Tara ThnAhAGAMAHnAhdhaAuAAArr 7 Das Abonn Leihbibliothek von Eduard Ottmann in Gießen. Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch 1 Kr. „ franz. od. engl.,„ 2„ ement beträgt: anhanananhnananhuhnhr aar 6 Bücher: 4 Buͤcher: — 2—— 2 fl. 30 Kr. 2 fl.— Kr. 1„ 30„ 1„ 12„ —„ 36 z,—„ 27„ Fjenannunannuhahahnnnhnhahannbnh) ArarT 1 Lararar anhuhnhnhnhr adhnanhnarhüchrnarhnachcarrrar nnanananaar Eranananannh * 1 Das Fideicommiß. Von Emilie Flygare⸗Carlén. Aus dem Schwediſchen. Mit dem Porträt der Verfaſſerin. Fünfter bis letzter Theil. Stuttgart.. Verlag der Franckh'ſchen Buchhandlung. 1844. ————— — 2 Frühſt gewöh nicht e nur z hätten vollen Wang Farbe die we Schm und l mit 9 war, heit, nießen das n keine Im gut, ☛ Erſtes Kapitel. Als der Lieutenant am andern Morgen in das Frühſtückzimmer trat, wohin ſich Iſabelle zeitiger, als gewöhnlich begeben hatte, ſchien er ſelbſt ein nicht un⸗ würdiger Repräſentant des Nebenbuhlers zu ſeyn, den er am Abend vorher kennen gelernt hatte. Richard hatte aber auch in der ganzen langen Nacht kein Auge zugethan. Der wunderliche Einfall konnte als ein ſchlechter Witz angeſehen werden; und wie gerne hätte er ihn nicht als ſolchen angeſehen, wenn ſich nicht eine Menge nur zu deutlicher Umſtände ſeinem Sinne aufgedrungen hätten! Warum ging ſie beſtändig in den geheimniß⸗ vollen rothen Shawl gehüllt? warum erbleichte ihre Wange bisweilen wie an jenem Ballabend bis zur Farbe des Todes? warum bebten oft ihre Lippen, wenn die weißen Zähne darauf drückten, als wollten ſie einen Schmerzenslaut bekämpfen? warum lag ſie ſo gerne und lange im Bette? Es wollte gar kein Ende nehmen mit Richards„warum“? Aber wenn ſie nun alſo krank war, was war es denn für eine ſonderbare Art Krank⸗ heit, die ihr in der Geſellſchaft zu leben und ſie zu ge⸗ nießen erlaubte? Es war nicht die Lungenſchwindſucht, das war klar, denn Iſabelle huſtete nie, auch ſah man keine gefährlichen rothen Flecke auf ihren Wangen. Im Gegentheile, ihre Geſundheit ſchien ſtets gleich gut, ihr Teint behielt ſeine blaſſen Blumen, ihre Stirnen die ſtete weiße Klarheit. Das Fleiſch ſiel nicht ab, ſie klagte nicht, ſie ſchien nicht zu leiden; und doch war es nicht, wie es ſeyn ſollte, darauf wollte Richard ſterben. Der ſchwarze Glanz im Auge hatte ihn immer gepei⸗ nigt; wenn er ſich zeigte, dann war Iſabelle ſich ſelbſt nicht gleich. Welche Qualen litt Richard nicht in dieſer Nacht! Sobald er die Augen ſchloß, war es weder er ſelbſt noch Graf M-—, der Jſaabellens holde Geſtalt um⸗ ſchlang: es war der Knochenmann, der ſie zwiſchen ſeine magern Arme drückte, der ſie an ſeine leere Bruſt preßte, der ſeinen hohlen Mund auf ihre friſchen war⸗ men Lippen legte. Der Angſtſchweiß perlte Richard von der Stirne. Dieſer Rival, an den er nie gedacht hatte, und den Iſabelle grauſam genug geweſen war, ſelbſt ihm zu zeigen— gewiß, damit er einſehen ſollte, wie fruchtlos es ſey, zu lieben— gerade dieſer Nebenbuhler ſteigerte ſein ruhiges, ſchönes Gefühl zur verheerenden Leidenſchaft. War es nicht möglich, mit ihm zu käm⸗ pfen? War es unmöglich, ſie der kalten Umarmung zu entreißen? Unruhig warf er ſich hin und her, und um ſeine Pein noch zu vermehren, wollte es heute Nacht in ſeinem Flügel, wo Klas Malchus Zimmer waren, nicht ſtille werden. Der Baron pflegte ſich ſtets Abends, wenn er vom Souper herabkam, an ſein Inſtrument zu ſetzen; und dann, wenn, wie er glaubte, kein Ohr ihn hörte, athmete er Alles aus, was in ſeiner Seele lebte. Klas Malchus verſchmähte es, in ſolchen Stunden die Kompoſitionen Anderer zu ſpielen: er lebte in ſeinen eigenen, und wenn er einmal in dieſe hineingekommen war, konnte er mehrere Stunden am Klaviere ſitzen, ohne mit einem Gedanken an das Dahinſchreiten der Zeit zu denken. Jeder Laut wurde jedoch bei Richard gehört; und kein Abend verging, wo der Lieutenant nicht von Klas Malchus reichen und ſchönen Melodieen in Schlaf gelullt wurde. Bisher waren ihm dieſe Se⸗ renaden ein wahrer Genuß geweſen, den er hingenom⸗ men ho danken, ſtille ge die Kla ſtanden und w vor, a in ein deſſen i bald go Ar rend w Beſinnn er ma ſchlumr daran, zu ord. die Re gleich wie w gewöhr ſpotten Röthe zu beg und di müths lichen zwung in der 1. hören guter Vertr nicht ich er gepei⸗ ſich ſelbſt eer Nacht! er ſelbſt ſtalt um⸗ zwiſchen kere Bruſt ſchen war⸗ ſchard von lacht hatte, ſelbſt ihm llte, wie ebenbuhler rheerenden zu käm⸗ rmung zu , und um eute Nacht ler waren, ts Abends, rument zu Ohr ihn Seele lebte. tunden die in ſeinen ngekommen iere ſitzen, reiten der ei Richard Lieutenant Melodieen dieſe Se⸗ hingenom⸗ 7 men hatte, ohne ſeinem ſonderbaren Vetter dafür zu danken, denn in dem Falle wäre dieſer ohne Zweifel ſtille geworden; aber in dieſer Nacht wurden die Töne, die Klas Malchus hervorlockte, von Richard nicht ver⸗ ſtanden— ſie tödteten ihn beinahe. Bei ihrem leiſen und wellenähnlichen Säuſeln kam es ihm am Ende vor, als ob ſich Iſabelle mit ihrem ſtummen Liebhaber in einem luſtigen Tanze zu regen beginne, während deſſen ſie ſich allmählig ſelbſt in Luftatome auflöste und bald ganz verwehte. 4 Am Morgen nach dieſer qualvollen Nacht wäh⸗ rend welcher Richards junge wilde Phantaſie mit ſeiner Beſinnung und ſeiner Ruhe durchgegangen war, erwachte er matt und verſtimmt nach einem kurzen Morgen⸗ ſchlummer. Zum erſten Mal fand er kein Vergnügen daran, ſein von Natur ſo ausgezeichnet ſchönes Haar zu ordnen— es war ſchon recht, wie es war— und die Reiſekleider ſchnell um ſich werſend, denn er wollte gleich am Morgen nach Tjällſtorp hinüber, ging er, wie wir ſchon geſagt haben, nach dem Zimmer, wo gewöhnlich gefrühſtückt wurde. Gleichſam um jetzt allen ſeinen Beſürchtungen zu ſpotten, ſaß Iſabelle roth wie eine Roſe da; aber die Röthe war nur flüchtig. Sie ſtand auf, um Richard zu begrüßen. Seine farbloſe Wange, ſein dunkles Auge und dieſer nachläſſige Anzug, der eine entſprechende Ge⸗ müthsbewegung verrieth, machten ſichtlich einen ſchmerz⸗ lichen Eindruck auf ſie. Richard ſagte nur einen er⸗ zwungenen guten Morgen und ſetzte ſich dann ganz ſtille in den Schatten des rothen Fenſtervorhangs. Iſabelle trat zu ihm. „Richard,“ ſprach ſie in einem Tone, der nicht auf⸗ hören wollte, in ſeinem Herzen wieder zu klingen,„mein guter Richard, glaubſt Du, ich hätte Dir ein ſolches Vertrauen geſchenkt, wenn Deine Freundſchaft mir nicht theuer geweſen wäre? Laß mich nie glauben, daß ich Deine Stärke überſchätztel Wenn Du mich lieb haſt, ſo beweiſeſt Du mir dieß am beſten dadurch, daß Du mich nie an den geſtrigen Abend erinnerſt.“ Richard hatte nur noch Zeit, ihre Hand haſtig an ſeine Lippen zu drücken. Der Oberſt trat ein. „Sey kein Narr, Richard,“ rief der Oberſt, als er beim erſten Blick ſeine Vernachläſſigungen wahrnahm, „ſey kein Narr und nimm Dir die Sache nicht ſo zu Herzen! Es zeugt von einer Denkungsart, die Dich ehrt, daß Du ſchon vor dem bloßen Gedanken, Deine hohen Ahnen in ihrer Ruhe zu ſtören, zurückſchauderſt; und ich würde der Letzte ſein, der ſich üͤber Dein ver⸗ ſtörtes Ausſehen wunderte, wenn ein ſolches Unglück eine beſtimmte Nothwendigkeit wäre. Aber wie ich Dir ſchon geſtern Abend ſagte, ich oder vielmehr Klas Malchus will Deinem Vater die erforderliche Summe mit Vergnügen vorſtrecken; denn es waͤre ein Skandal, den ich mir gar nicht denken möchte, wenn man die Zerſtörung der Gruft geſtattete.“ Richard, obſchon zufrieden mit der Art, wie der Oberſt ſein Ausſehen deutete, konnte doch nicht ver⸗ ſprechen, daß ſein Vater ein Anlehen auf Tjällſtorp auf⸗ nehmen würde, um die Gruft zu retten.„Ich zweifle, daß er darauf eingeht, Onkel!“ 8 „Wenn er nur ein Bischen Ehre im Leibe hat, ſo thut er es!“ antwortete der Oberſt und wurde roth. „Und ich ſpreche es offen aus, daß ich für meine Per⸗ ſon, obwohl die Sache mich nicht perſönlich berührt, doch, ſofern der Major mein Schwager iſt, mich auf's Höchſte unangenehm berührt und verletzt fühlen würde, wenn er ſich nicht mit der Achtung, die ein Edelmann ſeinem Geſchlechte ſchuldig iſt, der verwahrlosten Aſche ſeiner Vorfahren annehmen würde!“ Die Sache ward jetzt Baron Klas Prüfung an⸗ heimgeſtellt; aber zum tiefſten Aerger des Oberſten ſchien Klas Malchus ſo gleichgültig dabei, als ob es ſich noch nie um eine unbedeutendere Sache gehan⸗ delt hätte. „Ich Brödchen gleich iſt ſollte er in die Wäre al eine Sa wenigſten ſo viele wahrer( „Es ſachen zu im Ton: „Ja Baron lo Rich Ruhe in Phantaſie lig began ſeine See wältigen ein Glau Worte ar von der bringen Schwachl reich men heit nun aus einer Fälle für danken al hoffte, fa ſich, daß einer un zur Wirk unter ſeir ſein ver⸗ Unglück wie ich hr Klas Summe Skandal, man die wie der lcht ver⸗ orp auf⸗ zweifle, eibe hat, de roth. ne Per⸗ berührt, ich auf's würde, delmann en Aſche ing an⸗ Oberſten ob es gehan⸗ 9 „Ich meine,“ ſagte er, indem er langſam ein Brödchen nach dem andern verzehrte,„daß das ganz gleich iſt! Kann es der Onkel einlöſen, nun warum ſollte er es nicht thun! Niemand hat ein Recht, ſich in die Verwaltung ſeines Vermögens zu miſchen. Waͤre aber der Chor mein, ſo könnten ſie immerhin eine Sakriſtei daraus machen, denn dann wäre es wenigſtens zu etwas niütze. Familienbegräbniſſe, wie ſo viele andere hochtrabende Thorheiten, ſind mir ein wahrer Ekel!“ „Es führt zu Nichts, mit Klas Malchus über Ehren⸗ ſachen zu ſprechen,“ ſagte der Oberſt mit einiger Schärfe im Ton:„Ein Jeder hat ſeinen eigenen Kopf.“ „Ja, Gott ſey Dank, daß es ſo iſt!“ verſetzte der Baron lakoniſch. Richard reiste ab. Die friſche Luft und ein Tag Nuhe in der geliebten Heimath drängten ſeine wirren Phantaſien bald wieder in ruhigere Gränzen. Allmäh⸗ lig begann er ſich ſelbſt darüber zu verwundern, daß er ſeine Seele von einer ſo ungereimten Thorheit hatte über⸗ wältigen laſſen. War denn ein augenblicklicher Einfall ein Glaubensartikel; und wäre auch Iſabelle, wie ihre Worte am Morgen darauf zu beſtätigen ſchienen, ſelbſt von der Wirklichkeit der Idee überzeugt, die ſie ihm bei⸗ bringen wollte, ſo war dieß uur eine ihrer unwürdige Schwachheit, da eine ſolche Sache ganz außer dem Be⸗ reich menſchlichen Wiſſens lag. Aber ob ſie dieſer Schwach⸗ heit nun in Folge einer unglücklichen Prophezeihung oder aus einer andern Urſache huldigte, er hielt es auf, alle Fälle für eine wahre Pflicht, ihren Geiſt von allen Ge⸗ danken abzuleiten, die einen ſo ſonderbaren und wie er hoffte, falſchen Wahn unterhalten konnten. Er erinnerte ſich, daß Menſchen dadurch, daß ſie ſich beſtändig mit einer und derſelben Idee beſchäftigten, dieſelbe endlich zur Wirklichkeit machten; und das Einzige, was Richard unter ſeinem Reiſeleben und den immer wechſelnden Bil⸗ 10 dern deſſelben fürchtete, war eben dieſes Unglück, zu deſſen Bekämpfung er aber alle ſeine Kräfte aufbieten wollte. Ja um ihren Geiſt von ſo finſtern Vorſtellungen zu ent⸗ fernen, wollte er doppelt liebenswürdig werden, ſich dop⸗ pelt unentbehrlich machen: er wollte das Unmögliche thun, um... kein Schnellläufer mißt ſich je mit der Einbil⸗ dungskraſt des Jünglings, wenn er ihr die Zügel hat ſchießen laſſen: ſie geht eben ſo gut auf einer Bahn durch, die aus zufälligen Kombinationen zuſammengeſetzt iſt, als je auf der großen geraden Heerſtraße. Richard wollte ſich doppelt liebenswürdig, doppelt unentbehrlich machen. Er wollte das Unmögliche thun, um ihre Liebe zu gewinnen. Er ſagte wirklich Liebe; denn von einer geheimen Macht unterſtützt, begann er mit lebhafter Be⸗ redſamkeit ſich zu überzeugen, daß Iſabelle, wenn ſie nur erſt heiß und lebendig liebte, gewiß alle Gedanken an den Tod aufgeben würde. Armer Richard! er ſtrengte ſich nicht an zu erfor⸗ ſchen, wie er wohl den Tod vermögen könnte, alle Ge⸗ danken an ſie aufzugeben. Nur einige Nebendinge waren es, die ihn beſchäftigten, wie zum Beiſpiel ſeine Armuth, ſeine geringe Stellung im Leben u. ſ. w. Aber dieſe klei⸗ nen Einwuͤrfe ließen ſich bald beſiegen, wenn er auf der andern Seite ſeine Verdienſte aufmarſchiren ließ, denen er ohne ſonderliche Eigenliebe einigen Werth beilegen durfte. Wäre Iſabelle arm geweſen, ſo wuürde es ſich vielleicht nicht gethan haben, wenigſtens nicht ſo gut; aber da ſie reich wurde, ſo war nichts einfacher, denn bis zu dem Grade ließ er ſeine Zaghaftigkeit nicht gehen, daß er nicht die Verbindung auf beiden Seiten für paſ⸗ ſend hielt. Noch vor wenig Tagen hatte der Lieutenant ganz anders gedacht; aber ſeltſam genug— dieſe Widerſprüche im menſchlichen Herzen ſind zu gewöhnlich, um einer Erläuterung zu bedürfen— ſah er jetzt ſeine früheren vernünſtigen Einwürfe nur für Folgen einer ganz unrich⸗ tigen Auff, Ja es war lich wurde das fühlte um das g⸗ ren. Je Gegenſtand ihm Alles kann, we die er zu leichten S nicht, wi fegte, die fluß von kühlendes Sie der jungen noch, ab⸗ etwas an man brau daß der 2 der raſtlo rechenbare jungen§ Dieſer U hervor; a Ein laſſen hat merräthin gen ihn gemeinſch⸗ Oberſten Sympton dem Gra in dem b Der u deſſen wollte. zu ent⸗ ſich dop⸗ he thun, Einbil⸗ ſigel hat r Bahn engeſetzt Richard ſon einer fter Be⸗ venn ſie Pedanken zu erfor⸗ alle Ge⸗ ge waren Armuth, dieſe klei⸗ auf der 3, denen beilegen es ſich ſo gutz r, denn ht gehen, für paſ⸗ int ganz erſprüche im einer früheren 3 unrich⸗ 5 11 tigen Auffaſſung, eines zu weit getriebenen Stolzes an. Ja es waren keine Hinderniſſe vorhanden, wenn es mög⸗ lich wurde, Iſabellens Herz zu gewinnen. Aber dabei, das fühlte er, mußte er ſehr vorſichtig zu Werke gehen, um das gegenwärtige ſhöne Verhältniß nicht zu zerſtö⸗ ren. Je mehr er ſich indeſſen mit dieſem gefährlichen Gegenſtande beſchäftigte, deſto leichter und klarer erſchien ihm Alles; und glückſelig, wie es ein Menſch nur ſeyn kann, wenn er in Gedanken die Träume durchlebt hat, die er zu verwirklichen hofft, glitt Richard auf ſeinem leichten Schlitten raſch die Straße dahin. Er fühlte nicht, wie ein ſcharfer Nordwind über die große Haide fegte, die er paſſirte; denn er hatte einen ſolchen Ueber⸗ fluß von Waͤrme in ſich, daß ihm der Nord nur wie ein kühlendes Lüftchen vorkam. Sie ſind doch unendlich beneidenswerth dieſe Träume der jungen Hoffnung! Später träumt der Menſch auch noch, aber nicht ſo hehr und frei. Es hängt ſich dann etwas an ſeine Flüge, etwas, das gar viele Namen hat; man braucht ſie nicht aufzuzählen, denn Jedermann weiß, daß der Magnet, der zu wachen Tränmereien hinzieht, der raſtloſeſte Gedanke iſt. Aber von all' dieſen unbe⸗ rechenbaren raſtloſen Gedanken iſt keiner mit denen des jungen Herzens, der jungen Hoffnung verwandt... Dieſer Unterſchied tritt zwar nicht mit einem Male ſo hervor; aber die jungen Gefühle werden leider alt. Ein paar Tage nach dem Richard Tyringsholm ver⸗ laſſen hatte, kam Graf M— auf Beſuch. Die Kam⸗ merräthin ſowohl als der Oberſt und deſſen Frau empfin⸗ gen ihn mit der feinen Artigkeit, welche ſie dieſem Gaſte gemeinſchaftlich widmeten; und der Nachtigallsbaß des Oberſten ſchlug die entzückendſten Triller, um die unruhigen Symptome zu verjagen, die der aufmerkſame Wirth an dem Grafen zu gewahren meinte, bis endlich ſpät Iſabelle in dem blauen Shawle erſchien. Der Oberſt huſtete und ſah auf die Kammerräthin, ——· —j——— 12 die ihrerſeits etwas andächtig zum Himmel aufſah. Es war offenbar, daß zwiſchen den Gedanken der beiden Geſchwiſter eine gewiſſe Sympathie obwaltete. „Hat das gnädige Fräulein die vortreffliche Schlit⸗ tenbahn ſchon verſucht?“ fragte der Graf, nachdem einige allgemeine Bemerkungen vorausgegangen waren. „Ja, ich war geſtern ein wenig außen; aber hier wenigſtens iſt der Schnee ſo ungleich gefallen, daß der Schlitten da und dort in den Boden einſchneidet.“ Der Oberſt bemerkte ein wenig ſpitzig, daß man auf einer Fahrt von einigen Büchſenſchüſſen unmöglich beſtimmen könne, wie die Bahn ſonſt ſey. „Ach!“ verſetzte Iſabelle mit einer Schelmerei, die beinahe etwas böſe genannt werden konnte,„Papa neckt mich mit meinem Abſcheu vor der Kälte! Ich brauche übrigens dem Grafen nicht zu verhehlen, daß ich eine ſchöne Winterlandſchaft lieber durch das Fenſter beſehe, als in dem beſten Schlitten mit den beſten Pferden.“ „Ich wünſchte von Herzen, daß ſie den Aerger, den ſie mir macht, einmal theuer bezahlen möchte?“ dachte der Oberſt, und ſuchte einen Vorwand, um nach dem andern Ende des Saales zu kommen. „Wenn das gnädige Fräulein nur die Kälte fürchtet,“ fuhr der Graf lächelnd fort,„ſo wage ich Sie zu ver⸗ ſichern, daß mein Schlitten ſo gut mit Rennthierfellen verſehen iſt, daß man beinahe unmöglich frieren kann. Und wenn das Fräulein wirklich eine Winterlandſchaft nur durch das Fenſter ertragen kann, ſo können wir ſie ja herablaſſen für den Fall, daß ich ſo glücklich ſeyn ſollte, das Fräulein überzeugen zu können, daß es nir⸗ gends in den Boden einſchneidet.“ „Welcher Takt, welche Beredtheit!“ ſagte der Oberſt bei ſich ſelbſt; aber aus reiner Furcht, die Eigenſinnige möchte beim geringſten Wort von ſeinen Lippen einen neuen Vorwand auffinden, ſah ſich der Oberſt zu ſeiner höchſten Pein genöthigt, dieſe Gefühle zurückzuhalten. — Nur durch ſeine Zufri Iſabel ſie wußte, liebenswür derlegen g er ſichtlich dann zu ü Herrſchaft gedachte, was die B Der durfte, da Namen. prächtigen Feſt für il bekommen. „Aber „denken S es kann l Junggeſelle Der es will, ſ Entweder an. Das daß es Ze eine beſſere Indeſ kleiden, w der Tante tung der verſtehe. Aber Ja ſagte, ſie gewiß: es habe ve das ſchmer ſah. Es r beiden ſe Schlit⸗ em einige ber hier daß der . aß man linmöglich erei, die apa neckt brauche ich eine r beſehe, en. rger, den * dachte ach dem fürchtet,“ zu ver⸗ hierfellen en kann. andſchaft wir ſie einen u ſeiner -uhalten. 13 Nur durch ein Lächeln der Augen konnte er dem Grafen ſeine Zufriedenheit ausdrücken.. Iſabelle fuhr ungerne mit dem Grafen aus; aber ſie wußte, was die Hölichkeit erforderte, und fragte ſehr liebenswürdig, wann der Graf ihre Behauptung zu wi⸗ derlegen gedenke.„Am liebſten gleich jetzt,“ entgegnete er ſichtlich erfreut; denn ich hoffe das gnädige Fräulein dann zu überzeugen, daß eine längere Tour, die ich der Herrſchaft auf uͤbermorgen nach Svärdſö vorzuſchlagen gedachte, nicht im geringſten beſchwerlich ſeyn dürfte, was die Bahn betrifft.“ Der Oberſt, der ſich jetzt endlich wieder ausſprechen durfte, dankte verbindlich in ſeinem und ſeiner Familie Namen. Er ſey ſchon ſo viele Jahre nicht mehr in dem prächtigen Svärdſö geweſen, ſagte er, daß es ein wahres Feſt für ihn ſeyn wuͤrde, es wieder einmal zu ſehen zu bekommen. „Aber, mein beſter Oberſt,“ ſagte der Graf lächelnd, „denken Sie ſich dabei keine Tyringsholmer Arangements; es kann hier nur von einem einfachen Mittagseſſen im Junggeſellenſtyle die Rede ſeyn.“ Der Oberſt dachte:„das Mittageſſen mag ſeyn wie es will, ſo ſind wir doch einmal auf dem rechten Wege. Entweder hält er heute oder morgen in Svärdſö um ſie an. Das gnädige Fräulein hat jetzt ſo lange gewählt, daß es Zeit iſt, eine geſcheidte Parthie zu machen, und eine beſſere kann ſich gar nicht darbieten.“ Indeſſen war Iſabelle aufgeſtanden, um ſich anzu⸗ kleiden, während man anſpannte. Das Ausfahren wird der Tante recht gut thun!“ ſagte ſie, als ob die Beglei⸗ tung der artigen Tante etwas ſey, das ſich von ſelbſt verſtehe. Aber die Kammerräthin, die ſonſt immer zu allem Ja ſagte, äußerte dießmal mit großer Beſtimmtheit, daß ſie gewiß nicht mitgehe. Sie wunderte ſich, daß Iſabelle es habe vergeſſen können, daß ſie den ganzen Tag über das ſchmerzlichſte Zahnweh gehabt habe. —-——,— 14 Iſabelle ſah nun auf ihre Mutter; und der Graf, wiirklich gan zu galant, um zu vergeſſen, was es hier erforderte, ent⸗ wunderung wickelte ein ſolches Ueberredungstalent, daß die Baronin hin und her nicht umhin konnte, ihnen Geſellſchaft zu leiſten, hingenomime Bald ſaßen alle drei in dem bequemen Schlitten, Beim der von zwei feurigen Rappen gezogen wurde. Iſabelle Ehre, auf d liebte die Pferde ſehr, ſie konnte nicht unterlaſſen, ihre zu dürfen. Schönheit zu rühmen. d„Das „Sie ſind in der That ausgezeichnet gut,“ ſagte„ſollte denn der Graf,„und falls die Damen einen Morgenbeſuch in haben, ſeine Tjällſtorp machen wollten, ſo ſtehe ich dafür, daß wir„Die innerhalb einer und einer halben Stunde dort und wieder beſtehen, n in Tyringsholm zurück ſeyn können.“ 4— gehen. De „Ein ſehr angenehmer Vorſchlag,“ bemerkte die da der Obe Baronin;„aber der Beſuch würde, glaube ich, doch eiwas i ſo muß ich, kurz ausfallen.“ wieder hieh „Wenigſtens,“ entgegnete der Graf,„würde er mir Iſabel Zeit genug gewähren, um des Majors zu bitten, die Geſellſchaft Herrſchaft nach Svärdſö zu begleitenz und ich wage, eie ſter. Es halbe Stunde Raſt zu verbürgen.“ Antwort zu „Nicht ganz!“ ſagte Iſabelle.„Erinnern Sie ſich, ſo war es Herr Graf, daß wir wenigſtens je fünf Minuten füur Grafen ger das Ausſteigen und Wiedereinpacken in den Schlitten abziehen müſſen; wir dürfen alſo nur zwanzig Minuten 4 8 für den Aufenthalt im Hauſe rechnen. Aber als Vor⸗ mittagsbeſuch läßt ſich das ſchon hören; und jetzt wollen wir ſehen, wie der Herr Graf ſein Verſprechen hält,“ ſetzte ſie mit einem ermahnenden Blicke hinzu.„Eine Die ¹ Meile in einer halben Stunde— da muß es raſch zimmer. gehen!“ 3 6 Wir Der Graf rief dem Kutſcher zu, und Iſabelle fand i. in einen fo ein großes Gefallen an dem bündigen, aber doch freund⸗ liegen. D lichen Tone, womit er ſprach:„Pilsſon, Du fährſt im Haares ri einer halben Stunde nach Tjällſtorp! Ich habe die Uhr ſuutzt den in der Hand.“ In e „Sehr wohl, Herr Graf!“ antwortete Pilsſon. Füße auf 4 8 Das Fider Baronin Iſabelle ſen, ihre ſagte beſuch in daß wir nd wieder erkte die och etwas de er mir tten, die wage, eine Sie ſich, nuten für Schlitten Minuten ls Vor⸗ 6t wollen len hält,“ .„Eine es raſch belle fand h freund⸗ fährſt in die Uhr ſon. 17 wirklich ganz ſolide nach Hauſe, wo der Oberſt vor Ver⸗ wunderung und Neugierde faſt vergehen wollte, und ſich hin und her beſann, wo die Geſellſchaft wohl den Weg hingenommen haben könnte.. Beim Abſchied Abends erbat ſich der Graf die Ehre, auf der Reiſe nach Svärdſö das Fräulein fahren zu dürfen. „Das kann ich nicht erlauben,“ entgegnete ſie— „ſollte denn der Wirth auch noch die Beſchwerlichkeit haben, ſeine Gäſte holen zu müſſen?“ „Die Geſellſchaft wird aus keinen weitern Gaͤſten beſtehen, meine Gnaͤdigſte, als denen, die von hier ab⸗ gehen. Der Major trifft morgen Abend hier ein, und da der Oberſt die Güte hatte, mich ebenfalls einzuladen, ſo muß ich, da ich einmal der Wirth bin, natürlich auch wieder hieher zuruck. Iſabelle willigte ein. Sie dachte an Mama's Geſellſchaft, den guten Schlitten und die weichen Pol⸗ ſter. Es war kein Grund vorhanden, eine abſchlägige Antwort zu geben. Da ſie ſich dabei zur Seite wandte, ſo war es nur der Oberſt, der die freudige Miene des Grafen gewahkte. Zweites Kapitel. Die Nachtlampe ſchimmerte in Iſabellens Schlaf⸗ zimmer. Wir ſehen ſie zur Hälſte ausgekleidet, und nur leicht in einen faltigen weißen Rock gehüllt auf dem Sopha liegen. Die herrlichen Flechten ihres ſchönen, braunen Haares ringeln ſich über die Schultern hinab, eine Hand ſtützt den Kopf, die andere ruht auf der Bruſt. In einem Lehnſtuhl neben dem Sopha ſitzt, die Füße auf einem bequemen Schemel, Tante Katharine Das Fideicommiß. II, 2 Sophie, und iſt damit beſchäſtigt, einige dunkle Tropfen mit vieler Sorglichkeit aufzugießen und ihrem Liebling anzubieten.„So, mein artiges, liebes Iſabellchen,“ tändelte ſie wie eine Mutter mit ihrem verzogenen Kinde, „jetzt nimmſt Du das, und dann trinkſt Du ein klein wenig Waſſer darauf.“ „Tantchen, es plagt mich unſäglich; überdieß hilſt es ja doch nichts.“ „Ei, ich weiß gewiß, daß es das thut, es hilft zu Vielem! Sey nicht eigenſinnig, mein Kind.— Die Wi⸗ drigkeit geht ja ſchnell vorüber!“ Iſabelle nahm die Theeſchale und verſchluckte ihren Inhalt. Sie trank auch etwas Waſſer; dann aber ſank ihr Kopf auf die Hand zurück. Tante Katharine So⸗ phie ſprach kein Wort, ſondern ſing an, Iſabellens ſchöne Haare hübſch aufzubinden und dazwiſchen die glänzenden Wellen zu ſtreicheln. Ein kleines Stillſchweigen trat ein. „Nun, wie iſt es?“ ſagte die Kammerräthin ſchnell und in ängſtlichem Tone,„wie iſt es, Du armes Kind, das nie weint! Nein, Du großer Gott, das kann ich nicht länger mit anſehen! Aber es iſt, wie ich zum Vor⸗ aus ſagte, die Reiſe nach Kopenhagen taugte nichts; ich habe nie Zutrauen zu den däniſchen Doktoren gehabt, ſeit mein ſeliger Alter unter ihrer Geſchicklichkeit ſein Le⸗ ben laſſen mußte. Nein, nach Paris— dahin hätten wir reiſen ſollen; es gibt nirgends ſo geſchickte Operateurs wie in Paris.“ „Wie mag nur die Tante ſo ſprechen, da die Tante ja beſtimmt weiß, daß die Sache nicht ſo glücklich ge⸗ ſtaltet iſt, um den Gedanken an eine Operation zu ge⸗ ſtatten!“ „Ja, aber es ſollte eben ſo weit kommen; und wenn Du mir nur verſprechen willſt, daß wir nächſten Sommer recht bald—“— „Liebe Tante, laß uns nicht davon ſprechen! War⸗ um ſollen wir uns mit Reiſen plagen? In Paris oder ſonſt wo eben ſo g. „Und teſt Du e Kind! y „Me Tante, es der Heim „Go von Dein Iſabellche etwas ver beſſer mit / wortete durch ein die ihr wollte. „Ni Dich auf M ein „Ab jetzt auf etwas, d „D erinnere Freiers erſpart, „3 hager R wollte n D „ 7,— geändert „3 dunkle Tropfen ihrem Liebling s Iſabellchen,“ rzogenen Kinde, t Du ein klein überdieß hilft t, es hilft zu .— Die Wi⸗ lerſchluckte ihren dann aber ſank Katharine So⸗ Iſabellens ſchöne die glänzenden erräthin ſchnell du armes Kind, „ das kann ich e ich zum Vor⸗ ſugte nichts; ich oktoren gehabt, lichkeit ſein Le⸗ pahin hätten wir Operateurs wie „ da die Tante o glücklich ge⸗ eration zu ge⸗ len; und wenn chſten Sommer prechen! War⸗ in Paris oder 19 ſonſt wo auf der Welt, das iſt ja ganz gleich;z ich kann eben ſo gut bleiben, wo ich bin.“ „Und wenn es wegen nichts Anderes wäre, ſo ſoll⸗ teſt Du es thun, um Deinen Geiſt aufzuheitern, mein Kind!“ wandte die Tante ein. Mein Geiſt befindet ſich hier recht gut. AE. „N Wiſſe nur, Tante, es gefällt mir nach und nach recht ordentlich in der Heimath.“ „Gott gebe, daß ich den Tag erlebte, wo ich Dich ſo von Deiner eigenen Heimath ſprechen hörte! Du weißt, Iſabellchen“— die Kammerräthin erröthete, und ſah etwas verlegen aus—„daß es kein Menſch auf Erden beſſer mit Dir meint, als ich.“ „Das weiß ich, meine gute, geliebte Tante!“ ant⸗ wortete Iſabelle, und ihr Blick, in dem ein Lächeln durch eine Thräne ſchaute, ruhte auf der theuren Tante, die ihr jetzt gewiß etwas ganz Beſonderes anvertrauen wollte. 3 „Nimm es nicht übel, mein gutes Kind, wenn ich Dich aufrichtig frage, ob Du nicht findeſt, daß Graf M ein ſehr hübſcher und ſolider Mann iſt!“ „Aber, wie um's Himmelswillen kommt die Tante jetzt auf den zu ſprechen?“ In Iſabellens Tone lag etwas, das beinahe wie Aerger ausſah. „Du mußt nicht ungeduldig werden, Iſabellchen— erinnere Dich, daß ich nie zu Gunſten irgend eines Freiers geſprochen habe!“ „Deſſen erinnere ich mich ſtets mit Dankbarkeit; und das hat uns auch gewiß manche unangenehme Stunde erſpart, Tantchen!“ 5 „Ja, aber meine Liebe, das war vor der Kopen⸗ hager Reiſe!“ Die Kammerräthin zauderte ſichtlich und wollte nicht recht mit der Sprache heraus. „Die wird doch wohl die Anſichten der Tante nicht geändert haben?“ fragte Iſabelle erſtaunt. „Je nun, in ſo fern, meine Liebe.. 2 ich früher — ꝑ—· ————õ—— 20 immer glaubte... das heißt, ehe ich die Aerzte kon⸗ ſultirte... „Liebe, gute Tante, ich bitte Dich, verſchone mich mit jedem Worte weiter! Will die Tante zu meinen übrigen Qualen auch noch die legen, daß ſie mich mit Heirathsplänen peinigt? Laſſe mich in Gottes Namen in Ruhe!“ Tante Katharine Sophie ſah bittend auf den Ab⸗ gott ihres Herzens.„Wenn Du fort biſt,“ ſagte ſie, und beugte ſchluchzend ihr Haupt,„dann gibt es Nie⸗ mand mehr, der mich lieben und tröſten kann, Niemand, dem ich meine irdiſchen Güter hinterlaſſen mag; wenn Du Dich dagegen vermählteſt, ſo könnte ich doch Hoff⸗ nung haben, noch einmal ein liebes Weſen aufziehen zu dürfen.“ „Liebes Tantchen, gib dieſe wunderlichen Wünſche auf! Wer weiß, ob die Tante mich zu betrauern braucht! Und gewiß würde auch in dieſem Falle meine zärtliche und edle Tante nicht ſo ſelbſtſüchtig ſeyn, um zu ver⸗ langen, daß ich die Qualen verdoppelte, unter denen ich ja doch mein Leben laſſen muß, nur um der Tante dieſe ungewiſſe Freude zu ſchenken. Wenn es ſchon hart iſt, die Erde mit ihren vielen, erſt geahnten Freuden ſo jung verlaſſen zu müſſen, wie weit bitterer wäre es nicht, wenn ich einen trauernden Gatten und ein ſchutzloſes Kind darauf zurückließe! Nein, Tante, verſuche mich nicht ſo!“ „Dich verſuchen— es iſt alſo doch eine Berſuchung!“ rief Tante Katharine Sophie mit triumphirendem Tone und funkelnden Augen.„O mein Gott, es iſt ſchon viel, daß ich die Freude erlebe, Dich das anerkennen zu hö⸗ ren! Ich habe wirklich geglaubt, liebe Iſabelle, Du ſeyeſt nicht wie andere Menſchen; ich bildete mir ein, Dein Herz könne die Bande nicht lieben, die ſonſt das höchſte Glück, die höchſte Ehre des Weibes ausmachen.“ Iſabelle wendete ihr Geſicht hinweg, und es lag gerade keine beſondere Weichheit in ihrer Stimme, als ſte antwortete:„Die Tante nimmt alles buchſtäblich— dieſe Band iſt zweierle und ich. „Liebe mehr!“ be wiſſen, ob „Neit brav, ſehr „Nun ſagte die Entzückens Ihr gutes ten, daß il verderbliche ſie herzlich ſicher! I⸗ ſelbſt nicht dem Tode „Aber keine Könt bedenke, würdeſt!“ „Gan ſchneidende Freundin ſo leicht d ſie ſchob d Taille um Frau auf die arme ſchweren das heißt jetzt nichts es bald ſe ſeyn wird „Got ie Aerzte kon⸗ verſchone mich te zu meinen ſie mich mit tes Namen in auf den Ab⸗ ſt,“ ſagte ſie, gibt es Nie⸗ nn, Niemand, mag; wenn ſich doch Hoff⸗ k aufziehen zu ichen Wünſche kauern braucht! meine zärtliche um zu ver⸗ uter denen ich der Tante dieſe ſchon hart iſt, reuden ſo jung es nicht, wenn hutzloſes Kind ich nicht ſo!“ Berſuchung!“ irendem Tone iſt ſchon viel, Innen zu hö⸗ Iſabelle, Du hete mir ein, die ſonſt das ausmachen.“ und es lag Stimme, als ſuchſtäblich— 21 dieſe Bande lieben können, und ſie wirklich lieben, iſt zweierlei. Das Letztere iſt bei mir nicht der Fall, und ich.. „Liebes Iſabellchen, ſprich jetzt heute Abend nichts mehr!“ bat unſere gute Frau beweglich.„Laß mich nur wiſſen, ob Du etwas Beſonderes gegen Graf M— haſt?“ „Nein, nicht das Geringſte, Tante! Er iſt ſehr brav, ſehr angenehm.“ „Nun wollen wir zur Ruhe gehen, mein Kind!“ ſagte die Kammerräthin mit einem Tone verhaltenen Entzückens, der Iſabellen zugleich quälte und beunruhigte. Ihr gutes und warmes Herz konnte jedoch nicht geſtat⸗ ten, daß ihre beſte und zärtlichſte Freundin in einem ſo verderblichen Irrthum ſchwebte.„Liebes Tantchen,“ ſagte ſie herzlich,„mache keine Pläne, denn ſie ſtranden ganz ſicher! Ich will keinen Mann betrügen, und auch mich ſelbſt nicht durch falſche Vorſpiegelungen täuſchen. Mit dem Tode im Herzen wäre dasemeiner unwürdig.“ „Aber, meine Kleine, die Worte eines Arztes ſind keine Königsworte, noch weit weniger Gottesworte— bedenke, wenn Du dann beſſer, vielleicht ganz geſund würdeſt!“ „Ganz geſund?“ rief Iſabelle in einem Tone, deſſen ſchneidender Mißlaut tief in die Seele ihrer betrübten Freundin fuhr.„O glaube ja nicht, Tante, ich komme ſo leicht davon, weil ich nicht klage! Fühle hieher“— ſie ſchob das leichte Nachtkleid bei Seite, das ihre feine Taille umſchloß, und legte die zitternde Hand der guten Frau auf ihre linke Seite—„fühlſt Du, Tante, wie die arme Haut hier vor Schmerz zuckt? Mit einer ſo ſchweren Stunde, wie dieſe, erkaufe ich die ſchmerzfreien, das heißt die, wo der Schmerz nur nagt. Und ſprich jetzt nichts mehr davon, daß es gut werden könne, bis es bald ſehr ſchlimm— weit, weit ſchlimmer als jetzt ſeyn wird!“ „Gott allein weiß,“ ſagte die arme Kammerräthin, *—— — 8 22 die alle Heirathsgrillen jetzt eilig verlaſſen hatten,„wie Du eine ſolche Stärke und ſo viel Beharrlichkeit haben kannſt, mein Kind, um Deine Schmerzen zu verſchweigen!“ „Das werde ich thun, bis ich das Bett nicht mehr verlaſſen kann, denn dann iſt es noch Zeit genug dazu. Es iſt mein höchſter Genuß, daß Niemand als Gott und die Tante weiß, was ich leide und leiden werde. Be⸗ denke nur, welches Weſen und welcher Lärm, welche Zerſtörung und Unordnung es nicht im ganzen Hauſe geben würde, wenn mein Ünglück bekannt würde! Das kann leider nicht vermieden werden, wenn ſich Jemand zu einer ordentlichen Krankheit niederlegt, die ihm nach einigen Tagen, vielleicht in jeder Minute den Tod brin⸗ gen kann. Wenn man ihn dagegen Jahre lang in der Perſpektive hat, ſo ſoll man das Glück und die Wohl⸗ fahrt Anderer nicht zerſtören, um das Schlimmſte und Nutzloſeſte von Allem zu gewinnen, Theilnahme und Mitleid.“ „Ach mein Kind,“ ſagte die Kammerräthin in müt⸗ terlicher Unruhe,„ich fürchte, Dein Geiſt iſt zu ſtolz, um ſich ernſtlich von dieſer Welt abwenden zu können. Sollte die Theilnahme der Eltern und Freunde das Schlimmſte von Allem ſeyn?“ „Ja, ſo meine ich; denn wozu nützt ſie? Wenig⸗ ſtens nicht, um die Qualen zu lindern. Es wäre ebenſo unwürdig als ſchwach von mir, wenn ich Tyringsholm in ein Trauerhaus verwandeln wollte. Möchte die Tante, daß meine Angehörigen Jahre lang umhergingen und warteten, und endlich— denn was iſt natürlicher— wünſchten, daß die beſtändige Unruhe ein Ende nähme? Möchte die Tante meine Mutter, die ſchon zum Voraus ſchwach und zäértlich iſt, vollends ganz unter dem Kum⸗ mer zuſammenbrechen ſehen? Möchte die Tante die kurze Freude meines Vaters zerſtören— er wird ja bald ge⸗ nug ihre Vergänglichkeit gewahren. Nein, meine gute und zärtliche Tante, das iſt nichts Begehrenswerthes! So lange meine Seele den Körper beherrſchen kann, will ich nicht bekla Acquiſition fü den; denn ic geliebt, die m Furore macht „Aber, Fall ſeyn; D Ohnmachten „Nein, nen Fall dur⸗ nur noch ein fehlen anfäng mich Nieman „Gott v. aber ich glau im Stande n „Nicht a wohl verlaſſe Qualen ich l einrichten, da zu vielen Abe „Wir h verlebt,“ ſpro ſagen, Iſabel ſtanden, und ſollten, ohne hart. Kaum wünſchte, al Nimm Dich Herrn nicht Stolz wird Tag erlebſt, anderes über keine Macht, ſo froh ſeyn, ausweinen un denn die Lieb atten,„wie ſichkeit haben ſerſchweigen!“ ſt nicht mehr genug dazu. ls Gott und werde. Be⸗ ärm, welche anzen Hauſe pürde! Das ſich Jemand ie ihm nach n Tod brin⸗ lang in der die Wohl⸗ hlimmſte und lilnahme und thin in müt⸗ iſt zu ſtolz, zu können. Freunde das ſie? Wenig⸗ wäre ebenſo Tyringsholm te die Tante, rgingen und atürlicher— Ende nähme? zum Voraus dem Kum⸗ ite die kurze ja bald ge⸗ meine gute renswerthes! n kann, will ich nicht beklagt werden. Ich will noch wie eine große Acquiſition für dieſe Welt gefeiert und bewundert wer⸗ den; denn ich habe die hektiſchen Romanheldinnen nie geliebt, die mit ihren Nervenzufällen, Ohnmachten u. ſ. w. Furore machten.“ „Aber, Iſabellchen, das kann bei Dir ja nicht der Fall ſeyn; Du biſt ja nicht hektiſch und auch nicht mit Ohnmachten geplagt?“ „Nein, Gott ſey Dank; aber ich will mich auf kei⸗ nen Fall durch Kränklichkeit intereſſant machen, ſo lange nur noch ein wenig Leben in mir iſt; und wenn das zu fehlen anfängt, ſo will ich für mich ſelbſt ſeyn, dann wird mich Niemand ſehen.“ „Gott verzeih' mir, daß ich ſo ſpreche, liebes Kind, aber ich glaube wahrhaftig, daß Du aus reiner Eitelkeit im Stande wäreſt— allein zu ſterben.“ „Nicht aus Eitelkeit, Tante, denn die wird mich dann wohl verlaſſen haben; aber weil ich ſo recht ahne, welche Qualen ich leiden werde, möchte ich es zum Voraus ſo einrichten, daß ich ſie nicht auf den Geſichtern Anderer in zu vielen Abdrücken ſähe.“ „Wir haben jetzt ſo viele ſchöne Jahre zuſammen verlebt,“ ſprach die gute Frau ernſt,„aber ich muß Dir ſagen, Iſabelle, ich habe mich nie recht auf Dich ver⸗ ſtanden, und der Gedanke, daß wir uns auch trennen ſollten, ohne daß ich die Freude gehabt hätte, iſt recht hart. Kaum eben ſprachſt Du, wie ich Dich zu hören wünſchte, aber jetzt biſt Du wieder ganz wunderlich. Nimm Dich wohl in Acht, mein Kind, daß Du den Herrn nicht verſuchſt! Er hat mancherlei Ruthen! Dein Stolz wird noch gedemüthigt werden; und wenn Du den Tag erlebſt, was Du gewiß thuſt, wo Dein Herz ein anderes über Alles in der Welt liebt, dann haſt Du keine Macht, Dein eigenes zu verhüllen. Du wirſt dann ſo froh ſeyn, Deinen Kummer theilen, Deinen Schmerz ausweinen und feyn zu dürfen, wie andere Leute auch; denn die Liebe macht Alle gleich. Und glaube meinen *——C——* 24 Worten, es wird Dir dann gewiß zum größten Troſte ge⸗ reichen, wenn Du den Geliebten bei Deinem letzten Kampfe um Dich haben kannſt!“ „Daran zweiſle ich ſehr,“ erwiederte Iſabelle mit Bedacht.„Die tiefe und wahre Liebe leidet am liebſten allein.“ „ Ja in der Einbildung, aber nicht in der Wirklich⸗ keit,“ meinte Tante Katharine Sophie.„Aber jetzt mußt Du zu Bette, mein Kins! Komm, laß mich Dir helfen!“ Als Iſabelle endlich in der Stille der Nacht allein ſeyn durfte, trat ihr geiſtiges Ich vor den Richterſtuhl, wo jeder Schleier fällt. Tief war der Seufzer, demüthig das Gebet, heiß die Thräne, die langſam über ihre Hand rollte. Aber weder Seufzer, noch Gebet noch Thräne hemmte die unruhige Bewegung, die ſie bisweilen in der Einſamkeit heimſuchte. Dieſe unruhige Bewegung ent⸗ ſprang aus einem Iſabellen ſonſt fremden Gefühl, näm⸗ lich der Reue. Obwohl es ſcheinen konnte, als laſſe ſie ſich oft von der Laune des Moments leiten, ſo war dieß doch ſelten der Fall: denn auch bei ihren Launen hatte ſie eine beſtimmte Abſicht und Willen. Aber einmal— und das war es, wos ſie bereute— hatte die Macht des Augenblicks ſie zu einer Handlung verleitet, die ſie un⸗ geſchehen wünſchte, nämlich zu jenem ſchnell gefaßten Entſchluß, Richard einen Grad des Vertrauens zu ſchen⸗ ken, der vielleicht nicht nur überflüſſig geweſen war, ſondern ſogar unangenehme Folgen haben konnte. Sie forſchte in ihrem Herzen nach der Veranlaſſung jener Schwachheit; denn in dieſer Schwachheit ſelbſt, womit ſie Richards Gefühlen zuvorkam, lag eine gewiſſe Theil⸗ nahme, die ſie gegenüber von den Empfindungen eines Andern nicht gezeigt hätte. Alles das beunruhigte ſie, und erzeugte einen Zuſtand der Unzufriedenheit mit ſich ſelbſt; vielleicht fühlte ſich auch ihr Stolz etwas dadurch verletzt, daß ſie einer unbedachten Handlung die bittere Ueberzeugung zu danken hatte, daß es einen halben Ver⸗ trauten ihres Geheimniſſes gab. Und doch mußte ſie, wenn ſie dieſ trachtete, zug ſollte die wa Altare opfern mußte alſo z verſöhnen. mer auf den Tiefe ihrer G zu ſuchen, 4 ſachunes ler Morgen Die D Iſabelle wol geſchloſſenen zu ihrer e daß der Gr hübſchen off ſonen Raun „Verda in's Ohr. ſtehe ich!“ Graf digung. D nicht in gu Wetter her wünſchen ke auf keine T Schlitten f ſeine Geſch Natür ſaß denn? wohl ausf Pelze here Oberſt, d fuhr, eröff im Kappſe und war ßten Troſte ge⸗ letzten Kampfe Iſabelle mit et am liebſten der Wirklich⸗ ber jetzt mußt Dir helfen l“ Nacht allein Richterſtuhl, fzer, demüthig ber ihre Hand noch Thräne sweilen in der ewegung ent⸗ Gefühl, näm⸗ als laſſe ſie ſo war dieß Launen hatte er einmal— die Macht des ,„ die ſie un⸗ hnell gefaßten ens zu ſchen⸗ geweſen war, konnte. Sie llaſſung jener ſelbſt, womit gewiſſe Theil⸗ dungen eines unruhigte ſie, heit mit ſich etwas dadurch g die bittere halben Ver⸗ ) mußte ſie, 25 wenn ſie dieſelbe Handlung in ihrem ſchönſten Lichte be⸗ trachtete, zugeſtehen, daß ſie ihrer würdig war: Richard ſollte die warme Flamme ſeines Herzens nicht auf einem Altare opfern, der ſie nicht empfangen konnte. Die Reue mußte alſo zurückweichen; ſie wollte ſich mit ſich ſelbſt verſöhnen. Aber ein Funke des Zweifels blieb noch im⸗ mer auf dem Boden zurück. Wir wagen es nicht, in die Tiefe ihrer Seele zu tauchen, um dort nach einem Grunde zu ſuchen, den ſie ſelbſt noch nicht gefunden hatte... Gutes Wetter, eine glatte Bahn und ein ſonnenhel⸗ ler Morgen begünſtigten die Fahrt nach Svärdſö. Die Damen ſtanden ſchon in ihren Pelzen da, und Iſabelle wollte eben Virginien bitten, mit ihr in dem geſchloſſenen Schlitten des Grafen zu fahren, als es ſich zu ihrer eben nicht angenehmſten Ueberraſchung zeigte, daß der Graf heute keinen geſchloſſenen, ſondern einen hübſchen offenen Schlitten hatte, wo nur für zwei Per⸗ ſonen Raum war. „Verdammt ſchlau!“ flüſterte der Oberſt ſeiner Frau in's Ohr.„Jetzt kann ſie ihm nicht entgehen, dafür ſtehe ich!“ Graf M— bat Iſabellen tauſendmal um Entſchul⸗ digung. Der geſchloſſene Schlitten war unglücklicherweiſe nicht in gutem Stande erfunden worden; da aber das Wetter heute das glücklichſte war, das man ſich nur wünſchen konnte, ſo, hoffte er, würde es dem Fräulein auf keine Weiſe übel bekommen, wenn ſie in dem offenen Schlitten führe. Er bekäme dadurch auch Gelegenheit, ſeine Geſchicklichkeit als Kutſcher zu zeigen. Natürlich war dagegen nichts einzuwenden; und ſo ſaß denn Iſabelle bald an Graf M— s Seite in dem wohl ausſtaffirten Schlitten, und er allein ſtopfte die Pelze herab und machte es warm um ſie her. Der Oberſt, der die übrigen Damen im großen Schlitten fuhr, eröffnete den Zug; und der Major ſchloß ihn allein im Kappſchlitten. Klas Malchus hatte ſich entſchuldigt und war zu Hauſe geblieben. „Jetzt möchte ich ein Sprachrohr haben, und hören, was der Graf ihr ſagt!“ wünſchte der Oberſt. Wäre dieſer Wunſch aber in demſelben Augenblicke in Erfüllung gegangen, ſo wäre der Oberſt gewiß ein wenig verblüfſt und in ſeinen Hoffnungen verwirrt worden, denn der Graf ſagte eben zu ſeiner Nachbarin:„Wie anziehend doch Fräulein Virginie iſt! Ihr Aeußeres blendet nicht wie ein Blitz, aber man wird warm bei ihrem Anblick. Und ihr anſpruchloſes Weſen iſt ſo liebenswürdig, daß man es nicht ſehen kann, ohne darüber erfreut zu ſeyn, daß ſich in dieſer Zeit noch hie und da ein ſo ſeltener Reiz erhält.“ Iſabelle hatte eine zu große Achtung vor ihrem Reiſegefährten, um einen Augenblick zu glauben, daß ſein Rühmen ihrer Couſine darauf berechnet ſey, ihren eige⸗ nen Neid und ihre Eiferſucht zu erwecken; und ſie hatte um ſo weniger Urſache, dem Grafen einen ſo niedrigen Beweggrund zuzutrauen, als er Virginien immer einen hohen Grad von Aufmerkſamkeit bewies. Ja es waren ſogar Einige, die glaubten, er habe in der Wahl ge⸗ ſchwankt. Iſabelle freute ſich indeſſen aufrichtig darüber, Vir⸗ giniens gute Eigenſchaften von ſo würdigen Lippen preiſen zu hören.„Und doch,“ ſagte ſie lebhaft,„fennt ſie der Herr Graf erſt nicht einmal näher. Man muß lange mit meiner lieblichen Couſine zuſammen ſeyn, um alle ihre Vorzüge recht würdigen zu lernen, denn ſie hat die ſeltene Eigenſchaft, in ihrem häuslichen Leben täglich neue zu entwickeln. Gleichwohl iſt ſie kein ſogenanntes Tugend⸗ muſter, das in Allem, was Andere thun, etwas Unrechtes ſieht. Virginie iſt immer verträglich; ſie iſt eben ein Inbegriff alles Schönen und Guten.“ „Und wie viel Schönes und Gutes muß nicht die beſitzen, die ſo viele und große Vorzüge an Andern ſieht!“ ſagte der Graf warm und beugte ſich etwas gegen Iſa⸗ belle hin. „Deßhalb eben nicht viel, weil ſie nur gerecht iſt, ſollte ich mein Tone, der die rieth, die in d ärtlicheren zärt Der Gr genblicke lang Kette waldbed öden Haide h vor, denn die der Seäne er einige ſchnee⸗ don Rauchſa größeren D mit ihren gr Tannen ihren „Jeder und waſſerhe ihren Locken grünen Kror „Erſtar Natur!“ ſpr „Ich ſe und deßhalb terkleid wie Aus de ſich der Ob Grafen M⸗ und wenn ſichtigte, ſt ſih Hinreiſe ein Korb beſchenkt w geworden, „Seh⸗ wir Svärd Architektur Gott will, „ und hören, berſt. Waͤre in Erfüllung nig verblüfft 1/ denn der ie anziehend blendet nicht rem Anblick. würdig, daß ſeut zu ſeyn, i ſo ſeltener vor ihrem ben, daß ſein ihren eige⸗ ind ſie hatte ſo niedrigen ſimmer einen ſa es waren r Wahl ge⸗ rüber, Vir⸗ ppen preiſen kennt ſie der muß lange um alle ihre at die ſeltene ch neue zu es Tugend⸗ 8 Unrechtes t eben ein nicht die dern ſieht!“ gegen Iſa⸗ gerecht iſt, 27 ſollte ich meinen!“ Sie ſprach dieſe Worte in einem Tone, der die Verlegenheit eines jungen Mädchens ver⸗ rieth, die in dem ſchon Geſagten die Einleitung zu einer zärtlicheren Erklärung ahnen konnte. Der Graf widmete ſeine Aufmerlſamkeit einige Au⸗ genblicke lang der ſchönen Winterlandſchaft. Durch eine Kette waldbedeckter Hügel fühntez der Weg nach einer ſonſt öden Haide hinab; heute aber keit dieſe Oede nicht her⸗ vor, denn die weiße hartgefrorene Fläche ſtrahlte ſpiegelhell der Sonne entgegen. Weit im Hintergrunde zeigten ſich einige ſchneebedeckten Dächer, aus deren Schornſteinen hohe Rauchſäulen aufſtiegen. Die Häuſer gehörten einem größeren Dorfe an, und in ihrer Nähe lag eine Kirche mit ihren grauen Mauern, gegen welche ein paar einſame Tannen ihren einförmigen Gruß hinnickten. „Jeder Zweig ſtrahlt von Juwelen, die prächtiger und waſſerheller ſind, als je eine Schönheit welche in ihren Locken trug,“ ſagte der Graf und deutete auf die grünen Kronen mit ihren Millionen gefrorener Perlen. „Erſtarrte Thränen auf dem großen Leichentuch der Natur!“ ſprach Iſabelle. „Ich ſehe am liebſten die lichte Seite der Dinge, und deßhalb erſcheint mir die Natur auch in ihrem Win⸗ terkleid wie zu einem frohen Brautfeſt geſchmückt.“ Aus den angeführten Probeſtücken erhellt klar, daß ſich der Oberſt bedeutend verrechnet hatte, wenn er den Grafen M= ſchon mitten in den Freiersgeſchäſten glaubte; und wenn dieſer auch für heute vetwas derartiges beab⸗ ſichtigte, ſo wählte ein ſo weltkluger Herr gewiß nicht die Hinreiſe. Anſtatt des Jaworts konnte möglicherweiſe ein Korb in Bereitſchaft ſeyn; und mit einem ſolchen beſchenkt wäre es vielleicht auch einem Diplomaten ſchwer geworden, einen artigen Wirth zu ſpielen. „Sehen Sie, mein gnadiges Fräulein, da haben wir Svärdſö! Es beſitzt weder Tyringsholms prächtige Architektur, noch Tjällſtorps kokette Anmuth; aber ſo Gott will, ſoll es doch eine komfortable Heimath wer⸗ den, wenn ich meine Reparationen und Verbeſſerungs⸗ pläne beendigt habe.“ „Das Aeußere iſt ſehr einladend, und das Innere gewiß behaglich, da der Herr Graf es zu ſeinem Winter⸗ aufenthalt gewählt hat.“ „Sagen Sie nicht ſo; deßhalb braucht es eben nicht ſo behaglich zu ſeyn. Ich lege viel Werth auf eine gute Jagd und vor Allem auf gute Nachbarn. Svärdſö beſitzt Beides; und wenn man ſich zudem— wie es jetzt beinahe mit mir der Fall iſt— von den öffentlichen Ge⸗ ſchäften zurückgezogen hat, und das ermüdende Leben in einer großen Stadt nicht liebt, ſo iſt man recht froh, bei herannahendem Alter einen ſolchen Zufluchtsort im Rück⸗ halt zu haben.“ „Bei herannahendem Alter?“ wiederholte Iſabelle mit einem artigen Lächeln.„Damit wollen Sie ſagen, daß wir den Herrn Grafen noch nicht ſo bald unter unſre Nachbarn zählen dürfen?“ „Hüten Sie ſich zu ſchmeicheln, meine Gnädige! Schmeicheln von ſo ſchönen Lippen nährt kühne Gedan⸗ ken. Ich ſollte doch meinen, daß das herannahende Alter ſchon ſo ziemlich vor der Thüre iſt, wenn man ſich den Fünfzigern nähert.“ Iſabelle unterdrückte mit Mühe einen Ausdruck des Erſtaunens. Der Oberſt hatte ihr geſagt, jener ſey kaum vierzig;z und es muß zugegeben werden, daß man den Grafen nicht wohl auf einer für einen alten Junggeſellen ebenſo gefährlichen Stufe wähnen konnte, wie die fünf⸗ undzwanzig für ein Mädchen ſind. „Fünfzig— das hätte ich nicht geglaubt!“ „Noch nicht ganz, mein Fräulein! Wenn man ſo weit iſt, darf man nicht ſo über Bauſch und Bogen rechnen. Haben Sie die Güte und bemerken Sie, daß ich ſagte: Wenn man ſich den Fünfzigern nähert, das will ſo viel heißen, wenn man ſeine acht⸗ oder neun⸗ undvierzig iſt. Das iſt ſchon vollauf genug, fürchte ich.“ Der Schlitten hielt jetzt vor der breiten Treppe, wo der Oberſt nung betraf, ein ausgezeich virt, worauf die Einrichtun nicht geringer geſchehen ſollt Miene die A ugsweiſe mu lans Der Ob ſo, obſchon er — Allem a ſeiner Zufried unvereinbar rühmte. Das Di einem reichen der ſich und überdieß auf zu ſagen. 2 ſervice, die a⸗ feuer geſetzt! das! Nicht blicken laſſen Das Silber in dem Dop jetzt erhob ſ ſcheiden war. machen? E. man den 2 laſſen, dam Graf hatte „Stelle Verbeſſerungs⸗ d das Innere einem Winter⸗ t es eben nicht auf eine gute rn. Svärdſö —½ wie es jetzt ffentlichen Ge⸗ ende Leben in recht froh, bal ort im Rück⸗ ine Gnädige! kühne Gedan⸗ nahende Alter man ſich den Ausdruck des ener ſey kaum aß man den Junggeſellen ie die fünf⸗ t! 7 un man ſo und Bogen 1 Sie, daß ihert, das oder neun⸗ fürchte ich.“ en Treppe, 29 wo der Oberſt, was eine bewegte und vielfältige Bedie⸗ nung betraf, ſeine Augenweide bekam. Der Graf war ein ausgezeichnet artiger Wirth. Er ſchien ſich zugleich an Alle zu vertheilen; und es gab Niemand, der nicht die ſchmeichelndſte Aufmerkſamkeit erhielt. In Erwartung des Mittageſſens wurden verſchiedene Erfriſchungen ſer⸗ virt, worauf der Graf ſeine Gäſte herumführte und ihnen die Einrichtung der Zimmer zeigte; dabei ſprach er mit nicht geringer Weitläufigkeit uüͤber das, was noch weiter geſchehen ſollte, und nahm mit heiterer und freundlicher Miene die Artigkeit und Rathſchläge hin, die abwechs⸗ lungsweiſe mit einfloßen. Der Oberſt war entzückt und erſchien auch äußerlich ſo, obſchon er,— es wäre eine Sünde, es nicht zu ſagen — Allem aufbot, um alle überflüfſigen Aeußerungen ſeiner Zufriedenheit zurückzuhalten, da er ſie für ganz unvereinbar mit dem feinen Takte hielt, deſſen er ſich rühmte. Das Diner war ſo ausgezeichnet, als man es bei einem reichen gräflichen Junggeſellen erwarten konnte, der ſich und ſeinen Geſchmack ein wenig gerne zeigt, und überdieß auf Freiersfüßen ſteht. Darüber iſt alſo nichts zu ſagen. Aber nun kam die Platte mit dem Kaffee⸗ ſervice, die auf einen Tiſch neben dem praſſelnden Kamin⸗ feuer geſetzt wurde. Ei wie ländlich, wie gemüthlich war das! Nicht ein Schimmer von ſteifem Weſen durfte ſich blicken laſſen— man ſollte es ſich recht wohl ſeyn laſſen. Das Silber und das oſtindiſche Porzellain ſchimmerten in dem Doppelſcheine der Sonne und des Feuers. Aber jetzt erhob ſich eine Frage, die nicht ſo leicht zu ent⸗ ſcheiden war. Welche von den Damen ſollte die Wirthin machen? Es wäre freilich am beſten geweſen, wenn man den Bedienten mit der Platte hätte herumgehen laſſen, damit ſich ein Jeder ſelbſt bediente; aber der Graf hatte ſeine kleine Kapriſen, ſo gut wie andere Leute. „Stelle die Platte hin, Löfſtedt; wir werden uns ſelbſt bedienen!“ und auf einen gnädigen Wink verſchwand der dienſtbare Geiſt. Und jetzt wurde jene kitzliche Frage aufgeworfen, Die Platte ſtand da und wartete auf Erlöſung. „Dieß iſt jetzt doch ſo handgreiflich, als es nur ſeyn kann,“ dachte der Oberſt— Gott laſſe ſie nur auf keinen Unrath verfallen!“ Und kaum hatte ſich die väterlicht Furcht in einem halben Seufzer Luft gemacht, als Iſa⸗ belle ſcherzend ſagte:„Ich ſehe wie der Herr Graf in Wahl und Qual iſt, welcher von uns fünf Frauenzim⸗ mern er dieſen Vertrauensdienſt anbieten ſoll, ich ſchlage daher vor, ihn herauszulooſen.“ Graf M-s Takt ließ Niemand den kleinen Aerger gewahr werden, den er bei dieſem Vorſchlage empfand, den als den beſten und ſinnreichſten zu preiſen ihn die Artigkeit nöthigte. Sogleich ward ein Stück Papier in zierliche Streifen von ungleicher Größe zerſchnitten, und nachdem ausgemacht war, daß die, welche den kleinſten erhielte, das Amt der Wirthin übernehmen ſollte, bekam der Oberſt als der Langfingerigſte in der Geſellſchaft den Auftrag, die Looſe herumzubieten, die er mit dem um⸗ ſtändlichſten Scharfſinn zwiſchen Daumen und Zeigefinger in der Hand barg, ſo daß nur die Breite eines Stroh⸗⸗ halms von jedem erſchien. Nachdem die Damen ihre Looſe gezogen hatten, ent⸗ ſtand ein kleines Stillſchweigen, ehe man die ſibylliniſchen Streifen verglich; aber bald löste ſich das dunkle Räth⸗ ſel und zum höchſten Verdruſſe des Oberſten— er hatte doch die Looſe ſo ſchön geordnet— war es Virginie, die das Schickſal auserſehen hatte, in Svärdſö die Wir⸗ thin zu ſpielen. Sie ſtand ohne Ziererei auf, und ward von dem Grafen mit ausgezeichneter Artigkeit an den Tiſch ge⸗ führt, wo er ſie einlud, den hingeſtellten Seſſel einzu⸗ nehmen. Er ſelbſt ſtellte ſich hinter denſelben, um ihre Befehle zu empfangen. verſicherte, Nie hatte der Oberſt, wie er auf dem Heimwege zige, was i Hoffnung, de und Iſabelle übertreffliche haupten, ſe zuführen, ſen ſey. Allein für den Ob und die Ei als man nu doch nicht lichen Ahnu ker aufdrän verbergen 3 jie jetzt wo ſ Igegen mantik ihre will dann y ſtrich zwiſch Bei ih⸗ paket das C den Briefen der ſein Er chard,“ ſag⸗ er ſchreibt, Man darüber. 2 offenbar m. Major laus Ein l werde, wer Schmerz ir zugezogen. Recht der Wink verſchwamd ge aufgeworfen. ſung. als es nur ſeyn nur auf keinen h die väterliche nacht, als Iſa⸗ „Herr Graf in ünf Frauenzim⸗ ſoll, ich ſchlage kleinen Aerger chlage empfand, preiſen ihn die ſtück Papier in erſchnitten, und he den kleinſten n ſollte, bekam Geſellſchaft den mit dem um⸗ und Zeigefinger e eines Stroh⸗ jen hatten, ent⸗ die ſibylliniſchen s dunkle Räth⸗ ten— er hatte r es Virginie, ärdſö die Wir⸗ ward von dem den Tiſch ge⸗ n Seſſel einzu⸗ lben, um ihre dem Heimwege 31 verſicherte, ſchlechteren Kaffee getrunken; und das Ein⸗ zige, was ihn einigermaßen bei Laune erhielt, war die Hoffnung, daß jetzt wenigſtens etwas zwiſchen dem Grafen und Iſabellen zu Stande kommen würde, denn der un⸗ übertreffliche Wirth hatte die Feinheit gehabt, zu be⸗ haupten, ſeine Pflicht erfordere es, das Fräulein heim⸗ zuführen, da ſie ihm beim Herführen anvertraut gewe⸗ ſen ſey.— Allein an dieſem Tage leuchtete kein günſtiger Stern für den Oberſten; denn obſchon die Zeit, der Mondſchein und die Einſamkeit die Stunde ſo romanriſch machte, als man nur wünſchen konnte, ſo vermochte ſich der Graf doch nicht von gewiſſen Befürchtungen, gewiſſen bedenk⸗ lichen Ahnungen los zu machen; die ſich ihm immer ſtär⸗ ker aufdrängten, je öfter Iſabelle artig ein Gähnen zu verbergen ſuchte oder wohl auch davon ſprach, wie weit ſie jetzt wohl ſeyn könnten. Gegen die Fünfzig hin haben Mondſchein und Ro⸗ mantik ihre Zaubergewalt verloren; und ein kluger Mann will dann wiſſen, was er wagt, ehe er den großen Schluß⸗ ſtrich zwiſchen Cölihat und Hymen macht. Bei ihrer Rückkehr nach Tyringsholm war das Poſt⸗ paket das Erſte, wornach der Oberſt fragte; und unter den Briefen, die es enthielt, war einer an den Major, der ſein Erſtaunen zu erregen ſchien.„Er iſt von Ri⸗ chard,“ ſagte er.„Was kann ihm aufgeſtoßen ſeyn, daß er ſchreibt, anſtatt ſelbſt zu kommen?“ Man ſchwebte natürlich nicht lange in Ungewißheit darüber. Der Brief ward erbrochen; er enthielt einige, offenbar mit Schwierigkeit geſchriebene Zeilen, die der Major laut las. „Mein beſter Vater! Ein kleiner Unglücksfall, den ich näher beſchreiben werde, wenn ich heim komme, hat mir einen fuͤhlbaren Schmerz in einem Arm, eine Verziehung oder ſo etwas zugezogen. Zu allem Glück ſchickte der Herr, der mit Recht der Vormünder der Thoren genannt wird, einen Arzt wie vom Himmel herab. Ich kann nicht ſoglei heimreiſen; da aber Mörkedal ziemlich nahe beim Wirths⸗ hof von Duringe liegt, ſo nehme ich die Gaſtfreundſchaſt des Generals in Anſpruch. In einigen Tagen hoffe ich bei Euch, meinen Geliebten zu Hauſe zu ſeyn; ſteht es jedoch ein wenig länger an, ſo habt keine Unruhe, denn es wäre ganz überfluͤſſig. Euer Richard. P. S. Der Chor iſt nicht zu retten: er iſt unah⸗ wendbar der Sakriſtei anheimgefallen. Ich war indeſſen dort, um uns pflichtſchuldigſt bei den verehrten Schatten unſerer Ahnen zu entſchuldigen. Sie nahmen mich gnä⸗ dig an, und ſagten, ſie haben nichts gegen eine kleine Auslüftung.“ „In Duringe!“ wiederholte der Major.„Ei zum Henker! wenn er geſtern ſchon ſo weit auf dem Heimwege war, ſo nimmt es mich meiner Seele nur Wunder, daß er ſich nicht gar vollends ganz zu Tode fuhr, anſtatt nur den Arm zu verziehen.“ „Gott laſſe es nur nicht ſchlimmer ſeyn, als er ſchreibt!“ ſagte die Majorin mit mütterlicher Aengſtlichkeit, und nahm den Brief aus der Hand ihres Mannes. „Ich hätte Richard nie zugetraut, daß er ſich mit einer ſolchen Negligence, mit einem ſolchen Leichtſinn äußerte!“ ließ ſich der Oberſt aus, der nur an die frivole Nachſchrift dachte. „Du wirſt ſehen,“ fluͤſterte Virginie Iſabellen zu, „daß das mehr zu bedeuten hat. Ein Arzt wie vom Himmel geſandt! So was ſagt man nicht wegen einer bloßen Armverziehung.“ Iſabelle erwiederte nichts. Sie wußte nur zu wohl, warum Richard die Reiſe ſo eilig zurückgelegt hatte, aber da es nicht in ihrem Gemüthe lag, leicht erſchreckt zu werden, und ſie überdieß für den ſchlimmſten Fall Richard nach ſich ſelbſt beurtheilte, das heißt, ihm hinlänglicht. Muth zutraute, um jedes Unglück ertragen zu können, das ihm zugeſtoßen ſeyn mochte, ſo nahm ſie die Sache ruhig hin. Dieß war etwas, was der Graf— der un⸗ ch bemerkt ihr B gewagt hatte. kleinen Beſorg weder röther nen Hoffnung Hätte Graf I gewinnen wün leiden vermoch Gemüthsbewe reizbare Phau Schweigen 1 ruhe der An haben. So a Wie es ſich im folgenden Von jen wir oben mi ſeyn laſſen, genden. Es fertigter Kou Angelegenheit ſchon wieder gelegt, als die unangene ſchon abgega Nun w daß Geduld gehörte, und weit geringe vier Stunden ten zu müſſe ſich ſchon an Das SFideic nicht ſogleich e beim Wirths⸗ Gaſtfreundſchaſt agen hoffe ich ſeyn; ſteht es Unruhe, denn er Richard. eer iſt unah⸗ war indeſſen hrten Schatten mmen mich gnä⸗ en eine kleine ior.„Ei zum dem Heimwege Wunder, daß hhr, anſtatt nur ſeyn, als er * Aengſtlichkeit, Mannes. iß er ſich mit chen Leichtſinn an die frivole Iſabellen zu, Arzt wie vom t wegen einer nur zu wohl, gt hatte, aber erſchreckt zu i Fall Richard m hinlänglich. n zu können, ſie die Sache if— der un⸗ 33 bemerkt ihr Benehmen dabei beobachtete— nicht zu hoffen gewagt hatte. Er hatte immer in Betreff Richards ſeine kleinen Beſorgniſſe gehabt; aber da er Iſabellens Wange weder röther noch bläſſer werden ſah, ſtiegen ſeine eige⸗ nen Hoffnungen mit bewundernswürdiger Schnelligkeit. Hätte Graf M— das Weib beſſer gekannt, das er zu gewinnen wünſchte, hätte er gewußt, was ſie ſelbſt zu leiden vermochte und wie erhaben ſie über die brauſenden Gemüthsbewegungen war, die oft an den Weibern ihre reizbare Phantaſie verrathen, dann würde er in ihrem Schweigen und ihrer vollkommenen FJaſſung bei der Un⸗ ruhe der Andern kein für ihn günſtiges Zeichen erblickt haben. So aber ſah er Alles, was er zu ſehen wünſchte. Wie es ſich eigentlich mit dem Lieutenant verhielt, wird im folgenden Kapitel nachgeholt. Drittes Kapitel. Von jenen ſtolzen und kühnen Hoffnungen belebt, die wir oben mittheilten, hatte es ſich Richard angelegen ſeyn laſſen, keine überfluͤßige Zeit auf der Reiſe zu ver⸗ genden. Es ſah eher aus, als ſey er ein erxtra abge⸗ fertigter Kourier, als ein Mann in eigenen ordentlichen Angelegenheiten, und er hatte nach verrichtetem Geſchäfte ſchon wieder ein gutes Stück von dem Heimwege zurück⸗ gelegt, als er bei der Ankunft in Ekhults Wirthshofe die unangenehme Nachricht erhielt, daß die Standpferde ſchon abgegangen ſeyen. Nun war unglücklicherweiſe der Umſtand vorhanden, daß Geduld nicht zu den Kardinaltugenden des Lieutenants gehörte, und bei gegenwärtigem Falle fühlte er noch einen weit geringeren Vorrath daran, als gewöhnlich. Volle vier Stunden in einem unangenehmen Wirthshauſe war⸗ ten zu müſſen, das war etwas ſo Undenkbares, daß er ſich ſchon anſchickte, mit dem Mantelſacke auf dem Rücken Das Fideicommiß. II. abzugehen, als der Wirth halb im Scherze ſagte:„Wenn es dem Herrn ſo entſetzlich daran gelegen iſt, vorwärts zu kommen, ſo begnügt er ſich vielleicht mit meinem Foh⸗ ken. Dann bin ich überzeugt, daß es ihm nicht an ſchnel⸗ lem Fortkommen mangeln wird.“ „Ja zum Henker, ſpannt es ein!“ rief Richard, der froh war, daß es doch einen Ausweg gab. O nein, das wollen wir wohl bleiben laſſen!“ ver⸗ ſetzte der Wirth ernſt.„Ich muß Ihnen ſagen, daß es noch nicht ſo oft gefahren worden iſt, als daß ich es zum Ziehen zu verwenden wagte.“ „Seyd ſicher, mein Mann, ich zügle es. Ich habe ſo viele Pferde eingefahren, daß ich ſogar überzeugt bin, ich werde Euch einen Dienſt thun, wenn ich dieſes vornehme.“ „Nein, nein!“ meinte der Wirth.„Meine Haut hätte es auszubaden, wenn es durchginge und der Herr den Hals braͤche.“ Nun iſt es aber von jeher ſo geweſen, daß je mehr Widerſtand eine Sache erfährt, ſie deſto lockender wird. Vor Richards Sinnen malte ſich das Vergnügen aus, das wilde Pferd einzufahren— ſolche Thaten gehörten gerade zu ſeinen Lieblingsvergnügungen— und nachdem der Wirth Mehrere zu Zeugen aufgerufen hatte, daß er nur auf das hartnäͤckige Verlangen des Lieutenants das Pferd herausgethan habe, wurde es vorgeführt; und Ri⸗ chard fand ſchon einen unbeſchreiblichen Genuß daran, als er es beim Anſchirren tanzen und ſich bäumen ſah. „Erinnert Euch wohl, daß ich ohne alle Schuld bin l“ waren die letzten Worte des Wirths, als der Lieutenant ſich in den Schlitten warf und die Zügel ergriff. „Seht ſelbſt, wie gut das Pferd die Zügel kennt!" und zum Beweiſe ſeiner Geſchicklichkeit fuhr Richard mehrere Male um den großen Hof. Das feurige Thier ſchien wirklich fromm und lenklſam; und ein fröhliches Lebewohl nickend ließ es der Lieutenant jetzt durch das Garterthor fliegen und weiter ging es nun auf der wohl eingefahrenen Bahn dahin. Außer einigen muntern Sprüngen, und Zäunen und ſchon h men, als e ihren leeren hatten und „Fahrt zu kochen der Brannt die Pferde ihre Kehlen durfte nicht Flaſche zur gut fand, Seite, dan er mit dem den Pöbel lichen Labetr Ihr ſeyd?“ Richard Luftſprünge gen Herrn den gährend Tone:„Fal Ihr ſeht ja, „Die L den Andern obſchon es ſolchen Katz der den Pet ſelbſt gehen Im n tief und w weit vom durch Ausſt aber in de ſagte:„Wenn iſt, vorwärtz t meinem Foh⸗ nicht an ſchnel⸗ Richard, der n laſſen!“ ver⸗ ſagen, daß es ls daß ich es es. Ich habe überzeugt bin, leſes vornehme.“ „Meine Haut und der Herr daß je mehr ockender wird. dergnügen aus, haten gehörten und nachdem hatte, daß er lieutenants das ihrt; und Ri⸗ Genuß daran, äumen ſah. Schuld bin!“ der Lieutenant griff. Zügel kennt!“ fuhr Richard feurige Thier ein fröhliches etzt durch das auf der wohl gen muntern 35 Sprüngen, und hie und da einem Scheuen vor Steinen und Zäunen ging die Reiſe ganz ſtattlich von dannen; und ſchon hatte er die nächſte Station zu Geſichte bekom⸗ men, als er ein paar Bauern begegnete, die ſich mit ihren leeren Holzſchlitten quer über den Weg geſtellt hatten und denſelben verſperrten. „Fahrt zur Seite!“ rief Richard, deſſen Blut ſchon zu kochen begann, als die Alten unbeweglich mit der Branntweinflaſche am Munde daſaßen. Während die Pferde weideten, waren die Bauern beſchäftigt, ihre Kehlen anzufeuchten. Ein ſo angenehmes Thun durſte nicht unterbrochen werden; und gewiß war die Flaſche zur Hälfte geleert, ehe es der eine Bauer für gut fand, ſeine Antwort abzugeben.„Fahrt ſelbſt bei Seite, dann kommt ihr gut vorüber; wo nicht,“ ſetzte er mit dem rohen Uebermuthe hinzu, der nicht ſelten den Pöbel charakteriſirt, beſonders in Folge des frag⸗ lichen Labetranks,„wo nicht, ſo könnt Ihr bleiben, wo Ihr ſeyd?“ Richards Pferd fing ſchon an, durch verſchiedene Luftſprünge eine Unruhe zu zeigen, die von ſeinem jun⸗ gen Herrn vollkommen getheilt wurde; aber noch einmal den gährenden Zorn beherrſchend, rief er in gedämpftem Tone:„Fahrt hübſch aus dem Weg, ihr alten Burſche; Ihr ſeht ja, daß ich nicht vorwärts komme.“ „Die Landſtraße iſt für den Einen ſo gut wie für den Andern,“ erwiederte derſelbe Bauer verächtlich; und obſchon es vielleicht eine gewagte Sache iſt, ſich einer ſolchen Katze entgegenzuſtellen, ſo will ich doch den ſehen, der den Peter Larsſon vom Flecke bringt, wenn er nicht ſelbſt gehen will.“ Im nächſten Augenblicke lag indeſſen Peter Larsſon tief und weich gebettet im Graben. Er war gerade ſo weit vom Lieutenant entfernt geſtanden, daß ihn dieſer durch Ausſtrecken der Hand am Kragen faſſen konnte; aber in demſelben Augenblicke, wo dieſes bewerkſtelligt 3* wurde, fühlte das Pferd, daß die Zügel nachgaben, und wie es nun mit dem Schlitten und dem einen Inhaber— der Fuhrjunge war herausgeſprungen— über die Deich⸗ ſeln und Heuſäcke der Alten hinüberkam, das konnte man in der kurzen Zeit kaum ſehen. Genug, er flog ſchneller als ein Gedanke in vollem Jagen dahin; aber wie nun Richard, der die Faſſung nicht verloren hatte, das Pferd endlich zum Stehen bringen zu können meinte, brach ein Zügel, der Schlitten ſtürzte um und Richard fiel heraus; dieß geſchah ſo heftig, daß er den linken Arm unter ſich brachte, wo er ſich nicht verzog, ſondern unglücklicher⸗ weiſe brach. Dem Pferde geſchah nichts; nachdem es ſich aus den Deichſelſtangen befreit und eine Zeitlang ungehin⸗ dert ſeine muntere Laune befriedigt hatte, blieb es von ſelbſt ſtehen; ſo hatte man ſich auf der Station nicht zu verantworten. Aber mit dem gebrochenen Arm und ſehr ſchmerzenden Schultern hatte Richard doch das Vergnügen den Wildfang einzufahren, theuer genug bezahlt. Zu allem Glück im Unglück geſchah die Sache ſo nahe am Wirthshauſe, daß man von dort aus alles ſehen konnte. Es kamen ſchnell Leute heraus; und da unſer Herr, wie Richard in dem Brief an ſeinen Vater ſchrieb, ſtets der Vormünder der Thoren iſt, ſo fügte es ſich, daß ein rei⸗ ſender Arzt, der— ohne die Gewohnheit, mit einer ge⸗ wiſſen gravitätiſchen Langſamkeit zu Mittag zu ſpeiſen, ſchon vor einer halben Stunde fort geweſen wäre, nun noch bei Tiſche ſaß, als der Lieutenaut ächzend und über ſeinen verdammten Sturz ein wenig fluchend her⸗ einkam. Der Doktor war übrigens ein anſtändiger Mann. Er verließ das dampfende Eierbier, um die Pflicht zu erfüllen, die ihm die Menſchenliebe zuerſt gebot; und dieſem freundlichen Eifer hatte es Richard zu danken, daß er ſo glücklich war, ſeinen Arm ordentlich behandelt zu ſehen. Hiemit war es jedoch nicht ganz gethan; denn was er weiter bedurfte, war eine gute Wartung, die er ſchwerlich in er nicht reiſe aber währen über den Se dal wäre. belehrt war Stunde geſe gefaßt. Als Ri an ſeinen Va felleiſen that, er mit der r Brieftaſche z Schimmer Rede ſeyn ſeyn, Herr Reiſe gehöre in Geld. 2 wollen wir d Richard roth; denn daß junge Doch wollte zuſammengeft bekar ſtand von ge der Richard ſeinem Arme hielten. Fü damit befaſſg rend der D ungeachtet die merkwürf das Papier Der b achgaben, und en Inhaber— äber die Deich⸗ as konnte man flog ſchneller aber wie nun te, das Pferd ute, brach ein d fiel heraus; Arm unter ſich unglücklicher⸗ mes ſich aus lang ungehin⸗ blieb es von tation nicht zu lrm und ſehr das Vergnügen bezahlt. Zu ſo nahe am Z ſehen konnte. aſer Herr, wie rieb, ſtets der „daß ein rei⸗ mit einer ge⸗ ag zu ſpeiſen, in wäre, nun ächzend und fluchend her⸗ ndiger Mann. die Pflicht zu gebot; und d zu danken, tlich behandelt gethan; denn rtung, die er 37 ſchwerlich im Wirthshauſe finden konnte. Heim konnte er nicht reiſen, denn dahin war es volle ſieben Meilen; aber während er hin und herſann, fiel ihm ein, daß es über den See hin wahrſcheinlich nicht weit nach Mörke⸗ dal wäre. Er fragte genauer darüber nach; und da er belehrt ward, daß die Fahrt dahin in einer kleinen Stunde geſchehen könne, ſo war ſein Entſchluß bald gefaßt. Als Richard die Zeilen hingekritzelt hatte, die er an ſeinen Vater abſenden wollte, und ſie in das Poſt⸗ felleiſen that, das gerade um die Zeit weiter ging, begann er mit der rechten Haud in ſeiner Bruſttaſche nach ſeiner Brieftaſche zu ſuchen. Aber der Doktor, der beim erſten Schimmer des rothen Saffians merkte, von was die Rede ſeyn ſollte, ſagte gutmüthig:„Laſſen Sie das ſeyn, Herr Lieutenant! Solche kleinen Dienſte auf der Reiſe gehören zur Ertrapraris, und die tarire ich nie in Geld. Wenn wir wieder einmal zuſammentreffen, wollen wir der Sache zu Ehren eine Bouteille leeren. Richard verſtand ſeine gute Meinung, wurde jedoch roth; denn er wußte, wie allgemein bekannt es war, daß junge Militärs ſelten bei überflüſſiger Kaſſe ſind. Doch wollte er nichts geſchenkt haben, nicht einmal einen zuſammengeflickten Arm. Wie es nun kam, iſt nicht genau bekannt, aber von des Doktors Heimath, nach der Richard fragte, um ihm etwa die Belohnung dahin ſchicken zu können, kamen die Herren auf einen Gegen⸗ ſtand von ganz anderer Beſchaffenheit, einen Gegenſtand, der Richard ſo ſehr feſſelte, daß er die Schmerzen in ſeinem Arme ganz vergaß, ſo lange ſie ſich davon unter⸗ hielten. Für gegenwärtig wollen wir uns noch nicht damit befaſſen, aber wir können ſo viel ſagen, daß wäh⸗ rend der Doktor ſein Mittagseſſen ſchloß, der Patient ungeachtet der großen Anſtrengung, die es ihn koſtete, die merkwürdige Unterhaltung Wort für Wort aufnotirte, das Papier verſiegelte und in ſeine Brieſtaſche ſteckte. Der brave Doktor reiste nicht eher ab, als bis er Richard im Schlitten ſah.„Sie müſſen ſich eilen,“ ſagte er; das Fieber iſt ſchon im Anzug. Ich ſehe Ihnen an, Herr Lieutenant, daß die Schmerzen ganz verteufelt ſeyn müſſen.“ „Ja wohl!“ ſagte Richard. Aber in dieſem Augen⸗ blicke waren es nicht bloß körperliche Schmerzen, die ſeine Züge entſtellten: ſeine Seele ſah ſich in einen Wirr⸗ warr geworfen, der ihm wie das Fegefeuer ſelbſt vor⸗ kam, und er mußte in die Käaͤlte hinauskommen, um ſeinen Kopf abzukühlen. Noch einmal verſuchte er es, dem Doktor ſeine Dankbarkeit abzuſtatten, aber dieſer unterbrach ihn mit einem raſchen Blick auf den Fuhr⸗ mann:„Fahr zu, fahr zu Burſche, was die Pferde laufen können! Gehorſamer Diener, Herr Lieutenant! Da es nicht weit nach dem Orte des Provinzialarztes iſt, ſo ſchicken Sie gleich zu ihm, und halten Sie um Gottes⸗ willen den Arm ruhig! Gehorſamer Diener!“ Und da⸗ mit fuhr der Schlitten des Lieutenants dahin, während der Doktor bedächtig in die Stube zurückging, ſich mit ſeiner Reiſeflaſche beſchäftigte, und eine halbe Bouteille Porter leerte, um ſich unterwegs bei einiger Wärme zu erhalten. Mörkedal, wohin wir uns jetzt verſetzen, war ein altes düſteres Gut, ein kleiner Familienſitz, der dem General D— durch eine unvermuthete Erbſchaft zuge⸗ fallen war, und den er beſtändig bewohnte, ſeit er vor fünfzehn Jahren ſeinen Abſchied genommen und ſich mit ſeiner Familie dort einquartiert hatte. Hier hatte er ſeim Gattin in zweiter Ehe, die Mutter Hedwigs, verloren hier hatte er einen hoffnungsvollen Sohn verloren, de einzige Erinnerung, die ihm aus ſeiner erſten Ehe geblie⸗ ben warz und hier hoffte er auch ſelbſt die Augen zu ſchließen, denn manche Stunde von Freud und Leid hatt ihn mit ſeinem froſtigen Mörkedal ſo vertraut gemacht daß er es um keinen Preis verlaſſen wollte. Das Gut war von der Natur ſtiefmütterlich aus geſtattet worden. Die Landſchaft umher war flach un öde; aber ei und eine gu machten es Punkte. Da halten und die ſeinen S einen Wechſe nilla hie und zu erinnern, ſey, ihre Tö ihrer Anſicht ein paar Wi Hiezu w ligung durch Tante Gunil anderer adel Hedwig ſchon man ſich deſ ſchöne Zeit, General in S Verbindungen um nur neut wig daheim; ſchritten war gebildete als großer Verlu entging. De nicht viele, jungen, heit Dort gab es los werden General hatt reiſen, um ſtanden ihr Werbungen Hier n Paar Worte h eilen,“ ſagte ehe Ihnen an, verteufelt ſeyn dieſem Augen⸗ chmerzen, die in einen Wirr⸗ ner ſelbſt vor⸗ skommen, um rſuchte er es, n, aber dieſer ſauf den Fuhr⸗ e Pferde laufen enant! Da es larztes iſt, ſo ie um Gottes⸗ er!“ Und da⸗ hhin, während kging, ſich mit halbe Bouteille iger Wärme zu etzen, war ein nſitz, der dem Erbſchaft zuge⸗ e, ſeit er vor i und ſich mit —r hatte er ſein bigs, verloren n verloren, die ten Ehe geblie⸗ die Augen zu und Leid hatt traut gemacht mmütterlich aus⸗ war flach umd 39 öde; aber ein paar große Baumgärten, ein ſchöner Park und eine gute und elegante Einrichtung der Zimmer machten es für ſeinen Beſitzer reizender als alle andern Punkte. Da der General überdieß einen guten Tiſch halten und ſtets ſo manche Gäſte bei ſich ſehen konnte, die ſeinen Spieltiſch füllten, fand er keinen Grund, um einen Wechſel vorzunehmen, obſchon ſich Fräulein Gu⸗ nilla hie und da immer wieder die Freiheit nahm, ihn zu erinnern, daß es bei allen adeligen Familien Sitte ſey, ihre Töchter in die Welt zu bringen, weßhalb es ihrer Anſicht nach nothwendig wäre, Hedwig wenigſtens ein paar Winter lang in der Hauptſtadt leben zu laſſen. Hiezu wollte inzwiſchen der General ſeine Einwil⸗ ligung durchaus nichk geben. Bei aller Achtung vor Tante Gunillas gutem Urtheil und den Gewohnheiten anderer adeliger Familien war er der Meinung, daß Hedwig ſchon einen Mann bekommen werde, ohne daß man ſich deßhalb ſo viele Mühe mache. Es war eine ſchöne Zeit, wenigſtens zwanzig Jahre her, daß der General in Stockholm geweſen war, er hatte jetzt keine Verbindungen mehr mit dort, und wollte nicht hinreiſen, um nur neue Geſichter zu ſehen. So blieb denn Hed⸗ wig daheim; und da ihre Erziehung ſchon weit fortge⸗ ſchritten war, als ihre vortreffliche Mutter, eine ebenſo gebildete als verſtändige Dame ſtarb, ſo war es kein großer Verluſt für ſie, daß ſie der Stockholmer Edukation entging. Der Nachbarn um Mörkedal herum waren es nicht viele, aber gute; und mit Freude öffneten ſich dem jungen, heitern und reichen Fräulein die beſten Häuſer. Dort gab es junge Militärs in Menge, die ihre Herzen los werden und ihre Schulden bezahlen mußten. Der General hatte Recht: Hedwig brauchte nirgends hin zu reiſen, um einen Mann zu bekommen. Zehn Männer ſtanden ihr zu Gebote, die es nur nicht wagten, ihre Werbungen anzubringen. Hier nehmen wir die Gelegenheit wahr, um ein Paar Worte über den Freiersplan des Stallmeiſters zu ———· ſagen. Er war mißlungen, und dieß iſt Alles, waz„Das 0. darüber erwähnt zu werden braucht. Vielleicht hätte den Bediente er jedoch eine zweimonatliche fruchtloſe Belagerung fü Antwort beka den erſtrebten Zweck als noch nicht genügend erkannt, der See hiin wenn ihm nicht zur nämlichen Zeit eine junge reiche„Ja, 8 Wittwe in dieſe Schußlinie gekommen wäre, die jedoch ſind genug L weder monatlich noch jährlich Zimmer vermiethete.„E. Fräulein nich iſt übrigens auch gut, wenn man ſie auf Lebenszeit„Daran nimmt!“ dachte er verſtändigerweiſe; und hiemit wan aber ſiehſt die Belagerung von Hedwigs Herz aufgehoben. Der Vergnügen, Stallmeiſter packte ein, und ein paar Wochen darauf dann ſollſt erzählte man überall, daß er bald im Hafen der Che ging es, Anker werfen werde. wirbelte. Eines Nachmittags ſaßen der General und der„Siehſt Kapitän, der noch in Mörkedal aushielt— denn beſſen meinſt Du, f Weine, als die, welche in Mörkedals Keller verwahnt„Ja, d wurden, gab es auf vier Meilen weit in die Runde darinnen, ſo nicht— am Kamine und rauchten, und verkürzten ſich der Kornet die Zeit bis zur Spielſtunde mit einigen von des Kapi⸗ nicht, denn täns jetzt zur Genüge abgenützten Anekdoten. Da ſehe ich deutl General ſchien ſie indeſſen mit ungemindertem Intereſſe pferden von zu hören. Sein Gedächtniß war nicht mehr jung; aben Hedwig man muß auch Brandlern einige Gerechtigkeit widet, einen Gruß fahren laſſen. Er kochte ſeine Suppen mit bald kurzen, das?“ rief bald langen Brühen wieder auf; er ragoufirte, frikaſſirte, nicht— e ſpickte und briet ſie mit einer ſolchen Kunſtfertigkeit Schlitten w daß nur ein guter Sachkenner zu merken vermochte, deutete auf daß ſie noch einen Beigeſchmack von ihrem eigentlichn ſprach mit Urſprung hatten. SHedwigl! ich Waͤhrend die Herrn mit ihren kleinen Hilfsmitteln zugleich, u ſich ſo gut als möglich davor zu bewahren ſuchten, bitten. Ich wieder in Schlaf zu fallen, fuhr das junge Fräulein zu brechen, Hedwig wie gewöhnlich aus, um ſich an der guten Bahn mentreffen zu beluſtigen. Nur ein Diener begleitete ſie, der hinten wartigen S aufſtand; und das kleine Fräulein war ſo mannhaft im„Sitzer Reiten und Fahren, daß ſie ungeachtet der ſtrengen Kaltz und tauſen ſelbſt die Zügel regierte. 3 Veranlaſſun iſt Alles, waz Vielleicht hätte Belagerung fü nügend erkannt, ne junge reiche väre, die jedoch ermiethete.„EC auf Lebenszeit nd hiemit warz cfgehoben. Der Wochen darauf Hafen der Ehe eneral und der denn beſſen Keller verwahnt in die Rund verkürzten ſich von des Kapi⸗ nekdoten. Der dertem Intereſſe ehr jung; abe ichtigkeit wider⸗ nit bald kurzen, ifirte, frikaſſirte, Kunſtfertigkeit, rken vermochte, tem eigentlichen nen Hilfsmitteln vahren ſuchten, junge Fräulein der guten Bahn ſie, der hinten o mannhaft im ſtrengen Kaͤlt 41 „Das Eis iſt doch ſicher, Blomberg?“ fragte ſie den Bedienten, und ließ das Pferd, noch ehe ſie eine Antwort bekam, den ſchmalen Weg einſchlagen, der nach der See hiinabführte. 8 „Ja, damit hat es keine Geſahr, Fräulein! Dort ſind genug Leute, wie ich ſehe. Aber friert das gnäͤdige Fräulein nicht? Ich würde gewiß vorſichtig fahren.“ „Daran zweifle ich nicht, mein lieber Blomberg; aber ſiehſt Du, es geſchieht nur zu meinem eigenen Vergnügen, wenn ich fahre. Doch halte Dich jetzt feſt, dann ſollſt Du ſehen, wie es gehen wird!“ Und fort ging es, daß der emporgeworfene Schnee um die Augen wirbelte. „Siehſt Du den Schlitten dort, Blomberg? Was meinſt Du, fährt er nicht Mörkedal zu?“ „Ja, das iſt ſehr wahrſcheinlich. Es iſt ein Herr darinnen, ſo viel ich ſehen kann, ein Oſſizier; vielleicht der Kornet von Lehrberg. Aber nein, der iſt es doch nicht, denn ich kenne das Pferd nicht. Ja— jetzt ſehe ich deutlich, daß es ein Fremder iſt, der mit Mieth⸗ pferden von Duringe kommt.“— Hedwig war jetzt den Reiſenden ſo nahe, daß ſie einen Gruß erhalten konnte.„Herr Gott! Was iſt das?“ rief ſie in freudigem Erſtaunen.„Ich träume nicht— es iſt wirklich Lieutenant Richard!“ Die Schlitten waren jetzt neben einander. Der Lieutenant deutete auf ſeinen Arm in der ſchwarzen Binde, und ſprach mit ſeiner alten Artigkeit:„Gnädigſtes Fräulein Hedwig! ich komme hier als Invalid und Supplikant zugleich, um auf einige Tage Gaſtfreundſchaft zu er⸗ bitten. Ich habe das Mißgeſchick gehabt, meinen Arm zu brechen, und begrüße nun ein ſo gluͤckliches Zuſam⸗ mentreffen als die größte Linderung in meinen gegen⸗ wärtigen Schmerzen.“ „Sitzen Sie nur ſtille, mein beſter Lieutenant, und tauſend Mal willkommen, obſchon weiß Gott! die Veranlaſſung Ihres Beſuches eine ſehr leidige iſt! Daß aber der Herr Lieutenant ſich hinauswagt! Nun, da es einmal ſo iſt, ſo haben Sie die Güte, und fahren Si hier bei mir! Mein Schlitten iſt breiter und bequemer, und ich habe dann das Vergnügen, den Herrn Lieutenamt fahren zu dürfen!“ „Das erſtere nehme ich mit aller Dankbarkeit an, ſagte Richard, und kam durch Blombergs und des jungen Fräuleins vereinte Bemühungen in den Beſitz des möglichſt beſten Platzes. Hedwig konnte ihn gar nicht bequem genug machen, und rückte ſelbſt ſo weit zur Seite, als möglich, damit ſie ihren Nachbar nicht genirte.„Aber das zweite,“ ſetzte er hinzu, und konnte dabei, ſo ſehr er auch litt, ein Lächeln nicht zurückhalten, „das zweite iſt wohl noch nie erhört worden. Ein junges Fräulein einen invaliden Lieutenant kutſchirend! Nein, meine Gnädigſte, das wäre zu toll! Haben Sie die Güte, die Zügel meiner rechten Hand anzuvertranen!“ „Nein, ich danke, darauf gehe ich nicht ein! Es iſt beſſer, der Lieutenant vertrant ſich mir an. Ich fahre immer ſelbſt, das kann Blomberg bezeugen; und jetzt wollen wir die Zeit nicht mit Komplimenten ver⸗ ſchwenden! Sobald wir zu Hauſe ſind, ſchicken wir nach Doktor K—. Doch da fällt mir noch etwas Beſ⸗ ſeres ein! Sey Du ſo gut, Blomberg, und nimm den Schlitten des Herrn Lieutenants und fahre nach Sal⸗ ſtadt hinüber! Gruͤße den Doktor vom Papa, und bitte ihn dann— Gott gebe nur, daß er zu Hauſe iſt!— mit Dir herüberzukommen. Sehen Sie, Herr Lieutenant, wir haben kaum eine halbe Meile nach Salſtadt; es geht ſchnell. Ich weiß, daß man ſich auf Blomberg verlaſſen kann; er ſchafft gewiß den Doktor herbei.“ Blomberg, der in dem feſten Glauben lebte, daß kaum ein Engel Gottes an Güte und Freundlichkeit mit dem jungen Fräulein zu vergleichen ſey, hätte um ein Paar Worte des Lobes von ihr den Doktor auch auf zehn Meilen in der Runde aufgeſucht; und ehe der Lieutenant ſeine Zufriedenheit ausſprechen konnte, war Blomberg ſcho und Fräulein „Meine err das wohlr fährtin mit wohl thaten, für ihre kleinen „Leidet da einigem Stillſ „Ich hät Arz und Fahrt haben thut er jetzt/ „Ach, wi wirklich ſo m zu bedenken, ſich ja noch durch die Bey Der Ger neter Artigken Unglücksfall der Lieutenan werde, Mörke der Kapitän dienſtfertig. nicht ſchon Lieutenant eb Er habe me den Feldſcher reiche Alte, lichen Beque ihr Hedwig vorkam, als würdiger ger Den T 1 nd fahren Sit und bequemer, errn Lieutenam ankbarkeit an ergs und des in den Beſitz onnte ihn gat ſelbſt ſo weit Nachbar nicht u, und konnte t zurückhalten, 1. Ein junges hirend! Nein, aben Sie die dertranen!“ licht ein! Es nir an. Ich bezeugen; und blimenten ver⸗ ſchicken wir ch etwas Beſ⸗ nd nimm den de nach Sal⸗ da, und bitte Hauſe iſt!— rr Lieutenant, Salſtadt; es uf Blomberg herbei.“ n lebte, daß Freundlichkeit y, hätte um Doktor auch und ehe der konnte, war Nun, da es Blomberg ſchon im Schlitten, und jetzt fuhren Richard wirklich ſo meinte!“ ſagte Hedwig unſchuldig und ohne 43 und Fräulein Hedwig allein. „Meine Dankbarkeit iſt ſtumm,“ ſagte er, indem er das wohlwollende Geſicht ſeiner hübſchen Reiſege⸗ fährtin mit Blicken betrachtete, die Hedwig innerlich wohl thaten, denn ſie drückten die höchſte Erkenntlichkeit für ihre kleinen Anordnungen aus⸗— „Leidet der Herr Lieutenant ſehr?“ fragte ſie, nach einigem Stillſchweigen. „Ich hätte allerdings ſehr gelitten, wenn ich nicht ſo glücklich geweſen wäre, in Duringe einen reiſenden Arzt zu treffen, der bei meiner Ankunft zufällig da war und meinen Arm einrichtete; aber die Kälte und die Fahrt haben keine gute Wirkung darauf gehabt. Doch thut er jetzt weit weniger wehe, als eben vorhin.“ Ach, wie froh waͤre ich, wenn der Herr Lieutenant * zu bedenken, wie wenig wahrſcheinlich dieſe war, da er ſich ja noch immer außen befand und jeden Augenblick durch die Bewegung und Kälte litt. Der General empfing ſeinen Gaſt mit ausgezeich⸗ neter Artigkeit und Gaſtfreundſchaft. Sobald er den Unglücksfall erfahren hatte, war ſein erſtes Wort, daß der Lieutenant, ſo lange es für nothwendig erachtet werde, Mörkedal als ſeine Heimath anſehen ſolle. Auch der Kapitän zeigte ſich auf jede Art freundſchaftlich und dienſtfertig. Er verſicherte, daß, wenn das Fräulein nicht ſchon nach dem Doktor geſchickt hätte, er den Lieutenant eben ſo gut beſorgt haben würde, wie dieſer. Er habe mehrmals bei den Soldaten ſeiner Kompagnie den Feldſcherer gemacht. Fräulein Gunilla, die hilf⸗ reiche Alte, war unermüdlich, um dem Gaſt alle mög⸗ lichen Bequemlichkeiten zu verſchaffen; und dabei half ihr Hedwig ſo treulich und ungekünſtelt, daß es Richard vorkam, als ſey das junge Fräulein hundertmal liebens⸗ würdiger geworden, als ſie in Tyringsholm war. Den Tag nach ſeiner Ankunft in Mörkedal lag ——— m— Richard in heftigem Fieber; und den Tag darauf wa es noch ſchlimmer. Seine Gemüthsſtimmung war auch nicht das geringſte Uebel; ſie hatte einen fühlbaren Schlag erlitten. Der Kapitän hielt ihm treulich Geſell⸗ ſchaft, aber alle ſeine Bemühungen, den Lieutenant auf⸗ zuheitern und zu unterhalten, waren vergebens. Der Arm ſchmerzte ihn unerträglich, und ſeine unruhigen Ge⸗ danken quälten ihn noch mehr. Der arme Lieutenant! da lag er jetzt und wand ſich und litt und konnte ſich weder dahin noch dorthin werfen, ſo gerne er auch dieſe Unterhaltung ergriffen hätte. Da, als es ſchon neun Uhr Abends war, ertön⸗ ten Schellen am Hofe. Der Kapitän wunderte ſich, wer wohl noch der ſpäte Gaſt ſeyn möge, und ging hinunter, um nachzuſehen. Richard wunderte ſich eben⸗ falls und war begierig, ob es wohl ſein guter Vater ſeyn möge; aber noch eine größere Ueberraſchung er⸗ warte ihn, indem Klas Malchus, der die Veranlaſſung zu dem Groll, den der General gegen ihn empfinden konnte, ganz vergeſſen hatte, ſich zuerſt bei demſelben einſtellte, um ihm für die ſeinem Vetter erwieſene Gaſt⸗ freundſchaft zu danken, und dann dieſen ſelbſt zu be⸗ ſuchen. „Wie geht es Dir, Richard?“ war die erſte eifrige Frage des Barons. „Wirklich, mein beſter Klas, Du?“ rief der Lieute⸗ nant und machte große Augen,„das iſt ja ſehr freund⸗ ſchaftlich von Dir— von Dir, der Du Dir ſo ungerne eine Mühe machſt!“ „Ich mache mir nicht ungern eine Mühe, wenn ich glaube, daß ich Jemand einen Dienſt leiſten vder auch nur ein Vergnügen machen kann,“ erwiederte der Baron und reichte ſeinem Freunde die Hand.„Ei, Du haſt ja ein brennendheißes Fieber, und dazu inen ge⸗ brochenen Arm! Mein armer Richard, das iſt zu vicl auf einmal!“ „Ach ja, ich hätte wohl mit weniger vorlieb ge⸗ nommen; aber nicht noch wei in einem Tone ſchieden war. „Noch wei an das Bett. „Ja, ja, wiſſen. Mein g Du fortgingſt?“ „Keine Se Aufträge beläſti⸗ gen in aller dentenranzen, u wo aus ich Mama nach Ha „Das ſieh mir denken, wi fuhr, daß Du dem Wirthshofe Klas, daß Du Haarſchopf betre ſo wird es mit wieder zu Hauf mir auf der Re daheim?“ „Sie ſind Majors, war g „Du auch! „Nein, ich „Aber hiel braver Bruder, Hand drücken, in Svärdſö guß „Das wei Brief erwartete früheren Winke g darauf wa ing war auch en fühlbaren reulich Geſell, ieutenant auf⸗ gebens. Der inruhigen Ge⸗ zt und wand noch dorthin ung ergriffen war, ertön⸗ vunderte ſich, ge, und ging rte ſich eben⸗ guter Vater rraſchung er⸗ Veranlaſſung hn empfinden dei demſelben wieſene Gaſt⸗ elbſt zu be⸗ erſte eifrige f der Lieute⸗ ſehr freund⸗ r ſo ungerne Nühe, wenn leiſten oder wiederte der „Ei, Du u inen ge⸗ iſt zu viel vorlieb ge⸗ —— 45 nommen; aber ich würde froh geweſen ſey, wenn es nicht noch weiter gegangen wäre!“ murmelte Richard in einem Tone, der von ſeinem gewöhnlichen ganz ver⸗ ſchieden war.— „Noch weiter!“ fragte Klas Malchus, und ſetzte ſich an das Bett. A „Ja, ja, viel weiter; doch das darfſt Du jetzt nicht wiſſen. Mein guter, braver Klas, wußte Jemand, daß Du fortgingſt?“ „Keine Seele! Ich wollte nicht durch Fragen und Aufträge beläſtigt werden; deßhalb packte ich heute mor⸗ gen in aller Frühe etwas Weißzeug in meinen Stu⸗ dentenranzen, und ging nach der nächſten Station, von wo aus ich Pferde nahm und ein paar Zeilen der Mama nach Hauſe ſchickte.“— „Das ſieht Dir gleich, Klas Malchus! Ich kann mir denken, wie wüthend der Onkel wurde, wenn er er⸗ fuhr, daß Du wie ein reiſender Handwerksburſche nach dem Wirthshofe kamſt! Aber Gott ſegne Dich dafür, Klas, daß Du hieher kamſt! Wenn ich nur Deinen Haarſchopf betrachte, der jetzt wieder zu wachſen beginnt, ſo wird es mir ſchon leichter um's Herz. Ich meine wieder zu Hauſe und des Teufelzeugs los zu ſeyn, das mir auf der Reiſe begegnete. Aber, wie befinden ſie ſich daheim?“ „Sie ſind wohl! Die ganze Geſellſchaft, auch des Majors, war geſtern in Svärdſö über Mittag.“ „Du auch?“ „Nein, ich nicht.“ „Aber hieher reiſeſt Du, volle acht Meilen? Du braver Bruder, ich wollte, ich könnte Dir tüchtig die Hand drücken, für den Freundſchaſtsdienſt! Hatten ſie ſich in Svärdſö gut unterhalten?“ „Das weiß Gott; ich fragte nicht darnach. Dein Brief erwartete ſie bei der Heimkunft. Aus Papa's früheren Winken konnte ich jedoch ſchließen, daß er der —— 3 46 Meinung war, es werde unterwegs zwiſchen dem Gra⸗ fen und Iſabellen richtig werden.“ „Unterwegs, ſagſt Du! Begleitete der Graf ſie nach Hauſe?“ „Ja wohl; er fuhr Iſabellen, und führte ſie hin und wieder her.“ „Nun, das machte ſich ja recht hübſch!“ ſagte Ri⸗ chard, murmelte aber dabei etwas„vom Weſen machen und übergroßer Geſchäftigkeit.“ Am ſolgenden Tage hatte Richard das Vergnügen, auch ſeinen Vater zu ſehen. Der Major hatte ſeine Un⸗ geduld nicht länger bezähmen können, und ſein Erſtau⸗ nen darüber, daß er Klas Malchus bei Richard fand, war eben ſo groß, als ſein Vergnügen ungetrübt. Aber ſein Kummer um den Sohn wurde ernſthaft, als der Doktor vorausſagte, daß wenigſtens ein Monat darüber hingehen würde, bis der Lieutenant an eine Reiſe den⸗ ken dürfe. Bei der geringſten Abweichung von der Lage, in der ſich der Arm jetzt befand, konnten die Schindeln verrückt werden; und das Einzige, was der Doktor vor⸗ ſchrieb, war Vorſicht, Geduld und gute Geſellſchaft. Sobald Richard mit ſeinem Vater allein war, be⸗ merkte dieſer eine Unruhe und eine Ungeduld in ſeinem ganzen Weſen, die er noch nie an ihm geſehen hatte. „Papa“... rief er ein paar Mal haſtig, unter⸗ brach ſich jedoch wieder, während er die Augen feſt auf die Brieftaſche heftete, die neben ihm auf dem Tiſche lag. „Willſt Du mir etwas ſagen, mein Junge?“ „Nein, es war Nichts!“ antwortete er gezwungen. Aber der Major, der ſeine Unruhe und Verwirrung bemerkte, und ſie immer mehr ſteigen ſah, ſprach mit väterlich vertraulichem Tone:„Es beſchäftigt und quält Dich Etwas, mein Junge?“ Der Major hatte ſchon lange befürchtet, Richards Ruhe könnte durch das täg⸗ liche Zuſammenſeyn mit ſeiner ſchönen Kouſine leiden, und nach den Symptomen zu ſchließen, die er eben be⸗ merkt hatte, auch nicht in Befürchtung Graf M— Aber R nes Vaters mit einem ſ ſchlug jetzt ei verſichere Die fall des Ob der Tag, do geſpitzt hatte ger Naſe ab keine Avancen wohl vorher „Jetzt n er auf Riche Feinheit leſen nichts.“ Rich Er wußte z1 ihrem Jawor und der Maj eben darin d dern Kummer Korb von d war der Ma von Richard Die An der Unterhal ruhigeres We recht wohl, u frühere heiter Veränderung ließ ſich aus Nachdem freundſchaft zur Heimfahr hen dem Gra⸗ Graf ſie nach führte ſie hin !“ ſagte Ri⸗ Weſen machen Richard fand, getrübt. Aber haft, als der MNonat darüber ne Reiſe den⸗ von der Lage, die Schindeln er Doktor vor⸗ ſellſchaft. ein war, be⸗ ſuld in ſeinem hen hatte. haſtig, unter⸗ e Augen feſt hm auf dem nge?“ gezwungen. d Verwirrung b, ſprach mit gt und quäaͤlt ar hatte ſchon rch das täg⸗ ouſine leiden, er eben be⸗ 47 merkt hatte, hielt er dieß für entſchieden. Er zweifelte auch nicht im geringſten, daß Richards Kummer aus der Befürchtung entſpringe, es habe eine Erklärung zwiſchen Graf M-— und Jſabellen Statt gefunden. Aber Richard ſchwieg, wie wenn er die Worte ſei⸗ nes Vaters nicht recht verſtanden hätte; und dieſer, der mit einem ſolchen Geſtändniſſe eben ſo zufrieden war, ſchlug jetzt einen andern Ton an.„Nun, unter uns, ich verſichere Dich, ich lachte nicht wenig über den Durch⸗ fall des Oberſten am Donnerstag. Es war klar wie der Tag, daß er ſich auf eine Verlobung in Svärdſö geſpitzt hatte; aber dießmal zog ſeine Weisheit mit lan⸗ ger Naſe ab. Iſabelle machte dem Grafen wahrhaſtig keine Avancen, und ein ſo alter Diplomat, wie er, ſieht wohl vorher zu, wo das Land liegt.“ „Jetzt war unſer ehrlicher Major ganz gewiß, daß er auf Richards aufgeklärtem Geſichte die Frucht ſeiner Feinheit leſen würde; aber„in dieſen Tagen fingen ſie nichts.“ Richard hörte zwar zu, aber er war zerſtreut. Er wußte zum voraus, daß Iſabelle nicht ſo eilig mit ihrem Jawort ſeyn würde, wenn es ſie überhaupt gab; und der Major, der ſeinen Plan fehlſchlagen ſah, fand eben darin den beſten Troſt, den er meinte, jeden an⸗ dern Kummer könnte Richard leichter ertragen, als einen Korb von dieſer Seite. Und eines ſolchen Ausgangs war der Major vollkommen ſicher, falls je ein Verſuch von Richard aus Statt finden würde. Die Ankunft des Kapitäns hinderte die Fortſetzung der Unterhaltung. Nachher ſchien Richard wieder ein ruhigeres Weſen anzunehmen, aber das Vaterauge merkte recht wohl, und eben ſo auch Klas Malchus, daß er ſeine frühere heitere Laune nicht mehr hatte; und daß dieſe Veränderung nicht in den körperlichen Leiden allein lag, ließ ſich aus vielen Dingen ſchließen. Machdem der Major einige Tage lang die Gaſt⸗ freundſchaft des Hauſes genoſſen hatte, rüſtete er ſich zur Heimfahrt. Als er ſich eine Weile vor der Abreiſe mit ſeinem Sohne allein befand, ſprach dieſer mit einer Selbſtbeherrſchung, die ihm gewiß viele Mühe gekoſtet hatte:„Papa, ich habe in meiner Brieftaſche ein ver⸗ ſiegeltes Papier, daß ich mir nicht ſelbſt zutraue, gut genug verwahren zu können. Will Papa ſo gut ſeyn, es aufzuheben?— aber laß um Gottes Willen das Siegel nicht verletzen, denn ich bin noch nicht gewiß, ob ich einen Gebrauch davon machen kann.“ „Ei, Du haſt doch wohl nicht einen Fund in unſerer Gruft gethan?“ fragte der Major ſcherzend. „Nein, bewahre! Aber dieſe Reiſe, mein Sturz mit einbegriffen, war vielleicht doch eine Fügung des Schick⸗ ſals. Wenn ich geſund werde... doch nein, ich will nicht mehr daran denken! Laß uns nicht mehr davon ſprechen— verwahre es nur!“ Der Maor fürchtete, Richard möchte von Fieberphantaſien ergriffen ſeynz aber zu ſeiner Verwunderung fand ſich wirklich ein ver⸗ ſiegeltes Papier in der Brieſtaſche. Er verſuchte daher den Inhalt deſſelben näher zu erforſchen, ſtand jedoch bald von dieſem Vorſatze ab, als er ſah, wie ſchon der bloße Gedanke daran ſeinen Sohn aufregte; und nach⸗ dem der Major ſein Verſprechen erneuert hatte, daß er das Dokument wohl verwahren wolle, bis Richard ſelbſt darnach fragte, reiste er voll Ahnungen über das ge⸗ heimnißvolle Benehmen deſſelben ab. Ehe er aber noch die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, hatten ſchon wichtigere Gedanken über den Gutsbetrieb und den großen Veränderungen, die er im Frühjahre vornehmen wollte, die Kraft von Richards ſeltſamen Worten ganz und gat gehoben. Der Major verwahrte übrigens das Papiet pünktlich; aber nachdem er den Schlüſſel zur Schublade ſeines Schreibtiſches herumgedreht hatte, war es auch ganz vergeſſen. Klas Malchus blieb zurück und hielt treulich b Richard aus, bis dieſer mit dem Arm wieder in den Noch hinein und auf dem Sopha im Wohnzimmer des Ge⸗ nerals ſitzen konnte. Dann erſt hielt ſich Klas für ente behrlich; und Morgenwand wenn er nich einen kleinen jetzt weit me Familie geſte war, wo der machen, alle beſaß in Me war höflich Hedwig nich gut zuſamm um das klei Richard wie hoch e eine Freund⸗ ren Gewohn verlaſſen, ur der Lieutena würdigen, d Klas Malc Nach d noch langſa⸗ gewohnt, ſie gerne ſeinen und im W herumgeſpri Sopha in hatte Richa doch auch unbeſchreibl er war, ſo auf alle Fo Der j nach wieder rothen Sch Das Fideic ſer mit einer Mühe gekoſtet aſche ein ver⸗ zutraue, gut ſo gut ſeyn, Willen das licht gewiß, ob und in unſerer ein Sturz mit ng des Schick⸗ nein, ich will t mehr davon Raſor fürchtete, rgriffen ſeynz irklich ein ver⸗ werſuchte daher , ſtand jedoch wie ſchon der gte; und nach⸗ hatte, daß er 3 Richard ſelbſt über das ge⸗ e er aber noch ,hatten ſchon uind den großen nehmen wollte, ganz und gat as das Papier zur Schublade war es auch lt treulich bal der in den Rott nmer des Ge⸗ Klas für ent 49 behrlich; und unfähig der Sehnſucht nach ſeinen geliebten Morgenwanderungen länger zu widerſtehen, mußte er reiſen, wenn er nicht krank werden wollte. Schon lo ge er einen kleinen Hieb von Heimweh gehabt, obſchon es ihm jetzt weit mehr in G erals und ſeiner Familie geſtel, als dieß in Tyringsholm der Fall geweſen war, wo der Oberſt durch ſeine Sucht, alles recht aut zu machen, alles recht ſchlecht gemacht hatte. K Malchus beſaß in Mörkedal ſeine ungeſtörte Freiheit; der General war höflich und wohlwollend, ohne Komplimente, und Hedwig nicht mehr ſo fragluſtig. Sie lebten Alle recht gut zuſammen; aber heim mußte er doch, um die Luft um das kleine Meßnerhaus zu athm Richard fühlte ſeine Abweſenheit e wie hoch er auch Klas Malchus Freundſchaft ſchätzte, eine Freundſchaft, die dieſen vermocht hatte, ſeinen theu⸗ ren Gewohnheiten zu entſagen, und ſeine Heimath zu verlaſſen, um in einem fremden Hauſe zu leben, ſo konnte der Lieutenant doch dieſe Freundſchaft nicht vollkommen würdigen, denn er kannte das große Opfer nicht, das Klas Malchus gebracht hatte. Nach dem Abgang des Barons verſtrichen die Tage noch langſamer für den jungen Lieutenant. Er war nicht gewohnt, ſie auf dem Sopha hinzubringen, und wäre ſo gerne ſeinen alten lieben Beſchäftigungen nachgegangen, und im Walde bei den Sägmühlen und Dreſchtennen herumgeſprungen, und dann Abends bei Iſabellens kleinem Sopha in dem rothen Kabinette geſtanden. Das Alles hatte Richard jetzt in friſchem Angedenken; aber er konnte doch auch nicht undankbar ſeyn: und wenn er die vielen unbeſchreiblich freundlichen Sorgen ſah, deren Gegenſtand er war, ſo ſuchte er ſich darein zu finden, zumal da er auf alle Fälle nichts Beſſeres thun konnte. Der junge Herr Richard begann auch nach und nach wieder recht hübſch auszuſehen, wenn er in ſeinen rothen Schlafrock gehuͤllt, gegen die von Hedwigs Hand Das Fideicommiß. II. 4 50 geordneten Kiſſen lehnte. Seine Wangen von der Krank⸗ heit gebleicht, hatten jene intereſſante Farbe, die— wie Jedermann oder vielmehr jede Frau weiß— ſich ſo gut zu ſchwarzen Locken ausnimmt. Die Haare des Lieute⸗ nants waren aber auch jetzt in einer Verfaſſung, daß ſie ſich mit Vortheil ſehen laſſen konnten. Sie waren zwar nicht ſo ſorgfältig friſirt, wie ſie es vor der Reiſe gewe⸗ ſen waren; aber ſie ſpielten doch unläugbar eine gewiſſe Rolle, mochten ſie nun auf dem von Hedwigs Hand ge⸗ ſtickten Ohrkiſſen ruhen, oder über die Stirne ihres Be⸗ ſitzers zurückfallen. Hedwig beſchäftigte ſich oft mit dem Gedanken, ob der Lieutenant jetzt nicht ſogar noch hübſcher ſey, als damals, wo er ſie geſund und froh zum Tanze führte. Es war zwar wahr, ſeine Augen hatten nicht den Glanz und den heitern Ausdruck, den ſie damals beſaßen, noch konnte ſein Wuchs und ſeine Haltung ſich ſo zu ſeinem Vortheile zeigen; aber das hatte jedenfalls nichts zu be⸗ deuten, denn ſie war ganz ſicher, daß Niemand eine beſſere Manier und größere Anmuth in ſeiner Toilette beſaß, wenn dieſe ſich nur auf einen Schlafrock be⸗ ſchränkte; und mochte er nun gehen, ſitzen oder in halb⸗ liegender Stellung auf dem Sopha ruhen, ſo war er doch immer das Intereſſanteſte, was Hedwig kannte. Dazu war er noch ſo freundlich, ſo geduldig und dank⸗ bar. Hedwig dachte gar nicht daran, daß ihre eigene Güte dieſe Eigenſchaften bei ihm hervorrief; damals dachte ſie noch nicht viel— deſto mehr genoß ſie ihr kurzes, ge⸗ fährliches Glück. Richard, der zu ſehr mit Iſabellen und dem An⸗ denken an ſeine Begegnung in Duringe beſchäftigt war, hatte nicht Zeit um auszuforſchen, was um ihn her vor⸗ ging. Er war auf keinen Fall ſo eigenliebig, um Hed⸗ wigs ſanfte Sorgfalt etwas anderem, als ihrer freund⸗ lichen Theilnahme zuzuſchreiben. Aber er fand auch wirklich mit Erſtaunen, daß ſie entweder in dieſen fünf Monaten unendlich zugenommen haben mußte, oder daß er früher b herzlich liel Iſabel Auf dieſen das nicht ſe Roſe anwer ſcheidene N vielleicht m ſogar die D ausgeſchlag begann. Derar nicht angeſ obſchon vo beinahe ver Es waren nur die Le einen Nebe beſtändiger bellens Bi ſeine Seel ſuchung in Der auch in de Richard k und es iſt durch ein mitten aus worden w Jetzt ſchüttelte ihn vielm wurde, w können. ner Anku bn der Krank⸗ „ die— wie ſich ſo gut he des Lieute⸗ ſſung, daß ſie waren zwar r Reiſe gewe⸗ r eine gewiſſe igs Hand ge⸗ rne ihres Be⸗ Gedanken, ob ſcher ſey, als Tanze führte. cht den Glanz beſaßen, noch ſo zu ſeinem nichts zu be⸗ Niemand eine ſeiner Toilette Schlafrock be⸗ oder in halb⸗ n, ſo war er dedwig kannte. dig und dank⸗ ß ihre eigene damals dachte ihr kurzes, ge⸗ und dem An⸗ eſchäftigt war, ihn her vor⸗ dig, um Hed⸗ ihrer freund⸗ er fand auch in dieſen fünf ßte, oder daß 51 er früher blind geweſen war; denn ſie war gewiß ein herzlich ſüſbes und reizendes Weſen, das erkannte er jetzt. Iſabe lle hatte ihm früher Hedwig ganz verdunkelt. Auf dieſen beiden jungen Mädchen konnte man mit Grund das nicht ſelten benützte Gleichniß von der Knospe und Roſe anwenden. Jetzt überſtrahlte die Letztere ihre be⸗ ſcheidene Nebenbuhlerin; aber eines Tages konnten ſie vielleicht mit einander um den Preis kämpfen, vielleicht ſogar die Rollen wechſeln, wenn die Knospe zur Noſe ausgeſchlagen war, und die Roſe ihre Blätter zu falten begann. Derartige Betrachtungen wurden jedoch von Richard nicht angeſtellt. Gleichwohl war es merkwürdig, daß er, obſchon von dem Verlangen Iſabellen wieder zu ſehen beinahe verzehrt, dennoch dieſe Stunde nicht ſehr beeilte. Es waren große Bewegungen in ihm vorgegangen. Nicht nur die Leidenſchaft war es, die ihn be herrſchte, ſie hatte einen Nebenbuhler an den Gedanken, die ſein Blut in beſtändiger Wallung erhielten. Noch beſaß jedoch Iſa⸗ bellens Bild eine Macht, die groß genug war, um allein ſeine Seele im Gleichgewichte zu erhalten, wenn die Ver⸗ ſuchung in mancherlei Geſtalten vor ihn trat. Der Keim des Argwohns einmal ausgeſäet, trägt auch in dem harmloſeſten Gemüthe mannigfaltige Früchte. Richard kämpfte täglich mit ſeinen fieberhaften Träumen, und es iſt ungewiß, wo ſie geendet hätten, wenn er nicht durch eine große und wichtige Nachricht von Tyringsholm mitten aus ſeinen irrenden Gedankenfahrten herausgeriſſen worden wäre. Jetzt war es nicht länger Zeit zu grübeln. Richard ſchüttelte den Kummer von ſeiner Seele, oder er feſſelte ihn vielmehr darin, um dort, wo er mit Unruhe erwartet wurde, wieder einigermaßen als der Alte auſtreten zu können. Um dieſe Zeit waren über fünf Wochen ſeit ſei⸗ ner Ankunft in Mörkedal verſtrichen. Viertes Kapitel. Als der Oberſt die Nachricht erhielt, daß ſein Sohn, der Baron Klas Malchus E— brand und Herr des prachtvollen Tyringsholm, mit dem Ranzen auf dem Rücken und ganz im Koſtüme eines Handwerksburſchen zu Fuße nach dem Marker Wirthshoſe gekommen ſey, ſtieg ſein Aerger bis zu einem ſolchen Grade, daß er— ſeinen eigenen Satz: daß ein Mann von Welt ſich nie zu einer ſo gemeinen Gemüthsbewegung wie dem Zorne herablaſſen durfe, ganz vergeſſend— vor Ingrimm zit⸗ ternd ausrief:„Ich behaupte, daß er wirklich verruͤckt iſt, und er ſoll mir ganz beſtimmt, ſobald er mündig iſt, wieder unter Vormundſchaft kommen! Hat man je ſo etwas gehört, ſich des Generals ſo ſchamlos aufzudringen, nachdem er die Hand des Fräuleins auf die beleidigendſte Art abgewieſen hat! Nein, ich ſage es noch einmal, er iſt wahrhaftig verrückt!“ Das hätte ſich indeſſen der Oberſt noch gefallen laſ⸗ ſen, wenn es nur dabei ſtehen geblieben wäre; aber wie er ſelbſt einmal bemerkte, es hatte ſeit demn Tage, wo Richard Tyringsholm verließ, ordentlich mit Widerwärtig⸗ keiten zu hageln angefangen. Baron Klas Ausflug war nur ein kleines Vorſpiel zu dem Nachfolgenden. Erſtens begab es ſich, daß am Ende derſelben Woche, wo das Mittageſſen in Svärdſö geweſen war, Graf M— den Oberſten auf ſeinem eigenen Zimmer heimſuchte, bei welcher Gelegenheit der Graf, wegen der Schwierigkeit, die es hatte, mit dem Fräulein ſelbſt zu ſprechen, bei dem Oberſten förmlich um ihre Hand anhielt, und denſelben zugleich bat, er möchte ſie auf ſeinen Beſuch in derſelben Angelegenheit vorbereiten. Der Oberſt, der ſich in dieſem Augenblicke ſo glück⸗ lich fühlte, als es nur ein Menſch ſeyn kann, der einen ſeiner höchſten Wünſche erfüllt ſieht, gab ſeine Antwort mit der gehörigen Feierlichkeit und in Phraſen von der feinſten Fei er überzeug Anerbieten als er ſelbſt „Ich Graf mit e und um der er ſich täuſt gleich zu v Vorſchlag g deſto wenig der Oberſt, ihren Zimn Die K beitstiſche, den Oberſte ſprach:„2 ich Dich bit Ich habe ei „Mein „ich habe k daher die E in Gegenwe „Ich Anſtrich bel ter ſo viel iſt! Damig ich jetzt an Meinung I auch mit il Iſabel und ohne e gleich nach lichen Gele baß ſein Sohn, ud Herr des zen auf dem dwerksburſchen ekommen ſey, , daß er— Welt ſich nie e dem Zorne Ingrimm zit⸗ rklich verruͤckt eer mündig iſt, t man je ſo aufzudringen, beleidigendſte hh einmal, er gefallen laſ⸗ re; aber wie n Tage, wo Widerwärtig⸗ Ausflug war en. ſelben Woche, , Graf M— imſuchte, bei Schwierigkeit, chen, bei dem nd denſelben in derſelben cke ſo glück⸗ , der einen ne Antwort ſen von der 53 feinſten Feinheit ab. Er ſetzte ungebeten hinzu,„daß er überzeugt ſey, ſeine Tochter würde ſich von dieſem Anerbieten gewiß ebenſo geehrt und geſchmeichelt fühlen, als er ſelbſt.“ „Ich bin deſſen keineswegs ſo gewiß,“ verſetzte der Graf mit einer Schüchternheit, die den Oberſten entzückte; und um den künftigen Schwiegerſohn zu überzeugen, daß er ſich täuſche, erbot er ſich den angenehmen Auftrag ſo⸗ gleich zu vollziehen, wenn er es wünſchte. Zu dieſem Vorſchlag gab Graf M-— mit einer ſtummen, aber nichts deſto weniger beredten Verbeugung ſeine Zuſtimmung; und der Oberſt, der vor Ungeduld brannte, die Sache in Ord⸗ nung zu ſehen, eilte ſogleich nach dem rothen Kabinete, wo ſich Iſabelle gewöhnlich befand, wenn ſie nicht in ihren Zimmern war. Die Kammerräthin und Iſabelle ſaßen an dem Ar⸗ beitstiſche, und Beide heſteten einen erſtaunten Blick auf den Oberſten, als dieſer mit ſeiner ſteifſten Feierlichkeit ſprach:„Wenn ich Dich nicht ſtöre, Iſabelle, ſo möchte ich Dich bitten, mir nach dem Spiegelzimmer zu folgen! Ich habe ein paar Worte allein mit Dir zu reden.“ „Mein beſter Papa,“ erwiederte Iſabelle lächelnd, „ich habe keine Geheimniſſe vor der Tante, und wenn daher die Sache mich betrifft, ſo mag ſie Papa immerhin in Gegenwart der Tante ſagen.“ „Ich haͤtte geglaubt,“ fuhr der Oberſt mit einem Anſtrich beleidigter Würde fort,„Du trauteſt Deinem Va⸗ ter ſo viel zu, daß er wiſſe, was zu thun oder zu laſſen iſt! Damit will ich nicht ſagen, daß ich die Frage, die ich jetzt an Dich zu ſtellen beabſichtige, nicht auch der Meinung Deiner vortrefflichen Tante vorlegen möge; aber auch mit ihr möchte ich vorerſt allein ſprechen.“ Iſabelle antwortete hierauf uur, indem ſie aufſtand; und ohne einen Augenblick zu verlieren, ging man ſo⸗ gleich nach der Seite des Stockwerks, die nur bei feier⸗ lichen Gelegenheiten geöffnet wurde, und wo das Spiegel⸗ 54 zimmer, das am entfernteſten lag, zum Berathungszimmer auserſehen war. „Setze Dich, mein Kind!“ ſagte der Oberſt.„Ich will nicht weitläufig ſeyn. Laß mich nur ſagen, daß ich Dir die Erfüllung eines meiner lebhafteſten Wünſche zu berichten habe, eines Wunſches, den ich nicht ſo ſehr um meinet⸗ als um Deinetwillen hegte; denn ich bin über⸗ zeugt, daß ſeine Vollendung Dein Glück begründen wird. Kurz, Graf M— hat eben um Deine Hand angehalten, und mich gebeten, Dich auf ſeinen Beſuch vorzubereiten. Ich hoffe, Du wirſt ihn annehmen?“ „Ja,“ antwortete Iſabelle ohne ſich zu beſinnen, nich will ihn hier erwarten.“ „Und Deine Antwort?“ „Papa erlaubt, daß ich ſie ihm ſelbſt ſage.“ „Sey's denn! Sie kann ja auf alle Fälle nur günſtig ſeyn; denn ich weiß, daß ein Mädchen von Dei⸗ nem feinen Gefühle ihn nicht annehmen würde, wenn es ihm einen Korb geben wollte. Ich gehe, um ihn ſogleich aus ſo peinvoller Erwartung zu erlöſen.“ „Und ich bin gewiß,“ fuhr Iſabelle ernſt fort, daß Papa in derartigen Sachen zu pünktlich und genau iſt, um dem Grafen ein Wort mehr odey weniger zu ſagen, als daß ich ihn erwarte.“ „O ſey außer Sorgen! Ich verſtehe dieſe Feinheiten und weiß, was ein Mädchen zu beobachten hat. Seine Ueberraſchung wird dann um ſo größer.“ Als der Oberſt Iſabellen verlaſſen hatte, nahm dieſe ein Buch und ſetzte ſich an's Fenſter. Sie ſtudirte ſich nicht in eine gewiſſe Stellung ein; aber die, welche ſie ſo zufällig angenommen hatte, war unbeſchreiblich reizend, und die leichte Röthe auf ihrer Wange verrieth, daß ſie nur gar nicht ohne innere Aufregung war. Graf M— s Schritte ertönten ſchon in einiger Ent⸗ fernung durch die großen öden Zimmer. Iſabelle lauſchte. Vielleicht ging ſie in Gedanken durch, wie oftmals ſie ſchon ähnliche Augenblicke erlebt hatte, wie der war, der ihrer jetzt d wohl der le daß vielleich ihrer Hand dieſen Wun lich um ihr Gedanken ko vermochte ſi ſcheuchen, d Tief war d Thräne, die Graf M— Platz an ih Es ma Muth ſtieg, gung ſah, ſ frei von a als das hef glücklicherwe in ihr hervr „Mein offener Wü Jahre hina hoffen darf, ling duftet das junge Jugend und oft nur ein zu verflecht Unbeglüctte Sollte es“ ſeine Stime winnen?“ ehrerbietig „Und klang ſüße dient ſeyn! ungszimmer erſt.„Ich n, daß ich Lünſche zu ſo ſehr um bin über⸗ ünden wird. angehalten, orzubereiten. ſinnen,„ich e 71 Fälle nur n von Dei⸗ e, wenn es ihn ſogleich fort, daß genau iſt, zu ſagen, Feinheiten hat. Seine nahm dieſe ſtudirte ſich welche ſie blich reizend, h, daß ſie einiger Ent⸗ elle lauſchte. oftmals ſie er war, der „-— 55 ihrer jetzt wartete. Vielleicht dachte ſie auch, daß dieß wohl der letzte Antrag ſeyn würde, den ſie zurückwieſe, daß vielleicht in Kurzem Alle, die nach ihrem Herz und ihrer Hand geſtrebt hatten, ſich glücklich preiſen dürfen, dieſen Wunſch nicht erreicht zu haben, wenn ſie ihn näm⸗ lich um ihrer Perſönlichkeit willen gehegt hatten. Solche Gedanken konnten ihr Gemüth nur duſter ſtimmen; auch vermochte ſie nur mit Mühe die ſchwarzen Bilder zu ver⸗ ſcheuchen, die von allen Seiten auf ihr Herz einſtürmten. Tief war der halb erſtickte Seufzer, und zu ſprechend die Thrane, die in ihren langen Wimpern zitterte, als ſich Graf M— mit leiſen Schritten näherte, und den freien Platz an ihrer Seite einnahm. Es mag ſich Niemand verwundern, daß des Grafen Muth ſtieg, als er ſie in dieſer nur zu deutlichen Bewe⸗ gung ſah, ſie, die ſonſt immer ſo gefaßt und ruhig, ſo frei von aller albernen Ziererei war.— Was anders als das heftigere Aufwallen der Gefühle konnte dieſe un⸗ glücklicherweiſe mehr ſchmerzliche als beglückte Verwirrung in ihr hervorbringen? „Mein Fräulein,“ ſprach der Graf mit edler und offener Würde,„ich weiß, daß ich ſchon längſt über die Jahre hinaus bin, wo man die Art Liebe zu gewinnen hoffen darf, deren Reichthum und Poeſie nur im Früh⸗ ling duftet, und in deren warmem Sonnenſcheine nur das junge Herz ſich freuen daͤrf; aber der Frühling der Jugend und Poeſie flieht uns aus den Händen, ehe wir oft nur eine einzige ſeiner beſſern Blumen in unſer Leben zu verflechten vermochten. Sollte es alſo für einen ſo Unbeglügten vermeſſen ſeyn, wenn er nach einer ſtrebt? Sollte es,— die Bewegung des Grafen wurde tiefer, ſeine Stimme unſicherer— unmöglich ſeyn dieſe zu ge⸗ winnen?“ Er ergriff Iſabellens Hand und führte ſie ehrerbietig an ſeine Lippen. „Und ſollte es Graf M—,“ Iſabellens Stimme klang ſüße, aber nicht aufmunternd,„nur mit dieſer ge⸗ dient ſeyn?“ , Des Grafen männliche Züge färbten ſich mit einer ſtarken Röthe.„Ich wage zu glauben,“ ſprach er leiſe, „daß, wenn Fräulein von X— ein ſo koſtbares Geſchenk hingibt, es nie geſchieht, ohne daß es von einem, wenn auch noch ſo kleinen Funken von Zärtlichkeit begleitet wird.“ „Der Herr Graf läßt mir da Gerechtigkeit wider⸗ fahren. Glauben Sie, daß es mir unausſprechlich ſchwer fällt, erklären zu müſſen, daß dieſer einzige, ſo unum⸗ gänglich nothwendige Funken fehlt, obſchon ich Ihnen die wärmſte Hochachtung zolle.“ Die Röthe verſchwand von den Wangen des Grafen. „Meine Worte waren vielleicht zu kühn; aber es gibt eine Zärtlichkeit, die, wenn ſie ſchon nicht in der Liebe iſt, doch, das fühle ich beſtimmt, für meine Wünſche genügend wird. Und wenn ich ſo unausſprechlich glücklich wäre, dieſe zu gewinnen, ſo würde mein ganzes Leben nicht hinreichen, das Geſchenk derſelben zu vergelten.“ „Aber, Herr Graf, es ſteht nicht in meiner Macht, Ihnen weder einen größeren noch geringeren Theil davon zu gewähren; und ich würde uns beiden gewiß das Schmerzliche dieſes Augenblicks erſpart haben, wenn ich nicht gefürchtet hätte, einen Auftrag Papa anzuvertrauen, der gewiß tief dadurch betrübt worden wäre. Seyen Sie überzeugt, daß es mir unmöglich iſt, meine Hand zu ver⸗ ſchenken, wenn kein wärmeres Geſühl ſie begleitet; und des hochgeſinnten Grafen M— wäre eine ſolche Gabe jedenfalls unwerth.“ Ein unausſprechlich ſüßes und war⸗ mes Lächeln ſollte einer ſo vollkommen entſcheidenden Antwort das Schmerzliche benehmen; aber Graf M— fühlte dieſen Schmerz dennoch tief, und in ſeinen Augen ſah Iſabelle den Ausdruck einer weit ſtärkeren Gemüths⸗ bewegung, als ſeine Worte ausſprachen. „Ich will dann Ihre Geduld nicht länger ermüden, mein Fräulein,“ ſagte er mit großer Selbſtbeherrſchung; „ich danke Ihnen nur noch für die Milde, womit Sie das Bitt ſuchten.“ Iſabelle Freundſchaft, u. ſ. w. Sie volle Miene Grafen bis zu ſie ſeinen Ant Unterdeſſe die jedoch ni wollte, die er beſte Katharin „ich ſehe die neues Geſpann einen Korb he angenommen! leichter geweſe da ich ja ſcho Nein, meine geſcheidtes Me ſchauen laſſen daß ich recht „Ich wil Deine Eigenli es wäre eben kennte als D böſe, was 1 ſie Priſe auf war. Dem Ol reichen Schw zugezogen zu tigen, ehe die tung an's Lic nie auf den( Sophie, Iſe unit einer Sie das Bittere unſerer Unterredung hinwegzunehmen ich er leiſe, ſuchten.“ es Geſchenk— Iſabelle kam jetzt nicht mit dem Anerbieten einer teu, wenn Freundſchaft, welche die Stelle der Liebe einnehmen ſollte, eit begleitet 1 ſ. w. Sie ſprach kein Wort weiter; aber die achtungs⸗ . 4 volle Miene und die verbindliche Art, womit ſie den keit wider⸗ Grafen bis zur Thüre begleitete, bewies hinlänglich, daß plich ſchwer ſie ſeinen Antrag zu würdigen wußte. ſo, hii⸗ Unterdeſſen war der Oberſt bei der Kammerräthin, Ihnen die die jedoch nicht in die ſichern Hoffnungen einſtimmen wollte, die er ſich machte.„Ich verſichere Dich, meine des Grafen. beſte Katharine Sophie,“ erwiederte er auf ihre Einwürfe, er es gibt ich ſehe die Sache für entſchieden an, daß ich mein der Liebe neues Geſpann darauf wetten will! Wenn Jſabelle ihm ie Wünſche einen Korb hätte geben wollen, ſo würde ſie ihn nicht ch glücklich angenommen haben. Es wäre in dieſem Falle wohl nzes Leben leichter geweſen, mich zum chargé d'affaires zu wählen, gelten.“ da ich ja ſchon zum postillon d'amour auserſehen war. ner Macht, Nein, meine gnädige Frau Schweſter, Iſabelle iſt ein heil davon geſcheidtes Maͤdchen. Sie wollte uns nicht in ihre Karten gewiß das ſchauen laſſen, aber ich habe meine kleine Gewohnheit, wenn ich daß ich recht hübſch im Finſtern ſehe.“ 1 Avertrauen,„Ich will von Herzen wünſchen, mein Bruder, daß Seyen Sie Deine Eigenliebe Dir hier keinen Streich ſpielt; aber nd zu ver⸗ es wäre eben nicht unglaublich, daß ich Iſabellen beſſer eitet; und kennte als Du.“ Die Kammerräthin war offenbar etwas lche Gabe böſe, was man beſonders daran merken konnte, daß 3 und war⸗ ſie Priſe auf Priſe nahm, bis die Doſe beinahe leer ſcheidenden war. Praf M Dem Oberſt, der eine große Achtung vor ſeiner nen Augen reichen Schweſter hatte, that es leid, ſich ihre Ungnade Gemüths⸗ zugezogen zu haben; und um ſie wo möglich zu beſänf⸗ tigen, ehe die Sache ſelbſt die Richtigkeit ſeiner Behaup⸗ ermüden, tung an's Licht ſetzte, ſagte er vermittelnd:„Ich würde herrſchung; nie auf den Gedanken gerathen ſeyn, meine liebe Katharine 2, womit Sophie, Iſabellens Eigenheiten beſſer beurtheilen zu ———-—-—— können als Du, unter deren liebevoller Pflege ſie ſich ent⸗ wickelt hat, wenn nicht...“ „Was willſt Du damit ſagen, mein Bruder?“ unterbrach ihn die Kammerräthin heftig.„Du wiillſt am Ende gar behaupten, ich habe ihr dieſelhen ein⸗ geimpft?“ „Gott bewahre, wie kannſt Du nur meine Worte ſo ſehr mißverſtehen! Meine Meinung war nur, daß Du, die ihrer Entwickelung gefolgt iſt, natürlich kompetenten in ihrer Beurtheilung ſeyn dürfteſt als ich, ſofern nicht der nicht unbedeutende Vorrath von Menſchenkenntniß, den ich während meines ziemlich ereignißreichen Lebens ſammelte, ſowie die Welterfahrung und, wenn ich ſo ſagen darf, der ſcharfe Blick, den ich dabei erwarb, mir einen gewiſſen Anſpruch darauf gäben, wenigſtens eben ſo weit wie Andere zu ſehen.“ Die Kammerräthin rückte hin und her. Das Katzen⸗ artige in den ſchmeichelnden Worten des Oberſten behagte ihr nicht; und etwas zu weit gehend ſprach ſie:„Ich meine doch, Du ſollteſt Deiner Welterfahrung und Men⸗ ſchenkenntniß etwas mißtrauen, und nicht für ſo ausge macht annehmen, daß Du weiter ſäheſt als Andere, da Du erſt neulich Gelegenheit hatteſt, Dich von der Unzu⸗ länglichkeit beider zu überzeugen; denn ich kann Dich verſichern, daß dieſe Andern nie bezweifelten, daß Dein Heirathsprojekt mit Klas Malchus mißlingen würde.“ Nur durch eine gewaltſame Anſtrengung vermochte der Oberſt bei dieſer ſchlimmen Wendung der Sache ſeine Faſſung beizubehalten. Seine Mienen zeigten indeſſen ein ordentliches Ragout von Süßem und Saurem, als er, ſeinen ganzen Vorrath von ernſter imponirender Ruhe heraufbeſchwörend, erwiederte:„Es gibt Zufälle, meine Schweſter, die kein Sterblicher berechnen kann. Undank⸗ barkeit und Mangel an Urtheilskraft waren ſtets die Klippen, an denen tiefe Pläne ſcheiterten. Dieſes Schick⸗ ſal traf auch Griechenlands und Roms weiſe Geſetzgeber. Was war es anders, als ein Mangel an Beurtheilungs⸗t vermögen ihres Grade von Un Es iſt ſch eigenen Gedan konnte; vielleig worden, den den die Kamm Ideen ſchnell? thüre ging. W ſeyn? Der O jetzt ſeine ſto unbedeutender fer Blick und dieſe nützliche mit einer voll gung ſprach: „Ich rei Das gnädige vollkommen g „Das iſt ſeyn!“ rief rung an die ſeyn— erlat zu ſprechen!“ „Durcha den Oberſten Die Abweiſu ſich nimmern und laſſen daß ich mich eine Ueberred Da lag zum zweiten unbeſchreiblie er Tyringsh „Nun, einige Einſt ſie ſich ent⸗ i Bruder?“ 1„Du willſt jeſelben ein⸗ ine Worte ſo r, daß Du, kompetenter ſofern nicht ſchenkenntniß, chen Lebens ich ſo ſagen , mir einen eben ſo weit as Katzen⸗ ſten behagte ſie:„Ich und Men⸗ t ſo ausge⸗ Andere, da n der Unzu⸗ kann Dich daß Dein würde.“ g vermochte Sache ſeine ten indeſſen aurem, als render Ruhe älle, meine n. Undank⸗ n ſtets die eſes Schick⸗ Geſe tgeber. urtheilungs⸗ 59 vermögen ihres Werthes, verbunden mit einem hohen Grade von Undankbarkeit, was ſie ſtürzte?“ Es iſt ſchwer zu ſagen, wie ſich der Oberſt in ſeinen eigenen Gedanken mit Roms Geſetzgebern zuſammenſtellen konnte; vielleicht wäre es ihm auch ziemlich ſchwer ge⸗ worden, den kleinen ſarkaſtiſchen Einwurf zu erwidern, den die Kammerräthin eben machen wollte, als beider Ideen ſchnell eine andere Richtung nahmen. Die Salon⸗ thüre ging. Wie, konnte der Graf ſchon ſo ſchnell zurück ſeyn? Der Oberſt eilte ihm entgegen; aber wohin flogen jetzt ſeine ſtolzen und eitlen Verſicherungen, ſein nicht unbedeutender Vorrath von Menſchenkenntniß, ſein ſchar⸗ fer Blick und ſeine Welterfahrung, wohin flogen jetzt all' dieſe nützlichen und vortrefflichen Dinge, als Graf M— mit einer vollkommen artigen, aber etwas kalten Verbeu⸗ gung ſprach: „Ich reiſe mit einem Korbe ab, mein lieber Oberſt! Das gnädige Fräulein hat mich von allen Heirathsgrillen vollkommen geheilt.“ „Das iſt unmöglich! Das muß ein Mißverſtändniß ſeyn!“ rief der Oberſt, ganz vernichtet bei der Erinne⸗ rung an die eben gehabte Unterredung.„Es kann nicht ſeyn— erlauben Sie mir, ein vernünftiges Wort mit ihr zu ſprechen!“ „Durchaus nicht,“ erwiederte der Graf und faßte den Oberſten beim Arm.„Ich kann das nicht zugeben. Die Abweiſung des Fräuleins war ſo entſchieden, daß ſich nimmermehr eine günſtige Veränderung denken läßt; und laſſen Sie mich noch für meine Perſon hinzuſetzen, daß ich mich beleidigt finden würde, wenn man irgend eine Ueberredung verſuchte.“ Da lagen jetzt die ſchönen Luftſchlöſſer des Oberſten zum zweiten Male über den Haufen geworfen; und mit unbeſchreiblich langer Naſe ſah er Graf M— nach, als er Tyringsholm verließ. 3 „Nun, ſiehſt Du, mein Bruder, daß Andere auch einige Einſicht haben können!“ ſprach die Kammer⸗ 60 räthin, die bei ihrem Kummer über Iſabellens abſchlägige Antwort wenigſtens den Troſt hatte, vor ihrem ſuperklu⸗ gen Bruder mit einem Scharfſinne prahlen zu können, den er ihr nicht hatte zutrauen wollen. „Ja ich ſehe,“ entgegnete der Oberſt,„daß Ge⸗ waltthätigkeit, Empfindſamkeit und Mangel an geſun⸗ dem Menſchenverſtand die Folgen der Erziehung ſind, die Du meiner Tochter gegeben haſt! Unter meiner eigenen Aufſicht hätten all' dieſe Fehler nicht aufſchießen können.