf bleib i ſteige nicht „Nun Zeitung, i bei, wit hl Attikel? gefaßter, heißt! andern, bt hat. Et: zehn r Spa⸗ Kriegs⸗ berſchiff geweſen Minute die Zei⸗ vielleicht te ſeine bedenkſt Mutter, Freund Gegen 95 Eſſenszeit bin ich wieder hier, ihn zu empfangen, er kann nicht vor ſechs Uhr eintreffen, meine Uhr iſt bald fuͤnf. Ich habe noch Zeit uͤberfluͤſſig, um wieder hier zu ſeyn, mich abzukuͤhlen wie ein Froſch, mich zu putzen und den alten Burſchen zu empfangen.“ „In einer kleinen Stunde, Liebſter? Sieben Meilen nach Walſinghamhaus, und ſieben wieder zuruͤck, und all' die Zeit, die du dort verbringſt, und dann noch ankleiden obenein! Bedenke nur.“ „Ich bedenke, Mutter, ich habe alles Moͤg⸗ liche bedacht. In fuͤnfundvierzig Minuten bringt mein Pferd mich hin und zuruͤck, recht gut; und fuͤnf bleib ich dort. Ich gebe mein Wort. Ich ſteige nicht ab.“ „Nun ſo hohl dein Pferd, und laß mir die Zeitung, indeß es geſattelt wird. Reit hier vor⸗ bei, wir bleiben hier. Wo ſteht denn der famoͤſe Artikel?“ 96 „Beaumont zog das eingekrinkelte Zeitungs⸗ blatt aus der Taſche, wohin er es geſteckt hatte, rannte nach dem Stall, war ſchnell beritten wieder da, und rief: Die Zeitung, ich eile fort!“ „Nun fort nur, mein Lieber, da du dich wegen einer Sache, die Nichts iſt, erhitzen willſt; aber bemerke nur,“ ſagte Mrs. Beaumont, und ließ das Blatt nicht los, indem ſie es ihm hin— aufreichte,„dieſer ganze Bericht iſt durchaus un⸗ verbuͤrgt; kein Wort davon in der Hofzeitung; keine Zeile von der Admiralitaͤt, kein Buͤlletin, nichts Offizielles; in Lloyds Kaffehaus giebt man nichts darauf; die Stocks bleiben dieſelben. Und wie hat man die Nachricht erhalten? Der Zei⸗ tungsſchreiber ſelbſt behauptet nicht, daß ſie aus glaubwuͤrdiger Quelle gefloſſen ſei. Eine Fregatte unter der Gott weiß wievielſten Breite, hat im Nebel eine Flotte geſehn, es kann eine Spaniſche, eine Franzoͤſiſche, eine Engliſche geweſen ſeyn; . hat hat einige ſprochen, d ern bewei kehrt das Sieg; und lenkraͤmer m dern Kohle herauf, bis kommt, de Mittagseſſen richt, grade der Preſſe an den wir ohnfe Widerruf leſ „Gut, han ſragen ihm die Zeitz 1' Das th ich hindre d II. Beitungs⸗ ſick hatte, een wieder ort!“ du dich in willſt; ont, und ihm hin⸗ ſchaus un⸗ ßzeitung; Buͤlletin, giebt man emn. Und Der Zei⸗ ſie aus Fregatie „hat im paniſche, 97 hat einige Tage darauf eine andere Fregatte ge⸗ ſprochen, das Feuern gehoͤrt.— Nun dies Feu⸗ ern beweiſt noch nichts. Aber die Fregatte ver⸗ kehrt das Feuern in ein Treffen, und in einen Sieg; und theilt die Neuigkeit ſofort einem Koh⸗ lenkraͤmer mit, und der Kohlenkraͤmer einem an⸗ dern Kohlenkraͤmer, und ſo geht ſie die Themſe herauf, bis ſie an irgend einen Wunderſchmidt kommt, der auf eine Neuigkeit lauert, um ein Mittagseſſen zu verdienen. So langt die Nach⸗ richt, grade als unſer Blatt herauskommt, unter der Preſſe an, und in dem naͤchſten Stuͤck wer⸗ den wir ohnfehlbar eine Entſchuldigung und einen Widerruf leſen.“ „Gut, Mutter, aber ich will Herrn Walſing⸗ ham fragen, was er von der Sache haͤlt, und ihm die Zeitung zeigen.“ „Das thue, mein Lieber, wenn es dir gefaͤllt; ich hindre dich nie; aber uͤberhitze dich nicht we⸗ II. G 98 gen gar nichts. Was kann Herr Walſingham und alle Walſinghams der Welt dir weiter ſagen, als wir; und wofuͤr willſt du ihm die Zeitung zeigen, da er, wie du weißt, eben dieſelbe haͤlt. Doch halte dich nicht auf. Wer koͤmmt denn dort durchs Gitter, Amelie? Wahrhaftig Herrn Palmers Bediente!“ „Ich ſehe wohl, es geht nicht;“ ſagte Beau⸗ mont und ſtieg ab. „Rehm er ſeines Herrn Pferd. Geſchwind, geſchwind! Amelie, meine Liebe, zieh dich an, ich muß dich fertig haben, deines Pathen Segen zu empfangen. Bedenke, Herr Palmer war dei⸗ nes Vaters aͤlteſter Freund; uͤberdem iſt er unſer Verwandter, wenn gleich ein entfernter; und es iſt in jedem Fall gut und vernuͤnftig, die Ver⸗ wandtſchaften in Ehren zu halten. Manches ſchoͤne Gut iſt unerwartet von weitlaͤuftigen Ver⸗ wandten uͤberkommen. Und abgeſehn ſogar von ſelb kann ruͤckſic und n euch ein rakter ge thut nicht Sondetli nicht widet und Aufmer die in Wej ein bon 3 beſſen Wei das uͤbrige Kundſchaft erhalten, Aber nun Harzen eih alſingham iter ſagen, e Zeitung ſelbe haͤlt. umt denn ftig Herrn agte Beau⸗ Geſchwind, h dich an, hen Segen er war dei⸗ ſt er unſer ter; und es , die Per⸗ Manches iftigen Ver⸗ n ſogat don 99 Verwandtſchaften, weiß man immer nicht, wozu ſelbſt gehoͤrig unterhaltene Freundſchaft fuͤhren kann; nicht daß ich in dieſem Fall dergleichen be⸗ ruͤckſichtigte. Aber indeß wir zu Hauſe gehn, und noch unter uns ſind, liebe Kinder, will ich euch einige Winke uͤber dieſes alten Herrn Cha⸗ rakter geben, die ich euch zum Vortheil, wie, thut nichts zur Sache, erhalten habe. Er iſt ein Sonderling, und will in ſeinen Sonderbarkeiten nicht widerſprochen ſeyn. Er iſt an Aufwartung und Aufmerkſamkeit gewoͤhnt, wie alle dieſe Leute, die in Weſtindien gelebt haben: natuͤrlich auch ein bon vivant. Du, Eduard, ſchaff deine beſten Weine vor, den Pillau und Caͤrri, und das uͤbrige uͤberlaß mir. Ich hatte beſondre Kundſchaft uͤber ſeinen Geſchmack an Johndoree erhalten, und habe einen Johndoree fuͤr ihn. Aber nun ſollt Ihr den Hauptſchluͤſſel zu ſeinem Herzen erhalten; er mag gern, wie alle ſolche Leu⸗ G 2 100 te, die viel Geld erworben haben, die Wichtig⸗ keit empfinden, welche ſein Vermoͤgen ihm beilegt; er hat gern, wenn man ihn fuͤhlen laͤßt, daß Reichthum Alles vermag und uͤber Geburt und Rang erhebt; und er ſetzt was darein, ſich, wenn ſchon ein Buͤrgerlicher, uͤber Jedermann erhaben zu halten, der den Adel annimmt. Er haßt Leute von Stande; deswegen kein Wort zu Gun⸗ ſten von Adlichen, waͤhrend er hier iſt. Vergeßt das ganze Oberhaus, laßt ſie alle laufen, alle laufen, merkt Ihr wohl? Nun habt Ihr den Schluͤſſel zu ſeinem Herzen; nun geht und zieht CEuch an, daß Ihr zu ſeinem Empfange bereit ſeid.“ Und nachdem Mrs. Beaumont dieſe Privat⸗ lexion vollendet, und dermaßen ihre geheimen Ab⸗ ſichten gefoͤrdert hatte, ging ſie gleichfalls an ihre Toilette, hoͤchſt zufrieden mit ihrem Morgenwerk. —, „Geht doch land fur B. Hett Palmer „Am Ende Welt uͤber Sie, Frau Welt, das Gprache fuͤr es uns abgel ſie nicht, wa nicht einmal ſo, richts haͤblicheit. „Ach! ktit; wide kaler Stimn Wichtig⸗ beilegt; ißt, daß burt und ſch, wenn erhaben Er haßt zu Gun⸗ Vergeßt fen, alle Ihr den und zieht reit ſeid.“ Privat⸗ imen Ab⸗ le an ihre zrxgenwerk. 101 Fuͤnftes Kapitel. 5 Geht doch, bei St. Georg! nichts uͤber Alteng⸗ land fuͤr Behaͤblichkeit!“ rief am Nachmittag Herr Palmer und ſetzte ſich im Armſtuhl zurecht. „Am Ende nichts in keinem Theil der bekannten Welt uͤber Altengland fuͤr Behaͤblichkeit. Sehen Sie, Frau, da iſt kaum noch ein Volk in der Welt, das einmal ein Wort haͤtte in ſeiner Sprache fuͤr Behaͤblichkeit. Die Franzoſen haben es uns abgeborgt, aber nun ſie es haben, wiſſen ſie nicht, was ſie damit machen ſollen, koͤnnens nicht einmal ausſprechen, die armen Teufel! Ja, ja, nichts in der Welt uͤber Altengland fuͤr Be⸗ haͤblichkeit.“ „Ach! nichts uͤber Altengland fuͤr Behaͤblich⸗ keit;“ widertoͤnte Mrs. Beaumont mit ſentimen⸗ taler Stimme; wenn ſchon ihre Gedanken derma⸗ 102 len weit von ihren Worten ſtanden; denn dieſes Behagen an Altengland erregte ihr Bangen, daß er ſeinen Sinn uͤber ſeine unmittelbare Ruͤckkehr nach Jamaica aͤndern, wiederum in ſeinem ange⸗ bornen Lande ſeine Wurzeln verbreiten und bluͤhen moͤgte; vielleicht gar in ihrer Nachbarſchaft, ihren Lieblingsprojekten allen zum Verderben. Was ſollte denn aus ihrem Plan werden, Amelien mit dem Baron, und ihren Sohn mit der fuͤgſamen Bekanntſchaft mit Walſinghams zu hintertreiben? Waͤhrend einer Woche war es ſchon thunlich, ſie mit allerhand Schleichkuͤnſten entfernt zu halten, aber wenn er ſich hier niederließ, oder auch nur ſich laͤnger hier aufhielt, ſo ging dies nicht mehr an. Die Walſinghams wuͤrden es uͤbel nehmen, ſchaft zu thun, ohne welchen ihr Sohn nicht ins Parlament gefoͤrdert werden konnte. Und was Albine zu verheyrathen? Was aus dem, ſeine dann hatte ſie es mit deren Anhang in der Graf⸗ ſchlinmer wa Palmer ein wolen, die die Beaumo auch gar vor ihnen vielli ganzes groß ren all ihre nichtet. L higenden zu Gunſten bewirkt hat Palmer ſich „Und Vaierland fuhr er fo nirgends meinen I. wenn er in ggen, daß Ruͤckkehr tem ange⸗ n bluͤhen ft, ihren Was nelien mit fügſamen em, ſeine ertreiben? nlich, ſie zu halten, auch nur ſnicht mehr el nehmen, der Graf⸗ nicht ins Und was 103 ſchlimmer war, als alles Uebrige, es konnte Herrn Palmer einfallen, Walſinghams beſuchen zu wollen, die ſo nah mit ihm verwandt waren, als die Beaumonts; kannte er ſie, ſo konnte er ſie auch gar vorziehen; zog er ſie vor, ſo konnte er ihnen vielleicht ſein halbes, oder wohl gar ſein ganzes großes Vermoͤgen hinterlaſſen, ſomit waͤ⸗ ren all' ihre Hoffnungen und Plaͤne gaͤnzlich ver⸗ nichtet. Ohne etwas von dieſer langen beunru⸗ higenden Gedankenfolge, die Palmers ehrlicher zu Gunſten ſeines Vaterlandes geſchehener Ausruf bewirkt hatte, zu argwoͤhnen, uͤberließ unterdeſſen Palmer ſich ſeinen behaͤblichen Gedanken. „ und von allem Behaͤblichen, was unſer Vaterland ſchenkt, iſt doch nichts ſo wohlthaͤtig,“ fuhr er fort,„als zuverlaͤſſige Freunde, die man nirgends ſo trefflich antrifft. Ein Mann von meinen Jahren vermißt manchen alten Freund, wenn er ins Vaterland zuruͤckkehrt, aber er findet 8 104 ihn in ſeinen Stellvertretern wieder, und liebt ihn in ſeinen Kindern. Herr Beaumont ſah mich in dieſem Augenblick ſo ganz wie ſein Vater an; er iſt das Bild von demjenigen, was mein Freund war, als wir uns zuerſt kennen lernten.“ ¹ „Es freut mich, daß ſie dieſe Aehnlichkeit finden,“ ſagte Mrs. Beaumont.„Amelie, ſchenk den Kaffee ein, Liebe.”“ . Und Miß Beaumont hat auch ſeinen Aus⸗ druck in ihren Mienen, was bei den zarten Zuͤ⸗ gen noch auffallender iſt. Wahrhaftig, ich habe Urſach auf mein Pathchen ſtolz zu ſeyn, ſo weit der Schein lehrt, und bei den Englaͤnderinnen iſt der Schein, wie huͤbſch er ſeyn mag, ſelten ein⸗ mal ſo gut als die Wahrheit. Da laͤchelt ſie mich wieder mit ihres Vaters Laͤcheln an. Junge Dame, wenn dies Laͤcheln truͤgt, dann giebt es keine Wahrheit bei den Frauen.“ „Finden ſchlecht in T in Indien g mont. „Ich ft Lande zu fir die Frage d am Ende Alles Fuͤll Vergeudune kommen iſt laſſen kann lichkeit geme Dies dem Lande guten alten gen ſeiner ihm erhalte 105 liebt ihn„Finden Sie unſern hieſigen Kaffee nicht recht mich in ſchlecht im Vergleich mit demjenigen, an den Sie t an; er in Indien gewoͤhnt ſind?“. fragte Mrs. Beau— Freund mont. „Ich freue mich, mich hier ſo ruhig auf dem nlichkeit Lande zu finden,“ fuhr Palmer fort, ohne auf e ſchenk die Frage der Dame zu hoͤren;„nichts geht doch am Ende uͤber einen Engliſchen Hausſtand, wo — Alles Fuͤlle und Gaſtfreundſchaft athmet, ohne en Aus⸗ 7. Vergeudung oder Prunk; wo man herzlich will⸗ arten Zü⸗ 3. 5 kommen iſt, und ohne Komplimente thun oder ich habe 2 1, laſſen kann, was man mag, und nicht mit Hoͤf⸗ weit ſonne lichkeit gemartert wird.“ nnen iſt lten ein⸗ Dies Bild eines Engliſchen Hausſtandes auf chelt ſie dem Lande hatte ſich fruͤh der Einbildungskraft des Junge guten alten Mannes eingepraͤgt, und ſeit den Ta⸗ giebt es* gen ſeiner Jugend ſich friſch und unveraͤndert in ihm erhalten; jetzt hielt er fuͤr ausgemacht, daß 106 es ſich ihm in der Familie ſeines alten Freundes verwirklicht darſtelle. „Ich habe befuͤrchtet,“ nahm Mrs. Beau⸗ mont wiederum das Wort,„daß Ihnen, da Sie ſeit ſo vielen Jahren an das Indiſche Leben ge⸗ woͤhnt ſind, hier Vieles Unbehaͤglichkeit erregen moͤgte; aber Sie ſind ſo guͤtig, ſo genuͤgſam. Iſt es in der That moͤglich, daß Sie ſeit Ihrer Ruͤckkehr nach England nicht manche unangeneh⸗ me Empfindung erduldet, oder ernſtlichen Nach⸗ theil fuͤr ihre Geſundheit von dem Dunſt und der Kaͤlte unſres Klimas geſpuͤrt haben?“ „Nun ja, wenn ich daran denke, ich habe den Huſten; ich huſte,“ ſagte Herr Palmer hu⸗ ſtend, und Mrs. Beaumont machte dienſtbefliſſen das Fenſter zu. „Ich geſtehe, daß England in Hinſicht ſeines Klimas nicht ſo vorzuͤglich vor allen andern Laͤn⸗ dern iſt, als in allen uͤbrigen Dingen. Aber ich will das wüͤnſchen. ſchon gefaßt und es waͤr wegen anzu muß manl moͤgte; un nitgend au „Ach mont,„k und bleibe Englaͤnder von dem K „Abe fur dejen gelebt ha lich, B. Ihnen d Liehſte we Freundes . Beau⸗ da Sie leben ge⸗ erregen nuͤgſam. iit Ihrer angeneh⸗ en Nach⸗ und der ich habe mer hu⸗ ſtbefliſſen cht ſeines hern Laͤn⸗ Aber ich 107 will das Klima nicht wie ein Lord zum Teufel wuͤnſchen. Ein Mann in meinem Alter muß ſich ſchon gefaßt machen, ein wenig kraͤnklich zu ſeyn, und es waͤre ungerecht, das heimiſche Klima des⸗ wegen anzuklagen. Aber in den fuͤnfundſiebzigern muß man leben wo man kann und nicht wo man moͤgte; und der Doktor 3— ſagt mir, ich koͤnne nirgend anders, als in Weſtindien leben.“ „Ach, lieber Herr,“ rief der junge Beau⸗ mont,„kehren Sie Sich nicht an Doktor 3— und bleiben Sie bei uns in England. Mancher Englaͤnder wird wahrhaftig ſteinalt, man mag von dem Klima ſagen, was man will.“ „Aber vielleicht,“ wandte Amelie ein,„iſt fuͤr diejenigen, welche lange in warmen Laͤndern gelebt haben, die Ruͤckkehr in ein kaltes gefaͤhr⸗ lich, Bruder: und wir ſollten bedenken, was Ihnen das Zutraͤglichſte, nicht was uns das Liebſte waͤre.“ M ———— 108 „Ja wohl, liebſte Amelie,“ ſagte Mrs. Beaumont,„und Doktor Z— iſt gewiß einer der geſchickteſten Aerzte; ich moͤgte nicht ſo uͤber⸗ eilt und ſelbſtſuͤchtig verfahren, meine beſondern Wuͤnſche oder meine Meinungen denen der Aerzte entgegen zu ſtellen. Doch, theurer Herr, Sie ſollten Sich doch nicht von einem Arzt, wie vorzuͤglich er ſei, ſogleich von uns Allen wegban⸗ nen laſſen, und wiederum von England. Wir haben hier einen ſehr tuͤchtigen Arzt, Doktor Wheeler, in den, ich geſteh' es, ich das groͤßte Zutrauen ſetze. Fuͤr mein Theil, muß ich beken⸗ aen, wuͤrde ich ſein Urtheil demjenigen der mei⸗ ſten eleganten Londner Aerzte vorziehn, die ſo zierlich und ſo eilig ſind, daß ſie ſich nicht Zeit nehmen koͤnnen, eines Jedweden Natur zu erfor⸗ ſchen und Alles anzuhoͤren, was man ihnen zu ſagen hat. Darin beſteht nun Wheelers Staͤrke; ich moͤgte gar zu gern ſeine Meinung hoͤren. Sie fäͤlltgewiß; auch kein maica entſe ich wuͤrde n nicht zu f ſeine Gefahl lich ind di gefällt, ur Klima zu Genlſſe a Weite ſtand geſpr Untethaltun Wefindſe von der d Er ließ ſie ſchlief, ſe Ant zu ſt ſcheidungi Mes. iß einer ſo uͤber⸗ eſondern Aerzte r, Sie t, wie wegban⸗ Wir Doktor 109 faͤllt gewiß zu unſrem Vortheil aus; aber ich will auch kein Wort weiter ſagen, wenn er fuͤr Ja⸗ maica entſcheidet; es wird mich betruͤben, doch ich wuͤrde mir ein Gewiſſen daraus machen, mich nicht zu fuͤgen, und meinen guten Freund auf ſeine Gefahr in England zuruͤck zu halten. Gluͤck⸗ lich ſind diejenigen, die leben konnen, wo es ihnen gefaͤllt, und deren Vermoͤgen ihnen geſtattet, ein Klima zu erwaͤhlen, und die Behaͤglichkeiten und Genuͤſſe aller Laͤnder zu vereinigen!“ Weiter ward nichts mehr uͤber dieſen Gegen⸗ ſtand geſprochen: Mrs. Beaumont lenkte die Unterhaltung auf die Verſchiedenheit des Oſt⸗ und Weſtindiſchen Luxus; Herr Palmer war muͤde von der Reiſe, und ging fruͤhzeitig zur Ruhe. Er ließ ſich wohl nicht traͤumen, daß waͤhrend er ſchlief, ſeine freundliche Wirthin aufſaß, um den Arzt zu ſtimmen, daß er eine ihr geliebige Ent⸗ ſcheidung in Hinſicht ſeiner gaͤbe. Sie veranſtal⸗ 110 tete die Abfertigung eines Briefs an Doktor WMheeler, der ihm ganz fruͤh am naͤchſten Morgen zugeſtellt werden ſollte; und, als fuͤge es der Zu⸗ fall alſo, ſprach Doktor Wheeler waͤhrend des Fruͤhſtuͤcks vor; und Mrs. Beaumont betheuerte, dies ſei der allergluͤcklichſte Zufall, da ſie grade gewuͤnſcht haͤtte, ihn zu ſprechen. Nachdem ihm nun der Fall vorgetragen war, ließ er ſich mit ge⸗ hoͤrigem Ernſt und anmuthigem Weſen zuvoͤrderſt in eine weitlaͤuftige Eroͤrterung von der Wirkung heißer und kalter Himmelsſtriche auf die fluͤchtigen und conſiſtenten Theilchen, auf das Nervenſyſtem im Allgemeinen, auf die Engliſchen Conſtitutio⸗ nen insbeſondere und endlich auf Idioſyncraſieen aus. Dies letzte Wort brachte Herrn Palmer faſt um ſein halbes Fruͤhſtuͤck; mit einem tiefen Seuf⸗ zer kehrte er ſein Glas um, und ſchob ſeinen Tel⸗ ler weg, als er es hoͤrte; Anzeigen, die dem riſcerblih ſahte duß und erklart Meinung ſich lange gewohnt,“ res Küma riskiren n haupten, Spannun. Palm von geſund genſtände! Unwiſſenh biges Pe Doktor⸗ ſchen mo „Da Seufßer Doktor Morgen der Zu⸗ grend des ktheuerte, ſie grade dem ihm hmit ge⸗ buvoͤrderſt Wirkung fluͤchtigen venſyſtem nſtitutio⸗ craſteen amer faſt ſn Seuf inen Tel⸗ die dem 111 Forſcherblick des Arztes nicht entſchluͤpften. Er faßte Fuß auf der Schwachheit des Patienten; und erklaͤrte demnach unverhohlen, daß, ſeiner Meinung nach, jeder Mann, zum Beiſpiel, der ſich lange an ein warmes Klima, wie Jamaica, gewoͤhnt, und in ſpaͤten Jahren ſich in ein kaͤlte⸗ res Klima, wie England, niederließe, gleich viel riskiren muͤſſe; ja er moͤgte faſt wagen zu be⸗ haupten, daß derſelbe ein Opfer der zu ploͤtzlichen Spannung der erſchlafften Fibern werden muͤſſe. Palmer war in den meiſten Dingen ein Mann von geſundem Urtheil, aber was mediziniſche Ge⸗ genſtaͤnde betraf, da kam ſeine Schwachheit ſeiner Unwiſſenheit uͤber dieſelben gleich; ſein aberglaͤu⸗ biges Vertraun auf Aerzte war ſo unbedingt, als Doktor Wheeler und Mrs. Beaumont nur wuͤn⸗ ſchen mogten. „Dann,“ ſagte er, mit einem noch tieferen Seufzer als der vorige; denn der vorige hatte 112 ihm ſelbſt gegolten, und dieſer galt ſeinem Vater⸗ lande—„Dann fahr wohl, England, Alt⸗ england, fahr wohl, auf immer! Mir ſprechen alle meine Richter das Urtheil der Deportation.“ Beaumont und Amelie wandten ſich nun ein⸗ ſtimmig mit eifriger, uͤberredender Fuͤrbitte und Gegenrede an den Arzt, um eine Mildrung, we⸗ nigſtens einen Aufſchub des Urtheils zu erlangen. Der Doktor, wenn gleich der unabaͤnderlichen Strenge nicht gewohnt, wiederholte peremptoriſch ſeinen Ausſpruch; er, der ſonſt nicht gern gegen Reiche und Schoͤne etwas durchzuſetzen pflegte, behauptete doch diesmal trefflich, faſt waͤhrend fuͤnf ganzer Minuten, ſeinen Satz wider Beaumont und Amelie, bis, zu ſeiner aͤußerſten Verwundrung und Betroffenheit, auch Mrs. Beaumont in die Reihe ſeiner Gegner trat. „Ja,“ hub ſie an,„ich habe geſagt, ich wollte mich fuͤgen, und kein Wort einwenden, wenn wenn Dokto wäͤte, aber gegen dieſes thun, das ſo ganz ente Der arn Augen reibe oder traum wohl gar und rüͤſtet und das 9 bis er ſich Verlegenhei Palmer wi Grund un Beaumong ben, wur nſtrer, i Wideruf II. Patet⸗ d, Al⸗ ſprechen ctation.“ nun ein⸗ itte und ng, we⸗ erlangen. derlichen —nptoriſch ern gegen pflegte, end fuͤnf eaumont zundrung nt in die agt, ich nwenden, wenn 113 wenn Doktor Wheeler meinen Wuͤnſchen entgegen waͤre, aber ich kann nicht ſtill bleiben; ich muß gegen dieſes grauſame, grauſame Urtheil Einſpruch thun, das meinen Wuͤnſchen und Erwartungen ſo ganz entgegen laͤuft.“ Der arme Doktor blinzelte und ſchien ſich die Augen reiben zu wollen, ungewiß, ob er wache oder traͤume. Er meinte in ſeiner Noth, daß er wohl gar Mrs. Beaumonts Brief mißverſtanden, und ruͤſtete ſich, um Fluͤchtiges und Conſiſtentes und das ganze Nervenſyſtem herum zu laviren, bis er ſich mit Huͤlfe der Idioſyncraſie aus der Verlegenheit geholfen haben wuͤrde, und Herrn Palmer wuͤrde geſtatten koͤnnen, auf Brittiſchem Grund und Boden zu verharren. Aber Mrs. Beaumonts Geſicht, trotz ihrer Verſtellungsga⸗ ben, wurde immer laͤnger, immer laͤnger, immer finſtrer, immer finſtrer, je weiter er in ſeinem Widerruf fortfuhr; indeß, als die Ausnahme II. H 1 114 von der allgemeinen Regel mit Huͤlfe der Idioſyn⸗ craſie fein ausgemittelt, und die Verguͤnſtigung, in England zu bleiben, durch ſo gediegene medi⸗ ciniſche Autoritaͤt vollkommen conſtatirt war, da erzwang ſie trotz Allem ein Laͤcheln, und ſtimmte laut dem allgemeinen Gluͤckwunſch bei; und in⸗ deſſen ihr Sohn triumphirte und Herrn Palmer die Haͤnde ſchuͤttelte, ſchlich ſie dem Doktor Whee⸗ ler die Treppe hinunter nach. „Ah Doktor, was haben Sie gemacht! Was haben Sie gemacht! Sie machen mich ungluͤck⸗ lich, elend! Haben Sie denn meinen Brief nicht geleſen? haben Sie ihn nicht verſtanden? Ich glaubte dem Klugen waͤre ein Wort genug.“ „Nun, denn hab' ich ihn ja anfangs ver⸗ ſtanden! So dacht' ich auch; aber nachher glaubt⸗ ich, ich hatte mich doch geirrt; denn als ich er⸗ wartete, Sie ſollten mir nun beitreten, liebe Madam, da ſtimmten ſie ja eifriger wider meine Entſcheidu gend einer. „Liebe haͤtten doc derrede nu „Ad bei welcher doch ſo ei be Mada viel auf Teeppe hit Uebermaß hänger; m Schleichkt ſie war zu lich oder mogte, n „Liebe mermehr Nioſyn⸗ nſtigung, ene medi⸗ war, da ſtimmte und in⸗ Palmer tor Whee⸗ ht! Was ungluͤck⸗ zrief nicht angs ver⸗ het glaub ls ich er⸗ en, liebe ider meine 115 Entſcheidung zu Gunſten von Jamaica, als ir⸗ gend einer. Woran ſollte ich mich da halten?“ „Lieber Doktor, woran ſich halten? Sie haͤtten doch wol merken koͤnnen, daß meine Wi⸗ derrede nur eine Vorſpiegelung war.“ „Ach ſo, liebe Madam!“ rief der Doktor, bei welchem, ob er gleich der ſanfteſte Mann war, doch ſo etwas von Indignation rege wurde.„Lie⸗ be Madam, doppelte Vorſpiegelung? das iſt zu viel auf einmal!“ und ſo ging er murrend die Treppe hinunter; und ſo entfernte ſie, durch das Uebermaß der Heuchelei, ſelbſt ihre eignen An⸗ haͤnger; worin ſie mit den allerliſtigſten politiſchen Schleichkuͤnſtlern gleiches Schickſal hatte. Aber ſie war zu klug, um irgend Jemand, der ihr nuͤtz⸗ lich oder ſchaͤdlich werden konnte, wer es auch ſeyn mogte, mißvergnuͤgt von ſich zu laſſen. „Lieber, guter Doktor, hab' ich Sie doch nim⸗ mermehr ſo boͤſe geſehn!“ rief ſie und ſchob ihm H 2 116 ein kleines Suͤhnopfer in die Hand.„Kommen Sie, kommen Sie; Freunde muͤſſen einander Kleinigkeiten nicht ſo uͤbel nehmen; es war nur ein Irrthum de part et d'autre; Sie ſprechen morgen auf Ihrem Heimwege hier wieder vor, und fruͤhſtuͤcken bei uns; und nun verſtehen wir uns. Und,“ fuͤgte ſie halblaut hinzu,„wir koͤnnen die Dinge am beſten uͤberlegen, und Ihr Urtheil am ruhigſten vernehmen, wenn Niemand zugegen iſt, als Sie und ich und Herr Palmer. Sie verſtehen mich—“ Diejenigen, welche mehrere Schleichkuͤnſte auf einmal treiben, und vielerlei Intriguen anle⸗ gen, haben den Vortheil, daß, wenn die eine mißlingt, das Gelingen der andern dafuͤr entſchaͤ⸗ digt. Dies eine contretems mit dem Doktor ward Mrs. Beaumont den folgenden Tag reich⸗ lich und vielfach vergolten; zum Theil durch eige⸗ nes Bemuͤhn, zum Theil durch Zufall. Durch eignes Bem te glickich den verſproc Entſchuldig einen Nag danlte ſie ren, als Vormittag ten von d tung enth Bericht d Beſorgniſſe zweifelte n mit Hüͤlfe Bohſcha gen auf d bringen Palmer! bei einem dommen einander war nur ſprechen 1 der vor, hen wir 1 nwir und Ihr Niemand Palmer. ichkunſte een anle⸗ die eine enſſchi⸗ Doktor gag reich⸗ urch eige⸗ Durch 117 eignes Bemuͤhn hielt ſie ihre liebe Albine Hun⸗ ter gluͤcklich fern; denn ſie ſandte keinesweges den verſprochenen Wagen, ſondern ein Billet zur Entſchuldigung: eines der Kutſchpferde häͤtte ſich einen Nagel in den Fuß getreten. Dem Zufall dankte ſie, daß Walſinghams nicht zu Hauſe wa⸗ ren, als ihr Sohn hinuͤber ritt, ſie an dieſem Vormittag zu beſuchen, und ſich nach Nachrich⸗ ten von dem Kapitain zu erkundigen. Die Zei⸗ tung enthielt ebenfalls einen Widerruf von dem Bericht des Treffens und Sieges, welcher ihre Beſorgniſſe in dieſer Hinſicht aufhob, und ſie zweifelte nicht, daß bei geſchickter Thaͤtigkeit, ſie mit Huͤlfe einer gehoͤrigen Anzahl von Brieflein, Bothſchaften, lahmen Pferden, und Verfehlun⸗ gen auf dem Wege, ſich uͤber die Woche hinaus bringen wuͤrde, ohne daß Walſinghams Herrn Palmer mehr, als etwa einmal ſaͤhen; hoͤchſtens bei einem Morgenbeſuch, von dem ſie nicht viel 118 zu befuͤrchten hatte.„Denn wie wenig Menſchen,“ ſagte ſie bei ſich ſelbſt,„haben ſo viel Charakter, oder ſo viel Geſchick ſich geltend zu machen, daß man den Eindruck zu ſcheuen brauchte, den ſie waͤhrend eines Morgenbeſuchs machen koͤnnen.“ Sechſtes Kapitel. — Der dritte Tag war noch gluͤcklicher. Doktor Wheeler ſprach beim Fruͤhſtuͤck vor, ſchreckte den alten Palmer faſt zu Tode uͤber den Zuſtand ſei⸗ ner Geſundheit, und uͤberzeugte ihn, daß ſein Leben auf ſeiner unmittelbaren Ruͤckkehr nach Jamaica beruhe: ſo war denn dieſer Punkt auch. in Richtigkeit. Mts. J daß Walſin Morgen err wuͤrden beſt fort nach d vermöge deſ außet dem müßte den Sohn rine ſe ilſſ n ſelben zu: aufs Fahr Gartenchai gefangen h von allem wir moͤge die fuͤnf zu ungeſte benutz li nſchen,“ arakter, en, daß den ſie nen. Ä4 Doktor kte den cand ſci⸗ daß ſein hr nach nkt auch 119 Mrs. Beaumont hatte ganz wohl berechnet, daß Walſinghams Herrn Beaumonts Beſuch am Morgen erwiedern, und zugleich Herrn Palmer wuͤrden beſuchen wollen; demnach entwarf ſie ſo⸗ fort nach dem Fruͤhſtuͤck einen Operationsplan, vermoͤge deſſen Herr Palmer bis zur Mittagstafel außer dem Hauſe beſchaͤftigt gehalten wuͤrde.„Er muͤßte den allerliebſten Fahrweg ſehn, den ihr Sohn rings um ſeine neuen Anlagen gezogen, und ſie ſelbſt muͤßte das Vergnuͤgen haben, ihm den⸗ ſelben zu zeigen; ſie verſicherte ihm, daß ſie ſich aufs Fahren verſtehe.“ So ward er in ihre Gartenchaiſe gepackt, und als ſie ihn hier fein gefangen hatte, fuhr ſie mit ihm dahin, weitweg von allem Drohen uͤberlaͤſtigen Beſuches; und wir moͤgen leichtlich ermeſſen, daß unſre Heldin die fuͤnf bis ſechs Stunden Muße, welche ſie ſich zu ungeſtoͤrten Schleichkuͤnſten gewann, nicht un⸗ benutzt ließ. 120 Der alte treuherzige Mann war ſo freimuͤthig und wohlmeinend, daß kein andrer Menſch als Mrs. Beaumont Schleichkuͤnſte gegen ihn fuͤr noͤthig haͤtte erachten koͤnnen; ſie haͤtte nur ſeiner Freundſchaft und Großmuth zu vertrauen, und ihm geradezu ihre Wuͤnſche zu erklaͤren brauchen⸗ als Wittwe ſeines Freundes war er ſchon ſo ſehr zu ihren Gunſten eingenommen, daß er von ihr faſt kein unrechtliches Betragen argwoͤhnen konnte; und uͤberdies ſchwebte ihm, der wenig Verkehr mit modernen, eleganten Damen gehabt hatte, eine altväterliche Vorſtellung von einer ehrſamen Witt⸗ frau und Vormuͤnderin vor; er nahm fuͤr aus⸗ gemacht an, daß Mrs. Beaumont ganz einer von jenen guten Matronen der vorigen Zeiten gleich ſeyn muͤſſe; und in dieſem Sinne ſprach er denn zu ihr uͤber ihre Familienverhaͤltniſſe mit all der Unverholenheit eines argloſen Herzens. „Sehen Sie, meine gute Frau Beaumont, Sie müſſen Freund, der einen Mann⸗ o am Hetze waͤre. Geh kleinen Ang all Ihre ke ſammen ber aufs Beſte wiſſen, ich Welt, als denen ich o lebendige 6 Meine gebe und da ſin die naͤchſte Wann, d Sie nur lieber, ge teimüͤthig enſch als ihn fuͤt nur ſeiner ten, und rauchen, n ſo ſehr er von ihr nkonnte; erkehr mit atte, eine nen Witt⸗ fuͤr aus⸗ unz einer en Zeiten ſprach et e mit all — — eaumont, 121 Sie muͤſſen mich gerade ſo betrachten, wie mein Freund, der Oberſte, gethan haben wuͤrde, als einen Mann, dem das Wohl ihrer Familie eben ſo am Herzen liegt, als ob er einer der Ihrigen wäxe. Geben Sie mir Theil an allen Ihren kleinen Angelegenheiten, und vertrauen Sie mir all' Ihre kleinen Plane; laſſen Sie ſie uns zu⸗ ſammen bereden und uͤberlegen, wie man Alles aufs Beſte fuͤr die jungen Leute einrichtet. Sie wiſſen, ich habe ſonſt keine Verwandte auf der Welt, als Ihre Familie und Walſinghams, von denen ich obenein nichts weiß. An mir hat keine lebendige Seele etwas zu fodern; ich kann das Meine geben oder hinterlaſſen, wie es mir beliebt; und da ſind Sie und die Ihrigen mir natuͤrlich die naͤchſten; und wegen des Wie und Was und Wann, da muͤſſen Sie mir nun rathen; ich bitte Sie nur zu bedenken, daß ich eben ſo gern, ja lieber, geben will als hinterlaſſen. Denn was 122 ein Mann ſeinen Freunden hinterlaͤßt, davon hat er nichts als das Vergnuͤgen, zu denken, daß ſie es um ſo beſſer haben werden, wenn er tod und dahin iſt, welches nur einen kalten Troſt gewaͤhrt; aber was er giebt, davon hat er den warmen Troſt, daß er ſie es noch bei ſeinen Lebzeiten, und waͤh⸗ rend er bei ihnen iſt, genießen ſieht.”“ „Welche großmuͤthige Geſinnungen!“ rief Mrs. Beaumont,„und ſo ganz das Gegentheil von der Denkart der Leute, die viel Vermoͤgen haben! Ich bin Ihnen ſo ſehr verbunden, ſo uͤberſchwaͤnglich verbunden..“ „O, nichts, nichts, nichts! nichts mehr da⸗ von, meine gute Dame. Der Oberſt und ich wir waren Freunde, da findet alſo keine Verbind⸗ lichkeit zwiſchen uns ſtatt, kein Dank, kein Wort⸗ machen. Sprechen Sie mit mir, als ob Sie mit Sich ſelbſt ſpraͤchen, ſagen Sie mir, wie es ſteht, was Sie meinen. Und ſollte ſich cine oder die andte kle Sohn bei ſein oder fehlt es Frau; oder ſ dem Tapet, ger ein Hetz laſen Sie m ſo viel Ger⸗ Freude habe obenein auf Denn davon meine Weiſe dazu hab' ich mir; und S miliengehein nicht wiſſen gen was di ich. Rein Kooſterrzih davon hat n, daß ſe er tod und gewäͤhrt; men Troſ, und waͤh⸗ en!“ rief Gegentheil Vermoͤgen unden, ſo mehr da⸗ und ich Verbind⸗ tein Wott⸗ 5 0b Sie t, wie es eine oder 123 die andre kleine Verlegenheit vorfinden, die der Sohn bei ſeiner Muͤndigwerdung gern los waͤre; oder fehlt es an Ihrem Wittwengehalt, liebe Frau; oder ſind etwa einige Heyrathsplaͤne auf dem Tapet, wo ein paar tauſend mehr oder weni⸗ ger ein Herz friſch oder elend machen moͤgten; laſſen Sie mich Alles wiſſen; laſſen Sie mir ſo viel Gerechtigkeit wiederfahren, daß ich die Freude habe, das junge Volk, und das alte Volk obenein auf ſeine Weiſe gluͤcklich zu machen. Denn davon weiß ich nichts, daß alle Leute auf meine Weiſe gluͤcklich ſeyn ſollten; nein, nein, dazu hab' ich zu viel freies Engliſches Blut in mir; und Sie, meine gute Dame, ſind den Fa⸗ miliengeheimniſſen und Intriguen, wo die Alten nicht wiſſen was die Jungen thun, noch die Jun⸗ gen was die Alten denken, gewiß ſo feind, als ich. Nein, das iſt eitles Weſen, Franzoſiſches Kloſtererziehungswerk, mir geht nichts uͤber eine 124 gute Altengliſche Familie. Alſo, meine liebe Ma⸗ dam Beaumont, heraus damit, und bringen Sie mich und Ihre Familie von Stund an gegenein⸗ ander aufs Reine. Da iſt meine Hand, und mein Herz darin, ein alter Freund kann nicht zu weit gehen.“ 3 Dieſe Freimuͤthigkeit haͤtte jedes Herz außer Mrs. Beaumonts geruͤhrt. Aber das iſt der Fluch argliſtiger Gemuͤther, daß ſie andre nicht arglos glauben koͤnnen; ſie halten Herzenseinfalt fuͤr Albernheit, oder fuͤr erkuͤnſtelt, um ſie in die Schlinge zu ziehn. Einen Augenblick ſchwankte unſre Heldin zwiſchen den beiden Anſichten. Sie konnte Herrn Palmer doch nicht geradehin fuͤr einen Narren erklaͤren; daß er ein ſo bedeutendes Vermoͤgen erworben hatte, verwehrte ihr den Ge⸗ danken. Alſo mußte er ſich lediglich ſo offen ge⸗ ſtellt haben, um ſie in Verſuchung zu fuͤhren, und hinter ihre Schulden und Verlegenheiten zu kommen; n ſeine Meinun abſüinmen k „Mein an, voffenh darf es fur Sohn aus denn ich we hat; undi thum ſöet wuͤnſchen rathsplaͤne ſe noch Zei „Gut, ſch Zeit nicht auf ſie mir de Midchen ſeyn konnt liebe Ma⸗ ringen Sie n gegenein⸗ dand, und in nicht zu herz außer das iſt der andre nicht rzenseinfalt m ſie in die kſchwankte hten. Sit adehin fuͤr bedeutendes ihr den Ge⸗ ſo offen ge⸗ zu fühten, genheiten zu 125 kommen; welche, wenn ſie an den Tag kaͤmen, ſeine Meinung von der Vernunft der Familie her⸗ abſtimmen koͤnnten. „Mein trefflicher Freund,“ hub ſie demnach an,„offenherzig mit Ihnen zu ſprechen, ſo be⸗ darf es fuͤr jetzt Ihrer Großmuth nicht, meinen Sohn aus irgend einer Verlegenheit zu reißen; denn ich weiß, daß er nicht die geringſten Schulden hat; und ich vertraue ihm, daß er meinem Wit⸗ thum ſo viel zulegen wird, als ich nur immer wuͤnſchen mag, und mehr als das. Was Hey⸗ rathsplaͤne betrifft, ſo iſt Amelie ſo jung, daß ſie noch Zeit genug hat, daran zu denken.“ „Gut, gut; und ſie hat Recht, wenn ſie ſich Zeit nimmt. Aber obgleich ich mich eben nicht auf dergleichen ſonderlich verſtehe, ſo ſieht ſie mir doch gewaltig ſo aus, wie ich mir ein Maͤdchen denke, das wohl ein bischen verliebt feyn koͤnnte.“ 126 „Verliebt? Beſter Herr, ſagen Sie das nicht. Verliebt?“ „Nun, wenn ich denn nicht verliebt ſagen ſoll, ſo iſt wohl ein andrer Ausdruck dafuͤr ſeit meiner Zeit aufgekommen. Und wenn das auch; ich weiß ſchon, man darf das nicht eher von einem Maͤdchen ſagen, als bis es ans Unterſchreiben geht; aber es fuhr heraus, und nun kann ichs nicht zuruͤck rufen, ſo laſſen Sie es denn nur hin⸗ gehn. Was iſt es denn nun mehr, Sie wiſſen wohl, Frau, ohne Liebe, was wuͤrde aus der Welt! Obealeich ich einſt geaͤfft worden und ab⸗ gewieſen bin, muß ich doch geſtehn— aber ver⸗ geſſen und vergeben. Ich bin dem Maͤdchen um kein Jota weniger gut, weil es ein bischen weich⸗ herzig iſt. Denn ich bin innerlich uͤberzeugt, aus Allem, was ſie geſagt hat, und aus der Art, wie ſie erzogen iſt, und weil ſie ihres Vaters und ihrer Mutter Tochter iſt, Frau; daß ſie ihre Reigung nich iher Wahl k dern Worten einwilligen m Ach, d Mes. Beaur „Wie tothens, n merkte,— ſo viel ich Dahren auf aber dieſe g ob ſie meine res Eridthe da der jung den er vo Walſingha opf giſh n Sie das rliebt ſagen ck dafuür ſeit Ndas auch; von einem nterſchreiben n kann ichs un nur hin⸗ Sie wiſſen rde aus der den und ab⸗ —aber ver⸗ dadchen um schen wäch⸗ etzeugt, aus s der Art. res Vaters daß ſie ihte 127 Neigung nicht auf Jemand geworfen hat, der ihrer Wahl keine Ehre machte, oder was mit an⸗ dern Worten daſſelbe heißt, zu dem wir beide nicht einwilligen wuͤrden.“ „Ach, das iſt die Sache!“ ſagte ſeufzend Mrs. Beaumont. „Wie ſo? Ich bildete mir wegen eines Er⸗ roͤthens, welches ich dieſen Morgen an ihr be⸗ merkte,— Gott weiß, wie ich dazu kam, denn ſo viel ich mich erinnere, hab' ich ſeit zwanzig Dahren auf keines Maͤdchens Erroͤthen gemerkt, aber dieſe geht mir freilich faſt ſo nahe an, als ob ſie meine eigne Tochter waͤre. Ja, wegen ih⸗ res Erroͤthens wollt' ich ſagen, dieſen Morgen, da der junge Beaumont von ſeinem Ritt ſprach, den er vorhaͤtte, um ſich nach dem Kapitain Walſingham zu erkundigen, hab' ich mir in den Kopf geſetzt, der ſei der Gluͤckliche.“ 138 „ On lieber Herr, er hat ſich nie um Ame⸗ lien beworben.“ Das war buchſtaͤblich wahr. „Noch hat er jemals, ſo viel ich davon weiß, an ſie gedacht.“ Die Bedingung der Ausſage, durch:„ſo viel ich davon weiß,“ rettete dieſelbe einiger Maßen von der Claſſe der groben Luͤgen. „Wie ſollte er auch?“ fuhr Mrs. Beaumont. fort,„Sie wiſſen, er iſt keine Parthie fuͤr Amelie; er hat nichts auf der Welt, als ſeine Stelle. Nein; von der Seite hat niemals eine Bewer⸗ bung ſtatt gefunden, und es iſt natuͤrlicher Weiſe nicht moͤglich, daß meine Tochter an einen Mann daͤchte, der nicht an ſie denkt.“ „Das muͤſſen Sie am beſten wiſſen, gute Frau; ich ſpreche nur ſo ins Blaue. Ich bin der elendeſte Muthmaßer von der Welt, beſonders in dergleichen Dingen; was man mir geſagt hat, das weiß ich; und weder mehr noch weniger.“ Mrs. Mii. B ſgkit ihnes ſchick ſichs n ſage, daß 2 ſie. worin weder „So. Urſach, war ten ſo abwe Ein Pl trat jeht vor bildungskra Pellegenhei wahrnehme be derſelbe und ſich ſe des Wider II. um Ame⸗ blich wahr. davon weiß, er Ausſage, ttete dieſelbe ben Lüͤgen. „Beaumont fuͤr Amelie; eine Stelle eine Bewer⸗ licher Weiſe inen Mann ßiſſen, gute Ich bin der beſonders in giſagt hat, weniger.“ Mre. 129 Mrs. Beaumont freute ſich uͤber die Arglo⸗ ſigkeit ihres Gefaͤhrten.„„Ja lieber Herr, dann ſchickt ſichs wohl nicht anders, als daß ich Ihnen ſage, daß Amelie einen Bewundrer hat;“ ſagte ſie. „Sieh da, einen Liebhaber, wer iſt er denn?“ „Ach, das iſt das Ungluͤck: es iſt eine Sache, worin weder Sie noch ich je willigen werden.“ „So. Da koͤmmt es heraus; das iſt alſo die Urſach, warum das Maͤdchen erroͤthet, und zu Zei⸗ ten ſo abweſend iſt?“ Ein Plan, das Meiſterſtuͤck der Politik, trat jetzt vor Mrs. Beaumonts erfinderiſche Ein⸗ bildungskraft. Sie beſchloß, jedes Merkmal von Verlegenheit, welches Palmer an ihrer Tochter wahrnehmen moͤgte, einer zuruͤckgedraͤngten Lie⸗ be derſelben zu Sir John Hunter zuzuſchreiben; und ſich ſelbſt bei Herrn Palmer das Verdienſt des Widerſtandes gegen dieſe Heyrath beizumeſſen, II. J 130 weil der Liebhaber ein Baron ſei; ſie meinte, es muͤſſe Herrn Palmer freuen, wenn ſie Wider⸗ willen gegen den Gedanken aͤußerte, daß ihre Toch⸗ ter einen adlichen Sproͤßling heyrathen ſollte. Dieſer ſinnreichen Weiſe, ſich bei ihrem treuher⸗ zigen Freunde einzuſchmeicheln, ſo auf Unkoſten 85 ihrer Tochter als der Wahrheit, bediente ſie ſich mit ihrer gewohnten Geſchicklichkeit. „Nun ſo freut es mich doch herzlich, meine gute, liebe Frau, daß ich ſehe, Sie haben daſ⸗ ſelbe Vorurtheil gegen die Adlichen, als ich. Ein — guter Buͤrgerlicher iſt ihrer eine Million werth. Das ſagt ich auch einem Narren von Neffen, der ſich zum Baron wollte machen laſſen. Fuͤr wahr — hab ihn enterbt! aber er iſt tod, der arme Narr!“¹ „Der arme junge Mann! Aber das iſt mir ja ganz etwas Neues,“ ſagte Mrs. mit wohlge⸗ heuchelter Verwunderung. 1 1 „Wabte einen Neffen „9 ja; „Nich; rreichen der Es iſt gut, geblieben, i Nein— it daran noch doch? Ja darf ich ſie an dem Ma obſchon er nach gegen Eignſchaft Etwas vo ſeyn, und gleichen, Freundes: meinte, es ſie Wider⸗ ihre Toch⸗ then ſollte. em treuher⸗ ff Unkoſten ante ſte ſich glich, meine haben daſ⸗ s ich. Ein lion werth. Neffen, der Fuͤr wahr der arme das iſt mir mit wohlge⸗ 131 „Wußten ſie denn nicht, liebe Frau, daß ich einen Reffen hatte, und daß er todt iſt?“ „O ja; aber nicht die naͤhern Umſtaͤnde.“ „Nicht; von denen ſprech ich auch nicht; ſie gereichen dem armen Hund nicht ſehr zur Ehre. Es iſt gut, daß er todt iſt; waͤr er am Leben geblieben, ich fuͤrchte, ich haͤtte ihm verziehen. Nein— ich haͤtte doch nicht. Aber was hiüfts⸗ daran noch zu denken.— Wovon ſprachen wir doch? Ja, uͤber Ihre Amelie, unſre Amelie; darf ich ſie ſo nennen? Wenn Sie gar zu ſehr an dem Manne haͤngen ſollte, die arme Kleine, obſchon er ein Baron iſt, was er meinem Sinn nach gegen ſich hat, ſo wird er doch wol gute Eigenſchaften haben, die das aufwiegen, da ſie Etwas von ihm haͤlt; junge Leute muͤſſen jung ſeyn, und ein bischen vernarrt in Titel und der⸗ gleichen. Ich haͤtte freilich geglaubt, meines Freundes Tochter, aus einem ſo bravon Hauſe J 2 132 als das ihrige iſt, und von ſoviel Vernunft, als ſie obenein geerbt hat, ſollte daruͤber hinaus ſeyn. Aber wir haben allzumal unſre Schwaͤchen, mein ich, und wenn es ſo um Amelien ſteht, ſo laſſen Sie mich denn nur dieſen Anbeterbaron ſehen, ich will verſuchen, was Gutes an ihm iſt, und ſehn, wie ich mich uͤber meine Vorurtheile pin⸗ wegbringe. Und Sie, liebe Frau, eine ſo gute liebevolle Mutter, Sie an ihrem Theil gewinnen dann auch etwas uͤber ſich; denn wir muͤſſen das Maͤdchen gluͤcklich ſehen, wenn es nicht gegen alle Vernunft iſt. Iſt der Mann ihrer werth, iſt es am Ende nicht ſeine Schuld, daß er zu den Adlichen gehoͤrt; wir muͤſſen vergeſſen und verge⸗ ben, liebe Madam Beaumont, und willigen ein.“ „Sie wollten darein willigen, daß Amelie Sir John Hunter heyrathe? rief Mrs. Beau⸗ mont, faſt ſprachlos vor Erſtaunen, und fuͤr ei⸗ nen Augenblick ſo ganz hingeriſſen, daß ſie auf einmal natuͤr tung ihtes fähtten nich über ſeine le „Nun, Frau, verge ſagte er, Meinung d entgegentr Aber wenn 1 vergeben kö rathet, ſo a werther Ma als die Wo u Ich Erſtaunen, etht, weil niſteen laſe nnunſt, als naus ſeyn. chen, mein „ſo laſſen tron ſehen, iſt, und theile hin⸗ eine ſo gute il gewinnen müͤſſen das nicht gegen werth, iſt er zu den und verge⸗ lligen ein.“ daß Amelie ers. Beau⸗ und füt ei⸗ daß ſie auf 133 einmal natuͤrlich ſprach. Die ploͤtzliche Veraͤnde⸗ rung ihres Tones entging ſelbſt dem argloſen Ge⸗ faͤhrten nicht, und er ſchrieb ſie dem Unwillen uͤber ſeine letzte Aeußerung zu. „Nun, nun, meines lieben, guten Freundes Frau, vergeben Sie mir dieſe Verwendung,“ ſagte er,„und daß ich, wie es ſcheint, ihrer Meinung uͤber die Verheyrathung ihrer Tochter entgegentrete, wozu kein Menſch ein Recht hat. Aber wenn Sie mich gradezu fragen, ob ich ihr vergeben konnte, daß ſie Sir John Hunter hey⸗ rathet, ſo antworte ich; ja, wenn er ein ehren⸗ werther Mann iſt, denn ich kann nichts anders als die Wahrheit ſprechen.“ „ Ich dachte,“ ſagte Mrs. Beaumont voll Erſtaunen,„Sie haͤtten ihren eignen Neffen ent⸗ erbt, weil er ſich gegen ihren Willen hatte baro⸗ niſiren laſſen.“ 134 „Gott behuͤto, nein, liebe Frau; das war mir verdruͤßlich; aber das war gewiß die gering⸗ ſte Urſach meines Unwillens gegen ihn. Ich’ließ lieber die Welt denken und ſagen, was ſie wollte, als daß ich Fehler ans Licht gezogen batie. Aber nichts mehr davon.“ 41 Haben Sie denn nicht geſchworen, keinen Adelichen jemals einen Pfennig ihres Vermoͤgens zu vermachen?“ S 1. „Mein Lebtage nicht, liebſte Frau,“ rief Palmer lachend.„Ein ſolcher Gaͤnsrich bin ich nicht geweſen. Sieh einmal, was die Leute einem fuͤr Schwuͤre in denMund legen!“ 3 „Und was in der Welt gelogen wird 1“ ſagte Mrs. Beaumont. 2 a e „Und geglaubt,“ ſetzte Palmer mit einem liſtigen Laͤcheln hinzu. 3 Ein fremder raſcher Tumult andrer Gefuͤhle miſchte ſich zu Mrs. Beaumonts Verwundrung; das Bedauett iigkit vetloht kam von dem unter der Ha hatte. Obg. ſahe ſie doch Maſſe vonK verwickelt ſ heit ihren wuͤrde; alee ſellte ſich k oder der Rer ſie erwog mu benutzen ma Iwei it Rborgen, zuküͤnftigen ſchien ſich nen, als ; das war die gering⸗ . Jchliß s ſie wollte, haͤtte. Aber een, keinen Vermoͤgens Frau, A kief dlich bin ich Leute einem ird!“ ſagte mit einem drer Gefühle erwundrung; 135 das Bedauern der an einer eingebildeten Schwie⸗ rigkeit verlohrnen Umſchweife und Kuͤnſte. Dies kam von dem zu leichten Glauben, welchen ſie den unter der Hand eingezogenen Nachrichten geſchenkt hatte. Obgleich noch nicht ohne Schwierigkeit, ſahe ſie doch nun wohl bei dem Ueberſchauen der Maſſe von Kunſtgriffen, womit die Sache von ihr verwickelt worden war, ein, daß die reine Wahr⸗ heit ihren Zwecken foͤrderlicher geweſen ſeyn wuͤrde; allein zum⸗Bedauern des Vergangnen ge⸗ ſellte ſich keinesweges etwas, das Vorwuͤrfen, oder der Reue gleichgeſehn haͤtte; im Gegentheil, ſie erwog nur, wie ſie ihren Irrthum am beſten benutzen moͤgte. Zwei ihrer Lieblingszwecke vermeinte ſie bereits geborgen, Heren Palmers Vermoͤgen, und den zukuͤnftigen Rang ihrer Tochter; kein Hinderniß ſchien ſich denſelben mehr entgegenſtellen zu koͤn⸗ nen, als Ameliens Gefuͤhle; und daß ihre Toch⸗ 136 ter dieſe aufguaͤbe, dahin hoffte ſie dieſelbe leicht⸗ lich zu vermoͤgen. Sie wußte, daß Amelie ſo⸗ wohl furchtſam als liebevoll war, daß ſie in kei⸗ nem Falle ſich je ihrer muͤtterlichen Autoritaͤt wi⸗ derſetzt hatte, nicht einmal entzogen; daß die Furcht vor ihrem Unwillen ſie ſchon oft bewogen, ihre Empfindungen zu unterdruͤcken, oder aufzu⸗ opfern. Mit gewohnter Schnelle combinirte ſie dieſe Erwaͤgniſſe, und beſchloß, welchen Plan ſie nnun verfolgen wollte.. Sie ſah, oder meinte zu ſehn, daß ſie durch ſanfte oder ſtrenge Mittel Amelien zu ihrer Abſicht locken oder ſchrecken muͤßte. Indeſſen ſie dieſen Theil des Plans bei ihrer Tochter im Stillen ins Werk richten wollte, wuͤnſchte ſie gegen Palmern das An⸗ ſehn zu gewinnen, als weiche ſie allmaͤhlig ſeinen Vorſtellungen, das junge Volk auf ſeine eigene Weiſe gluͤcklich ſeyn zu laſſen, und gaͤbe ungern ihren Widerwillen gegen adliche Sproͤßlinge auf. Mrlich w wiſungen Schweſter beide derm kamen. S der Spazie ihr Zimme Explicatior that von C in ſie dieſ am folgen welches ſich war natuͤrt daß man durch ain Sie wuſf die jung ſchen ließ der Entſe Amelie ſo⸗ utoritat wi⸗ daß die tt bewogen, der aufzu⸗ iabinirte ſie n Plan ſie ß ſie durch hrer Abſicht ieſen Theil ins Werk in das An⸗ hlig ſeinen eine eigene be ungern linge auf. übe licht ſie in kei⸗ 137 Natuͤrlich wurden jetzt neue Aufſchluͤſſe und Unter⸗ weiſungen fuͤr Sir John Hunter mittelſt der Schweſter erforderlich, wegen der Rollen, die beide dermalen in dem haͤuslichen Drama uͤber⸗ kamen. Sobald Mrs. Beaumont deshalb von der Spazierfahrt heimkehrte, begab ſie ſich auf ihr Zimmer und ſchrieb ihrer lieben Albina ein Explicationsbillet, angethan mit genugſamer Zu⸗ that von Empfindſamkeit und Wortſchwall, wor⸗ in ſie dieſelbe nebſt ihrem Bruder bat, ſie gleich am folgenden Tage zu beſuchen. Das Pferd, welches ſich den Nagel in den Fuß getreten hatte, war natuͤrlich geneſen; Madame Beaumont fand, daß man ſie unrecht berichtet habe, daß es nur durch einen ploͤtzlichen Krampf gelaͤhmt worden. Sie wußte wohl, daß bei der Lage der Dinge die junge Dame, die ſich ſelbſt noch lieber taͤu⸗ ſchen ließ, als unſre Heldin taͤuſchte, mit jedwe⸗ der Entſchuldigung vergnuͤgt ſeyn wuͤrde. Wohl 138 hat Machiavell Recht, wenn er ſagt:„wie ſich Leute finden, die truͤgen, ſo finden ſich auch all⸗ zeit ſolche, die betrogen ſeyn wollen.”“ Siebentes Kapitel. Mes. Beaumonts naͤchſte Sorge demnaͤchſt war, Amelien darauf vorzubereiten, daß ſie Sir John gehoͤriger Weiſe empfaͤnge; denn da ſie Herrn Palmer vorgeſpiegelt, ihre Tochter liebe Sir John, ſo war unumgaͤnglich noͤthig, daß das Weſen der⸗ ſelben dieſer Vorſpiegelung einigermaßen entſpraͤ⸗ che; wenigſtens nicht ſichtbare Spuren von Miß⸗ fallen oder Widerwillen verriethe; was Kaͤlte und Zuruͤckhaltung betraf, die konnte leicht ihrer Schaam und ihrer Furcht, ſich gegen Palmer zu vecrathen, Abends aus Zimmet der maͤdchen en ſeſſel und i es iſt auch ſpazieten g Beite gehe wie es m Palmer „Es erwiderte! gewiß lich cher Ma „Xr Welt! beſorgt i teſt; faſ wit ſich auch al⸗ ichſt war, zeſen der⸗ entſpra⸗ ſon Miß⸗ Fälte und icht ihrer almer zu 139 verrathen, zugeſchrieben werden. Als Amelie ſich Abends auskleidete, begab ſich ihre Mutter in das Zimmer derſelben, und nachdem ſie das Kammer⸗ maͤdchen entfernt hatte, warf ſie ſich in einen Arm⸗ ſeſſel und rief halb jaͤhnend:„was bin ich muͤde! es iſt auch kein Wunder, wir ſind ſo weit herum ſpazieren gefahren. Aber ich konnte doch nicht zu Bette gehen, liebſte Amelie, ohne dir zu ſagen, wie es mich freut, daß du gar hoch bei Herrn Palmer angeſchrieben ſtehſt. „Es freut mich auch, wenn er mich lieb hat,“ erwiderte Amelie,„ich fuͤr mein Theil habe ihn gewiß lieb. Was es fuͤr ein gutherziger, treffli⸗ cher Mann zu ſeyn ſcheint!“ „Trefflich, trefflich, die beſte Seele von der Welt! Und der ſo viel Theil an dir nimmt; ſo beſorgt iſt, daß du bald gut etablirt werden moͤg⸗ teſt; faſt ſo ſehr als ich ſelbſt.“ 140 „Er iſt recht guͤtig, und Sie ſind auch recht guͤtig, Muͤtterchen; aber es giebt ja noch keine Veranlaſſung, daß ich bald etablirt werde, wie man es nennt: giebt es eine?“ „Ich weiß ſchon, das iſt ſeit Menſchengeden⸗ ken die gewoͤhnliche Antwort aller jungen Maͤd⸗ chen in aͤhnlichen Faͤllen, in und außerhalb der Romane. Aber wir wollen alles, was dieſen Punkt betrift, ſchon fuͤr gehoͤrig geſagt und be⸗ antwortet annehmen; und erlaube mir nun, Liebe, ein bischen ernſtlicher zu ſprechen, und ſieh nicht ſo erſchreckt aus. Du weißt wohl, ich uͤbereile eben nichts; du ſollſt Zeit haben, es ſoll Alles gehen, wie du wuͤnſcheſt, und das Ganze bleibt durchaus unter uns; denn es giebt gar Nichts, was einem jungen Maͤdchen ſo aͤngſtigend und ſo widerlich waͤre, als wenn dergleichen ſchon weit⸗ läuftig beſprochen wird, ehe es dazu koͤmmt.“ „Abet, verlobt, oht „Verlo ſolſt ganz „Haben haftig gutie „Nat entſcheiden ich habe d und Einſi Michen, ohnfehlbar ſahten; un einer Maͤd auch en du ſolſſt! gut, und ſcheiden n in der Th auch recht noch keine derde, wie chengeden⸗ gen Mäͤd⸗ gerhalb der was dieſen t und be⸗ run, Liebe, ſich nicht ih uͤbereile ſoll Alles anze bleibt ar Nichts, end und ſo hon weit⸗ zumt. ℳ1 141 „Aber, Mutter, man hat mich doch nicht verlobt, ohne daß ich einmal darum weiß?