v—— 4 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Seſebedingungen Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfagd enne und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uyr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rüͤckgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 1 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt für ichentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ö“ auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3 2— 3 4— 5. 5. Auswärtige Aponnenten, haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu Aehtn haben. Eine Erzählung . von Emilie Flygare⸗Carlén. . Aus dem Schwediſchen von Dr. C. F. Friſch, Subrector am deutſchen National⸗Lyceum zu Stockholm Stuttgart. Verlag der Franckh'ſchen Buchhandlung. 1850. . Vorwort. Als ich vor elf Jahren meine erſte Arbeit ſchrieb, konnte ich dieſelbe natürlich nicht ohne ein Vorwort in die Welt ſchicken. Seitdem habe ich es nicht gewagt, an die Ge⸗ duld des Publicums zu appelliren, denn unbedingt iſt es zu viel verlangt, daß ein nachſichtiger Leſer ſich nicht allein mit dem Werke des Verfaſſers, ſondern auch mit ihm ſelbſt beſchäftigen ſoll. Aber bei dieſer Gelegenheit, da einige Worte an ihrem Platze ſein dürften, ſehe ich mich dennoch genö⸗ thigt, noch einmal dieſe Geduld in Anſpruch zu nehmen, gleichwohl mit der hinzugefügten Ver⸗ ſicherung, wenn nicht eine zwingende Nothwendig⸗ keit ſich einſtellt, in den erſten elf Jahren mit keinem Vorworte wiederzukommen. Ein ſolches Verſprechen iſt eigentlich gleich⸗ bedeutend mit niemals wiederkommen; denn welcher Verfaſſer iſt nicht nach zweiundzwanzig Jahren ſo total aus der Mode, daß er ruhig ſchreiben kann, was er will, ohne daß er Gefahr läuft, geleſen zu werden? Die Familie im Thale. 1 2 Um nun aber dieſes gehörig bevorwortete Vor⸗ wort nicht zu verlieren, möchte es paſſend ſein, die Veranlaſſung zu demſelben anzuführen. Wer hat nicht jene elegant ausgeſchmückten Schaugerichte geſehen, die ſich in der Weihnachts⸗ woche in den literariſchen Garküchen präſen⸗ tiren? Wer hat ſie nicht gekauft und wer hat nicht einen neugierigen Blick auf die Zierden ge⸗ worfen, mit denen ſie ausgeſchmückt ſind? Doch— um uns ohne Bilderſprache auszu⸗ drücken— wer weiß nicht, daß jedes kleine Buch, welches zu Weihnachten erſcheint, mit Kupfern „illuſtrirt“ ſein muß? Und wer weiß es nicht, daß die Anfertigung ſolcher Kupfer bei uns nicht ſehr weit gediehen iſt, ein Umſtand, der unſere Verleger, ein äußerſt pfiffiges Geſchlecht, veranlaßt hat, dieſe Nothwendigkeitswaare vom Auslande zu requiriren? Nun wird kein rechtlich geſinnter Menſch ſich wundern, wenn hiedurch ein etwas bizarres Ver⸗ hältais entſteht. Das Perſonal zu unſern Kalendern und übri⸗ gen Weihnachtsbüchern kommt neugeſchaffen und, nicht genug damit, auch fertig gekleidet aus frem⸗ den Ländern, und uns armen Verfaſſern bleibt nichts Anderes übrig, als dieſen todten Weſen das erforderliche Leben einzuhauchen und ſie dar⸗ nach unter einander in die möglichſt beſte Har⸗ monie zu ſtellen, wenn ſte auch rückſichtlich ihres Weſer das 2 Geſche H D Körpe für ti übern 2 über wird habe und f das k ich b (Verk Verfa fallen 5 beſieh lebloſ te Vor⸗ nd ſein, . mückten hnachts⸗ präſen⸗ ver hat den ge⸗ auszu⸗ ne Buch, Kupfern s nicht, ns nicht unſere eranlaßt luslande nſch ſich res Ver⸗ nd übri⸗ fen und, us frem⸗ n bleibt Weſen ſie dar⸗ ſte Har⸗ ich ihres 3 Weſens und ihrer Beſchäftigungen— denn um das Maß voll zu machen, haben ſie auch gewiſſe Geſchäfte vor— noch ſo unharmoniſch erſcheinen. Hiemit geht es folgendermaßen zu: Der Verleger, das heißt der Beſitzer der todten Körper, wendet ſich an einen Schriftſteller, den er für tüchtig erachtet, das Amt des Prometheus zu übernehmen, und beginnt etwa folgendermaßen: „Ich habe einige ausgezeichnete Stahlſtiche, über die ich ſo und ſo viele Bogen(die Zahl wird angegeben) geſchrieben haben möchte. Ich habe die ausländiſchen Unterſchriften wegnehmen und ſtatt derſelben ſchwediſche hinſetzen laſſen— das kann eine Leitung für die Capitel ſein, und ich bin überzeugt, da ich mich an Sie wende (Verbeugung von Seiten des Verlegers und des Verfaſſers), ſo kann es nicht anders als gut aus⸗ fallen.“ Der Verfaſſer nimmt nun die Stahlſtiche und beſieht ſie mit aller möglichen Genauigkeit. Dieſe lebloſen Figuren, denen er eine Art von Seelen geben ſoll, wollen ſich vor ſeinem Geiſte nicht ordnen— er ſchüttelt bedenklich das Haupt. „Es iſt nicht im Mindeſten ſchwer!“ ſagt der Verleger, denn als der Bezahlende kennt er die Sache natürlich beſſer, als Derjenige, welcher nur ſein Geld empfängt. Ich meines Theils bin gleichwohl ſo ſehr von der Schwierigkeit dieſer Art der Verfaſſerſchaft 1 2 überzeugt geweſen, daß ich bisher jedes ähnliche Anerbieten ausgeſchlagen habe... Vor einigen Wochen aber erſuchte mich der Verleger gegenwärtiger kleinen Arbeit, ich möchte über fünf Stahlſtiche ſchreiben. Ich hätte gewiß, wie gewöhnlich,„Nein“ geantwortet; doch der Zufall fügte es ſo, daß der Vorſchlag in einem Augenblicke der Verſuchung kam, und ich ant⸗ wortete„Ja.“ Ein franzöſtſcher Verfaſſer ſaß einmal auf dem Hofe ſeines noch nicht vollendeten Hauſes und dachte nach über die Materialien zu einer No⸗ velle, welche ihrerſeits ihm Materialien liefern konnte, den Flügel zu erbauen, der ihm beſtändig vor der Seele ſchwebte. Und ſein Gebet wurde erhört. Selten iſt wohl ein ſchwediſch er Verfaſſer in Gefahr vor ſo großen Phantaſien, wie ein Haus mit Flügeln. Aber auch er kann ſeine Phantaſien, ſeine großen Launen haben— und die Unterzeichnete war eben damals einer ſolchen anheimgefallen. Man ſieht alſo ein, zu welcher guten Stunde der obenberührte Verleger ſich offenbarte. Die kleinen Bedenklichkeiten, welche von meiner Sefte noch ſtehen blieben, verſchwanden gänzlich vor der ſoliden Beredtſamkeit von ſeiner Seite— eine Beredtſamkeit, die unwiderſtehlich wurde, als ſie mir im Perſpectiv meine große Laune befriedigt zeigte. zu ſei damit von 1 haupt willen natür S ſchicht ich m nehm geſagt N der H dieſe binden Mädc ſo ebe welche Bühn Herrſe nehm Ruine der L ich he auf de mit d eigent ähnliche rich der möchte gewiß, och der n einem ich ant⸗ auf dem ſes und ner No⸗ liefern beſtändig t wurde Verfaſſer wie ein in ſeine — und ſolchen Stunde e. Die er Sefte )vor der — eine als ſie befriedigt 5 zeigte. Ich meinte auch gewiſſermaßen verpflichtet zu ſein, einmal in dieſer Manier zu ſchreiben, damit Gewiſſensfriede herabkäme auf diejenigen von meinen Recenſenten, welche ſchon früher be⸗ hauptet haben, ich ſchriebe um des Honorars willen nach Beſtellung und Zollſtock, und welche natürlich ſelbſt niemals für Geld ſchreiben... Doch, o weh! was wird aus meiner Ge⸗ ſchichte auf den mir zugemeſſenen Bogen, wenn ich mit dem Vorworte ſo vielen Raum hinweg⸗ nehme— und dennoch habe ich noch nicht Alles geſagt! Nun ſaß ich da mit meinen Stahlſtichen in der Hand und konnte nicht begreifen, wie alle dieſe Verſchiedenheiten ſich zu einem Ganzen ver⸗ binden laſſen ſollten. Mag der Leſer ſelbſt entſcheiden: ein junges Mädchen, ganz deutlich ein Kind der Armuth, die ſo eben ihre Füße gebadet hat;... eine Jagd, bei welcher zwei Haſen und drei Perſonen auf die Bühne treten;... eine Fiſchpartie, Numero Eins, Herrſchaften;... eine zweite dito, weniger vor⸗ nehm;... und endlich ein Gefatggener in einer Ruine und eine ganze Geſellſchaft draußen vor der Luke des Gefängniſſes... wahrlich, ich glaube, ich hätte Alles liegen laſſen, wenn nicht die Dame auf dem erſten Fiſchergemälde, die ſtattliche Frau mit dem Sonnenſchirm, mich an einen von jenen eigenthümlichen Beſuchen erinnert hätte, mit 6 welchen ich, und vermuthlich auch andere Verfaſſer, bisweilen beehrt werde. Jene beſuchende Frau war eine Dame in ihren mittleren Jahren, welche, nachdem die her⸗ kömmlichen Grüße zuvor gewechſelt waren, das Geſpräch ganz naiv mit folgender Frage eröffnete: „Ich wollte mich ergebenſt erkundigen, wie viel es koſten könnte, meine Lebensſchickſale zu beſtellen— ich möchte ſte gerne in den Druck geben. Immerwährend Beſtellungen! Was aber die Beſtellung der originellen Frau betrifft, ſo mußte ich dieſelbe leider ablehnen, ein Mißgeſchick, das ſie gleichwohl nicht ärger zu Herzen nahm, als daß ſie mir höchſt liberal ihre mündlichen Lebensſchickſale ſchenkte, in der Hoffnung, wie ſie ſagte, daß dieſelben doch viel⸗ leicht einmal an's Licht kommen könnten. Dieſe ſogenannten Schickſale waren inzwiſchen nicht beſonders merkwürdig: eine frühe Ehe mit einem alten Manne, der ihr Reichthum und Glück geſchenkt, eine zweite Ehe mit einem jungen Manne, der ihre„Friedensquellen“ getrübt hatte, endlich eine makelloſe Chikane, deren Ziel ſie ge⸗ weſen, ſie, die perſonificirte Tugend!... Dafür aber hatte ſie auch nach dieſen ſchrecklichen Er⸗ eigniſſen ihren Mann— verſteht ſich, den zweiten — gehörig in kurzen Zügeln gehalten Mitten in der Fahrt ihrer ewigen„ich und Fabia da ei hervot ſchein wͤͤhre Schw gerech macht ſen n 2 die F die T beſtell und ganze es m Nebei ſie v. recht ich m zu ſa nützen — m *) gerfaſſer, ame in die her⸗ en, das röffnete: en, wie ckſale zu n Druck len Frau nen, ein irger zu eral ihre in der och viel⸗ zzwiſchen Ehe mit nd Glück jungen bt hatte, el ſie ge⸗ . Dafür chen Er⸗ zweiten „ich und 7 Fabian“ und„Fabian und ich“ ließ ſie hie und da einige im„Thale“ wohnende Nebenperſonen hervordämmern— das Thal hatte ihr augen⸗ ſcheinlich großen Verdruß gemacht und kam immer⸗ während in der Geſchichte vor, welche auch einen Schweſterſohn erwähnte, der ohne Zweifel Alles gerechtfertigt haben würde, wozu er Hoffnung machte, wenn nur das dumme Thal nicht gewe⸗ ſen wäͤre. Bis auf den gegenwärtigen Augenblick, da die Frau auf dem einen Fiſcherſtahlſtich mich an die Frau erinnerte, welche ihre Lebensſchickſale beſtellen wollte und auch ſehr Vieles von Jagd und Fiſcherei zu erzählen wußte, hatte ich die ganze Erzählung total vergeſſen. Jetzt aber ſchien es mir, als könnte die werthe Dame mit ihren Nebenperſonen— nur mit der Veränderung, daß ſie vor dieſen ſelbſt in den Schatten traͤte— recht gut der Verlegenheit abhelfen, in welcher ich mich befand rückſichtlich des Buches, das ich zu ſchreiben beabſichtigte. * ⁴ * Nach dieſem Berichte eile ich, die Zeit zu be⸗ nützen, welche die Herren Oeſtlund und Berling*) — meine jetzigen einzigen Verleger— mir höchſt *) Die Verleger der ſchwediſchen„Original⸗Biblio⸗ thek“, von welcher wöchentlich ein Heft erſcheint. 8 artig zugeſtanden haben. Es iſt nämlich zu mer⸗ ken, daß Herr Rylander, der Verleger der nach⸗ folgenden Erzählung, die Unterzeichnete von ihnen nur geliehen hat, mit der Verpflichtung, mich ſo bald wie möglich ihnen wieder zuzuſtellen... und man urtheile ſelbſt, wie höchſt nothwendig dieſes iſt, da eben dieſe Unterzeichnete die Ehre haben wird, von der zuerſt genannten Offiein zu Neujahr einen Roman„in drei Theilen“ auszu⸗ ſenden; dieſen gleichwohl— ohne Vorwort. Stockholm, im September 1849. 8 Emilie Carlén. 3 taine idylliſ der ar und 1 heißt fromn zogen 9 nen, Auge wöhnl lhese ihm e E an ein zu mer⸗ er nach⸗ an ihnen ig, mich Slen... hwendig die Ehre ffiein zu auszu⸗ ort. rlén. — Erſte Abtheilung. Woht geht es, armes Kind, noch zest Für Dich im Stillen an... Dein Sommer teeht bepor: ich will Dich's lehren, Wie Du in Fried und Glück ihn leben kannſt. Franzén. 1. Im Thale. In den Buchern unſers alten, guten Vaters Lafon⸗ taine kommt immer ein entzückendes Thal vor, welches idylliſch lieblich iſt und ewig bluͤhend, wie die Sprache der auserwählten Weſen, mit denen er es bevoͤlkert hat; und von der Heldin eines ſolchen kleinen Arkadiens heißt es immer: „Dort ſteht das ſchoͤne Mädchen ſo unſchuldig und fromm, wie das Thal und ihre Mutter, welche ſie er⸗ zogen hat.“ Neben den guten Menſchen aber, welche hier woh⸗ nen, kommt auch ein boſes Weſen vor, deſſen lauerndes Auge nach Raub ſpäht, und das boͤſe Auge hat ge⸗ wöhnlich viel Glück in dieſer Hinſicht, denn wenig ließe ſich von dem Guten ſagen, wenn nicht das Böſe ihm eine um ſo lebhaftere Farbe ertheilte. Eben in einem ſolchen Lafontaine'ſchen Thale, gelegen an einem von den Geſtaden des Wener, befinden wir uns 10 jetzt, und faſt keine einzige Partie des Gemäldes wird hier vermißt.. Erſtlich haben wir ein roth angeſtrichenes Häus⸗ chen mit ſpiegelblanken Fenſterſcheiben, und an die eine Scheibe lehnt ſich gemächlich ein großer Epheu mit herabfallenden Stengeln, welchengleichſam ein Hals⸗ band abgeben zu der antiken ſchwarzen Katze, die ihr kleines abgeſtumpftes Geſicht an der andern Scheibe ruhen läßt, deren ſonnenwarmes Glas für die Katze beinahe eben daſſelbe iſt, was das Winterfeuer im Ofen für den Greis. 3 Drinnen in der Hütte treffen wir auch„den alten Großvater“ nebſt einer jungen Schwiegertochter und einige Kinder... Doch davon ſpäterhin. Von dem Ufer, wo ein paar Fiſcherboote im Schilfe ſchaukelten, und wo die Kinder ihre Häuſer zu bauen und ihre Rindenkähne ſegeln zu laſſen pflegten, erſtreckte ſich ein ſchöner weißer Sandhügel nach dem Hauſe hinauf. Auf der entgegengeſetzten Seite deſſelben nahm das Grün ſeinen Anfang: hier begann das Thal ſein ſanfteres Licht und ſeine ſanfteren Schatten auszubrei⸗ ten; hier wechſelten mit einander Hügel und Kartoffel⸗ land, kleine Wieſen und Aecker; hier pingelte die Schelle des„Goldſternes“(der Kuh), freundlich compagnirt von den bekannten Melodien des Lammes von dem ernſteren Signale des Hundes, wenn er die Kuh, das Lamm und ein paar ſilberweiße Ziegen, welche ſpielend über alle Marken hinfuhren, zuſammentrieb. Gluͤcklicherweiſe erſtreckte ſich der Umfang der Mar⸗ ken nicht weiter, als daß Karo ſeine Heerde überſehen und in Schranken halten konnte. Ganz unten im Thale, im Schatten einiger Laub⸗ bäume und eines kleinen Felſens, entſprang eine Quelle mit kryſtallklarem Waſſer, und zu dieſer Quelle kam an jedem Abende ein junges Mädchen,„unſchuldig und fromm wie das Thal und ihre Mutter, welche ſie erzogen hat.“ A keine durch Eigenf Mutte N rückgel J Mädch hin a wehmi und di nuf ih eit de 3 N Menſe mer d glieder Famil Klaſſe Paria auf de wir m herrſch D war i punkt worau A kam er doch g daß ſ dem 2 den S Hetbi nicht; näldes wird enes Häus⸗ und an die oßer Epheu m ein Hals⸗ ze, die ihr rn Scheibe die Katze er im Ofen „den alten tochter und im Schilfe r zu bauen 7, erſtreckte dem Hauſe elben nahm Thal ſein auszubrei⸗ Kartoffel⸗ die Schelle vompagnirt dvon dem Kuh, das he ſpielend det Mar⸗ überſehen iger Laub⸗ ine Quelle er Quelle unſchuldig welche ſie 11 Aber ſeit mehreren Jahren hatte die arme Nanny keine Mutter mehr. Doch wurde der Platz derſelben durch eine Schwägerin erſetzt, welche für Nanny die Eigenſchaften einer Schweſter, einer Freundin und einer Mutter vereinigte. Nanny hatte wor Kurzem ihr ſechzehntes Jahr zu⸗ rückgelegt, ſah aber aus, als wäre ſie kaum fünßzehn. Ihre Wange war nicht roth und friſch, wie junge Mädchen zu ſein pflegen, auch deutete ihr Antlitz nicht hin auf die leichte Sorgloſtgkeit der Jugend. Es war wehmüthig und träumend, dieſes gute und ſanfte Antlitz, und die Wehmuth paßte ſehr gut zu der reinen Bläſſe auf ihrer Wange, deren Haut an Weichheit und Fein⸗ heit der Pfingſtlilie glich. Nanny war ein Kind der Armuth und gehörte der Menſchenklaſſe an, welche in vieler Hinſicht weit ſchlim⸗ mer daran iſt, als die meiſten andern, weil die Mit⸗ glieder einer Familie— wenn nämlich eine ſolche Familie zufällig zwiſchen den Familien zweier andern Klaſſen allein zu ſtehen kommt— als eine Art von Parias angeſehen werden, die weder auf der einen noch auf der andern Seite aufgenommen werden können... wir meinen die Klaſſe, welche gewöhnlich„arme Halb⸗ herrſchaft“ benannt wird. Das Oberhaupt des fraglichen kleinen Geſchlechtes war in ſeiner Jugend zu einem ganz andern Stand⸗ punkt im Leben beſtimmt worden, als derjenige war, worauf er ſich jetzt befand. Als die Frucht einer ungeſetzlichen Vereinigung kam er hinaus in die Welt mit erborgtem Namen, aber doch ganz guten Hoffnungen; denn es war abgemacht, daß ſein Bater— ein vornehmer Mann— ſich auf dem Todbette mit ſeiner Geliebten trauen laſſen und den Sohn adoptiren ſollte, welcher letztere dann einer geebneten Bahn entgegen ſehen konnte. Doch der Tod, den man in dieſer Angelegenheit nicht zu Rathe gezogen hatte, beliebte in einer Nacht 12 ohne alle Vorbereitung den Lebensfaden des vornehmen Mannes abzuſchneiden, und nun wurden Mutter und Sohn hinausgetrieben aus dem Paradieſe, und mußten mit Verzweiflung ſehen, wie ihnen Erbtheil, Name und Lebensſtellung aus den Händen gingen.— Dieſe Geſchichte iſt ſehr alt, und auch nicht im Allergeringſten neuer iſt diejenige, welche gewöhnlich nachfolgt: Mißmuth, Anſtrengung, getäuſchte Hoffnun⸗ gen und zuletzt eine betäubte oder reſignirte Ruhe. Die Mutter ſtarb bald. Der Sohn lebte, um die von uns angeführte Schule durchzumachen, und welche mit der reſtgnirten Ruhe und mit einer Verheirathung im vierzigſten Lebensjahre endigte. Um dieſe Zeit war Carl Lönner ſchon ſo allmälig von einem Herrn zu einem Halbherrn herabgeſunken. Aber er nährte ſich ziemlich gut, theils durch einen kleinen Handel, theils auch dadurch, daß er für die Bauern und Fiſcher der Gegend„Schriften“ aufſetzte, ihre Käufe abſchloß und mehr dergleichen. Die Wahl ſeiner Gattin war auf die Tochter eines Invaliden⸗Sergeanten gefallen und glücklich ſowohl was die Forderungen des Herzens, als auch den nothdürf⸗ tigen Lebensunterhalt betrifft; denn ſeine Gattin brachte — ihm außer ihrem guten Herzen die Erdſcholle mit, auf welcher er noch jetzt mit ſeinen Kindern lebte. Jetzt aber wollen wir uns nur mit Nanny beſchäf⸗ tigen, die träumend an der Quelle ſitzt, worin ſie ihre Füße gebadet hat. *—* Obgleich der milde Juniabend keine Kälte in ſei⸗ nem Gefolge hatte, ſo zog doch das junge Mädchen ſchauernd ihren feinen Körper zuſammen. Es war ein innerlicher Schauer, der die Nerven durcheilte, und dennoch wußte ſie Nichts, das ihr Schmerzen verurſachen könnte. Aber ſie hatte ganz neulich und verf abwiſcht Eindruc iſt imm mit den unter ih trübten viel bite Na Punkt g das ſich der and troffen Sie ligkeit vornehmen tutter und ꝛd mußten l, Name nicht im ewöhnlich Hoffnun⸗ Ruhe. 2, um die nd welche eirathung allmälig ogeſunken. rch einen r für die aufſetzte, dter eines wohl was nothdürf⸗ n brachte mit, auf hbeſchäf⸗ ſie ihre e in ſei⸗ Mädchen Nerven das ihr tte ganz 13 neulich geſehen, wie ihre Schwägerin, die ſtarke, gute und verſtändige Magda, geheime Thränen verbarg und abwiſchte, und die arme Senſitive nahm augenblicklich Eindrücke an, denn ſie wußte, daß, wenn Magda weinte, ſo geſchehe ſolches nicht ohne Urſache. Hier die Gedanken, welche der mit einer dunkeln Poeſte begabten Seele Nanny's vorſchwebten: „Warum iſt in der Welt Alles ſo ungleich? „Einige Blumen ſind ſo einfach und klein, daß man ſte niedertritt, wenn man ſich nicht genau vorſieht. Andere dagegen wachſen hoch empor über das Gras, haben glänzende Farben und große Kronen... das ſind die Reichen. Die kleinen Blumen, welche ſich leicht niedertreten laſſen, find die Armen. „Eben ſo iſt es auch mit den Vögeln— auch dort iſt immer der eine über dem andern— und eben ſo mit den Menſchen... Wir gehören zu den Armen unter ihnen, und dort“(ſie wendete die ſanften, be⸗ trübten Augen einem entfernten Punkte zu)„dort woh⸗ nen die Reichen... ſie ſind Herrſchaften!... Aber die Herrſchaft ſieht uns nicht, und die Bauern und die Fiſcher ſagen:„„Gott behüte, nicht können unſere Kinder Freunde ſein mit Mamſell Nanny!“ „Mamſell, Mamſell!“ wiederholte ſie nach kurzem Schweigen,„es iſt ja ein Hohn, mich ſo zu nennen!... und Magda hieße ganz gewiß weit lieber„„gute Mut⸗ ter,““ als„„Frau.“⸗ „Ach, arm zu ſein iſt nicht das Schlimmſte— aber keinen Freund zu haben... o, das iſt viel, viel bitterer!“ Nanny ſaß noch da, den Blick auf jenen entfernten Punkt gerichtet: es war das Dach eines Herrenhofes, das ſich über die Anhöhen erhob— als plötzlich von der andern Seite ihr Ohr von einem Geräuſche ge⸗ troffen wurde. Sie wendete ſich um und ergriff mit Blitzesſchnel⸗ ligkeit die hinter ihr liegende Kontuſche, welche ſie —— 14 kaum mit der Haſtigkeit der Verſchämtheit über ſich geworfen hatte— und Verſchämtheit war um ſo mehr von Nöthen, als das enge Hemdchen beim Baden zer⸗ riſſen war und einen Theil der Schulter entblößt hatte— als ſte zu ihrem unbegreiflichen Erſtaunen einen jun⸗ gen Mann in einem kleinen, kurzen Rock, mit dem Rän⸗ zel auf dem Rücken und einem gewaltigen Stock in der Hand über den nahen Zaum ſpringen ſah. Ein Weſen wie dieſen jungen Mann hatte Nanny noch niemals geſehen. Er hatte etwas ſowohl Hurtiges und Treufeſtes in ſeinem ehrlichen, frohen Geſichte, das von der Sonne ſo gebräunt war, daß es faſt dem eines Zigeuners ähnlich ſah; aber das dunkelbraune lockige Haar, welches unter dem breitrandigen, grauen Filzhute, der ſtolz und ſchief auf dem Kopfe ſaß, in reichen Maſſen herabwallte— gab der erſchrockenen Nanny ſogleich die Verſicherung, daß ſie hier keinen von den wilden Zi⸗ geunern, vor denen ſie einen ſo großen Reſpekt hatte, vor ſich ſehe. Seiner Seits ſchien der Wanderer äußerſt über⸗ raſcht zu ſein, ſo ganz unvorbereitet vor der Nymphe der Quelle zu ſtehen... und als eine ſolche konnte wohl das junge Mädchen gelten, welches in dem dün⸗ nen, blauen, baumwollenen Kleide, die bloßen Füßchen im Graſe ruhend und das melancholiſche Antlitz gleich⸗ ſam in den Schleier des langen goldſchönen Haares gehüllt, ihre ernſten Augen verſchämt vor dem neugie⸗ rigen, aber freundlichen Blicke des Ankömmlings ſenkte. „Verzeihung, meine kleine, ſchöne Najade!“ ſagte fröhlich der Fremdling.„Es ſieht aus, als wäre ich auf Abwege gerathen— ich meine doch ſo gegangen zu ſein, wie man mir gezeigt hatte.“ „Wohin wollen Sie denn gehen?“ fragte Nanny mit einer Stimme, welcher die Natur ſo viele Anmuth verliehen hatte, als eine Stimme ſie möglicher Weiſe haben kann. fragte N zuſamme über ſich rſo mehr daden zer⸗ st hatte— inen jun⸗ dem Rän⸗ öck in der te Nanny Treufeſtes der Sonne Zigeuners ge Haar, hute, der n Maſſen gleich die ilden Zi⸗ ekt hatte, erſt über⸗ Nymphe he konnte dem dün⸗ Füßchen itz gleich⸗ Haares n neugie⸗ gs ſenkte. ſe!“ ſagte wäre ich angen zu te Nanny Anmuth ſer Weiſe 15 „Nach Almwik.“— „Ach,“ entgegnete das Mädchen, indem ſie einen eigenthümlichen Blick auf das Ränzel warf,„ich glaubte Sie wären nicht von herrſchaftlichem Herkommen.“ „Behüte Gott, meine kleine Dryade— denn ich weiß nicht recht, wie ich ſagen ſoll— iſt mein Geſicht eine ſo ſchlechte Empfehlung, daß es mich nicht für einen Menſchen gelten läßt, weil ich ein Ränzel trage?“ 9 Nennt man denn nur Herrſchaften Menſchen?“ fragte Nanny und der Sonnenſtrahl, welcher ihr Antlitz erhellte, machte einer gewiſſen Muthloſigkeit Platz. „Ei, meine Göttin— je länger ich Dich betrachte, deſto höher ſteigſt du in den Graden— wie Du einem armen Wanderer zuſetzeſt!... Doch der Himmel be⸗ hüte mich, Dir Kummer zu machen, mein Kind! Wenn es Dich tröſten kann, ſo magſt Du überzeugt ſein, Niemand wünſcht mehr als ich, daß alle Men⸗ ſchen gleich wären. „Iſt das wahr?“ „So wahr wie Amen in der Kixrche.. Doch ſage mir: wie heißeſt Du?“ „Nanny... Nanny im Thale nennen mich „Das klingt poetiſch, auf meine Ehre!... Haſt Du denn aber nicht auch noch einen andern Namen?“ „Mamſell Nanny ſagen ſie auch... aber das 4 ſchmerzt mich, denn wir ſind arm.“ „Ahal ich dachte mir wohl, es hinge nicht recht zuſammen, daß Du ein Bauernmädchen ſein konnteſt. Doch entſchuldige meine Vertraulichkeit— ich wußte nicht recht!“ „Vertraulichkeit?“ „Ich ſagte ja Du!“ „Das klang ſo gut!“ 3 „Das kann wohl ſein; doch von nun an ſage ich Mamſell Nanny.“— 16 „Werden wir uns denn noch öfter ſehen?“ „Ja, ja, das iſt ſehr wahrſcheinlich— wir wer⸗ den Nachbarn.“ „Sie werden alſo auf Almwik wohnen?“ „Ja, wenigſtens einige Wochen, vielleicht auch dieſen ganzen Sommer... Komm nun aber ein paar Schritte mit und zeige mir den Weg, ſo biſt Du artig!“ Nanny ſprang auf wie eine Sylphe, und als ſie nun in dem kurzen Kleide und der netten, eng um den ſchlanken Leib ſchließenden Kontuſche daſtand, war ſie ein höchſt anmuthiges Weſen. Sie gab dem Vorſchlag des jungen Mannes keinen andern Beifall, als daß ſie ihre Fuͤßchen ſo ſchnell in Bewegung ſetzte, daß ſie kaum das Gras zu berühren ſchienen. 2. Im Hauſe. Das kleine Gebäude, dem wir uns nun zuwenden, hatte folgende Einrichtung: Das Erdgeſchoß beſtand aus der Küche und drei Zimmern, nämlich: einer ziemlich großen, weiß über⸗ tünchten Stube, genannt der Saal, wo ſich die kleine Familie gewöhnlich aufhielt, und eine Kammer auf jeder Seite, In einer von dieſen Kammern wohnte Herr Carl Lönner, der Hausvater, und in der andern der älteſte Sohn mit ſeiner Frau und ihren Kindern. Das obere Geſchoß, das heißt der Boden, hatte zwei Verſchläge, und das Dispoſttionsrecht über dieſe etwas luftigen Wohnungen war den beiden jüngeren Kindern des Herrn Lönner übergeben. Nanny reſidirle in der einen Kammer, dagegen bewohnte die anden ihr Brude Rede bek⸗ gewiſſen 1 obgleich e rückten ei anzutreffen In d ſichtbarer behagens Der ſcheuerten Flieder ir Kamines weißen Schwieger werden, la ner dieſes welche die verſteht. Um jungen Fr alten Löng allgemein eigenen 3 Geſch mer, welc behielt er Verträglie Charaktern Sein ſen ſchöne —— **) Schr die Fam 2 wir wer⸗ icht auch ein paar du artig!“ id als ſie g um den „war ſte es keinen ſchnell in berühren uwenden, und drei eiß über⸗ die kleine mer auf err Carl er älteſte n, hatte ber dieſe jüngeren reſidirte e anden 1 7 4 dee Familie im Thale. 17 ihr Bruder Calle,*) unter den Nachbarn in täglicher Rede bekannt unter dem Namen„Fant“, und unter gewiſſen Umſtänden auch genannt„der verrückte Calle,“ obgleich es ſchwer gefallen ſein möchte, unter dem Ver⸗ rückten einen ſo klugen Menſchen wie den guten Calle anzutreffen. In der ganzen Wohnnng herrſchte ein Geiſt von ſichtbarer Dürftigkeit, aber auch ein Geiſt des Wohl⸗ behagens und der Reinheit. Der mit Laub beſtreute Fußboden, die blank ge⸗ ſcheuerten Tiſche und der große Strauß von ſpaniſchem Flieder in dem geblümten Topfe auf dem Geſimſe des Kamines waren, wenn die von Nanny angefertigten weißen Netzgardinen und der rothgewürfelte von der Schwiegertochter gewebte Sophaüberzug dazu gezählt werden, lauter Beweiſe, welche anzeigten, daß die Bewoh⸗ ner dieſes Hauſes den Geſchmack und die Neigung hatten, welche die Heimath mit dem Kleinen angenehm zu machen verſteht. 4 5 8* Um dieſelbe Zeit, da Nanny ſich anſchickte, dem jungen Fremdling den Weg zu zeigen, finden wir den alten Löngar— einen wegen ſeines redlichen Wandels allgemein kachteten Greis— auf dem Bette ſeines eigenen Zimmers ſitzend. Geſchwächt von Jahren und manchem bittern Kum⸗ mer, welchen er nicht ſpurlos hatte bekämmſin können, behielt er dennoch die Sanftmuth und die geduldige Verträglichkeit bei, welche immer den Grund ſeines Charakters gebildet hatten. Sein langes, weißes Haar umgab ein Antlitz, deſ⸗ ſen ſchöne Züge noch nicht gänzlich verſchwunden waren, **) Schwediſche Benennung für Carl. * 18 und indem er mit einer Miene, in welcher ſich Wüthe Die S und Vergnügen verbanden, ſein Pfeifchen ſchmauchte zuſammeng richteten ſeine Augen ſich von Zeit zu Zeit auf ein und in der junges, wohlgewachſenes Frauenzimmer, das in den Freude, als Lehnſtuhle des Alten ſaß und laut einen Brief vorlas Gelie der vor Kurzem angekommen war. und zäͤrtlich Dieſer Brief, der den Poſtſtempel von Götebor Went an ſich trug, war von dem älteſten Sohn des Alten, wiß, daß dem Manne des jungen Weibes, dem Steuermann Raß dem Maſth nar Lönner, welcher vor drei Monaten den Seiniga Dich umge Lebewohl geſagt hatte. der Herr ſ Während ſie las, ſpielten in der einen Ecke des kommen ſä Zimmers drei Kinder, die über das Beſitzrecht eine denn keine armen an der Luft getrockneten Hechtes in eine Br Anblicke ar taille gerathen waren. um Dich: In der andern Ecke ſaß Calle— ein großgewach⸗„Nun ſener Jüngling mit einem unbeſchreiblich luſtigen un um ſie in einfältigem Geſichte— und blickte unter den langn ſie wieder Haaren hervor bald die Decke, bald die Kinder an richt, daß während er dabei dennoch ſehr aufmerkſam Alles mi bei guter anhörte, was die Schwägerin las; denn Calle wa Monats m nicht ſo einfältig, wie die Leute glaubten, wenn„Ich auch auf ſeine eigenthümliche Weiſe in Einem fon Sommerlu lächelte und nichts Anderes lernen wollte, als die Erz⸗ friſch und ſcholle anzubauen, auf welcher er aufgewachſen war. ohne mein „Magda,“ ſagte der Alte, indem er einen neum daß der 2 liebevollen Blick auf ſeine Schwiegertochter, die hur wird, wen tige und zärtliche Magdalena, warf,„ich meine, Dn„Als lieſeſt den Brief noch einmal— das iſt ein Sohn, der ſcheulichen das Herz auf dem rechten Fleck hat!“ Schäume, „Und ein Mann auch!“ antwortete Magda, un den ſein, o eine leichte Röthe erhöhte die Roſen auf ihrer friſchen um dieſe; Wange noch mehr.„Der „Ein Mann auch, verſteht ſich, und ein Brude Winter de dazu!... Lies den Brief noch einmal! Es iſt nicht im Herbſte weniger angenehm, ihn zum dritten Male zu hereu 6‚Nun wenn Nanny nach Hauſe kommt.“ die Kinder 19 er ſich Wuͤn Die Schwiegertochter, welche den Brief noch nicht n ſchmauchte zuſammengelegt hatte, begann von Neuem zu leſen, Zeit auf ei und in der Stimme lag nicht nur Stolz, ſondern auch Bdae in den Freude, als ſie Folgendes las:. rief vorlas„Geliebte und theure Magda, meine treue Freundin — und zärtliche Gattin! von Göͤteban Jain Du dieſen Brief erbrichſt, ſo weiß ich ge⸗ hn des Altn wiß, daß Du Dir ein paar Flügel wünſcheſt, um nach iermann Rap dem Maſthugg in Göteborg zu fliegen, und wenn ich den Seinign Dich umgeben von unſern kleinen Engeln Gottes(möge der Herr ſeine Hand über ſie halten!) durch die Luft inen Ecke da kommen ſähe, ſo glaube ich, daß ich weinen müßte, ſitzrecht einn denn keine Mannhaftigkeit hielte bei einem ſolchen in eine Br Anblicke aus, und augenblicklich eilte ich Dir entgegen, um Dich und ſte aufzufangen. großgewach Diih aber funge ich nur meine eigenen Gedanken, luſtigen un um ſie in den rechten Cours zu bringen, und ſo ſteuern er den lange ſie wieder zu Dir, liebe Magda, mit Gruß und Nach⸗ e Kinder an richt, daß ich wohlbehalten nach einer guten Reiſe und am Alles mi bei guter Geſundheit in Göteborg am achten dieſes un Calle wu Monats mit der Brigg Sara Chriſtiana angelangt bin. ten, wenn a„Ich hoffe, daß der Vater ſich gut befindet in der 1 Einem fon Sommerluft und im Grünen— es iſt zu Hauſe ſo als die Erd friſch und ſchön, und Du und Nanny thun gewiß auch achſen war. ohne meine Bitten Alles was in Euren Keäften ſteht, Heinen neun daß der Vater es gut hat und daß er aufgemuntert ter, die hur wird, wenn er bei übler Laune und Geſundheit iſt. Hmeine, Dr„Als wir in dem Kanale lagen, hatte ich einen ab⸗ in Sohn, de ſcheulichen und garſtigen Traum. Doch Träume ſind Schäume, und ich hoffe, es wird nichts anders vorhan⸗ Magda, um den ſein, als ein wenig Bekümmerniß, wie gewöhnlich ihrer friſchn um dieſe Zeit. .„Der Frühling iſt immer am ſchlimmſten, weil der d ein Brude: Winter den ganzen Verdienſt weggenommen hat, der Es iſt nicht im Herbſte eingekommen iſt. le zu herenn Nun, wir haben auch viele Eſſer. Gott ſegne Zie Kinder!— wenn ſie groß werden, ie prbeiten ſie 20 auch wieder für uns— und Du ſahſt wohl, ich freug mich eben ſo ſehr über den kleinen Mann, als übe den kleinen Konrad, obgleich zwei zwiſchen ihnen ge kommen waren, und ſollte unſer Herrgott uns auch in nächſten Jahre wieder ein ſolches Geſchenk ſchicken, ſ laſſe ich den Muth darum doch noch nicht ſinken. „Ich hatte die Abſicht gehabt, ein wenig Geld mit⸗ zuſchicken, aber ich muß meiner Seele warten, bit Jon Jonsſon, der mit ſeiner Schute hier iſt, in dar nächſten Woche nach Hauſe reist, denn auf den Jung⸗ mann Rask— mit welchem ich dieſes in die Stant auf die Poſt ſchicke; denn ſelbſt kann ich nicht abkon⸗ men, weil wir beim Löſchen ſind— kann man ſih nicht recht verlaſſen; wenn er in einen Krug komm wäre er im Stande, in ſeiner Unvorſichtigkeit den Brit zu verlieren. 3 „Schon im Voraus ſage ich, daß dießmal nur ein kleine Baarſchaft kommt, ſtatt deſſen kommen Waaren, die ich glücklich mit eingeſchmuggelt habe. Jon Jons⸗ ſon hat verſprochen, ſie ebenfalls mitzunehmen, und ſi haben wir wieder einen kleinen Gewinn von dem Hau⸗ del. Es iſt Zucker, Kaffee, Tabak, Baumwollengam und ein Päckchen Tücher. „Du, liebe Magda, nimmſt das Beſte, den Halt⸗ ſhawl, der ganz oben liegt; Nanny ſoll den zweiten haben, und Calle das blaugeblümte Schnupftuch unten, „Für den Vater kommt ein Fäßchen Rum und fur die Kinder einige Kleinigkeiten. „Du kannſt gar nicht glauben— doch das glaubſt Du dennoch wohl— wie angenehm es iſt, ſich ſelbſt alles Mögliche zu verſagen, um an Diejenigen zu denken, die zu Hauſe ſind!. „Die Jungen ſagen, ich gleiche an Bord einem Tiger, und gewiß genug bin ich zur See nicht ſo wie im Briefe an Dich, oder wenn ich zu Hauſe bei Dir bin. Aber ſo habe ich auch oft genug Grund, aufge⸗ bracht und betrubt zu ſein, wenn ich ſehe, daß dis nehlig, de Jungen— mir ſelbſt, ihres Gleie Miethe ver nöthig hätt zu predigen und unter nicht bereit — nun, nu würde, wer der Meerfr „Nun Wörtchen a „Ich b ſeinen Tag ſtand und wenig bele⸗ will. Abe meinen Ol dem ich ſch hätte, weil öfter anſah „Aber der Schlei ſeine Netze nehmen! auf Gold „Und „Du an den V. der beſtelle „N. C Wache hal dem Fahr ohl, ich frem un, als übe hen ihnen ge⸗ uns auch in nk ſchicken, ſ t finken. enig Geld mit⸗ warten, bit er iſt, in der auf den Jung⸗ in die Stant nicht abkon⸗ kann man ſich Krug komm gkeit den Brit⸗ zmal nur ein imen Waaren 2. Jon Jons⸗ hmen, und ſo von dem Ham umwollengar ſte, den Halh⸗ I den zweiten upftuch unten Rum und fur ch das glaubſt ſich ſelbſt alles zu denken, die n Bord einem e nicht ſo wie Hauſe bei Dir hrund, aufge⸗ ſehe, daß die 21 Jungen— die ich liebe, als wären ſie Glieder von mir ſelbſt, denn im Manövriren haben ſie Wenige ihres Gleichen— in jedem Hafen über die Hälfte ihrer Miethe verſaufen, obgleich ſie es eben ſo gut wie ich nöthig hätten, zu ſparen. Aber es verlohnt ſich nicht, zu predigen, obgleich ich es niemals bleiben laſſen kann, und unter uns geſagt, gibt es Keinen unter ihnen, der nicht bereit wäre, für dieſen Tiger ſein Leben zu wagen — nun, nunl ſie wiſſen, daß er ſich auch nicht beſinnen würde, wenn es gälte, ſte ſelbſt ſogar aus den Armen der Meerfrau zu reißen. „Nun aber höre, liebe Magda, zum Schluß ein Wörtchen appart! „Ich bin nicht ſo fein und klug wie der Vater in ſeinen Tagen geweſen iſt, aber ich habe dennoch Ver⸗ ſtand und feines Gefühl, und ich will Dich eben ſo wenig beleidigen, als ich eine ſchändliche That begehen will. Aber Du mußt wiſſen, es hat Jemand vor meinen Ohren geklungen von einem gewiſſen Manne, dem ich ſchon früher gern einmal den Hals umgedreht hätte, weil er, wenn wir im Hauſe Gottes ſaßen, Dich öfter anſah, als den Prediger. „Aber komme ich nach Hauſe und vernehme, daß der Schleicher auf Almwik in meinem Fahrwaſſer ſeine Netze ausgeworfen hat, ſo mag er ſich in Acht nehmen! Nun, auf Dich kann ich mich verlaſſen, wie auf Gold— ich wollte auch nichts Anderes ſagen. „Und nun lebe wohl, mein Herz und meine Blume! „Du ſollſt alle zärtlichen Grüße, vor Allem zuerſt an den Vater und dann an die Geſchwiſter und Kin⸗ der beſtellen von Deinem treuen Mann Ragnar Lönner. „N. S. In klaren ſtillen Nächten, wenn ich die Wache habe, ſehe ich Dich in dem Kielwaſſer hinter dem Fahrzeuge ſchaukeln. Iſt es aber dunkel und neblig, da ſitzeſt Du dicht an meiner Seite, und das Licht im Nachthäuschen ſcheint ſo innig ſchön auf Dich, Ich ſehe auch den kleinen Konrad als einen großen und tüchtigen Jungen luſtig in den Wanten ſpringen⸗ „Nun aber muß ich ſtoppen und belegen, denn ſonſt merke ich wohl, geht es wieder unter Segel.