Leibbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von 4 Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und LCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.— 4 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von f jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ · den angenommen. ——— N 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet —— wird. 4 5 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und 5 8 eträgt:— für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher:— ———— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3*— 3 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufm erkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —— — Erſter Theil. 8 — — 8 H 2 — S 5 .————y——— ——— ——;ʒÿ⅓y—— Lumern ubsrurn. Zeit- und Sittengemälde nebſt einzelnen Lebenserinnerungen Emilie Flpgare⸗Carlen. Mit eahniens der Verfaſſerin veranſtaltete Vurſihe Ausgabe. ,2 Z Z. L7 24 7⸗ h W —— „ 88. Erſter Theil. Leipzig, Verlag von Chriſtian Ernſt Kollmann. 1862. Eine putriarchaliſcne Niebesgeſchichte aus dem Jahre 1780. Carlen, Cam. obsc. I. 1 ——— — J. Der Freundſchaftsbund. Aberglaube und Hypochonderie, dieſe beiden, ſo oft vereinten Bundesgenoſſen, dieſe ſtarken Mächte, welche, von lauter Schwä⸗ chen erzeugt, ſich dennoch zu Herrſchern über die Vernunft er⸗ heben, ſuchen ſonderbar genug, weniger oft ſchwache, als ſtarke, kraftvolle und thätige Perſonen heim; obgleich Erziehung, Le⸗ bensſtellung und alle anderen Verhältniſfe derſelben ebenſo viele Schutzwachen gegen dieſe ungebetenen und aufdringlichen Gäſte zu ſein ſchienen. Ein mächtiger, feuriger Geiſt, dem man ſeinen altnordiſchen Urſprung anmerkte, lebte und wirkte in dem Manne, aus deſſen Leben ich verſchiedene Bilder zu zeichnen beabſichtige. Geboren am Strande der Nordſee, auf ihren Wellen groß gewiegt, lisbte er ihre Stürme, die wilde Macht ihren ehemaligen Kämpen, und dachte nicht daran, ihr jemals untreu zu werden. Sein Vater war Seefahrer, alſo mußte auch er es werden; und als er aus einer freien, abhärtenden Kindheit in das Jünglingsalter überging, glaubte er, ebenſo leicht, wie ſeine Väter, reiche Schätze aus den fernen Ländern heimbringen zu können, wohin die Schwingen ſeiner Phantaſie ihn ſo oft getragen hatten. 1* 82 ————— 4 Das junge, heiße Blut, welches bei jeder ſcheinbaren Beleidigung, bei jeder, der ſeinen entgegengeſetzten Meinung, welche Hoffnung zum Streite gab, ungeſtüm aufbrauſtte, lag wunderbar ruhig und nur von leiſer Briſe anmuthig gekräuſſt, als es den ſichern Hafen der Freundſchaft erreicht hatte. Welch' feſtes, ſchönes Band der Bruderliebe knüpfte die alten Wikinger an einander! Noch im ſiebenzehnten Jahrhun⸗ dert wohnten am Skagerack Leute, welche dieſe Verbrüderungen in ihrer edleren Bedeutung zu ſchätzen verſtanden und ihnen mit Gut und Blut, mit Leib und Seele huldigten. Der junge Rüttiger, vielleicht der letzte Sprößling vom Stamme der Wikinger, der ihr Blut in ſeinen Adern kreiſen fühlte, hatte ſchon früh einen ſolchen Freundſchaftsbund ge⸗ ſchloſſen; und noch als Mann, ja, als die Silberlocken ſeine ernſte, von ſchweren Sorgen gefurchte Stirn zierten, konnte er nie Krämer's Namen ohne jene tiefe Bewegung ausſprechen, welche in den Herzen der Zuhörer und ringsum in Erde, Luft und Waſſer, als klagender Seufzer wiederhallte. Die beiden Jünglinge fuhren mehrere Jahre unter der goldigen Flagge der Jugend auf demſelben Fahrzeuge; und bei jedem kecken Streite, den ſie am Lande beſtanden, bei jedem Trinkſpruche, womit der Sieger im frohen Kreiſe begrüßt wurde, bei jeder ruhigen oder ſtürmiſchen Nachtwache, welche ſie einander auf offener See verkürzt hatten, ſchloſſen ſie ſich mit immer ſtärkeren Banden der Bruderliebe und des Vertrauens an einander. Die geringſte Strafe, der geringſte Anſchein von Beſchim⸗ pfung, wurde von Beiden gleich tief empfunden. Wer den Einen in Zorn verſetzen oder ihm Schmerz und Aerger berei⸗ ten wollte, brauchte nur ein zweideutiges Wort über den An⸗ dern laut werden zu laſſen. Da konnte der ruhige Krämer den Sturm in der Freundesſeele nicht beſchwichtigen, und wenn nicht immer Blut, ſo floß wenigſtens reichlicher Schweiß bei ———Z————— —————— 2 3 dem heimlichen Fauſtkampfe, der auf dem ſchwankenden Fuß⸗ boden des Fahrzeuges beſtanden wurde und gewöhnlich mit Arreſt und ſonſtiger Strafe endete, wobei dann der eine Freund dem andern aus irgend einem Grunde Geſellſchaft zu leiſten wußte. In einer ſtillen Nacht, als ſie in der„Spaniſchen See“ kreuzend, die Wache zuſammen hatten und ihr Geſpräch von den kleinlichen Gegenſtänden und Verhältniſſen des irdiſchen Lebens zu jenem übergegangen war, von dem ſie einen Schim⸗ mer über den funkelnden Sternen zu erblicken glaubten, die auf die unabſehbare Waſſerfläche herabſchauten; wo ihr Schiff in dunkler Majeſtät einher glitt— in einer ſolchen Nacht, ſagte Krämer plötzlich, indem er ein längeres Schweigen brach: „Rüttiger, glaubſt Du, daß die Seelen nach dem Tode auf die Erde zurückkehren können?“ „Darüber habe ich nie nachgedacht,“ erwiderte dieſer, aber das tiefe Sinnen, in das er unmittelbar nach dieſer Antwort verfiel, bewies, daß er es jetzt thue. „Ich glaube daran,“ fuhr Krämer fort,„das heißt wenn es aus guter Abſicht geſchieht; z. B. wenn man einem lieben Freunde von dem Augenblicke Kunde geben will, wo wir ab⸗ gerufen werden.... Du verſtehſt, von dem Augenblicke, wo dies Leben aufhört und das künftige anfängt.“ „Aber wir werden uns nie trennen, Kamerad,“ rief Rüttiger heftig,„und die Sache kann uns deshalb gleichgültig ſein. Steht es nicht feſt wie das Amen in der Kirche, daß der, welcher zuerſt von uns Beiden ein eignes Schiff bekommt, den Andern zum Compagnon hat, und daß wir, wenn die See uns nicht mehr behagt, ein Handelshaus etabliren?... Aber bis dahin werden wir noch oft an die heimatliche Küſte zurück⸗ kehren müſſen und uns abkühlen von der Hitze, womit Gott das Land der Trauben geſegnet hat.“ „Wer weiß!“ entgegnete Krämer halblaut. 6 „Was nun— drückt der unheimliche, eiſige Nordwind Deine Seele mitten in einer ſo lauen, prächtigen Nacht des Südens? Schüttle ihn wenigſtens ſo lange ab, bis Du die weſtlichen Stürme in der Nordſee fühlſt und Hagel und Schnee⸗ flocken um die Hausecken und Fenſterſcheiben in Strömſtad tanzen ſiehſt! Ich verlange außerdem, daß Du meine Freude theilſt über ein unzertrennliches Bündniß, das, mehr als kna⸗ benhaftes Spiel, durch Manneskraft und Mannesgedanken ge⸗ ſtärkt und geheiligt iſt.“ Ein unmerkliches, wehmüthiges Lächeln glitt über Krämer’s Lippen, als er antwortete: „In der Jugend— ſo behaupten wenigſtens die alten Leute— entwirft man viele unnütze Pläne.... aber einer⸗ lei,“ fügte er eiligſt hinzu, als er die zuckenden Augenbrauen des Freundes bemerkte,„einerlei, was die Alten von ihren bit⸗ teren Erfahrungen ſingen; die Pläne, welche wir geſponnen, haben uns zu viel Vergnügen gewährt, als daß wir ihnen durch Mißtrauen lohnen ſollten.“ „Das iſt auch meine Meinung.“ „Und,“ fuhr Krämer mit belebtem Blicke fort,„wenn wir dereinſt wirklich ein eigenes Schiff haben, ſo beladen wir es mit tauſenderlei Producten, ſteuern Cours auf Indien und ſtürzen uns in alle die Abenteuer, welche der Tauſchhandel mit ſich führen muß.... Aber dennoch, Rüttiger, für den Fall, daß unvorhergeſehene Ereigniſſe uns trennen ſollten....“ „Ich weiß nicht, was Dich anficht, Kamerad! Du haſt freilich bisweilen einen Anſatz von der garſtigen Landſeuche ge⸗ habt, die man Schwärmerei zu nennen pflegt, aber ſo wie heute habe ich Dich noch nie geſehen... Nun, willſt Du mit etwas heraus, was Dir auf dem Herzen liegt, ſo nur zu, meine Ohren ſtehen offen— wir haben ja augenblicklich doch nichts andres zu thun, als hier zu ſitzen und dem Geplätſcher des Waſſers zu lauſchen, das um den Kiel ſpielt.“ n O—Gn N 7 „Ich danke Dir, Freund— aber wenn ich nun meines Herzens Gedanken hervorhole, ſo darfſt Du nicht über mich lachen!“ „Das verſpreche ich nicht. Du weißt, das ich nicht zu den Leuten gehöre, welche die Zukunft gern in ein Todtenhemd kleiden mögen. So lange das Leben noch in uns ſitzt, ſollen wir es warm in Mark und Bein fühlen. Für den Augenblick iſt übrigens keine Gefahr, daß ich Dich mit meinen Redereien quäle, welches überhaupt nicht meine Gewohnheit iſt, das weißt Du.“ „So höre, wonach meine Seele trachtet! Nach nichts Geringerem, als dem Uebereinkommen, daß unſer Bund ein Stück über jene Grenze hinaus dauere, die wir Beide kennen.“ „Unbekanntes Fahrwaſſer— kein Compaß, Bruder!“ „Wir können es immerhin verſuchen;— laß uns mit ernſtem, kräftigem Handſchlage verſprechen, daß, falls wir ge⸗ trennt werden, derjenige, welcher zuerſt vom Freund Hain ge⸗ holt wird, den Andren durch irgend ein Zeichen davon benach⸗ richtigen ſoll.“ „Du biſt krank, Freund— Du beunruhigſt mich!“ ant⸗ wortete Rüttiger.„Ich muß Dir überdies geſtehen, daß wir Menſchen, meiner Anſicht nach, den Fuß nicht auf einen Boden zu ſetzen verſuchen ſollen, der für uns weit gefährlicher iſt, als der des Meeres, trotz aller ſeiner Klippen und Untiefen.“ Kraämer ſchien verſtimmt. Es lag jedoch kein Funke von Bitterkeit in ſeinem Tone, als er fragte:„Du willſt alſo nicht?“ „Ich möchte es eigentlich nicht, da Du aber ſo großes Gewicht darauf zu legen ſcheinſt, möge es ſein wie Du wün⸗ ſcheſt... da iſt meine Hand, Kamerad! Einmal im Leben darf man wohl ein Wort mit einander reden, was ſonſt nicht dahin gehört, aber weder Du noch ich dürfen uns wieder auf ſolche Weiſe äußern.“ Die Hände der beiden jungen Männer vereinten ſich zu einem neuen Bunde, der eine unheimliche Ausdehnung erhal⸗ ten hatte. Krämer ſchien bleich in der magiſchen Beleuchtung der Nacht und ein kalter Schauer, der bis in die Fingerſpitzen drang, rieſelte ihm durch's Blut. Rüttiger's Hand brannte dahingegen wie im Fieber und er fühlte eine Regung inneren Mißvergnügens, welches der Reue gleich kam. 3 Monate waren vergangen. Neue Ereigniſſe, neue Umgebun⸗ gen hatten die Erinnerung an jene romantiſche Nacht auf der „ſpaniſchen See“ aus ihrem Gedächtniſſe verdrängt. Der Herbſt war gekommen; mit ihm ein anderes Klima und ein andrer Himmel. Das Fahrzeug, welches nach Ant⸗ werpen beſtimmt war, lag nun außen vor der Rhede von Vließingen vor Anker, um günſtigen Wind abzuwarten.— Hier ſollten die beiden jungen Männer durch ein eben ſo un⸗ vorhergeſehenes als ſchreckliches Ereigniß die erſte bittere Er⸗ fahrung ihres Lebens machen und die Unſicherheit menſchlicher Berechnungen, die Unzulänglichkeit ihrer eigenen Kräfte kennen lernen— mit einem Wort: ſie ſollten die Trennung ertragen, „welche ſich nie an ſie heran wagen durfte.“— Seit mehreren Tagen wüthete ein heftiger Sturm, welcher der Verproviantirung hinderlich geweſen war. Der Tiſch des Capitains litt beſonders darunter und am Sonnabend Nach⸗ mittag wurde die Ordre ausgefertigt, daß ſich drei der kühnſten Leute, trotz des ſchlechten Wetters, auf eine Expedition nach der Stadt zu begeben hätten. Da dieſe Fahrt nicht ohne Gefahr für die Betheiligten war, machte der Capitain eine Ehrenſache daraus, indem er ſeine Mannſchaft aufforderte, ſich freiwillig dazu zu ſtellen. Unſre beiden Freunde waren natürlich die Erſten, die ſich meldeten und ihr Eifer ſtach grell gegen die ——⸗—————::-—— 4 —— 9 Lauheit zweier oder dreier andrer Anerbieten ab, welche noch außerdem gemacht wurden. Der Capitain wußte ſich Gehorſam zu verſchaffen, war aber keineswegs beliebt bei der Mannſchaft, von welcher Nie⸗ mand das Leben, aus reiner Zuneigung zu ſeiner Perſönlichkeit, geopfert haben würde. Der Sturm wuchs an Heftigkeit, das Schiff ritt vor beiden Ankern ſo, daß das Bugſpriet alle Augenblicke ſeine Spitze in die ſchäumende Fluth tauchte. Der erſte Steuermann wagte, den Capitain daran zu er⸗ innern, daß es gefährlich ſei, ans Land zu gehen, ehe die Ebbe eintrete; er erhielt aber einen Blick zur Antwort, der kalt und ſcharf genug war, um ihn daran zu erinnern, daß der Capitain ſein Wort nicht zu ändern pflegte, nachdem es einmal über ſeine Lippen gekommen war. Das Boot erhielt ſeine kleine Beſatzung und der Befehl wurde dem nachmaligen Capitain Rüttiger anvertraut, der kühn und ruhig, mit kräftiger Hand das Ruder faßte. Die Fahrt ging prächtig: das Boot flog gleich einem jungen Seeadler über die Wogen; unglücklicherweiſe aber trat plötzlich ein dichter Nebel ein, der ſich wie eine Wand zwiſchen das Boot und den Quai lagerte, und gerade, als man die Oeffnung zwiſchen den beiden Brückenköpfen ſuchen wollte, kam eine gewaltige Sturzſee heran, die das Boot ſo heftig gegen den einen Brückenkopf warf, daß es umſchlug. Krämer und der dritte Gefährte kamen durch eigene An⸗ ſtrengung und mit Hülfe der auf der Brücke ſtehenden See⸗ leute, bald wieder in die Höhe. Der Befehlshaber der Expe⸗ dition aber, welcher im Augenblicke der Gefahr ein Ruder ergriffen hatte, um irgend ein Manoeuvre mit demſelben aus⸗ zuführen, wurde durch eine neue Sturzſee zwiſchen Boot und Brücke eingeklemmt, eine Lage, aus welcher er ohne Krämer'’s Anweſenheit ſchwerlich mit dem Leben herausgebracht worden 10 wäre. Er behielt jedoch ein bleibendes Andenken an dieſe Fahrt, indem er das eine Bein gebrochen und eine ſchwere Verletzung in der Bruſt davongetragen hatte. Als unſer Freund Rüttiger ins Bewußtſein zurückkehrte, fand er ſich nicht an Bord des Fahrzeuges, ſondern im Laza⸗ reth der Stadt Vließingen, welches er nicht ſo bald wieder verlaſſen ſollte. Der Capitain beſuchte am folgenden Tage den Kranken, dankte ihm für den ehrenvollen Eifer, den er in ſeinem Dienſt bewieſen hatte, und bezahlte die Heuer für ſeine Rückreiſe. Dies war zwar alles ſehr ſchön, aber— nun war auch der erwartete Wind aufgekommen, das Schiff ſollte abgehen und nur durch die beſondere Gunſt des Capitains war noch ein kurzes Wiederſehen des Freundes zu hoffen. Der erſehnte Augenblick erſchien. Krämer ſtand am Fuß⸗ ende des Bettes und ſchüttelte leiſe den mit der Hand geſtütz⸗ ten Kopf: eine ſtumme Klage über dieſe Trennung, welche den Beweis lieferte, daß die„Alten“ dennoch Recht haben, wenn ſie von den unnützen Plänen der Jugend ſprechen. „Muth, Bruder,“ rief der Kranke, der unter Wundfieber und Schmerzen ſeine Gedanken mit Anſtrengung zu ſammeln ſuchte,„Muth— wir treffen ja bald wieder zuſammen!“ „Ja, bald!“ entgegnete Krämer mit Nachdruck. „Ich muß Dich aber noch um etwas bitten.“ „Bitten? Ich habe Dir ja mein Leben zu danken, ob⸗ gleich es mich nicht ferner einladen wird, auf Roſen zu tanzen. Nun, das iſt nicht ſo ſchlimm, wenn ich nur erſt aus dieſem Marterbette heraus wäre! Sprich deshalb, Kamerad!“ „Rüttiger, Du mußt dieſe Uhr von mir annehmen!“ „Deine Uhr?— Woran denkſt Du.... nein, nimmermehr!“ „Thue mir den Gefallen! Deine wurde ja zerdrückt und ich weiß, daß es meine größte Freude ſein wird zu denken, daß Du, wenn Du nach der Uhr ſiehſt....“ 11 „Mich dann aller Stunden erinnere, wo wir zuſammen geplaudert und geſchwiegen, geweint und gelacht haben. Dank, mein Bruder, ſie wird mir eine liebe Geſellſchaft werden.... Aber das Herz iſt Einem ſo unruhig... Gott ſegne Dich mit ſeiner beſten Gnade und halte ſeine Hand über Dir.“ „Und über Dir... Dank Rüttiger, Dank für Deine treue Freundſchaft, und daß Du mich ſo liebgehalten, Dank... Die Zeit iſt da— ich muß an Bord.“ Sie drückten ſich die Hände, ſetzten ihre nächſte Zuſam⸗ menkunft im kommenden Jahre in Strömſtad feſt und ſchieden dann mit einem heftigen Zucken der zuſammengezogenen, buſchi⸗ gen Brauen. Sie wollten damit die klaren Tropfen verbergen, welche dennoch herabfielen und die hurtigen Söhne des Meeres keineswegs verunzierten. Das qualvolle Krankenlager, welches den jungen Schwe⸗ den monatelang im fremden Lande feſthielt, brachte eine große Umwälzung in ſeinem Character hervor. Er hatte bis dahin nur ein Leben des Handelns und der Wirkſamkeit gekannt, wozu er durch die Außenwelt angeregt worden war; jetzt mußte er ſeine Hülfsquellen auf einem Gebiete ſuchen, auf das er ſich ſelten gewagt hatte: auf dem reichen Felde der Seelenthäͤtigkeit — der Gedanken. Mit wilder Ungeduld hatte er anfangs verlangt, daß ſeine Wiederherſtellung raſcher vor ſich gehe, aber dieſelbe durch die unruhige Wallung ſeines Blutes ſelbſt verzögert. Später ge⸗ wöhnte er ſich, ſeinen einzigen Troſt in der Hoffnung auf die Zeit zu ſuchen, wo er mit Krämer einen Curſus auf der Na⸗ vigationsſchule durchmachen unrauf ſein Steuermannsexamen nehmen würde. Hier blieb er aber nicht ſtehen. Was für Männer mußten ſie in dem Orte werden, dem ſie als Mit⸗ bürger angehören würden! Was für ausgedehnte Pflichten 12 würden ſie ſich ſchaffen und erfüllen. Die Werfte mußte mit raſchen, tüchtigen Arbeitern verſehen, die Zahl der Schiffe und Böte vermehrt und Alles aufgeboten werden, um dieſe kleine Stadt zu einer der ſchätzbarſten Perlen in dem Klippengürtel der Nordſee umzuſchaffen! Dieſe ſchönen Träume von einem künftigen Emporblühen der kleinen Grenzſtadt umſchwebten ihn beſonders in den langen, ſchlafloſen Nächten, wo die Uhr des Freundes ſo oft durch ſeine Hände glitt und nach dem Anbruch des Tages gefragt wurde; wo er mit nervöſer Unruhe auf den Schlag der Wanduhr wartete, deren Glockenſpiel gleichſam das Todtenlied für jede Stunde ſang, welche aus der Zeitrechnung ſeines Lebens verſchwand. In dieſem Glockenſpiele, worin ſich die Gedanken des Menſchen offenbaren, ohne daß ſich ſeine Hand darin regt, liegt etwas ſo Wehmüthiges, Ergreifendes, daß man wohl be⸗ greifen kann, daß es den Kranken in einen i ſieberhaſten Zuſtand verſetzt. Eine ſolche Uhr ſtand außen vor den Saale, in welchem der junge Schwede lag, und es war beſonders eine Nacht, wo er mit einer wahren Angſt(ein Gefühl, welches ihm völlig neu war) den Schlag der zwölften Stunde und das darauf folgende mitternächtliche Concert erwartete. Die Nachtlampen warfen ihren matten Schein durch das lange Zimmer und ſuchten umſonſt die Schatten zu zerſtreuen, welche um die weißen Betten und die ſchlafenden Kranken lagerten. Die Krankenwärterin ſchlief ruhig in ihrem Lehn⸗ ſtuhle und das tiefe Schweigen wurde nur dann und wann von dem leiſen Jammer eines Sterbenden unterbrochen, wel⸗ cher bald eine letzte glücklichere Reiſe anzutreten hoffte, als er bis dahin zurückgelegt hatte. „Kann ich Dir helfen, Kamerad?“ fragte der Küſtenſohn der Nordſee einen alten Knaben vom Baltiſchen Meere, der ihm zunächſt lag. mit und leine ürtel ühen ien, ſeine rde; duhr jede and. des regt, be⸗ tand chem acht, öllig rauf das uen, nken ehn⸗ dann wel⸗ als ſohn der 13 Ein freundliches„Nein, ſollſt Dank haben!“— und ruhige, tiefe Athemzüge, welche zu erkennen gaben, daß er wieder in Schlaf gefallen ſei. Der junge Schwede ließ mit zuſammengeſchnürter Bruſt ſeinen Blick über die Betten ſchweifen, wo die Kinder ſo vie⸗ ler ungleicher Nationen bei wachem Zuſtande in allen Zungen flehten und fluchten;— jetzt ruhte Alles; und als der Mond ſeine zitternden Silberſtrahlen durch die hohen, ſchmalen Fen⸗ ſter dringen ließ, erhielt das Reich der Krankheit eine noch unheimlichere, magiſche Beleuchtung. Da ſchlug die zwölfte Stunde und beim erſten Laut des Glockenſpiels fuhr der Kranke, wie vom Schrecken gerührt, zuſammen. Ein eiſiger Schauer rieſelte ihm durch Mark und Bein; er ſchloß unwillkürlich die Augen, mußte ſie aber ſofort wieder öffnen.— Wer ſtand da zum Fußende ſeines Bettes und betrachtete ihn mit den milden, treuen Augen, die ſich beim Scheiden in die ſeinen gebohrt hatten? Krämer, kein Andrer, als Krämer, der in ſo weiter Ferne weilte. „Ah... ich verſtehe Freund!“.... noch einmal öffnete und ſchloß Rüttiger die Augen— dieſelbe Erſcheinung..... dann war ſie verſchwunden.— Er ſah auf die Uhr des Freundes: ſie war um 12 Uhr ſtehen geblieben. Im folgenden Jahre erſchien nur Einer an dem für das Wiederſehen beſtimmten Orte. Das Schiff, worauf die beiden Freunde ſo lange gefah⸗ ren, war in derſelben Nacht auf Grund geſtoßen, als Rüttiger in dem holländiſchen Lazarethe ſo qualvolle Angſt ausgeſtanden hatte. In dem Verzeichniß der Verlorenen ſtand obenan ein Name, welchen dieſer nicht erſt zu leſen brauchte:— er wußte längſt, daß Krämer ſich unter den Unglücklichen befand. — 14 Dieſe Begebenheit legte den Grund zu einem Aberglau⸗ ben und zu einer Hypochondrie, welche unheilbar blieben; letztere trat freilich nach mehreren Jahren in den Hintergrund, aber nur, um dereinſt um ſo gewaltſamer hervorzubrechen*). *) Meine Leſer dürften in dieſer erſten Schilderung Reminiscen⸗ zen aus den Geſchichien des alten Stormborn(in dem„Einſiedler auf der Johannisklippe“) finden. Ich muß deshalb darauf aufmerkſam machen, daß, da das Material zu meinen Romanen meiſtens aus wahren Begebenheiten geſammelt iſt, hier in der That die Silhouetten ſchon bekannter Perſönlichkeiten wieder erſcheinen werden. — cen⸗ auf kſam aus etten II. Vater und Sohn. „So iſt es, Vater!“ ſagte Capitain Rüttiger, und klopfte an der Ecke des Ofens, der in der kleinen Kammer des Vaters ſtand, die Pfeife aus.„Obgleich ſo manches Jahr vergangen ſeit dem Tage, wo ich von Vließingen hierher zurückkehrte, ſo habe ich hier doch weder Raſt noch Ruh! Hier geht alles den Krebsgang; hier finde ich nichts, worauf ich meine Zu⸗ kunftspläne bauen könnte, und da mein Sinn nun einmal nach England ſteht, wo das Volk in jedem Pulsſchlage fühlt, daß es lebt, ſo will ich dort meine Wohnung au’ſchlagen. Du wirſt deshalb ebenſo oft von mir hören, ſov ehl durch Briefe, als durch zeitweilige Beſuche. „Sohn, Sohn, ich muß Dir noch einmal ſagen, daß mir dieſer Plan nicht gefällt. Ich hab' das Volk am Canal niemals leiden können. Wo es ſeinen Vortheil und Nutzen aus uns ziehen kann, da paßt es auf und nimmt fürlieb— das iſt das Wort!“ „Ein alter Groll, Vater, irgend ein Streit aus früheren Zeiten her!“ Das Auge des Alten flammte auf unter den buſchigen 16 Brauen; ſein Haupt ſchüttelte die langen grauen Locken, welche auf den ſchlichten Rock von geſtreifter Leinwand herabfielen, und nachdem er die Geſtalt des Sohnes, die in jugendlicher Kraft und männlicher Selbſtſtändigkeit vor ihm ſtand, eine Secunde gemuſtert hatte, ſagte er mit eigenthümlichem Lächeln und vibrirender Stimme: „In früheren Zeiten pflegte man die Worte des Vaters nicht ſo gering zu ſchätzen. Aber ſobald das Junge des Adlers die Flügel heben kann, glaubt es ſelbſt ein Adler zu ſein.“ Nun funkelten auch die Augen des jungen Mannes, und er that einen Schritt vorwärts, als er heftig antwortete: „Der Sohn iſt lange aus dem Neſte geflogen, Vater! Er will ſeinen eigenen Cours ſteuern, und was er will, das thut er; denn er will nichts, als was er für Recht hält.“ „So, ſo, mein Sohn“— der Ton der Stimme ſank mit der erlöſchenden Zornesflamme ſeines Auges—„Du biſt in Deinen ſtolzen Jahren.... ich war auch einmal ſo... aber ich wollte nie die Küſte verlaſſen, die mich geboren und erzogen hatte, obſchon ſie mir nicht ſo hold war, als es eine fremde hätte werden können.“ „Schön geſprochen, Vater, ſchön gedacht... und Gott kann bezeugen, daß ich den Tauſch nicht aus Gelddurſt ein⸗ gehe. Ich werde kein Geldſammler, dazu iſt das Herz zu weich: es paßt überhaupt ſchlecht zum Kopfe, denn wenn dieſer aufbrauſt, ſo... aber einerlei;— was ich ſuche iſt: immer Ruhe und Gemüthlichkeit; die fehlt mir hier ganz und gar; wie könnte ſie ſich auch mit Eigennutz, Kleinlichkeit und Er⸗ bärmlichkeit vertragen? Nein, Vater, das geht hier nicht— die Drachſchiffe ſchlafen auf dem Meeresgrunde, die Drachen in den Buchten ſchrecken Niemand mehr... ich muß fort..“ „Und doch weiß ich eine Zeit, wo Du viel Neues ſchaf⸗ fen wollteſt daheim— damals hatteſt Du ſchönere Pläne!“ Bei dieſer Andeutung früherer Verhältniſſe entfärbte ſich che nd aft nde nd rs rs nd 17 die gebräunte Wange des Capitains Rüttiger; er griff unyill⸗ kürlich in die Glieder ſeiner Uhrkette, als er mit unſichrer, faſt zitternder Stimme antwortete: „Das war zu einer Zeit, wo ich gleichſam zwei Seelen in mir hatte— jetzt drückt die eine mich bisweilen genug.“ „So ſchaff' Dir eine andere wieder, aber nicht von Dei⸗ nem Geſchlechte! Hier ſind ſo viele junge und ſchöne Mädchen ... ſuch Dir eine Frau!“ „Eine Frau!— Ich bin faſt 32 Jahre alt geworden und habe nie einen ſolchen Gedanken im Kopfe gehabt.“ „Sitzt er nur erſt im Herzen, ſo kommt er auch bald in den Kopf. Du biſt kein Goldſammler, wie Du ſagſt und wirſt es auch nimmer werden. Aber Du haſt deſſen ungeachtet genug zufammengeſpart, um eine Frau nehmen und einen eignen Heerd gründen zu können, an dem Dir die Ruhe nach beſtandenen Strapazen ſchon ſchmecken wird.“ „Aber ich bin nicht im Stande, mich zu verlieben. Ueber⸗ dies könnte eine Frau, die einigermaßen gut ausſieht und ihren Werth fühlt— und eine Andre kommt nicht in Frage— auf den Einfall kommen: die Hand mit ans Steuer legen zu wollen, und da würde es, meiner Seel, ſtatt ins Himmelreich, gradezu in die Hölle gehen. Ich muß eine Frau haben, die weder bei jedem harten Worte in Ohnmacht fällt, noch durch die Ge⸗ läufigkeit ihrer Zunge mich zu reizen ſucht, wenn ich einmal mit der Fauſt auf den Tiſch ſchlage. Kennſt Du eine ſolche, und die außerdem einen ordentlichen Hausſtand zu führen ver⸗ ſteht und ihre Blicke während der Abweſenheit ihres Mannes nicht auf andre Männer wirft?“ „Nein, Sohn, wenn Du ſo große Anſprüche machſt, wird es nicht leicht ſein, eine zu finden.“ „Thut nichts, Vater! Ich habe nun doch einmal all mein Eigenthum verkauft, die Rheder haben das Fahrzeug veräußert und ſomit bin ich klar zur Abfahrt. Nach acht Tagen, denke 2 Carlen, Cam. obsc. I. 18 ich, ſoll es vor ſich gehen. Einen feſten Platz werde ich ſchon bekommen— ich habe meine Gönner in England.“ Es flog eine Wolke über Stirn und Augen des Vaters. So herzensgut und bieder der Sohn war, ſo weich und ſanft in den geheimſten Falten ſeines Herzens, ſo empfindlich war er in ſeinem Wollen und ſo ängſtlich, nach den Eingebungen Andrer zu handeln. Der jähe, eigene Sinn warf oft eine Hülle über die beſſern Eigenſchaften, welche, klarem Golde gleich, unter der äußern Schlacke lagen, und die Scheu, dieſe gefürchtete Macht zu reizen und zu wecken, war es, welche jetzt die Lippen des alten Mannes verſiegelte. .„Es liegt doch keine Bitterkeit in Deinen Gedanken, Vater? Alles in Freundſchaft... aber ein Jeder für ſich.“ „Laß gut ſein, Sohn! Ich bin nicht bitter und kann gern auf einem Kehrichthaufen ſterben, wenn ich nur meine Connoſſemente für die Reiſe in Ordnung habe.... Jeder für ſich — lauter Weiberſchnack, daß das Blut dicker iſt, als das Waſſer.“ „So, ſo, Alter, Du ſollſt als Vater eines Ehrenmannes leben und ſterben! Schande über den, der anders denken und ſeine Pflichten verſäumen kann! Glaube mir, das Blut läuft wie ein geſchäftiger Bote zwiſchen Aeltern und Kindern, wenn die Sachen ſtehen, wie ſie ſollen.“ „Meine Pfeife iſt aus,“ entgegnete der Alte ausweichend, „es wird wohl Zeit, daß ich meinen Sonntagsrock aus dem Schrank hole. Freund Boman's Chaiſe wird bald hier ſein, um mich nach Erlandsröd zu holen; es iſt lange her, daß ich ein Gläschen im Grünen trank. Kommſt Du gleich mit?“ „Nein, Vater, ich gehe wohl erſt einmal über den Markt und ſehe die Jugend von Strömſtad um den Maibaum tanzen. Ich komme aber nach.“ Hiermit reichte der junge Capitain dem Alten treuherzig die Hand und ging hinaus, ohne zu ahnen, daß er die Thür hinter einem Lebensabſchnitte ſchloß und an der Schwelle eines neuen ſtand. Die riſche ſich d ſie, Felſer in ei elegat ſchen und nen d Dame oder Häuſe Wirtl ſich b fragt lich e hſchon Vaters. d ſanft ch war bungen ft eine Golde , dieſe welche danken, ſich.“ d kann meine für ſich Jaſſer.“ nannes en und t läuft , wenn eichend, us dem er ſein, daß ich nit?“ MNarkt tanzen. rzig die ereinem n ſtand. III. Der Tanz um den Maibaum. Die kleine Stadt Strömſtad, auf deren hiſtoriſche und kriege⸗ riſche Erinnerungen wir weiterhin zurückkommen werden, ließ ſich am Ende des vorigen Jahrhunderts nicht träumen, daß ſie, die ſo anſpruchslos und einſam zwiſchen nackten, hohen Felſen lag, ihren ſteinigen, unebenen Marktplatz, eines Tages, in einen Miniaturpark verwandelt ſehen würde, wohin die eleganten Bewohner der Hauptſtadt und des übrigen ſchwedi⸗ ſchen Reiches wallfahrten und daſelbſt luſtwandelnd, friſche Luft und Geſundheit holen, und verächtliche oder herablaſſende Mie⸗ nen dafür wiedergeben würden; womit ſie beſonders die armen Damen von Strömſtad bedachten, welche kaum jung und ſchön oder irgend etwas ſein durften und genöthigt waren, ihre Häuſer, ohne Rückſicht auf eigene Bequemlichkeit, zu Sommer⸗ Wirthshäuſern herzugeben, und kaum eine kleine Kammer für ſich behalten konnten. „Was, in aller Welt, iſt das für ein hübſches Mädchen?“ fragt der Eine den Andern— wirklich allerliebſt; wahrſchein⸗ lich ein neu angekommener Badegaſt!“ 2* 20 „Ach nein,“ erwidert der Angeredete,„das iſt nur eine Strömſtaderin!“ „Ach, weiter nichts... Ich hätte aber nicht gedacht, daß die ſo gut ausſehen können...... Freilich, wenn man ſie in der Nähe betrachtet, kann man gleich an der Haltung ſehen, daß ſie nicht der eigentlichen Societät angehört.“ Es wäre ungerecht, wenn man leugnen wollte, daß es unter den mehr humanen und gebildeten Perſonen Ausnahmen von dieſer Regel giebt; und noch ungerechter wäre es, wollte man bezweifeln, daß dies lächerliche Vorurtheil, mit der Zeit, einem wohlwollenderen Geiſte Platz machen wird. Eben ſo merkwürdig als wahr bleibt übrigens der Umſtand, daß Leute, welche, ſich am eignen Wohnorte ganz beſcheiden auf„dem zweiten Platze halten,“ bei ihrer Ankunft an einem Badeorte, ſobald ſie ihren Namen auf der Fremdenliſte ſehen, ſich auch zu neuen Würden geboren fühlen und meinen, der gute Ton erfordre: ſich ſo fern als möglich von ſolchen Leuten zu halten, welche das Unglück haben, geborene Badegäſte zu ſein. Um nun auf den Zeitpunct unſrer Geſchichte zurückzu⸗ kommen, ſo erfreute der Marktplatz ſich im Winter, nachdem die Kälte das letzte Gras gemäht, und der Schnee die Ver⸗ tiefungen ausgefüllt hatte, eines beſonders lebhaften Verkehrs. Auf demſelben Platze, wo Carl XII. einſt gottesfürchtig das Knie beugte, als er grade während der Andacht ſeiner Krieger eintraf, rollten die Bullinger, Dalsländer und ſelbſt die Werm⸗ länder im Handgemenge mit einheimiſchen und fremden See⸗ leuten durcheinander; Beluſtigungen, welche die Tagesmühen gleichſam ablöſten. Freundſchaftsbündniſſe und Zwiſte wurden an den Schlitten und in den Kaufläden abgemacht, welche letzten in Folge des verſchiedenen Handels, ein ganz andres Ausſehen hatten als jetzt. Welchen Contraſt bildeten jene Caravanen, wenn ſie ſich endlich zur Heimreiſe ordneten, mit unſren jetzigen Karrenpartien! Welches Toben und Schreien, Sch ken den und ſtim Tön Schl Kälte gnüg bei linge und der S umher ger d aus ſonder Taffet der ſe nen 2 Kaffee lud di würde munte liegend 5 welches der M wittwe 6 r eine edacht, n man altung daß es ahmen wollte r Zeit, ben ſo Leute, „dem deorte, h auch te Ton ſten zu u ſein. trückzu⸗ achdem e Ver⸗ rkehrs. tig das Krieger Werm⸗ un See⸗ Bmühen wurden welche andres n jene mit 1 21 ken Schilde, wie ehedem, ſondern Peitſchenhiebe, die entweder den Rücken der Pferde oder den Rand des Schlittens trafen; und die mächtigen Liederchöre, welche bei der Abfahrt ange⸗ ſtimmt wurden, könnten wohl noch jetzt durch die ſchmelzenden Töne der Strauß'ſchen Walzer wieder klingen. Der Winter mit ſeinen Schneefahrten, ſeinen klingenden Schlittenglocken und funkelnden Sternen, bei dreißig Grad Kälte, hatte aber ſein Gegenſtück in den patriarchaliſchen Ver⸗ gnügungen der ſchönen Sommerzeit, an der brauſenden Woge, bei der dampfenden Bowle, im Glanze der Abendſonne. Die jungen Damen der Stadt, welche wie die Schmetter⸗ linge aus ihren Verpuppungen, aus ihren Mänteln, Kappen und Ueberſchuhen herausgekrochen waren und die letzten Reſte der Schneelawine und des Wellenſchaumes, die der Seewind umher ſtreute, abgeſchüttelt hatten, zeigten ſich nun viel häufi⸗ ger draußen; in leichtem Frühlingscoſtüm, welches aber nicht aus flatterndem Mouſſelin oder leicht zerknitterter Gaze— ſondern aus grellem, großblumigen Cattun, breit geſtreiftem Taffet oder indiſchen Caſhemir beſtand;— denn man lebte in der ſchönen Zeit der Oſtindiſchen— Compagnie. Nun ſtiegen ſie in ihre leichten Böte und auf jeder klei⸗ nen Inſel, welche einen hinreichend großen Raſenplatz für Kaffeeſervice und Kaffeetrinker bot, ließ man ſich nieder und lud die jetzigen und künftigen Herren ein, ſich ihrer Herrſcher⸗ würde für einige Stunden zu entäußern und Theil an dem munteren Geplauder und den frohen Spielen auf den um⸗ liegenden Felſen zu nehmen. Dieſe Zeit des Jahres war die der Frauenherrſchaft, welches um ſo natürlicher war, da die meiſten, in Abweſenheit der Männer von den heimathlichen Küſten, ſogenannte Stroh⸗ wittwen waren. Ein Tag wurde aber als ein allgemeines Freudenfeſt Schimpfen und Lachen! Keine Schwertſtreiche auf die blan⸗ — 22 angeſehen: das war der Mittſommerabend, wo der Marktplatz— als ob er ſeine dereinſtige Beſtimmung ahn'te— mit Laub und Blumen geſchmückt war und wo die Jugend ſich in frohem Reigen um den hohen, geputzten Maibaum drehte, ohne ſich zu kümmern, daß der Tact nur von der Violine des Stadt⸗ dieners, und von dem Tambourin des Stadtfiscals angegeben wurde, welches letztere von einem alten Matroſen förmlich ge⸗ mißhandelt ward.— Die ärmeren Claſſen, welche ihren Kreis für ſich hatten, ſangen aus voller Bruſt, ſo daß das Echo von den Bergen wiederhallte und das Halsband von Cier⸗ ſchalen auf dem belaubten, blumigen Buſen der Maiſtange zitterte. Eine Maiſtange in Bohuslän war damals, in unſrer Gegend wenigſtens, eine ſtolze, ſechs Ellen hohe Dame mit einer Art von Reifrock aus breiten grünen Tannenzweigen. Sie glich in der That einer friſchen Dryadentanne, deren Spitze in ein Haupt verwandelt war, mit Armen, Hals und Oberkörper von Birkenreiſern. Das Geſicht war auf Leinwand gemalt, etwa wie eine Puppe, und der Scheitel mit Flachs⸗ locken und Blumenkrone geſchmückt. Ueber Rock und Arme ſchlängelten ſich friſche Blumenguirlanden herab⸗ Die eigentlichen Jungfern der Maibraut beſtanden aus den Bürgertöchtern, das heißt aus ſolchen Handwerker⸗ und Schiffertöchtern, welche nicht um ihren Unterhalt bei andren Leuten zu dienen brauchten. Sie banden auch die Kränze und kleideten die Braut, nachdem die Burſchen das gröbere Material von den Inſeln und Bergen herbeigeſchafft hatten, und genoſſen deshalb der Ehre, mit den unverheiratheten jun⸗ gen Damen der ſogenannten höheren Claſſe in einem Ringe zu tanzen. Später in der Nacht wurde der Glanz des Feſtes durch Böllerſchüſſe und brennende Theertonnen auf den Inſeln erhöht, deren rother Schein aus der tiefblauen Meeres⸗ ächof ſchwe den Capi zende er m Kaut wie dieſe die r Wer dunkl Und in ih mit; in de Blum Capit tig, Ueber Brud leichte gerin, latz— Laub frohem ne ſich Stadt⸗ gegeben ich ge⸗ Kreis 8 Echo u Eier⸗ niſtange unſrer me mit weigen. deren ls und inwand Flachs⸗ Arme andren Kränze gröbere hatten, Inſeln Meeres⸗ ächofl wiederſtrahlte, während die Jugend am Strande umher⸗ ſchwärmte. Die große Ringpolka und die verſchiedenen Dreitritte in den Winkeln des Marktplatzes waren in vollem Gange, als Capitain Rüttiger erſchien und ſeinen jetzt beſänftigten, glän⸗ zenden Blick über die lebende Blumenkette gleiten ließ,— denn, er war keineswegs unempfindlich für das ſchöne Geſchlecht. Kaum hatte dieſe Muſterung begonnen, als er zuſammenzuckte, wie wenn ſein Herz von einem Pfeile durchbohrt wäre. Er ſuchte die Augen mit der Hand zu ſchützen. Wer war ſie? Woher kam ſie, dieſe reizende Erſcheinung, dieſe wunderbar ſchöne Maid in dem ſcharlachrothen Rocke, die runde zarte Taille in ein knappes Brocat⸗Mieder geſchnürt? Wer hatte je ein ſo feines, blühendes Antlitz, ſo ſtrahlende dunkle Augenſterne und ſo ſchönes ſchwarzes Haar geſchaut? Und wo fand man ſo zierliche kleine Füße, wie dieſe, welche in ihren durchbrochenen, weißſeidenen Strümpfen und rothen mit Flittern geſtickten Schnabelſchuhen einen tieferen Eindruck in dem Herzen des jungen Seemannes zurückließen, als in den Blumen und dem Laube worüber ſie hintanzten?— Kurz: Capitain Rüttiger's Stunde war gekommen— ſtark und hef⸗ tig, wie ſeine Natur, brach die Liebe ohne Widerſtand noch Ueberlegung bei ihm ein. „Hat die Sonne Dich geblendet, oder was haſt Du, Bruder Rüttiger?“ fragte ein Bekannter, der ihn mit einem leichten Schlage auf die Achſeln aus ſeinen Träumereien weckte. „Wer iſt ſie?“ gab er zur Antwort. „Welche ſie?“— „Dort, im rothen Kleide. Kommt ſie vom Himmel?“ „O nein, nur aus der Apotheke— es iſt Falk's Schwä⸗ gerin, die hier zum Beſuch iſt.“ „Ah— Frau Majken's Schweſter. Alſo aus Uddevalla?“ —— 24 „Ganz recht, wo die ſchönen Mädchen wachſen. Aber, nimm Dich in Acht! Der reiche Chrisman liegt ſchon vor Anker in dem Hafen und ich hörte geſtern, er habe dem Fal⸗ ken drei Tonnen Roggen für ſeine Fürſprache geboten.“ Der Capitain wurde roth bis an die Stirn, als ob die Sache ihn nicht allein beträfe, ſondern ihn ſogar perſönlich beleidigte. „Das iſt nicht möglich!“ brach er los.„Da würde er ihm wohl drei Ohrfeigen zur Antwort gegeben haben.“ „Oho, Herr Bruder, wenn der Wind von der Seeſeite kommt, da wird die Landſeite es fühlen und ſich in Acht neh⸗ men müſſen!“— Mit dieſem Gemeinplatz verſchwand der Redner. 1 „Dummköpfe und Narren könnten den Nagel auch auf den Kopf treffen,“ murmelte der Capitain und verſank wieder in Anſchauen der Königin des Feſtes. Er ſuchte jedoch nicht, ſich ihr zu nähern, denn ſelbſt die männlichſten Charaktere werden bisweilen von einer unerklärlichen Schüchternheit be⸗ fallen, die ſie vergeblich abzuſchütteln ſuchen. Eine kleine Genugthuung gewährte ihm jedoch die Be⸗ merkung, mit welcher Zurückhaltung ſie alle diejenigen behan⸗ delte, die ſich um ihre Gunſt bewarben. Einmal ſchien es ihm, als ob ihre Augen den ſeinen begegneten, aber, war dies wirklich der Fall geweſen, ſo hatte er nicht einmal die Freude, ſie erröthen zu ſehen, obwohl ſie die ſichtliche Bewunderung, mit welcher er ſie anſchaute, bemerkt haben mußte. „Nein, nein,“ dachte er mit heimlichem Verdruß,„ſte iſt es gewohnt angegafft zu werden— das mögen die Frauen alle gern.“ Die Geſellſchaft auf Erlandsröd, wohin ſich der alte Papa wirklich in der Chaiſe des Freundes begeben hatte; wartete unterdeſſen vergeblich auf den liebſten Gaſt. Obſchon Fre ſtalt „ſol pfle wer Kau Gel zuſe des aller nen Aug die die ſchn⸗ Kor über Mag imm meiſ ten ſchlo ſchla die in falt der eigen wirk zu Aber, n vor Fal⸗ ob die lönlich rde er beeſeite t neh⸗ ad der ch auf wieder nicht, raktere Lit be⸗ ie Be⸗ behan⸗ alte hatte; bſchon 2⁵ Freund Roman, der das Feſt auf ſeinem Landſitze veran⸗ ſtaltet hatte, kein zweiter Krämer für den Capitain war— „ſolche Freundſchaft knüpft man nur einmal im Leben“ pflegte er zu ſagen— ſchätzte er ihn doch, als einen lieben, werthen Freund und achtungswerthen Geſchäftsmann. Der Kaufmann und der Schiffscapitain hatten bei mehr als einer Gelegenheit ihre klugen Köpfe zu einem gemeinſamen Geſchäfte zuſammen geſteckt. Nun hatte aber nur ein Gedanke Raum in dem Hirn des Capitains, als er ſpät Abends heimkehrte: Wie, in aller Welt, ſollte er es anfangen, mit der Beſfitzerin der klei⸗ nen rothen Schnabelſchuhe bekannt zu werden, welche ſeinen Augen beim Mittſommertanze ſo wohl gefallen hatte? Glücklicherweiſe fiel es ihm gegen Morgen ein, daß die Apotheke am Vormittage eine Art von Clubb ſei, wo die Herren der Stadt ſich verſammelten und beim Magen⸗ ſchnaps und Magenmorſellen über Handel und Schifffahrt, Korn⸗ und Brannteweinpreiſe zu reden pflegten und beſonders über Politik und Lieferungen an die Krone, welche große Magazine dicht vor der Stadt angelegt hatte; Geſpräche, die immer noch Zeit zu einigen Bemerkungen über den Bürger⸗ meiſter und die letzte Sitzung im Rathe oder zu einigen piquan⸗ ten Neuigkeiten aus der Tageschronik übrig ließen. Nachdem er dies Alles wohl bedacht hatte und be⸗ ſchloſſen dem Magnaten Chrisman Arm und Bein abzu⸗ ſchlagen, wenn er ſich's einfallen ließe, in dieſen Tagen die Stadt oder gar die Apotheke zu beſuchen, warf er ſich in ſeine beſten Kleider, wobei er eine nie gekannte Sorg⸗ falt anwandte, und machte ſich auf, den wichtigſten Mann der Stadt, den ehrenwerthen Stadt⸗Apotheker auf ſeinem eigenen Territorium aufzuſuchen, weil er das Glück hatte, wirklicher Schwager der erſten Schönheit beim geſtrigen Feſte zu ſein. 26 Ehe wir aber das Reſultat dieſes Manoeuvres zu erfahren ſuchen, wollen wir einen Blick hinter die Gardi⸗ nen im erſten Stockwerk werfen, wohin ſo mancher ſpähende Blick gerichtet wurde, ſeitdem die Pracht⸗Roſe von Uddevalla daſelbſt blühte, vor deren Friſche und Farbenpracht alle Röslein der Stadt erblaßten. IV. Die Schweſtern. Im Schlafzimmer der Frau Apothekerin Majken Falk ſaßen die beiden Schweſtern am Mittſommermorgen in traulichem Zwiegeſpräch beiſammen. Die junge Frau, eine zarte, bleiche Erſcheinung, hatte ihr Erſtgeborenes ſo eben in den Schlaf geſungen, und wäh⸗ rend der Fuß die Wiege in leiſer Bewegung erhielt, falteten die ſchlanken Finger eine Halskrauſe, womit ſie ſich am Abend zu ſchmücken beabſichtigte. „Nun, Margreta, haſt Du gar nichts zu thun? Wenn das Picknick auf Starö auch keinen Vergleich mit dem geſtrigen Feſte aushalten kann, ſo „Ich bin fertig— Du weißt, ich habe nicht viel in Ordnung zu bringen.“ „Leider— und dennoch kenne ich viele Frauen, die zehnmal ſo viel haben als Du, und ſich doch nicht halb ſo gut zu kleiden verſtehen— Du haſt den beſten Geſchmack.... ach, Du haſt Alles: Geſundheit“— hier ſeufzte die junge Frau—„Schönheit“... wieder ein Seufzer...„und die Huldigung Aller; ſogar... ja, ſogar mein Mann hat Augen 28 für Dich“.... hier wurde der Seufzer ſo tief, daß der Kammertuch⸗Strich, deſſen eines Ende über die Schulter ge⸗ worfen war, wie von einer verrätheriſchen Woge emporge⸗ hoben wurde. „Liebe Majken, mir ſcheint, daß Du mitunter recht dum⸗ mes Zeug ſchwatzeſt. Habe ich jemals irgend Einen er⸗ muntert..... 43 „Nein, Gott bewahre mich.... Aber ſei nicht immer ſo verſchloſſen, Margreta, laß mich hören, ob nicht JFemand— Du weißt, was dies Wort bedeutet— Dich geſtern Abend beſonders auszeichnete!“ „Ich mag dieſe Fragen nicht, Majken. Warum willſt Du beſtändig nach Dingen forſchen, die ich weder zu ſuchen, noch zu finden eile, und warum ſollte grade geſtern Jemand...“ „Dieſe Frage ſteht Dir wohl an, Margreta, da ſogar Falk, mein eigner Mann, behauptete, daß Du die Schönſte im gan⸗ zen Kreiſe ſein würdeſt..... Nun, ich habe wohl ausge⸗ tanzt.... krank und niedergeſchlagen, trage ich kein Ver⸗ langen.... Aber genug von mir! Ich habe Dich ſo innig lieb, Margreta, Du könnteſt mir wohl durch einen kleinen Be⸗ weis Deines Vertrauens lohnen.“ „Nun, wenn ich die Wahrheit ſagen ſoll....“ „Ach Gott, wie himmliſch!... Es war alſo doch etwas da... erzähle nun raſch, und laß die verſchämten Unter⸗ brechungen ſein. Du weißt, ich bin ſeit Jahr und Tag ver⸗ heirathet und begreife derartige Dinge.“ „Das magſt Du thun, wenn ich aber nichts begreifen will, ſo iſt das meine Sache. Ich mag es nicht haben, daß man mich wie ein Bild anſtarrt.“ „Wer ſtarrte Dich denn ſo an? Du wirſt nicht ein⸗ mal roth, alſo— iſt es wieder nichts. Wer hatte denn aber die Kühnheit, der ſtolzen Mamſell Margreta Mißfallen zu erregen?“ wied das zu v Mäd und ſehen männ den, der Küſte erwid falls rücht geme Mäd er u frem hier zurü⸗ und nutz ich im der ge⸗ orge⸗ dum⸗ er⸗ nmer innig Be⸗ twas nter⸗ ver⸗ eifen daß ein⸗ aber 1 zu 29 „Es war ein Herr, welcher wahrſcheinlich noch nicht lange wieder zu Hauſe iſt. Er ſoll ſeinen Antheil an dem Schiffe, das er geführt hat, verkauft haben und beabſichtigen das Land zu verlaſſen; übrigens habe ich nicht zugehört was die jungen Mädchen noch ſonſt von ihm erzählten.“ „Gewiß Capitain Rüttiger. Ich kenne ihn recht gut und bin neugierig zu erfahren, was Du über ihn ſagſt.“ „Ich habe ihn, wie Du denken kannſt, nur flüchtig ge⸗ ſehen; doch ſchien mir, ſein Ausſehen mehr eigenthümlich und männlich, als geradezu hübſch.“ „Nun, nun, das iſt zu Anfang genug und bekommſt Du den, ſo haſt Du Dein Glück nicht verſchlafen.“ „Wie kannſt Du ſo ſprechen! Er ſoll außerdem als der wildeſte, heftigſte Mann bekannt ſein, der je an dieſen Küſten gelebt hat.“ „Du weißt, gottlob, genug, da Du gar nicht zugehört haſt,“ erwiderte Frau Majken Falk lächelnd.„Du kannſt mir jeden⸗ falls glauben, wenn ich Dir ſage, daß er trotz dieſes Ge⸗ rüchtes der ehrenwertheſte Mann der ganzen Stadt, und all⸗ gemein beliebt und geachtet iſt, ſo daß jedes hieſige junge Mädchen ſich bis auf den Fußboden verneigen würde, wenn er um ihre Hand anhielte.“ „Ich bin aber nicht von hier.“ „Liebe Margreta, vergiß nicht, daß ich hier gänzlich fremd bin und Deiner ſo ſehr bedarf! Wenn Du Dich nicht hier in Strömſtad verheiratheſt, werden die Aeltern Dich bald zurück verlangen; dieſer bloße Gedanke macht mich todeskrank und könnte mich zur Verzweiflung bringen.“ „Aber Majken, kannſt Du mich denn aus reinem Eigen⸗ nutz hier feſſeln wollen? Das iſt nicht hübſch— und ſo gern ich Dir gefällig bin... dies thut mir leid.“— Die bleichen Wangen der jungen Frau erglühten wie. im Fieber: 30 „Wie magſt Du mir ſolche Vorwürfe machen, Margreta — ſo empfänglich wie ich bin. Du biſt ſtark und entſchloſſen, ſo daß ich mich durch Deine bloße Anweſenheit gekräftigt fühle, und es iſt grauſam von den Eltern, wenn ſie verlangen, daß ich hier allein bleiben ſoll!“ „Aber, Majken, Du biſt ja verheirathet....“ „Oh, ja, das weiß ich allzu gut.“ „.... mit einem guten, achtungswerthen Manne— ver⸗ giß das nicht, Schweſter!“ „Warum willſt Du ihn loben, Margreta? Du weißt, wie viel Kummer ich in meiner Ehe habe... Mein Mann lacht über alles, als ob die ganze Welt voll Roſen wäre. Ich bin krank von Natur, krank von den Apothekgerüchen, krank an Ge⸗ müth, wenn ich allein bin, und krank von dem Geſchwätz und dem Lärm, der von unten herauf ſchallt, während ich hier oben ſitze und weine. Du wirſt alſo begreifen, Margreta, wie ſehr ich wünſche, daß wir in derſelben Stadt wohnen könnten.“ Margreta's hübſcher Mund verzog ſich zu einem eigen⸗ thümlichen Lächeln. „Es läßt ſich nicht leugnen, daß das Bild, welches Du von der Ehe entwirfſt, wenig Verlockendes hat. Ich kann mich glücklich ſchätzen, daß ich dieſe Sorgen nur aus den Erfahrungen Andrer kenne.“ „Ach wie dumm ich bin!“ rief die verheirathete Schweſter, erſchrocken über die eigne Unvorſichtigkeit.„Aber Du würdeſt ja auch nie eiferſüchtig werden.“ „Wer weiß,— was man nicht kennt, darf man nicht beſchwören.“ „Zum Wenigſten entgehſt Du dieſem Uebel, wenn Du den alten Chrisman heiratheſt,“ entgegnete die junge Frau mit heimlichem Verdruß. Ich darf Dir übrigens nicht länger verſchweigen, meine arme Maj terch Rück in d Stil fahr zwiſe zierg lich am Athe greta oſſen, fühle, „daß — ver⸗ wie lacht h bin 1 Ge⸗ ;3 und oben e ſehr „ eigen⸗ 8 Du mich ungen weſter, uürdeſt nicht n Du iu mit 2e arme Majken, daß ich vorgeſtern einen Brief von unſrem lieben Müt⸗ terchen hatte, welcher mir ankündigt, daß es Zeit ſei, an die Rückkehr zu denken.“ „Nun will ich nichts weiter hören. Du könnteſt hinunter in die Apotheke gehen und die Nerventropfen für den Fall... Still, da kommt Falk— laß ihn um Gotteswillen nicht er⸗ fahren, was wir unter uns geſprochen haben.“ „.... und vor Allem nicht, daß Du vor einigen Tagen zwiſchen zehn und elf Uhr Abends einen geheimnißvollen Spa⸗ ziergang in die Nähe des Clubbgebäudes machteſt. Wie glück⸗ lich Du mißtrauiſches kleines Weſen auch warſt, als Du ihn am Spieeltiſche ſitzen ſahſt, wäre Dir doch vor Angſt faſt der Athem ſtecken geblieben, ehe wir wieder ans Haus kamen.“ „Jeſus, mein Gott, ſo ſchweig' doch Margreta, er iſt ja vor der Thür!“—-——————— In demſelben Augenblick erſchien der Apotheker, ein Mann von gewöhnlichem aber gutmüthigem, jovialem Ausſehen; mit rundem Geſichte, runden blauen Augen, runder Figur und rothem Backenbart. „Seid Ihr Frauensleute in Ordnung? Hier iſt ein Freund, der Euch beſuchen will und da der Herr vom Hauſe A geſagt hat, müßt Ihr..... 3 „... vielleicht B ſagen?“ fiel Margreta ein.„Das iſt aber ein ganz verkehrter Schlußſatz, Schwager.“ „Still, kleine Schwägerin, ſonſt ſage ich etwas, was Ihre ſittſamen Ohren verletzen könnte, wie z. B. daß dieſer Beſuch in der Abſicht kommt... nun, nun,“ fügte er mit ſeinem freundlichen gutmüthigen Lächeln hinzu:„es iſt nicht der Mühe werth, nach der Thür zu ſchauen. Hier kommt der Mann... Komm' herein, Freund Rüttiger, die Damen heißen Dich will⸗ kommen.“ Der Capitain ließ ſich dies nicht zweimal ſagen; aber 32²2 nachdem er der jungen Frau die Hand gereicht und ſich vor ihrer Schweſter verbeugt hatte, blieb die glücklich eroberte Stellung doch ohne weitere Annährung; denn obgleich er ſich feſt vorgenommen hatte, mit der hübſchen Margreta zu plaudern, welche in ihrem weißen Morgenkleide mit den blauen Band⸗ ſchleifen keineswegs zu ihrem Nachtheil erſchien, ſo kam doch kein Wort über ſeine Lippen, das nicht an die Frau des Apo⸗ thekers gerichtet geweſen wäre. Während nun die Beiden über Wind und Wetter und die beabſichtigte Ausfahrt ſprachen, während der Apotheker am Fen⸗ ſter ſtand und an die Scheibe trommelte und jedem Vorüber⸗ gehenden zunickte und Margreta die aufgenommene Halskrauſe faltete, woran die Schweſter vorher gearbeitet hatte, ging die Viertelſtunde unbenutzt vorüber. Da gerieth mit einem Male alles in Bewegung, das Kind in der Wiege fing an zu ſchreien; der Burſche aus der Apotheke kam mit einem wichtigen Recepte. Die junge Frau wurde alterirt, der Apotheker embarraſſirt,— welcher Liebende konnte unter ſolchen Umſtänden daran denken, ſeine Actien ſicher zu ſtellen. Da mußte alles warten bis...... aber war denn nicht der Nachmittag da?...... Aus der geheimen Rathspflegung, die am Abend deſſelben Tages zwiſchen dem Apotheker Falk und ſeiner Ehehälfte in der Stille des Schlafsgemachs gehalten wurde, erfuhr man jedoch, daß die Courmacherei während der Ausfahrt, ebenfalls in Rauch aufgegangen war, da nur wenige einſilbige Redensarten zwiſchen den beiden Perſönlichkeiten ge⸗ wechſelt worden waren. „Ich begreife nicht, was Du mit Deinen Andeutungen gemeint haſt,“ ſagte Frau Falk,„ich glaubte heut Abend Näheres darüber zu erfahren.“ „Der Menſch iſt bis über die Ohren verliebt, mein Kind, das iſt das ganze Geheimniß! Du weißt: Er iſt ſonſt ein Mann, der ſelbſt vor dem leiblichen Teufel nicht bange ſein würde die ie Mühe niß i bebend — der R morger. 7 rer zu Gefall Und n aus de neigun Lieder bleiben der bis Auch ä in ihre gültig aus da dienen. Nieman fen kan U eheliche Carlen, vor berte hfeſt dern, dand⸗ doch Apo⸗ d die Fen⸗ über⸗ rauſe g die nd in kam erirt, unter ellen. nicht gung, und zalten d der henige n ge⸗ ungen iheres Kind, ſt ein e ſein 33 würde. Aber die Schwägerin iſt eine Pfeffermünzpflanze, um die ich auch nicht freien möchte.“ „Aha, Du villſt vielleicht damit ſagen, daß Du Dir keine Mühe gabſt, als Du um mich warbſt? Ein ſolches Bekennt⸗ niß iſt eben nicht angenehm zu hören!“ fügte die Frau mit bebender Stimme hinzu. „Oh weh, giebt es auch noch Regen am Mittſommertanze? — Haben wir nicht genug an dem Thau im Graſe und auf der Rückfahrt gehabt! Wenn es noch mehr giebt, bleibe ich morgen Abend lieber bis ein Uhr auf der Kegelbahn.“ „Aber was meinteſt Du denn damit, daß Margreta ſchwe⸗ rer zu gewinnen ſei, als ich?“ „Nichts weiter, mein Herz, als daß Du Dich herabließeſt, Gefallen an dem zu finden, der Dich zu gewinnen ſuchte. Und wenn man ſich auf halbem Wege entgegen kommt, wird aus der begonnenen Romanze bald ein Hochzeitslied.“ „Wer weiß, ob nicht Margreta am meiſten von einer Zu⸗ neigung hält, die man auch ohne halb und ganz geſungene Lieder verſtehen kann! Sie wird nicht unempfindlich dafür bleiben, Eindruck auf das Herz eines Mannes gemacht zu haben, der bis jetzt nicht als Freund der Damenwelt bekannt war. Auch änderte ſie beim Spiele zweimal ihren Platz, wenn er in ihre Nähe kam, und— wenn dieſe Nachbarſchaft ihr gleich⸗ gültig geweſen wäre, würde ſie dieſelbe nicht geflohen haben.“ „Weiberliſt iſt ein ſichrer Compaß. Wenn der Capitain aus dem Cours kommt, mußt Du ihm wohl als Seekarte dienen..... Gute Nacht, mein Kind..... Gott gebe, daß Niemand krank werde dieſe Nacht, damit ich in Ruhe ſchla⸗ fen kann!“ Und hiermit ſchloß der Mann, mit lautem Gähnen, die ehelichen Verhandlungen. Carlen, Cam, obsc. I. 3 —2 V. Das rothſeidene Tuch. Die feſtgeſetzten acht Tage bis zur Abreiſe des Capitains Rüttiger waren verfloſſen; und nochmals acht Tage und aber⸗ mals acht Tage vergingen, ohne daß die Reiſe, noch irgend eine andre Sache, weiter gediehen wäre, mit Ausnahme tyran⸗ niſcher Liebe, welche ihm noch jetzt„weder Raſt noch Ruh“ gönnte. In den letzten beiden Wochen hatte er die ſtattliche Mar⸗ greta täglich geſehen und geſprochen. Er ſah aber immer noch kein Land in dem wunderlichen Fahrwaſſer, in das er gerathen war, und was die„Seekarte“ betrifft, wovon der Apotheker einmal geſprochen hatte, ſo war derſelben nicht beizukommen. Margreta bewachte ihre Schweſter zu gut, als daß dieſe ſich in See⸗ oder andere Karten miſchen konnte. Sie ſagte nur:„Majken, wenn Du mich betrübſt, ſo.....