3A9 —————— Leihbibliother deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oftmanu in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Seſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em ſ f pf fangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 2 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 4 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von A jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun 7 den angenommen. 3 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buch eine dem rthe deſſelben entſprchende Summe G hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnament. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt ſ für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ————. C ‧ auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Nk 4 3 2— 3 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. f 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und 5 defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der U Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt ſſe der Leſer zum Erſatz des Gan azen verp flichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird. beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen 8 ſ 8 der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Das Glück reich zu ſein von Hendrik Conſcience. Aus dem Flaͤmiſchen von Dr. Auguſt Scheler. Mit 4 Original⸗Illuſtrationen von J. Bertou. Autoriſirte Ausgabe. Brüſſel und Keipzig. Verlag von Auguſt Schnee. 1855. — — — —— —— 3 — „ du der 1 ꝗp wie 2 moͤcht komm koſtlich Bein! D u d ) 1 c ſi gonni zu er Mon⸗ — J. „Nun, Kaͤthchen, was ſagſt du zu dem goͤttlichen Wetter, zu dem herrlichen Mai! Weht nicht die Luft ſo ſanft und ſuͤß wie Butter und Milch?“ —„Wie mir dabei zu Muthe iſt? ſieh, Annamarie, tanzen moͤchte ich vor Vergnuͤgen daruͤber. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber es durchzuckt mich dieſer erſte Sonnenſtrahl mit koͤſtlichem Behagen, und dringt mir gar wonnig durch Mark und Bein!“ —„Auch ſtroͤmt Alles aus den dumpfen Haͤuſern heraus, um ſich daran zu erquicken. Iſt es doch endlich wieder einmal ver⸗ goͤnnt, auf der Straße zu ſitzen, zu ſingen und ſich Geſchichten zu erzaͤhlen und Luft zu ſchoͤpfen unter der Arbeit.“ —„Es will aber auch was heißen, Trinchen, ſo vier lange Monate in ſeinen vier Mauern gekauert bleiben, wie ein armer Vogel in ſeinem Kaͤfig?“ —„Und nicht einmal frei athmen duͤrfen in der feuchten Luft eines Kaͤmmerleins.“— „Und ſeine Augen verderben beim ewigen Geflinker des duͤſteren Winterlichts.“ „Und ſich durch Schnupfen und Huſten faſt die Schwind⸗ ſucht holen, daß man beſorgt ſein muß, vom tuͤckiſchen Maͤrz nach der andern Welt geſchafft zu werden.“ Das Glück reich zu ſein. —„und vergeſſen muͤſſen, daß noch eine Sonne am Himmel ſteht; die Tage zaͤhlen, bis endlich der liebe Mai wieder er⸗ ſcheint und wieder Licht und Waͤrme bringt fuͤr die Armen ſo⸗ wohl als fuͤr die Reichen.“ —„Aber was kuͤmmern wir uns noch laͤnger um den alten abgeſchiedenen Murrkopf... Singen wir lieber dem Fruͤhling ein Liedchen:„es komme wem der Mai gefaͤllt, und freue ſich der ſchoͤnen Welt und Gottes Vaterguͤte!“...„Halten wir uns zu viert hier mit unſeren Rahmen recht dicht beiſammen, da⸗ mit kein Spielverderber ſich unter uns miſche.“ Die jungen Maͤdchen, die ſich ſo plaudernd und ſingend der lieblichen Maiſonne freuten, ſaßen wie viele andere, in einer ſchmalen, langen Gaſſe der Stadt Antwerpen. Niedrig und klein ſtanden zu beiden Seiten die Haͤuſer die⸗ ſer Straße; jedes mit einem rundgebogenen Pfoͤrtchen verſehen und dem duͤrftigen, durch die gruͤnen Scheiben der engen Fen ſeroch verduͤſterten Tageslicht einen ſpaͤrlichen Einlaß ge⸗ waͤhrend. Eines darunter machte ſich jedoch durch ſeine groͤßere Hoͤhe und neumodiſchen Fenſterſtoͤcke bemerkbar; es war der Kramla⸗ den eines Spezereihaͤndlers. Wenn die Beſitzer deſſelben auch nur geringe Leute zu ihren Kunden zaͤhlten, ſo hatten ſie es doch innerhalb weniger Jahre weit genug gebracht, um ſich im Vergleich mit ihren aͤrmlichen Nachbarn fuͤr reich halten zu duͤrfen. Dem Spezereiladen quer gegenuͤber ſtand ein altes Haͤuschen, das gleichfalls einen Stock trug aber ziemlich ſchwarz und ſchmutzig ausſah. Ueber der Hausthuͤre hing ein Schild, auf dem ganz einfach die zwei Buchſtaben A. B. gemalt waren, wodurch fuͤr 5 er⸗ die Einwohner deutlich genug zu erkennen war, daß hier ein Schornſteinfeger ſein Hausweſen treibe. Dieſer Buͤrger galt in der Straße fuͤr den zweiten nach beſagtem Spezereihaͤndler, denn das Haͤuschen, in dem er wohnte, war ſein Eigenthum*). Das Haus, vor dem Kaͤthchen und ihre drei Freundinnen ſich„ ihrer Arbeit oblagen, war das eines eabers oder beſſer uns Schuhflickers, der, wenn er auch nicht eſitzer deſſelben war, V durch Fleiß und Ordnung ohne viele Muͤhe ſein taͤgliches Brod da⸗ verdiente, und was Wohlſtand betrifft, von ſeinen Nachbarn un⸗ der mittelbar nach dem Kaminfeger aufgezaͤhlt wurde. ner Weiter in den Straßen ſaßen, wie geſagt, noch viele an— dere Maͤdchen, die, ebenfalls in kleinen Gruppen vertheilt, unter die heiterem Genuſſe der wohlthuenden Maiſonne ihre Arbeit ver⸗ hn richteten. 6 . 4 Jedes derſelben hatte vor ſich einen viereckigen Rahmen, ge. uͤber welchem ein Spitzengrund geſpannt war, auf dem ſte mit⸗ iin 1 tels Faden und Nadel, allerlei Blumen und Blaͤtterwerk ſtickten. Wle Sie trieben, wie man in Antwerpen ſagt, den Spitzenſtich(Kantje- . steek), um am Ende des langen Tages uͤber einige Stuͤber ge⸗ uch bieten zu koͤnnen und die Laſt des muͤtterlichen Hausweſens ein wenig zu erleichtern;— wohl auch nebenbei, um ſich bei guten 4 Zeiten ein huͤbſches Kleid oder ein zierliches Haͤubchen mit farbi⸗ m b gen Baͤndern damit zu kaufen. zu Obſchon dieſe Stickermaͤdchen dem unterſten Gewerbsſtande an,*) Die Schornſteinfeger in Flandern ſind nicht wie in andern 1 tiig 4 Laͤndern eingewanderte Fremdlinge. In Antwerpen gehören ſie dem anz 1,1 geringeren Buͤrgerſtand an und zeichnen ſich im Allgemeinen durch ge⸗ fuͤr’ ſunden Verſtand, heiteres Naturell und Witz aus. Das Zeichen ihres Gewerbes beſteht aus den zwei Buchſtaben A. B. 1* 4 angehoͤrten, mußte doch jedem die Reinlichkeit und Anmuth ihres Anzuges auffallen, eine Eigenſchaft, wodurch ſich zwar, wie all⸗ gemein bekannt, alle Maͤdchen Antwerpens, aber ganz beſonders die Arbeiterklaſſe, von der wir ſprechen, auszeichneten. Wie ſollte es aber auch anders ſein; ihr Geſchaͤft bringt es ja mit ſich. Vom Morgen bis zum Abend laſſen ſie ihre Haͤnde uͤber den ſch ißen Tuͤll gleiten, und die geringſte Un⸗ achtſamkeit wuͤrde unfehlbar ihre Arbeit beſchmutzen und ihnen von Seiten des Kaufmanns, in deſſen Dienſt ſie ſtehen, einen Verweis und einen Lohnabzug, wenn nicht gar gaͤnzliche Ent⸗ laſſung zuziehen. Doch glaube man nicht, daß dieſe Reinlichkeit ausſchließlich von der Natur ihrer Arbeit bedingt ſei. Wenn dieſe derſelben auch zu Grunde liegen mag, ſo kennt man andrerſeits auch die Macht der Gewohnheit und ſollten die Stickerinnen auf irgend⸗ welche andere Weiſe ihren Unterhalt zu ſuchen veranlaßt wer⸗ den, ſo wuͤrden ſie dieſe angewohnte Sauberkeit und Zierlichkeit auch auf ihre neuen Geſchaͤftsverrichtungen uͤbertragen. Beſeht ſie nur vom Kopf bis zu den Fuͤßen: die Kleider moͤgen noch ſo gemeinen Stoffes, die Farbe noch ſo verſchoſſen ſein, immer ſind ſie nett geſtrichen und ſehen aus, als kaͤmen ſie eben aus der Waͤſche, als legten dieſe Maͤdchen ſiebenmal in der Woche ihren Sonntagsſtaat an. Ob ſie auch ſchoͤn ſeien? Ja und nein. Jung ſind ſie und das will ſchon viel heißen. Immerhin duͤrften doch die meiſten unter ihnen auf das Schoͤnheitspraͤdikat Anſpruch machen koͤnnen, denn ihre Zuͤge ſind fein und regelmaͤßig. Aber ach! ihre Wangen ſind durchgehends ſo bleich, ihre Glieder ſo mager! Arme Toͤchter des Volkes, der Luxus hat ſie aus allen lufti⸗ † — ſam ma eich geſch ten den chere Auf gend Kor nan benſ Abk fort lenk ſcha ſteir fti⸗ ⸗ ———Q——— 5 gen Straßen verbannt, uͤberall Haͤuſer gebaut, deren Miethe ſte nicht zu erſchwingen vermoͤgen; in dumpfen Gaſſen, wo we⸗ der Buͤrger noch Vornehmer zu wohnen Luſt hat, verbringen ſie mit ihren Eltern ihr dornenvolles Leben. Welke Blumen in dunkle Keller verpflanzt, ermangeln ſie natuͤrlicher Weiſe des friſchen farbigen Blutes und die Abzehrung iſt der Wurm, der die Lebenswurzel ſo mancher unter ihnen zernagt... Dennoch ſind ſie froͤhlich und ſingen manch luſtiges Lied waͤhrend der muͤh⸗ ſamen Arbeit. Von den vier Maͤdchen, die dicht neben einander vor des Schuh⸗ machers Haus ſaßen, waren zwei nicht gerade durch Mangel an Licht und Luft und geſunder Nahrung in ihren Lebenskraͤften geſchwaͤcht. Ihre Eltern waren etwas beſſer daran und wohn⸗ ten wohl noch nicht ſeit langer Zeit, wie ihre Nachbarn, in den Körper und Geiſt verkruͤppelnden Neſtern jener engen Gaſſe. Die eine hieß Kaͤthe und war die Tochter des Schuhma⸗ chers; die andere, Annamarie, wohnte in einem Gemuͤſeladen. Auf beider Wangen prangte die friſche roſige Farbe der Ju⸗ gend und ihre Lippen erglaͤnzten noch vom bluͤhenden Roth der Korallen. Kaͤthchen hatte blaue Augen und blondes Haar; An⸗ namarie dagegen mit ihrer hellbraunen Geſichtsfarbe, ihrem ra⸗ benſchwarzen Haar und ihren funkelnden Augen, ließ ſpaniſche Abkunft vermuthen. Als ſie ſo eine Weile mit ihren zwei anderen Freundinnen fortgearbeitet hatten, ſahen ſte, von einer andern Straße ein⸗ lenkend eine ſchon ziemlich bejahrte Frau herannahen. Sie be⸗ ſchauten ſte mit Aufmerkſamkeit, bis ſie in das Haus des Schorn⸗ ſteinfegers eingetreten war. „Die Baſin Smet,“ bemerkte eines der Maͤdchen,„laͤßt ſich nichts abbrechen. 6 s wollenes Da hat ſie ſchon wieder ein neu — Kleid und eine doppeltgefaͤltete Fluͤgelhaube.“ —„Ach, Annamarie, geh doch mit deinem beſtaͤndigen Sti⸗ cheln! Was g und putzen, wenn „Ja, Kaͤthchen, du haſt wohl Recht, aber ſiehſt du, der geht's uns an, wie andere Menſchen ſich kleiden ſie es nur bezahlen?“ Hochmuth, dem kann man nicht genug zu Leibe ruͤcken.“ „Hochmuth? „Schoͤn gut; Baeſin Smet traͤgt die Naſe, als waͤre ſie die Sie iſt ja eine ſo gute Frau.“ Schweſter der Frau von Hochberg, und wenn ſie ſo in ihren Man⸗ tel eingehuͤllt gravitaͤtiſch an uns voruͤberſchreitet, ſchaut ſte nicht ſo veraͤchtlich auf uns herab, als waͤren wir hoͤchſtens wuͤrdig, ihr die Schuhe zu wichſen?“ Das kommt dir nur ſo vor, Annamarie; ſei gewiß, es verhaͤlt ſich ganz anders. Frau Smet iſt von guter Familie; 5 Tonnen Goldes beſitzt Familie iſt, ſo bleibt's einem im Blut ſitzen und von guter ſte hat in Holland eine Tante, die, ich weiß nicht, wie viele Und du verſtehſt wohl, wenn man geht nicht leicht wieder heraus.“ nicht ſagen; auch lacht ſie jedermann um ihres ihr eigener Mann zieht ſie damit auf. Ich wuͤrde ſo hoch hinaus zu wollen, wenn ich die Frau aus, mich ja ſchaͤmen, Das Ei was liegt mir an ihrer Abkunft! D will ſo viel ſi Duͤ uͤnkels willen eines Schornſteinfegers hieße.“ drießlich Dieſe Ausfaͤlle wollten Kaͤthchen durchaus nicht gefallen, ver⸗ und mit Nachdruck erwiederte ſie darauf: „Ich weiß nicht, was du an ihr auszuſetzen haben kannſt. Schornſteinfegersfrau oder nicht, ſie wohnt in ihrem eigenen Hauſe und iſt Niemand etwas ſchuldig; ſie kann, was ſie ſich * wünſ barn redet Pauh mein geſch 7 wuͤnſcht, bezahlen, und braucht ſich an den Neid ihrer Nach⸗ barn nicht zu kehren.“ —„Es waͤre zu verwundern, wenn du ihr nicht das Wort redeteſt,“ ſcherzte eine andere,„iſt ſie nicht die Mutter des Pauw?“ —„Laß dich's nicht verdrießen,“ ſagte Annamarie;„es war von uns nicht boͤſe gemeint. Es backt jeder ſeine Kuchen, wie er ſte gern ißt, und verbrennt er ſich die Finger an der Kachel, ſo iſt's fuͤr ſeine eigene Rechnung.“ Nach einer Weile fragte in freundlicher Weiſe eines der Maͤdchen: „Aber ſage doch, Kaͤthchen, ich habe geſtern im Laden etwas erzaͤhlen hoͤren, das ich nicht glauben kann. Iſt's wahr, daß du bald heiratheſt?“ Erroͤthend ſtammelte Kaͤthchen: „O, die Nachbarn, wenn ſie einen Daumen breit um et⸗ was wiſſen, ſchicken ſie gleich eine ganze Elle in die Welt.“ —„Es iſt alſo doch etwas daran?“ —„Nein, ſage ich. Baes Smet hat nur im Scherze vor meinem Vater etwas Derartiges verlauten laſſen...“ —„O dann iſt der Wagen ſchon mehr als halbwegs vor⸗ geſchoben. Proſit, Kaͤthchen!“ Nun rief eine Andere mit veraͤchtlich geſchloſſenen Lippen: „Ei, was muß man hoͤren! Mit einem Kaminfeger? mit einem, der ſechs Tage pechſchwarz in den Straßen herunlaͤuft! Und waͤre er vom Kopf bis zum Fuße mit Gold beſchlagen, ich moͤchte nichts von ihm wiſſen.“ —„Wenn du ihn nur kriegen koͤnnteſt,“ ſchmunzelte Kaͤthchen. ,— —„Ich wuͤrde ihn doch nicht wollen, obgleich er der luſtigſte Junge des ganzen Viertels iſt,“ ließ eine Dritte vernehmen. „Des Sonntags, wenn er gewaſchen iſt, da gehts noch an, aber in der Woche kann man ihm ja nicht einmal die Hand geben oder man muß ſofort zur Pumpe ſpringen; und wenn man ihn anreden will, hat man beſtaͤndig das ſchwarze Geſicht vor den Augen. Pfui! es iſt zum Davonlaufen. Wenn er lacht und ſeine weißen Zaͤhne blicken laͤßt, ſchneidet er ein Geſicht wie ein Hund, dem man ſpaniſchen Pfeffer zu freſſen gegeben...“ —„O die boͤſen Zungen,“ ſiel Annamarie der Klatſcherin in die Rede...„Pauw iſt der beſte Junge von der Welt; er weiß die artigſten Lieder, tanzt, ſpringt und verſteht ſich vortrefflich darauf, die ganze Straße zu beluſtigen. Wo er erſcheint, ver⸗ breitet er Froͤhlichkeit und verſcheucht jeden Mißmuth. Und wenn er gar des Sonntags mit ſeinem blauen Frack einhergeht, den Kopf aufrecht und die Muͤtze auf der Seite— da muß man geſtehen, daß er doch ein ſchoͤner Burſche iſt, und der Kaͤthe Recht geben, daß ſie ihn gern ſieht, zumal da ihre Eltern damit einverſtanden ſind.“ In dieſem Augenblick vernahm man aus der Ferne den Ruf:„Ap, ap, ap“*) uͤber die enge Straße erſchallen. „Ho, da kommt der Pauw mit ſeinem Vater,“ riefen ſie ſaͤmmtlich unter froͤhlichem Gelaͤchter.„Hans⸗Spaß und Pauwken⸗ Frohmuth!“ An dem einen Ende der Straße, ziemlich weit von den Maͤdchen ſchritt ein Mann von etwa fuͤnfzig Jahren, noch ruͤſtig und kraͤftig, leichten Trittes und mit gerade emporgerichtetem *) Es ſind dieß die in Antwerpen uͤblichen Toͤne, womit die Ka⸗ minfeger, uͤber dem gefegten Schornſtein hervorragend, die Beendigung ihrer Arbeit ankuͤndigen. geben. tiſcherin in er weiß 4 8 vortrefllich heint, ver⸗ Und wenn geht, den muß man der Kaͤthe tern damit Ferne den allen. rieftn ſie Pauwken⸗ von den noch ruͤſtig gerichtetem 4 L2 2AL 9 Le 9 Kopfe daher. Nach Schornſteinfegerart beſtand ſeine Kleidung aus roher eng anſchließender Leinwand: der ganze Koͤrper, nebſt Geſicht und Haͤnden, war ſchwarz und mit Ruß uͤberzogen. S Es war aber der Alte ein Mann vom beſten Humor, denn fortwaͤhrend ſandte er ſeinen Nachbarn im Vorbeigehen einen o fluͤchtigen Scherz nebſt ſchelmiſchen Blicken zu. A 5 Fuͤnf bis ſechs Fuß hinter ihm kam ſein Sohn, ein ſchmucker Juͤngling, der eben in's Mannesalter trat. Auf dem raben⸗ ſchwarzen Geſichte loͤſte ſich wunderſam das Weiße ſeiner Augen und Zaͤhne, ſo wie das friſche Roth ſeiner Lippen. Ueber der Schulter trug er einen Sack mit Ruß; mit der Rechten hielt er einen aus Ruthen zuſammengebundenen Beſen und daneben einen bluͤhenden Zweig weißen Hagedorns, die Maiblume der Antwerpener. 1 Als er ſo trillernd und huͤpfend herbei lief, weckte ſein drolliges Gebahren das Gelaͤchter aller Nachbarn. „Poſſen⸗Breughel*)!“ murmelte dieſer. N„Der heißt mit vollem Rechte Pauwken-Frohmuth,“ be⸗ merkte ein Anderer;„denn er iſt ja aus lauter Freude zuſam⸗ mengeſetzt!“ „Wie die Alten ſingen, ſo piepen die Jungen. Er und ſein Vater, die ſteigen gewiß einmal mit lachendem Geſicht in die 4 1 Grube.“ „So ſind alle Antwerpenſche Kaminfeger, das haͤngt enge mit dem Handwerk zuſammen. Ein ſchwermuͤthiger Kamin⸗ —QQ—ÿ—ͦ—ᷣ— ¼ .—— *) Breughel iſt der Name eines beruͤhmten vlaͤmiſchen Malers aus dem 16. Jahrhundert, der ſich beſonders auf derbe, froͤhliche Stoffe verlegte und darum gemeiniglich mit dem Beinamen des Spaß⸗Breughel (vieze Breughel) bezeichnet wird. 10 feger iſt wohl noch ſeltener anzutreffen, als ein luſtiger Leichen⸗ bitter.“ —„und was waͤre auch daran auszuſetzen, ſagte ein alter ihre Pflicht, verſaͤumen nichts dabei Recht handeln und froͤhlich ſein, Stuhlmacher,„ſie thun und laſſen Jedem das Seine. wer will's verargen?“ Auf einmal ſprang Annamarie von ihrem Stuhl auf und rief: „Hoͤrt, da hat er wieder ein neues Liedchen aufgeſchnappt und ein gar ſchoͤnes. Wo mag er ſie doch alle herholen?“ —„Ei, die macht er alle ſelber,“ bemerkte Kaͤthchen froh⸗ lockend. Iſt er wirklich ſo gelehrt? das war mir ja noch ganz „I unbekannt.“ — da iſt nicht ein einziger Anſchlag an der Brooikens⸗ „O kapelle, den er nicht am Schnuͤrchen herunterzuleſen vermag.“ Inzwiſchen war der junge Kaminfegerburſche nahe genug herzugetreten, daß man die Worte, die er ſang, deutlich ver⸗ ſtehen konnte. Es wa in der That ein recht artiges Liedchen, deſſen ſpringendes Versmaß mit Abſicht gewaͤhlt worden, um dabei einige drollige Kapriolen anzubringen. Es lautete naͤm⸗ lich wie folgt: „Schouwvegers fyn van den A. B. Vrolyke gasten, Aerdige kwasten, Schouwvegers fyn van den A. B. Komt en zingt ons lièken meè! Schouwvegers zyn al vieze guiten Wit van binnen en zwart van buiten: Maer al is hun tronie zwart, Bly en moedig klopt hun hart. losſc Unw ausg 11 Zy klimmen en kruipen, zy vegen en krabben, Zy zingen en springen; zy drinken en slabben 1 — Van elke schouw een goede pint. Aep, aep, aep! ein, Vrolyk gezind En alleman's vriend!“*) ief: Und als er ſich nun anſtellte, als wollte er auf Kaͤthchen ppt losſchreiten, da ſtießen ihre Arbeitsgenoſſinnen einen Schrei des Unwillens aus und hielten beſorgt die Haͤnde uͤber ihre Rahmen oh⸗ ausgebreitet. „Weg, Pauw; bleibt uns vom Leibe, ſonſt beſchmutzt ihr anz uns die Arbeit,“ riefen ſie einſtimmig. *) Sowohl um den Leſern ein kleines Muſter vlaͤmiſcher Volks⸗ 1 poeſie zu geben, als um durch freie Uebertragung nichts an dem Stuͤcke ug 4 zu verderben, haben wir es vorgezogen, das Original dem Terxte ein⸗ zufuͤgen und laſſen hier die woͤrtliche Ueberſetzung nachfolgen: er⸗ 5 3 5 hen, Kaminfeger fein von der A. B. zunft um Froͤhliche Kunden ů Art'ge Geſellen(Hanswuͤrſte), n⸗ Kaminfeger fein von der A. B. zunft Kommt und ſingt mein Liedchen mit. Kaminfeger ſind gar drollige Schelme, Weiß von innen und ſchwarz von außen; 1 Doch iſt wohl auch ihr Koͤrper ſchwarz, Froh und kraͤftig klopft ihr Herz. Sie klettern und rutſchen, ſie fegen und kratzen, Sie ſingen und ſpringen; ſie trinken und ſchlappen Von jedem Kamin'nen guten Schluck. Ap, ap, ap! Froͤhlich geſinnt Und Jedermanns Freund! 12 Pauw hatte jedoch unter dem Einfluſſe des holden Laͤchelns, as ihm Kaͤthchen beim Anblick der Blumen zugeworfen hatte, do von ſeinem ſtuͤrmiſchen Weſen etwas abgelaſſen. Wohl wußte näͤmlich dieſe, daß jener bluͤhende Weißdornzweig, das erſte Ge⸗ ſchenk des lieben Mai, nur ihr zugedacht ſein konnte, und ſo ſtrahlte aus ihren blauen Augen eine ſo herzinnige Dank⸗ barkeit, daß der junge Schornſteinfegergeſell ſelbſt von tiefer Ruͤhrung ergriffen wurde und ihm der Jodler auf den Lippen erloſch. Aber es dauerte nicht lange und die Heiterkeit verdraͤngte wieder den augenblicklichen Ernſt. Lachend ſagte er zu Kaͤthchen: „Siehſt du, Liebe, ich bin draußen auf den Feldern herum⸗ geſtreift, das heißt Dorf auf, Dorf ab gelaufen und habe mit der Nachtigall um die Wette muſicirt und mich durch das fortwaͤhrende Aap, aap, aap ganz heiſer geſchrieen. Da bin ich nun einer Jungfrau begegnet, und zwar einer gar ſchoͤnen und holden Jungfrau— ja ſo freundlich und liebreich, daß ich beinahe... Aber mache mir doch kein ſo ſaures Geſicht, Kaͤthchen... Die Jungfrau fragte mich zutraulich, ob mir Nie⸗ mand ſo ein bischen ans Herz gewachſen ſei? Schon wollte ich auf dieſe Frage mit Nein antworten, aber es graute mir denn doch vor der Luͤge, und als ich ihr ein ſchuͤchternes Ja zunickte, da fragte ſie weiter, wie denn das Weſen heiße, das ich lieber ſehe als jedes andere.“ „Ihr wißt es in der That noch nicht?“ rief ich.„Nun, es iſt ein Maͤdchen bluͤhend wie eine Roſe und ihr Name iſt Kaͤthchen. Gut, erwiederte die ſchoͤne Unbekannte, bringe ihr meinen Gruß und uͤberreiche ihr dieſen Strauß in meinem Namen... hau ſe ſo he Paur kun, iſt ihr nem 13 Die Maͤdchen ſchauten alle verwundert und mit halb unter⸗ druͤcktem Laͤcheln auf den Schornſteinfeger, der ſofort weiter erzaͤhlte:— „Und wenn ihr einander gewogen und treu bleibt in aller Ehre und Sittſamkeit, fuͤgte ſie hinzu, ſo werde ich euch alle Jahre mit meinem Beſuche erfreuen und euch allerlei Blumen ſchenken, ſo viel ihr nur wollt.“ „Wer mag wohl das geweſen ſein?“ fragte verdutzt das bleichſte der Maͤdchen. —„Oh, Ihr kennt ſie alle recht gut, —„Wie heißt ſie denn?“ —„Sie heißt Jungfrau Mai.“ —„Zungfer Mai. So heißt ja die Beſitzerin des Stockfiſch⸗ hauſes dort.auf⸗ dem Fiſchmarkt; aber die war's gewiß nicht.“ —.„Siehſt du nicht, daß uns der Spaßvogel alle zum Beſten haͤlt?⸗ rief Annamarie.„Er meint ganz einfach den Monat Mai.“ 74 lachte Pauw. „Ganz recht; ihr habt's errathen,“ ſagte Pauw und indem er Kaͤthchen einen der Zweige darreichte, fragte er eine andere: „Willſt du auch einen haben, Trinchen? Sie riechen gar ſo herrlich!“ Das Maͤdchen wollte darnach greifen, aber der muthwillige Pauw gab ihr einen Patſch damit auf die Hand. —„Wart nur, ruchloſer Kaminkratzer!“ rief Trinchen. —„Keine Roſe ohne Dornen,“ ſcherzte Pauw. Aber Trinchen wollte ſich nicht beſaͤnftigen, ſondern ſtand auf und ſprach mit drohender Gebaͤrde: „Was faͤllt dir in den Sinn, du ſchwarzer Rußkopf! Meinſt du etwa, daß dir Alles erlaubt ſei, weil du dich ſo 14 unſchuldig hinſtellſt. Geh flink nach Hauſe und laß dich wa⸗ ſchen. Dein Vater iſt dir ſchon lange vorausgegangen; eile dich, ſonſt kriegſt du die Ruthe!“ —„Seht doch das Dragoͤnerchen da, wie das ſtolz und muthig zu Pferde ſitzt,“ ſpottete der Kaminfeger.„Trinchen, du haſt ein gutes Mundwerk. Das Boͤſeſein aber ſteht dir nicht an; es fehlt der Schnurrbart dazu...“ Mit dieſen Worten ſchickte er ſich an, dem Maͤdchen mit ſeinen ſchwarzen Fingern das Geſicht zu bemalen; aber flugs fielen ſie alle uͤber ihn her und riefen: „Willſt du wohl einhalten, rußiger Aapſchreier, ſchmutziges Negerkind!“ und anderes dergleichen. Pauw konnte den Laͤrm dieſer rauſchenden Beſchimpfungen, die auf ihn regneten, nicht bewaͤltigen; nachdem er den Kopf geſchuͤttelt, gleichſam um die liebloſen Scheltwoͤrter den Ruͤcken heruntergleiten zu laſſen, rief er auf einmal: „Holla, ihr Freundinnen alle, laßt mich zuerſt hier der Sache ein Ende machen, dann will ich haſtig nach Hauſe gehen und mich waſchen.— Paßt auf! Eins, zwei, drei?“ Er machte vier bis fuͤnf drollige Spruͤnge und ſchlug mit ſeinem Rußſack ſo heftig um ſich, daß eine ſchwarze Wolke rings in die Luft flog und ſang dazu: „Singe, ſpringe, Freundchen Pauw, Denn Niemand hat Erbarmen!“ Alle liefen eiligſt auf ihre Rahmen zu und ſtaͤubten die⸗ ſelben mit aͤngſtlicher Sorgfalt wieder rein. Die einen jam⸗ andern lachten ß huͤpfte luſtig merten laut auf uͤber den Schelmenſtreich, di e und waren guter Dinge. Der Kaminfeger inde nach ſeiner Hausthuͤre, und rief den Maͤdchen zu: — — —4 Hauſ üͤber ſtein beim Pau als ſ mehr mit nem Geda Arbe Grat zu mn „Die ſo li recht Sche dara⸗ 15 „Bis ſogleich, meine Taͤubchen; ich will nur ſchnell nach Hauſe und mein Sonntagsgeſicht holen!“ Das Abenddunkel hatte ſich kaum ſeit einer halben Stunde uͤber die engen Straßen verbreitet. Mutter Smet, des Schorn⸗ ſteinfegers ehrbare Ehewirthin, ſaß an einem Tiſche, beſchaͤftigt, beim Schein einer kleinen Lampe die wollenen Struͤmpfe ihres Pauw zu ſtopfen. Ihr Anzug war nicht nur ſauber, ſondern auch koſtbarer als es ihr Stand ſonſt mitzubringen ſchien; denn obgleich ſie ſich in ihrer Wohnung befand und an jenem Abende nicht mehr auszugehen gedachte, trug ſie ein roſenfarbenes Mieder mit kleinen Blumen, einen wollenen Calamankrock mit ſammt⸗ nem Saumſtreifen und einer ſchneeweißen Fluͤgelhaube. In ihrem Gemuͤthe jedoch ſchienen duͤſtere, herabſtimmende Gedanken auf⸗ und abzuwogen, denn oͤfters unterbrach ſie ihre Arbeit und ließ auf ihren Geſichtszuͤgen einen Ausdruck bitteren Grames wahrnehmen. „So werden ſtets die armen Menſchen, die eine Erbſchaft zu machen haben, betrogen,“ murmelte ſie endlich vor ſich hin. „Dieſe klugen Herren wiſſen es immer ſo kuͤnſtlich anzufaſſen, ſo liſtig zu wenden und zu drehen, bis uͤber dem Streiten die rechtmaͤßigen Erben von hinnen geſchieden, und dann ſtecken die Schelme den Nachlaß in ihren eigenen Sack. Wenn ich noch daran denke! Der alte Maurer Kobe in der Winkelſtraße 16 hunderttauſend Gulden ſollte der erben, Alles war ſchon ab⸗ gemacht und in Ordnung.. und da ſchicken ſie ihn ſo lange von Pontius zu Pilatus, daß er am Ende in ſeiner Boden⸗ denkammer hat Hungers ſterben muͤſſen. Ein halbes Jahr dar⸗ nach wurde die Erbſchaft unter vier vornehme Herren vertheilt, die von Allem die Huͤlle und Fuͤlle beſaßen, und wohl das beſte Theil von dem, was dem armen Kobe zukam, iſt an den Fingern der Herren Advokaten haͤngen geblieben... Aber mich ſollen ſie nicht in der Weiſe daran kriegen. Sollte es mich den letzten Stuͤber koſten, wiſſen muß ich, was aus dem Nachlaſſe meiner Frau Tante in Holland geworden iſt.— O, dieſes ehrliche Diebsgeſindel!“ Bei dieſen Worten trat ihr Mann ins Zimmer, blies das Laͤmpchen, das er in der Hand hielt, aus, ſtellte es auf einen Kaſten und blieb mit gekreuzten Armen ſeiner Frau freundlich zulaͤchelnd ſtehen. Er hatte ſein Geſicht gewaſchen und ſeine Kleider unter⸗ ſchieden ſich nicht mehr von denen jedes andern Buͤrgers ſeines Standes, der im Begriff ſteht, Abends ſein Schoͤppchen in Ge⸗ ſellſchaft der Freunde zu leeren. „Da habe ich eben droben auf dem Speicher den Ratten keinen ſchlechten Fraß vorgebrackt!“ rief er.„Rathe einmal, Treſe, was ich gethan habe?“ „Oh laß mich in Ruhe,“ erwiederte griesgraͤmiſch die Frau. „Zehn Jahre ſind's ſchon, daß du den Ratten ihren To⸗ desteig baͤckſt; ſie treiben's nur um ſo aͤrger: laß nur etwas auf dem Boden herumliegen, und waͤre es dein Rußſack, des andern Tages ſollſt du ſehen, wie gemuͤthlich ſie ſich's haben ſchmecken laſſen!“ 9 4 der ga it zu ungehi Mietht S ganzen Dorn dir wie alten— Luftſchl nicht de thun g Das 17 „Ja, was kann ich dazu; ich kann doch nicht gegen die Ratzen der ganzen Stadt zu Felde ziehen? Dies raubſuͤchtige Vöͤlkchen iſt zu beſtaͤndig auf der Wanderſchaft und ſchleicht ruhig und ungehindert fort durch Pfuͤtzen und Ritzen; das zahlt ja keinen Miethzins, und wo es ihm einmal behagt, da laͤßt es ſich ruhig nieder. Ich habe dir aber eben eine erwiſcht, Treſe, eine kohlſchwarze mit einem Schwanz, aus dem du dir leicht ein Paar Strumpfbaͤnder haͤtteſt ſchneiden koͤnnen... Aber, Frau, es ſitzt dir heute die Haube wieder etwas ſchief auf dem Kopfe; was iſt dir abermals in die Quere gekommen? Will es denn kein Ende nehmen mit den ſauern Geſichtern?“ „Ich mache ein Geſicht, wie es mir anſteht.“ „Um ſo ſchlimmer, daß du es abſichtlich machſt. Den ganzen Tag hab' ich's gar wohl gemerkt, daß du dir einen Dorn in den Fuß getreten haſt. Ich wollte wetten, es ſpukt dir wieder im Kopfe von Advokaten, von deiner hollaͤndiſchen alten Muhme, von Erbſchaft, von Goldtoͤnnchen und anderen Luftſchloͤſſern?“ „Das ſind nicht deine Sachen. Miſch dich daher lieber nicht darein!“ —„Sieh, Treschen, laß mich dir einmal etwas ſagen: aber in vollem Ernſt, ohne Lachen.“ —„Ohne Lachen; das biſt du nicht im Stande, Spaß⸗ vogel.“ .