“ Die Kammerräthin hielt es gewiß unter ihrer Würde, ſo einfaltige Vorwürfe von ſich zu weiſen; aber ſie erzeugten keine wohlwollenden Gedanken gegen ihren Bruder in ihr. Einige langweilige und einſame Tage folgten auf dieſe zweite denkwürdige Niederlage des Oberſten. ſich damals in Mörkedal aufhielt, aber deſtomehr Richard; und jedes Mal, daß er das Unglück des Lieu⸗ tenants beklagte, fügte er die Bemerkung bei, Niemand könne ihn ſo gut unterhalten und erheitern, wie Richard, woraus Iſabelle ſchloß, daß die größte Trauer um Richard gerade aus dem Verluſte ſeines lebenden Umganges entſpränge. Iſabelle ſelbſt war gewiß auch nicht frei davon, dieſen Verluſt zu empfinden; und wenn die Wände in dem rothen Kabinete von all' den Seuf⸗ zern hätten plaudern können, die dort in den einſamen Abendſtunden ertönten, ſo... Doch es iſt recht gut, daß man die Wände nicht inquiſitoriſch verhören kann, denn dann lämen wahrſcheinlich mehr Neuigkeiten zu Tage, als zu wiſſen wünſchenswerth wäre. Fremde kamen und gingen; aber unter ihnen Allen war Niemand, der den Oberſten beſonders gefeſſelt hätte. Graf M—, ja das war ein Mann der Geſell⸗ ſchaft geweſen, ein Mann von feinen Sitten, Anſehen, Geſchmack und Verſtand! Den konnte Niemand erſetzen; und dazu mußte noch Richard krank ſeyn— wo gah es in dem ganzen Kreis ihrer Bekannten einen einzigen, Er vermißte zwar nicht Klas Malchus, der, der mehr für il der Graf aus niſſe halber. „Und der zu ſeiner Frau Geſellſchaft lei Edelmann, der verwandt iſt: ſchleppen zu l elende Reichsth Dich, meine L unerhörtes Au ſich derſelben b den leſen müſſ L—, Schwage deſſen Sohn k holm ererbte, ſtände genöthig ſchlechtes zu ver baulich werden daß ich in der für eine Zeit brechen werde. meine Zuſtimmt Die Barr rückhalten, als thue das nicht unter ſolchen Aufenthaltsorte „Es geſch ich dieſen Schi offen meine An „Und er a „Er antw und unter un Major jene F einer guten E⸗ 1s abſchlägige em ſuperklu⸗ zu können, „„daß Ge⸗ an geſun⸗ ehung ſind, nter meiner aufſchießen unter ihrer weiſen; aber gegen ihren iſame Tage Perlage des deſtomehr f des Lieu⸗ ti, Niemand itern, wie ößte Trauer es lebenden gewiß auch und wenn den Seuf⸗ en einſamen recht gut, bören kann, igkeiten zu hnen Allen es gefeſſelt der Geſell⸗ „Anſehen, d erſetzen; — wo gab n einzigen, alchus, der 61 der mehr für ihn paßte, als dieſe zwei, die nicht kamen, der Graf aus Zartgeſühl und Richard geſetzlicher Hinder⸗ niſſe halber. „Und der Major, der Major!“ ſagte der Oberſt zu ſeiner Frau, die ihm in Ermangelung eines Beſſern Geſellſchaft leiſten mußte;„heißt das gehandelt wie ein Edelmann, der mit einem der beſten Häuſer im Lande verwandt iſt: ſeine Ahnen aus ihrem ruhigen Grabe ſchleppen zu laſſen, nur um nicht ein Paar tauſend elende Reichsthaler ausgeben zu müſſen? Ich verſichere Dich, meine Liebe, dieſe Sache wird ein großes, ein unerhörtes Aufſehen machen! Die Zeitungen werden ſich derſelben bemaͤchtigen, und denk' an mich, wir wer⸗ den leſen müſſen:„Der Major und Ritter, Herr v. L—, Schwager des fameuſen Oberſten, Baron v. X—, deſſen Sohn kürzlich das große Fideicommiß Tyrings⸗ holm ererbte, hat ſich in Folge ſeiner beſchränkten Um⸗ ſtände genöthigt geſehen, die Familiengruft ſeines Ge⸗ ſchlechtes zu verkaufen u. ſ. w“ Ja, das wird ſehr er⸗ baulich werden! Und ich muß Dir ſagen, Eugenchen, daß ich in der That noch im Zweifel bin, ob ich nicht für eine Zeit lang allen Umgang mit des Majors ab⸗ brechen werde. Niemand ſoll glauben, daß dieſer Skandal meine Zuſtimmung gehabt habe.“ Die Baronin konnte ein feines Lächeln kaum zu⸗ rückhalten, als ſie erwiederte:„Mein beſter Malchus, thue das nicht; denn Du wirſt einſehen, daß Richard unter ſolchen Umſtänden Tyringsholm nicht zu ſeinem Aufenthaltsorte wählen wird.“ „Es geſchieht auch nur um Richards willen, daß ich dieſen Schimpf ertrage; aber ich habe dem Major offen meine Anſicht geſagt.“ „Und er antwortete?“ „Er antwortete mit der Rohheit eines Bauern— und unter uns, ich habe es ſtets beklagt, daß der Major jene Feinheit entbehrt, welche das Kennzeichen einer guten Erziehung iſt— daß er nicht im Sinne habe, ſeinen eigenen Kindern das Brod aus dem Munde zu nehmen, um Würmer im Grabe damit zu füttern, und daß dieſe alten ariſtokratiſchen Würmer keineswegs zu gut ſeyen, um denen Geſellſchaft zu lei⸗ ſten, die aus dem Leichnam eines ehrlichen Bauern ent⸗ ſtänden!“ „Mein beſter Malchus, Du wirſt den Major ge⸗ wiß ſehr gereizt haben, bis er ſo etwas antworten konnte,“ verſetzte die Baronin, wirklich erſtaunt. Es war nicht zu verkennen, daß ſie in Betreff des Gruft⸗ ſtreites gerne auf die Seite ihres Mannes getreten wäre. „Ihn gereizt?“ wiederholte der Oberſt mit einer verächtlichen Krümmung ſeiner noch ſchönen Lippe. „Ich reize Niemand, meine Liebe! Ich ſage nur meine Meinung, und das ſtets mit Berückſichtigung all' die Achtung, die man ſowohl ſich, als Andern ſchuldig iſt, obſchon man ſeinen gehörigen Aerger einnehmen muß, das weiß Gott; und davon habe ich gewiß nicht weniger bekommen, ſeit meine würdige Frau Schweſter und die Fräulein Tochter im Hauſe iſt.“ „Lieber Malchus, ſprich nicht ſo! Ich bin ſo glück⸗ lich, wenn ich nur meine ſchöne, einnehmende Iſabelle ſehe; und gewiß biſt auch Du ſtolz auf ſie!“ „Das könnte ich ſeyn, wenn ihre Schönheit und ihr geſellſchaftlicher Ton von einigem Nutzen wären; aber wer bekommt etwas davon zu ſehen oder zu fühlen, wenn ſie auf dieſe Art fortfährt? Sie benimmt ſich ja ſo ſonderbar, daß man ſich uber ihr launiſches Weſen krank ärgern könnte. Da mag der Erſte kommen und der Zweite, und der Dritte und der Vierte, und ſie ſitzt da und empfängt ſie ganz gleichgültig, dabei unartig in ihren Shawl eingehüllt und mit einem Geſichte, als ob ſich das ganz für ſie paßte!“ „Wenn ihr Weſen, wie es nun einmal iſt, ſie nicht ſo gut kleidete,“ wendte die Baronin ein,„dann wären wohl die Stimmen darüber getheilt; aber ſagen nicht Alle, ſie ſey bezaubernd?“ „Bezau den Mutter ſoll mir w ſey! Das können. 5 holm geglä verweilen k wir wechſels dann bei ganzen Ta⸗ Sopha zu zu Hauſe und noch d iſt wahrhaft wird ſo lar zu wählen Nachde Lächeln ihr gedrückt ha geſchähe, n Vermögen, immerhin e „Das mir nur, w geſuchte T Schwiegerſe nem eigene Allein wie ſchlechtes Klas Mal „Mein Pauſe fort theilt, die ihn indeſſen ſorgniß. haben, in vod aus dem rabe damit zu ſchen Würmer Uſſchaft zu lei⸗ n Bauern ent⸗ en Major ge⸗ vas antworten erſtaunt. Es eff des Gruft⸗ getreten wäre. derſt mit einer ſchönen Lippe. age nur meine igung all' die en ſchuldig iſt, nnehmen muß, Z nicht weniger weſter und die h bin ſo glück⸗ mende Iſabelle 1“ Schönheit und Nutzen wären; oder zu fühlen, enimmt ſich ja uniſches Weſen e kommen und e, und ſie ſitzt dabei unartig n Geſichte, als al iſt, ſie nicht „„dann wären der ſagen nicht 63 „Bezaubernd— ja doch, in den Augen einer blin⸗ den Mutter und einiger blinden Tanten! Aber Niemand ſoll mir weiß machen, daß ſo etwas Ton oder Styl ſey! Das hätte bei der Gräfin M— noch hingehen können. Die Gräfin hätte den Winter über in Stock⸗ holm geglänzt, wo auch wir von Zeit zu Zeit hätten verweilen können; und während des Sommers wären wir wechſelsweiſe hier und in Svärdſö geweſen, wo es dann bei der jungen Gnädigen geſtanden wäre, den ganzen Tag über in ihren Shawl gehüllt auf dem Sopha zu liegen, wenn es ihr ſo beliebt hätte. Aber zu Hauſe bei ihren Eltern ſolche Unarten auszuüben, und noch dazu als unverheirathetes Frauenzimmer, das iſt wahrhaftig nicht ſehr paſſend— nnd ich glaube, ſie wird ſo lange wählen, bis ſie endlich Niemand mehr zu wählen hat, als den rothen und blauen Shawl.“ Nachdem die Baronin pflichtſchuldigſt durch ein Lächeln ihr Gefallen an dem hübſchen Wortſpiele aus⸗ gedrückt hatte, erwiederte ſie ernſt:„Und wenn es ſo geſchähe, wäre denn das ein ſo großes Unglück? Das Vermögen, welches ſie erbt, kann ihr ja das Leben immerhin leicht und angenehm machen.“ „Das mag ſeyn, obſchon es thöricht iſt; aber ſage mir nur, was es mich nützte, eine ſchöne, gefeierte und geſuchte Tochter zu haben, wenn ſie mir nicht einen Schwiegerſohn verſchaffte, der durch ſeinen Namen mei⸗ nem eigenen einen doppelten Glanz verleihen würde? Allein wie ſieht es nun mit der Zukunft meines Ge⸗ ſchlechtes aus, weun Iſabelle unvermählt ſtirbt und⸗ Klas Malchus... Doch Gott verhüte, daß es ſo gehe!“ „Mein Lieber,“ fuhr die Baronin nach einer kurzen Pauſe fort,„Du haſt mir nie die Befürchtung mitge⸗ theilt, die Dich in Betreff Klas beunruhigt. Ich habe ihn indeſſen beobachtet, und war auch nicht ohne Be⸗ ſorgniß. Ich würde es jedoch gewiß nicht gewagt haben, in Dein Vertrauen einzudringen, wenn ich Dir nicht eine Neuigkeit mitzutheilen hätte, die Dich vielleicht freuen wird. Marie hat einen Freier bekommen.“ Der Oberſt wurde ſchnell nach einander roth und blaß.„Dieſe Neuigkeit, meine beſte Eugenie, kann freilich von unberechenbarer Wichtigkeit für uns ſeyn, ſie kann aber auch mehr als alles Andere das Ungluͤck beſchleunigen, das ich Dir nicht länger verbergen will, da Du ſelbſt ſo klug biſt, um es einzuſehen und zu be⸗ fürchten. Wer iſt der Freier 2 Iſt keine Ausſicht vor⸗ handen, daß er ihr gefallen kann?“ „Ich meine, das ſollte er ihr; denn es iſt wahrlich keine ſchlechte Parthie, und für ein armes Madchen wie ſie, beinahe über alle Erwartung. Der Freier iſt auch recht hübſch; es iſt der junge Brogren, der Neffe und Gehülfe des Kommiſſars Brogren. Er wird gewiß den Dienſt bekommen, wenn der Alte ſeinen Abſchied nimmt.“ „Das iſt ja prächtig!“ ſagte der Oberſt etwas auf⸗ geheitert.„Ich habe den Menſchen mehrmals geſehen. Er iſt ſehr hübſch in ſeiner Art; und könnte man ſie verloben, während Klas Malchus fort iſt, ſo wäre das bei meinem Lebeu ein ſehr wünſchenswerther Wurf. Man muß es geſchickt angreifen, um ihnen beizubringen, daß wir Marie eine ordentliche Ausſteuer zu geben Willens ſind! Der Umſtand wird wenigſtens bei Vater und Mutter wirken.“ „Vielleicht,“ ſagte die Baronin, die befürchtete, die Sache möchte ebenſo ſchlimm ausgehen, wie die beiden andern Heirathsprojekte, wenn ſich ihr Mann in die Sache miſchte,„vielleicht wäre es gut, wenn ich die Angelegenheit ein wenig zum voraus rekognoscirte und hörte, wie Mutter Chriſtine und der Alte ſelbſt ſie be⸗ trachten? Ich fahre aus und halte wie zufälligerweiſe am Meßnerhauſe; das wäre ſehr einfach.“ „Nur, meine liebe Eugenie— verzeih', daß ich s Dir aufrichtig ſage— wende mir bei Betreibung dieſer Sache gehörige Feinheit und Geſchicklichkeit an. Viel⸗ 71 leicht wäre es beſſer, wenn ich ſelbſt... digen Herr „Nein, es gediehen iſt Marie ſ „Nun, es lieber g. zu beſtellen. Eine 6 Ausſahren gütiger Her Gewiß auf der Ba zen Familit legener Eil unvermuther unterbrochen „Ei, bei uns ſie ihrer Schi „Es iſt ſe dieſe Ehre und ſetze d macht ſich Kaffee bei Der J her eine Wamms tauſchen; würdig ge zu leiſten, gleich mit hich vielleicht nen.“ r roth und Penie, kann uns ſeyn, das Unglüͤck bergen will, und zu be⸗ Nlusſicht vor⸗ iſt wahrlich Madchen wie teier iſt auch er Neffe und d gewiß den hied nimmt.“ ſſt etwas auf⸗ nals geſehen. unte man ſie ſo wäre das Wurf. Man ibringen, daß geben Willens i Vater und ffuͤrchtete, die vie die beiden Mann in die wenn ich die gnoscirte und ſelbſt ſie be⸗ zufälligerweiſe „, daß ich es reibung dieſer it an. Viel⸗ 65⁵ „Nein, noch nicht! Laß uns zuerſt hören, wie weit es gediehen iſt, ehe Du Dich darein miſcheſt. Vielleicht iſt Marie ſchon Braut.“ „Nun, ſo gehe in Gottes Namen allein, aber thue s lieber gleich jetzt! Ich gehe ſelbſt, um den Wagen 7 beſtellen.“ Eine Stunde ſpäter ließ die gnädige Frau bei ihrem Ausfahren am Meßnerhauſe halten, und trat ſelbſt mit gütiger Herablaſſung unter das niedere Dach deſſelb Fünftes Kapitel. Wendif war hier hen ein kleiner häuslicher Zwiſt auf der Bahn geweſen, denn man bemerkte an der gan⸗ zen Familie jenen Charafter der Verw rung und ver⸗ legener Eile, der ſolche Auftritte bezeichnet, wenn ſie unvermuthet durch die Dazwiſchenkunft eines Fremden unterbrochen werden. „Ei, wie ſelten man die gnädige Frau Baronin bei uns ſieht!“ ſagte Mutter Chriſtine und wiſchte mit ihrer Schurze ſchnell einige Staubkö tner vom he. „Es iſt ſchon eine ſchoͤne Zeit, daß dem Meßnerhofe dieſe Ehre nicht iderahren iſt... Meo˖ alie, geh' hinaus und ſetze den Kaffeetopf an's Feuer! Di lmädige Frau macht ſich vielleicht ſo gemein und genießt einen Tropfen Kaffee bei uns.“ Der Kapellmeiſter, der noch von ſeiner Theaterzeit her eine gewiſſe Eleganz behauptete, eilte ſich, das Wamms gegen den ehrbaren blauen Ueberrock zu ver⸗ tauſchen; und nachdem er ſich auf alle Art der Ehre würdig gemacht hatte, der gnädigen Fran Geſellſchaft zu leiſt en, kehrte er zurück und leitete das Geſpräch ſo⸗ gleich mit einigen artigen Fragen nach der ganzen gmä⸗ gen Herrſchaft, beſonders nach dem Lieutenant ein, deſſen Das Fideicommiß. 11. 5 Unglück ſie Alle mit Betrübniß und Theilnahme erfahren hätten. „Ja,“ ſagte die Baronin,„wir werden wohl lange warten müſſen, bis unſer wackerer Lieutenant wieder zurückkömmt; und das iſt um ſo trauriger, als wir auch Klas Malchus entbehren müſſen, der ſeinen Freund nicht verlaſſen will.“ „Ja, da haben die gnädige Frau Recht! Es iſt kein kleiner Verluſt, wenn man ſo viel auf einmal ent⸗ behren muß. Aber“ ſetzte der alte Alſing hinzu und begleitete ſeine Worte mit einem bedeutungsvollen Lächeln, das darauf berechnet war, die Aufmerkſamkeit der Baronin rege zu machen, was es auch that;„aber den Herrn Baron zieht vielleicht noch etwas beſonders dahin?“ „Was zieht ihn hin, mein lieber Herr Kapellmeiſter?“ Entweder begriff die gnädige Frau etwas ſchwer, oder that ſie mit Fleiß, als verſtehe ſie es nicht. „O, es iſt dumm, wenn man dem Gerüchte nach⸗ ſchwatzt, das faſt immer mehr weiß, als die Leute ſelbſt wiſſen! Man ſagte ſo, der junge Baron habe noch be⸗ ſondere Geſchäfte in Mörkedal. Des Generals Tochter ſoll ſchön und in jeder Beziehung liebenswürdig ſeyn— die gnädige Frau merken den Reſt oder das Ende vom Lied, wie es im Sprichwort heißt.“ Die Baronin begriff, welchen Vortheil ſie daraus ziehen könnte, wenn ſie ſich ſtellte, als habe das Gerücht keinen falſchen Grund, oder wenn ſie auch nur ſtillſchwei⸗ gend demſelben ihren Beifall ſchenkte. Der Oberſt würde einen ſolchen Zufall mit Freude benützt haben; aber die Baronin kannte ihren Sohn und zitterte vor dem Ge⸗ danken, daß er derxeinſt ſie als Mithelferin bei einer Sache anklagen könnte, deren Folgen noch ungewiß wa⸗ ven, die aber, ſie ſah das ein, recht herbe werden konnten. Die Baronin Eugenie liebte die Wahrheit; und obſchon ſie ſich innig von der Furcht zu befreien wünſchte, daß ihr Sohn eine Gattin von ſo niederer Herkunſt wählen möchte, ſo wollte ſie doch dieſen Vortheil um keinen Preis 2 W durch eine Worten aus laſſen. „Dieß lieber Kape von Gerüch ſchwätz eben hofe läuft, eine Hochze laden wir Braut, und Der K ter Chriſtin „Ei, um's ſchon etwas es ſtiege ke geweſen wä tem noch ni reden könnte „Aber folgen,“ be „Ja, gewöhnliche daß wir es Marie iſt man ſich 1 ein ſolches Vaters gef dürften vie verzeihen S ein wenig machen kön erfahren hl lange wieder wir auch und nicht Es iſt mal ent⸗ linzu und n Lächeln, Baronin en Herrn 1 20 Lmeiſter?“ ver, oder hte nach⸗ eute ſelbſt e noch be⸗ s Tochter g ſeyn— Ende vom ſie daraus ¹s Gerücht ſtillſchwei⸗ eerſt würde zaber die dem Ge⸗ bei einer gewiß wa⸗ en konnten. nd obſchon iſchte, daß aſt wählen einen Preis F 67 durch eine Unwahrheit erkaufen, mochte dieſe ſich nun in Worten ausſprechen, oder aus ihrem Stillſchweigen ahnen laſſen. „Dieß Gerücht hat durchaus keinen Grund, mein lieber Kapellmeiſter,“ ſagte ſie lächelnd;„aber apropos von Geruchten, ſo muß ich Ihnen ſagen, daß das Ge⸗ ſchwätz ebenſo ſchnell vom Meßnerhauſe nach dem Herren⸗ hofe läuft, als umgekehrt. Wir hörten, daß wir bald eine Hochzeit zu gewarten haben; und wenn das iſt, ſo laden wir uns zu Gaſte ein. Marie gibt eine hübſche Braut, und ich behalte mir vor, ihr die Krone aufzuſetzen.“ Der Kapellmeiſter ſchien etwas verlegen, aber Mut⸗ ter Chriſtine ſchlug die Hände zuſammen und rief aus: „Ei, um's Himmels Willen! haben Ihro Gnaden auch ſchon etwas davon gehört? Nun, nun, ich muß geſtehen, es ſtiege kein Rauch vom Brand, wenn nicht Feuer da geweſen wäre. Aber lieber Gott, wir ſind ja bel Wei⸗ tem noch nicht ſo weit gekommen, daß man von Hochzeit reden könnte.“ „Aber die pflegt doch gewöhnlich auf das Freien zu folgen,“ bemerkte die Baronin. „Ja, ja,“ verſetzte der Kapellmeiſter,„ſo iſt es in gewöhnlichen Fällen, aber Ihro Gnaden dürfen glauben, daß wir es hier nicht mit einem ſolchen zu thun haben. Marie iſt zwar meiſtentheils ein ſo gutes Kind, als man ſich nur eines wünſchen kann, und ſie hätte ganz ein ſolches werden können, wenn ſie dem Rathe ihres Vaters gefolgt wäre. Ihre Stimme— Ihro Gnaden dürften vielleicht noch nicht ihres Gleichen gehört haben; verzeihen Sie, daß ich das ſage, aber ich verſtehe mich ein wenig auf ſo etwas— ihre Stimme hätte ihr Glück machen können. Ich wollte ſie an das königliche Theater in Stockholm bringen. Es wäre eine große Sängerin aus ihr geworden; aber ſie hat ihr eigenes Beſtes nie begriffen, und wie ſie damals eigenſinnig war und ſich weigerte, ſo thut ſie es auch jetzt. Es iſt auf alle Fälle 5* eine ſo anſtändige Parthie, als ſich nur eine erwar⸗ und ſtolz, ten läßt“. dergallerie „Ja, ich halte ſie für ſehr vortheilhaft,“ ſagte die und Mutt Baronin.„Brogrens Onkel iſt vermöglich; und da ich gen, daß Marie ſtets lieb gehabt habe, ſo wird ſie gewiß nicht verſicherte, ohne eine paſſende Mitgiſt in die Ehe kommen. Sie behandelt, wird dann Frau, und man muß deßhalb auf Alles Be⸗ heit weder dacht nehmen.“ Der „Ihro Gugden ſind gar zu gut!“ erwiederte Mut⸗ ihm nie e ter Chriſtine, die, obgleich ſie bei Baron Klas' uner⸗ zu ſehen, ſchüͤtterlichem Schweigen über dieſe Sache die Hoffnung Baron K aufgegeben hatte, in Marien einſt eine vornehme Dame ungleiche zu ſehen, gleichwohl jetzt in dem Eifer der Baronin eine und ging Beſorgniß zu ſehen meinte, die ihre alten kühnen Ge⸗ in dem N danken neu belebte, und die Luſt an der Parthie mit Geſchenk Brogren beinahe wieder abkühlte.„Ihro Gnaden ſind Zeichen ſe gar zu gut!“ Mutter Chriſtine machte einen zierlichen und da de Knir, aber weder in ihrem Tone noch in den Geberden lernt hatt lag der Ausdruck einer herzlichen Dankbarkeit. ihn ſelbſt. „Ja, das iſt mehr als uns gebührt,“ ſiel der Kapell⸗— Inde meiſter voller Komplimente ein;„kommt es aber einmal ſeine Ehre ſo weit, ſo danken wir zum voraus für die große Ehre. eine faſt e ſprach er: Es ſteht jedoch leider Gottes! noch in weitem Felde,. denn der Eigenſinn, der Eigenſinn!“ Der Kapellmeiſter men Herr ſchüttelte den Kopf. der ſich g „Aber,“ begann die Baronin, die einen etwas höh⸗ zwei Stro niſchen Zug um Mutter Chriſtinens Lippen zu bemerken an wen er meinte, und dadurch auf den Gedanken kam, ſie möchte Die vielleicht ihrer eigenen Sache geſchadet haben,„aber Mann, d warum iſt denn Marie ſo eigenſinnig? An was denit ſie Heden W denn— vielleicht an einen vornehmen Herrn? Ich ſollte Beifall zu doch denken, daß eine ſo verſtändige Mutter wie Mutter und ihr e Chriſtine weiß, was ihr zukommt und obliegt, wenn auch WVie ein ſiebenzehnjähriges unerfahrenes Kind noch ſo einfäl⸗ zeigen und tige Ideen haben könnte.“ Die Baronin Eugenie hatte ihr vornehmes Air an⸗ genommen, und wenn ſie dieß that, ſo war ſie ſteif, kalt „— da unſ're erwar⸗ Alles Be⸗ rte Mut⸗ las' uner⸗ Hoffnung me Dame onin eine hnen Ge⸗ rthie mit aden ſind zierlichen Geberden der Kapell⸗ ber einmal roße Ehre. tem Felde, apellmeiſter etwas höh⸗ t bemerken ſie möchte en,„aber 1s denkt ſie Ich ſollte vie Mutter wenn auch ſo einfäl⸗ es Air an⸗ e ſteif, kalt 69 und ſtolz, trotz irgend einer Dame aus der alten Bil⸗ dergallerie der Familie. Sie ſaß da hoch und gebietend, und Mutter Chriſtine fühlte ſich ſo vollkommen geſchla⸗ gen, daß ſie ſich einmal über das andere tief verneigend, verſicherte, ſie habe Marie ſtets nach beſtem Verſtande behandelt, und ſie würde gewiß auch bei dieſer Gelegen⸗ heit weder Rath noch Ermahnungen ſparen. Der Kapellmeiſter war höchlich erſtaunt. Es war ihm nie eingefallen, in den Beſuchen des Barons etwas zu ſehen, das auf eine Bewerbung deutete. Er hielt Baron Klas für eine ſonderbare, andern Leuten ganz ungleiche Perſon, die ohne einen andern Endzweck kam und ging, als weil er eben jetzt einmal gewohnt war, in dem Meßnerhauſe ſein Glas Waſſer zu trinken. Das Geſchenk des Klaviers ſah Alſing für ein herablaſſendes Zeichen ſeiner Zufriedenheit mit Mariens Geſang an; und da der Kapellmeiſter in eigener Perſon ſie ſingen ge⸗ lernt hatte, ſo ſiel dieſe Gunſtbezeugung zunächſt auf ihn ſelbſt. Indeſſen hatte der Alte jetzt da Sachen gehört, die ſeine Ehre ihm nicht unbemerkt zu laſſen erlaubte; und eine faſt ebenſo ſtolze Miene wie die Baronin annehmend, ſprach er:„Ich weiß nicht, auf was für einen vorneh⸗ men Herrn Marie warten ſollte, aber das weiß ich, daß der ſich gewaltig täuſcht, der glaubt, ich werde auch nur zwei Strohhalme über einander legen, um meine Tochter, an wen es auch ſeyn möchte, auszubieten!“ Die Baronin ſah mit vieler Güte auf den alten Mann, der ſich ſo vereiferte und deſſen Redlichkeit aus jedem Worte hervorleuchtete; ſie nickte ihm freundlich Beifall zu und ſetzte bei, Marie ſollte ſich wohl beſinnen, und ihr eigenes Beſtes in Betracht ziehen. „Vielleicht wollten uns Ihro Gnaden die Güte er⸗ zeigen und ſelbſt mit ihr ſprechen?“ fragte Alſing. „O ja, warum nicht, wenn Sie es wünſchen? Sieh' da unſ're artige Marie! Ei wie blank der Kaffeetopf iſt 70 — ich wette, Marie wird ihre Haushaltung recht in Ord⸗ nung halten.“ Marie verneigte ſich und ſetzte ſchweigend die Platte mit den Kaffeegeräthen auf den Tiſch. „Nun, Mariechen, man hat eine Neuigkeit in der Gegend ausgeſpürt: es heißt, die hübſche Marie Alſing gedenke ſich zu verheirathen.“ „Daran habe ich noch nicht gedacht,“ erwiederte Marie beſcheiden. „Aber es muß doch wohl nicht ſo ganz grundlos ſeyn; wenigſtens hat Marie einen hübſchen Freier.“ Marie wurde roth und ſetzte die Taſſen eilig in einer Reihe auf den Tiſch, wie die Mutter es haben wollte. „Ja, ja, Marie erröthet; ich wußte wohl, daß der junge Brogren Marien nicht ſo gleichgültig ſeyn könnte! Aber man muß nicht gar ſo ſchämig ſeyn; alle Mädchen heirathen endlich einmal, und Marie wird doch keine Ausnahme machen wollen.“ „Ich werde niemals Brogren heirathen!“ es lag etwas ſo Sanftes und zugleich ſo Beſtimmtes in dieſer Erklärung, daß die Baronin erſtaunte. „Was hat denn Marie gegen Herrn Brogren?“ „Nichts, ich will ihn nur nicht haben.“ „Nun wahrhaftig,“ ſagte die Baronin mit einem erzwungenen Lächeln, während ſie dazwiſchen von dem delikaten Kaffee ſchlürfte, den Mutter Chriſtine einge⸗ ſchenkt hatte,„wahrhaftig, Marie ſpricht ja, als ob ſie unter einem ganzen Schock Freier zu wählen hätte! Aber geſtatten denn Mariens Eltern, daß ſie ſo eigenſinnig iſt?“ „Es iſt gewiß kein Eigenſinn, Ihro Gnaden!“ ant⸗ wortete Marie demüthig.„Ich ehre und liebe meine Eltern zu ſehr, um mich ihnen zu widerſetzen; aber ich kann nicht dafür, daß Brogren mir nicht gefällt.“ „Marie liebt und ehrt ihre Eltern— und macht ihnen doch Kummer?“ „Ich kann nicht davor, nein, ich kann gewiß nicht davor!“ Mariens Thränen bedeckten ihre heiße Wange, und ſie mit Blick höres fle „Ih der Kape „Es die Baro ſetzte, de ſtalten tr Ma ſicherte, würde. das könn „Th worten indem ſi lichen N er lang ſch der Mar daß kein muth iſt bemerke aufmunt Hauſe ke licher M Sache; Als und die hatte„ daß der das wu dennoch von Mä ſelbſt h⸗ fen habe „N eit in der rie Alſing erwiederte grundlos ig in einer wollte. l, daß der yn könnte! e Mädchen doch keine !“ es lag in dieſer gren?“ mit einem n von dem ſtine einge⸗ als ob ſie hätte! Aber rfinnig iſt?“ aden!“ ant⸗ liebe meine n; aber ich llt.“ und macht gewiß nicht liße Wange, 71 und ſie ſah bald auf die Mutter, bald auf den Vater mit Blicken, die um den Schluß dieſes peinlichen Ver⸗ höres flehten. „Ihro Gnaden ſehen jetzt ſelbſt, wie es ſteht,“ meinte der Kapellmeiſter;z„man kommt nicht zurecht mit ihr.“ „Es thut mir leid, daß ich das ſehen muß!“ ſagte ie Baronin, indem ſie die Schaale wieder auf den Tiſch etzte, den Shawl um ihre Schultern hüllte, und An⸗ ſtalten traf, um den Beſuch zu beendigen. Marie zog ſich zurück; aber Mutter Chriſtine ver⸗ ſicherte, daß die Sache nicht ſo leicht behandelt werden würde. Zwang wage ſie jedoch nicht anzuwenden, denn das könnte ſie vor Gott nicht verantworten. „Thut, was ihr vor Gott und Menſchen verant⸗ worten könnt, Mutter Chriſtine,“ ſagte die Baronin, indem ſie in den Wagen ſtieg und mit einem freund⸗ lichen Nicken verſchwand. Der Kapellmeiſter und ſein Weib ſtanden eine Zeit⸗ lang ſchweigend vor der Hausthüre; dann äußerte ſich der Mann in ernſtem Tone alſo:„Hüte Dich, Chriſtine, daß kein Teufelszeug Dich in Beſchlag nimmt! Hoch⸗ muth iſt ein arger Verſucher, aber halte an Dich, denn bemerke ich, daß Du nur mit einer Miene den Baron aufmunterſt, ſo ſey gewiß, daß meine Tochter aus dem Hauſe kommt, das ſchwöre ich Dir, ſo wahr ich ein ehr⸗ licher Mann bin! Und jetzt kein Wort mehr von der Sache; ich will nichts weiter wiſſen!“ Als der Oberſt und ſeine Frau wieder allein waren und die letztere Rechenſchaft über ihren Auftrag abgelegt hatte, ſagte der Oberſt: Es iſt ſchon recht und gut, daß der Kapellmeiſter ſich wie ein braver Mann benimmt; das wußte ich zum voraus; aber die Aktien ſtehen jetzt dennoch ſchlimmer als vorher, da das einfältige Ding von Mädchen eine ſolche Widerſetzlichkeit zeigt: Ich hätte ſelbſt hingehen ſollen; es würde gewiß beſſer eingegrif⸗ fen haben!“ „Nein, mein beſter Malchus, es würde ihnen dann 72 nur klar geworden ſeyn, daß wir Mariens Gewalt über Klas fürchteten, und damit dürfen ſie ſich wenigſtens nicht ſchmeicheln.“ „Ja, aber iſt es nicht, wie ich ſage— Widerſtand auf allen Seiten! Und es iſt doppelt widerwärtig, wenn man dabei die Gewißheit hat, daß man ſo ſchnell allen Kummer los werden könnte, wenn nur der dumme Eigen⸗ ſinn des Mädchens nicht...“ Der Oberſt beendigte dieſen Satz erſt nach mehre⸗ ren Wochen; denn das ganz unvorhergeſehene Ereigniß, das ihn jetzt unterbrach, führte alle ſeine Gedanken nach einer andern Richtung. Es war ein Eilbote vom Flü⸗ gelgebäude, die Kammerräthin hatte einen heftigen Krampf⸗ anfall bekommen, und das Fräulein wünſchte, daß man ſogleich nach einem Arzte ſchicken möchte. „So, ſo,“ rief der Oberſt,„ja, es fehlte nur noch, daß wir auch Krankheit in's Haus bekommen und vielleicht noch etwas Schlimmeres!“ Der Oberſt hatte einen ent⸗ ſetzlichen Abſcheu vor jeder Art Krankheit und einen wah⸗ ren Haß gegen den Tod. Krankheit und Leichen in ſei⸗ nem neureparirten und prachtvollen Hauſe, wo er dieſe Gäſte ſo ſpät als möglich zu ſehen hoffte, waren ihm ſchrecklicher als alles Andere. Trauer und Leichenge⸗ prange, Räucherwerk und brennende Kerzen in ſchwarz⸗ ausgeſchlagenen Zimmern machten ihn ganz erſtarren. Beim Tode ſeines Schwiegervaters hatte er indeſſen in dieſen Zurüſtungen nicht all' das Unangenehme geſehen, das ſie ſonſt für ihn hatte: den Hingang des alten Ba⸗ rons hatte er ja lange erwartet und als unumgänglich nothwendig betrachtet, damit er ſelbſt zu einem rechten Leben käme; aber ſchon jetzt, nach einigen nur zu ſchnell verfloſſenen Monaten, dieſes abſcheuliche Unweſen ohne irgend einen Nutzen erneuert zu ſehen, das war noch mehr als höchſt unangenehm. „Es wird wohl nicht ſo gefährlich ſeyn,“ tröſtete ihn die Baronin. „Nicht ſo gefährlich! Was weißt Du, meine liebe Eugenie es heißt Korpule ich von aus!“ Abe Kammer artigen er hörte deſſen un Bett ihr „3 Frau, erinnerte geweſen hatte. Es iſt Iſabelle das gnäd ſinn, ko einige 2 mir eine hieher das Ele welches Unannel die Kan waren!“ Un von ſer Klas T eine ſo lich, a junge 2 niß geſt nicht. die Pö⸗ walt über bſtens nicht Widerſtand rtig, wenn hnell allen ime Eigen⸗ ch mehre⸗ Ereigniß, danken nach vom Flü⸗ Krampf⸗ daß man nur noch, id vielleicht einen ent⸗ inen wah⸗ en in ſei⸗ o er dieſe waren ihm Leichenge⸗ n ſchwarz⸗ erſtarren. indeſſen in ie geſehen, alten Ba⸗ umgänglich tem rechten zu ſchnell veſen ohne war noch „“ tröſtete neine liebe 73 Eugenie, wie gefährlich es iſt? Du weißt nicht, was es heißt, wenn eine Perſon von Katharine Sophiens Korpulenz erkrankt, und dann mit ihrem Krampfe, den ich von Alters her kenne! Da iſt es Knall und Fall aus!“ Aber es ging nicht Knall und Fall aus, denn die Kammerräthin erkrankte an einem langwierigen und bös⸗ artigen Fieber; und der Oberſt litt tauſend Qualen, als er hörte, daß Auſteckung zu befürchten ſey, zumal er deſſen ungeachtet Iſabellen nicht vermögen konnte, das Bett ihrer Tante zu verlaſſen.. „Ich verliere noch den Verſtand!“ ſagte er zu ſeiner Frau, die vergebens Beiſpiele anführte, deren ſie ſich erinnerte, wo dieſelbe Krankheit in mehreren Häuſern geweſen war, ohne daß eine Anſteckung Statt gefunden hatte.„Bedenke, wenn Iſabelle, wenn wir Alle... Es iſt unverantwortlich von der Kammerräthin, daß ſie Iſabellen erlaubt, unaufhörlich um ſie zu ſeyn! Und das gnädige Fräulein mit ſeinem liebenswürdigen Eigen⸗ ſinn, kann es natürlich auch nicht über ſich vermögen, einige Vorſichtsmaaßregeln zu gebrauchen! Ja, das iſt mir eine ſehr amüſante Zeit! Kein Menſch wagt ſich hieher und es wird auch Niemand kommen, ſo lange das Elend andauert; und wenn es dann ein Ende nimmt, welches Weſen, welche Verwirrung, welche Maſſe von Unannehmlichkeiten wird es da nicht geben! Ich wollte, die Kammerräthin und Iſabelle wären geblieben, wo ſie waren!“ Um dieſe Zeit kam Baron Klas heim und wurde von ſeinem Vater mit wahrer Herzlichkeit empfangen. Klas Malchus war zwar in den Augen des Oberſten eine ſo wenig intereſſante Perſon, als nur immer mög⸗ lich, aber er war doch beſſer als gar nichts; und der junge Baron, der ſich als eine Art Troſt in der Betrüb⸗ niß geſucht ſah, entzog ſich der Geſellſchaft ſeines Vaters nicht. In mancher einſamen Abendſtunde legte er ſich die Pönitenz auf, mit ſeinem Vater und dem Doktor Whiſt, und wenn der Letztere fort war, mit dem Ober⸗ ſten allein Piket zu ſpielen; und manche lange Nacht hindurch unterſtützte er Iſabellen beim Wachen, damit dieſe etwas ruhen konnte. Die Familie des Majors kam zwar bisweilen auf Beſuch; aber ſeit dem unglückſeligen Gruftzwiſte war das Verhältniß zwiſchen dem Majore und dem Oberſten etwas geſpannt. Und obſchon Vir⸗ ginie, freundlich und hold wie immer, ſich anbot, in Tyringsholm zu bleiben, ſo wollten doch weder die Kam⸗ merräthin noch Iſabelle ihr erlauben, die Bemühungen der letztern zu theilen; und da ſie das nicht durfte, blieb Virginie zu Hauſe. Mit Klas Malchus waren indeſſen große Dinge vorgegangen, die nun der Reihe nach erzählt werden ſollen. Am Morgen nach ſeiner Rückkehr von Mörkedal ſchlug er den gewöhnlichen Weg nach dem Meßnerhauſe ein. Tief und warm war die Sehnſucht, die ſeine ſonſt langſamen Schritte beflügelte. Wie ſchmerzlich mußte ſo unvermuthet erblickte! Und er ſelbſt— wie glänzte nicht ſein Blick, wie raſch flogen nicht ſeine Pulſe, wie zitterte nicht ſein Herz vor Unruhe und Seligkeit!„Ob ſie ſich wohl ſehr, ſo recht ſehr freut?“ Er bog um die Ecke, er ſtand am Gatterthore und dann an der Hausthüre; dort ſah er ein geſatteltes Pferd angebunden. Alſo ein Fremder— wer konnte das ſeyn? Mit einem Gefühle, das beinahe einer getäuſchten Er⸗ wartung gleich ſah, trat er ein. Sein erſter Blick im Zimmer umher ſagte ihm, daß Marie nicht da ſey; aber am Tiſche bei dem Kapellmeiſter ſtand ein junger Mann von einem ſehr wackern und feinen Ausſehen. Beide verbeugten ſich vor dem Baron, und der Vater Meßner ſagte, daß ſein Gaſt, Herr Brogren, der Neffe des Kom⸗ miſſärs ſey. Baron Klas erwiederte die Begrüßung und ſetzte ſich dann au ohne im nicht ſeh Polizeikon auf dem „wenn ſondern d tesdienſte ſehen, w Beſcheide meiſter allein. —/ ſteht jetzt und bra Herr Bo es übel Mariens „B den Kop „Jo ſo ſchlau hätte.. ſie jetzt Vater u es ſchon meine ic 5 Frage ü auffallen gung. „3 Recht h meiſter, 75 :m Ober⸗ dann auf ſeinen gewöhnlichen Platz in den Lehnſtuhl, ge Nacht ohne im geringſten zu bemerken, daß ſeine Gegenwart 1, damit nicht ſehr gelegen kam. Der Kapellmeiſter und der Herr jors kam Polizeikommiſſär in spe ſtanden bald auf dem einen bald lückſeligen auf dem andern Fuß; endlich ſprach der alte Alſing laut: Majore„wenn der Herr Kommiſſär nicht die Geduld verliert, hon Vir⸗ ſondern die Güte haben und am Sonntag nach dem Got⸗ nbot, in tesdienſte wieder bei mir einſprechen will, ſo werde ich die Kam⸗ ſehen, was bis dahin geſchehen kann.“ Nach dieſem nühungen Beſcheide nahm Herr Brogren Abſchied, und der Kapell⸗ te, blieb meiſter blieb mit ſeinem zuletzt angekommenen Gaſte — allein. ze Dinge„Der Herr Baron waren lange fort; ich hoffe, es t werden ſteht jetzt beſer um den Herrn Lieutenant?“ „Ja, jetzt hat es keine Noth mehr mit ihm?“ Mörkedal„Ach, das iſt ja recht ſchön! E⸗ iſt gar ein artiger ßnerhauſe und braver Menſch, der Herr Lieutenant. Glaubt der ſeine ſonſt Herr Baron— verzeihen Sie mir die Frage— daß er ch mußte es übel aufnehmen würde, wenn ich ihn bäte, uns bei ben, wie Mariens Hochzeit die Ehre zu ſchenken?“ ſie ihn„Bei Mariens Hochzeit?“ Klas Malchus drehte ie glänzte den Kopf mit unglaublicher Schnelligkeit herum. ulſe, wie„Ja, ja, Herr Baron,“ lächelte der Kapellmeiſter eit!„Ob ſo ſchlau, als ob er nichts von ſeiner Bewegung bemerkt hätte.„Marie kann wohl einmal heirathen; und da thore und ſie jetzt einen arg galanten und feinen Freier hat, und ltes Pferd Vater und Mutter die Sache betreiben, ſo hoffe ich, ſoll das ſeyn? es ſchon gehen. Brogren iſt ein ganz tüchtiger Mann, chten Er⸗ meine ich 1 Blick im„Hat Marie ihm das Jawort gegeben?“ Bei dieſer ſey; aber Frage überzog ſich die Wange des Barons mit einer ger Mann auffallenden Bläſſe, und ſeine Lippe zitterte vor Bewe⸗ . Beide 4 gung. r Meßner„Ich ſehe gerade nicht ein, ob der Herr Baron ein des Kom⸗ 1 Recht hat, darnach zu fragen,“ entgegnete der Kapell⸗ ſette ſic meiſter, der ſich ganz unzugänglich zeigen wollte: Nie⸗ etzte ſich mand ſollte ihn beſchuldigen können, daß er ſeine Tochter verkuppelt habe. „Habe ich es nicht?“ rief Baron Klas in einem Tone, deſſen Heftigkeit und Stärke einen vollkommenen Gegenſatz zu ſeiner gewöhnlich ſo leiſen und ſanften Ausdrucksweiſe bildete.„Doch gleichviel,“— er ſetzte ſich wieder in dem Stuhle zurecht, den er ſchon zu ver⸗ laſſen gewillt war—„ſagt mir, ob ſie ihm das Jawort gegeben habe!“ „Nein doch! Aber ſie wird es bald thun, ſo gewiß ich ein Wort darein zu ſprechen habe!“ Klas Malchus athmete leichter. Er verſtand erſt jetzt recht, was es heißen wollte, vor dem Verluſte eines Schatzes zu zittern, deſſen man ſich verſichert glaubt. Hätte er Marien nur zu Geſichte bekommen— aber er konnte es nicht einmal über ſich bringen, nach ihr nur zu fragen; und für dieß Mal ſah er ſich genöthigt zu gehen, ohne das koſtbare Waſſerglas aus ihrer Hand erhalten zu haben. Etwa drei folgende Beſuche liefen eben ſo fruchtlos ab. Der Kapellmeiſter und Mutter Chriſtine ſchienen beide etwas zurückhaltend, und Marie ließ ſich gar nicht ſehen. Da beſchloß Klas Malchus einmal gegen ſeine Gewohnheit Nachmittags wieder zu kommen, und es gelang ihm beſſer. Der Vater Meßner, der ſich für dieſen Tag ſicher glaubte, hatte der Verſuchung nicht widerſtehen können, die ihm eine Auktion in der Nähe anbot, und die Mutter war ſchon früh am Morgen nach der Stadt gereist, um zu handeln. Marie ſaß eben allein in dem alten Lehnſtuhle und dachte an ihn, der jetzt leiſe eintrat. Ein ſchwacher Schrei der Verwunderung und Freude bebte über ihre Lippen. Es war ja eine Ewigkeit, daß ſie ſich nicht getroffen hatten. Klas Malchus ließ ſie nicht aufſtehen. Er zog einen Stuhl neben den ihrigen, faßte ihre beiden Hände und ſah ſie mit Blicken an, die durch Mariens geſenkte Augendeckel drangen. „Ja, „Arn komme ſch nie?“ „Ich kleine hell ihrige um „Arn ſchlecht ſe „Ich „Abe um meine Der weiße Ga am Fenſte über ſeine „Es Klas ausſprechl Augenblic haſt Dich Dein Ja weigern? „Im netwegen „Alf einem un Malchus gen verri „Ja war nicht „Un Feld voll Du über Du hoffe e Tochter in einem ommenen ſanften er ſetzte n zu ver⸗ s Jawort ſo gewiß ſtand erſt uſte eines glaubt. aber er h ihr nur öthigt zu er Hand fruchtlos ſchienen gar nicht gen ſeine es gelang ieſen Tag diderſtehen bot, und der Stadt tuhle und der Schrei e Lippen. getroffen Er zog en Hände 3 geſenkte 77 „Du biſt ſo blaß,— Marie— haſt Du gelitten?“ „Ja, Gott weiß es!“ „Arme Marie! Aber wo warſt Du denn? Ich kommnr ſchon ſeit mehreren Tagen her und treffe Dich nie?“ „Ich war eingeſchloſſen!“ ſagte Marie, und eine kleine helle Perle tropſte auf die Hand herab, welche die ihrige umſchloß. „Arme, arme Marie! Wie hat Dein Vater ſo ſchlecht ſeyn können?“ „Ich weiß, daß er es doch gut dabei gemeint hat.“ „Aber ſage mir warum? Er iſt doch nicht um... um meinetwillen ſo mit Dir umgegangen?“ Der Purpur der Abendſonne, der über die ſchnee⸗ weiße Gardine hereinſchwamm, und auf dem Geranium am Fenſter ruhte, war nicht röther, als Klas Malchus über ſeine eigene Frage wurde. „Es war nicht ſo arg,“ flüſterte Marie leiſe. Klas Malchus beugte ſich über ſie herab. Wie un⸗ ausſprechlich ſchön erſchien ihm nicht Marie in dieſem Augenblick, wie ſittig, wie ſüß und verklärt!„Und Du haſt Dich geweigert, dem jungen Manne, der Dich liebt, Dein Jawort zu geben? Wirſt Du es immer ver⸗ weigern?“ „Immer!“ entgegnete Marie ſchnell;„ich habe ſei⸗ netwegen genug leiden müſſen.“ „Alſo auch ſeinetwegen haſt Du gelitten?“ Mit einem unwillkührlichen Seufzer der Eiferſucht ſprach Klas Malchus dieſe Worte aus, die ein kleines Mißvergnü⸗ gen verriethen.— „Ja,“ ſprach Marie tief erröthend;„aber— das war nicht leicht.“ „Und wenn Du, Marie, um meinetwillen ein großes Feld voll Kummer und Schmerzen vor Dir ſäheſt, wenn Du über viele und böſe Dornen wandeln müßteſt, ehe Du hoffen dürfteſt glücklich zu werden, würdeſt Du Muth dazu haben? Würdeſt Du es heiter und gerne thun? Würden dieſe Qualen Dir ſüß ſeyn um meinetwillen?“ Wer in dieſem Augenblicke Baron Klas geſehen hätte, würde gewiß den grübelnden Einſiedler nicht wieder erkannt haben. Welch' ein Umfang von Gefühl und Em⸗ pfindung lag nicht im Klang ſeiner Stimme! Die Worte waren zu arm dafür. Er legte ſeine ganze Seele in den Blick, und bot ſie der Geliebten hin. Der Strahl der Abendſonne war jetzt auf Mariens Wangen hinüber gezogen, wo die Roſen in immer ſchö⸗ nerer Gluth brannten, wahrend die nicht minder glü⸗ hende Welle, die um ihr Herz her wogte, dieſem einen Schwung gab, der beinahe peinigend für ſie wurde. Sie erkannte zu wohl den Ernſt deſſen, der ſo zu ihr ſprach, um nicht zu wiſſen, daß dieſe Stunde über ihr ganzes Leben entſcheiden würde; aber mit bebender Angſt ge⸗ dachte ſie der ſtrengen, kalten Worte der Baronin. Wie ſollte ſie ſich eine ſolche Stelle ertrotzen wollen oder nur wagen? Zwar glaubte Marie, ja ſie fühlte eine innere Ueberzeugung davon, daß ſie— und vielleicht nur ſie— zu Baron Klas Lebensgefährtin taugte. Wie wohl ver⸗ ſtand ſie ſich nicht auf ſein Gemuͤth! Sie ſah nichts Mürriſches an ihm, auch wenn er ſchwieg; er konnte immerhin den ganzen Tag über ſchweigen: ſie plauderte doch mit ihm, denn ihre Augen ſprachen. Und konnte ſie ſich ſelbſt ein höheres Glück wünſchen, als ihm die⸗ nen und ihn verehren zu dürſen? Wenn er nur nicht ein ſo vornehmer Mann geweſen wäre, aus einer ſo großen und hochfahrenden Familie, die ihn ganz gewiß ihrentwegen haſſen wurde! Ach, das Alles war ſchwer und grauſam; und je mehr Marie in dieſer kurzen Mi⸗ nute der Ueberlegung daran dachte, deſto ſtärker ward der Kampf zwiſchen Liebe und Furcht. „Du antworteſt nicht, Marie,“ ſagte Klas Mal⸗ chus, deſſen Blick dem wechſelnden Ausdrucke ihres Ge⸗ ſichtes gefolgt war, Du antworteſt nicht?“ Er zog die Scheue, 2 um meinet e „9 1 lein leiden denke... „An Du? Iſt „Ja, arme Mar „Das ſen, Mar kann Dir unſer war aber wenn mich mehr auch davo ſo lieb?“ „Spr wegung, empor.„ „Wei lenden Bl mich ſo ge Sage, da tragen wi mein Weilt Mari „—, ſtark ſeyn ertragen u O E Malchus die nie vo ter und Msriens. nen ſolche nicht, ihr 79 e hune Scheue, Bebende näher zu ſich.„Haſt Du nicht Muth, dillen?“ um meinetwillen viel zu erdulden?“ geſehen„O ja, den hab' ich; aber ich dürfte ja nicht al⸗ zt wieder lein leiden. Es wird mir Angſt, wenn ich nur daran und Em⸗ denke..“ ie Worte„An was, Marie? An meine Verwandten meinſt le in den Du? Iſt dieß das Einzige, was Du fürchteſt?“ 1„Ja, das iſt wohl genug. Ich denke, wie ſie die Mariens arme Marie verachten und verlachen würden!“ 3 mer ſchö⸗.„Das werden ſie nicht thun z denn in Deinem We⸗ der glü⸗ ſen, Marie, liegt Etwas, das Niemand verlacht. Ich em einen kann Dir nicht verhehlen, daß manche Unannehmlichkeit rde. Sie unſer wartet, beſonders bis mein Vater ſich darein ſchickt; jr ſprach, aber wenn Du auf mich vertrauſt, Marie, wenn Du jr ganzes mich mehr als alles Andere lieb haſt, dann bebſt Du Angſt ge⸗ auch davor nicht. Aber vielleicht haſt Du mich nicht lin. Wie ſo lieb? 24 oder nur„Sprechen Sie nicht ſo!“ ſagte Marie in tiefer Be⸗ ne innere wegung, und hob ihr thränenvolles Auge bittend zu ihm ur ſie— empor.„Ich weiß das wohl beſſer!“ vohl ver⸗„Weißt Du das beſſer,“ wiederhelte er mit ſtrah⸗ ah nichts lenden Blicken, ſo ſag' es alſo offen! Sage, daß Du er fonnte mich ſo ganz, ſo heiß und tief liebſt, wie ich Dich liebe! plauderte Sage, daß Du, was auch kommen mag, dulden und nd konnte tragen willſt; denn ſo wahr mir Gott helfe, Du wirſt ihm die⸗ mein Weib!“. 6 nur nicht Mariens Herz ſchwindelte, wie ihr Kopf. 1 einer ſo„O, mein Gott!“ flüſterte ſie,„möchte ich doch unz gewiß ſtark ſeyn, denn ich weiß es jetzt gewiß, daß ich Alles ar ſchwer ertragen will!“ irzen Mi⸗ O Stunde der Seligkeit und des Entzückens! Klas rker ward Malchus zog die Geliebte an ſein Herz. Seine Lippen, die nie vorher die eines andern Weibes als ſeiner Mut⸗ las Mal⸗ ter und Schweſter berührt hatten, brannten jetzt auf ihres Ge⸗ Mariens. Nie hatte er geglaubt, daß es auf Erden ei⸗ Ir zog die nen ſolchen Himmel gebe. Wie unendlich ſüß war es 9d nicht, ihre Wange, ihre weichen ſchönen Haare ſtreicheln 8⁰ zu durfen, zu ſehen, wie die Röthe ſich bis über ihre Stirne hinaufdrängte, wie ſich die Augendeckel in be⸗ ſtändig neuer und lieblicher Verwirrung ſenkten und wie⸗ der hoben! „Wie ſchön Du biſt, Marie!“ ſagte er, und drückte ſanft ihren Kopf zurück. „Ach, wollte Gott, daß ich es wäre,“ erwiederte ſie, und der Herr Baron immer ſo meinte!“ „Baron— pfui, Marie!“ Willſt Du Deinen Ge⸗ liebten, Deinen Verlobten ſo nennen! Laß mich das nie mehr hören!“ „Ich kann gewiß nie anders ſagen,“ verſetzte Marie lächelnd. „Ei, Du ſollſt Klas ſagen, Du ſollſt Du ſagen! Ich will durchaus hören, wie das klingt! Du wirſt wohl einſehen, Marie, daß Du künftig nicht mehr Baron ſa⸗ gen kannſt, wenn wir allein ſind. Ich wünſchte, Du brauchteſt es auch nicht in Gegenwart vor Fremden zu ſagen; allein, bis ich mündig bin— wir haben nicht mehr lange dahin— muß unſere Verbindung ein Ge⸗ heimniß zwiſchen uns bleiben.“ „Gott ſey Dank!“ ſagte Marie heiter;„ſo lange darf ich alſo ohne Unruhe glücklich ſeyn!“ „Und nachher, nach der Unruhe, werden wir noch glücklicher werden. Siehſt Du, dann ſchaffe ich mir eine kleine trauliche Heimath an, wo meine Marie die Regentin wird; denn auf dem verwünſchten großen Ty⸗ ringsholm würden wir doch nicht gedeihen. Dort mögen meine Eltern leben, aber wir wohnen in einer kleinen Heimath, denn je enger der Raum iſt, deſo enger wird auch der Raum zwiſchen den Herzen, die darin wohnen. Glaubſt Du nicht, meine gute ſüße Marie 2⸗ Mariens Antwort lag in ihrem ſchönen, ſeligen Lächeln. „Und wenn Du jetzt Klas oder noch beſſer mein Klas ſagſt, ſo bleibt mir nichts mehr zu wünſchen übrig. Laß mich das hören, liebe Marie! Du wirſt mir doch nicht wirſt?“ „Es n Marie, die ihren Gelie „Dure dafür.“ „Ich ſagte Mari ganz unmö „So Eigenſinn! dem Arreſt Vater ſager „Kom wird es ſch böſe, ſeit de für die Hei „Wie durchzuſetze „Ja, erſt ſprach Reihe an „Nun, da heraus! „0 7 ſagte gerad nahm aber ſich, daß verſprachen halten— reden.“ „Wär ſprach Kla⸗ nicht lieb! Das Fidei 81 doch nicht verweigern, was Du künftig doch öfters ſagen wirſt?“ „Es würde aber ſo gar wunderlich klingen,“ meinte Marie, die ſich vor dem erſten Male fürchtete, wo ſie ihren Geliebten bei ſeinem Namen nennen ſollte. „Durchaus nicht wunderlich! Nur Du hältſt es dafür.“ „Ich werde es bis zum nächſten Male einüben,“ ſagte Marie mit unſchuldiger Naivetät;„heute iſt es mir ganz unmöglich!“ „So übe es ein, übe es unaufhörlich, Du kleiner Eigenſinn! Aber ſinne jetzt auf einen Plan, wie Du dem Arreſte entgehen kannſt! Was willſt Du Deinem virſt wohl Water ſagen?e Sie eintge l cht ber Baron ſo⸗„Kommen Sie einige Tage lang icht her, dann ſchte, Du wird es ſchon wieder recht werden. Der Vater iſt noch jchie⸗ böſe, ſeit die gnädige Frau hier war und ſich ſo eifrig für die Heirath mit Brogren verwendete.“ „Wie— meine Mutter war hier und ſuchte das durchzuſetzen?“ „Ja, und ſie war meiner Treu recht ſtrenge. Zu⸗ erſt ſprach ſie mit Vater und Mutter, und dann kam die wir. noch Reihe an mich.“ 3— 4 ich mi„Nun, mein armes Mariechen, wie zogſt Du Dich 9 5 da heraus?“ Se ie„O, ich machte mich auf einmal los: denn ich Topen Wy⸗ ſagte geradezu, daß ich ihn nie heirathen würde. Das dort mügen nahm aber die gnädige Frau übel auf, und wunderte ger kleinen ſich, daß meine Eltern dieſen Eigenſinn zugäben. Sie enger wird verſprachen dann, und damit haben ſie auch Wort ge⸗ über ihre l in be⸗ und wie⸗ nd drückte erwiederte einen Ge⸗ mich das öte Marie du ſagen! remden zu aben nicht g ein Ge⸗ „ſo lange n wohnen. halten— mich auf alle Art zu der Heirath zu über⸗ ) 3 3 ſeligen reden.“ n, jeligen„Wäre es nur nicht meine Mutter geweſen!“ ſprach Klas Malchus wie bei ſich ſelbſt.„Das iſt mir nicht lieb! Aber, Mariechen, ich begreiſe nicht, was an Das Fideieommiß. 11. 6 eſſer mein wünſchen i wirſt mir —ͤ—· dieſem Schritte meiner Mutter Deinen Vater aufbringen konnte— ſie eiferte ja für ſeinen eigenen Wunſch?“ „Ja, das that ſie freilich und verſprach auch für meine Ausſteuer zu ſorgen; aber es war noch etwas Anderes, was die gnädige Frau im Kopfe hatte. Sie gab zu verſtehen, daß, wenn anch ich ſo einfältig wäre, und auf einen vornehmen Freier wartete, die Mutter doch wiſſen ſollte, was ihr obliege und zieme. Dieſe Worte reizten den Vater und beleidigten ihnz denn er ſah jetzt, daß die gnädige Frau ihn im Verdacht hatte, als... Ich kann das nicht naͤher auseinanderſetzen,“ ſagte Marie und wandte ſich ſcheu hinweg, als ſie in dem dunklen Auge ihres Geliebten einen Ausdruck ſah, der ſie erſchreckte. „Wenn ich,“ begann Klas Malchus nach einer kur⸗ zen Pauſe,„an einem Tage wie dieſer im Stande wäre, mich über die Thorheiten Anderer zu ärgern, ſo könnte dieſe Geſchichte mich vielleicht zu einem Ausbruche reizen, der unſer Geheimniß bald genug bekannt machen würde; doch ich will unſre ſchöne Feier nicht ſtören. Indeſſen ſehe ich an dieſer Vorſicht, an dieſem Eingreifen in ein Ereigniß, das ſonſt ihre Aufmerkſamkeit nicht erweckt hätte, daß ſie die Geſahr ahnen und ſich darauf vorbereiten. Wäre es nur nicht meine Mutter geweſen, meine Mutter, die ich ſo innig liebe!“ „Gott, wie übel habe ich daran gethan, davon zu ſprechen!“ ſeufzte Maris, ihr unvorſichtiges Geſtändniß tief bereuend. Sie ſah ſogleich ein, daß das Zartgeſuͤhl gegen ihn ihr dieß hätte verbieten ſollen: und ſo natür⸗ lich ihre Handlung auch war, ſo ſchämte ſie ſich jetzt doch darüber. Zwei Thränen der Angſt hingen in ihren geſenkten Wimpern. Als Klas Malchus ihre Unruhe und ihre Thränen ſah, dachte er an nichts mehr als an ſie.„Du mußt nicht ſo ſagen, meine theure, zärtliche Marie! Du ſollſt immer offen gegen mich ſeyn! Und ſey jetzt ruhig und gutes M. uns Beit Und obwohl ſt ſo leicht zaͤhlt hat das Herz ſtille: De innerung Klas den folge Jetz vernachlä noch bei mehrmals denklichen hören ihr nothwend Anordnun länger ſo Vormund der Ober gräbnißlͤ das groß Der an den 2 88 nufbringen* gutes Muthes; ich wache über Dir, und Gott wacht über ſch?“ uns Beiden.“ guch für Und wieder war Marie getroſt, heiter und ſelig, och etwas obwohl ſie ſich die gar zu genaue Wahrheitsliebe nicht atte. Sie ſo leicht verzieh, womit ſie den Beſuch der Baronin er⸗ ſtig wäͤre, zählt hatte. Wie ſchön war nicht dieſe neue Heimath, ie Mutter das Herz des Geliebten! Die Zeit ſtand indeſſen nicht ne. Dieſe ſtille: Der Ruf der alten Kukukuhr erweckte ſie zur Er⸗ denn er innerung daran. acht hatte,„Ach,“ ſagte Marie,„Vater und Mutter kommen nderſetzen,“ vielleicht bald nach Hauſe!“ als ſie in Klas Malchus verſtand ſie. Sie mußten ſich trennen, Zrruck ſah, aber der Himmel blieb in ihnen Beiden zurück. einer kur⸗. ande wäre, Sechstes Kapitel. ſo könnte..— iche reizen,„Nun, ich wußte wohl, daß es ſo gehen würde!“ den würde;* ſagte der Oberſt, als ihm der Doktor an einem ſchönen Indeſſen Morgen die Nachricht mittheilte, daß die Kammerräthin fen in ein den folgenden Tag nicht erleben werde. weckt hätte, Jetzt rief ihn jedoch eine Pflicht, die auf keine Art vorbereiten. vernachläſſigt werden durfte. Die Kammerräthin war ine Mutter, noch bei voller Beſinnung; aber da ſie ihrem Bruder mehrmals ausgewichen war, wenn dieſer mit allem er⸗ davon zu denklichen Zartgefühl die mögliche Möglichkeit vom Auf⸗ Geſtäudniß hören ihrer„irdiſchen Exiſtenz“ und in Folge deſſen den Zarsgeſuhl nothwendigen Umſtand berührt hatte, auf die weltlichen ſo natür⸗ Anordnungen Bedacht zu nehmen, ſo konnte dieß nicht e ſich jetzt länger ſo angehen. Man mußte jetzt von Teſtament, en in ihren Vormundſchaft u. ſ. w. ſprechen; und es war dann, wenn der Oberſt die Sache recht bedachte, nach beendigtem Be⸗ re Thränen gräbnißlärmen kein ſo übles Ding darum, als Vormünder „Du mußt das große Vermögen ſeiner Tochter zu verwalten! Du ſollſt Der Oberſt ſchickte auf eigene Fauſt einen Eilboten ruhig und an den Notar des Bezirks mit dem Grfucchen, daß er ſich 4 —————— ͦ— 84 noch an demſelben Tage ſo ſchnell als möglich in Ty⸗ ringsholm einfinden mögez aber in Erwartung des Frie⸗ densrichters, der nicht ſonderlich weit weg wohnte, ging er hinab, um nach ſeiner zärtlich geliebten Schweſter zu ſehen, und ſie auf die Maßregeln vorzubereiten, die er getroffen hatte. Die Kammerräthin lag ruhig und ſtille in ihrem Bette; die ſeit mehreren Tagen ſo ſchweren Leiden hatten ſich etwas gemildert. Mit einer ſchwachen Bewegung des Kopfes empfing ſie ihren Bruder. „Meine beſte Katharine Sophie,“ ſagte. der Oberſt mit leiſer Stimme und hielt das Sacktuch vor die Augen, „ich hatte gehofft, daß wir noch manches frohe und an⸗ genehme Jahr mit einander verleben ſollten; aber die Wege der Vorſehung ſind nicht die unſern: ich bin auf das Tiefſte erſchüttert.“ „Ich wünſche, Du wäreſt es wirklich, Malchus,“ erwiederte die gute Frau mit ſanftem Ernſte.„Gott gebe, daß Du an Dein eigenes Sterbebette denkeſt, da Du mich hier ſo hülflos daliegen ſiehſt! Wer weiß, an wen nach mir die Reihe kömmt!“ Wenn des Oberſten Erſchütterung vorher eben nicht ſo ſonderlich ernſt geweſen war, ſo faßte es ihn jetzt um ſo kräftiger, denn die Worte der Kammerräthin gingen ihm ſo durch Mark und Bein, daß ſelbſt die Stiefel dar⸗ unter zitterten. Iſabelle, die zu den Füßen ihrer Tante geſeſſen war, ahnte jedoch, daß dieſe ihrem Vater viel⸗ leicht etwas zu ſagen habe, das ſie nicht hören ſollte, entfernte ſich in das nächſte Zimmer, wo ſie Virginien traf, die während der letzten Tage ihre Sorgen und Be⸗ mühungen getheilt hatte. „Malchus,“ fuhr die Kammerräthin fort,„ich ſterbe ruhig. Ich war zwar ein ſchwacher, ſündiger Menſch, aber ich gab mir doch ſtets Mühe, nach meiner beſten Ueberzeugung zu handeln. Die Folgen zu beſtimmen lag jedoch leider nicht in meiner Macht. Keine beſondere Laſt drͤckt mich, und die Erinnerung an einige ſchönen Stunden habe nicht Dich dahe mit ſich d „Ver Oberſt, w leicht vore ringerer i theilter de Du hinge „Wa „Ich daß, wenr ſetzt haber „Die der! Du meine gel würde? 2 nes nicht frei über es ihnen „Abe rine Sop „Es Abſchrift wir wolle die für n dere Sa Iſabellen⸗ müth ſin geworden begegnen dieſes kin ſcheſt, w denn ich „Di in Ty⸗ des Frie⸗ lite, ging ſweſter zu „ die er in ihrem ben hatten begung des er Oberſt die Augen, e und an⸗ aber die h bin auf enkeſt, da weiß, an eben nicht hn jetzt um hin gingen Stiefel dar⸗ ihrer Tante Vater viel⸗ ören ſollte, Virginien n und Be⸗ „ich ſterbe ger Menſch, einer beſten ſtimmen lag ie beſondere nige ſchönen 8⁵ Stunden erhellt mir den Weg, der vor mir liegt. Ich habe nichts mehr mit der Welt zu ſchaffen, und bitte Dich daher nach unſrem würdigen Paſtor zu ſchicken, da⸗ mit ſich der letzte Wunſch meiner Seele erfüllt.“ „Verzeihe, meine theure Schweſter,“ verſetzte der Oberſt, wenn ich Dich erinnere, daß das Weltliche viel⸗ leicht vorausgehen ſollte, eben weil ſein Werth ein ge⸗ ringerer iſt, und damit Du Deine Gedanken deſto unge⸗ theilter der wichtigen Handlung widmen kannſt, auf die Du hingedeutet haſt.“ „Was meinſt Du damit, Malchus?“ „Ich meine, um ohne weitern Umſchweif zu ſprechen, daß, wenn Du etwa Dein Teſtament noch nicht aufge⸗ ſetzt haben ſollteſt, es..“ „Die Sache iſt ſchon längſt in Ordnung, mein Bru⸗ der! Du haſt wohl nie anders geglaubt, als daß ich meine geliebte Iſabelle zu meiner Univerſalerbin machen würde? Aber ich habe auch die Verwandten meines Man⸗ nes nicht vergeſſen; denn ohne ſein Teſtament, das mich frei über ſein erworbenes Vermögen disponiren ließ, wäre es ihnen zugefallen.“ „Aber wo iſt dieſes Teſtament, meine liebe Katha⸗ rine Sophie?“ „Es iſt im B—ringer Archive aufbewahrt, und eine Abſchrift davon findeſt Du in meinem Schreibpulte. Doch wir wollen uns nicht länger bei dieſen Dingen aufhalten, die für mich ihre Bedeutung verloren haben. Eine an⸗ dere Sache liegt mir mehr am Herzen, die nämlich, daß Du Deine Tochter beſſer würdigen lernen möchaa Iſabellens Herz, ihre erhabene Seele und ihr rei müth ſind mir erſt in dieſer langen Krankheit geworden. Hüte Dich, Malchus, hüte Dich begegnen, wie Dich Dein Charakter tha dieſes kindiſche Meiſtern, womit Du D ſcheſt, was ſie thut, und beſonders wa denn ich ſage Dir, Du verſtehſt ſie ni „Dieß iſt zwar möglich,“ entg⸗ 86 „denn ſie iſt in der That ganz anders als andere junge Mädchen. Doch glaube ich, habe ich es weder an Auf⸗ merkſamkeit noch an väterlicher Zärtlichkeit fehlen laſſen.“ „Aber Deine Zärtlichkeit hat keine Wärme, mein Bruder! Doch dafür kannſt Du nicht. Was ich Dich jetzt bitten will, iſt, daß Du ſie in Allem ihrem eigenen Rathe überläßt. Quäle ſie nicht mit Vorſtellungen weder über dieß noch über das, und vor Allem nicht mit Hei⸗ rathsplänen! Sollte ihr Herz einmal ſprechen, dann mag ſie freie Wahl haben!“ „Das iſt en doch eine etwas ſtarke Zumuthung, meine beſte Schweſter! Wenn es ihr zum Beiſpiel in den Sinn käme, ſich mit einer Perſon ohne Geburt und ohne Namen zu vermählen— ſollte ich denn da ſchwei⸗ gen und zuſehen?“ Eine ſchwache Röthe färbte die aſchgrauen Züge der Kammerräthin.„Kannſt Du glauben, daß Iſabelle je eine Wahl treffen würde, deren Du Dich zu ſchämen hätteſt? doch dieß iſt ein eitles Gerede; das wird gewiß nie der Fall ſeyn. Malchus, erinnere Dich übrigens meiner letzten Worte: pflege ſie wohl, und ſollte ſie Dir bisweilen ſonderbar, ja launenhaft erſcheinen, ſo glaube, daß es Dir einmal klar werden wird, warum ſie ſo war; und dann wirſt Du ihren Werth vielleicht zu ſpät be⸗ weinen!“ Der Oberſt, der alle dieſe Rathſchläge und vertrau⸗ ten Mittheilungen, gelinde geſagt, ſehr langweilig fand, beeilte ſich ihr zu ſagen, daß er ſeine Schweſter nicht abhalten wolle, den letzten und koſtbarſten Troſt en. Er ging alſo, um einen Erpreſſen nach dem zugleich einen Gegenboten an den Notar een Wirken überflüſſig geworden war. Schon iß, daß er zum Vollſtrecker des Teſta⸗ günder ſeiner Tochter ernaunt ſey, be⸗ en Plan einer Stockholmer Reiſe zu beſte Mittel, um mit Ehren die lei⸗ iu umgehen, die ein Todesfall und Begräbniß genheiten Stelle not Iſabelle ſt der Oberſ daß er a Sache wei eine Freih der nothw Mit auch zu ſe der letzten Todesluft „Iſa dene Stin nem Herz „Dal theure M „Es weiß, daß auf irgen ſchadet, ſo Iſab Lippen. liebtes Ki Stand fü laſten? „ ermüdet! vor mir all' das, meiner L een laſſen.“ me, mein ich Dich im eigenen gen weder mit Hei⸗ dann mag lumuthung, Beiſpiel in heburt und da ſchwei⸗ Züge der Iſabelle je u ſchämen vird gewiß übrigens lte ſie Dir ſo glaube, ſie ſo war; 1 ſpät be⸗ ud vertrau⸗ veilig fand, peſter nicht arſten Troſt n nach dem den Notar var. Schon des Teſta⸗ it ſey, be⸗ er Reiſe zu ren die lei⸗ desfall und 87 Begräbniß ſtets mit ſich bringt. rbſchaftsaugele⸗ genheiten würden überdieß ſeine Anweſenheit an Ort und Stelle nothwendig erfordern, und was das betraf, daß Iſabelle ſtets ihrem eigenen Rathe ſolgen ſollte, ſo— der Oberſt biß ſich ein wenig in die Lippen und dachte, daß er als Vater, Vormünder und Familienhaupt die Sache weislich bedenken wolle Sie hatte ja lange genug eine Freiheit beſeſſen, wie ſie für junge Damen juſt we⸗ der nothwendig noch wünſchenswerth war. Mit dem Kopfe tief über das Kiſſen der guten, wenn auch zu ſchwachen Tante herabgebeugt, ſaß Iſabelle in der letzten Nacht allein, und athmete die kalte, feuchte Todesluft ein. „Iſabelle,“ flüſterte die jetzt bedeutend matter gewor⸗ dene Stimme,„Du bewahrſt doch all' die Worte in Dei⸗ nem Herzen, die wir mit einander geredet haben?“ „Darüber darfſt Du ruhig ſeyn, meine zärtliche, theure Mutter, nicht ein einziges ſoll vergeſſen werden!“ „Es thut mir ſo wohl, daß Du Mutter ſagſt! Ich weiß, daß Du mich ſehr, ſehr liebſt; und habe ich Dir auf irgend eine Weiſe durch allzu große Schwäche ge⸗ ſchadet, ſo bitte Gott, es mir zu verzeihen!“ Iſabelle drückte die verwelkte Hand ſtumm an ihre Lippen. „Strenge Dich nicht unnöthigerweiſe an, mein ge⸗ liebtes Kind! Sperre Dich nicht, wenn Du Dich außer Stand fühlſt, Deine Bürde allein zu tragen! Glaube mir, es wird Dir ein ſüßer Troſt ſeyn, Jemand zu haben, der ſie theilt, wenn ich fort bin!“ „Ach, Tante, Niemand kann und wird ſie ſo theilen — warum alſo ein anderes Herz auch noch damit be⸗ laſten? Es gab nur eines, dem ich nie zur Laſt fiel!“ „Meine gute, geliebte Iſabelle, Du haſt mich nie ermüdet! Nur ich ſah Dich leiden; aber nicht einmal vor mir klagteſt Du... Erinuere Dich jetzt nur an all' das, was Du bisher brauchteſt— Du haſt mir um meiner Liebe willen verſprochen, es nicht zu verſäumen — und daß, wenn Du ſchlimmer wirſt... ein...„Ich ein... hören,— Die Kammerräthin vermochte nicht weiter; aber ſie„Lieb drückte die unausſprechlich theure Hand, und ſah ihren Du glaub Liebling beweglich an. Tante rul „Ich weiß, was Du ſagen willſt,“ ſprach Iſabelle: treten; ich „ein geſchickter Arzt. Ja, das gelobe ich Dir noch ein⸗ Tante übe mal heilig; denn ich nehme gerne jede Linderung, welche ¹ Virgi die Kunſt zu geben vermag.“ f ſprach nich „Was ſind doch die eitlen Bemühungen der Men⸗ Wer ſchen!“ fuhr die Kranfe nach einem langen und tiefen Oberſt, al Schweigen fort.„Ich, die ich in meiner thörichten bitterſten 2 Blindheit wunſchte, daß Du Dich vermählen ſollteſt, um daß Iſabe mir, ehe Du hinüber gingeſt, ein Weſen zu hinterlaſſen, ſollte, zw das ich an Deiner Statt lieben und pflegen dürfte— Vermögen ich gehe jetzt Dir voran! Ich danke meinem Gott für ausgewaͤhlt dieſe Wohlthat. Du... kannſt mich entbehren... ten. Uebe 8 aber... ich... hätte... niemals Dich... ent⸗ Dispoſition behren... können!“„Scht Dieß waren die letzten verſtändlichen Worte, welche ſagte der die Kammerräthin ausſprach. Als der Morgen graute, Schweſter hatte Iſabelle keine Vertraute ihres ſtummen Leidens zeigen muß mehr auf Erden; aber ſie ſuchte ihren Troſt dort, wo andern Ve der reichſte Troſt zu finden iſt. natürliche An den zwei folgenden Tagen verließ ſie ihr Zim⸗ daß Iſabel mer nicht. Man glaubte mit Grund, daß das lange Charakter Wachen ſie ermüdet haben werde; aber Virginie hörte dann nur ein paar Male, als ſie ſich leiſe hineinſchlich, einige abge⸗ dem Hauſe brochene Laute, die weder Klagen der Trauer glichen Vielleicht noch dem ſtillen Aechzen, das ſich ein erſchöpfter halb⸗ 3 Katharine kranker Menſch als eine Art Linderung erlaubt. Die pflegte, an Laute klangen eher wie unterdrückte Schreie, wie ſie ein hinführt!“ heftiger Schmerz auspreßt. In „War da etwas, liebe Iſabelle?“ fragte Virginie ſchrieb de einmal bei einer ſolchen Gelegenheit. Trauerbotſf „Nein— was meinſt Du denn?“ erwiederte dieſe Gotteswill gleichgültig. ſehr dahei ſin. ber ſie ihren ) ſabelle: och ein⸗ welche r Men⸗ tiefen börichten eſt, um erlaſſen, rfte— hott für en... . ent⸗ welche graute, Leidens ort, wo hr Zim⸗ s lange ie hörte ge abge⸗ glichen er halb⸗ dt. Die ſie ein Virginie rte dieſe 89 „Ich meinte einen Schrei von hier innen her zu hören,— oder vielleicht habe ich es mir nur eingebildet!“ „Liebes Virginchen, Du biſt doch nicht abergläubiſch; Du glaubſt doch wohl nicht anders, als daß unſre gute Tante ruhig ſchläft? Aber Du mußt nicht ſo leiſe auf⸗ treten; ich meine ſonſt immer, ich höre die Pantoſſeln der Tante über den Boden hingehen.“ Virginie gelobte es nicht mehr zu thun, und man ſprach nicht weiter über die Sache. Wer aber weit und breit davon ſprach, das war der Oberſt, als er zu ſeinem unbeſchreiblichen Erſtaunen und bitterſten Aerger aus der Abſchrift besec Teſtamentes erſah, daß Iſabelle, falls ſie unverheirathet die Tante überleben ſollte, zwei dchtunewathe Maͤnner n Verwaltern des Vermögens erhalten ſollte, welche von der Kammerräthin ausg gewaͤhlt waren und in dem Geburtsorte derſelben wohn⸗ ten. Ueberdieß war ein kleineres Kapital zu ihrer eigenen Dispoſition ausgeſetzt. „Schwachheit, Wahnſinn, von Anfang bis zu Ende!“ ſagte der Oberſt.„Ich beklage es, daß meine arme Schweſter ſo öffentlich auf ihrem Todtenbette der Welt zeigen muß, wie beſchränkt ſie in der That war! Einen andern Verwalter wählen als den Vater, der doch der natürliche Vormünder iſt! Es iſt ein großes Unglück, daß Iſabelle bei ihrem von Natur ſchon gewaltthaͤtigen Charakter ſolche Privilegien erhalten ſoll. Man muß dann nur Gott danken, wenn eine ſo unabhängige Dame dem Hauſe ihrer Eltern die Ehre ſchenkt, daß ſie dableibt! Vielleicht macht ſie ein eigenes Haus! Gott vergebe es Katharine Sophien, daß ſie Iſabellens Schwachheiten pflegte, anſtatt ſie auszurotten! Man wird ſehen, wo das hinfuhrt! 1* In ſeines Herzens großem Aerger und Sch hmerz ſchrieb der Oberſt nun mit einem Erpreſſen, der die Prnuerboiſchaft an Richard brachte, und bat ihn um Gotteswillen nicht länger fortzubleiben, da er ihn ſo ſehr daheim bedürfe.„Komm, um's Himmelsſiillen, mein lieber Richard!“ hieß es,„und hilf mir, das Be⸗ gräbniß in Ordnung bringen. Du wirſt doch endlich einmal wieder einen Rock anziehen können. Wir müſſen eine ganze Menge Leute zuſammenbringen; denn ich will nicht, daß die Welt ſagen ſoll, ich habe ſie in gerechtem Zorne darüber, daß ſie mich des mir mit Recht zugehö⸗ renden Privilegiums, der Verwaltung des Geldes beraubte, wie eine Landſtreicherin begraben. Nein, Gott ſey Dank, Richard! Dein Onkel denkt zu erhaben, um ſo kleinlich zu handeln! Nur niedere Seelen rächen ſich ſo.“ „Uebrigens mußt Du nicht glauben, Richard, daß ich um meiner ſelbſt willen die Verwaltung wünſchte— ich hoffe, man kennt mich zu wohl, als daß Jemand glauben könnte, ich wolle auf Koſten meiner eigenen Kinder etwas gewinnen! Nein, Gott weiß, daß es nur wegen des armen Mäadchens ſelbſt war, wenn ich dieſe neue Laſt gerne auf meine Schultern gelegt hätte. So toll wie die Sache aber jetzt eingerichtet iſt, kann Iſa⸗ belle im Einverſtändniß mit ein Paar Leuten, von denen vielleicht Niemand weiß, weß Geiſtes Kinder ſie ſind, oder wie es mit ihrer Ehre und ihrem Kredite ausſieht, über ihr Vermögen ſchalten, wie ſie beliebt; und man fragt mit Recht: wo ſoll das hinaus? Sie wird be⸗ raubt werden: und was ihre guten Freunde, ihre Rath⸗ geber und Verwalter nicht thun, das thut ſie wohl ſelbſt mit ihren allzu wunderlichen Eigenheiten. Sage mir nur, ob Du Dir etwas Unſinnigeres denken kannſt, als die Hand des Grafen von M-— auszuſchlagen, eines Mannes, der ſowohl im öffentlichen als Privatleben in ſo hohem Anſehen ſteht! Ja, Richard, ich habe viele Widerwärtigkeiten und Unannehmlichkeiten gehabt, ſeit Du Tyringsholm verließeſt; und obſchon ich zu der ge⸗ ringen Zahl Menſchen gehöre, die ihre Drängſale allein tragen, ſo wird es mir doch Linderung gewähren, wenn ich meinen Kummer vor Dir ausſchütten darf, da Du dieß Vertrauen verſtehſt und zu würdigen weißt. Du wirſt einſehen, daß Klas Malchus, obſchon er in der letzten Zeit die Perſon Lebens von in den be aber auch noch einma gleich zur⸗ daß der Ge ihm ſtehen, und ſeinen bis übermo „Ich neral geſchr gen Gruß Dich hieher zu Zeit an dig macht, ſehen. Ve ſeine beſtin Mißgriffe i „Iſab noch nicht achte ihre möchte üb gegen die Dieſe wanderung Möglichkeit Oberſten, würde, er einmal in hatte, ſah rungsglas. nackten S lächerliche 91 4 das Be⸗ 4 letzten Zeit wirklich artig und dienſtfertig war, doch nicht endlich die Perſon iſt, die mir in den Geſchäften des praktiſchen müſſen Lebens von dem geringſten Nutzen ſeyn kann— ich meine ich will in den bevorſtehenden Anordnungen. Allein kann ich erechtem aber auch nicht überall ſeyn, und ich bitte Dich daher zugehö⸗ noch einmal, Dich ſobald Du dieſes erhalten haſt, ſo⸗ veraubte, 3 gleich zur Abreiſe bereit zu machen. Ich bin uberzeugt, daß der General die Verbindlichkeit, in der wir ſchon zu ihm ſtehen, noch dadurch vermehrt, daß er Dir ſeine Pferde und ſeinen Wagen bis Ramsborg leiht, wohin ich Dir y Dank, inlich zu rd, daß bis übermorgen den Wagen entgegenſchicke.“ iſchte—„Ich habe noch einen beſonderen Brief an den Ge⸗ Jemand neral geſchrieben. Richte Du mündlich meinen ehrerbieti⸗ enn gen Gruß an die Damen aus, und nöthige den Kapitän, Dich hieher zu begleiten! Sag' ihm, daß ich von Zeit zu Zeit an einer Melancholie leide, die es mir nothwen⸗ dig macht, beſtändig eine heitere Geſellſchaft um mich zu ſehen. Vergiß ihm auch nicht zu ſagen, daß Stensſon ſeine beſtimmten Anweiſungen erhalten ſoll, um keine Mißgriffe im Keller zu begehen.“ „Iſabelle hat es ſeit dem Tode der Kammerräthin 55 noch nicht für gut gefunden, ſich ſehen zu laſſen. Ich wird be achte ihren Kummer, allein ich wünſche zugleich, ſie e Nath⸗ möchte über der Todten nicht am Ende ihre Pflichten ohl ſelbſt gegen die Lebenden vergeſſen. Dein Dir aufrichtig gewogener Onkel, von X—.“ en, eines Dieſe Botſchaft rüttelte Richard aus ſeinen Seelen⸗ atleben in wanderungen empor, die er durch alle Regionen der abe viele Mglichkeit und Unmöglichkeit hielt. Der Brief des abt, ſeit Oberſten, worüber er ſonſt nur ein wenig gelacht haben u der ge⸗ würde, erregte jetzt ſeinen Abſcheu. Nachdem er ſich ale allein einmal in das Labyrinth der Vermuthungen verirrt 2n, weun hatte, ſah er viele Dinge durch ein ſchärferes Vergröße⸗ „da Du rungsglas. Dieß zeigte ihm jetzt ſeinen Onkel in ſeiner ißt. Du nackten Selbſtſucht. Richard ſah jetzt nicht mehr den lächerlichen Schwachkopf, den nach dem Glanz und den ich dieſe tte. So ann Iſa⸗ on denen ſie ſind, ausſieht, ind man zage mir unſt, als r in der — — — 3 92 Gütern der Welt gierigen Mann in ihm— nein, er war ein... ein... Aber hier ſtockte das junge Blut plötzlich. Wo, wo waren denn die Beweiſe, daß ſein Onkel nicht einzig nur ein— Narr war? „Beweiſe! Beweiſe!“ ertönte es in ihm.„Was willſt Du ohne ſie beginnen?“ Und jemehr der Lieute⸗ nant darüber nachgrübelte, deſtomehr überzeugte er ſich, daß er ſelbſt der größte Narr ſey, der, weil ihm eine zufällige, obſchon allerdings ſtets wunderbare Mitthei⸗ lung gemacht worden war, eine Mittheilung, die durch einen möglichen Irrthum des Gedächtniſſes wieder in ein Nichts verſinken konnte, ſich ſo weit hatte eraltiren laſſen, um ſich mehrmals auf Phantaſien der ausſchwei⸗ fendſten Natur zu ertappen und ſich überdieß verſucht zu fühlen, dem wenigſtens gegen ihn ſtets freundſchaft⸗ lich geweſenen Onkel mit der tiefſten Verachtung zu be⸗ gegnen. „Welch' ein Unglück,“ dachte Richard,„daß ich auf dieſen Doktor ſtoßen mußte, der, ohne es ſelbſt zu wiſſen, die Saat der Zerſtörung in meine Seele warf!“ Hie und da, aber höchſt ſelten kam es ihm in Sinn, den Gegenſtand ſeiner Unterhaltung mit dem unbekannten Arzte ſchriftlich aufzuſetzen; aber wozu nützte das, als daß es ihn nur noch mehr in ein Chaos verwirrte, das beinahe ſchon ſein friſches und hei⸗ teres Gemüth in ein Spital für zehrende und halbver⸗ rückte Phantaſien verwandelt hatte? Denn wenn auch etwas bewieſen werden konnte, was war damit gewon⸗ nen? Nur eine Qual mehr, da dieß doch keine voll⸗ kommene Beleuchtung der Sache gab. Und wenn es endlich möglich geweſen wäre, dieſe volle Beleuchtung zu gewinnen, hätte wohl Richard der ſeyn mögen, der die Decke hinwegzog? Welche Umwälzungen hätten nicht darauf erfolgen muſſen— und würde Iſabelle ſie haben ertragen können? „Nein,“ ſagte er endlich zu ſich ſelbſt,„ich will Alles, die jedenfalls kein Gruͤb⸗ kandidat w träumt, e meinen Ge ſey verſtän Irrgängen zige fortw das es in fuͤr was? vielleicht n bei meinen Schlingpfle während wenn Du als Deine und Fried Du Deine nicht erreie Dieß Abreiſe m als ob i wäre, gin thinnen ſe das Woh ihnen gen angeſpannt ſich hatte zu lindern Gedanken bei Iſabel Hedw wegt, un möoglichſt ſchwer, J war er r 93 Alles, die ganze Narrheit vergeſſen; denn das iſt doch jedenfalls das Beſte, das ich thun kann. Pfut, ich will kein Gruͤbler, kein Mondſcheinſchwärmer, kein Tollhaus⸗ kandidat werden, der die fire Idee erfaßt hat, und nein, er nge Blut in Onkel Was träumt, er ſey... nein, ich will es nicht einmal in . Adus meinen Gedanken hen! Ja, mein lieber Richard, r rientr ſey verſtändig, mein Junge! Du würdeſt Dich in den er ſich, i 4 Irrgängen der Prozeßkramerei verlieren, und das Ein⸗ nie zige fortwerfen, was Du eigen haſt, und das Beſte, itthei⸗ das es im Leben gibt, Deinen guten Humor— und für was? um Kummer, Noth und Mühe, und zuletzt vielleicht noch Schaam und Aerger zu gewinnen! Nein, die durch bieder in agtien bei meinem Leben, Du ſollſt Dich aus den gemeinen esſchiwei⸗ Schlingpflanzen loßreißen, die Dich umwunden haben, oberſut während Du Deine lange Ouarantaͤne hielteſt; und zu be⸗ wenn? Du auch in Ewigkeit nicht mehr bekommſt, Richard als Deine armſelige L Leeutenantsgage, ſo behalte lieber ſie und Frieden und Ruhe und ein frohes Herz, als daß Du Deine Hand nach etwas ausſtreckſt, das Du am beſten nicht erreichſt!“ Dieß war die letzte Berathung, die er vor der Abreiſe mit ſich ſelbſt hielt; und mit leichterem Herzen, als ob ihm eine unermeßliche Laſt davon abgewälzt wäre, ging er, um bei Fenens Wirth und ſeinen Wir⸗ ß ich auf zu wiſſen, 4 ihm in mit dem der wozu r in ei 3 I lane hinnen ſeine letzte Dankſagung für die Gaſtfreundſchaft, Aud hei⸗ das Wohlwollen und die Annehmlichkeiten, die er bei halbver⸗ 1 ihnen genoſſen hatte, abzulegen. Der Wagen war ſchon angeſpannt, der Mantelſack drunten, der Kapitän, der ſich hatte üͤberreden laſſen, die Melancholie des Oberſten zu lindern, ſtand in ſeinen Reiſekleidern da, und die Gedanken des Lieutenants waren ſchon weit voraus bei Iſabellen, als er in das Wohnzimmer trat. Hedwig ſtand allein am Fenſter Sie war ſo be⸗ wegt, unſer junges Fräulein! ſie ſuchte es jedoch beſt⸗ möglichſt zu verbergen, und es war auch durchans nicht ſchwer, Richards lunerkſpandet zu entgehen, ſo ſehr war er mit den Ge ſeiner Hoffnungen beſchäftigt.s denn auch t gewon⸗ eine voll⸗ wenn es chtung zu „ der die tten nicht ſie haben „ich will .„ Ich ſtehe hier und ſehe, ob es ſich wohl aufhellen wird,“ ſagte Eva's kleine gelehrige Tochter und drückte ihr Geſicht feſter gegen die Scheibe.„Ich glaube ganz gewiß, daß die Herren gutes Wetter zum Reiſen be⸗ kommen werden.“ „Liebes, gutes Fräulein Hedwig, laſſen Sie mich Ihre Hände küſſen, die kleinen allerliebſten Hande, die mich fuhren, als ich ſo hilflos war, wie ein alter In⸗ valide! Wie werde ich dem Fräulein jemals für all' die holden Bemühungen geuug danken können, die ich er⸗ fahren habe? Ohne dieſe wäre es mir unmöglich ge⸗ weſen, ein ſo langes Daliegen auszuhalten!“ „Der Herr Lieutenant überſchätzt den Werth meiner kleinen Verdienſte zu ſehr— ſie ſind bald vergeſſen!“ „Nein, bei meiner Ehre, ſie werden nie vergeſſen werden! Kann mich Fräulein Hedwig für ſo kalt und gleichgültig, für ſo ganz undankbar halten? Sagen Sie mir, daß Sie mir ſo etwas Böſes nicht zutrauen 24 „Ach nein, es war ja nur ein übereiltes Wort,“ entgegnete ſie mit einem erzwungenen Lächeln. „Ich danke Ihnen, gnädiges Fräulein, daß Sie ſo artig ſind und das zugeben; und ſeyen Sie gewiß, daß ich nicht lange ſäumen und mit Jemand nach Mörkedal zurückkommen werde, der meine Dankbarkeit noch beſſer ausdrücken kann, als ich es ſelbſt vermag. Ich meine meine Mutter und Virginien.“ „Ach,“ rief Hedwig lebhaſt,„der Herr Lieutenant will alſo zurückkommen, und auch die liebe, freundliche Majorin und meine gute, artige Virginie mitbringen? Halten Sie nur Wort, ſonſt verzeihe ich Ihnen das nie!“ „Seyen Sie überzeugt, daß ich mich ſehr in Acht nehmen werde, mir ein ſolches Unglück zuzuziehen; und ganz gewiß werde ich Eine von ihnen mit mir bringen, wenn ich ſie auch hertragen müßte... Aber ſieh', da kommt der Herr General und Fräulein Gunilla!“ Und jetzt wurden Reden gehalten ohne Ende. Nichard erſchöpfte ſich in dieſen formellen und reiſrock⸗ artigen bei einer Abſchiede dieſe Ber daß ihn gezeichnet Nutzen a ſagte de jener ſch Gaſte jet verlaſſen Wein a gange, alſo hier ſitzen.“ „M doch ein wünſchen werden ſe es nur reitet auf „Ei „Man h ſchlechten dieſe Fal Sie ſind .„X der Kapi an mir ſchiebe. holm, w Punſch Stoffe zu „Ack ſeyn ließe 95 aufhellen artigen Komplimenten, die der General, wie er wußte, nd drückte bei einer ſo feierlichen Gelegenheit, wie einem„großen aube ganz Abſchiede“ ſehr gerne ſah. Auch empfahl er ſich durch Reiſen be⸗ dieſe Beredſamkeit in ſo hohem Grade bei ſeinem Wirthe, daß ihn dieſer bei ſich mit Vergnügen für einen aus⸗ Sie mich gezeichnet wohlerzogenen Jüngling erkannte, der mehr dande, die Nutzen aus dem gebildeten Umgange ſeines Onkels ge⸗ aalter In⸗ 3 zogen habe, als deſſen eigener Sohn. ur all' die„Und Sie verlaſſen uns auch, mein lieber Kapitän!“ nie ich el⸗ ſagte der General und wandte ſich zu Brandler mit öglich ge⸗ jener ſcherzhaften Herablaſſung, die ihm bei dieſem . Gaſte jetzt ganz zur Gewohnheit geworden war.„Sie rth meiner verlaſſen uns auch, nachdem Sie beinahe all' meinen heſſen!“ Wein aufgetrunken haben! Und das mitten im Eis⸗ e vergeſſen gange, wo ſich kein Menſch hinauswagt! Ich bleibe kalt und alſo hier allein zwiſchen dem Doktor und dem Probſte Sagen Sie ſitzen.“ en 2“„„Meiner Seel', erwiederte der Kapitän,„das iſt es Wort,“ doch ein ſo beneidenswerther Platz, als ſich nur Jemand 3 wünſchen kann; denn wenn es der Herr General müde daß Sie ſo werden ſollte, auf dem Arzneimann zu ſitzen, ſo braucht ewiß, daß es nur einen kleinen Sprung, und der Herr General „Mörkedal reitet auf dem Rücken des Gottesmannes in Himmel.“ noch beſſer„Ei, ei, Kapitän!“ rief der General bedauernd. Ich meine„Man hört, daß dieſes Wortſpiel aus Ihrer eigenen . ſchlechten Fabrik war. Ich habe Ihnen ja geſagt, daß Lieutenant dieſe Fabrik durchaus nichts taugt. Nein, wahrhaftig, freundliche Sie ſind jetzt zu waſſerarm!“ titbringen?„Nun, wie kann es denn anders ſeyn,“ verſetzte das nie!⸗ der Kapitän lachend,„da man den ganzen Winter über hr in Acht an mir gepumpt hat? Es iſt hohe Zeit, daß ich mich iehen; und ſchiebe. Bei der großen Begräbnißſeier in Tyrings⸗ ir vringen, holm, wo ich dem Oberſt den Dienſt leiſten werde, den r ſieh„da Punſch zu brauen, hoffe ich von der Geiſtlichkeit neue 216 Stoffe zu erhalten.“ hne Ende. ‚Ach, wenn der Herr Kapitän doch das Reiſen nd reiſrock⸗ ſeyn ließe!“ ſagte Hedwig, die ſich jetzt noch mehr als gewöhnlich vor der Einſamkeit fürchtete.„Ach, wenn der Herr Kapitän nur dabliebe!“ 1 Es lag etwas ſo unendlich Herzliches und Aufrich⸗ tiges in ihren Worten, daß ſich der Kapitän verwundert zu ihr wandte:„Wie! ſollte mich das kleine Fräulein vielleicht gar vermiſſen— da werde ich meiner Seele noch ganz ſtolz.“ „Ja werden Sie das nur, wenn meine Betrübniß den Herrn Kapitän ſtolz machen kann; denn ich erkläre, daß ich mir nichts Langweiligeres denken könnte, als dieſe Abreiſe des Kapitäns. Ich glaube, ich müßte ge⸗ rade zu überlaut darüber weinen!“ Und Hedwig, die wirklich die Thränen'nicht zurückhalten konnte, die ihr die Abreiſe eines Andern koſtete, weinte jetzt offen und unberufen um den Kapitän Brandler. „Herr mein Gott,“ ſeußzte der Kapitän, ich weiß, daß ich nicht gefühllos für den ſüßen Duft der Bowlen bin, die mir von Tyringsholm bis hier herüber duften; aber ich will verdammt ſeyn, mein Lebenlang in Punſch und Glühwein bis an's Kinn zu ſtehen, ohne einen Tropfen davon zu koſten, wenn ich den Bitten einer ſo kleinen bezaubernden Satanswillküre widerſtehen kann! Fräulein Hedwig iſt ſoviel ich weiß das einzige Mädchen, das um meinetwillen geweint hat; und ich kann nicht ſo undankbar ſeyn und ſie es vergebens thun laſſen. Gott befohlen, mein lieber Lieutenant! Grüßen Sie den Oberſt und ſagen Sie ihm, er möge ſeiner Schwermuth ſelbſt helfen, ſo gut er eben kann,— ich bleibe, meiner Seel', wo ich bin.“ „Eine ſolche Entſagung,“ ſagte der General mit freundlichem Lächeln,„erfordert, daß wir ſelbſt heute Abend dem Kapitän zu Ehren einen Glühwein brauen: und das ſoll einer werden, wie ihn der Oberſt nicht beſſer machen kann, das verſpreche ich! Und Du, meine artige Hedwig“— der General küßte ſeine Tochter auf die Stirne— die Du ſo unverhohlen Deine Neigung zu dem denzen!“ Rich im Grun zu ſchätze dießmal müßte; u ſten, wer keine wa Platz an der Erklä gut anerk geſchmeich der Sach Reiſerock Donnerwe ſofern nich Falle er und den Riche ſuche. N. wo er, a Fräulein gar ganz Es Tyringsh erſchien, iſt. Nie⸗ ihn auch waren, am Moꝛ Nichard Das Fit wenn der Aufrich⸗ ſerwundert Fräulein Seele noch Betrübniß h erkläre, unte, als müßte ge⸗ dwig, die , die ihr offen und ich weiß, r Bowlen eer duften; in Punſch hne einen einer ſo en kann! Mädchen, ann nicht un laſſen. a Sie den chwermuth e, meiner neral mit lbſt heute brauen: berſt nicht u, meine bchter auf Neigung 97 zu dem Kapitän zeigſt, ſollſt ihm das erſte Glas kre⸗ denzen!“ Richard hatte, obſchon er den Kapitän als einen im Grunde braven Kerl und ergötzlichen Geſellſchafter zu ſchätzen wußte, doch nichts dagegen, wenn er ſich dießmal nur mit ſeiner eigenen Geſellſchaft begnügen müßte; und nur der Gedanke an den Verdruß O L des Ober⸗ ſten, wenn er ohne den Kapitän zurückkehrte, und auch keine wahrſcheinliche Ausſicht darbieten konnte, ſeinen Lieutenant zu Platz anders zu beſetzen, vermochte den der Erklärung, daß er das neue Arrangement nicht für gut anerkennen könne. Es half jedoch nichts; denn der geſchmeichelte Kapitän, der ſich ſo beſtritten ſah, gab der Sache einen ſchnellen Ausſchlag, indem er ſeinen Reiſerock abwarf und erklärte, daß ihn ſieben Millionen Donnerwetter holen ſollten, wenn er vom Flecke ginge, ſofern nicht der Oberſt ſelbſt ins Gras biſſe, in welchem Falle er nicht umhin könnte, ihm die Ehre zu erweiſen, und den Leichentrunk ihm ins Grab nachzuthun. Richard enthielt ſich aller weitern Ueberredungsver⸗ ſuche. Noch einen Abſchied, und er ſaß im Wagen, wo er, allein mit ſeinen Träumen, leider bald nicht nur Fräulein Hedwigs ſorgfältige Bemühungen, ſondern ſo⸗ gar ganz Mörkedal vergaß. Siebentes Kapitel. Es war ſchon ganz finſter, als der Lieutenant in Tyringsholm anlangte, wo ihm Alles ſo ſtille und düſter erſchien, wie es da oft geſchieht, wo der Tod zu Gaſte iſt. Niemand kam ihm entgegen; aber man erwartete ihn auch erſt am folgenden Morgen, weil die Wege ſchlecht waren, und man nicht geglaubt hatte, daß er ſo frühe am Morgen von Mörkedal fortkommen würde; aber Richard behielt ſeinen alten Reiſeeifer bei, und trotz dem Das Fideicommiß. II.. 98 Zuſtand der Wege und der Angſt des Kutſchers für die Pferde kam der Lieutenant doch gegen neun Uhr Abends an. „Ich werde mir wohl auch allein hinaufhelfen 17 dachte Richard, als er im Finſtern daſtand; und Nie⸗ mand kann es ihm verdenken, daß er ganz behutſam an den Zimmern des Oberſten vorbeiſchlich, wo Licht brannte und Stimmen redeten, dagegen aber eben ſo leicht als leiſe die große Treppe hinaufſprang. Im Saale brannte nur eine flackernde Kerze, die gewiß Niemand geputzt hatte, ſeit ſie dort ſtand. Richard öffnete die Thüre nach den Nebenzimmern. Im erſten war kein Menſch, auch von dem rothen Kabinete her hörte man keinen Laut; wenn er aber dem heftigen Klopfen ſeines Herzens zu glauben wagte, ſo mußte gewiß Jemand darinnen ſeyn. Da ſtand jetzt der Lieu⸗ tenant und ſchämte ſich nicht, mitten unter Haufen von ſchwarzem Tibet, Flortuch und Linnen, was alles an die Trauerkleider um die ſelige Kammerräthin erinnerte, die brave Frau, die im Leben eben ſo wenig Weſens aus ſich gemacht hatte, wie jetzt im Tode, da ſchämte er ſich nicht die roſenfarbenſten Bilder hervorzuzaubern.„O Jugend,“ würde die Kammerräthin geſagt haben, wenn ſie ihn hätte ſehen können,„beweine deinen Leichtſinn und bedenke: heute mir, morgen dir!“ Richard horchte an der Doppelthuͤre zum Wohnzimmer ſeiner Tante, von wo her er eine ununterbrochene und ordentliche Be⸗ ſprechung über das Falten der Striche zum Kopfkiſſen und über die Spitzen um Hand und Haube vernahm. Seine Mutter führte das Wort, und die Baronin und ie ließen ebenfalls ihre Anſichten hören; aber Iſa⸗ „ Ohre ein es nicht 4 und trat Auf gebrochene und in h merte. 2 2 hing nach den weiß großer ſe „ hatte, fie gegen die marmoräl athmete des hin. Einig des ſchön ⸗ ſich die dunklen 8 Wolke hin herrlichen in die glü das Feuer vielfachen. Wart nen, hun Welt nicht dafür lebte 1 lings— de 4 den kalten Ernſt, So fälligen Ge verſchwinde deren man der alten Reize darb —— ſchers für neun Uhr ufhelfen!“ und Nie⸗ hutſam an ht brannte leicht als Richard erſten binete her n heftigen ſo mußte der Lieu⸗ aufen von lles an die nerte, die Jeſens aus mte er ſich pern.„O ben, wenn Leichtſinn ard horchte er Tante, itliche Be⸗ Kopfkiſſen vernahm. ronin und aber Iſa⸗ im rothen e eiferſüch⸗ t; aber ſo ein heim⸗ lauſchenden 99 Ohre ein Ton von innen, ein Seufzer, und jetzt war es nicht mehr Zeit ſich zu beſinnen: er öffnete die Thuͤre und trat leiſe auf den weichen Teppich hinein. Auf dem Nähtiſchchen brannten zwei Lichter, deren gebrochener Schein auf Iſabellen fiel, die ſchwarz gekleidet und in halb ſitzender Stellung in einer Divanecke ſchlum⸗ merte. Ihr linker Arm lag unter dem Kopfe, der rechte hing nachläſſig zur Seite herab, und die Hand hielt noch den weißen Strich, an dem ſie gearbeitet hatte. Ein großer ſchwarzſeidener Shawl, der den rothen abgelöst hatte, ſiel in weichen Falten um ihre feine Geſtalt; und gegen dieſe ſchwarze Tracht erſchien ihre Bläſſe beinahe marmorähnlich. Nur der roſige Frühling der Lippen athmete Lebenswärme über die eiſige Nähe des To⸗ des hin. Einige Augenblicke ſtand Richard in Betrachtung des ſchönen Weibes verſunken. Warum wünſchen, daß ſich die feinen Augendeckel öffneten, daß dieſe langen dunklen Franzen ſich theilen und ihn in die glänzende Wolke hinter ihnen ſchauen laſſen möchten? Beſſer, dieſe herrlichen Formen einer idealen Kunſt zuſchreiben, als in die glühende Wolke eindringen, und an ihren Strahlen das Feuer des jungen Blutes bis zur Unendlichkeit ver⸗ vielfachen. Warum immer Liebe begehren, warum darnach bren⸗ nen, hungern, dürſten, als ob es auf der ganzen weiten Welt nichts gäbe, das mehr als ſie verdiente, daß man dafͤr lebte! Dieß iſt das erſte ſchöne Leben des Jüng⸗ lings— das bald genug verbleicht, ſobald er den Fuß auf den kalten harten Boden des Mannesalters ſetzt, wo Ernſt, Sorge und ihre tauſend und aber tauſend ſchwer⸗ fälligen Gefährten ihm begegnen. Der Traum der Liebe verſchwindet dann nicht ſelten wie eine ſchöne Ausſicht, deren man ſich aus ſeiner Jugend erinnert, und die um der alten theuren Illuſionen willen noch einige kleine Reize darbietet, die dann bei beſondern Gelegenheiten 7 wie gewiſſen Tagen im Jahre, aus der Vergangenheit emporgerufen werden. Zum Glück für die Liebe und die, welche in ihren Luſtgärten wallen, glaubt Niemand an ſolche Ueberlie⸗ ferungen. Und das iſt gut; denn ſonſt wäre ja unläugbar der beſte Theil der Gluͤckſeligkeit dahin. Es gibt jedoch auch— wir wollen es wenigſtens glauben— manchen herrlichen Traum, der, wenn er auch im reiferen Lebens⸗ alter ſeine ätheriſchen Beſtandtheile verloren hat, noch in dem nämlichen Herzen fortlebt, und oft ſogar klarer, ruhiger und heiterer als in dem erſten Fruͤhling deſſelben; denn die Stunden der Furcht, der Unruhe und des Zwei⸗ fels ſind dann vorbei. Aber wie Viele auch, welche die beſte Lebensquelle ihres Herzens der ſchönen Roſe zur Nahrung boten, ſahen ſie dennoch verbleichen, ehe der Athemzug der Zeit ſie noch hatte berühren können, ſahen die helle Thräne in ihrem Kelche erſtarren! Für ſie rollte der Traum auf lange Zeit— Gott weiß auf wie lange!— ſeinen Sternenkreis zuſammen; und das einſame Herz ging in dunkler Nacht, und ſuchte den verlorenen Schatten. Richard ſank Iſabellen zur Seite nieder. Dem Juüngling eilt es ſo, das Bischen Leben zu genießen, das ihm zufallen kann. Vorwärts, vorwärts! Er muß hinein in die glänzende Wolke, wenn ſie auch darüber zergeht und nur feuchter Nebel ihn umhüllt. Richards Wange flammte, ſein Herz, ſeine Pulſe glühten. Als er Iſabellen verließ, war ſeine Liebe noch ein Früh⸗ lingsmorgen; die Trennung und das viele Sinnen und Denken hatten ſie gereift. Die Sonne ſtand hoch und roth am Himmel— es war Mittag, heißer, brennen⸗ der Mittag. „Erwache, erwache!“ flüſterte er und beruhrte leiſe ihre Locken. Iſabelle ſchlug ihre ſchönen, ſtrahlenden Augen auf, Sie blickten in die ſeinigen. Ein Lächeln ſo klar und ſo ſanſt, ſchwebte über ihre Lippen.„Mein guter, guter — Richard, ſtreichelte Rich Stimme die ſein Iſabellens dieß iſt ei Doch chard,“ ſa ſternder T Du darfſt „Iſa „Nei Dich ſo a auf dieſe Trennung Ungehorſa mich. Haf Niemand Widerſtreb haltend, e „Dar iſt hier; 2 „Das daß es au „Ich allein man der Tante „Ja, „Ach haſt. Es Du trägſ armer Ric „Das Dinge au und ſchwe Fräulein gangenheit in ihren Ueberlie⸗ unläugbar gibt jedoch manchen en Lebens⸗ hat, noch gar klarer, deſſelben; des Zwei⸗ ebensquelle ung boten, ig der Zeit Thräne in Traum auf — ſeinen Herz ging Schatten. Leben zu vorwärts! n ſie auch n umhüllt. lſe glühten. ein Früh⸗ Sinnen und hoch und „ brennen⸗ trührte leiſe Augen auf, klar und buter, guter — 101 Richard, biſt Du alſo endlich wieder daheim!“ Ihre Hand ſtreichelte leicht ſchmeichelnd über ſeine Stirne. Richard wagte nicht zu ſprechen; er fühlte, daß ſeine Stimme die ſtürmiſchen Bewegungen verrathen würden, die ſein Herz in Brand ſetzten. Noch hielt er jedoch Iſabellens Hand in der ſeinen. Er ſah ſie an, ſchon dieß iſt ein unendlicher Genuß für den, der liebt. Doch nur einige Augenblicke ließ ſie ihn ſo.„Ni⸗ chard,“ ſagte ſie mit einer Stimme, deren weicher, flü⸗ ſternder Ton ihm durch jede Fiber zitterte, guter Richard, Du darfſt nicht ſo da liegen.“ „Iſabelle ſey nicht hart! Ich begehre ja ſo wenig.“ „Nein, Richard, es iſt nicht wenig begehrt, daß ich Dich ſo auf den Knien vor mir liegen und meine Hand auf dieſe Weiſe feſthalten laſſen ſoll. Nur die lange Trennung kann entſchuldigen, daß es je geſchah. Alſo keinen Ungehorſam! Schiebe den Seſſel her und ſetze Dich neben mich. Haſt Du die Andern ſchon begrüßt!“„Ich habe noch Niemand begrüßt!“ ſagte Richard, der ſeine Stellung mit Widerſtreben verließ und Iſabellens Hand noch immer feſt⸗ haltend, einen niedern Stuhl herzog, auf den er ſich ſetzte. „Dann mußt Du es thun, Richard! Deine Mutter iſt hier; Du weißt, wie ſie ſich nach Dir ſehnt!“ „Das weiß ich wohl, aber laß mich hoffen, Iſabelle, daß es auch Dir hie und da leer und öde vorkam.“ „Ich wüßte nicht, warum ich das läugnen ſollte; allein mancherlei Kummer, die Krankheit und der Tod der Tante— es war eine harte Zeit.“ „Ja, weiß Gott, auch mir war ſie nicht mild.“ „Ach, ich kann mir denken, daß Du viel gelitten haſt. Es muß ein ſchrecklicher Schmerz geweſen ſeyn. Du trägſt Deinen Arm noch in der Schlinge, mein armer Richard!“. „Das meinte ich nicht. Es gibt noch viele andere Dinge außer körperlichen Leiden, welche die Zeit lang und ſchwer machen... Ich ſoll Dich von dem kleinen Fräulein Hedwig grüßen. Du kannſt kaum glauben, wie 10² freundlich und vorſorglich ſie war! Aber das kannſt Du recht wohl glauben, daß ich manchmal undankbar genug den Wunſch hegte, Deine Hand möochte nur ein einzig Mal mein Kopfkfiſſen ordnen.“ „Du biſt ein weichlicher Schwärmer geworden, Richard! Man hört und ſieht, daß Du in einer beinahe ſechs⸗ wöchentlichen Quarantaine lagſt, ohne Dich mit etwas Anderem als der Phantaſie zu beſchäftigen— ſo gefällſt Du mir nicht!“ Das Blut ſtrömte warm nach Richards Wangen. „Ich werde gehen und meine Mutter begrüßen,“ ſprach er ruhig.„Sie wird gewiß begreifen, daß man Gefühle, tiefe und ſtarke Gefühle haben kann, ohne deßhalb ein weichlicher Schwärmer zu ſeyn.“ Iſabelle hielt ihn nicht zurück, ſie ſuchte nicht ein⸗ mal den Ausdruck zu mildern, der ihn gekränkt hatte. Richard ging; aber er ſah den Blick nicht, der ihm folgte. Die Glückſeligkeit der Majorin, als ſie den hoff⸗ nungsvollen Sohn ihren mütterlichen Stolz wieder ſah, war groß und beredt, und Nichards Freude war nicht minder ſtark, obſchon ſchweigſamer, als er Mutter und Schweſter umarmte, und den herzlichen Willkommskuß empfing. Die Baronin theilte ihr Glück; aber der aller⸗ glücklichſte war vielleicht doch der Oberſt, der jetzt endlich Jemand hatte, gegen den er ſeinen Kummer ausgie⸗ ßen konnte, Jemand, mit dem er unendlich viel Sorgen theilen konnte, die er ſich wegen des Begräbniſſes der Kammerräthin ſelbſt ſchuf. Dieſe Wühltage mit ihrem Düſter, ihren weißaus⸗ geſchlagenen Wänden und dem Geruch von Tannenrei⸗ ſern und Räucherwerk waren endlich überſtanden.„Dem Himmel ſey Dank,“ rief der Oberſt, als die Maiſonne die rothen, blauen und gelben Ueberzüge wieder beleuchtete, „daß wir fertig ſind! Es thut den Augen recht wohl, daß ſie all' die weißen Wolken nicht mehr ſehen duͤrfen, die jedes Möbel nach Leichen xiechen machten. Jetzt kön⸗ nen wir doch wieder unſre Abendparthie haben. Nur — ,— —— Schade, gereist i Ab verginge Mi Leben de mit jed begegnet Spazier« ringshol vertrauli nehmen den offen wollen leben, u len ſich Ströme Bis Klas N ſie eben da die 2 geworder Gewalt recht ve Richard zu erhal der Kire er einfas habe ſel der Hüt hervorſch ſtets zur Du ſie abgelegt hatte, nicht me 103 kannſt du †⸗ Schade, ewig Schade, daß Graf M— nach Stockholm bar genug gereist iſt!“ ein einzig Aber mit Richards Wiederkehr war auch Leben und Gedeihen wieder gekommen, und auch ohne Graf M— 1, Richard! vergingen Tage und Wochen in ſtetem Wechſel. lahe ſechs⸗ Mit friſchen Gefühlen, fähig, das neuerwachende mit etwas Leben des Frühlings zu faſſen und zu genießen, das ihnen ſo gefällſt mit jedem Morgen in immer herrlicherer Entwicklung begegnete, machten Richard und Klas Malchus weite Wangen. Spaziergänge in den poetiſch ſchönen Gegenden um Ty⸗ 1,“ ſprach ringsholm. Mit jeder Fahrt ſchloßen ſie ſich näher und n Gefühle, vertraulicher an einander; denn in Gottes freier Natur eßhalb ein nehmen die Gefühle einen beſſeren Charakter an, ſie wer⸗ den offener, inniger, heimiſcher bei fic ſelbſt— und doch nicht ein⸗ wollen ſie ſich auch mittheilen; ſie wollen bei Andern änkt hatte. leben, um ein vervielfachtes Leben zu genießen; ſie füh⸗ ihm folgte. len ſich reich wie die Natur ſelbſt und müſſen in andere den hoff⸗ Ströme ausſtrömen wieder ſah, Bisher hatte ſich Richard nie eine Anſpielund auf war nicht Klas Malchus Gaſuhte für Marie erlaubt, obſchon er Nutter und ſie eben ſo gut geahnt hatte wie die Uebrigen. Aber Ulkommskuß da die Beſuche im Meßnerhauſe nunmehr äußerſt ſelten der aller⸗ geworden waren, glaubte der Lieutenant, ſie haben ihre jetzt endlich Gewalt über Klas verloren. Da dieß gleichwohl nicht er ausgie⸗ recht vereinbar mit ſeinem Eharaller war, ſo wunſchte iel Sorgen Richard eine vertrauliche Darſtellung des Verhältniſſes bniſſes der zu erhalten; und eines Abends, als ſie Arm in Arm an der Kirche und dem kleinen Hauſe vorüber gingen, ſagte weißaus⸗ er einfach und herzlich ohne alle Vorbereitungen:„Ich Tannenrei⸗ habe ſchon oft mit Dir über Deine Wanderungen nach en.„Dem der Hütte ſprechen wollen, die dort zwiſchen den Bäumen Maiſonne hervorſchimmert; allein Deine Verſchloſſenheit hielt mich beleuchtete, ſtets zurück. Jetzt glaube ich jedoch ganz gewiß, daß recht wohl, Du ſie gegen mich, wenigſtens wenn wir hier außen ſind, hen duͤrfen, abgelegt haſt. Laß mich deßhalb wiſſen, ob ich Recht Jetzt kön⸗ hatte, wenn ich eine Zeitlang glaubte, daß dieſer L Ort ben. Nur nicht mehr dieſtlbe Anziehungskraft für Dich habe?“ —————— 104 „Dann, Richard,“ erwiederte Klas Malchus, freund⸗ lich auf die Ideen ſeines Freundes eingehend,„haſt Du geglaubt, daß Veränderlichkeit zu meinem Charakter ge⸗ höre.“ „Veränderlichkeit iſt vielleicht nicht das rechte Wort; denn um veränderlich zu ſeyn, muß man ein Geſühl ver⸗ laſſen haben, das wirklich feſt in uns war. Eine flüch⸗ tige Neigung dagegen...“ „Halt, Richard!“ ſagte Klas Malchus in einem etwas unwilligen Tone.„Von Dir möchte ich dieſe elende Definition nicht hören.“ „Du mußt ſie nicht elend nennen, Klas! Du mußt wiſſen, daß ich unter einer flüchtigen Neigung eigentlich nichts Anderes verſtehe, als eine ſchnell vorübergehende Luſt der Sinne, als eine Empfindung, die unſer Herz nichts angeht“ „Ich habe dieſe Reizung der Sinne, dieſe flüchtige Laune nie empfunden, die brennt ohne zu wärmen— ich bin nicht veränderlich.“ „Dann Klas, dann könnteſt Du alſo wirklich im Ernſte... „Im vollen Ernſte und von ganzer Seele könnte ich mich an diejenige binden, die meine erſte Neigung erweckt hätte— findeſt Du das ſo unnatürlich?“ „Nein, gewiß nicht, weit entſernt! wenn nur die Verhältniſſe anders wären, wenn nur ein gleicher Bil⸗ dungsgrad und Sympathie in andern Fällen denkbar wäre.“ „Außerdem könnteſt Du nicht lieben, Richard?“ „Nein, ich glaube nicht.“ „Ich will anders von Dir denken. Du biſt nicht der kalte, ſelbſtſüchtige Geiſt, der wiſſen will, was er bei einem ſolchen Gefühle gewinnt. Du kannſt die Liebe nicht anatomiren, ſie nicht zerſtückeln, um zu ſehen, wie weit ſie geſtiegen iſt, oder welchen Ausweg es gibt, um ſie zu hemmen. Nein, Du willſt ſie ganz und gar ge⸗ nießen; und wer das will, der frägt nicht darnach, in welchem Boden die Blume emporgewachſen iſt, nach der er ſtrebt; Blätter d „Abe betrachtete gewiſſen Figuren! heißt, ich teſt ernſth „Da⸗ einen Irr Riche gehemmt! Geliebte 1 als ſein k mit Meßr ſich ihm „Ich füre Vater ſeyr „„Ich erwiederte einige Mon ſo will ich rufen, die Mögen ſie Orkan vor „Orko Ein Erdbe Tyringshol wird. Ve Dir ergebe bedacht haf „Ich „Erla Marie Alſi aber iſt ſi dieſen Had was Du m freund⸗ haſt Du kter ge⸗ Wort; ihl ver⸗ e flüch⸗ einem e elende u mußt gentlich gehende er Herz flüchtige men— lich im könnte Neigung nur die er Bil⸗ wäre.“ 2 iſt nicht s er bei e Liebe en, wie bt, um gar ge⸗ ach, in ach der 105 er ſtrebt; wenn nur ihr Duft rein iſt, und ihre feinen Blätter die Krone der Sittſamkeit umſchließen.“ „Aber bei meinem Leben,“ rief Richard aus, und betrachtete die ſtrahlenden Blicke ſeines Freundes mit einer. gewiſſen Unruhe, Du ſprichſt ja ordentlich in poetiſchen Figuren! Ich glaube wahrhaftig, mein beſter Klas, das heißt, ich wäre beinahe verſucht zu glauben— Du lieb⸗ teſt ernſthaft?“ „Das kannſt Du immerhin glauben, Richard, ohne einen Irrthum zu befürchten!“ Richard blieb ſtehen; es war ihm, als ob ſein Athem gehemmt würde— er wußte, daß bei Klas Malchus die Geliebte nichts mehr und nichts weniger heißen wollte, als ſein künftiges Weib— alſo eine ordentliche Heirath mit Meßners Marie! Den Betrachtungen folgend, die ſich ihm jetzt unwillkürlich aufdrängten, ſagte er ernſt: „Ich fürchte, Klas, das wird ein Todesſtoß für Deinen Vater ſeyn!“ „Ich hoffe, es wird mit etwas Geringerem ablaufen,“ erwiederte der Baron ruhig.„Da wir indeſſen noch einige Monate haben, bis das Geſetz mich mündig erklärt, ſo will ich es einſtweilen vermeiden, Stürme hervor zu rufen, die dahin raſen würden, ohne die Luft zu reinigen. Mögen ſie dann lieber auf einmal kommen; wenn der Orkan vorüber iſt, wird es wohl ſtille werden.“ „Orkan— ſprich nicht von ſolchen Kleinigkeiten! Ein Erdbeben gibt es, bei dem, wie ich fürchte, ganz Tyringsholm bis auf ſeinen tiefſten Grund erſchüttert wird. Verzeih' mir Klas, daß ich als Dein aufrichtig Dir ergebener Freund frage, ob Du alles vollkommen bedacht haſt?“ „Ich habe Alles reiflich erwogen, und gebe nie nach!“ „Erlaube mir denn nur noch eine Frage. Ich kenne Marie Alſing bloß als das ſchönſte Mädchen der Gegend; aber iſt ſie auch würdig, daß Du um ihretwillen all' dieſen Hader beſchwörſt? Vermag ſie Dir zu erſetzen, was Du möglicherweiſe verlieren kannſt?“ 106 „Da Du ſie nicht kennſt, Richard, und nicht weißt, daß ein ſanftes Herz, ein züchtiges Weſen und ein feſtes Gemüth die Kleinodien ſind, die ſie neben ihrer Schön⸗ heit beſitzt, ſo will ich Deine gutgemeinte Frage ent⸗ ſchuldigen. Marie iſt deſſen vollkommen werth, was ich um ihren Beſitz wagen will; und was den andern Thei Deines Entwurfs betrifft, ob ſie das zu erſetzen ver⸗ möge, was ich möglicherweiſe verliere, ſo antworte ich, wenn Du unter dieſem Möglichen die Ungunſt und Ver⸗ geſſenheit meiner Familie verſtehſt, mit Ja 44 „Und in ihrer Geſellſchaft empfindeſt Du keine Leere? Du merkſt jetzt nicht, was Du vielleicht ſpäter thuſt: die Menge kleiner Disharmonien nämlich, die dann an’'s Licht treten werden. Verſteht ſie Dich, wenn Du mit ihr von etwas Anderem als der Liebe und den geringeren Dingen des alltäglichen Lebens ſprichſt?“ „Von was ſie ſprechen kann, was ſie verſteht oder nicht, das dürfte wohl gleichgültig ſeyn, wenn ihre Ge⸗ ſellſchaft mir nur genügt!“ entgegnete Baron Klas in einem Tone, der Richard hinlänglich darüber aufklärte, daß er in ein Gebiet gerathen ſey, deſſen weitere Unter⸗ fuchung unnütz wäre. „Mein beſter Klas Malchus, Du mußt nicht böſe werden! Ich weiß, daß Du im Allgemeinen die vor⸗ treffliche Gewohnheit haſt, ſehr wenig zu ſprechen; und ich fürchtete daher nur, wenn Dich je einmal die Luſt dazu befiele, möchte es geſchehen, daß Du in ber Unter⸗ haltung Deines Weibes nur ein ſchwaches Echo fändeſt.“ „Du willſt mich reizen, Richard!“ rief Klas heftig. „Aber ſage mir nur, ob ein junges reines Weib mit den beſten Anlagen, den wärmſten Gefühlen, und der natürlichen Poeſte des Herzens, wie Du ſie bei unſern gebildeten Damen vergebens ſuchſt, einem Manne nicht genügen kann, der die Natur aller Kunſt der Welt weit vorzieht und in Ewigkeit nie ſeine Gattin unter jenen vornehmen Puppen ſuchen wird, in deren Nähe er ſein Daſeyn verleiht Gedeihen iſt, näm ich nur, det ſie; als die meine S ſie nach bilden w daß ſie j Welt we meine W merhin b ander do D „V vielem 2 Marie d verſteht Worte u „Je Malchu d daß zeugen, tauſch öfteſten Ich ver ſeyn, u erfüllt l ch mit hal habe, i laſſen z ſtokratiſ weißt, n feſtes ich n Theil ſen ver⸗ brte ich, nd Ver⸗ e Leere? Du mit eringeren teht oder ihre Ge⸗ Klas in aufklärte, ere Unter⸗ nicht böͤſe die vor⸗ chenz und die Luſt ber Unter⸗ Hfändeſt“ las heftig. Weib mit , und der bei unſern anne nicht Welt weit inter jenen he er ſein 107 Daſeyn nur mit Qual empfindet? Mariens Geſellſchaft verleiht mir jenen Frieden, jenes ruhige, unerklärliche Gedeihen, das mir in meinen Augen das Beſte von dillem iſt, naämlich das Gedeihen der Heimath— und das finde ich nur, wo ſie athmet. Sie liebt die Muſik, ſie empfin⸗ det ſie; und für mich gibt es keinen ſchöneren Gedanken, als die Vorſtellung wie ich in den Stunden, die mir meine Studien frei laſſen, ihre reichen Talente üben, ſie nach meinem, nicht nach anderer Leute Geſchmack aus⸗ bilden werde. Ich kann dann auch die Hoffnung hegen, daß ſie für mich und nicht für die Welt leben wird. Die Welt war für mich ſtets ein leeres Wort— ich trage meine Welt in mir. Mag mich die Aeußerlichkeit im⸗ merhin belachen; ich lache wieder, denn wir werden ein⸗ ander doch nie verſtehen lernen.“ „Davon bin ich überzeugt, Klas, und auch von vielem Andern, was Du eben geſagt haſt; und beſitzt Marie dieſe Vorzüge nicht nur als ein todtes Kapital, verſteht ſie ſich vor Allem ſelbſt, kann ſie der Form Worte und Leben geben, kann ſie...“ „Jetzt will ich kein Wort weiter reden!“ rief Klas Malchus mit finſter gerunzelten Braunen.„Kannſt Du nach dem, was ich aus meiner Seele heraus zu Dir ge⸗ redet habe, noch bezweifeln, daß ſie das Weib iſt, das einzig für mich paßt, ſo war es nicht der Mühe werth, daß ich ſo zu Dir ſprach! Laß mich aber Dich über⸗ zeugen, aß das Glück für mich wenigſtens nie im Aus⸗ tauſch von Worten und Phraſen liegen kann, die zum öfteſten ohne alle Bedeutung ſind! Wir haben Gefühle. Ich verſtehe ſie, ſie Gottlob mich— laß Dir das genug ſeyn, und glaube, daß Du alle Pflichten der Freundſchaft erfüllt haſt!“ „Ja, ich glaube wahrlich,“ verſetzte der Lieutenant mit halbem Lächeln, daß ich es nicht auf dem Gewiſſen habe, irgend einen vernünftigen Einwurf außer Acht ge⸗ laſſen zu haben; und da Du weißt, daß kein alter ari⸗ ſtokratiſcher Sauerteig in meinen Bemerkungen gährte, 108 ſo ſchäme ich mich ihrer auch nicht. Mein Eifer ent⸗ ſprang lediglich aus meiner Freundſchaft, allein ich glaube faſt, ich habe ihn etwas zu weit getrieben. Erlaube mir übrigens jetzt, wo ich weiß, daß die Sache als abge⸗ macht zu betrachten iſt, Dir zu ſagen, daß ich der Kraft, die ſich eine eigene Bahn bricht, Gerechtigkeit wider⸗ fahren laſſe; aber ich ſetze hinzu: wollte Gott, ſie wäre ſchon gebrochen! Und hier haſt Du meine Hand darauf, daß ich Dir treulich dazu verhelfen will, ſo gut ich kann.“ Ein warmer Blick dankte Richard für ſein Ver⸗ ſprechen und den treuen Handſchlag, der ſo redlich ge⸗ meint war wie ein vollſtändiger Glückwunſch.„Und jetzt keine Heimlichkeiten mehr!“ fuhr der Lieutenant fort. „Laß mich wiſſen, wann Du Deine Marie ſiehſt; denn ich muß Dir ſagen, daß das Aufhören der Beſuͤche im Meßnerhauſe gewiſſe aufgeregte Gemüther bedeutend be⸗ ruhigt hat.“ Klas Malchus erröthete leicht.„Ich war genöthigt, dieſen mir ſo theuren Stunden zu entſagen, um Marie von Zwang und Argwohn zu befreien,“ erwiederte er. „Aber ſie iſt nicht ſelten allein; und hie und da haben wir uns auch an einem Orte getroffen, wo unſere Liebe hoffentlich nicht entweiht wird, dort nämlich—“ er zeigte auf die Kirche.—„Das kleine Beichtzimmer neben der Orgel gewährte uns eine freundliche Stelle.“ „Das iſt freilich ein ſehr düſteres Lokal,“ ſagte Richard;„doch die Liebe heiligt jeden Platz, und dieſer heiligt die Liebe. Ich wünſchte jetzt nur, daß auch fortan alle Unruhe ſchliefe, bis Du ſie mit der Poſaune erweckſt.“ „Ich hoffe es.“ Aber die Hoffnung iſt, wie Jedermann weiß, kein Ding, daß man wieder ſo leicht erfaßt, wenn man es ſinken ließ. Gibt es wohl in der ganzen weiten Schö⸗ pfung ein unbeſtändigeres und unſichereres Ding als die Hoffnung? In allen Ständen, in jedem Alter, in allen Geſtalten macht man Bankrott mit ihr. Heute gibt ſie tauſend Prozent, und füllt dem Leichtgläubigen, der ſein Vertrau morgen ſteht nur der laun zu erhal Iſe weſen, letzten§ Die belle, n inne ge Ihr erſt kaum ei ihren g ausbreite Scheiben Aber w freute ſi lange begoſſen umfloß heute lächeln ent⸗ glaube be mir abge⸗ Kraft, wider⸗ ſe wäre darauf, kann.“ Ver⸗ at fort. ; denn liche im hend be⸗ nöthigt, Marie derte er. a haben ere Liebe er zeigte eben der ſagte Id dieſer hh fortan erweckſt.“ eiß, kein man es en Schö⸗ als die in allen gibt ſie der ſein 109 Vertrauen auf ſie ſetzt, alle Hände mit Glückslooſen; morgen nimmt ſie Kapital ſammt Zinſen zurück und da ſteht nun der blaſſe Anleiher und iſt außer Stand, von der launiſchen Göttin auch nur einen erträglichen Akkord zu erhalten. Achtes Kapitel. Iſabelle war auf ein paar Tage in Tjällſtorp ge⸗ weſen, und den Tag nach der Unterredung, die wir im letzten Kapitel mittheilten, kehrte ſie von da zurück. Die Sonne war ihrem Niedergang nahe, als Iſa⸗ belle, nachdem ſie eine kleine Weile bei ihrer Mutter inne geſeſſen hatte, in das rothe Kabinet hinaustrat. Ihr erſter Blick fiel auf das Fenſter; denn ſie kannte kaum einen herrlicheren Anblick, als wenn die Sonne ihren glänzenden Abendmantel üͤber den blauen Strom ausbreitete und den verfallenen Pavillon mit ſo bunten Scheiben in die Schatten ihrer reichen Schleppe hüllte. Aber wie ward Iſabelle nicht heute überraſcht, wie innig freute ſie ſich nicht, als ſie den Pavillon, den ſie ſchon lange lieb gehabt hatte, wie neugeboren fand! Drei Tage hatten hingereicht, um dieß zu Stande zu bringen. Nie ward er ſchöner als jetzt von dem Purpur des Abends begoſſen; und ein breiter Sonnengürtel, der die Kuppel umfloß und ſein Gold in tauſend Strahlen aus den neuen Scheiben wieder emporblitzen ſah, warf auch die ſchönſte Beleuchtung über eine kleine duftende Orangerie, die auf dem oberen Theile des Daches angebracht war. Vor den halb oſſenen Thüren wehten grüne Gardinen, und um die Säulen, auf denen der Pavillon ruhte, ſchlangen ſich Kränze von jungem Laubwerk, das mit weißen Syringen untermiſcht war. Iſabelle eilte hinab; ſie hatte ganz vergeſſen, daß heute ihr Namenstag war, jetzt aber erinnerte ſie ſich lächelnd, daß des Majors ſo in ſie gedrungen hatten, 110 abzureiſen, ehe es zu ſpät würde. Konnte dieſe Ueber⸗ raſchung von ihrem Vater ausgehen? Ach nein— er war nicht einmal zu Hauſe. Mit leichten Schritten, und nicht eben ungewiß darüber, wem ſie dieſe Ueberraſchung zu danken hatte, ſchwebte ſie über die Treppen der Ter⸗ raſſe hinab, zog die luftigen Gehänge vor der Thüre zur Seite und trat ein. Welch' ein kleines entzückendes Eden war nicht aus dem unfreundlichen Pavillone geworden! Er war nicht mit Prachtartikeln überladen, aber mit dem äußerſten Geſchmacke eingerichtet, wie er eben für ein Weib mit feinen Gewohnheiten behaglich ſeyn konnte, für ein Weib, das die Bequemlichkeit liebte, und gerne ihre Ruhe in der Umgebung eines Alltaglebens genoß, wo die Poeſie aus jeder Blumensknospe, aus jedem Blatte hervorſchaute, das den Schatten des ganzen licht⸗ und farbevollen Ge⸗ mäldes bildete Mitten im Gemache, zuoberſt auf einer hohen Treppe ſtand jedoch Etwas, was Iſabellens Aufmerkſamkeit vor Allem auf ſich zog. Dieſes Etwas war der Meiſter ſelbſt, der Lieutenant, der mit rothem erhitztem Geſichte und vom Sonnenlichte umſtrahlt, eine Blumenguirlande um die Leiſte der Kuppel zu beſeſtigen ſtrebte. Aber als er Iſabellen unter der Thüre ſtehen ſah, zog er die Guir⸗ lande wieder zu ſich, ſprang herab und war in einem Nu an ihrer Seite. In ſcherzender, aber ſeelenvoller Tändelei— denn Richard war in dieſem Momente un⸗ beſchreiblich ſelig und aufgeräumt— ſchlang er ſeinen Arm um Jſabellens feinen Leib und ſing an ein paar Mal mit ihr um eine queer im Zimmer ſtehende Cau⸗ ſeuſe herumzutanzen, in deren ſchwellende Polſter er ſie jedoch bald niederdrückte, und mit der duftenden Blumen⸗ kette umwand. Richard ſelbſt ſetzte ſich mit Blicken, die von der höchſten menſchlichen Freude ſtrahlten, auf einen Schemel zu ihren Füßen, indem er ihren Augen die höchſte reinſte Zufriedenheit ſuchte und fand. „Me mich ſo ei Stunde h „Nich auch man roſige Ge Kein Cha im Becher denrauſche Dich um, wo Gotter Goldthau zu Deine Wellen ſir dieſe dunk artig ſind ſtrecken, 1 jener herr bare Mac haͤngt, ſie zwei jung traulich iſt mehr aus ihrer den ſie n iſt wie d und auch Mit keine war je ſe ich nur einige Au und fühl ſtrömt!“ Ein als ihr aber jetzt 2 5 aßerſten eib mit Weib, Ruhe ſe Poeſie lſchaute, leen Ge⸗ Treppe keit vor er ſelbſt, chte und inde um lber als die Guir⸗ n einem llenvoller eente un⸗ er ſeinen ein paar de Cau⸗ er er ſie Blumen⸗ von der Schemel 2 höchſte 111 „Mein theurer, guter Richard, das haſt Du für mich ſo eingerichtet! O ich h fühle, daß ich manche ſchöne Stunde hier zubringen nerhe Du guter, lieber Freund!“ „Nicht nur manche ſchöne Stunde, Iſabelle; nein auch manche heitere! Es lebe die Freude, die herrliche roſige Gabe, die nur ein Gott uns ſchenken konnte! Kein Champagnerſchaum ſprüht höher als der Schaum im Becher der Freude! Kein Rauſch iſt mit dem Freu⸗ denrauſche zu vergleichen; denn keiner iſt reiner! Sieh Dich um, theure Iſabelle! Sieh dieſen kleinen Tempel, wo Gottes herrliche Sonne herabſtrahlt und Dich mit Goldthau begießt! Sieh, wie das reinſte blaue Waſſer zu in n Füßen dahinſtrömt, und die ſchäckernden Wellen ſingen und tanzen, wie wir eben thaten! Sieh' dieſe dunkle Landſchaft dort im Hintergrunde, wie groß⸗ artig ſind nicht die langen Schatten, die ihre Arme aus⸗ ſtrecken, und das ganze Ufer treulich umſchließen! Und jener hervorſpringende Fels, der faſt wie eine unſicht⸗ bare Macht über dem ſchmalſten Paſſe des Bergſtroms hängt, ſieht er nicht aus wie ein Brautſchemel für die zwei jungen ſchlanken Fichten, die ſich einander ſo ver⸗ traulich zuneigen! O wie ſchön iſt das Alles— o es iſt mehr als ſchön! Dort eilt eine Schaar Zugyögel aus ihrer Heimath fort— wohin ziehen ſie wohl? Wer⸗ den ſie wohl eine Gegend beſuchen, die eben ſo reizend iſt wie die unſrige? Nein, es gibt ja keine ähnliche und auch keinen ſo glücklichen Menſchen wie ich bin! Mit keinem Sterblichen möchte ich tauſchen, denn keiner war je ſo reich, wie ich in dieſer Minute. Ach könnte ich nur die Zeit erflehen, daß ſie aus Barmherzigkeit einige Augenblicke ſtehen bliebe, daß ich recht ausathmen und fühlen dürfte, wie das Leben in mir glühet und ſtrömt!“ Eine helle liebliche Röthe floß über Iſabellens Wange, 8 ls ihr Blick den Gegenſtänden folgte, auf die er zeigte; ber jetzt, da er ſtille geworden war, ruhte er auf ihm, 112 deſſen friſche, lebensvolle Züge ihr entgegenlachten. Er drückte ihre weißen Hände an ſeine heißen Lippen. „Iſt das Leben nicht ſchön, Iſabelle?“ „O ja— mehr als es ſollte!“ Er legte ihren Arm ſanſt um ſeinen Hals, und ſeinen Kopf gegen ihre Kniee— es waren ein paar Momente, die ſchnell auf den Rädern der Zeit dahin rollten. Armer Richard, er vermochte ſie nicht feſtzu⸗ halten! Er wollte nicht emporſehen, um den ſchönen Traum zu bewahren; aber er that es dennoch, und damit war auch der Traum verſchwunden, und die Wonne ſeiner Seele in bebende Pein verwandelt. Iſabellens Wange brannte nicht mehr in Purpur— ſie war weiß, wie ein Theil der Roſen, womit er ſie geſchmückt hatte, und über dieſen weißen Marmor ſtrömten Thränen. In ihren Augen ſchimmerte die ſchwarze Farbe, und es lag darin die tiefſte Seelenqual, als ſie von ſelbſt den andern Arm um ſeinen Hals legte und ſich zu ihm hinabbeugte. So hatte Richard Iſabellen noch nie geſehen. „Mein Gott, was bewegt und betrübt Dich ſo, in dieſer Minute, wo alle Engel des Himmels in meine Seele traten? Iſabelle!“— ſie zog ihren Arm hinweg und ſchob Richard ſanſt zurück—„Iſabelle, Du biſt mir doch nicht böſe?“ Und das Fragezeichen, das in ſeinem Auge ſtand, flehte mit unausſprechlicher Innigkeit. „Du peinigſt mich, Richard! Laß mich einige Mi⸗ nuten allein!“ „Ach, Iſabelle, ſage Alles, nur das nicht, laß mich nicht hören, daß ich Dich peinige! Wie kannſt Du nur mein ſchönes Freudenfeſt ſo ſtören, da ich doch..“ „Stille, um Gotteswillen, es kommt Jemand! Ich bitte Dich, laß mir nur eine Minute, daß ich mich 14 erholen kann! Nichard ging hinaus. Was er eben erlebt hatte, konnte nie mehr ſterben; und was auch Iſabellen quälen mochte, was er auch um ihretwillen litt, ſein Herz ward doch von einer lebendigen Hoffnung bewegtz denn nie, trugen, geſt ſolle nicht ſ Es gel genblick auf trat, ſtan aber doch menvaſen h „Wie zeigte ſeinen Wand. „Wenn Ich ſah di Augenblicks. mich das g habe hier e was ſoll ar „Du und vollerer Du nicht, wenn ich beitragen k „Nein an mein 2 ein wenig? in ihrer S wegung, gemeinſame erſchien, u Stille ſetzt „Mein ſterte Iſab Hände. N und reiner vielſagende Das Fid als, und ein paar heit dahin cht feſtzu⸗ ſchönen und damit une ſeiner 1s Wange , wie ein aatte, und In ihren lag darin ndern Arm igte. hen. dich ſo, in meine rm hinweg „Du biſt n, das in Innigkeit. einige Mi⸗ t, laß mich ſt Du nur 4 ... mand! Ich ß ich mich erlebt hatte, ellen quälen Herz ward ; denn nie, ich 8 gelan Adem ienlenant, genblick auſzuhalten; und als dieſer in trat, ſtand Iſabelle zwar mit einen aber doch ruhig und heiter am Fenſ menvaſen herabgelehnt, mit deren G „Wie— ſchon hier?“ ſagte Klas zeigte ſeinen Begleitern den leeren Raum an der einen Wand. „Wenn ie Ich ſah die bald gekommen bin, ſo verzeih' mir! e offen, und folgte der Se ehnſucht des Augenblicks. u kannſt nicht glauben, Klas, wie ſehr mich das gerüh rt hat, wie dankbar ich dafür bin! Ich habe hier eine kleine ruhige Welt für mich ſelbſt. Aber was ſoll aus Deinen gel werden, Klas 2ℳ „Dn meinteſt ja immer, er habe einen ſchöneren und volleren Ton, als das Piano im Saalez und glaubſt Du nicht, daß es mir ebenfalls Freude machen würde, wenn ich zu Deinem Bergnügen und Behagen etwas beitragen kann?“ 3 8 „Nein, iſt das mö— Du, Klas, Du ſollteſt an mein Vergnügen denken! Du liebſt mich Taſfn doch ein wenig?“ Es lag etwas recht Inniges und Weiches in ihrer Stimme, was Klas rührte; und die innere Be⸗ wegung, die beider Arme einander öffnete, war eine gemeinſame. So ſtanden ſie noch, als die Baronin erſchien, und ſelbſt einen Korh mit Backwerk herbeitrug. Stille ſetzte ſie ihn hin und näͤherte ſich ihren Geliebten. „Meine Mutter!“ ſagte Klas.„Liebe Mama!“ flü⸗ ſterte Iſabelle, und alle drei ſuchten und fanden ihre Hände. Nie hatte Eugeniens Mutterherz von höherer und reinerer Luſt gepocht, als in dieſem ſtummen, aber vielſagenden Augenblicke. Das Fideicommiß. II. 8 Doch jetzt hörte man mehrere Stimmen, worunter Richards, der laut rieſ: „Willkommen, willkommen!“—„Wie!“ ſagte Iſa⸗ belle. erſtaunt,„ich glaube, es iſt die Tante und Virginie— wie haben ſie ſo geſchwind nachkommen können?“ „Nun, das war nicht ſo ſchwer!“ erwiederte die Majorin, die jetzt eintrat.„Unſer Wagen wurde ange⸗ ſpannt, ſobald Du einen kleinen Vorſprung hatteſt; und jetzt ſind wir hier, um dem Fräulein Glück zu wünſchen, und in ihrer ſcharmanten Villa Thee zu trinken.“ „Und ich ordne den Theetiſch,“ ſagte Virginie. Aber fort mit Deiner Treppe, Richard, und geh nicht ſo ohne alle Lebensart in Hemdaͤrmeln herum! Was meinſt Du, daß der Onkel ſagen würde, wenn er einen ſolchen Man⸗ gel an Aufmerkſamkeit gegen uns Damen bei Dir ſähe? Lieber Klas, hilf mir den Tiſch dahintragen! Sieh, da kommt Liſette mit den Taſſen und dem Thee⸗Apparat! Es iſt doch allerliebſt in Deinem Pavillon, liebe Iſabelle!“ „Ich bin aber auch nicht wenig ſtolz auf meine kleine Reſidenz; doch noch weiß ich nicht, welchen Häͤn⸗ den ich für dieſe prächtige Arbeit zu danken habe?“ Sie deutete auf die Fauteuils, den Schemel und die Polſter der Cauſeuſe. „Ich werde Dir über Alles Rechenſchaft ablegen, bis der Thee heiß wird. Du kannſt dann ohne alles Ver⸗ wundern ungeſtört in Deinem Reiche ſitzen und die Gaben genießen, die wir an Dich verſchwendet haben. Für's erſte alſo— um mit den Außendingen anzufangen— muß ich Dir ſagen, daß die Malerei, das neue las r Kuppel und die Orangerie Richards Werk iſt; die letztere hat er wie ich ſehe, dahin aufgeſtellt, aber bei⸗ läufig geſagt, wird es ihm wohl ſchwer fallen, die Blu⸗ men dort zu pflegen und zu begießen. Den Feſtſchmuck der Säulen hat er ebenfalls mit eigener Hand angeordnet. Ferner— aber nein, der Richard bekommt ſonſt gar zu viel Verdienſt— war der Herr Lieutenant in der Stadt in der — und wät er die Die Ger und ihr drei Sef kiſſen u ſich Rich Andern, geſtopft macht, über die liche S geſehen, ſchenke v ich auf und ein ſchmackv weiß ich und die, gewächſe Läc als ſie 3 jetzt ſo villon in wäre!“ „ ſagte di geräumt könnteſt nebſt ei liche Th Es iſt von Ri ganze A „gab es ſine, die worunter gte Iſa⸗ nte und hkommen derte die de ange⸗ teſt; und wünſchen, 74 nie. Aber t ſo ohne reinſt Du, hen Man⸗ Dir ſähe? Sieh, da arat! Es Iſabelle!“ auf meine chen Hän⸗ de?“ Sie die Polſter t ablegen, alles Ver⸗ die Gaben en. Für's tfangen— neue Glas erk iſt; die aber bei⸗ die Blu⸗ Feſtſchmuck angeordnet. onſt gar zu der Stadt — 115 und wählte die ſchönen Tapeten hier aus, überdieß war er die leitende Kraſt bei der Anordnung des Ganzen. Die Gemälde hatte jedoch Tante Eugenie ſelbſt ausgeſucht und ihren Platz beſtimmt. Mama und ich haben die drei Seſſelüberzüge genäht, und die Tante die Sopha⸗ kiſſen und den Schemel. Aber über den Schemel hat ſich Richard den Kopf mehr verbrochen, als uͤber allem Andern, das kann ich Dich verſichern. Er hat ihn ſelbſt geſtopft und gegen fünf oder ſechs Mal wieder aufge⸗ macht, bis er recht war. Und jetzt ſollteſt Du Bericht über dieſe wahren Prachtwerke da erhalten! Der herr⸗ liche Schreibtiſch hier, habe noch nie ſeines Gleichen geſehen, ſowie der Lehnſtuhl und der Nähtiſch ſind Ge⸗ ſchenke vom Onkel. Aber Klas Malchus's Beitrag ſpare ich auf die Letzte auf: es iſt ſein eigener theurer Flügel und ein Bücherſchrank, der ebenſo außerordentlich ge⸗ ſchmackvoll iſt, wie die Werke, die er enthält. Und jetzt weiß ich nichts mehr, als die Vaſen auf dem Ecktiſche; und die, ja wahrhaſtig die ſind ebenfalls wie die Pracht⸗ gewächſe am Fenſter, Geſchenke von Richard.“ Lächelnd hatte Iſabelle die lange Liſte angehört; als ſie zu Ende war, ſprach ſie herzlich:„Alles iſt mir jetzt ſo lieb und bekannt, daß ich gerne den ganzen Pa⸗ villon in Arm nähme, wenn er nur nicht ſo weitläufig wäre!“ „Nun, da dieß etwas ungeſchickt heraus käme,“ ſagte die Baronin, die ſeit Jahren nicht mehr ſo auf⸗ geräumt geweſen war, wie dieſen Abend,„ſo meine ich, könnteſt Du die dem Pavillon zugedachte Auszeichnung nebſt einem Kuſſe dem ſchenken, ohne deſſen unermüd⸗ liche Thätigkeit die ganze Herrlichkeit eine Ruine wäre. Es iſt meine Schuldigkeit zu geſtehen, daß der Plan von Richard ausging, und auf ihm ruhte auch die ganze Ausführung. Ueberdieß,“ ſetzte ſie lächelnd hinzu, „gab es, wie ich glaube, noch niemals Vetter und Cou⸗ ſine, die ſich nicht hie und da küßten.“ 8* 116 „Die Vetterſchaft ganz abgerechnet,“ antwortete Iſabelle heiter,„ſo wäre dieß nicht mehr als ein ſehr natürliches Ding nach ſo viel Mühe. Komm her, Ri⸗ chard!“ und Iſabelle, die in Gegenwart Anderer die ungezwungenſte Art anzunehmen wußte, winkte ihn zu ſich. Es regte ſich etwas Süßes und Frohes in der Bruſt der Baronin, und ein inniger ſprechender Blick auf die Majorin brachte dieſe zum erſten Mal auf den Gedanken, daß ihre Schweſter keinen heißeren W iſch hegte, als den, den armen Lieutenant mit der reichen Erbin verbunden zu ſehen. Aber zur großen Verwunderung Aller, die darauf gefaßt waren, Nichard an Iſabellens Seite ſliegen zu ſehen, ſtand Richard ſtille, an den Fenſterpfeiler gelehnt. „Ich bin nicht raſirt,“ ſagte er erroͤthend,„und moͤchte deßhalb meine Belohnung auf eine andere Gelegenheit aufſparen.“ Allein Iſabelle, die zu gut wußte, wie bedeutungs⸗ voll dieſe jetzt ſo unſchuldige Gunſtbezeugung zu einer andern Zeit und unter andern Verhältniſſen werden könnte, antwortete ohne im Geringſten durch dieſe Ent⸗ ſchuldigung beleidigt oder gekränkt zu ſcheinen:„Poſſen, Richard— man nimmt es unter Verwandten nicht ſo genau.“ „Biſt Du närriſch, Richard!