“"und Majken wurde ſofort wie weiches Wachs in ihrer Hand. 3 Unterdeſſen war der erſte Freier, ſeitdem er den Namen des neuen Bewerbers erfahren hatte, total verſchwunden, und der Apotheker ſchwur lachend, daß er ſich die drei Tonnen Roggen von einem Andren verſchaffen würde. Endlich war ein Monat ſeit dem merkwürdigen Mittſom⸗ mert jetzt g „Wa Tage werde ſich ſ ein d verme welche alſo 3 2 heiten heimlie den ü der S ſo beſ war ſ würde glaube Selbſtg 77 mein 2 mir ab pitains aber⸗ irgend tyran⸗ gönnte. e Mar⸗ er noch erathen votheker ommen. ß dieſe e ſagte Majken Namen n, und Roggen Nittſom⸗ 3⁵ mertanze entſchwunden. Da fragte der alte Papa, der bis jetzt geſchwiegen und ſcheinbar nichts bemerkt hatte, eines Abends: „Wann gehſt Du an Bord, Sohn?“ Der Capitain zuckte zuſammen.„Frage mich nach drei Tagen wieder, Vater, dann ſollſt Du beſtimmte Antwort haben.“ In dieſen drei Tagen mußte ſein Schickſal entſchieden werden,— das war das Ultimatum, welches der Capitain ſich ſtellte. Freien oder nicht freien?... Da„nicht freien“ aber ein dunkles, einſames Leben bedeutete, wurde die Freierei un⸗ vermeidlich.. Nachdem dieſe Frage entſchieden war, kam die zweite: An welchem Tage dieſelbe vorgetragen werden ſollte? Der Donnerstag war ein Tycho⸗Brahetag(Unglückstag), alſo zu ſo wichtigen Dingen ungünſtig. Der Freitag war noch umpaſſender für Liebesangelegen⸗ heiten— und ſeit dem Abſchiede von Krämer immer ein un⸗ heimlicher Tag geblieben..... außerdem von keinem Seemanne den übrigen Wochentagen gleich gerechnet. Somit blieb nur der Sonnabend, welcher Markt⸗ und Poſttag war— aber um ſo beſſer: da gab es in der Apotheke genug zu thun und es war ſo viel wahrſcheinlicher, daß man oben ungeſtört bleiben würde..... alſo Sonnabend! Nichts deſtoweniger hielt der Capitain, bei dem der Aber⸗ glaube ſo feſt mit dem Character verwachſen war, folgendes Selbſtgeſpräch: „Wenn mir zuerſt eine alte Frau begegnet, ſo werde ich mein Vorhaben bis zum künftigen Herbſt aufſchieben; ſpringt mir aber ein Hund entgegen, ſo trage ich mein Anliegen un⸗ erſchrocken vor.“ Nachdem er Toilette gemacht hatte, wie es ſich für einen Mann in ſeiner Lage ſchickte, öffnete er gegen elf Uhr leiſe die Thür und guckte vorſichtig mit lautklopfendem Herzen auf 3* 36 die Straße hinaus. Da war aber nichts zu ſehen, als ein paar friedliche Hühner und ein kleiner Knabe, der, in der einen Hand eine Waſſerflaſche, in der andren ein Bündel Späne von des Nachbars Bauholz, eifrig ſeinen Weg fortſetzte. Auch ein verirrtes Ferkel lief quer über den Rinnſtein, aber alle dieſe Gegenſtände waren ohne Bedeutung in dem Drama des Tages. Der Capitain ſchritt mit einer gewiſſen Sicherheit über die Schwelle und begab ſich auf den Weg. Was begegnete ihm aber bei der erſten Straßenecke, als er ſeinem Ziele ſchon ganz nahe war, anderes, als daß Bürgermeiſter Grundell's großer Hund, der auf den freudeſtrahlenden Freier zu fuhr und ihm alle Liebkoſungen erwies, die er für den Augenblick hoffen und wünſchen konnte! Freilich begegneten ihm darauf noch drei bis vier alte ſpitznaſige Weiber, aber nun hätten ſie ihm ſchockweiſe erſcheinen können, ohne ihn zu beunruhigen— ihre Macht war gebrochen. Als er bei der Apotheke ankam, ſchien Falk gar nicht zu bemerken, daß er nach einer kurzen Begrüßung in die„höheren Regionen“ ſteuerte. Der Apotheker war aber im Grunde ſeines Herzens um ſo mehr erfreut darüber, da er ſeine Frau eben hatte über den Marktplatz ſchweben ſehen, um eine kranke Nachbarin zu beſuchen. Die Schwägerin befand ſich alſo eben allein. Die„kleine Schwägerin“ aber, welche keine Störung erwartete, ſaß ganz unſchuldig in der Vorrathskammer und ſichtete Mehl; wobei ſie ein rothſeidenes Taſchentuch turbanartig um die Stirn geſchlungen hatten, um das Haar vor dem Mehlſtaube zu ſchützen. „Wer iſt da?“ fragte ſie mit jugendlicher klarer Stimme, als ſie Jemand in den Saal treten hörte. Als keine Antwort erfolgte, hüpfte ſie hinaus und blieb bei dem Anblicke des Ca⸗ pitains: in ſchwarzem Frack und weißem Jabot, wie feſtge⸗ wurzelt ſtehen..... Das war das erſte Mal, das ſie ſich allein befanden. der( Ziele als einige werth warte ſchritt ſeinen Mit! macher noch nicht bin. nicht lieber ihr be Tuche ein paa hinzu. alte S gelegen ſchloſſer war ſo — hier Seele ſpricht ls ein einen Späne Auch er alle Drama über gegnete ſchon großer d ihm n und r alte heinen rochen. icht zu öͤheren ſeines u eben chbarin allein. vartete, Mehl; 2 Stirn chützen. btimme, Intwort des Ca⸗ feſtge⸗ ſie ſich 37 Ungeachtet aller glückverheißenden Vorbedeutungen fühlte der Capitain doch eine ſtarke Beklemmung, als er ſich ſeinem Ziele ſo nahe ſah; dieſe verſchwand jedoch, wie durch Zauberei, als er das rothſeidene Tuch gewahrte, welches er ſelbſt vor einigen Tagen vergeſſen hatte und das nun einen ſo beneidens⸗ werthen Dienſt verſah. Ja, er fühlte ſich durch dies uner⸗ wartete, günſtige Zeichen ſo ermuthigt, daß er raſch vorwärts ſchritt und ſeine Hoffnung ausſprach: Mamſell Margreta möchte ſeinen Beſuch nicht übel aufnehmen. ... „Mamſell Margreta, mein Beſuch gilt heute weder Falk noch deſſen Frau. Ich beabſichtigte..... nein, gehen Sie nicht fort... ich werde nicht weitſchweifig ſein.“ „Aber Herr Capitain, Sie ſehen ja, womit ich beſchäftigt bin. Ich kann unmöglich bleiben... ich kann es wirklich nicht.... Sie ſehen ja, ich bin ganz weiß.“— Sie hätte lieber ſagen können:„Ich bin ganz roth,“ denn das Blut war ihr bis an die Stirne geſtiegen, die kaum von dem rothen Tuche zu unterſcheiden war. „Mamſell Margreta, wenn Sie fortgehen, ſo habe ich die Antwort, die ich befürchtete. Aber thun Sie es nicht, bitte... Ich finde keinen ſo günſtigen Augenblick wieder.... Darf ich ein paar Worte zu Ihnen reden?“ fügte er mit bewegter Stimme hinzu. Als er keine Weigerung vernahm, hub er an:„dieſer alte Strand hat mir ſeit langer Zeit ſchwer auf dem Herzen gelegen. Ich bin weit umher gekommen und hatte endlich be⸗ ſchloſſen, mich in einem andern Lande anzuſiedeln. Ja, ich war ſogar reiſefertig, als der Mittſommerabend erſchien. Da“ — hier hielt er einen Augenblick inne—„wurde ich in tiefſter Seele erſchüttert durch die Worte meines Vaters. Der Alte ſpricht nicht oft, aber wenn er es thut, ſo iſt es von Dingen, 38 die der Sohn mit Ehrfurcht beherzigen muß. Er warf mir vor, daß ich mich von den Wegen trennen wollte, die mich ins Leben hinausgetragen haben, von der Scholle, die mir Schutz gewährt hatte, als ich mich noch nicht ſelbſt ſchützen konnte. „Bleib' daheim, ſagte er, und nimm Dir ein Weib!“ Dieſe Worte des Alten im Herzen, wandelte ich über den Markt und da wurde mein Herz von einer Erſcheinung getroffen, welche mich ſeitdem beſtändig verfolgt. Ich habe immer mehr und mehr über die Worte meines Vaters nachgedacht, und nun frage ich einfach Sie, Mamſell Margreta:„Soll ich reiſen, oder ſoll ich bleiben und mir ein Neſt bauen an derſelben Bucht, wo der junge Aar zuerſt aus dem Neſte geflogen iſt?“ Margreta hatte ſich anfangs Schritt für Schritt nach der Thür zurückgezogen. Als ſie aber merkte, daß ihr Anbeter ihr, im Feuer ſeiner Rede, Schritt für Schritt gefolgt und es ihm gelungen war, ſie zwiſchen Ofen und Lehnſtuhl einzuſchließen, machte ſich keine weitern Fluchtverſuche, und ließ ihre Sinne von den einfachen offnen Worten gefangen nehmen. „Das ſind ehrenwerthe Anſichten, Herr Capitain, durch deren Mittheilung ich mich ſelbſt geehrt fühle. Aber ich muß Ihnen ſagen, daß mir manches zu Ohren gekommen....... „Was mir nicht vortheilhaft geweſen iſt?“ ergänzte der Capitain.„Ich gebe zu, daß ich grader, aber aufbrauſender Sinnesart bin, aber in manchen Dingen auch ſehr weich; dennoch glaube ich nicht, daß die Frau, welche mich hoch genug ſchätzt, um meine Lebensgefährtin werden zu wollen, jemals Urſache haben wird, ihr Vertrauen zu bereuen. In der Liebe, wie in der Freundſchaft habe ich ein feſtes, treues Herz.“ „Ich bin außerdem noch ſehr jung, Herr Capitain,— gewiß zu jung; und habe mich immer vor einer ſtürmiſchen Häus⸗ lichkeit gefürchtet.“ „Aber glauben Sie denn doch nicht alles— oder beſſer geſagt: glauben Sie, was Sie wollen, nur nicht, daß ich der⸗ jenige ſichtli geben Hoffn Herr ben wird laſſen dies l verlan 8 Endre zuſiede daß me welche den§ Schrei mir h ins Schutz onnte. Dieſe t und welche r und frage er ſoll ſt, wo ſch der er ihr, es ihm ließen, Sinne durch h muß 474 zte der uſender weich; h genug jemals r Liebe, . — gewiß Häus⸗ r beſſer ich der⸗ 39 jenigen, welche mir theurer, als mein Herzblut ſein wird, ab⸗ ſichtlich eine kummervolle Stunde bereiten würde!... Und nun geben Sie das Jawort, o wenigſtens ein Wörtchen welches mir Hoffnung darauf giebt!“ „Das darf und vill ich auf eigne Hand nicht thun, Herr Capitain. Sprechen Sie mit meinem Verwandten, ſchrei⸗ ben Sie an meine Eltern; was dieſe über mich beſtimmen, wird mir genehm ſein. Ihre Worte haben mich beruhigt und laſſen mich die Sachen von einer andern Seite anſchauen, als dies bis jetzt der Fall geweſen iſt.“ Was verlangte er mehr..... was konnte er mehr verlangen?— Rathſchläge und Briefe wurden ausgetauſcht und das Endreſultat war, daß der Capitain, ſtatt nach England über⸗ zuſiedeln, den Grundſtein zu ſeinem neuen Wohnhauſe legte und daß man am 4. Januar 1782 in Uddevalla die Hochzeit feierte, welche den Capitain Rüttiger Smith und Margreta Stiegler in den Hafen der Ehe geleitete,— eine Ehe, aus welcher die Schreiberin dieſer Blätter das vierzehnte und letzte Kind iſt. VI. Ein Blick in die Chronik der Stadt. Jelbſt unter den bedeutenderen ſchwediſchen Städten giebt es wenige, an die ſich ſo traurige und wichtige Erinnerungen knü⸗ pfen, als an die kleine Grenzſtadt Strömſtad und deren Gebiet. Seit uralten Zeiten, ehe man noch daran dachte, die Ge⸗ ſchichte dieſer Länder und Völker zu ſchreiben, hatte die Nach⸗ barſchaft Schweden's, ſo lange Bohuslän norwegiſch war, und die Nachbarſchaft Norwegen’s, als dieſe Provinz ſchwediſch wurde, dieſelbe zu einem Zankapfel gemacht, der bald auf der einen Seite, bald auf der andern vom Feuer der Zwietracht gebraten worden war, und Strömſtad war gerade der Punkt, der am meiſten dabei verbrannt wurde. Ein Sammelplatz für Freunde und Feinde von Land⸗ und Seeſeite, war die Stadt der Willkür eines Jeden preisgegeben und von Krieg und Hungersnoth, Peſtilenz und ſonſtigem Elende heimgeſucht worden. Ein Bundesgenoſſe, welcher ihr aber immer hold und treu geblieben, war das Meer, welches ſie im Weſten umſchloß. Bei den furchtbaren Herbſt⸗ und Winterſtürmen ſchien es frei⸗ lich bisweilen, als ob die ſchäumenden Waſſermaſſen, die ſich bis auf den Strand hinaufwälzten, die kleinen Gebäude mit ſich f Klip) ſie la wohr Bohr der 7 Licht ſie ih tione umſch bösa ihner von tertht gegebe ſpitzen liefern weſen nicht blutig die züge rühmt einhei ewigt dort jene den d Stäm bis z ebt es u knü⸗ Gebiet. e Ge⸗ Nach⸗ r, und wurde, einen braten eer am reunde Villkür esnoth, d treu iſchloß. § frei⸗ die ſich de mit 41 ſich fortreißen würden; aber ſie ſtanden feſt auf der heimiſchen Klippe und hatten überdies von dem alten Skagerack, mit dem ſie lange heimlich im Bunde ſtanden, nichts zu fürchten. Die Sagen von dieſem Theile der Bucht und deren Be⸗ wohnern gehen bis in die graue Heidenzeit zurück, ehe noch Bohuslän als kleines, ſelbſtändiges Reich von dem Geſchlechte der Alfen beherrſcht wurde, von denen die Schwarzalfen und Lichtalfen(Elfen) wahrſcheinlich ihren Namen tragen. Leider haben ſie ihre Menſchengeſtalt ablegen müſſen, um die jetzigen Genera⸗ tionen, als Weſen der Einbildung und der Märchenwelt zu umſchweben, und die heimlichen, gefährlichen, bald guten, bald bösartigen Einflüſſe tragen zu der myſtiſchen Glorie bei, welche ihnen Unſterblichkeit ſichert. Aber nicht allein dieſe Sagen von den ehemaligen Beherrſchern des Meerbuſens, auch die Al⸗ terthumsforſcher, welche uns den Schlüſſel zur Nunenſchrift gegeben haben, erzählen, daß die Steingräber, woran die Berg⸗ ſpitzen der umliegenden Inſeln ſo reich ſind, deutliche Beweiſe liefern, daß dieſe Länder ſchon im Bronzealter bewohnt ge⸗ weſen ſind. Später kamen die Wikinger und die kleinen Könige, welche nicht allein ihre Thaten: wie die inneren Zpiſtigkeiten, die blutigen Kämpfe, mit den hier herüberſtreifenden Schotten— in die Felswände geritzt, ſondern dieſen Küſtenſtrich durch Kriegs⸗ züge und andere denkwürdige Ereigniſſe, ſo furchtbar und be⸗ rühmt gemacht haben, daß er von den Barden fremder und einheimiſcher Höfe vielfach beſungen und in deren Liedern ver⸗ ewigt iſt. Wo finden wir aber einen Glanz, der nicht hier oder dort von Flecken getrübt wäre? So befleckte die Seeräuberei jene herrliche Wikingerzeit; und vielleicht war der Schrecken, den dieſelbe, hiſtoriſchen Berichten zufolge, unter die friedlichen Stämme verbreitete, die Urſache, daß dieſer Theil der Scheeren bis zur Mitte des vierzehnten Jahrhunderts wüſte lag, wo er 42 zuerſt von dem König Hakon Hakonsſon angebaut wurde. Doch würde man die Oede dieſer Gegend vielleicht mit größerem Rechte dem wüthenden„Manntödter“ zu ſchreiben, wie die Seeleute noch heutigen Tages die böſe Peſtkrankheit nennen, welche mit fremden Schiffen in's Land gekommen, den ganzen Norden verheerte und beſonders in Bohuslän graſſirt haben ſoll, wo, nach der Ausſage alter Leute, an einem Orte nur ein Jüngling nnd ein Mädchen verſchont blieben, welche die Meeresbucht mit neuen Bewohnern beſchenken ſollten. Wann die erſten Fiſcherhütten ſich an der Stelle erhoben, wo jetzt die Stadt Strömſtad liegt, läßt ſich nicht mit Gewiß⸗ heit beſtimmen. Man ſagt, ſie haben dort:„von Alters her“ geſtanden, ein Ausdruck, welcher der Phantaſie großen Spiel⸗ raum läßt. Dem ſei nun wie ihm wolle; als aber Bohuslän 1658 als ſchwediſche Provinz beſtätigt wurde, vermehrten ſich dieſe Hütten ſo raſch, daß ſie ſich von dem Strande mehr und mehr an die Stromau hinzogen, welche die offne See mit dem klei⸗ nen Gewäſſer verbindet, das an der Oſtſeite der Landſtraße, die in die Stadt führt, hinfließt und in die hiſtoriſch bekannte Wettlandself mündet. Der Ort wurde Strömmen(der Strom) genannt. Als die kleine Ortſchaft aber durch die Anſiedelung frem⸗ der Seefahrer und Kaufleute größer, und durch deren Handel und Wandel bedeutend lebhafter geworden war, wollten ſie na⸗ türlich auch in Rang und Würden ſteigen.„Strömmen“ mußte vorwärts in der Welt, mußte ein Marktflecken werden. Im Jahre 1666 war dies um ſo leichter auszuführen, da die vormundſchaftliche Regierung Karl's XI. ihre Aufmerk⸗ ſamkeit huldvoll auf das wachſende Gedeihen der kleinen Colonie gerichtet hatte, wohin ſich außerdem der ganze Handel von dem Norden der Provinz zu ziehen begann. Um nun den jungen Marktf die Ku Vorthe thun Ein mußte vorwär willigt ſtätigt ſtad( unter tige B kaum er mit von d gezünd durch die St beſchei ſchluch Verga dahin wurde gedrü und d riſſen ſich, von l ſie wo verei, Doch berem die inen, inzen aben nur die oben, ewiß⸗ her“ Spiel⸗ 658 dieſe mehr klei⸗ , die annte (der frem⸗ andel na⸗ men“ rden. hren, merk⸗ lonie dem ungen Marktflecken um ſo beſſer in Schwung zu bringen, gewährte die Krone ihm einen geringen Antheil an gewiſſen allgemeinen Vortheilen, wie ſie es mit ähnlichen„jungen Anfängern“ zu thun pflegte. Doch— wann waren die Menſchen jemals zufrieden? Ein Marktflecken ſteht immer hinter einer Stadt zurück, alſo mußte„Strömmen“ nach einigen Jahren wieder einen Schritt vorwärts gehen. Man ſuchte nach um Stadtprivilegien, welche auch be⸗ willigt und den 11. April 1676 durch einen Königsbrief be⸗ ſtätigt wurden. Somit war die Stadt geboren und Ström⸗ ſtad(Stromſtadt) getauft worden. Es mußte ſich aber bei der Taufe ein boshafter Schwarzalf unter die Gevattern geſchlichen haben, denn kaum war der wich⸗ tige Brief in dem ſtädtiſchen Archive niedergelegt worden,— kaum war der Staub einiger Monate darauf gefallen— als er mitſammt der Stadt in Flammen aufging, das Feuer war von den Truppen des däniſchen Statthalters Gyldenlöwe an⸗ gezündet worden, welche in Bohuslän einfielen und ihren Weg durch Greuelthaten aller Art bezeichneten. Wie gern würde die Stadt ihren beklagenswerthen Rang jetzt gegen die frühere beſcheidene Stellung eingetauſcht, wie gern ſich in den Thal⸗ ſchluchten des alten„Strömmen“ verſteckt haben! Aber die Vergangenheit läßt ſich nicht heraufbeſchwören, und die Wünſche, dahin zurückzukehren, ſind ebenſo thöricht als vergeblich. Nun wurde Strömſtad vom Feinde befeſtigt und lag unthätig und gedrückt, bis unvermuthet ein ſchwediſches Streifeorps erſchien, und die fremde Beſatzung überwältigte. Nach einigen Monaten riſſen die Dänen jedoch die einmal eroberte Stadt wieder an ſich, deren Bewohner bald in dieſen Händen, bald in jenen, von beiden gleich behandelt und gebrandſchatzt wurden. Ja ſie waren ſo gut wie vogelfrei während der vierjährigen Scla⸗ verei, die dem ganzen Bohuslän einen langjährigen Schaden 44 verurſachte, obſchon Strömſtad immer vor dem erſten Angriffe lag und jetzt nur noch ein Haufen von Ruinen war. Kalm erzählt in ſeinen Reiſeerinnerungen von 1742, wo er dieſe Gegenden beſuchte, einen Zug, welcher deutlich zeigt, welch' tiefen Eindruck dieſer Krieg in den Gemüthern der Be⸗ völkerung hinterlaſſen hatte:„Wenn man im Paſtorate von Skee das Alter einer Perſon angeben wollte, ſo hieß es nie anders als:„Er wurde während, oder nach der Gyldenlöweſchen Fehde geboren“; oder:„Er war ſo und ſo alt, als die Gyl⸗ denlöweſche Fehde ausbrach.“ Als aller dieſer Jammer mit dem Friedensabſchluſſe zu Lund(1679) ſein Ende erreicht hatte und damit ein neues Blatt im Buche der Geſchichte umgeſchlagen war, verſuchte die kleine Grenzſtadt, ſich von ihren langem Leiden emporzurichten; aber ſie ſtreckte vergeblich die Arme nach einer hülfreichen, ſtützenden Hand aus. Die Regierung glaubte wahrſcheinlich, daß die Stadt durch die großartigen Ereigniſſe, die ſie erlebt hatte, ſelbſt groß geworden ſei, und da ſie ihre Gunſtbezeu⸗ gungen anderen Orten zugewandt hatte, wurde Strömſtad als ein läſtiges Stiefkind zurückgeſetzt. Der Schaden, welcher der Stadt durch dieſe Gyldenlöweſche oder ſogenannte große Fehde zugefügt worden, war in der That unheilbar, und alle ihre Bemühungen, ſich zu erheben, fruchtlos, da ihre feindſelige Nebenbuhlerin Frederickshall den Handel an ſich gezogen hatte. In allen Fiſcherdörfern längs der Küſte wurden Handlungshäuſer errichtet und, als nun noch dazu die dem Marktflecken bewilligten Privilegien*) ab⸗ *) Paſtor Oedmann in Tanum, welcher 1746 eine Beſchreibung von Bohuslän veröffentlichte, giebt an, daß dieſe Privilegien ſich darauf beſchränkten, daß die Bewohner des Marktfleckens Strömmen frei handeln durften, ohne Erlegung des üblichen Landzolls, dahingegen aber den Seezoll nach der beſtehenden Taxe für ausländiſche Producte zahlen mußten. liefen, ſteuerte welches Ironie L ein Tr Der„ Lebens Lebens dieſer genann ( ten, m welche dert w dens n führt; Land e anlaßt Majeſte zu ziel maßreg welche die Sti mehrer Peder haftet Gädda hielt ſü ſchlecht „Gjed hatte glied griffe 2, wo zeigt, c Be⸗ von s nie eſchen Gyl⸗ ſe zu neues te die hten; ichen, inlich, erlebt bezeu⸗ d als weſche t der heben, Iden längs nun ab⸗ libung n ſich mmen igegen oducte 45 liefen, brach eine dunkle Zeit über die ohnehin anſehnlich be⸗ ſteuerte Stadt ein, ſo daß„das Schiff mit vollen Segeln“, welches ſich im Stadtſiegel präſentirt, nunmehr einer bitteren Ironie glich. So kamen und ſchwanden die Jahre, freilich nicht wie ein Traum, denn die Löwedalſche Fehde wüthete in der Nähe. Der„Strom“ floß aber träge dahin, bis plötzlich eine neue Lebensader durch Waſſer, Felſen und Leute drang. Dieſe Lebensader war: Karl XII., und der norwegiſche Krieg aus dieſer Periode wird noch immer König Karl's Fehde genannt. Ehe wir aber dieſe wichtigen Zeitereigniſſe näher beleuch⸗ ten, müſſen wir einen Augenblick bei den Anklagen verweilen, welche gegen die meiſten Prediger der Grenz⸗Paſtorate geſchleu⸗ dert wurden. Dieſe Männer Gottes, dieſe Boten des Frie⸗ dens wurden öffentlich der Verbindung mit dem Feinde über⸗ führt; Verbindungen woraus die unglücklichſten Folgen für das Land entſprangen, weshalb auch die geiſtlichen Herren ſich ver⸗ anlaßt fanden, das unterthänigſte Geſuch an Se. Königliche Majeſtät einzureichen:„Höchſtdieſelbe möge gnädigſt einen Strich zu ziehen geruhen, über Alles, was aus Furcht vor Zwangs⸗ maßregeln während des Krieges geſchehen ſei;“ eine Bitte, welche huldvoll bewilligt wurde, in Anſehung der Reue, welche die Straffälligen zu fühlen ſchienen. Nichts deſtoweniger wurden mehrere dieſer Unruhſtifter, und darunter der ſiebzigjährige Probſt Peder Gudeſon Gädda in Nafperſtad, gegen ihren Willen ver⸗ haftet und nach Linköping geführt. Aber ſein Sohn, Gude Gädda, welcher ſich ebenfalls unter den Arreſtanten befand, er⸗ hielt ſpäter das Paſtorat in Nafverſtad und pflanzte das Ge⸗ ſchlecht der Gäddas fort. Dieſe Familie, die ſich urſprünglich „Gjedde“ nannte, war von altem norwegiſchen Herkommen, hatte aber ihren Adel dadurch eingebüßt, daß ein Mit⸗ glied derſelben ſich mit einer bürgerlichen Jungfrau vermählt 46 hatte. Sie iſt ſeit Jahrhunderten in Bohuslän anſäſſig, wo noch heute mancherlei Anecdoten über dieſelbe eirculiren. Von hier aus ſtammen auch die Gäddas, welche in den übrigen Theilen des Landes wohnen. Es war einer dieſer Herren geiſtlichen Standes, welcher bei einen Beſuch des Biſchofs, als er die neugierige Volks⸗ menge zurücktreiben wollte, derſelben väterlich zurief:„Scheert Euch zum Teufel, Freunde, der Biſchof kommt gleich nach!“ — Ein anderer Gädda, welcher leidenſchaftlich gern fiſchte, pflegte ſich auf dieſe Weiſe zu beſchäftigen, wenn er zu Waſſer nach der Kirche von Mo hinüberfuhr, woſelbſt er ebenfalls den Gottesdienſt zu verrichten hatte. Eines Tages feſſelte ihn dies Lieblingsvergnügen ſo ſehr, daß er die Kirchzeit verſäumte und ſeinen Knecht mit der Botſchaft in's Gotteshaus ſchicken mußte, daß er aus geſetzlichen Gründen nicht predigen könne, worauf die beſtürzte Gemeinde, von welcher mehrere Familien meilen⸗ weit gekommen waren, um von der gewaltigen Rede des Herrn Paſtors erbaut zu werden, bitter enttäuſcht nach Hauſe gehen mußte.— Einem dritten Gädda träumte einmal in ſeinem neunzigſten Lebensjahre, daß ſeine Vorfahren ihm erſchienen und befahlen, ſich zu letzten Reiſe bereit zu machen, da der Tag der Wiedervereinigung für ſie gekommen ſei. Der Alte glaubte dieſen Traum, und theilte ſeiner treuen Gemeinde am kommenden Sonntage mit, daß er Abſchied von ihr nehmen müſſe, indem ihm eine höhere Verkündigung geworden ſei, daß er allſobald von der Erde hinweg gerufen werden würde. Ehe noch der folgende Sonntag erſchien, hatte der alte Hirt in der That nach kurzer Krankheit das Zeitliche geſegnet und ſeine treue, geliebte Heerde verlaſſen. Der erſte Paſtor Gädda, welcher in Bullarn regierte, war ein Enkel des gelehrten Probſten Gude Axelſſon Gjedde in Qvillinge, ein Jünger Martin Luther's, mit Namen: Peder Jenſen, und war bis zum Jahre 1645 Paſtor in Nafverſtad, woſelb merkw ſtad 1 und 2 Famil⸗ behau ger S haupte und re 2 Thron gen fi Nach Kreiſer zeihund Jahre Unann 2 1 nes, n ſamme ſeligen ſein ſo zu beh zu wol Tode Königl **) ausgeze ſchildern auftritt , wo Von brigen velcher Volks⸗ Scheert lach!“ fiſchte, Waſſer s den dies e und nußte, vorauf neilen⸗ Herrn gehen ſeinem hienen da der r Alte de am ehmen i, daß CEhe in der ſeine gierte, Gjedde Peder erſtad, 47 woſelbſt er im hohen Alter ſtarb. Der letzte Sprößling dieſer merkwürdig zähen Predigerfamilie erhielt das Amt zu Naſver⸗ ſtad 1787 und ſtarb daſelbſt 1815, dreiundachtzig Jahr alt und Vater von neunzehn Kindern. Es giebt gewiß nicht viele Familien, die ſo lange und ſo ausſchließlich dieſelbe Kanzel behaupten, da in faſt zweihundert Jahren, mit Ausnahme eini⸗ ger Schwiegerſöhne, wenn die weibliche Linie den Thron be⸗ hauptete, kein Prediger anderen Stammes daſelbſt waltete und regierte. Nach dem letzten Gädda erbte Wilhelm Geintſchein den Thron Nafperſtad,„der Apoſtel der Bildung“, ein wahrer Se⸗ gen für die Bullinger, die wie das Unkraut emporſchoſſen. Nach dem Jahre 1811 wurde Geintſchein auch in weiteren Kreiſen bekannt durch eine Broſchüre, welche Young's Prophe⸗ zeihung von einem tauſendjährigen Reiche, welches mit dem Jahre 1836 beginnen ſollte, bekämpfte, wodurch er ſich vielen Unannehmlichkeiten und Verfolgungen ausgeſetzt ſah*).— Aber es wird nun Zeit nach Strömſtad zurückzukehren. Vor nicht langer Zeit ſtand in der Langenſtraße ein klei⸗ nes, niedriges, dunkles Haus, welches mit einem größeren zu⸗ ſammenhing, und die beide der Wittwe meines Bruders, des ſeligen Schiffeapitains, Paul Smith, gehörten. Dies kleine Haus, welches jetzt verändert und umgebaut ſein ſoll, hatte mehrmals die Ehre gehabt. König Karl den XII. zu beherbergen, welcher bei dem damaligen Bürgermeiſter Kamp zu wohnen pflegte. Hier war es, wo er die Nachricht von dem Tode der Königin⸗Wittwe erhielt und jenen Brief an den Königlichen Rath, Grafen Teſſin ſchrieb, der ſeine einfache Hel⸗ *) Dies iſt der, als Prediger und Menſch gleich hoch ſtehende, ausgezeichnete Mann, den ich in„Eine Nacht am Bullarſee“ zu ſchildern verſucht habe, wo er gegen die Irrlehren des Pietismus auftritt. 48 denſeele ſo gut charakteriſirt, daß ich es mir nicht verſagen kann, ihn hier folgen zu laſſen: kunft „Karl, von Gottes Gnaden ꝛc. Unſre beſondre Gunſt ꝛc. ein K Da wir für gut befunden haben, den Nachlaß Ihrer Maje⸗ wäre ſtät, der verwittweten Königin, Unſrer hochſeligen Frau im Ke Großmutter Hedwig Eleonara in drei Theile theilen zu laſ⸗ ſen, worüber wir dem Königlichen Rath und Gouverneur, tender Grafen Karl Gyllenſtjerna Unſern gnädigen Befehl ertheilt tigen haben, alſo ſei Euch hiermit in Gnaden anbefohlen: bei die⸗ Norwes ſem Acte gegenwärtig zu ſein, um Unſren Antheil zu em⸗ mußte pfangen und denſelben in zwei Hälften zu theilen, wovon auf ſch ' die eine Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzeſſin, Unſrer ſchützen hochgeehrten und lieben Schweſter, und die andre, dem Her⸗ wurden zog von Holſtein zuzuſtellen iſt. Womit Ihr nach Unſerm liegend gnädigen Wohlgefallen handelt. Wir befehlen Euch ꝛc. zen wu Strömſtad den 8. Mai 1718. tigt ha Carolus. erweiter ' O. Cederſtröm.“ rekis von Fre b Das Wort:„König Karl“, übt noch heute eine wun⸗ S derbare Macht über die niedern Volksclaſſen jenes Küſtenſtriches Feſtungs aus. Wie viele Sagen und Anecdoten exiſtiren noch aus der weniger Zeit, wo dieſer König, der alle Pracht und Bequemlichkeit, alle Marktpl Sittenloſigkeit, Schwelgerei und Heuchelei ſo ſehr verachtete, Laholm unter dem Volke lebte und wandelte, als wäre er unter dem⸗ und di ſelben geboren. Sein Lieblingsgetränk war das friſche, klare Ulrika“ Waſſer in Strömſtad. Als er eines Tages in den„Bergen“ pfündige von Kollekind wandelte, entdeckte er ſelbſt eine bis dahin un⸗ angeleg bekannte Quelle, welche noch heutiges Tages unter dem Na⸗ E 6 men„König Karl's Quelle“ bekannt iſt und woher das ſchöne, rien ihr von den Badegäſten ſo ſehr geſchätzte Trinkwaſſer geholt wird. wichtige Nun fühlte die kleine Stadt zum erſtenmal den wohlthä⸗ Belager tigen Einfluß der königlichen Gnadenſonne, ja, man gab ihr am 27. ſogar den Ehrennamen:„König Karl’s Auge.“ Kö Carlen agen ſt 2c. Naje⸗ Frau laſ⸗ neur, theilt die⸗ em⸗ ovon nſrer Her⸗ iſerm 11 wun⸗ riches s der „alle hhtete, dem⸗ klare rgen“ u un⸗ Na⸗ chöne, wird. hlthä⸗ b ihr 49 Es iſt bekannt, daß der König große Pläne für die Zu⸗ kunft dieſer Stadt hatte; und wer weiß, ob dieſelbe nicht jetzt ein Kriegshafen erſten Ranges oder Station für die Flotte wäre— wenn nicht der 30. Nov. 1718 ſo viele Hoffnungen im Keime erſtickt hätte. Für den Augenblick war die Stadt jedenfalls ein bedeu⸗ tender Ort, Strömſtad und Svineſund wuchſen beide zu wich⸗ tigen Plätzen heran, da der König während der Belagerung in Norwegen die Communication mit Schweden aufrecht halten mußte: Ueber den Sund wurde eine Brücke geſchlagen, die auf ſchwediſcher Seite durch Verſchanzungen, welche mit Ge⸗ ſchützen von der Feſtung Bohus armirt waren, vertheidigt wurden, jetzt aber, als zu weit von der Grenze entfernt liegend, nicht mehr im Stand gehalten werden. Dieſe Schan⸗ zen wurden Sundsborg benannt und der König ſoll beabſich⸗ tigt haben, dieſelben ſpäter zu einer wirklichen Feſtung zu erweitern.— Auch dieſer Plan zerrann in dem Laufgraben von Frederickshall!— Strömſtad ſah mittlerweile große Caſernen, Magazine und Feſtungswerke auf ſeinem Gebiete entſtehen. Es wurden nicht weniger als drei Batterien aufgeführt, wovon die eine, auf dem Marktplatze,„Prinz Carl“ genannt wurde; die zweite, auf dem Laholm, wovon man noch jetzt die Ueberreſte ſieht:„Carolus“, und die dritte, nördlich von der Stadt gelegne:„Prinzeſſin Ulrika“ hieß. Sie wurden zuſammen mit zwanzig achtzehn⸗ pfündigen Kanonen armirt und von dem Generalmajor Gjerta angelegt und vertheidigt. Ehe wir aber den Tag anbrechen ſehen, wo dieſe Batte⸗ rien ihre Rolle in der Geſchichte ſpielen, wollen wir jenes wichtige Ereigniß berühren, welches König Karl zwang, die Belagerung aufzuheben, nämlich: die Seeſchlacht am Dynekil am 27. Juni. König Karl's Armee litt großen Mangel an Lebensmitteln. Carlen, Cam. obsc. I. 4 50 Es waren deshalb Befehle nach Gothenburg geſchickt worden, daß neue Zufuhren von Proviant zu Waſſer nach Fredericks⸗ hall abgehen und Strömſtjerna den Befehl der Transportflotille übernehmen ſolle*). Der Chef ſah ſich durch widrigen Wind gezwungen, in den Hafen von Dynekil einzulaufen, welcher zwei Meilen vom Ein⸗ laufe und drei Meilen von Frederickshall entfernt liegt. Dieſer Einlauf iſt ſo eng, daß man ihn leicht vertheidigen zu können glaubte. Auch der Feind wußte, daß der ganze Ausgang des Feld⸗ zuges von der glücklichen Ankunft der Transportflotte abhinge, und hatte deshalb ſein Augenmerk auf dieſe Priſe gerichtet. Derſelben war aber, wegen ihrer ſtarken Bemannung und der gefährlichen Lage in dem ſchmalen Dynekil ſehr ſchwer beizu⸗ kommen. Schon die hohen, zackigen Felſen ringsum hätten den Feind überzeugen müſſen, daß ſie zu ſchützen wußten, was ihrer Obhut anvertraut ſei. Es gab aber einen Helden unter den Dänen, welcher dieſen Verſuch zu machen wagte. Sein Name war Tor⸗ densköld. Die ſchwediſchen Officiere des Convoi hielten ſich ſo ſicher vor einem Ueberfall, daß ſie in aller Ruhe einer Bauernhoch⸗ zeit beiwohnten, als ſie plötzlich durch den Donner der Kano⸗ nen aus dem frohen Brautreigen in den blutigen Schwerttanz *) Olof Strömstjerna, Herr zu Weſa und Stangenäs, war der Sohn eines Fiſchers von Käringö. Er trat als Matroſe in den Dienſt der königlichen Flotte und ſchwang ſich bis zum Schoutbynacht (Contreadmiral) empor. Seine Tapferkeit zeigte ſich beſonders in den Jahren 1709 und 1716, wo er, faſt auf ſich ſelbſt angewieſen, die Bohuslän'ſche Küſte vor dem Angriff der Dänen ſchützte. Im Jahre 1715 wurde er in den Adelſtand erhoben und ſpäter zum Viceadmiral ernannt. Doch war ihm das Glück nicht bei allen ſeinen Unterneh⸗ mungen hold. vorden, dericks⸗ tflotille in den m Ein⸗ Dieſer können s Feld⸗ abhinge, erichtet. und der r beizu⸗ tten den n, was welcher Tor⸗ ſo ſicher nernhoch⸗ r Kano⸗ werttanz „war der ſe in den zutbynacht rs in den ieſen, die Im Jahre iceadmiral Unterneh⸗ 51 gerufen wurden. Tordensköld war bei günſtigem Winde mit einer Fregatte, einigen Kanonenprahmen und Galeeren mitten in die ſchwediſche Flotte hineingefahren, die nun Lage auf Lage zu koſten bekam. Das Feuer wurde mehrere Stunden mit gleicher Heftig⸗ keit auf beiden Seiten fortgeſetzt. Die Lage der ſchwediſchen Flotille war gleich anfangs ſehr unvortheilhaft und wurde es noch mehr, als die Vertauungen des Chefsfahrzeuges und mehrerer Galeeren abgeſchoſſen wurden und verſchiedene feind⸗ liche Galeeren, vom Winde begünſtigt, in den Hafen einliefen. Das Endreſultat des Kampfes war, daß die ſchwediſchen Schiffe theilweiſe in den Grund geſchoſſen, von Tordensköld genommen oder von den Schweden ſelbſt in die Luft geſprengt wurden, welche Letztere ihre Schiffe lieber zerſtört, als in den Händen der Dänen ſahen. Das Unglück wurde noch dadurch vergrößert, daß man verſäumte, den Strand des Einlaufes zu beſetzen, um den Rückzug des Feindes zu erſchweren, der nun in Folge dieſer Nachläſſigkeit ungehindert mit ſeiner Beute davon ging. König Karl ſah ſich in Folge dieſes Unglücks, welches ihn der Zufuhr neuer Lebensmittel und Munition beraubte, gezwungen, die Belagerung für dies Jahr aufzuheben. Admiral Tordensköld dahingegen wurde durch den glücklichen Erfolg ſeines waghalſigen Unternehmens zu neuen Plänen angefeuert. Es ſchien jedoch, als ob die ſchwediſche Flagge keine Ruhe habe, bis der Flecken wieder ausgewaſchen ſei, wobei ſie durch eine Großmacht unterſtützt wurde, der noch Keiner zu wider⸗ ſtehen vermocht hat. Im folgenden Winter führte der Admiral eine Trans⸗ portflotte nach Norwegen, litt aber Schiffbruch in den Scheeren und mehrere tauſend Mann fielen in die Hände der Schweden. Tordensköld rächte ſich durch Plünderungen an der bohuslän⸗ ſchen Küſte; als er aber am 2. Mai 1717 die Stadt Gothen⸗ 4* 52 burg mit einer Flotte von einundzwanzig Segeln angreifen wollte, um die dortigen Schiffe und Magazine in Brand zu ſtecken, mißglückte ſein Plan und er verlor mehrere Galeeren und einen Theil der Mannſchaft. Durch dieſen Unfall wurde Tordensköld's Plan: Ström⸗ ſtad zu zerſtören, vereitelt und General Gjerta gewann Zeit, um die weiter oben erwähnten Befeſtigungswerke zu vollenden, welches um ſo wichtiger war, da bereits eine neue Transport⸗ flotte vor der Stadt angekommen war und eine zweite erwartet wurde; während der Feind in der Nähe kreuzte und Grund zu Befürchtungen gab, daß das Drama von Dynekil ſich hier wiederholen könne.——————————— Am 4. Juli erſchien der gefürchtete und berühmte Admiral in der That mit drei Orloggſchiffen, zwei Kanonenprahmen und zwölf Galeeren vor dem Hafen von Strömſtad, blieb aber einige Tage draußen am Salomonsholm liegen, während wel⸗ cher Zeit die Schweden Muſe hatten, ihre Vorbereitungen zum Empfange ſo hoher Gäſte zu treffen*). General Gjerta übernahm das Commando in der Batterie auf dem Laholm. Oberſt Budenbrock befehligte die auf dem Marktplatze belegene und Oberſt Rutensköld die Batterie:„Prin⸗ zeſſin Ulrika.“ In der Nacht auf den 8. Juli glitt Tordens⸗ köld in aller Stille bis an die Batterien vor. Um 3 Uhr Morgens begann eine furchtbare Kanonade, welche acht Stun⸗ den lang ununterbrochen anhielt. General Gjerta legte Proben der höchſten Tapferkeit ab. Er erwiderte das Feuer des Fein⸗ des auf energiſche Weiſe und hatte den Vortheil vor den Feinden voraus, daß er ſeine Schüſſe mit größerer Sicherheit *) Nach Oedman's Angabe erſchienen am 4. Juli nur drei Or⸗ loggſchiffe und„am folgenden Sonntage, als am 7., ein Prahm mit ſechs Galeeren.“ Dieſe Verſion erklärt das zögernde Anrücken des Feindes beſſer. abm die zum feuer den. ſo d benu Land dieſen die 2 ten ſ Unſer Lande bottne regen blieb ſo da dieſelh Schal bugſir wurde auf er ſchaft den S lebhaft kappten behaup dieſen 4 kugeln reifen nd zu leeren tröm⸗ Zeit, enden, Sport⸗ wartet dmiral ahmen b aber d wel⸗ 53 abmeſſen und richten konnte. Nach einigen Stunden hatte er die Genugthuung, zu bemerken, daß ein feindlicher Prahm, als zum Kampfe untauglich, aus der Linie verſchwand. Die Batterie auf dem Laholm war einem heftigen Kreuz⸗ feuer ausgeſetzt und von vierzehn Kanonen zehn demontirt wor⸗ den. Die noch übrigen vier hatten ihre Munition verſchoſſen, ſo daß ſie die Kugeln des Feindes aufſammeln und wieder benutzen mußten. Als Tordensköld dies merkte, ließ er ſeine Leute ans Land ſteigen, um die Batterie zu ſtürmen. Oedmann erzählt dieſen Vorgang auf folgende Weiſe: „Um 8 ½ Uhr ruderten zwei ſtark bemannte Galeeren an die Batterie von Laholm, um dieſelbe zu nehmen und näher⸗ ten ſich ihr mit lautem Siegesgeſchrei, da ſie wähnten, daß die Unſeren ſie bereits verlaſſen hätten. Kaum waren ſie aber dem Lande nahe gekommen, als unſere Grenadiere und Weſter⸗ bottner auf den Bergen erſchienen und einen ſolchen Kugel⸗ regen auf ſie hinabſandten, daß nur Einer von ihnen übrig blieb und die beiden Galeeren als Wrack dem Lande zutrieben, ſo daß Oberſt Clauſſen ins Waſſer ſprang, um ſie feſtzuhalten, dieſelben aber nicht erreichen konnte. Allſobald erſchien eine Schaluppe mit zehn Mann, welche die beiden Galeeren aus⸗ bugſiren wollte, aber mit ſo gut gerichteten Kugeln empfangen wurde, daß nur drei Mann mit dem Leben davonkamen. Dar⸗ auf erſchien eine kleine Galeere, welche ebenfalls viele Mann⸗ ſchaft verlor, worauf die beiden erſteren vom Lande ab und den Schiffen zu trieben, die während der ganzen Zeit ein lebhaftes Feuer unterhalten hatten, aber nun ihre Ankertaue kappten und ſich jenſeits des Salomonsholm's zurückzogen. Man behauptet, daß der Commandeur Tordensköld aus Aerger über dieſen übereilten Rückzug geſtorben ſei.“ Der däniſche Admiral war wirklich durch drei Musketen⸗ kugeln verwundet worden. Er war während des ganzen Ge⸗ 54 fechtes in dem dichteſten Kugelregen hin und her gerudert und hatte Kugel nach Kugel auf den General Gjerta abgeſchoſſen, von denen aber keine ihr Ziel erreichte. Die Schlacht war entſchieden und der Sieg vollſtändig. Die Dänen hatten zwölfhundert Todte und vierhundert Ver⸗ wundete; auf ſchwediſcher Seite zählte man zweihundert Ge⸗ bliebene und hundert Verwundete. Das Entzücken der Schweden kannte keine Grenzen und beſonders machten die guten Strömſtader ihrer Freude durch lautes Jubelgeſchrei Luft. Nach einem, auf offenem Markte gehaltenem Tedeum luden ſie die tapfern Krieger zum fröhli⸗ chen Schmauſe in ihre zerſchoſſenen Häuſer ein, welche, nach Erzählung der Augenzeugen, durchlöcherten Fiſchkaſten glichen. Die Schüſſe des Feindes, welche auf die Batterie am Markte gerichtet waren, hatten ſich theilweiſe in die Häuſer verirrt, in welchen man zweihundert Raketenkugeln, dreihundert Bomben und eine Menge Bleigeſchoß vorfand...... Bis vor nicht langer Zeit ſaßen noch große Kugeln in den Außenwänden und noch jetzt findet man bei vorgenommenen Reparaturen mancher⸗ lei Andenken an den Tordensköld'ſchen Beſuch. Dies Freudenfeſt mitten in der Zerſtörung, dieſer patrio⸗ tiſche, ſieberhafte Enthuſiasmus in der Verwirrung und Ob⸗ dachloſigkeit, welche eine ſolche Schreckenszeit mit ſich führen muß, glich einem Freudenfeuer, welches vom nächtlichen Sturm gelöſcht wird. Denn als der Morgen dämmerte und die Gemüther ruhi⸗ ger wurden, ſtand auch die Wahrheit klar und einleuchtend vor ihnen: daß das Uebel freilich hätte noch größer werden können, aber jedenfalls ſchon jetzt ſehr groß ſei. Daß der Verluſt auf ſchwediſcher Seite verhältnißmäßig ſo unbedeutend war, läßt ſich dadurch erklären, daß die Schüſſe des Feindes, wegen der ſchaukelnden Bewegung der Schiffe, entweder zu hoch oder zu niedrig gerichtet waren. Man be⸗ hauß Unte wori erken nun Am bom gewo für d Erſch Affai Gjer konnt vom war. fünfze ches a gen, Gewel und e war, fen. dauert waren übel; öffnet Paſſag und und ſſen, ndig. Ver⸗ Ge⸗ und durch karkte röhli⸗ nach lichen. Narkte rt, in omben nicht n und chiffe, an be⸗ 55⁵ hauptet, daß der däniſche Admiral in Folge des mißglückten Unternehmens das Commando verloren habe. König Karl ſandte ein Schreiben an den General Gjerta, worin er ihm und allen Braven ſeine volle Zufriedenheit zu erkennen gab. Der Küſtenſtrich in der Umgegend von Strömſtad wurde nun für einige Zeit vom Anblick der däniſchen Flagge verſchont. Am 1. Auguſt kehrte der Feind mit Verſtärkung zurück und bombardirte die Stadt drei Tage lang, ohne daß die hinein⸗ geworfenen Bomben erheblichen Schaden anrichteten. Die Autoritäten der Stadt waren unterdeſſen ſehr beſorgt für die zweite Transportflotte, welche bei Grafverna lag, deren Erſcheinen um ſo erſehnter und nothwendiger war, als die letzte Affaire die Kriegsvorräthe gänzlich erſchöpft hatte. General Gjerta wußte aber, daß man nicht auf ihre Ankunft hoffen konnte, ſo lange der Sund von Starö, der ſüdliche Einlauf vom Strömſtader Hafen, noch von feindlichen Schiffen blockirt war. Was hier geſchehen ſollte, mußte durch Liſt geſchehen. Er beſchloß daher, in der Nacht auf den 15. Auguſt fünfzehn Geſchütze dorthin zu führen, ein Unternehmen, wel⸗ ches anfangs vom Feinde unbemerkt blieb. Als die Dänen am folgenden Morgen die Reveille ſchlu⸗ gen, wurde dieſelbe von einem ſo lebhaften Kanonen⸗ und Gewehrfeuer begleitet, daß eine Galeere in Brand geſchoſſen und eine große Anzahl der Mannſchaft getödtet oder verwundet war, ehe dieſe Zeit gehabt hatten, ſich in die Kleider zu wer⸗ fen. In der Verwirrung über einen ſo unerwarteten Beſuch dauerte es eine halbe Stunde, ehe ſie fertig zum Schießen waren. Ihre Sache war übrigens ſchon verloren und ſie ſo übel zugerichtet, daß ſie ſich bald, nachdem ſie das Feuer er⸗ öffnet hatten, zurückziehen und der ſchwediſchen Flottille die Paſſage frei laſſen mußten. Dieſe erſchien auch bald darauf und wurde glücklich in den Hafen von Strömſtad gebracht. 56 Unterwegs verſuchten die Dänen es noch einmal, dieſelbe zu kapern, ſie wurden aber durch eine verdeckte Batterie belehrt, daß ſolches nunmehr unmöglich ſei, worauf ſie die Anker lich⸗ teten und Strömſtad während König Karl'’s Lebzeiten nicht mehr beunruhigten. Den 27. Auguſt kam der König in die Stadt und zwar in dem Augenblick, wo die Truppen auf dem Marktplatze ihre Andachtsſtunde hielten, bei welcher Gelegenheit— wie ſchon in der vorigen Skizze erzählt wurde— der König vom Pferde ſtieg, das Knie beugte und Theil an dem Gottesdienſte nahm. König Karl ordnete noch verſchiedene Vertheidigungsmaß⸗ regeln an und ſchenkte der Stadt zahlreiche Beweiſe ſeiner Huld, worunter zu rechnen iſt, daß er dieſelbe auf zehn Jahre von allen Abgaben befreite. Er ſah ein, wie wichtig der Beſitz dieſes Ortes ihm für ſeine glücklichen Waffenerfolge in Nor⸗ wegen ſein konnte. Außer Strömſtad und deſſen Bewohnern gab es noch einen Ort und eine Perſon, welche ſich der Gunſt des Königs er⸗ freuten; der Ort war das Paſtorat von Näſinge, welches auf dem Wege von Strömſtad nach Swineſund liegt, und die Per⸗ ſon der Prediger daſelbſt. Paſtor Lomberg war früher Feld⸗ prediger geweſen und hatte während des Krieges viel gelitten. Seine Nachkommen haben ſpäter in Strömſtad gelebt und manch trauriges Schickſal erfahren. Wenn König Karl am Leben ge⸗ blieben wäre, würde ſein Günſtling ohne Zweifel eine beſſere Pfarre bekommen haben. Nun beſuchte er ihn ſehr häufig und auf allen ſeinen Ausflügen, die er zu Fuß oder zu Pferde unter⸗ nahm, war der Pfarrer ſein Begleiter und auf ungebahnten Wegen ſein Vorläufer, wobei manch trauliches, freimüthiges Geſpräch zwiſchen ihnen ſtattfand. Auf dieſen Touren geſchah es nicht ſelten, daß der Paſtor müde wurde; der König aber fühlte keine derartige Schwäche. „Verzeihung, Ew. Majeſtät,“ wagte Lomberg eines Tages bei erdr ſchen gern mich, Stief hain, zaube eher und Erfal in ſei Erdb⸗ mit ließ, hatte pflicht dabei ben ſolchen Säuſt Bacher erzähl ihm v möglic Paſtor Anekd habe, ſenden elbe zu belehrt, er lich⸗ nicht d zwar ze ihre e ſchon Pferde nahm. gsmaß⸗ ſeiner Jahre r Beſitz n Nor⸗ h einen ligs er⸗ hes auf ie Per⸗ r Feld⸗ gelitten. manch ben ge⸗ beſſere fig und unter⸗ bahnten üthiges Paſtor hwäche. Tages 57 bei ſolcher Gelegenheit zu äußern,„ich glaube, meine Stiefeln erdreiſten ſich, Ew. Majeſtät den Gehorſam zu fündigen.“ „Ich will Dir das nächſte Mal ein Paar von meinen ſchenken,“ erwiderte König Karl,„Du kannſt dieſe deshalb gern ſpendiren!“ „Ew. Majeſtät ſind zu gnädig, aber die Noth zwingt mich, zu bekennen, daß meine Füße Gemeinſchaft mit den Stiefeln gemacht haben— wenn deshalb jener kleine Birken⸗ hain, der von einer gütigen Vorſehung hier in die Felſen ge⸗ zaubert zu ſein ſcheint, Ew. Majeſtät nicht mißfällt....... 74 Der König lächelte und ließ ſich dieſe kurze Raſt um ſo eher gefallen, da er am Morgen nur ein paar Gläfer Waſſer und ein Stückchen Brod und Wurſt genoſſen hatte und aus Erfahrung wußte, daß der Paſtor immer etwas zur Erquickung in ſeiner Reiſetaſche führte. Bei einem ſolchen Halt, während der König, auf den Erdboden hingeſtreckt und den Arm auf einen Stein geſtützt, mit unglaublicher Geſchwindigkeit die Vorräthe verſchwinden ließ, welche die Speiſekammer der Frau Paſtorin zu bieten hatte, und der Paſtor, auf einem Baumſtumpfe ſitzend, mit pflichtſchuldigem Intereſſe den Worten des Königs lauſchte und dabei mit geheimer Angſt ſah, wie die Proportionen des hal⸗ ben gebratenen Ferkels immer kleiner wurden— in einer ſolchen Stunde, beim muntren Gezwitſcher der Vögel, beim Säuſeln der Bäume und dem geſchwätzigen Murmeln des Baches, der das Getränk zu der Mahlzeit geliefert hatte— erzählte der König ſeinem Gefährten ein Abenteuer, welches ihm vor Kurzem im Gebirge begegnet war. Da es aber un⸗ möglich iſt, die Worte des Königs ſo wieder zu geben, wie Paſtor Lomberg ſie uns überliefert hat, erzähle ich lieber dieſe Anekdote, wie ich ſie unzählige Male von meinem Vater gehört habe, der ſie als eine Art moraliſcher Vorleſung über unpaſ⸗ ſenden Uebermuth und Schwelgerei mit Gottesgaben benutzte. 58 Mein Vater, welcher nicht ſo gern und nicht ſo vollkommene Reden hielt, wie meine Mutter, pflegte ſeine Lehren in der⸗ gleichen kleine Erzählungen zu kleiden, welche ſich dem Kinder⸗ herzen einprägten. Als König Karl ſich eines Tages auf einer Wanderung im Kirchſpiel Hogdala von ſeinem Gefolge entfernt hatte— denn er liebte es nicht, ſeine Diener immer auf den Ferſen zu haben— gewahrte er eine kleine Hütte in einer Fels⸗ ſchlucht, ein Anblick, der ihm um ſo willkommener war, da er eben von Hunger und Durſt gequält wurde. Er nahte ſich derſelben und begehrte Einlaß. Da er aber nie ſo gekleidet war, daß man an ſeinem Rocke errathen konnte, daß er ein vornehmer Herr oder gar der König ſei, ſo war es auch nicht ſo zu verwundern, daß die alte Frau, welche ihm die Thür öffnete, keine weiteren Complimente machte, ſondern ihn einfach mit den Worten willkommen hieß:„Gott grüß' Euch. Kommt herein!“ Der Anblick von Kriegsleuten war nichts Ungewohn⸗ tes zu jener Zeit. In der Kammer ſaß der Mann am Tiſche und ſprach der blank geſcheuerten Bierkanne zu. Es war ein ſtrenger, aber gottesfürchtiger alter Mann, der nun ebenfalls den Fremden willkommen hieß und ihn fragte:„Gehört Ihr zu König Karl's Officieren?“ „Ja!“ erwiderte Se. Majeſtät.„Aber habt Ihr etwas zu eſſen für mich, guten Leute, ich bin ſehr hungrig.“ „Das iſt das alte Lied..... Nun, Malena, gieb her, was Du haſt.... Seid Ihr vielleicht vom Gefolge des Königs?“ „Ja, das bin ich!“ gab Se. Majeſtät zur Antwort.„Kann ich Euch einen Dienſt erweiſen; ſeid Ihr vielleicht unzufrieden mit Eurer Lage?“ „Was iſt daran gelegen, ob ich zufrieden bin oder nicht? Ihr müßt überdies wiſſen, daß ich ſoviel von der Welt ge⸗ ſehen habe, daß ich den Bart zu halten weiß. Ich rede nie über Könit zu bi den 1 dicke Meſſe merkt „Sche zu le Gabe des§ Käs nun über aus e die d kann die fr — wi als ſ nehme wiede ommene in der⸗ Kinder⸗ nderung atte— Ferſen r Fels⸗ , da er ahte ſich gekleidet er ein ich nicht jie Thür n einfach Kommt gewohn⸗ drach der er, aber Fremden ¹ König hr etwas „ gieb her, Königs?“ „Kann zufrieden der nicht? Welt ge⸗ rede nie 59 über Behörden.— Geſundheit!..... Auf das Wohl des Königs!..... So, da hat Mutter Euch vorgeſetzt, was ſie zu bieten hat.“ Das kleine Mahl beſtand aus Brod, Butter, Käſe und den Ueberreſten eines Stückes Schaffleiſch. Der König bereitete ſich ein Butterbrod und ſchnitt eine dicke Scheibe von dem Käſe, um ſie darauf zu legen. Der Alte hatte mit böſen Augen zugeſehen, wie das Meſſer ſo tief in den Käſe hinein ging; als er aber vollends merkte, was der Fremde damit im Sinne hatte, rief er zornig: „Schämt Ihr Euch nicht, zweierlei Zukoſt auf ein Stück Brod zu legen?— Meint Ihr, daß der liebe Gott uns mit ſeinen Gaben ſegnet, damit wir ſie im Uebermuthe verſchwenden?“ „Du haſt Recht, Alter— ich will dieſe Lehre den Leuten des Königs mittheilen.— Gieb Dich zufrieden. Ich lege den Käs ſo lange bei Seite.“ Und Se. Majeſtät verzehrte nur das Butterbrod. Ein ſolcher Gehorſam verſöhnte den Alten. Er wurde nun geſprächig und plauderte über Krieg und Frieden und über die Verhältniſſe des Landes, bis der König, der mit ihm aus einer Kanne getrunken hatte, ſich anſchickte zu gehen und die Zeche zu bezahlen. „Von König Karl's Leuten nehm' ich kein Geld— Er kann ſeine Schillinge ſonſt gebrauchen.“ „Wie Ihr wollt, Vater... Dank für gute Lehren und die frohe Stunde unter Eurem Dache.... Gott ſei mit Euch — vielleicht treffen wir noch einmal zuſammen.“ „Daraus wird ſchwerlich etwas werden!“ meinte der Alte, als ſein Gaſt die Thür hinter ſich ſchloß. „Wer kann's wiſſen, Vater... es war gewiß ein vor⸗ nehmer Herr.“ „Das mag ſein. Und deſto ſicherer, daß ich ihn nicht wieder ſehen werde.“ 60 Kaum waren vierzehn Tage vergangen, als der alte Mann eines Beſſeren belehrt wurde. Die Hütte wurde abermals von einem Soldaten aufgeſucht, welcher einen Gruß von dem Offi⸗ ciere brachte, der vor einigen Wochen dort zu Gaſt geweſen ſei— und die Einladung in's Hauptquartier zu kommen, um ein kleines Frühſtück einzunehmen. Der Alte machte erſt viele Umſtände, holte aber endlich den Sonntagsrock und folgte ſeinem Weggeiſer. Nachdem ſie an Ort und Stelle angelangt waren, wurde unſer alter Freund zum Könige geführt, in welchem er ſo⸗ fort ſeinen Gaſt wieder erkannte. Dank für neulich, Vater!“ rief der König. „Ich habe ſeitdem ſo oft von Euch geſprochen, daß ich Luſt bekam, Euch wieder zu ſehen.“ „Wollt Ihr mir etwas?“ „Ihr ſchlugt mein Geld aus, obwohl Eure Worte mehr, als Gold werth waren. Wollt Ihr nun dies Andenken von mir nehmen?“ Der Alte ging bald vor⸗, bald rückwärts und wußte nicht ob er es wagen dürfe, die große ſilberbeſchlagene Kanne an⸗ zunehmen, welche der König vom Tiſche nahm und ihm freund⸗ lich hinreichte. Endlich griff er nach dem Kleinod und be⸗ merkte da erſt, daß auf der ſilbernen Platte im Deckel, Karl's XII. Namenszug mit der königlichen Krone ſtand. Die Hände des Alten fingen an zu zittern. Er ſetzte die Kanne nieder und betrachtete den König mit einem Blicke, worin ſeine ganze Seele lag. „Ihr ſeid der König— und ſeid mir nicht böſe?“ nickte der Alte zutraulich fragend. „Im Gegentheil— ich hätte meinen ganzen Hofſtaat mit mir haben mögen!... Leb' wohl, alter Freund... haſt Du jemals ein Anliegen an mich, ſo weißt Du mich nun zu finden... Draußen wartet ein Frühſtück auf Dich, ſo gut wie ich's zu geben vermag.“ ſehen. ihm f nun a mußte ſelben haben. Auch 2 ſind v die jet Tages behaup dem K der G über S o Rechte das ri Idefjor bei ein und d Frederi C Willen⸗ zählige Wunde auf der leeren Krieger tung ve Mann als von m Offi⸗ geweſen en, um endlich wurde er ſo⸗ daß ich ehr, als hmen?“ e nicht ne an⸗ freund⸗ and be⸗ L's XII. nickte Hofſtaat .. haſt h nun lich, ſo 61 Der alte Bauer von Hogdal ließ ſich aber nicht wieder ſehen. Er hatte ſo viel Ehre und Freude genoſſen, daß ſie ihm für's ganze Leben reichte. Stolz wie ein König ſaß er nun am Ende ſeines Tiſches und Jeder, der ihn beſuchte, mußte König Karl's Kanne ſehen und die Geſchichte der⸗ ſelben hören. Die Kanne ſoll ſich noch lange in der Familie befunden haben. Wohin ſie ſchließlich gerathen, iſt mir unbekannt. Auch den Namen des Bauern habe ich vergeſſen. Mit Paſtor Lomberg's Fortgange von Näſinge und Hogdal ſind viele merkwürdige hiſtoriſche Anecdoten verloren gegangen, die jetzt überhaupt ſehr ſelten und ſpärlich ſind. Oedman— ebenfalls ein tüchtiger Prediger, der eines Tages die däniſchen Placate von den Kirchenthüren riß— behauptet, daß es dieſer Paſtor Lomberg geweſen ſei, welcher dem Könige die großartige Idee eingegeben habe, einen Theil der Galeeren von Strömſtad, über die kleinen Binnenſeen und über Skee und Näſinge nach dem Idefjord zu transportiren. Es iſt übrigens bekannt, daß dieſe Idee mit größerem Rechte dem berühmten Svedenborg zugeſchrieben wird und daß das rieſige Unternehmen nicht blos den Zweck hatte, den Idefjord von Feinden zu reinigen, ſondern zu gleicher Zeit, bei einem Einfall in Norwegen den Rücken frei zu halten und den Transport von Kriegsmaterial zur Belagerung von Frederickshall zu erleichtern. Es bedurfte aber eines Karl's XII. und ſeines feſten Willens, um einen ſo grandioſen Gedanken auszuführen. Un⸗ zählige Erinnerungen und Geſchichten exiſtiren überdies, ans Wunderbare ſtreifende Unternehmungen— ja, mehr als dies: auf dem Grunde des„Stromes“ ſchläft noch eine der Ga⸗ leeren und wir werden weiterhin ſehen, wie ſich ein andrer Krieger zweier dieſer Fahrzeuge, die ſich in eine andre Rich⸗ tung verirrt hatten, zu bedienen wußte. 62 Man gebrauchte beinah zwei Monate um neun Galeeren und fünf Schaluppen von Strömſtad aus, eine Strecke von kaum drei Meilen weit fortzuſchaffen. Von dem„Strom“ ging es nach Blomsholm und von dort aus weiter zu Lande bis man den großen Färingſee erreichte; darauf wurde auf den Ländereien des Paſtorats von Näſinge Halt gemacht. Ueber Moraſt und Klippen wurden die Fahrzeuge ſodann in den kleinen, ſogenannten„Paſtorenſee“ geleitet, und von dort über die Saatfelder des Paſtorats auf die Feldmark von Sundby und durch die dortigen Wälder in den Langenſee geſchafft. Vom Ufer dieſes Seees, ging es auf einem Bette von Bret⸗ tern und Tannenzweigen„durch dick und dünn.