—„O gewiß bin ich's; hoͤre nur. Wir leben nun, wenn mir recht iſt, etwa fuͤnf und zwanzig Jahre zuſammen; naͤch⸗ ſtes Jahr am heiligen Johannistage feiern wir ja unſere ſilberne Hochzeit. Die ganze Zeit hindurch haſt du mit Advokaten zu thun gehabt, Todten⸗ und Taufſcheine zuſammengetrieben.. und Das Glück reich zu ſein. 2 — — 18 jeden Monat einige blanke Thaler den ſchwarzen Maͤnnern von der Juſtiz zugeſteckt. Wenn alle dieſe kleinen Suͤmmchen nun beiſammenlaͤgen, ſo machte das meines Beduͤnkens ſchon ein huͤbſches Stuͤck Erbſchaft aus, denn es gehen gar viele Mo⸗ nate auf fuͤnfundzwanzig Jahre. Bis hierher habe ich mich ganz ſtill dabei verhalten und dich gewaͤhren laſſen; aber jetzt iſt Alles ſo teufelstheuer geworden, daß es Zeit wäre, ein bischen kluͤger zu werden. Die Kartoffeln koſten ja, weiß Gott, faſt zwei Franken die Metze; das Fleiſch iſt ſo hoch geſtiegen, daß wir fuͤr den Preis eines gefegten Kamins gerade ſo viel bekommen, daß jeder ein winziges Stuͤckchen auf ſein Brod zer⸗ bröckeln kann,— und gar das Brod, das liebe Brod!“ —„Geh' doch! Was liegt dir daran, was das Brod koſtet!“ ſcherzte Frau Smet.„Wenn nur das Bier nicht auf⸗ ſchlaͤgt...“ —„Nun ja, ſo lange es geht, und ſollten auch die Portionen noch duͤnner werden, bin ich nicht Willens, mich daruͤber abzuhaͤrmen, lieb's Muͤtterchen. Froͤhlichkeit iſt auch gutes Brod! Aber du bringſt mich aus meinem Text. Was ich ſagen wollte, iſt dieſes: du traͤumſt den ganzen lieben Tag von lauter Tanten und Onkeln und von ungeheuern Erbſchaften, die ſie dir zufallen laſſen ſollen. Ich bitte dich, laß doch einmal dieſen Quark fahren; denn es wird von Tag zu Tag bhunter, und ich fuͤrchte, es kommt dir noch gar der Rappel in den Kopf; und vor lauter hollaͤndiſchen Onkeln und Tanten kannſt du am Ende deine Tage im Narrenhauſe beſchließen...“ Die Frau ſtand auf und antwortete mit biſſigem Laͤcheln: „Was man doch Alles von ſeinem eigenen Mann anhoͤren muß! gameine aus gl des Se ja beke fuͤr re dahinſte wir eit das w nen zu gernagt der ho lche L. Fett vo uch ni gien? Menge. Jahre zu unſe um, ic Lauter nach ih Schelde dn tre hoch z mit vie mnern von das Brod er nicht auf⸗ en auch die ilens, nich tet iſt auch Tert. Was lieben dg Erbſchaften, doch einmal Tag bunter, ppel in den anten kannſt 7 1... ſem Laͤcheln: inn anhoͤren 19 muß! Glaubſt du vielleicht auch, wie die andern, daß ich von gemeiner Familie herſtamme?“ „Gar nicht, Frauchen; ich glaube vielmehr, daß du aus guter ehrbarer Familie ſtammeſt, aus der Familie naͤmlich des Peter und des Paul und des Michel. Dein Vater beſaß ja bekanntermaßen einen Troͤdlerladen; freilich, man hielt ihn fuͤr reich— um ſeiner Habſucht willen; aber als er ploͤtzlich dahinſtarb, wurde vergebens nach klingender Muͤnze geſucht und wir erbten eben nichts weiter als unſer beſcheidenes Häuschen. Und das war auch im Grunde genug. Deine Nichte traͤgt Citro⸗ nen zu Kauf, deine Muhme plagt ſich um altes Eiſen und zernagte Knochen, und der Sohn deines Onkels iſt Mitglied der hochloͤblichen Feuerloͤſchmannſchaft. Gute, brave und red⸗ liche Leute, das muß man ſagen.... aber daß ihnen viel Fett von den Fingern tropft, das, geſtehe es ſelbſt, iſt eben auch nicht wahr.“ —„Wer ſpricht aber auch von meiner Familie in Bel⸗ gien?— In Holland da giebt es der Van der Bergen die Menge.“ —„und Janſens noch mehr. Schon fuͤnf und zwanzig Jahre her ſuchſt du unter allen Van der Bergen, ob keiner zu unſerer Familie gehoͤre, und dieſes Spiel hat dich bereits um, ich will nicht ſagen wie viele Gulden aͤrmer gemacht. Lauter eingebildetes Zeug. Der Menſch ſieht immer das, wor⸗ nach ihn geluͤſtet. Geh nur einmal an das Werft bei der Schelde, wenn der Wind weht und richte deine Augen nach den treibenden Wolken: Was willſt du ſehen? Einen Reiter hoch zu Pferd? Napoleon? Einen Rieſen? Eine Kutſche mit vier Pferden? Einen Drachen mit ſieben Koͤpfen? Du 2* — 20 brauchſt nur zu wuͤnſchen und es ſtehet vor dir da. Ja ſo iſt es mit dir, Treſe: du haſt ein wahres Marionettenſpiel in deinem Kopfe!“ Die Frau ſetzte ſich wieder und ſagte mit ernſt bedaͤchtiger —„Sonderbar, wie du heute ſo feſt auftrittſt; es will mich faſt beduͤnken, als ob du dieſen Nachmittag bei unſerem Advokaten geweſen ſeieſt. Der Schelm naͤmlich, nachdem er mich zwei Jahre lang an der Naſe herumgefuͤhrt und manchen Gulden mir abgeluckſt hat, fuͤr Siegel, Papiere und Documente, und was weiß ich Alles noch, ſagt mir heute rundweg ins Geſicht, daß unſere Familie zwar groß, aber aus lauter armen Leuten beſtehe. Indem er mir den ganzen Plunder Briefe, den er in Haͤnden hatte, zuruͤckſtellte, erſuchte er mich freund⸗ lichſt, ihn fortan mit meinen Beſuchen zu verſchonen!“ —„Nun, das heiße ich einen braven rechtlichen Advoka⸗ ten: Er haͤtte dir ja noch manchen Gulden entlocken koͤnnen, aber als ein ehrlicher Menſch will er dich nicht um dein Geld bringen und ertheilt dir lieber koſtenfrei einen guten Rath. Dergleichen Advokaten ſind duͤnn geſaͤet, wenigſtens wie mir die Leute verſichern, denn ich ſelber kann daruͤber nicht urtheilen, und wenn dieſe Herren von meinem Gelde zehren muͤßten, dann wuͤrden ſie nicht viel Butter auf ihr Brod zu ſtreichen bekommen.“ Dieſes Geſpraͤch ſchien der Mutter Smet den Gram, der ſie den ganzen Tag uͤber gedruͤckt hatte, etwas benommen zu haben, und mit erleichterter Bruſt ſagte ſte: —„Sag was du willſt, aber ich werde doch noch ein⸗ mal reich, ehe ich mein Haupt niederlege. Ich bin aus guter Fanili langen einen ſunden kannſt haͤtteſ Geld⸗ nehmer Ratzen für de Smet; ſplitter wit ſ fangen mal u Wir lube iinen ſollten iſt Cn t dedichtiger ttſt— ds will ei unſerem nachdem er und manchen d Documente rundweg ins 9 armen inder Brief t lauter mich freund⸗ 114 hen Advoka⸗ vcken koͤnnen, in dein Geld guten Rath. wie mir die icht urtheilen, dren müußten, zu ſtreichen Gram, der eenommen zu ch noch ein⸗ en aus guter 21 Familie und fruͤher oder ſpaͤter muß ich zu einer Erbſchaft ge⸗ langen... Dieſe Nacht noch hat es mir getraͤumt, ich haͤtte einen Klumpen Gold, groß wie unſere Thuͤrſchwelle, ge⸗ funden...“ —„Wirklich?“ rief lachend der Schornſteinfeger,„dann kannſt du gewiß ſein, daß du noch lange zu warten haſt! haͤtteſt lieber von Spinnen traͤumen ſollen, denn die bedeuten Geld...“ Ploͤtzlich ließ ſich draußen vor der Stiege ein Getoͤſe ver⸗ nehmen. —„Was mag das ſein?“ fragte Smet horchend. —„Nun, hoͤrſt du's nicht?“ ſpoͤttelte ſeine Frau,„die Ratzen klettern vom Boden herab, um dich recht auszulachen fuͤr den herrlichen Schmaus, den du ihnen gekocht haſt.“ „Das waͤre doch wirklich ein Wunder,“ murmelte Baes Smet;„hab' doch alle Loͤcher und Spalten mit Kalk und Glas— ſplitter zugeſtopft! Ich will einmal ſehen... Es kann hoͤch⸗ ſtens eine geweſen ſein; denn es iſt wieder alles ſtill.“ „Aber Smet,“ begann auf's Neue die Frau,„wenn wir ſo ploͤtzlich einmal reich wuͤrden, was wuͤrdeſt du an⸗ fangen?“ „Um Gottes Willen, Treſe, ſchweig doch endlich ein⸗ mal mit dieſem unausſtehlichen Liede von Erben und Reichſein. Wir ſind ja wahrhaftig nicht uͤbel daran. Schenkt uns der liebe Gott nicht taͤglich unſer Brod und mir noch obendrein einen Schoppen Bier in heiterer Geſellſchaft von Freunden; was ſollten wir noch mehr wuͤnſchen?“ —„Nun, wenn du trotzdem unverſehens ein reicher Mann wuͤrdeſt?“ 22 Smet beſann ſich eine Weile und antwortete dann: 2 —„Was ich thun wuͤrde? das weiß ich meiner Treu ſel⸗ D ber nicht. Doch ſcheint mir, ich wuͤrde vor Allem unſer Haus neu anſtreichen und auf unſer Aushaͤngeſchild die Worte malen laſſen: Zum vergoldeten A. B. Zweitens wuͤrde ich fuͤr den Winter vier Schinken auf einmal kaufen. Drittens.. nun vier Sack Kartoffeln und ſechs Viertel Kohlen ſchenkte ich der armen Witwe, druͤben in der Straße, mit ihren ungluͤcklichen Kindern. Viertens wuͤrde ich fuͤr un⸗ ſern Pauw ein huͤbſches Haus kaufen und bei ſeiner Hochzeit mit Kaͤthchen einen Brautſchmaus halten, daß man noch auf dem Kauwenberg den Geruch davon haben ſollte.“ —„und das iſt Alles? Waͤre wohl der Muͤhe werth, reich ſein zu wollen!“ ja, was drittens? —„Nun, mehr faͤllt mir grade in dieſem Moment nicht ein. Mit einem Worte, ich wuͤrde davon leben und die Freunde leben laſſen.“ —„und wuͤrdeſt dabei noch Schornſteinfeger bleiben?“ —„Wie fragſt du?“ —„Ob du noch ferner Schornſteinfeger bleiben wuͤrdeſt?“ —„Das heißt, ich wuͤrde.. zu meinem Vergnuͤgen.. Schornſteine fegen.“ —„Oh, du unſchuldiger Hungerleider,“ kicherte die Frau. —„Was ſollte ich denn ſonſt mit meiner Zeit anfan⸗ gen?“ fragte Baes Smet.„Denkſt du, ich wuͤrde den ganzen Tag zu Hauſe hocken wollen. Sage mir aber nun du ſelber, was du thun wuͤrdeſt, wenn uns vom Himmel ein Schatz in den Schoß fiele?“ —„Oh, ſo viel weiß ich, daß ich ihn vernuͤnftiger an⸗ wenden Ein d 7 wuͤrde wuͤrde fuͤr ei tragen. 2—* qus.⸗ Ohren Schlep wo ich du we — enen durch Nedd l „ſonſt Smet, herſtol Hals Wenn gibe i ſchicken Gehir ſer Haus malen Nuͤhe üͤhe werth koment nicht en und die bleiben?“ in wuͤrdeſt?“ ſergnuͤgen.. tte die Frau. Zeit anfan⸗ den ganzen n du ſelber, in Schat in ünftiger an⸗ wenden wuͤrde; bin ja von guter Familie!“ frohlockte die Frau. „Ein großes Haus auf dem Kipdorp oder auf dem Meirplatz wuͤrde ich mir kaufen; eine Kutſche und vier Pferde halten und fuͤr den Winter einen Schlitten, Kleider von Seide und Sammt wuͤrde ich anſchaffen, einen Muff und einen Boa...“ —„Was ſagſt du da? Einen Boa? Was iſt das fuͤr ein Ding?“ —„Ein Pelz, den die vornehmen Damen um den Hals tragen.“ —„Ah, ſo einen Schwanz von einer wilden Beſtie?“ —„Ei, das thut gar wohl und nimmt ſich herrlich aus!... Dann wuͤrde ich Diamanten auf der Bruſt, an den Ohren und Fingern tragen, und hinten an meinem Kleid eine Schleppe, wie die Koͤniginnen in der Komoͤdie— und uͤberall, wo ich ginge, muͤßte ein Bedienter hinterdrein troddeln... du weißt, ſo ein Kerl mit einem gelben Frack und einer gol⸗ denen Treſſe um den Hut... dann käͤme ich jeden Tag hier durch die Straße, um die Spezereihaͤndlerin vor Aerger und Neid berſten zu machen 4 —„Hoͤre auf, Frau, ich bitte dich!“ rief der Kaminfeger, „ſonſt berſte ich ſelber vor Lachen Seh' mal einer Madame Smet, die Frau Kaminfegerin, wie ſie uͤber die Straße ein⸗ herſtolzirt mit einem Schleppkleid, einem Fuchsſchwanz um den Hals und einem langen Bengel von Kanarienvogel hinter ſich. Wenn du nicht dran biſt, den Rappel zu bekommen, dann gebe ich's auf und du kannſt mich ſelber ins Narrenhaus ſchicken, denn das iſt gewiß, eins von uns hat einen Riß im Gehirn!... Aber hoͤre doch, was das wieder fuͤr ein Trei⸗ ben droben iſt. Wahrhaftig, ſelbſt die Ratzen lachen dich aus!“ 24 —„Geh doch hinauf, Smet; das wird am Ende gar zu bunt. Mache lieber die Loͤcher wieder auf; denn ſeit du den Ratzen deinen Poſſen geſpielt haſt, ſollte man glauben, es haͤtten ſich alle aus der Nachbarſchaft ihr Stelldichein bei uns gegeben.“ Der Kaminfeger folgte der Auffordernng ſeiner Frau, ſteckte das Laͤmpchen an und griff nach einem alten verroſteten Saͤbel hinter dem Kaſten. „Ich will ſie gehoͤrig aus ihren Neſtern herausriffeln,“ ſagte er.„Leg mir einſtweilen einige Centen zurecht; denn ich gehe gleich nachher aus, mein Schoͤppchen zu trinken.“ Mutter Smet blieb eine ziemliche Weile unten und horchte auf das Gepolter, das ihr Mann oben auf dem Boden an⸗ ſtellte, indem er mit dem Saͤbel auf den Brettern herum⸗ ſchlug. Bald jedoch trat voͤllige Stille ein und die gute Frau ge⸗ rieth auf's Neue in wohlthuende Traͤumereien von ſeidenen Kleidern, diamantenen Ohrringen, von Bedienten mit reich be⸗ treßtem Hute. Ein ſuͤßes Laͤcheln erglaͤnzte auf ihrem Antlitz, waͤhrend ſie ſo behaglich ihren Reichthumsgedanken nachhing, und wohl nickte ſie zuweilen mit dem Kopfe, als beſtaͤtigte ihr Geiſt die Wahngebilde ihrer verzuͤckten Phantaſie. Endlich hoͤrte ſie die Treppen knirren unter dem Tritt ihres Mannes; mit Verwunderung bemerkte ſie, daß dieſer im Dunkeln die Stiege heruntertappte. —„Iſt dir die Lampe ausgegangen?“ rief ſie. Der Ka⸗ minfeger indeſſen antwortete nicht, ſondern ſchwankte ſchweigſam die Stufen herunter und nahte ſich ihr. Der Angſtſchweiß lief ihm vom bleichen Geſicht und er zitterte am ganzen Leibe. 25 Die Frau ſtieß einen Schrei des Entſetzens aus, ſtand auf Nauben und rief ihm zu: hein bei uns—„Gott, wie iſt dir? Was haſt du geſehen? Einen Dieb? Ein Geſpenſt?“ Frau, ſette—„Schweig, Frau, und laß mich zu Athem kommen!“ ſteten Säͤbel murmelte dumpf Meiſter Smet. „Um's Himmels Willen, ſprich doch?“ jammerte die 4 erausriffeln⸗ Frau;„du jagſt mir eine Todesangſt durch alle Glieder!“ üt; denn i6—„Still, Treſe; ſprich leiſe, es darf uns Niemand n. hoͤren.“ und horchte Hiermit trat er naͤher hinzu und fluͤſterte ihr in's Ohr: Boden an⸗—„Vreſe, liebe Treſe, dein Traum iſt wahr geworden: tern herum⸗ einen Schatz, einen großen Schatz hab' ich eben gefunden!“ —„O du Armer!“ ſeufzte ſchmerzvoll die Frau.„Er te Frau ge⸗ iſt wahrhaftig von Sinnen!“ on ſäidenen—„Nein, nein; nur keinen Laͤrm oder wir ſind verloren,“ uit reich be⸗ bat Smet faſt außer ſich vor der Gewalt ſeiner Empfindungen. rem Antlit,—„Nun, ſo ſprich doch einmal; was iſt vorgefallen?“ nachhing, wiederholte die Frau. ſeſaͤtigte ihr—„FEinen Schatz, ſage ich dir, habe ich gefunden, ſo wie dir in der vorigen Nacht getraͤumt hat.“ dem Tritt—„Einen Klumpen Gold!“ F dieſer im—„Nein, einen Sack voll Geld; Beides, Gold und Silber. Komm, nimm die Lampe; ich will ihn dir zeigen.“ Der Ka⸗ Die Frau fing gleichfalls an zu zittern und blaß zu wer⸗ ſchweigſam den; denn es ſchien ihr nunmehr, daß ihr Mann wirklich mit iſchweiß lief voller Beſinnung geſprochen. Doch bei all ihrer Verwirrung n Leibe. ſchwebte noch ein fieberhaftes Laͤcheln um ihre Lippen. 5 6 Ihrem Manne auf dem Fuße nachfolgend, ſprach ſie aͤngſtlich: —„Ich bitte dich, Smet, taͤuſche mich nicht; denn wenn es nicht wahr iſt, ſo koͤnnte der Schreck daruͤber wobl toͤdtlich fuͤr mich werden.“ —„Schweig, ſage ich,“ fluͤſterte ihr Smet zu, indem er die Bodentreppe hinaufſtieg;„du wirſt uns am Ende noch gar verrathen!“ —„Aber wie und wo haſt du den Fund gemacht?“ fragte die Frau mit etwas gedaͤmpfter Stimme. Baes Smet blieb ſtehen, als wollte er die Neugierde ſeiner Frau befriedigen, noch ehe ſte den Schatz ſelber geſehen. —„Du haſt doch wohl gehoͤrt, Treſe,“ ſprach er,„wie ich droben mit meinem Saͤbel rumort habe. Als ich naͤmlich auf den Boden kam, ſah ich zwar keine Ratzen mehr; aber bei dem Herumſchlagen ſprangen noch zwei aus einer Ecke hervor. Sie krochen mir an den Beinen voruͤber und verſchwanden am Mittelbalken, auf dem das Dach ruht. Da trat ich mit dem Lichte naͤher hin, fand aber weder Ritze noch Oeffnung. Ich muſterte alle Winkel ſorgfaͤltig durch und kehrte dann wieder nach dem Balken zuruͤck, denn ich konnte mir nicht erklaͤren, wo die zwei Ratzen ſich hinverſteckt haben koͤnnten. Obgleich ich nicht den geringſten Riß im Balken wahrnahm, ſchlug ich dennoch, ich weiß ſelber nicht warum, mit dem Saͤbel dagegen. Das klang aber ſo ſonderbar, als ob der Balken hohl waͤre und ich ſchlug immer weiter darauf zu, in der Erwartung, es koͤnnten ſich wohl Ratzen darin aufhalten. Da ſpringt ploͤtzlich ein viereckiges Brett vom Balken ab, und pluff! es mit dem ung. Ich in wieder erklaͤren, Obgleich ſchlug ich rwartung, a ſpringt pluff! es 27 faͤllt mir etwas auf den Fuß, daß ich gerade haͤtte aufſchreien mogen....“ „Ein Klumpen Gold?“ —„Nein, wie geſagt, ein ganzer Sack voll gemuͤnztes Geld! Beim Fallen riß er entzwei und es rollte daraus eine Unzahl Gold⸗ und Silberſtuͤcke uͤber den Boden... Ich war, wie du dir denken kannſt, wie vom Blitze geruͤhrt, die Lampe fiel mir aus der Hand und es uͤberlief mich ein Schuͤtteln, daß ich mich an der Mauer feſthalten mußte, um wieder herunter zu kommen. Es drehte ſich Alles vor meinen Augen; kurz ich war wie betrunken... Nun komm; aber gehe auf den Zehen und ſprich ſo leiſe, als es dir nur immer moͤglich iſt.“ Auf dem Boden angekommen, fuͤhrte der Schornſteinfeger ſeine Frau nach dem mittlern Balken und wandte das Licht nach einem großen ledernen Sack, der mitten unter herumge⸗ ſtreutem Gelde auf dem Boden lag. Baeſin Smet fiel mit einem erſtickten Freudenſchrei auf die Kniee nieder, riß den Sack noch weiter auf, ſteckte ihre Haͤnde mitten in die Goldſtuͤcke hinein, blieb eine Weile in ſtiller Verwunderung verſunken, ſprang dann wieder auf, tanzte wie von Sinnen durch den Speicher und rief endlich mit lau⸗ ter Simme: „Ach! ich erſticke; ich halt's nicht laͤnger aus; ſprechen muß ich. Lieber Himmel, ſo ſind wir am Ende doch reich geworden.“ Erſchrocken faßte ſie der Schornſteinfeger nicht gar ſanft beim Arm und legte ihr die Hand auf den Mund, indem er ihr mit drohender Geberde zufluͤſterte:. „Unvorſichtige Naͤrrin, ſchweig, oder ich kneipe dir den 1 28 Arm, daß du hinſtuͤrzeſt! Du willſt alſo, daß die ganze Nach⸗ barſchaft von unſerm Fund Kunde erhalte?“ —„Ach, Gott!“ ſeufzte die Frau unter dem ſchmerzlichen Druck ihres Mannes,„was faͤhrt dir ſchon wieder durch den Kopf. Du ſchneideſt ja ein Geſicht, als wollteſt du mich auf⸗ freſſen! Wie doch das Geld gleich einen Menſchen veraͤndert. Die fuͤnf und zwanzig Jahre, die wir zuſammen haushalten, habe ich bei dir noch nie ſo blitzende Augen geſehen!“ Als waͤre er uͤber ſein eigenes Aufbrauſen verwundert, der Schornſteinfeger beſaͤnftigte ſich. 3 „Nein, liebe Treſe, es war nicht boͤſe gemeint,“ ſprach er, ihren Arm loslaſſend,„aber ich beſchwoͤre dich, ſprich nicht zu laut und mach' keinen Laͤrm... Es fraͤgt ſich nun, was wir mit dem Geld da anfangen?“ —„Was wir damit anfangen? nun, ich denke, wir tragen es hinunter und verſchließen es ſorgfaͤltig im großen Kaſten.“ „Und wenn die Diebe bei uns einbrechen?“ —„Wie ſollten ſich gerade jetzt Diebe bei uns einſtellen? Der Kaſten ſteht vielleicht ſchon hundert Jahre lang in der Ecke und iſt noch Niemand eingefallen, ihn aufzubrechen.“ —„Ei, man kann nicht wiſſen, was geſchehen kann.“ —„Irgendwo muͤſſen wir es doch jedenfalls unterbringen.“ —„Wenn ich es in den Strohſack unſeres Bettes ver⸗ ſteckte?“ —„Man ſieht wohl, Smet, daß du an kein Geld ge⸗ woͤhnt biſt. Meinſt du, die reichen Leute ſtecken ihr Geld in ihre Matratzen? Leg' es nur kuͤhn in den Kaſten; finden wir morge noch G Sch unte uns Sor ſchw thuͤr und aufg vor unve ſagte ſchli gen ihn Ha, ſcha Frel ar anze Nach⸗ cmerſiche durch den mich auf veraͤnd faushal ert. ten, nde t, der gemeint“ ich, ſprich ſich nun, inke, wir —i großen einſtellen? der Ecke kann.“ bringen.“ ttes ver⸗ Geld ge⸗ Geld in nden wir 29 morgen eine paſſendere Stelle, nun, ſo koͤnnen wir's immer noch aͤndern.“ Indem er die andere Lampe vom Boden aufhob, ſagte der Schornſteinfeger: —„Treſe, lade du das Geld in deinen Schurz; ich will unterdeſſen an der Thuͤre drunten den Riegel vorſchteben, damit uns Niemand bei der Arbeit uͤberraſche.... trag aber recht Sorge, daß die Geldſtuͤcke nicht klirren.“ Waͤhrend die Frau das Geld aufſammelte und mit der ſchweren Laſt die Stiege hinabging, verriegelte Smet die Haus⸗ thuͤre, muſterte ſodann noch Fenſter, Hinterthuͤre, Kellertreppe und pruͤfte uͤberall die Schloͤſſer und Klappen. Mittlerweile hatte ſeine Frau den ganzen Schatz im Kaſten aufgeſchichtet und ſaß nun vor dem Tiſch, mit bewegter Bruſt vor ſich hinſtarrend und in ſeliges Nachſinnen uͤber den ihr ſo unverhofft zugefallenen Reichthum vertieft. Da trat Meiſter Smet herein, ſtreckte die Hand aus und ſagte trocken: —„Den Schluͤſſel her!“ —„Den Schluͤſſel!“ erwiederte ſeine Frau mit ſtolz ab⸗ ſchlaͤgiger Miene.„Das waͤre ſchoͤn, wenn in unſern alten Ta⸗ gen du den Schluͤſſel in der Taſche tragen ſollteſt, nachdem ich ihn fuͤnf und zwanzig Jahre lang mit Ehren gefuͤhrt habe? Ha, ich verſtehe; es ſtuͤnde dir wohl an, das Geld in Geſell⸗ ſchaft deiner Kaminfegergenoſſen zu verpraſſen? Aber holla, Freundchen, uͤber den Kaſten bin ich Herrin!“ Smet ſchuͤttelte ungeduldig den Kopf und murrte: „Du irrſt dich gewaltig; es iſt mir vielmehr darum zu thun, dich vor dem Vergeuden des Geldes zu bewahren. 30 Als wir wenig beſaßen, da ſchien mir das Sparen zu nichts zu fuͤhren und ich hielt nicht viel darauf, aber jetzt iſt mir daran gelegen, daß etwas fuͤr unſere ſchlimmen Tage uͤbrig bleibe und wir nicht bei all unſerem Gelde noch in Noth und Elend gerathen, ehe wir zur ewigen Ruhe uns niederlegen. bekommt dir nicht gut,“ ſpottete die Frau etwas verdrießlich; „du ſprichſt ja wie ein Filz und ſchneideſt Geſichter wie ein Leichenſager.“ —„Noch einmal, Treſe, gieb mir den Schluͤſſel.“ —„Den Schluͤſſel? Und muͤßt' ich Haar und Federn da⸗ bei laſſen, den Schluͤſſel geb' ich nicht aus der Hand.“ —„Willſt du mir aber auch verſprechen, nichts aus dem Kaſten ohne meine Zuſtimmung herauszunehmen?“ —„Das heißt, ich will mich wohl anheiſchig machen, das Geld nicht in den Tag hinein zu verſchleudern; aber daß ich mir eine Erlaubniß ausbitten ſoll, wenn ich mir ein neues Kleid anſchaffen und meine abgetragenen Ohrringe fuͤr beſſere austauſchen will— da laß ich mich nicht drauf ein? So lautet es nicht in unſerm Ehekontrakt. Denn wollte ich mich nach deinem Willen richten, waͤren wir am Ende noch aͤrmer als zuvor. Wenn du vom Gelde nicht mehr Genuß ziehen magſt, dann kannſt du ebenſogut einen Haufen Zehnguldenſtuͤcke an die Wand malen: der Schein bleibt derſelbe und du haſt weniger ſchwer daran zu tragen.“ „Du willſt mich auch gar nicht verſtehen, Treſe; ich meine naͤmlich, daß, wenn du auf einmal durch praͤchtige Klei⸗ der, die gar nicht zu unſerem Stande paſſen, merken aͤſſeſt, daß wir viel Geld beſitzen, die Nachbarn natuͤrlich daruͤber lauſche tholt — 9 rechtme Jahre ſich 6 funden wenn. gelangt hen, bald in iigenes umgewc ſchlechtm een das Volizelk rrddicht ſuchung gerathen kriegt! then no Mann, Miemang wie daß ich in neues t beſſere in? So ich mich ermer als n magſt, e an die weniger teſe; ich ge Klei⸗ zläſſeſt daruͤber 31 klatſchen und ſich gegenſeitig fragen werden, wo wir es her⸗ geholt haben.“ —„Nun, was liegt auch daran? das Geld gehoͤrt ja uns rechtmaͤßig zu; meine Ahnen wohnen wohl ſchon uͤber hundert Jahre in dieſem Hauſe, und jetzt erklaͤrt es ſich endlich, warum ſich beim ploͤtzlichen Abſterben meines Vaters kein Geld vorge⸗ funden hat. Er hatte nicht mehr die Zeit, den Ort anzuge⸗ ben, wo er es vergraben hatte. Was haͤtte es alſo auf ſich, wenn die Leute erfuͤhren, daß ich endlich zu meinem Erbtheil gelangt bin?“ —„Was es auf ſich haͤtte, Unvorſichtige? Wuͤßten die Diebe von dem Gelde, das wir verwahren, ſo wuͤrden ſie ſich bald in den Beſitz deſſelben zu ſetzen wiſſen und dabei unſer eigenes Leben nicht verſchonen.“ —„Was, das Geld hat dich ſchon zu einem Haſenfuß umgewandelt! Smet, ich erkenne dich nicht mehr...“ —„Ja, bedenke noch dazu, daß die Leute es nicht ſo ſchlechtweg auf Treu und Glauben annehmen werden, wir haͤt⸗ ten das Geld gefunden und Gott weiß, ob wir nicht gar den Polizeikommiſſaͤr auf den Hals kriegen und eines Diebſtahls verdaͤchtigt werden. Dann bringen ſie den Schatz zur Unter⸗ ſuchung nach dem Gericht, und wenn er einmal in dieſe Haͤnde gerathen, da kann einer lange warten, bis er es wieder heraus⸗ kriegt! So kaͤmen wir nicht nur um das Geld, ſondern gerie⸗ then noch obendrein in Schande und Noth.“ —„Wahrhaftig!“ ſagte nachdenklich die Frau,„ich glaube, Mann, du haſt Recht.“ „Ja, ja, liebe Treſe, ſei nur recht behutſam; laß ja Niemand von unſerem gluͤcklichen Funde was merken.“ —„Am Wollen ſoll's nicht fehlen,“ bemerkte die Frau die Achſeln zuckend;„aber das Plaudern iſt ein Fehler, den mir meine gute Mutter vererbt hat, die auch nicht immer ihre Zunge in der Gewalt hatte... —„Himmel, das wird noch ſchlecht, ausfallen, ſehe ich. —„Wenn einer nach deiner Weiſe reich ſein muͤßte, da reilich ein Ungluͤck, reich zu werden, und ſo magſt waͤre es j Aber koͤnnen wir f du mit Recht jammern und ſeufzen.... cht weißmachen, daß wir geerbt haben? denn den Nachbarn nic Ich habe ja lange genug mit ihnen vom Erben geſprochen.“ Dieſer Gedanke erheiterte ploͤtzlich des Schornſteinfegers Ge⸗ ſicht; nach kurzem Nachdenken aber ſagte er bedenklich: —„Daß wir geerbt haben? Aber dann erfahren auch die Leute, daß hier viel Geld liegt.“ —„Was thut's?“* —„Smet, du verlierſt den Verſtand.“ —„Nein, weißt du, was wir ſagen? Daß wir nächſtens erben werden, daß die guͤnſtigſten Berichte von deinem Onkel in Holland eingelaufen ſeien.. ℳ von meiner Tante; und wenn ich jetzt —„Sage lieber, oder ſonſt was anderes kaufe, ſo ſchon mir ein neues Kleid koͤnnen doch die fuͤrwitzigen Nachbarn ſich die Sache leicht er⸗ klaͤren... naͤmlich als einen vorlaͤufigen Anſchnitt des erwarte⸗ ten Erbes.“. —„So laß ich mir's gefallen; es erfaͤhrt wenigſtens Niemand, daß viel Geld bei uns liegt und Jedermann muß endlich anerkennen, daß du von guter Familie ſtammſt. Aber imwerhin Gelde et Gelde⸗ 7 geziemt. — Nachbar ſich einf ſchwender ſchnell! hier vor Der ſodann k waͤre. Tril begann 3 plaudern. Abend; haben u mann ge der Vat — 4) G beſondere bringen, gehen. das 33 dn immerhin, Treſe, wirſt du vernuͤnftig thun, und mit unſerem hre Gelde etwas haushälteriſch umgehen?“ „Mit Gelde? du meinſt wohl, mit meinem d. Gelde. Nun, damit ſchalten, wie es unſerem Stande 1 geziemt.“ da„Abe dem Pauw muͤſſen wir daſſelbe wie der nagſt Nachbarſchaft weißmachen; damit zuletzt der Junge nicht auch wir ſich einfallen laſſe, die Naſe hoͤher zu tragen und ein Ver⸗ den? ſchwender zu werden...“ 3—„Da hoͤre ich ihn eben kommen!“ rief die Frau,„geh Ge⸗ ſchnell und mach den Riegel los; ſonſt fraͤgt er uns aus, was hier vorgefallen ſei.“ auch Der Kaminfeger that, wie ſeine Frau geſagt, und ſetzte ſich ſodann wieder ruhig an den Tiſch, als ob gar nichts geſchehen waͤre. Trillernd und huͤpfend trat Pauw in die Stube. Sogleich begann er im froͤhlichſten Tone und haſtig mit ſeinen Eltern zu 9₰ ſtens plaudern.. dnkt—„Seit langer Zeit hab' ich nicht ſo gelacht, wie dieſen Abend; auch kratzt mich's noch in der Kehle. Denkt euch, ſie haben mich in unſerer Meiſenfang⸗Geſellſchaft*) zum Haupt⸗ Jett mann gemacht.“ 10—„Nun, mache doch nicht ſo viel Weſens daraus,“ murrte t er⸗ der Vater. arte⸗ —*) Es beſtehen in Antwerpen unter der geringeren Buͤrgerklaſſe ſten beſondere Vereine, die das ganze Jahr uͤber einiges Geld zuſammen⸗ muß bringen, um im Spaͤtjahr mit einer Eule auf die Meiſenjagd zu Aber gehen. Das Glück reich zu ſein. 3 —— G — — 34 Titel iſt mir's nicht zu thun,“ fuhr ßt aber, Vater, ben, um eine eer Kunſtmaler wegen ſeines mamen Rubens —„um den neuen Pauw mit derſelben Heiterkeit fort.„8 daß wir eine Summe Geldes zuſammen neue Geſellſchaftsfahne machen zu laſſen in der Winkelſtraße— dem ſie, wie breiten Hutes und ſeines Schnauzbartes, — ſollte eine Eule auf die neue Fahne malen. gegeben haben Waͤhrend wir naͤmlich Das war dir nun ein Spaß.. ganz gemuͤthlich zuſammen plauderten, bringt man auf einmal herein. Wir ſpringen alle voller Neugierde die Fahne auf und waͤhrend brechen wir Alle zuſammen in bis vier von uns die neue Fahne drauf zu; Peter Kruls rollt wir ſie naͤher betrachten— ein ſo fuͤrchterliches Lachen aus, daß drei auf den Boden fielen und die Andern ſich die Rippen feſt⸗ halten mußten. Einer nur, machte bei der Geſchichte ein ſaures Geſicht; das war der Schmid.— Was meint ihr nun, was auf der Fahne abgebildet war.“ —„Ach, mit euren Kinderpoſſen,“ wird's geweſen ſein? eine Eule!