“ „Verlobt? O Himmel nein, Liebſte. Du ſollſt ganz freie Wahl haben.“ „Haben Sie Dank, Mutter; das iſt wahr⸗ haftig guͤtig.“ „Natuͤrlich, liebe Amelie, werde ich nichts entſcheiden, ohne dich zuvor erſt zu fragen, denn ich habe das hoͤchſte Vertrauen zu deiner Vernunft und Einſicht. Bei einem albernen, romanhaften Maͤdchen, das keine Ueberlegung haͤtte, wuͤrde ich es ohnfehlbar fuͤr Schuldigkeit halten, anders zu ver⸗ fahren; und wenn meine Tochter ſtarrkoͤpfig irgend einer Maͤdchengrille nachgehen wollte, wuͤrde ich auch ein fuͤr allemal darein ſprechen, und ſagen: du ſollſt nicht. Aber ich kenne meine Amelie zu gut, und weiß, daß ſie fuͤr ſich ſo vernuͤnftig ent⸗ ſcheiden wird, als ich nur koͤnnte; und ich glaube in der That, mein ſuͤßes Kind, daß unſre Mei⸗ 142 nungen, auch in dieſem Punkt, wie faſt in allen, uͤbereinſtimmen werden.“ „Ich hoffe auch, liebe Mutter, aber..“ „Nun, nun, ein maͤdchenhaftes aber mag hingehen, aber es iſt doch Sir John Hunter, den du meinſt?“ „O, Mutter,“ rief Amelie ſehr ernſt,„nim⸗ mermehr.“ „Nimmermehr?— Nun, ein maͤdchenhaftes nimmermehr mag auch hingehen. Du mußt aber wiſſen— keine Einrede, Liebe,— daß dir Zeit gelaſſen werden ſoll. Herr Palmer hat ſeine Ein⸗ willigung bereits gegeben, und iſt's zufrieden.“ „Seine Einwilligung gegeben!“ rief Amelie. „Iſt es ſchon dahin gediehen, ohne mich nur zu fragen! Heißt das fuͤr ſich entſcheiden? O, Mutter, Mutter, ich bin verlohren!“ Amelie, welche aus langer Erfahrung wußte, daß es ihr nicht gegeben war, einen Entſchluß zu hintertreiber ſch voll Ve die Verzwe lich auf, John Hun andern, ul es bikenne herkomme „Nu nicht ſo l Wahrheit thig, daß einer ande du den Kapitain nicht ein er es th mic gi iſt in allen, ber.. aber mag on Hunter, aſt, unim⸗ dchenhaftes Du mußt daß dir Zeit ſeine Ein⸗ rieden.” ief Amelie. nich nut zu iden? 9, ung wußtee niſchluß zu 143 hintertreiben, den ihre Mutter gefaßt hatte, warf ſich voll Verzweiflung auf einen Seſſel; aber eben die Verzweiflung gab ihr Muth. Sie ſtand ploͤtz⸗ lich auf, und rief:„ich kann und werde Sir John Hunter nicht heyrathen, denn ich liebe einen andern, und Sie wiſſen es, Mutter. Ich will. es bekennen und dafuͤr buͤßen; es mag daraus herkommen was da will.“ „Nun gut, Liebe, aber ſprich wenigſtens nicht ſo laut; denn es mag recht ſchoͤn ſeyn, die Wahrheit zu ſagen, aber es iſt darum nicht noͤ⸗ thig, daß es alle Welt hoͤrt. Du ſprichſt von einer andern Neigung; ſollte es moͤglich ſeyn, daß du den Kapitain Walſingham meinteſt? Der Kapitain hat ſich nie um dich beworben, dir nicht einmal Urſach gegeben, zu erwarten, daß er es thun wuͤrde; iſt dem nicht alſo, ſo hat er mich groͤblich hintergangen.“ 144 „O, er iſt nicht faͤhig, eine Seele zu hinter⸗ gehn;“ ſagte Amelie.„Er hat mir nie die ge⸗ ringſte Urſach gegeben, zu erwarten, daß er ſich um mich bewerben koͤnnte, nimmermehr nur ver⸗ ſucht, meine Neigung zu gewinnen. Sie haben ſein Betragen geſehen, es war nie anders: er iſt jeder Zweideutigkeit oder Hinterliſt unfaͤhig.”“ „Du ſcheinſt in dem Feuer deiner Lobrede auf dem Kapitain Walſingham zu vergeſſen, daß du dich dann ſelbſt in das allerveraͤchtlichſte Licht ſtellſt. Welches junge Maͤdchen, oder uͤberhaupt welches Frauenzimmer, das nur das mindeſte Zartgefuͤhl, den mindeſten Stolz oder die mindeſte Vorſicht beſitzt, kann geſtehen, es liebe einen Mann, von dem es ſelbſt ſagen muß, daß der⸗ ſelbe nie die geringſte Veranlaſſung, Gegenliebe und Abſichten zu vermuthen, gegeben habe?“ Amelie ſtand beſchaͤmt; einige Augenblicke vermogte ſie nicht zu antworten; aber endlich trat ſie ſe ſu ihtt R geneigt, an ſhüͤchtetner „Nuren konnte nicht! einem grßer Jemand and Zu ve dir nicht geſ „Ach, Verſuc ichts von Plicht, Liet verweigern.” „Nicht Nein das die hoß di habe; ſ hnig Geü I. e zu hinter⸗ nie die ge⸗ daß er ſich r nur ver⸗ Sie haben ers: er iſt ahig.“ ner Lobrede ggeſſen, daß lchſte Licht r uͤberhaupt s mindeſte die mindeſte liebe einen 3, daß der⸗ Gegenliebe habe?“ Augenbliͤe endlich trat ſe 145 ſie zu ihrer Mutter, verbarg ihr Angeſicht, uͤber ſie geneigt, an deren Schulter, und ſagte mit leiſer, ſchuͤchterner Stimme: „Nur meiner Mutter;— das, dacht ich, koͤnnte nicht Unrecht ſeyn, und wenn es geſchaͤhe, einem groͤßeren Unrecht vorzubeugen, mich mit Jemand anders zu verloben.“ „Zu verloben, wunderliches Kind; hab' ich dir nicht geſagt, du ſollteſt Zeit haben?“ „Ach, Mutter, da hilft keine Zeit.“ „Verſuche, Liebe, Beſte; ich verlange weiter nichts von dir; und das kannſt du mir nach Pflicht, Liebe, Vernunft und Schicklichkeit nicht verweigern.“ „Nicht, Mutter?“ „Nein. Darum ſprich kein Wort weiter, das die hohe Meinung verkuͤmmerte, die ich von dir habe; ſondern beweiſe mir, daß du das ge⸗ hoͤrige Gefuͤhl von weiblicher Wuͤrde in dir hegſt, II. K 146 und nicht ein armſeliges kleinmuͤthiges Ding biſt, das fuͤr einen Mann ſchmachtet, der es verachtet.“ „Verachtet? Er hat mir nie Verachtung be⸗ zeigt. Im Gegentheil, obgleich er mir keine Urſach dazu gegeben, ſo kann ich doch nicht um⸗ hin, zu denken...“ „Daß er dich liebt. Er, der ſich nie um dich beworben hat. Glaub' das nicht. Die Maͤnner ſind ſo coquet als die Weiber, und oft arger: aber haſt du dein Gluͤck und deine Ehre lieb, ſo bilde dir keinen Augenblick ein, daß Je⸗ mand ſich Etwas aus dir macht, der ſich noch nicht um dich beworben hat.“ 1 „Aber er kann ja nicht heyrathen; er iſt ſo arm. „Freilich; und welche ſtaͤrkere Einwendung giebt es dawider, daß du an ihn denkſt?“ „Ich denke nicht an ihn. Ich gebe mir Muͤhe nicht an ihn zu denken.“ Eo bi ar denkt nie Dienſt; der Ich habe ge keinen Prei fuͤr den Ru Amelie küßte ſie, Wunſche, 1 So, daß du ver zu zeigen, wird morge Abe ter zuruͤc kann Sir ich achte dß ich i s Ding biſ, s verachtet.“ erachtung be⸗ r mir keine ch nicht um⸗ ſich nie um nicht. Die iber, und oſt ad deine Ehre ein, daß N⸗ der ſich noch hen; er iſt ſo Einwendung nkſt?“ Ich gebe mir 147 „So biſt du mein braves Kind. Glaube mir, er denkt nicht an dich. Er lebt ganz fuͤr ſeinen Dienſt; den zieht er allen Frauen auf Erden vor. Ich habe gehoͤrt, daß er ſagte, er ließe ihn um keinen Preis der Welt. Da ſiehſt du. Alles fuͤr den Ruhm und Nichts fuͤr die Liebe.“ Amelie ſeufzte. Ihre Mutter ſtand auf und kuͤßte ſie, und ſagte, als waͤre jetzt Alles ihrem Wunſche gemaͤß abgemacht: „So, Amelie; es freut mich, daß ich ſehe, daß du vernuͤnftig und bereit biſt, die Geſinnung zu zeigen, die dir gebuͤhrt. Sir John Hunter wird morgen hier fruͤhſtuͤcken..“ „Aber,“ ſagte Amelie, und hielt ihre Mut⸗ ter zuruͤck, die aus dem Zimmer wollte,„ich kann Sir John Hunter nicht aufmuntern, denn ich achte ihn nicht, und weiß deswegen gewiß, daß ich ihn nie lieben werde.”“ K 2 148 „Du kannſt Sir John Hunter nicht aufmun⸗ tern, Amelie?“ entgegnete Mrs. Beaumont. „Es iſt doch ſonderbar, daß dir dies unmoͤglich ſcheint, ſo bald er ernſtlich um dich anhaͤlt. Dem war nicht immer alſo. Erlaube mir, dich an den letzten Ball im vergangenen Jahre zu erin⸗ nern, wo wir beide den Kapitain Walſingham und Sir John Hunter trafen; ſo viel ich mich erinnere, ſchenkteſt du alle deine Aufmerkſamkeit dem Sir John.“ „Mutter; des Abends ſchame ich mich, und bereue ihn mehr als einen Abend meines Le⸗ bens. Ich that Unrecht, ſehr Unrecht, und habe bitter dafuͤr gelitten, wie immer, fruͤher oder ſpaͤter, wenn man ſich verſtellt. Ich war bange, Sie moͤgten mein Gefuͤhl entdecken; und um es zu verhehlen, habe ich mich zum erſten und letzten Male in meinem Leben wie eine Coquette betra⸗ gen. Aber, erinnern Sie Sich, den folgenden dag bekann Miß Walſ mich, ich ſo „Miß entdecke ich wirkung dieſ mont, in ei der ſie hinr „Ihte immer wol ſinghams ſchafft. „S; nen Leiden heyrathen ner Mutt „Ferr gend einen hätte, un cht aufmun⸗ Beaumont. unmoͤglich haͤlt. Dem r, dich an jre zu erin⸗ Valſingham iel ich mich fmerkſamkeit ich mich, meines Le⸗ und habe fruͤher oder war bange, und um es und lehten zuette betta⸗ n folgenden 149 Tag bekannte ich Ihnen die ganze Wahrheit. Miß Walſingham, meine Freundin, beſchwor mich, ich ſollte den Muth haben, wahr zu ſeyn.“ „Miß Walſingham! Bei jeder Gelegenheit entdecke ich in meiner Familie die geheime Ein⸗ wirkung dieſer Walſinghams,“ rief Mrs. Beau⸗ mont, in einer ploͤtzlichen Anwandlung von Zorn, der ſie hinriß. „Ihre Einwirkung iſt uns allen wahrhaftig immer wohlthaͤtig geweſen. Mir hat Miß Wal⸗ ſinghams Freundſchaft den groͤßten Nutzen ge⸗ ſchafft.”“ „Ja; ſie hat dich im Stillen in einer alber⸗ nen Leidenſchaft fuͤr einen Mann, der dich nicht heyrathen kann noch mag, wider den Willen dei⸗ ner Mutter, beſtaͤrkt. „Fern davon, Mutter, daß ſie mich in ir⸗ gend einem Dinge wider Ihren Willen beſtaͤrkt hatte, und fern davon, das Geringſte heimlich 150 betreiben zu wollen, hat Miß Walſingham nur einmal mit mir uͤber dieſe Sache geſprochen, und mir nachdruͤcklich gerathen, Ihnen die Wahrheit nicht zu verhehlen, und mich keiner Schleichkuͤnſte und Intriguen zu bedienen.“ „Schon gut, ſchon gut. Aber ich ſollte mei— nen, du koͤnnteſt dich von ſelbſt gehdrig betragen, ohne ihre Einwirkung und Rathſchlaͤge.“ „Ich denke, Mutter, Sie haͤtten Miß Wal⸗ ſingham beſonders lieb, und wollten, daß ich Freundſchaft mit ihr halten ſollte.“ „Das verſteht ſich; ich bewundre Miß Wal⸗ ſingham ungemein, und wuͤnſche mit ihr auf dem beſten Fuß zu ſtehn; aber ich will nicht, daß ſich einer zwiſchen mich und meine Kinder draͤn⸗ ge. Wir waͤren ohne Rathgeber beſſer daran ge⸗ weſen.”“ „Ich weiß, daß ihre Rathſchlaͤge und ihre Freundſchaft mich vor manchem Fehler behuͤtet, und zu keine Blodigkeit un Gewandheit heuchleriſch! geſtarkt liebe und mich er gen ſollte, d „Aber, Beaumont heftig? 2 Herzen lien Miß Walſ der Welt f Mutter! aus Labe Die Mutter; ſie zu he meinte die ngham nur rochen, und ſ Wahrheit chleichkuͤnſte ſollte mei⸗ ig betragen, ge. 11 Miß Wal⸗ en, daß ich Miß Wal⸗ ihr auf dem nicht, daß Kinder dran⸗ ſer daran ge⸗ ige und ihre hlet behütet, 151 und zu keinem verleiket haben. Ich haͤtte aus Bloͤdigkeit und aus Furcht vor Ihrer uͤberlegenen Gewandheit und Fahigkeit leicht unwahr und heuchleriſch werden koͤnnen, ſie hat mir den Muth geſtaͤrkt, lieber ein gegenwaͤrtiges Uebel zu ertragen, und mich ermuntert, daß ich auf alle Faͤlle wa⸗ gen ſollte, die Wahrheit zu reden.“ „Aber, meine liebſte Amelie,“ ſagte Mrs. Beaumont, ihren Ton beſaͤnftigend,„warum ſo heftig? Was kann denn deiner Mutter ſonſt am Herzen liegen, als dein Wohl? Kann eine Miß Walſingham, oder ſonſt eine Freundin auf der Welt fuͤr dein Gluͤck beſorgter ſeyn als deine Mutter? Und weswegen bin ich ſo beſorgt, als aus Liebe zu dir?“ Die Blicke und Worte der Zaͤrtlichkeit ihrer Mutter ruͤhrten Amelien, und ſie geſtand, daß ſie zu heftig geſprochen habe. Mrs. Beaumont meinte dieſen Augenblick benutzen zu muͤſſen. . 15² „Wenn du denn alſo von meiner Liebe uͤber⸗ zeugt biſt, mein geliebtes Kind, ſo zeige mir zur Vergeltung wenigſtens einiges Vertrauen, einige Neigung, mir gefaͤllig zu ſeyn. Dies iſt eine Heyrath, die ich billige, ein Etabliſſement, was i jeder Ruͤckſicht anſtaͤndig iſt.“ „Aber warum muß ich denn heyrathen, Muͤt⸗ terchen?“ fiel Amelie ein.„Ich will nicht an den Mann, den Sie nicht billigen, denken, ich will mich wenigſtens beſtreben, nicht an ihn zu denken; aber ich kann keinen andern heyrathen, ſo lange ich eine ſo entſchiedne Neigung fuͤr... Liebſte Mutter, ich bitte Sie, laſſen Sie deswe⸗ gen Sir John meinethalben nicht weiter herkom⸗ men. Es iſt ja nicht nothwendig, daß ich verhey⸗ rathet werde.“ „Es iſt aber nothwendig,“ ſprach Mrs. Beaumont, zog ihre Hand hoch fahrend aus der Hand ihrer Tochter, und warf dieſer einen veraͤcht⸗ lichen Blickz Win hauſe ble gfällt. Es die ich einla lich empfan ſtehe ich; un Nach di nichts weite voll heftig Haͤlffte die liebe Maͤd Sir I nen zum ihte Rolle ders in ih wurde, willen di Glüͤck der ſuchte ſi t Litbe uüͤber⸗ eige mir zur auen, einige Dies iſt eine ement, was then, Muͤt⸗ vill nicht an denken, ich ht an ihn zu heyrathen, ſo g für... Sie deswe⸗ iter herkom⸗ ich verheh⸗ prach Mro. rend aus der inen veracht⸗ 153 lichen Blick zu,„es iſt nothwendig, daß ich Frau im Hauſe bleibe, und hieher den einlade, der mir gefaͤllt. Es iſt nothwendig, daß du diejenigen, die ich einlade, ohne Geſichterſchneiden und hoͤf⸗ lich empfaͤngſt. Und darauf, merk dir's, be⸗ ſtehe ich; und ich will Gehorſam.“ Nach dieſen Worten wollte Mrs. Beaumont nichts weiter hoͤren, ſondern verließ, anſcheinend voll heftigen Unwillens, das Gemach; aber die Haͤlfte dieſes Unwillens war verſtellt, um das liebe Maͤdchen zu ſchrecken. Sir John Hunter und ſeine Schweſter erſchie⸗ nen zum Fruͤhſtuͤck; und Mrs. Beaumont ſpielte ihre Rolle ſo vortrefflich, daß Palmer nichts an⸗ ders in ihrem Benehmen gegen Sir John gewahr wurde, als daß ſie denſelben um ihrer Tochter willen dulde, und ſehen moͤgte, was man fuͤr das Gluͤck der jungen Leute thun koͤnne. Unterdeſſen ſuchte ſie in Palmers Augen den Sir John mit unendlicher Gewandheit auf die Weiſe zu heben, daß ſie alle ſeine Aeußerungen mißzuverſtehen und zu beſtreiten ſchien, und dieſelben durch Miß⸗ verſtaͤndniß und Widerſpruch zu ſolchen verdrehte, von welchen ſie glaubte, daß ſie Herrn Palmer gefaͤllig ſeyn wuͤrden. Palmers Aufmerkſamkeit war gemeiniglich nur auf einen Gegenſtand zu einer Zeit gerichtet; er hatte genug zu thun, Sir John zu erforſchen, deſſen Weſen er um Ameliens willen mit aller ſeiner rechtſchaffenen Scharfſichtig⸗ keit erpruͤfte. Amelien ſelbſt wagte er kaum anzu⸗ ſehn, denn ohne beſondre Zartheit oder Verfeine⸗ rung fuͤhlte er wol in ſeiner Bruſt, daß er zu ver⸗ meiden haͤtte, was ein junges Maͤdchen in Verle⸗ genheit ſetzen moͤgte. Ihr Schweigen, ihre Zu⸗ ruͤckhaltung ſchien ihm, wie es die ſchlaue Mutter vorausgeſehn, ganz natuͤrlich und anſtaͤndig. Er hatte gehoͤrt, ſie liebe Sir John Hunter, und der Gedanke, die Wahrheit von Mrs. Beaumonts Ausſage zu b hertz. Unſte H gwiefachen nachläſſigte! ihrer lüben dem Frähſte entgegengin einzuziehn ſtanden waͤ ge kaum m nend unte Vorſtellung ihtem So ertegt hat auch ſov thig, un war. N dahin ri ſe zu heben, zuverſtehen durch Miß⸗ n verdrehte, rn Palmer nerkſamkeit genſtand zu thun, Sir m Ameliens ſcharfſichtig⸗ kaum anzu⸗ er Verfeine⸗ jer zu ver⸗ in Verle⸗ ihre Zu⸗ laue Mutter daͤndig. Er et, und der Geaumonts 155 Ausſage zu bezweifeln, kam nicht in ſein redliches Herz. Unſre Heldin aber, welcher die Leitung einer zwiefacheu Intrigue keinesweges ſchwer fiel, ver⸗ nachlaͤſſigte mittlerweile auch die Angelegenheiten ihrer lieben Albina nicht. Sie hatte bereits vor dem Fruͤhſtuͤck, als ſie Miß Hunter am Wagen entgegenging, Gelegenheit gefunden, Erkundigung einzuziehn, ob ihr Explicationsbillet gehoͤrig ver⸗ ſtanden waͤre; jetzt ſuchte ſie, mittelſt einer Men⸗ ge kaum merklicher Hindeutungen, und anſchei— nend unterdruͤckter Blicke des Mitleidens der Vorſtellung Nachdruck zu geben, welche ſie bei ihrem Sohn von dem Liebesleiden dieſer Schoͤnen erregt hatte. Die junge Dame bezeigte ſich denn auch ſo verliebt, als es zu einem Theatereffekt noͤ⸗ thig, und verliebter als der Schicklichkeit gemaͤß war. Mrs. Beaumont mußte alſo alle Kunſt dahin richten, mit einem zarten Schleier dasje⸗ 156 nige zu verhuͤllen, was zu grell vortrat, und indem ſie dem Blick die Haͤlfte entzog, ihm das Ganze um ſo anmuthiger machen. Wo ihre junge Spieß⸗ geſellin fehlte, half ſie demnach ſchnell dem Uebel⸗ ſtand mit ungemeiner Kunſt durch Worte ab, und durch Seufzer, die faſt noch ausdrucksvoller als Worte ihrem Sohn zu Herzen ſprachen:„Du ſiehſt, daß das nur zu wahr iſt, was ich dir geſagt habe. Das einfache Weſen hat nicht Verſtellung genug, ſeine Leidenſchaft zu verhehlen. Sie iſt vor der Welt verlohren, wenn du das Geruͤcht nicht beſtaͤtigen willſt, das ſich verbreitet hat.“ Dies ließ ſie denn fuͤr ſich auf die maͤnnliche Eitelkeit weiter wirken, und ſie ſaß ungeachtet aller dieſer vielfachen von ihr angewandten Kunſtgriffe mit Unbefangenheit und Freiheit da, ſprach bald mit dieſem, bald mit jenem, Ein Fremder, der ſie fuͤr theillos an dem, was ſich begab, gehalten haͤtte, moͤchte ſich wol uͤber ihren Mangel an Aufmerk⸗ ſankit und i haben. Aber ach kät, wollte Weſen und, daß ſie Herrn dies daran, dann pflegte hagte. S Mrs. Bean horen, ob ſchlafen gine „Wahr haben dauid Ich habei das thut fäͤllt. I Beaumon Baron, G rund indem das Ganze unge Spieß⸗ Idem Uebel⸗ orte ab, und kevoller als hen:„Du ich dir geſagt tVerſtellung Sie iſt vor Heruͤcht nicht gat.“ Dies chee Eitelkeit aller dieſer nſtgrife mit zach bald mit nder, der ſit halten haͤtke an Aufmerk⸗ 157 ſamkeit und uͤber ihre Gleichguͤltigkeit verwundert haben. Aber ach, trotz dieſer aͤußerſten Geſchicklich⸗ keit, wollte es ihr doch nicht gelingen, Sir Johns Weſen und Reden alſo zu drehen und wenden, daß ſie Herrn Palmer gefallen haͤtten. Sie merkte dies daran, daß er ſich fruͤh hinwegbegab, wie er dann pflegte, wenn ihm die Geſellſchaft nicht be⸗ hagte. Sein Alter gab ihm das Recht hierzu. Mrs. Beaumont folgte ihm auf den Fuß, um zu hoͤren, ob ihm nicht noch Etwas beliebe, ehe er ſchlafen ginge. „Wahrhaftig, Frau,“ ſagte Palmer,„Sie haben darin recht, daß Sie den Baron nicht moͤgen. Ich habe ihn ſatt, uͤberſatt; er gefaͤllt mir nicht; das thut mir leid wegen Ameliens, da er ihr ge⸗ faͤllt. Was kann doch der Tochter des Oberſt Beaumonts an dem Mann gefallen? Er iſt ein Baron, aber das iſt, bei Gott, Alles. Sagen — 4 4 8 1538 Sie mir, liebe Frau, was hat das Maͤdchen an ihm?“ Mrs. Beaumont wußte keine Antwort, als ein zweideutiges Laͤcheln, und ein Achſelzucken, welches zu ſagen ſchien: wer kann fuͤr dergleichen Dinge? „Aber, beſte Frau,“ fuhr Palmer fort,„der Mann iſt weder huͤbſch, noch jung; er koͤnnte der Vater des Maͤdchens ſeyn, obgleich er wie ein Fant thut; und ſein Weſen— nun, ich kann das elegante Weſen gelten laſſen; aber ſein Cha⸗ rakter kann mir nicht gefallen. Eigenſuͤchtig, kalt, hinterliſtig; kein liberaler Gedanke, keine gute Regung. Sie haben Recht, Frauchen, Sie haben Recht. Und in all ſeinem Geſpraͤch, eine Gemein⸗ heit, ſelbſt in dem, was witzig ſeyn ſoll, eine ſol⸗ che Verachtung alles Guten und Schoͤnen. Ich glaube, der Burſche denkt nicht, daß ſo etwas wie Tugend und Patriotismus und Ehre oder Freund⸗ 1 chaſt lebt. G lübe; ſehen wenig in da⸗ ſag ich, ne Er fühltnic rn Wetth, an das M. und an ihr iſts Alles. wer es nic als alte K. junge Kna ſer von al Mann än aber, F. ſeyn; j gen eleg dafüͤr bi ben? m. Maͤdchen an Antwort, als Achſelzucken, ir dergleichen aet fort,„der 3; er koͤnnte dgleich er wie zun, ich kann ber ſein Cha⸗ ſuͤchtig, kalt, keine gute Sie haben eine Gemein⸗ —-õ—xx pl,, eineſohe chönen. Ich ſ etwas wie oder Freund⸗ 159 chaft lebt. Solcher Hanswurſt: und Liebe! Ja Liebe; ſehen ſie Frau, ich bin uͤberzeugt, er iſt ſo wenig in das Maͤdchen verliebt, als ich; ja was ſag' ich, nicht einmal ſo ſehr, nicht halb ſo ſehr! Er fuͤhlt nicht ihr Verdienſt, er giebt nichts auf ih⸗ ren Werth, er—— Frau, Frau, er denkt nicht an das Maͤdchen! er denkt an nichts als an ſich, und an ihr— Geld! Geld, Geld, Geld! Das iſts Alles. Der Menſch iſt ein Knauſer. Frau, wer es nicht beſſer weiß, der denkt es gaͤbe keine, als alte Knauſer; aber ſie muͤſſen wiſſen, es giebt junge Knauſer, Knauſer vom Mittelalter, Knau⸗ ſer von allen Altern. Da heißt's: wie ſollte der Mann ein Knauſer ſeyn, er iſt ein Verſchwender; aber, Frau, ſie wiſſen wol, es kann einer beides ſeyn; ja und das iſt ſo mancher von euren jun⸗ gen eleganten Herrn; und dieſer Herr gleichfalls, dafuͤr bin ich Buͤrge. Wie kann Amelie ihn lie⸗ ben? mein armes Kind! denkt ſie, daß er ſie liebt? 160 Das arme, arme Kind, wie kann die Liebe ſo blind machen? Aber die ſoll ja, ſagt man, alle⸗ zeit blind machen. Ich habe große Luſt ſie vor⸗ zunehmen, und ſie unter vier Augen zu fragen, was ſie an dem Baron ſindet?“ „O, beſter Herr, ſie ſaͤnke in die Erde, wenn Sie davon ſpraͤchen. Ums Himmels willen, neh⸗ men Sie ſie nicht vor; ſie iſt ſo kindiſch; ſie wuͤrde uͤberdem boſe auf mich werden, daß ich Ihnen von der Sache geſagt habe..“ „Böoͤſe? Die Hexe! Bin ich nicht ihr Pathe und ihr Vormund? das hab ich nun freilich nicht recht ſeyn koͤnnen, weil ich nicht im Lande war, aber ihr Vater hat mich doch dazu beſtellt; und lieb hab ich ſie ſo, als ich ſeine Tochter haben ſoll. Und ſie hat Heimlichkeiten und Hehl? das waͤre aͤrger, denn alles Andre, denn Heimlichkei⸗ ten, die ſind mir ein Greuel. Frau, wo es Hehl und und hänli glauben Sie „Wohl nichts von H daß junge N Gelegenheiten Etwas nac mit ihr uͤbe „Nun muͤſſen es a Gluͤck Ihre ſeeſo ſehr b ſrechen. S haber! S ih ſag b „Mic ſchatf; o ih im ni ſahren laſſ II. die Liebe ſo t man, alle⸗ Luſt ſie vor⸗ n zu ftragen, Erde, wenn willen, neh⸗ kindiſch; ſie den, daß ich 41 ht ihr Pathe freilich nicht Lande war, beſtellt; und ochter haben ſ Hehl⸗ das heimlichle⸗ wo es hehl und 161 und Heimlichkeiten in einer Familie giebt, da, glauben Sie mir, iſt es nimmermehr richtig.“ „Wohl wahr, beſter Herr; aber Amelie weiß nichts von Heuchelei und Hehl. Ich meinte nur, daß junge Maͤdchen, Sie wiſſen wol, bei ſolchen Gelegenheiten ſehr verſchaͤmt ſind; und wir muͤſſen Etwas nachſehen. Darum ſprechen Sie nicht mit ihr uͤber die Sache, ich beſchwoͤre Sie.“ „Nun, liebe Frau, Sie ſind Mutter, Sie muͤſſen es am beſten verſtehn. Mir liegt nur das Gluͤck Ihrer Tochter am Herzen; doch wenn es ſie ſo ſehr beſchaͤmt, ſo will ich denn nicht mit ihr ſprechen. Was machen wir aber mit dem Lieb⸗ haber? Sie haben wol Recht ſeinetwegen, und ich ſage kein Wort weiter.“ „Mich duͤnkt doch, Sie beurtheilen ihn zu ſcharf; obgleich ich ihm nicht geneigt bin, muß ich ihm nichts deſtoweniger die Gerechtigkeit wider⸗ fahren laſſen, daß er mehr gute Eigenſchaften be⸗ II. 3 L 162 ſitzt, als Sie ihm zugeſtehen wollen, oder lieber, als Sie bisher an ihm geſehen haben. Er liebt Amelien leidenſchaftlich. Darin, daß Sie dies verkennen, irren Sie ſich nun, darin irren Sie ſich ſehr. Er liebt ſie, wie er es auch verhehlen mag.“ „Verhehlen? warum will denn der Geck ſeine Liebe verhehlen?“ „Aus Stolz, aus Ton. Die jungen Leute geben ſo viel auf Ton, ſie ſcheuen das Ridicuͤl uͤber Alles. Und Sie wiſſen ja, es iſt jetzt durch⸗ aus wider den Ton, verliebt zu ſeyn.“ „Ich, wiſſen? Ich weiß nichts davon,“ rief Palmer.„Aber das weiß ich, daß ich alle Verſtellung haſſe. Wenn der Mann verliebt iſt, ſo ſoll er mir deſto lieber ſeyn, wenn er ſichs merken laͤßt.“ „Das wird er auch, wenn er Sie nur ein wenig näͤher und er iſt b „Bloͤde ich keinen z „Bei g leiden, wo „Sor ein paar T war ſeine techt geſche „Sie nachſichtig n. Id knauſerig chen Me⸗ ſehen, o um Am oder licher, en. Er liebt daß Sie dies rin irren Sie uch vethehlen det Geck ſeine ejungen Leute n das Riͤdieul ſt jtht durch . ichts davon,“ h, daß ich all n verliebt iſt wenn et ſche er Sie nur ein 163 wenig naͤher kennt. Sie ſind ihm ganz fremd, und er iſt bloͤde.“ „Bloͤde? mein Lebtage, in allen Landen, hab' ich keinen zuverſichtlicheren Menſchen geſehn.“ „Bei alledem iſt er doch verlegen.“ „Ich kann die Charaktere aber einmal nicht leiden, wo ſich Alles anders anlaͤßt wie es iſt.“ „So nehmen Sie Sich noch einen, oder noch ein paar Tage Zeit, ihn zu erforſchen. Ich bin zwar ſeine Gegnerin, aber ich muß ihm kein Un⸗ recht geſchehn taſſen, wegen der armen Amelie.“ „Sie ſind eine gute Mutter, Frau, eine nachſichtige Mutter; ich ehre und liebe Sie deswe⸗ gen. Ich will Ihrem Beiſpiele folgen, und den knauſerigen, verſchwenderiſchen, geckenhaften adli⸗ chen Menſchen noch ein paar Tage dulden; will ſehen, ob ich ihm Geſchmack abgewinnen kann, um Ameliens willen. Aber iſt er ihrer nicht L 2 8— 164 wehrt, ſo ſoll er ſie nicht haben, bei St. Georg! er ſoll nicht. Soll er, Frau?“ „O, nein, nein; gute Nacht, beſter Herr.“ Welche Wirkung die Schleichkuͤnſte des kom⸗ menden Tages gekroͤnt, wie Sir John die Winke benutzt haben moͤgte, die ihm im Verfolg dieſer Unterredung ertheilt wurden, laͤßt ſich nicht genau beſtimmen; denn ein unvorhergeſehener Zufall zer⸗ ſtöͤrte den ganzen vereinten Operationsplan. 1 Achtes Kapitel. — „ Glorreiche Nachrichten vom Kapitain Wal⸗ ſingham!“ rief der junge Beaumont;„ ich wußte wohl, daß er ſich hervorthun wuͤrde, ſobald eine Gelegenheit ſich faͤnde; und, Gottlob, die hat ſch gefunden das Herz nu hier, Hetr heuligen Jei ber, den mit 70, gich mont mit ve „So 9 mer.„W „Sind! ohn Hunt nen? Alb wit herbtin meine Jeit „O ausſieht, genug, do „Bei rief Palm i St. Geotg! beſter Hert.“ uͤnſte des kom⸗ hn die Winke Verfolg dieſer ch nicht genau mnet Zufall zer⸗ onsplan. Kapitin Pale nt; ich wußte de, ſobald ine tilob, die hat 165 ſich gefunden, eine ſo gute Gelegenheit, als ſich das Herz nur wuͤnſchen mag. Hier, Mutter! hier, Herr Palmer! Da iſt der Bericht in der heutigen Zeitung; da iſt ein Brief von ihm ſel⸗ ber, den mir Herr Walſingham ſo eben ſchickt.“ „O, gieb mir den Brief!“ rief Mrs. Beau⸗ mont mit verſtelltem Eifer. „So geben Sie mir die Zeitung,“ rief Pal⸗ mer.„Wo iſt meine Brille?“ 1 „Sind keine Briefe fuͤr mich da?“ fragte Sir John Hunter.„Iſt meine Zeitung nicht gekom⸗ men? Albine, ich habe befohlen, man ſollte ſie mir herbringen. Mrs. Beaumont, haben Sie meine Zeitung nicht geſehn?“ „O, Amelie, wie intereſſant dein Bruder ausſieht, wenn er froh iſt!“ fluͤſterte Albine laut genug, daß es gehoͤrt werden mogte.“ „Bei St. Georg! ein recht ſchoͤnes Gefecht!“ rief Palmer.„So Etwas haͤlt die Ehre der 166 Brittiſchen Flotte und den Ruhm Brittaniens aufrecht.“ 1 „Das Spaniſche Schiff, das der Kapitain Walſingham am Tage nach dem Treffen nahm, wird wahrſcheinlich noch dazu eine ergiebige Priſe abgeben,“ ſagte Mrs. Beaumont.„Ich freue mich ungeheuer, dies aus dem Briefe zu erſehen; das Geld kann er brauchen, es that ihm ſo ſehr noth. Er ſagt nicht, wie viel auf ſein Theil koͤmmt, ſagt er es, Eduard?“ 2 „Nein, Mutter; Sie ſehen, er ſchreibt in der großten Eil, und hat nur Zeit, das Haupt⸗ ſaͤchlichſte zu erwaͤhnen.“ „Iſt das Geld nicht das Haupiſächlchſte? ſagte Sir John Hunter mit einem milzſuͤchtigen Laͤcheln, „Fuͤr Walſingham iſt es nur eine Nebentüuͤck⸗ ſicht,“ erwiederte Beaumont.„Die Ehre iſt fuͤr ihn die Hauptſache. Ich mag behaupten, er hat noch ni zubet auf i „Recht nda iſt err offiziete ehe dachten. Fe geſellen zu „Das ſie Offizier ſotach Bec „Bei Butſch v Halmet. Aber wa Walſing Schamar ich nicht Brittaniens der Kapitain teffen nahm, giebige Priſe „Ich fteue zh elſehen; ihm ſo ſehr uf ſein Theil er ſchreibt in „das Heupt⸗ tſachlichſte?“ milzſuchtigen ne Nebentuͤck⸗ Die Ehre iſt behaupten, et 167 hat noch nicht einmal berechnet, wie viel Priſen⸗ gelder auf ihn kommen werden.“ „Recht ſo, recht ſo,“ wiederholte Palmer; „da iſt er rechter Art. Fern ſei es, daß unſre See⸗ offiziere eher ans Geld, denn an den Ruhm daͤchten. Fern ſei es, daß unſre ehrlichen Schiffs⸗ geſellen zu kalkulirenden Piraten wuͤrden!“ „Das koͤnnen und werden ſie nicht, ſo lange ſie Offiziere haben, wie Kapitain Walſingham!“ ſprach Beaumont. „Bei St. Georg! er ſcheint ein wackrer Burſch, und Sie ſind ein redlicher Freund,“ ſagte Palmer.„Ja, ja, des Oberſten aͤchter Sohn. Aber warum habe ich denn noch nichts von den Walſinghams geſehen, ſeit ich hier zu Lande bin? Schaͤmen ſie ſich meiner, als Verwandten, da ich nichts bin, als ein Kaufmann?“ 168 „Die Walſinghams ſind vielmehr zu ſtolz, Sie zu oft zu beſuchen, weil Sie ſo reich ſind, 4 entgegnete Beaumont, und ſetzte dann hinzu: „Als dieſelben neulich des Morgens hier wa⸗ ren, Ihnen einen Beſuch abzuſtatten, da blieben Sie ſo lange aus; Sie wiſſen ja, Mutter. „Ach ja, wirklich; es war fatal.“ „Aber haben wir nicht Pferde? haben wir nicht Wagen? haben wir nicht Beine?“ ſagte Palmer.„Ich will hin und dieſe Walſinghams morgen am Tage kennen lernen, ſo Gott Leben und Geſundheit ſchenkt. Ich bin ſtolz auf meine Verwandſchaft mit dem jungen Helden, und moͤgte nicht von guten Menſchen verſtoßen ſeyn, ſie ſeien ſo ſtolz als ſie wollen, das iſt ihre Sache; ich will nichts mit leeren Caͤrimonien zu thun ha⸗ ben; liebe Mrs. Beaumont, wir wollen alle mit⸗ ander morgen hin und ihr Schloß ſtuͤrmen.“ d „Ein he angenchm!“ nige ſind do enthuſiaſtiſe mein lieber „Ja, ſchen. J kommt? „Ja Sie denn iſt er; er vielleicht Brief ert „3 dazu. Palme ken geg Sie, k die gan tehr zu ſiolz reich ſind, 11 in hinzu: gens hier wa⸗ , da blieben Mutter. „ u 2 haben wir eine?“ ſagte Walſinghams Gott Leben z auf meine helden, und erſtoßen ſeyn, Rihre Sache; n zu thun ha⸗ oleen alle mit⸗ urmen.” * 169. „Ein herrlicher Plan. Er iſt mir uͤberaus angenehm!“ rief Mrs. Beaumont.„Wie We⸗ nige ſind doch ſelbſt in der Jugend ſo thaͤtig und enthuſiaſtiſch, als unſer lieber Freund! Aber, mein lieber Herr Palmer—“ „Ja, ich wuͤnſchte den Kapitain ſelbſt zu ſehen. Iſt wohl Hoffnung, daß er zu Hauſe kommt?“ ah „Ja doch, ja,“ rief Beaumont.„Haben Sie denn ſeinen Brief nicht geleſen, Herr? Da iſt er; er kommt ſogleich nach Hauſe. Er ſagt: vielleicht wenige Stunden, nachdem Sie dieſen Brief erhalten, ſehen Sie mich ſelbſt.“ „Ihn ſehen! ſtraf mich Gott, ich freue mich dazu. Und Sie, meine kleine Amelie,“ ſagte Palmer, und klopfte Amelien, die mit dem Ruͤk⸗ ken gegen ihn ſtand und die Zeitungen las,„ und Sie, kleine Stumme, Sie haben ja kein Wort die ganze Zeit uͤber geſagt. Regt ſich des Va⸗ ——— 170 ters Geiſt nicht ein wenig in Ihnen bei dieſer Heldenthat der Unſrigen?“ „Gluͤcklich fuͤr die Damen,“ ſagte Sir John Hunter, welcher der Dame zu Huͤlfe zu kommen vermeinte,„gluͤcklicherweiſe fuͤr ſie, ſind die jun⸗ gen Damen nicht zu Helden berufen; und es waͤre noch gluͤcklicher fuͤr uns, wenn ſie ſich nicht zu Heldinnen machen wollten. Ha, ha ha! Miß Beaumont,“ fuhr er fort,„ich will die Pferde beſtellen, daß wir unſern Ritt antreten moͤgen;“ und ſomit verließ er das Zimmer, augenſcheinlich ſehr zufrieden mit ſeinem Witz. „Liebe Amelie,“ ſagte Mrs. Beaumont, die bei ſo kritiſchen Umſtaͤnden ebenfalls zur Huͤlfe herbeizog,„geh ſogleich, und ſchreibe deiner Freundin Miß Walſingham, und melde ihr, daß wir Alle morgen bei guter Zeit bei ihnen ſein werden. Ich will den Bedienten ſchnell abferti⸗ gen, damit wir gewiß ſind, ſie zu Hauſe zu tref⸗ ſm. In m und Dinte: Darauf ihren, und trägean W und nachde gluͤcklich, Schleicht ſchaft. Palmer; oliſchen anſcheine den jung wobei d und ihr bei ihr Bemuͤl all Th troß e en moͤgen;“ genſcheinlich umont, die zur Huͤlfe teibe deiner melde ihr, i ihnmm ſein gell abferti⸗ uſe zu tref⸗ 171 fen. In meinem Toilettzimmer findeſt du Feder und Dinte und Papier, Liebe.“ Darauf ſchlang ſie der Tochter Arm um den ihren, und fuͤhrte dieſelbe, ihr die liebevollſten Auf⸗ traͤge an Walſinghams beſtellend, aus dem Gemach; und nachdem ſie dermaßen der Tochter Ruͤckzug gluͤcklich gedeckt hatte, kehrte unſre wohlgeuͤbte Schleichkuͤnſtlerin ſelbſtgefaͤllig zuruͤck zur Geſell⸗ ſchaft. Jetzt ſuchte ſie zunaͤchſt dem gemuͤthvollen Palmer zu gefallen, ſtimmte deswegen ſeinem patri⸗ otiſchen Enthuſiasmus fuͤr die brittiſche Seemacht anſcheinend bei, und ergoß ſich in eine Lobrede auf den jungen Helden, den Kapitain Walſingham, wobei der alte Mann die Haͤnde vor Freude rieb, und ihres Sohnes Antlitz glaͤnzte. Aber, ah! ſelbſt bei ihrer aͤußerſten Gewandheit wollte doch das Bemuͤhen, allen Theilen zu gefallen, oder beſſer, alle Theile zu beruͤcken, nicht immerdar gelingen: trotz einem ungemeinen Gedaͤchniß, großer Gei⸗ 172 ſtesgegenwart, beſonderer Scharfſichtig⸗ und Scharf⸗„Miß hoͤrigkeit, welche ſie beſaß, war es nicht immer hat ſie mir 4 moͤglich, Alles aufzufuͤhren, anzuordnen und zu Dreppe beg merken, was zu jeder der verſchiedenen Rollen, ſüͤtn, ſe die ſie auf einmal uͤbernahm, gehoͤrte. Kaum habe die C hatte ſie die Lobrede auf Kapitain Walſingham„Nun ” beendigt, als zu ihrem aͤußerſten Entſetzen Sir len, ſo he 6 John Hunter dicht hinter ihr ſtand, der waͤhrend im Muſt derſelben unbemerkt ins Zimmer gekommen war. halblaut 1 Er ſagte kein Wort, aber ſein finſtrer Blick zeugte mer, fo von ſeinem Argwohn und ſeiner großen Unzufrie⸗ Freundin denheit. b darauf, „Mrs. Beaumont,“ ſagte Sir John Hunter, werde, 6 nachdem er einige Minuten lang geſchwiegen hatte, Per 6 wich erinnere mich, daß ich die Ehre haben muß, richt mich Ihnen zu empfehlen, weil ich nothwendig dieſe h 3¹ fuͤr dieſen Mittag zu Hauſe verſagt bin.“ des N „„ Ich meinte, Sir John, Sie wollten mit 70 Amelien ſpazieren reiten.“ mit ſe und Schakf⸗ nicht immer dnen und zu enen Rollen, rte. Kaum Walſingham niſehen Sir der wahrend kommen war. Blick zeugte gen Unzuftie⸗ kohn Hunter, vwiegen hatte, haben muß nothwendig in. 7 woltten mit 173 „Miß Beaumont hat keine Luſt zu reiten, hat ſie mir ſo eben geſagt, als ich ihr auf der Treppe begegnete. O, ich bitte ſehr, ſie nicht zu ſtoren, ſie ſchreibt an Miß Walſingham. Ich habe die Ehre mich Ihnen zu empfehlen.“ „Nun, wenn Sie denn durchaus fort wol⸗ len, ſo habe ich Ihnen nur noch ein paar Worte im Muſikzimmer zu ſagen; wiewohl,“ fuhr ſie halblaut, doch vernehmlich genug fuͤr Herrn Pal⸗ mer, fort,„wiewohl Sie mich nicht fuͤr Ihre Freundin halten, ſo verlaſſen Sie ſich dennoch darauf, daß ich Sie vollkommen redlich behandeln werde, wie alle Welt.“ Verdruͤßlich genug, konnte Sir John doch nicht umhin, der Dame Folge zu leiſten; und dieſe hatte kaum die Thuͤren und Doppelthuͤren des Muſikzimmers alle verriegelt, als ſie rief: „Es iſt allemal am beſten, gerade heraus mit ſeinen Freunden zu verfahren. So, lieber ——ſͤ 8 17⁴ Sir John Hunter, ſagen Sie mir, wie Sie mir uͤbel nehmen koͤnnen, was ich wahrhaftig Ihnen zum Vortheil nothgedrungen uͤber den Kapitain Walſingham zu Herrn Palmer ſagen mußte? Sie wiſſen, der alte Palmer iſt der wunderlichſte, eigenwilligſte Mann, den man ſich denken kann; die paar Tage, daß er hier iſt, muß ich ihm zu Willen und Gefallen leben. Sie wiſſen, er reiſet Dienſtag, das iſt ausgemacht. Doktor Wheeler hat ihn beſucht, uͤber ſeine Geſundheit mit ihm geſprochen, und er muß durchaus nach Weſtindien zuruͤck. Er iſt vollkommen beſtimmt, Amelien ſein ganzes Vermoͤgen zu hinterlaſſen.“ „Gut, meine Gnaͤdige, aber was buͤrgt mir, daß ich darum beſſer daran bin?“ unterbrach ſie Sir John, deſſen entſchiedene Selbſtſucht eine Aufgabe fuͤr Mrs. Beaumonts Gewandtheit war, weil dieſe Selbſtſucht ohne Ruͤckſicht oder ohne Umſtaͤnde grade zum Ziel ging.„Denn ſie glauhen do nicht zu m Trufel wuͤn Aufmunter Ihren Vor entgegen h den jung ham, erk „Ab mers ju worben h wie Sie mir chaftig Ihnen den Kapitain mußte! Sie wunderlichſte, denken kann; F ich ihm zu iſſen, er reiſet oktor Wheelet heit mit ihm c) Weſtindien nt, Amelien 1. 74 bͤrgt mit, unterbrach ſe lbſiſucht eine Gewandtheit Ruͤckſicht oder „Denn ſie 175 glauben doch nicht, daß ich ſo ein Narr ſei nicht zu merken, daß mich Herr Palmer zum Teufel wuͤnſcht. Miß Beaumont giebt mir keine Aufmunterung, und Sie, Madam, verſtehen Ihren Vortheil viel zu gut, als daß ſie Palmern entgegen handeln ſollten; wenn ſich dieſer alſo fuͤr den jungen Helden, den Kapitain Walſing⸗ ham, erklaͤrt, ſo mag ich das Feld raͤumen.“ „Aber Sie bedenken nicht, daß Herrn Pal⸗ mers junger Held ſich niemals um Amelien be⸗ worben hat.“ „Poſſen, meine Gnaͤdige. Sie wiſſen ſo gut als ich, daß er in ſie verliebt iſt, und an⸗ halten wird er um ſie, nun er Geld hat.“ „Zugegeben; Sie vergeſſen aber, daß dies Alles Zeit erfordert, und daß Palmer fort nach Weſtindien ſeyn wird, ehe denn Walſingham mit ſeiner Bewerbung hervortritt; ſobald jener aber fort iſt, und mir, wie er es vorhat, ſein 176 Teſtament zuruͤckgelaſſen hat, ſo haben Sie und ich das Spiel in Haͤnden. Es koͤmmt mir wun⸗ derlich vor, daß Sie meine Gruͤnde nicht zu be— greifen ſcheinen, da ich der lieben Albine doch Alles dargelegt habe; und ich glaubte, ſie haͤtte es Ihnen deutlich gemacht, daß ich fuͤr dieſe eine Woche unumgaͤnglich das Anſehn annehmen muͤßte, als ob ich weniger, wie ich es bin, Ihre Freundin waͤre; und dies wegen Ihres Ranges, und der wunderlichen Grille Palmers, die Sie kennen. Aber ich bin uͤberzeugt, wir verſtehen einander jetzt vollkommen.“ „Verzeihen Sie,“ entgegnete der unerbittliche Sir John,„ich muß geſtehen, daß Sie ſoviel mehr Gewandtheit und Schlauheit, und all' des Zeuges haben, als ich, daß ich nicht umhin kann beſorgt zu ſeyn, daß ich—— ich, die Sache nicht recht verſtehe. Bei Geſchaͤften geht nichts daruͤber, einander verſtaͤndlich zu ſeyn, und ſicher ſcher zu gch gänge und und Kunſtgr⸗ ich nicht rec einmal recht ihres Beifal „Wie! cher, da ich davon verſt Es wo Einzige, m Klegenheit heit ſagte, Hunter be Unglaubic ſein Ohei krank, un Aufkomm Kunde e II. böen Sie und uimt mir wun⸗ e nicht zu be⸗ Albine doch te, ſie haͤte fuͤr dieſe eine n annehmen tich es bin, wegen Ihtes eille Palmers, berzeugt, wit unerbittliche ß Sie ſoviel und all des nicht umhin — ich, die ſchüften ght zu ſeyn, und ſcher ſicher zu gehen, Es hat ſchon ſoviel Ruͤckwaͤrts⸗ gaͤnge und Vorwaͤrtsgaͤnge und Aufklaͤrungen und Kunſtgriffe bei dieſem Geſchaͤfte gegeben, daß ich nicht recht weiß, wie es ſteht; und mich nicht einmal recht ſicher halte, ob uch jemals die Ehre ihres Beifalls gehabt habe.“ „Wie? Sie halten ſich deſſen nicht recht ſi⸗ cher, da ich ſie doch auf die unzweideutigſte Weiſe davon verſichert habe?“ Es war in der That wunderlich, daß dee Einzige, mit dem Mrs. Beaumont in dieſer An⸗ gelegenheit redlich verfuhr, dem ſie reine Wahr⸗ heit ſagte, ihr nicht glauben wollte. Sir John Hunter beharrte bei ſeinem Argwohn und ſeiner Unglaͤubigkeit. Er hatte ſo eben vernommen, daß ſein Oheim Wigram, ſein reicher Oheim Wigram, krank, und daß keine Wahrſcheinlichkeit zu deſſen Aufkommen ſei. Mrs. Beaumont hatte dieſelbe Kunde erhalten und war um ſo eifriger, den II.. M 178 Baron ſamt dem Wigramſchen Vermoͤgen fuͤr ihre Tochter in Beſchlag zu nehmen. Aber was ſie ſagen mogte, nichts ſchien ihm genug zu thun, nichts zu uͤberzeugen, daß ſie ihm reinen Wein einſchenkte. Endlich gab ſie ihm, um ihm Auf⸗ richtigkeit zu beweiſen, das, was er verlangte, und was, wie er ſagte, ihn allein zu beruhigen und Zutrauen faſſen zu laſſen vermoͤgte, nehmlich eine ſchriftliche Verſicherung ihrer Bewilligung ſeiner Bewerbung um Amelien. Damit gab er ſich zufrieden,„denn was geſchrieben ſteht,“ ſagte er,„ſteht geſchrieben, und da finden fuͤr die Zukunft keine Mißverſtaͤndniſſe, oder Veraͤn⸗ derungen des Sinnes mehr ſtatt. Die zutraulichen Freunde kamen darauf uͤber⸗ ein, daß Sir John ſogleich, wie voller Verdruß, abreiſen ſollte, und ſie bat ihn, er moͤgte vor Palmers Abreiſe nicht wiederkehren. Nun gal von Beiläufe chen pflegten gern bei ſie genehmes lichen, ſie machten beſtandigen ſen Rebe ten beglei gen der g che zu S und Effee ſüigten, ſchict w oder Ge body. teſte Pe lchene, mmogen füt ihte Aber was ſie genug zu thun, n reinen Wein um ihm Auf⸗ Her verlangte, n zu beruhigen nögte, nehmlich er Bewilligung Damit gab er hrieben ſteht, da finden füͤr , oder Verän⸗ e nen darauf uber⸗ 1 vollet Perdruß⸗ „er moͤgte voi ten. 179 Nun gab es aber einen zahlreichen Schwarm von Beilaͤufern, welche Beaumontpark zu beſu⸗ chen pflegten, und Mrs. Beaumont empfing ſie gern bei ſich, weil, außerdem daß ſie ihr ein an⸗ genehmes Gefuͤhl ihrer eignen Wichtigkeit ver⸗ liehen, ſie ſich derſelben haͤufig inſofern nuͤtzlich machten, daß ſie untergeordnete Rollen in ihrem beſtaͤndigen Intriguenſpiel ausfuͤhrten. Unter die⸗ ſen Nebenfiguren, welche ſie außerhalb bei Fahr⸗ ten begleiten mußten, um ihr Anſehn in den Au⸗ gen der gemeinen Zuſchauer zu erhoͤhen, und wel⸗ che zu Hauſe die Scene fuͤllten, und Geraͤuſch und Effect vermehrten, waren die Hauptbeguͤn⸗ ſtigten, Herr Twigg,(derſelbe Herr, der abge⸗ ſchickt wurde, uͤber die Benennung von Einfaſſung oder Gehege zu entſcheiden,) und Kapitain Light⸗ body. Herr Twigg war unter beiden der elegan⸗ teſte Paraſit, aber Lightbody war der zuverſicht⸗ lichere, und ſeine Sache ſtand im Ganzen beſſer. M 2 180 Er war ein ſchoͤner Mann, gewandt, wußte eine Anekdote zu erzaͤhlen, ein Lied zu ſingen, eine Sache in Gang zu bringen, wenn Geſelſchaft war, und war demnach eine gewaltige Stuͤtze fuͤr die Hausfrau. Dann tanzte er auch mit ſolchen jungen Damen, die keinen andern Taͤnzer fanden; zog regelmaͤßig neben dem Fortepiano auf die Wache, oder neben der Harfe, wenn die Damen Muſik machten, ſaß bei Tiſch neben Miß Beau⸗ mont oder Miß Hunter, wenn die maͤnnlichen Genoſſen nicht der Art waren, daß Mrs. Beau⸗ mont ſie dieſer Ehre fuͤr wuͤrdig, oder fuͤr un— ſchaͤdliche Geſellen hielt: alle dieſe Aemterchen brachten ſchon mit ſich, daß Kapitain Lightbody einigermaßen Mrs. Beaumonts Vertrauter war; und ſo befand ſich's denn auch einigermaßen, grade in ſoweit, als noͤthig war, ihn mit der Vorſtellung davon zu ſchmeicheln und dadurch zu vermoͤgen, große und geringe Geſchaͤfte fuͤr ſie zu deriichtn- womehmen H und Ladies, Brigademae war alſo wo holen und ſ katskramete pfehlungen ben, wenn von Haus geſelligen, ter liebens Hatte Mr wo Einlo Gegendeſ ſie abth bringer oft der denkbar 181 t, wußte eine verrichten. Er jagte von Ort zu Ort, aus einem ſingen, eine vornehmen Hauſe in das andere; kannte alle Lords mn Geſelſcht und Ladies, alle Generale und Oberſten, alle ige Stütze für 1 Brigademajors und Adjutanten im Lande. Wer ch mit ſolchen. war alſo wol geſchickter, Neuigkeiten fuͤr ſie einzu⸗ anzer fanden; holen und ſie ihr zu bringen! Rebſt der Neuig— keitskraͤmerei war es auch ſeines Amtes, Em⸗ pfehlungen zu beſtellen, und den Verkehr derſel⸗ diano auf die inn die Damen en Miß Beau⸗ ben, wenn ſchon nicht von Seele zu Seele, doch die mannlchen 1 von Haus zu Haus, zu foͤrdern, welches in einer geſelligen Provinz vonnoͤthen iſt, um den Karak⸗ eer liebenswuͤrdiger Nachbarſchaft zu behaupten. Hatte Mrs. Beaumont etwa vergeſſen, irgend⸗ wo Einladungskarten hinzuſenden, oder einen Gegenbeſuch verſaumt, ſo mußte Lightbody es fuͤr ſie abthun, Lightbody, der allzeit fertige Ueber⸗ 5 Mrs. Beau⸗ oder fuͤr un⸗ ſe Aemterchen tain Lightbody gertrauter war; igermaßen, 4 4 in mit de bringer zierlicher Briefchen, der Sprecher allzeit, t, ih 3 erdurh n oft der Erfinder der hoͤflichſten Reden, die nur und da iie firſeu denkbar waren. Dieſen wohlgeuͤbten Bothſchaf⸗ afte fuͤr ſi 182 ter, dieſen immer thaͤtigen, immer bereitwilligen Springer, ſchickte unſre Heldin an eine benach⸗ barte Familie ab, um dieſelbe zu vermoͤgen, ihr am folgenden Tage einen Morgenbeſuch grade zu derjenigen Zeit abzuſtatten, welche zur Abfahrt zu den Walſinghams beſtimmt war. Die ge⸗ woͤhnlichen Vorſichtsregeln wurden ertheilt;„aber ich bitte Sie, daß mein Name nicht genannt werde, Lightbody; nehmen Sie es uͤber Sich, erwaͤhnen Sie meiner nicht; ſagen Sie, als ob es von Ihnen kaͤme, daß Sie Urſach haͤtten, zu vermuthen, ich haͤtte es uͤbel genommen, daß ſie ſeither nicht hier geweſen waͤren. Dann koͤnnen Sie die Stunde nennen, wo es mir am gelegen⸗ ſten ſeyn wuͤrde. Daß ich aber nichts damit zu thun habe; ich muß auf keinen Fall erwaͤhnt werden.“ Im Verfolg von Lightbodys getreulicher Voll⸗ fuͤhrung ſeiner geheimen Inſtructionen hielt eine Barouche v blick vor der genommen ſahren. M rif ſie, in ſahe: ſpät, ſt Dummk Herr de imm Gäſte it gar är neue? „ „Sie unſer. bereitwiligen — eine benach⸗ ermoͤgen, ihr nbeſuch grade he zur Abfahrt ar. Die ge⸗ ſrtheilt;„aber nicht genannt es uͤber Sich, h Sie, als ob ach hatten, zu mmen, daß ſie Dann konnen ir am gelegen⸗ ſchts damit zu Fall erwüͤhnt reulicher Vol⸗ nen hielt eine 183 Barouche voll Morgengaͤſte in demſelben Augen⸗ blick vor der Thuͤr, als Mrs. Beaumont ſich vor⸗ genommen hatte, nach Walſinghamshaus abzu⸗ fahren. Mit wohlverſtelltem Blick der Beſtuͤrzung, rief ſie, indeß ſie aus dem Fenſter auf den Wagen ſahe: „Wie abſcheulich! Wer kann das nur ſeyn 2 Ich hoffe, Martin wird ſagen, ich ſei nicht zu Hauſe. Klingle, Amelie, klingle! O es iſt zu ſpat, ſie haben mich geſehn! Martin, der Dummkopf hat ſie eingelaſſen.“ Herr Palmer war herzlich verlegen, und wur⸗ de immer ungeduldiger, als dieſe uͤberlaͤſtigen Gaͤſte ihren Aufenthalt verlaͤngerten, und endlich gar einen Spaziergang vorſchlugen, um einige neue Anlagen zu beſehen. „Aber, liebe Madam Beaumont,“ ſagte er, „Sie wiſſen, daß wir fuͤr dieſen Vormittag bei unſerm Vetter Walſingham verſagt ſind, und wenn 184 Sie mir erlauben wollen, ſo will ich mit Herrn Beaumont vorauffahren, wir koͤnnen ja ſagen, was Sie abhaͤlt.“ Außer aller Faſſung durch dieſen einfachen, freigeſagten Entſchluß des gradſinnigen alten Man⸗ nes gebracht, ſah Mrs. Beaumont nun wohl ein, daß aller Aufſchub ihrer Seits fruchtlos nicht nur, ſondern ſogar gefaͤhrlich ſeyn wuͤrde. Jetzt war ſie voll Eifer der Verhindrungen erledigt zu ſeyn, welche ſie ſelbſt veranlaßt hatte. In keiner Ruͤck⸗ ſicht wollte ſie Herrn Palmer einen Beſuch ohne ihre Begleitung geſtatten; deswegen zog ſie ſich durch eine geſchickte Gegenbewegung nicht nur ohne Verluſt, ſondern ſogar noch mit Vortheil aus ihrer bedenklichen Lage. Sie machte den Gaͤſten eine gar ſchoͤne Entſchuldigung, daß ſie ſo dringend genoͤthigt ſei, von ihnen fortzulaufen;„ſie wollte Amelien zuruͤcklaſſen, daß dieſe das Vergnuͤgen haͤtte, Ihnen die Anlagen zu zeigen.“ V brechen, Ms. Beſchluͤſſ ſchen zul nchmen, daheim zu montpark ſtens dee davonfan bei ihre mogte Mazari ober bei ſich mit Herrn nen ja ſagen, ſen einfachen, in alten Man⸗ un wohl ein, los nicht nur, e. Neht war edigt zu ſeyn, keiner Rüͤck⸗ n Beſuch ohne n zog ſee ſich nicht nur ohne thel aus ihrer in Gaſten eine e ſo dringend n;„ſie wolle s Vergnuͤgen 185 Mrs. Beaumont war unwiderruflich in ihren Beſchluͤſſen. Amelie, beſtuͤrzt, und voll Furcht, ſehen zu laſſen, wie tief ſie dieſen ihr ſo unange— nehmen Vorfall empfaͤnde, ſahe ſich genoͤthigt, daheim zu bleiben und die Honneurs von Beau⸗ montpark zu machen, als ihre Mutter, wenig⸗ ſtens des halben Erfolges ihrer Kriegsliſt froh, davonfuhr. Aber Mrs. Beaumont gebrauchte bei ihrer Politik jederzeit zuviel Liſt, und man moögte auf ſie anwenden, was vom Kardinal Mazarin geſagt wurde: er iſt ein großer Politiker, aber bei all' ſeiner Politik iſt das ein Hauptge⸗ brechen, daß er allzeit betruͤgen will. „Wie langweilig dieſe⸗Leute waren! ich meinte, wir wuͤrden nimmermehr von ihnen loskommen,“ ſagte Mrs. Beaumont„was trieb ſie auch an, grade heute Morgen zu kommen und einen ſo un⸗ geheuer langen Beſuch abzuſtatten. Die Duttons ſind uͤberdies das dummſte Volk auf Gottes Erd⸗ 186⸗ boden; ich kann ſie nicht ausſtehn; ſo ungeſchickt und ungezogen obenein! und dabei doch von gu⸗ ter Familie, wer ſollte es glauben? Das ſind Leute, die man ſehen muß, allein ſie ſind durchaus unertraͤglich.“ „Unertraͤglich?“ ſagte Herr Palmer; Nun, liebe Frau, da beſitzen Sie wahrhaftig eine Maͤr⸗ tyrergeduld, denn Sie haben ſie ſo geduldig er⸗ tragen, daß ich nimmermehr geglaubt haͤtte, ſie waͤren Ihnen im Geringſten unangenehm. Ich betheure, ich haͤtte dafuͤr gehalten, ſie waͤren Ihre Freunde und Lieblinge, und Sie freuten ſich von Herzen ſie zu ſehn.“ „Ja, ja, das iſt der Welt Lauf,“ fuhr Pal⸗ mer fort,„ dieſe Art von, wie ſoll ich es nennen? von Doppelzuͤngigkeit gegen Gaͤſte geht allerwaͤrts im Schwunge, Madam Beaumont. Aber wo⸗ her weiß ich denn, daß, wenn ich fort bin, Sie nicht eben ſo froh ſind, von mir los zu kommen, als bon d gener Sch ob Sie Rücken! ſagen: ſte, grill Burſch; los wer ſagen? verſuch Sie un daß S zwiſch 1 lach do ungeſchit doch von gu⸗ n? Das ſind ſind ducchaus elmer; Nun, dig eine Maͤr⸗ ſſo geduldig er⸗ hubt hätte, ſie genehm. Ich ſie waͤren Ihre reuten ſich von au fuhr Pal⸗ ch es nennen? eht alerwaͤrts tt. Aber wo⸗ fott bin, Sie zu kommen, 187 als von dieſen Duttons?