“— Die wei⸗ tere Marſchroute übergehend, will ich nur erwähnen, daß die Galeeren endlich die Bucht des Idefjords erreichten, welche unter dem Namen der„Kirche von Hällismark“ bekannt iſt— ſo benannt nach der Geſtalt eines Berges, welcher wie eine Kirche geformt iſt. Die größte der Galeeren war aber bei dem Durchzug zwiſchen zwei Bergen ſtecken geblieben und kam erſt ſpäter nach. Während der Dauer dieſer Hercules⸗ arbeit war das Paſtorat zu Näſinge, als Mittelpunct des Unter⸗ nehmens betrachtet und der Mittagstiſch des Predigers zu einer Art table d'höéte geworden, wo Se. Majeſtät und deſſen Offi⸗ ciere mit der einfachen Koſt fürlieb nahmen. 3 Als das Geſchütz, welches erſt ſpäter angekommen war, auf die Fahrzeuge gebracht wurde, wohnten nicht nur König Karl, ſondern auch der Herzog von Holſtein und viele andre hohe Herren dieſem feierlichen Acte bei.— Aber gerade, als die Schiffe auf's Schönſte geſchmückt, und unter dem lauten Jubel der Soldaten über die Waſſerfläche hinzugleiten began⸗ nen, verſtummte plötzlich das Freudengeſchrei. Die Blicke waren von einer Erſcheinung getroffen, welche vor Schrecken ihre Zunge lähmte: vierzeyn feindliche Schiffe waren näm⸗ lich mit einem Male am Horizonte ſichtbar geworden.... Sollte vernic unſägl folges nicht. ſtand erzählt und der K. ner C Idefjo Ström Am 1 Freder Gylde 30. N 2 bares ausgez über e eine S 2 zu ihr dem V die gel Stamn 9 Horizo Ström des gr 63 aleeren Sollten dieſe nun das ganze Rieſenwerk mit einem Schlage ke von vernichten und zwar gerade in dem Augenblicke, wo man nach “ ging unſäglicher Mühe und Arbeit den Triumph des glücklichen Er⸗ de bis folges feierte?... uf den Die Heldenſeele des Königs verleugnete ſich auch hier Ueber nicht. Er gewann ſofort den Ueberblick ſeiner Lage und ver⸗ in den ſtand es, die drohende Gefahr abzuwenden. Die Geſchichte rt über erzählt überdies, daß der Sieg auf ſchwediſcher Seite blieb Sundby und daß der Feind genöthigt war: Schutz in dem Bereiche eſchafft. der Kanonen von Frederickshall zu ſuchen und einen Theil ſei⸗ Bret⸗ ner Galeeren zu verſenken. die wei⸗ Die verſchiedenen kleinen Gefechte, welche ſpäter auf dem daß die Idefjord vorfielen, liegen— als nicht zu der Chronik von welche Strömſtad gehörend— außer dem Bereiche unſrer Erzählung. t iſt— Am 11. November ging die ſchwediſche Armee über Svineſund; die eine Frederickshall wurde belagert und am 11. November die Schanze ber bei Gyldenlöwe mit Sturm genommen. Somit erſchien der n und 30. November. eercules⸗ Der Tag, es war ein Sonntag, ſoll ſich durch ein furcht⸗ 8 Unter⸗ bares Unwetter: Schnee, Regen und finſtren, bedeckten Himmel zu einer ausgezeichnet haben. Die Natur wollte gleichſam ihre Trauer n Offi⸗ über ein Ereigniß zu erkennen geben, deſſen Kunde ſich, wie 3 eine Schreckensbotſchaft, über das ganze Land verbreitete. en war, Die königliche Seele ging jedoch nicht unvorbereitet heim König zu ihrem Schöpfer. Karl XII. hatte andächtig und fromm glle andre dem Vormittags⸗ und Nachmittagsgottesdienſte beigewohnt, ehe ade, als die geheimnißvolle Kugel ihn, den letzten Kämpen des alten lauten Stammes, vor den Allmächtigen treten hieß. began⸗— Blicke Nachdem König Karl's glänzender Stern am irdiſchen chrecken Horizonte verſchwunden war, brach eine Zeit für das arme ſen näm⸗ Strömſtad an, welche die heißen Thränen, die durch den Tod des gottesfürchtigen prunkloſen, vergötterten Königs hervor⸗ 64 gerufen waren, immer auf's Neue zum fließen brachte. Die Einwohner hatten freilich auch während dieſes Krieges viel gelitten, aber der König lebte— und mit ihm die Hoff⸗ nung auf beſſere Zeiten. Mit dem Jahr 1719 begann aber eine Zeit, wo nicht allein der letzte Hoffnungsſchimmer erloſch, ſondern auch un⸗ zählige Drangſale über die arme Stadt hereinbrachen. Sie hatte viel zu leiden von der ſtarken Garniſon, welche in Folge der ungeheuren Transporte von Kriegsmaterial zwiſchen Sundsborg und Strömſtad daſelbſt zuſammengezogen wurden: eine Arbeit, welche den ganzen Winter über dauerte. Dieſe Vorräthe ſollten mit dem erſten offnen Waſſer weiter geſchafft werden.— Das Schickſal hatte es anders be⸗ ſchloſſen! König Karl's Gebäude: Caſernen und Sveicher wurden mit allen dieſem Kriegsbedarf angefüllt, der nach ſei⸗ nem Hinſcheiden überflüſſig geworden zu ſein ſchien. Es war, als ob der ganze Krieg mit dem Helden erloſchen ſei; nur mit dem Unterſchiede, daß Letzterer raſch davonging, während ſeine tapferen Krieger, die mitten im Winter nach Hauſe ge⸗ ſchickt wurden, unterwegs vor Hunger, Kälte und Erſchöpfung umkamen. Die Bewohner der Stadt ſeufzten nach dem Tage, wo die Flotte erſcheinen würde, um ſie von der Laſt zu befreien. Endlich erſchien ſie, im April, unter Bedeckung von ſieben Galeeren und zwei Prahmen. Vierzehn Schiffe wurden mit Geſchütz, Munition, Lebensmitteln ꝛc. ꝛc. beladen, aber— man wartete vergebens auf den Augenblick, wo ſie die Anker lich⸗ ten würden, einen Aufſchub, welcher ſeinen angeblichen Grund darin hatte, daß man die Kanonen von den Strandbatterien von Killingholm mitzunehmen beabſichtigte. Während deſſen erhielt man den Beſuch einiger däniſcher Orloggſchiffe, welche eine Meile von der Stadt, bei den Koſter⸗ inſeln, die Anker auswarfen. Gener nere 2 Zuwac ſelbſt ſitzende Stadt bald g ( am fol lag, di vierzeh der Ar G ſchrie. auf der renweiſ erlange Soldat des Be 1 fehl zu hinreich Tod zu D Stadt dienten brücke bereits ſtehe.. Woche A und an Carle⸗ Die viel Soff⸗ nicht ) un⸗ hatte ge der sborg lrbeit, Waſſer rs be⸗ peicher ch ſei⸗ war, nur ührend ſe ge⸗ bpfung , wo freien. ſieben n mit man r lich⸗ (Grund tterien niſcher Koſter⸗ 65 Zufolge dieſer Demonſtration ſandte der Befehlshaber, Generallieutenant von Eſſen, nach Uddevalla und ließ um fer⸗ nere Verhaltungsregeln bitten, worauf die Stadt noch einen Zuwachs an Einquartirung bekam und ein Kriegsconſeil da⸗ ſelbſt gehalten wurde. Nach beendeter Seſſion reiſten die Vor⸗ ſitzenden nach Uddevalla zurück, ohne daß die Bewohner der Stadt den gefaßten Beſchluß erfuhren.— Sie wurden leider bald genug davon in Kenntniß geſetzt!—— Es klingt fabelhaft und dennoch iſt es Thatſache, daß am folgenden Tage, obgleich der Feind unthätig bei Koſter lag, die Galeeren und Prahme in die Luft geſprengt und die vierzehn Transportſchiffe, mit allem Proviant für den Bedarf der Armee, in dem Hafen von Strömſtad verſenkt wurden. Es war eine blutige Schuld, welche laut nach Rache ſchrie. Aber die Stimme der unglücklichen Krieger verhallte auf den unwirthbaren Landſtraßen, wo die Unglücklichen ſchaa⸗ renweiſe umkamen, ſo daß kaum Begräbnißplätze für ſie zu erlangen waren. O, wenn König Karl ſeine lieben treuen Soldaten in dieſem Elende geſehen hätte, dem über die Hälfte des Belagerungscorps zum Opfer ſiel!—— Deer Befehlshaber von Strömſtad hatte noch einen Be⸗ fehl zu vollführen, welcher mit dem vorhergehenden Mandate hinreichend geweſen wäre, ihm vor Gram und Wuth den Tod zu geben. Die Ordre beſtand darin, daß mehrere Officiere durch die Stadt reiten und alle diejenigen, welche der ſchwediſchen Krone dienten, auffordern mußten, ſich ſofort nach der Wettlands⸗ brücke zu begeben, weil der Feind Svineſund paſſirt ſei und bereits bei Blomsholm— dreiviertel Meilen von der Stadt— ſtehe... Und gleichwohl ging der däniſche König erſt drei Wochen ſpäter über die Grenze!— Außer allem übrigen Elende herrſchten noch Hungersnoth und anſteckende böſe Krankheiten in der armen kleinen Grenz⸗ Carlen, Cam. obsc. I. 5 66 ſtadt, ſo daß ſelbſt der Feind bei ſeinem Einzuge mit den Ein⸗ wohnern Erbarmen fühlte und ihnen mancherlei Unterſtützungen zukommen ließ. Wohl war es bitter, das Brod des Feindes zu eſſen, aber jede Hoffnung, das Leben mit einem andren Biſſen zu friſten— war verſchwunden; und zwar nicht erſt mit den von den Dänen geſchleiften Feſtungswerken und Speichern, ſondern zertrümmert von jener unheilvollen Kugel, die ſich in den Lauf⸗ graben von Frederickshall verirrt hatte. Als endlich Friede und Ruhe wieder in die Stadt ein⸗ zogen und dieſelbe frei aufathmen durfte, blieb ſie doch noch lange wie in dumpfer Betäubung liegen; beſonders, da„Kö⸗ nig Karl's Jahre“, das heißt, die Zeit, in welcher ſie keine Abgaben zu bezahlen hatte nunmehr abgelaufen war. Es war nicht blos ein„todtes Waſſer“, welches durch den Strom ging, ſondern der Tod ſelbſt, der ſeine Hand über Handel und Verkehr ausſtreckte. Es iſt ein Wunder, daß die Stadt jemals zu neuem Leben erwachte. Jedes Geſuch, auch das geringſte, wurde zurückgewieſen. Die einzige Vergünſtigung, die den Einwoh⸗ nern geſtattet wurde, beſtand darin, daß ſie in Wermland Eiſen aufkaufen, und aus den Baumſtümpfen in Dalsland Theer brennen durften. Dieſe Gerechtſame war um ſo unbe⸗ deutender, als es den Strömſtadern nicht erlaubt wurde, Ochſen aufzukaufen zum Tauſchhandel mit Wermland. Und wäre nicht zu dieſer Zeit der Handel mit Hummern mit Holland in Flor gekommen— wie er jetzt mit England betrieben wird— ſo hätte die Regierung bald Gelegenheit gehabt, Theer aus den Balken der Häuſer jener verödeten kleinen Stadt brennen zu laſſen, da König Karl's Sympathien für dieſelbe leider nicht auf ſeine Anverwandten fortgeerbt waren. Bis zum Jahre 1750 hat Strömſtad nichts als Armuth und Elend aufzuweiſen. Aber gerade in dieſem Jahre lieferte ſie den alte Jahr ein, ſein wurd Minn ein al Feuer durch konnt auf d ſeinen Zeitu man gegen erſchü eines ſen u Spieg mehre Dieſe denſel derſel! als d Gott ihnen die a Ein⸗ ungen eſſen, en zu n von öndern Lauf⸗ zt ein⸗ ) noch „Kö⸗ keine Es Strom el und neuem wurde inwoh⸗ rmland alsland S unbe⸗ wurde, Und Holland wird— aus den unen zu er nicht Armuth lieferte 67 ſie den Beweis, daß man auch unter dem Scepter dieſer bei⸗ den Mächte ein hohes Alter erreichen kann, indem man eine alte Frau zu Grabe trug, welche einhundertvierundzwanzig Jahr hindurch Wohl und Weh mit dem Lande getheilt hatte. Im Jahr 1759 traf eine andre merkwürdige Begebenheit ein, welche eine glückliche Vorbedeutung für die Zukunft zu ſein ſchien: In der Nacht vom 21. auf den 22. December wurde nämlich ein Erdſtoß verſpürt, welcher zwei bis drei Minuten anhielt.„Mehrere Häuſer wurden dadurch erſchüttert, iin andren ein Getöſe vernommen, welches dem einer großen Feuersbrunſt zu vergleichen war, weshalb die Leute, welche da⸗ durch aus dem Schlafe geſchreckt wurden, nicht anders glauben konnten, als daß ihr Haus in Flammen ſtehe, und unbekleidet auf die Straße hinausliefen.“(So berichtet Holmberg in Höchſt intereſſant und bemerkenswerth war folgender Zeitungsartikel vom Januar 1859:„Aus Strömſtad ſchreibt man vom Neunzehnten dieſes Monats: Geſtern Nachmittag gegen ſechs Uhr wurde hier bei ſüdweſtlichem Winde eine Erd⸗ erſchütterung verſpürt, welche in einigen Häuſern dem Rollen eines ſchwer beladenen Wagens glich, in andren wie das Brau⸗ ſen und Kniſtern einer heftigen Feuersbrunſt gehört wurde. Spiegel und Gemälde rührten ſich an den Wänden und in mehreren Häuſern fielen die Kinder vom Stuhle herab“ ꝛc.— Dieſer Erdſtoß trat alſo nach hundert Jahren und zwar unter denſelben Erſcheinungen auf und es wäre wünſchenswerth, daß derſelbe von ebenſo glücklichen Folgen begleitet worden wäre, als dies vor hundert Jahren der Fall war. Als nämlich die Noth auf's Höchſte geſtiegen war, hatte Gott Erbarmen mit ſeinen ſchwergeprüften Kindern und ſandte ihnen Hülfe in ihrem älteſten, treueſten Freunde: dem Meere. Der Häringsfang wurde zu einer neuen Lebensquelle, die abermals Handel und Verkehr in die todten Häfen und 5* 68 Straßen brachte. Es war ein frohes Auferſtehen, eine Wieder⸗ geburt in der vollen Bedeutung des Wortes. Im Jahre 1781, womit dieſe Aufzeichnungen eigentlich beginnen, hatte Alles ein andres Anſehen gewonnen. Han⸗ del und Thätigkeit hatten aus den elenden ausgehungerten Bewohnern wohlhabende Bürger gemacht, und ſchon verbrei⸗ teten einige reiche Kaufmannshäuſer den Abglanz ehemaliger, wenn auch flüchtiger Herrlichkeit. König Karl's Fehde und alle Trübſale lebten nur noch als Tradition auf den Lippen der älteſten Leute, aber mit ſo. friſchen, lebendigen Farben, daß das Wörtlein: Krieg einen kalten Fieberſchauer in den Zuhörern hervorrief. Man ſah einem langen Frieden entgegen und freute ſich der Ausſicht, ungeſtört in ſeiner beſcheidenen Anſpruchsloſigkeit fortleben zu können und die Vorfälle im Lande und in der königlichen Fa⸗ milie, nur aus den Zeitungsblättern zu erfahren.—— Und nun, da die Stadt Zeit und Mittel hat, ihre eignen Angelegenheiten, ſowie die ihrer Freunde zu verwalten, und ſich im Morgenelubb beim Apotheker in Betrachtungen über die Zukunft des jungen Ehepaares erſchöpft, dem wenigſtens ſchon zehn verſchiedene Horoscope geſtellt ſind, wollen wir unſre Blicke dem häuslichen Drama zuwenden, von dem wir jedoch einen Act in zwei Tableaux— einen Zeitraum von ſieben Jahren, überfliegen. * eder⸗ illich Han⸗ 1 erten brei⸗ liger, noch nit ſo. einen t ſah sſicht, n zu Das neue Jaus. n Fa⸗ eignen , und über gſtens unſre jedoch ſieben zwiſch klemm bei di auch noch i von d Ruheſt wenn lebhaft der lä ſehen geſchlo kahlen alten dem J ſchen? Meere I. Rach einigen Monaten. Die Reiſenden, welche vom Kollekindsberge in die Stadt Ström⸗ ſtad hineinfahren, die noch heute wie ſchon vor hundert Jahren, zwiſchen grauen Klippen und nackten abſchüſſigen Felſen einge⸗ klemmt liegt, ſollen, wie man ſagt, keinen angenehmen Eindruck bei dieſem Anblicke erhalten. Was kümmern die Fremden ſich auch um„den Strom“ auf deren Bette König Karl'’s Galeere noch immer von vergangenen Zeiten träumt! Was wiſſen ſie von dem Stromthale, wo die erſchöpften Krieger ihre letzte Ruheſtätte fanden, auf deren Gräber man ſich zur Nachtzeit, wenn die bleichen Mondesſtrahlen auf dem Waſſer tanzen ſo lebhaft— in jene Zeit zurückverſetzt und die bleichen Geſtalten der längſt vermoderten Helden vor ſich zu ſehen glaubt! Was ſehen ſie in dem Schloßberge mit ſeinen Geſchichten von ein⸗ geſchloſſenen, verzauberten Prinzeſſinnen, und in jenem flachen, kahlen Wege der nach der gigantiſchen Höhle führt, wo die alten Seekönige ſich aufzuhalten pflegten. Was wiſſen ſie von dem Rabenberge, wo die Kobolde nach der Muſik der ſtürmi⸗ ſchen Nordſee tanzen... und was endlich wiſſen ſie von dieſem Meere, wo jede kleinſte Felſeninſel, jede Klippe ihre Geſchichte 72 zu erzählen weiß, die noch auf den Lippen der Fiſcher fortlebt Gebät und zwar ſo treu und lebendig, als wären ſie ſelbſt„mit da⸗ ein le bei“ geweſen. Stran Doch, was ſolche Augen, denen in Strömſtad nur das Speich 6 Badehaus und der Schlamm der Beachtung werth ſcheint, todt riſſen ’ und nackt und langweilig dünkt, hat für Freunde alter hiſto⸗ riſcher Erinnerungen und erhabener Naturſcenen, wie ſie das erbaut Meer und die Scheeren, beſonders bei Sonnenuntergange auf⸗ heimfi zuweiſen haben, immer tauſendfaches Intereſſe, und das kleine zimmer Strömſtad verdient es, von ſolchen Leuten näher gekannt zu 2 werden. 3 8 dunkle Man konnte in früheren Zeiten nicht in die Stadt kom⸗ Stühle men, ohne ein altes Thor zu paſſiren. Neben demſelben ſtand von b. ein morſches Wendekreuz für Fußgänger, das der heranwachſen: Comm den Jugend, als Reitpferd diente, welche außerdem die fried⸗ Urnen, . lichen Kühe zu hetzen und zu jagen pflegte, die auf die Weide Schild hinaus wollten und mit ihnen um die Wette brüllten. Der hoher alte Thorwärter, der als Wittwer in dem kleinen rothen Häus⸗ Stühle chen am Thore wohnte, theilte bisweilen Pfefferkuchen unter zwiſche den Knaben aus, um ſie zum Schweigen zu bringen; da die von bl. 4 Beſtechung aber nur für den einen Theil der Schreihälſe be⸗ 2 5 rechnet war, ſo dauerte das Concert der Kühe ununterbrochen einen 4 fort. Wenn der Alte ſich endlich ins Haus flüchtete, ſchwur lichkeit er hoch und heilig: der Kanaille am nächſten Tage den Pelz davon auszuklopfen— aber die muthwilligen Buben wußten aus Er⸗ O fahrung, daß es bei der Drohung ſtehen blieb, und ließen ſich Leben ddeeshalb in ihren Spielen nicht ſtören. an die Jetzt fährt der Reiſende jedoch ohne derartige Hinderniſſe die Rei . die Straße hinab und direct auf den Marktplatz. bergab, Am Ende dieſer Straße(die Carlsſtraße genannt), liegen an rom 4 zur Linken zwei Häuſer, welche mit einander verbunden ſind Ar 3 und ſich von der Ecke des Marktplatzes nach der angrenzenden wir jetz Gaſſe hineinziehen. Anfangs hat nur der ältere Theil dieſes zurückkel tlebt t da⸗ r das todt hiſto⸗ das auf⸗ kleine nt zu kom⸗ ſtand ichſen⸗ fried⸗ Veide Der Häus⸗ unter a die ſe be⸗ rochen ſchwur Pelz s Er⸗ n ſich erniſſe liegen in ſind zenden dieſes 73 Gebäudes exiſtirt, worauf der andre angebaut und ſpäter noch ein langer Flügel hinzugefügt wurde, der ſich bis an den Strand hinſtreckte, aber in ſpäteren Jahren, nachdem die großen Speicher und Kaufläden überflüſſig geworden waren, niederge⸗ riſſen und mit ſeinen Erinnerungen begraben wurde. Dies Haus war urſprünglich von Capitain Rüttiger Smith erbaut worden und noch nicht vollendet, als er ſeine Frau heimführte, und die beiden links an der Diele gelegenen Wohn⸗ zimmer in Beſitz nahm. Mir ſchweben aus meiner frühſten Kindheit noch einige dunkle Bilder dieſer Räume vor: reichgeſchnitzte, blau bemahlte Stühle mit hohen Lehnen und mit breitgeſtreiften Ueberzügen von buntem Wollendamaſte... dreieckige Tiſche und geſchweifte Commoden mit allerlei Zierrathen beladen, wie z. B. indiſche Urnen, und Schachteln, und Kiſten aus Perlemutter, Ebenholz, Schildpatt ꝛc. Theekaſten, Meerſchaumpfeifen ꝛc. 2c..... ein hoher Nußbaumſchrank, ein Klapptiſch, himmelblau wie die Stühle... und endlich im beſten Zimmer ein Sopha und zwiſchen den Fenſtern ein großer Spiegel in einem Rahmen von blauem Glaſe und Ebenholz. Wir begleiten jetzt das junge Ehepaar, welches bereits einen Plan für die künftige Einrichtung der neuen Häuslich⸗ lichkeit entworfen hatte, und werden Gelegenheit finden, uns davon überzeugen, wie es ſeine Thätigkeit einzutheilen wußte. Obgleich Liebe und Verlobung jäh wie der Blitz in das Leben dieſer beiden jungen Leute hinein gefahren waren, und an die raſche Handlungsweiſe unſrer Vorväter erinnerten, ging die Reiſe im Eheſtande, wenn nicht gemächlich doch langſam bergab, indem ſie faſt ein halbes Jahrhundert dauerte und reich an romantiſchen Begebniſſen, an Sturm und Sonnenſchein war. Auch für uns ſoll dies Haus ein Ruhepunkt werden, wohin wir jetzt nach verſchiedenen Zeit⸗ und Characterſchilderungen zurückkehren. 74 „Nun mein Kleinod,“ fragte der junge Ehemann einer rothe dankbaren Anerkennung gewiß,„was ſagſt Du von unſrer ſie in Einrichtung?“ zu wer Mit gerührtem Herzen reichte die junge Frau ihm die„ immer Hand:„Ich bin arm, und ſehe mich nun plötzlich im Schooße wenn des Ueberfluſſes. Ich werde mich aber beſtreben, den ernſten Außer Pflichten einer Hausfrau nach Kräften zu genügen.“ einer „Ich zweifle nicht an Deinen Fähigkeiten als Hausfrau. Aber der beſte Lohn für ein Werk, welches nicht von ſelbſt aus Stimn der Erde gewachſen, iſt die Liebe, und ich will Dir im Ver⸗ wenn trauen geſtehen, daß ich ohne jenen kleinen Beweis— den Du kennſt— nie gewagt haben würde, an dieſelbe zu glauben.“ Ich fſi Hier lächelte der junge Mann ſo ſtolz und glücklich, daß ſeine es kan * ſonſt ſo ernſten Züge, wie verklärt waren. „Was für ein Beweis?“ 3 erſchro 4„Nun, das rothſeidene Taſchentuch, natürlicherweiſe.— beizupf 3 Als ich das um Deinen Kopf ſah, wußte ich, was die Uhr ge⸗ ſchlagen hatte, und der Muth wuchs in der Bruſt und das Deiner Wort floß von der Zunge.“ führt. „Aber was konnte denn Falk's Taſchentuch mit Deiner.. ge Bewerbung zu thun haben?“„„ „Nun, das iſt Frauen Art— da muß man ſchweigen Du un und doch ſcheint es mir, Grete, daß Du zu ſtolz und glaubte zu gut biſt, Dich zu derartigen Künſten herzugeben, welche bei mich ge Dir vielleicht aus Schüchternheit entſtehen.“ 7 „Mein Freund, ich verſtehe wahrlich nicht, was Du meinſt?“ warf de 8 Nun ſtieg das Blut dem Capitain in die Wangen.“„Mein Dann 1 Schatz, treib' dieſen Scherz nicht weiter! Ich war kindiſch genug,. 85 mich darüber zu freuen, daß Du Dich meines Tuches bedient ein mu hatteſt. Du kannſt mir dieſen kleinen Triumph nicht mißgön⸗ vielleich 4 nen wollen, ohne welchen die glückliche Gegenwart nicht vor⸗, 8 handen wäre.“ unnache Miene Mutter war kein furchtſames Dämchen, aber die deutlich 4 tlich einer inſrer n die hooße rnſten sfrau. ſt aus Ver⸗ en Du uüben.“ ſeine ſe.— hr ge⸗ id das Deiner weigen lz und che bei einſt?“ „Mein genug, bedient nißgön⸗ iht vor⸗ ber die 7⁵ rothe Wange und das funkelnde Auge ihres Mannes verſetzten ſie in eine geheime Unruhe. Sie ſuchte aber Herr derſelben zu werden, weil ſie wußte, daß ſie in den Augen ihres Mannes immer ein unbedeutendes, untergeordnetes Weſen bleiben würde, wenn ſie ſich, dies erſte Mal, von der Furcht beſiegen ließe. Außerdem war ihr die Wahrheit zu heilig, um ſie, ſelbſt in einer ſolchen Kleinigkeit zu verleugnen. „Du kannſt glauben,“ begann ſie mit ſanfter aber feſter Stimme,„daß ich mich in dieſem Augenblicke freuen würde, wenn Du Recht hätteſt; aber........ „Margreta, warte einen Augenblick. Beſinne Dich recht! Ich fürchte, daß dies Geſpräch uns auf's Glatteis lockt— ja, es kann uns meiner Seel' noch weiter führen!“ „Da Du aber im Unrecht biſt,“ fuhr die junge Frau un⸗ erſchrocken fort,„ſo denke ich nicht leichtſinnigerweiſe einer Sache beizupflichten, die nicht zu unſrem Glücke nothwendig iſt.“ „Ja, der Teufel auch! Was habe ich ſonſt für Beweiſe Deiner Liebe. Dann hätte ich mich ja ſelbſt hinter's Licht ge⸗ führt.— Aber das rothe Tuch war mein— geſtehe es nur ... geſtehe es, daß Du es grade deswegen genommen hatteſt!“ „Das rothe Tuch mag immerhin Deins geweſen ſein, da Du und Falk ſehr leicht gleiche Tücher haben konntet— ich glaubte jedoch, daß es Falk gehöre und Du begreifſt, daß ich mich geſchämt haben würde, das Deinige zu gebrauchen.“ Der Capitain ging einigemal im Zimmer auf und ab und warf den Kopf hin und her, ſichtlich bemüht, ſich zu beherrſchen. Dann blieb er plötzlich dicht vor der Frau ſtehen. „Und dies Spiel war auf mich gemünzt... Du biſt ein muthiges Weib, daß Du dies zu geſtehen wagſt. Es wäre vielleicht klüger von Dir etwas weniger kühn zu ſein.“ „Warum das, mein Freund,“ entgegnete die Frau mit unnachahmlicher Liebenswürdigkeit.„Haſt Du denn ſpäter keine deutlichern Beweiſe meiner Zuneigung erhalten?“ 76 „Weiß ich denn, ob ich daran glauben darf?“ „Du glaubteſt doch nimmer, daß ich, um Dir zu gefallen, eine Unwahrheit ſagen würde?“ „Nun, das eben nicht— aber die Ehe iſt ein wunder⸗ lich Ding. Ich bin nicht gewohnt nach eines Andren Pfeife zu tanzen— und ich ſage Dir, Frau, daß es Dir ſchlecht be⸗ kommen würde, wenn Du verſuchen wollteſt, mein Blut in Wallung zu bringen.“ „Mein Gott, was für ein Blick! Wenn ich Majken wäre, würde ich einen Nervenſchlag bekommen können.“ „Gut, lauf nur gleich hin, zu der Frau Schweſter, zu der ſentimentalen Pflanze, beklage Dich über Deinen Mann, damit die ganze Stadt die dumme Geſchichte erfahre, die mich zum Freien veranlaßte.“ „O nein,“ rief die junge Frau herzlich lachend,„die ganze Stadt weiß bereits, daß es Bürgermeiſter Grundell's großer Hund war. Wenn Du nicht ſelbſt die Geſchichte von dem rothen Tuche erzählſt, wird ſie Niemand erfahren.“ „Margreta, ich fange an zu glauben, daß Du hier das Regiment führen willſt und eben jetzt Deine Künſte treibſt, um daſſelbe in die Hände zu bekommen.“ „Wohin denkſt Du.... hat man denn mit neunzehn Jahren ſo fein berechnete Pläne?“ 3 „Ich kann Dir noch mehr ſagen: Ich fürchte, daß es Dir gelingt. Aber nimm Dich in Acht, Kind, ich bin nicht immer ſo zahm wie heut'. Jetzt kann ich auch lachen, aber das iſt keineswegs angenehm. Und was Falks betrifft..“. „Was Falks betrifft, ſo ſind ſie ein Paar und wir ein andres Paar. Und was unter zwei Paar Augen und zwei Her⸗ zen vorfällt, geht keinen Dritten an.“ „Und das Taſchentuch— Gott weiß, was Du aus mir machſt, Frau. Ich hatte noch vor einem Augenblick Luſt, Alles um mi denn a 7 7 veranla dem es ſtand de ſenden ſatz, de aus Ei mäſſigen habe, w getragen De war der Schwieg darauf G nöthig, würdevo lieben u vorausg und nich zeigen. den Flil 5 4 7 freundlie diren, u gut, ſo 7 troſen 1 1 fallen, inder⸗ Pfeife ht be⸗ ut in wäre, r, zu Mann, eamich ganze großer rothen er das ſt, um unzehn „daß d, ich ‚hauch Falks vir ein ei Her⸗ us mir „Alles —1 —1 um mich her zu zertrümmern.... Aber ſoll das Taſchentuch denn auf immer für mich verloren ſein?“ „Unwiederbringlich, mein Freund!“ „Schade, ſchade— es hatte doch ein ſo ſchönes Werk veranlaßt.“ Das rothſeidene Tuch ging trotzdem niemals verloren, in⸗ dem es in der beinah fünfzigjährigen Ehe ein ſteter Gegen⸗ ſtand des Zankes blieb. Die Geſchichte wurde der heranwach⸗ ſenden Jugend wohl tauſendmal erzählt, aber nie ohne den Zu⸗ ſatz, daß die Mutter es anfangs aus Sittſamkeit und ſpäter aus Eigenſinn nicht habe zugeben wollen, daß ſie den recht⸗ mäſſigen Eigenthümer des merkwürdigen Kopfputzes gekannt habe, welchen ſie an jenem denkwürdigen Tage beim Mehlſichten getragen hatte. Der Einzige, welcher dieſen erſten ehelichen Zwiſt erfuhr, war der Papa, welcher ins Vorzimmer getreten war, um die Schwiegertochter willkommen zu heißen, und ſpäter im Bezug darauf zu derſelben äußerte: „Gut geſprochen, Kind! Ich habe alles gehört— un⸗ nöthig, daß mein Sohn es erfährt. Du hielſt Dich, wie eine würdevolle Frau, die Du auch biſt. Dein Mann wird Dich lieben und achten, wenn Du ihm auch bisweilen entgegen biſt; vorausgeſetzt, daß dies aus Liebe zur Wahrheit und Vernunft und nicht aus Laune geſchieht, oder aus Luſt Deine Macht zu zeigen.— Aber, ſieh Dich vor— man lebt nicht immer in den Flitterwochen! Das war das Wort.“. „Ich verſteh' Euch, Vater!“ erwiderte die Schwiegertochter freundlich.„Ich habe bereits angefangen, meinen Mann zu ſtu⸗ diren, und mein Muth iſt nicht immer ſo groß, wie es ſcheint —— ich laß es nur nicht merken. Er iſt heftig, aber ſo gut, ſo gut!“ „Beſſer, als Gold, Kind. Ich habe ihn mit den Ma⸗ troſen und Arbeitern umgehen ſehen—— immer gerecht, 78 eher zu viel, als zu wenig und für einen Nothleidenden giebt er das Letzte was er hat. In mancher Hinſicht iſt er ſchwach, beſonders für einige Menſchen—— dazu abergläubiſch und ſchwermüthig— es giebt viele Klippen und Brandungen zu bekämpfen, Tochter!“ „Aber Ihr werdet ja bei uns wohnen, Vater, ſobald wir mehrere Zimmer in Ordnung haben.“ „Nein, das wird der Alte wohl bleiben laſſen. Er wird zu Euch kommen und am Mittage ſeine Suppe mit Euch eſſen, aber ſonſt zieht er es vor, für ſich zu bleiben. Ich will bei Euch nicht zwiſchentragen. Meinen Rath ſollſt Du deshalb nicht entbehren, und wenn der Mann auf Reiſen iſt, will ich Dir mit Rath und Hülfe zur Seite ſtehen, das verſpreche ich Dir, mein Kind.“ Nach einigen Monaten, als der Alte gerade ſeine Schwie⸗ gertochter, die ihm mit jedem Tage lieber wurde, wieder be⸗ ſuchte und letztere eben bereit war, in eine große Kaffeegeſell⸗ ſchaft beim Paſtor Eckmann zu gehen— hörte man plötzlich von der Diele her, neben der Küche, eine Donnerſtimme, welche faſt die Fenſterſcheibe klirren machte, indem ſie ſich in Strömen von Vorwürfen und Scheltworten ergoß. „Was kann das ſein, Vater, was iſt das?— das iſt unmöglich Rüttiger's Stimme; und dennoch——— „Still, Tochter, laß mich hören,“— auch die Stimme des Alten war nicht ganz ruhig—„Ah, er wird es erfahren haben!“. „Aber was denn, Vater!“ „Nun, Du biſt ja kein verzärteltes Dämchen. Ich glaube, es iſt nichts Andres, als daß er gehört hat, daß ich während ſeiner Abweſenheit einen andren klügeren Befehl ertheilt habe, als der ſeine war. Aber wenn er dies auch zehnmal einſieht, muß er doch ſeinem Zorne Luft machen weil der Zimmermann es g. ruhig ſoll j ſchrech nen. erſchr komm ihn- Dank ehelich ſie ſie und d ſie er⸗ für ei — ih bewuß treten ſolche allein Verdr ich ni Wort der z mein noch Gebie en giebt ſchwach, ſſch und igen zu ald wir Er wird ch eſſen, will bei deshalb will ich reche ich Schwie⸗ ieder be⸗ ffeegeſell⸗ plötzlich e, welche Strömen das iſt Stimme erfahren ch glaube, während eilt habe, leinſieht, amermann 79 es gewagt hat, ſeinen Anordnungen zuwider zu handeln. Sei ruhig, Kind, ich will mich mitten ins Feuer ſtellen. Eliaſſon ſoll ſeine Arbeit nicht durch meine Schuld verlieren.“ „Aber lieber Vater, nichts in der Hitze— O, das iſt ſchrecklich— Es iſt, als ob das ganze Haus zuſammenbräche!“ „Dummes Zeug, Kind— daran mußt Du Dich gewöh⸗ nen. Aber nimm nur irgend etwas zur Hand, damit Du nicht erſchrocken und verwirrt ausſiehſt, wenn Dein Mann herein kommt. Um mich brauchſt Du Dich nicht zu kümmern— ich kenne ihn— wenn das Gevitter vorüber iſt, ſagt er von ſelbſt: Dank, Alter.“ Und damit ging der Alte ins Feuer. Als die junge Frau allein war, wußte ſie, die beim erſten ehelichen Auftritte nicht gebebt hatte, in der That nicht, wie ſie ſich verhalten müſſe. Sollte ſie ihre Saloppe umnehmen und davon eilen, als ob ſie nichts gemerkt hätte;— oder ſollte ſie erwarten, was da kommen würde? Sie hatte ſich noch nicht für eine dieſer Alternativen entſchieden, als— wie ärgerlich! — ihre Schweſter, Frau Majken Falk eintrat, um ſie zu der bewußten Kaffeegeſellſchaft abzuholen. „Was in Gottes Namen geht hier vor?“ fragte die Ein⸗ tretende.„Meine arme Margreta, wirthſchaftet er ſchon auf ſolche Weiſe? Wenn das Falk wäre, ſo müßte er für mich allein mehr Nerventropfen bereiten, als für die ganze Stadt!“ Dieſe Rede gab Margreta ihre Ruhe wieder. Stolz und Verdruß ſtählten ihre Nerven.„Du weißt, liebe Majken, daß ich nicht zu den Frauen gehöre, welche ſich durch ein heftiges Wort umwehen laſſen, und ich denke meine Zuflucht we⸗ der zu Nerventropfen noch ſonſt dergleichen zu nehmen, wenn mein Mann unzufrieden mit einem ſeiner Arbeisleute iſt und noch dazu in einer Bauangelegenheit, die ganz außer meinem Gebiete liegt.“ „Wie ſpaniſch Du biſt, liebe Margreta. Dir darf na⸗ 80 türlich Niemand in die Karten ſehen— Aber da Du ſo glück⸗ lich biſt, Dich dieſes Sturmes wegen nicht zu beruhigen, ſo laß uns eilen, daß wir fortkommen— ich ſehne mich nicht danach, meinen Herrn Schwager zu begegnen.“ „Geh voraus! Ich mag natürlich nicht fortgehen, ohne meinem Manne Adieu geſagt zu haben?“ „Verſteht ſich!“ lächelte Frau Majken mit ſchlauem Blin⸗ zeln der Augen.„Es würde zu vertraulich für die ſtolze Mar⸗ greta klingen, wenn ſie graderaus ſagte: Ich darf unter dieſen Umſtänden nicht ſo fortgehen.“ „Majken!“ entgegnete die Neuvermählte ſehr ernſt,„ich halte es für das Klügſte, wenn wir Alles aus unſerer Unter⸗ haltung verbannen, was die Ehe betrifft— wir würden ſonſt beſtändig in Streit mit einander liegen.— Aber ſieh, da kommt mein Mann.— Ich bitte Dich, lauf doch nicht fort, was foll er denken? „Was nun— warum biſt Du ſo im Staat? Haſt Du nicht gehört, daß ich den ganzen Flügel niederreißen muß?“ „Wir ſind ja zu Paſtors geladen, mein Freund— ſiehſt Du Majken nicht?“ „Ihr Diener! Ihr Diener, Frau Schwägerin. Sie haben doch hoffentlich das Riechfläſchchen nicht vergeſſen?“ Frau Majken wurde feuerroth. „Ich werde nicht verſäumen es das nächſte Mal mitzu⸗ bringen. Leb' wohl Margreta! Ich grüße von Dir, denn es ſieht aus, als ob Du noch mancherlei Hinderniſſe zu beſeiti⸗ gen haben wirſt, ehe Du nach kommſt.“ „Ja, haben Sie gefälligſt die Güte, ſie zu entſchuldigen. Ich erwarte einen Freund heut Abend und da muß die Haus⸗ frau bei der Hand ſein, um alles in Ordnung zu bringen.“ „Haſt Du keinen Auftrag für mich, Margreta?“ „Sag' daß ich ſpäter noch kommen werde.“ Frau Mazjken eilte davon. 8 Fre „Ab kein Ordn will Dir ein, über gewöl Freun Umga Schön täglich hat e Plund ſeine ſonntä auf k haben, Du ha umzuge das 7 nur d Carlg glück⸗ en, ſo h nicht ohne Blin⸗ je Mar⸗ r dieſen 1,„ich Unter⸗ en ſonſt ieh, da ht fort, daſt Du uß?“ — ſiehſt e haben l mitzu⸗ denn es beſeiti⸗ zuldigen. ie Haus⸗ igen.“ 81 „Sagteſt Du, daß Du nachkommen würdeſt? Ich erwarte Freund Boman zum Abendeſſen.“ „Das kann angehen!“ ſagte die Hausfrau freundlich. „Aber wenn die Geſellſchaft Dich entbehren muß, ſo iſt das kein Grund, daß auch ich zu Hauſe bleibe.“ „Das klingt ſonderbar!“ „Und iſt doch ſo einfach. Ich mache erſt alles hier in Ordnung, und dann gehe ich—“ „Aber ich will, daß Du anweſend ſeiſt, hörſt Du, ich will es, durchaus— und bin jetzt nicht in der Laune, mit Dir zu ſcherzen.“ „Ich auch nicht, daß weiß Gott! Aber ich ſehe nicht ein, warum ich dabei ſein ſoll, wenn Du mit Herr Boman über Geſchäftsangelegenheiten zu reden haſt.“ „Es wäre am beſten, wenn Du Dich bei Zeiten daran gewöhnteſt. Aber da iſt es nicht, wo Dich der Schuh drückt: Freund Boman iſt nicht fein und artig genug und auch der Umgang mit ſeiner einfachen, braven Frau, ſagt der feinen Schönheit von Uddevalla nicht zu. Aber obgleich Boman die täglichen Wohnzimmer nur höchſt einfach eingerichtet hat, ſo hat er das obere Stockwerk in Ordnung und kann meinen Plunder hier zwanzigmal aufwägen. Wohl dem Manne, der ſeine Frau nicht gleich zu Anfang, verzieht und ſie alltags mit ſonntäglicher Pracht umgiebt!“ „Ich achte Herrn Boman ebenſo hoch als ſeine Frau, dar⸗ auf kannſt Du Dich verlaſſen.... Willſt Du warmes Eſſen haben, heut' Abend?“ „Worauf ſollten wir ſonſt den Schnaps nehmen?.... Du haſt übrigens eine wunderliche Manier mit Deinem Manne umzugehen. Einerlei, Du ſitzeſt ja auch obenan. Das war das Wort.“ „Nun, da Du es ſo ſehr wünſcheſt, und wäre es auch nur der Gaſtfreundſchaft wegen, ſo will ich Malena Beſcheid Carlen, Cam. obsc. I. 6 8² ſagen, daß ſie mich holt, wenn es Zeit zum Abendbrod iſt. Ich will Deinen Wünſchen zu gern entgegen kommen.“ „Meinen Wünſchen.... Meinen Wünſchen— ſpricht man vielleicht ſo in Uddevalla? Ich habe von meinem Wil⸗ len geſprochen, von dem Willen Deines Mannes, verſtehſt Du? Habe ich denn nicht ſchon Verdruß genug gehabt heute, ohne daß Du auch noch einen Span auf's Feuer wirfſt?“ „Mein beſter Rüttiger, ich will Dich nicht an unſer Ge⸗ ſpräch erinnern, in jener Stunde, wo Du mir die Ehre er⸗ zeigteſt um meine Hand zu werben. Aber ich bitte Dich in⸗ ſtändig zu bedenken: wie unangenehm es wäre, wenn man ſich in der Stadt anzügliche Bemerkungen über unſre neubegründete Häuslichkeit erlaubte. Denk', wie man es aufnehmen würde, wenn erſt Majken mit ihrer Beſtellung kommt und darauf die Magd, mit einer Entſchuldigung meines Nichterſcheinens! Du weißt, daß die böſen Zungen von vornherein prophezeiheten, daß Du ein Haustyrann werden würdeſt!“ „Laß die dummen Gänſe ſchnattern was ſie wollen. Aber — MNargreta, es giebt doch wohl noch ſchlimmere Tyrannen.. Du biſt aber ſo hübſch und zierlich in Deinem Staate, daß es Dir leid thun würde, wenn Dich Niemand darin ſähe... Vielleicht komme ich mit Freund Boman nach, und im Noth⸗ falle können wir uns auch ohne Wirthin behelfen.“ „Das mag ich hören! Nun kann ich vergnügt fortgehen. Aber, wo iſt denn der alte Papa geblieben?“ „Ach, der hat aus der Schule geplaudert. Papa iſt alt geworden und meint, daß die Welt ſtill geſtanden, ſeitdem er in Thätigkeit war.“ „Er iſt doch nicht traurig weggegangen. Ich bin un⸗ tröſtlich, wenn er morgen nicht wieder kommt.“ „Wenn er morgen nicht kommt, kommt er übermorgen. Gegen den Alten haſt Du einen Ueberfluß von Zärtlichkeit und Aufmerkſamkeit, deſſen ich mich nicht rühmen kann.“ zwun horſa Liebe uns wäreſt ſchreib mer 1 deſſen und d die fr reichte getrage 7 ten, n gemach . 1 ihn ſch mich ſi ſolchen ſein B 1 od iſt. ſpricht Wil⸗ erſtehſt heute, 2 er Ge⸗ hre er⸗ ich in⸗ an ſich ründete würde, auf die 1 Du een, daß 1. Aber annen.. daß es ähe... n Noth⸗ rtgehen. a iſt alt itdem er bin un⸗ rmorgen. ärtlichkeit n.“ 83 „Darf ich Dir etwas ſagen, mein Freund?“ „Laß hören!“ „Wenn Du böſe biſt, fühle ich mich immer ſteif und ge⸗ zwungen. Ich glaube, es iſt nicht gut, daß Du mehr Ge⸗ horſam als Freundſchaft von mir verlangſt!“ „Liebe, wollteſt Du wohl ſagen?“ „Nein, dann hätte ich mich unrichtig ausgedrückt. Die Liebe fordert nicht: deshalb würde die auch am beſten bei uns gedeihen, wenn Du friedlich im Herzen und im Hauſe wäreſt.“ Der junge Ehemann ſah noch einige Augenblicke unbe⸗ ſchreiblich verwirrt aus in der zweideutigen Rolle, die ihm im⸗ mer mehr und mehr aufgedrungen wurde: die eines Mannes, deſſen rohe Kraft im Begriffe iſt, ſich vor der Macht der Liebe und der weiblichen Klugheit zu beugen.— Endlich bewieſen die freundlichen Augen, der lächelnde Mund und die darge⸗ reichte Hand, daß die Frau einen vollſtändigen Sieg davon⸗ getragen hatte. „Nun,“ fragte Frau Majken, welche unterwegs aufgehal⸗ ten, nun von der Schweſter eingeholt wurde,„wie haſt Du es gemacht, ihn ſo ſchnell zu beruhigen?“— Frau Margreta lächelte.„Sei ruhig, Schyeſter, ich kenne ihn ſchon.“ „Und Du machteſt nicht die Augen zu und lehnteſt nicht den Kopf an, als ich fort war?“ „Seh ich etwa danach aus, daß ich Deines Riechfläſch⸗ chens bedurft hätte?“ „Du biſt mitunter ſpitzfindig, Margreta! Es wundert mich übrigens, daß Dein Mann, der ſonſt ſo komiſch iſt, einen ſolchen Reſpect vor Dir zu haben ſcheint. Gegen mich war ſein Benehmen unverzeihlich!“ „Man muß ſolche Worte, die in der Heftigkeit heraus⸗ 6* kommen, zu vergeſſen ſuchen. Verſuch es nur, etwas muthiger 84 und ſtärker zu werden, das wird Dir mehr Nutzen ſchaffen, als alle flüchtigen Beruhigungsmittel.“ „Da haben wir's. Nun willſt Du mich auch noch demü⸗ thigen. Iſt es nicht genug, daß Falk beſtändig die kleine Schwägerin citirt?„„Margreta würde es anders gemacht haben!— Smith hat eine Frau von ächtem Schrot,““ und was dergleichen mehr iſt.— Aber, vergieb, Schweſter, ich ſeh Du wirſt traurig, und es war dumm von mir, dieſer Kleinig⸗ keiten zu gedenken, da ich meinen höchſten Wunſch erfüllt ſehe: Dich hier in der Stadt verheirathet zu wiſſen!“——— Aus dem Abendeſſen mit Freund Boman wurde nichts. Der junge Ehemann war keiner der letzten Herren, die ſich in der Geſellſchaft einfanden. Aber ehe er daſelbſt erſchien, hatte er ſchon einen andern Beſuch dort unten am Strande gemacht, wo der alte Papa in ſeinem kleinen ſauberen Häuschen wohnte; und wenn Jemand gehört hätte, was er beim Abſchied ſagte, würde es ungefähr ſo geklungen haben:„Ja, ja, Vater, das Alte iſt am älteſten!— Vielleicht wird es doch nicht ſo dumm!“ „Das geht ja vortrefflich!“ dachte die junge Frau ver⸗ gnügt. Aber wir zählen bis jetzt nur einige Monate.—— In d ſeiner ſiedeln, binden ſchloſſe dem L bücher den G junge wo jetz ſchöne, von ihr Der N *) einzigen Der nei fremde tthiger haffen, demü⸗ kleine gemacht „ und ich ſeh! kleinig⸗ t ſehe: II. . Jahten. nichts Rach einigen Jahren rifan In demſelben Augenblicke, als Capitain Rüttiger Smith um gemacht, ſeiner Liebe willen den Plan aufgab, nach England überzu⸗ wohnte; ſiedeln, faßte er den Entſchluß, Handel mit Schifffahrt zu ver⸗ d ſagte, binden, welche letztere die Sommermonate in Anſpruch nahm. ter, das Das junge Paar hatte gleich bei der Verheirathung be⸗ dumm!“ ſchloſſen, daß die Frau unter der Leitung des Schwiegervaters rau ver⸗ dem Laden vorſtehen und die Correſpondenz und Rechnungs⸗ — bücher führen ſollte, während der Mann auf Reiſen war, um den Grund zu der unabhängigen Stellung zu legen, die das junge Handelshaus behaupten ſollte. In denſelben Räumen, wo jetzt ein Buchhandel) etablirt ſein ſoll, ſtand ehemals eine ſchöne, ſtattliche Frau auf ihrem Handelsgebiet, welche die ihr von ihrem Manne anvertrauten Geſchäfte meiſterhaft verwaltete. Der Name Margreta war wie für ſie geſchaffen, da er an die *) Der älteſte Theil dieſes Hauſes iſt noch jetzt im Beſitz meines einzigen noch lebenden Bruders, des Kreisrichters Edvard Smith. Der neue Anbau iſt von dem alten Stamme abgelegt worden und in fremde Hände übergegangen. große Margaretha erinnerte, die Norwegen, Schweden und Dä⸗ nemark in den Falten ihres Gewandes zu vereinigen wußte. Und die Liebe verdorrte nicht bei dieſem thätigen Leben, das keine Zeit zum Träumen und Grübeln ließ: denn, außer dem Laden und dem Haushalte, waren noch die Kinder und die Kinderſtube zu beaufſichtigen, und bei alledem— wie zart und anmuthig kam ſie dem entzückten Manne entgegen, wenn Beide nach den Obliegenheiten des Tages und nachdem die Kleinen zur Ruhe gebracht waren, in das gemüthliche Wohn⸗ zimmer traten und beim hellen Feuer im Ofen einige ſelige Stunden verlebten. Hier wurden nicht allein neue Pläne geſponnen und neue Speculationen erſonnen— denn der Mann ſchloß kein Ge⸗ ſchäft ab, ohne den Rath ſeiner Frau einzuziehen— auch manche frohe Hoffnung wurde hier ausgetauſcht, manch zärtliches Wort, denn es war eine reine, heilige Liebe, die dies Paar umſchlang und jeder Prüfung trotzte, die mit jedem Jahre wuchs und ſelbſt im Schnee des ſpäten Alters noch friſche Roſen trieb. Die Macht dieſer Frau war aber auch ebenſo verſtändig, als edel. Kein menſchliches Weſen würde es gewagt haben, dem Zorne ihres Mannes entgegen zu treten. Aber wenn ſie leiſe herzutrat und die Hand auf ſeinen Arm legte, ſelbſt wenn derſelbe in der Uebereilung ſchon gehoben war, ſo ſank er zitternd herab und mit einem milden, wenn auch unſicheren: „Biſt Du es, mein Schatz?“ war alles vorüber. Sie fühlte aber auch die ganze Verantwortlichkeit einer ſolchen Macht und rühmte ſich ihrer niemals. Sie hatte kei⸗ nen Funken von der Achtung ihres Mannes einbüßen wollen, um ihrer Eitelkeit zu fröhnen, beſonders da ſie wußte, daß die Achtung vor ihrem Urtheil ihr ſogar einen bedeutenden Einfluß auf ihre Umgebung und alle Untergebenen zu Lande und Waſſer ſicherte. Stei Antr Hand getre ließ dem mal? ließ Konk geklei artig nothr ment verſi Geld des zu i ange aus ſtell nd Dä⸗ ußte. Leben, außer er und wie zart wenn eem die Wohn⸗ e ſelige nd neue ein Ge⸗ — auch ärtliches es Paar n Jahre h friſche rſtändig, t haben,. venn ſie e, ſelbſt ſo ſank nſicheren: keit einer hatte kei⸗ n wollen, , daß die n Einfluß aande und 87 Die Macht eines ſolchen Weibes iſt in Wahrheit ein Segen für den Mann, in welchem ſich ſo verſchiedene Elemente, ſo ſtarke und tiefe Leidenſchaften vereinen. Mein Vater fühlte und äußerte es oft, daß er ihren Verluſt nicht überleben würde, und er war glücklich genug, keine Veranlaſſung zu bekommen, die zähen Kräfte aufzumeſſen, welche die Menſchenſeele faſſen und tragen kann. In der Zwiſchenzeit, während die Hausfrau allein am Steuerruder ſtand, geſchah es bisweilen, daß ſie auf eignen Antrieb oder mit dem Beifall ihres Schwiegervaters auf ein Handelsunternehmen einging, welches durch eine plötzlich ein⸗ getretene Wendung in den Conjuncturen veranlaßt wurde. Sobald ein ſolcher Gedanke in ihr anfgetaucht war, über⸗ ließ ſie dem Commis die Aufſicht über dem Laden und nach⸗ dem ſie Großpapa's Frage:„Aha, Du ſpielſt wohl allein dies⸗ mal?“ mit einem geheimnißvollen Kopfnicken beantwortet hatte, ließ ſie ſich die ſilbergraue Sommerſaloppe bringen, befeſtigte den Konkarong*) und begab ſich, immer ſorgfältig und geſ ſchmackvoll gekleidet, zu einem alten ehrenwerthen Wittwer, der gegen einen artigen„Abzug“ und gebräuchliche Zinſen ſtets bereit war, die nothwendigen Capitalien vorzuſchießen. Uebrigens war dies nur ein freundſchaftliches Arrange⸗ ment zwiſchen Verwandten und Nachbarn und„Couſine Greta“ verſicherte wiederholt, daß ſie ſo glücklich mit„Vetter Kloth's“ Geldern ſpeculirte, daß dieſelben meiſtentheils vor der Heimkehr des Gatten zurückerſtattet waren. Der Gewinn wurde ſodann zu irgend einer Verſchönerung und Vergrößerung des Hauſes angewendet. ⸗) Vielleicht von Conquér: ante, eine altmodige Haube(Kopfputz) aus gekraustem Bade Flor und Spitzen, die über einem Drathge⸗ ſtell geordnet und befeſtigt wurden. Anm. d. Ueberſ. 88 „Ach, Kind, wie wird der Sohn überraſcht werden!“ pflegte der Großvater dann mit einem halb unterdrücktem Seuf⸗ zer zu ſagen, indem er an ſeine eigene Vergangenheit dachte. „Armer Vater!“ entgegnete die junge Schwiegertochter einmal in einer ſolchen traulichen Stunde,„es gab eine Zeit, wo Du auch eine Freundin zur Seite hatteſt, die Dir das Leben leicht zu machen ſuchte!“ „Still Kind— heute Roſen, morgen Dornen, wie es dem Herrn gefällt. Ich bin nun ein armer Mann, der ſo zu ſagen, von der Gnade ſeines Sohnes lebt. Ich verſtand es ebenſo wenig wie der Sohn, die Zeit zum Gewinnen zeitlicher Güter zu benutzen. Hätteſt Du ſie, die Freude meines Herzens in einer ſolch abhängigen Lage ſehen wollen? Sie war ein adli⸗ ges Fräulein, Kind, und hieß Belfrage— und es paßt ſich ſchlecht für Abkömmlinge dieſes Stammes, von der Barmherzig⸗ keit Andrer zu leben.“ „Wie magſt Du mich ſo betrüben, Vater? Verdient ein ſo zärtlicher, liebevoller Sohn es nicht, daß Du ſein Gut als das Deine anſiehſt?“ „Nun ja, Tochter, nun ja— aber Du verſtehſt noch nicht, was es heißt, wenn man den Grund zu den Prüfungen des Herrn erforſchen will! Sie dürfen uns nie überwältigen, und thun ſie es dennoch, ſo müſſen wir auf einen Ausweg den⸗ ken und ſo lange in Geduld darauf einherwandeln, bis wir es gewohnt werden.“ „O, Vater!“ „Sprich nicht mehr darüber, Kind. Der Sohn mag die Verwandten mütterlicherſeits nicht gern. Aber wenn er bis⸗ weilen mit ihnen zuſammentrifft, das heißt, wenn ſie von Da⸗ larne oder Weſtgothland hierher gereiſ't kommen,(die Belfrages ſind eine zahlreiche Familie), ſo iſt Dein Mann artig und höflich—— Du wirſt früh genug Gelegenheit haben, ſie zu bewirthen.“ dageg Pflich ſellſch nach gleicht Geleg animit vortra ſelten ab mi Abend ſteife faltet 8 wo ei wuchs, fache 8G in dem Rußla! diesma wirklich nen we maßung für Hi ler Lat fremden cher ne aufkom den!“ Seuf⸗ dachte. ochter Zeit, das vie es ſo zu ebenſo Güter ens in adli⸗ ßt ſich herzig⸗ nt ein ut als ſt noch fungen ltigen, g den⸗ ſis wir iag die r bis⸗ bn Da⸗ lfrages ig und ſie zu 89 Die Schwiegertochter nickte beifällig— ſie hatte nichts dagegen, denn trotz der treuen Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten fand ſie inniges Gefallen an den Freuden des Ge⸗ ſellſchaftslebens. Noch mehr als ſie aber, bedurfte der Mann nach beendigtem Tagewerke der geſelligen Zerſtreuung, welche er gleichwohl nie ohne ſeine Frau aufſuchte. Man darf nicht glauben, daß die Stadt an dergleichen Gelegenheiten Mangel hatte. Das Geſellſchaftsleben war ſehr animirt und abwechſelnd. Geſang und Declamation, wobei die vortragenden Perſönlichkeiten in Coſtüm erſchienen, unter denen ſelten ein mit Neuigkeiten geſpickter Reiſender fehlte, wechſelten ab mit dem zierlichen Menuet, welches gewöhnlich nach dem Abendeſſen getanzt wurde und wobei einerſeits alle Grazie und ſteife Eleganz und andrerſeits alle ceremonielle Artigkeit ent⸗ faltet wurde, welche man bei dieſem Tanze beanſpruchte. Freude und Luſt wohnten außer dem Hauſe und im Hauſe, wo ein friſches, blühendes Kindlein, nach dem andern heran⸗ wuchs, während die Sonne warm und freundlich auf die ein⸗ fache glückliche Familie herablächelte. So verging die Zeit bis zum Jahre 1788; wo ſowohl in dem äußeren als im Privatleben eine Umwälzung eintrat. Hier und da tauchten Gerüchte auf über Unruhen mit Rußland und Unruhen in Dänemark. Strömſtad hielt ſich diesmal jedoch für ſicher, indem ſich der Däne, wenn er ſich wirklich auf Fühnen zu rühren anfinge, diesmal gegen Scho⸗ nen wenden würde. Uebrigens waren dies alles leere Muth⸗ maßungen, und wenigſtens keine augenblicklichen Befürchtungen für Hinderniſſe in Handel und Schifffahrt vorhanden. Im nächſten Frühling lag meines Vaters Brigg mit vol⸗ ler Ladung im Hafen und fertig zu einer längeren Reiſe nach fremden Küſten. Man wartete nur auf günſtigen Wind, wel⸗ cher nach Ausſage der alten Seeleute, am andren Morgen aufkommen würde. 90 Spät am Abend ſaßen die beiden Gatten noch in trau⸗ lichem Geſpräche bei einander. Die Kinder waren längſt zur Ruhe, mit Ausnahme der kleinen Julia Conſtantia, des Va⸗ ters Augapfel, welche nicht hatte fort dürfen. Dies Kind ruhte in der„kleinen“ Wiege: einem auf zwei Achſen ruhen⸗ dem Boote, mit Umhängen, welches am Kopfende mit Spiel⸗ ſachen aller Art gefüllt war, welche die Geſchwiſter der kleinen Dame, als Tribut ihrer Zärtlichkeit, zurückgelaſſen hatten, obſchon ſie dieſe Aufmerkſamkeit noch nicht zu ſchätzen wußte. Es war eine Pauſe in dem Geſpräch eingetreten, welches die häuslichen Angelegenheiten: den Neubau, die Arbeitsleute, den Tagelohn und Transactionen aller Art, betroffen hatte. Beider Stimmung war gedrückt. „Es iſt eine ſchwere Stunde, Margreta! „Ja, ich merke, daß Du ſonſt etwas auf dem Herzen haſt. Haſt Du vielleicht etwas Näheres über den Krieg er⸗ fahren?“ 74 „Nein, der beunruhigt mich nicht. Mit Dänemark haben wir Frieden, und Rußland liegt ja weit von uns entfernt!“ „Was iſt Dir denn?“ forſchte die junge Frau.„Sagen mußt Du es doch. Laß es mich lieber gleich hören!“ „Lach' mich nicht aus, Margreta, aber ich habe Krämer dieſe Nacht wieder geſehen, und Du weißt was das bedeutet.“ Die kluge, verſtändige Frau blickte liebevoll zu dem Manne auf, deſſen Antlitz alle Zeichen einer heftig auf⸗ und abwogenden Unruhe trugen. „Da Du durchaus nicht zugeben willſt, daß es Deines männlichen Characters unwürdig iſt, jene Fieberphantaſie in dem holländiſchen Krankenhauſe für eine höhere Offenbarung zu halten, ſo mußt Du wenigſtens geſtehen, daß dies Andenken an Krämer mir Grund zur Eiferſucht geben muß.“ „Margreta“— die Wolke glitt noch tiefer über die ge⸗ ſenkt mich denn imme von könnt ich v keine gütig hat i betrif finden Marg nach Leber weit Pflic Du meine Alles nur Herz auch danke Du Du trau⸗ aſt zur e8 Va⸗ Kind ruhen⸗ Spiel⸗ kleinen hatten, wußte. welches tsleute, hatte. Herzen rieg er⸗ änemark on uns „Sagen Krämer edeutet.“ zu dem auf⸗ und 3 Deines ntaſie in enbarung Andenken r die ge⸗ 91 ſenkte Stirn—„wenn ich Dich nicht über Alles liebte, würde mich dieſer Gedanke Deinerſeits verletzen können. Haſt Du denn Urſache zur Eiferſucht?“ „Allerdings, denn dieſe Träume und Erinnerungen laſſen immer trübe Gedanken in Deiner Seele zurück.“ „Kannſt Du denn leugnen, daß ſie mir ſtets Vorboten von Gram und Mißgeſchick geweſen ſind?“ „Ach, mein Freund, Du weißt nicht, was ich alles thun könnte, um Dich von dieſem Einfluſſe zu befreien... Aber ich vermag nichts dagegen.— Ueber mich ſollen ſie jedoch keine Macht gewinnen. Ich verlaſſe mich auf denſelben all⸗ gütigen Vater, welcher Dich auf allen früheren Reiſen beſchützt hat und Dich auch jetzt unverſehrt heim führen wird.“ „Ich fühle, daß es weder das Schiff noch die Mannſchaft betrifft. Aber werde ich hier zu Hauſe Alles wohl wieder finden, wie ich es verlaſſe?— Hab' Acht auf Dich ſelbſt, Margreta, ſchone Dich. Sieh nach den Kindern, beſonders nach der Kleinen dort.“... Er deutete auf die Wiege. „Leg' mir nicht mehr auf, als ich tragen kann, Rüttiger. Leben und Tod liegen in der Hand des Allmächtigen, aber ſo weit menſchliche Kraft und Vorſicht reichen, will ich keine Pflicht verſäumen.“ „Du biſt die Perle meines Herzens und meines Hauſes. Du haſt manchen Sturm in der Stille beſchwichtigt. Du biſt meine Ehre und meine Krone. Deiner Fürſorge kann ich Alles mit unbegrenztem Vertrauen anheim geben.“ „Solche Worte“ antwortete die Frau tief gerührt,„ſind nur für große Augenblicke, wo die bevorſtehende Trennung die Herzen weicher macht, denn ſonſt— und da kann ich Dir auch ſagen, Rüttiger, daß das Bewußtſein deſſen, was ich Dir danke, mich mit Stolz und Demuth erfüllt. Wie hoch ſtehſt Du in der Achtung Deiner Freunde, ja der ganzen Stadt. Du biſt ein Mann der Ehre und des Gewiſſens, und zu einem 92 ſolchen Gatten kann die Frau mit Sicherheit und Liebe empor ſchauen.— Aber Du bedarfſt der Ruhe und es iſt ſpät.“ „Dank, mein Schatz! Nun werde ich auch ſchlafen kön⸗ nen. Du haſt es verſtanden, die Laſt von meinem Herzen zu nehmen.“ Als die Sonne ihre erſten Strahlen zum Morgengruß ſandte, war ſchon Alles in Bewegung im Hauſe. Der Wind blies friſch; eine Kühlſe, wie der Capitain ſie gewünſcht hatte. Das Boot lag an[der Brücke. Schon waren die letzten Packen hineingeworfen. Er hatte Abſchied von dem Alten am Strande genommen, die weinenden Kinder, die noch halb im Schlaf waren, umarmt und geſegnet— die kleine Julia Conſtantia hatte den letzten und längſten Blick erhalten— da ſchloß er die treue Lebensgefährtin noch ein⸗ mal ans Herz— und verſchwand dann in der Thür, die er vorſichtig hinter ſich ſchloß. Es ging ein alter Aberglaube unter den Seeleuten, daß keine Reiſe glücklich abliefe, wenn nicht der Seemann beim Fortgehen, ſelbſt die Thür hinter ſich zumache. Mein Vater beobachtete dies ſtets, und erſt, wenn dieſe Ceremonie beendet war, durften die im Zimmer Zurück⸗ gebliebenen ihm nacheilen. Kaum war dieſer Act der Trennung, der den überſtrö⸗ menden Gefuͤhlen einen Damm ſetzte, vorüber, als die un⸗ ruhige Hausfrau hinauseilte. Heute war ſie von einer un⸗ erklärlichen Angſt befallen und das Scheiden ſchien ihr ſchwerer und unheimlicher, denn je. Als ſie jedoch bemerkte, daß ihr Mann die dunklen Ahnungen abgeſchüttelt hatte und in heitrer, ſorgloſer Geſchäftigkeit alles zur Abfahrt anordnete, be⸗ herrſchte ſie ſich, bis ſie den Fuß auf den Reeling des Bootes ſetzte. „Margreta, was in Gottes Namen— Du— ſonſt im— mer die Stärkſte!