Lee 47/713.JAe, „-— Leihbibliother deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. — 5 Leih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesebreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Ent eines Buches, eine dem Werthe deſſelben hinterlegen, welche bei deſſen wird. Ret9e Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 2—————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3„ 2„—„ 3„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für der Bücher auf ihre eigenen Koſten und G 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, deſecte Bücher(namentlich bei ſolchen Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verp flichtet.. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. y ——— S—= 6 gegennahme eſſ entſprchende Summe Zurückgabe von mir zurückerſtattet n⸗ und Zurückſendung fahr ſelbſt zu ſorgen. zerriſſene, verlorene und mit Kupfern ꝛc.) muß der — “ Roman von Emilie Flygare-Carlen. — — — — Aus dem Schwediſchen von C. Eichel. Dritte Auflage. Erſter Theil. Leipzig, Verlag von Chriſtian Ernſt Kollmann. 1856. . L.f. S.e, m. qde., u M h gq, D 2, 2e. Laee, che. 7 I e e=— n— Mdte zek, ddt, d. ae d zhege! e. Lb 3 et, a D. d 12 ae 22 22 7 L= E e Se. yches U 2 ee— e e — . s,..— g— e ae, lee e er en 72n 44— M 8 Iſß?=. E,*—— 2 2 2,2,, 2, Wr— 8 5 4 — ͦ— l Kef. he.— Sh, f,. 45 2,. ur e rz ⸗ ,p, hue, 5 87 fe 75 A wSce. As e .,e, 6, 2h eee— L e e=ſahe 1* ee Dt , Ve, Tierbe u, M Be eerene 8—— 8 v 2 h 2 A 2 — 2„— 3 ſ, 1 rzrnr— 2 7 r„. e Lr che i ,, h— ee A 2eu e, r e 3. Su 2 Fl t. Ar Wuns— 1. 7. er a e— 2 Vae S h 22 gh, 2 8 -4 e e e, 4 3 Gee— i vehe. a 2. Rot ug e 7, 2 7.h 2 2 , ne, 7, 2. a 7. h. Fe,pſh. e ee eedche 2, le 2öcre al A 72 u der nn n, 2, 2. MR.— Ae S. A h 2 7e 4G ———.— ——, ͤͤͤ — 3 1— Bek 29.* f 87 el, 5 eeue ezn, h n. h M.— n r ar e e e. e e. — 3 5 2 S⸗ deel,. S. eecſß—. ſ Iueene 2, d 7 er rm—— cee— 3 Duh 2 4„ u, 2 W.„,„ 7 mne e„,, e* ⁶ 2 — h ne. Cr o 1 5 e. ene— A eee Peeee— * 7 1 77— errnr n nfe— 2 — 2 . —— edfu 2, 27— . ene h e. 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Doch hoffe ich, daß meine Emma, die ſo viele Jahre hindurch von ihrer verſtändigen Baſe geleitet worden iſt, ſich auf jedem Platze heimiſch finden wird, auf den ſie das Schickſal ſtellt.“ „Manche möchten wohl glauben, daß ſo viele allgemeine Kenntniſſe der Tochter eines Inſpectors unnöthig wären; allein ich habe die Sache nie von dieſer Seite betrachtet. Talente, wenn ſie von Beſcheidenheit begleitet werden, ſind eine Zierde, die ſowohl dem, der ſie beſitzt, als deſſen Umgebungen angenehm ſein muß. Außerdem kann ja Emma in Lebensverhältniſſe kom⸗ men, in denen ihre Talente und Kenntniſſe eine Zuflucht gegen Mangel gewähren. Ich hoffe zu Gott, daß dies nie geſchehen wird— aber wer kann ſein Schickſal vorherwiſſen?— Eine gute Erziehung iſt und bleibt in jedem Fall das beſte Erbtheil. Gegen die Erlernung fremder Sprachen habe ich nichts einzus wenden; daß Emma aber— wie Du nich verſicherſt— eine ſo ſchöne Stimme beſitzt und ſo große Fortſchritte in der Muſik gemacht hat, entzückt mich. Du weißt, wie ich von jeher ein Muſiknarr geweſen bin und kannſt Dir kaum vorſtellen, wie ſehr ch mich nach der Zeit ſehne, wo mir Emma's Fortepiano und Laute manchen ſonſt ſo langen Abend verkürzen werden. „Alſo, liebe Schweſter, ſuche ſie nicht länger bei Dir zurück⸗ zuhalten; mein Entſchluß, ſie in mein Haus zurückzunehmen, iſt unerſchütterl lich, eben ſo unerſchütterlich wie mein Varſatz, ſie mit dem jungen Tyrell zu verheirathen, gegen d viel einzuwenden haſt. Du ſchreibſt, ein