“ rief Virginie und ſchlug ihn leicht auf die Achſel. Und Richard, der vor einer kleinen halben Stunde noch, als er auf dem Sche⸗ mel zu Iſabellens Füßen ſaß, Jahre ſeines Lebens für die Seligkeit hingegeben hätte, ſeine Lippen auf die ihrigen drücken zu dürfen, ging jetzt faſt mit einer Art Widerwillen hin, um dieſe Gunſt zu empfangen, die, da ſie nicht das freiwillige Geſchenk der Liebe, ſondern nur eine artige Gabe der Dankbarkeit„unter Verwandten“ war, ihren ganzen uberſinnlichen Reiz verloren hatte. Iſabelle verſtand ihn und verzieh. Da man indeſſen nichts zum Voraus beſtimmen kann, ſ ein„2 ſchmecken ſtellung nicht ge während ter ſchlo nach den etwas 1 that, w freundlic anſtatt a „Ie die Tere rungen, ganz hül Abe bald wie auch im ſeinen h⸗ verſchwur und unte auch als rothe Ka man in des Obe Herzlichke konnte. End daher, fi druͤckte no Virginien Woche, gehen wü⸗ Dankſagu „Ei twortete ein ſehr er, Ri⸗ erer die kte ihn reichen darauf legen zu gelehnt. d moͤchte glegenheit deutungs⸗ zu einer werden ieſe Ent⸗ „Poſſen, nicht ſo jinie und der vor em Sche⸗ bens für auf die einer Art ,die, da ndern nur wandten“ hatte. beſtimmen 117 kann, ſo konnte auch Richard nicht genau wiſſen, wie ein„Vetterkuß“, auf Mama's Anmuthung ertheilt, ſchmecken würde; und gewiß bekam er eine andere Vor⸗ ſtellung davon, da Iſabellens ſchönes Auge mit einem nicht ganz ſichern Ausdruck ſeinem Blicke entſchlüpfte, während ihr Arm ſich eine Sekunde lang um ſeine Schul⸗ ter ſchloß, und ihre Lippen, wie ein heißer Windhauch, nach den ſeinen eilten... Richard fühlte, daß ſein Kopf etwas mit ihm herumzugehen begann; aber was er that, wußte er nicht eher, als bis ihm ſeine Mutter freundlich zurief, nicht in das ſſer hinauszugehen, anſtatt auf die Brücke. „Ich will meinen Rock holen,“ ſagte er, und flog die Teraſſen hinauf, trotz Virginiens lauten Aufforde⸗ rungen, er ſolle doch zurückſehen— der Rock hänge ja ganz hübſch an der Schranke. Aber Richard ſah ſich nicht um. Er kam jedoch bald wieder ordentlich angezogen zurück; und wenn er auch im erſten Augenblick eine kleine Verlegenheit über ſeinen haſtigen Rückzug zeigte, ſo war dieſe doch bald verſchwunden, und nie war er fröhlicher, angenehmer und unterhaltender geweſen, als an dieſem Abend, der, auch als man der Kühle halber den Pavillon gegen das rothe Kabinet ausgetauſcht hatte, der heiterſte war, den man in Tyringsholm verlebt hatte. Die Abweſenheit des Oberſten geſtattete aber auch eine Freiheit und Herzlichkeit, die ſich in ſeiner Gegenwart nie entwickeln konnte. Endlich kam die Majorin mit einem kleinen Plane daher, für den Richard ſie gerne umarmt hätte. Sie druͤckte näͤmlich den Wunſch aus, Iſabelle ſollte ihr und Virginien Geſellſchaft leiſten, wenn ſie in der nächſten Woche, begleitet von dem Lieutenant, nach Mörkedal gehen würden, um dem General den längſt beſprochenen Dankſagungsbeſuch abzuſtatten. „Ei, warum nicht? Die kleine Reiſe würde mir gut thun! Was ſagt Mama dazu?“ 118 „Ich meine, Du ſollteſt dieſe Gelegenheit zu einer ſo angenehmen Zerſtreuung benützen; und wenn Papa. „Hier iſt er— worin braucht es ſein Votum?“ tönte in ſchmeichelndem Tone die Stimme des Oberſten von dem äußern Zimmer her. Sobald er eingetreten war und mit ſeiner ausgewählten Eleganz den allgemei⸗ nen Gruß abgegeben hatte, wandte er ſich zu ſeiner Tochter. „Es thut mir auf meine Ehre ſehr leid, daß ich ſo ſpät gekommen bin; aber Du entſchuldigſt mich, liebe Iſabelle? Ich hatte einige Geſchäfte bei der Gerichts⸗ ſitzung abzumachen, wo mir der Friedensrichter einen Theil des Abends ſtahl. Ich ließ mich jedoch nicht län⸗ hon ich nicht ger zurückhalten, wie Du ſiehſt; aber obſe zu Hauſe ſitzen und Richard helfen konnte, ſo gerne ich es auch gewollt hätte, ſo darf ich ihm doch gewiß das Kompliment machen und glauben, daß Du mit der Sur⸗ priſe ſehr zufrteden warſt?“ „Ja, Papa, ich wage ſogar zu glauben, Papa ſelbſt hätte es nicht beſſer einrichten können. Ich war den ganzen Abend lauter Luſt und Entzücken.“ „Und der Schreibepult, der Leſeſtuhl und das Näh⸗ tiſchchen waren nach Deinem Geſchmack, hoſſe ich? Dieſe drei Artikel waren eigens aus Stockholm beſtelit.“ „Wie Papa nur fragen mag! Es wäre wohl un⸗ möglich, keinen Gefallen daran zu finden, da dieſe Ge⸗ genſtände ja zugleich ſo zweckmäßig und geſchmackvoll ſind, und ſo klar beweiſen, daß Papa die Liebhabereien eines Frauenzimmers kennt! Doch wir wollen hören, was Papa zu dem Plane der Tante ſagt, mich mit nach Mörkedal zu nehmen? Wäre es nicht in der Ordnung, daß ich des Generals einen Beſuch machte? Ich meine Aufmerkſamkeit von uns wahrhaftig, ſie könnten dieſe verlangen.“ 4 mein Iſabellchen, höchſt ſchar⸗ „Du biſt ſcharmant, mant, daß Du das einſiehſt; und die Wahrheit zu ſa⸗ 1 gen, ſo wollen. hen, ohn ich mir andere.“ „Ach verſicherte Art Ueber „Iol gen wirſt habe gere quälen.“ „Pa ihre Blic ein ſchnel „So digen! 2 geln der ſcheſt Dei dieſer Wt und iſt nienz bill erwiedern art großz zu beglei ſerer alte neral ſeyn Der ſes herr! folgen wi aufzunehn machen ſi lich!“ un es keinesn Laune ka ſogleich i ausrief: heit zu d wenn zotum?“ Oberſten ngetreten allgemei⸗ zu ſeiner daß ich ich, liebe Gerichts⸗ ter einen nicht län⸗ ich nicht gerne ich gewiß das der Sur⸗ en, Papa Ich war das Näh⸗ ch? Dieſe t." wohl un⸗ dieſe Ge⸗ ſchmackvoll ebhabereien Ordnung, Ich meine von uns höchſt ſchar⸗ fheit zu ſa⸗ gen, ſo habe ich Dir eben denſelben Vorſchlag machen wollen. Aber Du ſollſt heute Abend nicht zu Bette ge⸗ hen, ohne noch eine Ueberraſchung zu finden, die, wie ich mir ſchmeichle, nicht ſchlechter ſeyn wird, als die andere.“ „Ach, Papa, es ſind ihrer ſchon mehr als genug!“ verſicherte Iſabelle, die eine ſchnelle Ahnung von der quälen.“ „Papa hat ſchon angefangen,“ ſagte Iſabelle, und ihre Blicke, die eben Virginiens begegneten, tauſchten ein ſchnelles Zeichen mit einander aus. „So muß ich wohl barmherzig ſeyn und auch en⸗ digen! Nun wohl, ein guter Scherz darf nach den Re⸗ geln der Kunſt nie zu weit getrieben werden. Du wün⸗ ſcheſt Deiner Tante nach Mörkedal Geſellſchaft zu leiſten; dieſer Wunſch zeugt Deinerſeits von vollkommenem Takte, und iſt zugleich ein Zugeſtändniß, daß Du die Konve⸗ nienz billigſt, welche den Beſuch geachteter Perſonen zu erwiedern gebietet. Du machſt mir mit dieſer Denkung art große Freude, und ich habe beſchloſſen, Dich ſelbſt zu begleiten. Die Ueberraſchung wird dann wegen un⸗ ſerer alten Bekanntſchaft doppelt angenehm für den Ge⸗ neral ſeyn!“ Der Oberſt hatte erwartet, daß dem Ausſpruch die⸗ ſes herrlichen Gedankens eine allgemeine„Senſation“ folgen würde; aber die Geſellſchaft ſchien ihn wie etwas auſzunehmen, worauf man ſich ſchon vorher gefaßt zu machen ſuchte. Iſabelle ſagte freilich:„Ach, iſt es mög⸗ lich!“ und die Majorin fand es herrlich; aber das war es keineswegs, was der Oberſt erwartet hatte, und ſeine Laune kam nicht eher wieder zurecht, bis Richard, der ſogleich merkte, woran es fehlte, mit kraftvoller Stimme ausrief:„Ich bin ſo erſtaunt, daß ich mich beinahe ganz 120 vergeſſen hätte; aber der Onkel iſt auch der Typus aller Artigkeit! Nun, meine Herrſchaften, jetzt wird es erſt einen rechten Jubel in Mörkedal abgeben! Ich glaube kaum, daß Seine Majeſtät ſelbit dort beſſer aufgenom⸗ men würde; und was mich betrifft, ſo ſpreche ich offen aus, daß ich glaube, wir Andern werden dadurch noch ſiebenmal willkommener werden!“ Richard nahm es im Uebertreiben nicht ſo genau, wenn er die Erbfünde des Oberſten befriedigen wollte; und um keinen Preis hätte er haben mögen, daß ſein werther Onkel an dieſem Abend, den er eben durch ſeine Abweſenheit ſo angenehm gemacht hatte, mit offenbarem Undank belohnt würde. Der Oberſt war auch ſogleich und vollkommen beſänftigt; denn er war feſt überzeugt, daß Richards Worte ihm gerade aus dem Herzen kamen. Später, als der Oberſt mit ſeiner Frau allein war, ſagte er:„Ich ſehe voraus, daß Richard viel Fortüne in der Welt machen wird. Es iſt unglaublich, was der Junge für eine Rednergabe hat! Es iſt gerade, als habe er meine Art zu ſeyn ganz in ſich aufgenommen. Nun, ich werde ihm deßhalb nicht böſe ſeyn! Ich liebe Jünglinge, die den Umgang gebildeter Perſonen zu be⸗ nützen verſtehen; und ich habe, Gott ſey Dank, Alles gethan, was man von einem rechtſchaffenen Onkel ver⸗ langen kann.“ Jetzt rüſtete man ſich zur Reiſe, das heißt, der Oberſt rüſtete ſich, um in gehörigem Prunke auftreten zu können; denn er fühlte eine doppelte Wichtigkeit in ſeiner Perſon als Vater einer reichen Erbin. Wäre er ſeinem erſten Plane gefolgt, ſo hätte die Reiſe gewiß ein fürſtliches Ausſehen erhalten; aber nun wollte Iſa⸗ belle durchaus ein kleines Wort mitſprechen; und auf ihre freundliche und artige Ueberredung wurden die drei von dem Oberſt dazu beſtimmten Wagen auf einen ein⸗ zigen reduzirt, worin die Familie zuſammen fahren ſollte. Niemand konnte jedoch den Oberſten davon abbringen, — vierſpän! ſeine Na An Zimmer Unterhar Arbeit; hinaus, als ſie anmuthi Schwing Iſabeller brachte Seufzer, in reiche wiegen ſ in erneu ſtunde la Von ihr mit dem Iſa die wehn nun ſelbe nigende aber es leis wie Bäume. von dem hingab. belle nan „W doch die Still, ur nicht ſo nach Gli nicht dü zufrieden Gutz der 121 pus aller„ vierſpännig zu fahren— dieß war doch ein Erſatz für rd es erſt ſeine Nachgiebigleit gegen Iſabellens hartnäckige Bitten. ch glaube Am Abend vor der Abreiſe ſaß Iſabelle auf ihrem ufgenom⸗ b Zimmer und war damit beſchäftigt, Trauerſpitzen an ihre ich offen Unterhaube zu ſetzen. Oſt ruhte ſie jedoch während der urch noch Arbeit; denn ihre Blicke ſchwebten durch das Fenſter hinaus, und ein trauriges Lächeln flog über ihre Lippen, ſo genau, als ſie die grünenden Kronen der Linden ſich jedesmal n wollte; anmuthig verneigen ſah, wenn der Wind auf eilenden daß ſein Schwingen ihnen ſeinen Gruß zuführte. Ein Seufzer hob urch ſeine Iſabellens Bruſt; er kam aus der Tiefe ihrer Seele und ffenbarem brachte ein leiſes Flüſtern herauf.„Sieh',“ ſagte der ſogleich Seufzer,„mit jedem Jahre ſtehen dieſe grünen Häupter überzeugt, in reicherer, herrlicherer Schönheit da; mit jedem Jahre en kamen. wiegen ſie ihre laubigen Zweige ſtolzer und ſonnen ſich llein war, in erneuertem Leben, wenn die, die ſo manche Abend⸗ el Fortüne ſtunde lang auf ſie hinausſchaute, ſchon ausgelebt hat! was der Von ihrer Krone fiel ein Blatt um das andere, bis ſie rade, als mit dem letzten ſich ſelbſt zur Ruhe legte.“ genommen. Iſabelle ſtützte ihren Kopf auf die Hand. Sie hatte Ich liebe die wehmüthige Mahnung des Seufzers gehört, und ward nen zu be⸗ nun ſelbſt wehmüthig. Es war keine gewaltſame, pei⸗ nk, Alles nigende Unruhe, was in dieſer Minute auf ſie eindrang, Onkel ver⸗ aber es war doch eine Unruhe, eine Klage, wenn auch leis wie das Säuſeln des Windes in den Kronen der heißt, der Bäume. Sie hatte ſolche Stunden, wo ſie ſich ganz e auftreten von dem äußern Leben trennte, und ſich der innern Macht chtigkeit in hingab. Wie ſollen wir dieſe Augenblicke nennen? Iſa⸗ Wäre er belle nannte ſie„die Träume der Seufzer.“ teiſe gewiß„Warum, o warum ward mir keine Freude und wollte Iſa⸗ doch die Sehnſucht darnach— die glühende Sehnſucht? ; und auf Still, unruhiges Herz, ſchlage nicht ſo ſehr, ſehne Dich den die drei nicht ſo— habe ich Dir nicht geſagt, daß dieſer Durſt einen ein⸗ nach Glückſeligkeit Dich doppelt arm macht! Du ſollſt hren ſollte. nicht dürſten; denn Du darfſt ja nicht trinken! Sey abbringen, zufrieden, widerſträubendes Herz! Du haſt doch ein Gutz der Schmerz iſt Dein— Du gehörſt ihm; darum ———— wird er auch Mitleid mit Dir haben, Dich erdrücken und beruhigen...“ „Der Schmerz iſt beim Beginne des Lebens, und ſteht getreu wieder an ſeinem Ende. Wäre nur wenig⸗ ſtens Freude und Frieden zwiſchen Anfang und Ende— aber nein, ſie ſind ſelten, jene Stunden des Friedens und der Freude, die über den Zwiſchenraum ſchweben. Und verlohnt es ſich nur der Mühe, die Hand nach ihnen aus⸗ zuſtrecken? In wenigen Monaten vielleicht hat der Geiſt ſeine Maſchine abgenützt!“ „Sorgenvoller immer wird der Tag, ſchlafloſer die Nacht, ſchwerer das Leben— und doch blühen noch ein Paar ſchöne Roſen an ſeinem Rande, die zu pflücken, mit ſich zu nehmen ſo ſüß wäre! Doch laß ſie! Des Todes bleiche Braut darf ſich nicht mit den friſcheſten Roſen des Lebens ſchmücken— ſie muß ihnen entſagen...“ „Je größer der Kampf, deſto größer ſey auch die Zuverſicht! Fürchte Dich nicht, mein Geiſt, in die dunkle Nacht hinabzuſchauen! Was ſiehſt Du? Ein Paar Fetzen Leinwand zwiſchen vier Brettern, ein Paar blitzende Ringe an den Fingern eines Gerippes, eine Decke von Staub, kühle, feuchte Todtenluft— das Leben ſchaudert vor dem Tode... „Bebe nicht ſo, Du mein Geiſt, fürchte Dich nicht! Steige noch einmal hinab in die dunkle Nacht und ſieh Dich beſſer um— die Nebel ſind geſchwunden: Du gehſt nicht in den Tod. Siehſt Du den Stern dort— er leuchtet Dich in das Leben hinein. Die Schattenbilder fliehen, das Licht ſtrömt Dir entgegen, die Luft iſt voll von dem ſüßen Dufte paradieſiſcher Palmen; ſieh', wie ſie wehen und winken— dort ſieht der Tod ſchaudernd auf das Erdenleben zurück!“ Allmählig kehrte Iſabellens Seele aus dem langen Traume zurück; und jetzt wie immer, wenn ſie die my⸗ ſtiſche Kette abgeſchüttelt hatte, die ſie bisweilen in den geheimnißvollen Umkreis zog, wo die Ahnung beginnt, jetzt war keine kränkliche Empfindſamkeit oder Schwach⸗ heit in ih ſo lange Kraft, ihr reißen, u mit den d legenheit, Geiſt jede dem Beſu wurde. „Iſa einſehen, ſichtig ein anvertrau leichtſinni⸗ „Glo chen, wäl „Nei wacht; ab Reiſe; der Fäte gibt meſſen ka ſchwer ſer um eine „Ab paßt es ſ —„Ei kleide we kannſt de derbar ar „Da mit Ausn ich bei de daheim. putzen, u dieſe Fre Der gefällig 3 123 en und 4 heit in ihrem Weſen. Sie wollte im Leben verweilen, ſo lange ſie drinnen ſtehen konnte; und beſaß ſie die , und Kraft, ihre Seele von den höchſten Gegenſtänden loszu⸗ wenig⸗ reißen, um, wenn es erfordert ward, ſie ſogleich wieder unde— mit den geringſten zu verbinden, ſo bekam ſie jetzt Ge⸗ ens und legenheit, dieſe Kraft zu erproben, da ſie, ehe noch ihr n. Und Geiſt jede loſe Saite wieder recht befeſtigen konnte, von en aus⸗ 8 dem Beſuche ihres Vaters nicht ſehr angenehm überraſcht r Geiſt wurde. „Iſabelle, mein Engel, ich will nur ein wenig her⸗ oſer die einſehen, und hören, ob Du Deine Juwelen auch vor⸗ noch ein ſichtig eingepackt haſt, oder ob Du ſie vielleicht mir pflücken, anvertrauen willſt? Ihr Frauenzimmer ſeyd ſtets etwas 21 Des leichtſinnig!“ riſcheſten„Glauben Sie denn, Papa, daß Diebe hier einbre⸗ gen...“ chen, während wir fort ſind?“ auch die„Nein, bewahre, dazu iſt Tyringsholm zu gut be⸗ e dunkle wacht; aber die Juwelen müſſen natürlich mit auf die er Fetzen Reiſe; denn Du darfſt gewiß ſeyn, daß der General eine de Ringe Foôte gibt, die, wenn ſie ſich auch nicht gerade mit der Staub, meſſen kann, die ich letzten Herbſt gab— was etwas vor dem ſchwer ſeyn möchte— doch brillant genug werden wird, um eine ausgewählte Toilette zu erfordern.“ ch nicht!„Aber ſo lange ich um meine liebe Tante traure, und ſieh paßt es ſich nicht, daß ich mich mit Juwelen ſchmücke.“ Du gehſt„Ei warum nicht gar, zu einem ſchwarzen Atlas⸗ — er kleide werden ſie ſüperb ſtehen. Ich verſichere Dich, Du ttenbilder kannſt dem nicht ausweichen! Es würde ſonſt ſehr ſon⸗ iſt voll derbar ausſehen.“ ieh', wie„Dann mag es ausſehen, wie es will, Papa; aber chaudernd mit Ausnahme des Armbandes und der Tuchnadel, die ich bei der Tante nie weglaſſen durfte, bleibt das Andere n langen daheim. Ich habe durchaus keine Luſt, mich herauszu⸗ die my⸗ putzen, und ich hoffe, der General geſtattet ſeinen Gäſten n in den dieſe Freiheit.“ beginnt, Der Oberſt wurde ganz dunkelroth.„Iſt es Dir Schwach⸗ gefällig zu erklären, was Du denn unter Freiheit ver⸗ 124 ſtehſt? Du kannſt doch nicht im Sinne haben, während Deines Aufenthalts im Hauſe des General wie eine alte Tante in Deinen Shawl gehüllt herumzugehen? Ich hoffe, daß Du das nicht thuſt!“ „Wenn es,“ erwiederte Iſabelle ernſt,„bei unſerem Beſuche in Mörkedal nothwendig wird, dieſe Gewohn⸗ heit abzulegen, die mir theuer iſt und wozu ich meine Gründe habe, ſo bleibe ich lieber daheim.“ „Deine Gründe? Nun, wahrhaftig! Du würdeſt mich höchlich verbinden, wenn Du mich darüber aufklären wollteſt, welche ungewöhnlichen Gründe Dich zu einem ſo eigenen Brauche bewegen können?“ „Das kann ich nicht! Indeſſen erneuere ich meine Bitte, zu Hauſe bleiben zu dürfen, falls Papa verlangt, daß ich Papa die Freiheit geben ſolle, meinen Anzug be⸗ ſtimmen zu dürfen.“ „Iſabellchen, ich verſichere Dich, daß mir dieß, ge⸗ linde geſagt, höchſt— höchſt unerwartet kömmt; und ich glaube kaum, daß es je einen Vater gab, der ſo un⸗ geheuer eigenſinnige und gewaltthätige Kinder hatte!“ „Und ich verſichere, Papa, daß dieß durchaus nicht der Fall ſeyn wird, wenn Papa den Gehorſam und die Eigenſchaften ſeiner Kinder auf andere Proben ſtellt. Aber kann es einem vernünftigen Menſchen nicht zum Ekel werden, wenn er beſtändig von Kleidern und wieder von Kleidern, von Ton und Takt, Benehmen und Welt u. ſ. w. ſprechen hört, als ob ſeine ganze Wohlfahrt darauf beruhte, wie eine Theaterprinzeſſin gekleidet zu ſeyn, und das ganze Weſen in einen Schraubſtock gepreßt herumzutragen! Man ſoll ſich im Takte verneigen, lächeln, kokettiren und ſprechen, gerade als ob wir Maſchinen⸗ drähte wären, die in einer ſteten Ordnung hin⸗ und her⸗ gezogen werden!“ Von einer ſo grenzenlos frevelhaften, überſchweng⸗ lichen und vollkommen unbegreiflichen Kühnheit hatte der Oberſt nie eine Ahnung gehabt, noch weniger jemals geglaubt, ſie ſelbſt erfahren zu müſſen, und das von ſeiner eigen Begriff, do auf den zit nieder, bis Iſabe ruhig mit Imme nicht einme „Iſab Stimme wi denken könn belle, ich bi der Oberſt, in dieſer H ſeiner Stin peltes Gewi wenig, denn teurs zu ſel hinauswollt „Ich l „Gera lichkeiten w „Viell „Wir Indeſſen ha Gedanken v denn wenn beinahe zu „Du b in ſeinen ga willſt Deing für ein Kir „Wenn hätte, ſo wi Aber Papa teres ſehen, digkeit üben 125 während* ſeiner eigenen Tochter. Dieß ging ſo ſehr über allen Ine alte Begriff, daß er ſeine Faſſung ganz verlor, und unfähig, 12 Ich auf den zitternden Beinen ſtehen zu bleiben, ſetzte er ſich 4 nieder, bis die erſte Aufregung vorüberging. unſerem 4. Iſabelle that, als ob ſie nichts merke, und fuhr ewohn⸗ ruhig mit dem Fälteln ihres Striches fort. Immer ſch h mene mmer und ſchlimmer— ſie hatte alſo 8¹) 5 3 1 nicht einmal die Abſicht, ſich zu entſchuldigen! würdeſt„Iſabelle,“ begann der Oberſt endlich, als er ſeiner Stimme wieder mächtig war und ein wenig hatte über⸗ denken können, welche Rolle er jetzt ſpielen ſollte,„Iſa⸗ belle, ich bin ein alter Mann!“ O hne Zweifel meinte ch meine der Oberſt, es liege etwas ganz beſonders Rührendes verlangt, in dieſer Hindeutung, der er durch die glüekliche Biegung nzug 5 ſeiner Stimme, und durch ſein leidendes Ausſehen ein dop⸗ peltes Gewicht gab. Allein bei Iſabellen fruchtete dieß aufklaren zu einem dieß, ge⸗ wenig, denn ſie hatte Gelegenheit gehabt, die beſten Ak⸗ . unh teurs zu ſehen, und ſie bemerite daher ſogleich, wo er int; und hinauswollte. idAn„Ich bin ein alter Mann, Iſabelle!“ alles nicht„Gerade darum, Papa, ſollten Ihnen dieſe Erbärm⸗ dund die lichkeiten weniger am Herzen liegen.“— den ſiellt.„Vielleicht bald am Rande des Grabes, mein Kind!“ iicht zum„Wir wollen hoſſen, daß es noch weit dahin iſt! ind wüder Indeſſen halte ich es gewiß für ſehr gut, ſich mit den und Welt Gedanken vertraut zu machen, daß wir uns ihm nähern; und Wel denn wenn einmal am Rande des Grabes, ſo iſt es Wohlfahrt beinahe zu ſpät.“ 1 ileidet ün„Du biſt herb, Iſabelle,“ ſprach der Oberſt, wieder c emei in ſeinen gewöhnlichen Ton fallend,„ſogar bitter! Du Raſchinen⸗ willſt Deinem Vater Winke geben, die ſich gewiß nicht für ein Kind geziemen!“ jund her⸗„Wenn Papa nicht ſelbſt dieſen Gegenſtand berührt . hätte, ſo würde ich ein ſolches Wort nicht gewagt haben. herſchweng⸗ Aber Papa moͤge darin weder etwas Herbes noch Bit⸗ iheit hatte teres ſehen, denn ich ſelbſt bin tief von der Nothwen⸗ er jenuns digkeit überzeugt, uns mit dem Grabe vertraut zu d ————— 126 machen. Es erwartet uns ja doch früher oder ſpäter; und ich glaube wirklich, daß es zu ſpät iſt, ſo wir erſt dann, wenn wir an ſeinem äußerſten Rande ſtehen, daran denken, was uns jenſeits ſeiner Thore erwartet.“ Die Stimmung des Oberſten hatte jetzt eine vollkom⸗ mene Veränderung erfahren. Nach gekränktem Hochmuth war es jetzt Furcht, was ihn erfaßte, die bleiche Furcht, dieſe zufälligen Mahnungen Iſabellens könnten Vorboten ſeines nahen Todes ſeyn. Es war ein bedauernswerther Anblick, wie ſich der ſtolze Mann unter dieſem peinlichen Gedanken wie unter einem mechaniſchen Drucke krümmte. „Woher,“ ſprach er leiſe,„woher haſt Du dieſe Ideen, warum rufſt Du ſie herauf?“ „Woher ich den Gedanken an Tod und Auferſtehung habe?“ fragte Iſabelle mit ſchmerzlichem Erſtaunen— „woher, wenn nicht aus meiner eigenen Bruſt? Jede Verwelkung in der Natur erinnert mich an meines Leibes Vergehen; jeder Vogel, der die Schwingen hebt, zeigt mir den Weg, den mein Geiſt nehmen ſoll, und im Um⸗ kreiſe dieſer Millionen Weſen ſehe ich überall Bürgen meiner Unſterblichkeit.“ Der Oberſt ſtöhnte ordentlich.„Mein Kind,“ ſagte er,„es thut mir ſehr leid, hören zu müſſen, daß Du Dich mit ſo traurigen Dingen beſchaͤftigſt.“ „Mein Vater!“ ſeufzte Iſabelle. „Ja, mein Kind, glaube mir, es iſt wahrlich unnütz, auf dieſe Art zu ſchwärmen. Ich halte mich für ſo reli⸗ giös, als irgend Jemand, aber ich geſtatte dieſen düſtern und unberufenen Grübeleien nicht, das Bischen Freude zu zerſtören, das ich vom Leben habe. Sie ſtimmen das Gemüth trübe, benehmen uns die Kräfte, und verurſachen, daß man für die Geſchäfte untauglich wird, welche dem täglichen Leben angehören.“ „Ich muß beklagen,“ ſprach Iſabelle in einem Tone voll tiefen und ſchmerzlichen Ernſtes,„daß Papa ſo denkt! Schwärmerei iſt weit verſchiedener von dem gleich großen Maße von Gefühl, wie von Vernunſt, das man dieſe Erf dem letzte meine Ue ſen Ueber ſträubt, 2 es dieſes viel beſſer kleinen en eine Hein ablegt, no Bahn dal Es und wäh Hand ihre gethan h Oberſt, de ganze Un bevorſteher ſchlagen, ruhigen k daß das C vor tige den Tiſch. „Wern dieſe Unrr Herzens.“ „Un „We Neue und wenn die unruhigt die Unruh wage nich len; Papq aus dem ſpäter; wir erſt n, daran vollkom⸗ Hochmuth e Furcht, Vorboten nswerther peinlichen krümmte. eſe Ideen, ferſtehung taunen— aſt? Jede mnes Leibes ebt, zeigt id im Um⸗ l Bürgen nd,“ ſagte „ daß Du lich unnütz, für ſo reli⸗ eſen düſtern hen Freude timmen das verurſachen, welche dem in einem „daß Papa r von dem u Vernunſt, ——— 127 das man die Erforſchung unſeres Daſeyns nennt; und dieſe Erforſchung wird um ſo ernſter, jemehr wir ſie mit dem letzten Uebergang in Verbindung ſetzen. Es iſt auch meine Ueberzeugung, daß Niemand dem Gedanken an die⸗ ſen Uebergang entgehen kann; jemehr ſich das Gemüth ſträubt, Bekanntſchaft damit zu machen, deſtomehr wird es dieſes Entweihen unmöglich finden. Ach, Papa, wie viel beſſer iſt es alſo nicht, ſich zum Voraus mit jener kleinen engen Wohnung bekannt zu machen, und ſie als eine Heimath anzuſehen, wo man nur ſeine irdiſche Hülle ablegt, nachdem der Geiſt ſchon weit auf ſeiner lichten Bahn dahingeſchwebt iſt!“ Es war Gefühl und Leben in Iſabellens Worten; und während ſie die letzten ausſprach, hatte ſie die Hand ihres Vaters ergriffen, und ſie, was ſie noch nie gethan hatte, an ihre Lippen gedrückt. Allein der Oberſt, der den Gedanken nicht los werden konnte, dieſe ganze Unterredung ſey nur ein böſer Vorbote einer bevorſtehenden Krankheit oder Trauer, war ſo niederge⸗ ſchlagen, daß ihn Iſabellens ſanſte Liebkoſung nicht be⸗ ruhigen konnte. Er ſchauderte bei dem ſchwachen Troſte, daß das Grab ja nicht Alles behalte, und er ſchauderte vor dem Grabe ſelbſt. Es war nicht mehr der präch⸗ tige Oberſt; nur ein Schatten von ihm ſtützte ſich gegen den Tiſch. „Wenn ich es wagte, würde ich Papa fragen, woher dieſe Unruhe? Sie thut mir wehe im Innerſten meines Herzens.“ „Und Du haſt ſie doch ſelbſt heraufgerufen!“ „Wenn es ſo iſt“— Iſabelle faßte ſeine Hand auſ's Neue und drückte ſie warm—„wenn es ſo iſt, Papa, wenn die Unterhaltung über dieſe Gegenſtände Papa be⸗ unruhigt hat, ſo vergeſſe Papa nicht, daß der, durch den die Unruhe erweckt wird, auch Ruhe geben kann! Ich wage nicht, mehr zu ſagen, denn es könnte Papa mißfal⸗ len; Papa glaube jedoch, daß, was ich auch geſagt habe, aus dem Herzen floß!“ „Ich zweifle nicht daran, mein Kind; aber ich bin jetzt verſtmmt, und wir wollen dieſe Dinge verlaſſen! Ich muß Dir jedoch ſagen, daß es mich ſehr gewundert hat, ein ſolches Raiſonnement aus Deinen jungen Lippen zu vernehmen. Es läßt ſich in der That nicht recht mit Deinem gewöhnlichen Weſen vereinigen.“ „Ich hänge meine innerſten Gefühle nicht wie einen Schild hinaus. Die Welt hat ja doch nichts damit zu ſchaffen.“ „Recht, mein Kind, das war gut geſprochen! Ich denke hierin ganz wie Du,“ ſagte der Oberſt, der wieder Muth faßte, da die Unterhaltung in einen der Kanäle floß, die er zu befahren gewohnt war.„Die Welt darf nie mehr als unſer Geſicht ſehen, und in dieſem zeigen wir, was uns beliebt. Du willſt alſo die Juwelen nicht mit Dir nehmen? Nun, thue wie Du willſt— ich werde Dich künftig nicht mehr mit meinem wohlmeinenden Rathe beläͤſtigen. Aber verſchaffe Dir wenigſtens mehrere Shawls, daß Einem das Auge nicht müde wird, wenn es immer den nämlichen ſehen muß.“ „Und das war die Schlußermahnung nach einer ſol⸗ chen Unterredung!“ dachte Iſabelle, als der Oberſt die Thüre ſchloß.„Mein armer Vater, wie wird es mit Deinem Schattenſpiel gehen, wenn die Figuren allmahlig dunner und dünner werden?“ Neuntes Kapitel. Der Lieutenant war an dem nämlichen Abend nach Tjällſtorp hinübergeritten, um mit ſeinem Vater über ihre nächſtens zu beginnende Arbeit am Mühlenbau zu ſprechen, und ſie kehrten eben von ihrer langen und er⸗ müdenden Wanderung nach Tiſche zurück, als der Major ſeinen gewaltigen Schnurrbart drehend, Halt machte und ſprach:„Laß uns hier auf den Stein ſitzen und ein wenig ausruhen.“ Rich nahmen Aufſicht bin! Du gabſt, als erſt heute lade durc ſuchen, un freuen, w meinteſt, d Nie ſem gehei hätte, wie einwirken ſeinen W er gefürch wieder in die darauf ſem Augen tauſcht. Götter, la Unter wenn ma ſtimmten wäre es a gen werde Das Fid 129 ich bin 2 Richard war es zufrieden, und Vater und Sohn erlaſſen! nahmen den harten aber doch angenehmen Sitz ein, der ondert halb von einer jungen Birkenhecke verborgen lag. 2 „Ja,“ ſagte der Major, während er mit der Spitze ſeines Stockes gegen den Boden ſtieß, uud dann wieder den ſchwarzen Knopf deſſelben zwiſchen die Lippen nahm, „ja, ja, ſo iſt es alſo ausgemacht, daß ich mich auf Deine Aufſicht verlaſſen kann, während ich bei dem Exerziren bin! Du müßteſt ja doch Urlaub nehmen; aber nimm Ich Deinen Arm wohl in Acht, und ſtrenge ihn nicht zu 8 viel an.“ „Ich bin gewiß vorſichtig, Papa.“ „Aber höre, Richard, haſt Du je einmal wieder da⸗ ran gedacht, daß Du mir ein Papier in Verwahrung gabſt, als ich Dich in Mörkedal beſuchte? Es iſt mir erſt heute früh wieder eingefallen, als ich eine Schub⸗ lade durchſtöberte, um ein Paar alte Rechnungen zu ſuchen, und dabei auf das ſtieß. Aber es ſollte mich ſehr freuen, wenn ich erführe, was Du mit den Narrheiten meinteſt, die Du damals ſchwatzteſt.“ Nie hätte wohl der gute Major ein Wort von die⸗ ſem geheimnißvollen Papier erwähnt, wenn er geahnt hätte, wie übel die Erinnerung daran auf ſeinen Sohn einwirken würde. Richard ſtand auf, die Farbe floh von ſeinen Wangen, das Feuer aus ſeinem Auge. Alles was er gefürchtet, geträumt, gedacht und geahnt hatte, lebte wieder in ihm auf— und jene Zeit des ſüßen Friedens, die darauf gefolgt war, war wie weggeblaſen. In die⸗ ſem Augenblick hätte er gerne mit dem Elendeſten ge⸗ bend nach † tauſcht. Die Freude, das roſige, herrliche Geſchenk der ater über Götter, lag in Nacht gehuͤllt. lenbau zu Unter allen Qualen iſt vielleicht die die peinigendſte, und er⸗ wenn man im Geheimen einen tiefen aber doch unbe⸗ der Major ſtimmten Argwohn hegt. Alles was man klar ſieht, nachte und wäre es auch noch ſo bitter, kann berechnet, kann getra⸗ n wenig gen werden; die Ungeheuer aber, welche der Argwohn, Das Fideicommiß. II. 9 1 Lippen recht mit die einen amit zu 1„ en! er wieder Kanäle Jelt darf n zeigen len nicht ich werde den Rathe Shawls, es immer einer ſol⸗ Dberſt die dhes mit allmahlig ——ÿõÿÿÿ—õ—— 130 dieſes unheimliche Trugbild hervorruft, ſind nicht ſo leicht„Ja zu beſchwören, und nur der roſige Traum der Liebe war Abend mn es, die Richard vor dieſem Dämon einſchlafen ließ. Jetzt Der aber ſchüttelte dieſer ihn wieder wach, ſtand an ſeiner auf dem Seite und ſtierte mit Blicken auf ihn, die all ſeine Be⸗ befümmter mühungen ihm zu entrinnen, vernichteten.. ſo will 1 Mit Richard und ſeinem Quälgeiſt war es, wie mit vergeſſen jenen unglückſeligen Leuten, die ihrem eigenen Schatten⸗ 5„Ja bilde nachlaufen; es entſernt ſich zwar auf eine Zeitlang, ſein Auge aber bald taucht es wieder unter andern Geſtalten empor, ſah effen bald ihnen zur Seite gehend, bald zu ihren Füßen ſitzend,„Nu bald an ihrem Kopfkiſſen ſtehend, aber imner mit Augen, einmee k deren quälendes Feuer das Opfer dieſer Schattendeſpoten dieſes böſ⸗ ſam verzehrt. We langſäe Maſor wußte kaum, ob er ſeinen Augen trauen hell Sid ſollte.„Richard, was iſt denn das für ein Teufelszeug, Grüße M das ich verwahre? Ich will es wiſſen oder ich verbrenne Abſchiedne i Plunder!“„ 5* treſen uns 1 Aluun das, Papa, erinnere Dich, daß es mein Ei⸗. ff Nicha athum iſt.“ in der küt de 9 Mag ſeyn, aber es iſt doch beſſer für Dich, ein Es 1 Eigenthum gar nicht zu haben, das Dir ſolche Unruhe ſprudelte u macht Sage mir wenigſtens, was es iſt. So viel Ver⸗ dahin.§ trauen biſt Du mir immerhin ſchuldig!“ men? Se „Um Papa in derſelben Lage zu ſehen, in der ich ſcharfer R bin? Nein, nein, das iſt nicht möglich P. 84 e n „Glaubſt Du denn, Du Narr, ich ſey ſo hitzig? deſto aänge Nein, meiner Seel', meine Nerven ſind ſtark! Und jetzt Mond ſich heraus mit der Geichchte— Du haſt doch nicht irgend 1 wanm inen Skandal gemacht 1 5 hwingen inen„Nein, gawiß nicht! In dieſer Hinſicht kann Papa Brücke. ruhig ſeyn, und wenn ich nicht ganz klar einſähe, daß würde es 1 eine Erklärung dieſes Schattending nur noch ſchwieriger von hohen machen würde— ich nenne es mit Fleiß ſo, denn es pen, die ſei iſt eigentlich auch nichts anderes— ſo brauchte Papa Rahmen?“ mich nicht erſt dazu aufzufordern!“„Und „Und Du biſt feſt entſchloſſen zu ſchweigen?“ ſo leicht iebe war ß. Jetzt un ſeiner ſeine Be⸗ wie mit Schatten⸗ Zeitlang, en empor, en ſitzend, rit Augen, endeſpoten gen trauen eufelszeug, verbrenne mein Ei⸗ Dich, ein he Unruhe viel Ver⸗ ſin der ich ſo hitzig? Und jetzt ticht irgend kann Papa nſähe, daß ſchwieriger denn es uchte Papa n?“ F 131 „Ja!— Aber jetzt muß ich heim; ich habe heute Abend noch viel auszurichten— und es iſt ſchon ſpät.“ Der Major ſchüttelte den Kopf.„Gott laſſe Dich auf dem rechten Wege gehen, mein Sohn!“ ſagte er be⸗ bekümmert.„Wenn Du mir die Hand darauf geben kannſt, ſo will ich Dir glauben, und die ganze Geſchichte zu vergeſſen ſuchen.“ „Ich gebe Dir gerne beide,“ verſetzte Richard, und ſein Auge, in dem ſich Treue und Redlichkeit ſpiegelte, ſah offen in das des Vaters. „Nun, ſo ſey Gott mit Dir! Aber wenn Du es einmal kannſt, ſo wirſt Du mir ſagen, welche Macht dieſes böſe Zeug über Dich gehabt hat.“ „Wenn ich das einmal kann, ſo ſieht Papa ebenſo hell wie ich, doch jetzt iſt es dunkel. Gute Racht, Papa! Grüße Mama und Virginien und ſag' ihnen, daß das Abſchiednehmen mich zu lange aufhalten würde. Wir treffen uns morgen in der Frühe.“ Richard eilte fort, ſattelte ſelbſt ſein Pferd und ritt in der kühlen, mondhellen Nacht nach Tyringsholm zurück. Es war ſo viel Hitze in dem jungen Blute; da ſprudelte und glühte es, und die Unruhe trieb ihn raſtlos dahin. Hatte nicht das Pferd auch etwas davon bekom⸗ men? Die Funken flogen um die Hufe. Es war ein ſcharfer Ritt. Je mehr ſich Richard dem alten Herrenſitze näherte, deſto länger wurden die Schatten. Im Strome, wo der Mond ſich ſpiegelte, lag der ganze ungeheure Bau und ſchwamm dahin, ein gigantiſcher Schwan, der ſeine Schwingen ausgebreitet hat. Richard hielt ſtill auf der Brücke. War es nicht ein herrliches Schauſpiel, wer würde es nicht bewundert haben— des Stromes Gemälde von hohen Fichten umſchloſſen, wie von gewaltigen Käm⸗ pen, die ſeine Herrlichkeit bewachten— ein dunkelarmiger Rahmen?“ „Und dieß Alles, Alles!“ murmelte Richard.„Doch 9* 13²2 hinweg, du unſeliger Verſucher! Mein Blut kocht em⸗ por!“ Mit gewaltſamer Anſtrengung wollte er die Seele aus dem gefährlichen Gedankenkreiſe herausreißen— umſonſt, er konnte ſie nicht überwältigen. Beſtaͤndig flüſterte der ſchwarze Dämon in ſein Oyr:„Wie ſchön biſt du doch, du altes Tyringsholm! Aber gleichwohl wohnt kein wahrer glückſeliger Friede in deinen Mauern. Wird er wohh jemals dort wohnen, und wer wird dann dein Herr ſeyn? Tage vergehen, Wochen, Monate— warum verträumſt du die Zeit, die eine Handlung be⸗ zeichnen ſollte? Warum haſt du nicht Muth genug, um die dämmerige Wolke zu theilen und klar zu ſehen? Mag dann kommen was da will, des Zweifels Nacht wäre dann wenigſtens zerriſſen 42 „Und Iſabeile,“ ließ ſich eine Stimme in ſeinem Herzen hören, denn das Herz blutete bei dem. Rathe, den der Dämon gab,„Iſabelle, warum entziehſt Du Dich mir immer? Ich kann Dir keinen Kummer machen; nein, Du willſt mir keine Freude machen! Deine Wärme iſt Eis— laß mich nicht ſo frieren! Bin ich zu arm — o Du weißt nicht, daß ich um Deinetwillen, um Deinetwillen allein, noch vor der⸗ Aufſuchung des ge⸗ raubten Schatzes zurückſtehe! Glaubſt Du, meine Seele ſey eine fromme Taube, die ſich mit ein aus Deiner Hand begnüge? Glaubſt Du, mein Herz habe noch nie von. jugendlichem Stolz und Ehrgeiz ge⸗ rlopft, von der Begierde geklopſt, durch Reichthum und Macht höher zu ſteigen, und einem Namen ſeinen Glanz wieder zu geben, deſſen vermoderte Beſitzer ihre Gruft verlaſſen muͤſſen, weil die Armuth ihrer Enkel ih nen Fuß breit Erde kaufen kann? Ach, Du weißt nicht, Iſabelle, daß dieſe übermenſchliche Entſagung nur darum geſchieht, weil ich Dich nicht Deiner Ruhe berauben will! Was war es, was meine blaſſe Tante heute Abend ſagte? Es entfallen ihr bisweilen Worte, die mich wie Flammenſchrift erleuchten.“. Die Phantaſie jagte jetzt dahin und dorthin, ſie Paar Brocken hnen kei⸗ 3 brauste zigen kla holm err und noch war, ſtie lichkeit f Fluſſe he wurden k Mit die magiſche begann ſeine Pha ten; denn Wenn er fürchtete ſehen. Er Plätſchern Einbildun⸗ Flußgott volles Sp wie von kamen die Ein alles Blu eine Klage ihr Bette, ſie hören k Noch „O, o m er ſich le kocht em⸗ † die Seele reißen— Beſtaͤndig Wie ſchön gleichwohl Mauern. wird dann Monate— ndlung be⸗ ith genug, zu ſehen? ifels Nacht in ſeinem dem. Rathe, hſt Du Dich er machen; deine Wärme ich zu arm willen, um ng des ge⸗ meine Seele Laar Brocken mein Herz Ehrgeiz ge⸗ ſeichthum und ſeinen Glanz ihre Gruft kel ihnen kei⸗ n weißt nicht, g nur darum uhe berauben e heute Abend die mich wie dorthin, ſie 133 brauste wild umher; und Richard war kaum eines ein⸗ zigen klaren Gedankens mächtig, als er endlich Tyrings⸗ holm erreichte. Nachdem er ſein Pferd eingeſtellt hatte, und noch eine Weile im Hofe auf und nieder gewandert war, ſtieg er auf die Terraſſe hinab, da er die Unmög⸗ lichkeit fuͤhlte, jetzt zu ruhen. Der kühle Wind vom Fluſſe her kühlte ſeine Wangen ſo gut, ſeine Gedanken wurden klarer, das Blut bekam Luft er athmete friſcher. Mit dieſer phyſiſchen Erleichterung verging auch der magiſche Wahn, der ihn noch eben geblendet hatte. Er begann wieder zweifelnd ſich umzuſchauen, er nannte ſeine Phantaſien Fieberträume, die erſtickt werden müß⸗ ten; denn Eines ſtand über allem Andern: ſeine Liebe! Wenn er den Grund dieſer Träume unterſuchen wollte, fürchtete er Traum und Wirklichkeit zuſammenſtürzen zu ſehen. Er ſaß auf einer Treppe, und lauſchte auf das Plätſchern der Wellen— da nahten, wenn nicht die Einbildungskraft ihm dieß nur ſo vorgaukelte, oder der Flußgott und die Waſſernire in der Tiefe ihr geheimniß⸗ volles Spiel trieben, da nahten Laute ſeinem Ohre, Laute wie von rlagendem Schmerz. Erſtaunt ſah ſich Richard umz je mehr er ſeine Gehörorgane anſtrengte, deſto feſter ward ſeine Ueberzeugung, daß er ſich nicht täuſche. Er ſchlich leiſe über die letzte Terraſſentreppe hinab und ſchritt über die Brücke nach dem Pavillon. Von dorther kamen die Klagetöne. Aber was, was war es? Ein leiſes, ſchmerzliches:„O, o mein Gott! machte alles Blut um ſein Herz erſtarren. War es nicht— ja es war Iſabellens Stimme! Sie litt alſo, ſie litt ſo heftige körperliche Leiden, daß ſie ihrer ſtarken Seele eine Klage abzuzwingen vermochten! Deßhalb floh ſie ihr Bette, deßhalb ſuchte ſie da Linderung, wo Niemand ſie hören konnte! Noch einmal und noch herzzerreißender tönte es: „O, o mein Gott!“ Richard beugte ſich herab, indem er ſich leicht an die Thüre lehnte; ein kalter Schweiß 13³⁴ bedeckte ſeine Stirne. Was war das, woran litt ſie, wie konnte ſie den Tag über dieſe Stärke zeigen? Es war alſo nur zu wahr, daß der Knochenmann ſiegen und die Braut ſeines Herzens entführen ſollte. Eine faſt hölliſche Pein ergriff Richard; und als zum dritten Mal das entſetzliche:„O, o mein Gott!“ mit einem ſcharfen, hellen Schrei von innen ertönte, da vermochte er nur mit der höchſten Anſtrengung einen Ausruf zu unterdrücken, der beinahe ſeinen eigenen Lip⸗ pen entflohen wäre. „Iſabelle,“ ſeufzte er in der Tiefe ſeiner Seele, „warum darf ich nicht bei Dir ſeyn, Du erhabener Geiſt, der alles Mitleid verſchmäht! O wenn Du nur meine Liebe, mein Leben nehmen wollteſt! Ich begehre nichts, als Dich lieben zu dürſen!“ Aus dem Pavillon vernahm man keine weitere Laute; es war jetzt ganz ſtille, und Richard fühlte ſich ſchnell von einem neuen Beben erfaßt, das noch unerträglicher war, als das erſtere. Hatte ſie Linderung, Schlaf, Ruhe gefunden?„Gott, mein Gott! wenn“... Nein, dieſer Gedanke war nicht auszuhalten! Er mußte ſeinem auf⸗ eregten Gemüthe einige Erleichterung verſchaffen; er pplgie daher der Macht des Augenblicks und ſtieg ſachte auf der Treppe hinauf, die er benützte, wenn er die Blumen auf dem Dache begoß. Wenn er ſie aber dabei zu Tode ſchreckte! O welche Quall Er ließ ſich jedoch durch keine Einwendung zurückhalten. Vorſichtig beugte eer ſich nieder und brachte das Auge an den äußerſten Rand der Kuppel. So konnte ſie ihn nicht ſehen; er aber würde ſie betrachten können. Wie ſein Herz ſchlug! Es war ihm zu Muthe, als ſey er auf dem Wege einen Kirchenraub zu begehen — und war es nicht beinahe daſſelbe, wenn ſeine Blicke in das Heiligthum der Jungfrau ſich einſchlichen?„Aber wenn ſie einer menſchlichen Hülfe bedürfte! Wenn ſie drinnen verginge! Der Mond iſt nicht keuſcher als mein Auge in dieſer Minute. Du holde, reine Lilie, verzeih, verzeih'! hineinſehe Und Als auf ſeine lichem ſeinem dr auf ſeine zu ſich ſ hilflos de es iſt!“ Noch Kuppel— Die eine nebli durch das ungeachtet Auf dem den Kopf das zur H jene Ruh folgt. D den entblö volle Sha den Boden Nachtgewa Formen, auf dem Mondes in den Engel Nacht her gehobenen ſie in dieſe Und und Schm ſtanden in Antlitz. litt ſiſe,*† en? Es egen und und als i Gott!“ tönte, da ing einen d genen Lip⸗ ner Seele, ener Geiſt, nur meine hre nichts, ttere Laute; ſich ſchnell erträglicher hlaf, Ruhe ein, dieſer ſeinem auf⸗ ſchaffen; er ſtieg ſachte enn er die aber dabei ſich jedoch chtig beugte i außerſten t ſehen; er zu Muthe, zu begehen ſeine Blicke en?„Aber Wenn ſie ſer als mein lie, verzeih', verzeih'! Ich will Dir mein Leben geben; aber ich muß hineinſehen!“ Und er ſah hinein. Als Richard ſein Antlitz erhob, ſiel der Mond hell auf ſeine blaſſen Züge. Sie waren von unausſprech⸗ lichem Schmerze gezeichnet. Eine Thräne blinkte in ſeinem dunkeln Auge. Ernſt und Entſchloſſenheit ſtanden auf ſeiner Stirne.„Bei dem ewigen Gott!“ ſagte er zu ſich ſelbſt,„es muß anders werden! So einſam und hilflos darf ſie nicht verzweifeln! Ich will wiſſen, was es iſt!“ Noch einmal glänzte ſein Auge an der Kante der Kuppel—„der nämliche Anblick!“ Die Schatten der Nacht hüllten den Pavillon in eine nebliche Dämmerung; aber der bleiche Strahl, der durch das Dach herabſiel, erleuchtete ihn hinlänglich, ungeachtet die Jalouſien zur Häfte zugezogen waren. Auf dem Boden neben der Cauſeuſe knieend lag Iſabelle den Kopf gegen die Polſter gelehnt. Auf ihrem Antlitz, das zur Hälfte emporgerichtet war, ſtand jene Erſchöpfung, jene Ruhe zu leſen, die auf den ausgeſtrittenen Kampf folgt. Das ſchöne Haar fiel in zerſtreuten Locken um den entblößten Buſen, denn der Shaol, der geheimniß⸗ volle Shawl lag nicht mehr um, er war unter ſie auf den Boden gefallen; und wenn man ſie in ihrem weißen Nachtgewande ſah, ſah die blendendreinen, elaſtiſchen Formen, das marmorweiße Frauenbild, wie es da kniete auf dem ſchwarzen Bahrtuche, das Strahlendiadem des Mondes in dem dunklen Haare, dann meinte man wohl den Engel des Todes zu ſchauen, der in der Stille der Nacht herabgeſtiegen war, um auf Erden zu beten. Ihre gehobenen Arme und gefalteten Hände bewieſen auch, daß ſie in dieſem Augenblicke betete. Und wie herrlich war ſie auch nicht ſo! Entſagung und Schmerz, durch den Muth der Ergebung geheiligt, ſtanden in leſerlichen Zügen auf ihrem ſchönen, holden Antlitz. Ihre Lippen bewegten ſich; vielleicht fluſterte 136 ſie den Schluß des wehmuthsvollen Traumes, den ſie beim Säuſeln der Linden angeſponnen hatte: „Bebe nicht ſo, du mein Geiſt, fürchte dich nicht! Steige noch einmal hinab in die düſtere Nacht, ſieh dich beſſer um— die Nebel ſind geſchwunden: du gehſt nicht zum Tode. Siehſt du den Stern dort— er leuchtet in das Leben hinein. Die Schattenbilder fliehen, das Licht ſtrömt dir entgegen, die Luft iſt voll des ſüßen Duftes paradieſiſcher Palmen; ſieh, wie ſie wehen und winken — dort ſchaudert der Tod vor dem Erdenleben zurück!“ Als Richard von ſeiner luftigen Bahn herabgekom⸗ men war, blieb er, gegen eine Säule gelehnt, ſtehen, ſeine bleiche Stirue berührte die Feſtkränze, die er vor wenigen Tagen um dieſes kleine, ihr geweihte Heilig⸗ thum gewunden hatte, ihr geweiht, die es jetzt wieder zu einem Tempel für ihre Leiden, ihre Kämpfe und— Siege geweiht hatte. Wie anders hatte er ſich nicht das gedacht, und wie verſchieden waren nicht ſeine Ge⸗ danken jetzt von dem, was ſie noch vor einer kurzen, flüchtigen Stunde geweſen waren! Was nützte es ihn, alle Schätze der Welt zu gewinnen, wenn er den höch⸗ ſten, den edelſten verlor! Aber mußte er ihn denn ver⸗ lieren? Gab es nicht noch geſchickte Aerzte auf der Welt, war nicht die Liebe noch vorhanden?... Armer Richard, wie gerne ſpann er ſich nicht in dieß Netz, des ihm die Hoffnung aus Barmherzigkeit lieh, um die nackte Wirklichkeit damit zu bedecken! Es war ruhig immer; er hörte ſie regelmäßig Athem holen. Es war ihr beſſer. Er wollte auf ihrer nächſten Reiſe ſo ſehr Acht auf ſie haben; wie wollte er ſie da nicht pflegen! Und da gab es wohl eine Ge⸗ legenheit, wo er ihr Geheimniß errathen konnte; doch nein, nicht ſo: er wollte es lieber ihren Lippen abbet⸗ teln— und dann, dann... wenn ſie einwilligte, die Seinige zu werden, wenn er Tag und Nacht über ihr wachen dürfte— o welch' ein Himmel im Schmerz! Der Tod konnte nicht ſo unbarmherzig ſeyn und die Lippen gebraun Es ¹ danke Thüre ſchien, Schwell auf der ein ſtille ſie weite welkten er ſie hinter d nach de verſchloſſ lich ſucht wollte n und her, lichen S Am Frühſtück werde Iſ chenblaß den war ihrem ent Oberſt a Kaffeetiſch als gewi Blick, wo chen hätte „Gu wünſche, fee Geſel den ſie ich nicht! ſieh dich ehſt nicht euchtet in das Licht n Duftes d winken zurück!“ rabgekom⸗ t, ſtehen, e er vor te Heilig⸗ tzt wieder 2 und— ſich nicht ſeine Ge⸗ er kurzen, e es ihn, den höch⸗ denn ver⸗ auf der Armer Netz, dos die nackte cegelmäßig auf ihrer wie wollte eine Ge⸗ nte; doch pen abbet⸗ lligte, die über ihr Schmerz! und die 137 Lippen berühren, auf die der Kuß der Liebe ſein Siegel gebraunt hatte! Es regte ſich im Pavillon; ſchneller als ein Ge⸗ danke war Richard hinter dem äußerſten Pfeiler. Die Thüre öffnete ſich ſachte. Iſabellens hohe Geſtalt er⸗ ſchien, wieder in den ſchwarzen Shawl gehüllt auf der Schwelle. Sie trat heraus und blieb einen Augenblick auf der Treppe ſtehen; ſie ſah über den Fluß hinaus, ein ſtiller Seuſzer entbebte ihren Lippen, und während ſie weiter ging, brach ſie einen Zweig von der halbver⸗ welkten Blumenkette. Noch einige Sekunden lang ſah er ſie auf den Terraſſen ſchweben; aber bald war ſie hinter den Bäumen verſchwunden. Da ſchlich Richard nach der vordern Seite des Pavillons; die Thüre war verſchloſſen; ſie hatte den Schlüſſel mitgenommen. End⸗ lich ſuchte auch er ſein einſames Bette; aber der Schlaf wollte nicht kommen; und noch warf er ſich unruhig hin und her, als die Sonne ſchon die erſte Falte ihres röth⸗ lichen Schleiers hob. Zehntes Kapitel. Am andern Morgen, als der Lieutenant in das Frühſtückzimmer trat, glaubte er nicht anders als er werde Iſabellen entweder gar nicht oder matt und lei⸗ chenblaß im Sopha ſitzend finden. Aber keines von bei⸗ den war der Fall. Iſabelle mit ihrem heitern Geſichte, ihrem entzückenden Lächeln, ſaß ruhig, und wie ſich der Oberſt ausgedrückt haben würde, höchſt ſcharmant am Kaffeetiſch. Sie war weder mehr noch weniger blaß als gewöhnlich, und zeigte durchans nichts in ihrem Blick, was auf ein Leiden, ſchwache Nerven und derglei⸗ chen hätte ſchließen laſſen. „Guten Morgen, Richard! Ich ſitze juſt da und wünſche, es möchte Jemand kommen, um mir zum Kaf⸗ fee Geſellſchaft zu leiſten; denn ich kann wahrhaftig jetzt nicht länger warten. Mama wird es entſchuldigen, hoff' ich. Aber Du ſiehſt ſo blaß und unluſtig aus, mein Vetter— komm her, und mache Dir ein wenig warm.“ Vor Richards innerem Auge ſtand das mondbleiche Gemälde der Nacht— und das war wirklich dieſelbe Iſabelle? Sein Blick ruhte mit einem Ausdruck auf ihr, der zwiſchen Unruhe, Bewunderung und Erſtaunen lag. Er ſah nicht, daß ſie ihm die Taſſe hinreichte. „Richard,“ ſprach ſie mit ſüßer, bewegter Stimme, „ich fürchte, Du befindeſt Dich nicht wohl? Willſt Du die Taſſe Kaffee nicht nehmen, die ich Dir anbiete?“ Richard nahm ſie und die Hand. Die Taſſe ſetzte er wieder hinweg; aber die Hand drückte er mit einer ſolchen Leidenſchaftlichkeit zwiſchen den ſeinen, daß Iſa⸗ belle, die nur eine klare, wärmende Flamme bei ihm zu finden gewohnt war, mit ſtummem Schmerz dieſe Verwandlung gewahrte. Das wilde Feuer in ſeinem Auge ſchien ſie verzehren zu wollen.„Iſabelle, Iſabelle, woher nimmſt Du dieſe Ruhe— ich— Du weißt nicht... doch verzeih! ich weiß nicht recht, was ich ſpreche!“ „Richard,“ erwiederte ſie beinahe kalt, ich möchte Dir rathen, daheim zu bleiben! Du haſt ein Fieber, und ich glaube wahrhaftig, Du phantaſirſt ein wenig.“ Sie zog mit Heftigkeit ihre Hand aus den ſeinigen. Ein bitteres, ein verzweiflungsvolles Lächeln ent⸗ ſtellte Richards ſchöne Züge. „Ich möchte nichts lieber! Wollte Gott, ich phan⸗ taſirte, ich hätte dieſe Nacht oder mehrere Monate lang phantaſirt!“ „Iſt Dir etwas geſchehen? Nichts Unangenehmes von Tjällſtorp, will ich hoffen?“ „Nein, nichts!“ „Und doch, mein lieber Nichard, biſt Du ſo ver⸗ ſtört?“ „Verſtört— meinſt Du?“ Er trat vor den Spie⸗ gel.„e ich muß Dir ſteh Geſichts; kommen Verſuch, erhalten. wie ein eine ver; Ausſehen geſchickter Die Gedanken gehende. wieder m mahnte, auf das chard wa man Alle Luſt mach „Gu die Tante „Ja der Fall .„Ne freuen. ſchüͤtterte. „Abe ein geſun Lieutenant „Ich dig, wo war ſo eig ihn eigen ſollte. E Die hagen an ldigen, aus, wenig bleiche dieſelbe uf ihr, n lag. stimme, llſt Du 2“ ſe ſetzte it einer aß Iſa⸗ bei ihm rz dieſe ſeinem ſabelle, u weißt was ich möchte Fieber, wenig.“ n. eln ent⸗ ch phan⸗ ate lang Benehmes ſo ver⸗ en Spie⸗ 139 gel.„Ja, in Wahrheit, Iſabelle, Du haſt Recht, und ich muß dadurch in ziemlich unvortheilhaftem Lichte vor Dir ſtehen, die Du ſo geſchickt in der Kunſt biſt, Deine Geſichtszüge zu beherrſchen! Du haſt die Mimik voll⸗ kommen in Deiner Gewalt, und ich will mich durch den Verſuch, Dir nachzuahmen, in Deiner Meinung oben erhalten. Sieh' jetzt zum Beiſpiel, ſehe ich nicht aus, wie ein ſorgloſer Lieutenant ausſehen muß?“ Er machte eine verzweifelte Anſtrengung, ſein gewöhnliches joviales Ausſehen wieder anzunehmen; aber er war noch kein geſchickter Virtuoſe in dieſer Kunſt. Die Stimme der Baronin warf ihn in einen andern Gedankengang, der noch wilder war, als der vorher⸗ gehende. Es war der Dämon des Argwohns, der ihm wieder mit lauernden Blicken zur Seite ſtand, und ihn mahnte, kühn einen Pfeil abzuſchießen. Traf er gerade auf das Ziel, ſo hatte er keinen Zweifel mehr; und Ri⸗ chard war eben jetzt in einer Gemüthsſtimmung, wo man Alles zu thun im Stande iſt, wenn man ſich nur Luſt machen kann. „Guten Morgen, meine gnädige Tante— ich hoffe, die Tante hat gut geſchlafen?“ „Ja, Gott ſey Dankb; aber bei Dir ſcheint das nicht der Fall zu ſeyn, Richard?“ „Nein, ich hatte mich keines ruhigen Schlafes zu er⸗ freuen. Ich hatte einen Traum, der mich auf's Tiefſte er⸗ ſchutterte.“ „Aber, ei, ei, ei, mein beſter Richard! wie kann ein geſunder Menſch, und noch dazu ein mannhafter Lieutenant ſich von einem Traume verſtimmen laſſen?“ „Ich ſage mir es eben ſelbſt, wie höchſt unverſtän⸗ dig, wo nicht gar lächerlich es ſey; aber der Traum war ſo eigen, und machte einen Eindruck auf mich, wie ihn eigentlich vernünftigerweiſe nie ein Traum machen ſollte. Erlaubt die Tante, daß ich ihn erzähle?“ Die Baronin ſchien offenbar kein ſonderliches Be⸗ hagen an dem Vorſchlag zu finden; aber als Iſabelle 140 ſagte:„Ich habe einen wahren Abſcheu vor Träumen, und geye lieber hinaus und ſehe, ob wir die Damen von Tjällſtorp nicht bald zu Geſichte bekommen,“ da war die gnädige Frau zu artig, um nicht ihren Beifall auszuſprechen. Richard ſetzte ſich ihr gegenüber an den Kaſſeetiſch, und während er ein Stück Zucker um das andere in ſeine Taſſe warf, erzählte er mit aller mög⸗ lichen Faſſung ſeinen in der Eile improviſirten Traum. „Es war mir, als läge ich in dem Schatten der großen Eiche, welche der ſelige Großvater in ſeiner Kindheit pflanzte. Es war Nacht. Aufgejagt von Schlaf⸗ loſigkeit und einer heimlichen Unruhe, war ich hinaus⸗ gegangen, um in der Natur Ruhe zu ſuchen. Aber meine Grübeleien wollten mich doch nicht verlaſſen. Ich hatte nämlich eine unnennbar brennende Begierde nach Reichthum bekommen: denn es hatte mir lange geſchienen, als ob meine Mittelloſigkeit mich daran hindere, das Ziel zu erreichen, nach dem ich ſtrebte.“ Richard machte hier eine kleine Pauſe, und die Ba⸗ ronin nickte mit einem unbeſchreiblich ſanſten Lächeln, als wollte ſie ſagen:„Den Traum kann ich wohl deu⸗ ten; und wir wollen hoffen, daß das Ziel erreichbar iſt.“ Aber allmählig nahmen ihre Züge einen andern Charakter an, als Richard ſortfuhr:„Wie geſagt, ich ward von dieſer mir neuen und nie ruhenden Begierde nach Reichthum unglaublich gepeinigt; und hatte bereits eine Maſſe Pläne entworfen und wieder verworſen, als die Eiche, an deren Fuß ich lag, von einer geheim⸗ nißvollen Kraft bewegt ward. Ich wandte mich um und ſah ſie nun zu meinem unſäglichen Erſtaunen in eine Art Luſtbild zuſammengeſunken. Mit geſpannten Blicken betrachtete ich das wunderbare Geſicht, als die Nebel allmählig ſchwanden, und immer klarer und deut⸗ licher eine Geſtalt aus dem Dunſte hervortrat. Ich zitterte, von einem namenloſen Gefühle erfaßt. Es war der ſelige Großvater, der ſo deutlich, wie ich ihn bei Lebzeiten geſehen hatte, vor mir ſtand.„Richard,“ ſprach e Du ſuch erinnere Stadt hi. „und finden, laſſen. Segen b terte die ſchwunder ihre gew bedeckte Stunde genehmen der Anſi war?“ den Hän Mehrere wieder, Auge ver „Ich Tante no —„Nei ſind ſo ſee In „Was iſt ſeiner M unwohl?“ umen, Damen „“ da Beifall an den im das r mög⸗ aum. ten der ſeiner Schlaf⸗ hinaus⸗ Aber en. Ich rde nach eſchienen, das Ziel die Ba⸗ Lächeln, bohl deu⸗ ſerreichbar In andern ſagt, ich Begierde te bereits ſer worfen, r geheim⸗ mich um ſtaunen in geſpannten , als die und deut⸗ rat. Ich Es war ſch ihn bei „Richard,“ 2 141 ſprach er mit dumpfer Grabesſtimme,„ich weiß, was Du ſucheſt! Geh' nach der kleinen Stadt— aber ich erinnere mich jetzt unglücklicherweiſe nicht mehr, wie die Stadt hieß, ſo ſehr ich auch darüber nachgeſonnen habe —„und Du wirſt dort die Auflöſung eines Räthſels finden, das Dir mehr gibt, als Du Dir haſt träumen laſſen. Geh' und verliere den Muth nicht; denn mein Segen begleitet Dich! Bei ſeinen letzten Worten erzit⸗ terte die Erde auf's Neue, die Erſcheinung war ver⸗ ſchwunden, und die Eiche ſtand wieder da und breitete ihre gewaltigen Zweige über meine von kaltem Schweiß bedeckte Stirne. Ich erwachte, aber noch in dieſer Stunde kann ich nicht aufhören, unter dieſem unan⸗ genehmen Eindruck zu leiden. Iſt die Tante nicht auch der Anſicht, daß das ein recht ſchauerlicher Traum war?“ „O ja,“ ſagte die Baronin, und ihre heftig zittern⸗ den Hände vermochten mit Mühe die Taſſe zu halten. Mehrere Male nach einander ſtand ſie auf und ſetzte ſich wieder, während ihr Blick, von Richards forſc.jendem Auge verfolgt, vergebens einen ruhigen Haltpunkt ſuchte. „Ich glaube wahrhaſtig, der Traum bewegt die Tante noch mehr als mich?“ „Nein, gewiß nicht; aber Du weißt, meine Nerven ſind ſo ſchwach. Ich— ich...“ In dieſem Augenblicke trat Klas Malchus ein. „Was iſt das?“ ſagte er, als er wie gewöhnlich die Hand ſeiner Mutter ergriff und ſie küßte,„befindet ſich Mama unwohl?“ „Nein, nein, wie magſt Du nur das ſagen? Ich befinde mich ganz wohl, ich war nur ein wenig— doch das iſt jetzt vorüber... darf ich Dir einſchenken, Klas⸗ chen?“ „So, ſo, iſt die Unglückskrankheit wieder um den Weg?“ Baron Klas ſchüttelte den Kopf; aber Richard ſchlang ſeinen Arm um Klas's Schulter und führte ihn an das Fenſter, indem er flüſterte: ſage nichts mehr; es geht bald vorüber. Thue, als ſäheſt Du nichts!“ „Was ſoll das heißen? Und Du, Richard! Aber was iſt es denn?“ murmelte der Baron. „Nicht das Geringſte! Du kennſt die Reizbarkeit der Tante. Ich erzählte ihr nur einen Traum.“ „Es iſt doch zu arg, daß Mama überall Schatten ſehen muß!“ ſagte Klas Malchus.„Aber wohin ſiehſt denn Du, Du Erznarr, oder worauf hörſt Du? Kannſt Du den Gang zweier Perſonen nicht beſſer unterſcheiden?“ Dieſe Frage ward dadurch hervorgerufen, daß Ri⸗ chard, immer noch den Arm um Klas Malchus Schulter geſchlungen haltend, dieſen immer mehr nach dem Fenſter zog, während ſeine Wangen von einer hochrothen Farbe zu erglühen begannen, und ſeine kurzen haſtigen Athem⸗ züge einen großen Grad von Bewegung verriethen. Baron Klas meinte, dieſe Aufregung ſchreibe ſich davon her, weil er Iſabellens Ankunft zu ahnen glaube. Seine ei⸗ genen Gefühle hatten ihn hellſehend für die des Freundes gemacht; aber er wußte nicht, was er davon halten ſollte, als Richards Unruhe anſtatt aufzuhören eher zu⸗ nahm, da er ihm in's Ohr flüſterte: Aber hörſt Du denn nicht, daß es Papa iſt?“ Dabei wandte er ſich um und begrüßte ſeinen Vater mit einer Verbeugung. Der Lieutenant blieb noch unbeweglich am Fenſter ſtehen. „Richard,“ rief der Oherſt,„was Teuſels, wo haſt denn Du Deine Augen— ſiehſt Du denn nicht, daß ich da bin?“ „Ich bitte um Verzeihung, Onkel! Ich ſah nach dem Fluſſe hinaus. Das Wetter ſcheint ſich ſehr günſtig für die Reiſe geſtalten zu wollen.“ Jetzt war Richard beinahe ganz wieder der vorige. Er hatte den wilden Sturm niedergekämpft, den die unzweideutige Bewegung der Baronin in ihm aufgeregt hatte, und ſich vorgenommen, auch die Nachwehen zu beherrſchen. Es konnte jedoch Niemand entgehen, daß er von vollkomm Kälte be ſtändniß Oberſt, ſo wich N ſich jedoch Der holm. ſeine gan ſamkeit 3 der Major ſchaffener ſinnig. geworden; fern, wenn „Ei, Du ſo oh drohte mit an, daß D Iſabel Artigkeit u Abſchied fe hen ſeyn? Der 8 ſpät geweſe rückkamen, heimkommen man hätte ches beſproc Waähre ein, und Landauer, vor der Th rend ein I hatten ſiehſt Kannſt den?“ aß Ri⸗ ſchulter Fenſter Farbe Athem⸗ Baron 'n her, beine ei⸗ freundes halten her zu⸗ Hu denn um und Fenſter wo haſt daß ich fah nach b günſtig vorige. den die ſaufgeregt vehen zu hen, daß 143 er von dieſem Morgen an ſeinem Onkel zwar mit der vollkommenſten Höflichkeit, aber auch mit einer gewiſſen Kälte begegnete. Nie mehr kam das alte gute Einver⸗ ſtändniß zwiſchen ihnen zum Vorſchein; und obſchon der Oberſt, als er dieſes merkte, nach der Urſache forſchte, ſo wich Richard doch ſtets aus. Etwas Feindſeliges zeigte ſich jedoch nicht dabei. Der Major fuhr ſeine Damen ſelbſt nach Tyrings⸗ holm. Es geſchah indeſſen eben nicht ſo ſehr aus Artig⸗ keit gegen ſie, als vielmehr, weil es ihn trieb zu beob⸗ achten, wie Richard heute ausſehe. Der Lieutenant bot ſeine ganze Geſchicklichkeit auf, um ſeines Vaters Wach⸗ ſamkeit einzuſchläfern, und es gelang ihm auch; denn der Major, obwohl ein außerordentlich braver und recht⸗ ſchaffener Mann, war doch gerade nicht ſonderlich ſcharf⸗ ſinnig. Richard war überdieß jetzt ein guter Schauſpieler geworden; er konnte beinahe mit Iſabellen ſelbſt wettei⸗ fern, wenn es galt, die Geſichtszüge zu beherrſchen. „Ei, Du biſt mir auch ein ſauberer Sohn, daß Du ſo ohne Abſchied fortreiſeſt!“ ſagte die Majorin und drohte mit dem Finger.„Was kam Dich geſtern Abend an, daß Du ſo unartig ſeyn konnteſt?“ Iſabelle ſah auf. Richard bei ſeiner vollendeten Artigkeit und ſeiner Zärtlichkeit für die Mutter, ohne Abſchied fortgehen— es muß ihm wohl etwas geſche⸗ hen ſeyn? Der Lieutenant entſchuldigte ſich damit, es ſey ſo ſpät geweſen, als er und Papa von ihrem Gange zu⸗ rückkamen, daß er befürchtet habe, nicht vor dem Morgen heimfommen zu können, wenn er zu ihnen hineinginge; man hätte ja dann wie gewöhnlich ſo viel und ſo Man⸗ ches beſprochen! Während deſſen ging der Oberſt immerfort aus und ein, und machte ein entſetzliches Weſen. Der große Landauer, mit dem prächtigen Geſpann verſehen, ſtand vor der Thüre; und jetzt begann das Einpacken. Wäh⸗ rend ein Jedes für ſich beſchäftigt war, winkte die Ba⸗ ronin Eugenie Richard in ihr Schlafzimmer. Sie hatte wieder Faſſung errungen, und indem ſie ſeine Hand nahm und ihn neben ſich auf den Sopha zog, ſprach ſie, jedoch mit einer gewiſſen Haſtigkeit, die ihre noch immer fort⸗ dauernde Aufregung verrieth: „Ich glaube Deinen Traum zu verſtehen, Richard, und bitte Dich deßhalb freundſchaftlich, Deine Zeit gut zu benützen! Reiſen ſind günſtig für gewiſſe Geſchäfte; und falls die, welche Du zu gewinnen ſuchſt, Deine Ge⸗ fuͤhle erwiedert, ſo erinnere Dich, daß ſie die Zuſtimmung und den wärmſten Segen ihrer Mutter beſitzt.“. Obſchon in Richards Seele viele finſtere Gedanken ſchwebten, Gedanken, welche auch gegen Tante Eugenie nicht ſehr ſanſtmüthig waren, die er doch immer geliebt hatte, ſo konnte er doch bei dieſen milden Worten nicht anders, als ihre Hand mit Wärme drücken.„Gebe Gott, Tante,“ erwiederte er,„daß ich dieſen freundlichen Wünſchen einigen Vortheil abgewinnen könnte! Aber Iſabellens Herz kann ich nicht nahe kommenz und könnte ich es auch, ſo iſt doch noch etwas hier“— er legte die Hand auf ſeine Bruſt—„das keinen Frieden hat. Meine Unruhe iſt einmal erweckt.“ „Deine Unruhe erweckt— was meinſt Du, Richard 2 Es lag eine Heſtigkeit, ein bebender Schauder in dieſen Worten, wobei ſie wie von einem Inſekte geſtochen zu⸗ ſammenfuhr.„Du haſt doch keine andere Unruhe, nein, gewiß keine andere als die Furcht, Deine Liebe möchte nicht erwiedert werden? Richard, ich weiß, daß Du liebſt, ich habe es in Deinem Auge, in jeder Deiner Hand⸗ lungen geleſen.“ Richard fühlte ein inniges Mitleiden mit dem armen Weibe, und es drängte ſich ihm der Glaube auf, daß, was ſie auch immer wiſſen mochte, ſie durch ein ihm un⸗ begreifliches Mittel zum Stillſchweigen genöthigt ſey, und gewiß hatte ſie eine Stunde der Schwachheit mit langer Herzenspein gebüßt.“ „Sey ruhig, beſte Tante!“ bat er freundlich.„Ich * bin heute — fürchte Krankheit „Das und wiede „Ich kann Falle würz „So Richard, Baronin jedoch eine ſchwache V es auch au daß ſeine: immer ihre derartigen Umgebung nicht; Du einen feiner Sie hat nic Richar ter einande deßhalb do Wahnes zu Ruhe nicht dürfte nicht bergen, der weſen, wenn So fü Meinung n kel befinden. Bürde in da keit der Na lichen Stern nen Sonne „Gott Das Fideico 145 hatte. bin heute nicht wie ſonſt. Iſabellens Wange iſt ſo blaß nahm— fürchtet die Tante nicht, daß ſie irgend eine ſchwere jedoch Krankheit in ſich trägt?“ fort⸗„Das verhüte Gott!“ verſetzte die zugleich beruhigte und wieder auf einer andern Seite erſchreckte Mutter, eichard,„Ich kann dieß jedoch nicht glauben; denn in dieſem eit gut Falle würde ſie wohl mit mir geſprochen haben.“ ſchäfte; 5„So will ich mich denn auch beruhigen!“ ſagte ne Ge⸗ Richard, deſſen einzige Abſicht war, die Gedanken der mmung Baronin auf einen andern Weg zu bringen, ohne ihr 82 jedoch eine neue Qual zu bereiten. Er hatte nur eine hedanken ſchwache Vermuthung hingeworfen, und als ſolche wurde Eugenie es auch aufgenommen. Noch einmal verſicherte Eugenie, r geliebt daß ſeine Befürchtung grundlos ſey; denn Iſabelle, die ten nicht immer ihren kleinen Muthwillen habe, würde bei einem „Gebe derartigen Falle gewiß ſo mißlauniſch ſeyn, daß es ihre undlichen Umgebung bald zu erfahren bekäme.„Wer leidet, ſchweigt el Aber nicht; Du darfſt deßhalb ganz ruhig ſeyn. Man kann nd könnte einen feinen bleichen Teint haben, ohne krank zu ſeyn. legte die Sie hat nie geklagt.“ . Meine Richard fühlte ſich beängſtigt, daß Mutter und Toch⸗ 5„ ter einander nicht beſſer verſtuͤnden, aber es konnte ihm ſlichard 2, deßhalb doch nicht in Sinn kommen, die erſtere ihres in dieſen Wahnes zu berauben. Die Baronin dagegen beſaß die ochen zu⸗ Ruhe nicht, die ſie erheuchelte. Sie fürchtete, Richard he, nein, dürfte nicht Unrecht haben; das mußte ſie ihm aber ver⸗ be möochte bergen, denn es wäre ein ſchlechter Troſt für ihn ge⸗ Du liebſt, weſen, wenn ſie in ſeine bange Unruhe eingeſtimmt hätte. er Hand⸗ So führen die Menſchen einander oft in der beſten Meinung hinter's Licht, bis ſie ſich auf einmal im Dun⸗ em armen kel befinden. Jeder hat doch ſeine Herzensqual, die treue auf, daß, Bürde in der Geſellſchaft des Tages und in der Einſam⸗ a ihm un⸗ keit der Nacht, unter dem bleichen Glanz der winter⸗ bthigt ſey, lichen Sterne, unter den blauen Wolken und der golde⸗ chheit mit nen Sonne des Sommers, überall begleitet ſie uns. 3)„Gott ſey Dank, daß wir einmal gut hinausgekom⸗ lich.„ Das Fideicommiß. II. 10 146 men ſind!“ ſagte Virginie, als der Wagen über die Brücke rollte.„Sitzeſt Du recht gut, Iſabellchen? Ich habe einen ganzen Haufen Sachen hinter Dich gelegt.“ „Sehr gut, meine liebe Virginie! Es thut mir nur leid, daß Du rückwärts fahren mußt; aber es bleibt da⸗ bei, wie ich geſagt habe, Jedes eine Weile. Beliebt es dem Herrn Lieutenant ſich die Mühe zu nehmen und den Shawl und Beutel hier zu verwahren! Ich kann wahrhaftig nicht Alles halten.“ „Ich danke für das Zutrauen! Will das gnädige Fräulein nicht ſo gefällig ſeyn und den Vorhang herab⸗ laſſen? Die Sonne ſcheint uns gerade in's Geſicht.“ „Liebe Virginie,“ ſagte die Majorin ſich hin und her drehend, was um's Himmels Wi f dahin gelegt? Ich ſitze wahrhaftig ganz ſchlecht. Da iſt es ja voller Sachen; Du hätteſt all' dieſe Kleinig⸗ keiten in die Wagentaſchen ſtecken ſollen.“ „Liebſtes Mamachen, die Wagentaſchen ſind voller Eßwaaren, Hühnchen, Fiſche, Paſteten und Kuchen; dort geht nicht das Geringſte mehr hinein! Aber vielleicht iſt Richard ſo gut und ſteckt etwas in ſeine Taſchen?“ „Nein, ich denke, dort iſt es ganz voll. Haſt Du denn ſelbſt keine Rock⸗ oder Schurztaſchen?“ „Pfui, wie unartig Du biſt! Ich wollte, Du ſäßeſt auf dem Bock, anſtatt des Onkels! Ich bin gewiß, On⸗ kel hätte nach ſeiner chevaleresken Weiſe ganz anders geantwortet. Es iſt ſehr ſchlimm, daß Dich Dein Arm noch untauglich macht, einen ſichern Kutſcher abzugeben. „Wovon iſt die Rede?“ fragte der Oberſt, der immer ein Ohr im Wagen hatte. „Was haſt Du gewünſcht, Virginchen?“ Der Onkel ſah ſehr freundlich und geſchmeichelt aus. „Ach lieber Onkel, da liegen ſo viel verwünſchte Sachen, welche die Mama geniren. Ich meinte, Ri⸗ chard ſollte uns davon befreien.“ „Um Vergebung, Onkel, Iſabelle hat mir den Schooß mit allerhand beweglichen Dingen gefüllt; und der On⸗ llen haſt Du denn 4 kel ſelbſt Bouteillen Der höchſt art ſeine Ritt ſcher abſte ihnen All’ von Sven chen einge iſt, die ab Nacht und mehrn gerechnet, knöpfte die ſich wieder bergauf u im Anfang Der ungeachtet Iſabellen ſie jedes I die rothe L ſich gegen fand ihr Wagens. „Ei, Richard?“ Brücke ch habe mir nur bt da⸗ eliebt es ien und ſch kann gnädige g herab⸗ icht.“ hin und Du denn cht. Da Kleinig⸗ nd voller hen; dort elleicht iſt 12“ Haſt Du 1z anders Oein Arm lahzugeben. er immer en Schooß der On⸗ 147 kel ſelbſt beliebte, meinen Rocktaſchen ein Paar wichtige Bouteillen anzuvertrauen.“ Der Oberſt hielt mit dem Wagen, und indem er höchſt artig äußerte, daß Virginie nicht vergebens an ſeine Ritterlichkeit appellirt haben ſolle, hieß er den Kut⸗ ſcher abſteigen.„Sieh' nach, Svensſon, und nimm Du ihnen Alles ab.“ Und jetzt wurden die geräumigen Säcke von Svensſons Mantel zu Magazinen für alle jene Sa⸗ chen eingerichtet, deren gemeinſchaftlicher Name Unſinn iſt, die aber deſſen ungeachtet doch einen Raum einnehmen. Nachdem Virginie ihre Ermahnungen abgegeben, und mehrmals— eins— zwei— drei— vier u. ſ. w. gerechnet, ſowie dem Onkel und Svensſon gedankt hatte, knöpfte dieſer ſeine Taſchen zu, verbeugte ſich und ſetzte ſich wieder auf den Bock. Jetzt ging es im kurzen Trab bergauf und bergab. Man müſſe die feurigen Thiere im Anfang nicht müde machen, meinte der Oberſt. Der Wagen beſaß die vortrefflichſten Federn; deſſen ungeachtet fühlte man bisweilen einen gelinden Stoß, der Iſabellen ſchmerzen mußte; denn Richard bemerkte, daß ſie jedes Mal zwei von ihren kleinen weißen Zähnen auf die rothe Lippe drückte. Ein Paar Mal verſuchte ſie es, ſich gegen die Rückenpolſter zurück zu lehnen, aber daun fand ihr Fuß keinen feſten Halt auf dem Boden des Wagens. „Ei, was haſt Du denn hinter Deinem Rücken, Nichard?“ fragte Virginie ungeduldig.„Es ſtoßt mich ja immerwährend in die Seite; das köonnen keine Bou⸗ teillen ſeyn.“ Richard erröthete ſtark.„Verzeih' mir,“ ſagte er; „ich will es wegthun! Es fiel mir ein, Iſabelle könnte vielleicht wünſchen, ihren Schemel bei ſich zu haben, und da iſt er denn!“ Und Richard, ſeiner Umſicht ſich etwas ſchämend, zog den weichen Schemel hervor, den⸗ ſelben, den er ſelbſt geſtopft hatte. Er konnte Iſabellen 10 nicht anſehen, aber er blickte deſto mehr auf ihre feinen Füßchen, die er auf den erwünſchten Schemel hob. Virginie, die ihrer Mutter gegenüber ſaß, beugte ſich gegen dieſe vor, und lächelte in ſo herzlicher Gut⸗ müthigkeit. „Ich danke Dir, Richard!“ ſagte Iſabelle. Sie ſprach dieß jedoch nicht ſo warm aus, wie er es gerne gewünſcht hätte; aber eine Weile nachher, als ſie der Hitze halber ein wenig am Seiten⸗Vorhange zog, bekam er einen Blick voll heilender Süßigkeit. In einer ſchönen ſchattenreichen Gegend beſchloß man Mittag zu machen, denn Alle waren darüber einig, lieber unter Gottes freiem Himmel zu hauſen, als in der Wirthsſtube mit ihrer verrauchten Decke. Ein großer Stein diente ihnen als Tiſch; und die drei Damen be⸗ mühten ſich die Raritäten aufzutiſchen, die der Lieutenant auf dem Fußtritte ſtehend, herabreichte. „Jetzt iſt es aller Ehren werth!“ ſagte Iſabelle. „Lieber Richard, Du ſtützeſt Dich zu lange auf Deinen Arm!“ Ach wie die armen Worte Richard im Herzen wohl thaten! „Sollen wir uns denn in das Gras ſetzen?“ fragte der Oberſt, etwas bedenklich.„Svensſon, bringe die Wagenkiſſen her!“ „Ach nein, lieber Papa,“ bat Iſabelle,„laß uns ganz ländlich und ungenirt ſeyn!“ „Nun, meinetwegen! Es mag hie und da ſchon hübſch ſeyn, wenn man ſich darein denkt, wie der Land⸗ mann in ſeiner Einſamkeit am Speiſeſack herum hantiert, während die Pferde weiden.“ „Ja,“ ſagte die Majorin lachend,„wir haben jetzt eine ſehr klare Vorſtellung davon, das weiß Gott!“ Der Oberſt lachte ebenfalls; denn ein Mann von Welt mußte doch nothwendig mitlachen, wenn er den Lippen eines Frauenzimmers ein Lächeln entlockt hatte, und wenn das Lächeln ſogar ihm ſelbſt gelten ſollte. Der Oberſt glaubte etwas zugleich Sinnreiches und doch „ unendlich zu einer 2 mußte er j dinage, Be ſeine kleine haſt Du di Virginie, d Korkzieher haben, den zuwarten.“ „Ach, ſprach Iſab „Das und flog w „Richa Iſabelle na⸗ dieß waren den Vorſpr Spur mehr „Laß lächelte Vi Waſſer.“ 4„Wir erinnerte de Schwägeri wird uns d Nach rothen und Krug Waſſ „Wo gleicher Zeit „Ein K das vorher trinken kann „Es ſ *) Kleiner feinen beugte Gut⸗ . Sie gerne ſie der bekam beſchloß r einig, 3 in der großer nen be⸗ eutenant Iſabelle. [Deinen n Herzen fragte kinge die laß uns da ſchon der Land⸗ hantiert, aben jetzt tt!“ Kann von lin er den ſockt hatte, ten ſollte. und doch 149 unendlich Idylliſches geſagt zu haben, gerade wie es ſich zu einer Mahlzeit im grünen Graſe paßte; und doch mußte er jetzt aus lauter Artigkeit darüber lachen.„Ba⸗ dinage, Badinage, meine gnaͤdigſte Schwägerin! Man hat ſeine kleine Munterkeit auf Reiſen. Aber, Richard, wo haſt Du die Bouteillen? Ich werde ſie ſelbſt entpfropfen. Virginie, darf ich Dich mit der Bitte beläſtigen, mir den Korkzieher zu reichen? Ich werde dann ſogleich die Ehre haben, den Damen mit einem ächten Muskatkümmel auf⸗ zuwarten.“ „Ach, wer jetzt ein Glas ächtes Waſſer hätte!“ ſprach Iſabelle mit leichtem ſchmachtenden Seufzer. „Das ſollſt Du in Bälde haben!“ verſetzte Richard und flog wie ein Pfeil auf dem Fußpfade dahin. „Richard, Richard, ich will kein Waſſer!“ rief ihm Iſabelle nach.„Ich bin durchaus nicht durſtig!“ Doch dieß waren vergebliche Worte. Richard hatte ſchon um den Vorſprung eines Hügels gebogen; es zeigte ſich keine Spur mehr von ihm. „Laß ihn laufen, wenn er es ſo ergötzlich findet lächelte Virginie.„Ich möchte wohl auch ein Glas Waſſer.“ „Wir wollen indeſſen das Eſen nicht verſäumen!“ erinnerte der Oberſt.„Iſt es vielleicht meiner gnädigen Schwägerin gefällig, das Huhn hier zu tranſchiren? Es wird uns dann doppelt ſo gut ſchmecken.“ Nach einer Viertelſtunde kam Richard mit einem rothen und erhitzten Geſichte zurück, und brachte einen Krug Waſſeer herbei. „Wo haſt Du das herbekommen?“ riefen Alle zu gleicher Zeit. „Ein Kathen*) iſt hier ganz in der Nähe, ich wußte das vorher; und das Waſſer iſt das Beſte, das man trinken kann, es iſt friſch und klar wie Kryſtall.“ „Es ſoll uns ſuperb munden!“ ſagte der Oberſt. 1“ *) Kleiner Bauernhof. 150 „Seyen Sie ſo gut, meine gnädige Schwägerin, und nehmen Sie das erſte Glas!“ Er präſentirte ihr einen großen vergoldeten Becher, den er ſtets auf Reiſen bei ſich führte. „Es iſt nicht für mich geholt worden,“ wandte die Majorin mit jener Feinheit ein, die dem Lieutenant ſtets ſo liebenswürdig erſchien.„Wenn Richard es erſt Iſa⸗ bellen angeboten hat, die vorher darnach ſeufzte, ſo wird die Reihe auch an uns kommen, mein beſter Schwager! Ich hoffe, das iſt gerecht, oder nicht?“ „Vollkommen!“ erwiederte der Oberſt mit ſeinem beſtändigen Lächeln; und reichte Richard den Becher. Der Lieutenant füllte ihn zur Hälfte mit Waſſer, und ſich zu Iſabellen hinabbeugend, die ſich auf den hellen, weichen Grasteppich geſetzt hatte, flüſterte er bittend: krſuir nur ein paar Tropfen! Ich fürchte, es iſt zu kalt.“ „Warum holteſt Du denn ſo viel, wenn ich nicht mehr trinken darf?“ ſagte ſie lächelnd. „Weil ich um der paar armen Tropfen willen, die Du trinkſt, auch noch einmal ſo weit gegangen wäre. Und könnteſt Du auch nur einen einzigen Tropfen trinken, ſo ginge ich eben ſo gern darnach, als nach einem ganzen Kruge.“ „Du guter, freundlicher NRichard! Sieh, daß ich nur ein klein wenig davon koſten will!“ Sie brachte den Becher an ihre Lippen.„Ach, es iſt ſehr, ſehr gut; Du darfſt mich wohl ein wenig mehr trinken laſſen.“ „Liebe Iſabelle, thue es nicht!“ „Nun, da haſt Du ihn denn!“ Und Richard leerte den Reſt in einem Athemzuge. Wie herrlich ſchmeckte es nicht, den nämlichen Trank aus dem nämlichen Becher zu trinken, den ihre Lippen berührt hatten! Und jetzt war es Iſabelle, die, anſtatt Richard zu danken, ſelbſt das Huhn aufſchnitt und ihm einen Flügel reichte. Sie ſchenkte auch den Wein ein und widmete ihm alle jene kleinen lieben Dienſte, die bei derartigen — Gelegenheit uns erweis Endli Ueberbleibſel einigen Kuß von den kle ſollte, ſetzt und jetzt wo zu ſitzen, w d vS Virginie. „Es g Aber es hal Iſabelle na während der .„Ach ſitzet zu ſe ſtützen.“ „Ich mir Richard Oder wie einer vetterl „O be ganz glückl wortete der würde ich g nung auszuf durch die El ſeuſe zu dier „Wie mit weder z Zeit, wo ie bilden konnt lier und be eigene Bequ Dame zu ge 151 , und E Gelegenheiten ihren Werth durch den erhalten, der ſie einen uns erweist. en bei Endlich, nachdem Alles wieder eingepackt war, die Ueberbleibſel vom Mittageſſen ausgenommen, die nebſt dte die einigen Kupfermünzen in den Krug gethan wurden, der nt ſtets von den kleinen Käthnerjungen wieder heimgeholt werden ſt Iſa⸗ ſollte, ſetzte ſich die Geſellſchaft wieder in den Wagen, o wird und jetzt ward Virginie gebeten und genöthigt, vorwärts wager! zu ſitzen, während Iſabelle rückwärts fuhr. „Ich will nicht, ich will durchaus nicht!“ ſagte ſeinem Virginie. er.„Es geht nicht an!“ komplimentirte die Majorin. Waſſer, Aber es half nichts; Virginie mußte vorwärts ſitzen und hellen, Iſabelle nahm den freien Platz neben Richard ein, der bittend: während der Verhandlung ganz neutral geblieben war. 3 iſt zu„Ach mein Iſabellchen,“ klagte die Majorin,„Du ſitzeſt zu ſchlecht! Du kannſt Dich gegen gar nichts ch nicht ſtützen.“ „Ich ſitze ſehr gut, Tantchen! Im Nothfall wird en, die mir Richard mit ſeinem Arm als Rücklehne aufwarten. n wäre. Oder wie meinen Sie, Papa, wäre das zu viel von trinken, einer vetterlichen Artigkeit begehrt?“ ganzen„O bei Dir nicht, Iſabellchen, Du haſt ja eine ganz glückliche Gabe, Jedermann zu gebrauchen!“ ant⸗ ich nur wortete der Oberſt etwas ſpitzig.„Davon abgeſehen, chte den würde ich glauben, wenn Du mir erlaubſt, meine Mei⸗ gut; Du nung auszuſprechen, daß ſſech Richard vielleicht nicht ſehr durch die Ehre geſchmeichelt fühlen möchte, Dir als Cau⸗ ſeuſe zu dienen.“ erd leerte„Wie kann der Onkel glauben,“ ſiel der Lieutenant ſchmeckte mit weder zu viel noch zu wenig Eifer ein,„daß ich die n Becher Zeit, wo ich mich unter der Anleitung des Onkels aus⸗ bilden konnte, ſo ſchlecht benützt habe? Nein, ein Kava⸗ chard zu lier und beſonders ein Vetter muß jeden Gedanken an n Flügel eigene Bequemlichkeit aufopfern, um dem Befehle einer widmete Dame zu gehorſamen. Es wird zwar wohl etwas beſchwer⸗ derartigen 15²2 lich werden, den Arm ſo lange ausgeſtreckt zu halten, aber ich will es dennoch thun.“ Richard ſagte dieß Alles ganz ungezwungen und gleichſam, als ob ihm wirklich dieſe vetterlichen Zumuthun⸗ gen etwas beſchwerlich fielen. Dann ſtreckte er den Arm mit nachläſſiger Anmuth längs des Rückſitzes aus, und Iſabelle lehnte ſich, da es ſie wirklich ermüdete, ohne Stütze zu ruhen, nun unaufgefordert dagegen. „Halte Deinen Sonnenſchirm mehr ſo her; er hilft ſonſt nichts gegen die Sonne!“ Und Richard zog ihn ſo, daß er, von den Andern ungeſehen, einen Blick in ihr Auge werfen konnte— es war klar und blau. Als der nächſte Meilenzeiger erſchien, rief Virginie freudig:„So, Gott ſey Dank, jetzt ſitze ich keine Sekunde länger hier!“ Iſabelle nahm ihren Platz ohne Einwendung wieder ein, und ſprach dann kein Wort mehr vom Rückwärts⸗ fahren. Eilftes Kapitel. 1 In einem einſamen Manſardenzimmer auf Mörkedal nähte Hedwig ihre Thränen in Seide und Gold. Klar 1 wie Perlen ſielen jene auf das Tuch, und oft ſagte Tante Gunilla, ſie wiſſe nicht, wie es komme, daß die Roſen ſo bleich erſcheinen, während die Seide doch unvernäht ſo lebhaft, friſch und gut ſchattirt geweſen ſey, als man nur habe wünſchen können. „Sage mir einmal, wie Du es anfängſt, Hedwigchen, daß Du Deine Arbeit ſo vernachläſſigſt! Wenn das 4. 6 nen.l Deine ſelige Mutter ſähe, was würde ſie nicht zu tadeln haben! Wahrhaftig, Du nähteſt in Deinem zwölften Jahre beſſer!“ „Ja, in meinem zwölften Jahre, das glaube ich wohl!“ erwiederte Hedwig mit einem Seufzer. Sie wußte und we Ut Mörked ſchaft; Fräulei vollen da, der zerſtreu⸗ da thur Tapet, zwar ui gerne u. ſ. w ſchlag: welche mied ſie ſie einm habe,„ zu leben 8 dem t kleinen einige zu halten, ungen und Zumuthun⸗ r den Arm aus, und dete, ohne r; er hilft rd zog ihn en Blick in Hlau. ief Virginie ine Sekunde dung wieder Rückwärts⸗ if Mörkedal Gold. Klar ſagte Tante ß die Roſen unvernäht y, als man Hedwigchen, Wenn das hht zu tadeln m zwölften glaube ich ufzer. Sie 153 wußte ſelbſt recht wohl, daß es ſonſt anders war als jetzt und warum die Blumen ſo bleich wurden. Und langſam, recht langſam verſtrichen die Tage in Mörkedal. Der General hatte zwar immer ſeine Geſell⸗ ſchaft; aber mit Ausnahme des Kapitäns, der dem jungen Fräulein bisweilen durch die Erzählung einer geheimniß⸗ vollen Geiſtergeſchichte die Zeit verkürzte, war Niemand da, der ſich die Mühe gab, ſie zu unterhalten und zu zerſtreuen. Der General ſelbſt wollte es wohl hie und da thun, aber dann kamen nur ſolche Zerſtreuungen auf's Tapet, die ihr eine Pein waren. Hedwig zeigte ſich zwar nie genirt oder unfreundlich, aber ſie entzog ſich gerne dem unintereſſanten Vergnügen, Piket, Brettſpiel u. ſ. w. zu lernen. Und wenn ihr Vater ihr den Vor⸗ ſchlag machte, eine oder die andere Familie einzuladen, welche junge Töchter von Hedwigs Alter hatten, ſo ver⸗ mied ſie auch dieſes;„denn,“ ſagte ſie, als der Kapitän ſie einmal fragte, warum ſie an Geſellſchaften keine Freude habe,„es iſt unterhaltender, in ſeiner eigenen kleinen Welt zu leben.“ „Ja,“ wiederholte der unverbeſſerliche Kapitän,„mit dem kleinen, gar kleinen Kühlein und dem kleinen, gar kleinen Melkkübel, in den das kleine Fräulein dann ſelbſt einige Tropfen für die kleine, gar kleine Katzenmull mölke! Das gäbe eine kleine, gar kleine Idylle, ganz wie zu ma⸗ len und aufzuhängen in einem kleinen, gar kleinen Rah⸗ men in dem Zimmerchen des kleinen Fräuleins.“ „Der Kapitän iſt recht ſchlecht, recht böſe!“ „Und doch weinte Fräulein Hedwig, als ob ſie— ohne einen Vergleich machen zu wollen— mit Ruthen gepeitſcht würde, da ich abreiſen wollte?“ „Ja, das geſchah natürlich um den Kapitän!“ er⸗ wiederte Hedwig unbedachtſamerweiſe. „Ei, ei, ei, mein kleines Fräulein! Sprechen Sie nicht ſo ſchändlich, ſondern erinnern Sie ſich hübſch, daß, mit Ausnahme meiner geringen Perſon, nur noch Einer im Zimmer war, um den das Fräulein hätte weinen 6 als ſie ſich vor können; denn die Andern wollten nicht abreiſen. Ja, ja, nehmen Sie ſich jetzt in Acht, meine kleine Gnädige, und ſagen Sie noch einmal, wenn Sie den Muth haben, daß Perſon jene Thränen nicht um mich ſtrömten!“ Genera Hedwig nahm ihre ganze kleine Würde zuſammen, einmal um dem Kapitän zu ſagen, daß ihr ſeine Poſſen ſehr hören k wenig behagten. t in Ger 1.„ „Ich gebe mich nicht im Geringſten mit Poſſen ab... 5 wegen d doch da kommt Fräulein Gunilla, und ich werde an ſte ſeither l appelliren.“ N. Hedwig legte ihre Hand leicht auf den Arm des macht l Kapitäns. habe Un ;„Gut, gut, ich verſtehe; alſo um mich weinte das ſo war kleine Fräulein?“ daß er „Ja, das iſt wohl nicht zu bezweifeln.“ ſie in ſe 6„Es iſt nicht ſo ſehr um meinetwillen,“ flüſterte vorherge der Kapitän mit einem Humor, der Hedwig das Blut We in die Wangen trieb,„nicht ſo ſehr um meinetwillen, daß Kapitän ich darauf beſtehe. Es wäre am allerbeſten, wenn die mangelu kleine Gnädige ſelbſt davon überzeugt wäre; denn es hätte für das jedenfalls weit weniger zu bedeuten, wenn man dem alten Um Brandler eine Thräne widmete, als— nun, nun, ſo eilen den ſie Sie doch nicht ſo ſehr! Ich ſage auf meine Ehre kein Morgen . Wort mehr, keinen Buchſtaben! Stets ſtumm wie das in ein f Grab in Chrenſachen!“ drücke,( Hedwig war von innerer Bewegung beinahe erſtickt, Sie ſann als ſie endlich ihr Zimmer erreichte; und hätte ſie ſich endlich f jetzt an den Stickrahmen geſetzt, ſo wären die Roſen in Gefahr gekommen, ganz zu erbleichen. „Alſo errieth der Kapitän“— d mein Gott, wie das arme Herzchen bebte! Aber dieſe Lektion ward Hedwig nicht vergebens ertheilt. Von dieſem Tage an Ein fühlte ſie die ganze Wichtigkeit für ein Weib, ein Ge⸗ können r heimniß wohl zu bewahren, das unerwiedert in ihrer„Ic Bruſt ruht; und dieſes Achtunggeben auf ſich ſelbſt, es nicht auf ihre Worte, ihre Gefühle, war ihr von Nutzen. wie Ta Sie errang allmählig mehr Selbſtbeherrſchungz und Nankingl Ja, ja, dige, und aben, daß uſammen, ſſen ſehr ſſen ab... de an ſie Arm des veinte das ¹ flüſterte das Blut willen, daß wenn die enn es hätte i dem alten un, ſo eilen e Ehre kein i wie das Gott, wie lektion ward mm Tage an b, ein Ge⸗ ert in ihrer ſich ſelbſt, von Nutzen. chung; und 155 als ſie mit dem Kapitän wieder lachte und ſcherzte, und ſich von ſelbſt, wenn Mangel an einer dritten oder vierten Perſon war, zum Geſellſchaftsſpiele anbot, klopfte ihr der General auf die Wangen, und der Kapitän flüſterte ihr einmal das Süßeſte in's Ohr, was ſie von ihm wohl hören konnte: „Ich bitte das kleine Fräulein ſehr um Verzeihung wegen der Dummheiten, die ich neulich ſagte; ich hatte ſeither bemerkt, daß ich ganz Unrecht hatte.“ Nun konnte es ſich zwar allerdings ſo glücklich ge⸗ macht haben, daß der Kapitän wirklich überzeugt war, er habe Unrecht gehabt; aber wenn er es auch nicht glaubte, ſo war es doch ein von ihm nicht erwartetes Zartgefühl, daß er ihr zu wiſſen that, ihre ſpätere Aufführung befreie ſie in ſeinen Augen von der Vermuthung in Betreff ihres vorhergehenden Benehmens. Wer hätte ſo viel Feinheit bei unſerm grobkörnigen Kapitän vorausſetzen können? Er war damals in Er⸗ mangelung beſſerer Leiter, ein Fund von großem Werthe für das Fräulein. Um jedoch einigen Erſatz für den Zwang zu haben, den ſie ſich auferlegte, nahm Hedwig an einem ſchönen Morgen einige Bogen Papier, die ſie hübſch und zierlich in ein kleines Heft zuſammenlegte, worein ſie ihre Ein⸗ drücke, Gefühle und Gedanken aufzuzeichnen beabſichtigte. Sie ſann lange über den Titel nach, entſchloß ſich jedoch endlich für den höchſt einfachen: Mein Beſuch. Ein paar Fragmente aus Hedwigs kleinem Buche. können wir uns hier anzuführen nicht verſagen. „Ich will nothwendig Kapitel haben; denn ich kann es nicht leiden, daß ſich Eines mit dem Andern vermengt, wie Tante Gunillas Schattirungen auf dem gelben Nankingbeutel. Erſtes Kapitel. Aber wie unterſtehe ich mich, Tante Gunillas Schattirungen zu tadeln, da meine eigenen ſo ſudelig ſind? Wenn ich es recht bedenke(denn ich kann eben ſo gut an die Schattirungen denken, als an etwas An⸗ deres), ſo iſt es ganz wunderlich damit. Hat das Herz nicht auch ſeine Schattirungen? Ja, ganz gewiß iſt es ſo! Ehe ich nach Tyringsholm reiste, wußte ich genau, daß mein Herz friſche grüne Blätter und rothe Roſen hatte— das war eine ſchöne Schattirung. Als ich von da zurückkam, fingen jedoch die grünen Blätter an, nicht mehr ſo friſch auszuſehen, das heißt, nicht mehr ganz ſo friſch wie früher, ſondern ungefähr ſo, wie wenn man junges Birkenlaub in Waſſer ſtellt, damit es ausſchlage. Das Laub treibt zwar auf die Art; aber es wird nie ſo ſchön, als wenn es auf ſeinem eigenen ſaſtigen Zweige wachſen darf. So ſtand alſo das Laub eine lange Zeit im Waſſer, und es ward Winter und Froſt. Da geſchah es einmal — o es kommt mir jetzt ganz wie ein Mährchen vor— daß ich auf das Eis hinausfuhr... ich brauche nicht zu ſchreiben, wem ich da begegnete, denn ich erinnere mich deſſen noch wohl. Wie froh war ich da! Das Laub brauchte nicht länger im Waſſer zu ſtehen; ich ſteckte es wieder in den Baum und es wuchs friſch. Es ging auch gegen den Frühling; die Sonne ſchien ſo freundlich und warm, Alles wollte ſich freuen. Wie ſchnell die Wochen vergingen, und doch meinte ich, ſie enthielten Winter, Frühling, Sommer und Herbſt. Sie nahmen ein Endez es wurde Herbſt mitten im Frühling! Das Laub kam wieder in das Glas, aber es war nicht gut dort, denn das Waſſer beſtand aus lauter Thränen. So konnte es unmöglich wachſen; die feinen Schattirungen wurden immer häßlicher; es that mir wahrhaftig leid darum. Ich nahm das arme, welke Laubwerk wieder in meine Pflege, keine Thränen durften mehr daran kommen— 2 das ho ſcharfe jetzt w zwar Schatt doch ſe D auch ei hohen die and Ich kü vielleich Die R andern ihr Ha möge, Er kommen friſch, mit es Jch genieße Gott zu Ich wei nicht ü einem 2 Gunillas ſo ſudelig kann eben etwas An⸗ das Herz hewiß iſt es ich genau, othe Roſen Ils ich von r an, nicht ehr ganz ſo wenn man Z ausſchlage. wird nie ſo tigen Zweige im Waſſer, h es einmal rchen vor— uche nicht zu ſerinnere mich Das Laub ich ſteckte es Es ging auch reundlich und die Wochen lelten Winter, en ein Ende; hs Laub kam t dort, denn o konnte es ngen wurden leid darum. der in meine n kommen— 157 das hatte ich dem Kapitän zu danken. Er wandte eine ſcharfe Kur an, aber ſie that gut, und das Laub hat jetzt wieder kleine friſche Knospen gezeugt. Es wächst zwar nicht ſo ſchön und buſchig, wie früher, und die Schattirungen ſind auch nicht ſo ſchön, aber ſie laſſen ſich doch ſehen. Die rothen Roſen, von denen ich ſprach, erbleichten auch ein wenig; aber da ſitzt unter ihnen auf einem hohen freien Stengel eine ſchöne Roſe, die mehr iſt als die andern, und dieſe unter ihren großen Blättern ſchirmt. Ich küſſe die Roſe und liebe ſie, denn ohne ſie hätte doch vielleicht das arme Laub keine Knospen mehr getrieben. Die Roſe hat zwei Namen. Wenn ſie ſich vor den andern beugt, heißt ſie Sittſamkeit; wenn ſie aber ihr Haupt erhebt und es hoch hält, damit man wiſſen möge, wer ſie iſt, dann heißt ſie Stolz. Zweites Kapitel. Er kommt nicht wieder— er ſagte doch, er würde kommen. In ſeinem Herzen ſteht wohl das Laub noch friſch, er hat es nie in's Waſſer zu ſtellen gebraucht, da⸗ mit es nicht gelb werde. Ich wollte, wir hätten die Reiſe nie gemacht! Ich genieße ſo viel Gutes in der Welt, ſo viel, wofür ich Gott zu danken habe, und doch fehlt mir beſtändig etwas. Ich weine über meine Undankbarkeit und kann ſie doch nicht überwinden. Es iſt mir faſt, als liege ich auf einem Bette von ſchönen Hagedornknospen. Sie ſind ſo farbenhell, ſo purpurklar, ich trenne mich ſo ſchwer von ihnen, und doch ſtechen mich ihre Dornen, daß ich darun⸗ ter blute. Er kommt nicht! „Geſtern war der Kammerherr v. Brude hier.„Sitze gerade, Mädchen!“ flüſterte die Tante. O ich weiß wohl, was die Tante meint, wenn ſie mich bittet, gerade zu ſitzen. Der Kammerherr war wieder hier! Warum, um's 158 Himmels willen, kommt der Menſch jeden Tag hieher? Wenn es um meinetwillen geſchieht, ſo iſt es verlorene Mühe. Der Kapitän iſt in meinen Augen tauſend Mal angenehmer.„Sitze gerade!“ ſagt die Tante jedes Mal, wenn er die Naſe zum Zimmer herein ſtreckt. Ach, die Tante weiß wenig davon, was es heißt, ein Herz zu haben! Ob ſie wohl einmal die Geſchichte mit dem Birkenlanb kannte! Ich möchte doch wiſſen, wie es in Tante Gunillas Jugendtagen ausſah! Aber ſtille, ich glaube, es kommt Jemand. Ach Gott, mir däucht, es iſt der Papa. Drittes Kapitel. Ja, ja, es war Papa! Ach du lieber Gott, was die armen Väter doch mit uns Töchter viel Mühe auf der Welt haben! Es wäre recht und billig, wenn wir ein wenig dankbarer dafür wären. Papa hatte dießmal keine ſolche Eile wie in Tyringsholm. Er ſetzte ſich auf meinen kleinen Sopha und hielt eine große Rede, zuerſt über den edlen Kammerherrn und dann über ſeine Gicht, die mit jedem Tage peinlicher werde, wie gerade mir das Verhältniß mit Herrn v. Brude. Allein Papa iſt gewiß nicht zum Redner geboren; denn ich ward nicht im geringſten gerührt, nicht einmal als er den Fuß rieb, als ob die Gicht eben in dieſer Minute am ſchrecklichſten wüthete. O nein, Herr Papa, ich weiß recht wohl, daß es nichts ſo Arges um ſie iſt, außer im Herbſte. Auf alle Fälle war es jedoch nichts anderes als ein kleiner Ertraverhaltungsbefehl; denn noch hatte, Gott ſey Dank, der Kammerherr kein beſtimmtes Wort eſagt. 8 8er Kapitän rüſtet ſich zu den Exerzierübungen. Der gute, brave Kapitän! Wie langweilig wird es wer⸗ den, wenn er fort iſt! Ich komme eben aus dem Parke. Wie friſch und lieblich nicht Alles dort unten iſt! Du ſchöner blauer Himme anzuſche liche Le Tyrings dem Ka Ich bin geſſen, es fähr ſeyn? O Die närriſche raſchen Thüre n dem hol Ein jung Manne m im Wage doch nicht anſtatt hi zog ſie ei um ihr ST blaß wurd pitän ſtan jorin wu der faſt in als dieſer wurde im Oberſten d Mal willke in dem ſei dem Kapit Hedwig ni obſchon ihr fachen Ver wig ſah nä an Iſabelle legte, um ſi ag hieher? 3 verlorene luſend Mal jedes Mal, Ach, die Herz zu e mit dem wie es in ſtille, ich äucht, es iſt Gott, was Mühe auf wenn wir atte dießmal etzte ſich auf Kede, zuerſt ſeine Gicht, lade mir das er geboren; nicht einmal en in dieſer Herr Papa, um ſie iſt, anderes als noch hatte, unmtes Wort zierübungen. wwird es wer⸗ e friſch und höner blauer 159 Himmel, du freundliche Sonne, es thut mir wohl, euch anzuſchauen! Und fühle ich jetzt nicht beinahe das näm⸗ liche Leben in mir, wie ich es vor meiner Reiſe nach Tyringsholm in mir empfand? ⸗Ich will morgen mit dem Kapitän ausreiten; das wird mich heiter machen. Ich bin lange Zeit nicht mehr geritten; ich habe es ver⸗ geſſen, wie ſo vieles Andere. Doch jetzt... ich glaube es fährt in der Allee. Ein Wagen! Wer kann das ſeyn? O mein Gott, mein Gott— es iſt ja— Er!“ Die Feder ſiel Hedwig aus der Hand. Eine halb närriſche Freude war ihr erſtes Gefühl, als ſie mit einem raſchen Sprunge vom Schreibtiſche hinweg und an der Thüre war. Aber hier blieb ſie ſtehen. Die Roſe auf dem hohen Stengel ſetzte ein wenig ihren Kopf auf. Ein junges, ſittſames Mädchen ſpringt einem jungen Manne nicht ſo entgegen! Aber es ſaßen ja Damen im Wagen! Gleichviel, ein Funken Beſonnenheit ſchadet doch nichts. Hedwig beherzigte der Roſe Warnung, und anſtatt hinabzulaufen, trat ſie hinter die Gardine. Sie zog ſie ein klein wenig zurück, aber dieß war hinreichend, um ihr Dinge zu zeigen, über die ſie bald roth, bald blaß wurde. Der General, Tante Gunilla und der Ka⸗ pitän ſtanden ſchon am Wagen. Ganz gut! Die Ma⸗ jorin wurde zuerſt durch den Lieutenant herausgeleitet, der faſt in demſelben Augenblicke aus dem Wagen ſprang, als dieſer hielt. Wie hübſch war er geworden! Ach er wurde immer hübſcher! Der General ſchüttelte dem Oberſten die Hand, und hieß die Herrſchaft„Millionen Mal willkommen!“ Der Arm der Majorin ruhte ſchon in dem ſeinen, als Virginie auf der andern Seite von dem Kapitän herausgehoben wurde. Dieß ſah jedoch Hedwig nicht, denn ſie hatte vorne noch genug zu ſehen, obſchon ihr Tante Gunillas Spitzenhaube bei den viel⸗ fachen Verneigungen und Kniren Manches verbarg. Hed⸗ wig ſah nämlich, wie Richard ſein warm glühendes Geſicht an Iſabellens lehnte und ſeinen Arm um ihren Leib legte, um ſie zu ſtützen, als ſie herabhüpfen ſollte. Aber 160 Iſabelle hüpfte nicht herab; ſie trat langſam auf den Fußtritt, und dann ganz vorſichtig mit dem rechten Fuß auf den Boden. Man konnte vielleicht eben ſo richtig ſagen, daß ſie aus Richards Armen glitt, wenigſtens erſchien es Hedwig ſo; doch das hätte ſie ertragen können, denn ſie hatte ja ſchon früher einmal geſehen, wie Iſa⸗ belle„kokettirte,“ als ſie aus einem Wagen ſtieg. Hed⸗ wig wußte nicht, wie ſehr ſie hier gegen Iſabelle ſün⸗ digte. Aber ein weit ſchwererer Anblick war es, als Richard, von den Andern nicht geſehen, ſchnell ſeine Lippen auf die Hand drückte, die ſich gegen ſeine Schulter ſtützte, und als er dann, da Iſabelle ſeinen Arm losriß, ſie mit einem Blicke anſah.. Ach für einen ſolchen Blick aus ſeinem Auge hätte Hedwig... Doch ſie wußte kaum mehr, was ſie hätte. Jetzt waren Alle drinnen; und leiſe mit der Hand über den Augen, trat Hedwig vom Fenſter hinweg. „Fremde, mein kleines Fräulein!“ tönte die Stimme des Kapitäns von der Thüre her.„Aber wie iſt es denn mit uns— an Meerrettig gerochen, wie? Da fällt mir gerade eine Anekdote ein, die ich dem Fräulein er⸗ zählen muß. Es war nämlich eine andere junge Dame, die unglücklicherweiſe dieſelbe Meerrettigpaſſion hatte. Sie...“ „O ſchweigen Sie doch nur! Was ſoll denn das heißen, an Meerrettig riechen? Ich habe zu lange in die Sonne geſehen.“ „Ganz derſelbe Kaſus mit akkurat den nämlichen Folgen! Aber ich wette, Fräulein Hedwig weiß nicht, wer die Gäſte ſind?“ „Ich habe ſie bereits geſehen,“ antwortete Hed⸗ wig, die es verſchmähte zu lügen,„und werde gleich kommen.“ Der Kapitän nickte und ſchloß die Thüre. Ein ſo wahres und aufrichtiges Wohlwollen erwies der Ehren⸗ mann wohl keinem andern Menſchen; aber Hedwig hatte mit ihrem herzlichen und ungekünſtelten Weſen ſein altes Herz g Pein ei bemerkt erwarte In zimmer und der General raſchung froher noch ein ſeyn dür Tagen g „Jo fühl nich gutes W einſiedler Nun wenn der führt hät geſtoßen ſo glatte glücklich“ Angedenk⸗ Die legenheit, Minuten in Virgin der Bewe herzukomn faſt nicht mehr artig gerne: ſie ſympathiſi thuende u Küſſen un Das Fi m auf den rechten Fuß ſo richtig wenigſtens agen können, n, wie Iſa⸗ ſtieg. Hed⸗ Iſabelle ſün⸗ var es, als ſchnell ſeine ſeine Schulter Arm losriß, einen ſolchen doch ſie wußte mit der Hand hinweg. te die Stimme vie iſt es denn ſe? Da fällt i Fräulein er⸗ junge Dame, paſſion hatte. ſoll denn das zu lange in den nämlichen g weiß nicht, ntwortete Hed⸗ d werde gleich hüre. Ein ſo ſies der Ehren⸗ r Hedwig hatte eſen ſein altes 161 Herz gewonnen, und deßhalb wollte er jetzt von der Pein einer unerwiederten Liebe retten, denn er hatte längſt bemerkt, daß Hedwigs Gefühl kein beſſeres Schickſal zu erwarten hatte. Inzwiſchen hatte man die Gäſte in die Staats⸗ zimmer geführt, und noch einmal führten der General und der Oberſt ein Komplimenten⸗Wettrennen auf. Der General konnte die„unvergleichlich intereſſante Ueber⸗ raſchung“ nicht genug preiſen. Der Oberſt dagegen war froher als Worte es auszudrücken vermochten,„daß er noch einmal in dem göttlich ſchönen Mörkedal zu Gaſte ſeyn dürfe, wo er ſo manche herrliche Stunde in früheren Tagen genoſſen habe, da...“ „Ja, ich weiß, was des Herrn Bruders feines Ge⸗ fühl nicht ausſprechen will. Die ſelige Charlotte, mein gutes Weib, lebte damals noch. Jetzt ſitze ich hier, ein einſiedleriſcher Wittwer!“ Nun hätte zwar nichts paſſender ſeyn können, als wenn der Oberſt jetzt die junge blühende Tochter ange⸗ führt hätte; aber das wäre doch ein wenig auf den Grund geſtoßen geweſen, denn ungeachtet beide Herren Väter eine ſo glatte Artigkeit zeigten, ſo hatten ſie doch die ſo un⸗ glücklich abgebrochene Freier⸗Ambaſſade noch in friſchem Angedenken. Die Rückkehr des Kapitäns gab eine paſſende Ge⸗ legenheit, von andern Dingen anzufangen, und einige Minuten ſpäter trat Hedwig ein. Sie warf ſich ſo haſtig in Virginiens Arme, daß ihre erglühenden Wangen von der Bewegung beim Wiederſehen der theuren Freundin herzukommen ſchienen. Die Begrüßung der Majorin war faſt nicht weniger warm; aber Iſabellens Handdruck wurde mehr artig als herzlich erwiedert. Iſabelle verzieh das gerne: ſie wußte, daß Hedwig und Virginie mit einander ſympathiſirten. Iſabelle liebte überdieß jene„wichtig⸗ thuende und vertrauliche Mädchenfreundſchaft“ mit ihren Küſſen und Umarmungen durchaus nicht. Das Fideicommiß. II. 11 162 Aber noch hatte Hedwig das Schlimmſte zu erwarten. Richard trat erſt jetzt ein; er war beim Abpacken des Wagens geweſen. Herzlich ging er ſeiner jungen Wirthin entgegen.„Sehen Sie, Fräulein Hedwig, daß ich mehr hielt als ich verſprach?“ ſagte er und faßte mit einer artigen Verbeugung ihre Hand, die er leicht drückte. Mit Ausnahme des unſeligen Rothwerdens lief es jedoch ziemlich glücklich für Hedwig ab. Sie ſey höchſt erfreut, den Lieutenant wieder ganz hergeſtellt zu ſehen, und könne gar nicht ſagen, wie vergnügt ſie darüber ſey, daß er Wort gehalten. Da indeſſen der Abend ſchon weit vorangeſchritten war, und die reiſenden Damen von Muͤdigkeit und der Annehmlichkeit eines guten Bettes zu ſprechen anfingen, ſo beeilte man ſich mit dem Souper, worauf man ſich ſogleich trennte. Richard, deſſen Gedanken oftmals nach der Scene zurückgeſchwebt waren, die er die vergangene Nacht im Pavillon geſchaut hatte, bebte vor dem, was nun erſt folgen würde. Sie hatte ſich den ganzen Tag über an⸗ geſtrengt; und wenn jetzt ihr Zimmer neben denen der Andern lag, ſo konnte ſie nicht einmal eine Klage ihren Lippen entſchlüpfen laſſen. Glücklicherweiſe hatte der Lieutenant einige Kleinig⸗ keiten nach dem Zimmer ſeiner Mutter hinaufzutragen; und er gewahrte dabei mit himmliſcher Freude, daß das für Iſabellen beſtimmte in der Nahe ſeines eige⸗ nen lag. Als Richard von der kurzen Beſprechung mit ſeiner Mutter zurückkehrte, blieb er nach einem flüchtigen Beſuche ſeines eigenen Stubchens vor Iſabellens Thüre ſtehen. „Oeffne einen Augenblick, liebe Iſabelle; ich will Etwas mit Dir ſprechen!“ „Was iſt es, Richard?“ Sie öffnete die Thüre. „Ich will Dir nur das geben!“ Er reichte ihr 4 einen Roſen. ſehr. 5 entſetzli „ gehe, ¹ Sag' e immer ein finf kommſt „C kein Ste vor Ang bewegt, Terraſſe. trauten ſchließen. Schmerz erwarten. dacken des a Wirthin ich mehr mit einer ückte. ns lief es ſey höchſt zu ſehen, ſie darüber ngeſchritten eit und der n anfingen, f man ſich der Scene e Nacht im as nun erſt ag über an⸗ n denen der Klage ihren nige Kleinig⸗ aufzutragen; Freude, daß ſeines eige⸗ nug mit ſeiner m flüchtigen ellens Thüre lle; ich will * ——— 163 einen duſtenden Strauß von Hyazinthen und weißen Roſen.⸗ „Wie ſchön und friſch! Ich liebe die weißen Roſen ſehr. Ich danke, Richard! Und jetzt gute Nacht; ich bin entſetzlich ſchläferig.“ „Gute Nacht, Iſabelle! Sage mir nur noch, ehe ich gehe, ob Du heute Nacht gut ſchlafen zu können hoffſt? Sag' es mir aufrichtig— denn— Du ſchläfſt nicht immer gut.“ „Wie meinſt Du das?“ entgegnete Iſabelle, und ein finſterer Blick traf ihn aus ihrem Auge.„Wie kommſt Du dazu, ſo zu ſprechen?“ „Genug, ich weiß es, aber außer mir, glaube ich, kein Sterblicher. Sey jetzt barmherzig, laß mich nicht vor Angſt vergehen,— wirſt Du heute Nacht ſchlafen 2 „Richard,“ ſprach ſie ruhig, aber mit einer eiſigen Kälte,„ich verſtehe jetzt Alles— Deine Aufregung von heute frühe— Du haſt mich ausſpionirt? „Nein, Iſabelle,“ Richard ſprach in einem Tone, der überzeugen mußte,„ich ſchwöre es bei dem allmäch⸗ tigen Gott, ich habe Dich nie ausſpionirt! Ich kam heute Nacht von Tjällſtorp, ich war aus andern Gründen heftig bewegt, konnte nicht ſchlafen, und ging deßhalb auf die Terraſſe. Gott wollte, daß Dein ſtolzes Herz einen Ver⸗ trauten haben ſollte.“ „Gute Nacht!“ ſagte Iſabelle und wollte die Thüre ſchließen. Auf ihrem Geſichte zeigte ſich weder Zorn noch Schmerz; es war ſtarr. „Nein,“ rief Richard und zog heftig die Thüre zu⸗ rück,„ſo dürfen wir uns nicht trennen! Du kannſt Pp nicht ſo ſehr unähnlich ſeyn: Du mußt einſehen, daß ich vollkommen unſchuldig bin; und Dein Herz, Jſabelle, kann mich ſo brennende Pein erdulden laſſen! Wenn Du das vermöchteſt, ſo waͤreſt Du...“. Beruhige Dich, Richard— wenn Jemand käme! Du ſtellſt mich wahrhaftig auf jede mögliche Art bloß. 11* Sieh', da haſt Du meine Hand darauf, daß ich höchſt ſelten leide, was ich heute Nacht empfand! Geh' jetzt! Ich fühle, daß ich gut ſchlafen werde.“ „Gott ſey Dank!“ ſagte Richard mit einer ſo in⸗ brünſtigen Andacht, daß die Worte in Iſabellens Herz wiederklangen.„Ich wünſche nicht mehr. Und wenn Gebete Qualen lindern können, ſo werden es gewiß die Deinigen!“ Er führte ihre Hand ſchnell über ſeine Stirne und an ſeine Lippen und verſchwand. Nicht unbemerkt, wie er glaubte, verließ Richard Iſabellens Schwelle. Am Ende des Korridors lag Hed⸗ wigs Zimmer. Sie hatte nichts von ihrer Unterhaltung gehört; aber während ſie an den oberſten Pfeiler gelehnt auf der Treppe ſtand— denn ſie hatte eben in ihr Zim⸗ mer hinauf gehen wollen— gewahrte ſie Richard, wie er aus dem Zimmer der Majorin und dann aus ſeinem eigenen herauskam, an Iſabellens Thüre klopfte und ihr die Blumen reichte. Dann ſah ſie nichts mehr, weil er auf der Schwelle ſtand; aber die peinvollen Töne ihres Geflüſters drangen an ihr Herz. Es kam ihr vor, als laſſe ſich dieſer letzte Beſuch nur auf eine Art deuten. Als Hedwig auf ihrem Zimmer angelangt war, ſchrieb ſie unter ſtrömenden Thränen folgende Worte nieder, womit ſie ihr drittes Kapitel ſchloß: „Das arme Laub wird jetzt wohl das ganze lange Leben hindurch im Waſſer ſtehen müſſen— es wird wohl nie mehr aus eigenem Safte wachſen.“ Wenn wir nun einen Beſuch in Iſabellens ſtolzem Herzen machen könnten, was würden wir dort finden? Run, daß jener Stolz geſchlagen, gebunden, entwaffnet da lag. Gegen ihren Willen hatte ſie jetzt einen Ver⸗ trauten, und dieſer Eine war gerade der, den ſie am wenigſten dazu gewählt hätte. Welch' eine doppelte Qual, wenn ſie jetzt in ſeinem Auge angſtvolle Unruhe las, wenn ſeine Lippen ihr von etwas ſprachen, das ſie nie beſprechen hören wollte! Wenn es möglich geweſen würde il heimniß Flamme überzeug angehöre unberüh niemals Gefühl Theilnal Abe ihr nich war es nicht na bellens Leidenſch unermeß Sturme von And nie in muthung Charakter der Welt unglückli der Welt zu berech es fehlte Phantaſie FJet eine Umt empfunder ſtarkes G Kunſt zu liche Kun Tante na aber nich die ſie ei ß ich höchſt Geh' jetzt! ner ſo in⸗ ellens Herz Und wenn gewiß die ſeine Stirne leß Richard es lag Hed⸗ interhaltung eiler gelehnt in ihr Zim⸗ kichard, wie naus ſeinem pfte und ihr der Schwelle ſters drangen h dieſer letzte gelangt war, gende Worte s ganze lange es wird wohl ellens ſtolzem dort finden? n, entwaffnet zt einen Ver⸗ , den ſie am eine doppelte Lſtvolle Unruhe ſprachen, das es möglich 16⁵ geweſen wäre, den warmherzi Jüngl weſen erzigen li haſſe dideſ d, d herzigen Jüngling zu haſſe ehude ihn Iſabelle darum gehaßt zaden, daß angie beinnuf ni hatte. Wohl hatte ſie ſelbſt, un die Flamme, die ſie auflodern geſeher f . o g* 6 ſſi— 1 8 d Tdſen i überzeugen willan⸗ daß ſie nie nen roſchen Bräutt 5 angehören könne; aber der mofliſche Schler geho;z aber ſo lange der myſtiſche Schlei aide. Tolnr; d ang yſtiſche Schleier unerüßttz üder ihrem Leben liegen konnte, hätte ſte auc ue dif ein 3 ndchen davon haben mögen. Ihr feir 3 efühl ſchauderte davor, ihr Leiden d rch die B ic, d Defühl derke da den durch die Blicke, die h 3 hme eines Mannes profanirt zu ſehen 5 Aber dieſer Mann war Richard; 3 tr mül Ciniin, d war Richard; und gab es in lhr uchtee bdas, das für ihn ſprach? Wahrſcheinlich niaeee ſo; es lag jedoch ſo Vieles in ihr, was ſich nicht ach den gewöhnlichen Formen erklären ließ Jſe⸗ ellens großes und reiches Herz war ch ei er eche Leidenſchaft fahig Tihde ſi 3 ,wa eh einer großen eidenſchaft fähig. Wen einmal liebte, mußte e videieheulg 1 4 iebte, mußte es Wiekineh äch ſeyn. Jahr um Jahr war ſie jedoch dem 1 e er Sie f. f. 3 ntgangen. Sie fand einen Gefallen daran, ſich von Andern vergötter. nie Aadern vergättert zu ſehen, ſie ſelbſt aber verfiel watgiing 2 eree Siß hätte vielleicht auf die Ver⸗ Charattär nne.1 en, daß, wenn ein Weib von ihrem der Welt 6 feſſelte, ihre Wahl auf einen in unglücklichärweſe Mann fallen würde, aber Iſabellens vugludl edit zu glühenden Gefühle hatten dieſe in zu berechnend 1 d dnd gebildeten Männer gar zu lau, es fehlte nen llde net deinen mit emem Werk⸗ 3 d Alles eil Keiner ihr Herz zihantaſſ 50 feſſeln verſtand. deiner ihr Herz oder ihre „Jetzt kam eine andere Zeit, wo ihr eine 9 1 3 2 ihr ganzes Weſe ine uun äizan zerlitt. Die Schmerzen, böie⸗ ſie les ſtarkes Gemüth auetiſ en en Namen. Ihr ernſtes und Kunſt zu hof ünſchte da zu wiſſen, was ſie von der liche Kunſt hier hatte und ſie erfuhr, daß alle menſch⸗ Tante nach Kopenh den ich ſey. Iſabelle reiste mit ihrer aber nicht Heizung. derſelbe Beſcheid: Linderung, die ſie einſe ag. Jetzt ſtanden ihr zwei Wege offen ſie einſchlagen konnte: der erſte ege off 1 e: der erſte und gewöhnlichſte, 166 war, daß ſie das Herz ihrer Eltern mit Kummer und Sorgen, ihr Zimmer mit Arzneiflaſchen und das Ohr theilnehmender Freunde mit Klagen erfüllte; daß ſie zwei, vielleicht drei Jahre lang wie auf dem Paradebett des Todes dalag; daß ſie alles Leben, alle Jugendfreude ver⸗ ſchwinden, dagegen aber ſtets beobachtende Aerzte und Berwandte um ſich ſah; daß ſie immerwährend eifrigſt fragen hörte:„Wie geht es Dir heute, wie haſt Du heute Nacht geſchlaſen?“ Nein, das Alles war Iſabellen widrig. Was geſchehen mußte, das mußte geſchehen. Sie beugte ſich demüthig vor dem hohen Willen, der ihr Urtheil ausgeſprochen hatte; aber über die Jahre, die noch ihr gehörten, wollte ſie ſelbſt verfügen. In weich⸗ lichen Klagen, in kränkliches Winſeln, in ein verblichenes Leben ohne Saft und Roſen zu verſinken— das war nicht ihre Sache. Sie erhob ihr ſtolzes Haupt und wählte den andern Weg, den, der Muth, Entſagung, Kraft und Entſchloſſenheit predigte. Sie wußte ſchon jetzt, was der Geiſt über den Körper vermochte; und nachdem ſie der innig guten und gefälligen Kammer⸗ räthin ein heiliges Verſprechen der Verſchwiegenheit ab⸗ genommen hatte, ward auch ſelten zwiſchen ihnen von dem traurigen Geheimniſſe geſprochen. Iſabelle wußte zwar, daß eine Zeit kommen würde, wo ſie es nicht mehr zu verſchleiern vermöchte; dann aber wollte ſie allein mit ihrem Gott ſeyn. So ſtand es mit der Tochter, als ſie nach einer mehrjährigen Abweſenheit in das väterliche Haus zurück⸗ kehrte. Richards lebendiges Weſen und ſein heiterer, artiger Ton gefielen anfänglich Iſabellen. Es war nichts Abgenütztes, Geſuchtes und Uebertriebenes in ſeiner Ar⸗ tigkeit. Es erinnerte ſie nicht an das nichtsſagende Ge⸗ ſchwätze, dem ſie oft ihr Ohr hatte leihen müſſen. Nein, dieſe Artigkeit, obſchon fein, hatte etwas Warmes; und der klare, treue Blick ſeines dunklen Auges, die Redlich⸗ keit auf ſeiner offenen Stirne, das friſche Lächeln der 4 Lippen, edlen S At ſeyn ge ſicht, ſe gab un gehen, Vr auch du ausgeze und eir die zwa Mann lichen i — von Couſine einem t die zwar ihre Zei kennen! litt, ja die Mö hinter j keit, die gültigkei Vo geſteiger ſeines H ſah, wie Leidenſch lieren, rätheriſch gewaltſa Tropfen An auf dem von ſeli mmer und das Ohr aß ſie zwei, adebett des pfreude ver⸗ Aerzte und rend eifrigſt ie haſt Du ar Iſabellen e geſchehen. len, der ihr Jahre, die In weich⸗ verblichenes — das war Haupt und Entſagung, wußte ſchon mochte; und en Kammer⸗ iegenheit ab⸗ ihnen von le wußte ht mehr ſie allein mit ſjie nach einer Haus zurück⸗ ſein heiterer, Fs war nichts in ſeiner Ar⸗ tsſagende Ge⸗ müſſen. Nein, Warmes; und die Redlich⸗ e Lächeln der ——— 167 Lippen, Alles zeugte von der Harmonie einer freien und edlen Seele. Auch konnte Iſabellens Schönheitsſinn nicht blind ſeyn gegen ſein edel geformtes und ausdrucksvolles Ge⸗ ſicht, ſeine jugendlich ſchöne Geſtalt, die ſich mit Anmuth gab und nie etwas Schwerfälliges zeigte, er mochte nun gehen, ſtehen oder ſitzen. Von dieſer Seite nun, als ein Mann, der, wenn auch durch keine hervorſtechende Eige achafdm Geiſtes ausgezeichnet, aber begabt war mit einem a Kopfe und einer Feſtigkeit und Beſtimmthei des Charakters, die zwar en genialen Romanhelden, aber doch einen Mann bewähren, in dem der Staat dereinſt eine lichen und thätigen Mitbürger zu be egrüßen hoffen darf — von dieſer Seite gefiel Richard ſeiner ſchönen, ſtolzen Couſine ſehr. Allein zwiſchen dem erſten Gefallen un einem tieferen Gefühle iſt noch eine große Kluſt, über die zwar Mancher ſehr leicht hinwegſetzt, Andere dagegen ihre Zeit brauchen. Iſabelle wollte jetzt die Liebe nicht kennen lernen, denn ſie würde die Qualen, die ſie ſchon litt, ja nur vervielfacht haben; und darum alſo, vielleicht die Möglichkeit der Gefahr ahnend, verſchanzte ſie ſich hinter jene offne Freundſchaft, jene offene Vertraulic keit, die ſchwerer zu überſteigen iſt, als Kälte und Gleich⸗ gültigkeit. Von Monat zu Monat verfolgte ſie jedoch mit geſteigerter Aufmerkſamkeit das ſich entwickelnde Leben ſeines Herzens; und es war ihr ein ſüßer Troſt, daß ſie ſah, wie er Stärke genug beſaß, um jeden Ausbruch der Leidenſchaft zu unterdrücken, um das Glück nicht zu ver⸗ lieren, das er genoß. Dirſes Leben war jedoch ein ver⸗ rätheriſches Leben. Sie ſelbſt gluͤhte ſchon von der ganzen gewaltſamen Macht einer iwiſchen d Liebe, als ſie erſt einen Tropfen davon eingeſchlürft zu haben vermeinte. An ihrem Namenstag, in der Minute, wo Richard auf dem Schemel zu ihren Füßen ſaß, als ſein Auge von ſeligem Entzücken ſtrahlend in das ihrige aufſchaute, — 168 als er ihren Arm um ſeinen Hals und ſeinen Kopf in ihren Schooß legte, da brach der Schleier der Verblen⸗ dung entzwei. Iſabelle weinte zum erſten Male dar⸗ über, daß ſie ſterben, aus dem irdiſchen Himmel hinweg⸗ ſterben mußte! Alle dieſe gewaltſamen Aufregungen verſchlimmerten ihre körperlichen Leiden. Daher die ſchwere Nacht in dem Pavillon. Aber nicht nur der Körper war es, der kämpfte; der Geiſt auch rüſtete ſich zum Streite— wir werden ſehen, ob er ſähig war, ihn auszukämpfen. Iſa⸗ belle hatte den feſten Entſchluß gefaßt, Richard niemals das Geheimniß ihres Herzens anzuvertrauen, und dieß nicht nur um ihrer⸗, ſondern noch mehr um ſeinetwillen; denn ſie war feſt überzeugt, wenn er von ihr nicht mehr als jene innige Freundſchaft erhielte, die er beinahe immer beſeſſen hatte, ſo würde ſein Herz auch dann nicht verbluten, wenn es einſam bliebe. Wenn dagegen ihre Seelen ſich gefunden hätten— zwei Flammen in Eine zuſammenſtürzend— wie dann ſterben können, hinwegſterben aus dem Frühling ihrer Liebe? Das wäre ein Kampf des Wahnſinns geworden, Tod und Liebe! Mit bebendem Schauer fühlte ſie, daß, wenn ſie dem übermächtigen Gefühle nachgäbe, wenn ſie ihr Herz öffnete, ſie im Stande wäre, mehr als das ſeinige dagegen zu fordern. Sie hätte dann— wenig⸗ ſtens in einem jener Momente, wo Himmel und Hölle an einem Haare zuſammenhingen— ſie hätte wünſchen können, daß er ihr folgte. Nein, ſo durften ſie einander nicht begegnen, denn ſie wären dann unter der mäͤchtigen Lavine zu Grunde gegangen. Gleichwohl wünſchte ſie noch einige Lebensfreuden zu koſten. Ihrer eigenen Stärke gewiß, wollte ſie in dem gegenwärtigen ſchönen Verhältniſſe fortleben; wenn dieſes ihm aber nicht genügte, dann mußten ſie ſich ſchon trennen, ehe ihr ſinkender Stern ſie trennte. Richard kannte jetzt ihr Eines Geheimniß! dadurch bekam ihr In dieſer widmete, Seele ne und ihr ſchon alle geordnet Am zimmer e ihr Zimn überraſcht ſten, ſehr ganten un dieſe ſich und Füße in Beſchla ler, ſah eine Sopl modern ge ſchönen F deren vol Eiderdune Um den ren der ſe der Oberſt Werthe ha Der Komplime Wünſchen einem Läch — ſie wol tungen un Kopf in Verblen⸗ Nale dar⸗ el hinweg⸗ zlimmerten Nacht in ar es, der ite— wir fen. Iſa⸗ rd niemals und dieß inetwillen; nicht mehr er beinahe dann nicht hätten— wie dann hling ihrer s geworden, e ſie, daß, , wenn ſie hr als das — wenig⸗ und Hölle ſte wünſchen gnen, denn zu Grunde ebensfreuden ſe ſie in dem wenn dieſes ſich ſchon niß! dadurch 169 bekam ihr Verhältniß einen noch gefährlicheren Charakter. In dieſer Nacht aber, die Iſabelle ernſten Betrachtungen widmete, wurde das, was wir oben anführten, ihrer Seele noch klarer; und als der Morgenſtrahl graute, und ihr müdes Haupt zur Ruhe niederſank, hatte ſie ſchon alle Fäden, die einander durchkreuzen wollten, wieder geordnet und zurecht gelegt. Zwölftes Kapitel. Am folgenden Mittag, als Iſabelle in das Wohn⸗ zimmer eintrat— ſie hatte den Vormittag über weder ihr Zimmer verlaſſen, noch Jemand angenommen— überraſchte ſie ihre Umgebung, beſonders aber den Ober⸗ ſten, ſehr angenehm dadurch, daß ſie ſich in einer ele⸗ ganten und ſorgfältigen Toilette zeigte, das heißt, daß dieſe ſich nicht nur wie gewöhnlich auf Kopf, Hände und Füße erſtreckte: ſie nahm heute ihre ganze Perſon in Beſchlagz und zur nicht geringen Verwunderung Al⸗ ler, ſah man ſie gleich beim Eintritt den Shawl in eine Sophaecke werfen. Ihr ſchwarzſeidenes Kleid war modern genug zugeſchnitten, um einen Begriff von der ſchönen Form ihrer blendend weißen Schultern zu geben, deren volles Rund ſich trotz der leichten Florhülle wie Eiderdunen in einem geſchloſſenen Raume herauswölbte. Um den Hals trug ſie ein Kollier von den dunklen Haa⸗ ren der ſeligen Tante Katharine Sophie, das jedoch, wie der Oberſt bemerkte, Gottlob! ein Schloß von großem Werthe hatte.. Der Oberſt flüſterte ſeiner Tochter ſogleich ein Kompliment ins Ohr. Er war entzückt, daß ſie ſeinen Wünſchen ſo entgegenkam. Iſabelle antwortete nur mit einem Lächeln; ihre Toilette hatte einen ſchöneren Zweck — ſie wollte durch dieſe Aufopferung Richards Befürch⸗ tungen um ihre Geſundheit beruhigen. 170 „Ei, ſieh! ſie iſt doch ein wenig ſchön oder nicht!“ ſagte Virginie ganz leiſe zu Hedwig. „O gewiß! Aber woher hat ſie nur die Röthe? Ich möchte wahrhaftig zweifeln... „Nimm Dich in Acht,“ erwiederte Virginie und kneipte Hedwig lächelnd in Arm;„wage Dich nur mit einem einzigen Zweifel heraus! Siehſt Du, ſie verſchwand ja gleich; ſte ging nur wie eine Wolke über ihr Geſicht. Ach, wenn Du oder ich ſo grüßen könnten! Iſabelle ver⸗ neigt ſich nie wie wir. Möchteſt Du nicht auch auf die Art grüßen können?“ „Nein, das möchte ich nicht; denn liegt nicht eben ſo viel Stolz als Gefühl der Ueberlegenheit in der Art, wie ſie ſich nimmt?“ „Sie hat ein Recht, Beides zu ſeyn, aber ſie iſt doch weder das Eine noch das Andere!“ ſagte Virginie ein wenig ärgerlich über einen Tadel, den ſie Hedwig nicht recht verzeihen konnte. Sie begriff nicht das Ge⸗ ringſte von dem Bittern was Hedwig empfand, und eben ſo wenig ahnte dieſe ſelbſt, welches Gefühl ihr dieſes un⸗ günſtige Urtheil über eine Perſon diltirt hatte, die ſie gewiß unter andern Verhältniſſen bei ihrem niemals miß⸗ günſtigen Gemüthe in demſelben Lichte wie Virginie be⸗ trachtet haben würde. Der General ſtellte nun Jſabellen einige fremde Herren vor, worunter der uns ſchon von früher bekannte Kammerherr von Brude, eine nicht unanſehnliche Per⸗ ſon, denn er maß ſeine gute drei Ellen in der Länge, wogegen er um den Leib kaum eine Elle ſtark war. In der aͤußerſten Sophaecke flüſterten dann der General und der Oberſt über ſein Gewicht, und das beſtand aus Tonnen Goldes. „Es iſt eine wahre Celebrität!“ erklärte der Ge⸗ neral weiter. Er hat mehrere große Sachen heraus⸗ gegeben.“ „Wiſſenſchaftliches?“ „Verſteht ſich! Es iſt eine ausgemachte Sache, daß 4 4 er hoch ſ geſchriebe Stuhle ir Der als er d ſah, läche wiß ſey. „Iſt Herrn Be „Nie bringt, o von hier ſinnig in Blick auf „So Lächeln. merkte ree Niemand die alten „Ach fenheit, gezeigt ho Mar Der Richard, Wort mit genoß, e erröthend legte, der nicht fühl ie nälen dal bildeten, fließende ſcheinen w Dingen d keit, alle der nicht!“ die Röthe? irginie und ch nur mit verſchwand ihr Geſicht. Iſabelle ver⸗ luch auf die gt nicht eben in der Art, aber ſie iſt nd, und eben hhr dieſes un atte, die ſi niemals mif Virginie be⸗ 2 inige fremde ſlüher bekannte ſehnliche Per⸗ ſin der Länge, ark war. In General und beſtand aus ſirte der Ge⸗ nchen heraus⸗ Sache, daß 171 er hoch ſteigen wird! Er iſt bei der Regierung gut an⸗ geſchrieben, und ich ſehe ihn im Geiſte ſchon auf einem Stuhle im Staatsrath.“ Der Oberſt warf einen Blick über das Zimmer; und als er den langen Kammerherrn an Iſabellens Seite ſah, lächelte er auf eine Art, die ſagte, daß er deſſen ge⸗ wiß ſey. „Iſt der hoffnungsvolle junge Mann der Gaſt des Herrn Bruders?“ „Nicht ſo ganz, obſchon er ſeine Zeit mehr hier zu⸗ bringt, als bei den Eltern, die eine kleine Meile weit von hier wohnen! Aber der Herr Bruder iſt ja ſcharf⸗ ſinnig in dergleichen Dingen!“ Der General warf einen Blick auf ſeine Tochter. „So, ſo!“ ſagte der Oberſt mit einem angenehn Lächeln.„Schon im Reinen vielleicht?“ Der Oberſt merkte recht gut, daß noch nichts im Reinen war; aber Niemand konnte mehr als er für neue Pläne eifern, wenn die alten geſtrandet waren. „Ach nein!“ erwiederte der General mit mehr Of⸗ fenheit, als der Oberſt bei einer ähnlichen Gelegenhei gezeigt haben würde.„Das Mädchen iſt ein Kind!“ Man ſagte das Mittageſſen an. Der Kammerherr führte Iſabellen zu Tiſche; und Richard, der noch keine Gelegenheit geſunden hatte, ein Wort mit ihr zu ſprechen, aber deſto mehr ihren Anblick genoß, eilte, Hedwig ſeinen Arm anzubieten, die tief erröthend, die äußerſten Fingerſpitzen auf ſeinen Rock legte, denn gewiß war es, daß er dieſe auf dem Arme nicht fühlte. Die Unterhaltung über Tiſche floß frei in den Ka⸗ nälen dahin, welche die allgemeinen Tagesneuigkeiten bildeten, und Herr von Brude entwickelte dabei eine ſo fließende Gabe ſich über Alles auszuſprechen, daß es ſcheinen wollte, als beſitze er in all dieſen verſchiedenen Dingen die vollkommenſte Sachkenntniß. Jene Leichtig⸗ keit, alle möglichen Gegenſtände oberflächlich zu berüh⸗ — ren, iſt es, was leider oft dem mittelmäßigen Talente ein ſo bedeutendes Uebergewicht über das wahre und un⸗ erkannte verſchafft; der Schein berückt oft ſo ſehr, daß er ſogar den Scharfſinn augenblicklich zu täuſchen weiß. Es iſt daher nicht zu verwundern, daß der General und der Oberſt den wichtigen Mann als ein Licht anſahen, das beſtimmt ſey, in hohem Maße über das Land hin zu ſcheinen. Richard und Iſabelle tauſchten indeſſen einen Blick aus, der bewies, daß ſie Herrn von Brude's Verdienſte nach einem ganz andern Gewichte ſchätzten. Um Iſa⸗ bellens Lippen ſpielte ſogar ein etwas ſarkaſtiſcher Zug, als der Kammerherr ein paar Male an ihr Urtheil über gewiſſe Gegenſtände appellirte, die er als neue anführte. Sie wie Richard, denn beide beſaßen einen feinen und ſcharfen Blick, entdeckten bald, daß Herr von Brude ſich ſehr oft mit geſtohlenen Gütern behalf, die ſie unglück⸗ licherweiſe wieder erkannte. Bald war es eine abgeriſſene Phraſe aus einer Theaterrezenſion, bald ein ganzer Satz aus dem Regierungsblatt, oder ein halber, den er der liberalen Preſſe geſtohlen hatte, was Alles, in andere Hände übergetragen, eine gute Wirkung machte; bald war es ein neuerer, bald ein älterer Schriftſteller, der die Materialien herbeiſchleppen mußte— kurz die ganze Zuſammenſetzung, obſchon ſie tadellos geſchehen war, bot eine ſolche Moſaik dar, daß der, welcher ſie verſtand, nicht anders als lächeln konnte. Bei einer Gelegenheit ging es jedoch etwas zu weit mit dieſer Uebertragung von der einen Hand in die anderez und Iſabelle konnte ſich dabei nicht enthalten, zu bemerken, daß wirklich eine tiefe und dennoch klare Wahrheit in den Worten liege, die der Herr Kammerherr angeführt habe. „Ich bin höchlich geſchmeichelt, meine Gnädigſte!“ erwiederte Herr von Brude mit einer gar ſchamhaften Miene. Bosheit.„Ich ſollte doch eher meinen, daß die Perſon, „Wie ſo?“ fragte Iſabelle mit der liebenswürdigſten die der H Grund hä Der eine Pauſ Namen n gnädige F „O ſetze ich ei zubleiben.“ Der aus, wo nicht geſtü ihm Iſabe als Tiſchg nicht mehr „Iſal des Tiſches ſeine Lippe Der. wie einen Lieutenant zu ziehen gewendet! Ausweichen ſchon hall Fräulein ſ Unrecht, w die auf d liches liege Im L zu bemerken daß der Li⸗ Couſine jer wenn ſie a näheren Ve gewahrte z gewöhnliche en Talente re und un⸗ ſehr, daß ſchen weiß. heneral und ht anſahen, and hin zu einen Blick 3 Verdienſte Um Iſa⸗ ſtiſcher Zug, Urtheil über ue anführte. feinen und Brude ſich ſie unglück⸗ ee abgeriſſene ganzer Satz den er der , in andere nachte; bald tſteller, der arz die ganze een war, bot rſtand, nicht was zu weit n die andere; zu bemerken, hhrheit in den geführt habe. Gnädigſte!“ ſchamhaften ſenswürdigſten ß die Perſon, 173 die der Herr Kammerherr ſo glücklich und geſchickt citirte, Grund hätte, geſchmeichelt zu ſeyn.“ Der Kammerherr wurde roth, entgegnete jedoch, ohne eine Pauſe entſtehen zu laſſen:„Ich fühle mich ſtets im Namen meiner Lieblingsſchriftſteller geſchmeichelt. Das gnädige Fräulein muß ſehr beleſen ſeyn?“ „O nicht ſo ſehr; aber wie der Herr Kammerherr ſetze ich eine Ehre darein, nicht hinter meiner Zeit zurück⸗ zubleiben.“ Der Kammerherr ließ ſich jetzt über Gegenſtände aus, wo er ſicher war, von ſeiner ſchlauen Nachbarin nicht geſtört zu werden. Im erſten Augenblicke ſchien ihm Iſabelle ein äußerſt entzückendes Weib zu ſeyn; aber als Tiſchgeſellſchaft, Seite an Seite, wollte er ſich doch nicht mehr um ſie bemühen. „Iſabelle,“ ſagte Richard, der an der andern Seite des Tiſches ſaß,„erlaubſt Du?