“ aber gedre Groß Jung Leb⸗ Hut, wegur zu ur Segel des j nichts durch Sohn gleitu hinder ſolche mittag noth. Thrän men u ſchaffe ſie au dern Seele! wenn wobei nomm mpor t 174 kön⸗ derzen ngruß pitain Schon sſchied einder, — die Blick h ein⸗ die er glaube wenn er ſich wenn zurück⸗ erſtrö⸗ ie un⸗ er un⸗ hwerer aß ihr nd in te, be⸗ ig des nſt im⸗ 93 „Lieber, lieber Rüttiger!“ „Gottes Frieden mit Dir und den Kindern.— So, aber zum Teufel, der Wind hält nicht aus; er hat ſich ſchon gedreht.— Da iſt keine Zeit zu verlieren. Sieh, da iſt Großvater ja auch ſchon ſo früh heraus.— Legt aus, ihr Jungen.— Leb' wohl Vater, ſieh gut nach meinen Schätzen! Leb’ wohl, meine Greta!“ Und hiermit ſchwenkte er den Hut, ſtolz, daß es ihm diesmal gelungen war, ſeine tiefe Be⸗ wegung zu verbergen Er nickte den Zurückbleibenden lächelnd zu und das Boot flog dem Schiffe entgegen, deſſen weiße Segel bald von der Briſe geſchwellt und von dem Purpur des jungen Morgens roſig angehaucht wurden.— „Komm, Kind,“ ſagte der Alte,„wir haben hier nun nichts mehr zu thun. Laß uns auf den Boden gehen und durch das Fernrohr ſehen, wie er die Anker lichtet.— Der Sohn gehört zu denen, die im letzten Augenblicke keine Be⸗ gleitung haben mögen— und er hat Recht— das iſt nur hinderlich.“ „Aber weißt Du auch, Vater, daß ich noch nie eine ſolche Angſt im Herzen gehabt habe?“ „Das bildeſt Du Dir ein, Tochter.— Aber heut' Nach⸗ mittag ſollſt Du Dich zerſtreuen, und Ruhe thut Dir auch noth. Du haſt Majken ſo oft getröſtet, wenn Falk über ihre Thränen und Klagelieder lachte, heut' kann ſie zu Dir kom⸗ men und ihre Zungenfertigkeit zeigen. Dazu iſt ſie wie ge⸗ ſchaffen. Uebrigens iſt ſie eine herzensgute Frau,— wenn ſie auch nicht Deinen Character hat.“ Am Nachmittage erſchienen aber, nicht blos Majken, ſon⸗ dern ſieben bis acht Kaffeedurſtige Schweſtern. Die guten Seelen kamen jedesmal, um ihre liebe Margreta zu tröſten, wenn dieſelbe, als Strohwittwe, die Alleinherrſchaft antrat, wobei manche Kaffee⸗, Thee⸗ und Zuckerrechnung zu Buch ge⸗ nommen, und oftmals bei der nächſten Interimsregierung pro⸗ 94 longirt wurde, oder wenigſtens unbezahlt blieb. Bei der leiſeſten Erinnerung an dieſe Verhältniſſe ſtiegen aber drohende Wolken am Himmel der Freundſchaft auf, und da hieß es, wie ſpäter eine dieſer Damen dem Ladenburſchen ſagte, als dieſer mit der Rechnung zu ihr geſchickt wurde:„Was in des Herrn Namen ſoll das bedeuten? Glauben Sie denn, daß ich mein Geld nicht nöthiger habe, als alte Schulden damit zu bezahlen, die ſich längſt überlebt haben?“ aus der hende ß es, als n des daß damit * Schilderungen und Churactersüge aus dem däniſchen Feldzuge in Bohuslän 1788. vergang D Mein war nr war ſor „aus de D gen— tage w wurden, Aber ol weiter ruſſiſche noch nie nißvolle man in auf den Daͤnema nungen Carlen I. Die kleine Fehde. Beſorgniſſe der Jungfrauen, ihre Schönheit vor den Feinden zu ſchüttzen. Mehrere Monate waren nun ſeit der Trennung der Eheleute vergangen. Die Nachrichten„aus der Fremde“ waren nach Wunſch. Mein Vater hatte vortheilhafte Geſchäfte abgeſchloſſen und war nun weiter gegangen, um Ladung einzunehmen. Alles war ſoweit gut und wohl, aber daheim begann es ganz anders „aus der Fremde“ herüber zu klingen. Der König war mit der Armee nach Finnland gegan⸗ gen— ſo las man in den Zeitungen, welche an jedem Poſt⸗ tage wohl zwanzigmal in der Apotheke von Neuem ſtudirt wurden, um dieſer Nachricht Glauben ſchenken zu können. Aber obgleich Finnland weit entfernt lag und Rußland noch weiter fort, ſo ſpukte letzteres doch im Fahrwaſſer, indem ruſſiſche Kaperſchiffe an der Küſte kreuzten. Aber das war noch nicht Alles. Auch in Dänemark fing es an auf geheim⸗ nißvolle Weiſe zu ſpuken, wovon die nächſte Folge war, daß man in Norwegen rüſtete, um den Truppen des Oberherrſchers auf den erſten Wink Geſellſchaft zu leiſten, für den Fall, daß Dänemark, um Rußland zu gefallen, ſeine friedlichen Geſin⸗ nungen für Schweden verleugnete. Carlen, Cam. obsc. I. 7 98 Dies Alles war nicht geeignet, die Ruhe aufrecht zu er⸗ halten, in welcher man ſo angenehm gelebt und ſich gewöhnt hatte, die ehemaligen Trübſale als Schreckbilder längſt ent⸗ ſchwundener Zeiten anzuſehen. Man wußte, daß Dänemark rüſtete, und daß Prinz Carl von Heſſen nach Norwegen ge⸗ kommen war, um im Namen der däniſchen Regierung die dor⸗ tigen Truppen zu inſpiciren. Aber obgleich man mit Sicher⸗ heit annahm, daß dieſe Operationen gegen Schonen gerichtet ſeien, war doch einmal die Möglichkeit vorhanden, daß die ruſſiſchen Kaper, welche alle Handelsſchiffe, die ſie aufbringen konnten, plünderten, auch nach Strömſtad kommen und die Stadt beſchießen konnten. Es war nicht die Zeit, einen derartigen Beſuch ſchlafend zu erwarten. Da man von keinen Vertheidigungsmaßregeln an der Grenze vernahm, beſchloß die Bürgerſchaft, ein Frei⸗ corps zu bilden, deſſen Organiſirung und Anführung zweien in der Stadt anſäſſigen Officieren anvertraut wurde. König Karl's geſchleifte Feſtungswerke auf dem Laholm wurden zu dieſem Zwecke wieder in Stand geſetzt, Kanonen und Muni⸗ tion von Gothenburg herbeigeſchafft und ſomit befahl man ſich Gott dem Herrn und politiſirte um die Wette, ohne daran zu denken, daß der Feind auch von der Landſeite kommen konnte. bis an den Abend die Ruſſen und Norweger beſchoß und ſchlug, das war die Jugend der Stadt, welche am Strande mehrere Schanzen, ja ſogar Feſtungen von Steinen, Lehm und See⸗ tang errichtet hatte. Hier wurden heiße Kämpfe geliefert und es wäre ſchlimm geweſen, wenn man in der kleinen Fehde ein Spiegelbild der bevorſtehenden Unruhen geſehen hätte, denn die Berichte aus Norwegen wurden immer lebhafter und zahl⸗ reicher. Da nun aber unter den Krieg führenden Parteien am Wer aber nicht wartete, ſondern jeden Tag vom Morgen Strande ſchien, d den auf Blut ir Zeiten Prügel, ten, fer wollen. „A gewöhnlt Aber ſas ſoll, wer „N meinte 9 Geſichte „H Wenn m es doch „U Stimme, ſagt— die Herr Großen gegen der mehr Mo „De Mund ſte ſchon ohr Brüdern Du hätte redliche ſe *) K u er⸗ vöhnt ent⸗ emark n ge⸗ dor⸗ Sicher⸗ richtet ß die ringen d die lafend zregelu Frei⸗ zweien König en zu Muni⸗ lan ſich daran ommen Norgen ſchlug, nehrere d See⸗ rt und Fehde , denn 1 zahl⸗ en am 99 Strande ein ſtillſchweigendes Uebereinkommen getroffen zu ſein ſchien, daß die Ruſſen und Norweger es nicht mit den Schwe⸗ den aufnehmen könnten, welche Letztere etwas von König Karl's Blut in ſich fühlten, ſo erhielten die, welche zu gewiſſen Zeiten die Rolle des Feindes übernehmen mußten, ſo viele Prügel, daß mehrere junge Bürger vom Waſſerlande erklär⸗ ten, fernerhin weder Ruſſen noch Normänner vorſtellen zu wollen. „Aha,“ rief Andreas Korp), der ſchwediſche Anführer, gewöhnlich„der Rabe“ genannt,„Aha, ihr elenden Wichte! Aber ſagt mir dann auch, wer künftig die Prügel bekommen ſoll, wenn Alle Schweden ſein wollen?“ „Nun, ſo könnt Ihr zum wenigſten menſchlich ſchlagen!“ meinte Pelle Kraft, indem er ſich Sand und Blut aus dem Geſichte wiſchte. „Herr Jeſes, was Du für ein Dorſchkopf biſt, Pelle! Wenn man dem Ruſſen den Pelz ausklopfen will, ſo muß er es doch fühlen,— ſonſt hilft es zu nichts.“ „Und ich will Dir ſagen,“ erſcholl hier eine dritte Stimme,„daß mein Bruder Svante, der Apothekerlehrling, ſagt— er beſorgt ja die Laufereien, wie Ihr wißt— daß die Herren in der Apotheke erzählen, daß die ſchwediſchen Großen da oben in Finnland einen Bund mit den Ruſſen gegen den König geſchloſſen haben und daß es deshalb nicht mehr Mode iſt, den Ruſſen abzuprügeln.“ „Da haſt Du eine Maulſchelle, die Dir für's Erſte den Mund ſtopfen ſoll, Du elende Krabbe! Wenn Du nicht ſo ſchon ohnehin Krabbe hießeſt, würde ich Dich zu Deinen Brüdern hinunterwerfen, damit Du bei ihnen getauft würdeſt. Du hätteſt die Waſſerfahrt wohl verdient für die Gemeinheit: redliche ſchwediſche Männer und hohe Herren ſo anzuſchwärzen. *) Korp bedentet Rabe. D. Ueberſ. 7* 100 Und nun kannſt Du Deinen Bruder von mir g üßen— ich kenne den Pillendreher— und ihm ſagen, daß er ſich hüte, ferner ſolche Neuigkeiten zu backen, wenn dieſe Fauſt ihm den Rücken nicht ſo bläuen ſoll, daß er weder ſchwediſche noch finnländiſche Lügen mehr zuſammenkitten kann.“ Der arme Krabbe ſetzte ſich nach dieſer Niederlage ſtill auf ſeine zerſchoſſenen Feſtungswälle. Nun ergriff aber Pelle Kraft das Wort und erklärte, daß er, als Norweger, auch ein Wörtchen in die Wagſchale zu legen habe. „Laß hören, ob ich es genehmige!“ äußerte„der Rabe“ majeſtätiſch. „Mein Vater ſagte geſtern, daß wir Alle Normänner ge⸗ weſen ſind.“ „So,“ rief„der Rabe“ mit funkelnden Augen,„da war er wohl nicht bei Sinnen?“ „O ja,“ entgegnete Pelle,„das iſt er bis Abends 8 Uhr gewiß; eher ſpricht er der Flaſche nicht zu. Er glaubt, daß das ganze Bohuslän früher unter der norwegiſchen Krone ge⸗ ſtanden hat und wir Alle Normänner geweſen ſind, bis wir von einem ſchwediſchen Könige, welcher Luſt verſpürte, die Provinz Bohuslän in ſeine Schatzkammer zu ſchließen, erlöſt worden ſind.“ „Alle Teufel,“ antwortete„der Rabe“ und kratzte ſch hinterm Ohr,„das iſt wunderlich.— Bah— das iſt wohl vor der Sündfluth geweſen!“ „Nein, ſo lange iſt es nicht her. Vater wußte auch nichts weiter davon zu erzählen, als daß wir endlich ſ chwediſch geworden wären.“ „Das iſt das Wahre, und ich rathe Keinem, dem ſeine Arme und Beine lieb ſind, das Lied zu pfeifen, daß ich je⸗ mals Normann geyweſen ſein ſoll. Vielleicht war es in alten Zeiten mit den Völkern, wie mit den Inſeln, von welchen erzählt ſie feſte einerlei und No ich näch K in die 4 „der R „G zwar mi Keiner 1 der ſie 1„ mit einer „ fort,„ſo er ſich a König K Norweger doch zuſa „Ei Ab Schwert um Norn than zu ſchaft du worden u „W kannſt!“ wagte, „Un auch ſpre — ich hüte, m den 2 noch ge ſtill te, daß dale zu Rabe“ ner ge⸗ da war em ſeine 7 ich je⸗ in alten welchen 101. erzählt wird, daß ſie ſo lange umher geſchwommen ſind, bis ſie feſten Grund gefunden haben. Das kann uns übrigens einerlei ſein. Nun ſind wir Schweden und das will ich Ruſſen und Norwegern zeigen und den Engländern obendrein, wenn ich nächſtes Jahr Heuer auf England nehme.“ Krabbe, welcher ſich wieder erholt hatte, ſtreckte die Hand in die Höhe, zum Zeichen, daß er etwas zu ſagen habe, wenn „der Rabe“ es ihm geſtatte. „Es ſei Dir gewährt!“ äußerte der Magnat gnädig und zwar mit einer gewiſſen Neugierde, denn es war bekannt, daß Keiner mehr Neuigkeiten zu erzählen wußte, als Kalle Krabbe, der ſie von der„linken Hand“ des Apothekers erfuhr. „Der König,“ begann er mit wichtiger Miene. .„Der König?“ wiederholten die anderen Knaben mit einer gewiſſen Feierlichkeit. „Wenn der Krieg ſich hier herunterzieht,“ fuhr der Redner fort,„ſo heißt es, daß der König ſelbſt mitkommt, und daß er ſich außen vor Frederickshall gerade auf denſelben Platz, wo König Karl zu Boden ſank, hinſtellen und den Dänen und Norwegern Gefechte vorſchreiben will.... denn die gehören doch zuſammen.“ „Ei, ſagen ſie das?“ rief„der Rabe“.„Nun, das iſt brav .... Aber ich möchte doch lieber, daß der König Karl's XII. Schwert umſchnallte und alle ſeine Soldaten zuſammen riefe, um Norwegen den Garaus oder auch es ſich wenigſtens unter⸗ than zu machen. Da könnten wir die Nachbarn in Freund⸗ ſchaft dulden— denn ſeht, wenn ſie einmal Schweden ge⸗ worden wären, ſo wäre ja die Feindſchaft aus.“ „Wie keck Du über ſo wichtige Angelegenheiten ſprechen kannſt!“ meinte Krabbe.„Ich weiß nicht, ob ich vorzutreten wagte, wenn der König in eigener Perſon hier wäre.“ „Und ich weiß, daß ich nicht allein vortreten, ſondern auch ſprechen würde. Herr König, würde ich ſagen, ich weiß 10² wohl, daß Mancher in den Kampf eilen wird, aber Keiner wird mir vorbei laufen, wenn ich weiß, daß Ew. Majeſtät mich ſpäter zum Admiral machen, ſo wie König Karl es mit einem Burſchen aus Stangenäs gethan hat, der ſpäter Sjöſt⸗ jerna*) genannt wurde. Ew. Maj. können mich Sjökors**) nennen, denn ich werde das königliche Kreuz mit kräftiger Hand tragen, ſo lange ich lebe und Mark in den Knochen fühle.“ „Als ob Du das zu ſagen wagteſt!“ „Dummkopf, bin ich nicht jeden Weihnachts⸗ und Neu⸗ jahrsabend und Heiligen⸗Dreikönige ſelbſt ein König von Mohrenland, ohne alle Proben zu rechnen, wo ich auf meinem Thron ſitze und Ihr um meine Majeſtät herum geht! Es iſt die reine, lautere Wahrheit, daß ich königliches Blut in meinen Adern fühle, während ich ſage: Ich bin ein König von Mohrenland, Das zeigt Dir der Krone goldiges Band Und Keiner vermag mich im Kampf zu beſteh'n, Das wirſt Du, mein treuer Diener, ſehn! Aber genug davon... Auf, zum Kampf! Wenn ich die Trommel ſchlage, ſo tretet an!“ Und ſolchen Reſpekt wußte ſich„der Rabe“ zu verſchaffen, daß es ohne Zweifel wieder zur Schlacht gekommen wäre, wenn nicht ein paar Mädchen, welche zur Quelle geweſen waren, um Waſſer zu holen, mit lautem Weinen und Schluchzen am Kampf⸗ platze vorübergegangen wären.„pautia. „Was iſt geſchehen?“ fragte Pelle Kraft, welcher Vetter von Bürgermeiſters Stina war. „Ach, lieben Kinder, das verſteht Ihr noch nicht— aber Ihr werdet es wohl erfahren!“— „Seid ſo gut, Eure Gedanken mitzutheilen, Jungfer Stina!“ fiel„der Rabe“ mit Würde ein.„Hier ſteht Einer, *) Seeſtern.**) Seekreuz. gen ha der ſch zehn J welcher auch v ten wi „ und w 7* mit zw ruhen heit ha „ zeien, Canaill von de muß wi andere . ja und wie die Thr 4 halblau ſten fü Geſicht mich m Du biſt als zwa hört, d Schönſt mit G Nädche deiner ajeſtät s mit Sjöſt⸗ rsS**) Hand ble.“ Neu⸗ g von neinem Es iſt meinen enn ich chaffen, , wenn ken, um Kampf⸗ Vetter icht— Jungfer Einer, 103 der ſchon geſtern kein Kind mehr war. Ich bin beinah fünf⸗ zehn Jahr und fange ebenſo viele Schock Fiſche als Derjenige, welcher Jungfer Stina vielleicht groß genug dünkt, wenn er auch von andern Leuten für einen jämmerlichen Wicht gehal⸗ ten wird.“— „Die gemeinen Häringspackerjungen!“ rief Jungfer Stina und warf den Kopf in den Nacken. „Nehmt Euch in Acht, ſchöne Jungfer, daß ich Euch nicht mit zwiſchen die Häringe packe. Aber nun laßt den Unfrieden ruhen und ſagt uns ſchnell, woher Ihr die böſe Augenkrank⸗ heit habt.“ „Nun, wenn'’s doch heraus ſoll, ſo will ich Guch. prophe⸗ zeien, daß die ganze Stadt bald daran leiden wird. Du kleine Canaille wirſt früh genug grün und blau geſchlagen werden von den Normännern, die vor der Thür ſtehen. Denn Er muß wiſſen, Monſieur Schnupftaback, daß ich mehr weiß, als andere Leute, da ich alle Couriere beim Bürgermeiſter einlaſſe . ja, ja, wer es erleben wird, wird es erfahren“. und wieder wurde das Taſchentuch mit einem Trauerliede an die Thränenquellen geführt. „Liebe Stina,“ tröſtete Paſtor Ekman's Anna⸗Märta halblaut,„ich hab' gehört, daß es bei Kriegszeiten am ſchlimm⸗ ſten für ſolche Mädchen iſt, denen der liebe Gott ein glattes Geſicht gegeben hat. Ich hab' ſchon daran gedacht, ob ich mich mit Beünſpan oder Scheidewaſſer beſtreichen ſoll. Du biſt glücklich, daß Du Dich deswegen nicht zu beunruhi⸗ gen haſt!“ „Ein ſo niedriger Hochmuthsteufel!— Ich habe mehr als zwanzigmal von den feinſten ausländiſchen Seeleuten ge⸗ hört, daß es ſehr darauf ankäme, wer von uns beiden die Schönſte ſei. Aber Gott bewahre, beſtreiche Du Dich nur mit Grünſpan und Scheidewaſſer.... ich denke, daß ein Mädchen, das ſich auf ſeine Ehrbarkeit ſtützt, unverſehrt durchs Feuer gehen kann, und das hoffe ich auch von mir ſelbſt, ob⸗ gleich ich ſo oft vor der Thür des Bürgermeiſters Schildwache ſtehen muß.“ „Du gehſt wohl mehr, als gern ins Feuer, ſonſt wäre der Stadtdiener dem Bürgermeiſter wohl näher zur Hand. Aber es giebt ſolche Mädchen, die ſich nicht zu rathen wiſſen, wenn ſie nicht einmal zur Schau ſtehen.“ „Pfui, was fuͤr ein verächtliches Weſen Du biſt,... ja, wenn Du oder Apothekers Loviſa an meiner Stelle wäret!— Wir werden ſehen, ob ich die Augen niederzuſchlagen brauche, wenn der Krieg vorüber iſt. Ich rathe es weder Officieren noch Gemeinen: mir ſchöne Reden um den Mund zu wiſchen, denn ich glaube ſchwerlich, daß ſich eine Andre ſo auf's hohe Pferd zu ſetzen weiß, als Stina Alſing, wenn ſie in Zorn geräth.“ Und hiermit ſchieden die beiden Schönheiten in der guten Abſicht, den Unfrieden bei erſter Gelegenheit zu erneuern— „Lieber Krabbe,“ ſagte„der Rabe,“ indem er ſich von ſeiner Schanzarbeit emporrichtete,„Du könnteſt wohl ſchnell einmal nach der Apotheke laufen,— vielleicht wird noch eher Ernſt daraus, als wir dachten. Nun, ein Leben haben wir nur zu vergeben, ich bin bereit.... Was ſagſt Du, Pelle?“ „Ich ſag': Nur friſch darauf los— aber ich ſeh' noch keinen Feind.“ „Und Du, Kalle Krabbe?“ „Ich mach des wie mein Bruder und nehme Dienſt in der Apotheke. Wenn Ihr dann zerfetzt und zerſchoſſen ſeid, kann ich Euch frei halten mit Salben und Verband, um Eure Glieder wieder zuſammen zu leimen.“ „Du erbärmlicher Feigling,“ polterte„der Rabe,“„Du biſt bange— geſteh es ſofort.“ „Nun ja, ich halte damit nicht hinterm Berge. Ich weiß nicht, Stück den ſage noch ſie mi brauch 1 komm diener Ihr k hiermi Kalle daten, Dir ni brachte direct ratoriu ſchützt „ob⸗ wache wäre Aber wenn .. ja, tl auche, cieren iſchen, s hohe Zorn guten rn— ich von ſchnell ch eher en wir Pelle?“ h' noch enſt in n ſeid, Eure „Du ch weiß 10⁵ nicht, was für ein Vergnügen dabei iſt, gepeitſcht oder gar in Stücke gehauen oder geſpießt und gebraten zu werden?“ „Das Erſtere ſollſt Du zu Gute behalten, bis wir Andern den Krieg mit Ehren beendet haben.... Nun geh'; aber ich ſage Dir, daß Du Dich nicht unterſteheſt, mir weder Salben noch Binden aufzulegen, wenn ich verwundet werde. Ich würde ſie mit den Zähnen abreißen, wenn ich die Hände nicht ge⸗ brauchen könnte.“ „Daſſelbe gilt von mir!“ erklärte Pelle Kraft...„Nun komm mit,„Rabe“, wir wollen zu der Gevatterin, des Stadt⸗ dieners Tante, die weiß immer alles zuerſt.“ „Hm, das iſt nicht ſo dumm!... Hört Ihr, Jungen, Ihr könnt nun gehen... Ich begleite Kraft, Adjö...“ und hiermit entließ der Anführer ſeine Truppen. Kaum waren Korp und Pelle Kraft verſchwunden, als Kalle Krabbe drohend die Fauſt ballte. „Wartet nur, Ihr Großſprecher, Ihr Despoten— nicht ſoviel Salbe oder Pflaſter ſollt Ihr bekommen, nicht einmal ſoviel, um es aufs Auge zu legen! Ich würde mich ja lieber ſelbſt zu Charpie aufſchaben, ehe ich ein Läppchen Leinwand für Euch entwendete.“ „Nimm Dich in Acht, Kalle,“ warnte Einer der jungen Sol⸗ daten,„wenn das„dem Raben“ zu Ohren kommt, ſo brauchſt Du Dir nicht die Mühe zu geben, Dich ſelbſt zu Charpie zu zerreißen.“ „Nimm Du Dich ſelbſt in Acht, Halunke, daß Du nicht ſo naſeweis zu mir ſprichſt. Ich bin freilich weder Korp noch Kraft, aber mit Euch Krabaten nehm' ich es wohl auf, wenn Ihr knurrt... Habt Ihr mich verſtanden?“ Eine feindliche Demonſtration ſämmtlicher„Krabaten“ brachte Krabbe jedoch auf beſſere Gedanken. Er ging nun direct nach der Apotheke, um ſeine proviſoriſche Hülfe im Labo⸗ ratorium anzubieten, wo man am beſten vor den Kugeln ge⸗ ſchützt ſein mußte. größte II. Die ganze Stadt ſteht auf dem Kopfe. Die Damen po⸗ litiſiren und halten Reone über die kriegeriſchen Vertheidigungsmittel. „AG, Couſine Greta!“ rief die Bürgermeiſterin, indem ſie auf der Thürſchwelle den auf gelben Atlas geſtickten Arbeits⸗ beutel fallen ließ und gar nicht bemerkte, daß der gigantiſche Vergißmeinnichtkranz, der Guſtava Grundell's Namen umgab, über die Tannenzweige*) hinſchleppte—„Couſine Greta, ſie rücken auf unſerer Seite ein. Haſt Du Dein Silberzeug ſchon eingegraben? 2, „Wie,“ rief meine Mutter aus,„iſt die Gefahr ſo nahe?“ „Es iſt, wie ich ſage, Couſine, man kann ſich auf Alles gefaßt machen. Mein Mann weiß natürlich als Magiſtrats⸗ perſon mehr als Andere, und die Berichte von heut Morgen ſind nichts weniger, als beruhigend. Sie können hier ſein, ehe wir uns umſehen. Wie ich ſagte, haſt Du Deine Koſt⸗ barkeiten eingegraben? Du haſt ſo reichlich.“ „Daran habe ich noch nicht gedacht, liebe Guſtava. Meine Sorge iſt die kleine Julia Conſtantia, meines Mannes *) In Schweden ſtreut man die Zimmer auf dem Lande noch jetzt mit klein gehackten Tannenzweigen aus, wie man es in Nord⸗ deutſchland mit weißem oder gelbem Sande zu thun pflegt. D. Ueberſ. Liebl⸗ Arzt aber bin a wolle! jene Das Tauſc und a ſelbſt ſchließ Anflug in der es ſtel vorzuſt unvern 7 Strön kann, Warte als wi der F ſolche daß A geſand Gott nicht Varben Gott po⸗ n m ſie beits⸗ ntiſche mgab, a, ſie erzeug lahe?“ Alles ſtrats⸗ Norgen ſein, Koſt⸗ Meine dannes de woch Nord⸗ Ueberſ. 107 Liebling, welche ſo hinſchwindet und täglich elender wird. Der Arzt ſagt, daß viel von einer ſorgſamen Pflege abhängt— aber Du lieber Gott, wie ſoll ich Zeit dazu gewinnen? Ich bin allein um Alles und die Menſchen ſind wie verrückt. Dieſe wollen ſich verproviantiren und in ihre Häuſer zurückziehen, jene Alles verkaufen oder vertauſchen und ins Gebirge ziehen. Das iſt ein Rennen, ein Kaufen und Verkaufen, Borgen und Tauſchen, ein Ein⸗ und Auspacken, Hin⸗ und Hertragen— und am Abend bin ich ſo erſchöpft, daß ich nicht ſchlafen kann, ſelbſt wenn ich, der Kleinen wegen, wagte, die Augen zu ſchließen.“ „Couſine,“ antwortete die Bürgermeiſterin mit einem Anflug von Strenge,„die Sorge des Einzelnen verſchwindet in der allgemeinen. Gott weiß, daß ich Dich beklage, aber es ſteht auch nicht einer Jeden an, dem Betrieb des Mannes vorzuſtehen— und was die Verwirrung betrifft... ſo iſt ſie unvermeidlich.“ „Aber, liebe Couſine, es iſt nicht der erſte Krieg, den Strömſtad erlebt, und ſo lange man die Thüren zuhalten kann, ſo.... „Und wie lange willſt Du die Thüren zuhalten? Warte nur— Du virſt ſie ebenſo weit aufſperren müſſen, als wir Andern, wenn die Einquartierungen hereinhageln oder der Feind gar ſelbſt Quartier macht. Man hat ſchon früher ſolche aufgedrungene Gäſte aufnehmen müſſen.“ „Aber hat denn der Bürgermeiſter nichts davon gehört, daß Anſtalten zur Vertheidigung gemacht oder Truppen hierher geſandt werden ſollen?“ „Truppen?— Woher ſollten die kommen, wenn der liebe Gott ſie nicht etwa direct vom Monde herabſchickt? Liegen nicht die Bohusläner in Marſtrand und die Elfsborger in Varberg? Wo der Generalbefehlshaber der Küſten ſteckt, mag Gott wiſſen. Nein, Se. Majeſtät hat das Land rein gefegt von Truppen und alles mit nach Finnland genommen, wo ſie nichts ausrichten, während ſie hier von großem Nutzen ſein könnten, denn die geringen Mittel auf Laholm helfen ja zu nichts.“ „Ja, die Ausſichten ſind dunkel, Couſine Guſtava, aber wie drohend die Gefahr auch ſcheint, ſo kann doch möglicher⸗ weiſe noch Alles ein Schreckſchuß ſein; Schweden ſteht ja doch in gutem Vernehmen mit Dänemark!“ „Mit wem Schweden in gutem Vernehmen ſteht, kommt gar nicht in Frage, ſobald die Kaiſerin von Rußland ihre Sendſchreiben ausſchickt; als Schwägerin des Apothekers wirſt Du auch ſo viel von der Politik wiſſen, daß die Dänen uns nicht, für eigene Rechnung, in den Rücken fallen.“ „Wir leben in einer Zeit, wo weder Männer noch Frauen in Unkenntniß über ſolche Dinge bleiben. Ich habe gehört, daß der Dänenkönig der Kaiſerin von Rußland ſeine Hülfe verſprochen hat, da aber die Schweden ſich in Finnland ſo ruhig verhalten, wird ſie doch Truppen genug haben und nicht die Dänen und Norweger auf uns zu hetzen brauchen.“ „Sie hat genug mit dem Türken zu thun. Ich ſage Dir, wir werden uns ſelbſt ſchützen müſſen. Ich habe Quellen, die ſchwerlich ſonſt Jemanden zu Gebote ſtehen und ich habe einen Vogel ſingen hören, der eine garſtige Melodie pfiff, wel⸗ cher der Text untergelegt war, daß die hohen Herren in Finn⸗ land Böſes gegen den König im Schilde führen...“ Da kam plötzlich etwas von der Küche hergelaufen: „Madame, Madame,“ rief Malena ganz außer Athem, „hier war eben ein Bauer aus Hogdal, der zu Dorf(Frederickshall) geweſen war, und ſeine Seele zum Pfande ſetzte, daß er ge⸗ hört habe: die ganze feindliche Armee käme herüber mit zwei Prinzen, der eine voraus und der andere hintendrein, und mit Fahnen und Mufik und Säbeln, die beinah drei Ellen lang ſein ſollen und ſpitz wie ein Spieß. Hu, man thäte ja beſſer Gerãät Tone Du u ich m andere mahli Freico bloßes der L. mehr arme liegt Bohus helfen „ wir a hinein Gener ciersfr zuſamn lange ſprung mußte ausſchl men z Kindes auf de dmmt ihre wirſt uns auen hört, Hülfe d ſo nicht ſage ellen, habe wel⸗ Finn⸗ them, Shall) er ge⸗ zwei und Ellen ite ja 109 beſſer daran, gleich ins Waſſer zu ſpringen, als ſich von ſolchen Geräthſchaften kalt machen zu laſſen!“ „Nun, Couſine?“ rief die Bürgermeiſterin mit einem Tone der zwiſchen Schrecken und Triumph ſchwebte,„nun wirſt Du meine Nachrichten wohl nicht länger bezweifeln.— Aber ich muß zu meinem Manne und hören, was der ſagt.“ „Meine Damen, meine theuren Freundinnen,“ rief eine andere Dame, welche hereinſtürzte und in der man die Ge⸗ mahlin jenes Officiers erkannte, der mit dem Commando des Freicorps betraut worden war,„Gott ſtrafe mich, wenn dies bloßes Kinderſpiel bleibt. Ihr wißt wohl ſchon, daß ſie von der Landſeite kommen, und was haben wir nun, uns gegen mehr als tauſend Mann zu vertheidigen? Nichts, als einige arme Soldaten unter Oberſt Tranefeldt, welcher in der Nähe liegt— iſt das etwas um den Schlüſſel zur ganzen Provinz Bohuslän zu vertheidigen? Unſre Kanonen und die Munition helfen nun zu nichts, die werden alle eingegraben.“ „Aber meine Damen,“ wandte meine Mutter ein,„wenn wir auch preisgegeben werden, ſo wird doch weiter im Lande hinein Hülfe geleiſtet werden können. Haben wir doch einen General, welcher...“ „General Hjerta,“ antwortete die wohlunterrichtete Offi⸗ ciersfrau,„ja, Gott mag wiſſen, was der für Hülfstruppen zuſammenbringen wird! Auf ſeinen Schutz können wir aber lange warten, denn von hier nach Wenersborg iſt kein Katzen⸗ ſprung.“ Immer neue Beſuche und neue Nachrichten. Endlich mußte meine Mutter ihr Empfangzimmer ſchließen, um ſich ausſchließlich den häuslichen Sorgen und Beſchäftigungen wid⸗ men zu können, welche ſich täglich vermehrten. „So einſam!“ ſeufzte ſie über das Bett des kranken Kindes geneigt. Und dennoch wünſchte ſie nicht, daß ihr Mann auf der Heimreiſe ſei, da er ohne Zweifel den ruſſiſchen Ka⸗ 110 pern in die Hände fallen würde.— Die Lage wurde mit jedem Tage ſchwieriger.— Auf Schweſter Majken's Troſt und Hülfe war nicht zu rechnen. Schweſter Majken hatte genug zu thun, alle die Taſchen⸗ tücher zu glätten, die ſie mit ihren Thränen netzte. Die gute, aber verzärtelte Frau, mit ihrer Stube voll Kinder konnte nichts, als über Mann und Kinder und ihre eigne Perſönlich⸗ keit jammern und klagen. Sogar ihre Eiferſucht war erloſchen. Sie hatte nur Ohren für die Hiobspoſten der niedren Claſſen. Der joviale Apotheker hatte noch nie den Muth verloren, obſchon er ſatt und müde davon war, Nacht und Tag die mühſamen Nerventropfen zu bereiten, welche Kannenweiſe von den Stadt⸗ und Landdamen gekauft wurden, und von denen Frau Majken, nach ſeiner eigenen Ausſage, eine unglaubliche Menge die Woche hindurch verbrauchte. „Was zum Teufel, ſoll ich dabei machen, Bruder?“ fragte er eines Tages ſeinen Freund, den Kreisphyſikus. „Die Frauen entränken ſich und mich in dieſen Nerven⸗ tropfen!“ „Laß den Lehrling einen Eimer Canalwaſſer mit etwas Alcohol zurechtgießen!“ erwiderte der Doctor phlegmatiſch. „Verwünſcht gute Idee, Bruder— und auf der Eti⸗ quette: Neue ausgezeichnete Nerventropfen, von Dr.... zc. ꝛc. Dank... auf die Weiſe kann ich auch noch zu andren Dingen Zeit gewinnen.“ 3 Was hatte dieſer geplagte Mann denn auch alles zu thun! Was für Expeditionen an die„klugen Männer“ und Frauen der Umgegend, welche Kannen von Rigabalſam und Ballen von Heftpflaſter erhielten. Und obgleich er ſo im Schweiße ſeines Angeſichts arbeitete, fand er doch noch Zeit, die Seele des Vormittagselubbs zu ſein, wo die honoratiores der St würdige ſervirte rirte ül einer G profess 55 9 ſtarken, Strömſt nannt z ſo reiße ſie ab. als ſehe anders die heili Herren, wird, w Füße he Unſre V Häuſern laſſen S 22 deln!“ ſches Ve reich an wiederun tunggebi die Gre überzeug müſſen, Dabis. chen⸗ gute, onnte ilich⸗ chen. iſſen. oren, 3 die von Frau tenge der?“ rven⸗ twas Eti⸗ 2c. 2c. ingen s zu und und im Zeit, iores 111 der Stadt ihren„Bittren“ bei ihm einnahmen. Der merk⸗ würdige Mann bereitete ſpaniſche Fliegen, ſchrieb Etiquettes, ſervirte das Magenſchnäpschen, zauberte Morſellen herbei, diseu⸗ rirte üͤber Krieg und Staatsangelegenheiten und dies alles mit einer Gewandtheit in Zunge und Hand, worin kein Künſtler ex professo ihn übertreffen konnte. Deshalb hieß es auch allgemein: „Der Falk iſt ein verteufelter Kerl!“ „Vergeßt nicht, meine Herren,“ pflegte er mit ſeiner ſtarken, ſchnarrenden Stimme zu ſagen,„vergeßt nicht, daß Strömſtad die Ehre gehabt hat, König Karl's Auge ge⸗ nannt zu werden.—„Wenn Dich aber Dein Auge ärgert, ſo reiße es aus und wenn Dich Deine Hand ärgert, ſo haue ſie ab. Denn es iſt beſſer, Du geheſt blind ins Himmelreich, als ſehend in's ewige Feuer.“„Der Spruch mag vielleicht anders lauten— es iſt länger her, als ſeit geſtern, daß ich die heilige Schrift ſtudirte— aber der Sinn iſt der, meine Herren, daß es beſſer iſt, wenn hier Ernſt aus der Sache wird, wir geben freiwillig Augen und Zähne, und Hände und Füße her, als daß wir in's Feuer der Normänner gerathen. Unſre Väter ſtellten ein Gaſtmahl an, in ihren zerſchoſſenen Häuſern— laſſen Sie uns dies nicht vergeſſen, meine Herren, laſſen Sie uns Männer ſein!“. „Bravo, Herr Bruder, aber laß uns nicht vorwitzig han⸗ deln!“ antwortete Kaufmann Boman, welcher ſchon ein hüb⸗ ſches Vermögen geſammelt hatte, während der Apotheker nur reich an Kindern war, Schätze, die dem Boman ſſchen Hauſe wiederum fehlten.„Beſonnenheit, meine Herren und eine ach⸗ tunggebietende Deputation, wenn die mächtigen Herren über die Grenze kommen— ſo lautet mein Rath und ich bin überzeugt, das Freund Smith, den wir leider jetzt entbehren müſſen, demſelben beipflichten würde.“ „Dem muß ein Jeder beipflichten!“ meinte der Poſtinſpector Dabis. 112 „Die Feindſeligkeiten werden nicht vor einer ſo kleinen Stadt, die leicht in einen Schutthaufen verwandelt wäre, be⸗ ginnen, aber wenn die feindlichen Demonſtrationen ſich in Plünderungen und dergleichen kund geben ſollten, da—“ „— da“ riefen der Stadtfiscal und der Controlleur zu⸗ gleich,„da muß Einheit in Willen und Handlung herrſchen!“ „Und Niemand darf davongehen!“ ſchrie der Apotheker. „Nein, Niemand darf davon gehen!“ erſcholl es im Chor. In allen Straßen, auf allen Brücken ſtanden Gruppen von Handwerkern und Fiſchern, von Bootführern und Tage⸗ löhnern und zugereiſten Landleuten, welche ſo um die Wette ſchrieen und einen ſolchen Tumult machten, daß ſie ihr eigenes Wort nicht hören konnten. Das Einzige, was man verſtand, waren Drohungen wie:„Still doch, ſtill“—„darf man denn nicht mehr ſeine Meinung ſagen.“—„Sollen wir denn Schlägereien haben, ehe es an der Zeit iſt?“— und der⸗ gleichen mehr. Aber nichts übertraf die Aufregung, welche ſich unter den Frauen des Volkes und den Häringsſalzerinnen kundgab, welche letzteren freilich zu den erſteren gehörten, aber doch einen untergeordneten Rang bekleideten: ein Factum, welches jedoch Niemand laut zu erwähnen gewagt hätte. Alle dieſe Frauen waren ſo muthig, ſo kriegeriſch geſonnen, ſo voll Wuth gegen die Norweger, welche es ſich unterfingen, direct auf die Schweden zu gehen, obwohl der Schwedenkönig ihnen auf keine Weiſe zu nahe getreten war, daß ſie die größte Luſt bezeigten, die fehlende Beſatzung der Stadt zu erſetzen. Sie ſchwuren hoch und heilig, daß ſie zum Wenigſten die Kron⸗ brennerei vertheidigen würden, welche nahe vor der Stadt lag und die Getreide⸗ und Brannteweinvorräthe des Königs enthielt. Jede Neuigkeit, jedes falſche Gerücht über Stellung und Abſicht Bombe Und St ſie bei ihr bisch Härings blieben. zu jagen deren Al Gefahr! De derin we Großmut der Lang eines Ta Die Dri Löwendal Koyf höl des Küſte zuge ver nig im L2 weſen, al zu Tanu abgeſchlag Schweſter Erbſchaft Königs b Die Vortritt, gung der unter ihr legen ſollt Von Carlen, C einen be⸗ ) in r zu⸗ en!“ heker. Chor. uppen Tage⸗ Wette igenes eſtand, denn denn der⸗ 113 Abſicht des Feindes brachte die Wirkung einer niederſchlagenden Bombe hervor, die Sand und Staub um ſich her aufwühlt. Und Staub und Sand wirbelten um die Frauen auf, wenn ſie bei einem falſchen Alarm in ihre Wohnungen eilten, um ihr bischen Eigenthum in die Taſchen zu ſtecken, während die Häringsſalzerinnen wie alte ergraute Grenadiere auf dem Platze blieben. Sie würden nicht durch zehn Regimenter in die Flucht zu jagen geweſen ſein; das macht, ſie hatten hohe Ahnen, um deren Andenken willen ſie ſich oft in den Haaren lagen und Gefahr liefen, kahlköpfig aus dem Streite hervorzugehen. Der Einen Großmutter mütterlicherſeits war Marketen⸗ derin während König Karl’'s Fehden geweſen. Der Andern Großmutter väterlicherſeits hatte beim Bürgermeiſter Kamp in der Langenſtraße gedient, als der König dort wohnte, und eines Tages die Flecken aus ſeinem Koller reiben müſſen. Die Dritte hatte eine Tante, deren Schwiegervater in der Löwendal'ſchen Fehde gefallen war, und die Vierte, welche den Kopf höher trug als alle Uebrigen, war die leibliche Tochter des Küſters zu Tanum, wo man mit dem königlichen Leichen⸗ zuge verweilt hatte. Er, das heißt, der Küſter hatte den Kö⸗ nig im Leben und im Tode geſehen und war auch dabei ge⸗ weſen, als man„den großen Verräther“ Görz im Pfarrhofe zu Tanum gefangen nahm, dem ſpäter in Stockholm der Kopf abgeſchlagen ward, und endlich hatte er auch König Karl's Schweſter geſehen, als ſie mit ihrem Gemahle kam, um ihre Erbſchaft in Empfang zu nehmen, ſich aber gar nicht um des Königs brave Krieger zu kümmern ſchien. Die Tochter ſo hoher Ahnen hatte natürlicherweiſe den Vortritt, und würde auch das Commando bei der Vertheidi⸗ gung der Kronbrennerei übernehmen, wobei Korp und Kraft unter ihrem Schutze die erſten Proben ihrer Tapferkeit ab⸗ legen ſollten. Von ihr hatte Pelle Kraft geſprochen, als er„dem Raben“ Carlen, Cam. obsc. I. 8 11⁴ vorſchlug des Stadtdieners Tante zu beſuchen. Frau Märta hatte ihre ehrenvolle Abkunft früher mit ihrer ſeligen Schweſter getheilt. Jetzt repräſentirte ſie mit dem einfältigen, gutmüthi⸗ gen Sohne derſelben die Würde ihrer Familie. Ihr Mann, Bootsmann Stare, hatte bei ſeinen Lebzeiten ebenfalls Anſprüche an glänzende Erinnerungen gemacht, aber Frau Märta war ſo hochmüthig und herrſchſüchtig, daß ſie ihm keine andere geſtat⸗ tete, als das ſtolze Bewußtſein, ihr Mann zu ſein: ein Glück, welches er bis an ſein Ende ſo hoch ſchätzte, daß er aufrichtig wünſchte, es möge bald einem Anderen zu Theil werden. Märta hatte ſich aber nur verheirathet, um nicht Jungfer genannt zu werden, und war nicht geſonnen, in ihren Jahren noch ander⸗ weitigen männlichen Schutz zu ſuchen. So ſtanden die Sachen in der Stadt—— Confuſion außerhalb und innerhalb des Hauſes— eine qualvolle, uner⸗ trägliche Spannung. Heute grub man ein, was morgen nothwendig wieder ge⸗ braucht wurde und alſo übermorgen wieder hervorgeholt werden mußte. Freunde und Bekannte ſuchten dies oder jenes von einander zu leihen, um in dem kritiſchen Augenblicke nicht ſelbſt in Verlegenheit zu gerathen, und man erzählt, daß eine Dame bei dem Knall einiger Büchſenſchüſſe, welche durch Zufall ab⸗ geſchoſſen worden waren— ihr nagelneues ſchwarzſeidenes Kleid verdarb, welches ſie in der Verwirrung des Augenblicks um eine ſilberne Spülkanne wickelte, die gerade mit Rahm gefüllt war, und Alles mit einander in den Silberkoffer hineinwarf, welcher unter dem Keller verſteckt war. Am folgenden Morgen erhielt dieſe Dame einen vornehmen Beſuch und erſt als ſie ſich eiligſt in ihr Feſtgewand werfen wollte, fiel ihr ein, wohin ſie es in Folge des Schreckens gelegt hatte.— O Jammer! das neue Kleid, mit wenigſtens zehn Reihen languettirter Garnituren, war to dauern wollen, f welcher eine a Silber; Nädche welches Haarloc überaus 2 daillons 5 „3 Dieneri Gold a meiner ich's in un temberm weder ie die Nach Fragen der Kör und hal blieb de ſollte? Ar Werner hundertſ Als Hälfte Närta veſter rüthi⸗ Nann, prüche dar ſo geſtat⸗ Glück, richtig Märta ant zu ander⸗ nfuſion uner⸗ der ge⸗ werden ſes von t ſelbſt — — — ₰ . — 115 war total verdorben— unwiderbringlich dahin, und die Be⸗ dauernswerthe, die ſich in ihrer ganzen Eleganz hatte zeigen wollen, mußte nun die Gäſte im Canlotkleide empfangen. Dieſer Unfall wurde jedoch von einem andern übertroffen, welcher ſich bei derſelben Gelegenheit begab. Während nämlich eine andre Dame damit beſchäftigt war, ihre Werthſachen, Silberzeug und Kleinodien, in einen Kaſten zu packen, kam das Mädchen mit der Einfaſſung eines Medaillons hereingeſtürzt, welches noch vor wenig Augenblicken die Silhouette und die Haarlocke einer Perſon verwahrt hielt, welche dieſer Dame überaus theuer geweſen war. „Unglückliche, was haſt Du mit dem Inhalte des Me⸗ daillons gemacht?“ rief die Herrin in Verzweiflung. „Beunruhigen Sie ſich nicht, Madame,“ erwiderte die Dienerin triumphirend,„ich dachte, wenn die Normänner das Gold auch finden, ſo ſoll zum Wenigſten der theuerſte Schatz meiner Herrin vor ihren Händen ſicher ſein— und da hab' ich's in's Feuer geworfen.“ Unter aller dieſer Angſt und Verwirrung war der Sep⸗ tembermonat erſchienen. Die Einwohner der Stadt konnten weder in Ruhe eſſen noch ſchlafen, da ſie bei jedem Geräuſch die Nachricht von der Ankunft des Feindes zu hören glaubten. Fragen und Seufzer lebten auf allen Lippen. Bald hieß es: der König ſei von Finnland abgereiſt; bald, er ſei gefangen und habe Strömſtad der Plünderung preisgegeben.— Wo blieb denn aber General Hjerta, der Bohuslän vertheidigen ſollte? Man mußte ja doch erfahren, was er ausgerichtet habe! An ſeiner Statt erſchien am 23. September der Oberſt Werner Tranefeldt vor Blomsholm, mit einem Trupp von drei⸗ hundertſechsundvierzig Mann von dem Regimente Skaraborg. Als die Bürger dies erfuhren und außerdem, daß die Hälfte dieſes ſeltſamen Corps nach Swineſund beſtimmt ſei, 8* 116 hielten ſie ihr Geſchütz für ſicherer in als über der Erde, und hatten deshalb nichts Eiligeres zu thun, als daſſelbe bis auf Weiteres einzugraben. Das Schickſal beſtimmte dieſen Kanonen keine ſo glän⸗ zende Rolle, wie ſie bei dem Beſuche des Admiral Tordenſköld auf Laholm geſpielt worden war!— Die Vorſicht des Freikorps half jedoch zu nichts. Der Feind entdeckte und nahm die Kanonen bis auf zwei. Vielleicht würde es den Strömſtadern zum Troſte gereicht haben, wenn ſie einen Blick in die Zukunft hätten thun können, wo gerade dieſe beiden Kanonen ihnen von König Guſtav Adolph IV., zur Belohnung ihres Patriotismus geſchenkt wurden. Nun kehren wir zu den Ereigniſſen jener Zeit zurück, wo der nächſte Augenblick über die Zukunft entſcheiden konnte. Der an der Befehl⸗ Vierun Pulsſch. ſchieden, den. 2 26 W erwartet M An vom Id und die dichter ten, der gen hind Se Mauer Am Armeecor ſchen Kr und auf län⸗ ſköld Der leicht wenn erade 1V., k, wo e. III. Der Krieg ſteht vor der Thür.— Das Zuſammentrefſen an der Wettlandsau.— Die Gedanken des däniſchen Befehlshabers über Strömſtad.— Verſchiedene Ancrdoten. Das Maniſeſt. Vierundzwanzig Stunden verfloſſen, die nach jedem brennenden Pulsſchlage, nach jeder neuen Nachricht, welche von den ver⸗ ſchiedenen wichtigen Punkten in die Stadt flog, gezählt wur⸗ den. Da erſcholl das Donnerwort: „Sie ſind da!“ Welch' ein Wort für eine Grenzſtadt, welche den Feind erwartet! Man wartete nicht lange. Am Morgen des 24. Septembers wimmelte es nördlich vom Idefjord von den Soldaten des Regimentes Nordanfjeld und die Preißelbeeren waren nicht rother, und ſtanden nicht dichter als die Colonnen, die nun gegen den Sturm ankämpf⸗ ten, der um ihre Wangen peitſchte und ihr weiteres Vordrin⸗ gen hindern zu wollen ſchien. Selbſt der Idefjord erhob ſich ſchäumend, gleich einer Mauer— es half zu nichts.— Am hellen Morgen ging der O bergeneral des feindlichen Armeecorps, Prinz Karl von Heſſen, in Begleitung des däni⸗ ſchen Kronprinzen, welcher hier als freiwilliger Krieger ſeine Tapferkeit bewähren wollte, trotz Sturm und hoher See bei Oerbaika über den Fiord. Dieſer Punkt, wo die Ueberfahrt am kürzeſten iſt, liegt ungefähr fünf⸗ bis ſechshundert Schritt von Strömſtad entfernt. Sie ſtiegen bei Krogſtrand*)— in dem Kirchſpiel Skee — ans Land, welches damals von nicht mehr oder weniger, als einem Regimentspfeifer und einem Tambour vertheidigt wurde. Hier traf der Obergeneral mit dem General Mansbach zuſammen, welcher das Regiment Sunnanfjeld in neunund⸗ zwanzig Böten von Frederickshall herübergeführt hatte. Dieſe Böte gingen ſofort nach der norwegiſchen Landzunge zurück und kämpften Tag und Nacht mit Sturm und See, um die übrigen Truppen herüber zu führen. Erſt am folgenden Morgen verließen die Norweger Krogſtrand. In Strömſtad erfuhr man, daß Oberſt Tranefeldt bei die⸗ ſer Kunde ſogleich von Swineſund aufgebrochen und nach Wett⸗ landa geeilt ſei(dieſen an hiſtoriſchen Erinnerungen ſo rei⸗ chen Ort) und daſelbſt mit ſeiner kleinen Schaar Poſto gefaßt habe, um die Operationen des Feindes abzuwarten**) *) Zu Krogſtrand gehört ein hervorſpringender Felſen mit einer großen Höhle, welche von Karl XII. als Speicher für die Vorräthe des Regimentes benutzt wurde, das im Amte Wette garniſonirte, um die Magazine von Strömſtad zu ſchützen. **) Wettlanda ſoll ſeinen Namen von dem nahgelegenen Wett⸗ berge bekommen haben, auf welchem in alten Kriegszeiten ſogenannte Wetten(Lärmfeuer) unterhalten wurden. König Olaf belehnte den mächtigen Bauern Brynjolf Ulfaldi mit dieſem Landgute, weil derſelbe ihm die Gunſt der Einwohner zugewandt hatte und ihm außerdem bei dem Morde des ſchwediſchen Amtmanns Ejlif Götzke behülflich gewe⸗ ſen war. Man erzählt eine Menge romantiſcher Geſchichten von die⸗ ſem Orte, welcher in dem Geſchlechte der Ulfaldi blieb, bis der Letzte ſeines Stammes bei der Vertheidigung ſeines Eigenthums ums Leben kam. Nun iſt das ſtolze Wettlanda zur Wohnung eines Kronvogtes herabgeſunken. B liche N ſches be freiem. U von der fanden an der aufträg⸗ Normän zu ſchle U und gei den Nei keiner mit all' I Nerven D daß er der Sp an Bro und die in tägli Al über die ten beſe ſchlagen Soldate nonen nun ein dem jün Al bei fahrt hritt Skee niger, eidigt sbach nund⸗ Dieſe zurück m die trand. ei die⸗ Wett⸗ p rei⸗ gefaßt t einer orräthe te, um Wett⸗ nannte ite den derſelbe bem bei gewe⸗ on die⸗ r Letzte s Leben uvogtes V 119 Bald liefen neue Berichte in die Stadt ein und die ſchmerz⸗ liche Nachricht, daß die armen Soldaten in Folge des Eilmar⸗ ſches bei dem fürchterlichen Unwetter, und des Nachtlagers unter freiem Himmel und Mangel an Nahrungsmitteln, halbtodt ſeien. Unter den Leuten, welche ſich nach der dreiviertel Meilen von der Stadt entfernten Wettlandsbrücke hinauswagten, be⸗ fanden ſich auch die beiden Helden von der„kleinen Fehde“ an der Bucht: Korp und Kraft, welche eine Menge Vertrauens⸗ aufträge übernahmen und hoch und heilig betheuerten, daß die Normänner ſie nicht hindern würden, zu den Landsleuten hinan zu ſchleichen, und wenn ſie auch zwanzig Regimenter ſtark wären. Und Niemand hinderte ſie daran.— Was ſie ausgerichtet und geſehen hatten, gab ihnen Stoff zu vielen Geſchichten, die den Neid aller andren Knaben erregten, von denen ſich jedoch keiner aus dem Thore gewagt hätte, denn„jetzt machte der Krieg mit all' den Prinzen und Jägern rieſige Schritte draußen.“ In der Stadt herrſchte jene dumpfe Gährung, welche die Nerven auf's Aeußerſte geſpannt hält. Die erſte Maßregel, die der Feind traf, beſtand darin, daß er ungeachtet der ſchreienden Weiber mit Frau Märta an der Spitze, die große Brennerei in Beſitz nahm, deren Vorräthe an Brod und Branntwein ſeiner Mannſchaft zu Gute kamen, und die, ſobald die feindlichen Troßwagen angekommen waren, in täglichen Transporten fortgeſchafft wurden. Aber während die Stadt in Angſt und Sorge war und über die Deputation berieth, mit welcher man jedoch zu war⸗ ten beſchloſſen, bis man ſähe, wo das Hauptquartier aufge⸗ ſchlagen werden würde, wandelten Oberſt Tranefeldt und ſeine Soldaten ebenſo wenig auf Roſen, nachdem ſie ihre vier Ka⸗ nonen an der Brücke von Wettlanda aufgefahren hatten und nun einer Erſcheinung harrten, die ſie am liebſten nicht vor dem jüngſten Tage erblickt hätten. Als dieſelbe aber am folgenden Mittag(den 25.) wahr⸗ 120 nehmbar wurde und es ſich in den Bergen von Skee zu regen begann, ergriff der Befehlshaber ein Hülfsmittel, welches ſchon mancher größere Feldherr vor ihm nicht verſchmäht hatte: er ſuchte ſeinen Feind zu überliſten. Die dreihundertſechsundvierzig Mann konnten ihre Anzahl freilich weder durch Klugheit noch guten Willen verdoppeln. Aber Tranefeldt dehnte ſeine Linie ſo weit als möglich aus, indem er ſie vor einem Walde aufſtellte und die Trainkutſcher, Fuhrleute und die patriotiſchen Bauerknaben ſo zu placiren wußte, daß ſie aus der Ferne— gleichſam wie durch Bühnen⸗ illuſion— für Reſervetruppen gehalten werden mußten. Ein Glück im Unglück war, daß der Wind dem Feinde Sand und Staub in die Augen wehte, bis ein einbrechender Regen denſelben Dienſt that. Während deſſen hatte man die Brücke abgebrochen und als Alles in Ordnung war, ſandte der Befehlshaber des kleinen Trupps einen Parlamentair ab mit der Frage, ob Dero Hoheit Ankunft Krieg oder Frieden bedeute? Die Antwort erfolgte in einem Manifeſt, welches ſie fried⸗ licher Geſinnungen verſicherte. Hiermit unzufrieden und wie im Fegefeuer zwiſchen verſchiedenen Anſchauungen, da ihn einerſeits die ſchwediſche Ehre mahnte, feſt zu bleiben, wäh⸗ rend er ſich andererſeits nicht verhehlen konnte, daß es un⸗ möglich ſei, hier etwas auszurichten, beſchloß der Oberſt, aber⸗ mals einen Parlamentair unter dem Vorwande hinüberzuſenden: um eine nähere Erklärung des Wortes Manifeſt zu bitten. Diesmal war die Antwort ein Befehl an den Oberſten Trane⸗ feldt: ſich zurückzuziehen und ſeine Handvoll Leute nicht un⸗ nöthigerweiſe zu opfern. Die näheren Umſtände dieſes Zuſammentreffens an der Wettlandsau und die Abſichten des Obergenerals mit der Stadt Strömſtad werden auf folgende Weiſe von dem Prinzen Carl von Heſſen beſchrieben: landsl zu um mitten gebroe Da er bours, ſpreche antwor enthalt 1 und ſt hunder Truppe ten vo Batteri näher von ei Begleit Tranefe anhielt. lich kei kraft ſe ein Co weshalh diſchen ſtellen i zurückzu glaubte Perſon Capitai mit zur D regen ſchon er er Inzahl ppeln. aus, itſcher, Laciren ͤhnen⸗ Feinde hender n und kleinen Hoheit fried⸗ d wie a ihn wäh⸗ s un⸗ aber⸗ enden: bitten. Trane⸗ cht un⸗ an der Stadt n Carl 121 „Als ich den Oberſten Tranefeldt endlich hinter der Wett⸗ landsbrücke zu Geſicht bekam, beſchloß ich ſeine rechte Flanke zu umgehen, um ihm den Rückzug abzuſchneiden. Ich ſtand mitten vor dem Feinde, als ich bemerkte, daß die Brücke ab⸗ gebrochen war, welche ich ſofort wieder in Stand ſetzen ließ. Da erſchien ein ſchwediſcher Officier in Begleitung eines Tam⸗ bours, welcher mich im Namen des Oberſten Tranefeldt zu ſprechen verlangte, um meine Abſichten zu vernehmen. Ich antwortete ihm: das Manifeſt, welches ich ihm zugeſtellt habe, enthalte Alles, was ich hierüber ſagen könne.“ Unterdeſſen war die Brücke fertig. Ich paſſirte ſie ſofort und ſtellte mich in einer Entfernung von vierzehn bis funfzehn⸗ hundert Schritt dem ſchwediſchen Corps gegenüber. Meine Truppen waren durch die umliegenden Höhen gedeckt und brann⸗ ten vor Begierde, den Feind anzugreifen. Ich ging in die Batterie, welche ich auf einem Bergrücken, der dem Feinde näher lag, hatte aufwerfen laſſen, und wurde daſelbſt abermals von einem ſchwediſchen Artilleriecapitain begrüßt, welcher in Begleitung eines Tambours erſchien und im Namen des Oberſten Tranefeldt um eine nähere Erklärung des Wortes:„Manifeſt“ anhielt. Ich antwortete: der König von Dänemark führe frei⸗ lich keinen Krieg mit Sr. ſchwediſchen Majeſtät, ſähe ſich aber kraft ſeiner Allianz mit der Kaiſerin von Rußland genöthigt, ein Corps von Hülfstruppen zu ihrer Dispoſition zu ſtellen, weshalb ich zu meinem Leidweſen gezwungen wäre, die ſchwe⸗ diſchen Truppen anzugreifen, wo dieſe ſich mir in den Weg ſtellen würden— es ſtände dem Oberſten Tranefeldt frei, ſich zurückzuziehen, widrigenfalls ich ihn angreifen würde. Ich glaubte jedoch, ihm dieſe Erklärung durch eine zuverläſſige Perſon beſtätigen laſſen zu müſſen, und gab dem ſchwediſchen Capitain den Generaladjutanten Haxthauſen als Begleitung mit zurück. Darauf befahl ich meinen Jägern, den Bergrücken zu be⸗ 12² ſetzen, welcher dem rechten Flügel des Feindes gegenüber lag, während zwei Bataillone und eine Schwadron denſelben um⸗ gehen und einige Kanonen ſo auffahren mußten, daß ſie die Flanke des Feindes beſtreichen konnten. Während ich mit dem ſchwediſchen Officier ſprach, brach aber ein ſo heftiges Gewitter aus mit Sturm, Hagel und Regen, daß wir Alle durchnäßt und der Angriff verzögert wurde. Ich benutzte dieſe Zeit, um die Ufer des Fluſſes zu recognoseiren, welcher an dem rechten feindlichen Flügel vorbeifloß und über den die zerſtörte Brücke hinüber geführt hatte. Am jenſeitigen Ufer erblickte ich einen Trupp Jäger und einen Officier, der mir„Gut Freund!“ zu⸗ rief. Ich bat ihn, näher zu kommen und fragte, wo Oberſt Tranefeldt ſei, da ich vor dem Beginn der Feindſeligkeiten mit ihm zu ſprechen wünſche. Der Oberſt kam, und als er den Kronprinzen an meiner Seite gewahrte, fragte er, ob er den Fluß paſſiren dürfe, um Sr. Königl. Hoheit ſeine Anfwartung zu machen, welches ich gern geſtattete. Nachdem Oberſt Tranefeldt in einem kleinen Boote zu uns herüber gekommen war, hatten wir ein längeres Geſpräch mit einander. Er weigerte ſich ſtandhaft, den Rückzug anzutreten, welches mit der Denkungsart eines Ehrenmannes unvereinbar ſei, und ich entgegnete ihm, daß es mir leid thue, von den Umſtänden gezwungen zu werden, gegen ein ſo tapferes Volk zu kämpfen. Als wir noch einige derartige Artigkeiten ausge⸗ tauſcht hatten, fiel es mir ein, daß meine Jäger, welche die Muskete ſchon angelegt hatten, gar leicht einen Theil des kleinen, muthigen Corps vernichten könnten, während die Kanonen dem Reſte den Garaus machen würden, und dieſer Gedanke war mir ſo ſchmerzlich, daß ich dem Oberſten, als er ſein Bedauern darüber ausdrückte, daß die beiden Nationen, die ſo lange in freundſchaftlichem Verkehr geſtanden, nicht fer⸗ ner in gutem Vernehmen bleiben könnten, heftig antwortete: „Wohlan, wir wollen beut Abend noch Freunde bleiben.“ Als b er aber ſei, we „Morg T bach b wir na A nerals melden. noch fi Hjerta augenbl armeeco N. demſelb⸗ mit abe war, do wollte. zuführe den kon zogen h D der Sta daſelbſt dem S ich mei ſechstau gegange In Bet andere daß ich keit mel und gr lag, um⸗ e die dem witter hnäßt t, um echten Brücke einen zu⸗ Oberſt in mit er den er den artung zu uns ich mit itreten, reinbar on den s Volk ausge⸗ lche die eil des d die d dieſer en, als ationen, icht fer⸗ wortete: —1.“ Als 123 er aber fragte, ob ſolches nicht noch eine ganze Woche möglich ſei, weigerte ich mich entſchieden und mein letztes Wort blieb: „Morgen früh!“— Die Truppen mußten ſich zurückziehen. General Mans⸗ bach blieb mit zwei Bataillonen in den Dörfern zurück und wir nahmen unſer Hauptquartier im Paſtorate zu Skee. Am folgenden Morgen ließen ſich ein Adjutant des Ge⸗ nerals Hjerta und zwei andere ſchwediſche Officiere bei mir melden. Sie begehrten im Namen des Oberſten Tranefeldt noch fünf Tage Aufſchub, bis er neue Ordres vom General Hjerta erhalten habe. Auf meine Frage: wo der General ſich augenblicklich aufhalte, erfuhr ich, daß er mit dem Haupt⸗ armeecorps bei Wenersborg ſtehe. Nachdem dieſe Herren dem Kronprinzen präſentirt und von demſelben ſehr gnädig aufgenommen worden waren, reiſten ſie mit abſchlägigem Beſcheid zurück, welches um ſo natürlicher war, da der Schwede mit ſeinem Anliegen nur Zeit gewinnen wollte. Ich fand hierin eine Veranlaſſung, meinen Plan aus⸗ zuführen, ehe General Hjerta dem Oberſten Verſtärkung ſen⸗ den konnte, welcher Letztere ſich während der Nacht zurückge⸗ zogen hatte. Dieſer Plan war: Strömſtad zu beſetzen, in der Nähe der Stadt mit der anderen Colonne zuſammen zu ſtoßen und daſelbſt den Troß und die Artillerie zu erwarten, welche unter dem Schutz einer Flotille nach Strömſtad abgehen ſollten. Wenn ich mein ganzes Corps verſammelt gehabt, hätte ich es mit den ſechstauſend Mann aufnehmen können, aus denen, nach ein⸗ gegangenen Berichten, die ganze Stärke des Feindes beſtand. In Betracht obwaltender Umſtände ſah ich mich aber gezwungen, andere Maßregeln zu ergreifen, da ich keinen Zweifel hegte, daß ich, wenn ich unverzüglich vorwärts dränge. mit Leichtig⸗ keit mehrere Päſſe einnehmen könne, welches ſpäter mehr Zeit und größere Opfer koſten würde. 124 Ich begnügte mich deshalb damit, Strömſtad zu beſetzen und Ordre an die anderen Brigaden zu ſenden, mir ſo raſch als möglich zu folgen. Mittlerweile ging ich mit der Avant⸗ garde, welche aus drei Bataillonen, vier Schwadronen und einer Compagnie Jäger beſtand, über die Wettlandsbrücke, die General Mansbach während der Nacht hatte wieder herſtellen laſſen. Wir marſchirten direct nach Kragenäs, wo wir die erſten acht Geſchütze der leichten Artillerie vorfanden. Oberſtlieutenant Oldenborg, der in Frederickshall geſtan⸗ den hatte, war mit dem benachbarten Strömſtad wohl bekannt. Um die Einwohner dieſer Stadt bei gutem Muth zu erhalten, wählte ich ihn dazu, den Ort einzunehmen und ihn in aller Ordnung zu beſetzen. Man fand vor der Stadt eine große königliche Brennerei mit anſehnlichen Magazinen.