“ Als Magda die letzte Abtheilung des Briefes las, die ihr Ragnar ein Wort appart nannte, zitterte ihre Stimme, und ſo war es auch gegangen, als ſie dieſelhe zum erſten Male geleſen hatte. „Ich mochte wünſchen,“ ſagte ſte, ehe der Greit Zeit hatte, etwas zu ſagen,„Ragnar hätte das Gel im Briefe geſchickt! Seit mehr denn drei Wochen haſt Du, lieber Vater, nichts genoſſen, als Fiſche Brod und Kartoffeln— ach, wer doch ein wenig Fleiſct anſchaffen könnte!“ 3 „O Geſchwätz, Kind! Fiſche ſind eine ſehr gun Speiſe.“ „Aber kraftlos. Ich weiß nicht, was ich geba wollte, wenn ich einen Birkhahn oder einen Haſa hätte— das koſtete wohl nicht die ganze Welt! Dot wer darf nur daran denken: Alles ſoll auf den Herren⸗ „Gott gebe, wir hätten nichts Schlimmeres vor dem Herrenhofe, als daß ſte behalten, was nicht für arme Leute iſt!“ „O, das ſollte ich nicht meinen; wenn Ragnat im Winter zu Hauſe iſt, ſo ſchießt er uns ſo manche gute Mahlzeit!“ „Ja, aber ich ſage: hat Ragnar den Frieden der Aecker von Almwik geſtört, ſo mag er froh ſein, wemn der Herr ſich dagegen nicht in ſein Haus ſtiehlt! Es iſt jetzt nicht mehr ſo wie damals, als Almwik noch in den Händen der alten Herrſchaft war. Während der Vater und die Schwiegertochter ſuh mit einander plauderten, gab Niemand Acht auf 8 „Fant“, deſſen Geſichtsmuskeln ſich verzogen— maß wußte nicht, ob vor Lachen oder Weinen. Darauf 23 hön auf Dich ſenkte er das Haupt in die Hand, aber durch das einen großen Gitterwerk der Finger leuchtete ein großes Augenpaar ten ſpringen hervor, welches immerwährend nur auf Ein Ziel ge⸗ n, denn ſonſ, richtet war, und dieſes Ziel war Magda. gel.“„Ich will mich nicht länger anſtellen, Vater, als Briefes las verſtände ich nichts!“ erwiederte ſie mit unterdrücktem „Zitterte ihne Aerger.„Es iſt wahr genug, daß er in Worten und ls ſie dieſel Blicken zudringlicher geworden iſt, als er im letzten Winter wagte. Doch fürchte nichts, lieber Vater; ich ehe der Greiz bin ſchon Diejenige, welche ſich zu helfen weiß!“ ätte das Geh„Und da Du dieſes ſagſt, ſo unterdrückſt Du den⸗ drei Wochen noch die Thränen?... der ſchlechte Menſch!“ , als Fiſche„Ja, das iſt er... doch, wie geſagt, er legt nicht wenig Fleiſt einer einfältigen Taube ſeine Schlingen aus; wenn es 4 gilt, ſo habe ich Schnabel und Klauen!“ eine ſehr gutt„Gut, mein Kind!“ erwiederte lächelnd der Schwie⸗ 3 gervater;„Du biſt nicht umſonſt die Tochter eines vas ich geba Länsmannes(Diſtrictexecutors), und noch dazu eines einen Haſen Länsmannes, der ſeine Perſon in Acht zu nehmen Welt! Dot wußte— aber Du warſt erzogen zu etwas Beſſerem, uf den Herren als was Du erhielteſt.“ „Ich, Vater?... wie Du redeſt!“ limmeres von„Du hätteſt den Nachfolger Deines Vaters bekom⸗ was nicht fu men können, er hat Haus und Hof, Du aber nichts als Armuth.“ wenn Ragnar„Was thut's? Iſt es denn nicht beſſer, Liebe mit ins ſo manche Armuth zu haben, als Wohlſtand ohne Liebe? Gibt es vielleicht einen hübſcheren Steuermann in der Welt, n Frieden dei als meinen Ragnar? Und eben ſo gewiß wird er eoh ſein, wem Capitän, wenn er nur erſt Zeit bekommt, die Navigation is ſtiehlt! E ordentlich zu ſtudiren, als er es ſchon läͤngſt hätte ſein Almwik noch können, wenn er ſich nicht verheirathet hätte, da er eben 1 Steuermann geworden war. Er iſt in allen Tagen jegertochter ſu fünfzehnmal mehr ein Herrenmann geweſen, als der Acht auf ue⸗ Tryſtedt, der eine Plage für alle Menſchen iſt.“ zogen— mal„Gott ſei gelobt! wenn Du zufrieden biſt, ſo iſt nen. Darau Alles gut; und ſind wir jetzt trotz aller Deiner An⸗ ———— 24 ſtrengungen ein wenig in der Klemme, ſo wird Allez wieder gut, wenn Jonsſon kommt. Er wird doch wohl mit den Waaren vorſichtig ſein!“ Ein leiſer Laut in dem Zimmer gegenüber ver⸗ kündigte das Erwachen des Kleinen, und augenblicklich erhob ſich die junge Mutter. Sie war eine blühende Brunette, nicht ſo ſchön als angenehm, und mit einer kraftvollen Beſtimmtheit in ihrer ganzen Perſon. 3. Ein Ehepaar. Kaum eine halbe Viertelmeile entfernt von dem „Lafontaine'ſchen“ Thale— da nämlich die handelnden Perſonen dieſer kleinen Erzählung noch jetzt zum Theil leben, ſo laſſen wir das Thal unter der pſeudonymen Benennung, die es ſchon erhalten hat, paſſiren— alſo eine halbe Viertelmeile entfernt von Lafontainens Thale lag das Herrengut, dem wir den Namen Almwit gegeben haben, und deſſen Beſitzer der Patron Fabian H. war, welcher daſſelbe vor etwas über einem Jahre angekauft und gleich darauf mit ſeiuer Familie be⸗ zogen hatte. Der Patron und vor Allem die Patronin— die hochmögende Frau Ulrika Eugenia, ſpäterhin auf eine elegantere Manier Ulrique Eugenie genannt— waren beide Leute, welche der vornehmen Welt angehörten; wenigſtens würde Derjenige, welcher ſie von dem Gegen⸗ theile hätte überzeugen wollen, eine ganz undankbare Arbeit gehabt haben. Der Mann bildete ſich ein, er wäre Brutus der Zweite, das heißt, er war vollkommen überzeugt, daß die Zeit k bung, der ſich nur b Seepter ſ lung und muthen, wachen ko Was ſte nur a dieſelbe ſc Wohlthat meinem 9 Mann des mend mit er nicht e die heilig leben und bekäme, ſte ſahen ſehr der Gäſte wobei jed Es v ſcherſyſten keine We wenig, it Augen il war ſte Geſchmac ſo wird Allez ird doch wohl egenüber ver⸗ augenblicklich eine blühende und mit einer Perſon. rnt von dem e handelnden zt zum Theil pſeudonymen ſiren— alſo Lafontaines amen Almwiſ atron Fabian einem Jahre Familie be⸗ ronin— die hin auf eine nt— waren angehörten; mdem Gegen⸗ ; undankbare Brutus der erzeugt, daß 25 die Zeit kommen müßte, da er aus der trägen Betäu⸗ bung, der ſchläfrigen Gleichgültigkeit, aus welcher er ſich nur bisweilen erhob, wenn er ſich dem tyranniſchen Seepter ſeiner Gemahlin entziehen mußte, zur Hand⸗ lung und Kraft erwachen würde. Doch iſt zu ver⸗ muthen, daß der arme Brutus niemals bis zum Er⸗ wachen kommt. Was die Frau Ulrique Eugenie betrifft, ſo dachte ſte nur an die Emancipation des Weibes; ſie hatte dieſelbe ſchon längſt in's Werk geſetzt, und um zu dieſer Wohlthat des buͤrgerlichen Lebens, die ſie von unge⸗ meinem Nutzen erachtete, ein Beiſpiel zu gebin, hatte ſie ſich ſelbſt total emancipirt von dem alten Gebote, daß das Weib dem Manne unterthan und gehorſam ſein ſoll. Sie behauptete, dieſer ewige Schlendrian, daß der, Mann des Weibes Haupt iſt, wäre allzu übereinſtim⸗ mend mit dem eigenen Vortheile der Männer, als daß er nicht eine Erfindung Derjenigen ſein ſollte, welche die heilige Schrift überſetzt hätten: ſie wollte darauf leben und ſterben, wenn ſie die Urkunden ſelbſt zu ſehen bekäme, ſo würde ſie dieſe einfältige Phraſe in Ewig⸗ keit nicht darin finden— und darin hatte ſie ganz ge⸗ wiß Recht. In der Umgegend genoß die reiche Patronage ein großes Anſehen. Man war entzückt über Einladungen nach dem ſchönen Almwik, und die Beſitzer von Almwik ſahen ſehr gerne Fremde, obgleich nach der Entfernung der Gäſte oft genug die lebhafteſten Scenen ſtattfanden, wobei jedoch die Frau meiſtentheils allein ſpielte. Es verhielt ſich nämlich ſo damit, daß das Herr⸗ ſcherſyſtem, das die Frau Patronin befolgte, ſie auf keine Weiſe hinderte, ein wenig, und ſogar nicht ſehr wenig, in die roſenrothen Wangen und die ſchläfrigen Augen ihres Mannes verliebt zu ſein. Dabei aber war ſie ſehr ängſtlich, daß irgend eine Andere ihren Geſchmack theilen möchte. Aber wenn ſie mit ihrer 26 eigenen Eiferſucht litt, ſo litt ſie nicht weniger von dem Mangel ihres Mannes an dieſem Gefühle, noch hatte ſie ihrem Manne in dieſer Hinſicht nichts zu ver⸗ zeihen gehabt. Wir machen die Bekanntſchaft der Herrſchaften auf ihrer kleinen Abendpromenade im Tandem; zu der Mittagspromenade wurde die Kaleſche und zur Morgen⸗ promenade ausſchließlich der Jagdwagen angewendet. Der Herr Patron, welcher vor der Abreiſe eine ernſte Lection dafür bekommen hatte, daß er ſtets liegen und ſchhafen wollte, anſtatt, wie es ſeine Pflicht wäͤre, etwas zu erſinnen, das Alle, das heißt die Frau und das einzige Kleinod, den kleinen Eugen Ülrich, beluſtigen könnte... der Herr Patron, ſagen wir, war ſehr wenig disponirt, ſich liebenswürdig zu machen. Er wußte wohl, daß er in allen Stücken gehorchen mußte; aber gleich einem eigenſinnigen Kinde, das den Befehl erhalten hat, im Winkel zu bleiben, bis es ſich geſchämt und gebeſſert hat, beſchloß er— figürlich ge⸗ redet— dort lieber den ganzen Tag zu verbleiben, als ſich für beſtegt zu erklären. Das war doch wenigſtens eine Oppoſition!“ Kaum dürfte es nöthig ſein, zu erinnern, daß der Herr Patron ſich auf eine andere Weiſe verhalten haben würde, wenn von einem andern Fehler die Rede ge⸗ weſen wäre,— ſo hatte er ja nur geſchlafen. „Behüte,“ ſagte die Frau, welche ſteif wie eine Sonnenblume mit dem Sonnenſchirme in der Hand daſaß,„behüte, was biſt Du doch für ein liebenswür⸗ diger Mann!“ „Ich habe ja mit den Pferden zu thun!“ 4 „Brauchſt Du denn darum zu ſitzen wie ein Zaun⸗ pfahl?“ (Schweigen.) „Nun, ich muß ſagen, Dein Benehmen iſt ſo, daß es nicht großen Neid erwecken dürfte!... Wenn zu⸗ fälligerweiſe Jemand uns ſähe— das heißt Dich und nicht mich fallen, De „Nun „Die dreißig 3 armſelige brauchte d gewiſſen „Im Der „Ich Du das uns Fried Deine H. „Ich Andere m die Füße We „We es doch gen aus, Si chelname Manne lich ſein hieß es: Für genannte manche weniger von efühle, noch ichts zu ver⸗ rſchaften auf m; zu der zur Morgen⸗ igewendet. Abreiſe eine ſtets liegen Pflicht wäre, ie Frau und h, beluſtigen r ſehr wenig en gehorchen nde, das den „bis es ſich figürlich ge⸗ bleiben, als tion!“ ern, daß der halten haben die Rede ge⸗ afen. eif wie eine n der Hand liebenswür⸗ n Iu⸗ e ein Zaun⸗ r iſt ſo, daß Wenn zu⸗ st Dich und 27 nicht mich— ſo könnte man leicht auf die Idee ver⸗ fallen, Deine Frau wäre ein altes Weib.“ „Nun, nun, liebe Ulrique⸗Eugenie!“ „Die liebe Ulrique⸗Eugenie iſt noch nicht achtund⸗ dreißig Jahre alt, und wenn Du zufällig um zwei armſelige Jahre jünger biſt, ſo ſollte ich meinen, es brauchte das Deine Gefühle nicht zu hindern, nach einer gewiſſen Seite hin zu ſpielen.“ 3 „Im Gegentheil, meine Liebe! im Gegentheil!“ Der Patron Fabian lachte heimlich. „Ich weiß nicht, was das für ein Ton iſt, worin Du das ſagſt!... Höre, mein geliebter Fabian, laß uns Frieden ſchließen! Ich bin nicht lange böſe.. Deine Hand, mein Alter!“ „Du biſt immer die Güte ſelbſt, meine Liebe!“ „Dank, Du zärtliche Seele!... Weißt Du aber, was ich eigentlich ſagen wollte?“ „Nein, ich rathe nichts.“ „Ich wollte ſagen: wenn Du die Augen auf eine Andere werfen ſollteſt...“ „O, behüte uns Gott!“ „Ja, Du magſt wohl ſagen: behüte uns Gott! denn ich bin nicht die Frau, welche ihre Rechte unter die Füße treten läßt.“ „Weiß ich denn das nicht?“ „Wenn Du es auch weißt, mein Beſter, ſo ſchadet es doch nicht, daß ich es ſage: ich kratze Dir die Au⸗ gen aus, wenn ich hinter das Allergeringſte käme!“ „Süße Ulgenie!“ Ulgenie war einer von den geſchraubten Schmei⸗ chelnamen, welche ſte in zärtlicheren Augenblicken ihrem Manne geſtattete; und ſollte es ganz übertrieben zärt⸗ lich ſein— ſie war ein ſehr gefühlvolles Weib— ſo hieß es:„tüte Ulte“(d. h. ſüße Ulgenie). Für dieſen Angenblick hielt der Patron den erſt⸗ genannten für hinlänglich, und wahrſcheinlich klebte manche angenehme Erinnerung an dieſen zwei Worten, 28 denn die emaneipirte Dame ſenkte ihre Augen mit einem unausſprechlich milden Blick auf ihren Mann herab und ſagte in verändertem Tone: „Niemals, mein lieber Alter, wollen wir mehr ungleich ziehen! Gerade die Gleichheit in der Che macht dieſe zu einer nützlichen Einrichtung. Doch— um auf etwas Anderes überzugehen— es iſt nun ſchon mehrere Tage her, mein beſter Fabian, ſeitdem Du auf die Jagd gingſt... das mußt Du morgen thun!“ Da Frau Ulgenie mit aller Gewalt aus ihrem Manne einen zweiten Nimrod machen wollte, ſo gab ſie ſich keine Ruhe, wenn ſie ihn nicht wenigſtens zwei⸗ mal in jeder Woche in Thätigkeit ſah. Er war nicht im Geringſten Jäger und eben auch kein Fiſcher; da es aber ebenfalls zu den Freuden der Patronin gehörte, wenn ſie den Fremden ſagen konnte: „dieſen Auerhahn, dieſen Haſen hat mein Fabian ſelbſt geſchoſſen!“ oder:„dieſen Hecht hat er ſelbſt gefiſcht, denn er weiß, ſeine Ulgenie ißt am liebſten, was er durch ſeine männliche Geſchicklichkeit erworben hat!— ſo gab es keinen andern Ausweg, als er mußte ein Jäger werden und ein Fiſcher dazu; denn eine Frau, welche für die Emancipation des Weibes und im beſten Fall für die Gleichheit arbeitet, duldet es nicht, daß ihre Wünſche getäuſcht werden. Inzwiſchen nahte die Promenade ſich ihrem Ende. Der Patron Fabian hatte während der ganzen Zeit ſeinen Sopha und ſeine Pfeife im Perſpectiv ge⸗ habt— er rauchte wie ein Muſelmann und liebte von ganzem Herzen die morgenländiſche Ruhe. Nur ein Vergnügen zog er vor, nämlich nach den Frauen An⸗ derer zu ſpähen— dieſer unzufriedene Adamsſohn, der es niemals lernen konnte, die Reize ſeiner eigenen Gattin zu ſchätzen! ** „Wer Eugenie c iſt der hü kommt?. ſohn ſein Gottlieb!“ „Ja 1 Gottlieb, lebhafte S der junge gemacht k gab darat ſchlag. 2 als entzü ſchnabel“ Es p ein Habich oder er ke entwickeln Als wagte nie die Grüß im Beſuch Ulrique⸗ Taſſe The genug ſch „Nul Du ſiehſt wahr, w Apoſtelpf „Nie mein Allt anziehe, Im Rän⸗ die Gard wohl ein „Ab 1 mit einem kann herab wir mehr n der Ehe . Doch— nun ſchon ſeitdem Du gen thun!“ aus ihrem te, ſo gab ſtens zwei⸗ eben auch Freuden der gen konnte: abian ſelbſt öſt gefiſcht, n, was er en hat!— mußte ein eine Frau, dim beſten nicht, daß drem Ende. der ganzen eſpectiv ge⸗ liebte von Nur ein rauen An⸗ ldamsſohn, der eigenen — 29 „Wer, in Gottes Namen,“ rief Frau Ulrique⸗ Eugenie aus, als der Wagen auf den Hof rollte,„wer iſt der hübſche junge Mann, der dort die Treppe herab⸗ kommt?... Unmöglich kann es wohl mein Schweſter⸗ ſohn ſein?— Aber vielleicht iſt es dennoch der kleine Gottlieb!“ „Ja, richtig, der kleine Gottlieb, jetzt der große Gottlieb, meine beſte Tante Ulrika!“ ſiel ſogleich eine lebhafte Stimme ein, und im nächſten Augenblicke preßte der junge Fremdling, deſſen Bekanntſchaft wir ſchon gemacht haben, die werthe Dame in ſeine Arme und gab darauf dem Onkel Fabian einen kräftigen Hand⸗ ſchlag. Dieſer Onkel war inzwiſchen nichts weniger als entzückt über den Einfall ſeiner Frau, den„Gelb⸗ ſchnabel“ nach Almwik einzuladen. Es war nämlich zu befürchten, daß er entweder ein Habicht war, der Alles für ſich ſelbſt fangen wollte, oder er konnte vielleicht Anlagen zu einem Hausſpion entwickeln, was wo möglich noch ſchlimmer wäre. Als die erſten Freudenbezeigungen(der Patron wagte nicht anders, als ſich ebenfalls froh zu zeigen), die Grüße und Fragen vorüber waren und die Familie im Beſuchzimmer in Ruhe gekommen war, fragte Tante Ulrique⸗Eugenie, nachdem ſie nämlich zuvor die zweite Taſſe Thee in den jungen Mann, der ohnehin ſchon genug ſchwitzte, genöthigt hatte: „Nun, mein Gottliebchen, mein hübſcher Junge— Du ſiehſt gut aus, Du Schelm!— iſt es denn wirklich wahr, was meine Schweſter ſchrieb, daß Du auf den Apoſtelpferden hieher geritten biſt?“ „Nichts kann wahrer ſein! dieſer grüne Rock iſt mein Alltagskoſtüm, notabene wenn ich nicht die Blouſe anziehe, welche mein vertraulichſtes Alltagskleid iſt. Im Ränzel liegt der ſchwarze Anzug— und hiemit iſt die Garderobe ſo ziemlich hergerechnet. Sie ſehen alſo wohl ein, Tantchen, daß das nicht ſehr ſchwer iſt.“ „Aber die Wäſche, liebes Kind?“ 8 30 „Wie? die Wäſche?— Sollte ich wohl meine eigene leibliche, vortreffliche Tante ſo beleidigen, der⸗ gleichen mitzubringen?“ „Wetter, welch ein toller und luſtiger Junge!“ „Du haſt jetzt nicht mehr als vier Raritäten, mein Sohn,“ ſagte die Mutter, als wir dieſen Theil meines Eigenthums inventirten,„doch das thut nichts; wenn Du wieder kommſt, ſo mußt Du mit dem Dampf⸗ ſchiffe reiſen, denn da haſt Du ganz gewiß vierund⸗ zwanzig!“ „Ach ſo, ach ſo!“ ſagte Tante Ulgenie lachend,. „nun merke ich wohl, zu welcher Art von Leuten Du gehörſt!“ 1 „Zu welcher Art denn?“ „Zu der, die niemals in Verlegenheit kommt, mein junger Herr!“ fiel Onkel Fabian mit einem Tone ein, der berechnet war, recht ſchlagend zu ſein. Gottlieb war jedoch nicht Derjenige, der ſich ſo leicht aus dem Felde ſchlagen ließ. „Sie treffen wirklich den Nagel gerade auf den Kopf, Onkel!“ ſagte er mit einem Ausdrucke dankbarer Huldigung gegen das Urtheil des Onkels.„Ich habe daher auch die Hoffnung, eben durch dieſe Eigenſchaft, deren Sie erwähnten, mich in der Welt vorwärts arbeiten zu können, obgleich der Sohn eines armen Kronvogtes mit großen Schulden und einer großen Kinderſchaar ſonſt eben keine allzu großen Ausſichten auf das Glüͤck haben kann.“— „Welches ſind denn aber Deine Ausſichten?“ fragte die Patronin mit einer würdigeren Miene. „Ich habe nicht mehr, als eine.“ „Wie lautet denn dieſe?“ „Mein Plan iſt ganz einfach. Ich habe jetzt mein Cameral⸗Examen gemacht und werde im Herbſt der Helfer meines Vaters anſtatt der beiden, die er bisher gehabt hat— da braucht er nur einen zu ſpeiſen und zu lohnen; aber ich, der ich für drei zu arbeiten und in allen S tigkeit zu Landeshauß von dem 2 um ihm re er Abſchied meine Ma gen, bedar „So jungen Ja Zeit unnüt „Nun mit keine ſeinen Ko Träume he ſein, was 1 und klug dern auch Dir eine ſtets bleib „Eber Fremder, Vaters we freiheit, d „Gut ohl meine digen, der⸗ Junge!“ Raritäten, ieſen Theil hut nichts; em Dampf⸗ iß vierund⸗ ie lachend, Leuten Du immt, mein Tone ein, der ſich ſo de auf den 2 dankbarer „Ich habe Eigenſchaft, rts arbeiten Kronvogtes inderſchaar das Gluck en?“ fragte jetzt mein Herbſt der e er bisher ſpeiſen und rbeiten und 31 in allen Stücken ein Muſter von Ordnung und Tüch⸗ tigkeit zu werden denke, hoffe mich ſo pfiffig bei der Landeshauptmanns⸗Canzlei zu ſtellen, daß ich das Amt von dem Vater pachten darf, denn er iſt zu kränklich, um ihm recht vorſtehen zu können. Späterhin, wenn er Abſchied nimmt, ſo erhalte ich daſſelbe... Das iſt meine Marſchroute!“ „Du biſt ein ſchlauer Junge, mein Gottliebchen!“ „O, liebe Tante, um der großen Landſtraße zu fol⸗ gen, bedarf es nicht ſo vieler Schlauheit.“ „So gehört wenigſtens Verſtand dazu, um nicht in jungen Jahren in dumme Abwege einzulenken oder die Zeit unnütz zu verträumen.“ „Nun, was die Träumerei betrifft, ſo hat es da⸗ mit keine Gefahr für den, der weiter nichts hat, als ſeinen Kopf und ſeine Hände. Will man vergnügte Träume haben, ſo darf man nicht in Unruhe daruͤber ſein, was man eſſen ſoll, wenn man aufwacht.“ „Schön, ſchön!... Gelingt Dein vernünftiger Plan, woran ich gar nicht zweifle, eben weil er ſo einfach und klug iſt, ſo iſt das nicht allein zu Deinem, ſon⸗ dern auch zu Deiner Eltern Nutzen: ſie erhalten da in Dir eine ſichere Hülfe— ein guter Sohn wirſt Du ſtets bleiben!“ „Eben darum, liebe Tante, muß ich und kein Fremder, der Vorſteher oder Inhaber des Amtes meines Vaters werden. Hätte ich nicht an alle Meinigen ge⸗ dacht, ſo wäre ich gewiß einen andern Weg gegangen — doch dieſer iſt ebenfalls gut.“ „Und Du denkſt, uns in dieſem Sommer das Ver⸗ gnügen Deiner Geſellſchaft zu ſchenken?“ fiel Patron Fabian ein. „Ja, Onkel, mit Ihrer Erlaubniß! Dieſe Einla⸗ dung kam mir außerordentlich gelegen bei der Geſchäfts⸗ freiheit, die ich jetzt habe.“ „Gut, mein lieber Schweſterſohn,“ ſiel die Patronin 32 ein, indem ſie aufſtand,„laß uns jetzt ein Zimmer für Dich auswählen!“ „Schweſterſohn, Schweſterſohn?— Auf meine Ehre, Tante Ulrika, wir ſehen eher aus, als wären wir Geſchwiſterkinder!“ „Welch ein Schalk von Junge!“ „Nein, ich betheure, die Mutter ſieht aus, als könnte ſie auch Ihre Mutter ſein!“ „Nun, ich war ja auch nur ein Kind, als ſie Hoch⸗ zeit machte. Sie iſt die älteſte, ich die jüngſte— und dr vierzehn Jahre zwiſchen uns thun wohl auch das rige. „Und das Glück und der Reichthum ebenfalls.. Die arme Mutter! Immer Nahrungsſorgen, Krank⸗ heiten, Kinder und Bekümmerniſſe! Dennoch hat ſie immer— Gott ſei gelobt!— eine Engelsgeduld.“ „Unſer Charakter iſt immer ähnlicher geweſen, als unſer Aeußeres!“ ſagte die Patronin mit einem zärt⸗ lich fragenden Blick auf ihren Mann. Ja, meine Theure! ja, Deine Engelsgeduld iſt eine bekannte Sache!“ Der Patron wußte, was das Lächeln bedeutete, welches den Blick begleitete. „Guter Fabian, Du weißt Deine Frau zu ſchätzen!“ „Süße Ulgenie!“ Der Blick des Schweſterſohns flog von dem einen ſeiner Verwandten zu der andern. „Das ſind mir luſtige Leute! Ich glaube, ſie ſpie⸗ len Verſteck mit einander— oder vielleicht mit mir... In dieſem Falle brauchen ſie ſich nicht zu geniren: ich laſſe Jeden in Ruhe nach eigenem Wohlgefallen leben, wenn man mir dieſe Freiheit ebenfalls goͤnnt.“ 6 4 Wie me Bodenkamme kleines Heilt nigen, aber Nanny Sie we jüngſten von großer Faſſt ſamen Gem lebendiger T Alte einſt v Nanny urtheilt, ar Schilfes hit während zu nicht die To und Verpfli anſtatt eine ſens ein rei Ferner Denn für ſich ſelk arbeit— einer überf kaum mehr zum heilig dagegen No ters, wenn und erklärt Und do die weniger enthielt! Die Fami in Zimmer Auf meine als wären t aus, als ls ſie Hoch⸗ Iſte— und l auch das ebenfalls.. en, Krank⸗ noch hat ſie eduld.“ eweſen, als einem zaͤrt⸗ lsgeduld iſt bedeutete, u ſchätzen!“ dem einen he, ſie ſpie⸗ mit mir... geniren: ich allen leben, at.* 33 4. Die beiden Bodenkammern. Wie man weiß, herrſchte Nanny über die eine Bodenkammer, und ſeit langer Zeit war dieſelbe ihr kleines Heiligthum, ein Heiligthum, welches ihre we⸗ nigen, aber um ſo theureren Schätze enthielt. Nanny war der Augapfel des alten Vaters. Sie war nicht allein mehrere Jahre nach dem jüngſten von ihren Brüdern geboren, ſondern auch mit großer Faſſungskraft und einem weichen, tief empfind⸗ ſamen Gemüthe begabt. Sie war ſo zu ſagen ein lebendiger Ton der harmoniſchen Träume, welche der Alte einſt verwirklicht zu ſehen gehofft hatte. Nanny, die bleiche und zarte Lilie, vielleicht ver⸗ urtheilt, an dem einſamen Ufer gleich den Lilien des Schilfes hinzuwelken, führte den armen Alten immer⸗ während zurück auf den Gedanken, wenn ſein Vater nicht die Todesſtunde erwartet hätte, um ſeine Gelübde und Verpflichtungen zu erfüllen, ſo wäre Nanny jetzt anſtatt eines einſamen, vielleicht bald verlaſſenen We⸗ ſens ein reiches, geſuchtes Fräulein. Ferner war Nanny des Alten Stolz. Denn während Ragnar, welcher früh lernen mußte, für ſich ſelbſt zu ſorgen, die See und die ſchwere Tages⸗ arbeit— was immer mit frohem Muthe geſchah— einer überflüſſigen Gelehrſamkeit vorzog, und Calle kaum mehr begreifen konnte, als was dazu gehörte, um zum heiligen Abendmahle gehen zu können, lauſchte dagegen Nanny mit Begierde auf die Worte des Va⸗ ters, wenn er ihr Dinge und Begebenheiten erzählte und erklärte, die ihrer Umgebung ganz fremd waren. Und dann, mit welcher Begierde las nicht Nanny die wenigen Bücher, welche die Bibliothek des Vaters enthielt! Die Familie im Thale. 3 34 Sie hatte einen deutlichen Begriff von der Ge⸗ ſchichte, ſie intereſſirte ſich für die darin dargeſtellten Helden und Heldinnen oder verabſcheute dieſelben, ſie ſympathiſirte mit allen Leidenden und Gedrückten, aber ihr unendlich liebevolles Herz konnte es ſich auch nicht verſagen, mit den Glücklichen zu ſympathiſtren, obgleich ſie ſeufzen mußte, ſo oft ſie von ihnen las.. Aber nachdem ſie über dieſe Weſen, welche gelebt haben, geſeufzt hatte, ſeufzte ſie auch für diejenigen, welche leben. Sie entſetzte ſich— ſo ſehr ſte auch ihre Ge⸗ ſchwiſter liebte— vor dem Tage, da ſie ihren Vater verlieren ſollte, denn in ihm verehrte ſie eine Art von höherem Weſen. Und ſie ſchauderte und bebte, wenn ihre Gedanken bei der Zeit verweilten, da ein Mann ernſtlich die Augen auf ſie werfen würde— es gab ſchon Solche, die das gethan hatten— um ſie zu ſeiner Gattin zu erſehen. Wer konnte das wohl werden, wer anders als viel⸗ leicht ein Bauer... oder ein Schutenſchiffer... oder— noch ärger— irgend einer von den Handwerkern des Kirchſpieles? O, das wäre unmöglich! Ein ſolcher roher und kaltſinniger Mann würde ſie zu Tode ängſtigen! Wie ſollte ſie neben ihm es wohl nur wagen können, ſo zu denken, wie bisher? wie ihm mittheilen können, was ſie ſo oft in ihrem Herzen fühlte?... Nein, nein, ſie mußte unverheirathet, allein, ſtets allein bleiben. Vielleicht wollte auch kein Bauer ſie haben? Hatte wohl ein Einziger von ihnen, als ſie ſich am Johannis⸗ abende mit in ihre Tänze gewagt hatte, ſte aufgebo⸗ ten? Nein, nur mit dummen und blöden Blicken hatten ſie die Mamſell Nanny betrachtet— ſie gehörte ja nicht zu ihres Gleichen. * ** Es war die ungewö⸗ macht hatte Währer droſſenem F ſtreut, ihre Kindern un ſie wo ieräben e gänz Dieſe Außer Schlafſtätte Bücherbret, und einen 9 verfertigt, und er hatt In der mehr Freud Wenn handeln kör ihr die Ha gut und be⸗ ſo viel, als liebte, und „Fant,“ d theidigte. Sah e liche Haus wahre Berſ ten Calle;“ Erziehung Syſtem au durch, daß Syſtems ſe n der Ge⸗ dargeſtellten ſelben, ſie ückten, aber )auch nicht en, obgleich lche geleht diejenigen, h ihre Ge⸗ ihren Vater ne Art von e Gedanken rnſtlich die hon Solche, Gattin zu ers als viel⸗ r. oder— werkern des nn würde ſie hm es wohl r? wie ihm rem Herzen thet, allein, aben? Hatte n Johannis⸗ ſie aufgebo⸗ den Blicken ſie gehörte 35 Es war am Abende nach jenem Tage, da Nanny die ungewöhnliche Bekanntſchaft bei der Quelle ge⸗ macht hatte. Während des ganzen Tages hatte ſie mit unver⸗ droſſenem Fleiße, wenn auch je zuweilen etwas zer⸗ ſtreut, ihrer Schwägerin in der Wirthſchaft, bei den Kindern und beim Webſtuhl geholfen. Jetzt aber hatte ſie Feierabend gemacht, um in ihre Kammer zu fliehen, wo ſte gänzlich mit ſich ſelbſt allein war. Dieſe Einſamkeit war ſo lieblich! Außer dem kleinen hölzernen Sopha, der Nanny's Schlafſtätte war, beſaß dieſe ihre Freiſtätte ein kleines Bücherbret, drei oder vier Blumentöpfe, eine Kommode und einen Nähtiſch, die beiden letztgenannten von Calle verfertigt, denn dieſer konnte tiſchlern, wenn er wollte, und er hatte früher Alles für Nanny thun wollen. In der letzten Zeit aber machte es ihm ſichtbarlich mehr Freude, Alles für Magda zu thun. Wenn Magda gewollt hätte, ſo hätte ſie ihn be⸗ handeln können, wie einen Hund, wenn nur der Hund ihr die Hand hätte küſſen dürfen. Magda aber war gut und benutzte ihre Macht nur dazu, daß Calle doppelt ſo viel, als ehemals draußen, arbeitete. Im Hauſe war Calle meiſtens Kindsmädchen. Die Kleinen waren ſo gerne bei ihm, weil er ſie liebte, und alle Kinder der Nachbarſchaft liebten den „Fant,“ der mit ihnen ſpielte und ſie immer ver⸗ theidigte. Sah er aber, daß ſeine Lieblinge die gebräuch⸗ liche Hauszucht erleiden mußten, ſo kam er in eine wahre Berſerkerwuth; da nannte man ihn den„verruͤck⸗ ten Calle;“ denn da er ein Feind aller handgreiflichen Erziehung war, es aber doch auch nicht verſtand, ſein Syſtem auf eine andere Weiſe auszudrücken, als da⸗ durch, daß er die Erzieher die Wirkungen ihres Syſtems ſelbſt ſchmecken ließ, ſo flog er Pher Alt und . 36 Jung her, und ſeine ſtarken Eiſenhände theilten mit leidenſchaftlichem Nachdrucke die Hiebe aus, welche er nachher ſich weinend anbot, wieder zurück empfangen zu wollen. Aber man lachte nur über den verrückten Calle und hütete ſich, ſo gut man konnte, ihm den geheimen Theil der Erziehung zu zeigen. Dagegen reiste keine einzige Bauersfrau zu Markt, zur Hochzeit oder zum Begräbniß, ohne Calle, den freundlichen Kinderfreund, zu bitten, er möchte ſich nach den Kleinen umſehen— da konnte man ruhig gehen. 3 Calle's Reſidenz, die eine der Bodenkammern, ent⸗ hielt nur eine Bettſtelle, einen zerſchnittenen Tiſch und einen dito Stuhl, auf welchem Calle immer ſaß und wiegte, während er mit halbverſchloſſenen Augen gleich⸗ ſam verſtohlen die an der Wand hangende gruͤngeſtreifte wollene Weſte oder irgend ein anderes Geſchenk, das eer von Magda erhalten, betrachtete. In dieſer Abendſtunde— während Nanny den Theil des Thales betrachtete, in welchem die Quelle belegen war— ſaß Calle auf ſeinem alten Stuhle und betrach⸗ tete verſtohlen, wie gewöhnlich, einen braunen irdenen Topf, der vor ihm ſtand. In dem Topfe befanden ſich zwei große Zweige von ſpaniſchem Flieder, ein weißer und ein blauer, welche einen angenehmen Duft um ſich her verbreiteten. Nachdem er ſo eine lange Zeit den Topf ange⸗ ſchielt hatte, begann er allmaͤlig den Stuhl näher au den Tiſch zu rücken, und bei jedem Ruck verzog er den Mund zu einem gutmüthigen Schmunzeln. Endlich war er ſo nahe, daß er, wenn er ſich bückte, ſehr leichts an-den Blumen riechen konnte. Um jedoch dieſes Manöver, das wahrſcheinlich ſein Verlangen war, ausführen zu können, ging er eben ſo vorſichtig zu Werke. Der Kopf ſank Zoll für Zoll, zog ſich aber immer wieder zurück. Endlich widerſtand er der Verſucht Geſicht in d Aber ſe Gedanken, d Und der ſo glücklich Nanny Fenſterſcheil ihr ſo friſch nicht, daß eigenthümli „Dank Nanny den Wieder hatte. heilten mit „welche er empfangen ckten Calle n geheimen reiste keine oder zum nderfreund, umſehen— nmern, ent⸗ n Tiſch und er ſaß und agen gleich⸗ küͤngeſtreifte ſchenk, das den Theil elle belegen nd betrach⸗ nen irdenen hefanden ſich ein weißer duft um ſich Topf ange⸗ l näher au rzog er den ſich bückte, einlich ſein er eben ſo ir Zoll, zog dderſtand er 37 der Verſuchung nicht länger, ſondern begrub das ganze Geſicht in den Blumenſtrauß. Aber ſchnell zog er ſich zurück— er hatte einen Gedanken, der ſeine Züge lang und düſter machte. Und dennoch ſchien er vor einem Augenblicke noch ſo glücklich zu ſein! ** * Nanny hatte ihr kleines hübſches Geſicht an die Fenſterſcheibe gedrückt; noch nie war ihre kleine Welt ihr ſo friſch und grünend erſchienen; daher hörte ſie es nicht, daß die Thür aufging und Calle mit ſeinen eigenthümlichen hohen und langen Schritten hereintrat. „Dank!“ ſagte Calle. Nanny antwortete nicht; ihre Ohren lauſchten auf den Wiederhall der Stimme, welche ſie geſtern gehört atte. )„Dank!“ wiederholte Calle noch einmal. Fetzt fuhr Nanny zuſammen und wendete ſich um. „Wofür denn?“ „Weißt Du nicht? Für die Blumen „Welche Blumen 24 14 Calle begann zu Lächeln und die Wand anzuſehen. „Haſt Du ſpaniſchen Flieder in Deinem Zimmer, ſo habe ich die Blumen nicht hineingeſetzt.“ So?— da hat wohl die kleine Kerſtin es ge⸗ 19 . than?“ „Nein, lieber Calle; das hat die gethan, welche beſſer iſt, als ich und die kleine Kerſtin!“ „Wer könnte das ſein?“ „Magda, verſteht ſich!“ „Ohl...“ Calle trat einen Schritt vorwärts... „Magda!— ja, das weiß ich wohl!“ „Frage, ſo wirſt Du hören!“ O nein... aber es iſt ſo, daß ich meine, ſie riechen 11 38 ſo gut, ſo gut, wenn ich auch nie dazu komme, eine Abaneechen ſie ſehen ſo ſchön aus, wo ſie im Grünen tzen.“. Und hiemit wendete ſich Calle um und trabte über den Boden in die andere Kammer, wo er ſich auf ſei⸗ nen Stuhl ſetzte und es wieder ſo trieb wie vorher, nur mit dem Unterſchiede, daß, als er dießmal das Haupt von den Blumen erhob, ein neuer Thau auf dieſelben gefallen zu ſein ſchien. Nun aber kam eine Botſchaft aus der Nachbar⸗ ſchaft und ſtörte den glückſeligen Calle. Eine Bauersfrau, welche zu einem großen Begräh⸗ niß reiſen wollte, erſuchte ihn um eine kleine Hand⸗ reichung zum folgenden Tage, und der immer dienſt⸗ willige Calle verſprach augenblicklich, ſo viel er auch zu Hauſe zu thun hätte, zu kommen und nach den Kindern zu ſehen. Und um recht willkommen zu ſein, begann er nun Rohrpfeifen zu ſchneiden, und indem er ſchnitt und ſang— denn Calle war auch ein Dichter— blickte er immer zu dem intereſſanten braunen Topfe empor. Was that aber inzwiſchen Nanny? Las ſie wohl ein wenig, wie ſie oft in ihren Frei⸗ ſtunden zu thun pflegte? Oder ging ſie zur Quelle, um dort zu träumen und ihre Füße zu baden, wie ſie noch öfter that? Nein, ſie war zufrieden mit ihrer Geſchäftsloſig⸗ keit, die auch endlich belohnt wurde, denn als ſie ſo am Fenſter ſtand und an... natürlich an Nichts dachte, dämmerte dort ganz in der Ferne zwiſchen den Hügeln und den Bäumen ein grüner Rock hervor, und zuletzt wurde derſelbe ganz in der Nähe der Quelle ſichtbar. Der Beſitzer des Rockes, der junge Mann mit dem Ränzel, er, der Nanny ſeine kleine Najade genannt hatte— eine Benennung, von der er glaubte, daß ſie dieſelbe ni nieder und Vielle Einig zwiſchen d unruhig: Scham hi Warr derung ſo erwartet! Endl ſie den H Nan als ihre fertigen wo ſie et Als ſie den wollte m als mit fliehen. Aber erreicht, 39 komme, eine dieſelbe nicht verſtände— warf ſich neben dem Felſen im Grünen nieder und fing an, ſich umzuſehen. . Vielleicht erwartete er Jemand. trabte über Einige Angenblicke trippelte Nanny hin und her ſich auf ſei⸗ zwiſchen dem Fenſter und der Thür. Sie war ſehr wie vorher, unruhig: die Sehnſucht wollte ſie hinaustreiben, die dießmal das Scham hielt ſie zurück r Thau auf Warum hatte ſie ihre gewöhnliche kleine Luſtwan⸗ derung ſo lange verſchoben? Sie hatte ja Niemand er Nachbar⸗ derunn 3 ii 2. Endlich aber— ſo lange ſie auch dachte— ergriff bßen Begräh⸗ ſie den Hut und eilte die Treppe hinab. nmer dienſt⸗ viel er auch—— ld nach den ſgann er nun 5 ſchnitt und 4 — blickte er Die erſte Ungeduld. 2 empor.. .... Nanny hatte die letzte Stufe der Treppe erreicht, 3 als ihre Schwägerin mit flammenden Wangen und eil⸗ nihren Frei⸗ fertigen Schritten aus der Nachbarſchaft zurückkehrte, Quelle, Wum wo ſie etwas auszurichten gehabt hatte. wie ſie noch Als ſie zuerſt das junge Mädchen erblickte, ſchob „ ſie den Strohhut tiefer auf das Geſicht hinab, und eſchäftsloſig⸗ wollte mit eben ſo großer Eile an ihr vorübergehen, n als ſie ſo als mit welcher Nanny bereit war, in das Freie zu tichts dachte, fliehen. den Hügeln Aber Nanny hatte nicht ſobald die Thürſchwelle und zuletzt erreicht, ſo äußerte Magda: elle ſichtbar.„Wohin gehſt Du 7 nn mit dem„Ich... ich dachte ein wenig auszugehen.“ ade genannt„Nimm Dich in Acht— Du wirſt nachgerade ein bte, daß ſte großes Mädchen!“ „Was thut das?“ fragte Nanny erſtaunt. 40 „O, arme ehrliche Frauenzimmer haben nicht das Recht, auszugehen!“ „Was ſagſt Du?“ „Ich ſage: die Sonne, das Waſſer, die Wieſen und die Bäume Gottes ſind nur für vornehme Leute da, welche alles von ihren Wagen oder hübſchen Segel⸗ booten aus betrachten können.“ „Aber, liebe Magda, Du haſt doch immer...“ „Still, Kind!— Du verſtehſt noch nichts von aller Schmach, von allem Hohn, für welche wir Frauen⸗ zimmer von einer gewiſſen Klaſſe geſchaffen ſind.“ „Nicht ſind wir doch wohl dafür geſchaffen?“ „Ja, ja... aber wir ſollten auch häßlich geſchaffen ſeyn, wie die Sünde, um wenigſtens unſere Ehre be⸗ halten zu dürfen— denn Niemand glaubt an unſere Schamhaftigkeit.“ ſe roßer Gott!“ dachte Nanny,„ſollte das wahr ein, fo...