“ fuͤgte er mit gezwun⸗ gener Scherzhaftigkeit hinzu;„wer ſagt mir denn, ob Sie mich nicht in der Minute, da ich den Ruͤcken gewandt habe, gleichfalls verurtheilen und ſagen: der alte Palmer! er war der langweilig⸗ ſte, grillenfaͤngeriſchte, wunderlichſte, altmodigſte Burſch; ich glaubte, ich wuͤrde ihn nimmermehr los werden.“ „Lieber, lieber Herr, wie koͤnnen Sie das ſagen?“ rief Mrs. Beaumont, die mehrmalen verſucht hatte, ihn zu unterbrechen.„Sie, der Sie unſer beſter Freund ſind! Waͤre es moͤglich, daß Sie argwoͤhnten? Iſt denn kein Unterſchied zwiſchen Freunden und gewoͤhnlichen Bekannten 20 „Das hoffe ich fuͤrwahr,“ ſagte Palmer laͤchelnd. Es lag in dieſem Scherze Etwas, das der Wahrheit ſo nahe kam, daß Mrs. Beaumont ihn nicht ſo mit Leichtigkeit und Unbefangenheit auf⸗ —— — 188 zunehmen vermogte, wie ſie es wohl, den Um⸗ ſtaͤnden nach, dienlich fand, beſonders nicht in Gegenwart ihres Sohues, der bei einem beleidi⸗ genden Stillſchweigen verharrte. Ungluͤckſelig ſind wahrlich diejenigen, die in Augenblicken ſol⸗ cher Verlegenheit von ihren Naͤchſten keine Bei⸗ huͤlfe in ihrer Noth erwarten duͤrfen, und umſonſt nach einem Buͤrgen ihrer Wahrhaftigkeit um⸗ ſchauen. Mrs. Beaumont ſaß unbehaͤglich, faſt außer Faſſung gebracht, da: Palmer fuͤhlte nach ſeiner Schnupftabacksdoſe, ſeiner gewoͤhnlichen Zuflucht, aber er hatte ſie nicht in der Taſche, ſie war auf ſeinem Tiſche ſtehen geblieben. Nun war Mrs. Beaumont erloͤſet; ſie hatte Etwas zu thun und zu ſagen. Mit ihrer gewohnten Hoͤf⸗ lichkeit befahl ſie ihrem Bedienten Martin, trotz aller Gegenrede Palmers, vom Wagen abzuſprin⸗ gen, zuruͤck zu gehen und die Tabacksdoſe zu ho⸗ len. Vermuthungen, ob er dieſe finden, ob er in Stand kunft zu⸗ ben Stof Meile, „Ic Gallop; detgleich „K ſprach daß die indem das Ve ſchen. Sie u Dane das, ſo h vielle kein hl, den Um⸗ ders nicht in einem beleidi⸗ Unglückſelig enblicken ſol⸗ n keine Bei⸗ und umſonſt aaſtigkeit um⸗ chäͤglich, faſt füͤhlte nach gewohnlichen der Taſche, jeben. Nun tte Etwas zu vohnten Hof⸗ Martin, troß hen abzuſprin⸗ kedoſe zu ho⸗ inden, ob et 189 im Stande ſeyn wuͤrde, ſie noch vor ihrer An⸗ kunft zu Walſinghamhaus wieder einzuholen, ga⸗ ben Stoff zum Geſpraͤch waͤhrend der naͤchſten Meile, ja noch laͤnger. „Ich ſchwoͤre, da kommt Martin in vollem Gallop zuruͤck,“ ſagte Miß Hunter, die uͤber dergleichen Dinge hatte mitſprechen koͤnnen. „Kommen Sie, kommen Sie, gute Frau,“ ſprach Palmer, der die Gelegenheit wahrnahm, daß die junge Dame den Ruͤcken gewandt hatte, indem ſie ſich aus dem Wagenfenſter legte, um das Vergnuͤgen zu genießen, Martin laufen zu ſehen.„Geben Sie mir die Hand, und laſſen Sie uns Freunde ſeyn. Zum Henker mit den Duttons! Ich wollte Sie nicht kraͤnken, durch das, was ich ſagte. Ich weiß, daß ich nicht ſo hoͤflich bin, als ich wohl ſollte, und Sie ſind vielleicht ein Bischen zu hoͤflich. Aber das iſt kein großer Uebelſtand, beſonders bei einer Frau.“ 190 Martin und die Schnupftabacksdoſe trafen in dem Augenblick cin; und Alles war anſcheinend 8 in ſo gutem Gleiſe als je. Aber Mrs. Beau⸗ mont, die den Ruf der Aufrichtigkeit ſo hoch hielt, als der Dieb den Ruf der Ehrlichkeit, und viel⸗ leicht aus aͤhnlichen Gruͤnden, war ernſtlich be⸗ troffen, daß auch aur dieſer fluͤchtige Schein ihre wahre Geſinnung beleuchtet hatte. Solchen Un⸗ faͤllen iſt alle Untreue ausgeſetzt. Neuntes Kapitel. Sie langten vor Walſinghamhaus an, und be⸗ gegneten Miß Walſingham eine Strecke vor dem Hauſe. „Rd Frage. alle Stun Daß Mus. Bo Sie athm räͤſtete ſich vorſchlug Walſing Hunter, dagegen! ſe huͤtet zu mache mont, gungst griffe denn zeit feu Rhen: ſe krafen in lanſcheinend drs. Beau⸗ hoch hielt, und viel⸗ nſtlich be⸗ chein ihre olchen Un⸗ n, und be⸗ ke vor dem —— 191 „Iſt der Kapitain gekommen?“ war die erſte Frage.„Noch nicht, aber wir erwarten ihn alle Stunden,“ war die Antwort. Daß er doch noch nicht gekommen war, ſchaffte Mrs. Beaumont einige wohlthaͤtige Linderung. Sie athmete freier, mit erfriſchtem Gemuͤth, und ruͤſtete ſich auszuſteigen, um, wie Herr Palmer vorſchlug, den Weg bis zum Hauſe mit Miß Walſingham zu Fuß zuruͤck zu legen. Miß Hunter, die ungemein zierlich gekleidet war, hatte dagegen Einwendungen wegen ihrer feinen Schuhe; ſie huͤtete ſich aber wohl, dieſe Urſach namhaft zu machen, ſie hatte zu lange bei Mrs. Beau⸗ mont, dieſer großen Meiſterin aller Entſchuldi⸗ gungskuͤnſte, gelebt, um ihr nicht kleine Hand⸗ griffe abgelernt zu haben. Deswegen hatte ſie denn auch natuͤrlich eine kleine Vorwandluͤge alle⸗ zeit fertig; und anſtatt zu ſagen, daß ſie nicht gehen moͤgte, um ihre Schuhe nicht zu verderben, 192 betheuerte ſie, daß ſie die Hitze fuͤrchte, und daß ſie nicht ſo weit gehen koͤnne. Beaumont war ſchon aus dem Wagen geſprungen, und Mrs. Beaumont wuͤnſchte nicht, daß er ſelbander mit Miß Walſingham zum Hauſe hingehen moͤgte; alſo halfen Miß Hunters Entſchuldigungen nichts. „Sie werden ſich nicht erhitzen, Liebe, denn unſer Weg fuͤhrt durch dieſen allerliebſten ſchatti⸗ gen Wald, und wenn Sie muͤde werden, ſo iſt mein Sohn da, der kann Ihnen den Arm geben.“ Dieſe Einrichtung behagte der jungen Dame, und dermaßen unterſtuͤtzt, fand ſie es moͤglich zu gehen. Palmer ging auf ſeine eigene Hand, be⸗ ſah die Schoͤnheiten des Parks, und bat, es moͤgte ſich niemand um ihn kuͤmmern. So war ſeine Art, und Mrs. Beaumont quaͤlte ihn nicht mit Geſpraͤchen, wenn er nicht Luſt dazu zu ha⸗ ben ſchien. Sie, die Alles zu benutzen wußte, lenkte nun das Geſpraͤch mit ihren uͤbrigen Be⸗ gleitern gleiken wü Abſchten mi lich ſeyn mi aus, daß d ganz unabh blieb der M Walſinghan zuruͤckgeſcht liſt, dieſen wie ſie den genſtand zu⸗ dem Geſpre nachbarten ſe glaubie Miß Wul geſetzt ſer delgeld h meinte, da getheiltes II. —e, und daß -umont war und Mrs. lbander mit hen moͤgte; gen nichts. Liebe, denn ſten ſchatti⸗ den, ſo iſt im geben.” geen Dame, moͤglich zu Hand, be⸗ d bat, es So wat te ihn nicht dazu zu ha⸗ ten wußte, brigen Be⸗ gleitern 1 gleitern waͤhrend des Ganges ſo, wie es ihren Abſichten mit den verſchiedenen Partheien foͤrder⸗ lich ſeyn moͤgte. Sie ging von dem Grundſatz aus, daß die Liebe in dem maͤnnlichen Gemuͤth ganz unabhaͤngig von der Hochachtung beſtehe, und blieb der Meinung, ihr Sohn koͤnne durch Miß Walſinghams uͤberlegenen Verſtand von derſelben zuruͤckgeſchreckt werden; alſo unternahm ſie voll Arg⸗ liſt, dieſen ins Licht zu ſtellen. Gleichſam zufaͤllig, wie ſie denn trefflich verſtand, einen beliebigen Ge⸗ genſtand zur Eroͤrterung herbeizufuͤhren, kam ſie von dem Geſpraͤch uͤber die neuliche Heyrath eines be⸗ nachbarten Paars auf eine Frage, von welcher ſie glaubte, daß die Meinungen ihres Sohnes und Miß Walſinghams uͤber dieſelbe einander entgegen geſetzt ſeyn wuͤrden: naͤmlich, ob eine Frau Na⸗ delgeld haben ſollte oder nicht? Miß Walſingham meinte, daß, wenn eine Frau dies annaͤhme, nur ein getheiltes Intereſſe zwiſchen ihr und ihrem Manne II. 4 N 194 dadurch bewirkt werden moͤgte. Beaumont war im Gegentheil der Meinung, daß durch beſondre Ein⸗ kuͤnfte der Frau ehelichem Zwieſpalte vorgebeugt wuͤrde. Natuͤrlich pflichtete Miß Hunter, die einſtudiert war, in allen Stuͤcken von Beaumonts Meinung zu ſeyn, dem bei; aber Urſachen davon wußte ſie eben nicht anzugeben.„In der That,“ ſagte ſie fein zimperlich,„ſie daͤchte, die Frauen muͤßten nichts mit Raiſonnements und Raiſonni⸗ ren zu thun haben; ſie glaubte, eine Frau, die Jemand wirklich liebte, waͤre allzeit derſelben Meinung mit ihm; und ſie begriffe gar nicht, wozu einer Frau das Raiſonnement und Alles dergleichen dienen koͤnnte, als nur um ſie wi⸗ derſpenſtig, wunderlich, und herrſchſuͤchtig zu machen. Sie, fuͤr ihr Theil, mache gar keine Anſpruͤche auf Verſtand, und wenn ſie Etwas dergleichen haͤtte, ſo wuͤrde ſie ſich, auf Ehre, freuen, es los zu werden, wofern ſie koͤnnte, denn wezurkon Mannes herrſchen! und der) folgen bra ihr Albern mit zierli Grazie abe ſchem, zar als flehe ſi unterdruͤck doch Sorg werde, wo und ziſche ſie konnt ſogar be⸗ merkte ſt des Na mont war im beſondre Ein⸗ ie vorgebeugt Hunter, die h Braumonts kſachen davon à der That,“ e, die Frauen nd Raiſonni⸗ ine Frau, die lzeit derſelben ffe gar nicht, it und Alls um ſie wi⸗ iſchfüchtig zu ache gar keine könnte, denn — —— ——õ——y 195 wozu koͤnnte es ihr nur immer helfen; da des Mannes Verſtand doch immer beſtimmen und herrſchen muͤßte, und die Frau nur zu gehorchen, und der Meinung des Mannes ihrer Wahl zu folgen brauchte.“ Nachdem ſie auf dieſe Weiſe ihr Albernheitsbekenntniß in abgebrochenen Saͤtzen, mit zierlicher Verwirrung, und aller gebuͤhrenden Grazie abgelegt hatte, ſtuͤtzte ſie ſich mit zauberi⸗ ſchem, zartem Schmachten auf Beaumonts Arm, als flehe ſie um Unterſtuͤtzung. Mrs. Beaumont unterdruͤckte einen Seufzer, fuͤr welchen ſie je— doch Sorge trug, daß er ihrem Sehn vernehmlich werde, wandte ſich darauf zu Miß Walſingham unnd ziſchelte derſelben ins Ohr, daß ſie geſtaͤnde, ſie konnte nicht umhin, Talent und Selbſtgefuͤhl, ſogar bei ihrem Geſchlecht zu lieben. Darauf be⸗ merkte ſie laut: daß ſich viel uͤber die Frage wegen des Nadelgeldes der Frauen ſagen ließe; denn es koͤnne nicht nur, wie Miß Walſingham ſehr rich⸗ N 2 196 tig geſagt habe, ein getheiltes Intereſſe zwiſchen Mann und Weib bewirken, ſondern auch das, daß die Frau in gaͤnzlicher Unwiſſenheit von den Ange⸗ legenheiten des Mannes erhalten bliebe; und dies moͤgte in manchen Faͤllen nicht vortheilhaft ſeyn, da gewiſſe Frauen durch Ueberlegenheit des Gei⸗ ſtes faͤhiger zur Verwaltung von Geſchaͤften waͤ⸗ ren, als die meiſten Maͤnner, ja, als irgend ein Mann, den ſie zu nennen wuͤßte.”“ Trotz dieſer Schmeichelei, welche ein Blick von Mrs. Beaumont derjenigen widmete, fuͤr welche ſie gemeint war, wollte ſich Miß Wal⸗ ſingham doch dieſen peinlichen Vorrang nicht ein⸗ geraͤumt wiſſen; und that dar, daß ſie keineswe⸗ ges weder die Herrſchaft noch die Geſchaͤftsver⸗ waltung begehre. „Das glaube ich wohl,“ ſagte Beaumont, „denn ich habe bemerkt, daß die Frauen, welche am ſähigſten ſi ſe Begierde Miß! nicht, ode war in der perie berſut ſie ihre vol pen und b achte ſie; Einen Au ſchtigkeit wohl, da Bemerkun in dem G legen, d Alsbald reſe zwiſchen uch das, daß von den Ange⸗ ebe; und dies heilhaft ſeyn, heit des Gei⸗ deſchaften wä⸗ als irgend ein 1 che ein Blick widmete, fuͤr Miß Wal⸗ ing nicht ein⸗ ſie keineswe⸗ Geſchaͤftsber⸗ fe Beaumont, len, welche am err ue ———— 197 ſaͤhigſten ſind zu herrſchen, nicht immer die mei⸗ ſte Begierde darnach haben. Miß Hunter hoͤrte entweder dieſe Bemerkung nicht, oder verſtand ſie nicht; ihre ganze Seele war in der Anordnung einiger Falten ihrer Drap⸗ perie verſunken; aber auf Mrs. Beaumont that ſie ihre vorulle Wirkung. Sie biß ſich auf die Lip⸗ pen und blickte ihren Sohn verweiſend an, als achte ſie dies fuͤr einen Bruch ihres Vertrages. Einen Augenblick darauf empfand ſie die Unvor⸗ ſichtigkeit dieſes verweiſenden Blickes, und fuͤhlte wohl, daß ſie beſſer gethan haben wuͤrde, jener Bemerkung, oder jenem Gefuͤhl keinen Nachdruck in dem Gemuͤth ihres Sohnes eben dadurch beizu⸗ legen, daß ſie Mißvergnuͤgen darüber bezeugte. Alsbald gefaßt, denn ſie blieb nie uͤber eine halbe Minute außer Faſſung, ging ſie mit leichter Gra⸗ zie zur Eroͤrterung der Tugenden der Heldin ir⸗ gend eines neuen Romans uͤber, eines hiſtoriſchen 198 Romans, wodurch ſie Veranlaſſung gewann, an Miß Walſingham wegen ihres Urtheils uͤber ver⸗ ſchiedene ſtreitige hiſtoriſche Punkte zu appelliren. Sie ſuchte geſchicke ihre unterrichtete junge Freun⸗ din zu einem Darlegen von litterariſchen Kennt⸗ niſſen zu verleiten, welche Beaumont druͤckend finden moͤgte. Seine Erziehung war in einiger Ruͤckſicht ſchmaͤhlig vernachlaͤſſiget worden; denn ſeine Mutter hatte dafuͤr gehalten, daß Unwiſſen⸗ heit Abhaͤngigkeit mit ſich fuͤhren wuͤrde. Spaͤ⸗ terhin hatte er aus eignem Triebe verſucht, dem Mangel der fruͤheren Bildung abzuhelfen; dennoch fuͤhlte er wohl, wie er dies nicht vollkommen ver⸗ mogt habe, und es gab der Augenblicke, wo er, der Mangelhaftigkeit ſeiner Kenntniſſe ſich be⸗ wußt, bei literariſchen Geſpraͤchen peinliche Un⸗ geduld empfand. Aber Miß Walſingham war ſo frei von den Anſpruͤchen und der Eitelkeit ſogenannter ſchoͤner Geiſter, das ſie Niemand deückke, d war; im( änes ſolchen nen Talente bemerkte, an ſeiner U ne geſunde Begriffe zu Autotitat zu fragen. durch eine veſchuͤttet durchdrune Fruchtbar In ds zuviel Sohn baut, u an Frau gewann, an eils uͤber ver⸗ zu appelliren. junge Freun⸗ ſchen Kennt⸗ ont druͤckend ar in einiger worden; denn daß Unwiſſen⸗ vuͤrde. Spaͤ⸗ verſucht, dem ffen; dennoch kommen ver⸗ plicke wo er, niſſe ſich be⸗ peinliche Un⸗ lſingham war der Eitelkeil ſie Niemand ———— 1199 deickte der ihr an Kenntniſſen untergeordnet war; im Gegentheil that es dem Selbſtgefuͤhl eines ſolchen Menſchen wohl, wenn er ſeine eig⸗ nen Talente mit den ihrigen verglich, und dabey bemerkte, wie ſie deſſen ohnerachtet Vergnuͤgen an ſeiner Unterhaltung finden mogte, und wie ſei⸗ ne geſunde Vernunft die Eigenthuͤmlichkeit ihrer Begriffe zu wuͤrdigen verſtand, ohne erſt nach der Autoritat von Schriften oder großen Namen zu fragen. Ihr Geiſt war auch in der That nicht durch einen unnuͤtzen Schwall von Kenntniſſen verſchuͤttet. Daß der Strom des Wiſſens ihn durchdrungen hatte, gewahrte man aus ſeiner Fruchtbarkeit. Mrs. Beaumont bereute bald, ſie in dies Geſpraͤch verwickelt zu haben; ſie hatte zuviel auf gelegentliche Aeußerungen, die ihrem Sohn uͤber gelehrte Frauen entfallen waren, ge⸗ baut, und deswegen gemeint, daß er Kenntniſſe an Frauen gar nicht vertragen koͤnne, wurde aber 200 nun ihres Irrthums gewahr. Dies geſchah in⸗ deſſen zu ſpaͤt, und ſie fand ſich doppelt hinter⸗ gangen; denn Miß Hunter gab ſich auf die un⸗ vortheilhafteſte Weiſe im Gegenſahz zu ihrer Ne⸗ benbuhleriu bloß. In Gemaͤßheit der Anwei⸗ ſungen, welche insgeheim an ſie ergangen waren, daß ſie nicht zuviel Einſicht oder Kenntniſſe vor⸗ tragen muͤſſe, weil die Maͤnner insgeſammt, und Beaumont insbeſondre, dies nicht moͤgten, be⸗ zeugte die junge Dame nun totale Unwiſſenheit und Unfaͤhigkeit zu allen Dingen; und nahm ein kleines niedliches Air von kindlicher Unſchuld oder Bloͤdigkeit an, worin ſie ganz und gar wie ein Schaͤfchen dahertrat; indeß ein Schimmer von ohnmaͤchtigem Neide und haͤmiſchem Weſen durch die ſchlechtgeheuchelte Demuth vorbrach.„Sie,“ ſo aͤußerte ſie ſich unter andern,„ſie koͤnne uͤber kein Buch urtheilen, ach, um keine Welt! ſie halte ſich nicht einmal fuͤr berechtigt, daruͤber zu puechen, dies waͤre läſe nie. ihr nun n Beaumon ſee den wit auf Beau ren gehei wegen ſi getroſt f zer umſ ham, d ſich kaun erwehrer S fort,, oder de daß ic Gottes s giſchah in⸗ ppelt hinter⸗ hauf die un⸗ zu ihter Ne⸗ der Anwei⸗ ngen waren, enntniſſe vor⸗ tſammt, und moͤgten, be⸗ Unwiſſenheit und nahm ein Unſchuld oder gar wie ein himmer von Weſen durch ach.„Sie,“ ſe konne uͤber Welt! ſie daruͤber zu — ——— 201 1 ſprechen, ſelbſt wenn ſie es geleſen haͤtte; aber dies waͤre auch nicht der Fall, denn wirklich, ſie laͤſe nie. Sie waͤre keine beleſene Dame.“ Da ihr nun nicht die ſchnelle Faſſungsgabe der Mrs. Beaumont zu Theil geworden war, ſo bemerkte ſie den widrigen Eindruck nicht, den dieſe Reden auf Beaumont machten; ſich bewußt, daß ſie ih⸗ ren geheimen Inſtructionen nachkomme, und des⸗ wegen ſich auf gutem Wege glaubend, fuhr ſie getroſt fort, indeß Mrs. Beaumont ihre Seuf⸗ zer umſonſt verſchwendete, und Miß Walſing⸗ ham, die jetzt⸗ das ganze Spiel durchſchauete, ſich kaum des Lachelns uͤber die komiſche Scene erwehren konnte. „O, liebe Mrs. Veaumont,“ fuhr ſie alſo fort,„wie koͤnnen Sie mein Urtheil uͤber Buͤcher oder dergleichen Dinge verlangen, da Sie wiſſen, daß ich nichts davon verſtehe? thun Sie es um Gotteswillen nicht wieder; Sie wiſſen ja, ich 202 finde an dergleichen Sachen keinen Geſchmack. Und uͤberdem geſtehe ich, daß ich die Dinten⸗ kleckſerei nicht leiden kann, ich mag keine Dinte an meinen Fingern haben, lieber Nadelſtiche. Darum muß ich auch ſagen, daß es mir nicht unlieb iſt, daß ich nicht das bin, was man ein Genie nennt; fuͤr Maͤnner iſt Genie freilich eine ganz goͤttliche Sache, aber fuͤr Frauen ſchickt es ſich nicht, wie es mir ſcheint, am wenigſten fuͤr Damen. Auf dem Theater und fuͤr Kuͤnſtle⸗ rinnen und fuͤr ſolches Zeug mag es allenfalls noch gut ſeyn, aber in unſerer Lage in Geſellſchaft macht es ſich wirklich zu ungeſchickt; man hat ſich ſo wunderlich damit! Ach, Mrs. Beaumont, ich muß Ihnen doch eine Anekdote erzaͤhlen——“ „Halt, Liebe, Ihr Ohrring iſt loſe. Stehen Siegſtill, daß ich ihn wieder zudruͤcke, Beſte!“ rief Mrs. Beaumont, entſchloſſen, durch einen Eindruck auf die Sinne den Reden derſelben eine verändette andere Art Or „ Sie bringe Sie kneiſt „Hab wahrhaft „Lit gebung. Aber war Augenbli Mi Geſchmack. die Dinten⸗ keine Dinte Nadelſtiche. mir nicht was man enie freilich rauen ſchickt m wenigſten fuͤr Kuͤnle⸗ s allenfalls Geſellſchaft an hat ſich aumont ich Äl 4— ſe. Stehen e, Beſte!“ durch einen ſelben eine ue— 203 veraͤnderte Wendung zu geben, da ſie dies auf andere Art nicht vermogte. „O, weh, Madam! Madam! Mein Ohr! Sie bringen mich um, liebſte Madam Beaumont! Sie kneifen mich todt, Madam!“ „Hab' ich Sie gekniffen, Liebe? Es war gewiß der Ohrring.“ „Ich weiß nicht, was es war; aber hier iſt wahrhaftig Blut!“ „Liebe, Beſte! ich bitte tauſendmal um Ver⸗ gebung. Wie konnt ich auch ſo ungeſchickt ſeyn! Aber warum hielten Sie Ihr Koͤpfchen nicht einen Augenblick ſtille?“ Miß Walſingham legte ein Pflaͤſterchen auf die Wunde. „Was das faͤr ein huͤbſches Ohr iſt, es iſt wahrhaftig jammerſchade ihm weh zu thun.“ „Sie haben ihm wirklich weh gethan,“ ſagte Beaumont mit theilnehmender Stimme. 204 „O, erſchrecklich!“ rief Miß Hunter,„und ich leide um ſo mehr, da ich gar kein Blut ſehen kann, da ich immer ohnmaͤchtig werde, wenn ich Blut ſehe!“ 8 Mrs. Beaumont, welche beſorgte, die junge Dame werde ihre Rolle abermals verpfuſchen, und allen Vortheil, den ſie von der vereinten Wirkung des Mitleidens und eines niedlichen Ohrs erwarten konnte, zu nichte machen, ver⸗ ſuchte, die Gedanken derſelben dadurch von dem Ohre abzulenken, daß ſie die Ohrringe anfocht. „Liebe!“ ſagte ſie,„tragen Sie dieſe Ohr⸗ ringe nicht weiter, denn ich verſichere, es iſt nicht moͤglich, ſie auf-oder zuzumachen, ohne Ihnen weh zu thun.“ Aber dieſe Maßregel bewaͤhrte ſich faſt eben ſo falal in ihrem Erfolg. Miß Hunter verthei⸗ digte lebhaft ihre Ohrringe, und forderte Beau⸗ mont auf, zu beſtaͤtigen, daß dieſelben die beſten und ſchnſ Ungläcklich ſinem Ge einer halbe keinem Et als der N ganz unwi Geſchmac Durch ei keinesweg noch heft ſenden B achten, be mit ſiegr her, we gekauft wohl Bei cer ftu inter,„und Blut ſchen de, wenn ich , die junge verpfuſchen, er vereinten 6 niedlichen nachen, ver⸗ rch von dem e anfocht. te dieſe Ohr⸗ es iſt nicht ahne Ihnen ich faſt eben nter verthei⸗ derte Beau⸗ e die beſten —— 205 und ſchoͤnſten Ohrringe von der Welt waͤren. Ungluͤcklicherweiſe waren ſie nicht beſonders nach ſeinem Geſchmack; und die Schoͤne, welche vor Keiner halben Stunde betheuert hatte, daß ſie in keinem Stuͤcke andrer Meinung zu ſeyn vermoͤgte, als der Mann, den ſie liebte, fertigte ihn jetzt ganz unwillig mit der Erklaͤrung ab, daß ſie ihren Geſchmack nicht aufgeben wuͤrde und wollte. Durch eine unterthaͤnige Verbeugung, die aber keinesweges Ueberzeugung andeutete, wurde ſie noch heftiger entzuͤndet, und ohne auf die ſtra⸗ fenden Blicke ihrer liebſten Madam Beaumont zu achten, behauptete ſie heftig ihre Meinung, zaͤhlte mit ſiegreicher Schnellzuͤngigkeit unzaͤhlige Damen her, welche dergleichen Ohrringe ſchon vor ihr gekauft haͤtten, und deren Geſchmack hoffentlich wohl Niemand beſtreiten wuͤrde. Beaumont ſah bei dieſer, wie ſchon bei man⸗ cher fruͤheren Gelegenheit, daß die Frauen oft bei 206 unwichtigen Veranlaſſungen in den groͤßten Eifer gerathen, und daß diejenigen, welche in Worten die demuͤthigſte Meinung von ihrem Verſtand und Faͤhigkeiten darlegen, oft in der That ſich am allereingenommenſten fuͤr die Unfehlbarkeit ih⸗ res Geſchmacks und Urtheils erweiſen. Mrs. Beaumont hatte mit einem ihrer Scharfblicke weg, was in dieſem Augenblick in der Seele ih⸗ res Sohnes vorging; ſie ſeufzte und ſprach bei ſich ſelbſt:„es iſt unmoͤglich, eine Naͤrrin zu lenken, die den Faden ihres Gluͤcks eben ſo eifrig abreißt, als man ihn ſpinnt!“ Aber obgleich Mrs. Beaumont die Unmoͤg⸗ lichkeit, eine Naͤrrin nur waͤhrend einer Stunde zu lenken, einſah und zugab, war es doch einer der Lieblingszwecke ihrer Schleichkuͤnſte, dieſelbe Naͤrrin zur Schwiegertochter zu gewinnen, in Hoffnung, dieſelbe ihr Lebenlang zu leiten. So ſind liſtige Menſchen immer inkonſequent; ſelbſt bij den all witklichen wie ſchlau derſelben, gen. Palm kinen D ſchien mi betrachte Beaumo ſie klagte war, uͤb zu verher Korpet Hauſe ſſe ſich boutra und( produz goßten Eifer in Worten mn Verſtand er That ſich hlbarkeit ih⸗ ſen. Mrs. Scharfblicke der Seele ih prach bei ſich in zu lenken, iftig abreißt, die Unmoͤg⸗ iner Stunde z doch einer nſte, dieſelbe winnen, in liten. So puet; ſelbſ e —— 207 bei den allerbeſten Faͤhigkeiten verſtehen ſie den wirklichen Werth ihrer Zwecke nicht zu wuͤrdigen, wie ſchlau ſie auch die Mittel zur Erreichung derſelben anlegen und auf ihr Ziel hinlenken moͤ⸗ gen.. Palmer hatte waͤhrend dieſes Spazierganges keinen Theil an der Unterredung genommen; er ſchien mit ſeinen eignen Gedanken beſchaͤftigt, oder betrachtete die Schoͤnheiten des Landſites. Mrs. Beaumont, ermuͤdet von dem Gehen,— denn ſie klagte allemal, wenn ihr etwas fehlgeſchlagen war, uͤber Ermuͤdung, um dadurch ihren Verdruß zu verhehlen und die Schwaͤche ihres Geiſtes ihrem Korper aufzubuͤrden,— legte ſich, ſobald man im Hauſe angelangt war, auf ein Sofa. Noch erholte ſie ſich von ihrer Erſchoͤpfung, als ſie einen Tam⸗ bourrahm bemerkte, an welchem ſich die Geſtalt und Grazie von Miß Hunter ſehr vortheilhaft produziren mußte. Das Huͤlfsmittel war unbe⸗ 208 deutend; aber Mrs. Beaumont wußte wohl, daß oft ſelbſt unbedeutendere Mittel große Wirkungen hervorgebracht haben. Bald nachher bemerkte ſie, daß ihr Sohn wiederholentlich bei einer Stelle, die er in einem Buche las, laͤchelte; er wandte ſich hin⸗ weg, und ſie war neugierig, zu erfahren, was fuͤr ein Buch dies ſey. Sie nahm es auf, und fand Cum— berlands Memoiren, und ein kleines Gedicht in denſelben mehrmals angeſtrichen, welches eine Be⸗ ſchreibung aͤffiſcher Ziererei enthielt. Mrs. Beau⸗ mont merkte alsbald, nachdem ſie daſſelbe geleſen hatte, die Urſach des Laͤchelns ihres Sohnes. Das Bild ſchien nach dem Leben von Miß Hunter ent⸗ nommen zu ſeyn, und paßte ſo durchaus auf die Scene, welche waͤhrend des Spazierganges vorge⸗ fallen war, daß die Anwendung leicht gemacht wer⸗ den konnte. Haſtig warf ſie, als ihre liebe Albine hinantrat, das Buch zu, aus Beſorgniß, die Schoͤne moͤgte ſich in dem Bilde erkennen. Aber es erkennen ſich ſich wohl ttriicht in funna unb zät auf Walſingha⸗ furück, un zimmer ir und Palm der gegenſ ſe ſich nic Argloſ einander u Walſingha verttaute und Wid Freiheit! Palmer „Ich zuſammen II. ztewohl, daß ze Wirkungen t bemerkte ſe r Stelle die er andte ſich hin⸗ n, was fuͤrein ad fand Cum⸗ es Gedicht in elches eine Be⸗ Mrs. Beau⸗ aſſlbe geleſen Sohnes. Das 5 Hunter ent⸗ haus auf die ganges vorge⸗ die Schone ber es erkennen ſich 209 ſich wohl viel geſcheutere Leute als Miß Hun⸗ tet nicht in Schilderungen. Deswegen haͤtte ſie koͤnnen unbeſorgt ſeyn. Bald hatte ſie nicht mehr Zeit auf Miß Hunter zu achten; denn Herr Walſingham, der ſpazieren geritten war, kehrte 1 zuruͤck, und von dem Augenblick an, da er in das Zimmer trat, war ihre Aufmerkſamkeit auf ihn und Palmer gerichtet. Sie ſtellte beide einan⸗ der gegenſeitig vor,- unter vielem Bedauern, daß ſie ſich nicht fruͤher kennen gelernt haͤtten. Argloſe Gemuͤther gehen ſo augenblicklich in einander uͤber, als reine Metalle. Palmer und Walſingham waren binnen einer halben Stunde vertraute Freunde. Es athmete eine Offenheit und Biederkeit aus Walſinghams Weſen, eine tgrmacht wer⸗ Freiheit und Gradheit aus ſeinem Geſpraͤch, die n litbe Albine, Palmer bis ins Herz erfreuten. „Ich bin herzlich froh, daß wir doch endlich zuſammengekommen ſind, mein guter Vetter II.- 9 * 210 Walſingham,“ ſagte er;„Wahrlich waͤr's doch I zu beklagen geweſen, wenn ich außer Landes ge⸗ mußt haͤtte, ohne Sie kennen zu lernen; nun wuͤnſcht' ich nur noch, daß unſer edler Kapitain hier waͤre. Ueberuͤbermorgen muß ich fort, und ich bin herzlich bange, ich werd' ihn nicht zu ſehn bekommen.“ Herr Walſingham ſagte, man erwarte denſel⸗ ¹ ben jede Stunde, und er hoffte, Herr Palmer wer⸗ de Mrs. Beaumont dahin vermoͤgen, den ganzen Tag in Walſinghamhaus zuzubringen. Da⸗ b wider durfte Mrs. Beaumont nichts einwenden; im Gegentheil erforderte jetzt ihre Politik, ſich das Anſehen zu geben, als empfaͤnde ſie die zaͤrtlichſte Freundſchaft fuͤr die ganze Walſinghamſche Fami⸗ lie. Doch bei dem allen ließ ſie ihren Plan nicht aus der Acht, Herrn Palmer an einer naͤheren legenen Werthe dieſer Familie zu verhindern; des⸗ Bekanntſchaft mit den Geſinnungen und dem uͤber⸗ wegen we redung a ſuchte ſt der beid wachſend nach den ruckten; und hat Gegenſt Kapita ernſtlich erfahren „ der jun wandt, Freund ich wars doch der Landes ge⸗ lernen; nun edler Kapitain ich fort, und nicht zu ſehn erwarte denſel⸗ tr Palmer wer⸗ en, den ganzen bringen. Da⸗ hts einwenden; olitik, ſich das ſ die zaͤrllichſte zhamſche Jan⸗ hren Plan nicht einer naͤheren und dem uͤbet⸗ ethindem; des⸗ 211 wegen wußte ſie mit großer Geſchicklichkeit die Unter⸗ redung auf allgemeine Gegenſtaͤnde hinzulenken, und ſuchte ſoviel nur moͤglich das Alleinbeieinanderſeyn der beiden Maͤnner zu hintertreiben, da deren wachſende Vertraulichkeit ſie ſchreckte. Als aber nach dem Eſſen die Frauen ſich hinwegbegaben, ruͤckten die Maͤnner ihre Stuͤhle naͤher zuſammen und hatten mancherlei Geſpraͤche uͤber intereſſante Gegenſtaͤnde. Der intereſſanteſte jedoch war der Kapita’n Walſingham; und Palmer begehrte ernſtlich das Naͤhere von ſeinen Schickſalen zu erfahren. 3 „Von wem koͤnnte er das auch beſſer,“ ſagte der junge Beaumont zu Herrn Walſingham ge⸗ wandt,„als von des Kapitains Vormund und Freund?“ 212 Zehntes Kapitel. —/ 9, Freunde ſind nicht allemal die beſten Biogra⸗ phen,“ entgegnete Herr Walſingham,„aber ich will verſuchen, unpartheiiſch zu berichten.— Mei⸗ nes Muͤndels erſtes Verlangen ein Seemann zu werden iſt, wie er mir oft ſeitdem geſagt hat, durch das Leſen von Robinſon Cruſoe bewirkt wor⸗ den. Er war kaum dreizehn Jahr alt, als er mit der Reſolute, einer Fregatte unter Capitain Campbell in See ging. Campbell war ein bra⸗ ver Offizier, ſtreng in Allem, was Ordnung und Disciplin betraf. Es war ſein Grundſatz, keinen erſten Fehler durchzulaſſen, und ſomit verminderte er die zweiten Fehler um ein betraͤchtliches. An⸗ fangs behagte ſein Kapitain meinem Muͤndel nicht; beſſerhin hat er ſich uͤberzeugt, daß jene Strenge ihn ſelbſt zu Maulſchellen ausgekehrt, und Untern er allezeit ge des Seeman horſam ſei. Lieutenant! die doppelt horchens ſe Kapitains, ihn war. Walſing des Sohne die Freund Pänktliche chrfürchtsr mant half Unaufhorli Biogra⸗ „aber ich — Mei⸗ eemann zu geſagt hat, wirkt wot⸗ t, als er t Capitain rein hra⸗ nung und aß, kanen derminderte hes. An⸗ ndel nicht; te Sttenge 213 ihn ſelbſt zum Mann gemacht hat. Er bekam Maulſchellen, das Rauhe wurde gegen ihn her⸗ ausgekehrt, er mußte ſchwere Arbeiten verrichten, und Unterwuͤrfigkeit lernen. Der Vernunft war er allezeit gern gewichen; allmaͤhlig ſah er ein, daß des Seemanns erſte Pflicht unverbruͤchlicher Ge⸗ horſam ſei. Er wurde zu gehoͤriger Zeit zum Lieutenant befoͤrdert; und in dieſer Lage wurde ihm die doppelte Pflicht des Befehlens und des Ge⸗ horchens ſchwierig gemacht, weil der Sohn des Kapitains, ſein Oberlieutenant, eiferſuͤchtig auf ihn war. Walſingham fand es ſchwerer, das Zutrauen des Sohnes zu gewinnen, als es geweſen war, die Freundſchaft des Vaters zu verdienen. Seine Puͤnktlichkeit in Vollziehung des Befohlenen, ſein ehrfurchtsvolles Benehmen gegen den Oberlieute⸗ nant half wenig; denn der junge Campbell ſah unaufhoͤrlich mit veraͤchlichen und doch zugleich 4 214 neidiſchen Blicken auf ihn, indem er waͤhnte, jener laure nur auf Veranlaſſungen, ſich als den beſſe⸗ ren Offizier zu erweiſen. Endlich fand Walſingham Gelegenheit ihm unzweideutige Beweiſe von der Irrigkeit dieſer Vorſtellung zu geben. Es geſchah eines Tages, daß Campbell, der einen Matroſen ungeſchickt an der Außenſeite des Schiffs handthieren ſah, ihm voll Ungeduld das Seil aus der Hand riß, und dabei verſicherte, er wolle lieber dies Geſchaͤft ſelbſt verrichten. In der Eil trat er fehl, und fiel uͤber Bord; zu ſchwimmen verſtand er nicht. Wal⸗ ſingham hatte die Geiſtesgegenwart zu befehlen, daß das Boot ausgeſetzt wuͤrde, und warf ſich augenblicklich in die See, um ſeinen Nebenbuh⸗ ler zu retten. Mit vieler Anſtrengung erreichte er Campbell und hielt ihn in die Hoͤhe bis das Boot herabgelaſſen war, und er ihn ſicher wieder an Bord ſchaffen konnte.“ Beaumont, heit, ſän „Nun lieutenante ham fort des Pertra dem Maal Rebenbuhl gute Eint Mitofftzier angenehm, ihrer Bemt Wäͤhrend miteinand wurden, Acbeit no Endlich n einem mit hnie, jener den beſſe⸗ cheit, ihm keit dieſer es Tages, ſſchickt an ſah, ihm riß, und ſhaͤft ſelbſt d ſil uͤber ht. Wal⸗ befehlen, warf ſich Rebenbuh⸗ g eeriichte he bis das ſcher wieder 215 „Das iſt er ganz und gar!“ rief der junge Beaumont,„ihm fehlt nie Etwas, als Gelegen⸗ heit, ſein Innres darzuthun.“ „Nun verwandelte die Eiferſucht des Ober⸗ lieutenants ſich in Dankbarkeit;“ fuhr Walſing⸗ ham fort,„ und ſeitdem freute ſich mein Muͤndel des Vertrauens des jungen Campbell in eben dem Maaße, als er zuvor durch deſſen kleinliche Nebenbuhlerei unterdruͤckt worden war. Dieſes gute Einverſtaͤndniß zwiſchen ihm und ſeinem Mitooffizier machte das Leben beider nicht nur angenehm, ſondern es war auch fuͤr den Erfolg ihrer Bemuͤhungen in ſchwuͤrigen Lagen nuͤtzlich. Waͤhrend dreier Jahre, in welchen ſie nachmals miteinander in alle Weltgegenden hin ausgeſandt wurden, entſtand zwiſchen ihnen weder bei der Arbeit noch in muͤßigen Tagen der mindeſte Zwiſt. Endlich wurde der Lieutnant Campbell bei irgend einem mit einem Hollaͤndiſchen Schiff vorgefalle⸗ 216 nen Treffen, davon ich das Naͤhere vergeſſen habe, toͤdtlich verwundet; ſeine letzten Worte waren: „Walſingham, troͤſte meinen Vater. Das war nicht leicht; obgleich der Vater hart zu ſeyn ſchien, ſo war doch, ſeinem Gefuͤhle nach, der Tod ſeines Sohnes fuͤr ihn ein unendlicher Verluſt. Er vergoß keine Thraͤne, da er ihn erfuhr: Got⸗ tes Wille geſchehe!“rief er, ging in ſeine Cajuͤtte und verlangte allein zu bleiben. Nach einer hal⸗ ben Stunde ließ er Walſingham rufen, der ihn ganz ruhig traf:„wir muͤſſen ſehen, daß wir un⸗ ſre Schuldigkeit zuſammen bis zum Aeußerſten thun,“ ſagte er. Er ſtrengte ſich ernſtlich in ſeinem Beruf an, und war, allem Anſcheine nach, derſelbe Mann, wie vorher. Die Matreoſen fanden es auch ſo. Aber Walſingham, der ihn beſſer verſtand, merkte wohl, daß ſein Herz gebrochen ſey, und daß er nichts ſuche als einen ehrenvollen Tod. Eines Mecgens ſt durch ſin G Augen ſind! zu ihm, kennen Sie eine Fregat geſehen hab wich erken ſegel.) chen,“ ſe äberlegen im Schley Walſingha entgegente denn ich ſagte Ca ich kann fehlshabe ralitͤt w geſſen habe, tte waren: Das war t zu ſeyn h, der Tod r Verluſt. uhr: Got⸗ ine Cajutte einer hal⸗ n, der ihn ß wir un⸗ Aeußerſten Beruf an, be Mann, s auch ſo. nd, merkte nd daß er d. Eines 217 Morgens ſtand er auf dem Verdeck und ſchaute durch ſein Glas, da rief er Walſingham.„Ihre Augen ſind beſſer als die Meinigen,“ ſprach er zu ihm,„ſehen ſie her, und ſagen Sie mir, er⸗ kennen Sie das Seegel dort? Es iſt Franzoſiſch; eine Fregatte, la magnanime, wenn ich recht geſehen habe?„Ja,“ antwortete Walſingham, „ich erkenne ſie an dem Flicken im Schoͤnfahr⸗ ſegel.“„Nun wir wollen ihr zu ſchaffen ma⸗ chen,“ ſagte Campbell,„wenn ſie uns auch uͤberlegen iſt. So Gott will, ſollen Sie dieſelbe im Schlepptau haben, ehe die Sonne untergeht, Walſingham.“„Ich hoffe, wir werden es;“ entgegente Walſingham.„Vielleicht ich nicht; denn ich geſtehe, mich verlangt, zu bleiben,“ ſagte Campbell.„Sie ſind jetzt Oberlieutenant; ich kann meine Leute unter keinem beſſeren Be⸗ fehlshaber hinterlaſſen, und ich hoffe, die Admi⸗ ralitaͤt wird Ihnen das Schiff zuerkennen, wenn 218 Sie es Seiner Majeſtaͤt erobern.“ Hierauf wand⸗ te ſich Campbell zu der Schiffsmannſchaft und re⸗ dete ſie mit ungewoͤhnlicher Heiterkeit an; wenige Worte der Aufmunterung, ſagte er, und gab dann Befehle, das Verdeck fuͤr das Gefecht zu raͤumen. „Sehen Sie dahin, daß die Sachen gehoͤrig ge⸗ ſchehen, Walſingham, indeß ich hinunter gehe zu ſchreiben.“ Zwei Briefe ſchrieb er, beide zu Walſinghams Empfehlung, wie ſich's nachmals gefunden. Die Fregatte, mit der ſie zuſammen treffen ſollten, war ihnen in der That weit an Staͤrke uͤberlegen; aber Campbell vertraute der Ordnung und Standhaftigkeit, gleichwie der Ta⸗ pferkeit ſeiner Mannſchaft. Das Gefecht war lang und hartnaͤckig. Zweimal verſuchten die Eng⸗ laͤnder, den Feind zu entern, zweimal wurden ſie zuruͤckgeſchlagen. Beim drittenmal, als Kapi⸗ tain Campbell ſo eben die franzoͤſiſche Flagge faßte, die in Lumpen uͤber dem Bord des feindlichen Schiffs hin ee ſank zur ſcid faſt etwies ſich Succes, erſchien, u in welchen alle dbrig getadtet n blieb, ale aufzuopfe Nach nime, ſtri Schweige tes, bele heruͤber. geſtriche ces, ihn Voot he raufwand⸗ aft und re⸗ in; wenige d gab dann u raumen. hehoͤrig ge⸗ unter gehe beide zu nachmals zuſammen t weit an traute der e der Ta⸗ fecht war die Eng⸗ vurden ſie als Kapi⸗ gge faßte, eindlichen 219 Schiffs hing, traf eine Kugel ihn in der Bruſt, er ſank zuruͤck in Walſinghams Arme und ver⸗ ſchied faſt augenblicklich. Der Erfolg des Tages erwies ſich ſeiner Erwartung ungleich; denn le Succès, ein Kriegsſchiff von funfzig Kanonen, erſchien, und nach einem verzweifelten Gefecht, in welchem Walſingham ſchwer verwundet, auch alle uͤbrigen Offiziere am Bord verwundet oder getoͤdtet wurden, ſah jener daß ihm nichts uͤbrig blieb, als den Reſt ſeiner Mannſchaft vergeblich aufzuopfern, oder die Seegel zu ſtreichen. Nach ſechsſtuͤndigem Gefecht mit der Magna- nime, ſtrich er vor dem Sucoès die Seegel. Tiefes Schweigen herrſchte auf ſeinem Verdeck; ein lau⸗ tes, beleidigendes Jauchzen ſcholl von dem Feinde, heruͤber. Kaum hatte Walſingham die Seegel geſtrichen, als La Force, der Kapitain des Suc⸗ ces, ihm zurief, und ihm befahl, in ſeinem eignen Boot heruͤber zu kommen und ſein Schwert aus⸗ 220 zuliefern. Walſingham erwiederte, daß er auf ein ſolches Verlangen ſein Schwert nur mit dem Leben laſſen werde. Der Franzos hielt nicht fuͤr raͤthlich darauf zu beſtehn, ſondern ſchickte bald darauf ſeinen Lieutenant nach der Reſolute ab, wo dieſer die Mannſchaft auf ihrem Poſten mit bren⸗ nenden Lunten traf, bereit, ihr Wort mit dem Le⸗ ben zu loͤſen. La Force, der Kapitain des Suc⸗ cès, war ein Gluͤcksofficier, den Zufall, nicht Verdienſt emporgebracht hatte. „Aha, aha,“ unterbrach ihn hier Palmer, „das dacht' ich ſchon; und dabei war auch kein großes Verdienſt noch Ruhm, daß ein Franzoͤ⸗ ſiſches Kriegsſchiff von funfzig Kanonen eine Eng⸗ liſche Fregatte nahm, die ſchon ſechsſtuͤndigen Kampf gegen ein andres Schiff beſtanden. Nun, lieber Herr, was wurde aus dem armen Wal⸗ ſingham, wie behandelte der Franzos ſeinen Ge⸗ fangnen?“ „Sch noch ſt V die Natio che, die, duums wan „Run ſprach Pa „La in einem Walſingh fangnen; marſchiren einer Haft man ſieg ziere derd doch als liebte, parthien ohne die daß er auf nur mit dem lt nicht fur ſchickte hald lute ab, wo mit bren⸗ dit dem Le⸗ n des duc⸗ fall, nicht er Palmer, rauch kein n Franzoͤ⸗ eine Eng⸗ eſtuͤndigen n. Nun, nen Wal⸗ ſeinen Ge⸗ 221 „Schmaͤhlig!“ rief Beaumont;„und den⸗ noch iſt Walſingham ſo brav, daß er nichts auf die Nation kommen laſſen will wegen einer Sa⸗ che, die, wie er ſagt, nur Schuld eines Indivi⸗ duums war, welches die Nation entehrte.“ „Nun, laßt mich hoͤren, und ſelbſt urtheilen,“ ſprach Palmer. „La Force brachte die Reſolute triumphirend in einem Franzoͤſiſchen Hafen auf,“ fuhr Herr Walſingham ſort.„Voll Eitelkeit, mit den Ge⸗ fangnen zu prunken, ließ er ſie ins Land hinein marſchiren, unter dem Vorwand, ſie waͤren in einer Hafenſtadt nicht ſicher. Zu Cambray hielt man ſie gefangen. Anfangs begegneten die Offi⸗ ziexe der dortigen Garniſon Walſingham ſehr artig; doch als ſie merkten, daß er nicht hohes Spiel liebte, und ſich ihrem Billiarde und Vingtetuͤn⸗ parthien entzog, wurden ſie ſeiner bald uͤberdruͤſſig; ohne dieſe Zuflucht, betheuerten ſie, muͤßten ſie in 222 der Provinz vor Langerweile umkommen. Selbſt mit Gefahr, allen Umgang daruͤber einzubuͤßen, widerſtand Walſingham der Verſuchung zum Spiel, und ließ ſich lieber die groͤßte Einſchraͤnkung ge— fallen, als daß er Schulden gemacht haͤtte. „Aber ſchickten Sie ihm denn kein Geld? Oder bekam er Ihre Wechſel nicht?“ fragte Pal⸗ mer. 1 „Lieber Herr, wegen verſpaͤteter Briefe erfuh⸗ ren wir waͤhrend zweier Monathe nicht, wo er gefangen war.“ „Und er gerieth in's aͤußerſte Elend,“ fuhr Beaumont fort,„denn er hatte ſein Hab und Gut bis auf den letzten Pfennig mit ſeinen armen Mitgefangnen getheilt.“ „Recht ſo, wie ein brittiſcher Seemann!“ ſagte Palmer.„Nun, Herr, ich hoffe, er machte ſich aus dem Staube.“ „Nein; chen,“ erwi „Das! wort gehalt et fteilich i „Ich mont,„d widerſtand Kommand ſeinen We barkeit ein pflichtet ho ham kann „Ich de nicht ei nug, He ſein Ehre nathe zu mir oft 9 nen. Selbſt einzubuͤßen, gzum Spill hraͤnkung ge⸗ haͤtte. kein Geld? fragte Pal⸗ Briefe erfuh⸗ icht, wo er end,“ fuhr Hab und einen armen Seemann!“ er machte 223 „Nein; er wollte ſein Ehrenwort nicht bre⸗ chen,“ erwiederte Beaumont. „Das wußte ich nicht, daß er auf ſein Ehren⸗ wort gehalten war,“ ſagte Palmer,„dies konnte er freilich nicht brechen.“ „Ich kann verſichern,“ verſetzte Beau⸗ mont,„daß er zwei lockenden Verſuchungen widerſtand. Der einen, welche die Frau des Kommandanten, die nicht unempfindlich gegen ſeinen Werth blieb. der andern, welche die Dank⸗ barkeit eines armen Dienſtbothen, den er ſich ver⸗ pflichtet hatte, ihm verſchaffte. Herr Walſing⸗ ham kann Ihnen das Naͤhere ſagen.“ „Ich brauche mich auf die naͤheren Umſtaͤn⸗ de nicht einzulaſſen,“ ſagte Walſingham.„Ge⸗ nug, Herr, er beſtand dieſe Verſuchungen, wollte ſein Ehrenwort nicht brechen, und blieb vier Mo⸗ nathe zu Cambray gefangen. Er haͤtte, wie er mir oft geſagt hat, vor Schmach vergehen oder 4 224 wie die Offiziere der Garniſon, ſpielen und trinken muͤſſen, wenn er nicht gluͤcklicherweiſe Geſchmack an Lektuͤre gefunden haͤtte, und nicht im Stande geweſen waͤre, Buͤcher aus der Bibliothek eines alten Prieſters zu beziehen. Gegen das Ende des vierten Monaths wurde die Garniſon von Cam⸗ bray gewechſelt, und ſtatt einer Rudel ausſchwei⸗ fender Offiziere, kam nun ein wohldisciplinirtes Regiment unter dem Commando eines Herrn von Villars, eines aͤltlichen Offiziers von Vernunft und Einſicht, dorthin.“ „Ein trefflicher Mann!“ rief Beaumont, „ich liebe ihn von ganzer Seele, obwohl ich ihn nimmermehr geſehn habe. Aber verzeihen Sie, Herr Walſingham, daß ich Sie unterbrach.“ „Ein plauderhafter Peruckenmacher aus Cam⸗ bray nahm Villars zuerſt fuͤr Walſingham ein, indem er jenem eine Menge Anekdoͤtchen erzaͤhlte, die alle dahin abzweckten, den engliſchen Kapi⸗ tain tain lächetl ne Spalſam gen. Dieſe dern, daß friſiren laſſe ſellſchaften Ftau des! ſten vierzel man ihn g den Schm Villrs b. richte den ſchmack an was er vo deſſelben! Als nachdem bracht, t Militairu L= und trinken ſe Geſchmack tim Stande pliothek eines das Ende des von Cam⸗ lausſchwei⸗ disciplinirtes s Herrn von on Vernunft Beaumont, vohl ich ihn zühen Sie, erbrach.” er aus Cam⸗ ſingham ein, den erzäͤhlte iſchen Kapi⸗ tain 225 tain laͤcherlich zu machen, und Schande auf ſei⸗ ne Sparſamkeit und Menſchenfeindlichkeit zu brin⸗ gen. Dieſer Peruͤckenmacher berichtete unter an⸗ dern, daß Walſingham ſich nur zweimal habe friſiren laſſen, ſeitdem er hier ſei; daß er die Ge⸗ ſellſchaften der Marquiſe von Marſillac, der Frau des Kommandanten, nur waͤhrend der er⸗ ſten vierzehn Tage ſeines Hierſeyns beſucht; daß man ihn gefunden habe, wie er mit eignen Haͤn⸗ den Schmiede⸗ und Zimmerarbeit verfertigt haͤtte. Villars beſuchte auf Autoritaͤt dieſer Friſeurbe⸗ richte den engliſchen Kapitain oͤfters, fand Ge⸗ ſchmack an ſeiner Unterhaltung, und an Allem, was er von dem Benehmen und der Geſinnung deſſelben bemerkte. Als er einsmals die Treppe herunter kam, nachdem er den Abend mit Walſingham zuge⸗ bracht, trat ein kaum zwoͤlfjaͤhciger Knabe, in Militairuniform gekleidet, der Sohn des Haus⸗ II. P 226 wirthes, auf einem der Abſoͤtze ihm in den Weg. „Mein kleiner Militair,“ ſagte der Komman⸗ deur,„willſt du mir den Weg vertreten?“ „Nein, mein General,“ erwiederte der Knabe, „ich weis meine Schuldigkeit. Aber ich ſtelle mich hier, weil ich um Audienz bitten will; denn ich habe ein wichtiges Geheimniß Ihnen mitzu⸗ theilen⸗“ Villars laͤchelte uͤber die wichtige Mi⸗ ne des Knaben, doch gefiel ihm der beſtimmte Ernſt ſeines Weſens, er nahm den Knaben bei der Hand, fuͤhrte ihn in ein Vorzimmer und ſag⸗ te: er ſei bereit zu vernehmen, was er ihm vor⸗ zutragen habe. Der Knabe erzaͤhlte ihm darauf, wie er zufaͤllig gehoͤrt haͤtte, daß man dem eng⸗ liſchen Kapitain einen Vorſchlag gethan, zu ent⸗ wiſchen, und daß der Kapitain dies durchaus verworfen habe, weil es ehrlos ſei, ſein Wort zu brechen. Der Knabe, den dieſer Umſtand auf⸗ gefallen, der uͤberduss fuͤr manche kleine Freund⸗ lichkit dank mit Enthuſe dete ſeinen? nachmals w für die Frei mein Schwe Villats ben, und: dermaßen, frei werden du, mein der Erſte ſ Nach Walſingha Freiheit! er ſo wild ehe Walſe brachte, ihn ein( in den Weg. ſe Komman⸗ vertreten?“ te der Knabe, (ber ich ſtell n will; denn Ihnen mitzu⸗ wichtige Mi⸗ der beſtimmte Knaben bei mer und ſag⸗ er ihm vor⸗ ihm darauf, aan dem eng⸗ than, zu ent⸗ ies durchaus „ſein Wort Umſtand auf⸗ ſeine Freund⸗ 227 lichkeit dankbar gegen Walſingham war, ſprach mit Enthuſiasmus zu Gunſten deſſelben, und en⸗ dete ſeinen Bericht mit den Worten, die Villars nachmals wiederholte: ich gaͤbe Alles in der Welt fuͤr die Freiheit des engliſchen Kapitains, außer mein Schwerdt und meine Ehre. Villars freute ſich uͤber das Weſen des Kna⸗ ben, und uͤber den Vorfall, den er ihm erzaͤhlte, dermaßen, daß er verhieß, wenn Walſingham frei werden koͤnnte, ſo wolle er es bewirken. Und du, mein kleiner Freund, ſetzte er hinzu, ſollſt der Erſte ſeyn, der ihm die gute Botſchaft bringt. Nach einigen Tagen ſtuͤrzte der Knabe in Walſinghams Gemach, und ſchrie:„Freiheit! Freiheit! Sie ſind frei!“ dabei tanzte und ſprang er ſo wild umher, daß es geraume Zeit waͤhrte, ehe Walſingham eine Erklaͤrung von ihm heraus⸗ brachte, oder ihn dahin bringen konnte, daß er ihn ein Schreiben leſen ließ, das er wie eine P 2 228 Trompete triumphirend ſchwang. Endlich zeigte mit welchen V er daſſelbe, und es war ein Befehl von Villars, olleht, tha zur Auswechslung des Kapitain Walſinghams l des Vetk und alle der engliſchen Gefangenen, die zur Re⸗ Das Urthei ſolute gehoͤrten. Keine Gunſt konnte je auf eine Walſinghan fuͤr alle Theile gleich ehrenvolle Art bewirkt wor⸗ faͤt Fregatte den ſeyn. Ohne weitere Schwierigkeiten landete von dem b 6 hernach Walſingham in England. irgend hät „Gott ſei Dank!“ rlef Palmer.„Nun er Das Mini wieder auf engliſchem Grund und Boden ſteht, bell angeſte ſchoͤpfe ich wieder Hoffnung fuͤr ihn. Wie nun einer von weiter?“ lig einen „Natuͤrlich war ſein Erſtes, ſeine Ankunft Wenige T bei der Admiralitaͤt anzuzeigen. Man hielt uͤber Walſigha 65 ihn zu Portsmouth ein Kriegsgericht, welches zugegen, gluͤcklicherweiſe aus den ausgezeichnetſten Offizie⸗ ter getiett ren zuſammengeſetzt war, ſo daß die erſten Maͤn⸗ der Priva ner ſeines Standes durchaus von ſeinem Verfah⸗ mitalität: wen unterrichtet wurden. Der Enthuſiasmns, Walſingh Pndlich zagt von Villars, Walſinghame die zur Re⸗ e je auf eine bewirkt wor⸗ keiten landete l.„Nun er Boden ſteht, 7. Wie nun eine Ankunft an hielt uͤber icht, welches tiſten Offizi erſten Man⸗ nem Petfah⸗ nthuſiasmné, 229 mit welchem die Mannſchaft fuͤr ihn Zeugniß ablegte, that ſeinem Herzen wohl, und die Arti⸗ kel des Verhoͤrs fielen alle zu ſeinem Ruhme aus. Das Urtheil wurde dahin gefaͤllt, daß Lieutenant Walſingham zur Vertheidigung von ſeiner Maje⸗ ſtaͤt Fregatte Reſolute Alles gethan habe, was von dem bravſten und geſchickteſten Offizier nur irgend hätte ins Werk gerichtet werden koͤnnen. Das Miniſterium, welches den Kapitain Camp⸗ bell angeſtellt hatte, war nicht mehr in Aktivitaͤt, einer von den Lords der Admiralitaͤt hatte zufaͤl⸗ lig einen perſoͤnlichen Zwiſt mit ihm gehabt. Wenige Tage nach Faͤllung des Urtheils war Walſingham bei einem oͤffentlichen Mittagsmahl zugegen, wo das Geſpraͤch auf Campbells Karak⸗ ter gerieth. Man warnte Walſingham leiſe, daß der Privatſchreiber des erſten Lords von der Ad⸗ miralitaͤt zugegen waͤre, er ſolle klug ſeyn. Aber Walſinghams Klugheit war nicht von der Art, 230 daß er eines wuͤrdigen Mannes Andenken bei ei⸗ nem ſchalen Lobe haͤtte verdammen laſſen ſollen, nicht von der Art, daß er geduldig eines Freundes Ruf in Gefahr haͤtte ſehen koͤnnen. Mit aller Waͤrme und Beredſamkeit der Freundſchaft ver⸗ theidigte er den Kapitain Campbell, und zollte ſeinem Gedaͤchtniß den Preis gerechten und kraft⸗ vollen Lobes. Die Weltklugen ſahen auf ihre Teller nieder, und es erfolgte eine Pauſe, wie ſie manchesmal im Kreiſe eigennuͤtziger Weltleute, durch das Erſtaunen uͤber die unvorſichtige Recht⸗ ſchaffenheit eines gutmuͤthigen Neulings entſtehen kann. Walſingham hoͤrte, als die Geſellſchaft aufbrach, im Weggehen einen Herrn von ihm zu einem andern ſagen:„Der arme Schelm hat ſich da zu Grunde gerichtet, ohne es zu wiſſen, und das fuͤr einen todten Mann.“ Ohne Wiſſen war es nicht geſchehn. Walſingham war ſich wohl bewußt, was er aufs Spiel ſetzte, aber da⸗ mals und hheil der. Freunde ne nachher ihm aufget „Na, Beaumont Schreiber der, obo Volk, d herumttie voller, a dem Kar⸗ nigkeit un Aber der Sie nic wie Ga⸗ „E wegen g denken bei ii⸗ laſſen ſollen, ines Freundes . Mit alcer -undſchaſt ver I, und zolle ten und kraft⸗ ſahen auf ihre ne Pauſe, wie iger Weltleute, rſichtige Recht⸗ lings entſtehen ie Geſellſchaſt en von ihm zu te Schelm hat es zu wiſſn, Ohne Wiſſen ham war ſch thte, aber da⸗ 231 mals und ſtets war er bereit, ſeinen eignen Vor⸗ theil der Vertheidigung der Wahrheit und der Freunde nachzuſetzen. Zwei lange Jahre mußte er nachher vor der Gnadenthuͤr harren, ehe ſie ihm aufgethan ward.“ „Ja, und da harrt' er wohl noch,“ ſagte Beaumont,„ohne den guten Gaspard, der Schreiber in einer der Kanzleien war. Ein Mann, der, obgleich er immer mit Hofleuten und mit Volk, das ſich auf den politiſchen Landſtraßen herumtrieb, Verkehr gehabt hatte, ein gemuͤth⸗ voller, aufrichtiger Freund, ein Mann von gra⸗ dem Karakter war, der Redlichkeit und Hochſin⸗ nigkeit um ſo hoͤher hielt, je ſeltner er ſie traf. Aber verzeihen Sie, Herr Walſingham, wollen Sie nicht fortfahren und Herrn Palmer ſagen, wie Gaspard unſerm Freunde geholfen hat?