“ Aus obigem Berichte kann man ſich eine Vorſtellung von den Zuſtänden in der Stadt machen, als die Uniformen auf den Straßen ſichtbar wurden und die Irrthümer und Verwir⸗ rungen, die bei der Einquartierung fremder Truppen vorzu⸗ fallen pflegen, ſich überall einſtellten. Was für ein Rennen und Laufen, was für ein Reden und Fluchen auf Däniſch, Norwegiſch und Schwediſch, welches Bitten und Betteln um einen Winkel, wo die Kinder des Hauſes ſchlafen könnten! Die Beſtürzung der Dienſtboten und die Wirren, welche daraus erfolgten, ſind nicht zu beſchreiben und nur mit derjenigen zu vergleichen, welche die Weiber, aus Kummer über den Verluſt des Branntweinmagazins mit ihren Prophezeiungen der Verwüſtungen der„ſchrecklichen Schweden“ anrichteten, welche auszuüben der Feind nicht ſäumen würde. Ich will hier zwei von den unzähligen Aneedoten anfüh⸗ ren, welche noch vom Beginne dieſes Krieges exiſtiren, und von denen eine die Stadt, die andere das Land vertritt. 7 Soldat wo ma T — ſie um ein halten, im Hat mußte hin zur jener S mit der Beſtürz Poſten keiten o paſſiren gehabt. wenden. ſchrie d dennoch ſchreien ſchloſſen und ſo paſſiren Neo angefleh hätten, D der Ba nungen ſuchten. Ei und zw eſetzen raſch Avant⸗ n und ke, die rſtellen ir die geſtan⸗ ekannt. halten, n aller große ng von en auf Verwir⸗ vorzu⸗ Reden welches er des en und hreiben er, aus tt ihren weden“ würde. anfüh⸗ n, und tt. 125 Nördlich von der Brücke, welche zu beiden Seiten von Soldaten beſetzt war, lag links in der Nordenſtraße ein Haus, wo man eine beſonders große Angſt ausſtand. Die Sache verhielt ſich nämlich ſo: Die Frau vom Hauſe — ſie hat die Geſchichte oft ſelbſt erzählt— hatte die Familie um einen neuen Ankömmling vermehrt und wollte gerade Taufe halten, als der Feind in die Stadt einzog. Von einer Taufe im Hauſe konnte nun nicht mehr die Rede ſein. Der Act mußte jedoch vollzogen werden und man beſchloß, das Kind hin zum Prediger zu tragen, welcher unglücklicherweiſe auf jener Seite der Brücke wohnte. Die Gevattern machten ſich mit dem jungen Weltbürger auf den Weg, aber— welche Beſtürzung, welche Entrüſtung, als man von dem feindlichen Poſten vernahm, daß weder Täuflinge noch andere Perſönlich⸗ keiten ohne Erlaubniß der nunmehrigen Behörde die Brücke paſſiren dürften. Frau Strömſten hätte faſt den Tod davon gehabt. Es half nicht— man mußte in Proceſſion um⸗ wenden. Als endlich der Erlaubnißſchein ausgefertigt war, ſchrie der Poſten, als er den Zipfel der Kindermütze erblickte, dennoch ein ſo donnerndes„Werda!“ daß das Kind laut zu ſchreien anfing. Die Frau Gevatterin war aber eine ſehr ent⸗ ſchloſſene Frau. Sie rief ein ebenſo donnerndes„Gut Freund!“ und ſomit durfte der junge Bürger ohne weitere Hinderniſſe paſſiren. Nach dieſem Vorfalle ſollen alle Frauen den lieben Gott angefleht haben, daß ſie in dieſen ſchweren Zeiten nicht nöthig hätten, taufen zu laſſen. Die zweite Anecdote hatte ihren Urſprung in dem Schrecken der Bauern und Käthner vor den Truppen, die in ihre Woh⸗ nungen drangen und ſich auf ihre Koſten zu verproviantiren ſuchten. Eine beſonders ſorgſame Frau, welche im Kirchſpiele Skee und zwar dicht an der Landſtraße wohnte, beſchloß dieſe ge⸗ 126 waltſame Gaſterei von ihrem ohnehin karg beſtellten Hauſe abzuwenden. Sobald dieſe Frau Kunde von den Begebniſſen am Ide⸗ fjord erhielt, befahl ſie ihrem Manne, der ohnehin ihrem Pan⸗ toffel unterthan war— ſich ſammt den Kindern ins Bett zu legen. Hierauf ſuchte ſie mit bewundernswerthem Talente dem Zimmer einen Anſtrich von Unordnung und Krankheit zu geben, den ſie ſogar auf die Perſonen auszudehnen wußte. Schließlich verwandelte ſie ſich ſelbſt in ein Bild des Jammers und der Krankheit und antwortete auf alle an ſie gerichteten Fragen nur:„Haltet den Mund, bis ich ſage: Horcht! dann könnt Ihr jammern und klagen, ſoviel Ihr wollt.“ Kaum hatte ſie ihre Vorbereitungen beendet, als man draußen gehen und an die Thür klopfen hörte, worauf mit barſcher Stimme gerufen wurde:„So macht doch auf! Sind denn Alle todt da drinnen?“ „Horcht!“ rief die Frau,„nun gebraucht Eure Zunge!“ Darauf wankte ſie der Thür zu und ſchob den Riegel zurück. „Todt ſind wir freilich noch nicht— aber Gott beſſere es, wir werden wohl nicht lange mehr darauf zu warten brauchen. Nehmt was da iſt, wir bedürfen nichts mehr!“ rief ſie mit weinerlicher Stimme.„Ihr tapfern Soldaten ſeid ja nicht bange vor Anſteckung! Still, Ihr armen Geſchöpfe, be⸗ läſtigt die neuen Herrſchaften nicht mit eurem Gejammer.— Geht gerade aus— die Küchenthür iſt rechts von des Alten Bett.“ Die Soldaten ſchickten eine Legion von Teufeln und Donnerwettern in die Stube hinein, aber wagten es nicht, die Füße über die Schwelle zu ſetzen. Sie verſpürten keine Sympathie für den Strohtod und eilten ebenſo ſchnell davon, als ſie gekommen waren. Die liſtige Frau aber tractirte in ihrer Freude Mann und Kinder mit einem Stück Schaffleiſch, womit ſowohl ihr glücklicher Einfall, als das geſchickte Win⸗ ſeln und Jammern der„Sterbenden“ belohnt wurde. C Apothe Prinz ſamkeit bewies in ſein Einwol Das J ſie ſolch ten auf der Fle Samme anzuſe D heit der — bra müthern D 8 7 marſchal hiermit von Da Verbind Ihrer 2 Theil ſe als Hül iſt es ſtrengſte den geri lich ente ſchwediſch daß ein; handelt, H au ſe Ide⸗ Pan⸗ ett zu e dem geben, ießlich id der Fragen könnt man if mit Sind unge!“ zurück. beſſere warten 1“ rief ſeid ja fe, be⸗ er.— Bett.“ n und nicht, keine davon, irte in fffleiſch, Win⸗ 127 Gleich einer beruhigenden Mixtur, die alle Tropfen des Apothekers an Wirkung übertraf, wirkte das Gerücht, daß Prinz Carl von Heſſen, trotz aller Gerüchte von ſeiner Grau⸗ ſamkeit, von ſehr mildem, leutſeligem Charakter ſei; und er bewies dies ſofort, indem er dem Oberſtlieutenant Oldenborg in ſeinem Namen und in dem des Kronprinzen befahl, die Einwohner der Stadt aufs Beſte zu tröſten und zu beruhigen. Das Joch war aber zu neu und drückte zu ſchwer, als daß ſie ſolchen Troſtgründen zugänglich geweſen wären. Sie wuß⸗ ten außerdem, daß ſie zu der Einquartierung noch den Beſuch der Flotte zu erwarten hatten und die Stadt als Depot und Sammelplatz aller Transporte, einſchließlich der Gefangenen, anzuſehen war. Das Manifeſt des Prinzen— daſſelbe, welches Se. Ho⸗ heit dem Parlamentair des Oberſten Tranefeldt zugeſtellt hatte — brachte übrigens eine gewiſſe Betäubung in den Ge⸗ müthern hervor. Daſſelbe lautete, wie folgt: „Ich, Carl, Landgraf und Prinz zu Heſſen ꝛc., Feld⸗ marſchall und commandirender General der königl. Armee, thue hiermit kund und zu wiſſen, daß, da Se. Majeſtät der König von Dänemark, Norwegen ꝛc. ꝛc. kraft ſeiner Tractate und Verbindungen mit Rußland ſich nach geſchehener Requiſition Ihrer Majeſtät der ruſſiſchen Kaiſerin genöthigt ſieht, einen Theil ſeiner Truppen zu Lande und zu Waſſer abzutreten, um als Hülfstruppen gegen Schweden verwandt zu werden— ſo iſt es der Wille Sr. Majeſtät, daß dieſe Hülfstruppen die ſtrengſte Ordnung und Disciplin beobachten ſollen und Keinem den geringſten Schaden zufügen dürfen, der ihnen nicht feind⸗ lich entgegentritt; wohingegen das Eigenthum eines jeden ſchwediſchen Unterthanen geſchützt und geſichert ſein ſoll, und daß ein Jeder, welcher gegen Erwarten dieſem Befehle zuwider handelt, der ſtrengſten Strafe anheim fällt, da es Sr. Majeſtät 128 Wunſch iſt: die Kriegslaſten zu erleichtern, ſoviel die Umſtände ſolches geſtatten. Se. Majeſtät hegt andererſeits die Ueber⸗ zeugung, daß ſeine Truppen in Anſehung ſolchen Betragens ebenfalls mit Wohlwollen von den Schweden behandelt werden, da die Einwohner, ſei es Bürger oder Bauer, alle Wider⸗ wärtigkeiten des Krieges auf ſich und die Ihrigen herabrufen, wenn ſie die fremden Truppen feindſelig behandeln, oder ihnen gegen allen Kriegsgebrauch mit den Waffen in der Hand begegnen. „Nun, nun,“ ſagte Frau Märta, das Orakel am Strande, indem ſie, ſobald ſie einen Rothrock erblickte, das große Fiſch⸗ meſſer unter die Schürze ſteckte,„nun, nun, Freunde, es hätte uns noch ſchlimmer gehen können, und obgleich man heiße Thränen über die Beſchlagnahme der Branntwein⸗ und Brod⸗ vorräthe vergießen könnte, die unſer gnädiger König geſammelt hatte, damit wir im Falle der Noth danach langen könnten, ſo müſſen wir doch die Augen trocknen, um der Bekanntmachung Sr. Generalhoheit und deſſen Soldaten ein freundliches Geſicht zu machen. Aber, wer weiß, vielleicht ſind es doch nur Künſte und Liſt des Satans, um uns in eine Falle zu locken— am beſten iſt es, wir ſchweigen und ſchlafen weder Tag noch Nacht mit beiden Augen zugleich.“ Sänmmtliche Weiber erkannten die Weisheit dieſes Rathes und nahmen ſich vor, demſelben zu folgen, inſofern ihre Natur es ihnen möglich machte, nur mit einem Auge zu ſchlafen. Wah ſelbſt Verzw ( ſich ſte eingen D ſoll de nimmt ( in der ſer tri Kaufla und di ihrem 1 daß im ciere, wohnte kleinen den un Carler iſtände Ueber⸗ ragens verden, Wider⸗ prufen, ihnen gegnen. ammelt önnten, nachung Geſicht Künſte — am h Nacht Rathes Natur lafen. IV. Julia Conſtantia.— Die Rückwirkung der Ein⸗ quartierung auf das häusliche Leben.— Edler Charakterzug eines FLeindes. Während dies Alles ſich in der Stadt ereignete, kämpfte da⸗ ſelbſt ein armes Mutterherz gegen alle Qualen der Angſt und Verzweiflung. Ehe der entſcheidende Tag anbrach, hatte meine Mutter ſich ſtets gefragt:„Was ſoll daraus werden, wenn die Stadt eingenommen wird?“ Nun mar ſie eingenommen und wieder fragte ſie:„Was ſoll daraus werden, wenn der Feind mir die letzte Kammer nimmt?“ Es war der vierte Abend, ſeitdem die große Umwälzung in der Stadt ihre Wogen bis in die kleinſten Winkel der Häu⸗ ſer trieb. Die Hausmutter hatte eben ihre letzte Runde durch Kaufladen und Magazin, durch Keller und Vorrathskammern, und die im Brauhauſe improviſirten Caſernen gemacht, um mit ihrem mütterlichen Auge alle Intereſſen zu bewachen und beachten, daß immer Jedem ſein Recht geſchehe. Auch die beiden Offi⸗ ciere, welche das große Zimmer, neben dem Schlafzimmer be⸗ wohnten, waren mit allem verſorgt worden, was ſie zu der kleinen Feſtlichkeit gewünſcht hatten, die ſie mit einigen Freun⸗ den unter munteren Geplauder begingen. Carlen, Cam. obsc. I. 9 130 Mit einem Seufzer und der Hoffnung, daß nun für heute alles gethan ſei, zog meine Mutter ſich mit den Kleinen in die einzige Stube zurück, welche noch frei geblieben war, mit Ausnahme eines unheizbaren Saales, welcher oberhalb unſrer eigentlichen Wohnzimmer lag. Die größeren Kinder lagen und ſchliefen; das eine auf dem Stuhle; das zweite auf dem Tiſche; das dritte auf dem Fußboden, einen Schemel als Kopfkiſſen. Sie waren durch den Lärm der Officiere in Schrecken geſetzt, bis der Schlaf ſie be⸗ ruhigt hatte. Das vierte Kind wand ſich leiſe wimmernd auf dem Schooße der Mutter, die es feſt an das gewaltſam pochende Herz drückte. Draußen tobte der Weſtwind, und heulte und pfiff durch Fenſter und Thüren, und mitten durch die unheimlichen Klagen des Seeſturmes drang von drinnen das Geräuſch der tanzen⸗ den Würfel, der klingenden Gläſer und das fröhliche Gelächter der feindlichen Officiere. Man war erſt in den letzten Tagen des Septembers, aber die Luft war in Folge der anhaltend rauhen Witterung ſcharf, kalt und feucht. Die junge Mutter ſchauerte zuſammen und ſchloß das leidende Kind noch feſter an ſich. Sie bemerkte an den un⸗ ruhigen Bewegungen, daß das leiſe Wimmern bald in laute Klagen übergehen würde. Sie ſuchte um ſo emſiger die Kleine zu beſchwichtigen und blickte angſtvoll nach der Küchenthür, woher ſie Malena mit der Abendmilch für das Kind erwartete. Aber vergebens. Die kleine Julia Conſtantia ſtieß ein lautes Klaggeſchrei aus, und nachdem mehrmals heftig an die Thür getrommelt war, ohne daß dieſe Demonſtration etwas gefruchtet hätte, ließ ſich die jugendliche Stimme des einen Officiers ver⸗ nehmen, welcher, vielleicht um ſich artig zu zeigen oder um ſich beſſer verſtändlich zu machen, in einen komiſchen Gemiſch von norwegiſch und ſchwediſch rief: der d Feind „laß nicht! 7 mation nähert thun 1 macht, aber 2 Dir u ſtimmer N aber g währen wurde von de ließ, bi Schlafe 9 Frau, Der G der Hei von G lande g das Ha halt un De den? Si En r heute nen in ar, mit unſrer ine auf zuf dem rch den ſie be⸗ rnd auf pochende ff durch Klagen tanzen⸗ Helächter rs, aber g ſcharf, loß das den un⸗ in laute ſie Kleine ſchenthür, rwartete. — n lautes die Thur Befruchtet jers ver⸗ um ſich niſch von 131 „Gottes Tod und Strafe, iſt denn Niemand drinnen, der das arme Kind zur Ruhe bringen kann? Sagt, daß der Feind vor der Thür ſteht und Ruhe befiehlt!“ „Zweimal ſechs!“ rief ein Andrer mit ernſter Stimme, „laß die Leute in Ruhe, Jürgen, ich mag dergleichen Späße nicht leiden, wenn man auf dem Kriegsfuße lebt!“ „Aber ich,“ rief ein Dritter,„ich billige Jürgen's Procla⸗ mation,“ und indem er ſich mit unſichren Schritten der Thür näherte, fuhr er fort:„Kind, ich befehle Dir Deine Pflicht zu thun und Dich nicht in Harniſch zu bringen gegen die Ueber⸗ macht, welchen Geſchlechts Du auch ſein mögeſt. Willſt Du aber Deinen Geſang für den Augenblick einſtellen, ſo will ich Dir unſre gnädige Erlaubniß geben, ihn ſogleich wieder an⸗ ſtimmen zu dürfen, wenn wir den Rücken gewandt haben.“ Man hätte glauben können, daß das Kind dieſe derbe aber gutmüthige Rede verſtände, denn es ſchlief wirklich ein, während der Knabe, der auf dem Fußboden ſchlief, aufgeſchreckt wurde und ängſtlich unter den Tiſch kroch, wo er einen Zipfel von der Mutter Schürze feſt hielt, und Augen und Ohren offen ließ, bis es im feindlichen Lager ruhig wurde, worauf er dem Schlafe wieder in die Arme ſank. Meine Mutter war weder eine ſchwache, noch muthloſe Frau, aber ihre gegenwärtige Lage preßte ihr tiefe Seufzer aus: Der Gatte fern, und vielleicht gar gefangen genommen auf der Heimreiſe; der alte Schwiegervater, ſonſt ihr einziger Troſt, von Gicht gelähmt und an ſeine kleine Wohnung im Waſſer⸗ lande gefeſſelt; ihr Kind vielleicht dem Tode nahe und dabei das Haus voll von fremdem Kriegsvolk, dazu der große Haus⸗ halt und der lebhafte Verkehr im Geſchäfte! Dennoch fragte ſie ſich:„Kann es noch ſchlimmer wer⸗ den? Ja, viel ſchlimmer!“ Sie blickte ängſtlich nach der Thür. Endlich kam Malena mit der erſehnten Milch für die Kleine. 9* 132² Sie hatte dieſelbe kaum auf den Tiſch hingeſetzt, als ſie mit verhaltenem Eifer ausrief: „Ja Madame, das iſt eine ſaubre Geſchichte! Nun ſagen die Leute— Herr Jeſus, die Haare ſträuben ſich mir auf dem Kopf'— daß Morgen Nacht um zwei Uhr, wenn Alles im ſüßeſten Schlafe liegt— Gott ſchütz' uns vor ſolchen Schlaf! — ſoll die ganze Stadt in Brand geſteckt werden, wie es in früheren Zeiten geſchehen iſt. Da ſoll es ein Heulen und Zähnklappern geben, und eine Flucht, hiehin und dorthin und alle ſollen in Ketten geworfen und nach Dänemark geſchleppt, und daſelbſt in einen himmelhohen, unterirdiſchen Thurm ge⸗ worfen werden, wohin weder Sonne noch Mond ſcheint.“ „Still doch, mit ſo einfältigem Geſchwätz!“ „Einfältig, Madame— das iſt für wahr nicht einfältig. Aber das Schlimmſte hab' ich noch nicht geſagt. Wenn Ma⸗ dame das erfährt, werden Sie auch begreifen, daß die Nor⸗ weger ſolche Dinge anzuſtiften wagen.“ „Nun, was giebt es denn noch mehr? Aber ſprich leiſe, die Herren nebenan haben ſchon ihre Ungeduld zu erkennen gegeben.“ „Ja, die wiſſen, wie es um uns ſteht.—— Stiützen Sie ſich gegen den Tiſch, Madame, während ich ſpreche— Madame könnte ſonſt vor Schrecken die Kleine fallen laſſen.“ „Nun ſo ſprich!“— Feierlich und in ſich zuſammen ſchauernd flüſterte Malena: „Der König iſt weg!“ „Biſt Du verrückt, Mädchen?“ „Glücklich, wer bei ſolchen Zeiten verrückt wäre; aber— ich habe meinen geſunden Verſtand, und was ich geſagt habe, iſt die reine Wahrheit. Seit unſer Herr König nach Finnland gereiſ't iſt, iſt er rein verſchwunden, und wenn ein Land ſeinen König verloren hat, iſt es eben ſo ſchlimm daran, als hätte es ſeinen Kopf verloren. Und, ſehen Sie, Madame, alle dieſe kopflof Sie l burg wo es, wir ei nen, wachen vergeſſe ruhig blos, wieder pitain nur ei platze ſt und Si — was Das kle ſitzt ihm Nacht, wieder. Vort, ſ „T alten Pe hin kam ſie mit n ſagen auf dem lles im Schlaf! e es in een und hin und ſchleppt, urm ge⸗ t. b einfältig. inn Ma⸗ die Nor⸗ ich leiſe, erkennen itzen Sie Madame Malena: aber— agt habe, Finnland nd ſeinen alle dieſe 133 kopfloſen Leute wollen die Normänner aus dem Lande treiben. Sie legen das ganze Bohuslän, von Swineſund bis Gothen⸗ burg auf ein Brett, und ſtürzen es um nach Norwegen hinein, wo es, wie ſie behaupten, früher gelegen ,ſ daß wir, wenn wir einen Augenblick die Augen zu machen und einnicken kön⸗ nen, als Schweden einſchlafen und als Norweger wieder auf⸗ wachen— o weh, o weh, den Schlaf werden wir nimmer vergeſſen.“ „Aber Malena, wie kannſt Du mit ſolchem Geſchwätz die Zeit verſchwenden, wenn Du ausgeſchickt wirſt— mach' nun, daß die Kinder zur Ruhe kommen!“ „Ja, die armen kleinen Dinger ſollen dieſe Nacht noch ruhig ſchlafen.— Aber, liebe Engels⸗Madame, ſagen Sie mir blos, was wir anfangen ſollen, wenn Se. Majeſtät ſich nicht wieder findet, um ſich unſer zu erbarmen. Sie ſagen, daß Ca⸗ pitain d⸗Orchimont auf Laholm commandiren ſoll, aber das iſt nur eine Stelle,— daß Paſtor⸗Eckman auf dem Markt⸗ platze ſtehen und predigen ſoll— das ſind zwei Stellen— und daß die Apotheke voll von Herren ſein ſoll, die Wache halten und Signale geben; aber das ſind immer nur noch drei Stellen — was haben wir mehr?“ „Fürs Erſte haben wir Gott, mein Kind!—“ „Ach liebſte Madame, das Himmelreich liegt weit von hier!“ „Dann haben wir die königlichen Truppen bei Wenersborg.“ „Dann ſchlage ich ein Knippchen— wer hat ſie geſehen? Das kleine Tranecorps hat die Beine gebraucht und der Feind ſitzt ihm auf den Ferſen. Nein, ich bleibe dabei: Kommt dieſe Nacht, oder morgen früh keine Botſchaft, daß der König ſich wieder eingefunden hat, ſo ſind wir verkauft— das war das Wort, ſagt Großvater.“ „Du lieber Gott, ich habe ja ganz vergeſſen nach dem alten Papa zu fragen. Was ſagte er, als Du mit der Suppe hin kameſt?“ „Er plauderte mit zwei norwegiſchen Sergeanten, die ihm Geſellſchaft leiſteten und ihre Pfeife bei ihm rauchten. Dann ſagte er:„Grüß die Tochter und ſag' ihr, nach einigen Tagen könnte ich wohl ſchon wieder zu ihr kommen— bitte ſie, guten Muthes zu ſein!“ In demſelben Augenblicke hörte man laute, eilige Schritte draußen. „Was giebt es nun noch?“ dachte meine Mutter und putzte in der Angſt die Lichter, um klarer zu ſehen. Man hörte das Thürſchloß, die Thür ging auf und ein b ſchwarz gekleideter Herr mit einem grundehrlichen Geſichte er⸗ ſchien auf der Schwelle. Als er die Mutter mit dem kranken Kinde gewahrte, ſchüttelte er traurig und niedergeſchlagen den Kopf. „Eine traurige, unabweisliche Pflicht, beſte Madame Smith.“ „Ach, Bürgermeiſter Grundell, ſprechen Sie nicht weiter!“ „Seien Sie überzeugt, daß ich nicht weiter reden würde, wenn ich irgend einen andren Ausweg wüßte, aber es ſind noch drei Officiere angekommen und ich habe nur Platz für zwei — der Dritte muß aber ebenfalls untergebracht werden— es iſt hart, liebe Madam Smith, aber ich kann es meiner Treu nicht ändern.“ „Sie ſehen, wie ich hier mit dem armen, kranken Kinde ſitze, und dies iſt das einzige Zimmer, welches mir noch ge⸗ blieben iſt.“— „Ich ſehe es nicht ohne Theilnahme—— aber, bei Kriegszeiten——“ „Lieber Herr Bürgermeiſter, denken Sie an meinen Mann — wenn er ahnen könnte—— iſt er nicht immer ein zu⸗ verläſſiger Freund geweſen? Kann ich ſeinen Liebling, den er meiner Fürſorge ſo dringend anempfahl, in das kalte faſt un⸗ meublirte Zimmer hinaufbringen? Wir können kaum an den Heerd kommen, um ein bischen Milch für die Kleine zu kochen, da di Koche Beſch müthi in B. Fall, Officie die a und d gehen; Ich h. geſche der S ein C Gener Dann da, ung Auch ſich nie ohne währen germeiſ bin ich Und d nig ha Ende g die ihm Dann Tagen „guten Schritte d putzte und ein ſichte er⸗ kranken eſchlagen Smith.“ weiter!“ n würde, ſind noch für zwei en— es noch ge⸗ aber, bei nen Mann ſer ein zu⸗ g, den er e faſt un⸗ m an deu zu kochen, da die Soldaten, welche im Brauhauſe keinen Platz mehr zum Kochen finden können, auch den Feuerheerd in der Küche in Beſchlag genommen haben.“ „Bei ſolchen Zeiten Bürgermeiſter zu ſein!“ Der gut⸗ müthige Mann griff mit beiden Händen an die Stirn. „Es ſtehen aber, wie ich weiß, immer ein paar Zimmer in Bereitſchaft— können die nicht—“ „Aber in Gottes Namen, die ſtehen ja für den möglichen Fall, daß Dero Hoheiten ſelbſt oder ſonſt ein hochgeſtellter Officier hier eintreffen könnte. Jedenfalls ſtehen ſie bereit für die ab⸗ und zureiſenden Adjutanten des Generalbefehlshabers und dürfen nicht beſetzt werden.— Nun— diesmal will ich gehen; meine Frau muß noch einen Ausweg finden— Adieu!— Ich hoſſe, daß wir uns nicht ſobald wieder ſehen!“ „Gott ſegne Sie, Herr Bürgermeiſter— möge es nicht geſchehen, bis alle dieſe Wirren überſtanden ſind!“ Es war aber anders beſchloſſen. Der Bürgermeiſter war noch nicht über die Schwelle, als der Stadtdiener mit der Nachricht hereinſtürzte, es ſei ſo eben ein Courier angekommen mit dem Rapport, daß ein hoher General mit Adjutant und Troß in der Stadt eintreffen werde. Dann waren noch ein norwegiſcher Major und ein Capitain da, und für Alle ſollte augenblicklich Quartier geſchafft werden. Auch der Poſthalter erſchien ganz außer Athem und wagte ſich nicht in ſein Haus zurück ohne Einquartierungsbillete, oder ohne wenigſtens den Bürgermeiſter ſelbſt mitzubringen. „Nun iſt es geſchehen!“ ſeufzte Malena, indem ſie ſich während des Geſpräches zwiſchen ihrer Herrin und dem Bür⸗ germeiſter hinter den Ofen zurückzog.„Nächſten übermorgen bin ich Norwegerin— mit Haut und Haaren Norwegerin. Und das ſchlimmſte iſt, daß ſie da zu Lande auch keinen Kö⸗ nig haben, ſo daß ich, wenn alles geſiebt und geſichtet iſt, am Ende gar Dänin werde!“ —— „Nun, Madame Snith,“ fragte der Bürgermeiſter,„kann ich jetzt noch etwas thun?“ „Nein,“ antwortete meine Mutter mit ſpartaniſcher Ruhe. „das Zimmer ſoll in einer Stunde in Ordnung ſein.“ Mehr Worte wurden darüber nicht verloren. Die viel⸗ geplagte Magiſtratsperſon eilte fort und begab ſich über die Brücke nach dem nördlichen Stadttheile, wo die Poſthalterei hart an der Brücke lag. Hier holte ihn der Poſthalter ein, der kein Andrer als der Rathsverwandte Karl Strömberg war, ein allgemein geachteter Mann, der nur bei ſolchen Kriegs⸗ zeiten ſein würdevolles Auftreten auf's Spiel ſetzen konnte. Hier war aber an keine Würde zu denken, wo das Haus einem ſummenden Bienenſtocke glich, in dem mehrere Königinnen herrſchten, die aber ihrerſeits nicht gegen die Herren Couriere aufkamen, welche mit ihren Manieren und Gebehrden und Fluchen aller Geduld ein Ende machten. Die Treppen, welche nach dem rothangeſtrichenen Hauſe hinaufführten, wimmelten von Fuhrleuten, welche von dieſen geſtrengen Herren hin⸗ und hergeſchickt wurde.=——= Im Schlafzimmer daheim gerieth Alles in Bewegung und Malena hatte keine Zeit mehr, über ihre künftige Nationalität nachzudenken. Die Kinder wurden nun nach dem, über dem Schlaf⸗ zimmer gelegenen, großen Saale transportirt. Schlaftrunken und angſtvoll glaubten die armen Kleinen nicht anders, als daß ſie vom Feinde fortgeſchleppt würden, und ſträubten ſich nach Kräften gegen ſolche Maßregel. Endlich wurden ſie durch reichliche Verſprechungen auf Roſinen, Mandeln und Pflaumen, in den Saal hinaufgelockt, wo ſie ſofort auf das mitgenom⸗ mene Kiſſen gelegt wurden und in Schlaf fielen. Bald aber wurden ſie von ängſtlichen Träumen gequält; der Feind hatte alle Vorräthe an Roſinen und Mandeln und Pflaumen geplün⸗ dert und die leeren Schiebladen zurückgelaſſen; ſie ſchluchzten ſelbſt ihnen dener die S die S quart Conſt Leider obgle geprü beſſer haben wären mich die ju war, mocht gemüt kalten Sturn ſeligen hältni ſchickte aufho hatte aber ſeine drücke keit n „kann Ruhe, ie viel⸗ ber die halterei ter ein, rg war, Kriegs⸗ konnte. 8 Haus liginnen Louriere en und ,welche mmelten in⸗ und iug und ionalität Schlaf⸗ aftrunken rs, als ten ſich ſjie durch flaumen, itgenom⸗ ld aber ud hatte geplün⸗ chluchzten 137 ſelbſt im Schlafe noch über das Mißgeſchick und Einer von ihnen verlangte ſogar Lakritzen und Candieszucker als Scha⸗ denerſatz. Meine Mutter ordnete Alles an; Malena ſtellte die Sachen mit Hülfe eines andren Mädchens zurecht und als die Stunde verfloſſen, war das Zimmer bereit, die neue Ein⸗ quartierung zu empfangen. Zuletzt wurde die kleine Julia Conſtantia hinaufgetragen, deren zarter Lebensfaden von den Leiden dieſer Nacht bis aufs Aeußerſte ausgeſchliffen wurde, obgleich ſie an dem warmen Mutterherzen gebettet war. „Jetzt ſollte Rüttiger mich ſehen“— flüſterte die ſchwer⸗ geprüfte Gattin—„doch nein,“ fügte ſie eilig hinzu,„es iſt beſſer ſo. Er würde ſich nicht mit Geduld in Alles gefügt haben, und Gott weiß was für Auftritte daraus entſtanden wären.— Aber dieſe Nacht, dieſe Nacht!— Möge der Herr mich nicht verlaſſen in meiner Noth!“ Und Gott verließ auch die junge Mutter mit ihren Kindern nicht. Nachdem der norwegiſche Major wohl bedient und gepflegt war, mit allem was Malena und die Köchin zu ſchaffen ver⸗ mocht hatten, fühlte er ſich recht behaglich in dem warmen, gemüthlichen Zimmer, welches einen ſcharfen Contraſt zu der kalten aufgeweichten Landſtraße bildete, wo ihm eben noch Sturm und Regen ins Geſicht peitſchten. Nach einer leut⸗ ſeligen Unterredung mit der alten Ordonnanz über die Ver⸗ hältniſſe der Stadt und des Hauſes, in welchem er nun wohnte, ſchickte er ſich eben an, zu Bette zu gehen, als er plötzlich aufhorchend die Augen emporſchlug. Man hörte von oben ein lautes, heftiges Jammern. Er hatte dies vorhin ſchon, obſchon weniger kläglich vernommen, aber damals hatte er noch weder gegeſſen noch getrunken, noch ſeine Pfeife geraucht, und war ſomit für keine andren Ein⸗ drücke empfänglich als ſolche, die für ſeine eigene Bequenlich⸗ keit nothwendig waren. 138 Er verſtand ſpgleich, daß die Klage von einem Kinde her⸗ rührte, und weit entfernt, wie die jungen Ofiiciere ſcherzhafte Ermahnungen an das kleine Weſen zu richten, ſchickte er ſeinen alten Diener fort, um ſich nach der Urſache zu erkundigen. Derſelbe kehrte ſogleich zurück mit der Nachricht aus der Küche, daß die Frau vom Hauſe bei ihrer Ankunft mit einem kranken Kinde in ein unheizbares Zimmer habe hinaufziehen müſſen. Ohne ſich weiter zu beſinnen, zog der Officier ſeinen Rock wieder an und rief der Ordonnanz zu:„Marſchire vor⸗ aus; ich will ſelbſt ein Wort mit der Frau reden. Grüße ſie von mir und ſage, ich käme um ein bischen mit ihr zu ſchwatzen!“ Meine Mutter war nicht wenig erſtaunt über dieſe Bot⸗ ſchaft. Sie machte ſich auf ganz andre Dinge gefaßt als da kommen ſollten, als die Ordonnanz ſeinem Chef nun in der That die Thür öffnete. Jung, ſchön, würdevoll in ihrem Weſen und mit jenem Ausdrucke von Erhabenheit, den der Schmerz verleiht, wandte ſie ſich zu dem Fremden, der ihr mit dem flackernden Lichte in der Hand entgegentrat und das offene, wohlwollende, auf⸗ richtige Weſen zeigte, welches man ſo oft bei den Norwegern findet. Er war ein Mann von mittleren Jahren. „Madame, ich komme ſelbſt um Ihnen zu ſagen, daß wir die Zimmer tauſchen müſſen. Sie werden das Ihrige ſofort wieder beziehen.“ „Dazu habe ich kein Necht, Herr Major. Der Krieger befiehlt und der Heimgeſuchte muß gehorchen. Doch zolle ich Ihrer Güte vollkommene Anerkennung.“ „Wir wollen keine Zeit mit Artigkeiten verlieren,“ be⸗ gann der Normann von neuem.„Ich habe auch Frau und Kinder und mein Herz zuckt zuſammen bei dem Gedanken, daß ſie ſich in einer ähnlichen Lage befinden könnten. Beziehen Sie augenblicklich Ihr Zimmer, Madame; der alte Jürgen und ich wollen uns hier oben ſchon einrichten.“ Aug müt leute ich mit ſtelli als rufen ſich die ſchön zu B ab. verge zählt terab lauſch ſtanti zu er Patr feuer neigt — 1 tenſp de her⸗ erzhafte ſeinen ndigen. Küche, kranken müſſen. ſeinen re vor⸗ Grüße vatzen!“ ſe Bot⸗ als da in der t jenem wandte n Lichte de, auf⸗ rwegern daß wir e ſofort Krieger zolle ich n,“ be⸗ rau und edanken, könnten. der alte 11 139 Thränen der Freude und der Dankbarkeit netzten die Augen der jungen Mutter, die ſich faſt ſchämte, ein ſo edel⸗ müthiges Anerbieten anzunehmen. „Wenn Sie denn nicht glauben wollen, daß wir Kriegs⸗ leute viel größere Strapazen gewohnt ſind, Madame, ſo nehme ich die Kleine ſelbſt auf den Arm und gehe voraus.“ Damit hatte der Streit ein Ende. Der Umzug wurde mit einem Gefühle der Rührung und Dankhbarkeit bewerk⸗ ſtelligt, welches nicht mit Worten auszudrücken iſt; und noch als die kleine Julia Conſtantia bald darauf in jene Welt ge⸗ rufen wurde, wo Licht und Wärme für Alle da iſt, milderte ſich der Schmerz der Mutter und die Angſt der Gattin durch die Erinnerung an jenen edlen Feind, der den alten Satz ſo ſchön beſtätigte, daß Schweden und Normänner von der Natur zu Brüdern beſtimmt ſind. Bald darauf reiſte der norwegiſche Officier wieder ab. Er wurde niemals wieder geſehen, aber auch niemals vergeſſen. Wie oft wurde dieſe Geſchichte in ſpäteren Jahren er⸗ zählt, wenn die Söhne und Töchter an den langen Win⸗ terabenden den vielfachen Jugenderinnerungen der Aeltern lauſchten. Man konnte unmöglich der kleinen Julia Con⸗ ſtantia gedenken, ohne zugleich des norwegiſchen Officiers zu erwähnen. Wo ſind ſie nun alle dieſe Winterabende, wo die beiden Patriarchen ihre ehrwürdigen Profile, beim Scheine des Kamin⸗ feuers, über den ſchwarzen Tiſch mit der vergoldeten Kante neigten, während die Familienſchaar einen Kreis um ſie ſchloß — was iſt von jenen Abenden geblieben?— Nur ein Schat⸗ tenſpiel der Erinnerung. V. Fortſetzung des kriegeriſchen Dramas.— Briefwechſel zwiſchen Suſtav III. und dem Prinzen von Heſſen.— Wie der däniſche Befehlshaber über die Brücke von Quistrum gelangte.— Der Mittag beim Obriſtlieutnant Lunk auf Braͤland. Bei großen Zeitereigniſſen geht der Kummer des Individuums unter in den gemeinſchaftlichen Sorgen Aller, bis ſie vorüber⸗ gezogen ſind und das Leben des Einzelnen wieder zur Gel⸗ tung kommt. Neuigkeiten aller Art löſten einander ab. Doch waren es drei Dinge, welche vor allen anderen das Intereſſe erregten: Wie verhielt es ſich mit dem Könige? Wo blieb die däniſche Flotte? Würde der Prinz von Heſſen unbehindert vorrücken und Gothenburg ohne Gegenwehr einnehmen? Welch tödtliche Ungewißheit! Ueber den König waren die Meinungen ſehr verſchieden. Der Eine wollte wiſſen, daß er Finnland gar nicht verlaſſen habe; der Zweite, daß er von den hohen Herren daſelbſt arre⸗ tirt ſei und gefangen gehalten würde. Der Dritte, daß er ſich heimlich an die Grenze begeben habe, um Truppen gegen die Dänen zu ſammeln; daß er nach Dalarne gegangen ſei wurde erſt ſpäter bekannt. heite! glück in de währ ſolche ein ſ würd vor A ihres finden ſtiern däniſe königl vechſel en.— e von utnant iduums vorüber⸗ ir Gel⸗ Dooch zutereſſe en und ſchieden. derlaſſen äſt arre⸗ daß er n gegen gen ſei 141 Aber das Gerücht, daß der König, um ſeine Angelegen⸗ heiten zu entwirren, ſelbſt den Krieg hervorgerufen habe, kam glücklicherweiſe nicht nach Strömſtad. Es würde die Aufregung in den niederen Claſſen bis auf's Aeußerſte geſteigert haben, während die loyale Bürgerſchaft ſich über die Verbreitung einer ſolchen Verläumdung gegrämt, aber nie an die Möglichkeit, ein ſo coloſſales Drama in Scene zu ſetzen, geglaubt haben würde. Zwei zwiſchen Guſtav III. und dem Prinzen von Heſſen vor Ausbruch des Krieges gewechſelte Briefe mögen hier, wegen ihres Zuſammenhanges mit dieſer wichtigen Frage, einen Platz finden. Des Königs Adiutant und erſter Leibpage: Herr Borgen⸗ ſtierna, überreichte dem künftigen Generalbefehlshaber über die däniſche Armee in Schweden, zu Chriſtiania den Brief ſeines königlichen Herrn. Derſelbe lautet in Abkürzung wie folgt: „Ich beſchwöre Sie, dieſe Gelegenheit, Schweden und Dänemark auf immer zu vereinen, nicht zu verlieren. Kei⸗ ner iſt ſo geſchickt dazu, wie Ihr; Keiner ſieht ſo wohl die Nothwendigkeit ein, beſonders da dieſer Zeitpunkt entweder eine vollſtändige Vereinigung oder einen langwierigen Un⸗ frieden mit ſich führen muß. In dieſem kritiſchen Augen⸗ blicke muß man nothwendiger Weiſe einen von uns zum Bundesverwandten haben. Es würde mich unendlich ſchmer⸗ zen, wenn ich durch die Umſtände genöthigt wäre, Krieg gegen einen Kronprinzen zu führen, den ich liebe, und gegen eine Nation, von der ich bei meinem Aufenthalte in Däne⸗ mark ſo zahlreiche Beweiſe der Zuneigung empfangen habe. Ich fürchte nicht, außer Stande zu ſein mich zu vertheidi⸗ gen. Meine Armee iſt ſo organiſirt, daß ich in Monatsfriſt alle Truppen erſetzen kann, die ich nach Finnland hinaufge⸗ führt habe. Mein Heer wird ſomit ſtärker ſein, als das⸗ jenige, welches Ihr mir entgegenſtellen können werdet.“ ꝛc. („Meine Antwort,“ ſagt der Prinz in ſeinen Aufzeichnun⸗ gen— wo auch obiger Auszug ſich im Texte befindet— „beweiſt, daß ich die Folgen, die ich hinſichtlich des Beſchluſ⸗ ſes Sr. Majeſtät vorausſah, nicht zu verheimlichen ſuchte. Ich bin nicht im Miniſterium und kann deshalb meine Gedanken ohne Rückhalt ausſprechen. Es ſind die einer Privatperſon, welche Sr. Majeſtät ergeben iſt, der das Unglück eines Krieges, der in der That vor der Thür zu ſtehen ſcheint, tief beklagen würde und deshalb eifrig wünſcht, demſelben vorbeugen zu kön⸗ nen, ſo wohl aus Sympathie für eine ſo geehrte Majeſtät, als für das Volk, welches ich für die Denkungsart liebe, die es mir auf meiner Reiſe überall gezeigt hat, und weil mein Groß⸗ onkel, Friedrich I., Landgraf von Heſſen, ſein König geweſen iſt.“) Die Antwort des Prinzen war wie folgt: „Sire! Nichts kann meine tiefgefühlte, ehrfurchtsvolle Dankbar⸗ keit für die Gnade und Güte übertreffen, wovon Ew. Ma⸗ jeſtät mir durch Herrn Borgenſtjerna*) neue Proben zu über⸗ ſenden geruhten, welchen Letzteren ich mit unbeſchreiblichem Vergnügen empfangen habe. Ew. Majeſtät haben mich mit einem Vertrauen beehrt, von dem ich auf's Tiefſte gerührt werden mußte. Ich würde der Gnade Ew. Majeſtät nicht entſprechen, wenn ich mir nicht mit achtungsvoller Kühnheit die Freiheit nehme, Ew. Majeſtät mein Herz zu öffnen, welches von dieſem kri⸗ *) Der oben erwähnte Herr Borgenſtjerna hatte den Prinzen im Vorſommer, als das Lager bei Frederickſtad verſammelt war, auf Be⸗ fehl des Königs, während der Reiſe von Helſinborg nach Norwegen begleitet. welcher s das⸗ et.“ 2c. ichnun⸗ det— zeſchluſ⸗ te. Ich edanken tperſon, Krieges, beklagen zu kön⸗ tät, als die es n Groß⸗ ſen iſt.“) HDHankbar⸗ w. Ma⸗ zu über⸗ eiblichem mbeehrt, e. Ich wenn ich t nehme, eſem kri⸗ rinzen im , auf Be⸗ Norwegen welcher ſich damals zu Chriſtiania aufhielt. tiſchen Zeitpunkte auf's Aeußerſte erregt iſt. Meine Unter⸗ thänigkeit, meine innige, ehrfurchtsvolle Zuneigung für Ew. Majeſtät, machen mir dies zum heiligen Geſetz, und Ew. Königliche Huld wird in dieſen ſchwachen Worten nur den Abglanz jener Gefühle zu erblicken geruhen. Ew. Majeſtät auf dem Punkte zu ſehen mit Rußland zu brechen, iſt mir unbeſchreiblich ſchmerzlich. Nicht nur als treuer Unterthan Sr. däniſchen Majeſtät, ſondern auch, weil ich nicht, ohne zu ſchaudern, der Folgen eines ſo wich⸗ tigen Schrittes gedenken kann. Ew. Majeſtät ſagt, daß Dänemark in ſolchem Falle entweder Rußland oder Schweden zum Bundesverwandten wählen muß. Es kommt mir nicht zu, über die Intereſſen der Nationen zu urtheilen und da ich nicht die Ehre habe, Mitglied des Staatsrathes zu ſein, iſt mir der Inhalt der vorhergegangenen Traktate nicht hinreichend bekannt, um eine eigene Meinung darüber haben zu können. Ungeachtet der großen Zuneigung und Ehrfurcht, welche Se. Königliche Hoheit, der Kronprinz, für die Perſon Ew. Majeſtät an den Tag legt, glaubt Er— beſonders in ſeiner Abweſenheit— nicht in einer ſo wichtigen Sache entſcheiden zu dürfen, ſondern hat dieſelbe dem Staatsrathe ſeines Va⸗ ters anheim gegeben*). Ich kenne die Tapferkeit und Stärke der Nation, welche das Glück hat unter dem glorreichen Scepter Ew. Majeſtät zu leben. Auch zweifle ich nicht, daß Ew. Majeſtät ein ſtarkes Heer mobil zu machen im Stande ſei. Aber wie zahlreich es ſein möge, ſo kann dies nicht meine Beſorgniß erregen; wohl aber die heilige Perſon Ew. Majeſtät und die Gefahr, der ſie ſich blosſtellt. Meine Verzweiflung würde *) Der König hatte ebenfalls an den Kronprinzen geſchrieben, 144 grenzenlos ſein, Sire, wenn ich gezwungen wäre, gegen Sie zu kämpfen. Ach Sire, wenn meine ſchwachen Worte Eingang in Ihr Herz finden könnten— Sie würden das Schwert, das ſchon zur Hälfte gezogen iſt, wieder in die Scheide ſtecken, würden den glimmenden Zunder löſchen, der ganz Europa in Flammen verſetzen könnte! Ew. Majeſtät Menſchenliebe und angeborene Güte würde nicht Ströme unſchuldigen Blu⸗ tes vergießen wollen, welches ſeine Wellen früher oder ſpäter in Ew. Majeſtät eigenes Land zurücktreiben dürfte, das trotz aller glänzenden Vortheile zu Anfang, doch nicht die Laſt eines langwierigen Krieges mit Rußland zu tragen vermöchte, beſonders wenn Letzteres, mit Aufopferung einiger Vortheile, einen plötzlichen Frieden mit den Türken abſchließen würde. Sire, vielleicht bin ich unglücklich genug, Ihr Miß⸗ fallen durch dieſe Rede zu erwecken; aber ich wagte zu hof⸗ fen, daß Ew. Majeſtät geruhen würde, nur die unbegrenzte Ergebenheit und Ehrfurcht darin zu erblicken, womit ich die Ehre habe ꝛc. ꝛc. Die biedere, klare und ritterliche Denkungsart, die dieſer Brief*) athmet, finden wir während des Feldzuges in allen Handlungen des Prinzen Karl von Heſſen wieder. Menſchen⸗ freundlich, einfach und ſchlicht, als Privatperſon, als Höchſt⸗ kommandirender in der Armee, gewiſſenhaft und edelmüthig, hat er das Andenken des mildeſten, gerechteſten feindlichſten Generals hinterlaſſen, welchen Bohuslän in ſeinen blutigen Annalen aufzuweiſen hat. Freilich wurde dies erſt ſpäter er⸗ kannt. Es wurden boshafte, unwahre Gerüchte ausgeſprengt, ote No. 1 in den Beilagen zu den Acten *) Derſelbe bildete die N die meiſten übrigen Briefe ge⸗ des Prinzen, aus welcher Quelle auch ſchöpft ſind. welch Tieflo Wette cheme wahrſe muthe Entfer wehr z Meile ter zu tenant und ba cher de Brücke, Corps: O die Arbe nöthige Hauſe daß er auch er eigenthü deutigen für die Oberſt T lungen Di ) ſein Reg Carlen, een Sie ang in rt, das ſtecken, Europa zenliebe en Blu⸗ r ſpäter as trotz die Laſt rmöchte, ortheile, würde. hr Miß⸗ zu hof⸗ degrenzte ich die ie dieſer in allen Nenſchen⸗ 3 Höchſt⸗ elmüthig, ndlichſten blutigen päter er⸗ geſprengt, den Acten Briefe ge⸗ 145 welche— ſie mochte ihre Quelle auf den Höhenzügen oder im Tieflande haben— eben ſo ſchimpflich als lächerlich waren. Von Kragenäs— der Amtswohnung des Richters vom Wette⸗Härad(Diſtrikt) hatte Prinz Karl ſich mit einem Deta⸗ chement in kleinen Tagemärſchen nach Qviſtrum begeben, wo er wahrſcheinlich die ſchwediſchen Truppen zuſammengezogen ver⸗ muthete, denn welcher Ort eignet ſich beſſer, einen Feind in Entfernung zu halten! Das Corps rückte indeſſen immer weiter vor ohne Gegen⸗ wehr zu finden, und ſelbſt das erſte Zuſammentreffen, eine halbe Meile vor Qviſtrum ſchien keinen beſonders feindlichen Charak⸗ ter zu haben. Verſchiedene Standesperſonen— darunter der Oberſtlieu⸗ tenant Funk*) bei den Bohuslän’ſchen Dragonern— kamen und baten um Schutz und Sicherheit für ihr Eigenthum, wel⸗ cher denſelben ohne Zweifel nöthiger war, als der wichtigen Brücke, welche trotz des ringsumher campirenden ſchwediſchen Corps nicht einmal abgebrochen worden war. Oberſt Tranefeldt gab ſpäter als Grund hierfür an, daß die Arbeit der Brücke eine zu koſtſpielige ſei und es außerdem un⸗ nöthige Gewaltſamkeit geweſen wärxe, den Gaſtwirth aus ſeinem Hauſe zu treiben. Daſſelbe lag nämlich ſo dicht an der Brücke, daß er das für unmöglich hielt, letztere niederzureißen ohne auch erſteres zu zerſtören. Die böſen Zungen ſchmückten dieſe eigenthümliche Erklärung eines Patrioten noch aus mit unzwei⸗ deutigen Anſpielungen auf die warme Theilnahme des Oberſten für die hübſche Wirthin. Doch möchte man faſt glauben, daß Oberſt Tranefeldt durch eine unheimliche Macht zu ſeinen Hand⸗ lungen getrieben wurde. Die Summe aller dieſer Verſionen iſt und bleibt, daß “¹) Der Oberſtlieutenant ſtand augenblicklich nicht im Dienſt, da ſein Regiment vertheilt war und in mehreren Feſtungen lag. Carlen, Cam. obsc. I. 10 146 wenige Heerführer eine feindliche Brücke auf die Weiſe paſſirt ſind, wie es der Prinz von Heſſen that. Es geſchah unter fortgeſetztem freundſchaftlichem Geſpräche mit dem Oberſtlieute⸗ nant Funk, welcher die Artigkeit hatte, die beiden Prinzen ein⸗ zuladen: ihr Hauptquartier auf ſeinem Wohnſitze Braland zu nehmen, welches huldreich angenommen wurde, Bei alledem konnte der Oberſtlieutenant weder taub noch blind für die Befehle des Obergenerals ſein, welcher die Dra⸗ goner bei ſeiner Ankunft an der Brücke abſitzen und zu beiden Seiten derſelben, vier Kanonen auffahren ließ. Es mag immerhin eine eigene Sache für einen ſchwedi⸗ ſchen Officier geweſen ſein, dieſen feierlichen Spaziergang unter ſolcher Eskorte zurückzulegen, und ganz beſonders für den Oberſtlieutenant, welcher vor der Ankunft des Feindes, eine Art von Verſchanzung hatte anlegen laſſen, die freilich fünfzehn⸗ hundert Ellen von der Brücke entfernt lag, welche letztere man von dort aus weder ſehen noch beſchießen konnte und deshalb, mit Ausnahme des Oberſten Tranefeldt, von allen Officieren getadelt wurde. Sobald übrigens die daran arbeitende Be⸗ völkerung Kunde von dem Anmarſche des Feindes erhielt, ließ ſie ſchleunigſt das halb vollendete Vertheidigungswerk im Stich. Der Prinz war nun glücklich über die Brücke, und nach⸗ dem er General Düring mit ſeinen Dragonern und General Mansbach mit einem Bataillon Grenadieren zur Bedeckung derſelben zurückgelaſſen hatte, begab er ſich, in Begleitung des Kronprinzen, nach Braland, wo er von dem Oberſtlieutenant Funk mit größter Zuvorkommenheit und Gaſtfreiheit aufge⸗ nommen wurde. Lager, ſüdlich von der Qviſtrumer Aue gelegen und dazumal nicht über achthundert Mann ſtark, lag auf einer ebenen Fläche, am Fuße der höchſten und ſteil⸗ ſten Klippe, wo die Landſtraße ſich krümmt und die Aue ſich Das ſchwediſche dem jenſ fa ll Gi ſcha⸗ ſollt Höh getr. weile „hie Argr fand, ſen die Bral leicht ſchien Schm Fein nehm äußen Sein fort er be kung, Hohe wort dung paſſirt unter ſtlieute⸗ en ein⸗ and zu ub noch ie Dra⸗ ibeiden ſchwedi⸗ ig unter für den eine Art ünfzehn⸗ tere man deshalb, officieren nde Be⸗ ielt, ließ im Stich. und nach⸗ General Bedeckung itung des lieutenant it aufge⸗ Lviſtrumer ann ſtark, und ſteil⸗ Aue ſich 147 dem Meere nähert, gleichſam in einem Thale, das durch den jenſeits gelegenen Berg gebildet wird, an deſſen Fuße ſich eben⸗ falls eine Ebene ausdehnt, die ſich ſtufenweiſe bis an den Gipfel hinaufzieht. In dieſem kleinen Thale warteten Officiere und Mann⸗ ſchaften mit düſterem Schweigen der Dinge, die da kommen ſollten. Manch finſterer Blick flog nach den gegenüberliegenden Höhen, wo man jeden Augenblick den Feind erblicken konnte. General Hjerta war noch nicht mit der Verſtärkung ein⸗ getroffen; er wurde aber jeden Augenblick erwartet. Mittler⸗ weile gehorchte Oberſt Tranefeldt der erhaltenen Ordre und „hielt Stand“. Aber ſchon fing man an, den Oberſten mit Argwohn anzublicken, und in dem Irrgarten, worin er ſich be⸗ fand, gab es beſonders einen Punkt, den weder die Zeitgenoſ⸗ ſen begreifen konnten, noch die Nachwelt begreifen will: nämlich die unglückſelige Einladung zur Tafel bei den Prinzen auf Braland. Der däniſche General war begreiflicherweiſe durch ſeine leichten Erfolge in eine ſo gute Laune verſetzt worden, daß es ſchien, als wolle er es ſcherzweiſe verſuchen, wieweit es der Schwede in ſeinem zuvorkommenden Wohlwollen gegen den Feind treiben würde; denn als Scherz kann man es nur an⸗ nehmen, wenn er bei ſeiner Ankunft auf Braland den Wunſch äußerte, den Oberſten Tranefeldt beim Abendeſſen zu ſehen. Sein aufmerkſamer Wirth nahm dies für Ernſt und ſandte ſo⸗ fort eine Staffette an Tranefeldt ab. Der ſchwediſche Befehlshaber erſchien diesmal freilich nicht; er begleitete ſeinen ehrfurchtsvollen Dank aber mit der Bemer⸗ kung, daß er am folgenden Tage die Ehre haben würde, Dero Hoheiten bei der Mittagstafel ſeine Aufwartung zu machen. Die Art, wie der Prinz von Heſſen ſich über dieſe Ant⸗ wort ausläßt, beweiſet deutlich, daß es ihm mit ſeiner Einla⸗ dung niemals Ernſt geweſen war.„Ich glaubte,“ ſagt er, 10* 148 „daß dies ein Vorwand des Oberſten ſei, um ſeinen Rückzug während der Nacht zu maskiren und war deshalb nicht wenig erſtaunt, als General Mansbach mir am nächſten Morgen die Meldung machte, daß bei den Schweden noch Alles beim Alten ſei.“ Mit dieſem Rapport überlieferte der General ſeinen Prin⸗ zen verſchiedene Papiere, welche in der Poſthalterei zu Qvi⸗ ſtrum gefunden worden waren, wo Oberſt Tranefeldt vor dem feindlichen Anzuge der Norweger ſein Hauptquartier gehabt hatte. Unter dieſen Papieren befand ſich ein Brief vom Ge⸗ neral Hjerta an den Oberſten, in dem er ihm ausdrücklich be⸗ fahl ſeine Stellung bei Qviſtrum zu behaupten, indem er un⸗ verzüglich ein Corps zur Verſtärkung ſenden werde. Der däniſche Obergeneral ſchien es übel aufzunehmen, daß Hjerta die Norweger in ſeinem Briefe„Gebirgsfüchſe“ (weiße Füchſe) nannte;„ein Titel,“ ſagte der Prinz,„den wir uns zu verdienen ſuchten, als wir noch am ſelbigen Tage die Fel⸗ ſen erklommen, welche an die feindlichen Verſchanzungen grenzten.“ Der Mittag erſchien und mit ihm Oberſt Tranefeldt. Eine dunkle Wolke lagerte auf ſeiner Stirn; wahrſchein⸗ lich ein Wiederſchein ſeines Seelenzuſtandes. Aber Etiquette und ſeine kitzliche Lage zwangen ihn ſeine Verzweiflung unter der Maske der Convenienz zu verbergen. Was würde er aber geſagt haben, wenn er geahnt hätte, daß die feindlichen Trup⸗ pen ſich in Bewegung ſetzten, während er als Gaſt am Tiſche des Feindes ſaß. Das Operationscorps der Dänen war um mehrere Bataillone verſtärkt worden und belief ſich nun auf neuntauſendfünfhundertvierzig Mann. Zwei Bataillone unter dem Befehle des Generals Mans⸗ bach gingen nun über die Brücke, ſchlugen einen links von derſelben gelegenen Pfad ein und kletterten den Bergrücken hinan, wo ſchon eine Jägercompagnie vor ihnen hinaufgezogen war. Dieſelbe war am vorhergehenden Abende über die Brücke gegangen und befand ſich nun den ſchwediſchen Jägern, welche auf ſteckt tur mit zur gleich gend tiefen ander ſtens Gabe der ſe den 2 bensm ſolche der Gene aber, und i auf i der u Er w nachde währt barer Sie h Ordre, ückzug wenig en die n ſei.“ Prin⸗ 1 Qvi⸗ or dem gehabt im Ge⸗ lich be⸗ er un⸗ nehmen, sfüͤchſe“ den wir die Fel⸗ renzten.“ eldt. ihrſchein⸗ Etiquette ng unter er aber en Trup⸗ um Tiſche war um nun auf ls Mans⸗ links von Bergrücken aufgezogen die Brücke ern, welche 149 auf dem jenſeitigen Berge lagen und ſich im Unterwalde ver⸗ ſteckt hielten, gerade gegenüber. Qviſtrum ſcheint von der Na⸗ tur mit verſchwendriſcher Hand ausgeſtattet zu ſein; nicht allein mit einer romantiſchen Schönheit, die alle Reiſenden feſſelt und zur Bewunderung zwingt; es ſcheint außerdem, als ein unver⸗ gleichlicher Vertheidigungspunkt, um einen vom Norden andrän⸗ genden Feind abzuhalten, da es auf der einen Seite von einem tiefen Strome mit abſchüſſigen, felſigen Ufern und von der andern von ſo hohen, ſteilen Felſen geſchützt iſt, daß ſie höch⸗ ſtens für Jäger zugänglich ſind.— Was halfen aber alle dieſe Gaben der Natur, nachdem die Brücke im Beſitze des Feindes war, der ſeine vortheilhafte Stellung nicht unbenutzt zu laſſen gedachte. General Mansbach zog ruhig auf dem Sörbygds⸗Wege den Berg hinauf und die ſchwediſchen Jäger wichen vor ihm zurück. Oberſt Tranefeldt war während deſſen der Gaſt des lie⸗ benswürdigen Prinzen und hatte nicht die leiſeſte Ahnung von, ſolchen Vorgängen in der Armee. Da wurde plötzlich— als ſich die Geſellſchaft eben von der Tafel erhob— ein Adjutant gemeldet: der Sohn des Generals Hjerta, welcher den Obergeneral begrüßen ſollte, ſich aber, ſobald es die Etiquette geſtattete, dem Oberſten näherte und ihm einige Worte zuflüſterte, die eine belebende Wirkung auf ihn zu üben ſchienen. Es war nämlich die Nachricht von der unverzögerten Ankunft des Generals. Auch der Prinz ſchien eine Nachricht erhalten zu haben. Er wandte ſich zum Oberſt, um Abſchied zu nehmen, und nachdem er ihm für das Vergnügen, das ſein Beſuch ihm ge⸗ währt, gedankt hatte, fügte er mit dem Ausdrucke unverkenn⸗ barer Theilnahme hinzu:„Mein lieber Oberſt, wollte Gott, Sie hätten ſich in der vorigen Nacht zurückgezogen!“ „Durchlaucht,“ erwiderte der Oberſt kühn,„ich hatte meine Ordre, die ich als rechtſchaffener Soldat befolgen mußte!“ Und hiermit entfernte er ſich mit Lieutenant Hjerta. VI. Ein Seſpräch zwiſchen General Mansbach und Oberſt Tranefeldt.— General Bierta.— Die Affaire bei Qviſtrum am 29. September. Was ſich bei der Abfahrt von Braland unterwegs zwiſchen dem Oberſten und dem jungen Lieutenant zutrug, iſt nicht Als Erſterer über die Brücke reiten wollte, neral Mansbach, deſſen Bataillone noch nicht birgsmarſch, deſſen im vorigen Capitel er⸗ bekannt geworden. begegnete ihm Ge den mühſeligen Ge wähnt wurde, angetreten hatten. „Wohin, mein General?“ fragte der Oberſt. „Ich beabſichtige eine kleine Recognoscirung da oben vor⸗ zunehmen; aber wohin gehen Sie?“ „Wohin ich gehe?“ „Wenn ich in Ihrer Stelle wäre, Herr Oberſt,“ rieth der General mit einem Anfluge von Vertraulichkeit im Tone, „ſo wüßte ich, was ich thäte!“ „Das iſt wahrſcheinlich. Vielleicht ſind Sie ſo gütig, es 3 mir mitzutheilen.“ „Warum nicht— Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, ſo — zöge ich mich zurück.“ 4 „Nein,“ rief Tranefeldt,„ich werde meine Schuldigkeit thun und meinen Poſten behaupten.“ General Mansbach hätte mit Rückſicht auf die unbewachte Brüt des hatte ſem gerad Hjerte Satte genera bat d zen re ſeinem Mann laſſend ſein V Se. K diſchen indem unverr⸗ herrſch nach 1 gedeckt einer 151 Brücke leicht eine Antwort ertheilen können, welche die Ehre des ſchwediſchen Kriegers auf's Empfindlichſte verletzt hätte; er hatte ſtatt deſſen die ausgeſuchte Artigkeit, zu erwidern: „Und wenn Sie Turenne wären, ſo könnten Sie in die⸗ em Falle mit gutem Geviſſen retiriren, mein Oberſt!“ „Hier endete die Unterredung—————— Ungefähr eine halbe Stunde ſpäter, als der Prinz ſich gerade zum Aufbruch anſchickte, erſchien plötzlich Lieutenant Hierta, der ſpornſtreichs daher geritten kam, ſich aus dem Oberſt Sattel ſchwang und ſofort ins Zimmer eilte, wo der Ober⸗ bei general ſich mit ſeinem hohen Begleiter befand. Der Lieutnant bat dringend, einige Worte unter vier Augen mit dem Prin⸗ zen reden zu dürfen. zwiſchen Dieſer ließ den Lieutnant verſtehen, daß er dazu bei iſt nicht ſeinem erſten Beſuche Gelegenheit gehabt hätte; der junge wollte, Mann war aber ſo erregt, daß er, alle Ceremonie außer Acht och nicht laſſend, den Prinzen bei Seite nahm und ihm ankündigte, daß pitel er⸗ ſein Vater, der General Hjerta, ſo eben angekommen ſei, um Se. Königl. Hoheit den Kronprinzen im Namen Sr. Schwe⸗ V diſchen Majeſtät zu begrüßen. oben vor⸗ Dies Anliegen wurde jedoch, als unmöglich, abgeſchlagen, indem der Kronprinz bereits ſein Pferd hatte vorführen laſſen. Der junge Adjutant mußte demnach tief bekümmert und t,“ rieth unverrichteter Sache abziehen. im Tone, Der Feind folgte ihm ſo zu ſagen auf den Ferſen. gütig, es Clateenae 4 Was die Stellung des ſchwediſchen Heeres betrifft, ſo herrſchte lebhafte Bewegung in den Reihen. Die Infanterie befand ſich auf dem Marſche, die Fronte Schuldigkeit nach Uddevalla zugewandt und im Rücken durch den Hohlweg — ggedeckt. Sie führte zwei Kanonen; die übrigen ſtanden in einer Verſchanzung zwiſchen Felſen und Strom, fünf bis ſechs⸗ wäre, ſo unbewachte 15² hundert Fuß von der Brücke entfernt. Dieſe Schanze war durch eine längs dem Strome aufgeworfene Bruſtwehr unter⸗ ſtützt worden. „Wir,“ äußert der däniſche General,„hatten acht ein⸗ pfündige Kanonen*) mit uns, die auf dem Rücken unſerer Pferde vorwärts geſchafft wurden, und außerdem ſechs andere, zu den Bataillonen gehörende, vom ſelben Kaliber. Ich ſtellte ſie der Bruſtwehr, welche gerade vor der Klippe lag, gegenüber und zwar ſo, daß dieſe Batterie die beiden Kanonen enfilirte, welche die Landſtraße beſtrichen; da die Kugeln an die Felſen⸗ wand anſchlugen, ſo prallten ſie auf die Batterie zurück. Zwei von den Kanonen wurden oben auf den Berg hinauf gefahren, ſo daß ſie, über unſere Batterien wegſchießend, in die feind⸗ liche einſchlugen. Die Dragoner unter General Düring mußten Colonne formiren. Drei Bataillone der übrigen Truppen wur⸗ den als Pickets ausgelegt, um ſowohl die Batterien als auch decken, ein kleines, auf dem Berge gelegenes Wäldchen zu wobei ſie durch ein Detachement Huſaren unterſtützt wurden.“ Nachdem dieſe drohenden Vorkehrungen getroffen waren, ſandte der Prinz von Heſſen einen Officier an Oberſt Trane⸗ feldt mit der Aufforderung, ſich als Kriegsgefangener ihm zu ergeben.