“ er führte das Glas an ſeine Lippen. Der Kammerherr ſah ſchnell empor und fühlte etwas wie einen eiferſüchtigen Aerger darüber, daß der junge Lieutenant, deſſen Aufmerkſamkeit er vergebens auf ſich zu ziehen geſucht, ja an den er ſich mehrmals ſpeziell gewendet hatte, ohne etwas Anderes, als ein höfliches Ausweichen bekommen zu haben, daß der, auf den er ſchon halb böſe war, ſo vertraulich mit dem ſtolzen Fräulein ſprechen ſollte; und wirklich hatte er nicht ſo Unrecht, wenn er glaubte, daß in ſeinem Blick und Tone, die auf dieſelbe Art erwiedert wurden, etwas Vertrau⸗ liches liege. Im Laufe des Nachmittags glaubte der Kammerherr zu bemerken, was wohl auch den Andern nicht entging, daß der Lieutenant in ſein ganzes Benehmen gegen die Couſine jene feine und beredte Aufmerkſamkeit legte, die, wenn ſie angenommen wird, als das Kennzeichen eines näheren Verhältniſſes zu gelten pflegt. Sogar der Oberſt gewahrte zum erſten Mal, daß da etwas weit über die gewöhnliche Artigkeit Gehendes im Spiele ſey; und ob⸗ 174 ſchon Richard ſein erklärter Günſtling war, ſo gewährte dieſem ſeine Produktion doch keinen Schutz gegen das Mißvergnügen, das er darüber empfand, daß ſich Iſabelle, während Herr v. Brude eifrigſt bemüht war, ſie in ein Geſpräch über die Poeſie zu verwickeln, oft und viel mit unbedeutenden Aufträgen an Richard wandte; bald war es der Nähkorb, bald ein am Fenſter vergeſſenes Muſter — kurz, Iſabelle ſchien wenigſtens ebenſo angelegentlich als Richard ſelbſt den Schein ſo klar als möglich zu machen. „Verlobte, wahrſcheinlich?“ bemerkte der Kammer⸗ herr leiſe zu Hedwig, die noch weniger als Iſabelle geneigt ſchien, ſich in eine lange Konverſation einzulaſſen und ganz kurz antwortete:„Man ſollte es vermuthen!“ bei welchen Worten ſie ſich ohne Komplimente entfernte. Der Kammerherr v. Brude, nicht gewöhnt, ſo über⸗ ſehen zu werden und beſonders ärgerlich über Hedwigs Kälte, ließ es ſich jetzt angelegen ſeyn, zu zeigen, daß er auch ohne ihre Gunſt ſeyn könne. Er hatte eine Ver⸗ bindung mit dem Hauſe des Generals v. D— für ſehr wünſchenswerth angeſehen, aber er war zu ſehr von ſeinem eigenen Werthe überzeugt, um ſich einem Weibe aufdringen zu wollen. Noch hatte er keinen entſcheiden⸗ den Schritt gethan; er konnte zurücktreten, ohne ſich zu komprommittiren, und bei dem Benehmen des Fräuleins, während der zwei letzten Tage, beſonders während dieſes, war es ſein feſter Entſchluß, es zu thun. Jetzt, wie immer, ward Hedwig in allen Theilen von Iſabellen überſtrahlt, und der Kammerherr fand es ſogar lächerlich, daß er beinahe volle vier Wochen an ein ſo kleines, eigenſinniges Weſen verloren hatte. Iſa⸗ bellens vermuthete Verlobung hemmte indeſſen für den Anfang die offenbar große Anziehungskraft in dieſer Richtung; um übrigens einſtweilen nicht unthätig zu ſeyn, konnte man ſich bei Nro. 3. verſuchen, und Nro. 3. war wahrhaftig nicht ohne ſeine kleinen Reize. Nro. 3. beſaß eine leichte und heitere Unterhaltung ohne Herbe, ein freundl nehmes Ait galante Ku Fragen ma Gelegenheit rung derſel alſo überha der Damen am erſten zeugt, daß, Hedwig ſche geſunden V an Fräulein Da de war, ſo ſ Park vor. rere Gruppe ſtört mit If vor dem un aus nichts, „Iſabel „Du warſt geſchah meh vollkommen ſtrafteſt?“ Ein S bewieſen, d gefolgt war. thun und th deckung haſt „Wie, „Daß i wie früher. Bewegungen verratheſt.“ „Du ſo ſetzte Richard » gewährte gegen das h Iſabelle, ſie in ein nd viel mit bald war nes Muſter gelegentlich möglich zu r Kammer⸗ belle geneigt zulaſſen und uthen!“ bei tfernte. nt, ſo über⸗ der Hedwigs gen, daß er e eine Ver⸗ für ſehr u ſehr von inem Weibe entſcheiden⸗ ohne ſich zu b Fräuleins, hrend dieſes, llen Theilen herr fand es Wochen an hatte. Iſa⸗ ſſen für den ſt in dieſer unthätig zu und Nro. 3. e. Nro. 3. ohne Herbe, 175 ein freundliches und fröhliches Weſen, ein kleines vor⸗ nehmes Air, und, was das Beſte war, nicht allein die galante Kunſt, mit Geſchmack zuzuhören, ſie konnte auch Fragen machen, die dem Kammerherrn die glücklichſten Gelegenheiten gaben, ſeine Vielſeitigkeit in der Erwiede⸗ rung derſelben zu beurkunden. Dieſe Bekanntſchaft war alſo überhaupt eine der intereſſanteſten, deren er ſich aus der Damenwelt erinnern konnte, und ehe man ſich noch am erſten Tage trennte, war Herr v. Brude ſchon über⸗ zeugt, daß, obſchon Fräulein v. J.— und ſogar Fräulein Hedwig ſchöner ſeyen, doch keine von ihnen den reinen, geſunden Verſtand und die weibliche Güte hätten, die er an Fräulein Virginie fand. Da der Abend ungewöhnlich ſchön und die Luft friſch war, ſo ſchlug der General einen Spaziergang in den Park vor. Die Geſellſchaft zerſtreute ſich hiebei in meh⸗ rere Gruppen und ſo bekam Richard Gelegenheit, unge⸗ ſtört mit Iſabellen zu ſprechen. Die Worte, die ſchon vor dem unter ihnen gewechſelt wurden, enthielten durch⸗ aus nichts, obſchon es Andern ſo erſcheinen konnte. „Iſabelle,“ ſprach er in leiſem und feurigem Tone, „Du warſt heute ſehr gnädig, aber ich fürchte, dieß geſchah mehr deinetwegen, als mir zu liebe. Haſt Du vollkommen verziehen, was Du geſtern Abend ſo hart be⸗ ſtrafteſt?“ Ein Seufzer und gleich der erſte Ton ihrer Stimme bewieſen, daß der Ernſt der leichten Geſellſchaftsſprache gefolgt war.„Dir verzeihen,“ ſagte ſie,„das kann ich thun und thue es auch; aber Richard, mit dieſer Ent⸗ deckung haſt Du Dir ſelbſt Schaden zugefügt.“ „Wie, was meinſt Du damit?“ „Daß ich Dir künftig nicht mehr ſo vertrauen kann, wie früher. Ich vermuthe Deinen Blick bei jeder meiner Bewegungen auf Kundſchaft, und fürchte, daß Du mich verratheſt.“ „Du ſollſt von dieſer Furcht befreit werden,“ ver⸗ ſetzte Richard gekränkt; ich verlaſſe Tyringsholm.“ — 176 „Wirklich und warum?“ „Um Dich zu überzeugen, daß mir kein Opfer zu ſchwer iſt, wenn es Dir Befriedigung gewähren kann.“ „Und Du glaubſt, dieß würde mich befriedigen?“ „Gewiß, Du wäreſt ja dann ſicher, daß mein Auge Dich nicht ausſpionirte! Ach, Iſabelle, lieber will ich getrennt von Dir leben, als bei Dir und ohne Dein Vertrauen! Habe ich ſo harte Worte von Dir verdient — kannſt Du an mir zweifeln?“ „Ich will es nicht thun, Richard, wenn Du mir Dein Ehrenwort gibſt, daß Du nichts zu erforſchen ſuchſt, was dieſe traurige Sache betrifft!“ „Das kann ich nicht!“ „Richard?“ „Nein, Iſabelle, ich verpfände mein Ehrenwort nie für etwas, das ich unmöglich zum Voraus beſtimmen kann. Aber es ſchmerzt mich, daß zwiſchen uns davon die Rede ſeyn kann. Brauchſt denn Du, die Du mit einem Blick Alles über mich vermagſt, einen Bürgen füͤr mein Zartgefühl?“ „Ich glaube, daß ich hierin Unrecht hatte, Richard; aber verſprich mir wenigſtens, mich nicht mit Fragen zu quälen!“— „Wenn Du das verlangſt,“ ſagte er, ſo will ich es geloben. Aber denke erſt ein wenig darüber nach, Iſa⸗ belle, ehe Du von mir forderſt, daß ich ſolche Qualen erdulden ſoll, nur damit Dein Stolz einen eitlen Triumph genieße! Ich weiß nicht, ob ich Dir werth bin; aber wenn es ſo wäre, und Du wüßteſt mich von körperlichen Leiden verzehrt, könnteſt Du Dich dann mit dem Gedanken verſöhnen, nicht die geringſte Notiz von ihrem Vor⸗ oder Rückſchritt zu nehmen?“ „Wenn Du es wünſchteſt, wenn Du es verlangteſt, wollte ich mich lieber damit verſöhnen, als Dir entgegen zu handeln. Ich wurde glauben, meine Unruhe könnte Dir vielleicht jene Reizbarkeit zuziehen, die alle Qualen erhöht.“ 3 „Nu Ich bin g jetzt von nur wüßte „Ser anvertraue Kopenhag⸗ gethan we ganz daſſt ſchickt, od Ich will hagen mas noch über „Neit ſo ſegne ie gewälzt ha mehr an? „Dan Du Tyrin „Doch bei den En um ſeine will ich n begegnen z dürfen.“ Es n Morgenſtun ſo viel Le das Wort, rufen werde Tyringshol Richar wünſcheſt, zwei Meile Du, daß i Die F Das Fideie in Opfer zu ren kann.“ jedigen?“ z mein Auge eber will ich Hohne Dein Dir verdient denn Du mir orſchen ſuchſt, ehrenwort nie us beſtimmen en uns davon die Du mit n Bürgen für tte, Richard; nit Fragen zu ſo will ich es c nach, Iſa⸗ ſolche Qualen itlen Triumph eth bin; aber pn körperlichen dem Gedanken ſem Vor⸗ oder es verlangteſt, Dir entgegen Uinruhe köͤnnte e alle Qualen 177 Nun wohl, J ſo will ich d Ic e vohl, Iſabelle, ſo will ich es denn verſuchen! Ich bin gewiß, daß Du die Größe des fers, das Du 34 3 u 2J mde des L das Du jetzt von mir begehrſt, nicht ermeſſen kannſt Wenn ich nur wüßte, ob Du Pflege bekämeſt, die Du bedarfſt!“ 9 „Sey deßhalb unbeſorgt, Richard; ich will Dir anvertrauen, daß ich mit einem der geſch ſten Aerzte Kopenhagens in Briefwechſel ſtehe. Das Wenige 3 mas ens in ſtehe. Das Wenig 6 gethan werden kann, kenne ich und thue ich, und es iſt ganz daſſelbe, ob mir der Doktor ſeine Verorduun en ſch kt, oder ob er jeden Tag bei mir aus⸗ und ein) Ich will überdieß dieſen Herbſt ei iſe Fade⸗ e ieß dieſen Herbſt eine Reiſe nach Kopen⸗ hagen machen. Biſt Du jetzt zufrieden, und klagſt Du noch über Mangel an Vertrauen?“ Bi Nei Iſabelle! Wie viel: f 27 rür, ſäbellh Wie viel ich auch wiſſen möchte o ſegne ich Dich doch, daß Du mir die Laſt vom Herzen gewälzt haſt. Ich werde d r ſ dene Feige 3. Ich werde dankbar ſeyn, und keine Fra mehr an Dich ſtellen.“ 3ens D iſt t „Dann iſt Alles gut, Richard— und jetz Du Tyringsholmm nicht verlaſſen?“ 4 le„Doch, ich muß. Während des Monats, wo Papa bei den Ererzitien iſt, laſſe ich mich in Tjällſtorp niedir, aui ſehne Abweſenheit vom Gute zu erſetzen Ueberdieß d ich mir den Schmerz erſparen, Dir jeden Mor 4 begegnen zu müſſen, ohne daß Auge oder Lipper ſorahen bedegntn ge od ippen ſprechen Es war ein düſtrer 6 ke für Iſab Marſeef ar ein düſtrer Gedanke für Iſabellen, dieſe 5 rgenftanben ohne ihn zubringen zu ſollen der ihn n o viel Leben und Annehmlichkeit 4 at. ie 9 nlichkeit gegeben hatte; das Wort, einmal geſe dor in meſh aäaber 6 W geſagt, konnte nicht mehr zurückge rufen werden.„Du kommſt er d wdrn Serngch rufen. mſt aber doch je T Vſen gsom?, ſ doch jeden Tag, nach Richards Herz po fti W pochte We 3 wünſcheſt ſagasl hte jetzt heftig.„Wenn Du es wünſcheſt, Iſabelle! Wegen des Onkels reite ich keine zwei Meilen im Tage, Dir zu Liebe gerne zehn 2 Willſt A kitet im ge zu Lie ehn. W Du, daß ich jeden Tag kommen ſoll?“ 3 ün Die Er 3 1 6G 14 1 3 2 die Frage war kitzlich und enthielt gar Vieles. Das Fideieommiß. II. 12 willſt 178 „Ich hoffe,“ ſprach Iſabelle nach einer kleinen Pauſe, „Du wirſt mich recht verſtehen, wenn ich Dir offen antworte, daß die Tage, wo Du nicht kommſt, wahre Faſttage in der Gedeihlichkeit meines Lebens ſeyn werden.“ „Alſo ein Zubehör zu Deinem täglichen Komfort?“ verſetzte Richard, deſſen ſtolze Bruſt ſich unter den unbe⸗ haglichen Gefühlen, welche dieſe förmliche, allzuſehr freundſchaftsmäßige Antwort hervorgerufen hatte, wech⸗ ſelweiſe hob und wieder ſenkte.„Dein Schemel, Dein Shawl, Deine Cauſeuſe, Deine Blumen, alles das ſind Dinge, die die Beſtandtheile Deiner Gedeihlichkeit ausmachen — und Du ſchenkſt mir ein beinahe gar zu beneidenswerthes Loos, wenn Du mir erlaubſt, der Nebenbuhler derſelben zu ſeyn.“ „Ich glaubte, Du ſetzteſt einen Werth auf das, was nun einmal ſo iſt,“ ſagte Iſabelle mit einer Ruhe, die Richards verletzte Gefühle nur noch mehr aufregte; „und was mehr iſt, ich glaubte, Du würdeſt dieß ſtets thun.“ „Du haſt mich in dieſem Falle ſehr unrichtig beur⸗ theilt, Iſabelle! Obſchon es für Manchen von Deinen Anbetern vielleicht die höchſte Glückſeligkeit wäre, dieſe Art Günſtlingsplatz einzunehmen, ſo muß ich Dir doch ſagen, daß er für meine Wünſche nicht genug iſt.“ „Ich weiß nicht, Richard,“ fiel Iſabelle ein, und ihre leicht gerunzelten Augenbraunen bewieſen einen ziem⸗ lichen Grad Unwillen,„wie weit man im Allgemeinen die vetterliche Freiheit der Aeußerung berechnet; aber das weiß ich, daß Du mich ebenſo ſehr durch die Höhe, bis zu der Du dieſe Freiheit triebſt, als durch die Neuig⸗ keit, Dich als meinen Anbeter anzukündigen, überraſcht haſt.“ ₰ ſ Ueber des Lieutenants Geſicht fuhr eine Röthe, ähn⸗ lich dem Blitzesſchein einer in die Luft ſteige den Ratete⸗ Seine Lippe zitterte vor der heftigen Gemüthsbewegung; aber er gewann es doch über ſich, ſich zu beherrſchen, 46 „ Konnte kennen, vor der 2 Wollte ſi erſten Mo brauchen das Ideal einige M getrennt, „Wa Eroberung lichen ung Blick nac ſich der K Antworten dem Ober treulich a faſt ſo a Iſabelle, Das kleine ſahen, iſt ſo, wo D. „Ich erwiederte terlichen T nommen h Die L Hedwig zu Fingerchen wundert an dem haſtig ſing, nich⸗ Licht ging ängſtliche Farbenwech Iſabellen ſ —, einen Pauſe, Dir offen mſt, wahre kebens ſeyn Komfort?“ er den unbe⸗ e, allzuſehr hatte, wech⸗ hemel, Dein llles das ſind eit ausmachen eidenswerthes hler derſelben eth auf das, einer Ruhe, lehr aufregte; deſt dieß ſtets nrichtig beur⸗ von Deinen t wäre, dieſe ich Dir doch ug iſt.“ elle ein, und ſen einen ziem⸗ n Allgemeinen lerechnet; aber -urch die Höhe, trch die Neuig⸗ en, überraſcht e Röthe, ähn⸗ ige den Rakete. üthsbewegung; zu beherrſchen. 179 Konnte Iſabelle ſeine wahren Gefühle wirklich nicht kennen, oder konnte ſie, dieſelben wiſſend, einen Schein vor der Welt geſtatten, den ihr Herz doch von ſich wies? Wollte ſie nur mit ihm ſpielen— wollte ſie... zum erſten Mal empfand Richard, daß ſie ihre Macht miß⸗ brauchen könnte. Es fühlte etwas wie Unwillen gegen das Ideal, das er anbetete. Indeſſen blieb er ſtille, und einige Minuten nachher wurden ſie von der Majorin getrennt, die zu ihnen trat. „Was ſagt die Tante dazu, hat Virginie nicht eine Eroberung gemacht?“ ſprach Iſabelle in ihrem gewöhn⸗ lichen ungezwungenen Tone, und warf einen verſtohlenen Blick nach der andern Seite des Weges hinüber, wo ſich der Kammerherr, ohne durch etwas Anderes als kurze Antworten auf alle wechſelsweiſe von dem General und dem Oberſten an ihn geſtellten Fragen Acht zu geben, treulich an der Seite des Fräulein hielt.„Es ſieht faſt ſo aus!“ lächelte die Majorin. Aber weißt Du, Iſabelle, was an unſ're junge Wirthin gekommen iſt? Das kleine heitere, kindliche Weſen, das wir letzten Herbſt ſahen, iſt nicht mehr zu finden. War ſie auch damals ſo, wo Du Dich hier aufhielteſt, Richard?“ „Ich weiß es nicht— ich gab nicht Acht darauf!“ erwiederte Richard, und ſeine Wange, die bei der müt⸗ terlichen Dazwiſchenkunft ihre urſprüngliche Farbe ange⸗ nommen hatte, glühte jetzt wieder. Die Sache verhielt ſich ſo, daß Nichard, als er Hedwig zu Tiſche führte, auf das Zittern ihrer kleinen Fingerchen aufmerkſam geworden war. Er hatte ſie ver⸗ wundert angeſehen; und bisher blind konnte er dieß bei dem haſtigen Schimmer, den er von ihren Augen auf⸗ fing, nicht länger ſeyn. Ein klares aber ſchmerzliches Licht ging ihm auf. Ueber Tiſche vermehrte ſich dieſe ängſtliche Gewißheit; denn er bemerkte den ſchnellen Farbenwechſel auf ihrer Wange jedes Mal, wenn er mit Iſabellen ſprach, oder von dieſer angeredet wurde. Jetzt 12* 180 wußte er genug, um ſie tief zu beklagen, das Einzige, was er thun konnte; aber er hielt ſich in Folge der ge⸗ machten Entdeckungen verpflichtet, der Huldigung, die er ſeiner Couſine weihte, eine gewiſſe Oeſſentlichkeit zu geben, denn Hedwig ſollte keinen Augenblick in Ungewißheit ſchwe⸗ ben. Iſabelle war ihm, wie wir geſehen haben, auf mehr als halbem Wege entgegengekommen; und es war deß⸗ halb nicht zu verwundern, daß ſich Richard jetzt durch die Verwandlung in ihrem Weſen gekränkt fühlte, es war ihm unmöglich, zu verſtehen, in welchem Lichte ſie ihn betrachtete. „Wie Du roth wirſt, Richard!“ bemerkte Iſabelle. „Man wäre beinahe verſucht zu glauben, Du rechneteſt Dir dieſe Veränderung Hedwigs zu 2 Liebe Tante, wie eigenliebig doch unſere jungen Herren ſind! Ich muß das Hedwig erzählen— ich rufe ſie ſogleich!“ „Ich hoffe, Du treibſt Deinen Scherz nicht ſo weit!“ Richard verrieth bei dieſen Worten keinen geringen Grad vor Aerger. Das ſetzte Iſabellen in Erſtaunen, und dieſes Staunen ſteigerte ſich zur höchſten Verwunderung, als er, da Hedwig in dieſem Augenblick wirklich her⸗ ankam, Iſabellen einen Blick voll bittender Unruhe zuwarf.. „Sprachſt Du von mir oder zu mir?“ ſagte Hed⸗ wig.„Ich hörte, daß Du meinen Namen nannteſt.“ man ſagte?“ Richard war in ſieberiſcher Angſt. Zwar hatte er das größte Vertrauen zu Iſabellens Zartgefühl; aber ſie wußte ja nicht, daß hier ein ſolches vonnöthen war. Er bebte bei dem bloßen Gedanken, daß Hedwig in ſeiner Gegenwart eine Anſpielung hören könnte die ihr mehr als peinlich ſeyn mußte. „Willſt Du es durchaus wiſſen?“ wiederholte Iſa⸗ belle, als ſie Hedwig unſchlüſſig ſah. „Ich glaube, daß es mich ſehr amüſiren wuͤrde.“ , Von Dir, Hedwigchen! Willſt Du wiſſen, was Noch hinüber. „Nur ſagen, da derholen: meinten, d lirt habeſt. „Frät ich Ihnen habe!“ ri⸗ beiden Häu Purpr General u ihre Anſich Wiede „Ich Güte hatte 3„ wohl ande welches G legteſt.“ „Ich klären.“ „Aber ſprach ſie l .„Dann in dieſem welchem G. es aus blo worten. W ſich näher inne, aber Blick ruhte ſagte er, de nehmend,„ theure Iſab Du kannſt! das Einzige, olge der ge⸗ zung, die er eit zu geben, dißheit ſchwe⸗ en, auf mehr es war deß⸗ jetzt durch die hlte, es war lichte ſie ihn erkte Iſabelle. Du rechneteſt Tante, wie d! Ich muß 14 icht ſo weit!“ geringen Grad ſtaunen, und Zerwunderung, wirklich her⸗ lender Unruhe ¹I ſagte Hed⸗ nannteſt.“ wiſſen, was Bwar hatte er fühl; aber ſie hen war. Er ſwig in ſeiner die ihr mehr en würde.“ 181 Noch einen Blick ſandte Richard nach ſeiner Couſine hinüber. „Nun wohl, Hedwig— aber Du darfſt dann nicht ſagen, daß es unzart von mir geweſen ſey, es zu wie⸗ derholen: die Tante fragte uns, ob wir nicht auch meinten, daß Du Dich ſeit letzten Herbſt unendlich embel⸗ lirt habeſt.“ „Fräulein Hedwig, kommen Sie und ſehen Sie, was ich Ihnen für einen hübſchen Schmetterling gefangen habe!“ rief der Kapitän und drückte ſeinen Hut mit beiden Händen auf den Boden. Purpurroth flog Hedwig fort; und zugleich kam der General und ſchnappte die Majorin hinweg, die ihm ihre Anſicht über ſeine neue Anlage mittheilen ſollte. Wieder gingen der Lieutenant und Jſabelle allein. „Ich danke Dir,“ begann Richard,„daß Du die Güte hatteſt, mich zu verſtehen!“ :„O Deine Pantomime war ſo beredt, daß ich nicht wohl anders konnte. Nun iſt nur noch zu erklären, welches Gewicht Du dieſem unbedeutenden Scherze bei⸗ legteſt.“ „Ich bin nicht im Stande, Dich darüber aufzu⸗ klären.“ „Aber wenn ich es jetzt durchaus wiſſen wollte?“ ſprach ſie langſam. „Dann,“ verſetzte Richard mit mehr Ruhe, als er in dieſem Momente beſaß,„hing es davon ab, aus welchem Grunde Du es durchaus wiſſen möchteſt. Wäre es aus bloßer Neugierde, ſo würde ich mit Nein ant⸗ worten. Wäre es dagegen möglich“— Richard beugte ſich näher zu ihr—„daß Du IJſabelle“— er hielt inne, aber ſein warmer und unausſprechlich liebevoller Blick ruhte forſchend auf ihr.„Ich glaube nicht,“ ſagte er, den Faden von einer andern Seite wieder auf⸗ nehmend,„daß Du ganz recht gegen mich handelteſt, theure Iſabelle! Aber ſey mir jetzt aufrichtig, wenn Du kannſt! Sage mir, ob es um Deiner— verzeihe, 182 die Frage iſt ſehr kühn, aber ich muß ſie doch thun— um Deiner Ruhe willen iſt, wenn Du dieſe Offenherzig⸗ keit von mir verlangſt?“ Iſabellens wirre Vorſtellungen verwandelten ſich bei dieſer höchſt unerwarteten Frage in die peinlichſte Gewiß⸗ heit. Zum erſten Mal empfing ihre Seele jenen Saa⸗ men der Hölle, den man Eiferſucht heißt, und in den nächſten Augenblicken fühlte ſie eine Qual, wogegen alle körperlichen Leiden gering waren. Hedwig liebte Richard; und er— hatte er je Veranlaſſung dazu gegeben? Auf Richards treues, redliches Herz hatte Iſabelle den Grund der ganzen Glückſeligkeit ihres kurzen Lebens gebaut; wäre es möglich, daß er während ſeines langen Aufent⸗ halts in Moͤrkedal, der ihr jetzt zum erſten Mal ganz unnöthig lang vorkam, ſeine Zeit dazu angewendet hätte, die junge Hedwig zum Beſten zu haben? Nein! ſo konnte er nicht gehandelt haben. Aber woher Gewißheit dar⸗ über erlangen? Nie ſollten ihre Lippen geſtehen, daß dieſe Gewißheit zu ihrer Ruhe nothwendig war. Mit ſteigender Hoffnung ſah Richard den Kampf, der in ihr vorging. Endlich ſprach ſie:„Ich erlaſſe Dir die Antwort, Richard, da Du wie billig ſo viel Gewicht darauf zu legen ſcheinſt; und um aufrichtig zu ſeyn, ich habe ſie ſchon geahnt. Sollteſt Du mir dagegen, wenn es Dir möglich iſt, nicht freundſchaftlich ſagen wollen, ob Dein Aufenthalt dahier den Winter über nicht der zu Liebe verlängert wurde, die ich nicht nennen will? Ich weiß nicht, was Dich hindern könnte, ein Gefallen zu geſtehen, was Du vielleicht ausſprachſt und.. 4ℳ „Sprich nicht weiter, Iſabelle! Bei dem allmäch⸗ tigen Gott, der in dieſem Augenblicke in unſer Beider Herzen ſchaut, verſichere ich Dich, daß die Gründe, die meine Ankunft in Tyringsholm verzögerten, himmelweit von denen verſchieden waren, worauf Du hindeuteſt! Aber was ſagteſt Du doch? Du wiſſeſt nicht, was mich hindern könnte, ein Gefallen an Hedwigs Geſellſchaft zu finden, und es vielleicht auszuſprechen? Iſabelle, woher nimmſt T eiſige Sch am heißeſ daß Du ich könnte weihen, Nein, das Friſe Herzen; Worte kle wie es jetz Aber Rich keine einzi „Biſt ich ſagte, „Vol „Und für zu erf g„Rich noch mehr mit einer einer Pron den ſeinig aber dieſe litt! Er wie die S an dem R Einig „Mein ſterte Iſab ſöhnten Al „Was meiner Un „Es ſeyn! Abe das ruhige mir, ob 2 och thun— Offenherzig⸗ elten ſich bei chſte Gewiß⸗ jenen Saa⸗ und in den wogegen alle ebte Richard; geben? Auf e den Grund bens gebaut; ngen Aufent⸗ en Mal ganz eendet hätte, ein! ſo konnte ewißheit dar⸗ hen, daß dieſe den Kampf, ch erlaſſe Dir viel Gewicht zu ſeyn, ich hgegen, wenn ſagen wollen, ber nicht der nennen will? ein Gefallen 71 dem allmäch⸗ unſer Beider e Gründe, die himmelweit Hu hindeuteſt! ſcht, was mich Geſellſchaft zu ſabelle, wohen 183 nimmſt Du alle dieſe formellen Redensarten, die wie eiſige Schneetropfen auf mein Herz fallen, wenn es eben am heißeſten ſchlägt? Es iſt doch wohl niemals möglich, daß Du meiner Ehre mißtrauen kannſt? Glaubſt Du, ich könnte das Heiligenbild, das ich verehre, ſo ſehr ent⸗ weihen, um an ſeiner Seite ein falſches aufzuhängen! Nein, das haſt Du nicht geglaubt!“ Friſch und warm ſtrömte das Blut Iſabellen zum Herzen; aber ihre Gefühle waren zu bewegt, um ſich in Worte kleiden zu können. Es war ſo ruhig und gut wie es jetzt war— wenn er nur hätte ſchweigen wollen! Aber Richard konnte nicht ſchweigen; denn er hatte auf keine einzige ſeiner Fragen eine Antwort bekommen. „Biſt Du zufrieden, Iſabelle? War Dir das, was ich ſagte, genug?“ „Vollkommen!“ „Und Du meinſt, ich meinerſeits brauche nichts da⸗ für zu erfahren?“ „Richard, gib mir Deinen Arm, und rege mich nicht noch mehr auf!“ Iſabellens Wange bedeckte ſich ſchnell mit einer tödtlichen Bläſſe. Noch nie war es ihm bei einer Promenade vergönnt geweſen, Iſabellens Arm in den ſeinigen ſchließen zu dürfen. Jetzt durfte er es; aber dieſe Seligkeit war zu theuer erkauft. O wie ſie litt! Er brauchte nicht zu fragen, er wußte zu wohl, wie die Sache ſtand, wenn die zwei kleinen Zähne ſich an dem Rande der Lippe feſt nagten. Einige unausſprechlich peinliche Minuten vergingen. „Mein armer Richard, wie ich Dich quäle!“ flü⸗ ſterte Iſabellens ſüße Stimme, und dieſe Worte ver⸗ ſöhnten Alles. Sanft drückte er ihren Arm in den ſeinen. „Was hab' ich gethan— Du biſt es, Die unter meiner Unvorſichtigkeit leidet!“ „Es wird ſchon beſſer, Richard; es wird bald gut ſeyn! Aber Du heftiger Menſch, warum willſt Du nicht das ruhige Glück genießen, das Du haben kannſt? Sage mir, ob Du nicht glücklich biſt, wenn Du mir alle jene 184 kleinen Dienſtleiſtungen widmen darfſt, die ich, wie Du weißt, nie einem Andern geſtatte, und wobei ich ſo un⸗ verholen zeige, wie gerne ich ſie von Dir empfange?“ „O gewiß bin ich dann glücklich; aber es folgen Stunden darauf, wo Du gar nicht biſt, wie gewöhnlich. Iſabelle, wenn Du wüßteſt, was ich leide, da ich glau⸗ ben muß..“ „Gut, gut! Ich bitte Dich um Gotteswillen, komm nitht mehr darauf! Wir ſind zu weit zurückgeblieben— wir müſſen nacheilen!“ Dreizehntes Kapitel. In den vier bis fünf folgenden Tagen wurden Luſt⸗ parthien zu Land und zu Waſſer gemacht. Die emſige Aufmerkſamkeit des Kammerherrn um Virginien wurde dabei immer offenbarer, und mit heimlichem Verdruſſe ſah der General, daß Hedwig ihre Gewalt und er ſelbſt die Ausſicht auf einen ſo vortrefflichen Schwiegerſohn verloren habe. Eines Morgens, als Vater und Tochter zuſammen trafen, ehe einer der Fremden kam, um eine vertraulichere Beſprechung zu ſtören, konnte der General nicht umhin mit einem gewiſſen kleinen Aerger ſein Mißvergnügen über Hedwigs Benehmen auszudrücken. „Ach, Papa,“ ſagte ſie und legte mit einem innig bittenden und zum Herzen dringenden Blicke ihre Hand auf die des Vaters,„ſchelte mich nicht!“ „Nein, verſteht ſich, man darf ja ſeine Meinung nie ſagen! Aber jetzt haſt Du auch noch die für ein Mädchen nicht ſonderlich große Ehre, daß Du zuſehen kannſt, wie Dir eine Andere Deinen Freier wegſchnappt.“ „Wollte Gott, es ginge mir ſo gut! Ich bin ja erſt ſechszehn und ein halbes Jahr alt— laß mich noch bei Dir bleiben, Papa! Ich bin noch zu jung, um zu heirathen!“ „Abe eine ſo v „Zan betrübt!“ herabſinke ſind und Der ſchreiblich heute ſo b „Nu Wir werd Nachbarn Jugend to „Ich Arme purpurnen leer, ſeit daß ſie ke grünen zu das Leben iſt es, we hat, ſeine Schloß un Selbſtbehe Kunſt, da da, daß nen. De kunſtreich. ſich ein v Folianten allerinnerſ lingstraun und nun wahrt wir Aber noch nicht müht wa ch, wie Du ich ſo un⸗ ofange?“ er es folgen gewöhnlich. da ich glau⸗ illen, komm geblieben— ourden Luſt⸗ Die emſige inien wurde n Verdruſſe und er ſelbſt chwiegerſohn r zuſammen vertraulichere nicht umhin kißvergnügen einem innig e ihre Hand ine Meinung die für ein Du zuſehen vegſchnappt.“ Ich bin ja aß mich noch jung, um zu 185 „Aber Du wirſt alt genug werden, ehe ſich wieder eine ſo vortheilhafte Parthie zeigt!“ „Zanke mich nicht mehr, Papa— ich bin heute ſo betrübt!“ Hedwig ließ die Stirne gegen die Bruſt herabſinken, wie ein Vogel, deſſen Schwingen durchſchoſſen ſind und der den Kopf an der Wunde verbirgt. Der General war entwaffnet. Es lag ein unbe⸗ ſchreiblich rührender Klang in den Worten:„Ich bin heute ſo betrübt!“ „Nun, warum biſt Du denn betrübt, mein Kind! Wir werden ja heute ſo viel Vergnügen haben: alle Nachbarn kommen auf den Mittag, und Abends ſoll die Jugend tanzen.“ „Ich bin doch nicht vergnügt!“ Arme Hedwig! Sie lag ſchlimmer als je auf den purpurnen Hagedornknospen. Ihr Herz war ſo freuden⸗ leer, ſeit jeder neue Tag ſie mehr und mehr überzeugte, daß ſie keine Hoffnung mehr habe, das Laub wieder grünen zu ſehen. Die Thräne war ſo heiß und bitter, das Leben ſah ſo lang, ſo öde und grau aus... So iſt es, wenn ſich das Herz noch nicht daran gewöhnt hat, ſeine Laſten zu tragen, und ſeine Kämpfe hinter Schloß und Riegel zu halten. Später aber, wenn man Selbſtbeherrſchung erworben hat, jene theuer erkaufte Kunſt, da liegen die Gefühle nicht mehr ſo unverdeckt da, daß ſie ebenſo leicht geſehen als verletzt werden kön⸗ nen. Der Schleier der Selbſtbeherrſchung iſt groß und kunſtreich. Falte reiht ſich an Falte, und in jeder birgt ſich ein vollgeſchriebenes Blatt, das dann in den großen Folianten der Erfahrung eingebunden wird. Auf dem allerinnerſten Blatte kann man von dem jungen Früh⸗ lingstraume leſen, einer gepreßten Roſe, die verwelkt iſt und nun zwiſchen den Zeichnungen der Erinnerung ver⸗ wahrt wird. 3 Aber Hedwig hatte noch weit bis dahin. Sie hatte noch nicht die erſte Falte gelegt, obſchon ſie täglich be⸗ müht war, ſie niederzupreffen. 186 Am Abend deſſelben Tages entfloh ſie dem muntern Lärmen im Tanzſaale, entfloh nach den dunkelſten Gän⸗ gen des Gartens. Es quälte ſie etwas mehr als ge⸗ wöhnlich; ſie lag auf der Raſenbank und ſchluchzte laut, wie man mit ſechszehn Jahren ſchluchzt. Was war es denn für ein bitterer Schmerz, der ſie getroffen hatte? Wir müſſen der Sache nachforſchen. Ei, ei, Richard hatte ſie mitten im Walzer ſtehen laſſen! Damit verhielt es ſich ſo: Iſabelle mußte, um einen Walzer mit Richard tan⸗ zen zu können, dem Kammerherrn einen zweiten zuſagen. Sie war ſchon müde und fühlte, daß ſie that, was ſie nicht thun ſollte: auch hatte ſie noch nicht Ein Mal herumgetanzt, als ſie ſich genöthigt ſah, aufzuhören; und Richard, der ſie einen Augenblick gegen den Thuͤr⸗ pfeiler lehnen ſah, vergaß Hedwig den Ball und Alles außer ihr. Seine Dame loslaſſend eilte er nach der Thüre. Iſabelle nahm ſogleich ſeinen Arm, und er führte ſie nach dem Sopha in dem andern Zimmer. „Verlaß mich, verlaß mich augenblicklich, Richard!“ Aber der Oberſt, die Majorin, Virginie und Fräulein Gunilla waren ſchon hinten nach. Frage um Frage, Rath auf Rath. Durch eine Anſtrengung, die nur in ihrem Auge und im Schwellen der Stirnader ſichtbar wurde, brachte ſie es dahin, ruhig, kalt, beinahe regungslos dazuſitzen. „Warum, um's Himmelswillen, dieſes Weſen? Es iſt ja gar nichts. Ich kann das Walzen nicht ertragen Seyd doch nicht unruhig, ſondern laßt mich nur eine kleine Weile allein!“ Nach einigen Widerſprüchen und erſt als ihre Unge⸗ duld ſichtbar hervortrat, erfüllte man ihren Wunſch.„Bringe mir meinen Shawl!“ flüſterte ſie Virginien zu, die ſchleu⸗ nig damit zurück kam; aber vergebens bat Virginie, da bleiben zu dürfen.„Meine Liebe,“ ſagte Iſabelle und bemühte ſich zu lächeln,„ich wäre in Verzweiflung, wenn ich den Kammerherrn des möglichſt beſten Erſatzes für mich bera verriegelt ſicht. Si und ſich i Sopha un Wenn je ſie, das b hörte kein Vater dr Schwinde glaube, ſi Nach cheln, wo einem klei zog, glätte nachdem Tropfen k laſſen, ger und drapi keine gerit daß ſich i die Toilet wöhnliche nach der einen letzt Er gab e ſtattlich, kaum ein tiges Ueb Sie aber Rich regneten n muntern lſten Gän⸗ or als ge⸗ uüchzte laut, 3z, der ſie achforſchen. ihen laſſen! ichard tan⸗ en zuſagen. at, was ſie Ein Mal aufzuhören; den Thuͤr⸗ und Alles r nach der nd er führte Richard!“ nd Fräulein um Frage, hrem Auge de, brachte s dazuſitzen. Es iſt ja gen Seyd eine kleine ihre Unge⸗ .„Bringe , die ſchleu⸗ pirginie, da ſabelle und flung, wenn Erſatzes für ₰ 187 mich beraubte Geh', Geh'!“ Es lag in den letzten Wor⸗ ten beinahe etwas Befehlendes— Virginie ging. Sobald Iſabelle allein war und ſogar die Thüre verriegelt hatte, fiel ihr die entlehnte Maske vom Ge⸗ ſicht. Sie riß beinahe das Kleid auf, löste alle Bänder und ſich in ihren Shawl hüllend warf ſie ſich auf den Sopha und drückte den Kopf tief hinab in die Kiſſen. Wenn jemand ſich ſelbſt beherrſchen konnte, ſo war es ſie, das bezeugte das zerknüllte, zerbiſſene Sacktuch. Man hörte keinen Laut von innen, aber Iſabelle hörte, wie ihr Vater draußen zu der Majorin ſagte:„Nur ein kleiner Schwindel! Es iſt etwas ſchwül hier im Saal. Ich glaube, ſie iſt eingeſchlafen.“ Nach einer ewig langen Stunde erhob Iſabelle ihren Kopf aus den Kiſſen, ſtand auf und trat vor den Spie⸗ gel. Sie ſah entſtellt aus; allein ſie erſchrack nicht dar⸗ über. Schmerz und Demuth lag in dem ſchwachen Lä⸗ cheln, womit ſie ſich betrachtete, nicht Entſetzen. Mit einem kleinen Schildkrötenkamm, den ſie aus dem Zopfe zog, glättete ſie ihr Haar und kräuſelte die Locken; und nachdem ſie ihre Stirne und ihre Wangen mit einigen Tropfen kölniſchen Waſſers, das Virginie ihr zurückge⸗ laſſen, gewaſchen hatte, heftete ſie ihr Kleid ganz loſe zu, und drapirte ſich mit dem Shawl. Dieß letztere nahm keine geringe Zeit hinweg, und es war nicht zu läugnen, daß ſich in jeder Falte eine kleine Koketterie barg. Als die Toilette beendigt war, und ihre Züge wieder die ge⸗ wöhnliche Gleichmüthigkeit angenommen hatten, ging ſie nach der Saalthüre, aber noch einmal kehrte ſie um, um einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel zu werfen. Er gab eine befriedigende Antwort: Die Haltung war ſtattlich, die Stirne glatt, die Augen ruhig und klar— kaum ein leichter Schatten ließ ein verſchwundenes, flüch⸗ tiges Uebelbefinden erkennen. Sie trat in den Saal, Jedermann umringte ſie; aber Richarden ſah ſie nicht. Fragen und Hoffnungen regneten auf ſie herein, und alle wurden mit der größten 188 Artigkeit beantwortet. Sie befinde ſich jetzt vollkommen wohl, und wiſſe ſelbſt nicht, ob es das Tanzen, die Hitze oder ein Glas Waſſer geweſen ſey, was das Uebel ver⸗ anlaßt habe— wahrſcheinlich Alles zuſammen— und deßhalb wage ſie heute Abend nicht mehr zu tanzen. Iſabelle wußte wohl, daß ſie zum letzten Mal getanzt hatte: Dieſe Bewegung, ſowie der Zwang, ſich„Toilette machen“ zu müſſen, war ihr höchſt peinlich und uner⸗ träglich; und während der letzt verfloſſenen Stunde hatte ſie bei ſich ſelbſt das Gelübde gethan, ihre Schmerzen nicht durch zwei Dinge vermehren zu wollen, die ſie ver⸗ meiden könnte. Aber wo war Richard? Wo war das kleine Fräulein? Schluchzend lag Hedwig auf der Raſenbank, wohin ſie geflohen war, nicht als Richard ſie verließ, ſondern als er von Iſabellen zurückkam, ohne nur mit dem ge⸗ ringſten Worte der Entſchuldigung zu ihr zu treten. Bei dieſem ſo harten Verfahren konnte das kleine gequälte und gepreßte Herz der Sehnſucht nicht länger widerſtehen, ihre Bitterkeit in Thränen aufzulöſen: im Ballanzug, wie ſie war, ſchlich ſie ſich hinaus und flog mit beſchleu⸗ nigten Schritten in den Garten hinab. Richard vermißte ſie nicht— ſie beherrſchte nicht Einen Gedanken in ſeiner Seele— aber in ſeiner eige⸗ nen Angſt von dem Geſchwätz und den Bemerkungen der Geſellſchaft beläſtigt, ſchlug auch er einige Augenblicke ſpäter den Weg nach demſelben Orte ein. Sein ganzes Weſen blieb jedoch in dem Zimmer zurück, aus dem er eben vetwieſen worden war. Mit gekreuzten Armen ging er auf und nieder, der Angſtſchweiß perlte von ſeiner Stirne herab. Er bemerkte nicht, daß ſein Fuß die ſchönen Blumen der Rabatten zertrat, daß ſein Kopf an die Baumäſte ſtieß. Er ging und ging, und fühlte nicht, daß der Wind immer ſtärker um ihn herbrauste, bis er am Meeresſtrande ſtand, wo ein kal⸗ ter, ſcharfer Nordwind blies. Hier warf er ſich nieder. Es war ih zu fühlen, Das von frühere Jahre; und keit geſtört zieht heran der über ſe ganzes klei von lauter zwanzigſter Luftſpiegelu und es gal nommen un Ruhe nahn Schmerzen, Nein, rück flog er Aber wer i ... Er b Hedwig erl Schmerz. Schrei aus vollen Antl Einen ihre Schrit wahrſcheinle ihrer Verw den Abhang und Richar „Frãu Sie hineinf „Ich 9 in wilder I „Nein, die See; de „Das ollkommen die Hitze lebel ver⸗ — und u tanzen. ul getanzt „Toilette ind uner⸗ unde hatte Schmerzen ie ſie ver⸗ Fräulein? ak, wohin , ſondern it dem ge⸗ teten. Bei gequälte siderſtehen, allanzug, ſt beſchleu⸗ ſchte nicht ſeiner eige⸗ ungen der lugenblicke Zimmer ar. Mit agſtſchweiß licht, daß trat, daß und ging, um ihn ein kal⸗ lich nieder. 189 Es war ihm eine Wolluſt, im Nachtthaue zu baden, und zu fühlen, wie die See ihren Athem in den ſeinigen hauchte. Das Leben bietet ſo viele Tage, die nur eine Kopie von früheren ſind. Sie bilden ſich zu einem ganzen Jahre; und ehe ein einziger Wechſel die ſtille Einförmig⸗ keit geſtört hat, iſt das Jahr verſchwunden und ein neues zieht heran. Es reißt ſeine Pforten auf und jeder Tag, der über ſeine Schwelle tritt, iſt ein Schöpfungstag, ein ganzes kleines Leben für ſich. So ſtand nun Richard von lauter Schöpfungstagen umgeben. Bis zu dem zwanzigſten Jahre war ſein Leben eine ſchöne, heitere Luftſpiegelung geweſen. Er trat in das einundzwanzigſte, und es gab und nahm abwechslungsweiſe, was nur ge⸗ nommen und gegeben werden kann: Herz, Liebe, Frieden, Ruhe nahm es von ihm, und gab Hoffnung, Argwohn, Schmerzen, Unruhe, Stürme und Todespein. Nein, dieſe Unruhe war nicht auszuhalten, und zu⸗ rück flog er durch die einſamen Gänge des Gartens... Aber wer iſt hier? Er prallte heftig zuruck. Dieſe Töne ... Er beugte ſich zu der Raſenbank herab. Die junge Hedwig erhob ihren Kopf, aufgelöst in unaufhaltſamem Schmerz. Sie erkannte Richard, ſtieß einen heftigen Schrei aus und floh davon, die Hände vor dem thränen⸗ vollen Antlitz. Einen Augenblick ſtand Richard unentſchloſſen; aber ihre Schritte wandten ſich nicht dem Hauſe zu. Vielleicht, wahrſcheinlich ſogar, wollte ſie dahin; aber ſie wußte in ihrer Verwirrung nicht, wohin ſie ging, und ſo eilte ſie den Abhang des Meerſtrandes hinab. Aber nicht lange und Richards Hand erfaßte die ihrige. „Fräulein Hedwig, um Gotteswillen, laſſen Sie mich Sie hineinführen!“ „Ich gehe ja hinein— laſſen Sie mich!“ rief ſie in wilder Angſt. „Nein, Sie thun es nicht. Sehen Sie, da liegt ja die See; da geht es nicht heim!“ „Das iſt gleich, ich beſchwöre Sie, Herr Lieutenant, 190 laſſen Sie mich! So viel wenigſtens wird Lieutenant Richard für mich thun können, wenn ich ihn darum bitte?“ „Fräulein Hedwig!“— er zog ihren Arm unter den ſeinigen—„ich würde viel, ſehr viel für Sie thun! Hören Sie mich jetzt, laſſen Sie uns umkehren, un er⸗ lauben Sie, daß ich die unvorſätzliche Beleidigung abbitte, die ich Ihnen vorhin zufügte, als ich ſo... Aber Fräu⸗ lein Hedwig hört mich nicht?“ „O doch, ich höre und es bedurfte keiner Abbitte — der Herr Lieutenant konnte in ſeiner Angſt nicht an all' die Kleinigkeiten denken, die der Gebrauch aufgebracht hat.“ „Nein, wahrhaftig, das war mir nicht möglich! Wie gut Sie doch ſind, Fräulein, daß Sie mich entſchul⸗ digen! Aber ich bin in Todesangſt, das gnädige Fräulein möchte ſich erkälten!“ „Das hat nichts zu bedeuten— wie ſteht es jetzt mit ihr?“ „Ich weiß es nicht; ich war eine Zeit lang hier außen „Der Herr Lieutenant muß alſo r wohl ungeduldig ſeyn, es zu erfahren— haben Sie die Güte und gehen Sie voraus; ich komme gleich nach!“ Nein, das thue ich durchaus nicht! Es iſt mir un⸗ möglich, Ihnen hierin zu gehorchen!“ „Und was denkt der Herr Lieutenant jetzt von mir?“ rief ſie, und riß ihren 2 Arm heftig aus dem ſei⸗ nen.„Ich bitte Sie, ſagen Sie es Niemand, daß Sie mich ſo hier fanden! Verſprechen Sie mir, es Iſabellen nicht zu ſagen!“ „Theuerſtes Fräulein Hedwig, ich denke, Ihre reine, unſchuldige Seele hat ſich auf einen Abweg verirrt, von dem ſie ſich jedoch bald wieder zurecht finden wird. Die⸗ ſes warme, gute Herz werde ich gewiß noch einmal glücklich in dieſem Leben finden; und bei dem Gott, der ſieht, wie tief und brünſtig ich für den Frieden und das Glück des Fräuleins bete, bei ihm, der ſieht, wie groß mein Vertrauen auf Fräulein Hedwigs Stärke iſt, ſchwöre ich, daß die ben wird!“ So 1 ſie kaum h mein Zimn mich auf il doch nichts „Ich reinſte Geſe raſch die H Etwa erſcheinen, nuten auf freudig wa⸗ einer lebha der Geſellſe nahm den und ſagte außen; abe lichere Wor Platz, den dadurch ſie ſich ſch Kleides in lieber Riche Aber ich he „Wolle genirſt Dich Richar willen und ſie heute m mit er ſie b Sie antwor ſtand; und ordneten, ho zu wechſeln. „Wo Lieutenant um bitte?“ Arm unter Sie thun! , und er⸗ ng abbitte, Aber Fräu⸗ ier Abbitte richt an all“ racht hat.“ zt möglich! hh entſchul⸗ e Fräulein lang hier ungeduldig und gehen ſt mir un⸗ jetzt von s dem ſei⸗ , daß Sie s Iſabellen Ihre reine, lerirrt, von wird. Die⸗ och einmal Gott, der n und das wie groß iſt, ſchwöre 191 ich, daß dieſe Stunde ein Geheimniß zwiſchen uns blei⸗ ben wird!“ So laſſen Sie mich denn vorausgehen!“ flüſterte ſie kaum hörbar.„Ich werde durch die Hintertreppe auf mein Zimmer kommen; und fragt Jemand, ſo verlaſſe ich mich auf ihr Verſprechen. Der Herr Lieutenant glaubt doch nichts Böſes von mir?“ „Ich glaube, daß ſie das unſchuldigſte und engel⸗ reinſte Geſchöpf Gottes ſind, Fräulein!“ Er drückte ihr raſch die Hand, und ſie flog fort. Etwa eine halbe Stunde nach Iſabellens Wieder⸗ erſcheinen, trat Richard— er hatte ſich ein paar Mi⸗ nuten auf ſeinem Zimmer verweilt— in den Saal. Wie freudig war er nicht überraſcht, da er ſeine Couſine in einer lebhaften Unterhaltung mit einigen Perſonen aus der Geſellſchaft begriffen fand! Er näherte ſich ihr und nahm den Platz hinter ihrem Stuhle ein. Sie lächelte, und ſagte ihm, ſie ſey ſchon über eine halbe Stunde außen; aber erſt eine gute Weile nachher bekam er tröſt⸗ lichere Worte. Ein alter, artiger Herr verließ ſeinen Platz, den Richard ſogleich in Beſchlag nahm; und da er dadurch neben ſie zu ſitzen kam, flüſterte ſie, indem ſie ſich ſchnell hinabbeugte, um die Garnirung ihres Kleides in Ordnung zu bringen, ihm zu:„Sey ruhig, lieber Richard; es hatte wahrhaftig nichts zu bedeuten! Aber ich hätte nicht walzen ſollen.“ „Wollte Gott, wir wären wieder zu Hauſe! Du genirſt Dich hier zu ſehr.“ Richard ahnte nicht, daß Iſabelle ſich um ſeinet⸗ willen und nicht wegen der Fremden genirt hatte, und daß ſie heute nur deßhalb„große Toilette gemacht“ hatte, da⸗ mit er ſie beſſer glauben ſollte, als ſie wirklich war. Sie antwortete nichts, aber jetzt entſtand ein neuer Auf⸗ ſtand; und während ſich die Tanzenden zur Quadrille ordneten, hatten jene wieder Gelegenheit, ein paar Worte zu wechſeln. „Wo warſt Du, Richard? Als Du hereinkamſt, 192 ſahſt Du bleicher und verſtörter aus als ich, wo ich hin⸗ ausging.“ „Das glaube ich wohl. Aber wie ſoll ich denn in ſolchen Stunden der Angſt anders ausſehen?“ „Du mußt viel ſtärker ſeyn, Richard!“ „Das wäre ich, Iſabelle, wenn ich die Gefahr vor Augen ſehen dürfte. Wirſt Du denn nie vollkommen aufrichtig gegen mich ſeyn?“ „Es macht mir die unerträglichſte Pein, von dieſer Sache ſprechen zu müſſen; aber ich will Dir Deinen Wunſch dennoch nicht rund abſchlagen— ſpäter viel⸗ leicht... Richards Bruſt entfuhr ein ſchwerer Seufzer. Wann und wie ſollte er ſie wohl erringen? „Wo iſt Hedwig?“ fragte Iſabelle und ſah ſich um. „Ach,“ rief Virginie, die eben zu ihnen herkam, „Hedwig hat den Ball verlaſſen, und iſt zu Bette ge⸗ gangen. Ich laufe jetzt zu ihr hinauf und will ſehen, wie es ſteht.“ „Ich wünſche, wie Du, Richard, daß wir zu Hauſe wären; und vermag ich Etwas über Papa, ſo reiſen wir morgen oder ſpäteſtens übermorgen.“ „Kannſt Du ihn aber nicht dazu bewegen, und ich zweifle ſehr daran, denn der Onkel gefällt ſich hier ſehr, ſo— Du verzeihſt mir gewiß— verlaſſe ich Mörkedal.“ Iſabelle warf einen ungewöhnlichen Blick auf ihn. „Wie, Richard, das könnteſt Du?“ „Ich muß es!“ „Wirklich? Es iſt alſo etwas vorgefallen? Ri⸗ chard. 44 „Ifabelle?“ er ſprach nur dieß eine Wort, aber es drückte einen ſo hohen Grad von Unmuth aus, daß es ihr genug war. „Wir reiſen Alle zuſammen!“ ſagte ſie ſchnell. Am folgenden Morgen, als der Oberſt noch im Schlafrock und den Pantoffeln herum ſtrich, um ſich auf das Geſchäf Thüre.„ Kind, bin Damenbeſu „Man ausgemachten noch Zeit ge wirſt ſo feti Heimreiſe dri „Papa kümmere. 2 was ich Nie lich daß me war, und da „Heute „Alſo n „Noch da bei Baron den. Wir kön auszuweichen. „Wenn „Aber, nicht entdecke dieß verräthſt Das Fideicon wo ich hin⸗ ich denn in 1 Gefahr vor vollkommen von dieſer Dir Deinen ſpäter viel⸗ ufzer. Wann ſah ſich um. hnen herkam, u Bette ge⸗ will ſehen, pir zu Hauſe ſo reiſen wir n, und ich h hier ſehr, Mörkedal.“ ck auf ihn. 8 fallen? Ri⸗ us, daß es ſchnell. —rſt noch im um ſich auf ort, aber es. 193 Toilette vorzubereiten, pochte es an der bt Papa, ich hereinkomme?“ „Ei, ei, was iſt biſt Du ſchon auf, Iſa⸗ belle?“ Der Oberſt öffnete. Wie Du ſelbſt ſiehſt, mein Kind, bin ich noch durchaus nicht in der Ordnung, um Damenbeſuche zu empfangen.“ „Man nimmt es wohl nicht ſo genau zwiſchen Vater und Tochter!“ ſagte Iſabelle und räumte eine Sophaecke aus, und ſetzte ſich darein. „Es können allerdings einige kleine Freiheiten zwi⸗ ſchen ſo nah' verwandten Perſonen geſtattet werden. Allein es gehört doch zu einer vollkommenen Erziehung, daß man ſie nie überſchreitet oder vielmehr ihnen nicht zu nahe tritt.“ „Hat Papa ſchon an unſere Heimreiſe gedacht?“ fragte Iſabelle ohne weitere Einleitung. „An die Heimreiſe— wir waren ja noch nicht die ausgemachten acht Tage hier; und dann iſt es immer noch Zeit genug davon zu ſprechen! Ich dächte doch, Du wirſt ſo fetirt, daß Du die letzte ſeyn ſollteſt, die auf Heimreiſe dringen könnte.“ 3 „Papa weiß, daß ich mich allzu wenig darum be⸗ kümmere. Ich kam jetzt her, um Papa etwas zu ſagen, was ich Niemand Anderen ſagen will oder muß, näm⸗ lich daß mein geſtriges Unwohlſeyn ſehr ernſter Natur war, und daß ich noch heute heimzufahren wünſche.“ „Heute— das iſt⸗ ja ganz unmöglich!“ „Alſo morgen?“ „Noch weniger meine Liebe! Du weißt ja, daß wir da bei Baron P—s in Ryd— zu Mittag ſpeiſen wer⸗ den. Wir können nicht ſo unhöflich ſeyn, ſeiner Einladung auszuweichen.“ „Wenn ich krank bin?“ „Aber, meine liebe Iſabelle, ich kann wahrhaftig nicht entdecken, daß Du im Geringſten krank biſt! Ueber⸗ dieß verräthſt Du durch dieſen Einfall ſehr wenig Liebe Das Fideicommiß. II. 13 194 zu Deinen Verwandten. Du ſiehſt doch gewiß ein, was kriechen ut ſich möglicherweiſe für Virginien gewinnen ließe, wenn einen Man wir hier bleiben. Das aimable Attaſchement des Kam⸗ Wirginie, merherrn iſt ja offenbar; und ich fühle mich wahrlich heirathen. gerührt, wenn ich daran denke, daß Virginien ein ſolches 3„Ja, Glück machen könnte. Sollte es ſich indeſſen über alle lich! Vie Erwartung ſo glücklich geſtalten, daß er um das ärmſte In dem I Fräulein in der Provinz anhält, ſo geſchieht es natürlich etwas, das nur wegen ihrer Familienverbindungen; und deßhalb liche Anſpi halte ich es fir meine heilige Pflicht, bei dieſer Gelegen⸗„Ein heit nicht durch Gleichgültigkeit ein Glück zu verſcherzen, eine ebenſo über das man ſich wahrlich verwundern kann, ja ein herr, falls Glück, das ſelbſt Dir, mein Iſabellchen, wohl anſtehen daß er geli würde!“„So, Mit ganz eigenen Blicken ſolgte Iſabelle dem be⸗ nach dieſer redten Geberdenſpiel, womit ihr Vater ſeine Rede unter⸗ Tages dure ſtützte.„Herr Gott,“ rief ſie endlich aus, es iſt ftüſtert.“ doch merkwürdig, was für eine Paſſion Papa für die„Wenr Verheirathungs⸗Diplomatie hat. Papa weiß ja noch ausdräͤcken gar nicht, ob dieſe Sache Virginien nur halb ſo ange⸗ dieſen Wink legen iſt?“.„Wenr „Iſabellchen,“ erwiederte der Oberſt, und barg ſei⸗ dabon bent nen Aerger unter einem Lächeln,„Virginie beſitzt weder bemerkt, w Schönheit noch Reichthum, aber, was ſehr gut iſt, auch daß Du nä⸗ keine Kapricen. Sie weiß, daß es ſich für ein wohl⸗ ich darf es erzogenes Mädchen ziemt, einer Bewerbung keine direkte doch, wie ic Aufmunterung zu geben, und ihre Sittſamkeit hält ſie Du die Abſt natürlich davon zuruͤck. Es iſt deßhalb an uns Andern, Berwalter z den Willen des Schickſals wenigſtens nicht entgegen zu„Für g arbeiten. Noch habe ich weder ihrer Mutter noch Ri⸗ noch nicht ve chard einen Wink über meine Vermuthung gegebenz es ſich um denn ich will ſie nicht mit Hoffnung bethören, die noch ſelbſt ein Gi ungewiß ſind. Doch bin ich der Meinung, daß es Ri⸗„Wenn chard wohl anſtünde, dem Kammerherrn mehr Aufmerk⸗ die ſcherzhaft ſamkeit zu erweiſen.“ üͤber ſo deli „Ich hoffe, Richard wird ſich nie herabgeben, und Geſpraͤch nu ein, was eße, wenn des Kam⸗ ch wahrlich ein ſolches n über alle das ärmſte es natürlich nd deßhalb ſer Gelegen⸗ verſcherzen, nn, ja ein hl anſtehen lle dem be⸗ Rede unter⸗ aus, es iſt hapa für die beiß ja noch lb ſo ange⸗ und barg ſei⸗ beſitzt weder ut iſt, auch r ein wohl⸗ keine direkte keit hält ſie uns Andern, entgegen zu ter noch Ri⸗ ing gegebenz in, die noch daß es Ri⸗ ehr Aufmerk⸗ bgeben, und 195 kriechen und Komplimente machen, damit ſeine Schweſter einen Mann bekommt. Und ein ſo liebes Mädchen, wie Virginie, wird wohl auch ohne anderer Leute Bemühungen heirathen.“ 2 „Ja, irgend einen armen Lieutenandg das iſt mög⸗ lich! Vielleicht gefällt Dir eine ſolche⸗Pärthie beſſer?“ In dem Tone, womit der Oberſt dieß asſprach, lag etwas, das, wie Iſabelle recht wohl merkte, eine perſön⸗ liche Anſpielung ſeyn ſollte.— „Ein armer Lieutenant,“ verſetzte ſie ruhig,„kann eine ebenſo gute Parthie ſeyn, wie ein reicher Kammer⸗ herr, falls er den Vortheil vor dem Andern voraus hat, daß er geliebt wird.“ 2— „So, ſo, eine ebenſo gute Parthie? Es ſollte mich nach dieſer Aeußerung nicht ſehr wundern, wenn ich eines Tages durch Dich gerechtfertigt ſähe, woyan Jedermann flüſtert.“„ „Wenn Papa die Güte haben und ſich deutlicher ausdrücken will, ſo wird es mir leichter werden, auf dieſen Wink eine Antwort zu geben.“ „Wenn Du es denn wunſcheſt, ſo will ich Dich davon benachrichtigen, daß Jedermann mit Erſtaunen bemerkt, was ich bisher aus Zartgefühl überſehen habe, daß Du nämlich Richard handgreiflich auszeichneſt, und, ich darf es wohl ſagen, aufmunterſt. Bisher iſt es je⸗ doch, wie ich hoffe, Niemand eingefallen, zu glauben, daß Du die Abſicht haben ſollteſt, Dich mit Deines Bruders Verwalter zu verbinden.“ „Für gegenwärtig ſteht ja mein Vetter dieſem Amte noch nicht vor; und wenn er um mich werben ſollte und es ſich um eine Heirath handelte, ſo könnte er ſich ja ſelbſt ein Gut kaufen. „Wenn, ja,“ ſagte der Oberſt mit einer Miene, die ſcherzhaft ſeyn ſollte.„Doch, mein Kind, wir dürfen über ſo delikate Dinge nicht ſpaſſen! Ich leitete unſer Geſpräch nur deßhalb auf dieſen Punkt, weil ich Dich 13* 196 darauf aufmerkſam machen wollte, daß das auszeichnende Wohlwollen, das Du Richard zeigſt, ſehr leicht gewiſſe Einbildungen in dem armen Jungen erregen könnten. Für Dich iſt das ein Spiel, für ihn nicht ſo: ich fürchte, er iſt ſchon ernſtlich gefeſſelt. Und damit nicht genug, mein Kind, wenn Du ſo fortfährſt, wird die Welt gewiß glauben, du wolleſt dieſe Mesalliance eingehen, und ſchon der Schein hievon muß vermieden werden 4 Es war manche beherzigenswerthe Wahrheit in dem, was der Oberſt über Richard geſagt hatte, und die Iſa⸗ bellen traf; ſie fühlte jetzt, wie ſchon oft vorher, daß ſie Unrecht daran thue, eine Erklärung über das einzige Verhältniß, das zwiſchen ihnen beſtehen konnte, zurückzu⸗ weiſen. Der Oberſt, der ſie ſtill und gedankenvoll ſah, war gewiß, daß ſeine Worte in einem anderen Sinne gewirkt hatten, und fuhr daher mit vieler Selbſtzufrie⸗ denheit fort:„Ja, mein Kind, da würde die Welt dann ſagen:„wie ſonderbar, daß das reiche, elegante Fräulein v.— einen armen Lieutenant gewählt hat, der keinen Heller in der Taſche hat;“ und ferner würde man— ℳ „Lieber Papa,“ unterbrach ihn Iſabelle,„es iſt jetzt genug mit der Welt! Ich für meine Perſon werde mich nie im Geringſten darum bekümmern, ob ſie ſagt, ich wolle mich mit Richard verbinden, oder nicht. Er iſt ein ſo durchaus rechtſchaffener und braver Mann, daß darüber gar nichts zu bemerken iſt.“ Jetzt wußte der Oberſt nicht, wo er den Faden auf⸗ nehmen ſollte. Er ſtellte ſich daher in der ehrfurchtge⸗ bietendſten Haltung gerade vor Iſabellen und firirte ſie mit der ganzen Kraft eines Blickes, der unwiderſtehlich ſeyn ſollte. „Mein Gott, wie ſpaßhaft Papa iſt!“ ſagte Iſabelle lächelnd.„Wäre es denn eine Mesalliance, wenn ich 4 mich mit Papas Günſtling verheirathete 2 „Günſtling!“ erwiederte der Oberſt.„Man kann mancherlei Arten von Günſtlingen haben. Richard wird doch wohl lich um Di „Noch Papa ſagen thun ſoll.“ „Wirk daß er um lich Dein 2 Wenn ſtimmt gewe Angſt ihres dieß nicht; Mißverſtänd „Seyer Ernſt,„daß thie vorhand noch unbede meine Wah Verheirathu Zeit; aber Richard hoc her kennen er erfahren „Es n wenn ich d der Oberſt habe ſtets geſetzt, Iſal ich Richard nicht in Dir vorhanden, nehm wäre, ihn als Deit Allein keineswegs g ſagen, welch war, nur r szeichnende icht gewiſſe n könnten. ich fürchte, icht genug, Welt gewiß „und ſchon eit in dem, nd die Iſa⸗ her, daß ſie s einzige , zurückzu⸗ kkenvoll ſah, eren Sinne Selbſtzufrie⸗ Welt dann ate Fräulein „der keinen man—ℳ „es iſt jetzt werde mich e ſagt, ich Er iſt ein daß darüber Faden auf⸗ ehrfurchtge⸗ id firirte ſie nwiderſtehlich agte Iſabelle , wenn ich „Man kann Richard wird ☛ 197 doch wohl nicht die Unverſchämtheit gehabt haben, wirk⸗ lich um Dich anzuhalten??“ „Noch nicht; allein ich will ſo aufrichtig ſeyn und Papa ſagen, daß ich täglich darauf warte, daß er es thun ſoll.“ 3 „Wirklich hübſch! Höchſt aimable! Du warteſt, daß er um Dich anhalten ſoll, und Du willſt ihm natür⸗ lich Dein Jawort geben?“ Mißverſtändniſſe führen können. „Seyen Sie überzeugt, Papa,“ ſprach ſie mit großem Ernſt,„daß, wenn keine andern Gründe gegen dieſe Par⸗ thie vorhanden wären, als Richards Armuth und ſein noch unbedeutender Rang, dieſe gewiß keinen Einfluß auf meine Wahl hätten; denn der erſtern wäre durch unſere Verheirathung abgeholfen, das zweite machte ſich mit der Zeit; aber es ſind andere Gründe vorhanden. Ich ſchätze Richard hoch, mehr als irgend einen Mann, den ich frü⸗ her kennen gelernt— aber aus Urſachen, die nicht einmal er erfahren darf, werde ich nie ſein Weib.“ „Es würde alſo gar wenig Zartgefühl verrathen, wenn ich dieſe Urſachen erforſchen wollte?“ erwiederte der Oberſt mit einem freudeſtrahlenden Geſichte.„Ich habe ſtets ein großes Vertrauen in Deine Urtheilskraft geſetzt, Iſabelle, und ich geſtehe, daß ich, obſchon auch ich Richard ſehr ſchätze, mit Freude ſehe, daß ich mich nicht in Dir getäuſcht habe. Es iſt jedoch noch Etwas vorhanden, deſſen Mittheilung mir ganz beſonders ange⸗ nehm wäaͤre, nämlich die Veranlaſſung zu Deinem Einfalle, ihn als Deinen erklärten Liebhaber gelten zu laſſen?“ Allein dieß war eine Mittheilung, die ſich Iſabelle keineswegs geneigt fühlte, zu machen. Sie konnte nicht ſagen, welch' ein unbeſchreiblich großer Genuß es für ſie war, nur mit ihm in jenem unbeſtimmten, aber doch —— 198 vertraulichen Verhältniſſe zu ſtehen, das zur Folge hat,„So daß andere Männer ſich überflüſſig fühlen, kurz, wo was mich Niemand beſtimmt weiß, aber Alle errathen, daß dieſes iſt es mir o Schwanken zwiſchen einem feineren Hofmachen und der in's Klare beſtimmten Bewerbung endlich zu einer offenen Verbin⸗ ſicher ſeyn, dung führen werde. 1 ſchweben ſol Der Oberſt wartete indeſſen auf eine Antwort und„Vort nach einigen Augenblicken des Bedenkens ſagte Iſabelle! das ſtrengſte „Wenn es wirklich ſo iſt, daß mein Verhältniß zu Richard die geringſt dieſes Ausſehen hat, ſo iſt dieß doch nicht in Folge eines mache keine beſondern Planes ſo. Zwiſchen Verwandten, die ſtets als möglich mit einander leben, entſteht oft, ohne daß man es weiß, Welt etwas oder ſelbſt eine Aufmerkſamkeit darauf heftet, eine Ver⸗ Richard bra traulichkeit, welche auch die Aufmerkſamkeit Anderer nicht Iſabell erwecken ſollte. Und ſieht denn Papa, der die Zartheit hoffen; und ſolcher Dinge ſo gut zu beurtheilen verſteht, nicht ein, überzugehen daß eine Veränderung hierin treffen Nichts anderes hieße, reiſen alſo als verkündigen, daß wirklich eine Verbindung im Werke muß nothwe geweſen ſey?“—„Aber, „Ja, wahrhaftig, Iſabellchen, hierin haſt Du Recht; den und We und da Du ſo viel Vertrauen zu meinem Takte gezeigt nicht erlaube haſt, um die Sache mir anheimzuſtellen, ſo werde ich ſie„Wenn auch wohl in ein paſſendes Licht zu ſetzen wiſſen. Was Virginie un aber ſoll ans Richard werden? Er ſollte doch je eher wünſcht gew deſto beſſer darüber in's Klare geſetzt werden, woran er Richard wir ſich zu halten hat; ich fürchte, er ſchwebt in einem ver⸗„Wahr derblichen Wahne. nicht ganz g Eine tiefe Röthe flog über Iſabellens Wangen, als nicht, daß de ſogar ihr Vater, der eigenſüchtigſte der Menſchen, mehr ich laſſe Vir auf Richards Wohl Bedacht zu nehmen ſchien, als ſie„Ja, es ſelbſt. Das konnte doch im Grunde nicht möglich ſeyn. finden würd Aber das Herz, wie ſtark es auch immer ſeyn mag, hatt Tante kann ſeine großen, großen Schwachheiten. Iſabelle war ent⸗ reiſen müſſen ſchloſſen, für Richards künſtige Ruhe das größte Opfer Der O zu bringen; aber dennoch wollte ſie den Faden, der ſie Einwilligung von dem erſten Schritte zu dieſem Opfer trennte, nocht und gab deß ſo lange als möglich ausſpinnen. tigen Einwer Folge hat, kurz, wo daß dieſes n und der ten Verbin⸗ atwort und 2 JIſabelle: zu Richard Folge eines —, die ſtets an es weiß, eine Ver⸗ nderer nicht die Zartheit , nicht ein, deres hieße, g im Werke Du Recht; rakte gezeigt werde ich ſie iſſen. Was och je eher , woran er einem ver⸗ Vangen, als ſchen, mehr ien, als ſie möglich ſeyn. i mag, hat le war ent⸗ größte Opfer den, der ſie rennte, noch ——— 199 „So lange,“ ſprach ſie,„Richard nichts äußert, was mich zu einer ſolchen Erklärung berechtigen kann, iſt es mir auch unmöglich, ihn über meine Denkungsart in's Klare zu ſetzen; ſobald er dieß aber thut, kann Papa ſicher ſeyn, daß er keine Minute länger in Ungewißheit ſchweben ſoll.“ „BVortrefflich, liebe Iſabelle! Dieß iſt Alles, was das ſtrengſte Zartgefühl verlangen kann. Wenn Du aber die geringſte Rückſicht auf meine Wünſche nimmſt, ſo mache keine Scenen, ſondern laß es mit ſo wenig Eklat als möglich ausgehen! Es iſt immer unangenehm, der Welt etwas zum Schwatzen zu geben; und ich hoffe, Richard braucht darum Tyringsholm nicht zu verlaſſen.“ Iſabelle wagte in dieſer Angelegenheit Nichts zu hoffen; und da es hohe Zeit war, auf etwas Anderes überzugehen, ſo wiederholte ſie ihre erſte Frage:„Wir reiſen alſo heute oder ſpäteſtens morgen, Papa? Ich muß nothwendig heim!“ „Aber, meine Kleine, Virginiens Glück ſo den Win⸗ den und Wellen zu überlaſſen— nein, das kann ich mir nicht erlauben.“ „Wenn es ſo iſt,“ ſiel Iſabelle ein,„ſo kann ja Virginie unter Papa's Schutz hier bleiben? Die Tante wünſcht gewiß, wie ich, nach Hauſe zu kommen, und Richard wird unſer Beſchützer ſeyn.“ „Wahrlich, das wäre nicht ſo übel! Ich weiß nur nicht ganz genau, ob es ſich auch recht ſchickt; ich möchte nicht, daß die Welt auf die Möglichkeit ſchließen könnte, ich laſſe Virginie wegen des Kammerherrn da bleiben.“ „Ja, es iſt ſchwer zu wiſſen, was die Leute für gut finden würden, daruber zu ſagen, und ich glaube, die Tante kann dieſe Sache am beſten beurtheilen. Aber reiſen müſſen wir auf irgend eine Art.“ Der Oberſt fühlte, daß die Majorin nicht wohl ihre Einwilligung dazu geben konnte, Virginien da zu laſſen, und gab deßhalb nach; und nachdem die vielen und ar⸗ tigen Einwendungen des Generals beſiegt waren, wurde 200 dieſe Abreiſe auf den folgenden Tag feſtgeſetzt. Vorher hatte jedoch der Oberſt noch die außerordentliche Freude, Iſabellen berichten zu können, daß der Kammerherr ſich ausgebeten habe, bei ſeiner Rückreiſe nach Stockholm, vierzehn Tage ſpäter, einen Beſuch in Tyringsholm ab⸗ ſtatten zu duͤrfen. „Nun, was ſagſt Du jetzt, Iſabellchen? Auf meine Ehre, es iſt mir zu Muthe, als ob ich vor Freude lachen und weinen könnte. Unſre arme gute Virginie einen ſolchen Mann bekommen! Bedenke nur, wenn ich die Reiſe hieher nicht gemacht hätte! Ich war ſtets in Un⸗ ruhe wegen der Zukunft des Mädchens, und ich ſchätze mich gluͤcklich, auf dieſe Art ſie geſichert zu haben“ Der Oberſt bedachte nicht, daß die Reiſe nach Mör⸗ kedal auch ohne ſeine Geſellſchaft daſſelbe Reſultat hätte liefern können. Hedwig hatte ſich ſeit dem Ballabend nicht mehr ſehen laſſen; jetzt aber kam ſie herab, um dem Abſchieds⸗ frühſtück anzuwohnen; und wenn der Kapitän noch da geweſen wäre— er war vor drei Tagen zu den Exer⸗ zitien abgereist— ſo würde er beſtimmt geſagt haben, daß„das kleine Fräulein ſich tapfer hielt.“ Denn ihre Augen, waren ſie auch nicht ſo hell wie gewöhnlich, ſahen doch keineswegs aus, als ſeyen ſie weder mit der Sonne noch dem Meerrettig in nähere Berührung gekommenz und nicht einmal als Richard ihre Hand mit Rührung an ſeine Lippen führte, überließ ſie ſich ihren überſchwel⸗ lenden Gefühlen. Sie wollte, daß er ihr das Einzige zurücklaſſe, was er ihr geben konnte: ſeine Achtung, und dieſe las ſie in ſeinem Blick. Schon waren alle vor den Hof hinausgegangen, um die Abreiſenden an den Wagen zu geleiten, als Hedwig noch allein im Saale ſtand und ſich gegen den Thuͤr⸗ pfeiler lehnte. Ihre Wange war ſchneebleich und die zarten Glieder zitterten heftig. „Lieber Nichard, meinen Beutel!“ rief die Majorin. i Er flo umfaßte ſie „Theu Sie w Richar nicht. Abe ſeinem Ged Stürme jer und wieder fahrt hinan Es w net lag de Kirche. D Vögel miſe der Orgel. herabgekom Da w alte Kapell von Marie Verklärung und reichte Letzte verſte „Ich Spielerei! ſonſt mit beſſer, Du „Ich zu des B etwas über hat für ſie weißen Ta aufblühend „Ja, Vorher ze Freude, erherr ſich Stockholm, zholm ab⸗ Auf meine ude lachen inie einen„ n ich die ets in Un⸗ ich ſchätze ben.“ nach Mör⸗ ultat hätte nicht mehr Abſchieds⸗ n noch da den Exer⸗ ſagt haben, Denn ihre lich, ſahen der Sonne gekommen; t Rührung überſchwel⸗ as Einzige htung, und gangen, um als Hedwig den Thür⸗ ch und die ie Majorin. 5 201 Er flog wieder hinein. Er ſah Hedwig. Bebend umfaßte ſie immer feſter ihre Stütze. „Theuerſtes Fräulein Hedwig!“ Sie winkte mit der Hand ein ſtummes Lebewohl. Richard achtete ihren Schmerz: er näherte ſich ihr nicht. Aber ſo wie ſie ihm damals erſchien, blieb ſie in ſeinem Gedächtniſſe ſtehen, auch nachdem Jahre und Stürme jene wellenähnlichen Hügel fortgeriſſen, zerſtreut und wieder geebnet hatten, die wir auf unſerer Lebens⸗ fahrt hinan⸗ und hinabklimmen. Vierzehntes Kapitel. Es war Samstag Abend. Schön und friſch geord⸗ net lag der freundliche Kirchhof und die Tyringsholmer Kirche. Die Sonne glänzte über die Gräber, und die Vögel miſchten ihre Abendhymne mit den letzten Tönen der Orgel. Die weißen Tauben waren ſchon vom Dache herabgekommen, um ihr Futter zu holen. Da ward der Schlüſſel der Kirchthüre gedreht. Der alte Kapellmeiſter zeigte ſich auf der Schwelle, begleitet von Marien, auf deren ſüßem, lieblichen Antlitz eine ſtille Verklärung ruhte. Sie ſetzte ſich neben ihre Lieblinge, und reichte ihnen wie gewöhnlich den kleinen bis auf die Letzte verſteckt gehaltenen Schatz.— „Ich meine, Du biſt jetzt zu alt zu einer ſolchen Spielerei!“ ſagte der Alte, nicht ſo freundlich, wie er ſonſt mit ſeiner Tochter zu ſprechen pflegte.„Es wäre beſſer, Du brächteſt der Mutter zu Hauſe einigen Nutzen!“ „Ich habe von der Mutter die Erlaubniß erhalten, zu des Beiſitzers gehen zu dürfen: ich muß mit Anna etwas über das Brautkleid ſprechen, das ſie mich gebeten hat für ſie zu nähen.“ Und tief beugte ſich Marie zu den weißen Tauben herab; gleichwohl bemerkte der Vater die aufblühenden Roſen auf ihren Wangen. „Ja,“ ſagte er,„Beiſitzers Anna erhält einen Mann 202 und ein Brautkleid in Zucht und Ehren! Sie ſtrebt nicht weiter, als ihre Flügel ſie tragen können. Wie es da⸗ gegen mit Dir geht, das iſt eine andere Frage, da Du Dich für zu gut hieltſt, um einen ſo braven Burſchen wie den Kommiſſär zu heirathen.“ „Ach, Vater, es wird ſchon recht mit mir gehen,“ meinte Marie tröſtend. „Ja, an Hoffnungen und Einbildungen fehlte es bei Dir nicht, wie ich ſehe; aber das wird wohl auch Alles ſeyn, wenn nicht gar noch etwas Schlimmeres heraus⸗ ſpringt! Aber das ſag' ich Dir, Marie, wenn er ſeine Spaziergänge wieder anfängt,— ich ſehe ihn hie und da um das Meßnerhaus herumlaviren— ſo— jetzt paſſ' auf, was ich ſage— ſchicke ich Dich fort! Ich habe immer noch meine Auswege.“ Marie ſchwieg und zupfte an der Schürze, und der Vater Meßner, der ſah, daß er nicht in den Wind ge⸗ ſprochen hatte, befahl ihr in etwas ſanfterem Tone, Persſas Niklas zu beſuchen. Die Kirche und der Kirchhof lagen ziemlich hoch, wogegen der Hügel ſich gegen das Meßnerhaus zu ab⸗ dachte; und der Alte war kaum zur Hälfte den Abhang hinab, als Jemand mit ſolcher Heftigkeit über die gegen⸗ überliegende Mauer ſprang, daß Marie und die Tauben davon eilten; ſie nach der Oſtſeite der Kirche, und die Tauben in Kreiſen flatternd auf das Dach hinauf. Aber lief denn Marie nur zum Scherze, oder wie kam es, daß die Perſon, von der ſie auf der Südſeite floh, ſie ohne Schwierigkeit fing, als beide an der öſt⸗ lichen zuſammentrafen? Geſchah dieß vielleicht deßhalb, weil ſich der Weg an der erſtern nach mehreren Rich⸗ tungen theilte, während die letztere von Felſen begränzt war, wo ſich nur ein ungebahnter Pfad vorfand, den kaum der verwegene Fuß eines Liebenden betreten konnte? „Wie freudenreich ſind nicht dieſe theuererkauften Stunden!“ ſagte Klas Malchus, indem er, den Arm um die Geliebte geſchlungen, ſie neben ſich in das hohe, weiche Gras Marie! Sa dig gezählt 3 9.Wewif und legte i Schulter. langſam am ewigen Rech wünſche oft Samstag ſe „Und n einmal meir auch ebenſo „Ach,“ die Augen, mich auch l „Du e „Daß würdig mas „Gott biſt Du die „Ja, das thue i mir, der ei hofe, wärg Baronin, klänge— Bedenke, r wo Du ſchämteſt, dann aus wohl für daß ſie wi und daß Schwingen Schwingen „Nein lebt nicht ſe es da⸗ da Du Zurſchen 2 gehen,“ e es bei ich Alles heraus⸗ er ſeine hie und etzt paſſ' Ich habe und der Vind ge⸗ in Tone, ch hoch, zu ab⸗ Abhang ie gegen⸗ Tauben und die ff. oder wie Südſeite der öſt⸗ deßhalb, ren Rich⸗ begränzt and, den konnte? rerkauften Arm um as hohe, 203 weiche Gras zog.„Wie hab' ich nach Dir geſchmachtet, Marie! Sage mir, ob Du die Minuten ebenſo ungedul⸗ dig gezählt haſt, wie ich 2 „Gewiß weit ungeduldiger!“ antwortete Marie leiſe und legte in ſchamhaftem Erröthen ihre Wange an ſeine Schulter.„Ich bekomme oft Scheltworte, weil es ſo langſam am Webſtuhl geht; und es kommt nur von dem ewigen Rechnen her, das ſo viel Zeit wegnimmt. Ich wünſche oft, es möchte mehr als einmal in der Woche Samstag ſeyn.“ „Und wenn es dann jeden Tag Samstag wird, wenn Du einmal mein Weib biſt, Marie— wirſt Du mich dann auch ebenſo lieb haben?“ „Ach,“ ſagte Marie ſchnell und legte die Hand über die Augen,„ich habe nur eine Sorge; aber die begleitet mich auch beſtändig.“ „Du eine Sorge, Marie— welche denn?“ „Daß ich mich nie eines ſo großen Glückes werde würdig machen können, wie Du mir bereiten willſt.“ „Gott gebe nur, daß das Alles wäre, Marie! Wohl biſt Du dieſes und eines noch weit höheren würdig.“ „Ja, aber wenn ich recht darüber nachdenke, und das thue ich oft, ſo ſehe ich ein, wie vermeſſen es von mir, der einfältigen und unwiſſenden Marie vom Meßner⸗ hofe, wäre, wenn ich— ich wage gar nicht zu ſagen Baronin, obſchon ich meine, daß es ſchrecklich hübſch klänge— die Frau eines reichen Barons werden wollte. Bedenke, wenn ein Tag käme, wo Du daſſelbe meinteſt, wo Du mich vielleicht verachteſt und Dich an der ſchämteſt, die Du einſt lieb hatteſt! Ach, was würde dann aus der armen Marie werden? Dann wäre ſie wohl für ihre Einbildung geſtraft und wünſchte gewiß, daß ſie wieder mit ihren Tauben auf dem Kirchhofe ſäße, und daß ſie nicht höher hätte fliegen wollen, als ihre Schwingen ſie getragen. Aber ſie wollte ja auf Deinen Schwingen emporfliegen— das war zu vermeſſen.“ „Nein, Marie, glaube das nicht!“ ſprach Klas mit 204 einem Blicke, der aus ſeinem warmen Herzen heraus⸗ ſtrahlte.„Setze Dich getroſt auf meine Schwingen, meine liebliche weiße Taube; ich trage Dich nach meinem Neſte. Aber wie war das Andere, Marie, meinſt Du wirklich, es ſey ein gar hübſches Ding darum, einmal Frau Baronin genannt zu werden? Du biſt alſo ein wenig eitel, wie ich merke?“ Marie erröthete ſtark.„Ich glaube wohl, daß es ſehr unrecht iſt,“ ſagte ſie;„aber es kommt mir zuweilen ſo vor. Befonders...“ „Beſonders?“ wiederholte Klas lächelnd. „Möchte ich gerne Ihro Gnaden angeredet werden.“ „Gott möge mir verzeihen, Marie, aber ich glaube, Du biſt gerade wie die andern Weiber! Bedenke aber, wenn ich jetzt beſtimmt beſchlöße, daß Du niemals weder Baronin noch Ihro Gnaden genannt werden ſollteſt, ſon⸗ dern recht und ſchlecht Frau E— brand— was würdeſt Du dazu denken?“ „Ich würde dann wie immer denken,“ verſetzte Ma⸗ rie demüthig,„daß Alles, was Du thuſt, gut iſt; und wenn Du nicht wollteſt, daß ich Baronin oder Ihro Gnaden hieße, ſo ſey gewiß, daß es mir recht unangenehm wäre, wenn mich Jemand ſo nennte!“ Mariens Blick war ſo rein— die Wahrheit lag in ihm wie auf ihren Lippen— daß Klas ſie keinen Augen⸗ blick wegen etwas Anderes als einer kindlichen Eitelkeit im Verdacht haben konnte, die ſie ja immerhin haben mochte, wenn ſie ſie ihm ſtets ſo aufrichtig wie jetzt an⸗ vertraute und ſich in Allem ſeinem Willen und ſeinen Wünſchen hingab. „Nun, ſo ſollſt Du Ihro Gnaden heißen dürfen,“ ſagte er ſchmeichelnd,„aber unter der Bedingung, daß dieß Deine größte Eitelkeit ſeyn wird!“ „Nein, das wird es doch nicht ſeyn,“ fiel Marie ein; denn meine größte Eitelkeit wird es ſeyn, wenn ich Dein Weib heißen darf. Ach, wie wird das herrlich ſeyn, wen Das, das Klas mein gelie oft, wie ordnend, ſ Gang, der hin und dann aufb Dich herz' Schulter. mit einer mich nicht ein guter weiß, daß unendliche „Wie Aber ich g. gemacht he heute ſo v eben ſo ſeh vergnügt, Dann meine ſüße Glück ſtet ſchweige je Kopf an 1 „ Fi er die eben meine Bril er den Ki aus der G „Kan Mutter C Geſicht de Herzen ka mit der K in heraus⸗ chwingen, nch meinem meinſt Du m, einmal ſt alſo ein l, daß es ir zuweilen et werden.“ ich glaube, denke aber, mals weder ollteſt, ſon⸗ bas würdeſt erſetzte Ma⸗ ut iſt; und oder Ihro unangenehm rheit lag in inen Augen⸗ hen Eitelkeit erhin haben wie jetzt an⸗ und ſeinen zen dürfen,“ ng, daß dieß fiel Marie n, wenn ich das herrlich 205 ſeyn, wenn Du mich anredeſt und ſagſ Das, das wird das Allerprächtigſte ſ Klas Malchus ſchloß ſie fe mein geliebtes Weib ſollſt Du werden! Ich denke mir, oft, wie Du in mein Zimmer eintrittſt, ſo leiſe, ſo ordnend, ſo ruhig. Du haſt jenen ſtillen, gemüthlichen Gang, den ich ſo ſehr liebe. Du ſiehſt dann nach mir hin und merkſt Dir genau, ob was fehlt. Wenn ich dann aufblicke und Dich anlächle, dann ſchmiegſt Du Dich herzu und legſt Deinen Kopf wie jetzt an meine Schulter. Seh' ich nicht auf, dann weißt Du, daß ich mit einer Menge Gedanken beſchäftigt bin, worin man mich nicht ſtören darf; und dann verſchwindeſt Du wie ein guter Geiſt, der ſtets Frieden hinter ſich läßt. Ich weiß, daß Du mir nahe biſt, und darin liegt eben das unendliche Wohlbefinden.“ „Wie gut Du biſt, daß Du mir das Alles ſagſt! Aber ich glaube gewiß, ich würde es auch ohne das ſo gemacht haben! Ich bin Dir auch dankbar, daß Du heute ſo viel ſprichſt. Ich weiß wohl, daß Du mich eben ſo ſehr liebſt, wenn Du ſchweigſt; aber ich bin ſo vergnügt, wenn ich Deine Stimme höre.“ Dann möchte ich auch wohl gerne mehr mit Dir ſprechen, meine ſüße Marie; allein ich erinnere Dich, daß mein größtes Glück ſtets im Stillſchweigen beſteht! Und deßhalb ſchweige jetzt, Du kleine Schwätzerin, und lege Deinen Kopf an meine Bruſt... So iſt es gut!“—— „Ei der Teufel!“ ſagte der alte Alſing, während er die eben angelangte Zeitung herumhantierte,„ich habe meine Brille in der Kirche gelaſſen!“ Und damit nahm er den Kirchenſchlüſſel vom Nagel und Hut und Stock aus der Ecke. „Kann nicht Kajsa Liſa darnach gehen?“ ſchlug Mutter Chriſtine vor; aber Alſing ſah wohl an dem Geſicht der Mutter, daß der Vorſchlag ihr nicht vom Herzen kam, denn Kajsa Liſa ſaß eben am Webſtuhl mit der Kette in der Hand, und ihre Frau bäumte ſelbſt — 206 auf. Es wäre ein mißliches Ding geweſen, ſie jetzt fort⸗ zuſchicken. „O nein, ich kann ſelbſt gehen; ſie würde die Brille auf keinen Fall finden!“ Und der Kapellmeiſter ing. 2 Nun wird ſich wohl Niemand vorſtellen, daß Baron Klas und Marie es an der Vorderſeite des Kirchhofs gehen hörten; ſie hörten auch nicht, daß die Kirchthüre ſich öffnete, und Schritte auf der Treppe zur Empor⸗ kirche ertönten. „Da liegſt Du und ſchweigſt!“ ſagte der Kapell⸗ meiſter zu ſeiner Brille, als er ſie aus der Fenſterver⸗ tiefung nahm, wobei er ganz zufällig hinausſchaute. Aber bei dem Anblick, der dem ehrlichen Alſing hier zu Geſichte kam, ward ſein Geſicht zehnmal röther als das des Engels, der mit der Poſaune vor dem Mund über ſeinem Haupte hing. Es war nahe daran, daß der Alte ſelbſt Poſaunen geblaſen hätte. Marie, ſeine tugendſame, züchtige und ſittige Marie, ſaß in halbliegender Stellung auf dem Grashügel zur Seite des Barons; er hatte die Arme um ihren Leib geſchlungen, und ſie leiſtete nicht den geringſten Widerſtand bei den immerwährenden Küſſen. Und wie ſah ſie im Geſichte aus! Wie Cherubim und Seraphim, und gar nicht wie ſie nach der Meinung ihres Vaters von Rechtswegen hätte ausſehen ſollen, näm⸗ lich wie eine bußfertige Magdaleng. „So, ſo, iſt es um die Zeit!“ ſagte der Kapell⸗ meiſter mit tiefer ausdrucksvoller Stimme, als er mit großen Schritten die Treppe hinabging.„Der Herr ſelbſt wollte, daß ich die Brille vergeſſen ſollte, um ihr auf die Spur zu kommen. Aber warte nur, Du ſchöne Jungfer, ich will Dir küſſen!“ Und ehe Marie noch ahnte, daß ſie verrathen war, während noch der Arm des Geliebten ſie umſchloß, griff die rohe Hand ihres Vaters in ihre Haarflechten. „Auf, Du ſe chamloſes ſcheinheiliges Tugendmuſterl Auf, „Ehrſt T Gottes, T will ſehen kann!“ „Sey der bei I und ſah, Haar ſeine Marie aug „Pack ſich nicht i Marie an noch Mon ehrlichen in das Wo daß ich m dem Ober Fuß über „Schr ſagte Klas Flechten a glauben, Armen ni nung? Ei Marie iſt ſie mein B ner Famili bis in He Erklärung erlauben, d „Nein in dieſer thu' ich n ich mich ti ſich mit 2 Gedanken f jetzt fort⸗ würde die apellmeiſter daß Baron Kirchhofs Kirchthüre ur Empor⸗ der Kapell⸗ Fenſterver⸗ mausſchaute. fing hier zu her als das Mund über ſt Poſaunen züchtige und lig auf dem e die Arme te nicht den iden Küſſen. herubim und der Meinung ſollen, näm⸗ der Kapell⸗ als er mit er Herr ſelbſt um ihr auf Du ſchöne Marie noch och der Arm ⸗ Hand ihres 1 Tugendmuſterl 207 Auf, ſage ich!“ ſchrie der Alte mit bebender Stimme. „Ehrſt Du ſo Deine Eltern und das Haus Deines Gottes, Du ehr⸗ und pflichtvergeſſene Tochter! Aber ich niſ ſehen, ob ich Dir Deine Liebesgrillen nicht nehmen ann! „Seyd Ihr von Sinnen?“ brach Klas Malchus aus, der bei Mariens heftiger Bewegung aufgeſprungen war und ſah, wie der faſt wahnwitzige Greis in das ſchöne Haar ſeiner Tochter faßte.„Haltet ein, ſage ich! Laßt Marie augenblicklich los!“ „Packen Sie ſich heim, Herr Baron und legen Sie ſich nicht in meine Geſchäfte; aber ſeyen Sie ſicher, daß Marie an einen Ort kommen ſoll, wo ſie weder Sonne noch Mond beſcheint! Pfui Teufel, die Tochter eines ehrlichen Mannes zu verführen, ein unerfahrenes Kind in das Wolfnetz zu locken! Aber glauben Sie nur nicht, daß ich mich damit begnügen werde! Ich berichte alles dem Oberſten; und ſetzt der Baron noch einmal einen Fuß über meine Schwelle, ſo...“ „Schon gut, ſchon gut, bemüht Euch nicht weiter!“ ſagte Klas Malchus ruhig, und machte Mariens goldene Flechten aus den väterlichen Klauen los.„Könnt Ihr glauben, Vater Alſing, daß das Mädchen in meinen Armen nicht ſo gut verwahrt ſey, als in Eurer Woh⸗ nung? Ei, ganz gewiß! Und hört jetzt, was ich ſage: Marie iſt meine Braut, und ſobald ich mündig bin, wird ſie mein Weib; da ich aber vorher keine Unruhe in mei⸗ ner Familie machen wollte, ſo ſind wir übereingekommen, bis in Herbſt damit zu ſchweigen. Genügt Euch dieſe Erklärung, und wollt Ihr mir jetzt ohne weitern Lärm erlauben, daß ich Marien hie und da ſehen darf?“ —„Nein, meiner Seel'!“ ſagte der alte Alſing, der in dieſer Angelegenheit ein wenig mißtrauiſch war, das thu' ich nicht! Es iſt gewiß eine große Ehre, vor der ich mich tief verneige, wenn der Herr Baron gedacht hat ſich mit Marien zu vermählen; aber ſehen Sie, die Gedanken fahren und fliegen oft weit herum, und wäh⸗ 208 rend der Herr Baron an das denkt, was erſt nächſten Herbſt geſchehen ſoll, ſitzt Marie vielleicht an einem ſchönen Morgen mit einem Kind im Schooße da. Nein, davor dank' ich! Mit meinem Wiſſen werden keine ſolche Komödien geſpielt! Es ſoll ein offenes Spiel ſeyn! Entweder erkennt der Herr Baron Marie öfefentlich für ſeine Braut an, oder verſchaffe ich ihr einen Platz, wo es nicht ſo leicht ſeyn ſoll, ſie allein zu treffen; denn ſehen Sie, Herr Baron, ich bin zwar nur ein armer und einfacher Mann, aber ich habe ein ſo gutes Recht wie jeder Andere, die Ehre meines Kindes zu bewahren — falls ſie noch eine haben ſollte!“ Jetzt brach Marie in Thränen aus. „Weine nicht, meine Geliebte!“ bat Klas. Dein Vater zweifelt gewiß nicht, daß Du ſo rein biſt wie die Lilie dort, obwohl er in ſeinem Aufbrauſen ſo harte Worte ſpricht; und da Ihr, Vater Alſingz das Recht habt, es zu fordern, und Euch nicht mit etwas Gerin⸗ gerem begnügt, ſo gelobe ich Euch, mit meinem Vater zu ſprechen, ſobald er heimkehrt. Es wird, wie Ihr ſelbſt einſehen werdet, kein ſo leichtes Ding ſeyn, ſeine und meiner Mutter Einwilligung zu erhalten, aber ich hoffe ſie dennoch zu gewinnen. Sollte es dagegen ſo unglücklich ablaufen, daß ich ſie nicht bekäme, ſo wird Marie doch auf alle Fälle meine Gattin. Und jetzt, Vater Alſing, gebt uns aus vollem Herzen Euren väter⸗ lichen Segen!“ 4 „Aber, wie ums Himmelswillen!“ ſagte der Kapell⸗ meiſter, und ſchaute mit großen Augen von dem Baron auf Marie, und dann wieder auf ihn,„iſt es denn wirk⸗ lich dem Baron Ernſt, Marie zum Weib zu nehmen? Ich dachte, ſo wahr mir Gott helfe, dieß ſey nur ſo ein Geſchwätz!“ „Habt Ihr denn geglaubt, Vater Alſing, ich ſey ein ſolcher Bube, daß ich Mariens Frieden und Gluͤck zerſtören wollte? Nein, ich liebe Marie von ganzem Herzen: ſie beſitzt Eigenſchaften, die ſich für mich paſſend E machen, nem Stc darauf v Jetz Gefühle, einigte. thig, aber und ich l daß der wird. J nahm M in die ſeit Vater rei Mar ſagte ſie, gen?“ „Me rons Wor der Güte Frau mir ſam im K Verbindu vornehme nie mehr betrüben wollte G denn mei bedenke a auf Hinte noch ſchlin „Dag es nur w bald mei Eltern.“ „Der will kein Das Fida 209. eſt nächſten machen, und die ich vielleicht bei keinem Weibe aus mei⸗ an nem Stande gefunden hätte. Und ſie wird meine Gattin, da. 3 darauf verlaßt Euch!“ keine ſolche Jetzt faltete der Kapellmeiſter ſeine Hände mit einem ſeyn! Gefühle, das Andacht, Stolz und Freude in ſich ver⸗ ffentlich für einigte.„Ich bin ein geringer Mann,“ ſagte er demü⸗ Platz, wo thig, aber der Herr hat doch große Dinge an mir gethan, effen; denn und ich hoffe mit Gottes Hülfe, Marie iſt ſo erzogen, ein armer daß der Herr Baron ſeine Herablaſſung nicht bereuen gutes Recht wird. Ich gebe das Beſte, was ich habe!“ Der Alte zu bewahren nahm Mariens Hand und gab ſie dem Baron, der ſie in die ſeinige ſchloß und die andere dem überglücklichen Vater reichte. dlas. Dein Mariens Seligkeit hatte nicht ihres gleichen.„Ach,“ biſt wie die ſagte ſie,„können wir jetzt nicht bis zum Herbſte ſchwei⸗ en ſo harte gen?“ Sie ſah bittend anf ihren Vater. „ das Recht„Meinsliebes Kind, Gott weiß, daß ich an des Ba⸗ ttwas Gerin⸗ rons Worte wie an das Evangelium glaube; aber um neinem Vater der Güte und des Vertrauens willen, welche die gnädige ed, wie Ihr Frau mir immerdar erwieſen, iſt es mir unmöglich, gleich⸗ ſeyn, ſeine ſam im Komplott gegen ſie zu ſeyn. Ich weiß, daß dieſe ten, aber ich Verbindung eine große Trauer, ein harter Stoß für die Kagegen ſo vornehmen Herrſchaften ſeyn wird, und ich könnte ihnen me, ſo wird nie mehr in's Geſicht ſehen, wenn ich bei etwas, das ſie Und jetzt, betrüben wird, mitwiſſend oder mitſchuldig wäre. Nein, Euren väter⸗ wollte Gott, ich hätte überhaupt nichts davon gewußt, . denn mein Gewiſſen verbietet mir das Schweigen; und te der Kapell⸗ bedenke auch, wenn die Mutter es ausſpürte, wenn es n dem Baron auf Hintertreppen vor die Herrſchaft käme— das wäre es denn wirk⸗ noch ſchlimmer!“ 1 zu nehmen?„Das iſt wahr!“ ſagte Klas Malchus.„Verſucht ſey nur ſo ein es nur wenigſtens einige Tage geheim zu halten! So⸗ baſh mein Vater zurückkommt, ſpreche ich mit meinen ſ ich ſer tern.“ ling ic ſa„Der Kapellmeiſter verbeugte ſich vergnügt.„Ich von ganzem will kein ehrlicher Kerl ſeyn, wenn die Mutter mir an⸗ r mich paſſend Das Fideicommiß. II. 14 ——— 210 ſehen ſoll, was paſſirt iſt!“ Und nach einem herzlichen Handſchütteln mit dem Baron hatte er die Artigkeit ſich zu entfernen. Noch eine Stunde brachte Klas Malchus mit ſeiner Geliebten zu, aber nicht in ſo ſchönem, ungeſtörten Frie⸗ den, wie vorher; denn beide dachten jetzt an den Weg, den ſie zurücklegen müßten, ehe ſie auf den Schwingen der Liebe nach ihrer ſtillen Heimath fliegen dürften. Fünfzehntes Kapitel. Das Erſte, auf was Baron Klas bei ſeiner Rück⸗ kehr nach Tyringsholm ſtieß, war der Wagen des Ober⸗ ſten. Die Bedienten waren eben damit beſchäftigt, die Sachen hinauf zu tragen, und vom Saalfenſter winkte ihm Iſabelle mit dem Sacktuche entgegen. „Nun, iſt das nicht eine angenehme Ueberraſchung? Wenigſtens drei Tage früher, als Du uns erwartet haſt!“ rief Richard, der die Treppe herab kam und dem über⸗ raſchten Klas Malchus einen kräftigen Handſchlag gab. Der Baron zog ihn hinter einen Pfeiler im Oehrn. „Willſt Du hier bleiben, und die Donner des jüngſten Gerichts hören?“ fragte er mit ſchlecht verhehlter Auf⸗ regung.„Oder begleiteſt Du die Damen nach Hauſe?“ „Was gibt es denn, zum Henker? Mama und Vir⸗ ginie reiſen ſogleich ab und ich hatte die Abſicht mit ihnen zu gehen; aber kann ich Dir irgendwie zu Dienſte ſeyn, ſo bleibe ich hier!“ „Ja, thue es— denn ich will noch dieſen Abend Alles entſchieden haben.“ „Wie mein Bruder? Willſt Du ſo halsbrecheriſch zu Werrke gehen, ohne alle Vorbereitungen? Du wollteſt ja bis zum Herbſt warten?“ „Ja, aber heute Abend ward das Geheimniß von dem alten Alſing entdeckt. Ich kann ihn weder zum Stillſchweit Argwohnsg bindlichkeit da ſie ein ziemliche 2 ich will nie geſchieht.“ den Onkel gen noch 5 „Nein ſogleich au um mit n mir vielleic „Nun laß wenigf und wohl Als S umhin mit artiger und dern ſiel d davon. Der halten konn Klas Mal früher kon bedeutungss bewerben n hat, und e heißen wil Brude, ein Zukunft! „Ja, „Sie ſie könnte träumen la 211 em herzlichen Stillſchweigen nöthigen, noch bei ſeinem verzeihlichen Artigkeit ſich Argwohnsgedanken für ein ſolches Schweigen in Ver⸗ bindlichkeit zu ihm ſtehen. Ueberdieß könnte die Sache, us mit ſeiner da ſie einmal entdeckt iſt, auf irgend eine andre un⸗ eſtörten Frie⸗ ziemliche Art zu den Ohren der Meinigen kommen; und an den Weg, ich will nicht, daß dieß durch Jemand Anders als mich n Schwingen geſchieht.“ zbürften. 5 In ſo fern haſt Du ohne Zweiſel Recht; aber laß den Onkel heute Nacht in Ruhe ſchlafen. Es iſt ja mor⸗ gen noch Zeit genug!“.— „Nein, wenn ich Etwas im Kopfe habe, ſo muß es ſogleich ausgeführt werden! Jetzt bin ich gerade bei Laune, um mit meinem Vater zu ſprechen; morgen würde es ſeiner Ruͤck⸗ mir vielleicht ſchwer fallen.“ en des Ober⸗„Nun, ſo geſchehe es denn, wie Du willſt! Aber ſchäftigt, die laß wenigſtens Mama und Virginie ihren Thee trinken fenſter winkte und wohl in den Wagen kommen.“ Als Klas Malchus eintrat, konnte der Oberſt nicht eberraſchung? umhin mit Vergnügen zu bemerken, daß ſeine Verbeugung wartet haſt!“ artiger und tiefer war, als gewöhnlich. Sogar den An⸗ nd dem über⸗ dern ſiel dieß auf; aber Niemand dachte an die Urſache ſchlag gab. davon. r im Oehrn. Der Vater, der ſeine Neuigkeit nicht länger zurück⸗ des jüngſten halten konnte, zog ihn an ein Fenſter.„Denke Dir nur, rhehlter Auf⸗ Klas Malchus, in vierzehn Tagen oder vielleicht noch ach Hauſe?“ früher kommt einer hierher.“— Der Oberſt blinzelte mma und Vir⸗ bedeutungsvoll— der ſich um unſere artige Virginie hht mit ihnen: bewerben wird, auf die noch Niemand ein Auge geworfen Dienſte ſeyn, hat, und ein Freier iſt das, mußt Du wiſſen, der etwas heißen will— ein reicher Herr, ein Kammerherr von dieſen Abend Brude, ein wahres Genie, mit großen Ausſichten für die Zukunft! Nun ſprich!“ war die Reiſe kein Glück. halsbrecheriſch„Ja, ja, es klingt ſo; aber iſt auch ſie ſo entzückt?“ Du wollteſt„Sie ahnt, wie ich glaube, ihr Glück noch nicht— ſie könnte ſich ja auch nie von einer ſolchen Parthie heimniß von träumen laſſen!“ weder zum 14* —— 212 „Was ſagt Papa? Sollte ein junges hübſches Fräu⸗ lein aus einer guten Familie ihre Träume nicht einmal bis zu einem Kammerherrn erheben dürfen?“ „Ja zu einem armen Kammerherrn, das hätte nichts auf ſich; aber ein reicher, und ein Mann von einem ſol⸗ chen Genie und ſolchen Verbindungen, das muß man zugeben, iſt wahrhaftig eine ungleiche Parthie!“ „O man hört oft noch von ungleicheren Parthieen!“ erwiederte Klas etwas barſch. Alles Ueberreden von Seiten der Baronin, um die Majorin zurückzuhalten, war vergeblich. Sie ſehnte ſich nach Hauſe, und nach einer halbſtündigen Raſt ſaß ſie mit Virginien im Wagen. „O wie gut werde ich heute Nacht ſchlafen!“ ſagte der Oberſt zu ſeiner Frau.„Wir werden nicht zu ſpät ſoupiren, meine Liebe! Ich hoffe, es iſt ſchon weit an der Uhr— ein Viertel auf Zehn.“ Richard ſchickte einen Blick nach dem Baron hin⸗ über, als wollte er ihn noch einmal um des Oberſten Nachtruhe bitten, allein vergebens. Es war eine Art Wuth über unſern ehrlichen Klas Malchus gekommen. Er wollte ſeinem Vater durchaus keine Ruhe gönnen, bis er ſelbſt welche hätte. 3 Die Familie war in den kleineren Zimmern. Iſa⸗ belle hatte ſich in einer Ecke des rothen Sopha's nieder⸗ gelaſſen; Richard legte die Polſter zurecht und ſetzte ſich dann auf das Tabouret neben ihr, während er in einem Band Gedichte blätterte. Der Oberſt ſaß mit ſeiner Frau in dem gelben Kabinete und weihte ſie in daſſelbe Geheimniß ein, das er eben Klas Malchus anvertraut hatte, und dieſer ging zwiſchen beiden Zimmern aus und ein. Endlich blieb er auf der Schwelle ſtehen und ſagte ſchnell:„Wenn Papa erlaubt, ſo habe ich einige Worte mit Papa und Mama allein zu ſprechen!“ Und dabei zog er, ohne eine Antwort zu erwarten, die Thüre zu, Nichard und Iſabellen allein laſſend. „Was um's Himmelswillen ſoll das bedeuten, Ri⸗ chard?“ ſa ſchloſſen? „Ein antwortete Gedanken, ſo nahe 3 kommt auch ſeyn... geſprochen 4 „Theu was ſoll de tige Wende „Kenn begehrt in ten wird, Marien.“ Iſabel Kopf.„ doch auf R hätte!“ „Es it ten!“ ſeufzt herab. Si „Etwa Klas Malc ob eine ei Schultern kaltes Waf ihrer nervi Tod. Gott gewiß war Traume gli „Ja, ſpreche, wir alle möglie Herrn von Abſicht, eir Q hübſches Fräu⸗ nicht einmal 4 5 hätte nichts on einem ſol⸗ s muß man ie!“ 1 Parthieen!“ onin, um die Sie ſehnte ſich Raſt ſaß ſie lafen!“ ſagte nicht zu ſpät ſchon weit an Baron hin⸗ des Oberſten var eine Art s gekommen. kuhe gönnen, mmern. Iſa⸗ pha's nieder⸗ und ſetzte ſich d er in einem ß mit ſeiner ſie in daſſelbe us anvertraut nern aus und hen und ſagte einige Worte Und dabei die Thüre zu, edeuten, Ri⸗ 213 chard?“ ſagte Iſabelle:„Ich glaube, er hat uns einge⸗ ſchloſſen? Was iſt das?“ „Ein ſehr ernſter Augenblick für Klas Malchus!“ antwortete Richard leiſe.„Ich ſchaud're beinahe bei dem Gedanken, dem wichtigſten Wendepunkte in meinem Leben ſo nahe zu ſtehen. Ach, Iſabelle, dieſer Wendepunkt kommt auch bald für mich, er kann nicht mehr ſehr weit ſeyn... Es iſt ganz ſtülle drinnen; hat er noch nicht geſprochen?“ „Theurer Richard, Du ſetzeſt mich in Erſtaunen— was ſoll denn Klas thun? Was ſind denn das für wich⸗ tige Wendepunkte, von denen Du ſprichſt?“ „Kennſt Du mehr als einen ſolchen? Klas Malchus begehrt in dieſem Augenblick, was er vielleicht nie erhal⸗ ten wird, die Einwilligung zu ſeiner Verbindung mit Marien.“ Iſabelle ſchüttelte mit einer traurigen Miene den Kopf.„Schon!“ ſagte ſie langſam;„und ich freute mich doch auf Ruhe! Wenn er nur noch einige Zeit gewartet hätte!“ „Es iſt nicht ſo leicht, immer und immer zu war⸗ ten!“ ſeufzte Richard und beugte ſich zu Iſabellens Hand herab. Sie wurden Beide ſtille. „Etwas allein mit uns?“ fragte der Oberſt, als Klas Malchus die Thüre ſchloß, und es war ihm, als ob eine eiskalte Hand ihm einen Schlag zwiſchen die Schultern gegeben hätte, worauf es ihm beſtändig wie kaltes Waſſer auf⸗ und niederlief. Die Baronin mit ihrer nervöſen Beängſtigung ſaß ſchon blaß da wie der Tod. Gott weiß, was ſie Alles zu hören erwartete; gewiß war es etwas, das Nichards improviſirtem Traume glich. „Ja, Papa, ſo iſt es; doch ehe ich ein Wort weiter ſpreche, will ich zum Voraus erklären, daß Papa ſich auf alle mögliche Fälle ſo lange er lebt, als eigentlichen Herrn von Tyringsholm anſehen kann. Ich habe die Abſicht, einen andern Wohnort zu wählen. 214 „Was ſoll das heißen?“ fragte der Oberſt.„Wenn „A Du mit irgend Etwas unzufrieden biſt, und Tyringsholm nicht groß genug für uns Beide iſt— ſo biſt nicht Du es, der ſein Eigenthum verlaſſen ſoll.“ „Doch, Papa, ich wünſche es! Ich wünſche es auf⸗ richtig, und aus keiner andern Urſache, als weil Tyrings⸗ holm für mich zu groß iſt. Ich kann in dieſen weit⸗ läufigen Zimmerreihen nicht gedeihen. Ich habe die Abſicht, nur einen ganz kleinen Hof zu kaufen, wo ich Alles nach meinem eigenen Kopfe einrichten will; und deßhalb verlaſſe ich Tyringsholm, verlaſſe es für immer.“ Der Oberſt und ſeine Frau wechſelten einen langen Blick. Sie ließ den Kopf tiefer ſinken, er ſtand langſam auf, und Klas Malchus fühlte ſich beinahe durch den Ausdruck in ſeines Vaters Auge erſchreckt. „Ich hoffe, mein Sohn, kein böſer Traum hat Macht über Dich bekommen? ſagte der Oberſt, nicht laut, nicht gebietend, nicht ſelbſtbewußt und ſtolz, wie er gewöhnlich ſprach; nein, es lag beinahe etwas Demüthiges in ſeiner Stimme. „Nicht ſo, mein Vater; dieſer Traum iſt kein böſer Traum! ſagte ich es nicht immer, ſchrieb ich es nicht, daß ich hier nur das fünfte Rad am Wagen ſeyn würde? Papa hat ja mehrere unzweideutige Beweiſe von der Unmöglichkeit mich umzuſchaffen erhalten. Die Natur wollte mich zu keinem Lichte, noch auch zu einem Welt⸗ manne machen, oder ohne Zweifel war es ein Mißgriff, daß ich als Majoratserbe geboren wurde. Richard. Die Baronin fuhr auf und ſtieß einen hyſteriſchen Laut aus, wie ein ſchwacher Schrei. Der Oberſt er⸗ blaßte, und warf einen Blick auf ſein Weib, einen Blick, der eine furchtbare Drohung enthielt, während Klas un⸗ vermögend die wechſelnden Bewegungen auf dem Antlitz ſeiner Mutter zu beurtheilen, fortfuhr:„Richard iſt zum Majoratsherrn wie geboren!“ „Iſabelle, hörteſt Du den Schrei?“ ſagte Richard und drückte heftig ihre Hand gegen die Stirne. „Ja Gotteswil und Dein ſtille— „Ich Hand auf Leben, m Welt! 2 rühren n zerſtören, doch hina nicht, wo daß ich n „Me noch!“ ſo zuſammen „Ich aber wen und Leben ſehr ich J „The ſtill, ſtil ruhig!“ 3 Da Deinen l Alles beh Es für Fieber bemächtigt Gefühle ſchüttert, begriff ſie ausgeſtoße Worten ir Nie bitterere Sprößling erſt.„Wenn Tyringsholm biſt nicht Du inſche es auf⸗ weil Tyrings⸗ m dieſen weit⸗ ſch habe die ufen, wo ich n will; und für immer.“ einen langen tand langſam he durch den im hat Macht ht laut, nicht er gewöhnlich igges in ſeiner iſt kein böſer ich es nicht, ſeyn würde? fiſe von der Die Natur einem Welt⸗ ein Mißgriff, ichard... i hyſteriſchen Oberſt er⸗ einen Blick, und Klas un⸗ dem Antlitz hard iſt zum agte Richard „Ja, es war Mama; aber, Richard, was um Gotteswillen kommt Dich an? Deine Wangen brennen und Deine Augen glühen! Wo willſt du hin? Bleibe ſtille— Du willſt doch nicht hinein?“ 1 „Ich wußte es, ich wußte es, Iſabelle! Lege Deine Hand auf meine Stirne! Ich liebe Dich mehr als mein Leben, mehr als meine Seele, mehr als alle Güter der Welt! Nein, ich ſchwöre, daß ich dieſes Eine nicht be⸗ rühren will; es würde Deine Ruhe, Deinen Frieden zerſtören, und was hälfe es dann mir? Aber 1i0 ann doch hinaus! Nein, nein, halte mich feſt, ſo! u ſiehſ nicht, was in meiner Seels vorgeht; aber glaube nicht, ß ich wahnſinnig bin!“ daß dendein deno guter Richard, ich fürchte es den⸗ noch!“ ſagte Iſabelle bekümmert.„Du ſprichſt ſo un⸗ nmenhängend.“ zuſrndenhiuga wohl im Zuſammenhange ſprechen; aber wenn ich auf Dich ſehe, Du Herz meines Leibes und Lebens... Iſabelle, Du wirſt nie begreifen, wie ehr ich Dich liebe!“. lehr dheurer Richard, es wird ſo laut da drinnen; ſtill, ſtille wir werden bald davon ſprechen! Sey nur ruhig!“—— „Darf ich meinen Kopf ſo auf das Kiſſen neben den Deinen legen? Ach, wie das kühlt! Jetzt mögen ſie Alles behalten!“ 1— Es war Iſabellen unmöglich herauszubringen, was für Fieberphantaſien ſich Richards ruhigen, klaren Kopfes bemächtigt haben mochten; und ihre Sinne wie ihre Gefühle waren in dieſem Augenblicke ſo getheilt und er⸗ ſchüttert, daß ſie nichts Einzelnes feſthalten konnte; doch begriff ſie, daß der ſeltſame Schrei, den ihre Mutter ausgeſtoßen hatte, mit Klas Malchus zuletzt geſprochenen Worten in Verbindung ſtehen müßte.“ Nie in ſeinem ganzen Leben hatte der Oberſt eine bitterere Stunde erlebt, als jetzt. Sein Sohn, der Sprößling, auf den und für den er ſo große Plane ge⸗ 216 baut hatte, durchkreuzte ſie Alle mit einem einzigen Strich. Was gibt es Erbärmlicheres, was Trügeriſcheres, als die Berechnungen der Menſchen? Dieſes Tyringsholm, dieſes unglückſelige Fideicommiß, das dem Oberſt ſo manche ſchlafloſe Nacht ſchon vor der Geburt des Soh⸗ nes gekoſtet hatte, warf dieſer jetzt nun gar weg, als ob es ein Nichts wäre. Statt die Würde der Familie auf ihrem Stammſitze aufrecht zu erhalten, wollte er ſich in Staub und Vergeſſenheit in irgend einem unbedentenden unbekannten Winkel verbergen— der Sohn deſſelben Vaters, welcher der glänzenden Außenſeite des Lebens Alles geopfert hatte! Und noch hatte der Oberſt erſt nicht das Schlimmſte gehört. „Klas Malchus“ ſprach er mit unverſtellter Rüh⸗ rung,„ich hoffe, es wird ein Tag kommen, wo Du das faſt Wahnſinnige dieſer Ideen einſiehſt, und wo Du es bereuen wirſt, durch ſolche Vorſchläge einen Vater ge⸗ kränkt zu haben, der ſeine ganze Hoffnung auf Dich ſetzte! Noch mehr, ich hoffe Dich zu überreden, daß Du von dieſem Vorſatze abſteheſt. Was wird die Welt dazu ſa⸗ gen, wenn ſie erfährt, daß Du Dein großes, magnifikes Beſitzthum verläßſt, um Dich wie der unbedeutendſte Landjunker in einem Bauernneſte niederzulaſſen?“ Die Welt kann dazu ſagen, was ſie will; es wird ſich eher darum handeln, was Papa und Mama dazu ſagen, wenn ich ihnen die Neuigkeit mittheile, daß ich mich nicht allein nach meinem neuen Wohnort begeben werde; ich will eine Begleiterin dahin mitnehmen, die ebenſo wenig wie ich für Tyringsholm paſſen würde.“ Jetzt konnte der Oberſt kaum mehr athmen. „Immer beſſer!“ ſagte er mit unnatürlicher Kälte. „Nun wie heißt ſie denn, die Du auf dieſe legére Art einführſt? Ich hoffe ſie iſt von der Art, daß ſie ſich an der Seite der Damen nicht zu ſchämen braucht, die vor dem in dieſe Familie eingetreten ſind, und deren Por⸗ traits beweiſen, daß ſie zu der einzigen Klaſſe gehören, aus der ich eine Schwiegertochter gut heißen kann!“ „We einſt einen einzuräum ſchämen ſe auf irgend nenne.“ „Nei aus,„D Alles von Baſtard! wenn Du binden war Gattin— geſehen. Seele ewi Feindſchaft Klas gen durch etwas zu nicht ſchon Die 8 uns nicht mehr ſehen um meinety —„Mein dieſer für Weder Dro das Gering will auf me Weib, ſo w „Son melte der O ewige Trem die Verachtu „Von der Haß läf Iſabelle iſt: gen Strich. heres, als -ringsholm, Oberſt ſo des Soh⸗ ig, als ob amilie auf er ſich in bedeutenden deſſelben des Lebens Oberſt erſt ellter Rüh⸗ vo Du das vo Du es Vater ge⸗ Dich ſetzte! 3 Du von dazu ſa⸗ magnifikes pedeutendſte 2 ; es wird ama dazu „ daß ich rt begeben hmen, die n würde.“ — 1. ther Kälte. gere Art ſie ſich an „ die vor leren Por⸗ gehören, nn!“ —— „Wenn mein Vater die Güte hat, ihrem Portrait einſt einen Platz unter den übrigen Damen der Familie einzuräumen, ſo bin ich gewiß, daß dieſe ſich ihrer nicht ſchämen ſollen; und ich glaube auch nicht, daß ich Euch auf irgend eine Art überraſche, wenn ich Marie Alſing nenne.“ „Nein,“ brach der Oberſt in bitterem eiſigem Hohne aus,„Du überraſcheſt mich keineswegs! Ich war auf Alles von Dir gefaßt, Du Unglücksvogel, Du entarteter Baſtard! Aber höre jetzt ein für alle Mal mein Wort: wenn Du Dich mit einem ſo niedrigen Weſen zu ver⸗ binden wagſt, ſo“— der Oberſt zeigte auf ſeine zitternde Gattin—„ſo haſt Du Deine Mutter zum letzten Male geſehen. Wir verlaſſen Tyringsholm, und bei meiner Seele ewiger Seligkeit ſchwöre ich, daß zwiſchen uns Feindſchaft ſeyn ſoll bis zum Tode!“ Klas Malchus fühlte ſein Blut in ſtärkeren Wallun⸗ gen durch ſeine Adern rinnen.„Mein Vater, das ſind etwas zu ſtarke Worte! Sie meine Mutter— hat ſie nicht ſchon genug gelitten?“ Die Baronin ſchluchzte laut:„Klas, Klas, thue uns nicht dieſen Jammer an! Ich darf Dich nie, nie mehr ſehen! Du kennſt Deinen Vater! Thue es nicht um meinetwillen!“ „Meine theure, geliebte Mutter, ich kann mich in dieſer für mich ſo wichtigen Sache nicht leiten laſſen. Weder Drohungen, noch Bitten, noch Thränen vermögen das Geringſte an meinem Entſchluſſe zu ändern. Ich will auf meine Art glücklich ſeyn, und Marie wird mein Weib, ſo wahr ich lebe!“ „So möchteſt Du denn lieber vorher ſterben!“ mur⸗ melte der Oberſt. Laut aber ſagte er:„Du wählſt alſo ewige Trennung, den ewigen Haß Deiner Eltern, und die Verachtung aller ehrenhaften Leute?“ „Von Verachtung kann nicht die Rede ſeyn, und der Haß läßt ſich beſänftigen. Papa hat noch ein Kind. Iſabelle iſt dazu geboren, in der Welt zu glänzen, ich 218 um meinen eigenen ſtillen Weg zu wandern. Es iſt nicht meine Schuld, daß Natur und Schickſal, und viel⸗ leicht auch noch manche andere Verhältniſſe, die ich nicht nennen will, mich ſo geſtalteten. Genug, ich bin nicht für die Welt. Laſſet mich alſo in Frieden ohne ſie glücklich ſeyn.“ „Ich kann Dich nicht daran hindern, und werde, ſobald es thunlich iſt, unſern Auszug veranſtalten! Es i*ſt alſo überflüſſig, daß Du ſortziehſt.“ „Mein Abgang geſchieht ohne alle Umſtändlichkeiten. Ich haſſe dieſes Tyringsholm, das mein Unglück ſtatt mein Glück gemacht hat; und wenn Papa es verſchmäht, daſſelbe zu bewohnen, ſo verpachte ich das Gut, denn ich werde mich niemals hier wohl fühlen.“ „Kannſt Du mit dem Fluche Deines Vaters und den Thränen Deiner Mutter als Hochzeitgabe irgendwo glücklich werden?“ 5 „Nicht ſo glücklich, wie ich es mit der Einwilli⸗ gung meiner Eltern hätte ſeyn koͤnnen; aber in der Ue⸗ berzeugung, daß nur ein unnatürliches Vorurtheil dieſe tiefe Bitterkeit veranlaßt, werde ich ſie ertragen können, und doch glücklich ſeyn, denn ich habe mir nichts vor⸗ zuwerfen. Aus aufrichtigem Herzen ſpreche ich zu Euch: nehmt all' meine irdiſchen Güter, laßt mir nur den Frie⸗ den meiner Seele!“ „Nein, ach nein, es iſt nicht möglich!“ brach der Oberſt in einem neuen Tone aus, in einem Tone, der eine herzzerreißende Qual ahnen ließ. „Nein, mein guter, mein geliebter Sohn, Du willſt nicht, daß ich verrückt, elend werde, an Gottes Barm⸗ herzigkeit verzweifle! Klas Malchus, ich“— der Oberſt ſchwieg; mit ſtarken Schritten ging er im Zimmer auf und nieder—„ich... Du weißt nicht, was ich für Dich gethan habe! Genug, mein Sohn, es war viel! Ver⸗ urtheile mich nicht zu ſchrecklicheren Qualen, als meine Kraft auszuhalten vermag! Und gibt es eine größere als Dich, Dtch, den ich ſo hoch heben wollte, ſo tief ſinken zu chus, ſie lange ich Die waren au Handlung er ſchob führte, un ſtellten G Klas furchtbar Baronin fen war. von ihrer fiel jedoch gen vermo Von nach dem lauſchender Richard's letztern Tl immer ſtä was im Die Baro Beſinnung der kalten aber wüthe theilnehmen ſchwoce D Vernunft; Aber ſchloſſene 2 geblich wä Es w mile ſich t wie das S lichen Höll Es iſt und viel⸗ ich nicht bin nicht ohne ſie nd werde, lten! Es dlichkeiten. glück ſtatt herſchmäht, „ denn ich zaters und irgendwo Einwilli⸗ in der Ue⸗ rtheil dieſe en können, nichts vor⸗ zu Euch: den Frie⸗ brach der Tone, der „Du willſt ttes Barm⸗ der Oberſt bimmer auf ſch für Dich iel! Ver⸗ als meine ine größere ltte, ſo tief 219 ſinken zu ſehen? Meine Kraft iſt erſchöpft! Klas Mal⸗ chus, ſieh' Deines Vaters Thränen! Ich habe nie, ſo lange ich mich erinnern kann, geweint, bis heute!“ Die Stärke und Selbſtbeherrſchung des Oberſten waren auch wirklich dahin; ſeine letzte Kraft war einer Handlung geweiht, die den ſtolzen Mann charakterifirte: er ſchob den Riegel vor die Thüre, die zum Saale führte, und ſank dann, die Hände vor dem entſetzlich ent⸗ ſtellten Geſichte, auf einen Seſſel nieder. Klas Malchus ſtand da, erſchrocken über dieſen furchtbar peinlichen Anblick. Mit Schaudern las die Baronin in ſeinen Zügen, daß keine Aenderung zu hof⸗ fen war. Da, in dieſem fürchterlichen Momente ſank ſie, von ihrer Angſt überwältigt, zu den Füßen des Sohnes, fiel jedoch in Ohnmacht, ehe ſie ein Wort herauszubrin⸗ gen vermochte. Von Unruhe erfaßt, rieß Klas Malchus die Thüre nach dem rothen Kabinete auf. Iſabelle ſaß aufrecht in lauſchender Haltung auf dem Sopha; ihre Hand war in Richard's geſchloſſen, deſſen glühende Hitze während des letztern Theils der von außen vernommenen Unterredung immer ſtärker geworden war. Bei dem Anblick deſſen, was im andern Zimmer vorging, ſprangen beide auf. Die Baronin wurde aufgehoben und bald wieder zur Beſinnung gebracht; aber der Oberſt ſaß da, ein Bild der kalten Verzweiflung. Sein Schmerz war ſtumm, aber wüthend. Als Iſabelle ſeine Hand ergriff und ihn theilnehmend betrachtete ſagte er qualvoll:„Ich be⸗ ſchwore Dich, mache wenigſtens den Verſuch, ihn zur Vernunft zu bringen!“ Aber ein einziger Blick auf Klas Malchus ent⸗ ſchloſſene Miene überzeugte ſie, daß alle Verſuche ver⸗ geblich wären. Es war tief in der Nacht, als die Glieder der Fa⸗ mile ſich trennten. Klas Malchus Entſchluß ſtand feſt wie das Schickſal; aber er hatte, um nicht in einer täg⸗ lichen Hölle zu leben, erklärt, daß der Reſt der Zeit, 220 bis er mündig würde, reiſen wolle. Dann erſt würde er zurückkehren. Bei dieſer Nachricht athmete der Oberſt wieder etwas auf. Er bekam wenigſtens Zeit zum Nachſinnen; und es war eine Art Erleichterung für ihn, daß er Klas Malchus wenigſtens ein paar Monate lang— und die konnten manche Veränderungen mit ſich bringen— nicht unter dem Einfluſſe der gefährlichen Sirene wußte. Jetzt ſaß der Baron auf ſeinem Zimmer, den Kopf in die Hand geſtützt. Richard ging neben ihm auf und nieder; Keiner dachte daran zu ruhen. „Möchte ich nie mehr einen ſo ſtürmiſchen Abend erleben!“ ſagte Klas Malchus.„Es iſt doch fürchter⸗ lich, wie verrückt ein elendes Vorurtheil ſonſt kluge Leute machen kann! Ich reiſe; aber, Richard, in Deine Ob⸗ hut gebe ich ſie, die mir Alles iſt und ſeyn wird. Sehe ſie als meine Braut an, und behandle ſie ſo!“ „Wenn ich nicht ſelbſt im Tollhaus ſitze, bis Du wiederkommſt, werde ich Deinen Auftrag auszuführen ſuchen!“ erwiederte Richard, deſſen verdrehte Züge Klas Malchus erſt jetzt in die Augen fielen. „Haſt auch Du eine Stunde der Hölle gehabt?“ fragte der Baron verwundert. „Ja, und das eine ſehr heiße!“ Richard drückte ſeine feſt verflochtenen Hände gegen einander. „Nun, ſo erzähle, und laß uns unſere Schmerzen zuſammen gießen. Hat Iſabelle Dir eine abſchlägige Antwort ertheilt?“ Richard fuhr zuſammen.„Klas,“ rief er mit faſt wahnſinniger Wildheit,„wie bringſt Du dies Wort über Deine Lippen? Wenn Iſabelle mein Herz zurückweist — dann, dann...“ Klas Malchus trat zu ihm; die Bewegungen, die auf Richards blaſſem Geſichte kämpften, ließen ihn ſeine eigenen Leiden vergeſſen. Klas Malchus liebte heiß und tief, er liebte von ganzer Seele; aber doch waren die Gefühle, die in ſeinem Herzen lebten, nur Windſtillen, gegen die rißen, ur er erfahr „Sp noch heut ſtarrte w Hand au „Nei Dich beu auf der wir wiede „Kla folg? No Klas, w heimniſſe, „Gel ſie nicht n „Nei verrathen ich ſie nich mich?“ „O nachdenke, Hand aus nehmen. ſelbſt! H ſcheiden!“ „Sie derhaft.“ „Sey wenn Du paßte ſich ſten Wink gleiten wil „Ich klar könntg würde wieder jſinnen; er Klas und die — nicht en Kopf auf und 1 Abend fürchter⸗ ge Leute eine Ob⸗ d. Sehe zuführen ige Klas Behabt?“ drückte chmerzen bſchlägige mit faſt Vort über nrückweist ngen, die ihn ſeine heiß und waren die gindſtillen, 221 gegen die ungezügelten Stürme, die Richards Bruſt zer⸗ rißen, und jetzt durch die heftigen Erſchütterungen, die er erfahren, bis ins Unendliche geſteigert waren. „Sprich nicht davon! Ich weiß nicht, was ich nicht noch heute Abend thue!“ ſagte Richard, und ſein Blick ſtarrte wild auf den Freund, der ihm vertraulich die Hand auf die Schulter legte. „Nein, mein beſter Richard, ich ſage nichts, was Dich beunruhigen könnte. Vielleicht begleiteſt Du mich auf der Reiſe, und warteſt mit Deiner Werbung, bis wir wieder heimkehren.“ „Klas, bezweifelſt Du denn einen glücklichen Er⸗ folg? Nein, ich kann nicht reiſen— ſie bedarf meiner! Klas, wenn Du Alles wüßteſt! Dieſe gräßlichen Ge⸗ heimniſſe, die in meiner Seele ruhen!“ „Geheimniſſe in Deiner Seele, Richard? Kannſt Du ſie nicht mir anvertrauen, der Dich ſo treu liebt?“ „Nein, das iſt unmöglich; ich wage ſie nicht zu verrathen! Aber wie kommſt Du auf den Glauben, daß ich 8 nicht erringen könnte! Iſt ſie nicht zärtlich gegen mich?“ „O gewiß, und ſo ſehr, daß, wenn ich darüber nachdenke, es mir vorkommt, als braucheſt Du nur die Hand auszuſtrecken, um Dein Glück in Empfang zu nehmen. Aber warum zögerſt Du? Du verzehrſt Dich ſelbſt! Habe doch den Muth, Dein Schickſal zu ent⸗ ſcheiden!“ „Sie vermeidet dieß immer. Das macht mich zau⸗ derhaft.“ „Sey gewiß, daß ſie Dir nicht ausweichen wird, wenn Du in Ernſt ihre Entſcheidung begehrſt; und das paßte ſich nie beſſer als jetzt, wo Du nur den gering⸗ ſten Wink geben darfſt, daß Du mich auf der Reiſe be⸗ gleiten willſt.“ „Ich will darauf denken, wenn ich es nur recht klar könnte— aber ich bin in Fieberhitze!“ 222 Es tagte, ehe die beiden aufgeregten jungen Män⸗ ner an Schlaf dachten. Die Woche, welche dazu erforderlich war, um Klas Malchus Angelegenheiten für eine Reiſe in Ordnung zu bringen, verſtrich in einer ſchrecklich unbehaglichen Stimmung für die Familie. Kein Wort weiter ward über die Sache geſprochen, die einmal abgemacht warz aber die unaufhoͤrlichen Thränen der Baronin und des Oberſten eiſige Kälte und Stille verkündeten zur Ge⸗ nüge, wie die Sachen ſtanden. Den größten Theil dieſer Woche hatte Richard in Tjällſtorp zugebracht. Seine Kämpfe wollten nicht en⸗ digen. Er wußte, daß es ihm jedenfalls unmöglich ſeyn wuürde, Klas Malchus Vorſchlag anzunehmen; er konnte Iſabellen nicht verlaſſen, und wozu nützte es denn, mit einem Schritte zu übereilen, was einmal entſchieden und mißlungen ihn an den Rand des Abgrunds und der Ver⸗ zweiflung bringen mußte? Beſtändig munterte ihn Klas Malchus Blick auf, und Iſabelle wich ihm nicht aus; aber deſſen ungeachtet, oder vielleicht gerade deßhalb ließ er es ſeyn, wie es war, deun es war doch noch immer ein Himmel gegen das, was es werden konnte. Mit ſtillem Schmerz ſah die zärtliche Mutter des Sohnes Unruhe und Traurigkeit, aber ſie wagte es nicht, ihm Troſt zu geben, denn es war ihr unmöglich, Iſa⸗ bellens Gefühle richtig zu beurtheilen. Die Majorin ahnte nichts von der andern großen Unruhe, die mit ſeiner Liebe verknüpft und wieder getrennt, in Richards Bruſt herrſchte. Während dieſer langen und peinlichen Tage traf Klas Nalchus Marien nur ein paar Male. Sie war ſtärker, als er erwartet hatte, und er liebte ſie darum nur noch mehr. Auch er war jetzt ruhiger; denn Iſabelle hatte Klas heilig verſprochen, Marie auf alle Art zu beſchützen, wenn der Oberſt es verſuchen ſollte, ſich ein Recht über ſie anzumaßen. Der alte Alſing war ſehr froh, daß mau ihn nicht mit in die Sache verwickelt hatte, und nicht wenig die Zeit, d reiſen wollt vollkommen nerhauſe n bald zu d dürfen. Es iſt den wellene lienleben, g möchte, we lauter Angſ von dem 2 dahingefahre mand komm einfinden kön In rul lag Iſabelle hatte eine noch ſchlimn Wink darübe entſchloſſen h bereitete ſich ihres Lebene hatte ſie Ric eines Pferdes Klas 2 und ſchrieb ſollte Marie der andere gleich zärtlich Die Ba nete unter t und dachte d durch den G Und der Obe Roſen? Es Män⸗ m Klas Drdnung aglichen r ward ht war; und des zur Ge⸗ chard in nicht en⸗ lich ſeyn r konnte un, mit eden und der Ver⸗ hn Klas cht aus; hhalb ließ ch immer utter des es nicht, ich, Iſa⸗ Majorin die mit Richards traf Klas ar ſtärker, nur noch delle hatte beſchützen, kecht über froh, daß hatte, und 223 nicht weniger war er damit zufrieden, daß der Baron die Zeit, die noch bis zu ſeiner Mündigkeit übrig war reiſen wollte; bis zu ſeiner Rückkehr ſollte es natürlich vollkommen geheim gehalten werden, daß man im Meß⸗ nerhauſe mit dem vornehmen Gedanken umgehe, ſich bald zu der Verwandtſchaft des Oberſten zäͤhlen zu dürfen. Es iſt ein gar nicht ſeltener Fall, daß mitten unter den wellenähnlichen ſchmerzlichen Brechnungen im Fami⸗ lienleben, gerade wenn man ſich in ſich ſelbſt verſchließen möchte, wenn man gleichſam wie auf Nadeln geht, laus lauter Angſt, es möchte jetzt Jemand kommen, und Zeuge von dem Wirwarr ſeyn, und die Nachwehen von dem dahingefahrenen Orkan ſchauen— daß gerade dann Je⸗ nand kommt, der ſich wohl zu einer gelegeneren Zeit hätte einfinden können.* In ruhender Attitüde, ohne jedoch Ruhe zu finden lag Iſabelle auf der Cauſeuſe in ihrem Pavillon. Sie hatte eine ſchwere Stunde gehabt, und erwartete eine noch ſchlimmere; denn Klas Malchus hatte ihr einen Wink darüber gegeben, daß Richard ſich möglicherweiſe entſchloſſen haben könnte, ihn zu begleiten, und Iſabelle bereitete ſich vor, vielleicht noch dieſen Abend der Freude ihres Lebens Fahrewohl zu ſagen. Seit zwei Tagen hatte ſie Richard nicht geſehen; ſie lauſchte auf Hufſchlag eines Pferdes, allein ſie hörte nichts. n9 Klas Malchus ordnete ſeine Bücher und Papiere und ſchrieb dazwiſchen zwei lange Briefe. Den einen ſollte Marie als Troſt in der Abſchiedsſtunde erhalten; der andere war für ſeine Mutter beſtimmt, die er noch gleich zärtlich liebte, obſchon ſie gegen ihn war. Die Baronin Eugenie ging ſtille herum. Sie ord⸗ nete unter tiefem Kummer das Weißzeug des Sohnes und dachte dabei, wie bitter es ſey, ſich nicht eiennas durch den Gedanken des Wiederſehens tröſten zu dürfen Und der Oberſt ſelbſt, lag er wohl dieſe Zeit über auf Noſen? Es ſah nicht ſo aus, da er mit bleichgelbem — — 224 Geſichte und ganz gegen ſeine Gewohnheit noch Nachmit⸗ tags in ſeinen Schlafrock gehuͤllt, in dem bequemen Lehn⸗ ſtuhle ſich wandte und drehte. Mitten unter all' dieſen unangenehmen Verhältniſſen rollte jetzt ein Wagen an der Treppe vor. Das Geräuſch wurde von allen Vieren mit peinlicher Klarheit vernom⸗ men, obſchon an verſchiedenen Punkten, und ein Jedes wünſchte den unwillkommenen Gaſt weit hinweg. „Verwünſcht, daß die Leute nicht zu Hauſe bleiben 1 können!“ murmelte der Oberſt, der es zum erſten Mal unerträglich fand, Fremde empfangen zu müſſen. In⸗ deſſen ſchlurfte er ans Fenſter; und wenn ſah er Anders durch die grünen Jalouſien, als den Kammerherrn von Brude, der in Folge eines nur ihm bekannten Umſtandes es für noͤthig erachtet hatte, ſeine Rückreiſe nach Stock⸗ holm und folglich auch ſeinen Beſuch in Tyringsholm zu beſchleunigen. „Ja das iſt gerade ein Haus, um ihn zu empfan⸗ gen!“ dachte der Oberſt, während er ſich in einen andern Rock warf.„Und Richard nicht da! Aber der iſt ſeit einiger Zeit auch verrückt geworden! Alle Menſchen ſind verrückt.“ Inzwiſchen ſtand der Kammerherr ſchon im untern Oehrn, ehe noch der Oberſt ſo weit in Ordnung gekom⸗ men war, um ſich zeigen zu können, und er würde nicht einmal ſo ſchnell in dieſe Ordnung gekommen ſeyn, wenn es ſich nicht darum gehandelt häͤtte, eine vortheilhafte Verbindung zu Stande zu bringen, etwas, was auch unter ſolchen Umſtänden nicht verſäumt werden durſte. „Ach ſieh', da habe ich das Vergnügen, meinen artigen Wirth zu treffen! Aber entſchuldigen Sie, mein beſter Herr Oberſt, daß ich ſo von Ungefähr komme! Wichtige Briefe rufen mich nach der Hauptſtadt zurück, und ich habe nur noch über zwei Tage zu verfüugen.“ „Das iſt meiner Seel' gerade um das Doppelte zu viel!“ dachte der Oberſt, aber von dem, was er dachte, lag nicht eine Spur auf den glatten Lippen, als er ſeinen Gaſt unter und ſich in der Herr K und dann, nung im H Tage beabf anlaßt ſey. ganz gewöh hung durch Malchus bi dieſer Neui Frau bishe⸗ Höchſte ang iſt jetzt nich außerordentl Etwas ronin Euger weniger als auf ihre Tr die ſie mit i das Beſtrebe ſamkeit zu er Iſabelle zu vervielfält ſerungen des Blick durch lich— Rich „num G ronin am Al verwünſchten Geſchäft hat, ten zu können „Ja, au ruhen! Eug ſeligſte, die Das Fideieon Nachmit⸗ nen Lehn⸗ chältniſſen Geräuſch t vernom⸗ ein Jedes fe bleiben erſten Mal ſſen. In⸗ er Anders rherrn von Umſtandes iach Stock⸗ yringsholm zu empfan⸗ mnen andern der iſt ſeit eenſchen ſind im untern ung gekom⸗ würde nicht ſeyn, wenn vortheilhafte was auch n durfte. en, meinen: Sie, mein ſähr komme! ſtadt zurück, -rfuͤgen.“ Doppelte zu as er dachte, ls er ſeinen 225 Gaſt unter lauter Komplimenten nach dem Saale führte, und ſich in einem Athemzuge zuerſt darüber beklagte, daß der Herr Kammerherr nur ſo kurze Zeit hier verweilen und dann, daß er unglücklicherweiſe eine kleine Unord⸗ nung im Hauſe finden würde, welche durch die nächſter Tage beabſichtigte Reiſe ſeines Sohnes in's Ausland ver⸗ anlaßt ſey.„Es iſt zwar,“ fuhr der Oberſt fort,„ein ganz gewöhnliches Ding, daß junge Männer ihre Erzie⸗ hung durch Reiſen vollenden, allein wir hatten Klas Malchus bisher ſo wenig daheim, daß die Mittheilung dieſer Neuigkeit, die ich wegen der Senſibilität meiner Frau bisher geheim hielt, ihre ſchwachen Nerven auf's Höchſte angegriffen hat, ich fürchte deßhalb, Tyringsholm iſt jetzt nicht in der Verfaſſung, wie ich es bei einer ſo außerordentlich agreablen Gelegenheit gewünſcht hätte.“ Etwas ſpäter kam die Baronin und Iſabelle. Ba⸗ ronin Eugenie hatte nie viel zu ſagen, und jetzt noch weniger als gewöhnlich; aber der Kammerherr, der ſchon auf ihre Trauer vorbereitet war, ſah die wenigen Worte, die ſie mit ihm ſprach, ſo an, als ſeyen ſie nur durch das Beſtreben hervorgerufen, ihm alle mögliche Aufmerk⸗ ſamkeit zu erweiſen. Iſabellen bot ebenfalls Allem auf, um ihre Perſon zu vervielfältigen, aber oft überhörte ſie doch die Aeuſ⸗ ſerungen des Kammerherrn, denn immerwährend flog ihr Blick durch das Fenſter; das Spähen war jedoch vergeb⸗ lich— Richard erſchien nicht. „Um Gotteswillen, beſter Malchus,“ ſagte die Ba⸗ ronin am Abend zu ihrem Manne,„führe morgen den verwünſchten Menſchen nach Tjällſtorp! Wenn er ein Geſchäft hat, ſo wird es ihm wohl lieb ſeyn, es ausrich⸗ ten zu können.“ „Ja, auf mir ſoll das Inteteſſe der ganzen Familie ruhen! Eugenie, das iſt eine verwünſchte Zeit, die un⸗ ſeligſte, die ich je erlebt habe! Meine Geſundheit, ja Das Fideieommiß. II. 15 226 mein Leben, nimmt es vielleicht mit; und das Alles um Deines liebenswürdigen Herrn Sohnes willen!“ Die Baronin ſeufzte und ſchwieg. „Ich hoffe, die Frau Majorin und das Fräulein befinden ſich wohl?“ fragte der Kammerherr während des Frühſtücks am folgenden Morgen. „Vollkommen!“ ſagte der Oberſt.„Wir ſind Nach⸗ barn, und es würde gewiß meiner Schwägerin ein großes Vergnügen machen, wenn der Herr Kammerherr während ſeines gar zu kurzen Beſuchs einen kleinen Ausflug nach Tjällſtorp machen würde. Mein Schwager iſt bei den Exer⸗ zitien; aber der Lieutenant verſieht das Amt des Wirths.“ „Ich muß dieſem Vorſchlag meinen vollkommenen Beifall geben,“ lächelte der Kammerherr.„Es würde mir zudem unmöglich geweſen ſeyn, die Nachbarſchaft zu verlaſſen, ohne erſt den Damen meine Aufwartung gemacht zu haben.“ „Das Wetter iſt heute wirklich günſtig für eine Spazierfahrt,“ bemerkte die Baronin, erröthete jedoch ein wenig, als ein Blick durch's Fenſter ſie überzeugte, daß es herunter nebelte und ſehr trieb ausſah. Der Kammerherr war übrigens ſo artig, ihre Mei⸗ nung nicht zu beſtreiten; und ſo ward denn beſchloſſen, Nachmittags nach Tjällſtorp zu fahren. Der Vormittag wurde dazu verwendet, um Alles zu beſehen, was Tyrings⸗ holm an Merkwürdigkeiten darbot. Der Kammerherr rühmte und ſchmeichelte, und der Oberſt fühlte einen leichten Hieb von ſeinem alten Entzücken über derartige Dinge. Aber es faßte doch nicht recht Wurzel; denn wie lange ſollte er wohl noch in dieſer prachtvollen Umgebung reſidiren, wenn man nach dem Stande der Dinge ſchließen durfte? von der Ankunft des Fremden. Mit einer Ahnung, daß der Kammerherr nach der großen Aufmerkſamkeit, die er Virginien bewieſen, dieſen weiten Umweg wohl nicht ohne Endzweck gemacht haben Ein Bote benachrichtigte die Majorin in Tjaͤllſtorp mochte, ging hinauf. Abe danken an Richard mit Blicke daſitze „Richar ſprach die ſch Mama nicht „Nein, ungewöhnlich nach der Mi „Du we fuhr die Ma düſtres Ausſe nach Dir ſeh „O neit „Doch! ſie geſchrieben hervor, das f „Laß m Richard durch Der Kar und wünſcht ten. Papa Alle auf meit wirthſchaft n grüße ihn vo es gegenwärti „Ja, me Richard mit „Mein l konnte wohl ſehe, Du w wenig an den Alles um Fräulein ährend des ſind Nach⸗ ein großes er während sflug nach i den Exer⸗ s Wirths.“ llkommenen Es würde achbarſchaft lufwartung für eine jedoch ein eugte, daß ihre Mei⸗ beſchloſſen, Vormittag s Tyrings⸗ Nammerherr ühlte einen r derartige l; denn wie ge ſchließen Tjällſtorp nach der ſen, dieſen acht haben Umgebung 227 mochte, ging die Majorin ſogleich nach Richards Zimmer hinauf. Aber die zärtliche Mutter fühlte alle ihre Ge⸗ danken an dem einzigen Gegenſtande gefeſſelt, als ſie Richard mit gekreuzten Armen und ſchwerem, düſtrem Blicke daſitzen ſah. „Richard, mein theurer, mein geliebter Junge,“ ſprach die ſchmeichelnde Mutterſtimme,„hörſt Du Deine Mama nicht— ich möchte ſo gerne mit Dir ſprechen.“ „Nein, um alles in der Welt nicht!“ bat er mit ungewöhnlicher Heftigkeit.„Ich bin eben im Begriff, nach der Mühle hinab zu gehen.“ „Du warſt geſtern nicht in Tyringsholm, Richard?“ fuhr die Majorin fort, indem ſie that, als ſehe ſie ſein düſtres Ausſehen nicht.„Ich bin gewiß, daß ſich Iſabelle nach Dir ſehnt.“ „O nein!“. „Doch! Das iſt ſehr wohl erſichtlich aus dem, was ſte geſchrieben hat!“ und die Mojorin zog das Billet hervor, das ſie eben erhalten hatte. „Laß mich ſehen, laß mich's ſelbſt leſen!“ Und Richard durchlief Folgendes: „Liebes Tantchen! Der Kammerherr v. Brude kam geſtern Abend hier an, und wünſcht morgen in Tjällſtorp ſeinen Beſuch abzuſtat⸗ ten. Papa wird ihn begleiten. Wie befindet Ihr Euch Alle auf meinem lieben, herrlichen Tjällſtorp? Die Land⸗ wirthſchaft macht Richard doch gar zu viel zu thunz grüße ihn von mir, Tantchen! Hier in Tyringsholm iſt es gegenwärtig noch langweiliger als gewöhnlich. Iſabelle.“ „Ja, mehr als gewöhnlich langweilig!“ wiederholte Richard mit einer gewiſſen Gereiztheit! „Mein liebes Richardchen, ſey nicht unbillig! Sie konnte wohl auf keine andere Art ſchreiben. Aber ich ſehe, Du wirſt ungeduldig. Denke anſtatt deſſen ein wenig an den Anfang des Billets! Warum glaubſt Du, 15*¾ 228 daß Herr v. Brude die Reiſe hieher macht? Meinſt Du nicht, ich ſollte mit Virginien über Einiges ſprechen?“ „Nein, Mamachen! Es iſt am beſten, Jeder rathet ſich in dergleichen Fällen ſelbſt.“ „Von Zwang iſt gewiß nicht die Rede; aber es iſt doch eine wünſchenswerthe Parthie?“ „Gott weiß, was wünſchenswerth iſt! Laſſe Virginie ihren eigenen Willen haben; mache keine Pläne! Das iſt. meine Anſicht.“ Und die Majorin machte auch keine Pläne. Sie ſagte nur:„Virginchen kleide Dich an! Der Kammer⸗ herr iſt nach Tyringsholm gekommen und will heute Nachmittag mit dem Onkel hieher kommen.“ Um fünf Uhr hielt der Wagen des Oberſten an der friſch mit Tannenzweigen beſtreuten Treppe. Der Lieu⸗ tenant empfing die Herren, und zeigte bei dieſer Gelegen⸗ heit eine Selbſtbeherrſchung und Geiſtesgegenwart, die einer in der Schule der Welt bewanderten Perſon Ehre gemacht haben würde. Der Oberſt fand jedoch in ſeinem Ausſehen einen gar zu unvollkommenen Widerſchein ſeines ſonſt ſo heitern und liebenswürdigen Weſens. „Ich hoffe, Du warſt nicht krank, Richard?“ „Nein, behüte, Onkel; aber die Geſchäfte ſind gar ſo dringend. Ich will etwas zu Wege gebracht haben, bis Papa heimkommt.“ Nach dem Kaffee ging man in den Garten hinab. Der Kammerherr fand Lage und Anordnung vortrefflich; aber man bemerkte nicht, daß er Gelegenheit zu einer beſondern Unterredung mit Virginien ſuchte, obſchon er ſich viel mit ihr beſchäftigte; und der Oberſt war nahe daran, zu glauben, er habe ſich abermals wieder getäuſcht, als zu ſeiner innigen Freude Herr v. Brude die Majorin bat, am nächſten Vormittag eine Abſchiedsviſite machen u dürfen. 1„Es geht ganz prächtig!“ meldete der Oberſt bei der Nachhauſekunſt ſeiner Frau.„Ich bitte ihn natürlich morgen allein hinzufahren.“ 1 Der M Die Mo Wohnzimmer Werbung un digte die etw drängenden 1 riefen; überd des Eindruck Herz gemacht Vermögen un Die Me˖ ſey, zweifelte Einwilligung ſichtigend, dar Virginie im vor, ſie dort Mit leie ohne eine gut ſeine künftige gefunden, un Beredtſamkeit Virginie nie tung ſowohl, achtet ward wartete Ueber der größten 2 ſtimmtheit erk könne. Der Ka der darauffol einer Bedenkz ſie ihren Ente Jetzt ſpr „Mein liebes nicht ein, we iſt, ſo... Du wirſt rotl Meinſt Du rechen?