“ Magda, welche einige Augenblicke die Hand hart gegen ihre brennende Stirn gedrückt hatte, erhob dieſe jetzt, und ſowohl aus dem Ausdrucke ihrer ſchwarzen Augen, deren Strahlen einen Goldſchimmer über ihre dunkle Hautfarbe zu werfen ſchienen, als auch aus der ſtolzen Erhebung ihres ſchlanken Halſes ſah man, daß ſie die Macht über ſich ſelbſt wieder gewonnen hatte. „Ich beunruhige Dich, arme Nanny!“ ſagte ſie in verändertem, ſanftem Tone.„Ich bedenke nicht, daß Du noch eine Taube biſt, die kaum den Taubenſchlag verlaſſen hat. Aber ich war betrübt— man wird es bisweilen, ohne daß man Schuld daran iſt.“ „War es denn nichts?“ 1 „Ich kann ſagen: es war und es war auch nicht, und will alſo am liebſten ſchweigen!“ „So ſchweig, liebe Magda, und laß uns nicht wei⸗ ter davon reden!“ ſagte Nanny leiſe, welche auf glü⸗ henden Kohlen ſtand und hinaus wollte. Sie ſehnte ſich wirklich darnach, zu verſuchen, oh 1s wirklich wenn ſie a⸗ Bis g weſen: keir Waſſer, 2 mand hatte andern Ei dern auch nahme an Schwägeri klärung zu „Nau die Thür genießen Fuße, ſo an der al Nand gen bran nicht vert dadurch „Art Ich will mir nur Dief ſeine Ge war für des Tage ohne Fre dern als in nicht das Wieſen und e Leute da, ch geſchaffen re Ehre be⸗ an unſere ſe das wahr Hand hart erhob dieſe er ſchwarzen er über ihre luch aus der h man, daß nen hatte. ſagte ſie in enicht, daß raubenſchlag an wird es auch nicht, s nicht wei⸗ he auf glü⸗ rſuchen, oh 41 1s wirklich ſo gefährlich wäre für arme Frauenzimmer, wenn ſie ausgingen. Bis geſtern wenigſtens war es nicht gefährlich ge⸗ weſen: kein Menſch hatte ihr verboten, Gottes Sonne, Waſſer, Wieſen und Bäume zu genießen, und Nie⸗ mand hatte jemals ihre Schamhaftigkeit auf die Probe eſetzt. geſebz, einer andern Gelegenheit und unter einem andern Einfluſſe würde nicht allein die Neugierde, ſon⸗ dern auch ein weit reineres Gefühl, nämlich die Theil⸗ nahme an Magda's Kummer, Nanny, welche ihre Schwägerin ſo zaͤrtlich liebte, vermocht haben, eine Er⸗ klärung zu verlangen, welche ſie jetzt vermeiden wollte. Magda ſchwieg. Nanny ſetzte den Fuß über die Schwelle. Doch— o weh!— ſie mußte ihn zum zweiten Male zurückziehen; denn in demſelben Augenblicke, da Magda ſich der Thür zuwendete, um in den Saal zu gehen, kam der alte Lönner ſelbſt heraus. „Nanny, Kind, trage meinen Stuhl heraus vor die Thür! Es iſt ein ſo herrlicher Abend, daß ich ihn genießen will, und ſäße nur die Gicht nicht in dem Fuße, ſo nähme ich den Stock und Dich als Stütze an der andern Seite, und ginge aus.“ Nanny erröthete ſo, daß ſie fühlte, wie ihre Wan⸗ gen brannten, als ſie mit einer Angſt, die ſie ſelbſt nicht verſtand, ihre Furcht äußerte, der Vater würde dadurch weit ſchlimmer werden. „Arme Kleine, Du biſt ſo beſorgt für mich!— Ich will lieber keine Promenade verſuchen... bringe mir nur den Stuhl, ſo ſetzen wir uns und plaudern!“ Dieſe freundlichen Augenblicke, da der Vater ihr ſeine Gedanken, Gefühle und Erinnerungen eröffnete, war für Nanny immer eine Belohnung für die Arbeit des Tages geweſen. Dießmal aber ging ſie nicht nur ohne Freude, um den Stuhl des Vaters zu holen, ſon⸗ dern als ſie ihr Strickzeug holte und ſich wie gewöhn⸗ 42 lich auf den Schemel neben ihn ſetzte, ſtieß ſie ſogar einen tiefen Seufzer aus. Der Greis merkte jedoch nichts, vielleicht weil er unmöglich errathen konnte, daß ſein Augapfel bei ihm ſeufzen würde. „Nun,“ ſagte er, indem er ſich behaglich um den weißen Bart ſtrich, der ihm ein ſo ehrwürdiges und patriarchaliſches Ausſehen gab,„nun, Kind, Du freuſt Dich wohl ſchon auf das ſchöne Tuch, das Ragnar nach Hauſe ſchickt?“ „Ich habe eben noch nicht daran gedacht, lieber Vater!“ „Das iſt wahr: Dein Gemüth iſt in dieſer Hinſicht nicht wie Magda's. Sie freut ſich, wie eine junge Frau gerne thun mag, wenn ſie ſich mit Etwas, das ſchön iſt, ſchmücken darf.“ „Ich glaube wohl,“ entgegnete Nanny mit einer leichten Verwirrung,„baß auch ich bald hübſche Sachen gerne ſehen werde. Ich habe ſo wenig Schönes, möchte es aber doch wohl haben!“ „Sieh, das freut mich zu hören! Ich bin wirklich um Deinetwillen bisweilen betrübt geweſen, wenn ich die Gleichgültigkeit geſehen habe, die für Dein Alter nicht natürlich iſt: ſte kommt nur von der Schwermü⸗ thigkeit her, die Du ſeit Deiner frühſten Kindheit ge⸗ habt haſt.“ „Doch, lieber Vater, iſt es nicht Unrecht, wenn man ſich ſchön machen will, da man arm iſt?“ „Schön?— wie verfällſt Du denn darauf?“ „Magda ſagte eben, alle armen Frauenzimmer ſoll⸗ ten häßlich ſein, um ihre Ehre behalten zu können.“ „Magda war nicht bei ihrer guten Laune, als ſie das ſagte— und ſie, die ihrem Manne ſo gerne ge⸗ fallen will, wünſcht gewiß nicht, daß ſie häßlich wäre.“ „Ja, wenn man einen Mann hat, da iſt es wohl etwas ganz Anderes.“ „Und warunm ſollte denn nicht ein junges Mädchen auch ſchöt und Alle gen, das und arbei verſäumt was nur das wird Nan Sie wohl aue würde w „Zu wohl das ter haber Bei Roſe au lächelte dieſes Lä künftige 15 er auf Gnade uns eine Ragnar leß ſie ſogar icht weil er fel bei ihm llich um den fürdiges und „Du freuſt as Ragnar cht, lieber leſer Hinſicht eine junge bin wirklich , wenn ich Dein Alter Schwermü⸗ Kindheit ge⸗ techt, wenn ſt?“ dauf?“ simmer ſoll⸗ zu können.“ ine, als ſie bgerne ge⸗ lich wäre.“ iſt es wohl es Mädchen twas, das 43 auch ſchön ſein wollen für ihren Vater, ihre Brüder und Alle, welche ſie ſehen— und vor Allen für ſich ſelbſt? Das iſt ein unſchuldiger Wunſch, der zu mehr Gutem als Böſem führt, ſo lange er unſchuldig bleibt.“ „Wann aber iſt er nicht unſchuldig?“ „Er hört auf, dieſes zu ſein, wenn das Verlangen nach eitlem Putz, und das Verlangen ſich ſchön zu zei⸗ gen, das Herz verändert und macht, daß das arme und arbeitſame Mädchen die Arbeit und ihre Pflichten verſäumt, um ausſchließlich an Dasjenige zu denken, was nur zu einer kleinen Zerſtreuung dienen darf... das wird aber mit Dir niemals der Fall ſein!“ Nanny antwortete nicht. Sie ſenkte das Haupt; denn ſie dachte, es könnte wohl auch niemals die Rede davon ſein; denn wer würde wohl jemals ihre Veränderung beachten? „Zu Johannis,“ fuhr der Alte fort,„mußt Du wohl das gelbe ſeidene Tuch Deiner verſtorbenen Mut⸗ ter haben!“ Bei dieſem Verſprechen entſprang eine flüchtige Roſe auf der Wange des jungen Madchens, und ſie lächelte ſo, wie ſie noch nie zuvor gelächelt hatte; denn dieſes Lächeln war das Lächeln eines Weibes, das einen künftigen Triumph ahnt. „Geprieſen ſei Gott,“ fuhr der Alte fort, indem er auf einen andern Gegenſtand überging,„für die Gnade und für alles Glück, das er uns ſendet! Es iſt uns eine Zeit lang ſehr kümmerlich gegangen; wenn aber Ragnar's Geldbrief und Waaren kommen, ſo gelangen wir wieder in beſſere Umſtände. Die Armuth hat viel Gutes, wovon der Reichthum nichts weiß: die Freude über ein kleines Glück. Der Reiche genießt vielleicht niemals ſo, wie der Arme.“ Während der ehrliche, alte Lönner ſich immer mehr und mehr in ſeine Gedanken vertiefte, drehte und wen⸗ dete ſich Nanny auf dem Schemel und verlor die eine — 44 Maſche nach der andern. Der vorige Gegenſtand war wohl einigermaßen gut, doch dieſer... Inzwiſchen wagte ſie kein Wort davon zu ſagen, daß ſie gerne weg wollte. Warum wagte ſie es nicht? Sie fragte ſich darnach, wußte aber keine andere Ant⸗ wort zu geben, als die, daß es ihr geſtern ſo leicht geweſen wäre zu ſagen:„Vater, ich laufe ein wenig hinunter auf die Wieſe!... Aber heute ließ ſich die⸗ ſes nicht ſagen. „Ich ſehe, Du haſt den Hut auf— wollteſt Du ausgehen, mein Kind?“ fragte endlich der Vater. „Ich bin heute noch nicht aus der Thür geweſen!“ „Nun, ſo geh denn, lauf, ſei vergnügt!— armes Dengh Du haſt ſo wenig, worüber Du Dich freuen annſt!“ Vielleicht waren es dergleichen Ausdrücke, erzeugt von der unterdrückten Betrübniß des armen Vaters, daß er ſeiner Tochter kein für ihr Alter paſſendes Ver⸗ gnügen bereiten konnte, was die Urſache war, daß ſie ſo früh zu der Einſicht gelangt war, daß ihr Etwas fehlte, zu der Einſicht, daß ſie allein war und— wie ſte ſich auszudrücken pflegte— ohne ihres Gleichen. Gewiß iſt: das Glück, welches der alte Lönner ſich ſelbſt dadurch bereitet hatte, daß er ſich in ſeiner Tochter eine Geſellſchafterin herangebildet hatte, die ihn einigermaßen an entſchwundene Zeiten erinnerte, hätte dieſer Tochter leicht zu langem Schaden und Schmerz gereichen können. So wie ſte nun einmal war, ließ ſich vorausſehen, daß ſie gezwungen ſein würde, ſo ſanft, geduldig und arbeitſam ſie auch war, mit einem verlaſſenen Zuſtande fürlieb zu nehmen, wenn auch ein Handwerker oder ein wohlhabender Schutenſchiffer— das Höchſte, worauf ſte oder Andere für ſie ſich Hoffnung machen konnten— auf ihr Loos ſiele............ Nanny benutzte die erhaltene Erlaubniß und eilte ſchnell davon, gleich einem Vogel, der nach verſchie⸗ denen verg gewinnen, lichen Erf⸗ Inzwi nicht mehr ihr auch e ganzen Zu etwas ſo E hatte zu hatte ſie auch Mag wenn ſie „Wa din aus, wiſſen Ae Noch geordnet während Vater u gebunden entfernt dieſe aus Sie das klein hatte, a Stimme aus der Mit und wer ſtand war zu ſagen, es nicht? ndere Ant⸗ n ſo leicht ein wenig ß ſich die⸗ geweſen!“ — armes ich freuen e, erzeugt en Vaterg, eendes Ver⸗ ar, daß ſie ihr Etwas ind— wie Gleichen. lte Lönner h in ſeiner hatte, die erinnerte, haden und orausſehen, duldig und n Zuſtande verker oder ſte, worauf konnten— zund eilte h verſchie⸗ 45 denen vergeblichen Verſuchen, ſeine Freiheit wieder zu gewinnen, endlich ſeine Bemühungen mit einem glück⸗ lichen Erfolge gekrönt ſieht. Inzwiſchen war ſie überzeugt, daß der junge Herr nicht mehr bei der Quelle ſein könnte, und jetzt fiel es ihr auch ein, wie ſonderbar es wäre, daß ſie von dem ganzen Zuſammentreffen kein Wort erzählt hatte— ja, etwas ſo Sonderbares, daß ſte gar nicht daran gedacht hatte zu ſagen, ſie hätte einen Fremdling getroffen, hatte ſie noch gar nicht erlebt: ſowohl der Vater als auch Magda würden gewiß ſehr erſtaunt darüber ſein, wenn ſie es erführen. 6. Eine Uebereinkunft. „War es nicht, wie ich dachte,“ rief unſere Hel⸗ din aus, da ſie den Platz leer fand und mit einem ge⸗ wiſſen Aerger ihr Bild in der Quelle betrachtete. Noch nie hatte ſie ihr Haar ſo gut gekämmt und geordnet gehabt. Und die Sonntagsſchürze— die ſie während des ganzes Geſpräches mit Magda und dem Vater unter der Kontuſche verborgen gehabt und um⸗ gebunden hatte, ſobald ſie eine Strecke von dem Hauſe entfernt war— es verlohnte ſich gewiß der Mühe, dieſe aus der Commode hervorgeſucht zu haben! Sie war ſchon nahe daran, die Schürze und auch das kleine ſeidene Tuch, das ſie um den Hals geſchürzt hatte, abzunehmen, als eben jene Leben ertheilende Stimme, welche ſie ſchon hatte kennen gelernt, ihr aus der Ferne zurief. Mit frohem Erſtaunen ſchlug ſie die Augen auf, und wer kam dort wohl den Hügel herab, wenn nicht 46 der Beſitzer des Ränzels, blaſend auf einem großen grünen Blatte, eine eigenthümliche Art von Trompete, die ſehr gut klang? „Kommſt Du denn endlich, meine kleine Najade? Ich meinte, wir hatten es geſtern Abend ſo angenehm, da Du mich ein Stück Weges begleiteteſt, daß ich her mußte, um zu ſehen, ob Du nicht auch heute Abend Deine Füßchen badeteſt.“ „Das könnte einer Najade anſtehen, in Herren⸗ geſellſchaft zu thun, aber ich...“ Sie brach erröthend ab. „Was nun? eine Najade— Du weißt alſo etwas von Najaden, Du, mein Kind?“ „Ja, und von den Dryaden auch!“ entgegnete Nanny kopfnickend und zum erſten Male gleichſam ein wenig ſtolz über ihre Kenntniſſe, um welche ſich ſonſt außer dem alten Vater kein Menſch bekümmerte. „Du ſetzeſt mich in Erſtaunen— Du haſt alſo geleſen... laß hören!“ „O, ein wenig von Allem. Der Vater hat ein großes Bücherbrett, und ich ſelbſt habe ein kleines.“ „Hm, hm!“ ſagte der junge Kronvogt in Survi⸗ vance,„das iſt ja zum Erſtaunen!... Aber erzähle mir doch, was Du geleſen haſt!“ „Fragen Sie darnach, Herr?“ „Das hörſt Du ja— o, zum Henker, Manſell Nanny wollte ich ſagen! Nun, Mademoiſelle, ſetzen wir uns... Dieſe Grasmatte iſt ſehr weich. Ich will ein kleines Examen anſtellen.“ „Aber ich antworte nicht, Herr, wenn Sie mich Mamſell nennen— ich meine, wir werden einander dann ſo fremd.“ Nun, ſo will ich mich davor in Acht nehmen... 3 Doch, laß uns nun zum Anfange kommen!“ „Mit dem, was ich kann?“ „Richtigl..Aber warum ſetzeſt Du Dich ſo weit weg?“ z „O, er „Das meine Göt zwiſchen D Ich d „ zur Additi werden.“ „Wie „Das Mann riß dene Halst Ellenmaß. len von Di „Was haſt ſelbſt Noch Spiele geh Sie Magda, 9 Einfälle ge lauten Mi niemals Lu Mund verz erſte Mal lächter von ihr Lehrme kindlichen neuerten 2 latz in P beini Nanny's E ſtens errei „Aber denn ſie da „Will 47 „O, es iſt doch wohl nicht ſo ſehr weit?“ CTrompete,„Das beweist, Du kannſt wenigſtens nicht rechnen, meine Göttin! Laß hören, wie viele Ellen ſind jetzt Najade? zwiſchen Dir und mir?“ ngenehm,„Ich denke: drei!“ ß ich her„Arme Kleine, Du biſt ja noch nicht einmal bis te Abend zur Addition gekommen! Aber ich will Dein Lehrer werden.“ Herren⸗„Wie ſoll denn aber das zugehen?“ „Das ſollſt Du gleich ſehen!...“ Der junge Mann riß ſchnell das loſe um den Hals geſchürzte ſei⸗ ſo etwas dene Halstuch ab..„Dieſes gibt uns ein beſtimmtes Ellenmaß.. Nun miſſe ich, und wenn ich drei El⸗ tgegnete len von Dir entfernt bin, ſo... hſam ein„Was dann?“ ſch ſonſt. So höre ich auf und ſetze mich, denn Du haſt felbſt drei Ellen beſtimmt. 7) haſt alſo Noch nie hatte Nanny einen Begriff von ſolchem Spiele gehabt. hat ein Sie war nicht gewohnt zu lachen— nicht daß Lines.“ Magda, Ragnar und Calle nicht ſehr oft lächerliche Survi⸗ Einfälle gehabt hatten, welche ſie ſelbſt zu einer über⸗ r erzaͤhle lauten Munterkeit verlockten— aber Nanny, welche niemals Luſt zur Freude gehabt, hatte höchſtens den Mund verzogen, und daher war es vielleicht jetzt das Mamſell erſte Mal in ihrem Leben, daß ein jugendliches Ge⸗ 2, ſetzen lächter von ihrem kleinen, hübſchen Munde erſcholl, da Ich will ihr Lehrmeiſter in der Rechenkunſt, ſich ſelbſt einer kindlichen Munterkeit hingebend, nach mehreren er⸗ Sie mich neuerten Rechnungen und Meſſungen den eroberten einander Platz in Beſitz nahm. So!“ ſagte er, indem er ſich ganz gemächlich an men... Nanny's Seite ausſtreckte,„jetzt kann ich Dich wenig⸗ ſtens erreichen!“ „Aber,“ ſagte das Mädchen wiederum ernſthaft, Dich ſo denn ſie dachte an Magda's Worte,„das will ich nicht!“ 4„Willſt Du nicht?“ 48 „Nein!“ 4 „Der Tauſend, wie beſtimmt Du biſt!“ hab„Herr, Sie wollten ja hören, was ich geleſen a e 2“ „Das war ganz richtig,!. Nun, Du brauchſt wohl die Hand nicht ſo unter die Schürze zu verſtecken: ich will es gar nicht verſuchen, ſte zu nehmen, wenn Du ſie mir nicht freiwillig reichſt.“ Nanny lächelte, ließ die weißen Händchen wieder hervorkriechen und legte ſie darauf kreuzweiſe über das niee. „Alſo, zuerſt vor allen Dingen, mein Kind— Du kannſt mit dem erſten Anfang anfangen!“ „Als ich ganz klein war, ſo kaufte der Vater mir kleine Geſchichtenbücher mit Kupfern, und wenn ich las, ſo erklärte er mir Alles. Darauf, als ich ein wenig weiter kam...“ „Nun, was wurde dann daraus?“ „Da kam der Katechismus, und der geſiel mir eben niemals recht, und darauf die Bibel, die ich ſehr liebe und gerne leſe: das neue Teſtament iſt meine größte Freude. Der Vater deutet mir aus, was ich nicht verſtehe. Und hernach, wenn ich allein bin, ſo weine ich, da ich gewiſſe Stellen durchleſe— aber es liegt keine Betrübniß in den Thränen: ich denke nur.. „An was?“ „Ich weiß nicht, ob ich's ſagen darf?“ „Gewiß darfſt Du das— ich bin ja Dein Freund!“ „Da muß ich's denn wohl ſagen... Ich denke daran, wenn ich das Glück gehabt hätte, damals zu leben, ſo wäre ich vielleicht eine von den heiligen Weibern geweſen.“ „Da ſehe man nur! Du biſt meiner Treu nicht wenig ehrgeizig, Du!— vielleicht wollteſt Du ſogar die Jungfrau Maria ſein?“ Nanny wendete erröthend das Geſicht hinweg: es war ihr Mannes a „Nu Gedanken ſind wirkl dere jung „Vat graphie lernen, 1 alte Gött Stunden „Beh gebildetes überzeuge Nun und quer ſie angeg⸗ zu geben hätte All In der 2 als ſie. ſei⸗ geſtern halbes L ſich mit 9 Die Fa — ich geleſen Ou brauchſt verſtecken: men, wenn chen wieder ſe über das in Kind— Vater mir d wenn ich als ich ein gefiel mir die ich ſehr iſt meine s, was ich ein bin, ſo — aber es kkenur. n Freund!“ Ich denke damals zu en heiligen Treu nicht t Du ſogar hinweg: es 49 war ihr ſchmerzhaft, daß in der Frage des jungen Mannes ein Spott lag. „Nun, mein Kind, laß uns über Deine heiligen Gedanken und frommen Wünſche hinwegeilen— ſie ſind wirklich ſehr verſchieden von denjenigen, die an⸗ dere junge Mädchen haben. Alſo weiter!“ „Vater ließ mich nach und nach Geſchichte, Geo⸗ graphie nach Karten und ein wenig Naturgeſchichte lernen, und zuletzt ſchenkte er mir ein Buch über die alte Götterlehre, mit welchem ich mich in müßigen Stunden unterhalte.“ „Behüte Gott, auf dieſe Art biſt Du ja ein ganz gebildetes Mädchen!... Du ſchreibſt wohl auch?“ „Verſteht ſich, und ich zeichne auch ein wenig.“ „Nein, Mamſell Nanny, nun wird mir wirklich bange für Dich!“ 3 „Wie ſo?“ „Weil ich nicht im Stande bin, zu begreifen, was Du hier in Deinem Thale mit dem Allem anfangen „Daran habe ich auch ſchon gedacht!“ ſeufzte Nanny. „Vielleicht, wenn Alles um und um kommt, iſt es dennoch nicht ſo gefährlich— ich muß mich davon überzeugen.“ Nun begann Gottlieb das junge Mädchen kreuz und quer zu examiniren in den Gegenſtänden, welche ſie angegeben hatte; auf Alles wußte Nanny Antwort zu geben, und zwar auf eine Art, daß man ſah, ſie hätte Alles, was ſie wußte, klar gefaßt und bedacht. In der Mythologie war Gottlieb nicht mehr zu Hauſe, ls ſie. „Aber woher hat denn Dein Vater, der— wie Du geſtern, da Du min den Weg zeigteſt, ſagteſt— ſein halbes Leben hindulch auf dieſer Erdſcholle gelebt und ſich mit einem kleinen Handel genährt hat... woher hat er ſelbſt ſeine Bildung?“ „Ach, über die Jugend des Vaters gibt es eine Die Familie im Thale. 3 ganze Geſchichte— doch dieſe iſt ſo traurig, daß en niemals davon redet. Ich weiß nur, daß er damalt große Hoffnungen hatte, und daß er ein vornehmer Mann geworden ſein würde, wenn dieſe Hoffnungen erfüllt worden wären; aber ſo kam ein wichtiger Todes⸗ fall dazwiſchen und änderte Alles.“ „Ich muß einmal bei Euch einſehen und Deinen Vater beſuchen— glaubſt Du wohl, er wird einen ſolchen jungen Fremdling gut aufnehmen?“ „Ja, ganz gewiß, und Magda ebenfalls!“. „Deine Schwägerin?— Nun gut, ich komme bald Aber höre... 3 7,30 varein lück l geſchehen iſt „Da das Unglück nun einmal geſchehen iſt...“ „Welches Unglück?“ 3 „Verſteht ſich: das Unglück, daß Du genau zehn⸗ mal ſo viel weißt, als Du zu wiſſen brauchteſt— da dieß nun einmal ſo iſt, ſo ſehe ich gar nicht ein, noch warum es ſchaden ſollte, wenn Du noch ein wenig dazu lernteſt.“ „Von wem ſollte ich das lernen?“ „Von mir, natürlicher Weiſe!— Es fällt mit Etwas ein.“ Nanny's Augen blickten ihn mit einem Fragezei⸗ chen an. „Du könnteſt Dir für die Zukunft eine kleine Un⸗ abhängigkeit bilden, wenn Du Schule hielteſt.“ „O, mein Gott, ich wünſche nichts Beſſeres— da brauchte ich ja nie daran denken zu... zu...“ „.. zu heirathen— meinſt Du?“ „Ja, ſo dachte ich.“ „Und darin dachteſt Du recht klug, glaube ich.“ „Meinen Sie das, Herr?“ „Ja, denn, aufrichtig geredet, wen ſollteſt Du wohl Heirathen dhinen 5 giecj „Ich weiß nicht. Der Kirchſpielſchneider hat ſchon ein Wort mit Magda geredet.“ lvielſ hat ſch 77 7 im Frühlit „Zwei Bruder an 1 „, Du meine mußt Du zu werfen „Alſt kann Dir die einzig aus Dein „Sie er damalt vornehmer Hoffnungen tiger Todes⸗ und Deinen wird einen lls!“. komme bald in iſt..4 genau zehn⸗ chteſt— da r nicht ein, ch ein wenig Es fällt mir :m Fragezei⸗ e kleine Un⸗ aube ich.“ ſollteſt Du der hat ſchon 51 „Der Kirchſpielſchneider— ei, ei!“ „Und der Schutenſchiffer Larsſon bot dem Ragnar im Fruͤhlinge zwei Tonnen Roggen für ſeine Stimme.“ „Zwei Tonnen Roggen Handgeld!— und Dein Bruder antwortete: „O, Ragnar läßt nicht mit ſich ſpielen!„„Willſt Du meine Schweſter baar kaufen,““ ſagte er,„„ſo mußt Du Dich an ſie ſelbſt wenden: ſie hat mir keinen Auftrag gegeben, ſie zu verkaufen.““ „Alſo zwei Freier!“ „Der Küſter, ein alter Wittwer, iſt der dritte. Er iſt gleichſam etwas wohlhabend, und darum hat er ſich an den Vater ſelbſt gewendet.“ „Aber ohne Glück?“ 8 w Beiſteht ſich— Vater ſagte, ich wäre noch ein ind.“ „Und Du ſelbſt haſt keine Neigung zu einem von ihnen?“ „Ich habe größere Neigung, mich in den Wenerſee zu werfen, als einen von ihnen zu heirathen.“ „Alſo kommen wir zu der Schule zurück! Dieſe kann Dir ein kleines gutes Einkommen geben, und iſt die einzige Art, welche es Dir möglich macht, Nutzen aus Deinen Kenntniſſen zu ziehen.“ „Sie haben Recht, Herr: Das iſt das Einzige, was mir übrig bleibt!“ 4 „So fürchte ich, meine kleine Nanny, denn ein Freier, der für Dich paßt, findet gewiß nicht den Weg hieher... Jetzt aber haſt Du wenigſtens einen Freund.“ „Gott ſei gelobt— ich bin ſehr zufrieden damit!“ „ Ich eebenfalls... Aber es iſt nothwendig, daß wir in einer Sache einig werden!“ „In welcher?“ „Daß wir uns nicht in einander verlieben!“ „O, damit hat's wohl keine Noth!“ 4* „Das weiß der Henker!— Du haſt Deine kleinen Reize, Mademoiſelle Nanny, wenn ich auch gar nicht daran denken will, daß Du ein recht hübſches Mäd⸗ chen biſt.“. daß„Gir fnn auch hübſch, Herr, aber ich merke nicht, aß.. daß...“ „Daß es ſich ſo fühlt, als wollteſt Du Dich in mich verlieben? Nun, bei meiner Ehre, das iſt um ſo beſſer; denn, ſiehſt Du, ich bin ungefähr eben ſo arm wie Du.“ 4 „Sie, Herr?“ „Ja, ja, ſo ſteht's, meine Göttin! Meine ganze gegenwärtige Ausſicht iſt, der Helfer meines Vaters auf ſeinem Vogtcomptoir zu werden— und das iſt eben nicht ſehr viel.“. „Nein, das iſt wahr, Herr! Sie müſſen ſich alſo wohl nur in ein reiches Mädchen verlieben?“ „Wenigſtens will ich mich ſo viel wie möglich in Acht nehmen... Aber da dieſer ärgſte Punkt abgemacht iſt— er iſt ja richtig abgemacht?“ „Ja, ſo richtig, wie irgend etwas in der Welt, Herr: Sie ſollen ein reiches Mädchen haben und ich eine Schule!“ „Das iſt gut!... Und nun kommen wir ferner überein, daß wir uns hier in den Abendſtunden treffen. Ich habe paſſende Bücher bei mir und will Dich mit nſe Dichtern bekannt machen. Und wenn Du Stimme aſt...“ „Ja, ein wenig... der Küſter ſagt, eine gute.“ „Laß mich hören!“ „Morgen! Jetzt bin ich ſo blöde.“ „Vor ſeinem Freunde pflegt man nicht blöde zu ſein — ganz anders wäre es, wenn ich Dein Geliebter wäre.“ Ohne weitere Einwendungen begann Nanny eine alte Ballade zu ſingen, und ihre harmoniſche und weiche Stimme ſtahl ſich wie ein ſchmeichelnder Vogelgeſang in das Herz des Jünglings.“ 4 „Du ſi mir ein, D lernen— i eine mitbri 7 Kinder get haben! Un Du an De „Um Sie ſind ſe „Hoͤre Herr— 2 fo... „Dank Name... Nannd kommen un Manne ihr Am Calle nach den Weg der Leſer beten hatt ſelbſt abw Calle, ei hatte, mi ine kleinen gar nicht ches Mäd⸗ n ſich alſe möglich in abgemacht der Welt, en und ich wir ferner den treffen. Dich mit du Stimme e gute.“ öͤde zu ſein dter wäre.“ anny eine und weiche ogelgeſang hatte, mit langen Schritten uͤber Gräben und Stege 53 „Du ſingſt wie ein Engel, Nanny, und es fällt mir ein, Du könnteſt wohl ein wenig Guitarre ſpielen lernen— ich kann das ein wenig und werde vom Hofe eine mitbringen.“ „Aber dieſe Kenntniß kann ich ja nicht für die die Schule anwenden?“ „So kannſt Du Dich damit erheitern, wenn die Kinder gegangen ſind— das wirſt Du oft nöthig haben! Und wenn Du ſo daſttzeſt und ſingſt, ſo denkſt Du an Deinen Freund.“ „Um niemals lange Weile zu haben— o Herr, Sie ſind ſehr gut!“ „Höre, Nanny! nenne mich Gottlieb und nicht Herr— Du verſtehſt wohl, wenn wir Freunde ſind, fo..* „Dank, Herr Gottlieb!... welch ein ſchöner Name.. Nun aber wird es ſpät...“ Nanny, welche fürchtete, Magda könnte heraus⸗ kommen und ſie rufen, ſtand auf und reichte dem jungen Manne ihre Hand zum Abſchiede. 7. Die Jagd. Am folgenden Morgen, etwas vor der Zeit, da Calle nach wohlverrichteter Arbeit zu Hauſe ſich auf den Weg nach einem benachbarten Gehöfte begab— der Leſer wird ſich erinnern, daß eine Nachbarfrau ge⸗ beten hatte, den Calle leihen zu dürfen, während ſie ſelbſt abweſend war— alſo etwas vor der Zeit, da Calle, ein Liedchen trällernd, das er ſelbſt gemacht 54 dahinſchritt, war der Patron Fabian von ſeiner Ehe⸗ hälfte geweckt worden mit der Erinnerung, es wäre ja ſein Jagdtag. Schläfrig und in jeder Hinſicht ungeneigt, die weiche Bequemlichkeit zu verlaſſen, um dagegen die ſeuchte Morgenluft und den Vogelgeſang zu genießen, bat er mit aller möglichen Zärtlichkeit, die eine ſolche Ungeneigtheit einflößen konnte: „Theure Ulgenie!“ Doch Ulgenie war keineswegs geſonnen, ſich ſelbſt von dieſen Lockungen eines zärtlichen Gefühles bewegen zu laſſen. „Fabian!“ ſagte ſie und gab ihm einen freund⸗ ſchaftlichen Rippenſtoß,„Du ſchläfſt ja wieder ein! Geſchwind hinaus! Ich habe die Jagdſtiefel in Ordnung bringen laſſen, und auf dem Stuhle liegt der Jagdan⸗ zug— ich weiß, daß ich ihn ſo habe machen laſſen, daß Du Dich nicht erkälteſt.“ „Liebe, ſüße Ulgenie!“ 3 Die liebenswürdige Gattin lauſchte lächelnd, und wären nicht die drei Schmeichelworte in der Mitte eines unglücklichen Gähnens zum Vorſchein gekommen, ſo kann Niemand wiſſen, ob dieſes Kapitel eine Fort⸗ ſetzung erhalten hätte. Aber Gähnen iſt noch nie auf⸗ genommen geweſen in das Wörterbuch der Liebe, und darum mußte der Ehemann ſich nach einigen Präludien erheben, um den männlichen Thaten nachzugehen, die g ſeine Gattin ihm vorgeſchrieben hatte. „Vergiß nicht, Gottlieb zu wecken!“ ermahnte ſie. „Er muß es ebenfalls lernen, in männlichen Beſchäfti⸗ gungen geſchickt zu werden.“ „Ja, meine Theure, ja!“ antwortete der Patron, indem er ſchwitzend die ſchweren Kleider anlegte, welche ne Patronin nach eigenem Modell hatte verfertigen laſſen.* Aber als er draußen war, nahm er ſich ſehr in Acht, ſeinem jungen Verwandten das Signal zu geben, welches ſie Herr Fabi ſeine„trift Uebungen So w Frau war welcher in Stunde er zwang, ſeit Wir ehelichen? der Schul wiſſen Or dort angel immer ber ſehen wir darauf ab mit einer der mit ei haben wü Fußpfade „Elender Dem ſcheinbar zwei Haſ reicher F ang zu nſ Oir etwas G ſon in d legte ſich der Jagd und ſetzte ſeine Ulg A⁴ liner Ehe⸗ es wäre eigt, die gegen die genießen, ine ſolche ſich ſelbſt s bewegen n freund⸗ ſieder ein! i Ordnung Jagdan⸗ hen laſſen, helnd, und der Mitte gekommen, eine Fort⸗ h nie auf⸗ iebe, und Präludien gehen, die„ nahnte ſie. Beſchäfti⸗ r Patron, gte, welche verfertigen h ſehr in zu geben, 55 welches ſie an dem geſtrigen Abend verabredet hatten. Herr Fabian hatte— wie wir bald ſehen werden— eine„triftigen“ Gründe, ſich bei ſeinen Nimrod'ſchen Uebungen keine Zeugen zu ſchaffen. So wie der Patron eine Art von Schaffner ſeiner Frau war, hatte er ſelbſt wiederum einen Schaffner, welcher immer einen Wink von dem Tage und der Stunde erhielt, da das Schickſal den Patron Fabian zwang, ſeine Füße in die ſchweren Jagdſtiefel zu ſtecken... Wir ſehen nun dieſen Martyr des Gutdünkens der ehelichen Monarchie ſich keuchend, mit der Büchſe auf der Schulter, über Wieſen und Felder zu einem ge⸗ wiſſen Orte im Walde begeben. Wir ſehen ihn ferner dort angekommen, umherſpähen mit einer Unruhe, die immer beredter wurde, je länger ſie dauerte. Endlich ſehen wir ihn vor Freude hoch aufſpringen, gleich darauf aber ſeine Würde wieder annehmen, indem er mit einer Miene, die dem Vogt eines Plantagenbeſitzers, der mit einem Sclaven redek, nicht übel angeſtanden haben würde, einem Mann winkte, der ſich auf dem Fußpfade näherte und zu dem er in hartem Tone ſagte: „Elender, Du läßt mich warten!“ Demüthig, doch mit einer Demuth, die mehr ſcheinbar als wirklich war, reichte ihm der„Schaffner“ wei Haſen und zwei Rebhühner— ein ungewöhnlich reicher Fang, der dem Ehemann den zärtlichſten Em⸗ pfang zu Hauſe verſichern mußte.. Der Patron Fabian warf ſeinem Helfershelfer etwas Geld zu, und ſobald die zuletzt auftretende Per⸗ ſon in dieſer kurzen Scene ſich hinweg begeben hatte, legte ſich unſer Jäger, ermüdet von den Beſchwerden der Jagd, mit ſeiner Beute neben ſich, auf die Erde und ſetzte bald darauf den Traum fort, aus welchem ſeine Ulgenie ihn geweckt hatte. 4*³* * 56 „Im Wald, auf der See hab' ich gelebt Manchen Tag! Ho, ho, ho, Ha, ha, ha, Es iſt ſo luſtig auf Erden!“ So ſang oder trällerte Calle, indem er vorwärts ging, und immer wiederholte er die letzte Zeile: „Es iſt ſo luſtig auf Erden!“ Plötzlich überfiel ihn eine grelle Luſt, in den Wald Pinein zu lauſen und den Geſang des Waldes zu ören. Calle konnte einen ſolchen Genuß haben, daß eine ganze Reihe von großen Thränen über ſeine braunen Wangen hinablief, wenn er auf das ſeufzende Säuſeln der Winde in den alten Rieſenkronen lauſchte. Da ſetzte er ſich ſo andächtig hin, wie er in der Kirche zu ſitzen pflegte, und lauſchte und nickte und lächelte, aber er theilte Niemanden mit, was er fühlte, und wie wäre es ihm auch möglich geweſen? Er dachte ja ſelbſt nie daran, warum es ſo oder ſo in ſeinem Innern war: er folgte nur ſeiner Luſt. Und das that er denn auch jetzt. Aber er war noch nicht weit gegangen, ſo erblickte er etwas, worüber er plötzlich den Geſang des Waldes vergaß. Er ſah nämlich, da er eben über die Einfriedi⸗ gung ſteigen wollte, den ſchlafenden Jäger im Gebüſch und neben ihm das einladende Wildpret. Augenblicklich ſiel es ihm ein, daß Magda den Patron nicht leiden konnte— Calle wußte nicht be⸗ ſtimmt, warum, er ſelbſt aber haßte den Patron aus Inſtinkt. Demnächſt entſprang eine zweite Erinnerung: Magda hatte ja geſagt:„Ach, wer doch nur einen Haſen oder einen Birkhahn bekommen könnte!— Aber das Alles ſoll auf den Herrenhof!“ Jetzt fing Calle an, zu lachen, doch ſehr leiſe Darauf ſti wieder zur Unſer von Mein geworden, men; als da und w er wiederl eine Mal ihn beläſt Grillen iſ „Laß noch ſein Ochſen, 1 Und bald wied eine Klaf den rückw der Patre ſich in ſe keinem W einfältig zeugt ſein Argumen friedigt hatte. Er; der auf j was Dei die Einf lagen. G hühner f ) Wä ä Schaffne lte, aber vie wäre eelbſt nie war: er erblickte Waldes einfriedi⸗ Gebüſch gda den nicht be⸗ tron aus inerung: ur einen — Aber ſr leiſe. — 57 Darauf ſtreckte er ſich weit vorwärts und zog ſich dann wieder zurück, als bedächte er ſich. Unſer Freund Calle hatte einige dunkle Begriffe von Mein und Dein, es war ihm in der Jugend ſchwer geworden, das ſiebente Gebot in den Kopf zu bekom⸗ men; als es aber erſt darin war, ſo ſaß es auch ſeſt da und war ihm ohne Zweiſel jetzt ſehr im Wege, denn er wiederholte, wie es ſchien, gegen ſeinen Willen, das eine Mal nach dem andern: „Das ſiebente Gebot: Du ſollſt nicht ſtehlen!“ Doch nicht genug damit, daß das ſiebente Gebot ihn beläſtigte— auch das zehnte kam hinzu, um ihm Grillen in den Kopf zu ſetzen. „Laß Dich nicht gelüſten Deines Nächſten Weibes, noch ſeines Knechts, noch ſeiner Magd, noch ſeines Ochſen, noch ſeines Eſels...“ Und während er ſo ſagte und bald an die Gebote, bald wieder an Magda dachte, ſchob er ſich bald um eine Klafter vorwärts und bald wieder um einen Fa⸗ den rückwärts; und ſo hätte er wohl ſtehen können, bis der Patron erwacht wäre, wenn nicht eine lichte Idee ſich in ſeinen Kopf gedrängt hätte. „O,“ ſagte er,„in dem Gebote iſt ja von gar teinem Wildpret die Rede!“ Und da ſogar der Aller⸗ einfältigſte es vermag, ſich zu beweiſen, wovon er über⸗ zeugt ſein will, um vor Allem an die Sicherheit ſeiner Argumente zu glauben, ſo wurde Calle bald ganz be⸗ ſenigt von dem Argumente, das er ſelbſt gefunden atte. Er vergaß alſo gänzlich den Schluß des Gebotes, der auf jeden Fall gar nicht dahin gehörte:„noch Alles, was Dein Nächſter hat,“ ſtreckte ſich ganz hurtig über die Einfriedigung und ergriff die Haſen, welchezzunächſt lagen. Ein langer Zweig half ihm dann auch die Reb⸗ hühner fangen. 1 Während er das Manöver ausführte, ſtand der Schaffner des Patrons, der ſich nicht weit entfernt hatte, 58 dicht hinter Calle. Doch anſtatt ihn zurückzuhalten, oder bei der Erklärung der Gebote behülflich zu ſein, freute er ſich im Gegentheil herzlich über das Ungluͤck des Patrons— eine Freude, die bei ihm gleichwohl einer andern nicht im Wege ſtand, nämlich den Dieb anzugeben— unmöglich würde doch der Patron dem armen Calle ein Leid thun; aber ihm(dem Schaffner) konnte dagegen der Eifer in dem Dienſte des Patrons noch einen kleinen Verdienſt einbringen. Calle hatte ſehr wohl bemerkt, daß er einen Zeu⸗ gen hatte; da aber dieſer Zeuge ihn durch ſein Nicken mit dem Kopfe und Blinzeln mit dem Auge aufzumun⸗ tern ſchien, ſo war es ihm einerlei, ob er geſehen wurde oder nicht. Und nun nach erlangtem Siege eilte er nach Hauſe zu Magda. Hier erwartete ihn das Allerärgſte. Magda, welche allein draußen vor dem Hauſe war, kam bei dem Anblicke des Wildprettes in ein wirkliches Entzücken. Dennoch war natürlicher Weiſe ihre erſte Frage darnach, auf welche Weiſe Calle dazu gekommen wäre. „Iſt es denn nicht genug, daß es hier iſt?“ fragte Calle, der da ſtand und den Hut in den Händen hin und her drehte. „Jeſus! Du biſt doch wohl nicht auf unrechtem Wege dazu gekommen?“ „Nein, ich ging den Weg gerade aus!“ „Lieber Calle, Du darfſt nun nicht liſtig ſein, ſondern mußt mir hübſch Beſcheid geben!“ „Nicht ſollſt Du mich beſchuldigen, daß ich liſtig bin!“ „Nein, das war nur ein verflogenes Wort— ich weiß, Du biſt ein guter Junge, und wenn Du mir gut biſt...“ welchem wortete li „ wenig gr Magda das zum „Hi wurde h Hauſe ſſe war, irkliches re erſte kommen fragte den hin rechtem 59 „Ja, ein wenig!“ „. ſo ſagſt Du, wer Dir Alles gegeben hat, oder ob Du verſprochen haſt, dafür zu arbeiten, oder...“ „Ich habe ſchon dafür gearbeitet!“ antwortete Calle lachend... Nun aber muß ich laufen, denn ſonſt komme ich zu ſpät nach Sunnangarden!“ und mit dieſen Worten begann Calle ſeine langen Beine in Bewegung zu ſetzen. 6 leGalle, Calle! noch ein Wort!— So warte doch, alle!“ „Ich halte mich zu lange auf!“... doch blieb er ſtehen. „Sage mir nur, ob Du das Wildpret ehrlich be⸗ kommen haſt!“ Calle, der ſich auf das zehnte Gebot ſtützte, in welchem keine Haſen und Rebhühner vorkamen, ant⸗ wortete liſtig genug: „Wenn Du an meiner Ehrlichkeit zweifelſt, ſo will ich Dir den Katechismus vorlegen— glaubſt Du an den?“ „Und iſt es denn gewiß, daß Du nichts gethan haſt, das darin verboten iſt?“ „Ja, das iſt ganz gewiß!“ „Da bin ich zufrieden. Und Dank Dir, mein guter Calle!“ „Guter?— ja, ſo denkt wohl Magda, kann ich glauben!“ „Das denke ich gewiß, und darum bin ich Dir gut.“ Calle fing an, zu lachen und ſtellte ſich wie ein Kranich bald auf das eine, bald auf das andere Bein — ſo pflegte er, wenn er recht froh war. „Ach ſo— Du biſt dem armen Calle ein klein wenig gut?“— Das wäre recht luſtig!“ „O, Calle iſt mein lieber Junge!“ Und während Magda plauderte, war ſie mit dem Garne beſchäftigt, das zum Bleichen auf dem Hofe ausgehängt war. „Höre!“ ſagte Calle, indem er ſich ihr bis auf 60 wenige Schritte näherte,„würde Magda eine einzige Thräne auf meinem Staube weinen, wenn unſer Herr⸗ gott mich hinwegnähme?“ Es lag ſo viele Demuth und dabei auch eine ſo große Angſt in dieſer Frage, daß Magda ganz bewegt erwiederte: „Gewiß mehr als eine einzige, mein Calle, denn ich glaube kaum, daß irgend Jemand Dir ſo gut iſt wie ich.“ „Danke ganz ergebenſt!