— Eben vorher und gerade, als die Affaire beginnen ſollte, erſchien General Hjerta. Mit ihm kehrte die Hoffnung in die Bruſt manches ſchwediſchen Kriegers zurück, der da glaubte, daß es nun nicht an Gelegenheit mangeln würde, die Ehre der alle dieſe hoffnungsfrohen ſchwediſchen Waffen zu retten. Aber Gedanken erſtarben, als General Hjerta den Befehl nieder⸗ legte, und man befand ſich abermals in der ſchwierigen Lage, zu berathen, was da Weiteres geſchehen ſollte. Oberſtlieutnant Frieſendorff rieth zum Rückzuge. General *) Feldſchlangen? b b Hjer gen, pfleg Kand Tran würd unan feuern bach Corps Man Qviſt Gener ſüdlich war, wehte dieſel Dieſe Einze aus ſe Schuß zum 4 links rückte b e war unter⸗ öt ein⸗ unſerer andere, ſtellte genüber nfilirte, Felſen⸗ . Zwei efahren, e feind⸗ mußten en wur⸗ als auch decken, vurden.“ waren, t Trane⸗ wihm zu ten ſollte, ag in die glaubte, Ehre der ngsfrohen hl nieder⸗ gen Lage, General 153 Hjerta ließ auf dieſe Verlaſſung einen dreifachen Appell ſchla⸗ gen, um mit dem Prinzen von Heſſen eine Unterredung zu pflegen; er erhielt jedoch keine Antwort. Statt deſſen erneuerte der Prinz ſeine Drohung, daß die Kanonade binnen fünf Minuten beginnen werde, wenn Oberſt Tranefeldt ſich nicht mit ſeinem Corps ergeben wolle. Der Oberſt antwortete, daß er ſich, wenn er angegriffen würde, zu vertheidigen wiſſen werde; er verlangte aber, ſich unangetaſtet zurückziehen zu dürfen. Dabei hatte er der Ordre: nicht den erſten Schuß abzu⸗ feuern, ſo pünktlich Folge geleiſtet, daß er vom General Mans⸗ bach umzingelt worden war. Wir wiſſen, daß dieſer mit ſeinem Corps auf dem Sörbygdswege den Berg hinauf gezogen war. Man will behaupten, daß ihm ein norwegiſcher Knecht aus Qviſtrum dabei als Wegweiſer gedient habe, denn nachdem der General den Meierhof Klefva paſſirt und die Landſtraße ſüdlich von den ſchwediſchen Verſchanzungen herabgekommen war, war das Lager gänzlich umringt. Eine rothe Flagge, die von der Spitze des Berges herab⸗ wehte, gab noch zu dem ſchimpflichen Gerüchte Anlaß, daß dieſelbe aufgehißt ſei, um dem Feinde den Weg zu zeigen. Dieſe Verſion verſchwindet aber in dem Chaos, welches alle Einzelnheiten dieſes Krieges umhüllt. Um 5 ½ Uhr gab der Feind mit zwölf ſcharfen Schüſſen aus ſeiner Batterie das Signal zum Kampfe. Die ſchwediſche Artillerie beantwortete ſchon den erſten Schuß mit lebhaftem Feuer. Der Prinz von Heſſen, der däniſche Kronprinz und die zum Hauptquartiere gehörenden Officiere begaben ſich auf den links von der Batterie belegenen Berg. General Mansbach rückte Pelotonweiſe vor und eröffnete das Feuer, welches nach eigener Ausſage des Feindes von den Schweden mit Kanonen und Musketen auf's Lebhafteſte erwidert wurde. Der Prinz von Heſſen nahm bei einem heftig auflodern⸗ den Feuerſcheine wahr, daß alle ſchwediſchen Kanonen auf ſeine Batterien gerichtet waren, aber keine die Landſtraße be⸗ ſtrich, welches ihn veranlaßte, dem General Düring die Ordre zu ſenden: mit ſeinen Dragonern einen Angriff zu machen. Was den Feuerſchein betrifft, der dem Prinzen zu einer ſo wichtigen Entdeckung verhalf, ſo behaupteten die Dänen, daß derſelbe von einem abſichtlich angezündeten Munitions⸗ wagen in der ſchwediſchen Verſchanzung herrührte. Das Unter⸗ ſuchungsprotocoll über die Affaire bei Qvistrum hat jedoch ausgewieſen, daß es nur einige Patronen geweſen, welche aus Verſehen in Brand gerathen waren. Die däniſchen Dragoner rückten ſomit über die Brücke; aber in demſelben Augenblicke, als das erſte Detachement die ſchwediſche Verſchanzung erreicht hatte, wurde daſelbſt Chamade geſchlagen, worauf der Prinz augenblicklich in die Trompete ſtoßen und das Feuer einſtellen ließ. Oberſtlieutnant Frieſendorff und Capitain Fock wurden darauf zum Feinde hinüber geſchickt, um die Bedingungen feſt⸗ zuſtellen; auf halbem Wege ſtießen ſie aber auf einen norwe⸗ giſchen Officier,„welcher den Säbel drohend in der Luft ſchwang“ und verlangte, daß das Heer ſich als kriegsgefangen ergebe. „Das iſt freilich die Abſicht,“ entgegnete Frieſendorff, „aber wir verlangen anſtändige Bedingungen.“ „Das verſteht ſich von ſelbſt!“ erwiderte der norwegiſche Officier und ſomit überlieferte Oberſtlieutnant Frieſendorff die Truppen in die Hände des Feindes, ohne irgendwelche Voll⸗ macht dazu erhalten zu haben. Dies geſchah um 6 ½ Uhr. Der majeſtätiſche Donner, welcher ſeit einer Stunde an die hohen Felſenwände ſchlug, verſtummte; der dichte, von leuchte und 2 hüllte, der he zu bel⸗ 2 en mi feierlich tende T chen v. den St lichen, ſich au rend d Letztere ſeinen D von de welche Was a Tode n wußt königlig 5 dem G Dame, von de ſußem den en onen dern⸗ auf ſe be⸗ Ordre en. einer dänen, tions⸗ Unter⸗ jedoch ſe aus Brücke; ut die Hamade ompete wurden en feſt⸗ norwe⸗ hwang“ gebe. endorff, wegiſche orff die ze Voll⸗ unde an te, von 15⁵ leuchtenden Blitzen durchkreuzte Rauch, welcher Luft und Waſſer und Wald und Land und Soldaten in ſeine ſchwarzen Wolken hüllte, verzog ſich nach und nach und gab den bleichen Strahlen der herbſtlichen Abendſonne Gelegenheit, die veränderte Scene zu beleuchten. Das Schlachtfeld war freilich ſo zu ſagen eine Wahlſtatt en miniature. Aber ob groß oder klein, ſie weckt ſtets ernſte, feierliche Gedanken; ſie erinnert an zerriſſene Bande und blu⸗ tende Herzen. Man zählte auf jeder Seite fünf Todte;— das Mähr⸗ chen von den vielen Leichen der Dänen, welche von ihnen in den Strom geworfen ſein ſollen, um ihren Verluſt zu verheim⸗ lichen, verdient keine weitere Beachtung. Dahingegen befanden ſich auf ſchwediſcher Seite neunundfünfzig Verwundete, wäh⸗ rend der Feind ſiebzehn verwundete Norweger zählte, unter Letzteren einen berühmten jungen Artillerieofficier, welcher an ſeinen Wunden ſtarb und auf der Wahlſtatt beerdigt wurde. Der junge Lieutnant Telleqviſt war während ſeiner Leiden von dem Kronprinzen und dem Obergeneral beſucht worden, welche ihrem Verwundeten ſelbſt Muth und Troſt zuſprachen. Was aber den Lieutnant betrifft, ſo wurde ihm nach ſeinem Tode noch eine Auszeichnung, die ihm, wenn er von ihr ge⸗ wußt hätte, ſicherlich weit theurer geweſen wäre, als alle königlichen und fürſtlichen Gunſtbezeugungen. Eine Reihe von Jahren erſchien nämlich jeden Herbſt in dem Gaſthofe zu Qviſtrum eine geheimnißvolle, norwegiſche Dame, und wenn der Mond ſeine bleichen Strahlen über das von der Welt vergeſſene Grab ausgoß, wo der junge Held in ſußem Frieden ſchlummerte, ſah man ſie dort betend knieen und den entflohenen glücklichen Traum ihrer Jugend beweinen. VII. Guſtav III. vor dem Kriege.— Der erſte Bericht von den Maßregeln des engliſchen Miniſters.— Wie der König die Rachricht von der Affaire bei Qviſtrum auf⸗ nahm.— Baron Armfelt als Oberbeſehlshaber. Hier dürfte es ebenſo paſſend als nothwendig ſein, einige Blätter ins Gedächtniß zurückzurufen, welche Guſtav's III. Stellung während jener verwickelten Periode betreffen, die den däniſchen Krieg veranlaßte, und ich wüßte nichts Zweckmäßigeres und beſſer auf die Sache Eingehendes anzuführen, als einen Auszug aus der Selbſtbiographie des Barons Guſtav Mauritz Armfelt. Baron Armfelt hatte bekanntlich den wenig angenehmen Auftrag erhalten, das faſt Unmögliche möglich zu machen: indem er den däniſchen Krieg von der Thür hielte. Dieſe Miſſion erſcheint gleichſam als Vorſpiel zu der noch ſchwieri⸗ geren Sendung, mit welcher wir ihn im Jahre 1808 in denſelben Provinzen wiederfinden. Dieſer Auszug beginnt mit dem letzten Aufenthalte des Königs in Finnland. ————„Es würde mich zu weit führen, wenn ich hier die vielen und inhaltsvollen Geſpräche anführen wollte, die ich in jener traurigen Periode mit dem Könige hatte. Ich will nur eines derſelben erwähnen, als Beweis für das große Genie Vorpr cherlei „Woll weiß, kann dieſen Muth Hülfe durch unſere wird— das Vo harter W glaubte lung tr ſchen kehrten Abend tauchten anlaſſun D 3 daß die larne an kannt w Anweſen Vertheid Di Stellung Meinun t von ie der n auf⸗ ber. einige „s III. die den äßigeres s einen Mauritz ſenehmen 157 Genie dieſes Fürſten. Als wir eines Abends bis an die Vorpoſten⸗Kette gegangen waren, rief ich, nachdem wir man⸗ cherlei Betrachtungen über unſer Mißgeſchick angeſtellt hatten: „Wollte Gott, ich hätte Ew. Majeſtät wohlbehalten von hier!“ „Daran iſt nicht zu denken!“ erwiderte der König.„Ich weiß, daß ich auf verſchiedene Weiſe umkommen und enden kann— aber ich werde mich niemals ſelbſt entehren. Vor dieſen Verräthern fliehen, wäre eine Feigheit, durch die ihr Muth noch höher ſteigen würde. Nein, es giebt nur eine Hülfe für uns: Dänemark muß uns den Krieg erklären. Da⸗ durch finden wir Gelegenheit, von hier fort zu gehen, um unſere weſtliche Grenze zu vertheidigen, und die ganze Nation wird— wenn ſie die Gefahr eingeſehen hat— behülflich ſein, das Vaterland und mich zu vertheidigen. Es bedarf bei uns harter Schläge, wenn ſie wirkſam ſein ſollen. Weit entfernt, die Wahrheit dieſer Berechnung einzuſehen, glaubte ich, daß das Unglück ihn zu einer Art von Verzweif⸗ lung triebe, welche ſich in dieſem Augenblicke in einer politi⸗ ſchen Färbung offenbarte. Ohne weiter darüber zu reden, kehrten wir ins Hauptquartier zurück, wo noch am ſelben Abend verſchiedene Gerüchte über einen feindlichen Angriff auf⸗ tauchten, die zu mancherlei Bewegungen und Maßregeln Ver⸗ anlaſſung gaben. Dies geſchah in der Nacht vom 19. auf den 20. Auguſt. Zwei bis drei Tage ſpäter trafen ſichere Nachrichten ein, daß die Dänen ſich zu einem Einfall in Wermland und Da⸗ larne anſchickten. Der König ſorgte dafür, daß dieſelben be⸗ kannt wurden, und ließ die Nothwendigkeit ſeiner perſönlichen Anweſenheit in Schweden durchblicken, um die Anſtalten zur Vertheidigung beſſer leiten zu können. Die Conföderirten zu Anjala waren hinſichtlich ihrer Stellung zum Könige in der Lage der Dinge ungleicher Meinung. Ein Theil derſelben wollte ſich der Perſon des 158 Königs bemeiſtern und ihn zwingen, ei Die Uebrigen ſtimmten dafür, ihn ruhig fahren zu ſchreiben. laſſen und Herzog Karl als Regent zu hatte glücklicherweiſe genaue Kenntniß von A ging, und ohne dem Könige directe Mittheilungen zu machen, ſuchte ich ſeine Abreiſe ſo zu beſchleunigen, daß und Berechnungen, mit Rückſicht auf Zeit und Ort, Ein ſchlagender Beweis, mit welcher Anmaßung und Zuverſicht die Verſchwörer ihre Pläne ſpannen, liegt darin, h eine Viertelſtunde vorher, ehe Se. mußten. daß ein Gardecapitain noch Majeſtät in den Schloßhof von Ulriksdal*) hineinfuhr— mit dem nunmehrigen Oberkammerjunker Karl Bonde eine Wette einging, daß Guſtav III. nie wieder nach Schweden zurück⸗ kehren würde. Ich reiſte arbeiteten in Stockholm Nacht und Tag, Vertheidigung gegen einen unvermutheten Angriff herbeizu⸗ theidigung gegen 8 ſchaffen, welchen keine Unterhandlungen mehr verhindern zu können ſchienen. Bei dieſer Gelegenheit darf ma Königs zu zeigen. Feind, als ſein Freund zu ſein, von der Menge mit letztgenanntem Titel nen Reichstag auszu⸗ proclamiren.— Ich unmittelbar nach dem Könige ab und wir um Mittel zur n wohl ſagen, daß es nur Wenige wagten, ſich eifrig und ergeben im Dienſte des Man hielt es für weniger gefährlich, ſein und Diejenigen, welche beehrt wurden, ſuch⸗ llem, was vor⸗ alle Pläne fehlſchlagen ten eine Neutralität zu affectiren, die, falls der König nicht zu retten ſei, nöthigenfalls einen Weg zur Verſöhnung mit der anderen Partei bahnen konnte. Am ſchwerſten hielt es, Geld aufzubringen. Die Finan⸗ cht allein entblößt, ſondern auch ſo zerrüttet, daß s Reiches durch Zinſen für Wechſelreiterei und zen waren ni der Sturz de *) Ulriksdal, ein Luſtſchloß in der 9 Rähe von Stockholn. D. Ueberſ. Agit entſe zune volle daſel mein Gold mahl wurd deſſer Werr vorge ſuchen Künſt betrog ging ſandt ſpäter ringen Krieg⸗ lung net w G genoſſt daß je ſchen im Ir möglic befand präſen 159 auszu⸗ Agio unvermeidlich geweſen wäre, wenn der König ſich nicht ren zu entſchloſſen hätte, Peyrons' und Hakanſſon's Dienſte an⸗ h) zunehmen. 8 vor⸗ Se. Majeſtät beehrte mich mit dem ebenſo vertrauens⸗ nachen, vollen als ſchwierigen Auftrage, nach Wermland zu gehen, um Pläne daſelbſt Alles in Vertheidigungszuſtand zu ſetzen. Unſere ge⸗ ſchlagen meinſchaftliche Kriegscaſſe beſtand aus viertauſend Dukaten in ng und Gold. Es iſt nicht unbekannt, daß mein und meiner Ge⸗ darin, mahlin Eigenthum, was verpfändet werden konnte, angewandt ehe Se. wurde, um dieſe kleine Summe zu vergrößern; dieſelbe wäre — mit deſſenungeachtet höchſt unbedeutend geblieben, wenn nicht in 2 Wette Wermland wirklicher Patriotismus und manche Hülfsquellen zurück⸗ vorgefunden worden wären, auf die man nicht gerechnet hatte. Se. Majeſtät ging nach Dalarne, um dort Hülfe zu ind wir ſuchen und ſeine Hoffnung wurde, trotz aller angewandten ttel zur Künſte, dieſen beiden Völkchen den Kopf irre zu machen, nicht herbeizu⸗ betrogen. dern zu Sobald der König daſelbſt ſeinen Zweck erreicht hatte, ging er nach Carlſtad, wo ich ihn mit dem engliſchen Ge⸗ daß es ſandten am däniſchen Hofe, Elliot, empfing. Letzterer trug enſte des ſpäterhin, ohne ſpecielle Ordre ſeiner Regierung, in nicht ge⸗ lich, ſein ringem Maße dazu bei, Schweden vor einem langwierigen welche Kriege zu retten. Er war gekommen, um England's Vermitt⸗ n, ſuch⸗ lung anzubieten, und zwar unter Bedingungen, welche nicht geeig⸗ nig nicht net waren, das Wohlgefallen des franzöſiſchen Hofes zu erregen. nung mit So unangenehm es ſonſt ſein mochte, einen alten Bundes⸗ genoſſen zu verlaſſen, ſo waren die Umſtände jetzt der Art, ſie Finan⸗ daß jede Standhaftigkeit in dieſer Beziehung zu einem politi⸗ füttet, daß ſchen Verbrechen geworden wäre. Die unglücklichen Verhältniſſe terei und im Innern Frankreich's machten alle Hülfe von dorther un⸗ möglich, während die drohende Gefahr, in welcher wir uns lm. befanden, eine Thätigkeit forderte, die ſich nicht bloß auf Re⸗ .. Ueberſ. präſentationen und Negociationen beſchränkte. Ich war mittlerweile glücklich genug geweſen, einige Hundert Mann in den verſchiedenen Kirchſpielen zuſammen zu finden. Dieſelben wurden bewaffnet und geſchult und ihre Anzahl wuchs mit jedem Tage. Meine ganze Armee beſtand aus einem Bataillon Infanterie und aus anderthalb Schwa⸗ dronen Cuiraſſiere. Von Wenersborg waren mir zwei Kanonen mit dazu gehörender Mannſchaft geſchickt worden. Pulver, Musketen und andere kleine Nothwendigkeitsartikel fehlten mir aber durchaus. Die Schanze zu Eda konnte keinen viertel⸗ ſtündigen Angriff aushalten und die Kanonen, welche ich dort vorfand, würden eher der Mannſchaft, die damit umging, Schaden gebracht haben, als dem Feinde. Ich begleitete Se. Majeſtät auf einer Reiſe nach der Schanze zu Eda, um uns von unſerer elenden Lage zu über⸗ zeugen. Dabei war es wahrſcheinlich, daß gerade dieſer Punkt binnen drei Wochen einem Angriffe von mehreren tauſend Mann ausgeſetzt ſein würde. Da ich die Unmöglichkeit einſah, dieſe Verſchanzung in ſo kurzer Friſt in gehörigen Vertheidigungs⸗ zuſtand zu bringen, ſuchte ich eine Meile weiter hinauf einen Poſten, Namens Moraſt, zu befeſtigen, den ich dem Baron Hjerta bei der Artillerie dringend anempfahl. Die Thätigkeit dieſes Officiers entſprach vollkommen meinem Vertrauen und dem Eifer der Bevölkerung vor Jöſſe⸗Härad, die uns fleißig an die Hand ging. An dem Tage, wo Se. Majeſtät die Schanze zu Eda beſichtigte, lief die Nachricht ein, daß die Dänen über Ström⸗ ſtad eingerückt ſeien. Die Gefahr ſchien jedoch an jener Seite nicht ſo groß, da Oberſt Tranefeldt mit ſeinem Corps bei Qviſtrum vor Uddevalla Poſto gefaßt hatte, ein Punkt, der ſehr ſchwer zu nehmen war, wenn er ordentlich vertheidigt wurde. Sobald der König in Carlſtad eingetroffen war, ordnete er ſeine Geſchäfte. Er ſchrieb zuerſt an den franzöſiſchen Geſandten und erklärte ihm die Urſache ſeines mit Elliot getro wicht in de wo ſe Anſta gekom wehr Wenig ſo ſchl begleit 4 uns d zurückk merkt, wo ich ſagen. zu erfa ſchlecht Feiglin um da Carlen 161 mdu getroffenen Uebereinkommens und ſchrieb außerdem verſchiedene ihre wichtige Ordres und Depeſchen. tand Von der Arbeit ermüdet, ſetzte er ſich um acht Uhr Abends hwa⸗ in den Wagen um über Wenersborg nach Gothenburg zu gehen, onen wo ſeine Anweſenheit durchaus nothwendig war um die nöthigen llver, b Anſtalten zur Vertheidigung zu treffen.. mir Graf Clas Ekeblad war von Marieſtad nach Carlſtad . gekommen, um die Befehle Sr. Majeſtät in Betreff der Land⸗ Ertel. wehr zu erbitten, die in Weſtgo raniſirt werden ſollte dort 5 itten, die in eſtgothland organiſirt werden ſollte. aging, b Weniger waghalſig, als Guſtav III. wagte er es nicht, ſich bei ſo ſchlechtem Wetter und Wege auf die Reiſe zu begeben und y der begleitete mich deshalb in mein Quartier.— über⸗ Kaum waren wir eine kleine Viertelſtunde beiſammen, als Punkt uns die Meldung gemacht wurde, daß Se. Majeſtät wieder Mann zurückkomme, und wir hatten kaum den Schein der Fackeln be⸗ dieſe merkt, als er ſchon an der Treppe ſeines Abſteigequartiers hielt, gungs⸗ wo ich ihm unverzüglich entgegen eilte. einen V 4 Se. Majeſtät ſtieg aus dem Wagen, ohne ein Wort zu Baron ſagen. Seine Geſichtszüge waren verändert, und als er mir ätigkeit die Hand reichte, drückte er die meine mit ungewohnter Heftig⸗ u und keit. Meine Beſtürzung war ebenſo groß, als meine Bewundrung. fleißig Als er ſich endlich mit Ekeblad und mir allein im Zimmer b ſah, rief er aus:„Tout est perdu— lisez!“ wobei er uns u Eda ein großes Document auf den Tiſch warf, das ihm von einem tröm⸗ Courier, der ihm entgegen gekommen, eine Viertelmeile vor Seite Carlſtad eingehändigt worden war. ps bei Ich zögerte nicht, den Inhalt des unheilvollen Papiers kt, der zu erfahren, und ſah, daß derſelbe den Rapport von der un⸗ wurde. Kücklichen Affaire bei Qviſtrum enthielt, wo der mehr dreiſte, ordnete als kluge Tranefeldt ſich hatte verführen laſſen, nicht blos eine zöſiſchen ſchlecht gewählte Stellung einzunehmen, ſondern auch wie ein t Elliet Feigling zu capituliren. Der Bericht war ausführlich genug, um daraus ſchließen zu können, daß Wenersborg bereits in Carlen, Cam. obsc. I. 11 den Händen des Feindes ſein mußte, und daß ſelbſt Gothen⸗ burg binnen drei bis vier Tagen eingeſchloſſen ſein könnte, wenn die Dänen nicht die Zeit unbenutzt ließen. Ich erkannte die Größe unſres Unglückes. Um aber nicht die Beſtürzung des Königs zu vermehren, ſagte ich:„Le mal- heur parait grand, mais le courage est Pactivité de votre majesté peuvent encore sauver Gothenbourg.“ Se. Majeſtät antwortete mir verdrießlich:„Vous ne savez pas ce que vous dites, et la couronne que je porte ne vaut pas les chagrins, qu'elle me donne.“ Gewohnt mit einem Könige, der mich mehr als Freund, denn als Unterthan behandelte, immer aufrichtig zu reden, wagte ich noch einige dringende Vorſtellungen, wobei ich mir ſogar Aeußerungen erlaubte, die, wären ſie nicht aus Freundſchaft und Patriotismus entſprungen, für verbrecheriſch gegolten haben könnten. Nachdem wir noch eine Weile heftig disputirt hatten, be⸗ ſchloß Se. Majeſtät den Weg über Marieſtad zu nehmen und ſogleich in den Wagen zu ſteigen. Statt mir Lebewohl zu ſagen, rief er mir zu:„Vous voulez me faire mourir— je mourrai, et vous n'aurez à me reprocher de n'etre pas mort en roi!“ Ich konnte meine Thränen nicht zurückhalten, aber Se. Majeſtät war ſo erbittert auf mich, daß ſie mir ſogar die Gunſt weigerte, ihr die Hand zum Abſchiede küſſen zu dürfen. Ich⸗ ſah ihn mit einem unbeſchreiblichen Schmerze von mir ſcheiden, den nur die Ueberzeugung, meine Pflicht gethan zu haben, in etwas mildern konnte. Guſtav III. hatte als Menſch manche Schwächen, aber ſeine Seele war eben ſo groß, als ſein Ver⸗ ſtand. Sein Herz war vortrefflich, und in ſeinem Urtheile herrſchte, wenn er ſich ſelbſt überlaſſen war, eben ſo große Präciſion, als Gerechtigkeit. Ganz Europa weiß es, daß der König ganz allein zum Er und nun ſchü weg Bri wie Unt zu l dürf in A mir weni ſchle lich dem ich b wege Es i mer wend reicht dert an mit 1 Land benuß gende ſollten tion then⸗ wenn nicht mal- votre SaVez te ne reund, wagte ſogar idſchaft egolten en und eiin zum Entſatz von Gothenburg erſchien, nachdem er ſeine Equipagen und allen Comfort auf halbem Wege zurückgelaſſen hatte. Aber nur Wenige würden es glauben, daß dieſer große Monarch, er⸗ ſchöpft von der beſchwerlichen Reiſe und ſo vielen Gemüthsbe⸗ wegungen preisgegeben, mir dennoch ſofort per Extrapoſt einen Brief zuſchickte, deſſen Inhalt abermals den Beweis lieferte: wie ſehr Guſtav III. es verdiente, ebenſo viele Freunde, als Unterthanen zu haben. Die Ausdrücke in dieſem Briefe ſind zu liebevoll, zu ſchmeichelhaft, als daß ich ſie ſelbſt wiederholen dürfte——————————— Die ausgedehnte Vollmacht, die mir der König zurückließ, in Allem zu thun und zu laſſen, was ich für gut fände, konnte mir bei dem obwaltenden Mangel an Geld und Leuten nur wenig nützen. Um die Organiſation der Delakarlier zu be⸗ ſchleunigen, reiſ'te ich ſelbſt nach Falun hinauf und war glück⸗ lich genug, manche Schwierigkeiten in dieſer Angelegenheit aus dem Wege zu räumen. Die geringe Summe Geldes, welche ich bei mir führte, war ſo unzulänglich, daß ich auf dem Rück⸗ wege nach Carlſtad, in Philipſtad das Fahrgeld leihen mußte. Es iſt Thatſache, daß die Schillinge, welche einliefen, ſchon im⸗ mer lange vorher ihre Beſtimmung hatten. Meine Rückkehr nach Carlſtad war in hohem Grade noth⸗ wendig. Schrecken und Rathloſigkeit hatten ihren Gipfel er⸗ reicht. Der däniſche Oberſt Stricker war mit tauſendfünfhun⸗ dert Mann in Amal eingefallen und hatte ſeine Vorpoſten bis an das Wirthshaus von Lunte ausgeſtellt. Ich beſchloß ihm mit meinen wenigen regulairen Truppen und dem bewaffneten Landſturme entgegen zu ziehen, wenn möglich, den Volkshaß zu benutzen, um dem Feinde den Rückzug abzuſchneiden. Ich detachirte einige entſchloſſene Perſonen in die umlie⸗ genden Dörfer der Köpmannerbrücke, die das Volk aufwiegeln ſollten, die Brücke in Brand zu ſtecken und alle Communica⸗ tion zwiſchen Amal und Wenersborg zu verhindern. Zwei 11* 164 Halb⸗Galeeren, die ſeit Karl's XII. Expedition nach Norwegen in einem am Ufer des Wenerſees gelegenen Bauerndorfe unter einem Schauer gelegen hatten, waren ſchon auf meinen Befehl in den See gefiert und bemannt worden. Dieſelben ſollten ſich in Amal blicken laſſen, in dem Augenblicke, wo wir General Stricker von allen Seiten zugleich angreifen würden. In der Stadt herrſchte ein großer Patriotismus; und die Bürger hatten beſchloſſen, daß jeder Hauswirth ſeine Ein⸗ quartirung vor dem Angriff gehörig verpflegen und bewir⸗ then ſolle. 4 Dieſer ganze Plan wurde jedoch durch eine Ordre des Königs vereitelt, welche er mir durch einen Courier zuſchickte. Da wir nun an den Wendepunkt gekommen ſind, deſſen nähere Umſtände in der Depeſche berührt werden, von der ſo eben Erwähnung geſchah, ſo verlaſſen wir hier die Auf⸗ zeichnungen des Barons Armfelt, um dem Prinzen von Heſſen zu folgen. Gefe u Wa der( fange und i merkn wegen ein a⸗ gen und d fehlsh thunli jedenfe habt l von S läner nächſte Ein⸗ wir b des ſickte. heſſen er ſo Auf⸗ deſſen VIII. Gefangene und Beute.— Ein tapſeres Fräulein.— Wer den Feind in die Flucht jagte.— Der Einzug in Uddevalla.— Der Zürgermeiſter der Stadt. — Anfang der Friedensunterhandlungen. Wir befinden uns abermals in Qviſtrum. Das ganze ſchwediſche Corps hatte ſich ſomit ergeben und der Gewinn der Dänen beſtand in achthundertundſechs Ge⸗ fangenen, incluſive der Officiere, einem Mörſer, neun Kanonen und dem ganzen ſchwediſchen Lager.— Dieſe Beute wurde ſpäter merkwürdig durch den heftigen Zwiſt, den der König ihret⸗ wegen entſpann.. Es herrſcht ſeit dem Beginne dieſer däniſchen Invaſion ein auffälliger Unterſchied zwiſchen dem heimtückiſchen, böswilli⸗ gen Benehmen der Schweden gegen den Prinzen von Heſſen und der offnen, wohlwollenden Weiſe, auf welche dieſer Be⸗ fehlshaber ſeinen Feinden entgegen⸗ und zuvorkam, wenn ſolches thunlich war; und konnte dies nicht geſchehen, ſo überließ er ſich jedenfalls niemals einer Bitterkeit, zu der er Urſache genug ge⸗ habt hätte. Unter Schweden werden hier jedoch nicht die Einwohner von Strömſtad und der Umgegend verſtanden. Dieſe Bohus⸗ läner hatten, obſchon ſie dem Schauplatze der Handlungen am nächſten waren, keinen Theil an den Feindſeligkeiten, welche ——— — — 166 nach dem Scharmützel bei Qviſtrum, ſowohl heimlich als offen⸗ bar, ausbrachen. Wir werden jedoch weiterhin auf dieſe ver⸗ rätheriſchen Feindſeligkeiten zurückkommen. Die Betrachtungen des däniſchen Befehlshabers über das Benehmen der Schweden bei Qviſtrum ſind zu ehrenvoll, um ſie mit Stillſchweigen zu übergehen. ——„Ich kann,“ ſo ſpricht er,„die muſterhafte Auf⸗ führung der norwegiſchen Dragoner nicht unberührt laſſen, welche, obgleich ſie vor Begierde brannten, in die ſchwediſchen Verſchanzungen zu brechen, dennoch auf die erſte Ordre wie feſtgewurzelt ſtanden und dadurch das feindliche Corps von ſeinem ſichren Untergange retteten, da daſſelbe zu gleicher Zeit auch im Rücken angegriffen worden wäre. Ich muß hinzufügen, daß es wahrſcheinlich war, daß die Schweden am folgenden Tage Verſtärkung erhalten und alsdann einen hartnäckigen Wi⸗ derſtand leiſten würden. Uebrigens muß ich der Tapferkeit und Kaltblütigkeit des Feindes alle Bewundrung zollen. Ihre Batterie wurde ſehr gut bedient und das Feuer keinen Augen⸗ blick eingeſtellt, obgleich ein Munitionswagen in die Luft ſprang, wobei Viele verwundet worden ſein ſollen. Die Infanterie ſchoß wie auf dem Exercierplatze. Mit einem Worte: ſie leiſteten alles, was man von einem tapfren Volke zu fordern berechtigt iſt.“ unterdeſſen hatten die gefangenen Officiere ſich nach der Poſthalterei zu Qviſtrum begeben, wo auch der Prinz von Heſſen alsbald erſchien. Er gab den Officieren ihre Waffe zurück, mit dem Bemerken, daß ſie nicht dabei verloren hätten, ihr Schick⸗ ſal in ſeine Hände zu legen. Auch General Hjerta fand ſich daſelbſt ein. Aber da er — wie wohl er kein Schreiben zu überreichen hatte— wie ſchon einmal vorher behauptete, daß er im Namen Sr. Maje⸗ ſtät käme, um den däniſchen Kronprinzen zu begrüßen, ſo wurde er nicht als Kriegsgefangener angeſehen. Officiere und Mannſchaft erhielten die Freiheit, in ihre Hei date Kai Ma nach nich Zuw dieſe mit Weg bygd Expe Anecd Veſe Schar gegen in d Thürſ Beſuc röcke eine dem vom Mann Artig! Zeit r een⸗ ver⸗ das ſie Auf⸗ ſſen, ſchen wie inem Maje⸗ wurde in ihre Heimath zurückzukehren, nachdem letztere für ſich und die Sol⸗ daten ihr Ehrenwort gegeben hatten, weder gegen die ruſſiſche Kaiſerin noch deren Alliirten kämpfen zu wollen, wofür die Mannſchaft ſich beſonders dankbar zeigte, als ſie auf dem Wege nach Uddevalla vor Dero Hoheiten defilirten. Die Artilleriſten— vierundneunzig an der Zahl— waren nicht ſo glücklich. Sie wurden nach Strömſtad geſchickt, als Zuwachs der Einquartirung, und dennoch zeigten die Einwohner dieſer Stadt kein Mißvergnügen, ſondern theilten was ſie hatten mit den neuen Gäſten. Am 1. October begab ſich die feindliche Armee auf den Weg nach Uddevalla. Eine Abtheilung derſelben war in die Gegend von Sör⸗ bygd geſchickt worden, um Proviant einzuholen, und von dieſer Expedition exiſtirt nach mündlicher Ueberlieferung noch folgende Anecdote. Als dies Detachement auf dem herrſchaftlichen Gute Veſe im Kirchſpiele Bro ankam, hatte die Nachricht von dem Scharmützel bei Qviſtrum einen ſolchen Schrecken in der Um⸗ gegend verbreitet, daß ſich alle Bewohner„mit Mann und Maus“ in den Wald flüchteten, d. h. nachdem ſie den Schlüſſel im Thürſchloß hatten ſtecken laſſen und Speiſe für den feindlichen Beſuch auf den Tiſch geſtellt. Selbſt die Gutsherrſchaft hatte ſich, ſobald ſie der Roth⸗ röcke anſichtig ward, der allgemeinen Flucht angeſchloſſen. Nur eine Perſon hatte die Geiſtesgegenwart, daheim zu bleiben und dem Feinde die Spitze zu bieten; und das war die Tochter vom Hauſe, das junge, muthige Fräulein von Greifenſchütz. Als die Truppen wirklich erſchienen, lud ſie Officiere und Mannſchaft höflich zu Mittag ein, welches mit der größten Artigkeit angenommen wurde, aber nebenbei beſchloſſen, die Zeit während der Zubereitung deſſelben, zu einer Recognoscirung 168 der Umgegend zu benutzen, da die Fouragirung noch keine reich⸗ lichen Vorräthe zuſammengebracht hatte. Da geſchah es, daß eine arme Häuslerin, welche die feindlichen Soldaten ebenfalls durch das kleine Fenſter ihrer Wohnung gewahrte, und in ihrer Herzensangſt nicht wußte, was zu beginnen ſei, auf einen eben ſo originellen, als nützlichen Einfall gerieth, den ſie ſofort aus⸗ führte. So geſchwind, wie ihre Kräfte es erlaubten, ſtrebte ſie den höchſten Berg hinan, auf deſſen Gipfel ihres Wiſſens, aus vormaligen Zeiten eine Wette“) liegen mußte, und was man ehemals bei Kriegszeiten zu thun pflegte, das that ſie jetzt, indem ſie den Holzſtoß mit dem brennendem Holzſcheit, den ſie von ihrem Heerde mitgenommen hatte, anzündete,„da⸗ mit das Volk der umliegenden Gegend erfahre, daß der Krieg durch das Land hinführe.“ Als die hungrigen Norweger auf dem Rückwege nach Veſe und in Erwartung der reichlichen Mahlzeit, jenes auflodernde, eigenthümliche Feuer erblickten, glaubten ſie nicht anders, als das die Schweden eine bedeutende Verſtärkung erhalten hätten oder ſonſt auf Verrath bedacht wären. Hunger, Mittagseſſen und Proviant vergeſſend, machten ſie ſich eiligſt aus dem Staube und das junge Fräulein blieb allein mit ihrer großartigen An⸗ richtung, womit ſie jedoch ſehr zufrieden war, als ſie hörte, mit welcher Haſt die Feinde ſich davon gemacht hatten. Ob die alte, achtungswerthe Frau, welche ſich nicht allein jenes ehemaligen Gebrauches erinnert, ſondern ſich deſſelben auch zu bedienen gewußt hatte— ſpäterhin eine Belohnung für „Tapferkeit im Felde“ erhalten hat— davon ſchweigt die Ge⸗ ſchiche; doch iſt anzunehmen, daß ſie ihren Antheil von dem Schmauſe erhielt, der für den Feind bereitet worden, welchen ſie ganz allein in die Flucht geſchlagen hatte. *) Ein Holzſtoß, der zum Lärmfeuer in Brand geſteckt wird. D. Ueberſ. Giedd Mani dieſer mit die A theidig jedoch empfar Befehl Straß ſich je er erk. König zu leiſt 2 in eine ſtand, zu find eine O E art— pflegt, das fra „ meiſters keiten e N dem S eich⸗ daß falls hrer eben aus⸗ rebte ſens, was tt ſie ſcheit, „da⸗ Krieg Veſe ernde, , als hätten Seſſen taube n An⸗ allein elben Das feindliche Heer ſtand vor Uddevalla. Der Befehlshaber hatte ſeinen Quartiermeiſter, Oberſt Giedde, vorausgeſchickt und den Einwohnern der Stadt jenes Manifeſt zur Beruhigung geſandt, deſſen im dritten Capitel dieſer Erzählung erwähnt wurde. Dicht vor der Stadt befand ſich eine Verſchanzung, welche mit vier Kanonen armirt geweſen war, da die Bürgerſchaſt die Abſicht gehabt hatte, den Eingang in die Stadt zu ver⸗ theidigen. Nach der Affaire bei Qviſtrum war dieſer Plan jedoch aufgegeben worden und ſomit lag der Weg dem Feinde offen. Die Prinzen wurden am Stadtthore von dem Magiſtrat empfangen. Nach einigen leutſeligen Worten befahl der däniſche Befehlhaber dem Bürgermeiſter der Stadt, das Manifeſt in allen Straßen anſchlagen zu laſſen. Bürgermeiſter Aberg weigerte ſich jedoch entſchieden, dieſer Weiſung nachzukommen, indem er erklärte, daß ſeine Pflicht und ſeine Ergebenheit für den König es ihm nicht geſtatte, dem erhaltenen Befehl Folge zu leiſten. Dieſer ehrenvolle Beweis von Muth und Patriotismus, in einem Augenblicke, wo der Feind drohend an der Schwelle ſtand, war geeignet, Anklang in dem edlen Herzen des Prinzen zu finden; weit entfernt, ſeinen Zorn zu erregen, wurde dies eine Quelle des Wohlwollens für den treuen Beamten. Er lobte den Bürgermeiſter wegen ſeiner biedern Denkungs⸗ art— ſtatt ihn, wie es nicht ſelten bei ſolchen Fällen zu geſchehen pflegt, zum Gehorſam zu zwingen, ließ der Prinz von Heſſen das fragliche Manifeſt durch ſeine eigenen Leute anheften. Er äußert über dies Ereigniß: „Uddevalla hat es dem klugen Benehmen ſeines Bürger⸗ meiſters zu danken, daß es nur wenig von den Widervärtig⸗ keiten empfunden hat, die von einem Kriege unzertrennlich ſind.“ Noch hatte der feindliche Obergeneral keine Kunde von dem Stande des in Wenersborg zuſammengezogenen Corps. 170 Nur wußte er, daß ein kleines Detachement von etwa zwei⸗ hundert Mann an dem Tage des Scharmützels bei Qviſtrum durch Uddevalla gekommen war, daſelbſt von der Uebergabe des Tranefeldt'ſchen Corps unterrichtet und ſofort nach Wenersborg zurückgekehrt ſei. Die Maßregeln, die der Befehlshaber nunmehr ergrif,, waren folgende: Zwei Bataillone, zwei Schwadronen und eine Compagnie Jäger, unter dem Befehle des Generals Mansbach, nahmen eine auf dem Wege nach Wenersborg und etwa eine Meile von der Stadt entfernt liegende Brücke ein. Das Jägercorps und die übrige Cavallerie wurde auf dem Wege nach Gothenburg und vier Bataillone in Uddevalla und der Umgegend in Quar⸗ tier gelegt. Von hieraus ertheilte der Prinz von Heſſen auch den Befehl die Brücke von Langvall in Bellaren abzubrechen, um den Bewegungen, die von Wermland und Dal zu erwarten waren, ein Hinderniß in den Weg zu legen. Zum Schutze der verlaſſenen Stadt that der Prinz eben⸗ falls ſehr energiſche Schritte. Da die däniſche Flotte nunmehr Ordre bekommen hatte, in dem Hafen von Uddevalla zu ankern und alle Transport⸗ ſchiffe von Norwegen dorthin zu ſchicken, ließ der Prinz, um allen Gewaltthätigkeiten, die trotz der ſtrengſten Disciplin vor⸗ fallen könnten, vorzubeugen, ein kleines Fahrzeug ausrüſten, unter däniſcher Flagge und unter dem Befehle eines däniſchen Officiers, welches nach der Mündung des Hafens geſandt und mit einem Patent für die Sicherheit des Hafens und des Han⸗ dels von Uddevalla, verſehen war. Das Glück war den Ein⸗ wohnern dieſes Städchens ſo hold, daß am erſten Tage nach⸗ dem dieſe Schutzwache ihren Poſten eingenommen hatte, vier Schiffe in den Hafen einliefen, deren Ladung ſich über ſechszig⸗ tauſend Reichsthaler an Werth belief. Ausgeſandte Kundſchafter brachten dem Prinzen die Nach⸗ richt, Elf hi ber be⸗ Stadt Uddeve Fußzer 2 dem er ein für Letztere die pre men, ſ Kaiſeri wünſche eine W DT handlul Könige mal vo 5 verließ erreichte Lilla E wurde, Seeétat zahl M D mit dem ſo gut bemächt les Bau Anfertig Tage, d wei⸗ trum des borg egriff, agnie ihmen e von 3 und nburg Quar⸗ u auch rechen, warten eben⸗ hatte, nsport⸗ nz, um ſin vor⸗ srüſten, niſchen richt, daß die Schweden ſich nach der andren Seite der Göta⸗ Elf hingezogen hätten; worauf General Mansbach am 3. Octo⸗ ber beordert wurde, gegen Wenersborg vorzurücken und ſich der Stadt zu bemächtigen. Der Prinz blieb noch einen Tag in Uddevalla, um ſeinen Truppen Ruhe zu gönnen und Zeit, ihr Fußzeug ausbeſſern, zu laſſen. An jenem Tage begannen auch die Negociationen zwiſchen dem engliſchen Miniſter Elliot und dem Prinzen. Erſterer, ein für den König äußerſt enthuſiasmirter Mann, ſchrieb dem Letzteren: Se. Majeſtät habe ſeit ſeiner Anweſenheit nicht allein die preußiſche, engliſche und holländiſche Vermittelung angenom⸗ men, ſondern auch einen Courier nach Berlin geſandt, um der Kaiſerin einen allgemeinen Waffenſtillſtand anzubieten. Ferner wünſche Se. Majeſtät mit dem däniſchen Befehlshaber über eine Waffenruhe in Unterhandlung zu treten. Der Prinz verbat ſich in ſeiner Antwort jegliche Unter⸗ handlung und erklärte, daß nur eine neue Ordre von ſeinem Könige ihn hindern könne, den Weg fortzuſetzen, der ihm ein⸗ mal vorgeſchrieben worden ſei. Weiter gediehen die Dinge diesmal nicht. Den 4. October verließ der Prinz mit ſeinen Truppen die Stadt Uddevalla und erreichte noch am ſelben Tage das herrſchaftliche Gut Ström, Lilla Edet gegenüber, und die erſte That, welche hier vollbracht wurde, war das Werk des jungen Lieutenants Lindborn vom Seeétat, welcher ſich der Armee mit einer nicht geringen An⸗ zahl Matroſen angeſchloſſen hatte. Derſelbe fand nämlich ein altes ſchadhaftes Boot, welches mit dem Vordertheile tief im Waſſer ſteckte. Er beſſerte daſſelbe ſo gut als möglich aus und fuhr damit über den Strom. Er bemächtigte ſich auf dieſer Expedition fuͤnf guter Böte und ſo vie⸗ les Bauholzes, als zu einer fliegenden Brücke nöthig war, deren Anfertigung auch ſo raſch von Statten ging, daß ſchon am folgenden Tage, den 6. ein Theil der Truppen hinübergeführt werden konnte. ———— 172 Während noch das Hauptquartier zu Ström war, lief ein Rapport vom General Mansbach ein. Derſelbe berichtete, daß er Wenersborg allerdings von Truppen entblößt, aber ſtatt deſſen bedeutende Magazine vorgefunden habe, und ferner, daß die mit ungeheuren Koſten erbaute Brücke über die Göta⸗Elf von den Schweden niedergeriſſen ſei. General Düring hatte am Tage vorher die Kong⸗Elf mit der alten Feſtung Bohus in Beſitz genommen; und nun wurde der Generaladjutant Haxthauſen mit derſelben Miſſion be⸗ traut, die Oberſt Giedde nach Uddevalla übertragen worden war, nota bene, mit dem Unterſchiede, daß es ſich jetzt darum han⸗ delte, das Manifeſt in— Gothenburg zu proclamiren. Die To des K. ſen.— übe. Jchon Flotte Beſorgn die von ſah, hat ren zuſa man au wenn ſi Copenha kaufen werde? Die und man niſſſche Die f ein „daß ſtatt , daß ta⸗Elf lf mit wurde i be⸗ n war, n han⸗ IX. Die Tage der Dinge in Sothenburg.— Die Ankunft des Königs.— Der Empfang des Generals Haxthau⸗ ſen.— Die Gedanken des Prinzen von Heſſen hier⸗ über.— Rochmals die Friedensunterhandlungen. Schon im Spätſommer, als die in der Nordſee kreuzende Flotte die Einwohnerſchaft von Gothenburg mit mancherlei Beſorgniß erfüllte, als man die Küſte ſchon im Geiſte durch die von den Kriegsſchiffen ausgeſchickten Schaluppen verheert ſah, hatte die Stadt eine Summe zur Vertheidigung der Schee⸗ ren zuſammengeſchoſſen. Was verſchlugen aber die Boote, die man ausgerüſtet hatte, und deren Anzahl noch immer ſtieg, wenn ſich das Gerücht als wahr erwies, daß Rußland in Copenhagen eine Menge von Booten für ſeine Rechnung auf⸗ kaufen laſſe, mit welcher Gothenburg ein Beſuch zugedacht werde? Die gefahrdrohende Wolke verzog ſich jedoch noch diesmal und man erzählte ſich mit unausſprechlichem Jubel, daß die ruſſiſche Flotte Gothenburg paſſirt ſei. Dies geſchah am Ende des Monates September. Man denke ſich deshalb die Beſtürzung der Gothenburger, als die Nachricht einlief, daß der Feind in's Land gedrungen und daß es bereits bei Qviſtrum zum Treffen gekommen ſei. Dieſe Neuigkeit wurde zuerſt durch ein offenes Billet ver⸗ 1ö33⁰3 174 breitet, welches der Poſtmeiſter zu Strömſtad an den Poſt⸗ commiſſair in Gothenburg gerichtet hatte. Es iſt eine bekannte Sache, daß die Stadt— nach Stockholm die bedeutendſte im ganzen Reiche— bei dieſer Gelegenheit in die größte Verwirrung gerieth; daß man nach allen Seiten zu fliehen begann, beſonders nach Boras, das man ſeiner eigenen Gebirgspäſſe halber für den Feind unzu⸗ gänglich hielt. Man darf ſich nicht über dieſen paniſchen Schrecken wun⸗ dern, da es mehr denn wahrſcheinlich war, daß gerade Gothen⸗ burg die Aufmerkſamkeit der ruſſiſchen Hülfstruppen erregen würde, in welchen die Schweden immer nur friedlich geſonnene Dänen erblicken konnten. Dazu hatten die Wälle der Stadt keine einzige, brauchbare Kanone aufzuweiſen, und an allen übrigen für einen thätigen Widerſtand unentbehrlichen Dingen herrſchte gänzlicher Mangel. Man ſieht aus der Stadtchronik, daß„der Befehl des Obercommandanten ſich nur auf die Garniſon von Gothenburg und der umliegenden Forts erſtreckte. Nun aber befand ſich kein bedeutendes Corps in der Nähe, und überdies war Nie⸗ mand autoriſirt, ein ſolches zuſammenzuziehen.“ Die heftige Brandung legte ſich jedoch bald wieder. Der kräftige vaterländiſche Geiſt der Gothenburger Bür⸗ gerſchaft verleugnete ſich nicht. Waffenübungen wurden täglich und mit großem Ernſte vorgenommen und am 29. September begannen die Arbeiten an den Wällen, wozu das Volk ſich rottenweiſe unter der Aufſicht eines Rathmannes einfand. Bei der Nachricht von der Einnahme von Uddevalla und der Abſicht des Feindes: auf Gothenburg zu marſchiren, hatte man ſich dort bereits an dieſen Gedanken gewöhnt und Vor⸗ kehrungen getroffen, ſich wenigſtens ſo lange halten zu können, bis eine Capitulation eingeleitet und abgeſchloſſen ſein würde. Aber ehe es ſo weit kam, erſcholl einer platzenden Bombe gleich nigs, wäſche von e 3 Entzü ſuche 5 Deckun ten Ti einer Wort Landle beklagt wurden was ei 6. Oct der Th. der Auf D wie Se Sicherhe abgeferti mit geke daß die De Ausgang Poſt nach dieſer nach , das unzu⸗ wun⸗ zothen⸗ erregen onnene Stadt n allen Dingen können, würde. 1 gleich, die Nachricht von der abenteuerlichen Ankunft des Kö⸗ nigs, welcher ſo unerwartet eintraf, daß er nicht einmal Bett⸗ wäſche vom Commandanten bekommen konnte, ſondern dieſelbe von einem Bürger der Stadt leihen mußte. Aber hat wohl jemals eine Stadt ein ſo fieberhaftes Entzücken gezeigt, als Gothenburg es that bei dieſem Be⸗ ſuche Guſtav's III.? An der Börſe wurde ſogleich eine Subſeription zur Deckung der nothwendigſten Ausgaben eröffnet. Die beorder⸗ ten Truppen rückten ein; an den Feſtungswerken wurde mit einer Haſt, mit einer Begeiſterung gearbeitet, welche das bloße Wort„der König“ bis aufs Aeußerſte anfeuerte. Selbſt die Landleute, welche in Privatangelegenheiten zur Stadt kamen, beklagten ſich nicht, wenn ſie zurückgehalten und gezwungen wurden, ſich an der Arbeit zu betheiligen. Kurz, man ſah, was eine einige, wohl angewandte Kraft vermochte. Aber welch' eine Zauberkraft lag auch in der Rede Gu⸗ ſtav's III.! Und wie kam man ihm entgegen, als er am 6. October die Bürgerſchaft auf dem Rathhauſe zuſammenrief und ſie zu einer würdigen Vertheidigung ermahnte. Der Enthuſiasmus kannte keine Grenzen. Und eben jetzt ſtand der Generaladjutant Haxthauſen vor der Thür, mit der Proclamation des Prinzen von Heſſen und der Aufforderung zur Uebergabe der Stadt. Der König empfing ihn ſelbſt, und zwar auf eine Weiſe, wie Se. Majeſtät ſich bei jetzt wieder erlangter Macht und Sicherheit ihn zu empfangen für berechtigt hielt. Gründlich abgefertigt, kehrte der Parlamentair zu ſeinem Befehlshaber mit gekränktem Gefühl und der feſten Ueberzeugung zurück, daß die Weigerung durch gute Hülfsmittel gerechtfertigt ſei. Der Prinz von Heſſen war weit entfernt, einen ſolchen Ausgang ſeiner Botſchaft nach Gothenburg zu ahnen. 176 Er kannte die Schwäche der Garniſon, den Mangel an Geſchütz und die Lage der Stadt, welche umgeben von einer Hügelkette, leicht von derſelben aus bombardirt werden konnte. Noch ſicherer glaubte er, daß die Bürgerſchaft die reiche, prächtige, damals faſt ausſchließlich aus Holz er⸗ baute Stadt, um keinen Preis einem feindlichen Sturme aus⸗ ſetzen würde. Nichts war ſomit wahrſcheinlicher, als daß Gothenburg, wenn es ſich von beiden Seiten der Göta⸗Elf bedroht ſähe, beide Hände nach einer Capitulation ausſtrecken würde. Der Prinz ſagte hierüber:„Ich erfuhr die Ankunft des Königs erſt bei der Rückkehr des Generaladjutanten Haxthauſen — ſonſt würde ich mich gehütet haben, ihn dahin zu ſchicken um Blindekuh zu ſpielen.“ Kurz vorher hatte der Prinz einen zweiten Brief von Sir Elliot erhalten, welcher ſich damals noch in Carlſtad aufhielt. Dieſer Brief enthielt die Mittheilung, daß ein von Berlin eingetroffener Courier die Nachricht beſtätige, daß die offenſive Operation des unter dem Commando des Prinzen ſtehenden Armeecorps einen ſofortigen Angriff Preußen's und England's auf Dänemark zur Folge haben würde. Die Sache, hieß es weiter, ſei von ſolcher Bedeu⸗ tung, daß ſie dem Kronprinzen nicht verheimlicht werden dürfe, weshalb er(Elliot) auch bei ſeiner baldigen Ankunft in Gothenburg um eine Audienz anhalten werde. Schließlich war noch eine ſchmeichelhafte Bemerkung darüber hinzugefügt, daß der Prinz ſeinen Verpflichtungen gegen Rußland auch ohne weiteres Blutvergießen nachzukom⸗ men wiſſen werde. Der Prinz erklärte in ſeiner Antwort, daß er dem Kronprinzen das bewußte Schreiben vorgezeigt, welcher dar⸗ auf erwidert habe,„daß er ein zu großes Vertrauen zu dem Könit Natig großer zu be ſachen mark Hülfs welche Kaiſer ſition berecht halt; hagen wendu Hoheit pfange T Armee A *) von Dät thilde, wieſen r berüchtig mahlin norwegif „Erinne Caroline mahl, S Fürſtin hervorrag zum Opf ſchimpfun dazu beig des däniſ Carlen el an einer verden ft die z er⸗ aus⸗ nburg, ſähe, uft des hauſen ſchicken ief von Larlſtad in von 's und Bedeu⸗ werden unft in merkung htungen hzukom⸗ er dem ſer dar⸗ zu dem Könige von England, ſeinem Oheim*) und zu der engliſchen Nation hege, welche letztere ihre Verpflichtungen ſtets mit ſo großer Aufrichtigkeit erfüllt habe, um von dieſer Seite etwas zu befürchten, beſonders, da ihnen ſeit geraumer Zeit die Ur⸗ ſachen bekannt ſeien, welche ſeinen Vater, den König von Däne⸗ mark veranlaßt hätten, der ruſſiſchen Kaiſerin die verlangten Hülfstruppen nicht zu verweigern— daß dies Corps, bei welchem Se. königl. Hoheit nur als Freiwilliger ſtehe, der Kaiſerin laut ausdrücklichem Inhalte des Tractates zur Dispo⸗ ſition geſtellt ſei, weshalb Se. königl. Hoheit ſich nicht für berechtigt halte, den fernen Operationen dieſer Truppen Ein⸗ halt zu thun; dahingegen aber einen Courier nach Copen⸗ hagen abſenden werde, von deſſen Antwort die fernere Ver⸗ wendung dieſes Corps abhängen ſolle. Es würde Se. königl. Hoheit übrigens zur Freude gereichen, Sir Elliot zu em⸗ pfangen. Von dieſem Augenblicke an ſchien der Krieg von der Armee in die Cabinette übergehen zu wollen. Am Morgen des 7. Octobers wurde dem Prinzen ein 2) Der Kronprinz— zwanzig Jahre ſpäter König Frederick VI. von Dänemark, war der Sohn der unglücklichen Königin Caroline Ma⸗ thilde, welche, obwohl eine engliſche Prinzeſſin, aus Dänemark ver⸗ wieſen wurde und in der Verbannung ſtarb,— viele Jahre nachdem der berüchtigte Günſtling: Graf Struenſee ſeine Liebe zu der ſchönen Ge⸗ mahlin Chriſtian’'s VII., mit dem Tode gebüßt hatte. Der berühmte norwegiſche Staatsmann und Hiſtoriker Jacob Aal, ſagt in ſeinen „Erinnerungen“, daß König Chriſtian VII. ſeine unglückliche Königin Caroline Mathilde immer in liebevollem Andenken bewahrt habe. Ge⸗ mahl, Sohn und ein großer Theil des Volkes haben der unglücklichen Fürſtin ſtets mit der größten Theilnahme gedacht, da ſie nicht etwa hervorragenden Fehlern, ſondern dem Leichtſinne und den Hofintriguen zum Opfer fiel. Es erſchien jedoch ein Tag der Rache und der Be⸗ ſchimpfung; wenigſtens für einen Theil derjenigen Perſonen, welche dazu beigetragen hatten, dieſe unheimliche Periode in der Geſchichte des däniſchen Hofes in Scene zu ſetzen. Carlen, Cam. obsc. I. 12 2 178 preußiſcher Officier, der Baron d'Albedyhl, gemeldet, welcher direct von Gothenburg kam und einen abermaligen Brief von dem engliſchen Miniſter überreichte, welcher freilich erſt ſo eben in jener Stadt angekommen war, aber ſich trotz ſeiner ſehr angegriffenen Geſundheit nicht hindern ließ, ſich der einmal übernommenen Angelegenheit mit raſtloſem Eifer zu widmen. Dieſer Brief lautete wie folgt: „Die Könige von Preußen und England vermögen nicht die norwegiſche Armee als ruſſiſch, ſondern nur als däniſch anzuſehen. Sie wenden ſich deshalb durch mein auftal Miniſterium an Ew. Durchlaucht, und beſonders an Se. Heſſen königl. Hoheit den Kronprinzen von Dänemark, um dem geſcha ferneren Vordringen auf ſchwediſchem Gebiete ohne Auf⸗ die je ſchub Einhalt zu thun. Ich habe außerdem die Voll⸗ an de macht von Sr. Majeſtät dem Könige von Schweden, eine wo n Waffenruhe unter achtungswerthen und billigen Bedingun⸗ um ſie gen mit Ew. Durchlaucht abzuſchließen; einerlei ob Hoch⸗ ſchen; dieſelbe als Feldmarſchall der däniſchen Majeſtät, oder als Befehlshaber des an Rußland abgeſtandenen Hülfscorps, zu ma angeſehen zu werden wünſcht. er im „Eines ernſten Unwohlſeins ungeachtet, werde ich mich und a perſönlich bei Ew. Durchlaucht einfinden, um die Unter⸗ chelhaf handlungen wegen der feſtzuſtellenden Bedingungen eröffnen und d zu können ꝛc. brauche „Vielleicht haben Preußen und England Dänemark wirklich bereits in dieſem Augenblicke den Krieg erklärt. Wenn D Ew. Durchlaucht ſich aber beeilt, die von mir gebotene lichen Gelegenheit zu benutzen, ſo werde ich ſofort einen Cou⸗ ſtellte. rier nach Berlin abſenden, um es möglicherweiſe zu ver⸗ und de hindern, daß die Preußiſche Armee in Holſtein einfalle oder Provia E daß unſere Escadre unter Segel gehe. „Dies Schreiben wird Ew. Durchlaucht durch den Seinem Baron dAlbedyhl zugeſtellt werden. Als Preußiſcher Gothen velcher f von eben r ſehr rinmal idmen. rmögen ur als mein an Se. m dem e Auf⸗ Voll⸗ u, eine dingun⸗ Hoch⸗ der als fscorps, ch mich Unter⸗ ſeröffnen Officier iſt er im Stande, die Wahrheit meiner Worte zu beſtätigen. Ich erſuche Ew. Durchlaucht, dem Kron⸗ prinzen dieſen Brief vorzuleſen. Derſelbe wurde von dem Miniſter ſeines königlichen Oheims geſchrieben, einem Manne, der ſein Leben daran ſetzt, ferneres Blutvergießen zu verhindern“.————4———— Es war um dieſe Zeit, als hie und dort Gerüchte auftauchten, welche dem Thun und Laſſen des Prinzen von Heſſen die ſchändlichſten Beweggründe unterlegten. Dies geſchah nicht allein an ſolchen Orten, die als Schauplatz für die jetzigen Ereigniſſe erſehen zu ſein ſchienen, ſondern auch an denjenigen, wo er ſich perſönlich aufgehalten hatte und wo nun die Einwohnerſchaft gereizt und aufgehetzt wurde, um ſich einzubilden, daß ſie unſäglich viel von den norwegi⸗ ſchen Truppen zu leiden gehabt habe. Um die Sache auszuſchmücken und möglichſt wichtig zu machen, ſah man nun in der Reiſe des Prinzen— als er im Maimonat über Helſingborg nach Norwegen fuhr und auf Befehl des Königs überall ein Gegenſtand ſchmei⸗ chelhafter Aufmerkſamkeit war— den Kunſtgriff eines Spions; und da man von einem Manne, der ſich zu ſolchen Dingen brauchen ließ, Alles erwarten konnte, ſo wünſchte man etwas wirklich Gravirendes zu erfahren, was auch zu gelingen ſchien. Der Prinz von Heſſen befand ſich in einer höchſt pein⸗ lichen Lage, welche ſeinen Character auf die härteſte Probe ſtellte. Drohungen, Widerſpenſtigkeit von allen Seiten und desgleichen von allen Seiten ungünſtige Berichte über Proviant, Fourage ac. ꝛc. Er fühlte das Schwierige ſeiner Stellung ſehr tief. Seinem Ziele, das ihm wahrſcheinlich in der Einnahme von Gothenburg vorgeſchwebt hatte, ſo nahe, ſah er die ganze 12* 180 Expedition plötzlich mißlingen, und zwar gerade als das große Rad der Ereigniſſe ſich um ſeine Achſe zurückzudrehen begann. Der Frieden im Norden hing alſo nicht mehr von der Ein⸗ nahme Gothenburg'’s ab. Unter ſolchen Umſtänden gebührt einem Feinde vollkom⸗ mene Achtung; und es iſt allerdings betrübt, in dem, was da⸗ maliger Zeit geſchehen iſt, beſtätigt zu finden, daß die Schwe⸗ den dies Gefühl, dem man ſeit uralten Zeiten ſeinen Platz zwiſchen der Ehre und dem Gewiſſen angewieſen hatte— ſo wenig cultivirt haben.— Der w wie e Elliot Borch Es w dem de wo der Miniſte handlu erſt na mals z 2 Unterre Dinge eine gr der ſche erkenner fahrvoll wallis rüſte, il ſondern große gann. Ein⸗ llkom⸗ s da⸗ Schwe⸗ Platz — ſo X. Der erſte Waffenſtillſtand.— Wie derſelbe vom König, wie er vom Generalsbefehlshaber und wie er von Sir Elliot aufgefaßt wurde.— Die Ankunft des Barons Borch.— Heimliche Rapporte.— Anſang der zweiten Waffenruhe. Es war an der ehemaligen Grenze von Norwegen und auf dem denkwürdigen, alten, nunmehr verödeten Schloſſe Bohus, wo der Prinz von Heſſen zum erſtenmale mit dem engliſchen Miniſter zuſammentraf. Doch beginnen die eigentlichen Unter⸗ handlungen, deren Reſultat eine achttägige Waffenruhe war, erſt nach ſeiner Rückkehr in’s Hauptquartier, welches ſich da⸗ mals zu Kongelf befand. Britannien's geiſtreicher Sohn zeigte während der ganzen Unterredung das ſeltene Talent, ſich für die verſchiedenſten Dinge auf gleich lebhafte Weiſe zu intereſſiren. Er zeigte eine große Beſorgniß für die kritiſche Stellung des Prinzen, der ſchon jetzt ſo gut wie umzingelt war. Es ſchmerzte ihn, erkennen zu müſſen, daß die Lage Sr. Durchlaucht weit ge⸗ fahrvoller ſei, als die des Generals Bourgogne und Lord Corn⸗ wallis' jemals geweſen, indem nicht nur das ganze Land ſich rüſte, ihm, wie man zu ſagen pflegt:„auf den Leib zu rücken“, ſondern auch die Bauern in den von ihm durchzogenen Diſtric⸗ — — ͦ 182 ten die Bergpäſſe beſetzt hielten und ihm dadurch den Rückzug abgeſchnitten hätten. Der Prinz ſchien von dieſer Theilnahme auf keine Weiſe gerührt zu werden. Er widmete ſeine Aufmerkſamkeit aus⸗ ſchließlich den vielen Paragraphen der verabredeten Waffenruhe, während Sir Elliot ſeine Fürſorge auf die kleinſten Umſtände ausdehnte, wie es zum Beiſpiel folgende Frage beweiſ't: „Wo gedenken Ew. Durchlaucht den Bedarf an Lebens⸗ mitteln während dieſer acht Tage herzunehmen?“ „Ich beabſichtigte, dieſelben von Gothenburg zu holen. Jetzt werden Sie mich damit verſorgen müſſen.“ „Das iſt nicht mehr als billig,“ erwiderte der Miniſter lächelnd,„das heißt, wenn Ew. Durchlaucht dieſelben bezahlen, wie Sie es bisher mit allem gemacht haben, was Sie im Lande requirirt.“ Dieſes Verſprechens ungeachtet hieß es in einer Anmer⸗ kung, welche den ihm überſandten Bedingungen hinſichtlich des Waffenſtillſtandes, hinzugefügt worden war: „Was den Proviant und die Fourage betrifft, ſo herrſcht hier, meiner Treu, kein ſolcher Ueberfluß daran, daß ich das Geringſte fortſchicken könnte, weshalb ich keine Anſtalten in dieſer Angelegenheit treffen kann.“ Dies war der erſte Treubruch.