“ eder rathet aber es iſ ſſe Virginie ie! Das iſt. Pläne. Sie er Kammer⸗ will heute ſten an der Der Lieu⸗ ſer Gelegen⸗ enwart, die Perſon Ehre h in ſeinem erſchein ſeines rd?“ fte ſind gar racht haben, arten hinab. vortrefflich; geit zu einer „obſchon er ſt war nahe der getäuſcht, die Majorin r Oberſt bei ihn natürlich 229 Der Morgen kam und mit ihm der Kammerherr. Die Majorin war allein und führte ihn in das Wohnzimmer, wo ſie ſo glücklich war, ſeine förmliche Werbung um Virginiens Hand zu hören. Er entſchul⸗ digte die etwas unpaſſende Haſt ſeines Schrittes mit den drängenden Umſtänden, die ihn nach Stockholm zurück⸗ riefen; überdieß wurde noch Verſchiedenes über die Macht des Eindruckes geſprochen, die Fräulein Virginie auf ſein Herz gemacht habe, und zuletzt etwas weniges von ſeinem Vermögen und ſeiner vortheilhaften Stellung. Die Majorin bedauerte, daß ihr Mann nicht daheim ſey, zweifelte jedoch nicht, daß, wenn Virginie ſelbſt ihre Einwilligung gebe, ihr Vater gewiß, ihr Glück berück⸗ ſichtigend, daſſelbe thun würde. Sie erwähnte auch, daß Virginie im Garten ſey und ſchlug dem Kammerherrn vor, ſie dort aufzuſuchen. Mit leichten Schritten eilte der Freier, der nicht ohne eine gute Portion Selbſtvertrauen war, hinab, um ſeine künftige Braut aufzuſuchen. Virginie war bald gefunden, und jetzt griff Herr v. Brude mit fließender Beredtſamkeit das Werk an. Er hielt eine Rede, die Virginie nie vergeſſen konnte, ſo glänzend war Einlei⸗ tung ſowohl, als Ausführung und Schluß. Deſſen unge⸗ achtet ward dem Kammerherrn die unbeſchreiblich uner⸗ wartete Ueberraſchung, daß das kleine Landfräulein mit der größten Artigkeit, aber auch mit vollkommener Be⸗ ſtimmtheit erklärte, daß ſie ſeine Hoffnungen nicht erfüllen könne. Der Kammerherr und auch die Majorin ließen bei der darauffolgenden Beſprechung einige Worte wegen einer Bedenkzeit fallen, aber Virginie erklärte offen, daß ſie ihren Entſchluß nie ändern werde. Jetzt ſprach die Majorin allein mit ihrer Tochter: „Mein liebes Virginchen, Du übereilſt Dich! Du ſiehſt nicht ein, was Du zurückweiſeſt und da Dein Herz frei iſt, ſo... Aber um's Himmels willen, was ſeh' ich? Du wirſt roth, Du wendeſt Dich ab! Virginchen, es 230 iſt unmöglich! Ich kenne in dem ganzen Kreiſe unſrer Bekanntſchaſten keinen Mann, der Deine Neigung gewon⸗ nen haben könnte“ „Nein, gewiß nicht, Mama; aber warum ſoll ich gerade den Erſten nehmen, der ſich anbietet? Je nun, weil ich arm bin; aber da will ich lieber ledig bleiben.“ „Wie Du willſt, mein Kind!“ Die Majorin liebte ihre Virginie zu ſehr, um ſie zu überreden zu ſuchen. 5 Der Kammerherr reiste mit einem Korbe ab. Es wäre indeſſen ſchwer zu beſtimmen, wer ſich über dieſes Reſultat am meiſten aͤrgerte, der Freier oder der Oberſt— er, der nun ein für alle Mal ein ſo ent⸗ ſchiedenes Unglück bei ſeinen feinſten Plänen hatte. Es bedurſte nur einen Blick bei der Rückkehr des Kammer⸗ herrn, um den Verlauf der Sache zu errathen, und na⸗ türlich konnte zwiſchen zwei ſo fein fühlenden Perſonen, wie der Wirth und ſein Gaſt waren, von einer andern Mittheilung nicht die Nede ſeyn. Als der Kammerherr, der ſeine dringende Reiſe jetzt nicht länger aufſchob, fort war, ſagte der Oberſt, indem er, vor unterdrücktem Ingrimme zitternd, eine ausdrucks⸗ volle Geberde mit der Hand machte:„Nun, es iſt doch ſo viel damit gewonnen, daß man ſagen kann, ſie habe einmal einen Bewerber gehabt! Aber Tjällſtorp wird nachgerade ein eben ſo ſchönes Tollhaus wie Tyringsholm! Ich ſitze jetzt nur hier und warte noch auf weitere Stöße.“ Und der ärgſte kam noch. Es war ungefähr acht Uhr Abends. Klas Malchus war eben eingetreten, um den letzten Abend vor ſeiner Abreiſe mit den Seinigen zu verleben, und wo möglich eine beſſere und ruhigere Stimmung zu Stande zu brin⸗ gen. Er hatte ſchon einen Abſchied von Marie genom⸗ men und den letzten auf Sonnenaufgang am naächſten Morgen im Kirchhofe verabredet. Sein Gemüth war bewegt, ſein Herz weich; er ſöhnte ſich nach verſöhnenden Blicken, nach herzlichen Worten. Der Oberſt ſaß in der Sophaecke, unfreundlich wie 1 eine kalte L wechſelt. 2 Reiſetaſche; Fenſter. Eine „Da froh, den 7 würde woh wenigſtens Ein ſe bemerken, Iſabelle,“ f Es da erſten Blick mene Erleie und als er Wange ſchit ſah und ſe fühlte, da l Seligkeit be Bildern; d hatte er erk⸗ zu vergewiſſ ſeine, und w Jetzt ſeinem letzt beſſer und o dieß gelunge Pavillon 1 war hinreich oder Tod z1 Nie w dieſem Aber Zauberkreiſe ſo wehmüth zog ſich be doch lächelte reiſe unſrer ung gewon⸗ m ſoll ich 2 Je nun, iig bleiben.“ ajorin liebte fuchen, zu ſuchen. , wer ſich Freier oder ein ſo ent⸗ hatte. Es s Kammer⸗ n, und na⸗ en Perſonen, liner andern de Reiſe jetzt berſt, indem ie ausdrucks⸗ ‚es iſt doch in, ſie habe ällſtorp wird Lyringsholm! eitere Stöße.“ elas Malchus nd vor ſeiner wo möglich nde zu brin⸗ Narie genom⸗ am nächſten Gemüth war verſöhnenden reundlich wie 231 eine kalte Oktobernacht, die zwiſchen Sturm und Regen wechſelt. Die Baronin nähte die letzten Stiche an der Reiſetaſche; und Iſabelle ſtand bleicher als gewöhnlich am Fenſter. Eine ſchwere Wolke hing am Familienhimmel. „Da kommt Richard!“ ſagte Baron Klas, herzlich froh, den Freund wieder zu Geſichte zu bekommen. Er würde wohl, hoffte er, den Abend angenehmer machen: wenigſtens konnte er nie zu geſchickterer Zeit kommen. Ein ſchwaches Zittern ließ ſich an Iſabellens Hand bemerken, die auf dem Tiſche am Fenſter ruhte.„Liebe Iſabelle,“ flüſterte Klas leiſe,„mache ihn heiter.“ Es dauerte eine Zeitlang, bis Richard eintrat. Beim erſten Blicke merkte er, daß ihn Alle als eine willkom⸗ mene Erleichterung in dem gezwungenen Kreiſe begrüßten; und als er eine helle Roſe auf Iſabellens lilienblaſſer Wange ſchimmern, als er ihr Auge ihm entgegenlächeln ſah und ſeinen leichten Handdruck freundlich erwiedert fühlte, da lebte ſeine Seele wieder auf. Hoffnung und Seligkeit beſuchten ihn wie ehedem, ja in noch leichteren Bildern; denn das Zittern, ſo unmerklich es auch war, hatte er erkannt, und um ſich dieſes wichtigen Umſtandes zu vergewiſſern, nahm er noch einmal ihre Hand in die ſeine, und wurde befriedigt. Jetzt wollte er den berauſchenden Becher bis zu ſeinem letzten Athemzuge leeren; aber zuerſt ſollte es beſſer und angenehmer um ihn her werden. Wenn ihm dieß gelungen wäre, wollte er Iſabellen einladen, den Pavillon zu beſuchen. Der Vollmond ſchien hell. Es war hinreichend licht, um bei ſeinem Schimmer Leben oder Tod zu holen. Nie war Richard liebenswürdiger geweſen als an dieſem Abend. Er kettete alle Gemuͤther wie in einem Zauberkreiſe um ſich her. Er war ſo herzlich, ſo reich, ſo wehmüthig und doch ſo froh. Aber Iſabellens Herz zog ſich bei dieſem Zauber krampfhaft zuſammen und doch lächelte ſie; es war unmöglich, ihm zu widerſtehen, ———— 232 unmöglich, die lebensvolle Röthe auf ſeiner Wange, den Glanz in ſeinem Auge, die Seele auf ſeinen Lippen zu ſehon und ſich nicht der Wonne des Augenblicks hinzu⸗ geben. Aber ungeachtet Richards beſtem Bemühen ging es immer wie ein elektriſches Zucken durch die ganze Ge⸗ ſellſchaft. Dieß war beſonders bei dem Oberſten der Fall. Ahnte er wohl, daß er auf einem Vulkane ſtand, der jeden Augenblick zuſammen zu ſtürzen drohte, um ihn zu verſchlingen? Es ſchlug halb neun Uhr. Da fuhr etwas in der Allee, nicht ſchnell, nicht vornehm, es war kein vierſpänniger Wagen, der mit pretenſiöſem und ſtattlichem Geräuſch an den Hof daher rollte— nein, es war ganz einfach eine kleine bürgerliche Droſchke mit zwei Pferden. Richard, der neben Iſabellen ſaß, war nicht ſo neugierig, daß er deßhalb aufgeſtanden wäre, Klas Malchus war nie neugierig geweſen, und der Oberſt hörte ſchon am Rollen der Räder, daß es ſich nicht der Mühe verlohnte, ſich zu geniren; er warf nur einen halben Blick durch das Fenſter und ſagte unwillig: „Man darf alſo nie in Frieden ſeyn... was iſt das für eine Figur?“ Einige Augenblicke ſpäter trat ein Bedienter mit einer Karte ein.„Hier iſt ein Herr, der den Oberſten ſucht!“ Die Baronin, die zunächſt ſaß, ſtreckte die Hand und nahm die Karte. Einen Blick darauf— und ſie ſank unter Konvulſionen zu Boden. „Nun, was haben wir denn noch mehr? ſagte der Oberſt, indem er ſich hinab bückte und die Karte aufhob. Die Ueberſchrift war ganz einfach, aber ſie hatte Einſluß genug, um den letzten Schimmer von Lebensfarbe aus den Wangen des Oberſten zu jagen. Er ſchwankte nach der Thüre. „Iſt liebes Fra Es w ewigen In beſten Häu undzwanzig Stadtarzter Die raſchen La den; aber es ſich ft Mühe ver die zur B war, hatte Genuſſe d als den T Jahr an 2 genden zun Die? das warm Fluge die theilhaftig geheimnißv rung gebra fruchtloſen nen Farcen ihrer Wür ſie jetzt be koketten, bl dere Art il von M— auch oft ei der Wirth! und dieſen ange, den eippen zu ks hinzu⸗ ging es ganze Ge⸗ erſten der fane ſtand, tohte, um ahr. Da örnehm, es ſiöſem und — nein, roſchke mit ſaß, war den wäre, der Oberſt h nicht der nur einen unwillig: as iſt das dienter mit Oberſten e die Hand — und ſie ſagte der rte aufhob. tte Einſluß isfarbe aus vankte nach 1 233 Sechszehntes Kapitel. „Iſt Ihnen heute ein friſcher Weizenkuchen gefällig, liebes Frauchen?“ Es war die ewige Weſtergren, eine Gevatterin des ewigen Juden, die noch immer ihre Runde durch die beſten Häuſer der Stadt machte; und heute wie vor ein⸗ undzwanzig Jahren finden wir ſie in der Küche des Stadtarztes, Doktor Manning. Die Weſtergren war jetzt aus einem hübſchen und raſchen Laufweib eine alte ſchwerfällige Matrone gewor⸗ den; aber ihr Ruf ſtand ein für alle Mal ſo feſt, daß es ſich für eine jüngere Nebenbuhlerin gar nicht der Mühe verlohnte, ſie ausſtechen zu wollen. Manche Frau, die zur Blüthezeit der Weſtergren ebenfalls jung geweſen war, hatte nun mit ihr gealtert, und würde lieber dem Genuſſe des Kaffees und Schnupftabacks entſagt haben, als den Weſtergreniſchen Neuigkeiten, die von Jahr zu Jahr an Treue, Glaubwürdigkeit und allen guten Tu⸗ genden zunahmen. Die Frau Doktorin Manning war auch nicht mehr das warmblütige und leichtfüßige Weib, das einſt im Fluge die Toilette gemacht hatte, um deſto ſchneller deſſen theilhaſtig zu werden, was die Frau Probſtin über die geheimnißvolle Dame hinter dem Vorhange in Erfah⸗ rung gebracht; ſie ermüdete ihren Mann nicht mehr mit fruchtloſen Fragen, und hatte ganz aufgehört, ihre klei⸗ nen Farcen zu ſpielen. Das Alles war nunmehr unter* ihrer Würde. Eine ſteife und hochtrabende Frau ſaß ſie jetzt beim Balle da, und brüſtete ſich mit ihren koketten, blühenden Töchtern, oder hielt ſie auf eine an⸗ dere Art ihre hohe Stellung in der geſellſchaftlichen Welt von M- aufrecht. Das reiche Manning'ſche Haus war auch oft einer repräſentirenden Wirthin bedürſtig, denn der Wirth war nicht ſelten fort; und nach all' dieſem Weſen und dieſen Beſchwerlichkeiten fand es Frau Mann ing hie ——— und da für gut, ſich zu einer vertraulichen Unterhaltung mit der Weſtergren herabzulaſſen, die fortwährend in ihrer Gunſt ſtand; ja man durfte wohl ſagen, daß mit der Zeit ſogar eine gewiſſe vertraute Freundſchaft zwi⸗ ſchen ihnen entſtanden war, verſteht ſich aber von der Art, wie eine ſolche zwiſchen der Gebieterin und ihrer Favoritſklavin ſtattfinden kann. „Komm' Sie herein, Weſtergren!“ ſagte die Frau Doktorin Manning. Und die Weſtergren ſegelte mit ihrem Korb in das Schlafzimmer, wo ſie mit dem nunmehr gewöhnlichen: „Ach Herr Gott, es thut einer alten Frau ſo gut, wenn ſie ſich ſetzen darf!“ in einer Ecke am Kamin Platz nahm. „Sie wird alt, meine liebe Weſtergren!“ beliebte die Frau Doktorin zu ſagen, indem ſie ſich ſelbſt in den weichen Lehnſtuhl niederließ.„Sie iſt gewiß zwölf, wo nicht dreizehn Jahre älter als ich.“ „Vierzehn, liebes Frauchen! Wenn unſer Herr mich die nächſte Michaelismeſſe erleben läßt, ſo werde ich ſechs⸗ undſechzig Jahre. Ich war kein heuriges Häslein mehr, als die Frau Doktorin ſich in unſerm Ort verheirathete; und das iſt wohl jetzt ſeine ſiebenundzwanzig Jahre her. Aber ich erinnere mich noch recht gut, daß es damals keine hübſchere Frau in M— gab, und es wird wohl auch keine geben, bis Mamſell Minchen heirathet. Herr Gott, wie die nicht das Ebenbild ihrer Mutter iſt!“ „Gott ſey Dank, es macht keines von meinen Kin⸗ dern dem Herrn Schande. Aber mit Mina's Aeußerem hat es eine ganz eigene Bewandtniß; ſie wurde in dem⸗ ſelben Jahre geboren, wo die Geſchichte bei der Björkman vorftel. In der Nacht, wo mein Mann, dahin gerufen wurde, geſchah es, daß ich in meiner Gutmüthigkeit ſelbſt die Thüre öffnen wollte; ich dachte ſo: der arme Manning bedarf wohl der Ruhe, und iſt die Sache nicht dringend, ſo werde ich ihn nicht wecken. Aber ich ſollte etwas ganz Anderes erfahren! Ein großer Herr mit einem Schnurrbart und in einen weiten Mantel gehüllt ſtürzte her Zu gutem als daß Augen be nicht erſt „Nei ganze Sp 18.. zu; gedacht, möge. 0. Tage abf „We nichts gel da ſie hie ſie ihr H überging, zu rufen, ihr einen ſonſt etw heute ſcho „In große Be Die Büre Linie ſteif des Vater nen! De meiſter if ganze Sto betrifft, n „Ja, weil die die Frau digung. daß ich k Aber Sie bekommer 23⁵ haltung ſtürzte herein, und hätte mich beinahe zu Tode erſchreckt. rend in Zu gutem Glück hatte der Vorfall keine weitere Folgen, daß mit als daß Mina gerade ſolche ſchwarze und glänzende aft zwi⸗ Augen bekam, wie jener hatte... Aber das geſchah von der nicht erſt geſtern, meine liebe Weſtergren.“ id ihrer„Nein, das darf die liebe Frau keck ſagen! Der 1 ganze Spektakel trug ſich gegen Ende Auguſt im Jahre ie Frau„ 18.. zu; und ich habe oft bei mir ſelbſt darüber nach⸗ gedacht, was wohl aus dem Geheimniß geworden ſeyn in das möge. Es ſtirbt wohl jetzt mit der Björkman, die dieſer dnlichen: Tage abfahren wird.“ t, wenn 1„Was, iſt ſie ſo elend— davon hab' ich noch gar tz nahm. nichts gehört! Ich konnte die Frau anfangs nicht leiden, beliebte da ſie hieher kam, aber ſeitdem hab' ich gefunden, daß t in den ſie ihr Handwerk verſteht; als die ſelige Struttelin hin⸗ ölf, wo überging, ließ ich mich von meinem Manne bereden, ſie zu rufen, und jetzt bin ich der Anſicht, daß die Stadt an derr mich ihr einen großen Verluſt erleiden wird. Aber gibt es ich ſechs⸗ ſonſt etwas Neues, meine liebe Weſtergren? War ſie in mehr, heute ſchon bei der Bürgermeiſterin.“ eirathete;„In aller Frühe, liebes Frauchen, und bekam eine ahre her. große Beſtellung von Weizenbrod für das Mittagsmahl. damals Die Bürgermeiſterin iſt meines Bedünkens noch um eine ird wohl Linie ſteifer im Hals geworden, ſeit ihr Sohn das Amt. et. Herr des Vaters bekam. Nun, ddas hat man ſich denken kön⸗ ſtl nen! Der Bürgermeiſter iſt alt, und der junge Bürger⸗ nen Kin⸗ meiſter iſt ein gar feiner und manierlicher Herr. Die Aeußerem ganze Stadt glaubt, daß, was eine zweite Bürgermeiſterin in dem⸗ betrifft, nur von Einer die Rede ſeyn könne.“ Björkman„„Ja, das geſchieht deßhalb, meine liebe Weſtergren, gerufen weil die Stadt immer mehr weiß, als wir ſelbſt!“ ſagte müthigkeit die Frau Doktorin mit einer ſchlecht verhehlten Befrie⸗ der arme digung.„Meine Tochter hat unter ſo Vielen zu wählen, ache nicht daß ich kaum weiß, zu wem ich ihr rathen ſoll.... ich ſollte Aber Sie ſoll nicht fort, Weſtergren, ohne einen Liqueur Herr mit bekommen zu haben!“ und ſie nahm aus dem alten be⸗ el gehüllt— — ———y———ÿõP—· — 236 kannten Wandſchrank eine Bouteille mit der Etikette: crème de persico, nebſt einem geſchliffenen Glaſe hervor. „Sey Sie ſo gut, und trinke Sie aus, Weſtergren! Der wird wohl ein wenig beſſer ſeyn, als der Liqueur des ſeligen Sjögviſt; aber altes Zeug iſt es jedenfalls auch! Unſer neuer Apotheker war anfangs ſo freigebig mit Präſenten, aber ſobald ſie alt und angewöhnt wer⸗ den, nehmen ſie es nicht mehr ſo genau. Doch ich be⸗ kümmere mich auch nicht beſonders um ſeine Präſente, denn wir könnten Gottlob ihn mit ſammt ſeiner Apotheke kaufen; und Mina bekommt er auf keinen Fall, wenn er mir auch Liqueur und Roſenduſt ſchickte!“ In der Nacht auf dieſe erquickende Unterhaltung war Frau Manning, den Kopf voll von ihren Triumphen beim künftigen Bürgermeiſters⸗Schmaus, eben eingeſchla⸗ fen, und träumte ganz herrlich, wie der junge Bürger⸗ meiſter und Mamſell Mina unter dem Baldachin knie⸗ ten, als ein Paar heftige Schläge mit dem Thürklopfer ſie aus der angenehmen Täuſchung erweckten.. Nur ein einziges Mal während der ganzen langen Kette ihrer Ehejahre hatte ſich Frau Manning die Mühe gemacht und war ſelbſt aufgeſtanden, um zu öffnen. Jetzt ſtreckte ſie nur gemächlich die Hand nach dem Glocken⸗ zuge und ſchellte, bei welcher Bewegung— ſie ging nicht ſonderlich leiſe vor ſich— der Doktor erwachte. „Was gibt's?“ gähnte der ſchlaftrunkene Mann. „Ich weiß nicht,— hörſt Du nicht, daß man an die Hausthüre ſchlägt? Ich habe nach Liſa geſchellt. Sie wird wohl aufmachen und nachſehen.“ Die Frau Doktorin kehrte ſich nach der Wand, um den intereſſanten Traum ſo ſchnell als möglich wieder anzuknüpfen. Gleich darauf meldeten die Schlappſchuhe der „Stuben⸗Liſau die Ankunſt ihrer Inhaberin. „Schellte die Frau?“ Die Frau ſchlief ſchon wieder halb. „Ni wieder ſo Die von dan im Sch Thüre g getheilt! dießmal „N ſo ſchnel Nacht ſe Doktor Jet wach. nicht mi Dich do „Ei hinter d ich das überzeug Der nicht,“ n Abe In führt wi geiſtliche mit Tin⸗ „V ein kraft zig Jah Etikette: hervor. tergren! Liqueur edenfalls freigebig ont wer⸗ hich be⸗ Präſente, Apotheke , wenn rung war riumphen ngeſchla⸗ Bürger⸗ zin knie⸗ ürklopfer n langen die Mühe en. Jetzt Glocken⸗ zing nicht kann. man an geſchellt. and, um ch wieder huhe der 237 „Nimm den Schlüſſel dort vom Nagel! Es war wieder ſo ein verwünſchtes Geklopfe!“ brummte der Doktor. Die Stuben⸗Liſa ſegelte in ihrer Schlaftrunkenheit von dannen; und nach neun mißlungenen Umdrehungen im Schloſſe, faßte es Gottlob bei der zehnten. Die Thüre ging auf; und nachdem die Botſchaft der Liſa mit⸗ getheilt war, kam ſie wieder in das Schlafzimmer zurück, dießmal aber etwas ſchneller, als ſie fortgegangen war. „Nun?“ ſagte der Doktor. „Es iſt von der Frau Björkmann, meldete Liſa, „und es handelt ſich um Tod und Leben! Sie bittet um der ewigen Seligkeit willen, daß der Herr Doktor ſo ſchnell als möglich hinkommen möchte! Sie iſt heute Nacht ſehr heftig erkrankt, und will durchaus mit dem Doktor ſprechen.“ Jetzt erhob ſich Frau Manning, auf einmal ganz wach.„Was— etwas, mit Dir ſprechen? Das geht. nicht mit rechten Dingen zu. Lieber Manning, beeile Dich doch! Jetzt kommt ganz gewiß die alte Geſchichte heraus.“ m „Welche Geſchichte?“ fragte der Doktor, der die Sache ſchon längſt vergeſſen hatte, welche ſeiner Frau ſo viel Kopfzerbrechens gekoſtet. „Ei, erinnerſt Du Dich denn nicht mehr der Frau hinter dem Vorhange? Weißt Du nicht mehr, warum ich das ſchwarzſeidene Kleid bekam? O ich bin feſt üͤberzeugt, daß es eine vornehme Dame war!“ Der Doktor lächelte.„Wegen der iſt es gewiß nicht,“ meinte er. Aber wegen der war es doch. In dem dunklen Zimmer, in das der Doktor ge⸗ führt wurde, war auch außer der Kranken und dem Orts⸗ geiſtlichen auch noch eine Magiſtratsperſon, welche Letztere mit Tinte und Papier vor ſich da ſaß. „Was bedeutet das?“ fragte der Doktor, der noch ein kraftvoller Mann war, auf deſſen Schultern die fünf⸗ zig Jahre nicht ſchwer zu liegen ſchienen.„Was ſoll 238 das bedeuten?“ Er warf einen erſtaunten Blick auf die Umgebung, und trat zu dem Bette.„Eure alten Zufälle haben eine ſchlimme Wendung genommen, wie ich merke, Frau?“ „Ja, Herr Doktor, dießmal wird es, helf' mir Gott, Ernſt; ich habe den Tod ſchon in allen Gliedern! Doch habe ich den Herrn Doktor nicht um meinetwillen ge⸗ rufen, ſondern damit Sie Zeuge eines Bekenntniſſes ſeyen, welches mein Gewiſſen mich zu thun mahnt, ehe es zu ſpät wird. Ich habe mich zwar einſt durch einen Eid verbindlich gemacht zu ſchweigen; aber nachdem ich jetzt mein Herz vor dem Herrn Pfarrer erleichtert habe, weiß ich, daß ein ſolcher Eid nicht bindet. Möchte mir Gott nur die ſchwere Sünde verzeihen, daß ich mein Still⸗ ſchweigen habe erkaufen laſſen! Und möchte mir der Herr Doktor verzeihen, daß ich ihn ohne ſein Wiſſen in eine ſolche Schändlichkeit verwickelte!“ „Ich verſtehe kein Wort von all' Dem, meine gute Frau Björkmann! Iſt nicht etwa ein Fieberwahn uͤber Euch gekommen?“ „Nein, leider Gottes! Und das Zeugniß des Herrn Doktors wird wohl ebenſo wichtig ſeyn, wie meines. Der Herr Doktor erinnert ſich vielleicht noch, daß kom⸗ menden Auguſt vor einundzwanzig Jahren hier in dieſem Zimmer hier ein junges Frauenzimmer wohnte, bei deren Niederkunft der Herr Doktor unter dem Siegel der Ver⸗ ſchwiegenheit zugegen war 24 „Ja, das erinnere ich mich; aber weiter?“ „Von dieſer Sache will ich jetzt reden!“ Und was Frau Björkmanu nun mittheilte, ward mit den kleinſten Umſtänden zu Protokoll genommen und bezeugt. Ein armes Weib, das damals als Magd bei Frau Björkmann gedient hatte, gab ebenfalls ihr Zeugniß ab, daß ſie in der Nacht vom dreißigſten Auguſt beſagten Jahres ein neugeborenes Kind deutlich in dem verſchloſſenen Zimmer habe ſchreien hören. Und zu dieſen Angaben legte der Doktor ſeine eidliche Bekräftigung, daß er ſelbſt in der⸗ ſelben Na Knäbleins In ſprochen, vidimirte dieſen in antrat, de ein Gehei⸗ nebſt alle Weſtergrer von dieſen nicht allei damals ſo zen Lander „Sel Thüre zu angenehm! Reiſe dure „Da ner Reiſe Tone, der wirklich de hatte, daß einiger S für dieſe fruchtlos a „Lieu hier in T „Wie Doktor be⸗ vermuthete eine ungle lud den D auf die Zufäͤlle h merke, ir Gott, 1! Doch llen ge⸗ es ſeyen, ſe es zu nen Eid ich jetzt be, weiß nir Gott i Still⸗ mir der Wiſſen in eine gute ahn uͤber des Herrn 2 meines. daß kom⸗ in dieſem bei deren der Ver⸗ Und was kleinſten ugt. Ein Björkmann daß ſie in Jahres ein en Zimmer legte der ſt in der⸗ 239 ſelben Nacht und demſelben Zimmer bei der Geburt eines Knäbleins zugegen geweſen ſey. In dem heimlichen Rathe ward noch Vieles be⸗ ſprochen, und das Endreſultat davon war, daß, nachdem vidimirte Abſchriſten genommen waren, der Doktor mit dieſen in der Taſche am nächſtfolgenden Tage eine Reiſe antrat, deren Endzweck ſeinem Weibe bis auf Weiteres ein Geheimniß blieb. Aber nicht lange darauf genoß ſie nebſt allen liebenswürdigen M—er Frauen bis auf die Weſtergren herab, das unſchätzbare Vergnügen, jetzt offen von dieſen alten Neuigkeiten ſprechen zu dürfen, welche nicht allein das kleine M— in Bewegung ſetzten, ſondern damals ſogar eine Zeitlang die Aufmerkſamleit des gan⸗ zen Landes auf ſich zogen. Siebenzehntes Kapitel. „Sehr angenehm,“ ſagte der Oberſt und öffnete die Thüre zu dem innerſten ſeiner eigenen Zimmer,„ſehr angenehm! Ich vermuthe, der Herr Doktor iſt auf einer Reiſe durch unſre Gegend begriffen?“ „Da ich hier angekommen bin, ſo iſt das Ziel mei⸗ ner Reiſe ſchon erreicht!“ antwortete der Doktor in einem Tone, der den Oberſten nicht nur überzeugte, daß dieß wirklich der Fall ſey, ſondern noch die weitere Wirkung hatte, daß ſich die ſtattliche Elaſtizität ſeiner Zunge von einiger Steifheit beläſtigt fühlte: zwei Verſuche etwas für dieſe Gelegenheit Paſſendes hervorzubringen, liefen fruchtlos ab. 4 „Lieutenant Richard L— hält ſich doch gegenwärtig hier in Tyringsholm auf?“ fragte der Doktor. „Wie,“ ſtammelte der Oberſt hervor,„iſt der Herr Doktor bekannt mit, mit... Ich glaubte, daß... ich vermuthete nicht... ich“... Mit ſeinem Geſichte ging eine unglaubliche Veränderung vor. Er ſetzte ſich und lud den Doktor mechaniſch ein, daſſelbe zu thun. =—— 240 „Es iſt ſchon lange her, ſeit wir uns trafen, Herr Oberſt; das damalige Inkognito iſt von dem Herrn Oberſten wohl ſchon längſt vergeſſen?“ „Keineswegs; ich konnte nicht wohl vergeſſen, daß ich der Geſchicklichkeit des Herrn Doktors das Leben meiner Frau und meines Sohnes zu danken hatte.“ „Ja, es war aber auch ein wichtiges Leben, ein ſehr wichtiges! Der Herr Oberſt ſteht jedoch bei mir in keiner Verbindlichkeit für den glücklichen Umſtand, daß dewuzunge Baron einige Tage vor ſeinem Vetter geboren wutde. „Nun, es war Gottes Wille ſolt ſprach der Bberſt mit jener halben Faſſung, die oft Perſonen bezeichnet, welchs in Ungewißheit darüber ſind, auf was für einem Grunde ſie ſich befinden. „Vielleicht,“ fiel der Doktor ein,„darf ich den Herrn Oberſten damit beläſtigen, den Lieutenant rufen zu laſſen! Mein Geſchäft betrifft die Herrn gemeinſchaſtlich.“ „Nei- n,“ ſtammelte der Oberſt;„wir haben nichts mit einander gemein.“ Mit einem langen, ernſten und prüfenden Blick maß Doktor Manning das in's Graue und Weiße ſpielende Antlitz ſeines Wirthes.„Ich fürchte,“ ſagte er, und ſeine Stimme drang wie kalter Stahl dem Zuhörer durch alle Fibern, der Herr Oberſt hat ein ſchwaches Gedächtniß!“ „Was ſoll dieſe Sprache bedeuten?“ Der Oberſt ſtand auf, den letzten Reſt ſeiner Faſſung, ſeines gede⸗ müthigten Stolzes zuſammennehmend; aber dieſe ver⸗ mochten ſeine nackte Angſt kaum halb zu verdecken. „Was das bedeuten ſoll?“ brach der Doktor aus, deſſen Vorrath von Höflichkeit jetzt zu Ende war.„Nun, daß Frau Björkmann, die Wehmutter in M=, die dumm⸗ dreiſte und ſchändliche Handlung vollkommen aufgedeckt hat, wodurch es dem Oberſten gelang, das Fideicommiß ſeinem rechtmäßigen Erben zu rauben! In meiner, des Pfarrers und Notars Gegenwart iſt dieß“— der Dok⸗ tor zog einige Papiere aus der Taſche— aufgeſetzt wor⸗ den. Mein eidliches Zeugniß über den Tag, an welchem 4 Baron Kla⸗ des Kirchen keit, die ſich Herr Oberſ noch zu ſag herausbring keit wird ſie und der Sk fallen muß, ſentantenge Ehenſo Glück, ſtand ſteinert an „Skandal“ ſeine Nerven ſich: die An Geſichts wa übergegange „Die und ergriff Der O durch ein 5 Klang rief Jedes zu Bette ge der Lieutena „Dokto zurück.„J Ein h bleichen Lip dienten hina Meine beiden Jün wird eine g beiführen. 4 gen Sie Il Das Fide fen, Herr m Herrn eſſen, daß das Leben tte.“ , ein ſehr in keiner deumzunge wugde der Oberſt bezeichnet, für einem den Herrn zu laſſen! h./ aben nichts Blick maß ze ſpielende te er, und hörer durch hedächtniß!“ Der Oberſt ſeines gede⸗ dieſe ver⸗ ecken. Doktor aus, var.„Nun, die dumm⸗ n aufgedeckt Fideicommiß meiner, des — der Dok⸗ fgeſetzt wor⸗ an welchem 241 Baron Klas Malchus geboren wurde, iſt mit der Angabe des Kirchenbuchs verglichen worden; und die Unrichtig⸗ keit, die ſich dabei in den letztern vorfand, wird ſich der Herr Oberſt wohl ſelbſt erklären können! Ich habe nur noch zu ſagen, daß das Gericht die Sache wohl ſchon herausbringen wird! Aber vor der ſchwediſchen Ehrlich⸗ keit wird ſich ein ſolcher Prozeß ſehr ſeltſam ausnehmen, und der Skandal, der dabei auf den X— ſchen Namen fallen miuß, wird der würdigen Heldenthat ſeines Reprä⸗ ſentanten gehörig entſppechen! 4 Ebenſo feig in der Gefahr wie einſt übermüthig im Glück, ſtand jetzt der Oberſt da, und lehnte ſich wie ver⸗ ſteinert an die Kante des Kamins.„Gericht,“„Prozeß,“ „Skandal“ und„Namen“— Dieſe Worte mußten alle ſeine Nerven zerſprengt haben. Keine Muskel bewegte ſich: die Augen glichen gläſernen Kugeln; die Farbe des Geſichts war von einer weißgrauen in eine ſchwarzblaue übergegangen. Es war ein ſchauerlicher Anblick. „Die Doſis war zu ſtark!“ murmelte der Doktor und ergriff die Glocke, die auf dem Tiſche ſtand. Der Oberſt verſtand ſeine Bewegung und ſuchte ihr durch ein Zeichen zuvorzukommen. Aber zu ſpät: der Klang rief ſchnell die aufmerkſame Dienerſchaft herbei. Jedes Widerſtandes unfähig, ward der Oberſt ſchleunig zu Bette gebracht und einige Augenblicke darauf ſtanden der Lieutenant und Klas Malchus im Zimmer. „Doktor Manning?“ rief Richard und fuhr heftig zurück.„Ich verſtehe“ Ein halb erſtickter, ſchneidender Laut entfuhr den bleichen Lippen des Oberſten. Der Doktor wies die Be⸗ dienten hinaus und riegelte die Thüre. „Meine Herren,“ ſagte er, indem er ſich zu den beiden Jünglingen wandte,„meine Anweſenheit dahier wird eine große Umwälzung in Ihren Verhältniſſen her⸗ beiführen. Herr Oberſt! Sie können noch ſprechen; zwin⸗ gen Sie Ihre Nerven! Sie ſind es dieſem jungen Manne Das Fideicommiß. II. 16 ——————— 242 hier“— er zeigte auf den Lieutenant—„ſchuldig, ſich anzuſtrengen!“ 4 Klas Malchus' Blick glitt mit fragendem Erſtaunen von ſeinem Vater auf Richard, und von dieſem auf den Doktor, der die wichtigen Dokumente noch in der Hand hielt.„Findet ſich etwa hier eine Aufklärung?“ ſagte er und ſtreckte die Hand darnach aus. Der Doktor ließ die Papiere fahren; die Sache mußte jedoch öffentlich werden; man konnte ſie nicht lie⸗“ gen laſſen. Bewacht von den geſpannten Blicken ſeines Vaters durchlief Klas Malchus dieſe beredten Zeilen, die ebenſo viele ſchwarze Striche durch den Wappenſchild ſeiner Familie waren. Lange Zeit hörte man nichts als die ſchweren Athemzüge, die er aus ſeiner Bruſt aufpreßte. Dann trat er zu dem Bette des Oberſten.„Mein Vater,“ ſprach er langſam, aber mit durchdringender Stimme, „mein Vater!“ Er ſchüttelte den Kopf mit einer Miene des Grams, die noch herzzerreißender als ſeine Worte Richards Seele durcheisten.„Ich weiß jetzt, was ich mein ganzes Leben lang betrauerte, was ich betrauern werde, ſo lange ich lebe— unſern entehrten Namen! Es war eine Höllenlaſt, die mit dem elenden Fideicommiß auf mich geworfen wurde. Ich bin ſie jetzt zwar los, aber kann ich noch einem ehrlichen Manne in’s Auge ſehen? O ich hatte wohl Recht, mich vor der Welt zu verbergen! Fluch allem Hochmuth und aller Habgierl Sie verkauften meine Seele, noch ehe ſie zur Qual des Lebens erwacht war!“ Brennend heiße Schweißtropfen, mit ein paar großen Thränen vermiſcht, rannen über Klas Malchus' blaſſe Wangen. Es war Verzweiflung in ihrer edelſten Entartung. Richards Arme umſchloſſen den Freund in dieſer Minute des Leidens. Er, dem das Schickſal den höch⸗ ſten Gewinn aufgeſpart hatte, ſtand jetzt ebenſo niederge⸗ drückt da, wie der, welcher Alles verlieren ſollte. „Klas,“ ſagte Richard,„höre mich; noch iſt nichts öffentlich! — er warf Du nicht, d mein Recht Verhältniß haben würde „Wahn weg möglich fuhr heftig; draußen? 2 ihn Jemand der Thüre u Die Ba zitterte ihr g. anfall. Iſal Vaters. Doch w den Kämpfe Sturm ſich g der Wunde g zurückgekomm ihnen zu ſehe chen Augenbli die Verhältn Zeuge waren. Aus den kannt, daß, al der alte Bar⸗ mathate, eine ter Ungewißhe Sohn, das 3 ren würde, de männlichen Li einen Herrn e ſchuldig, ſich, em Erſtaunen ieſem auf den in der Hand ig?“ ſagte er d Sach 3 die Sache ſie nicht lie⸗ eines Vaters —, die ebenſo nſchild ſeiner hts als die uſt aufpreßte. Mein Vater,“ der Stimme, einer Miene ſeine Worte tzt, was ich ich betrauern Namen! Es Fideicommiß zt zwar los, e in's Auge der Welt zu ler Habgier! ur Qual des hhweißtropfen, rannen über⸗ Verzweiflung nd in dieſer al den höch⸗ uſo niederge⸗ llte. och iſt nichts 243 öffentlich! Ich habe das ſchon ſeit letzten Winter geahnt“ — er warf einen Blick auf den Doktor— und glaubſt Du nicht, daß, wenn ich je die Abſicht gehabt hätte, mein Recht geltend zu machen, ich dann das gegenwärtige Verhältniß ſo gut als möglich zurecht zu legen geſucht haben würde?“ „Wahnſinn!“ rief Klas aus.„Hier iſt kein Aus⸗ weg möglich und ſoll's auch nicht ſeyn! Aber“— er fuhr heftig zuſammen—„iſt das nicht Mamas Stimme draußen? O meine Mutter, meine Mutter!“ Und ehe ihn Jemand daran verhindern konnte, war er ſchon an der Thüre und riß ſie auf. Die Baronin trat ein, todtblaß und verſtört. Noch zitterte ihr ganzer Körper von dem überſtandenen Krampf⸗ anfall. Iſabelle folgte ihr ſtumm nach dem Bette des Vaters. Doch wir verlaſſen den Tummelplatz aller dieſer wil⸗ den Kämpfe des Herzens und der Sinne. Erſt wenn der Sturm ſich gelegt hat, wenn das ſchwärzeſte Blut aus der Wunde gefloſſen iſt, wenn die Menſchen zur Beſinnung zurückgekommen ſind, iſt es Zeit wiederzukehren und nach ihnen zu ſehen und zu hören. In Erwartung eines ſol⸗ chen Augenblicks, wollen wir eine klare Ueberſicht über die Verhältniſſe geben, von deren Folge wir bereits Zeuge waren. —Q—Q—· Aus dem erſten Theile unſerer Erzählung iſt be⸗ kannt, daß, als der damalige Inhaber von Tyringsholm, der alte Baron ES—brand, ſeine zwei Töchter verhei⸗ rathete, eine gewiſſe Spannung und Erwartung wegen der Ungewißheit entſtand, welche von ihnen zuerſt einen Sohn, das heißt, einen künftigen Majoratsherrn gebä⸗ ren würde, denn in Ermanglung von Söhnen aus der männlichen Linie, ſollte Tyringsholm durch die weibliche einen Herrn erhalten. Damals ward viel hierüber in 16 — 8 — — — 244 den beiden Familien geſcherzt, und die jungen Frauen ließen ſich jede durch den Geiſt der Prophezeihung die Antwort des Orakels in mancherlei Formen verkünden. Die Liebe der Baronin Eugenie zu ihrem Manne war im Anfang ihrer Verbindung eine an Anbetung grenzende Berauſchung. Oberſt von X— war aber auch damals, vor zwei und zwanzig Jahren nämlich, ein Mann von ſehr ſchönem Aeußeren und verführeriſchen Weſen; und die Gewalt, die er über ſeine Frau aus⸗ übte, war ſo vollkommen, daß ſie lieber geſtorben wär⸗, als daß ſie ſich einen unwilligen Blick ſeines Auges zu⸗ gezogen hätte. Freilich ſtach auch damals ſchon die Selbſiſucht des Oberſten grell genug hervor, allein ſie nannte dieſe nicht bei ihrem rechten Namen, es war ihr ſeine„höhere Natur,“ die ſo ſeyn mußte; und ſie liebte das Joch, das ihr dieſe höhere Natur auferlegte, da es für ſie noch all' die goldenen Ringe der Liebe und Phantaſie beſaß, mit denen ſie ſo gerne ſpielte. Bei ſchwachen Geiſtern— und die Baronin Eungenie gehörte zu dieſen— gibt es überdieß ein Bedürfniß, ſich der Leitung eines ſtärkeren zu unterwerfen. In dieſen küh⸗ nen Jahren, im Zentrum der Glücksfälle des Oberſten, ehe ſich noch die Furcht vor Schatten bei ihm eingeſchli⸗ chen hatte, beſaß er auch Kraft und Verſtand genug, um Andere zu lenken. Vor den Sinnen des ehrgeizigen Mannes gaukelt unaufhörlich das ſchöne Fideicommiß; und der bloße Gedanke, daß nicht ſein Sohn es erhalten ſollte, erfüllt ihn mit all' der Qual, wie ſie ein ſtolzes und herrſch⸗ ſüchtiges Gemüth bei fehlgeſchlagenen Berechnungen em, pfindet. Je näher die Zeit der Niederkunft für die jum⸗ gen Frauen herankam, deſto unruhiger und zerſtreute ward er; und nur wenn ſeine Frau ihn in ihrs Schwachheit zufrieden zu ſtellen ſuchte, und ihre doy⸗ pelte Hoffnung ausſprach, daß ſie einen Sohn bekom men, und daß die Geburt deſſelben vor dem ſeines Ne benbuhlers erfolgen würde, ward der Oberſt auf einig Minuten ber da er jeder der reizbare Uebel nicht einem an ſie liebeathmend Beredtſamkei mung. Die der Geſundl letzten Mon den Zufall a das Licht er Die Bo lich wäre, wählen; das chen. Dage dungen vor, falls ihre b peinlich für Ankunft des meine ſüße, „laß uns fi Niemand Zeu ſten Schmerz liebte Gattin Wiege unſere und Zärtlichk Es bedu zu Allem zu wegung bekan ſie: der Ober ſeiner Frau. In der ſie ſich außer länger fortzuf ihr Wiſſen e abgelegenen ungen Frauen phezeihung die verkuͤnden. ihrem Manne an Anbetung war aber auch nämlich, ein verführeriſchen ine Frau aus⸗ geſtorben waͤre, nes Auges zu— nals ſchon die vor, allein ſie amen, es war mußte; und ſie tatur auferlegte, e der Liebe und ie ſpielte. Bei Fugenie gehörte rfniß, ſich der In dieſen küh⸗ e des Oberſten, ihm eingeſchli⸗ tand genug, um Nannes gaukelte und der bloßt ſollte, erfüllte es und herrſch⸗ erechnungen em, fft für die jun⸗ und zerſtreute ihn in ihre und ihre doy n Sohn bekom dem ſeines Na berſt auf einig — 245 Minuten beruhigt; aber dieſer Troſt war doch ſchwach, da er jeder Bürgſchaſt ermangelte. Am Ende wurde der reizbare Mann ordentlich ſchwermüthig, und um das Uebel nicht noch größer zu machen, gab ſeine Frau zu einem an ſich ſehr ſeltſamen Vorſchlag, dem jedoch ſeine liebeathmenden Worte, ſeine Schmeicheleien und ſeine Beredtſamkeit eine andere Färbung gaben, ihre Zuſtim⸗ mung. Dieſer Vorſchlag beſtand darin, daß man, um der Geſundheit der jungen Frau willen, während der letzten Monate reiſen ſollte, und daß man es ſo auf den Zufall ankommen laſſen wollte, wo der Majoratserbe das Licht erblickte. Die Baronin meinte nun, wenn das Reiſen ſo nütz⸗ lich wäre, könnte man ja Tyringsholm als Zielpunkt wählen; das würde ihrem Vater eine große Freude ma⸗ chen. Dagegen aber brachte der Oberſt fünfzig Einwen⸗ dungen vor, wo die letzte und beweglichſte die war, daß, falls ihre beiderſeitige Hoffnung fehlſchlüge, es höchſt peinlich für ſie ſeyn müßte, das Hurrah⸗Geſchrei bei der Ankunft des andern Majoratserben zu hören.„Nein, meine ſüße, theure Eugenie“— ſo hieß es damals— „laß uns für uns bleiben! dann iſt doch wenigſtens Niemand Zeuge unſerer heiligſten Luſt oder unſeres tief⸗ ſten Schmerzes. Bin ich Dir nicht genug, meine ge⸗ liebte Gattin? Und es iſt Dir ja gewiß gleich, wo die Wiege unſeres Kindes ſteht, wenn Dich nur meine Liebe und Zärtlichkeit umſchwebt!“ Es bedurfte nicht einmal ſo viel, um das gute Weib zu Allem zu vermögen. Sie reisten, und die ſtete Be⸗ wegung bekam der Baronin gut. Kein Diener begleitete ſie: der Oberſt war damals ſelbſt der erſte Kammerdiener ſeiner Frau. . In der Mitte Auguſt erklärte die junge Frau, daß ſie ſich außer Stand fuͤhle, dieſes herumſtreifende Leben länger fortzuſetzen. Nun hatte der Oberſt ſchon ohne ihr Wiſſen einen hübſchen Zufluchtsort in der kleinen abgelegenen Stadt M— vorbereitet, wo eine gewiſſe 246 eraminirte Frau lebte, die zufällig in den Kreis unſerer Bekanntſchaften gerathen iſt, und zu welcher er ehedem in gewiſſen kleinen Beziehungen geſtanden hatte. Nichts konnte ſich beſſer ſchicken; aber jetzt ergab ſich die erſte Schwierigkeit: die Baronin wollte ſich nicht dazu bereden laſſen, ſich von ihrem Manne zu trennen, der ſeinerſeits durchaus nicht bei der beſagten Frau untergebracht wer⸗ den konnte. „Aber ich glaube nicht, daß Du es auf dieſe Art meinteſt!“ ſagte Eugenie.„Wohl konnte ich reiſen, und wollte auch meine Zeit in dem dunkelſten Winkel abwar⸗ ten, wenn es Dir ein Vergnügen macht; aber warum ſollteſt Du nicht bei mir ſeyn? Wir können ja ein paar Zimmer miethen, und die Frau holen laſſen, wenn ich ſie brauche.“ „Es ſoll Alles geſchehen, wie Du willſt; aber ich meinte es ſo wohl einzurichten! Jeden Augenblick wollte ich Dich von dieſer klugen und verſtändigen Frau gehü⸗ tet wiſſen. Wo wir auch wohnen, ſo kann ſie nicht be⸗ ſtändig bei Dir ſeyn, und ich bin ſo in Angſt, es könnte etwas apropos kommen oder unglücklich gehen, daß ich beinahe wahnſinnig werde! Wohnteſt Du dagegen bei Frau Björkman, ſo wärſt Du nicht all' den Unannehm⸗ lichkeiten und dummen Mißgriffen ausgeſetzt, die in einer fremden Wohnung ſo leicht geſchehen können, und ich könnte vollkommen ruhig ſeyn. Ich halte mich ja doch in der Nähe auf.“— Die Baronin Eugenie, unfähig, dieſe Gattung un⸗ ruhiger Zärtlichkeit zu verſtehen, aber vollkommen über⸗ zeugt, daß dieſe Laune ihres Mannes nur von ſeiner blinden Liebe diktirt ward, ließ ſich bewegen, ganz in⸗ kognito zu der„vortrefflichen Frau“ zu ziehen. Durch die Veranſtaltung des Oberſten wurde die Reiſe ſo eingerichtet, daß man bei Nacht in M— ankam. Bald genug merkte jedoch die Baronin mit großer Verwunderung, daß ſie eine Art Arreſt zu erſtehen hatte Sie durfte erhielt ſie und da F Ruhe und ihrem Zimm auf die ſelbe Durch was ſich in jedem Poſtt Neuigkeit v von ſeinem Doch von den ni die ſich vo In demſelb die Nachrich hielt er dure ger kannte nig wie de Schwägerin bei Einhändi mußte. Der O. ſeiner Frau. ihm kochte, Geſichte. N hören, daß rufen. Und erzählt haben und ihm be nahm, daß Unterhaltung paſſirt ſey. gerne mitthei und gab ſei nerſeits hatt Kreis unſerer her er ehedem hatte. Nichts ſich die erſte t dazu bereden der ſeinerſeits rgebracht wer⸗ auf dieſe Art ch reiſen, und Vinkel abwar⸗ aber warum n ja ein paar , wenn ich ſie llſt; aber ich genblick wollte 1 Frau gehü⸗ n ſie nicht be⸗ gſt, es könnte ehen, daß ich dagegen bei den Unannehm⸗ , die in einer nen, und ich mich ja doch 2 Gattung un⸗ kommen ir von ſeiner gen, ganz in⸗ jen. ten wurde die acht in M— in mit großer erſtehen hatte, über⸗ 247 Sie durfte weder ausgehen noch ausfahren, aber täglich erhielt ſie die liebevollſten Billets von ihrem Manne; und da Frau Björkman verſicherte, daß die größte Ruhe und Stille vonnöthen ſey, ſo ſaß ſie geduldig auf ihrem Zimmer, und weinte über die wunderlichen Ideen, auf die ſelbſt die Liebe gerathen könne. Durch ein geheimes Spionirſyſtem erfuhr der Oberſt, was ſich im Hauſe ſeines Schwagers zutrug, und mit jedem Poſttag, der verging, ohne eine beunruhigende Neuigkeit von dorther zu bringen, fühlte er eine Laſt von ſeinem Herzen fallen. Doch nun kam die ſchwarze Unglücksſtunde, welche von den niedrigen Mächten zur Reife gebracht wurde, die ſich vorher nur undeutlich in ihm geregt hatten. In demſelben Augenblicke, wo er von Frau Björkman die Nachricht empfing, daß ſeine Frau erkrankt ſey, er⸗ hielt er durch obengenannten Kanal— denn ſein Schwa⸗ ger kannte ſeinen damaligen Aufenthaltsort eben ſo we⸗ nig wie der Schwiegervater— die Kunde, daß ſeine Schwägerin mit einem Sohne niedergekommen ſey, der bei Einhändigung des Briefes ſchon drei Tage alt ſeyn mußte. Der Oberſt ſteckte den Brief zu ſich und flog zu ſeiner Frau. Aber ſie ſah die Wuth nicht, die nun in ihm kochte, nicht die gerinaſte Spur davon kam ihr zu Geſichte. Nach ein paar Stunden mußte er noch dazu hören, daß es durchaus nothwendig ſei, einen Arzt zu rufen. Und damals war es— wie wir ſchon früher erzählt haben— wo er ſelbſt zu Doktor Manning ſprang, und ihm beim Heimweg ſein Ehrenwort als Arzt ab⸗ nahm, daß er ſich niemals mit Jemand in die geringſte Unterhaltung über das einlaſſen wolle, was dieſe Nacht paſſirt ſey. Der Doktor war ein Mann, der ſich nicht gerne mittheilte: er kannte die erſte Pflicht eines Arztes, und gab ſein Verſprechen unbedingt. Der Oberſt ſei⸗ nerſeits hatte ſich hinlänglich mit dem Charakter des 248 Doktors bekannt gemacht, um zu wiſſen, daß er eine Perſon ſey, auf die man ſich verlaſſen könne. Alles lief gut ab— und der Oberſt bekam einen Sohn. Die Poſt ging beinahe in demſelben Augenblicke, aber noch blieb ein ſehr wichtiger Punkt übrig, ehe der Oberſt die Meldung an ſeinen Schwiegervater und die übrigen Verwandten abſenden konnte. In dieſer Nacht wurde, während die Baronin ſchlief, eine lange Bera⸗ thung mit Frau Björkman gehalten; und die Folge davon war, daß ſie ſich gegen eine ſehr anſehnliche Summe dazu hergab, dem Probſte die Geburt des klei⸗ nen Barons um ganze vier Tage früher anzugeben, als ſie in der Wirklichkeit geſchehen war. Daß ſich Doktor Manning niemals mit dem Probſte in eine Un⸗ terhaltung hierüber einlaſſen würde, darauf gebe ſie ihre heilige Verſicherung, ſie könne ihr Leben zum Pfand ſetzen; und der Probſt ſey alt und habe kein Gedächtniß mehr: an dem nämlichen Tage, wo er es im Kirchen⸗ buche aufzeichnete, würde er es auch wieder vergeſſen. Der Plan war kühn, aber der Oberſt ſah, daß er ſich ohne Schwierigkeit durchführen laſſe; und er würde vielleicht gerade wegen ſeiner ungeheuren Plump⸗ heit die Anzahl jener Betrügereien vermehrt haben, die nie entdeckt werden, wäre nicht ein Arzt gerufen worden. Jetzt ward der Schritt in der Hoffnung gewagt, daß dieſer redlich Wort halten und daß die ganze Sache ſowohl ihm als dem Probſte in Baͤlde entfallen werde. Inzwiſchen ward Baron Klas Malchus von dem Probſte getauft und in das Kirchenbuch eingetragen, als ob er am ſechs und zwanzigſten ſtatt am dreißigſten Au⸗ guſt geboren worden wäre. Nun wurden Briefe nach Tyringsholm und an den lieben Schwager abgeſchickt, des Inhalts: der Geſundheitszuſtand der Baronin ſey ſo ſehr hoffnungslos geweſen, daß der Oberſt in ſeines Herzens Angſt und Unruhe die Nachricht von der Gebutt ſeines Sohnes einige Tage aufgeſchoben habe, bis er zugleich Mutter natürlich ſeiner S holm ſe De reiſe nit einzuſehe leicht ei erſte nit Björkme einem 2 die ihm ſchon w fen wor verrichten ihrer He Unt hergeſtell 5 gab ihr grenzenle Nachrich und dan der Ver aus Lie ſchweigen Knaben ringshol Abq Kraſt be zweiflung geachtet beſchloß zu wider ich mein chen, da Du mag daß er eine 4 bekam einen Augenblicke, brig, ehe der dater und die dieſer Nacht lange Bera⸗ ud die Folge ar anſehnliche burt des klei⸗ r anzugeben, r. Daß ſich in eine Un⸗ gebe ſie ihre zum Pfand in Gedächtniß 3im Kirchen⸗ vergeſſen. rſt ſah, daß aſſe; und er euren Plump⸗ t haben, die rufen worden. gewagt, daß ganze Sache llen werde. pdus von dem getragen, als reißigſten Au⸗ Briefe nach er abgeſchickt, Baronin ſey derſt in ſeines n der Geburt habe, bis er zugleich den frohen Troſt mittheilen könnte, daß die Mutter außer Gefahr ſey. Auch erwartete der Oberſt natürlich auf das Ungeduldigſte zu hören, wie es mit ſeiner Schwägerin ſtehe, und ob ſie vielleicht Tyrings⸗ holm ſchon einen Majoratserben geſchenkt habe u. ſ. w. Der Oberſt ſuchte Doktor Manning vor ſeiner Ab⸗ reiſe nicht mehr auf; er beſaß Scharfſinn genug, um einzuſehen, daß eine erneuerte Bitte um Stillſchweigen leicht eine Aufmerkſamkeit erwecken könne, welche ſeine erſte nicht erregt hatte. Und noch einmal von Frau Björkman überzeugt, daß der Doktor niemals mit irgend einem Menſchen über die geheimen Verhältniſſe ſpreche, die ihm in ſeiner Praris begegneten, und daß er gewiß ſchon wieder vergeſſen habe, an welchem Tage er beru⸗ fen worden ſey, trat der glückliche Mann nach ſo wohl verrichtetem Geſchäſte mit der Baronin die Rückreiſe nach ihrer Heimath an. Unterwegs— denn jetzt war die junge Frau ſo weit hergeſtellt, daß ſie das Geſtändniß ertragen konnte— gab ihr der Oberſt zuerſt eine klare Ueberſicht über die grenzenloſen Qualen, die er erlitten habe, als er die Nachricht von der Niederkunft ſeiner Schwägerin erhalten und dann von den Mitteln und Wegen, zu denen er in der Verzweiflung gegriffen, und ſie jetzt, wie er ſagte, aus Liebe zu ihm und ihrem Kinde billigen und ver⸗ ſchweigen müſſe. Der Geburts⸗ und Taufſchein des Knaben ſey überdieß ausgezogenund bereits nach Ty⸗ ringsholm abgeſandt. Aber da erwachte zum erſten Male ein Funke von Kraft bei der Baronin Eugenie. In ihrer erſten Ver⸗ zweiflung über dieſe That, welche ſie all' ihrer Liebe un⸗ geachtet für einen ſchändlichen Raub anerkennen mußte, beſchloß ſie trotz allem bereits Geſchehenen der Angabe zu widerſprechen.„Nie, nie,“ rief ſie heltig aus,„werde ich meine Mitwirkung beim Raub eines Rechts verſpre⸗ chen, das Ebbas Sohn gehört; nein, niemals, Malchus! Du magſt mit mir anfangen, was Du willſt!“ „meiner 250 „Ich werde nichts mit Dir anfangen,“ erwiederte der Oberſte wenn Du aber glaubſt, daß ich dieſe Schmach überlebe, ſs haſt Du Dich verrechnet. Ich will Dir atſchluß noch nicht ſagen— Du ſollſt Dich zuerſt auffften Deinigen beſinnen!“ Während ſie durch eine einſame und düſtere Wald⸗ gegend ſuhren, ſtieg der Oberſt aus dem Wagen. Die Baronin hielt das ſchlummernde Kind auf dem Schooße. Wohin gehſt Du, Malchus 2“ fragte ſie. „Da hinauf, um die ſchöne Ausſicht zu ſehen. Wenn Du mitgehen willſt, ſo gib den Knaben der Wärterin!“ Dieſe war in einer Stadt angenommen worden, welche ziemlich weit von Mo entfernt lag, und ſie wußte nichts von dem erſt kürzlich abgelegten Inkognito der Herr⸗ ſchaften. Stille folgte ihm die Baronin. An dem jähen Abhange eines Berges, an deſſen Fuß ein Waldſtrom mit ſchauerlichem Geräuſche gegen die ſcharfen Felſen donnerte, hielt der Oberſt. Nie hatte ſein ruhiges und glattes Geſicht die Hälfte von dem Gefühle ausgedrückt, das er jetzt belebte.„Eugenie,“ ſprach er mit einem Tone, der verführeriſch zu ihrem Herzen ging,„Eugenie, meine geliebte, meine angebetete Gattin, Siehſt Du die Leiden, die Qualen der Reue, die mich zerreißen? Ich wollte mein Leben darum geben, wenn ich in dieſer Stunde der ärmſte Mann wäre! Aber ich wollte uſ Bie mein Leben geben, wenn ich es noch einmal wieher leben könnte, um meine Chre zu bewahren; denn ohne ſie iſt das Leben todt. Ent⸗ ſcheide jetzt— willſt Du mir durch den heiligen Eid des Stillſchweigens Ruhe ſchenken? Du ſiehſt mich Deinen Gatten, Deinen liebevollen Gatten hier zu Deinen Füßen Dein Erbarmen anrufen— willſt Du nicht, ſo ſteht es Dir im nächſten Augenblicke frei, zu handeln, wie es Dir am beſten dünkt! Wirf einen Blick auf den Strom dort unten; hörſt Du ſein Gebrüll? Weigerſt Du Dich, ſo wird habe N 7/ Aber l der Er uns err D‚ lag Ve N ſprach nimm Dich ni D des Ob ſeiner Sollte ſterben gar zu Zweifel werden. verlaſſer Wie kar teſt Du recht ar Und w Grunde den Ta „9 Engenie „2 machte wärts, gefährli verſuch niens 2 251 rwiederte ſo wird dieß meine Zuflucht! Du weißt, Engenie, ich Schmach habe Muth; meine Worte ſind keine leere Drohung.“ will Dir„Ich kann nicht, Malchus, ich kann nicht ſchwören! llſt Dich Aber laß uns weit fortreiſen in irgend einen Winkel der Erde, ſo einſum, daß weder Hohn noch Schande ee Wald⸗ uns erreichen können!“ en. Die Der Oberſt ſchüttelte den Kopf. In ſeinen Blicken Schooße. ¹ lag Verzweiflung. „Nun wohl, Malchus,“— die zitternde Stimme Wenn ſprach auf's Beweglichſte von ihrer Hingebung—„ſo ärterin!“ nimm denn mich mit in die Tiefe hinab! Ich verlaſſe , welche Dich nicht!“ zte nichts Dieſer romantiſche Entſchluß war keineswegs nach er Herr⸗ des Oberſten Geſchmack, denn es lag natürlich nie in ſeiner Abſicht, aus der Drohung Ernſt zu machen. Sollte er, der feine gewandte Weltmann, auf dieſe Art n deſſen ſterben—„ſterben wie ein Hund?“ Nein, das wäre ſe gegen gar zu ſimpel, und dazu war er auch zu feig. Die Kie hatte Zweifel des zartfühlenden Weibes mußten alſo beſiegt on dem werden. fkugenie,“„Eugenie, was ſagſt Du, willſt Du Dein Kind u ihr em verlaſſen, es ohne Vater, Mutter und Ehre laſſen? ngebetete 4 Wie kannſt Du ſo unnatürlich grauſam ſeyn! Wie könn⸗ er Reue, teſt Du in einer Sekunde des Irrwahns ein ſolches Un⸗ n geben, recht an Deinem Kinde thun? Du biſt nicht Mutter! wäre! Und wie könnte zudem, wenn wir hier zuſammen zu , wenn Grunde gingen, das Recht Deiges Schweſterſohnes an ne Ehre den Tag kommen?“ A t. Ent⸗ 3„Nein, ich will nicht ſterben!“ jammerte die arme gen Eid Engenie.„Du haſt Recht, ich kann nicht ſterben!“ Deinen„Aber ich kann es!“ brach der Oberſt aus, und n Füßen machte des glücklichen Effektes halber einen Sprung vor⸗ ſteht es wärts, was für eine minder gewandte Perſon ein ſehr wie es gefährliches Spiel hätte werden können. Der Schein⸗ Strom verſuch that ſeine wohlberechnete Wirkung; von Euge⸗ du Dich, niens Armen umfaßt, ward er heftig zurückgezogen. 2/ 5 252 „Ich ſchwöre, denn ich kann auch Dich nicht ſterben ſehen. Aber von dieſem Augenblicke an ſterbe ich einen langſamen, hinſchwindenden Tod, einen Todeskampf, der ein ganzes Leben hindurch dauert.“ Und die BaroninEugenie ſchwur, ſchwur das Ge⸗ heimniß ihres Gatten zu bewahren. Aber mit dieſem Eide wich der Frieden für immer aus ihrer Seele. Während der erſten Jahre bemühte ſich der Oberſt, durch ein liebevolles Begegnen die Schwermuth und Un⸗ ruhe ihres Gemüths zu lindern. Aber ſpäter, als er ſich in dem Beſitze des geraubten Schatzes vollkommen ſicher fühlte, ward ſein Gefühl weniger warm. Stets aufmerkſam, ſtets artig und den Forderungen der Con⸗ venienz nachkommend, erſchien er dem äußerlichen Beob⸗ achter als das Muſter eines zärtlichen Gatten. Aber Eugenie fühlte, daß er es nicht mehr war. Auch ihre Liebe war erloſchen, für ewig ausgebrannt, und nichts blieb übrig als die allmächtige Gewohnheit einer blinden Ergebung. Noch beſaß Eugenie in ihren Kindern einen Erſatz während dieſer langen, qualvollen Tage. Klas Malchus, der ſo theuer erkaufte Sohn, entwickelte jedoch frühzeittg eine Eigenheit des Charakters und einen Trübſinn, den zur Klarheit zu bringen ſie nicht im Stande war. Im Gegentheile liebte und nährte ſie die Neigung des Kindes für einſame Beſchäftigungen; es kam ſelten unter andere Kinder, ſondern wan n Wehmuth und Thränen auf⸗ erzogen und fand in allen Streitigkeiten bei der Mutter Unterſtützung und Entſchuldigung. Was dagegen die junge Tochter betraf, ſo machte die Baronin frühzeitig die Entdeckung, daß zwiſchen ihnen keine ſonderliche Sympathie vorhanden war; und ſo ſehr ſie wirklich ihre Iſabelle liebte, gab ſie doch ihre Zuſtimmung dazu, daß ſie in einer heitereren, mehr für ſie paſſenden Umgebung erzogen wurde. Der Kammerräthin ward dieß Geſchäft anvertraut, das eine ſo große Verantwortlichkeit mit ſich brachte; aber nachdem nun Iſabelle zu der reichen Tante gezogen war, e Leben o Oberſt ſtimmter glich ein war, u ließ, d der Th ihm Al Stellun hatte er Lal die Fru Sohn, er ſelbſ beinahe Schwieg wie wir laſſen. gemacht Oberſter Es Dr unſere( einen vr den Um und arc fen hatt W nachdem Wirthsl anzuneh er recht! auf ein ſtolzen zu dürf 253 ſterben gezogen, und Klas Malchus an eine Schule geſchickt h einen war, erfuhr die Baronin Eugenie erſt recht, was ein pf, der Leben ohne Frieden und ohne Hoffnung ſagen will. Der Oberſt erſtarrte von Jahr zu Jahr mehr in ſeinen be⸗ das Ge⸗ ſtimmten Formen; ſein ganzes Weſen, Leib und Seele dieſem glich einem ſchillernden Steine, der fein genug geſchliffen . war, und ſich überall in den künſtlichen Ring einpaſſen Oberſt, 3 ließ, den man Welt nennt.„Die Welt“— nämlich und Un⸗ der Theil von ihr, den der Oberſt ſo nannte— galt als er ihm Alles; und um dort eine in die Augen fallende kommen Stellung für ſich und ſeine Nachkömmlinge zu erringen Stets hatte er auch Alles aufgeopfert. r Con⸗ Lange mußte indeſſen der Oberſt warten, bis er Beob⸗ die Frucht ſo vieljähriger Unruhe ärndten durfte. Der Aber Sohn, während deſſen gehoffter langer Minderjährigkeit ich ihre er ſelbſt in Tyringsholm zu'herrſchen gedachte, hatte jnichts beinahe das zwanzigſte Jahr erreicht, als der zähe alte blinden Schwiegervater ihm endlich freie Hände ließ, um ſich, wie wir geſehen haben, auf dem Fideicommiſſe niederzu⸗ Erſatz laſſen. Aber das Jahr hatte noch nicht ſeine volle Stunde Lalchus, gemacht, als die rächende Nemeſis an der Thüre des ühzeitig Oberſten ſtand, anklopfte und ihr Recht forderte. n, den Es war ein kurzes Regiment! r. Im Doch ehe wir jetzt zu dem Punkte zurückkehren, wo Kindes unſere Erzählung abgebrochen wurde, müſſen wir, um andere einen vollſtändigen Zuſammenhang in dieſelbe zu bringen, en auf⸗ den Umſtand berühren, der in Lieutenant Richards offene Mutter und argloſe Seele einen ſo verzehrenden Brand gewor⸗ gen die 3 fen hatte. 3 ühzeitig Wir erinnern uns, daß der brave Doktor Manning, derliche nachdem er Richards gebrochenen Arm im Duringer ich ihre„ Wirthshofe verbunden hatte, ſich weigerte, eine Belohnung 1, daß anzunehmen; denn, wie er ſich damals ſelbſt ausdrückte, igebung er rechnete die kleinen Extra⸗Beiſtände nie an, die er Geſchäft auf einer Reiſe zufällig leiſtete. Es lag indeſſen dem nit ſich ſtolzen jungen Mann am Herzen, ſeine Schuld abtragen Tante zu dürfen, weßhalb er nach der Adreſſe des Doktors fragte; und da war es nun, wo folgende kurze Unterhaltung zwiſchen ihnen Statt fand. „Ich wohne in M—,“ ſagte der Doktor. „In M—? Die Stadt kenne ich nicht; ich war nie dort; und doch hat der Name einen eigenen Klang für mich. Mein Vetter iſt in M— geboren, ein Vetter, mein beſter Herr Doktor, welcher mir ein großes Fidei⸗ commiß hinwegſchnappte, nachdem ich bereits als Majo⸗ ratserbe begrüßt war. So toll geht es in der Welt zu; aber man muß ſich darein finden!“ „Hierin muß der Herr Lieutenant ſich irren, denn ich kann mich nicht erinnern, daß jemals ein Majorats⸗ erbe in M— geboren wurde, und ich wohne doch ſeit dreißig Jahren dort; ich mußte es daher doch wohl wiſſen, denn ich bin Arzt in jedem Hauſe und mit jeder Seele in dem Städtchen befreundet.“ „Nun ja, aber es wird denn doch wohl ſo ſeyn, obſchon ich geſtehen muß, daß es nicht gar ſo leicht iſt, den wichtigen Fall von der Geburt des Majoratserben Baron Klas Mal⸗ chus E— brand zu wiſſen, indem mein Onkel und meine Tan⸗ te, die damals auf einer Reiſe begriffen waren, ſich wäh⸗ rend dieſes Zeitpunkts zufälligerweiſe in M— aufhielten.“ „Ei,“ brach der Doktor aus und fuhr mit dem Sack⸗ tuch über das runde, behagliche Geſicht,„etwas der Art ſchwebt mir doch vor dem Gedächtniß; aber der Name war nicht E— brand.“ „Nein, das glaub' ich wohl, mein Vetter hat erſt jetzt mit dem Fideicommiß den Namen unſres Großvaters angenommen. Mein Onkel hieß X—.“ „Richtig— ei der Teufel, iſt das der Vetter des Herrn Lieutenants? Ich wußte damals nicht, daß ich einem kleinen Majoratserben den Eintritt in die Welt eröffnete. Ich erinnere mich jetzt der ganzen Geſchichte, als ob es geſtern geweſen wäre; es ging doch verflucht geheimnißvoll dabei zu!“ „Geheimnißvoll ging es zu? Der Onkel fürchtete wohl, Papa wuͤrde ebenſo genau nach der Zeit ſpioniren, wie er e tödtlicher des Fidei Licht der Ha, hielt auch den 30. 2 Herr Lieu „Ich ren!“ er Tag ſpät er wußte der Wide obſchon er er doch C ſtaunen ve Schmerz übergehen wurde er „Nei⸗ er in der es geheißen viel ich m gens— das Datun Die licher. De Reiſe nach erwartete. Sie t Es ve Verſchwieg wenn er 1 dieſer ja zu erzählen an den vor ſchicklichkeit haltung ich war Klang Vetter, 6 Fidei⸗ Majo⸗ Velt zu; t, denn tajorats⸗ och ſeit ch wohl nit jeder obſchon vichtigen ſas Mal⸗ ne Tan⸗ ch wäh⸗ hielten.“ m Sack⸗ der Art r Name hat erſt oßvaters verflucht fürchtete pioniren, 25⁵ wie er es bei uns that. Die armen Väter müſſen in tödtlicher Angſt herumgegangen ſeyn, denn die Erbſchaft des Fideicommiſſes ſollte dem zufallen, der zuerſt das Licht der Welt erblickte.“ Ha, ha, ha! war es ſo!“ lachte der Doktor.„Es hielt auch hart. Ich denke noch heute an die Nacht auf den 30. Auguſt 18.. Wie lange ſpäter kam denn der Herr Lieutenant auf die Welt?“ „Ich wurde einen Tag nach Klas Malchus gebo⸗ ren!“ erwiederte Richard erblaſſend. Er meinte einen Tag ſpäter als Klas Malchus Taufſchein auswies; aber er wußte nicht, ob er es wagen ſollte zu fragen, was der Widerſpruch des Doktors zu bedeuten habe, denn obſchon er beſtimmt glaubte, daß dieſer ſich irrte, fühlte er doch Etwas in ſich, das ein offen ausgeſprochenes Er⸗ ſtaunen verwarf. Nachdem er ſich über einen heftigen Schmerz im Arm beklagt hatte, ſprach er wie im Vor⸗ übergehen:„So, ſo, in der Nacht auf den dreißigſten wurde er geboren!“ „Nein, ich ſagte es nicht ganz richtig; denn wäre er in der Nacht auf den dreißigſten geboren, ſo würde es geheißen haben, den neun und zwanzigſten. Aber ſo viel ich mich erinnere, war es ſchon halb drei Uhr Mor⸗ gens— alſo am dreißigſten ſelbſt! Ich habe zudem das Datum aufgeſchrieben.“ Die Leiden in Richards Arm wurden immer ſchmerz⸗ licher. Der Doktor drängte ihn zu einer ſchleunigen Reiſe nach Mörkedal, wo eine gute Pflege den Patienten erwartete. Sie trennten ſich. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß der Ehrenmann ſeine Verſchwiegenheitsgelübde nicht gebrochen zu haben meinte, wenn er mit dem Lieutenant über die Sache ſprach, da dieſer ja ſelbſt von der Geburt ſeines Vetters in M— zu erzählen wußte. Mehrere Tage dachte noch der Doktor an den vortrefflichen jungen Mann, der durch ſeine Ge⸗ ſchicklichkeit des großen Fideicommiſſes verluſtig gegangen 256 war; bald aber von neuen Vorkommniſſen in Anſpruch genommen— Doktor Manning befand ſich damals auf einer wiſſenſchaftlichen Reiſe nach Kopenhagen und Deutſch⸗ land— vergaß er die wiedererweckte Skizze aus ſeiner früheren Praris, und ließ ſie geräuſchlos zu dem großen Memoirenverlag hinabtauchen, den ſeine verſchwiegene Seele verwahrte. Nicht ſo mit Richard. Wir haben die Kämpfe ge⸗ ſehen, welche das junge warme Herz mit der Vernunft ſtritt, die klar in den dunklen Nebel ſehen wollte. Dieſe Auftlärung konnte jedoch nicht ohne Aufſehen gewonnen werden, und bei den Stößen und Umwälzungen, die „ darauf folgen mußten, that es Richard beſonders um Iſabellen, ſeinen Abgott, leid. Mit dem Oberſten, den er jetzt tief verachtete, hatte er kein Erbarmen. Aber da war ja der redliche, treue Klas Malchus, er, der Tyringsholm mit Freuden weggeworfen hätte, wenn er damit ſeinen Namen unbefleckt erhalten konnte. Um ihn, um die arme unglückliche Baronin Eugenie, aber vor Allem um Jſabellen blutete Richards Herz. Jſabelle, deren Lebensfaden ſchon zum Voraus ſo dünn war, was würde ſie nicht darunter gelitten haben! Und konnte er, der nach ihrer Liebe, ihrer Hand ſtrebte, daran denken, gegen ihren Vater einen Proceß zu eröffnen, deſſen Aus⸗ gang ſo unſicher war; denn Richard wußte wohl, daß, wenn ſich kein weiteres Zeugniß fand, als das des Dok⸗ tors, der Proceß verloren gehen mußte, und er hätte dann nur ein abſcheuliches Aufſehen erregt, den Namen ſeines Onkels mit einem nie verſchwindenden Schatten ver⸗ dunkelt, ohne ihn bekräftigen oder wieder wegnehmen zu können. Unter dieſen Verhältniſſen wäre an die Möglich⸗ keit einer Verbindung mit Iſabellen nicht zu denken. Auf der andern Seite aber welche Qual, nicht nur zu glauben, ſondern täglich durch die Winke, die er gegen ſeine Tante fallen ließ, immer überzeugter zu werden, daß er ſelbſt die gegründetſten Anſprüche auf dieſes Ty⸗ ringsholm beſitze, auf dem ihm ſein Onkel die Verwal⸗ terſtelle a⸗ ſchildern v von ſeiner in den B nicht nur würdigen ihm auch thätiger H Brüder arl Währ ſtieg ſeine Iſabellen h aufopfern. Und n geheime An Blatt und üͤbrigen Ste Wir h ergötzlichen halten. We lichen Gang von Seiten Klas Malch die freilich, konnten, beſt platz der ver Wir b denkbar, daß dem äußern Welt den G hörlich betra der höchſten Das Fideico 1 Anſpruch damals auf ud Deutſch⸗ aus ſeiner dem großen rſchwiegene Kämpfe ge⸗ er Vernunft llte. Dieſe n gewonnen ungen, die ſonders um verſten, den men. Aber s, er, der 2, wenn er e. Um ihn, , aber vor . Jſabelle, war, was d konnte er, ran denken, deſſen Aus⸗ wohl, daß, ſas des Dok⸗ und er hätte den Namen Schatten ver⸗ gnehmen zu die Möglich⸗ zu denken. nicht nur zu ie er gegen zu werden, zuf dieſes Ty⸗ die Verwal⸗ 257 terſtelle angetragen hatte! Wir haben ſchon oben zu ſchildern verſucht, wie Richard hin und hergeriſſen ward von ſeiner Liebe und ſeinem natürlichen Gyrgeize, der in den Beſitz alles deſſen zu kommen wünſchte, was nicht nur ſeine eigene Eriſtenz ſichern, und ihm einen würdigen Platz in der Geſellſchaft verſchaffen, ſondern ihm auch die Gelegenheit an die Hand geben konnte aiit thätiger Hand an dem künftigen Gluͤck ſeiner jungen Brüder arbeiten zu können. 8 Während der Stürme dieſer wechſelndentzfe ſtieg ſeine Leidenſchaft zu einer furchtbaren Höhelon Iſabellen hing ſein ganzes Leben ab; ihr konnte er Alles aufopfern.. Und nun, nachdem wir dieſen Blick in Tyringsholms geheime Annalen zurück geworfen haben, wenden wir das Blatt und folgen dem neuen Majoratserben auf den übrigen Stadien ſeines Lebens. Achtzehntes Kapitel. Wir haben nicht im Sinne, uns bei der wenig ergötzlichen Erzählung der Prozeß⸗Entwicklung aufzu⸗ halten. Während dieſer ſeinen ordentlichen und geſetz⸗ lichen Gang nimmt, und der Major, als Hauptperſon von Seiten ſeines Sohnes, und ein geſchickter Advokat für Klas Malchus die Streitigkeiten zum Schluſſe bringen, die freilich, wie Alle wußten, nur Einen Schluß haben konnten, beſuchen wir wieder Tyringsholm, den Sammel⸗ platz der verlierenden ſowohl, als der gewinnenden Partei. Wir beginnen natürlich mit dem Oberſten. Iſt es denkbar, daß der Mann, der ſein ganzes Leben lang nur dem äußern Scheine gelebt und für den das Urtheil der Welt den Spiegel gebildet hatte, worin er ſich unauf⸗ hörlich betrachtete, ein Mann, der mit dem größten Stolz, der höchſten Eitelkeit und Selbſtſucht ſtets ſein Ich als Das Fideicommiß. II. 17 den Mittelpunkt aller Vollkommenheit dargeſtellt hatte, der um den Schein der Loyalität, Liberalität und Popu⸗ larität, kurz aller Eigenſchaften gebuhlt hatte, nur derer nicht, die er wirklich beſaß, nämlich der Narrheit und Schurkerei— iſt es denkbar, fragen wir, daß dieſer Mann ſeinen Fall überleben konnte, leben konnte, um ſeinen Mamen, ſeinen mit Leidenſchaften geliebten und angebeteten , gebrandmarkt zu ſehen durch den Urtheilsſpruch des 0 und entehrt durch die ſcharfe Geißel der all en Verachtung? Nein, das wäre unmöglich geieent Zu einem ſolchen Leben erfordert es mehr Muth, Entſagung und Gottesfurcht, als der Oberſt v.x— jemals beſeſſen hatte. Aber auf welche Weiſe konnte denn ein„Mann von Welt,“ der in einen ſo ehrenrührigen„Kaſus“ verwickelt war, von dem Welttheater Abſchied nehmen, ehe er hin⸗ ausgepfiffen wurde? Gerade das war die große Frage! Es wird wohl Niemand auf den Gedanken kommen, daß ein Mann von dem feinen Gefühl und dem guten Ton des Oberſten, ein Mann, der den Vorzug einer gebildeten Erziehung ſo hoch ſchätzte und der ſeinen Kopf ſo hoch getragen hatte, ſich etwas ſo ganz Pöbelhaftes, wie Er⸗ würgen, Ertränken, Vergiften, Durchgehen oder der⸗ gleichen erlauben ſollte! Freilich hatten vielleicht ſchon ebenſo gute Leute, wie er, kein Bedenken getragen, ſich u einem dieſer Mittel herabzulaſſen, um ein beſchwer⸗ liches Leben los zu werden, und die zwei letzten Alter⸗ nativen waren ganz poſitiv von ſehr großen Leuten benützt worden, aber es war doch etwas daran, was den Schön⸗ heitsſinn des Oberſten verletzte. Die Kugel war ehedem ein Ausweg, welcher höheren Naturen erlaubt ſeyn konnte, aber ſeitdem ſich auch Ladendiener damit abgegeben hatten, taugte er nichts mehr. Es entſteht daher billig die Frage, was noch zu wählen übrig blieb? Keine einzige honette Manier! Was that alſo der Oberſt v. N-— in der Nacht, wo er das Begräbniß ſeines„beſſeren“ Ichs überlebt hatte, wo Gatt den, als mit er Vergange während geſammel ſeine Ber keinen Se ſchwarzen thun, als Der nicht. 3 ſo tief e da er ſich kante leh! Schlage g ſtarb er ſprengung Laßt wegtreten, eitlen und X— würd und Anſeh liche Perſo der Welt h einen ſchwa Mangel a Samen in Frucht ge einige Tag ſo eingerich in jeder C der Feind dagegen un den Sieg 1 ihre Haupt tellt hatte, und Popu⸗ nur derer rrheit und jeſer Mann um ſeinen angebeteten rtheilsſpruch Geißel der unmöglich rt es mehr der Oberſt „Mann von 6“1 verwickelt ehe er hin⸗ große Frage! kommen, daß m guten Ton mer gebildeten Kopf ſo hoch ftes, wie Er⸗ in oder der⸗ bielleicht ſchon getragen, ſich ein beſchwer⸗ letzten Alter⸗ Leuten benützt das den Schön⸗ el war ehedem bt ſeyn konnte, gegeben hatten, illlgg die Frage einzige honette der Nacht, wo überlebt hatte, 259 wo Gattin und Kinder if 4 r verzweiſelnd um ſein L ſt eund Kinder verzweiſ ein Lager 2 den, b die Gegenwart keinen Tropfen Lroſt Pnt d⸗ umſt. 5 dine verzehrende Qual löſchen konnte wo ndie Weia zgenheit ihm ein nutzloſes, erniedrigtes Leben 3 dir waſſend 1 eſen er nur Materialien zu dem Daüane 8 de hatte, deſſen Ausbruch ihn ſelbſt 3G alle ehne 4 rechinmoymn zerſtören ſollte, und wo die 3 Su Phüüede himmer von Hoffnung zur Verbeſſer n et ſharzen Geſchickes zeigte— was konnte er 13 üdus ihin dis geradezu von ſelbſt ſterben 2 I Tdes Der Oberſt erlebte wirkli n r ich den folgend mcht.. In demſelben Momente, wo fdenden hehen 3 deſes ſohitat Kraft vollkommen gebrochen wuhe, Saeh 3 3 ſchmatdölan und wie verſteinert an die Kanhr⸗ ante lehnte, ward ſein Gehir iſ hen kant 6 ſein Gehirn von dem elektriſche Hehiage gerishits der für immer betäubt; er edeſhan ſin ſer nach Doktor Manning's Behauptun Netee Pran in der Gallenblaſe: er ſtarb— am walnn her. ve enut, ns iade en icht ſae üte neden Vetre hin veg, wo bleichen eberreſte eines im Le 9 rülen ud hochtgigen Maune feii andinfe e t K Härdes hue jene gefährliche Verſuchung zu ieicthuef bn Aufih zweifellos eine ganz gewöhnliche ſchäd⸗ liche de in geworden ſeyn, wie ihrer zu Tanfendn in der Wöelt hert ulauſene Dieſe Tauſenden tragen iden in Anen ichmunsen Samen in ſich, der ſich vielleicht 1 3 di Mange an deerledenhei nicht entwickelte Der ſch 5 4 erſt. 3 Suu i des Oberſten Seele würde vielleicht lhe e einige 83 ft ſeyn, wenn die Geburt ſeines Srhuns 6 ger Tuge ſtühe eingetroffen wäre. Wäre 3 huct 5 fingerichtet wie würde die Vorſehung di nich er jeden fſalt fenbart, ein ſo ſchwer zu befie iis de daindaſ yn! inige Wenige kämpfen auf jede Art das E. gſisden; manche Andere aber gibt es die 3 ieg ht davon tra ürd Le den, S rragen würden er Fei hre Hauptſchwäche angriffe. Wohl enewendie de Var . ihre Be⸗ 17* 260 gierden zu bezähmen vermögen— doch laßt uns dieje⸗ nigen menſchlich beurtheilen, die es nicht im Stande ſind! Reich an großen Lehren bleibt jedoch ſtets ein Todten⸗ bette, von dem das Opfer ungezügelter Leiden ſchaften abge⸗ rufen wird, um ſich vor dem höchſten Richterſtuhle zu ſtellen. Oberſt X— war weder ein gu gütiger Vater im wahren Sinne d denn ſelbſt ſeine Liebe war Eitelkeit. Nichts deſto weniger ſah er ſich bei ſeinem Hinſcheiden von verzeihender und veiſüöhnender Zärtlichkeit umgeben. Heißere Gebete, als er ſelbſt ſie beten konnte, ſtiegen zu Gottes Thron empor, und wir wollen hoffen, daß dieſe Gebete vor ihm dort ankamen und ihn empfingen! iter Gatte noch ein es Wortes geweſen; Auf's Tiefſte gebeugt ſaß Baronin Eugenie in ihrer Wittwentracht da. Ihr Herz, der Frieden ihres Lebens waren ſchon längſt in Schwarz gehüllt; wenn es aber im Bereiche der Möglichkeit liegt, daß eine Perſon in ihrer Lage einen Funken Ruhe erhalten konnte, ſo ward ihr dieſer jetzt mit der Gewißheit, daß Tyringsholm in die Hände ſeines rechtmäßigen Beſitzers kommen ſollte. Indeſſen litt ſie mehr durch den Gedanken an die Ver⸗ achtung, das Mitleid, das ihre Kinder über ihre Schwach⸗ heit empfinden mußten, als durch den Verluſt ihres „Gatten. Sie dankte ſogar Gott, daß ihm die Qual erſpart war, ſeine Schande von Stufe zu Stufe zu über⸗ leben. Beſſer alſo, wie es geſchehen war; ſie war über⸗ dieß innerlich überzeugt, daß er als ein reuevoller Sünder hingegangen ſey— das ſchien ſo Manches in ſeiner letzten Stunde zu überzeugen— und dieſer Troſt beruhigte ſie. Nichts konnte zärtlicher und ehrfurchtsvoller ſeyn, als Richards Aufmerkſamkeit gegen ſeine unglückliche Tante; und als Baronin Eugenie ſah, mit welch' unge⸗ künſtelter, herzlicher Vorſorge er jede ſchmerzhafte Erin⸗ nerung von ihr abzulenken ſuchte, fühlte ſie ſich von einer Hingebun drungen, können. menn er ihre abge Kopf 24 als an de Es Zeugniß ihres Ga ward zwa⸗ auf ihrem von der A vollends a in das ge⸗ lung mit, Reiſe und Als ſie gee der nicht ei hätte, welg vor der W ſelbſt die ſc Mit J aus. Seit telbar dara ein Schatte ſprach nicht tröſten, noch er vergeſſen gäbe. Er Weſen war blieb unber daraus. M beinahe Tag man ihn a bewies, daß begehrte wer uns dieje⸗ tande ſind! n Todten⸗ aften abge⸗ erſtuhle zu e noch ein es geweſen; eſto weniger ihender und Gebete, als hron empor, fr ihm dort enie in ihrer ihres Lebens penn es aber ne Perſon in ite, ſo ward ringsholm in ommen ſollte. an die Ver⸗ ihre Schwach⸗ Verluſt ihres hm die Qual tufe zu über⸗ ſie war über⸗ evoller Sünder n ſeiner letzten t beruhigte ſie. htsvoller ſeyn, (ne unglückliche ſit welch' unge⸗ nerzhafte Erin⸗ e ſich von einen 261 Hingebung und Dankbarkeit für den jungen Mann durch⸗ drungen, die zu tief war, als daß ſie ſie hätte ausdrücken können. Wenn er aber ihre Hand in die ſeinige ſchloß, wenn er mit unausſprechlich theilnehmendem Kummer ihre abgezehrten Züge betrachtete, dann lehnte ſie ihren Kopf an ſeine Bruſt, und dort war ſie ruhiger, beſſer, als an der ihrer eigenen Kinder. Es war ihr ein Tag grenzenloſer Bitterkeit, als ſie Zeugniß von ihrer Mitwiſſenſchaft an der Betrügerei ihres Gatten ablegen mußte. Dieſer denlwürdige Akt ward zwar nicht vor dem Richterſtuhle aufgeſetzt, ſondern auf ihrem eigenen Zimmer, aber die Sache war doch von der Art, daß ſie eine ſchon vorher ſo belaſtete Seele vollends auf den Grund niederdrücken mußte. Klar und in das geringſte Detail eingehend theilte ſie ihre Erzäh⸗ lung mit, die Klas Malchus wahren Geburtstag, die Reiſe und die Begebenheiten während derſelben umfaßte. Als ſie geendigt hatte, war keiner von den Anweſenden, der nicht ein tiefes Mitleid mit dem armen Weibe gefühlt hätte, welches, um den makelloſen Ruf ihres Mannes vor der Welt zu bewahren, ein und zwanzig Jahre lang ſelbſt die ſchwerſte Pein getragen hatte. Mit Klas Malchus ſah es jedoch noch ſchlimmer aus. Seit der gräßlichen Entdeckung und dem unmit⸗ telbar darauf erfolgten Tod ſeines Vaters ſchlich er wie ein Schatten in ſeinen Zimmern auf und nieder. Er ſprach nicht, er klagte nicht, gab ſich weder Mühe zu tröſten, noch Troſt zu erhalten; ſtumm und finſter, ſchien er vergeſſen zu haben, daß es noch ein Glück für ihn gäbe. Er ſuchte nicht einmal Marien auf: ſein ganzes Weſen war bis zur Wurzel erſchüttert. Sogar das Piano blieb unberührt ſtehen; man hörte keinen Ton mehr daraus. Mit langen, abgemeſſenen Schritten ging er beinahe Tag und Nacht auf und nieder, kaum brachte man ihn an die Mittagstafel, und auf eine Art, die bewies, daß es vollkommen mechaniſch geſchah; er ſelbſt begehrte weder Etwas, noch ſchien er im Geringeſten 262 Etwas zu vermiſſen, als man ihn, auf Anrathen des Doktors, ein paar Male nicht zum Eſſen holte. Der Kummer darüber, daß ſie ihren geliebten Sohn in dieſem Zuſtande ſehen mußte, durch ſich ſelbſt in die⸗ ſem Zuſtande ſehen mußte, die ihn bei Zeiten von dieſem Elenpe hätte erretten können, wenn ſie den Muth gehabt mte den frevelhaften Bitten ihres Gatten zu wider⸗ ſeehen, das war für die Baronin der ſchwerſte, freſſendſte Gram. Alle kannten Baron Klas Charakter zu wohl, um nicht überzeugt zu ſeyn, daß er den Verluſt von Tyringsholm, ſo weit er nur das Beſitzthum berührte, für eine wahre Wohlthat anſah; aber die Zweideutigkeit des Namens, den er wieder annehmen mußte, nachdem er durch das Bubenſtück ſeines eigenen Vaters, die Schwachheit ſeiner Mutter gezeichnet worden war, dieß, ſo wie die Erinnerung an den ſchauerlichen Tod des Vaters, und die Gewißheit, daß er bis auf dieſe Stunde der Gegenſtand der allgemeinen Aufmerkſamkeit war, mußte nothwendig auf ein von Natur ſo düſteres Gemüth einen tiefen Eindruck machen, ja einen ſo tiefen, daß vielleicht keine Zeit ihn zu heilen vermochte: nicht ohne Grund befürchtete man eine vollkommene Gemüuthszer⸗ rüttung. „Klas, mein Klas,“ ſagte oftmals die unruhige Mutter und preßte ſeine Häude zwiſchen den ihrigen, „wirſt Du mich nie mehr freundlich anſehen? Wirſt Du nie, nie Deiner unglücklichen Mutter verzeihen können?ℳ Ein ſtummes Nicken, ein Bemühen zu lächeln war die ganze Antwort. O was es da litt, das arme Mutterherz!„Kein Wort, Klas, nicht ein Wort 24 „Wort?“ wiederholte er langſam.„Was iſt denn das— quäle mich nicht!“ Tiefe Seufzer peinigten der Baronin Eugenie Bruſt; „Klas, Klas 1 „Laß es ſeyn, wir können nichts machen!“ Dieß waren d und wer bekam ſte können n Ein hatte und zu Maric gen. M mand ſo verborgen erwarteten Verſuchs. unter den dankbar fu Leiſe ſchlie Klas durch's Zi wandte, Marien, heißen Wa „Biſt aber in ſei Bei ſtand, fing unſchuldig machen.“ „Kla mehr?“ u der eheden 1 hatte.„N mehr! Si „Du wehe getho DODOie 6. faßte Mut „Laß rathen des bten Sohn löſt in die⸗ von dieſem kuth gehabt zu wider⸗ , freſſendſte r zu wohl, Verluſt von m berührte, weideutigkeit te, nachdem Vaters, die u war, dieß, ßen Tod des dieſe Stunde ſamkeit war, ſteres Gemüth tiefen, daß : nicht ohne Gemüthszer⸗ die unruhige den ihrigen, 12 Wirſt Du hen können 20 u lächeln war ſterherz!„Kein Was iſt denn „T Eugenie Bruſt; Ieß nachen!“ Di 263 waren die einzigen Worte, die ſie ihm entlocken konnte, und wer ihn nur zu einer Mittheilung zu bewegen ſuchte, bekam ſtets dieſelbe eintönige Antwort:„Laßt es ſeyn, wir können nichts machen!“ Eines Tages machte der Arzt, den man gerufen hatte und der durch Richard das Verhältniß des Barons zu Marien kannte, den Vorſchlag, dieſe zu ihm zu brin⸗ gen. Man verſprach ſich die beſten Folgen davon. Nie⸗ mand ſollte anweſend ſeyn; aber in ein Nebenzimmer verborgen und von den Beobachteten ſelbſt nicht geahnt, erwarteten Richard und der Doktor den Ausgang ihres Verſuchs. Marie, gewiß die nicht am wenigſten Leidende unter den Betheiligten, war in ihrer Betrübniß höchſt dankbar für das Glück, ihn wenigſtens ſehen zu dürfen. Leiſe ſchlich ſie hinein und blieb an der Thüre ſtehen. Klas Malchus war gerade auf ſeiner Wanderung durch's Zimmer von ihr abgekehrt, aber als er ſich um⸗ wandte, um wieder herzugehen, ſielen ſeine Blicke auf Marien, die ſcheu und bebend, mit Thränen auf der heißen Wange, ihn anſchaute. „Biſt Du hier, Marie?“ ſprach Klas Malchus; aber in ſeiner Stimme lag weder Wärme noch Klang. Bei dieſer kalten Anrede, die Marie nicht recht ver⸗ ſtand, fing ſie an laut zu ſchluchzen.„Bin ich nicht ganz unſchuldig, Klas?“ Sie trat ihm ganz nahe. „O ja; aber laß es nur ſeyn, wir können nichts machen.“ „Klas, theuerſter Klas, liebſt Du mich denn nicht mehr?“ und voll Verzweiflung umſchlang Marie den, der ehedem ſeine Arme ſo willig nach ihr ausgeſtreckt hatte.„Nein, ich ſehe es wohl, Du liebſt mich nicht mehr! Sie haben Dein Herz von mir gewendet!“ „Du haſt Recht, Marie, ſie haben meinem Herzen wehe gethan. Da innen iſt nicht mehr Alles wie früher!“ Die Stimme war ſanſter, der Blick milder. Marie faßte Muth. „Laß mich zu Dir ſitzen, Klas! Du biſt nicht wohl, 264 das ſehe ich nur zu gut, Du frierſt mitten im warmen Sommer 4. Sie führte ihn zum Sopha, ſetzte ſich auf die Kante neben ihn, und ſah ihm mit ſchmerzlicher Zärt⸗ lichkeit in's Auge. Ach, Du biſt weit kränker, als ſie mir geſagt haben!“ „Sprich nicht ſo viel, Marie!“ ſagte Klas, legte aber doch, wie er früher oft zu thun pflegte, ihren Kopf an ſeine Bruſt.„Schweig' jetzt; es iſt gut, wenn man ſchweigt!“ Und Marie ſchwieg und weinte leiſe. Sie begann zu ahnen, was man für Klas Malchus fürchtete, und unſäglich heiß war das Gebet, das ſie jetzt zum Himmel ſchickte, daß es ihr vergönnt ſeyn möchte, ſeine Seele von der finſtern Tiefe zurückzureißen, der dieſe nahte. Als ſie wieder gehen wollte, hörte man ihn halb⸗ laut ſagen:„Geh' nicht von mir! Meine Bruſt athmet leichter, wenn Dein Kopf daran ruht; aber wenn Du ihn wegthuſt, wird ſie wieder ſo ſchwer wie vorher.“ „Sie muß beſtändig hier ſeyn!“ ſagte der Doktor zu der Baronin, und dieſe, alle früheren ſtolzen Gedanken vergeſſend, zog Marien wie eine Tochter an ihr Herz und ſagte:„Du ſollſt hier bei uns bleiben, mein Kind;z und wird mein armer Klas durch Dich gerettet, ſo haſt Du Deinen künftigen Gatten gerettet!“ Seitdem ſaß Marie jeden Tag bei Klas Malchus. Sie war es, die Alles ahnte und zuvorthat, was ihn möglicherweiſe zufrieden ſtellen konnte, was er bedurftez denn noch ſprach er keinen anderen Wunſch aus, als den, daß ſie bei ihm bleiben möchte. Eines Tages wagte Marie das Piano zu öffnen, ohne daß er wie gewöhnlich ihr Vorhaben mit einem finſtern, unwilligen Blicke unterbrach; dießmal nickte er ihr ſogar faſt unmerklich Beifall zu. Da ſang und ſpielte ſie, von ſeligen Ahnungen begeiſtert, eines jener Lieder, die er am meiſten geliebt hatte, und die Töne des In⸗ ſtruments und Mariens Stimme ſchmeichelten ſeiner Seele und ſchmolzen die Eisrinde, die ſich darum gelegt hatte. Er lauſchte über ſeine keit zittern auf ihn zu fühlte in il Von Herz der 2 dem, der d Kummers in der groß ſte wagte ſi Gedanken. ſen, jenen nicht beſuch Und n andere Mut treffliche N verlor, als Lage der D die kluge Fr brave Majo ziren abgere und halfen, wie liebevol ward mit a ſo ſehr gelie da erſt na Todesfalles verzeihend r klagenswerth jemals Euge nicht zweifel oder in ver Gott dankte ihr Richard ſollte, ſo li werden. Un 265 n warmen Er lauſchte aufmerkſam und lange, und Thränen ſtrömten e ſich auf über ſeine blaſſen Wangen. Von Hoffnung und Bangig⸗ icher Zärt⸗ keit zitternd verließ Marie das Inſtrument und ſtürzte ls ſie mir auf ihn zu; ſeine Arme waren ſchon ausgeſtreckt und ſie fühlte in ihrem Drucke Wärme und wiederkehrendes Leben. las, legte Von dieſem Tage an hoffte man das Beſte. Das hren Kopf Herz der Baronin Eugenie opferte ein heißes Dankopfer wenn man dem, der die Macht hat, einen Strahl in die Nacht des Kummers zu ſchicken. Wenn Klas Malchus Vernunft zie begann in der großen Umwälzung untergegangen wäre, dann... htete, und ſie wagte ſich nicht weiter in dem Gebiete dieſer finſtern im Himmel Gedanken. Sie konnte nur Gott für die Hoffnung prei⸗ Seele von ſen, jenen Genius, der ſie ſeit ſo manchen bittern Tagen e. nicht beſucht hatte. ihn halb⸗ Und nun wollen wir auch einige Worte über eine ruſt athmet andere Mutter ſagen, über die gute, freundliche, vor⸗ wenn Du treffliche Majorin, die weder Sinne noch Beſinnung orher.“ verlor, als ſie die außerordentliche Nachricht von der der Doktor Lage der Dinge in Tyringsholm erhielt. Sogleich ſchickte en Gedanken die kluge Frau einen Expreſſen an ihren Mann; und der n ihr Herz brave Major kam ſchneller in Urlaub, als er zum Erer⸗ mein Kindz ziren abgereist war. Jetzt waren Beide in Tyringsholm, tet, ſo haſt und halfen, tröſteten, riethen wie Freunde in der Noth, wie liebevolle Geſchwiſter. Das Begräbniß des Oberſten as Malchus. ward mit all dem Pomp abgehalten, den er im Leben t, was ihn ſo ſehr geliebt hatte; und dieß ließ ſich recht wohl thun, er bedurfte; da erſt nach demſelben die Veranlaſſung des ſchnellen aus, als den, Todesfalles bekannt wurde. Wie ſchonend, wie ſanft und verzeihend war nicht die Majorin Ebba gegen ihre be⸗ p zu öffnen, klagenswerthe„Schweſter! Kein halbes Wort verletzte mit einem jemals Eugeniens Gefühle; und obſchon man natürlich nal nickte er nicht zweifeln konnte, daß die Majorin in ihrem Innern g und ſpielte oder in vertraulichen Tétes⸗à⸗Tétes mit ihrem Manne jener Lieder, Gott dankte, daß Alles an's Licht gekommen war, und eoͤne des In⸗ ihr Richard, ihr Liebling, zu ſo vielem Guten kommen ſeiner Seele ſollte, ſo ließ ſie doch nie eine Anſpielung darauf laut gelegt hatts. werden. Und nicht nur ſie zeigte dieſes feine Zartgefühl, —.,————— auch der Major hatte gegen ſeine Verwandten eine ach⸗ tungsvollere Aufmerkſamkeit angenommen, als er ihnen früher erwieſen hatte. Jedenfalls waren ſie weit entfernt, eine unvermiſchte Freude über die neue Wendung der Dinge zu empfinden. Das Leiden der Baronin, das ſich ſo ſcharf in jedem ihrer Züge ausdrückte, war eine Quelle des Grams für ſie; und Klas Malchus betrübter Gemüthszuſtand, da⸗ mals noch hoffnungslos, lag bleiſchwer auf ihren Her⸗ zen. Und dann, und dann! Ihr eigener Sohn, ihr Ri⸗ chard, der echte Majoratserbe, ſah er wohl aus, als empfinde er das geringſte Gefühl der Luſt über die Aus⸗ ſicht, bald Herr des herrlichen Tyringsholm zu werden? Nein! war er nicht ebenſo traurig, ebenſo niedergeſchla⸗ gen wie vorher? Gab es einen Blick in ſeinem Auge, einen Gedanken in ſeiner Seele, der nicht einzig nur Andern galt.„Ach, ach,“ ſeufzte es im Mutterherzen, „es iſt nicht gut mit ihm! Und das Mutterherz hatte nur zu ſehr Recht; es war nur gar nicht gut mit Ri⸗ chard! Er, den man dafür anſah, ein ſo ausgezeichnetes Glück gemacht zu haben, fühlte keine Sekunde lang Frieden. Schwarze Ahnungen hausten ſtets in ſeiner Seele, aber die Wirkung dieſer auf ſein Gemüth mußte er ſtrenge beherrſchen, denn von ihm forderte man eine Anſtrengung, die bisweilen ſeine Kräfte überſtieg; und nur ſeine Mutter und noch ein anderes Weſen waren es, die begriffen, welche Pein er fühlte, während er all' dieſe ſchwülſtigen und langweiligen Glückwünſche em⸗ pfangen mußte, womit die Leute ihm eine Freude zu machen meinten. In mancher Nacht ſtand Richard ſchlaflos von ſei⸗ nem Bette auf, das er, um ſtets nach Klas ſehen zu können, in die Zimmer dieſes hatte tragen laſſen, und dann ſtürzte er hinaus, um ſich in dem kühlenden Thaue der Nachtluft zu baden. Um den linken Flügel ging ſein ſtiller Kreislauf; aber wenn er zurückkam, brannte er fieberiſch heiß, und fand keine Ruhe weder beim Lie⸗ gen noch chus Schle das weiße ſetzen, dan ren alle ſe widmet, üt vergeſſen ſu ihn überred eingeſchlafen Kummer e war keine Tyringsholn bellens Aug Iſabell von ihr zu An der ſteriöſe Sch Mutter um Blatt aus demſelben A den an den Seele zuſan Am T größte Stä ſie in ein S und vollzog ihre Vorſor ſten gelinde flüſterten W Ohr; und bensfunken ſie Mutter ſamkeit; un ten, ging ſi ſachen um ſo ruhig ſi ihrem Innq 267 gen noch beim Gehen. Sah er dann in Klas Mal⸗ chus Schlafzimmer, und fand ihn wie ein Geſpenſt in das weiße Lacken gehüllt, ſeine ewige Wanderung fort⸗ eine ach⸗ er ihnen ſetzen, dann ſchauderte er entſetzt zurück; und dann wa⸗ ren alle ſeine Vorſorgen dem unglücklichen Freunde ge⸗ 1 widmet, über deſſen bitterem Leiden er ſein eigenes zu Hrams für vergeſſen ſuchte. Richard verließ Klas nie eher, bis er iſtand, da⸗ ihn überredet hatte, zu Bette zu gehen, und er ihn dann ihren Her⸗ eingeſchlafen ſah. Dann erſt ſank auch ſein Kopf, von nvermiſchte empfinden. in jedem /, ihr Ri⸗ Kummer erſchöpft, gegen die Bruſt; aber dieſe Ruhe l aus, als war keine wohlthätige, denn jetzt war Alles ſchwarz in er die Aus⸗ Tyringsholm, und am ſchwärzeſten der Strahl in Iſa⸗ zu werden? bellens Auge. iedergeſchla⸗ Iſabelle!— wir haben es auf die Letzte geſpart, inem Auge, von ihr zu ſprechen. einzig nur An dem nämlichen trauervollen Abend, wo der my⸗ Kutterherzen, ſteriöſe Schleier, der bisher das düſtere Gemüth ihrer erherz hatte Mutter umflort hatte, zerriß, und ihr das ſchwarze gut mit Ri⸗ Blatt aus dem früheren Leben ihrer Eltern zeigte, an 'sgezeichnetes demſelben Abend riß auch unmerklich mehr als ein Fa⸗ ekunde lang den an dem dünnen Bande, das Jſabellens Leib und s in ſeiner Seele zuſammenhielt. müth mußte Am Todenbette ihres Vaters zeigte ſie jedoch die rte man eine größte Stärke. Sie fiel weder in Ohnmacht, noch brach verſtieg; und ſie in ein Jammergeſchrei aus. Aeußerlich ruhig, hörte Beſen waren und vollzog ſie die Anordnungen des Doktors; durch ihrend er all ihre Vorſorge wurden die letzten Augenblicke des Ober⸗ wünſche em⸗ ſten gelindert; ihr Seufzer betete für ihn, ihre Lippen e Freude zu flüſterten Worte, die die Andern nicht hörten, in ſein Ohr; und in ihren Armen hauchte er den letzten Le⸗ aflos von ſei⸗ bensfunken aus. Als der Vater hinüber war, widmete las ſehen zu ſie Mutter und Bruder ihre ganze ungetheilte Aufmerk⸗ laſſen, und ſamkeit; und wenn dieſe ſie nicht augenblicklich bedurf⸗ Klenden Thaue ten, ging ſie der Majorin bei der Anfertigung der Trauer⸗ Flügel ging ſachen um den Verſtorbenen thätig an die Hand. Aber kam, brannte ſo ruhig ſie bei all' Dem ſchien, ſo zerſtört war ſie in eder beim Lie⸗ ihrem Innern. Tief und ernſt war ihre Trauer über — ———— 268 den Schandfleck, den ihr Vater auf die geworfen hatte, welche ſeinen Namen trugen. Iſabellens ſtolze Seele ward davon zerfreſſen wie von einem Krebſe; aber die⸗ ſer nämliche Stolz gab ihr auch Muth, das unverſchul⸗ dete Leiden zu tragen, und mit einer Würde, der Nie⸗ mand zu nahe zu treten wagte, alle Anſpielungen ſo⸗ wohl als vertraulichen Beileidsbezeugungen zurückzuwei⸗ ſen. Niemand konnte mit Iſabellen recht vertraulich ſeyn, nicht einmal ihre nächſten Verwandten; und die Mutter, ſo große Dankbarkeit ſie ihr auch für ihre freundlichen Bemühungen zollte, fühlte ſich doch weit erleichterter, wenn ſie an Richards Bruſt weinen konnte. Zwiſchen Iſahellen und Richard beſtand in dieſer Zeit ein nicht leicht aufzuklärendes Verhältniß. Sie begriff jetzt, daß er ſchon lange von ſeinem geſetzlichen Rechte auf das Fideicommiß Kenntniß gehabt, aber um ihret⸗, nur um ihretwillen ſich zurückgehalten hatte, dieſes Recht zu ſuchen. Iſabelle kannte ihn auch hin⸗ reichend, um überzeugt zu ſeyn, daß er heimlich eine Stellung in der Geſellſchaft einzunehmen wünſchte wo ſeine Kräfte einen größeren Wirkungskreis finden konn⸗ ten, und daß er manchen Kampf gekämpft haben mußte, bis er, ſo zwiſchen ſeiner Liebe und ſeinem Ehrgeize ſte⸗ hend, den letztern zum Schweigen zu bringen ver⸗ mochte. Als ſie dieſe Entſagung bedachte, die das ganze Bekenntniß ſeiner Liebe und die Furcht für die Geliebte in ſich ſchloß, erwachten in Iſabellens Herz neue und 1 digt hatte in einem ſt dauern könn und würdig Hoffnung ſtr ren Schmer⸗ von der bit leben getrübt ihren Armen Nnern offnete, leidenſchaftlic Geine gewiß n D˖war, in der 3 wegte. Aber Oder Wonne, N wäre noch n Band abſchr Dfolterte es. Idachte, den jr J betenden Gat verarmten H Und ſie, wü Dvereinigte, d 8 weſen zu ſter wäre es Wal bittere Kämpfe. Sie meinte damit zu Ende gekommen 8 S zu ſeyn, und nun ſtand ſie wieder am Anfang; denn Zweifel, Zweifel über die Richtigkeit und den Nutzen ihrer Grundſätze tauchten alle Augenblicke in ihr auf. Hatte Richard nicht durch ſeine ganze Handlungs⸗ weiſe bewieſen, daß es nur einen Himmel für ihn gab? War es denn wirklich barmherzig von ihr, wenn ſie die⸗ ſen verſchloß, würde er dadurch einſt glücklicher werden? Wir wiſſen, daß Iſabelle ſtets dem Satze gehul⸗ „ mengarten da Arme J „Iſt es Himmel vor licher dadurch chards edle Spitze getrig den gräßliche deutlich fühl 269 digt hatte— ob er nun wahr oder falſch war— daß in einem ſtolzen und edlen Gemüthe keine Liebe ewi dauern könne, wenn ſie nicht erwiedert werde. Wie ſchon und würdig erſchien es ihr da nicht, wenn ſie nach der Hoffnung ſtrebte, ihm auf einen vorübergehenden kleine⸗ ren Schmerz eine Zukunft bereiten zu können, die nicht von der bittern Erinnerung an ein zerſtörtes Ju end⸗ leben getrübt wäre! Und was Anderes erwartete ihn in ihren Armen? Wenn ſie ihm das Schloß zu hren In⸗ Tnern öffnete, wenn ſie ihn die brennenden Strahlen ihrer 3 leidenſchaftlichen Liebe ſammeln ließ, dann hätte er 19 in Neine gewiß nicht geringere Tiefe hinab geſchaut, als die war, in der ſich ſeine eigene ſtürmiſche Leidenſchaft be⸗ wegte. Aber was wäre daraus gethurden? Ein Nauſch geſetzlichen N der Wonne, aber auch nur ein Rauſchz denn der Traum zber un D wäre noch nicht zu Ende geweſen, wenn der Tod das ten hatte, Band abſchnitt. Und dann— dann.. O wie auch hin⸗ ſelterte es Iſabellens Gefühle, wenn ſie ſich Richard imlich eine dachte, den jungen, ſo unausſprechlich angebeteten und an⸗ ünſchte wod) betenden Gatten, wie er raſtlos, mit verblutendem und nden fonn⸗ verarmten Herzen umherirrte und ihren Namen rief! ben mnuße N und ſie⸗ würde ſie nicht ſelbſt bis in das Grab hinab, hrgeize ſi⸗ is in den Siumel hinauf ihn hören? Dachte ſie ſich ingen ver⸗ V din den Gipfel aller Glückſeligkeit, alles Schmerzes, Neachte ſie, daß ſie ſo lange lebte, bis noch ein Band ſie Dvereinigte, dann— nein, dann wäre es unmöglich ge⸗ 8 weſen zu ſterben! Aber ſterbe ßte ſie deß d D wei ſterben r ſterben mußte ſie, und deßhalb —wäre es Wahnſinn, Läſterung, wenn ſie ſich in den Blu⸗ AX mengarten des Lebens drängen wollte. 3 fen hatte, ze Seele aber die⸗ nverſchul⸗ der Nie⸗ ingen ſo⸗ rückzuwei⸗ vertraulich und die für ihre doch weit en konnte. in dieſer niß. Sie das ganze die Geliebte neue und gekommen fang; denn Aunie Jſabele, armes Menſchenherz! den Nutzen Oimbec des wirdſch nur Barmherzigkeit, wenn ich den ihr auf. licher d maih un verſchließe? Wird er auch einſt glück⸗ Handlungs⸗ her dadurch werden?“ So freagte ſie ſich jetzt, da Ri⸗ Pards edle Aufopferung ihre eigenen Gefühle auf die Spitze getrieben hatte, wo ſie aber auch zugleich nach den gräßlichen Stunden im Todtenzimmer ihres Vaters deutlich fühlte, wie der Tod immer öfter in den ſchlaf⸗ ir ihn gab? venn ſie die⸗ her werden? Satze gehul⸗ KNNN —— ———— 270 loſen Nächten ſein Haupt neben das ihrige auf ihr Kiſ⸗ ſen legte und eiſige Küſſe auf ihre warmen Lippen hauchte. Schwaches Menſchenherz, arme Iſabelle! Ehe Doktor Manning Tyringsholm verließ, was wegen des betrübten Geſundheitzuſtandes der Baronin und des Barons Klas erſt nach der Beerdigung geſchah, wurde er von Iſabellen zu einer Unterredung unter vier Augen berufen. Sie dauerte lange. Manning war ein geſchickter⸗Arzt und im Grunde ſeines Herzens warmer Menſchenfreund. Als er zwei Stunden darauf aus dem Flügel trat, den Iſabelle bewohnte, ereignete ſich der un⸗ gewöhnliche Fall, daß ſich ein ganz eigener Nebel nicht von der innern Seite ſeiner Brille trennen wollte. Aber in ihrem Herzen weinte es laut, denn jetzt war nicht mehr an irgend einen Vergleich zu denken. Ein Monat war nun nach der neuen Zeitrechnung verfloſſen, ein langer Monat, mitten in dem ſchönen, grünenden Sommer, ein ſchwerer Mongt, trotz der herr⸗ lichen blauen Luſt, welche Friſche und Blumenduft athmete. Iſabellens Pavillon, der ſo lange geſchloſſen geweſen, ſtand wieder offen; und an einem jener ſchönen, fried⸗ ſeligen Juliabende, die wohlthuend auf das menſchliche Gemüth einwirken, finden wir ſie auf der Canſeuſe ſitzend. Vor ihr ſtand das Nähtiſchchen, und auf dieſem ein Topf mit ihren Lieblingsblumen, die von Richard dort hingeſetzt worden waren, ehe ſie hinab kam. Nicht weit von Iſabellen hatte Marie einen Seſſel eingenommen; und aus ihren erröthenden Wangen und dem ſchüchtern geſenkten Blicke ließ ſich mit ziemlicher Gewißheit ſchließen, daß ſie zum erſten Mal dazu berufen war, Iſabellen Geſellſchaft zu leiſten. Beide waren von reiner, makelloſer Schönheit, und doch ſo ganz verſchieden. In Mariene man mit der wohl war es mit den ſanf Augen, ja einigen ließ. Iſabelle Weſeu ſtets gerade nöthig von den hol oder Byſtrön nahe zu ſeyn tete, die ſo erkünſtelten u waren, die le ein— nur er wo man ſich entwürfe des Heldin unſere zwar in den ſchaftlichen Le kann, aber n nicht die Nat erſten und kl die Kunſt, de das die Sch machen kann rer Bewegung war und ſich In dem Aug in dem Pavil ihren Blume über Beide ſi der purpurne offen und lie eine belebende „Wie g 271 ihr Kiſ⸗ In Mariens Schüchternheit lag nichts von dem, was n Lippen man mit dem Worte Demuth bezeichnen konnte; gleich⸗ wohl war es eine Taubenſchüchternheit, die ſich ſehr wohl mit den ſanften und milden Zügen, mit den tiefen, klaren ieß, was.. Augen, ja ſogar mit der leiſen, lieblichen Stimme ver⸗ Baronin einigen ließ. g geſchah, Iſabelle beſaß in ihren Augen, und in ihrem ganzen unter vier Weſen ſtets etwas Gebietendes; und ohne daß man ning war gerade nöthig hatte, das Gedächtniß mit Verſtellungen us warmer von den hohen und kühnen Schöpfungen eines Sergels f aus dem oder Byſtröms aufzufriſchen, meinte man doch ihnen ch der un⸗ nahe zu ſeyn, wenn man Jſabellens antike Züge betrach⸗ Nebel nicht tete, die ſo edel und rein, ſo ohne alle Zuſätze jener llte. Aber erkünſtelten und naiv ſeyn ſollenden Mienen und Geberden war nicht waren, die leider— ihr jungen Schönen, prägt euch das ein— nur entſtellen und einen widrigen Eindruck machen, wo man ſich ſonſt verſucht fühlen könnte, die Künſtler⸗ entwürfe des größten Meiſters zu bewundern. An der Heldin unſerer Erzählung fand ſich überdieß etwas, das 4 zwar in dem großen aufgeſchlagenen Buche des geſell⸗ zeitrechnung ſchaftlichen Lebens und vor dem Spiegel einſtudirt werden em ſchönen, kann, aber niemals ſich vollkommen lehren läßt, wenn tz der herr⸗ nicht die Natur ſelbſt ſich die Mühe genommen hat, die uft athmete. erſten und klarſten Grundzüge zu entwerfen: wir meinen en geweſen, die Kunſt, den Körper graziös zu halten. Dieſes Talent, önen, fried⸗ das die Schönheit häßlich und die Häßlichkeit ſchön menſchliche machen kann, beſaß Iſabelle im höchſten Grade; jede ih⸗ iſeuſe ſitzend. rer Bewegungen war klaſſiſch, gerade weil jede ungeſucht em ein Topf war und ſich nur aus ihrer inwohnenden Hoheit herleitete. ort hingeſetzt In dem Augenblick, wo wir die beiden jungen Mädchen in dem Pavillon finden, beſchäftigte ſich Iſabelle nur mit einen Seſſel ihren Blumen, Marie dagegen mit einer Handarbeit, und Wangen und über Beide ſtrömte von der Kuppel her eine helle Wolke ait ziemlicher der purpurnen Abendſonne. Die Thüren ſtanden halb⸗ dazu berufen offen und ließen die friſchen Lüftchen vom Strome her e waren von eine belebende Kühlung hereinfächeln. z verſchieden.„Wie geht es, kannſt Du das Muſter nachbilden, ——— Marie?“ fragte Iſabelle, indem ſie die Hand ausſtreckte, um Mariens Arbeit zu empfangen. Dieſe ſtand auf und gab es dem Fräulein mit einer mißtrauiſchen Miene hin. „Recht ſchön, ſehr ſchön! Marie hat Talent zu Allem. Das Gewinde hier hätte Virginie nicht beſſer geſtickt, ſo hübſch iſt es.“ Marie lächelte freudig und dankbar; aber ſie war doch ein wenig furchtſam, und die Ehre, ihrer künftigen Schwägerin Geſellſchaft leiſten zu dürfen, beläſtigte ſie auch offenbar ein wenig. Ganz anders fühlte ſie ſich bei Virginien, bei der ſie nichts beſtimmt daran erinnerte, daß die Eine das gnädige Fräulein und die Andere Meß⸗ ners Marie war. Und doch war Iſabelle ſo gut, ſo freundlich gegen Marie, und hatte in der letzten Woche angefangen, ſie in der feineren Näherei zu unterweiſen, die Marie früher nicht zu lernen gebraucht hatte, und auch nicht hatte erlernen können. „Klas Malchus ging mit dem Lieutenant aus, ſagteſt Du? Der Spaziergang wird ihm gewiß gut thun.“ „Das glaub' ich auch. Der Lieutenant geräth immer auf etwas Gutes, und man kann ſich gar nicht vorſtellen, wie groß ſeine Güte und ſeine Geduld mit dem Baron iſt.“ Marie nannte ihren Geliebten ſtets mit ſeinem Titel, wenn ſie in Gegenwart Anderer von ihm ſprach. „Da haſt Du Recht, Mariechen, Richard hat vdiel Geduld mit Klas gehabt. Er hat darin mit Dir geweti⸗ eifert.“. f„Mit mir— o das iſt ein großer Unterſchied!“ ſagte Marie erröthend.„Ueberdieß hat Lieutenant Richard nicht einmal bei Nacht Ruhe; bald wandelt er draußen herum, bald ſitzt er bei dem Baron und ſchwatzt mit ihm, bis er einſchläft; das hat mir Baron Klas ſelbſt geſagt.“ Iſabelle erwiederte nichts, ſie beugte ſich tiefer über ihre Blumen herab; und obſchon Marie jetzt, da ihre Lippen einmal in Bewegung waren, gar zu gern noch etwas Weite hätte, deſſen ſie es doch Sie ſchwieg „Meinf wird? Der „Viellei zumache?“ „Ja„ i mußt nicht Fräulein; ſa „Gott Namen nenn⸗ auch gar kein noch, wie ſch ſagen, und ich wenn wir al leicht gegen d reden ſollte.“ „Du bi Du denn ſue „Wenn einem hellſtra anders ſagen „Und da Namen nenne „Ja i Sie hatte mi keine Gewohn kommt der H4 friſch und wa ſonſt iſt er w⸗ Iſabellen euufzer, inde ten. Beim G Das Fideicon ausſtreckte, nd auf und Miene hin. Talent zu nicht beſſer her ſie war er künftigen veläſtigte ſie ſie ſich bei un erinnerte, Indere Meß⸗ ſo gut, ſo etzten Woche unterweiſen, hatte, und t aus, ſagteſt thun.“ enant geräth ich gar nicht Geduld mit bten ſtets mit derer von ihm hard hat diel it Dir gewett⸗ Unterſchied!“ at Lieutenant Id wandelt er n und ſchwatzt Baron Klas ſich tiefer über jetzt, da ihr zu gern noch 273 etwas Weiteres, den Lieutenant Betreffendes, hinzugefügt hätte, deſſen Kummer ihr ſehr am Herzen lag, ſo wagte ſie es doch nicht, ohne eine Aufmunterung fortzufahren. Sie ſchwieg und nähte. „Meinſt Du nicht, Marie, daß es hier etwas kühl wird? Der Luftzug bläst vom Strome da herein.“ „Vielleicht beftehlt das Fräulein, daß ich die Thüre zumache?“ „Ja, ich glaube, wir ziehen die eine zu. Aber Du mußt nicht ſo gewiſſenhaft ſeyn mit Deinem ewigen Fräulein; ſage Du und Iſabelle!“ „Gott bewahre, wie ſollte ich das Fräulein bei Namen nennen! Nein, das geht nicht an, und es kann auch gar keine Rede davon ſeyn! Ich erinnere mich wohl noch, wie ſchwer es mir fiel, zu dem Barone Klas zu ſagen, und ich kann es auch jetzt noch nicht thun, außer wenn wir allein ſind. Aber das war doch gewiß noch leicht gegen das, daß ich das Fräulein ſo vertraut an⸗ reden ſollte.“ „Du biſt doch ein rechtes Närrchen! Was willſt Du denn ſagen, wenn wir Schwägerinnen werden?“ „Wenn das einmal geſchieht,“ antwortete Marie mit einem hellſtrahlenden Blicke,„ſo werde ich doch nicht anders ſagen können.“ „Und doch hörte ich Dich geſtern Virginien bei Namen nennen?“ „Ja, ich weiß nicht, wie das in der Eile zuging! Sie hatte mich gebeten, es zu thun, aber es wird gewiß keine Gewohnheit daraus; und dann... Ach, aber da kommt der Herr Lieutenant die Terraſſe herab. Er ſieht friſch und warm aus. Das kommt von dem Spaziergang; ſonſt iſt er wahrhaftig gegenwärtig ſehr bleich.“ Iſabellens Lippen öffneten ſich zu einem leichten Seußzer, indem ſie die feinen Blatter der Blumen berühr⸗ ten. Beim Geraͤuſch von den Schritten des Kommenden Das Fideicommiß. II, 18 ——— 274 flog ein Zucken durch ihr Herz; ſie erholte ſich jedoch ⸗ Blumen ſogleich und ſah empor. Alles, a Richard ſtand ihr zur Seite.„W „Ich ſoll Euch von Klas grüßen! Er fühlte ſich dere Die ganz beſonders belebt von unſerer Wanderung; aber ſo⸗ ich nicht bald er heim kam, war ſeine erſte Frage nach Marie.“ uns auf „Da muß ich vielleicht hinaufgehen!“ ſagte Marie, Dein edl die ſchnell aufgeſtanden war und ihre Arbeit weggelegt Du hält hatte, wahrend ihr Blick fragend auf Iſabellen ruhte. auswich!⸗ „Ich werde dem Fräulein Geſellſchaft leiſten,“ ſagte„O der Lieutenant, und als ſich Marie mit einer leichten erregtem Verneigung entfernt hatte, zog er auch die andere Thüre uns; no zu, ohne Erlaubniß dazu einzuholen. Schild d Dieß war das erſte Mal ſeit dem Tode des Ober⸗ drückend, ſten, daß Richard und Iſabelle ſich allein und ungeſtört„Ja fanden. Sie brach das Schweigen zuerſt. 2„ Virginie zögert heute lange in Tjallſtorp. Sie ver⸗ flammende 11 ſprach, zeitig zuruͤck zu ſeyn.“ nein, Iſa p zeitig „Jetzt aber wäre es noch zu frühe!“ ſprach Richan Dir nicht und betrachtete mit einem beinahe ſcheuen Blicke die flüch⸗ kommt jetz tige, ſchnell wieder ſchwindende Roſe auf der blaſſen„Du Wange der Geliebten.„Ach Iſabelle, iſt es möglich,„Ni daß Du es wirllich vermeideſt, mit mir allein zu ſeyn? mich den Schon oft hätte ich eine Stunde haben können, wie dieſe. und raſch aber immer holſt Du Dir Geſellſchaft. Du weißt nicht, lieben Pla wie bitter für mich der Gedanke iſt, daß dieſe unglück⸗ mal, theu lichen Veränderungen, an denen ich durchaus keinen An⸗ den habe; theil habe, Dich gegen mich ſtimmten. Wir ſind einander„Nei gleichſam fremd geworden.“ Richard ſchob den Tiſch zu⸗ mich nicht rück und rückte einen Stuhl an den Sopha; aber Iſabelle plaudern, hatte ſich ſchon vorher einiger großen Georginen aus und wird dem Topfe bemächtigt, die ihr anſtatt eines Fächers die Kämpfe d 5 nen mußten. 8— die großen „Nein, Richard, wir ſind einander nicht fremd ge⸗ Ruhe, me worden, aber...“ mein edle „Aber— was? Ach nein, ſieh nicht immer auf diß gegnen. 275 ſich jedoch⸗ Blumen; ich werde ſonſt neidiſch auf ſie. Du ſiehſt auf Alles, auf Menſchen, Blumen, Thiere, nur nicht auf mich!“ „Wundere Dich nicht,“ ſagte Iſabelle weich,„wun⸗ fühlte ſich dere Dich nicht, daß ich Dir ausgewichen bin. Wußte ;z aber ſo⸗ ich nicht, daß der erſte Augenblick, wo wir allein wären, ch Marie.u uns auf Gedanken beunruhigender Art bringen mußten? agte Marie, Dein edles, Dein großes Opfer hatte einen Grund! Ach, t weggelegt Du hältſt mich nicht für undankbar, obſchon ich Dir n ruhte. auswich!“—— ſten“ ſagte„Opfer, Dankbarkeit,“ wiederholte Richard in tief iner leichten erregtem Tone,„ſind kalte, bedeutungsloſe Worte zwiſchen ndere Thüre uns; noch ſchlimmer, ich fürchte, ſie verdecken wie ein Schild das, was dahinter wartet. Es war Dir alſo ſe des Ober⸗ drückend, an dieſen Augenblick zwiſchen uns zu denken?“ und ungeſtürt„Ja, ſo war es.“/ „” Gott,“ brach Richard aus und ſenkte die ſchönen, p. Sie ver⸗ flammenden Augen,„wie thöricht war ich doch! Doch nein, Iſabelle, Du haſt nicht immer ſo gedacht, es war drach Richan Dir nicht immer drückend, mir zu begegnen! Woher licke die flüch⸗ kommt jetzt dieſe Veränderung?“ jder blaſſen„Du verſtehſt mich nicht recht, Richard!“— t es möglich,„Nicht? Gott im Himmel gebe, es wäre ſo! Sieh' lein zu ſeyn! mich denn ſüß und gut an, wie Du ehedem thateſt!“ ien, wie dieſe,. und raſch verließ er den Stuhl und nahm den ihm ſo i weißt nicht, lieben Platz zu ihren Füßen ein.„Sage jetzt noch ein⸗ dieſe unglück⸗ mal, theure, theure Iſabelle, daß ich Dich nicht verſtan⸗ zus keinen An⸗ den habe; Du kannſt nichts Beſſeres ſagen!“ ſind einanden„Nein, Nichard, wie ich Dir ſagte, Du verſtandeſt den Tiſch zu⸗ mich nicht recht. Dir begegnen, mit Dir ſüß und ſtille ; aber Iſabell plaudern, das iſt mir lieb und freudvoll, es war es immer Georginen aus und wird es immer bleiben. Aber wenn ich an all' die es Fäͤchers die Kämpfe denke, die Du um meinetwillen beſtanden, an die großen Verſuchungen, die Du nur wegen mir, meiner nicht fremd ge Nuhe, meines Friedens abgewehrt— dann, mein guter, mein edler Richard, wird es mir drückend, Dir zu be⸗ immer auf d gegnen. Aber dennoch bin ich ſtolz auf Dich! 18 ————— 276 Eine matte Gluth goß ſich über Richards ausdrucks⸗ Vhr volle Züge.„Für was lebe ich, Iſabelle, wenn nicht Rer wr für Deine Ruhe, Deinen Frieden? Wäre mir Tyrings⸗⸗ einſt then holm mit all' ſeiner Pracht ein auch noch ſo geringer findr. Dr Erſatz für einige Tage von Deinem Leben? Doch jetzt icßt aus iſt meine Seele betrübt; denn all' meine Kämpfe waren„Abe nutzlos. Der Donnerkeil kam und traf auch Dich. Mei⸗ 4 mit kefer nem Auge kannſt Du das nicht verbergen! Dieſes Fidei⸗ un, ud commiß iſt ein Unglücksding; es nimmt immer doppelt ſo kein Wort viel, als es gibt.“ 3 4. 3 „ AMRein, ſage das nicht; mit mir muß es ſeinen ſtolz zu Gang gehen. Aber Du, Richard, welche Zierde wirſt Oir werhe Du nicht in der Zukunft für Deine Familie und Deinen Er ſ alten Edelſitz werden, auf dem Du weit beſſer als unſer Ehrgeizes, ehrlicher Klas zum Repräſentiren taugſt! Dir wird der ſchwach, u Reichthum von Nutzen ſeyn, denn er bietet Dir Mittel, und ebleren Deinen Mitbürgern nützlich zu ſeyn, und die Pläne aus⸗ iſt ire En zuführen, welche Du für Deine künftige Thätigkeit zu ihrem geme entwerfen gewohnt biſt. Ach, Richard, es macht mich den und kei ſo froh, wenn ich mir denke, wie man von Dir als einem bleiben wifr Manne von ausgezeichneten Verdienſten ſprechen wird, nicht, dan von einem Manne, der ſich die Segnungen ſeiner Leute ſind doch a erworben, einem Manne, der ſtets feſt an dem Pfeiler Richar! ſtehen bleibt, den er einmal erfaßt hat, unerſchütterlich mächtige S in ſeinen Grundſätzen, das Rechte wollend und erſtrebend, In jeder J vergebens geſchmeichelt von der Macht, ſtets ſelbſtſtändig es, Dich z und in zweifelhaften Fällen ſein Gewiſſen und ſeine eigene tauſend ver Achtung dem Urtheile Anderer voranſetzend. So, Richard, andere, ihre mein guter, theurer Richard, male ich mir Dein Bild mächtige K in der Zukunft; und iſt er denn nicht ſchön, dieſer Weg, jetzt, daß; den Du wandeln ſollſt? Der Mann hat, Gott ſey Dank! die Entſchei viele und große Geſchäfte vor ſich, welche ſeine Seele ward ſie, m ausfüllen, und die Stöße und Schwierigkeiten ausglätten, glaubte, vo über die er ſich einen Weg zum Ziele hin bahnt.“ 4 fühle erfaßt, „Du malſt feurig, Iſabelle; aber ſage mir nur, wer bringen muß ſoll ſich meiner Erfolge freuen?“„Iſabel „Du ſelbſt, die Deinen und Dein Land, für das„Richar drucks⸗ n nicht yrings⸗ geringer och jetzt waren . Mei⸗ 6 Fidei⸗ pppelt ſo 3 ſeinen de wirſt Deinen ils unſer wird der r Mittel, äne aus⸗ igkeit zu icht mich ls einem ſen wird, ner Leute in Pfeiler hütterlich rſtrebend, bſtſtändig ine eigene Richard, Hein Bild eſer Weg, ſey Dank! ne Seele usglätten, t.“ nur, wer für das 277 Du wirkſt. Die reifen Träume des Mannes ſind nicht die des Jünglings und doch glaube ich, daß ſie Dir der⸗ einſt theuer werden, ſo gewiß ſie Dir jetzt gleichgültig ſind. Du biſt ehrgeizig, dieſer Impuls iſt edel, wenn er nicht ausartet, und bei Dir wird er es nicht.“ „Aber wenn all' Das geſchehen wird,“ ſagte Richard mit tiefer Stimme und hob ſeine Augen zu ihr empor, wo, wo biſt dann Du, Iſabelle? Warum ſprichſt Du kein Wort von Dir ſelbſt?“ „Ich ſpreche gewiß von mir— ſage ich nicht, wie ſtolz und froh mich die Ahnung deſſen macht, was aus Dir werden ſoll, Richard?“ Er ſchüttelte langſam den Kopf.„Der Traum des Ehrgeizes, ſo glühend er in mir lebt, iſt doch noch zu ſchwach, um ſich auf den Ruinen eines andern, ſchönern und edleren aufrecht erhalten zu können. Nur zuſammen iſt ihre Entwicklung möglich, und ich fühle, daß unter ihrem gemeinſchaftlichen Einfluſſe meine Kraft groß wer⸗ den und keine Deiner Hoffnungen, Iſabelle, ohne Frucht bleiben würde. Erlebe ich aber meinen reichſten Traum nicht, dann denke auch nicht an die Deinigen; denn ſie ſind doch arm gegen meinen!“ Richard ſchwieg, aber ſein Auge ſprach eine warme, mächtige Sprache. Iſabellens Herz kämpfte übermächtig. In jeder Minute wollte ſie ſagen:„Sieh her und wage es, Dich zu beklagen!“ Aber ſie ſchwieg; denn obwohl tauſend verführeriſche Stimmen, eine lockender als die andere, ihre Seele beſtürmten, ſo lebte dort doch noch die mächtige Kraft des Willens. Gleichwohl wünſchte ſie jetzt, daß Richard auf einmal Muth faſſen möchte, um die Entſcheidung ſeines Schickſals zu ſehen; und doch ward ſie, wenn ſie das wichtige Wort auf ſeinen Lippen glaubte, von einem krampfhaften, fürchterlichen Vorge⸗ fühle erfaßt, daß dieſe Erklärung ihre Trennung mit ſich bringen mußte. „Iſabelle!“ „Richard!“ 278 „O Deine Stimme zittert— dieß wenigſtens iſt kein Wahn. Iſabelle, haſt Du mich nicht bald genug ge⸗ quält? Darf ich nicht bald fragen?“ „Frage, was Du willſt, Richard!“ und Iſabellens Stimme zitterte nicht mehr. Es lag Stärke, die Stärke der Verzweiflung in dieſen entſcheidenden Worten. „Aber wenn Du mich ſo anſiehſt, habe ich nicht den Muth, zu fragen. Sage mir, Du Theure, Einzige, iſt es Furcht, was Dich treibt, mir den Tod zu geben, an⸗ ſtatt des Lebens 20 Richards Blick verſank bittend in den ihrigen, der dem ſeinen zu entſchlüpfen ſuchte, aber noch mehr ver⸗ rieth, als die Lippen geſtehen wollten. Der Becher der Wonne ſtand gefüllt zwiſchen ihnen; aber er blieb unberührt, und die ſchänmenden Perlen wurden von Keinem aufgeſogen. „Träumte ich zu kühn, Iſabelle, ſo ſprich es jetzt offen aus; denn auf die Sprache Deiner Blicke kann ich mich nicht verlaſſen.“ „Ja, Richard, mein armer Richard, wohl träumteſt Du zu kühn. Haſt Du den ernſten Nebenbuhler ver⸗ geſſen, den ich Dir einmal zeigte?“ „Er wird meinen Bitten weichen; und weicht er nicht, ſo mag er uns gemeinſchaftlich treffen! Aber laß uns nicht von dem ſprechen, was noch weit, o ſehr weit entfernt iſt! Etwas Anderes liegt uns näher, das Glück, das höchſte, reinſte Glück, ſo fern wie Du, meine geliebte, theuere Iſabelle, mein Herz nicht ver⸗ ſtoßeſt. Aber thue das nicht, laß meine heiße Liebe Dich umſchließen! Du wirſt empfinden, daß das Leben dann reicher, ſchöner wird, als wir es noch je geſehen haben— o ſo ſchön, ſo ſchön, daß Du es nicht ver⸗ laſſen willſt, ohne daß ich Dich im Tode begleite wie im Leben.“ In Richards glühend heißer Begeiſterung lag eine Heftigkeit, die ſie zur vollen Beſinnung erweckte. Sie ſühlte, daß in dieſem Momente ihr beiderſeitiges Ge⸗ ſchick, ſein an einem Aber Iſa geſtritten gefolterte blutete un oder an Herz mußt eines qua in unerträ betrachtet Stellung, und klar. „Ja, erhaben u keinen Fun verſchweige Handlunge Werth für einen Wer Du ſtrebſt glühſt und Worte zu ſtörenden dieſe feurig gegen die kühl iſt. 6 gehrend, r ich ſie ſehe Jetzt dageg was ich nie kann.“ Es w Mienenſpie man ſah, ſammenſan Qual Prei iſt kein uug ge⸗ abellens Stärke nicht den aige, iſt ben, an⸗ gen, der nehr ver⸗ en ihnen; n Perlen h es jetzt licke kann träumteſt uhler ver⸗ weicht er Aber laß it, o ſehr nääher, das wie Du, nicht ver⸗ heiße Liebe das Leben je geſehen nicht ver⸗ eite wie im g lag eine weckte. Sie 279 ſchick, ſeine Zukunft, die Ruhe in ihrer Todesſtunde an einem feinen Haar hing, das leicht durchſchnitten war. Aber Iſabellens ſtarker Geiſt wollte nicht vergebens geſtritten haben. In gewaltſamer Spannung lebte das gefolterte Herz unter der Herrſchermacht der Seele, es blutete und wand ſich in Todespein, es wollte leben oder an dem ſeinigen verbluten. Umſonſt! das arme Herz mußte ſich unterwerfen; und nach einigen Minuten eines qualvollen Schweigens, während deſſen Richard in unerträglicher Angſt das auffallende Spiel ihrer Züge betrachtet hatte, erhob ſich Iſabelle aus ihrer gebeugten Stellung, und ihre Stimme, obwohl leiſe, war doch ruhig und klar. „Ja, Richard, ja ich weiß es nur zu wohl, wie erhaben und uneigennützig Du liebſt, und es trüge keinen Funken Wahrheit in ſich, wenn ich meine Lippen verſchweigen oder widerlegen laſſen wollte, was meine Handlungen bewieſen haben, nämlich daß Deine Liebe Werth für mich hat. Ja, theurer Richard, ſie hat einen Werth für mich, aber nicht den, nach welchem Du ſtrebſt. Du liebſt voll, reich, lebenswarm, Du glühſt und brennſt; ich— o wie weh that es ihr, ſolche Worte zu lügen!—„ich bin dieſer verzehrenden, zer⸗ ſtörenden Gefühle nicht fähig, und ich leide, wenn ich dieſe feurigen Blicke ſehe, die eine Gluth verrathen, gegen die das, was ſich in mir bewegt, nur lau, faſt kühl iſt. So wie Deine Liebe vordem war, wenig be⸗ gehrend, ruhig und mild, war ſie mir ſüß; da konnte ich ſie ſehen und annehmen, ohne in Unruhe zu gerathen. Jetzt dagegen iſt es anders. Du begehrſt jetzt Etwas, was ich nicht geben will, noch mehr, was ich nicht geben kann.“ Es war ein ſchauerlicher Anblick, wenn man dem Mienenſpiel in Richards Geſicht ſtufenweiſe folgte, wenn man ſah, wie die Hoffnung immer mehr und mehr zu⸗ ſammenſank, bis ſie endlich ganz verging, und ihn einer Qual Preis gab, gegen die ſein bisheriges Leiden leicht — 280 erſcheinen konnte: bei ſeiner flammenden Gluth fühlte ſie ſich nur„lau“„kühl“! Eine Todesbläſſe hatte ſich über ſein Geſicht aus⸗ gebreitet; aber auch in dieſer Stunde vermochte er es uͤber ſich, an ihre Ruhe, an ihre körperliche Schwäche zu denken, und an das, was dieſe erforderten. Stumm legte er ſein Haupt in ihren Schooß, jeden Ausbruch der Leidenſchaft, der ſie hätte beunruhigen können, er⸗ ſtickend; denn das wußte er doch, daß ſie hinlänglich liebte, um mit ihm zu leiden. Es lag etwas ungemein Schönes und Sprechendes in dieſer Entſagung, die ſelbſt in der bitterſten Minute des Lebens vor ſich ſelbſt an ſie dachte. Iſabelle fühlte ſein Opfer dadurch doppelt; und dreimal mehr liebte ſie ihn um dieſer Stärke willen, die ſie nicht zu hoffen gewagt hatte. Als nach dieſer fürchterlichen Erſchütterung Richard ſeiner Worte wieder mächtig war, ſprach er ſtille und ohne Bitterkeit:„Ich habe Dein UÜrtheil gehört, Iſabelle! und daß ich noch hier ſitze und nicht in unmächtiger Wuth mich in den Wellen draußen abkühle, das kommt davon her, weil ich nicht einmal einen Augenblick Linderung in meinen Qualen erkaufen will, da dieſe Linderung Dir Schmerzen zufügen würde. Du ſiehſt jetzt, was ich über mich ſelbſt vermag, und deßhalb bitte ich Dich, auf mein Wort zu hören, ohne mich zu unterbrechen. Ich ſchwöre bei dem allmächtigen Gott, daß das, was ich Dir jetzt ſagen will, mehr von einer uneigennützigen Zärtlichkeit diktirt iſt, als von blinder Leidenſchaft, einer Leidenſchaſt, von der Du künftig nicht mehr beunruhigt werden ſollſt, ſo weit es in meiner Macht ſteht.“. „Was willſt Du denn ſagen, Richard. Ich höre Dir ohne Unterbrechung zu.“ „Nun, Iſabelle, daß ich, obſchon den Grad und die Art Deines Leidens mir unbekannt iſt, doch durch Doktor Manning in Kenntniß davon geſetzt bin, wie zart und fein das Band iſt, das Dich an's Leben knüpft. Ich habe mit Dir darüber nicht ſprechen wallen, ich habe es nicht ge⸗ 8 wagt; den Liebe wü laſſen, vor erſchien. chen. Du nicht ſo ſe gerne um mich mit! als daß D dürfen. I. Wenn die muß, die leid nicht Dich verſt Niemand, ohne daß und niemal erſchrecken! ſie beherrſch Altes ſeyn, will weit m. Du nicht o Iſabelle, ſe nimm mein maß meines wirſt ja n „Rich ohne das können, do Qualen de überwältigt Bruſt. Nur c ſtürmiſche 4 kiſſen zurüch von ihren ihm in die fühlte ſie ſicht aus⸗ hte er es Schwäche Stumm Ausbruch nnen, er⸗ einlänglich ungemein die ſelbſt loſt an ſie ppelt; und willen, die ig Richard ſtille und „Iſabelle! ſtiger Wuth imt davon nderung in ſerung Dir as ich über ,auf mein ch ſchwöre ) Dir jetzt Zärtlichkeit Leidenſchaſt, rden ſollſt, Ich höre ſad und die urch Doktor art und fein h habe mit ſes nicht ge⸗ wagt; denn ich nährte bisher die kühne Hoffnung, meine Liebe würde Dich die Rückkehr zu dem Ziele vergeſſen laſſen, von dem Deine Gedanken zu entfernen mir gut erſchien. Jetzt will ich darüber ſprechen, offen darüber ſpre⸗ chen. Du haſt mich lieb, ich weiß, daß Du das thuſt, zwar nicht ſo ſehr, wie ich Dich, doch hinlänglich, um mich gerne um Dich zu dulden. Nun wohl, Iſabelle, ich will mich mit wenigem begnügen! Ich begehre nicht mehr, als daß Du mir das Recht ertheileſt, Dich pflegen zu dürfen. Und wer würde es auch ſo können, wie ich? Wenn die Leiden zunehmen, wenn die Maske abfallen muß, die Deine ſtarke Seele birgt, weil Du das Mit⸗ leid nicht ertragen kannſt, wer ſoll Dich dann pflegen, Dich verſtehen, mit Dir leiden, ſo wie ich es thue? Niemand, Niemand! An meinem Herzen wirſt Du weinen, ohne daß Dich irgend Einer ſieht; denn wir ſind ja eins, und niemals ſoll Dich die Heftigkeit meiner Leidenſchaft erſchrecken! Nein, mit übermenſchlicher Kraft will ich ſie beherrſchen. Ich will ſanft, heiter, ruhig, zart, ja As ſeyn, daß Dich erfreuen und zerſtreuen kann. Ich will weit weg mit Dir in ein anderes Klima reiſen, wo Du nicht ohne einen Beſchützer hingelangen kannſt. Ach, Iſabelle, ſchenke mir dieſes Recht, werde meine Gattin, nimm meinen Namen und ich will mich in allem Ueber⸗ maß meines Schmerzes noch für ſelig halten, denn Du wirſt ja nur von mir gepflegt werden!“ „Richard, Du tödteſt mich!“ liſpelte Iſabelle, und ohne das körperliche Leiden länger beherrſchen zu können, das ſich ſchon ſeit mehreren Minuten zu den Qualen der Seele geſellt hatte, ſank ſie, von Leiden ſbervaltit unter einem Strom von Thränen, an ſeine ruſt. Nur einen kurzen Moment drückte er ſie an das ſtürmiſche Herz; dann legte er ſie ſanft gegen die Sopha⸗ kiſſen zurück. Und ihr zur Seite knieend, die Thränen von ihren blaſſen Wangen küſſend, bat, beſchwor er ſie, ihm in dieſer Stunde Alles zu ſagen. Da nahm Iſa⸗ belle ſeine Hand und führte ſie an ihr Herz; und über ihren Lippen ſchwebten Worte leiſer als das Säuſeln des Windes in einer ſtillen Sommernacht. Aber Richard vernahm ſie doch mit peinlicher Klarheit, und mit jeder Sylbe ſank ſein Haupt immer tiefer gegen die Bruſt, und der Jammer ſeiner Seele offenbarte ſich in ſchweren Seufzern. „Ermanne Dich, Richard!“ ſo ermunterte ihn jetzt ſie, die in dieſem Augenblicke zum erſten Mal vor ſeinen Augen von Qualen gefoltert wurde, vor denen die der Seele verſtummen mußten. „Ja, Iſabelle, ja ich will mich ermannen, um Dei⸗ ner nicht unwürdig zu ſeyn! Aber, o Gott, dieß iſt ent⸗ ſetzlich! Und Dü ſollteſt ſie allein leiden! Sprich, glaubſt Du nicht, daß ich jetzt ſo viel leide, wie Du?“ „Wohl, ich ſehe es jaz aber Du ſollſt mir einen Dienſt thun dürfen, den mir noch Niemand thun durfte.“ Sie riß ſchnell ein Band vom Halſe. Nimm den Schlüſ⸗ ſel, öffne die Schublade dort zur Linken— eile Dich, gib mir das Fläſchchen mit dem dunkeln Inhalt.“ Richard flog nach der lindernden Elyrire und gab ihr ein. Er ſprach ſüße, zärtliche, liebeswarme Worte, während es in ſeinem Herzen ausſah wie in einer ſchwarzen Nacht. Aber bald ſollte es dort noch ſchwärzer werden. Gott weiß, wenn Iſabelle wieder beſſer wurde, aber die Sonne war ſchon eine gute Weile in ihr Bett hinabgeſunken, als ſie ſich von dem ihrigen erhob und Richard, auf deſſen Arm ihr Kopf geruht hatte, zu⸗ flüſterte:„Danke, danke, jetzt iſt es wieder gut; laß uns hineingehen!“ „Gut?“ wiederholte Richard traurig;„ja für dieß⸗ mal! Aber theure, geliebte Iſabelle, habe jetzt Barm⸗ herzigkeit mit uns Beiden! Du bedarfſt meiner Liebe, wenn Du ſie auch nicht erwiederſt, und ich bedarf, um leben zu können, des Glücks, Dich umgeben und pflegen zu dürfen. Widerſtrebe alſo nicht länger, ſieh nicht ſo finſter auf T belle, meine Verzweiflung „Nein, „dieſe Bitten will ſie nicht auch nie eine ſprechen.“ „Iſabell als der Tod Jahre das C biſt eben ſo ſtolzen Sinne zu überlaſſen ſelbſt Alles, „Sage d Du biſt und den ich mich aber mehr ka Richard, Du und glaube n Keine un pen; aber i Farbenwechſel Ohne ein W und Iſabelle ob ſie einer ſich umwand der, falls er daß ſie mit d Gegen fen Gedanker „Bleibe als ſie die ſie nicht; un ihn die Thün Es wa ind über Säuſeln Richard nit jeder e Bruſt, ſchweren ihn jetzt or ſeinen n die der um Dei⸗ eß iſt ent⸗ h), glaubſt 4 mir einen in durfte.“ en Schlüſ⸗ eile Dich, t.