Buchhalte S Parthie für Emma, die durch ihre Schönheit und ihre Talente, in Verbindung mit einem nicht unbedeutenden — —— 11 — 8 + gen, leicht eine vornehme, ja eine glänzende Verbindung in der Hauptſtadt ſchließen könne. Allein ich werde meine Tochter auf keinen Fall einem Stockholmer Elegant geben, denn ich habe mehr als hundert Beiſpiele geſehen, wie wenig dieſelben mit Geld umzugehen und eine liebenswürdige Frau zu würdigen wiſſen. Ich will, bevor ich ſterbe, meine Emma wohl verſorgt ſehen; und das wird ſie als Tyrells Gattin. Und was Bil⸗ dung und Lebensart betrifft, ſo fehlt es ihm daran durchaus nicht, denn er hat ſich mehrere Jahre den Viſſenſchaften ge⸗ widmet, bis er durch ſeines Vaters Tod gezwungen wurde, den⸗ ſelben zu entſagen.“ „Doch bin ich keineswegs geſonnen, Emma vor Ablauf meh⸗ rerer Jahre zu verheirathen; denn erſt ſoll ſie ſpinnen, weben und einer Haushaltung vorſtehen lernen. Allein die Verlobung wünſche ich bald nach ihrer Rückkehr vollzogen, denn ich will von naſeweiſen Freiern befreit ſein, die dem Mädchen Albern⸗ heiten vorſchwatzen. Fridolf Tyrell und kein Anderer ſoll ſie haben, denn er hat mein Verſprechen und noch nie habe ich ein Verſprechen unerfüllt gelaſſen oder zurückgenommen. Für den Fall meines Todes iſt ihm vom Grafen die Inſpectorſtelle zu⸗ geſichert; dann iſt er ein gemachter Mann; das weiß ich und kann daher mit Frieden in die Grube fahren.“ „Die inliegende Banknote wird hoffentlich hinreichen, alle Koſten für meine Tochter zu beſtreiten. Kaufe keinen überflüſſi⸗ gen Putz für ſie; doch wünſche ich ſie mit einer modernen und anſtändigen Garderobe bei ihrer Heimkehr verſehen.“ „Gegen Ausgang des Mai wird Tante Gertrud kommen und Emma abholen. Du erinnerſt Dich wohl noch an die älteſte Schweſter meiner Hausfrau, an die alte Manſell Oliveblad, die in unſerm Hauſe, ja in der ganzen Gegend nicht anders als Tante Gertrud heißt. Bis Norrköpina reiſen ſie auf dem Dampfſchiff, von da aus zu Lande in meiner eignen Kaleſee⸗ die ich ihnen entgegenſchicke. Es thut mir Leid, daß ich mein Kind davon nichts ſo bal erneut. G Grüße Julie. „ dem ſie eigenſim . In jährige Tante ſo Theilnah ſiel ihr w Das Loo nächſten nicht ein mal eini haben, der Kinde get. mazt ſich: wickelung „Soll und n iin der Kind nicht ſelbſt fahren kann; dringende Geſchäfte halten mich er auf davon ab. Dafür will ich den 2 räuti gam ſchicken. Es wird nichts ſchaden, wenn das junge Paar ſeine Zugendbekanntſchaft ſo bald als möglich und ohne die läſtige Gegenwart des Vaters erneut.“ „Sei ſo gut und gieb meiner Emma den inliegenden Brief. rüße herzlich meinen braven Schwager und die kleine wilde ulie. Ich verbleibe unveränderlich Dein treuer Bruder Jakob Hilbert.⸗ „Ja, das eben erwarte ich,“— ſprach die Aſſeſ rin, nach⸗ von jeher ſo dem ſie den Brief geleſen hatte—„mein Bruder iſt eigenſinnig geweſen.“— In di at ihre Nichte, die ſchöne ſiebzehn⸗ lährige E ins Zimmer, näherte ſich— als ſie die Tante ſo 9— derſelben und fragte mit zärtlicher Theilna zetrübniß. Die Aſſeſſorin fiel ih Hals und ſprach:—„Liebe, gute Emma! ſt nun geworfen; wir müſſen uns bald, ſchon im nächſten Monat trennen. Dein Vater iſt unerbittlich. Er nicht ein Jahr ie i ſo dringend bat mal eini ſe i haben, Ki derbar, wenn ſichtbare Ent⸗ fragte Emma lang⸗ Tante.—„NNimm dieſen Brief Vaters; er war in den meinigen eingeſchloſſen und cd Heinlich von ähnlichem Inhalt ſein.