“ „Eines Tages fand Walſingham Gelegenheit, wegen gewiſſer Papiere, die Karten betrafen, wel⸗ 232 che er gezeichnet hatte und der Admiralitaͤt vorlegen wollte, in Gaspards Kanzlei nachzufragen. Im Geſpraͤch uͤber das Sondiren einiger Bayen, deren Tiefe Walſingham, waͤhrend er mit Kapitain Campbell zur See war, gemeſſen hatte, gedachte er deſſelben, wie immer, mit Liebe und Achtung. Gaspard fragte ſofort, ob er der Lieutenant Wal⸗ ſingham von der Reſolute ſei, der vor zwei Jah⸗ ren bei einem oͤffentlichen Mittagsmahl ſeinen Ka⸗ pitain ſo uneigennuͤtziger Weiſe vertheidigt haͤtte? Als er vernahm, daß er den Lieutenant Walſing⸗ ham vor ſich hatte, ſetzte er hinzu:„Wenn es in meinen Kraͤften ſteht, Ihnen zu dienen, ſo verlaſſen Sie ſich darauf, daß ich es thun werde. Laſſen Sie mir Ihre Karten hier; ich glaube, ich kann Gelegenheit nehmen, dieſelben zu Ihrem Beſten und zum Vortheil des Dienſtes anzubrin⸗ gen.“ Es war Gaspards Ernſt, als er dies ſagte; er nahm den Augenblick wahr, Walſing⸗ hams Kar hhrer benot einen Offi nan ſchich gatte von Kapitain „Was Kapitain „DA verſehte „Ja len Stuͦ war Jen kommene kann. ein Ma „D liſcher E „ litͤt vorlegen fragen. Im Bayen, deten mit Kapitain atte, gedachte und Achtung. utenant Wal⸗ vor zwei Jah⸗ hl ſeinen Ka⸗ heidigt hätte? ant Walſing⸗ „Wenn es u dienen, ſo thun werde, h glaube, ich n zu Ihrem des anzubrin⸗ als er dies ſt, Walſing⸗ 233 hams Karten eben dann vorzulegen, als man ihrer benoͤthigt war. Die Admiralitaͤt ſtellte gern einen Offizier an, der Lokalkenntniſſe beſaß, und man ſchickte ihn auf der Dreadnought, einer Fre⸗ gatte von ſechs und dreißig Kanonen, mit dem Kapitain Jemmiſon nach Weſtindien. „Was fuͤr ein Mann war denn dieſer neue Kapitain?“ fragte Palmer. „Dem vorigen ſo ungleich, als nur moͤglich,“ verſetzte Beaumont. „Ja,“— fuhr Walſingham fort,„in al⸗ len Stuͤcken, außer in Anſehung des Muths, war Jemmiſon vom Kapitain Campbell das voll⸗ kommene Gegenbild, das man ſich nur denken kann. Aber was er auch außerdem ſeyn mogte, ein Mann von Muth war er unfehlbar. „Das verſteht ſich von ſelbſt, da er ein eng⸗ liſcher Schiffskapitain war,“ ſagte Palmer. „Seinem Aeußern nach, haͤtten Sie ihn doch 234 nimmermehr fuͤr einen tuͤchtigen Seemann gehal⸗ ten,“ ſprach Walſingham weiter;„er haßte das Rohe, Brutale, das Fluchen, Tabakkauen und Rumtrinken einer Gattung von Seemaͤnnern; und indem er deren Fehler zu vermeiden ſtrebte, glaub' ich, verfiel er in das entgegengeſetzte Extrem, und ergab ſich der Ueppigkeit und einem weibiſchen Weſen. Er wurde ein uͤberſchwenglicher Geck und Epikuraͤer, mehr aus Mode, als aus Nei⸗ gung, ſuchte Etwas darin, mit techniſchen Aus⸗ druͤcken den Werth einer Speiſe oder eines Kochs zu eroͤrtern, hielt ſeine Tafel, ſelbſt am Bord, ſo zierlich, daß nichts daruͤber ging, als ſeine Toilette.”“ „Der Geck!“ rief Palmer;“wie ſtand ſich denn Kapitain Walſingham mit einem ſolchen Laffen?“„Recht ſchlecht, das koͤnnen Sie wohl denken,“ ſagte Beaumont,„denn dafuͤr bin ich Ihnen Buͤrge, daß Walſingham, wenn er Ver⸗ achtung l deuͤcken ke „Abe Lieutenan der großt ſagte Her keit und duld ert gegen ſe den Lie und W und ſtill ihm gel tionsver Unwille ches S der ein Antwor Lamott emann gehal⸗ er haßte das dakkauen und annern; und rebte, glaub Ertrem, und N weibiſchen mglicher Geck ls aus Nei⸗ niſchen Aus⸗ eines Kochs ſt am Bord, , als ſeine ie ſtand ſich inem ſolchen nen Sie wohl dafüͤr bin ich denn er Vet⸗ 235 achtung und Unwillen fuͤhlt, dies nicht unter⸗ druͤcken kann.“ „Aber dennoch hat er ſich als Jemmiſons Lieutenant allzeit mit dem groͤßten Anſtand und der groͤßten Ehrerbietung gegen ihn benommen,“ ſagte Herr Walſingham,„und die Geckenhaftig⸗ keit und die Unart ſeines Kapitains mit der Ge⸗ duld ertragen, die einem untergeordneten Offizier gegen ſeinen Obern gebuͤhrt. Jemmiſon konnte den Lieutenant nicht ausſtehn, deſſen Charakter und Weſen dem ſeinigen immer zum Gegenbild und ſtillem Vorwurf gereichten. Je weniger es ihm gelingen wollte, ihn zu einem Subordina⸗ tionsvergehn zu verlocken, deſto hoͤher ſtieg ſein Unwille. Er antwortete oft auf deſſen veraͤchtli⸗ ches Schweigen, wie ein franzoͤſiſcher Journaliſt, der ein Buͤchlein unter dem Titel herausgab: Antwort auf das Stillſchweigen des Herrn von Lamotte. Wo aber Dienſt und Pflicht ins Spiel ———,— 236 kamen, da ſchwieg Walſingham nicht. Auf der Dreadnought befand ſich ein Burſche mit Namen Birch, den Walſingham unter beſondere Obhut genommen hatte, und dem er zu allem Guten An⸗ leitung zu geben bemuͤht war. Um Walſingham zu placken, machte ſich Jemmiſon ein Vergnuͤ⸗ ger daraus, dieſes Bemuͤhn zu vereiteln, und that unaufhoͤrlich ſein Moͤgliches, Birch durch thoͤrigte Nachſicht zu verderben. Walſinghams Erbitterung ſtieg bei dergleichen Anlaͤſſen aufs Aeußerſte, und er gerieth oftmals deshalb hart mit ſeinem Kapitain an einander. Birch hatte Einſicht genug, zu erkennen, wer ſein wahrer Freund ſei. Eines Tages warf er ſich Walſing⸗ ham zu Fuͤßen, und beſchwor ihn feierlich, ſich ſeinetwegen fortan nicht mehr auszuſetzen, er wolle waͤhrend der uͤbrigen Reiſe ſich nicht der minde⸗ ſten Ausſchweifung oder Fahrlaͤſſigkeit mehr ſchul⸗ dig machen. Der junge Menſch hielt dies Ge⸗ lubde, Nüchter und den Orte ihn Kapitai ſtig, un ſtreuung Puten den R nichts ziere, das S und ha ſchaft ſe nic bel ge kunft, unter! Meut t. Auf der mit Namen dere Obhut Guten An⸗ Valſingham n Vergnuͤ⸗ iteln, und Birch durch Jalſinghams glaſſen aufs eshalb hart Birch hatte ſein wahrer Walſing⸗ jerlich, ſich en, et wolle der minde⸗ meht ſchul⸗ t dies Ge⸗ 237 luͤbde, und verhinderte durch Entſchloſſenheit und Nuͤchternheit einen Bruch zwiſchen dem Kapitain und dem Lieutenant. Als ſie bei Jamaica, dem Orte ihrer Beſtimmung, angelangt waren, ging Kapitain Jemmiſon an's Land, machte ſich lu⸗ ſtig, und verbrachte ſeine Zeit unter großer Zer⸗ ſtreuung zu Spaniſchſtadt mit Schmauſen und Putzen und Tanzen und Hofmachen, ſtolz auf, den Ruhm, daß alle Damen ſagten, er habe gar nichts von einem Seekapitain an ſich. Die Offi⸗ ziere, durch ſolches Beiſpiel ermuntert, verließen das Schiff; nur Walſingham beharrte am Bord, und hatte viel zu thun; denn er konnte der Mann⸗ ſchaft nicht geſtatten, ans Land zu gehen, weil b ſie nicht in Ausſchweifungen mit dem Stadtpoͤ⸗ bel gerathen ſollte. Er hatte bald nach der An⸗ kunft, und zum Theil ſchon waͤhrend der Reiſe, unter den Matroſen etwas von einem Hange zu Meutereien wahrgenommen, den die Fahrlaͤſſigkeit 238 und ſcheinbare Verweichlichung des Kapitains ſehr befoͤrderte. Sie kannten denſelben als einen Mann von Muth und Entſchloſſenheit, aber ſie verſpotte⸗ ten und verachteten ſeine Geckerei; und ſeine Ver⸗ nachlaͤſſigung der Mannszucht machte ihnen Hoff⸗ nung, daß ſie ſich mit Erfolg wuͤrden auflehnen koͤn⸗ nen. Walſingham ſtellte dem Kapitain Jemmiſon und den uͤbrigen Offizieren nachdruͤcklich und wie⸗ derholentlich vor, wie unvorſichtig es waͤre, das Schiff unter ſolchen Umſtaͤnden zu verlaſſen. Doch Jemmiſon betheuerte gar zierlich: da waͤre kein Halbſchatten von Gefahr; bis Mars ihn riefe, zoͤge er Venus vor. Das war nun recht allerliebſt.„Aber trotz dem, wurde dem Kapitain eines Abends, als er ein herrliches Souper ſo eben verzehrt hatte, und einer ſchoͤnen Kreolin zu Spaniſchſtadt den Hof zu machen im Begriff ſtand, Kunde hinterbracht, das Schiffsvolk auf der Dreadnought ſei in vol⸗ lem Auf elſchlagen als, der nacht, a ner Woc ſein Beh Ruf au thüͤr: Walſin hinauf hauen; warfen ſolcher und, a fand i und e verſtri dem, laſſen. ſapitains ſeht einen Mann ſie verſpotte⸗ no ſeine Ver⸗ ihnen hHof⸗ flehnen kon⸗ n Jemmiſon lich und wie⸗ S waͤre, das zu verlaſen. ch: da waͤre „Nars ihn ber troß ends, als er thatte, und. adt den Hof hinterbracht t ſti in vol⸗ 239 lem Aufſtand, und der Lieutnant Walſingham erſchlagen. Ein Theil des Berichts war durch⸗ aus. der andere nur halb wahr. Um Mitter⸗ nacht, als Walſingham, zum erſtenmal ſeit ei⸗ ner Woche, von Nachtwachen erſchoͤpft, ſich in ſein Behaͤlter geworfen hatte, ſchreckte ihn Birchs Ruf auf. Birch rief nehmlich vor der Cajuͤtten⸗ thuͤr:„Meuterei, Meuterei auf dem Verdeck!“ Walſingham zog ſeinen Saͤbel, rannte die Leiter hinauf, entſchloſſen, den Raͤdelsfuͤhrer niederzu⸗ hauen; doch als er beinahe auf dem Verdecke war, warfen die Matroſen die Fallthuͤr zu, die ihm mit ſolcher Gewalt auf den Kopf ſchlug, daß er betaͤubt und, allem Anſchein nach, todt niederfiel. Birch fand indeſſen Mittel, waͤhrend des Getuͤmmels, und ehe die Empoͤrer ihn mit in die Empdrung verſtricken konnten, durch Signale Kundſchaft von dem, was geſchah, an das Land gelangen zu. laſſen. Aber jetzt konnte Kapitain Jemmiſon 240 nichts mehr ausrichten; ehe er Maßregeln zu treffen vermogte, den Aufwieglern zuvorzukom⸗ men, hatten dieſelben die Anker gelichtet; und die Dreadnought ging mit einem friſchen Winde in See. Die uͤbrigen Schiffe im Hafen nahmen an, der Kapitain ſei am Bord und Alles in gehoͤ⸗ riger Ordnung, ſo ſegelte die Fregatte ungehin⸗ dert aus der Bay. Den ohnmaͤchtigen Walſing⸗ ham ſtießen die Matroſen in ſeine Cajuͤtte, und gaben ihm Wache. Jefferies, ihr Raͤdelsfuͤhrer, ein rachſuͤchtiger Boͤſewicht, der ihm eine erlittene gerechte Zuͤchtigung nachtrug, wollte ihn ermor⸗ det wiſſen; aber dies wollten die Uebrigen nicht zugeben. Einige verweigerten es, ihre Haͤnde in Blut zu tauchen; andere verwandten ſich fuͤr ihn, und ſagten, er ſei niemals grauſam geweſen. Ein Mann brachte vor, der Lieutnant habe ihm waͤh⸗ rend einer Krankheit Gutes erwieſen; ein ande⸗ rer gab zu bedenken, daß es gut ſeyn wuͤrde, ihn am am Leben mender G rins Vorſe übelſtimm der ſich! Gewahrſa duͤrfen me ſein Sig die Boſ mermeht verlangt Endlich das waͤre den Win vernahn ſcharfer Nacht! dem Pe ſeßt. II. Naßregeln zu zuvorzukom⸗ ſlichtet; und iſchen Winde dafen nahmen Alles in geh⸗ aite ungehin⸗ gen Walſing⸗ Cajutte, und Rädelefüͤhrer, eine erlittene te ihn ermor⸗ ſebeigen nicht hre Hande in ſchh für hn, geweſen. Ein abe ihm wuͤh⸗ ; ein ande⸗ wuͤrde, ihn am 241 am Leben zu erhalten, damit er bei etwa vorkom⸗ mender Gefahr das Schiff lenken koͤnnte. Jeffe⸗ rins Vorſchlag, ihn umzubringen, ward demnach uͤberſtimmt, und man beſchloß, Walſingham, der ſich nach und nach wieder erholte, in enger Gewahrſam zu halten, bis man ſeiner Huͤlfe be⸗ duͤrfen moͤgte. Er hatte ſeinen Laͤngenmeſſer und ſein Signalbuch bei ſich behalten ,welches beides die Boͤſewichter gaͤnzlich vergeſſen hatten. Nim⸗ mermehr hat ein Seemann ſo nach gutem Wetter verlangt, als Walſingham jetzt nach Sturm. Endlich hoͤrte er in einer Nacht(und er ſagt, das waͤre fuͤr ihn der anmuthigſte Laut geweſen) den Wind ſich erheben. Bald war Sturm. Er vernahm, wie einer der Matreoſen rief:„ein ſcharfer Wind, Jack!“ ein andrer:„eine boͤſe Nacht!“ Darauf ward großes Getuͤmmel auf dem Verdeck, die Pumpen wurden in Gang ge⸗ ſetzt. Jeden Augenblick erwartete er eine Geſandt⸗ II.. 4. 2 2 4 ſchaft von den Meutrern. Der erſte, den er ſah, war der Schiffszimmermann, der hereintrat, um die Laden vor die Luken zu ſchieben; er war einſil⸗ big und wollte auf keine Frage antworten; doch merkte Walſingham aus der Eil, womit er die Arbeit that, daß er dafuͤr hielt, es ſei keine Zeit zu verlieren. Ehe er die Arbeit vollenden konnte, kamen zweimal Bothſchaften vom Kapitain Jefferins, ihn zu etwas Andrem zu beordern. Nun erfolgte ein lautes Gekrach von oben, wie von dem Fall eines Maſtes, und Walſingham hoͤrte Jemand ſchreien:„Ich will verdammt ſeyn, wenn ich mir etwas daraus machte, wuͤßt' ich nur, wo wir uns befaͤnden!“ Darauf war alles in Aufruhr, er konnte keine Stimme mehr unter⸗ ſcheiden. Endlich wurde ſeine Cqjuͤttenthuͤr auf⸗ geſchloſſen; viele Stimmen von oben riefen ihm auf einmal zu: er ſollte den Augenblick auf das Verdeck kommen und das Schiff retten. Wal⸗ ſingham ſchl zu ihter Ret rer Pflicht z und den Ri haͤtten. Be Erſtaunen. Drohen; be derte kalt: Grunde gel chen, bis Der Sturn jedem Auge gezognem( ſchwang ei ihm ſofort nen nicht „Schlagt beharrt bei ſagte Wal den er ſah, eintrat, um war einſll⸗ dorten; doch vomit er die i keine Zeit. den konnte, Kapitain zu beordern. oben, wie Walſingham dammt ſeyn, wuͤßt' ich f war alles mehr unter⸗ tenthuͤr auf⸗ riefen ihm ick auf das 243 ſingham ſchlug es ihnen rund ab, das Mindeſte zu ihrer Rettung zu unternehmen, ehe ſie zu ih⸗ rer Pflicht zuruͤck gekehrt waͤren, und ihre Waffen und den Raͤdelsfuͤhrer Jefferins ihm ausgeliefert haͤtten. Bei dieſer Antwort ſtanden ſie ſtarr vor Erſtaunen. Einige verſuchten Bitten, andre Drohen; beides vergebens. Walſingham erwie⸗ derte kalt: er wuͤrde lieber mit dem Schiff zu Grunde gehn, als ein Wort zu ihrer Huͤlfe ſpre⸗ chen, bis ſie zum Gehorſam zuruͤckgekehrt waͤren. Der Sturm tobte heftiger, die Gefahr ſtieg mit jedem Augenblick. Einer der Meutrer rannte mit gezognem Saͤbel gegen ihn an, ein andrer ſchwang einen Knuͤttel uͤber ihn, und ſchwor, ihm ſofort das Garaus zu machen, wenn er ih⸗ nen nicht ſogleich ſagen wollte, wo ſie waͤren. „Schlagt mich todt, ſo werdet ihr gehangen, beharrt bei eurer Meuterei, und ihr erſauft,“ ſagte Walſingham.„Mich bringt ihr um kein 3 = 244 Haarbreit von meiner Pflicht, das wißt ihr, und da habt ihr meine Antwort.“ Die wuͤthenden Matroſen ſchleppten ihn mit Gewalt aufs Ver⸗ deck, doch dort gab der Anblick der Gefahr, das Geſchrei:„uͤber Bord mit ihm! heraus mit ihm!“ ſeinem Entſchluſſe nur neue Kraft. Sie zwangen ihm keinen Laut, kein Wort ab. Nun wurde das Steuerruder ploͤtzlich ausgehoben. Bei dieſem Anblick kehrte ſich die Wuth der Matroſen auf einmal gegen Jefferins, der vor Schrecken und Unwiſſenheit ganz huͤlflos da ſtand. Sie faßten ihn, banden ihn, uͤbergaben ihn Walſing⸗ ham, kehrten zu ihrer Schuldigkeit zuruͤck, und da, und nicht eher uͤbernahm Walſingham das Kommando. Seine Stimme beſeelte, da ſie nun von neuem erſchallte, mit Zuverſicht; und Hoff⸗ nung machte die Anſtrengungen der Seeleute leb⸗ hafter. Ich verſtehe nicht genug von der Handthie⸗ rung derſelben, um zu ſagen, wie das Schiff er⸗ Halten wand, durch Walſt ſen entſinne gend eine Steuerruder Sobald den naͤchſten ſern zu laſſ zurückzukeh zu uͤbergebe fes, welche miſon ſich don hegeben ham ihm „Mit mont,„d cher Lage jeder Sch! Hauſe ſeg t ihr, und wuͤthenden aufs Ver⸗ efahr, das heraus mit raft. Sie ab. Nun gpoben. Bei rMatroſen Schrecken nnd. Sie Walſing⸗ rück, und gham das da ſie nun und Hof⸗ teleute leb⸗ handthie⸗ Schiff et⸗ 245 halten ward, aber daß dies geſchah, und daß es durch Walſingham geſchah, iſt gewiß. Nur deſ⸗ ſen entſinne ich mich, daß er das Schiff durch ir⸗ gend eine Vorrichtung, die das ausgehobene Steuerruder erſetzte, regierbar machte. Sobald der Sturm nachließ, ſteuerte er auf den naͤchſten Hafen los, um das Schiff ausbeſ⸗ ſern zu laſſen; ſein Wille war, nach Jamaica zuruͤckzukehren, und es ſeinem Kapitain wieder zu uͤbergeben. Allein von den Leuten eines Schif⸗ fes, welches er in See traf, hoͤrte er, daß Jem⸗ miſon ſich auf einem Kauffartheiſchiffe nach Lon⸗ don begeben habe; deswegen ruͤſtete ſich Walſing⸗ ham, ihm nach London zu folgen.“ „Mit dieſem Rebellenhaufen!“ tief Beau⸗ mont,„denken Sie nur, Herr Palmer, in wel⸗ cher Lage er ſich befand, da er wohl wußte, daß jeder Schuft deſſelben lieber zum Teufel als zu auſe ſegeln wuͤrde, wo den Aufruhrern ein 7 ——— 246 ſtrenges Gericht wegen der Meuterei bevor⸗ vetdienen/h ſtand.“ nes Schif „Nun, Herr, nun?“ fragte Palmer. und eutem „Gingen ſie zum zweiten Mal mit dem Schiffe Antwort; durch? oder wie machte er es?“ Verzeihung „Er berief ſie eines Morgens zuſammen bei aufhalte auf das Verdeck, deutete auf die Stelle, wo machen; ge das Schießpulver verwahrt wurde, und ſag⸗ Benchmen te:„Ich habe es in meiner Gewalt, das Erfolg ge Schiff in die Luft zu ſprengen. Wenn ihr unnd lief euch wieder empoͤrt und nur einen Finger an mich Jemmiſon legt, ſprenge ich es ſogleich auf. Sie hatten Sie konne ihn als einen entſchloſſenen Mann erprobt, und zender An blieben bei ihrer Pflicht, kein Merkmal von Wi⸗ dieſe Stur derſpenſtigkeit zeigte ſich waͤhrend der uͤbrigen derſelbe di Reiſe. In ihrem Laufe ſtießen ſie auf ein feind⸗ pitain uͤh E liches Schiff, das ihnen an Staͤrke weit uͤberle⸗ dem Pro V gen war.„Hier, brave Burſche,“ rief Wal⸗ Fregatte, ſingham,„habt ihr Luſt, euch Verzeihung zu dieſer wu arei beyor⸗ e Palmer. em Schiffe zuſammen Stelle, wo und ſſag⸗ walt, das Wenn ihr ger an mich Sie hatten probt, und von Wi⸗ er uͤbrigen fein feind⸗ veit uͤberle⸗ rief Wal⸗ geihung zu 247 verdienen, hier iſt die beſte Gelegenheit. Bringt jenes Schiff mit zu Hauſe, zu eurem Kapitain und eurem Koͤnig.“ Ein lautes Jauchzen war die Antwort; und ſie fochten wie die Teufel, ſich Verzeihung zu erfechten. Ich will mich nicht da⸗ bei aufhalten, eine Lobrede auf Walſingham zu machen; genug, ſeine Kuͤhnheit und ſein ganzes Benehmen wurde diesmal mit einem gluͤcklichen Erfolg gekront. Er nahm das feindliche Schiff, und lief damit im Triumph in Portsmuth ein. Jemmiſon ſtand im Hafen, als er einlief; und Sie koͤnnen ſich wohl denken, welch ein demuͤthi⸗ zender Anblick das fuͤr ihn, und wie ehrenvoll dieſe Stunde fuͤr Walſingham war. Nachdem derſelbe die Dreadnought und ihre Priſe dem Ka⸗ pitain uͤberliefert hatte, ſprach er zunaͤchſt von dem Proceſſe der Mannſchaft; alle Leute von der Fregatte, außer Jefferins, wurden begnadigt, dieſer wurde am Maſtbaum. aufgehaͤngt. Der 248 Proceß der Meutrer brachte viel Schuld auf Jemmiſons Benehmen, wie dieſer es wohl vor⸗ aus ſah. Maͤchtige Verbindungen und Freunde in oͤffentlichen Aemtern ſollten die Stimme des Publikums zum Schweigen bringen. Jemmiſon gab gar treffliche Diners, und verſuchte, die ganze Sache in Champagner und ſeinem auserle⸗ ſenen Madera zu erſaͤufen; auf ſein Wohlſeyn und auf den Sieg der Brittiſchen Seemacht wurde aus vollen Humpen getrunken.“ „Ei, ei, ſie machen jetzt Alles in England mit Diners und Humpen ab, und laſſen fuͤnf grade ſeyn,“ ſagte Herr Palmer. „Diesmal half es nichts!“ rief Beaumont jubelnd,„es half nichts.“ „Nein,“ fuhr Walſingham fort,„Jem⸗ miſons Feſte gingen ihren guten Gang, aber ſie brachten das Publikum nicht zum Schweigen. Die Oppoſitionsblaͤtter wurden laut, und die Sache ward ugte tinen uß es Jen mußte.“ „Oer Wie ſah er Ganz b ſälbſt fäͤr i Sache nie dieſer Beſ die verſuch niß, wele Sie hinten jenem here Menſch; mer, er nirgend a „Sei Beaumon ſchuld auf wohl vor⸗ d Freunde timme des Jemmiſon ichte, die n auserle⸗ Wohlſeyn Seemacht n England laſſen fuͤnf Beaumont t,„Jem⸗ ,aber ſie Schweigen. und die 249 Sache ward ſo ernſtlich vorgenommen, und er⸗ regte einen ſolchen Laͤrm gegen das Miniſterium, daß es Jemmiſon vor ein Kriegsgericht ſtellen mußte.”“ „Der Geck! das iſt mir von Herzen lieb. Wie ſah er denn dazu aus?“ ſagte Palmer. Ganz brav; das iſt Alles, was ſeine Feinde ſelbſt fuͤr ihn ſagen konnen. Er fuͤrchtete bei der Sache niemand ſo ſehr, als Walſingham. In dieſer Beſorgniß beſtaͤtigten ihn gewiſſe Freunde, die verſucht hatten, Walſingham uͤber das Zeug⸗ niß, welches er ablegen wuͤrde, zu erforſchen. Sie hinterbrachten ihm alle, es ſei nichts von jenem herauszubringen, er waͤre ein unlenkſamer Menſch; denn ſeine einzige Antwort laute im⸗ mer, er werde ſein Zeugniß vor Gericht, und nirgend anders ablegen.”“ „Seinen vertrauteſten Freunden,“ fiel hier Beaumont ein,„ſelbſt mir, der ich die ganze 250 Zeit, waͤhrend welcher der Proceß dauerte, in einem Hauſe mit ihm lebte, hat er nicht geſagt, wie ſein Zeugniß ausfallen wuͤrde.“ „Als der Tag des Verhoͤrs heran kam,“ fuhr Herr Walſingham fort. „Vergeſſen Sie den Admiral Dasleigs nicht,“ ſagte Beaumont. „Nein; wer dieſen gekannt hat, wie wollte der ihn vergeſſen!“ erwiederte Walſingham.„Ein warmer hochherziger Freund war er, ſo freimuͤ⸗ thig als brav. Am Tage vor dem Kriegsgericht kam er zu Walſingham und ſagte: ich weiß, Walſingham, ſie ſind meinem Vetter Jemmiſon nicht geneigt, ich eben auch nicht, denn er iſt ein Geck, und ich konnte nie einen Gecken leiden, er mogte mit mir verwandt ſeyn oder nicht. Aber dem ſei, wie ihm wolle, ich bin gewiß, Sie wer⸗ den ihm Gerechtigkeit wiederfahren laſſen; denn wenn er gleich ein Geck iſt, ſo iſt er doch auch ein braber Ketl theiſucht ein wolen ihn, wiſen. J retten; und Ihnen, als Groll, wie mogten, Walſingh Meinung werden; i von ihm, gegen ſein ſingham t großmuͤth hielten d außerden chen konn erfragten daurtt, in icht geſagt, am,“ fuhr gs nicht wie wollte dam.„Ein ſo ſteimuͤ⸗ tiegsgericht ich weiß, Jemmiſon rer iſt ein leiden, er cht. Aber Sie wer⸗ en; denn auch ein 251 braver Kerl; und diesmal haben viele aus Par⸗ theiſucht ein Geſchrei wider ihn erhoben, und wollen ihn, den andern zum Trotz, erſchoſſen wiſſen. Ihre Ausſage kann ihn verdammen oder retten; und ich habe eine zu gute Meinung von Ihnen, als daß ich denken ſollte, irgend ein alter Groll, wie gerechte Urſach Sie immer dazu haben moͤgten, werde ihm bei Ihnen etwas ſchaden. Walſingham antwortete wie gewoͤhnlich: ſeine Meinung und Ausſage wuͤrden vor Gericht kund werden; und Dasleigh ging herzlich mißvergnuͤgt von ihm, in feſter Ueberzeugung, er bruͤte Rache gegen ſeinen Verwandten. Endlich, als Wal⸗ ſingham vorgefordert wurde, benahm er ſich ſo großmuͤthig als gerecht. Seine Antworten ent⸗ hielten die ſtrenge Wahrheit, doch nichts, was außerdem Jemmiſon haͤtte zum Nachtheil gerei⸗ chen koͤnnen, wenn es die Richter nicht beſtimmt erfragten; dabei ſprach er nachdruͤcklich zu Gun⸗ 232 ſten ſeines Kapitains, von deſſen Unerſchrocken⸗ heit, von den braven Thaten, die er bei fruͤheren Veranlaſſungen im Dienſte gethan hatte, und ver⸗ wiſchte dadurch, ſo viel als moͤglich, das Anden⸗ ken ſeiner Geckerei und Schlemmerei, und die Schuld ſeiner Nachlaͤſſigkeit. Sein Zeugniß richtete die ungerechte Anſchuldigung der Feigheit, die gegen Jemmiſon erhoben worden war, nicht nur durchaus zu Grunde, ſondern ließ einen ſo vortheilhaften Eindruck fuͤr denſelben zuruͤck, daß er, ſtatt ſeines Dienſtes entlaſſen zu werden und ſein Schiff einzubuͤßen, mit einem Verweiſe da⸗ von kam.“ „Den er wahrhaftig auch ganz verdient hat,“ ſagte Palmer. „Aber nicht wahr? Walſingham that Recht, daß er ihn nicht durch Partheiſucht unterdruͤcken ließ? Und er handelte um ſo edler, da ihn Jem⸗ miſon ſchlecht behandelt hatte?“ rief Beaumont. „Gut, ter; wab get „Sobal Urtheil des deaͤngte ſch wundrung ein, Walt ſonſt kann Euch geſte Ihr hegte ausgelacht dient. 2 thrlicher erwiederte Hdre, J. Dirs, Das nim an, ehe wußte, d erſchrocken⸗ ei fruͤheren , und ber⸗ das Anden⸗ und die Zeugniß t Feigheit, war, nicht iß einen ſo urüͤck, daß verden und erweiſe da⸗ dient hat that Necht, ntetdrͤcken ihn Jem⸗ Beaumont. 253 „Gut, gut!“ erwiederte Palmer,„nur wei⸗ ter; was geht mich der Haſenfuß an!“- „Sobald als das Verhoͤr geſchloſſen und das Urtheil des Kriegsgerichts bekannt gemacht war, drängte ſich Admiral Dasleigh voll Freude, Be⸗ wundrung und Dank zu Walſingham. Schlagt ein, Walſingham, rief er, und vergebt mir, ſonſt kann ich mir ſelbſt nicht vergeben. Ich habe Euch geſtern Morgens in dem Verdacht gehabt, Ihr hegtet Rachſucht gegen den Haſenfuß, der ausgelacht, und nicht erſchoſſen zu werden ver⸗ dient. Bei Gott! Walſingham, Ihr ſeid ein ehrlicher Burſche! Merken Sie das jetzt erſt, erwiederte Walſingham mit ſtolzem Laͤcheln. Hoͤre, Junge, rief Dasleigh ihm nach, merke Dirs, ich bin auf jedem Fall Dein Freund. Das nimm, wie Du willſ, aber Du gehoͤrſt mir an, ehe Du noch dazu ſtimmſt. Walſingham wußte, daß Admiral Dasleighs Anhang damals 254 viel Macht beſaß, und daß Dasleigh ſelbſt viel Einfluß auf die Generalitaͤt hatte; wahrſcheinlich behandelte er eben deswegen den Admiral ſo hoch⸗ fahrend, damit man ſaͤhe, daß er nicht aus ſelbſt⸗ ſuͤchtigen Ruͤckſichten oder um eigennuͤtziger Hoff⸗ nungen willen ſo gehandelt habe, wie er handelte. Dasleigh merkte das wohl; denn er durchſchauete jetzt Walſinghams Karakter vollkommen. Unmit⸗ telbar nach dem Proceß wurde er zum Komman⸗ deur ernannt, weil er die Dreadnought gerettet hatte und die Ambuͤscade erobert. Bei dieſer Anſtellung war Dasleigh nicht im Spiel. Aber er hoͤrte nicht auf, ſich zu bemuͤhn, und allen Einfluß ſeiner hohen Verbindungen nebſt dem perſoͤnlichen ſeiner großen Geſchicklichkeit dahin zu verwenden, daß Walſingham vorwäaͤrts kaͤme und ein Schiff erhielte. Es gelang ihm endlich, doch ließ er ſichs nie im Mindeſten merken, da er wußte, daß Walſingham ſo ſtrenge Begriffe von Pficht daß ihm ſei haben wuͤrd itgend etwa nen Verdie der Admir Kapitain Befehl vo auf ſeine geruhet he die Ambu ſter Geleg ſehl zu ſt niß, die⸗ Anſtellun wahrſche futz es eingeleite deſten Ei ſelbſt viel hrſcheinlich al ſo hoch⸗ aus ſelbſt⸗ biger Hoff⸗ handelte. rchſchauete —. Unmit⸗ Komman⸗ aht gerettet Bei dieſer iel. Aber und alln nehſt dem keit dahin varts kame zmm endlich nerken da ſe Begriff 255 von Pflicht und einen ſo rechtlichen Stolz hatte, daß ihm ſeine Befoͤrderung wenig Freude gemacht haben wuͤrde, wenn er haͤtte glauben muͤſſen, ſie irgend etwas Anderm auf Erden, als ſeinen eig⸗ nen Verdienſten ſchuldig zu ſeyn. Der Sekretair der Admiralitaͤt ſchrieb alſo einen feinen Brief an Kapitain Walſingham, und meldete ihm, auf Befehl von Ihro Herrlichkeiten, daß in Hinſicht auf ſeine Dienſte und Verdienſte Seine Majeſtaͤt geruhet habe, ihn zum Kapitain zu ernennen, und die Ambuscade, ſeine eigne Priſe, die bei naͤch⸗ ſter Gelegenheit auslaufen ſollte, unter ſeinen Be⸗ fehl zu ſtellen. Der Sekretair bat um Erlaub⸗ niß, die Bezeugung ſeiner eignen Freude uͤber eine Anſtellung hinzuzufuͤgen, die dem Gemeinweſen wahrſcheinlich ſo vortheilhaft ſeyn werde, u. ſ. w. Kurz es wurde alles ſo wahrſcheinlich und gehoͤrig eingeleitet, daß Walſingham ſelbſt nicht den min⸗ deſten Einfluß bei der Sache argwohnte, und den 256 Theil, welchen Dasleigh an derſelben hatte, auch nicht eher erfuhr, als nach einigen Monaten, wo irgend ein diskreter Freund zufaͤllig deſſelben gegen ihn erwaͤhnte.“ „Der diskrete Freund war ich,“ ſagte Beau⸗ mont. „Nun, ſchon gut,“ entgegnete Palmer. „Aber es kommt nichts von Liebe in dieſer Ge⸗ ſchichte vor; ich hoffe, Ihr Held iſt nicht zu ſtolz, ſich zu verlieben?“ „Zu ſtolz,“ antwortete Herr Walſingham. „Hat nicht der groͤßte Held, in Zwiſchenraͤumen des Friedens, ſich dem großen Geiſte der Liebe hingegeben.“ „Der Liebe! Alſo iſt Walſingham verliebt? Sieh da!“ ſagte Palmer.„Und darf ich fra⸗ gen— hohls der Henker! es ſollte mir leid thun, wenn es Jemand anders waͤre als— Nun, darf ich fragen, in wen er verliebt iſt? „Das V V „Das recht beante „In der? Dreadnoug buͤscade, n dem Lande einet ſehr bekannt zu „Eine und hiera Palmer. und wuͤnſc „Frage ſingham. kannt, un zu thun. ſoreche, r denken, u denſchaft, aatte, auch naten, wo ilben gegen agte Beau⸗ Palmer. dieſer Ge⸗ ht zu ſtolz, alſingham. henräumen der Liebe verliebt! rf ich fta⸗ leid thun, Nun, daif „Das 257 „Das iſt eine Frage, die ich vielleicht nicht recht beantworten kann,“ ſagte Herr Walſingham. „In der Zwiſchenzeit ſeiner Ruͤckkehr mit der Dreadnought und ſeiner Anſtellung auf der Am⸗ buͤscade, wo er uͤber achtzehn Monate hier auf dem Lande bei mir zubrachte, hatte er Zeit, mit einer ſehr liebenswuͤrdigen jungen Schoͤnen recht bekannt zu werden.“— „Eine ſehr liebenswuͤrdige junge Schoͤne!— und hier aus der Nachbarſchaft?“ unterbrach ihn Palmer.„Es muß dieſelbe ſeyn, die ich meine und wuͤnſche.“ „Fragen Sie nicht weiter,“ antwortete Wal⸗ ſingham.„Mein Freund hat ſeine Liebe nie be⸗ kannt, und ich habe kein Recht, dies ſtatt ſeiner zu thun. Er war zu der Zeit, von welcher ich ſpreche, nicht in der Lage, an das Heirathen zu denken, und verhehlte deswegen ehrſam ſeine Lei⸗ denſchaft, oder unterdruͤckte ſie vielmehr, ent⸗ II. R 258 ſchloſſen, eines jungen Maͤdchens Leidenſchaft vicht eher zu erregen, als bis er ſattſames Vermoͤgen erworben haͤtte, ſie ihrem Stande gemaͤß zu er⸗ halten.”“ „Nun, das iſt ja Alles geſchehen, Gott ſei Dank!“ rief Palmer.„Er hat ja jetzt Geld genug, wo nicht, ſo koͤnnen wir ihm aushelfen, wie Sie wiſſen. Das iſt herrlich, ganz herrlich! Kommen Sie, iſt es nicht Zeit zu den Damen zu gehn? Ich bin voll Ungeduld, Mrs. Beaumont dies mitzutheilen „Bleiben Sie, guter Herr Palmer, was wollen Sie thun!“ ſagte Herr Walſingham. „Laſſen Sie mich, laſſen Sie mich. Ich ſage nur, was ich vermuthe, und glauben Sie mir, ich vermuthe nicht falſch. Es kann recht gut thun, wenn Mrs. Beaument dies erfaͤhrt, und es wird ſie recht herzlich erfreuen; glauben Sie mir, glauben Sie mir.“ 73c g Sich viellet „Keine ſich darauf. ihr." „Abet Urſach bit rief Beau Reine, o eine Spar rüͤcht ſagt einem Kle ſich herbri „Wer und kehr Eeſſel z Georg, der Span „Si ſchaft vicht Vermoͤgen naß zu er⸗ ſen, Gott jttt Geld aushelfen, zz herrlich! Damen zu Beaumont met, was gham. nich. Ich lauben Sie kann recht ies erfäͤhrt, n; glauben 259 „Ich glaube Ihnen. Aber Sie koͤnnen Sich vielleicht irren.“ „Keinesweges, keinesweges, verlaſſen Sie ſich darauf, und laſſen Sie mich ſogleich hin zu ihr.”“ „Aber halt, lieber Herr, wegen einer andern Urſach bitte ich Sie, ſetzen Sie ſich nieder,“ rief Beaumont dazwiſchen.„Ich bin nicht aufs Reine, ob Kapitain Walſingham nicht jetzt in eine Spanierin verliebt, vielleicht, wie das Ge— ruͤcht ſagt, ſchon mit ihr vermaͤhlt iſt, die er aus einem Kloſter zu*** entfuͤhrt haben und mit ſich herbringen ſoll.“ „Wetter! eine Spanierin!“ rief Palmer, und kehrte mit langem Geſicht langſam zu ſeinem Seſſel zuruͤck.„Was ſoll das heißen? Bei St. Georg, das iſt ſchlimm. Aber was iſt denn mit der Spanierinn?“ „Sie haben unſre Geſchichte nicht ausge⸗ R 2 ——— 260 hört,“ ſagte Beaumont,„ſonſt wuͤßten Sie es ſchon.“ „Nun, ſo laßt ſie mich anjetzt aushoͤren,“ antwortete Palmer, indem er ſich wieder nieder⸗ ſetzte, und ſich mit einigen Priſen Taback dazu vorbereitete. Doch da kam ſchon ein Bediente, und meldete, man warte mit dem Kaffee. „Ich weiche nicht von der Stelle, weder we⸗ gen des Kaffees, noch wegen ſonſt einer Urſache, ehe ich die Geſchichte von der Spanierin nicht weiß,“ erwiederte Palmer. „So iſt der kuͤrzeſte Weg der, Sie leſen die⸗ ſen Brief, welcher Alles enthaͤlt, was wir von der Sache wiſſen,“ ſagte Beaumont.„Er iſt von dem jungen Birch an ſeine Aeltern; von Walſingham haben wir unmittelbar keine Silbe uͤber die Sache gehoͤrt. Seitdem er zu Liſſabon angekommen iſt, haben wir keine Briefe von ihm, außer den kurzen Zettel, wodurch er uns benach⸗ iichtigt da Aber er kom von der Sa ſche oder S „Bei( waͤte im K lauferiſcher ſehn, we Palmer. vor einiger hier nicht ſoch ſchon eine traf, wele fee, und ſpät nach re. Pal⸗ das Leſen ſich dann en Sie es zushoren,“ der nieder⸗ back dazu Bediente, fee. weder we⸗ ner Urſache, ierin nicht e leſen die⸗ s wir von „Er iſt ltern; von kine Silbe zu Liſaabon fe von ihm, uns benach⸗ 261 richtigt, daß er das Silberſchiff genommen hat. Aber er kommt bald, und wir werden das Wahre von der Sache erfahren, und ob er ſeine Engli⸗ ſche oder Spaniſche Geliebte lieber will.“ „Bei Gott, ich wollte, das ſpaniſche Weib waͤre im Kloſter geblieben. Ich kann die land⸗ laͤuferiſchen Damen nicht ausſtehn. Aber laß ſehn, was der Brief von ihr meldet,“ ſagte Palmer. Da es derſelbe war, den Beaumont vor einiger Zeit geleſen hatte, ſo brauchen wir ihn hier nicht anzufuͤhren. Noch hatte Palmer ihn nicht vollendet, als ſchon eine zweite Botſchaft von den Damen ein⸗ traf, welche berichtete, man warte mit dem Kaf⸗ fee, und Mrs. Beaumont moͤgte nicht gern zu ſpaͤt nach Hauſe fahren, da kein Mondſchein waͤ⸗ re. Palmer kehrte ſich an nichts, er vollendete das Leſen des Briefes, ehe er aufſtand; erhob ſich dann mit einem tiefen Seufzer und ſagte: 262 „mich verlangt jetzt mehr als je, daß unſer Ka⸗ pitain noch heute Nacht eintreffen und uns die Sache erklaͤren moͤge, ehe ich fort muß. Mir gefaͤllt dieſe ſpaniſche Verbindung nicht, dieſer zwiefache Liebeshandel. Ach du mein Gott! ich werde abſeegeln muͤſſen, ich werde in Jamaica ſeyn, ehe der fuͤnfte Act beginnt.“ „Wie doch den Flug der Zeit Erwartung hemmt!“ rief Beaumont, als die Herren in das Wohnzimmer traten. ¹Da haben wir nun den ganzen Tag unſern lieben Kapitain Walſingham erwartet, und die Zeit iſt uns ſo lang geworden; das erſtemal, daß mir hier im Hauſe die Zeit lang geworden iſt.“ „Ich moͤgte wohl wiſſen,“ ſagte Herr Wal⸗ ſingham, nach gehoriger Verbeugung fuͤr die Ver⸗ bindlichkeit,„ob die Zeit denen laͤnger wird, die fuͤrchten, als denen, die hoffen.“ Mrs. Beaumont reichte Herrn Palmer eine Taſſ Kaffe zu vetſuchen „Dene te Hett pe nung erſch witd die 3 „Tra Wen ſagte Her Beaumon von Hoff Zät am „6 ſtagte Furcht nung a unſer Ka⸗ und uns die uß. Mit icht, dieſer Gott! ich n Jamaica Erwartung erren in das wir nun den Walſingham geworden; iſe die Zeit Hert Wal⸗ fu die Ver⸗ er witd, die palmet eine 263 Taſſe Kaffee, ohne eine Entſcheidung dieſer Frage zu verſuchen. „Denen, die hoffen, ſollt ich meinen,“ ſag⸗ te Herr Palmer;„denn lang hingehaltene Hoff⸗ nung erſchoͤpft das Herz, und dem Erſchoͤpften wird die Zeit immer am laͤngſten, das weis ich.“ „Traͤg wie des Jahres dumpfer Kreis vergeht, Wenn ein und zwanzig nah dem Muͤndel ſteht,“ ſagte Herr Walſtngham und blickte laͤchelnd auf Beaumont.„Aber mich duͤnkt, das Gemiſch von Hoffnung und Furcht hemmt den Flug der Zeit am meiſten.“ „Giebt es denn eine Hoffnung ohne Furcht? fragte Miß Walſingham.„Hoffnung ohne Furcht waͤre ja Erfuͤllung, und Furcht ohne Hoff⸗ nung Verzweiflung. Bei der Hoffnung findet 264 ſich doch wohl immer ein kleiner Beiſatz von Furcht.“ „O mein Gott, nein!“ rief Miß Hunter, „denn Hoffnung iſt das Allerentgegengeſetzteſte von Furcht, das man ſich denken kann. Beide ſind ſo verſchieden wie ſchwarz und weiß; denn gewiß iſt Hoffnung das Gegentheil von Furcht, wie jeder weiß. Und wenn einer ſagt: ich fuͤrchte, ſo meint er doch nicht, ich hoffe; nicht wahr, Mrs. Beaumont?“ „Ich bin die allerſchlechteſte Metaphyſikerin von der Welt,“ antwortete Mrs. Beaumont. „Ich habe nicht Kopf genug, mein Herz zu de⸗ monſtriren.“ „Ich auch nicht,“ ſagte Miß Hunter, und ſeufzte hoͤrbarlich. „Horch!“ rief Beaumont,„mich duͤnkt, ich hoͤre den Gallopp eines Pferdes? Er iſt's, es iſt Walſingham!“ Dahin entgegen, Walſingha Hauſe erwe verſammelr wohlwollen wuͤnſchte tete auf Alle zu als daß das Ant entſprach genblick man dar entferne der Ha „9 det Ter der e Peiſaz von ſiß Hunter, dengeſetzteſte —. Beide eiß; denn pon Furcht, ich fuͤrchte, nicht wahr, ttaphyſikerin Beaumont. erz zu de⸗ unter, und 265 Dahin ſtuͤrzte Beaumont, ſeinem Freunde entgegen, indeß mit gemaͤßigterer Freude Herr Walſingham denſelben auf der Steige vor dem Hauſe erwartete, wohin die ganze Geſellſchaft ſich verſammelte, Palmer voran, deſſen Geſicht von wohlwollender Freude ſtrahlte. Mrs. Beaumont wuͤnſchte Jedermann Gluͤck, und Niemand ach⸗ tete auf ſie; denn gluͤcklicherweiſe fuͤr ſie, waren Alle zu herzlich von eignen Gefuͤhlen hingeriſſen, als daß ſie haͤtten bemerken koͤnnen, wie wenig das Antlitz dieſer Frau den Worten, die ſie ſagte, entſprach. Der Galloppſchlag hoͤrte einen Au⸗ genblick auf, begann darauf wiederum; doch ehe man daruͤber einig wurde, ob er nahe, oder ſich entferne, kehrte Beaumont mit einem Briefe in der Hand zuruͤck. „Nicht Walſingham, nur Birch, hohl ihn der Teufel!“ rief er außer Athem.„Hohl ihn der Teufel! was bin ich gejagt, und wie fand 266 ich mich angefuͤhrt, als ich Birchs Angeſicht ſah; und der arme Schelm kann am Ende nichts dafuͤr.“ „Aber warum ließen Sie ihn nicht herkom⸗ men? Warum brachten Sie ihn nicht zu uns?“ ſagte Herr Walſingham. „Ich konnte nicht; er war ſo in Eil, nach Hauſe zu ſeinem Vater und zu ſeiner Mutter zu kommen; er hielt hier nur an, mir dieſen Brief zu geben.“ „Von Walſingham? Leſen Sie geſchwind.“ „Lieben Freunde, ich kann heute noch nicht bei Euch ſey, wie ich hoffte; ich muß wegen ei⸗ nes Geſchäͤftes, das keinen Auſfſchub leidet, ſogleich nach London. Wann ich bei Euch ſeyn werde, weiß ich noch nicht, doch hoffe ich, daß es in wenigen Tagen geſchehen wird. Lebt wohl und gluͤcklich! Immerdar bin ich Euer H. Waklſingham.“ Alle ſtc nieder, aus detholentlic ſchade! A liches Mi „Geſe ſchafte, „Es Abweſen D. 7— gen ſollen „ ſchaͤfte lich Ge dulden. 7 Walſi geſicht ſah ichts dafuüͤr.” ſcht herkom⸗ bt zu uns?“ Eil, nach Mutter zu dieſen Brief geſchwind.“ te noch nicht ß wegen ei⸗ hub leidet, tEuch ſeyn fe ich, daß ird. Lebt ich hom.” 267 Alle ſtanden ſchweigend und ſahen betrogen nieder, ausgenommen Mrs. Beaumont, die wie⸗ derholentlich rief:„wie ſchade! wie jammer⸗ ſchade! Welch ein Mißgeſchick! welch ein ſchreck⸗ liches Mißgeſchick!“ „Geſchaͤfte!“ rief Beaumont,„was Ge⸗ ſchaͤfte, ſein erſtes Geſchaͤft ſind ſeine Freunde!“ „Es iſt wahrſcheinlich ein Geſchaͤft fuͤr Freun⸗ de,“ ſagte Miß Walſingham. „Recht ſo, du liebe kleine Vertheidigerin der Abweſenden,“ ſprach ihr Vater. „Der Getreuen, haͤtten Sie nur immer ſa⸗ gen ſollen, Vater,“ antwortete ſie. „Geſchaͤfte!“ murmelte Palmer;„nun, Ge⸗ ſchaͤfte gehen vor Vergnuͤgen. Wenn ihn wirk⸗ lich Geſchaͤfte zuruͤckhalten, ſo will ich mich ge⸗ dulden.“ „Verlaſſen Sie ſich darauf,“ ſagte Miß Walſingham;„nichts ſonſt als ein Geſchaͤft 268 kann machen, daß er zu uns zu kommen ſaͤumt. Allzeit war es ihm Freude, daheim zu ſeyn.“ „Ich moͤchte wohl wiſſen,“ ſagte Palmer, und zog Herr Walſingham bei Seite,„ob er wohl wirklich ſeine Spanierin mit zu Hauſe gebracht hat, und was daraus werden ſoll? Ich wollte, ich muͤßte nicht nach Jamaika.“ „Aber, lieber Herr,“ fragte Walſingham, „wer ſagt denn, daß Sie hin muͤſſen? „Die Aerzte; die Aerzte ſagen,“ antwortete Palmer,„daß ich nicht in England leben kann. Meine Geſundheit, meine Geſundheit!“ „Herr Walſingham, der wenig Vertrauen zu Aerzten hatte, lachte und rief:„aber, lieber Herr, Sie ſehen, es leben doch bis auf den heu⸗ tigen Tag ſo viele Leute in England, warum hal⸗ ten ſie es denn fuͤr eine Unmoͤglichkeit, fuͤr Ihre Perſon auch in dieſem peſtilenzialiſchen Lande aus⸗ zudauern 2“ Palmer Tabadksdoſe wohl gern es geſtatten Geſicht ver chondriſche ausſprach ham, d wirklich. „W fiel Wal „Her verſichern ſccht ab „A langt h noch urt Sie mi fühlen. men ſäumt. U ſeyn.“ te Palmer, ob er wohl ſe gebracht Ich wollte, zalſingham, 7 antwortete leben kann. T ertrauen zu der, lieber ff den heu⸗ darum hal⸗ „für Ihre Lande aus⸗ 269 Palmer laͤchelte ſauerſuͤß, griff nach ſeiner Tabacksdoſe, und antwortete dann:„ich lebte wohl gern in England, wenn meine Geſundheit es geſtatten wollte.“„Aber,“ fuhr er fort, ſein Geſicht verlaͤngerte ſich, und bekam einen hypo⸗ chondriſchen Zug, indem er das Woͤrtchen aber ausſprach,„Sie bedenken nicht, Herr Walſing⸗ ham, daß es mit meiner Geſundheit wirklich, wirklich.....“ 3 „Wirklich recht gut ſteht, wie ich ſehe,“ fiel Walſingham ein,„und mit Freuden ſehe.“ „Herr, Herr, Sie ſehen irrig, kann ich Sie verſichern. Ich lege viel Gewicht auf Ihre Ein⸗ ſicht, aber da Sie kein Arzt ſind....“ „Alſo weil ich mein Diplom nicht hervorge⸗ kangt habe, denken Sie, ich koͤnne weder ſehen noch urtheilen,“ ſagte Walſingham,„erlauben Sie mir denaoch immerhin, Ihren Puls zu fuͤhlen.“ 5 270 „Sie verſtehen ſich alſo wirklich auf den Puls?“ fragte Palmer, und entbloͤßte ſeufzend ſeinen Knoͤchel. „Der beſte Puls, den ein Menſch haben kann,“ entſchied nun Herr Walſingham. „Sagen Sie das nicht, die Aerzte ſagen mir— „Kehren Sie ſich nicht an das, was ſie Ih⸗ nen ſagen. Wenn ſie die Wahrheit ſagten, wuͤr⸗ den ſie der Meinung ſeyn, daß— Mrs. Beaumont ſchreckte faſt bei der unge⸗ heuer lauten Stimme zuſammen, womit Herr Walſingham das Wort Wahrheit ausſprach; ſie ſtand auf und klingelte nach ihrem Wagen. „Herr Palmer,“ ſagte ſie,„ich fuͤrchte, wir muͤſſen von dannen; ich bin wegen der Abend⸗ luft fuͤr kraͤnkliche Leute beſorgt.” „Liebe Frau, ich ſtehe zu Befehl,“ antwor⸗ tete Palme Kinn. „Mrs Hertn nich ſingham. „Ich dafuͤr hal „Ach „ich bin merlich ſingham Sie wir Hetz, es M Fenſter, waͤre. Herr,” wie Do ich auf den ßte ſeufßend enſch haben am. erzte ſagen was ſie hh⸗ agten, wuͤr⸗ ei der unge⸗ womit Herr ausſprach; 1 Wagen. fuͤrchte, wir der Abend⸗ ,“ antwor⸗ 7 271 tete Palmer, und knoͤpfte ſeinen Rock zu bis zum Kinn. „Mrs. Beaumont, Sie halten doch den Herrn nicht im Ernſt fuͤr kraͤnklich?“ fragte Wal⸗ ſingham. „Ich wuͤnſchte nur, er moͤgte ſich ſelbſt nicht dafuͤr halten,“ antwortete ſie. „Ach, meine lieben Freunde,“ ſagte Palmer, „ich bin, wahrhaftig! ich bin jaͤmmerlich, jaͤm⸗ merlich—“„hypochondriſch,“ fiel ihm Wal⸗ ſingham ins Wort.„Verzeihen Sie, das ſind Sie wirklich, und Niemand als ich hat das Herz, es Ihnen zu ſagen.“ 1 Mrs. Beaumont ſah aͤngſtlich aus dem Fenſter, ob der Wagen noch nicht vorgefahren waͤre. 7 „Hypochondriſch! nicht im geringſten, lieber Herr,“ ſagte Palmer.„Sie ſollten nur hoͤren, wie Doktor B. und Doktor G. uͤber meinen Zu⸗ 272 ſtand urtheilen, und ihr eigner Doktor hier, Wheeler, der noch dazu ſo viel Ruf hat, ſagt, wollen Sie wiſſen, was er ſagt?“ Nun hielt er Walſingham am Rockknopf feſt, und wiederholte ihm mit leiſer Stimme einige von Doktor Whee⸗ lers Weißagungen; und bei jeder Pauſe drehte jener ſich ſo ungeduldig hinweg, daß er faſt den Rockknopf abdrehte, woran er feſt gehalten wurde, und rief wiederholentlich in franzoͤſiſcher Sprache die Worte des Koͤnigs von Preußen zu ſeinem Leibarzt:„Er iſt ein Eſel! Er iſt ein Eſel! Er iſt ein Eſel! „Poſſen, ich verſtehe kein franzoſiſch!“ rief Palmer aͤrgerlich. In der Hitze mußte er ſeinen Rock wieder aufknoͤpfen, womit er, nachdem er ſeine Halsbinde etwas loſe gezogen hatte, um ei⸗ ner unbehaͤglichen Empfindung an der Gurgel ab⸗ zuhelfen, ſo eben begann, als Mrs. Beaumont zierlich ſeine Hand feſt hielt, und dabei ſagte: „Der Der 7— ſtaſt Ihren beſſer, dieſ gen, chem gleichſam? und folgte ſottfüͤhrte. hatte, w ſtand ſtill reichen un „RM. Ihnen; mir, und hetaus m ich wertt darin, ul ſagte M indem d II. oktor hier, f hat, ſagt, Nun hielt er wiederholte ktor Whet⸗ dauſe drehte er faſt den ſalten wurde, iher Sprache n zu ſeinem iſt ein Eſel! ſch!“ tief te er ſeinen nachdem er tte, um ti⸗ Gurgel ab⸗ Beaumont abei ſagke: „Der 273 „Der Wagen iſt vorgefahren, lieber Herr; ſtatt Ihren Rock aufzuknoͤpfen, thaͤten Sie wohl beſſer, dieſes Shawl noch um den Hals zu ſchla⸗ gen, ehe wir an die kuͤhle Luft gehn?“ Palmer, gleichſam Walſingham zum Trotz, ſchlug es um, und folgte Mrs. Beaumont, die ihn im Triumph fortfuͤhrte. Aber ehe er die Wagenthuͤr erreicht hatte, war ſein harmloſer Unwille erſchoͤpft, er ſtand ſtill, um Herrn Walſingham die Hand zu reichen und ſagte: „Mein guter Herr Walſingham, ich danke Ihnen; ich bin gewiß, Sie meinen es gut mit mir, und ich danke Ihnen, daß Sie ſo gerade heraus mit mir verfahren; ehrliche Freunde halte ich werth. Aber, daß ich hypochondriſch ſei, darin, glauben Sie mir, irren Sie ſich.“ „Und was den Doktor Wheeler betrifft,“ ſagte Mrs. Beaumont, das Glas heraufziehend, indem der Wagen von der Thuͤr wegfuhr,„Dok⸗ II. S 274 tor Wheeler verdient gewiß nicht, ein Eſel ge⸗ ſcholten zu werden. Er iſt ein Mann, von deſ⸗ ſen mediziniſcher Einſicht ich die hoͤchſte Meinung hege; obgleich ich in der That recht aufrichtig bin, es in dieſem Falle zu bekennen, wo ſeine Meinung meinen Wuͤnſchen, und unſer aller Wuͤnſchen ſo entgegen ſteht, und uns ſo bald der Geſellſchaft unſers lieben Herrn Palmers berau⸗ ben muß.“ „Ja doch, ich muß fort, ich muß fort nach Jamaica,“ ſagte Palmer mit einem feſten Tone und entſchiedener, als er je zuvor uͤber dieſen Ge⸗ genſtand geſprochen hatte. Stillſchweigend freute ſich Mrs. Beaumont; ſie lehnte ſich in den Wa⸗ gen zuruͤck und uͤberließ ſich ſchmeichelnden Traͤu⸗ mercien, in denen ſie die gluͤckliche Vollendung aller ihrer Plane im voraus genoß. Befreiet von Walſingham ihren Entwuͤrfen hinderlich werden der Beſorgniß, daß die Ankunft des Kapitain maͤgte, be bald abzu dag, und wiſen mo ben, dies vom Schie ihr Genie ſehr in daß ſie; Wagen! lich Herr der Walſ über des ſie ſtuͤcke der Kapi Entfern. dem ſie zen Tag nachdem ein Eſel ge— n, von deſ ſte Meinung ht auftichtig „ wo ſeine unſer aller s ſo bald der lmers berau⸗ uß fort nach n feſten Tone er dieſen ör⸗ eigend freute in den Wa⸗ elnden Vuͤu⸗ Vollendung Befteiet von des Kapitain erlich werden 275 moͤgte, beruhigte ſie Palmers Entſchluß, ſehr bald abzuſeegeln, vollkommen. Nur noch ein Tag, und ſie hatte uͤberwunden; daß Palmer ab⸗ reiſen moͤgte, ohne den Kapitain geſehn zu ha⸗ ben, dies nur und mehr nicht verlangte ſie jetzt vom Schickſal, das Uebrige wuͤrde, wie ſie dachte, ihr Genie vollenden. Hierbei verlohr ſie ſich ſo ſehr in Gedanken, daß ſie nicht eher bemerkte, daß ſie zu Hauſe angelangt waͤren, als bis der Wagen vor der Thuͤr hielt. Zuweilen hatte frei⸗ lich Herr Palmer ihre Traͤumereien durch ſein Lob der Walſinghams geſtoͤrt, und durch ein Geſpraͤch uͤber des Kapitains Leben und Abentheuern, das ſie ſtuͤckweiſe vernahm, in etwas geſtoͤrt; doch der Kapitain war ſern in London, und bei ſolcher Entfernung verſchlug ſein Lob ihr nichts. Nach⸗ dem ſie darauf bejammert hatte, daß ſie den gan⸗ zen Tag ihrer Amelie beraubt geweſen ſei, und nachdem der Operationsplan fuͤr den naͤchſten Tag 1 S 2 276 von ihr entworfen worden war, begab ſie ſich zur Ruhe; und ſelbſt im Traume erſann ſie neue Ausfluͤchte, ſchrieb Entſchuldigungsbriefchen, und hielt Reden voller Umſchweife. Eilftes Kapitel. Jener alte Politikus, der Cardinal von Lothrin⸗ 1„4. 5 gen, pflegte zu ſagen, daß oft eine Luͤge, wenn ſie von einem Volke nur wenige Stunden geglaubt werde, ſieben Jahre lange Nachwirkungen hervor⸗ bringe; was wuͤrde unter dieſer Bedingung unſte Heldin fuͤr Wunder bewirkt haben, haͤtte ihr Ge— nius im oͤffentlichen Leben gewaltet, ſtatt auf privatnbſt ſe, ſo ſch Tag, der um Sohn mer ſein. den dieſer kommen; net Mü moͤgliche mußte, Innſaſſe ein ganz gen zu! Haus. bereitwil beſonder hoͤchſt ⸗ deſſen und ſo b ſie ſich zur ſann ſie neut riefchen, und von Lothrin⸗ Lüge, wenn nden geglaubt ungen hervor⸗ ingung unſte haͤtte iht Ge⸗ t, ſiatt auf 5 8 8 14 3 3 5 1 * — — —— 277 1 Privatabſichten beſchraͤnkt zu ſeyn. Jetzt hatte ſie, ſo ſchien es, das Spiel in Haͤnden. Der Tag, der ereignißreiche Tag, an welchem ſie ih⸗ rem Sohne Rechnung ablegen, an welchem Pal⸗ mer ſein Teſtament unterzeichnen ſollte, der letzte, den dieſer in England zubringen wollte, war ge⸗ kommen; Beaumonts Geburtstag, der Tag ſei⸗ ner Muͤndigſprechung, der natuͤrlich mit allen moͤglichen Freudensbezeugungen begruͤßt werden mußte, war da. Die Dorfglocken laͤuteten, die Innſaſſen waren geladen zu Schmaus und Tanz, ein ganzer Ochs ſteckte am Spieße und Zuruͤſtun⸗ gen zu Luſtbarkeiten erſchallten durch das ganze Haus. Palmers wohlwollendes Gemuͤth nahm bereitwillig an der Freude ſeiner Mitgeſchopfe, beſonders an der Freude geringerer Claſſen Antheil; hoͤchſt aufgeraͤumt trat er am Morgen hervor; in⸗ deſſen Mrs. Beaumont, mit laͤchelndem Munde, und ſorgenvoller Stirn bei ſich erwog, wie ſie 278 heute die Freude dem Vortheil unterordnen, und mitten unter aller dieſer Luſt ihre Geſchaͤfte vollen⸗ den moͤgte. Der Tag begann hoͤchſt ſchickſalsvoll fuͤr ſie, indem Palmer ihr erklaͤrte, ſein Teſta⸗ ment ſei bereits gemacht; mit Ausnahme weniger Legate habe er ihr den Niesbrauch ſeines ganzen Vermoͤgens waͤhrend ihrer Lebenszeit zugeſichert, hernach fiele es an Sohn und Tochter.“„Ich verlaſſe mich darauf,“ fuhr er fort,„daß iich durch dieſe Verfuͤgung endlich meinen guten Freunden, den Walſinghams, auch nach Wunſch dienen mag; ich habe nicht ſo genaue Bekannt⸗ ſchaft mit ihnen machen koͤnnen, als ich wollte; doch was ich von ihnen weiß, das uͤberzeugt mich genugſam, daß dieſelben wuͤrdige Leute ſind.“ „Die wuͤrdigſten Leute von der Welt,“ ſagte Mrs. Beaumont,„Sie wiſſen, wie ſehr ich ſie ſchaͤße.“ „Es thut mir wahrhaftig leid,“ fuhr Pal⸗ mer folt, nicht geſch geſtemn ſii ſehr für il „Er finniger. nich bed ihn vich lernen.“ „S ich den Perfuͤgu denn ich der Kan Spanie anhalte Grille! M. hielte ſ brdnen, und thäͤfte volle⸗ ſchickſalsvoll ſein Teſta⸗ hme weniger tines ganzen zugeſcher, fter.“„Ich t, ndaß ich einen guten nach Wunſch zue Bekannt⸗ Hich wolle; erzeugt mich te ſind.“ Velt,“ ſagte ſeht ich ſie fuhr Pal⸗ . 