“ ſiel Calle ein und machte eine wirkliche Vertiefung in den Boden durch die Kratz⸗ füße, welche Verbeugungen bedeuten ſollten.„Das ſoll Magda nicht umſonſt geſagt haben— ich bin Magda's Hauswart, und das will ich ſein bis an meinen Tod!“ Nach dieſen Worten drehte er ſich um und lief mit wirklichen Lunkentus⸗Schritten davon. „Der arme Junge hat ein ſo gutes Herz!“ mur⸗ melte Magda, indem ſie ohne eine halbe Ahnung von dem wirklichen Zuſtande in Calle's Herzen fortfuhr, ihr Garn zu entwirren. Darauf ging die junge Frau hinein, um das Früh⸗ ſtück zu bereiten; und bald umgeben von ihren drei älteſten Kindern, welche vor Freuden laut ſchreiend ſich um die Haſen und Rebhühner riſſen, begann ſie zu walten mit einer Herzensgüte, mit einer Ruhe und⸗ einem Verſtande, daß man daraus abnehmen konnte, wie ſehr ſie zu Hauſe war in der beſten Kunſt einer Hausmutter. 8. Der Jäger im Walde und bei der Heimkehr. Wir kehren jetzt zurück zu dem Patron Fabian, wel⸗ cher, nachdem er durch einen ſtärkenden Schlaf erquickt iſt, gan⸗ und ohr ſeiner 2 In genau b die Hand ſich gan aber— dennoch Nu reibt ſie und boh ohne al von eine nämlich glauben ſich her in die unaufh Er „C Unmög. wo ſind De die Luf Ur verſtär! froſt n⸗ O glück, gerne! war ta auf eit h eine ſo 3 bewegt le, denn o gut iſt und lief !“ mur⸗ tung von uhr, ihr as Früh⸗ hren drei eiend ſich n ſie zu uhe und konnte, nſt einer nkehr. an, wel⸗ erquickt 61 i*ſt, ganz fröhlich erwacht, ſich dehnt, ſich halb erhebt und ohne ſich umzuſehen die Hand mechaniſch nach ſeiner Beute ausſtreckt. In dem Glauben, daß er den Abſtand nicht ſo genau berechnet hat, macht es ihm keinen Kummer, daß die Hand nichts als Gras und Büſche findet. Er ſchiebt ſich ganz gemächlich mit dem ganzen Körper vorwärts, aber— wunderbarer Zufall— er findet ſeine Haſen dennoch nicht! Nun erhebt er ſich ganz in eine ſitzende Stellung, reibt ſich mit Entſchloſſenheit den Schlaf aus den Augen und bohrt dieſe ſo zu ſagen quer durch die Erde. Doch ohne allen Zweifel ſind ſeine ſonſt ganz guten Augen von einem geheimnißvollen Zauber berührt worden, denn ſie können weder Haſen noch Rebhühner entdecken, und dennoch müſſen dieſe da ſein. Noch immer entſchloſſen— der Patron Fabian iſt nämlich ein aufgeklärter Mann— nicht an Wunder zu glauben, ſtellte er ſich auf ſeine Füße, blickte rund um ſich her durch die Büſche in den tiefſten Wald hinein, in die Luft, in die Baumgipfel hinauf... vergebens, unaufhörlich vergebens! Er ſagt zu ſich ſelbſt: „Es iſt unbegreiflich... es iſt unglaublich!... Unmöglich können ſie weg ſein!— Aber zum T—l! wo ſind ſie denn?“ Der Wald ſchwieg eigenſinnig, und ebenſo die Erde, die Luft und das Dickicht. 4 Unſer Patron begann mitten in der tödtenden Hitze, verſtärkt durch ſeine dicken Kleider, den einen Fieber⸗ froſt nach dem andern zu fühlen. Ohne Beute nach Hauſe zu kommen, war ein Un⸗ glück, dem er ſich unter gewöhnlichen Umſtänden nicht gerne preisgab. Aber ſich heute demſelben preiszugeben, war tauſendmal ſchlimmer, weil er ſich noch obendrein auf eine Lection gefaßt machen mußte, weil er in trotzi⸗ 62 gem Ungehorſam es gewagt hatte, den Befehl zu über⸗ ſchreiten, den jungen Gottlieb zu wecken. In der Mitte dieſer unglücklichen Verlegenheit zeigte ſich zwiſchen den Zweigen das demüthige, halb greinende Geſicht ſeines Schaffners. „Meine Haſen, Du Kanaille!“ ſchrie der Patron in Wuth,„meine Rebhühner!“ 8„Denken der Herr Patron, daß ich ſie genommen abe?“ „Ein ſolcher Streich wäre ſo gut wie ein anderer! Was thuſt Du hier? Haſt Du nicht Deine Bezahlung?“ „Ich thue gar nichts ohne den Befehl des Herrn Patron und gehe augenblicklich, wenn ich läſtig bin. Uebrigens dachte ich, es könnte dem Herrn Patron an⸗ genehm ſein, zu erfahren, wohin ſeine Jagdbeute ge⸗ gangen iſt.“ „Nun zum T-l, ich will ja nichts anders!— Hat Jemand gewagt, ſie zu ſtehlen?“ „Das könnte vielleicht wahr ſein!“ „Wer?— ſchnell... antworte!“ Aber der Schaffner antwortete nur mit einem lang⸗ gedehnten:„Nun, nun!“ „Kannſt Du beweiſen, was Du ſagſt?“ „Ich kann darauf ſchwören, wenn das gefordert wird— ich habe mich nur aus der Urſache hier auf⸗ gehalten, damit der Herr Patron die Sache erfahren möchten, wenn Sie erwachten.“ „Du biſt ein guter Junge!... Nun, ſo ſage denn: welcher Teufel iſt im Walde geweſen und hat dieſen Raub begangen?“ „Wollen der Herr Patron das unbedingt wiſſen, ſo hoffe ich auch, daß Sie nicht dingen!“ antwortete der Schaffner, welcher meinte, daß dieſes Wortſpiel ganz an ſeinem Platze wäre. „Ja, ja, ich dinge nicht!“ Der Patron Fabian zog ſein Taſchenbuch und warf ſeinem Commiſſionär einen ganzen Reichsthalerzettel hin. Stimme Und unſern 2 verſchaff drießlich ſogar d ſollen, wie das oder das Der then, d Beſinnu ſchwand zu über⸗ r Patron enommen anderer! gahlung?“ es Herrn gefordert hier auf⸗ erfahren age denn: at dieſen t wiſſen, ntwortete Wortſpiel abian zog aär einen 63 „Calle— der Fant im Thale— kniff die ganze Wie?... dieſer Rekel, der Sohn des alten „Derſelbe!“ „Biſt Du ſicher, daß Du Dich nicht irrſt?“ „Ja, ſo ſicher, als ich lebe!“ „Gut“ ſagte der Patron, und dieſes Wort wieder⸗ holte er noch mehrmals, und jedes Mal mit einer Stimme, die immer zufriedener wurde. Und gewiß mußten die geheimen Gedanken, die unſern Patron beſchlichen, ihm ſehr vieles Vergnügen verſchaffen, da ſie machten, daß er nicht nur die Ver⸗ drießlichkeiten, die ſeiner zu Hauſe warteten, ſondern ſogar die Frage vergaß, welche die erſte hätte ſein ſollen, nämlich: warum denn der Schaffner, da er ſah, wie das Wild geſtohlen wurde, nicht den Dieb anhielt oder das Geſtohlene zurücknahm. Der Schaffner hielt es inzwiſchen nicht für gera⸗ then, die Zeit abzuwarten, da ſein Herr zu beſſerer Beſinnung erwachen würde. Er verbeugte ſich und ver⸗ ſchwand, ohne daß der Patron es bemerkte. ** * Man kann überzeugt ſein, daß die Patronin nicht die Ulgenie⸗Miene hatte, als ihr geliebter Gemahl nach Hauſe kam. Von ihrem Platze im Staatszimmer gewahrte ſie den Zurückkehrenden, und nicht im Stande, zu warten, bis er hereinkam, riß ſie das Fenſter auf und rief in den Hof hinab: „Wo in Gottes Namen hatteſt Du die Gedanken, da Du wegliefſt, ohne Gottlieb etwas zu ſagen? Ich muß geſtehen, Du bezeigſt Dich ſehr freundſchaftlich gegen meinen Verwandten, und ich muß geſtehen, es iſt merkwürdig, daß Du noch obendrein ohne ihn nach 64 Hauſe kommſt, da ich ihn doch ausgeſchickt habe, Dich aufzuſuchen!... Aber was nun? Soll ich meinen Augen trauen? Wo iſt das Wild, das ich zum Mittag haben ſollte?“ „Liebe Ulrique⸗Eugenie, kannſt Du denn nicht war⸗ ten, bis ich hineinkomme und die Kleider wechsle?— Ich bin ſo von Oſten nach Weſten umhergeſtreift, daß ich kaum im Stande bin, Athem zu holen.“ „Wo haſt Du das Wild?“ „Puh... puh... ich halte es nicht länger aus!“ Und damit eilte der Patron Fabian an dem Fenſter vorbei und hinauf in ſein Zimmer. Aber dieſe Friſt war von kurzer Dauer. Frau Ulrique⸗Eugenie kannte den Weg ſehr gut, und ihr Aerger ſtieg zu einer unerhörten Höhe, als ſie endlich vernahm, das Wildpret, das ſie ſelbſt zum Mittage hatte eſſen wollen— die gefühlvolle Ulgenie war ein wenig lecker— wäre geſtohlen worden, wäh⸗ rend ihr Gemahl, den Anſtrengungen und Mühen des Pges unterliegend, ſich einen Augenblick dem Schlafe ingab. „O, wenn ich nur wüßte, wer das gethan hat!... Ja, wenn ich das wüßte!... ich ließe die Canaille in den Stock ſetzen!... Und Du Meiſe:.. ja, Du biſt ein Mann, Dul— Willſt Du nicht die Kleider Deiner Frau leihen?... Auf der Jagd zu ſchlafen, über Mü⸗ digkeit wegen eines Kinderſpiels zu klagen!... Fi, ſolche Männer!... Aher kannſt Du denn gar nicht herausbekommen, wer es genommen hat?“ „Nein, meine Liebe, ich verſichere, daß ich es nicht begreife— ich kann ja nicht ahnen, was während mei⸗ nes Schlafs vorgeht.“ „Und darum ahnſt Du auch in Deinem ganzen Leben nichts!.. Doch ſieh, da kommt der kleine Gott⸗ lieb mit einem Birkhahn in der Hand!— Ja, ja, er läßt ſich nicht ſtehlen, was ihm gehört— der vortreff⸗ liche Junge!“ Und die Trepp einer gan „Lie im Stand „Nut Hernach und mein Stück au „Kei zes Myyſt kein Schu inſel ein at!“ 5„Du Schweſter werden!“ 0 nicht Gr es den S zubeten. Von in der C häusliche Und Talente Wa Obhr digſte A⸗ der Patt „charma geſpannt Die F 65 habe, Dich Und Frau Ulrique⸗Eugenie ſetzte ſich in Bewegung ſch meinen die Treppe hinab, um mit der mütterlichſten Freund⸗ um Mittag lichkeit ihren Neffen zu empfangen. 4„Nun, Dank, mein guter Junge! Dein Onkel hat (nicht war⸗ heute ſchlechtes Glück gehabt.. Aber komm Du mit echsle?— mir in die Milchkammer, ſo ſollſt Du die Sahne von reift, daß einer ganzen Bütte dicker Milch bekommen!“ „Liebe Tante, die Milch mit!— Ich fühle mich im Stande, Alles zu expediren, die Bütte obendrein!“ liger aus!“„Nun, ſo expedire denn Alles, mein ſüßer Junge! m Fenſter Hernach ſollſt Du mit mir auf meine Bleiche kommen und meine Leinwand anſehen— wir wollen uns ein Stück ausſuchen... merkſt Du etwas?“ ſehr gut,„Kein ſterbendes Wörtchen— das iſt ja ein gan⸗ he, als ſie zes Myſterium! Deſto beſſer aber begreife ich, daß ſelbſſt zum kein Schweſterſohn auf der ganzen ſkandinaviſchen Halb⸗ lle Ulgenie inſel eine Tante mit liebenswürdigeren Eigenſchaften den, wäh⸗ hat!“ Mühen des„Du Schmeichler! Es iſt gut, daß Du mein m Schlafe Schweſterſohn biſt, ſonſt könnte Fabian eiferſüchtig werden!“ an hat!...„Ich will dennoch nicht darauf ſchwören, ob er Lanaille in nicht Grund dazu bekommt, denn ich weiß nicht, daß Du biſt ein es den Schweſterſöhnen verboten iſt, ihre Tanten an⸗ der Deiner zubeten. über Mü⸗ Von dieſem Morgengeſchwätz an ſtieg Gottlieb ſo P. Fi, in der Gunſt, daß er ſich auf ein ſehr angenehmes. gar nicht häusliches Leben Hoffnung machen konnte. Und bald wurde es noch beſſer, als die Tante ſeine ch es nicht Talente zuſammenzurechnen begann. hrend mei⸗ Was konnte er nicht Alles, der ſüße Junge! Ohne zu erwähnen, daß er auf die allermerkwür⸗ im ganzen digſte Art den kleinen Jean⸗Ulrik, den einzigen Erben eine Gott⸗ der Patronage, zu unterhalten verſtand, konnte er die Ja, ja, er„charmanteſten“ Eichenblätter auf der in den Bogen r vortreff⸗ geſpannten ſeidenen Decke der Tante Ulrique zeichnen. 5 Die Familie im Thale. 66 Ferner las er ihr laut aus ihren Lieblingsbüchern vor und wiederholte mit himmliſcher Geduld alle rühren⸗ den Stellen, bei denen ſie ſchmachtend ſeufzte: Da Capo! Ferner ſang er— der unvergleichliche Schweſterſohn— nicht nur„Mein Mädchen und ich“ zur Guitarre, ſon⸗ dern auch das Lieblingslied der Tante Ulrika:„In des Waldes düſtern Gründen, in den Höhlen tief verſteckt.“ Und endlich gab es keine Frauensperſon im ganzen Hauſe, die ſich mit Gottlieb in der Kunſt, Bohnen zu ſchneiden, meſſen konnte. Kurz: er war ein Schweſterſohn, desgleichen kaum zu finden war. Und wer weiß, ob es mit dem geheimnißvollen Lein⸗ wandſtücke, das auf der Bleiche beſehen werden ſollte, aufgehört hätte, wenn nicht... Armer Gottlieb, der Du nun in Deiner erworbe⸗ nen Guͤnſtlingseigenſchaft ſicher gehſt, um in der Milch⸗ kammer die lockende dicke Milch zu expediren, ahnſt Du nicht, daß dieſes Heiligthum Deiner zärtlichen Tante Dir eines Tages verſchloſſen werden wird? O Schickſal, immer greifſt Du ein! Es iſt wahr, wie der bibliſche König klagt:„Alles iſt vergänglich unter der Sonne!...“ Glaubt aber wohl Jemand, daß der Patron Fabian — als er nun, verlaſſen von ſeiner Gattin und ihrer Pflege, auf den Sopha ſank, um von Neuem zu ſchla⸗ fen— etwas fühlte, das einer übeln Laune glich, weil ſeine Frau ihn ſo lieblos ſich ſelbſt überließ? Nein, er zog in dieſem Augenblicke Hunger und Durſt tauſend⸗ mal der Anweſenheit ſeiner Ulgenie vor. Nicht daß dieſes eine Folge der Scheltworte war — nein, nein; es hatte einen ganz andern Grund. Und ganz gewiß iſt auch, wenn Frau Ulrique⸗Eugenie geahnt hätte, daß nicht Gewiſſensbifſe und Furcht ihren Mann in Beſchlag genommen hätten, ſo wäre etwas ganz Anderes darnach gekommen, als der leichte Mor⸗ genthau, der ſchon gefallen war. Nach Frau Ul Verluſte inſinuire „Ha ulgenie? über die „Nu mit, ſo ihnen ha Vergnüg daß ich Fabian, länger d „O Du here So Stock ſtopfte im ganzen Bohnen zu ichen kaum vollen Lein⸗ erden ſollte, er erworbe⸗ der Milch⸗ n, ahnſt Du ichen Tante Es iſt wahr, vergänglich tron Fabian n und ihrer m zu ſchla⸗ glich, weil 32 Nein, er rſt tauſend⸗ tworte war ern Grund. Jue⸗Eugenie Furcht ihren wäre etwas eichte Mor⸗ 67 Frau Ulrique⸗Eugenie einigermaßen mit dem großen Verluſte wieder ausgeſöhnt hatte, äußerte unſer Patron inſinuirend: 4 „Haſt Du etwas im Pfarrhofe zu beſtellen, ſüße ulgenie?— Ich reite hinüber und rede mit dem Probſt über die Kirchſpielsberathung am nächſten Sonntage.“ „Nun, das war ſchön!... Nimm denn Gottlieb mit, ſo kann er ſich die Mamſellen beſehen— jede von ihnen hat wenigſtens zwei Tonnen Gold!“ Bei dieſem Vorſchlage verfinſterte ſich das Geſicht des Patrons. Aber die Finſterniß verzog ſich, und das erſte Lächeln, welches Gottlieb von ſeinem Onkel erhalten, traf ihn, da er einfiel: „Nein, beſte Tante! heute nicht: ich muß an meine Mutter ſchreiben.“ Er hatte keine Luſt, ſeine erſte Unterrichtsſtunde im Thale zu verſäumen! „Achtungswürdiger Junge! Du verſäumſt über dem Vergnügen Deine Pflichten nicht— behüte mich Gott, daß ich Dich in Verſuchung führen ſollte!... Und Du, Fabian, komm und küſſe mich: Deine Ulgenie hat nicht länger das Herz, es Dir zu verſagen, gluͤcklich zu ſein!“ 9. Der Kauf. „O, wie herzlich froh bin ich, lieber Vater, daß Du herauskommen und im Gruünen ſitzen kannſt!“ So ſagte Magda, indem ſie dem Alten freundlich Stock und Hut reichte, während Nanny die Pfeife ſtopfte und anzündete. 5* Nach dem Mittageſſen, da Gottlieb's Birkhahn die 4 Es war ein ſchöner Anblick, dieſe beiden jungen Frauenzimmer um den Alten beſchäftigt zu ſehen. Ragnar hatte Recht: auch ohne ſeine Bitte wetteiferten ſie auf jede nur denkbare Weiſe, den von Allen ver⸗ ehrten Hausvater zu pflegen und zu ermuntern. „So, meine Töchter... Dank!... Ich bin ſo froh, als wäre ich von Neuem ein Kind geworden, daß mich heute die Gicht in Ruhe gelaſſen hat... Gib mir Dei⸗ nen Arm, Nanny!“ „Wohin gehſt Du nun mit dem Vater?“ fragte Magda, indem ſie bis vor die Thür mitging. „Ich denke, wenn wir ein wenig umhergegangen ſind, ſo ſetzen wir uns an der Quelle hin— dort pflegt der Vater gern zu ſein.“ „Und vielleicht nimmſt Du auch ein ſchönes Ge⸗ ſchichtenbuch mit, aus dem Du ihm vorlieſeſt?“ Nanny erröthete— ihr Vorhaben war, ihm ein anderes, weit größeres Vergnügen zu bereiten. Sie hatte dieſe Art und Weiſe gewählt, ihren Vater mit dem jungen Fremdlinge bekannt zu machen, ehe dieſer zu ihnen käme. Magda würde ſich ſonſt allzu ſehr darüber gewundert haben, daß Nanny mit einem neuen Ankömmling ſchon ſo vertraut war. Und gewiß hätte Magda Grund zur Verwunderung gehabt, weil ſie von dieſer Bekanntſchaft noch gar nichts wußte. Wohl hundertmal hatte während des nun verfloſſe⸗ nen Tages Nanny ſagen wollen:„Es iſt ja wahr, ich habe zwei Abende hinter einander einen guten jungen Herrn unten im Thale getroffen!“ Aber dieſe Mitthei⸗ lung kam nicht weiter, als auf die Lippen; über dieſelben kam ſie nicht. Nun aber während des Spazierganges, ſo meinte ſie, da ſie allein mit dem Vater war, ginge das beſſer, und noch dazu, da ſie den Vater bei ſich hätte, könnte Goöttlieb ſehen, daß ihr nicht angelegen wäre, ihn allein zu treffen. Nun könnten ſie alle drei ſo vertraulich bei einander Schule l Sie worin ſie einem ſch wollte— wollen, viel aß. es gewiß Zweifel allen ſch wochs⸗ u machen Kaffee u Magda; von ſelbt ter wolle Hauſe ve Ach junge M Traume ſitzend d Schulzi oder rich ſollte; der Erh nicht D Erholun Wi erröthe wollen wunder Hoffnun Wir er Lönner 69 en jungen einander ſitzen und über die Zeit reden, da Nanny ihre zu ſehen. Schule halten ſollte.. etteiferten feur hatte ſchon eine rieſengroße Phantaſie ge⸗ affen: In dem Thale ſollte ein Häuschen gebaut werden, worin ſie ganz allein mit einer Kuh, einer Katze und daß mich einem ſchönen Stieglitz in einem grünen Käfig leben mir Dei⸗ wollte— einen Hund hatte ſie zwar ebenfalls haben wollen, aber ſie ſchloß ihn aus, weil ein ſolcher allzu r?“ fragte viel aß... überdieß brauchte ſte ihn nicht: Calle würde g. es gewiß übernehmen, ſie zu bewachen. Und ohne allen hergegangen Zweifel würde der gute Calle auch kommen und ihr bei dort pflegt allen ſchweren Geſchäften helfen, ſo wie an den Mitt⸗ wochs⸗ und Sonnabendsnachmittagen das Häuschen rein ſchönes Ge⸗ machen und mit Laub beſtreuen, während ſie(Nanny) ſt?“ Kaffee und Gebackenes zubereitete, um den Vater und , ihm ein Magda zu ſich zu bitten... Das alles galt, wie ſich en. von ſelbſt verſteht, nur für den Sommer— im Win⸗ hlt, ihren ter wollte Nanny dieſe Nachmittage in dem großen zu machen, Hauſe verleben. de ſich ſonſt Ach, wie viel ungemiſchtes Glück lag nicht für das Nanny mit junge Mädchen in dieſem einfachen und unſchuldigen war. Traume, der noch vollſtändiger wurde, wenn ſie ſich rwunderung ſitzend dachte in ihrer kleinen Kammer neben dem ft noch gar Schulzimmer— dieſe Kammer, die ihre Erinnerungen, oder richtiger, ihre einzige Erinnerung, in ſich ſchließen un verfloſſe⸗ ſollte; denn hatte nicht ihr Freund geſagt, ſie bedürfte 1 wahr, ich der Erholung von den Mühen des Tages, und war er uten jungen nicht Derjenige, welcher ihr die Hülfsmittel zu dieſer eſe Mitthei⸗ Erholung liefern ſollte! ppen; über Wir wollen nicht zuhören, wie Nanny dem Vater erröthend ihre Bekanntſchaft mit Gottlieb erzählt; auch „ſo meinte wollen wir kein Wort ſagen über die Unruhe und Ver⸗ e das beſſer, wunderung des Greiſes, vermiſcht mit einer geheimen ätte, könnte Hoffnung, welche er ſich jedoch hütete, auszuſprechen. e,, ihn allein Wir erzählen nur, daß die Zuſammenkunft des alten rtraulich bei Lönner mit dem jungen Canzliſten zur beiderſeitigen 70 Zufriedenheit ausſiel, was auch ganz natürlich war bei zwei ſo einfachen und guten Menſchen, die beide gleich geneigt waren, die Bekanntſchaft fortzuſetzen. ** Auf dem Sandhügel vor der Wohnung der kleinen Uferfamilie lagen die älteſten Kinder und ſpielten im Sonnenſcheine, während die kleine Kerſtin, die einzige Dienerin des Hauſes, daneben ſaß und an einem Sacke nähte, obgleich dabei, wie ſich von ſelbſt verſteht, ihre Aufmerkſamkeit gewiſſenhaft getheilt war zwiſchen dem „Kleinen“, der in einem Backtroge, mit friſchem, grü⸗ nen Schilf umgeben, reſidirte, und den andern Kindern, welche eifrig beſchäftigt waren, Rinnen zu graben, in denen die Rindenboote ſtattlich ſegelten, nachdem zuvor die Kanäle gehörig gefüllt worden waren mit dem Waſſer, das ſie theils in den Hüten, theils in dem ge⸗ borſtenen Topfe, den ſie geliehen hatten, mühevoll heraufſchleppten. Unterdeſſen ſaß die junge Frau, wie gewöhnlich, allein im Saale und ſchlug mit dem Webſtuhl, daß es in den Fenſterſcheiben klang. Bei der Arbeit ſang ſie ein Lied, das Ragnar in jener Zeit gedichtet hatte, da er in Liebesangelegen⸗ heiten vor dem Hofe des Länsmannes ging und Schön⸗ Magda im Dachfenſter erblickte, von wo aus ſie ihm wohl zuweilen einen kleinen Wink über ein erſehntes Unter⸗Vier⸗Augen ertheilte. Da Magda ihren Ragnar noch immer über alles Andere auf Erden liebte, ſo war ſein Lied noch immer nicht altmodiſch geworden— uud am luſtigſten war es zu ſingen, wenn ſie allein war und bei einer mecha⸗ niſchen Arbeit frei an ihn denken und ihre Träume über die Zeit ſchaffen konnte, da Ragnar Kapitän hieße und eine hübſche Galeaſſe oder einen Schooner führte, wo er ſeine Frau empfangen konnte, denn ſte beabſichti zu reiſen Thee zu Bei lich auch herrſchen. wendet n der ſo fre dieſe Art Als für die „O Verdach ſtreng u ſem ab. nächſten 7 ielten im chem, gruͤ⸗ n Kindern, hraben, in bdem zuvor mit dem in dem ge⸗ mühevoll ewöhnlich, ihl, daß es Ragnar in zangelegen⸗ und Schön⸗ ius ſie ihm n erſehntes über alles noch immer ſten war es iner mecha⸗ re Träume uar Kapitän n Schooner e, denn ſtie 71 beabſichtigte wenigſtens einmal mit ihm nach Göteborg zu reiſen, um in der Kajüte des Kapitäns Ragnar Thee zu trinken. Bei dieſer merkwürdigen Gelegenheit mußte natür⸗ lich auch eine große Geſchäͤftigkeit unter der Mannſchaft herrſchen. „Wetter!“ ſagt der Eine zu dem Andern,„welch ein hübſches Weib der Kapitän zur Frau hat!“ „Ja, Du, der Kapitän iſt ein Kerl, der Geſchmack hat: der Kapitän— verſteht ſich, immer Kapitän— der Kapitän iſt auch tüchtig verliebt in ſie; er ver⸗ wendet nie die Augen von ihr.. und ſie ſieht ihn wie⸗ der ſo freundlich an... es iſt ſchön, wenn man auf dieſe Art verheirathet iſt!“ Als Magda nun ſo ihre Leinwand und ihre Träume für die Zukunft webte, und dabei noch obendrein Ragnar's Lied ſang, raſſelte es an der Thürklinke— und gleich darauf ging die Thür langſam auf. „Jeſus!“ rief Magda aus,„was will der Herr Patron hier?“ „O, alteriren Sie ſich nicht ſo, Frau Loͤnner! Ich hoffe, die ganze Sache wird ſich ordnen laſſen... darum komm ich ſelbſt. Ich bin nicht der Mann, wel⸗ cher ſeinem Nächſten ſchaden will.“ „Was für eine Sache? was für ein Schaden?“ rief Magda aus, indem ſie in der Beſtürzung die Schütze fallen ließ, die an der innern Seite des Web⸗ ſtuhles niederglitt. Inzwiſchen war der Patron immer näher und näher gekommen, doch mit einer Vorſichtigkeit, die leb⸗ haft an die Katze und die Maus erinnerte. „O behüte, Frau Lönner, ich hege gewiß keinen Verdacht, daß Sie etwas wiſſen— nein, nein, wer ſo ſtreng und tugendhaft iſt, der gibt ſich mit nichts Bö⸗ ſem ab.. aber ich glaube dennoch, daß man fuͤr ſeine nächſten Angehörigen ein Herz hat.“ „Herr Patron! haben Sie eine Unglückspoſt zu —— verkündigen, ſo ſingen Sie in Gottes Namen aus!... Vielleicht iſt Jon Jonsſon gekommen, und die Sachen, welche Ragnar...“ Heftig erröthend brach hier Magda plötzlich ab. Doch der Patron bedurfte der Fortſetzung nicht. Er ſtellte ſich zwar, als hätte er kein Wort verſtanden, da er jedoch mit eben dieſem Schiffer Sachen erwar⸗ tete, ſo wußte er, daß dieſer in Goͤteborg war, und es war keine Kunſt, zu errathen, daß der Steuermann Lönner, der wahrſcheinlich jetzt auch dort war, ver⸗ ſhruche hatte, eingeſchmuggelte Güter nach Hauſe zu icken. d Es war eine kurze Pauſe eingetreten. „Ich weiß nichts von Jon Jonsſon's Reiſe. Ich kann mir denken, daß Sie Grüße von Ihrem Manne erwarten!“ 3 „Ja, nicht nur Grüße, ſondern auch einige Waa⸗ ren,“ entgegnete Magda, welche nach kurzer Beſinnung einſah, daß es am beſten wäre, dieſes nicht zu verheim⸗ lichen.„Da Ragnar ſeine Monatsmiethe übrig hatte, ſo hat er wie gewöhnlich einige Sachen von unſerem Kaufmann in Göteborg eingehandelt— wir ſind arm und köanen keinen Kredit verlangen.“ „Es iſt auch das Beſte, wenn man keinen Kredit braucht... Doch wir haben nun nibt mit dem Steuer⸗ mann Lönner, noch auch mit Jon Jonsſon zu thun— es iſt hier Jemand in der Nähe, der ſich unglücklich gemacht hat.“ „Großer Gott, was kann das ſein? Ich will lau⸗ fen und den Vater holen!“ „Wenn der alte Herr Lönner ausgegangen iſt,“ entgegnete der Patron Fabian, der ſeine Freude unter einem düſtern Kopfſchütteln verbarg, ſo holen Sie ihn nicht; das wäre nichts Anderes, als dem achtungswür⸗ digen Mann eine große Betrübniß zu bereiten.“ „Aber ſo ſagen Sie doch!“ ſtotterte Magda. „Es betrifft den Calle!“ wenn es oder klei „De ſchlug 2 7 1 ſtahl, a die ſchöt war, un hatte!“ „Ri hat? S eigentlich einen Ze „Ack gehört, wünſchte es ſchoͤn 73 „Calle— den armen Schelm?“ Sachen,„O, ihm fehlt der Verſtand keinesweges, und der Vorwand ſeiner Dummheit wird ihn gewiß nicht ſchützen, ich ab. wenn es vor den Richter kommt— Diebſtahl, groß ug nicht. oder klein, iſt und bleibt vor dem Geſetze Diebſtahl.“ ſerſtanden,„Das Wildpret!.*.“ Mit ausdrucksvollem Schrecken n erwar⸗ ſchlug Magda die Hände zuſammen. „Richtig, das Wildpret, das er mir heute ſrüh ſtahl, als ich ſchlief!... Nun, ich wußte wohl, daß die ſchöne und ſtolze Magda'allzu rechtlich geſinnt war, um zu läugnen, daß er es nach Hauſe gebracht hatte!“ „Aber, wer konnte... konnte...“ Ich„Richtig, wer konnte verrathen, daß er es gethan im Manne hat? Sehen Sie, das eben iſt der Hauptpunkt oder 4 eigentlich der Unglückspunkt, denn er beweist, daß er lige Waa⸗ einen Zeugen gehabt hat.“ Beſinnung„Ach, wie ſchrecklich! Er hatte vor einigen Tagen u verheim⸗ gehört, daß ich mir ein wenig Wild für den Vater brig hatte, wünſchte, da wir ohne Fleiſch ſind... Ja, nun ſieht n unſerem es ſchön aus!“ r ſind arm„Beruhigen Sie ſich, liebe Frau Lönner!“ Und 3 der Patron ſtreckte ſeine Hand aus, um die Troſtworte nen Kredit mit einem liebkoſenden Schlage auf Magda's eine em Steuer⸗ Schulter zu begleiten. zu thun— In ihrer Beſtürzung gab die junge Fran nicht unglücklich Acht darauf, und der Patron hatte das Glück, einen ſo ſchön gebildeten Hals, daß er den Werih von hun⸗ hwill lau⸗ dert Haſen und eben ſo vielen Rebhühnern hätte geben 1 wollen, wenn dieſes Glück nur um eine einzige Viertel⸗ angen iſt,“ ſtunde hätte verlängert werden können, einige Augen⸗ reude unter blicke ungeſtört betrachten zu können. en Sie ihn Nun aber erhob ſich Magda aus ihrer gedanken⸗ htungswür⸗ vollen Stellung, und indem ſie auſblickte, gewahrte ſie ten.“ in den Augen des Gaſtes einen Ausdruck, der ihr nicht gda. im Mindeſten gefiel. Sich verſchämt mit dem Hals⸗ 74 tuche bedeckend, das abgeſallen war, als ſie die Schütze aufnahm, fragte ſie plötzlich: „Was iſt die eigentliche Meinung mit dem Beſuche? — Ich meinte, der Herr Patron ſagten, Sie wollten uns nichts Böſes zufügen? Das Wildpret iſt noch nicht angerührt, und wir geben es augenblicklich zurück.“ „Davon iſt jetzt nicht mehr die Rede.“ „Wovon iſt denn die Rede?“ „Von dem Diebſtahle ſelbſt— die Sache kommt vor Gericht... ich ſagte ja, daß es einen Zeugen gibt!“ „Aber das kann wohl nicht geſchehen, Herr Patron, wenn Sie nicht wollen?“ „Habe ich denn das Recht, mich dem Geſetze zu entziehen, das für Alle da iſt?. Aber es iſt den⸗ noch möglich, daß ich Alles vertuſchen könnte, wenn ich, wie Sie ganz richtig bemerkten, es wollte— und wenn ich mir den armen Jungen im Arreſte denke, wenn ich mir ihn, vom Volke begafft, als einen Büßer in der Kirche auf dem Diebsſchemel denke, wenn ich...“ „Um Jeſu willen, es iſt mehr denn genug!... Ach, Herr Patron, ich bin nur die Frau eines armen, ehr⸗ lichen Mannes; doch, wenn Bitten nur das Allerge⸗ ringſte vermögen...“ Und Magda, die ſtolze Magda, die den Patron bisher ſtets ganz kurz abgefertigt hatte, faltete ihre Hände und ſah ihn mit dem rührendſten Blicke an. „dO, verzweifeln Sie nicht, liebenswürdige Magda! Solche Blicke und Bitten haben eine wunderbare Macht über mich— und auch dieſe Stellung iſt in der That göttlich!“. Niedergeſchlagen ließ Magda ihre Arme fallen, und zu gleicher Zeit ſanken auch die Augenlider über den bittenden Blick hinab.. „ Ich ſehe wohl, Herr Patron, daß Sie nichts thun wollen!“ „Im Gegentheil: ich will Alles thun, was in meinen Kräften ſteht, wenn nur Magda mich künftig 5 3 1 nicht mer als bishe „We als Freu über die ten Male einem ſo „Nei nur, da i len zufäll guten Bl es ſo ein nicht beko künftig F „Da der Kält einen Br nicht, wa „Vo ſtuhl trat nur meir wiſſen: ſuchung „Ne küſſeſt, ſ eine Sti Kopf he während maſſen v „Ach wagſt ma „Ich verlaſſen ſe Schütze Beſuche? e— und tmen, ehr⸗ 3 Allerge⸗ en Patron altete ihre icke an. ge Magda! ſare Macht der That fallen, und über den Sie nichts , was in ich künftig 75 nicht mehr mit ſo großer Unfreundlichkeit behandelt, als bisher.“ „Wenn der Herr Patron nichts Anderes fordert, als Freundlichkeit,“ erwiederte Magda, ihren Aerger über die vertrauliche Benennung, die ſie nun zum zwei⸗ ten Male erhalten, unterdrückend,„ſo ſoll dieſe nach einem ſo großen Dienſt gewiß nicht fehlen.“ „Nein, auf meine Chre, nicht mehr! Wenn ich nur, da ich Magda treffe, was unter Nachbarn biswei⸗ len zufällig geſchieht, ein ſüßes Mienchen und einen guten Blick zu ſehen bekomme, ſo verpflichte ich mich, es ſo einzurichten, daß dieſe unangenehme Geſchichte nicht bekannt wird... Und zur Bekräftigung, daß wir künftig Freunde ſind, verlange ich nur einen Kuß!“ „Das kann nicht geſchehen!“ erwiederte Magda mit der Kälte der Verzweiflung.„Ich liebe Calle wie einen Bruder, und ich wollte Alles für ihn geben, nur nicht, was nicht mein iſt.“ Was ſoll das heißen, meine ſchöne Eigenſinnige? Wem gehören dieſe Roſenlippen, wem anders, als Ihnen ſelbſt?“ „Von dem Augenblicke an, da ich in den Braut⸗ ſtuhl trat, habe ich es ſo angeſehen, als gehörten ſie nur meinem Manne— und der Herr Patron mögen wiſſen: nicht Sie find Derjenige, der mich in Ver⸗ ſuchung führt, meine Pflichten zu vergeſſen!“ „Nein, ſieh, ehe Du gemeiner Schelm Magda küſſeſt, ſpringe ich lieber gutwillig in’s Loch!“ erſcholl eine Stimme von der Thür her. Und erſt blickte Calle's Kopf herein und darauf folgte der ganze Körper nach, während das Geſicht ſich zu den gefährlichſten Gri⸗ maſſen verzog. „Ach ſo,“ rief der Patron wüthend aus,„Du wagſt meine Güte zu prüfen, Du Dummkopf!“ IIch wage wohl zu prüfen, worauf man ſich mehr verlaſſen kann!“ entgegnete Calle keck.„Wiſſen Sie 76 wohl, Herr, was ich vor Gericht zu antworten denke, wenn ſie mich vorfordern?“ „Was willſt Du da antworten, mein Calle?“ er⸗ munterte ihn Magda. „Ich ſage ſo— ich weiß recht gut, wie es zu⸗ geht:— Ich will ganz ergebenſt dem hochwürdigen Gerichte und dem gnädigen Richter ſagen, daß ich in der That dem Patron auf Almwik die Haſen und die Rebhühner wegnahm...“ „Ja, Du biſt wohl gezwungen, Karten zu be⸗ kennen!“ Calle fuhr fort, ohne auf die Unterbrechung des Patrons zu achten:„Nun, ſagt da der Richter, warum thalteſt Du denn das?.. Ja, antworte ich, darum, weil es im Katechismus nicht verboten iſt. Wäre es ein Ochſe oder ein Eſel geweſen, ſo hätte ich gewiß nicht zugegriffen. Aber, ſage ich weiter, und dabei blinke ich dem Richter ſo zu“— hiebei machte Calle eine neue Grimaſſe, die Magda beinahe zum Lachen verleitet hätte— es hat keine Gefahr, daß der Patron wegen ſo gehetzter Thiere in Schaden kommt; nur die Haſen, dieſe bangen Wichte, ſind es, die nicht anders als kriechend zu ihm zu kommen wagen, wenn er ſie durch ſein lautes Schnarchen zu ſich lockt; denn das hochwürdige Gericht ſoll wiſſen, daß der Herr Patron jagt, während er in aller Annehmlichkeit unter den Bäumen ſchläft.“ „Was, Lümmel?“ „Darauf kann ich als Zeugen eben den rufen, den Sie für mich zu rufen denken— und zuletzt, denke ich, wird der Richter den Mund wohl ein wenig verziehen, wenn ich ihm erzähle, wie der Patron ſein Recht über mich für einen Kuß von Magda verkaufen wollte.“ „Ha, ha, ha!“ ſiel der Patron mit einem erzwun⸗ genen Lachen ein, welches nur einigermaßen ſeinen Aerger und Schrecken verbarg,„Du biſt mir ein luſti⸗ ger Kauz, Du und Dein letzter Einfall macht mir in — dem Gra Kleinigke liſtiger E ter Dir ſchwatzen gehörte, Call⸗ Spitze d weiß, wa Nach wieder de Thür, d hatte. Unſe gen davon einen Uek zu finden. Aber ruhigt we welcher o indem ſie ihm. Un ſo will befreien. behalten regen, w en denke, le?“ er⸗ ſie es zu⸗ würdigen haß ich in und die r, warum , darum, Wäre es ich gewiß ſund dabei m Lachen ſer Patron ; nur die icht anders enn er ſie denn das err Patron unter den rufen, den denke ich, verziehen, Recht über vollte.“ m erzwun⸗ ßen ſeinen r ein luſti⸗ ucht mir in chte Calle — 77 dem Grade Spaß, daß ich nicht das Herz habe, die Kleinigkeit anhängig zu machen... Doch höre, Du liſtiger Satan! Du darſſt nicht glauben, daß der Rich⸗ ter Dir Zeit gelaſſen hätte, ſolche Dummheiten zu ſchwatzen; bei dem erſten Worte, das nicht zur Sache gehörte, wärſt Du hinausgeſührt worden.“ Calle antwortete nur damit, daß er die äußerſte Spitze des Daumens an die Naſe ſetzte— ein Jeder weiß, was ein ähnliches Zeichen bedeutet. Nachdem er aber dieſe Rache ausgeübt, eilte er wieder davon, aber nicht weiter, als daß er durch die Thür, die er offen ließ, eine Ueberſicht nach Innen atte. ) Unſer Patron aber, der ſich nicht ſo total geſchla⸗ gen davon machen wollte, hatte große Schwierigkeit, einen Uebergang zu einigen paſſenden Abſchiedsworten u finden. Aber die gute Magda, welche jetzt vollkommen be⸗ ruhigt war, half ihm bald zurecht durch den Inſtinkt, welcher oft den erworbenen Takt über und über erſetzt, indem ſie ſagte, ohne daß eine Miene ihren erkämpften Sieg verrieth: „Ich danke dem Herrn Patron auf das Höchſte, daß Sie die Güte haben, dem Calle wegen ſeiner Ge⸗ ſchwätzigkeit die große Untugend zu verzeihen. Aber, dirn Du mein Gott, der arme Junge iſt ja ſo ein⸗ ältig!“ „Eben ſeiner Einfalt wegen habe ich Nachſicht mit ihm. Und da ich mir nun nichts aus der Sache mache, ſo will ich Sie von einem ſo unangenehmen Beſuche befreien. Was das Wildpret betrifft, ſo mag Calle es behalten, es würde doch auf jeden Fall Verdacht er⸗ regen, wenn es auf den Hof geſchickt würde.“ „Und Sie werden uns nicht böſe, Herr Patron?“ „Ich? behüte mich Gott! Wenn ich vergebe, ſo vergeſſe ich auch.“ Magda ſtieg aus dem Webeſtuhl, knixte und be⸗ 4 78 gleitete den Patron weit hinaus auf die Anhöhe. Dort blieb ſie ſtehen, während er auf die Seite wich, um ſein Pferd zu holen, das er an einen Baum gebunden hatte. . Als er darauf an ihr vorbeiritt, grüßte er von Neuem. Aber bei dieſem Gruße erbebte Magda hefti⸗ ger, als wenn ſie auf eine Schlange getreten wäre. Der alte Lönner erfuhr hievon nichts, Magda wollte ihn nicht beunruhigen. 10. Zweierlei Gezänk. Vierzehn Tage vergingen. Gottlieb hatte den Weg zu dem roihen Häuschen im Thale längſt gefunden. Es ſiel keinem Menſchen ein, in ihm eine gefähr⸗ liche Perſon zu ſehen. Magda, die einen ſehr feinen Blick hatte, merkte es ſehr gut, daß er um Nanny’s willen kam; aber dabei merkte ſie auch, daß er nicht Derjenige war, welcher das arme Mädchen betrügen konnte. Weiter ging Magda nicht, denn ſie fürchtete keineswegs, daß Nanny's Herz ſich an den hängen würde, der ſolches nicht verlangte— eine ſolche Liebe gehörte nicht zu Magda's Principien, und ſie glaubte, daß Nanny fühlte wie ſie. Und ſo ſah es denn auch wirklich aus. Unmöglich konnten zwei junge Leute ungezwungener mit einander umgehen, als Nanny und Gottlieb. 3 1 Zwar iſt es wahr, Nanny wurde in dem kurzen Zeitraum von zwei Wochen ſo ſchön, daß man ſie kau wieder erkannte; es war die ſtete, friſche Jugendfreude, die auf war es einmal l daß wir denn ſon wäre— Nanny!“ wirrung, Jemand A n ihre Zu Nanny, greifen ſ Leichtigke allervortr und entz! koſtet ha Fähigkeit ihr durch Von Freund d die Zuku näm lich dem Stie Und bei der E Tabellen, 79 he. Dort die auf Nanny's Wangen ihre Knoſpen trieb. Zwar pich, um war es ferner wahr, daß der junge Mann mehr denn gebunden einmal lachend zu ihr ſagte:„Es iſt ein wahres Glück, daß wir gleich zu Anfange unſere Uebereinkunft trafen, te er von denn ſonſt weiß ich wahrhaftig nicht, wie es gegangen Bda hefti⸗ wäre— Du wirſt mit jedem Tag ſüßer, Manſell wäre. Nanny!