“ und gab ne Worte, in einer ſchwärzer ſer wurde, ihr Bett erhob und lhatte, zu⸗ t; laß uns für dieß⸗ etzt Barm⸗ iner Liebe, edarf, um nd pflegen nicht ſo 283 finſter auf Deinen Richard, werde die Seinige! O. Iſa⸗ belle, meine Seele, mein Leben, überlaß mich nicht der Verzweiflung 14 „Nein, Richard,“ ſprach Iſabelle mit feſter Stimme, „dieſe Bitten müſſen verſtummen, denn ich kann, ich will ſie nicht hören. Ich werde nie Dein Weib; aber auch nie eines Andern. Wir wollen nicht mehr davon ſprechen.“— „Iſabelle, Du biſt in dieſem Augenblick grauſamer als der Tod ſelbſt. Er vergönnt mir wenigſtens einige Jahre das Glück, Du nicht das einer Sekunde. Und Du biſt eben ſo grauſam gegen Dich ſelbſt, indem Du Deinem ſtolzen Sinne geſtatteſt, Dich einzig Deiner eigenen Kraft zu überlaſſen, Du biſt ſelbſtſüchtig, Iſabelle, Du biſt Dir ſelbſt Alles, und ich bin Dir gar Nichts!“ „Sage das nicht, Richard, denn es iſt ungerecht. Du biſt und bleibſt mein erſter und beſter Freund, an den ich mich ſtets mit Hingebung und Vertrauen wende; aber mehr kannſt Du mir nicht ſeyn. Du kennſt mich, Richard, Du weißt, daß ich nicht wankelmuͤthig bin, und glaube mir, ich ändere mich nie!“ Keine unmännliche Klage ging über Richards Lip⸗ pen; aber was ſich in ihm zutrug, das zeigte ſich im Farbenwechſel der Wangen und im Zittern der Lippen. Ohne ein Wort zu ſagen, öffnete er die Pavillonthüre, und Iſabelle eilte mit einer Haſt an ihm vorüber, als ob ſie einer Hölle enteilte; als ſie außen auf der Brücke ſich umwandte, lag aber ein Ausdruck in ihrem Blick, der, falls er ihn geſehen hätte, ihm gezeigt haben würde, daß ſie mit der Hölle auch den Himmel hinter ſich ließ. Gegen den Thürpfeiler gelehnt, blieb Richard in tie⸗ fen Gedanken zurück. „Bleibe nicht lange außen!“ rief ihm Iſabelle zu, als ſie die erſte Terraſſentreppe hinaufſtieg. Er hörte ſie nicht; und als ſie ſich noch einmal umwandte, hörte ſie ihn die Thüre ſchließen. Es war beinahe Dämmerung im Pavillon, aber 284 was iſt die Dämmerung gegen die völlige Nacht, die über dem lebenswarmen Herzen des Jünglings lag? Endlich war ſein ſehnlichſter Wunſch, klar in Iſabellens Herz ſehen zu dürfen, erfüllt. Er war in die glänzende Wolke eingetreten, aber die Wolke glänzte nur auswendig: innen war er Kälte und undurchdringlichen Nebeln be⸗ gegnet. Und welches waren jetzt ſeine Gefühle, als er an dem Zielpunkt ſtand, den die Phantaſie einmal ſo ſchön mit allen Roſen der Luſt und Seligkeit geſchmückt hatte, als er in Allem getäuſcht daſtand? O dieſe Ge⸗ fühle ſind nicht zu beſchreiben; denn ſo wie man ſie fühlt, können ſie doch nicht geſchildert werden, und wäre es auch von der Feder des größten Meiſters. Mitten durch die aufregenden Stürme brach ſich je⸗ doch ein Lichtſtreif. Er kam nicht von der Hoffnung, eine ſolche gab es nicht mehr bei ihm, ſondern von der befriedigenden Ueberzeugung, daß es doch einigen Werth habe, der erſte und beſte Freund eines ſolchen Weibes zu ſeyn. Wenn er ſie, die ſtolze hochſinnige Iſabelle, die geduldig, ruhig und nur von ihm verſtanden, mit auf⸗ rechtem Haupte durch das Leben ging, ohne daß nur ihre nächſte Umgebung die Laſt ahnte, die ſie trug, wenn er ſie in ſeinen Gedanken neben jenen winſelnden, bruſt⸗ kranken, isländiſch Moos trinkenden jungen Mäͤdchen ſtellte, die ſich nur deſto intereſſanter wähnen, je mehr ſie klagen, und ihre Leiden zeigen— da fühlte er mitten in der Pein ſeiner getäuſchten Hoffnungen, daß ſie doch ein⸗ zig in ihrer Art ſey, und daß in der Gewißheit, ihr theuer zu ſeyn, doch ein Glück, obſchon nur ein trauriger Grad von Glück lag. Aber für tiefe und ſtarke Leidenſchaft iſt ein derar⸗ tiger Troſt doch von keiner ſonderlichen Dauer. Der Sturm tritt wieder in ſein Recht ein und das Wort „werth“ iſt und bleibt ein kühler Ausdruck im Wörter⸗ buch der Liebe; er hat ſogar die Kraft, all' die Knoſpen, die einſt Blumen aus einem waͤrmeren Himmelsſtriche zu werden verſprachen, mit ſich hinweg zu fegen. Und ſe Traum. In ein Augenblicke, looſe ſich ihn müde. Kein Hoffnung! ohne alle Be Kapitel durch morgen noch 4„Nein,“ doch nicht im Es war was das fre⸗ Sohn zärtlich Tyringsholm, um, ſo lange länger, auf fragte, warun Major meinte denn obgleich thum Richard gegenwärtig e da es gewiſſe Welt ihren la chen werden; fertig wären, kommen. . So dacht nicht verſchwiee anderer Dinge Nicht etwa, gen Abſicht die Kacht, die ings lag? Iſabellens e glänzende auswendig: Nebeln be⸗ le, als er einmal ſo geſchmückt dieſe Ge⸗ an ſie fühlt, väre es auch rach ſich je⸗ Hoffnung, on von der nigen Werth Weibes zu Iſabelle, die , mit auf⸗ e daß nur trug, wenn iden, bruſt⸗ n ädchen je mehr ſie ler mitten in ſſie doch ein⸗ ſvißheit, ihr in trauriger ein derar⸗ auer. Der elsſtriche zu 285 Und ſo ſchloß alſo Richards ſchöner roſenrother Traum. In einem Alter von 21 Jahren, gerade in dem Augenblicke, wo das Schickſal ſeinem übrigen Glücks⸗ looſe ſich ihm in den Weg warf, fühlte er ſich ſatt und müde. Keine Zukunft, kein Ehrgeiz, kein Leben, keine Hoffnung! Dieſe Worte erſchienen ihm in dieſer Minute ohne alle Bedeutung. Er hatte heute ſchon das ganze Kapitel durchlebt— was ſollte er denn morgen, über⸗ morgen noch werden? „Nein,“ ſagte er,„ich will fort; denn jetzt bin ich doch nicht im Stande, ihr etwas zu ſeyn!“ Zwanzigſtes Kapitel. Es war weniger Verwunderung als Betrübniß! was das freundliche Tjällſtorp traf, als der geliebte Sohn zärtlich aber beſtimmt ſeinen Entſchluß ausſprach, Tyringsholm, das erwartete Fideicommiß zu verlaſſen, um, ſo lange der Prozeß dauerte, vielleicht auch noch länger, auf fremdem Boden zu verweilen. Niemand fragte, warum— man wußte es ja wohl— und der Major meinte, es ſey gut ſo, bis Alles im Klaren wäre; denn obgleich jetzt nichts klar war, als daß das Beſitz⸗ thum Richard zufallen würde, ſo war er doch noch fuͤr gegenwärtig ebenſo wenig Herr dort, als Klas Malchus, da es gewiſſe Formalitäten gibt, die ſeit Anfang der Welt ihren langweiligen Gang gemacht haben und ma⸗ chen werden; und ehe ſie mit ihrer gewöhnlichen Stunde fertig wären, würde er ſich wohl beſinnen und zurück⸗ kommen. „So dachte der Major, und dazu dachte er, was nicht verſchwiegen werden darf, noch einen ganzen Haufen anderer Dinge uüber den nächſten Umzug der Familie. Nicht etwa, als der Major aus irgend einer eigennützi⸗ gen Abſicht dieß gewünſcht hätte; nein, aber er hätte 286 es doch recht gerne geſehen, wenn bei Richards Heim⸗ kehr„die Andern fortgeweſen wären,“ denn er würde dort nie gedeihen, wenn er die täglich ſehen mußte, welche er nicht erhalten konnte. Ueberdieß war ſowohl der Major als ſeine Frau nicht wenig unzufrieden mit Iſa⸗ bellen, die, wie ſie leicht errathen konnte, Richarden jetzt einen Korb gegeben hatte, während ſie ſich doch früher ſo vertraulich gegen ihn zeigte, daß ſie Jedermann für zwei Verlobte hielt. „Und ich denke doch, daß die Parthie meiner Seel' ihrer Hoheit anſtehen könnte!“ ſagte der Major, als er mit ſeiner Frau allein war. „Ja, das kann jetzt wenigſtens keine Frage ſeyn!“ erwiederte die Majorin mit einem kleinen Hieb von Hoch⸗ muthsgeiſt im Tone. Aber ſiehſt Du, mein Alter, Iſabelle iſt etwas ſchwer zu verſtehen. Hundert Mal habe ich wirklich geglaubt, ſie liebe Richard wirklich aus vollſtem Herzen, aber eben ſo oft war ich genöthigt, es zu be⸗ zweifeln.“ „O ſie iſt wahrſcheinlich zu ſtolz, um irgend Jemand außer ſich ſelbſt zu lieben!“ murmelte der Major, der ein beſonderes Talent beſaß, ſich ſelbſt aufzureizen. „Nein, mein Schatz, Du darfſt nicht ungerecht ge⸗ gen ſie ſeyn. Du kannſt überzeugt ſeyn, daß ich ihr eben ſo böſe bin wie Du, da mein armer Junge jetzt mit ge⸗ brochenem Herzen fortreiſen muß, was gewiß nicht ge⸗ ſchehen wäre, wenn ſie ihm vom Anfang an alle Hoſf⸗ nung benommen hätte; aber ich muß doch auch geſtehen, daß ſie das liebenswürdigſte und einnehmendſte Madchen, das ich je gekannt habe, und gewiß nicht ſelbſtſüchtig iſt Sie hat zwar ihre Launen, aber im Grunde beſitzt ſie einen vortrefflichen Charakter; und es iſt meine feſt Ueberzeugung, daß ſie, da ſie ſich nicht mit Richard ver⸗ bindet, unvermählt lebt und ſtirbt. Wer kann ſich auc auf ſolche Ideen verſtehen! Eigen iſt ſie bei all' ihrn, Zauberkraft, das kann man nicht läugnen.“ Die Neuigkeit von der Reiſe des Lieutenants vet breitete ſic noch nicht Iſabel gegeben, ur nichts deſto laſſen, als ginien hörte „Auf geſetzt?“ fro „Gegen wenig in O vermochte il chen ſich jed vermiſchte,, Und Du da geradezu ſag gehandelt ha „ Nicht belle, und d zeigten genüg letzt fühlte. „Ja, g Iſabellens e fort.„Ich offen da, da ſie auch, If Gegentheile, nach Mörked dieſem Orte.“ „Wahrh ruhiger Stim den Sympton kommen konn ſchaft für 9 Beziehung ſe Jemand dieß „Dann urds Heim⸗ er würde ußte, welche ſowohl der en mit Iſa⸗ charden jetzt cch früher ſo un für zwei meiner Seel ajor, als er rage ſeyn!” eb von Hoch⸗ lter, Iſabelle kal habe ich aus vollſtem gt, es zu be⸗ rgend Jemand Major, der reizen. ungerecht ge⸗ ß ich ihr ebe jetzt mit ge⸗ wiß nicht ge⸗ alle Hof⸗ auch geſtehen, dſte Mädchen, elbſtſüchtig iſt inde beſitzt ſie ſt meine feſte Richard ver⸗ kann ſich auch bei all' ihre eutenants vei⸗ 287 breitete ſich bald nach Tyringsholm, obgleich er ſelbſt noch nicht den Muth gehabt hatte, es dort mitzutheilen. Iſabelle hatte ſich ſchon lange alle mögliche Mühe gegeben, um ſich mit dieſem Schluſſe vertraut zu machen; nichts deſto weniger wollte die Faſſung ſie beinahe ver⸗ laſſen, als ſie es jetzt ohne alle Vorbereitung von Vir⸗ ginien hörte. „Auf welchen Zeitpunkt hat er denn ſeine Reiſe feſt⸗ geſetzt?“ fragte ſie mit Anſtrengung. „Gegen Ausgang dieſer Woche, ſobald wir ein wenig in Ordnung ſind. Ach, Iſabelle,“ und Virginie vermochte ihre Thränen nicht zurückzuhalten, mit wel⸗ chen ſich jedoch auch ein kleiner nicht undeutlicher Aerger vermiſchte,„wie iſt das Alles ſo anders, als wir hofften! Und Du darfſt es nicht übel aufnehmen, wenn ich Dir geradezu ſage, daß Du gewiß nicht recht gegen Richard gehandelt haſt.“ „Nicht recht gegen ihn gehandelt?“ wiederholte Iſa⸗ belle, und die feine Röthe, die leicht gerunzelte Stirne zeigten genügend, daß ſie ſich durch dieſe Offenheit ver⸗ letzt fühlte. „Ja, gerade ſo meine ich!“ fuhr Virginie durch Iſabellens etwas vornehmes Weſen noch mehr geärgert fort.„Ich glaube, Richards Liebe lag ſo warm und offen da, daß Jedermann ſie ſehen konnte! Du ſahſt ſie auch, Iſabelle, und wieſeſt ſie nicht abz nein, im Gegentheile, Du munterteſt ſie auf, ſowohl auf der Reiſe nach Mörkedal, als während unſeres Aufenthalts an dieſem Orte.“ „Wahrhaftig, Virginchen,“ ſagte Iſabelle mit ganz ruhiger Stimme,„Du mußt nicht ſo unbewandert mit den Symptomen der Liebe ſeyn, wenn Du auf die Idee kommen konnteſt, meine immer gleich herzliche Freund⸗ ſchaft für Richard habe eine Aufmunterung in dieſer Beziehung ſeyn ſollen. Ich glaubte nicht, daß irgend Jemand dieß von mir dächte.“ „Dann kommt es vermuthlich davon her, daß ich — 288 die Gränze nicht beurtheilen kann, wo ſich Liebe und Freundſchaft trennen; und ſo viel ich weiß, täuſchen ſich noch Mehrere über Euer Verhältniß. Wie das aber auch ſeyn mag, beſte Iſabelle, ſo kannſt Du doch nicht läugnen, daß Du Richards Gefühle begriffſt; denn ſo ſehr kannſt Du doch nicht das Menſchenherz verkennen, daß Du glaubteſt, ſeine ewige Aufmerkſamkeit komme nur von Freundſchaft her?“ „Nein, hierin haſt Du Recht, Virginie! Ich erkannte Richards Gefühle; aber Du ſollteſt begreifen, daß wenn ich ſie hätte aufmuntern wollen, ich wohl nicht ſo ofſen zu Werke gegangen wäre. Etwas mehr Zurückhaltung hätte ich vielleicht zeigen ſollen, aber ich dachte, gerade mein ungezwungenes Weſen würde Richard und die, welche ſich für ihn intereſſirten, am beſten überzeugen, daß kein engeres Band zwiſchen uns geknüpft werden könnte. Und nach dieſer Erklärung, die, wie ich hoffe, Dein Rechtsgefühl billigen muß, ſetze ich nur noch hinzu, daß mir die ganze Geſchichte ſo verdrüßlich iſt, daß icht Dich bitte, nie wieder davon anzufangen.“ Virginie ſtand einige Augenblicke ſtumm; dann ſchlang ſie ihren Arm herzlich um Iſabellen, und rief aus:„Verzeih, verzeih mir, gute Iſabelle, meine harten und unbedachten Worte! Ganz gewiß habe ich Unrecht gehabt; denn je mehr ich über die Sache nachdenke, deſto mehr überzeugt mich eine Stimme in meiner eige⸗ nen Bruſt, daß, wenn Du wirklich Richard gelieht hätteſt, Du es nicht ſo offen vor Aller Blicken hätteſt zeigen können. Vergiß Alles, liebe Iſabelle! Aber Du weißt, wie lieb ich Richard habe! Er würde mir übri⸗ gens gewiß nicht ſonderlich danken, wenn er wüßte, wie ich eben mit ſeinem Abgott geredet habe.“ „Das ſoll er nie erfahren,“ erwiederte Iſabelle, die, während Virginie ihre warme Ueberzeugung aus⸗ ſprach, einen beſtändigen Farbenwechſel auf ihren Wan⸗ gen fühlte,„nie, liebe Virginie!“ Sie zog ihre Cou⸗ ſine näher an ſich.„Aber glaubſt Du nicht, daß auch ich es empf Ich wage unausſprech „Ja a es ſo iſt, w Iſabell waltiger Un Bruder liebe „Ach j Reſt des Sc An der auf ſeinem ſprechen höre gedacht hatt, mit ſeinem 1 ſelbſt daran. gleichſam zu die ſchwere 2 geweſen war, tief und ernſt ihn doch nich trübter und zugleich eine einmal mit häuslichen Le Doch ve Gefühl, ſcho damit verknü iebe und ſchen ſich das aber doch nicht denn ſo verkennen, it komme h erkannte daß wenn ht ſo oſſen tückhaltung te, gerade und die, überzeugen, pft werden e ich hoffe, noch hinzu, ſt, daß ich nm; dann 1, und rief neine harten ich Unrecht e nachdenke, meiner eige⸗ hard gelieht licken hätteſt ! Aber Du de mir übri⸗ wüßte, wie erte Iſabelle beugung aus⸗ ihren Wan⸗ og ihre Cou⸗ ht, daß auch 289 ich es empfinden werde, wi Tyri 3 uandſoß were wie dee eehehelm nun wird? unausſprechlich lieb!“ ¹ Auch ich habe ihn „Ja aber, mein liebes ſonderbares Iſ⸗ es ſo iſt, warum kannſt eclen dareerabelche wenn Iſabelle ſchüttelte ſanft den Kopf t Jiruthen 2“ waltiger Unterſchied, Virginchen, Jemand“ 1 iiſt ein ge⸗ Bruder lieben, und ihn als Gatten lieben. Vrrund und „Ach ja, das iſt es: aber...“ Virgi Reſt des Satzes in einem halben Seufzer de ſyrach den 4 An dem nämlichen Abend ſaß Warun. lei auf ſeinem Zimmer. Auch er hatte von Rich Klas allein ſprechen hörenz und vielleicht gerade weil loheade dlöreiſe gedacht hatte, ihn zu fragen, ob er nicht auch Ernt mit ſeinem unterbrochenen Plane machen aheſſah Ernſt ſeihſ daran. Es begann in ſeinem brüterden e 8 gleichſam zu tagen, ein Lichtſtrom floß herein 1 5 Koyfe die ſchwere Wolke. Er dachte klar über das nide theilte derwefen war, was war und was kommen foltte 197s ihi und ruft, bieſe Gedanken auch waren, verwerren ſe ihu h Micht mohr. Sein Gemüth war vielleicht lee ugteich nd iedergeſhlagener als je, aber er 69 of. 8 naunal⸗ u Fehainir, die alte Laſt abzuwäͤlzen undfch ndt M he an der Heimathſonne eine 1 lich Hänsl chen Lebens wärmen zu dürfen ines ſöunen 0 ver 1 1. gefüh Berdo ihn ein eben ſo feines als natürlich 4 ü0 3 ſihon ſo bald nach des Vaters Tode 1 d den daßntt dertnüpſten teaurigen Creigniſſen an die Erfülung 3 fein zeten Wunſches zu denken. Nein, erſt uund am beſten und Bemieh heilen; und dieß geſchah dewiß fernte, was ihr hnellſten, wenn er ſich von Allem ent⸗ un was ihn nuie. heerliche Umwaͤlzung erim erte. Wenn al Kutter und Iſabelle Tyrings erie. laſſen hätten, dann wollte er zurückko nen nshin der⸗ kleine einfache Wohnſlätte ſu hen unmen und ſich eine Das Fideicommiß. II. 8, 193enug fur 290 ſeine wenigen Wünſche, groß wäre. Hier in dieſer freundlichen wieder ganz, ja beſſer als men, und bald all' die ſtörenden Unterbrechungen voll⸗ kommen vergeſſen, die auf den Abend gefolgt waren, wo er von ſeinem Vater die Einwilligung zu ſeiner Verbin⸗ dung mit Marien begehrt hatte. „Als Klas Malchus's Ideengang an jenem Abend haften blieb, hätte beinahe das finſtere Bild des Oberſten wieder einigen Wirrwarr in ſeinem Kopfe angerichtet. Er beſaß jedoch ſo viel Kraft, um ſich mit feſtem Willen davon loszumachen, und der beſte Beweis, daß er ſelbſt die Ge⸗ fahr kannte und ihr auszuweichen ſtrebte, lag darin, daß er mit einer Heftigkeit ſchellte, als fürchte er, der wackere Entſchluß möchte ihm aus den Händen entwiſchen, ehe er die gehörigen Mittel und Wege zu ſeiner Ausführung er⸗ griffen hätte. Der Bediente trat ein, man ſah keinen ge⸗ ringen Grad von Verwunderung auf ſeinem Geſichte; denn mehr als ein bequemer Tag war ihm in ungeſtörter Gemächlichkeit vergangen, ſeit ſich der Baron auf dieſe oder eine andere Art hätte hören laſſen. „Iſt der Herr Lieutenant auf ſeinen Zimmern?“ „Nein, Herr Baron! Ich ſah ihn eben nach dem Stalle gehen; er wollte gewiß ausreiten.“ „Lauf hin und ſieh, wie es iſt; und iſt er noch zu Hauſe, ſo bitte ihn, ſo ſchnell als möglich hieher zu fommen!“ Während dieſer Befehl ſchleunig vollzogen wurde ging Klas Malchus mit ungewöhnlich raſchen Schritten auf und nieder.— „Ja, ſo muß es geſchehen!“ elte ſelbſt.„Es iſt durchaus nothwendig, daß ich eine ander Luft athme, als dieſe verpeſtete Tyringsholmer, wo ich gewiß ſchon erſtickt ſeyn würde, wenn nicht mein guter Engel mir zur Seite geſeſſen wäre. Aber warum reist genug für ihn und Marie Heimath würde er denn Richard?“ Jetzt erſt machte er ſich dieſe Fragez murmelte er bei ſich jemals in ſeine alte Lage kom⸗ und ehe er Lieutenant i „Was „Haſt denn ich wil „O es nur nach T wenig beeilen ich wohl ohrn ſchaffen!“ „Und n fort, Richard nicht zu frage ſie von ſich? die ſogenannt ſtolz, launiſch, nie meine Aug aber im Grun Dank! Richar Du behältſt D ich Dich, wie Reiſegeſellſchaff chus ſtreckte Schlage ward „„Danke, Wunſch, als da es Bedürfniß, laſſen. Mit ſ dann zu der zu Deines künftigg ich, ich komme Niemand.“ „Krlas Mal ſeine Arme, unregelmäßigen einzigen Herzen nd Marie würde er zage kom⸗ igen voll⸗ varen, wo r Verbin⸗ vend haften ſten wieder Er beſaß llen davon bſt die Ge⸗ darin, daß der wackere hen, ehe er führung er⸗ )keinen ge⸗ n Geſichte; ungeſtörter auf dieſe mern 20 ein nach dem er noch zu ch hieher zu bgen wurden ten Schritten e er bei ſich h eine ander ner, wo ich mein guter warum reist dieſe Fragez 291 und ehe er ſie ſich beantwortet hatte, ſtand ſchon der Lieutenant im Reitanzuge vor ihm. „Was willſt Du, mein beſter Klas?“ „Haſt Du Eile, Richard? Sage mir zuerſt das, denn ich will Dich dann nicht aufhalten.“ „O es preſſirt mir eben nicht ſo ſehr. Ich wollte nur nach Tjällſtorp reiten und Mamas Zurüſtungen ein wenig beeilen. Machen ſie mir aber zu lange, ſo reiſe ich wohl ohne Weißzeug; das werde ich mir ſchon ver⸗ ſchaffen!“ „Und warum willſt Du ſo über Hals und Kopf fort, Rüchard? Doch ich ſehe es Dir an, ich brauche nicht zu fragen. Und Dein treues, warmes Herz wies ſie von ſich? Aber ſo ſind ſie, all' dieſe Weiber, denen die ſogenannte höhere Bildung eingeimpft wurde: kalt, ſtolz, launiſch, herzlos. Tauſendfach glücklich ich, der ich nie meine Augen auf dieſe dem Ausſehen nach blendenden, aber im Grunde falſchen Juwelen warf! Doch Gott ſey Dank! Richard, Du benimmſt Dich nicht wie ein Narr. Du behältſt Deine Hölle für Dich ſelbſt, und deßhalb achte ich Dich, wie Du es verdienſt; und willſt Du meine Reiſegeſellſchaft haben, ſo begleite ich Dich!“ Klas Mal⸗ chus ſtreckte ſeine Hand hin und mit einem biedern Schlage ward ſie von Richard angenommen. „Danke, Klas, danke! Ich habe keinen höheren Wunſch, als daß wir zuſammen reiſen, und auch Dir iſt es Bedürfniß, dieſen Schauplatz auf einige Zeit zu ver⸗ laſſen. Mit ſchönerem und froherem Gefühle wirſt Du dann zu der zurückkehren, mit welcher Du das Schickſal Deines künftigen Lebens zu verknüpfen gedenkſt. Aber ich, ich komme nicht ſo bald zurück; denn meiner wartet Niemand.“ Klas Malchus erwiederte nichts, aber er öffnete ſeine Arme, und Bruſt gegen Bruſt hörte man die unregelmäßigen Schläge hinſtürmen, wie aus einem einzigen Herzen. Aber die Gefühle, die ſich auf beiden 19* 292 Seiten um das Lebensrad bewegten, waren doch ganz verſchieden: Klas meinte aus einer langen, ermüdenden Betäubung zu erwachen; Richard ging einer ſolchen ent⸗ gegen, obwohl es anders hätte ſcheinen ſollen. Er ſtrengte die ganze Kraſt ſeiner Seele an, um Iſabellen zu zeigen, daß er den unerträglichen Schmerz wie ein Mann zu ertragen wiſſe, und daß er um ihretwillen, um ſie nicht durch den beſtändigen Anblick ſeines freudenloſen Geſichtes zu beängſtigen, ſogar die Trennung erdulden könne. Klas Malchus freundlicher Vorſchlag und wahre Theilnahme warf einen Lichtſtrahl über Richards Schatten⸗ bilder. Der Kummer darüber, daß der Gewinn des verhängnißvollen Fideicommiſſes zu theuer erkauft ſehn dürfte, da die damit verbundenen Umſtande Klas Malchus vielleicht das koſten konnte, was nichts im Leben zu erſetzen vermag, war ſchwer auf ſeiner Seele gelegen. Allein dieſer Augenblick befreite Richard von ſeiner qual⸗ vollen Beſorgniß; und der Eindruck, den die ehrliche Umarmung ſeines Vetters auf ihn machte, war ſo tief, daß ſeine eigenen Schmerzen in den Hintergrund traten. „Klas Malchus,“ rief er mit jener innigen Wärme, die nur aus einer ſo wenig ſelbſtſüchtigen Seele ausſtröm konnte, wie die ſeinige war,„ich habe keine Thräne ſür meinen eigenen Jammer gehabt, aber in dieſem Augen⸗ blick, wo ich in dem bloßen Druck Deiner Hand fuͤhle, daß meine ſchrecklichſte Befürchtung vorüber iſt, da muß ich vor Freude weinen, und aus der ganzen Tiefe meiner Seele Gott danken, der die ſchwerſte Laſt von uſt genommen hat!“ „Ich verſtehe Dich, mein edler, redlicher Freund! erwiederte Klas mit geſenkter Stimme;„und ich habe Gott kicht minder heiß gedankt. Doch laß uns jetzt ſt ſchnell als möglich die Reiſe beginnen!“ „Aber vorher,“ erinnerte ihn Richard mit bittenda Stimme,„mußt Du noch einige recht freundliche und hi⸗ lende Worte mit Deiner Mutter ſprechen. Verſprich mir din Klas! Mei verzehrende bedenken, da Liebe zu ihr das Recht, e wenn es bis „Ich w verſetzte Klas werde, obſch ſo gelinden? will ich Dir Liebe zu ihr Ach, hätte ſie wüßteſt, wie „Schma und Mutter, hat ſchwer un doch nur aus ſeyn!“ „Will i mehr, überlaß dieſen Abend n Gemüthsruhe „Und D brüderlich, zan ſie gegen Ma „Nun, ihr danken; a Dich ſo betros „Um Go Worte! Sie tauſend Mal ſey. Sie w ſchweſterlich, dieß mit einer 293 doch ganz Klas! Mein Herz hat oſtmals geblutet, wenn es ihre ermüdenden verzehrende Reue, ihre nie ruhende Angſt ſah. Du mußt ſolchen ent⸗ bedenken, daß ihr einziger Fehler ſich aus einer zu großen ſollen. Er Liebe zu ihrem Gatten herleitete; und wir haben nicht im Iſabelln das Recht, ein ſolches Gefühl ganz zu verdammen, auch erz wie ein wenn es bis zur Schwachheit geht.“ etwillen, um„Ich werde mit ihr ſprechen, verlaß Dich darauf,“ freudenloſen verſetzte Klas;„und fürchte nicht, daß ich ihr wehe thun ung erdulden werde, obſchon ich ihrer frevelhaften Nachgiebigkeit keinen ſo gelinden Namen leihen kann, wie Du! Und Eines und wahre will ich Dir anvertrauen; ich glaube nicht, daß meine rds Schatten⸗ Liebe zu ihr je wieder werden kann, was ſie früher war. Gewinn des Ach, hätte ſie nur Vertrauen zu mir gehabt! Wenn Du erkauft ſeyn wüßteſt, wie oft ich ſie um dieſes Vertrauen anflehte!“ Klas Malchus„Schmäle ſie nicht ſo ſehr, Klas; ſie war Gattin im Leben zu und Mutter, und ſie war— Menſch. Glaube mir, ſie Seele gelegen. hat ſchwer und vollauf für einen Fehler gebüßt, der ſich n ſeiner quak: doch nur aus Schwachheit herſchrieb. Du mußt ſchonend n die ehrliche ſeyn!“ war ſo tief„Will ich denn anders ſeyn? Nein, ſage nichts grund traten, mehr, überlaß das mir! Arme, arme Mama, ſee ſoll ſich Wärme, die dieſen Abend nicht niederlegen, ohne daß ich ihr erſt einige ele ausſtrömn Gemüthsruhe zu ſchenken verſuche!“ ne Thräne für„Und Du willſt doch auch mit Iſabellen ſprechen, dieſem Augen⸗ bruderlich, zart? Du weißt nicht, wie gut und freundlich r Hand füͤhl ſie gegen Marie war.“ r iſt, da muß„Nun, das habe ich gehört, und dafür werde ich n Tiefe meint ihr danken; aber ich kann ſie nimmermehr lieben, ſeit ſie Laſt von mit Dich ſo betrogen hat.“ „Um Gottes Willen, Klas, ſprich keine ſo harten licher Freund Worte! Sie hat mich nicht betrogen. Nein, ich ſelbſt „und ich habz habe es gethan, indem ich beſtändig den Wahn unter⸗ aß uns jetzt ſe hielt, und das trotz einer geheimen Stimme die mir tauſend Mal zuflüſterte, daß dieſer Glaube ein falſcher rd mit bittend ſey. Sie war ja immer dieſelbe gegen mich, offen, ndliche und hie ſchweſterlich, herzlich, ſtets ſich gleich!“ Richard ſagte rſprich mir di dieß mit einer Heftigkeit, die bewies, wie ſehr es ihm —y——— 294 am Herzen lag, Iſabellen in Aller Augen rein daſtehen zu ſehen. Aber nie floh die Ueberzeugung aus ſeiner Seele, daß ſie in der letzten Zeit mehr als ſchweſterlich, ja, daß ihre Zärtlichkeit faſt die einer Geliebten geweſen ſey. Doch dieß war nur ſein Glaube, den keine Seele ahnen durfte. „Ich meinte dennoch,“ ſagte Klas Malchus,„daß es bisweilen ganz anders war. Allein wahrſcheinlich hab' ich Unrecht gehabt; denn ſonſt würde ſie nicht ihr eigenes Glück von ſich geſtoßen haben, ein Glück, das ſie wahr⸗ ſcheinlich nie mit einem Andern finden wird.“ In dieſer Hinſicht war Richard ohne Furcht und ohne Eiferſucht. Niemand bekam das Herz, das ihm ver⸗ weigert worden war, deſſen war er gewiß; wie ſie aber mit dieſem reichen und vollen Herzen kalt bleiben konnte in die Seel 0 d gegen die Macht der Liebe, das blieb ihm ſtets ein unge⸗ löstes Räthſel. Schon dämmerte der Abend, als der Lieutenant Baron Klas verließ, aber er ritt doch noch nach Tjälls⸗ torp, denn er fand nirgends Ruhe, ſondern jagte raſtlos zwiſchen ſeinen zwei Heimathorten hin und her. Iſabelle ſah ihn vom Fenſter aus, und einſam mit ihrem uner⸗ meßlichen Schmerz, aber auch mit dem ſchönen, ſtolzen Bewußtſeyn, die mächtige Verſuchung überwunden zu ha⸗ ben, ſaß ſie mit geſenktem Haupte da und lauſchte auf das Säuſeln des Windes in den Kronen der Linden; ſie dachte in ſtillen ſüßen Gedanken, wie vielleicht ſo Vieles anders ſeyn würde, noch ehe die Linden im nächſten Jahre wieder im Brautſchmuck daſtünden. In Iſabellens Herz e jene Ruhe, die ſteis auf große, entſcheidende Ent⸗ ſchluſſe folgt. Allein im Innerſten dieſes Herzens lagen ürme der Leidenſchaften, zwar gebunden, aber inden. Ihr Beſieger ſtand noch von Schatten Und jetzt wollen wir einen Blick in das Schlafgemach der Baronin Eugenie werfen. Das Halbdunkel der Sommernacht lag über dem Zimmer, un der nicht it nem offenen ſich über ei erſten Jugen dieſen ihr e ward ihr A geheimnißvol abgeſchiedene führte ſie a tage ihres Lo ſchuldlos gen Was al gefolgt? Die antworten; ſich unter ih ihr vor, als Weſen erfüllt mit einem w aus früheren ſie nachher ge Die arm voll Thränen Traum gefolg noch zu erwe Sie wagte di den: Die Sir brechen der E gab es keinen was ihre erfi konnte. Auch in gen ihre bebg und da ſchob Abſchen ergrif rück: durch il 295 n daſtehen Zimmer, und verlieh ihm das Ausſehen eines Friedens, aus ſeiner der nicht in der Bruſt der Beſitzerin wohnte. Vor ei⸗ hweſterlich, nem offenen Schreibpulte ſtand die Baronin und bückte en geweſen ſich über ein Bild herab, das den Oberſten in ſeiner keine Seele erſten Jugend darſtellte; und je länger ihr Blick auf dieſen ihr einſt ſo theuren Zügen verweilte, deſto kürzer hus,„daß ward ihr Athem und deſto gewaltiger ward ſie von jener einlich hab' geheimnißvollen Aufregung erfaßt, die uns die Nähe eines ihr eigenes abgeſchiedenen Geiſtes ahnen läßt. Dieſelbe geheime Macht 3 ſie wahr⸗ führte ſie auch in die längſt verſchwundenen Frühlings⸗ — tage ihres Lebens zurück, wo ſie noch jung, glücklich und Furcht und ſchuldlos geweſen. as ihm ver⸗ Was aber war auf dieſen kurzen ſonnigen Wahn die ſie aber gefolgt? Dieſe Frage flüſterte ihr ein trauernder Engel eiben konnte„ in die Seele. Sie wagte nicht, ſich ſelbſt darauf zu 8 rin unge⸗ antworten; das Bild unter dem Glaſe vervielfältigte . ſich unter ihren zitternden Händen, und bald kam es Lieutenant ihr vor, als flöge das ganze Zimmer von ſchwebenden ach Tjälls⸗ Weſen erfüllt, alle mit denſelben bekannten Zügen, nur jagte raſilos mit einem wechſelnden Ausdrucke, bald herüberlächelnd er. Iſabelle aus früheren Tagen, bald ſtarr, düſter, drohend, wie ſie ihrem uner⸗ ſie nachher geſehen hatte. nen, ſtolzen Die arme Eugenie! dunkle Tage, dunkle Nächte, nden zu ha⸗ voll Thränen und Gewiſſensbiſſen waren auf den kurzen lauſchte auf Traum gefolgt; und nun war vielleicht das Schlimmſte Linden; ſie noch zu erwarten, Klas Malchus ungewiſſe Zukunft. iht ſo Wieles Sie wagte die entſetzliche Ahnung nié in Worte zu klei⸗ ächſten Jahre den: Die Sinne des Sohnes zerrüttet durch das Ver⸗ abellens Herz brechen der Eltern! denn gegen dieſen Schauergedanken beidende Enk: gab es keinen barmherzigen Troſt. Es überſtisg Alles⸗ eerzens lagen was ihre erfinderiſche Phantaſte von Strafe ſich denken bunden, aber onnte. 1 von Schatten Auch in dieſer einſamen Stunde der Auftegung flo⸗ gen ihre bebenden Gedanken in dieſer Richtuͤng hin, Schlafgemach und da ſchob ſie, wie von einer Art verzweiflungsvollem Abſchen ergriffen, das Bild haſtig in das Futteral zu⸗ ag über dem ruͤck: durch ihn war ja all' das Elend gekommen! Aber ———— 296 Eugeniens Seele war nicht dazu geſchaffen, ſich feſt an einen beſtimmten Grundgedanken zu halten; kaum hatte ſie ſich von dem Porträt getrennt, als ihr das Gewiſſen wieder aus einer andern Urſache ſchlug. Vielleicht ſah er ja eben jetzt bittend zu ihr herab⸗, und bedurfte ihrer Verzeihung, um einen noch nicht gewonnenen Frieden zu finden. Sie ſollte, ſie durfte an ihn nur in Liebe und Verſöhnung denken; und nun weinte ſie Thränen der Reue und nahm von Neuem das Porträt hervor, in dem ſie jetzt den vollkommenen Ausdruck eines überſchwäng⸗ lichen Friedens zu finden meinte. Die Baronin Eugenie von X— war ein ſehr ſchwaches Weib; und wenn ſie in etwas konſequent war, ſo war es gerade in ihren Schwachheiten, die alle aus einem nur zu oft in dem Weſen des Weibes vorkom⸗ menden Mangel herfloſſen, aus dem Mangel nänlich an wahrer Energie. Aus Gründen, die aber ſtrenge unterſucht, wahrſcheinlich als ſchwach erfunden würden, ſchreibt man dem Weibe gleichwohl bei außerordentlichen Fällen dieſe Eigenſchaft zu; allein eine Kraftäußerung, die entweder nur des Effektes halber in einigen gewich⸗ tigen Momenten, oder wenn die Saiten der Seele durch äußere Zufälligkeiten höher geſpannt waren, hervortrat, iſt von keiner Dauer, und zerfällt bald wieder in ihr Nichts. Eine Kraft anderer Art— wir bemühten uns, ſie in Iſabellens Charakter zu legen— wird mit dem Weſen ſelbſt geboren, kann durch Erziehung zurückge⸗ drängt werden, entwickelt ſich jedoch wieder, wenn das Weib ſich ſelbſt überlaſſen iſt und auf eigene Fauſt han⸗ deln darf. Sie iſt jedoch ſelten, weit ſeltener, als man glaubt; denn was das Weib gewöhnlich in hohem Grade beſitzt, das iſt Schlauheit, und deßhalb wird es ihr ziem⸗ lich leicht in verſchiedenen Trachten aufzutreten: vielleicht weiß ſie hie und da ſelbſt nicht recht, welches eigentlich ihre eigene iſt. Doch wir kehren zu Baronin Eugenie zurück, die weder Energie noch Schlauheit beſaß, ſondern eine je⸗ nen äußer len war formen la zum öfteſte ken, die je Kreiſe bew⸗ wieder aust Noch und ihr Ge genſtänden als ſie ſich und an ein Der S pen fliehen nen Seufzer es Klas Mo einem Blicke gewechſelt w Zauber vollk auch unter d tragen im zwiſchen Mu Engenie zitte Klas ihr ver *„Ach, 3 ſtrich mit ih Sohnes. D zu Deiner a 1„Ich ko die Qualen meinen Will vorher hatte! mit! Wir h licher leben digen Jahre ſich glättet, auch in mei h feſt an num hatte Gewiſſen lleicht ſah urfte ihrer Frieden zu Liebe und ränen der or, in dem derſchwäng⸗ ein ſehr equent war, e alle aus es vorkom⸗ gel nämlich aber ſtrenge jen würden, vordentlichen aftäußerung, igen gewich⸗ Seele durch „hervortrat, leder in ihr mühten uns, rd mit dem ng zurückge⸗ , wenn das e Fauſt han⸗ er, als man hohem Grade es ihr ziem⸗ ten: vielleicht hes eigentlich e zurück, die ddern eine je⸗ 297 nen äußerſt empfindſamen, ſanften und biegſamen See⸗ len war und blieb, die ſich am liebſten durch Andere formen laſſen, und deren geſammte eigene Mittel ſich zum öfteſten auf eine ſchwammartige Phantaſie beſchrän⸗ ken, die je nach der Freiheit, mit der ſie ſich in dieſem Kreiſe bewegen dürfen, zuſammen gedrückt wird oder ſich wieder ausdehnt. 1 Noch ſtand die Baronin vor dem offenen Pulte und ihr Geiſt war beſtändig von jenen ſchwebenden Ge⸗ genſtänden eingenommen, die wir zu ſchildern fuchten, als ſie ſich ſchnell von zwei warmen Armen umſchlungen und an ein noch wärmeres Herz gedrückt fühlte. Der Schrei des Schrecks, der eben über ihre Lip⸗ pen fliehen wollte, verwandelte ſich aber ſchnell in ei⸗ nen Seufzer der Wonne und Seligkeit, als ſie fand daß es Klas Malchus war, der ſie ſo begrüßte, und das mit einem Blicke, welcher, noch ehe ein Wort zwiſchen ihnen gewechſelt worden war, ihr ſagte, daß der ſchreckliche Zauber vollkommen gebrochen ſey, und er, wie tief auch unter dem Jammer leiden mochte, doch denſelben zu tragen im Stande war. Lange war die Umarmunc wiſchen Muüier und Sohn, und das Herz der arnne Lugenie zitterte jetzt in der himmlichen Gewißhei ß ihr Klas ihr erzlehen gae ſinnnlichen Gewißhat, daß ih „Ach, es iſt kein Wahn!“ flüſterte ſie zärtli ſtrich mit ihrer weichen Hand bu Sir degen Sohnes. Du kommſt mit einem doppelten Segenstroſte zu Deiner armen Mutter!“ Nee „„Ich komme, um Mama von ganzem H fü die Qualen um Verzeihung zu bitten elche eeh ein meinen Willen zu den vielen fügte, die Mama Pehon porher hatte! Ich komme, um zu ſagen: Friede ſey da⸗ mit! Wir haben ja doch ſo viel, daß wir viel glück⸗ licher leben können, als wir in dieſem letzten d wir⸗ digen Jahre lebten. Doch wenn auch die Oberftalhe ſich glättet, iſt es nicht immer im Innern ruhig. Sr auch in meinem. Aber ich will, daß es band ruhig 298 werde, und deßhalb begleite ich Richard: denn Entfernung und Vergeſſenheit ſind hier die beſten Heilmittel.“ Klagend ſeufzte die Baronin:„Ich verliere Dich alſo in dem nämlichen Augenblicke, wo ich Dich wieder finde?“ „Nein, meine gute Mutter, das heißt nicht mich ver⸗ lieren, das heißt eher mich wieder gewinnen; denn mit Gottes Hülfe werde ich geiſtig und körperlich geſund zu⸗ rückkehren. Und dieß würde wahrlich nie in Tyringsholm geſchehen können.“ „Vielleicht haſt Du recht, mein Klas, und ich wollte, auch ich dürfte dieſe meine alte Heimath vergeſſen. Allein wir dürfen Richard nicht dadurch kränken. Er hat mich ſo herzlich gebeten, wenigſtens bis zu ſeiner Rückkehr zu bleiben; und dann hängt es ſehr viel von Iſabellen ab, wohin wir ziehen werden. Sie hat das noch mit keinem halben Worte berührt. Ich glaube beinahe, es iſt ihr am wohlſten hier in Tyringsholm.“ „Wollte Gott, ſie hätte ſich hier wohl genug be⸗ funden, um es mit ſeinem Beſitzer zu theilen! Da wäre einige Freude zu hoffen geweſen; Richard hatte etwas Beſſeres um ſie verdient als das, mein guter, braver Richard!“ „Ja, Klas, das darfſt Du wohl ſagen! Mein Herz hat mehr als einmal um ihn geblutet, der mir in die⸗ ſen Zeiten ein Engel an Edelmuth und Zartgefühl war. Du kannſt es nicht wiſſen, mein theurer Klas Malchus, aber Du glaubſt mir gewiß, wenn ich Dich verſichere, daß ohne ſeine Zärtlichkeit und ſehnliche Pflege nicht ſo ziemlich unverſehrt durch dieſen Sturm gekommen wäre. Ich tröſtete mich jedoch ſtets mit der Hoffnung, Iſabelle wuͤrde ihm dieß alles vergelten; aber Iſabelle iſt kaum im Weib. Ich habe während dieſer Zeit oſt Gelegeuheit gehabt, ihre Stärke und Kaltblütigkeit zu be⸗ wundern, aber“. „Aber was, meine Mutter?“ Wir ſprechen in dieſer 4 Stunde o jeden Zug „Je, dieſen gew für mich, wünſchen! nach meine: voll, oder aber der K hat oder ſch eine ſtreuge der Ausübn Wärme. J bei all' ihre nie ein wahr 8„Das i Seele iſt ſtar zärtlicher Ba ſo wohldenken Mama ohne anvertraue.“ „Das ka undankbar ſey nehmen gegen daß ſie mich Und Gott wei ich mich von nur verzeihen chards täuſcht viel Uebel ſey mir tiefen Gre r iſt e „und das hat zuch einen an rühren, ich Gedanke von 8 haben wir näch ernung e Dich wieder ich ver⸗ enn mit und zu⸗ ngsholm h wollte, Allein hat mich ckkehr zu dellen ab, lit keinem s iſt ihr enug be⸗ Da wäre tte etwas braver Nein Herz r in die⸗ fühl war. Malchus, verſichere, flege nicht gekommen Hofſnung, er Iſabelle er Zeit oſt keit zu be⸗ n in dieſer Stunde offen und ohne Umſchweif, und ich ſammle gerne jeden Zug von Iſabellen.“ „Je, nun, mein Lieber, ich wollte ſagen, daß bei all' dieſen gewiß glücklichen Gaben und bei all' ihrer Vorſorge für mich, und die war ſo umfaſſend, als ich ſie nur wünſchen konnte, ſie doch etwas an ſich hat, was nicht nach meinem Sinne iſt. Ich war leider ſtets zu gefühl⸗ voll, oder vielmehr, ich weiß es ja wohl, zu ſchwach; aber der Höchſte weiß, ob Iſabelle überhaupt Gefühle hat oder ſchwach ſeyn kann wie Andere. Man ſieht ſtets eine ſtreuge Beobachtung aller Pflichten an ihr, aber in der Ausübung dieſer Pflichten iſt keine wohlthuende Wärme. Ich denke, es iſt ſchade um ſie; ſie wird gewiß bei all' ihrer Schönheit, ihrem Stolze und Reichthum, nie ein wahres Glück empfinden.“ „Das iſt es eben, was auch ich fürchte; aber ihre Seele iſt ſtark, ſie hat etwas in ſich, was den Mangel zärtlicher Bande erſetzt. Und in allem Uebrigen iſt ſie ſo wohldenkend, ſo verſtändig und zartfühlend, daß ich Mama ohne Beſorgniß, ja ganz getroſt ihrer Vorſorge anvertraue.“ „Das kannſt Du gewiß, Klas, und ich müßte ſehr undankbar ſeyn, wenn ich nicht anerkennte, daß ihr Be⸗ nehmen gegen mich eremplariſch iſt. Ich glaube ſicher, daß ſie mich liebt und ſich nicht von mir trennen will. Und Gott weiß wie unglücklich ich werden würde, wenn ich mich von ihr trennen müßte; denn könnte ich ihr nur verzeihen, daß ſie meine Hoffnung in Betreff Ri⸗ chards täuſchte, ſo wäre Alles ſo gut, als es nur bei ſo viel Uebel ſeyn könnte. Aber Richards Kummer macht mir tiefen Gram; ich vergeſſe das nie.“ Er iſt ein Mann,“ ſagte Klas Malchus tröſtend, „und das hat er uns ſchon bewieſen. Allein wir haben noch einen andern, für mich koſtbaren Gegenſtand zu be⸗ rühren, ich meine Marie! Wie glücklich war nicht der Gedanke von Mama, ſie hieher kommen zu laſſen! Ihr haben wir nächſt Gott für meine wieder gewonnene Geſund⸗ 300 heit und Gemüthsruhe zu danken. Mama war freund⸗ lich und mütterlich gut gegen ſie. Thue das auch fer⸗ nerhin, betrachte ſie wie eine geliebte Tochter, wenn ich fort bin, und Mama ſoll dann ſtets in mir den zärtlich⸗ ſten und dankbarſten Sohn beſitzen!“ „Ach, mein geliebtes Kind, darum brauchſt Du mich nicht zu bitten. Seit die Macht, der ich gehorchen mußte, nicht mehr da iſt, und ſeitdem ſich überdieß ſo Vieles verändert hat, iſt ſie mir als eine liebe Tochter willkommen. Ihr ſittſames und beſcheidenes Weſen, ſo wie ihre unermüdliche Sorgfalt für Dich hat das kleine Vorurtheil gänzlich umgewandelt, das ich gegen ihren Stand hatte; und falls Du es wünſcheſt, und ihre El⸗ tern ihre Zuſtimmung geben, ſoll ſie, während Du Deine Reiſe machſt, bei uns hier bleiben.“ „Ja, Mamachen, um das wollte ich Dich eben bit⸗ ten; nicht etwa weil ich verlange, daß ſie eine feinere Bildung erwerben ſollte— nein, gerade durch die Ein⸗ fachheit und unſchuldsvolle Weiblichkeit, die ſie ſo herr⸗ lich ziert, iſt ſie mir höchſt theuer, und ich möchte ſie um keinen Preis anders haben.— Aber es thut mir ſo wohl, wenn ich denke, daß Die, welche mein Weib wer⸗ den ſoll, ſchon jetzt in dieſem ſchönen töchterlichen Ver⸗ hältniſſe zu meiner theuren Mutter lebt. Ihr werdet dann zuſammen von mir ſprechen und für mich beten, und dieſe gemeinſame Liebe wird ein feſteres und heili⸗ geres Band ſchließen, als es je hätte werden können, wenn meine Wahl auf ein junges Mädchen meines eige⸗ nen Standes gefallen wäre. Nicht Eine unter Hunder⸗ ten würde bei der Prüfung ausgeharrt haben, die mich betroffen hat. Marie ſchämte ſich deren nicht; ſie fühlt nur ihre Liebe, und gäbe gerne in weiterem als dem ge⸗ wohnlichen Sinn ihr Leben für meine Ruhe hin. Und dieß meine theure, gute Mutter, dieß iſt die Liebe, wie ich ſie mir wünſche; nur eine ſolche kann mich glüͤcklich machen!“. Die Baronin Eugenie lehnte ihre Wange gegen den Arm d auch; aber geſehen, n adeliges Fr Tage ware Regiment j ſeyn, wen geſprochen Klas Mal Aber; und verließ er d Der 2 Familie von um gemeinſt Abſchied des nahte heran ſtärker auf je chus Armen wart der g und einen ſch ſo miſchte der natuͤrlich ſichtlich ins „Jetzt Marſedeüh reund⸗ ch fer⸗ un ich ärtlich⸗ ſſt Du horchen dieß ſo Tochter ſen, ſo s lleine n ihren hre El⸗ zu Deine eben bit⸗ e feinere die Ein⸗ ſo herr⸗ nöchte ſie ut mir ſo Veib wer⸗ chen Ver⸗ hr werdet nich beten, und heili⸗ iu können, heines eige⸗ er Hunder⸗ , die mich 3 ſie fühlt s dem ge⸗ hin. Und Liebe, wie ich glucklich gange gegen 4 301 den Arm des Sohnes. Da er glücklich war, war ſie es auch; aber ſogar in dieſem Augenblick hätte ſie es gerne geſehen, wenn ſich die künſtige Schwiegertochter in ein adeliges Fräulein hätte verwandeln laſſen. Aber ach die Tage waren nun zu Ende, in welchen der Hochmuth das Regiment führte, und es würde ihr übel angeſtanden ſeyn, wenn ſie eine Eingebung dieſes böſen Geiſtes aus⸗ geſprochen hätte. Sie that es auch nicht; ſie verbitterte Klas Malchus reine Freude nicht mit einem einzigen Aber; und ſelig, als hätte er Marie erſt heute erhalten, verließ er das Zimmer ſeiner Mutter. Einundzwanzigſtes Kapitel. Der Wagen ſtand gepackt und angeſpannt. Die Familie von Tjällſtorp war nach Tyringsholm gekommen, um gemeinſchaftlich mit den dortigen Freunden beim Abſchied des Fortziehenden zu weinen. Der Augenblick nahte heran, und die Laſt der Trennung drückte immer ſtärker auf jede Bruſt. In ſtummem Schmerz,, aber doch glückſelig, daß ſie ihn nicht verbergen durfte, ſtand Marie von Klas Mal⸗ chus Armen umſchloſſen. Er hatte ſie heute in Gegen⸗ wart der ganzen Famile als ſeine Verlobte vorgeſtellt und einen ſchlichten Ring an ihren Finger geſteckt: und ſo miſchte ſich in Mariens Herz die reinſte Freude mit der natürlichen Betrübniß. Aber ſie ſchaute ihm zuver⸗ ſichtlich ins Auge, und ſuchte Troſt daraus zu ſchöpfen. „Jetzt mußt Du ſtark ſeyn, meine geliebte, kleine Marie!“ ſagte Klas leiſe und zärtlich.„Du weißt, daß es mir durch Dich möglich wurde, auf dieſe Reiſe zu denken, welche das Uebel vollends ganz heilen wird; und ich bin gewiß, daß Du ſie deßhalb ebenfalls willſt und Dich mit der Nothwendigkeit verſöhnſt.“. „Aber Du ſchreibſt doch gewiß? Ich bekomme Briefe, ———— 302 nicht wahr, die nur an mich gerichtet ſind, die Niemand leſen darf als ich?“ „Danke, Du Geliebte, für dieſe Mißgunſt, auf die Du Dich ſo gut verſtehſt! Behalte Du Deine Briefe für Dich; Du ſollſt ihrer viele bekommen, in denen mein ganzes Herz offen vor Dir liegen wird. Aber Du, Marie, mußt viel, längere Briefe ſchreiben; denn Du mußt von Allem reden, was in Dir wacht und lebt: Du darfſt nichts vergeſſen!“ So plauderten ſie, welche frei ihre Gefühle ausgießen und ſich den Abſchied ſelbſt durch Vorſpiegelungen ver⸗ ſüßen konnten, wie ſie einem liebenden Herzen ſo theuer ſind. O wie ganz Anders war es nicht bei den bleichen Zweien, die im rothen Kabinete am Fenſter ſtanden! Iſabelle hatte ſeit dem letzten entſcheidenden Abend im Pavillon nicht mit Richard geſprochen, ihm nicht recht ins Auge geſehen. Und auch jetzt wäre ſie dieſer Erſchütterung am liebſten ausgewichen; aber was würde ihre Umgebung davon gedacht, geurtheilt und geſchloſſen haben? Ein ſolches Benehmen hätte ihr Geheimniß ver⸗ rathen können; und mit einem Herzen, das in dem ge⸗ waltſamen Bemühen ſeinen wahren Zuſtand zu verbergen beinahe brach, ging ſie hinauf, um bei dieſem Abſchiede zugegen zu ſeyn, der für Niemand war, noch ſeyn konnte, was er für ſie war, die vielleicht niemals Einen von ihnen wiederſehen ſollte. Die gefeſſelten Stürme hatten ſich wieder losgeriſ⸗ ſen, und jagten wilder als je durch ihre Seele. Woher die Kraft nehmen in dieſem letzten verzweifelten Augen⸗ blicke, wo der Gedanke unaufhörlich wiederkehrte:„Drücke ſein Bild feſt in Dein Herz, denn dieſe geliebten Augen, dieſes gute, ſchöne Lächeln ſiehſt Du nie mehr; dieſe Stimme, die Dir ſo viele unausſprechlich zärt iche und warme Worte zuflüſterte, welche Deine Pein unzählige Male zugeſchläfert und den Sturm Deines Gemüthes zur Ruhe geſchmeichelt haben, hörſt Du nicht mehr! Nein, nei will an? So ihrer Krä leichenblaſ In i genz aber ihr hintra Beide beb ſichtern zu⸗ Iſabellens Anblick der vorgegange ſelbſt ausſa „Iſabe ſchmeichelnd klarem Ton iſt mir ein Sie he bewegte ſie d des Hauptes hatte. „O G einem langen ſelbſt nicht, n aber wiſſe, wäre ich Dir haſt! Noch, Wenn ein Ge vielleicht erſt Herzen erwach Beider Leben es zu geſtehen ein aufmunten bleibe! Du ſage, daß Du heſtig an ſeine Niemand* auf die e Briefe nen mein ber Du, denn Du nd lebt: ausgießen ngen ver⸗ ſo theuer n bleichen den! den Abend ihm nicht ſie dieſer Has würde geſchloſſen mniß ver⸗ n dem ge⸗ verbergen Abſchiede lyn konnte, 8 e. Woher ten Augen⸗ :„Drücke ten Augen, nehr; dieſe lirt iche und unzählige Gemüthes icht mehr! 303 Rein, nein, es iſt unmöglich! Verlaſſe mich nicht! Ich will an Deinem Herzen ſterben!“ So klagte es in ihr, während ſie den letzten Reſt ihrer Kräfte zuſammenraffte, ſich aufrecht hielt und mit leichenblaſſen Wangen gegen den Fenſtervorhang lehnte. In ihm ging zwar das Blut in noch höheren Wo⸗ gen; aber er wollte ſich wenigſtens beherrſchen, als er zu ihr hintrat und leiſe ſeine Hand auf ihre Schulter legte. Beide bebten jedoch vor dem Ausdruck in ihren Ge⸗ ſichtern zurück, denn in ihnen lag etwas Geiſterhaftes. Iſabellens Blick ſank zuerſt, es war ihr unmöglich, den Anblick der Veränderung auszuhalten, die mit Richard vorgegangen war— ſie bedachte nicht, wie verändert ſie ſelbſt ausſah. „Iſabelle,“ ſprach Richard nicht mit dem ſüßen, ſchmeichelnden Flüſtern wie ehedem, ſondern in feſtem klarem Tone,„ich danke Dir für dieſe Bewegung! Sie i*ſt mir ein Beweis, daß Du mich lieb gehabt haſt.“ Sie hätte ſo gerne etwas erwiedert, aber vergebens bewegte ſie die Lippen, und nur noch ein tieferes Senken des Hauptes bewies, daß ſie ſeine Worte verſtanden hatte. „O Gott,“ fuhr Richard fort, indem er ſie mit einem langen, forſchenden Blicke betrachtete,„ich weiß ſelbſt nicht, welch' eine wahnſinnige Kühnheit mich erfaßt; aber wiſſe, es kommt mir in dieſer Minute vor, als wäre ich Dir theurer, als Du es vielleicht ſelbſt gewußt haſt! Noch, noch, geliebte Iſabelle, iſt es nicht zu ſpät! Wenn ein Gefühl, das Deine Scham nicht geſtehen will, vielleicht erſt im Augenblick der Trennung in Deinem Herzen erwacht iſt, o dann beſchwöre ich Dich bei unſerer Beider Leben und Glück, laß Dich durch Nichts abhalten, es zu geſtehen! Nur ein halbes Wort von Deinen Lippen, ein aufmunternder Blick aus Deinem Auge, und ich bleibe! Du kannſt mich nicht entbehren, Iſabelle— ſage, daß Du es nicht kannſt!“ Er preßte ihre Hand heſtig an ſeine Lippen. 304 „Nun ja, Nichard, ja“— in kurzen Sätzen und in„ einem Tone, der durch ihre Anſtrengung unnatürlich Und l wurde, brachte Iſabelle dieſe Worte hervor—„ich Qual ku kann... Dich entbehren... muß es können!“„Pf „Du mußt nicht’, Iſabelle! Auch ohne die geringſte und heiß Hoffnung bleibe ich zurück, wenn es Dich ſchmerzt, mich mich bei reiſen zu ſehen. Ich brauche Dir nicht zu ſagen, daß Du wirſt ich mich weniger um meinet⸗ als um Deinetwillen dazu Iſabelle, entſchloß. Für mich wäre es immer ein Glück, wenn mir weni auch mit Wermuth gemiſcht, Dich ſehen und Dir nahe Heftigkeit ſeyn zu dürfen. Aber ich furchtete, Du könnteſt es nicht verzehrend aushalten, mich unter Deinen Augen hinſchwinden zu und jagter ſehen; denn wenn ich auch die Seele zu beherrſchen ver⸗ vor ihren mag, ſo habe ich doch nicht, wie Du, Gewalt über den Hölle; ab Körper.“ erhob ſich Richard! „Du haſt recht gehandelt gegen uns Beide, Richard; 3 Zimmer ur und jetzt— mach' die Qual kurz!“ 1 „Ja, Iſabelle, ich will Dich nicht länger quälen! Einig Laß mich Dich nur noch einige Minuten anſchauen! Tyringshol ſchnitt Iſal merſchlages befeſtigt, in Gönne mir dieſe armſelige Freude, die Du Niemand verweigerſt, eine Freude, die mir nicht mehr ſo bald wieder werden wird; denn was ſoll ich hier ſuchen, da Du mich verſtoßen haſt?“ Und jetzt war es mit Richards Selbſtbeherrſchung vorüber. Gewaltſam hob ſich ſeine Bruſt, die Thräͤnen 8 brannten auf ſeiner Wange, und ſein ganzes Weſen zitterte. von der mächtigen Bewegung. Wir i Tiefer ſenkte ſich Iſabellens Kopf gegen die Bruſt. folgen, ni Es wäre ſündhaft, wenn wir den Schleier lüfteten, wo⸗ fleißige Sag mit das ſtolze Weib in dem letzten Momente die blutende wiſſen ja, Wunde zu verhüllen ſuchte. üben, und „Lebe wohl denn, Iſabelle! Eine Bitte nächſt der Bis a letzten; wähle keinen andern Wohnſitz als Tyringsholm Mittheilung Laß mir wenigſtens den Troſt, Dich hier zu finden—— Kflas Malch wenn ich zurückkomme!“ Mariens die „Ja, über oder unter der Erde, Du wirſt mich it hagen unter Tyringsholm finden! Gott... Gott ſey mit Dir!”“ Das Fideicg n und im„ nnatürlich — hich e geringſte erzt, mich agen, daß dillen dazu⸗ ück, wenn Dir nahe teſt es nicht zwinden zu rrſchen ver⸗ alt über den de, Richard; nger quälen! anſchauen! du Niemand ehr ſo bald hier ſuchen, ſbeherrſchung die Thraͤnen Weſen zitterte len die Bruſt lüfteten, wo⸗ e die blutende lttte nächſt des Tyringsholm zu finden— wirſt mich it nit Dir!“ 30⁵ Und Richard erinnerte ſich ihrer Worte: Qual kurz!“ „Pflege Dich, pflege Dich wohl, das iſt meine letzte und heißeſte Bitte! Und wenn Du den Wunſch fühlſt, mich bei Dir zu ſehen, ſo ſchreibe eine Zeile... aber Du wirſt ſie nicht ſchreiben, ich weiß es wohl! Iſabelle, Iſabelle, ich laſſe meine Seele bei Dir zurück; Du ſollſt mir wenigſtens Etwas dafür geben!“ Und mit wilder Heftigkeit ſchloß er ſie in ſeine Arme. Seine heißen, verzehrenden Küſſe brannten auf ihren Lippen und Wangen, und jagten Feuerſtröme durch ihre Adern. Es ſchwindelte vor ihren Sinnen, ſie war im Himmel, ſie war in der Hölle; aber mitten unter dem Sturme der Leidenſchaft erhob ſich ihre Kraft zu einem feſten Entſchluß, und Richard heftig von ſich „Mache die h ſtoßend eilte ſie in das innere Zimmer und verſchloß die Thüre. Einige Augenblicke ſpäter rollte der Wagen durch Tyringsholms alterthümliches Portal. Das Geräuſch ſchnitt Iſabellen in's Ohr, wie der Ton des erſten Ham⸗ merſchlages, der den Deckel auf den Sarg des Geliebten befeſtigt, in das der hinterlaſſenen Gattin ſchneidet. Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Wir werden Iſabellens Kämpfen nicht Tag für Tag folgen, nicht darauf lauſchen, wie ſtündlich eine kleine, fleißige Säge an der zerbrechlichen Maſchine feilt. Wir wiſſen ja, wie die Schmerzen des Leibes ihr Recht aus⸗ üben, und wie der Prolog des Todes ſtille fortläuft. Bis auf Weiteres ſey es deßhalb genug an der Mittheilung, daß Iſabelle gleich nach Richards und Klas Malchus Abreiſe in Geſellſchaft ihrer Mutter und Mariens die ſchon vorher ausgemachte Fahrt nach Kopen⸗ hagen unternahm; und während es in Tyringsholm alſo Das Fideicommiß. 11. 306 ganz leer iſt, ziehen wir nach Tjällſtorp, wo uns einige lichtere, farbenhellere Scenen erwarten. An einem heißen Auguſt⸗Nachmittage, zwei Tage nach der Abreiſe der Damen, hatte der Major ſein Mittagsſchläſchen noch nicht ganz beendigt und die Majorin gerade ihren erſten Brief an Richard begonnen, der ihn an einem beſtimmten Orte treffen ſollte, als Fräulein Virginie, die mit der Fliegenklatſche in der Hand eine lebhafte Jagd im Saale hielt, das Geräuſch eines rollenden Wagens hörte. Durch das ebenſo vor⸗ ſichtige als verzeihliche Oeffnen eines Thürſpalts bekam ſie eine freie Ausſicht in die Vorhalle und nach dem Hoſe hinaus, wo eben ein kleiner, eleganter Jagdwagen, der von einem ſchönen Pferde gezogen ward, hielt, und aus dem Wagen ſtieg ein Jemand, den Virginie zwar erkannt haben mußte, aber doch nicht bewillkommnen mochte. Haſtig ſchloß ſie die Thüre; und nachdem ſie in ſichtlicher Verzweiflung den Spiegel zu Rathe gezogen und dabet den bedeutenden Wirrwarr in den Locken und die ſchieſe Lage des Kragens entdeckt hatte— die Fliegenjagd iſt nicht ſehr geeignet, die Toilette in gehöriger Ordnung zu erhalten— beſchloß ſie, während der Herr mit dem Bedienten ſprach, was durch das Schlüſſelloch bemerkt ward, einen Sprung über den Gang nach ihrem Zimmer zu wagen, wohin ſie nur durch den Voröhrn gelangen konnte. Die Zeit erlaubte kein langes Ueberlegen. Eins, zwei, drei, und unſer Fräulein nahm die Fliegenklatſche in die eine Hand und einen Teller mit todten Fliegen in die andere, ſchloß dann behutſam die Thüre auf, und wollte eben in einem Hui die drei entſcheidenden Sprünge thun, als— hat man je ein ſolches Mißgeſchick geſehen— der Fremde ſich eben umwandte und das Fräulein artig begrußte, welches tief erröthend eine halbe Entſchuldigung ſtammelte und verſchwand. Es war Graf M-—, der nach einer Abweſenheit ven vier Monaten kürzlich in die Gegend zurückgekommen war und Ls in „Ihr iſt hier!“ zum Zimn warf den einem hall Vorzimmer den ſtets li Mit d Unterbrechu erhob, gin letzten Raſi Frau zugen Graf M— Alſo:„Liſa braunen R geſſen mußt ſo großen 2 quemen Hau Die erf der Majorit unbehaglich: merkwürdige über hätte nicht zu ber nur für ſolc um die Anf oder nichts aber leicht u ihm zukomn bei einer Pe ſprach er, 1 eben ſo übel uns einige wei Tage kajor ſein und die begonnen, follte, als he in der 3 Geräuſch benſo vor⸗ alts bekam ) dem Hofe vwagen, der , und aus var erkannt nen mochte. n ſichtlicher und dabei d die ſchieſe egenjagd iſt r Ordnung rr mit dem och bemerkt tem Zimmer en gelangen Eins, k geſehen— kiulein artig tſchuldigung eſenheit von lückgekommen 307 war und nun ſeinen erſten Nachbarbeſuch bei Major L—s in Tjällſtorp ablegte.. „Ihro Gnaden, ihro Gnaden, der Graf v. Svärdſö iſt hier!“ meldete das Kammermädchen unter der Thüre zum Zimmer der Majorin. „Ei, was Du ſagſt! mache nur, daß wir einen guten Kaffee bekommen!“ Die Majorin weckte ihren Mann, warf den Shawl um ihre Schultern und ſtand nach einem halben Blick in den Spiegel an der Thüre zum Vorzimmer, wo ſie mit ihrer ganzen natürlichen Anmuth den ſtets lieben und geachteten Gaſt bewillkommte. Mit dem Major, der ſich etwas unwirrſch auf dieſe Unterbrechung in ſeinem angenehmen Mittagsſchlummer erhob, ging es nicht ſo flink; denn erſtens hatte er ſeinen letzten Raſirtag verſäumt, und dann hatte ihm ja ſeine Frau zugewiſpert, daß es ganz unmöglich ſey, den feinen Graf M-— in dem grauhaarigen Schlafrocke zu empfangen. Alſo:„Liſa, paß auf! Etwas warm Waſſer und meinen braunen Rock! Verwünſcht, daß ich das Raſiren ver⸗ geſſen mußte!“ Ein ächter Landjunker hat einen eben ſo großen Abſcheu vor dem Raſiren, als er ſeinen be⸗ quemen Hausrock liebt. Die erſten Augenblicke des Zuſammentreffens zwiſchen der Majorin und dem Grafen waren beiderſeits etwas unbehaglich: es waren ſeit ſeiner Abweſenheit ſo viele merkwürdige Dinge geſchehen. Eine Unterhaltung hier⸗ über hätte äußerſt peinlich werden müſſen; ſie aber gar nicht zu berühren, wäre unnatürlich geweſen und hätte nur für ſolche Perſonen paſſen können, die ſich entweder um die Anforderungen des guten Tons nicht bekümmern oder nichts davon wiſſen. Man mußte daher hinüber, aber leicht und behutſan. Graf M— ſühlte, daß dieß ihm zukomme; und mit all' der Gewandtheit, die man bei einer Perſon von ſeiner Lebensart vorausſetzen konnte, ſprach er, nicht als ein eiliges Apropos, das ſich hier eben ſo übel gepaßt hätte als ein förmliches Bedauern 20 308 oder ein Glückwunſch, ſondern mit der ruhigen Zuverſicht, womit ein näherer Bekannter an gegenſeitig bekannte Dinge erinnert:„Ich war ſehr überraſcht, als ich hörte, daß die beiden Prätendenten eine Reiſe mit einander machten; das iſt etwas ſo Schönes und Seltenes bei Perſonen in ihrer Lage, daß ich ihre gegenſeitige Duldung nicht genug bewundern kann. Die Baronin und Fräulein Iſabelle haben ebenfalls das Land verlaſſen, und ich muß mich wieder über mein altes Unglück beklagen, das es gerade ſo wendete, daß ich erſt am Tag nach ihrer Abreiſe in Svärdſs ankam; ich hätte ihnen noch ſo gerne vor⸗ her meine Aufwartung gemacht.“ Nun war Alles geſagt, was geſagt zu werden brauchte; und um vieles erleichtett, erwiederte die Majorin: „Ich hoffe, der Graf verläßt die Gegend nicht frü⸗ her wieder, ehe ſie zurückkommen? Wir haben noch eine ſchöne Zeit auf dem Lande zu gewarten.“ 8 „Die ſchönſte und beſte,“ fiel der Major ein, der jetzt friſch raſirt eintrat und den Gaſt mit einem kräf⸗ tigen Handſchlag freundlich begrüßte;„und der Herr Graf wird doch wohl vorher ſeine Erndte einbringen, ehe man wieder den Weg nach der Hanuptſtadt ein⸗ ſchlägt?“ „Ich reiſe dieß Jahr nicht mehr dahin, mein beſter Major, ſondern laſſe mich in aller Ruhe auf meinem ſchönen Svärdſö nieder, wo ich ein ſo gewaltiger Land⸗ wirth zu werden gedenke, daß ich eines Tages mit dem Waſaorden behangen zu werden hoffe. Ich habe ſtets eine große Vorliebe für die Landwirthſchaft, bisher aber wenig Zeit gehabt, um mich derſelben zu widmen. Künf⸗ tig wird es mein Ehrgeiz ſeyn, in meinen reichen Stal⸗ lungen und wohlverſehenen Tennen zu liegen.“ Im Tone des Grafen lag Ernſt genug um ſeine wahre Meinung zu zeigen, obſchon er gewiſſermaßen für ſcherzhaft angeſehen werden konnte. Grunde; die nicht hieher gehören, hatten ihn bewogen, die öffentliche Lauf⸗ bahn zu verlaſſen, und dieſer Schritt ward ſchon vor ſeiner erſt es beſtim ner Wah ſie ganz daß verle „Ein meinte de darüber fü rechnen zu Freude, w danken ge mung ſeyn thanen, a wir haben was hat d den größer ihr unſer Nutzen, als pläne mache „Sie der Wille werth, als wenn auch gehen, ohne herankeimend „Ei, ei fürchte ich, Tennen und Bei die Geringſte ſa fen M— m. tur ihnen g ſeine Lippen merkſamen N geäußert habe ſtreite.„Es Frau mit ein en Zuverſicht, tig bekannte ls ich hörte, nit einander Seltenes bei tige Duldung und Fräulein und ich muß gen, das es ihrer Abreiſe o gerne vor⸗ Alles geſagt, les erleichtert, end nicht frü⸗ ben noch eine jor ein, der it einem kraͤf⸗ und der Herr e einbringen, nuptſtadt ein⸗ , mein beſter auf meinem paltiger Land⸗ iges mit dem ch habe ſiets , bisher aber men. Künf⸗ reichen Stal⸗ n.“ ug um ſeine ſſermaßen für de; die nicht fentliche Lauf⸗ rd ſchon vor ſeiner erſten Reiſe nach Svärdſö vorbereitet. J ßt war es beſtimmt, und er ſchien vollkommen zufrieden mit ei⸗ ner Wahl zu ſeyn, bei der es jedoch ungewiß war, ob ſie ganz frei geſchah; man flüſterte wenigſtens ſpäter, daß verletzte Eigenliebe ſein Abſchiedsgeſuch diktirt habe. „Ein ſolcher Ehrgeiz vertheidigt ſeine Stellung,“ meinte der Major;„und außer dem Vergnügen, das ich darüber fühle, den Herrn Grafen unter meine Nachbarn rechnen zu dürfen, empfinde ich jedesmal eine herzliche Freude, wenn ich höre, daß ein Gutsherr auf den Ge⸗ danken gekommen iſt, daß es eben ſo gut ſeine Beſtim⸗ mung ſeyn könne, für das Beſte ſeiner eigenen Unter⸗ thanen, als das des Landes zu ſorgen. Meiner Seele, wir haben ja noch Leute genug, die daran denken! Und was hat das Land davon? Eine einzige Perſon, die für den größeren oder geringeren Kreis lebt und wirkt, den ihr unſer Herr anvertraut hat, ſchafft mehr wahren Nutzen, als hundert ſolcher, die immer nur Verbeſſerungs⸗ pläne machen, die nie bewerkſtelligt werden können.“ „Sie ſind zu ſtrenge!“ fiel der Graf ein.„Schon der Wille für ein ganzes Volk zu wirken, iſt mehr werth, als die Wartung ſeiner eigenen Angelegenheiten, wenn auch die beſten Jahre eines Mannes darüber hin⸗ gehen, ohne daß ſein Streben auch nur ein Zeichen einer herankeimenden Ernte gewinnt.“ „Ei, ei, mein lieber Graf, mit ſolchen Geſinnungen, fürchte ich, wird der Ehrgeiz des Herrn Grafen nie in Tennen und Stallungen aufleben.“ Bei dieſem„Aufleben,“ womit der Major nicht das Geringſte ſagen wollte, bedeckten ſich die Züge des Gra⸗ fen M-— mit einer weit ſtärkepen Farbe, als die Na⸗ tur ihnen gegeben hatte. Doch ehe eine Antwort über ſeine Lippen kam, floß ſchoͤn die Bemerkung der auf⸗ merkſamen Majorin ein, daß das, was der Graf zuletzt geäußert habe, ſeine erſtere Meinung durchaus nicht be⸗ ſtreite.„Es iſt uns ja wohl bekannt,“ ſagte die ſanfte Frau mit einem ſanften Lächeln,„daß die Männer meh⸗ 310 rere Lebensperioden haben, und wenn ſich der Herr Graf nur an der Grenze der Mittagshöhe glaubt, ſo kann man nicht läugnen, daß die ſogenannten beſten Jahre vorüber ſind. Wenn aber ein Mann in dieſem Zeitraum ſeine Geiſteskraft und Thätigkeit dem allge⸗ meinen Beſten gewidmet hat, dann kann er, auch mit der Ueberzeugung ſeinen ſchönſten Wirkungskreis hinter ſich zu laſſen, doch ſeinen Ehrgeiz dazu angeſpornt füh⸗ len, ſeinen Platz in einem beſchränkteren auszufüllen.“ Die Majorin hatte ſich ſo zu ſagen ein wenig auf's Kreuzen ausbegeben, und eben an einer Stelle Anker geworfen, die einzunehmen, in der gewöhnlichen Unter⸗ haltung für ein Verbrechen gegen alle Formen gilt, an einer Stelle nämlich, die der andern Partei den Lauf zu weiteren Argumenten verſperrt. Es war jetzt nicht denkbar, daß Graf M— nachdem ihm ſo der Mund mit Süßigkeiten geſtopft war; etwas Beſſeres thun könnte, als ſein Einverſtändniß durch eine artige Ver⸗ beugung zu erklären. Aber die Majorin, beſorgend, ihr Mann, der Gegenſtände dieſer Art gerne wieder auf⸗ nahm, könnte den Grafen auf's Neue an ſeiner empfind⸗ lichſten Seite verwunden, war eben im Begriff, die Auf⸗ merkſamkeit ihres Mannes nach einer andern Seite hin zu leiten, als Virginie, die unterdeſſen ihre Toilette wie⸗ der hergerichtet hatte, eintrat, gefolgt von der Kaffer⸗ kanne, welche Zerſtreuung eben recht kam. „Das Fräulein, und ich, haben einander ſchon be⸗ grüßt,“ ſagte der Graf, und beeilte ſich, Virginien ar⸗ tig beim Ausbreiten des ſchneeweißen Kaffeeteppichs zu helfen. „Ich hoffe, der Herr Graf befindet ſich wohl 20 „O, vollkommen! Ich brauche übrigens an das Fräulein nicht dieſelbe Frage zu ſtellen, denn die Ant⸗ wort, die man auf Fräulein Birginiens geſunden Wan⸗ gen liest, macht jene überflüſſig.“ 1 „Nach dieſer Zurechtweiſung,“ erwiederte Virginit lachend, ſehe ich, obſchon zu ſpät, ein, daß ich mit mei⸗ ner eigen ich erinn Leute vo pflegte, heit oder M—, wenig ei uns, wer halten, d „S giniens? meine A beſſer wi chen, was lich, daß am Kaffe „Die fel weit l früher be⸗ voller ma „Me weit über dadurch a⸗ gehörte, ſe nen dahin das mir d ich glaube beſitzt, als tion zugeſe „Von „Ja, ſchenken be Ohne hauptete, angenomme bart hatte. der Korb, h der Herr glaubt, ſo unten beſten in in dieſem dem allge⸗ v, auch mit skreis hinter geſpornt füh⸗ zzufüllen.“ i wenig auf's Stelle Anker alichen Unter⸗ men gilt, an rtei den Lauf ar jetzt nicht ſo der Mund Beſſeres thun e artige Ver⸗ beſorgend, ihr e wieder auf⸗ ſeiner empfind⸗ griff, die Auf⸗ ſern Seite hin Toilette wie⸗ on der Kaffee⸗ under ſchon be— Virginien ar⸗ ffeeteppichs zu ſch wohl?“ rigens an das denn die Ant⸗ Peſunden Wan⸗ derte Virginit ß ich mit mei⸗ ner eigenen Frage ebenfalls hätte ſchi ele u haben, daß MN, wenig einfältig, und deßhalb iſt es unmöglich, daß wir uns, wenn wir einen Bekannten treffen, der Frage ent⸗ halten, die ich ſtellte.* „Seyen Sie verſichert,“ verſetzte der Graf, von Vir⸗ giniens Vertheidigung ſichtlich erfreut,„daß ich künftig meine Artigkeiten einſtellen werde, wenn man ſie nicht beſſer würdigt; und deßhalb will ich auch nicht ausſpre⸗ chen, was ich ſonſt gewiß nicht verſchwiegen hätte, näm⸗ lich, daß ich niemals eine junge Dame mit ſo viel Grazie am Kaffeetiſche hanthieren ſah.“ „Die Phantaſie des Herrn Grafen muß ohne Zwei⸗ fel weit lebhafter geworden ſeyn, als ich mich erinnere, früher bemerkt zu haben! Darf ich Ihnen die Taſſe etwas voller machen?“ „Meine Phantaſie— danke gehorſamſt, es iſt ſchon weit über mein gewöhnliches Maaß— hat ſich eben nie dadurch ausgezeichnet, daß ſie zu dem erhabenen Genre gehörte, ſondern iſt ſtets ihren Weg auf nüchternen Bei⸗ nen dahingeſchritten. Und in Folge dieſes Bewußtſeyns, das mir die Erfahrung an die Hand gegeben hat, muß ich glauben, daß wenn ſie wirklich einen höheren Schwung beſitzt, als früher, dieß nur der augenblicklichen Inſpira⸗ tion zugeſchrieben werden kann.“ „Vom Kaffee?“ „Ja, warum nicht, da Fräulein Virginie ihn einzu⸗ ſchenken beliebt?“ Ohne Zweifel hatte Virginie Recht, wenn ſie be⸗ hauptete, daß die Phantaſie des Grafen eine Richtung angenommen habe, in der ſie ſich früher nicht geoffen⸗ bart hatte. Vielleicht bemühte er ſich zu zeigen, daß der Korb, den er einige Monate vorher erhalten, ſeine 312 Seelenruhe nicht geſtört habe; vielleicht war es auch nur das Vergnügen, Virginien wieder zu ſehen, was den ernſten Mann auf die kleinen Seitenpfade des Scherzes und der Galanterie brachte. Man weiß, daß Virginie immer ſehr bei ihm in Gunſten ſtand, und nun beſaß ſie überdieß den Vortheil, daß ſie von Iſabellen nicht verdunkelt ward. Als die Kühle es erlaubte, ging man in den Garten; aber bald entſchuldigte ſich die Majorin mit der Poſt⸗ ſtunde— denn der Gedanke an den unvollendeten Brief an ihren Liebling überwand ihre Artigkeit als Wirthin — und da der Major gleich darauf Beſuch von dem Inſpektor in Tyringsholm erhielt, ward Virginien allein die Ehre, ihren Gaſt zu unterhalten. Sie war eben im beſten Beſinnen auf einen beſonders paſſenden Gegenſtand, als Graf M— ſie mit der offenen Frage überraſchte: „Iſt es wahr, Fräulein Virginie, daß ſich Baron Klas Malchus unter Hymens Fahne ſtellen will?“ „Ja es iſt ſo, und ſeine Wahl iſt auf ein recht liebes, ſchönes und gutes Mädchen gefallen, das, obſchon von geringem Stande, ihn doch gewiß glücklich machen wird. Manche meinen, daß aus der Parthie nichts werde, aber ich halte Klas Malchus für beſſer.“ „Auch ich! Hat er ſein Verſprechen gegeben, ſo iſt er nicht der Mann, der es bricht Seine Liebe wird über⸗ dieß wohl von der romantiſchen Gattung ſeyn?“ „Ich weiß nicht gerade, ob dieß der Fall iſt; wenn aber, ſo hoffe ich, die Romantik kann das ganze Leben hindurch dauern, denn ohne Zweifel ſtützt ſich ihre Nei⸗ gung auf eine große Sympathie in den Charakteren.“ „Sie ruht alſo, wie ich glaube, auf dem beſtmög⸗ lichen Grunde,“ ſagte der Graf in einem Tone ſtillen Ernſtes.„Die Sympathie wägt die Gefühle, aber die Gefühle mißt man nicht nach den Jahren. Die Jahre finden ihr Grab in der Nacht der Jahrhunderte, die Sympathie begleitet uns über das Grab hinaus. Ich begreife wohl, wie Baron Klas eine ſolche Wahl treffen konnte. F. richteten B werden; u unter den erzogen wi formen zu wäre, ſo n lein Virgit von Pygm „Ja, paſſend, d Marmorbil und obſcho Zeit mit S doch.“ „Die „iſt ohne 4 hat die Sp Das iſt ein ſtarken und leider das .„Wirk flug von K bedachte, w wenn er ſie bung um J „Wirkl erſtaunt au „Ja, i werde in ſei ſchlimmer 1 ſie wollte nicht mehr Und es iſt er möchte u verſtehen. Graf es auch , was den s Scherzes 6 Virginie nun beſaß ellen nicht een Garten; der Poſt⸗ deten Brief ls Wirthin von dem inien allein ar eben im Gegenſtand, überraſchte: Zaron Klas f ein recht as, obſchon klich machen tichts werde, eben, ſo iſt wird über⸗ 2 7 iſt; wenn Banze Leben h ihre Nei⸗ kteren.“ m beſtmög⸗ Cone ſtillen , aber die Die Jahre anderte, die naus. Ich kahl treffen —— 313 konnte. Für ihn, mit ſeinem beſtändig nach innen ge⸗ richteten Blick, mußte die Liebe eine mächtige Verſuchung werden; und für ihn paßte eben ein Weib, das nicht unter den Feſſeln und Formen des geſellſchaftlichen Lebens erzogen wurde. Ihm wird jetzt die Freude, ſie ſelbſt formen zu dürfen, und wenn das Bild nicht abgenützt wäre, ſo möchte ich hinzufügen, daß er.. doch Fräu⸗ lein Virginie erinnert ſich wohl der ſinnreichen Mythe von Pygmalion?“ „Ja, aber ich finde den Vergleich hier nicht recht paſſend, denn ich kann ſie verſichern, daß Marie kein Marmorbild iſt. Sie hat hinlänglich Leben und Gefühl, und obſchon ich glaube, daß ſie den größten Theil der Zeit mit Schweigen zubringen, ſo verſtehen ſie einander doch.“— „Die Sprache des Schweigens,“ bemerkte der Graf, „iſt ohne Zweifel die reichſte. Wenn das Herz ſpricht, hat die Sprache keine Worte und der Kopf kein Studium. Das iſt eine ſchöne und mächtige Sprache, wenn ſie aus ſtarken und tiefen Gefühlen herfließt. Mir fehlt jedoch leider das Zeugniß der Erfahrung.“ „Wirklich?“ lächelte Virginie mit einem kleinen An⸗ flug von Kühnheit, erröthete aber nachher tief, als ſie bedachte, wie einfältig es Graf M— erſcheinen würde, wenn er ſie dieſe Anſpielung auf ſeine mißlungene Wer⸗ bung um Iſabellen machen hörte. „Wirklich!“ wiederholte der Graf und ſah dabei ſehr erſtaunt aus. „Ja, ich dachte... ich meinte nur, der Herr Graf werde in ſeiner Jugend...“ Nein, jetzt wurde es immer ſchlimmer und ſchlimmer! Mußte er jetzt nicht glauben, ſie wollte ihm zu verſtehen geben, daß ſein Alter ihm nicht mehr erlaube, über dergleichen Dinge zu ſprechen? Und es iſt ſchwer zu ſagen, warum Virginie wünſchte, er möchte unter dem, was ſie geſagt, Alles, nur nicht das verſtehen. Graf M- betrachtete ſie einige Augenblicke ſchwei⸗ 314 gend; dann ſprach er mit geſenkter Stimme:„In mei⸗ ner Jugend kannte ich die Sprache der Leidenſchaft, aber nicht die des Herzens. Vielleicht wird es mir deßhalb jetzt auch ſo ſchwer, in dieſes ächte Gebiet einzudringen; doch will ich noch das Beſte hoffen. Es iſt bewieſen, daß jedes Dezennium uns einen neuen Körper gibt, ſollten wir daher nicht auch annehmen dürfen, daß unſere See⸗ lenpflanze bei dieſer Verwandlung durch veredelnde Grund⸗ 5 ſätze um mehr als zehn Jahre höher auf der Stufen⸗ leiter geſtiegen iſt, welche die Vergangenheit mit der Zu⸗ kunft verbindet? Und wenn es daher auch nicht beſtritten werden kann, daß wir ſelbſt bei einem vorgerückten Alter von Leidenſchaften ergriffen werden können, die ſehr ſchwer zu bezähmen ſind, ſo geben ſie immer gleichwohl ein glückliches Reſultat. Sie geben Veranlaſſung zu einer neuen Selbſtprüfung, wobei es ſich vielleicht nicht ſelten herausſtellt, was wir in unſerer Jugend⸗Verblendung nicht geſehen haben würden, nämlich, daß wir uns ge⸗ täuſcht haben, und daß das, wornach wir ſtrebten, wenn wir es erlangt, uns nicht Alles geworden wäre, was wir davon hofften, da wir noch unter dem Einfluſſe der trügeriſchen Täuſchung ſtanden. Und ſehen Sie, hierin liegt der Gewinn, den wir aus jeder neuen Leiterſproſſe ziehen, die uns von der Jugend trennt.“ Während dieſer Abhandlung des Grafen ſtieg Vir⸗ giniens Verlegenheit, und ſie ward durch den deutlichen Nachſatz keineswegs geringer. Es handelte ſich übrigens jetzt nur darum, was ſie auf das Alles antworten konnte. Am liebſten hätte ſie gar nichts erwiedert; aber die Be⸗ ſorgniß, der Graf möchte ſie dann für ein kleines Gäns⸗ chen anſehen, kam ihrer Schüchternheit zu Hülfe, und nach einem kurzen Beſinnen ſagte ſie: „Ich hätte gleichwohl geglaubt, daß eine ſo beſon⸗ nene Erfahrung die Selbſtprüfung vorher anſtellen ſollte, ehe der trügeriſche Wahn eine ſo große Macht bekäme; denn Sie müſſen zugeſtehen, Herr Graf, daß der Gewinn der vielen Leiterſproſſen einen geringen Troſt gewährt — haben wi erlangt u Läch dieſe richt küßte der er,„daß ich nicht ſo würde wieder be der Verſt Handlung eine phyf dieſe Fol der Vern uns ware Sproſſen unſerer 4 gen, auf mag.“ „Ich „Das iſt Herr Gra Verzweifli „Nei zweiflung Nach Tjällſtorp vielen Di Berathun weſenheit genheiten men und der Majo bewilligte allemal n Jagdwage hätte, ſond 315 „In mei⸗ haben würde, wenn Sie etwas eifrig Erſtrebtes wirklich ſchaft, aber erlangt und die Täuſchung erſt nachher entdeckt hätten.“ nir deßhalb Lächelnd, und mit einem Blicke, der bewies, daß inzudringen; dieſe richtige Bemerkung eher gefallen als verletzt hatte, ſt bewieſen, küßte der Graf Virginie die Hand.„Ich finde,“ ſagte gibt, ſollten er,„daß meine Logik nicht ganz richtig war; und wenn unſere See⸗ ich nicht Mitleid mit der Geduld des Fräuleins hätte, Ande Grund⸗ ſo würde ich die Sache wohl von einer andern Seite der Stufen⸗ wieder beginnen, die überzeugender werden dürfte. Allein mit der Zu⸗ der Verſuch, die Folgen auch unſerer wohlberechnetſten ſccht beſtritten Handlungen zum Voraus beſtimmen zu wollen, iſt ſtets rückten Alter eine phyſiſche wie moraliſche Unmöglichkeit; wenn aber ie ſehr ſchwer dieſe Folgen da ſind, dann prüfen wir durch die Loupe leichwohl ein der Vernunſt, ob ſie nicht gerade ſo am nützlichſten für ng zu einer uns waren, und der Gewinn der vielen überſtiegenen nicht ſelten Sproſſen beſteht dann darin, daß wir aus den Folgen Verblendung unſerer Handlungen den beſten Kern auszuziehen vermö⸗ wir uns ge⸗ gen, auf welche Art auch dieſe Frucht gereift ſeyn ebten, wenn mag.“. wäre, was„Ich verſtehe,“ fiel Virginie ein und nickte heiter. Einfluſſe der„Das iſt eine gute Lebensanſicht; mit dieſer kann der Sie, hierin Herr Graf niemals über fehlgeſchlagene Berechnungen in Leiterſproſſe Verzweiflung gerathen.“ „Nein, ich kann zwar darunter leiden, aber in Ver⸗ n ſtieg Vir⸗ zweiflung gerathen nicht.“ den deutlichen Nach dieſem Beſuche kam Graf M— öfters nach ſich übrigens Tjällſtorp. Er wünſchte die Erfahrung des Majors in orten konnte. vielen Dingen um Rath zu fragen; und in Folge dieſer aber die Be⸗ Berathungen bedurfte es nicht ſelten der perſönlichen An⸗ kleines Gäns⸗ weſenheit des Majors in Svärdſö. Bei ſolchen Gele⸗ Hülfe, und genheiten bat ſich der Graf immer die Gnade aus, kom⸗ men und ihn mit Pferden holen zu dürfen, etwas, was ne ſo beſon⸗ der Major, in Rückſicht auf die häuſigen Fahrten gern nſtellen ſollte, bewilligte; wenn aber der feſtgeſetzte Tag kam, ſah man dacht bekäme; allemal nicht den Herrn von Svärdsö in ſeinem kleinen der Gewinn Jagdwagen, der für ihn und den Major ausgereicht roſt gewährt hätte, ſondern da fuhr immer der Staatswagen an, und —.— 316 es gab ein Komplimentiren und Bedenken und Ueberreden, und wenn die Haushaltungsgeſchäſte der Majorin noch ſo dringend waren, ſo mußte man fünf gerade ſeyn und das Fräulein mit nach Svärdſö laſſen, wo ſich der artige Wirth mehr mit den Damen beſchäftigte, als mit den vortrefflichen Plänen des Majors. Bei einer ſolchen Gelegenheit geſchah es jedoch ein⸗ mal, daß die Majorin Virginien befohlen hatte zu Hauſe zu bleiben und die Aufſicht über das Flachshecheln zu führen; und was für ein langes Geſicht machte da der Herr Graf, als die Wirthin in Reiſekleidern in den Saal trat und ſich bereit zum Gehen erklärte. „Aber das Fräulein!“ „Sie muß heute zu Hauſe bleiben! Wir haben eine Menge Geſchäfte, die nicht verſäumt werden dürfen.“ „Um alles in der Welt, meine Gnädigſte,“ rief der Graf mit einer höchſt ſprechenden Miene,„laſſen Sie doch das Fräulein mitgehen! Ich habe gerade eigens für ſie eine kleine Ueberraſchung vorbereitet, die zwar höchſt un⸗ bedeutend iſt, ihr aber doch, wie ich glaube, einige Freude machen wird. Mir dagegen würde es den größten Ver⸗ druß bereiten, wenn ich die gnädige Frau nicht überreden könnte, dieſen mütterlichen Befehl zurückzunehmen— ſo⸗ fern es nicht Fräulein Virginiens eigener Wunſch iſt, zu Hauſe zu bleiben!“ „O nein,“ lächelte die Majorin,„ich kann wahr⸗ lich nicht rühmen, daß ſie viel Sinn für Häuslichkeit be⸗ ſitzt. Nur mein Wunſch war es, der hier den Ausſchlag gab; und ſoll ſie durchaus mit, ſo muß ich zum Voraus erklären, daß die Pferde wenigſtens eine Stunde warten müſſen.“ „Gerne zwei, wenn es ſeyn muß! Ich will befehlen, daß man abſpannt.“ Aber ehe die Uhr drei Viertel ge⸗ ſchlagen hatte, ſtand Virginie mit Hut und Shawl und einem hübſchen, lächelnden Blicke unter der Saalthüre. Der Graf ging ihr entgegen: Will mir das Fräu⸗ lein auf ih hatte oder „Ich Virginie h überreden böſe bin, kunſt des C „Das es iſt gan Fräulein h dagegen un — und da „Sind der lange nun mit ei Wir auf, ſonder: die der Gre eines kleinen Bekanntſchaf nicht geſehen ſtolze Dame Käfig, wie fängniſſe. S Freude bein ihren eigene ihres Vergni am Abend d gehoben wur lein wird n lernen laſſen bringen geſu weniger in Wahl derſell ſolche Anfän Virginie leicht nicht I leberreden, in noch ſo n und das der artige mit den jedoch ein⸗ zu Hauſe hecheln zu te da der den Saal haben eine rfen.“ “ rief der en Sie doch ens für ſie höchſt un⸗ ige Freude ößten Ver⸗ überreden ann wahr⸗ Zichkeit be⸗ Ausſchlag m Voraus nde warten II befehlen, Viertel ge⸗ Shawl und ralthüre. das Fräu⸗ 317 lein auf ihr Gewiſſen ſagen, ob Mama Ueberredung nöthig hatte oder nicht?? 2— „Ich kann auf mein Gewiſſen verſichern,“ erwiederte Virginie heiter,„daß ich ſchon heute früh Mama zu überreden ſuchte, und wenn ich jetzt ein ganz klein wenig böſe bin, ſo iſt es nur deßhalb, weil die Ueberredungs⸗ kunſt des Grafen M— glücklicher war als meine eigene!“ „Das muß das Fräulein nicht übel nehmen, denn es iſt ganz natürlich, daß es ſo kommen mußte: Das Fräulein hat ganz gewiß nur ſehr lau gebeten; ich bat dagegen um Etwas, auf das ich einen hohen Werth ſetzte — und da..“ 1 „Sind wir noch nicht fertig?“ ſagte der Major, der lange im Oehrn auf⸗ und abgegangen war, und nun mit einer gewiſſen Ungeduld die Thüre öffnete. Wir halten uns nicht bei dem Beſuche in Svärdſö auf, ſondern erwähnen nur, daß die kleine Ueberraſchung, die der Graf Virginien bereitet hatte, in der Anſchaffung eines kleinen Wunderthiers beſtand, womit ſie ſchon lange Bekanntſchaft zu machen gewünſcht, das ſie aber noch nicht geſehen hatte, nämlich eines Papageiweibchens. Die ſtolze Dame ſaß ſo ſtattlich in ihrem großen vergoldeten Käͤfig, wie eine Favoritſultanin in ihrem reizenden Ge⸗ fängniſſe. Virginie war ganz Entzücken, und hätte vor Freude beinahe laut hinausgeſchrien, als der Papagei ihren eigenen Namen rief. Der ungeheuchelte Ausdruck ihres Vergnügens wirkte ſichtlich auf den Grafen; und als am Abend der Käſig zu Virginien in den Wagen hinein gehoben wurde, ſagte er freudig:„Ich hoffe, das Fraͤu⸗ lein wird meine kleine Geſandtin ihre Talente nicht ver⸗ lernen laſſen? Ich habe ihr meine eigene Anſicht beizu⸗ bringen geſucht, nämlich, daß die diplomatiſche Feinheit weniger in der Menge der Worte als in der glücklichen Wahl derſelben liege; aber die arme Kleine iſt noch eine ſolche Anfängerin, daß ſie erſt ein einziges kann.“ Virginie erröthete tief bei dieſem kleinen, aber viel⸗ leicht nicht ſo ganz bedeutungsloſen Scherze, und jetzt X 318 erſt ſah ſie ein, daß ſte ihren Namen von dem Papagei wohl nicht gehört haben würde, wenn er ihm nicht unzählige Male von dem Grafen wiederholt und eingelernt worden wäre. Ein paar Tage darauf langte der erſte unbeſchreib⸗ lich erſehnte Brief von Richard an, aus dem wir einige Auszüge mittheilen: „Wir ſind in Berlin, meine geliebte Mutter; er⸗ warte aber keine Beſchreibungen über meine Eindrücke, denn ich habe keine erhalten. Ich habe oft ſagen hören, daß Reiſen ein krankes Gemüth heilen und ihm ſeine Spannkraft wiedergeben.„Reiſet, reiſet,“ ruft man:„die Veränderung des Orts, der Umgebung, der Luft wird Wunderwerke thun!“ Wie das auf Andere einwirkt, weiß ich nicht, um aber auf mich Einfluß zu haben, müßte es auch meine ganze Seele, meine Gefühle verändern, kurz mir ein neues Leben geben können, woran das Ge⸗ dächtniß keinen Antheil haben dürfte. Das vermag aber keine Reiſe, keine Luftveränderung; darum ſehe ich auch nichts, was ich ſehen muß, ſo wie ich es unter andern Umſtänden geſehen haben würde. Alle Gegenſtände haben nur eine Farbe für mich: alles iſt grau, Alles einerlei. Ich ſehne mich fort von einem Punkte zum andern, und wenn ich ihn erreicht habe, ſo finde ich weder Begierde noch Sehnſucht in mir.————————= Hier bekamen Richards Ideen einen finſterern Anſtrich. Wie trauernde Schwäne ſchwebten die Gedanken über den Strom der Vergangenheit, bis er ſchnell, wie aus einer bewußtloſen Ohnmacht erwacht, auf einmal abbrach: „Glaube nicht, theuerſte Mutter, daß in mir eine neue Auflage vom Werther erſcheine! Nein, weit, him⸗ melweit entfernt davon! Es mag zwar langſam gehen, aber ich werde doch einmal mich ſelbſt wieder finden. Ich will hinaus aus dieſem Schattenkreis, der meine Kraſt verweichlicht und mich zu einem jämmerlichen Träͤumer macht; ich will zurück in mein ſchönes, warmes Leben, wo ich ſo wohl gedieh und wo mir Alles ſo theuer war. Du friſcher Muth, fröhlicher Begleiter meiner Kindheit, meines Jün mal werden „Mein des Kumme und ſage:, ſich ſelbſt er ich wieder L ich wieder g da, und he Mama, kor nicht länger freundliche 2 gehorche, n da ſitzen wir und eine Se der weiten unſrige? Di Neue durchle heiter und de „Für un als daß er hi ſchaft gemacht von der Gem gen wir ſo ſe geſſen zu habe holm oder Pr ſogar Marie g Folge der neu⸗ „Mama zu Stande g Malchus nothe dig ſein muß, lehrer hier in lebhaft an ſeit ſich ganz in di verſetzt denkt, d fangen will. 3 pagei wohl hlige Male den wäre. inbeſchreib⸗ wir einige tutter; er⸗ Eindrücke, agen hören, ihm ſeine man:„die Luft wird mwirkt, weiß ben, müßte verändern, an das Ge⸗ vermag aber ehe ich auch enter andern ſtände haben es einerlei. ndern, und der Begierde ken über den wie aus einer bbrach: in mir eine , weit, him⸗ ngſam gehen, finden. Ich meine Kraſt o theuer war. iner Kindheit, 319 meines Jünglingalters, kehre um und laß mich noch ein⸗ mal werden, was ich war! „Meine gute, zärtliche Mutter, ich ſehe eine Thräne des Kummers in Deinem Auge, aber ich küſſe ſie weg und ſage:„Traure nicht um mich!“ Wenn der Schmerz ſich ſelbſt erſchöpft hat, komme ich zurück; dann pflanze ich wieder Blumen in unſern kleinen Beeten, dann ſtehe ich wieder geſund, ſtark und voll Lebensluſt wie ehemals da, und hanthiere mit meinem Spaten, und Du, gute Mama, kommſt heraus und ermahnſt mich freundlich, nicht länger draußen zu bleiben in der Abendkühle. Der freundliche Mutterkuß ſchwebt über meiner Stirne; ich gehorche, werfe wieder den Rock um, gehe hinein, und da ſitzen wir nun, der glücklichſte Familienkreis, ein Herz und eine Seele, ein Glaube, eine Hoffnung! Was in der weiten Welt geht über ein Familienleben wie das unſrige? Dieſes Leben, dieſen Frieden werde ich auf's Neue durchleben. Lächle daher, geliebte Mama! Sey heiter und denke, daß Alles wohl endigen wird! „Für unſern lieben Klas fürchte ich nichts Anderes, als daß er hier feſtwachſen werde. Er hat eine Bekannt⸗ ſchaft gemacht, die ihn ſo ganz einnimmt, daß keine Spur von der Gemüthsunruhe mehr vorhanden iſt, deren Fol⸗ gen wir ſo ſehr fürchteten. Er ſcheint vollkommen ver⸗ geſſen zu haben, daß es je einmal etwas wie Tyrings⸗ holm oder Prozeſſe gab; ja, Gott allein weiß, ob nicht ſogar Marie ein wenig verdunkelt iſt, und das Alles in Folge der neuen Bekanntſchaft. „Mama fragt mit billiger Verwunderung, wer das zu Stande gebracht hat? Nun, eine Perſon, die Klas Malchus nothwendig unausſprechlich theuer und ehrwür⸗ dig ſein muß, nämlich ein alter gelehrter Univerſitäts⸗ lehrer hier in Berlin. Dieſer Mann erinnert Klas ſo lebhaft an ſeinen gelehrten Freund in Upſala, daß er ſich ganz in die liebe, tief betrauerte Studentenzeit zurück verſetzt denkt, die er auch wie ich glaube, hier wieder an⸗ fangen will. Wir haben uns ein Paar Zimmer gemiethet — 320 wovon Klas das Eine in ausſchließlichen Beſitz genom⸗ men hat; und dieſes hat ſchon ein ſo unverkennbares Gepräge von einer ächten Studentenſtube, daß man ſchwerlich auf den Gedanken kommen kann, ein Reiſender habe ſich hier niedergelaſſen. In dieſem Zimmer, das keinen ſonderlichen Ueberfluß an Licht und Raum hat, ſitzt Klas Malchus mit ſeinem guten Freunde, dem Da⸗ zenten, der ihm herzlich und bereitwillig ſeine Schätze er⸗ öffnet. Wenn man dabei Klas immer belebtere Züge betrachtet, ſo ſieht man leicht ein, daß der höchſte Genuß und der weſentlichſte Endzweck ſeines Lebens in gelehrten Forſchungen beſieht. Nicht ſelten vertiefen ſich Wirth und Gaſt in Dispute; aber nach jedem wird ihr Wr⸗ hältniß nur noch inniger. alten Dozenten, deſſen freundliche Hausfrau mich an meine gute Mutter erinnert. Ich empfinde eine Art Wohlhe⸗ hagen, wenn ich mich mit der heitern, liebenswürdige Matrone unterhalte, während Klas Malchus und unſer Wirth Ausflüge in Regionen machen, wohin mein Wiſſ nicht reicht und wohin ich mich auch nicht ſehne. Uebr⸗ gens iſt er ein origineller Mann, der alte Herr, und wem er ſich, was nicht ſelten geſchieht, in Beſchreibungen ran der Univerſität und ihren verſchiedenen Profeſſoren ein läßt, ſo macht er auch mir ein Vergnügen, denn a beſitzt eine eigene und klare Art ſeine Gedanken vorzutragen Geſtern fragte ich Klas, ob wir nicht bald an ein Fortſetzung der Reiſe denken ſollten.„Keineswegs!“ wn ſeine Antwort.„Ich habe die Vorleſungen der Profeſte ren G—, H— und T= noch nicht gehört. Ich kan mich nicht von hier trennen, Richard, und habe mit ſeit meiner Upſalazeit nicht ſo behaglich gefühlt! „Aber ich gedeihe nicht, Klas!“ „So reiſe denn,“ ſagte er,„reiſe in Gottesnama und fürchte nichts weiter für mich! Ich din ſo gluͤcklit und zufrieden, als ich nur werden kann.“ Manchmal trinken wir Abends unſern Thee bei dem „Und ie gar Marien „Nein, über nach, ſt Zimmer und bequem wohn Dummheiten für Mariens arme Mutter meinen Plan auch erſcheint bis auf Weit Wie we wird, weiß Wir trennen fort. Klas nem rechten einer unendlis mag er jetzt tenden Florh mit den kleine mit meinen ei Ich hatte macht es mir ſchweſterlich ſ ſorge fand e gleich einen 2 Zartgefühls. um ſo ſicherer meines Entſch. Fälle Dein wi Eine ſolc hätte, konnte deſto weniger frieden, denn ihre Bequemlic Das Fideicomn Beſitz genom⸗ nverkennbares 2, daß man ein Reiſender Zimmer, das d Raum hat, nde, dem Deo⸗ ne Schätze er⸗ delebtere Züge höchſte Genuß s in gelehrten ein ſich Wirth wird ihr Wer⸗ 1 Thee bei dem mich an meine Art Wohlöe⸗ liebenswürdig chus und unſer in mein Wiſſe ſehne. Uebri⸗ Herr, und wem ſchreibungen den Profeſſoren ei⸗ üigen, denn e ken vorzutrage. ht bald an ein ineswegs!“ wn i der Profeſſe hört. Ich kan und habe mit ſfühlt!” n Gottesnamen din ſo glückli 321 „Und ich glaube, Du vergißt über dieſem Glück ſo⸗ gar Marien?“— „Nein, das kann nie geſchehen! Eher denke ich dar⸗ über nach, ſie hieher zu bringen. Hier in dieſem kleinen Zimmer und dem, welches Du verläßt, können wir recht bequem wohnen, ohne von anderer Leute Geſchwätz und Dummheiten beläſtigt zu werden, ich bin gewiß, daß es für Mariens Wohl mehr als genug wäre; aber meine arme Mutter hat auch ihre Anſprüche, und ich werde meinen Plan wohl aufopfern müſſen, ſo ſchön er mir auch erſcheint. Aber das ſag' ich Dir, Richard, daß ich bis auf Weiteres hier bleiben will!“ Wie weit ſich dieſes„bis auf Weiteres“ erſtrecken wird, weiß Gott allein; ich kann nicht darauf warten. Wir trennen uns alſo, und ich ſetze meine Reiſe allein fort. Klas wird mich nicht vermiſſen; er iſt jetzt in ſei⸗ nem rechten Element, und der ſchwarze Haarſchopf hat zu einer unendlichen Länge wachſen dürfen. Aber meinethalb mag er jetzt immerhin ſeine Geſellſchaft, ſeinen beſchat⸗ tenden Flor haben. Meine heitere Laune ſpielt nicht mehr mit den kleinen Schwachheiten Anderer; ich habe genug mit meinen eigenen zu ſchaffen, die nicht klein ſind. Ich hatte nicht von Iſabellen ſprechen wollen; doch macht es mir eine Freude auch zu ſagen, wie edel und ſchweſterlich ſie gegen Klas handelt. Durch ihre Vor⸗ ſorge fand er hier einen bedeutenden Wechſel, und zu⸗ gleich einen Brief voll der innigſten Liebe, des edelſten Zartgefühls.„Du kannſt,“ ſchrieb ſie,„mein Vermögen um ſo ſicherer wie Dein eigenes anſehen, als es zufolge meines Entſchluſſes, mich nie zu perheirathen, auf alle Fälle Dein wird.“ . Eine ſolche Nachricht, die manchen Bruder erheitert hätte, konnte natürlich Klas nicht freuen; aber nichts deſto weniger war er mit der Geldſendung höchlich zu⸗ frieden, denn ſo wenig er auch für ſeine Perſon und ihre Bequemlichkeit braucht, wird er doch ſchnell damit Das Fideicommiß. II. 21 322 fertig. Dieß iſt auch hier der Fall. Mit ſeinem gelehr⸗ ten Freunde machte er beinahe täglich eine Runde durch die Buchladen, und ſeine Bücherſammlung iſt ſchon ſo groß, daß ſie ihm Geſchäfte genug machen wird, bis er ſie von hier fortbringt. Iſabelle iſt in Kopenhagen, wie ich aus dem Briefe erſah. Mein Reiſeziel iſt jetzt die Schweiz. Ich ſehue mich nach dem Anblick der Alpen, und hoffe dort Kuͤhle genug zu finden, um das heißeſte Blut zu verdünnen. Die Majorin ſchlief nicht viel bei der Nacht, welche auf dieſen Brief folgte. Der mütterliche Blick fand bei Richard zwar ein Bemühen, ruhig zu erſcheinen; daß aber dieſe Ruhe nur erkünſtelt war, ließ ſich leicht er⸗ kennen. Doch war ſelbſt dieſes Bemühen ein großer Troſt für ihr Herz, denn es bewies, daß er ſeine Seele nicht widerſtandslos der mächtigen Gewalt der Leiden⸗ ſchaften überließ. Er wollte doch in ſein fruͤheres gluck⸗ liches Leben zurück; und wo ein ernſter Wille iſt, da findet ſich wohl auch die Kraft ihn auszuführen. Mit dieſem einfachen, obwohl nicht ganz zuverläſſigen, Troſte beruhigte ſich die gute Majorin; und wenn auch manche Thräne ihr Kopfkiſſen befeuchtete, nachdem ſich der Ma⸗ jor ſchon mit einem:„O er wird bald wieder ſeyn, wie ein Mann ſeyn ſoll!“ gegen die Wand gekehrt hatie und eingeſchlafen war, ſo fuͤhlte ſie doch unter dem freund⸗ lichen Einfluſſe des Gebetes, wie ſich die Nebel verthel⸗ ten, und das Licht an ihre Stelle trat. Ganz unmeri⸗ lich wendeten ſich die Gedanken allmählig von ihren Lieblinge Richard nach der einzigen theuren Tochter; und nachdem ſie den letzten Beſuch in Svärdſö genau über⸗ dacht hatte, kam die Zukunft an die Reihe. Die Bilder denen ſie begegnete, ſchienen heiter und in Feſtfarben ge⸗ kleidet zu ſeyn, und ſo ſehr war die Majorin von all dieſen Dingen in Anſpruch genommen, daß es ſchon ſon⸗ nenhell im die emſigen mer gönnten Fräulei Spiel mit i biſt, Du klei und ſey nich Ich gle Mutter, die Nacht hatter erzeugt, gew zu fühlen; wenn man n zur Sprache geweſen mit „Ich gl Majorin, di erſah, um da „Ja,“ ſchreiblich viel „Und wie war keine Klo Zeit einübte.“ „Das we „Recht h Phraſe gebra denn nicht we „Freundſe beſſer klinge. mein kleiner j ich ihn das V dann ſelbſt ſag mich ſchon im — Freſſen!“ Die Maj Das war doch nem gelehr⸗ Kunde durch iſt ſchon ſo vird, bis er dem Briefe Ich ſehne e dort Küuhle i verdünnen. tacht, welche lick fand bei ſcheinen; daß ich leicht er⸗ mein großer r ſeine Seele der Leiden⸗ ruͤheres glück⸗ Pille iſt, da führen. Mi ſigen, Troſte auch manche ſich der Ma⸗ wieder ſenu, gekehrt hatte er dem freund⸗ Nebel vertheil⸗ Hanz unmeri⸗ g von ihrem Tochter; und genau über⸗ Die Bilder, Feſtfarben ge⸗ jorin von all es ſchon ſon⸗ 323 nenhell im Zimmer wie im Mutterherzen war, als ſich die emſigen Gedanken endlich einen kleinen Morgenſchlum⸗ mer gönnten. Fräulein Virginie ſtand im Saale, und trieb ihr Spiel mit ihrem Gefangenen im Käfig.„Wie lieb Du biſt, Du kleiner hoffärtiger Burſche! Aber nimm hübſch und ſey nicht ſo ungnädig!““ Ich glaube, Du magſt ihn ſchon recht? ſagte die Mutter, die eben hereinkam. Die Betrachtungen der Nacht hatten eine unwiderſtehliche Luſt in der Majorin erzeugt, gewiſſen Gegenſtänden ein wenig auf den Zahn zu fühlen; denn es war für alle möglichen Fälle gut, wenn man wußte, woran man war, falls etwas Gewiſſes zur Sprache käme. Das war das letzte Mal zu dumm geweſen mit dem Kammerherrn! „Ich glaube, Du magſt ihn ſchon recht?“ ſagte die Majorin, die in dem Papagei einen glücklichen Vorwand erſah, um das gewünſchte Kapitel zu eröffuen. „Ja,“ erwiederte Virginie,„er macht mir unbe⸗ ſchreiblich viel Spaß!“ „Und wie rein er Deinen Namen ausſpricht! Das war keine Kleinigkeit für Den, der ihn ihm in ſo kurzer Zeit einübte.“ „Das war wirklich recht hübſch von dem Grafen!“ 8„Recht hübſch? Wie magſt Du eine ſo abgenützte Phraſe gebrauchen, mein Virginchen? Findeſt Du es denn nicht weiter als recht hübſch?“ „Freundſchaftlich alſo, wenn Mama meint, daß das beſſer klinge. Aber das glaub' ich durchaus nicht, daß mein kleiner ſchöner Gei ſo ſchwer lernt. Jetzt werde ich ihn das Wort Freſſen ſagen lernen. Er kann mir dann ſelbſt ſagen, wenn er Hunger hat; und ich freue mich ſchon im Geiſte bis ich ihn rufen höre: Virginie — Freſſen!“ Die Majorin erröthete beinahe für ihre Tochter. Das war doch gar zu einfältig, ſelbſt für ein Mädchen 21* — 324 vom Lande.„Meine liebe Virginie,“ ſagte die Mutter, und ſah gerade aus, als ob ſie ſich bemühte, eine gewiſſe ihm anfangs Verwunderung durchſcheinen zu laſſen,„ich hoffe, Du be⸗ ſich doch na greifſt, daß es ſich keineswegs ſchickt, das Wort„Freſſen“ ſähe. Ich! gleichſam in Zuſammenhang mit dem zu ſetzen, was der die geringſte Graf Deinem Günſtling gelernt hat!“ fühlen zu kü Jetzt war die Reihe des Verwundertſcheinens an Vir⸗ heren Umgaꝛ ginien.„Wie ſo, Mama?“ men, ſeinen Dieſes„Wie ſo?“ verlangte eine Erklärung, die nach Svärtſt nicht ganz leicht zu geben warz aber die Majorin fand immer unſer ſich immer zurecht. Vertraulichke „Wenn,“ ſagte ſie, einiges Gewicht auf die Worte meiden ſuche legend,„ein Herr den Namen eines Mädchens ſo oft auf„Aber, ſeine Lippen nimmt, dann kann.... Kopf ſinnen „Dann kann man ſicher ſeyn,“ unterbrach ſie Vir⸗ aber wäre d ginie ſchelmiſch,„daß er ihn gewiß nicht im Herzen trägt; niemals dure denn das, wovon das Herz voll iſt, fließt nicht über die zu der Verm Lippen.“ daß das vorl „Nein, das muß ich ſagen ,“ rief die Majorin mit„Mein großen Augen,„das Fräulein ſpielt ein wenig Komüdie neuen Frage mit ihrer Mutter! Aber Scherz bei Seite, das, wovon über dieſen) das Herz voll iſt, kann allerdings, wenn man allein iſ, geſagt haſt, ſich auch einen Weg zu den Lippen ſuchen. Graf M= haſt?“ iſt unläugbar ein Mann von großem Verdienſt; aber„Liebe 2 bedenke einmal, wenn er fände, daß auch Du, Vergin⸗ theilen,“ ern chen, einige kleinen Verdienſte beſäßeſt, was würdeſt Du ſtimmtheit,„ dazu ſagen?“ ‚RKeines! „Ich würde ſagen, daß Mamo ſehr artig wäre, wenn Lächeln.„N ſie keine ſolchen Fragen an mich machen würde!“ ant⸗ ihren Gang! wortete Virginie, indem ſie die Arme um den Hals der CErröthen Mutter ſchlang und ſie herzlich küßte. die Mutter al „Nein, ſo darfſt Du mir nicht entſchlüpfen, Wr⸗ ihre häusliche ginchen! Dieß iſt ein zu wichtiges Kapitel, als daß es wußte wohl, ſcherzhaft behandelt werden dürfte!“ Und ſtatt weiter nach⸗ mütterliche Fr zuforſchen, hielt es die Majorin für beſſer, ganz offen war die Maje zu ſprechen.„Ich möchte um Alles in der Welt nicht⸗ ſich ſo gut au 1 6 Graf M— die Art Zeiſe, wie wir wobei ſich ſagte ſie,„daß Graf M— die Art und Weiſe, wi hätte ſiß. a die Mutter, eine gewiſſe ffe, Du be⸗ rt„Freſſen“ n, was der hens an Vir⸗ lärung, die Najorin fand if die Worte 1s ſo oft auf rach ſie Vir⸗ Herzen traͤgt; nicht über die Majorin mit ſenig Komüdie das, wovon an allein iſt, Graf M- rdienſt; aber Du, Vergin⸗ g würdeſt Du g wäre, wenn würde!“ ant⸗ den Hals der hlüpfen, Vi⸗ als daß es at weiter nach⸗ ur, ganz offen —r Welt nicht, Zeiſe, wie wir 325 ihm anfangs begegneten für Aufmunterung nähme, und ſich doch nachher bei einer näheren Erklärung getäuſcht ſähe. Ich bin daher der Anſicht, daß, wenn Du nicht die geringſte Neigung für ihn fühlſt oder ſpäter eine ſolche fühlen zu können glaubſt, wir ſeinem Wunſche eines nä⸗ heren Umgangs nicht mehr ſo vertraulich entgegenkom⸗ men, ſeinen Vorſchlägen zu den immerwährenden Reiſen nach Svärtſö nebſt vielen andern derartigen Dingen nicht immer unſere Zuſtimmung ſchenken dürfen, ſondern dieſe Vertraulichkeit auf eine edle und artige Manier zu ver⸗ meiden ſuchen müſſen.“ „Aber, Mamachen,“ fragte Virginie und ſtützte den Kopf ſinnend auf die Hand,„verzeihe mir, daß ich ſo ſage, aber wäre das nicht ein wenig lächerlich, da Graf M— niemals durch etwas Anderes als dieſe kleine Artigkeiten zu der Vermuthung Veranlaſſung gegeben hat, daß... daß das vorhanden ſey, was Mama meint?“ „Mein Virginchen, das heißt eigentlich mit einer neuen Frage antworten, allein ich will der Erklärung über dieſen Punkt nicht ausweichen, wenn Du mir zuerſt geſagt haſt, was Du mir über den andern mitzutheilen haſt?“ „Liebe Mama, ich habe kein Wort darüber mitzu⸗ theilen,“ erwiederte Virginie mit ungewöhnlicher Be⸗ ſtimmtheit,„kein Wort!“ „Keines?“ verſetzte die Majorin mit einem feinen Lächeln.„Nun, in dieſem Falle werden wir der Sache ihren Gang laſſen!“ Erröthend wandte ſich Virginie gegen das Käfig; die Mutter aber ging, von heitern Ahnungen beſeelt, an ihre häuslichen Geſchäfte. Die kluge, erfahrene Frau wußte wohl, woran man iſt, wenn die Töchter auf ſo mütterliche Fragen„nichts“ antworten wollen. Indeſſen war die Majorin vergnügt darüber, daß ihre Virginie ſich ſo gut aus dieſer Verlegenheit herausgearbeitet hatte, wobei ſich manches andere Mädchen gewiß verrathen hätte. Wie nun auch die Sache enden mochte, ſo konnte 326 man ſich keine Ahnung darüber erlauben, in wie fern ihre Gefühle dabei intereſſirt geweſen waren oder nicht. Während Graf M-— ſeine Beſuche in aller Ruhe fortſetzte, nahte allmählig die Zeit der Rückkehr der Ba⸗ ronin und Iſabellens heran; und die Majorin, die der Meinung war, daß eine beinahe zwei Monate lang fort⸗ geſetzte Huldigung, da die betreffenden Perſonen einander ſchon vorher gekannt hatten, hinreichend ſeyn dürſte, um Beider Urtheil zu befeſtigen, fühlte ſich nachgerade über dieſe Verzögerung beunruhigt. Nicht daß ſie fürch⸗ tete, die Liebe des Grafen für Iſabellen möchte aufs Neue aufflammen; aber nach Iſabellens Rückkehr mußte Virginie beinahe immer in Tyringsholm ſeyn, und dort unter den Augen ſeiner früheren Geliebten konnte der Graf ſeine Werbung doch nicht wohl mit Vortheil weiter betreiben. Während ſich die Majorin ihre Gedanken machte, that dieß der Graf gewiß auch, und es mag jetzt in der Ordnung ſeyn, davon nähere Kenntniß zu nehmen. In der erſten Zeit nach der von Iſabellen erhaltenen abſchlägigen Antwort fühlte er ſich gekränkt und nieder⸗ geſchlagen; und da es eben ſo unangenehm als mißlich geweſen wäre, unter dieſen Verhältniſſen den Umgang im Hauſe des Oberſten fortzuſetzen, verließ der Graf lieber auf einige Monate ſein angenehmes Svärdſö. Wäͤre e6 indeſſen zu dieſer Zeit nicht mit ſeiner öffentlichen Lauf⸗ bahn ausgegangen, ſo würde der Ehrgeiz wahrſcheinlich ſeine Gefühle vernichtet haben; mit jener Lauſbahn ſtand es aber jetzt ſo, daß der Graf nicht, ohne ſein zartes Ehr⸗ gefühl zu verletzen, wieder darin eintreten konnte. An Reiſen hatte er keine Freude. Er war ſeiner Zeit ſo viel gereist, daß der bloße Gedanke ihn in Angſt verſetzte, all' den„Komfort,“ den er beſaß und ſo ſehr liebte, ver⸗ laſſen zu müſſen, um ihn gegen die Mühe und Beſchwer⸗ lichkeiten zu vertauſchen, welche auch die möglichſte be⸗ queme„große Tour“ mit ſich bringen mußte. Dazu kam das nun einmal angewöhnte und angt⸗ nehme Lu liebenswü reitung ſ ſchien, ger und Mißg das Land, abſichtige, lich der er nicht der Lebenspla⸗ zum Heire thun; und Heimath; Am aber da ſi die Sache gelang ih gut, daß Iſabelle m umgaben- doch die ſe ſcheinlich n Es iſt Phlegma it rend in der ehe der Gr entſchieden; liebliches B M- bereu Anfang an hatte, wo e hätte erſpar Die ſt holm ereigr halt in der erfahren ha ſey, richtete in wie fern oder nicht. n aller Ruhe kkehr der Ba⸗ orin, die der ate lang fort⸗ onen einander ſeyn dürfte, ch nachgerade daß ſie fürch⸗ möchte aufs kückkehr mußte eyn, und dort en konnte der Vortheil weiter anken machte, ag jetzt in der nehmen. llen erhaltenen kt und nieder⸗ Im als mißlich n Umgang im er Graf lieber bſö. Wäre es entlichen Lauf⸗ wahrſcheinlich Lauſbahn ſtand in zartes Ehr⸗ n konnte. An er Zeit ſo viel Angſt verſetzte hr liebte, ver⸗ und Beſchwer⸗ möglichſte be⸗ ſte. te und ange⸗ nehme Luftſchloß einer Heimath und eines jungen, ſchönen, liebenswürdigen Weibes, welche ſich darin mit der Be⸗ reitung ſeines Wohlſeyn beſchäftigte, ein, wie es ihm ſchien, gerechter Lohn für die unter vielfältigen Mühen und Mißgeſchicken verfloſſenen Jahre, und ohne welchen das Land, wo er ſich für die Zukunft niederzulaſſen be⸗ abſichtige, gar zu einförmig ſeyn würde. Nun war frei⸗ lich der erſte Verſuch mißlungen; aber Graf M— war nicht der Mann, der wegen eines Unfalls einen ganzen Lebensplan bei Seite legte. Früher hatte er keine Zeit zum Heirathen gehabt; jetzt hatte er nichts Anderes zu thun; und er mußte heirathen, um Gedeihen in ſeiner Heimath zu finden. Am liebſten hätte er die ſchöne Iſabelle heimgeführt; aber da ſich dieß nicht thun ließ, fing er allmählig an, die Sache von einer lichteren Seite anzuſehen, und dieß gelang ihm nun bei ſeiner Rückkehr nach Svärdſö ſo gut, daß der Graf ſich vollkommen überzeugt fühlte, Iſabelle mit all' dem Glanz und all' den Reizen, die ſie umgaben— ja trotz ihrer vollkommenen Eleganz, was doch die ſchwache Seite des Grafen war— würde wahr⸗ ſcheinlich nicht recht zu einer Frau gepaßt haben. Es iſt ein verwünſchtes Ding, ſein fünfzigjähriges Phlegma in der einen Waagſchale ruhen zu ſehen, wäh⸗ rend in der andern eine unerwiederte Liebe liegt. Schon ehe der Graf zurückkehrte, war die neue Wahl ziemlich entſchieden; denn die Erinnerung zeichnete ihm ein ſehr liebliches Bild, deſſen Werth er wohl kannte, und Graf M- bereute faſt nichts ſo ſehr, als daß er nicht von Anfang an ſeine Gedanken nach dieſer Richtung gewendet hatte, wo er ſich wahrſcheinlich eine abſchlägige Antwort hätte erſparen können. Die ſtörenden Begebenheiten, die ſich in Tyrings⸗ holm ereigneten, veranlaßten ihn jedoch, ſeinen Aufent⸗ halt in der Hauptſtadt zu verlängern; aber ſobald er erfahren hatte, daß wieder eine gewiſſe Ruhe eingetreten ſey, richtete er ſogleich ſeinen Lauf nach Svärdſö, wo 328 er unter andern Neuigkeiten auch die traf, daß das Fräu⸗ lein von Tjällſtorp einen vornehmen und reichen Freier 1 gehabt habe, der einen Korb bekommen. Dieß war etwas, was die ſonſt ziemlich ruhigen Gefühle des Grafen 3 für Virginie bedeutend ſteigerte.„Bedenke, wenn man ſie Dir ſchon weggeſchnappt hätte!“ Dann wäre es wahrhaftig ſehr die Frage geweſen, auf wen die Wahl des Grafen zunächſt gefallen wäre. Und dann gefiel es ihm über die Maßen, daß Virginie nicht gleich bereit geweſen war, den erſten Beſten zu nehmen. Vielleicht hätte ſie hierin jedoch anders gedacht, wenn ſeine eigene Werbung vor der des Kammerherrn gekommen wäre. Das Reſultat dieſer ganzen Berechnung war jetzt, daß der Graf von ſeinem erſten Beſuche an in ſeinem Benehmen gegen das Fräulein eine Aufmerkſamkeit und eine Galanterie legte, die verbunden mit einer gewiſſen herzlichen Offenheit, wie er meinte, ſeine Abſichten ver⸗ ſtändlich machen mußte. Gleichwohl wollte er, ehe er den entſcheidenden Schritt that, die Gewißheit haben, daß er reuſſiren würde; und im Laufe all' der kleinen Ver⸗ ſuche, die er zu dem Ende anſtellte, geſchah es allmählig, daß ſeine Gefühle einen Grad von Lebendigkeit erhielten, die das weit überſtieg, was er vordem für Jſabelle empfunden hatte. Das war auch ganz natürlich, wenn er, was oft der Fall war, Virginiens herzlich gutes We⸗ ſen, ihr einfaches, angenehmes Benehmen im Umgang, das nie auf irgend Etwas Anſpruch machte, mit Iſabel⸗ lens ſtolzer Sicherheit und ihrem freien ſelbſtſtändigen Tone verglich, unläugbar Eigenſchaften, die für eine Frau nicht ſo gut paſſen wie jene. Er hatte auch Gelegenheit, noch einen andern Ver⸗ gleich anzuſtellen, der von der größten Wichtigkeit war, da er ihn ſelbſt betraf. Er hatte nämlich immer, auch wenn er ganz bezaubert geweſen war, in Iſabellens Nähe eine gewiſſe unruhige Beängſtigung gefühlt, die ſeiner Liebe eher den Anſtrich der Ehrerbietung als des warmen Opfers des Herzens gab. Es war etwas ſo Großartiges und Vol daß er w lich im o pathie zu ganz and einen Rei chen. Er „Möchte verwandel dieſe Vere Beſchaffen würde er haben: je Wen von gewuß gebraucht; ruhe gepla 4 4 Die k „Weiß rend ſie ſeh kämpfte,„u Nachbar vo reren Tagen „Wohl ſoll? Ich h „Ich n gen Beſuch „Nein, nur von Hö mit Fuhren mit unſerm aß das Fräu⸗ eichen Freier Dieß war le des Grafen wenn man nn wäre es n die Wahl un gefiel es gleich bereit n. Vielleicht ſeine eigene en wäre. g war jetzt, an in ſeinem rkſamkeit und iner gewiſſen Abſichten ver⸗ e er, ehe er it haben, daß kleinen Ver⸗ es allmählig, keit erhielten, für Iſabelle türlich, wenn ch gutes We⸗ im Umgang, „mit Iſabel⸗ ſelbſtſtändigen die für eine andern Ver⸗ ichtigkeit war, immer, auch abellens Nähe t, die ſeiner s des warmen o Großartiges und Vollendetes in Iſabellen, etwas ſo daß er während der Periode ſeines en ſde Magwerſſches lich im Stande war, den vollkommenen Mangel an Syrä⸗ pathie zu bemerken, der zwiſchen ihnen herrſchte. Wie ganz anders war es jetzt! Bei Virginien empfand er einen Reiz, ein Wohlſeyn, eine Zufriedenheit ohne Glei⸗ chen. Er war in ihrer Nähe ſo glücklich, daß der Wunſch: „Möchte ich ſie gewinnen!“ bald ſich in den vielſa endhn verwandelte:„Möchte ich ihre Liebe gewinnen 19s Und dieſe Veränderung in den Worten beweist am beſten die Beſchaffenheit ſeiner Gefühle. Als er um Iſabellen warb würde er ſich auch mit der ruhigſten Zuneigung begnü t haben: jetzt wollte er geliebt ſeyn. T Wenn die gute Majorin nur einen kleinen Theil da⸗ vun derßt Vtte ſe bilte ſie ſich nicht zu beunruhigen gebraucht; aber Mütter ſind oft von einer derarti bußr geula ft von einer derartigen Un⸗ —— Dreiundzwanzigſtes Kapitel. 5 Die kleine Familie von Tjällſtor ß bei Ti kl jällſtorp ſaß bei Tiſche. „Weißt Du, mein Lieber,“ ſagte die Weetdiſ wah⸗ rend ſie ſehr lebhaft mit einer ziemlich zähen Rindsbruſt kiͤmpfte⸗ weißt Du, daß ich beſtimmt glaube, daß unſer Nachbar von Svärdſö krank ſeyn muß, da wir ſeit meh⸗ reren Tagen nichts von ihm gehört haben?"47 „Moh möglich, eerwiederte der Major. „Wohl möglich! Du biſt auch gar zu gleichgültig! Lohl mög t a zu gleichgültig!“ 4„'Gleichgültig— was willſt Du denn, da 99 aiden ſoll? 2 habe den Mund voll heißer Erbſen. Ich meine, Du könnteſt ihm einmal einen freiwilli⸗ gen Veſunh machen und nach ihm ſehen.“ ſwiwili⸗ „Nein, wahrhaftig, mein Ebbchen! wie magſt D . n⸗ wahrhaſtig 1 ¹ L 1 nur von Höflichkeitsbeſuchen ſprechen, da die Pferde ſo mit Fuhren überhäuft ſind? Es hat auch gar keine Noth mit unſerm liebwerthen Grafen; ich erinnere mich jetzt, daß ich vorgeſtern von dem Verwalter von Tyringsholm hörte, er habe M— auf dem Wege nach der Stadt be⸗ gegnet.“ „Du biſt doch zu böſe,“ ſagte die Majorin, ein we⸗ nig Lcheltend, aber immer mit lächelndem Munde,„daß es Dir nie einfällt, von etwas zu ſprechen, wenn Du nicht zufällig daran erinnert wirſt. Wahrhaſtig, mein Lieber, Du wirſt mit jedem Jahre fauler!“ „Die Sache war ja auch nicht ſonderlich wichtig!“ meinte der Major, über den Verdruß ſeiner Frau lachend. „Oder was ſagſt Du dazu, Virginie, hältſt Du es fuͤr ſo außerordentlich wichtig, zu wiſſen, ob der Graf zufäl⸗ ligerweiſe fort iſt oder nicht?“ „Nein, das iſt nicht ſehr wichtig! Aber es iſt doch ſo, wie Mama ſagt: Papa erzählt uns nie etwas Neues, wenn er etwas außer dem Hauſe erfährt.“ „Pardon, meine Damen— einer gegen zwei, das iſt ungleich! Bedenkt übrigens, wenn ich Euch durch eine ächte Neuigkeit, eine Neugkeit erſter Klaſſe verſöhnen könnte?“ „Ja, das wäre etwas! Auf dieſe Art kann Papa an uns die glänzendſte Rache wegen unſerer Anklage nehmen.“ Die Majorin ſagte nichts, aber ihr Geſicht hatte eine gewaltige Aehnlichkeit mit einem Fragezeichen. „Die Sache betrifft eben den Grafen von Svärdſö!“ ſagte der Major, und bemühte ſich, durch die Annahme einer ſehr wichtigen Miene die Neugierde der Damen zu ſteigern. „Den Grafen?“ wiederholten Beide auf einmal. „Ja, eben den; da es mir aber nie einfällt, etwas zu erzählen, und da ich von Jahr zu Jahr immer fauler werde, ſo kann ich ja meine Neuigkeit recht wohl auf eine andere Gelegenheit aufſparen!“ „Nimm es nicht übel, mein lieber Alter!“ ſiel die Majorin ein.„Ich ſehe, daß Du etwas Erfreuliches er⸗ fahren haſt.“. „Davr kann's neh ſehe die S ohne einen dern in der will.“ „Du Sollte ihm worden ſey laſſen?“ „O n keinen Poſ ſolchen mö Und nun Taſche, un daß Graf worden ſey „Hofn jorin mit kund gab. „Mir vor!“ ſagte ſeyn, wenn ſollen!“ „Woh freut mich! Freund von koſtet, ohne wünſche von wo die Mo abzuſchaffen, als den Nei welche thöri herumzuzank „Mein „Du haſt die Titel un jringsholm Stadt be⸗ a, ein we⸗ unde,„daß wenn Du ſtig, mein wichtig!“ rau lachend. Du es für Graf zufäl⸗ es iſt doch was Neues, zwei, das h durch eine e verſöhnen kann Papa rer Anklage t hatte eine in Svärdſö!“ die Annahme er Damen zu f einmal. nfällt, etwas immer fauler wohl auf eine er!“ fiel die rfreuliches er⸗ 331 „Davon weiß ich, meiner Seel', nichts; denn man kann's nehmen, wie man will. Ich für meine Perſon ſehe die Sache für eine Art Zuckerkandis an, den man, ohne einen Vergleich machen zu wollen, kleinen Kin⸗ dern in den Mund ſtopft, wenn man ihrer los werden will.“ „Du haſt ja ſonderbare Gleichniſſe, mein Lieber! Sollte ihm vielleicht ein vortheilhafter Poſten angetragen worden ſeyn, der ihn nöthigte, unſere Gegend zu ver⸗ laſſen?“ „O nein, bewahre, es handelt ſich durchaus um keinen Poſten, und ich glaube auch nicht, daß er einen ſolchen möchte. Doch da habt Ihr die Herrlichkeit!“ Und nun zog der Major die Tageszeitung aus der Taſche, und ſuchte einen Artikel auf, wo erzählt war, daß Graf Pontus von M— zum Hofmarſchall ernannt worden ſey. „Hofmarſchall— nun, ich danke!“ ſagte die Ma⸗ jorin mit einem Lächeln, das wirklich ihr Entzücken kund gab. „Mir kommt der Titel entſetzlich ſteif und vornehm vor!“ ſagte Virginie.„Das wird ja ganz unerträglich ſeyn, wenn wir bei jedem Wort Herr Hofmarſchall ſagen ſollen!“ „Wohl geſprochen, mein Mädchen! Dieſe Aeußerung freut mich von Dir; denn ſiehſt Du, Dein Vater iſt kein Freund von einem ſolchen leeren Zierrath, der nur Geld koſtet, ohne den geringſten Werth zu geben. Und ich wünſche von ganzer Seele, wir erlehten einen Reichstag, wo die Motion vorgebracht würde, das ganze Titelweſen abzuſchaffen, das, hol mich der Henker! zu Nichts taugt, als den Neid und Zwietracht unter die Leute zu bringen, welche thöricht genug ſind, um ſich über dieſe Narrethei herumzuzanken.“ „Mein Beſter,“ begann ſeine Frau leicht erröthend, „Du haſt wahrhaftig etwas einſeitige Anſichten. Nimm die Titel und die Ritterſterne weg, und ſag' mir dann, 33²2 wodurch der König ausgezeichnete und verdiente Männer belohnen ſollte?“ „Du ſprichſt, Du ſprichſt, wie, wie— wie— ein Weib!“ brach der Major etwas heftig aus, bald ſetzte er aber in weniger ſtrengem Tone hinzu:„aber nicht wie ein verſtändiges Weib, was Du doch ſonſt zu ſeyn pflegſt, meine liebe Ebba. Glaubſt Du denn, daß auch nur der ſechszehnte Theil von den Männern, die dieſe Spielſachen erhalten haben, durch eigenen Werth, durch an Tag gelegten Eifer in ihrem Dienſte oder durch aus⸗ gezeichnete Eigenſchaften dazu berechtigt waren? Ja, den Teufel auch! Titel und Orden werden heut zu Tage ausverkauft, wie ich meinen Roggen auf dem Markte verkaufe; aber dabei iſt noch der weſentliche Unterſchied, daß ich zehn Scheffel Korn von einem erndte, zehn Sterne oder zehn Titel aber nicht einen einzigen Scheffel Korn geben.“ „Nirgends Maß und Ziel,— mein Herr und Ge⸗ mahl!“ lächelte die Majorin.„Und überdieß vergaßt Du auf meine Frage zu antworten: womit willſt Du, daß Seine Majeſtät die belohnen ſoll, die ſich verdient gemacht, und ein Recht haben, eine Auszeichnung von der königlichen Gnade zu erwarten, wenn man dieſe „Spielſache“ wegnimmt?“ „Darauf antworte ich, daß Niemand ein Recht hat, einen Lohn dafür zu erwarten, daß er auf ſeinem Poſten ſeine Schuldigkeit gethan hat; und iſt er wirklich ein rechter Mann, ſo wird er ſich gewiß nicht ſonderlich durch dieſe Gunſtbezeugungen geſchmeichelt fühlen, die er mit... doch gleich viel, ich ſage nichts weiter. Ich vermuthe nur, daß es ihm beſſer ſchmecken würde, ein Stück Brod zu bekommen, ſo lange noch einige Andere auf jene Geſchicht⸗ chen eine Anwartſchaft hätten!“ „Mein Lieber,“ ſagte die Majorin, indem ſie freund⸗ lich ihre Hand auf den Arm ihres Mannes legte,„Du biſt gar zu ſtark in Deiner Oppoſition. Ich möchte hö⸗ ren, was der Oberſt darauf geantwortet haben würde, wenn er Dir gäng vielleicht d „Man gib die E mein trocke Nach raſſelte un aus das gen. Des und das Hof, weß durch das zuzuziehen mit einer einer raſch dieſe ihre Es w chen Beweg Hofe hielt bekannt wa ſie auch 1 beobachtet Zögern unt in das Weß Hatte ſie jetzt noc gleich an Rock, ihre offenen Hak „Ich kommen he Blicke;„al eben nicht t Papa erzäl Stadt gerei „Aber te Männer wie— ein bald ſetzte faber nicht nſt zu ſeyn daß auch „ die dieſe erth, durch durch aus⸗ 2 Ja, den t zu Tage em Markte Unterſchied, endte, zehn gen Scheffel err und Ge⸗ ieß vergaßt willſt Du, ſich verdient ichnung von man dieſe n Recht hat, einem Poſten wirklich ein derlich durch die er mit... vermuthe nur, ück Brod zu ene Geſchicht⸗ em ſie freund⸗ legte,„Du ) mwöchte hö⸗ jaben würde, 333 wenn er noch gelebt hätte! Ich glaube, wenn es nach Dir gänge, würden die Grafen⸗ und Baronentitel, ja vielleicht der ganze Adel abgeſchafft?“ „Man köͤnnte vielleicht auch ohne die ſeyn! Aber gib die Erbſenſchüſſel her... ich ſitze ja hier und eſſe mein trockenes Fleiſch über dem vielen Geſchwätze.“ Nach Tiſche ſaß Virginie an ihrem Webeſtuhl, und raſſelte und wetterte rechtſchaffen zu. Sie wollte durch⸗ aus das Stück Leinwand an dieſem Abend fertig brin⸗ gen. Des Fräuleins Webeſtuhl ſtand im Vorzimmer, und das eine Fenſter des Vorzimmers ging gegen den Hof, weßhalb Jedermann, der über den Hofplan ging, durch das unverhüllte Fenſter— ſie hatte die Jalouſien zuzuziehen vergeſſen— ſehen konnte, wie das Fräulein mit einer Emſigkeit arbeitete, die nur mit dem Fleiß einer raſchen Viehmagd verglichen werden konnte, wenn dieſe ihre Streu macht. Es war nicht möglich, daß Virginie bei einer ſol⸗ chen Bewegung hören konnte, wie ein Wagen im äußern Hofe hielt, und Graf M—, deſſen Schritte doch ſo bekannt waren, in den innern eintrat. Natürlich ahnte ſie auch nicht, wie genau ſie durch das offene Fenſter beobachtet wurde, noch daß der Graf, nach einem kurzen Zögern unter der Hausthüre anſtatt die Saalthüre, die in das Webezimmer ſelbſt öffnete. Hatte aber Virginie ſchon vorher Farbe, ſo bekam ſie jetzt noch mehr, als ſie den Grafen erblickte, und zu⸗ gleich an ihre aufgeſtülpten Kleidärmel, an ihren kurzen Nock, ihre Toffeln, den bloßen Hals und gar— die drei offenen Haken auf dem Rücken dachte. „Ich ſollte zwar den Herrn Grafen eigentlich will⸗ kommen heißen,“ ſagte ſie mit einem etwas mißlauniſchen Blicke;„aber die Wahrheit zu ſagen, kann ich es jetzt eben nicht thun, da ich hier ſo überraſcht worden bin. Papa erzählte heute Mittag, Graf M— ſey nach der Stadt gereist.“ „Aber ich kam heute Vormittag heim und meinte 334 da, ich müßte mich ſogleich für die verſäumten Tage ſchadlos halten. Indeſſen bitte ich um Verzeihung, wenn ich dem Fräulein durch die Freiheit mißfallen habe, wo⸗ mit ich hier hereinſah; aber ich war wahrlich höchſt verwundert, als ich Fräulein Virginie ſo fleißig ſah! Möchte aber das vielleicht nicht eine etwas ſchwere Arbeit für eine junge Dame ſein— ich fürchte, es iſt ſo?“ Der Ton des Grafen verrieth deutlich eine gewiſſe Beſorgniß; er ſchien höchſt unzufrieden mit der Probe, die er von Virginiens Emſigkeit geſehen hatte. „Ich werde ſogleich die Ehre haben, hinein zu kommen,“ erwiederte unſer Fräulein, indem ſie ihr kleines allerliebſtes Air annahm und dazu eine ſo ungnädige Miene machte, daß Graf M= einſah, er müſſe den geweihten Raum des Webezimmers nothwendig verlaſſen. „Aber meine Allergnädigſte, iſt es möglich, daß das Fräulein die Erlaubniß erhalten hat, ſich auf eine ſolche Art zu beluſtigen?“ So ungeſähr lautete die Antwort auf den artigen Glückwunſch der Majorin zu dem Hofmarſchallstitel. „Auf welche Art beluſtigt ſie ſich denn?“ erwiederte die etwas verwunderte Wirthin.„Ich glaubte, ſie ſäße am Webeſtuhl?“ „Nun ja, das iſt es eben; aber natürlich ſitzt ſie dort blos zu ihrem Vergnügen?“ „Freilich auch, denn Virginie hat ihre Arbeit ſtets mit einer Luſt und einem Leben verrichtet, die derſelben einen ſchnellen Fortgang gewährte; aber natürlich iſt der Nutzen hier der überwiegende Theil; das fragliche Stück Leinwand ſollte ſchon längſt fertig ſeyn.“ „Sie ſitzt alſo da und muß arbeiten wie eine Sklavin?“ verſetzte der unruhige Liebhaber, der ſein Miß⸗ vergnügen mit dieſer Art Beſchäftigung nicht länger zu bergen vermochte, da er es nicht für möglich hielt, daß ein ſo fein gebautes Mädchen, oder vielmehr richtiger— denn Virginie war gerade nicht aus Luft und Duſt gewebt— e beſtimmt wo „Nein, Lachen,„d machen! Vi heit, und i Sklaverei, ein armes 2 Weben iſt je befaßt hat, ſolche leichte jetzt iſt.“ „Und d Graf küßte Majorin.„ ſie es doch betheure Ihn wenn ſie ſie „O da ſcherzte die zur Geſundh „Das 9 ſeyn. Fahren gewährt Bew „Aber mir viel vorz thätigen Hau ſie künftig n Die häuslichg Jetzt w verrathen, er überwand um von Vir hören, und d wäre. Graf lich es biswei bedient. nten Tage ung, wenn habe, wo⸗ lich höchſt eißig ſah! vere Arbeit ſo?“ ine gewiſſe der Probe, hinein zu ihr kleines ungnädige müſſe den g verlaſſen. ), daß das eine ſolche den artigen (stitel. erwiederte e, ſie ſäße lich ſitzt ſie Arbeit ſtets die derſelben rlich iſt der gliche Stück n wie eine r ſein Miß⸗ t länger zu hielt, daß richtiger— und Duft 335 gewebt— ein feines Fräulein, das zur Gräfin v. Syärdſö beſtimmt war, es aushalten könnte. 1 „Nein,“ ſagte die Majorin mit einem herzlichen Lachen,„das heißt wirklich gar zu viel aus der Sache machen! Virginie iſt kräftig, hat eine ganz gute Geſund⸗ heit, und iſt überdieß von Kindheit an zwar nicht zur Sklaverei, aber doch ſo einfach erzogen, wie ich es für ein armes Mädchen für nothwendig erachtet habe. Das Weben iſt jedoch eine Arbeit, womit ſie ſich am wenigſten befaßt hat, und ſie bekam auch nie etwas Anderes, als ſolche leichte Sachen, wie das Gewebe, an dem ſie eben jetzt iſt.“ iht vum das wird das letzte ſeyn, nicht wahr?“ Der Graf küßte mit ſchmeichelnder Artigkeit die Hand der Majorin.„Wenn ſie auch noch ſo kräſtig wäre, würde ſie es doch nicht auf dieſe Art aushalten können. Ich betheure Ihnen, daß ſie die Lungenſchwindſucht bekommt, wenn ſie ſie nicht gar ſchon hat!“ „O damit hat es meiner Seele keine Gefahr!“ ſcherzte die Majorin.„Ein wenig Motion iſt immer zur Geſundheit junger Mädchen nöthig.“ „Das geb' ich gerne zu; aber ſie muß anderer Art ſeyn. Fahren, Reiten, Spazierengehen u. ſ. w., das gewährt Bewegung genug.“ „Aber nicht eine halb ſo nützliche; und ich hätte mir viel vorzuwerfen, wenn ich Virginien nicht zu einer thätigen Hausfrau ausgebildet hätte. Wer weiſ, was ſie künftig nothwendig haben kann, mein Virzinchen! Die häuslichen Kenntniſſe ſind nie verloren.“ Jetzt war der Graf nahe daran, mit Worten zu verrathen, was ſein Eifer ſchon verrathen hatt; aber er überwand die Begierde, ſich jetzt ſchon auszuſprechen, um von Virginiens eigenen Lippen die Entſcheidung zu hören, und das noch ehe eine Vorbereitung vorangegangen wäre. Graf M= erinnerte ſich noch wohl, wie ungluͤck⸗ hi es bisweilen ausfallen kann, wenn man ſich Geſandter edient. —— ——— 336 „Und der. Herr Graf war abweſend?“ ſagte dis Majorin, die es in der Ordnung fand, von einem ander Gegenſtande anzufangen. „Ja, ich mußte ſelbſt nach A—, um nachzuſehen wie es mit dem Einpacken von einer Menge Sachen ginge, die ich ſchon längſt aus Stockholm zur Möblirung von Svärdſö erwartet hatte. „Nun, es iſt aber doch Alles jetzt ſchon ſo vor⸗ trefflich!“ „Das kann die gnädige Frau nicht aus Ueberzeugun ſagen, denn es fehlt in der That noch ſehr viel. Abe jetzt hoffe ich, ſoll es recht werden; und mehr als un recht könnte es werden, wenn ich es wagen dürfte, mir an Ort und Stelle das Urtheil der gnädigſten Majori über einige Anordnungen auszubitten, über die ich noch ſehr in Noth und Zweifel bin„ „Der Herr Graf ſchmeichelt mir und ich komme gerne einem ſo angenehmen Wunſche entgegen. Dorh muß es vor Schluß der nächſten Woche geſchehen; dem wir haben dieſer Tage die frohe Nachricht erhalten, daß meine Schweſter und Iſabelle gegen Ende Oktobers i Tyringsholm eintreffen werden.“ Nun hielt ſich die Majorin für höchſt glücklich, daß ſie dieſen Umſtand ſo ganz natürlich hatte anbringen können; und ihr Beobachtersblick gewahrte mit heimliche Freude, daß ein kleiner Schatten über das Geſicht des Grafen flog.