279 mer fort,„daß ich den Kapitain Walſingham nicht geſehen habe. Herr Walſingham hat mir geſtern ſeine ganze Geſchichte erzaͤhlt, die mich ſehr fuͤr ihn eingenommen hat.“ „Er iſt in der That ein liebenswuͤrdiger, hoch⸗ finniger Held,“ antwortete Mrs. Beaumont, „ich bedaure ſo ſehr, als Sie ſelbſt, daß Sie ihn nicht vor ihrer Abreiſe aus England kennen lernen.“ „Bei alledem,“ fuhr Palmer fort,„ſtifte ich den Walſinghams, wie geſagt, durch meine Verfuͤgung auch uͤber kurz oder lang Vortheile; denn ich glaube, ich kann darauf rechnen, daß der Kapitain Walſingham, wenn eine gewiſſe Spanierinn außer dem Spiele bleibt, um Amalien anhalten, und ſie uͤberreden wird, ihre alberne Grille mit dem Baron fahren zu laſſen.“ Mrs. Beaumont ſchuͤttelte den Kopf, als hielte ſie dies fuͤr unmoͤglich. 280 „Nun, wenn es nicht iſt, ſo iſt es nicht. Man muß der Neigung des Maͤdchens keine Ge⸗ walt anthun. Es wundert mich uͤbrigens nicht, daß es Ihnen leid thut, ſehen zu muͤſſen, daß ein Mann, wie der Kapitain Walſingham iſt, ihr entgeht. Aber, liebe Frau, wir muͤſſen Alles zum Beſten wenden; mag das Maͤdchen ihren Baron heirathen, ich habe dem Kapitain Wal⸗ ſingham ein Legat von etlichen Tauſenden als ein Zeichen meiner Achtung fuͤr ſeine Geſinnung hin⸗ terlaſſen; und ich bin uͤberzeugt, liebe Madam Beaumont, ſein Vortheil iſt bei Ihnen in guten Haͤnden. Unterdeſſen wuͤnſche ich, daß Sie, als die Repraͤſentantin meines guten, verſtorbenen Freundes, das, was ich habe, zeitlebens genießen moͤgen. Mrs. Beaumont ließ eine ſolche Fluth dank⸗ barer und freundlicher Worte ausſtroͤmen, daß Palmer ganz verlegen dabei ward.„ Nichts, nichts, lie woll ich d daß den T meine Ver men geſe Herzenef rung an te, ich Dinge, „M ordentlich und heu gern fru „ ſagte he Erden 281 iſt es nicht. nichts, liebe Frau, nicht doch!“ rief er.„Was 4 eis keine éi woollt ich doch ſagen? es iſt mir entfallen. Ja— tigens nicht daß den Walſinghams doch auf eine andre Art müſen, dh meine Verfuͤgung, duͤnkt mich, zu Gute kommen lſnohan it, wird.“ uͤſſen Alles„Wie ſo?— idchen ihfeen„Was? Sie haben ſie ſo viel oͤfter beiſam⸗ pitain Wale men geſehn, als ich; merkten Sie denn nicht, enden als ein Herzensfrau, daß Miß Walſingham eine Erobe⸗ eſinnung hin⸗ rung an Ihrem Sohne gemacht hat? Ich daͤch⸗ jebe Madam te, ich waͤre ziemlich bloͤdſichtig fuͤr dergleichen — nen in guten V Dinge, aber ich merkte dies doch.“ aß Sie, als„ Miß Walſingham gefaͤllt mir ganz außer⸗ verſtorbenn. ordentlich; doch Sie wiſſen ja, Eduard iſt ſo jung, ens genicen und heut zu Tage heirathen die Maͤnner nicht gern fruͤhzeitig,“ erwiederte Mrs. Beaumont. puut dunk⸗„Nun, moͤgen ſie ſchalten, wie ſie wollen,“ tromen, daß ſagte Herr Palmer,„mein einziger Wunſch auf „Nihto Erden iſt, ſie gluͤcklich zu ſehn, oder vielmehr 282 von ihrem Gluͤck zu hoͤren, denn ſehen werd ich es in Jamaica nicht.“ „Ach!“ ſeufzte Mrs. Beaumont, mit dem zaͤrtlichſten Tone aus Herzensgrunde, wie es ſchien,„ach das iſt ein ſchwarzer Gedanke!“ Jehzt beendete Palmer die Unterredung mit der Frage: wen ſie ihm zum Zeugen bei ſeinem Teſtamente vorſchluͤge? Sie nannte den Kapi⸗ tain Lightbody und den Doktor Wheeler. Gluͤck⸗ licherweiſe befand ſich der Doktor im Hauſe, denn ſie hatte ihn, wie ſie ſagte, dieſen Morgen wegen ihrer armen Amelie holen laſſen, die ſich geſtern erkaͤltet und heute ein wenig Fieber habe. Mit dem Fieber wenigſtens hatte es ſeine Richtigkeit. Die Angſt, welche Amelie neulich empfand, als ſie fuͤrchtete, zu einer Verbindung mit einem Manne, der ihr zuwider war, gezwun⸗ gen oder uͤberliſtet zu werden; Beſorgniſſe wegen der unbekannten Spanierin, und endlich die Ge⸗ wißheit, d herm Pa könne, un auf dieſes gebaut ha⸗ ſo uͤberwa brachte, waͤre zu um ſie v keit bei jeßt war fur dieſe nicht im wit die wenden Der unterſch wurde g davon a hhen werd ich nt, mit dem dde, wie es Gedanke!“ erredung mit en bei ſeinem te den Kapi⸗ teler. Gluͤck⸗ Hauſe denn Norgen wegen e ſich geſtern abe. atte es ſeine melie neulich rVerbindung var, gezwun⸗ ngniſſe wegen dlich di Ge⸗ 283 wißheit, daß der Kapitain Walſingham nicht vor Herrn Palmers Abreiſe von England eintreffen konne, und daß folglich die Hoffnung, welche ſie auf dieſes wohlwollenden Freundes Vermittlung gebaut hatte, eitel ſei; dieſes Alles hatte Amelien ſo uͤberwaͤltigt, daß ſie die Nacht im Fieber ver⸗ brachte, und wirklich krank war. Ihre Mutter waͤre zu jeder andern Zeit in lebhafte Beſorgniß um ſie verſetzt geweſen, denn ihre Doppelzuͤngig⸗ keit bei Seite, liebte ſie ihre Kinder wirklich, doch jetzt war ſie es ganz zufrieden, daß die Tochter, fuͤr dieſen Tag, auf ihr Zimmer gebannt, ihr nicht im Wege ſein konnte. Dort uͤberlaſſen auch wir die arme Amelie ihren Fieberphantaſien, und, wenden uns wieder zu den Geſchaͤften des Tages. Der Kapitain Lightbody und Doktor Wheeler unterſchrieben das Teſtament als Zeugen; es wurde gerichtlich eingereicht, und eine Abſchrift davon an Mrs. Beaumont uͤberantwortet. Die⸗ 284 ſer wichtige Punkt war erreicht. Der naͤchſte betraf ihr Witthum. Sie hatte ihren unterthäͤ⸗ nigen Diener Lightbody angeſtiftet, ihrem Sohne unmaßgeblich vorzuſtellen, daß irgend eine Ver⸗ mehrung deſſelben nicht uͤbel ſeyn wuͤrde; und ſie befand ſich in großer Spannung zu erfahren, wie dieſe Winke, und andre aͤhnliche, welche ſie ihm auf noch entfernteren Wegen hatte zukommen laſ⸗ ſen, aufgenommen waͤren.“ Indeß ſie nun den Kapitain Lightbody in ihrem Toilettenzimmer die⸗ ſerhalb erwartete, oͤffnete ſich die Thuͤr. „Nur herein, Lightbody, nun, wie hat es gewirkt?..“ Doch ploͤtzlich ſchwieg ſie; denn es war nicht Lightbody, es war ihr Sohn. In⸗ dem er that, als haͤtte er ihre Worte nicht ver⸗ nommen, ging er auf ſie zu und uͤberreichte ihr eine Verſchreibung. „Haben Sie die Guͤte, Mutter,“ ſagte er, „dieſe Zulage zu Ihrem Witthum von mir anzu⸗ nehmen. dem Auge kommen r wuͤrden n Fuß zu9⸗ fuͤr meine ſche durch Sch rothete, dieſe Ar ren Abg ſann, de res Soh then mo nicht 9 ſchwan indeſſen die nur ihres 6 Det naͤchſte hren unterth ⸗ ihrem Sohne ſend eine Ver⸗ uͤrde; und ſi erfahren, wie welche ſie ihm zukommen laſ⸗ eß ſie nun den kenzimmer die⸗ Thüͤr. n, wie hat es ieg ſie; denn Sohn. In⸗ otte nicht ver⸗ uberreichte ihr er,“ ſagte er, von mit anz⸗ 285 nehmen. Es war allezeit mein Wille, dieſes in dem Augenblick zu thun, da ich Macht dazu be⸗ kommen wuͤrde; und ich ſchmeichelte mir, Sie wuͤrden nicht fuͤr noͤthig erachten, mir unter den Fuß zu geben, daß ich das thun moͤchte, was ich fuͤr meine Schuldigkeit hielt, oder mir Ihre Wuͤn⸗ ſche durch eine Mittelsperſon zukommen zu laſſen. Schon ſtand Mrs. Beaumont, die tief er⸗ roͤthete, und der es ſehr zuwider war, ſich auf dieſe Art ertappt zu finden, auf dem Punkt, ih⸗ ren Abgeordneten zu verleugnen, als ſie ſich be⸗ ſann, daß die Worte, welche ſie beim Eintritt ih⸗ res Sohnes in das Zimmer geſprochen, ſie verra⸗ then moͤgten; andrerſeits aber war es ihr doch nicht gewiß, ob er ſie gehoͤrt habe, und ſie ſchwankte. Seine raſche Offenherzigkeit rettete ſie indeſſen von der Schmach einer Verleugnung, die nur dazu dienen konnte, ſie in dem Gemuͤth ihres Sohnes herabzuſetzen. 286 „Sagen Sie nichts weiter daruͤber, liebe Mutter, und vergeben Sie mir, daß ich Ihnen Wehe thue, wo ich wahrhaftig nur begehre, Ih⸗ nen Freude zu machen. Verſprechen Sie mir, daß ich in Zukunft Ihre Wuͤnſche durch Sie ſelbſt erfahren ſoll.“ „Ganz ohnfehlbar; darauf verlaß Dich, mein beſter Sohn! Ich bin ganz uͤberwaͤltigt. Die Sache war, daß ich, ob es mir gleich wahrhaf⸗ tig und dringend noth thut, mich nicht entſchlieſ⸗ ſen konnte, Dir geradezu und unmittelbar das abzufordern, wovon ich wußte, daß Du es mir nicht abſchlagen wuͤrdeſt, wenn Dir auch die Gewaͤhrung laͤſtig fallen ſollte. Deshalb, und einzig deshalb, wuͤnſchte ich, daß Du mein Be⸗ duͤrfniß nicht durch mich ſelbſt, ſondern durch ei⸗ nen vermittelnden Freund erſahren moͤgteſt.”“ „Freund!“ konnte Beaumont nicht umhin, mit veraͤchtlicher Lebhaftigkeit zu wiederholen. „Ftel wuͤnſchte, Mittelspe weges al trachten ſelbſt verſ men Em ſeyn moe „Ac mont,) ſchenkenn und emp durch der gleichen, ſogenan ſchentra dungen aus ent ſäitig di arüber, liebe daß ich Ihnen begehte, Ih⸗ hen Sie mir, urch Sie ſelbſt aß Dich, mein wäͤlligt. Dit leich wahrhaf⸗ ſnicht enlſchlieſ⸗ mmittelbar das daß Du es Dir auch die dshalb, und Du mein Be⸗ dern durch ei⸗ naͤteſt. 1 nicht umhin, ederholen. 287 „Freund, ſagte ich aus Hoͤflichkeit; ich wuͤnſchte, Du ſollteſt mein Beduͤrfniß durch eine Mittelsperſon erfahren, damit Du Dich keines⸗ weges als verbunden, oder aufgefordert zu be⸗ trachten brauchteſt, und damit eine ſtumme von ſelbſt verſtandne Weigerung zu keinen unangeneh⸗ men Empfindungen zwiſchen uns Veranlaſſung ſeyn moͤgte.”“. „Ach, meine liebe Mutter,“ ſagte Beau⸗ mont,„ich habe weder Ihre Welt⸗ noch Men⸗ ſchenkenntniß, allein was ich gehoͤrt, und geſehn und empfunden habe, hat mich uͤberzeugt, daß durch dergleichen falſches Zartgefuͤhl, durch der⸗ gleichen Behandlung und Winkgeberei, und durch ſogenannte Freunde, die mit Hoͤflichkeit die Zwi⸗ ſchentraͤger machen, mehr unangenehme Empfin⸗ dungen in Familien veranlaßt werden, als je dar⸗ aus entſtanden waͤren, wenn die Theile ſich gegen⸗ ſeitig die reine Wahrheit in Hinſicht auf ihre Ge⸗ 288 danken und Wuͤnſche geſagt haͤtten. Verzeihen Sie mir, wenn ich heute zu gerade heraus ſpre⸗ che; aber da wir hoffentlich noch manches Jahr zuſammen leben wollen, ſo kann uns dies manche unſelige Stunde erſparen.“ Mrs. Beaumont trocknete die Augen. Schwer ſiel es ihrem Sohne fortzufahren; doch er mußte, nach ſeinen eignen Grundſaͤtzen. „Amelie, hoͤr' ich, iſt heute nicht wohl Mutter?“ „ Nein; das arme Kind!“ „Mutter, ich hoffe..“ „Da mein lieber Sohn alzzeit die gerade, reine Wahrheit von mir zu hoͤren begehrt,“ un⸗ terbrach ihn hier ſeine Mutter,„ſo muß ich ihm ſagen, daß ich als Vormuͤnderin ſeiner Schweſter Niemand in Hinſicht meines Verfahrens mit ihr Rechenſchaft ſchuldig zu ſeyn glaube; jeden Ein⸗ ſpruch wuͤrde ich fuͤr einen unfreundlichen, unge⸗ rech⸗ ncchten In halten. S daß ihr G hauptauge ſendmal g walt geſche „Sol bitten,“ deutliche, trauen wi hene Wor ne nach b Mes. Miene ſic Schnuyf ihr, ihr „W. ſo muß meiner( II. n. Verzeihen de heraus ſpre⸗ manches Jahr ins dies manche lugen. Schwer doch er mußte, tte nicht wohl iit die gerade, begehrt”” une muß ich ihm ſinet Schweſttr ahras mit iht ibe; jeden Ein⸗ ndlichen, unge⸗e rech⸗ rechten Zweifel an meiner Liebe zu meiner Tochter halten. Begnuͤge Dich mit der Verſicherung, daß ihr Gluͤck bei Allem, was ich thue, mein Hauptaugenmerk iſt: und daß, wie ich ihr tau⸗ ſendmal geſagt habe, ihrer Meinung keine Ge⸗ walt geſchehen ſoll. „So hab' ich nichts weiter zu ſagen, oder zu bitten,“ verſetzte Beaumont.„Dies iſt eine deutliche, beſtimmte Erklaͤrung, auf die ich ver⸗ trauen will. Eine Mutter wird nicht das gege⸗ bene Wort dem Worte nach halten und dem Sin⸗ ne nach brechen.“ Mrs. Beaumont, die es fuͤhlte, daß ihre Miene ſich veraͤnderte, griff, als beduͤrfe ſie des Schnupftuchs, nach demſelben, und es gelang ihr, ihr Angeſicht hinter demſelben zu verbergen. „Was mich betrifft,“ fuhr Beaumont fort, „ſo muß ich, damit Sie nicht in Zweifel wegen meiner Geſinnungen bleiben, gleichfalls erklaͤren, II. T 290 daß, wenn ich gleich Ihre Forderung wegen des Aufſchubes einiger Wochen zugeſtanden habe.. „Das brauchſt Du mir nicht zu wiederholen, ich verſtehe ſchon Alles durchaus.“ „Nun, nach Ablauf dieſes Monats alſo, werde ich, und ich hoffe mit Ihrer voͤlligen Zu⸗ ſtimmung, um Miß Walſingham anhalten.“ „Das hat Zeit,“ rief Mrs. Beaumont laͤ⸗ chelnd, und klopfte ihren Sohn ſcherzhaft auf die Schulter,„das hat Zeit, bis der Monat zu Ende laͤuft. Dann wollen wir uns weiter ſpre⸗ chen, ich habe ſchon oft junge Maͤnner, wie Du, binnen Monatsfriſt verliebt und erkaltet geſehn. Aber wie dem auch ſei,“ fuhr ſie fort,„laß uns jetzt zur Tagesordnung ſchreiten; wir haben her⸗ nach Zeit genug, die uͤbrigen Dinge zu berichti⸗ gen; die Tagesordnung aber, die freilich, ich ge⸗ ſteh es, ihr Langweiliges hat, iſt, die Rechnun⸗ gen abzuſchließen.“ „A „Ich „Nu gen zu c reit iſt. „Ehe mont,„ gen der Schulde wohl. je wenig kurzum, von zu ſ „A haftig Herrn und wo ihn dur rung wegen des anden habe..“ zu wiederholen, 1 Monaks alſo, eer voͤlligen Zus anhalten." „Beaumont laͤ⸗ ſcherzhaft auf de der Monat zu uns weiter ſple⸗ anner, wie Du, 1 erkaltet geſhn. fort, ulaß uns vit haben heke znge zu berichi⸗ frallch, ich ge⸗ t, die Rcchnune 291 „Ich bin bereit.“ „Ich gleichfalls.“ „Nun ſo laſſen Sie uns mit unſern Rechnun⸗ gen zu Herrn Palmer gehen, der gewiß auch be⸗ reit iſt.“ „Ehe wir aber gehen,“ fluͤſterte Mrs. Beau⸗ mont,„laß uns zuvor ausmachen, was wir we⸗ gen der Schulden ſagen wollen, wegen Deiner Schulden, der fuͤnftauſend Pfund, Du weißt wohl. Ich denke, Du biſt einverſtanden, daß, je weniger davon geſagt wird, je beſſer es iſt; kurzum, daß es das Beſte waͤre, gar nichts da⸗ von zu ſagen.“ „ Wie ſo, Mutter? Sie denken doch wahr⸗ haftig nicht, ich ſei geſonnen, unſerm Freunde, Herrn Palmer, meine Schulden zu verhehlen, und wolle doch ſo thun, als unterrichtete ich ihn durchaus von meinen Angelegenheiten, und T 2 292 ſchloͤſſe Rechnungen mit ihm und Ihnen, meinen Vormuͤndern, ab?“ „Mit ihm? Er hat ja, wie Du weißt, nie als Vormund verfahren, deswegen haſt Du nicht noͤthig, mit ihm Rechnungen abzuſchließen.“ „Warum haben Sie ihn denn ſo getrieben, von London herzukommen, um bei dieſen Rech⸗ nungsabſchluß gegenwaͤrtig zu ſeyn?“ „Aus Hoflichkeit; und weil ich wuͤnſchte, er moͤgte als Freund Deines Vaters dabei zugegen ſeyn. Es iſt jedoch nicht noͤthig, daß er jedes Detail erfahre.“ „Wie Sie es lieber wollen, Mutter; ich ſchließe entweder mit ihm, oder mit Ihnen ab.“ „O, mit ihm! das heißt in ſeiner Gegen⸗ wart, verſteht ſich.“ „So muß er Alles wiſſen.“ „Warum denn? Daß Du dergleichen Schul⸗ den gemacht haſt, wird nur ſeine Meinung von Deiner u vellecht „Ein ſeiz das gen kann. ſendmal l ſete Mei heucheln. „8 es von! ſen, ich nicht ger wäͤre.— häͤtteſt und wil geſagt Be „Awer Alles; Jh 5 Ihnen, meinen Du weißt, nie haſt Du nicht uſchließen.“ in ſo getrieben, i dieſen Rech⸗ ön?“ ich wuͤnſchte, er dabei zugegen 6, daß t jedes Mutter; ich nit Ihnen ab.“ n ſeiner Gegen⸗ ergleichen Schul⸗ „Meinung von 293 4 Deiner und meiner Vernunft herabſetzen, und vielleicht am Ende..“. „Einfluß auf ſein Teſtament haben. Das ſei; das iſt das Schlimmſte, was daraus erfol⸗ gen kann. Ich fuͤr mein Theil will das viel tau⸗ ſendmal lieber geſchehen laſſen, als mir eine beſ⸗ ſere Meinung, wie ich verdiene, von ihm er⸗ heucheln.“ „Sehr edel; ganz Deiner werth, und wie ich es von Dir nur wuͤnſchen koͤnnte: vergieb indeſ⸗ ſen, ich habe bereits fuͤr Dich gethan, was ich nicht gern ſaͤhe, wenn es von Dir ſelbſt geſchehen waͤre. Ich habe Herrn Palmer ſchon geſagt, Du haͤtteſt gar keine Schulden, und Du kannſt alſo und willſt gewiß auch nicht widerrufen, was ich geſagt habe.“ Beaumont ſtand voll ſtarren Erſtaunens. „Aber Mutter, warum haben Sie ihm nicht Alles geſagt?“ 294 „Mein Lieber, Beſter, aus Delikateſſe. Er erbot ſich, Dich aus jeder Verlegenheit zu ziehn, wenn Du Dich in Verlegenheit befinden ſollteſt; ich, die ich zu viel Zartgefuͤhl und Stolz beſitze, um zu dulden, daß mein Sohn dergleichen Geld⸗ verbindlichkeiten gegen irgend Jemand, der nicht ſein Verwandter iſt, auf ſich habe, antwortete ſchnell, Du haͤtteſt keine Schulden. Was gab es auch ſonſt noch fuͤr eine Antwort, die den gu⸗ ten Palmer nicht beleidigt, und ſeine großmuͤthi⸗ gen Empfindungen nicht gekraͤnkt haͤtte? was ich um keine Welt moͤgte; dazu erwog ich noch, daß Palmers ganzes Vermoͤgen doch am Ende uns zufaͤllt..“ „Gut, Mutter!“ unterbrach Beaumont ſie hier, voll Ungeduld uͤber alle dieſe Erwaͤgungen und Entſchuldigungen,„die Sache verhaͤlt ſich ſo: ich kann die Ausſage meiner Mutter nicht wiederruf mer die! „Wo gung anf von Lond „Da „W weshalb Freunde viel fuͤr D ziehe kei ben, un 26 that un 9 und— Aber; n! Oelikateſſe. Er enheit zu ziehn, deinden ſolltſt; d Stolz beſitz, ergleichen Geld⸗ zaand, der nicht be, antwortete den. Was gab ort, die den gue ſine großmuthi⸗ haͤtte? was ich g ich noch, daß am Ende uns h Beaumont ſi teſe Erwäͤgungen iche vethült ſch er Noiter nicht 295 wiederrufen, und darum will ich mit Herrn Pal⸗ mer die Rechnung gar nicht abſchließen.“ „Was ſoll ich denn aber zur Entſchuldi⸗ gung anfuͤhren, da ich ihn ausdruͤcklich deswegen von London herbeirief?“ „Das iſt Ihre Sache, Mutter.“ „Was ſoll ich fuͤr einen Grund angeben, weshalb ich unſer Familienvertrauen einem alten Freunde entziehe, in dem Augenblick, wo er ſo viel fuͤr uns Alle thut?“ „Das iſt Ihre Sache, Mutter. Ich ent⸗ ziehe kein Vertrauen, denn ich habe keins vorgege⸗ ben, und will keins verletzen.“ „Guter Gott! gereicht nicht Alles, was ich that und ſagte, Dir zum Beſten?“ „Mir gereicht nichts zum Beſten, das mir und Ihnen nicht zur Ehre gereichte, Mutter. Aber zur Tagesordnung.“ „O mein lieber Sohn!“ rief Mrs. Beau⸗ 296 mont,„verfahre nicht ſo rauh, nicht ſo grau⸗ ſam mit mir.”“ Ploͤtzlich, durch die Thraͤnen beſaͤnftigt, wel⸗ che er in ſeiner Mutter Augen erblickte, bat er ſie nun um Vergebung wegen ſeiner Schroffheit; aͤußerte ihr den unbedingteſten Glauben an ihre Liebe und an ihren Eifer fuͤr ſein Wohl; doch uͤber den weſentlichen Punkt, daß er Herrn Pal⸗ mer nicht hintergehen, und weder mittel⸗ noch un⸗ mittelbar eine Unwahrheit beſtaͤtigen wollte, blieb er unerbittlich. Mitten unter dem Flehen ſeiner Mutter traf Botſchaft von Herrn Palmer ein, der melden ließ, er erwarte die Rechnungen, welche Mrs. Beaumont vorzulegen wuͤnſchte.„Nun,“ rief ſie, hoͤchſt beſtuͤrzt,„nun, ſo komm, komm zu ihm herunter; denn ich finde unmoͤglich eine Entſchuldigung, nachdem ich ihn habe von London herkommen laſſen. Er wuͤrde nur denken, daß das Uebel aͤrger ſei, als es wirklich iſt.— Bleib!— Ich will alszufor ab, ſo ke dann da Vielleich wegen O liebe, g Gedacht hat, ſo falſche des So der Sa Si forſchen wandh dieſes des ihn gehen donh nicht ſo grau beſänftigt, wel⸗ rblickte, bat er et Schufhitz auben an ihte Wohl; doch et Hettn Pal⸗ mittel⸗ noch un⸗ en wollte, blieb m Flehen ſeiner m Palmer ein, nungen, welche chte.„Nun,“ okomm, komm unmöglich eine abe von kondon enken, daß das — Bleib!— 297 Ich will eher als Du hinunter gehen, um ihn auszuforſchen; geht es nicht ohne die Rechnungen ab, ſo komm Du, wenn ich klingle; Alles, was dann davon herkoͤmmt, geht auf meine Gefahr. Vielleicht erinnert er ſich nicht einmal mehr, was wegen Deiner Schulden vorgegangen iſt; denn die liebe, gute, alte Seele beſitzt eben nicht das beſte Gedaͤchtniß. Und wenn er es hartnaͤckig behalten hat, ſo iſt es am Ende nichts, als ein Bischen falſche Delikateſſe; eine Nothluͤge, zum Beſten des Sohnes gegen den Freund, und wir koͤnnen der Sache einen Anſtrich geben.“ Sie ging nun hinab, Herrn Palmer auszu⸗ forſchen; aber wie viel ſich auch von ihrer Ge⸗ wandheit erwarten ließ, gelang es ihr doch nicht, dieſes Mannes geraden Sinn zu beſchwatzen, daß 7 es ihn ermuͤden wuͤrde, die Rechnungen durchzu⸗ gehen, derentwegen er ſo viele Meilen von Lon⸗ don hergereiſt war. Kaum bemerkte ſie, daß der 298 Argwohn in ihm entſtehe, ſie moͤgte wohl eini⸗ ges Intereſſe haben, ihn die Rechnungen nicht ſehen zu laſſen, kaum fragte er mit veraͤnderter Stimme:„Iſt irgend etwas Geheimes in dieſen Rechnungen, daß ich ſie nicht ſehen ſoll?“ ſo klin⸗ gelte ſie augenblicklich und antwortete:„O nein, nichts weniger; wir fuͤrchteten nur, das heiſt, ich fuͤrchtete, dieſes Geſchaͤft moͤgte Sie zu ſehr anſtrengen, mein lieber Freund, grade am Tage vor ihrer Abreiſe, und es that mir leid, ſo viele Stunden Ihrer angenehmen Geſellſchaft einzu⸗ buͤßen; aber da Sie ſo gar guͤtig ſind:— hier iſt mein Sohn mit den Papieren.“ Zwoͤlftes Kapitel. In gehoͤriger Form ging es nun an die Ueberſicht der Rechnungen; und es geſchah, daß die liebe, gute alte Gedächtne tes erinne theuert h noch ſih verholen den Tag darüber te er zu oft ein ich wei und es den in renner warum Wahr doch dienen recht e dgte wohl eini⸗ echnungen nicht mit veranderter eimes in dieſen ſoll?“ ſo klin⸗ wortete:„O a nut das heiſt, gte Sie zu ſehr grade am Tage it leid, ſo viele ſellſchaft einzu⸗ g ſind:— hier T tel. an die Ueberſcht „daß die libee, 299 gute alte Seele, wenn ſchon ſie nicht das beſte Gedaͤchtniß beſaß, ſich doch puͤnktlich jedes Wor⸗ tes erinnerte, mit welchem Mrs. Beaumont be⸗ theuert hatte, daß ihr Sohn keine Schulden habe, noch ſich in Verlegenheit befinde. Groß und un⸗ verholen war ſein Entſetzen, da die Wahrheit an den Tag kam.„Nicht, als ob ich mich ſo ſehr daruͤber entſetzte, daß Sie Schulden haben,“ ſag⸗ te er zu Beaumont gewandt,„junge Leute ſind oft ein wenig unvernuͤnftig oder dergleichen; und ich weiß, beſonders da Sie ſo aufrichtig ſind, und es nicht zu entſchuldigen begehren, Sie wer⸗ den in Zukunft vernüͤnftiger ſeyn und die Wett⸗ renner verſprochenermaßen fahren laſſen. Aber warum ſagt mir Madam Beaumont nicht die Wahrheit? warum verhehlt ſie mit das, da ich doch nichts verlange, als meinen Freunden zu dienen? Das war nicht recht gegen mich, nicht recht gegen ſich ſelbſt verfahren.— Frau, Frau, 300 Sie haben mir im Herzen Weh gethan; ich gaͤbe tauſend, ja doch, ich Narr, ich gaͤbe zehntau⸗ ſend Pfund, daß mir dies nicht von meines guten Freundes, des Oberſten Wittwe wiederfahren waͤre, von der Wittwe eines Mannes, der ſich lieber die Hand abgehauen haͤtte, als— O Ma⸗ dam Beaumont, Madam Beaumont, Sie ha⸗ ben mich in meinem Alter hart gekraͤnkt. Alles Andre haͤtte ich ertragen koͤnnen; aber meine alte Freundſchaft, mein Vertraun in meinem Alter erſchuͤttert zu ſehen!“ Ihrer Seits befand ſich Mrs. Beaumont da⸗ gegen in nicht minderem Erſtaunen; denn Herr Palmer nahm die Sache viel ernſtlicher, und ſchien durch dieſe Entdeckung einer kleinen Abwei⸗ chung von der Wahrheit viel tiefer gekraͤnkt, als ſie vermuthet, oder fuͤr moͤglich gehalten hatte; und das in einem Falle, wo weder ſein Vortheil, noch eine ſeiner Leidenſchaften in Anregung kam. Vergebli Großmut Gefühlen von allen Hertn 9 hin zu v keine Un tergehn litt ſtat beſcham u tes Wo ſagte ſi zu begr Freund digen, Beaun haben mont ethan; ich gabe gäbe zehntau⸗ on meines guten de wiederfahren innes, der ſſch als— O Ma⸗ mont, Sie ha⸗ gekraͤnkt. Alles aber meine alte meinem Alter Beaumont da⸗ en; denn Herr nſtlicher, und kleinen Abwei⸗ e gekränkt, als gehalten hatte; ſein Vortheil Anregung kam. 301 Vergeblich beſchoͤnigte und erklaͤrte ſie; ſprach von Großmuth, Delikateſſe, Stolz, und muͤtterlichen Gefuͤhlen, und den Gefuͤhlen eines Freundes, und von allen Sorten feiner und extrafeiner Gefuͤhle; Herrn Palmers feſter grader Sinn war nicht da⸗ hin zu vermoͤgen einzuſehn, daß eine Unwahrheit keine Unwahrheit ſei, und daß einen Freund hin⸗ tergehn, ihn gut behandeln heiße. Ihr Sohn litt ſtatt ihrer; ſein Ausſehn, ſein peinlich und beſchaͤmtes Schweigen zeugten deutlich davon. „Und nicht einmal mein Sohn legt ein gu— tes Wort fuͤr mich ein? Iſt das freundlich?“ ſagte ſie, nicht im Stande ſeine Empfindungen zu begreifen, und in der Meinung, daß es einem Freunde immer zukommen den andern zu entſchul⸗ digen, es ſey wohl oder uͤbel. Palmer druͤckte Beaumonts Hand; ohne ein Wort geſprochen zu haben, verſtanden ſie einander vollkommen. Beau⸗ mont verließ das Gemach und Mrs. Beaumont 302 brach in Thränen aus. Mit der aͤußerſten Gut⸗ muͤthigkeit verſuchte nun Palmer die Beſchaͤmung und Zerknirſchung zu lindern, welche ſie, ſeiner Meinung nach, empfinden mußte. Er bemerkte, daß ſie ſich freilich uͤber ſich ſelbſt betruͤben und verwundern muͤſſe, aber er waͤre uͤberzeugt, daß nichts, als irgend ein ſchiefes mißverſtandnes Zart⸗ gefuͤhl ſie zu demjenigen vermogt haben koͤnne, was ſie nach ihren Grundſaͤtzen zu verdammen genoͤthigt ſei. Sogleich ſprach ſie ſo, wie ſie glaubte, daß es Palmern behagen wuͤrde, folgte dem von ihm gegebenen Impuls, und erreichte endlich ſo viel, daß ſie ihn in der Meinung beſtaͤrkte, dies ſei ih⸗ rerſeits keine gewohnte, ſondern nur eine gelegent⸗ liche Abweichung von der Wahrheit geweſen. Sein Vertrauen auf ſie war gebrochen, aber nicht gaͤnzlich zerſtoͤrt. „Was die Schulden betrifft,“ hob er wieder an,„daruͤber ſeyn ſie ganz außer Sorgen. Das werde ich men. J die, wie den Duͦ über und rein ant mag Si muß m wegen. in ſeine werthe Statt ſprechen Wettre will; ſchreib hafte dern l lichem t aͤußerſten Galt⸗ die Beſchämung welche ſie, ſeinet e. Er bemerkte, ſt betruͤben und überzeugt, daß derſtandnes Jart⸗ haben könne, was dammen genothigt ſie glaubte, daß zte dem von ihm eandlch ſo iic, ette, dies ſei ih⸗ ur eine gelegent⸗ ihrheit geweſen. nchen, aber licht u hob er wieder t Sergen. Das 303 werde ich in wenig Minuten aus dem Wege raͤu⸗ men. Mein Antheil an der Ladung der Anne, die, wie ich erfahren habe, ſo eben gluͤcklich in den Duͤnen angelangt iſt, reicht fuͤr dieſe Schuld uͤber und uͤber hin. Ihr Sohn ſoll ſeine Guͤter rein antreten. Nein, nein, keinen Dank; ich mag Sie nicht um Ihren Dank betruͤgen; dafuͤr muß mir Ihr Sohn danken; ich thue es ſeinet⸗ wegen. Ich habe den jungen Mann lieb'; es iſt in ſeinem Weſen eine Unbefangenheit und ehren⸗ werthe Freimuͤthigkeit, woran ich Gefallen habe. Statt eines Schuldſcheins werde ich mir ſein Ver⸗ ſprechen geben laſſen, daß er nichts mehr mit Wettrennern zu Neumarket zu ſchaffen haben will; und ſein Wort iſt ſo gut wie ſeine Ver⸗ ſchreibung. Nun, ich thue keine eitle, prahl⸗ hafte That; ich werfe mein Geld nicht weg, ſon⸗ dern lege es hoffentlich zu gutem, weſentlich nuͤtz⸗ lichem Endzwecke an. Denn ſehen Sie nur, ————— 304 liebe— ſehen Sie Madam Beaumont; ein jun⸗ ger Mann, der ſeine Guͤter mit Schulden beladen . antritt, geraͤth nicht ſelten, um ſich von Schul⸗ den zu befreien, auf den Gedanken, ein Vermoͤ⸗ gen zu erheirathen, ſtatt einer Frau; das feſſelt ihn dann fuͤrs ganze Leben, ſtatt ihn frei zu ma⸗ chen. Was fuͤr eine Art von Freund muͤßte der ſeyn, der, wenn er dies verhindern koͤnnte, es So will ich denn nur ſogleich, ehe ich die naͤchſte Priſe Taback nehme, ihm einen Wechſel auf die Ladung der Anne ſchreiben; ich koͤnnte es ſonſt in der Eil bei dem Packen und Abſchiednehmen und anderm dergleichen widrigen Weſen vergeſſen.“ Er ging, und uͤberließ Madam Beaumont ihren Gefuͤhlen oder Betrachtungen, und in we⸗ nig Minuten durchlief er mit einem Wechſel von fuͤnftauſend Pfund in der Hand das Haus und ſuchte ſeinen jungen Freund. Dieſer trat aus * ſeiner wegen einiger tauſend Pfund geſchehen ließe? finn Sümfie horte „Da,“ ſagt zu thun. Leſet endoſſirt ihn, un weiter davon ho nut Eute Muttt ben will. Aber aus den Augen ſie ſehen?“ „Ja; auf Gehen Sie, lie ihr und beſuchen ſagt, ſſe habe z Zimmer zu velle thut ihr zehnma nicht an dem l ſchen darf.“ uht mich II. ; ein jun⸗ en beladen i Schul⸗ n Vermoͤ⸗ das feſſelt ei zu ma⸗ nuͤßte der onnte, es een ließe? die naͤchſte ſel auf die s ſonſt in men und geſſen. Seaumont id in we⸗ chſel von Hdaus und trat aus ſeiner ⸗ 305 ſeiner Schweſter Gemach, als er ſich rufen hoͤrte. „Da,“ ſagte Palmer,„da habt Ihr was zu thun. Leſet dieſen Wechſel; iſt's ſo recht? endoſſirt ihn, und merkt Euch, daß ich nichts weiter davon hoͤre. Statt alles Dankes fragt nur Eure Mutter, was ich dafuͤr von Euch ha⸗ ben will. Aber leſet ihn nicht eher, bis Ihr mir aus den Augen ſeid. Iſt Amalie auf? darf ich ſie ſehen?“ „Ja; auf und in ihrem Toilettenzimmer. Gehen Sie, lieber Herr, gehen Sie herein zu ihr und beſuchen Sie dieſelbe; meine Mutter ſagt, ſie habe zu ſtarkes Fieber, um heute das Zimmer zu verlaſſen; aber ich bin uͤberzeugt, es thut ihr zehnmal mehr Schaden, wenn ſie Sie nicht an dem letzten Tage, daß Sie bei uns ſind, ſehen darf.“ „Hat mich die kleine Hexe denn ſo lieb? das II. U 306 iſ ſchoͤn, denn ich bin ihr gut, und will es ihr beweiſen, indem ich ihr meine Grillen aufopfere; ſomit laſſen Sie mich nur immer allein mit ihr, junger Herr, und gehen Sie gefaͤlligſt und beſchik⸗ ken ihre Angelegenheit.“ Palmer klopfte an Ameliens Thuͤr, und da er ein:„herein!“ zu vernehmen glaubte, trat 1 er ein. „O, Herr Palmer, mein guter Herr Pal⸗ mer, ſind Sie's?“ „Ja. Aber Sie ſcheinen ja nicht recht zu wiſſen, ob Sie ſich freuen oder betruͤben ſollen, Ihren guten Palmer zu ſehen; halten mir die Hand hin, und wenden das Angeſicht ab. Liebe, Liebe, wie brennt die Hand, und wie der Puls ſchlaͤgt und zittert! Was meint denn Doktor Wheeler dazu? Ich bin auch ein Stuͤckchen von einem Arzt; ſehen Sie mich an. Aber was iſt N das? Augen ſo roth wie Feuer. Nichts fuͤr ungut! was iſt n Was ſol das heiß und ruͤckte ſich ei hin,„keine Ge fuht er ſch ſchen heimlichkiten; dazu. Bedenken und habe noch Ia doch, laͤchle nur, wie Iht 2 oͤffnen Sie mir auch allezeit. 2 ten Freund. „Ich bettach herrlichen Freund lie wußte, daß ohne ihrer Mu leicht gar zu de⸗ „Keine abe vill es ihr aufopfere; mit ihr, nd beſchik⸗ „ und da bte, trat Herr Pal⸗ t recht zu ben ſollen, n mir die b. Liebe, der Puls in Doktor cichen von er was iſt ſichts fuͤr 307 ungut! was iſt mit Ihren Augen, junge Dame. Was ſoll das heißen? Kommen Sie,“ ſagte er, und ruͤckte ſich einen Stuhl dicht zu dem ihrigen hin,„keine Geheimniſſe; keine Geheimniſſe,“ fuhr er ſich ſetzend fort.„Ich verabſcheue die Heimlichkeiten; uͤberdies haben wir keine Zeit dazu. Bedenken Sie, morgen muß ich reiſen, und habe noch alle meine Hemden einzupacken. Ja doch, laͤchlen Sie nur, Dame, laͤchlen Sie nur, wie Ihr Vater zu laͤchlen pflegte; und er⸗ oͤffnen Sie mir Ihr ganzes Herz, das pflegte er auch allezeit. Betrachten Sie mich als einen al⸗ ten Freund. „Ich betrachte Sie, als einen wahrhaften, herrlichen Freund,“ rief Amelie,„aber—“ Ame⸗ lie wußte, daß ſie ſich nicht entdecken konnte, ohne ihrer Mutter ungehorſam zu ſein, ſie viel⸗ leicht gar zu verrathen. „Keine abers,“ ſagte Palmer, ihre Hand er⸗ u 2 3⁰⁸ greifend,„kommen Sie her, meine kleine Ame⸗ lie, ehe Sie dieſen Ring funfzig mal vom Fin⸗ ger abſtreifen, und wieder aufſtreifen, ſagen Sie mir, wem moͤgten Sie einen Ring fuͤrs Leben an dieſen Finger ſtecken?“ „Ach, das iſt es eben, was ich Ihnen nicht ſagen kann!“ rief Amelie,„wenn es mich allein betraͤfe, ſo wollte ich Ihnen Alles ſagen. Aber, fragen Sie mich nicht weiter; ich kann Ihnen nicht die vollkommene Wahrheit ſagen.“ „Dann iſt es irgendwo nicht richtig. Wenn. die Leute ſprechen, ſie koͤnnen nicht die Wahrheit ſagen, ſag' ich immer, dann iſt es irgendwo nicht richtig. Erlauben Sie mir eine Frage, Amelie—“ „Fragen Sie mich nicht. Sprechen Sie mit meiner Mutter. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen antworten ſoll. 2 „ Sie wiſſen das nicht? Bei Gott! das iſt wunderlich! Ein wunderliches Haus, wo man 8 nicht die einfachſte herauskticgen kann iber eins. Kein aller Seelen! den de Antwort auf, wiſſen nicht, wie mit dem alten eh könnte, ohne zu einem Advokaten auszuweichen. Freunde zu antn dies iſt nicht di mit einander zu weinen Sie nich ten Muth, das treiben; ich kan zimmer weinen Fuauenzimmer, alt wie es iſt, ſeine Ame⸗ vom Fin⸗ ſagen Sie Leben an hnen nicht nich allein en. Aber, nn Ihnen -. Wenn Wahtheit dwo nicht melie—“ n Sie mit ich Ihnen das iſt wo man 309 nicht die einfachſte Wahrheit ohne Schwierigkeiten herauskriegen kann. Mutter und Tochter, beide uͤber eins. Keiner von Allen kann, bei ihrer aller Seelen! den Sohn ausgenommen, eine gra⸗ de Antwort auf eine grade Frage geben. Sie wiſſen nicht, wie? Als ob Niemand mit mir, mit dem alten ehrlichen Richard Palmer ſprechen koͤnnte, ohne zu wiſſen, wie? als ob es gaͤlte, einem Advokaten bei einem peinlichen Halsgericht auszuweichen. Sie wiſſen nicht, wie? einem Freunde zu antworten! Ach! Miß Beaumont, dies iſt nicht die Art, wie Ihr Vater und ich mit einander zu verfahren pflegten. Na, na, weinen Sie nicht; das wird mir das bisgen gu⸗ ten Muth, das ich noch uͤbrig habe, ganz aus⸗ treiben; ich kann es nicht vertragen, ein Frauen⸗ zimmer weinen zu ſehen, beſonders ein junges Frauenzimmer, wie Sie; es bricht mir das Herz, alt wie es iſt, und thoͤrigt, wie ich bin, der ich —— V 1 310 heutzutage das Geſchlecht beſſer kennen ſollte, als daß ich mir von einem Paar Thraͤnen meinen ge⸗ ſunden Menſchenverſtand erſaͤufen ließe. Nun, junge Dame, ſei dem wie ihm ſei, da Sie mir nicht ſagen wollen, was Sie moͤgten, ſo will ich Ihnen ſagen, was ich moͤgte, denn ich weiß es. Ja, ich weiß es! Ihre Mutter hat mich gebe⸗ ten, Ihr Zartgefuͤhl zu ſchonen, und das wollt' ich auch, aber ich habe keine Zeit dazu; uͤberdem begreife ich nicht, und ſehe nicht ein, wozu die⸗ ſes verdammte neumodiſche Zartgefuͤhl hilft, als zu einer Menge Unheil. Deswegen ſag' ich Ih⸗ nen in baarem Engliſch, ich mag Sir John Hun⸗ ter nicht leiden, und Kapitain Walſingham mag ich leiden; und ich habe gewuͤnſcht, daß Sie Ka⸗ pitain Walſingham heiratheten. Fahren Sie nur nicht auf; ich ſage, ich habe gewuͤnſcht; da Ihr Sinn nun einmal auf Sir John Hunter ſteht, ſo bewahre Gott, daß ich dem Kapitain Walſing⸗ han ine Frau 0f So habe ich dene daß troß meiner mein Beſtes geth uden, daß Sie — Sie gern moͤgen. will es ihr zur beide zuſammer kommt man, ſe und will Ihnen gung verſchaffe Euch alle verg ruͤck. Und de Weſſe bergnugt Maroquin⸗Fu und warf es „hier ſine ein und Gott behü „0) bleib ſollte, als meinen ge⸗ de. Nun, da Sit mir ſo nil ich h weiß es. mich gebe⸗ das wollt 1; überdem wozu die⸗ hilft, als ag ich Ih⸗ John Hun⸗ bham mag ß Sie Ka⸗ en Sie nur gt; da Ihr er ſteht, ſo Walſing⸗ 311 ham eine Frau ohne ihre Liebe zuſchanzen ſollte. So habe ich denn nichts weiter zu ſagen, als daß trotz meiner eigenen Grille, oder Einſicht, ich mein Beſtes gethan habe, Ihre Mutter zu uͤber⸗ reden, daß Sie Ihnen den Mann giebt, den Sie gern moͤgen. Ich will noch mehr thun, ich will es ihr zur Bedingung machen, und Sie beide zuſammenbringen, denn auf andre Art kommt man, ſeh' ich, doch mit Ihnen zu Nichts, und will Ihnen das Verſprechen ihrer Einwilli⸗ gung verſchaffen, und dann hoff ich, laſſe ich Euch alle vergnuͤgt und ohne Heimlichkeiten zu⸗ ruͤck. Und damit unterweilen jedes auf ſeine Weiſe vergnuͤgt werde,“ fuhr er fort, holte ein Maroquin⸗Futteral aus ſeiner Rocktaſche vor, und warf es vor Amelien auf den Tiſch hin, „hier ſin einige Brillanten fuͤr Lady Hunter, und Gott behuͤte Sie.“ „O, bleiben Sie, bleiben Sie, Herr,“ rief —— — —— 312 Amelie, haſtig aufſtehend.„Lieber, guter Herr Palmer, behalten Sie Ihre Brillanten und laſ⸗ ſen Sie mir Ihre Achtung und Liebe.“ „ Das kann ich nicht, wenn Sie nicht offen⸗ herzig mit mir reden wollen. Das uͤberſteigt die Natur. Weinen Sie nicht— nicht doch; jun⸗ ge Dame, Sie jammern mich, denn wahrhaftig,“ umgewandt und ſie anblickend,„wahrhaftig, Sie ſehen gar jaͤmmerlich und gar aufrichtig aus.“ „ Waͤre meine Mutter nur hier! Ich muß meine Mutter ſprechen!“ rief Amelie. „Nun, was denn da mehr? ich will ſogleich gehen, ſie zu holen;“ ſagte Palmer, der nicht der Mann war, einen Roman ſechs Baͤnde lang ausſpinnen zu laſſen, ſtatt ſechs Schritte zu ge⸗ hen, oder Jemand zu rechter Zeit ins Zimmer zu rufen, oder ſonſt Etwas der Art zu unterlaſſen, wodurch unſre literariſchen Adepten uns und die Entſcheidung zu taͤuſchen verſtehn. Voll unaus⸗ prechlicer Angſt offen geblieben em Zimmer fuͤh Mutter ſchon von chend daher kamer terdruͤckten Zorne vertraut, entſeh Palmer uubeach verbarg ſie das Mutter naͤher aus einem redl Entſchluß, m blickte auf, und ſe mit ſanfter o Mutter, Sie he ich mich gegen mit derſelben L alleit gegen E „Mein liel guter Hert in und laſ⸗ nicht offen⸗ derſteigt die doch; jun⸗ ahrhaftig,“ wahrhaſtig, ſchtig aus.” Ich muß vill ſogleich der nicht ande lang aitte zu ge⸗ Zimmer zu unterlaſſen, ³ und die oll unals⸗ 313 ſprechlicher Angſt harrte Amelie. Die Thuͤr war offen geblieben, und in der Gallerie, die zu ih⸗ rem Zimmer fuͤhrte, ſah ſie Palmern und ihre Mutter ſchon von fern, wie ſie miteinander ſpre⸗ chend daher kamen. Mit jedem Kennzeichen un⸗ terdruͤckten Zornes im Antlitz ihrer Mutter wohl vertraut, entſetzte ſie die Miene, welche Herrn Palmer uubeachtet entging. Einen Augenblick verbarg ſie das Geſicht in den Haͤnden, als ihre Mutter naͤher trat; dann entnahm ſie Muth, aus einem redlichen Bewußtſeyn, und aus dem Entſchluß, mit Offenheit zu verfahren. Sie blickte auf, und ſich mit Wuͤrde erhebend, ſprach ſie mit ſanfter aber feſter Stimme:„Ich hoffe, Mutter, Sie halten es nicht fuͤr Ungebuͤhr, wenn ich mich gegen unſern Freund, Herrn Palmer, mit derſelben Offenheit erklaͤre, mit der ich mich allzeit gegen Sie geaͤußert habe.“ „Mein liebes Kind,“ unterbrach Mrs. Beau⸗ 314 mont Amelien, indem ſie dieſelbe mit ploͤtzlich ver⸗ wandeltem Angeſicht und Weſen umarmte,„mein ſuͤßes Kind, vergieb mir; ich habe Dich bis zum Aeußerſten gepruͤft; Deine Pruͤfungen ſind vor⸗ uͤber, und Du mußt mir die Freude vergoͤnnen, unſerm trefflichen Freunde, Herrn Palmer, zu ſagen, was, wie ich weiß, ihn faſt eben ſo ſehr entzuͤcken wird, als es mich ſelbſt entzuͤckt. Die Wahl Deines Herzens iſt Deiner werth, und unſeren Wuͤnſchen gemaͤß.“ „Der Kapitain Walſingham?“ rief Palmer mit freudigem Erſtaunen. „Setze Dich, meine Liebe,“ ſagte Mrs. Beaumont, und leitete Amelien, die, von Ver⸗ wunderung uͤber den ploͤtzlichen Wechſel im Be⸗ nehmen ihrer Mutter und von dem Gewirr ihrer eignen Empfindungen uͤberwaͤltigt, ſich in dem Augenblick einer Ohnmacht nahe befand, zum Sofa hin.„Wir greifen ſie zu gewaltig an,“ fuhr ſie fott, an wolen Sie, mei „laſſen Sie uns Sie ſehen, es th „Ich bin wol ſagte Amelie mie nicht von mit, Palmer, ich bit ſort, und ſirect „Sprich ni liebe Amelie; ie Sofa;“ ſagte „Sie bekom ſcch ſelbſt ſchon n ohne der verbiete ten, ſetzte et ſi „Da mein ich blben ſoll mein Kind; ab loͤßzlich ver nte,„mein ich bis zum n ſind vor⸗ vergonnen, Halmer, zu ben ſo ſehr zuckt. Die werth, und rief Palmer agte Mes. von Ver⸗ ſel im Be⸗ zewitr ihrer ſch in dem fand, zum zaltig an,” 315 fuhr ſie fort,„machen Sie das Fenſter auf, wollen Sie, mein guter Herr? und“ fluͤſternd, „laſſen Sie uns fuͤr jetzt nichts weiter ſagen, Sie ſehen, es thut ihr nicht gut.“ „Ich bin wohl; ich bin wieder ganz wohl,“ ſagte Amelie mit Anſtrengung.„Gehen Sie nicht von mir, verlaſſen Sie mich nicht, Herr Palmer, ich bitte Sie, bleiben Sie!“ fuhr ſie fort, und ſtreckte ihre Hand nach ihm aus. „Sprich nicht, ſtrenge Dich nicht an, meine liebe Amelie; ich bitte Dich, lieg ſtill auf dem Sofa;“ ſagte Mrs. Beaumont. „Sie bekommt ſchon wieder Farbe; ſie ſieht ſich ſelbſt ſchon wieder aͤhnlich,“ rief Palmer, und ohne der verbietenden Blicke ihrer Mutter zu ach⸗ ten, ſetzte er ſich zu ihr. „Da meine liebe kleine Amelie wuͤnſcht, daß ich bleiben ſoll, will ich auch nicht gehen. So mein Kind; aber ich will Sie nicht anſtrengen, — 316 ich verlange nichts, nur ein Zeichen mit dem Kopfe zur Beſtätigung der Wahrheit deſſen, was Ihre Mutter mir da eben geſagt hat; denn Nie⸗ mand kann ſagen, was in einem Maͤdchenherzen vorgeht, außer das Maͤdchen ſelbſt. Alſo iſt es nicht der adeliche Sproß, der ſelbſtſüchtige Verſchwen⸗ der, der Sir John Hunter, den Du liebſt? „Nein, nein, nein,“ antwortete Amelie. „Der war es nimmermehr; ich haͤtte einen ſol⸗ chen Mann nie lieben koͤnnen!“ „Nun, das dacht ich auch; ich hielt es fuͤr unmoͤglich. Aber—“ hier hielt Mrs. Beau⸗ mont, uͤber die Maaßen erſchreckt, daß Palmer weiter ſprechen, und ihre ganze ſchmaͤhliche Falſch⸗ heit ihrer Tochter enthuͤllen werde, ihm ploͤtzlich den Mund zu, dies zu verhindern, und ſagte: „Ich muß hiermit durchaus meine muͤtterli⸗ che Gewalt geltend machen, und alle weitere an⸗ greifende Erklaͤrungen verbitten, waͤhrend Amelie ſch in dem gegenn tor Wheelet ſagt Kommen Sie, 9 Gewalt fortzichen klarung und alle nut wuͤnſchen kon „Gut denn ne kleine allerlie zu hoͤren, daß iſt, ſo froh, d Wande bald ge glüͤcklich, daß; und eben ſo lenk Stube werfen „Richt her ſagte Mrs. Be⸗ drohendſten Ge gegenwart fehl Henm Palmer 317 en mit dem ſich in dem gegenwaͤrtigen Zuſtande befindet. Dok⸗ deſen, was tor Wheeler ſagt, ſie habe ſchreckliches Fieber. denn Nie⸗ Kommen Sie, Herr Palmer, ich muß Sie mit dchenherzen Gewalt fortziehen, Sie ſollen von mir alle Auf⸗ iſtes nicht klaͤrung und alle Befriedigung erhalten, die Sie Verſchwen⸗ nur wuͤnſchen koͤnnen.“ lebſt?„Gut denn fuͤrs erſte,“ ſagte Palmer,„mei⸗ dje Amelie. ne kleine allerliebſte Amelie; ich bin ſo entzuͤckt einen ſol⸗ zu hoͤren, daß Kapitain Walſingham der Mann iſt, ſo froh, daß Du keine Heimlichkeiten haſt. Hielt es fir. Werde bald geſund; ich bin ſo vergnuͤgt, ſo drs. Beau⸗ gluͤcklich, daß ich unbaͤndig bin, wie ein Kind, Palmer und eben ſo lenkſam. Sieh, wie ich mich aus der ſche Falſch⸗ Stube werfen laſſe.“ m ploͤhlich„Nicht herauswerfen, nur herausfuͤhren,“ ind ſagte: ſagte Mrs. Beaumont, der es hie, ſelbſt bei den emuͤtterli⸗ drohendſten Gefahren nicht, an hoͤflicher Geiſtes⸗ weitere an⸗ gegenwart fehlte. Nachdem ſie alſo dermaßen 1 3 nd Amelie Herrn Palmer herausgefuͤhrt hatte, hoffte ſie, er — 318 werde in der freudigen Verwirrung ſeiner Seele leicht mit einer einigermaßen wahrſcheinlichen Erklaͤrung zufrieden zu ſtellen ſein; und ſie rich⸗ tete deshalb ſeine Blicke gar ſchlau auf das Zu⸗ kuͤnftige, und erwaͤhnte die Vergangenheit nur ſo wenig als moͤglich. „Nun, mein guter Herr, wuͤnſchen Sie mir Gluͤck zu der Ausſicht auf einen Schwiegerſohn, wie der Kapitain Walſingham, wenn es wirklich wahr iſt, daß er Amelien in der That liebt. Aber auf der andern Seite, was ſollen wir machen, wenn Etwas an dem die Spanierin betreffenden Bericht iſt? Ich ſchwanke in dieſem Augenblick ſo umher geriſſen zwiſchen Furcht und Hoffnung, daß ich kaum weiß, was ich ſage. Was thun 7 wir in Anſehung der Spanierin?“ „Thun? Liebe Frau, wir koͤnnen nichts zur Sache thun. Ich hoffe das Beſte; und Sie wer⸗ den ſehen, daß er ſich am Ende treu bewaͤhrt. V 9 — 1 lber füt jißt ſta Sir John Hunte ſeiner thun?“ „Das uͤberla abmachen,“ tief „Ich hoffe d ih ihm gleich: geäfft iſt.“ „Nein kein hige Sie wiſſ haͤtte ihn nimm „Ja doch. ſagten mit, de habe,“ antwort ten Gradheit a Mrs. Beaumo „Es war nichts als— fteuen ſch mit ſeiner Seelt rſcheinlichen und ſie rich⸗ uf das Zu⸗ nheit nur ſo den Sie mir hwiegerſohn, nes wirklich liebt. Aber vir machen, betreffenden Augenblick HHoffnung, Was thun mnichts zut d Sie wer⸗ u bewaͤhrt. 319 Aber fuͤr jetzt frage ich, wie war denn das mit Sir John Hunter, und was werden Sie wegen ſeiner thun?“ „Das uͤberlaſſen Sie mir, das will ich ſchon abmachen,“ rief Mrs. Beaumont. „Ich hoffe doch, daß der arme Mann, ob ich ihm gleich Ihre Amelie nicht goͤnne, nicht geaͤfft iſt.“ „Nein keinesweges; deſſen iſt Amelie unfaͤ⸗ hige Sie wiſſen ja, daß ſie Ihnen ſagte, ſie haͤtte ihn nimmermehr geliebt.“ „Ja doch. Aber mich duͤnkt, Madam, Sie ſagten mir, daß ſie Liebe fuͤr ihn empfunden habe,“ antwortete Palmer, mit einer ſo beſtimm⸗ ten Gradheit auf dieſen Punkt losgehend, daß Mrs. Beaumont ganz in Verlegenheit gerieth. „Es war alles Irrthum,“ erwiderte ſie, „nichts als Irrthum; und ich bin gewiß, Sie freuen ſich mit mir, daß es ſich ſo verhielt: und —————— 320 uͤbrigens ſind vergangene Irrthuͤmer, wie ver⸗ gangnes Ungluͤck, zu nichts gut, als zum Ver⸗ geſſen.“ Da ſie bemerkte, daß Palmer verdrießlich ausſah, fuhr ſie mit Entſchuldigungen fort.„Ich geſtehe, Sie haben allem Anſcheine nach Urſach unzufrieden mit mir zu ſeyn,“ ſagte ſie,„aber hoͤren Sie nur. Ich muß nur die Schuld auf mich nehmen, und Ihnen die reine Wahrheit, und all meine Gruͤnde, ſo thoͤricht ſie auch ſeyn moͤgen, bekennen. Der Kapitain Walſingham iſt ſo zuruͤckhaltend, und mit ſo vieler Gewalt aͤber ſein Gefuͤhl verfahren, daß ich, die ich wirklich das allerargloſeſte Geſchoͤpf auf Erden bin, ſo hintergangen wurde, daß ich glaubte, er daͤchte nicht an Amelien, und wuͤrde nimmermehr an ſie denken; und dies, geſteh' ich, erregte mei⸗ nen Stolz und meine Vorſicht wegen meiner 4 Tochter; und ich hielt es fuͤr meine Schuldigkeit, als als Mutter alles! jungen, unſchul Leidenſchaft zu Stunden hat m die Augen eroffne eine Veränderung wie Sie geſehen nung von dem und mein Wunf milienverbindun ob ich mich gleie uͤber den Betrag gelder befnde, Jweifel wegen ſe Anſtand genom uicht vyrſchig zu ihrer Wah haben. 6 „Hm! gut I. wie ver⸗ zum Per⸗ verdrießlich fort.„Ich ach Urſach ſie,„aber Schuld auf Wahrheit, e auch ſeyn Walſingham eler Gewalt ), die ich auf Erden glaubte, er nimmermehr ceregte mei⸗ gen meiner ſchuldigkeit ale 321 als Mutter alles Moͤgliche zu thun, um in ihrem jungen, unſchuldigen Herzen eine hoffnungsloſe Leidenſchaft zu unterdruͤcken. Erſt ſeit einigen Stunden hat man mir uͤber ſeine Geſinnungen die Augen eroffnet; und das hat natuͤrlich ſogleich eine Veraͤnderung in meinen Maaßregeln bewirkt, wie Sie geſehen haben; denn meine hohe Mei⸗ nung von dem Kapitain Walſingham iſt ſo groß, und mein Wunſch, mit den Walſinghams in Fa⸗ milienverbindung zu treten, ſo ſtark, daß ich, ob ich mich gleich noch in gaͤnzlicher Unwiſſenheit uͤber den Betrag oder die Summe ſeiner Priſen⸗ gelder befinde, ja, ob ich gleich ſogar noch in Zweifel wegen ſeiner Spanierin bin, doch keinen Anſtand genommen habe, Amelien, vielleicht nicht vorſichtig genug, meine volle Zuſtimmung zu ihrer Wahl zu erklaͤren, wie Sie gehoͤrt haben.“ „Hm! gut— ha! Aber wie denn?“ II.+ 322 ſprach Palmer zu ſich ſelbſt, bemuͤhet zu glauben und ihre Entſchuldigungen fuͤr guͤltig anzuerken⸗ nen.„Ich ſehe ſchon ein, Madam,“ fuhr er dann laut gegen Mrs. Beaumont fort,„ wie es nicht vernuͤnftig gethan ſeyn mogte, Ameliens Neigung fuͤr den Kapitain Walſingham zu beför⸗ dern, ehe denn Sie der Empfindungen des jun⸗ gen Mannes gewiß waren. Aber, verzeihen Sie, ich bin ein ſchwerfäͤlliger ungeuͤbter Mann in der⸗ gleichen Angelegenheiten, ich ſehe noch nicht ein, warum Sie mir ſagten, daß ſie in Sir John Hunter verliebt wäre?“ Mrs. Beaumont befand ſich nun ſchon eini⸗ germaaßen in der Gewohnheit des Selbſtwider⸗ ſprechens, und es fehlte ihr ſelten an den Ent⸗ ſchuldigungen und Ausflüchten, die ſie noͤthig und ddienlich fand; doch dieſer unſelige Augenblick traf ſie ganz unvorbereitet. Stockend und, trotz all ihrer Gewandtheit, der Geiſtesgegenwart beraubt, Muud ſe willich guten alten Man „Ich bekenn ſagke ſie, ſich g rechtfertigen woll mein Stolz, Nen lhorigter Stolz hat. Ich konn Manne, nicht Sie wiſſen we Grundſatzen u daß Amelie N welcher keine f len wohl, daß angſtliches, b ich war ſo han ten, daß, v muß ich es g Sir dohn 9 zu glauben anzuerken⸗ ¹ fuhr er t,„wie es Ameliens in des jun⸗ tzeihen Sie, ann in der⸗ ih nicht iin, ſchon eini⸗ Selbſtwider⸗ n den Ent⸗ enoͤthig und genblick traf d, troh all att beroubt, zu befor⸗ Sir John 323 ſtand ſie wirklich beſchaͤmt vor einem gradherzigen, guten alten Mann. „Ich bekenne offenherzig, mein beſter Herr, us ſagte ſie, ſich gegen ihn, der auf und ab ging, rechtfertigen wollend,„daß meine Delikateſſe oder mein Stolz, nennen Sie es wie Sie wollen, mein thoͤrigter Stolz auf meine Tochter mich irre geleitet hat. Ich konnte mich nicht uͤberwinden, einem Manne, nicht einmal Ihnen, zu geſtehen,(denn Sie wiſſen wohl, das widerſteht durchaus den Grundſaͤtzen und dem Stolze unſers Geſchlechts) daß Amelie Neigung zu einem Manne empfaͤnde, welcher keine fuͤr ſie zu erkennen gab. Sie fuͤh⸗ len wohl, daß dies, um nicht mehr zu ſagen, ein angſtliches, beſchaͤmendes Geſtaͤndniß war; und ich war ſo bange, daß Sie es mir anmerken moͤg⸗ ten, daß, verzeihen Sie, daß ich, offenherzig muß ich es geſtehn, das alberne Maͤhrchen mit Sir John Hunter erfand. Aber glauben Sie 2 ——— 324 mir, ich habe nie ernſthaft daran gedacht, ſie mit ihm zu verheyrathen.