“ —„Ganz richtig, eine Eule und zwar mit einem Kopfe, ſo groß als der eines achtjährigen Kindes;— aber das Poſ⸗ ſierlichſte daran war, die Eule und der Schmid glichen ſich wie zwei Tropfen Waſſer. Das gab nun ein furchtbares Gelaͤchter und Durcheinanderrufen. Der Schmid wollte dem Maler ſchier die Haare ausraufen; wir legten uns natuͤrlich ins Mittel— und es ſetzte eben nur drei gebrochene Kruͤge und zwei zerdruͤckte Huͤte. Gluͤcklicherweiſe nahm die Sache keinen ernſtlicheren Aus⸗ gang, indem Rubens verſprach, die Eule zu veraͤndern.... Aber ſagt mir, was hat ſich denn hier zugetragen? ihr gebt ja Beide ſagte die Mutter,„was aſſen. den ſoll Zunicken inſtweil und ein Die weiter: ja ganz habt ih Spreche mittheile ſchon ſo fuhr ater, eine daler ſänes tubens malen. aulich inmal gierde aͤhrend den in en uns n feſt⸗ ſaures „ was „„was Kopfe, 8 Poſ⸗ ſich wie eläͤchter t ſchier tel— rdruͤckte in Aus⸗ En.... ia Beide 35 kaum Acht auf das, was ich ſage. Vater ſitzt ſo truͤbſinnig da, und ihr auch, Mutter! Ihr ſeid doch nicht krank, will ich hoffen?“ —„Es iſt jetzt an der Zeit, Kurzweile zu treiben,“ er⸗ wiederte Frau Smet mit ernſtem Tone.„Pauw, Junge, weißt du was Neues?— Wir werden erben.“ „Schon wieder?“ rief der Junge mit ſcherzendem Un⸗ glauben. „Diesmal wird's wahr.“ „Das Liedchen kenne ich gar zu lange her. Ohne Zwei⸗ fel von unſerer Tante in Holland?“ „Wie du ſagſt; von meiner Tante in Holland.“ „Geht, Mutter, ihr habt euch wieder eins aufbinden laſſen. Es iſt nichts daran, nicht wahr, Vater?“ —„Es ſcheint doch, daß es diesmal eine Wahrheit wer⸗ den ſoll,“ antwortete Baes Smet, indem er ſeine Ausſage mit Zunicken bekraͤftigte. 4 —„Nun gut,“ rief Pauw lachend,„dann beſtell' ich mir einſtweilen gleich, bis das Geld einlaͤuft, ein Paar neue Hoſen und ein Dutzend Halskraͤgen.“ Die Alten ſchwiegen und Pauw, daruͤber verwundert, ſagte weiter: „Aber, Mutter, Vater, dieſe gute Nachricht hat euch ja ganz und gar griesgraͤmig geſtimmt. Laßt doch hoͤren, was habt ihr fuͤr Nachricht bekommen?“ „Ich habe jetzt Kopfweh,“ antwortete der Vater,„das Sprechen faͤllt mir ſchwer; ich will dir lieber morgen Naͤheres mittheilen.“ —„uUnd iſt es wirklich die Erbſchaft jener Tante, nach der man ſchon ſo lange her ſucht und forſcht, als ich auf der Welt bin?“ 3* 36 uns daruͤber jetzt in Ruhe.“ —„Von derſelben; aber laß Pauw ſagte kopfſchuͤttelnd zu ſich ſelber: „Es muß hier etwas vorgefallen ſein, von dem ſie mir Beim Erben macht man doch ſonſt keine u kleinen Wortwechſel aͤnger den Kopf zer⸗ nichts ſagen wollen. ſo graͤmliche Miene. ch ich will mir daruͤber nicht l Vielleicht hat's einer gegeben; do brechen.“ Hiermit ſteckte er das zweite Laͤmpchen an und ſprach zu den Eltern: —„Morgen fruͤh muß ich um vier Uhr aufſtehen; im Ranſter Hof giebt's drei Kamine zu kehren und es iſt wohl zwei Stunden Wegs dahin. Nun, gute Nacht.... —„Pauw,“ fiel utter mit einer gewiſſen Feier⸗ lichkeit in die Rede;„wir ſind keine Kaminfeger mehr; und ſo ziehe gleich deine Sonntagskleider ihm die M wenn du morgen ausgehſt, an, hoͤrſt du?“ —„Liebe Mutter, nehmt es mir nicht fuͤr ungut,“ l der Junge,„aber ihr treibt es eben doch ein bischen zu weit!“ —„Hebrigens brauchſt du auch nicht nach Ranſt zu gehen; man hat dieſen Abend abbeſtellen laſſen.“ —„Das iſt was anderes; ſo kann ich doch einmal recht ausſchlafen. Unterdeſſen wird, wie ſchon mehr als einmal, das hollaͤndiſche Erbe wieder zum Kamin herausgeflogen ſein. Schlaft wohl, Mutter; gute Nacht, Vater.“ Er ſtieg leichten Trittes auf ſeine Kammer und trallerte noch vernehmlich: achte Auf, auf, Genoſſen vom A. B.gewerk, Luſtige Jungen Froͤhlich geſungen... B9 Stunde dungsk 6s ſ verlaſſ Malet 9 findung ſeiner drehte, Herz ihm, — al Daſein lich di es nic hereint 37 hhe. Baes Smet und ſeine Frau jedoch blieben noch einige wir Stunden unten ſitzen. Letztere wandte vergeblich alle Ueberre⸗ deine dungskuͤnſte an, ihren Mann zum Schlafengehen zu bewegen. dechſel Es ſchien, als waͤre es dieſem rein unmoͤglich, den Ort zu f zer⸗ verlaſſen, wo der Schatz niedergelegt war. Zu wiederholten Malen hatte er an Thuͤren und Schloͤſſern Muſterung gehalten ch zu als es endlich Mitternacht ſchlug. Nach einer letzten Runde folgte er zuletzt ſeiner Frau nach d) im der Schlafkammer, aber nicht ohne wohl zehnmal den Blick nach wohl dem Kaſten zuruͤck zu werfen, der ſeinen Reichthum und man moͤchte ſagen, ſeine Seele verbarg. Feier⸗ ; und zleider lachte 4 III. ſweit!“„.. gehen; Die Nerven des Schornſteinfegers waren durch die Auf⸗ , findung des Schatzes ſo aufgeregt worden, daß er, trotz all l recht ſeiner koͤrperlichen Muͤdigkeit, kein Auge ſchließen konnte. r 1, das drehte, kehrte und ſtreckte ſich unter peinlichem Seufzen; ſein e 3 Herz pochte in unregelmaͤßigen Schlaͤgen, und zuweilen war es Sülſt ihm, als raͤnne ihm ein kalter Schweiß uͤber die Glieder. d wol Es geſchah wohl, daß ihn ein leichter Schlummer beſchlich, — aber in jenem Augenblick, wo der Menſch vom wachenden Daſein in den Zuſtand des Schlafens uͤbergeht, ſind bekannt⸗ lich die Nerven am empfindlichſten und dem Schornſteinfeger ſollte es nicht gelingen, dieſen Augenblick zu uͤberſchreiten; ſo oft der hereinbrechende Schlaf die Fluth ſeiner Gedanken unterbrach, 1 8 —— 58 auf und horchte mit Schrecken auf dies oder das er gehört zu haben glaubte... Und in Speicher tobten und laͤrmten und piepten ganz nach Herzensluſt, als wohnten ſie noch immer ſich in ihrem Schlummer nicht ſtoͤren ſprang er wieder jenes Geraͤuſch, der That, die Ratzen auf dem 82 bei armen Leuten, die laſſen. Endlich muß es der Schornſteinfeger, nach langem Ab⸗ muͤhen, doch zum wirklichen Schlafe gebracht haben, denn er ſchnarchte. Aber allmaͤlig wurde ſein Athem ſein Geiſt von aͤngſtigenden Bildern ge⸗ in's Geſicht und krampfhaft ſchwerer und hatte etwas Leidendes, als wuͤrde peinigt. Der Schweiß trat ihm ſpannten ſich alle ſeine Glieder. Ploͤtzlich brach ihm die Sprache aus der hervor und er ſchrie jammervoll: „Nein, nein, es iſt nicht wahr: ich hab' kein Geld. Ai, ai, beklemmten Bruſt laßt los; laßt los!“ Seine Frau, die dabei aufwachte, griff ihren Mann beim Arm, ſchuͤttelte ihn heftig und rief: —„He, Smet, was haſt du? Druͤckt dich ein Alp*) oder biſt du verruͤckt?“ *) Im Vlaͤmiſchen heißt es woͤrtlich: wirſt du von der Mar beritten? Ueber das deutſche Wort Mar in Nachtmar ſehe man Grimm's Mythologie S. 433. Wir erinnern hier daran, daß es ſich, außer dem engl. nightmare und dem franzöoͤſiſchen cauchemar(die drückende Mar; cauche vom lat. calcare) auch im belgiſch⸗walloniſchen Dialekte erhalten hat, wo man die korrumpirte Form chaude⸗ marke neben chauquemar antrifft. Anm. d. Ueberſ. — —— 3h dunkle 15 Biſt d mal ſt ſchrecli Bruttoſ Nich h mich de recht d den kal geſtande dir, ku die Bru erdruͤcken ſchlagen Thier u in einen nöthigen gerte,! Meſſer das de Augen plötzlich ich dar die Fr 39 nn Ihr Mann ſchlug die Augen auf und ſtarrte zitternd ins rnten dunkle Zimmer hinein:. umer 1„Gott, wo bin ich? ſchon duͤnkte mir, ich ſei todt... ſau Biſt du's, Treſe? 4 3 —„Wer ſollte es ſonſt ſein, als ich? Das heißt ein⸗ A mal ſchnarchen! Aber was hatteſt du doch, daß du dich ſo in g ſchrecklich wandeſt und kruͤmmteſt, gleich einem Aal auf dem Bratroſt. Das ſieht man, daß du das Geld nicht gewohnt biſt. Mich hindert es nicht im Geringſten am Schlafen, obgleich ich keuods mich doch nicht weniger daruͤber freue als du; es zeigt ſich jetzt in g⸗ recht deutlich, daß ich von guter Familie bin.“ npfßaft—„Oh Treſe,“ klagte Meiſter Smet, indem er ſich den kalten Schweiß von der Stirn wiſchte,„was ich aber aus⸗ Bruſt geſtanden habe, das kann ich dir nicht beſchreiben. Ich ſage dir, kaum war ich eingeſchlafen, ſo ſetzte ſich mir etwas auf Al, ai, die Bruſt und ich fuͤhlte, wie es mir mit den Knieen das Herz erdruͤcken wollte. Es hatte ſeine Klauen mir um den Hals ge⸗ — beim ſchlagen und ſchnuͤrte mir die Kehle zu; es glich einem wilden Thier mit langem ſchwarzen Haar und hielt ein großes Meſſer *) oder in einer der furchtbaren Tatzen. Es wollte mich durchaus noͤthigen, ihm das Geld zu weiſen, und als ich mich wei⸗ 1 gerte, knipp es mir die Kehle zu und ſtellte ſich an, mir das r Mar 4 Meſſer in die Bruſt zu ſtechen.... Ich fuͤhlte eben, wie mir ſehe man 4 das Leben ausging; da thaten ſich aber unwillkuͤrlich meine es ſich, Augen auf, ich ſtieß einen Schreckensſchrei aus und merkte dann fmar(die ploͤtmzlich, was es war. Oh, Treſe, noch ſchaudert mir, wenn* lanüſha 1 ich daran denke; es war ein Dieb, ein Moͤrder!“ —„Geh doch, mit deinen kindiſchen Grillen!“ ſpottete berſ. 4 die Frau.„Warum liegſt du auch ſo mit dem Arm unterm 3 40 Kopf; das bringt natuͤrlich das Alpdruͤcken. Doch es wird ſpaͤt, leg dich nur ruhig hin und ſtoͤre mich nicht wieder.“ Frau Smet war wenige Augenblicke darauf wieder einge⸗ Nicht ſo der aufgeregte Schornſteinfeger; der gab ſich ſchlafen. den Schlaf anzulocken, denn es nicht einmal die Muͤhe mehr, war ihm jede Luſt dazu vergangen. Ueber eine halbe Stunde lag er mit offenen Augen da von Polizeikommiſſaͤr und von Raͤubern, und traͤumte wachend ieg und ſo leiſe als moͤglich ſich bis er endlich aus dem Bett ſt in ſeine Kleider warf. Dann ſchlich er auf den Fußſpitzen nach der Stelle, wo ein Tiſch ſtand, und ſtoͤrte mit der Hand auf demſelben herum. Ein Seufzer freudiger Ueberraſchung entfuhr ihm, da er Er langte daraus endlich die Taſche ſeiner Frau habhaft wurde. Trittes den Kaſtenſchluͤſſel hervor und begab ſich vorſichtigen nach dem untern Zimmer. Hier ſteckte er ein Licht an, trat an den Kaſten, oͤffnete ihn und betrachtete eine Weile mit ſeligem Geſuͤhl das aufge⸗ ſchichtete Geld. Darauf ſchloß er den Kaſten wieder zu und ſetzte ſich tieffinnig an den Tiſch, wo er ungefaͤhr folgendes Selbſtgeſpraͤch hielt: „Noch liegt es da, Gott ſei Dank!l... Oh, reich ſein, Gold beſitzen, welch ein Gluͤck!.. Aber freilich, es bringt auch Kummer und Sorge, ſtoͤrt Ruhe und Schlaf... Meine Frau iſt hochmuͤthig; es geluͤſtet ſie, in einem großen Haus zu wohnen, reiche Kleider zu tragen, Gold und Diamanten zu kaufen! Pauw iſt jung; er wird den Herrn ſpielen, in Saus und Braus das Geld durchbringen wollen... Und ſo wird dieſes allmaͤlig dahin ſchmelzen, wie der Schnee an der Sonne Frall Morge laufen und begnͦ in de der ſ digerw die de arm ſ ſolchen 5 war Leute Ich n zukom lachte Und erſchr das bevor werde nicht wird inge⸗ b ſich un 88 en da ubern, c ſich e, wo herum. da er daraus Trittes offnete aufge⸗ u und lgendes j ſein, bringt Meine aus zu ten zu Saus ſo wird Sonne 41 — und das Ende vom Lied wird ſein, daß ich in meinen alten Tagen noch auf's Stroh gerathe, und vielleicht mein taͤgliches Brod gar erbetteln muß!“ Dieſer Gedanke verſetzte ihn in die truͤbſinnigſte Stimmung und bleichen Antlitzes ſtierte er in dem Zimmer herum: „Oh, es iſt doch ungluͤcklich,“ begann er wieder,„eine Frau zu beſitzen, die ihre Zunge nicht zu bemeiſtern vermag! Morgen in aller Fruͤhe wird ſie bei der Nachbarſchaft herum⸗ laufen und von ihrer bevorſtehenden Erbſchaft Jedem ein Langes und Breites vorſchwatzen. Mit Tauſenden wird ſie ſich nicht begnuͤgen; gleich von Millionen wird ſie ſprechen, ſo daß bald in der ganzen Stadt nur vom Kaminfeger die Rede ſein wird, der ſo ploͤtzlich reich geworden ſein ſoll. Das wird nothwen⸗ digerweiſe die Diebe anlocken, und uͤber kurz oder lang werden die den ganzen Reichthum davon tragen. Und dann heißt's wieder arm ſein. Wer haͤtte gedacht, daß der Reiche ſolche Angſt und ſolchen Verdruß auszuſtehen habe!“ „Sonderbar!“ fuhr er nach einer Pauſe wieder fort.„Ich war ſonſt immer froͤhlich, wie ein Fiſch im Waſſer und die Leute nannten mich ja wegen meines guten Humors Hans Spaß. Ich wußte Nichts von Sorge und Verdruß; was mir der Herr zukommen ließ, das war mir lieb und recht; ich ſang, ſprang, lachte... Kein Koͤnig, dachte ich, waͤre gluͤcklicher als ich. Und jetzt? Jetzt ſchaudere ich zuſammen vor dem leiſeſten Winde; erſchrecke vor mir ſelber, vor Allem; ich kann nicht ſchlafen; das Herz pocht mir, als ſtuͤnde mir ein fuͤrchterliches Ereigniß bevor... Nun, es wird ſich vielleicht beſſern? mit der Zeit werde ich mich an den Reichthum gewoͤhnen, und wenn ich nicht mehr lache und Spaͤße mache, ſo iſt das ja nur, wie 42 ſich's geziemt; einem reichen Mann ſteht der Ernſt gar wohl an. Alles zugleich darf man nicht haben wollen; und am Ende iſt Reichthum doch hoͤher zu ſchaͤtzen, als die muntere Laune, die ich drangeben muß....“ roſt eingefloͤßt zu ha⸗ beu, denn er laͤchelte und rieb ſich die Haͤnde unter behaglichen Dieſer letztere Gedanke ſchien ihm T Empfindungen. Da fuhr ihm ploͤtzlich ein neuer Gedanke durch den Kopf und mit ſanfterem Tone begann er auf's Neue:„Als ich noch ein ſchlichter Handwerker war, da bot ich Alles auf, der armen Wittwe druͤben hinter der Eke aufzuhelfen. Das Mit⸗ leiden mit dem ungluͤcklichen Schickſal ihrer unſchuldigen Kinder ließ mich oft den Wunſch ausſprechen, reicher zu ſein, um mei⸗ nem Herzensdrange dieſem Elend gegenuͤber beſſer Folge leiſten zu koͤnnen. War doch ihr ſeliger Mann mein beſter Freund und auf dem Sterbebett noch verſprach ich ihm, fuͤr ſeine Kin⸗ der Sorge zu tragen.— Nun bin ich geich. Sollte ich mei⸗ nem Verſprechen untreu werden? O nein; wohlzuthun, Werke der Mildthaͤtigkeit zu uͤben, darin, jetzt fuͤhle ich es recht lebendig, beſteht der Genuß des Reichſeins.— Aber was ſoll ich der armen Wittwe ſchenken? Fuͤnfzig Gulden? das iſt zu viel, ſie wuͤrden es nur nutzlos vergeuden, und mir ſelbſt, wenn ich mit meinem Gelde ſo flott umginge, wuͤrde bald gar nichts mehr uͤbrig bleiben. Und wer weiß, ob man mir nicht mit Undank lohnen wuͤrde. Wie, wenn ich es bei zehn Gulden bewenden ließe? Es duͤnkt mir, es waͤre das genug. Sie haben doch noch nie ſo viel Geld beiſammen geſehen. Es iſt ja gefaͤhr⸗ lich, armen Leuten zu viel auf einmal zu reichen; ſie ſind's nicht gewoͤhnt und werden leicht zur Voͤllerei und Traͤgheit verleite Man¹ etwas! dafur artigen 6 durch's C welchen wohl Ende teune, u ha⸗ glichen Kopf noch der Mi⸗ Kinder n mei⸗ leiſten Freund Kin⸗ mei⸗ Werke bendig, ch der el, ſte ich mit mehr Undank wenden in doch gefäͤhr⸗ ſind's Traͤgheit 43 verleitet, wenn ſie es ploͤtzlich zu behaglich bekommen... Man muß der Bettelei keinen Vorſchub leiſten... Smet verfiel abermals in's Nachdenken; dann aber uͤber⸗ flog ein Ausdruck des Schreckens und der Verachtung ſein Geſicht. „Aber, Jan, was geht mit dir vor,“ murmelte er ernſt zu ſich ſelber,„als du arm warſt und du's an deinem Tage⸗ lohn abſparen mußteſt, da haſt du ihnen ſtuͤckweiſe noch weit mehr gegeben. Oftmals haſt du der Wittwe die fuͤr dein Glas Bier beſtimmten Kreuzer in die Hand gedruͤckt und biſt, im ſtillen Genuß dieſer barmherzigen Handlung, ſtatt in die Ge⸗ ſellſchaft zu gehen, ruhig zu Hauſe geblieben.— Welch ſchreck⸗ licher Gedanke! Sollte der Reichthum einen habgierig und herzlos machen? Wahrhaftig, ich fuͤhle etwas in mir, das mir Grauen erweckt... nein, nein, weg mit der Selbſtſucht! Fuͤnfzig Gulden will ich fuͤr die Wittwe auf die Seite legen und ihr alle Wochen etwas davon verabreichen. Vielleicht wird mir Gott zum Lohne dafuͤr das Reichſein ertraͤglicher machen und mich von der fremd⸗ artigen Angſt befreien, von der ich gepeinigt werde.“ Er ſtand langſam bedaͤchtig auf, warf einen pruͤfenden Blick durch's Zimmer und oͤffnete den Kaſten. Eine Weile beſchaute er ſchweigſam den Haufen Geld, aus welchem beim matten Scheine der Lampe die Gold⸗ und Silber⸗ ſtuͤcke wie ein Sternengeflimmer ihm in die Augen glaͤnzten. Er zog daraus ſieben Zehnguldenſtuͤcke hervor, ſteckte ſie zu ſich und ſagte dann freudig: 7 „Ich will noch zwei andere dazu fuͤgen; die arme Wittwe iſt gar ſo elend daran, und es iſt mir doch ein ſeliges Gefuͤhl, 44 den Kindern meines ſeligen Freundes ihr trauriges Loos zu er⸗ leichtern!“ Den Schatz naͤher in's Auge faſſend ſchien er in Gedan⸗ ken zu berechnen, wie hoch ſich der Geldhaufen im Ganzen be⸗ laufen koͤnnte. Bald jedoch, als haͤtte er einen ſchnellen Entſchluß gefaßt, begann er eine ziemliche Anzahl Goldſtuͤcke aus der Maſſe heraus⸗ zuleſen; ſchloß ſodann den Kaſten wieder zu, ſetzte ſich an den Tiſch und zaͤhlte das Geld. „Fuͤnfzig Stuͤck,“ ſagte er gedankenvoll,„das macht... fuͤnfhundert Gulden, und fuͤnfhundert Gulden Niederlaͤndiſch machen ungefaͤhr tauſend und fuͤnfzig Franken unſeres Geldes. Dieſe Summe will ich an einem Orte verwahren, wo ſie weder meine Frau noch mein Sohn finden ſollen. Begegnet mix irgend ein⸗ mal ein Ungluͤck, kommen ja Diebe oder Gensdarmen in's Haus, verſchleudert meine Frau in Pracht und Ueppigkeit das gefundene Geld, ſo bleibt mir wenigſtens moch etwas uͤbrig fuͤr unſern Pauw, damit er, wenn er ſein gutes Kaͤthchen endlich zur Frau nimmt, doch ein kleines Kapitaͤlchen vorfindet, um ſich ein Hausweſen zu gruͤnden und ein eigenes Geſchaͤft zu er⸗ richten... Er wickelte das Geld in ſein Sacktuch, ſchob ſodann einen Stuhl unter das Kamin und nachdem er daraufgeſtiegen, ſteckte er den Kopf tief in den Schlot. Wahrſcheinlich legte er die Summe auf einige vorſpringende Steine nieder, von denen er allein Kenntniß hatte. Als er damit zu Ende war, ſagte er mit heiterem Laͤcheln: „Ach! nun iſt's mir wieder leichter zu Muthe; ich hoffe, ich werde jetzt wieder einſchlafen koͤnnen.“ e Eber ſtgen 65 ſchen, de Stimme der mir Pllaſterte zahlen jo . dafür, d Nad er die 9 ſel wiede kleidet, End er eines Zuckunge Geele. Jeh Schweres u er⸗ Dhedan⸗ en be⸗ gefaßt, heraus⸗ un den 3 machen Dieſe meine nd ein⸗ n in's eit das ig fuͤr endlich t, um zu er⸗ n einen ſteckte eingende Als er h hoffe, 45 Eben wollte er das Licht ausblaſen und die Treppe hinauf⸗ ſteigen, als er ploͤtzlich von Angſt und Zittern befallen wurde. Es daͤuchte ihm naͤmlich, als ob man ſich bemuͤhte, das Fenſter nach der Straße von außen aufzubrechen. Und in der That, es ließ ſich ein Geraͤuſch vernehmen, als ob an den Fenſterrahmen geruͤckt wuͤrde. Waͤhrend der Schornſteinfeger den Blick nach dieſer Seite geheftet hielt und ſo von Schrecken ergriffen war, daß ihm das Licht in der Hand wackelte, hoͤrte er die Tritte eines Men⸗ ſchen, der ſich vom Fenſter entfernte und im Gehen mit rauher Stimme die Worte trallerte: „Es ſchmeckt' uns gar gut und blieben lang da, Utremi fasolia!“ „Der verfluchte Trunkenbold,“ murmelte Baes Smet,„was der mir eine Angſt durch den Leib gejagt hat; der lumpige Pflaſtertreter! Giebt denn aber auch keine Polizei mehr! Be⸗ zahlen ja doch die Reichen die Polizei; warum ſorgt ſie nicht dafuͤr, daß ſie wenigſtens in ihrem Schlafe nicht geſtoͤrt werden?“ Nachdem er noch eine Zeit lang am Fenſter gelauſcht, blies er die Lampe aus, ſchlich ſich leiſe hinauf, ſteckte den Schluͤſ⸗ ſel wieder in die Taſche ſeiner Frau und legte ſich wieder, ge⸗ kleidet, wie er war, auf das Bett. Endlich ſchlief er ein; und wohl eine halbe Stunde genoß er eines ſuͤßen Schlummers, hoͤchſtens verriethen hie und da einige Zuckungen an Armen und Beinen die peinliche Unruhe ſeiner Seele. Jetzt aber ertoͤnte auf dem Speicher ein Getoͤſe, als ob etwas Schweres zu Boden gefallen waͤre. 46 Smet wachte erſchrocken auf, ſprang noch ganz verwirrt aus dem Bette und rannte in dieſem ſchwindeligen Zuſtande gegen einen Stuhl, daß dieſer auf den Boden ſtuͤrzte. Da erwachte natuͤrlich auch ſeine Frau und rief verdrießlich: —„Aber Smet, haſt du den Teufel im Leibe, daß du da im Dunkeln Komoͤdie ſpielſt? Was iſt dir ſchon wieder durch den Kopf gefahren?“ —„Oh, Treſe, es ſind Diebe im Haus!“ „Wo iſt der Saͤbel?“ ſeufzte er mit beklommener Stimme⸗ —„Geh, das traͤumt dir wieder!“ ſpottete die Frau. „Glaubſt du wirklich, daß die Diebe das Geld riechen koͤnnen, wie die Katzen den Braten?“ —„Auf dem Speicher ſind ſie; horch!“ zitternd nach oben deutete. ſchwere Maͤnnertritte auf der fluͤſterte Smet, indem er am ganzen Leibe Und wirklich, es erklangen Treppe und gleich darauf klopfte es heftig an die Thuͤre der Schlaf⸗ kammer. 1 Außer ſich vor Angſt, oͤffnete der Schornſteinfeger das Fen⸗ ſter und rief aus vollem Halſe auf die Straße hinaus: „Zu Huͤlfe, zu Huͤlfe; Moͤrder, Moͤrder!“ Ja, um die Buͤrger zu ſchnellerer Huͤlfeleiſtung anzutreiben, fuͤgte er noch hinzu:„Feuer, Feuer!“ In der Ferne jedoch ſah er zwei Menſchen, die auf ſein Rufen Reißaus zu nehmen anfingen und im Nu um die Ecke verſchwanden. Vor der Thuͤre aber rief es „Vater, Vater, macht auf! nicht?“ —„Mach doch auf, naͤrriſcher Kerl,“ mit aͤngſtlicher Stimme: wo brennt es? bei uns doch rief Frau Smet ihrem Manne herein; Vater⸗ prach 1 lacht ha gugethan geworder Mordio endlich i nichts! men; ab geweſen, Wiͤl ſteinfeger Aufregun wieder zu Paul dann gele „Nu nicht weit barn zu nicht ihr ihrem Be *) Se rt aus gegen leßlich. dß du r durch er mit Frau. konntn, Smet, uf der Schlaf⸗ treiben, uf ſein die Ecke 47 Manne zu.„Es iſt ja der Pauw, merkſt du's nicht? Laß ihn herein; ſonſt kriegt der Junge noch das Fieber vor Schrecken.“ —„Nun, wo brennt es?“ fragte Pauw haſtig, ſobald ihm die Thuͤre geoͤffnet worden. —„Es iſt Nichts; ein Traum war's blos,“ ſtammelte der Vater. —„Wiſſen moͤcht' ich aber jetzt doch, was hier vorgeht!“ ſprach Pauw mit ſteigender Verwunderung.„Denn die ganze Nacht hat's in unſerm Hauſe geſpukt und ich habe noch kein Auge zugethan. Droben tummeln ſich die Ratzen, als waͤren ſie raſend geworden und hier unten hoͤre ich ſprechen, Stuͤhle umwerfen, Mordio rufen, Feuerlaͤrm anſchlagen... Und jetzt, da ich nun endlich in voller Angſt herbeigelaufen komme, heißt es: Nichts, nichts!— Sehet, Vater, ihr muͤßt es mir nicht uͤbel neh⸗ men; aber es kommt mir jetzt vor, als waͤret ihr beſchaͤftigt geweſen,„Spaß und Handwerker“*) zu ſpielen.“ Waͤhrend dieſer Anrede ſeines Sohnes hatte ſich der Schorn⸗ ſteinfeger auf einen Stuhl niedergelaſſen und ſuchte ſich von der Aufregung, in die ihn der Vorfall verſetzt hatte, nach und nach wieder zu erholen. Pauw indeſſen wartete vergeblich auf eine Antwort und fuhr dann gelaſſen fort: „Nun, da ich es, ſcheint's, nicht wiſſen darf, ſo will ich nicht weiter darnach fragen; aber, Vater, was werden die Nach⸗ barn zu dieſem ſonderbaren Spiele ſagen... Wer weiß, ob nicht ihrer fuͤnfzig auf den angeſchlagenen Feuerlaͤrm ſchon aus ihrem Bette geſprungen ſind!“ *) So heißt ein Kinderſpiel in einer vlaͤmiſchen Pantomime. 48 —„Dein Vater traͤumt, bemerkte die Mutter.„Es ſitzt ihm die Erbſchaft im Kopfe. Geh' nur wieder ruhig in dein Bett, Pauw!“ —„Was hoͤr' ich,“ ſeufzte nun der Schornſteinfeger mit neuer Ueberraſchung. Auf der Straße nämlich rollten ſchwere Wagen in aller Schnelligkeit durch die Straßen daher. „Oh, das ſind die Kanoniere, die mit ihren Kanonen nach dem Lager von Braſchaet*) fahren,“ ſagte Pauw.„Aber ſonderbar iſt es freilich, daß ſie ihren Weg uͤber unſere Straße nehmen.“ —„Was mag das ſein,“ rief die Frau,„ſie halten, glaube ich, gerade vor unſerer Thuͤre!“ Pauw oͤffnete raſch das Fenſter, ſchlug einen Blick auf die Straße, trat dann wieder hell auflachend in die Kammer zuruͤck: „Nun, das giebt eine ſaubere Geſchichte!“ ſagte er.„Es ſind die Feuerſoldaten mit ihren Spritzen!“ Sofort pochte es heftig an die Hausthuͤre und jeder Schlag wiederhallte ſchmerzlich in der Seele des Schornſteinfegers, der vor Beklemmung kein Wort herauszubringen vermochte. Pauw ſteckte abermals den Kopf zum Fenſter hinaus und rief zu den Leuten auf der Straße:„He, was giebt's da unten? Geht eures Wegs und laßt die Leute ſchlafen!“ —„Wo brennt's denn hier?“ antwortete eine Stimme. —„Wo es brennt, fragt ihr 2“entgegnete Pauw.„Im Ofen des Baͤckermeiſters Schramoelie, acht Haͤuſer weiter oben neben dem Gemuͤſemarkt.“ *) Name eines ſtehenden Uebungslagers fuͤr die Artillerie in der Naͤhe von Antwerpen. — niiſterd mit Gen it f 3 Straße! aum Fen ſtehe in poral, G im Nam zähen. Das betroffen hinausri blick Ge So terſteigen Schlag „ der 3 und unten? ne. 1Ofen neben in der 49 —„Ich will euch das Spotten vertreiben,“ drohte der Wacht⸗ meiſter der Loͤſchkompagnie.„Macht auf oder ich ſchlage die Thuͤr mit Gewalt ein!“ —„Gelaſſen, Herr Wachtmeiſter,“ ſagte einer der Soldaten. „Seht ihr nicht, es iſt ja der Spaß-Pauw; dem darf man das Schaͤkern und Necken nicht uͤbel nehmen; ſeine Natur bringt es mit ſich. Aber laſſen Sie mich nur machen.“ Hiermit ſtellte er ſich unter das Fenſter und rief: —„SHe, Pauwken, hat's wirklich in eurem Haus gebrannt?“ —„Es brennt bei uns alle Tage, eine Stunde vor Mittags⸗ zeit!“ erhielt er zur Antwort. —„Scherz bei Seite, Freund! Ich bin da eben uͤber die Straße gelaufen, als dein Vater mit einem Furore„Feuer, Feuer!“ zum Fenſter hinaus rief, daß man gedacht haͤtte, das ganze Viertel ſtehe in Flammen.“ —„Das hat mein Vater im Schlafe gethan.“ Da fuhr der Wachtmeiſter zornig auf und ſchrie hinauf: —„Ich will euch lehren die Polizei zum Beſten haben; Kor⸗ poral, auf der Stelle lauft zum Kommiſſaͤr; wir wollen die Thuͤre im Namen des Geſetzes aufbrechen und die Spottvoͤgel zur Strafe ziehen.“ Das Wort Kommiſſaͤr hatte den Schornſteinfeger ſo gewaltig betroffen, daß er aufſprang und mit flehender Stimme zum Fenſter hinausrief: —„Meine Herrn Soldaten, bitte, habt nur noch einen Augen⸗ blick Geduld; ich werde gleich aufmachen.“ Sofort verließ er mit ſeinem Sohne die Kammer. Im Hinun⸗ terſteigen fluͤſterte er zu dieſem: —„Pauw, mein Sohn, ich glaube, unſer Haus iſt ver⸗ Das Glück reich zu ſein. 4 — ————— —— — — —— — 50 hext. Jetzt wird die ganze Kompagnie hereinbrechen! Gott weiß, was daraus werden wird; mich ſchuͤttelt's am ganzen Leibe.“ —„Nun, Vater, die Soldaten werden uns nicht auffreſſen!“ antwortete der Sohn. —„Ja, ja, Kind, du weißt nicht, was dein Vater Alles aus⸗ zuſtehen hat!“ klagte Baes Smet voll Muthloſigkeit.„Sie werden das Haus unterſuchen wollen, um zu ſehen, wo es gebrannt hat. Nun, da es einmal nicht zu aͤndern, ſo fuͤhre du ſie in Gottes Na⸗ men herum, denn ich kann mich nicht mehr auf den Beinen halten.“ Der Burſche ſchloß die Thuͤre auf, waͤhrend der Vater vor dem Kaſten, in dem der Schatz lag, einen Stuhl vorſchob und ſich erſchoͤpft und keuchend darauf niederſinken ließ. Fuͤnf bis ſechs Soldaten traten herein. Der Wachtmeiſter erkannte ſogleich den jungen Witzbold, griff ihn drohend bei der Schulter und ſagte: —„Ah, du unterſtehſt dich, eine Feuerloͤſchkompagnie fuͤr Narren zu halten; iſt es dir etwa darum zu thun, einige Stun⸗ den im Amigo*) zu verbringen?“ Pauw ſprang entruͤſtet zuruͤck und gab ihm ſtolz zur Antwort: —„Herr Wachtmeiſter, ſprechen Sie vom Amigo ſo viel es Ihnen beliebt; aber ich ſtehe Ihnen als ein freier Mann gegenuͤber, und wenn Sie noch einmal Hand an mich legen, ſo werde ich Ihnen das Fliegen lehren, obgleich ich nur ein Kaminfegersgeſell bin und keinen meſſingenen Hut trage wie Sie!“ Als er ſah, daß aus dem Jungen kein guter Drath zu ſpinnen *) Amigo iſt der Name, den man in Belgien den ſtaͤdtiſchen Po⸗ lizeigefaͤngniſſen giebt. Traume mir ja meine) auf und haͤngt u den Hel De 0 Jungen daß wir de meiſter ſtehen h jedenfal it weiß geſſen!“ lles aus e werden unnt hat. ttes Na⸗ halten.“ ater vor und ſich htmeiſter bei der gnie fuͤr ſe Stun⸗ Antwort: o viel es xgenuͤber, ch Ihnen bin und ſpinnen ſchen Po⸗ 51 ſei, wandte ſich der Wachtmeiſter zu Baes Smet und ſprach zu ihm im gebieteriſchen Ton:* —„Sagt mir, wo hat's gebrannt?“ —„Mein guter Herr, es iſt ein Irrthum; es hat hier gar nicht gebrannt.“ „Ich ſehe, ihr wollt es verhehlen, um euch der Buße zu entziehen?“ —„O nein, durchaus nicht; ich verſichere Sie, es iſt hier nicht ein Fuͤnkchen Feuer ausgebrochen. Es thut mir leid, daß Sie ſich umſonſt herbemuͤht haben.“ „Warum habt ihr denn„Feuer“ gerufen?“ —„Nun, es geſchieht zuweilen, daß man gar ſonderbare Traͤume hat,“ ſagte verbluͤfft Meiſter Smet.„Sie muͤſſen es mir ja anſehen, Herr Wachtmeiſter, daß in dieſem Augenblicke meine Nerven aufs Hoͤchſte angegriffen ſind.