“ Aber bei alle dem war weder Erröthen, Ver⸗ Magda wirrung, noch ein geheimer Aerger zu merken, wenn Jemand zu ihnen an die Quelle kam. An dieſem theuren Orte hatten ſie noch immer ihre Zuſammenkünfte. Hier unterrichtete Gottlieb Nanny, wie ſie die erſten Accorde auf der Guitarre greifen ſollte, und ſie lernte mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit. Bald ſang ſie auch ihre Lieder zu den allervortrefflichſten Guitarreklängen. Gottlieb war ſtolz und entzückt über ſein Werk, das ihm keine Mühe ge⸗ koſtet hatte, und nicht weniger ſtolz war er über die Fähigkeit ſeiner Schülerin, zu begreifen, was die Dichter ihr durch ihn verkündigten. Häͤuschen Von ihrer Seite belohnte Nanny den theuren Freund damit, daß ſie ihm ihre ſämmtlichen Pläne für ne gefähr⸗ die Zukunft anvertraute, beſonders den vornehmſten, ſehr feinen nämlich von dem Häuschen, der Kuh, der Katze und n Nanny's dem Stieglitz. aß er nicht Und Gottlieb half ihr dienſtfertig beim Bauen und betrügen bei der Einrichtung. Er ordnete auch die Schule, machte ee fürchtete Tabellen, richtete Vorſchriften ein, erfand Belohnungen en hängen und endigte mit dem Verſprechen, er wollte Nanny all⸗ olche Liebe jährlich einen Aufſatz voll guter Rathſchläge zuſchicken, ſie glaubte,— und wer konnte wiſſen, ob er nicht einmal ſelbſt käme. Unmöglich„Ach, davon bin ich überzeugt,“ ſagte Nanny an it einander einem Nachmittage,„denn wenn Gottlieb verheirathet iſt, ſo muß er wohl einmal herkommen, um den Ver⸗ dem kurzen wandten die reiche Frau zu zeigen.“ n ſie faum 2„Vielleicht bedarf es einer ſolchen Reiſe gar nicht gendfreude, einmal,“ meinte Gottlieb lächelnd,„wenn meine werthe 8 4 Tante ihren Willen haben darf, ſo ſucht ſie mir gewiß hier in der Gegend eine Frau aus.“ „O, wer könnte das wohl ſein?“. fragte Nanny neugierig. „Jetzt ſehe ich,“ entgegnete Gottlieb,„daß es glück⸗ licher Weiſe mit Mamſell Nanny keine Gefahr hat— ſie erröthet nicht einmal bei der Nachricht, daß man ihren Freund ſchon verheirathen will!“ „Warum ſollte ich denn darüber erröthen?“ fragte Nanny ganz offenherzig. Ich werde doch wohl begrelg ngen, Herr Gottlieb, daß es endlich dahin kommen muß?“ „Aber dennoch...“ „Wie ſo dennoch?“ „Ja, Du biſt gut, Du!“ „ͤ und überdieß bleibt es ja bei dem Ueberein⸗ kommen!“ „Das weiß ich recht gut— auch bemerkte ich nur, daß es Dir nicht ſchwer zu werden ſcheint, es zu halten!“. „Iſt Ihnen das unangenehm, Herr?“ fragte Nanny mit einem kleinen Aerger, der ihr vielleicht gerade darum ſo gut ſtand, weil er ihrer Natur fremd zu ſein ſchien. „Gewiß nicht, Mamſell Nanny!... Ich bin im Gegentheil entzückt, daß Du meinen Nath ſo treulich befolgſt... Und ſie ſind auch beide nicht ſo uneben, die Mamſellen im Pfarrhofe.. „ Iſt es eine von ihnen?“ fragte Nanny, und iebei wurde ſie nicht roth, ſondern bleich, wie ſie früͤher zu ſein pflegte. Ach, ſie ſind ſo ſchön!“ „Ja, wirkliche Engel... beſonders Mamſell... wie heißt ſie doch noch? „Mamſell Charlotte vielleicht?“ „Richtig, Mamſell Charloite mit den prächtig ſchwarzen Locken. „O nein, da s iſt ja Mamſell Sophie!“— „Ja, „Aber verwechſel „Du ſchwarzen verwechsle 8 ⁸ πρ nes oder ſchelmiſche ., 1 Beſten hal „Eb Vieles z1 2“ fragte begrelgn kommen Ueberein⸗ igte Nanny ſcht gerade fremd zu Ich bin im ſo treulich uneben, die anny, und h, wie ſie n 14 tamſell... prächtigen 8 81 „Ja, ja, Mamſell Sophie— ſie gefällt mir am beſten.“ „Aber wie kommt es, daß Gottlieb die Namen verwechſelt??. „Du hörſt ja doch, Mamſell Nanny, daß ich ihre ſchwarzen Locken nicht mit den braunen ihrer Schweſter verwechsle!“ „Aber, behüte, Mamſell Charlotte hat ja ganz lichtes Haar!“ „Nun, was thut das, ob Mamſell Charlotte brau⸗ nes oder weißes Haar hat? Ich denke nur an die ſchelmiſche Sophie.“ „Ich bin uͤberzeugt, Herr, daß Sie mich nur zum Beſten haben!“ rief Nanny und brach in ein herzliches Gelächter aus, welches die Eigenſchaft hatte, die Ro⸗ ſen auf ihre Wangen zurückzuführen.“ „Ich ſollte Dich zum Beſten haben?“ „Ja wohl: Manmſell Sophie iſt ſo ernſt und ſtill, daß wohl kein Menſch ſie ſchelmiſch nennen kann!“ „Warſt Du vielleicht ſelbſt nicht ſo ernſt wie das Geſangbuch Deiner Großmutter, als ich Dich zum erſten Male ſah?“ „Was denn weiter? „Nun wohl, meine kleine Najade, meine kleine Göttin, betrachte Dein Geſichtchen dort in der Quelle und ſage mir, ob Du Dich wieder erkennſt!“ „Alſo wollen Sie ſagen, Herr Gottlieb, daß ſie den Ernſt der Mamſell Sophie hinweggezaubert haben?“ „Ja, den Ernſt der Mamſell Sophie ebenfalls— das will ich ſagen!“ 4 „Ebenfalls?.. der getraut ſich meiner Seel Vieles zu!“ „Wirſt Du böſe?“ O!“ „Ich glaube, Du fängſt an, zu weinen?“ „Herr Gottlieb kann boshaft genug ſein, mich dahin zu bringen— nun aber wird dennoch nichts daraus!“ Die Familie im Thale. 6 8² „Nun, da ich Dich nicht zu Thränen bringen kann, ſo muß ich wohl die Wahrheit bekennen, und dieſe iſt.. „... Daß Sie gar keine von ihnen geſehen haben?“ „Nein, darin irrſt Du Dich: ich bin in Geſell⸗ ſchaft der Tante Ulrika dort geweſen, und ſie haben mich in dem Grade entzückt, daß ich jetzt hier ſitze, während ſie auf Almwik ſind, wohin ſie heute Vor⸗ mittag kamen. Was meinſt Du dazu?“ 27* X Was Nanny meinte, bekam Gottlieb nicht zu wiſſen. Dagegen erhielt er eine beſtimmte Nachricht von der Meinung der Tante Ulrique⸗Eugenie über ſeine unver⸗ antwortliche Abweſenheit. Der junge Canzeliſt trat eben noch zu rechter Zeit durch das Gitterthor, um daſſelbe den Pfarrhof⸗Mam⸗ ſellen offen zu halten und den jungen Damen ſein tie⸗ fes Compliment zu machen, als ſie auf ihrem kleinen Wagen abfuhren. Sie ſchienen indeſſen ein wenig ärgerlich zu ſein, und ließen ſich nicht einen Augenblick aufhalten. Mit Entzücken ſah der Patron Fabian die drohen⸗ den Wolken, welche ſich auf der Stirn ſeiner geliebten Ulgenie anhäuften: ſte galten ja ihm nicht. „Höre zu, mein Schweſterſohn!“ begann die Pa⸗ tronin, indem ſie den Gottlieb zu einer keinesweges erſehnten Unterhaltung unter vier Augen einlud.„Du haſt mir heute zum erſten Male Anlaß gegeben zu einer wenig angenehmen Verwunderung!“ „Wie ſo, beſte Tante?“ „Iſt es vielleicht in Deiner Eltern Hauſe Sitte, daß Du Deines Weges gehſt, wenn fremde Damen kommen?“ „Das hat gehen dürfen, wie es ſich getroffen hat — die Mutter liebt die Etikette nicht.“— „Das iſt ſehr traurig, denn ſelten werden artige Her⸗ ren aus Knaben, die man nicht im Zaume gehatten hat 4 „Und ewiß den 3„Gan nen Gold, und eine Mamſell 9 Himmel?“ „O 1 Wurzel ſch Maßregel ſentiren, „Aber handen w „Sch Vaters zu denken, d heiten zu ſell Charl Sophie ei liche ſpan —ʒ; *) Ver das iine unver⸗ die drohen⸗ r geliebten in die Pa⸗ einesweges llud.„Du en zu einer nuſe Sitte, de Damen etroffen hat artige Her⸗ halten hat.“ 83 „Hm!“ „Doch laſſen wir das..“ „Da bin ich mit bei!“ „Und halten wir uns lieber zu Demjenigen, was ein angeborner Verſtand uns lehrt.“ berg„Eia das geht ja wieder gerade auf den Blocks⸗ „Im Gegentheil, mein Lieber: es geht gerades Weges in den Himmel, wenn Du mir meinen Willen 44 „Liebe Tante, werden Sie denn auch wohl ganz gewiß den Weg dahin finden?“ „Ganz gewiß!— Bedenke doch: anderthalb Ton⸗ nen Gold, Schönheit, Liebenswürdigkeit, Herzensgüte und eine Kenntniß in der Wirthſchaft, die ſelbſt der Mamſell Nylander*) trotzt. „Doch die Liebe— hat man dieſe denn nicht im Himmel?“ „O ja, und ſie hätte ſchon ein tüchtig Stück Wurzel ſchlagen können, wenn Du nicht, anſtatt meine Maßregel, ſie zu uns einzuladen, pflichtſchuldigſt zu ſentiren, ganz unbedachtſam davon gelaufen wäreſt.“ „Aber das beweist ja deutlich, daß Nichts vor⸗ handen war, das Wurzel ſchlagen konnte!“ „Schnickſchnack! Wenn man der Nachfolger des Vaters zu werden denkt, ſo muß man wohl auch daran denken, durch eine vernünftige Heirath die Angelegen⸗ heiten zu ordnen, wenigſtens ſeine eigenen... Mam⸗ ſell Charlotte iſt eine reizende Blondine, und Mamſell Sophie eine bewunderungswürdige Brunette, eine wirk⸗ liche ſpaniſche Donna.“ — *) Verfaſſerin eines wohl accreditirten Kochbuches, das mehrere Auflagen erlebt hat. Anm. d. Ueberſ. 6* 4 4 8 8⁴ „Ja, ſie ſieht tüchtig ſpaniſch aus, doch unglück⸗ licher Weiſe iſt das kein Reiz, den ich vorziehe.“ „Nun, Charlotte iſt um ſo ſchmachtender— ſie muß eine Liebe wecken können, die wenigſtens der gleich kommen muß, welche Werther's Lotte einflößte.“ „Ja, das eben fürchte ich: wie würde ich mich als Werther ausnehmen?“ „Ich will ja auch nicht, daß Du in ſeine Fuß⸗ tapfen treten ſollſt; ich ſage nur: Charlotte iſt ein Mädchen, das eine Thorheit rechtfertigen kann... Alſo Du ziehſt die Charlotte vor!“ „Nein doch, um Alles in der Welt, ich ziehe Keine vor.“ „Das heißt: Du willſt mit Dankbarkeit diejenige von den Schweſtern annehmen, welche— nachdem Du einige Wochen Deine Viſiten gemacht haſt— nach einer paſſenden Prüfung am geneigteſten befunden wird? „Nein, das meinte ich nicht!“ 5 „Was meinſt Du denn?“—. „Daß ich große Luſt habe, ſelbſt für meine Ver⸗ heirathung zu ſorgen, und daß es im Ganzen genom⸗ men jetzt noch zu früh iſt, daran zu denken.“ „Das bedeutet alſo, Du verachteſt die Mitwirkung Deiner Tante?“ „Bewahre mich der Himmel, daß ein Gefühl wie Verachtung über die geringſte Handlung meiner Tante in meiner Bruſt entſtehen ſollte! Ich ehre und liebe Gott, ich danke ihm dafür, daß er mir ein Herz ge⸗ geben hat, aber ich bitte ihn in aller Demuth, daß er mir in meinen Weg keine Gattin ſendet, die dieſes beſagte eigenſinnige Herz nicht ſelbſt erkoren hat.“ „Deine Worte klingen ſchoöͤn, aber ich laſſe mich nicht mit Worten abſpeiſen. Willſt Du am Sonn⸗ tage mit mir auf den Pfarrhof kommen und Dich artig gegen die Mädchen zeigen?“* „Ich will mich artig gegen alle Mädchen in der Welt zeigen; aber, Tante, verſtehen Sie unter dieſer 8 ☛ 3* K 7 K 4 8— ——. 1 4 — Phraſe ett Nein!“ „Ach„ zu denken! „Aber und denno Dich hätte noch Zeit i zu bemühen beſſere Ge⸗ „Dar murmelte mit majeſta .„Aber und bleibt Ach, war Thale mit kleine Din Der den ruhig unglück⸗ der gleich e.“ mich als Line Fuß⸗ te iſt ein ann... ich ziehe diejenige chdem Du nach einer ird?u 1 neine Ver⸗ en genom⸗ 4 kitwirkung Hefühl wie iner Tante und liebe i Herz ge⸗ th, daß er die dieſes hat.“ laſſe mich am Sonn⸗ Dich artig hen in der inter dieſer 85⁵ Phraſe etwas Anderes, als— Nichts, ſo ſage ich: Nein!“ „Du veruneinigeſt Dich alſo mit mir?..Be⸗ greifft Du, was das bedeutet, mein theurer Schwe⸗ ſterſohn?“ „Ach, ich wage gar nicht an ein ſolches Unglüch⸗ u denken!“ „Aber dieſes Unglück kommt ganz beſtimmt!— und dennoch weiß Gott am beſten, was ich Alles für Dich hätte thun wollen! Beſinne Dich aber, da es noch Zeit iſt!. Du brauchſt Dich heute Abend nicht zu bemühen, mit beim Fiſchfange zu ſein!“ „Wie, geliebte Tante?— verwieſen?“ Frau Ulrique⸗Eugenie nahm eine ſtolze Miene an. „Ich bin alſo beſtimmt in Ungnade gefallen?“ „Ja, ich will nicht läugnen, daß Du auf dem Wege dahin biſt, und ich hoffe, die heilſame Furcht, welche über Dich kommen wird, bringt Dich wohl auf beſſere Gedanken.“— „Daran zweifle ich ſehr, meine wertheſte Tante!“ murmelte Gottlieb vor ſich hin, nachdem ſeine Tante mit majeſtätiſchen Schritten das Zimmer verlaſſen hatte. ...„Aber hol's der Henker, eine große Dummheit iſt und bleibt es, daß ich mein Glück nicht verſuche!... Ach, warum iſt nicht lieber meine kleine Najade im Thale mit anderthalb Tonnen Gold begabt!... dieſes kleine Ding— hm— ſie iſt wahrhaftig allzu ſüß!“ 11. Der Fiſchfang. Der Wener, der ſtürmiſche Wener, bot heute Abend den ruhigſten Spiegel dar. Seine klare Oberfläche 86 nahm den ferne belegenen Kinnekulle auf, und über dieſes gigantiſche Spiegelbild glitt die eine Schute nach der andern hin, bis ein brauſendes Dampfſchiff kam und ſämmtliche Spiegelbilder in ſeinem heftig be⸗ wegten Kielwaſſer verſchlang. 4 Es war ein äußerſt romantiſches Ufer, an welchem Almwik lag, und ſpielende Fiſche umhüpften ſtets die kleinen Boote, welche hie und da an ihrer Kette ſchau⸗ kelten, oder auch von hurtigen Händen gerudert hin⸗ aus glitten, um den Unterthanen der Seefrau Fallen zu legen. Aber die ſtolze Herrſcherin, welche von ihrem Kryſtall⸗Saale aus die Annäherung der Gefahr ſah, commandirte Rechtsum!— und augenblicklich ver⸗ ſchwand ihre an die Oberfläche herauf geſtiegene Gar⸗ niſon, und tauchte ſchnell hinab in die Verſchanzungen, in welche der Feind nicht einzudringen vermochte. Zufolge dieſer Taktik der Seefrau zog der Patron Fabian bei den Kriegen, die er oft gegen ſie führte,, faſt immer den Kürzern. Und gewiß war er übel daran, der arme Mann, welcher in der Mitte zwiſchen zwei entgegengeſetzten eiſernen Willen, nämlich dem ſeiner Gattin und dem der Meerfrau, ſich immerwährend auf einen und denſelben Punkt zurückgetrieben ſah: die Eine wollte keinen Tribut zahlen, und die Andere forderte mit dem Machtſpruche einer Alleinherrſcherin, daß die⸗ ſer Tribut entrichtet werden ſollte, wo man ihn auch nehmen möchte. Nach dieſen vorausgeſchickten Nachrichten, mag man ſich die Gefühle des Patrons denken, als er— der ſich darauf gefaßt gemacht hatte, daß das Verbre⸗ chen, welches Gottlieb begangen, die erzürnte Frau Ulrique⸗Eugenie den ganzen Abend beſchäftigen würde — ganz unerwartet die Nachricht erhielt, das Boot wäre klar und die Angeln hinabgebracht. Fiſchen war gerade eines von den Lieblingsver⸗ gnügungen der Patronin, obgleich ſte ſelbſt es nie öfter verf dumme U tig wegwe es, daß d den Köni weiſen wo ander ger Streiſcho des Feind hatte gen Vortheiles erröthen! Als Gemahlin Hand, ur als ſeinen in das B gerudert Rußr ru 5 daß Du a fiſcheſt!“ Mit Klageſchl merkſam immer u 2S nicht 2 2 an uns und über e Schute ampfſchiff heftig be⸗ iwelchem mſtets die tte ſchau⸗ udert hin⸗ au Fallen on ihrem efahr ſah, klich ver⸗ gene Gar⸗ hanzungen, ochte. er Patron ſie führte, ibel daran, iſchen zwei dem ſeiner ährend auf : die Eine re forderte I, daß die⸗ n ihn auch hten, mag als er— as Verbre⸗ irnte Frau igen würde das Boot eblingsver⸗ bſt es nie 87 öfter verſuchte, als wenn⸗ ſie in dem Verdruß über das dumme Unglück ihres Gemahls den Sonnenſchirm hef⸗ tig wegwarf und die Angelruthe an ſich riß. Und ſei es, daß die Herrſcherin im Bodengeſchoß der regieren⸗ den Königin in der oberen Region eine Artigkeit be⸗ weiſen wollte— man weiß, daß die Damen gegen ein⸗ ander gerne höflich ſind— oder daß noch ein kleines Streifchor zurückgeblieben war und alſo in die Hände des Feindes fiel.. genug: Frau Ulrique⸗Eugenie hatte gewöhnlich Glück; aber ſie bediente ſich ihres Vortheiles nicht, damit nicht, wie ſie ſagte, ihr Mann erröthen möchte. Als der Patron hinabkam, ſtand ſeine zärtliche Gemahlin ſchon da mit dem kleinen Jean⸗Ulrik bei der Hand, und dem Ehemanne blieb alſo Nichts übrig, als ſeinen Schätzen beizuſpringen, daß ſte wohlbehalten in das Boot kamen, und nachdem er ſo weit hinaus gerudert war, als ſeine Frau für nöthig erachtete, die Rußr ruhen zu laſſen und die Angel auszuwerfen. ſs iſt doch recht ſonderbar, mein lieber Fabian, daß Du als ein wahrer Automat daſitzeſt, ſo oft Du eſt!“ ſic Mit dieſem Vorwurfe eröffnete die Patronin ihre Klageſchleuſen, welche beſonders bei allen Promena⸗ den ihre volle Freiheit erhielten. „Ein Automat, meine Liebe?“ „Ein Pfahl, ein wirklicher Pfahl... Du drehſt Dich niemals um— es iſt ganz ſo, als wäreſt Du allein im Boote, und die Geſellſchaft Deiner Frau wäre das Langweiligſte von Allem, was Du kennſt!“ „Aber, liebe Ulrique⸗Eugenie, ich muß ja auf⸗ merkſam ſein, wenn es anbeißt! Wenn ich mich nun immer umdrehte...“ „So verlöreſt Du dadurch das Gefühl wohl noch nicht? Aber Dir gefällt es, den Leuten, die vielleicht an uns vorbei fahren, einzubilden, daß Du wenigſtens, 88 in Ermangelung von etwas Beſſerem, der Herr im Boote biſt— armer Kerl, wie einfältig!“ „Liebe Ulrique⸗Eugenie! ſoll ich fragen, was Du Deinem Schweſterſohn ſparteſt? Ich meine..“ „Nun, was meinſt Du denn?“ „O, weiter Nichts, als daß ich genug habe an der gewöhnlichen Laſt Deiner Laune, ohne daß dieſe Laſt noch mit einer fremden Bürde vermehrt zu wer⸗ den braucht!“ „Laſt... Bürde... Laune?... Iſt der Kerl. verrückt? Sprichſt Du ſo zu mir, Deiner Frau, die mit Engelsgeduld Deine Schläfrigkeit, Deine Gleich⸗ gültigkeit, Deinen Mangel an Liebe und Zärtlichkeit ertragt?. HO, das iſt ganz außerordentlich, es iſt unwürdig, es iſt ſchändlich!“. „Nun, nun, Ulgenie, werde nur nicht ſo heftig!— Du weißt wohl, ob ich geduldig bin!“ „Und was bin ich denn wohl? Verheirathet zu ſein mit einem ſolchen Muff von Mann! Wenn man Dir derohe vor der Naſe Deiner Frau den Hof macht, ſo aͤßt Du es paſſiren: Du ſiehſt nichts, Du höhrſt nichts — ich könnte Dir untreu ſein, und dennoch ſchläſſt Du. O Zeit, o Schickſal, o Leben voll Bitterkeit! Ein ſolcher Mann kann ſeine Frau in Verzweiflung bringen, und von der Verzweiflung iſt nur noch ein Schritt zum Wahnſinn!“ „Wer macht Dir denn nun ſchon wieder der Hof?“ In dieſem„nun ſchon wieder“ lag gleichſam eine Anzeige, daß dieß keine ſo ganz neue Sache war. Und neu war ſie auch wirklich nicht, denn da jeder Menſch ſeine Schwächen hat, ſo hatte Frau Ulrique⸗ Eugenie die Schwäche, daß ſie ſich einbildete, jeder Mann, der mit ihr ſpräche, wäre in ſie verliebt; und zeigte er ihr die allergeringſte Artigkeit, ſo nannte ſie dieß Courmachen. 2 Nun war es aber ein Unglück, welches alles An⸗ dere übertraf, daß, obgleich ſie ihren nachgiebigen Mann kam und zu Allem einen Oth es in ſein ſtanden hä Ein tronin wi geweſen ſ würde die Nun ſie ihn würfe rech das nicht das auch Dichtung, Fabian, nicht ſelbi ſie ſich bie denen ſie, Grund ha „Mei zu ſagen, allzu träge als an de wendete „De 1 als der „Kei Herr im was Du le...4 habe an aß dieſe zu wer⸗ der Kerl. er Frau, e Gleich⸗ ertlichkeit h, es iſt heftig!— et zu ſein man Dir nacht, ſo rſt nichts ſchlaͤſt zitterkeit! zweiflung noch ein der Hof?“ gleichſam hhe war. denn da 1 Ulrique⸗ ete, jeder iebt; und nannte ſie alles An⸗ gen Mann 89 zu Allem bringen konnte, es doch rein unmöglich war, einen Othello aus ihm zu machen— und dennoch hätte es in ſeiner Macht gelegen, wenn er ſeine Sache ver⸗ ſtanden hätte, ſich auf den ehelichen Thron zu ſchwingen. Ein eiferſüchtiger Tyrann würde die entzückte Pa⸗ tronin wie ein Rohr gebeugt haben, würde im Stande geweſen ſein, ſie unter ſeine Füße zu treten, und ſie würde dieſelben dennoch geküßt haben. Nun aber küßte er die ihrigen, und darum trat ſie ihn in den Staub; und wenn ſie nicht die Vor⸗ würfe rechtfertigte, welche Desdemona erhielt, ſo war das nicht ganz ihr eigener Fehler. Doch wozu hätte das auch wohl genutzt? Othello war ja eine glänzende Dichtung, die Niemand, und am Allergeringſten ihr Fabian, verwirklichen ſollte. Ach, warum war ſie nicht ſelbſt mit dieſer Ruhe geboren? Warum plagte ſie ſich bisweilen mit eiferſüchtigen Einbildungen, zu denen ſie, wie ſie ſelbſt glaubte und wußte, gar keinen Grund hatte?. „Mein Fabian,“ pflegte ſie tröſtend zu ſich ſelbſt zu ſagen,„kann mir niemals untreu werden: er iſt allzu träge, als daß er an etwas Anderes denken könnte, als an den Sopha und an die Tabakspfeife...“ Doch wir gehen zurück zu der Unterredung unſeres Chepaares. „Wer macht Dir denn nun ſchon wieder den Hof?“ fragte der Mann. Frau Ulrique⸗Eugenie erhob einen vorwurfsvollen Blick zum Himmel empor:„Er fragt: wer!— er hat es nicht einmal geſehen!“ 4 „Nein, wahrhaftig, das habe ich nicht!“ „Und dennoch hat heute den ganzen Tag“— ſie wendete ſich erröthend ab. „Der Tauſend! hier iſt ja kein Menſch geweſen, als der Adjunkt, der mit den Pfarrhofs⸗Mamſellen kam und vor ihnen abreiste. „Kein Menſch... wenn das nun aber hinreichend 90 wäre? Wenn dieſer intereſſante und gebildete Mann, der eine entzückende Unterhaltungsgabe hat, wenn er, ſage ich...“. „Nun, was denn weiter?“ „Wenn er, hingeriſſen von den wenigen Reizen, die Du niemals zu ſchätzen gewußt haſt, eine ſtille und ſanfte Leidenſchaft empfände?“ „Der Adjunkt? Wie? Glaubſt Du, er nähre eine geheime Neigung zu Dir?“ „Neigung ſagte ich nicht, ſondern Leidenſchaft! — Das Wort verſtehſt Du gar nicht!“ „Nein, das iſt wahr!“ ſtotterte der Patron, und jetzt mußte er erröthen.“. „Beſcheidener und verſchämter Joſeph!“ Die Frau lächelte über ihren eigenen Scherz. 3 Darauf fuhr ſie fort: „Ich bin ſehr in Zweifel, ob ich ihn merken laſſen ſoll, daß ich ſeine Gefühle durchſchaut habe. Aber in demſelben Augenblicke bin ich gezwungen, ihm das Haus zu verbieten, und das wäre eben ſo viel, als der Welt dieſes delicate Verhältniß mitzutheilen.“ L„Wenn ich Dir einen Rath ertheilen dürfte, meine ebe..“ „Warum nicht, mein lieber Fabian? Du biſt ja auf jeden Fall mein Mann und haſt als ſolcher das Recht, Deine Meinung zu ſagen!“ „Dann iſt mein Rath der: laß Alles gehen, wie es geht!“ „Fürchteſt Du denn aber gar nichts? Bebſt Du nicht vor der Möglichkeit eines Unglückes?“ 3 „O. meine beſte Ulgenie,„kann ich denn wohl Deine Seelenſtärke, Deine Tugend vergeſſen?“ „Das iſt wahr: ⁊ich beſitze dieſe Waffen— und ich danke Dir, theurer Fabian...“(wie gewöhnlich folg⸗ ten einige liebkoſende Sonnenblicke auf das kühlende Ungewitter)...„ich danke Dir, theurer Fabian, daß Du mir Gerechtigkeit widerfahren läſſeſt!... Vergib d 8 mir indeſ beinahe 1 eine neue das ſentit „Lafſ und Alle⸗ niſchen F lings ent Perſon t Ideales, heimniſſe O „D „Se meinem zu ſeiner floh ſie: 2 Mann, wenn er, Reizen, ſtille und ihre eine iſchaft! ton, und Die Frau ken laſſen e. Aber ihm das viel, als len.“ te, meine u biſt ja Dlcher das hen, wie —— Bebſt Du enn wohl 44 — und ich alich folg⸗ kühlende bian, daß . Vergib 91 mir indeſſen, mein Lieber, daß ich Dein Gefühl auf⸗ rege! Aber es gibt Augenblicke, da auch der Stärkſte ſchwach ſein kann.“ „Nicht Du, meine Liebe, nimmermehr Du!“ Dieſe ärgerliche Zuverſicht hätte unſere Patronin beinahe von Neuem gereizt. Plötzlich aber kam ihr eine neue Idee, welche es nothwendig machte, daß ſie das ſentimentale Ausſehen beibehielt. „Laſſen wir den bedauernswürdigen jungen Geiſt⸗ lichen!“ ſagte ſie.„Ich habe Dir noch ein Vertrauen zu ſchenken.“ „Noch eins?“ „Dieſes Bekenntniß betrifft ſo zu ſagen ein Kind, und ich fürchte für die Wohlfahrt dieſes geliebten Kindes!“ „Erkläre Dich!“— 3„Fabian, Du darſſt ihn nicht haſſen! Denn auf meine Ehre— ich bin mit meinem Leben dafür ver⸗ antwortlich— der arme Junge verſteht ſich ſelbſt nicht, und Alles iſt weiter nichts, als eine von jenen plato⸗ niſchen Flammen, welche in dem Gemüthe des Jüng⸗ lings entſtehen, wenn er zufäͤllig auf ſeinem Wege eine Perſon trifft, die ihn an die Züge des geſchmückten Ideales, das in ſeiner jungen Einbildung lebt, erinnert.“ „Du wirſt doch mit dieſem Gemälde wohl nicht auf Gottlieb hindeuten wollen?“ „Fabian... warum dieſen höhniſchen Ton? Soll⸗ teſt Du, der Du doch mit ſo Vielen Nachſicht gezeigt haſt, dieſes unſchuldige Opfer auserſehen haben, das — iichh wiederhole es— gar nichts von ſeiner Schuld weiß? Es war nur ein Zufall, der mich mit dem Ge⸗ heimniſſe ſeines Herzens bekannt machte.“ „Darf ich nach dieſem Zufalle fragen?“ „Sehr gerne!... Ich habe, unter uns geſagt, in meinem Sinne ihm eine von den Pfarrhofs⸗Mamſellen zu ſeiner Gattin auserſehen. Ich lud ſte heute ein, er floh ſie: er kehrte zurück zu dieſer Einſamkeit, die er 92 an jedem Abende ſucht, entweder vor oder nach unſeren Promenaden... was ihn zwingt, das Haus zu verlaſſen, wenn Du nicht anweſend biſt, iſt ein Inſtinkt. Und nicht genug damit: da ich ihm dieſen Fehler zum Vor⸗ wurfe mache, und hinſichtlich jener vortheilhaften Par⸗ tie meine Meinung erkläre, iſt er ſo kühn, mir dagegen zu erklären, daß er die Gerechtſame ſeines Herzens für ſich ſelbſt behalten will!“. „Und Du haſt geglaubt, meine Liebe, daß Du an dem Allem Schuld wäreſt?“ „Ich habe beklagt, daß es ſo iſt— weiter nichts!“ „Nun gut, liebe Ulgenie, von dieſer Gewiſſens⸗ bürde will ich Dich befreien!“ Unſer Patron, dem es außerordentlich ſchwer wurde, ernſthaft zu bleiben, redete mit ungewöhnlicher Lebhaf⸗ tigkeit, und dieſe floß daher, daß er jetzt eine vortreff⸗ liche Gelegenheit ſah, eine Perſon zu entfernen, deren Gegenwart ein Hinderniß für ihn ſelbſt war, ohne daß man ihn böſer Abſichten beſchuldigen konnte. „Was ſchwatzeſt Du da? Was weißt Du von mei⸗ nem Schweſterſohn?“ „Weiter nichts, als daß er hier eine kleine Lieb⸗ ſchaft hat, und daß dieſe ihn auf ſeinen Wanderungen an den Vor⸗ und Nachmittagen beſchäftigt.“ „Er— er eine Liebſchaft?“ „Ja, ſo ſteht es!“ wapfilber das iſt ganz unmöglich— das iſt nicht „Und ich ſage: es iſt wahr, und wenn Du ihn fragſt, warum er immer nach dem Thale geht, ſo wird er gewiß nicht läugnen, daß er dort in der ſchönſten Vertraulichkeit bei der Tochter des alten Lönner, der kleinen hübſchen Nanny, ſitzt, welcher er Gedichte vor⸗ liest und unter dem Vorwande, ſte Guitarre ſpielen zu lehren, ihr die Hände drückt.“ Wenn das wahr iſt, wenn er, während er ſich in 8 meinem 4 trigue be ſtatt zu zerreißen D as Wahrheit ſo ſchimp einen Um nahe gefü⸗ unterſchei Gottlieb Weiſe geg ſeinen kr Waffen it Alſo lich der d und er w len, weit Männern „Kei mir aus! „Wahrha Zeiten ei auf der e auf der a vielleicht ein Scan ſelbſt fig Eugenie Ende neh birge na mag er unſeren erlaſſen, t. Und m Vor⸗ en Par⸗ dagegen zens für Du an nichts!“ wiſſens⸗ r wurde, Lebhaf⸗ vortreff⸗ n, deren ohne daß von mei⸗ ne Lieb⸗ derungen iſt nicht Du ihn ſo wird ſchönſten ner, der chte vor⸗ pielen zu er ſich in 93 meinem Hauſe aufhält, ſich mit einer ſo elenden In⸗ trigue beſchäftigt, ſo will ich, die ich ihm an Mutter⸗ ſtatt zu ſein glaube, ſchon morgen dieſes Verhältniß zerreißen... Wie aber weißt Du das?“ Das war eine Frage, welche der Patron nicht der Wahrheit gemäß beantworten konnte. Da häͤtte er erzählen ſollen, daß er ſchon an jenem Abende, da er durch Calle's Auftreten die ſchöne Magda ſo ſchimpflich hatte verlaſſen müſſen, auf dem Rückritt einen Umweg genommen hatte, der ihn dem Thale ſo nahe geführt hatte, daß er die dort ſitzenden Perſonen unterſcheiden konnte— und daß er von dem Tage an Gottlieb ſorgfältig beſpäht hatte, froh, daß er auf dieſe Weiſe gegen Denjenigen, der ihn möglicher Weiſe auf ſeinen krummen Wegen im Thale beſpähen konnte, Waffen in der Hand hatte. Alſo war es ein Zufall, der dem Patron rückſicht⸗ lich der Fehler des Jünglings die Augen geöffnet hatte, und er war nicht geneigt geweſen, den Angeber zu ſpie⸗ len, weil dergleichen kleine Liebſchaften bei jungen Männern ſo gewöhnlich waren... „Keine Entſchuldigung, mein Herr— das bitte ich mir aus!“ fiel Frau Ülrique⸗Eugenie erzürnt ein... „Wahrhaftig eine ſchoͤne Geſchichte, wenn ſie nicht bei Zeiten ein Ende nimmt! Die Vorwürfe einer Mutter auf der einen Seite, der Fluch eines greiſen Baters auf der andern. ein junges verführtes Mädchen— vielleicht ein Kindermord... eine. Criminalgeſchichte, ein Seandal, in welchem vielleicht unſer Haus und wir ſelbſt figuriren müſſen.. Nein, ſo wahr ich Ulrique⸗ Eugenie heiße, das muß ein Ende, ja, ein ſchleuniges Ende nehmen!“ 2 „Aber wie?“ „Das iſt meine Sache! Er hat ja davon geſagt, daß er eine Wanderung über die Dahland'ſchen Ge⸗ birge nach Norwegen zu machen wünſchte.— Nun gut: mag er hinüber nach Amal fahren und von dort ſeine 94 Reiſe beginnen. Geld ſoll er bekommen, gehorchen muß er aber auch........... Am folgenden Abende, nachdem unſere Patronin ſich mit eigenen Augen von der Wahrheit der Ausſage ihres Mannes überzeugt hatte, wurde mit Gottlieb ein Verhör angeſtellt, das der Geduld, welche der junge Mann beſaß, beinahe ein Ende gemacht hätte. Die Folge war, daß er ſich ſelbſt zu der erwähn⸗ ten Wanderung entſchloß. Er beunruhigte Nanny nicht durch die Mittheilung der Urſache ſeines plötzlichen Aufbruches. Ihre letzte Zuſammenkunft wurde lieber lieblichen Vorſpiegelungen an die Zurückkunft gewidmet, und ſie berechneten Alles, was Nanny bis dahin gelernt haben ſollte, ſowohl in den Wiſſenſchaften, als auch im Guitarreſpielen. Gott⸗ lieb hatte nämlich die Guitarre mit in den Friedens⸗ contract mit ſeiner Tante eingerückt und das Beſitzrecht dann auf Nanny übertragen. Die jungen Leute trennten ſich alſo mit guten Hoffnungen, und der Abſchiedskuß, den Gottlieb ſich ausbat und erhielt, trug nicht dazu bei, Nanny ver⸗ geßlich zu machen. Am Tage nach der Abreiſe des jungen Mannes ankerte die Schute des Jon Jonsſon in der Bucht des Wener, an welche unſere kleine Erzählung verlegt iſt. —,—— Friedens⸗ Beſitzrecht mit guten ttlieb ſich tanny ver⸗ n Mannes Bucht des verlegt iſt. Zweite Abtheilung. O, wann dämmert der goldene Tag, Da, von Sorgen und Mühen frei, Mich ein treufeſter Freund beſucht? Stagnelius. Barbar! wie lange willſt Du meine Langmuth prüfen? Siezſ Du in meinem Plid denn die Verzmeiflung niht? 9 Himmel, hör⸗ ich recht?— Soll veit mein Ohr mich täuſchen Vrerbetz. 12. Die Betrübniß. Beinahe zwei Monate waren verfloſſen ſeit dem merkwürdigen Tage, an welchem Nanny den erſten Kuß weggeſchenkt und Magda die erſehnte Nachricht von Jon Jonsſon's Ankunft erhalten hatte. Auch ſtieg die Freude hoch zum Dache hinaus, als Ragnar's ſämmtliche Schätze ihr glücklich überliefert waren: ſie hielt hamit Alles für abgemacht. Aber wie ſehr irrte ſie ſich, die arme Magda! Es gab einen Mann, den Magda mit ihrer Kälte immer beleidigt hatte, und der, als er die Niederlage erlitt, welche wir mit angeſehen haben, ihr in der Ab⸗ ſchiedsſtunde einen Blick gab, der auf ſie eine Wirkung ausübte, als hätte ſie auf eine Schlange getreten— 96 und wirklich war es auch eine Schlange in Menſchen⸗ geſtalt, auf welche ſie getreten hatte. Bald ſollte ſie den verzögerten Stich fühlen. Noch niemals hatte man von einem Beſchlage in dem Hauſe des alten Lönner etwas gehört: die Waa⸗ ren, mit denen er ehemals handelte, nahm er ganz ein⸗ fach bei den Kaufleuten in Göteborg. In der neueſten Zeit aber war es damit anders geweſen: der betrieb⸗ ſame Ragnar fand eine beſſere Rechnung dabei, die Beiträge zu dem kleinen Handel ſelbſt nach Hauſe zu 5 ſchaffen, und ſo war es ſchon Jahre lang fortgegangen. Aber das Sprüchwort ſagt:„Der Krug geht ſo lange zum Brunnen, bis er zerbricht“— und ſo ging es denn auch hier. Gleichwohl hatte die Zollbewachung 3 den geringſten. Theil an dieſem Unglucke... ja, wahr⸗ ſcheinlich würde kein einziges Mitglied dieſer Art von Polizei jemals von einem Beſuche in dem kleinen Thale geträumt haben, wenn nicht eine beſtimmte Angabe, um nicht zu ſagen Drohung, einen ſolchen veranlaßt hätte. Leider zeigte ſich nun, daß der Heiligkeit erthei⸗ lende Stempel der Zollkammer an dem Garne, an den Tüchern und an allem Uebrigen fehlte, aus welchem Grunde die Armen ſich nicht allein ihrer Waaren be⸗ raubt, ſondern auch mit Geldbußen bedroht ſahen, welche ihre Kräfte überſtiegen. Bei allem war es aber das ſchrecklichſte Unglück, daß der junge, ſtarke Beſchützer der kleinen Familie, er, der bald Alles geordnet haben würde, zu derſelben. Zeit nach Braſtlien geſegelt war. Magda und Nanny weinten nur, wenn ſie ganz allein oder wenigſtens keine anderen Zeugen hatten; dem Alten verbargen ſie ihre Seußzer, ſein Leben ſollte nicht noch ſchwerer gemacht werden; denn ach, es war ſo ſchon ſchwer genug! Der ganze kleine Wohlſtand, uffden man gerechnet hatte, war nun auf lange Zeit verloren. De Töchter Ihr ahr bedachte führt w Ruhe un fügen m Menſch ſchaffen. So heit, ſo Aber all einem ve Und mein Ca Menſchen⸗ hlen. eſchlage in die Waa⸗ r ganz ein⸗ er neueſten er betrieb⸗ dabei, die Hauſe zu rtgegangen. ig geht ſo nd ſo ging, [bewachung ja, wahr⸗ er Art von einen Thale te Angabe, veranlaßt keit erthei⸗ rne, an den us welchem Waaren be⸗ ahen, welche ſte Unglück, en Familie, zu derſelben un ſie ganz gen hatten; Leben ſollte ach, es war Wohlſtand, f lange Zeit 97 Der alte Lönner ſah den geheimen Schmerz ſeiner Töchter und ſagte zu ſich ſelbſt:„Ihr armen Kinder! Ihr ahnt doch das Aergſte noch nicht!“ Aber er, der bedachte, daß der kleine Handel in ſeinem Namen ge⸗ führt wurde, er ahnte es. „Wir haben ſeit Ragnar's Hochzeit ſo viel Glück, Ruhe und Annehmlichkeit gehabt, daß wir uns wohl fügen müſſen, wenn es uns einmal ſchlecht geht— der Mauich iſt für ein immerwährendes Glück nicht ge⸗ affen.“ ic So ermunterte er ſte. Aber ſie lächelten voller Betrübniß und verdoppelten ihre Arbeitskräfte: man hatte ja jetzt ſo Vieles zu erſetzen, ſo Vieles zu thun, um den Kummer zu lindern. Unter Allen war jedoch Calle der Unermüdlichſte. Er, der mit ſo großer Dienſtwilligkeit von den Nachbarn hatte über ſich verfügen laſſen, er, der aus der einen Hand in die andere gegangen war, hatte jetzt kaum Zeit, den Fuß über das Gebiet des Thales hin⸗ auszuſetzen. Er war Alles und that Alles, ſo daß man bei der kleinen Ackerwirthſchaft nicht mehr nöthig hatte, das allergeringſte Tagelohn zu bezahlen, und das trotzdem, daß er ſich ſeit einiger Zeit ſehr ſchwach gefühlt hatte; er aber fragte nichts nach der Geſund⸗ heit, ſondern ging naß oder trocken, wie es ſich traf. Aber alles Uebel war bei einem freundlichen Blick, einem vertraulichen Kopfnicken Magda's vergeſſen. Und wenn ſie ſagte:„Du arbeiteſt Dich zu Tode, mein Calle!“ ſo lachte er laut auf und wurde gleich darauf ſo ſtark, daß er ein Rieſe zu ſein meinte. Nachdem er ſo das Nöthigſte zu Hauſe abgethan hatte, verſtel er auf den Ausweg, das Thal zu ver⸗ laſſen, doch nicht mehr, um Kindsmädchen zu werden, ſondern um für Tagelohn zu arbeiten; und wenn er dann nach Hauſe kam und das Geld auf Magda's Web⸗ ſtuhl legte, ſo konnte man bisweilen etwas„Klares“ Die Familie im Thale. 7 98 auf dem ſchmutzigen Bankzettel ſchimmern ſehen. Das war eine Freudenthräne. Magda ſagte nichts. Sie wagte es nicht mehr, ihn zu loben, denn ſie hatte die Wirkung davon geſe⸗ hen. Aber als die Pfingſtlilien und der ſpaniſche Flie⸗ der ausgeblüht hatten, kam die Reihe an die Tulpen, die Roſen und den Lavendel, und ſo müde Magda auch am Abende war, ſo ſetzte ſie dennoch mit eigener Hand einen neuen Strauß in Calle's Topf⸗ Endlich, oder richriger allzu bald, nach einer ſieben⸗ wöchentlichen Unterſuchung, kam das Urtheil in Betreff der in Beſchlag genommenen Güter, und da Herr Lönner nicht im Stande war, die auferlegten und für die ſchutzloſe Familie ſehr bedeutenden Strafgelder zu er⸗ legen, wurde er zur Gefängnißſtrafe verurtheilt. An dieſem Tage der Verzweiflung hatte Keiner Muth, außer dem alten Lönner ſelbſt. Er hatte eingeſehen, wer im Geheimen das Spiel trieb; aber er fühlte keine Furcht: er war ein gottes⸗ fürchtiger Mann und wußte noch dazu, daß Magda Alles in der Welt thun würde, um die erforderliche Summe zuſammenzuleihen. Leider hatte Magda ſchon ohne Wiſſen des Alten das wenige Silber verpfändet, um einige kleine Schul⸗ den zu bezahlen, welche ſie im Frühling gemacht hatte. Wir wollen den Augenblick nicht näher ſchildern, da der Greis in das Boot ſtieg— das Häradsgefäng⸗ niß, wohin man ihn vorläufig brachte, lag ſchräge gegenüber an der andern Seite der Bucht. Sowohl Magda als auch Nanny wollten ihn nothwendig bis an das entgegengeſetzte Ufer begleiten, aber er lehnte dieß mit einem ſo einſthaften Tone ab, daß ſie es nicht wagten, ihm zu widerſprechen. Es war rührend, die eifrigen und umſaſſenden Mühen dieſer jungen weiblichen Perſonen mitten in ihrer tödtlichen Angſt zu ſehen. Nichts wurde ver⸗ geſſen, was dem Alten zur Beguemlichkeit gereichen konnte, 1 duld das Weſen n Vater zu ſuchen w End Boot ſch flatternde ſtanden am Ufer Call wußte, empfing reichstho und Cal kauf ſein von der ſcheidene thaler z Wie Herrenm er nur denken i kein ba⸗ Sicherhe Nax nach der ihr Frer wiſſen. Dre verfloſſen hen. Das icht mehr, avon geſe⸗ niſche Flie⸗ ie Tulpen, ragda auch gener Hand iner ſieben⸗ in Betreff derr Lönner d für die der zu er⸗ eilt. atte Keiner das Spiel ein gottes⸗ aß Magda rforderliche des Alten eine Schul⸗ nacht hatte. r ſchildern, radsgefäng⸗ ag ſchräge . Sowohl wendig bis r er lehnte ſie es nicht umfaſſenden mitten in wurde ver⸗ it gereichen — 99 konnte, und da endlich der Kronvogt mit einiger Unge⸗ duld das Fahrzeug abſtoßen ließ, da hingen die armen Weſen noch ſchluchzend feſt an der Regeling, um dem Vater zuzuflüſtern, daß ſie ihn in einigen Tagen be⸗ ſuchen würden.. Endlich war der bittere Augenblick vorüber, das Boot ſchon weit entfernt; doch ſo lange die weißen flatternden Haare des Greiſes noch zu ſehen waren, ſtanden die Frauenzimmer und die ſchluchzenden Kinder am Ufer. Calle hatte ſich, ohne daß Jemand etwas davon wußte, nach der andern Seite hinüber begeben. Hier empfing er den Vater und gab ihm einen ganzen Zehn⸗ reichsthalerzettel— das war ein unermeßlicher Schatz, und Calle hatte ſich denſelben verſchafft durch den Ver⸗ kauf ſeines einzigen Gutes, der ſilbernen Uhr, die er von der Mutter geerbt hatte; denn dieſe hatte ſelbſt geſagt, Calle ſollte ſte haben. Als er am Abende nach Hauſe kam, ſagte er nur: „Vater wird keine Noth leiden: er kann im Arreſt leben wie die Perle in Gold, denn dort war ein be⸗ ſcheidener Herrenmann, der ſich erbot, ihm zehn Reichs⸗ thaler zu leihen.