“— „Bei Gott! ich verſtehe kein Wort von An⸗ fang bis zu Ende,“ ſagte Palmer laut vor ſich ſelbſt; und ohne des Wortſchwalls zu achten, worin ſich Mrs. Beaumont immerfort ergoß, ſetz⸗ te er ſich in einen Armſeſſel, ſaß einige Minuten in tiefen Gedanken, legte dann ſeine Arme auf die Knie, und ſchlug langſam die Haͤnde zuſam⸗ men, ſtand endlich auf, klingelte, und gab dem Bedienten den Auftrag: dem Kammerdiener Creichton zu ſagen, daß derſelbe ſich mit dem Einpacken nicht zu uͤbereilen brauche; denn er werde morgen nicht reiſen. Von Schreck bei dieſen Worten zerſchmettert, ſtanden Mrs. Beaumont nichts deſtoweniger die bei dieſer Gelegenheit erforderlichen Freudensbe⸗ zeugungen zu Gebote.„Herrlich! ich muß ſo⸗ gleich fort, und die erſte ſeyn, Amelien und Berumont dieſe er beingen.” „Sagen Siei Hypochondrie, wie nen belüebt, dieſen mantſchloſſen bin aa will noch ein ben, und daß ich gen zu ſeyn hofe Eich ſchnell Beaumont noͤthie hehlen. Statt ſt ſe auf ihr Zimn ſehte ſch, um ihn und ihre Gedan wei Minuten n als ſchon ein B in Park abzuruf ſühm aleſanmt R 325 Beaumont dieſe entzuͤckende Nachricht zu hinter⸗ bringen.“ „Sagen Sie ihnen gefaͤlligſt, daß ich meiner ut vor ſch Hypochondrie, wie es Herr Walſingham zu nen⸗ zu achten, nen beliebt, dieſen Sieg abgewonnen habe; und tgoß, ſth⸗ entſchloſſen bin, es mag davon herkommen, was Minuten da will, noch ein Jahr in Alt⸗ England zu blei⸗ Aume auf ben, und daß ich bei den Hochzeiten beider zuge⸗ de zuſam⸗ gen zu ſeyn hoffe.“ d gab dm ESiich ſchnell zu entfernen fand jetzt Mrs. mmerdienet Beaumont noͤthig, um ihre Betroffenheit zu ver⸗ h mit dem hehlen. Statt ſich zu Amelien zu begeben, eilte denn er ſie auf ihr Zimmer, ſchloß die Thuͤr ab, und ſetzte ſich, um ihre Empfindungen zu beſaͤnftigen, iſchmettat, und ihre Gedanken zu ſammeln. Doch kaum weniger die zwei Minuten mogte ſie daſelbſt verweilt haben, freudenöbt⸗ als ſchon ein Bote kam, ſie zu dem Feſtſchmauſe h muß ſo⸗ im Park abzurufen. Die Inſaſſen und Dorfleute nelien und ſaßen alleſammt beim Mahle, und Beaumont 326 ließ ihr ſagen, ſie warteten ihrer, um ihre Ge⸗ ſundheit auszubringen. Sie mußte hinunter, und mußte von Freude ſtrahlend erſcheinen. Groß war der Gegenſatz zwiſchen ihren geheimen Leiden. und der redlichen Freude jener; ſie entzog ſich, ſobald ſie konnte, den lauten Freudensbezeugun⸗ gen derſelben, und verriegelte ſich wiederum in ihr Gemach. Der ploͤtzliche, durchaus unerwarkete Entſchluß Palmers ſetzte ſie dermaßen in Erſtaunen, daß ſie kaum glauben konnte, ſie habe ſeine Worte recht gehoͤrt oder verſtanden. Argliſtige Menſchen vermoͤgen es gewoͤhnlich wohl, die Beſchluͤſſe des Eigennuͤtzigen, des Ruͤckſichtsvollen mit Erfahren⸗ heit und Genauigkeit zu berechnen; doch wenn ſie den Offenherzigen, den Großmuͤthigen beur⸗ theilen ſollen, ſo ſind ſie haͤufigen Mißgriffen unterworfen, denn da leitet ſie keine Sympathie, und alle diejenigen Erfahrungen, die ſie an ſich fabt machim, l Beaumont nicht? lich um das chelc Tochtet zu begrün maica, ob er gleit ſein Leben in Gef Iahr hinausſehen er jetzt ihre Abne ham und gegen argwoͤhne; ſte Umſtand in ihr nen Argwohn ganzlich um ſein iellächt gat w Teſtaments, ve Lebens zut Ur zuändern. N jeht ſchlecht; a ſilben noch ver m ihre Ge⸗ e hinunter, inen. Groß men leiden, entzog ſcc nsbezeugun⸗ erum in ihr te Eniſchluß unen, daß ſeine Worte ge Menſchen ſchluͤſſe des t Erfahren⸗ doch wenn higen beur⸗ Mißgrifen Sympalhie, ſi e an ſich 327 ſelbſt machten, leiten ſie irre. Es war Mes. Beaumont nicht eingefallen, daß Palmer, ledig⸗ lich um das eheliche Gluͤck ihres Sohnes und ihrer Tochter zu begruͤnden, ſeine Ruͤckreiſe nach Ja⸗ maica, ob er gleich durch den Aufſchub derſelben ſein Leben in Gefahr zu bringen glaubte, um ein Jahr hinausſetzen koͤnne. Sie ſah deutlich ein, daß er jetzt ihre Abneigung gegen die Familie Walſing⸗ ham und gegen die Doppelheurath mit derſelben argwoͤhne; ſie ſah auch ein, daß der geringſte Umſtand in ihrem eignen Benehmen, welcher je⸗ nen Argwohn beſtaͤtigen koͤnnte, ſie nicht nur gänzlich um ſeine Achtung bringen, ſondern ihn vielleicht gar verleiten moͤgte, den Artikel ſeines Teſtaments, vermoͤge deſſen er ſie waͤhrend ihres Lebens zur Univerſalerhin eingeſetzt hatte, ab⸗ zuaͤndern. Ihre 9a her ſtanden ſchon jetzt ſchlecht; allein ſie wußte waßti daß ſich die⸗ ſelben noch verſchlimmern konnten. Sn dachte 328 an die ſchriftliche Verſicherung ihrer vollkom⸗ menen Zuſtimmung, die Sir John in Haͤn⸗ den hatte. Sie ſah voraus, wie er dieſelbe bei dem erſten Geruͤcht, daß ſie einen andern Bewer⸗ ber um Amelien beguͤnſtige, vorzeigen werde. Erſt vor kurzem noch hatte ſie zu Palmern geſagt, daß ſie nimmermehr ernſtlich daran gedacht habe, Sir Dohn mit ihrer Tochter zu verheyrathen; kam nun dieſe Schrift ans Licht, ſo war ſie ohne Rettung der ſchmaͤhlichſten Doppelzuͤngigkeit uͤber⸗ fuͤhrt, und nichts konnte ſie von der Schmach der Luͤge, oder vielmehr dem Ungluͤck des Ertappt⸗ werdens retten.„Mrs. Beaumont verſtand ſich indeſſen zu gut auf Politik, um in dieſer ſchwie⸗ rigen Lage Zeit mit Betrachtungen zu verſchwen⸗ den. Statt einzuſehen, daß alle dieſe Schwie⸗ rigkeiten nur durch die ihr gewohnte Unredlichkeit veranlaßt waren, ſchob ſie das Mißlingen ihrer Plane einzig und allein auf die Mangelhaftigkeit d wan ihr gbr ſach ſe u ſch ſchribend ich ha lich verfehtin ſol iig ſern, mich d compromitliten? thum gut zu R Ein Geweb Künſtlichkeit le⸗ Gelaufigkeit der bung eigen iſt, nut Sir John zu verhuͤten, ſo heimfälligen G Gäͤter zu ſichen ſes Plans im ſehldar gewit Bewunderung kennen werden vollkom⸗ lohn in Haͤn⸗ ditſelbe bei var ſie ohne igkeit uͤber⸗ er Schmach des Ertappt⸗ erſtand ſich eſer ſchwie⸗ verſchwen⸗ ſe Schwie⸗ nredlichkeit ngen ihter lhaftigkit 329 der von ihr gebrauchten Kunſtgriffe.„O!“ ſprach ſie zu ſich ſelbſt,„warum mußt ich auch ſchreiben? ich haͤtte nur mit Sir John muͤnd⸗ lich verfahren ſollen. Wie konnt ich ſo unvorſich⸗ tig ſeyn, mich durch etwas Schriftliches zu compromittiren? Was nun zu thun, den Ir⸗ thum gut zu machen?“ Ein Gewebe zerriß, und mit unermuͤdlicher Kuͤnſtlichkeit legte ſie ein neues an. Mit einer Gelaͤufigkeit der Erfindung, welche nur der Ue⸗ bung eigen iſt, entwarf ſie einen Plan, um nicht nur Sir John„Hunters Vorzeigen ihrer Schrift zu verhuͤten, ſondern ſich ſelbſt zugleich auch den heimfalligen Grafentitel und die Wigramſchen Guͤter zu ſichern. Wir werden das Naͤhere die⸗ ſes Plans im naͤchſten Kapitel entwickeln; un⸗ fehlbar gewinnt Mrs. Beaumont die gerechte Bewunderung aller Sachverſtaͤndigen, welche be⸗ kennen werden, daß unſrer Heldin nicht nur die 33⁰ Gewandtheit eigen iſt, die vorzuͤglich weibliche Politik auszeichnet, ſondern auch jene maͤnn⸗ liche Eigenſchaft, von welcher der Groͤßte und. Weiſeſte des Menſchengeſchlechtes ſagt, ſie ſei das erſte, andre und dritte Erforderniß bei Ge⸗ ſchaͤften.. ntaattrch Keckheit, Keckheit, Keckheit! Dreizehntes Kapitel. — Unter der Anzahl kleiner liſtiger Kunſtgriffe, von welchen Bacon, der große praktiſche Philoſoph, uns ein vollſtaͤndiges Verzeichniß zu geben ſich umſonſt bemuͤhet hat, nennt er den; daß man Veranlaſſung zu einer Frage durch ein ungewohn⸗ tes Aueſehn und nehr Eindruck me als was man vor den, welcher vor verleiten wird, n chen zu ſorſchen. „Was giebt mont, ich habe traurig geſehne Mts. Beaume untergegangen und ihr melan ken zu laſſen durch den Geg effüllte, wand, hatte begonne ſchkeit.„A mont?“ wied wie diſſe, ſch 331 tes Ausſehn und Weſen gebe; weil dasjenige ene maͤnn⸗ mehr Eindruck macht, was einem abgefragt wird, rißte und als was man von ſelbſt ſagt; und weil Neugier ſi ſei den, welcher von der Gegenparthei iſt, ſchnell iß bei Gi⸗ verleiten wird, nach der Urſach des Ungewoͤhnli⸗ chen zu forſchen. „Was giebt es denn, liebſte Madam Beau⸗ mont, ich habe Sie in meinem Leben nicht ſo traurig geſehn?“ fragte Miß Hunter, als ſie Mrs. Beaumont im Park begegnete, die hin⸗ — untergegangen war, um ſich von ihr begegnen, 1. und ihr melancholiſches Ausſehn durch ſie bemer⸗ ken zu laſſen, welches auffallender und unzeitiger durch den Gegenſatz der Freude, die den Park —————— ——— gtiff, bon erfuͤllte, ward. Man hoͤrte die Muſik, der Tanz Philoſeph, hatte begonnen, uͤberall herrſchte laͤndliche Feſt⸗ ptben ſich lichkeit.„Was giebt es, liebſte Madam Beau⸗ daß man mont?“ wiederholte Miß Hunter,„zu einer Zeit, nevohn⸗ wie dieſe, ſehe ich Sie ſo melancholiſch?“ 332 „Ach, meine Liebe, ſolche betruͤbte Verände⸗ rung in den Angelegeuheiten! aber,“ fluͤſterte Mrs. Beaumont„wich kann mich in Gegenwart Ihres Begleiters nicht weitlaͤuftiger erklaͤren.“ Der Kapitain Lightbody war dieſer Begleiter, doch er war ſo gefaͤllig, daß er ſich leicht, bei der erſten bequemen Veranlaſſung, fortſchicken ließ; und nun begann Mrs. Beaumont, mit der ge⸗ wohnten Umſichtigkeit und Delikateſſe, ihrer jun⸗ gen Freundin ihr Mißgeſchick mitzutheilen. „Sie wiſſen, meine geliebte Albine,“ ſagte ſie,„daß es mein heißeſter Wunſch war, ihren Bruder durch die naͤchſten, theuerſten Bande mit unſrer Familie vereinigt zu ſehn. 5 „ Ja; daß er Amelien heyrathen ſollte,“ ſagte Miß Hunter,„nun, iſt etwas z dahwiſchen ge⸗ kommen? „Oo meine Liebſte! es iſt aus, es kann nicht ſeyn; es iſt nicht mehr daran zu denken; nicht „ neht die Rede dave deehalb geweſen. ſanden habe! un ihn auf ihte Sei was ich ausgeſtan len ihre Vorliebe bekannt.“ „Ehe der Belleibe, wie r mermeht um ſ ſer meina Bru denken Sie nur und den Grafen Alles. Mein? nicht meht dre tidges Titel k Sie wiſſen; ſeyn konnen. etwas Aherne 333 mehr die Rede davon; Herr Palmer iſt außer ſich 1“ fläſterte deshalb geweſen. Was fuͤr eine Scene ich be⸗ Gegenwart ſtanden habe! und Alles umſonſt. Amelie hat tklaren. ihn auf ihre Seite gebracht. Denken Sie nur, te Veraͤnde⸗ —r Begleiter was ich ausgeſtanden habe! Sie hatte unverho⸗ ht, bei der len ihre Vorliebe fuͤr den Kapitain Walſingham hicken ließ; bekannt.“ mit der ge⸗„Ehe der Kapitain um ſie angehalten hat? V ihrer jun⸗ Beileibe, wie wunderlich! Wenn er nun nim⸗ eilen. mermehr um ſie anhaͤlt? wie denn da, nachdem ne,“ ſagte ſie meinen Bruder und Alle beleidigt hat? Und war, ihren denken Sie nur, die großen Wigramſchen Guͤter, 1. Bande mit und den Grafentitel, die ſie ſo fahren laͤßt, und Alles. Mein Bruder ſagt, Onkel Wigram kann lteu ſagte nicht mehr drei Monat leben; und Lord Pucke⸗ b iſchen ge ridges Titel koͤmmt auch auf meinen Bruder, wie Sie wiſſen; da haͤtte Amelie Lady Puckeridge unniht ſeyn koͤnnen. Denken Sie nur! Hat man je ſo n. vich etwas Albernes gehoͤrt?“ —— 334 * „Nimmermehr,“ ſagte Mts. Beaumont, „aber Sie wiſſen ja, meine Liebe; es haben nicht alle Maͤdchen ſo viel Einſicht als Sie, gu⸗ ten Rath anzunehmen; ſie wollen alle fuͤr ſich ſelbſt handeln. Was mich am meiſten kraͤnkt, iſt die wenige Dankbarkeit, die ſie mir bezeugt,“ fuhr Mrs. Beaumont fort.„Denken Sie nur, in was fuͤr Angſt und Kummer ſie mich wegen Ihres armen Bruders verſetzt. Was wird dieſe Fehlſchlagung fuͤr ein harter Streich fuͤr ihn ſeyn! — Und, der Himmel weiß zwar, wie wenig ichs verdiene, aber am Ende mag er, denn die Maͤn⸗ ner, wiſſen Sie wol, wenn ſie aͤrgerlich ſind und Verdruß haben, klagen ihre beſten Freunde an, am Ende mag er mich, ſag ich, gar ankklagen, daß ich nicht eifrig genug fuͤr ſeine Angelegenheit geweſen ſei.“ „Ach nein. Ich habe ihm ja immer geſagt, wie gut Sie ſind, und wie ſehr Sie die Sache winſchen; von d ar hnen die 6 ſibſſe Mrs. Be In dieſem mont Remand, Gebüſch ſih neh Nehmen Sie Ein Horcher! Miß Hunt konnte aber ni⸗ „Es iſt L Mes. Beaum als ob wir ihn er machen wird zu wiſſen, ob im Hauſe aus Aber ein dem Lachen, derlichen Art Beaumont, ; es haben 1s Sie, gu⸗ alle füt ſich n kraͤnkt, iſt bezeugt,“ ten Sie nur, mich wegen as wird dieſe für ihn ſeyn! te wenig icht nn die Mam ich find und Freunde an, at auklagen, Ingelegenheit met geſagt, e die Sache 335 wuͤnſchen; von allen Menſchen in der Welt kann er Ihnen die Schuld am wenigſten beimeſſen, liebſte Mrs. Beaumont.“ In dieſem Augenblick erblickte Mrs. Beau⸗ mont Jemand, der durch einen Nebenpfad im Gebuͤſch ſich neben ihrem entlang ſchlich. Still! Nehmen Sie Sich in acht! Da iſt Jemand. Ein Horcher! Wer es nur ſeyn kann?“ Miß Hunter legte ihre Lorgnette vors Auge, konnte aber nicht ausfindig machen, wer es waͤre. „Es iſt Lightbody, ſag' ich Ihnen,“ ſprach Mrs. Beaumont.„Sachte! wir wollen thun, als ob wir ihn nicht bemerkten, und ſehen, was er machen wird. Es liegt mir ſehr viel daran, zu wiſſen, ob er horcht oder nicht, da er ſo viel im Hauſe aus⸗ und eingeht.“ Aber ein unwiderſtehlicher Anfall von kichern⸗ dem Lachen, welcher Miß Hunter, bei der wun⸗ derlichen Art, wie Lightbody ging, ergriff, ver⸗ 336 eitelte dieſe Probe ſeiner Neugier. Bei dem Ge⸗ 4 raͤuſch wandte Lightbody den Kopf, und ſofort mit ſeinem gewohnten Gemiſch von Unverſchaͤmt⸗ heit und Unterthaͤnigkeit auf die Damen zukom⸗ mend, ſagte er, daß er Mrs. Beaumonts Be⸗ fehle ausgerichtet habe, und zuruͤckgekehrt ſei, in Hoffnung, einen Augenblick zu finden, wo ſie Zeit haͤtte, ein Wort uͤber Etwas zu vernehmen, was er ſo eben von Herrn Palmers Kammerdiener Creichthon gehoͤrt habe, und was ſie nothwendig ſogleich erfahren muͤßte.— „O Dank, Dank, Sie allerbeſtes Weſen; aber ich weiß es ſchon.“ „Sie wiſſen, daß Herr Palmer morgen nicht abreiſet?“ „Ja; und bin ſo ver— gnuͤgt daruͤber! Hoͤren Sie, Lightbody, gehen Sie von meinet⸗ 1 wegen zu Amelien und meinem Sohne, und ſa⸗ gen Sie denen die frohe Neuigkeit. Und nachher haben faben Sie die 8 db die Poſt noch Gie die Zeitungen ſinghams Priſe! Lightbody ge Beaumont ſo, wohnten Bereite einen Augenblio auf:„ich glal haͤte er ſonſt d „Zu thun; Hunter,„der gendwo etwas; tt ja ſo weit w was wir ſagten dem iſt.er ein ſo lieb!“ „Ich weis wentweder hat Il Zei dem Ge⸗ und ſofort Unverſchämt⸗ men zukom⸗ umonts Be⸗ ehrt ſei, in wo ſie Zeit thmen, was ammerdienet nothwendig tes Weſen; ſorgen nicht zt darüber! von meinete e, und ſa nd nachhet haben 337 haben Sie die Barmherzigkeit, bitte! zu hoͤren, ob die Poſt noch nicht angekommen iſt, und ſehen Sie die Zeitungen durch, ob ſich nichts uͤber Wal⸗ ſinghams Priſe vorfindet.“ Lightbody gehorchte, doch ſchien es Mrs. Beaumönt ſo, als ob dies nicht mit ſeiner ge⸗ wohnten Bereitwilligkeit geſchehe. Sie verweilte einen Augenblick in Nachdenken, und ſagte dar⸗ auf:„ich glaube, er hat uns behorcht. Was haͤtte er ſonſt dort zu thun?“ „Zu thun?— o nichts,“ entgegnete Miß Hunter,„der hat, wie Sie wohl wiſſen, nir⸗ gendwo etwas zu thun; und zum Horchen war er ja ſo weit weg, daß er kein Wort von dem, was wir ſagten, verſtanden haben kann. Ueber⸗ dem iſt er ein ſo argloſes Weſen, und hat Sie ſo lieb!“ „Ich weis nicht,“ ſagte Mrs. Beaumont, „entweder hat er unredlich gegen mich gehandelt, II. NY 33⁸ oder dummes Zeug gemacht; er hat ſich dieſen Morgen ſo ungeſchickt benommen, daß ich ihn gar nicht mehr gebrauchen mag. Am Ende iſt er doch nur ein gemeiner Menſch. Ich werde ſuchen ihn loszuwerden: ſolche Art Leute werden uͤber kurz oder lang immer langweilig und uͤber⸗ lͤſtig, und man muß ſuchen, ſie abzuſchuͤtteln. Doch ich habe jetzt keine Zeit, an ihn zu denken. Nun, Liebe, um wieder auf das Vorige zu kom⸗ men; was ich Ihnen ſagen wollte.“ Sie fuhr dann fort von ihrer Freundſchaft fuͤr Sir John Hunter und von der Schwierigkeit zu ſprechen, die es haben wuͤrde, ihn zu beſaͤnftigen; doch indem ſie bemerkte, wie Miß Hunter nur mit halber Aufmerkſamkeit zuhoͤrte, hielt ſie dazwi⸗ ſchen inne, zu erwaͤgen, was dies bedeuten moͤgte. Argwoͤhniſch, wie alle unwahre Men⸗ ſchen, begann ſie zu vermuthen, es waͤre Etwas gegen ſie zwiſchen Lightbody und Sir John Hun⸗ t in Welke n diene. Da ſſed von den Geiſte und wußte, da lent genug hatte ine ſcheinbate ſie raſch ein, un denn Lightbody brachen plolie aus.“ „Betreten Beaumont, ſe ren durchdringe te— wahtha nicht ſagen; i Die junge nahm allerley Beaumont un lndiſca Sc t ſich ditſen daß ich ihn Am Ende iſt Ich wetde Leute werden und uͤber⸗ bzuſchuͤtteln. in zu denken. drige zu kom⸗ « Sie fuͤhr ur Sir John zu ſprechen, tigen; doch ter nur mit Alt ſie dazwi⸗ jies bedeuten wahte Men⸗ waͤte Etwas rJohn hun— 339 ter im Werke, wozu Miß Hunter als Werkzeug diene. Da ſie die allergeringſchaͤtzigſte Meinung von den Geiſtesfaͤhigkeiten ihrer Albina beſaß, und wußte, daß ihre junge Freundin nicht Ta⸗ lent genug hatte, ſie anzufuͤhren, oder ploͤtzlich eine ſcheinbare Entſchuldigung zu erſinnen, lenkte ſie raſch ein, und rief:„ Liebe! was hatte Ihnen denn Lightbody zu ſagen, als ich daherkam? Sie brachen ploͤtzlich ab, und ſahen beide ſo betreten aus.“ „Betreten? ich? er? O, liebſte Madam Beaumont, ſehen Sie mich nicht ſo an, mit ih⸗ ren durchdringenden Augen! O— Ich betheu⸗ te— wahrhaftig— nein ich kann es Ihnen nicht ſagen; ich will nicht.“ Die junge Schoͤne kicherte, renkte ſich, und nahm allerley affektirte Stellungen an, fiel Mrs. Beaumont um den Hals, drehte ihr dann mit kindiſcher Schalkhaftigkeit den Nuͤcken zu, und D 2 340 1. rief:„ nein, ich kann es Ihnen nicht ſagen; nein, nein, nimmermehr!“ „ Kommen Sie, kommen Sie, Liebe! keine Taͤndeleien; ich habe ernſthafte Geſchaͤfte, und bin in Eil.. „Nun ſo ſehen Sie weg, ſehen Sie mich nicht an; das verſprechen Sie mir, dann will ich es Ihnen ſagen. Der arme Lightbody,— Sie ſehen mich doch an!— Der arme Lightbody, er ſprach mit mir von Jemand, und wollte wetten; aber das kann ich Ihnen nicht ſagen. O, ſeyn Sie nur nicht boͤſe; ich will es ſagen, wenn Sie den Kopf ganz wegdrehen wollen: Ich wuͤrde vor Ende des Jahres mit Jemand verhei⸗ rathet ſeyn. Nun, nun ſehen Sie mich nicht an, liebſte Madam Beaumont.“ „ Sie, liebe kleine Einfalt, wenn es weiter nichts iſt,“ rief Madam Beaumont! verdrieß⸗ lich, ihre Zeit an ſolchen Albernheiten vergeudet uu haben. huſt; wenn Gie ten,in welcher bin« Aber ſi ſehn wüͤrde, al liebeſtechen Sch nungen derſelbe mand verheirat wegen nahm ſe zu ertheilen, mehr ſetzte.⸗ ſen Morgen 9e halten, daß k Miß hunter zu daß er bald wütde; docht lung dieſer Hunter behalte zu können. nicht ſagen; Liebe! keine ſchafte, und n Sie mich dann will ich dy,= Sie ne Lightbody, , und wolte nicht ſagen. vill es ſagen, vollen: Ich mand verhei⸗ nich nicht an, in es weitet nt! verdiieß⸗ ten vergeudet 341 zu haben. Kommen Sie, jetzt ſeyn Sie ernſt⸗ haft; wenn Sie wuͤßten, Liebe! wenn Sie wuͤß⸗ ten, in welcher Angſt ich in dieſem Augenblick bin! Aber ſie urtheilte richtig, daß es umſonſt ſeyn wuͤrde, auf irgend einige Achtſamkeit der liebeſiechen Schoͤnen zu hoffen, bis ſie die Hoff⸗ nungen derſelben, vor Ende des Jahres an Je⸗ mand verheirathet zu ſeyn, beſtaͤtigt haͤtte. Des⸗ wegen nahm ſie keinen Anſtand, Verſicherungen zu ertheilen, auf welche ſie ſelbſt kein Vertrauen mehr ſetzte. Nach dem, was ihr Sohn ihr die⸗ ſen Morgen geſagt hatte, mußte ſie ſich uͤberzeugt halten, daß keine Hoffnung mehr ſei, ihn mit Miß Hunter zu verheirathen; ſie wußte beſtimmt, daß er bald ſeine wahrhafte Neigung erklaͤren wuͤrde; doch glaubte ſie, fuͤr jetzt durch Verheh⸗ lung dieſer Wahrheit ihre Gewalt uͤber Miß Hunter behalten, und ſich ihrer Dienſie verſichern zu koͤnnen. 34² „Ehe ich ein Wort weiter von meinen eignen Angelegenheiten ſage, muß ich Ihnen, liebſtes Kind, die Verſicherung geben, daß bei allem meinem Verdruß und Mißgeſchick wegen Amelien, mich doch die Hoffnung, ja mehr als die Hoff⸗ nung, aufrecht haͤlt, die Tochter meines Herzens bald gluͤcklich vermaͤhlt zu ſehen. Ich merke, es fehlt Lightbody nicht an Scharfſinn. Doch mehr darf ich jetzt noch nicht ſagen. Nun helfen Sie mir alſo mit aller ihrer Faͤhigkeit das ausfindig machen, was in der ſchwierigen Lage, worin ich mich befinde, zu thun iſt. Ihr Bruder hat ei⸗ nen Brief von mir, worin ich ihm meine Zu⸗ ſtimmung zu ſeiner Bewerbung um meine Tochter zu erkennen gebe; wenn er dieſen Brief im erſten Aufwallen ſeines Eifers Herrn Palmer uͤbergaͤbe, ſo waͤre ich verloren; oder, wenn er ihn meinem Sohne vorzeigte, ſo waͤre es noch ſchlimmer; es gaͤbe dann unfehlbar ein Duell zwiſchen ihnen, unn Beaumont runkte. O, ic meine Liebe!“ „3c auc, bin die alleraem ankommt, ſchne einen Brief ſch gut, was zu ich, wird ern als ſie meyner et ſo ſehr in) „Wikklich „ch wei niß waͤre, kor Was§ liebſtes Kind „Nun, che et um tines Anttag einen eignen ten, liebſtes iß bei allem gen Amtlien, s die Hoff⸗ nes Herzens h werke, es Doch mehr n helfen Sie as ausfindig e, worin ich ruder hat ei⸗ meine Zu⸗ eine Tochter ief im erſten ie uͤbergaͤbe, ihn meinem ſchlimmtrz iſchen ihnen, 343 denn Beaumont iſt ſo kitzlich in jedem Ehren⸗ punkte. O, ich bebe, indem ich daran denke, meine Liebe!“ „Ich auch, wahrhaftig; aber, Gott! ich bin die allerarmſeligſte Perſon, wenn es darauf ankdmmt, ſchnell zu denken. Koͤnnten Sie nicht einen Brief ſchreiben? Sie wiſſen ja immer ſo gut, was zu ſagen iſt. Und, am Ende, glaube ich, wird er nicht halb ſo boͤſe, oder traurig ſeyn, als ſie meynen, denn ich habe nie geglaubt, daß er ſo ſehr in Amelien verliebt waͤre.“ „Wirklich?“ „Ich weiß— wenn es nicht ein Geheim⸗ niß waͤre, koͤnnte ich Ihnen ſagen—— Was? Keine Geheimniſſe zwiſchen uns, aller⸗ liebſtes Kind.“ „Nun, ich kann Ihnen ſagen, daß grade, che et um Amelien anhielt, er mit mir wegen eines Antrags an Mrs. Dutton zu Rathe ging.“ 344 „Mrs. Dutton, die Wittwe? Mrs. Dut⸗ ton? Ich verwundre mich!“ rief Mrs. Beau⸗ mont, obgleich ſie dies vorher gewußt hatte. „Sie iſt wahrhaftig aͤlter als ich!“ „O, ja; viel aͤlter; je nun, Sie wiſſen wohl, mein Bruder iſt auch kein Kuͤchlein.“ „Freilich, im Vergleich mit Ihnen, Liebe! iſt er nicht gar jung. Es iſt ein gewaltiger Un⸗ terſchied zwiſchen Ihnen beiden.“ „Ueber zwanzig Jahr; denn, Sie wiſſen, er iſt aus einer andern Ehe.“ „Nun ja. Aber ich kann mir nicht denken, daß er um Mrs. Dutton angehalten haͤtte.“ „Nein, freilich nicht, weil ich es nicht zu⸗ gab; ich haͤtte eine ſo unelegante Frau nicht zur Schwaͤgerin haben moͤgen. Nimmermehr haͤtte ich mit ihr oͤffentlich erſcheinen koͤnnen; deswe⸗ gen ſetzte ich meinem Bruder ſo lange zu, bis er davon abſtand; gluͤcklicherweiſe fand er auch, daß ihe Witthun ni man ſagte.“ „Das haͤtte Dultons Witth einmal ganz ſo es noch mein S ſo unerwarteter Und hab' ich Palmer iſt ſo⸗ geheures Verm Aber erwaͤhnen nur Uebelwolle de; die Famili Doch auf Ihre ich ihm bei R „Lil er haftig, ich li „Sie liel — Ala, ig Mes. Dut⸗ Mrs. Beau⸗ twußt halte. Sie wiſſen chlein.” nen, Liehe! waltiger Un⸗ Sie wiſen, nicht denken, haͤtte.“ es nicht zu⸗ w nicht zur ermeht hätte een; deswe⸗ ezu, bis er t auch, daß 345 ihr Witthum nicht halb ſo betraͤchtlich iſt, als man ſagte.“ „Das haͤtte ich ihm ſagen koͤnnen. Mrs. Duttons Witthum bedeutet nichts; betraͤgt nicht einmal ganz ſo viel, als das meinige betrug, ehe es noch mein Sohn ſo reichlich, und in der That, ſo unerwarteter Weiſe heute fruͤh vermehrt hat. Und, hab' ich Ihnen ſchon geſagt, Liebe? Herr Palmer iſt ſo guͤtig geweſen, mir heute ſein un⸗ geheures Vermoͤgen auf Lebenszeit zu hinterlaſſen. Aber erwaͤhnen Sie deſſen nicht; es koͤnnte mir nur Uebelwollen zuziehn, wenn es bekannt wuͤr⸗ de; die Familie Walſingham weiß nichts davon. Doch auf Ihren armen Bruder zu kommen; wenn ich ihm bei Mrs. Dutton dienen koͤnnte?“ „Ei! er denkt nicht mehr an ſie; und wahr⸗ haftig, ich litte es nicht.“ „Sie liebes, kleines, ſchnippiſches Weſen! — Aber, ich wundre mich in der That nicht, 346 daß der Gedanke, ſich mit Mrs. Dutton in der Stadt zu praͤſentiren, Ihnen nicht gefaͤllt.“ „O, greulich, greulich!“ „Und bei alledem, wollten Sie Ihren armen Bruder verdammen, nach dieſem Mißgeſchick mit Amelien ein alter Junggeſell zu werden? „Ei, kann er nicht eine andre heirathen, als Mrs. Dutton?“ „Ich wollte, mir fiele eine Perſon bei, die ſich fuͤr ihn ſchickte. Wiſſen Sie keine?“ „O, ich weiß wohl eine, von der ich glaube, daß ſie ſich fuͤr ihn ſchicken wuͤrde, und mit der ich vor Allen gern oͤffentlich erſcheinen moͤgte.“ „Welche denn?“ „Eine, die verſprochen hat, mich kuͤnftigen Winter bei Hofe vorzuſtellen.”“ „Liebſtes Kind, iſt es moͤglich, meinen Sie mich?“ „Ja, Sie; warum nicht?“ „Warum nic tin nicht mein A „Aber Sie ſ „Frellich ſie it auch altet; a winden, beſonde weſen bin, ein Frellich wohl iſ ger Mann.“ „Gott! ne oder funf Jahr ger Toilettenku ſollt ich meinen ſen, und kän wunderlich find aͤlte,, als Lor ſe die allerhul liehſte Mre.9 meinen Brude dutton in der gefällt.” Ihren armen Mißgeſchick werden? eirathen, als eſon bei, die eine?“ er ich glaube, und mit der in moͤgte.” ſch künſtigen meinen Sit 347 „Warum nicht? Liebſter Engel, Sie beden⸗ ken nicht mein Alter.“ „Aber Sie ſehen ſo jung aus.“ „Freilich ſieht Mrs. Dutton aͤlter aus, und iſt auch aͤlter; aber ich koͤnnte mich nicht uͤber⸗ winden, beſonders, da ich ſo lange Wittwe ge⸗ weſen bin, einen jungen Mann zu heirathen. Freilich wohl iſt Ihr Bruder eben kein ganz jun⸗ ger Mann.“ „Gott! nein. Sie ſehen kaum drei oder vier oder fuͤnf Jahr aͤlter aus, als er; und mit eini⸗ ger Toilettenkunſt und Eleganz und dergleichen, ſollt ich meinen, wuͤrden Sie ſich recht gut paſ⸗ ſen, und kein Menſch im Publicum wuͤrde es wunderlich finden. Da, Lady... iſt zehn Jahr alter, als Lord... und Jedermann ſagt, daß ſie die allerhuͤbſcheſten Feten giebt. O, ich ſage⸗ liebſte Mrs. Beaumont, Sie ſollen und muͤſſen meinen Bruder heirathen, und das iſt die einzige —— 348 Art, wie Sie ihn wieder zufrieden ſtellen und Unheil zwiſchen den Herren verhuͤten koͤnnen, die einzige Art, wie alles ganz allerliebſt auseinander geht; und es wird mich ſo freuen, und ich bin ſo ſtolz, daß dies mein Plan iſt, daß ich ſchwoͤ⸗ re, dieſe Minute geh ich, und ſchreibe meinem Bruder, und— „Halt, Sie liebes, raſendes Geſchoͤpf, be⸗ denken Sie, was Sie thun.“ „Bedenken? Ich habe es bedacht, und ich will und muß meinen Willen haben!“ rief das liebe, raſende Geſchöpf und ſtraͤubte ſich gegen Mrs. Beaumont, welche ſie noch ernſtlich zu⸗ ruͤckhielt.„Liebe!“ rief ſie,„Sie duͤrfen ſich meines Namens durchaus nicht in dieſer ſonder⸗ Wenn Ihr Bru⸗ der, oder die Welt denken ſollten, ich haͤtte eini⸗ gen Antheil an dieſer Verhandlung, das waͤre ja ſo undelikat. baren Angelegenheit bedienen. „Undelteat? waiß, kann is d vil Ihren Na mand wird ſich Prief wiſſen. H Art einrichten; gen, darum La und ſchreiben. „Gnade E halsſtarrigen mont, und lie von der Anſtu Freundin bishe k Miß Hunt trohig und la⸗ ſich umſah, ſ aber fand es gebens, ſonſt ſee hernach een ſtellen und en koͤnnen, die ſt auseinandet t und ich bin daß ich ſchwa⸗ hreibe meinem Geſchöpf, bi⸗ dacht, und ich en!“ rief das Pbte ſich gegen ernſtlich zu⸗ ie duͤrfen ſich dieſer ſonder⸗ un Ihr Bru⸗ ich hatte eini⸗ das waͤte je 349 „Undelikat? Liebe! aber wenn es Niemand weiß, kann es doch nicht undelikat ſeyn? und ich will Ihren Namen nicht erwaͤhnen, und Nie⸗ mand wird ſich einbilden, daß Sie um meinen Brief wiſſen. Laſſen Sie mich Alles auf meine Art einrichten; und der Plan iſt ganz mein ei⸗ gen, darum laſſen Sie mich dieſe Minute gehn und ſchreiben.”“ „Gnade Gott! was fang' ich mit dem lieben halsſtarrigen Geſchoͤpf an?“ rief Mrs. Beau⸗ mont, und ließ Miß Hunter, als wie erſchoͤpft von der Anſtrengung, ihre junge, ungeſtuͤme Freundin bisher zuruͤckzuhalten, los. Fort rann⸗ te Miß Hunter, ſah ſich zuweilen, gleichſam trotzig und lachend um, und jedesmal, wenn ſie ſich umſah, ſchuͤttelte Mrs. Beaumont den Kopf, aber fand es unmoͤglich, ſie einzuholen, und ver⸗ gebens, ſonſtigen Widerſtand zu leiſten. Indeß ſie hernach langſam auf das Haus zuging, er⸗ —— —ü⅓——— 3⁵⁰ ſann ſie den eignen Brief, den ſie an Sir John Hunter zu ſchreiben hatte, und uͤberlegte ihren weitern Operationsplan. Wenn, erwog ſie, Miß Hunters Brief ohne Erfolg bleiben ſollte, ſo iſt die Sache nichts, als ein Einfall von ihr, man glaubt nicht, daß ich davon gewußt habe; und ich ſtehe nicht ſchlimmer als zuvor. Wenn er von Erfolg iſt, und Sit John ſeine Bewerbung auf mich uͤbertraͤgt, ſo entgehe ich ſeinem ganzen Zorn wegen ſeines Mißlingens; denn alsdann iſt es ſeine Sache, mich zu uͤberreden, daß er gar nicht betreten ſei, und ich habe Zeit, zu uͤberlegen, ob ich ihn hei⸗ rathen will oder nicht. Auf jedem Fall kann ich ſeine Bewerbung ſo lange hinziehen, bis ich all⸗ maͤhlig Herrn Palmer herumgebracht habe, daß er die Sache billigt. In dieſer Abſicht ſchrieb nun Mrs. Beaumont Sir John einen unvergleichlichen Brief, wo ſie ihre Meinung inbülle, diß was mehr dabo t, Sit John nu ſhen, um ſe zu erklaten, d zenskummer ge von dem ſie ni von ihr durchg abgeändett, d nichts darin unvorſcchtigſte Nachdem geſandt hatte, wegen der Wi tedlichkeit ve Geſchick, im Kegengeſetztes ſie war geſun 351 ean Sit Rahn ihre Meinung in ſo viel Worte und Gefuͤhle iberleg ihen einhuͤllte, daß es kaum moͤglich war, irgend et⸗ was mehr davon zu verſtehn, als daß ſie wuͤnſch⸗ ters Brief ohne te, Sir John Hunter am naͤchſten Tage bei ſich Gn ſiche nichts, alt zu ſehen, um ſich gegen ihn uͤber einen Umſtand nicht, daß ich zu erklaͤren, der ihr ſeinetwegen ſchweren Her⸗ richt ſchlimmer zenskummer gemacht habe. Miß Hunters Brief, g iſt, und Si von dem ſie nichtẽ wiſſen ſollte, wurde ſorgfaͤltig h uͤbertraͤgt, ſo von ihr durchgeſehen, und mit einer ſolchen Kunſt wegen ſäines abgeaͤndert, daß nach allen gehoͤrigen Korrekturen g ſeine Sacht, nichts darin zu finden war, als die kindiſchſte cht betttten ſei unvorſichtigſte Einfalt. H ich ihn hei Nachdem Mrs. Beaumont dieſe Briefe ab⸗ Fall kann ich geſandt hatte, war ſie wiederum in großer Angſt in, bis ich all wegen der Wirkung derſelben. Aber die eigne Un⸗ ach habe, dih redlichkeit verdammte ſie einmal zu dem laͤſtigen Geſchick, immer ein ihren wahren Gefuͤhlen ent⸗ gegengeſetztes Ausſehn vortragen zu muͤſſen. Ame⸗ drs. Beaumont Brif, wo ſt lie war geſund geworden. Herrn Palmers Ent⸗ —— 3⁵² ſchluß, in England zu verharren, hatte das gan⸗ ze Hausweſen mit einem Grad der Freude erfuͤllt, der ihm lange Zeit fremd geweſen war. In die⸗ ſe allgemeine Freude war ſie verpflichtet, einzu⸗ ſtimmen; und ſie ſpielte ihr Spiel ſo trefflich, body, die in die Karten gekuckt hatten, anfingen, dafuͤr zu halten, es ſei ihr ein Ernſt. Ach, Amelie kannte ihre Mutter zu gut, als daß ſelbſt die vollendetſte Verſtellung derſelben ſie haͤtte hin⸗ tergehen koͤnnen. Sie hoͤrte Alles mit an, was nung ſagte, daß der Kapitain Walſingham bald eintreffen und ihre gluͤcklichen Vorempfindungen be⸗ ſtaͤtigen werde; und ſie wagte nicht, es zu glau⸗ ben. Ihre Meinung von der Gewandheit ihrer — daß dieſe durch irgend ein unbegreifliches Mittel ihre Wuͤnſche vereiteln wuͤrde, war ſo groß, daß ihr daß ſelbſt Doktor Wheeler und Kapitain Light⸗ ihre Mutter uͤber ihre Freude und uͤber die Hoff⸗ Mutter, und ihre heilige, aberglaͤubige Scheu, ir die Furcht bli Machinationen nie hegte ſſe die Beſo ͤrmlch abgenitſ eine unvorhetgeſher verbunden ſehen n Am kommend John Hunter ſie Nachdem er zwei geſchloſſen geweſen mont zu ſprechen, Ehre, nach welch hatte, füͤr immer, ſein, daß er zeigt Fehlſchlagung kin zeigte wirklich ka ſolchen Gelegenh genheit; ſonder Stolhe:„daß e J. 353 t das ga. ihr die Furcht blieb, ſie koͤnne dieſen geheimen ude afüll, Machinationen nicht entgehen. Noch immer . In die⸗ hegte ſie die Beſorgniß, daß Sir John nicht tet, einzu⸗ fͤrmlich abgewieſen werde, und daß ſie durch ſo trefflich, eine unvorhergeſehene Wendung ſich doch mit ihm ain Lighte verbunden ſehen wuͤrde. manfingen, Am kommenden Morgen aber erloͤſte Sir nſt. Ach, John Hunter ſie endlich von dieſen Beſorgniſſen. s daß ſelbſt V Nachdem er zwei Stunden mit ihrer Mutter ein⸗ ehaͤtte hin⸗ geſchloſſen geweſen war, verlangte er Miß Beau⸗ tan, was mont zu ſprechen, und gab alle Anſpruͤche auf die t die hof⸗ Ehre, nach welcher er ſo lange und eifrig geſtrebt ham hald hatte, fuͤr immer auf. Er ſchien ſtolz darauf zu ungen be⸗ ſeyn, daß er zeigte, wie ſein Gemuͤth durch dieſe zu glau⸗ Fehlſchlagung keinesweges betroffen ſei; ja er be⸗ dheit ihrer zeigte wirklich kaum die des Anſtandes wegen bei ge Scheu, ſolchen Gelegenheiten erforderliche Niedergeſchla⸗ es Mittel genheit; ſondern betheuerte mit beleidigendem uroß, daß Stolze:„daß er Miß Beaumont wahrhaftig da⸗ II. 3 354 fuͤr verbunden ſey, daß ſie, wiewohl ſpaͤt fuͤr eine ſolche Sache, ihn durch ihre Auf⸗ richtigkeit verhindert habe, ihrer Neigung im Wege zu ſeyn. danken, wenn er bedaͤchte, wie jeder Tag die Folgen zeigte, die es haͤtte, wenn man ein jun⸗ ges Maͤdchen heirathete, deſſen Neigung ſchon auf einen andern gerichtet waͤre. Er haͤtte nichts hinzuzufuͤgen, als daß er hoffte, die Welt werde die Sache aus eben dem Geſichtspunkt nehmen wie er, und Miß Beaumont ſich nicht getadelt finden, weil ſie die Sache abgebrochen haͤtte, nachdem ſie bereits ſo ruchtbar geworden ſey; er fuͤr ſein Theil gaͤbe ihr die Verſicherung, daß er daß Aeußerſte thun wolle, jede unangenehme Be⸗ merkung zu verhindern, und er hielte es fuͤr das allerwirkſamſte Mittel hiezu, wenn er bewieſe, daß er auf einem freundſchaftlichen Fuß mit der Familie bleibe; weswegen er ſich die Ehre geben Er könne ihr dafuͤr nicht genug würde, der von ih ihn ergangenet E Beaumontpark auf ſortzuſehen, Folge Hiergegen hatt gangenen auedruͤch Anſpruͤchen auf ih dung. Sie füͤhlt her in derſelben! Aufmunterung ge⸗ Angelegenheit Au Doch ſie konnte ſe Nuttet anzuklage Entſchuldigung ne fühllaſen Baron⸗ uindeß ſie ihm mit te,„ſie danke ſe richt rranla ohl ſpaͤt ihre Auf⸗ digung im nicht genug er Tag die n ein jun⸗ gung ſchon hatte nichts Welt werde nkt nehmen cht getadelt hen hätt, den ſey; er ng, daß er enehme Be⸗ es fuͤr das et bewieſt, iß mit der Ehre gebmn 355 wuͤrde, der von ihrer Frau Mutter ſo eben an ihn ergangenen Einladung, ſeine Beſuche zu Beaumontpark auf demſelben Fuß wie gewoͤhnlich fortzuſetzen, Folge zu leiſten.“ Hiergegen hatte Amelie, nach der vorherge⸗ gangenen ausdruͤcklichen Erklaͤrung, daß er allen Anſpruͤchen auf ihre Gunſt entſage, keine Einwen⸗ dung. Sie fuͤhlte zwar tief den Vorwurf, wel⸗ cher in derſelben lag, ihm als ihren Bewunderer Aufmunterung gegeben, und erſt ſpaͤt in dieſer Angelegenheit Aufrichtigkeit bewieſen zu haben. Doch ſie konnte ſich nicht rechtfertigen ohne ihre Mutter anzuklagen; deshalb verſuchte ſie weder Entſchuldigung noch Beſchoͤnigung; und ließ den fuͤhlloſen Baron ihrer Beſchaͤmung ſich erfreuen, indeß ſie ihm mit allgemeinen Ausdruͤcken antwor⸗ tete,„ſie danke ihm fuͤr die Verſicherung, daß ſie nicht Veranlaſſung zu Zwiſt zwiſchen zwei Fa⸗ 3 2 356 milien gebe, welche hishes in Freundſchaft ge⸗ lebt haͤtten.) n n 2407: Vierzehntes Kapitel. Von Allem, was in der zweiſtuͤndigen Unterre⸗ dung zwiſchen dem abgewieſenen Baron und der Mutter ſeiner ehemaligen Schoͤnen, vorgegan⸗ gen war, wurde nichts Volſtaͤndiges bekannt. Mrs. Beaumont ſagte, ſie haͤtte ſich unendliche Muͤhe gegeben, Sir John mit ſeinem Geſchick zu verſoͤhnen. Sein nachheriges Betragen zeigte, daß es ihr gelungen war. Eben ſo zeigte die Aufmerk⸗ mit ihr nicht unzufrieden wegen deſſen ſei, was ſie in dieſer Angelegenheit gethan, oder wovon er ſamkeit, die er ihr bewies, ganz deutlich, daß er (and fürdet. Sie nu im Werttaue wit der hochſin (ein Gemeinplah! dß ſein vorzügl bungr umihren waͤre, mit einer welche er ganz b wiſſen wohl Li⸗ „daß dies Alles weiſe bei dieſer der That, was i Bitte, unſte Fo lichen Fuß als ich ihm doch u ſchlagen.“ In wiefen wat, mag der en Unterre⸗ on und der vorgegan⸗ s bekannt. unendliche Geſchick zu zäigte, daß ie Aufmerk⸗ ich, daß er ei, was ſie wovon er 3⁵⁷ glaubte, daß ſie es gethan habe. So ging alles ge⸗ lind fuͤrder. Sie ſagte ihrer Freundin, Miß Hun⸗ ter, im Verttauen: Sir John Hunter haͤtte ſich mit der höchſten Schicklichkeit und Rechtlichkeit (ein Gemeinplatz n benommen; er habe geſtanden, daß ſein vorzuͤglichſter Beweggrund zur Bewer⸗ bungnumpihre Tochter das Verlangen geweſen waͤre, mit einer Familie verwandt zu werden, fuͤr welche er ganz beſondere Hochachtung hege.„Sie wiſſen wohl Liebt,“ fuhr Mrs. Beaumont foct, „daß dies Alles war, wus Ihr Biuder ſchicklichet⸗ weiſe bei dieſer Gelegenhelt ſagen konnte, und in der That, was ich ihm zu ſagent geſtattete. Seine Bitte, unſre Familie auf demſelben freundſchaft⸗ lichen Fuß als vordem beſuchen zu duͤrfen, konnte ich ihm doch um Ameliens willen nicht gut ab⸗ ſchlagen.“ 5 In wiefern dies wahr, oder durchaus wahr warz, mag der vorſichtige Geſchichtsſchreiber we⸗ 35⁸ gen des Dunkels, welches alle Kabinetsgeheim⸗ niſſe, beſonders die weiblichen, umgiebt, nicht verbuͤrgen. Aus den allgemeinen Urſachen, den gegebenen Karakteren, den herrſchenden Eigen⸗ ſchaften der verhandelnden Parthien, moͤgte er mit Gewißheit entnehmen, daß der Baron der Dame dermalennnoch keine beſtimmten Antraͤgengemacht, ſondern ſich Vorruͤcken und Ruͤckzug frei erhalten habe, je nachdem es die Umſtäͤnde fuͤgen wuͤrden. Seine herrſchende Leidenſchaft war der Geitz. Obgleich die Winke, welche ſeine Schweſter ihm wegen des vermehrten Witthums der Mrs. Beau⸗ mont) und wegen ihrer ungeheuren Erwartungen durch Palmer gegeben hatte, ihn reizten, ſo war er doch nicht ſo uͤbereilt, auf dergleichen unverbuͤrgte Nachrichten getwas Entſcheidendes zu unterneh⸗ men. Er beſchloß vorſichtigermaßen, ſich genaue⸗ re und beſtimmtere Kunde durch Lightbody zu ver⸗ ſchaffen, welcher in dieſer Angelegenheit der Buͤr⸗ 1 1 de für All zu ſen zusgegangen, jun deswegen verpali ſintet algemeine Mes. Beaumont die Gluͤckſeligkeit verbunden zun recht gut ein, d body wiederum Immer beſo vermogte ſie M body ihren † den erforderliche zuräſten, walch des Barons an „Sie wend ihr,„den ſch wo Sie Alles, ſagen konnen. netsgcheim⸗ iebt, nicht achen, den den Eigen⸗ oͤgte er mit der Danie gegemacht, rei erhalten en wuͤrden. der Geiß. weſter ihm rs. Beau⸗ wartungen ſo war et invetbuͤrgte unternch⸗ ich genaut⸗ ody zu ver⸗ tder Bur⸗ 359 ge fuͤr Alle zu ſeyn ſchien; aber Lightbody war ausgegangen, junge wilde Enten zu ſchießen, und deswegen verpaliſadirte Sir John ſich weislich hinter allgemeine Hochachtungsbezeugungen gegen Mrs. Beaumont, und hinter Bemerkungen uͤber die Gluͤckſeligkeit, mit einer ehrſamen Familie verbunden zu werden. Mrs. Beaumont ſahe recht gut ein, daß es ihr Vortheil war, Light⸗ body wiederum in ihr Vertrauen zu ziehen. Immer beſorgt, ſich nicht zu compromittiren, vermogte ſie Miß Hunter, dem Kapitain Light⸗ body ihren Plan mitzutheilen, und ihn mit den erforderlichen Antworten auf die Fragen aus⸗ zuruͤſten, welche, wie ſie vorausſah, von Seiten des Barons an ihn ergehen wuͤrden. „Sie werden ſchon wiſſen, Liebe,“ ſagte ſie ihr,„den ſchicklichen Augenblick abzulauſchen, wo Sie Alles, was Sie wuͤnſchen, an Lightbody ſagen koͤnnen.“ ———— —— ——— 360 „ „O⸗, ja,“ antwortete Miß Hunter,„wo moͤglich noch heute; ich weiß nur nicht recht, wann am beſten?“ 3 „ Ich daͤchte bei Tiſch,“ antwortete Mrs. Beaumont. n „Bei Tiſch? Ach, Madam, das iſt eine un⸗ gelegene Zeit, um von Geheimniſſen zu ſprechen, nicht ſo?¹. „Die allerbequemſte, Liebe. Sie wiſſen Dut⸗⸗ tons, und Gott weis wer, eſſen heute hier; wenn große Geſellſchaft iſt, und alle Welt auf einmal ſpricht, und ißt, und trinkt, und kaut, iſt die allerbeſte Gelegenheit dazu. Da kann man ſprechen was gman⸗ will, die Nachbarn ſind gluͤcklicher⸗ weiſe alle zu beſchaͤftigt, als daß ſie darauf mer⸗ den ſollten. Setzen Sie Sich neben dem dicken Herrn Dutton, und, hinter dem Schirm ſeines ungeheuren Ellenbogens haben Sie einen guten Hinterhalt gegen die voorwitzigen Neugierigen. 1 4 diebſte, die allrgre tun dau. als ü Waͤhrend Me lberführte, daß und ſcherſt Zeit zufaligerweiſe ihn welchem ſie ſiand mer, der mit ih Park ſpatzieren Hauſe gegenuͤber „Kommen Litbe,“ ſagte uns bemerken, Schilde führten chen moͤgen! Amelie den K ſeinen Stock g men Sie ein n eben ſowohl.” nter„„ wo nicht recht, Ktete Mre. iſt eine un⸗ zu ſprechen, wiſſen Dut⸗ hier; wenn auf einmal aut, iſt die an ſprechen glucklicher⸗ darauf mer⸗ dem dicken hirm ſeines inen guten rugierigen. 361 Liebſte, die allergroßte Einſamkeit iſt nicht ſo ge⸗ legen dazu, als ein großes Diner.“ Waͤhrend Mrs. Beaumont alſo Miß Hunter uͤberfuͤhrte, daß ein großes Diner die gelegenſte und ſicherſte Zeit zu einem téte àn téte ſei, fiel zufaͤlligerweiſe ihr Blick aus dem Fenſter, an welchem ſie ſtanden, und ſie erblickte Herrn Pal⸗ mer, der mit ihrem Sohn und ihrer Tochter im Park ſpatzieren ging; unter einem Baum, dem Hauſe gegenuͤber, ließen ſie ſich nieder. „Kommen Sie von dem Fenſter hinweg, Liebe,“ ſagte Mrs. Beaumont,„„man moͤgte uns bemerken, und denken, daß wir Etwas im Schilde fuͤhrten. Wovon doch dieſe Leute ſpre⸗ chen mogen? Sehen Sie nur, wie ernſthaft Amelie den Kopf vorſtreckt, und Herr Palmer ſeinen Stock gegen den Grund ſtoͤßt. Aber kom⸗ men Sie ein wenig zuruͤck, Liebe, ſie ſehen hier eben ſowohl. —y— —— 362 „Ich ſehe einen Herrn zu Pferde daherſpren⸗ Madam, ſehen Sie, er haͤlt, er Zu Ameliens Fuͤßen! der Kapitain Walſingham ſeyn!“ „Erniſt es auch,“ ſagte Mrs. Beaumont, gen. O, ſpringt ab! aus dem Fenſter ſchauend, doch ſo geſtellt, daß man ſie von auſſen nicht wahrnehmen konnte. „O ſehen ſie nur,“ ſagte Miß Hunter,„wie entzuͤckt Herr Beaumont ſcheint; und wie Herrt Palmer ihm die Haͤnde ſchuͤttelt, als ob er ihn ſchon hundert Jahr kennte. ſo erfreut, ihn zu ſehen? Schaurn ſif nur, Ma⸗ dam!“ „Ich ſehe Alles!“ rief, unwilkihrlih ſeuf⸗ zend, Mrs. Beaumont. „Aber, liebe Mrs. Beaumont,“ fuhr Miß Hunter fort, zmſollte er denn wohl wirklich kom⸗ men, um Amelien Heiraths⸗Antraͤge zu thun? finden Sie nicht, daß er dies auf eine vecht kno⸗ Warum ſind ſie denn Das muß tge Alt hut? T ſn iſt, und einen könnte et da nicht ſerkommen; wenit Equipage? Aber ſie ihm auf der knnten ihn vicht den. u Ein zweiter, war Mré. Beaul „Gewißlich, ter fort, wäͤhrent daſte duriha eden wicht ſcht Lewonnen, denn „Er hat fie ſien der Armee, ſaber Amelit hät daherſpren⸗ er haͤlt, et Das muß Beaumont, eſtellt, daß konnte. untet,„wie dwie Hert ob er ihn ſind ſie denn nur, Ma⸗ hrlich ſeuf⸗ fuhr Miß rllich kom⸗ zu lhun? recht kno⸗ 363 tige Art thut? Wenn er gar in London gewe⸗ ſen iſt, und einen ſolchen Schatz erbeutet hat, koͤnnte er da nicht mit ein wenig mehr Anſtand herkommen; wenigſtens mit einer Art von eigner Equipage? Aber ſehen Sie ihn nur anz wenn ſie ihm auf der Straße begegnen ſollten, Sie koͤnnten ihn nicht vom gemeinen Mann unterſchei⸗ den.“ Ein zweiter, tiefer, wahrhaftiger Seufzer, war Mrs. Beaumonts ganze Antwort. „Gewißlich, mich duͤnkt,“ fuhr Miß Hun⸗ ter fort„ waͤhrend deß Mrs. Beaumont ſie vom Fenſter zuruͤckzog,„mich duͤnkt, Amelie hat eben nicht ſehr bei dem Tauſch ihrer Bewerber gewonnen, denn was iſt ein Schiffskapitain?“ „Er hat freilich den Rang mit einem Ober⸗ ſten der Armee,“ entgegnete Mrs. Beaumont, „aber Amelie haͤtte viel hoͤher hinaus gekonnt. Es —— -·- 364 iſt nicht meine Schuld, wenn ſie ihren Werth und ihren Vortheil nicht beſſer verſteht.“ „Häͤtte ſie ſonviel Vermogen, als ich bekom⸗ e ſorhaͤtte ſie ſchon eher aus Liebe heirathen koͤnnen,“ ſagte Miß Hunter,„denn Sie wiſſen, da haͤtte ſie ihren Mann nachher in den Stand geſetzt, ihr eine anſtaͤndige Equipage zu halten, und mit ihr nach der Stadt zu ziehen, und ins Parlament zu kommen, und ihr einen Titel zu verſchaffen obenein. 4 „Ja wohl, Allerliebſte,“ entgegnete Mrs. Beaunbad. die ſo in Gedanken war, daß ſie keine Sylbe von dem dihde was ihe Allerliebſte ſagte.. „Aber mtt Amelien, fuhr dieſe fort,„die nicht ſo viel eignes Vermogen hat, iſt dies ein ganz anderes Ding, wie Sie wiſſen, liebſte Ma⸗ dam Beaumont. O, Sie ſollen ſehen, wie es ſie reuen wird, wenn ſie Sie als Lady Puckeridge ſcht, und ſe nich Und wenn ſie ſieh fit iine Figur in; auf welchem Fuß wird ſee ſchon wa ſchied zwiſchen S Walſingham iſt. „Ja wohl, und diesmal h worauf ſie antn „Kapitain Waß trauen? Seh⸗ Kapitain Walſt „Endlich! wie ich geſteidt „Wie gut riederſehen un „Nn. hten Werth üt.” b ih bekom⸗ be heirathen Sie wiſſen, den Stand zu halten, in, und ins en Titel zu gnete Mrs. ar, daß ſie Alerliebſte fort,„die — iſt dies tin libſte Ma⸗ en, wie es Puckeridge 365 ſieht, und ſie nichts iſt, als Mrs. Walſingham. Und wenn ſie ſieht, was Sie kuͤnftigen Winter fuͤr eine Figur in der Stadt machen werden, und auf welchem Fuß mein Bruder leben wird, ſo wird ſie ſchon wahrnehmen, was fuͤr ein Unter⸗ ſchied zwiſchen Sir John Huͤnter und Kapitain Walſingham iſt.“ „Ja wohl,“ antwortete Mrs. Beaumont, und diesmal hatte ſie recht wohl vernommen, worauf ſie antwortete. Die Thuͤr ging auf— „Kapitain Walſingham! darf ich meinen Augen trauen? Seh' ich endlich unſern Freund. den Kapitain Walſingham, wieder?“ rief die Dame. „Endlich! O, Mrs. Beaumont, wuͤßten Sie, wie ich geſtrebt habe, hieher zu gelangen!“ „ Wie guͤtig! Aber wollen Sie ſich nicht niederſetzen und mir ſagen.. „Nein. Ich kann nicht ſitzen, noch ruhn, 366 noch von Etwas ſprechen, an Etwas denken, als an das Eine,“ rief der Kapitain. „Recht ſo,“ ſagte Palmer. „Verzeihen Sie meinen Ungeſtuͤm, Madam Beaumont,“ fuhr jener fort,„aber Sie fehen einen Mann vor ſich, deſſen ganze Gluͤckſeligkeit auf dem Spiele ſteht. Darf ich Sie um eine Unterredung von einigen Augenblicken bitten?“ „Sogleich?“ fragte zoͤgernd Mrs. Beau⸗ mont; allein dann ſah ſie, daß Palmers Blick auf ſie gerichtet war, und willigte laͤchelnd unver⸗ zuͤglich ein. Zierlich bot ſie dem Kapitain ihre Hand, und fuͤhrte ihn in ein kleines Leſekabinet, neben dem Wohnzimmer. „Darf ich hoffen, daß wir Freunde ſind?“ fragte ſie Walſingham, waͤhrend ſie dahingingen, „darf ich es hoffen, Madam Beaumont, darf ich?“ „Guter Gott! Freunde! Gewißlich, das C vil ich meinen. lung fit Sit gehe „Ich habe b Gelegenheit gehab Madam,“ antwon „Vor einigen Jah müͤſſen Sie bemer Ihre Tochter liel Umſtände damal nicht auf Miß? und Sie werden laſſen, zuzugeben Wie ſchwer es Mrs. Beaut das Benehmen jeht, da ſie einſ chen Grundſitze te wirklich ſeit dus ſi nicht ch denken alo 1, Madam Sie fehen lckſeligkiit ie um eine bitten?“ ks. Beau- mers Blick elnd unver⸗ pitain ihre jeſekabinet, de ſind?“ zhingingen, nont, darf lich, das 367 will ich meinen. Ich habe allzeit die groͤßte Ach⸗ tung fuͤr Sie gehegt und bezeugt, Kapitain.“ „Ich habe bisher nur eine, eine einzige Gelegenheit gehabt, Ihre Achtung zu verdienen, Madam,“ antwortete der Kapitain Walſingham. „Vor einigen Jahren, als ich hier zu Lande war, muͤſſen Sie bemerkt haben, wie leidenſchaftlich ich Ihre Tochter liebte. aber ich wußte, daß meine Umſtaͤnde damals von der Art waren, daß ich nicht auf Miß Beaumonts Hand hoffen durfte; und Sie werden mir die Gerechtigkeit wiederfahren laſſen, zuzugeben, daß ich mit Vernunft verfuhr. Wie ſchwer es mir ward, das weiß ich allein.“ Mrs. Beaumont verſicherte,„ſie bewundere das Benehmen des Kapitains unausſprechlich, jetzt, da ſie einſaͤhe, was er gefuͤhlt und nach wel⸗ chen Grundſaͤtzen er gehandelt habe; aber, er haͤt⸗ te wirklich ſein Geheimniß ſo treulich bewahrt, daß ſie nicht eher, als in dieſen Tagen, wo es 368 durch Herrn Palmers Vermittelung herausgekom⸗ men waͤre, die allerentfernteſte Ahndung davon gehabt haͤtte, daß er ihre Tochter liebe.“ Der Kapitain war zu hoͤflich, auch nur in der Mine einen Zweifel gegen die Verſicherung einer Dame auszudruͤcken, und glaubte demnach, weil es nicht anders ſeyn konnte. Mrs. Beaumont, ihre Vorſpiegelungen zu be⸗ gruͤnden, wiederholte ihm faſt daſſelbe, was ſie Herrn Palmer geſagt hatte, und fuhr fort mit dem Geſtaͤndniß, daß ſie oft, vielleicht mit muͤt⸗ terlichem Stolz, ſich im Herzen gewundert habe, welche Gleichguͤltigkeit der Kapitain Walſingham gegen Amelien bezeugte. Dagegen verwunderte ſich der Kapitain Wal⸗ ſingham, daß eine Dame von Mrs. Beaumonts Scharfblick ſo wunderſam haͤtte getaͤuſcht werden koͤnnen; zumal da die Kennzeichen der Liebe doch derjenigen wohl bekannt ſeyn ſollten, die ſo viel Liebe dübe eingefit häͤt dr Kapikain ſti ewandt wie ein 3 ſe die Gewandthe „Wenn, Eug ſingham, nunter hen, ſo bewundte werlaugne und ve cher Kunſtgriffe, hetitelt. Keine Gewandtheit in weil ſie es nicht wollen kann.