“ —„Keine langen Reden,“ befahl der Wachtmeiſter;„ſteht auf und zeigt uns die Kamine.“ „Ich kann nicht aufſtehen,“ klagte der arme Mann;„es haͤngt mir wie zentnerſchwer an den Beinen... Pauw, fuͤhre du den Herrn Wachtmeiſter im Hauſe herum.“ Der Wachtmeiſter gab dem Korporal einen Wink, daß er dem Jungen folgen ſolle. Dann ſagte er zum Altéft. —„Ihr lehnt euch da vor den Kaſten hinals waͤre euch bange, daß wir euch euer Geld wegſtehlen moͤchten!“ Den Schornſteinfeger uͤberlief es eiskalt bei dieſen Worten: —„Macht euch aber nur darauf gefaßt,“ begann der Wacht⸗ meiſter wieder.„Es wird euch dieſe Geſchichte immerhin theuer zu 7 ſtehen kommen; Feuer oder nicht Feuer, die Buße muͤßt ihr doch jedenfalls bezahlen!“ — —— —— —— 52 —„Wenn es ſein muß,“ murmelie Smet,„will ich recht gern doppelte oder gar dreifache Buße bezahlen, wofern die Herrn mich nur bald wieder in Ruhe laſſen.“ Frau Smet, die ſich inzwiſchen angekleidet hatte, kam nun lachend ins Zimmer herein, und ſobald ſie nach einigen Fragen erfahren, worum es ſich handle, ſagte ſie ganz unbefangen zu dem Kommandirenden der Kompagnie: —„Herr Wachtmeiſter, es iſt dieß ein ſonderbarer Fall, der ſich nicht oft einſtellt; Sie muͤſſen es uns nicht uͤbel nehmen, denn es iſt ohne alle Abſicht geſchehen. Ich will Ihnen frei⸗ muͤthig erklaͤren, wie es gekommen iſt! Sie muͤſſen wiſſen, daß wir von meiner Tante in Holland Nachricht erhalten haben...“ Der Schornſteinfeger ſuchte durch alle moͤglichen Zeichen ſeine Frau zum Schweigen aufzufordern, allein dieſe merkte nicht darauf und fuhr fort: —„Wir wuͤrden erben, hieß es in dieſem Schreiben; ich weiß ſelber nicht, wie viel Tauſend Gulden. Dieſe Nachricht iſt nun meinem Manne ſo zu Kopfe geſtiegen, daß er das Fieber davon gekriegt hat. Und ſo iſt ihm der Traum gekommen, daß das Haus in Flammen ſtehe... Aber ſeht, ihr guten Leute, ich will nicht, daß ihr ſo viel Muͤhe fuͤr Nichts gehabt haben ſollt. Trinkt einen Krug auf unſere Geſundheit und ſeid gewiß, daß wir uns fuͤr eure Dienſtfertigkeit dankbar erweiſen werden.“ Mit dieſen Worten druͤckte ſie einem der Pompiers*) einen Fuͤnffrankenthaler in die Hand. In demſelben Augenblick kam auch Pauw mit dem Korporal *) Pompiers iſt der in Frankreich und Belgien uͤbliche Name fuͤr die Soldaten der ſtaͤdtiſchen Feuerloͤſchmannſchaft. 1 ſi ſollte u trage Bae der Trep⸗ Harniſch llinnzei inſtweile dielen u ſtens in gemacht. ſchlendert In d wie geräͤd Am in aller recht gern edin mich lam nun en Nragen fangen zu Fall, der nehmen, den frei⸗ iſſen, daß aben..„ chen ſeine ht darauf iben; ich Nachricht as Fieber nen, daß ten Leute, ibt haben eid gewiß, werden.“ *) einen Korporal Name fuͤr wieder herunter. Dieſer ſtellte ſich vor den Wachtmeiſter, ſalu⸗ tirte militaͤriſch ſeinen Oberen und ſprach mit feierlichem Tone: „Wachtmeiſter, es iſt hier nirgends Feuer geweſen!“ Nach einigen Anempfehlungen, fernerhin nicht wieder ſo laut zu traͤumen, verließen die Pompiers des Schornſteinfegers Wohnung. Die Frau ſchloß die Thuͤre hinter ihnen zu und ſchob den Rie⸗ gel vor. Mit erhobenen Haͤnden rief der Schornſteinfeger: —„Gott, wuͤßten die armen Menſchen, was reich ſein iſt, ſte ſollten ſich's gewiß nicht anwuͤnſchen. Man hat gar ſchwer daran zu tragen; das merk' ich.“ Baeſin Smet griff ihn bei der Schulter und indem ſie ihn nach der Treppe ſchob, ſagte ſie halb verdrießlich, halb ſpoͤttiſch: —„Du faͤngſt ſauber an! Wohl ſollte ich mich daruͤber in Harniſch ſetzen, aber ich will Mitleiden haben mit deinen kindiſchen Alfanzereien. Morgen wollen wir mehr daruͤber ſprechen. Schlupf einſtweilen in dein Bett zuruͤck, Zebedaͤus, und wenn du wieder von Dieben und Gensdarmen zu traͤumen Luſt haſt, ſo thue es wenig⸗ ſtens in aller Stille. Das Geld hat dich zu einem rechten Haſenfuß gemacht. Seht nur, wie das elend und lahm die Stiege hinauf⸗ ſchlendert.“ In der That, abgeſpannt und von der uͤberſtandenen Aufregung wie geraͤdert, ſchritt Meiſter Smet nach ſeinem Bette. *⁴ IV Am Morgen nach jenem naͤchtlichen Vorfall war Baeſin Smet in aller Fruͤhe ſchon auf den Beinen, um in dem Kraͤmerladen druͤben — — *——ͤ— ———— — 54 von ihrer Tante in Holland und der in Ausſicht ſtehenden Erbſchaft zu ſchwatzen und zu prahlen;— und da die Spezereihaͤndlerin es wagte, die Wahrhaftigkeit ihrer Ausſage in Zweifel zu ziehen, ließ Frau Smet eine Handvoll Goldſtuͤcke auf den Waarentiſch klirren, worauf die vier oder fuͤnf Weiber, die ſich gerade im Laden befan⸗ den, die Arme uͤbereinander ſchlugen, als waͤren ihnen ſaͤmmtliche Schaͤtze Kaliforniens vor die Augen getreten. Eine halbe Stunde ſpaͤter war Niemand mehr in der Nachbar⸗ ſchaft, der nicht zu reden hatte von Hans Spaß, dem Schlotfeger, der drei Toͤnnchen Gold geerbt habe. Da nun Jedermann gewohn⸗ termaßen noch etwas mehr hinzufuͤgte, ſo war wohl gar endlich die Sprache von hundert Haͤuſern und ſo etwas wie zwanzig Schiffen zur See. Waͤhrend Frau Smet in der Stadt herumlief, um die vorzuͤg⸗ lichſten Modelaͤden zu beſuchen und ſich ſchleunigſt bei einem beruͤhm⸗ ten Kleidermacher das Maß nehmen zu laſſen, war Pauw ihrer Bitte gemaͤß zu Hauſe geblieben, um abzuwarten, bis ihr Mann, der ſich noch immer unwohl fuͤhlte, herunter kaͤme. 1 Nun war ſie ſchon etwa ſeit einer Viertelſtunde zuruͤck, ſtand vor dem Spiegel in voller Verzuͤckung uͤber das Geflimmer der großen goldenen Ohrringe, die ſie ſich angeſteckt hatte. Pauw kam eben vom obern Stock herab und berichtete der Mut⸗ ter auf deren Frage uͤber das Befinden des Vaters: —„Der Vater iſt ziemlich wohl: er fuͤhlt ſich nur noch etwas aufgeregt und abgemattet von den ſeltſamen Begegniſſen dieſer Nacht; und in einer kleinen Stunde wird er wohl herunter kommen.“ „Gut, Pauw; aber jetzt ſchaue mich einmal recht an,“ rief ſie im beſten Humor ihrem Sohne zu.„Was ſagſt du zu dieſen Ohr⸗ ringen? Stehen ſie mir nicht ganz vortrefflich?“ 4 „ 3 — der doch mu machte, e A — .d er d Jultent füͤblten⸗ füt 2 lchei Urterſch Iderhu . ſeidnes⸗ iinem Staat un welch gut — ledenklich in anden ſchwarzen Kontraſt deßhalb auslachen Frau., in den K bis das ) meiſt vo Er b ſch aft d[art derin es hen, ließ 9 klirren 1 u bifan⸗ mmtlich lachbar⸗ lotfeger, Lewohn⸗ nolich die Schiffen vorzuͤg⸗ beruͤhm⸗ ter Bitte der ſich K, ſtand mer der der Mut⸗ ch etwas r Nacht; 7 rief ſie ſen Ohr⸗ 55 Der Juͤngling betrachtete ſeine Mutter mit Aufmerkſamkeit; doch mußte der Eindruck, den der Anblick der Juwelen auf ihn machte, nicht ſonderlich guͤnſtig geweſen ſein, denn zur Antwort zuckte er die Achſeln und ſagte: —„SIch weiß nicht, Mutter, aber die Ohrringe unter eurer Faltenhaube machen ein Geſicht, als ob ſie ſich nicht recht heimiſch fuͤhlten.“ —„Nur Geduld, das wird ſich Alles machen,“ ſagte die Frau. „Noch einige Tage, und deine Mutter wird der Welt zeigen, ob ein Unterſchied ſei zwiſchen ihr und einer Dame vom Meirplatz.*) Einen Federhut wird ſie tragen, dazu eine ſammtne Pelerine, ein purpur⸗ ſeidnes Kleid und kaffeefarbige Stiefelchen. Dann ſollſt du mich mit einem Paraſol durch die Straßen einherſchreiten ſehen, in ſolchem Staat und mit ſolchem Anſtande, daß Jedermann erkennen muß, welch guter Abkunft ich mich ruͤhmen darf.“ —„Wenn dem nun einmal nicht abzuhelfen iſt,“ ſeufzte Pauw, bedenklich den Kopf ſchuͤttelnd,„ſo zieht doch um Gottes Willen in ein anderes Haus, denn eine ſo hoch aufgeputzte Dame in einer ſchwarzen Kaminfegersbaracke, das waͤr' doch ein gar zu ſchreiender Kontraſt. Meinestheils bin ich ganz und gar nicht Willens, mich deßhalb mein Lebenlang mit den Fingern deuten und von Jedermann auslachen zu laſſen.“ —„Immer nur Geduld,“ antwortete froͤhlich die uͤberſelige Frau.„Deinem Vater will das Ausziehen vor der Hand noch nicht in den Kopf; und dazu hat er wohl ſeine Gruͤnde... aber warte nur, bis das Erbe einmal wirklich eingetroffen iſt... ich habe mir ſchon *) Der Meir in Antwerpen iſt der Name eines der angeſehenſten, meiſt von reichen Leuten bewohnten Platzes. 56 laͤngſt ein Haus auserſehen... mit einem großen Hofthor auf dem Skt. Jakobsmarkt.“ —„Wißt ihr was ich glaube, Mutter?“ bemerkte der Burſche mit etwas traurigem Scherze.„Ich glaube, daß wir alle drei nahe daran ſind, den Rappel zu bekommen. Und was das Erben betrifft, ſo muß ich ſagen, daß, wenn ich zehn Gulden in der Taſche haͤtte, ich ſie nicht fuͤr die ungelegten Eier hergeben wuͤrde!“ —„Keine zehn Gulden wuͤrdeſt du darum geben?“ rief die Mutter.„Da, haſt du noch mehr Beweiſe davon, daß es mit dem Erben ſeine Richtigkeit hat, unglaͤubiger Thomas!“ Pauw ſprang verdutzt zuruͤck, als ihm die Mutter mit trium⸗ phirendem Laͤcheln eine Handvoll Goldſtuͤcke, die ſie aus der Taſche hervorgeholt, unter die Augen hielt. —„Nun, was denkſt du jetzt von der Sache?“ fragte ſie. „Haſt du je in deinem Leben ſo viel Geld beiſammen geſehen? Sind das Alles noch immer leere Luftgebilde und Hirngeſpinſte, wie dein Vater zu ſagen pflegt?“ Der Juͤngling wandte die Augen nicht ab von dem Haufen Gold und ſchwieg. —„Haſt du die Zunge verloren?“ ſcherzte die Mutter.„Du ſtehſt da, als ob dir der Verſtand ſtill ſtaͤnde, und glotzeſt verbluͤfft auf das Geld, als ob du Angſt davor haͤtteſt!“ 7 „Glaub's wohl!“ fluͤſterte Pauw,„wenn man einem ſo unerwartet einen ſolchen Schlag auf die Stirne verſetzt!“ —„und dieſe Handvoll Gold iſt nur ein Sandkorn gegen das, was wir noch einzuziehen haben.“ —„Nun, Mutter, da ſind wir am Ende doch in Wirklich⸗ keit reich?“ „Steinreich, guter Junge!“ 2 — laſſenſt . Lel ſein Let Ab in Ton werksbt Menſch — unterthä Springe Pa ſollteſt? nur kein davon d ich Vier icht da nur We 57 auf der 1 —„Gott, das wird eine Luſt ſein. Kaͤthchen, das theure Kaͤthchen, wie wird der ums Herz ſein, wenn ſie das Alles erfaͤhrt. Durſche Daß ſie nur nicht verruͤckt davon wird!“ dr de nahe h berift Dieſe heiteren Ausſichten verſetzten den Juͤngling in die ausge⸗ dhe häte laſſenſte Stimmung; er huͤpfte vor Freude und ſang aus voller Kehle 1 ſein Leiblied: rief di 1 /Schlotſeger ſein don der ABzunft..“ mit dem Aber die Mutter hielt ihm die Hand vor den Mund und ſprach im Tone ernſter Ruͤge: it niun⸗—„VPfui, Pauw, laß doch ab von dieſem gemeinen Hand⸗ er Taſch. werksburſchenliede und benimm dich einmal, wie es einem jungen Menſchen aus guter Familie geziemt.“ ggte ſe— Ihr habt Recht, Mutter,“ erwiederte der Juͤngling ganz . eind unterthaͤnig.„Ich will mir ein anderes Liedchen ausſinnen vie dein—„Nein, nein; es hat jetzt ein Ende mit dem Singen und Springen. Ein reicher Menſch muß ein ernſtes Geſicht machen.“ nten Pauw ſchien üͦber dieſe Aeußerung verwundert. —„Dann darf ich alſo nicht mehr luſtig ſein?“ fragte er. . dr„O doch, aber nur maͤßig, und wenn du allein biſt; und— aülift ſollteſt du dann auch zu einer guten Flaſche Wein greifen, wofern nur keine fremden Augen dich umlauern und die Nachbarn nichts davon wiſſen. So machen es die reichen Leute.“ nemn ſd V 3—„Wenn ich allein bin! Meint ihr denn, Mutter, daß, wenn ich Bier trinke, ich's des Biers wegen thue? Wenn die Freunde nicht dabei ſind, da trinke ich lieber Waſſer.“ —„Bier, Bier? Reiche Leute trinken kein Bier, die genießen nur Wein.“ —„Der iſt mir aber zuwider.“ —„Er wird dir mit der Zeit ſchon ſchmecken. Das erſte hen das, girklic⸗ 58 jedoch, was du dir abzugewoͤhnen haſt, das iſt dein leichtes Weſen auf der Straße und beſonders deine loſen Scherze.“ —„Aber ſagt mir denn, ſoll ich am Ende das Lachen ganz aufgeben?“ —„Auf der Straße, ja. Da mußt du mn Kopf gerade halken gravitaͤtiſch auftreten und ein ſaures Geſicht machen.“ —„Als ob ich alſo nichts als Verdruß haͤtte? —„Nein, ſondern als ob du verſtimmt waͤreſt. Denn, ſiehſt du, es iſt nichts ſo gemein als lachen und luſtig ſein.“ —„Das muß ich geſtehen, das klingt mir ſonderbar zu Ohren. Es waͤre echt der Muͤhe werth reich zu ſein, wenn man ſich fuͤr ſein Geld jedes Vergnuͤgen verbieten muͤßte!“ Frau Smet ſetzte ſich nun an den Tiſch, als ſchickte ſie ſich an, ihrem Sohne eine wichtige Mittheilung zu machen. —„Pauw,“ ſprach ſie,„ſetz' dich nieder; ich habe dir etwas zu ſagen, und du wirſt Verſtand genug beſitzen, um mich zu begrei⸗ fen. Rang ſucht Rang, gleich und gleich geſellt ſich gern...“ „Ja, drum lief der Teufel mit dem Kaminfeger davon... wenigſtens dem Sprichwort zufolge.“ „Scherz bei Seite, Pauw, und merke auf meine Worte... Rang ſucht Rang, ſag' ich. Wie wuͤrde es dir ſelber vorkommen, wenn du den Sohn eines Barons mit der Tochter aus dem Stock⸗ fiſchhauſe getraut werden ſaͤheſt?“ —„Nun, es wuͤrde mir etwas poſſig vorkommen.“ —„Meinſt du nun etwa, Pauw, daß die Leute jetzt, da wir ſchatzreich geworden, es nicht als ebenſo unſtatthaft bekritteln wuͤr⸗ den, wenn du ein armes Maͤdchen zur Frau naͤhmeſt?“ Der Juͤngling ward betroffen. 91* den? gutes, ſeten. mir, aber/ ch b „ andern ziehen S Ausdr drüben Schwa verſteh dabei klingen die A perlich ſchmna reu f ſie Pr daß u Leutte bring „ ſiehſt Ohren. ür ſein ich an, etwas egrei⸗ on kte.. mmen, Stock⸗ da wir wuͤr⸗ 59 —„Himmel, Mutter, wo wollt ihr hinaus mit dieſen Re⸗ den?“ rief er aͤngſtlich.— —„Siehſt du, Pauw, Schuhmachers Kaͤthchen iſt wohl ein gutes, ſittſames Maͤdchen; daran laͤßt ſich nicht das Geringſte aus— ſetzen. Und waͤren wir geringe Leute geblieben, wuͤrdeſt du, glaube mir, noch vor Jahresſchluß mit ihr Hochzeit gehalten haben;— aber jetzt? die ganze Stadt wuͤrde uns auslachen!“ —„Ei was, laßt ſie nur lachen!“ rief Pauw voll Beſorgniß. „Ich bin noch lieber Kaminfeger mit Kaͤthchen, als Baron mit einer andern;— und ſeht, Mutter, an dem Schnuͤrchen müßt ihr nicht ziehen, ſonſt laufe ich euch gleich in die Quere.“ Da gab die Mutter ihrem Geſicht einen ſchlau⸗freundlichen Ausdruck und ſagte: —„Denkſt du nicht, Pauw, daß Leokadie aus dem Laden druͤben eine ſtattliche Figur macht? Das waͤre ſo was fuͤr dich! Schwarze Augen, ſchlanke Taille, und wie nett ſte ſich zu kleiden verſteht! und ſo feine, anſtaͤndige, ungenirte Manieren.... Und dabei giebt's... druͤben im Laden, was nicht zu verachten, huͤbſch klingende Metallſcheibchen, Pauw. Dahin ſollteſt du ein bischen die Augen drehen!“ —„Jeſus, Maria!“ rief der Juͤngling.„Leokadie? dies zim⸗ perliche bleiche Mamſellchen mit den huͤbſchen Baͤndern und den ſchmachtenden Haarlocken— dieſe hochmuͤthige Zierpuppe mit ih⸗ rem franzoͤſiſchen Gewaͤſche, die moͤchte ich nicht zur Frau und wenn ſie Prinzeſſin hieße. Vor Allem, Mutter, halte ich gar ſehr darauf, daß meine Frau auch wirklich meine Frau ſei.“ —„Wie?“ rief die Mutter unwillig,„du ſchaͤmſt dich nicht, Leute, die vier Haͤuſer zu eigen beſitzen, um ihren guten Ruf zu bringen?“ 60 richt —„Das thue ich nicht, Mutter; ich ſage ganz einfach, daß von i ich von dieſer Kokette nichts hoͤren will.“ 6 „Nun, magſt du fuͤr Leokadie eingenommen ſein oder nicht; weiß das Kaͤthchen wirſt du auf keinen Fall zur Frau bekommen!“ 7 —„Auf keinen Fall?“ ihr h —„Auf keinen Fall.“ ihr ſch —„Gut, dann bitte ich hoͤflichſt um die Erlaubniß, nicht tet, w reich ſein zu duͤrfen.“ ſelbſt, —„Warte nur, bis wir foͤrmlich in den Beſitz unſeres Reich⸗ lachen thums getreten, dann wird ſich ſchon das eine oder andere Fraͤu⸗ rede lein...“ nicht! 1—„Fraͤulein? Ich waͤre ja nicht einmal im Stande, ſie an— kam, zuſprechen. Nein, ich will keine andere als Kaͤthe! Uebrigens hat daß K mir der Vater noch vorhin geſagt, daß er ſich meine Heirath mit ihr euch je 4 angelegen ſein laſſen wolle, und ſogar hinzugeſetzt, daß es auf der den A Hochzeit flott und froͤhlich hergehen muͤſſe.“ Kind 4—„Das wird dem Vater ſchon noch aus dem Kopf ſchwinden, naten wenn er das Reichſein etwas beſſer gewohnt iſt. Du mußt dein Jeden Kaͤthchen vergeſſen, Junge, ſo ſage ich.“ Nächte —„Ich kann ſie nicht vergeſſen, mag ſie nicht vergeſſen und iumer werde ſie nicht vergeſſen. Ein ſo gutes Kind, das fuͤr ihren Pauw, ſch v wenn's ſein muͤßte, durchs Feuer liefe, ſollte ich jetzt aufgeben und wem verachten, weil wir einiges Geld mehr beſitzen? Wenn ich mich zu—2 einer ſolchen nichtswuͤrdigen Handlung faͤhig wuͤßte, wuͤrde ich mir Fabren ſelber den Kopf an der Mauer zerſchmettern!“ gopf —„Ich geſtatte dir nicht, ſie je wieder zu ſehen!“ rief die iigrn Mutter.“ und N —„Der Vater hat ganz anders geſprochen, der hat mir an⸗ ib l befohlen, ſte noch dieſen Morgen aufzuſuchen, damit ſie die Nach⸗ ¹. ——* 1 — 61 richt von unſerer Erbſchaft von Niemand Anderem erfahre, als von mir.“ —„O da koͤmmſt du jedenfalls viel zu ſpaͤt; die halbe Stadt weiß ſchon davon.“ —„Aber, Mutter,“ ſagte Pauw mit ſanft bittendem Tone, „ihr habt doch wohl ſelber auch ein Herz. So denkt doch daran, daß ihr ſchon fuͤnf bis ſechs Jahre her Kaͤthchen als eure Tochter betrach⸗ tet, wie euer eigenes Kind gepflegt und aufgenommen habt. Sie ſelbſt, liebte ſte euch nicht ſo inniglich, daß wir oft daruͤber beinahe lachen mußten, und ließ ſie nicht faſt bei jedem Worte die ſuͤße An— rede„liebes Muͤtterchen“ fallen? ja der Boden ſchien ihr, ſo zu ſagen, nicht gut genug, auf dem eure Fuͤße dahin ſchritten. Wenn ſie hieher kam, um euch Geſellſchaft zu leiſten, ging keine Thuͤre auf, ohne daß Kaͤthe gleich bei der Hand war ſie wieder zuzuſchließen, damit euch ja keine Erkaͤltung zuſtieße; ja jeden Wunſch merkte ſie euch an den Augen ab... Und es iſt nicht zu verwundern.. das arme Kind hatte ſelbſt keine Mutter mehr!— Als ihr vor einigen Mo— naten krank wurdet, hat ſie wohl drei Tage ohne Unterlaß geweint. Jeden Morgen ging ſie zur Kirche, um fuͤr euch zu beten; ganze Naͤchte wachte ſie an eurem Bette, und als am Ende euer Zuſtand immer gefaͤhrlicher geworden, hat ſie ſo reichliche Thraͤnen vergoſſen, ſich vor Schmerz ſo abgezehrt, daß die Nachbarn nicht wußten, mit wem ſie mehr Mitleiden haben ſollten, mit euch oder mit Kaͤthchen. — Laͤngſt ſchon hing mein Herz an ihr; aber erſt nachdem ich er⸗ fahren, wie ſie ihr Leben fuͤr die Erhaltung meiner Mutter auf⸗ geopfert haben wuͤrde, hat ſich dieſe Vorliebe zu einem weit maͤch⸗ tigeren Gefuͤhle umgewandelt, Ja, ich verehre ſte, und alle Mamſellen und Fraͤulein der Stadt ſind mein Kaͤthchen nicht werth!... Ach, ich bitte euch, ſtraft ſie doch nicht fuͤr ihre Guͤte, fuͤr ihre muſter⸗ 62 hafte Hingabe und Aufopferung. Leicht koͤnnte ſie krank daruͤber werden, und ihr ſelbſt, Mutter, wuͤrdet ſie zum Dank fuͤr ihre Liebe in den Sarg gebracht haben!“ Dem Juͤngling entquollen die Thraͤnen bei dieſem zarten Aufrufe an ſeine Mutter. Auch dieſe fuͤhlte ſich von ſeiner Rede innig be⸗ troffen und ſenkte den Kopf, um ihre Ruͤhrung zu verbergen. Indem ſte ſich die Wangen abwiſchte, ſagte ſie: —„Pauw, lieber Junge, laß mich; denn wahrhaftig, du ver⸗ moͤchteſt wohl einen Stein zu erweichen. Wo holſt du nur alle deine Worte her? Allerdings, du haſt Recht, das arme Kind moͤchte leicht davon die Auszehrung kriegen, und doch haben wir von ihr nur die reinſte Herzensguͤte und Freundſchaft erfahren. Es iſt recht aͤrgerlich, daß es gerade ſo faͤllt. Zwar iſt ſie kein Maͤdchen fuͤr deinen Stand, aber reich oder nicht reich, vor Allem ſind wir immerhin Menſchen. So ſetze denn eben in Gottes Namen dein Verhaͤltniß zu Kaͤthchen fort: ich will mich damit troͤſten, daß die ſchoͤnen Kleider dazu hel⸗ fen ſollen, den Abſtand zwiſchen dir und ihr auszugleichen und ſie etwas anſtaͤndiger vor den Leuten erſcheinen zu laſſen. Die guten Manieren werde ich ihr nachtraͤglich ſchon noch beizubringen wiſſen.“ —„Dank, liebe Mutter, herzlichen Dank!“ rief Pauw voll ſeliger Empfindung.„Jetzt befehlt uͤber mich ganz nach Gutduͤnken; ſollte ich eine Brille und gelbe Handſchuhe tragen muͤſſen und mich von Jedermann auslachen laſſen, in Alles will ich mich bereitwillig fuͤgen— wofern nur Kaͤthchen kein Leid geſchieht.“ Er war aufgeſtanden und wollte das Haus verlaſſen, als die Mutter ihm noch zurief: —„Pauw, ſetz' deinen Hut auf. Ein reicher Mann traͤgt keine Kappe!... Und hier haſt du eine roth und blau geſtreifte Atlaskra⸗ vatte. Komm vor den Spiegel; ich will ſie dir umbinden.“— Farben prächtig Al um die — und anft Da geſtern mitunter der ihte Pa jamkeit! aufrecht. Vei in die H enſt⸗be ſolcher 4 dieſe Un Del in merk überflog ſend Ste um ſeine vor des Tone re auf? B darüber örs 9. lt Liebe NMnr Aufrufe nnig be⸗ Indem du ver⸗ le deine dte leicht nur die irgeric, jStand, enſchen. däthchen azu hel⸗ und ſie ie guten wiſſen.“ uw voll ndünken; ind mich eitwillig ägt keine ltlaskra⸗ 8 63 So verdrießlich auch der junge Kaminfegerburſche die ſchreienden Farben des Atlaſſes beſah, ließ er ſich folgſam und geduldig das praͤchtige Halstuch von der Mutter anlegen. Alsbald flog er froͤhlich zur Thuͤre hinaus; mußte aber wieder⸗ um die Mutter ſich nachrufen hoͤren: —„Pauw, Pauw, keine Spruͤnge; benimm dich doch geſetzt und anſtaͤndig, wie es deinem Stande geziemt!“ Da das friſche Fruͤhlingswetter anhielt, war die Straße wie geſtern auf beiden Seiten mit jungen Stickermaͤdchen und wohl auch mitunter mit aͤlteren Frauen beſetzt, die an der freien Luft die Klei⸗ der ihrer Kinder zu flicken beſchaͤftigt waren. Pauw hatte der Mutter zu lieb ſeinem Gang etwas mehr Lang⸗ ſamkeit verliehen und hielt den Kopf mit einer gewiſſen Vornehmheit aufrecht. Bei ſeinem Erſcheinen richteten die meiſten Maͤdchen den Kopf in die Hoͤhe und ſahen mit aufgeſperrten Augen den Juͤngling mit ernſt⸗bedaͤchtiger Miene herannahen, ihn, den man fruͤher nie in ſolcher Haltung bemerkt hatte. Welches Wunder mochte ſo ploͤtzlich dieſe Umwandlung bewirkt haben? Dem armen Pauw aber fiel es laͤſtig, ſich von allen Seiten wie ein merkwuͤrdiges Thier beguckt zu wiſſen, und eine leiſe Schamroͤthe uͤberflog ſein Geſicht. Es war ihm, als ob ihm die Haut von tau⸗ ſend Stecknadeln geprickelt wuͤrde. Doch that er ſich Gewalt an, um ſeine Verlegenheit zu verbergen, naͤherte ſich den Maͤdchen, die vor des Schuhmachers Thuͤre ſaßen, und mit erkuͤnſtelt leichtfertigem Tone redete er eine derſelben an: —„Aber, Annemariechen, was ſperrſt du ſo deine Augen auf? Bin ich denn ein Wallfiſch oder ein Elephant?“ —„He, dort hinten! Giebt es eine Beguine zu geißeln, daß 64 ihr mich anglotzt?“ rief er ſodann einem Haufen Frauen zu, die etwas weiter davon mit geſtrecktem Hals nach ihm ſchauten. Niemand lachte und es verging eine Weile, ehe Annamarie mit achtungsvollem Tone ihm antwortete: —„Herr Pauw, ich wuͤnſche Ihnen Gluͤck, obgleich es mir leid thut 5 — Warum leid?“ —„Ach, weil's jetzt wieder ganz traurig werden wird in der Straße, ſeit der ſpaßige Pauw ein reicher Herr geworden iſt und auf dem Meirplatze wohnt.“ —„Bitte, laß dein Herr Pauw fahren; heißt mich fortan wie zuvor Pauwken⸗Frohmuth.“ Jetzt kam ein alter, von den Jahren gebuͤckter Mann auf Pauw zugelaufen, zog ſeine Muͤtze ab, entbloͤßte die ſilberweißen Haare und ſagte mit bittendem Laͤcheln: —„Herr Smet, erlauben Sie mir, ein Woͤrtchen mit Ihnen zu ſprechen? Nehmen Sie es mir aber ja nicht fuͤr ungut, daß ich mir dieſe Freiheit nehme.“ Der Juͤngling erroͤthete bis unter das Haar und gab ihm mit Ungeduld zur Antwort:. —„Hoͤrt, Vater Mieris, treibt keine Kurzweile mit mir! Gebt mir vielmehr die Hand. Wie gehts' mit der Geſundheit?“ Der Greis lachte dankbar fuͤr die freundliche Begruͤßung. —„Große Ehre, Herr Smet, erwiederte er.„Aber laſſen Sie mich doch eine Bitte an Sie richten. Meine Tochter Suſanne, Sie kennen dü doch wohl?“ „Ob ich ſie kenne? Ein gar gutes, ſauberes Maͤdchen.“ —„Sie iſt Plaͤtterin, Herr Pauw, und verſteht ihr Geſchaͤft ganz vorzuͤglich; ſo erlaube ich mir denn, Sie zu erſuchen, bei Ihrer Ä Frau N ſi uns verdienen Brod f Del chwinde s thun ter und V Innze D Vor weg und die Mäd inem Am beklagen. ſehr Wu weitere Er ind. 2 ün, in geſicht zuhalten, her dieſe Um Got Das Das 6 55 zu, die 7. Frau Mutter gefaͤlligſt ein Woͤrtchen einlegen zu wollen, daß arie mit ſie uns nicht vergeſſen und von Zeit zu Zeit einen Stuͤber verdienen laſſen moͤge, denn die Zeiten ſind ſchlimm und das h es nir Brod iſt gar ſo..“ Dem Pauw wurde bei dieſem unterwuͤrfigen Weſen ganz ſchwindelig zu Muthe. din dei—„Schon gut,“ fiel er dem Alten ins Wort,„ich werde es thun. Laßt mich aber nur in Ruhe mit eurer Frau Mut⸗ und auf Eauj 3 ter und eurem lieber Her r. Bald wird, duͤnkt mir, das c ortan ganze Viertel noch den Verſtand verlieren“ Von dieſem Ausfall eingeſchuͤchtert, wandte ſich der Alte duf Paun weg und entfernte ſich mit traurigem Gemüthe.. en Hanre—„Kaͤthchen iſt wohl beim Schuhbordiren?“ fragte Pauw die Maͤdchen. üt Ihnen.„Ach ja, das Kaͤthchen, antwortete Annamarie mit einem Ausdruck herzlichen Mitleids,„die iſt noch am meiſten zu „daß i) S ich beklagen. Wenn ſie ſich von dem Schlage erholt, ſoll es mich 9 hlag holt, ſ ſehr Wunder nehmen.“ dB Der Juͤngling erblaßte bei dieſer Bemerkung und ſchritt ohne weitere Erwiederung nach des Schuhmachers Thuͤre zu. Er fand das Maͤdchen am Fenſter ſitzend und laut ſchluch⸗ zend. Pauw griff ihr tief erſchuͤttert die Hand. Aber Kaͤth⸗ chen, in ihrem Schmerze, zog ihre Hand zuruͤck und verbarg ihr * Geſicht noch mehr, indem ſie Muͤhe hatte die Seufzer zuruͤck⸗ zuhalten, die ihrer beklemmten Bruſt entſtiegen. — ,RKaͤthe, Kaͤthe,“ rief der Juͤngling mit Verzweiflung,„wo⸗ ihm mit ir! Gebt g. aaſſen Sie unne, Sie —7 hn her dieſes Geſeufze und Herzeleid? Was iſt dir denn begegnet? Geſchift Um Gottes Willen, rede doch!“ bei Ihrer Das Maͤdchen enthuͤllte nun ihr Geſicht, hob ihre roth⸗ Das Glück reich zu ſein. 5 — — — 66 geweinten Augen mit hingebender Ruhe zu ihrem Freunde und ſagte bittend: —„Lieber Pauw, graͤme dich nicht ab uͤber den Schmerz, der mich erfuͤllt; wohl weiß ich, daß es deine Schuld nicht iſt; denn du wuͤrdeſt die Grauſamkeit nicht gehabt haben, dem armen Kaͤthchen dieſen Todesſtoß zu verſetzen...“ —„Aber, ich flehe dich an, ſprich doch, was iſt denn geſche⸗ hen?“ ſchrie der Juͤngling. —„Ich werde mich in mein bitteres Geſchick fuͤgen und muͤßte ich vor Leid und ſtillem Grame dahinſchwinden, dich, Pauw, werde ich niemals deßhalb beſchuldigen... Vielmehr wird mein Gebet zu Gott aufſteigen, daß er dir eine Frau gebe, die dich ſo treulich lieben moͤge als ich!“ —„Ach, dieſe Furcht iſt es, die dich quaͤlt?“ rief beruhigt der Juͤngling.„Sei ohne Sorge, Kaͤthchen; uͤber uns ſchwebt keine Ge⸗ fahr; du machſt dir vergeblichen Kummer.“ Die Jungfrau betrachtete ihn ſuͤßlaͤchelnd und ſagte: —„Siehſt du, Pauw, ich bin ein viel zu geringes Maͤdchen, um meine Augen noch ferner nach dir richten zu duͤrfen— du biſt von allzuhoher Familie, als daß die Tochter eines armen Handwer⸗ fers.. Ungeduldig unterbrach ſie der Juͤngling und ſprach mit verdrieß⸗ lichem Tone: —„Wie kommſt du nur auf ſolche Gedanken? haben die boͤſen Zungen der Nachbarn auch auf dich eine Gewalt geuͤbt? Wie, du merkſt auf alle dieſe tollen Klatſchereien des erbaͤrmlichſten Neides?“ —„Nein, das nicht,“ ſeufzte das Maͤdchen;„aber deine Mutter hat uns im Laden druͤben ganz unverbluͤmt mit Spottreden uͤberhaͤuft und geſagt, daß eine Schuhflickerstochter niemals in ihre Familie 1 s* intrete Alſo lc meinen 8 Spazie dann d Kithe, Pa faſſen v zerreiße König? ſt dami . für terſelbe fär dich nicht rei di wogende G J meine oll wie dieſer G 9 N in geſche⸗ id muͤßte v, werde Gebet zu lich leben uhigt der keine Ge⸗ Miͤdchen, — du biſt Handwer⸗ verdrieß⸗ die boͤſen Wie, du Neides?“ ne Mutter uͤberhaͤuft e Familie 67 eintreten wuͤrde. Du biſt deiner Mutter den Gehorſam ſchuldig. Alſo laß mich nur immer trauern, Pauw; die Zeit wird hoffentlich meinen Kummer etwas mildern...“ Die Thraͤnen drangen ihr abermals hervor, als ſie hinzufuͤgte: —„Wenn ich dann auf dem Kirchhof liege... und dich deine Spaziergaͤnge zuweilen nach den Baͤumen des Stuivenberg*) fuͤhren, dann denke an unſere Freundſchaft zuruͤck und ſage dir: dort liegt Kaͤthe, die ſo fruͤh geſtorben iſt, weil ſie mich zu innig liebte!