“ Wie ſegneten nicht Magda und Nanny dieſen Herrenmann! Doch ſo groß der Troſt auch war, ſo war er nur augenblicklich. Was ſollten ſie thun, was er⸗ denken in dieſer Noth? Ihre armen Nachbarn hatten kein baares Geld— die reichen forderten gewiß Sicherheit. Nanny blickte oft mit unruhigem Herzklopfen nach der erinnerungsreichen Quelle hin. Wenn nur ihr Freund zurückkäme— er würde ganz gewiß Rath wiſſen. x 4* Drei Tage waren jetzt ſeit der Abreiſe des Alten verfloſſen, und groß war die Anzahl der Püzne, die ſich 100 in Magda's Haupte bewegt hatten; doch der einzige, der ihr die Ausſicht des Gelingens verſprach, war eben derjenige, zu dem ſie ſich unmöglich verſtehen konnte. Sie war vollkommen überzeugt, daß der Patron auf Almwik ihr dienen wollte; aber er würde es nur allzu gerne thun, um ſie es hernach fühlen zu laſſen, daß ſie ſeine Schuldnerin wäre. 3 „Aber,“ fragte ſie ſich ſelbſt in angſtvoller Zweifel⸗ haftigkeit,„was iſt das Beſte, wenn ich mich die⸗ ſem unterwerfe, oder wenn ich den Vater im Gefäng⸗ niß ſitzen und nach Luft und Freiheit ſeufzen laſſe? Das iſt ja das Einzige, was er verlangt, der arme, alte Mann! Wozu,“ überlegte ſie weiter,„wozu würde wohl Ragnar ſelbſt rathen? Er liebt den Alten wie ſeinen Augapfel, aber mich liebt er wie ſein Herzblut — und wenn er ſich einbilden könnte, daß der Patron... O mein Gott, welch ein Alarm würde das werden l... Aber wiederum, dem Vater nicht helfen zu können... nein, das halte ich nicht aus!“ Und keinen Menſchen hatte Magda, mit dem ſie zu Rathe gehen konnte. Welche Rathſchläge konnte wohl der arme Calle geben? Und mit Nanny, die ja nur noch ein Kind war, konnte Magda unmöglich über eine ſo verwickelte Angelegenheit reden. Sie hatte einen Verſuch gemacht, mit dem Paſtor in der Gemeinde zu reden, doch, obgleich er große Theilnahme bezeugte, ſo war es dennoch unmöglich, Geld von ihm zu erhalten, denn er war eben ſo geizig, als reich. Und nun konnte Magda gleichwohl den ver⸗. ſprochenen Beſuch bei dem Vater nicht länger hinaus⸗ ſchieben. Die ganze kleine Familie wollte ſich auf dieſe Wallfahrt begeben, und es wurden dazu in Betreff der mitzunehmenden Speiſewaaren die allerliebevollſten Zurüſtungen gemacht. Magda backte Pfannenkuchen und Nanny Backwerk, und wenn ſich jemals ein Lächeln über die Lippen der Schwäg chen Ge kleine 2 End kommen. mit, un ſtampfte über die Ma ſo ſchwe Hoffnun Na len Gew ſteigen 1 ihren al dennoch ſie zu te gen Stu keit, der zu laſſen, er Zweifel⸗ mich die⸗ m Gefäng⸗ fzen laſſe? der arme, S = A8 =. 28 2 werden!... können.. it dem ſie läge konnte nny, die ja möglich über dem Paſtor ch er große unmöglich, ben ſo geizig, vohl den ver⸗. ager hinaus⸗ ch auf dieſe n Betreff der rliebevollſten ny Backwerk, te Lippen der 101 Schwägerinnen ſtahl, ſo war es, wenn beide den glei⸗ chen Gedanken hatten, nämlich die Hoffnung, daß die kleine Bewirthung dem Vaier ſchmecken würde. Endlich war der Augenblick der Einſchiffung ge⸗ kommen. Sogar die kleine Kerſtin und Karo ſollten mit, um ebenfalls den Herrn zu ſehen. Die Kinder ſtampften vor Freude— ſie dachten nur daran, daß ſie über die ſchaukelnden Wellen rudern ſollten. Magda hatte Alles eingepackt, aber ihr Herz war ſo ſchwer, daß es zu brechen drohte: ſie kam ja ohne Hoffnung. Nanny, welche den ganzen Morgen ihren Gefüh⸗ len Gewalt angethan hatte, war jetzt, da ſie in's Boot ſteigen wollte, einer Ohnmacht nahe. Sie dachte ſich ihren alten geliebten Vater leidend und abgezehrt, und dennoch mit einem Hiobslächeln auf den Lippen, bereit, ſie zu tröſten, ſie, die nur kamen, um ihn nach weni⸗ gen Stunden wieder zu verlaſſen und ihn der Einſam⸗ keit, der Hoffnungsloſigkeit, dem Stillſchweigen zu über⸗ geben. Das arme, weiche Kind litt ſchon jetzt die Mar⸗ tern des neuen Abſchiedes. „Es taugt nimmermehr, mein Kind, daß Du mit⸗ kommſt!“ ſagte Magda in entſchiedenem und mütter⸗ lichem Tone.„Geh Du zurück!“ „Ja, ich glaube beinahe, daß ich dazu gezwungen bin...(ihr heftiges Zittern verrieth ihre Schwäche)... Grüße ihn... ſage ihm...(jetzt endlich brachen die lange unterdrückten Thränen hervor)... daß es nicht aus Kaltſinn geſchieht...“ „Still, ſtill, Du armes Kind— ich weiß wohl, was ich zu ſagen habe!... Gott ſei mit Dir!... Hier haſt Du den Schlüſſel!... Schließ hinter Dir zul... Nimm Du die Ruder, Calle!“ 7 13. Eine Verweiſung und ein Wiederſehen. Als eben Magda's Boot an Almwik vorüberfuhr, gingen dort am Ufer zwei Perſonen ſpazieren. Ddie eine war die Patronin und die andere Gott⸗ lieb, der eben jetzt von ſeiner langen und angenehmen Wanderung durch die norwegiſchen Gebirge zurückge⸗ kommen war. Als das Boot um den Felſenvorſprung wendete, rief Gottlieb aus, indem er die kleine Familie eifrig und freundlich begrüßte: „Wo wollen die wohl Alle hin?— Sie ſahen ſo betrübt aus!“ „Betrübt?“— wiederholte die Patronin—„Du kannſt Gott danken, daß Du die Betrübniß der Pöbel⸗ herrſchaft nicht zu theilen brauchteſt!“ „Wenn ſie aber eine Betrübniß haben, ſo weiß ich wahrhaftig nicht, was mich hindern ſollte, ſie zu theilen?“ Die Tante Ulrique⸗Eugenie ſchuͤttelte unzufrieden mit dem Kopfe. „Du kannſt Dich wirklich Deiner Feſtigkeit und Deines geſunden Menſchenverſtandes rühmen! Ich zeige Dir die ganze Gefahr, mit ſolchen Leuten in ein Ver⸗ hältniß zu gerathen, ich ſchicke Dich hinweg, ich...“ „Um Entſchuldigung,“ ſiel Gottlieb ein wenig gereizt ein,„ich wurde nicht weggeſchickt: ich machte eine Reiſe, die ich ſelbſt beſchloſſen hatte, und komme zurück, wie ich ging, mit einem Herzen, das ſtets bereit iſt, die Bekümmerniſſe ſeiner Mitmenſchen zu theilen. „So geh denn und theile die Bekümmerniſſe Dei⸗ ner Bettlerfamilie! Du biſt wohl bei Kaſſe, will ich vermuthen, da Du ſo liberal ſprichſt?“ „Was iſt denn aber geſchehen?“ „De ren eing herzliche wendet mich, d geändern dem ma fürchtet Art vo Gedank le ſahen ſo ſfin—„Du t, ſo weiß unzufrieden tigkeit und i! Ich zeige in ein Ver⸗ „ich... henig gereizt machte eine mme zurück, Z bereit iſt, heilen. erniſſe Dei⸗ ſe, will ich der Pöbel⸗ llte, ſie zu 103³ „Der Alte hat in Maskopei mit dem Sohne Waa⸗ ren eingeſchmuggelt... nun, man hat Beſchlag darauf gelegt, und da der alte Papa, in deſſen Namen dieſer Schillingshandel betrieben wird, die Strafe nicht be⸗ zahlen konnte, ſo hat man ihn in's Geſänaniß geſetzt, wo er jetzt wohl darauf warten mag, daß Du kommen und ihn auslöſen ſollſt.“ „Und darauf ſoll er nicht vergebens warten! Ich habe wohl ſchwierigere Dinge, als das zu Stande gebracht.“ „Aha, Du fängſt an, in einem mündigen Tone zu reden!— Du ſetzeſt mich wirklich in Erſtaunen!“ „Und dennoch, hat Jemand Grund, Erſtaunen zu aͤußern, ſo bin ich's.“ „S, ich geſtehel“ „Ich komme zu Verwandten, die mir zuerſt ein herzliches Wohlwollen zeigen, und meine ganze Seele wendet ſich ihnen zu— denn es iſt ein Bedürfniß für mich, dankbar zu ſein— plötzlich aber iſt Alles um⸗ geändert, und ich werde behandelt wie ein Schulknabe, dem man keinen einzigen Schritt erlaubt, weil man fürchtet, er könnte eine Thorheit begehen. An dieſe Art von Vormundſchaft bin ich nicht gewöhnt, und da es nicht in meiner Natur liegt, mich ihr zu unter⸗ werfen, ſo erſuche ich Sie, Tante Ulrika, einen Ein⸗ fluß nicht zu verſuchen, der— auf dieſe Art ange⸗ wendet— ſtets fruchtlos bleiben wird!“ „Armer Thor! Du vergiſſeſt, daß ich mit meinem Reichthum und Einfluß in mancher Hinſicht Deinen Weg ebnen könnte!“ „Das vergeſſe ich keinesweges, und ich wäre ſehr glücklich geweſen, wenn ich mich in Ihrer Gunſt hätte erhalten können; doch auf Koſten meiner Freiheit in Gedanken und Handlungen wünſche ich nichts.“ „Du gehſt alſo wieder in das Thal zu Mamſell Nanny?“* „Ohne Zweifel! Sie bedarf meiner und ich ſehne mich nach ihr.“ 104 1 *— „Alſo liebſt Du immer noch das junge Mädchen?“ „Ich weiß nicht, ob ich ſie liebte, da ich ging, aber ich weiß, daß ihr Bild meine beſtändige Geſell⸗ ſchaft auf der Reiſe geweſen iſt, und daß ich ſie noch heute wiederſehen will. „Um ihr dieſen Wahnfinn zu ſagen?“ „O nein, das wäre unwürdig, da ich ihr nicht mehr ſagen kann.“ „Nun, dem Himmel ſei Hanf r ſtehſt doch we⸗ nigſtens ein, daß es unmöglich iſt „Was denn? 24 „Daß Du ſie hetrathen kannſt⸗. „Für unmöglich halte ich das keineswegs; da es aber ungewiß bleibt, ob ich Nanny noch zu meiner Frau zu nehmen wünſche, wenn ich mich verheirathen kann, ſo iſt es für uns Beide das Beſte, es bei der Freundſchaft bewenden zu laſſen.“ „Hörſt Du, Gottliebchen! Bisweilen redeſt Du ſo klug, daß es ſich vielleicht der Mühe lohnt, Dir einen Vorſchlag zu machen!“ „Nun?“ „Wenn meine Ahnung mich nicht täuſcht, ſo iſt es nur Mitleiden, was Dich zu dem Mädchen zieht. Wenn ich es nun übernehme, füͤr den Alten die Strafe zu bezahlen, wenn ich Dir ferner verſpreche, daß ich für Nanny's Zukunft ſorgen will— und Du weißt, daß ich mein Wort nicht breche— willſt Du Dich da ver⸗ pflichten, ſie niemals wiederzuſehen?“ „Nein, das will ich keinesweges!... Sie würde ſehr betrübt ſein, wenn ich ſo ſchändlich handelte.“ „Halsſtarriger Jüngling, Du zwingſt mich, Dir zu ſagen, daß die Pflicht gegen Deine Mutter, meine Schweſter, mich hindert, Dich länger auf Almwik zu len— ich will keine Schuld an Deinen„ebliritten haben!“ „Nur noch einige Tage,“ antwortete Goktlieb, ohne den allergeringſten Verdruß zu zeigen,„und ich habe Mädchen?“ ich ging, ige Geſell⸗ ch ſie noch ihr nicht ſt doch we⸗ gs; da es zu meiner ſerheirathen es bei der edeſt Du ſo Dir einen ſcht, ſo iſt dchen zieht. die Strafe daß ich für weißt, daß ich da ver⸗ Sie würde ndelte.“ mich, Dir tter, meine Almwik zu Fehltritten „ ttlieb, ohne d ich habe 105 mich ausgeruht; dann bin ich bereit, dem gegebenen Befehle nachzukommen.“ „Gut!“ murmelte die Patronin, indem ſie ſich zornig entfernte,„das ſollſt Du mir büßen!...“ Ohne mit Reflexionen über die gehabte Unterre⸗ dung viele Zeit zu verlieren, ſetzte Gottlieb ſeinen Weg nach dem Thale fort. Er hatte Nanny nicht in dem Boote geſehen, und ſein Herz klopfte ſo heftig, daß er darüber ſelbſt er⸗ ſtaunte, als er, nachdem er das junge Mädchen ver⸗ geblich bei der Quelle geſucht hatte, nach dem Hauſe hinauf wanderte und vor der verſchloſſenen Thür deſſel⸗ ben ſtehen blieb. „Sie kann doch wohl nicht krank ſein, da ſie nicht mitfuhr?“ fragte er ſich ſelbſt.„Nein; denn da hätten ſte ſte wohl nicht allein gelaſſen.“ 2* Er klopfte an, mußte das jedoch öfter wiederholen, ehe er matte Schritte vernahm. „Wer iſt da?“ „Ich, Nanny!“ Ein Ausruf der Freude und des Erſtaunens war die Antwort. Darauf wurde der Riegel hinweggeſchoben, und Nanny zeigte ſich mit Wangen, die ſo weiß waren, wie weiße Roſen. Sie hatte ihren einzigen Sonntags⸗ ſtaat an, ein ſchwarzes Orleans⸗Kleid, das ſehr hoch an den Hals hinaufging, und dadurch ihren runden und geſchmeidigen Wuchs in ſeinem ganzen Vortheile zeigte. Ohne ein Wort, von allen ihren Gefuhlen über⸗ wältigt, warf ſie ſich in Gottlieb's Arme... und nie⸗ mals war eine reinere und innigere Umarmung darge⸗ boten und erwiedert worden. Mit feinfühlender Zärtlichkeit drückte Gottlieb den zweiten Kuß auf Nanny's Lippen; und nachdem er ſie einige Augenblicke betrachtet hatte, ſagte er leiſe: „Arme Nanny, armes Kind! Du haſt wenigſtens einen Freund in Deinem Unglücke!“ 1 106 „Gottlieb weiß alſo..“ Sie entzog ſich erröthend ſeinen Armen: ſie hatte nicht bedacht, daß ihr Gruß gegen den Gebrauch war. „Ja, ich kenne Euren Kummer, und ſei überzeugt, ich werde mir in den Tagen, da ich noch hier bin, keine Ruhe geſtatten, bis ich Deinen Vater frei und in ſeinem Hauſe ſehe!“ „O mein Gott, wenn das möglich wäre!“ Sie faltete die Hände und erhob die Augen zu dem Freunde, dem ſie vertraute. „Es ſoll möglich werden, Nanny, ich gebe Dir mein Wort darauf!— Wäre ich hier geweſen, ſo wäre es nicht geſchehen.“ „Das habe ich auch gedacht; eine Stimme hat mir geſagt: Wenn Er nur kommt, ſo wird Alles wieder gut!“ „ Dank für dieſes Vertrauen!— das wird mir eine angenehme Erinnerung ſein.“ „Erinnerung?— Sie reiſen alſo bald wieder?“ „In einer Woche.“ Noch einmal faltete Nanny ihre Hände. Dieſe Geberde und der bethränte Blick war begreiflicher, als Worte. „Du wirſt mich alſo vermiſſen, Nanny?“ „Immer!“ „Und vielleicht eben deßhalb wünſchen, daß wir einander nie geſehen hätten?“ „Nein, das nicht: dieſes Entbehren wird für mich ein weit glücklicheres Leben werden, als ich ohne dieſes vielleicht hätte erhalten können.“ „Sage mir aber,“ unterbrach Gottlieb dieſen ge⸗ fährlichen Gegenſtand,„warum hat Deine Schwägerin ſich nicht an den Patron auf Almwik gewendet?“ 3„O, an ihn wendet ſich Magda niemals— lieber mag geſchehen, was da will!“ „Wie ſo?“ „Ich weiß nicht, ob ich's ſagen darf... der Vater und auch Magda halten mich für ein Kind. Aber 4 4 3 gung, Mitthei eigenen führen. ſeit die „ geſchlich wollen, Ragnar Hülfe c Al erfuhr wußte, erſt ſp In Anderes rationern es ihm men Lie ſtehen. Araſchte, : ſie hatte rauch war. überzeugt, hier bin, r frei und e!“ . Augen zu gebe Dir n, ſo wäre e hat mir ieder gut!“ wird mir wieder?“ de. Dieſe licher, als 2 „ daß wir d für mich öhne dieſes dieſen ge⸗ Schwägerin det; 2⸗ — lieber ... der ind. Aber 107 ich verſtehe es doch, daß der Paiton Magda mit unred⸗ lichen Gefühlen verfolgt, hat... und wenn ich dem Calle glauben darf. „Was?“ fragte Gottlieb eifrig. . ſo iſt unſer ganzes Unglück aus Rache von dem Patron angeſtiftet, weil Magda es ihm beſtimmt abſchlug, ihm... ihm... einen Kuß zu geben.“ „Wie?— wollte er einen Kuß kaufen?“ „Ja, für Calle's Freiheit.“ Nanny erzählte nun das ganze Ereigniß vor und nach der Jagd, ſo wie Calle es erzählt hatte.“ Nachdem Gottlieb eine Weile über die mitgetheil⸗ ten Umſtände nachgedacht und ſie mit einander verglichen hatte, kam er wirklich ebenfalls zu derſelben Ueberzeu⸗ gung, die Calle gehegt hatte, aber er ſah in dieſer Mittheilung zu gleicher Zeit einen Ausweg, ſeinen eigenen Plan zur Befreiung des alten Lönner auszu⸗ führen. Inzwiſchen fragte er nur, ob der Patron ſich ſeit dieſer Zeit nicht mehr hätte ſehen laſſen. „Ich habe mehrmals bemerkt, wie er hier umher⸗ geſchlichen iſt. Vielleicht hat er Magda allein treffen wollen, aber das iſt ihm nicht gelungen... und um Ragnar's willen würde ſie es niemals wagen, eine Hülfe anzunehmen, wenn auch der Patron ſie anböte.“ Ais Sottlieb nach Almwitk zurückgekehrt war, ſo erfuhr er, daß ſein werther Onkel— der, wie er wußte, ſchon ganz früh am Morgen verreist war— erſt ſpät am Abend zu erwarten ſei. In dieſem Zufalle ſah Gottlieb anfänglich nichts Anderes, als ein widriges Schickſal, das ſeine Ope⸗ rationen um einige Stunden verzögerte; bald aber ſiel es ihm ein, daß dieſe Reiſe vielleicht mit den gehei⸗ men Liebeswanderungen des Patrons in Zuſammenhang ſtehen könnte. An jenem Abende, da er Magda über⸗ Fraſchte, um aus Calle's Diebſtahl Gewinn zu ziehen, war er ja benfalls verreist geweſen— natürlich aus b 108 der Urſache, weil, wenn er zu Hauſe geblieben, es nicht ſo leicht geweſen ſein würde, hinaus zu kommen, da die Patronin um dieſe Zeit immer wachſam war. Je mehr Gottlieb dieſen Umſtand erwog, deſto wahrſcheinlicher wurde er ihm; denn hatte Onkel Fa⸗ bian wirklich ſeine Hand mit in dieſer Ausſaat, ſo war ſolches auch auf ſeinen eigenen Vortheil berech⸗ net— und ohne Zweifel war jetzt der Augenblick ge⸗ kommen, um nach der Ernte zu ſehen. „Ach,“ ſagte Gottlieb zu ſich ſelbſt,„wenn ich ſo glücklich wäre, ihn in meine Gewalt zu bekommen! Die Vermuthungen und der Argwohn Anderer ſind zwar ebenfalls Mittel, durch welche ſeine Feigheit ſich ſchrecken läßt, wenn ich ihm ſeine Frau im Hinter⸗ grunde zeige; aber mit eigenen Augen ihn auf uner⸗ laubten Wegen ertappen, das wäre eben ſo gut, als den armen, alten Lönner ſchon wieder zu Hauſe in ſeiner Hütte haben.“ 14. Der Gefangene. Während dieſes ſich an der einen Seite der Bucht zutrug, hatte Magda's Boot die andere erreicht, und man ſchickte ſich eben an, bei einer weit hinausgebau⸗ ten Landungsbrücke anzulegen— ja, Calle hatte den Bootshaken ſchon angehakt— als plötlich bei einer Schwankung des Bootes der eine von den kleinen Kna⸗ ben, der auf die Regeling geklettert war, mit einem lauten Schrei in's Waſſer plumpte. Die junge, ſtets ruhige und beſonnene Mutter be⸗ antwortete den Ruf des Kindes nicht damit, daß ſiet ſich ſelbſt hinſtellte und ſchrie, auch fieltſte nicht in n *ℳ Ohnma nach in ſie den ſich em ſich geringf 7 8 un ging er zuberei mit der D ruine beſchre ieben, es kommen, m war. bog, deſto Onkel Fa⸗ sſaat, ſo eil berech⸗ enblick ge⸗ enn ich ſo bekommen! erer ſind eigheit ſich im Hinter⸗ auf uner⸗ gut, als Hauſe in der Bucht eicht, und ausgebau⸗ hatte den bei einer einen Kna⸗ mit einem Nutter be⸗ , daß ſie ie nicht in 65 109 Ohnmacht, ſondern ſie ſprang ihm ſchnell wie der Blitz nach in's Waſſer, und als Calle ſich umwendete, hatte ſte den Knaben ſchon gefaßt und hielt ihn hoch über ſich empor. Alles war das Werk eines Augenblickes ohne die geringſten Umſtände. „Calle, nimm mir den Jungen ab!“ ſagte ſie mit einem Tone, der ſich ganz ähnlich war. Aber Calle war ſich ſelbſt nicht ähnlich. Nachdem er buchſtäblich den Knaben auf die Brücke geworfen hatte, ſagte er zitternd: „Konnteſt Du nicht auf mich warten?— Als wenn er gleich zu Grunde gegangen wäre!“ „Du darfſt mich nicht ſchelten, Calle! Ich wurde nur ein wenig naß— das iſt Alles!“ Und hiemit kletterte ſie leicht wie ein Eichhörnchen an den Pfeilern der Brücke empor. „Wie willſt Du nun trocken werden?“ fragte Calle ärgerlich. „O, das iſt leicht— ich gehe zur Mutter Lars⸗ ſon und leihe mir einen Rock für die Zeit, daß wir bei dem Vater ſind... das Gefängniß liegt hier ja dicht bei... die Schuhe, die Strümpfe und der ganze Anzug trocknet ſchon, bis wir wieder hierher kommen.“ Calle ſchwieg. Er war unzufrieden, weil Magda ihm nicht geſtattet hatte, ihr zu dienen. Inzwiſchen ging er vorweg, um den Vater auf den Beſuch vor⸗ zubereiten. Und Magda zögerte auch wahrlich nicht lange bei der Mutter Larsſon: ſobald ſie das Erforderliche hatte, eilte ſie in den leichten Bauernkleidern, die ihr recht gut ſtanden, Calle und Kerſtin nach, welche letztere ſich mit den Kindern ebenfalls auf den Weg begeben hatte. Das Häradsgefängniß, welches in einer alten Schloß⸗ ruine eingerichtet war, hatte ſchon von Außen ein un⸗ beſchreiblich düſteres Ausſehen. Das Herz zog ſich zuſammen bei dem Anblick dieſer gefallenen Größe, die jetzt düſter und verlaſſen, ein drohendes Zeichen vor den Blicken der Vorübergehenden, dalag. Aber noch weit düſterer und drohender ſah es aus innerhalb der Mauern, wo der verwitterter Ueber⸗ wurf ſtets bereit zu ſein ſchien, herunterzufallen. Die kalte Feuchtigkeit ſiel in Tropfen von der Decke herab, deren hundertjähriger Schimmel längſt die ehemaligen Arabesken und Gemälde begraben hatte; und anſtatt der großen meſſingenen Kronleuchter, die dort einſt an ihren Ketten gehangen hatten, hing jetzt eine Menge Kron⸗ leuchter von Spinnengewebe daſeldſt, worin eine ganze Colonie von Spinnen wohnte und ſich von den Atomen nährte, die in der faulenden Wohnung ausdünſteten. Und außer den Spinnen, den Ratten und bisweilen einem unglücklichen Gefangenen, gab es kein lebendes Weſen in dieſen Mauern. Doch oben auf dem Dache wohnte ein Schwarm von Dohlen, die, von den Gefan⸗ genen gut behandelt, ſich gewöhnt hatten, in ihre Luken einzuſehen, um einige Broſamen zu erhalten. Der alte Lönner hatte ſich ſchon mit ihnen bekannt gemacht und ſeine Freude an den Dohlen, während er ſeufzend auf den Beſuch ſeiner Kinder wartete. Als Magda ankam, fand ſie durch Calle's Vor⸗ bereitung den Weg ſchon offen zu dem Zimmer, welches ſie ſuchte. Der Alte, welcher gerührt, aber reſignirt zu ſein ſchien, ſaß auf der Kante ſeines Bettes und hatte auf jedem Knie eines von den Kindern. Calle ſtand vor ihm und gab Beſcheid über Alles, was zu Hauſe vor⸗ gefallen war.“ Doch die wehmüthige Bewegung, die ſich bei dem Anblicke des Sohnes und der Kleinen auf ſeinem An⸗ tlitze gezeigt hatte, ging ſchnell in eine lebhafte Freude über, als er die freundlichen Züge ſeiner Schwieger⸗ tochter erblickte. Seine Arme zitterten, als er ſie um⸗ ſchloß, und ſein Herz wurde ganz weich, als ſie liebe⸗ 8 mitnahr Ausweg gäanz al denke 1 bezahlen kommt, deres er & „J Calle e er hatte den, de pollte, Größe, die eichen vor ſah es aus rter Ueber⸗ allen. Die ecke herab, ehemaligen und anſtatt rt einſt an tenge Kron⸗ eine ganze en Atomen isdünſteten. bisweilen in lebendes dem Dache den Gefan⸗ ihre Luken n. en bekannt während er ete. alle's Vor⸗ er, welches irt zu ſein d hatte auf ſe ſtand vor Hauſe vor⸗ ſich bei dem ſeinem An⸗ afte Freude Schwieger⸗ er ſie um⸗ ls ſie liebe⸗ 111 voll ihren Schmerz und ihre Betrübniß beſchrieb, und daß Nanny aus Furcht vor der neuen Trennung nahe daran geweſen war, das Bewußtſein zu verlieren, als ſie in das Boot ſteigen wollte. „Du thateſt ſehr wohl daran, daß Du ſie nicht mitnahmſt,“ ſagte der Greis,„und wenn wir nur einen Ausweg finden können, ehe die Herbſtkälte meine Kräfte ganz aufreibt, ſo wird wohl..“ „Ein Ausweg muß ſich finden laſſen, Vater! Ich denke mich unverzüglich mit dem Goldſternchen und zweien von den Schafen nach der Stadt zu begeben, und dann nehme ich das Stück Leinwand, aus dem ich Ragnar Hemden machen wollte— und wenn dann das Eine zu dem Andern kommt, ſo...“ „Aber, liebe Tochter, wenn Du die Kuh verkaufſt, wie geht es da mit dieſen?“ Er ſtreichelte die Kinder, welche mit ſeinen langen weißen Locken ſpielten. „O, die Nachbarn leihen uns Milch, und wir bezahlen wieder, wenn wir uns im Herbſt, da Ragnar kommt, eine neue Kuh kaufen können.“ „Das taugt nicht, Kind! Wir müſſen etwas An⸗ deres erfinden.“ „Ich hatte wohl auch einen Gedanken!“ fiel jetzt Calle ein und trat einen großen Schritt vorwärts— er hatte ſich zurückgezogen, als Magda kam. „Was denkſt Du denn, mein armer Junge?“ „Ja, Vater, ich denke daran, wie Ragnar erzählte, daß die Leute in England— ſie ſind dort im Lande ſo erfinderiſch— ſich dadurch Geld ſchaffen, daß ſie auf ſich ſelbſt leihen. Er nannte es... wie war es doch noch?“... Calle rieb ſich nachdenkend die Stirn. „Lebens⸗Aſſecuranz meinſt Du wohl?“ „Aeccurat ſo, Vater... und er ſagte, man könnte auch hier in Schweden gegen ſolche Sicherheit Geld aus England erhalten. Nun, wenn wir Jemanden fän⸗ den, der es verſtände und das Schreiben übernehmen wollte, ſo wollte ich ſehr gerne mein Leben als Quit⸗ 112 tung ausſetzen— und dann, Vater, verſtehſt Du, wäre cchuſ⸗ gut wie baares Geld, wenn man mich zum Pfande etzte.“ „Mein guter Calle, Du meinſt es ſehr gut— aberfs geht nicht ſo zu, wie Du in Deiner Einfalt denkſt.“ „O, das iſt ſehr ſchlimm, Vater... ſonſt hät⸗ teſt Du die ganze Summe bekommen, wenn ich geſtor⸗ den uch hoffe wohl ſelbſtvor d tzu hab „Ich hoffe wohl ſelbſt vor Dir geendigt zu haben— Du biſt jung, Du!“ 3 t 35 z „Ja wohl, ich bin jung an Jahren; als ich aber letztlich— es war noch dazu an einem Freitag Abend— über den Kirchhof nach Hauſe ging, ſo hörte ich gerade über der Kirche eine Stimme, und auf dieſe Stimme verlaſſe ich mich...“ „Herr Gott, was Du Alles denken kannſt!“ fiel Magda ein, indem ſie zum erſten Male Calle's einge⸗ fallene Wangen mit Schrecken betrachtete...„Was ſagte denn dieſe Stimme?“ „Calle, Calle!“ ſagte ſie, und ſo rief ſie dreimal, Calle, Du lebſt nicht lange!“. „Dein Kopf iſt ſchwach, mein Sohn,“ ſagte der Vater,„und das kommt daher, daß Du nun eine lange Zeit über Deine Kräfte gearbeitet haſt. Wenn der Körper Ruhe bekommt— und Ruhe mußt Du ihm geben— ſo wirſt Du beſſer... Laß mich aber doch wiſſen, was Du über das dachteſt, das Du zu hören meinteſt?“ „Ich dachte gar nichts, ſondern antwortete nur: Wirklich?— meinethalben!“ Aber mit ſolchem Aberglauben machſt Du ja den Vater traurig!“ ſiel Magda ein. „Traurig?— o, das glaube ich nicht!.. ſollte er wohl traurig ſein, wenn unſer Herr Chriſtus in ſeiner Gnade mit mir fürlieb nehmen wollte? Es wäre wohl eher ein Feſt, worüber man ſich freuen könnte... Es 1 entgeht kühle C die ganz Zauberſ grunde meinte, wollte- rung, a Als er weite ſage ihr mir nur vernehm Ala furchtba Die F tDu, wäre zum Pfande ehr gut— ier Einfalt ſonſt hät⸗ ich geſtor⸗ zu haben— ls ich aber ig Abend— e ich gerade eſe Stimme unnſt!“ fiel alle's einge⸗ .„Was ſie dreimal, “ ſagte der meine lange Wenn der ßt Du ihm h aber doch du zu hoͤren vortete nur: Du ja den 2., ſollte er us in ſeiner s wäre wohl nnte.. Es . 113 entgeht einer ſo vielen Betrübniſſen, wenn er in die kühle Erde hineinkommt.“ „Wenn Du aber daran denkſt, ſo wird Dir ſelbſt traurig zu Muthe, und Du kannſt nie mehr lachen.“ „Kann ich nicht?“ entgegnete Calle, und als wäre die ganze melancholiſche Gemüthsſtimmung durch einen Zauberſchlag verſchwunden, begann er aus Herzens⸗ grunde zu lachen, und zwar ohne alle Bemühung; er meinte, es wäre ſo luſtig, daß Magda ihn lachen hören wollte— er vergaß dabei ſowohl die Lebensverſiche⸗ rung, als auch die Stimme über dem Kirchendache. Als Calle erſt in dieſe Laune gekommen war, nahm er weiter keinen Theil an den Ueberlegungen. Aber nach einigen Stunden hatte Magda nicht allein den Inhalt des Körbchens, ſondern auch ihre ſämmtlichen Vorräthe an Muth und Hoffnungen geleert — und nun kam der Abſchied. Calle ging voraus, um das Boot klar zu machen. „Späteſtens in vier Tagen bin ich wieder hier,“ ſagte die Schwiegertochter, indem ihre Thränen auf die Hand des Greiſes ſielen,„und dann, ſo wahr ich will, daß Ragnar mich bis an ſeinen Tod lieben ſoll, bringe ich irgend ein Wort des Troſtes mit!“ „Gut, meine geliebte Tochter! Ragnar ſoll Alles erfahren, was Du für ſeinen alten Vater thuſt... Und grüße mir Nanny, das arme, kleine Ding, und ſage ihr: ich verbiete ihr, herzukommen, denn ſie macht mir nur das Herz ſchwer.“ Einen Augenblick ſpäter knarrten die ſchweren Thüren ſo, daß es in der öden Ruine wiederhallte... der Gefangene war allein. Aber noch einmal ſollte er die theuern Stimmen vernehmen. 3 Als Magda draußen war, ſo fiel ihr mit einer furchtbaren Beklemmung ein, daß der„Kleine nicht Die Familie im Thale. von dem Großvater geſegnet worden war: er war bei der Unruhe des Abſchieds gänzlich vergeſſen worden; da es jedoch nicht denkbar war, daß es dabei ſtehen bleiben konnte, ſo ſtellte ſich Magda draußen vor das vergitterte Fenſter und rief: „Vater, Vater! ſei ſo gut und ſieh heraus, ſo will ich Dir den kleinen Swen hinauflangen!“ Augenblicklich zeigte ſich das ſilberweiße Haupt des Greiſes, und nun nahm Magda den Kleinen der kleinen Kerſtin ab, um ihn dem Großvater hinauf zu reichen. Und nun war Alles abgethan. Der letzte Blick wurde gewechſelt... Magda ver⸗ ſchwand mit den Kindern. 15. Die Wache. Auf die Hitze des Tages war die friſche Lauigkeit des Auguſt⸗Abends gefolgt. Der Zeiger ſchritt über halb Elf vor, als Gottlieb, welcher in der Nähe des kleinen, rothen Hauſes im Thale auf⸗ und abpatrouillirte, anſing zu glauben, daß er ſich geirrt hätte, und daß, wenn er ſeine Wache fortſetze, der Patron Fabian in aller Gemächlichkeit auf einem andern Wege nach Hauſe kommen würde. „Es iſt ſo ſtill drinnen,“ ſagte er zu ſich ſelbſt; „ſie ſind gewiß ſchon zu Bette gegangen!“ Er ſchlich längs der großen Hecke von ſpaniſchem Flieder an das Fenſter in Magda's Zimmer... Nanny ſchlief nach dem Giebel hinaus— dahin wollte er nicht einmal den Blick werfen. 1 Der Mond erhellte nicht nur das ganze ſchoͤne Thal, ſo Fenſterſch lieb unſe dennoch i nämlich a Haus fo⸗ den Kop er ſein welches d Endchen Wel Augen! In Ehepaar⸗ lichen Fi ſorgfältit außerſten weſt“ ge⸗ unter di alter, ſch freie Au blauen T blanke, prächtige oberſten glaͤſerner verwahrt Frau erl die Kint vielleicht Kuh erſſ fel nicht 5 ſtand, d Bronze. Jetz der Wie er war bei en worden; dabei ſtehen zen vor das heraus, ſo en!“ deiße Haupt Kleinen der r hinauf zu Magda ver⸗ chhe Lauigkeit als Gottlieb, Hauſes im glauben, daß ſeine Wache hemächlichkeit en würde. u ſich ſelbſt; n ſpaniſchem r Nanny vollte er nicht ganze ſchöne 115 Thal, ſondern er ſiel auch geraden Wegs durch die Fenſterſcheibe— ein Umſtand, der machte, daß Gott⸗ lieb unſchlüſſig wurde. Endlich aber mußte er ſich dennoch überzeugen, wie es eigentlich ſtand, im Fall nämlich ſeine erſte Ahnung gegründet ſein ſollte. Nachdem er die Hecke, welche bis dicht an das Haus fortlief, zurückgebogen hatte, ſtreckte er vorſichtig den Kopf hervor; da er jedoch bald einſah, wie ſicher er ſein konnte, ſo wagte er ſich bis an das Fenſter, welches wegen der Wärme der Luft nur loſe mit einem Endchen Bindfaden zugemacht war. Welch ein ſchönes Gemälde begegnete nun ſeinen Augen! In dieſer Kammer— dem kleinen Tempel des Ehepaares— ſpielten die Mondſtrahlen auf den ſämmt⸗ lichen Fiſch⸗ und Jagdgeräthſchaften Ragnar's, welche, ſorgfältig geordnet, die Wände bedeckten. An dem außerſten Ende ſchwenkte ein alter Seemannshut,„Süd⸗ weſt“ genannt, auf der Spitze einer Angelruthe, und unter dieſer Art von Trophäe war in der Ecke ein alter, ſchmaler Schiffſchrank, deſſen offene Thüren eine fleie Ausſicht über die goldgeränderten rothen und blauen Trinkkrüge, die rofigen Theetaſſen und die kleine blanke, plattirte Kanne geſtatteten. Einige ungemein prächtige Nürnberger Spielſachen befanden ſich auf dem oberſten Brette, und auf dem zweiten wurden in zwei glaͤſernen Schachteln die unbedeutenden Koſtbarkeiten verwahrk, welche Magda theils als Braut, theils als Frau erhalten, und welche ſie eben jetzt, nachdem fie die Kinder zu Bette gebracht, gemuſtert hatte, um vielleicht etwas zu finden, das die Wanderung ihrer Kuh erſparen konnte. Aber ach, ſie hatte ohne Zwei⸗ fel nichts gefunden, das in einem ſo hohen Werthe ſtand, denn Magda's Putz beſtand meiſtentheils aus Bronze. Jetzt lag das junge Weib feſt eingeſchlummert über der Wiege ihres Kindes. 8 * Wahrſcheinlich war ſie, da ſie mit erwähnter Muſterung beſchäftigt geweſen, zu ihren mütterlichen Sorgen gerufen worden. Doch die Anſtrengungen des Tages hatten ihre Kräfte erſchöpft, und ſie war einge⸗ ſchlafen, ohne zu merken, daß der Schlaf, dieſer Tröſter aller Betrübten, ihre Augenlider ſchloß. Sie lag mit dem Geſichte dem Fenſter zugekehrt, und der Mond ſpielte uüber ihre ganze Geſtalt, welche um ſo mehr in die Augen ſiel, als die Wiege faſt in der Mitte des Zimmers ſtand. Noch trug ſie jenes Leibſtück und Kleid, welche ſie geliehen hatte, und ihr langes, dunkelbraunes Haar, welches aufgelöst ihr bis auf die Knie herabreichte, fiel jetzt in zwei dicken Flechten zu beiden Seiten der weißen weiten Aermel herab, von wo aus ſie ſich auf die Decke des Kindes bis dicht an die roſtge Wange der Mutter ringelten, welche letztere ruhig auf der äußerſten Kante des klei⸗ nen Kiſſens ruhte. „Das wäre etwas für einen Maler!“ dachte Gott⸗ lieb.„Meiner Treu, der Steuermann Lönner hat nicht das ſchlechteſte Theil auf ſein Loos erhalten!... Ich weiß aber dennoch Eine, die in dieſer Stellung dereinſt noch ſchöner ſein würde!“ Die dumpfen Hufſchläge eines Pferdes weckten ihn aus ſeinen Betrachtungen. „Aha!“— ſeine Zuge erhielten augenblicklich einen Ausdruck von Triumph und Freude—„ich hatte den⸗ noch Recht!.. Nun wollen wir ſehen, was man wei⸗ ter vornehmen wird!“ Leiſe, doch eilfertig, zog ſich Gottlieb wieder in die Hecke zurück. Er hatte ſeine etwas beſchwerliche Stellung noch nicht lange inne gehabt, ſo ſchwiegen die Hufſchläge; und aus dem Geräuſch an der andern Seite der Hecke konnte er ſchließen, daß das Pferd an den Zaun ge⸗ bunden wurde.. Gleich darauf vernahm man leiſe Schritte im Graſe u trons Fa im Vorb verſchloſſ vor welch Der verſchwer Die nichts. 4 Da entdeckte eben Go⸗ Nich wahnſinn verginge und ihn Er ſolchen E hätte ern habt hat In vor ſeine Denke, beſtimmt wenn ſei Ohren ſe Glü⸗ der Sch Der — einen gar in de Friedens aufgegebe Bindfade erwähnter nütterlichen gungen des war einge⸗ jeſer Tröſter r zugekehrt, alt, welche ziege faſt in g ſie jenes tte, und ihr löst ihr bis zwei dicken iten Aermel des Kindes r ringelten, ate des klei⸗ dachte Gott⸗ ner hat nicht ten!. Ich lung dereinſt weckten ihn licklich einen ih hatte den⸗ ls man wei⸗ leb wieder in tellung noch Hufſchläge; te der Hecke en Zaun ge⸗ Schritte im 117 Graſe und hierauf ließ ſich die ganze Figur des Pa⸗ trons Fabian unterſcheiden, welcher, nachdem er ſich im Vorbeigehen nur überzeugt hatte, daß die Hausthür verſchloſſen war, ſich jetzt kühn jenem Fenſter näherte, vor welchem Gottlieb eben geſtanden hatte. Der Patron aber, anſtatt mit Spähen die Zeit zu verſchwenden, klopfte mehrmals an die Scheibe. Die immerwährend ſchlafende Magda hörte indeſſen ts. Da legte der Patron die Augen an das Glas und entdeckte ſogleich jenes entzückende Gemälde, das ſo eben Gottlieb gefeſſelt hatte. Nichts deſtoweniger war es eben keine Liebesphraſe, was bei dem Anblicke Magda's den Lippen unſers Liebhabers entfiel: „Verdammtes Weib!“ murmelte er,„ſie macht mich wahnſinnig! Sie könnte zuſehen, wie ich in der Hölle verginge vor Verlangen nach einem Tropfen Waſſer, und ihn mir dennoch nicht reichen!“ Er klopfte von Neuem an und zwar mit einer ſolchen Stärke, daß der klingende Laut jeden Andern hätte erwecken müſſen, der nicht einen ſolchen Tag ge⸗ habt hatte, wie Magda. In dieſem Augenblicke ſchien jedoch dem Patron vor ſeiner eigenen Dummdreiſtigkeit bange zu werden... Denke, wenn ſonſt Jemand, als die, der das Signal beſtimmt war, geweckt worden wäre!— O Schrecken, wenn ſeine Nachtwanderung bekannt würde und vor die Ohren ſeiner Frau käme! Glucklicherweiſe lief er keine Gefahr von Seiten der Schlafenden. Der Ehemann begann an allen Gliedern zu zittern — einen ſolchen Reſpect hatte ſeine„tüte Ulgenie“ ſo⸗ gar in der Entfernung. Und vielleicht hätte er ſeine Friedensunterhandlungen mit der ſchönen Magda ganz aufgegeben, wenn er nicht das oben erwähnte Endchen Bindfaden gewahr worden wäre. ————yj Einen kleinen Fliederzweig abbrechen, ihn hinein⸗ ſtecken, den Bindfaden von dem Haken abheben, war das Werk eines Augenblicks; und ehe Gottlieb nur den Zuſammenhang begriff, ſah er das Fenſter geöffnet und ſeinen werthen Onkel verſchwinden. Bei dieſem Geräuſch mußte Magda erwachen— und das that ſie denn auch wirklich. Wie eine Feder ſprang ſie auf. Und da ſie den Patron von Almwik vor ſich ſah, empfand ſte augen⸗ blicklich eine tödtliche Angſt, aber auch nur einen Augenblick. 