— zemie 8 1 Emma ſetzte ſich in eine Ecke des Zimmers, erbrach den Brief und las, wührend eine Thräne nach der andern aus ihren Augen auf das Papier herabtropfte, das ſichtbar in ihren Hän⸗ den zitterte. Als ſie den Brief geleſen hatte, brach ſie in lautes Weinen aus und warf ſich der Tante in die Arme. Sanft fragte die Letztere, wodurch ſie ſo ſehr erſchüttert würde. Emma unterdrückte den erſten heftigen Ausdruck ihres Ge⸗ fühls einigermaßen und erwiederte:—„Ach meine gute beſte Tante! Daß ich mich von Euch und von Allem, was mir in meiner neuen Heimath lieb geworden iſt, trennen muß, das iſt es eigentlich nicht, was mich ſo betrübt macht. Im Gegentheil, ich ſehe ein, daß ich Unrecht that nur einen Augenblick anzuſte⸗ hen, in die Arme meiner Eltern zurückzukehren; ich fühle bitter, daß ich die Vorwürfe verdiene, mit denen der Brief meines Va⸗ ters angefüllt iſt. Aber woher die unnennbare Angſt, die mich bei dem erſten Wort von der Heimreiſe ergriff? Woher die eiſige Furcht vor einer düſtern unglücklichen Zukunft, die ich bei dem Gedanken an B“* fühlte?— Es war keine Bangigkeit vor der Stille des Landes, denn ich hoffe, dieſelbe ſoll mir nicht unan⸗ genehm ſein— und dennoch, dennoch— aber ſiehe, nun iſt das Räthſel gelöſſt, ich weiß nun, warum ich mich gefürchtet habe:— mein Vater will mich verheirathen, mein Schickſal an eine mir völlig fremde Perſon ketten; er ſchreibt, daß er meine Hand unwiderruflich verſprochen habe— und ohne mich vor⸗ ber zu fragen! O, das iſt hart, unmeuſchlich und ſtreitst gegen alle göttlichen und menſchlichen Geſetze!“— „Meine liebe Emma ſpricht ſehr eifrig,— verſetzte die „Mie, niele fiel ihr Emma mit einer bei fügſamen Gemüth ſehr ungewöhnlichen Entſchloſſenheit ins Wort Mie ſoll er meine Hand beſitzen; ich Aſſeſſorin lächelnd.—„Iſt denn der junge Fridolf Tyrell ſo unangenehm?— Vielleicht wirſt Du ſehr zufrieden mit der Wahl Deines Vaters ſein.—. ihrem ſtillen und ſelbſt will mur emten den hren Hän⸗ utes ragte Ge⸗ beſte r in s iſt theil, zuſte⸗ ditter, 3Va⸗ mich eiſige i dem or der unan⸗ un iſt ürchtet ſal an meine h vor⸗ gegen zte die ;rell ſo mit der en und 3 Wort r eiten ihn Dein Vater zu ſeinem Schwiegerſoh ſprach der Aſſeſſor. Gatten wählen, und keinem Andern angehören. Mein Vater kann mich nicht zwingen, wenn ich ſtandhaft Nein ſage; aber welche Kämpfe, welche herzzerreißenden Zwiſte wird meine Wei⸗ gerung hervorrufen— welche Auftritte bei dem heftigen Ge⸗ müth und dem unbeugſamen Charakter meines Vaters!— Ach, ich bin ſehr, ſehr unglücklich!“— In dieſem Augenblicke kehrte der Aſſeſſor mit Julien— beide fröhlich und erfriſcht an Geiſt und Körper— vom Spa⸗ ziergang zurück. Julie kam tanzend in das Zimmer und flog lachend in die Arme ihrer Mutter, indem ſie ſich in einen Strom von Ausrufungen über das herrliche Wetter, den ſchö⸗ nen Frühlingswind, die bunten Schmetterlinge, die prächtigen Equipagen und die neuen Hüte, die ſie geſehen hatte, ergoß. Allein ein Blick auf die betrübte Emma midchts die plau⸗ dernde Julie plötzlich ſtumm; auch der Aſſeſſor, der ihre Thrä⸗ nen ſah, ſtand erſtaunt und fragend. Einige Worte der Aſſeſ⸗ ſorin erklärten jedoch Alles. Als Julie hörte, daß nun alle Hoffnung verſchwunden war, ihre Freundin, ihre geliebte Emma, länger bei ſich zu behalten, gerieth ſie außer ſich und weinte eben ſo an ihrer Mutter Bruſt, wie ſo eben Emma daſelbſt geweint hatte. Der gute Onkel ſetzte ſich neben Emma und ſuchte ſie zu tröſten.—„Kennſt Du den jungen Tyrell gar nicht?“— fragte er.„Ich glaube mich/zu erinnern, daß ich vor fünf Jahren einen Jüngling die⸗ ſes Namens im Hauſe Deines Vaters geſehen habe.