“ Pauw hielt ſich die Hand vor die Augen und konnte ſich kaum faſſen vor Ruͤhrung. —„Kaͤthe,“ rief er alsdann mit ſchmerzvollem Ausdruck,„du zerreißeſt mir mit Unrecht das Herz. Und wuͤrde mein Vater zum Koͤnig erhoben, du allein wirſt meine Frau! Selbſt meine Mutter iſt damit einverſtanden.“ —„Und doch hat ſie uns ſo ſchnoͤde behandelt?“ —„Mag ſein; aber du weißt wohl, der Reichthum kann einen .. fuͤr einen Augenblick.. blenden. Und ſo glaube mir; meine Mut⸗ ter ſelber iſt es, die mich zu dir geſchickt hat und mit der alten Liebe fuͤr dich hat ſte vor zehn Minuten die Aeußerung gethan: Reich oder nicht reich, Kaͤthchen ſoll meine Tochter werden.“ Die Augen der Jungfrau begannen freudig zu erglaͤnzen und mit wogender Bruſt rief ſie: „Gott im Himmel, was ſagſt du; Frau Smet ſoll wirklich noch meine Mutter werden; der Tod, der mir ſchon vor der Seele ſchwebte, ſoll wieder verſchwinden und es ſtehen mir noch gluͤckliche Tage auf dieſer Erde bevor! Pauw, Pauw, du betruͤgſt mich doch nicht?“ In dieſem Augenblick trat der Schuhmacher ins Zimmer: er war *) Ein Begraͤbnißplatz vor der Stadt. 5* —————e — * 68 von ſeiner Arbeit im Nebenzimmer aufgeſtanden und noch hielt er den Spannriemen in der Hand. Mit ſtrengem Blick ſah er den Juͤngling an und ſagte: —„Herr Smet, es nimmt mich Wunder, daß Sie noch mein Haus zu betreten wagen. Wir ſind zwar arme und geringe Leute; aber dabei ehrlich und wie Sie wiſſen, iſt jeder der Koͤnig in ſeinem Hauſe. Vielleicht liegt die Schuld nicht an Ihnen, aber das thut Nichts zur Sache. Ich muß Sie alſo bitten, fortzugehen und zu ver⸗ geſſen, wo wir wohnen— ſonſt zwaͤngen Sie mich...14 —„Lieber Vater, ereifert euch nicht!“ rief ſeine Tochter.„Es iſt nicht ſo, wie ihr denkt.“ —„Ihre Eltern übrigens handeln ganz nach Recht und Ver⸗ nunft,“ ſpoͤttelte der Schuhmacher.„Als wir noch Handwerksgenoſſen waren, da ging es wohl an; aber nun ſie einige Tonnen Goldes zu erben haben, waͤre es doch eine große Schande, Herr Pauw, wenn Sie ein Maͤdchen heiratheten, die Nichts beſitzt; die Tochter eines armen Schuhflickers! Aber merken Sie wohl, dieſer Schuhflicker hat ſeiner⸗ ſeits auch ein Herz im Leibe; und er darf nicht leiden, daß Sie noch fernerhin ein Auge auf ſein Kind werfen. Wenden Sie ſich lieber nach den vornehmen Straßen, und ſuchen Sie ſich dort ein Fraͤulein, das Ihrem Stande gewachſen ſei!“ C —„Baes Dries!“ ſtammelte tiefbetruͤbt der Juͤngling.„Ihr ſeid grauſam und ungerecht. Meine Mutter ſendet mich eben her, ſie bei euch einiger Ausdruͤcke wegen zu entſchuldigen, die ſie beim Spe— zereihaͤndler hat fallen laſſen. Es war nicht boͤſe gemeint, und ſie bittet euch, das Geſchehene zu vergeſſen.“ —„Nein, nein!“ antwortete der Schuhmacher,„das geht ſo nicht. Sie hat ſich oͤffentlich in veraͤchtlicher Weiſe uͤber uns verlauten laſſen. Alſo, Pauw, bleiben Sie aus unſerem Hauſe weg. Wir ſind iicht ii auf den ſcherte, — lich Bie fordern. 5 macher. — hieher z iicht hit nich di Wenn? ſelber g Haus. Pa un M zun M und gut wieder! A ſitzen. fremde 69 tmer den nicht reich; aber doch ſoll nicht von uns geſagt werden, daß wir uns auf den Kopf treten laſſen.“ noch mein—„ Und wenn meine Mutter ſelber herkaͤme und euch ver⸗ ge Leute. ſicherte, daß ſie es nicht gemeint hat, wie ihr es auffaßt?“ —„Das wuͤrde ſchon etwas ausmachen,“ murmelte nachdenk⸗ lich Baes Dries. —„Nun, ſie ſoll kommen; ich gehe ſofort, ſie dazu aufzu⸗ fordern.“ —„Eben habe ich ſie ausgehen ſehen,“ bemerkte der Schuh⸗ in ſeinem das das thut d zu ver⸗ der. Es „L macher. —„So will ich ihre Ruͤckkehr abwarten und ſie dann ſogleich hieher zu kommen bitten.“ —„Nein, auch ſo nicht, Pauw; Sie duͤrfen ſchlechterdings nicht hier bleiben und auch nicht wiederkommen, wenn Ihre Mutter nicht dabei iſt. Die Nachbarn ſtehen ja haufenweiſe vor der Thuͤre. Wenn es ſich wirklich ſo verhaͤlt, wie Sie ſagen, ſo wird Alles von ſelber gut ablaufen. Alſo laſſen Sie ſich rathen und gehen Sie nach Haus!“ Pauw folgte dieſer Aufforderung, aber im Hinausgehen ſagte er und Ver⸗ Wgenoſſen Holdos Holdes zu wenn Sie es armen at ſeiner⸗ Sie noch ſich lieber omalän⸗ zum Maͤdchen: .—„Kaͤthchen, kuͤmmere dich nicht weiter; ſei vielmehr froͤhlich g.„Ilr. und guter Dinge; es wird ſich Alles herrlich machen und bald bin ich uher, ſi wieder hier mit meiner Mutter.“ ein She⸗ Als Pauw nach Hauſe kam, fand er ſeinen Vater am Tiſche t, und ſte ſitzen. Der geaͤngſtigte Mann war bleich und ſchien noch ſehr ange⸗ griffen von dem nächtlichen Begegniß. Vom Wachen ermuͤdet hatten as geht ſo ſeine Augen ein fahles und irres Ausſehen. verläutn—„Pauw, was biſt du ſo roth im Geſicht,“ fragte er mit Be⸗ Wir ſ Wir ſind fremden den Hereintretenden. 70 —„Ach Vater,“ war die Antwort,„ich komme eben von Kaͤth⸗ chen; ſchluchzend und in Thraͤnen zerfloſſen habe ich das gute Kind auf ihrem Stuhle ſitzend gefunden, daß mir faſt das Herz dabei ge⸗ brochen iſt. Dazu wollte mir der Schuhmacher gar noch die Thuͤre weiſen, aber die Sache iſt beigelegt... Fuͤhlt ihr euch noch unpaͤßlich, Vater? Ihr ſeht bleich und leidend aus; ſoll ich nicht nach dem Doktor rufen?“ —„Nein, nein, es geht beſſer; es war nur eine Nervener⸗ ſchuͤtterung... Aber ſage mir, was war denn der Grund von Kaͤth⸗ chens Verdruß und weßhalb wollte dich der Schuhmacher vor die Thuͤre ſetzen?“ —„So genau weiß ich es ſelbſt nicht, aber es hat, ſcheint's, die Mutter im Laden geaͤußert, daß Kaͤthchen fuͤr unſere Familie zu ge⸗ ring ſei... das iſt, wie ihr leicht denken koͤnnt, dem Schuhmacher zu Kopf geſtiegen. Nun, die Sache iſt wieder in Ordnung und ſobald die Mutter zuruͤckkommt, werde ich mit ihr zum Schuhmacher gehen, um ihn vollends zu beſaͤnftigen.“ —„Deine Mutter, deine Mutter,“ ſeufzte ſchmerzlich der Schlotfeger,„die wird noch unſer Verderben. Unfaͤhig ihren Hoch⸗ muth zu bemeiſtern, pocht und prahlt ſie, als haͤtten wir viele Tau⸗ ſende von Gulden zu erwarten.“ —„Drei Toͤnnchen voll, Vater. Denn als ich vorhin vom Schuhmacher herkam, fragte mich Annamarie vom Gemuͤſeladen druͤ⸗ ben, ob es wahr ſei, daß wir außer den Toͤnnchen Gold, noch ich weiß nicht, wie viele Haͤuſer und Schiffe zu erben haͤtten.“ —„Himmel, Himmel!“ klagte der Vater,„es iſt ein rechtes Elend! Dieſes unbaͤndige Geſchnatter deiner Mutter wird uns um unſere Ruhe, um unſeren Schlaf bringen. Alle Diebe und Gauner der Stadt werden es auf unſer Geld abſehen. Wer weiß wie viele ſonpl in unſe au erme zu? ruhr zu licer G dirs,¹ — Pauw! moͤgen, großen Hüten! anderen Börſe wohnen nit bitt gen zu Harniſ Kleider ſie ſelb ich wen um den Käͤth⸗ iie Kind abei ge⸗ e Thüre npäßlich, ach dem ervener⸗ d Käth⸗ vor die inrs, die e zu ge⸗ acher zu b ſobald gehen, lich der en Hoch⸗ ele Tau⸗ hin vom den druͤ⸗ noch ich mrechtes uns um Gauner wie viele Komplotte ſchon beſprochen ſind, um bei der erſten beſten Gelegenheit in unſer Haus einzubrechen und uns zu beſtehlen... Wenn nicht gar zu ermorden.“ —„Koͤnnte wohl ſein. Denn die ganze Stadt ſcheint in Auf⸗ ruhr zu ſein uͤber das prachtvolle Erbe, das uns zugefallen.“ —„Prachtvolles Erbe?“ wiederholte der Vater mit bedenk⸗ licher Gebaͤrde.„Es iſt dieſes Erbe lange nicht ſo betraͤchtlich, merke dir's, Pauw, als die Leute ſagen und glauben.“ —„Nun ſo uͤbel iſt es denn gerade auch nicht,“ antwortete Pauw lachend,„drei Toͤnnchen Gold!“ —„Ich glaube, die Nachbarſchaft iſt von Sinnen!“ —„Nun, Vater, nimm an, es ſei nur ein einziges Toͤnnchen.“ —„Nichts weiter iſt's, Sohn, als ein anſtaͤndiges Buͤrgerver⸗ moͤgen, um bei weiſer Sparſamkeit ſorglos davon leben zu koͤnnen.“ —„Weum ſoll ich nun glauben? die Mutter ſpricht von einem großen Haus mit einer Einfahrt auf dem Skt. Jakobsmarkt, von Huͤten mit Federn, von Bedienten und Maͤgden... und von ſo viel anderem Zeuge, daß ich wirklich dachte, ſte habe des Fortunatus Boͤrſe gefunden und wir wuͤrden fortan in einem goldenen Berge wohnen.“ —„Deine Mutter bringt uns aufs Stroh!“ rief Meiſter Smet mit bitterer Aufwallung.„Aber warte nur, ich will nunmehr anfan⸗ gen zu zeigen, daß ich Herr im Haus bin! Und wenn ich einmal in Harniſch gerathe, ſo zertrete ich ihre Huͤte, zerreiße ihre ſeidenen Kleider, und will ſie ſich nicht benehmen, wie ſich's geziemt, werf' ich ſie ſelbſt zum Haus hinaus; ja, ja, brauchſt mich nicht ſo anzuſehen, ich werfe ſie zum Haus hinaus!— Und du auch, was haſt du da um den Hals, Verſchwender?“ —„Ach, ich dachte ſelber nicht mehr daran,“ antwortete Pauw 72 ſchuͤchtern, indem er ſeine Atlaskravatte von ſich riß.„Die Mutter hat ſie mir mit Gewalt umgelegt; denn mir iſt es um ſo lieber, je weniger mir ſolcher farbigen Lumpen am Leibe haͤngen.“ Der Juͤngling war etwas ruͤckwaͤrts getreten und hielt nun be⸗ denklich verwundert das Auge auf ſeinen Vater gerichtet, der wieder ſchwermuͤthig, wie zuvor, in duͤſteres Schweigen verſunken am Tiſche ſaß. Nach einer Weile ſagte Pauw aͤrgerlich: —„Ich wollte das Erbe ſtaͤke ich weiß nicht wo! Wir ſind dazu ganz und gar nicht geboren und es bringt uns nur Kummer und Sorge... Glaubt mir Vater, ich will lieber arm bleiben, als in die⸗ ſer Weiſe mein Leben verbringen.“ —„Kind, es iſt nicht noͤthig, dir darum Armuth anzuwuͤnſchen,“ antwortete Smet;„wenn deine Mutter nicht verſtändiger wird, wird dieſe Armuth ſich zeitig genug einſtellen; vielleicht ſteht ſie jetzt ſchon drohend vor der Thuͤre.“ Seines Vaters Stimme klang dem Juͤngling ſo ſeltſam weh⸗ muͤthig und trocken in die Ohren, daß er mit aͤngſtlichem Blicke ihn anſchaute und fragte: —„Vater, ihr ſeid krank, ſehr krank!“ —„Mir fehlt nichts; ich fuͤhle mich etwas muͤde, das iſt Alles!“ war ſeine leiſe geſprochene Antwort. —„Wie iſt das moͤglich? Sollte euch das Geld in ſolchem Grade umgewandelt haben. Eure Augen ſind matt, das Geſicht bleich, die Stimme ganz anders als fruͤher. Alles iſt ſo traͤge, ſo ſchlurrig an euch, der ihr ſonſt ſo lebendig und froͤhlicher Laune wart. Sonſt ſanget ihr vom fruͤhen Morgen bis zum Abend; jedes Wort aus eurem Mund war ein Witz, der Lachen erregte. Ach, ich ſehe ſchon, das Geld und die Froͤhlichkeit weichen einander aus, denn Vater der erwünſch s knurr untaufen „„ heißen. ſät. re⸗ miin Abe nul ſo fu een und rilaren, Die athindert Cs dute und Sack am ten. Rot dem Kerl Autter ſiber, je ltnun le⸗ am Kiſche ſind ſind dazu amer und dls in die⸗ unſchen 6 „ erd, wird etzt ſchon am weh⸗ Blicke ihn , das iſt n ſolchem 18 Geſicht traͤge, ſo her Laune⸗ end; jedes Ach, ich aus, denn 3 ich fuͤhle ſelber manchmal etwas in mir, was mir den Kopf ſchwer macht und am Herzen nagt.“ —„Es iſt wohl etwas Wahres an dem, was du ſagſt,“ ſagte der Vater;„aber immerhin iſt reich ſein ein großer und nicht zu ver⸗ achtender Vortheil.“ —„Schoͤner Vortheil!“ ſpottete Pauw.„Seitdem von dieſem verwuͤnſchten Erbtheil die Rede iſt, hab' ich noch nichts anderes gehoͤrt als knurren und klagen und bald fuͤrchte ich werden uns die Leute umtaufen, und dich Jan-Sorge und mich Pauwken-Aergerlich heißen.“ —„Daran iſt allein deine Mutter ſchuld; ihre Verſchwen⸗ dungsſucht iſt es, die mich peinigt. Denke dir, Pauw, da iſt ſie eben wieder fortgelaufen, um ein Dienſtmaͤdchen zu ſuchen... und zwar will ſie von keiner andern etwas hoͤren, als von einer, die ſchon bei einer Dame von Stande gedient hat! Zwar habe ich mich ſtreng da⸗ gegen verwahrt, aber wer weiß, ob ſie ihren Kopf doch nicht durch⸗ ſetzt. Fremde Menſchen in meinem Haus? Da ſchlafe ich ganz gewiß mein Lebenlang nicht mehr!“ —„Aber, ſagt mir doch, Vater, warum ſeid ihr denn auf ein⸗ mal ſo furchtſam geworden. Wenn wir bereits das Erbe gefaßt haͤt⸗ ten und hier ein großer Haufen Gold laͤge, dann ließe ſich's noch erklaͤren, aber ſo...?“ Die Erſcheinung einer Perſon, die eben die Hausthuͤre oͤffnete, verhinderte Pauw's weitere Rede. Es war ein junger Herrſchaftsbedienter mit goldener Treſſe am Hute und einem altmodiſchen Livreefrack, der ihm ſchwer wie ein Sack am Leibe hing und deſſen Schoͤße bis an die Knoͤchel herabreich⸗ ten. Rothes Haar und ein aufgedunſenes Geſicht ließen uͤberdem bei dem Kerl noch auf eine huͤbſche Portion Dummheit ſchließen. 74 Beim Eintreten ſtierte er verdutzt im Zimmer herum und mur⸗ melte ziemlich laut vor ſich hin: —„Die Stadtleute, die wiſſen aber auch nichts anderes als einen zu foppen! Ich bin hier nicht recht, wie ich ſehe; doch ich will immer fragen...“ —„Nun, was wollt ihr?“ rief Pauw. —„Ich ſehe, junger Herr,“ antwortete der Bediente,„daß ich ..(hier ſah er ſich nochmals um) nicht am rechten Orte bin. Die Maͤdchen unten auf der Straße haben mich verkehrt gewieſen. Ich wollte zu der Kaminfegersfrau gehen, die auf einmal ſo viele Toͤnn⸗ chen Gold und Schiffe zur See geerbt hat.“ —„So? dann ſeid ihr doch da, wo ihr ſein wolltet,“ bemerkte Pauw. —„Hier, in dieſem Haus... jener,„das iſt nicht moͤglich.“ —„Wenn ihr's nicht glauben wollt, ſo macht, daß ihr fort kommt und laßt uns in Frieden.“ Der Schornſteinfeger ſchuͤttelte beküͤmmert den Kopf, ſprach aber kein Wort; mit bitterem veraͤchtlichen Läͤcheln ſchaute er ſtarr auf den Tiſch hin. —„Wenn es wirklich hier iſt, ſprach der verkleidete Bauern⸗ burſche zu Pauw,„ſo will ich eben vorbringen, weßhalb ich gekom⸗ men. Ihr muͤßt wiſſen, ich wohne bei der Frau van Steen. Die hat mich von der Kuh weggeholt, indem ſie mir ſagte, daß ich ein Herrenleben haben wuͤrde; aber Sie koͤnnen ſich keinen Begriff davon machen, wie dieſe Frau mich behandelt hat. Nichts als Ohrfeigen oder Rippenſtoͤße! Von jenem Augenblicke, wo ich das Ungluͤck ge⸗ habt habe, ihrem duͤrren Hunde den Schwanz zwiſchen die Thuͤre zu klemmen und die Fenſter⸗Vorhaͤnge in Brand zu ſtecken, darf ich ihr eine reiche Frau?“ ſtotterte nicht wied ſo regnet ümmel 1 in Hülle! die Frau Kuſſche und o kou Allesz auc ſch der S 5o bitte i nich einle oeben zuſe Paul beluſtigt; und ſchüt — 1 dich mitten Als dünfte mi dückte er — der Stadt vorden!“ Kur Gs war Later un ſeinem und mur⸗ doras deres alz ich wil „daß ich in. die ſen. Ich le Tönn⸗ bemerkte ſtotterte ihr fort pach aber er auf den Vauern⸗ ich gekom⸗ been. Die aß ich ein riiff davon Ohrfeigen ngluͤk ge⸗ Thuͤre zu arf ich ihr 75 nicht wieder unter die Augen kommen. Kaum habe ich mich geruͤhrt, ſo regnet es Schimpfwoͤrter, als Eſel, Schafskopf, Baurenvieh, Luͤmmel und noch andere ſolche Ausdruͤcke, wie ſie die reichen Leute in Huͤlle und Fuͤlle beſitzen. Es iſt mir nun geſagt worden, daß hier die Frau vom Hauſe nach einem Bedienten ſuche, hinten auf der Kutſche zu ſtehen und ihr den Muff und das Meßbuch nachzutragen, und ſo komm' ich mich anzubieten. Ueberdieß verſtehe ich mich auf Alles; auch weiß ich mit Pferden umzugehen.— Ihr ſeid wahrſchein⸗ lich der Stallknecht, und der dort der Kutſcher der gnaͤdigen Frau. So bitte ich euch recht ſchoͤn, daß ihr beide ein gutes Wort bei ihr fuͤr mich einlegt; wir werden uns einander ſchon vertragen und ein gutes Leben zuſammen fuͤhren...“ Pauw ſchaute ſeinen Vater an, von dem Vorfalle nicht wenig beluſtigt; dieſer aber gerieth in Zorn, fuhr auf den Bedienten los und ſchuͤttelte ihn beim Kragen, mit den Worten: —„Mach, daß du hinauskommſt, Spitzbube; ſonſt ſchmeiß' ich dich mitten in die Straße!“ Als der Burſche aus des Alten Gebaͤrde ſchließen mußte, es duͤrfte mit der Ausfuͤhrung dieſer Drohung nicht lange anſtehen, druͤckte er ſich ungeſaͤumt fort, indem er noch nachrief: —„Beißt doch nicht ſo; hab' ja nichts gethan! Die Herren von der Stadt ſind, ſcheint's, Alle von einem Muͤhlenfluͤgel getroffen worden!“ Kurz nach ſeinem Weggang that ſich die Hausthuͤre wieder auf. Es war Frau Smet, die mit drohendem Blicke ihre Augen auf Vater und Sohn heftete. —„Pauw,“ murrte, bleich vor Zorn, der Schornſteinfeger zu ſeinem Sohne,„ich gehe hinauf; denn ich ſehe ſchon, es koͤnnte hier 76 einen unangenehmen Auftritt geben und an meiner Frau will ich mich doch nicht vergreifen.“ Hiemit ſtieg er ins obere Stockwerk. —„Was geht hier ſchon wieder vor?“ fragte die Frau mit ge⸗ bieteriſchem Tone. —„Nichts, Mutter,“ antwortete Pauw.„Es iſt naͤmlich vorhin ein Bauernluͤmmel hergekommen, um als Bediente bei uns einzutreten, und dem haben wir etwas ernſtlich die Thuͤre gewieſen. Denn wenn ihr durchaus einen Lakaien dingen wollt, werdet ihr doch hoffentlich einen nehmen, der etwas vorſtellt?“ „Und das war Alles?“ fragte die Frau weiter.„Nach dei⸗ nes Vaters Geſicht zu urtheilen, glaubte ich, es muͤßten hier ſchreck⸗ liche Dinge vorgefallen ſein.“ Pauw griff ihr die Hand und fragte bittend: —„Mutter, wollt ihr mir einen Gefallen erweiſen, ehe ihr den Mantel ablegt?“ „Gewiß, was es auch ſei.“ —„Nun, Mutter, ich bin vorhin bei Kaͤthchen geweſen; und wenn ihr's geſehen haͤttet, ihr wuͤrdet Thraͤnen vergoſſen haben. Das arme Schaf war ſterbensbetrubt und untroͤſtlich. Sie laͤßt euch bit⸗ ten, zu ihr zu kommen, um ihr zu beweiſen, daß ihr nicht boͤſe auf ſie ſeid... und ich, der ich euer gutes Herz kenne, Mutter, habe ihr verſprochen, daß ihr's thun wuͤrdet. Alſo kommt, Mutter; gehen wir, das gute Maͤdchen zu troͤſten.“ —„Du, Schmeichelkatze!“ lachte die Mutter,„wie ſollte ich dir etwas verweigern koͤnnen!“ Auf der Stiege rief Pauw nach oben: —„Vater, ich gehe mit der Mutter hier neben zum Schuhma⸗ cher; wir ſind ſogleich wieder zuruͤck!“ 7 d weſen, d enomme barn ant ühren erſ ſie in Sa Ohren, 4 Alſo wwih ſic zuftu ſo teich g dadelnde ibergehen dung bew Stht d 9 Mevro lands vo ; dl ich nich du nit ge⸗ ſt n te bei nͤul ich i uns gewieſen. tt ihr doch „Nach di⸗ Hier ſchreck⸗ n, ehe ihr eſen; und aben. Das t euch bit⸗ t boͤſe auf t, habe ihr tter; gehen eſollte ich Schuhma⸗ Und froͤhlichen Sinnes zog er ſeine Mutter zum Hauſe hinaus. V. Als ob der gefundene Schatz nichts als ein neidiſcher Teufel ge⸗ weſen, der in dieſer Geſtalt den Schornſteinfeger zu quaͤlen ſich vor⸗ genommen,— das einſt ſo froͤhliche Haͤuschen wurde auf einmal in eine Hoͤlle von Verdruß und Zaͤnkerei umgewandelt. Madame*) Smet— denn ſo ließ ſie ſich fortan von den Nach— barn anreden— hatte nach einigen Tagen ihre neuen Kleider und ihren erſehnten ſeidenen Hut empfangen. Von Kopf bis zu Fuß war ſie in Sammt und Atlas gehuͤllt; goldnes Geſchmeide funkelte ihr an Ohren, Hals, Bruſt und beiden Haͤnden. Alſo aufgeputzt und zugeſtutzt ſchritt ſte majeſtaͤtiſch vornehm uͤber die Straße und kehrte ſich nicht im Geringſten daran, wenn ſie ſah, wie Jedermann, wenn ſie voruͤberging, verwundert oder ſpot⸗ tend ſtehen blieb oder mit den Fingern nach ihr deutete. Ja, dieſe allgemeine Aufmerkſamkeit that ihr gar wohl und ſchmeichelte ihrem Hochmuth; ſie glaubte die Leute zu hoͤren, wie ſie ſich zufluͤſterten: da kommt die Frau des Kaminfegers, die auf einmal ſo reich geworden iſt. Und dieſe Bemerkung ſchien ihr durchaus nichts Tadelndes zu enthalten, denn ſie bildete ſich dabei ein, daß die Vor⸗ uͤbergehenden auch ihren wuͤrdevollen Gang und ihre ſtattliche Hal⸗ tung bewunderten. Dann las ſie in den Augen derſelben die Worte: Seht da Madame Smet: wie gravitaͤtiſch! welcher Anſtand! man *) Der vlaͤmiſche Gegenſatz zwiſchen den Woͤrtern Baesin und Mevrouw entſpricht vollkommen dem im buͤrgerlichen Leben Deutſch⸗ lands vorkommenden zwiſchen Frau und Madame. 78 erkennt es doch gleich an ihrem ganzen Weſen, daß ſie von guter Fa⸗ milie abſtammen muß! Und in der That, waͤre die Geſchichte von ihrem Erbe nicht in der ganzen Stadt ruchtbar geworden, man wuͤrde zwiſchen ihr und einer Dame von Stande kaum einen Unterſchied wahrgenommen ha⸗ ben— es ſei denn, daß die reich gewordene Schornſteinfegerin durch Kleider und Geſchmeide den Figuren eines Modejournals ziemlich gleich kam, den Kopf ſteif hielt oder ihn langſam und bedaͤchtig nach allen Seiten drehte, als ruhte er auf einer Spindel; daß ſie große Plattfuͤße wie ein Mann ſehen ließ, daß ſie roth im Geſicht war und jeder ſich die Frage zu ſtellen ſchien: Nun, was denkt ihr davon! ſagt noch, daß Madame Smet nicht von guter Familie herkommt! Am allermeiſten traf man ſie in der Gegend der Meirburg und des Eiermarktes, wo die praͤchtigſten Auslagen von Modewaaren ſie herbeilockten. Dort kaufte ſie verſchiedene kleine Gegenſtaͤnde, und plauderte dabei ſtundenlang mit der Frau vom Hauſe und den Laden⸗ jungfern uͤber ihre hollaͤndiſche Tante und ihre Plaͤne hinſichtlich ihrer kuͤnftigen Hauseinrichtung, die ſie trotz einem Edelmanne vor⸗ nehmen wolle. Taͤglich und bei Jedermann holte ſie Rath und Erkundigung ein uͤber Hausjungfern, Koͤchinnen, Kutſcher, Stallknechte und Bedien⸗ ten, uͤber die Farben, die ſie bei ihren Pferdekaͤufen beſonders be⸗ ruͤckſichtigen muͤſſe, und aͤußerte wohl auch mitunter, daß es ihr doch auf dem Meirplatz ungeſund zu wohnen ſcheine, weil eine Kloake un⸗ ter demſelben hinlaufe. Darum habe ſie Luſt lieber auf dem Skt. Ja⸗ kobsmarkt ein Haus mit einer Einfahrt zu beziehen und wenn es ihr die Beſitzer nicht kaͤuflich ablaſſen wollten, wuͤrde ſie es eben, bis ſie etwas Beſſeres finde, in Miethe nehmen. Wenn ſie ſich durch ſolches Hin- und Herlaufen, durch ſolch ein⸗ iligts nach H binterei Weiſe k Au Wohlwe r ſich die ſchweſter Der der We ſcüflih dungsſu Schaltwd umer di gebe, vot Das ſe konne den Sinn achten br vier Stiͦ hrerſeits Da walt den Standes en und Schmäh murrend dumen ha⸗ gerin durch ls ziemüich ſichti nuch ſie große it war und ihr davon, rkommt. irburg und ewaaren ſie gaͤnde, und den Laden⸗ hinſichtlich manne vor⸗ ndigung ein und Bedien⸗ eſonders be⸗ es ihr doch Kloake un⸗ em Skt. Ja⸗ wenn es ihr ben, bis ſie rch ſolch ein⸗ 79 faͤltiges Dickthun in der ganzen Stadt zum Beſten gegeben, kehrte ſie nach Hauſe; dabei richtete ſie es immer ſo ein, daß ſie nie zweimal hintereinander von derſelben Seite in ihre Straße gelangte. Auf dieſe Weiſe konnten ſie alle Nachbarn beſchauen und bewundern. Auf jeden ihrer Bekannten warf ſie ein gefaͤlliges Laͤcheln des Wohlwollens, nannte hie und da eine Frau bei Namen, verſicherte ſte alle ihres Schutzes und ihrer Geneigtheit, und das that ſie mit ſo vieler Wuͤrde, daß die Leute, denen dieſe Gewogenheit gelten ſollte, ſich die Galle uͤberfließen fuͤhlten vor der hochmuͤthigen Standes⸗ ſchweſter. Der Schornſteinfeger indeſſen war der ungluͤcklichſte Mann von der Welt. Wohl wußte er, daß der gefundene Schatz nicht uner— ſchoͤpflich ſei, und knurrte von fruͤh bis in die Nacht von der Vergeu⸗ dungsſucht ſeiner Frau. Dieſe ſpeiſte ihn dafuͤr mit den lieblichſten Scheltwoͤrtern ab: Geizhals, Knicker, Haarſpalter und ließ dazu immer die biſſige Bemerkung fallen, daß er recht deutlich zu verſtehen gebe, von welch geringer Herkunft er ſei. Das Geld ſei ja ihr Geld und nicht ſeines, fuͤgte ſie hinzu, und ſie koͤnne damit anfangen, was ihr beliebe. Es komme ihr nicht in den Sinn, kuͤnftighin zu leben, wie einer der auf einen Gulden zu achten braucht, und wenn es ihm Vergnuͤgen mache, einen Pfennig in vier Stuͤcke zu zerbeißen und ſich vor Geiz abzuzehren, ſo wolle ſie ihrerſeits zeigen, daß ſie ſich darauf verſtehe, das Geld zu verwenden. Dann brauſte Meiſter Smet natuͤrlich auf und wollte mit Ge⸗ walt den Schluͤſſel heraus haben; aber Madame, die Wuͤrde ihres Standes ploͤtzlich vergeſſend, ſtemmte die beiden Arme gegen die Huͤf⸗ ten und uͤberſchuͤttete ihren armen Mann mit einer ſolchen Fluth von Schmaͤhworten und Drohungen, daß dieſer mit Thraͤnen im Auge murrend die Treppe hinauf kroch. * 80 9 Zuweilen ging es noch aͤrger zu; und einmal ſogar kam es bis zu 4 Thaͤtlichkeiten. Der Mann naͤmlich hatte, der langen Herausforderun⸗ bl 1 gen muͤde, endlich die Fauſt etwas unſanft auf die Frau ſeiner hoch⸗ tinn muͤthigen Ehehaͤlfte geſetzt, welche ihrerſeits in Wuth daruͤber auf⸗ Kei fuhr und nach Katzenart ihrem Mann tuͤchtig die Backen zerkratzte. 3 Dabei war es zwar geblieben; aber die beiden Eheleute faßten Verduu daruͤber eine ſolche gegenſeitige Abneigung, daß jede Verſoͤhnung un⸗ Ktzabri moͤglich ſchien. Ganze Tage vergingen, ohne daß ſie ein Wort zuſam⸗ Gelegen men ſprachen, und wenn es je zu einem voruͤbergehenden Zwiegeſpraͤch Scuhin zwiſchen ihnen kam, ſo war es nur um ſich zu zanken und anzuſchnauzen. V Baeſin Smet beſtand darauf, das große Haus auf dem Skt. Ja⸗ und gel kobsmarkt zu miethen; ihr Mann betheuerte kraͤftiglich, daß er nicht und wi auszuziehen geſonnen ſei. Aus dieſem Zwieſpalt entſpannen ſich hef⸗ gab ſich tige und endloſe Wortwechſel und ſchon hatte die Frau mit Advokaten gerne z gedroht, die die Sache dem Gerichtshof zur Entſcheidung uͤberantwor⸗ 1 ter her; ten ſollten.* Smete Pauw, dem froͤhlichen Jungen, war der Muth gaͤnzlich ge⸗— ſiein ei ſchwunden. Das beſtaͤndige Gezaͤnke ſeiner Eltern that ihm tief in B der Seele weh; denn bei all ſeinem ſpaßigen, loſen Weſen, hatte 8. er doch ein gar empfindſumes, liebendes Herz. e Der alte Mutterwitz fing an zu verſiegen, und wenn er auch hie ues 3 und da etwas Artiges zu ſagen verſuchte, ſo lag immer etwas Bitte⸗ ni d res und Trauriges im Tone ſeiner Stimme. Gü 3 Wenn er mit ſeinem Vater allein war, bot er Alles auf ihn zu- ſm troͤſten und ſeine Betruͤbniß gä mildern;— war er hingegen mit der iner i Mutter, ſo ſuchte er ihr durch ſuͤße Worte begreiflich zu machen, daß d ſein Vater vielleicht etwas allzu empfindlich und aufbrauſend ſei, daß dn Sc aber ſein ſorglich ſparſames Weſen wenigſtens wohl entſchuldigt zu nicht v werden verdiente. ausdr Das es bis zu dorderun⸗ aner hoch⸗ iüer auf tratzte.— Lute faßten hnung in⸗ ort zuſam⸗ iegeſpräͤch lſchnauzen. Stt. Ja⸗ aß er n ſnicht en ſich hef⸗ Advokaten berantwor⸗ unzlich ge⸗ ihm tief in eſen, hatte er auch hie twas Bitte⸗ auf ihn zu egen mit der nachen, daß end ſei, daß iſchuldigt zu 81 ⁴ Des guten Juͤnglings Muͤhe jedoch blieb fruchtlos. Sobald die Eltern wieder beiſammen waren, ſtanden ſich alsbald der Geiz des einen und die Vergeudung des andern aufs Neue gegenuͤber und das Keifen begann lauter als zuvor. Aber es floß fuͤr ihn noch eine andere Quelle der Angſt und des Verdruſſes. Zwar hatte ſeine Mutter den Gedanken ihn von Kaͤthchen abzubringen aufgegeben, aber dafuͤr nicht ermangeln laſſen, bei jeder Gelegenheit das arme Kind zu erniedrigen und dem Selbſtgefuͤhl des Schuhmachers tiefe Wunden zu ſchlagen. War Käͤthchen bei ihr, ſo wollte ſie ihr weiſen, wie man ſtehen und gehen, wie man ſprechen und gruͤßen, wie man den Kopf halten und wie man mit dem Fuß auftreten muͤſſe. Folgſam und gutwillig gab ſich die Jungfrau, die in ihrer Liebe reichlichen Erſatz dafuͤr fand, gerne zum Spielzeuge fuͤr die verruͤckten Einfaͤlle ihrer kuͤnftigen Mut⸗ ter her; ja ſie ſchien es ſogar mit Dank hin zu nehmen, wenn Baeſin Smet es ſie fuͤhlen ließ, welche Gnade man ihr erweiſe, indem man ſte in eine ſo gute Familie aufzunehmen Willens ſei. Beim Spezereihaͤndler und in der ganzen Nachbarſchaft prahlte Frau Smet mit ihrer Großmuth und ſtellte Kls hauptſaͤchlichſten Be weis dafuͤr hin ihre Einwilligung in die Verbindung ihres Sohren 5 mit der Tochter... eines Schuhmachers, die ſie aus lauterer See guͤte nicht habe verweigern wollen. Selbſt Kaͤthchens Vater ha ſchon ins Geſicht geſagt, daß es eine große Ehre fuͤr ihn ſei einer ſo achtbaren Familie zu werden. 