„Aha,“ dachte unſere Gnädige,„das gefäͤlt Ihnen icht? Nein— nein, Tyringsholms duſt're Stile iſt nicht Tjällſtorps Gemüthlichkeit!“ „Sol wir können die Damen ſchon bis dahin zurück⸗ erwarter? Es wird mir ein großes, obſchon immerhin ein trauriges Vergnügen ſeyn, ſie wiederzuſehen.„Hat die Baronin im Sinne, ſich den Winter über in Tyrings⸗ holm niederzulaſſen?“ „Freilich— das iſt ganz natürlich!“ „Ich möchte glauben, es wäre beinahe noch natiür⸗ licher, wenn ſie es nicht thäte. Mir wenigſtens ſcheint es, daß es ihr dort zu wohng gangen iſt, un es wohl ſchon haben wird!“ Es war traulich in di Majorin hielt Miene anzun Tone:„Richa zurück, und 1 ſich bereden, d dieſes Opfer meiſten Iſabel holm gewöhn bringen will, Reiſe nach P angenehme Re Der Ein Indeſſen fühlte der Majorin, vor Iſabellens Verlobter Vir Tyringsholm war dieß ein ließ ihn überd erſt als künſtit Jetzt über eine Unterredr kommen könnt wegs an die jetzt zu kuͤhl Scene, und ſie nie ſo lan in Ruhe hätt Fahrt nach Das Fideicon id“ ſagte de n einem andenn im nachzuſehen, Menge Sachen zur Möblirung ſchon ſo vor⸗ s Ueberzeugung ehr viel. Aber mehr als mur en dürfte, mir digſten Majorn r die ich noch nd ich komme ntgegen. Doch geſchehen; dem erhalten, daß de Oktobers in glücklich, daß datte anbringen mit heimlicher as Geſicht des ge,„das gefältt 1s düſt're Stille 3 dahin zurück⸗ ſchon immerhin zuſehen.„Hat der in Tyrings⸗ he noch natüt⸗ nigſtens ſcheint 337 es, daß es ihr ein täglich erneuerter Schmerz ſeyn müßte, dort zu wohnen, da das Gut in andere Haͤnde überge⸗ gangen iſt, und der Lieutenant oder ſein Bevollmächtigter es wohl ſchon vor dem Neujahre in Beſitz genommen haben wird!“ 5 Se Es war das erſte Mal, daß ſich der Graf ſo ver⸗ traulich in die Angelegenheiten der Familie einließ. Die Majorin hielt es nicht für paſſend, dabei eine fremde Miene anzunehmen, ſondern erwiederte in demſelben Tone:„Richard kommt erſt nächſten Sommer oder Herbſt zurück, und nur auf ſeine dringende Bitten ließ Eugenie ſich bereden, dort zu bleiben. Doch glaube ich, daß ſie dieſes Opfer— und ein Opfer iſt es wirklich— am meiſten Iſabellen zu Liebe bringt, die ſich ſo an Tyrings⸗ holm gewöhnt hat, daß ſie lieber den Winter dort zu⸗ bringen will, als, was ein Mal zur Sprache kam, die Reiſe nach Paris fortzuſetzen, wohin ſich eine gute und angenehme Reiſegeſellſchaft darbot.“ 1 Der Eintritt des Majors unterbrach das Geſpräch. Indeſſen fühlte der Graf, denn hierin ſympathiſirte er mit der Majorin, die Nothwendigkeit, ſeine Werbung noch vor Iſabellens Wiederkehr in's Reine zu bringen. Als Verlobter Virginiens konnte er, ſo oſt es ihm beliebte, in Tyringsholm weilen; aber unter andern Verhältniſſen war dieß ein mißlicher Fall. Ein natürliches Zartgefühl ließ ihn überdieß wünſchen, daß er und Iſabelle einander erſt als künftige. Verwandten wiederſähen. Jetzt überdachte der Graf zum erſten Male, wie er eine Unterredung unter vier Augen mit Virginien be⸗ kommen könnte, da er ſich mit der Bitte darum keines⸗ wegs an die Eltern wenden wollte. Der Garten war jetzt zu küͤhl und unangenehm auch für eine ſo warme Scene, und im Hauſe ließ der Major und ſeine Frau ſie nie ſo lange allein, daß ein derartiges Unternehmen in Ruhe hätte ausgeführt werden können. Nein, eine Fahrt nach Svärdſö war ohne Zweifel beſſer, aber Das Fideicommiß. II 22 —— 338 bei dem möglichen Falle eines Korbes doch auch nicht ganz gut. Vielleicht wäre es am beſten, wenn er ſchriebe; da ſprach man freier und bekam wenigſtens eine beſtimmte Antwort. Aber dabei ging wieder ein Vortheil von nicht geringem Gewichte verloren, nämlich die kleinen Hülfs⸗ truppen der Blicke und Geberden. Doch der Graf kam nicht weiter in ſeinen Bemer⸗ kungen: Virginiens Ankunft machte allen ein Ende. Die Majorin merkte ſogleich, daß das junge Fräulein ein etwas verlegenes Ausſehen hatte, daß ſie den Grafen nicht recht anblickte, wenn er mit ihr ſprach, und daß ſe, ſobald es die Höflichkeit erlaubte, den Platz verließ, den ſie beim Stehen inne gehabt hatte. Sie nahm ihre Arbeit und ſetzte ſich an das Fenſter, Virginie war etwas beleidigt über die wohlgemeinte Einmiſchung des Grafen in ihre Webekunſt; aber gewiß war es auch noch etwas Anderes, was ſie bei der Ver⸗ traulichleit dieſer guten Abſicht beunruhigte. Fräulein Virginie von X— hatte das neunzehute Jahr erreicht, ohne daß einer der jungen Männer, die ſie zu ſehen Gelegenheit gehabt, ihr Herz in Flammen geſetzt hätte. Es war wohl wahr, daß ſie gegen alle Gewohnheit in dieſem Alter keine ſonderlich ſtarken Ver⸗ ſuchungen gehabt hatte; denn mit Ausnahme einiger kleinen Hofmachereien, war ihr Niemand näher getreten. Die Urſache hievon läßt ſich mit Grund darin ſuchen, daß ſie nicht nur arm war, ſondern auch vornehme An⸗ verwandte hatte. Es gab wenig reiche Junggeſellen in der Umgegend, und dieſe Wenigen ſahen ſich nach einer in ökonomiſcher Hinſicht paſſenden Parthie um. Die Halbbemittelten, gute, rechtſchaffene Leute, z. B. ein junger Pfarrer, ein ditto Steuereinnehmer und ein ditto Landkämmerer, die alle drei wirklich ein ernſtes Auge auf die hübſche und häusliche Virginie hatten, ließen ſich ſämmtlich von der entſetzlich ſtolzen und hohen Familie zurückſchrecken.„Gott bewahre uns, in Verwandtſchaſt mit dem Oberſten zu kommen!“ Nein, nein, daran wagte ſich ko arme Fähndr heſtige Herzk konnten, war eine ernſte 2 hatten nichts, genwärtigen Leute ſich mi Ja ſogar die nahmen, ihre Verſtandes! Aber wo neunzehn Ja haber— das und deßhalb wohlgemeinter war, im Aei jetzt wenigſter habe!“ Ja, gehabt, und höchlich, daß ſo launiſch ſie eine Sünde, großer Theil ſagt:„ſie w Und hierin th daß die, wel bieten verwer fanden, es w gens unſerer diſche und ein viel weniger d über dem Ka Grunde herlei nern, als die ch auch nicht un er ſchriebe; eine beſtimmte theil von nicht kleinen Hülfs⸗ ſeinen Bemer⸗ in Ende. unge Fräulein ie den Grafen „, und daß ſeie, 6 verließ, den in das Fenſter. wohlgemeinte ; aber gewiß bei der Ver⸗ as neunzehnte Männer, die in Flammen ie gegen alle h ſtarken Ver⸗ ahme einiger näher getreten. darin ſuchen, vornehme An⸗ unggeſellen in ich nach einer ie um. Die , z. B. ein und ein ditto ſtes Auge auf , ließen ſich ſohen Familie Berwandtſchaſt nein, daran 339 wagte ſich keiner von ihnen. Eine dritte Klaſſe, einige arme Fähndrichs und Lieutenants, die nicht ohne das heftige Herzklopfen in Virginiens ſchöne Augen ſchauen konnten, waren ebenfalls genöthigt, alle Hoffnung auf eine ernſte Verbindung aufzugeben; denn beide Theile hatten nichts, wovon ſie leben konnten; und in der ge⸗ genwärtigen Zeit wird es immer ſeltener, daß junge Leute ſich mit einer Hütte und einem Herzen begnügen. Ja ſogar die Liebe hat heut zu Tage mit wenigen Aus⸗ nahmen, ihre lautere Proſa. Wir leben im Zeitalter des Verſtandes! 1 Aber wo waren wir doch? Richtig, bei Virginiens neunzehn Jahren! Neunzehn Jahre ohne einen Lieb⸗ haber— das iſt denn doch ein recht ſchauerlicher Gedanke; und deßhalb war es, daß der ſelige Oberſt, als ſein wohlgemeinter Plan mit dem Kammerherrn mißglückt war, im Aerger ausrief:„Gott ſey Dank, man kann jetzt wenigſtens ſagen, daß ſie einen Freier gehabt habe!“ Ja, Gott ſey Dank, ſie hatte einen Freier gehabt, und die ganze weite Umgegend verwunderte ſich höchlich, daß ſie ihn nicht nahm. Aber da ſehe man, ſo launiſch ſind die Mädchen; doch nicht Alle, es wäre eine Sünde, wenn wir das ſagen wollten, denn ein großer Theil bekümmert ſich wenig darum, ob die Welt ſagt:„ſie war froh an dem erſten Beſten“ oder nicht. Und hierin thun ſie ſehr recht, da es bisweilen geſchieht, daß die, welche das Vergnügen hatten, ein gutes Aner⸗ bieten verwerfen zu können, nicht immer Gelegenheit fanden, es wieder herein zu bringen. Wir dürften übri⸗ gens unſerer kleinen anſpruchsloſen Virginie keine ſo kin⸗ diſche und einfältige Eitelkeit zutrauen, und können noch viel weniger denken, daß ihre abſchlägige Antwort gegen⸗ über dem Kammerherrn ſich aus einem ſo kleinlichen Grunde herleitete, wenn wir uns ihres Erröthens erin⸗ nern, als die Mutter zu ihr ſagte:„Ich kenne in dem 22* ——.——— 340 ganzen Kreis unſerer Bekanntſchaſten keinen Mann, der Deine Neigung gewonnen haben könnte!“ Das Erröthen iſt ein wichtiges Zeichen, und hei ſolchen Worten hätte Virginie gewiß nicht ohne Urſache erröthen können. Es würde vielleicht etwas lächerlich klingen, wenn wir offen die Vermuthung ausſprechen, daß Graf M—, ein Mann, der nahe zu ſeine fünfzig Winter zählte, in dem neunzehnjährigen Maͤdchenherzen ein Gefühl erweckt haben könnte, das ſich auf dieſe An kund gäbe. Dieſe Vermuthung iſt auch noch keine Ge⸗ wißheit; aber der Graf war ein ſtattlicher Mann, der noch gar nicht ſo alt ausſah. Ueberdieß hatte er eine Zeitlang vor ſeiner Werbung um Iſabellen Virginien eben ſo viel Aufmerkſamkeit erwieſen, wie ihrer Couſine, und kurz: man darf es für kein ſo großes Wunderwerk anſehen, wenn ein junges Mädchen, das noch nie einen Liebhaber gehabt hat, zumal in unſerer Verſtandeszeit eine gewiſſe Zuneigung zu einem Manne in des Grafen Alter faßt. Und ſo müſſen wir annehmen, daß es wirklich der Fall war; denn eben in der Minute, wo ſich Graf M— neben ſie an's Fenſter ſetzte, erröthete ſie recht gründ⸗ lich, das heißt, noch ein gutes Stück über die Stirne hinaus. Der Graf ſeiner Seits bemerkte dieſen günſtigen Vorboten eines guten Schluſſes mit einem Entzücken, das einem zwanzigjährigen Liebhaber angeſtanden wärez und mit einer Behendigkeit, die man einem ſo alten Herrn nicht zugetraut haben würde, paßte er die Gele⸗ genheit ab, wo der Major in ſein Schlafzimmer ging, um die Pfeife zu holen, und die Majorin am andern Fenſter dem Spiel der Jungens im Hofe zuſah, und faßte Virginiens Hand, indem er ihr zuflüſterte:„Ich wollte nicht förmlich um die Erlaubniß bitten, in einer Sache ſprechen zu dürfen, über die ich zuerſt die eigene Entſcheidung des Fräuleins hören möchte— darf ich e⸗ 4 hoffen, daß Fräulein Virginie mich errathen hat?“ 8 So ſehr forderung au ſehr, daß ſie und da ſie ſe weiter brauch ſie ſelbſt ſchor und in züchti verneinen?“ „Darf i Virginie wird verſchmähen? „Ich wi war Virginie Blick, der ſi jetzt das ſch habe. Tief übe beugend, dr darauf. „Beliebt Major, der Der Mo rauchte, aber „Nein, ich d nicht, ſonder jedoch nicht, und ſagte ein eben ein Bek⸗ dem Herzen gegeben, die mir das höc meinem Leber Es iſt nicht verweig innig; und zwei Freier Ob der —— 341 1 Mann, der So ſehr unſer Fräulein durch die Haſt dieſer Auf⸗ forderung auch überraſcht wurde, ſo gefiel es ihr doch en, und bei ſehr, daß ſich Graf M— zuerſt an ſie gewendet hatte; ohne Urſache und da ſie ſah, wie kurz die Zeit war und auch nicht vas lächerlich weiter brauchte, um über eine Antwort nachzudenken, die ausſprechen, ſie ſelbſt ſchon lange in ſich gefühlt hatte, ſprach ſie leiſe ſeine fünfzig und in zuchtiger Anmuth:„Ich ſehe keinen Grund, es zu Mädchenheren verneinen?“ auf dieſe An„Darf ich dieſe Worte deuten, wie ich es wünſche? och keine Ge⸗ Virginie wird alſo mein Herz und meinen Namen nicht Mann, der verſchmähen?“ hatte er eine„Ich will verſuchen, mich beider würdig zu machen!“ len Virginien war Virginiens gerührte und herzliche Antwort, nnd der ihrer Couſine, Blick, der ſie begleitete, überzeugte Graf M—, daß er 3 Wunderwerk jetzt das ſchönſte Ziel ſeines ganzen Lebens erreicht noch nie einen habe.. Verſtandeszeit Tief über die Hand ſeiner jungen Braut ſich herab⸗ n des Graſen beugend, drückte er einen warmen und dankbaren Kuß darauf. 3 wirklich der meliebt Ihnen nicht eine Abendpfeife?“ fragte der h Graf M= Major, der eben eintrat. recht gründ⸗ Der Major wußte recht wohl, daß ſein Gaſt nicht er die Stirne rauchte, aber er kannte auch ſeine gewöhnliche Antwort: 1„Nein, ich danke; aber ich hoffe, der Major genirt ſich ſen günſtigen nicht, ſondern raucht allein.“ Dießmal erfolgte dieß m Entzücken, jedoch nicht, ſondern anſtatt deſſen erhob ſich der Graf, tanden wäre; und ſagte einfach und ohne weiteres Vorſpiel:„Ich habe iem ſo alten eben ein Bekenntniß gewagt, das mir ſchon lange auf leer die Gele⸗ dem Herzen lag; und Virginie hat mir eine Antwort zimmer ging, gegeben, die, falls ſie von ihren Eltern beſtätigt wird, am andern mir das höchſte Glück ſchenken kann, das ich noch in zuſah, und meinem Leben genoſſen habe.“ üſterte:„Ich Es iſt leicht zu begreifen, daß dieſe Beſtätigung ten, in einer nicht verweigert wurde. Die Freude war nicht laut, aber rſt die eigene innig; und ſo hatte denn Virginie in Gottes Namen — darf ich zwei Freier gehabt, und war jetzt ordentlich verlobt. hat?“ Ob der Oberſt ſich nicht wohl ein wenig vor Ent⸗ —,— 342 zücken drunten in der Familiengruft regte, als Virginie, für die er ſo geringe Ausſichten ſah, nun eine der glän⸗ zendſten Parthien machte— und zwar in Graf Me ſelbſt und noch dazu einen Hofmarſchall? Ja gewiß nickte der Oberſt ſeinen Beifall, er hatte ja ſtets das Anſehen ſeiner Familie und hohe Verbindungen ſo hoch gehalten. 5 Der Major beſaß in dieſer Beziehung keine ſonder⸗ lichen Sympathien mit ſeinem ſeligen Schwager. Abar vielleicht war er, wenn er es auch nicht eingeſtand, doch nicht gefühllos für das Vergnügen, eine Perſon als ſei⸗ nen Schwiegerſohn begrüßen zu dürfen, der der Oberſt ſelbſt ſo gerne dieſen Namen gegeben hätte. Vierundzwanzigſtes Kapitel. Während man in Tjällſtorp das frohe Feſt feiett, und das Wohl der Verlobten in dem beſten Weine, den der Major daheim hat, trinkt, wird auch im Meßner⸗ hauſe ein zwar minder wichtiges, für ſeine Bewohner aber eben ſo theures Ereigniß gefeiert, nämlich die Au⸗ kunft eines Briefes von Marien, die jetzt von ihren Elte als eine Art höheres Weſen betrachtet wurde, nachdem ſe für würdig befunden ward, nicht allein die Braut des jungen Barons zu heißen und als ſolche aufzutrete, ſondern auch unter der Baronin und Fräulein Iſabellens Schutz in deren täglicher Geſellſchaft zu leben. Freilich hatte die Mutter Chriſtine im Anfang nach dem großen Unglück in Tyringsholm zu ihrem Alten geſagt:„Ja, ja, jetzt iſt es auch kein ſo entſetzlich großes Glück, das Weib eines Verrückten zu werden, der Namen und Güter verloren hat, und nicht zwei Stüber beſttzt, womit er ſie verſorgen könnte! Jetzt wird wohl der Hoch⸗ muth von Ihro Gnaden in die kleine Zehe herabgekrochen ſeyn; jetzt ſpricht man aus einer andern Tonart, als damals, wo ſie hier war und uns nöthigen wollte, use mit des Kon drauf und dr lang als Kra mer, ſie mu kleinen Kinde oder ob er bringen ſie ih haben, Mari geſchehen, de darfllä Auf die die Sache mi bleibt Baron⸗ die ſchlimmer und den nei den alten wie rechtſchaffener greift wohl, geſchieht, ehe thum hat es Oberſt hinter! nin auch noch Fräulein Iſal mit leeren H hat?“ Da Mut mählig einen daß der Barc ward ſie vor richten Wort Hoffnung, di verloren gehe Tages, wo und erzählte habe, wie d milie ſeine B habe, und r als Virginie, eine der glaͤn⸗ in Graf M— 1? Ja gewiß e ja ſtets das ungen ſo hoch keine ſonder⸗ hwager. Aber ngeſtand, doch Verſon als ſi⸗ der der Oberſt tel. he Feſt feiert, i Weine, den ) im Meßner⸗ line Bewohner mlich die An⸗ on ihren Eltern de, nachdem ſie die Braut des he aufzutreten, lein Iſabellens den. i Anfang nach ihrem Alten tſetzlich großes n, der Namen Stüber beſtitzt, vohl der Hoch⸗ herabgekrochen Tonart, als wollte, Marie ommiſſärs Kalle zu verheirathen. Wenn es drauf und dran kommt, ſo muß wohl Marie ihr Leben⸗ lang als Krankenwärterin daſitzen— oder noch ſchlim⸗ mer, ſie muß hergehen und ihm auſpaſſen wie einem kleinen Kinde, denn er weiß ja⸗ weder rechts noch links, oder ob er eſſen oder nicht eſſen will; und vielleicht bringen ſie jhn am Ende gar in ein Spital, und wollen , Marie ſoll mit. Ja es kann ſogar recht wohl mit des K haben 1... 1¼ geſchehen, daß er ſich einmal nicht mehr Baron heißen darf!“ 1 Auf dieſen Erguß erwiederte der Kapellmeiſter, der die Sache mit ruhigerem Blute betrachtete:„Er iſt und bleibt Baron, ſo lange er lebt; und wenn er auch durch die ſchlimmen Stückchen ſeines Vaters das Fideicommiß und den neuen Namen verloren hat, ſo wird er wohl den alten wieder annehmen dürfen, und iſt ein eben ſo rechtſchaffener Mann wie vorher. Jede Chriſtenſeele be⸗ greift wohl, daß Niemand etwas für das kann, vas geſchieht, ehe man noch geboren wurde. Mit dem Reich⸗ thum hat es wohl auch keine ſo große Gefahr. Der Oberſt hinterließ auch einiges; und dann that die Baro⸗ nin auch noch ihre Erbſchaft von dem alten Baron. Und Fraulein Iſabelle, glaubſt Du, ſie würde ihren Bruder mit leeren Händen ausgehen laſſen, da ſie ſelbſt ſo viel hat?“. Da Mutter Chriſtine dieß einſah, ſo nahm ſie all⸗ mählig einen weniger hohen Ton an; und als ſie erfuhr, daß der Baron geſund ſey und ins Ausland reiſen wolle, ward ſie von der tödtlichen Angſt ergriffen, ihre thö⸗ richten Worte könnten beſtraft werden, und die ganze Hoffnung, die ſie auf Mariens Erhebung gebaut hatte, verloren gehen. Aber als Marie am Abend deſſelben Tages, wo Baron Klas abreiste, auf Beſuch heimkam und erzählte, was ſich Alles am Morgen zugetragen habe, wie der Baron ſie in Gegenwart der ganzen Fa⸗ milie ſeine Braut genannt, und ihr einen Ring gegeben habe, und wie die Baronin und das Fräulein geſagt 344 hätten, daß ſie während der Abweſenheit des Barons be ihnen wohnen ſollte, und daß es ihnen ein Vergnüg 19 machen würde, ſie zu einem für Klas paſſenden Weibe zu bilden— da, bei dieſen gewaltiggroßen Neuigkeiten faltete der alte Alſing die Hände, um ein ſtilles Gelet für die Zukunſt ſeiner geliebten Marie emporzuſchicken Aber Mutter Chriſtine neigte ſich mit einer vornehmen Biegung des Kopfes einmal über das andere vor Marien und ſich ſelbſt.„Nein, was man nicht erlebt! Ja, ſo gehört es ſich— wirklich anerkannt! Schwägerin, waßte leibliche Schwägerin von Fräulein Iſabellen werden zut gnädigen Frau Mama ſagen dürfen, und Tante zur M⸗ jorin in Tjällſtorp und Du zur Fräulein Virginie! Gi, ei, ei, Marie, Du wirſt ſo vornehm, daß ich ganz außn mir komme!“ Und noch höher ſtieg Mutter Chriſtinens Entzücken als es kund wurde, daß Marie, die jetzt Mamſell Aling genannt wurde, der gnädigen Frau und dem Fräulan auf einer Reiſe nach Kopenhagen Geſellſchaft leiſten ſollte An dem nämlichen Tage, wo die Mutter Meßnerin diñſ Nachricht erhielt, wurden die Mutter Deputirtin und die reiche Mutter Beſitzerin von Björkö zum Kaffee einge⸗ laden; und als alle Herrlichkeit aufgeſtellt und der hoch⸗ gethürmte Teller mit den Hippen unter wohlmeinenden Zuſprechen zwanzig Mal zwiſchen der Mutter Deputirtin und der Beiſitzerin hin und her gegangen war, ſagte die letztere, indem ſie noch einmal Beſcheid that:„Was das für feine Hippen ſind, nein, wie delikat! Die Mutter Meßnerin iſt doch das Muſter für uns Alle; ſie iſt in Allem zu Hauſe, im Feinen wie im Groben, Aber iſt es erlaubt zu fragen, wie es gegenwärtig mit Marien ſteht? Man hat ſo hübſche Dinge in der Gegend geſagt.“ „Liebe Mutter Brigitte, Ihr dürft nicht fragen, wie es mit Marien, ſondern wie es mit Mamſell Al⸗ ſing ſteht!“ berichtigte ſie die Mutter Deputirtin etwas verächtlich. „Ich da ſtine, die that der letztern n Sie war erf mit ihrer Se hagen reiſen der gnädiger dieſe nicht er Gott ſey Da ſey ſie ihrer Die bei Augen.„E denn ſo gew nicht wenig einen ſo vo wäre aber a Namen mit ſich wohl de Grund und nicht mehr u Beſte wie die einen ehrlic Lena mit ein ein paar Hu ich möchte! wollte!“ „Ich fü mit ihrem e ſo, beſſer 2 aber ſo denk Was ſich rühmen ihren guten nachdem Al Aerger zum ſtrafende St die hochmüt des Barons be ein Vergnügen vaſſenden Weibe gen Neuigkeiten, in ſtilles Gebet emporzuſchicken, ner vornehmen ere vor Marien rlebt! Ja, ſo wägerin, wahre u werden, zur Tante zur M⸗ Virginie! Ei ich ganz auße iens Entzucke, Namſell Alfing dem Fräulein ft leiſten ſollte Meßnerin dieſe utirtin und die Kaffee einge⸗ und der hoch⸗ wohlmeinendem tter Deputirtin var, ſagte die at:„Was das ! Die Mutter llle; ſie iſt in ben. Aber iſt g mit Marien der Gegend nicht fragen, Mamſell Al⸗ outirtin etwas 345 „Ich danke der Nachfrage,“ erwiederte Mutter Chri⸗ ſtine, die that, als höre ſie das Höhniſche in den A orten der letztern nicht,„ſie befindet ſich wohl, meine Mamſell. Sie war erſt heute früh da und ſprach davon, daß ſie mit ihrer Schwiegermutter und Schwägerin nach Kopen⸗ hagen reiſen werde. Sie iſt ſo entſetzlich wohl daran bei der gnädigen Frau und dem gnädigen Fräulein, daß dieſe nicht eine Stunde lang ohne ſie ſeyn können. Und Gott ſey Dank, Marie weiß ſich auch zu benehmen, als ſey ſie ihrer Lebetage zur Baronin erzogen worden.“ Die beiden fremden„Mütter“ machten jetzt große Augen.„Ei,“ ließ ſich Mutter Brigitta hören,„iſt es denn ſo gewiß, daß der Baron ſie heirathet! Es wird nicht wenig angenehm für die Mutter Meßnerin ſeyn⸗ einen ſo vornehmen Schwiegerſohn zu bekommen.„Es wäre aber auch gewiß anders gekommen, wenn er einen Namen mit Ehre hätte führen können! Aber man kann ſich wohl denken, daß der arme Menſch, ſeit er ſo um Grund und Boden kam und ſo verſchrien ward, ſich wohl nicht mehr um ein Fräulein umſchauen durfte, denn die Beſte wie die Schlimmſte legt immer noch Gewicht auf einen ehrlichen Namen. Ich verheirathe meine Anna Lena mit einem Bauern; aber Gott ſey Dank, er beſitzt ein paar Hufen, die ſein ſind, und Haus und Hof, und ich möchte den ſehen, der ihm ſeinen Namen nehmen wollte!“ „Ich für meine Perſon,“ ſetzte die Mutter Deputirtin mit ihrem etwas ſpitzigen Weſen hinzu,„halte es auch ſo, beſſer Wenig mit Ehre, als Viel mit Schande— aber ſo denkt man eben verſchieden auf der Welt!“ Was hatte jetzt Mutter Chriſtine davon, daß ſie ſich rühmen und prahlen wollte, was hatte ſie für all ihren guten Kaffee und ihre herrlichen Hippen! Nun, nachdem Alles verzehrt war, bekam ſie Schmach und Aerger zum Dank. Das war eine ſchwere, eine bitter ſtrafende Stunde für ihren hochmüthigen Sinn; aber als die hochmüthigen Bauernmütter fort waren, tröſtete ſich 346 Chriſtine damit, daß Alles, was ihre böſen Zungen geſagt hatten, nur aus Neid und hämiſcher Schaden⸗ freude herkam, über was ſie ſich ja wohl hinwegſetzen konnte. Sie brauchte jetzt keine weitern Komplimente zu machen, denn die Zeit war ſchon längſt vorüber, wo ſie ſich darum bemüht hatte, Köchin bei ihren Schmau⸗ ſereien ſeyn zu dürſen. Jetzt war ſie ſelbſt ſo gut als irgend eine; und ſie konnten meiner Seel' warten, bits ſie ſich wieder ſo gemein machte, eine von ihnen einzu⸗ laden! Beruhigt durch die Gemüthsſtärke, die ſie in dieſen Troſtgründen entwickelte, ſetzte ſich die Mutter Meßnerin in der That auf ihr hohes Roß; und da einige Zeit nachher von beiden Seiten Winke zur Verſöhnung gemacht wurden, that ſie, als ob ſie ſie nicht merke, ſondern ſaß ſo ſteif und vornehm auf der Kirchenbank, daß wohl nie eine gnädige, eine Stockholmer Bürgers⸗ frau vielleicht ausgenommen, ſich aufgeblaſener und affei⸗ tirter benommen hatte. Und man mußte mit Wort und That ein bedeutendes Weſen machen, bis Mutter Chri⸗ ſtine ſich bewegen ließ, bei der Hochzeit im Beiſitzerhofe in der Küche Hand anzulegen. In ihrem kleinen häuslichen Kreiſe dagegen war die Mutter Meßnerin deſto freundlicher. Sie und ihr Alter ſchwebten beſtändig im Himmel; denn neben dem, daß Marie ſo glücklich wurde, war es wohl Jedermann be⸗ greiflich, daß auch aus dem Schwager etwas werden mußte. Guſtav war auch bereits fortgeſchickt, um an einem entfernten Werke den Betrieb zu erlernen, und in Gedanken ſah ihn die eitle Mutter ſchon als Berg⸗ verwalter, und dann weiter hinaus als Selbſtbeſitzer eines kleinen Werkes, denn er würde ſchon Unterſtützung von der vornehmen Familie erhalten, die ganz gewiß ihrer eigenen Ehre halber etwas aus ihm wuͤrde machen wollen. Jetzt aber ſetzen wir uns mit dem Kapellmeiſter und ſeiner Hausehre an den Tiſch. Der Alte zieht die Brille hervor und nimmt eine ſtrumpf unbe ſie mit ihrer zu ihrem Sc der Rechten ſich an Leib Mariens Br „Wie g all' das Gute ſagen und ni terſtelle bei Theil dieſer erwartet hate rührt dieß die Fräulein nicht kennt, wenn man ſeyn. In al liche Feinheit lernt, merkt ſeyn will, u Rede. Und mann einen ſpricht ſie d wie wenn ich aus waren, wundervollen läßt ſie ſich und entlockt haben kann, danken in m gehabt habe, über dieſe G chen; denn ben, ich ſer 347 böſen Zungen hervor und erbricht Mariens Brief. Mutter Chriſtine cher Schaden⸗ nimmt eine horchende Stellung an, und läßt den Strick⸗ öl hinwegſetzen ſtrumpf unberührt zwiſchen den Fingern ruhen, während Komplimente ie mit ihrer Linken mechaniſch die Katze ſtreichelte, die vorüber, wo zu ihrem Schooße hinaufgekrochen iſt, und dazwiſchen mit hren Schmau⸗ der Rechten dem Vater das Grogglas zuſchiebt, daß er bſt ſo gut als ſich an Leib und Seele gleich ſehr erquicke. Da iſt nun warten, bis Mariens Brief: ihnen einzu⸗ Meine theuern, geliebten Eltern! 3 .„Wie glücklich bin ich, und wie danke ich Gott für die ſie in all das Gute, das er an mir gethan hat! Ich kann nicht die Mutter ſagen und nicht beſchreiben, wie ganz die Baronin Mut⸗ und da einige terſtelle bei mir vertritt. Ach, ich bin den geringſten r Verſöhnung Theil dieſer Güte nicht werth, die ich einſt ſo gar nicht nicht merke, erwartet hatte; und doch, möge Gott es mir verzeihen, Kirchenbanf, rührt dieß mich weniger, als die herzliche Vorſorge, mer Bürgers⸗ die Fräulein Iſabelle mir erweist. Wer das Fräulein ner und affei⸗ nicht kennt, hält ſie für hochmüthig und vornehm, und nit Wort und wenn man ſie nur ſo ſieht, ſcheint ſie es allerdings zu Mutter Chri⸗ ſeyn. In allem, was ſie thut, liegt eine ſo unbegreif⸗ Beiſitzerhofe liche Feinheit; wenn man ſie aber nur ein wenig kennen lernt, merkt man bald, daß ſie durchaus nicht vornehm egen war die ſeyn will, und von Hochmuth iſt nun vollends gar keine ind ihr Alter Rede. Und obwohl ſie Etwas an ſich hat, was Jeder⸗ en dem, daß mann einen großen Abſtand bis zu ihr fühlen läßt, ſo edermann be⸗ ſpricht ſie doch ſo freundlich und vertraulich mit mir, ctwas werden wie wenn ich ihres Gleichen wäre; und oft wenn wir ickt, um an aus waren, und dieſes oder jenes von den vielen großen, rlernen, und wundervollen Dingen geſehen haben, die ſich hier befinden, n als Berg⸗ läßt ſie ſich herab, mein großes Erſtaunen anzuhören, Selbſtbeſitzer und entlockt mir Worte, die ich gar nirgends anders her Unterſtützung haben kann, als von ihr. Aber gewiß iſt, daß ſie Ge⸗ ganz gewiß danken in mir hervorzurufen verſteht, die ich früher nie vͤrde machen gehabt habe, die mir dann aber ganz klar werden. Doch über dieſe Gedanken und Sachen will ich jetzt nicht ſpre⸗ ellmeiſter und chen; denn meine liebe Eltern würden dann gewiß glau⸗ iht die Brile ben, ich ſey nicht mehr, wie ich war. Das Fräulein ——— 348 wollte mir allerhand Lehrer halten; aber Klas Malchus hat geſchrieben und gebeten, mich ſo zu laſſen wie ich bin, und da er es ſo will, bin ich auch damit zufrieden. Ich glaube aber doch, er wird der Meinung ſeyn, daß ich etwas beſſer geworden bin, als ich war, da wir fort reisten. Das Fräulein hat öſters Beſuche von einem Pro⸗ feſſor, der Doktor iſt. Ich ſehe wohl, daß er nicht des Spaſſes halber hieherkommt, und ich fürchte, es iſt mit der Geſundheit des Fräuleins nicht ganz in Ordnung, obſchon es Niemand erfahren ſoll. Daß ſie nicht gauz geſund iſt, das iſt gewiß, denn ich habe bemerkt, daß ſie beinahe jeden Abend Arzneimittel einnimmt; auch iſt ihre Geſichtsfarbe etwas verändert. Ach, ich weiß nicht, was ich darum geben wollte, wenn ich ſie fragen dürfte, oder wenn ſie mir ſelbſt etwas darüber ſagen wollte; aber in einigen Dingen iſt ſie ſo verſchloſſen, daß man durchaus nicht an ſie kommen kann. Vielleicht— aber das ſind nur ſo meine Gedanken, und ich weiß nicht einmal, ob ich ein Recht habe, ſie auszuſprechen— vielleicht iſt ſie darüber betrübt, daß ſie den Lieutenant ausſchlug, und wüßte ſie erſt, was ich weiß, ſo würde ſie noch betrübter werden. Aber Gott ſey Dank, ſie hat noch nie die Briefe zu ſehen begehrt, die Klas Malchus an mich ſchreibt. Euch, Vater und Mutter, die die Sache nicht ſo nahe betrifft, die ihr aber doch eine große Theilnahme für den braven und guten Lieutenant habt, will ich jedoch er⸗ zählen, was Klas mir ſchreibt. Aber laßt es nur um Gotteswillen nicht nach Tjällſtorp kommen; denn aus dem, was in dem Briefe ſtand, den die Baronin von der Majorin erhielt, habe ich erſehen, daß ſie meinen, es ſtehe alles gut. Sie glauben, was er ſchreibt; und um ſie zu tröſten und zu erheitern, ſagt er, was gewiß nicht wahr iſt. Samſtags bekam ich einen neuen und lieben Brief von meinem theuren Klas. Ach, wie mir das Herz klopft, wenn ich die Worte mit der Feder hinzeichne! Es iſt nicht wenig ſi „mein theurer noch beſſer, er dem Papiere d was er erzählt für Wort ab, „So ruhi bekümmert bit jedem Tage, d meine theureà Wangen ſind fallenes Herbſ wohl geordnet hatte, iſt jetzt welches ich de wieder nach ſe i*ſt aber der W des ganzen M gen Anblick ſe zur Unkenntlic Weſen. An Le ten von dem i reisten. Zwei wie der Menſ Und doch er Alles thut, zu überwinden was ich tägli gelingen wird. hier bleibt, u auf dieſe Art obgleich ein er rere Wochen nach der Schw⸗ ſeinen geheime um ſeine Gefü⸗ ihm geſagt, de iſſen wie ich nit zufrieden. 3 ſeyn, daß da wir fort einem Pro⸗ er nicht des e, es iſt mit n Ordnung, ‚nicht ganz rerkt, daß ſie auch iſt ihre ß nicht, was dürfte, oder lte; aber in nan durchaus ber das ſind einmal, ob elleicht iſt ſie sſchlug, und och betrübter nie die Briefe ſchreibt. nicht ſo nahe ahme für den h jedoch er⸗ t es nur um ; denn aus onin von der nen, es ſtehe und um ſie gewiß nicht lieben Brief Herz klopft, hne! Es iſt las Malchus ÿ—y 349 nicht wenig ſüß und erfreulich, wenn man ſagen darf: „mein theurer Klas!“ Aber das zu ſchreiben, gefällt mir noch beſſer, es ſieht ſo beſtimmt und glaubwürdig auf dem Papiere aus. Jetzt ſollte ich alſo eigentlich ſagen, was er erzählt; aber es iſt beſſer, ich ſchreibe nur Wort: für Wort ab, was er über den Lieutenant ſagt: „So ruhig und zufrieden ich mich ſelbſt befinde, ſo bekümmert bin ich um meinen armen Richard. Mit jedem Tage, der vergeht, nimmt er immer mehr ab. Ja, meine theure Marie, ſeine früher ſo geſunden und vollen Wangen ſind jetzt zuſammengeſunken und welk, wie ge⸗ fallenes Herbſtlaub. Sein Haar, das wie Du weißt, ſo wohl geordnet war, und auf das er einen kindiſchen Stolz hatte, iſt jetzt vernachläßigter und wirrer als das meinige, welches ich der Bequemlichkeit und des Wohlſeyns halber wieder nach ſeiner alten Weiſe habe wachſen laſſen; was iſt aber der Verfall des Geſichts und Haares gegen den des ganzen Menſchen? Ich meine nicht nur den trauri⸗ gen Anblick ſeiner veränderten Geſtalt— und die iſt bis zur Unkenntlichkeit umgewandelt— ſondern ſein ganzes Weſen. An Leib wie an Seele iſt er nur noch ein Schat⸗ ten von dem was er war, als wir von der Heimath fort reisten. Zwei Monate vermögen viel über ein Ding, wie der Menſch iſt. Und doch darf ich mit Stolz von ihm ſagen, daß er Alles thut, um ſich oben zu erhalten und das Uebel zu überwinden; aber wenn ich nach dem urtheilen darf, was ich täglich ſehe, ſo fürchte ich, daß es ihm nicht gelingen wird. Noch mehr, ich fürchte beinahe, daß er hier bleibt, und daß Tyringsholm, dieſes Unglücksneſt, auf dieſe Art wieder an mich fällt. Er hat ſich jetzt, obgleich ein ernſtliches Unwohlſeyn ſeinen Plan um meh⸗ rere Wochen verzögerte, in den Kopf geſetzt, eine Reiſe nach der Schweiz zu unternehmen; und da ich ſchon längſt ſeinen geheimen Wunſch merkte, allein ſeyn zu dürfen, um ſeine Gefühle nicht zurückhalten zu müſſen, habe ich ihm geſagt, daß ich mich nicht von Berlin trennen könne. ——.———— 350 Ich bleibe alſo hier, bis er wieder kommt; denn ich be⸗ finde mich hier recht wohl und habe mich auf eine Ait eingerichtet, die mit meinem Charakter und meinen frühe⸗ ren theuren Gewohnheiten vollkommen übereinſtimmt. Ich gehe ſelten aus, lebe aber doch nicht einſam. Meine Bücher und ein geachteter Freund, den ich mir hier er⸗ worben habe, ſind für mich unerſchöpfliche Quellen des Vergnügens, und ich würde nichts vermiſſen, wenn ich nicht dieſen Kummer um Richard hätte, und wenn ich dann Dich, meine ſüße gute Marie, um mich ſähe. Wiel⸗ leicht glaubſt Du jetzt— aber dieß darfſt und kannſt Du nicht glauben— daß ich lediglich um meiner ſelbſt willen hier zurück bleibe, und nicht wegen Richard. Nei, Marie, ſo ſelbſtſüchtig bin ich nicht! Es iſt wahr, ich befinde mich hier ſehr wohl; wäre ich aber nicht feſt überzeugt, daß es Richard gut thun wird, wenn er ſich ſelbſt überlaſſen bleibt, ſo würde ich gerne meine Be⸗ quemlichkeit und meine Bücher bei Seite legen, und ihn bis an das Ende der Welt hegleiten. und da Fälle, die den beſten Freund überflüſſig machen können, Fälle, wo uns dieſer ſeine Freundſchaft am beſten dadurch beweist, daß er uns in Frieden läßt.“—— Alles, was ich nun da geſchrieben habe, ſteht gerade ſo in meines geliebten Klas Malchus Brief, und ich habe es auf mein Papier abgeſchrieben, einmal weil as mir Freude macht, all' die Buchſtaben, die aus ſeiner Feder— ja ich darf wohl ſagen aus ſeinem Herzen— gefloſſen ſind, zu wiederholen, und damit ihr ſehen mi⸗ get, daß er an mich ſchreibt, wie man an eine rechte Braut und eigentliche Dame ſchreibt. Dieß letztere meine ich jetzt auch gewiſſermaßen zu ſeyn; das erſtere iſt Gott ſey Dank ohne alle Frage. Aber ich möchte doch, daß ihr, meine theuerſten Eltern, mich, eure Marie, einmal im Wagen ſitzen ſähet, gerade über von dem Fräulein oder neben ihr, wenn die Baronin nicht mitfährt, und dann habe ich ein ſchwarzes oder braunſeidenes Kleid Aber es gibt hie an, ich wechsle damit ab, und einen großen, weißen und prächtigen Shan nenſchirm und iſt mir gerade, nennen könnte, ein vornehmes doch hie und d doch nur die M denn Gott tägl bewahren; denn alles andere Ue niemals ſtolz unter mir ſind; ich fühlte, als was ich denn i denn dieſe Wor und Freundlichk und ich erwähn daß ich nie gr Frau eines Bar Obgleich i ſeinem jetzigen möchte, ſo iſt ihm ſehne, als 1 ich bringe mein er glaubte, daf ſo würde er ge durchaus, daß bleiben ſoll, bis men. Aber bed liches ereignete, Tyringsholm w bewahren! Es Tod machte viel nur daran denk das unter uns b größere Unanneh die Ruhe ſeiner denn ich be⸗ auf eine Art neinen frühe⸗ iſtimmt. Ich ſam. Meine mir hier er⸗ Quellen des n, wenn ich ind wenn ich ſähe. Viel⸗ und kannſt meiner ſelbſt chard. Nein, iſt wahr, ich ber nicht feſt wenn er ſich ie meine Be⸗ gen, und ihn r es gibt hie lüſſig machen aft am beſten 4.— „ſteht gerade ief, und ich imal weil es ie aus ſeiner m Herzen— hr ſehen mu⸗ i eine rechte letztere meine ſttere iſt Gott te doch, daß Karie, einmal dem Fräulein zitfährt, und eidenes Kleid , weißen und 351 rächtigen Shawl, und einen weißen Strohhut, und Son⸗ iie vnd Beutel, und Gott weiß was Alles! Es iſt mir gerade, als ob man mich ſchon Ihro Gnaden“ nennen könnte, und ich kann auch ſchon ein klein wenig ein vornehmes Geſicht machen; aber da kommt mir denn doch hie und da ein herzliches Lachen, denn ich bin ja doch nur die Marie vom Meßnerhofe. Und ſo bitte ich denn Gott täglich, mich vor Hoffarth und ECitelkeit zu bewahren; denn ich weiß, daß Klas dieß mehr haßt, als alles andere Uebel, ich habe mir auch vorgenommen, niemals ſtolz und übermüthig gegen die zu ſeyn, die unter mir ſind; denn ich denke noch ſo wohl daran, was ich fühlte, als die Baronin mich damals fragte:„auf was ich denn warte?“ Aber ich will nicht daran denken; denn dieſe Worte hat die gnädige Frau durch ihre Güte und Freundlichkeit ſchon tauſend Mal wieder gut gemacht und ich erwähne ſie nur, damit ich mich ſelbſt erinnere, daß ich nie großartige Mienen annehme, wenn ich die Frau eines Barons bin. Obgleich ich Klas Malchus die Freude, die er an ſeinem jetzigen Aufenthaltsorte genießt, nicht verbittern möchte, ſo iſt es doch gewiß, daß ich mich mehr nach ihm ſehne, als nur irgend Etwas hier erſetzen kann. Aber ich bringe meine Sehnſucht zum Schweigen; denn wenn er glaubte, daß mich ſeine Abweſenheit ſehr ſchmerzte, ſo würde er gewiß früher zurückkommen, und ich will durchaus, daß er mit ſeinen Büchern ſo lange draußen bleiben ſoll, bis er es ſelbſt für Zeit hält, heim zu kom⸗ men. Aber bedenket nur, wenn ſich etwas ſo Schauer⸗ liches ereignete, wie daß der Lieutenant ſtürbe und Klas Tyringsholm wieder bekäme! Ach, davor ſoll uns Gott bewahren! Es wäre Klas Unglück, und des Lieutenants Tod machte viele Traurige. Ich muß weinen, wenn ich nur daran denke. Aber erinnert euch vor Allem, daß das unter uns bleibt, und daß wir dem Lieutenant keine größere Unannehmlichkeit bereiten könnten als wenn wir die Ruhe ſeiner Eltern auch nur mit einem Worte ſtörten. — —õÿ—— 352 Ich hoffe, die Mutter iſt ſo lieb und ſieht nach den Tauben? Ich denke jeden Tag an ſie. Die Baronin und das Fräulein haben mich gebete alle Freunde und Bekannte zu grüßen— und ich ſelhſt grüße ſie um ſo mehr. Es war recht ſchön, daß die Mutter den kleinen Zwiſt mit der Mutter Beiſttern nicht ſo wichtig nahm, ſondern bei der Hochzeit mitthaff Herr Gott, wenn wird wohl die Mutter bei meiner eige⸗ nen helfen? Fräulein Iſabelle empfängt viele Fremde; aber Gett mag wiſſen, wie ſie das unterhalten kann oder wann ſte es überhaupt thut; denn daß dieß Alles ihr Schma⸗ zen macht und ſie niemals ein Vergnügen dabei hat, dus merke ich ihr an, wenn ſie gegangen ſind und ſie in Sopha ſitzt und ſo ſonderbar ausſieht. Sie iſt nicht glüt⸗ lich, ſo gefeiert und angebetet ſie auch iſt. Aber ji zum Schluſſe! Dieß iſt mein letzter Brief, denn in in nächſten Woche werden wir heimreiſen. Eure ſtets ge horſame Tochter Marie.“ Als der alte Alſing die Lektüre des Briefs beendit hatte, der natürlich ſchon unter dem Leſen durch verſchi⸗ dene Bemerkungen erläutert worden war, ſagte Mutte Chriſtine, indem ſie die Katze hinunter ließ und die Schün abſchüttelte:„Was ſagſt Du dazu, Vater! Es komm jetzt Marie doch zu gut, daß Du ſie ſo gut ſchreiben lerntenn als ſie noch klein war. Und wie fein ſie das Alles zi⸗ ſammenſetzt! Dem Herrn ſey Dank für alle ſeine Gnadel Aber guter Gott, wenn es das Unglück wollte— was ich der braven Majorin zu Liebe gewiß nicht wünſchen möͤlte — wenn es aber(denn wir vermögen ja nichts, ſonden der, der am Höchſten iſt, lenkt Alles) doch ſo efha ſage ich, daß der brave, gute Lieutenant im Auslan ſtürbe, dann wäre es doch kein ſo großes Unglück ſit unſern Schwiegerſohn, ſondern im Gegentheil ein großt Triumph, wenn er auf dieſe Art mit Recht und Ehrm Tyringsholm wieder zurückbekäme.“ 3 Ei nun, Chriſtine,“ ſagte der Kapellmeiſter un 2 legte den Brief denn dann könn mer über den T ſinn, der mit Unruhe in Kopf ihm in Tyrings einen frohen Ta wollen wir beter Es wäre eine g mit dem Gedand Beſitzer bekomm allen Kräften, v beten, daß der, Geſundheit und Herzſtoß für me Du biſt ſelbſt lieb; denk' alſo und nimm Dich „Gott ſoll gewiß nicht, wen aufrichtig will einer ſo großen Du, mein Alter, wie gut es war, nen Willen beka vatterin nennen da ſie Baronin wackern Verſtand Der Kapell Donna bei unſer gültig war, das ich, daß das Me. iſt ein ſchöner N ein, Mutter, un doch glücklicher: genommen hätte, Das Fideicomm ſieht nach den n mich gebeten und ich ſelbſt chön, daß die tter Beiſitzern ochzeit mithaf ei meiner eige nde; aber Got n oder warun 3 ihr Schmer⸗ dabei hat, das ad und ſie in iſt nicht gluͤt⸗ iſt. Aber je f, denn in ii Eure ſtets go Marie.“ Briefs beendig durch verſchie⸗ ſagte Mutt und die Schürz er! Es kommt chhreiben lernten das Alles zu⸗ le ſeine Gnade ollte— was ich vünſchen möchte nichts, ſonden och ſo geſchaht at im Auslam des Unglück fiür theil ein groß echt und Ehrm pellmeiſter un 353 legte den Brief zuſammen,„ich denke es wäre doch eines; denn dann könnten wir vielleicht erfahren, daß der Kum⸗ mer über den Tod des Lieutenants und den andern Un⸗ ſinn, der mit dem Fideicommiß zuſammenhängt, ihm Unruhe in Kopf und Herz pflanzen würde. Es würde ihm in Tyringsholm nie wohl ſeyn, und er würde nie einen frohen Tag dort haben. Und deßhalb, Mutter, wollen wir beten: Herr, führe uns nicht in Verſuchung! Es wäre eine große und recht gemeine Sünde, wenn wir mit dem Gedanken umgingen, daß das Gut einen neuen Beſitzer bekommen möchte. Nein, laß uns lieber aus allen Kräften, von ganzer Seele und mit vollem Gemüthe beten, daß der, der Alles vermag, dem Lieutenant wieder Geſundheit und frohen Muth ſchenke; denn es wäre ein Herzſtoß für mehr als einen, wenn er hinginge. Chriſtine, Du biſt ſelbſt Mutter und haſt Deine Kinder herzlich liebz denk' alſo an die brave Majorin von Tjällſtorp, und nimm Dich in Acht vor der Sünde!“ 4 „Gott ſoll mich behüten, Vater, ich verſündige mich gewiß nicht, wenigſtens nicht ſo, wie Du es meinſt. Und aufrichtig will ich beten, daß unſre gute Majorin von einer ſo großen Betrübniß verſchont bliebe! Aber weißt Du, mein Alter, ich habe ſchon oft darüber nachgedacht, wie gut es war, daß ich bei Mariens Taufe nicht mei⸗ nen Willen bekam, als ich ſie Sara Britta nach der Ge⸗ vatterin nennen wollte. Das würde jetzt gar übel klingen, da ſie Baronin werden ſoll. Aber Du haſt immer einen wackern Verſtand gehabt, Vater!“ Der Kapellmeiſter lachte. Wir hatten eine Prima Donna bei unſerer Truppe, die mir nicht ganz gleich⸗ gültig war, das darfſt Du glauben, und deßhalb wollte ich, daß das Mädchen nach ihr genannt würde. Marie iſt ein ſchöner Name. Aber ſchenke mir noch einen Tropfen ein, Mutter, und ſieh' nicht ſo ſauer drein! Ich war doch glücklicher mit Dir, als wenn ich die Prima ſelbſt genommen hätte, ſo geſchminkt und fein ſie auch war.“ Das Fideicommiß. II. 23 d—— ——— 354 Freundlich holte die Mutter die Rumflaſche aus den Schrank, und der Alte feierte das Ereigniß des Abani mit noch etwas Grog. Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Schon hatten die Herbſtwinde das letzte Blatt in den kahlen Zweigen geſtreift und fuhren jetzt wie auf a Schwingen des Sturmes durch Tyringsholms öde Maum⸗ Der Schneeregen ſchlug an die Fenſter, der Orkan bruuz durch die Schornſteine herab, und ſchwer und grau ſit⸗ der Herbſtnebel über der ganzen Landſchaft. Die Min hatte bald den großen Kampf ausgekämpft, welcher d Ruhe unter der Schneedecke vorangeht. An einem jener unfreundlichen und naßkalten Io mittage, wie der Nachherbſt ſo viele darbietet, fine wir in dem blauen Zimmer mit den Spiegelpfeilern ii Perſonen auf dem alten Sopha mit Goldzierrathen ſibe es war ein Herr und eine Dame. In jedem Pfet können wir ihre Bilder ſehen. Es iſt ein alter Mu mit einer rauhen und doch gutmüthigen Phyſiognon und noch ganz ſo gut erhalten wie damals, wo wir iſ zuletzt begegneten; aber dieß können wir nicht auch u ihr ſagen. Wohl bewahrt ihre edle Geſtalt noch imm die angeborene Würde, und noch liegt jene reine Gm in jeder Bewegung; aber deſſen ungeachtet werfen u dieſe Spiegel ein ganz anderes Geſicht zurück, als e war, welches wir auf derſelben Stelle beim vorjähri. Balle ſahen. Es war zwar auch damals bleich, d das weiße Eis des Marmors ſchien jetzt einen leict Zuſatz von Olivenfarbe erhalten zu haben, und der fi blaue Rand unter dem Auge ſchwoll größer und dund hervor. Ein halboffenes ſchwarzſeidenes Kleid ſelt weiten Falten herab und bedeckte beinahe die klelt Füße, die auf einem der blauen Seidenpolſter des 8 phas ruhten. Ihr Haar, nicht mehr in Locken geont⸗ war bis zur dann in einen Goldnadel zie den wieder in einander, der während die zweigchen ſpie lagen. So ſeher nicht malen ke ihren Zügen, Ergebung un Kampf war aber er wol Sonnenunterg „Vier bi mit beinahe w heit von dieſen doch ſage ich: VWirkung ſehe, hat. Seit wie men? Sie gef „Ich bem Tagen meines der ſechs Woch lich zugenomm Der Dokt müthsſtimmun „Meine G überlaſſe mich trübniß und hagen an ſo ſundheit und laubten.“ „Und wu Mittel jemals flaſche aus den tiß des Abende itel. etzte Blatt dan jetzt wie auf da ims öde Maum er Orkan brauk und grau aft. Die N pft, welcher i naßkalten Ta darbietet, finde jegelpfeilern dzierrathen ſit zn jedem Pfit ein alter Am n Phyſiogn ils, wo wir it nicht auch ke ſtalt noch inm jene reine Gm chtet werfen i zurück, als d beim vorjähri. nals bleich, a tzt einen leitt en, und der ſii rößer und dune es Kleid filt nahe die klilt denpolſter des E a Locken georhie w — war bis zur Hälfte der Wange glatt herabgekämmt, und dann in einen reichen Kranz geflochten, den eine große Goldnadel zierlich zuſammenhielt; ihre rechte Hand hielt den wieder in Gebrauch gekommenen rothen Shawl über einander, der über die Schultern zurückgeworfen war, waͤhrend die linke mechaniſch mit ein Paar Geranium⸗ zweigchen ſpielte, die auf einem kleinen Tiſche neben ihr lagen. 3 So ſehen wir Iſabellen wieder. Aber was wir nicht malen können, das iſt der namenloſe Ausdruck in ihren Zügen, ein Ausdruck, der zugleich eine demüthige Ergebung und einen unendlichen Schmerz enthäͤlt. Der Kampf war noch nicht beendigt, das erſchien deutlich; aber er wollte zur Ruhe kommen. Es ging gegen Sonnenuntergang. „Vier bis fünf Monate,“ ſagte Doktor Manning mit beinahe weicher Stimme,„können freilich eine Krank⸗ heit von dieſer Beſchaffenheit um vieles weiter bringen; doch ſage ich noch einnal, daß ich mit Schrecken die Wirkung ſehe, welche dieſe Zeit hier zu Stande gebracht hat. Seit wie lange hat die Haut dieſe Farbe angenom⸗ men? Sie gefällt mir nur gar nicht.“ „Ich bemerkte dieſe Veränderung ſchon in den letzten Tagen meines Aufenthalts in Kopenhagen; aber während der ſechs Wochen, die ich nun zu Hauſe bin, hat ſie ſicht⸗ lich zugenommen.“ Der Doktor ſchüttelte den Kopf. Wie war die Ge⸗ müthsſtimmung des gnädigen Fräuleins unterwegs?“ „Meine Gemüthsſtimmung iſt ſich ſtets gleich; ich überlaſſe mich nicht gerne heftigeren Ausbrüchen der Be⸗ trübniß und der Freude. Doch nahm ich in Kopen⸗ hagen an ſo viel Zerſtreuungen Antheil, als meine Ge⸗ ſundheit und das eingezogene Leben meiner Mutter er⸗ laubten.“ „Und wurden die Leiden des Fräuleins durch dieſe Mittel jemals geringer?“ 23* — 356 Nein, weit entfernt,“ ſagte Iſabelle, und eine matte Röthe glühte über ihre Wange hin;„aber bei zu großet Ruhe und Stille erfaßt mich eine Angſt, die ich vertreiben muß. Hier zu Hauſe iſt es mir beſſer; hier ſehne ich mich nicht nach einer andern Geſellſchaſt, als wie ſe meine angenehme Umgebung mir darbietet.“ „Und noch kennt Niemand die Krankheit des Frin⸗ leins.“ Wieder ein Kopfſchütteln.„Ich fürchte, das Fräulein treibt dieſe Hartnäckigkeit zu weit. Gott weß, daß es mich freut, wenn ſich die Frauenzimmer bei da mancherlei körperlichen Leiden, denen ſie unterworſen ſind ſtark und muthig zeigen; wenn aber dieſe Anſtrengun auf die Spitze getrieben wird, ſo kann man ſich leict ſchaden, und gerade das meine ich, daß das Fräulein thu⸗ indem Sie hier durchaus nicht für eine zärtliche und ſor⸗ fältige Pflege ſorgen.“ 1 „O nein, mein beſter Doktor, glauben Sie nillt daß das etwas zu bedeuten habe? Wollen Sie mir den anrathen, daß ich den Meinen ſchon ſo frühzeitig diſe Trauerbotſchaft gebe, da noch eine ſo lange Zeit des Leidens vor mir liegt? Ueberdieß habe ich ja ſchon wer⸗ her geſagt, daß ich eine Reizbarkeit des Gemüthes be⸗ ſitze, die zu einer unerträglichen Höhe getrieben wünd, wenn ich immer und ewig genöthigt wäre, mich ihrn wohlmeinenden, aber langweilenden Fragen zu unte⸗ werfen.“ „Aber ſie ſind doch wohl auch nicht blind, und iſ muß offen ſagen, daß das Ausſehen des Fräuleins dian.⸗ lich viel ſagt!“— Iſabelle ſchlug die Augen auf und heftete ſie auf einen der Spiegel.„Es iſt wahr, ich ſehe nicht gut aus ſagte ſie leiſe;„aber die Düſterheit dieſes Zimmers trigt auch dazu bei. Wenn ich mich übrigens zuſammennehme was ich ſtets thue, wenn ich bei ihnen bin, ſo zeigt ſch dieſer kränkliche Ausdruck auch nicht ſo auffallend. I bin auch noch nicht ſo mager!“ „Hm, hm lag eine ganze „Nun wo und abgefallen recht erhalten, ſellſchaftskreis! ſagen Sie mir verfließen, wer mich noch lang in einem peinli einen Leichengen nicht ſeyn, me ein feſter Wille ſten Körper. das Lager nie ſtehen kann.“ Es lag ein daß man keinen wie die ihrige, Mit ſtiller Bey junge muthvoll habt, aber einen Gedächtniß als ſchichte menſchlis ſlocht. Nachdem waren, ſprach hob:„Erlaubt einmal beſchwerl „Gerne, be etwas befriedigen „Das kann es doch!“ Dabei erg ſtrument. Iſabg nete das Kleid Doktor das Hoh nd eine matte bei zu großer ich vertreiben dier ſehne ich als wie ſt heit des Frar⸗ fürchte, dar . Gott weiß mmer bei da terworſen ſind, Anſtrengun nan ſich leicht Fräulein thu tliche und ſot⸗ ben Sie nicht Sie mir dem frühzeitig diſt lange Zeit da ja ſchon vor⸗ Gemüthes be⸗ etrieben würd, re, mich ihrn gen zu unta⸗ blind, und ich Fräuleins zien⸗p heftete ſie auf nicht gut aus, Zimmers tragt uſammennehm, u, ſo zeigt ſih auffallend. Ia 357 „Hm, hm,“ ſagte der Doktor, und in dieſem Tone lag eine ganze Legion Widerſprüche. „Nun wohl, es ſey ſo, ich will alſo gelb, mager und abgefallen ſeyn, aber dennoch werde ich mich auf⸗ recht erhalten, und meinen Platz in unſerem kleinen Ge⸗ ſellſchaftskreis behaupten, bis ich nicht mehr kann! Denn ſagen Sie mir einmal, wie werden denn meine Tage verfließen, wenn ich das Bett eingenommen habe; für mich noch langſamer als vorher, für meine Umgebung in einem peinlichen Warten, das ſie in jedem Zimmer einen Leichengeruch empfinden läßt. Nein, ſo darf es nicht ſeyn, mein lieber Doktor! Selbſtbeherrſchung und ein feſter Wille vermögen viel, auch über den ſchwäch⸗ ſten Körper. Ich gebe nicht nach, bis der Tod mich auf das Lager niederdrückt, von dem Niemand mehr auf⸗ ſtehen kann.“ 1 Es lag eine ſolche Feſtigkeit in Iſabellens S imme, daß man keinen Zweifel darein ſetzen konnte, eine Seele, wie die ihrige, müßte viel über den Körper vermögen. Mit ſtiller Bewunderung betrachtete der alte Arzt das junge muthvolle Weib. Er hatte viele Patienten ge⸗ habt, aber einen ſolchen noch nie. Auch bewahrte er ihr Gedächtniß als eines der ſchönſten Blätter in der Ge⸗ ſchichte menſchlichen Elends, die ſeine Praris zuſammen llocht. Nachdem Beide einige Augenblicke ſtille geblieben waren, ſprach Manning, indem er ſich vom Sopha er⸗ hob:„Erlaubt das gnädige Fräulein, daß ich ihr noch einmal beſchwerlich falle?“ „Gerne, beſonders wenn der Herr Doktor mir eine etwas befriedigendere Antwort geben kann.“ „Das kann ich nicht verſprechen, aber erlauben Sie es doch! ¹ Dabei ergriff er ein auf dem Tiſche liegendes In⸗ ſtrument. Iſabelle lehnte ſich ohne Ziererei zurück, öff⸗ nete das Kleid und ſchob das Hemd zurück, worauf der Doktor das Hohlinſtrument an eine Stelle auf der Bruſt —— — 3⁵8 ſetzte, die ſie bezeichnete, und dann ſein Ohr daran legte So horchte er eine Weile, ſo lange er in der ſchwierign Stellung zu verharren vermochte. „Nun,“ brach Iſabelle aus, indem ſie das Kleid wieder übereinander zog und den Shawl umhüllte,„ſehen Sie jetzt ein wenig offenherziger, mein beſter Herr Der⸗ tor! Glauben Sie ja nicht, daß ich nicht ſo viel Stünt beſitze, als eine vollſtändige, aufrichtige Mittheilung a⸗ fordern kann! Es würde mich ſchmerzen, wenn der Hen Doktor glaubte, mein Bemühen, mich aufrecht zu erhal ten, fließe aus dem kindiſchen Glauben her, daß ich de durch mein Daſeyn verlängern könne. Nein, verſtehn Sie mich recht, ich habe zu viel und zu lange über da Tod nachgedacht, um ihn jetzt zu fürchten. Ich mächte ſogar ſagen,— wenn dieß nicht eine Sünde wäre— i ſehne mich nach ſeiner Ankunft; da mein ganzes, ku Leben nur ein fortgeſetzter Todesſeufzer iſt, ſo läßt ſſi das wohl erklären, und mein Wunſch, vor andern Leutn ſtark zu erſcheinen, kommt nur davon her, weil ich wil, daß die Seele lebe. In einer ewigen Krankheit und do desluft wird dieſe gedrückt, und indem ich ſte ſo viel al möglich von einer ſolchen Atmosphäre entfernt halte, g⸗ winne ich an Körper und Geiſt. Habe ich mich jet deutlich genug erklärt, und will der Herr Doktor jeht ganz wahr gegen mich ſeyn?“ „Ich verſichere Sie, gnädiges Fräulein, daß it nicht zogern würde, Ihrem Wunſche zu entſprechen, wem es in meiner oder irgend eines Arztes Macht ſtunde, en ſolches Vertrauen zu gewähren, wie das Fräulein wünſch Aber für mich und für Alle iſt es eine vollkommene l⸗ möglichkeit, die Zeit zu beſtimmen; und Alles, was ich mir auf meinen Eid zu ſagen getraue, iſt, daß die Krankheit in höherem Grade, als ich es je für möglit gehalten hätte, in dieſen letzten Monaten vorangeſchrit ten iſt. Aber es iſt noch zu weit entfernt, um beſtim men zu können, wann das Uebel für ewig aufhört; des könnte ſich möglicherweiſe nächſtes Fruhjahr eine ge nauere Erklä dann meine( „Erſt in halben Seufz aus ſeyn?“ „Nein, nung wenigſt Nathe, den ie dern beifügen Ihre Seelenk denen auch d Und ich mö Arzt gewiß n aufrichtiger ſofern mir n richtigkeit erl „Ich bi ſich gegen M genommen ha „Nun n ohne Umſchwe kurzer Zeit; tiefer und ver fel das Fräul wird, als e könnte.“ „Es iſt Gemüthsbewe zuhelfen, ich „Ich w haupten, daß „Wie!“ Iſabellens W „Ich w Fräuleins; Augen an m nem ganzen öhr daran legte der ſchwierigen ſie das Kleid umhllte,„ſeyen deſter Herr De⸗ t ſo viel Stänke Mittheilung a⸗ wenn der Herr ufrecht zu erha⸗ der, daß ich da Nein, verſtehn lange über da n. Ich mächte inde wäre— in a ganzes, kurze ſt, ſo laͤßt ſih or andern Leauta e, weil ich wil⸗ rankheit und Ko ich ſte ſo viel at ntfernt halte, g⸗ de ich mich jeht Herr Doktor jeß räulein, daß in entſprechen, wem Nacht ſtünde, en Fräulein wunſct vollkommene li⸗ Alles, was it ue, iſt, daß die es je für moglit aten vorangeſchtt ernt, um beſtw wig aufhört; die rühjahr eine g⸗ nauere Erklärung darüber geben, ſofern das Fräulein dann meine Gegenwart wünſcht.“ „Erſt im Frühjahr!“ wiederholte Iſabelle mit einem halben Seufzer. O, ich glaubte, bis dahin ſollte Alles aus ſeyn?“ 3 „Nein, gewiß nicht, nach aller menſchlichen Berech⸗ nung wenigſtens. Wenn ich aber zu dem ärztlichen Rathe, den ich dem Fräulein geben werde, noch einen an⸗ dern beifügen dürfte, ſo wäre es der: Schrauben Sie Ihre Seelenkräͤfte nicht weiter, als ſie nach den Geſetzen, denen auch dieſe Kräfte unterworfen ſind, gehen können! Und ich möchte noch etwas hinzuſetzen, was ich als Arzt gewiß nicht beigefügt hätte, was ich mich aber als aufrichtiger Freund auszuſprechen für verpflichtet halte, ſoſern mir naͤmlich das gnädige Fräulein eine ſolche Auf⸗ richtigkeit erlaubt.“ „Ich bin ganz Ohr!“ ſagte Iſabelle und wandte ſich gegen Manning, der wieder auf dem Sopha Platz genommen hatte.— „Nun wohl, mein beſtes Fräulein, ich ſage alſo ohne Umſchweife, daß die Urſache, die das Uebel in ſo kurzer Zeit zu einer ſolchen Höhe treiben konnte, ein tiefer und verborgener Kummer iſt, welcher ohne Zwei⸗ fel das Fräulein ein Jahr früher in das Grab bringen wird, als es nach aller Berechnung dahin kommen könnte.“ „Es iſt ſo,“ erwiederte Iſabelle, ohne eine bedeutende Gemüthsbewegung zu verrathen;„aber dem iſt nicht ab⸗ zuhelfen, ich muß mich unterwerfen.“ „Ich wage noch weiter zu gehen, ich wage zu be⸗ haupten, daß dem abzuhelfen wäre.“ „Wie!“ und nun folgen hochrothe Wellen uber Iſabellens Wangen. „Ich wundere mich nicht über das Erſtaunen des Fräuleins; aber ein alter Praktikus wie ich, hat ſeine Augen an mancherlei Orten, und wenn ich je in mei⸗ nem ganzen Leben etwas bereut habe, ſo iſt es meine — . 360 Aufrichtigkeit bei unſerer früheren Konſultation. Wenn mir das Fräulein nicht damals eine ehrliche Antwon entlockt hätte, ſo würde gewiß Vieles jetzt anders ſeyn. „Mein beſter Doktor, glauben Sie das nicht! Ich geſtehe offen, daß ich damals ein wenig wegen der Durg⸗ führung einer Handlung zauderte. Aber auch ohne den Ausſchlag des Herrn Doktors würde dieſes Zaudern auf alle Fälle bald aufgehört haben; denn ich hatte in de Worten meines däniſchen Arztes und noch mehr in ma⸗ nen täglichen Leiden den unverwerflichſten Beweis von da Unmöglichkeit, daß ich durchkommen könnte.“ „Das mag ſeyn; für mich aber bleibt es dennoch unbegreiflich, wie das Fräulein damals, wo es wenigften noch auf zwei bis drei Jahre hoffen durſte, all' das reme Glück wegwarf, das es während dieſer Zeit hätte genießen können, und dafür Kummer und Sehnſucht erwähſt, welche beſtimmt Ihre Kräfte verzehren und den Hingan beſchleunigen.“ „Die Worte des Herrn Doktors nehmen jetzt eine Wendung, die ich nicht verſtehe!“ ſagte Iſabelle, und an Zug ſtolzen Mißvergnügens ſchwebte um ihre Lippan, „Berzehre ich mich vor Sehnſucht, und wäre ich üln mich ſelbſt bekümmert?“ „Gerade ſo mein' ich,“ antwortete der Doktor mit unerſchütterlicher Kälte;„und ich wollte, das Fraͤulen für ſich hat!“ „Der Herr Doktor wird beinahe unbegreiflich! Iſh ſollte doch glauben, daß es ſich kaum der Mühe ve⸗ lohnte, meinen Kummer zu verheimlichen: der bitter⸗ Schmerz über unſern ſchmachvollen Prozeß, und dann die Sorge um die Zukunft einer Perſon, die mich höchlich intereſſirt.“ „Ja gerade auf dieſen braven jungen Mann wollite ich kommen, auf ihn, der einen ſolchen Edelſinn, ene ſolche Entſagung zeigte, wo es ihn nur geringe Mühe gekoſtet hätte, die wahre Beſchaffenheit ſeiner Rechte zu gäbe zu, daß meine Behauptung alle Wahrſcheinlichtet ermitteln. I unter hundert auch an ſich Narrheit, um verdient hätte jener reinen 4 Thaten herflie dieſes Motiv erfahren, wie Iſabelle „Das F es ſtand in gewähren.“ „Das ſt liebte!“ „Das zu meinem l überzeugt. vollſte Herz viel Einfluß zernagen. 2 zen liegt, bef zu haben, m „Und w nothwendig Verhältniß ſ werther Lohr gang der li ſchweben mü dar von dem jede Sekunde wäre es ſo mit ſeiner F zu Tag ſchr Ende nur hält? Un iltation. Wenn hrliche Antwon t anders ſeyn.“ das nicht! Jah begen der Durc⸗ auch ohne den es Zaudern auf h hatte in den mehr in mei⸗ Beweis von der e.“ eibt es dennoch do es wenigſtenz e, all' das rei t hätte genießen nſucht erwäͤhſte d den Hingan hmen jetzt ein ſſabelle, und en m ihre Lippa. wäre ich übn der Doktor mit das Fräͤulein Lahrſcheinlichtet begreiflich! Ich der Mühe we⸗⸗ en: der bittere ß, und dann di e mich höchlich en Mann wollte Edelſinn, eine geringe Mühr ſeiner Rechte zu —— 361 ermitteln. Ich wage dreiſt zu behaupten, daß nicht zwei unter hundert dieſes Opfer gebracht haben würden, das auch an ſich ſelbſt betrachtet, den Namen der größten Narrheit, um nicht zu ſagen eines eigentlichen Wahnſinns verdient hätte, wenn nicht die Beweggründe dazu von jener reinen Art geweſen wären, aus welcher nur ſolche Thaten herfließen. Ich muß hinzufügen, daß er mir dieſes Motiv nicht verheimlichte. Seither hab' ich nun erfahren, wie es belohnt wurde.“ Iſabelle ſchwieg. „Das Fräulein hätte ihn glücklich machen können; es ſtand in Ihrer Macht, ihm den höchſten Lohn zu gewähren.“ 4 1— „Das ſtand nicht in meiner Macht, da ich ihn nicht liebte!“ 1 „Das Fräulein mag immerhin ſo ſagen; aber bis zu meinem letzten Athemzug bin ich von dem Gegentheil überzeugt. Kein Weib, und wenn ſie auch das gefühl⸗ vollſte Herz beſitzt, geſtattet den Leiden eines Andern ſo viel Einfluß auf ſich, daß dieſe ihren eigenen Lebensfaden zernagen. Nur der Gram, der in unſerem eigenen Her⸗ zen liegt, beſitzt dieſe Kraft, und um eine ſolche Wirkung zu haben, muß er von großem Umfange ſeyn.“ „Und wenn wir nun auch, da es der Herr Doktor nothwendig ſo haben will, annehmen, daß ein ſolches Verhältniß ſtatt fand, wäre es denn ein ſo beneidens⸗ werther Lohn, ein Weib zu bekommen, um deſſen Hin⸗ gang der liebende Gatte beſtändig in peinlicher Angſt ſchweben müßte? wäre es denn ſo ſüß für ihn, immer⸗ dar von dem Gedanken gefoltert zu werden: jede Stunde, jede Sekunde nimmt dir ein Stück deines kurzen Glücks; wäre es ſo ſüß, wenn er ſähe, wie der Tod ihre Züge mit ſeiner Farbe belegt, wenn er ſähe, wie ſie von Tag zu Tag ſchmäler und durchſichtiger wird, bis er am Ende nur noch ein lebendes Gerippe in den Armen hält? Und dann in dieſem troſtloſen Elend das Be⸗ —— 362 wußtſeyn zu haben, daß er mit all' ſeiner unermeßlichen Liebe nicht ein klein wenig Mark in die vertrockneten Glieder, einen warmen Blutstropfen in die erſtarrten Adern bringen kann? Ach mein theurer Doktor, eher al das, doch noch tauſendmal lieber den erſteren Schmeiz wählen, den man fliehen und heilen kann.“ Nachdem Iſabelle dieſe Worte mit Ruhe und Si⸗ cherheit ausgeſprochen hatte, pauſirte das Geſpräch ei⸗ nige Minuten lang. Obwohl ſie nichts Beſtimmtes zi⸗ geſtanden hatte, ward ſie doch von dem alten Arzte vet⸗ ſtanden, und mit tiefer Theilnahme betrachtete er dieſes Weib, das eines ſolchen Opfers für denjenigen faͤhig war, den ſie liebte. Aber der Doktor wußte beſſer als jeder Andere, wie es jetzt mit Richard ſtand; und er fürchtete, daß Iſabelle das flüchtige Glück, das ſie mit⸗ einander hätten genießen können, zurückgeſtoßen habe, ohne jenem dadurch zu nützen. Nachdem er die Wichtig⸗ keit des Stoffes, auf den er jetzt kommen wollte, ernſ⸗ lich erwogen hatte, ſprach er behutſam:„Ich will germe ſagen, das Fräulein habe mich überzeugt, wenn es für unfehlbar angenommen werden könnte, daß das Reſul⸗ tat ein ſolches geworden iſt, wie das Fräulein ſich ver⸗ ſprochen hat.“ „Ja, das hoffe ich mit Gewißheit! Jeder ſeiner Briefe deutet auf eine verbeſſerte Gemüthsſtimmung, un bis er wiederkehrt— ich glaube nicht, daß das ſobald ſeyn wird,— iſt die Urſache des Uebels verſchwunden.“ „Die Urſache mag verſchwunden ſeyn,“ wiederholte der Doktor mit Nachdruck;„aber die Wirkung bleikt zurück!“ „Die Wirkung— o die ſtirbt mit einer unerwie⸗ derten Liebe.“ „Hierüber kann ich nicht mit dem Fräulein ſtreiten; aber verſchiedene Fälle bringen immer auch verſchiedene Wirkungen zum Vorſchein. Laſſen Sie uns deßhalb einen andern Fall annehmen. Wenn das Fräulein ſich zum Beiſpiel getäuſcht hätte, wenn das Fräulein den unerwarteten Fräulein ſe b Urſache dieſes Iſabelle ſich jedoch wie icht tragen, de ihrem Ge ſagte ſie mit eugte. n„Das F erwiederte der am beſten der entgegen wir „Ja frei „Hat m unterhält, n nicht gerade das Fräulein enthalten?“ Iſabelle verwirrt, die Argwohn ſch zeihen Sie, daß Sie nich auf dieſen tr mehr ich jetz ſuches nachd fällig war. führt ein „Nun hat, ſo will mich hieher es in Folg Richard geſ treue Schil wünſchte, konnte.“ unermeßlichen le vertrockneten 3 die erſtarrten Doktor, eher al ſteren Schmei Nuhe und So⸗ Geſpräch ei⸗ Beſtimmtes zu⸗ lten Arzte ver⸗ ichtete er dieſes enjenigen fäͤhig ußte beſſer als ſtand; und er das ſie mir⸗ geſtoßen hab, er die Wichtig⸗ i wollte, ernſt⸗ Ich will gerne wenn es für ß das Reſul⸗ nulein ſich ver⸗ Jeder ſeiner timmung, und aß das ſobald rſchwunden.“ „“ wiederholt Lirkung bleibt einer unerwie⸗ zulein ſtreiten; h verſchiedene uns deßhalb Fräulein ſich Fräulein den 363 unerwarteten Umſtand erlebte, daß nicht er, ſondern das Fräulein ſelbſt die Erfahrung machen müßte, daß die Urſache dieſes Kampfes nicht mehr vorhanden ſey?“ Iſabelle machte einen Verſuch ſich zu erheben, ſetzte ſich jedoch wieder; denn ihre zitternden Füße wollten ſie nicht tragen, und jede Spur von Lebensfarbe verſchwand von ihrem Geſichte.„Sollte man mich betrogen haben?“ ſagte ſie mit einer Stimme, die von großer Aufregung zeugte. zeng„Das Fräulein hat ja ſelbſt ſeine Briefe geſehen!“ erwiederte der Doktor mit jener ruhigen Faſſung, die am beſten der Furcht vor einem bevorſtehenden Schmerze entgegen wirkt. 3 5 4 „Ja freilich— aber warum dieſen Einwurf?“ „Hat man, wenn man ſich über Perſonen und Dinge unterhält, nicht das Recht, Alles vorauszuſetzen, was nicht gerade der Natur ſelbſt widerſpricht? Warum will das Fräulein in meinen Worten mehr finden, als ſie enthalten?“ Iſabelle ſchien einen Augenblick über die Bewegung verwirrt, die ſie verrathen hatte; aber der einmal erweckte Argwohn ſchlummerte nicht ſo leicht wieder ein.„Ver⸗ zeihen Sie, Herr Doktor,“ ſagte ſie,„wenn ich glaube, daß Sie nicht ohne einen beſondern Grund das Geſpräch auf dieſen traurigen Gegenſtand gebracht haben; und je mehr ich jetzt über die angegebene Zufälligkeit dieſes Be⸗ ſuches nachdenke, deſto mehr fürchte ich, daß er nicht zu⸗ fällig war. Nein, er iſt berechnet; den Herrn Doktor führt ein Geſchäft hieher?“ „Nun ja, da das Fräulein Alles ſo gut errathen hat, ſo will ich nicht länger behaupten, daß der Zufall mich hieher brachte. Ich geſtehe im Gegentheile, daß es in Folge eines dringenden Briefes vom Lieutenant Richard geſchah, dem ich, da er eine vollkommene ge⸗ treue Schilderung von dem Zuſtande des Fräuleins ninſchte, dieſen ſchmerzlichen Dienſt nicht verweigern onnte.“ — 1 ———— 364 „Guter, theurer Richard,“ ſagte Iſabelle leiſe, auch in der Ferne ſo viel Zärtlichkeit!“ 3 „Laſſen Sie ihn zurückkommen— und Alles witd beſſer werden!“ 4 „Gedenken Sie nicht, mich in Verſuchung zu führn, Herr Doktor; jetzt wäre es nicht nur ein theuer erkauftet Wahn, es wäre eine Thorheit, meiner und ſeiner un⸗ würdig! Dieſe letzten Monate will ich mir ſelbſt widmen, Mein Geiſt darf ſich nicht mit Dingen beſchäftigen, die... kurz und gut, Herr Doktor, es gibt nichts Frucht⸗ loſeres, als ein Verſuch auf meine Standhaftigkeit in dieſer Beziehung.“ „So höre ich denn auf, eigenſinnig zu ſeyn; allen ich thue nur meine Pflicht, wenn ich ſage, daß das Fräu⸗ lein durch dieſe Standhaftigkeit nicht nur ihr eigenes Le⸗ ben verkürzt, ſondern wahrſcheinlich auch dazu beiträgt, das ſeinige zu zerſtören, auf das man ohne Zweifel gegen⸗ wärtig nicht große Stücke bauen kann.“ Iſabelle ſchwieg, aber keine Miene, keine Bewegung verrieth Reue oder das Herrannahen eines geänderten Beſchluſſes. „Ich halte meine Handlungsweiſe für richtig,“ ſprach ſie,„und werde ſie dafür halten, vielleicht kommt ein Tag, wo auch mein guter Doktor ſie billigt, obſch jetzt eine zu große Theilnahme Sie daran hindert. Daß Richards tert wurde, läßt ſich aus der Stärke und Heftigkeit ſeiner Gefühle und dem Feuer ſeines Charakters erklaͤren! aber aufrichtig, mein beſter Doktor, an der Liebe ſtirbt Nie⸗ mand, wenn nicht eine andere Urſache dazu mithilft. Eine Stimme, der ich vertraue, ſagt mir, daß Richard ſeine Leidenſchaft überwinden wird; und dazu trägt das bei, was jetzt hart erſcheint. Doch unſer Geſpräch hat ſich erſchöpft; laſſen Sie uns ſchließen! Sagen Sie mir erigens noch vorher, Herr Doktor„ denn das wird mir woh ſo lange ich lebe; und eeſundheit ſo tief erſchüt. thun, ſagen Sie mir, daß ich Ihre Achtung beſitz; wenn ich auch nen kann.“ Manning Jahren hatte Hand geküßt. rung an ſeine ich kann nicht Handlungsweiſ Konſequenz vo gnädige Fräu Geit ſegne das bis ans Ende Seltenes an d nen Augen. „Ganz ge eine Schwacht hat; ich hoffe beſter Doktor! wohl zu bewal traut habe, ve einer langſam der Herr Dokt als wenn er e und vor Allen ſchreiben Sie Tröſtliches hat „Nie 75* „werde ich ein trauen macher wort: Das F in das Geheim Sie mir, daß „Hierin f nur auf mein ergeben.“ „Gut! G belle leiſe, auc ind Alles widd ung zu führm, theuer erkauſte und ſeiner mn⸗ ſelbſt widmen. n beſchaͤftigen nichts Frucht⸗ tigkeit in dieſe u ſeyn; allen daß das Fräu⸗ ihr eigenes Lo⸗ dazu beiträgt Zweifel gegen⸗ ine Bewegung ees geänderten richtig,“ ſprach ich lebe; und guter Doktor heilnahme Sie o tief erſchüt⸗ eftigkeit ſeiner rklären! aber be ſtirbt Nie⸗ azu mithilft. daß Richard zu trägt das Geſpräch hat igen Sie mir das wird mir Ftung beſitze; 36⁵ wenn ich auch nicht Ihre vollkommene Billigung gewin⸗ n.“ * tuaning fühlte ſich beſiegt. Seit wenigſtens zwanzig Jahren hatte der gute Mann keinem Weibe mehr die Hand geküßt, jetzt aber drückte er Iſabellens mit Rüh⸗ rung an ſeine Lippen:„Ich bin gerührt, mein Fräulein, ich kann nicht mehr ſagen! Ich glaubte nie, daß in der Handlungsweiſe eines Weibes eine ſolche Feſtigkeit und Konſequenz vorherrſchen könnte; und ich glaube, daß das gnädige Fräulein in dieſer Beziehung einzig daſteht. Geit ſegne das Fräulein, und laſſe ſie dieſen Muth auch bis ans Ende behalten.“ Eine Thräne, etwas höchſt Seltenes an dem abgehärteten Greiſe, ſtahl ſich aus ſei⸗ nen Augen. 3 4 „Ganz gewiß wird er nicht geſtatten, daß ich dann eine Schwachheit beweiſe, die mein Leben verläugnet hat; ich hoffe es wenigſtens! Aber noch ein Wort, mein beſter Doktor! Vergeſſen Sie nicht, das Geheimniß wohl zu bewahren, das ich Ihnen nach und nach anver⸗ traut habe, vergeſſen Sie nicht, daß mein Entſchluß auf einer langſam gereiften Ueberzeugung beruht, und daß der Herr Doktor mir keine größere Qual anthun könnte, als wenn er erriethe, was ich ſelbſt vor der ganzen Welt und vor Allem vor ihm verborgen gehalten! Uebrigens ſchreiben Sie Alles, was Ihr warmes Herz Gutes und Tröſtliches hat!“ „Nie,“ verſetzte Manning, indem er aufſtand, „werde ich einen unwürdigen Gebrauch von dieſem Ver⸗ trauen machen! Doch erlauben Sie mir ein Schluß⸗ wort: Das Fräulein muß Jemand in Ihrer Umgebung in das Geheimniß ihrer Krankheit einweihen. Glauben Sie mir, daß es nicht anders angeht!“ „Hierin füge ich mich, und meine Wahl kann dann nur auf meine gute Marie fallen; ſie iſt mir ganz ergeben.“ „Gut! Es iſt ein braves Mädchenz ſie gefällt mir, —————. 366 aber ich behalte mir vor, ihr morgen ſelbſt noch einte Inſtruktionen geben zu dürfen, ehe ich abreiſe.“ 5 „Das mag geſchehen!“ Iſabelle blieb allein. Und nun ſank ihr Haupt tief in die Kiſſen hinat Heiße Thränen um den Fernen bedeckten ihre Wanga Wie ſchmerzlich und doch wie ſüß war dieſe Botſchai von ihm, die ſo ſehr von der Unruhe ſeines liebenda Herzens ſprach! Doch glücklicherweiſe hegte ſie einig Zweifel uͤber die Wahrheit der Angaben, welche über ſeine Geſundheit erhalten hatte. Nicht daß ſi dachte, Richard habe einen ſolchen Vorwand benüt um von ihr eine Aufforderung zur Rückkehr zu erhaltn, Nein— aber er übertrieb gewiß, ohne daß er i ſelbſt wußte, das Uebel; er verwechſelte die Schmerz der Seele mit denen des Körpers. So mußte es ſich lich ſeyn. Erſt als ein Blick auf die Uhr ihr ſagte, daß i Stunde des Mittageſſens herannahte, ſtand ſie auf un trat zu einem der Spiegel hin, worin ſie ſich lange m mit forſchenden Blicken betrachtete. Der Doltor hatt den Kopf geſchüttelt und jetzt ſchüttelte ſie ihn ſelbſ „Dieß iſt alſo meine geprieſene Schönheit!“ ſeufzte ſie „Er hatte Recht, ſie können nicht blind dafür ſeyn; abn doch wagt Niemand, es mir zu ſagen. Aber wird e denn nicht bald beſſer werden?“ Sie ordnete die Falte⸗ ihres Kleides, warf den rothen Shawl um, und nahn jene ruhige und freie Haltung an, die mit einem nicht unbedeutenden Zuſatz von eleganter Nachläſſigkeit ihrn gewöhnliche Art ſich zu tragen bezeichnete. Bis auf i geringſte Kleinigkeit erſtreckte ſich ihre Umſicht, was an beſten daraus hervorging, daß ſie jede Linie, die in Unon⸗ nung gerathen war, bemerkte und zurecht legte— un dieß unter Verhältniſſen, wo es vielleicht nur großen Seelen gegeben iſt, ihre Gedanken ſo geringen Dinga zu widmen. Se Im Zim verſammelt. ſtuhl, Kopf vereinigt, und Virginiens H⸗ nach Weihnae dem Grafen nommen. De in Tyringsho! lag als Tjäͤll daß Virginie und da der 2 für ſo ziemlic ebenſo viel do ſaß Marie, di horchten beſtän Schritte verne „So vie herumgeſtreiſt niens Arm un all' ihre Arbe „Ich ha Länge nicht g mit ihrer her bitten, wenigſ „Recht a und acht Tag chen dort hab leiſtet! Wir oder wie?“ „Wir d geſchehen, da meinte Virgin „Entleid 367 2 noch eintg Sechsundzwanzigſtes Kapitel. preiſe.“ f leb allein. die Kiſſen hinnt Im Zimmer der Baronin war die übrige Familie n ihre Wangn, verſammelt. Beide Schweſtern ſaßen jetzt in ihrem Lehn⸗ dieſe Botſchnſ ſtuhl, Kopf und Hände über einem kleinen Nähtiſchchen ſeines liebende vereinigt, und ſchwatzten eifrig über die Vorkehrungen zu hegte ſie eing Virginiens Hochzeit, deren Feier man auf die Zeit gleich ven, welche ſe nach Weihnachten beſtimmt hatte. Der Sopha war von Nicht daß ſ dem Grafen und ſeiner jungen Braut in Beſchlag ge⸗ orwand benüßz, nommen. Der Erſtere war jetzt beinahe täglicher Gaſt ehr zu erhaltn. in Tyringsholm, welches Svärdſö um die Hälſte näher hne daß er i lag als Tjällſtorp. Es traf ſich alſo ganz vortrefflich, 2 die Schmerzn daß Virginie beinahe immer bei ihrer Tante verweilte, mußte es ſiha, und da der Major und ſeine Frau das Fideicommiß jetzt ſür ſo ziemlich eigen anſahen, hatten ſie ihre Heimath ſagte, daß ebenſo viel dort als in Tjällſtorp. In der Fenſterniſche and ſie aufm ſaß Marie, die Augen auf ihre Näherei, aber die Ohren e ſich lange m horchten beſtändig nach der Thüre, ob ſie nicht Iſabellens er Doktor hatz Schritte vernähmen. ſte ihn ſeltſt„So viel habe ich in meinem ganzen Leben nicht eit!“ ſeufzte ſe herumgeſtreiſt!“ ſagte der Graf, der vertraulich Virgi⸗ afür ſeyn; aln niens Arm unter den ſeinigen geſchoben hatte, wodurch Aber wird d all'' ihre Arbeit aufhörte. dnete die Falta„Ich habe ſchon daran gedacht, daß Dir dieß in die um, und nazn Länge nicht gut bekommen könnte,“ erwiederte Virginie mit einem uichtt mit ihrer herzlichen Schelmerei;„und wollte Dich eben achläſſigkeit in, bitten, wenigſtens einen Tag zu Hauſe zu bleiben!“ te. Bis auf di„Recht artig! Aber warte nur, ich werde einen nſicht, was m und acht Tage zu Hauſe bleiben, wenn ich mein Weib⸗ e, die in Unon⸗ chen dort habe, die nach mir ſieht und mir Geſellſchaft t legte— mh leiſtet! Wir werden doch nicht viele Beſuche machen, icht nur großa oder wie?“ geringen Dinge„Wir dürfen uns nicht einſperren; es möchte ſonſt geſchehen, daß uns unſer eheliches Glück bald entleidete!“ meinte Virginie. „Entleidete?— welch' ein Ausdruck!“ ———— 368 „Nun, nun, ſieh nur nicht ſo ſtrenge drein, wi können doch nicht wie Eremiten leben!“ „Aber was willſt Du denn anfangen, wenn de Herbſt mit ſeinen ſchönen Straßenanſtalten meinem Ueber⸗ redungstalente zu Hülfe kommt? Wirſt Du Dich dam in der Einſiedelei nicht wohl befinden?“ „O ja, vielleicht! Es gibt im Verlauf des Jahrtz eine ganze Menge Zufälligkeitstage, wo man für ſi allein ſeyn muß; aber ſiehſt Du, gerade um dieſe Ju⸗ fälligkeitstage zu den beſten und ſchönſten von Allen u machen, muß man mit dem beſtändigen Zuſammenſett haushalten. Man muß ſeinen ganzen Gefallvorrath nict erſchöpft haben, ehe er recht in Anſpruch genomm wird.“ Es lag eine ſo innige und heitere Unbefangenht in Virginiens Geplauder, daß der ihren Arm mit Wärme an ſich drückte.„Gleichwohl⸗ ſagte er leiſe,„können wir nicht halb ſo oft, wie jetzt i Tyringsholm ſeyn.“ „O,“ lächelte Virginie,„die Hälfte wird gewiß nicht zu viel ſeyn! Wir dürfen in unſerem Glück nicht egoxſtiſh werden. Man ſieht ja wohl,“ und Virginiens Ton wulz auf einmal ernſt,„was Iſabelle, obſchon ſie Alles in ſch verſchließt, an Körper und Seele leidet. Sie dürfen vir nicht allein laſſen!“ 8 „Sie kann zu uns kommen, warum muß ſie durc⸗ aus in Tyringsholm wohnen? Hier wird es ja immr öder. Wir werden ſie wohl überreden, wenigſtens don Zeit zu Zeit in Svärdſö zu verweilen.“ „Ach wenn wir das könnten! Aber ich möchte doch wiſſen, wo ſie heute ſo lange bleibt?“ „Ich möchte es auch wiſſen,“ ſagte der Graf, der Virginien bei den letzten Worten einen fragenden Blick zuwarf.„Sie iſt nicht wie gewöhnlich in dem rothen Kabinete.“ 1 „Worüber wundert Ihr Euch?“ fragte die Majorin und ergriff die niedergelegte Näherei wieder. glückliche Brautigun „Daß Iſa der Doktor nich wie ich dazu ko „Marieche ſchtig!“ ſagte Marie kam jer ihr der Doktor So ſehr a Doktor Mannit der bloße Anbl er fühlte ſich in und nur das ihm eingeſlößt gemeinſchaftlich Ihren W überwindend, Verbeugung g. Herr Doktor J „Ich kann „Aber nich „Ich hoff Der Dokte ſchen Ton an, gegen ſeine Fro vier Augen un niß um Rath anders ausgefa in Gegenwart fielen ihm, un ihm dieß anſal „Ich wun bunden iſt,“ der Doktor ſich ten.„Die Fr werden ſollen!“ Der Graf Das Fideico kenge drein, wit ngen, wenn der en meinem lebe⸗ ſt Du Dich dam rlauf des Jahte o man für ſit de um dieſe Zr⸗ ten von Allen a en Zuſammenſen efallvorrath nilt pruch genomm e Unbefangenſet kliche Bräutigan „Gleichwohl⸗ oft, wie jetzt i wird gewiß nicht ick nicht egoiſtiſh niens Ton wure ſie Alles in ſih Sie dürfen wit m muß ſie durch⸗ rd es ja immer wenigſtens don ich möͤchte doch der Graf, da fragenden Blich in dem rothen zte die Majotin, er. 369 „Daß Iſabelle nicht kommt, Mamachen! Auch iſt der Doktor nicht zu ſehen; vielleicht— ich weiß nicht, wie ich dazu komme, an beide zugleich zu denken?“ „Mariechen, geh einmal und ſieh nach, aber vor⸗ ſichtig!“ ſagte die Baronin mit einem belehrenden Blicke, Marie kam jedoch nicht weiter als bis zur Thüre, wo ihr der Doktor entgegentrat.— So ſehr auch Baronin Eugenie ſich anſtrengte, gegen Doktor Manning artig zu ſeyn, ſo war ihr doch ſchon der bloße Anblick dieſes Mannes äußerſt peinlich. Auch er fühlte ſich in der Geſellſchaft der Baronin etwas genirt; und nur das Intereſſe, welches Richard und Iſabelle ihm eingeflößt hatten, konnte ihn vermögen, ſich dieſem gemeinſchaftlichen unangenehmen Eindrucke auszuſetzen. Ihren Widerwillen gegen ein Geſpräch mit ihm überwindend, ſagte die Baronin, ſobald Manning ſeine Verbeugung gemacht hatte:„Wahrſcheinlich findet der Herr Doktor Iſabellen ſehr verändert?“ „Ich kann es nicht läugnen.“ „Aber nicht gefährlich, hoffe ich?“ „Ich hoff' es auch.“ Der Doktor nahm hier ungefähr denſelben lakoni⸗ ſchen Ton an, deſſen er ſich bei gewiſſen Gelegenheiten gegen ſeine Frau bediente. Wenn die Baronin ihn unter dier Augen und in einem Tone mütterlicher Bekümmer⸗ niß um Rath gefragt hätte, ſo würde ſeine Antwort ganz anders ausgefallen ſeyn; aber dieſe Fragen auf dieſe Art in Gegenwart mehrerer Perſonen an ihn geſtellt, miß⸗ fielen ihm, und er kümmerte ſich nicht darum, ob man ihm dieß anſah oder nicht. „Ich wundere mich nicht ſehr, daß er ſo kurz ange⸗ bunden iſt,“ flüſterte Virginie ihrem Nachbar zu, als der Doktor ſich abwendete, um ein Gemälde zu betrach⸗ ten.„Die Fragen hätten auf eine andere Art gethan werden ſollen!“ Der Graf nickte ihr leicht Beifall zu, und erhob Das Fideicommiß. II. 24 ————· 370 ſich raſch, um mit ſeiner gewöhnlichen Galanterie J bellen entgegenzugehen, die eben unter der Thüre erſchien und ſelbſt der Braut zum Trotze, eine gewiſſe Mat über den Grafen behielt. 3 Iſabelle grüßte ihn mit leichter Anmuth, ſcherz mit Virginie, welche erklärte, daß ſie eiferſüchtig an ſie ſei, und warnte den Grafen, ja einen ſo gefahrliche Fehler bei ſeiner künftigen Frau nicht aufkommen zu laſu Dann plauderte ſie ein wenig mit ihrer Mutter und i Majorin über die Muſter zu Virginiens Brautpantoff die ſie ſticken wollte, forderte Marien auf, ihren 6, ſchmack in der Wahl der Garnfarben zu zeigen, m ſtellte ſich dann neben dem Doktor, auf deſſen Geſitz jetzt ein lichterer Ausdruck lag. 3 Jetzt kam auch der Major und gleich darauf in Mittageſſen. Abends ſah man in Tyringsholm den erſten Stit⸗ tiſch ſeit dem Tode des Oberſten. Die drei Ham waren ſämmtlich zu glücklich hierüber, als daß ſie ze Vergnügen aus den Händen gegeben hätten. Sogar i Bräutigam entſagte freiwillig dem Reize des Hofmachen um ein paar Stunden lang ſeine Huldigung einzig i Karodame darzubringen. Am folgenden Morgen hatte ſich der Doktor, ehe n. abreiste, noch eine lange Lnte n mit Marien, de jedes Wort mit der größten merkſamkeit hörte m nicht eine von den Vorſchriften zu vergeſſen gelobte, de ſie erhielt. „Zeigen Sie ſich jetzt vor Allem nur nicht empfin⸗ ſam,“ ſagte der Doktor zum Abſchied;„denn dann komm die Mamſell mit dem Fräulein nicht zurecht, und daß vielleicht am Ende nicht einmal bei ihr ſein. Um it Vertrauen vollkommen zu gewinnen, muß Mamſell Mau ſtark ſein, wie ſie ſelbſt iſt. Kommen Sie nie mit Klagen daher, und machen Sie ſo wenig Fragen al möglich; aber im Uebrigen ſeien Sie zärtlich und b⸗ ſorgt für ſie, wie ſie es verient.“ „Der Het ich mich bene will mich gewi Herz vor Jan Gräßliche kenn „Ja, das lich ſelten iſt, die es ſelbſt ich meinte es zeugt, daß d Hände gegeben Buchſtaben von Marie w Doktor war g chen wollte ſi Gott Vater ſe Die letzte ſelbſt gewidme „Und we nicht ganz ſich lich; aber ſey ſchritte meiner „Ich wer doch halte ich zu führen. U Frühjahr wer einen neuen wohl und ſeyr Achtung für d Manning!“ Mit eine den ſie. Immer ſe länger und d immer brannt funne Lampe, Galanterie gſe⸗ er Thüre erſchien e gewiſſe Mat Anmuth, ſcheng eiferſüchtig mi n ſo gefährliche kommen zu laſſn Mutter und i Brautpantoff auf, ihren C⸗ zu zeigen, m uf deſſen Geſitz leich darauf ie den erſten Stit⸗ Die drei Ham als daß ſie du tten. Sogar da des Hofmachen igung einzig i r Doktor, ehen mit Marien, i amkeit hörte un ſſen gelobte, die ur nicht empfir denn dann komm urecht, und da r ſein. Um iß 6 Mamſell Man len Sie nie mi venig Fragen alt zärtlich und b⸗ 371 „Der Herr Doktor kann ſich darauf verlaſſen, daß ich mich benehmen werde, wie es mir zukommt! Ich will mich gewiß auf alle Art ruhig zeigen, obſchon mein Herz vor Jammer brechen möchte, da ich jetzt all' das Gräßliche kenne, das ſie auszuſtehen hat.“ „Ja, das muß man immer hören, obſchon es ziem⸗ lich ſelten iſt, daß das Herz denen vor Jammer bricht, die es ſelbſt ſagen. Doch werden Sie nicht ärgerlich; ich meinte es nicht boſe, ſondern bin vollkommen über⸗ zeugt, daß die Pflege des Fräuleins in keine beſſere Hände gegeben werden kann. Aber vergeſſen Sie keinen Buchſtaben von dem, was ich geſagt habe.“ Marie wagte kein Wort mehr. Der alte derbe Doktor war gerade nicht ihr Liebling. Aber ihm gehor⸗ chen wollte ſie dennoch, als ob jedes ſeiner Worte von Gott Vater ſelbſt käme. Die letzten Augenblicke des Doktors waren Iſabellen ſelbſt gewidmet. „Und wenn Sie ſchreiben, Doktor,“ ſprach ſie mit nicht ganz ſicherer Stimme,„ſo grüßen Sie ihn herz⸗ lich; aber ſeyn Sie nicht zu aufrichtig, was die Fort⸗ ſchritte meiner Krankheit betrifft.“ „Ich werde wohl überlegen, wie viel ich ſagen darf; doch halte ich mich nicht für befugt, ihn hinter das Licht zu führen. Und num tzufen mich andere Pflichten. Im Frühjahr werde ich, wenn das Fräulein es ſo wünſcht, einen neuen Beſuch abſtatten. Bis dahin leben Sie wohl und ſeyn Sie überzeugt, daß Niemand eine tiefere Achtung für das Fräulein empfinden kann, als der alte Manning!“ 3 Mit einem gegenſeitigen warmen Händedruck ſchie⸗ den ſie. Immer ſchwerer und trüber wurden die Tage, immer länger und dunkler die Nächte. In Jſabellens Schlaf⸗ zimmer brannte während dieſer langen Stunden die ein⸗ ſame Lampe, oft eine bleiche Gruppe beleuchtend: es 24* 372 war Iſabelle, die ſich in ängſtlicher Unruhe auf ihta ſchmerzenreichen Lager hin und her warf, und Manz, welche halb entkleidet auf einem Schemel neben ihr ſj und ihr mit, feſter Hand, aber thränenden Augen d dunklen Tropfen reichte. Selten ſprach eine von ihnan aber ihre Blicke hatten eine vielſagende Sprache. Mrt wurde Iſabellen immer theurer, immer unentbehrliche, und jene widmete ihr, die ſie zugleich mit der unermüd lichen Zärtlichkeit einer Freundin und der Hingebung einer Sklavin bediente, ein an Anbetung grenzendes Gefühl. Endlich kam ein ſtrenger und beſtändiger Winte mit herrlichen, ſternhellen Nächten. Da wollte Iſabele die Gardinen aufgezogen haben; und wenn der brei Silberſtrom des Mondes in das finſtere Gemach herei⸗ floß, wenn er ein ſchimmerndes Tuch über Iſabellen Bettdecke warf, und ein paar zerſtreute Strahlen mit ihren gelblichen Wangen und den dunklen ſchöna Haaren, die feſſellos über das weiße Nachtgewand herat⸗ fielen, ſpielten, da beugte Marie in brünſtiger Andagt die Kniee, und Iſabelle, die ihre Gefühle verſtand, ſiß empor zu dem glänzenden Sternbild des Bären m meinte auf ſeinen blaſſen Strahlen über die Wolken hin zufahren, und dann hielt ſie bei der luftigen Fahrt u den Alpen, wo ſie unter den Hütten am Fuße derſelben diejenige aufſuchte, wo er jetzt ruhte. Sie ſah ihn un küßte die Schweißtropfen hinweg, die ein angſtvollg Traum auf ſeine Stirne gerufen hatte.. Welche große Gegenſätze zeigen ſich oft nicht t dem beſchränkteſten Raume! Iſabelle und Virginie hier eine Braut, die ſich für die Bahre bereitet, dur eine andere, die ſich zum Altare ſchmückt! Aber Vi⸗ ginie ahnte nicht, daß ihre Wege ſo getrennt von eir ander lagen; ſonſt haͤtte ſich eine unendliche Bittertit mit ihrer Freude gemiſcht. In der Mitte des Januars wurde die Hochzeit it Tjällſtorp gefeiert. Sie war nicht glänzend; es hattn 5 zu viele und zu gefunden, um dieß fehlten zw deſto weniger des Gedeihens auch die Majo wieder hie und Ferne ſandte, mung nicht auf den ſchönen An die glücklich gen nur ſich nicht. Als die N in das von Iſa ließ ſie eine Th durch ſich auf ſagte die junge Mutter,„ich l Brautkrone fall Krone meines zu „So glaul geliebtes, theure einer Mutter, d nicht auf Felſen Dir nur ſagen ebenſo gute und zaͤrtliche und li nun, wenn ich könntel Hier,“ Sehnſucht, die: Zärtlich le Mutter, ihre T ſich ab; Niema aufſog. Am dritten in Svärdſö gehe zwei Monate ni ruhe auf ihten rf, und Man, neben ihr ſth, nden Augen die eine von ihnen Sprache. Marz unentbehrliche, it der unermü⸗ der Hingebung hung grenzendei tändiger Winte wollte Iſabal venn der brat Gemach herei⸗ über Iſabellen te Strahlen mi dunklen ſchönn htgewand herzi⸗ künſtiger Andact le verſtand, ſi des Bären um die Wolken hin⸗ ftigen Fahrt an n Fuße derſelben Sie ſah ihn un ein angſtvollg ich oft nicht n und Virginie ee bereitet, dor ickt! Aber Vo⸗ getrennt von ein ndliche Bitterkit die Hochzeit i nzend; es hatta — 373 zu viele und zu traurige Begebenheiten erſt neulich Statt gefunden, um eine lärmende Luſt zu geſtatten, und über⸗ dieß fehlten zwei geliebte Gäſte, Richard und Klas. Nichts deſto weniger lachte doch ein Geiſt der Geſundheit und des Gedeihens aus allen Anordnungen hervorz und wenn auch die Majorin ungeachtet ihrer Zufriedenheit immer wieder hie und da einen ſehnſüchtigen Seufzer in die Ferne ſandte, ſo wirkte doch ihre wehmüthige Stim⸗ mung nicht auf das Brautpaar ein 1 das der Umgebung den ſchönen Anblick zweier überſeliger Menſchen darbot, die glücklich genug waren, um Alles entbehren zu können, nur ſich nicht. Als die Majorin mit zitternden Händen die Krone in das von Iſabellen geſchmackvoll friſirte Haar einflocht, ließ ſie eine Thräne fallen, die zwiſchen zwei Locken hin⸗ durch ſich auf Virginiens Stirne ſtahl.„Ach liebe Mama,“ ſagte die junge Braut und küßte innig die Hand der Mutter,„ich bitte Dich, laß keine Thränen in meine Brautkrone fallen; denn ich fühle in mir, daß es die Krone meines zukünftigen Glückes iſt.“ „So glaube auch ich feſt und vollkommen, mein geliebtes, theures Kind; und ſey gewiß, daß das Gebet einer Mutter, das in der Brautkrone der Tochter fließt— nicht auf Felſen fällt! In dieſem Augenblicke kann ich Dir nur ſagen, daß ich Gott bat, Du möchteſt eine ebenſo gute und würdige Gattin werden, als Du eine zaͤrtliche und liebevolle Tochter warſt, und verzeih' mir nun, wenn ich heute nicht ſo heiter bin, als ich ſeyn könnte! Hier,“ ſie legte die Hand auf's Herz,„ſitzt eine Sehnſucht, die meine Virginie mir erlauben wird.“ Zärtlich legte die Tochter ihre Wange an die der Mutter, ihre Thränen vermiſchten ſich. Iſabelle wandte ſich ab; Niemand gewahrte die Thräne, die ihre Lippe aufſog. Anm dritten Tage nach der Hochzeit wurde der Einzug in Svaͤrdſö gehalten. Da war es, wo Virginie, die ſeit zwei Monate nicht mehr dort geweſen war, Gelegenheit — —— ſeehen! 274 bekam, die unendliche Sorgfalt zu bewundern, die ig Gatte angewendet hatte, um ihr all' die Annehmlichkete zu bereiten, welche eine Heimath darbieten kann. „Hier fehlt nichts, was zur Bequemlichkeit dar Lebens beitragen kann,“ ſagte ſie, als ſie allein mi ihrem Gatten die Herrlichkeit beſchaute, die ſie umgut „und mit Gottes Hülfe wird es hier auch nicht an di Beſten mangeln: an glücklichen Herzen! Und auch ain dankbares Herz gibt es hier; denn jetzt, wo ich, ohn zu erräthen, mit Dir darüber ſprechen kann, muß it ſagen, daß die arme Virginie wirklich eine ſehr einſan und armſelige Parthie für den reichen Hofmarſchall wu⸗ „Erſt in Dir erhielt ich den edelſten Schatz; ate da Du jetzt ſo offenherzig biſt“— der Graf zog ſin junges Weib neben ſich auf den Sopha nieder— ſage mir, ob es wirklich möglich war, daß Du mich he unſerer Verlobung liebteſt?“ „Wenn das nicht der Fall geweſen wäre,“ verſe ſie lachend,„ſo wären wir wohl nicht verlobt wor Aber ſeitdem hab' ich Dich immer mehr geliebt, und u jetzt an werde ich es ganz unendlich thun; denn ich gewiß, daß Du mir nie eine Seite offenbaren wirſt, d den Eindruck benimmt, den ich jetzt von Dir habe.“ „Nein, gewiß nie, ſo weit es in meinen Kriſte ſteht! Aber vergiß nicht, meine Virginie, daß Du ein alten Mann geheirathet haſt! Ich hoffe zwar, daß mait Laune nie mürriſch werden wird; aber die Geſundhe kamn deſto übler werden, und dann mußt Du Nachſtt mit mir haben, und mir Deine Liebe nicht entziehen.“ „Gewiß!“ fiel ſie herzlich ein und erwiederte 1 freundliche Liebkoſung.„Du mußt mich nicht mißte Ich weiß wohl, daß auch das glücklichſte Lt ſeine Schattenſeiten hat; aber die müſſen wir mit 0 gebung ertragen. Was ich ſagte, bezieht ſich auf Dein Charakter und Deine Zartlichkeit gegen mich, und bah werden unverändert bleiben. Wenn dagegen Laune Geſundheit mit den Jahren etwas ſchlimm werden, * M werde ich die pflegen! Ich d liebt, muß ihn Zeit laſſen, daß Die Antwe ſeinem Handdr Iſabelle unter wollte ſich zurü gegen, und inde erbietig küßte, „Was Got „Wollte C alle verabſchied könnten!“ „Laß Du erwiederte Iſabe meine Sehergal war, die im ve als es ſich dar ſeyn ſollte, und ſich die Göttin Sieb Januar u floſen. Oft ka auf der klingend Beſuch; aber das, was es ge Es war ihnen nicht ferner übe Die ſtreng und zum Einz hatte, hatte als könne ſie lichkeit aber nu⸗ indern, die ihn Annehmlichkeite kann. zuemlichkeit da ſie allein mi die ſie umgat ch nicht an da Und auch ah wo ich, ohn kann, muß i⸗ ine ſehr einfatt fmarſchall wan⸗ en Schatz; ale Graf zog ſie a nieder— ſ aß Du mich ve wäre,“ verſtt t verlobt wona geliebt, und te n; denn ich te nbaren wirſt,d Dir habe.“ n meinen Kriſte ie, daß Du eim zwar, daß maͦ er die Geſundhe ußt Du Nahſt icht entziehenn id erwiederte ſei ich nicht mißte glücklichſte Lt ſſen wir mit 6 ht ſich auf Dein mich, und beh igegen Laune im llimm werden, 375 werde ich die erſtere ſchon aufmuntern und die letztere pflegen! Ich denke, ein Weib, das ihren Mann innig liebt, muß ihn feſt ans Leben ketten; es ſoll ihm keine Zeit laſſen, daß er merken kann, er werde alt.“ Die Antwort des Grafen lag in ſeinem Blick, in ſeinem Handdruck. In dieſem Augenblicke zeigte ſich Iſabelle unter der Thüre Sie lächelte ihnen zu und wollte ſich zurückziehen; aber beide gingen ihr raſch ent⸗ gegen, und indem der Graf ihre Hand faßte und ſie ehr⸗ erbietig küßte, ſprach er mit bedeutungsvoller Stimme: „Was Gott thut, das iſt wohl gethan!“ „Wollte Gott,“ ſetzte Virginie heiter hinzu,„daß alle verabſchiedeten Liebhaber Iſabellens daſſelbe ſagen könnten!“ „Laß Du meine Liebhaber fuͤr ſich ſelbſt ſorgen,“ erwiederte Iſabelle in demſelben Tone,„und preiſe dafür meine Sehergabe! Erinnerſt Du Dich noch, daß ich es war, die im vergangenen Jahr das Loosziehen vorſchlug, als es ſich darum handelte, wer Wirthin in Svärdſö ſeyn ſollte, und indem dieſes Loos auf Dich ſiel, nahm ſich die Göttin des Schickſals dieſen Wink zu Papier.“ Siebenundzwanzigſtes Kapitel. Januar und ein Stück vom Februar waren ver⸗ floſen. Oft kam Graf M— mit ſeiner jungen Gräfin auf der klingenden Schlittenbahn nach Tyringsholm auf Beſuch; aber es war doch ein getrenntes Leben gegen das, was es geweſen war, denn oft iſt doch nicht immer. Es war ihnen ſo wohl zu Hauſe und Jſabelle ließ ſich nicht ferner überreden, Tyringsholm zu verlaſſen. Die ſtrenge Kälte, die auf der Reiſe zur Hochzeit und zum Einzugsſchmaus und wieder zurück geherrſcht hatte, hatte Iſabellen, welche die Miene haben wollte, als könne ſie jede Veränderung ertragen, in der Wirk⸗ lichkeit aber nur ſehr wenig ertrug, ſehr wehe gethan. ——.———-—-— 376 Ein ſcharfer, kalter Nordwind erſtarrte ihre Glieder und machte ihr Blut zu Eis; und kaum ein wenig 1an wärme war noch darin, als ſie, auf dem Sopha in den rothen Kabinete liegend, hinausſchaute, wie der tanzende Sonnenſtrahl die rothe Gardine küßte, hinter deren Fakta Richard ſo oft verborgen geweſen war. Ach, dieſe Zeit war längſt dahin; aber noch lebten die Bilder, die ſi in den entflohenen Tagen der Wonne geſammelt hatt in ihrem Gedächtniſſe. Seit Ende Jannuars hatte ſich ein ſtärkerer Drnt auf ihr Herz gelegt, eine heimliche Unruhe, welche itt oft von dem umſchleierten Auge der Majorin wie zurückgeſpiegelt wurde. Es war lange her, daß Briit von Richard gekommen waren. Die Zubereitungen zu Hochzeit hatten das mütterliche Herz die Zeit wenig genau rechnen laſſen; aber nun, da dieſes Weſen vorübe war, und das heimathliche Leben wieder ſeinen gewöhn⸗ lichen Gang angenommen hatte, fühlte ſie mit jede Poſttage, der ihre Hoffnung täuſchte, eine immer fült⸗ terlichere Angſt. Doch ſchwieg ſie, um ſie nicht auf bei den Anderen zu erwecken. Der Major und au Virginie theilten ſie aber dennoch; allein keines hatte d Muth, ſeine Beſorgniß auszuſprechen, weil es ja durt⸗ aus nichts Wichtiges ſey, wenn ein Brief zufällig ve⸗ zögert würde. Auf Iſabellens geſchwächten Kräfte mußte dieſtt lange Schweigen, das ſie mit ernſter Beredſamkeit m Doktor Mannings Aeußerung erinnerte, höchſt gefährit einwirken. Auch ließen ſich die abgezehrten Züge, d ſtarke Ausdruck eines unterdrückten Schmerzes nicht u verbergen; doch obſchon Alle ſahen, daß ſie hinwellt hielt ſie gleichwohl ihre Theilnahme dadurch zurück, di ſie beſtändig in ihrem Weſen jene einnehmende, aber kilt Freundlichkeit zeigte, die alles Vertrauen zurückweitt Niemand wollte oder wagte ſie zu fragen; denn bei zi geringſten Anſpielung auf ihren Geſundheitszuſtan, runzelte ſie ihre ſchönen Augenbraunen auf eine Art, i * deutlich ihr 2 rach. ſ Eines I Rechte, das e (obſchon, w Recht etwas f Iſabellchen, vielmehr wir täglich diejeni Kräfte erford⸗ Gewiſſen erla Es lag dieſen Worter auf Iſabellen ſie ſtröſtend, Aber glaube mir ſehr ſch Manning hie Aufenthaltort ſeyn. Aber j wollen wir ſprechen! Die Ba in Ausführu dieß fürchtet ſchädlich ſey mit der Uebe habe, was il zu thun ſey tel mit der jahr wollte bereden. Inzwiſ Während da Geſchäfte r. ſeinem klein wohl hin u re Glieder und wenig Lebens⸗ Sopha in den die der tanzende ter deren Falt Ach, dieſe Zet Bilder, die ſe eſammelt hatt, ſtärkerer Drut che, welche inr Najorin wieͤe er, daß Briff bereitungen zu e Zeit weniza Weſen vorübe ſeinen gewöhr⸗ ſie mit jeden e immer fütt⸗ ſie nicht aus tajor und auf keines hatte da deil es ja durt⸗ ef zufällig ve e mußte dieſe Beredſamkeit n höchſt gefährit ſrten Züge, R zzes nicht länge ß ſie hinwelin rch zurück, di zende, aber kalt ien zurückwit ; denn bei di ſundheitszuſtan if eine Art, d 377 deutlich ihr Mißbehagen mit derlei Unterhaltungen aus⸗ rach. ſ Ezines Tages ſagte jedoch die Baronin mit dem Rechte, das eine Mutter hat, ſich nicht abweiſen zu laſſen (obſchon, was die Baronin betrifft, dieſes mütterliche Recht etwas ſpät in Anſpruch genommen wurde):„Liebes Iſabellchen, wir müſſen einen Arzt holen laſſen, oder vielmehr wir müſſen nach einer Stadt ziehen, wo Du täglich diejenige Pflege erhältſt, welche Deine geſchwächten Kräfte erfordern. Wahrhaftig, das muß geſchehen! Mein Gewiſſen erlaubt mir keine laͤngere Nachgiebigkeit“ Es lag eine ſo herzliche und ängſtliche Unruhe in dieſen Worten der Mutter, daß ſie ſogar einigermaßen auf Iſabellen einwirkten.„Meine beſte Mama,“ ſagte ſie ſtröſtend,„ich brauche hier zu Hauſe Arzneimittel. Aber glaube mir, ein Zug jetzt mitten im Winter würde mir ſehr ſchädlich ſeyn. Im Frühjahr kommt Doktor Manning hieher, und falls er mir eine Aenderung des Aufenthaltorts anräth, ſo werde ich gewiß nicht dagegen ſeyn. Aber jetzt iſt es unmöglich, und deßhalb, Mamachen, wollen wir weder von dem einen, noch dem andern ſprechen! Die Baronin, die ſich niemals durch Hartnäckigkeit in Ausführung ihrer Entſchlüſſe auszeichnete, und über⸗ dieß fürchtete, daß eine Winterreiſe Iſabellen wirklich ſchädlich ſeyn könnte, gab endlich nach, indem ſie ſich mit der Ueberzeugung tröſtete, daß ſie wenigſtens gethan habe, was ihre Pflicht erforderte, und daß weiter nichts zu thun ſey, da Iſabelle gewiß die verordneten Heilmit⸗ tel mit der größten Genauigkeit gebrauche. Im Früh⸗ jahr wollte ſie ſie jedoch beſtimmt zu einem Zuge bereden. Inzwiſchen wurde Tyringsholm immer einſamer. Während des Winters ſelbſt, wo die landwirthſchaftlichen Geſchäfte ruhten, fand es der Major angenehmer, auf ſeinem kleinen Tjällſtorp zu ſitzen. Die Majorin zog wohl hin und her, und bisweilen kamen auch Nachbarn —————— ——— 378 auf B r ſt wäl auf hech Ldie der Oberſt während ſeiner Glanzperiod geachtet gab es ſäuſal. angeſehen hatte; aber deſſen 9 henchürt dad viele Tage, wo die Baronin und Ii⸗ khlag der bunmener Einſamkeit lebten; denn der ir hunn dennnan den⸗ daß ihre Tochter eine Geſellſcha en hehen Düer eine von ihren alten Stockholnt war von Iſab d duden längeren Beſuch einladen ſjaln den hoien Welen durchaus zurückgewieſen worden 3 Aeiee ubti te hen hatte ſie ſogar nicht die gering obſchon ſie vadee deßeſe Gef Hnennenen laßfi 1 ſch eder mißtrauiſch erſchien, noch ſi — die Finförmileßt unterbrochen d inh nu dih Die Fau Ihren Blick eine größere Zufeiedenhen veht⸗ enüch. einen Zwang auferlegen durfte. ei nnar einrichten laſſen. ner in der Rähe als Sauf Es war den achtzehnt F z ztzehnten Februar Ab Le nn hereraneare ncenenſere 4, und arie a ihr ei Bimwer gegangen, um eine Weile mit 6 Rundan der fich⸗ inr auf Beſuch angelangt war. Ein Bediente der oiehs nwänſen Zimmer aufhielt, hatte lange Zeit venge warte. ob das Fräulein nach Licht ſchellen d dieſes Geona gegeneunnerdng eingetreten, ohne elle genoß eine tiefe nn und ungernfen Iſ wgtenm 5. Mehniefe daheaun von dem Dienſtperſonale— Den Kopf auf den Ell 4 uf den Ellenbogen geſtützt J auf dem Sopha, in Gedanken veet geftutt,elacr Gſäbel Ernſt ſie die Zei 1. Lrüſoſe wir eiran die Finſterniß um ſie her hatte ahende, wo der güs war einer jener naßkalten Winter⸗ Mantet uunft Ronn obſchon neu, kaum ſeinen grauen den Lichtſchimr. och gewährte er jetzt einen hinreichen⸗ ar laſten hin h um die Gegenſtände gewahr werden Teſtament uf dem Tiſche vor Iſabellen lag das neue aufgeſchlagen; und in den Blicken, die ſie hie und da durch Firmamente eine ſtarke S Bruten verre letzteren Zeit, mer entfernte Nachſinnen i die den Gru Lebens bildete in dem endlof wieder an de und drang m Schauer ſie kel daſtand. mer fort, ur und ſie fand erlöſchen zu und befriedig hoffte, und können, die bereitung zur ſſches Band, reißen, ihre Allmähl ligion auf ihre ganze 2 Noch e danken all' dort auf de mel zu ihre war, als zeigte, ſie ſigen, herrli Ach, ſeine liebte das L nungen bet Iſabelle ni 379 Glanzperiode und da durch das Fenſter hinauf nach dem umſchatteten r deſſen un⸗ Firmamente warf, lag jener denkende Ausdruck, der zwar n und Iſa⸗ eine ſtarke Spannung der Seele, aber kein kränkliches in der Vor⸗ Brüten verräth. Iſabelle hatte ſich beſonders in der Geſallchaſ letztren Zeit, wo die Stürme der Leidenſchaften in im⸗ Stockholmer mer entfernteren Abſtänden erdröhnten, viel mit dem laden ſollt, Nachſinnen über die religiöſen Wahrheiten beſchäftigt, worden. In die den Grund ihrer Hoffnung für eine Fortdauer des die geringſte Lebens bildeten; und wenn ſie auch manchmal den Weg laſſen; und in dem endloſen Labyrinthe verlor, zündete ſie doch bald ſich genit wieder an der Flamme des Glaubens ihre Fackel an, atd, ſo las und drang mit dieſer immer tiefer, bis ſie mit bebendem zufriedenhal Schauer ſie wieder verlor, und in einem endloſen Dun⸗ Mifte. Sie kel daſtand. Aber ſie blieb nicht ſtehen. Sie ſuchte im⸗ Kabinete zu, mer fort, und noch einmal rollten die Nebel hinweg, als Schlaf⸗ und ſie fand ihre leitende Leuchte wieder, um ſie immer erlöſchen zu ſehen. Ihre Gedanken waren jetzt ruhig bends gegen und befriedigt; ſie wußte, was ſie glaubte, was ſie fft der Na⸗ hoffte, und ſie hätte die ganze volle Seligkeit genießen ihr eigenes können, die einem gläubigen Chriſten bei ſeiner Vor⸗ r Mutter zu bereitung zum Tode ſich darbietet, wenn nicht ein irdi⸗ n Bedienter, ſſches Band, trotz all' ihres Bemühens, ſich davon los zu lange Zeit reißen, ihre Seele noch gefeſſelt gehalten hätte. eicht ſchellen Allmählig gingen Iſabellens Gedanken von der Re⸗ etreten, ohne ligion auf den einzigen Gegenſtand über, der zunächſt fen— Iſa⸗ ihre ganze Aufmerkſamkeit in Beſchlag nahm. perſonale— Noch einmal erlaubte ſie ſich die Wonne, in Ge⸗ danken all' die heitern Stunden zu durchgehen, wo er lag Iſabelle dort auf dem Tabourete neben ihr oder auf dem Sche⸗ n Tiefe und mel zu ihren Füßen geſeſſen war. Sie ſah ihn, wie er ie her hatte war, als das Leben ſich ihm noch in lachenden Farben ten Winter⸗ zeigte, ſie hörte ihn von der Freude ſprechen, der„ro⸗ inen grauen ſigen, herrlichen Gabe,“ die er ſo ſehr, ſo warm liebte. hinreichen⸗ Ach, ſeine eigene Seele war ja auch ſo fröhlich, er ahr werden liebte das Leben, bis das Leben ihn um alle ſeine Hoff⸗ g das neue nungen betrog! Aber bei der Zeit der Betrübniß weilte „die ſie hie Iſabelle nicht langez ſie ſah Richards Bild in ſeiner —— 380 ſchönſten Zauberkraſt, friſch und ſtrahlend. Da fällig ihr Blick auf die halbgeſchloſſene Thüre, Empfindungen, die Iſabellens fiel zu⸗ und mit ſtarker Seele ſonſt fremd waren, meinte ſie eine Geſtalt wahrzunehmen, die in dem ſchwachen Mondlicht zwar wie Richards ausſah, aber es doch nicht war; denn das Geſicht, auf das ihre Augen, wie feſtgeheftet, ſchauten, hatten keine Lebens⸗ farbe. Ueberzeugt, daß die Einbildungskraft, der ſie ſtets mißtraute, ihr hier ein Trugbild vorgaukelte, ſchloß ſie die Augen; aber auch durch die geſenkten Wimper ſah ſie denſelben Gegenſtand. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihren Lippen, und unbeſchreiblich war ihr Gefühl, als dieſer Seufzer in einem noch dumpferen Tone erwiedert ward. Indem ſie ſich anſtrengte, vermochte ſie den Blick feſt nach der Thüre zu richten, und es war ihr nicht länger möglich, an eine Täuſchung der Phantaſie zu glauben: die Geſtalt ſtand da, aber die eingeſunkenen Augen, die bleichen Lippen, gehörten dem Tode an. Das Blut erſtarrte in Iſabellens Adern; ſie hatte nur Ei⸗ nen Gedanken: Richard war ihr vorangegangen, und ſein Geiſt war gekommen, ſie zu beſuchen. Unwillkühr⸗ lich ſtreckte ſie die Arme aus, und flüſterte leiſe:„Ri⸗ chard!“ Aber o Gott, ihre Sinne ſchwindelten! Dieſes We⸗ ſen, das nun hervorſtürzte, das ſie an ihr Herz drückte, war kein unkörperliches Ding. Nein, es war wirklich Richard, Nichard, mit dem in ſieben Monaten dieſe un⸗ glaubliche Verwandlung vor ſich gegangen war. „Richard, biſt Du es, Du— ja, Du biſt Ri⸗ chard!“ Iſabelle bekämpfte ihren Schmerz beim Wieder⸗ ſehen des Geliebten nicht. „Ja, Iſabelle, hier haſt Du mich wieder! Ich ſtand unter der Thüre, denn ich glaubte, Du ſchliefeſt. Ein Mal, es iſt ſchon lange her, fand ich Dich auch in dieſem nämlichen Zimmer ſchlafend, aber da war Vieles anders, vor Allem Du! Vergib, vergib, wenn ich Dich erſchreckte, aber ich ward von einer tödtlichen Angſt er⸗ — riffen, als ie dif— und d „Mich er können uns in „Und das am beſten, all ſo lange fort, Zeit noch zuſa deſt? Willſt nigſtens auf 2 Athemzug lauſ wenn ich ihn keine Luſt am „Bleibe, Wir werden ei ich mich nicht Kummer männ „Männlich Lippen flog ein lich, aber vol andere Verthei wie ich gekämp brauchſt Du n Dir ſagen: ich nicht gewußt Ruhe nicht me ſeyn, ohne da einmal eine Ze ſinnigen Leiden Und es w Aeußern; aber wie es innen a Welt der Leiden verachtet haben des Mitleids z er wollte. E nahe ſeyn. Da fiel zu⸗ e, und mit onſt fremd den, die in rds ausſah, auf das ihre iine Lebens⸗ der ſie ſtets 3 ſchloß ſie Wimper ſah zer entfuhr Gefühl, als ne erwiedert ie den Blick r ihr nicht hantaſie zu ingeſunkenen e an. Das te nur Ei⸗ angen, und Unwillkühr⸗ leiſe:„Ri⸗ Dieſes We⸗ derz drückte, dar wirklich en dieſe un⸗ r. u biſt Ri⸗ im Wieder⸗ ieder! Ich u ſchliefeſt. ich auch in war Vieles in ich Dich ꝛ Angſt er⸗ 381 griffen, als ich ſah... Iſabelle, Du biſt nicht mehr Du— und doch noch immer Du für mich!“ „Mich ergriff ein gleiches Gefühl, Richard! Wir können uns in einander ſpiegeln!“ „Und das wollen wir auch thun, denn es iſt jetzt am beſten, allen andern Spiegeln zu entſagen. Ich war ſo lange fort, als ich vermochte; laß uns jetzt dieſe letzte Zeit noch zuſammen ſeyn! Sage, daß Du mich hier dul⸗ deſt? Willſt Du mich nicht ſehen, ſo laß mich doch we⸗ nigſtens auf Deiner Schwelle liegen und nach Deinem Athemzug lauſchen! Ich bin nicht im Stande zu leben, wenn ich ihn nicht bisweilen hören darf, und ich habe keine Luſt am Sterben, ſo lange Du noch hier biſt.“ „Bleibe, Richard, bleibe jetzt immerhin bei mir! Wir werden einander tröſten! Aber ach, wie ſehr hatte ich mich nicht bei dem Gedanken geſreut, daß Du Deinen Kummer männlich trügeſt!“ „Männlich!“ wiederholte Richard, und über ſeine Lippen flog ein Lächeln, das weder bitter noch ſchmerz⸗ lich, aber voll tiefen Vorwurfs, und beredter als jede andere Vertheidigung war. Weißt Du wohl, Iſabelle, wie ich gekämpft habe? Nein, das weißt Du nicht, und brauchſt Du nicht zu wiſſen. Aber nur dieß will ich Dir ſagen: ich wäre nicht wieder gekommen, wenn ich nicht gewußt hätte, daß der Sturm meiner Liebe Deine Ruhe nicht mehr ſtören wird. Ich kann Dir jetzt nahe ſeyn, ohne daß Du je davon reden hören ſollſt, daß es einmal eine Zeit gab, wo ich der Sklave einer wahn⸗ ſinnigen Leidenſchaft war. Jetzt bin auch ich ruhig.“ Und es war Ruhe in ſeinem Tone, Ruhe in ſeinem Aeußern; aber er that wohl daran, nicht zu erwähnen, wie es innen ausſah. Er wollte vor ihren Blicken dieſe Welt der Leidenſchaften verbergen, und er würde ſich ſelbſt verachtet haben, wenn er gekommen wäre, um einen Blick des Mitleids zu erbetteln. Nein, das war es nicht, was er wollte. Er wollte nichts, als ihr beim letzten Kampfe nahe ſeyn. 382 i ich ſch fü i Nein, al Vergib mir, Richard! Ich fühle„daß ich Unrecht Nein/ hatte„Deihen Iſabelle mit weicher Stimmez„aber du reu ſie i. kannſt auch jetzt ganz ohne Gefahr bei mir ſeyn.„Hmn fehn, de ſr Du mich recht betrachtet?“ Es war ein verzweifelte Blit der Fertli Verſuch zu ſcherzen, und er mißlang auch vollkommen. Gots ſey Sie wandte ſich weg, und der Mond vertheilte ſeinen Weurn blaſſen Schein über dieſe zwei Weſen, die bei ſeinem en ueng Büi Lichte übereinander weinten. Er ſank am Sopha auf Ehllarut die Knie nieder, und lehnte ſein Haupt an ihre Schulte, Fräͤukein ſchn und ſie, der qualvollen Seligkeit der Minute nachgeben, rlden Grafen ließ ihren Arm um ſeinen Hals ſich ſchlingen.„Wenn ſe h Sdun Do ihn betrachtete, meinte ſie gewiß zu ſeyn, daß ihre Nähe unhenndich hier ihm nicht mehr Schmerzen bereiten könnte, als ihre A⸗ üſe dereinürin weſenheit. Schlimmer als es war, konnte es nicht wer⸗ Eſelt, unt der den; und warum alſo ihnen Beiden de kurze Gluͤckſelig⸗ Per Iaſiikt ni keit einiger flüchtigen Stunden verſagen? dit g Reſch anf die Faſt eine Viertelſtunde verging ſo, ohne daß Einas erhelt hatt den Muth hatte, den Frieden des Augenblicks durch ein 3a wohl, Erinnerung an die Vergangenheit oder die Zukunſt a un Finſterniß ſtören. Da regten ſich leichte Schritte auf dem Fuß⸗ veahtung an teppich, und ein Ausruf von Marien ſprach ihre B2 dten, ſtürzung darüber aus, einen Mann in dieſer Stellung„Verzeihen an Iſabellens Seite zu finden; und ihr Erſtaunen, ol⸗ a der Lhure wohl ſie es zurückhielt, vermehrte ſich noch, als ſie fand, ſceinlich nicht⸗ daß es Richard war, aber mehr einem Geſpenſt, als einen„MNein, Na kenſchen ähnlich. 1 in, M 34 icen uuic Marie nicht mehr?“ ſagte er und ging Vnee dtewir. ihr entgegen.. Vr lein ühr Die wohlbekannte Stimme und der Druct ſeiner binehn G4 Hand erhöhten noch Mariens ſchmerzliche Rührung: ſinaus. „Ach,“ erwiederte ſie leiſe,„der Herr Lieutenant An Mit gekreu nicht gut wieder zu erkennen! Was wird die Frau Nr. Sopha. Iſabel jorin ſagen!“ cnele jouin Uends überreizte Gefühle, die ſich bisher an eing uuehuſen einzigen Gegenſtand feſtgebunden hatten, erhielten durt Allem abzuwend dieße Worte einen neuen Berührungspunkt.„Mein„Du ſiehſt in Mutter, meine gute Mutter, iſt ſie hier?2 34 ß ich Unrecht ez„aber Du r ſeyn. Haſt verzweifelter vollkommen. rtheilte ſeinen e bei ſeinem Sopha auf ihre Schulten, te nachgebend, n. Wenn ſie aß ihre Nähe als ihre Ah⸗ es nicht wer⸗ ze Glüͤckhſelig⸗ ne daß Eines icks durch eine e Zukunſt zu nuf dem Fuß⸗ rach ihre Be⸗ ieſer Stellung rſtaunen, ol⸗ als ſie fand, nſt, als einen e er und ging Druck ſeiner he Rührung: ieutenant war die Frau Mo isher an einn erhielten durſ ikt.„Meint 383 „Nein, aber ſie kommt heute Abend, mit der Ba⸗ ronin; ſie ſind jetzt in Svärdſö.“”“ Richard ſchien eine große Laſt dadurch abgenommen zu ſeyn, daß er nicht gleich im Augenblicke dem angſtlichen Blick der zärtlichen Mutter begegnen mußte. „Gott ſey Dank,“ ſagte er;„ich bekomme ſo doch ein wenig Zeit, um mich zu erholen! Virginie kommt auch wohl mit?“ 1. „Vielleicht weiß der Herr Lieutenant nicht, daß das Fräulein ſchon vermählt iſt? Bis morgen erwarten wir hier den Grafen und die Gräfin. Wie werden die über⸗ raſcht ſeyn! Doch jetzt laufe ich nach Licht; es iſt recht unheimlich hier innen. Und darf ich nicht auch den Thee hereinbringen?“ Dieſe Frage wurde an Iſabellen geſtellt, mit der Marie aus einem gewiſſen Zartgefühle oder Inſtinkt nicht früher hatte ſprechen wollen, als bis ſie ſich auf die, wie Marie meinte, unangenehme Störung erholt hätte.— „Ja wohl, Mariechen, Du haſt recht! Mondſchein und Finſterniß machen uns ſchauerlich. Komm Du mit Beleuchtung und Thee. Ich will Richard ſelbſt be⸗ dienen.“ „Verzeihen Sie,“ fragte Marie, und blieb erröthend an der Thüre ſtehen;„der Herr Lieutenant hat wahr⸗ ſcheinlich nicht“... „Nein, Mariechen, ich habe Klas Malchus nicht be⸗ gegnet, ſeit wir uns vor meiner Schweizer Reiſe trennten; aber ſeine Briefe ſagen mir, daß er ſich vollkommen wohl befindet.“ „Nun, Gott ſey Dank!“ ſagte Marie, und eilte hinaus. Mit gekreuzten Armen ſtand Richard jetzt vor dem Sopha. Iſabelle ſah nicht auf; aber ſie fühlte dennoch den mächtigen Einfluß ſeiner Nähe, und vor dieſem Einfluſſe zitternd, bemühte ſie ſich, das Geſpräch von Allem abzuwenden, was ihr eigenes Verhältniß berührte. „Du ſiehſt in Marie,“ ſprach ſie,„die Theilhaberin an ——ÿ 384 meinen Geſchäften, meinen Schmerzen und meiner Freude Sie iſt eine paſſende und glückliche Geſellſchaft für Je⸗ mand, der ein ſolches Halbleben führt, wie ich.“ „Sie beſitzt Dein ganzes Vertrauen?“ „Vollkommen!“ „Gott ſey Dank, daß Du Jemand geſtattet haß, Dich zu pflegen! Aber von nun an werde ich duisſet Jemand ſeyn! Dieſen traurigen Troſt darf mir Ni⸗ mand nehmen; denn wiſſe, Iſabelle, auf der lange oft ſchweren Hinreiſe habe ich nur von dieſer Hoffuung gelebt.“ 3„Und doch, mein theurer Richard, ſiehſt Du aus, als ob Du ebenſo ſehr, wo nicht mehr, eine Pflege bedürftef als ich. Du mußt durch die Fahrt in der kalten Jahres⸗ zeit gräßlich gelitten haben?“ „Ich erinnere mich deſſen nicht mehr; und wenn ich eine Zeit lang bei Dir geweſen bin, werde ich wieder ganz recht werden.“ Marie trat mit dem Lichte herein, und gleich darauf ſtand die einladende Theeplatte auf dem Tiſche zwiſchn Iſabellen und Richard. Beider Geſichter kamen Marien, wenn ſie ſie von der Seite betrachtete, beim Kerzenſchein noch abgefallener vor. Und ſie ſelbſt mußten daſſelbe ge⸗ funden haben, denn kaum hatten ihre Blicke einander ge⸗ ſucht, als ſie ſich wieder ſcheu ſenkten. „Wie kamſt Du ſo unbemerkt herein, hörte Dich Niemand?“ fragte Iſabelle, während ſie die Taſſen ord⸗ nete. „Ja, Stensſon war außen; aber ich behielt es un vor, mich ſelbſt anzumelden. Hier iſt es ja überditß ſo menſchenleer, daß man nicht fürchten darf, irgen Jemand zu begegnen. Tyringsholm iſt ſchon ſehr ber ändert; bald wird es wieder ſo ſeyn, wie es beim Taßt des ſeligen Großvaters war, und die lange Reihe um Prachtzimmern, die der Onkel ſo wohl ordnete, wit wohl lange in ungeſtörter Ruhe ſchimmeln und moden, ehe ſie noch ein einem muntern Ein leiſer S tete ſeine Vermut ten lang Stillſchn „Trinke Deir ihre eigene Taſſe gut thun!“ „Das glaub' ſie mit einem un nicht anders, ich demſelben Kabinet ſchenkteſt. Wie f licher Scherz la⸗ ſind es denn her Zimmer an demf ſind erfroren, un ſchmecken, daß er „Bin denn: ſagte ſie mit ſanf „Ja, das der Thee noch ei Aber aller genſchaften für tranken ſchweige Richard die T ergriffen, die ihn ſchen. Er trat Thür, und war Wo war weit von ihm ſich ſelbſt ande daß hunderttau einer einzigen Sieben Monat und beharrliche Das Fideicomn rde ich dieſet darf mir Ni⸗ ef der langen, ieſer Hoffunng t Du aus, als flege bedürfteſ kalten Jahres⸗ und wenn ich rde ich wieder d gleich darauf Tiſche zwiſchn kamen Marien, im Kerzenſchein ten daſſelbe ge⸗ ke einander ge⸗ n, hörte Dich die Taſſen ord⸗ behielt es mi es ja überdißß r darf, irgen ſchon ſehr ver es beim To age Reihe da ordnete, wit n und moden, geſtattet haß, 385 ehe ſie noch einnal von frohen Menſchenſtimmen bei einem muntern Gelage belebt wird. Ein leiſer Seufzer von Iſabellens Lippen beantwor⸗ tete ſeine Vermuthung. Dann herrſchte ein paar Minu⸗ ten lang Stillſchweigen. „Trinke Deinen Thee, guter Richard“— ſie koſtete ihre eigene Taſe—„er wird Dich erwärmen und Dir gut thun! 3 „Das glaub ich kaum,“ meinte er, und betrachtete ſie mit einem unſäglich traurigen Blicke.„Ich kann nicht anders, ich muß daran denken, wie oft Du mir in demſelben Kabinete zu einer andern Zeit den Thee ein⸗ ſchenkteſt. Wie ſchmeckte er nicht damals! Ein fröh⸗ licher Scherz lag in jedem Tropfen. Ach, Iſabelle, ſind es denn heute dieſelben Perſonen, die in demſelben Zimmer an demſelben Tiſche ſitzen? Scherz und Freude ſind erfroren, und doch willſt Du, daß der Thee mir ſchmecken, daß er mich wärmen, mir gut thun ſoll!“ „Bin denn nicht ich es, die Dich auch jetzt bedient?“ ſagte ſie mit ſanftem Vorwurf. „Ja, das iſt wahr, und deßhalb muß wohl auch der Thee noch eine ſeiner alten Eigenſchaften haben.“ Aber aller Wahrſcheinlichkeit nach waren dieſe Ei⸗ genſchaften für immer zur Ruhe gegangen; denn beide tranken ſchweigend den gedächtnißreichen Trank, und als Richard die Taſſe zurückſtellte, ward er von Gefühlen ergriffen, die ihm nicht länger erlaubten, ſich zu beherr⸗ ſchen. Er trat hinaus in das andere Zimmer, ſchloß die Thür, und warf ſich auf den Sopha nieder. Wo war jetzt Richards ſcheinbare Ruhe? Weit, weit von ihm entfernt! Und was war dieſe Ruhe an ſich ſelbſt anders als ein neuer Beweis für den Satz, daß hunderttauſend gute Entſchlüſſe nicht fähig ſind, einer einzigen Stunde der Verſuchung zu widerſtehen. Sieben Monate lang hatte Richard mit feſtem Willen und beharrlicher Kraft dem Vorwärtsſchreiten des Ne⸗ Das Fideicommiß. II. 25 386 bels entgegen zu arbeiten geſucht und endlich ſich ülh⸗ zeugt, daß er jetzt, mit hinreichender Kraft für ein Wie⸗ derſehen ausgeruͤſtet ſey, ein Wiederſehen, das dauen ſollte bis zur langen Trennung. Doktor Mannings An⸗ wort auf ſeinen Brief, worin dieſer Iſabellens gefaͤti⸗ chen Zuſtand nicht verheimlicht hatte, befeſtigte ſeina Entſchluß heimzukehren. Das Ziel dieſes unruhigen St⸗ bens war jetzt erreicht; er hatte ſie wieder geſehen, niat mehr die blendende, aber die noch immer ſchöne Iſabelle immerhin ſie, und die erſte Viertelſtunde, die er in ihre Geſellſchaft zugebracht hatte, war ſchon mehr als genng, um ihn zu überzeugen, daß ſie ſelbſt noch im Tode die ſelbe Gewalt über ihn ausüben würde. Aber ihre Ruhe durfte nicht geſtört werden. Er hatte ſich ſelbſt getäuſcht, ſie durſte jedoch nicht auch ge täuſcht werden; denn im erſten Momente des Wieder⸗ ſehens hatte er ſie ja verſichert, daß er nicht gekommen ſey, um durch den wahnſinnigen Ausbruch ſeiner Ledder⸗ ſchaft ihren Frieden zu erſchüttern, und jetzt galt a Wort zu halten. Lange war ſein Kummer ein tie und verborgener geweſen; jetzt wurde er laut. Er m⸗ terhandelte mit dem Herzen, und das Herz wehrte ſich nicht ſehr dagegen: es war beinahe zu Aſche verbrannt⸗ Und was ſollen wir jetzt von Mutterfreude, don Mutterangſt erzählen? Beide ſpiegelten ſich mit leba⸗ digen Farben in den Zugen der Majorin, als ſie ſtunm vor Schreck und Erſtaunen den Sohn an ihre Bruf drückte. Wie ſüß war es ihr, ihn nahe zu haben, ud wie ſchrecklich bitter, zu ſehen, wie dieſe kurze Zeit ſen äußeres ſowohl als inneres Leben verheert hatte! Ein Mutter, die ihren hoffnungsvollen, geſunden, frohen un lebenswarmen Sohn in einen Schatten verwandelt, dies junge Kraft, auf die ſie ſo manche ſchöne und rein Hoffnung gebaut hatte, in ihrem Entknospen gebrochen, ſein ganzes Vermögen, all' ſeine Kräfte, die Seele ſeintz Weſens, ja ſogar die Luſt am Leben, vernichtet und don einer einzigen Leidenſchaft verſchlungen ſieht— ein Mutter, die al zehrende Quale meſſen können. Am folger Schwager. Al aber Keinem g, war für Richa Mondſchein un durch Aller He die dringenden abſchlug, daß möchte, wurder denn er wollte er früher bewo „Du haſt geſchenkt!“ ſagt „Dieſes T giniel Ich ha noch nicht recht wiß nicht bezwe das wärmſte gehalten worde „Und doch ſehen! Brächt iſt es nicht gut „Tyrings darum will ich Deinige ſehen. „Nun, ſo „Nein, Du wirſt woh leiſe—„nicht begehren, daß zurückgelegt h Stücken ſie w „Was ſich ſich üͤhn⸗ für ein Wie⸗ , das dauen Nannings An⸗ lens gefährl⸗ efeſtigte ſeine nruhigen Ste⸗ geſehen, nict ſchöne Iſabelle die er in ihre ſehr als genng, im Tode die werden. E nicht auch ge⸗ des Wieder⸗ icht gekomma ſeiner Leiden⸗ b jetzt galt es ner ein tieftt laut. Er u⸗ erz wehrte ſich lſche verbraum tterfreude, von ſich mit leben⸗ als ſie ſtunm an ihre Bruſt zu haben, ud kurze Zeit ſen tt hatte! Ein en, frohen un rwandelt, die höne und rein spen gebrochen, die Seele ſeins nichtet und von ſieht— ein Mutter, die all' das mit anſehen muß, leidet bittre, ver⸗ zehrende Qualen— Qualen, mit denen nur wenige ſich meſſen können. Am folgenden Morgen kamen Vater, Schweſter und Schwager. Alle ſuchten ihr Erſchrecken zu verbergen; aber Keinem gelang es recht, denn die Tagesbeleuchtung war für Richards Ausſehen nicht vortheilhafter als der Mondſchein und die Daͤmmerung. Ein Kummer zuckte durch Aller Herzen; und da er freundlich, aber beſtimmt die dringenden Bitten ſowohl der Mutter als Virginiens abſchlug, daß er in Tjällſtorp oder Svärdſö ausruhen möchte, wurden ihm ein Paar Gaſtzimmer hergerichtet; denn er wollte die im Flügel nicht mehr haben, welche er früher bewohnt hatte. „Du haſt uns noch keinen freundlichen Glückwunſch geſchenkt!“ ſagte Virginie und führte ihn an ein Fenſter. „Dieſes Verſäumniß mußt Du verzeihen, gute Vir⸗ giniel Ich habe mich in all' dieſe neuen Verhältniſſe noch nicht recht finden können. Aber Du wirſt doch ge⸗ wiß nicht bezweifeln, daß in meinem Herzen ſchon längſt das wärmſte Gebet für Dein und Deines Gatten Gluͤck gehalten worden iſt. „Und doch willſt Du nicht kommen und unſer Glück ſehen! Brächte ich Dich nur mit nach Svärdſö— hier iſt es nicht gut für Dich!“ „Tyringsholm iſt meine Heimath, Virginie, und darum will ich hier ſeyn; aber bald werde ich auch die Deinige ſehen.“ „Nun, ſo verſprich mir, morgen mit uns zu gehen!“ „Nein, nicht ſo ſchnell, meine geliebte Schweſter! Du wirſt wohl bemerken, daß Iſabelle“— er flüſterte leiſe—„nicht mehr viel übrig hat. Wie magſt Du alſo begehren, daß ich, nachdem ich dieſen ungeheuren Weg zuruckgelegt habe, um bei ihr ſeyn zu dürfen, aus freien Stücken ſie wieder allein laſſen ſollte?“ „Was um Gottes Willen ſagſt Du? ſtammelte 25& Virginie.„Sie hat nicht mehr viel übrig? O gsz it zu ſeltſam, daß ein Weib ſo ſeyn kann wie ſie! Glaubſt Du, wir erfahren etwas von dem, was ihre Seele ver⸗ birgt? Und ich meine doch, ſie ſollte in dieſer Beziehung nicht eigenſinnig ſeyn. Wir hätten mehr Vertrauen ver⸗ dient!“ Virginie trocknete ſchnell einige hervorquellende Thränen. „Du beurtheilſt ſie falſch!“ ſagte Richard.„Et⸗ hat Euch und ſich ſelbſt den Schmerz ſolcher Geſtändniſſ erſparen wollen, die zu weichlich und zu weibiſch für ihr ſtarkes Gemüth geweſen wären. Ich habe lange ihrm Zuſtand gekannt, lange ehe ich abreiste, und mit dieſer zehrenden Angſt in meiner Bruſt, mit dieſer Furcht, der Tod möchte ſie vor meiner Rückkehr hinraffen, habe ich mich umhergeſchleppt, und niemals, Virginie, habe ich eine Sekunde Ruhe genoſſen.“ Von düſtern Ahnungen ergriffen drückte Virginie ſeine heiße Hand zwiſchen den ihrigen.