“ „Gewoiß, g „Fraimuͤthigkeit „Frei hera darf ich mit J aäͤulein Tochte „Frei heral Il. erausgekom⸗ dung davon lebe.“ Der in der Mine einet dane h, weil es ungen zu be⸗ be, was ſte hr fort mit ht mit muͤt⸗ undert habe, Valſingham zitain Wal⸗ Beaumonts iſcht werden Liebe doch die ſo viel Liebe 369 Liebe eingefloͤßt haͤtte. Sie laͤchelte und bemerkte, der Kapitain ſei zwar ein Seemann, aber er ſey gewandt wie ein Hofmann, und ſie geſtaͤnde, daß ſie die Gewandtheit liebe. „Wenn, Euer Gnaden,“ erwiederte Wal⸗ ſingham,„unter Gewandtheit Hoͤflichkeit verſte— hen, ſo bewundre ich dieſelbe ebenfalls; aber ich verlaͤugne und verachte das ganze Syſtem kleinli⸗ cher Kunſtgriffe, welches man wohl Gewandtheit betitelt. Keine große Seele laͤßt ſich jemals zu Gewandtheit in dieſem letzteren Sinne herab, nicht weil ſie es nicht vermoͤgte, aber weil ſie es nicht wollen kann.“ „Gewiß, gewiß,“ rief Mrs. Beaumont, „Fteimuͤthigkeit geht uͤber Alles.“ „Frei hexraus denn, Madam Beaumont, darf ich mit Ihrer Bewilligung mich um Ihre Fraͤulein Tochter bewerben?“ „Frei heraus; mit meiner vollkommenen Be⸗ II. Aa 370 willigung. Eben dies habe ich ſchon lange insge⸗ heim gewuͤnſcht. Herr Palmer kann es Ihnen bezeugen. Sie ſind immer der Schwiegerſohn meiner Wuͤnſche, wenn ſchon nicht meiner Hoff— nungen geweſen.“ Entzuͤckt uͤber dieſe unumwundne Antwort, dieſe unbedingte Zuſtimmung, dieſe Verſicherung, daß er allezeit der Schwiegerſohn ihrer Wahl geweſen waͤre, ergoß jetzt der Kapitain ſein war⸗ mes Herz in Freud' und Dankbarkeit. Aller Arg⸗ wohn war vergeſſen, denn ſeinem Gemuͤth war der Argwohn fremd. Ob er gleich wußte, ob er gleich von Kindheit an erfahren hatte, wie ihre Geſinnung ſei, ſo war dies doch in dieſem Au⸗ genblick vergeſſen; und er glaubte, er habe bis jetzt ſich immer geirrt, nie unbefangen geſehen. Gluͤcklich ſind diejenigen, welche warmes Gefuͤhl alſo zu taͤuſchen vermag. Sie genießen eines lückes, das den ſllcher Menſchen Als der Ka zur Beſinnung ka glötzlich außer 5 war denn nichts mit Grauſen ve⸗ Beaumont mit gedaͤchten?“ „So wat d ches ich mit Gt Sich mit einer wdichte!“ a die von einem T gelernt hatte, d begegnen, nich giif ſei. „Lieber K. ſden Laͤcheln lange insge⸗ n es Ihnen hwiegerſohn neiner Hofe Antwort, zerſicherung, ihrer Wahl in ſein war⸗ Aller Arg⸗ Bemuͤth war üßte, ob er e, wie ihre dieſem Au⸗ er habe bis gen geſehen. mes Gefuͤhl ießen eines 371 Gluͤckes, das denjenigen, die der Leichtglaͤubigkeit ſolcher Menſchen hohnlaͤcheln, nie werden wird. Als der Kapitain Walſingham ein wenig zur Beſinnung kam, brachte er Mrs. Beaumont ploͤtzlich außer Faſſung, indem er fragte:„ſo war denn nichts an dem Geruͤcht, welches ich mit Grauſen vernommen habe, daß Sie Miß Beaumont mit Sir John Hunter zu vermaͤhlen gedaͤchten?“ „So wat denn nichts an dem Geruͤcht, wel⸗ ches ich mit Grauſen vernommen habe, daß Sie Sich mit einer ſpaniſchen Nonne zu vermaͤhlen gedaͤchten?“ entgegnete ihm Mrs. Beaumont, die von einem Veteranen in oͤffentlichen Geſchaͤften gelernt hatte, daß die beſte Art einem Angriff zu begegnen, nicht Gegenwehr, ſondern Gegenan⸗ griff ſei. „Lieber Kapitain,“ fuͤgte ſie mit einem beiſ⸗ ſenden Laͤcheln hinzu,„ich habe wirklich geglaubt, Aa 2 372 Sie waͤren ein Mann von zuviel Einſicht, und beſonders von zuviel Muth, ſo durch jedes eitle Geruͤcht in Schrecken geſetzt zu werden. Der⸗ gleichen Grauſen muͤſſen Sie uns ſchwachen Weibern uͤberlaſſen. Der armen Amelie koͤnnte man es nicht verdenken, wenn ſie fragte:„ſo war denn nichts an dem Geruͤcht von der unbe⸗ kannten Spanierin? Nein, nein;“ fuhr ſie taͤndelnd fort, und weigerte ſich den Kapitain Walſingham anzuhoͤren,„nicht bei mir, bei Amelien muͤſſen Sie Ihre Vertheidigung anbrin⸗ gen. Kommen Sie vor Ihren Richter, kommen Sie zu Amelien, ich kann Sie nur Ihrer Gnade empfehlen.“ Welche allerliebſte Frau dieſe Madam Beau⸗ mont waͤre, wenn man auf ihre Redlichkeit nur ſo recht vertrauen duͤrfte, dachte bei ſich ſelbſt der Kapitain und folgte der Dame, die, dem Scheine nach, mit taͤndelnder, aber in Wahrheit — ſchlauer Jietlich Erkundigung na antging. „Hier, liet Schuldiger, fü Richterſtuhl Gr „Gerechtit „Gerechti der Thorheit! rechtigkeit vor Gnade ſprech wollen; wir ſam nennen; wie Sie woh Lete, wore Kapitain W Privatverhd „Ein df ſicht, und jedes eille ſen. Der⸗ ſchwachen nelie koͤnnte agte:„ſo der unbe⸗ ¹ fuhr ſie Kapitain mir, hei ung anbrin⸗ t, kommen dret Gnade dam Beau⸗ glichkeit nur ſch ſelbſt die, dem Wahtheit 373 ſchlauer Zierlichkeit, auf dieſe Art aller weitern Erkundigung nach ihren geheimen Schleichkuͤnſten entging.”“ „Hier, liebſte Amelie,“ ſagte ſie,„iſt ein Schuldiger, fuͤr den ich vor Deinem erlauchten Richterſtuhl Gnade ſuche.“ „Gerechtigkeit;“ ſagte der Kapitain. „Gerechtigkeit! O des Maͤnnerſtolzes und der Thorheit! Wer ſpricht einer Frau von Ge⸗ rechtigkeit vor. Lieber Kapitain, Sie moͤgen von Gnade ſprechen, von Grauſamkeit, wenn Sie wollen; wir Frauen laſſen uns gar zu gern grau⸗ ſam nennen; und ſind auch zuweilen barmherzig, wie Sie wohl wiſſen; allein Gerechtigkeit iſt das Letzte, woran wir denken. Nun ins Verhoͤr, Kapitain Walſingham, ein offentliches, oder ein Privatverhoͤr?“ 4 „Ein offentliches; da ich unſchuldig bin.“ 374 „Schon recht, ſchon recht, wie alle Maͤn⸗ ner;“ rief Mrs. Beaumont. 4 „Die ſpaniſche Sache koͤmmt vor!“ rief Palmer,„die muß ich hoͤren. Gebt mir einen Platz, einen recht guten Platz, daß ich ſie hoͤ⸗ re, den Platz neben dem Richter.“ „O, Sie ſollen der Richter ſeyn, Herr Pal⸗ mer,“ rief Amelie,„und hier iſt der beſte te Plalz fuͤr unſern guten Richter.“) „Und er wird bedenken, daß es die Pflicht eines guten Richters ſei, ſich gegen den Beklagten zu neigen;“ fiel Mrs. Beaumont ein. 1 „Zu neigen! Nein grade aufrecht zu ſien, wie ich will, wenn ich noch kann,“ ſagte der alte Palmer, der in den Scherz der jungen Leute, Er ſah dabei umher, und ſein gutes Geſicht firaßut von wohl⸗ wollender Freude. „Nun, Herr Kapitain, haben Sie die Guͤte, gleich als ein Junger einging. em Gerichtshof gewiſſe paniſchen nit ihr haben v ſoon, welche Sie, genen Leute zuber ſir entführten, beforderten.“ „Herr Rie zu befehlen, de iicht vorgeleſen Das Vorl ordnet und auc „Herr Rie das Wort, ni det Haupiſach und in Erwa und ein Reiſ er nur ein ma theuern. Es alle Maͤn⸗ ot!“ rief mir einen ich ſie ho⸗ Harr Pal⸗ beſte Plaß die Pfücht Beklagten tzu ſitzen, t der alte gen Leuke, ſah dabei von wohl⸗ die Guͤte 375 dem Gerichtshof zu ſagen, was Sie mit einer gewiſſen ſpaniſchen Nonne vorgehabt haben, oder mit ihr haben vorhaben wollen, mit jener Per⸗ ſon, welche Sie, wie ein Brief eines Ihrer ei⸗ genen Leute zuverſichtlich ausſagt, aus einem Klo⸗ ſter entfuͤhrten, und nach England brachten oder beforderten.“ „Herr Richter, wollen Sie die Guͤte haben, zu befehlen, daß der beſagte Brief hier vor Ge⸗ richt vorgeleſen werde?“ Das Vorleſen des Briefes wurde dann ver⸗ ordnet und auch vollzogen. „Herr Richter,“ nahm darauf der Kapitain das Wort,„ich habe nichts gegen die Wahrheit der Hauptſachen in dieſem Briefe einzuwenden; und in Erwaͤgung, daß ihn ein junger Mann, und ein Reiſender dazu, geſchrieben hat, enthaͤlt er nur ein maͤßiges Theil von wunderbaren Aben⸗ theuern. Es iſt dem Bericht weniger hinzuge⸗ ————— 376 than, als der gewoͤhnliche Lauf ſonderbarer Er⸗ eigniſſe und die Gelegenheit und Verſuchung zur Ausſchmuͤckung derſelben vermuthen laſſen. Es iſt, wie hier ausgeſagt wird, hoͤchſt wahr, daß ich eine Nonne, auf ihr eignes Verlangen, aus einem Kloſter zu**x entfuͤhrte. Aber die Dame war weder eine Spanierin, noch, wie ich der Wahrheit die Ehre geben muß zu bekennen, jung, auch nicht einmal huͤbſch. Fern ſei es von mir, Herr Richter, die Wahrhaftigkeit des Briefſtellers verläͤumden zu wollen. Die hoͤchſten wie die niedrigſten Autoritaͤten kommen darin uͤberein, daß Schoͤnheit eine Sache des Ge⸗ ſchmackes ſei, und fuͤr den Geſchmack giebts keine Verantwortlichkeit; aber es iſt gleichfalls allbe⸗ kannt, daß dem Seemann jedes Frauenzimmer, welches nicht ſo alt als Hekuba, oder ſo haͤßlich iſt, als Caifacaratadaddera, ſchoͤn und jung ſcheint. Deswegen kann ich nur mein eignes lutheil und mein mir aber wahtlic um die Wirkung ungebornen Sch Roman veralbeit tt. Es thut wi dieſes Halsger Wahrheit ans das keine Lieb nach meiner be der in mich, n Da Sie „und da Sie mann jede Fto ſo alt als He dere Dame iſt, ſo forde Güͤte haben, kam, oder w derbater Er⸗ Verſuchung uthen laſſen. hochſt wahr, Vellangen, Aber die och, wie ich zu bekennen, Fern ſei es ſaftigkeit des Die hochſten mmen darin ſe des Ge⸗ giebts keine hfalls allbe⸗ uenzimmer, ſo haͤßlich und jung mein eignes 327 Urtheil und meine Meinung darthun. Es thut mir aber wahrlich leid um den ſchonen Roman, um die Wirkungen des Abentheuers, das noch ungebornen Schaͤfern und Schoͤnen, zu einem Roman verarbeitet, Thraͤnen entlockt haben moͤg⸗ te. Es thut mir wahrlich leid, daß die Strenge dieſes Halsgerichtes mich noͤthigt, die reine Wahrheit ans Licht zu ziehen, und zu verſichern, das keine Liebe bei der Sache im Spiel, daß, nach meiner beſten Ueberzeugung, die Dame we⸗ der in mich, noch in ſonſt Jemand verliebt war.“ „Da Sie zugeben, Herr,“ ſagte der Richter, „und da Sie freiwillig bekennen, daß dem See⸗ mann jede Frau ſchoͤn und jung duͤnke, die nicht ſo alt als Hekuba, oder ſo haͤßlich, als jene an⸗ dere Dame mit dem unausſprechlichen Namen iſt, ſo fordere ich Sie auch auf, daß Sie die Guͤte haben, dem Gericht kund zu thun, wie es tam, oder wie es moͤglich war, daß Sie waͤhrend 328 des Verlaufes einer langen Reiſe umhin konnten, ſich in die Dame zu verlieben, welche Sie ange⸗ zeigtermaßen befreit und entfuͤhrt hatten. Die Erfahrung lehrt, daß zu Land und zur See das Beieinanderſeyn eine gar gewoͤhnliche Veranlaſ⸗ ſung zur Liebe iſt. Nun war ſie, mein ich, die einzige Frau, welche ſie waͤhrend einiger Monate ſahen; dieſelbe hatte, wie Sie, wo ich nicht irre, zugegeben haben, Ihre Cajuͤtte inne; und da blieb Ihnen natuͤrlich ein freier Zutritt. Herr, menſchliche Empfindung iſt menſchliche Empfin⸗ dung! Im vorliegenden Fall zeugen Verſuchung, und Gelegenheit, und die Umſtaͤnde ſo wieder Sie, daß man Sie in unſren Tagen getroſt auf dies Zeugniß haͤngen konnte. Was koͤnnen Sie zu Ihrer Vertheidigung anfuͤhren, junger Mann?“ „Das ſimple Factum, daß ich mich nicht drei Monate, ſondern nur drei Tage in ſolcher Ver⸗ ſuchung befand. Aber waͤren es auch drei Mo⸗ nute geweſen— ſagte der Kapitair ſaſſen ſie, beim fühlen nicht, wie wie ich, ins Her „Ich habe id ſchaut, Hert. ich fuͤhle nicht ſoll Ihnen Ge die Vertheidigt ſorechen ihn fr iſt noch nicht g mit der Dame „Sie kaw richtiget geſag nur eine, ſo eine alte Tan tiner engen S hin konnten, ur See das e Veranlaſ. ein ich, die ger Monate o ich nicht inne; und critt. Herr, he Empfm⸗ Verſuchung, ſo wieder getroſt auf nen Sie zu Mann?“ nicht drei ſcher Ver⸗ drei Me⸗ 379 nate geweſen— hier iſt meine Vertheidigung,“ ſagte der Kapitain, zu Amelien geneigt.„Sie laſſen ſie, beim erſten Anblick gelten, aber Sie fuͤhlen nicht, wie ſtark ſie iſt, da Sie ihr nicht, wie ich, ins Herz geſchaut haben.“ „Ich habe ihr, ſo gut wie Sie, ins Herz ge⸗ ſchaut, Herr. Sie ſind gar keck, mir zu ſagen, ich fuͤhle nicht ſo gut als Sie. Aber trotz dem ſoll Ihnen Gerechtigkeit widerfahren. Ich laſſe die Vertheidigung gelten, und ich denke, wir ſprechen ihn frel. Aber, noch eins, die Sache iſt noch nicht ganz im Reinen. Was haben Sie mit der Dame gemacht, und wo iſt ſie?“ „Sie kam gluͤcklich zu ihren Freunden, oder richtiger geſagt, zu ihrer Freundin, denn ſie hatte nur eine, ſo viel ich ausfindig machen konnte, eine alte Tante, die in einem dunklen Hauſe, in einer engen Straße von London lebte.“ —— 3⁸⁰ „Und das iſt, auf Ehre, Alles, was Sie von ihr wiſſen?“ ſagte Mrs. Beaumont. „Alles; außer daß ſie Hoffnung hat, wieder zum Beſitz einiges Vermoͤgens zu gelangen, um welches, wie ſie ſagt, einer ihrer Verwandten ſie unrechtmaͤßigerweiſe gebracht hat. Nachdem ich mich bei der Admiralitaͤt gemeldet, war es mein naͤchſtes Geſchaͤft, die Dame zu beſuchen, und ihr meine Dienſte anzubieten; aber, Gott ſei Dank, nicht mich um ihre Rechtshaͤndel zu be⸗ kuͤmmern. Ich empfahl ihr einen guten, ehrlichen Advocaten, und eilte hieher, ſo ſchnell als meine Roße laufen konnten.“ „Aber gab es nicht eines Tages ſo etwas von Diamantenſchenken und Ringwechſeln auf dem Verdeck?“ fragte Mrs. Beaumont. „Nichts,“ ſagte der Kapitain,„dies iſt eine eitle Erfindung der Einbildungskraft des ar⸗ men Birch. Ich erinnere mich, daß die Dame — rit en ſpaniſchs te; weiter weis ich welen, und nur ſ tr ungeduldig, d als einen Augenb nen,„jeht iſt ho dient, wie in m der aͤrgſten Stre „Losgeſpro mer. „Einſtimm „Durch ei chen, das unſ Madam Beau „Kapitgin ter,„ſagen ſpaniſcher Tr Sie fragte wichtige Ftag 6, was Sie ont. hat, wieder tlangen, um ſerwandten ſie ſachdem ich ſwar es mein ſuchen, und —, Golt ſi händel zu be⸗ ten, ehrlichen ell als meine 3 ſo etwas ehſeln auf ont. 5 „dies iſt aft des ar⸗ die Dame 381 mir ein ſpaniſches Motto auf einem Ringe zeig⸗ te; weiter weis ich nichts. Sie hatte keine Ju⸗ welen, und nur wenig Kleider. Aber jetzt,“ rief er ungeduldig, denn er hatte noch nicht laͤnger als einen Augenblick mit Amelien ſprechen koͤn⸗ nen,„jetzt iſt hoffentlich mein Prozeß aus; ſonſt dient, wie in manchen Faͤllen, ſeine Dauer ſtatt der aͤrgſten Strafe.“ „Losgeſprochen, losgeſprochen!“ ſagte Pal⸗ mer.. „Einſtimmig losgeſprochen!“ rief Beaumont. „Durch ein Laͤcheln von Amelien losgeſpro⸗ chen, das unſer aller Urtheil aufwiegt,“ ſetzte Madam Beaumont hinzu. „Kapitain Walſingham,“ fragte Miß Hun⸗ ter,„ſagen Sie mir doch, kam die Dame in ſpaniſcher Tracht nach England?“ Sie fragte, doch der Kapitain vernahm ihre wichtige Frage nicht. Sie kehrte ſich um, ſie 38² zu wiederholen, allein er war fort, und mit ihm Amelie. „Beileibe! wie eilig, wie ſonderbar!“ ſagte ſie mit einem Blick, der hinzuzufuͤgen ſchien: mich will Niemand! Mrs. Beaumont ſah ver⸗ drießlicher aus, als ſich geziemte; dann machte ſie ſich mit dem Ordnen der zierlichen Loͤckchen ihrer Albine etwas zu thun; und Herr Palmer ſang in ſeiner Zerſtreuung ganz laut, indem er im Zimmer auf und ab ſchritt: O, Herr! was ſoll aus mir werden? Wie wird mir geſchehn? Mit mir will Niemand auf Erden — Hochzeit begehn! Funft Es iſt bereits z Liebende ſchlechte ander, darum Kapitain Walſ Nin Tagebuch welche Rouſſec lichſten, ander und wenig 2 das Vorſpiel z hauslicher Gle Als Weaun nen Freund d befticdigt, uü dindung entge ſch, wuchs und mit ihm erbar!“ ſogte fügen ſchien: nont ſah ver⸗ dann machte then Löckchen Herr Palmer erden? t, indem er 383 Funfzehntes Kapitel. Es iſt bereits zum Spruͤchwort geworden, daß Liebende ſchlechte Geſellſchaft ſind, außer fuͤr ein⸗ ander, darum befaſſen wir uns nicht mit dem Kapitain Walſingham und Amelien, liefern auch kein Tagebuch von ihrer Liebe, von den Tagen, welche Rouſſeau und viele mit ihm fuͤr die gluͤck⸗ lichſten, andere fuͤr die einzig gluͤcklichen halten, und wenig Auserwaͤhlte oder Weiſe, nur fuͤr das Vorſpiel zu den immer wachſenden Wonnen haͤuslicher Gluͤckſeligkeit. Als Beaumont nun ſo ſeine Schweſter und ſei⸗ nen Freund durch gegenſeitige Liebe und Achtung befriedigt, und alle Hinderniſſe, die ihrer Ver⸗ bindung entgegenſtanden, aus dem Wege geraͤumt ſah, wuchs bei ihm unbeſieglich die Ungeduld, ————————— — — 384 ſeine eigne Liebe zu Miß Walſingham gleichfalls zu erklaͤren. „Liebſte Mutter, ich halte es nicht laͤnger aus,“ ſagte er eines Tages zu ſeiner Mutter. „Glauben Sie mir, es iſt nichts an dem Roman, den Sie Sich wegen Miß Hunter in den Kopf geſetzt. Sie iſt nicht verliebter in mich, als ich in ſie. Da Sie meine Aufmerkſamkeit auf ſie gelenkt haben, ſo habe ich die Schoͤne beobachtet. Sie iſt keiner Liebe faͤhig. Ich will nicht be⸗ haupten, daß ſie nicht gern einen Mann haͤtte, aber das iſt ganz etwas Anders, und daruͤber brauche ich mir eben keine Gemuͤthsunruhe zu machen. Suchen Sie, liebſte Mutter, ihr einen andern Mann, und ich ſtehe Ihnen dafuͤr, das Herzchen wird ihr nicht brechen, beſonders wenn Sie ſo viel Ballen Brautſtaat hinzuthun, daß man ein ganzes Schaltjahr davon ſprechen kann.“ „Du „Du ähſcheu Srauſamkeit! ich Wiß nicht alſo tyſets vergnuͤge „Meines S ſeht gar nicht r Putz nach moe Nicht wahr, und Bändern „Im Ern nicht fortfahre wirklich krankſe Mih Hunters din war, und habe, wegen? ner und Albin „9, M ſeit tauſend u tet. Und Si II. m gleichfals nicht langer ner Mutter. dem Roman, n den Kopf nich, als ich keit auf ſie ill nicht be⸗ Mann häͤtte, und darüber zunruhe zu t, ihr einen dafür, das onders wenn thun, daß chen kann.“ „Du e beobachtet. 385 „Du abſcheuliches, boshaftes Ungeheuer von Grauſamkeit! ich ſcherze nicht, Du ſollſt Deinen Wih nicht alſo auf Koſten Deines armen Schlacht⸗ opfers vergnuͤgen.“ „Meines Schlachtopfers! Liebſte Mutter, ſte ſieht gar nicht nach einem Opfer aus. Ihrem Putz nach moͤgte man ſie freilich dafuͤr halten. Nicht wahr, die Opfer putzt man mit Kraͤnzen und Baͤndern und, Blumen aus.“ „Im Ernſt, Beaumont, Du darfſt mir ſo nicht fortfahren. Weißt Du, daß Du mich wirklich kraͤnkſt und beleidigſt? Weißt Du, daß Miß Hunters Mutter meine vertrauteſte Freun⸗ din war, und ich dieſe Heirath eifrigſt gewuͤnſcht habe, wegen einer Uebereinkunft, die wir bei Dei⸗ ner und Albina's Geburt trafen?“ „O, Mutter, ſolche Uebereinkuͤnfte haben ſeit tauſend und einer Nacht nichts Gutes geſtif⸗ tet. Und Sie muͤſſen nicht boͤſe ſeyn, wenn ich, II. Bb 386 nachdem ich mit Vernunft und Geduld aufs Aeußerſte verſucht habe, die Sache zu hintertrei⸗ ben, jetzt ein wenig ungeduldig werde, und harm⸗ los ſpotte. Mir bleibt ja nichts uͤbrig, als durch Lachen Sie zu uͤberfuͤhren, daß ich die junge Dame weder heirathen kann, noch will."“ „Aber ein ſo ſchoͤnes Geſchoͤpf, nicht wahr, ſchoͤn haſt Du ſie gefunden?“ „Außerordentlich huͤbſch. Und ich geſtehe, daß es Augenblicke gegeben hat, wo der Einfluß ihrer, Schoͤnheit kann ich nicht ſagen; ſondern Niedlichkeit, verbunden mit der unwiderſtehlichen Geſchicklichkeit meiner Mutter, mich faſt ins Pa⸗ radies, ins Narrenparadies entruͤckte. Gott und Miß Walſingham ſei Dank, die mich erloſten, und wenn ſchon ihre zarte Niedlichkeit meine Ein⸗ bildungskraft beſtach, ſo hat ſie mir doch nim⸗ mermehr die Seele gefeſſelt.“ „Erſtaunlich poetiſch. Hochgelehrt!“ * — „Beſte Mutt ſn it Ihret nich Wäͤrme, denn uf Miß Walſ „Unwiſſende, a wenn von Kent Geſchlechte Eru Precieuses ric wenn ihnen etn kannt iſt, ſpre⸗ zu Gebote ſteht Sache der Tho⸗ die ſelbſt durch ſen... aber beſcheide mich. „Große wahrhaftig, mont, und heirathe wen Geduld aufs zu hintertrei⸗ e, Und harm⸗ rig, als durch ſch die junge will.” nicht wahr, b der Einfluß viderſtehlichen faſt ins Pa⸗ Gott und nich erloͤſten, it meine Ein⸗ t doch nim⸗ tt!” d ich geſtehe, 387 „Beſte Mutter, dieſer Alltagsſpott uͤber Wiſ⸗ ſen iſt Ihrer nicht wuͤrdig,“ rief Beaumont mit Waͤrme, denn er war durch den Seitenhieb auf Miß Walſingham außer Faſſung gebracht. „Unwiſſende, alberne Weiber moͤgen laͤcheln, wenn von Kenntniſſen oder Talenten bei ihrem Geſchlechte Erwaͤhnung geſchieht, ſie moͤgen von Precieuses ridicules und femmes savantes, wenn ihnen etwas von dergleichen Ausdruͤcken be⸗ kannt iſt, ſprechen, und all den Witz, der ihnen zu Gebote ſteht, von Molliere entlehnen, um die Sache der Thorheit zu vertheidigen. Aber Frauen, die ſelbſt durch Talente ausgezeichnet ſind, muͤſ⸗ ſen... aber ich ſpreche zu meiner Mutter, und beſcheide mich.”“ „Große Beſcheidenheit gegen Deine Mutter, wahrhaftig, haſt Du gezeigt!“ rief Mrs. Beau⸗ mont, und erroͤthete von aufrichtigem Zorn. Heirathe wen Du willſt. Eine Thoͤrin war ich, Bb 2 388 Gleiben Sit,“ wie ſonſt die Geb Das Weib mein mein Leben an Plaͤne zur Begluͤckung meiner Kinder zu verſchwenden! Es iſt Zeit, daß ich an mich ſelbſt denke. Ihr ſollt mich hier nicht als die unterjochte, verlaſſene, betrogene, verach⸗ anſelgem Stri tete Mutter ſehen, als die alte Wittwe, die in dadurch erniedrig dem Hauſe geduldet wird, das ihr einſt ge⸗ ührt Tage liden. hoͤrte. Nein, nein, Herr Beaumont,“ rief ſie aus mänem He veraͤchtlich aufſtehend,„daraus wird nichts, Mes. Beal ” nimmermehr!“ ſich gelegt, doe Geruͤhrt, und erſtaunt uͤber einen Aus⸗ ungewohnten bruch des Zorns, wie er ihn kaum jemals bei mont fuhr fort. ſeiner Mutter wahrgenommen hatte, trat Beau⸗ ſam, kein Wo mont ihr in den Weg, als ſie aufſtand, faßte rauh, zu ſchrof ihre Hand, und ſagte auf das zaͤrtlichſte:„Ver⸗ wahrhaftigen L gebung, beſte Mutter, fuͤr meine haſtigen Wor⸗ und wahr iſti te; ich that Unrecht, ſehr unrecht. Ich bitte kindliche Liebe Sie um Vergebung. Verzeihen Sie ihrem Sohn.“ nur Ihr Vert Mrs. Beaumont ſtraͤubte ſich, ihm ihre unbegrenzt err Hand zu entziehen, die er mit Gewalt hielt. lig guͤcklich eit, daß ich ch hier nicht gene, verach⸗ ittwe, die in ihr einſt ge⸗ nt,“rief ſie wird nichts, einen Aue⸗ jemals bei krat Beau⸗ fand, faßlte ſte:„Ver⸗ ſtigen Wor⸗ Ich bitte rem Sohn.“ ihm ihte ewalt hielt, 389 „Bleiben Sie,“ fuhr er fort,„bleiben Sie, wie ſonſt, die Gebieterin dieſes Hauſes und meiner. Das Weib meines Herzens wird Sie nicht mit armſeligem Streit um Herrſchaft quaͤlen, noch ſich dadurch erniedrigen. Sie ſollen gluͤckliche, ge⸗ ehrte Tage leben. Glauben Sie mir, ich ſpreche aus meinem Herzen⸗“ Mrs. Beaumont blickte, als habe ihr Zorn ſich gelegt, doch ſaß ſie ſchweigend da, wie mit ungewohnten Empfindungen kaͤmpfend. Beau⸗ mont fuhr fort.„Ihr Sohn iſt nicht empfind⸗ ſam, kein Wortemacher. Er war bisher nur zu rauh, zu ſchroff; aber er beſchwoͤrt ſie, bei dieſen wahrhaftigen Liebkoſungen, bei Allem, was treu und wahr iſt in der Natur, glauben Sie an die kindliche Liebe ihrer Kinder. Schenken Sie uns nur Ihr Vertrauen; das unſre ſoll es frei und unbegrenzt erwiedern; dann werden wir wahrhaf⸗ tig gluͤcklich ſeyn!“ 390 Beſiegt, geruͤhrt, lehnte Mrs. Beaumont das Haupt an ihren Sohn.„Dann werden wir wahrhaftig gluͤcklich ſeyn!“ rief ſie. Das war ein wahrer Ruf; dieſes mal dachte ſie, wie ſie ſprach. Alle ihre Plaͤne waren vergeſſen. Der Grafentitel, die Wigramſchen Guͤter, alles, alles verſchwand vor der wunderwirkenden Beredtſam⸗ keit und Macht der Wahrheit. „Welch ein Gluͤck!“ fuhr ſie fort,„ich be⸗ gehre kein weiteres. Du haſt recht, mein lieber Sohn, heirathe Miß Walſingham; wir haben genug, und uͤbergenug zum Gluͤcke. Du haſt recht, und fortan werden wir nur eine Seele ſeyn.“ Mit wahrhaftiger Dankbarkeit und Freude umarmte ſie ihr Sohn; und dies war der won⸗ nevollſte, vielleicht der einzige wonnevolle Augen⸗ blick, den ſie ſeit Jahren gehabt hatte. Sie war aufrichtig und wohl. Doch dieſe Regung der Natur, wie ſtark ſie auch war, dauerte nur einen Augenblick; die Sklavin wieder und Miß Hunt nen kamen wied nen, Brieflein Grafentitel Welche ander Indeſſen’ſptat Pferd) und ſ Wirklichkeit ſes Zwecks ur des Herz beſe mont, kalt w unuͤberkegter nun ganz wie „Gut a Lightbody? „Rein, Ic waaf i . Beaumont alles, alles n Weredtſam⸗ ort,„ich be⸗ „mein lieber ; wit haben ke. Du haſt Seele ſeyn.“ und Freude var der won⸗ volle Augen⸗ te. Sie war Regung der ete nur einen 391 Augenblick; die Liſt nahm ihren Zoͤgling, ihre Sklavin wieder hin.. Der Kapitain Lightbody und Miß Hunter kamen in das Zimmer, mit ih⸗ nen kamen wieder niedrige Vorſtellungen von Plaͤ⸗ nen, Brieflein, Baronen, Equipagen, vom Grafentitel, von den Wigramſchen Guͤtern. Welche andre Vorſtellungen von Gluͤckſeligkeit! Indeſſen ſprang ihr Sohn auf, ſchwang ſich aufs Pferd, und ſprengte dahin, einige der ſeinen zur Wirklichkeit zu bringen, und zur Erreichung die⸗ ſes Zwecks um die Hand derjenigen, die ſein gan⸗ zes Herz beſaß, zu werben; aber Mrs. Beau⸗ mont, kalt wie Schlauheit, die kaum der Gefahr unuͤberlegter Empfindſamkeit entronnen iſt, war nun ganz wieder ſie ſelbſte „Gut amuͤſirt auf der Jagd dieſen Morgen, Lightbody?“ fragte ſie nachlaͤſſig. „Nein, Madam; nichts geſchoſſen, nichts. Ich traf Sir John Hunter auf dem Felde, er ließ 392 mich nicht los. Der arme Sir John, meine Gnaͤdige! Ich ſage Ihnen, wir muͤſſen ihm ei⸗ nen Schaͤferſtab kaufen, er iſt ganz zum verzwei⸗ felnden Schaͤfer geworden. Im Leben hab' ich keinen Menſchen ſo veraͤndert geſehen. Bei meiner Seele, er iſt— nein, ernſtlich jetzt!— Sie brauchen nicht zu lachen, Mrs. Beaumont. Ich hab'’ es Sir John immer geſagt, daß die Reihe, ſich zu verlieben, auch an ihn kommen wuͤrde; und das iſt endlich geſchehen, mit zehnfachem Wucher.“ „O, unſinn, Unſinn, Lightbody! So etwas mir, und von Sir John Hunter!“ Mes. Beaumont nannte es zwar Unſinn, und hielt es auch dafuͤr; dennoch war es ihr ſchmeichel⸗ haft; und wenn gleich eine ſo grobe Schmeichelei halb eine ihrem Verſtande zugefuͤgte Beleidigung ſchien, ſo that doch dieſelbe insgeheim ihrer Ei⸗ telkeit wohl, ſchon durch das Gefuͤhl, daß ſle ulhingige holte maßen zu ſchmei wigen ſeinet R ſch ihr bei alle chen Schmeichel kungsart war ih glauben konnen zu ſeyn vermoͤe ſchen Reichthur reichliches The denen die Jab längete Zeit, nicht blos dur nen bis ut lch mit wachſende behaglich. P aus guter T auch wohl v‚ nige Weiblich ohn, meine uͤſſen ihm ei⸗ zum verzwei⸗ eben hab ich BRäi meiner t!— Sie wmont. Ich aß die Reihe, nmen wuͤrde; t zehnfachem pl So etwas Unſinn, und ir ſchmeichel⸗ Schmeichelei Beleidigung Wim ihrer Ei⸗ l, dah ſe 393 Abhaͤngige hatte, die genoͤthigt waren, ihr der⸗ maßen zu ſchmeicheln; ſie verachtete den Kapitain wegen ſeiner Niedertraͤchtigkeit, und er empfahl ſich ihr bei alledem dadurch, daß er in ſeiner fre⸗ chen Schmeichelei beharrte. Sir Johns Den⸗ kungsart war ihr zu gut bekannt, als daß ſie haͤtte glauben koͤnnen, daß er in irgend Etwas verliebt zu ſeyn vermoͤge, als in ſchoͤne Guͤter und huͤb⸗ ſchen Reichthum; aber das Bewußtſeyn, ein ſo reichliches Theil von dieſen Reitzen zu beſitzen, denen die Jahre keinen Abbruch thun, die auf langere Zeit, als auf einen kurzen Roſenmond, nicht blos durch poetiſche Taͤuſchung feſſeln, de⸗ nen bis zur letzten Lebensſtunde mit unablaͤſſiger, mit wachſender Ehrfurcht gehuldigt wird, war ihr behaglich. Und außer dieſem Behagen, welches aus guter Berechnung entſprang, mogte doch auch wohl vielleicht im Herzen unſrer Heldin ei⸗ nige Weiblichkeit lauern, die geneigt macht, an die 394 Gewalt der eignen Reize zu glauben, ſelbſt wenn dieſe ſchon in Abnahme ſind. Die Betheurungen des Kapitains, die Briefe, welche Sir John Hunter ſeiner Schweſter ſchrieb, wurden bald ge⸗ duldig, ja freundlich von ihr angehoͤrt; nachdem man ihr genugſam wiederholt hatte, es ſei wirk⸗ liches Unrecht gegen Sir John, ihm, der ſo un⸗ gluͤcklich, ſo ſehnſuchtsvoll ſei, keine entſcheiden⸗ dere Antwort zu goͤnnen, rief ſie endlich— „Nun, Lightbody, ſagen Sie Ihrem Freund, Sir John, daß ich, weil es nicht anders iſt, mit meinen Freunden ſprechen, und ſehen will, was ſich fuͤr ihn thun laͤßt.“ „Was ſoll ich ihm von der Zeit, da dies ge⸗ ſchehen ſoll, ſagen? denn ich darf Sir John nicht vor Augen treten, wahrhaftig, ich darf nicht wie⸗ der zu ihm kommen, wenn ich ihm nicht einige Hoffnung, nichts Entſcheidendes hinterbringe. Er ſagt, wenn er wieder herkommt, muß man ihm etlauben, duß er Mts. B ſoll ich ihm in; „Oa liebſt morgen!“ rief „Morgen! „Abet wa Hunter.„S an mich noch ſorgt, am En der hätte, abe vor mit Amel ein ganz andre „In der der ich der2 Buͤrge, daß daß— daß und daß mau * halt! da ſelbſt wenn Zetheurungen de Sir John nden bald gee rt; nachdem es ſei wirk⸗ 1 der ſo un⸗ entſcheiden⸗ endlich— rem Freund, t anders iſt, iſehen will da dies ge⸗ r John nicht if nicht wie⸗ nicht einige hinterbringe. „muß man 395 ihm erlauben, der Familie bekannt zu machen, daß er Mrs. Beaumonts Anbeter iſt. Alſo was ſoll ich ihm in Anſehung der Zeit ſagen?“ „O“, liebſte Madam Beaumont, ſagen Sie morgen!“ rief Miß Hunter. „Morgen! zunmoͤglich!“ „Aber was ſonſt fuͤr eine Zeit?“ ſagte Miß Hunter.„Sehen Sie nur meines Bruders Brief an mich noch einmal an. Sie ſehen, er iſt be⸗ ſorgt, am Ende, wenn Herr Palmer etwas dawi⸗ der haͤtte, abgewieſen zu werden, wie es ihm zu⸗ vor mit Amelien ging; und er ſagt, dies wuͤrde ein ganz andrer Schlag fuͤr ihn ſeyn.”“ „In der That,“ ſagte der Kapitain,„ich, der ich der Vertraute von Sir John bin, bin Buͤrge, daß ich gute Urſach habe zu glauben, daß— daß die Verwandtſchaft der Zauber war, und daß man nicht an die Tochter gedacht haͤtte — halt! das ſollte ich nicht ſagen. Aber was ——— — 396 fuͤr eine Zeit, Mrs. Beaumont, um wieder zur Sache zu kommen, was fuͤr eine Zeit beſtimmen Sie? „O, beſtimmen Sie einen nahen Tag,“ rief ſchmeichelnd Miß Hunter,„beſtimmen Sie einen nahen Tag, wo mein Bruder kommen darf. Und dann, Sie wiſſen ja, wird es ſo niedlich ſeyn, die Tage fuͤr beide Hochzeiten anzuſetzen. Und liebſte Madam Beaumont, vergeſſen Sie nicht, ich bin Ihre Brautjungfer. Wir muͤſſen eine praͤchtige Hochzeit haben, und ich bin die Brautjungfer!“ „Das liebe unſchuldige Weſen! Sie iſt ganz ausgelaſſen luſtig. Ja, Sie ſollen meine Braut⸗ jungfer ſeyn, wenn die Sache zu Stande kommt.“ „Wenn— wenn, nichts von wenn! Kapi⸗ tain Lightbody, ſagen Sie meinem Bruder— nein, ich will ſelbſt gehen und ihm ſchreiben, daß er kommen kann.“ „Wie ſie m voll, daß manj Libbe, einen T fentlich erklaͤen That nicht; der iſſt herrn Palr gen, und dazu ſehen. Alſo e aber im Allger ſten, ſich allge nen Sie ſagen Dies wa Dem gemäͤß! Beſorgung d wortet. Dieſes 3 Verthandlung ſchmack und Nachdem der ſo niedlich anzuſehen. dergeſſen Sie Wir müſſen ich bin die Sie iſt ganz eine Braut⸗ nde kommt.” ſenn! Kapi. Bruder— K ſchriben, 397 „Wie ſie mich quaͤlt! Aber ſie iſt ſo liebe⸗ voll, daß man ihr nicht boͤſe ſeyn kann. Jedoch, Liebe, einen Tag anzuberaumen, wo er ſich df⸗ fentlich erklaͤren kann, das vermag ich in det That nicht; denn Sie wiſſen, ich muß die Sache erſt Herrn Palmer und meinen Kindern vorbrin⸗ gen, und dazu muß ich meine gelegene Zeit ab⸗ ſehen. Alſo einen Tag kann ich nicht beſtimmen, aber im Allgemeinen, und es iſt immer am be⸗ ſten, ſich allgemeiner Ausdruͤcke zu bedienen, koͤn⸗ nen Sie ſagen, bald.“ Dies war Mrs. Beaumonts Ultimatum. Dem gemaͤß wurde der Brief abgefaßt, und der Beſorgung des vertrauten Kapitains uͤberant⸗ wortet. Dieſes Treiben von geheimen Briefen und Verhandlungen eignete ſich vorzuͤglich fuͤr den Ge⸗ ſchmack und fuͤr die Gemuͤthsart unſrer Heldin. Nachdem der Geſandte dieſer unſerer ſchoͤnen Ne⸗ 398 gociatrice mit ihrem Ultimatum unter dem An⸗ ſchein, als ginge er nur zur Entenjagd, abge⸗ gangen war, machte ſie, in Erwaͤgung, daß die Negociation jetzt wirklich zu der Ausſicht ei⸗ ner gluͤcklichen Vollendung gediehen waͤre, An⸗ ſtalt, denjenigen, welche die Hauptwerkzeuge des Erfolgs derſelben geweſen waren, die gewoͤhn⸗ liche Dankbarkeit abzuſtatten. Die Zeit war jetzt gekommen, die ſie, der Dienſtleiſtungen von Miß Hunter nun nicht mehr benoͤthigt, fuͤr die rechte hielt, ihre junge Freundin endlich zu enttaͤuſchen, und ihr jede Hoffnung einer Verbindung mit Herrn Beaumont zu benehmen; ſie fuͤhlte, daß es jetzt, nachdem ihr Sohn feine Neigung zu Miß Walſingham erklaͤrt hatte, unumgaͤnglich noͤthig ſei, die Wahrheit zu entſchleiern. Die kitzliche Verhandlung wurde von ihr mit einem tiefen Seufzer eroͤffnet, der ihrer jungen Vertrauten nicht unbemerkt bleiben konnte. „Walch ei hunter.„We gilt meinem arn „Ach nein am Herzen liegt „Mir? E „Sie ſehen iſt, ihre liebſte Kinder vernich Willen haben Sohn folgt ihe Perſon ohne: heit, und ohne ich ſo gern an zens wahrnah Allerliebſte, Ihnen ganz! „9, M bitte, ſagen ter dem An⸗ njagd, abge⸗ ägung, daß Ausſicht ei⸗ waͤre, An⸗ uptwerkzeuge die gewoͤhn⸗ Zeit war jeht geen von Miß fuͤr die rechte wenttaͤuſchen, bindung mit füͤhlte, daß Reigung zu unumganglich leiern. e von iht mit ihrer jungen konnte. 399 „Welch ein tiefer Seufzer,“ ſagte Miß Hunter.„Welch ein Seufzer! ich hoffe, er gilt meinem armen Bruder?“ „Ach nein, Liebe; Jemand, der mir naͤher am Herzen liegt; Ihnen.“ „Mir? Ei mir?“ „Sie ſehen eine Mutter, deren Schickſal es iſt, ihre liebſten Plane und Wuͤnſche durch ihre Kinder vernichtet zu ſehen. Amelie wollte ihren Willen haben; ich mußte nachgeben. Mein Sohn folgt ihrem Beiſpiel, und beſteht darauf, eine Perſon ohne Vermoͤgen, ohne beſondere Schoͤn⸗ heit, und ohne einen jener Vorzuͤge zu waͤhlen, die ich ſo gern an der Schwiegertochter meines Her⸗ zens wahrnahm. Sie wenden ſich von mir, meine Allerliebſte, was ſoll ich noch ſagen, wie ſoll ich Ihnen ganz die entſetzliche Wahrheit enthuͤllen?“ „O, Madam, ich bitte, fahren Sie fort, ich bitte, ſagen Sie mir Alles.“ 400 „Miß Walſingham— das iſt Alles mit eie Rfilt, ale Mi nem Wort. Dieſe Walſinghams haben ſich in nont verſteht da meine Familie eingedraͤngt, mich ganz fein uͤber⸗„Nicht am liſtet. Ich kann Ihnen nicht ſagen, wie ſehr, Faumont.„ wie tief betruͤbt ich bin.“ das alereigenwi „Gott ſey DankV ich bin gar nicht betruͤbt,“ falf ken Bitte rief Miß Hunter, und warf das Koͤpſchen mit Nacht, käine ſchnippiſcher Verachtung zuruͤck. terſucht habe. Mrs. Beaumont hatte ſich auf eine Ohnmacht, „Es thut oder wenigſtens auf eine Thraͤnenfluth gefaßt ge⸗. dos Sie es tha macht, und freute ſich uͤber dieſe Wendung, wel⸗ „Wie, Li che der Zorn der jungen Dame nahm. „Recht ſo, meine einzige Liebe. Wie be⸗ in meinen Ku⸗ wundre ich Ihren Muth! Dieſer Stolz geziemt nur wegen mei Ihnen; ſo erwartete ichs von Ihrem Verſtande. d ich Ihre T Setzen Sie den gerechten Werth auf ſich ſelbſt, Aber Ihre jeh und thun Sie es dar.“ hoffen, daß S „Ich ſetzte in der That wohl wenig Werth vlleberſtel auf mich ſelbſt, wenn ich mich nicht fuͤr ſo gut ich, Nadan hielte, n 401 Alles mit ei⸗ hielte, als Miß Walſingham. Aber Herr Beau⸗ haben ſich in mont verſteht das am beſten.“ in fain üba⸗„Nicht am beſten, fuͤrcht ich,“ ſagte Mrs. en, wie ſcht Beaumont.„Allein er war von Kindheit auf das allereigenwilligſte, unbaͤndigſte Weſen; da half kein Bitten, kein Ueberreden; es giebt keine Kaxſch nit Macht, keine Maasregel, Liebſte, die ich nicht l verſucht habe.“ „Es thut mir herzlich leid, liebe Madam, das Sie es thaten.“ cht betruͤbt,“ ine Ohnmacht, uth gefaßt ge⸗ dendung, wel⸗ 1„Wie, Liebe, konnte ich umhin, Alles, was „ Wa be in meinen Kraͤften ſtand, aufzubieten? Nicht nur wegen meines Sohnes, auch wegen Ihrer, 4 ——— Stolz geziemt da ich Ihre Neigung ſo tief gewurzelt fuͤrchtete. Aber Ihre jetzige Seelenſtaͤrke giebt mir Muth zu hoffen, daß Sie den Schlag uͤberſtehen werden.“ im Verſtande. uf ſich ſelbſte vaig Wath„Ueberſtehen! Das denk ich. Nein wirk⸗ t ür ſ gu lich, Madam, wenn Herr Beaumont ſich einbil⸗ hielte II. Ce b 402 det, ich werde ſeinethalb zeitlebens den Weiden⸗ kranz tragen, da irrt ſeine Eitelkeit.“ „Gewiß, Liebe; Sie werden nicht ſo ſchwach ſeyn, den Weidenkranz fuͤr einen Mann auf Er⸗ den zu tragen. Das hat ein junges Maͤdchen von Ihrem Vermoͤgen nicht noͤthig. Kehren Sie mir Ihr niedliches kleines Geſichtgen wieder zu, und laͤcheln Sie mich an.“ Miß Hunter ſaß, waͤhrend dieſer ganzen Un⸗ terredung, mit abgewandtem Geſicht neben Mrs. Beaumont da:„als koͤnnte ſie mir mit ihrem Geſicht auch ihre Seele verſtecken,“ dachte die ſcharfſichtige Beobachterin neben ihr. „Laſſen Sie ab, laſſen Sie ab, liebſte Ma⸗ dam Beaumont! rief nun Miß Hunter, verbarg ihr Angeſicht auf der Lehne des Sofa's und ſchien bereit, von den Hoͤhen des Zornes ſich in die Tiefen der Verzweiflung zu ſtuͤrzen. „Mrs. Beaumont war nicht ſo hartherzig, als gewiſſe Pol wer lebt oder ſti gen. Sie hort ſungen Freundi Seufzern, mit Lage des Ange vernehmbar wa ſchluß, keinen then, ſprach. worte eines ju beſchrankte ihr ſchmacktheit d entwarf ſofort Hunter mit ein Sohne, zu ve einen jungen nehmen Sit iines jungern ters Reichthr den Weiden⸗ . icht ſo ſchwach Mann auf Er⸗ iges Madchen Kehren Sit den wieder zu, ſer ganzen Un⸗ ht neben Mre. mir mit ihrem 7“ dachte die r. „liebſte Ma⸗ unter, verbarg pfo's und ſchimn ne ſch in deſ ſo hauthetzig, 403 als gewiſſe Politiker, denen es nichts verſchlaͤgt, wer lebt oder ſtirbt, wenn ſie nur zum Ziel gelan⸗ gen. Sie hoͤrte mit anſcheinendem Mitleid ihrer jungen Freundin zu, die nun mit unterbrochnen Seufzern, mit einer Stimme, welche bei der Lage des Angeſichts und dem Schluchzen kaum vernehmbar war, von ſterben und von ihrem Ent⸗ ſchluß, keinen andern Mann auf Erden zu heira⸗ then, ſprach. Dennoch ſchreckten ſie die Sterbe⸗ worte eines jungen Maͤdchens nicht allzuſehr, ſie beſchraͤnkte ihre Aufmerkſamkeit auf die Abge⸗ ſchmacktheit des Coͤlibats im Allgemeinen, und entwarf ſofort im Augenblicke einen Plan, Miß Hunter mit einem ihrer Neffen, ſtatt mit ihrem Sohne, zu vermaͤhlen. Sie hatte einen Neffen, einen jungen Mann von artiger Figur und ange⸗ nehmen Sitten, doch nur mit dem Vermoͤgen eines juͤngern Bruders. Sie meinte, Miß Hun⸗ ters Reichthum muͤſſe dieſem hoͤchſt willkommen Cc 2 —y—— — 404 ſein, und ſie hatte Urſach zu vermuthen, daß ihr Rath und ſein Vortheil ihn leicht dahin lenken wuͤrden, dieſelbe zu ſeiner Gattin zu waͤhlen; wo⸗ bei ſie denn auch Hoffnung hatte, zu bewirken, daß das Vermoͤgen und die Perſon ihrer Albine wenigſtens der Familie nicht entginge. In Ge⸗ maͤßheit dieſer Ausſicht zu einem neuen Projekt, ruͤſtete ſich die unermuͤdliche Politikerin, es mit der gewohnten Kunſt in Gang zu bringen. Sie troͤſtete die liebeſteche, trotzige Schoͤne mit je⸗ dem Worte, das den Stolz ſchmeicheln und zu erhabenen Vorſtellungen der Rache entflammen konnte. Sie ſtellte ihr vor, wie ſtatt raſcher Geluͤbde, die nur eitle Treue darthun wuͤrden, ſie bei ihrem erſten muthigen Entſchluß verharren ſollte, nimmermehr den Weidenkranz fuͤr einen Mann zu tragen; die beſte Art ihre eigne Wuͤrde zu behaupten waͤre, ſich ſobald als moͤglich zu vermaͤhlen. Nach dieſem troͤſtlichen Rath uͤber⸗ lo ſe du Gum nch Ungeſtuͤm. „Ich weis ſeinen Freund, ließe, das mei ſcheint, nicht zu „Wer, M Kopf erhebend. wen Sie meinel „Ach, L Miß Beaumon ches ich Ihnen mit ſich reden Erlaubniß,) zu nennen. 3 gant, ein ſeh Gunſten bei u Freund, und „Offizier then, daß iht dahin lenken waͤhlen; wo⸗ zu bewirken, fihrer Albine ge. In Ge⸗ neuen Ptojekt, ikerin, es mit bringen. Sie choͤne mit je⸗ icheln und zu he entflammen ſtatt raſcher V n wuͤrden, ſie luß verhatten anz fuͤr einn eeigne Wuͤrde ls moͤglich z Räth ibe 405 ließ ſie den Gram der jungen Dame ſeinem eig⸗ neh Ungeſtuͤm. „Ich weis, Liebe,“ fuͤgte ſie dann hinzu, „einen Freund, welcher ſein Leben fuͤr das Gluͤck ließe, das mein eigenſinniger Sohn, wie es ſcheint, nicht zu ſchaͤtzen verſteht.“ „Wer, Madam?“ rief Miß Hunter, den Kopf erhebend.„Wahrhaftig ich begreife nicht, wen Sie meinen koͤnnten. Wer, Madam?“ „Ach, Liebe, entſchuldigen Sie,“ ſagte Miß Beaumont,„das iſt ein Geheimniß, wel⸗ ches ich Ihnen nicht ſagen darf. Wenn ſie erſt mit ſich reden laſſen, dann erhalte ich vielleicht Erlaubniß, Ihnen den Namen Ihrers Anbeters zu nennen. Ich kann verſichern, er iſt gar ele⸗ gant, ein ſehr angenehmer Mann; ſteht ſehr in Gunſten bei unſerm Geſchlecht, iſt mein beſondrer Freund, und ein Offizier.“ „Offizier! Gott behuͤte!“ rief Miß Hunter ——jj— 406 faſt aufſpringend.„Ich begreife nicht, wen Sie meinen! Liebſte Madam Beaumont, wen meinen Sie?“ Mrs. Beaumont ging auf die Thuͤr zu. „Sagen Sje mir nur das Eine, liebſte Ma⸗ dam Beaumont; hab' ich ihn ſchon geſehn?“ Mrs Beaumont weigerte ſich weislich fuͤr jetzt noch eine Frage zu beantworten, verließ das Zim⸗ mer und ließ Miß Hunter, von Neugier ge⸗ quaͤlt, zuruͤck. Das Entzuͤcken eines neuen Planes, nebſt der Ausſicht, ihre Unterhandlung mit Sir John gluͤcklich zu Ende zu fuͤhren, hielt Mrs. Beau⸗ mont unter den Kraͤnkungen aufrecht, welche ſie in Hinſicht auf die Heirathen ihres Sohnes und ihrer Tochter erlebt hatte, und ſetzte ſie in den Stand, mit minderer Verſtellung, ſcheinbaren Theil an der Freude zu nehmen, welche jetzt in ihrer Familie herrſchte. Ihr Sohn bezeugte mit guanzenloſem E Bewerbung unn dem Gegenſtan ganzen Famili barkeit gegen Wäͤnſchen nich ganzen Weſen wedes Herz a ruͤhrt haͤtte. Liebe zum Ke ihrer Mutter ſamkeit zu b maßen gut zu Zeit zugezoge Schweſter zu die Haugg Gluͤckes; un Walſinghan nungen uͤhe icht, wen Sit — wen meinen Jhür zu. liebſte Ma a geſehn?“ beislich für jetzt erließ das Zim⸗ Neugier ge⸗ Planes, nebſt mit Sir Joht Mrs. Beau⸗ ht, welche ſi Sohnes und V bte ſie in der j, ſcheinbaren walche jeht in bezeugte mi 407 grenzenloſem Entzuͤcken ſeine Wonne, als ſeine Bewerbung um Miß Walſingham freundlich von dem Gegenſtande ſeiner Neigung, wie von ihrer ganzen Familie, aufgenommen ward. Die Dank⸗ barkeit gegen ſeine Mutter dafuͤr, daß ſie ſeinen Wuͤnſchen nicht laͤnger wiederſtand, gab ſeinem ganzen Weſen gegen ſie eine Zaͤrtlichkeit, die jed⸗ wedes Herz außer das einer Schleichkuͤnſtlerin ge⸗ ruͤhrt haͤtte. Eben ſo war Amelie, trotz ihrer Liebe zum Kapitain Walſingham, eifrig bemuͤht, ihrer Mutter Liebe, Ergebenheit und Aufmerk⸗ ſamkeit zu bezeigen, und den Verdruß einiger⸗ maßen gut zu machen, den ſie ihr ſeit einiger Zeit zugezogen hatte. Wenn der Bruder und die Schweſter zuſammen waren, ſo war die Mutter die Hauptfigur in allen Bildern des zukuͤnftigen Gluͤckes; und beide, ſowol der Kapitain als Miß Walſingham, ſtimmten ernſtlich in dieſen Geſin⸗ nungen uͤberein. Es kann kaum junge Leute ge⸗ 4⁰8 ben, die hoͤhere Vorſtellungen von der Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern, von der Wonne des Familienvertrauens und Vereines hegen koͤnnten, als ſie. In fruͤherer Zeit, als Beaumont wegen ſeiner derben Aufrichtigkeit gegen ſeine Mutter wohl einigermaßen zu tadeln und nicht ungeneigt geweſen war, ihre liſtige Schlinge zu zerreißen, hielt Kapitain Walſingham im Geſpraͤch und her⸗ nach durch Briefe ihn immer in Schranken, und hob, wann er es mit Wahrheit vermogte, Mrs. Beaumont in ſeiner Achtung. Jetzt er⸗ ſchien ſie den Ihrigen in einem guͤnſtigerem Lich⸗ te, und ſie waren geneigter, ihrer Aufrichtigkeit zu vertrauen, als ſie dies ſeit den glaubensvollen Tagen der Kindheit geweſen waren. Die Tage der Liebe und der Kindheit ſind bei guten Seelen gleich ſtark an Glauben, wenigſtens an Vertrauen. Selbſt Herrn Walſingham gewann die Freude, womit ihn die Ausſicht auf das Gluͤck ſeiner 1 rechter erfülle: mal aufmerkſam er je zubor ge⸗ hatte ſeine Auft keit, die er zuye ſch deutlich E yfndungen zu ihr verändert! mehr der Wit erwieſen werde Wechſel; ſie beſchreiblich jeder redlichen Achtung wied hob nur ſich 1 Kuͤmme Mutter und ir eines Tage et Pflict der „Wonne des tgen koͤnnten, zumont wegen eine Mutter ſcht ungeneigt zu zerreißen, vͤch und her⸗ Schranken, eit vermogte, g. Nt er⸗ ſtigerem Lich⸗ Aufrichtigkeit aubensvollen Die Jage gutn Seelen in Pertrauen. die Freude, Gluͤck ſäiner 409 Tochter erfuͤllte; und der gute Palmer war zehn⸗ mal aufmerkſamer gegen Madam Beaumont, als er je zuvor geweſen war. Aber bei dem allen hatte ſeine Aufmerkſamkeit eine gewiſſe Foͤrmlich⸗ keit, die er zuvor nicht beobachtet hatte; es zeigte ſich deutlich(denn er war zu ehrlich, ſeine Em⸗ pfindungen zu verhehlen,) daß ſeine Meinung von ihr veraͤndert war, und daß ſeine Aufmerkſamkeit mehr der Wittwe ſeines Freundes, als ihr ſelbſt erwieſen werde. Amelie bemerkte vorzuͤglich dieſen Wechſel; ſie fuͤrchtete, er muͤſſe ihrer Mutter un⸗ beſchreiblich kraͤnkend ſein, und ſie ſuchte mit jeder redlichen Kunſt der Guͤte derſelben ſeine Achtung wieder ganz zu verſchaffen. Allein ſie hob nur ſich ſelbſt in ſeiner Achtung. „Kuͤmmern Sie Sich nicht wegen Ihrer Mutter und meiner, liebe junge Dame,“ ſagte er eines Tages zu ihr.„Die Sachen ſtehen auf ——— — 41⁰ dem rechten Fuß zwiſchen uns, ſo gut als es ſein kann. Sie ſehen, daß ſie zufrieden iſt.“ Mes. Beaumont hatte in der That nicht Ameliens reges Gefuͤhl in Hinſicht auf die wahre Neigung von Freunden, ſo eiferſuͤchtig ſie auch auf jedes aͤußere Merkmal von Achtung war. Sie war zufrieden, da Palmer ſie in Gegenwart An⸗ drer allzeit mit entſchiedener Aufmerkſamkeit be⸗ handelte, und ihr keine Veranlaſſung gab, eine Veraͤnderung in ſeinen teſtamentariſchen Verfuͤ⸗ gungen zu befuͤrchten. Als die Auseinanderſe⸗ tzung wegen der bevorſtehenden Heirathen beſpro⸗ chen wurde, ſchien er Mrs. Beaumont in allen ihren Berathſchlagungen vorzuͤglich zu beruͤckſich⸗ tigen, fragte ſie um ihre Meinung, und hatte immer ein hoͤchſt wachſames Auge aufnihren Vor⸗ theil. Sie bemerkte dies mit Wohlgefallen; die Aeußerungen erhoͤhter Ruͤckſicht von Sohn und Tochter waren ihr angenehm, weil ſie glaubte, ſe wurden ihre daß ihte Heira Walt gut ge wunſchte ſie, nehm ſchein derſelben war So ſtand Morgens von der Hand, ii „O me rief ſie, und witklich ſo in Herr Pal ſtore. Sien ich wuͤnſchte Ihre Blick derum, den ſchien unert ſeyn; doch zut als es ſein iſt.” er That nicht auf die wahre ichtig ſie auch ung war. Sie Gegenwart An⸗ nerkſamkeit be⸗ ſung gab, eine nriſchen Verfü⸗ Auseinanderſe⸗ rathen beſpro⸗ mont in allen zu berückſich⸗ ng, und hatkte auf ihren Vot⸗ hlgefalen; di V pon Sohn und ſeil ſe glaub 411 ſie wuͤrden ihre Plane erleichtern. Sie wuͤnſchte, daß ihre Heirath mit Sir John Hunter von der Welt gut geheißen werden moͤgte; deswegen wuͤnſchte ſie, daß ſie ihrer ganzen Familie ange⸗ nehm ſcheine; denn die wahre Geſinnung derſelben war ihr gleichguͤltig. So ſtanden die Sachen, als ſie ſich eines Morgens von Herrn Palmer mit einem Briefe in der Hand, in tiefen Gedanken uͤberraſchen ließ. „O, mein lieber Herr Palmer, ſind Sie's?“ rief ſie, und fuhr faſt natüͤrlich auf.„Ich war wirklich ſo in Gedanken.“ Herr Palmer ſagte, er hoffe, daß er ſie nicht ſtore.„Sie mich ſtoͤren? Nein, mein guter Freund, ich wuͤnſchte aber mit Ihnen zu Rath zu gehen.“ Ihre Blicke uͤberliefen den Brief wieder und wie⸗ derum, den ſie in der Hand hielt, aber Palmer ſchien unertraͤglich von aller Reugier entbloͤßt zu ſeyn; doch nahm er einen Stuhl, zog ſeine Ta⸗ —y——— 412 backstoſe vor, und mit hoͤflicher, wiewohl kalter Art, ſagte er, ſie thaͤte ihm viel Ehre, ſich mit ihm berathen zu wollen, aber ſein Urtheil ſei ei⸗ ner Frau von Ihrem Verſtande gewiß ganz ent⸗ behrlich. „Ah,“ ſagte ſie,„es giebt Faͤlle, wo der Verſtand uns Frauen zu nichts hilft, im Gegen⸗ theil wohl ſchadet.“ Herr Palmer widerſprach ihr hierin eben ſo wenig, als er ihr beiſtimmte, ſondern er erwar⸗ tete, indem er im Begriff war, eine Priſe Schnupftaback zu nehmen, daß ſie dieſe Faͤlle ſpe⸗ cificiren werde. „In Liebesangelegenheiten zum Beiſpiel. Wir armen Frauen,“ ſagte Mrs. Beaumont, und blickte ſittiglich vor ſich hin; aber Herr Palmer kam ihrem verſchaͤmten Stocken nicht zu Huͤlfe, und ſie ſah ſich genoͤthigt, ihre angefangene Phraſe zu vollenden, oder eine neue anzuheben, von an⸗ drer Conſtrukti ſicſten, ſie be khigeren Ton; Sit John Hu Herr Paln mit der ſtandh men Horets; weder durch noch durch e ſicht; gerade Beaumont, Weſen, aber neuen Ton Freund, dies einigermaßen mit Ihnen; die leben, den Schtitt Beiſall; un wiewohl kalter Ehre, ſch mit Urtheil ſei ti⸗ ſewiß ganz ent⸗ Fälle, wo der lft, im Gegen⸗ hierin eben ſo nern er erwar⸗ e, eine Priſe dieſe Falle ſye⸗ Beiſpiel. Wir aumont, und Herr Palmer nich zu Huͤlfe fangene Phraſe hben, von an⸗ 413 drer Conſtruktion. Dies Letztere ſchien am raͤth⸗ lichſten, ſie begann aus einem andern, freimuͤ⸗ thigeren Ton;„hier iſt ein Brief von dem armen Sir John Hunter.