1 nnein geſot⸗ ſch ab⸗ Dieſe demuͤthigenden Aeußerungen der Frau Smet ven hatte, den Schuhmacher immer mehr und dieſer verhehlte ſeinenverſprach, nicht vor Pauw, dem er ſeine Bedenken uͤber die Heirath uZeſellſchaft ausdruͤckte, indem er dabei erklaͤrte, daß er ſelbſt ſich in Das ‚tid reich zu ſein. 6 82 1 ſetzen wuͤrde, wenn Frau Smet ſo fortfuͤhre, ſeine Tochter als eine zu Gnaden gekommene Bettlerin zu behandeln. Obgleich ein ſchlichter Handwerksmann, hatte auch der Schuhma⸗ cher ſeinen Stolz und nur den beſaͤnftigenden Reden und den Bitten Pauw's und ſeines Vaters verdankte es der erſtere, daß ihm nicht laͤngſt ſchon der Zutritt in das Haus ſeiner Geliebten verboten wor⸗ den. Wohl ließ ſich Baes Dries erweichen und ſchob dieſen Entſchluß immer noch auf, aber die Bitterkeit ſeines Herzens nahm nicht ab und er ſah den guten Pauw mit keinen freundlichen Augen mehr an. Dieſe ſchlimmen Verhaͤltniſſe floͤßten den beiden jungen Leuten natuͤrlich gar ernſte Beſorgniß ein— oftmals befeuchteten Thraͤnen ihre Wangen, wenn ſie traulich beiſammen ſaßen. Acht Tage waren ſchon ſeit der Findung des Schatzes verſtrichen, und der Schornſteinfeger war noch nicht aus dem Hauſe gekommen, mit Ausnahme des Sonntags, wo er zur Kirche gegangen war. Jetzt war es Montag und der Abend eben hereingebrochen. Abermals war es wieder zum Wortwechſel gekommen... mit dem Unterſchiede jedoch, daß dießmal eine Verſoͤhnung daraus erfolgte. Dieſe guͤnſtigere Stimmung benutzte Frau Smet, um ihrem Manne begreiflich zu machen, daß dieſes beſtaͤndige Zuhauſeſitzen ſei⸗ r Geſundheit und ſeinem Geiſte nachtheilig ſei und es viel beſſer fuͤr waͤre, wieder unter die Leute zu kommen. Pauw verſprach ſeinem Vater, der ihn darum gebeten, das Haus end ſeiner Abweſenheit nicht verlaſſen zu wollen, und ſo ließ ſich troͤſten Smet bereden auszugehen, um einen Krug Bier mit ſeinen Muttern zu trinken. ſein Vame Frau hatte ſich viel Muͤhe gegeben, um ihn zu veranlaſſen, ₰ 4 aber ſeiteine Schenke, ſondern in ein Kaffeehaus auf dem gruͤnen — werden veir auf dem Meir zu gehen und Wein ſtatt des Biers zu —— un res — . 4 2 — —-ꝓqaq=.—q—·C—— teinken daß et Damu A alten gen a Karte Miifte und gel ihm die herzlic gerſten ſichs u ſiner„ Ba auf ini Er fand den Ger 3e wundert Rückwe Es war Wüttkan tenen warten. B D drüͤckte daß er halten er als eine Schuhma⸗ den Bitten ihm nicht oten wor⸗ Guiſchlu n nicht ab mehr an. b gen Leuten Thräͤnen verſtrichen, gekommen, var. hen. .. mit dem erfolgte. um ihrem ſeſitzen ſei⸗ e beſſer für das Haus ſo ließ ſich mit ſeinen veranlaſſen, dem gruͤnen es Viers zu 83 1 trinken. Doch da ſie gerade guter Laune war, gab ſie am Ende zu, daß er ſeiner fruͤheren Gewohnheit gemaͤß vor die Stadt nach dem Damm einen Spaziergang machte. Als der Kaminfegermeiſter auf dem Damme wieder unter ſeine alten Freunde trat, verging eine gute Weile unter Begluͤckwuͤnſchun⸗ gen aller Art; doch ſobald man ſich um den Tiſch geſetzt, um ein Kartenſpiel zu thun, hoͤrten die Bemerkungen von ſelber auf und Meiſter Smet fand ſich wieder im Kreiſe ſeiner Freunde ſo behaglich und gemuͤthlich als vor dem Beſitze ſeines Schatzes. Wie ſuͤß klang ihm die Stimme der Freunde! Was lag doch fuͤr Wohlwollen und Herzlichkeit in allen ihren Worten! Wie ſchmeckte ihm das geſellige Gerſtenbier ſo angenehm und erwaͤrmend! Wie koͤſtlich ſchmauchte ſich's und wie lieblich kraͤuſelten ſich uͤber dem Tiſche die Rauchwolken ſeiner Pfeife!... Baes Smet fuͤhlte ſich wie in einer fremden Welt und er vergaß auf einige Stunden ſeinen Schatz; aber freilich auch ſeine Frau.— Er fand wieder einige ſeiner ſprudelndſten Witze und entlockte gar oft den Genoſſen ein froͤhliches Lachen. Zehn Uhr ſchlug es auf der Uhr und der Schornſteinfeger, ver⸗ wundert uͤber den ſchnellen Verlauf der Zeit, ſchickte ſich an, den Ruͤckweg nach Hauſe anzutreten. Da ſuchte man ihn zuruͤck zu halten. Es war naͤmlich in einer andern Schenke zwiſchen zwei Drechslern ein Wettkampf im Gange begriffen, wer von ihnen die meiſten hartgeſot⸗ tenen Eier eſſen wuͤrde und dieſen Ausſchlag wollte man noch ab⸗ warten.. Baes Smet, der ſeine Stunde ſchon weit uͤberſchritten hatte, druͤckte jedoch ſeinen Freunden die Hand, indem er ihnen verſprach, daß er wie zuvor mehr als einmal in der Woche ihnen Geſellſchaft halten werde.— 6* 84 . Um vom Damm nach dem Borgerhout'ſchen Thore zu kommen, braucht man wohl eine halbe Stunde und der Weg dahin iſt ſehr einſam. Es war ſtockfinſtre Nacht; doch aus langer Gewohnheit lief der Kaminfeger ſicheren Schrittes dahin. Es war ihm ſo wohl zu Muthe, die Freunde geſehen zu haben; das Herz klopfte ihm leichter und es umſpielte ihm ein ſuͤßes Laͤcheln die Lippen, als er ſo dahinwandelnd uͤberdachte, wie manchen genuß⸗ reichen Abend er in dieſem Fruͤhjahre noch mit ſeinen Freunden ver⸗ leben wuͤrde. Jetzt befand er ſich auf den Waͤllen, ziemlich weit von jedem Wohnhauſe, und ſchritt arglos unter den hohen Baͤumen fort. Auf einmal entfaͤhrt ihm ein erſtickter Angſtſchrei.— Ein Kerl ſpringt hinter einem Baume hervor und haͤlt dem zitternden Kamin⸗ feger einen Dolch vor die Bruſt. —„Schrei oder rufe und du biſt des Todes!“ bruͤllt ihm der Moͤrder entgegen. —„Was, was wollt ihr von mir?“ ſtammelte der Mann halb todt vor Schrecken. —„Euer Geld oder euer Leben!“ drohte jener. —„Da habt ihr alles, was ich habe: ein Fuͤnffrankenſtuͤck und einige Centen...“ —„Ihr luͤgt; denn ihr habt geerbt; Gold will ich haben oder ich ſtoße zu,“ ruft der Dieb, indem er dabei einen Pfiff that, als ob er ſeinen Spießgeſellen ein Zeichen geben wollte. Aus der Tiefe der Wallgraͤben ſprangen wirklich noch zwei Kerle herauf; der eine ſtopfte dem Kaminfeger ein Schnupftuch in den Mund; der zweite ſtreckte ihn nieder auf das Gras. Man ſtoͤrte in allen ſeinen Taſchen, nahm ihm ſeine ſilberne Uhr, zerriß ihm den Rock und druͤckte ihn gewaltig mit Knieen und Fuͤßen. ugung die Gal äuſten dann in chwand Thore ngung Dann Reicht viel U 1 kommen n iſ ſehr eit lief de u haben, des Lichen hen genuß⸗ unden ver⸗ ) weit von wen fort Ein Kerl en Kamin⸗ Ut ihm der Nann halt enſtuͤck und haben oder hat, als ob zwei Kerle uch in den (berne Uhr, und Fuͤßen. 85 Der arme Mann konnte keinen Schrei thun und fuͤhlte ſich erſticken, waͤhrend er um ſich herum die ſchauderhaften Worte vernehmen mußte: —„Mordet ihn, den Schelm! Er hat uns beſtohlen, der Dieb!“ Sei es das Geraͤuſch herannahender Menſchen, oder die Ueber⸗ zeugung, daß aus ihrem Opfer nichts weiter zu ziehen ſei, ſchlugen die Gauner den Schornſteinfeger einige Male recht derb mit den Faͤuſten, ſtampften ihm tuͤchtig auf die Lenden und warfen ihn ſo⸗ dann in den Stadtgraben, worauf ſie eiligſt in der Dunkelheit ver⸗ ſchwanden. Baes Smet blieb eine Weile halb ohnmaͤchtig da liegen. Doch da er nicht gefaͤhrlich verwundet war, kam er bald wieder zur Be⸗ ſinnung, richtete ſich auf und lief uͤber Hals und Kopf nach dem Thore zu. Er dachte in einem der erſten Haͤuſer Huͤlfe anzurufen, damit den Dieben nachgeſetzt wuͤrde; er ſah jedoch bald die Nutzloſigkeit dieſes Verſuches wohl ein, und wurde noch von der Beſorgniß da⸗ von abgehalten, daß in Folge deſſen die ganze Stadt und beſonders der Polizeikommiſſaͤr, ſich mit der Geſchichte abgeben wuͤrde. Als aͤchter Geizhals, der er nun geworden war, verſchlang er lieber in ſich ſelber den bitteren Unfall, der ihm eben zugeſtoßen, als daß er die Aufmerkſamkeit des Publikums und vielleicht noch gar den Verdacht der Polizei auf ſeinen Schatz gezogen haͤtte. So ſchritt er denn klopfenden Herzens und in der hoͤchſten Auf⸗ regung durch das Stadtthor, um nach ſeiner Wohnung zu kommen. Dann vertiefte er ſich in bittere Betrachtungen uͤber die Vortheile des Reichthums und verfluchte mehr als einmal den Schatz, der ihm ſo viel Ungemach, ſo viel Streit und Verdruß, ſo viel Leid und Gefahr — —yʒ —. ——— 86 auf den Hals geladen hatte.— Er ſehnte ſich lebhaft nach ſeinem fruͤhern Leben, ſeiner Armuth und ſeiner Heiterkeit zuruͤck, und hie und da tauchte die Frage in ihm auf, ob es nicht geradezu beſſer fuͤr ihn waͤre, den Schatz unter die Nothleidenden der Nachbarſchaft zu vertheilen. Aber alle derlei Gedanken mußten ſchnell zuruͤckweichen vor der Gewalt des Geldteufels, der ſich ſeiner bemaͤchtigt hatte, und ſein herumgezauſter Geiſt klammerte ſich immer wieder mit feuriger Gier an das Geld. Alſo getheilt zwiſchen Verzweiflung, Geiz und Schrecken erreichte er ſeine Wohnung, wo er ſich alsbald mit einem tiefen Seufzer auf einen Stuhl fallen ließ. Seine Frau und ſein Sohn pflegten ihn auf das Sorgfaͤltigſte und horchten tiefgeruͤhrt auf die Erzaͤhlung deſſen, was er eben erlebt hatte. Dieſe Nacht konnte Meiſter Smet abermals kein Auge zuthun. Sobald der Schlummer ihn beſchlich, weckten ihn Schreckbilder von Dieben und Moͤrdern wieder auf; dazu fuͤhlte er noch die koͤrper⸗ lichen Schmerzen der Hiebe, welche er bei dem naͤchtlichen Anfall an Haupt und Schultern erhalten hatte. V. Des andern Morgens verbreitete ſich das Geruͤcht in der Stadt, Baeſin Smet habe nicht geerbt, und koͤnne auch nicht erben. Der Advokat, der lange Jahre mit der Aufſuchung ihrer Verwandten be⸗ auftragt geweſen, hatte hieruͤber die beſtimmteſten Erklaͤrungen ab⸗ gegeben und verſichert, daß die Smet's in Holland gar keine Familie haͤtten. 2io bitte Beſ Vet 1 unte lbft dieſe die i chen gerad iing word einer daßd einen Hinug hatte mit Thr da; müt teru fer! nen ach ſeinem 6 und hie — 7 beſſerf arſchaft rüͤckweich aͤr zu en b atte, und it feuriger en erreichte eufzer auf orgfällgſte eben erlebt ge zuthun. kbilder von ie koͤrper⸗ Anfall an der Stadt, erben. Der wandten be⸗ rungen ab⸗ ine Famili 87 Dieſem Geruͤcht gab das raͤthſelhafte truͤbſinnige Benehmen des Schornſteinfegers noch feſteren Beſtand; die Scheelſucht und die Er⸗ bitterung der Nachbarn uͤber den Hochmuth ſeiner Frau ließen dieſe Beſchuldigung bereitwillig aufgreifen, und man fing an, allerlei Verdaͤchtigungen uͤber den vermuthlichen Urſprung von des Kamin⸗ fegers ploͤtzlichem Reichthum auszuſprengen. Noch mehr wurden die Nachbarn bei ihren boͤſen Vermuthungen unterſtuͤtzt, als ſte drei bis vier Polizeidiener, ſcheinbar ohne beſtimmte Abſicht, durch die Straße ziehen ſahen; es entging ihnen nicht, wie dieſelben Uebles deutende Blicke um ſich warfen, gleich Raubvoͤgeln, die ihre Beute gerochen haben, noch ehe ſie wiſſen, wo ſie zu ſu⸗ chen iſt. Unter Anderm erzaͤhlte man ſich, daß vor etwa acht Tagen— gerade in der Nacht, welche jener Nachricht von der Erbſchaft voran⸗ ging— bei einem Geldwechsler in der Stadt ein Diebſtahl veruͤbt worden ſei und die Diebe einen Haufen Gold⸗ und Silbergeldes aus einer Kiſte entwendet haͤtten.— Niemand zwar wollte behaupten, daß der Schornſteinfegermeiſter Smet im Stande waͤre, auch nur einen Centimen zu ſtehlen, aber das Geld konnte doch auch nicht vom Himmel fallen, und die Smet's mußten wiſſen, wo ſie es her geholt hatten! Pauw ſaß indeſſen beim Schuhmacher an Kaͤthchens Seite, die, mit ihrer Bordirarbeit beſchaͤftigt, nur mit Muͤhe das Troͤpfeln ihrer Thraͤnen auf ihre Arbeit verhuͤten konnte. Schweigend ſaß der Junge da; aber ſein Geſicht verkuͤndigte um ſo lauter die ungeſtuͤmſten Ge⸗ muͤthsbewegungen; bald gluͤhte ihm die Stirn vor Zorn und Erbit⸗ terung, bald entſpannte ſich ſein Antlitz unter der Empfindung ſchlaf⸗ fer Muthloſigkeit, oder es durchſchauderte das Froͤſteln der Angſt ſei⸗ nen Koͤrper. Er mußte die Beſchuldigungen ſchon kennen, die man in ——,— 88 der Stadt gegen ſeinen Vater herumtrug; denn er war ſichtlich von Verzweiflung und dem Gefuͤhle demuͤthigender Schande tief erſchuͤttert. Das Maͤdchen, von dieſem Seelenleiden ihres Geliebten innig geruͤhrt, ſuchte ihren eigenen Schmerz zu unterdruͤcken und fluͤſterte troͤſtlich: —„Lieber Pauw, laß dir doch das Alles nicht ſo zu Gemuͤthe gehen. Es ſind ja nur boͤſe Zungen; kehre dich nicht daran. Was liegt an dem Geklatſche der Leute, wenn deine Eltern nachweiſen koͤnnen, woher ſie das Geld erhalten haben?“ —„Das Geld?“ erwiederte aͤrgerlich der Juͤngling,„Kind, das Geld wird noch unſer Ruin! Mein Vater wird duͤrr und mager, wie ein Rebenpfahl, und ich fuͤrchte faſt, daß ihm die Auszehrung ſchon am Leibe nage. Meine Mutter, o du lieber Gott, an die darf ich gar nicht denken! Wohl hat ſie noch ihre fuͤnf Sinne beiſammen; aber wie lange wird's dauern? ja es kommen Augenblicke, wo es mir angſt und bange darum wird. Auch dein Vater laͤßt mich immer un⸗ freundlicher an; und ich kann's ihm nicht verargen, denn er muß gar manches unglimpfliche, demuͤthigende Wort uͤber ſich ergehen laſſen. Wie wird's jetzt vollends werden, da ſie draußen auf der Straße von meinem unſchuldigen Vater Dinge ſagen, die mir die Haare vor Schreck und Schande ſtraͤuben machen. Ja, Kaͤthchen, es iſt mir recht ſchwer zu Muth; es ſagt mir etwas in der Seele, daß wir uns noch von einander trennen... daß wir fortan unſer Leben lang nur Kum⸗ mer und Herzeleid haben ſollen...“ Das Maͤdchen hielt ſich die Haͤnde vors Geſicht und weinte. —„Kaͤthe,“ ſagte dann Pauw aufs Neue mit einem Tone innigſter Ruͤhrung,„dieſen Morgen bin ich nach der Kirche gegangen und habe wohl eine Stunde lang vor dem Kreuze gebetet... gebetet * —ÿ—y— * zu Gott ſchenken di treiben. unglüch das Ge daesi Unglu Noth räͤuber zu mi Dieb ſes Gi 3 war b. uns hi T auf ih liebter nicht die d 8 ſich v ichtlich d tief dinnig lüſterte emuͤthe sliegt ennen, d, das r, wie ſchon ch gar aber 3 mir r un⸗ 5 gar aſſen. evon e vor recht noch Kum⸗ Tone ingen ebetet 89 zu Gott, daß er doch barmherzig ſein und uns die Armuth zuruͤck⸗ ſchenken moͤge.“ Die Jungfrau ſchaute mitleidsvoll zu ihm auf und ſagte: —„Pauw, du mußt dieſe deine traurige Stimmung nicht uͤber⸗ treiben. Es giebt ja doch ſo viele reiche Leute; ſind denn die allzumal ungluͤcklich?“ —„Das kann ich dir nicht ſagen; ſo viel weiß ich, daß fuͤr uns das Geld nur Gift und Galle geworden iſt. Seit dem unſeligen Tage, da es ins Haus gekommen, haben wir noch Nichts gehabt, als Zwiſt, Ungluͤck, Schrecken und Schmerz. Geſtern iſt der Vater mit knapper Noth den Haͤnden der Moͤrder entkommen... um heute der Ehren⸗ raͤuberei zum Opfer zu fallen. Iſt es nicht entſetzlich fuͤr mich, hoͤren zu muͤſſen, daß mein Vater geſtohlen habe, daß er ein erbaͤrmlicher Dieb ſei? Und dabei die Schlange nicht einmal kennen, die zuerſt die⸗ ſes Gift uͤber unſern Namen geſpritzt hat!“ Der Schuhmacher kehrte eben nach Hauſe zuruͤck. Sein Geſicht war bleich und verrieth eine heftige Gemuͤthsaufregung. —„Kaͤthe,“ ſagte er haſtig,„gehe auf dein Zimmer und laß uns hier allein. Schließe aber erſt die Hausthuͤre zu.“ Das Maͤdchen ſchluchzte laut auf und warf einen flehenden Blick auf ihren Vater, als wollte ſte ein grauſames Urtheil uͤber ihren Ge⸗ liebten abwenden; aber die gebieteriſche Gebaͤrde des Vaters ließ ſie nicht laͤnger widerſtreben. Die Haͤnde vor die Augen haltend, ſtieg ſie die Treppe hinauf. Mit bewegter Stimme fragte der Schuhmachermeiſter, indem er ſich vor ihn ſtellte, den Juͤngling: —„Pauw, wo hat euer Vater das Geld hergeholt, das eure Mutter uͤberall haufenweiſe zur Schau traͤgt?“ Der junge Mann ſchaute verdutzt auf und fand keine Antwort. 90 —„Redet, redet!“ begann der Schuhmacher aufs Neue; „woher kommt das Geld? In eurem eigenen Intereſſe ſtelle ich dieſe Frage.“. —„Meine Mutter hat es geerbt,“ ſtammelte Pauw. —„Iſt das Erbe ſchon wirklich eingetroffen?“ —„Nein, noch nicht.“ —„Wer hat denn einſtweilen das Geld hergegeben?“ —„Es hat es ohne Zweifel Jemand vorgeſchoſſen.“ —„Ja, aber wer denn?“ —„Das weiß ich nicht.“ —„Ihr wißt es nicht, Ungluͤcklicher?... Gott, wie wird's meinem armen Freund Smet noch ergehen!“ —„Was habt ihr denn?“ rief Pauw mit Schrecken.„Sprecht doch; eure Rede macht mich zittern und vergehen vor Angſt.“ Der Schuhmacher faßte ihn bei der Hand, fuͤhrte ihn vom Fen⸗ ſter weg und ſprach dann mit geheimnißvoller, trauriger Stimme: „Denkt euch, Pauw, ich bin vorhin gerufen worden, um dem Bedienten des Polizeikommiſſaͤrs das Maß zu einem Paar Schuhe zu nehmen. Das war aber nur eine Liſt; der Kommiſſaͤr ſelbſt wollte mich ſprechen. Der fragte mich alles Moͤgliche uͤber euren Vater, uͤber das Erbe, uͤber die Art und Weiſe, wie ſich eure Mutter uͤber den Beſitz der Goldſtuͤcke verantwortet, die ſie bei ſich fuͤhrt. Ich will euch nicht ſagen, was mir der Kommiſſaͤr anvertraut hat; aber es dauert mich euer Vater, der mir von jeher ein guter Freund war; und ſollte er wirklich ſich ſo weit vergangen haben, ich wuͤrde doch immerhin ſein ungluͤckliches Schickſal beklagen.“ Starr und fieberhaft zitternd ſah Pauw dem Schuhmacher in die Augen. —„Es thut mir recht leid um euch, Pauw, und um mein ar⸗ au 7 neS guun — hat — wo5 uß er tt ihm — a2p Juſttz. ne Rn baltet weiß, ſcopfe fal ih aber wit ſe müßt ihr d vie wird „Sprecht vom Fen⸗ mme: um dem Schuhe zu bſt wollte en Vater, uͤber den will euch es dauert und ſollte immerhin macher in mein ar⸗ 91 mes Kaͤthchen, die doch nichts dafuͤr kann— ſo wenig als ihr ſelber, Pauw.“ —„Aber, um Gottes willen! ſprecht doch, was iſt geſchehen, was hat man euch geſagt?“ bat der Juͤngling faſt außer ſich. —„Pauw,“ fluͤſterte der Schuhmacher,„ſagt eurem Vater, daß er ſich ſo hurtig als moͤglich aus dem Staube mache; die Juſtiz ſitzt ihm ſchon auf den Ferſen.“ —„Die Juſtiz!“ rief Pauw in der hoͤchſten Aufregung,„die Juſtiz! mein Vater verhaftet? Dummes Zeug!“ —„Glaubt mir, Pauw,“ wiederholte der Schuſter,„folgt mei⸗ nem Rathe, oder euer Vater iſt verloren!“ Dann ſprach er noch leiſer dem Juͤngling ins Ohr: —„Es iſt eine ſtarke Summe Geldes geſtohlen worden hier in der Stadt bei einem Wechſelagenten, und man hegt den Verdacht, daß euer Vater dabei mit im Spiele geweſen ſein koͤnne.“ Pauw ſtarrte den Schuhmacher wie vom Fieber ergriffen an. —„Wie?“ rief er,„und ihr glaubt ſolchem Laͤſtergerede? Ihr haltet es fuͤr moͤglich, daß mein Vater ein Dieb ſei?“ —„Nein, gewiß nicht; aber wenn er ſich nicht zu verantworten weiß, woher er das Geld hat, wie ſoll man da nicht Verdacht ſchoͤpfen?“ —„Er wird ſich wohl zu verantworten wiſſen. Warum zwei⸗ felt ihr daran?“ —„Nun, deſto beſſer. Ich habe ihn oft genug darnach gefragt; aber es wollte mir jedesmal beduͤnken, als ſtuͤnde es nicht recht ſauber mit ſeiner Erbſchaft. Thut nun, was euch beliebt, Pauw; aber eines muͤßt ihr begreifen, daß, ſo lange die Sache nicht ins Klare kommt, ihr von meinem Hauſe wegbleiben muͤßt. Kaͤthchens Reichthum iſt ———— 92 allein ihr guter Ruf. Dieſes einzige Gut darf ich ihr nicht entwen⸗ den laſſen..“ Dem Juͤngling entfuhr bei dieſen Worten ein Schrei der Ver⸗ zweiflung, und mit ſchmerzlichem Tone rief er aus: —„Ich werde, ich muß es wiſſen!“ Mit dieſem Ausruf lief er zur Thuͤre hinaus. Zu Hauſe traf er ſeinen Vater einſam im Zimmer ſitzend. Er ſchloß die Thuͤre, ſchob den Riegel vor und redete ihn mit be⸗ klemmter Bruſt an: —„Vater, lieber Vater, nehmt es mir nicht fuͤr ungut, aber ich halte es nicht länger aus; ich muß Aufklaͤrung haben!“ Der Schornſteinfeger ſah verwundert auf. —„Vater, ſagt mir doch, ich bitte, woher kommt das Geld, das mir die Mutter gezeigt hat?“ —„Von einer Erbſchaft, war die Antwort. —„Dieſe Erbſchaft iſt aber doch noch nicht eingehaͤndigt; und ſo iſt das Geld nur vorlaͤufig zugeſtellt worden; iſt dieſer Vorſchuß von irgend Jemand hier aus der Stadt geleiſtet?“ —„Nun ja. Was kuͤmmert's dich aber 2“ —„Wer hat das Geld geliefert? bitte, ſagt's mir,“ bat aber⸗ mals der Juͤngling mit fieberhafter Ungeduld. —„Aber Pauw, was faͤllt dir ein?“ rief der Vater ſtrengen Tones.„Wie unterfaͤngſt du dich, deinen Vater auszuforſchen, als waͤreſt du ihm zum Richter geſetzt! 4¹ Dieſes Wort kraͤnkte den Juͤngling aufs tiefſte. —„Ich will, werde und muß es wiſſen,“ ſchrie er zur Ant⸗ wort. Baes Smet ſchuͤttelte bedenklich den Kopf und ſprach mit trauri⸗ gem Tone: Pechölt ordächti De bemeiſte ſporengt Later Gott, 1 Sohn reichli 93 —„Ach, Pauw, du feaͤgſt da nach etwas, was ich dir nicht ſagen darf.“ Ver⸗—„Das ihr mir nicht ſagen duͤrft?“ ſeufzte angſtvoll ſein Sohn..„Gott im Himmel; was wird daraus werden!“ —„Was haſt du denn, Pauw?“ —„Vater, Vater,“ jammerte er.„Denkt euch; es iſt bei einem Wechsler eine betraͤchtliche Summe Geldes geſtohlen worden und man n mit be⸗ verdaͤchtigt euch einer Betheiligung an dieſem Frevel!“ Der Schornſteinfeger fuͤhlte ſich wie vom Blitz getroffen; doch ſitzend. er ut, aber; 4 abtr ih bemeiſterte er ſeine Aufregung und ſagte: —„Ach, das ſind boshafte Laͤſterreden, die der Neid ausge⸗ ſprengt hat; kehr' dich nicht weiter daran.“ das Geld —„Ja, ja, wohl wuͤrde ich ſo thun, aber es iſt ernſtlicher als du glaubſt, und die Gensdarmen werden gleich hier erſcheinen, um euch zu verhaften, Vater...“ Smet wurde todtenbleich, er ſtieß einen dumpfen Schrei des Schreckens aus und begann heftig zu zittern. 17 Auch Pauw erſchrak bei dieſem Zuſtande ſeines Vaters. Bittend digt; und rVorſchuß bat dſer. und mit inſtaͤndiger Gebaͤrde rief er dieſem zu: —„Um Gottes willen, Vater, nennt mir doch die Perſon, ter ſtrengen von der ihr oder die Mutter das Geld bekommen habt.“ rſchen, als Meiſter Smet ſchwieg. —„Alſo wahr ſollte es ſein,“ klagte Pauw.„Wahr? Mein Vater iſt gezwungen mir den Urſprung des Geldes zu verhehlen! r zur Ant⸗ Gott, ich ſterbe vor Schande!“ 8 Als er dieſe anklagenden Aeußerungen aus dem Munde ſeines* mit trauri⸗ Sohnes vernahm, da fing der Alte bitterlich an zu weinen, und die reichlich fließenden Thraͤnen des Vaters erfuͤllten den Juͤngling mit 94 der innigſten Wehmuth. Sanft umſchlang er deſſen Hals, kuͤßte ihn liebevoll auf die Stirne und weinend ſprach er: —„O, vergebt mir, Vater; es iſt mir gar ſo wehmuͤthig zu Muthe.“ —„Von meinem eigenen Sohne beſchuldigt!“ ſchluchzte der Alte.„O Gott, wie habe ich Solches verdient?“ —„Nein, nein,“ bat flehentlich Pauw;„glaubt nicht an meine Liebloſigkeit; aber ich habe hoͤren muͤſſen, wie man euch laͤſterte, und war nicht im Stande euch zu vertheidigen. Man wollte wiſſen, woher ihr das Geld empfangen habet, und ich konnte nicht antworten. So ſagt's mir doch, ſagt es, lieber Vater.“ —„Ich kann, ich darf nicht,“ wiederholte Baes Smet. Und da er ſah, wie ſein Sohn bei dieſer Antwort aufs Neue erbleichte, fuͤgte er hinzu: —„Aber beruhige dich und ſei uͤberzeugt, dein Vater iſt ein ehrlicher Mann jetzt noch ſo gut als zuvor.“ —„Und den Gensdarmen, Vater, werdet ihr es denen auch verſchweigen?“ rief Pauw. Da ſtand der Schornſteinfeger, um einer weiteren Erklaͤrung auszuweichen, von ſeinem Stuhle auf und zur Thuͤre weiſend, be⸗ fahl er: —„Verlaſſe mich, Pauw; ich will allein ſein, verſtehſt du?“ —„Nicht doch, Vater!“ flehte der Sohn in der aͤußerſten Verzweiflung. —„Gehorche und gehe!“ war die ſcheinbar im Zorne geſpro⸗ chene Antwort des Vaters. In der entſetzlichſten Aufregung gehorchte der Juͤngling und lief auf die Straße. Eine halbe Stunde lang blieb der Schornſteinfeger ganz allein in Zim ſchon fü eennihſ Petracht gcgen de debens g nund ſi Antlage 1 uf, wi wilcher A war, er diß er und ſell 6 ſet als Sie bre aus pu ſei. D. wieder wortete küßte ihn ſuüthiz 9 luchzte der ht an meine iſterte und ſen„ woher Aten. So met. aufs Neue ater iſt ein denen auch Erklärung veiſend, be⸗ ſehſt du?“ 15 außerſten erne geſpro⸗ ng und lief ganz allein 95 im Zimmer. Vor ſich hinſtarrend uͤberdachte er, was ihm der Schatz ſchon fuͤr Ungemach bereitet und wie ſein Haus zu einer Hoͤlle der peinlichſten Unruhe und des Haders geworden ſei. Bei dieſen duͤſteren Betrachtungen entſtand in ihm ein Gefuͤhl des bitterſten Widerwillens gegen das unheilvolle Geld, das ihm den Frieden und das Gluͤck ſeines Lebens geraubt hatte. Wohl ſuchte der Teufel der Habſucht dieſen Auf⸗ ſtand ſeines Gemuͤthes nieder zu druͤcken; doch der Gedanke an die Anklage ſeines Sohnes und die Angſt vor den angekuͤndigten Gens⸗ darmen, verliehen ihm die noͤthige Kraft, um den Einfluͤſterungen des Geizes zu widerſtehen. So faßte er den Entſchluß, der Juſtiz, wenn ſie ſich bei ihm ein⸗ ſtellen wuͤrde, die nackte Wahrheit zu enthuͤllen, und ſollte man auch den Schatz davon tragen, nun ſo wolle er eben in Gottes Namen wieder ein ſchlichter Kaminfeger werden, wie er es bisher geweſen. Dieſer Entſchluß erleichterte ihm das Herz und er freute ſich dar⸗ auf, wieder der ſorgenloſe, aufgeraͤumte Hans⸗Spaß zu werden, als welcher er fruͤher ſo heitere Tage verlebt hatte. Als nun Frau Smet von ihrem Morgenausgang zuruͤckgekehrt war, erzaͤhlte er ihr, was Pauw ihm geſagt hatte, und fuͤgte hinzu, daß er unwiderruflich entſchloſſen ſei, Alles rund weg zu bekennen und ſelbſt der Juſtiz, wofern ſie es verlangte, den Schatz auszuliefern. Seine Frau indeſſen kannte die ausgeſtreuten Geruͤchte noch beſ⸗ ſer als er und wußte recht wohl, was ſie dabei zu befuͤrchten haͤtten. Sie brach zunaͤchſt in Schmaͤhungen gegen den Schuhmacher aus, der aus purem Neid zum Kommiſſaͤr gegangen und ſo ſchuld an Allem ſei. Dabei betheuerte ſie aufs Neue, daß an eine Heirath Pauw's mit Kaͤthe jetzt gar nicht mehr zu denken ſei. Dann ließ ſte ihren Mann wiederholen, was er am Schluß ſeiner Rede geſagt hatte, und ant⸗ wortete darauf ſpoͤttiſch: 96 —„Aber, Smet, was biſt du doch fuͤr ein Tropf geworden. Beim bloßen Wort Gensdarmen ſinkt dir das Herz in den Strumpf. Haſt du geſtohlen? Haſt du gepluͤndert? Nun denn, was koͤnnen ſie dir anhaben?“ —„Gleichviel, ich will vor der Juſtiz nicht luͤgen.“ —„Nun ſage es nur heraus, Dummkopf! Du weißt ja, wie leicht man eine Sache, die man der Juſtiz uͤberlaſſen hat, wieder aus⸗ loͤſt. Gut, laß nur die Advokaten oder die Bruͤſſeler Schwarzroͤcke uͤber dein Geld herfallen, ſie werden ſich ſchon recht luſtig machen uͤber den Vogel, der ſich ſo gutwillig hat pfluͤcken laſſen.“ „Du magſt mir vorſchwatzen, was du willſt; ich werde nichts verbergen... und zum zweiten mußt du wiſſen, daß ich das Geld recht ſatt zu bekommen anfange und wollte, es waͤre noch zu ſuchen in dem Berge, wo das vermaledeite Gold gewachſen iſt!“ Baeſin Smet brauſte auf und ſich die Arme an die Huͤften ſtem⸗ mend, belferte ſie: —„So!l dies Liedchen wollteſt du mir vorpfeifen 2 Wir wollen aber doch ſehen. Das Geld iſt mein Geld, denn deine Eltern haben nicht einen Deut mehr beſeſſen, als ſie taͤglich brauchten, um nicht Hungers zu ſterben. Wie? Du wollteſt das Erbe meines Vaters der Juſtiz in die Haͤnde liefern? Sage, iſt es dir wirklich ernſt mit dieſem erbaͤrmlichen Entſchluß? 44 Der Mann, eingeſchuͤchtert durch die glühenden Augen ſeiner Frau und in der Befuͤrchtung, dieſe moͤchte es nicht bei bloßen Wor⸗ ten bewenden laſſen, wagte es nicht ein Ja auszuſprechen, und be⸗ gnuͤgte ſich mit einem entſprechenden Kopfnicken. —„Dieb, Schlingel,“ ließ ſich nun ſeine liebenswuͤrdige Ehe⸗ häͤlfte verlauten,„wie, du willſt mich um mein Geld bringen und es Peworden. Strumpf dnnen ſe ſt d, wie ieder aus⸗ warzräch ig machen erde nichts das Geld zu ſuchen fften ſtem⸗ Lir wollen tern haben um nicht Vaters der Anſt mit ugen ſeiner oßen Wor⸗ n, und be⸗ irdige Che⸗ een und es ben u noch i tage kr & ₰ und mi Kaſten das Ue murmel in Ge em erſ von dir d d M ur Au lſo m 9 1 97 Fremden uͤberlaſſen, die nichts damit zu ſchaffen haben? Es ſei; aber ich bleibe nicht laͤnger die Frau eines ſolchen Hans⸗Simpel. Sofort gehe ich zum Advokaten, um auf Scheidung anzutragen; die Juſtiz berechtigt mich dazu.. und du magſt dann nach Herzensluſt arm blei⸗ ben und Kamine kehren, ſoviel du willſt;— denn die Miſere ſitzt dir 1†4 noch im Blut, elender Jan Hagel, der du biſt —„Aber, liebe Frau,“ ſprach beſaͤnftigend der erſchrockene Schornſteinfeger,„horch doch auf eine vernuͤnftige Rede...“ —„Was vernuͤnftige Rede? Habt doch allzuſammen in eurer Familie nicht ein Koͤrnchen Verſtand. Ich frage kurzweg: willſt du dich benehmen, wie ich will, oder nicht?“ Der Mann ſchwieg. —„Gut denn,“ ſchrie ſie aus vollem Hals,„ſo werd' ich kur⸗ zen Prozeß machen, packe mich fort mit dem Gelde und deiner Lebe⸗ tage kriegſt du mich nicht wieder zu ſehen!