„O, wenn ich ihr Herz verſtünde!“ ſagte ſie. „Das ſtolzeſte und ſchönſte, das noch je in der Bruſt eines Weibes lebte!“ „Aber iſt es auch warm?“ hätte Virginie gerne gefragt; aber ſie ſchwieg. Weder ſie noch Richard wußt, wie warm dieſes Herz ſchlug. Achtundzwanzigſtes Kapitel. Und die Sonne ging auf und die Sonne ſank nieder, und mit jedem Male, daß ſie kam und ging, nahm ſie einen Lebensfunken aus der immer blaͤſſer werdenden Iſabelle mit fort, die jedoch noch immer, als das Laub ſchon wieder neue Knospen trieb, auf ihrem rothen Sopha ſaß, und die wiederkehrende Jugend des Frühlings begrüßte. Und wer ſaß den langen Winter über treu und uner⸗ müdlich ihr zur Seite, wer anders als Richard, der nicht mehr von Liebe ſprach, aber in jeden Blick, in traulichkeit wi Statt gehabt h jenes Mitteldin jede Bewegung legte, die ſelb konnte! Aber Nier Winter die Vo beängſtigenden und Klagen v friſches Leben vermochte, dar luſtigen und ſ allem Andern, tungen hervorre ſamen Stunden ſelbſt war jede falt gekleidet, Tyringsholm k ſie ſtets ſehr da gegen den verä denn die Schön dern Charakte ihrem Liebling Garten von al tenden Blätter ihre muntern C ſchenk von Ri war, ihre liebſt Das Ver ſelbſt hatte d was den erſten die ſchmerzlich Veränderung ſe dem täglichen und wie Iſa glücklichen Cha 2 O es it 389 ſie! Glaubſt jede Bewegung einen Funken dieſer mächtigen Flamme Er Serle ge legte, die ſelbſt am Rande des Grabes nicht erlöſchen er Beziehung unte! eertrauen ver⸗ 5 Aber Niemand möge mit dem Gedanken an dieſen ervorquellende Winter die Vorſtellung von einem dumpfen, düſtern und — beängſtigenden Krankenzimmer, von Arzneigeruch, Seufzern ichard.„Sie und Klagen verbinden— o nein! Iſabelle wollte ein Geſtändniſe friſches Leben um ſich ſehen, ſo lange ſie ſelbſt zu fühlen ibiſch für ihr vermochte, daß ſie darinnen ſtand. In ihrem rothen, lange ihrm uſtigen und ſonnenhellen Kabinete umgab ſie ſich mit id mit dieſer allem Andern, nur nicht mit dem, was Todesbetrach⸗ Furcht, dr: tungen hervorrufen konnte; dieſe behielt ſie für ihre ein⸗ en, habe ich ſamen Stunden auf, für ihre ſchlafloſen Nächte. Sie nie, habe ih febſt war jeden Tag mit einer beinahe größeren Sorg⸗ 5 falt gekleidet, als damals, wo ſie zum erſten Mal nach 8* Virginie Tyringsholm kam, und in der Wahl ihrer Farben ſah O, wenn ich ſee ſtets ſehr darauf, daß ſie ſo wenig grell als möglich 4 gegen den veränderten Ausdruck ihrer Schönheit abſtachen, in der Brſt denn die Schönheit war nicht fort, obſchon ſie einen an⸗ dern Charakter angenommen hatte. Die Fenſter in eirginie gerne ihrem Lieblingszimmer enthielten einen ganzen kleinen ichard wußte, Garten von allerlei herrlichen Blumen, unter deren duf⸗ tenden Blättern ein Paar Kanarienvögel ſpielten und ihre muntern Geſänge anſtimmten. Sie waren ein Ge⸗ 1 ſchenk von Richard, und machten, wenn er einmal fort el. war, ihre liebſte Geſellſchaft aus. . Das Verhältniß zwiſchen Richard und Iſabellen e ſank nieder, ſelbſt hatte das Düſtere und Wehmuthsvolle abgelegt, g, nahm ſie was den erſten Abend ihres Wiederſehens bezeichnete, als er werdenden die ſchmerzliche Ueberraſchung durch ihre gegenſeitige ils das Laub Veränderung ſo gräßlich auf ihre Herzen einwirkte. Bei rothen Sopha dem täglichen Anblick verſchwand jedoch dieſer Eindruck; ings begrüßte. und wie Iſabelle unvermerkt die alte ſcherzhafte Ver⸗ u und uner⸗ traulichkeit wieder annahm, die früher zwiſchen ihnen Richard, der Statt gehabt hatte, ſo trat auch Richard wieder in jenen een Blick, in glücklichen Charalter eines„Alles in Allem“ zurück, in jenes Mittelding zwiſchen Vetter, Freund, Bruder und 390 Liebhaber, jedoch ohne daß eine dieſer Rollen ſich eines Vorzugs vor der andern rühmen konnte; und es ab Augenblicke, wo Beide ſich glücklich fühlten, ungeachtet der Gewißheit deſſen, was ihnen bevorſtand, Etvas wovon ſie jedoch nie ſprachen. 4 Iſabellens letzte Arbeit war eine Reiſeſchärpe für! Richard, und während ſie daran band, unterhielt er ſe mit Beſchreibungen von dem, was er ſich von ſeinen Aufenthalte in der Schweiz erinnerte, oder las er ihr vor, wobei er ſich jedoch oft die Freiheit nahm, die Kiſſen glatt zu ſtreichen, gegen die ſie ſich bisweilen zurücklehnte. Wenn aber dieſes Glätten etwas gar lange dauerte, ſagte Iſabelle lächelnd, faſt mit ihrer alten, kleinen Koketterie:„Seyn Sie ſo gut, mein feiner Herr, und ſtreichen Sie nicht alles Haar von den Kiſſen weg, ſondern ſchieben Sie dafür den Schemel mehr her, und leſen Sie dann ohne Unterbrechung weiter!“ Richards Blick ſtrahlte bei ſolchen Worten von einer Flamme, die an die hingeſchwundene Zeit ſeines Glückes erinnerte. Er ſah nicht, wie durchſichtig die Hand war, die er ergriff und mit ſeinen Küſſen waͤrmte Er hatte die Augen zu und merkte nicht, wie die Sonne aufging und niederſank. Wieder ſäuſelte es in den Kronen der Linden, ud noch ſpann Iſabellens Norne an dem Faden zwiſchen dem Traume des Lebens und dem des Todes; aber Alle ſahen,. daß die Spindel bald voll war. Die zunehmenden Leiden wollten ſie immer mehr beherrſchen, und noch widerſtand ſie ihnen; denn wenn ſie für immer genöthigt war, ihren Sopha in dem rethen Kabinete zu verlaſſen, dann mußte ſie auch Abſchied den Richard nehmen, und wenn der Augenblick kam, wo det Körper die Herrſchaft über den Geiſt erhielt, da wollt Iſabelle von Niemand geſehen werden, der unter ihrn Qualen mitzuleiden hätte. Seit drei Tagen litt ſie fürchterlich. O es war ſo ſchwer, dieſem ſo unausſprechlich geliebten Freunde 2, wohl zu ſager nicht, geh' nit willen, um Stärke zu bel ganzen zuglei verlaſſen hatte zu bergen, die Aber jetz vierten Tage, berufen, ſich dem Herbſte— kaum den Au⸗ „Jetzt w Doktor, und Hoffnung. Sie ware „Und das faßte gerührt „Von ga „Dann daß nur no mehr zum A „Sagen ſchrecklich ſey ſchlimmer?“ Der Do „Seit 31 und in der Wiſſen Sie könnte? Geb ich klar zu d „Das w vorbei!“ Da ſich ſelbſt. Iſabelle Hand.„Alſ In der 391 llen ſich eines wohl zu ſagen, Deien angſtvoller Blick ſie bat:„Geh! und es gah nicht, geh' nicht! Und ſie zögerte, zgerte um ſeinet⸗ en, ungenc willen, um durch dieſe grenzenloſe Anſtrengung ſeine and,(Eoas Stärke zu belohnen, eine Stärke, die ihn während dieſes .did, ganzen zugleich ſo ſeligen und furchtbaren Winters nicht iſeſchärde für, verlaſſen hatte, und ihm noch jetzt Kraft gab, die Qualen nterhielt er ſe zu bergen, die ſeine Seele durchglühten. h von ſanem Aber jetzt fühlte Iſabelle ihre Stärke erſchöpft. Am er las er ihr vierten Tage, als Doktor Manning, durch Briefe herbei⸗ t nahm,. berufen, ſich einſand— es war ſein zweiter Beſuch feit ſich bisweilen dem Herbſte eumnwhtg ihre nſam mengehreßten Lippen vas gar lange kaum den Ausbruch des Schmerzes zurückzuha ten. t ihrer alten„Jetzt wird 8 doch ausgehen?“ gfagfe⸗ ſie zu dem n feiner Her, Doktor, und ihre Blicke flehten um Bekräftigung dieſer en Kiſſ Hoffnung. 1 Aiſa u heſ Sis waren allein nehr her, und 6. alen. 4 54. Ehr her, und„Und das Fräulein wünſcht es aufrichtig?“ Manning ort⸗ ßte gerührt ihre feine, kraſtloſe Hand. ne rbe ſe iunie dn ganzer Seal ren pVſe De vurchſich d„Dann kann ich dem Fräulein auch den Troſt geben, büſſen ueme daß nur noch wenige Zeit übrig iſt. Bald iſt nichts nicht, wie die mehr zum Abzehren da.“ n⸗„Sagen Sie mir, wird dieſer Zeitpunkt ebenſo r Linden, und ſchrecklich ſeyn, wie es jetzt iſt— vielleicht gar noch diſchen de ſchlimmer?“ deſchenhn Der Doktor ſchüttelte ſchweigend den Kopf. 1„Seit zwei Jahren,“ ſagte ſie,„habe ich gelitten und in der letzten Zeit mehr, als ich beſchreiben kann. Wiſſen Sie nichts, Doktor, das dieſen Schmerz betäuben könnte? Geben Sie mir nur einen Tag Ruhe, damit ich klar zu denken vermag;“ „Das will ich thun! Es iſt ja doch alle Hoffnung vorbei!“ Der Doktor ſagte das Letztere gleichſam für ſich ſelbſt. Iſabelle drückte ihm mit einem dankbaren Blicke die Hand.„Alſo bald!“ flüſterte ſie. In der Nacht, die auf dieſen Tag folgte, ſchlief immer mehr n; denn wenn in dem rothen hh Abſchied von kam, wo der jelt, da wollt er unter ihrm O es war ſo Freunde Lebe⸗ eingenommen hatte, und erwachte in einem Zuſtande, der im Vergleich mit dem der vorhergehenden Tage himmliſch genannt werden konnte. d die Ruhe dieſer Stunden wohl benutzen, Iſabelle ruhig, nachdem ſie das zubereitete Arzneimittel Sie wollte aber auch zuerſt zu einer Unterredung mit ihrer Mutter und dann zum Abſchied von ihm. „Meine gute Marie,“ ſagte Iſabelle, als ihr dieſe wie gewahmlich beim Flechten des reichen, weichen Haares half,„ich will heute zum letzten Male Toilette machen! Ziehe mich gut an, und bringe eines von meinen weißen Kleidern, das mit der ſchönſten Spitzengarnirung! Wiel⸗ leicht ſollte ich eigentlich kein weißes nehmen“— ſie warf einen prüfenden Blick in den Spiegel—„aber es paßt doch am beſten. ausſehe?“ Marie wandte ſich um, und that, als ſey ihr der Kamm hinuntergefallen, um ihre Thränen zu verbergen. „Mache Dir nicht ſo viel Mühe, Marie, ich ſehe doch im Spiegel, was Du verheimlichen willſt. Du meinſt alſo wohl, ich ſehe ungefähr aus wie eine wan⸗ delnde Leiche? Ja, ich bin ſehr blaß; aber wenn ich ſpreche, findet wohl hie und da ein Blutstropfen den Weg nach der Wange. Liebes Mariechen, ſtreiche das Haar beſſer nieder! Gib mir den Kamm, ſo kann ich es ſelbſt friſiren, wie ich es haben will! Siehſt Du, jetzt iſt es beſſer— jetzt zeigt ſich der gelbe Fleck nicht ſo viel.“ Der Haarputz war vollendet, und dann zog ſie ein weißes Unterkleid an, und darüber den offenen, weiten Rock, der ſich in luftigen, weichen Falten um die noch immer graziöſe und hochgeſtaltete Figur ſchmiegte. „Dieſen Anzug,“ ſagte ſie,„ſollſt Du zu meinem Gedächtniſſe bewahren, Marie: er iſt Dein! Aber de ich jetzt noch über Alles zu ſprechen im Stande bin, was mir am Herzen liegt, ſo fordere ich Dir ein Ver⸗ ſprechen, ein heiliges Verſprechen ab, das Du nicſt Wie meinſt Dn, daß ich heute brechen dar an, wenn trauen dadr an, wo m mich zu ſel Die Wiſſen Stunden mi den weißen ihn Nieman verbiete Dir todt ſehen ke „Ach§ von mir! W „Nein, ſollſt den S ſage ihm, de nicht, daß e von etwas A „Ach!“ denken!“ „Es wi Ein Charakte thum, bedarf nen kann, ſi mit Familie befreunden, n tägliche Brod er auch ohne und mit Dir iſt ſo gut, paſſeſt in der könnte. Ver heiten zu hal werden, mach halte mich in Marie w „Und jetz Arzneimittel em Zuſtande, henden Tage llte aber auch herſt zu einer zum Abſchied als ihr dieſe eichen Haares ilette machen! neinen weißen nirung! Viel⸗ men“— ſie —„aber es daß ich heute s ſey ihr der u verbergen. rrie, ich ſehe i willſt. Du wie eine wan⸗ aber wenn ich itstropfen den , ſtreiche das ſo kann ich 1 Siehſt Du, lbe Fleck nicht nn zog ſie ein ffenen, weiten n um die noch niegte. du zu meinem ein! Aber da ande bin, was Dir ein Ver⸗ das Du nicht — —— 393 brechen darfſt. Deiner Obhut vertraue ich meinen Leib an, wenn der Geiſt dahin iſt, und Du wirſt dieſes Ver⸗ trauen dadurch vergelten, daß Du von dem Augenblicke an, wo meine Augen ſich ſchließen, Niemand erlaubſt, mich zu ſehen, außer dem Doktor und Deiner Mutter. Die Wiſſenſchaft verlangt es, daß Manning ein Paar Stunden mit mir ſich abgeben darf; aber wenn Du dann den weißen Schleier in mein Geſicht gebreitet haſt, ſo ſoll ihn Niemand mehr lüften, vor Allen Richard nicht! Ich verbiete Dir, ihm eine Gelegenheit zu laſſen, wo er mich todt ſehen könnte!“ „Ach Herr Gott, fordern Sie kein ſolches Verſprechen von mir! Wie kann ich ihn davon zurückhalten?“ „Nein, liebe Marie, das erlaſſe ich Dir nicht! Du ſollt den Schlüſſel zu dem Leichenzimmer haben, und ſage ihm, daß es mein Wille geweſen ſey! Ich glaube nicht, daß er ihn übertreten wird. Und laß uns jetzt von etwas Anderem ſprechen, von Deinem Glück!“ „Ach!“ ſiel Marie ein,„wie kann ich jetzt daran denken!“ „Es wird durch meinen Hingang ſchöner aufkeimen. Ein Charakter wie Klas ſetzt keinen Werth in den Reich⸗ thum, bedarf ihn aber doch, da er ſich nicht daran gewöh⸗ nen kann, ſich mit dem Gedanken, den ein armer Mann mit Familie nie außer Augen laſſen darf, näher zu befreunden, mit dem Gedanken nämlich: Arbeit um das tägliche Brod. Da er nun mein Vermögen erbt, wird er auch ohne das Fideicommiß ein wohlhabender Mann, und mit Dir, Marie, ein glücklicher Mann. Dein Herz iſt ſo gut, Dein Verſtand ſo ruhig und geſetzt. Du paſſeſt in der That ſo gut zu ihm, daß Niemand es beſſer könnte. Verſprich mir auch, Nachſicht mit ſeinen Eigen⸗ heiten zu haben, die wohl mit den Jahren zunehmen werden, mache ihm das Leben theuer und froh, und er⸗ halte mich in ſeinem Gedächtniſſe!“ Marie war zu gerührt, um etwas erwiedern zu können. „Und jetzt laß mich einmal Dir danken für das, was 394 Du mir ſeit einem ganzen Jahre warſt! Du haſt Dir meine ganze ſchweſterliche Liebe gewonnen, und ich bin gewiß, daß Du Dich in mancher mondhellen Nacht an die erinnern wirſt, die wir mit einander durchwacht haben. Doch will ich Dich nicht weiter aufregen! Jetzt, Marie, wirſt Du unſerer armen Mutter Alles ſeyn, bis Klas kommt und Euch Beide in ſeine Arme ſchließt... Aber geht nicht die Thüre außen? Ach, ſie erwarteten mich! es iſt gewiß Richard! Gib mir meinen rothen Shawl!“ Und raſch goß ſie, dieß war immer das Letzte, ein Paar Tropfen einer wohlriechenden Eſſenz in ein mit Waſſer gefülltes Kryſtallgefäß; und nachdem ſie ihre weißen Hände darin gebadet hatte, empfing ſie von Marien die blitzenden Ringe, und es machte ihr ſogar bei dieſer letzten Toilette Vergnügen, ſie zierlich zu ordnen. Einige Zeit ſpaͤter, an demſelben Vormittage, finden wir ſie wieder auf ihrem Lieblingsſopha liegend, um übergoſſen und verklärt von dem magiſchen Schimmer, den die Sonne durch die herabgelaſſenen rothen Vorhänge warf. Ihr blaſſes Geſicht ſtrahlte von einer Klarhei, ſchöner als Worte es ausdrücken können. Es war der hohe Frieden der Seele, der ſich in dem Himmel das„ Auges, in dem ſanften Lächeln der Lippen offenbartzz und ihre Freundlichkeit gegen Alle, die ihr nahten, war ſo wärmend, ſo feſſelnd, daß ſie zum erſten und letztn Male zu einer innigen, aufrichtigen Vertraulichkeit ei⸗ lud. So erſchien ſie ihnen vollkommen. Sie liebten ſte doppelt, um ſie doppelt vermiſſen zu müſſen. Richard war noch nicht erſchienen. Er war ei Stunde ausgegangen, um ſich Muth zum letzten Strat zu erkämpfen. Iſabelle benützte ſeine Abweſenheit zu einer offenen und zärtlichen Beſprechung mit ihrer Mutte Auf dieſe wollen wir jedoch nicht horchen; 6s ſeh genug, wenn wir ſagen, daß die Baronin am Schluſe derſelben ſich tief überzeugt fand, daß ſie erſt in dieſen Augenblicke das ſchöne Herz und den hohen Sinn ihret Tochter recht Schatz verlie belle zeigte ſuß linderte, mütterlichen war ſie ja: finſter fand, im Thaue de weinen könne Als Iſa ausſchließlich geherrſcht hat ſie an der Gre keit ſtand, il die den gan⸗ Hände zum( „Möchte ich wird eine lan Romanheldin mengeſpart he ſchwemmen widmet werde mein Vater, Muth gegebe ſagen zu könn nung geweſen Nicharde ein!“ bebte Augenblicke mit ihrer H ihre lichte, ihr noch, eine derung las, .„Mein mit jenem u du haſt Dir und ich bin n Nacht an durchwacht regen! Jetzt, es ſeyn, bis ſchließt... ie erwarteten neinen rothen 1s Letzte, ein in ein mit dem ſie ihre de von Marien ogar bei dieſer rdnen. nittage, finden liegend, und en Schimmer, then Vorhänge einer Klarhet, Es war der n Himmel das„ ven offenbartez r nahten, war ſten und letzin traulichkeit ein⸗ Sie liebten ſi n. Er war ein n letzten Streitz Abweſenheit zu nit ihrer Mutter⸗ horchen; es ſa nin am Schluſt e erſt in dieſen öhen Sinn ihrn ——— 395 Tochter recht erkannt habe. Ihr Schmerz, dieſen theuren Schatz verlieren zu müſſen, war erſchütternd; aber Iſa⸗ belle zeigte eine Beredtheit, welche die blutende Wunde ſuß linderte, wenigſtens ſo lange die theuren Laute dem mutterlichen Ohre nahten. Nachher— doch nachher war ſie ja nicht die Einzige, die das Leben ſchwer und finſter fand, nicht die Einzige, die ihren heißen Schmerz im Thaue der Thränen abkühlte. Glücklich die, welche weinen können! Als Ifabelle allein war, wandten ſich ihre Gedanken ausſchließlich auf ihn, der ſo unumſchränkt in ihrer Seele geherrſcht hatte, und der auch in dieſem Augenblicke, wo ſie an der Gränze zwiſchen dem Erdenleben und der Ewig⸗ keit ſtand, ihr Herz mit einer Heftigkeit pochen machte, die den ganzen Reſt ihrer Lebenskraft verzehrte. Ihre Hände zum Gebete faltend, flüſterte ſie in ihrer Seele: „Möchte ich mich jetzt nicht verläugnen! Die Trennung wird eine lange ſeyn; aber ich will nicht ſterben wie eine Romanheldin, ich werde nicht all dieſe Gefühle zuſam⸗ mengeſpart haben, um ihn zum Schluſſe damit zu über⸗ ſchwemmen— nein, dieſe Augenblicke ſollen Etwas ge⸗ widmet werden, das meiner und ſeiner würdig iſt. Gott, mein Vater, jetzt danke ich Dir inbrünſtig, daß Du mir Muth gegeben haſt, um der irdiſchen Glückſeligkeit ent⸗ ſagen zu können! Wie viel bitterer wäre nicht die Tren⸗ nung geweſen, wenn...“ Richards Hand pochte leicht an die Thüre.„Her⸗ ein!“ bebte es leiſe über ihre Lippen, und in einem Augenblicke ſaß er auf der Sophakante an ihrer Seite, mit ihrer Hand in der ſeinigen. Sein Auge überflog ihre lichte, ſchöne Geſtalt, und vielleicht gewährte es iht noch, eine geheime Befriedigung, als ſie die Bewun⸗ derung las, die ſein lebendiger Blick ausſprach. „Ich habe ſchon lange hier außen gewartet!“ ſeufzte er. „Mein guter, theurer Richard,“ ſprach ſie ſüß und mit jenem unbeſchreiblich ſchönen und heiligen Tone, der 6* 396 uns den Harfenklang aus höheren Welten ahnen läßt, weißt Du nicht, daß wir uns oft nach etwas ſehnen, auf etwas warten, was wir dann, wenn wir es erhalten haben, vergebens wieder zurückwünſchen? Dieß iſt unſere letzte Unterhaltung; ich fühle, daß ich morgen das Bett nicht mehr verlaſſen kann. Ich habe ſo lange dagegen gekämpft, als es möglich war, aber einmal mußte ich doch nachgeben.“ „Unſere letzte Unterhaltung?“ ſprach Richard dumpf, und die herzzerreißende Angſt, womit er ſeinen Arm un ihren Leib ſchlang, peinigte ſie gräßlich. „Nicht ſo! nicht ſo!“ bat ſie leiſe.„Jetzt gilt es, Stärke zu zeigen. Steh' auf— Du darſſt nicht ſo da liegen! Setze Dich neben mich!“ Er ſchob das Tabouret hin und that, wie ſie ſagte. „Sage nur nicht, daß dieß unſere letzte Unterhaltung iſt! Du kannſt noch nicht ſterben! Nein, nein!“ „Vielleicht, Richard, lebe ich noch einige Tage; abet unſere letzte Unterhaltung iſt es doch auf alle Fälle, denn wer weiß, was ich dannoch vermag!“ Er bedeckte ſein Geſicht mit den Händen.„Ich bin dann allein! Du gehſt— nie, nie mehr werde ich Dich wieder ſehen, nie mehr Deine Stimme hören, und Iſa⸗ belle, Iſabelle, dieſe ſchöne Stimme, die mich mitten unter all' meinen Leiden noch glücklich machte!“ „Höre denn dieſe Stimme, Richard, da ſie noch einige Laute hervorzubringen vermag! Und Du wirſt meine letzten Worte bewahren— iſt es nicht ſo, Du guter, theurer Freund?“ „Ja, ich will ſie bewahren, aber nur eine kleine Weile— denn Du weißt wohl, daß ich Dich nicht lange entbehren kann. Ach, Iſabelle, ſage mir doch, denn jetzt kann es Dir weder ſchaden noch nützen, wenn ich mir dieſen Zwang auferlege, ſage mir, wie Du mich einer ſo fürchterlichen Qual zum Raube laſſen konnteſt? Oder meinſt Du, meine Liebe ſey während des Winter⸗ ſchlafs ruhig und lau dagelegen? So ſieh mich denn —— an, und ſage, lett von dem Herz opferte, ei verſucht, Dein Seele feſtgewach über mich geko vorigen Somme Du trotz dem auf eine andere Und wäre es ſo danke daran m mir Gewißheit, als im Leben!“ „Beruhige über mich— 2 einer tödtlichen ſtürmen! Gib n⸗ Er ſtand nieder; aber al wäre, ſtützte e lehnte ſeine bren gleichwohl unan bewachten. Nach einige „Iſabelle,“ bin ich nicht me jett gut gegen Wort des Troſte als Alles geliebt „Nein, Ri bejahen kann! liebt, Du warſt als ein Bruder res Ziel.“ Ein Seufze Pber er ſchwieg. „Dein Ziel an, und ſage, ob Du noch etwas Anderes als das Ske⸗ ahnen läßt, lett von dem findeſt, der Dir einſt ſein lebenswarmes etwas ſehnen, Herz opferte, ein Herz, das Du verſchmähteſt? Ich habe ir es erhaltn verſucht, Dein Bild loszureißen, aber es iſt in meiner dieß iſt unſee Seele feſtgewachſen; und bisweilen iſt wieder der Wahn gen das Beit über mich gekommen, den ich bei unſerem Abſchied im lange dagegen vorigen Sommer gegen Dich ausſprach, der Wahn, daß nußte ich doch On trotz dem Schweigen Deiner Lippen mich dennoch auf eine andere Art liebteſt, als Du zugeſtehen wollteſt. eichard dumpf, Und wäre es ſo, Iſabelle, wäre es ſo— ſchon der Ge⸗ inen Arm un danke daran macht mich wahnſinnig vor Wonne! Gib mir Gewißheit, und wir vereinigen uns ſchöner im Tode „Jetzt gilt ee, als im Leben!“. ſt nicht ſo da⸗„Beruhige Dich, Richard, und beuge Dich nicht ſo über mich— Du erſtickſt mich!“ flüſterte Iſabelle, von wie ſie ſagt. einer tödtlichen Mattigkeit erfaßt.„Wie kannſt Du ſo e Unterhaltung ſürmen! Gib mir Zeit mich zu erholen!“ ein!“ V Er ſtand auf und ging ein Paar Mal auf und ge Tage; aber nieder; aber als ob die Bewegung ſelbſt ihm eine Plage lle Faͤlle, den wäre, ſtützte er den Arm gegen den Thürpfeiler und lehnte ſeine brennende Stirne daran, während die Augen den.„Ich bin gleichwohl unaufhörlich Iſabellens ſchwache Bewegungen verde ich Dich bewachten. ren, und Iſa⸗ Nach einigen Minuten winkte ſie ihn wieder zu ſich. h mitten unter„Iſabelle,“ bat er nun mit bebender Stimme, pjetzt bin ich nicht mehr heftig; nein, ich bin ganz ſtille! Sey „da ſie noch jettt gut gegen Deinen armen Richard! Gib ihm ein Ind Du wirſt Vort des Troſtes, der Heilung! Sage, daß Du ihn mehr nicht ſo, Du als Alles geliebt haſt?“ „Nein, Richard, gib dieſen Wahn auf, den ich nicht znur eine kleine bejahen kann! Ich habe Dich nicht mehr als Alles ge⸗ ich nicht lange liebt, Du warſt mir theuer, mehr als ein Freund, mehr ir doch, demn als ein Bruder— aber für mich gab es doch ein höhe⸗ zen, wenn ich res Ziel.“ wie Du nich Ein Seufzer tödtlicher Bitterkeit hob Richards Bruſt, aſſen konnteſt? ber er ſchwieg.. d des Winter⸗„Dein Ziel, Richard,“ fuhr ſie nach einer kurzen ieh mich denn —,——— 398 Pauſe fort,„liegt noch auf Erden, ſchön und glänzend; und wenn die Tage der Betrübniß entſchwunden find wirſt Du wieder aufleben, zu einem neuen Daſehn aufleben.“ Er ſchüttelte langſam den Kopf. „Gewiß! Ich wage Dir zu iſt, als wir es je ahnen können, ehe wir ihre Wirkung verſucht haben. Bisher hat eine, wenn auch thöricht, Hoffnung beſtändig Deiner Seelenkur entgegengewitt Wenn ich nicht mehr da bin, wenn Dir keine Hoffnung mehr übrig bleibt, dann, mein edler Richard, müßte ic mich ſehr in Dir getäuſcht haben, wenn ich nicht mit Gewißheit vorausſetzen könnte, daß gerade aus der Traun Deine Kraft ſich herrlich entfalten wird. Jetzt, wo Dein Gefühle überſchwellen, begehre ich nicht, daß Du mit verſtehſt; aber es kommt ein Tag, wo Du das thuſt, ganz gewiß! Da wird mein Andenken Dir nur muß ſeyn wie ein freundlicher Stern; und jedes Mal, di Du zu ihm emporſiehſt, meinſt Du wieder, nicht i Rauſche der Leidenſchaft, ſondern ruhig und ſiille men Stimme zu hören, wie ſie Dir einen heitern Beifall ze flüſtert!“ „Das ſind eitle kommt nie!“ „Ja, ſie kommt gewiß, wenn es auch lange anſtiſt Um keinen Preis möchte ich die Hoffnung darauf der lieren. Und Du, der mich ſo herzlich lieb gehabt bi Du willſt doch nicht, daß ich mit dem ſchrecklichen Ge danken ſterben ſoll, den Frieden Deiner Seele, Dai ganze Zukunft zerſtört zu haben? Und darum nicht un Deinetwillen, Richard, ſondern um meinetwillen gib m das Verſprechen, daß Du Dich nicht feig der Betrübni hingeben willſt, die Deiner wartet! Thuſt Du das nicht „Und wozu nützt es? Ich würde Dir doch nur it Verſprechen lügen.“ 3 „Nein, Richard, Du wirſt mir nicht lügen. A Worte, Iſabelle! Eine ſolche Zät ſagen, daß die Kruſt des Willens ſowohl über Körper als Geiſt weit größet einem tiefen S Charakterſtärke Lebens die au litten haben. wirſt Du auch und Schönes i läßt. Wie oft kunft gedacht; mein theurer, Du mich im L zu ehren, wen Wunſch, dieſe den beſten Bew ich nicht ruhig meine Hand gel zen Dämon de daß er meine B zukünftigen Lebe In Iſabel und Stärke, di ſem ſo abgezeh Einen flüchtige Roſe auf ihrer brannte durch ſtreckte ihre Han einmal dieſes W ſuchen würde, Wilder Ko in Richards Ga das eines halh und erlöſcht unß und düſterer. ſterben!“ Aber finken ſah, ſah liebten Augen h wurf über die ſich ihrer Bitte und glänzend; chwunden ſind, neuen Daſeyn daß die Kraſt iſt weit größer r ihre Wirkung auch thöricht, entgegengewirtt keine Hoffnung ard, müßte ich mich nicht mit aus der Trauu Jetzt, wo Dein „ daß Du mit Du das thuſt,t Dir nur noi jedes Mal, di vieder, nicht i und ſtille men itern Beifall ze⸗ Eine ſolche Fi ich lange anſteſt ung darauf we⸗ lieb gehabt hoit ſchrecklichen Ge⸗ er Seele, Den darum nicht m netwillen git m eig der Betrübnf t Du das nicht Dir doch nur ii 3 nicht lügen. N V einem tieſen Schmerz keimt oft, vielleicht am öſteſten, jene Charakterſtärke empor, die dann im Laufe eines ganzen Lebens die auszeichnet, welche in ihrer Jugend viel ge⸗ litten haben. Du haſt gelitten, Richard, und ganz gewiß wirſt Du auch noch leiden; aber ich weiß ſo viel Edles und Schönes in Dir, das meine Hoffnung nicht ſterben läßt. Wie oft hab' ich nicht mit Stolz an Deine Zu⸗ kunft gedacht; auch ſie wird mir nicht lügen. Und nun, mein theurer, theurer Richard, bitte ich Dich, ſo gewiß Du mich im Leben geliebt haſt, meinen wärmſten Wunſch zu ehren, wenn meine Lippen ſtumm ſind; und dieſer Wunſch, dieſe Bitte, um deren Erfüllung ich Dich als den beſten Beweis Deiner Liebe anflehe, und ohne welche ich nicht ruhig ſterben kann, beſteht darin, daß Du in meine Hand gelobſt, männlich zu ſtreiten und dem ſchwar⸗ zen Dämon der Verzweiflung nicht geſtatten zu wollen, daß er meine Bemühungen vernichte, die alle nur Deinem zukünftigen Leben gewidmet waren!“ In Iſabellens ganzem Vortrage lag eine Wärme und Stärke, die man dieſen bleichen, feinen Lippen, die⸗ ſem ſo abgezehrten Weſen gar nicht zutrauen konnte. Einen flüchtigen Augenblick lang ſchimmerte noch eine Roſe auf ihren Wangen, und das Auge glänzte und hrannte durch den durchſichtigen Thränenſchleier. Sie ſtreckte ihre Hand bittend aus gegen ihn, der, wenn er einmal dieſes Verſprechen gegeben hatte, wenigſtens ver⸗ ſuchen würde, es nicht zu brechen. Wilder Kampf und Schmerz zeichnete jeden Zug in Richards Geſicht. Das Feuer in ſeinem Blicke war das eines halbverglommenen Brandes, das aufflammt und erlöſcht und wieder aufflammt, doch immer matter und düſterer.„O laß mich ſterben, vergönne mir zu ſterben!“ Aber als er jetzt ihre Hand kraftlos nieder⸗ ſinken ſah, ſah wie zwei ſtille Thränen von dieſen ge⸗ liebten Augen herabſielen, ohne daß ein Wort, ein Vor⸗ wurf über die geſchloſſenen Lippen ging, da glaubte er ſich ihrer Bitte unwürdig, wenn er ſie ſo lelden ließe. 400 Sollte er ihr ſelbſt in der Todesſtunde Thränen aur⸗ preſſen? „Iſabelle, Iſabelle!“ flüſterte er, und küßte die zw Thränen hinweg.„Sieh, ich habe ſie aufgefangen, Dein Thränen ſollen nicht vergebens gefallen ſeyn: ich— will — ich will's verſuchen!“ Da flog ein Strahl einer mehr als irdiſchen Liche aus Iſabellens Auge.„Mein Richard, mein geliebte, edler Richard, Du haſt mir die Seligkeit des Himnels ſchon hienieden geſchenkt! Jetzt ſterbe ich vollkomma ruhig, vollkommen ergeben, und dort oben will ich fi Dich um ein Herz bitten, das Dir das meinige erſeten kann. Hier vermochte ich es nicht; denn die Gewißhe, daß Du allein für mich lebteſt, war mir ſo ſüß.“ Der kniende Richard legte ſeinen Kopf neben de ihrigen auf das Kopfkiſſen. Ihre Arme ſlochten ſich in einander, ihre Lippen begegneten ſich: es war der leti Kampf der Liebe mit dem Tode. Iſabelle ſank an R⸗ chards Bruſt in Ohnmacht. Ein leiſer Schrei(er km von ihm, der ſie todt glaubte) rief den Doktor herin Richard ward beinahe mit Gewalt von der Geiiebin weggeführt; ſie wurde zu Bette getragen— und ſim nicht mehr auf. Keine Schilderung von Iſabellens letzten Stunden mögen hier einen Raum finden! Was es eigentlich wan das die Blüthe ihres jungen Lebens verzehrte, laſſen mi unerklärt: wir ehren ihren eigenen Wunſch und laſſ den Schleier unberührt liegen. In der Nacht vorher, ehe ihr Staub mit der Ei⸗ vereinigt werden ſollte, ſchlich eine Perſon über den Hdj nach dem linken Flügel. Es war Richard, der diſß ganze Zeit über in Iſabellens Pavillon ſich aufgehalta hatte, und jetzt kam, um einen ſchließlichen Abſchied zu nehmen. Alle ſeine Bitten ſie ſehen zu dürfen, wann ihrem Befehle gemäß vergeblich geweſen. Jetzt hatte d aus Mariens K geſtohlen, und d ſchönen, lauen O Todes. Nachdem e hatte, blieb er erröthende Mor blaſen Züge; Er ſchien ſich Male ungehorſaf ſtark. Er wollte das Tuch nicht; Anfangs gi herum, daß er d Endlich faßte er eingehüllte Geſte ſeine Seele, dur weg, und beugte „Vergib, v ſeine Augen roll glauben, der Wo ausbreiten.„Ver ſagen, daß ich zu halten!“ B garnirung der löste ſich eine S wohl verwahrt z Vorſchein. Er daillon daran be Geheimniß? W ſah, wenn ſie in derzen barg, Flamme eines A gann in Richard auf, kehrte ein ſein eigenes Bil Das Fideieomm 401 aus Mariens Kammer den Schlüſſel zum Leichenzimmer küßte die zwe geſtohlen, und dieſen Schatz in der Hand trat er aus der gefangen, Deim ſchönen, lauen Sommernacht in die dumpfe Wohnung des m: ich— vll Todes.. 3 1— Nachdem er den Schlüſſel im Schloſſe umgedreht irdiſchen Lite bate, blieb er ſtehen und zurnbe ſich rückwärts. Eine mein geliebter erröthende Morgenwolke be euchtete ſeine ſchauerlichen, t des Himmat blaſen Züge; ſie war Zeuge ſeines ſchweren Kampfes. ich vollkonma Er ſchien ſich zu beſinnen. Sollts Der ihr zum erſten den will ich ſi Male ungehorſam ſeyn 2 Aber die Verſuchung war zu meinige erſeim ſark. Er wollte hineingehenz aber er gelobte ſich heilig, — Gewißſen das Luch nicht zu lüften, das ihr Geſicht bedeckte. ſo ſüß.“ Anfangs ging es ſo ſehr mit ſeinem wirren Kopfe Ropf neben da herum, daß er die Gegenſtände nicht unterſcheiden konnte. flochten ſich i Endlich faßte er eine Lampe, und beleuchtete die weiß z war der last aingehüllte Geſtalt. Eln heftiger Schauer fuhr durch le ſank an Ne fene Seele, durch ſeine Glieder. Er ſetzte die Lampe Schrei(er imn eg, und beugte ſich herab, herab über ſie. Doktor hertin g„Vergib, vergib,“ baten die zitternden Lippen, und a der Gelielin ſeine Augen rollten ſo wild, daß man verſucht war zu en— und ſian Jlauben, der Wahnſinn würde bald ſeine Decke über ſie ausbreiten.„Vergib, Iſabelle! Ich kam nur um Dir zu ſagen, daß ich mich bemühen werde, mein Verſprechen zu halten!“ Bewußtlos griff er in der weichen Spitzen⸗ garntrung der Chemiſette herum; wie er aber ſo wühlte, löste ſich eine Stecknadel, und ein ſchwarzes Band, das wohl verwahrt zwiſchen den innern Falten lag, kam zum Vorſchein. Er hob das Band herauf, und fand ein Me⸗ daillon daran befeſtigt. Was konnte es enthalten ein Geheimniß? Wenn ſie geliebt hätte, geliebt ehe ſie ihn ſah, wenn ſie im Tode das Bild eines Mannes an ihrem Herzen barg, der ſie im Leben verhindert hatte, die Flamme eines Andern zu erwiedern... Das Blut be⸗ gann in Richards Adern zu kochen; er riß das Medaillon auf, fehrte ein Portrait gegen das Licht, und fand— ſein eigenes Bildniß, und auf der Rückſeite waren von Das Fideieommiß. II. 26 Thränen aut⸗ letzten Stunda s eigentlich wan hrte, laſſen wi unſch und laſſn ub mit der Ei on über den Heff ichard, der diß ſich aufgehalta lichen Abſchied ii u dürfen, warm 1. Detzt hatte a ————— 402 Iſabellens eigener Hand die Worte gezeichnet:„Nich, Richard, im Leben, aber im Todel“ ellens Sarg „Welch' ein Lichtſtrahl fuhr jetzt nicht in Richu Boden. Seele! Erſt nach dem Tode ſollte er den hohen Gei„O Gott, ganz ſchätzen lernen, der noch kürzlich den lebloſen Stau Ich verbarg e beherrſcht hatte, vor dem er ſtand.„Iſabelle, Iſabell c jubelte es in ihm,„Du liebteſt mich doch, und glet 55 wohl verſchmähteſt Du die Seligkeit, um mich von ein 1„„Neu tieferen Abgrunde zu retten! O Du Weib ohne Gleita 4 4 Jetzt verſtehe ich Dich, verſtehe Dein Opfer. Es m Wir mack Deiner würdig und auch ich will Deiner würdig werde Erzählung und Sey jetzt nur nicht unwillig in Deinem Himmel, daß Jahre nach jen Hauch von Glückſeligkeit auch mich berührt hat; Dh Altheilung ſchl Liebe, ausgeſprochen von Deinen lebenden Lippen, wit⸗ Es iſt jetz die irdiſchen Leidenſchaften zur Wuth geſteigert hab und ſchöner So Deine Liebe, dem Tode geraubt, breitet Frieden und d. Wir haben ein ſöhnung über das ſtürmiſche Herz!“ Und nun ſtin heſt mit ſeiner ein reicher, warmer Perlthau über Iſabellens eiein Umgeben von Glieder, während ſich ein Ausdruck heiliger, ſtarker ain weißgetünchtes über das Geſicht des Jünglings verbreitete. dem einen Gieb „Lebe wohl, meine blaſſe Braut! Jetzt laſſet andern. Aus Dich in Ruhe! Schlafe wohl, ſchlafe ſüß! Die Eun murmelt ein B des Himmels lächeln Dir entgegen, wie Du mir eim beſtreuten Hofp entgegen lächeln wirſt, wenn ich Alles vollendet ſitz auf dem ein Pa was Du mir aufgetragen, und nun komme, um bei d ſchaukeln. Der meinen Lohn zu fordern! Leb' wohl, leb' wohl!l“ auf zu dem Ha Bei Sonnenaufgang erwachte Marie, und hi zächnet ſich n erſten Blick auf den Tiſch neben ihrem Bette vermißz die faſt verwa ſie den Schlüſſel zu dem Heiligthum, das ihr anvertme nicht ſonderlich worden war. Erſchrocken, ahnend, daß nur Einern Orts, die in i dieſe Zeit ihn habe nehmen können, ſprang ſie auf, ie Neiz beſitzt, un dete ſich haſtig an und eilte über den Hof nach da durch Künſtelei Flügel. Die Thüre zu dem Zimmer, das ſie ſutz Berg bildet gle ſtand halb offen; die Lampe war erloſchen, es henſt und in der entg Dämmerung hier. Aber bei dem von Außen herziſ des Sprengels ſtrömenden Tageslicht ſah Marie einen wundertint weiter im Hinte Anblick: grenzt iſt. 403 ichnet:„Nich Richard, mit dem Kopfe über die Kante von Iſa⸗ bellens Sarg gebückt, ſaß in tiefem Schlafe auf dem nicht in Nichanz Boden. den hohen Gii„O Gott, das Medaillon!“ flüſterte Marie beſtürzt. en lebl loſen Sn„Ich verbarg es 35 ganz wie ſe ſagte!“ abelle, Iſabelle, 2 2— Se, och, und glet . 5 ½ mich von nl. le mcye van zigſtes⸗Kapi en eib ohne Gleiche Ia..3 — 3 Opfer. Es w. Wir machen jetzt elnien ſerßen Schritt in 2 r würdig werd Erzählung und verſetzen ſie in eine andere Periode, acht Himmel, daß Jahre nach jenem Morgen, mit dem wir unſere letzte rührt hat; Dai Abtheil ung ſchloſſen. en Lippen, win⸗ Es iſt jetzt nicht Morgen, ſondern Abend, ein heiterer geſteigert habn und ſchöner Sommerabend, kurz vor Sonnenuntergang. Frieden und d. Wir haben ein Gemälde vor uns, deſſen einfache Schön⸗ Und nun ſtin heit mit ſeiner lebendigen Gruppirung übereinſtimmt. Iſabellens eisn Umgeben von blühenden Syrinkenhecken liegt hier ein iger, ſtarker an weißgetünchtes Häuschen, mit einem Taubenſchlag an tete. dem einen Giebel und einer Reihe Bienenkörben an dem Jeetzt laſſe t andern. Aus einem nett angelegten Blumengärtchen ſüß! Die Eu murmelt ein Bach daher, der ſich unten auf dem ſand⸗ e Du mir emn beſtreuten Hofplane zu einem kleinen Teiche ausbreitet, tes vollendet hatz auf dem ein Paar weißglänzende Gänſe auf und nieder nme, um bei d ſchaukeln. Der Weg, der eine unbedeutende Anhöhe hin⸗ eb' wohl!“ auf zu dem Hauſe führt, iſt keine breite Allee, ſondern karie, und bn zeichnet ſich nur durch einige Himbeerbüſche aus, und m Bette vermi die faſt verwachſenen Räderſpuren beweiſen, daß hier das ihr anverun nicht ſonderlich oft Fuhrwerke gehen. Die Natur des aß nur Einern Orts, die in ihren eigenen Formen einen hinreichenden rang ſie auf, e Reiz beſitzt, um den Schönheitzſnn zu feſſeln, iſt nicht n Hof nach da durch Künſtelei umgeſet chaffen worden: ein waldbedeckter c, das ſie ſutt Berg bildet gleichſam eine Mauer um das kleine Gut, chen, es herrſtz, und in der entgegengeſetzten Richtung glänzt die Kirche zn Außen henn des Sprengels neben einem klaren Binnenſee hervor, der nen wunderhan weiter im Hintergrund e von einer blauen Hügelreihe be⸗ grenzt iſt. 26* —,——— 404 Doch wir treten nun durch den rothangeſtrichene Zaun, der den Hofplan umſchließt. 5 Auf einer Bank vor dieſer ländlichen Wohnung, m deren offenen Fenſtern die weißen Gardinen zwiſchen hohen Geranien und Roſenbäumchen hin und her wehan ſitzen zwei Männer in einem Geſpräche begriffen. Daf Eine, ein Greis zwar von dünnen Formen, aber doch n jeder Bewegung Kraft und Elaſtizität verrathend, ninn die Pfeife— aus der er dazwiſchen behaglich ſchmaucht⸗ bald in die rechte, bald in die linke Hand, um ſie uer der Gefahr zu retten, welche ihr die Kolliſion mit eina kleinen Wildfang von Jungen bereiten könnte, der beſtä⸗ dig an den Beinen des alten Herrn hinaufklettern wil⸗ während der Andere, ein noch junger Mann, obſchon di nachläſſig vorwärtsgebückte Haltung, verbunden mit eina gigantiſchen ſchwarzen Haarſchopf, ihn älter erſcheine läßt, tüchtig aus einer Cigarre dampft, indem er ſinnen mit den Fingern durch ſeinen beſchattenden Schleier fähn⸗ In einiger Entfernung von den Herren ſieht mar einen kleinen Gartentiſch, auf den kein Theeſervice, ſonden ein reelles ländliches Abendmahl geſtellt iſt. Vor dm Tiſch, das Zubehör ordnend, ſteht ein junges, reizende Weib, um deren Kniee ſich zwei kleine, blondgelolkt Engel in Mädchengeſtalten drängen, von denen jede zuett eine geröſtete Brodſchnitte aus der Mutter Hand erhalta will. Um die lebhaften Kinder ſpielen ein Paar veße Tauben, die, von den Brodkrumen herbeigelockt, ihe Wohnung auf dem Giebel verlaſſen haben. „Liebe Ebba, liebe Klara,“ flüſterte die ſchmeichelnde Stimme der Mutter,„ſeyd nicht ſo unruhig! Ihr be wirthet eure Tauben gar zu gut. Aber ſtille, haltet ang ruhig; ich glaube Papa und Onkel kommen. Nein, ſi fangen wieder an zu ſprechen. So, da habt ihr ein kli⸗ nes Apfelmuß mit einander auf dem Teller hier! Geht jetzt hübſch ordentlich und ſetzt euch dort auf die anden ³ Bank, bis ich euch rufe!“ 3 Mit dem Teller zwiſchen ſich und ein Stück Brah —— in der freien H wieſenen Platz; lächelnd, ihren Tiſch und mach Es war ni des wieder zu e licher Gatte u Familie, zu de berühmten Freu denſelben, von! daß,„wenn er eine weit koſtba Tyringsholm.“ eine Perſon erke lichkeit in den D ſich leicht denken nur den Rock, und Eigenthum jährigen Unterh beſiegt gegeben ſeines Lebens ir Nachgiebigkeit, Aufmerkſamkeit, Schwerlich zur Geſellſchaft und Magiſter Gewohnheiten, Welt beſeelten ſ ihrer Forſchung lich zuſammen, Aber ſieh' ſieht bald auf Herren, ob den will. Sie hat Mann ſo innig und ihn mit de weiß zu wohl 8 oth angeſtrichena n Wohnung, m erdinen zwiſchen und her welhen, begriffen. Da n, aber doch in rrathend, nimmt lich ſchmaucht— ad, um ſie vet liſion mit einm nnte, der beſtän⸗ naufklettern wil, ann, obſchon die zunden mit einn älter erſcheinn indem er ſinnen en Schleier faͤhn, erren ſieht man eeſervice, ſonden iſt. Vor dem unges, reizendes ne, blondgeloc denen jede zuett r Hand erhalta ein Paar weißt erbeigelockt, ihne en. die ſchmeichelnde uhig! Ihr be ſtille, haltet uf men. Nein, ſi habt ihr ein kl⸗s ller hier! Geltſ rt auf die anden ein Stück Braf 40⁵ in der freien Hand gingen die Kleinen auf den ange⸗ wieſenen Platz; und als ihnen die Mutter, freundlich lächelnd, ihren Beifall zugenickt hatte, verließ ſie den Tiſch und machte einen Gang an der erſten Bank vorüber. Es war nicht ſchwer, die Hauptfiguren dieſes Gemäl⸗ des wieder zu erkennen: Klas Malchus, jetzt ein glück⸗ licher Gatte und Vater, umgeben von ſeiner kleinen Familie, zu der er auch ſeit einigen Jahren ſeinen alten berühmten Freund, den Lehrer O— von Upſala, rechnet, denſelben, von deſſen Rock er einmal ſeinem Vater ſchrieb, daß,„wenn er dieſen im Teſtamente bekäme, er ihn für eine weit koſtbarere Reliquie anſehen würde, als ſelbſt Tyringsholm.“ Da nun Baron Klas von uns ſtets als eine Perſon erkannt worden iſt, die nicht von Veränder⸗ lichteit in den Neigungen geplagt wurde, ſo kann man ſich leicht denken, wie glücklich er war, daß er jetzt nicht nur den Rock, ſondern die geachtete Perſon ſelbſt zu Erb' und Eigenthum erhalten hatte; denn nach einer mehr⸗ jährigen Unterhandlung hatte ſich der gelehrte Herr endlich beſtegt gegeben und überreden laſſen, die letzte Periode ſeines Lebens in Klas Malchus' Hauſe zuzubringen, eine Nachgiebigkeit, die durch die achtungsvolle und herzliche Aufmerkſamkeit, deren Gegenſtand er war, belohnt wurde. Schwerlich gab es wohl zwei Charaktere, die mehr zur Geſellſchaft für einander paßten, als Baron Klas und Magiſter O—. Dieſelben Neigungen, dieſelben Gewohnheiten, dieſelben Studien, dieſelbe Unluſt an der Welt beſeelten ſie. Sie waren aber auch bei Anſtellung ihrer Forſchungen und ihren Geſprächen darüber ſo glück⸗ lich zuſammen, wie zwei Menſchen es nur je ſeyn können. Aber ſieh', da geht nun Marie hin und her, und ſieht bald auf den einen, bald auf den andern der Herren, ob denn die Unterhaltung gar kein Ende nehmen will. Sie hat nicht das Herz, die gute Marie, die ihren Mann ſo innig liebt und verehrt, geradezu hinzugehen, und ihn mit der Anſage des Eſſens zu unterbrechen. Sie weiß zu wohl, welch' einen geringen Werth er darauf ———-— 406 legt, in Vergleich mit ſeinem Lieblingsvergnügen, und deßhalb ſieht ſie es lieber, wenn ſeine Aufmerkſamkeit durch etwas Anderes erweckt wird, als durch eine beſtimmte Aufforderung. Es ſcheint ihr auch glücken zu wollen: er bemerkt ſie und ſieht an ihrem freundlich bittenden Auge, daß es Zeit iſt, die Meditationen für dieſen Abend einzuſtellen. Mit einem herzlichen Nicken beantwortete er das ſtumme Signal und wollte ihm eben Folge leiſten, als zum Unglück für Mariens ſichere Hoffnung, Magiſter O— einen neuen Gegengrund aufwarf, die auf einmal Baron Klas' ganzen Gedankengang wieder in den alten Kreis zurückzog. Jetzt konnte Marie herumſpazieren, ſo lange ſie wollte, ſo freundlich und bittend ausſehen wie nur immer möglich, Alles war vergebens; denn jetzt gab Klas auf Nichts weiter Achtung. Kräftiger noch als vorher wurde ein Zug um den andern aus einer friſch angezündeten Cigarre gethan, und erſt als dieſe erloſchen war, und des Magiſters immer mattere Vertheidigung das Fort⸗ ſchreiten des Abends bezeichnete, ſah Klas Malchus recht auf, fand jetzt aber, daß ſein Weib und ſeine Kinder fort waren. „Ei,“ ſagte er etwas verdrießlich,„ſie haben uns verlaſſen! Wir müſſen zu tief in unſern Gegenſtand ge⸗ rathen ſeyn; es iſt beinahe ſchon dunkel.“ Der Magiſter beanwortete dieß nur durch Leerung des letzten Tropfens aus ſeinem Grogglaſe. Da hörte man ein friſches, munteres Gelächter über dem Kopfe des Barons. „Was gibt's? Was ſoll das ſeyn?“ Und mit einem Blicke, worin ſich die väterliche Herzlichkeit offen⸗ barte, griff er mit beiden Händen über den Nacken zurück, und faßte dort einen kleinen Mann, der in aller Gemäch⸗ lichkeit auf die Banklehne und von da auf die väterlichen Achſeln geſtiegen war. „Du biſt noch nicht zu Bette, Burſche?“ ſagte Klas Malchr Lippen des ſe raſchen Purz „O neit mit kommen Achſeln, Pay mich Hans c halb nicht n kuchen verſu wollte, bis kommt Mam Marie nahen könnt entgegen, u Umarmung. „Verzei erinnere mie Signal geb⸗ haben, mein zu Bette?“ „Ja, wir ſie ſchle „O, ſi verſuchen. fangen zu l Laß mich e eben ſo gut kuchen auf Klas Malch der Wohnu mer einſchl weißen Um So n ſchönen Kir Es war die und es tha er ſich balt —yy—· rügen, und fmerkſamkeit ne beſtimmte er bemerkt ige, daß es einzuſtellen. das ſtumme „als zum giſter O— mal Baron alten Kreis lange ſie nur immer »Klas auf orher wurde ngezündeten war, und das Fort⸗ alchus recht ine Kinder haben uns genſtand ge⸗ ich Leerung ächter über Und mit hkeit offen⸗ cken zurück, er Gemäch⸗ väterlichen e?“ ſagte —-y—y——y———— 407 Klas Malchus, und drückte einen herzlichen Kuß auf die Lippen des ſechsjährigen Sohnes, indem er ihn mit einem raſchen Purzelbaum auf den Boden ſtellte. „O nein, ich ſah wohl, wie Mama winkte, daß ich mit kommen ſollte, deßhalb ſetzte ich mich auf Deine Achſeln, Papa, denn da reite ich eben ſo gut, wie wenn mich Hans auf's Pferd nimmt; und ich wollte mich deß⸗ halb nicht niederlegen, weil ich vorher den guten Reis⸗ kuchen verſuchen möchte, den Mama nicht anſchneiden wollte, bis Du und Onkel kämen... Aber ſieh, da kommt Mama zurück!“ Marie ſah auf den erſten Blick, daß ſie ſich jetzt nahen könnte. Mit einem gutmüthigen Lächeln ging ſie entgegen, und empfing und erwiederte ſeine freundliche Umarmung. „Verzeih', meine Liebe,“ entſchuldigte ſich Klas, ich erinnere mich jetzt, daß Deine Augen mir ſchon lange das Signal geben; aber Du mußt jetzt wie immer Geduld haben, mein liebſtes Mariechen! Sind die Kleinen ſchon zu Bette?“ „Ja, und wir thun wohl am beſten daran, wenn wir ſie ſchlafen laſſen.“ „O, ſie ſollen aber nicht ſchlafen, ſondern den Kuchen verſuchen. Richard war ſchlau genug, um ſich nicht fangen zu laſſen; er brachte ſeine Perſon in Sicherheit. Laß mich ein Stück herunter ſchneiden! es ſchmeckt uns eben ſo gut, wenn er nicht ganz iſt! Und nun, den Reis⸗ kuchen auf einer Brodſchnitte anſtatt des Tellers, eilte Klas Malchus mit raſchen Schritten über den Hof nach der Wohnung, wo er den Weg zu einer kleinen Kam⸗ mer einſchlug, in welcher zwei kleine Bettchen mit ſchnee⸗ weißen Umhängen neben einander ſtanden. So wie jetzt, wo er zwiſchen ſeinen zwei engel⸗ ſchönen Kindern ſtand, ſtrahlte Klas Malchus Blick nie. Es war die Flamme der reinſten und heiligſten Waͤrme, und es that dem Herzen wohl, wenn man zuſah, wie er ſich bald zu dem einen, bald zu dem andern nieder⸗ 2 4 408 bückte und ſeinen Schatz zwiſchen Beide vertheilte, wil, rend er ihre Liebkoſungen wechſelweiſe empfing und n. wiederte, die innigſten Küſſe auf die kleinen weißen Hände und Arme drückte, die in ſeinen laugen Haaran ſpielten. Er liebte ſeine Kinder nicht gerade bis zur Schwag heit, aber doch gar ſehr, und ſtand zu allen Dreien i dem innigſten und wärmſten Verhältniſſe, das ſich hin⸗ melweit von dem unterſchied, in dem er ſelbſt aufgewache ſen war. Aber jetzt hatte Klas Malchus auch das Glät erreicht, das ihm der höchſte und beſte Endzweck des Lebens war. Er genoß Frieden, Frieden mit ſich ſabi und der ganzen Welt; von dieſer letztern wußte a jedoch nicht mehr als vorher. Seine Welt war ſein Heimath und wie viel umfaßt die nicht; ein angebetete Weib, das niemals ſeine Hoffnungen täuſchte, ein ge achteter und geehrter Freund, in welchem er die ſu ihn intereſſanteſte Geſellſchaft beſaß, drei hoffnungsvolt liebliche Kinder, und endlich ein unabhängiges Vermöga, das bei den geringen Bedürfniſſen der Familie beſtäͤndig wuchs, ihn um der Zukunft und Erziehung der Kinda willen freute! Nur ein einziger Kummer hatte ihn während di letzten ſieben Jahre betroffen: der Tod ſeiner geliebte Mutter; aber dieſer Schmerz war jetzt geheilt. Nach dem Abendeſſen, als Magiſter O— mnd Richard junior zur Ruhe gegangen waren, ſaßen noch Klas Malchus und ſein Weib auf dem Sopha in ihr nicht großen, aber doch gemüthlichen Wohnzimmer bil einander. Dieß waren Mariens ſeligſte Stunden; i gehörte ihr Mann ihr ganz und gar an, und währen dieſer vertraulichen Augenblicke gingen ſie oft in die Ver⸗ gangenheit zurück, oder wechſelten ſie mit dankbarer Freude über die Gegenwart und hoffnungsvollen Blicken in die Zukunft ab. „Heute,“ ſagte Marie mit einem leichten Seußzer, ———— „find es drei⸗ konnte die Mu Dank, ſie hatt „Ja,“ e die auf ſeinen Monat.“ „O ich w eine Thräne. ſeyn, ich hätte „Sie war ein ein ſolches ben Ja das w ſie, wenn er je jett vieles and wie würde ſie geworden iſt! Die Majorin ſ hier war.“ „Richard das war eben ſey Dank, dar daß ſeine glänz ſtändigkeit ſind theil, und be menſchenfreund! Hof und Adel, Kammerherrn.“ „Nein, da wohl wiſſen, wäre recht hüt holm droben ſ er doch ſehr ei „Wenn e ihm denn ein geliebt hat, f Wahl zu thun Mariechen? 409 vertheilte, wil,„find es drei Jahre, daß der ſelige Vater hinging. Er ipfing und a⸗ Ponnte die Mutter nicht lange überleben; aber Gott ſey kleinen wei Dank, ſie hatten viel Freude im Leben!“ laugen Hag„Ja,“ erwiederte Klas, Mariens Hand ſtreichelnd, . die auf ſeinem Knie lag,„dieß iſt ein denkwürdiger dis zur Schwnt. NMonat.“ allen Dreien i„O ich weiß es wohl!“ ſeufzte Marie und zerdrückte „ das ſich hin⸗ eine Thräne.„Iſabelle“...„Ich hätte mögen daheim elbſt aufgewan⸗ ſeyn, ich hätte ſie ſehen mögen!“ fuhr Klas Malchus fort. „Sie war ein herrliches Weib; aber ſie ward auch als ruch das Glin ein ſolches beweint. e Endzweck de Ja das weiß Gott, Richard trauerte gewiß tief um mit ſich ſahz ſie, wenn er je aufgehört hat, um ſie zu trauern, obſchon ztern wußte jetzt vieles anders iſt. Ach wenn ſie ihn ſehen könnte, Welt war ſem wie würde ſie ſich freuen, daß er ein herrlicher Mann ein angebetete geworden iſt! Man ſagt, er werde Kammerherr werden. nuſchte, ein g⸗ Die Majorin ſelbſt ſprach davon als ſie das letzte Mal em er die ſi hier war.“ hoffnungsvolt„Richard Kammerherr? Nun, liebes Mariechen, giges Vermögen, das war eben ein ächtes Frauengeſchwätz! Nein! Gott amilie beſtändz ſey Dank, daraus wird gewiß nichts. Du mußt wiſſen, ung der Kinda daß ſeine glänzenden Reden im Ritterhauſe voll Selbſt⸗ ſtändigkeit ſind; ſie zeugen von einem tief gereiften Ur⸗ jn während di theil, und beſonders zeugen ſie von ſeinem warmen, ſeiner geliebtn, menſchenfreundlichen Herzen. Er ſpricht nicht für den pen ten heilt. HKof und Adel, und damit macht er ſich gewiß nicht zum ſter O— und Kammerherrn.“ en, ſaßen noch„Nein, das kann wohl ſeyn. Aber ich möchte doch ſopha in ihnmm wohl wiſſen, ob er nie ſich zu verheirathen denkt? Es Bohnzimmer bei wäre recht hübſch, wenn er ſich ein Fraͤulein in Stock⸗ Stunden; da holm droben ſuchte; denn wenn er zu Hauſe iſt, lebt „ und währen er doch ſehr einſam in Tyringsholm.“ oft in die Ver„Wenn er eine ſolche ſuchen ſollte, ſo möge Gott ankbarer Freude, ihm denn ein wackeres Weib geben! Aber wer Iſabelle Blicken in die geliebt hat, für den dürfte es ſchwer ſeyn, eine neue Wahl zu thun. Doch haſt Du die Zeitungen erhalten, eichten Seuſter Mariechen? Obgleich Reichstags⸗Zänkereien das Lang⸗ ————— 410* weiligſte ſind, das ich kenne, ſo bin ich doch neugierig ob ſeine letzte Motion durchgegangen iſt.“ „Die Zeitungen habe ich in meinem Schlafzimmer in Ordnung gelegt; aber laß mich Dir jetzt eine Neuig⸗ keit erzählen. Weißt Du, daß es jetzt endlich mit der lange vorgehabten Stockholmer Reiſe der Svärdſöer Ernſt wird? Ich habe heute Nachmittag ein Billet von Vir⸗ ginien erhalten, welche ſagt, daß ſie Samſtags hiehe kommen werden, um Abſchied zu nehmen.“ „Nun das iſt hübſch! da werden wir bald münd⸗ liche Grüße von Richard bekommen. Gott mache den Reichstag auf immer und ewig ein Ende! Ich ſehne mich ſehr nach dem Tage, wo wir unſere ſo lange ver⸗ mißten Freunde wieder hier begrüßen dürfen; denn ol⸗ wohl Tyringsholm, ſeit es ihm gehört, weit angenehma iſt, als früher, ſo iſt es mir dort doch nie ſo wohl wiet in unſerer kleinen lieben Heimath. Pah, wie würde ich mich in den großen, feierlichen Gemächern ſo übel befin⸗ den! Gott ſey höchlich geprieſen, daß ich den ganza Plunder los ward!“ „Ja, Klas, ich glaube ganz gewiß, daß es en großes Glück für Dich war. Du würdeſt Dich nie ſo wie unſer lieber Kapitän“— Richard belleidete ſeit ein⸗ gen Jahren dieſen Rang—„um die Landwirthſchaft be⸗ kümmert haben. Durch die vielen neuen Verſuche un Anordnungen, die er einführte, hat er das Gut ganz m⸗ gemein verbeſſert.“ „Das glaube ich gern; er iſt thätig und legt ſich auf derartige Spekulationen. Er wird mit der Zät grundreich, obſchon er das Geld ſo wenig ſpart, als irgend Einer. Aber laß uns jetzt zu Bette gehen, liebe Marie! Du kannſt nicht glauben, wie vergnügt die kleine Waare über ihren Kuchen war. Ich weiß nicht, ob mich die Vaterliebe blind macht; aber ich, der Schmeiche⸗ leien nie leiden konnte, höre jetzt gerne, wenn die Leute ſagen: unſere Kleinen ſeyen ungewöhnlich ſchöne und 4 artige Kinder. das iſt wirklich „Klara,“ würdigen Läche und Ebba muſ „Das ſag Marie, biſt ja wird auch unſe Nichard konnte dabei ſah ich daß auch er do wiel Uhr ſchläg genug für he Und den Klas Malchus In einen der Regierung einige Wochen beſah und pr einem Paket ku Tiſche lagen. Diner, war al Hauſe. Man der Art ſchließ ſeyn ſoll. Virginien lieblich, zeigte peinlicher Ung jedem Paar warf— das mit weit meh die Uhr, und ſen, daß ſie —— 411 doch neugierig artige Kinder. Cbba ſieht Dir gleich, aber Klara— aas iſt wirklich merkwürdig.“ Schlſtn 3 lara,“ ſiel Marie mit einem unendlich liebens⸗ ndlich mit. würdigen Lächeln ein,„wird gewiß eine zweite Iſabelle, Svärdſöer Enn und Ebba muß ihr weichen. zillet von u„Das ſag ich nicht; denn auch Du, meine liebliche aurtaao ir: Marie, biſt ja ſchön, und noch beſſer, Du biſt ſanft. So 1 ſtags hieher wird auch unſere kleine Ebba werden. Aber Klara— dir bald mund Richard konnte ſie ganze Stunden lang herumtragen, und ttt meh nünd dabei ſah ich etwas in ſeinem Auge, was mich überzeugte, dtt mache den daß auch er daſſelbe findet wie wir. Aber ei, ei, ei, wie dſ A ſehne wiel Uhr ſchlägt es denn... halb zwölf, Nein, jetzt rfen; denn n genug für heute Abend!“— eit zn 3 cl. und den Arm um ihren Leib geſchlungen, zog 9 ſo denus Klas Malchus ſein Weib mit ſich fort. wie würde ich 3 4.: 4 ni S in Dreißigſtes Kapitel. 8 In einem Zimmer des franzöſiſchen Gaſthofes in 5, daß es en der Regierungsſtraße ſaß Gräfin Virginie von M—, eſt Dich nie ſt einige Wochen nach ihrer Ankunft in Stockholm, und leidete ſeit ene beſah und probirte die Feinheit und Elaſtizität von dwirthſchaft bie einem Paket koſtbarer Handſchuhe, die vor ihr auf dem Verſuche 1nd riſche lagen. Ihr Putz deutete zwar nicht auf ein großes Gut ganz mn Diner, war aber doch zu gewählt für ein Mittageſſen zu b Hauſe. Man konnte auf eine kleine Feſtivität von und legt ſch der Art ſchließen, die zugleich mit und ohne Gepränge mit der Zit ſeyn ſoll. 3 nig ſpart, 36 Virginiens Geſicht, jetzt wie immer außerordentlich te gehen, lue! leblich, zeigte doch dießmal einen gewiſſen Grad von gnügt die klen peinlicher Ungeduld, wo nicht gar von Verdruß. Bei veiß nicht, obo, jedem Paar Handſchuh, das die Gräfin bei Seite der Schmeicht⸗ warf— das arme Fräulein Virginie würde ſie gewiß wen die dan mit weit mehr Achtung behandelt haben— ſah ſie auf ich ſchöne und die Uhr, und man konnte dabei aus ihrer Miene ſchlieſ⸗ ſen, daß ſie die Zeit ſehr lange fand. Endlich ſtand 412 ſie auf und ſchickte ſich an, noch einmal ihre Toilette vor dem Spiegel zu muſtern, wo ein Blick lächelnden Beifalls die kleinen Runzeln auf der Stirn milderte. Eine Blume wurde etwas mehr herabgebogen, die Blon⸗ denſpitzen an der Halbhaube höher nach dem Wirbel hinaufgezogen, hier eine Haarnadel, dort eine Stecknadel befeſtigt; aber nachdem dieſes vollendet war, fand ſih nichts Weiteres zu thun. Jetzt ſpazierte die kleine Gnädige im Zimmer auf und nieder, ein Stück aus dem Freiſchütz trillernd. Dann wurde ein Buch zur Hand genommen, in welchem ſie zwei Seiten las; jetzt aber war ihre Geduld völlig erſchöpft, und ſie wollte eben den letzten Ausweg un die Zeit zu tödten verſuchen und ein kleines Schlaͤſchen in einem großen, bequemen Lehnſtuhl machen, als ſich raſche und kräftige Schritte im Oehrn hören ließen, Die Saalthüre ging auf, und gleich darauf auch die, welche in das Zimmer führte, wo Virginie ſo hat gegen den böſen Feind angekämpft hatte, den man Lange⸗ weile nennt.„Mein Gott,“ brach ſie aus und ließ ihren kleinen Verdruß ziemlich merken,„ich glaube wahrhaf⸗ tig, ihr wolltet in dem lieben Ritterhauſe über Nacht bleiben. Iſt das eine Zeit, um zu Tiſche zu gehen? Ich wette, es ſchlägt fünf Uhr, ehe wir nach dem Thiergar⸗ ten kommen!“ Dieſe Worte wurden an zwei Herrn gerichtet, die eben eintraten. In dem Einen derſelben erkennen wir ſogleich den Grafen Pontus von M—, der in dieſen acht Jahren eher jünger als älter geworden zu ſeyn ſcheint. Sein ganzes Weſen trug noch das Gepräge jener anmuthigen Feinheit und Würde, die ihn ſtets aus⸗ gezeichnet hatten, wozu noch eine gewiſſe heitere Lebhaf⸗ tigkeit kam, welche den früheren mehr ernſten Zug in ſeinem Charakter verdrängt hatte. 5 Der Andere dagegen, Kapitän Richard E⸗brand, ſchien ziemlich verſchieden von dem Lieutenant Richard L— zu ſeyn, dem behenden, lebensfrohen und heiß⸗— blütigen Jüngl’ ählung kenner von der Gluth Liebe verheerten letzt ſahen. Di von wilden inn liegt ein klar Die Augen gl Feuer, das do einem friſchen das auf ſchwe ließe. Seine h lichkeit gewonne und der Schult und Backenbart Ueberhaupt iſt Warme, Spie⸗ nicht mehr der er ſeine ſchönſt noch mit einer Zeit, welche I geſagt hatte, w Ziel in einer gefunden; aber beſetzt. „Nein hö lächelnd,„kön! thung vorſtellen Erſte, daß“.. „Nein, nei „Hier“— ſie engliſchen Rom habe ich mehr haus und Unte ich da noch d in Pleno Thei gewiß zu Tode 413 ihre Toilete blütigen Jüngling, wie wir ihn zuerſt in unſerer Er⸗ k lächelnden zählung kennen lernten. Noch ungleicher iſt er dem irn milderte. Vun der Gluth der Leidenſchaft, von einer wahnſinnigen , die Blon⸗ Liebe verheerten und zerſtörten jungen Manne, den wir zu⸗ dem Wirbel latt ſahen. Dieſe Züge voll edler Kraft waren nicht mehr ie Stecknadl von wilden inneren Stürmen bewegt. Auf der Stirne e, fand ſih liegt ein klarer, tiefer Ausdruck ruhigen Denkens. . Die Augen glänzten nicht mehr von dem jugendlichen Zimmer auf Feuer, das dort noch brannte; aber ſie glänzen von itz trillern. einem friſchen und guten Muthe, und enthalten nichts, „in welchen. das auf ſchwermüthige und finſtere Stunden ſchließen heduld völlig ließe. Seine hohe, geſchmeidige Geſtalt hat mehr Männ⸗ Ausweg un lichkeit gewonnen, und die Breite und Fülle der Bruſt 3 Schläͤſchen und der Schultern, verbunden mit dem ſtarken Schnurr⸗ en, als ſih und Backenbarte geben ihm ein kriegeriſches Aeußeres. hören ließen, Ueberhaupt iſt er jetzt ſchöner, aber man vermißt das uf auch die Warme, Spielende, Seelenvolle von ehemals; es iſt inie ſo hat nicht mehr der Jüngling, es iſt der Mann, der, obwohl man Lang⸗ aer ſeine ſchönſte Jugendfreude hinter ſich gelaſſen, den⸗ nd ließ ihre, noch mit einer andern Hoffnung vorwärts ſchreitet. Die ibe wahrhaf⸗ Zeit, welche Iſabelle ſo oſt in froher Ahnung voraus⸗ e über Nauzt geſagt hatte, war jetzt eingetroffen. Er hatte ein neues gehen? Ich Ziel in einer für das Allgemeine nützlichen Thätigkeit em Thiergar⸗ gefunden; aber in ſeinem Herzen war ihr Platz noch un⸗ 1 beſetzt. gerichtet, die„Nein höchſt ungnädiges Liebchen,“ ſagte der Graf erkennen wir lächelnd,„könnteſt Du Dir die Lebhaftigkeit der Bera⸗ der in dieſn thung vorſtellen, die uns aufgehalten hat! Denke Dir für's den zu ſeyn Erſte, daß“... das Gepräge„Nein, nein, verſchone mich!“ rief Virginie munter. ihn ſtets aus⸗„Hier“— ſie zeigte auf das eben weggelegte Buch, einen eitere Lebhafe engliſchen Roman in ſchwediſcher Ueberſetzung—„hier enſten Zug in habe ich mehr Politik, als ich vertragen kann. Ober⸗ haus und Unterhaus, Bills und ewige Wahlen. Wenn d E⸗brand, ich da noch dazu an den intereſſanten Unterhandlungen nant Richa in Pleno Theil nehmen muͤßte, ſo würde ich mich ganz en und heiß⸗ gewiß zu Tode gähnen! Aber laß uns jetzt eilen; ich — 414 bin ſchon längſt fertig, und der Wagen wartet ſeit ein⸗ und einer halben Stunde. Es war artig von Dir, Nichan, daß Du wie ich Dich bat, Deine Uniform anzogſt. 3t verſichere Dich, ſie ſetzt Dein Aeußeres in ein ſehr vur⸗ theilhaftes Licht, und Du bedarfſt heute aller Hülfs⸗ truppen.“ „Ich muß wohl dem Befehl gehorchen,“ erwiedert Richard,„obſchon ich nichts Langweiligeres kenne, als auf eine ſogenannte Landparthie wie zu einer großen Aif⸗ wartung herausſtaffirt zu fahren. wohin Du uns zu führen gedenkſt; denn das iſt etwas, was wenigſtens ich nicht weiß?“ „Hab' ich Dir nicht ſchon lange geſagt; in da Thiergarten zum Mittageſſen bei einem alten Freunde! „Aber ich kann mich doch nicht erinnern, daß jemnd ein Bekannter von uns im Thiergarten gewohnt hat, unh weniger ein Freund.“ „O das kann man nicht wiſſen!“ Virginie lächele ihrem Manne heimlich zu, was dieſer auf dieſelbe An erwiederte. Aus dieſem einzigen Blicke ging klar herben daß das eheliche Vertrauen zwiſchen ihnen noch auf dem⸗ ſelben guten Fuße ſtand, wie früher. Und jetzt half Graf M— ſeiner Frau Shawl und Mantel umlegen. Bald darauf ſaß die ganze Geſl⸗ ſchaft im Wagen, der raſch über Blaſiusholm und Ladu⸗ gärdsland, auf dem ſchönen Weg nach dem Thiergarta dahinrollte. „Du ſiehſt ſehr ſchelmiſch aus!“ ſagte Richard, als Virginie in der Nähe des Thiergartenbrunnens ihra Mann bat, er möchte dem Kutſcher den Befehl geben, daß er an einem kleinen hübſchen und geſchmackvollen Landhauſe halten ſolle. Es konnte ſich nicht mit den jetzigen prächtigen Villas meſſen, aber es verrieth doch einen neuen Geiſt, ſowohl in der Bauart ſelbſt, als in den äußerſt zierlichen Anlagen um daſſelbe herun. „Ich muß Dir ſagen, Richard,“ flüſterte Virginie, als eben der Kutſchentritt herabgelaſſen wurde, daß Du 1 Aber ſage mir jet, nicht eingeladen Verantwortung In demſel thüre der Vorh Geſtalt einer ſe ihrem Platze an Gäſten entgegen kurzen Strecke Weg gekommen konnten ausſteig ſich die obgena erſchien. Es war e zwanzig, höchſten wo ein Theil N erreichen, wo Entwicklung di men haben, Wuchſes erhöhen Maaße mit de menheit herang Geſichte lag ein mer, daß ma Seele ſelbſt zu lag ein Reiz, begrüßte, zeigte Verwirrung. „Liebe Hed fragte Virginie waren. „Kaum,“ e Blick an Richa der That”... „Eben ſo ſelbſt es iſt!“ neun Jahre zwi ſechzehnjährigen 415 artet ſeit ei⸗ nicht eingeladen biſt. Ich habe Dich ganz auf meine Dir, Richat, Verantwortung mitgenommen.“ anzogſt. Ich In demſelben Augenblicke ſah man durch die Glas⸗ ein ſehr vor⸗ thüre der Vorhalle, welche zum Saale hinaufführte, die aller Hüͤlſt. Geſtalt einer ſchwarzgekleideten Dame, die ſich haſtig von ihrem Platze am Fenſter erhob, wahrſcheinlich um ihren ,“ erwiedett Gäſten entgegen zu gehen. Indeſſen mußte ihr auf der kenne, als af kurzen Strecke von drei Schritten ein Hinderniß in den großen Aif⸗ Weg gekommen ſeyn, denn die in dem Wagen Sitzenden age mir jezz, konnten ausſteigen und die Treppe hinauf kommen, ehe as iſt etwa ſich die obgenannten Thüren öffneten und die Wirthin erſchien.. ſagt; in dan Es war eine junge Dame von ungefähr vierund⸗ Freunde!“ zwanzig, höchſtens fünfundzwanzig Jahren, jenem Alter, n, daß jemals wo ein Theil Frauen erſt ihren eigentlichen Glanzpunkt hnt hat, nch erreichen, wo ihre Formen nach einer langſamen Entwicklung die Rundung und Elaſtizität angenom⸗ rginie läͤchele men haben, welche das Edle eines ausgezeichneten f dieſelbe AA.. Wuchſes erhöhen, und wo ihr innerer Menſch in gleichem klar heror,, Maaße mit dem äußern zu einer herrlichen Vollkom⸗ noch auf dem⸗ menheit herangereift iſt. Ueber dieſem feingezeichneten Geſichte lag ein ſo heller und durchſichtiger Roſenſchim⸗ Shawl und mer, daß man unter ihm den klaren Spiegel der ganze Geſel⸗ Seele ſelbſt zu entdecken meinte. In jeder Bewegung m und Ladu⸗ lag ein Reiz, und das Lächeln, womit ſie ihre Gäſte n Thiergarta begrüßte, zeigte die lieblichſte Miſchung von Freude und VVerwirrung. Richard, als„Liebe Hedwig, kennſt Du meinen Bruder noch?“ unnens ihrn fragte Virginie, als ſie Alle in den Saal gekommen Befehl geben, waren. eeſchmackvollen„Kaum,“ erwiederte ſie, und noch einmal haftete ihr icht mit de Blick an Richards Geſtalt.„Kapitän E—brand iſt in verrieth doch der That”... ſelbſt, als in„Eben ſo veraͤndert, meine Gnädige, wie die Zeit jerum. ſelbſt es iſt!“ fiel er ein.„Bedenken Sie, daß jetzt terte Virginie,, neun Jahre zwiſchen dem Tage liegen, wo ich von dem rde, daß Du ſechzehnjährigen Fräulein Hedwig von D.— Abſchied ——. 416 nahm, und dem, wo ich das Glück habe, Frau von Brude zu begrüßen. In Wahrheit, es war eine liebe und frohe Ueberraſchung für mich!“ Dieſe Worte wurden in einem offenen, halb her⸗ lichen, halb wehmüthigen Tone geſprochen. Manche Ei⸗ innerung bahnte ſich einen Weg nach ſeinem Herzenz abet dachte er, dieſe Jugendphantaſten ſind gewiß ſchon langſt von dem jetzt ſo vollendeten Weibe vergeſſen, die in einen andern Verhältniſſe die Roſen der Wirklichkeit aus da Dornen des Traumes emporwachſen ſah. Allein die Roſen, welche Hedwig in dieſem Ler⸗ hältniſſe gepflückt hatte, waren dünne geſät geweſen. Doh während ſie ſelbſt ihre Gäſte nach dem wartenden Mi⸗ tagsmahle führt, wollen wir ſchleunigſt zurückeilen un nachſehen, ob„das Birkenlaub ſeither jemals wieder an dem Glaſe kam.“ Einunddreißigſtes Kapitel. Ueber das Herz der ſechzehnjährigen Hedwig lai eine Zeit nach Richards letztem Wiederſehen ein Trauur⸗ tuch ausgebreitet. Ihr Tagebuch freute ſie nicht mehtz denn jedes Mal, wenn ſie die Stelle durchging wo ſte unterbrochen worden war, als der Wagen des Oberſta an den Hof fuhr, erinnerte es ſie bitter daran, daß aim Hoffnung für ſie da geweſen, ihr Laub einzubringen ud es noch einmal friſch und grünend zu ſehen. Dieſe Hoſ⸗ nung war jetzt nicht mehr da, wollte nach Jahr und Tah nicht wieder kommen., und deßhalb war Hedwig tief it ihr warmes Herz hinein betrübt, und dachte, wie es auf der letzten Zeile im Tagebuch hieß: „Das arme Laub wird jetzt wohl das ganze lange Leben hindurch im Waſſer ſtehen müſſen! Es wird wohl nie mehr durch eigenen Saft wachſen!“ Die Nachricht von Iſabellens Tode hatte eunen ſtarken und wunderbaren Eindruck auf Hedwigs Gefühle gemacht. Sie trauerte um die Schöne und Edle, von beren Hochſinn aber ſie beneider gangen war, ſe Hedwig mit Frei hätte, und fuͤr lieber ſterben, al harren wollte, mehr für ſie gab Aber da k und grün,“ und ſter des Herzen „Dich tröſten un wo er frei iſt, an... Hedwig jungfräͤulicher S hören; aber der hinein, und ga ihn jeden Tag d Aber ach, nien. Sie erzäl und erſt in eini wig wollte nun ihn nicht weite noch einmal bet zurückgekommen er kommen und dann— dann“. So lautete ſchrieb Virginie, Seele, als ein N klopfte nic ſer Tage, We ging, und nicht unter ſtillen Tl Herzei ließ der ihm, ſich jemal Das Fideicommi 417 au von Brude deren Hochſinn und Muth Virginie ſo beredt ſchrieb; ebe und frohe aber ſie beneidete ſie doch auch zugleich, daß ſie hinge⸗ aangen war, ſo ſehr betrauert von dem, für welchen —, halb her⸗ Sedwig mit Freuden geſtorben wäre, wenn er ſie geliebt Manche E. k d fuͤr welchen ſie auch ohne dieſes Glück weit Kanche Er hätte, und für welch au ue dieſes G Herzenz abet lieber ſterben, als in dem langen bleiſchweren Leben ver⸗ ß ſchon lang hurran. wollte, wo es keine Roſen und keine Freuden die in einen nehr für ſie gab. 4 hreit anin Ane9 Aber 5 kam bisweilen ein„Vögelchen, ſo ſchön und grün,“ und haclte mit ſeinem Schnabel an das Fen⸗ dieſem Nr ſier des Herzens.„Was willſt Du?“ ſagte Hedwig. geweſen. Doh„Dich tröſten und Dir Muth ſchenken!“ Jetzt vielleicht, artenden Ur. wo er frei iſt, weun er ausgetrauert hat, denkt er urückeilen un an... Hedwig erröthete tief, ihr ſeines Gefühl, ihr uils wieder an jungfräulicher Stolz verbot ihr auf die Schlußworte zu höͤren; aber den kleinen KFügeriſchen Vogel ließ ſie doch hinein, und gab ihm Wohnung und Schutz, und ließ el. ünn jeden Tag den halben Satz wiederholen. 8 Aber ach, bald kamen neue Zeitungen von Virgi⸗ Hedwig n nien. Sie erzählten, daß Richard weit fortgereist ſey, n ein Traum und erſt in einigen Jahren wiederkehren werde. Hed⸗ ie nicht mht⸗ wig wollte nun ihren gefaͤhrlichen Gaſt verjagen, da ſie rchging woſſe, ihn nicht weiter beherbergen zu dürfen gläubte; aber w des Oberia noch einmal bettelte ſich das Vögelchen an.„Wenn er ran, daß ein zurückgekommen iſt, dann iſt Vieles anders, dann wird zubringen ma er kommen und ſeine alten Freundr begrüßen, und 7. Dieſe Hef⸗ dann— dann“...— Jahr und Ta So lautete es zwei lange Jahre hindurch; da Hedwig tifin ſchrieb Virginie, daß ihr Liebling geſund an Leib und te, wie es auf Seele, als ein anderer Menſch wiedergekommen ſey. 4 Wie klopfte nicht bei dieſer Nachricht Hedwigs Herz! s ganze lunßee Mer Tage, Wochen, Monate, ja das ganze Jahr ver⸗ Es wird wonl ging, und nichts ließ ſich hören. Da öffnete Hedwig unter ſtillen Thränen die geheime Kammer in ihrem e hatte ehlen Herzen Uieß den trügeriſchen Vogel hinaus, und verbot dwigs Gefülhlt ihm, ſich jemals wieder zu zeigen. Mit einem Blicke nd Edle, don Das Fideicommiß. II. 27 ——,— 418 voll Kummers, daß er ſeine ſchöne, warme Heimat verlaſſen mußte, ging der betrübte Gaſt fort, um ſich eine andere Wohnung zu ſuchen; aber außen vor um Fenſter ſang er eine Abſchiedsklage, worin es hieß:„Du haſt den einzigen Freund fortgewieſen, den Du hatteſt mit mir verlierſt Du Alles, und manche Stunde lang, wo Du in der Einſamkeit mich zurückwünſcheſt, ui Du vergebens wünſchen. Wir ſagen einander ein lun⸗ ges Lebewohl!“ Er flatterte fort, und als Hedwig ihre letzten Thri⸗ nen um ihren Valicbie treuen Freund vergeſſen hatt, weinte ſie nicht mehr, ſondern wurde ruhig und ſill und es ward ihr beſſer zu Muthe, als es ſeit langn Zeit geweſen war, denn mit der„Hof ffnung“ war auch der letzte Faden in den heimlichen Traͤumen der Phau⸗ taſie zerriſſen. Drei Jahre waren ſeit dem Abend verfloſſen, we Hedwig im Uebermaß ihrer Gefühle mit dem junga noch ſo kindiſchen Gemüthe, das durch den unſeligen Walzer aufgeregt war, auf der Moosbank im Gani gelegen, und ihren Schmerz ausgeweint hatte. Da imn eines Tages, gerade als ſie wieder auf derſelben Vunt ſaß und in ſchamhafter Angſt mißbilligend jene Seme wieder durchging, ein Bote von ihrem Vater, und dieſe Bote war ihr alter lieber Freund, Brandler, er, det nunmehr beinahe das ganze Jahr in Mörkedal zi⸗ brachte, und wenn nicht ein Vertrauter ihres langen Schmerzes, ſo doch ein Mann war, der ihr bei ain Gelegenheiten mit Troſt und Rath, mit Moral ud Anekdoten zu Hülfe kam, wie es die Umſtände erfor⸗ derten. „So einſam, mein kleines Fräulein! das Fräulein erinnert mich gerade an die mäße Jungfrau im Mihr⸗ chen, von der man erzählt, daß ſie jede Nachſt einen ganzen Spüllumpen voll Thränen weinte, manit ſi dann Morgens... Doch ich ſehe, das Fräulein mitd ungeduldig! Wir wollen es alſo ſeyn laſſen; 1 habe ich die( Fehler, der Aber jetzt ho meint nicht beſſer klingt a deres anzubri und gut, das „Einen? wigs Wangen „Wirklich?“ „Ja, wi Haus und Ho wenn es darar „Sollte i ob ich ihn viel geſehen habe?⸗ „Ja wo zu ſchlechtes C Ein Seu Ahnung von L Der Kapi mit zuſammen „Das Fräulein Bekanntſchaften deßwegen wäre falſch rathen k Bei dieſen tung geſagt wi gewöhnlichen ſ ihre ſch önen 2 ihre Bewegung zu geſtehen; u wieder in Stau Wer iſt Die dreijährig 419 arme Heimih habe ich die Geſchichte ſchon früher einmal erzählt, ern fort, um ſid Fehler, der dem beſten Me echenerzähler geſchehen kann. ußen vor dem Aber jetzt habe ich, hol' n Dieſer und Jener— es hieß:„Du meint nicht das Frä daß„Dieſer und Jener n Du hatteſt beſſer klingt als ſieben Millionen Granaten? as An⸗ Stunde lang deres anzlleingen als ein lumpiges M Kurz ünſcheſt, win und gut, das kleine Fräulein hat einen Freter!— ander ein lan⸗„Einen Freier?“ her kam es wohl, daß Hed⸗ wigs Wangen in klarer kirſchrother Farbe glühten? e letzten Thri⸗„Wirklich?.. ergeiin hatte„Ja, wirklich, es iſt ein anſt ann mit nhig und fülle Haus und Hof, und noch etwas laube ich, es ſeit langn wenn es darauf ankommen ſollte.“. ung“ war aach„Sollte ich ihn vielleicht näher kennen— ich meine, ien der Pha⸗ ob ich ihn vielleicht... ſchon vor langer Zeit— einmal geſehen habe?“ ve rfloſſen 3„Ja wohl, jan wohl, wenn das Fräulein kein gar zu ſchlechtes Gedäch tniß hat!“ Ein Seufzer, ein bebender von Luſt und Schmerz, en ufzer, voll reither Hedwigs B im Gauta Da kan Kapitän betrachtete ſie ein Augenülic g derſelben Bant mit zuſammengez ogenen Augenbraunen; dann ſagte er: nd jene Sam„Das Fräulein hatte faſt zur nämlichen Zeit mehrere ter, und diſſe Bekanntſchaften, die ſeitdem nicht mehr hier waren, und dler, er, der deßwegen wäre es nicht unmöglich, daß das Fräulein Mörkedal zu⸗ falſch rathen könnte. ihres langa Bei dieſen Worten, die gewi iß nicht ohne Bedeu⸗ ihr bei almn. tung geſagt uren⸗ obgleich der r Kapitän ſie in ſeinem it Moral und gewöhnlichen ſorgloſen Tone 1 rach, ſchlug Hed dwig mſtände erfor⸗ ihre ſchönen Augen zu dem F empor, der gewiß ihre Bewegung verſtand, ſo viel es ſie auch koſtete, dieß das Fräulen, zu geſtehen; und dieſer einzige Blick ließ ihre Hoffnung au im Mähr: wieder in Staub ſinken. Bläſſe folgte auf die Röthe. e Nacht einen„Wer iſt es?“ ſprach ſie mit erkünſtelter Ruhe. e, womit ſie Die rehlährige Erfahrung war eine theute Lehrmeiſterin Fräulein wird 27 ſſen; visl dh ——— —— — 420 für Hedwig geweſen. Jetzt konnte ſie ein wenig für den zeigen, daß f Hausbedarf lügen, obſchon es nie recht gehen wollte. ben können, a „Iſt das Fräulein auf jeden Namen vorbereitet, den Arme Hei ich nennen kann? Ohne Zweifel wird es der General, war gut, we der mich hergeſandt hat, um das Fräulein zu ihm zu Hoffnung bera rufen, nicht mißdeuten, wenn ich durch ein kleines Ver⸗ Nach ein trauen zum voraus dem Fräulein Zeit gebe, ſich zu er⸗ ſich. Der Ge⸗ holen, und die Sache von der beſten Seite anzuſehen; mann war en denn aufrichtig geſagt, ich glaube nicht, daß das Fräͤu⸗ ſlüſterte frohe lein der Unannehmlichkeit ausweichen kann.“ Kapitän huſtet 3„Den Namen, den Namen— ſeyn Sie nicht ſo dem heitern A weitläufig!“ 4— ſelbſt huſtete w „Ei, ei, ei, nicht ſo ungeduldig, meine kleine Gni⸗ fühlte tief im dige! Wir werden noch Zeit genug haben, um dieß zt koſtete. erfahren, meine ich. Uebrigens iſt es der Kammerherr Ihre Eher von Brude, der, mit Ausnahme einer einzigen kleina Herr v. Brude Abſchweifung, dem Fräulein beſtändig treu blieb, um Gutes in ſich jetzt in einem Briefe an den General um die Erlaubußß werden, als e bittet, ſich perſönlich einſinden zu dürfen, um ihm das doch ohne alle Fräulein abzunehmen.“ ſeine Laune wo Auf Alles vorbereitet, wie ſie nun war, zeigte Ha⸗ Er verlangte wig weder Erſtaunen noch Betruͤbniß. Innig hätte ſie nicht gerade au gewünſcht, ihr ganzes Leben einſam mit ihren Träumen all' die beſond zubringen zu dürfen, wenn ihr nichts beſſer geboten Frau in Erſta würde; aber ſie glaubte kein Recht zu haben, eine ſolche es, wenn er ni Freiheit zu begehren. Schon mehrere Jahre lang hatte in dieſen beide ſie die Geduld ihres Vaters durch Zurückweiſen einiger wie eine Frau vortheilhafter Anerbieten auf die Probe geſtellt; jett, aufmerkſam au wo ſein alter Lieblingsgedanke endlich verwirklicht wurd, Geringſte, was war wenig Hoffnung auf Ausflüchte vorhanden. zu geben vermo Und warum auch ſolche ſuchen? Sie fühlte kenn, herr nicht vern Widerwillen mehr vor v. Brude. Er war ihr nur gleice zu betrachten, gültig, wie jeder andere Mann, den Einzigen ausge doch unendlich nommen, an den ſie nicht denken ſollte. Dieſer Maun, Der Gene welcher wußte, daß ſie ihn liebte, und doch nicht ian, den beide zu i verachtete ſie gewiß, und einmal war es doch Zatt zu Ueberzeugung, Arauen ſey? 421 venig für den higen, daß ſie nicht, wie er möglicherweiſe haͤtte glau⸗ n wollte. ben kön. nen, auf ihn wartete— rbereitet, den Arme He ddwig! Sie verſuch te keinen Widerſtand. Es der General, war gut, wenn ſie ſich ſo der letzten Möglichkeit einer n zu ihm zu Hoffnung beraubte; vielleicht wurde es dann beſſer. kleines Ver⸗ Nach einer dreimonatlichen Verlobung vermählte ſie , ſich zu er⸗ ſich. Der General fühlte ſich grüklich, der neue Ehe⸗ e anzuſehen; mann war entzückt, und Fräulein Gunilla lächelte un und aß das Fraͤu⸗ ſlüſ rte frohe Prop phezeiungen für die Zukunft. Aber der Kapitän huſtete und ſagte:„Hm, hm!“ wenn man von Sie nicht ſo dem heitern 5 hen der jan en Frau ſprach. Hedwig ſelbſt huſtete weder, noch ſa 2:„Hm, Hm 1 Aber ſie e kleine Gni⸗ fühlte tief im Herzen, was die heitere Außenſeite ſie um dieß zu koſtete. Kammerhen Ihre Eheſtandsgeſchichte ward die aller gewöhnlichſte. zzigen kleinen Herr v. Brude hatte zu wenig Schlimmes und zu wenig m blieb, mnd Gutes in ſich, um für ſeine Frau etwas Anderes zu die Erlaubuiß werden, als ein langſames ſchmerzhaftes Zahnweh, je⸗ um ihm das doch ohn⸗ alle Zuſätze von nervöſer zbarkeit; denn ſeine Laune war Gott ſey Dank die friedli ſte im Hauſe. e, zeigte Haͤ⸗ Er verlangte nur erſtens eine beſt ſtändige Aufmerkſa amkeit, anig hätte ſie nicht gerade auf ſeine Bequemlichkeit, ſondern mehr auf ren Träumen all' die beſondern Redeübungen, womit er ſeine junge beſſer geboten Frau in Erſtaunen zu ſetzen beliebte. Zunächſt liebte er n, eine ſolche es, wenn 9 nicht unterbrochen wurde. Und He edwig war re lang hatte in dieſen beiden Fällen ſo gehorſam und liebenswürdig, weiſen einiger wie eine Frau nur ſein konnte. Sie war unabläſſig geſtellt; jeht, aufmerkſam auf ihre Pflichten; und dieß war ja das irklicht wurde, Geringſte, was ſie thun konnte„ da ſie ihre Liebe nicht den. zu geben vermochte, welche beiläufig geſagt, der Kammer⸗ fühlte keinn herr nicht vermißte, denn nach ſole cher Weiſe die Dinge ihr nur gleich⸗ zu betrachten, war er, wenn auch nicht angebetet, ſo nzigen ausge⸗ doch unendlich geſchätzt und geliebt von ſeiner Frau. Dieſer Mann, Der General und das alte Fräulein Gunilla wur⸗ och nicht kam, den beide zu ihren Vätern verſammelt, in der frohen doch Zeit u Ueberzeugung, daß ihre Hedwig eine der glücklichſten Frauen ſey? Sie ſagte auch nie das Gegentheil; und ——— — d 422 ſpäter als ihre Schönheit ſich mit erſtaunlichem Reich⸗ thum entwickelte und ſie ſich gefeiert und angebetet ſah von einer Menge junger Männer, die um die Gunſt eines Blicks, eines Lächelns ſtritten, ja, die ſogar ihre Pfeile auf das Herz ſelbſt richteten, da fand ſie zum erſten Male in ihrem Leben, daß es doch auch ſeine Reize habe, einen ſolchen Szepter zu führen. Aber Hed⸗ wig führte ihn vorſichtig. Bei Allem was ſie that, ſah und hörte, blieb das Herz leer; und obgleich die Roſen ſogar friſcher als vorher auf ihren feinen Wangen blüſ⸗ ten, ſo war doch ihr ganzes inneres Leben ſehr arm an Roſen. Hie und da nahte das Gerücht von Richard und dem thätigen, männlichen Leben, das er jetzt führt, ihrem Ohre. Um keinen Preis hätte ſie ofſen ſeinen Na⸗ men ausſprechen können; aber auf feinen Umwegen, in denen ſie jetzt nicht mehr unbewandert war, ſpürte ſe mehrere koſtbare Nachrichten aus, und ſammelte ſie in ihrer Bruſt; und hoch klopfte jedesmal ihr Herz, wem ſie die Bekräftigung des Umſtandes erhielt, daß er noch unvermählt lebe. Obwohl ſelbſt von jeder Hoffnung ge⸗ ſchieden, kam es ihr doch in ſchwächeren Augenblickn vor, als habe ſie ein Recht auf einen kleinen Theil ſei⸗ nes Herzens beſeſſen; und ſchrecklich bitter wäre ihr die Gewißheit geweſen, daß er jetzt Jſabellens Andenken untren geworden ſey. Von einer Verwirklichung dieſet Befürchtung hörte man jedoch nichts; und Jahre kamen und gingen; ohne daß der Zufall ſie zuſammenführen wollte. Nach einer vierjährigen kinderloſen Ehe ſah ſich Hedwig ſchnell von den, wenn nicht gerade druckenden, ſo doch ſchweren Feſſeln befreit. Herr v. Brude, erhitzt von Wein und einem zu reichlich eingenommenen Mittagsmahle, ſo wie einem zu ſtarken Gebrauch ſeiner Sprachwerkzeuge, hatte ſich auf b dem Heimweg von einem durch ihn ſelbſt veranſtalteten Mittageſſen in einem der um Stockholm liegenden Wirths⸗ — häuſer erkältet nicht bösartig gangene ähnlic daß er ſeine L bens bezahlen Hedwigs Lage recht mög von Stockholm laſſen. Sie n natürliche Tran ſteht, wenn ei wir uns ſo aus der weder ausl ſich ſelbſt— u Man kann ſer Beziehung was ſie fühlte etwas; denn ihr ihr Leben verbi ſeyn für ſie, d danken wieder und darum wo jeder andere Fl bewog ſie jedo das kleine Land ſie es nicht ſel vermiethen; un hier eine kleine Im Herbſt lieben Mörkede nilla waren be gegangen, abe abende der ſo Kapitän Branz dotenkräfte wie täglichen Umga n die Gunſt e ſogar ihre ind ſie zum auch ſeine „Aber Hed⸗ ſie that, ſah ich die Roſen Jangen blüh⸗ ſehr arm an Richard und jetzt führte, n ſeinen Na⸗ Umwegen, in r, ſpuͤrte ſie — nmelte ſie in Herz, wem daß er noch Hoffnung ge⸗ Augenblicken en Theil ſei⸗ wäre ihr die eens Andenken lichung dieſer Jahre kamen ſammenführen Ehe ſah ſich de drückenden, nd einem zu wie einem zu hatte ſich auf veranſtalteten eenden Wirths⸗ 42²3 häuſer erkältet, und dieſe Erkältung, obſchon im Anfang nicht bösartig, ſtieg doch durch mehrere von ihm be⸗ gangene ähnliche Unvorſichtigkeiten zu einer ſolchen Höhe, daß er ſeine Lieblingsgenüſſe mit dem Verluſte ſeines Le⸗ bens bezahlen mußte. Hedwigs erſter Gedanke, als es ihr in dieſer neuen Lage recht möglich war zu denken, war, ſich für immer von Stockholm zu trennen, und in Mörkedal niederzu⸗ laſſen. Sie weihte dem Andenken ihres Mannes jene natürliche Trauer, die in jeder edleren Frauenbruſt ent⸗ ſteht, wenn ein Band dieſer Art bricht. Es iſt, wenn wir uns ſo ausdrücken dürfen, ein„anſtändiger“ Schmerz, der weder ausbleiben kann, noch darf; aber er tröſtet ſich ſelbſt— und geht vorüber. Man kann von Hedwig nicht ſagen, daß ſie in die⸗ ſer Beziehung weiten ging, als ſie mußte. Nein, das was ſie fühlte, war nicht tief, aber ſie fühlte doch 3 etwas; denn ihr Gatte hatte nie mit einem harten Worte ihr Leben verbittert. Doch war es ein ſüßes Bewußt⸗ ſeyn für ſie, daß ſie ohne Selbſtvorwurf alle ihre Ge⸗ danken wieder den alten Gegenſtänden zuwenden konnte, und darum war ihr das einſame Mörkedal theurer als jeder andere Fleck auf der Welt. Ein geheimes Gefühl bewog ſie jedoch, als ſie ſich ſo vieles Anderen entäußerte, das kleine Landhaus am Thiergarten beizubehalten. Wenn ſie es nicht ſelbſt bewohnen ſollte, ſo könnte ſie es ja vermiethen; und kurz, es war auf alle Fälle gut, auch hier eine kleine Heimath zu beſitzen. Im Herbſte kehrte Hedwig wieder nach ihrem alten lieben Mörkedal zurück. Der General und Tante Gu⸗ nillg waren beide ſchon vor Jahr und Tag zur Ruhe gegangen, aber ein treuer Freund verkürzte die Winter⸗ abende der ſo einſam lebenden jungen Wittwe. Es war Kapitän Brandler, der Gottlob ſeine erſchöpften Anek⸗ dotenkräfte wieder neu belebt hatte, und überdieß durch tiglichen Umgang mit einem liebenswürdigen und ge⸗ 424 wurde. Mit dem neuen Jahre nahm der Reichstag ſeinen Anfang, und bald darauf las Hedwig in den Zeitungen von einem Namen, den ſie nie und nirgends ohne jenes verrätheriſche Herzklopfen ſehen konnte, welches die höchſte Theilnahme kund gibt. Die Zeitungen mit ihren langen Abhandlungen, welche ſie früher, wo ſie das Vorleſeramt bei ihrem Vater verſah, in ſich hinein gähnte, ohne ein einziges Wort zu verſtehen, wurden jetzt mit der größten Aufmerkſamkeit durchgegangen, und ſie wurden nicht nur überflogen, ſie bildeten ihren angenehmſten Zeitvertreib: vor ihnen wurde jede andere Lektüre zurückgeſetzt, und einige Lieblingsautoren waren nicht mehr zu ſehen, wemn das Poſtpaket anlangte. Als der Frühling kam, begann ſie zu finden, daß die Luft in Mörkedal nicht ſo recht ſommerlich ſey. Wi anders mußte es jetzt nicht in den herrlichen Hainen des Thiergartens ſeyn! Dahin ſehnte ſie ſich, dahin wollte ſie, und dahin kehrte ſie auch mit den Sommervögeln zurück. Und jetzt zum erſten Male ſeit acht langen Jahren,“ waren ſie einander ſo nahe, daß nur eine Viertelſtunde Wegs ſie trennte. Aber war auch dieſes ihr geheimes Ziel erreicht, ſo hegte ſie doch weder einen Gedanken noch einen Wunſch, durch irgend eine Veranſtaltung den Din⸗ gen auf die Bahn zu helfen. Im Gegentheile, obſchon ihre innige und unſchuldsvolle Flamme ebenſo rein und hell brannte, wie damals, wo ſie im ſechzehnten Jahre „das zarte Birkenlaub in's Glas“ ſetzte, herrſchte jetzt doch die edelſte feine Weiblichkeit und ein Gleichgewicht der Gefühle vor, das jede Schwachheit ſtrafend zurück⸗ wies und ſie ſogar die Möglichkeit eines unvermutheten Wiederſehens fürchten ließ. Aber, ſelbſt ungeſehen, ihn ſehen, das konnte und wollte ſie ſich nicht verweigern, und deßhalb war es ihre erſte Sorge, ſich eine Eintrittskarte auf die Gallerie des bildeten Weibe immer weniger herb und ungeſchliffen Ritterhauſes*) andere Damen wiederſah, ihn ſchütterte ſie ſo lor. Es war erſter Traum; und wie wohlle Stimme! Hed muth brechen. mit ihm und Geiſt ſollte nie Mehrmals tuchs oder ver! ſich zwei breitſ ihr nur eine g Hedwig auf di angelegen ſeyn, mit jedem Male zu begegnen, ei ihre ungereimte Ein Mal zu ſtoßen. Es für die hohen nommen war, derte. Ihre C während ſie mi ſiegesreichen Fa kehrte, die in bewahrte ſie ein ten aus einem erkannte ſie ihn zu werden, übe es ſich thun lie *) Wir entla welche den Nicht⸗ Zeit bewilligt wu 425 ungeſchliftn Ritterhauſes*) zu verſchaffen, wo ſie hinter ein Paar — 105 6 1 andere Damen von ihrer Bekanntſchaft verſteckt, ihn hstag ſeinen wiederſah, ihn hörte, und dieſer doppelte Eindruck er⸗ en Zeitungen ſchütterte ſie ſo ſehr, daß ſie beinahe die Beſinnung ver⸗ s ohne jenes lor. Es war nicht der lebensvolle, ſchöne Jüngling, ihr s die höchſte erſter Traum; es war ein weit ſchönerer, edlerer Mann ihren langen und wie wohllautend, wie tief und voll war nicht ſeine Vorleſerant: Stimme! Hedwigs Herz wollte vor Freude und Weh⸗ te, ohne ein muth brechen. Sie genoß ſeine Ehre mit, ſie fühlte der größten mit ihm und lebte in ſeinem Geiſte; aber ach, dieſer den nicht nur Geiſt follte nie den ihrigen ſuchen! Sie weinte ſtille. Zeitvertreib: Mehrmals, aber ſtets unter dem Schutze ihres Nas⸗ kgeſetzt, und tuchs oder verborgen durch die Dienſtfertigkeit, womit ſehen, wenn ſich zwei breitſchulterige Nachbarn vorwärts lehnten und ihr nur eine ganz kleine Lücke ließen, ſah und genoß finden, daß Hedwig auf dieſe Art. Gleichwohl ließ ſie ſich's ſtets ch ſey. Wie angelegen ſeyn, frühzeitig wieder fort zu kommen; denn Hainen des mit jedem Male, daß ſie ihn ſah, wuchs ihre Furcht ihm dahin wolle zu begegnen, eine Begegnung, die ihn unwillkürlich an ſommeryvögeln ihre ungereimte kindiſche Schwachheit erinnern müßte. Ein Mal waren ſie jedoch nahe daran, auf einander igen Jahren, zu ſtoßen. Es war eines Abends, als Hedwig, die ſehr Viertelſtunde für die hohen Erinnerungen der Ritterholmskirche einge⸗ ihr geheimes nommen war, unter den Reliquien derſelben herumwan⸗ hedanken noch derte. Ihre Geſellſchaft hatte ſich etwas entfernt, und ung den Din⸗ während ſie mit vieler Ehrerbietung ihren Blick von den eile, obſchon ſiegesreichen Fahnen nach den Rüſtungen der Helden iſo rein und kehrte, die in ſo heißen Kämpfen mit geweſen waren, ehnten Jahre bewahrte ſie eine Perſon, welche mit langſamen Schrit⸗ herrſchte jetzt ten aus einem der Grabchore kam. Im erſten Moment Gleichgewicht erkannte ſie ihn, und von Angſt und der Furcht geſehen afend zurüc⸗ zu werden, überwältigt, verbarg ſie ihr Geſicht ſo gut invermutheten es ſich thun ließ, und ſtand ganz unbeweglich, bis er vor⸗ s konnte und. 4. w es ihre*) Wir entlehnen biee zu Hedwigs Gunſten eine Freiheit, 2 welche den Nicht⸗Mitgliedern des Ritterhauſes nicht in der letzten Gallerie des Zeit bewilligt wurde. +—————— 426 über paſſirt war. Dann aber ward ſie von Reue und Unruhe erfaßt. Wie kindiſch, wie beinahe lächerlich hatte ſie ſich nicht benommen! Es war ihr jedoch unmöglich geweſen, bei dieſer Gelegenheit anders zu handeln. Aber ſie machte ſich den Vorwurf, daß ſie eine ſo natürliche Gelegenheit, um ihre Bekanntſchaft wieder anzuknüpfn unbenützt habe vorübergehen laſſen. Gewiß käme ſie ni mehr wieder. Aber ſie war nahe. Ein Paar Tage nach dem Beſuche in der Ritter⸗ holmskirche traf Hedwig ganz unvermuthet, als ſie über den Blaſiusholm ging, eine alte, innig geliebte Bekannt, nämlich die Gräfin Virginie von M—. Die beiden jun⸗ gen Frauen, die einander ſeit ihren Mädchenjahren nitt mehr geſehen hatten, wären einander beinahe mit Hint⸗ anſetzung aller Etikette, und nur den friſchen Gefühlm gehorchend, die ſie vom Lande mit gebracht hatten, mir⸗ ten auf der Straße in die Arme geflogen; und mit Miße beſchränkte ſich dieſe Begierde auf einen warmen Han⸗ druck und eine Umarmung der Blicke. Virginie wolle Hedwig ſogleich bereden, mit ihr nach Hauſe in ihn Wohnung zu gehen; aber dieß wollte Hedwig nicht. Um da es noch einige Stunden bis zum Mittageſſen umd der Heimkunft ihres Mannes war, ſchickte Virginie den Bedienten mit Karten an die Damen, welche ſie hatte beſuchen wollen, und begleitete dafür ihre Freundin auf dem nach dem Thiergarten abgehenden Boote. In He⸗ wigs kleiner reizender Behauſung brachten ſie ſodann ein Paar Stunden der innigſten Luſt zu. Sie hatten ein⸗ ander ſo Vieles, ſo gar Vieles mitzutheilen. Richande Name wurde im Vorbeigehen öfters von Virginien er⸗ wähnt; aber da ſich Hedwig nie auf dieſen Gegenſtand einlaſſen wollte— die arme Hedwig fühlte bei ſich, daß es ihr an Selbſtbeherrſchung fehle, um mit der Schwe⸗ ſter des Mannes, den ſie liebte, von ihm zu ſprechen— begann die Gräfin M— über Mancherlei hin und her zu denken, das ſchon früher ihre Aufmerkſamkeit erregt hatte, und in in Ideen, die ihre Als Hedwit nächſten Tag z1 Wort von Riche Wir haben eigene Fauſt un rer kleinen Geſe Mittagsmahle u vor dem Portal ſcheint ſehr bele eine ſüße und merkſamkeit gege als achtungsvoll. keit, daß ſie nich Zwe „Gibt es i als den Thierga von der Schiffbt ſahen, wie ſich herrliche Brunn die alles Schön der Mond goß beſonders uͤber reizende Geſtalt länder hinlehnte „, ſpre garten eine ſchö ber in Drottnin ſpazieren. Du Virginchen! W aber laß ſehen, zum Beiſpiel? n Reue und hatte, und in ihrem lebhaften Geiſte entſtanden allerhand cherlich hatte 1 7, die ihre Freundin glücklicherweiſe nicht ahnte. hh unmöglich Als Hedwig Virginien und ihren Gemahl auf den ndeln. Aber nächſten Tag zum Eſſen einlud, wurde beiderſeits kein ſo natürliche Wort von Richard geſprochen. 1 anzuknüpfen Wir haben aber bereits geſehen, was Virginie auf käme ſie nie eigene Fauſt unternahm. Und jetzt kehren wir zu unſe⸗ r kleinen Geſellſchaft zurück, die nach eingenommenem Mittagsmahle und Kaffee ſich auf ein Paar Bänken außen der Rittr⸗ wor dem Portale niedergelaſſen hat. Die Unterhaltung als ſie über ſcheint ſehr belebt zu ſeyn. In Hedwigs Augen leuchtet öte Bekannte, einie ſüße und ſchöne Freude. Kapitän E—brands Auf⸗ ebeiden jimn. merkſamkeit gegen ſeine junge Wirthin iſt eben ſo fein njahren nicht als achtungsvoll. Hedwig erkennt an dieſer Aufmerkſam⸗ he mit Hint⸗ keit, daß ſie nicht mehr ſechzehn Jahre alt iſt. zen Gefͤhlen 4 hatten, mir⸗ Ideen nd mit Mite Zweiunddreißigſtes Kapitel. armen Hand⸗— 3 rginie wellt„Gibt es wohl einen ſchöneren Fleck auf der Erde auſe in ihn als den Thiergarten?“ ſagte Virginie, als ſie am Abend g nicht. lnd von der Schiffbrücke aus den letztern überſchauten) und ttageſſen und ſahen, wie ſich der Mond in die von Bellmann beſungene Virginie den herrliche Brunnenbai ſenkte, jene klare, blaue Flaͤche, che ſie hatt, die alles Schöne umher in ihren Spiegel aufnahm, und Freundin auf der Mond goß ſeinen Verklärungsſchein über jede Gruppe, te. In Ha⸗ beſonders uͤber Hedwigs ſchönes Geſicht und ihre ganze ie ſodann ein reizende Geſtalt, wie ſie da ſtand und ſich über das Ge⸗ hatten ein⸗ länder hinlehnte.. en. Richards„Ja,“ ſprach der Graf,„unläugbar iſt der Thier⸗ Virginien et⸗ garten eine ſchöne Himmelsgabe; aber ich gehe doch lie⸗ n Gegenſtand ber in Drottningholms buſchigen und denkwürdigen Alleen bei ſich, daß ſpazieren. Du haſt Drottningholm noch nicht geſehen, t der Schwe⸗ Virginchen! Wir waren bis jetzt jeden Tag ſo beſchäftigt; u ſprechen— aber laß ſehen, wann wir frei haben... am Mittwoch hin und her zum Beiſpiel? Falls Frau von Brude uns mit ihrer ſamkeit erregt 428 Geſellſchaft beehren wollte, könnten wir da eine Parthie hin machen?⸗ 1 „Ach, das wird herrlich!“ rief Virginie vergnügt, „Du begleiteſt uns doch ganz gewiß, liebe Hedwig?“ Richard ſagte nichts; aber in dem ſchnellen Stralſ, der aus ſeinem Auge zu Hedwig flog, meinte ſie einen freundlich fragenden Ausdruck zu gewahren. „Es wird mir ein herzliches Vergnügen machen! antwortete ſie mit einer verbindlichen Verbeugung ihrs lieblichen Kopfes. „Und Richard, das ſehe ich ihm an,“ fuhr Virgint in einem leichten ſcherzenden Tone fort;„bittet Dich auf das Ehrerbietigſte, Dich entweder zu Wagen, zu Süiiſ, zu Pſerd oder zu Fuß abholen zu dürfen; denn Du mut wiſſen, daß er noch immer keine geringe Portion von dar ritterlichen Artigkeit und dem ‚guten Tone⸗ beſitzt, den der ſelige Onkel ihm einpflanzte.“ „Du kommſt mir zuvor,“ fiel Richard ein, ud wandte ſich mit einer artigen und vielſagenden Verbe⸗ gung zu Hedwig. „Ach ich fürchte, es wird Sie zu ſehr beläſtigen, ſtammelte Hedwig und wandte ſich zur Seite. „Ein Korb alſo?“ ſagte Richard, und ſein Ton war nicht ganz gleichgültig.„Ehedem,“ dachte er,„würde ſie das nicht gethan haben!“” Er ſah in Hedwigs Bli⸗ digkeit etwas Anderes, als wirklich darin lag, nämlich einen Wunſch, ihm den Unterſchied zwiſchen Damals und Jetzt zu zeigen. „Wie ſo, ein Korb?“ vermittelte Virginie.„Hed⸗ wig antwortete ja, wie wir Frauenzimmer immer thun, wenn wir nicht gerne Ja oder Nein ſagen; und Dif Nichard, thuſt wohl am beſten daran, wenn Du durch die That beweiſeſt, daß die Laſt nicht ſo groß iſt.“ „Ja, falls nicht“.. Hedwig wandte ihr erräthen⸗ des Geſicht gegen ihn, und beim Anblick dieſer Räthe verſchwand Richards unangenehme Empfindung, und er fühlte, wie ſeine eigene Wange glühte.„Ich darf alſo ſagte er freudig. von Virginiens „Ich glaul das Boot?“ H weil dadurch ein leicht noch gefäh „Im Boot Zufriedenheit au und abgemacht. Auf dem H. als gewöhnlich; es nicht, und er ſeine Gedanken Abend im Garte fand als er ſucht ganz wunderbar liche junge Weſe ihn doch ſeit ſeit mehr beſchäftigt an ſie gedacht, a her war ſie wie keit von ihrem T kedal traf. Da und anziehende noch in ſeinem G wurde aus den( er ſie nicht beſu geworden war: geben können, di Aber jetzt, Schönheit, ihr wickelt; denn we bei er gewöhnlich ihr zuhorchte, n Schwager einlieſ und ihre Feinhe heit von ungewö eine Partſie nie vergu mnügt, Hedwig 7 ꝛellen Stralſ einte ſie einen gen machen!“ deugung ihres fuhr Virgine ittet Dich auf n, zu Sciif, enn Du mußt rtion von der beſitzt, den rd ein, umd enden Verbeu⸗ —r beläſt 8. und ſein Kon te er,„würde Hedwigs Bli⸗ lag, nämlich Damals und gen! einie.„Haͤ⸗ immer thum⸗ en; und Du, enn Du durch roß iſt.“ ihr erröthen⸗ dieſer Röthe dung, und er ch darf alſo?“ 429 ſagte er fre von Vir wählen das 3 ehnpi zo ffung mnittal vor, weil dadurch ein téte-à-tot en und eine viel⸗ leicht noch gefährlichere Prwazen vermieden wurde. Im Boote!“ wiederholte er in einem Tone, der Zufrie enheit ausdrückte; und nun war Alles entſchieden und abgemacht. Auf dem Heimweg war Richard weniger geſprächig als gewöhnlich; aber die dern thaten, als merkten ſie es nicht, und er ſelbſt merkte es ebenfalls nicht, denn ſeine Gedanken waren ganz in die Erinnerung an den Abend im Garten von Mörkedal verſenkt, wobei er mehr fand als er ſuchte. Es kam ihm jetzt unbegreiflich, ja ganz wu inderbar vor, daß die Erinnerung an dieſes lieb⸗ liche junge Weſen, obwohl ſie nicht ganz erbleicht war, ihn doch ſeit ſeiner letzten Rückkehr in's Vaterland nicht mehr beſchäftigt hatte. Er hatte ja erſt dann und kaum an li gedacht, als er von ihrer Heirath hörte, und nach⸗ her war ſie wieder vergeſſen worden, bis ihn die Neuig⸗ keit von ihrem Wittwenſtande und ihrem Zug nach Mör⸗ kedal traf. Da dachte er wohl oft an das kindlich⸗ſüße und anziehende Bild, das von der Vergangenheit her noch in ſeinem Gedächtniſſe ſtand; aber etwas Weiteres wurde aus den Gedanken nicht, denn in Mörkedal wollte er ſie nicht beſuchen, wenn ſie erſt ſo kürzlich Wittwe geworden war: es hätte Veranlaſſung zu Schwätzereien geben können, die er um ihretwillen lieber vermied. Aber jetzt, jetzt hatte er ſie wiedergeſehen, ihre Schönheit, ihr Verſtand und ihre Grazie waren ent⸗ wickelt; denn wenn er nicht ſelbſt mit ihr ſprach— wo⸗ bei er gewöhnlich nur kurze Antworten bekam— ſondern ihr zuhorchte, wenn ſie ſich in ein Geſpräch mit ſeinem Gifinnſer einließ, hörte er daraus, daß ihre Bildung und ihre Feinheit im Umgang trotz all' ihrer Schüchtern⸗ heit von ungewöhnlichem Umfange waren. Und obgleich —— 43⁰ ſen Theil jener unſchuldigen, kindlichen Süßigkeit hatt, die das ſechszehnjähri ſie doch dieſes Getreu e lich gut. Sie war dieſelbe Hedwig wie ehemals um doch zugleich auch eine Andere, unausſprechlich lieben⸗⸗ würdigere und weit blendendere; und darum verſchwand auch ihr Bild in dem matten Lichte der Erinnenmg nicht, ſondern ſtand ſtrahlend in all' der Beleuchtung de die ſie ſelbſt gewünſcht haben konnte. Richard ſchlief dieſe Nacht nicht recht gut. Er va weit entfernt, ſich offen zu geſtehen, daß Hedwigs Wißde⸗ ſehen einen ſtarken Eindruck auf ihn gemacht habe. Sen Herz, das zehn Jahre lang die Treue bewahrt hat⸗ wollte nicht gerne ein fremdes Bild aufnehmen; aber ii Phantaſie iſt in dergleichen Fällen ein kühner Unta⸗ händler. Er verwunderte ſich, als er ſich auf gar ſel⸗ ſamen Gedanken und Gefühlen ertappte, die er für imma in Ruhe glaubte; und ſo ergriff ihn eine weiche, ſchwe⸗ müthige Gemuüthsſtimmung. Richard trauerte darüla, daß es überhaupt möglich war, zu vergeſſen. In dieſen Gedanken lag etwas Zurückſchreckendes, Unheiliges; un dennoch, trotz Allem, was er darüber ſagte, wollte in Hedwigs zauberiſches Bild nicht verlaſſen. Seine Buſt athmete tief nach Luft. Eine drückende Ahnung luh auf ihm. Und Hedwig, ſchlief wohl ſie dieſe Nacht? Nei ſie lebte mit tauſend neuen Pulsſchlägen. Das Vögelcha, das ſich ſo lange Zeit nicht hatte hören laſſen, klopft jetzt fröhlich an, und wurde beim erſten Schlage eingalſe ſen. Dann halfen ſie einander wachende, ſchöne Traͤun zu träumen.— Der Mittwoch kam; aber zwiſchen ihm und dm Montag— am Montag war es geweſen, wo Hednit ihre Gäſte gehabt hatte— liegt noch ein Tag und in dieſem hatte Virginien ſelbſt ihre Freundin zu ſich ge⸗ holt. In ihrer Geſellſchaft hatte Richard, mit jahes ſie auch als vollreifes Weib in ihrem Weſen einen grc. 4 Stunde mehr b Abend in ſtiller einen großen R war es Mittwo chard nach der ſchaukelnden Fa ſeine Betrachtun Unruhe überfall eine Handlung Es lag in Riche lichen Macht, di noch ihm auszut des Gefühl, w war, da er imm Jahre hindurch jetzt ſich nicht m ſelbſt weder Neig freundliche Bild Merkwürdig mit Selbſtvorw⸗ ſo große des Ab der gräßlich flinken Schifferw als wenn das J und er war orde wenn die barſch eigene Art das„ halt mache;„ſi geſehen, und der man gerade der von derſelben an Endlich ſch Paar ſchnellen G wigs Wohnung an den Glasthün Blick verdüſterte holens ein = n einen groſ⸗ higket 3 1 te, ſo k leidete ichkeit unen⸗ rhennſe 8 und chlich liebens⸗ m vercna 1 1 er Erinnerm beleuchtung d gut. Er nn dwigs Wirder ht habe. Sin bewahrt halt, men; aber de kühner Un⸗ ) auf gar ſelt⸗ e er fuͤr imma veiche, ſchwe⸗ zkuerte darüba, n. In diffn nheiliges; ud e, wollt i Seine Brit Ahnung bi Nacht? Nei, Das Vögelche laſſen, klopſt ſchlage eingela ſchöne Träͤune ihm und den 1, wo Hadwig in Tag und un din zu ſich g⸗ ard, mit jede 431 Stunde mehr bezaubert, den Abend zugebracht, und ein Abend in ſ ſtiller, ungebundener Fr Teiheit gibt den Gefühlen inen großen Naunn, auf dem ſie ſich üben können. Jetzt Mittwoch Am ſonnenhellen Morgen fuhr Ri⸗ chard nach d em Thiergarten hinüber. Während der ſchaukelnden Fahrt, wo er im Boote am Ruder ſaß und ſeine Betrachtungen anſtel llte, ward er bisweilen von einer Unruhe überfallen, wie ſie gewöhnlich dem Gedanken an eine Handlung vorausgeht, die wir ſelbſt nicht billigen. Es lag in Richard kein Vorſatz, den Einfluß der heim⸗ lich 3 Macht, die ihn zu umgarnen begann, aufzuſuchen, noch ihm auszuweichen. Er empfand nur eine Art ſtechen⸗ des Gefät, welches durchaus nicht das der Beſeligung war, d da er immer deutlicher merkte, daß ſie, die lange Jahre hindurch ſelten in ſeine Gedanken gekommen war, ſett ſich nicht mehr daraus fortwei iſen ließ, und daß er ſelbſt weder Reigung noch Kraft beſaß, um das ſchöne, freundliche Bild zu verjag Merkwürdig war es jedoch, daß, während er ſich mit Selbſtvorwürfen darüber beſtmöglichſt plagte, mit ſo großem Vergnügen in Virginiens Plan in Betreff des Abholens eingegangen zu ſeyn, er doch zugleich von der gräßlichſten Ungeduld gequält ward. Die Ruder der flinken Schifeerweiber ſchienen ihm langſamer zu gehen, als wenn das Boot durch Schildkröten gezogen wurde, und er war ordentlich auf dem Wege böſe zu werden, wenn die barſchen Damen zu verſtehen gaben, daß ſeine eigene Art das Boot zu ſteuern es ſey, was den Aufent⸗ halt mache;„ſie haben noch nie ein ſo tolles Steuern geſehen, und der Henker möge ſich da Mühe geben, wenn man gerade der Hölle zuſteuern...“ und Anderes mehr von derſelben ang enehmend Art. Endlich ſhimmerte die Brücke hervor. Mitz gein Paar ſchnellen Schritten war Richard oben, und da Hed⸗ wigs Woh hnung nicht weit entfernt lag, ſo ſtand er bald an den Glasthuͤren, die zum Saale führten. Aber ſein Blick verdüſterte ſich ein wenig, als er anſtatt der jungen war es ——— 432 Wirthin ſelbſt, nur eine ältliche Jungfer gewahrte, zie wie er anfangs meinte, damit beſchäftigt war, das Kaffe⸗ ſervice fortzunehmen. Bei näherer Beobachtung fand af jedoch das Gegentheil; ſie ſtellte es für zwei Perſonen in Ordnung, und ſagte, indem ſie hinausging:„Die guädige Frau kommt ſogleich“ „Gut,“ dachte Richard;„heute will ſie mich geuij wie einen alten Freund empfangen!“ Er beſah ſei Perſon flüchtig im Spiegel, und meinte, die Wamet. müſſe ſeine Wängen ſo glühend gemacht haben, ohglei er nicht ſonderlich weit gegangen war. Aber der Kn war ſo heiß, was würde man nicht noch auszuſtehen haben, wenn man jetzt heißen Kaffee tränke! Er lat. das Haar ein wenig in Ordnung, zog den Kragen i ſeinem ſchönen Uniformsrock herauf, und ſetzte ſich dem an das Fenſter, wo er mit der Arbeit ſpielte, welce Hedwig dagelaſſen hatte. So leicht und unſicher die Schritte auch wann, die ſich jetzt näherten, ſo wurden ſie doch von Richan ſehr deutlich vernommen. Hedwig trat ein und bezrißt ihn mit einem leiſen:„Willkommen!“ Richard ging ihr entgegen und reichte ihr mit dr ehemaligen Freiheit die Hand; aber Hedwig berührte ſe ſo flüchtig, daß er erröthend ſeine eigene Hand wiehn herabſinken ließ. Die alte Zeit war nun doch wohl, unz. dem Kaffeeſervice, unwiderbringlich dahin. „Ich habe noch nicht Kaffee getrunken!“ Und ena halben, einladenden Blick zu ihrem Gaſte hinüber ſendend⸗ nahm ſie ſelbſt vor dem Tiſche Platz. Richard ſetzte ſich nicht neben ſie auf den Sopha, ſondern zog einen Sult heran und ließ ſich ihr gegenüber nieder Während ſie ſich mit dem Kaffee beſchäſtigte, konte er ſich das Vergnügen nicht verſagen, ſie naͤher iu betrachten. Entweder war ſie heute ſchöner und auzi⸗ in mehr angezogen, ſie heute ſchöner fand. Wahr⸗ hender, als an den beiden vorhergehenden Tagen, oda lag es an ihm ſelbſt, daß er, mit jedem neuen Wieder ſcheinlich w ſächlich der Trauerkleid v. Brude Trauerzeit Kleid gege Mouſſelin war ein aber der E nur deſto welcher die wenn ſie ſichtige Fei Zuſatz von ſie ſo betro auch nicht „Ich . Dieß des Kaffee ſeinen Plo Hedwig ve zurück— „Alſü dachte Ric wer hätte reizend we „Ihr Mit dieſer ginie ihre „Wer fragte He „Wa Hier, mein wir ja ge hält ſeinen O m Das Fidc gewahrte, die var, das Kaffa⸗ htung fand a vei Perſonen in „Die gnaͤdig nich eſ ſe e Waͤme haben, obgleich Aber der dan och auszuſtehe tke! Er lagt en Kragen i ſetzte ſich damn ſpielte, welie e auch warm, ch von Richan in und begrüßt te ihr mit da big berührte ſieſ 2 Hand wie doch wohl, tuez n!“ Und eine hinüber ſendend, ichard ſetzte ſich vog einen Stull — chäftigte, komte ſie naͤher zu böner und anzi⸗ 1 Tagen, oder neuen Wieder⸗ fand. Wahr⸗ aber der Schleier w „ 8 ſcheinlich war Beides der Fall; aber vie leicht trug haupt⸗ ſäch der Umſtand dazu bei, daß er ſie heute ni ht in 9 3 T. 8 Tr leidern ſah, jener Tracht, die mehr an Frau rude, als an Hedwig D— erinnerte. Da die zerzeit zu Ende ging, hatte Hedwig das ſchwarze Kleid gegen ein Mouſſelin vertauſcht. war ein ſchwarzer, um ihren ſchönen weißen reich geſtickter Schleier geworfen; ar dünn, und der Alabaſter leuchtete nur deſto weißer durch ſeine luftige Bedeckung, auf welcher die langen, wohl gekräuſelten Locken ſpielten, wenn ſie ſich, wie eben j herabbückte. Die durch⸗ ſichtige F ihres Teints bekam alle Augenblicke einen Zuſatz von friſchen Purpurwolken; es peinigte ſie, daß ſie ſo betrachtet wurde, welches letztere ſie fuͤhlte, wenn auch nicht ſah. „Ich glaube, wir müſſen uns beeilen!“ Dieß waren die einzigen Worte, welche ſie während Kaffeetrinkens ſprach; und ſie ermahnten Richard, Platz zu verlaſſen, ſo angenehm er auch war. F, 6 ſic ein S Pl Hedwig verſchwand, kam jedoch bald mit Hut und Shawl zurück— und mit ihr die Jungſer mit dem Mantel. „Alſo eine Geſellſchafterin, eine Art dachte Richard.„Woher dieſes ſcheue Ausweichen? Aber wer hätte je denken können, daß die kleine Hedwig ſo reizend werden könnte?“ „Ihr ſeyd lange ausgeblieben, meine Herrſchaften!“ Mit dieſem freundlichen Willkomm empfing Gräfin Vir⸗ ginie ihre Gäſte. „Werden wir zu Lande oder zu Waſſer gehen 20 fragte ⸗Hedwig. „Was, habt Ihr noch nicht einmal davon geſprochen? Hier, meine Liebe, haben wir den Wagen. Das machten wir ja geſtern ſo aus, und dort ſteht mein Mann und hält ſeinen Arm bereit. Laßt uns jetzt gehen!“ O welch' ein Tag war das für Hedwig! Es war Das Fideicommiß. II. 4 28— 43³4 benützen erlaubte, als Richard ihr, bei der Wanderung durch die ſchönen Alleen von Drittningholm auf dem Wege nach China, den Arm bot. „Es iſt ſchon lange her,“ ſagte er, indem er ſich zu ihr hinabbeugte,„daß ich nicht mehr einen Tag von ſo unvermiſchter Freude wie dieſen hatte. Ich will ihn zu meinen Feſttagen rechnen.“ 5 „Kapitän E—brand,“ erwiederte Hedwig mit zittern⸗ der Stimme,„war von einem tiefen Kummer heimge⸗ ſucht. Nicht zu verwundern, daß Ihr Leben ſeitden freudenarm war.“ „Ja,“ brach er aus, die Rührung mit Müße bekämpfend, welche ſich beim Anſchlagen dieſer Saite noch ſeiner ganzen Seele bemächtigte,„ja auf dieſen Kummer folgten lange, freudenarme Jahre. Aber das Leben ſelbſt, die Meinigen und die Stellung, worein ich verſetzt worden bin, Alles vereinigte ſich, mich zu ermahnen, daß ich jenen Gram wenigſtens ſo weit beſiegen ſollte, um die Pflichten erfüllen zu können, welche mir oblagen. Anfangs ging es ſchwer und langſam; nachdem aber gewann ich die Thätigkeit lieb, und ihr habe ich für die reiche Wohlthat zu danken, daß ich wie⸗ der mit hoffnungsvollen Blicken in das Leben ſehen kann.“ Virginiens Bemerkungen beim Anblick des wundt⸗ baren China unterbrach Richards und Hedwigs erſtes ver⸗⸗ trauliches Geſpräch. Ein Wachtmeiſter öffnete die Thore zu der ebenſo kühnen als genialen Schöpfung einer geiſtreichen Königin, und mit einem Entzücken, das Virginien all' die Genuſſe vergeſſen ließ, welche ihr Stockholmer Leben ihr bisher dargeboten hatte, eilte ſie von Zimmer zu Zimmer, während ihr Mann, der im Beſitze all' der Berichti⸗ gungen war, die ſie wänſchte, ihr fleißig mit Beſchrei⸗ bungen, Erklärungen, hiſtoriſchen Notizen, Aneldoten und Einfällen aufwartete, welche letztere er über und von recht gut, daß die Sonne Schleier und Sonnenſchirm zu p den Perſon⸗ traulicheren Wäͤhre glücklich als wie ſie vo Betrachtung eindrangen, Zimmern Promenade ſchon oft g Paar Auge In dem d ſie Richard ſtand, und Strohhut halb die Freiheit g linke Hand in der rech „Sie Er hatte e Brude zu „Nei ſchon weit „Und aus einen ohne Thei „Ach dem Wun liebenswün nicht wuß konnte, de ſonſt hatte betrachtet heits⸗ und Rich aber in ih eenſchirm zu Wanderung auf dem em er ſich i Tag von ch will ihn mit zittern⸗ er heimge⸗ ben ſeitdem mit Mühe ieſer Saite auf dieſen Aber das ng, worein h, mich zu us ſo weit nnen, welche d langſam; b, und ihr aß ich wie⸗ ehen kann.“ es wunder⸗ erſtes ver⸗⸗ der ebenſo en Königin, die Genuͤſſe ihr bisher 1 Zimmer, r Berichti⸗ t Beſchrei⸗ kdoten und und von den Perſonen geſammelt hatte, die hier einmal in ver⸗ traulicheren Kreiſen lebten. Während nun der Graf und die Gräfin, er ebenſo glücklich als Cicerone und Dollmetſcher dienen zu können, wie ſie vom Hören und Sehen, unter fortwährenden Betrachtungen immer tiefer in Louiſe Ulrikas Heiligthum eindrangen, und dabei mehrere Male nach denſelben Zimmern zurückkehrten, nahm Hedwig, die der ewigen Promenade und Beſichtigung von Dingen, welche ſie ſchon oft geſehen hatte, müde zu werden anfing, für ein Paar Augenblicke in einem der einladenden Sophas Platz. In dem dunklen Lichte des myſtiſchen Gemaches erſchien ſie Richard, der mit gekreuzten Armen an der Thüre ſtand, unausſprechlich herrlich. Der kleine italieniſche Strohhut war von ſelbſt auf eine Seite geſunken, weß⸗ halb die andere ihren glänzenden Locken um ſo mehr Freiheit gab. Sie ſtützte das Kinn leicht gegen die linke Hand, während ſie mit dem Sonnenſchirm, den ſie in der rechten hielt, kleine Kreiſe auf dem Boden beſchrieb. „Sie ſind ſchon müde, gnädige Frau?“ ſagte Richard. Er hatte einen unüberwindlichen Abſcheu davor, Frau v. Brude zu ſagen. „Nein, nicht gerade; aber wir ſind in der That ſchon weit herumgegangen, und in China war ich ſo oft.“ „Und iſt es wohl möglich, dieſe kleine, wunderbare, aus einem andern Erdtheile hergezauberte Welt jemals ohne Theilnahme betrachten zu können?“ „Ach ich bin gerade keine ſo große Freundin von dem Wunderbaren!“ erwiederte Hedwig, welche bei der liebenswürdigſten Verwirrung über ihre Gleichgültigkeit nicht wußte, was ſie in der Schnelligkeit antworten konnte, denn dieſe Gleichgültigkeit empfand ſie erſt heute; ſonſt hatte ſie mit ſtets gleich neuem Intereſſe die Schätz e betrachtet und bewundert, die hier ſowohl für den Schön⸗ heits⸗ und Kunſtſinn, als für den Gedanken eröffnet werden. Richard betrachtete ſie lange, ohne etwas zu ſagen, aber in ihm ſtiegen frohe, kühne Gedanken empor.„Auch ich,“ ſagte er endlich,„war oft hier, aber doch nie mit ſo großem Vergnügen wie... heute!“ Hedwig ſchlug ihre ſchönen Augen empor. Koſtete es, was es wollte, ſie mußte ſehen wie er ausſah, als er dieſes ſagte. Ihre Kühnheit ward jedoch ſogleich beſtraſt; ſie konnte die Gluth nicht ertragen, die jetzt in ſeinem Blicke flammte... Er ſetzte ſich neben ſie; aber ſcheu wie eine Taube verließ Hedwig ihren Platz: ſie war überzeugt, daß Vir⸗ ginie ſie ſchon vermißte. „Nicht einen Augenblick wollen Sie einem alten Freunde ſchenken... Hedwig— iſt das auch artig?“ fragte er, und ließ ſeine Augen einen wärmeren Vorwurf ausſprechen, als die Worte ſelbſt enthielten. Ihr Name von ſeinen Lippen ausgeſprochen und in dieſem Tone, machte Hedwig vor Wonne erzittern. Es legte ſich wie ein Nebel über ihre Augen; ſie konnte keinen Gegenſtand erkennen, kaum die nöthige Faſſung erhalten, um den gefährlichen Platz zu verlaſſen. Dieß war jedoch nothwendig, und mitz einem beinahe flehen⸗ den Blicke zog ſie ſeine Hand aus der ſeinigen und eiltz ſchnell davon. Seine Augen folgten ihr.„O Du treues Herz flüſterte es in ſeiner Seele, wo jetzt ein feſter Entſchluß reifte,„Du treues, warmes Herz, Du klopſt nicht längr allein!“ Seit dieſer Stunde war es Jedermann klar, was er fühlte, und was er wünſchte. Aber die holde Scham in ihr ſchonend, welche ſich verrathen ahnte und ſein Mitleid befürchtete, näherte er ſich nur allmählig; und erſt als ſie in der feſten Ueberzeugung jetzt ſelbſt geliebt zu ſeyn, den Blick zu ſeinem Auge zu erheben wagte, wo ſie Alles las, was ſie freuen und beglücken konnte, erſt dann ſprach et die wichtigen Worte aus. „Ach,“ ſagte Hedwig, und weinte vor Schmerz und Wonne,„Du würdeſt ja doch nichts Neues zu hören be⸗ kommen; deßhalb ſpare ich meine Antwort!“ Noch eine munter Säle. Es Einzug mit junge, ſchör math führte Jetzt ki chards Herz nigen geſchlt die Gemäld Porträt ein die andern nur von de ſchloſſen war an ſein Her uns ſegnet, Hochzeitgeſch Bei di eine ſchimn „Nie,“ ſeuff „Beru Und glaube ſie, der ich digung kan ſtehen. Iſ ſtillen, einf Auf „Ach,“ ſp auch Iſab „Das „Ich möch mehr, ich Sie war kenne ich und beſſer och ni. och nie mit r. Koſtete ſah, als er ch beſtraft; in ſeinem eine Taube 3 daß Vir⸗ inem alten ich artig?“ n Vorwurf brochen und ie erzittern 3 ſie konnte ige Faſſung aſſen. Dieß nahe flehen⸗ en und eilte eues Herz,“ r Entſchluß nicht länger ar, was er Scham in ſein Mitleid erſt als ſie u ſeyn, den e Alles las, n ſprach er chmerz und hören be⸗ junge, ſch öne und liebenswürdige —j—— Kapitel. gem Schweigen tönte holms geräumige tzer ſeinen feierte, und eine in in ſeine Hei⸗ Noch einmal nach eine muntere Tanzmu Säle. Es war an dem Tage, Einzug mit einem prachtvollen F d tuaſyete wieder die Roſen des Lebens in Ri⸗ 4 iner Hedwig Arm in den ſei⸗ harn ge eſchlungen, in einer einſamen Viertelſtunde durch die Gemäldegallerie wand r dem bildſchönen Porträt eines jung blieb, das nicht wie die andern Damen in 5 ilette gemalt, ſondern nur von den leichten Falten ein rothen Shaw ols um⸗ t d ſeine junge Braut feſter ſchloſſen wa 2 da dr wei 18 ich fühle, daß ſie an ſein 88 un uns ſegnet, und zönſtes und beſtes Hochzeitgeſch enk.⸗ — 75 kla⸗ arem Auge ihres Gatten. 1, w as 4 war!“ hige Dich, meine theure, geliebte Hedwig! Und glaube, daß Du beſſer Gattin taugteſt als ſie, der ich auch dort oben huldige; aber dieſe Hul⸗ digung kann vollkommen neben iſchen Liebe be⸗ ſtehen. Iſabellens Geiſt ſtrebte höher als nach einem ſtillen, einfachen Glücke wie das unſrige iſt. Auf Hedwigs Lippen ſchwehte wieder ein Lächeln. „Ach„ pprach ſie in ſüßer Kindlichkeit,„wenn ich nur auch Iſabelle hieße!“ „Das verhüte Gott!“ unterbrach ſie Richard raſch. „Ich möchte keine Andere mit dieſem Namen lieben, noch mehr, ich glaube gar nicht, daß ich ſie lieben könnte. Sie war einzig; ſogar ihr Name iſt mir heilig. Jetzt kenne ich ja doch nichts, das in meinen Ohren ſchöner und beſſer klänge als Hedwig!“ 438 Und bald walzte Hedwig wieder, und ſeliger als damals an Lieutenant Richards Arm, nun mit ihrem Gatten durch den feſtlich erleuchteten Saal; und als der Tanz zu Ende war, eilte ſie zu ihrer ſo hochverehrten Schwiegermutter, der liebenswürdigen Majorin, hin, welche heute ein ſchönes Feſt in ihrem Herzen feierte. Ihre Gefühle ſpiegelten ſich in den Blicken, womit ſie den Major betrachtete, wenn dieſer, ſich hie und da vom Spieltiſche loßreißend, mit einem vergnügten Lächeln eine Runde durch den Tanzſaal machte, und ſeiner ſchönen Schwiegertochter das Kinn ſtreichelte. „Und mich vergißt die kleine Gnädige ganz?“ ſagte Kapitän Brandler, der noch ſeine alte Freiheit genoß. „Zur Strafe ſollte ich eigentlich die Geſchichte einer jungen Dame erzählen, die beſtändig Meerrettig im Nas⸗ tuch trug, und einmal um meinetwillen wein.. „Der Kapitän hat mich noch gar nicht engagirtl ſiel ihm Hedwig in's Wort, und gab ihm einen leichten ſchalkhaften Schlag auf die Schulter. „Zur Strafe für eine ſo große Unart, befehle ich Ihnen kraft meines Amtes als Wirthin ein vollſtändiges Stillſchweigen!“ „Hm, hm, hm! Machen Sie nur, daß immer guter Wein auf den Tiſch kommt, denn der ſelige Oberſt— Gott ſey ihm gnädig—... nun er möge gut ſchlaſen und ich immer etwas Edles zum trinken haben, ſo lange ich trinken kann!“ Der Kapitän war ſchon ein wenig heiter; er hatte Richard ſeine Beihülfe in der Wirthſchaſt verſprochen, und überdieß konnte er jetzt nicht mehr ſo viel ertragen, wie früher. 3 Klas Malchus hatte ſich nicht bewegen laſſen, zum Feſte zu kommen.„Nein,“ ſchrieb er an Richard,„wenn ich auch keine ſo ganz klägliche Figur machen würde, wie damals, wo ſie mich nöthigten, mit Deiner jetzigen jungen Gattin zu tanzen, ſo wäre ich doch jetzt ebenſo gut als früher bei derartigen Feſtiyitäten am unrechten — Platze. We Reine gebrach Und ſie Eines O-—, Beide möglichſt bee feuer ſaßen Feuer herum mit beſchäfti nämlich Gro Geräuſch vor blicke darauf Paar verſtär „Ich hr ſeiner früͤher lippen meine plimente, Ba nicht zum zu Der Bo Punkten noch nen beſchatte legen nach d kleinen Wir das Haar ſe gutmüthig ſe anderer Rat ſchaft küſſen vorbei war, angehalten Klas Malch und ſchwatzt gethan hatt zeugung vo ihn ſo auf. gen Kinder ſchönes G ſeliger als mit ihrem nd als der ochverehrten orin, hin, tzen feierte. womit ſie lind da vom Nächeln eine nner ſchönen nz 24 ſagte liheit genoß. hichte einer ig im Nas⸗ 71 engagirt!“ inen leichten befehle ich vollſtaͤndiges mmer guter Oberſt— gut ſchlafen n, ſo lange r; er hatte drochen, und e ertragen, laſſen, zum hard,„wenn hen würde, iner jetzigen jetzt ebenſo r unrechten Platze. Wenn Du aber in Deinem Hauſe alles ins Neine gebracht haſt, erwarten wir Dich bei uns!“ Und ſie durſten nicht lange warten. Eines Abends, als Klas Malchus und Magiſter O-—, Beide mit weit ausgeſtreckten Beinen und in einer möglichſt bequemen Lage vor dem behaglichen Kamin⸗ feuer ſaßen und die Kinder, auf den Knieen um das Feuer herumgelagert, Aepfel brieten, während Marie da⸗ mit beſchäftigt war, den Lieblingstrank des Magiſters, nämlich Grog zuzubereiten, hörte man das ungewöhnliche Geräuſch von läutenden Schellen, und ein paar Augen⸗ blicke darauf war die Geſellſchaft durch das neuvermählte Paar verſtärkt. „Ich hoffe,“ ſagte Richard, der wieder den Geiſt ſeiner früheren Munterkeit beſaß,„daß Du die Roſen⸗ lippen meines Weibes nicht verſchmähſt! Ohne Kom⸗ plimente, Baron Klas Malchus, Du wirſt ſie doch wohl nicht zum zweiten Mal abweiſen?“ Der Baron, in dieſem wie in den meiſten andern Punkten noch ganz derſelbe, wie früher, ließ taub ſei⸗ nen beſchattenden Flor herabfallen, und wandte ſich ver⸗ legen nach der andern Seite; als aber Hedwig, die einen kleinen Wink ihres Mannes recht gut verſtanden hatte, das Haar ſchelmiſch bei Seite ſtreifte, und herzlich und gutmüthig ſagte:„Nehmen Sie verlieb!“ Da war kein anderer Rath, als ſich zur Bekräftigung der Verwandt⸗ ſchaft küſſen zu laſſen. Aber als dieſer kitzliche Kaſus vorbei war, und Richard bei Marien um dieſelbe Gunſt angehalten hatte, welche er bei ſeinem eigenen Weibe Klas Malchus bewilligte, gerieth Klas in die beſte Laune und ſchwatzte heiter und herzlich, wie er es nie früher gethan hatte. Richards Anweſenheit und die feſte Ueber⸗ zeugung von ihrem beiderſeitigen großen Glücke heiterten ihn ſo auf. Marie und Hedwig und die hübſchen luſti⸗ gen Kinder bildeten mit der Gruppe der Männer ein ſchönes Ganzes, und luſtig breitete das Kaminfeuer ſeinen Weſen. Vielleicht war Magiſter O.—, der hier nur den Zuſchauer ausmachte, nicht weniger glücklich. Es that ſeinem Herzen unbeſchreiblich wohl, dieſes herrliche Ge⸗ mälde aus dem Leben zu ſchauen; und als ſein Blick auf Klas Malchus belebte Züge fiel, da ſank etwas Gewiſſſes in ſein Grögglas. „Und leben wir noch bis zum nächſten Reichstag, ſagte ſpäter am Abend der Baron halblaut zu Richand, indem er ſein Glas ergriff,„ſo würde ich an Deiner Stelle eine Frage in Anregung bringen, die ich für eime der wichtigſten halte.“ Welche denn?“ fr „W gte Richard neugierig; denn s war etwas ſehr Merkwürdiges, Klas Malchus ſür eine Reichstagsfrage intereſſirt zu ſehen. „Die Abſchaffung der Fideicommiſſe, dieſe Unnatür⸗ lichkeiten und verwünſchten Verführer zu ſo viel Boſem! Wäre nicht ein ſolches in unſerer Familie geweſen, ſo würden ſich manche Verhältniſſe anders entwickelt haben, und wir wären von unſerem tiefſten Grame verſchont ge⸗ blieben. Möchte ich den Tag erleben, wo Tyringsholm die letzte Spur ſeines unglücklichen Privilegiums verloren hat! Wenn ich dieſe reichen Schätze um mich ſehe — er zeigte auf die Kinder— ſo danke ich Gott von anzer Seele, daß ich das Meine gleich unter ſie ver⸗ f ganz„ daß gleich theilen kann. Wenn einmal Du eben ſo reich biſt, wirſt Du mich beſſer verſtehen.“ „Ich verſtehe Dich jetzt ſchon,“ nickte Richard, indem er mit dem Freunde anſtieß,„und ſtimme gleich warm in Deinen Wunſch ein! Wer weiß, was die Zukunſt bringt!“ „Gott gebe das Beſte!“ ſiel Klas Malchus ein.„Es lebe indeſſen unſer häusliches Glück— aber fort mit dm Fideicommiſſen!“„„ Ende des fünften bis letzten Theils. über ſo viele glückliche — ch 99, zu Richand, an Deiher ich für eine 3; denn es ts ſür eine ſe Unnatür⸗ viel Böſem! geweſen, ſo ickelt haben, derſchont ge⸗ vyringsholm ms verloren mich ſehe“ ) Gott von ter ſie ver⸗ h biſt, wirſt hard, indem gleich warm die Zukunſt ¹s ein. ECs ort mit den — 2Q —— 4 5