— Um die folgenden Ereigniſſe richtig zu beurtheilen, iſt es jedoch noch nothwendig, hier einen Auszug der Artikel jenes ausgefertigten Vertrages anzuführen. Mit Sr. Königlichen Hoheit gnädigem Beifalle nehme ich Die Artikel eines achttägigen die mir angebotene Waffen⸗ Vertrages, zwiſchen ꝛc. ruhe mit allen Bedingungen an. Ja, und dieſelbe kann ver⸗ Art. I. Die Waffenruhe iſt längert werden für den Fall, auf acht Tage feſtgeſtellt; von daß von Je einen rallie mit de land fort Jc Glauf Conve die z 3 chemen ckzug eiſe aus⸗ nruhe, ſtände ſebens⸗ holen. iniſter zahlen, ie im Anmer⸗ ich des herrſcht ich das llten in ,iſt es l jenes ſttägigen i ꝛc. mruhe iſt ellt; von daß Se. Majeſtät der König von Schweden ſolches wünſcht. Ich habe dieſen Morgen einen Courier an den Gene⸗ rallieutenant Krogh abgeſandt, mit dem Befehle, die in Semt⸗ land eingerückten Truppen ſo⸗ fort zurückzurufen*). Ich werde auf Ehre und Glauben bemüht ſein, dieſer Convention mit den Truppen, die zu commandiren ich die 183 Mitternacht zwiſchen den 9. und 10. October bis zur ſelben Stunde des 16. d. M., gerechnet. Art. II. Die unter dem Com⸗ mando Sr. Durchlaucht des Prin⸗ zen Karl von Heſſen ſtehenden Truppen behalten ihre Stellung zwiſchen Amal, Wenersborg und Kongelf bei, ohne weiter vorzu⸗ dringen. Dieſe Truppen dürfen während der Waffenruhe keinerlei Feindſeligkeiten gegen die Be⸗ wohner des Landes zeigen, wie auch auf ſchwediſcher Seite keine feindliche Kundgebung gegen ge⸗ nannte Truppen ſtattfinden darf. Art. III. Sobald Se. Durch⸗ laucht dieſe Convention anerkannt und als feſtgeſtellt erklärt hat, verpflichtet ſich Se. Majeſtät der König von Schweden ohne Ver⸗ zug Couriere an ſeine Landes⸗ truppen abzuſenden, mit der Ordre, keine feindſelige Schritte gegen die unter Dero Hoheit be⸗ findlichen Truppen vorzunehmen. Art. IV. Da dieſe Conven⸗ tion nicht nach herkömmlicher Form unterzeichnet iſt, kann die Beobachtung ihres Inhaltes nur von der Ehre und dem Glauben der kriegführenden Mächte ab⸗ hängen. Die Verpflichtung iſt aber deshalb nicht weniger bin⸗ dend, ſobald der Envoyé extra- ordinaire und plénipotentiaire *) Ehe das Armeecorps Norwegen verlaſſen hatte, war ein Deta⸗ chement deſſelben beordert worden, in Semtland einzufallen. 184 Sr. Britiſchen Majeſtät, der Mi⸗ Ehre habe— in jeder Weiſe 3 1 niſter ꝛc., Sir Elliot, erklärt hat, zukomm Rkx ir 1 l. Her nachzukommen. 4 daß dieſe Convention beiderſeitig Bohns den 9. Octbr. 1788. anerkannt und angenommen wor⸗ 1 den iſt. Karl Gothenburg den 9. Octbr. 1788. Prinz von Heſſen. Der engliſche Miniſter verbürgte ſich für die unverbrüch⸗ liche Befolgung dieſes Vertrages.— Aber nie wurde wohl eine Convention auf ſo verſchiedene Weiſe ausgelegt. Der Prinz von Heſſen betrachtete die Waffenruhe als ohne Vorbehalt, welches am beſten aus der Ordre an den Befehls⸗ haber der Flotte, Admiral Ahrenfeldt, hervorgeht, der die Wei⸗ ſung erhielt, ſofort alle Feindſeligkeiten einzuſtellen. Dies Schreiben wurde Sir Elliot unverſiegelt zur Weiterbeförderung zugeſchickt. Die däniſche Flotte hatte eine unſchuldige Rolle in dieſem Drama geſpielt, indem ſie meiſtens unthätig in einem unbe⸗ deutenden Hafen lag. Es ſollen ſich viele tüchtige Officiere im Dienſte derſelben befunden haben, welche mit dieſer gezwunge⸗ nen Neutralität im höchſten Grade unzufrieden geweſen ſind. Aber der Admiral, welcher ſchon zu Anfang der Expedition krank und leidend geweſen war, hatte keine Energie, etwas zu wagen, und ſtarb zwei Tage nach dem Abſchluſſe des Friedens. Um aber auf die Waffenruhe zurückzukommen, ſo hatte man dieſelbe ſchwediſcherſeits ganz anders aufgefaßt, als der ehrliche, deutſche Fürſt es gethan hatte. Eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge, mit Proviant, Muni⸗ tion, einigen Kiſten mit chirurgiſchen Inſtrumenten und dem Gepäcke mehrerer Privatperſonen, wurden am 12. Oetober— alſo nachdem die Convention in Kraft getreten war— zwiſchen Strömſtad und Uddevalla von den Schweden genommen. Des⸗ gleic Krie die Vert einen neten eines Scha wo ſi Verpr fand, Minif keinen ſtand dern, worde Norwe „daß tigt h welche halten Sr. die i Wied Prinz Briefe darau welche hinder r Mi⸗ t hat, ſeitig wor⸗ 1788. prüch⸗ iedene ohne ffehls⸗ Wei⸗ Dies derung dieſem unbe⸗ ere im vunge⸗ ſind. edition vas zu iedens. hatte ls der Muni⸗ id dem ber— wiſchen Des⸗ gleichen mehrere Yachten, welche die in Qviſtrum genommene Kriegsbeute von Uddevalla nach Norwegen führen ſollten, und die der Commandant von Uddevalla im Vertrauen auf den Vertrag, nur unter der Bedeckung von zwanzig Mann und einem Officier expedirt hatte. Letztere wurden von den bewaff⸗ neten Strandbewohnern genommen, welche unter der Anführung eines Officiers wie Freibeuter darauf ausgingen, möglichſt viel Schaden anzurichten. Dieſe Priſen wurden theilweiſe nach Gothenburg gebracht, wo ſie ein ungeheures Aufſehen erregten. Sobald der Prinz, welcher ſich gerade, hinſichtlich der Verproviantirung der Truppen in der größten Verlegenheit be⸗ fand, dieſe Nachricht erhielt, ſchrieb er ſogleich an den engliſchen Miniſter, beklagte ſich über den Friedensbruch, aber zweifelte keinen Augenblick daran, daß Sir Elliot, der den Waffenſtill⸗ ſtand garantirt habe, ſich beeilen werde, die Priſen zurückzufor⸗ dern, welche zwiſchen Strömſtad und Uddevalla genommen worden waren, ſowie auch die Nachten, die das Geſchütz nach Norwegen hinüberbringen ſollten. Sir Elliot ertheilte hierauf die eigenthümliche Antwort: „daß Se. Majeſtät gerade an demſelben Nachmittage beabſich⸗ tigt habe, einen Trompeter mit einem Schreiben abzuſenden, welches die Gedanken Sr. Majeſtät in Betreff der Priſen ent⸗ halten werde; daß er ſelbſt aber(ſo lange ihm die Anſichten Sr. Majeſtät über die Sache unbekannt ſei) ſie begnügen müſſe, die innigſten Wünſche zu hegen, daß die Beſtrebungen zur Wiederherſtellung des Friedens von Erfolg gekrönt würden.“ Dies gab nun Urſache zu einer neuen Klage für den Prinzen, um ſo mehr, da der Trompeter mit dem angemeldeten Briefe nichts von ſich hören ließ; der Miniſter wurde nun darauf aufmerkſam gemacht, daß der Prinz die Lebensmittel, welche zur Nachtzeit nach Gothenburg geführt wurden, unge⸗ hindert paſſiren ließe, obſchon die Wagen am Strande vorüber —— 186 zogen. Der Prinz hoffte(und er hatte wahrlich Urſache dazu), daß dieſer Punkt nicht verfehlen werde, Eindruck zu machen, und erinnerte daran, daß es, nachdem man die, in den Unter⸗ handlungen verſprochenen Lebensmittel eingezogen habe, alle Grenzen der Billigkeit überſchreite, auch diejenigen zu nehmen, welche er ſelbſt requirirt habe. Der Trompeter mit dem verſprochenen Briefe Sr. Maje⸗ ſtät blieb unſichtbar, und wer würde ſich darüber wundern? Se. Majeſtät brauchte natürlicherweiſe lange Zeit, nachzudenken, um ſich zu entſchließen, ſeine Gedanken über dieſe Angelegen⸗ heit auszuſprechen. Endlich erſchien— nicht etwa ein Schreiben an den Prinzen von Heſſen, ſondern ein„exposé“ unter der Adreſſe des Kronprinzen. Dies„exposé“, die gereifte Frucht von dem Samen der königlichen Gedanken, iſt ein ſolches Meiſterſtück ſeiner Art, daß es unverzeihlich wäre, wollten wir es nicht ſeinem ganzen In⸗ halte nach wiedergeben. Es bildet die neunte Beilage in den Aufzeichnungen des Prinzen. „Exposé, im Namen Sr. ſchwediſchen Majeſtät, an Se. königliche Hoheit gerichtet.(Den 13. October 1788.) Der Vertrag über Einſtellung der Feindſeligkeiten wurde am 9. October abgeſchloſſen und Abends zwiſchen zehn und elf Uhr, nach der Rückkehr Sir Elliot's aus dem Hauptquartiere Sr. Durchlaucht, des Prinzen Karl von Heſſen, vom Könige unterzeichnet. Dieſer Vertrag erwähnt nichts über einen Wafefenſtillſtand zur See. Es heißt im Artikel III. der Convention, daß Se. Majeſtät, nach ihrer Annahme und Beſtätigung, ſofort die Ordre an ſeine Armee zu Lande ſenden werde, alle feindlichen Unternehmungen Einhalt zu thun; wohingegen der Seeétat gar nicht in Frage gekommen ſei. Se. Majeſtät habe die Verpflichtung des genannten dritten Artikels ſofort erfüllt, inden mens Arme mitge den von umlie Ordr Ausd zu je gethei Elliot zuzuſe nur andere falls erſtere ſamkei einen und Prinz gekape Schee eintre nomn Conve tionen 35 würdi azu), achen, Inter⸗ alle hmen, Maje⸗ dern? enken, legen⸗ n den ldreſſe en der t, daß u In⸗ in den in Se. wurde on und iartiere Könige tillſtand aß Se. ort die ndlichen Seeétat abe die erfüllt, indem ſie ſogleich eine Abſchrift des getroffenen Uebereinkom⸗ mens an den Baron Armfelt*) und die übrigen Chefs ſeiner Armee abgeſandt habe. Sir Elliot hatte einen Brief an den Admiral Ahrenfeldt mitgebracht, in welchem Se. Durchlaucht genanntem Admiral den Befehl ertheilte, ſich während der Dauer der Waffenruhe von Uddevalla zurückzuziehen und keine Feindſeligkeiten in den umliegenden Häfen zu unternehmen. So lautete ungefähr dieſe Ordre. Der König, welcher nichts weniger als eine ſolche Ausdehnung dieſer Waffenruhe erwartete und ſchon den Befehl zu jenen Operationen, welche ſpäter ausgeführt wurden, aus⸗ getheilt hatte, fand es um ſo ſchwieriger, dem Begehren Sir Elliot's: ſeinem Befehlshaber zur See eine ähnliche Ordre zuzuſchicken, zu willfahren, da die erwähnten Operationen nicht nur als ſicher in ihrem Erfolge erſchienen, ſondern es auch andererſeits augenſcheinlich viel Unordnung hervorbringen würde, falls dieſe Contreordre nicht zeitig genug einträfe, um die erſtere ungültig zu machen. Um einen neuen Beweis ſeiner liebenswürdigen Aufmerk⸗ ſamkeit zu geben, ſandte Se. Majeſtät noch um Mitternacht einen Officier mit der Ordre ab: die Häfen von Strömſtad und Uddevalla als die einzigen, die von den Truppen des Prinzen beſetzt ſeien, zu reſpectiren. Die Fahrzeuge, welche gekapert und nach Marſtrand aufgebracht wurden, waren in den Scheeren genommen worden und zwar, ehe obige Ordre daſelbſt eintreffen konnte. Kurz, es iſt kein Schiff an den Orten ge⸗ nommen worden, welche Se. Majeſtät, wegen Ausdehnung der Convention, als Ausnahme zu bezeichnen geruht haben. Da in dem getroffenen Uebereinkommen nur der Opera⸗ tionen zu Lande erwähnt worden iſt und es im Art. IV. des *) Dies war der Courier, welcher Baron Armfelt in ſeinen merk⸗ würdigen Rüſtungen hinderte. 188 genannten Vertrages heißt, daß die Feindſeligkeiten, welche ſtattfinden können, ehe die Nachricht von dem Abſchluſſe des Waffenſtillſtandes bekannt geworden, nicht als Friedensbruch anzuſehen ſind, ſo iſt es klar, daß dieſe Priſen um ſo weniger geſetzwidrig ſind, da ſie zur See und zwar in Entfernung mehrerer Meilen von den Häfen gemacht wurden, welche, aus beſonderer Gnade von Sr. Majeſtät vor dem Angriffe ſeiner Flotte geſchützt ſind. Se. Majeſtät hat Sorge getragen, daß die norwegiſchen Vorpoſten niemals von ſeinen Truppen beunruhigt worden ſind. Sie hat nicht auf die Klagen ihrer Unterthanen gehört, welche manches Unangenehme von dem Feinde zu ertragen gehabt, und hat ſomit den Beweis geliefert, wie ſehr er allen Anſtoß zu vermeiden ſucht, um ſeinen Zweck zu erreichen und alle Miß⸗ helligkeiten beizulegen, von denen es zu beiderſeitigem From⸗ men wünſchenswerth ſei, daß ſie niemals ſtattgefunden hätten.“ Dies„exposé“ war von einem Briefe des engliſchen Miniſters begleitet, welcher in ſichtlicher Verlegenheit über die Weiſe, wie der König den Waffeenſtillſtand aufzufaſſen beliebte, die Verſicherung gab, daß er erfahren habe, der König beab⸗ ſichtige, die Priſen wieder herauszugeben, und daß er ſpäter die Frage der fortgeſchafften Kanonen in Anregung bringen werde. Legt man ſich nun die Frage vor: was die Schweden unter dieſer Waffenruhe verſtanden haben, ſo wäre man ver⸗ ſucht zu antworten: ſie wollten verſuchen, die norwegiſche Armee auszuhungern, welche unthätig und von Nahrungs⸗ mitteln entblößt dalag, während die Landſoldaten des Königs ſich gütlich bei den Fleiſchtöpfen thaten und ſich zum Haß gegen die armen Norweger anfeuerten, und während die könig⸗ liche Flotte allen Tractaten zum Trotze fortfuhr, Priſen zu machen und aufzubringen. Hiermit war es aber noch nicht genug. 2 erge mit aufg leſen heilit Zwie vor ware ließe! ſie la davon und leiſtet und thaten Inter ſäum des 1 Corps werde in ſei zutrau Die 2 licher dem 1 vorbri * äußert anzuwe velche des bruch niger nung aus ſeiner iſchen ſind. velche „und dß zu Miß⸗ From⸗ tten.“ beab⸗ ſpäter werde. weden n ver⸗ eiſche rungs⸗ Lönigs Haß könig⸗ ſen zu 189 2 Der König hatte früher den Befehl an die Landleute ergehen laſſen, ſich zu bewaffnen und der norwegiſchen Armee mit Feindſchaft entgegen zu treten*). Die Prediger wurden aufgefordert, eine ähnliche Verordnung von der Kanzel zu leſen. Aber— ſei es nun, daß ſie aus Achtung vor dem heiligen Orte, an dem ſie ſtanden, nicht wagten, zu Zank und Zwietracht zu ermahnen, oder ſei es, daß ſie zu große Furcht vor den Norwegern hatten, welche ihnen näher zur Hand waren, als der verſprochene Schutz des Königs— ſie unter⸗ ließen es entweder die Bekanntmachung abzuleſen, oder auch ſie laſen ſie ſo raſch und undeutlich, daß man kaum die Hälfte davon verſtehen konnte. Die Bauern wußten übrigens, worum es ſich handelte, und obgleich ſie dem Befehle, ſich zu bewaffnen, nicht Folge leiſteten(nur die wilden Küſtenbewohner hatten dies gethan und vielleicht zum Theil ihrer eigenen Sicherheit wegen), ſo thaten die Leute doch Alles, was ſie konnten, um ihr eigenes Intereſſe mit dem Willen des Königs zu verbinden, und ver⸗ ſäumten dies auch während des achttägigen Waffenſtillſtan⸗ des nicht. Dazu kamen die unglaublichſten Geſchichten über das Corps in Umlauf, mit dem Baron Armfelt alsbald erſcheinen werde. Wie herzlich würde der Baron gelacht haben, wenn er in ſeiner verzweifelten Lage gewußt hätte, welche Macht man ihm zutraute in dieſen Gerüchten, die von Mund zu Mund liefen! Die Dalekarlier wurden als fabelhafte Weſen mit übermenſch⸗ licher Kraft geſchildert, welche in ihren ſchwarzen Röcken, mit dem weißen Feldzeichen wenigſtens ebenſo große Wirkung her⸗ vorbringen mußten, als ehemals die Elephanten, welche einmal *) Man wird ſich erinnern, daß Baron Armfelt als ſelbſtverſtändlich äußerte, daß er den Haß der Bauern als Hebel für ihre Wirkſamkeit anzuwenden denke. —õxx —— 190 durch ihren bloßen Anblick ein ganzes Heer in die Flucht ge⸗ jagt hatten. Und dennoch war dies Alles Kinderſpiel im Vergleich mit der brauſenden Fluth, welche ſich über Gothenburg ausgoß, das umliegende Land überſchwemmte, ſich einen Weg in fremde Länder bahnte und nicht allein in unzählige Zeitungsartikel mündete, ſondern ſogar in die Cabinette der Diplomaten drang. Was war es denn aber, was vor Allem das ſogenannte Volk in ſo großen Schrecken ſetzte und woher kam es? Aus einer jener chirurgiſchen Kiſten, welche mit einem der mehrfach erwähnten Fahrzeuge gekapert worden war und deren Inhalt nun in einer großartigen Ausſtellung vorgezeigt wurden. Schon bei dem erſten Stücke, welches man aus derſelben hervorholte, erklärte man dieſe Inſtrumente einſtimmig für Marterwerkzeuge der grauenhafteſten Art, die zu nichts Anderem hatten beſtimmt ſein können, als: die armen Gefangenen damit in Stücke zu ſägen und zu zerreißen. Ein entſetzliches Wehe erſcholl über das Land! Es waren keine Chriſten mehr, die in’'s Land gekommen waren, ſondern Büttel, Henker und Cannibalen. Mit einem Worte: es war ein zwiefaches Schlachten beabſichtigt geweſen und man ſchrie um Rache für das Blut, welches vergoſſen und nicht vergoſſen war. Der König, welcher die Noth des Landes tief beklagte, gelobte ſeinen väterlichen Schutzz und alle Men⸗ ſchen, von dem reichen Kaufmann in Gothenburg bis zum ärmſten Käthner, wetteiferten darin, den Landesvater„auf den Händen zu tragen.“ Ja, es war vom Morgen bis an den Abend ein Wunſch des wildeſten Entzückens ſowohl über die Niederlage der Norweger wie über die blendenden Verſprechun⸗ gen und Reden des Königs. Freilich ſtanden die Dinge nun auch ganz anders, als damals, wo der König mit dem Berichte von der unglücklichen Affaire bei Qviſtrum nach Carlſtad zurückkehrte und jene wich⸗ tige pflog burg und aber ſchien kann jeſtät die daß eine Quel den Char burg Ziel gegen denſte Unhei die ti hunge ſeltene gerath Schri ſtehen ſandte Inhal zt ge⸗ h mit Sgoß, remde artikel drang. nannte Aus ehrfach Inhalt Schon rholte, rkzeuge eſtimmt ücke zu ommen einem Landes Men⸗ s zum uf den tige Unterredung mit ſeinem Günſtlinge, dem Baron Armfelt, pflog, worauf er heimlich und voll Verzweiflung in Gothen⸗ burg erſchien. Damals war gar wenig Hoffnung aufsſo baldige und glänzende Siege vorhanden.— Späterhin circulirte noch ein Gerücht anderer Art,“ das aber wenig mit der ſtolzen, patriotiſchen Bürgerſchaft vereinbar ſchien, durch welche Gothenburg damals ſchon ſo rühmlich be⸗ kannt war. Es hieß nämlich, daß vor der Ankunft Sr. Ma⸗ jeſtät die Rede davon geweſen ſei,„dem Feinde die Stadt in die Hände zu ſpielen.“ Wahr iſt und bleibt es dahingegen, daß die Bürgerſchaft freiwillig ſo große Opfer brachte, daß es eine hohe Freude für den König ſein mußte, aus ſolchen Quellen zu ſchöpfen. Ein anderes, ebenſo allgemein verbreitetes Gerücht gab den Negociationen des engliſchen Miniſters einen ganz anderen Character: ſie ſollten nämlich den engliſchen Handel in Gothen⸗ burg beſchützen. Aber auch dies ſcheint in einem entfernteren Ziel zu verſchwinden. Während dieſer ganzen Zeit ereiferten ſich die Zeitungen gegen„die wilde Horde“ da draußen: und unter den verſchie⸗ denſten, ſich einander widerſprechenden Anecdoten über alles Unheil, welches dieſe Horde anſtiftete, amüſirte man ſich über die traurige Lage der norwegiſchen Armee, welche halb ver⸗ hungert und von allem Nothwendigſten entblößt war. Aber man fragte ſich nie, ob dieſe Armee, ohne die ſeltene Mäßigung ihres Chefs, in eine ſolche Lage hinein⸗ gerathen wäre.———————————— Der Waffenſtillſtand ging jetzt ſeinem Ende mit großen Schritten entgegen, ohne daß irgend etwas beſchloſſen war. An demſelben Tage, wo der engliſche Miniſter den vor⸗ ſtehenden Brief an den Prinzen von Heſſen expedirt hatte, ſandte er noch einen zweiten folgenden, viel beſtimmteren Inhaltes: 192 „Ich ſchmeichle mir, beſſer von Ew. Durchlaucht gekannt zu ſein, als daß ich daran zu zweifeln brauche, Hochdieſelbe werde mich von aller Mitwiſſenſchaft, in Betreff der bewußten Priſen, frei ſprechen. Ich bekenne deshalb auch ohne Weiteres, daß die Stelle, wo die Priſen aufgebracht wurden, meiner ſchwachen Einſicht nach, nicht für offene See erklärt werden kann. Die Weisheit, welche die Handlungsweiſe Ew. Hoheit ſtets auszeichnete, wird ſich auch in dieſem kritiſchen Augen⸗ blicke nicht verleugnen. Ich verdanke Dero edlen, uneigennützi⸗ gen Geſinnung ſchon viel und wage eben deshalb zu hoffen, daß Ew. Durchlaucht mir nochmals einen Beweis Ihrer bereit⸗ willigen Theilnahme in dem Streben nach unſerem hohen Ziele geben werden, indem Sie eine Sache, die ich weder vertheidi⸗ gen noch bemänteln will, gütlich beizulegen ſuchen.“ Dieſer letzte Brief war von neuen Friedensvorſchlägen begleitet. Aber trotz der vielen hin und her geſandten Staffetten, trotz der unzähligen Briefe und perſönlichen Zuſammenkünfte, trotz aller Verwirrung, die einem Labyrinthe gleich kam, wurde doch kein Reſultat erzielt, ſo daß der 16. October vor der Thür ſtand, ohne daß irgend etwas unterzeichnet oder definitiv abgemacht worden wäre. Endlich ſchien dem Prinzen die Geduld zu reißen. „Mein Herr,“ ſchrieb er an den engliſchen Miniſter,„Sie werden es mir erlauben, meinem letzten Briefe noch einige Worte hinzuzufügen. Sie kennen meine Handlungsweiſe; Sie wiſſen, wie redlich ich meine Truppen von jener Seite der Göta⸗Elf zurückgezogen und ihrem Vorrücken Einhalt gethan habe, ſobald ich die Ankunft des Königs in Gothenburg er⸗ fuhr; ich that dies, ſowohl aus Ehrerbietung für Se. ſchwe⸗ diſche Majeſtät, als aus Achtung für Ihre, im Namen Sr. Majeſtät des Königs von England gemachten Vorſtellungen. „Es iſt Ihnen nicht unbekannt, daß Gothenburg, ohne dieſe Umſtände, aller Wahrſcheinlichkeit nach von dem Hülfs⸗ corz dem pflic Sr. der kläre allen hoffe Berl ſirt, erma zu er dem Blut lichen Sr. Sie, ſchien Niniſt ſtructi ihm 1 die pe den 16 traulich Sir E halt da Borch Carle kannt teſelbe ußten iteres, neiner verden Hoheit lugen⸗ nnützi⸗ hoffen, bereit⸗ 1 Ziele theidi⸗ chlägen ffetten, künfte, wurde dor der efinitiv „Sie einige e; Sie iite der gethan urg er⸗ ſchwe⸗ n Sr. gen. ohne Hülfs⸗ 7 193 corps beſetzt ſein würde. Sie erinnern ſich ferner, daß ich dem Vertrage wegen des Waffenſtillſtandes mit Vergnügen bei⸗ pflichtete und ſelbſt andeutete, daß derſelbe auf den Wunſch Sr. ſchwediſchen Majeſtät verlängert werden könne. Wenn nun der König keine Verlängerung der Convention wünſcht, ſo er⸗ kläre ich mich jedes Friedensbruches unſchuldig, und iſt nach allen Kriegsgeſetzen Se. Majeſtät der angreifende Theil. Ich hoffe, mein Herr, daß Sie dieſe Gründe an den Höfen zu Berlin und London mit der Redlichkeit, welche Sie characteri⸗ ſirt, zur Geltung bringen werden. „Die Bauern ſind von der Kanzel herab zum Widerſtande ermahnt worden. Ich ſehe mich deshalb genöthigt, Maßregeln zu ergreifen, welche wider meine Geſinnung ſtreiten, und in⸗ dem ich mich von jeder Verantwortung losſage, wälze ich alles Blut, welches fließen wird, allen Schaden, dem die unglück⸗ lichen Unterthanen blosgeſtellt ſein werden, auf das Gewiſſen Sr. königlichen Majeſtät. „Da ich morgen früh von hier aufzubrechen gedenke, ſo bitte ich Sie, mir den Trompeter zurückzuſenden, ſobald ſolches thunlich iſt. „Ich bin ꝛc. ꝛc.“— Guſtav's III. Unentſchloſſenheit bei dieſem neuen Tractate ſchien denſelben gänzlich ſcheitern zu laſſen, als der preußiſche Miniſter, Baron von Borch, mit neuen, ſehr wichtigen In⸗ ſtructionen in Gothenburg anlangte. Nachdem mehrere Berichte in aller Förmlichkeit zwiſchen ihm und dem Prinzen von Heſſen gewechſelt worden, wurde die perſönliche Aufwartung des Barons bei dem Prinzen auf den 16. feſtgeſetzt. Ehe aber dieſer Tag erſchien, erhielt der Prinz ein ver⸗ trauliches Schreiben von dem engliſchen Miniſter, in welchem Sir Elliot ihm mittheilte, daß er auf eigenem Wege den In⸗ halt der preußiſchen Depeſchen erfahren und zwar bevor Baron Borch ſeine Inſtructionen erfahren habe. Er ſandte eine Ab⸗ Carlen, Cam. obsc. I. 13 194 ſchrift derſelben, damit der Prinz auf deſſen Beſuch vorbereitet ſei, bei welcher Gelegenheit der preußiſche Miniſter die Be⸗ dingungen des Friedensabſchluſſes geſprächsweiſe berühren würde. Die preußiſchen Depeſchen enthielten jene Nachricht, die ſpäterhin allgemein bekannt wurde, nämlich, daß ein Courier von Potsdam mit der Ermahnung an den däniſchen Hof ge⸗ ſchickt ſei: ſeine Truppen aus Schweden zurückzuziehen, den Waffenſtillſtand abzuſchließen und die Vermittelung Großbri⸗ tannien’s, Preußen's und Holland's anzunehmen, widrigenfalls ein ſtarkes Truppencorps, das bereits Marſchordre erhalten habe, in Holſtein einrücken werde. Man hegte keinen Zweifel, daß der Prinz von Heſſen ſich ſofort aus Schweden entfernen, und daß die Hauptſchuld alles Vorgefallenen auf ihn zurückgewälzt werde. Merkwürdig genug trug dieſer Brief, der jene wichtigen Nachrichten aus Berlin enthielt und dem Prinzen von einem Manne zugeſchickt wurde, welcher nebſt dem preußiſchen Miniſter die ganze Sache führen ſollte— eine Anmerkung folgenden Inhaltes, und zwar von Sir Elliot's eigener Hand: „Ew. Durchlaucht kann ſich darauf verlaſſen, daß ich die von Ihren Gegnern ausgeſtreuten Vorurtheile gründlich beſei⸗ tigen und Ihren Tugenden vollkommene Gerechtigkeit widerfahren laſſen werde.“ Bei den nun eingeleiteten Conferenzen wurde es dem Prinzen klar, daß die Verhandlungen ein ganz anderes Aus⸗ ſehen erhalten hatten. Es handelte ſich jetzt weniger um den Abſchluß eines Tractates, als um die Räumung des Landes. Die Verhandlungen hatten mittlerweile den ganzen Abend und den darauf folgenden Vormittag gedauert, ſo daß den 16. um Mitternacht noch nichts unterzeichnet war. Erſt am 18. wurden die nothwendigen Namensunterſchriften vorgelegt. Das letzte Billet, welches an jenem Tage von dem eng⸗ liſchen Miniſter an den Prinzen abging, enthielt eine Antwort auf Pri wei wen ihm zu wer zu r 5 ſtillſta von s ſtehen zwar Donne ( ventio behau keine ſen iſt Truppe die Ar die zurier f ge⸗ „den oßbri⸗ ufalls halten en ſich alles chtigen einem iniſter genden lich die beſei⸗ fahren 5 dem Aus⸗ m den iudes. Abend ſen 16. m 18. m eng⸗ ntwort 195 auf die dringende Bitte in Betreff der Kanonen, welche„dem Prinzen beſonders am Herzen lagen.“ Ich bitte, hieß es weiter, alle Ihre bona officia in dieſer Angelegenheit anzu⸗ wenden! Sir Elliot gab hierauf folgende Erklärung ab, welche ihm ſpäter ſchwer auf's Herz fiel: „Ich bin allerdings im Stande, die Kanonen requiriren zu können, d. h. wenn Ew. Durchlaucht es verlangen und werde die Ehre haben, morgen mit Ew. Hoheit darüber zu reden. Wir müſſen nochmals einen Auszug aus den Artikeln des zweiten Waffenſtillſtandes einſchalten.——————— „Art. II. Dieſe Convention ſoll ſich ebenfalls auf die Seemacht erſtrecken. Art. III. Man iſt dahin übereingekommen, daß der gegenwärtige Waffen⸗ ſtillſtand und die Einſtellung aller Feindſeligkeiten zwiſchen dem Könige von Schweden und den unter dem Feldmarſchall Prinzen von Heſſen ſtehenden Truppen noch um vier Wochen verlängert werden ſoll und zwar von Donnerſtag den 16. October um Mitternacht bis zum Donnerſtag den 13. November um dieſelbe Stunde. 8 Art. IV. Es diene zum beſſeren Verſtändniß des 5. Artikels in der Con⸗ vention vom 9. October, daß der Prinz von Heſſen denjenigen Diſtrict behaupten ſoll, den ſeine Truppen nunmehr inne haben und woſelbſt keine ſchwediſchen Poſten ausgeſtellt ſind— ꝛc. ꝛc. Art. VIII. Sobald dieſe gegenwärtige Convention anerkannt und abgeſchloſ⸗ ſen iſt, ſollen ſo raſch wie möglich Couriere an alle Befehlshaber der Truppen zu Lande und zu Waſſer abgefertigt werden, mit dem Befehle, die Artikel dieſer Waffenruhe mit größter Pünctlichkeit zu beobachten. 13* ¹ 4 — 196 Art. IX. Da die verſchiedenen Bedingungen dieſer Waffenruhe, durch die Vermittelung des Envoyé extraordinaire und plénipotentiaire des Miniſters am däniſchen Hofe, Sir Elliot, feſtgeſtellt worden ſind, ſo werden die Zwiſtigkeiten, welche möglicherfalls über die Beobachtung dieſer Convention entſtehen können, dem britiſchen Hofe zur Entſchei⸗ dung anheimgeſtellt werden. In Anſehung der bekannten friedlichen Denkungsart Ihro Majeſtät, der ruſſiſchen Kaiſerin, zu deren Dispoſition das Corps, welches zu befehlen ich die Ehre habe, geſtellt iſt, und in Anſehung der ebenſo bekannten Freundſchaft zwiſchen den Höfen zu Berlin und London, billige und adoptire ich die vorliegende Convention in der feſten Hoff⸗ nung, daß ſie zu einer Wiederherſtellung des Friedens führe, an wel⸗ cher wir in der Zwiſchenzeit mit um ſo beſſerem Erfolge arbeiten können. Ich gelobe, mich nach ihr zu richten und auch meine Truppen zu Waſſer und zu Lande dazu anzuhalten, den Vertrag auf redliche Weiſe zu halten.— Im Hauptquartier zu Bohus, den 18. October 1788. Carl, Prinz von Heſſen.“ Am folgenden Tage brach der Prinz von Bohus auf und verlegte das Hauptquartier nach Uddevalla, woſelbſt er am 20. eintraf. fanger 3 als ul nunft ) die des d, ſo btung ſchei⸗ jeſtät, es zu benſo idon, Hoff⸗ beiten uppen edliche XI. Unruhen in Addevalla.— Wie Se. ſchwediſche Majeſtät diesmal die Wafſenruhe auffaßte.— Die Aufregung des engliſchen Miniſters.— Die Ambaſſade des Baron Wrede. Die ganze Küſtenſtrecke von Strömſtad und Svineſund nach Wenersborg und Bohus war in den Händen des Feindes; ſelbſt Bohus und Dal von norwegiſchen Truppen beſetzt, die aber zufolge des neuen Tractates die ſtrengſte Zucht auf⸗ recht hielten. Zwiſchen Strömſtad und Uddevalla waren kleine Magazine für die Bedürfniſſe des Tages eingerichtet; die eigentlichen Vorräthe hingegen in Uddevalla aufgeſpeichert und der größte Theil der Artillerie lag, der Fourage wegen, zwiſchen Svarte⸗ borg und Qviſtrum. Was die Stadt Uddevalla betrifft, ſo war ſie ganz und gar und mit allem Gebiete in den Händen des Feindes. Und doch war es in Uddevalla, wo die unbegreifliche Ver⸗ ſchwörung ſtattfand, die nichts Geringeres beabſichtigte, als den Prinzen von Heſſen inmitten ſeines ganzen Heeres ge⸗ fangen zu nehmen. Man kann nicht leugnen, daß dieſe Idee ebenſo verwegen als unerklärlich war; verwegen: weil ſie aller geſunden Ver⸗ nunft Hohn zu ſprechen ſcheint; unerklärlich: weil Prinz Karl 198 der Stadt, als feindlicher Obergeneral, das größte Wohlwollen erzeigt hatte. Die Verſchworenen, ungefähr hundert an der Zahl, welche übrigens den Impuls von anderer Seite her er⸗ halten zu haben ſchienen, wurden bei einer ihrer Zuſammen⸗ künfte entdeckt, und da es erwieſen wurde, daß ſie Waffen an die Landleute ausgetheilt hatten— theilweiſe arretirt. Eine der Hauptperſonen, ein phantaſtiſcher junger Mann, bekannte ſofort mit großprahleriſchem Stolze das ganze Com⸗ plott. Er erzählte, daß der größere Theil der Mitverſchwore⸗ nen ſich in Gothenburg befinde, obgleich auch in Uddevalla eine Menge junger Leute darin verwickelt ſeien, wovon man ſich durch Eröffnen der Briefe überzeugen könne. Noch am ſelben Tage wurde in Gegenwart des Bürgermeiſters und mehrerer Magiſtratsperſonen, und unter Beobachtung der größten Vorſicht, eine Unterſuchung hierüber vorgenommen und die von Gothenburg eingelaufenen Briefe erbrochen— welche aber glücklicherweiſe nichts enthielten, was eine ſtrengere Maß⸗ regel veranlaßt hätte. Der Prinz von Heſſen zeigte ſich bei dieſer Gelegenheit, wie bei allem, was ihn perſönlich betraf, menſchlich und verſöhnlich. Selbſt der junge Mann wurde freigelaſſen. Er ſoll aber fortdauernd darüber gegrübelt haben, den Prinz zu„entführen.“ Während der ganzen Dauer dieſes wunderlichen Krieges erſchien ſowohl der däniſche Kronprinz welcher freilich nie das Heer verließ— als der ganze däniſche Hof, merkwürdig genug, wie in einem myſtiſchen Halbdunkel. Was den Kron⸗ prinzen perſönlich betrifft, ſo erſcholl manches warme Lob über ſeine Gerechtigkeitsliebe und ſein Streben, die Urſache zu jeder gerechten Klage zu haben. Und was den däniſchen Mi⸗ niſter, den mächtigen Grafen Bernſtorff betrifft, ſo ſparte der ſeine Rede, ſo lange er ſie ſparen konnte, in dem Bewußtſein, daß ſein Wort ein Königswort ſei— denn König Chriſtian galt ſo viel wie nichts! die und ihre nahr ter den licht, der ſetze, bare deut diesn bebte lernt zu e zu ſt kann llen der er⸗ nen⸗ an ann, Lom⸗ vore⸗ valla man Noch iſters g der und velche Maß⸗ Großbritannien und Preußen erſchienen mittlerweile als die Herren der ſchwediſchen Schaubühne. Ihre Erklärungen und ceremoniellen Zuſammenkünfte, ihre Billette und Noten, ihre heimlichen Staffetten und öffentlichen Repräſentationen nahmen alle Zeit in Anſpruch, während Guſtav III. ſich hin⸗ ter einer goldigen Wolke verbarg, die zu durchſchauen nur den Einwohnern von Gothenburg geſtattet war. Hinter dieſer lichten Wolke aber ſchrieb er— wie einſt Moſes es hinter der Wolke auf dem Berge Sinai gethan hatte— ſeine Ge⸗ ſetze, die er herab warf, wenn man ſie am wenigſten erwartete. gwpiſchen dieſer blitzenden Lebendigkeit und der unerreich⸗ baren Doppelgängigkeit trat das Bild der einfachen, ehrlichen deutſchen Gutmüthigkeit hervor, welche hoffte, daß der Vertrag diesmal bis zu Ende dauern werde. Weit davon entfernt— die majeſtätiſche Goldwolke er⸗ bebte und es fiel„etwas“ herab. Ehe noch der Prinz von Heſſen dies Etwas kennen lernte, ſchrieb der engliſche Miniſter in voller Aufregung: „Ich beeile mich dies Schreiben an Ihre Durchlaucht zu expediren, um Hochdieſelbe von einer Sache in Kenntniß zu ſetzen, welche Anlaß zu den größten Verdrießlichkeiten geben kann, wenn nicht die Vorſehung deren Ausführung verhindert. Baron Armfelt ſchreibt an den König, daß er einen An⸗ griff auf Amal, oder die umliegende Gegend zu machen beab⸗ ſichtigt, und zwar in demſelben Augenblicke, wo der Waffen⸗ ſtilſtand abgelaufen iſt. Baron Armfelt's Brief iſt vom 16. October, Abends acht Uhr datirt, alſo von derſelben Stunde, wo der neue Tractat in Gothenburg unterzeichnet wurde. Man hat augenblicklich einen Courier mit der Nachricht von der Unterzeichnung eines neuen Vertrages an den Baron Armfelt abgeſandt. Da dieſer Courier jedoch wenigſtens vier⸗ undzwanzig— und vielleicht dreißig Stunden gebraucht, um 200 Carlſtad zu erreichen, ſo ſteht zu befürchten, daß der Baron dieſe Zeit zu ſeinem Angriffe benutzt haben wird. Der König erneuert übrigens die kräftigſten Ver⸗ ſicherungen, den Vertrag in allen Puncten heilig zu halten, und hat in Betreff dieſer Angelegenheit die ſtrengſten Befehle erlaſſen.“ Was den Angriff auf Amal betrifft, ſo wurde eigentlich nichts daraus; ſei es nun, daß die ſchleunige Intervention des engliſchen Miniſters denſelben vereitelt habe, oder daß Baron Armfelt durch ſonſtige Urſachen davon abſtehen mußte, die Expedition beſchränkte ſich darauf, daß etwa einhundert in ver⸗ ſchiedenen Kirchſpielen zuſammengeſuchte und bewaffnete Bauern es verſuchten, einen Poſten aufzuheben, den Oberſt Stricker zur Deckung des Defilé's jenſeits von Köpmansbro aufge⸗ ſtellt hatte. Die kleine Schaar zog getroſt durch den Wald; ſobald ſie aber die feindlichen Vorpoſten gewahrte, verließ ſie der ihnen von Baron Armfelt eingehauchte kriegeriſche Geiſt; und ebenſo verließen ſie den ihnen zugetheilten Anführer, indem ſie„Hals über Kopf“ in ihre Wohnungen zurückkehrten, wo ihnen ſpä⸗ ter die Waffen genommen, aber ſonſt keine weitere Strafe zuerkannt wurde. Man darf ſich nicht darüber wundern, daß die Affaire ein ſolches Ende nahm. Der Dalsländer iſt freilich nicht feiger, aber friedlicher Natur, und da er keine ſo kriegeriſche, heldenmüthige und abenteuerliche Ahnen hat als der Dale⸗ karlier, ſo zieht er es vor, in Ruhe beim Scheine ſeines Holz⸗ ſpanes und ſeiner Grütze zu ſitzen; nota bene, wenn ihn nicht ſeine eigenen Angelegenheiten zur Thätigkeit wecken,— dann fehlt ihm weder Kraft noch feſter Wille! So unbedeutend dies Ereigniß war, gab es doch vereint mit der nöthigen Verproviantirung und den Transporten zwi⸗ ſchen den obengenannten Magazinen Grund zu einem außer⸗ orden Prinz eigene welche ber 1 wel wün Ung ches wer und 5 2 des ar um di beginn wünſch Waffen Untert Lebens der A kränkte ſeligkei Schau ſeine zu ſchi und ih eine autori aron Fer⸗ lten, fehle atlich des aron die ver⸗ zern ricker ufge⸗ obald ihnen benſo Hals ſpä⸗ Strafe ffaire nicht riſche, Dale⸗ Holz⸗ nicht dann ereint zwi⸗ außer⸗ 201 ordentlich wichtigen Handſchreiben von dem Könige an den Prinzen, und zu einer noch merkwürdigeren Erklärung von eigener hohen Hand. Dies waren die geheimnißvollen Blätter, welche aus„der Wolke“ herabgeworfen waren. Der Brief war von Gothenburg und vom 24. Octo⸗ ber 1788 datirt. „Mein Herr Vetter und Schwager! Ich ſende Ihnen meinen Adjutanten, den Varon Wrede, welcher Ihnen beifol gende Declaration zuſtellen wird. Ich wünſche, daß Sie mit Ihrer Vorſicht und Kaltblütigkeit dem Unglücke vorbeugen werden, welches ich vorausſehe und wel⸗ ches zu verhindern ich nicht mehr lange im Stande ſein werde. Hiermit empfehle ich Sie dem Schutze des Höchſten und verbleibe Ihr ergebener Vetter und Schwager Guſtav.“ Die Declaration lautete folgendermaßen: „Wenn der König eine Verlängerung des Waffenſtillſtan⸗ des angenommen hat um ferneres Blutvergießen zu vermeiden, um die Unterhandlungen, welche die vermittelnden Mächte zu beginnen gedachten, zu erleichtern, und weil man dieſelbe zu wünſchen ſchien, ſo glaubte Se. Majeſtät niemals, daß dieſe Waffenruhe von dem Feinde benutzt werden könne, um ſeinen Unterthanen Steuern und Lieferungen an Heu, Fourage und Lebensmittel für den Bedarf der Armee aufzuerlegen; indem der Waffenſtillſtand auf ſolche Weiſe viel härter für die ge⸗ kränkten Provinzen ſein würde als die Fortſetzung der Feind⸗ ſeligkeiten, da der König, ſelbſt wenn dieſe Provinzen ein Schauplatz des Krieges würden, doch immer freie Hand habe, ſeine unterdrückten Unterthanen durch die Erfolge ſeiner Waffen zu ſchützen und ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Wohnungen und ihr Eigenthum ſelbſt zu vertheidigen, wozu ſie ſchon durch eine Publication von Carlſtad den 29. September datirt, autoriſirt geweſen ſeien. 20² „Acht Tage ſind in dieſem feſten Glauben verſtrichen. „Die Vorſtellungen Sr. britiſchen Majeſtät, die Declara⸗ tion des preußiſchen Monarchen und die rückgängige Bewegung des Feindes, welche eine Folge von dem Eindrucke genannter Schritte zu ſein ſchien, gaben dem Könige die Hoffnung, daß er ſein Land in kurzer Friſt von den Truppen geräumt ſehen würde, die auf ſo unrechtmäßige Weiſe in daſſelbe einge⸗ rückt waren. „In dieſer Hoffnung bemühte ſich der König die Ge⸗ müther des Volkes zu beruhigen, als abermals neue Klagen der Bewohner von Dalsland, Bohus und Elfsborg ihn zwan⸗ gen das Schweigen zu brechen und die Gründe zu proclamiren, die ihn vermochten der Verlängerung des Waffenſtillſtandes beizupflichten. Verſchiedene an den Einwohnern verübte Er⸗ preſſungen und Gewaltthätigkeiten, indem ſie zu übermäßigen Lieferungen gezwungen wurden, welche den armen Leuten bei An⸗ näherung des Winters alle Mittel zur Friſtung ihrer Exiſtenz rauben— ſind ebenſo viele Mittel der Feinde, um die Pro⸗ vinzen zu verheeren, welche ſchon in Folge der unrechtmäßigen Invaſion, genug entblößt worden ſind. „Der König iſt beſonders darüber erſtaunt, daß der Prinz von Heſſen, den am 16. October unterzeichneten Vertrag ſo auffaßt, als ſtehe es ihm zu, Steuern auszuſchreiben in den Provinzen, die ihm während der Dauer der Waffenruhe zum Aufenthalt dienen. Hochderſelbe wundert ſich darüber um ſo mehr, da es dem Prinzen von Heſſen nicht unbekannt ſein kann, daß er der Regent eines freien Volkes iſt, das ſich ſelbſt beſteuert; weshalb auch der König dem Prinzen von Heſſen kein Recht zuerkennen darf, welches er ſelbſt nicht beſitzt. „Um allen weiteren Zwiſt zu vermeiden, erklärt Se. Maje⸗ ſtät der König hiermit, daß er den Waffenſtillſtand als ge⸗ brochen anſehen wird, ſobald der Prinz von Heſſen oder die⸗ jenigen, welche unter ſeinem Befehle ſtehen, das Volk zu Liefe wenn nicht wahr ſich i kannt keiner dies fahrt die er unbek. der fe Durch iſt, ſe Untert Druck König ſonder zeichn gegen ſich ge zu erg genehn peſche halb Baron höflich bei d Prinz den. eclara⸗ vegung nannter g, daß t ſehen einge⸗ die Ge⸗ Klagen zwan⸗ amiren, lſtandes bte Er⸗ mäßigen bei An⸗ Exiſtenz die Pro⸗ mäßigen daß der Vertrag eiben in affenruhe über um unnt ſein ſch ſelbſ i Heſſen itzt. Se. Maje⸗ als ge⸗ oder die⸗ Volk zu 203 Lieferungen zwingen, die das Land ausſaugen, und andererſeits wenn ſie die requirirten Producte nicht in baarem Gelde,— nicht nach eingebildetem oder unterſchätztem, ſondern nach ihrem wahren Werthe— bezahlen werden, wozu Se. Durchlaucht ſich überdies bei ſeinem Eintritt in das Land laut ſeiner Be⸗ kanntmachung verpflichtet habe. „Se. Majeſtät der König erklärt, daß er die Auflegung keiner Art von Steuer, unter welchem Namen und Vorwand dies ſein möge, dulde, und überhaupt niemals geduldet habe. „Se. Majeſtät iſt es ſich ſelbſt, ſeiner Ehre und der Wohl⸗ fahrt ſeines Volkes ſchuldig, daſſelbe zu beſchützen. Dies iſt die erſte Pflicht der Könige; und da es Sr. Majeſtät nicht unbekannt ſein kann, daß ihm befreundete Mächte den Abzug der feindlichen Truppen gefordert haben, und daß ſolches Sr. Durchlaucht in klaren, deutlichen Worten mitgetheilt worden iſt, ſo würde Se. Majeſtät ſich eines Verbrechens an ſeinen Unterthanen ſchuldig glauben, wenn er ſie länger unter dem Drucke des Feindes ließe, ohne ihnen zu Hülfe zu eilen. Der König erhofft deswegen nicht allein eine umgehende Antwort, ſondern auch, daß dieſelbe ſeiner Denkungsart beim Unter⸗ zeichnen dem Tractate gemäß ſei. Fällt dieſelbe aber dahin⸗ gegen nicht zu ſeiner Zufriedenheit aus, ſo ſieht Se. Majeſtät ſich genöthigt, die kräftigſten Mittel, die ihr zu Gebote ſtehen, zu ergreifen, um ihren Unterthanen Schutz und Hülfe zu leiſten.“ Trotz des ſchmeichelhaften Vertrauens kann es kein an⸗ genehmer Auftrag für den Geſandten geweſen ſein, dieſe De⸗ peſche zu überreichen; beſonders da dieſelbe offen und es des⸗ halb anzunehmen war, daß ihm ihr Inhalt bekannt ſei. Baron Wrede erwartete deshalb wahrſcheinlicherweiſe keinen höflicheren Empfang, als er dem Generaladjutanten Haxthauſen, bei deſſen Erſcheinen in Gothenburg mit dem Manifeſte des Prinzen zu Theil geworden war. 204 Es war noch ſo früh am Tage, daß der däniſche General⸗ befehlshaber ſich noch nicht von ſeinem Lager erhoben hatte, als ihm Baron Wrede als Ueberbringer eines Schreibens und einer Depeſche von Sr. ſchwediſchen Majeſtät gemeldet wurde. Der Prinz befahl, nichtsdeſtoweniger, ihn ſogleich herein⸗ zuführen. Baron Wrede ſchritt über die Schwelle eines Gemaches, wohin er auf Befehl ſeines Herrn und Königs eine ſo belei⸗ digende Herausforderung bringen ſollte, wie ſie ſelten geſtellt ſein mag, da ſie außerdem den Character einer perſönlichen Beleidigung trug. Der Prinz empfing den Baron mit ſeiner gewöhnlichen NRuhe, welche jedoch ein tiefes inneres Feuer und eine verzehrende Unruhe verbarg, die Niemand ahnte. Er las den Brief und die Declaration unter finſtrem Schweigen und äußerte darauf, ohne die geringſte Aufregung blicken zu laſſen, daß die Ant⸗ wort nach Mittag bereit ſein werde. Nachdem er dei Worte mit feſtem ernſten Tone geſprochen hatte, lud er den Baron mit ſeiner gewohnten liebenswür⸗ digen Artigkeit zum Mittagseſſen an der Tafel des Kronprinzen ein und geſtattete demſelben außerdem, nach Gefallen in Udde⸗ valla umher zu wandeln. Der beklommene Geſandte fühlte, daß er vor einem Feinde ſtehe, deſſen Andenken er ewig bewahren werde, und als der Prinz ihn fragte:„Sagen Sie mir, Baron, haben Sie auf Ihrer Reiſe irgend eine Spur von Verheerung und Plünderung geſehen?“— antwortete er, ohne ſich zu beſinnen, wie Wahrheit und Ehre es ihm geboten:„Nein, Ew. Durch⸗ laucht.“ Hier dürfte der rechte Ort ſein, einen Blick auf die per⸗ ſönlichen Empfindungen des Prinzen zu werfen, auf ſeine Anſichten über ſeine Lage und auf ſeine Gründe, die ihn ver⸗ mochten, auf den erſten Waffenſtillſtand einzugehen. Seine Antw ſtändl Prinz mich ein je an d in G die N wir g fitz. ich ſo⸗ ſei. zu ver Freund hatten Einna Höfe ſchen es Sch ſichern wohl u des K. annahn dem de und di und die konnte oder wi ſträubte Stadt i 7△ eneral⸗ hatte, 1s und wurde. herein⸗ naches, belei⸗ geſtellt onlichen onlichen ehrende ief und darauf, jie Ant⸗ einem de, und haben f ſeine hhn ver⸗ Seine Antwort an den König wird uns dadurch um ſo leichter ver⸗ ſtändlich ſein. „Es giebt wenig Situationen in der Welt,“— ſagt der Prinz,„welche ſich mit derjenigen vergleichen laſſen, worin ich mich jener Zeit befand. Ich wollte meine Pflichten bis auf ein jota erfüllen. Ich brannte vor Begier, den Kronprinzen an der Spitze der mir vom Könige anvertrauten Truppen in Gothenburg einrücken zu ſehen. Dies war es auch, was die Norweger vermochte, ſo forcirte Märſche auszuführen, ja wir glaubten Gothenburg ſchon halb und halb in unſrem Be⸗ ſitz. Als dieſer Plan ſich nicht mehr ausführen ließ, begriff ich ſofort, daß die ganze Expedition als mißlungen anzuſehen ſei. Aber wozu hätte es genützt, Dänemark in einen Krieg zu verwickeln, mit dem uns die vermittelnden Mächte, deren Freundſchaft uns theuer war, bedrohten? Tauſend Dinge hatten mich davon überzeugt, daß wir die Unruhen durch die Einnahme von Gothenburg beilegen würden; ſobald aber die Höfe von Berlin und London ſich zu Gunſten Sr. ſchwedi⸗ ſchen Majeſtät erklärten, waren die Umſtände total verändert. „Als Dänemark ſich der Sache Rußland's annahm, hätte es Schweden durch ſeine Vermittlung den glücklichſten Frieden ſichern können. Die Kaiſerin würde in ihrem Edelmuth, ſo⸗ wohl um ihres treuen Bundesverwandten, als beſonders um des Kronprinzen willen, welcher ſich perſönlich ihrer Sache annahm, alle Urſachen zur Beſchwerde vergeſſen haben. Nach⸗ dem der König bei ſeiner Ankunft in Gothenburg den Muth und die Hoffnung der Einwohner auf's Neue geweckt hatte, und dieſelben ihm abermals unwandelbare Treue geſchworen, konnte ich nicht länger hoffen, die Stadt ohne Bombardement oder wiederholten Sturm einnehmen zu können, und mein Herz ſträubte ſich für einen Mordbrenner zu gelten und die blühende Stadt in Trümmern fallen zu ſehen. „Ich hätte mich überdies während der ſtrengen Jahreszeit 206 nicht auf ihren Ruinen behaupten können. Ich würde das Eigenthum mehrerer ſchwediſchen Familien von Grund aus zer⸗ ſtört haben, ohne damit der Sache, der ich diene, zu nützen. Ich würde den Namen der Dänen verhaßt gemacht haben, während es der Wunſch des Kronprinzen war: wenn er ſich nicht die Liebe der ſchwediſchen Nation gewinnen könne, ſich wenigſtens nicht ihren Haß zu erwerben. Dänemark's und Schweden's Wohlfahrt verlangte ein Opfer— ich brachte es ohne mich zu beſinnen. „Aus dieſen Gründen und in Erwartung einer endlichen Entſcheidung des däniſchen Hofes unterzeichnete der Prinz ſo⸗ wohl den erſten, als den zweiten Vertrag; und nach allem die⸗ ſem ſandte mir Se. ſchwediſche Majeſtät nun ſelbſt und zwar durch ihre eigenen Adjutanten eine Kriegserklärung.“ „Dieſe wichtige Demonſtration von Seite des Königs war ſowohl für den engliſchen, als für den preußiſchen Miniſter ein Geheimniß geblieben. Und erſt, als Baron Wrede ſchon eine ziemliche Strecke Weges zurückgelegt hatte, machte der König, dem nun einmal adoptirten Vermittler, Herrn Elliot, in einer Note die Mittheilung ſeines neuen Beſchluſſes, ohne jedoch zu erwähnen, daß derſelbe bereits zur Ausführung ge⸗ kommen. Was für einen Eindruck dieſe Mittheilung auf den Repräſentanten Großbritannien's machte, geht aus dem intereſſan⸗ ten Billete hervor, welches derſelbe ſofort an den König ſandte. „Sire! „Ich habe es nicht unterlaſſen den Baron von Borch von der Note in Kenntniß zu ſetzen, welche Eure Majeſtät mir zu überſenden die Gnade gehabt haben. Er vereint ſeine Bitten mit den meinen um Ew. Majeſtät anzuflehen, dem Prinzen von Heſſen nicht jene Declaration zuzuſchicken, welche Ew. Majeſtät mir mitzutheilen geruht haben. Seitdem Herr von Borch die Ehre gehabt hat, Ew. Majeſtät die Note des Grafen Bernſtorff zuzuſtellen, welche dem Hauptziele unſrer —— trag a mit de würfni einwirk 2 Auftra⸗ diplom⸗ weder doppelt lange i ſeinem erklärte bei Qv G an ſein ſeiner Y 2 das s zer⸗ rützen. haben, er ſich , ſich 3 und hte es dlichen inz ſo⸗ m die⸗ d zwar Königs iniſter ſchon te der Elliot, ohne ng ge⸗ uf den reſſan⸗ ſandte. erch von ät mir t ſeine dem welche m Herr te des unſrer 7 207 Unterhandlungen ſo vollkommen entſpricht, dürften alle Gründe zu weiteren Zpiſtigkeiten wegfallen. Ich ſende übrigens ſogleich eine Staffete an den Prin⸗ zen von Heſſen ab, um Se. Durchlaucht von der nachthei⸗ ligen Wirkung der eingegangenen böswilligen Rapporte zu benachrichtigen und ihn zu vermögen, keine Urſache zu fer⸗ neren Klagen der Bewohner jener von ſeinen Truppen be⸗ ſetzten Diſtricte zu geben.“ Dies Alles geſchah während Baron Wrede ſeinen Auf⸗ trag ausrichtete und am Nachmittage eine geheime Unterredung mit dem Prinzen hatte in Betreff gewiſſer„politiſcher Zer⸗ würfniſſe“, welche leider auf die Handlungsweiſe Sr. Majeſtät einwirken mußten. Dieſe Unterredung trug deutlich den Character eines dritten Auftrages und der königliche Geſandte bemühte ſich, die größte diplomatiſche Feinheit hineinzulegen; der Prinz aber zeigte weder in Blicken noch Gebehrden, noch in Worten, daß er den doppelten Sinn derſelben aufgefaßt habe. Er redete viel und lange über die fortgenommenen Boote, welche er vergeblich in ſeinem und des Kronprinzen Namen zurückverlangt habe, und erklärte, daß Se. königliche Hoheit darauf beſtehe, die beiden bei Qviſtrum eroberten Kanonen zurückzuerhalten. Gegen Abend wurde dem Baron die erwartete Antwort an ſeinen König zugeſtellt, worauf er ſich, ohne das Reſultat ſeiner Miſſion zu kennen, auf den Rückweg begab. XII. Der Aönig und die fremden Friedensvermittler.— Der Prinz wird ernſthaft.— Sir Elliot's Reiſe nach Adde⸗ valla.— Die Deputation der Zürgerſchaft.— Verſöh⸗ nung zwiſchen Guſtav III. und dem Prinzen Karl von Heſſen. Mährend die hohen Herren in Gothenburg die Angelegenhei⸗ ten des Landes nach allen Seiten hin beſchauten und befeilten, und die Magnaten der Börſe mit wichtiger Miene über die Vorlagen des Königs abſtimmten, beſchäftigten ſich die Landes⸗ kinder, und ſowohl die Standesperſonen als auch die unteren Claſſen der betreffenden Landſchaft nicht weniger mit den an⸗ geregten Intereſſen. Man war gar nicht abgeneigt, eine Art von Gott in dem Könige zu ſehen, dem es von ſeiner eigenen hohen Natur ein⸗ gegeben war, zur rechten Zeit zur Rettung ſeines Landes und ſeines Volkes einzutreffen. Um aber in dieſem Zuſtande der Exaltation zu bleiben, mußte man immer einen neuen Gegenſtand der Unterhaltung haben, einerlei, ob es das Unglück der Norweger oder ein neues Blendwerk der königlichen Sonne betraf. Und wer fühlte, wer verſtand und beurtheilte dies beſſer, als Guſtav III.? Welcher Fürſt war williger, Stoff zur Hul⸗ digung und Vergötterung zu ſchaffen? für 1 wenie geleit gern, und ſtreue welch ihr z 5 nur d bieder weiß, ſich n Maue ihm gethar 5 Schlü hatte in we den A 2 als in dän ſteht iſt. than Carle — Der AUdde⸗ derſöh⸗ egenhei⸗ feilten, ber die Landes⸗ zunteren den an⸗ in dem ur ein⸗ es und bleiben, hhaltung i neues veſſer, ur Hul⸗ 209 Freilich mochte er die erregte Gemüthsverfaſſung damals für unumgänglich nothwendig zur Erreichung ſeines Zieles halten! Vielleicht war dies auch wirklich der Fall. Man muß wenigſtens glauben, daß der König von einem reineren Motive geleitet wurde, als nur die Vergötterung der Menge zu ſtei⸗ gern, als er dem geſchmeichelten Volke ein Rauchopfer anzündete und die dem Prinzen überſandte Erklärung drucken und aus⸗ ſtreuen ließ, damit die ganze ſchwediſche Nation erfahre, mit welcher bewunderungswerthen Liebe und Fürſorge der König ihr zugethan ſei. Sie erfuhr daraus, daß ſie Rechte beſitze, die ſie bis jetzt nur dem Könige zu erkannt habe. „Gott erhalte den König! Gott erhalte unſren gnädigen, biederen, großen, redlichen König! Das iſt ein König, welcher weiß, was es heißt, über ein freies Volk zu regieren, welches ſich nicht beſteuern läßt! Aber dies Volk ſoll auch ſeine feſte Mauer ſein! Er kann ſich auf daſſelbe ſtützen und es wird ihm kräftiger unter die Arme greifen, als die großen Heere gethan haben!“ Aber noch war dieſe Declaration, dieſer letzte goldene Schlüſſel zum Herzen des Volkes nicht gedruckt! Der König hatte noch den Brief des engliſchen Miniſters zu beantworten, in welchem jener ihn beſchwor, die däniſche Angelegenheit für den Augenblick ruhen zu laſſen. Dieſe bewundernswürdige Antwort lautete wie folgt: „Mein Herr! Ich erhielt Ihren Brief gerade in dem Augenblicke, als ich zur Tafel ging und nachdem Baron Wrede bereits in Begleitung eines Trompeters abgereiſſt war. Da der däniſche König nunmehr ſeine Erklärung abgegeben hat, ſteht zu vermuthen, daß darüber nichts weiter zu erwähnen iſt. Sie werden es ſelbſt einſehen, daß das, was ich ge⸗ than habe, mehr das Volk, als den Prinzen von Heſſen be⸗ Carlen, Cam. obsc. I. 14 210 trifft. Ich vertröſte das Volk, indem ich ihm die Fürſorge zeige, die ich für daſſelbe trage; und ich habe abſichtlich klär den ebenſo liebenswürdigen als tactvollen Baron Wrede zu den meinem Boten gewählt, damit er Sr. Durchlaucht verſtehen fein laſſe, daß die politiſchen Verhältniſſe des Landes mich zu dem von mir gethanen Schritte genöthigt haben. Sie wiſſn ſelbſt, mein Herr, wie viel Wahres hierin liegt. der Ich wünſche, daß die heutige Kälte Ihre Geſundheit Lom nicht zu ſehr angreife, und daß mir bald das Vergnügen von werde, Sie wiederzuſehen. und Gothenburg, den 24. October 1788. Guſtav.“ Maj Nachdem dies Billet an ſeine Adreſſe befördert worden Beri und die nöthige Conferenz mit dem preußiſchen Miniſter ge⸗ welch pflogen war, ſchrieben Sir Elliot und Baron von Borch einen währ neuen, gemeinſchaftlichen Brief an den König. Pror „Sire! ünd Mit ſchmerzlichem Erſtaunen haben wir vernommen, diin welch' wichtigen Schritt Ew. Majeſtät, und zwar ohne unſren ohne Rath zu verlangen, zu thun für nöthig erachtet haben. zu b⸗ Baron Wrede's Miſſion kann möglicherweiſe ſo kritiſche Fol⸗ ſtreng gen nach ſich ziehen, daß wir unſre Bitte vereinen und Ew. oder Majeſtät anflehen, ſie möge unverzüglich einen zweiten Courier Unorn an den Prinzen von Heſſen abſenden, mit der Anzeige, daß ſein. Ew. Majeſtät den gethanen Schritt, ſeitdem der König von verſich Dänemark ſeine endliche Erklärung abgegeben hat, für nicht mögli geſchehen anſehe. Die Declaration des Grafen Bernstorff ſcheint der K. uns ſo befriedigend und ſo übereinſtimmend mit den Anſichten tröſtet unſrer Höfe zu ſein, daß alle ferneren Bemühungen unſrer Ueber⸗ reichli zeugung nach fruchtlos ſein werden, wenn Ew. Majeſtät fort⸗ fährt, der Wiederherſtellung des Friedens zwiſchen beiden Reichen, durch noch weitere Hinderniſſe in den Weg zu legen. gehäntd Mit tiefſter Ehrfurcht ꝛc. ꝛc. neunte Borch. Elliot.