“ Ihr Zorn ſtieg immer hoͤher, als ſie den Schornſteinfeger ruhig und mit geneigtem Kopfe ſtehen bleiben ſah. Sie ſprang auf den Kaſten zu und fing wirklich an, ſich die Taſchen voll zu ſtopfen und das Uebrige in ein Tuch zu thun, indem ſie dabei vor ſich hin murmelte: —„Ja, ja, bleib du nur hier, Hans Smet, und laß dich von den Gensdarmen an den Galgen haͤngen! Ich einſtweilen fahre mit dem erſten Schiff nach Amerika, ja noch weiter, daß ich nichts mehr von dir hoͤre... Adieu, lebe recht wohl!“ Meiſter Smet war es nicht bange, daß ſie dieſe Androhungen zur Ausfuͤhrung bringen moͤchte; aber was er fuͤrchtete war, daß fie, alſo mit Geld beladen, bei den Bauern herumlaufe und ſich ſelbſt zum Gegenſtand des allgemeinen Geſpoͤttes mache. Das Glück reich zu ſein. — ———— — —ÿ— — 98 Schnell ſprang er daher auf die Thuͤre zu, drehte den Schluͤſſel um und ſteckte ihn zu ſich. Da brach die Frau in die heftigſten Ausdruͤcke aus und wollte ihrem Mann den Schluͤſſel mit Gewalt abzwingen. Dieſer haͤusliche Zweikampf dauerte ſo lange, bis der Mann den Muth verlor und das Verſprechen gab, ſich dem Willen ſeiner Frau zu unterwerfen. Es wurde naͤmlich beſchloſſen, daß, wenn die Juſtiz oder die Po⸗ lizei Nachfrage hielte, ſte behaupten wuͤrden, das Geld kaͤme vom Vater der Frau her und ſie haͤtten es bisher unangetaſtet gelaſſen. Von einem Vorſchuß auf das Erbe aus Holland ſollte nicht weiter die Rede ſein, weil es dabei unmoͤglich geweſen waͤre, die Perſon zu nennen, die den Vorſchuß gemacht haͤtte. Ferner wollten ſte das Geld wieder in de Balken ſtecken, aus dem es ihnen unverſehens zugefallen war, und das Brettchen, das ſo gut auf das Loch paßte, wieder dar⸗ auf nageln. Nachdem die Frau ihrem Gatten das Fuͤrchterlichſte fuͤr den Fall angedroht, daß er ſich unterſtehen ſollte, mit Blick oder Rede merken laſſen, wo der Schatz laͤge, machte ſie ſich ſofort an die Aus⸗ fuͤhrung ihres Vorſatzes.. Als der Schatz bis auf das letzte Stuͤck wieder auf den Soͤller gebracht worden, ſuchte Frau Smet ihrem Manne den Muth auf⸗ zufriſchen und ihm wieder Liebe zum Reichthum einzufloͤßen; aber er fuͤhlte ſich von dem Gedanken, daß er vor der Juſtiz eine Luͤge aus⸗ ſprechen muͤſſe, ganz und gar niedergeſchlagen. Er hielt dieſe fuͤr eine ſchaͤndliche, ſtrafbare Miſſethat; und jetzt erſt zitterte er vor Angſt wie ein Dieb, den man ſeines Frevels uͤberfuͤhren wuͤrde. Er hoͤrte die Worte ſeiner Frau nicht mehr; aber um ſo mehr traf das geringſte Geraͤuſch auf der Straße ſeine erſchuͤtterten Nerven und in jedem Tone, der zu ſeinen Ohren drang, glaubte er die drohende Stimme der Ge ſchmerz 6 Nenſch dicheſte Mund z ſie lehre ſeidenen nie im ſtammt. hoch ger rühmen dis ſtebe † ) durch ſe e K 99 Scliſſe der Gensdarmen zu vernehmen. 1.— und wollte ſchmerzliche Ausruf: —„Das Teufelsgeld! Der verfluchte Schatz Nur zuweilen entſchluͤpfte ihm der 1 M 1 Mann den ſeiner Frau VI. Eine Stunde nach obigem Auftritt ſtand die enge Straße voller Menſchen, die neugierig nach des Schornſteinfegers Haus ihre Blicke t gelaſſen. richteten, vor welchem ein Gensdarm Wache hielt. ſicht weiter Kaͤthchen hatte ſich gegen die Mauer ihrer Wohnung gelehnt, hielt te Perſon zu die Schuͤrze vors Geſicht und weinte bitterlich. Einige Freundinnen, der der die Po⸗ kaͤme vom ſie das Gel die ſie umſtanden, nahmen innigen Antheil an ihrem Schmerze; Anne⸗ zugefallen marie beſonders gab ſich alle Muͤhe, ſte aufzurichten, ob ſie gleich ihre wieder dar⸗ eigenen Thraͤnen kaum zuruͤckzudraͤngen vermochte. erlichſte für Der Hausthuͤre Smet's gegenuͤber befand ſich der Volkshaufe am— oder Rede dichteſten und die bunteſten Geruͤchte gingen unter dieſen Leuten von mn die Aus⸗ Mund zu Mund. —„Geſchieht ihr ganz recht,“ ſagte ein Fiſcherweib,„das wird den Söͤller ſie lehren, die Madame ſpielen zu wollen. Die Putzſuͤchtige mit ihrem Muth auf⸗ ſeidenen Hute und ihrem Atlaßkleide mag jetzt der honneten Kompag⸗ ſen; aber er nie im Zuchthauſe vorerzaͤhlen von der guten Familie, aus der ſie Lüge aus⸗ ſtammt.— Und will ſie durchaus paradiren, nun, das Schafefot iſt ieſe für eine hoch genug.“ rvor Angſt—„Gewiß kann ſie ſich nunmehr einer großen Verwandtſchaft „Er hörte ruͤhmen,“ ſpottete eine andere;„zu Vilvorde*) wird ſie wohl ſechs as geringſte bis ſtebenhundert ihrer Vettern begruͤßen!“ 5 d in jedem nde Sümn*) Staͤdtchen zwiſchen Bruͤſſel und Mecheln, im Lande wohl bekannt der Sruime durch ſein Zuchthaus. 7* 100 —„Aber wie iſt das nur moͤglich,“ ſagte mitleidsvoll ein alter Buͤrſtenbinder,„ich haͤtte dem Hans⸗Spaß meinen letzten Stuͤber an⸗ vertraut...“ —„So gute Leute, die Niemand je Leid noch Schaden zugefuͤgt haben?“ fuͤgte ein Anderer hinzu. —„Die ſich ſo wenig aus dem Gelde machten, daß ſie noch Almoſen gaben, obgleich es bei ihnen ſelber ziemlich knapp herging?“ —„So freundliche, ſeelengute Geſellen?“ —„Die Freude und Luſtigkeit ſelber. Die ſollten auf ſo ſchmäͤhliche Weiſe, mittels naͤchtlichen Einbruchs, geſtohlen haben?“ —„Ja,“ bemerkte eine Schneidermeiſtersfrau,„heutzutage darf man ſeinem eigenen Bruder nicht mehr trauen: es ſtiehlt wer Beine hat. Deſto ſchlimmer fuͤr den, der ſich anfuͤhren laͤßt.“ —„Geht doch, Betteken,“ erwiederte Metzger Van Trip,„ſo arg iſt's eben noch nicht? Weil euer Mann das Tuch durch die Schere zieht, glaubt ihr gleich, es gebe gar keine ehrlichen Leute mehr in der Welt.“ —„Ihr freilich kommt nicht an den Galgen,“ ſchnaubte die Frau Schneiderin ihm zu;„dafuͤr ſeid ihr viel zu lumpig.“ —„Danke ſchoͤnſtens, liebenswuͤrdige Frau Bethe!“ ſcherzte der Metzger. —„Wer was verdient, der muß es auch haben,“ fiel das Fi⸗ ſcherweib in die Rede.„Ich ſehe nicht gerne andere leiden; aber wenn dieſe Kaminfegersmadame aufs Schaffot ſteigen muͤßte, auf den gro⸗ ßen Markt liefe ich, es mit anzuſehen, und laͤge ich am Sterben.“ —„Pfui, ihr loſen Zungen!“ rief ein Maͤdchen;„ich be⸗ greife nicht, wie ihr euch am Ungluͤck eures Naͤchſten ſo ergoͤtzen koͤnnt. Was kommt euch denn daraus zu gute, wenn Smets im Gefaͤngniß ſitzen?“ 1 nen 6 All nöchte n! noch, 8 Fenſtera Schluck Augen 1 über ihn üh vor ei locimd ei a mit w urgete ſeir aane mi Thereſe, ſſ durch hunget! eſüht is Srü man leit Baes S oll 8 ein alter Stuͤber an⸗ do en zugefügt aß ſie noch — herging” ten auf o n haben?“ heutzutnge ſtiehlt wer ßt.“ 1 Trip,„ſo die Scher⸗ neehr in der naubte die 76 1e ſcherzte fiel das gi⸗ aber wenn uf den gro⸗ terben.“ z„ich be⸗ e e otzen könnt. Gefängniß 101 77 —„Ei, du Troͤpfchen,“ lachte das Fiſcherweib;„moͤchteſt vielleicht, daß man die Diebe gar laufen ließe?“ Das Maͤdchen wollte antworten, aber da ſteckte ein altes Weib ihren Kopf in den Kreis und ſagte: —„Jeſus Maria, habt ihr denn auch gehoͤrt, wie Hans⸗Spaß ſeinen Schlag ausgefuͤhrt?“ Alle ſchauten neugierig auf. —„Denkt euch einmal!“ begann ſie;„ja, du liebe Zeit, wer moͤchte noch Jemand trauen; aber ich hab's immer geſagt und ſage es noch, es ſollte von Polizei wegen verboten ſein, ſo viel Gold in den Fenſterauslagen zur Schau zu ſtellen. Denn, wenn ſo ein armer Schlucker vor dem Laden eines Geldwechslers ſtehen bleibt und ſeine Augen auf die Haufen Geldſtuͤcke fallen laͤßt, iſt es als ob der Teufel uͤber ihn kaͤme. Ich bin alt, und doch muß ich geſtehen, daß, ſo oft ich vor einer Wechslerauslage vorbeigehe, und das Geld blinkt mir ſo lockend entgegen, es mir gewaltig im Herzen zu klopfen anfaͤngt und es mir wirr wird im Geiſte. Es iſt als ob ich Angſt davor kriegte. Vorgeſtern ſagte ich noch zur Thereſe, der Waſchfrau, die auch ſo gerne mit ihren Kindern vor den Fenſtern ſtehen bleibt: Paßt auf, Thereſe, der Weg nach dem Schaffot fuͤhrt hier vorbei!“ —„Ihr habt Recht,“ bemerkte der Buͤrſtenbinder;„mancher iſt durch den bloßen Anblick des Geldes ein Boͤſewicht geworden.“ —„Aber auch wenn einer ſieben Kinder zu Hauſe hat, die vor Hunger und Kaͤlte zuſammenſchrumpfen,“ murrte ein Arbeiter,„und er ſieht ſo ganze Stoͤße Goldes unbenutzt da liegen, wovon ein einzi⸗ ges Stuͤck ihn und ſeine Kinder gluͤcklich machen koͤnnte, da moͤchte man leicht verſucht werden, ſeine Pflicht zu vergeſſen...“ —„Aber, Mutter Bethe, was wolltet ihr denn vorhin von Baes Smet eigentlich erzaͤhlen,“ fragte Jemand. 102 —„Nun ja; dem iſt es gerade ſo ergangen. Hans⸗Spaß hatte ebenfalls die ſchlechte Gewohnheit, an den Wechslerauslagen das blanke Geld zu beliebaͤugeln. Nun geſchah es vor acht oder zehn Tagen, daß er zu einem Wechsler gerufen wurde, um ein Kamin zu kehren. Die kleinen Goldvoͤgelein, die er dort haufenweiſe ſo ganz in der Naͤhe ſah, waren ihm aber im Kopfe haͤngen geblieben und in der Nacht hat er die Thuͤre des Wechslers erbrochen und ſo viel Geld geſtohlen, als er nur tragen konnte...“ —„O der Dieb!“ rief wehmuͤthig die Schneidersfrau. —„Er hatte ſeinen Schlag wohl berechnet,“ fuhr die Alte fort„und die Kraͤhen wuͤrden es nicht ausgebracht haben, wenn es ſeine hoffaͤrtige Frau mit ihrem Prahlen nicht ſelber auspoſaunt haͤtte.“ —„Wißt ihr, wer dabei am meiſten zu bedauern iſt?“ ſagte ein Maͤdchen;„das iſt Schuhmachers Kaͤthchen. Seht, wie ſie dort ſitzt, halb todt vor Schrecken!“ —„Glaub's wohl,“ antwortete man,„Baeſin Smet machte ihr weis, daß auch ſie einſt eine Madame ſein und ein Haus auf dem Meir bewohnen wuͤrde, und hat ſo das unſchuldige Schaf ſtapelſtolz gemacht— und jetzt liegen alle ihre Schloͤſſer in Truͤmmern! Sie ſollte in Kurzem getraut werden; jetzt kann ſie noch zehn oder fuͤnf⸗ zehn Jahre warten, bis ihr Pauw in Vilvorde das Knopfmachen ge⸗ lernt hat.“ —„Was kann Pauw dafuͤr, daß ſein Vater ins Ungluͤck kommt?“ bemerkte das Maͤdchen. —„Wohl wahr, aber leider beweiſen die Fußtritte im Hauſe des Wechslers, daß Meiſter Smet nicht allein geweſen.“ —„Armer Pauw, armes Kaͤthchen,“ klagte das Maͤdchen, wie von einer peinlichen Ueberzeugung niedergedruͤckt. gach — dumi berum 22 4„. keine 7 — darwen A Anklage über die wotden. Wö ſeinfege iner ſo Miſche nuth, ſollten haben? wie zer bewach Frau; au. N die Alte , wenn 66 auspoſaunt 2— ſagte ein e dort ſitzt 8/ met machte as auf dem fſnapelſt nern! Sie oder fuͤnf⸗ fmachen ge⸗ ns Ungluͤck eim Hauſe cen, me 10³ —„Seid ohne Sorge; den Pauw kriegen die Gensdarmen nicht in die Schlinge,“ bemerkte Jemand.„Der iſt pfiffig genug und hat ſich zeitig aus dem Staube gemacht. Ohne Zweifel iſt er ſchon uͤber der Grenze und zwar gewiß mit gefuͤllten Taſchen...“ —„Kobe, du ſpritzeſt Gift,“ rief der Arbeiter.„Vor einem Augenblick habe ich den Pauw noch am Stadtgraben geſehen, er läuft herum wie ein ſeiner Sinne beraubter Menſch.“ —„Daraus ſeht ihr eben, daß er um die Sache weiß. Wen keine Schuld druͤckt, dem braucht nicht bange zu ſein.“ —„Er ſollte alſo wohl Spaͤße machen, waͤhrend die Gens⸗ darmen ſeine Eltern ins Gefaͤngniß ſchleppen?“ Niemand ſchien an der Richtigkeit der gegen Smet erhobenen Anklage zu zweifeln; ja die meiſten empfanden eine geheime Freude uͤber die Schande, womit ſeine hochmuͤthige Frau nunmehr belegt worden. Wohl gab es mehrere, die aufrichtiges Mitleid mit dem Schorn⸗ ſteinfeger und ſeinem Sohne hegten, und die ſich von der Moͤglichkeit einer ſo verbrecheriſchen Handlung von Seiten ſo gemuͤthlich⸗ heiterer Menſchen nicht uͤberzeugen konnten. Hans⸗Spaß und Pauwken⸗Froh⸗ muth, die ſich ſtets vertrauensvoll auf Gottes Gnade verließen, ſollten aus ſchnoͤder Goldgier einen ſchaͤndlichen Frevel begangen haben? Aber ſo ſehr ſich das Gemuͤth dieſer wohlgeſinnten Freunde auch ſtraͤubte, der Anblick des Gensdarmen, der vor Smets Hauſe Wache ſtand, draͤngte wieder jeden guͤnſtigen Zweifel zuruͤck. Im vordern Zimmer ſeiner Wohnung ſaß der Schornſteinfeger wie zerknirſcht den Kopf auf die Haͤnde geſtuͤtzt. Ein Gerichtsdiener bewachte ihn, waͤhrend man im Hinterſtuͤbchen beſchaͤftigt war, ſeine Frau zu verhoͤren. 104 In dieſem Stuͤbchen befanden ſich zwei oder drei Perſonen vom hoͤheren Gerichtshofe nebſt dem Polizeikommiſſar und zwei Gens⸗ darmen. Frau Smet ſaß dem verhoͤrenden Richter gegenuͤber und laͤchelte ihm trotzig entgegen, ohne die geringſte Bewegung zu verrathen. —„Ihr behauptet alſo,“ wiederholte der Richter,„daß ihr das Geld ſchon laͤngſt im Beſitz habt und daß daſſelbe zum Nachlaß eures Vaters gehoͤrt.“ „Sa., —„Es iſt aber doch ſtadtkundig, daß euer Vater kein Geld hinterließ.“ —„Das muß ich am beſten wiſſen,“ entgegnete kaltbluͤtig die Frau.„Was er mir waͤhrend ſeiner Krankheit geſchenkt, das konnte natuͤrlich bei ſeinem Tode nicht vorgefunden werden.“ —„ Und wie hoch belief ſich die Summe, die ihr davon bis jetzt behalten habt?“ Die Frau ſchien nachzurechnen. —„Nun, ſprecht, wenn ihr's nicht mehr ganz genau wißt, wie viel war es ungefaͤhr?“ —„Ich ſehe ſchon,“ erwiederte Frau Smet,„Sie wollen mich uͤber Kleinigkeiten in Verlegenheit ſetzen, aber das geht ſo leicht nicht, meine Herrn.“ —„Wie viel? frage ich,“ ſagte der Richter mit Ungeduld. —„Es moͤgen wohl ein paar tauſend Gulden ſein.“ —„Aber wie viel ſolcher Tauſende?“ —„Das kann ich ſo genau nicht ſagen; ich habe es nirgend aufgeſchrieben.“ —„Sind es wohl zehn Tauſend?“ —„O, weit mehr.“ 7 —-— — alé gel voller Kleidet umgehl Franke ter Na dante Dieß b und e meſſen iter ſejig fände euch! uns e es ſei Zim anſi 105 eſonen vom wei Geng—„Wie iſt es aber zu erklaͤren, daß ihr zwanzig Jahre lang als geringe Handwerksleute gelebt und nun auf einmal die Taſchen und lächelt voller Goldſtuͤcke in den Laͤden herumſtreift, Hunderte von Gulden auf athen. Kleider und Koſtbarkeiten verwendet und ſogar mit dem Gedanken daß ihr umgeht, ein Haus zu miethen, das ihr euch jaͤhrlich an viertauſend m Nachlz Franken koſten laſſen wollt?“ 3—„Es hat Jedermann ſeine kleinen Geluͤſte. Ich bin aus gu⸗ ter Familie, und hatte vernommen, daß ich naͤchſtens von meiner 4 kein Ged Tante in Holland, die ſteinreich iſt, eine Erbſchaft anzutreten habe. Dieß brachte mich auf den Gedanken, fernerhin nicht mehr zu ſparen tblütig di und endlich ein Leben zu fuͤhren, wie es meinem Stande ange⸗ meſſen iſt.“ —„Wie viel Geld habt ihr noch in Haͤnden?“ —„Nichts mehr.“ —„Wie das, nichts mehr? Geſtern noch habt ihr dem Be⸗ ſitzer eines Hauſes auf dem Skt. Jakobsmarkt eine Handvoll Goldſtuͤcke gezeigt. Wo ſind dieſe hingekommen?“ —„Wenn ich die verſchenkt haͤtte und nicht zu ſagen fuͤr gut faͤnde, wem?“ das konnte davon bis wißt, wie vollen mi lich uu Der Richter ſchuͤttelte unwillig den Kopf und ſagte: 8—„Ihr ſagt die Wahrheit nicht; ſo ſind wir gezwungen ſie edul euch mit Gewalt zu entlocken. Euer Gatte wird jetzt gleichfalls vor uns erſcheinen. Gebt aber wohl Acht, daß ihr nicht ein Wort ſprecht, es ſei denn auf meinen Befehl; ſonſt laſſe ich euch fofort ins andere Zimmer fuͤhren.“ Zu einem der Gensdarmen ſich wendend, befahl er: —„Bringt den Mann herein!“ Als der Schornſteinfeger ins Zimmer trat und die Gerichtsleute anſichtig wurde, uͤberfiel ihn ein ſolches Zittern, daß man ihn an den es nirgend . 106 ihm beſtimmten Stuhl fuͤhren mußte. Er war todtenblaß und ſchien die erſten Fragen des Richters nicht zu hoͤren. Man ließ ihm eine kleine Weile, um ſich zu ſammeln, und unter⸗ deſſen wechſelten die Unterſuchungsrichter Blicke untereinander, als haͤtte ihnen der Schrecken des Verdaͤchtigten die Ueberzeugung beige⸗ bracht, daß der wahre Schuldige vor ihnen ſtaͤnde. Was aber dem Schornſteinfeger am meiſten die Faſſung benahm, war der Anblick ſeiner Frau, die ſich ſcheinbar ganz kaltbluͤtig ge⸗ bahrte, aber doch einen feſten durchdringenden Blick auf ihn heftete. Baes Smet hatte ſich vorgenommen, die Wahrheit dennoch zu geſtehen; aber nunmehr, unter der Zaubermacht des durchbohrenden Blicks ſeiner Frau, ſank ihm der Muth ganz und gar. —„Nun antwortet mir,“ ſprach der Richter zu ihm:„woher habt ihr das Geld, das ſo urploͤtzlich in euern Beſitz gekommen iſt?“ —„Meine Frau... meine Frau hat es geerbt,“ ſtammelte der Schornſteinfeger. —„Von ihrer Tante in Holland, nicht wahr?“ —„Ich glaube...“ Frau Smet wurde blau vor der verbiſſenen Wuth, die ſie bei dieſer Antwort faßte. Sie ſuchte vergeblich, ſich Gewalt anzuthun, um zu ſchweigen. Es war ihr unmoͤglich und mit heiſerer Stimme fiel ſte aus: —„Schafskopf! Was ſchwatzeſt du da?... Meine Herren, es ſieht bei ihm nicht ganz richtig aus im Kopfe; ein ſechsjaͤhriges Kind hat mehr Verſtand als er. Es iſt alſo verlorene Muͤhe einen ſo un⸗ ſchuldigen Toͤlpel ins Verhoͤr zu nehmen.“ —„Gensdarm!“ befahl der Richter,„nehmt die Frau beim Arm, und auf das geringſte Wort oder Zeichen, fuͤhrt ſie hinaus!“ Frau Smet zitterte vor Zorn; aber doch wagte ſie kein Sterbens⸗ wörtche Abſicht Seite 1 ugat & eure R ſhüchte zuſtiz; wie ſei 5 E Schwe außer den R ausſpr enpfan reiben 7 8 Scher hoch! und ſchien und unter⸗ nder, als ung beige⸗ benahn, bläütig ge⸗ heftete de nnoch zu bohrenden „„ woher men iſt? 7 melte der de ſie bei anzuthun, er Stimme Herren, es riges Kind den ſo un⸗ Frau beim zinaus!“ Sterbens⸗ 107 „ woͤrtchen mehr... Wahrſcheinlich ließ man ſie mit wohluͤberlegter Abſicht im Zimmer bleiben, denn die Richter belauſchten von der Seite jede Gemuͤthsbewegung, die ſich auf ihren Geſichtszuͤgen ab⸗ ſpiegelte. —„Ihr behauptet ſonach,“ begann der Richter wieder,„daß eure Frau das Geld von ihrer Tante in Holland geerbt habe?“ —„Ja.. Nicht doch, von ihrem Vater ſelig,“ lautete Smets ſchuͤchterne Antwort. —„Ja und nein? Seid auf der Hut und ſpottet nicht mit der Juſtiz; es moͤchte euch gereuen. Sagt deutlich und ohne Umſchweif, wie ſeid ihr zu dem Gelde gekommen?“ Smet antwortete nicht. Die Unterſuchungsrichter hielten dieſes Schweigen fuͤr berechnet, aber ſie irrten ſich. Der arme Mann war außer ſich vor Angſt und konnte kein Wort herausbringen. —„Immerhin weiß man,“ fuhr der Richter fort,„daß ihr bei den Nachbarn den Urſprung eures Geldes aufgeklaͤrt habt, indem ihr ausſprengtet, daß ihr es als Vorſchuß auf eine erwartete Erbſchaft empfangen haͤttet.“ —„Ach, lieber Herr,“ ſeufzte Meiſter Smet, ſich die Stirne reibend,„ich weiß es nicht, glaube aber, daß Sie Recht haben.“ Dem Richter ſpielte ein eigenthuͤmliches Laͤcheln mitleidsvollen Scherzes um die Lippen. —„ Und die empfangene Summe belief ſich gewiß ziemlich hoch? Doch wohl auf einige tauſend Gulden?“ —„Nein, nein, auf ein paar hundert bloß.“ —„Keine Tauſend?“ —„Gewiß weiß ich es freilich nicht.“ —„Sprecht die Wahrheit,“ rief der Richter mit Nachdruck. 108 „Wir wiſſen Alles. Eure Frau iſt beſſer berathen als ihr. Sie ver⸗ ſichert viele Tauſende erhalten zu haben.“ Dem Schornſteinfeger ſchwindelte es aufs Neue im Kopfe. —„Es iſt moͤglich,“ ſtotterte er;„denn ich weiß ſelbſt nicht recht was ich ſage. Ja, ja, in der That, es waren wohl einige Tau⸗ ſende...“ Der Richter hielt eine Weile inne, dann ſagte er mit etwas ſanfterem Tone: —„Ihr ſeid nicht aufrichtig, Smet, und widerſprecht euch bei jedem Wort. Ich will euch daher offen darlegen, weſſen man euch beſchuldigt; vielleicht moͤgt ihr dann begreifen, daß ihr bei der Ver⸗ heimlichung der Wahrheit Nichts zu gewinnen habt. Es iſt vor etwa zehn Tagen, an einem Freitag Nachts im Hauſe eines Wechs⸗ lers dahier eine betraͤchtliche Summe an Gold und Silber geſtohlen worden. Der Verdacht dieſes Diebſtahls hat ſich auf euch geworfen und alle Umſtaͤnde, ſelbſt eure eigenen Ausſagen zeugen gegen euch. Wollt ihr nun nicht ſofort durch Gensdarmen ins Gefaͤngniß abge⸗ fuͤhrt werden, ſo bekennet unumwunden die Quelle des Geldes, das die Leute in den Haͤnden eurer Frau geſehen haben.“ Der Schornſteinfeger ſah dem Richter wie betaͤubt in die Augen, worauf dieſer ihn fragte: —„Alſo ihr geſtehet, daß ihr ſchuldig ſeid und den Diebſtahl begangen habt?“ —„Nein, nein, ich nicht!..“ —„Wie wollt ihr es dann erklaͤren, daß ihr waͤhrend derſelben Nacht die Nachbarn durch den Huͤlferuf: Feuer, Feuer, aus ihrer Nachtruhe geſtoͤrt habt? War es nicht, um ſie glauben zu machen, daß ihr jene Nacht in eurem Hauſe zugebracht habet, und ſo allen 1 rief der verdutzte Mann,„geſtohlen habe gendad e abzuw — kaum b die Brt fand; geben. A ſeine W ſch di worfel 8 weilen von ihn 3 ihm! Pfaſt C der des gende Sint wort auf geſtohlen geworfen egen euch. niß abge⸗ ldes, das die Augen, Diebſtahl hlen habe derſelben aus ihrer u machen, d ſo allen 109 Verdacht, jenen Einbruch beim Wechsler veruͤbt zu haben, von euch abzuwaͤlzen?“ —„Getraͤumt hatte ich,“ ſeufzte der Schornſteinfeger mit kaum vernehmlicher Stimme, indem er ganz zerknirſcht den Kopf auf die Bruſt haͤngen ließ. —„Wir wiſſen genug,“ ſprach der Richter, indem er auf⸗ ſtand;„die Hausſuchung wird uns weitere Beweiſe an die Hand geben.“ Auf ſeinen Befehl ergriffen die Gensdarmen Meiſter Smet und ſeine Frau beim Arme, und alle Anweſenden folgten dem Richter. Bei der Hausſuchung war das Ehepaar uͤberall zugegen, wohin ſich die Gerichtsdiener begaben; alles wurde zu unterſt zu oberſt ge⸗ worfen und die kleinſten Winkel durchſtoͤbert. Frau Smet verlor die Faſſung nicht und laͤchelte ſogar zu⸗ weilen uͤber die Fruchtloſigkeit der Nachforſchungen. Sie ſchaute von Zeit zu Zeit ihrem Manne tief in die Augen und ſchien ihn zur Standhaftigkeit anzumahnen, dann aber auch wieder ihm mit feurigen Blicken zu drohen. Auf dem Soͤller wurden die Dielen aufgeriſſen; denn die Pflaſter, womit man die Ratzen⸗Loͤcher zugeſtopft hatte, kamen der Juſtiz verdaͤchtig vor; aber es war rein vergebliche Muͤhe. Welche Fragen der Richter auch uͤber das Verſchwinden des Geldes aufſtellte, er konnte aus der Frau keine befriedi⸗ gende Antwort herausbringen. Der Schornſteinfeger, der ſeiner Sinne kaum maͤchtig war, lehnte ſich gegen die Wand und ant⸗ wortete gar nicht mehr. Wie verſteinert heftete er das Auge auf den Balken, in deſſen Hoͤhlung der Schatz verſteckt lag. Aergerlich uͤber die fruchtloſen Bemuͤhungen, das Geld zu 110 entdecken, das doch irgendwo ſich befinden mußte, ſtellte der Richter die Hausſuchung ein und ſtieg die Treppe hinunter. Abermals wurden die beiden Gatten in die Hinterſtube ge⸗ bracht und dort legten auf ein gegebenes Zeichen die Gensdar⸗ men ihre Stricke zurecht. Sobald Meiſter Smet dieß bemerkte, ſchrie er laut auf und fiel halb ohnmaͤchtig auf einen Stuhl. Die Frau dagegen ſah dieſe Zurichtungen mit veraͤchtlichem Laͤcheln, als ſchiene ſie darin nur eine verſtellte Drohung zu erblicken. —„Zum letztenmal!“ ſagte nun der Richter mit gehobe⸗ nem Ton: —„Ihr ſeht hier die Stricke, womit man euch die Haͤnde auf den Ruͤcken binden wird, denn macht euch gefaßt darauf, wie Verbrecher werdet ihr zwiſchen Gensdarmen durch die Stadt ins Gefaͤngniß gefuͤhrt werden. Zum letztenmale alſo bitte ich euch, zu eurem eigenen Beſten bekennt die Wahrheit. Wie kamt ihr zu dem Gold?“ Der Schornſteinfeger war nur noch halb am Leben; der kalte Schweiß floß ihm die bleiche Stirn herunter und als haͤtte ihm der Schrecken die Sprache geraubt, er ſtarrte bewußtlos zur Erde nieder. —„Nun, wird's bald? woher kommt das Geld?“ wiederholte der Richter mit drohender Stimme. In dieſem Augenblick ertoͤnte ein gellender Nothſchrei aus dem Vorderzimmer herüber und ehe der Richter ſeine Frage endigen konnte, ſprang ein Juͤngling heulend ins Zimmer herein. Nach einem einzigen Blick, den er ſchnell wie der Blitz auf die verſammelten Leute geworfen und als ob er die letzten Worte des Richters gehoͤrt haͤtte, *8 iul er vo fel Arme zu tommt? ben? Gel Das den Hadl Schornſte ternder 5 weiflung Abe Augen, hafter J ſprach: ehrlicher Und ſchloſſene ſollen S nen iſt. Fre Geſicht: ſelle der inunter. terſtube g⸗ . rnadrr k laut auf eräͤchli 9 Rchtlichem rohung zu nit gehobe⸗ die Haͤnde aßt d arauf, die Stadt tte ich euch, amt ihr zu n; der kalte atte ihm der s zur Erde wiederholte rei aus dem age endigen Nach einem melten Leute gehort häͤte, 111 fiel er vor Meiſter Smet auf die Knie und indem er flehentlich die Arme zu ihm aufhob, rief er mit jammervollem Tone: „Vater, um Gotteswillen ſagt doch, woher das Geld kommt? Wie? ihr ſolltet wie ein gemeiner Gauner geſtohlen ha⸗ ben? Gensdarmen! Stricke! Nein, nein, das iſt nicht moͤglich: es iſt das Alles nur ein Traum!“ Das todtenbleiche Geſicht des Juͤnglings, ſeine zu Berg ſtehen⸗ den Haare und die Gewalt ſeines bittenden Blickes ruͤhrten den Schornſteinfeger ſo tief, daß er in Thraͤnen ausbrach und mit zit⸗ ternder Stimme ausrief: —„Ich hab's verdient! Gott hat mich geſtraft!“ —„Verdient, verdient!“ ſchrie Pauw in der aͤußerſten Ver⸗ zweiflung. Aber Baes Smet ſtand auf, wiſchte ſich die Thraͤnen aus den Augen, hob ſeinen Sohn von der Erde und druͤckte ihn mit fieber⸗ hafter Inbrunſt an ſeine Bruſt, indem er freudigen Tones dazu ſprach: —„Nein, Kind, dein Vater hat gefehlt; aber noch iſt er ein ehrlicher Mann; er wird jetzt alles herausſagen...“ Und ſich zum Richter wendend, ſprach er mit feſter, ent⸗ ſchloſſener Stimme: —„Herr Richter, ich will Ihnen den Schatz zeigen und dann ſollen Sie endlich wiſſen, wie das Geld in unſere Haͤnde gekom⸗ men iſt.“ Frau Smet drohte mit der Fauſt und bruͤllte mit grimmigem Geſicht: —„Ob du dich unterſtehſt, feiger Tropf!“ —„Gensdarmen, fuͤhrt die Frau hinaus!“ gebot der Richter. —„Es bedarf deſſen nicht,“ ſagte der Schornſteinfeger;„mein 112 Entſchluß iſt gefaßt. Ich will Ihnen Alles aufklaͤren, wie ich es gleich Anfangs haͤtte thun ſollen. Ich habe nicht geſtohlen, ſondern ganz einfach einen Schatz gefunden.“ Bei dieſen Worten fiel Pauw zur Erde und rief unter Thraͤnen: —„Gott, habe Dank fuͤr deine Barmherzigkeit!“ —„Seid ihr nun bereit, uns die letzte Aufklaͤrung zu geben 2“ fragte der Richter. —„Ja wohl,“ war die Antwort;„aber ich habe vorerſt eine Bitte an Sie. Wollen Sie mir dieſelbe erfuͤllen?“ —„Wir werden ſehen; wenn's moͤglich iſt.“ —„Sehen Sie, lieber Herr, dieſes Geld iſt der Grund des ſchweren Ungluͤcks, das uͤber mich gekommen; wie eine Peſt hat es meinen haͤuslichen Frieden geſtoͤrt. Haben Sie Mitleiden mit mir, erloͤſen Sie mich von der Plage und nehmen Sie es mit ſich fort!“ Frau Smet begann nun laut zu ſchluchzen und zu jammern. —„Nun ſo zeigt uns den Schatz!“ befahl der Richter. Der Schornſteinfeger fuͤhrte die Diener des Geſetzes auf den Soͤller, wies ihnen, wie der große Querbalken in ſeinem unterſten Theile ausgehoͤhlt ſei, und ſprach: —„Da drinnen liegt das Geld. Vor zehn Tagen, es war an einem Freitag Abend, machten die Ratzen hier einen furchtbaren Laͤrm; da machte ich ihnen eine Jagd mit dem alten Säbel, der hin⸗ ter meinem Bette ſteht. Zufaͤllig ſchlug ich dabei auf den Balken, und da mir der hohle Klang, den er gab, etwas ſonderbar vorkam, ſchlug ich ein zweites Mal zu, und da fiel mir ein viereckiges Brett⸗ chen und ein Sack voll Geld gerade vor die Fuͤße. Sonſt kann ich Ihnen Nichts ſagen, meine Herren, als daß die Furcht vor den Dieben, ſowie die Beſorgniß, daß die Juſtiz uns dieſes unerwartete Beſitzthum ſtreitig machen koͤnnte, mich eine ganze Reihe unver⸗ nunftiget fältige no Dar Richter! Die Haufe G dem der geriſſen Boden, naͤmlich Umſchle Ir klaͤrung ihn auf Indem mer ſch O auf un Beamt nichte. die Ar hat. zigen Vand hat e zu en Da ng zu geben 20 be vorerſt eine der Grund des ine Peſt hat es kleiden mit mir, mit ſich fot u jammern. ichter. eſetzs auf de inem unterſten gen, es war an nen furchtbaren Säbel, der hin⸗ auf den Valken, derbar vorkam, lereckiges Brett⸗ Sonſt kann ich Furcht vor den eſes unerwartete e Reihe unver⸗ 113 nuͤnftiger Handlungen begehen ließ. Hier haben Sie nun die ein⸗ faͤltige nackte Wahrheit.“ Darnach zog er das Brett vom Balken herunter und zeigte dem Richter die Hoͤhlung. Dieſer buͤckte ſich und zog den Geldſack daraus; ein ganzer Haufe Gold⸗ und Silberſtucke rollte uͤber den Söllerboden hin, in⸗ dem der vom Alter ganz muͤrbe gewordene Sack zum zweiten Mal geriſſen hatte... Aber zu gleicher Zeit fiel auch etwas auf den Boden, das der Schornſteinfeger ſelbſt noch nicht geſehen hatte, nämlich ein verſchloſſenes Taſchenbuͤchelchen mit ſchweinsledernem Umſchlag. In der Vermuthung, daß dieſer Gegenſtand die erhaltenen Auf⸗ klaͤrungen beſtaͤtigen oder widerlegen koͤnnte, beeilte ſich der Richter ihn aufzuheben und durchblaͤtterte das Buch mit ernſtlicher Sorgfalt. Indem er ſich zu Frau Smet wandte, fragte er ſie: —„Wie lautet der Name eures Vaters?