“ Herr Palmer ſaß immerwaͤhrend vorgebeugt mit der ſtandhaft behaupteten Miene eines achtſa⸗ men Hoͤrers; doch erleichterte er ihre Mittheilung weder durch einen Blick herab auf den Brief, noch durch einen aufwaͤrts zu der Dame Ange⸗ ſicht; gerade vor ſich hin blickte er, bis Mrs. Beaumont, faſt ungeduldig uͤber ſein tropfhaftes Weſen, abermals anhub, und wieder in einem neuen Ton ſagte:„Aufrichtig, mein lieber Freund, dies iſt ein Gegenſtand, uͤber welchen ich einigermaßen in Verlegenheit und in Furcht bin, mit Ihnen zu ſprechen; denn von allen Menſchen, die leben, wuͤnſchte ich mir, bei jedem bedeuten⸗ den Schritt meines Lebens, vorzuͤglich Ihren Beifall; und doch fuͤrchte ich im gegenwaͤrtigen ——-—— 1 1 — 414 Fall; und auch Sir John Hunter, fuͤrchtet, daß Sie die Verbindung nicht billigen werden.“ Sie hielt hier von neuem inne, um gefragt zu werden, was fuͤr eine Verbindung? Allein ihres Zuhdrers unbeſiegbares Schweigen noͤthigte ſie, ihre eigene Sache ſelbſt durchzutreiben; und ſie fuhr demnach fort:„Sie muͤſſen wiſſen, lieber Herr, daß Sir John Hunter, wie es ſcheint, unbezwinglich auf eine Verbindung mit meiner Fa⸗ milie verſeſſen iſt, denn nachdem die Tochter ihn abgewieſen hat, haͤlt er um die Mutter an.“ „So,“ ſagte Palmer, ſich verbeugend. „Ich haͤtte geglaubt, Sie wuͤrden erſtaunter ſeyn,“ ſagte Mrs. Beaumont.„Es freut mich, daß der erſte Laut von dieſer Sache Sie nicht, wie ich befuͤrchtete, aufſchreckt oder empoͤrt.“ „Aufgeſchreckt konnte ich hierdurch nicht wer⸗ den,“ ſagte Palmer,„denn ich bin ſeit einiger Zeit hierauf vorbereitet.“ „Iſt es m gegen Sie eume body?“ „Der Ka⸗ mit einem pli „Glauben Si⸗ daran, wit d ſprechen. Je Leute zu hor „Er kon „Nein, wagt zu mir wie ich bin, die Treppe he mir Heimlich „Ehren fuhren Sie „Ich zuſchaut, ſ fürchtt, daß werden.” um gefragt zu 92 Allin ihres en noͤthigte ſi heiben; und ſie n wiſſen, lieber wie es ſcheint mit meiner Fa⸗ die Tochter ihn Rutter an.“ erbeugend. irden erſtaunter Es ſteut mich ache Sie nicht er emport.“ zurch nicht wer⸗ bin ſeit einiget „Iſt es moͤglich? Wer kann etwas davon gegen Sie erwaͤhnt haben? der Kapitain Light⸗ body?“ „Der Kapitain Lightbody?“ rief Palmer, mit einem ploͤtzlichen Ausbruch des Unwillens. „Glauben Sie mir, Madam, ich denke nicht daran, mit dieſem von Ihren Angelegenheiten zu ſprechen. Ich bin nicht gewohnt, auf dergleichen Leute zu hoͤren.“ „Er koͤnnte dennoch geſprochen haben.“ „Nein, Madam, nein; er haͤtte nicht ge⸗ wagt zu mir von dergleichen zu ſprechen. Alt, wie ich bin, denk' ich, ich wuͤrde einen Menſchen die Treppe herunter werfen, der ſich unterſtuͤnde, mir Heimlichkeiten zutragen zu wollen.“ „Ehrenwerth, ſehr ehrenwerth! aber wie er⸗ fuhren Sie denn die Sache, lieber Herr?“ „Ich ſah ſie. Sie wiſſen, Madam, wer zuſchaut, ſieht allzeit mehr als die Spieler.“ 416 „Und glauben Sie, daß mein Sohn und meine Tochter und der Kapitain Walſingham es auch ſchon wiſſen?“ „Ich denke nicht, da ſie keine Zuſchauer waren, und ſelbſt tief verſtrickt ſind.“ „Das iſt gut; denn ich wuͤnſchte vor allen Dingen zuvoͤrderſt Ihren Rath zu hoͤren, ehe ich der Sache gegen jene oder gegen ſonſt Je⸗ mand auf Erden erwaͤhnte. Da ich fuͤrchtete, ſie wuͤrde nicht Ihren Beifall haben, ſagte ich dies an Sir John, und habe ihm nur bedingterweiſe mein Jawort gegeben.“ „Wie jene irlaͤndiſche Dame,“ ſagte Herr Palmer lachend,„welche das ganze Eheritual mit ihrem Liebhaber durchmachte, und beim Schluß jeder Antwort immer ſagte: verſteht ſich, mit Bewilligung meines Vaters. Aber, Madam, ich bin zwar alt genug, Ihr Pater ſeyn zu koͤn⸗ nen; aber ſelbſt, wenn ich die Ehre haͤtte es zu ſeyn, ſen, konnen S kommen ſind, duͤrfen.” „Doch im tief ſie,„ich n gen Ihren Bei zu weiner eie ganze Sache: Palmer, fuͤrchtete, die ſtaͤndlich ware rem Richter, chen. Er ſtell nicht zu rechtf Rechtfertigune aber dabei, e Benehmens! Palmer, da nieder zu f II. nein Sohn und Walſinghom es keine Zuſchauer nd.“ nſchte vor allen zu haͤten, ehe gegen ſonſt Re⸗ ich fuͤrchtete, ſi ſagte ich dies ar bedingterweiſe e,“ ſagke hert anze Eheritual tte, und beim e vetſteht ſich, Aber, Madam, te ſcn zu byn khre hatt es zu ſeyn, 417 ſeyn, koͤnnen Sie, da Sie zu reifen Jahren ge⸗ kommen ſind, meiner Einwilligung nicht be⸗ duͤrfen.”“* „Doch im Ernſt! mein trefflicher Freund,“ rief ſie,„ich waͤre nicht gluͤcklich, wenn ich ge⸗ gen Ihren Beifall heirathete. Laſſen Sie mich, zu meiner eigenen Rechtfertigung, Ihnen die ganze Sache vorſtellen.“ . Palmer, der eine ihrer langen Erklärungen fuͤrchtete, die, wie er wußte, ihm ganz unver⸗ ſaͤndlich waren, beſchwor ſie, ihn nicht zu ih⸗ rem Richter, wozu er ſich nicht ſchicke, zu ma⸗ chen. Er ſtellte ihr vor, daß ſie ſich vor ihm nicht zu rechtfertigen brauche, und daß eine ſolche Rechtfertigung zu nichts dienen koͤnne. Sie blieb aber dabei, eine ſentimentale Vertheidigung ihres Benehmens darzulegen. Sie verſicherte Herrn Palmer, daß ſie entſchloſſen geweſen ſei, nie wieder zu heirathen; daß ihre unverbruͤchliche II. Dd 4¹⁸ Achtung gegen das Andenken ihres lieben Ober⸗ ſten Beaumont ſie manches Jahr bei dieſem Entſchluß erhalten, daß ſie zunaͤchſt nur aus An⸗ trieben der Großmuth und Delikateſſe Sir Johns Bewerbung angehoͤrt habe, und daß ſie ſich jeht mit dem ſtolzen Bewußtſeyn ſtaͤrke, ſo zu han⸗ deln, wie ihr lieber Obriſt Beaumont ſelbſt, wenn er die Umſtaͤnde wuͤßte und ihr Herz ſehen koͤnn⸗ te, es billigen wuͤrde. Bei dieſen Worten ſchwebte ein Lächeln uͤber Palmers Angeſicht; allein das Laͤcheln ſchwand ſchnell hinweg, und ihm folgte ein Thraͤnenſtrom, den er ſchnell abtrocknete, doch nicht ſo ſchnell, daß er nicht Mrs. Beaumont erinnert haͤtte, ihr Schnupftuch vors Geſicht zu breiten. „Vielleicht,“ nahm ſie nach einer anſtaͤndi⸗ gen Pauſe wieder das Wort,„vielleicht thut ich, bei der beſten Abſicht, Unrecht. Es ſind manche Leute der Meinung, Wittwen muͤßten ſch unter keine und viellicht i tbenfalls.“ „Nein, k „noch war es hat mir oftm daß er wuͤnſch Hinſcheiden m nach ſeinem Ich wuͤnſche machen und! ten Palmerg ge; und als ſettigungsgru⸗ nen Rath den Worten hhuͤen beſſer, chen; denn; ſicche Wit hres litben Ober⸗ Jahr bei dießm ichſt nur aus An⸗ fateſſe Sit Jahns daß ſie ſch jäht tle, ſo zu han⸗ mont ſelbſt, wenn. Herz ſehen konn⸗ ein Lächeln uͤber Lächeln ſchwand ein Thräͤnenſttom, nicht ſo ſchnell, annett hatte, ihr eiten. h einet anſäͤndi „vieleicht thue nrecht. Es ſid Wiltwen muͤßten 4¹9 ſich unter keiner Bedingung wieder verheirathen, und vielleicht iſt dies Herrn Palmers Meinung ebenfalls.“ „Nein, keinesweges,“ ſagte Herr Palmer, „noch war es die, des Obriſten Beaumont. Er hat mir oftmals in ſeinen Briefen geſchrieben, daß er wuͤnſchte, ſeine Frau moͤgte nach ſeinem Hinſcheiden wieder heirathen, und ſo gluͤcklich nach ſeinem Tode, als bei ſeinem Leben ſeyn. Ich wuͤnſche nur, daß Ihre Wahl Alles gut machen und rechtfertigen moͤge.“— Es ſchweb⸗ ten Palmer gewiſſe Worte Hamlets auf der Zun⸗ ge; und als Madam Beaumont zu neuen Recht⸗ fertigungsgruͤnden uͤberging, und ernſtlich auf ſei⸗ nen Rath drang, brach er die Unterredung mit den Worten ab:„Beim Jupiter! Frau, wir thaͤten beſſer, nicht mehr von der Sache zu ſpre⸗ chen; denn was kann aller maͤnnliche und weib⸗ liche Witz am Ende dazu ſagen, als daß Sie Dd 2 ———— 7 42²⁰ Luſt haben, Sir John Hunter zu heirathen, und daß Niemend in der Welt das Recht hat, etwas dawider einzuwenden. Sie haben wahrlich nicht Urſach, dabei Ruͤckſicht auf mich zu nehmen, und verſchwenden Ihre Beredſamkeit nur; denn ich bin weder ſo anmaßend, noch ſo unvernuͤnf⸗ tig, mich zum Richter Ihrer Handlungen aufwer⸗ fen zu wollen. Sie erzeigen mir Ehre, mich zum Rath zu fragen; allein, da Sie bereits meine Meinung von dem Herrn kennen, ſo muß ich mich entſchuldigen, noch etwas weiteres uͤber dieſen Gegenſtand zu ſagen.“ „Mrs. Beaumont blieb in peinlicher Unge⸗ wißheit uͤber die Hauptſache, ob Palmer ſein Teſtament umaͤndern wuͤrde oder nicht. Da ſie aber entſchloſſen war, die Heirath zu vollziehn, ſo legte ſie die Erklaͤrung deſſelben, er habe kein— Recht, ihre Neigung zu hindern, ſich zu Gun⸗ ſten aus, und ſagte Sir John, Herr Palmer waͤre vollkommen habe in der That ihorigten Jweifeln digt, daß der 9 vettrauten grife ausgedruckt habe, heirathen. So weit war te die Sache auch Tochter kommen. moͤgte dieſes delike aber er lehnte es! „Woßrlich, ohne Schwierigke Ihrer Tochtet vo mein Lebtage bem iſt, wenn man ihn den Andern et indeſen, wieſich en, und t, etwas lich nicht nehmen, ur; denn vernuͤnf⸗ aufwer⸗ te, mich te bereits ſo muß eres uͤber et Unge⸗ mer ſein Da ſie volziehn, habe kein zu Gun⸗ Palmer 421 waͤre vollkommen mit der Sache zufrieden, und habe in der That ihr Gemuͤth noch von einigen thoͤrigten Zweifeln durch die Verſicherung erle⸗ digt, daß der Oberſt Beaumont oft in ſeinen vertrauten Briefen ganz eigentlich den Wunſch ausgedruͤckt habe, ſeine Wittwe moͤgte wieder heirathen. So weit war nun Alles gut; aber nun muß⸗ te die Sache auch vor ihren Sohn und vor ihre Tochter kommen. Sie bat Herrn Palmer, er moͤgte dieſes delikate Geſchaͤft fuͤr ſie uͤbernehmen; aber er lehnte es mit freimuͤthiger Einfachheit ab. „Wahrlich, Frau,“ ſagte er,„Sie koͤnnen ohne Schwierigkeit mit Ihrem Sohne und mit Ihrer Tochter von der Sache reden; ich habe mein Lebtage bemerkt, daß es immer beleidigend iſt, wenn man den Einen abſchickt, um durch ihn den Andern etwas wiſſen zu laſſen. Ich will indeſſen, wie ich mich gern beſcheide, Ihr Beneh⸗ 4²² 7 men durch dieſe Bemerkung gar nicht tadeln; ich gebe ſie nur als Urſache an, warum ich das Ge⸗ ſchaͤft ablehne, mit welchem Sie mich beehren wollten.“ 4 Alſo genoͤthigt, ſelbſt mit Sohn und Tochter zu ſprechen, eroͤffnete die Dame ihnen die Ange⸗ legenheit mit eben ſo viel Delikateſſe und Gewand⸗ heit, als ſie gegen Herrn Palmer gebraucht hatte. Groß war das Erſtaunen beider; denn ſie hatten nicht die entfernteſte Vermuthung von dieſer Sa⸗ che gehabt. Das Reſultat einer langwierigen dreiſtuͤndigen Unterredung befriedigte ſie indeſſen vollkommen, obgleich es einer Frau, die minder auf einen Grafentitel, ein Etabliſſement, und die Wigramſchen Guͤter verſeſſen geweſen waͤre, oder meht Gefuͤhl gehabt haͤtte, hoͤchſt demuͤthi⸗ gend und peinlich haͤtte fallen muͤſſen. Wie tief ſie in der Achtung ihrer Kinder und Freunde ſänke, galt ihr vethaͤltnißmaͤßig wenig, wenn ſie nur die Meinung Während ihre Kind rath ſo ſchämten/ ſalbſt einander verh ger Ehrabbietung d ſeht gaig ware, n ſprechen, da ſie u nach Gefallen zu Ieht ſchtieb⸗ an den ausgebreite Bekannten, um d den und zur Feie nete an, daß dieſed zogen werden ſollt ihret gewohnlich brachte am Ende langen nach einer Glanz und Prut auf ihre Erfahte 1 deln; ich das Ge⸗ beehren d Tochter die Ange⸗ Gewand⸗ icht hatte. ſie hatten ieſet Sa⸗ gwietigen ſe indeſſen ie minder nt, und ſen waͤr, demͤthi Wie tief Fteunde „wenn ſi 423 nur die Meinung der Welt fuͤr ſich behielt. Waͤhrend ihre Kinder ſich ihrer vorhabenden Hei⸗ rath ſo ſchaͤmten, daß ſie ihre Meinung daruͤber ſelbſt einander verhehlten, kamen ſie mit ſchuldi⸗ ger Ehrerbietung darin uͤberein, daß die Mutter ſehr guͤtig waͤre, mit ihnen wegen der Sache zu ſprechen, da ſie unbedingt das Recht habe, ſich nach Gefallen zu verheirathen. Jetzt ſchrieb Mrs. Beaumont zahlloſe Briefe an den ausgebreiteten Kreis ihrer Connexionen und Bekannten, um die bevorſtehende Hochzeit zu mel⸗ den, und zur Feier derſelben einzuladen. Sie ord⸗ nete an, daß dieſe drei Hochzeiten auf einen Tag voll⸗ zogen werden ſollten. Dieſen Punkt ſetzte ſie mit ihrer gewoͤhnlichen Geſchicklichkeit durch, und brachte am Ende alle Partheien dahin, ihr Ver⸗ langen nach einer ſtillen Hochzeitfeier ihrer Liebe fuͤr Glanz und Prunk aufzuopfern. Da ſie ſich etwas auf ihre Erfahrenheit in Geſchaͤften zu gute that, — 424 4 und die hochſte Weisheit in Schlauheit ſetzte, ſah ſie die Acten ihres Rechtsconſulenten genau durch, ſchlug manche feine Clauſel vor, und verdiente ſich von ihrem Anwald das Lob einer ſehr gewandten Frau. Seinerſeits ließ es Sir John auch nicht an Aufmerkſamkeit auf ſeinen Vortheil ermangeln. Niemals wurde in dieſer Ruͤckſicht ein Paar beſſer verheirathet, niemals waren zwei Leute ſo bang, von einander uͤberliſtet zu werden. Bei alledem trieb Sir John das Geſchaͤft mit einem Eifer, der Jedermann in Erſtaunen ſetzte. Mrs. Beau⸗ mont ſah ihren Contract abermals vorſichtig durch, um ſorgfaͤltig zu erforſchen, ob ſich etwa irgend eine verdaͤchtige Urſach der Ungeduld ihres Lieb⸗ habers entdecken ließe; aber da ſie nichts derglei⸗ chen entdeckte, ſo fuͤgte am Ende ihre Selbſtliebe ſich der Meinung, Sir Johns Eifer ſei der Ei⸗ fer wahrer Liebe. Livreen, Equipagen, Brillan⸗ ten, Brautkleider, alles war jetzt zur vollkom⸗ menen Zuftidde hochzeittag kar ten Bekannten diſſen Feier zu als von den; Hirath mit war ſo voll r chem Weſen, ſie faſt vergaß thet werden ſ und ihrer Toch und in der daß ſie derſel welche an de untergeordnes Perſonen vol nahme und: igen ſuchte. Beaumonts heit ſßte, ſah genau durch, dverdiente ſcch ſehr gewandten auch nicht an il ermangeln. un Pagr beſſer keute ſo bang, Bei aleedem einem Eifer, Mrs. Beau⸗ orſichtig durch, hetwa irgend id ihres Lieb⸗ nichts derglei⸗ hre Selbſtliebe er ſei der Ei⸗ gen, Brillan⸗ zut vollkom⸗ menen Zufriedenheit der Dame gekauft, und der Hochzeittag kam heran. Die reichen und elegan⸗ ten Bekannten der Mrs. Beaumont verſprachen deſſen Feier zu zieren; man ſprach von Nichts als von den Zuruͤſtungen zu Mrs. Beaumonts Heirath mit Sir John Hunter; und ſie ſelbſt war ſo voll von Geſchaͤftigkeit, Treiben, heimli⸗ chem Weſen, Sentiments und Eitelkeiten, daß ſie faſt vergaß, daß zugleich noch Andere verheira⸗ thet werden ſollten. Die Hochzeiten ihres Sohnes und ihrer Tochter ſchienen ſich ſo gaͤnzlich im Glanz und in der Wichtigkeit der ihrigen zu verlieren, daß ſie derſelben hoͤchſtens als Ereigniſſe gedachte, welche an demſelben Tage geſchehen ſollten, als untergeordnete Handlungen, welche untergeordnete Perſonen vollziehen ſollten, indeß ſie allein die Theil⸗ nahme und den Beifall des Publikums zu beſchaͤf⸗ tigen ſuchte. Miß Hunter war mittlerweile zu Mrs. Beaumonts und ihrer eignen Zufriedenheit beſchaͤf⸗ / 426 tigt, der Verfertigung des Brautſtaats vorzuſtehn, und den allereleganteſten Anzug, den man erſinnen mogte, fuͤr ſich ſelbſt als Brautjungfer zu berei⸗ ten. Dann und wann unterbrach ſie dieſe Ge⸗ ſchaͤfte mit Seufzern und niedlicher ſentimentaler Verzweiflung; allein Mrs. Beaumont war uͤber⸗ zeugt, daß ein neuer Liebhaber ihr ſchnell dieſen Gram vergeſſen machen wuͤrde. Dem Neffen ward geſchrieben, er ward eingeladen, einige Zeit bei ſeiner Tante unmittelbar nach deren Vermaͤh⸗ lung zuzubringen; denn dieſe hatte nun beſchloſ⸗ ſen, Miß Hunter ſollte ihre Nichte werden, da ſie nicht ihre Tochter ſeyn konnte. Die Neben⸗ intrigue beſchaͤftigte unſre Heldin ſehr, ohne je⸗ doch der Hauptangelegenheit ihrer eignen Heirath Eintrag zu thun. Der Tag, der lang erwartete Tag, der alle ihre Hoffnungen kroͤnen ſollte, kam endlich heran. Sech Die folgende Tages, iſt ohn eſeen nicht un der Feder des Beaumont eit E „Am geſ von Hunters vortreffliche; park zum Al wurden gleich Miß Wal Walſinghan Miß Beaul ham von d nats vorzuſtehn, en man erſinnen nafer zu berei⸗ h ſie dieſe Ge⸗ rſentimentaler nont war uͤber⸗ t ſchnell dieſen Dem Neffen een, einige Zeit deren Vermäͤh⸗ enun beſchloſ⸗ zte werden, da Die Neben⸗ ſehr ohne je⸗ lignen Heirath lang erwarttte en ſollte, kam 427 Sechzehntes Kapitel. — Die folgende Nachricht, aus der Zeitung dieſes Tages, iſt ohne Zweifel einer großen Anzahl von Leſern nicht unangenehm; man glaubt, ſie ſei aus der Feder des Herrn Wigg's gefloſſen, dem Mrs. Beaumont eine Leibrente geſchenkt hatte. Elegante Hochzeiten. „Am geſtrigen Tage fuͤhrte Sir John Hunter von Huntershall, Devonſhiriſcher Baron, die vortreffliche Wittwe Beaumont von Beaumont⸗ park zum Altar des Hymen. An demſelben Tage wurden gleichfalls vermaͤhlt, Herr Beaumont mit Miß Walſingham, der Tochter von Eduard Walſingham Esq., von Walſinghamhaus; und Miß Beaumont, mit dem Kapitain Walſing⸗ ham von der Flotte, einem nahen Verwandten 4²2⁸ von Eduard Walſingham Esg., von Walſing⸗ hamhaus. Ein uͤberſchwaͤnglicher Zuſammenfluß von Schoͤnheit, Adel und Eleganz, der alle die Ver⸗ wandten, Connexionen, vertrauten Freunde, und beſonderen Bekannten der intereſſanten und allge⸗ mein geliebten Mrs. Beaumont umgab, zierte dieſe Hochzeiten in der Beaumontſchen Familie. Der Zug reichte vom Hauſe bis an das ſuͤdliche Gitterthor des Parks, uͤber eine Strecke von drei⸗ viertel Meilen. Mrs. Beaumont und ihre Toch⸗ ter, zwei liebenswuͤrdige Braͤute in einem praͤchti⸗ gen Landau, waren auf das eleganteſte, anſtaͤn⸗ digſte, modernſte und praͤchtigſte gekleidet. Ihre Tracht beſtand aus dem feinſten Gewebe uͤber weißem Atlas. Mrs. Beaumonts Kleid war von Points, und ſie zeichnete ſich auch durch ei⸗ nen langen Schleier von der auserleſenſten Ar⸗ beit aus, der den Glanz dieſer mittaͤglichen Sonne anmuthig lindert nen die lieblich in Weiß gekleid beſonders die2 Wahl ihrer Kl ſtand aus zarter die zauberiſchen das vortheilha⸗ ſchmuͤckt mit! ſten, jede Beu Die dritte war Miß Wa ihren Bmutjun page folgte. Walſingham ſten Erzeugni ſen, allein de ſaß, konnten uͤberſchauen, von Walſing. menfluß von talle die Ver⸗ Freunde, und ten und alge⸗ umgab, zierke ſchen Familie. n das ſuͤliche trecke von drei⸗ und ihre Toch⸗ einem rrichi⸗ keſte, anſtaͤn⸗ leidet. Ihre Gewebe uͤber s Kleid war zuch durch ei⸗ rleſenſten Ar⸗ glichn Gonnt 429 anmuthig linderte. In demſelben Landau erſchie⸗ nen die lieblichen Brautjungfern, natuͤrlich alle in Weiß gekleidet, unter ihnen zog Miß Hunter beſonders die Aufmerkſamkeit durch die gluͤckliche Wahl ihrer Kleidung an. Ihre Drapperie be⸗ ſtand aus zartem Gewebe, eignete ſich wunderſam die zauberiſchen Umriſſe ihrer eleganten Figur auf das vortheilhafteſte darzuthun, und zeichnete, ge⸗ ſchmuͤckt mit weißen ſeidenen Frangen und Qua⸗ ſten, jede Bewegung ihrer Sylphidengeſtalt. Die dritte Braut an dieſem ominoͤſen Tage war Miß Walſingham, die mit ihrem Vater und ihren Brautjungfern in Herrn Walſinghams Equi⸗ page folgte. Wir haben erfahren, daß Miß Walſingham mit einfacher Eleganz in dem fein⸗ ſten Erzeugniß indiſchen Gewebes gekleidet gewe⸗ ſen, allein da ſie in einem zugemachten Wagen ſaß, konnten wir das Ganze ihres Anzugs nicht uͤberſchauen. Naͤchſt hinter den Braͤuten folgten —— — 43⁰ die Braͤutigame. Von dieſen prangte Sir John Hunter mit einer praͤchtigen Barouche. Er war nach dem vornehmſten Ton gekleidet, und ſeine Pferde verdienten beſondere Bewunderung. Hin⸗ ter Sir Johns Barouche kam die Equipage des jungen Beaumont, hoͤchſt vollendet aber einfach. In derſelben befanden ſich die beiden andern Braͤu⸗ tigame nebſt Herrn Palmer(dem großen Weſtin⸗ dier Palmer) der, wie wir merken, ein vertrau⸗ ter Freund und naher Verwandter der Beau⸗ montſchen Familie iſt. Darauf folgten, wie un⸗ ſer Correſpondent gezaͤhlt hat, uͤber hundert aus⸗ gezeichnete Equipagen, nebſt einer ungeheuern Kavalkade von Edelleuten. Eine lange Reihe von Bedienten beſchloß den Zug. Sobald die Gitter des Parks aufgethan wurden, begannen Gruppen junger Maͤdchen von den Beaumontſchen Inſaſ⸗ ſen, in Weiß gekleidet und geſchmuͤckt, mit Band⸗ ſchleifen und emblematiſchen, zu der Veranlaſſung in den Huͤnden Brauten, beſo Mrs. Beaumo⸗ Es ſucht umſo Poch halten Der Schn auf dem Kirch hatte, war ſo liebtheit der li genehme Art genſtande ſeit augenſcheinlic die fteundliche Hüͤlle ihres moͤgte, der Schau zu ſt Juge Raum die liebensn ngte Sir John zuche. Er wan idet, und ſeine nderung. Hin⸗ Eduipage des taber einfach. n andetn Bräͤu⸗ großen Weſtin⸗ en, ein vertrau⸗ ker der Beau⸗ olgten, wie un⸗ er hundert aus⸗ ter ungeßeuern nge Reihe von bald die Gitter annen Gruppen ontſchen Nſoſ ickt, mit Band⸗ er Veranlaſſung 431 paſſenden Deviſen, aus Blumenkoͤrben, die ſie in den Haͤnden trugen, Blumenopfer vor den Braͤuten, beſonders vor dem Landau, worin Mrrs. Beaumont ſaß, auszuſtreuen. Es ſucht umſonſt die Braut des Prieſters Blick: Noch halten Roſ und Myrthen ſie zuruͤck. Der Schwarm, der ſich waͤhrend des Zuges auf dem Kirchhofe und in der Kirche verſammelt hatte, war ſo groß, daß er, ob er gleich die Be⸗ liebtheit der liebenswuͤrdigen Paare auf eine an⸗ genehme Art bewies, doch endlich dem Hauptge⸗ genſtande ſeines Zurufs, der Mrs. Beaumont augenſcheinlich druͤckend wurde; weil dieſe, ohne die freundliche und anſtaͤndige, doch uns quaͤlende Huͤlle ihres Schleiers, nicht ausgehalten haben moͤgte, der oͤffentlichen Bewunderung ſo zur Schau zu ſtehen. Polizeibediente mußten dem Zuge Raum bis an die Kirchthuͤr ſchaffen, und die liebenswuͤrdige, halb ohnmaͤchtige Dame à 43² blicben zu Beaun Walſingham gin Ein beſonder gluͤcklichen Braͤutigam, Sir John Hunter, geho⸗ uühmüich van theilter Umſtand ſcchs nachher ent lints uͤbergewor⸗ iſt. Db dieſes hedeutend ſey, wurde aus den Armen ihrer beſorgten und erſchrok⸗ kenen Brautjungfern mit der ausgezeichnetſten Auf⸗ merkſamkeit und wahrer Zaͤrtlichkeit von ihrem ben, und in die Kirche und vor den Altar gefuͤhrt. Nachdem die Ceremonie voruͤber war, kehrten Sir John und Lady Hunter und die beiden an— dern neuverheiratheten Paare im Geleit ihrer Freun⸗ de nach Beaumontpark zuruͤck, wo die Geſellſchaft mit einer eleganten Collation bedient wurde. Die ſoviel moͤgen n ungekuͤnſtelte Grazie und die bezaubernde Freund⸗ 1 nais eine in 3 lichkeit der Lady Hunter gewann alle Herzen, und natt Frnn unte der Witz und die feſtliche Laune und Hoͤflichkeit Heinathet worde Sir Johns zog ihm die allgemeine Bewunde⸗ Hunter. Und e rung, um nicht zu ſagen den allgemeinen Neid Dame ſch beſ aller Anweſenden, zu. Sogleich nach der Colla— was nach dem tion begab ſich das gluͤckliche Paar nach ſeinem hald ſein mitd Gute Huntershall. Syitze der gro 6 Herr Beaumont und die neue Mrs. Beaumont Alſo ſchlie blie⸗ I. ten und erſchtok⸗ beichnetſten Auf⸗ Rkeit von ihrem Hunter, geho⸗ Altar geführt er war, kehrten die beiden an⸗ lleit ihter Freun⸗ die Geſellſchaft nt wurde. Dit ubernde Freund⸗ le Herzen, un und Hofſihkit ine Bewunde⸗ gemeinen Neid nach der Colla⸗ ar nach ſeinem Ars. Beaumont blie⸗ 433 blieben zu Beaumontpark, der Kapitain und Miß Walſingham gingen zu Herrn Walſingham. Ein beſonderer, uns aus zuverlaͤſſiger Quelle, nehmlich von einer der Brautjungfern, mitge⸗ theilter Umſtand iſt, daß Miß Walſingham, wie ſichs nachher entdeckt hat, wirklich ihr Oberkleid links uͤbergeworfen hatte und ſo getraut worden iſt. Ob dieſes Vorzeichen allen Paaren Gluͤck bedeutend ſey, koͤnnen wir nicht entſcheiden; doch ſoviel moͤgen wir mit Gewißheit ſagen, daß nie⸗ mals eine in den Annalen der Mode ausgezeich⸗ nete Frau unter gluͤcklicheren Vorbedeutungen ver⸗ heirathet worden iſt, als die liebenswuͤrdige Lady Hunter. Und es iſt allgemein anerkannt, daß keine Dame ſich beſſer eignet, als ſie, das zu ſein, was nach dem natuͤrlichen Lauf der Dinge ſie bald ſein wird, Graͤfin Puckeridge, und an der Spitze der großen Wigramſchen Guͤter zu ſtehen. Alſo ſchließt der Zeitungsſchreiber. 8 II. Ee 334 Wahrſcheinlich aber wurde dieſer Artikel ein⸗ geſandt, ehe die eleganten Hochzeiten wirklich voll⸗ zogen waren; denn nur dies erklaͤrt einigermaßen die ſonderbare Mangelhaftigkeit des Berichtes. Nach Vollziehung der drei Trauungen und der Beendigung der Ceremonie bemerkte Lady Hun⸗ ter, welche daſtand, und die Gluͤckwuͤnſche des eleganten Zuſammenfluſſes erwartete, daß der Geiſtliche ſtatt das Buch zuzumachen, es offen vot ſich hielt, als ob er noch eine Trauung voll⸗ ziehen wollte. Mrs. Beaumont, Lady Hunter ſollten wir ſagen, knixte, laͤchelte und machte ihm ein Zeichen, die Ceremonie ſei vorbei: doch in demſelben Augenblick bemerkte ſie zu ihrem aͤußer⸗ ſten Erſtaunen, daß ihre Brautjungfer, Miß Hunter, ihre Stelle verließ, und daß der Kapitain Lightbody die Hand derſelben ergriff, und ſie auf Lady Hunter draͤngte ſich durch den Kreis, der ihr Gluͤck wuͤnſchte, erreichte den Altar zu fuͤhrte. Miß Hunter, „ſind Sie raſen Gelgenheit, i Sie?“ Ich heirath den gutem Bei Brautzungfer, ruͤckhaltenden wurde vielmeh geriſen, ohne Anzug bekam „Kapitain doch nur mit antwortete der vorüber. „Gott!; rief Lady Hul Attars wieden 1 Herr, ſer Artikel ein⸗ wirklch val it einigermaßen des Berichtes. ungen und der te Lady Hun⸗ ucwüͤnſche des artete, daß der acchen, es offen Trauung volle „Lady Hunter und machte ihm orhei: doch in u ihrem aͤußer⸗ tzuunger, Miß aß der Kapitain iff, und ſſe auf ter dringte ſch nſchte, errächte 435⁵ Miß Hunter, riß ſie kraͤftig zurůck und fluͤſterte⸗ „ſind Sie raſend, Miß Hunter? Iſt dies eine Gelegenheit, ein Ort zum Scherz? Was machen Sie?“ Ich heirathe, Madam, ich folge Euer Gna⸗ den gutem Beiſpiel, antwortete ſchnippiſch ihre Brautzungfer, ſprang fort, entzog ſich dem zu⸗ ruͤckhaltenden Griff derſelben, riß ſich los, oder wurde vielmehr vom Kapitain hin zu dem Altare geriſſen, ohne des Loches, welches dabei ihr feiner Anzug bekam, zu achten. „Kapitain Lightbody!“ rief Lady Hunter; doch nur mit einer triumphirenden Verbeugung antwortete der Kapitain und fuͤhrte ſeine Braut voruͤber. „Gott! will Niemand ihn zuruͤck halten?“ rief Lady Hunter, die ſie jetzt an den Stufen des Altars wieder einholte und zum Geiſtlichen ſagte: „Herr, ſie iſt unmuͤndig, ſteht unter der Ee 2 436 Kanzlei, iſt unter meiner Obhut; ſie haben keine Erlaubniß; dies Paar iſt nicht aufgeboten; Sie koͤnnen, Sie duͤrfen daſſelbe wahrhaftig nicht trauen?“ „Um Verzeihung, Lady Hunter,“ ſagte Ka⸗ pitain Lightbody,„ich habe Herrn Twigg meine Erlaubniß gezeigt.“ „Ich habe ſie geſehen! Ich glaubte, die Sache geſchaͤhe mit Euer Gnaden Vorwiſſen. Ich kann dieſen Einſpruch nicht annehmen, es geſchaͤhe auf meine Gefahr. Wenn ein geſetzli⸗ ches Hinderniß obwaltet, haben Sie die Gnade, es bei der gehoͤrigen Frage anzubringen.“ Ein Freund des Kapitain Lightbody ſchien bereit, die Braut zu uͤbergeben. Die Trauung muß vor ſich gehen,“ ſagte der Geiſtliche. „Auf Ihre Gefahr, Herr!“ antwortete Lady Hunter. Duß Kanzlei, und „Ich bin nat,“ ſchrie d „Nein, er „Seit vor Kitchenbuche „Wollen Sie „Guter ſich zum Gege ſehens mache laſſen Sie mi beſchwore Sie Nein, di ſchloſſen, ein „Wenn ſo haben Iht der gehorigen ſie haben keint lfgeboten; Sie ahrhaftig nicht r,“ ſagte Ka⸗ Twigg meine h glaubte, die den Vorwiſſe. annehmen, es in ein geſetli⸗ Sie die Gnade, gen.“ ghibody ſchien en,“ ſagke det antwortete lady 437 Hunter. Dieſe junge Dame iſt ein Muͤndel der Kanzlei, und nicht muͤndig. „Ich bin muͤndig, muͤndig ſeit vorigem Mo⸗ nat,“ ſchrie die Braut. „Nein, erſt uͤbers Jahr!“ „Seit vorigem Monat; ich kann es aus dem Kirchenbuche beweiſen,“ ſagte Kapitain Lightbody. „Wollen Sie gefaͤlligſt beginnen.“ „Guter Gott! Miß Hunter, koͤnnen Sie ſich zum Gegenſtande eines ſo ungeziemenden Auf⸗ ſehens machen? Kommen Sie mit mir, und laſſen Sie mich Ihnen nur ein Wort ſagen, ich beſchwoͤre Sie!“ Nein, die junge Dame hielt Stand, feſt ent⸗ ſchloſſen, eine Braut zu ſeyn. „Wenn ein geſetzlliches Hinderniß obwaltet, ſo haben Ihro Gnaden die Gewogenheit, es bei der gehoͤrigen Frage kund zu machen,“ ſagte der 438 Kaplan,„ich ſehe mich genoͤthigt, die Trauung zu vollziehen.“ Die Ceremonie ging vor ſich. Lady Hunter zog ſich voll der aͤußerſten Entruͤſtung ſofort mit ihrem Braͤutigam in die Sakriſtey zuruͤck.„Es ſoll wenigſtens nicht geſagt ſeyn,“ rief ſie, und warf ſich auf einen Seſſel,„es ſoll nimmer⸗ mehr geſagt ſein, daß ich durch meine Gegen⸗ wart ſolche ſkandaleuſe Heirath gerechtfertigt habe! O“ Sir John Hunter, warum traten Sie nicht dazwiſchen, um ihre eigne Schweſter zu retten?“, „Sie zu retten? Wetter! ſie wollte ja nicht gerettet ſein, wer kann eine Frau retten, die es nicht will. Was ſollt ich thun? Iſt ſie nicht Euer Gnaden Zoͤgling? hi hi hi! Aber ich will den Racker ſogleich herausfordern, wenn Ihnen das Genugthuung giebt.“ „Und einen Prozeß wegen ihres Vermoͤgens häng ich ihm an, denn ſie iſt nicht muͤndig!“ tif Lady Hun in einem Taſ daß dieſes M Der Eint welche kamen bieten, unter glänzende V nigen Augen ſchen, theil Dingen bege Als Lad gen wollte, beſteglicher, Erlaubniß, Ladyh. zu antwort der Kapit kommt, ſo Mrs. die Trauung Lady Hunter ung ſofort mit zuruck.„Es rief ſſe, und z ſoll rimmer⸗ meine Gegen⸗ echtfertigt habe! traten Sie nicht ſter zu retten!“ wollte ja nicht tetten, die co Ii ſee nicht Aler ich wil 1, wenn Ihnen V res Vermgene nicht muͤndig!“ 439 rief Lady Hunter,„ich habe ein altes Datum in einem Taſchenbuch. O, wer haͤtte gedacht, daß dieſes Maͤdchen mich ſo anfuͤhren wuͤrde?“ Der Eintritt ihres Sohnes und ihrer Tochter, welche kamen, um allen moͤglichen Troſt darzu⸗ bieten, unterbrach Lady Hunters Ausruf. Die glaͤnzende Verſammlung ſteoͤmte ihnen nach we⸗ nigen Augenblicken nach, theils mit Gluͤckwuͤn⸗ ſchen, theils mit Beileidsbezeugungen, vor allen Dingen begierig, ihre Neugier zu befriedigen. Als Lady Hunter ſo eben in den Wagen ſtei⸗ gen wollte, kam der Kapitain Lightbody mit un⸗ beſieglicher Frechheit auf ſie zu, und bat ſie um Erlaubniß, ihr ſeine junge Frau vorzuſtellen. Lady Hunter kehrte ihm den Ruͤcken; ohne ihm zu antworten, ſagte ſie zu ihrem Sohne:„wenn der Kapitain Lightbody nach Beaumontpark kommt, ſo gehe ich nicht dorthin.“ Mes. Lightbody, die nicht noͤthig fand, Re⸗ 440 chenſchaft zu geben, und ſich uͤber das Schickliche hinwegſetzte, rief aus ihrem eignen Wagen, worin ſie ſaß,„ſie habe, Gott ſey Dank! ein eignes Haus, wohin ſie gehen koͤnne; und es komme ihr nichts weniger in den Sinn, als die Feier der reiferen Hochzeit von Lady Hunter zu ſtoͤren.“ Entzuͤckt uͤber dieſe ſchnippiſche Antwort, forderte ſie ihren Mann auf, er ſolle dem Kut⸗ ſcher befehlen, ſo ſchnell als moͤglich zu fahren. Der Kapitain hatte ihr auf ihr ausdruͤckliches Verlangen ein Haus zu Brighton miethen muͤſ⸗ ſen, dem luſtigſten Aufenthalt, den ſie ſich den⸗ ken konnte. Wir uͤberlaſſen dieſe allerliebſte Braut der Freude, eine Frau von Mrs. Beau⸗ monts Scharfſicht hintergangen zu haben, und ihrem Gemahl der viel groͤßeren uͤber das Kirchenbuch, welches ihm gerechte Hoffnung auf dasjenige gab, was er bei dem Beſitz ſeiner Frau fuͤr das Beſte an ihr hielt, nehmlich ihr Ver⸗ mögen. Denn gedrohten Prot Lady Hun ſläde mit ihr Baron in ſein muͤhet, dieſe vergeſſen. S ters Vermdg doch der Gra ihr ſicher wa ſie nahm ihr zwang Läche dem ſie die arüßte. Als ma rüſtete ſie ſ ten Collatio Grazie die; Herrn Paln das Schicliche 9 ne n Wagen, ſeh Dank! ein konne; und es Sinn, als die y Hunter zu ppiſche Angwort, ſoll dem Kut⸗ glich zu fahren. ausdruͤckliches miethen müſ⸗ den ſie ſich den⸗ dieſe allerliebſte NMrs. Beau⸗ zu haben, und eren uͤbet das e Hofnnung auf iſit ſeiner Frau mlich iht Ver⸗ 441 moͤgen. Denn durch das Kirchenbuch bot er dem gedrohten Prozeſſe Trotz. 3 Lady Hunter ſaß unterdeſſen in ihrem Point⸗ kleide mit ihrem ſchonen Schleier neben ihrem Baron in ſeiner neuen Barouche, und war be⸗ muͤhet, dieſe Unterbrechung ihres Triumphes zu vergeſſen. Sie erwog, daß, obgleich Miß Hun⸗ ters Vermoͤgen verlohren fuͤr ihre Familie ſey, doch der Grafentitel und die Wigramſchen Guͤter ihr ſicher waͤren. Dies war ein gediegener Troſt, ſie nahm ihre Geſichtszuͤge wieder zuſammen, er⸗ zwang Laͤcheln und dem Feſte gemaͤße Blicke, in⸗ dem ſie die mit Gluͤckwuͤnſchen Voruͤbergehenden gruͤßte. Als man zu Beaumontpark angelangt war, ruͤſtete ſie ſich, ohne Appetit Theil an der elegan⸗ ten Collation zu nehmen, und mit gewohnter Grazie die Wirthin zu machen; ſie trug Sorge, Herrn Palmer neben ſich zu ſetzen, und der Welt 442 zu zeigen, wie gut ſie mit einander ſtaͤnden. Es machte ihr Vergnuͤgen, zu bemerken, daß, ob⸗ gleich zwei juͤngere Braͤute in der Naͤhe ſaßen, ihr doch der vorzuͤglichſte Theil der oͤffentlichen Bewundrung gezollt ward. Jene waren ſo gluͤck⸗ lich, ſo mit ihren Gefuͤhlen beſchaͤftiget, daß ſie nicht gewahr wurden, wie man ſie, um mich ei⸗ nes gewoͤhnlichen Ausdrucks zu bedienen, in den Schatten ſtellte. Der Stolz und Pomp und die Ereigniſſe dieſer glorreichen Hochzeit gingen wie Traumgebilde an ihnen voruͤber, wie ein Schau⸗ ſpiel, an welchem ſie keinen Theil hatten. Als die Collation zu Ende ging, erklaͤrte einer der Gaͤſte, Lord Niley, ein Edelmann, der ſich im⸗ mer das Anſehen gab, große Eil zu haben, er muͤſſe fort, denn er erwarte Jemand, der ihn in ſeinem Hauſe in der Stadt, wegen beſondrer Ge⸗ ſchaͤfte, ſprechen wolle. Sein Reiſegefaͤhrte hatte noch nicht Luſt, den Feſtſchmaus zu verlaſſen, und wandte ein heiſchig gemat zu ſchreiben; warten, bis Hunter ſandte zu vernehmen men waren. Priefe wart Familie ein Lady Hunte darunter an Spaniſches Hunter fluͤſt zu: uſei niͦ kann ich D unbekannte Liebe und fort den B e iſ nich t ſtänden. Es rken, daß, ob⸗ a Nihe ſeßen, der offentlichen waren ſo gluͤck⸗ aſtiget, daß ſe de um wich ei⸗ dienen, in den Pomp und die zeit gingen wie wie ein Schau⸗ halten. Al klärte einer der det ſich im⸗ zu haben, er ind, der ihn in a beſondter Ge⸗ iſegefähtte halle as zu verlaſſ, 443 1 und wandte ein, der Geſchaͤftstraͤger habe ſich an⸗ heiſchig gemacht, Seiner Herrlichkeit zuvoͤrderſt zu ſchreiben; dieſelben möoͤgten alſo wenigſtens warten, bis die Poſt angekommen waͤre. Lady Hunter ſandte hoͤflichermaßen Jemand ab, um zu vernehmen, ob Briefe fuͤr den Lord angekom⸗ men waͤren. Indem derſelbe ungeduldig auf die Briefe wartete, wurden alle Briefe, die an die Familie eingelaufen waren, hereingebracht, und Lady Hunter theilte ſie aus. Einer befand ſich darunter an den Kapitain Walſingham, der ein Spaniſches Motto auf dem Siegel fuͤhrte; Lady Hunter fluͤſterte, indem ſie ihn uͤbergab, Amelien zu:„ſei nicht eiferſuͤchtig, meine Liebe, aber das kann ich Dir ſagen, dieſer Brief iſt von ſeiner unbekannten Spanierin.“ Amelie laͤchelte voll Liebe und Vertrauen. Der Kapitcain erbrach ſo⸗ fort den Brief, beſah die Unterſchrift, und ſagte, er iſt nicht von meiner unbekannten Spanierin, 444 er iſt von ihrer Tante; ich kann ihn noch genug leſen.“ „Eine feine Ausflucht!“ rief Lady Hunter, ſeh einer, wie kalt er ihn in die Taſche ſteckt. Ah, meine leichtglaͤubige Amelie, darf er mit Dir alſo beginnen?“ fuhr ſie im Tone des Scherzes, und doch, als ob ſie wirklich etwas Unheimliches in dem Briefe argwoͤhne, fort. „Biſt Du gar nicht neugierig, Madam Wal⸗ ſingham?“ 1 Amelie erklaͤrte, ſie ſei nicht neugierig, und ſie gehoͤre nicht zu denen, welche Eiferſucht fuͤr den beſten Beweis der Liebe halten. „So recht, ſo recht,“ ſagte Palmer,„Ver⸗ trauen iſt der beſte Beweis von Liebe, und das Ihrige, dafuͤr will ich ſtehn, wird nicht ge⸗ taͤuſcht.“ Walſingham laͤchelte voll Dankbarkeit, nahm ſeinen Brief wieder vor, und begann augenblick⸗ lich ihn Ameli mer mit leiſet Ich aber ich ſchuldig nen na⸗ meiner meinem dankte. meine unſter eine alt gewoͤhr gen, werde, Sie h⸗ n noch genug fLady Hunter, e Taſche ſtect. „darf er mit im Tone des wirklich eiwas gwoͤhne, fört. Madam Wal⸗ neugierig, und Eiferſucht füt n. almet,„Ver⸗ ſcbe, un dis wird nicht ge⸗ kbarkeit, nohm inn augenbli⸗ V 445⁵ lich ihn Amelien, Lady Hunter und Herrn Pal⸗ mer mit leiſer Stimme vorzuleſen. Lieber Herr, Ich bin Ihnen freilich faſt unbekannt; aber ich wuͤrde mich der Undankbarkeit ſchuldig zu machen glauben, wenn ich Ih⸗ nen nach allen den Dienſten, welche Sie meiner Familie geleiſtet haben, nicht in meinem und meiner Nichte Namen dafuͤr dankte. Es thut mir herzlich leid, daß meine Worte Ihnen ſo ſchlecht die Gefuͤhle unſrer Herzen ausdruͤcken werden. Ich bin eine alte Frau, und nicht an Briefſchreiben gewoͤhnt; aber ich kann mit Wahrheit ſa⸗ gen, daß, ſo lange ich das Leben haben werde, ich Ihnen dankbar bleiben will. Sie haben mich wieder gluͤcklich gemacht, 446 da Sie mir meine langverlohrne Nichte wieder gaben. Es wird Ihnen gewiß freuen, zu vernehmen, daß meine Nichte— Hier brach der Kapitain Walſingham ploͤtzlich ab, mit einem Blick, der Lady Hunter in ihrem Argwohn beſtaͤtigte, bei dem Herr Palmer ſeine Tabacksdoſe hervorzog, der ſelbſt Beaumont er⸗ ſchreckte, aber der in der Seele Ameliens nicht das leiſeſte Gefuͤhl von Zweifel oder Argwohn erweckte. Sie laͤchelte und blickte ihre betroffenen Freunde an, als wollte ſie ſagen:„wie koͤnnt ihr doch denken, daß Etwas Arges dabei iſt?“ „Bitte, leſen Sie weiter, Kapitain Wal⸗ ſingham, wenn, wenn— Sie nicht ganz beſon⸗ dere Urſachen haben, ganz beſondere,“ rief Lady Hunter. „Ich habe beſondre, ganz beſondre Urſa⸗ chen,“ rief der Kapitain,„und da dieſes ver⸗ trauende Wiib gegen Amelien „9 ¹ ſa Brief entteiße gläubiges, od des Weib.” „Ich bit ſptach ernſth „Sie b mit verſtorte will ihn leſe „Nur je „Icht te die herrif hinter weldh „Ich! Britf nicht tlohene Nichte en gewiß fteuen, lichte— ingham ploßlich dunter in ihrem a Palmer ſeine t Beaumont er⸗ Ameliens nicht oder Argwohn ihre betroffenen „wie konnt iht abei iſt?¹ Kapitain Wal⸗ icht ganz biſon⸗ ere,“ tief Lady beſondre Urſe⸗ d da dieſes ver⸗ — 447 trauende Weib nicht darauf beſteht—“ fuhr er, gegen Amelien gewendet, fort. „O,“ ſagte Lady Hunter lebhaft, ihm den Brief entreißen wollend,„ich bin kein ſo leicht⸗ glaͤubiges, oder, wie Sie es nennen, vertrauen⸗ des Weib.“ 1 „Ich bitte Euer Gnaden, ihn nicht zu leſen, 1 ſprach ernſthaft der Kapitain. „Sie bitten mich, ihn nicht zu leſen, und mit verſtoͤrtem Blick— O! gewiß, ich muß und will ihn leſen. „Nur jetzt nicht, ich beſchwoͤre Sie!“ „Jetzt gleich,“ rief Lady Hunter und afefectir⸗ te die herriſche Lebendigkeit einer jungen Brauk, hiinter welcher ſie ihre boshafte Neugier verſteckte. „Ich bitte, Lady Hunter, leſen Sie den Brief nicht,“ wiederholte Kapitain Walſingham, 448 und bedeckte ihn mit der Hand.„Es iſt Ihrent⸗ wegen,“ ſetzte er mit leiſer, ernſter Stimme hin⸗ zu,„nicht meinetwegen, daß ich Sie davon ab⸗ mahne.“ Lady Hunter hielt dies nur fuͤr eine Ausflucht, zog ihm den Brief unter der Hand weg und rief: „Meinetwegen? O, Kapitain, das iſt eine allerliebſte Kriegsliſt, aber hoffen Sie nicht, da⸗ mit durchzukommen.“ „Mutter, glauben Sie ihm, glauben Sie ihm!“ rief Amelie.„Ich bin gewiß, er redet wahr, er ſpricht zu Ihrem, nicht zu ſeinem Vortheil.“ Vergeblich verwandte ſich Amelie. Herr Palmer klopfte ihr die Schulter und ſagte liebevoll:„Sie ſind ein liebes, gutes Kind.“ —„Ein — „Ein’ Lady Hunte ſh des daneben m Beaumont Urſach zu ſamteit de ben ſahen durch Flͤ die ganze ſo, daß n lenkten. als ſie le gewußt!e und kamp verhehlen. ihren Lin und wurd aus dem II. „Es iſ Ihrmt⸗ er Stimme hin⸗ Sie davon ah⸗ eine Ausflucht, dneg und rief: „ das iſt eine Sie nicht, da⸗ , glauben Sit gewiß, er teͤtt icht zu ſeinem nelie. Schulter vnd liebes, gutes „Ein 449 „Ein liebes, leichtglaͤubiges Kind!“ rief Lady Hunter. Sie war jetzt im ungeſtoͤrten Be⸗ ſiß des Briefes. Kapitain Walſingham ſtand daneben mit hoͤchſt beſorgter Miene, in welche Beaumont und Amelie einſtimmten, ohne deren Urſach zu wiſſen. Der Streit hatte die Aufmerk⸗ ſamkeit derer, die am naͤchſten waren und denſel⸗ ben ſahen und hoͤrten, auf Lady Hunter gerichtet; durch Fluͤſtern und durch Winke, hatte ſich uͤber die ganze Geſellſchaft die Kunde davon verbreitet, ſo, daß nun Aller Augen auf die Lady ſich hin⸗ lenkten. Kaum hatte ſie in den Brief geblickt, als ſie leichenblaß wurde, und rief:„er hat es gewußt! er hat es gewußt!“ Dann faßte ſie ſich, und kaͤmpfte mit ſich ſelbſt, um ihr Entſetzen zu verhehlen. Ein erzwungenes Laͤcheln zitterte auf ihren Lippen; aber ſie fiel ohnmaͤchtig zuruͤck, und wurde von ihrem Sohne und ihrer Tochter aus dem Zimmer getragen. 4 II.— Ff 450 Sir John Hunter ſaß an einem andern Tiſche, und aß Stachelbeertorte. Er war der Letzte der Anweſenden, dem man begreiflich machen konnte, was vorgefallen ſei. „Von der verdammten Hitze im Zimmer iſt ſie ohnmaͤchtig geworden,“ ſagte er, aß ſeinen Teller bis auf den letzten Biſſen leer, zog ſich die Halsbinde zurecht, und kam auf den Kapitain Walſingham zu. „Wie ich hoͤre, iſt Lady Hunter ohnmaͤchtig geworden. Ich hoffe man hat ſie an die Luft ge⸗ bracht. Aber wo iſt der Brief, der ſie ſo ange⸗ griffen haben ſoll?“ „In meiner Taſche,“ antwortete kalt der Kapitain. „Was Neues darin?“ fragte Sir John mit ſuͤffiſanter, modiſcher Gleichguͤltigkeit. 11 Wah John 1 11 ſc willen ihn „Ich! angegriffen ſtehenden ſehen was ob man m Mit lich verle nach ſein Der te leiſe ar Lady Hun „9 ter, ſich hatte, e ndern Tiſche, der Letzte det nachen konnte, n Zimmer iſt et, aß ſeinen leer, zog ſich fden Kapitain ter ohnmaͤchtig an die Luft ge⸗ er ſie ſo ange⸗ portete kalt der Sir Jehn ni keit 451 „Wahrſcheinlich nichts Neues fuͤr Sie, Sir John,“ ſagte der Kapitain und ließ voll Wider⸗ willen ihn ſtehen. „Ich vermuthe, die Hitze hat Lady Hunter ſo angegriffen,“ fuhr Sir John, gegen die Um⸗ ſtehenden gewendet, fort.„Iſt Jemand hin, zu ſehen was Sie macht? Es ſoll mich wundern, ob man mich zu ihr laſſen wird.“ Mit ſcheinbarer Gleichguͤltigkeit, doch wirk⸗ lich verlegen, ging jetzt der Braͤutigam, um ſich nach ſeiner Braut zu erkundigen. 1 Der gute Palmer ging ihm bald nach, klopf⸗ te leiſe an die Thuͤr und fragte:„iſt der armen Lady Hunter ein wenig beſſer.“ „O ja; ſchon recht wohl,“ rief Lady Hun⸗ ter, ſich von dem Bette, worauf man ſie gelegt hatte, erhebend. Herrn Palmer aber kam es, Ff 2 4⁵² da er ſie durch die halb gedffnete Thuͤr erblickte, ſo vor, als ſtelle ſie, in all' ihrem Brautſtaate, ein klaͤgliches Bild dar.„Schon wieder recht wohl. Es war nichts, als die Hihe. Amelie, meine Liebe, geh zur Geſellſchaft zuruͤck, und ſage dies nur, damit meine Freunde nicht in Beſorgniß ge⸗ rathen. Dank Ihnen, guͤtiger Herr Palmer, daß Sie kommen, um mich zu ſehen. Entſchul⸗ digen Sie, daß ich Sie jetzt nicht hereinlaſſen kann, ich muß mich umkleiden. Sir John laͤßt mir ſagen, ſeine Barouche werde in zehn Minuten vor der Thuͤr ſeyn; ich muß mich ſchnell in mein Reiſekleid werfen. Entſchuldigen Sie.“ Herr Palmer gieng, er ſah wohl, daß ſie je⸗ der Erklaͤrung wegen der wahren Urſach ihrer Ohnmacht auszuweichen wuͤnſchte. In der Gal⸗ lerie, die vor ihrem Zimmer war, ſtieß er auf den Kapitain Walſingham, welcher kam, um ſich nach Lady Hunter zu erkundigen. von den tet, daß feſt gehe Lode ver Güͤter ur erblickte, autſtaate, ein t recht wohl. nelie, meine ind ſage dies Beſorgniß ge⸗ Herr Palmer, n. Entſchul⸗ t heriinloſſen Sir John laßt zehn Minuten ſchnell in mein Sie.” d, daß ſe ſe Urſach ihrer In der Gal⸗ t, ſücß er auf cher kam um gen. 7 4⁵³ „Die arme Frau, wiſſen Sie die Urſach ih⸗ rer Ohnmacht?“ fragte der Kapitain. „Rein; und ich glaube, ſie wuͤnſcht nicht, daß ich ſie wiſſen ſoll; darum ſagen Sie mir ſie nicht,“ ſagte Palmer. 1 „Es iſt ein Geheimniß, das in wenigen Ta⸗ gen in den Zeitungen ſtehen muß,“ antwortete der Kapitain.„Die Dame, die ich von Liſſa⸗ bon hergebracht—“ » „Nun, was hat die mit Mrs. Beaumont zu ſchaffen?“ „Nichts; doch viel mit Lady Hunter. Sie werden ſich erinnern, daß ich erwaͤhnte, einer von den Verwandten jener Dame habe veranſtal⸗ tet, daß ſie in einem Kloſter außerhalb Landes feſt gehalten werde, und das Geruͤcht von ihrem Tode verbreitet, damit er als Lehnserbe ſie ihrer Guͤter berauben, und in den Beſih von großen 45⁴ Guͤtern, welche ihm auf den Fall ihres Todes zu Theil werden ſollten, kommen moͤgte. Von dem Naͤheren wußte ich nichts, nicht einmal den Namen der Guͤter, bis heute, wo ich den Brief ihrer Tante erhalte, der mir meldet, daß es die Wigramſchen Guͤter ſind, welche ihrer Nichte zu⸗ kommen, und daß der alte Wigram jener ſchurki⸗ ſche Lehnserbe war. Der Rechtsgelehrte, den ich ihr empfohlen habe, war geſchickt und ehrlich, und ſtellte dem alten Wigram die Folgen, die daraus entſtehen wuͤrden, wenn ſein Betrug an den Tag kaͤme, ſo lebhaft vor, daß er ihn hier⸗ durch bald zu einem Privatvergleich brachte. Die Sache iſt auf die Art ausgeglichen, daß die Guͤ⸗ ter in dem gegenwaͤrtigen Zuſtande der rechtmaͤßi⸗ gen Beſitzerin uͤbergeben werden; und ſie entſagt dagegen dem Rechte, den alten Suͤnder wegen der Ruͤckſtände, die er eigentlich um des bisheri⸗ gen Genuſſes der Guͤter willen zahlen ſollte, zur Verantwo der Welt er kann, ausgegebe „So dam Bea Wigramf worden; vereitelt; Verſchwe warume bat, ihn wuͤrde. ben! A Ind ihrem 30 lleidet un „Rei ihres Todes nogte. Von zt einmal den ch den Brief daß es die er Nichte zu⸗ jener ſchurki⸗ gelehrte, den kt und ehrlich, Folgen, die in Betrug an zaar ihn hirr⸗ brachte. Die daß die Gü⸗ der rechtmäßi⸗ und ſitentſagt Sünder wegen m des bisheri⸗ len ſollte, zur 455 Verantwortung zu ziehen. Sie will es ihm mit der Welt und ſeinem eignen Gewiſſen, ſo gut als er kann, ausmachen laſſen, daß er ſie fuͤr todt ausgegeben hat.“ „So,“ ſagte Palmer,„ſo ſind alſo Ma⸗ dam Beaumonts Hoffnungen, an der Spitze der Wigramſchen Guͤter zu ſtehen, zu ſchanden ge⸗ worden; ihre Hoffnung, Graͤfin zu werden, iſt vereitelt; und ſie iſt wirklich mit dem bankerotten Verſchwender verheirathet!— Nun ſehen wir, warum er mit der Verbindung ſo eilte, und ſie bat, ihn zu heirathen, ehe die Sache ruchtbar wuͤrde. Sie iſt angefuͤhrt, und fuͤrs ganze Le⸗ ben! Arme Madam Beaumont!“ In dieſem Augenblick trat Lady Hunter aus ihrem Zimmer hervor, nachdem ſie ſich umge⸗ kleidet und ihr Laͤcheln wieder hergeſtellt hatte. „Reiſefertig,“ ſagte ſie, ſchnell bei Herrn 4⁵56 Palmer voruͤbergehend.„Ich muß mich unten noch einer Welt von Freunden zeigen, und ihnen Adieu ſagen. Ein Wort, Kapitain Walſing⸗ ham. Es iſt nicht ndthig,“ fluͤſterte ſie ihm zu, „daß Sie unten etwas von dem Briefe erwaͤh⸗ nen. Ich glaub' es in der That nicht.“ Zu ſtolz, ihre Kraͤnkung bekannt werden zu laſſen, unterdruͤckte Lady Hunter ihr Gefuͤhl mit aller Gewalt. Gequaͤlt im Herzen, wie ſie war, erſchien ſie wiederum mit froͤhlichem Geſichte in dem feſtlichen Kreiſe, ging rings umher im Zim⸗ mer, ſagte Jedermann ein ſchmeichelhaftes Wort, nahm Complimente und Gluͤckwuͤnſchungen an, bat alle in ſolchen Ausdruͤcken, als waͤre es ihr ein Ernſt mit ihrer Freundſchaft, dieſelben moͤg⸗ ten ſie und Sir John Hunter ſobald als moͤglich mit einem Beſuche zu Huntershall beehren. Die Geſellſchaft nahm dann ſchnell Abſchied. Wagen auf Wag ſentimente unnachah durch; u und ſie n ke, ſpielte einer Ar ſolchenL cheln ur geliebten Schwieg holentlic der ung dem Se nun neb Herrn q die auf ſich; un hin. mich unten und ihnen din Walſing⸗ te ſie ihm zu, ;riefe erwah⸗ icht.“ unt werden zu t Gefuͤhl mit wie ſie war, m Geſichte in nher im Zim⸗ lhaftes Wort, nſchungen an, z ware es ihr dieſeben maͤ⸗ d als miglic beehren. Die hied. Wagm 45⁷ auf Wagen fuhr vor. Lady Hunter machte die ſentimentale Ceremonie des Abſchiednehmens mit unnachahmlicher Grazie und Mannigfaltigkeit durch; und als ihre praͤchtige Barouche vorfuhr, und ſie nun ihrer eignen Familie Adieu ſagen ſoll⸗ te, ſpielte ſie auch dieſe Rolle vortrefflich. Mit einer Art, wie man ſie oft an Braͤuten in einer ſolchen Lage ſieht, mit einer Miſchung von Laͤ⸗ cheln und Weinen umarmte ſie hernach ihren geliebten Sohn, ihre geliebte Tochter, dann die Schwiegertochter und den Schwiegerſohn wieder⸗ holentlich, auf der Treppe, auf dem Flur, bis der ungeduldige Braͤutigam ſie entzuͤckend aus dem Schooße ihrer Familie entfuͤhrte. Als ſie nun neben ihm in ſeiner Barouche ſaß, warf ſie Herrn Palmer und den Gliedern ihrer Familie, die auf den Stufen ſtanden, Kuͤſſe zu, neigte ſich; und Sir John fuhr mit ſeiner Beute da⸗ hin. 7 45⁸ „Er iſt ein Schwindler,“ rief Herr Palmer, „und ſie— „Ameliens Mutter,“ unterbrach ihn der Kapitain Walſingham. „Recht ſo,“ ſagte Palmer,„aber Amelie hatte auch einen Vater, meinen trefflichen Freund, den Obriſt Beaumont, dem Amelie und ihr Bruder in der Offenherzigkeit und allem, was ehrenwerth iſt, gleich ſind. Nun, nun, ich will keine Betrachtungen anſtellen; ich haſſe die mora⸗ liſchen Betrachtungen. Jeder kann fuͤr ſich ſchon denken und empfinden, mein' ich. Ich ſage nur, Gott ſei Dank, daß wir nichts mehr mit Schleichkuͤnſten zu thun haben!“ derr Palmer, ach ihn der aber Amelie ichen Fraund, elie und ihr allem, was nun, ich will ſſe die mota⸗ füt ſich ſchon Ich ſage nur, mehr mit *. 1— 2 2 —-—— Srey Eontro Shart Green vellow- n 4 1 „