“ welche ſorge htlich de zu ſtehen ch zu wiſſen ndheit nügen 1 vorden er ge⸗ einen mmen, unſren haben. ſcheint nſichten Ueber⸗ lit fort⸗ eichen, Der König hatte noch keinen Beſchluß über dieſe Er⸗ klärung und den dringenden Antrag, eine zweite Staffete an den Prinzen zu ſenden, gefaßt, als Baron Wrede mit der äußerſt feinen Antwort Sr. Durchlaucht, von Uddevalla zurückkehrte: „In dieſer unruhigen Zeit, welche durch die Vermittlung der Höfe zu Berlin und London ihrem Ende zu nahen ſcheint, konnte mir nichts zu größerer Freude gereichen, als einen Brief von Ew. Majeſtät eigener Hand zu empfangen. Aber Schmerz und Erſtaunen waren gleich groß, als ich erfuhr, daß man Ew. Majeſtät Liebe zu Dero Unterthanen gemißbraucht und falſche Berichte über Erpreſſungen erſtattet hat, die von den Truppen, welche ich zu commandiren die Ehre habe, ausgeführt ſein ſollen; während ſich ein Jeder davon überzeugen kann, daß in den Provinzen, wo ſich genannte Truppen aufhalten, kein Haus ge⸗ plündert, kein Garten verheert, ja kein Zaun niedergeriſſen worden iſt. Wir haben keine Lieferung an Fourage verlangt, ohne ſie, anfangs in baarer Münze und ſpäter in Reverſen, zu bezahlen; und ich wage zu behaupten, daß in keiner Armee ſtrengere Zucht gehalten werden kann. Für einige Marodeurs oder Stallknechte, die auf eigene Hand fouragirt oder ſonſtige Unordnungen begangen haben, kann ich nicht verantwortlich ſein. Ich kann Ew. Majeſtät jedoch in aller Ehrerbietung verſichern, daß alle Klagen angehört worden, daß denſelben möglichſt abgeholfen worden iſt, und daß Se. königl. Hoheit der Kronprinz, wo die Beweiſe fehlten, die Klagenden ſelbſt ge⸗ tröſtet und aus eigenen Mitteln den Betrag des Schadens reichlich erſetzt hat. „Ich erdreiſte mich nicht, auf die Declaration, welche mir durch den Baron Wrede mit dem Schreiben Ew. Majeſtät ein⸗ gehändigt wurde, zu antworten, ſondern halte mich an den neunten Artikel der Convention, nach welchem alle Zwiſtigkeiten, welche in Betreff der unverbrüchlichen Aufrechthaltung des Ver⸗ 14* 212 trages entſtehen können, dem Gutachten des engliſchen Hofes überwieſen werden, unter deſſen Garantie der Waffenſtillſtand abgeſchloſſen worden iſt. „Ich habe die Ehre ꝛc. ꝛc.“ Ehe wir zu erfahren ſuchen, zu welchen Geſinnungsäuße⸗ rungen und Beſchlüſſen Se. Majeſtät ſich jetzt veranlaßt fand, müſſen wir doch hören, was der Trompeter bringt, der vor der Wohnung des engliſchen Miniſters angekommen iſt. Sir Elliot war ſehr leidend, aber ein Courier von dem Prinzen von Heſſen regte ihn zu neuer Thätigkeit an und die vier Wände ſeines Cabinettes waren Zeuge von der Seelenſtärke, welche das kör⸗ perliche Leiden beherrſchte und den geiſtreichen Mann neu belebte. Brief an Sir Elliot, datirt von Uddevalla, d. 25. Octbr. 1788. „Anbei ſende ich Ihnen den Brief Sr. ſchwediſchen Majeſtät nebſt meiner Antwort; wiewohl ich alles Weitere in dieſer Angelegenheit, laut Artikel IX. des abgeſchloſſenen Vertrages, dem Gutachten des britiſchen Hofes anheimſtelle. Ich habe am heutigen Tage einen Courier aus Copenhagen empfangen und freue mich Ihnen mittheilen zu können, daß ich die Truppen, die zu befehlen ich die Ehre habe, noch während der Dauer der Waffenruhe aus den Ländern Sr. ſchwe⸗ diſchen Majeſtät zurückzuziehen und mein Winterquartier in Norwegen zu nehmen gedenke. Sie werden die Güte haben, ——————. den Baron hiervon in Kenntniß zu ſetzen und demſelben d meinen Gruß zu entbieten. 1 „Ich wage zu hoffen, daß man ſchwediſcherſeits nicht t im Ernſte daran denkt, den Waffenſtillſtand zu brechen. Ich u erkläre ferner, daß ich auf keinen Fall der angreifende Theil ſ ſein werde, und beſonders da der Friede ſo nahe ſcheint, 3 nicht geſonnen bin, für eine mich perſönlich betreffende Be⸗ leidigung Rache zu nehmen. Wenn man aber meine Trup⸗ pen angreift, ſo werde ich der Gewalt mit Gottes Hülfe ſo 41 vofes ſtand äuße⸗ fand, r der Elliot Heſſen ſeines 8 kör⸗ neu 1788. diſchen Leitere dſſenen uſtelle. rhagen n, daß ährend ſchwe⸗ tier in haben, mſelben es nicht a. Ich e Theil ſcheint, nde Be⸗ 2 Trup⸗ zülfe ſo 213 offenbare Gewalt entgegenſtellen, daß man ſich nicht ſo bald wieder an mich heran wagen ſoll, und ich erſuche ſowohl Sie, mein Herr, als den Baron v. Borch, Ihren reſpectablen Höfen den wahren Zuſammenhang der Sache zu berichten. „Ich füge dieſem Schreiben ein kleines Promemoria über den Artikel in Betreff der Priſen bei, die während der erſten Waffenruhe aufgebracht wurde. Die Sache erſcheint nunmehr ſo klar, daß ich keinen Augenblick zweifle, ſie werde Eindruck auf Se. Majeſtät machen, und ich wage es, Sie zu bitten, mein Herr, den Abſchluß einer Sache zu beſchleunigen, in welcher Ihr Name ſo ſehr compromittirt iſt.“ Der engliſche Miniſter antwortete hierauf umgehend: „Beifolgende Papiere werden es Ew. Durchlaucht be⸗ weiſen, daß ich in völliger Unkenntniß über die eigenthüm⸗ liche Miſſion des Baron Wrede war, bis es Sr. Majeſtät gefiel, mich von einem Schritte zu benachrichtigen, der dem preußiſchen Miniſter ebenſo auffällig war, als mir. „Ew. Durchlaucht werden bemerken, daß Se. Majeſtät in dem Briefe C.— die Briefe ſind in alphabetiſcher Ord⸗ nung bezeichnet— es ſelbſt anerkennt, daß die mit dem Baron Wrede überſandte Declaration weniger auf wirklichen Gründen denn auf inländiſchen, politiſchen Urſachen beruht. Ich beeile mich, Ew. Durchlaucht die Beweiſe zu ſenden, daß ich keinen Theil an der Sache habe, weil ich um keinen Preis zu dem entehrenden Gerüchte über einen Prinzen bei⸗ tragen will, dem das größte, wärmſte Lob gebührt, ſo wie über das Verhalten einer Armee, die in Betracht der Um⸗ ſtände, für ihre Mäßigung und Zucht alle Anerkennung ver⸗ dient. Es ſteht Ew. Durchlaucht allerdings das Recht zu, dem Könige von Schweden der Wahrheit gemäß zu ant⸗ worten, und ich werde nichts dagegen zu bemerken haben. Doch erneure ich meine Bitte: Ew. Durchlaucht wolle ge⸗ ruhen, die Convention ſo zu unterzeichnen, wie ſie vom Gra⸗ 214 fen Bernſtorff gebilligt worden iſt; wie ich auch nicht daran zweifle, daß Hochdieſelbe genanntem Miniſter eine Abſchrift von dieſem Briefe zuſchicken werde.“ 3 Einige Tage darauf, als der König noch immer keinen Beſchluß gefaßt hatte, reichte Sir Elliot, der trotz ſeiner ange⸗ griffenen Geſundheit nach Uddevalla zu reiſen im Begriffe war, folgende Note an den König ein: „Endesunterzeichneter hat die Ehre, Ew. Majeſtät ein promemoria zuzuſtellen, welches demſelben vom Prinzen von Heſſen übermacht worden iſt. „Die Reclamation des Prinzen von Heſſen iſt durch Weg⸗ nahme einiger der däniſchen Armee gehörenden Boote veranlaßt, welche während der Dauer der erſten Waffenruhe, die auf das Ehrenwort der hohen Contrahenten abgeſchloſſen, und dem Un⸗ terzeichneten ſodann abgegeben wurde— ſtattgefunden hat. Schreiber dieſes kann es ſich nicht verſagen, Ew. Majeſtät an Dero eigne ſchmeichelhafte und ſinnreiche Worte zu erinnern: „„Welch' eine köſtliche Sache!— Ein großer König und ein Fürſt, der an der Spitze einer Armee ſteht, vertrauen ſich einer Privatperſon an, deren Schutze ſie anheim geben, was ſie auf ihr Ehrenwort gelobt haben!““ „Der Unterzeichnete dankt es der anerkannten Wahrheits⸗ liebe der engliſchen Nation, die ſo unerſchütterlich iſt, wie die Grundveſten ihrer Inſel, wenn er es erlebt hat, wie ein Mo⸗ narch und ein Prinz ſeine Bemühungen unterſtützen: dem Blut⸗ vergießen, das den ganzen Norden von Europa zu überſchwem⸗ men droht, Einhalt zu thun. „Auf die mündliche Verſicherung eines Fremdlings, dem man auf ſeinen und ſeines Landes ehrlichen Namen Glauben ſchenkte, haben zwei kampfgerüſtete Armeen ſich den Haß ge⸗ kündigt und alte, zerriſſene Freundſchaftsbande auf’'s Neue an⸗ geknt Wah neter zurü⸗c licher gnüg Köni alle Bewe Schm dem fen, gebier des. ſeine noch ob di Köni Eigen lichen abreiſ Schan niſterg königl Prinz welch wortl Priſen ran prift inen nge⸗ war, ein von Veg⸗ laßt, das Un⸗ hat. t an nern: und dem nuben ge⸗ e an⸗ 21⁵ geknüpft. Es iſt alſo in dem heiligen Namen der Ehre und Wahrheit, wenn der Schreiber dieſes erklärt, daß die bezeich⸗ neten Gegenſtände ſeiner geringen Einſicht nach, dem Prinzen zurückgegeben werden müſſen; er ſpricht ſich jedoch frei von jeg⸗ licher gründlichen Unterſuchung über Zeit und Ort, und be⸗ gnügt ſich, ſein Recht als Schiedsrichter zu citiren. „Zeuge von der Seelengröße und edlen Geſinnung eines Königs, der in dem ſchwierigſten Zeitpunkte ſeiner Regierung alle Eigenſchaften eines Helden an den Tag gelegt und alle Beweiſe der Treue und Huldigung empfangen hat, die des Schweden Erbe und Eigenthum ſind, glaubt der Unterzeichnete dem Könige und ſeinem Reiche eine neue Trophäe zu verſchaf⸗ fen, wenn er von ihnen ein Opfer verlangt, das die Ehre gebietet.“ Hierauf erwartete der engliſche Miniſter das ultimatum des Königs. Se. Majeſtät hüllte ſich aber noch dichter in ſeine Goldwolke ein und weder der Repräſentant England's noch Preußen's durfte dieſelbe durchſchauen. Gott allein weiß, ob die blendenden Strahlen, die von derſelben ausgingen, des Königs Gedanken kannten oder den Streit, den Ehre, Eitelkeit, Eigenſinn und vielleicht auch die Furcht: einſam in der gefähr⸗ lichen Kriſis dazuſtehen— in ſeinem Innern ausfochten. Dem ſei, wie ihm wolle, Sir Elliot mußte ohne Beſcheid abreiſen. Er reiſ'te voller Unzufriedenheit, voll Schmerz und Scham darüber, daß das Wort des mächtigen engliſchen Mi⸗ niſters, nach allem was er geleiſtet hatte, ſo leicht wöge in der königlichen Wagſchale; voll Kummer, als wortlos vor dem Prinzen erſcheinen zu müſſen,— wortlos im Namen England's, welches die Unverbrüchlichkeit der Waffenruhe garantirt, und— wortlos in ſeinem eigenen Namen, weil er die aufgebrachten Priſen wieder zu ſchaffen gelobt hatte. Bei ſeiner Ankunft in Uddevalla war er ſehr krank, und 216 die Mittheilungen, die er dem Prinzen zu machen hatte, keines⸗ wegs geeignet, ſeinen Zuſtand zu verbeſſern. Als dieſer erfuhr, daß der König ſich noch nicht erklärt habe, ſchien ſeine Geduld freilich nicht erſchöpft, aber er nahm eine Maßregel, welche bewies, daß alles hier auf Erden eine Grenze hat; die einzige Maßregel während des ganzen Feld⸗ zuges, zu welcher er ſich das Recht n ahm: Um ſich einen Schadenerſatz für den bedeutenden Verluſt zu verſchaffen, forderte er von der Stadt Uddevalla eine hin⸗ reichende Summe Geldes, um dem Wankelmuthe, mit welchem man die Sache bis zum Abmarſche der Armee aus Schweden hinauszuſchieben ſchien— ein Ende zu machen. Der Magi⸗ ſtrat erhielt deshalb den höchſt unwillkommenen Beſcheid, daß Se. Durchlaucht, ſo tief er die Sache beklage, ſich dennoch ge⸗ zwungen ſehe, der Stadt eine Steuer von einmalhunderttauſend Speciesthalern aufzuerlegen, bis es dem König gefalle, die geſetzwidrigen Priſen wieder herauszugeben. Es iſt möglich, daß das Vertrauen zu der Gerechtigkeits⸗ liebe des Königs etwas ins Schwanken gerieth, als dieſe wich⸗ tige Botſchaft wie ein Lauffeuer durch die Stadt eilte, und Magiſtrat und Bürgerſchaft ſich zu einer feierlichen Deputation in Bereitſchaft ſetzten. Bevor aber der Abend einbrach, war daſſelbe wieder befeſtigt. Am Mittag war nämlich endlich ein Courier von Go⸗ thenburg erſchienen, welcher Briefe für den engliſchen Miniſter nebſt einem königlichen Handſchreiben an den Prinzen von Heſſen überbrachte. Sir Elliot ſchloß das letztere in ein Schreiben von ſeiner eigenen Hand und expedirte es in größter Eile. Daſſelbe lautete wie folgt: „Ich habe hierdurch die Ehre, Ew. Durchlaucht ein Hand⸗ ſchreiben von dem Könige von Schweden zuzuſtellen. Ich bin hinreichend von dem Inhalte deſſelben unterrichtet, um zu wiſ⸗ ſen, daß Se. Majeſtät direkt den Wunſch ausſpricht, die freund⸗ ſchaf zwar Kriſi iſt m Wun zu b Ew. zu v zuzuf erten wenn jeder daß ten üben Ehre Köni für d keine Schn der Aben anzuf klärte die 4 gebra halb die 4 könne welche keines⸗ erklärt nahm n eine Feld⸗ Verluſt ee hin⸗ belchem hweden Magi⸗ d, daß och ge⸗ tauſend e, die igkeits⸗ e wich⸗ , und utation d, war on Go⸗ Miniſter en von in ein größter 1 Hand⸗ Ich bin zu wiſ⸗ freund⸗ ſchaftlichen Beziehungen, welche in zweiundzwanzig Jahren und zwar bis zum Eintritt der unglücklichen, jetzt faſt beendeten Kriſis gedauert haben, neu wieder angeknüpft zu wiſſen. Es iſt mir ferner geſtattet zu ſagen, daß es Sr. Majeſtät höchſter Wunſch iſt, die Kanonen, welche das ſchwediſche Wappen tragen, zu behalten, obſchon ich es nicht verſäumt habe, dieſelben, als Ew. Durchlaucht den Kriegsgeſetzen gemäß angehörend, zurück zu verlangen. Ich habe ferner im Namen Sr. Majeſtät hin⸗ zuzufügen, daß Hochdieſelbe es als einen Beweis der erneu⸗ erten Freundſchaft ſeines hohen Schwagers betrachten wird, wenn derſelbe von dem Beſitze der genannten Kanonen nnd jeder weiteren Unterſuchung dieſer Angelegenheit abſteht. Was das Uebrige betrifft, ſo bin ich der Ueberzeugung, daß Se. Majeſtät Ew. Durchlaucht in Betreff der aufgebrach⸗ ten Boote alle Gerechtigkeit widerfahren laſſen wird, welche zu üben Hochdieſelbe ſich ſtets zur Ehre anrechnet. Ich habe die Ehre ꝛc. ꝛc.“ In dem äußerſt gnädigen und huldvollen Schreiben des Königs hieß es, daß Sir Elliot alle Zwiſtigkeiten beilegen und für dies Jahr dem Kriege ein Ende machen werde, indem er keinen Zweifel hege, daß von der Seite des Prinzen keine Schwierigkeiten in den Weg geſtellt werden würden. Dieſe Unterhandlungen hatten die glückliche Wirkung, daß der Prinz, als Magiſtrat und Bürgerſchaft an demſelben Abende„in corpore“ bei ihm erſchienen, um Se. Durchlaucht anzuflehen, ihnen keine ſo hohe Contribution aufzulegen, er⸗ klärte, daß er aus einem beſonders gnädigen Briefe des Königs die Hoffnung geſchöpft habe, die Streitigkeiten über die auf⸗ gebrachten Boote in Bälde beendigt zu ſehen, und er ſich des⸗ halb glücklich ſchätze, die verlangte Summe nicht allein bis auf die Hälfte reduciren, ſondern auch die Verſicherung geben zu können, daß er die Obligation auf fünfzigtauſend Speciesthaler, welche er zu verlangen genöthigt ſei, mit dem größten Ver⸗ 218 gnügen zurückſenden werde, ſobald der Zwiſt um die Priſen beendet ſei. Gegen dieſe Milderung war nichts einzuwenden und es wurde ſpäter beſchloſſen, daß Wenersborg mit achttauſend Reichs⸗ thalern zu dieſer Summe beiſteuern ſolle. Nachdem die Deputation ſich entfernt hatte, ſchrieb der Prinz von Heſſen folgenden Brief an den König: „Sire! 4 „Nachdem Ew. Majeſtät huldvolles Schreiben mir von wie dem engliſchen Miniſter zugeſtellt worden iſt, beeile ich mich, Anrul meine ehrfurchtsvolle und lebhaft empfundene Dankbarkeit zu„ Hochdero Füßen niederzulegen. König „Ich habe von Sir Elliot erfahren, daß Ew. Majeſtät die Kanonen zu behalten wünſchen, und bin deshalb von V„Es Sr. königlichen Hoheit dem Kronprinzen beauftragt worden, macht, Ew. Majeſtät ſeiner herzlichen Verehrung zu verſichern und und B Hochdieſelbe zu bitten, die beiden Geſchütze empfangen zu Waffen wollen, inſofern alles andere ſo beendet wird, wie Sir und S Elliot es mich zu hoffen berechtigt. eine v. „Ew. Majeſtät Verſicherung ihrer ſchätzbaren Huld ge⸗ woorden reicht mir zur höchſten Freude. Ich wage deshalb die Bitte, vember ſie mir auch ferner zu erhalten, und das Opfer meiner tie⸗ geäußer fen Verehrung und Ergebenheit empfangen zu wollen.“ obenger 1n verläng Hindert Nun ſchien man zu dem Glauben berechtigt, daß man dens ir vor dem letzten Acte dieſes Schauſpieles ſtehe, aber nein— ggenann der König hatte beſchloſſen, daß das Drama, welches mit einem contraht ſo merkwürdigem Prologe begonnen hatte, auch mit einem Epi⸗ S log enden ſolle, der es dem Prinzen beweiſe, daß er es mit durch i einem Monarchen zu thun gehabt habe, deſſen Privatpolitik derunge für einen ſo einfachen Gegner unerreichbar ſei. ſich bil —— Chaos riſen d es eichs⸗ der von mich, eit zu jeſtät von orden, und n zu Sir 1 ge⸗ itte, c tie⸗ man n— inem Epi⸗ mit olitik XIII. Wie Guſtav's III. erneuerte Freundſchaft ausſah.— Anruhe im Lager.— Aufbruch der Rorweger.— Des Königs letzter Pfeil.— Was ſich in Sothenburg zutrug. „Es wird hierdurch Allen, ſo die Sache angeht, bekannt ge⸗ macht, daß, dieſelbe durch die Vermittlung der Höfe zu London und Berlin ſo weit gediehen iſt, daß zwei Verträge über eine Waffenruhe zwiſchen Sr. Majeſtät, dem König von Schweden, und Sr. Durchlaucht, dem Prinzen Karl von Heſſen— der eine vom 9., der andre vom 16. Oetober— unterzeichnet worden ſind, von denen der letztere bis zum kommenden 3. No⸗ vember dauern wird; und da der däniſche Hof den Wunſch geäußert hat, daß dieſe Waffenruhe durch die Repräſentanten obengenannter Höfe bis zum Maimonat kommenden Jahres verlängert werden möge, damit man in der Zwiſchenzeit die Hinderniſſe und Schwierigkeiten zur Wiederherſtellung des Frie⸗ dens im Norden, aus dem Wege räumen könne, ſo haben die genannten Miniſter folgendes Uebereinkommen zwiſchen den contrahirenden Mächten zu Stande gebracht.“———— So beginnt ein endloſes prbhemeris von Artikeln, welche durch ihr Hin⸗ und Herſenden, ihre Anmerkungen und Verän⸗ derungen, ihre Genehmigung und Verwerfung, einen Krieg für ſich bilden können. Endlich ging aus dieſem diplomatiſchen Chaos der abgeſchloſſene Waffenſtillſtand hervor, wobei man 220 aber das Verlangen an den Prinzen ſtellte: Er ſolle bei ſeinem Abzuge denſelben Weg einſchlagen, den er gekommen ſei und nicht etwa über Wermland gehen. Nun gab der Prinz die erſte ſtolze Antwort, die man von ſeinen Lippen vernommen hatte: „Ich werde,“ äußerte er,„den Weg nehmen, der mir behagt. Es wäre wohl das erſte Mal, daß man dem Anfüh⸗ rer einer ſiegreichen Armee den Weg andeutet, auf dem dieſelbe in ihr Land zurückkehren ſoll; noch dazu, da die Grenzprovin⸗ zen gänzlich und zwar laut Ceſſion, in ihrer Gewalt ſind. Hätte man freundſchaftlich bei mir angefragt: welchen Weg ich zu nehmen gedenke, ſo würde ich Svineſund genannt haben; jetzt erkläre ich jedoch, daß ich den Schlüſſel zu der Paſſage auf der Spitze meines Schwertes trage, und daß ich jedem, der mir— wohlverſtanden, in den mir während der Waffen⸗ ruhe abgetretenen Ländern— ein Hinderniß in den Weg legt, feindlich entgegentreten werde.“ Nachdem auch dies beigelegt und in Betreff der Gefan⸗ genen alles abgemacht war, handelte es ſich nur noch um die Herausgabe der ängſtlich feſtgehaltenen Priſen. Aber Se. Ma⸗ jeſtät ſchien ſich auch jetzt noch nicht dazu entſchließen zu kön⸗ nen und es ſah aus, als habe man mit dem vielen und weit⸗ läufigen Hin⸗ und Herreden nur Zeit gewinnen wollen. Die Zeit war mittlerweile vorgeſchritten; Krankheiten aller Art begannen unter den fremden Soldaten zu wüthen; der Proviant reichte höchſtens noch ein paar Wochen und es ſchien, als ob der Prinz ſeinen Abzug nur wegen der langwierigen Bootangelegenheit aufſchiebe. So fiel am Tage nach dem verſöhnlichen Briefe des Kö⸗ nigs eine Bombe nieder:— die nunmehr gedruckte Declara⸗ tion, welche dem Prinzen von dem Baron Wrede im Namen des Königs eingehändigt worden war. Se. Durchlaucht ſchrieb in höchſter Aufregung an den engliſchen Miniſter: König Spra den 2 mich p und ic es zu wo m auch d ſind ir Erwäg rücken Poſten indem mäßigſ mein 4 Waffen welches annehn die bei werden Maßres und ar 5 um all Sovie daß d. Exemp lebhaft 5 aſſage jedem, 221 „Es kann Ihnen nicht unbekannt ſein, daß die mir vom Könige zugeſandte Deeclaration gedruckt und in ſchwediſcher Sprache veröffentlicht worden iſt. Mir ſind ſogar heute(als den 2. December) mehrere Exemplare davon vorgelegt worden. „Mein Herr, ich habe verſprochen, keine Rache für die mich perſönlich betreffenden Beleidigungen nehmen zu wollen, und ich werde Wort halten, mit der Redlichkeit, die, ich wage es zu behaupten, alle meine Handlungen auch da charakteriſirt, wo mir nicht Gleiches mit Gleichem vergolten wurde. Aber auch die Truppen, welche zu befehligen mir zur Ehre gereicht, ſind in dieſer Declaration gekränkt worden, und ich habe in Erwägung gezogen, ob ich nicht ſofort gegen Gothenburg rücken und glänzende Satisfaction fordern ſolle. „Da aber bereits die Ordre zum Einziehen der äußerſten Poſten gegeben war, zügelte ich meinen Eifer zur rechten Zeit, indem es mir noch möglich war, die natürlichſte und recht⸗ mäßigſte Rache zu nehmen. Ich habe aber dennoch bei Ihnen, mein Herr, eine entſcheidende Antwort erhalten wollen, ob die Waffenruhe noch fortdauert oder ob dieſelbe gebrochen iſt, welches ich nach der Declaration Sr. Majeſtät des Königs annehmen muß. In letztgenanntem Falle zweifle ich nicht, daß die beiden Mächte alles Weitere dem Waffenglücke anvertrauen werden, wozu ich die Wahl des Winterquartiers, wie auch alle Maßregeln und Schritte rechne, die daraus erfolgen müſſen, und an denen ich mich ſchuldlos erkläre. „Ich habe die Ehre ꝛc. ꝛc.“ Nun hatte der engliſche Miniſter wieder vollauf zu thun, um alles zu ordnen, beizulegen, zu erklären und zu beweiſen. Soviel hatte der ſtrenge Ernſt des Prinzen jedoch vermocht, daß die gedruckte Auflage, bis auf die ſchon ausgetheilten Exemplare eingezogen wurde, die aber gerade deshalb um ſo lebhafter circulirten. Mehr noch, als alle Beweiſe, bewirkten die Vorboten des 222 Winters, welche daran erinnerten, daß Schnee und Froſt als⸗ bald alle Communication zu Waſſer und zu Lande aufheben würden. Der Prinz wartete deshalb nicht länger und ehe noch der Termin der zweiten Waffenruhe abgelaufen war, wurden das Lazareth, die Artillerie und der ſchwere Troß abgeſandt, worauf auch der Reſt der Armee Befehl zum Aufbruch erhielt. Am Morgen des 6. Novembers zog das Corps des Gene⸗ rals Heſſelberg und Mansbach: ſechs Bataillone, acht Schwa⸗ dronen Dragoner, die Jäger und die leichte Artillerie, durch die Stadt Uddevalla, deren Garniſon ſich dem Zuge anſchloß. Der Kronprinz blieb mit dem Obergeneral bis zum Abzuge der letzten Truppen, damit allen Unordnungen von ſeiten der⸗ ſelben vorgebeugt werde. Die Infanterie ſtellte ſich fünfhundert Schritte von der Stadt entfernt, mit der leichten Artillerie und dem Geſchütz in Linie auf. Hier war es, wo der Kronprinz und der Prinz Karl von dem engliſchen Miniſter erwartet wurden, welcher gekommen war, um Abſchied von einem Manne zu nehmen, der eben ſo klar fühlte, wie er ſelbſt, daß ungeachtet der ausge⸗ tauſchten Meinungsverſchiedenheiten und Vertraulichkeiten nichts im Stande geweſen war, die gegenſeitige innige Hochachtung zu erſchüttern, die ſie einander zollten. Als Sir Elliot ſich entfernte, um nach Gothenburg zu⸗ rückzukehren, gab der Prinz Befehl zu einer dreimaligen Salve: einen Abſchiedsgruß für die Stadt und den Repräſentanten Großbritanniens.— Darauf ſetzte ſich die ganze Linie in Be⸗ wegung. Am 9. November wurde das Hauptquartier nach Bloms⸗ holm(dicht bei Strömſtad) verlegt, woſelbſt es drei Tage ſtand, um die Ratification des Tractates abzuwarten und Zeit zur Räumung der Stadt zu geben. zur in ei ſen I veröff heure ſchicht Gerü ein ſe Neue wovon wohnt Wahr glaube Boote terinſt einem daß e Ehrge Weiſe eiviliſi keit u ren, i Ordn det 9 Waffe welche t als⸗ fheben cch der n das vorauf Gene⸗ ſchwa⸗ durch ſchloß. lbzuge 1 der⸗ n der ütz in Prinz velcher n, der ausge⸗ nichts htung g zu⸗ Salve: tanten 1 Be⸗ loms⸗ ſtand, t zur 223 Durch ein wunderbares Zuſammentreffen las man gerade zur Zeit, als der Prinz von Uddevalla aufbrach, einen Brief in einer der Gothenburger Zeitungen vom 6. November, deſ⸗ ſen Beantwortung bald darauf ebenfalls in demſelben Blatte veröffentlicht wurde. Dieſe Briefe, welche damals ein unge⸗ heures Aufſehen machten und die abſcheuliche Inſtrumentenge⸗ ſchichte verhandelten, waren— nach einem allgemein geglaubten Gerüchte, mit der Genehmigung des Königs veröffentlicht worden. Wenn dies der Wahrheit gemäß iſt, ſo war es allerdings ein ſcharfer Pfeil, den der König ſeinem verſöhnten und aufs Neue gekränkten Feinde nachſandte. Die beiden Briefe waren ſcheinbar zwiſchen Freunden. wovon der eine auf dem Lande, der andere in der Stadt wohnte, gewechſelt und lauteten wie folgt: „Nein, mein beſter Freund, ich kann unmöglich an die Wahrheit der hier auf dem Lande ausgeſtreuten Gerüchte glauben, daß ſich nämlich auf den aufgebrachten norwegiſchen Booten unter Anderem eine Kiſte-mit Büttel⸗ und Scharfrich⸗ terinſtrumenten befunden haben ſolle. „Ich ſelbſt bin freilich nicht Militair, aber es iſt mir von einem alten, erfahrenen und redlichen Krieger geſagt worden, daß es in unſerer aufgeklärten Zeit, wo Menſchenliebe und Ehrgefühl die unvermeidlichen Greuel des Krieges auf die edelſte Weiſe zu mildern ſuchen, ſchon ſeit lange nicht mehr bei den civiliſirten Nationen Sitte iſt, ſolche Werkzeuge der Grauſam⸗ keit und des Barbarenthums im Gefolge ſeiner Armee zu füh⸗ ren, indem man überzeugt iſt: auch ohne dieſelben Zucht und Ordnung in den Gliedern aufrecht halten zu können. „Aus dieſer Urſache habe ich jene Gerüchte für unbegrün⸗ det gehalten und geglaubt, daß die Befehlshaber der feindlichen Waffen dieſelben auch auf eine Weiſe zu führen verſtehen, welche mit den Gebräuchen und Geſinnungen unſres Zeitalters 224 übereinſtimmen, und daß ſie nicht außer Acht laſſen, was ſie dem Völkerrechte ſich ſelbſt und der Ehre ſchuldig ſind, auf daß ihr Name im Buche der Weltgeſchichte nicht unter die der Treuloſen und Tyrannen gezählt werde.————— Antwort. „Wenn es gleich mein Grundſatz iſt: weder allgemeine Gerüchte noch eigene Vermuthungen zu verbreiten zu ſuchen, indem erſtere oft aus niedrigen Abſichten, und letztere aus dem Wunſche entſpringen, vor einfältigen und nicht ſelbſt denkenden Perſonen mit ſeinen politiſchen Kenntniſſen und zwar unter dem Vorwande zu glänzen, daß man ſeine Nachrichten aus unfehlbarer Quelle ſchöpft, und da ſie ferner nur dazu dienen, einen Dritten auf ſeine Koſten zu verleiten und irre zu führen — ſo erhält die Sache doch ein ganz anderes Ausſehen, ſo⸗ bald es ſich um einen Feind handelt, deſſen Handlungsweiſe ſo klar zu Tage liegt. „Ich muß Dir deshalb in Betreff Deines Briefes antwor⸗ ten, daß ich die bewußte Kiſte mit einem Grauen geſehen habe, das jeden Blutstropfen in mir gerinnen machte. Dieſelbe war angefüllt mit Beilen, Richtſchwertern, Galgenhaken, Nägeln, mit ſpitzen Zacken verſehenen Kneifzangen ꝛc., ja— mir graut noch, wenn ich daran denke, mit Folter⸗ und Marterwerkzeugen in größter Vollkommenheit.— So widerwärtig mir dieſer An⸗ blick im Namen der Menſchlichkeit war, ſo freute es mich doch, dieſe Waffen und Geräthſchaften des Abgrundes in einem ſchwediſchen Zeughauſe verwahrt zu wiſſen, wo ſie der Mitwelt zur Warnung und Nachdenken, der Nachwelt zum Beweis kaum glaublicher Begebenheiten dienen werden. Was der Feind mit dieſen Sachen beabſichtigt hat,— ich will es nicht zu erra⸗ then ſuchen; aber ich bin im Herzen froh, daß dieſe Beile und Schwerter und Schrauben künftig über keinem ſchwediſchen Haupte geſchwungen, keiner ſchwediſchen Hand angelegt werden. „Mitbürger, willſt Du für den Augenblick nichts Andres aus d neue Deine jetzt u lichen Kinde rungs Anſpie Sache ſtrume ten be Gefall Chron Perſo ſtände Stad Granl ſagen nahme zeuge ( Angele „Altor eine 6 enthie für de die ih * . geſchaf Car. vas ſie uf daß ie der emeine ſuchen, s dem kenden unter n aus dienen, führen 8, ſo⸗ sweiſe ltwor⸗ habe, e war ägeln, graut eeugen r An⸗ doch, einem itwelt kaum d mit erra⸗ und iſchen erden. ndres — aus dieſem Ereigniſſe lernen, ſo findeſt Du wenigſtens eine neue Urſache zur Verehrung der Geſinnung und des Herzens Deines theuren Königs darin. Schau, wie andre Länder noch jetzt unter der blutigen Tortur und den unmenſchlichen, pein⸗ lichen Verhören ſeufzen, während Dein weiſer Monarch dieſe Kinder und Ueberreſte der Tyrannei, ſchon bei ſeinem Regie⸗ rungsantritte für immerdar aus ſeinen Ländern verbannte.“*) Die Zeitungsartikel veranlaßten durch ihre heimtückiſchen Anſpielungen einen heftigen Federkrieg. Dänemark erklärte die Sachen für das, was ſie waren, nämlich für chirurgiſche In⸗ ſtrumente, denen dieſer oder jener Regimentsprofoß einige Ket⸗ ten beigefügt hatte. Die Auslegung war aber zu einfach, um Gefallen und Glauben finden zu können, beſonders da„London⸗ Chroniele“ ſchließlich ein Certificat brachte, welches von den Perſonen, die in Gothenburg ein Inventar von den Gegen⸗ ſtänden aufgenommen hatten, unterzeichnet war. „Das Einzige,“ ſagt der Verfaſſer der„Hiſtoria der Stadt Gothenburg“(ſelbſt ein Gothenburger, Namens Granberg),„das Einzige, was man mit Sicherheit hierüber ſagen kann, iſt, daß die Perſonen, welche das Inventar auf⸗ nahmen, wirklich ſelbſt davon überzeugt waren, daß dieſe Werk⸗ zeuge für die Tortur beſtimmt geweſen ſeien.“ Derſelbe Schriftſteller ſagt weiter über dieſe ſonderbare Angelegenheit. „Anfang December 1788 las man in Nummer 198 des „Altonaer Mercur's“ einen von Chriſtiania datirten Brief, der eine Schilderung des Feldzuges unter dem Prinzen von Heſſen enthielt, welche ebenſo parteiiſch für die Dänen. als beleidigend für deren Gegner abgefaßt war. Einige Gothenburger Herren, die ihre Landsleute vor den groben Verläumdungen dieſes Brie⸗ .“) Die Tortur war ſchon vor hundert Jahren in Dänemark ab⸗ geſchafft worden. Carlen, Cam. obsc. I. 15⁵ 226 fes ſchützen wollten, ſetzten ſogleich eine Antwort, in Form eines authentiſchen Berichtes auf und ſandten dieſelbe nach Hamburg, um ſie daſelbſt in einer Zeitung erſcheinen zu laſſen. Die Aufnahme wurde, däniſchem Einfluſſe zufolge, verweigert, wor⸗ auf die Berliner Blätter ſich der Sache annahmen und dieſelbe über den ganzen Continent verbreiteten. Die eigentliche Ver⸗ anlaſſung zum Streite war eine Kiſte mit Inſtrumenten, die in einem der däniſchen Boote gefunden wurde, welche nach Ab⸗ ſchluß der Waffenruhe aus Verſehen von den Schweden geka⸗ pert waren und deshalb wieder ausgeliefert werden mußten. Dies geſchah aber erſt, nachdem der Inhalt unterſucht und der Deckel der Kiſte mit der Adreſſe„an den Büttel“ verſehen worden war. Um die Behauptung der Dänen, daß„die Kiſte nur die Inſtrumente der Feldſcheere enthalte,“ zu widerlegen, wurde in Gothenburg von den Perſonen, welche zu der Unterſuchung und Auslieferung der däniſchen Effecten beſtellt worden, ein Certificat ausgeſtellt und unterſchrieben, in dem ſie deutlich er⸗ klärten, daß die gefundenen Gegenſtände Marterwerkzeuge ſeien, von denen ſie zwei Henkerbeile, eine Kneifzange, die im Feuer geglüht und angewandt wurde, um den Straffälligen zum Be⸗ kenntniß zu zwingen, ferner ein Brandmarkeiſen, verſchiedene Galgenſtricke und Ketten, um die hingerichteten Verbrecher daran aufzuhängen ꝛc., aufgezählt wurden.“ Soweit Granberg; er fügt noch hinzu, daß es ihm, da er ſich auf keine officiellen Acten ſtützen könne, nicht zukomme, ſeine eigene Anſicht über dieſe Angelegenheit zu äußern, und ſie deshalb der Nachwelt zur Beurtheilung überliefere.— Man kann ſich übrigens vorſtellen, wie ſehr dieſer Scandal in Betreff der ſchwediſchen Angelegenheit, in den ausländiſchen Zeitungen vergrößert worden wäre, wenn man gewußt hätte, daß zur ſelben Zeit, wo man bemüht war, die Dänen und ihre Heerführer ſo anzuſchwärzen, daheim eine Unterſuchung über eines e in dung ein er⸗ eien, euer Be⸗ dene aran da ime, und ndal chen itte, ihre iber 227 die Affaire bei Sviſtrum angeſtellt worden und die eigenen Anführer ebenſo ſchonungslos in den Staub gezogen waren. Oberſt Tranefeldt, Oberſtlieutenant Funk und Oberſtlieu⸗ tenant Frieſendorf wurden verhaftet, vor ein Kriegsgericht ge⸗ ſtellt und von dem Könige, welcher das Urtheil ſchärfte, aus dem Dienſte entlaſſen. Funk wurde wegen„mit dem Feinde gepflogener Gemeinſchaft“ angeklagt; Tranefeldt wegen Ver⸗ letzung der Ordre, und Frieſendorf, weil er die Truppen bei Qviſtrum nach eigenem Gutachten als kriegsgefangen ausgelie⸗ fert hatte. Tranefeldt erklärte in ſeinem Berichte, daß ein fernerer Widerſtand ſowohl unmöglich, als unnütz geweſen ſei. Man erzählte ſich, der König habe dieſe Opfer den Go⸗ thenburgern zum Dank für alles Gold und allen Weihrauch gebracht, den ſie ihm geſtreut hatten. Dieſe Verſion ſcheint jedoch wenig glaubwürdig; es iſt vielmehr anzunehmen, daß die Anweſenden hier, wie es oft der Fall iſt, für die Hand⸗ lungen der Abweſenden büßen mußten. Ein gewiſſer Schriftſteller hat über das Urtheil dieſer drei Herren geäußert, daß„das Urtheil des Erſten gerecht, das des Zweiten zu hart und das des Dritten ungerecht“ ge⸗ weſen ſei. Dem ſei wie ihm wolle— Gothenburg war jedenfalls nicht länger vom Feinde bedroht! Die Einwohner beſchloſſen deshalb, den Wagen des Königs, bei deſſen Rückkehr von ſei⸗ nem Ausfluge nach Uddevalla, ſelbſt in die Stadt zu ziehen — ein Plan, der nicht zur Ausführung kommen konnte, indem der König zu Pferde zurückkehrte. Als derſelbe aber am Abend vom Theater fortfuhr, wurde er von der jubelnden Bürgerſchaft begleitet, und vor ſeinem Wagen ritten drei allegoriſche Figu⸗ ren einher, welche„Gothenburg“, den„Ruf“ und„den Han⸗ del“ darſtellten. Dieſe kleine ſinnbildliche Huldigung war aber nur als das Vorſpiel einer größeren anzuſehen. 15* 228 „Es wurde nämlich“— wie man lieſt—„auf Koſten der Stadt eine Medaille auf die Erlöſung Gothenburg’s geſchlagen, von welcher dem Könige am 2. December 1790 durch eine Deputation aus Gothenburg ein Exemplar in Gold überreicht wurde. Die Medaille— eine der größeren Sorte — zeigt auf der einen Seite das Bruſtbild des Königs mit der gewöhnlichen Umſchrift. Auf der Kehrſeite ſieht man die Stadt Gothenburg— in Geſtalt einer ſitzenden Frau, mit ihrem Wappen auf dem neben ihr ſtehenden Schilde. Sie trägt in der Rechten einen Speer, in der Linken ein antikes Steuer. Vor ihr ſteht ein Held, welcher ihr ſeinen mit einem gekrönten G. III. bezeichneten Schild zeigt und den Speer, wie gegen einen andringenden Feind, emporhebt. Als Um⸗ ſchrift lieſt man:„Augusti praesidio tuta“, und rings um den Rand„Civitas Gotob. MDCCLXXXVIII.“ Nach einer ſo langen Ausflucht wird es aber wirklich Zeit nach Strömſtad und dem Clubb des Apothekers zurückzu⸗ kehren, und zu hören, was man ſich daſelbſt zu erzählen hat. Es Hee qua ſchn Hef burw Zeit vorl bere Jen den rüch Geſ über oorg oſten rgs 790 Gold Sorte mit t die mit Sie tikes inem peer, Um⸗ um XIV. Die Stadt ſtellt Betrachtungen an und giebt dem Feinde das Geleit.— Die Stadt kehrt ihre Häuſer und Saſſen, giebt einen Ball auf dem Rathhauſe und fühlt ſich heimiſch in ihrer wiedererlangten Einfachheit. Es war zwiſchen 11 und 12 Uhr Vormittags. Der däniſche Oberbefehlshaber war kürzlich mit ſeinem Heere auf Blomsholm angekommen, woſelbſt er ſein Haupt⸗ quartier genommen hatte und die letzten Unterſchriften Sr. ſchwediſchen Majeſtät zu erwarten beſchloß. Der Prinz von Heſſen konnte aber nicht ſehnlicher auf die Ankunft des Gothen⸗ burgiſchen Couriers warten, als es die Bürgerſchaft auf die Zeitungen von ebendaher that. Die erſehnten Blätter waren nun glücklich am Abend vorher eingetroffen und die Sitzung in der Apotheke hatte bereits mehrere Stunden gedauert, indem Dieſer ging und Jener kam und die Neuigkeiten dutzendweiſe aufgetiſcht wurden. Es herrſchte eine heftige Gährung unter den Anweſen⸗ den, denn die Poſt hatte diesmal nicht allein die beiden be⸗ rüchtigten Briefe, ſondern auch ſonſt noch allerlei wichtige Geſchichten über das Weſen und das Ende des Krieges und über die Gnade und Huld, die Weisheit und väterliche Für⸗ ſorge Sr. Majeſtät mitgebracht. 230 „Aha, der Bürgermeiſter iſt fortgegangen!“ rief der Apotheker lächelnd und warf dem Neuangekommenen das Zei⸗ tungsblatt hin.„Nun, nun, meine Herren, Sie begreifen, daß ein Bürgermeiſter ſeine Gedanken nicht ſo frei ans Licht bringen darf, wie unſer Einer. Er repräſentirt gleichſam die Sonne und muß ſich deshalb nach ihrem Glanze richten; legt ſie einen Trauerflor an, ſo muß er ſich ebenfalls in eine Wolke hüllen. Mich ſollen ſieben Donnerwetter mit Bomben und Granaten und Blitz und Hagel holen, wenn ich Bürgermeiſter ſein möchte, und wenn ich auch einen dreimal ſo hohen Sold hätte, als dieſer Ehrenmann. Nein, meine Herren, lieber Waſſer und Brod, als eine gebundene Zunge!“ „Ich fuhr geſtern nach Blomsholm hinaus,“ begann ein Kaufherr,„um dem Prinzen von Heſſen eine unbedeutende Klage vorzulegen, und ich muß geſtehen, daß ich niemals einen Mann von ſo würdevollem und einfachem Weſen ge⸗ ſehen habe. Ich ſtimme deshalb Boman und Strömſten aus vollem Herzen bei, wenn ſie ihre Seele zum Pfande ſetzen möchten, daß die verfluchte Unglückskiſte nur ärztliche Inſtru⸗ mente enthält. Hat nicht unſer lieber Bruder— der Sprecher wandte ſich ins Zimmer hinein, wo der Doctor ſaß und ein Recept ſchrieb— hat nicht unſer Bruder Zangen und Lan⸗ cetten und Meſſer und Sägen in Menge?— Was gehört da nicht zu einer ganzen Armee!—“ „Weiſe geſprochen, Du neuer Salomo! Es thut mir leid, daß ich nicht die Zeit habe, um allen eſelhaften Doector⸗ ſeelen, die mit zu Rath geſeſſen haben, den Hals umzudrehen. Aber ich glaube meiner Treu, daß derſelbe ohne Aerzte zu⸗ ſammengeſetzt geweſen iſt und ſomit als eine Filialabtheilung vom Conſeil des Großmoguls angeſehen werden kann.— So, nun iſt das Recept für den norwegiſchen Oberſtlieutnant ge⸗ ſchrieben; es thut mir leid, daß ich ihn verlieren ſoll, und ich werde deshalb keinen Schilling Gebühr von ihm annehmen—“ mals ge⸗ aus ſetzen iſtru⸗ rtecher dein Lan⸗ rt da mir jetor⸗ ehen. zu⸗ ilung So, t ge⸗ d ich —“ 231 „— wenn dieſelbe Dir nicht etwa aufgedrungen wird,“ murmelte der Apotheker und fügte darauf mit lauter Stimme hinzu:„Alſo es wird doch wohl ein Kriegsgericht für die Herren von Qviſtrum angeſtellt werden? Oberſt Tranefeldt hätte nicht ſo zärtlich beſorgt für die hübſche Wirthin ſein ſollen!“ „Dummes Geſchwätz!“ fiel ein Andrer ein.„Und wäre ſie auch ſo ſchön geweſen, wie unſere Stammmutter Eva, ſo glaube ich doch nicht, daß ſie Theil an dem Zaudern des Oberſten hat. Das Geheimniß liegt tiefer verborgen, als in den Augen einer ſchönen Frau.“ „Recht ſo, und dann dieſer Funk— dieſer Funk; erſt den norwegiſchen Befehlshaber in aller Gemächlichkeit über die Brücke reiten zu laſſen und dann noch obendrein den liebens⸗ würdigen Wirth zu ſpielen!“ „Stille, ſtille, meine Herren, die norwegiſche Einquar⸗ tierung geht hier draußen— wir ſind etwas laut geworden und ſie verläßt die Stadt erſt in einigen Tagen. Aber, wer alsdann ſeine Meinung offen und ehrlich ausſprechen wird, das bin ich!— Nun, ſie gehen diesmal vorbei— Sie wiſſen alſo, meine Herren, daß ich ein ſo loyaler Unterthan bin, wie Einer, aber es ſcheint mir doch, daß der König zu ſehr Menſch iſt, um wie ein Gott verehrt zu werden. Er hätte gern dem General Hjerta den Daumen ein wenig auf's Auge legen können, denn wer war es anders, als dieſer, der den kleinen Trupp bei Qviſtrum ſich ſelbſt überließ?“ „Ja, Schande über den, welcher ſolchen Krieg und ſolche Politik verſteht. Der Apotheker hat Recht: General Hjerta, der mit achttauſend Mann bei Wenersborg lag———“ „Meine Herren,“ unterbrach ſie der Stadtfiscal, der nun zur Thür hereinſtürzte,„ſo eben iſt die Ordre zum Aufbruch eingetroffen und unſre Gäſte können ſchon heut' Abend ihre Siebenſachen gepackt haben. Eilen Sie alſo nach Hauſe, meine 232 Herren und in Ihre Läden, falls ſie liquidirt zu werden wünſchen. „Was mich betrifft,“ ließ ſich ein wohlhabender Kaufmann vernehmen,„ſo iſt mir an ſolcher Kleinigkeit nichts gelegen; um ſo mehr aber daran, ob Hafen und Fahrwaſſer frei wer⸗ den, da meine Schiffe nicht eher heimkehren und der Winter vor der Thüre ſteht.“— „Nun, nun,“ meinte der Zollinſpector,„es ſind noch Mehrere nicht zurück; Rüttiger Smith hat ſo weite Reiſen von Liſſabon aus unternommen, daß er ſchwerlich vor Mitte De⸗ cember nach Hauſe kommen wird, und da iſt der Winter doch noch ſchärfer.“ 4 „Irrthum!“ entgegnete der Apotheker.„Die Schwägerin hatte geſtern erſt Nachricht.— Er wird bald zurückkommen. Wir haben nun Waffeenſtillſtand, der wahrſcheinlich bis zu nächſtem Sommer dauern wird, und das will ſo viel ſagen, als daß der Krieg zu Ende iſt—“ „— und daß ſtatt deſſen der Reichstag beginnt, wo unſere Motionen wie gewöhnlich abgeſchlagen werden. Nun, das iſt wenigſtens genug, um unſeren Clubb nicht aus Mangel an Nahrung umkommen zu laſſen— Sie gehen doch hinaus, um den Abmarſch der Truppen zu ſehen, meine Herren?“ „Allerdings,“ lachte der Apotheker,„der Krieg darf doch nicht zurück über die Grenze, ohne daß wir ihm das Geleit geben und nach dem ein Gläschen auf die Dauer der wieder⸗ erlangten Ruhe trinken?“ „Und darauf geben wir unſeren Damen einen Ball,“ proponirte der Stadtcaſſirer,„um ſie für den Verluſt aller der liebenswürdigen Artigkeiten zu tröſten, womit die norwegiſchen Officiere ſie in der langen Zeit verwöhnt haben.“ Dieſer Vorſchlag wurde mit allgemeinem Beifall aufge⸗ nommen und die Zeit für den Ball auf den vierten Tag nach dem Abzuge der Truppen feſtgeſetzt.— Sitz neue „der ſeit tige meh daß Du lang auch ſage zu das walt mein mich vor ling Mo⸗ die ſind Red Wir küng nich Naſ Zur ſelben Zeit, als die Herren in der Apotheke die Sitzung aufhoben, begegneten ſich an einer Straßenecke der neue Apothekerburſche Laſſe Krabbe und der Befehlshaber in „der kleinen Fehde“: der junge Herr Korp, welcher den Laſſe ſeit ſeiner Sendung nach der Wettlandsbrücke, wo er ſo wich⸗ tige Dinge geſehen hatte, kaum für eine paſſende Bekanntſchaft mehr hielt. „Ei, biſt Du es!“ rief Laſſe mit einer dunklen Ahnung, daß er den ganzen Winter für ſeine Feigheit leiden werde. „Ah ſo, biſt Du es, Du Pflaſterlappen! Was treibſt Du denn in der Welt— es ſchickt ſich nicht mehr für mich, lange mit einer Mörſerkeule zu reden, und ich würde Dich auch nicht erkannt haben, wenn es nicht wäre, um Dir zu ſagen, daß Du Dich nächſten Weihnacht nicht zu meiner Suite zu melden brauchſt. Ich habe ſchon einem anderen Burſchen das Amt verſprochen, welches Du um meine Perſon zu ver⸗ walten hatteſt, wenn ich als König vom Mohrenlande auf meinem Thron ſitze.— „Nein, lieber Korp, nimm dies Wort zurück— ich gräme mich wahrhaftig zu Tode. Laß mich zum wenigſten den Stern vor Dir hertragen.“ „Das ſoll nimmer geſchehen; Du, der Du wie ein Feig⸗ ling vor dem Feinde floheſt, Du wollteſt den Weiſen vom Morgenlande und meiner Majeſtät den Stern vorauf tragen? — Weißt Du denn nicht, daß die großen Herren von Qviſtrum, die ihre Schuldigkeiten zu thun verſäumten, ebenfalls abgeſetzt ſind?— Da kann von einer Schonung mit Dir gar keine Rede ſein; und ſomit vielen Dank dem, der danken möchte. Wir find vollzählig und damit Adien!— Wenn Du mir künftig auf der Straße begegneſt, ſo achte Dich, daß Du mich nicht grüßeſt, ich könnte Dir ſonſt ein drittes Bein aus Deiner Naſe machen!“— „Und ich habe gerade von einem norwegiſchen Officier, dem 234 ich aufwartete, allerlei bekommen, was für den König vom Moh⸗ renlande paſſen würde: Federbüſche, eine Schärpe, Quaſte und noch viel mehr dergleichen.“ „So—o— o—, haſt Du das! Aber, dummes Zeug— wer König iſt, muß auch daran denken, daß ſein Wort ein Königswort iſt. Uebrigens will ich Dir ſagen, daß meine Bruſt zu breit iſt, um norwegiſchen Flitter zu tragen. So antwortet„der Rabe“ und ich mit ihm!“—— Niedergeſchlagen— ſo niedergeſchlagen, daß eine Thräne auf die Pulverſchachtel, die er zu„Paſtors“ tragen ſollte, herabfiel, ſandte der arme Laſſe ſeinem königlichen Freunde und Herrn einen langen Blick nach. Dann verſuchte er heim⸗ lich eine Grimaſſe zu machen, und darnach etwas beruhigt ſagte er zu ſich ſelbſt: Nächſtes Jahr gehe ich zur See, und wenn „der Rabe“ und ich uns dann einmal vwiederſehen, ſind alle dieſe Knabenſtreiche vergeſſen. Es war an einem klaren, friſchen Wintermorgen, am 12. November, als die Stadt unter klingendem Spiele geräumt wurde. Als die Garniſon die Straßen entlang zog, ſtanden die jungen Damen ſchon in ſorgfältiger Toilette am Fenſter, die Stirn an die Scheiben gedrückt und manchen flüchtigen, dankbaren Blick aus den glänzenden Augen der norwegiſchen Officiere, welche die ſchwediſchen Damen ehrfurchtsvoll mit dem Degen grüßten— mit geſenkten Augenlidern erwidernd und mit einem Erröthen, das eine innere Bewegung und ein raſcheres Herzklopfen verrieth, und welches im Vorbeiziehen bemerkt, noch lange in den kriegeriſchen Memoiren jener Zeit fortlebt, wo man in jenem„kleinen Dorfe“ im Quartier ge⸗ legen und ſo gut„verpflegt“ worden war. Sobald die Truppen zur Stadt hinaus waren, packten —— „N —— ſich die Familien in die Wagen, um hinaus nach Blomsholm zu kommen, wohin Alles eilte, was gehen oder fahren konnte, um den Abmarſch mit anzuſehen. Glücklicherweiſe kam Niemand zu ſpät. Und nun begann, ehe man noch den Wagen verlaſſen hatte, ein Ordnen der Paquete, der Bouteillen, der Lebensmittel und der Kinder, der Hüte, Federn, Locken, Florhauben und Halskrauſen, woran heimlich und offenbar gezogen und gezupft wurde, während die Herren ſich in Gruppen vertheilten und discutirten und das Volk: Männer, Frauen und Kinder beide Seiten des Weges und jede Erhöhung beſetzten, von wo aus ſie ruhig zuzuſehen hoffen konnten. Aber man hatte vollauf Zeit gehabt, zu ſchwitzen und zu frieren; die Locken der Damen waren ſchlicht geworden, die Sehnſucht der Herren nach dem Appetit⸗Schnäpschen bedeutend geſteigert, als endlich der Trommelwirbel erſcholl, der den Aufbruch des Feindes— nach einem zweimonatlichen Beſuche — anzeigte. Zuerſt ſah man die Arrieregarde mit ſtolzer, ſicherer Haltung defiliren: jedes Geſicht drückte die unverkennbare Zufriedenheit aus, daß dieſer zweckloſe Feldzug beendet ſei. Darauf kam die Garniſon von Strömſtad: wieder lächelnd und grüßend; darauf der Generalbefehlshaber mit dem Kron⸗ prinzen zur Rechten und von ſeinem Stabe umgeben; ſchließlich ein Detachement Jäger, welche die Poſten beſetzt hielten, bis die letzten Truppen über Svineſund nach Frederickshall ge⸗ kommen waren. Sowohl zwiſchen den Herren und Damen, als zwiſchen dem Volke beiderlei Geſchlechts herrſchte während des langen Défilé's die lobenswertheſte Stimmung. Kein Ausruf des Mißvergnügens, kein dummer Witz, keine übertriebene oder höhniſche Freude. Als die Prinzen erſchienen, der Kronprinz im vollen Schmucke der Jugend— Prinz Carl von Heſſen im 236 ernſten, reifen Mannesalter, beide mit Würde, Milde und Anmuth grüßend, da neigten ſich alle Zuſchauer, um dieſen Gruß zu erwidern, und von Lippe zu Lippe flog das Bekennt⸗ niß, daß kein ſo wohlwollender Feind je zuvor in Bohuslän verweilt habe. Jeder Einzelne, der zu fordern gehabt hatte, war in baarer Münze oder in Reverſen bezahlt worden. Wer ſich in dieſem Zuge am wenigſten zu ſeinem Vor⸗ theil ausnahm— und darüber wird ſich Niemand wundern— das waren die Bürger von Uddevalla, welche als Geißel für die der Stadt auferlegte Contribution mitfolgen mußten. Man erfuhr übrigens bald, daß dieſen Herren auf ihrer unfreiwilli⸗ gen Luſtreiſe nicht das geringſte Uebel zugefügt wurde, und als Guſtav III. endlich im folgenden Jahre die Summe von zwei⸗ undvierzigtauſendvierhundertdreiundvierzig Thalern, d. h. den abgeſchätzten Werth der aufgebrachten Priſen einſchickte, erhielt die Stadt Uddevalla ihre Obligationen zurück und die Herren Bürger empfingen ihre Freiheit wieder. Erſt als das ganze bewegliche bunte Gemälde verſchwun⸗ den war, brach die Freude und das Entzücken, das jede Bruſt ſchwellte, hervor. Man trat kräftig auf den eigenen, vater⸗ ländiſchen Boden nieder, man redete laut und ſandte einen tiefen, warmen Seufzer der Dankbarkeit zu Dem, der Krieg und Frieden in ſeiner Hand hält. Alle Knaben der Stadt, die hier den Troß bildeten, jubelten, ſchrieen und ſchlugen Rad mitten auf der Landſtraße, halb außer ſich vor Entzücken, die Regimenter der„Norrbackar“ erſt geſehen zu haben und ihrer nun wieder quitt zu ſein. Es war faſt Abend geworden, als man nach der Stadt zurückkehrte, wo die Herren das Feſt im großen Clubb bei einer Bowle beſchloſſen, während die Damen Alles im Hauſe zu dem Reinigungs⸗ und Ummeublirungsproceß des kommenden Tages auf den Kopf ſtellten. Darauf wurden alle Schiebladen und Kleiderſchränke durchgewühlt, um etwas Paſſendes für die „† Balltoilette zu finden, und endlich blieb nichts mehr zu wünſchen übrig, als— einige Uniformen und die Regimentsmuſik zur Verherrlichung des Feſtes. Als aber das Feſt wirklich erſchien, waren alle dieſe ehr⸗ geizigen Wünſche verſchwunden und man tanzte munter und vergnügt nach der Violine des Dilettanten und mit den Cava⸗ lieren, welche wenigſtens den Vortheil vor den Abweſenden hatten, daß ſie ſich, wenn Alles gut ginge, in Ehemänner verwandeln konnten— nota bene, wenn ſie kein allzu ſcharfes Gedächtniß für die Niederlage hatten, die ſie erlitten, während die Uniformen auf der Straße blitzten. Die Damen hatten vor dem Balle keine Zeit gehabt, ſich zu beſuchen. Als aber der neutrale Boden des Rathhausſaals ihr Intereſſe an gegenſeitiger Mittheilung auf's Neue geweckt hatte, begann eine Serie von Kaffeegeſellſchaften, welche fort⸗ dauerten, bis ſie den Weihnachtsgeſellſchaften die Hand reichten. Während die Herrſchaften ſich bei dieſen Gaſtereien im Salon unterhielten und plauderten und klatſchten, ſtanden die Mädchen, mit der Laterne in der einen und Madame's Muff und Saloppe in der andern Hand, draußen in der Mädchenkammer und ergoſſen ſich in nicht minder ergiebigen Strömen der Redſeligkeit. Unter den letztgenannten„Damen“ finden wir die Be⸗ kanntſchaft vom Strande: die beiden Rivalinnen wieder, und wir können überzeugt ſein, daß die ſpitzen Redensarten hier nicht weniger dicht herabregneten, als in dem Kreiſe der wirk⸗ lichen Damengeſellſchaft. „Ei, liebe Stina, biſt Du denn mehr als ſo durch den Grünſpan entſtellt worden, womit Du Dich einreiben wollteſt, um Deine Schönheit zu beſchleiern? Oder wollte es ſich nicht beſſer, als daß Du gar nicht in Verſuchung gerietheſt?—“ „Gewiß zehnmal mehr, als des Bürgermeiſters Thür⸗ hüterin. Ich hätte einen Oberjäger bekommen können, wenn ich 238 mich nicht für zu gut gehalten hätte, aus dem Lande zu gehen. Sowohl Paſtors Brita, als Apothekers Sara wiſſen, daß er dreimal um mich freite.“ „Du Arme— haſt Du nicht mehr als einen Freier gehabt?— das iſt ja nicht der Mühe werth zu erzählen. Ich hatte deren gewiß mehr als ſechszehn.“ ——„welche um die dampfenden Schüſſeln der Frau Bürgermeiſterin freiten— das kennt man.— Der Meine ſtand in Nummer, um Unterofficier zu werden und nächſtes Jahr als ſolcher wieder zu kommen. Vielleicht kommen Deine ſechszehn auch noch wieder, wenn einmal Hungersnoth in Nor⸗ wegen eintritt.“ „Nein, Du, ich verheirathe mich auf anſtändige Weiſe und zwar mit dem Stadtdiener— nächſten Sonntag iſt das erſte Aufgebot— das mach' mir nach, wenn Du kannſt!“— Während das Leben in der kleinen Stadt auf dieſe Weiſe raſch dahineilte und man heiteren Sinnes die vielen komiſchen Auftritte hervorholte, welche eine Folge der vielen Einquar⸗ tierungen und des dadurch bedingten Aus⸗ und Einpackens waren, gab es doch einige Häuſer, in denen zu ſchmerzliche Erinnerungen wach waren, als daß ſie zur Mittheilung im munteren, geſellſchaftlichen Kreiſe geeignet geweſen wären, wenn auch der Patriotismus daſelbſt nicht geringer war, als anderswo.. Zwiſchen dieſen Häuſern ſtand eines da, worüber ein doppelter Trauerflor lag: Erſt war eine zarte Roſenknospe von dem friſchen Stamm geknickt; darauf der alte Stamm gefallen und zur Ruhe getragen worden, und nun ſchliefen die kleine Julia Conſtantia und der liebe alte Großvater neben einan⸗ der, während die junge Mutter, bleich und elend von den ——— 239 vielen Nachtwachen und von aller Anſtrengung, den von widri⸗ gen Winden aufgehaltenen Gatten mit Hoffnung und Zagen erwartete. Endlich wurde eines Morgens die Brigg„Drei Brüder“, Capitain Rüttiger Smith'’s Fahrzeug, ſignaliſirt. Wie heftig pochte da das Herz der auf einmal ſo glück⸗ lichen und doch unglücklichen Frau. Die Füße trugen ſie kaum die Bodentreppe hinauf, wo ſie aus dem einen Fenſter eine freie Ausſicht auf den Fjord von Strömſtad hatte. Da ſah ſie, erſt durch das Fernrohr und darauf mit dem bloßen Auge, wie die kleine Wimpel, vom Winde getragen, ihr den erſten Gruß entgegen ſandte. Nur die Frau eines Seemannes kann empfinden, was meine Mutter jetzt empfand; nur ſie kann die kalten und heißen Fieberſchauer verſtehen, von denen ihre Seele erbebt, und die ſie mit Ungeduld erfüllt, wenn nun der Zollbeamte auslegt, um ſich an Bord des Fahrzeuges zu begeben. Nun erſt wird der Anker ausgeworfen— jede Secunde wird zur Stunde. Endlich hat es Grund gefaßt, die Segel werden gefiert, die Matroſen laufen auf und nieder, während der Capitain, nach einer guten Reiſe, vergnügt auf dem Deck ſteht, bald eine Ordre austheilend, bald den Hut ſchwenkend, um die am Strande ſtehenden Freunde zu grüßen. Aber das unſelige Zollboot läßt ſich nicht vermeiden. Es legt an, der Zoll⸗ beamte ſpringt an Bord, durchkriecht alle Winkel und wenn er ſchließlich wieder abfährt und auch der Capitain endlich den Fuß an'’s Land ſetzen kann, da will ihm Jeder die Hand ſchütteln und er muß ſich förmlich durcharbeiten, um in ſein Haus zu gelangen. Meine Mutter war die Treppe hinuntergeſtiegen; ſie hatte ſich wohl hundertmal niedergeſetzt und war hundertmal aufge⸗ ſtanden: Sie wollte nicht hinausgehen und ſich den Neugierigen zeigen. 240 Endlich faßte es an die Thür. Seiner Erſchütterung)— nicht länger Herr, ſtürzte ein Mann auf ſie zu und— was die treuen Herzen einander jetzt zu ſagen haben, findet hier keinen Raum. Nur das kann man ſagen, daß er nun, da er ſie wiedergefunden hatte, alles Andere zu ertragen vermochte. Ende des erſten Theiles. Druck von Oswald Kollmann in Leipzig. 5 — ——— ne.“ 5