“ —„Vandenberg, Peter Vandenberg,“ antwortete jene noch im⸗ mer ſchluchzend. Ohne weitere Bemerkung riß der Richter den Sack noch mehr auf und raffte eine Anzahl Stuͤcke daraus. Dann winkte er ſeinen Beamten, ging mit denſelben in einen Winkel und ſagte leiſe zu ihnen: —„Dieſer Mann ſagt die Wahrheit und die Anklage faͤllt zu nichte. Dieſes Buch iſt vom Vater der Frau geſchrieben und enthaͤlt die Angabe der Summen, die er allmaͤhlig in den Balken niedergelegt hat. Zugleich ſteht darin geſchrieben, daß er den Schatz ſeiner ein⸗ zigen Tochter zum Erbe beſtimme. Nun iſt es bekannt, daß dieſer Vandenberg ein reicher Geizhals war, und da er ploͤtzlich geſtorben iſt, hat er keine Zeit mehr gehabt, um das Vorhandenſein des Geldes zu enthuͤllen. Uebrigens ſehen Sie, es ſind lauter alte Dukaten, Das Glück reich zu ſein. 8 — 114 franzoͤſiſche Thaler und ſogar brabantiſche Schillinge, und dergleichen Geldſorten ſind beim Wechsler nicht geſtohlen worden. Daraus folgt, daß wir hier nichts mehr zu verrichten haben.“ Die Uebrigen nickten beifaͤllig zu, der Richter wandte ſich zu Meiſter Smet und ſprach: „Meiſter Smet, ihr habt euch ohne Grund viel Angſt und Kummer bereitet. Das Geld war wirklich euer rechtmaͤßiges Be⸗ ſitzthum.“ —„Oh, nehmen Sie es nur mit ſich fort!“ bat Meiſter Smet. „Wie ſeid ihr doch ſo einfaͤltig,“ laͤchelte der Richter;„wir haben kein Recht dazu: denn hoͤrt, was im ſtebenhundert und ſech⸗ zehnten Artikel des buͤrgerlichen Geſetzbuches geſchrieben ſteht:„Das Eigenthum eines Schatzes gehoͤrt demjenigen zu, der ihn auf ſeinem eigenen Erbe gefunden hat; iſt der Schatz auf fremdem Erbe gefun⸗ den, ſo gehoͤrt die eine Haͤlfte dem Finder, die andre demjenigen, auf deſſen Erbe er gefunden worden.“ Dies Haus iſt euer; folglich ge⸗ hoͤrt der ganze Schatz euch zu eigen.“ „So bleibt die Plage alſo doch in meinem Hauſe?“ bemerkte verdrüßlich der Schornſteinfeger. Zur Baeſin Smet, die mit freudiger Haſt herzulief, ſagte der Nichtere „Frau, dieſes Geld iſt das Erbe eures Vaters; das Buch hier dürft ihr als ſein Teſtament anſehen. Lebt nun wohl und ſuchet beide einen guten Gebrauch davon zu machen.“ Nachdem die Diener des Geſetzes den Soͤller verlaſſen, ſcharrte die Frau eiligſt das Geld in ihren Schurz und lief damit hinunter, indem ſte im Gehen ihrem Manne noch zuſchnaubte: —„Laffe, Schafskopf, ich werde dich ſchon kriegen.“ Als die Frau hinunter kam, warf ſie das Geld in den Kaſten, ücht; nir dirt und ſe ſeht:„das —n auf ſeinem Erbe gefun⸗ nienigen, auf ) folglich ge⸗ e? bewerkte if, ſagte de rs; das Buch ohl und ſuchet ſſen, ſcharrte mit hinunter, 1 n. in den Kaſten, ——V———V—;F—x—x;ꝛę——— 4—— 115 griff eine Handvoll Stuͤcke daraus, und lief ſofort, nachdem ſie den Kaſten geſchloſſen, auf die Straße, wo ſie mit triumphirendem Hoch⸗ muth durch die verſammelte Menge ſchritt, die ihr gaffend nach ſah, bis ſie aus der Gaſſe verſchwunden war. Faſt außer ſich vor Freude ſprang Pauw hinuͤber zu Kaͤthchen; — aber er begegnete dem Schuhmacher und ſeiner Tochter ſchon auf der Straße, gab ihnen die Hand und rief: „Komm, komm! Liebes Kaͤthchen, es war alles nur Schein; Baes Dries, kommt mit: meinen Vater wird's freuen, wenn ihr ihm Gluͤck wuͤnſchet...“ Die harrende Menge kannte bereits den Ausgang der Haus⸗ ſuchung. —„Pauw, Pauw; proſiciat, Herr Pauw!“ riefen die jungen Maͤdchen unter froͤhlichem Haͤndegeklatſch und mit aufrichtiger Theil⸗ nahme. —„Sagt doch lieber Pauwken⸗Frohmuth, wie vormals!“ bat der Juͤngling, indem er mit dem Schuhmacher und deſſen Tochter nach ſeinem Hauſe zuſchritt. —„Es lebe Pauwken⸗Frohmuth!“ ſchallte es durch die Straße. Kaum war Meiſter Smet den Schuhmacher anſichtig geworden, ſchoſſen ihm die Thraͤnen aus den Augen, er ſprang ſeinem alten Freund um den Hals und ſagte mit geruͤhrter Stimme: —„Seht, Dries, ich feiere heute den gluͤcklichſten Tag meines Lebens; kaum weiß ich mich auf den Beinen zu halten vor Freude. Denn was ich um das vermaledeite Geld habe ausſtehen muͤſſen, das vermag keine Feder zu beſchreiben!“ —„Nun, es iſt doch Alles wohl voruͤber?“ fragte der Schuh⸗ macher. 8* — ꝗ— — — — 4 —„O freilich; wir hatten ja das Geld ganz einfach in unſerem Hauſe gefunden; es war meiner Frau vaͤterliches Erbe.“ —„Gott ſei geprieſen, Jan. Ich habe um euch gezittert, als waͤret ihr mein eigner Bruder.“ —„Nun, Dries, ſind wir denn nicht zwei treue Freunde, und Freundſchaft giebt Bruͤderſchaft. Aber hoͤrt, wir muͤſſen jetzt vor Allem darauf denken, unſere Kinder zu trauen.“ —„Aber ihr ſeid reich, und eure Frau?...“ bemerkte zu⸗ ruͤckhaltend der Schuhmacher. —„Was reich?“ erwiederte froͤhlich Baes Smet.„Ich bin Hans⸗Spaß, euer alter Freund. Dieſe Leier von Mynheer und Mevrouw iſt ausgeſungen. Nun ich nicht mehr eine Hand umdrehe fuͤr des Lumpengeld, will ich zeigen, daß ich der Herr im Hauſe bin.“ —„Je nun, mehr verlange ich nicht, als mein Kind gluͤcklich zu wiſſen,“ antwortete ſein Freund.„An Geld iſt mir auch nicht ge⸗ legen; aber es ſind jetzt ſchon ſo viele Jahre her, daß ſie ſich ehrbar und tugendſam lieben; mein armes Kaͤthchen, ich glaube wahrlich, daß es um ſie gethan waͤre, wenn...“ —„SHaltet ein mit euren duͤſteren Ideen!“ fiel ihm der Schorn⸗ ſteinfeger in die Rede.„Ans Werk laßt uns vielmehr ſchreiten; die Papiere in Ordnung gebracht, die Verleſung in der Kirche beſorgt — und nach ſieben Wochen die Hochzeit! Und was dieſe betrifft, ſo ſollen die Leute ſie nicht bald aus dem Gedaͤchtniſſe verlieren, Dries! Da ſoll wenigſtens das Geld zu etwas dienen! Alle Nach⸗ barn werden dazu eingeladen;— und wir fahren fuͤnf oder ſechs Kutſchen hoch nach Dikke⸗Mé oder nach Jan⸗Stek.*) Muſik wird *) Zwei von der Buͤrgerſchaft Antwerpens an Sonntagen viel be⸗ ſuchte Vergnuͤgungsorte. 54 -in unſeren ezit züttert, alz reunde, un „,. Und ſen jett vor emerkte zu⸗ . 1 „Ich bin (onheer und nd undrehe Hauſe bin.“ glücklich zu c nicht ge⸗ ſich ehrbar be wahrli vahrlich, der Schorn⸗ ſhreiten; die eche beſorgt 2 betrift, ſo ſe verlieren, Alle Nach⸗ f oder ſechs Nuſkk wird agen viel be⸗ 117 mitgenommen, gewalzt, geſprungen, gejodelt.. Das wird ein Leben 14 geben! Smet konnte vor der Gewalt ſeiner freudigen Gefuͤhle nicht weiter reden; ſeine Stimme ſtockte. „Wie wird euch, Jan?“ fragte der Schuhmacher ver⸗ wundert. —„Es iſt nichts, Freund,“ ſtammelte Smet;„die Freude ſchießt mir in die Kehle. Es laͤuft mir das Herz uͤber. Hab' auch in den letzten Tagen gar ſo viel auszuſtehen gehabt; und es iſt mir, als waͤre ich dem Rachen der Hoͤlle entkommen!...“ —„Nun aber, um wieder auf Ernſtes zuruͤckzukommen, es bleibt ausgemacht, unſere Kinder heirathen ſobald als thunlich und wir betreiben die Sache ohne einen Tag Aufſchub.“ —„Das iſt freilich etwas ſchnell.“ —„Gute Dinge ſind nie zu ſchnell betrieben. Uebrigens koͤnnte uns das verfluchte Geld noch einen Strich durch die Rechnung machen... Aber, Dries, eines muß ich noch bitten. Ihr ſeid ein bischen kurz und barſch in eurem Weſen, und meine Frau, wie ihr wißt, etwas geneigt, ihrer Zunge freien Lauf zu laſſen; das paßt nicht zuſammen. Sie iſt gar uͤbel auf euch zu ſprechen, denn ſie glaubt, ihr ſeid ſchuld, daß die Juſtiz gekommen iſt.— Ihr macht ſchon jetzt ein ſaures Geſicht... So bitte ich euch, ſeid einmal ge⸗ ſcheit und vernuͤnftig und gebt ein bischen nach. Meine Frau wird euch grob anfahren, aber laßt ſie nur plappern. Ueber unſere Kinder bleiben wir doch Meiſter, und da wir nun unwiderruflich beſchloſſen haben, daß ſie ſich heirathen ſollen, wer ſoll ſie daran hindern koͤnnen?“ —„Das iſt wahr.“ ——— —— 4 —„Wollt ihr alſo wirklich einige rauhe Worte und ſaure Ge⸗ ſichter durch die Finger ſehen?“ —„Ich will thun, als ob ich blind waͤre.“ —„So laß ich mir's gefallen; das heißt weiſe geſprochen. Die Hand darauf, Dries; ein Mann, ein Wort!“ Dann kehrte ſich Smet zu Pauw und Kaͤthchen, welche Hand in Hand am Fenſter ſtanden und wohl Alles gehoͤrt hatten, denn ihr Geſicht ſtrahlte vor Seelenfreude, trotz einiger Thraͤnen, die hie und da von ihren Wangen herabrollten. —„Komm, Kaͤthchen,“ rief Meiſter Smet,„flieg mir an den Hals. Noch ſieben Wochen, und ich bin dein Vater!“ Das Maͤdchen gehorchte. Pauw ſeinerſeits umarmte den Schuh⸗ macher und alle vier ſchwelgten im Genuſſe uͤberſchwaͤnglicher Freund⸗ ſchaft. —„He, he, was geſchieht hier in meinem Hauſe?“ ertoͤnte es ploͤtzlich durch das Zimmer. Unangenehm von dieſer kreiſchenden Stimme uͤberraſcht, mach⸗ ten ſich die Umſchlungenen ſchnell von einander los und blickten nach der Thuͤr, wo fie alsbald Baeſin Smet, den Kopf trotzig in die Hoͤhe gerichtet und Verachtung im Geſichte, gewahr wurden. —„Nun, das wird von Tag zu Tag ſchoͤner!“ rief ſie.„Kaum habe ich den Ruͤcken gekehrt, ſo ſitzt mein Haus voller Schuhflicker.“ Nachbar Dries wurde bleich vor Zorn. —„Ja, ja, aͤrgert euch ſo viel ihr wollt,“ fuhr ſie ſpottend weiter;„ich kuͤmmere mich keinen Pfifferling darum. Hier bin ich Meiſter.“ —„Aber, Baeſin Smet...“ ſtammelte der Schuhmacher. —„Baeſin, Baeſin? Ich bin keine Baeſin,“ bruͤllte ſie ihm ent⸗ gegen;„per Madame ſollt ihr mich anreden.“ A —/—— 1— —„ ind ſaure Ge⸗ rochen d * Die llche Hand in en, denni ihr die hie und Jwir an den te den Schuh⸗ icher Freund⸗ 9 ℳ ertönte es taſcht, mach⸗ dblickten nach g in die Hoͤhe cj ſie„Kaum Schuhflicker.“ ſie ſpottend Hier bin ich huhmacher. te ſie ihm ent⸗ 119 4 Pauw ſchaute aͤngſtlich nach ſeinem Vater, den er vor Gram und Zorn faſt erzittern ſah. Frau Smet wies mit dem Finger nach der Thuͤre und ſprach be⸗ fehlend zum Schuhmacher: —„Marſch, zum Loch hinaus mit eurem ſchmucken Juͤngfer⸗ lein. Und daß mir noch einmal ſolcher Poͤbel uͤber die Schwelle kommt! Es iſt Zeit, daß wir eine Wohnung auf dem Skt. Jakobs⸗ markte beziehen.“ Der Schuhmacher nahm ſeine Tochter bei der Hand und lief murmelnd zum Hauſe hinaus. Dann brach aber auch das Gewitter in der aufgewuͤhlten Seele des Schornſteinfegers los. Unter unverſtaͤndlichen Scheltworten wollte er auf ſeine Frau losfahren, aber Pauw hatte ſich ins Mittel gelegt und hielt ihn kraͤftig zuruͤck. —„Laß mich los, laß mich los, bruͤllte er,„daß ich ihren hoffaͤrtigen Kopf vom Leibe reiße!“ Pauw bat, flehte, weinte und rang ſo hartnaͤckig, daß ſein Va⸗ ter Zeit fand, ſich zu beſaͤnftigen. Nach langem Schimpfen und Drohen ſagte er, wie beſtegt: „Komm, Pauw, wir wollen hinauf; ſonſt trifft mich hier noch der Schlag.“ Und in der That, dem Streit ein Ende zu machen, begab ſich der Schornſteinfeger in ſeine Schlafkammer. Den ganzen Tag uͤber bis zum ſpaͤten Abend herrſchte Bitterkeit und Verdruß im Hauſe. Die Frau wollte von Kaͤthchen kein Wort mehr hoͤren und ſtieß allerlei Schmaͤhreden gegen das unſchuldige Maͤdchen und ihren Vater aus. Denn das Madameſpielen ſteckte ihr jetzt noch feſter im Kopfe als je zuvor; ſogar des Spezereihaͤndlers Leokadie war ihr ſchon viel zu gemein geworden, um in ihrer Familie zugelaſſen zu werden. 4 Pauw hatte manche Thraͤne vergoſſen und ſich fruͤh nach ſelner Kammer begeben, um in der Einſamkeit uͤber ſein ungluͤckſiches Schickſal zu trauern. Endlich ſchlich ſich auch der Schornſteinfeger nach der ſeinigen, indem er mit verbiſſenem Aerger vor ſich hin murmelte: —„Die Peſt iſt noch immer in meinem Hauſe, das ſehe ich wohl! Ich wollte, das Geld ſaͤnke durch den Erdboden in die tiefſte Hoͤlle zu allen Teufeln, woher es gekommen iſt!“ VIII. Des andern Tages, als die erſten Sonnenſtrahlen uͤber die Stadt hereinbrachen, wollte der Schuhmacher ſich mit ſeiner Tochter nach der Kirche begeben; aber kaum waren ſie einige Schritte von ihrem Hauſe weg, blieb das Maͤdchen verwundert vor des Kamin⸗ fegers Haus ſtehn und ſagte: —„Sieh doch, Vater, die Thuͤre ſteht offen bei Smets, und doch ſind die Fenſterlaͤden noch geſchloſſen!“ —„Was mag das bedeuten!“ antwortete der Schuhmacher. „Das Schloß an der Thuͤre iſt erbrochen; gewiß ſind hier dieſe Nacht Diebe geweſen. Komm, Kaͤthchen, wir wollen klopfen.“ Mit dieſen Worten fing er an, ziemlich ſtark mit dem Fuße an die Thuͤre zu pochen. —„Nicht ſo ſtark, Vater,“ ſagte das Maͤdchen,„Frau Smet — 3 4 ———— in ſigelaſf ſſen u h nach. nach ſener unglückichs der N.. der ſeinigen 1 al ſehe ich in die tiffte en üͤber die iner Tochter Schritte von des Kamin⸗ zmets, und chuhmacher. dieſe Nacht m Fuße an Frau Smet 121 möchte daruͤber erſchrecken. Laßt ihnen doch die Zeit, ſich anzu⸗ kleiden.“ Nach einer Pauſe wiederholte der Schuhmacher ſein Geklopfe, und als er endlich die Leute des Hauſes die Treppe herabkommen hörte, trat er ins Haus hinein. —„Wer hat euch denn aufgemacht?“ fuhr ſie beide Baeſin Smet mit drohendem Blick an.„Habe ich euch nicht den Zutritt in mein Haus ſtrenge unterſagt?“ —„Faͤngſt ſchon wieder an?“ murrte Meiſter Smet.„Wie werden ſie hereingekommen ſein, durch die Thuͤre und nicht durchs Bodenfenſter. Wahrſcheinlich iſt Pauw ſchon zur Meſſe gegangen und hat die Thuͤre offen gelaſſen.“ —„Nein, Freunde, ſo iſt's nicht,“ ſagte Nachbar Dries; „eure Thuͤre iſt aufgebrochen und ich fuͤrchte, es iſt hier ein Ungluͤck geſchehen.“ —„Die Thuͤre aufgebrochen!“ ſchrie Frau Smet mit jammer⸗ vollem Tone,„oh, mein Geld! mein Geld!“ Mit einem Sprung war ſie am Kaſten und oͤffnete ihn. Ein dumpfer Angſtſchrei entfuhr ihrer Bruſt, ſie ſchlug die Haͤnde vor die Augen und fiel bitterlich weinend auf einen Stuhl zuruͤck. —„Mein Geld, mein Geld iſt weg!“ jammerte ſie.„Ge⸗ ſtohlen! geſtohlen!“ Der Mann war ebenfalls von dieſer ploͤtzlichen Kunde wie vom Blitze getroffen, ſchien ſich aber zu fragen, ob er dazu lachen oder weinen ſolle. Bald jedoch wurde es licht in ſeinem Gemuͤthe und ein Laͤcheln uͤberflog ſein Geſicht, aber er ſuchte es mit Gewalt zu⸗ ruͤckzudraͤngen und, um ſeiner Frau Verdruß nicht zu ſteigern, that er, als waͤre er, daruͤber recht betroffen, ja betruͤbt. 122 Kaͤthchen indeſſen ſuchte die Frau Smet durch die innigſte Theil⸗ nahme einigermaßen zu troͤſten. —„Jan,“ ſprach der Schuhmacher ſeinerſeits,„es iſt zwar ein harter Unfall, Freund, aber doch noch nicht zum Verzweifeln. Gott giebt, Gott nimmt. Seid aber immerhin meines aufrichtigen Mitleids verſichert!“ —„Mitleid?“ erwiederte Baes Smet ganz leiſe, daß ihn ſeine Frau nicht hoͤren konnte,„das brauche ich nicht. Wenn ihr glaubt, Freund, daß ich um dieſes Lumpengeldes willen eine einzige Thraͤne vergießen werde, da ſeid ihr ganz auf dem Holzweg. Es thut mir leid fuͤr meine Frau; ſonſt wuͤrde ich ſagen: Gott ſei gelobt, daß dieſe Peſt aus meinem Hauſe fort iſt!“ —„Ach, ach,“ klagte noch immer untroͤſtlich Frau Smet, „mein Geld, mein armes Geld! Das Erbtheil meines ſeligen Vaters... Eſſig, Eſſig, es wird mir elend, ich vergehe!“ Der Schornſteinfeger lief nach der Eſſigflaſche, goß etwas auf ſeine Hand und rieb damit tuͤchtig ſeiner Frau das Geſicht; dieſe jedoch ſtieß ihn zornig zuruͤck, als wollte ſie nichts von ſeiner Pflege wiſſen. —„Laß mich in Ruhe,“ ſchnaubte ſte ihn an.„Du biſt doch im Herzen froh uͤber die Geſchichte, trotz deines ſcheinheiligen Geſichts!“ —„Nun, nun, Treſe,“ ſprach er,„wer wird ſich aber auch gar ſo daruͤber abgraͤmen. Das Geld iſt weg, das iſt wahr; aber ſind wir damit nicht auch die beſtaͤndigen Haͤndel und Zwiſtigkeiten, den Verdruß und die Sorgen los? Faſſe Muth, Frau; laß mich wieder fleißig ans Arbeiten gehen und wir wollen wieder Friede im Hauſe haben und in Freundſchaft und Freude genußreiche Tage verleben, wie zur Zeit, da der Geldteufel noch nicht unſere haͤusliche Ruhe ge⸗ ſtoͤrt hatte.“ ◻△ 1 2 1 Theil⸗ 123 —„Ach, Mutter,“ rief Kaͤthchen,„was ſeid ihr doch un⸗ 8 1 gluͤcklich!“ 1 dit n.—„Ja, du allein, gutes Kind,“ ſchluchzte die Frau,„haſt auf⸗ Fen richtiges Erbarmen mit mir. Das gefuͤhlloſe Stuͤck Holz dort, dem hn iſt es freilich mehr lacherig zu Muthe; das ließe einen den Geiſt auf⸗ ſeine geben, ohne ein einziges Wort des Troſtes verlauten zu laſſen. Ja, enn ihr Kaͤthchen, deine Thraͤnen weiß ich recht ſehr zu ſchaͤtzen... Ach, eeinzige mein Geld, mein Geld! was fang' ich an in dieſem Elend!“ EE thut In dieſem Augenblicke kam Pauw die Treppe herabgelaufen. dgelobt,—„He, was geht denn hier vor?“ rief er munter ins Zimmer hereinhumpelnd.„Wahrhaftig ich fange an zu glauben, unſer Haus Smet, ſei verhert. Wie, Kaͤthchen, du hier? Du bei meiner Mutter? So ſeligen iſt denn Alles wieder in beſter Ordnung?“ 1 —„Still, Pauw,“ ſagte der Vater,„es iſt ein Ungluͤck ge⸗ ſchehen. Diebe haben uns uͤber Nacht unſer Geld aus dem Kaſten geſtohlen!“ —„Der Gukuk!“ rief Pauw, indem er einen luſtigen Sprung dazu that;„nun das iſt recht! Jetzt ſoll der Pauwken⸗Froh⸗ doch im muth wieder ein tuͤchtiger Kaminfeger werden!“ Als die Mutter dieſes ausgelaſſene Gebahren ihres Sohnes ge⸗ was auf t; dieſe r Pflege eſichts ber auch wahr wurde, ſprang ſie vom Stuhl auf und rief ihm zu: ber fnd—„Wie, du auch, du ſpotteſt uͤber meinen Gram?“ Der Juͤngling, der jetzt erſt die wahre Sachlage begriff, faßte ten, den. 4 8. d ſie theilnehmend bei der Hand und ſprach beſaͤnftigend zu ihr: wied 3 en—„Liebe Mutter, an euer Leid habe ich wirklich nicht gedacht. erein Ich ſehe, ihr habt Thraͤnen vergoſſen; aber troͤſtet euch doch, ich 7 a. bitte. Wohl iſt es ſchmerzlich, eine ſolche Summe Geldes zu ver⸗ he ge⸗ lieren; aber bedenkt doch, daß das Geld uns doch nur Ungluͤck einge⸗ tragen. Seit wir es beſitzen, hat es bei uns mehr Streit und Ver⸗ ——————————— 9„ 4 /2.. 2₰ 4 1 85 4 4 4 1 2 4— 3 5 4 —————y—— 124 druß gegeben, als waͤhrend meines ganzen Lebens. Ihr und Vater wart ſonſt immer freundlich zuſammen und es lebte ſich hier ſo be⸗ haglich und gemuͤthlich, wie es in des Koͤnigs Palaſt nicht haͤtte beſſer ſein koͤnnen. Von dem Tage an aber, daß der Schatz gefun⸗ den ward, habe ich euch beide nur verſtimmt und voll Bitterkeit ge⸗ ſehen; der Vater magerte, Kaͤthchen zehrte ſich ab und ich ſelber verlor den Verſtand. Ueberall nichts als Kummer und Schmerz!“ —„Allerdings, Pauw, aber daran war Niemand ſchuld als dein Vater,“ anwortete die Mutter.„Er konnte das Geld nicht ver⸗ tragen; aber ich, die ich aus guter Familie bin, war zum Reichſein geboren.“ „Nun, wie dem auch ſei,“ erwiederte Pauw ſchmeichelnd, „ihr ſeid doch immer meine Mutter und habt außer mir kein Kind. Wenn ihr denn bedenket, daß Vater und ich mit dem Gelde uns nur ungluͤcklich fuͤhlten, wie ſolltet ihr, die Gutherzigkeit ſelber, euch in dieſes Ungluͤck nicht zu ſchicken wiſſen; ſolltet ihr nicht vielmehr ſagen: in Gottes Namen, was liegt am Gelde, wenn der Menſch doch nicht zufrieden dabei iſt.“ —„Arm ſein, arm ſein!“ ſchluchzte zur Antwort Frau Smet. „Sei doch vernuͤnftig, Treſe,“ ſprach nun wieder der Schornſteinfeger,„giebt es etwas uͤber die Freundſchaft? Wir haben ſolange friedlich zuſammen Haus gehalten; warum ſollten wir es ferner nicht thun? ſei gewiß, du wirſt es am Ende dem lieben Gott noch danken, daß er uns von dem leidigen Gelde erloͤſt hat...“ —„Schweig du,“ gab ſie ihm zur Antwort;„ich glaube gar, du haſt unſern Herrgott ſelber darum gebeten!“ —„Aber, Mutter,“ fing Pauw wieder an,„denkt doch nach, wie es fruͤher bei uns war. Vater und ich, wir waren ſtets froͤh⸗ licher Laune und hatten immer ein heiteres Woͤrtchen auf der Zunge, 7 125 1‿ Vatet ſo be⸗ 1 um euch ein Laͤcheln abzuzwingen. Die Leute liebten und beneideten t hätte uns um unſer gluͤckliches Leben.“ gefun⸗ Indem er den Arm um ſie ſchlang, murmelte er mit zaͤrtlichem eit ge⸗ Tone: felber——„Seht, Mutter, dieſes ſchoͤne gemuͤthliche Leben ſoll wieder t!“ kommen; Vater und ich, wir werden ein Schoͤppchen weniger trin⸗ 1d als ken, um euch von Zeit zu Zeit ein huͤbſches Kleid nach eurem Ge⸗ t der ſchmacke zu kaufen. Und wenn Kaͤthchen einmal bei uns wohnt, ſeihſein da ſollt ihr noch beſſer bedient werden als die reichſte Madame; denn es wird mit Liebe, mit herzlicher, kindlicher Achtung geſchehen. Ihr cenn werdet dabei mehr Genuß und Freude finden, als mit dem Geld, um Kind das ihr jetzt trauert. .—„Ja aber, liebes Kind, was werden die Leute jetzt ſagen, 4 1s nur.; 5 44 p ur wenn ſie mich durch die Straßen gehen ſehen?“ klagte Frau Smet. 14 in—„Was ſie ſagen werden? Mutter, heute noch gehe ich mit Win euch und mit Vater nach dem Damm ſpazieren; ich werde euch den uriſch Arm geben, das Haupt ſtolz erheben und jedem frei in die Augen 2 ſehen. Wir ſind ja ehrliche Leute. Wer uns nicht kennt, der wird Smnet. nichts Fremdes an uns ſehen, und die uns kennen, die werden ge⸗ er der ſtehen muͤſſen, daß wir muthige, brave Leute ſind, die Beides, Gluͤck haben und Ungluͤck, mit Dank aus der Hand Gottes hinnehmen!“ vir es Die allmaͤhlig beruhigte Frau druͤckte ihren Sohn in die Arme Gott und ſagte mit Thraͤnen in den Augen: 6—„In Gottes Namen denn; einſt werde ich doch noch reich, e gar, das laß' ich mir nicht nehmen; wenn jetzt nicht, doch ſpaͤter. So werde eben wieder ein Kaminfegersgeſell, guter Pauw. Aergern nach, thut es mich freilich; da es aber ſo ſein muß und du deinen Gefallen froͤh⸗ daran haſt...“ unge, Sie ließ ihren Sohn los und umarmte das Maͤdchen: 126 „Komm, liebes Kaͤthchen, du biſt noch die beſte von allen;“ ſagte ſie zaͤrtlich.„Die Maͤnner wiſſen nicht, was es heißt, reich ſein; aber du, gutes Kind, wuͤrdeſt dich bald daran gewoͤhnt haben! Es wird ſchon noch kommen; ſei unbeſorgt; iſt ja meine Tante jetzt doch ſchon achtzig Jahre alt.“ Pauw hatte ſich inzwiſchen unbemerkt aus der Stube geſchlichen. Ploͤtzlich aber uͤberfiel die Frau Smet ein heftiges Zittern, als waͤre ihr ein ſchrecklicher Gedanke in den Sinn gekommen. Sie fuhr vom Stuhle auf, ſtreckte die Haͤnde nach ihrem Manne aus und rief: —„Himmel, Smet, es ſind noch fuͤnf und ſiebzig Gulden beim Goldſchmied zu bezahlen! Wie werden wir damit je ins Reine kom⸗ men? Arm ſein iſt ſo arg nicht, aber dabei noch in Schulden ſtecken!“ Schmerzlichen Tones fuͤgte ſie hinzu: —„Ein Mittel wuͤßte ich; freilich iſt es hart, aber beſſer das Bittre ertragen, als verſchuldet ſein. Ich will meine Juwelen dem Goldſchmied zuruͤcktragen!“ Der Schornſteinfeger nahm ſeine Frau bei der Hand und ant⸗ wortete wohlgemuth: —„Nein, nein, liebe Treſe, du brauchſt nichts zuruͤckzutragen, kannſt Alles behalten.“ —„Aber wer wird bezahlen?“ —„Ich, ich, Treſe.“ —„Du?“ —„Ja; ich hatte mir fuͤr vorkommende Fälle, und zunaͤchſt fuͤr die Hochzeit unſeres Sohnes, ein kleines Haͤufchen bei Seite gelegt.“ 4 Sofort ſchob er einen Stuhl unter das Kamin, ſtieg darauf und langte ein Stuͤck Tuch hervor, in welches eine Anzahl Geldſtuͤcke ein⸗ allen,“ t, reich haben nie jezt ſclihen. etn, als ie fuhr nd rief. en beim ine kom⸗ chulden ſſer das len dem und ant⸗ uiragen, zunaͤchſt ei Seite auf und icke ein⸗ 127 gewickelt war, und indem er an den Tiſch trat, breitete er das Geld behaglich vor ſich aus. Baeſin Smet ward beim Anblick dieſes Geldes tief betroffen; ein heiteres Laͤcheln beſtrahlte ihr Geſicht, waͤhrend ſie ſprachlos ihre Blicke auf das glitzernde Gold heftete: —„Siehſt du, Treſe,“ ſagte Smet,„das Geld iſt dein Eigen⸗ thum, fange damit an was du willſt, aber ich erſuche dich dringend, laß den groͤßten Theil davon dazu dienen, unſerm Pauw ſeine Hei⸗ rath mit Kaͤthchen zu erleichtern und ein Geſchaͤftchen fuͤr die jungen Leute zu errichten.“ Die Frau antwortete nicht und ſchien in tiefes Nachdenken ver⸗ ſunken. Auf einmal ertoͤnte wie vom Keller herauf der Laut Ap, ap, ap ins Zimmer herein und Alle ſchauten halb lachend auf, denn ſie er⸗ kannten deutlich die Stimme des Pauw. In der That, ſein Leibliedchen trillernd: Schlotfeger fein vom A. B. gewerk Art'ge Geſellen, Froͤhliche Gaͤſte! huͤpfte er luſtig ins Zimmer herein. Er hatte ſeine Kaminfegerskleidung angezogen, und ſtand mit geſchwaͤrztem Geſicht und den Beſen in der Hand vor ſeinen Eltern: —„Hurrah,“ rief er,„Pauwken⸗Frohmuth iſt auferſtanden! Vater, Mutter, Kaͤthchen, wie wohl mir zu Muth iſt! Laßt uns nun recht froͤhlich ſein; der Verdruß muß fliehen vor meinem ſchwarzen Geſicht. Luſtig geſungen, geſprungen; hoch lebe die Freud'!“ Pauw faßte Kaͤthchen um den Leib und wollte mit ihr im Zim⸗ 5 d — — ——— — — — —j 1 128 mer herumwalzen; aber das Muͤdchen widerſtand dieſer freundſchaft⸗ lich en Zudringlichkeit.. Der Anblick des ſchwarzen Kaminfegeranzugs, den er ſelber ſeit ſeiner Kindheik getragen und unter dem er ſo viel Friede und Freude genoſſen hatte, machte auf Vater Smet einen unbeſchreiblichen Ein⸗ druck. Die Thraͤnen kamen ihm in die Augen und er ſchwelgte in ſeligen Erinnerungen. —„Brav, Pauw, ſo iſt's recht, Junge,“ rief er.„Nichts geht uͤber das Kaminfegerhandwerk! Waͤre es mir nicht um deine Mutter, gleich zur Stunde zoͤge ich meine ſchwarzen Kleider wieder an. Ja, Pauw, nur immer luſtig: ſo muß es ſein!“ Die Mutter gebot Stillſchweigen, als wollte ſie etwas Wich⸗ tiges mittheilen. Sie wandte ſich zum Schuhmacher und ihm lächelnd die Hand reichend, fragte ſie ihn: —„Baes Dries, ich hatte geſtern gar vielen Verdruß gehabt und bin etwas barſch und biſſig gegen euch geweſen. Wollt ihr's mir verzeihen? Wollen wir wieder Freunde zuſammen ſein, wie vormals?“ Der Schuhmacher druͤckte ihr mit herzlicher Waͤrme die Hand und erwiederte mit feuchtem Auge: —„Alles iſt vergeben und vergeſſen. Wir hinken ja beide an demſelben Fuß: bald geſprengt, bald aber auch wieder verſoͤhnt. Immerhin ſind wir nicht dazu geſchaffen, um einander gram zu bleiben; ſind wir nicht Spielgenoſſen und Nachbarn von fruͤheſter Kindheit an?“ Frau Smet wandte ſich dann zu Pauw und, nach dem Tiſche deutend, ſprach ſie: —„Pauw, das Geld da hatte dein Vater auf die Seite gelegt, ge in e Hand eide an rſoͤhnt. ram zu üͤheſter diſche gelegt, 129 um fuͤr deine Einrichtung zu ſorgen. Ich ſchenke es dir. Heirathe dein Kaͤthchen, ſobald du kannſt, aber einen Gefallen thue deiner Mutter: bleibet beide bei ihr wohnen. Dem Kaͤthchen ſoll es ge⸗ wiß gut gehen bei mir, und ich werde ihr auch einige Unterweiſung geben können, bis daß meine Erbſchaft aus Holland eintrifft 8 —„Wir wohnen bei euch, liebe Mutter; alle zuſammen bleiben wir in Freundſchaft und Liebe vereint, bis daß der Tod uns ſcheide,“ gab Pauw jauchzend zur Antwort. —„Ja, ja, ſeid mir eine gute Mutter; ich werde mich eurer Liebe ſtets wuͤrdig erweiſen,“ fluͤſterte ihrerſeits das uͤberſelige Maͤdchen. —„Wie iſt das doch moͤglich!“ rief Baeſin Smet faſt mit Be⸗ geiſterung.„Arm ſein, und ſich dennoch ſo gluͤcklich fuͤhlen!“ —„So ſeid ihr wirklich gluͤcklich, Mutter?“ fragte Pauw mit inniger Zaͤrtlichkeit.. —„Fa, ja, Kind, ſei nur immer guter Dinge!“ antwortete die geruͤhrte Frau. —„Nun ſo tanzt und ſingt eins mit!“ frohlockte der Juͤng⸗ ling.„Halten wir ein kleines Proͤbchen von der Hochzeit und ſtim— men wir an das neue Liedchen von Pauwken⸗Frohmuth.“ Indem er ſeinen Eltern, Kaͤthchen und deren Vater die Haͤnde zuſammenlegte, noͤthigte er ſte wirklich alle zu einem Rundtanz. Luſtig drehten ſich Junge und Alte im Zimmer herum, waͤh⸗ rend der Juͤngling aus voller Kehle dazu ſang, daß es auf die Straße hinausſchallte: „Schouwvegers fyn van den A. B. Aerdige gasten, Vrolyke kwasten, Schouwvegers fyn van den A. B. Das Glück reich zu ſein Komt en zingt ons liéken me! Schouwvegers zyn al vieze guiten, Wit van binnen en zwart van buiten: Maer al is hun tronie zwart, Bly en moedig klopt hun hart. Zy klimmen en kruipen, zy vegen en krabben, Zy zingen en springen, zy drinken en slabben Van elke schouw een goede pint. Aep, aep, aep! Vrolyk gezind En allemans vriend!“ Druck der Teubner'ſchen Officin in Leipzig —— ——————— —y————— —