3 Mit blitzenden Augen und einer ſpöttiſchen Krüm⸗ mung ihrer ſchönen vollen Lippen trat ſte ihm entge⸗ gen, und ſo drohend, ſo kühn war ihre Haltung, daß der Patron bange zurücktrat. 3 12Was iſt die Meinung mit einem Beſuch um dieſe ei 2 „Ich habe nicht fruͤher kommen können. Ich bin bei dem Richter geweſen und habe mit ihm geredet; ich glaube wohl, wir können es ſo einrichten, daß Herr Lönner ſchon morgen wieder zu Hauſe iſt.“ „Und um mir das mitzutheilen— was gewiß in guter Abſicht geſchieht— ſteigen Sie zum Fenſter herein?“ „Auf meine Ehre, es iſt nicht meine Schuld! Ich klopfte mehrmals an, und ehe ich nach Hauſe ritt, ohne eine Neuigkeit mitgetheilt zu haben, von welcher ich hoffte, daß ſie Ihnen einen beſſern Schlaf geben würde, ergriff ich, da Sie doch noch auf waren, die einzige Partie, welche mir zu Gebote ſtand.“ „Nun, ich leide ja auch keinen Schaden von dem freundſchaftlichen Beſuche des Herrn Patrons; da es jedoch nicht eben zu einer guten Ordnung gehört, die⸗ ſen Weg zu kommen, muß ich Sie erſuchen, ſich die Muhe zu machen, zurückzuſteigen! Hernach können wir mit einander reden.“ zu entha lich rück ihn hinein öheben, war lieb nur den geöffnet und erwachen— da ſie den d ſie augen⸗ nur einen ſchen Krüm⸗ ihm entge⸗ altung, daß uch um dieſe en. Ich bin hm geredet; en, daß Herr 1s gewiß in zum Fenſter Schuld! Ich iſe ritt, ohne welcher ich geben würde, die einzige den von dem cons; da es gehört, die⸗ hen, ſich die h können wir 119 „Grauſame Magda!..“ Der Patron wagte es, ſeine Hand auszuſtrecken. Aber Magda ſtieß dieſelbe ganz unſanft zurück. „Keine krummen Wege länger!... Und nennen Sie mich nicht Magda— ich führe den Namen meines Mannes und ſchäme mich dieſes Namens nicht!“ Gottlieb hatte alle mögliche Mühe, ſich des Lachens zu enthalten, als er ſeinen verliebten Onkel, unaufhör⸗ lich rückwärts getrieben von der jungen Frau, auf eine etwas genirte Weiſe durch das Fenſter zurückkommen ſah, und er war nahe daran, hinzueilen und ihn in ſeinen Armen zu empfangen, als Magda's Stimme ihn zurückhielt. „So, jetzt geht es, ein Wort mit einander zu re⸗ den!— Ich will hoffen, daß der Herr Patron ſich keinen Schaden gethan haben!“ „O, das iſt einerlei— ein ſo hartes Herz, wie das Ihrige, wird weder durch mein Leiden, noch durch meine Aufopferung gerührt!“ „Ich will Ihnen ein Wort ſagen, Herr Patron: es iſt verlorene Mühe, an mich zu denken. Ich kann wohl ein wenig Mitleiden haben mit der Thorheit eines Menſchen, wenn es nämlich nicht böſe gemeint iſt, doch...“ „Meine ich's denn böſe?— Setzen Sie mich auf die Probe!“ „Darauf gehe ich ein! Wollen Sie in allen Ehren den Vater auslöſen, ſo will ich Ihnen gerne für einen ſo großen Dienſt zu danken haben.“ „Und kein anderes Zeichen der Dankbarkeit?“ „Nicht ein Viertelzeichen mehr!“ „So reichen Sie mir wenigſtens die Hand, um die Thränen abzuwiſchen, welche meine Augen bren⸗ nen.. Ich bin ein ſchwacher, ein elender Wicht— ich weiß das— ich kann weinen, da man nich ver⸗ höhnt! Doch einerlei..., geben Sie mir Ihre Hand nur auf einige Minuten!“ 120 „Unmöglich!“ „Nur einen Finger denn, einen einzigen Finger!“ Anſtatt der Antwort wollte Magda das Fenſter zumachen, aber der Patron Fabian hielt es kräftig zurück. „Aha!“ ſagte er, durch Magda's Kälte zur Wuth gereizt,„Sie wollen eine Wohlthat ohne alle Erkennt⸗ lichkeit genießen!— So wiſſen Sie denn: der Alte mag ſitzen, wo er ſitzt! Außer mir gibt es keinen Menſchen, der ſich um Sie bekümmert!“ „Das wollen wir ſehen— Herr Gottlieb iſt wie⸗ der hier!“ „Ach ſo, iſt er hier Nun, was ſollte der wohl können?“ „Eigentlich gar nichts, außer vielleicht die Tante Ulrika von dieſer intereſſanten Seene zu benachrich⸗ tigen!“ fiel Gottlieb ein, indem er ſich perſönlich offen⸗ barte und einen durchbohrenden Blick auf den vernich⸗ teten Patron warf, welcher hiebei ohne ein Wort das Haſenpanier ergriff, ſich auf das Pferd warf und ver⸗ ſchwand.. „Nun ſieh, den kann man einen wahren Haſen nennen!“ ſagte Magda...„Aber, Herr Gottlieb, was Sie auch hieher gebracht haben kann, ſo machen Sie ihn doch nicht unglücklich, und ſagen Sie der Patronin etwas!“ Fürchten Sie nichts, Frau Lönner— ich ſpionirte hier nicht auf ihn, um dieſe Drohung zu erfüllen! Aber durch Nanny erfuhr ich heute gewiſſe Dinge, und da ich etwas ahnte und ihn in meiner Gewalt haben mußte..“ 2 „Ich verſtehe... Ach, Herr Gottlieb, Sie ſind ſehr gut und ehrenhaft! Nanny hat mir Alles geſagt, und niemals werden wir vergeſſen...“ „Gut, Frau Lönner!.. ich glaube ebenfalls kaum, daß ich jemals dieſes kleine Thal vergeſſe... Und nun Go Almwik unerträ zitternd urcht, i oe welche ſo aufg geworde „N vielen d Geſpen mein A blick zu vortreff Augenb Du ni⸗ Gattin. n Finger!“ das Fenſter es kräftig zur Wuth Lle Erkennt⸗ : der Alte es keinen ieb iſt wie⸗ te der wohl die Tante benachrich⸗ enlich offen⸗ en vernich⸗ Wort das rf und ver⸗ hren Haſen ttlieb, was nachen, Sie er Patronin ch ſpionirte u erfüllen! Dinge, und walt haben hie ſind ſehr geſagt, und rfalls kaum, . Und nun 121 gute Nacht! Grüßen Sie Nanny— bald iſt Alles wieder in der alten Ordnung!“ „O, tauſendmal Dank!... Sobald Ragnar zurück⸗ kommt, bezahlen wir mit Gottes Hülfe.“ * 4* Gottlieb's Herz klopfte vor Freude, als er nach Almwik zurückkehrte. Doch Einer, deſſen Herz eine unerträgliche Beklemmung litt, war unſer Patron, der zitternd in das Gemach ſeiner Gattin trat, in der Furcht, Gottlieb möchte ihm ſchon zuvorgekommen ſein. „O, wie ſteht es mitk Dir?“ fragte die Frau, welche ſich ſchon zur Ruhe begeben hatte.„Du ſiehſt ſo aufgeregt aus— das Pferd iſt doch wohl nicht ſcheu geworden oder etwas Anderes vorgefallen?“ „Nein, ſüße, theure Ulgenie, tüte Ulgenie, nichts — gar nichts! Aber mein Kopf iſt den ganzen Nach⸗ mittag ſo ſchwer geweſen.“ „Das kommt daher, weil Du zu viel ſchläfſt!“ „Vielleicht— ich will denn künftig weniger ſchla⸗ fen. Ich will in Allem Dir zu Willen ſein, geliebte Gattin!“ „So, mein Lieber, biſt Du ein würdiger Gatte— und wenn ich Dich immer ſo ſähe, würde ich nicht ſo vielen Grund zu Klagen haben!“ „Haſt Du Dich denn über etwas zu beklagen?“ Der Patron war dem Erſticken nahe: er ſah überall Geſpenſter, der arme Mann. „Ich ſage das nicht, um Dich zu beunruhigen, mein Alter.. es wäre unedel von mir, dieſen Augen⸗ blick zu wählen, in welchem Du Deine Pflichten ſo vortrefflich zu verſtehen ſcheinſt, um Dich an andere Augenblicke zu erinnern, da es ſo ausſieht, als wäreſt Sn mucht ſo durchdrungen von dem Werthe Deiner attin.“ 4 1²² „Ja, ja, es wäre grauſam— denn es iſt wahr, ja vollkommen wahr, daß... daß...“ „Was, mein geliebter Fabian?“ „Daß ich Dich noch nie ſo angebetet und verehrt habe, wie jetzt, ſüße, ſüße..“ Er konnte kein Wort mehr hervorbringen. „Fabian, dieſes Feuer!. Ha, Du begreifſt alſo endlich, daß Du glücklich biſt?“ „Ja, wie die Verdammten!“ ſeufzte er in der großen Angſt ſeiner Seele. Die Patronin hörte jedoch nur das erſte Wort. 16. Ein Feſt. Als Gottlieb am folgenden Morgen erwachte, ſah er, daß er ſchon Beſuch hatte. 4 Onkel Fabian ging im Zimmer auf und ab, und ſo jämmerlich ſah er aus, daß Gottlieb ein wenig Mitleiden mit ihm empfand. „Nun, Onkel, wie ſteht's?“ „Was verlangſt Du?“ 1 „O, der Tauſend, Onkel, in welchem Tone ſagen Sie das?— Gerade ſo, wie ein erſchrockener Reiſen⸗ der, dem der Straßenräuber zugerufen hat: Die Börſe oder das Leben!“ „Was Du mir geſtern Abend ſagteſt, war unge⸗ fähr daſſelbe.“ „Welch ein Irrthum!— es iſt keinesweges meine Abſicht, die Rolle des großen Rinaldini zu ſpielen! Ich bin der friedlichſte Menſch von der Welt, und wenn Sie zu Hauſe in angenehmer Ruhe zu leben wünſchen, V V was ga Abſicht, pfang 5 das Te iſt wahr, id verehrt ein Wort reifſt alſo er in der Wort. vachte, ſah d ab, und ein wenig Tone ſagen ner Reiſen⸗ Die Börſe war unge⸗ deges meine zu ſpielen! t, und wenn n wünſchen, —— 123 was ganz natürlich iſt, ſo habe ich gewiß nicht die Abſicht, ein ſolches Leben zu ſtören.“ „Du haſt wohl eher die Abſicht, mich Deine Ver⸗ ſchwiegenheit dreimal theurer bezahlen zu laſſen, als ein Advocat nehmen würde, um ein Geſchäft zu ordnen?“. „Fi doch! ich fordere ja gar nichts: ich erwarte...“ „Was denn?“ „Daß Sie ſich erbieten, mir die Summe zu leihen, welche der alte Lönner als Strafe bezahlen ſoll. Wenn ſpäterhin ſein Sohn, der Steuermann, ſie mir wieder bezahlt, ſo trage ich ſie ab. Wo nicht, ſo iſt die Klei⸗ nigkeit verloren.“ „Und was begehrſt Du denn von mir für eigene Rechnung?“ „Treibe ich denn Schacher mit meiner Verſchwie⸗ genheit?— Ich gebe mein Ehrenwort, daß ich der Tante nichts ſage!“ Schweigend zog der Patron ſein Taſchenbuch her⸗ vor und zählte das Geld ab, welches Gottlieb in Em⸗ pfang nahm. „Ich gebe keine Verſchreibung,“ ſagte er,„denn in dem Falle, daß ich ſelbſt Nichts erhalte, will ich auch Nichts bezahlen!“ Der Patron Fabian ſchwieg. Nachdem er aber das Taſchenbuch einige Male auf⸗ und zugemacht hatte, aͤußerte er in einem Tone, der wirklich Gefühl verrieth: „Höre, Gottlieb! ich bin nicht geizig. Du erwei⸗ ſeſt mir einen Dienſt, da Du mir eine Hölle bereiten könnteſt, und ich will dankbar ſein. Haſt Du Schul⸗ den? Dein Vater iſt arm.“ „Das nenne ich geſprochen wie ein Ehrenmann und ein guter Verwandter! Aber glücklicher Weiſe bin ich gezwungen geweſen, allzu ſparſam zu leben, ſo lange meine Academiezeit dauerte, als daß ich in die Dumm⸗ heit, Schulden zu machen, hätte verfallen können.“ „Nun, wenn Du keine Schulden haſt, ſo haſt Du 124 eine Zukunft— Du darfſt mein Anerbieten nicht aus⸗ ſchlagen!“ „Ich ſchlage es auch nicht aus, obgleich ich es jetzt nicht in Anſpruch nehme, denn für den Augenblick be⸗ darf ich nichts— falls Sie nicht, um meine Füße und Stiefel zu ſparen, mir Reiſegeld geben wollen— wenn ich aber vielleicht in der Vogtei des Vaters feſten Fuß erhalte, ſo werde ich mit der größten Dankbarkeit Ihres gütigen Verſprechens gedenken.“ ¹ „Thue das, ich verſpreche Dir, daß ich ein gutes Gedächtniß haben werde.“ „Noch ein Wort, Onkel! Laſſen Sie die ehrliche Frau in Ruhe— ſie wird dennoch niemals Ihre Beute!“ Bei dieſen Worten ging eine Aſchenfarbe über das Geſicht des Patrons, und er blickte mit einer Art von Schauder um ſich. „O, die Wände haben hier keine Ohren!... Alſo, Onkel, Sie beherzigen meine Bitte?“ „Ganz gewiß!... dieſes Weib hat mich wahnſin⸗ nig gemacht, aber ich glaube, die Angſt, welche ich ſeit geſtern Abend ausgeſtanden, hat mich jetzt geheilt. Auf keinen Fall gehe ich mehr dahin!“ * 4* Gewiß ſangen die Vögel in„Lafontaine's Thal“ lieblicher, als gewöhnlich, gewiß dufteten Roſen und Lavendel friſcher, als jemals, als der junge Herr Gott⸗ lieb das Oberhaupt der Familie zurückbrachte— we⸗ nigſtens meinten Alle dieß. Und wann, außer bei Ragnar's Ankunft, wurde wohl in dem rothen Häuschen ein ſolches Feſt gefeiert? Das war ja ein wirklicher Schmaus! Reisbrei, Fiſche und Kuchen.. der Alte im Hochſitze... Gott⸗ lieb, der aus der Reiſekaſſe die Bewirthung beſtellt hatte, neben Nanny... die Kinder eſſend, als wollten ſie dieſes Geſchäft gleich für ein ganzes Jahr abma⸗ p·ↄ chen.. näht, ur Roſe, d alten H ihrem g welche 1 Schafe, wirthete Bette r war, u Calle 9 lieb und Si ſagen zu Nanny blies, ſ einem Di Ihr rot des Mä auſſetzte unſere nomme hicht aus⸗ ch es jetzt nblick be⸗ Füße und — wenn eſten Fuß keit Ihres ein gutes ie ehrliche be Beute!“ über das - Art von ... Alſo, wahnſin⸗ he ich ſeit heilt. Auf e's Thal“ Roſen und Herr Gott⸗ ſte— we⸗ ft, wurde gefeiert? Reisbrei, ... Gott⸗ ig beſtellt ls wollten ihr abma⸗ 125 chen... Calle in der Sonntagsweſte, die Magda ge⸗ näht, und mit einer Roſe im Knopfloch der Jacke, eine Roſe, die Magda gebrochen hatte... Magda ſelbſt dem alten Hausvater aufwartend mit Augen, Händen und ihrem ganzen Weſen... und endlich die kleine Kerſtin, welche umherging und das Goldſternchen, Karo, die Schafe, die beiden Ziegen und die antike Katze be⸗ wirthete... das war ja makellos!“ „Und dieß Alles verdanken wir nächſt Gott Ihnen, Herr Gottlieb!“ ſagte der Alte, indem er den Jüng⸗ ling mit Rührung betrachtete.„Gluͤcklich die Eltern, welche einen ſolchen Sohn haben!“ „Vater Lönner!“ ſagte Gottlieb mit einem freund⸗ lichen Blick um ſich her,„Sie haben keine Urſache, ſie zu beneiden!“ „Das iſt wahr!“ antwortete der Greis und nickte den Geliebten zärtlich und feierlich zu.. Später, da der alte Vater ſchon in dem theuren Bette ruhte, welches ihm nun doppelt theuer geworden war, und Magda neben ihm ſaß und plauderte, und Calle Rindenboote für die Kinder ſchnitt, ſaßen Gott⸗ lieb und Nanny unten an der Quelle. Sie ſchienen ſich heute Abend nicht ſo viel zu ſagen zu haben, wenigſtens konnte man das glauben, denn Nanny ſuchte eifrig nach Vierblättern und Gottlieb blies, ſeiner etwas kindiſchen Gewohnheit gemäß, auf einem großen Blatte. Die Sonne begann ſich dem Untergange zu nähern. Ihr rother Schein ſiel auf das bleiche, feine Antlitz des Mädchens. „Es thut mir leid,“ ſagte endlich Gottlieb, indem er das Blatt wegwarf und eine recht verſtändige Miene auſſetzte,„es thut mir leid, daß wir keine Zeit hatten, unſere Uebungen fortzuſetzen— doch im Ganzen ge⸗ nommen, mein Kind, kannſt Du genug.“ Mehr, denn genug! antwortete Nanny leiſe. 126 „Beſonders für die Schule!“ „Ja, beſonders für die Schule!“ „Aber Du antworteſt ſo gedankenvoll und gleich⸗ gültig— Du biſt nicht ſo, wie Du zu ſein pflegſt!“ „Ich weiß nicht anders... wenn aber Gottlieb es ſagt, ſo iſt es wohl wahr. Wenn man aber erſt ſehr froh geweſen iſt, wie ich heute, und hernach eben ſo traurig wird, als man vorher froh war, ſo geht es wohl ſo, daß man den Muth ſinken läßt.? „Aber, liebe Nanny, Du wußteſt ja, daß ich reiſen ſollte?“ oll„Ich wußte nicht, daß es ſchon morgen geſchehen ollte.“ „Ich auch nicht, als wir uns geſtern traſen. Da ich mich aber entſchloß, mit dem Dampſſchiffe zu reiſen, ſo ſtehſt Du wohl ein...“ 4 1“ „Ja, 4 „Und dann, was thun ein paar Tage, da man doch ſcheidet...“ „...Um ſich niemals wieder zu ſehen!“ „„Es iſt ſehr Recht, daß Du Dir keine Hoffnung machſt. Inzwiſchen...“ Das junge Mädchen ſah ihn fragend an. „Weißt Du, Nanny, es iſt ſonderbar, daß wir, die wir uns bei meiner erſten Anweſenheit vierzehn Tage, und bei dieſer nur vier Tage getroffen haben, dennoch einander ſo gut ſein können!“ „Nein, das iſt ganz natürlich; Leute, die einander in Geſellſchaften treffen, können ſich vielleicht in ſechs Monaten nicht ſo viel ſagen, als wir bisweilen in einigen Stunden. Anfangs ſahen wir uns an jedem Abende, dann Morgen und Abend, und...“ „.. und zuletzt Morgen, Mittag und Abend!“ fer Gottlieb lachend ein.„Wahrhaftig, Nanny, Du aſt Recht! Wenn wir nur alle unſere Zuſammenkünfte während der erſten Periode unſerer Bekanntſchaft zu⸗ ſammenzählten, und ſie nach einer in der Woche berechnet Jahr la einander lung, u verräthe als daß plötzlich thun wu „N keit,„d fahre, haben, mich da „U einen h d gleich⸗ fflegſt!“ ottlieb es erſt ſehr heben ſo o geht es ich reiſen geſchehen afen. Da zu reiſen, man doch Hoffnung 1. daß wir, t vierzehn fen haben, ee einander ht in ſechs sweilen in an jedem d Abend!“ anny, Du nmenkünfte ntſchaft zu⸗ der Woche 127 berechneten, ſo wären wir gewiß beinahe ein ganzes Jahr lang mit einander bekannt.“ „O, weit länger!“ entgegnete Nanny ebenfalls lächelnd. „Und da wir Wort gehalten haben, uns nicht in einander zu verlieben, ſo ſcheiden wir nun wohl mit Freundſchaft und Zärtlichkeit, aber nicht mit Verzweif⸗ lung, und was das Beſte iſt, nicht mit Vorwürfen, die wir ſonſt vielleicht zu machen und zu hören haben würden.“ „Ach ja, es iſt ſehr gut, daß... daß...“ Nanny konnte nicht ausreden. „Wir brauchen es uns ja nicht zu verbergen, daß jenes Uebereinkommen wirklich etwas gewagt war— ich meines Theils bin nicht ſtolzer, als daß ich bekenne, daß es mir nicht ganz leicht geworden iſt, es zu halten.“ „Aber, Gottlieb, da Sie es nun einmal gehalten haben, ſo iſt es gut, wie es iſt.“ „Ja, gewiß, das weiß ich wohl— und dennoch iſt es nicht ſo gut, wie ich es haben wollte.“ „Wie gut wäre es denn da?“ „Das weiß ich meiner Seel' ſelbſt nicht! Hätte ich aber eine ſichere Stellung...“ Nanny ſenkte die Augenlider tief herab über die verrätheriſchen Augen; aber das geſchah nicht ſchneller, als daß Gottlieb bemerkte, wie ſich ein Strahl von plötzlicher Hoffnung darin entzündete. „Du willſt mir alſo nicht rathen helfen, was ich thun würde, wenn ich unabhängig wäre?“ Mein!“ entgegnete das junge Mädchen mit Feſtig⸗ keit,„das würde zu Nichts dienen! Und wenn ich er⸗ fahre, daß Sie, Herr Gottlieb, die reiche Frau erhalten haben, von welcher wir geredet haben, ſo werde ich mich darüber freuen.“ „Und dieſe reiche Frau koſtet Dir nicht einmal einen halben Seufzer?“ 128 „Nein, wenn Sie nur durch dieſe Frau glüͤcklich werden?“ „Nanny, Du redeſt ſo, als wenn Du mich gar nicht liebteſt!“ rief Gottlieb heftig aus, indem er alle Vorſätze vergaß. „Thue ich denn das?“ fragte Nanny erröthend. Tach glaube ſelbſt nicht, daß ich ſo wahnfinnig ſein ann!“ „Aber ich glaube es— oder kannſt Du läugnen, daß Dein Herz mein iſt?“ „Ich läugne es nicht, geſtehe es aber auch nicht!“ erwiederte Nanny mit einem Blick, der den Jüngling zur Mäßigung zwang.„Was mein Herz angeht, das iſt meine Sache; was aber gewiß bleibt, das iſt: nicht ich verleite Sie, Herr Gottlieb, daß Sie durch eine znſaltige Schwäche unſer kluges Uebereinkommen ver⸗ geſſen.“ „Ach, Nanny, Du biſt ſehr klug und edel!... Behalte Dein Geheimniß— ich hatte Unrecht, als ich es Dir entreißen wollte. Doch ſo viel Verdienſt haſt Du in meinen Augen, daß ich zurückkomme, wenn ich einmal meiner Neigung folgen darf!“ „Dieſe Worte will ich vergeſſen, Herr Gottlieb; denn ich halte ſie für die ſchlechteſten, welche Sie ge⸗ ſagt haben!“ 3 „Wahrhaftig, Du haſt wieder Recht! Aber ich ſagte, was ich dachte, und es iſt nicht mein Fehler, wenn ich eben daran dachte, daß Du ganz vortrefflich zu meiner Gattin paſſen würdeſt.“ Bei dieſen Worten fuhr Nanny heftig zuſammen, und ihre Augen antworteten mit einem Vorwurfe, der bitterer war als Worte. „Ich glaube beſtimmt, ich bin wahnſinnig: ich will meinen Fehler verbeſſern, und ſtatt deſſen... Es iſt das Beſte, ich gehe ſogleich, denn ſonſt...“ „Nun, ſonſt?“ „.. Sonſt nehme ich Dich, bei Gott, in meine —Q⏑—⏑—— „ Zeit verf laſſen w chen, do ſpaziere Allem e ſenden b Die glücklich mich gar m er alle erröthend. ſinnig ſein läugnen, ch nicht!“ Jüngling geht, das g iſt: nicht durch eine , wenn ich r Gottlieb; che Sie ge⸗ ! Aber ich nein Fehler, vortrefflich zuſammen, rwurfe, der nſinnig: ich eſſen... Es 44 , in meine V Die Familie im Thale. 129 Arme, und ſchwoͤre, daß ich, ſo wahr ich ein ehrlicher Kerl bin, Dich ſo liebe, als wäreſt Du ſchon meine Frau!... Und nun... es mag halten oder brechen . aber ich widerſtehe nicht länger...“ Und Gottlieb that buchſtäblich was er geſagt hatte. „Ach, ach!“ rief Nanny aus, zu gleicher Zeit weinend und lächelnd,„das iſt ja ganz wahnſinnig!“ „Nein, im Gegentheil: es iſt göttlich!“ „Morgen kommt aber die Reue!“ „Nicht bei mir, Nanny! Auf Ehre und Glauben, meine kleine Frau Aſſeſſorin, das ſoll vortrefflich ge⸗ hen— wir ſind arbeitſam, haben wenig Bedürfniſſe und es iſt ſo übermenſchlich angenehm, verliebt zu ſein.“ „Aber... „So gewöhne Dir doch das abſcheuliche Wort ab! Nachdem ich erſt meinen Entſchluß gefaßt habe, laſſe ich keine Aber zu! Und da wir zu unſerer Einrich⸗ tung keine großen Unkoſten zu machen brauchen, ſo brau⸗ chen wir auch über das Warten nicht unſere ſchönſte Zeit verfließen zu laſſen: in einem Jahr, höchſtens zwei, laſſen wir den Prieſter den Trauſegen über uns ſpre⸗ chen, dann nehme ich Dich unter den Arm, und wir ſpazieren aus Deinem Thal, um mit frohem Muthe Allem entgegenzugehen, was der Herr über uns zu ſenden beliebt.“ Nanny, welche lange gegen den Rauſch angekämpft hatte, wurde dennoch zuletzt immer mehr in denſelben hineingezogen— und die Zuſammenkunft endigte mit einer neuen Uebereinkunft, die der erſten ganz entgegen⸗ geſetzt war, nämlich, daß ſie ſich ewig lieben wollten. Von dieſer Veränderung ſollte jedoch für's Erſte außer ihnen ſelbſt kein Menſch etwas wiſſen. 130 17. Nagnar. Der Herbſt war gekommen. In dem Thale lagen ganze Haufen vergilbter Blätter. Die Vögel ſchwiegen, das Gras war verwelkt und Regen und Stürme hatten die Quelle getrübt. Aber wenn auch in der Natur Alles von Verhee⸗ rung und Verwandlung redete, ſo war dort in dem rothen Häuschen dennoch die Freude ein Gaſt; denn der junge Hausvater war eben heimgekehrt und ver⸗ nahm in dem Kreiſe der Seinigen, den Arm um ſein junges Weib geſchlungen, die Erzählung der ſchmerz⸗ haften und frohen Ereigniſſe, die vorgefallen waren. Sobald der Greis geendigt hatte— denn er war der Erzählende— trat Ragnar vor und ſchloß den alten Vater heftig in ſeine Arme. „Welch ein Unthier hat das angeſtiftet?“ ſagte er. „Ich ahne etwas!... Einen ſo alten Mann in's Ge⸗ fängniß zu ſetzen— und ich war nicht zu Hauſe, ich konnte Euch nicht ſchützen, Ihr armen Frauenzimmer, da Ihr ſolches mit anſehen mußtet!“ Und bei dieſen Wort⸗n ſchwollen die Adern hoch an in dem männlichen ntlitze. Ein leiſes Huſten an der andern Seite des Zim⸗ mers machte, daß Ragnar's Blick dorthin flog. „Ich verſtehe, mein Calle! Du hätteſt gerne viel gethan... und das haſt Du auch. Ich hatte Unrecht — vergib mir, Calle— als ich ſagte, die Frauen⸗ zimmer wären allein geweſen!“ Und nun ging der große, kraftvolle Ragnar, deſſen wettergebräunte Wange von ſtarker Bewegung flammte, nach dem Theile des Zimmers, von welchem man das Huſten vernommen hatte, und reichte die Hand ſeinem Bruder Calle, der, vergilbt wie draußen das Laub, auf der anblickt De immer an die Al nur ein Weiſe Gaſt; denn rt und ver⸗ rm um ſein der ſchmerz⸗ en waren. denn er war ſchloß den 2“ ſagte er. ann in's Ge⸗ Hauſe, ich rauenzimmer, nd bei dieſen m männlichen ite des Zim⸗ flog. eſt gerne viel hatte Unrecht die Frauen⸗ agnar, deſſen ung flammte, em man das Hand ſeinem en das Laub, 131 auf dem Sopha zuſammengekauert lag und Diejenigen anblickte, welche geſund und froh waren. Der arme Calle— von Tag zu Tag welkte er immer mehr dahin, und immer feſter wurde ſein Glaube an die Prophezeiung der Stimme. Als Ragnar ihm die Hand reichte, antwortete er nur ein kurzes:„Dank!“ „Wie heiß Du biſt— Du haſt ja ein förmliches Fieber!... Nun, ich gehe wohl in die Stadt und rede mit dem Doctor!“ Bei dieſem Vorſchlage begann Calle auf die alte Weiſe zu lachen.„Das lohnt ſich auch der Mühe!“ agte er. ſng„Gewiß thut es das, lieber Calle!“ meinte Magda, die ebenfalls in den dunkeln Winkel kam.„Ragnar hat Recht!“ „Ja, das hat er immer gehabt!“ meinte Calle mit einer gewiſſen, ihm ſonſt fremden Heftigkeit.„Du kannſt mir gerne zuwider handeln, wenn Du ihm nur zu Gefallen thuſt!“ „Was nun, Calle? Haſt Du nicht Deinen Bruder lieb?“ fragte Ragnar, und in demſelben Augenblicke wechſelte er behende und, wie er glaubte, unbemerkt einen Kuß mit ſeiner Frau: der hurtige Seemann war im Allgemeinen etwas ſcheu, Andere die Beweiſe ſehen zu laſſen, wie verliebt er noch immer war. „Habt Ihr denn nicht das ganze Zimmer zum Küſſen?“ fragte Calle ärgerlich.„Ich mag's nicht ſehen, daß Ihr Euch gerade vor mich ſtellt!“ „Vielleicht biſt Du mißgünſtig?“ ftel Ragnar lachend ein: er hatte Calle's Aeußerung nicht näher bedacht. Calle aber erhob ſich, blickte ſeinem Bruder ſtarr in das Geſicht und antwortete: Ja!“ „Nun, warum denn das, Calle?“ „Weil ich nicht leiden kann, daß Jemand Magda 9* 132 küßt!.. Iſt das nicht wahr, Magda?— Du weißt wohl noch, wie ich war, als der Patron Dir einen Kuß abkaufen wollte?“ „Was in Gottes Namen plaudert er da für Wahn⸗ finn? Ich glaube, das Gehirn hat bei dem Jungen einen Leck bekommen!... Einen Kuß von Magda kaufen!... Armer Calle!“ „Lüge ich, Magda? Antworte Du!“ „Ach, Jeſus im Himmel, wie Du eine Sache er⸗ zählſt, Calle! Du hätteſt doch wohl erſt ſagen ſollen, wie es kam, und...“ Magda wurde roth und blaß und konnte in der Eile ſelbſt nicht das rechte Wott finden. „Kann es denn aber wahr ſein?“eſiel Ragnar ein, und ſeine Augen begannen auf eine ſichtbare Weiſe zu funkeln. Magda hatte jetzt ihre Faſſung wieder erhalten, und erzählte ungekünſtelt das ganze Ereigniß. Als ſie geendigt hatte, verblieb Ragnar einige Minuten ſtumm. Darauf ſagte er ohne ſichtbare Be⸗ wegung:. „Jetzt bin ich um ſo mehr überzeugt, daß dieſer ... dieſer... gleich viel!... daß der Patron bei dem Unglücke des Vaters ſeine Hand mit im Spiele gehabt hat.“ „Ja, ſo ſicher,“ antwortete der Greis ablenkend, als daß der junge Mann, von dem wir eben redeten, ganz allein meine Befreiung auswirkte! Ich wünſchte, Du hätteſt Herrn Gottlieb kennen gelernt— das war ein ehrenwerther Jüngling!“ „Das will ich ihm auch in dem Briefe ſagen, den ich ſchreibe... Wenn er nur nicht ebenfalls einen Nebengedanken hatte!“ „Wenigſtens keinen auf mich!“ entgegnete Magda, und ließ einen ſchelmiſchen Blick auf Nanny fallen. „Oho, da ſehe man nur!... Nun, Nanny iſt ſo groß und hübſch geworden, daß ſie das Beſehen ſchon aushalten noch einn „Jetz ſchichten, Blick wa ſtand; un und bei Reiſen u mit den zählte, n gnügen End. Die jung die Gatte blick, de Wenn m ſagen, d erſten I rend der Du weißt Dir einen für Wahn⸗ em Jungen on Magda Sache er⸗ igen ſollen, unte in der tagnar ein, e Weiſe zu r erhalten, nar einige htbare Be⸗ daß dieſer Patron bei im Spiele ablenkend, en redeten, h wuͤnſchte, — das war ſagen, den falls einen ete Magda, y fallen. anny iſt ſo ſehen ſchon 133 aushalten kann! Aber ich kann nicht dafür, daß ich noch einmal auf den Patron zurückkomme...“ „Jetzt hören wir aber lieber einige luſtige Ge⸗ ſchichten, die Du uns erzählen ſollſt!“ Und Magda's Blick war ſo bittend, daß Ragnar ihn ſogleich ver⸗ ſtand; und darum, ſo lange er noch bei dem Vater und bei den Geſchwiſtern ſaß, wurde nur von ſeinen Reiſen und Geſchäften geſprochen, während er dabei mit den Kindern ſpielte und ihnen einige Märchen er⸗ zählte, welche die Uebrigen mit nicht geringerem Ver⸗ gnügen anhörten............ Endlich kam die Zeit des ehelichen Vertrauens. Die junge Colonie hatte ſich zur Ruhe begeben und die Gatten waren allein. „So, liebe Magda, nun ſollſt Du mir einen ordent⸗ lichen Kuß geben! Gott ſegne Dich für jeden Augen⸗ blick, den Du mir zu einem Feſttag gemacht haſt! Wenn man ſieben bis acht Monate auf der See um⸗ hergeſchleudert worden iſt, und alle Arten von Wind und Wetter verſuchtahat, ſo ſchmeckt es herrlich, wenn man in den Hafen gehen und ſich bei einer ſchönen und guten Frau erholen kann!“ „Iſt es denn wirklich die reine Wahrheit, Ragnar, daß Du mich eben ſo lieb haſt, wie im Anfange?“ „Haſt Du denn in dieſem Sommer keine Glücks⸗ blätter gefunden, da Du mich ſo fragſt?“ Anſtatt der Antwort eilte Magda und holte eine alte Compaßdoſe, die auf der Ecke des Schrankes ſtand. Sieh hier!...“ Sie zeigte ihm eine ganze Handvoll trockener Kleeblätter. 3 ANun, haben dieſe Dir denn keine Antwort gege⸗ en?“ 3 In dieſer Compaßdoſe verwahrte Magda, ſo zu ſagen, die Blüthe ihres häuslichen Glückes. Von dem erſten Jahre ihrer Ehe an, hatte die junge Gattin wäh⸗ rend der Abweſenheit des Mannes dieſe Symbole geſucht, 134 und ſo lange ſie dieſe fand, war ſolches ein Zeichen ſeiner fortdauernden Liebe und Treue. Und alle Jahre war Magda's Ernte gleich groß geweſen. Als nun der Mann ſo froh und glaubwürdig fragte: „Haben dieſe Dir denn keine Antwort gegeben?“ warf ſich Magda an ſeine Bruſt und beugte ſeinen Kopf zu⸗ rück, indem ſie ihn aufmerkſam betrachtete. „Ho, ich werde morgen wohl beſſer ſein, wenn ich mich richtig fein raſirt hahe!“ meinte Ragnar, und brüſtete ſich ein wenig in ſeiner kurzen blauen Jacke. „Du biſt ſo gut, daß es gefährlich ſein möchte, wenn Du beſſer wäreſt!... Aber, lieber Ragnar, Du haſt ja die Kinder noch nicht gemeſſen und geſehen, wie weit ſie über das Merkzeichen gewachſen ſind— das pflegt ja ſonſt immer Dein erſtes Geſchäft zu ſein!“ „Dießmal empfingt Ihr mich ja auch mit ſo merk⸗ würdigen Neuigkeiten, daß ich das Gewöhnliche ganz vergaß. Herzlich betrübte es mich auch, zu ſehen, daß Calle ſich zur letzten Reiſe klar machte— er war wohl im letzten Winter ein wenig ſchwächlich, doch das ging ſchnell vorüber.“ „In unſerer kummervollen Zeit hat er zu viel ge⸗ arbeitet, und dann hat er ſich ſo wenig um ſich ſelbſt bekümmert, und dann... ja, ja, es iſt etwas ſon⸗ derbar mit dem Jungen.“ „Was denn ſonderbar? Er iſt nie ſo ganz rich⸗ tig geweſen— meinſt Du, das hätte zugenommen?“ „O nein, das meinte ich nicht...“ „Nun, ſo ſage doch!“ „Lache nur nicht über meine Einbildungen und werde dem armen Calle nicht böſe! Es iſt ſo, daß... er mich ein wenig allzu lieb hat, und das zehrt an ihm, obgleich er es ſelbſt nicht verſteht.“ „Was Du da ſagſt, iſt nicht zum Lachen! Jetzt fällt es mir auch ein, wie ſonderbar er ausſah, als er mir gerade herausſagte, daß er mißgünſtig wäre, da ich Dich küßte. Armer Junge! ſollte ich böſe wer⸗ den können ken gehab „Neit mer einig alles Gute Glück iſt zu trinker vorſinge mit Alle heraus. Abe hun⸗ als ätte, de in Zeichen alle Jahre dig fragte: en?“ warf Kopf zu⸗ ein, wenn gnar, und en Jacke. in möchte, agnar, Du ſehen, wie nd— das u ſein!“ it ſo merk⸗ rliche ganz ſehen, daß war wohl hdas ging zu viel ge⸗ ſich ſelbſt etwas ſon⸗ ganz rich⸗ mmen?“ ungen und ſo, daß... s zehrt an chen! Jetzt usſah, als nſtig wäre, böſe wer⸗ 135 den können, da er gewiß niemals einen halben Gedan⸗ ken gehabt hat, Dich oder mich zu beleidigen?“ „Nein, niemals! Wenn ich ihm in dieſem Som⸗ mer einige Blumen in den Topf ſetzte, ſo war dieß alles Gute, das er kannte, ſo wie es jetzt ſein höchſtes Glück iſt, wenn ich ihm ſein Bett zurecht mache, ihm zu trinken gebe und ihm bisweilen ein kleines Lied vorfinge oder ein Kapitel aus der Bibel vorleſe.“ „Herr Gott, eine ſolche Liebe iſt nur eine ſchöne Roſe, an der man riecht, unn das Gemüth zu erfriſchen. Er mag auch gerne ſeine Liebe in Frieden behalten! Sie wird ihn erfreuen in ſeiner letzten Stunde— und ich will in ſeiner Gegenwart nie wieder einmal Deine Hand nehmen.“ „Wie gut Du biſt! Und ich darf alſo ganz ſo ſein, wie ich geweſen bin?“ Bei dieſen Worten ſtrich Magda eine Thräne aus den langen Wimpern, und ehe Rag⸗ nar antworten konnte, fuhr ſie fort:„Du magſt Dich auf mich verlaſſen, ich weiß, was ich thue, ich will nur, daß er ein kleines Glück auf Erden fühlen ſoll, er ſteht ja ſonſt ſo allein da!“ „Thue ganz ſo wie Du willſt und beliebſt, mein Herz! Du weißt, daß ich zu Dir eine Zuverſicht habe, wie zu meiner eigenen Seele. Wenn ich aber mild bin gegen Calle, der mir kein Unrecht will, wenigſtens nicht mit Wiſſen und Willen, ſo bin ich nicht ſo nach⸗ ſichtig gegen den, der auf jede Weiſe unrecht handeln will!“ Aus dieſer Einleitung ſah Magda wohl, daß ſie mit Allem heraus mußte. Und es kam auch Alles heraus. Aber ſie erſchrack dabei mehr über Ragnar's Schwei⸗ en, als der Fall geweſen wäre, wenn er aufgebraust hätte, denn wurde Nagnar böſe, ſo hatte er eine Art 3 ſhdeigen, die tauſendmal beredter war, als alle uth. „Ach ſo, er kam zum Fenſter herein, um Dich 136 zum Abfall zu verlocken, nachdem er zuvor den alten Vater hingeſchafft hatte, wohin er ihn haben wollte?... Nun ja, ärgere Schurkenſtreiche ſind vorgegangen!“ Das war Alles, was er ſagte. Und als nicht nur der folgende Tag verging, ſondern auch der zweite, ohne daß der Name des Patrons nur erwähnt wurde, ſo dachte Magda, daß Ragnar nun ſehr vernünftig ge⸗ worden wäre, und es ärgerte ſie vielleicht ſogar ein wenig, daß der Patron ſo guten Kauſes davon kam. L- 18. Eine Stunde an dem Regierungsruder. Der Patron Fabian, welcher während des ganzen Herbſtes der unterthänige Selave ſeiner„tüten Ulgenie“ geweſen und eben darum immer mehr in den Staub getreten worden war, hatte ſeit der Nachricht von der Ankunft des Steuermannes Lönner faſt fortwährend das Fieber. Er hatte ſelbſt in dem Schlafſtuhle keine Ruhe mehr, denn ſchlafend und wachend hatte er immer einen und denſelben Anblick: den Kopf des Steuermannes Lönner, der zur Thür hereinblickte. Jetzt bekam er plötzlich eben ſo große Luſt zum Reiſen, als er bisher zur Ruhe gehabt hatte, und fühlte ſich nur dann ſicher, wenn er von Hauſe entfernt war, denn er wußte, daß der Steuermann Lönner allzu viele Ehre hätte, als daß er ſich in einen Hinterhalt legen könnte. An einem Morgen, da er, wie ſeit acht Tagen ge⸗ wöhnlich, mit der Nachricht zu ſeiner Frau kam, daß er nothwendig verreiſen müßte, ſagte ſie, indem ſie ihn verwundert betrachtete: mermeht veränder abkomm zu vern Unmögl unerlau einbilde geſehen Do Umgege wenigſte angeſtel ſolches Na den alten wollte?... angen!“ nicht nur der zweite, hnt wurde, nünftig ge⸗ ſogar ein von kam. uder. des ganzen en Ulgenie“ den Staub ht von der ährend das keine Ruhe amer einen uermannes Luſt zum hatte, und uſe entfernt önner allzu Hinterhalt Tagen ge⸗ am, daß er em ſie ihn 137 „Aber, Menſch, was iſt dieß für ein Hin⸗ und Herflattern? Haſt Du den Koller bekommen? Soll ich hier immer allein ſitzen?“ „Ach, meine Liebe, Du weißt wohl, daß man ſeine Geſchäfte betreiben muß!“ „Ich weiß, daß Du noch vor kurzer Zeit mit ge⸗ nauer Noth Dich ſelbſt treiben konnteſt! Es hängt nim⸗ mermehr richtig zuſammen, daß Du ſo Deine Natur veränderſt!“ „Geliebte Ulgenie, Du weißt, daß ich Deine Ueber⸗ legenheit, Alles zu beurtheilen, kenne— heute aber muß ich nach Rörby auf die Auetion reiſen— dort werden echte ſpaniſche Schafe verkauft.“ „Nun, das wäre wirklich ein ordentliches Geſchäft. So reiſe denn, komm aber nicht zu ſyät nach Hauſe!“ „Ich hoffe vor elf Uhr hier zu ſein, meine Liebe!“ Frau Ulrique⸗Eugenie reichte ihm ihre Hand zum Kuſſe; und nachdem der Patron mit dem ganzen Ueber⸗ reſte ſeiner verlegenen Galanterie dieſelbe an ſeine Lip⸗ pen geführt hatte, wendete er ſeiner Ehehälfte eilfertig den Rücken zu. Den ganzen Tag konnte die Patronin nicht davon abkommen, ſich über die Veränderung ihres Mannes zu verwundern, und hätte ſie es nicht für eine reine Unmöglichkeit gehalten, daß er es wagen könnte, auf unerlaubtem Wege zu wandern, ſo hätte ſie ſich leicht einbilden können, er hätte irgend ein Frauenzimmer geſehen, das ſie ſelbſt nicht kannte. Doch unter allen ihren Bekannten in der ganzen Umgegend gab es ja keine Einzige, die Fabian nicht wenigſtens zwanzig Mal geſehen hatte, und bei jeder angeſtellten Prüfung hatte es ſich immer gezeigt, daß ſolches ohne Gefahr geſchehen war. Nachdem ſie dieſes ihrem Gedächtniß eingeſchärft hatte, beruhigte ſich unſere Patronin. Und nachdem ſie den Tag mit allerlei kleinen häuslichen und mütter⸗ lichen Zerſtreuungen hingebracht hatte, ging ſie früh 138 zu Bette, denn ſie wurde ſtets von Langerweile geplagt, wenn ihr Fabian, den ſie wirklich liebte, nicht zu Hauſe war, um ihre Liebe und ihr Gekeife zu hören. 8* *⁴ Es mochte etwa eine Stunde vergangen ſein, ſeit⸗ dem Frau Ulrique⸗Eugenie eingeſchlummert war. Und gleich ihr ſchlief das ganze Perſonal des Hauſes— denn obgleich ein Dienſtmädchen beordert war, auf den Herrn zu warten, ſo meinte doch dieſe genug gethan zu haben, wenn ſie die Hausthüre, dem Befehl zuwider, offen ließe. Das Uebrige konnte einer von den Be⸗ wohnern der Knechtſtube beſorgen. Wie geſagt: Frau Ulrique⸗Eugenie mochte etwa eine Stunde geſchlummert haben, als ſie, geſtört von einem Geräuſch— einer Art von Kratzen und Stam⸗ pfen ganz in der Nähe— das eine Augenlid zu öffnen verſuchte; ein Signal, das dem Patron die Weiſung geben ſollte, eine ſeiner vornehmſten Schuldigkeiten ih zu vergeſſen, nämlich die, ſeine Frau nicht zu ören. Doch das Signal blieb ganz ohne Wirkung. Unter ſolchen Umſtänden ſah ſich die Frau genö⸗ thigt, auch das andere Augenlid zu öffnen, um mit Hülfe der faſt eben ſo ſchläfrigen Nachtlampe zu ent⸗ decken zu ſuchen, in welchem Zuſtande Fabian denn eigentlich wäre. 3 Ihr erſter Blick ſiel gegenüber auf den Sopha— er war leer; der zweite traf den Wiegeſtuhl; da dieſer jedoch theils in dem Schatten der weitläufigen Bett⸗ gardinen ſtand und theils auch der geringſten möglichen Beleuchtung von der Lampe genoß, ſo konnte die Patro⸗ nin nicht mehr entdecken, als nur ein paar Füße. Aber eben dieſe Füße hatten die Naſeweisheit gehabt, ſich immerwährend zu bewegen, und hiemit fuhren die be⸗ ſagten Füße immer noch fort. 3 nicht?“ 4 Fab „Ah ſoffen ge widerſteh gut und Imr Deines vorſichtig Dich nie klingeln Als riß Fra Aergerlie und beka zu faſſer „N. entgegne wurde ihren J 7 geplagt, nicht zu zu hören. ſein, ſeit⸗ dar. Und Hauſes— „ auf den ig gethan lzuwider, den Be⸗ chte etwa eſtört von d Stam⸗ zu öffnen Weiſung ldigkeiten nicht zu ung. rau genö⸗ „um mit be zu ent⸗ ian denn Sopha— da dieſer gen Bett⸗ möglichen die Patro⸗ iße. Aber habt, ſich en die be⸗ 139 „Jabian! was fällt Dir ein?— ſchämſt Du Dich nicht?“— Fabian ſchwieg ſtill. „Aha, Du Wicht! ich merke, ſte haben Dich be⸗ ſoffen gemacht!— Und Du, elender Menſch, haſt nicht widerſtehen können... Nun ſo rühr' Dich!... ſei ſo gut und entkleide Dich, oder...“ Immer noch keine Antwort. „Da haben wir's— er iſt total beſoffen!... Geh Deines Weges, Fabian! geh in Dein Zimmer!... Geh vorſichtig; Du darfſt kein Licht nehmen... aber fall' Dich nicht zu Tode!... Nun, wird's bald?... Soll ich klingeln und Dich hinaus tragen laſſen?“ Als ſich auch jetzt noch keine Antwort vernehmen ließ⸗ riß Frau Ulgenie mit einer Geberde ausdrucksvoller Aergerlichkeit die Gardine zurück, ſtreckte die Hand aus und bekam eine ganze Maſſe von unbekannten Haaren zu faſſen. „Himmel!“ rief ſie aus,„das iſt nicht mein Mann!“ „Nun, ſo iſt es wohl der Mann einer Andern!“ entgegnete eine ruhige Stimme. Der Schrecken hielt unſere Patronin ab, zu ſchreien. „Ein Dieb!“ murmelte ſie. „Glaube kaum!“ „Aber— wer... wer iſt es denn?“ ſtotterte ſie. „Schlafe Sie nur ruhig! Sie ſoll nicht geſtört werden!“ 8 Frau Ulrique⸗Eugenie tappte unaufhörlich nach dem Glockenzuge...„Man will mich im Schlafe morden!“ „Schlafe Sie ganz ruhig, ſage ich!“ entgegnete die 3„Ich will weder ſtehlen, noch auch morden: ich will nur...“ Jetzt löste ſich der unglückſelige Krampf in der Kehle der Patronin, aber als ſie nur den erſten Ruf ausſtieß, wurde derſelbe unter einer breiten Hand, die ſich über ihren Mund legte, erſtickt. „Habe Sie die Güte, das nicht noch einmal zu thun, 140 denn dann bin ich gezwungen, beſchwerlich zu fallen... und kümmern Sie ſich auch nicht um den Glockenzug— es gibt nur Chikane, wenn die Dienſtleute hereinkommen!“ „Was will Er denn, ſchrecklicher Menſch?“. „Sitzen, wo ich ſitze, für's Erſte weiter nichts!“ Plötzlich erhielt die Patronin eine neue Ahnung— wenn ſes ein unglückliches Opfer einer wahnſinnigen Liebe wäre! „Wie?“— ſie hatte ihre ganze Würde in der Stimme geſammelt—„ſitzen, wo Er ſitzt?... es iſt ja in mei⸗ nem Schlafzimmer!“ „Das ſehe ich wohl!“ Dort hat aber kein Menſch das Recht, zu ſein, als nur mein Mann!“ „Und ich!“ Bei dieſer unerwarteten Antwort bekam unſere Frau den Muth, ihren unverſchämten Gaſt näher zu muſtern; es war eine recht angenehme Geſtalt, die ihr mit ihren großen und überaus kühnen Augen ſowohl Intereſſe, als auch Abſcheu einflößte; der Abſcheu kam daher, daß die Geſtalt in eine blaue Friesjacke gehüllt war, welche den Fehler hatte, daß ſie ihre romantiſche Illuſion gänzlich zerſtörte. „So erkläre Er mir doch dieſe beiſplelloſe Unver⸗ ſchämtheit!“ „Die Erklärung wird ſehr bald kommen!“ „Sehr bald— alſo nicht mich ſucht Er?“ „Nicht eigentlich.“ „Alſo meinen Mann?“ 1 a! „Nun? habe ich denn etwas damit zu thun?“ „O ja, ein wenig!“. „Hal“ rief Frau Ulgenie, die ſich jetzt der erſten Aeußerung des Beſuchenden erinnerte,„ha! hier muß ein Geheimniß ſein! Sie ſagten ja, daß Sie der Mann einer Andern wären?“— „Richtig, ja!“ „Ur mir zu S eine For * ich ihm ch ih 3 „— weſen?“ „* Uebrigen zu ſchrei ſie hält „Ur nicht thi „Je ſähe, d geſtieger gegen do fängniſſe Gefahr „E. R „r „Un mein M thurm d er mir mir glei allen Ge hiſſen w Convoi „It Mann, Geſchöpf blicklich en... und zug— es nkommen!“ 24 3 ichts!“ Ahnung— nigen Liebe eer Stimme ja in mei⸗ ſein, als inſere Frau n muſtern; mit ihren tereſſe, als r, daß die welche den ön gänzlich oſe Unver⸗ 2 21 un?“ der erſten er muß ein Mann einer 141 „Und daß Sie ein Recht hätten, meinen Mann bei mir zu ſuchen?“ „Nun, man kann wirklich ſagen, daß Sie zu buch⸗ ſtabiren und zu leſen verſteht!“ „Das heißt... o, ich ſticke, ich ſticke!... Sie haben eine Forderung an meinen Mann?“ „Nein, er hat eine ſolche an mich, und dieſe will ich ihm ehrlich mit Kapital und Zinſen bezahlen!“ „O, der Barbar, der Heuchler iſt mir untreu ge⸗ weſen?“ „Ja, im Herzen und in Gedanken, das iſt gewiß. Uebrigens aber iſt meine Frau nicht von der Art, die zu ſchreien oder nach dem Glockenzuge zu greifen braucht; ſie hält ſich ohne ſo viel Weſen in Reſpect.“ „Und denkt Er denn, niedriger Menſch, daß ich das nicht thue?“ „Ich weiß nicht, was Sie thun würde, wenn Sie ſähe, daß ein Mann um dieſe Zeit zum Fenſter herein⸗ geſtiegen käme und Sie zur Untreue zu verleiten ſuchte gegen das Verſprechen, einen alten Vater aus dem Ge⸗ fängniſſe zu ſchaffen— ich weiß nur, daß hier keine Gefahr geweſen iſt.“ „Er iſt alſo der Steuermann Lönner?“ „Richtig gerathen!“ 3 „Und wegen der elenden Reize Seiner Frau ſollte mein Mann?2...“ „Was nun?— elende Reize? Nun, der Leucht⸗ thurm dort iſt zwar nicht ſehr klar, aber dennoch kann er mir den Weg zeigen, daß ich ſehe, ich habe vor mir gleichſam eine holländiſche Kuffe, und dieſe ſo ohne allen Geſchmack getakelt, daß ich lieber jeden Segellappen hiſſen würde, um in Lee zu kommen, als ſie unter meinen Convoi zu nehmen.“ „Ich verſtehe Sein Rothwälſch nicht, mein guter Mann, daß Er aber ein unwiſſendes und ungebildetes Geſchöpf iſt, das iſt klar, und ich befehle Ihm, mich augen⸗ blicklich zu verlaſſen.“ 142 „So zwinge Sie mich denn, rückwärts zu gehen, wit meine Magda es mit dem Patron machte— ſei Sie o gut!: 8„Wilder, dem alles Feingefühl fehlt— redet man ſo zu einer Dame, zu einer verzweifelten Gattin, welche über die Untreue ihres Gatten weint und wüthet?... O der Nichtswürdige, der Nichtswürdige! ich will ihn vernichten mit meinem Zorne!“ „Zuerſt komme ich!“ „Aha, ich verſtehe!... Nun wohl, das Maß meines Schickſals iſt gefüllt— ſo mag denn Blut fließen! Steuermann Lönner! Sie wollen alſo mit ihm duelliren?“ „Duelliren? Nein, behüte mich Gott! dieſe Art Ge⸗ ſchäfte abzumachen, überlaſſe ich vornehmen Leuten... ich habe eine andere Art, meine Geſchäfte abzuſchließen!“ „Welche Art?“ „O, die iſt ſehr einfach. Ich habe gedacht, es könnte einem Manne nichts Aergeres zuſtoßen, als wenn er in Gegenwart ſeiner Frau chikanirt wird, und daß es ſogar für einen feigen Jammerlappen keine ärgere Chikane gibdt, als... doch einerlei— der Patron weiß wohl ſelbſt, was er fürchtet, da er jeden Tag abreist.“ Frau Ulrique⸗Eugenie ſchlug die Hände zuſammen. Jetzt hatte ſie den Schlüſſel zu der Veränderung ihres Mannes. „Und da es unmöglich geweſen iſt,“ fuhr Ragnar fort,„ihn bei Tage zu treffen, ſo bin ich gekommen um an dieſem Orte und zu dieſer Zeit Rechenſchaft zu fordern.“ Kaum hatte der Steuermann Lönner ausgeredet, als ſich ſchwere, langſame Schritte näherten. Gleich einer gereizten lauernden Tigerin, mit Augen, die vor Rache leuchteten, ſaß die Patronin im Bette, in ein großes rothes Tuch gehüllt, deſſen Scharlach bleich war, verglichen mit dem Scharlach, der auf ihrem Ge⸗ ſichte brannte. Sie ſchien bereit zu ſein, ſich auf ihren Raub zu ſtürzen. Ragnar, welcher ſich erhoben hatte, ſtand unbeweg⸗ lich da Degen! Karbatſt Oh taumelte nicht die auf die nagelt, Un Brutus 6 Anlaß nicht de wohl w war, u gleich d Beſchim die Umſt Brutus Alles de der ſich donnerte wie Ad vor.. nicht me „S „S über ſor zu gehen, — ſei Sie redet man ttin, welche üthet?... ich will ihn Naß meines lut fließen! duelliren?“ iſe Art Ge⸗ Leuten... uſchließen!“ t, es könnte wenn er in aß es ſogar hikane gibt, wohl ſelbſt, zuſammen. erung ihres uhr Ragnar kommen um zu fordern.“ zgeredet, als mit Augen, in Bette, in arlach bleich f ihrem Ge⸗ ch auf ihren nd unbeweg⸗ 143 lich da wie eine Statue. Er hatte aus ſeiner Jacke keinen Degen und keinen Dolch hervorgezogen, wohl aber eine Karbatſche von der ausgeſuchteſten Qualität. Ohne das fürchterliche Ungewitter zu ahnen, das ſich üͤber ſeinem Haupte zuſammengezogen hatte, trat der Patron Fabian ein. Da er aber mit einem einzigen Blicke ſeine Frau in dieſer Stellung und mit dieſen Augen, ſowie den ſchrecklichen Steuermann Lönner, den Genius der Rache, in dem ehelichen Heiligthum erblickte, da taumelte er zurück auf die Thüre zu. Und hätten ihm nicht die Beine allen Dienſt verſagt, ſo würde er ſich auf die Flucht begeben haben; nun aber ſtand er feſtge⸗ nagelt, zur Erde geſchlagen von zwei Blicken. Und dennoch war es jetzt, wenn jemals, Zeit, den Brutus zu ſpielen. Was war es wohl, das dieſem ſchlauen Manne Anlaß gab, aus ſeiner Betäubung zu erwachen, wenn nicht der Beſuch, den Lucretia erhalten hatte? Es iſt wohl wahr, daß Frau Ulgenie nicht ſo beſchimpft worden war, und daß ſie auch keineswegs bereit zu ſein ſchien, gleich der Lucretia ihr Blut zu opfern, um die erlittene Beſchimpfung abzuwaſchen; auf jeden Fall waren jedoch die Umſtände ſcheinbar geeiguet, den Brutus zu wecken. Brutus aber ſchnarchte aus allen Kräften und würde Alles darum gegeben haben, wenn er nur den Anblick, der ſich ſeinen Augen darbot, hätte träumen können. „Feiger Verräther, der ſeine Eide gebrochen hat!“ donnerte Frau Ulgenie.„Du verſteckſt Dich, merke ich, wie Adam nach dem Sündenfalle— aber komme her⸗ vor... dieſe Lucifergeſtalt wird Dich lehren, daß Du nicht mehr im Paradieſe lebſt!“ „Steuermann Lönner!“ ſtotterte der Patron,„ich bin unſchuldig, ich bin ein unglücklicher Mann, und ich ſchwöre, niemals hat Frau Magda...“ Bei dieſem Worte fuhr die„Lucifergeſtalt“ zuſammen. „Still! der Name meiner ehrlichen Gattin darf nicht über ſolche Lippen kommen— ſie bedarf keiner Entſchul⸗ 144⁴ digung, um das Vertrauen ihres Mannes nicht zu ver⸗ lieren! Doch Ihre Frau, Sie nichtswürdiger Feigling, muß erfahren, was ſie von Ihnen zu glauben hat, und das ſoll ſie jetzt von mir erfahren!“ Mit dieſen Worten ergriff der Steuermann Lönner den Arm des Patrons kräftig mit der einen Hand und mit der andern ſchwang er die Schiffskarbatſche. Da jedoch der eingeſchüchterte Nebenbuhler gar keine Miene machte, ſich zu vertheidigen, da er jammernd und de⸗ müthig um Barmherzigkeit flehte, ließ Ragnar ihn augen⸗ blicklich los, wendete ſich mit einiger Verlegenheit uͤber ſen eigenes Gefühl an die Frau Ulrique⸗Eugenie und agte: „Wahrhaftig, er iſt ein ſolcher Wicht, daß ich mich eben ſo leicht hinſtellen und meinen Haſen durchpeitſchen könnte! Ich bin völlig gerächt, da ich ihn Ihren Händen übergebe.“ Die Karbatſche verſchwand unter der Jacke und der Steuermann Lönner entfernte ſich. *.* Aber der Steuermann Lönner hatte die Umſtände unrichtig beurtheilt, als er glaubte, der Patron ſei der Meduſa hinter den Bettvorhängen anheim gefallen. Eben das ungeheure Uebermaß in dem Schimpfe, den er ſchon erlitten, nebſt der Vorſtellung von allen Schreckniſſen, die ſeiner noch warteten, reizten ihn zu einer Wuth, die ſich eine unerwartete Babn brach, als er ſich mit ſeiner Frau allein ſah... Brutus erwachte.“ Er hatte keinen andern klaren Gedanken, als daß. er die Tigerin in den Staub drücken müßte, ehe ſie ſich auf ihn ſtürzte, und darum ſtürzte er mit drohenden Ge⸗ berden und wilden Blicken auf ſie los. „O Du ſchändliches Weib, Du Ehebrecherin! glaubſt Du, ich laſſe mich bethören von der Komödie, die Du mit Deinem Liebhaber verabredet haſt? Ich laſſe Dich 3 allein in Herzen kennen le „Fo genie wi das war „W Patron den Don an und ich das habe ich ſprünger im Stil ſchämter zu Gut machten Fre ein unſ den rüh Verbrec Dr Muth d nicht ſch den Tyr artige4 und ihr weiſe v⸗ zuletzt Paſcha letztere entſchlu D verände gegang . 2.. Die t zu ver⸗ Feigling, hat, und in Lönner Hand und ſche. Da ne Miene und de⸗ hn augen⸗ nheit uͤber genie und ich mich chpeitſchen n Händen e und der Umſtände on ſei der llen. Schimpfe, von allen ten ihn zu rach, als erwachte.“ „als daß. he ſie ſich enden Ge⸗ n! glaubſt , die Du laſſe Dich 3 allein in Deinem Hauſe, ſowie ich Dich ſchon aus meinem Herzen geſtoßen habe, und die ganze Welt ſoll Dich kennen lernen, ſowie ich Dich ſchon jetzt kenne!“ „Fabian, Fabian! biſt Du wahnſinnig?“ Frau Ul⸗ genie wurde ängſtlich, zugleich aber auch bezaubert— das war gerade eine Scene nach ihrem Geſchmack. „Wenn ich wahnſinnig geworden bin—(da der Patron ſeinen Vortheil begriff, ſtillte er augenblicklich den Donner feines Zornes, nahm eine imponirende Stellung an und ſtand ſo vor ſeiner zitternden Gattin)— wenn ich das geworden bin, wer iſt ſchuld daran? Wie lange habe ich nicht die Augen zugedrückt bei Deinen Seiten⸗ ſprüngen? Wie manche blutige Thräne habe ich nicht im Stillen geweint, wenn ich ſah, wie Du dieſe unver⸗ ſchämten Schmarotzer aufmunterteſt, die mit meinem Tiſche zu Gute hielten, während ſie meiner Frau den Hof machten!“ Frau Ulgenie, welche plötzlich aus einer Furie in ein unſchuldiges Lamm verwandelt war, betheuerte in den rührendſten Phraſen, ſie ſei unſchuldig, habe gar kein Verbrechen begangen, ja nicht einmal in ihren Gedanken. Doch je demüthiger ſie wurde, deſto höher ſtieg der Muth des Patrons, und erſtaunt, daß er dieſen Ausweg nicht ſchon längſt gefunden hatte, ſpielte er nun con amore den Tyrannen und machte ſeiner Frau ſo viele verſchieden⸗ artige Vorwürfe, daß ſie vernichtet zu ſeinen Füßen ſank und ihn anflehte, ſeinen Zorn zu hemmen, bis er Be⸗ weiſe von ihrer Schuld hätte— eine Gnade, die er ihr zuletzt bewilligte und ſich gleich einem verweichlichten Paſcha von ſeiner Favoritſelavin aufwarten ließ, welche letztere endlich das Glück hatte, an der Seite ihres Paſcha's entſchlummern zu dürfen. 3 Die ganze Revolution mit der neuen Regierungs⸗ veränderung war in kürzerer Zeit als einer Stunde vor⸗ gegangen.......... Die Familie im Thale. .. .......„ ⸗ io 146 Die Sonne ſtand ſchon hoch am Himmel, als die Patronin erwachte. Anfänglich wurde es ihr ſchwer, das Drama zu be⸗ greifen, welches während der Nacht aufgeführt worden war. Als aber Alles klar wurde, da ſeufzte ſie einen tiefen Seufzer: ſie hatte ihre Zeit überlebt, aber ſie unter⸗ warf ſich mit Reſignation ihrem Schickſale, die Gehor⸗ chende zu werden, nachdem ſie ſo lange die Regierende geweſen war. Aber als ſie ſo in Nachdenken verſunken war, wie ſie ſich von den grauſamen Beſchuldigungen, die ihr Mann ihr gemacht hatte, befreien könnte, vernahm ſie eine Stimme, welche in einem jämmerlichen Tone ſtotterte: „Tüte Ulgenie, theure Gattin! kann Dein zärtliches Herz ſich bewegen laſſen? Ich habe wohl geträumt, daß ich es gewagt habe, Dich zu beleidigen!“ „O, ergebenſte Dienerin!“—(man kann kaum glauben, mit welcher glänzenden Schnelligkeit die Patronin ihre ſchon verloren gegebenen Vortheile wieder an ſich riß, als hätte ſie dieſelben noch niemals im Ernſte für verloren gehalten)—„O, ergebenſte Dienerin! haſt Du nun den Rauſch ausgeſchlafen?“ „War ich denn.. ſollte ich getrunken haben? Ich kann mich doch nicht recht erinnern...“ „Du Wicht! wann haſt Du Dich wohl jemals einer Sache erinnert, wenn nicht mit meinem Gedächtniſſe?“ Doch es lohnt ſich nicht der Mühe, dieſe Scene noch weiter fortzuſetzen. Die eine Stunde lange Regierung des Patrons Fabian verblieb nur eine große Phantaſte, welche, wie alle verunglückten Revolntionen, nur zehnmal ſchwerere und drückendere Auflagen zur Folge hatte.— De Lönner die ſalzi Do im Fri flotten Jeder n Ab der ſo dieſer m Er zu Bett ſtuhle d der Leh ſtuhl un St ſie auf ſchneide Neuem ſchöne bezaube A alten 8 hören, welche hin kar in grof keine ei die ihn liebt he Kinderf fahrten Wort als die a zu be⸗ t worden ſie einen ſie unter⸗ Gehor⸗ egierende ar, wie die ihr nahm ſie ſtotterte: ärtliches umt, daß in kaum Patronin an ſich rnſte für haſt Du 2n? Ich als einer htniſſe?“ e Scene Patrons he 7 wie ſchwerere 147 19. Calle. Der Winter war dahin. Der kecke Steuermann Lönner hatte die Seinigen wieder verlaſſen und pflügte die ſalzige Woge. Daheim im Thale wiegte ſich ſchon das junge Gras im Frühlingswinde. Die Kinder ließen ihre Rinden⸗ flotten auslaufen. Und in dem rothen Häuschen wirkte Jeder nach Kräften für das gemeinſame Beſte. Aber Einer war da, der nicht wirken konnte und der ſo ſtill und freundlich in ſeinem Winkel ſaß— dieſer war Calle. Er hatte ſchon eine Zeit lang während des Winters zu Bette liegen müſſen, nun aber ſaß er in dem Lehn⸗ ſtuhle des Vaters, den dieſer ihm abgetreten hatte; und der Lehnſtuhl ſtand in der Ecke zwiſchen Magda's Webe⸗ ſtuhl und dem Zimmer des Vaters. Sobald die Kinder nicht im Freien waren, ſaßen ſie auf dem Fußboden bei Calle, der noch immer Pfeifen ſchneiden, ihre Boote nach allen erlittenen Haverien von Neuem auftafeln und auch, obgleich nur mit leiſer Stimme, ſchöne Geſchichten von dem Nix, der Seefrau oder den bezauberten Prinzeſſinnen erzählen konnte. Auch die Kinder der Nachbarſchaft kamen, um ihren alten Freund zu beſuchen und ſeine letzten Geſchichten zu hören, und Alle brachten ihre kleinen Geſchenke mit, welche die Mätter für Calle zubereitet hatten. Später⸗ hin kamen auch die Mütter ſelbſt mit ihren Geſchenken in großen Körben, denn es gab in der ganzen Umgegend keine einzige, der Calle nicht geholfen hatte, keine einzige, die ihn nicht hatte rufen laſſen, keine, die ihn nicht ge⸗ liebt hatte— und wer ſollte ihn wohl jemals bei den Kindern erſetzen fkönnen? Man ſtellte wirkliche Wall⸗ fahrten an zu Calle, der ſtets ein ſchönes und dankbares Wort zu ſagen hatte. Auch war Call; nicht gefühllos 148 vor dem Stolze, daß er alſo dieſe„Präſent⸗ Geſchenke“ an Magda abgeben konnte. „Ach, wer doch ſo beliebt wäre!“ ſagte Nanuy oft, indem ſie mit einem leichten Seufzer an den dachte, der es gelobt hatte, ſie ewig zu lieben, und deſſen Worten zu glauben, ihr ein Bedürfniß war. Wie groß, wie befriedigend für Nanny war nicht auch das Glück, welches dieſer Glaube ſchuf, und wie wohlthuend wirkte er nicht auf ihr ganzes Weſen! Sie verſank nicht mehr wie früher in eine träumeriſche Un⸗ thätigkeit, ſondern ſie war hurtig, lebhaft, friſch und blühend— die welke Lilie war in eine ſchöne Roſe ver⸗ wandelt. Magda und der Vater prieſen höchlich dieſe Verän⸗ derung, welche ſie nicht erwartet hatten, und welche ſie nicht anders deuten konnten, als daß Nanny vernünftiger war, als andere junge Mädchen. Calle dagegen hatte ſeine eigenthümliche Schlauheit, und wenn Nanny zu äußern pflegte:„Ach, wer doch ſo beliebt wäre!“ ſo pflegte er zu antworten:„Du weißt recht gut, daß es Einen gibt, der auch Dir gut iſt— ſonſt würdeſt Du nicht ſo zwitſchern!“ Bei ſolchen Worten wurde Nanny roth wie Schar⸗ lach und flüſterte: „Das darfſt Du nicht ſagen, wenn es Jemand hört!“ Calle nickte. Und eines Tages erfuhr er das ganze Geheimniß, denn Calle, der nicht lange mehr auf Erden leben konnte, mochte es gerne wiſſen. Es war für Nanny ein großes Bedürfniß, zu erfahren, ob außer ihr noch Jemand an Gottlieb's Gelübde glaubte. „Und meinſt Du,“ ſo ſchloß ſie,„daß er zurück⸗ kommt?“ „So gewiß, wie ich die Johannisſonne nicht mehr zu ſehen bekomme, kannſt Du ihn erwarten! Es lag eine ſolche Treue in ſeinen Augen, daß er ſein Wort nicht bricht!“ 3 1 „Warum wählſt Du ein ſo unglückliches Gleichniß, Calle? mehr ſe De Worten kranken er hörte künſtelt S kann m. enge iſt wo ich nar un ſchmäh⸗ 2 aufnahr reiche: Ragna „ doch ich 7 als ich C hing er betrach mäldes „ gen, I zeſchenke“ anny oft, chte, der Worten vwar nicht und wie ſen! Sie iſche Un⸗ riſch und Roſe ver⸗ e Verän⸗ welche ſie nünftiger chlauheit, doch ſo Du weißt ut iſt— e Schar⸗ d hört!“ as ganze uf Erden ir Nanny ihr noch zurück⸗ icht mehr lag eine ort nicht hleichniß, —,.,——— 149 Calle? Warum ſollteſt Du die Johannisſonne nicht mehr ſehen?“ Der Schmerz über den einen Theil von Calle's Worten vertrieb die Freude über den andern. „Nein, doch ich warte nur darauf, daß der ſpaniſche Flieder ausſchlagen ſoll; dieſe Blumen ſind immer meine Freude geweſen!“ Der alte Lönner verſuchte es bisweilen, mit ſeinem kranken Sohne über geiſtliche Gegenſtände zu reden; aber er hörte auf damit, als Calle eines Tages ganz unge⸗ künſtelt ſagte: „Sei ſo gut, Vater, und laß das Geplapper! Ich glaube an den Herrn Jeſus Chriſtus und an ſeine Gnade gegen Sünder, und da ich nicht weiß, daß ich ſo ſehr viel Böſes gethan habe, außer daß ich das Wildpret ſtahl, ſo fürchte ich mich gar nicht, ſondern warte ruhig darauf, daß er zuſagt, wenn er Zeit hat, mich anzunehmen. Ich kann wohl begreifen, daß der Raum im Hinmmerreiche enge iſt; aber dennoch erhalte ich wohl einen Winkel, wo ich den Vater und die Kleinen und Nanny und Rag⸗ nar und Magda erwarten kann, wenn ſie es nicht ver⸗ ſchmähen, neben mir zu ſitzen.“ „Ach, Herr Jeſus, wie Du da redeſt, mein Calle!“ entgegnete Magda, die nun den Gegenſtand des Geſpräches aufnahm.„Du weißt recht gut, daß ich Dir im Himmel⸗ reiche nahe ſein will, da Du mir hier auf Erden nächſt Ragnar der Liebſte geweſen biſt!“ „Das ſagſt Du nur, damt ich fröhlich ſein ſoll; doch ich bin nicht ſo hochmüthig, vaß ich es glaube!“ „Iſt denn Jemand hier, der Dir mehr Liebe beweist, als ich?“ Calle lächelte und— blickte auf die Wand. Dort hing eine neue Weſte, deren Gewebe er ſo aufmerkiam betrachtete, als wäre jeder Faden eine Partie eines Ge⸗ mäldes geweſen. 4 „Meinſt Du,“ entgegnete er nach einigem Schwei⸗ gen, da der Vater hinausgegangen war,„meinſt Du, 150 daß Ragnar mir nicht böſe war? Er merkte es gewiß, daß ich Dich ein wenig mehr lieb habe, als vielleicht recht paſſend iſt— ich ſage das ſo aufrichtig und de⸗ müthig, denn ich weiß, Du biſt nicht wie Andere, und ich könnte nicht ganz ruhig ſterben, wenn ich wüßte, daß Ragnar mir nicht gut wäre.“ 3 „Nein, Calle, ſei Du überzeugt, daß Ragnar Dich liebt als ein redlicher Bruder! Er ſah es recht gut, daß Dir Niemand ſo zu Willen handeln konnte wie ich, aber er ſagte mir oft und beſonders kurz vor ſeiner Abreiſe...“ „Was ſagte er?“ „Magda, ſagte er, verlaß niemals den Calle— er iſt eine ehrliche und fromme Seele, der ſeine Freude hat, wo Du biſt. Aber Calle iſt nicht derjenige, welcher mir mit Worten und Gedanken zu nahe treten will, und ſo will auch ich ihm auf keine Weiſe in ſeinen Gefühlen zu nahe treten, ſondern dieſelben gleichſam mit ihm thei⸗ len, denn das verdient er. Und das kannſt Du ihm ſagen, ſetzte er hinzu, wenn er ſich um meinetwillen viel⸗ leicht einmal beklemmt fühlen ſollte.“ „Sagte er wirklich jedes Wort?“ „So wahr ich lebe und ihn dereinſt zu treffen hoffe!“ „Und Du haſt das Verſprechen gehalten und mich nicht verlaſſen! Wirſt Du das aber auch thun, ſo lange ich den Kopf noch aufrecht zu halten vermag?“ „Ich verlaſſe Dich niemals!“ „Und wenn es zu Ende geht,“ fuhr er mit leiſerer Stimme fort,„ſo ſollſt Du allein mir zu trinken geben und nicht zulaſſen, daß ein Anderer mein Kopfkiſſen an⸗ greift... und wenn der Todeskampf kommt, ſo will ich, daß Du meine Hand halten ſollſt wie jetzt, damit ich fühle, daß Du mir nahe biſt bis an mein Ende... und dann ſollſt Du(willſt Du das nicht?) ſelbſt meine Au⸗ gen zudrücken und einen ſchönen Geſang über mich beten!“ Auf alle dieſe rührenden Bitten, die noch erhöht wurden durch die blöde Liebe in ſeinem Blick, antwortete Magda treufeſt und mit Thränen: a Menſch, Freude dieſes L ſeinen 2 Zäͤrtlich noch iht auf ſein No Nebel üt Gli mann R freuen, y 7 „Ve als ich ſtiana ge gewiß, ielleicht und de⸗ te, und zte, daß ar Dich zut, daß h, aber eiſe... e— er ude hat, her mir und ſo jefühlen m thei⸗ Du ihm en viel⸗ hoffe!“ lid mich o lange leiſerer in geben .. und beten!“ 151 „Sei ruhig, mein Calle! Ich verſpreche Dir, daß Dich außer mir Niemand anrühren ſoll!“ Calle lächelte. Er war nun ſo glückſelig, daß kein Menſch, der Hoffnung hat, auf ein ganzes Leben voller Freude und Genüſſe, glückſeliger bei dem Gedanken an dieſes Leben ſein konnte, als Calle bei dem Gedanken an ſeinen Tod, der alle dieſe ferneren Beweiſe von Madbais Bärrlichiet gegen ihn herbiführen ſollte....a. Die erſte Blüthe des ſpaniſchen Flieders, welche ausſchlug, legte Magda in Calle's Hand, während er ſich noch ihres Duftes erfreuen konnte— die letzte legte ſie auf ſein Grab. 20. Die Geſchwiſter.(Schluß.) Noch lange nach Calle's Hintritt hing ein dichter Nebel über oder richtiger in dem kleinen Hauſe im Thale. Glücklicherweiſe kam an dieſem Herbſt der Steuer⸗ mann Ragnar weit früher als gewöhnlich nach Hauſe, und die Roſen auf Calle's Grabe waren noch nicht ver⸗ welkt, als Magda mit einem Gefühle tiefer Andacht ihren Mann zu der Ruheſtätte des Bruders führte. „Ruhe in Frieden, armer Junge!“ ſagte Ragnar, indem er eine Thräne abwiſchte.„Unſer Gott ſah, was Dir das Beſte war... Nun aber, liebe Magda, darfſt Du ihn nicht allzu ſehr betrauern, denn da kannſt Du Dich nicht mit vollem Herzen über die Neuigkeit freuen, welche ich mit nach Hauſe bringe!“ „Was iſt denn das für eine Neuigkeit?“ „Der Capitän Hansſon, welcher genau ſo lange, als ich Steuermann geweſen bin, die Brigg Sara Chri⸗ ſtiang geführt hat, iſt in der letzten Zeit und beſonders 152 auf der letzten Reiſe ſo ſchwach geweſen, daß er nicht mehr zur See geht.“ „Nun das war wohl nicht ſo angenehm?— Er war Dir ein Capitän, wie Du ihn gewiß nie wieder erhältſt.“ 3„Ich bekomme keinen Capitän mehr: ich werde jetzt ſelbſt Capitän— der Rheder hat mir das Anerbieten ge⸗ macht, daß ich das Fahrzeug führen ſoll!“ „Was ſagſt Du? in Gottes Namen!— Aber das iſt ja doch ganz unmöglich?“ „Das ſoll ſchon möglich werden; denn mein alter Capitän hat mich ſo empfohlen, daß Herr Lund, um alle Schwierigkeiten zu heben, mir vorſchießt, was ich zu dem Schiffereramen brauche; und ſobald das Weihnachtsfeſt vorbei iſt— bis dahin ſtudire ich zu Hauſe— reiſe ich, und dann wirſt Du die Gattin eines Capitäns und reiſeſt im nächſten Frühjahr mit Nanny und dem kleinen Con⸗ rad nach Göteborg, um die Schute einzuſegnen, ehe ich mich in die See begebe.“ Still faltete Magda ihre Hände. Ihr Dankbarkeits⸗ ſeufzer war inbrünſtig— eine ſolche Höhe des Glückes war faſt allzu groß. Ragnar umarmte ſie ſchweigend. „Ich wollte geſtern nichts ſagen, denn ich meinte, es würde ſo ſeierlich ſein, wenn ich es hier erzählen könnte, hier, wo wir Calle ſo nahe ſind, der Dein Glück immer über ſein eigenes ſetzte.“ „Dank, Dank!“ ſagte Magda, indem ſie die Freuden⸗ thränen aus ihren Augen wiſchte.„Jetzt weiß ich,“ fuhr ſie fort,„warum ich in dieſem Jahre ſo viele Glücks⸗ blätter gefunden habe!... Herr Gott, Ragnar! die Frau eines Capitäns!... und noch eben ſo gut biſt Du mir jetzt?“ „Jetzt und ewig, meine Magda!... Und einen Hut ſollſt Du bekommen, ſo fein wie irgend einer... und einen Kaſimirſoawl... und ein ſchwarzes levantinenes Kleid— das verſpreche ich Dir!“ „Laß uns nun in des Himmels Namen nach Hauſe gehen, ausſchüt Un groß, al Ein poſt in und der für die „ S endlich anders „H hundert da Du der ehrl dieſem blattes, „ Fenſter ſie weit * Gottlie und mu. und M. Alte au „ eben zu zu dem achtsfeſt -reiſe ich, ind reiſeſt en Con⸗ ehe ich barkeits⸗ Glückes ) meinte, erzählen dein Glück Freuden⸗ ich,“ fuhr 2 Glücks⸗ die Frau ur jetzt?“ einen Hut und einen 3 Kleid— ach Hauſe — 153 gehen, damit ich mich vor dem Vater und vor Nanny ausſchütten kann!“ Und des Baters und Nanny's Glück war eben ſo groß, als das, welches Magvda ſelbſt fühlte. **½ * Einige Tage, nachdem dieſe außerordentliche Freuden⸗ poſt in der Familie bekannt gemacht war, ſaßen Magda und der Vater allein im Saale und bildeten ihre Pläne für die Zukunft. „So theilt der Herr Freude und Betrübniß!“ ſagte endlich der Alte.„Vor einem Jahre ſah es für uns anders aus.“ „Habe ich denn das vergeſſen? Nein, und lebte ich hundert Jahre, ſo vergäße ich niemals den Tag, Vater, da Du von uns gingſt, und eben ſo wenig den Tag, da der ehrliche Herr Gottlieb Dich zurückbrachte!... In dieſem Jahre ſchickt ihm Ragnar den Reſt des Geldes.“ „Das Geld können wir wohl bezahlen, aber niemals ſeine Freundlichkeit und Liebe... Er kam nicht wieder noch Almwik zurück, und das war auch das Beſte, denn er hatte gewiß ein gutes Auge zu Nanny, und da ſie doch auf keinen Fall...“ Der Alte konnte nicht ausreden, denn es erſcholl ein bekannter Ton von Außen: es war der Ton eines Laub⸗ blattes, in welches Jemand blies. „Nein! was nun!“ rief Magda, indem ſie an das Fenſter und von dort kopfüber an die Thür lief, welche ſie weit aufriß.„Nun, es iſt gewiß, ſpricht man von...“ „.. dem Böſen, ſo ſteht er in der Hauaflur!“ fiel Gottlieb ein, indem er mit ſeinem bekfannten freundlichen und muntern Antlitz hereintrat und dem Alten die eine und Magda die andere Hand reichte. „Willkomen, willkommen, Herr Gottlieb!“ rief der Alte aus, und ſein Blick erhielt einen ungewöhnlichen Glanz. „Juſt heute wollte Ragnar ſchreiben, und wie ich eben zu Magda ſagte, einen Theil unſerer Schuld iönnen 154 wir wohl abtragen, doch den andern in unſerem ganzen Leben nicht!“ „Genug davon, mein guter Vater Lönner— ich hatte wohl ebenfalls einen kleinen Eigennutz, als ich der kleinen Familie im Thale ſo gerne diente!... Doch um Entſchuldigung— wo iſt Nanny?“ „Sie iſt mit Ragnar und dem kleinen Konrad aus und fiſcht,“ fiel Magda ein, welche den Kaffeekeſſel ſchon auf das Feuer geſetzt hatte,„und es dauert nicht lange, ſo haben wir ſie hier.“ „Aha, iſt der Steuermann Lönner zu Hauſe?— Um ſo beſſer, da kann ich ſeine Bekanntſchaft machen!“ „Capitän zum Fruühling, Herr Gottlieb!“ „Kronbefehlshaber, Frau Lönner, wenn Sie belieben!“ „Wie? ſchon?“ „Ja, ſchon volle acht Tage! Doch mein wahres Glück kommt auch erſt im Frühlinge; denn da denke ich mir eine eigene kleine Haushaltung anzuſchaffen.“ „Aha!— vielleicht auch eine Haushälterin?“ „Das könnte wohl möglich ſein!“ Bei dieſen Worten warf Magda dem Vater einen verſtohlenen Blick zu, den dieſer erwiederte. Gottlieb aber brach davon ab und fing ſtatt deſſen an, über den Verluſt des guten Calle zu reden, deſſen Tod er ſchon erfahren hatte. Wäͤhrend der halben Stunde, welche hierauf ver⸗ ging, zeigte der junge Gaſt eine ziemlich große Ungeduld. Er ging beſtändig an das Fenſter, um hinauszuſehen, er merkte gar nichts davon, daß Magda und der Alte hinter ſeinem Rücken ſchmunzelten. Endlich erblickte er das Boot, und nun eilte er an das Ufer hinab. Und wirklich waren es die beiden Geſchwiſter, welche zurückkehrten. Als hätte gleichſam eine geheime Sympathie in der ganzen Familie die Gedanken Aller auf einen und den⸗ 4 ſelben C nar's ur Noth, Ö Ragnar prüft, da Calle. Glauben dennoch reicheres geworden ausgleich Nanny g 2 tet..„ Nac Schweige In geſprunge entzückte pfand, d Reizen ſe nuten zu weckte, i mit dem Zuſamm zwei Br überſprir lichen auf die ganzen — ich ich der Hoch um rad aus ſel ſchon t lange, 2— Um 1“ enn Sie wahres enke ich 5 zuſehen, per Alte 155 ſelben Gegenſtand geführt, hatte auch das Geſpräch Rag⸗ nar's und Nanny's ſich um den jungen Helfer in der Noth, Nanny's Freund, gedreht... Und ſo fein hatte Ragnar den Zuſtand des Herzens ſeiner Schweſter ge⸗ prüft, daß er faſt eben ſo viel etfahren hatte, als früher Calle. Doch ſo ſehr auch Ragnar dem Verſtorbenen an Glauben und Vertrauen gleichen wollte, ſo fühlte er dennoch keinen höheren Muth, der Schweſter etwas Troſt⸗ reicheres zu ſagen, als den Umſtand, daß er nun Capitän geworden, könnte vielleicht das Eine mit dem Andern ausgleichen, und er wollte Alles auf der Welt thun, um Nanny glücklich zu ſehen. „O, das weiß ich ſehr wohl!“ hatte Nanny geantwor⸗ tet...„Aber es gibt nur eine Art, das zu werden!“ Nach dieſen Worten ſchwiegen Beide, und unter Schweigen nahten ſie der Heimath. In ſeinem Eifer wäre Gottlieb beinahe in's Waſſer geſprungen, wo Ragnar ſein Netz heraufzog. Aber das entzückte Erſtaunen, das unſer junger Befehlshaber em⸗ pfand, da er Nanny in ihren jetzt ſo ſchön entwickelten Reizen ſah, zwang ihn doch, ihres Anblickes einige Mi⸗ nuten zu genießen, ehe er ſie aus der lieblichen Träumerei weckte, in welche ſie verſenkt zu ſein ſchien, während ſie mit dem Rudern inne hielt. Und Nanny— was ſollen wir von ihr ſagen, als ſie Gottlieb erkannte? Ragnar's Anweſenheit ſchloß ihre verſchämten Lippen, doch ihre vor Freuden zuckende Bewegung, ihre erröthende Wange, ihre glänzenden Augen ſagten mehr als Worte. Wir überſpringen Ragnar's und Gottlieb's erſtes Zuſammentreffen— dieſes ſah eher aus, als wären ſie zwei Brüder geweſen und nicht zwei Unbekannte; ebenſo überſpringen wir die erſte Stunde ihrer gemeinſchaft⸗ lichen Freude und werfen nur noch einen letzten Blick auf die Quelle, die den beiden Liebenden noch ein grünes 156 Plätzchen darbot, welches ſie ſuchten, um dort ihre be⸗ ſondere Freude zu genießen. „Siehſt Du, meine kleine Najade, daß ich zurück⸗ komme! Siehſt Du, daß ich ein ehrliches Gemüth und ein treues Herz habe! Und laß mich nun wiſſen, ob Du für mich ſo ſchön geworden biſt— ja ſo ſchön, daß ich mehr denn ſtolz werde über meine kleine Frau!“ „Frau!— ſollte es denn wirklich Ernſt ſein?“ „Ernſthaft ſoll es auf keine Weiſe werden: wir werden einig, daß wir Alles leicht nehmen wollen, denn wenn wir uns auch, wie das Sprüchwort ſagt, auf eine Hütte und ein Herz heirathen, ſo ſind wir dennoch Beide nicht unbekannt mit der Wirklichkeit der Hütte.“ „Das iſt wahr!“ ſagte Nanny lächelnd und noch mehr verſchönert von ihrer Glückſeligkeit.„Und nun bin ich alſo...“. „ Braut!“ fiel Gottlieb ein, indem er ſie jubelnd in ſeine Arme ſchloß. Und welch ein Jubelfeſt wurde nicht an dieſem Abende in dem rothen Häuschen gefeiert! *½** Als die Neuigkeit von Gottlieb's Verlobung nach Almwik kam, weiſſagte die Patronin, es würde„aus Allem nichts als Elend werden.“ Der Patron Fabian, welcher Gottlieb im Stillen unterſtützte, weiſſagte nichts; doch ſpäterhin, da ſowohl das ökonomiſche, als auch das eheliche Glück des jungen Paares befeſtigt war, pflegte er bisweilen darauf hinzu⸗ deuten, daß es Männer gebe, die mit einer armen Frau ſehr glücklich ſein könnten. „Aber das,“ entgegnete die Patronin mit Nachdruck, „iſt noch kein Grund für einen armen Mann, daß er das Glück nicht zu ſchätzen wiſſen ſollte, welches ihm in einer reichen Frau zugefallen!“ gE —— —— — hre be⸗ zurück⸗ lüth und en, ob ön, daß du 14— n: wir i, denn 3 4 uf eine. ch Beide d noch 3 nun bin jubelnd Abende — ng nach us Allem Stillen. n ſowohl 1 3 jungen if hinzu⸗ nen Frau achdruck, „ daß er 3 ihm in u, mk