“— „Ja, er iſt dort in der Gegend geboren,“— erwiederte Emma—„aber ich kann dennoch ſagen, daß ich ihn nicht kenne; denn er iſt ſieben Jahre älter als ich, und von der Zeit an, ſeitdem ich mich ſeiner erinnern kann, war er auf der Akademie zu Upſala und kam nur ſelten nach Hauſe. „Aber muß ein ſittiger, liebenswürdiger zunge 2 4 Emma verſetzte eifrig, wenn ihn der Vater auch noch ſo liebenswürdig fände, ſo müſſe doch eigentlich die Wahl der Toch⸗ ter beſtimmen, an weſſen Seite ſie durch das Leben wandern wolle. „Aber vielleicht billigſt Du die Wahl Deines Vaters,— entgegnete der Onkel.—„Wenn Du den jungen Fridolf ken⸗ nen lernſt, findeſt Du ihn vielleicht Deiner Hand würdig?— „Nein, beſter Onkel, nein!— „Sonderbar!“— rief der Aſſeſſor.—„Wie kannſt Du ſo gewiß davon überzeugt ſein?— Das fordert nähere Er⸗ klärung. Ich fange wirklich an zu glauben Ein Diener, welcher meldete, daß der Tiſch ſervirt ſei, un⸗ terbrach in dieſem Augenblicke jede weitere Unterredung über dieſen Gegenſtand. Still und ſchweigſam ging die Mahlzeit vor⸗ über, und nach dem Schluſſe derſelben begaben ſich die Mäd⸗ chen in ihr gemeinſchaftliches Zimmer. Als die Äſſeſſorin mit ihrem Gatten allein war, ſprach ſie: Unſere arme Emma thut mir ungemein leid. Iſt es wohl menſchlich von ihrem Vater, daß er ſie zwingen will, einen Mann zu heirathen, den ſie nicht mag 25* „Daß er ſie zwingen will, einen Mann zu heirathen, den ſie nicht mag? wiederholte der Aſſeſſor langſam und mit Gewicht.—„Meine liebe Freundin, eins iſt ſo ungereimt, kann ein Vater ſeine wie das andere. Zuerſt und vornehmlich Tochter nicht gegen ihren Willen zu einer Heirath zwingen“— „Ach, mein eigenſinniger Bruder kann Alles, was er ſich vornimmte— fiel die Aſſeſſorin ein.—„Er iſt ein redlicher, wechtſchaffener Mann, aber er iſt hart, befehlshaberiſch, despo⸗ tiſch und nicht an Widerſpruch gewöhnt. Wer ſoll denn die arme bedrückte Emma gegen ihn in Schutz nehmen?— „Aber, mein Gott!“— rief der Aſſeſſor—„überzeuge mich doch erſt, daß ſie deſſen bedarf. Vielleicht gewinnt ſie den zungen Mann recht lieb, n Ss wundert mich ungemein, daß ſie ſchon jetzt im Vor⸗ wenn ſie ſeine Bekanntſchaft gema 4 1 9 13 *. 5 132 aus das Gegentheil ſo beſtimmt behaupten kann; und ich fange an zu argwöhnen, daß ſie ihr Herz bereits verſchenkt hat.t— „Unmöglich,“— entgegnete die Aſſeſſorin—„dann müßte n⸗ 8 ich es wiſſen, denn für mich hat ſie kein Geheimniß.— „Darin kannſt Du Dich wohl irren“— verſetzte der Aſſeſ⸗ ſor—„Mütter und Tanten ſind in der Regel nicht die Erſten, welche ſolche Dinge erfahren. Ich habe nie eine Caprice an Er⸗ Emma bemerkt; und welchen Grund ſollte ſie ſonſt haben, ſich 1 dem Willen ihres Vaters mit ſolcher Beſtimmtheit zu wider⸗ ſetzen, bevor ſie noch den ihr beſtimmten Bräutigam kennen ge⸗ he lernt und ſich davon, daß er ihrer unwürdig iſt, überzeugt hat. or⸗ Nein, ich bin überzeugt, daß Emma bereits einen Andern liebt, ad⸗ 1 und in dieſem Falle beklage ich ſie.“— Die gute Aſſeſſorin wußte nicht recht, was ſie glauben ſollte. ſie: Die Vermuthung ihres Gatten fing an, ihr weniger unwahr⸗ pohl ſcheinlich zu werden; aber ſie konnte nicht begreifen, wer Em⸗ nen ma's Herz hätte gewinnen ſollen, ohne daß ſie, die wachſams Tante, die geringſte Ahnung davon gehabt hätte. Doch be⸗ den ſchloß ſie, Emma ſo viel als möglich auszuforſchen. mit Während dieſer Zeit führten die beiden Mädchen eine nicht it, weniger lebhafte Unterredung. Julie klagte über den bevor⸗ eine— ſtehenden unerſetzlichen Verluſt und verſicherte, daß ſie nicht — wüßte, wie ſie ohne ihre gute Emma würde leben können. Wem ſich ſollte ſie nun die geheimen Gedanken ihres Herzens anver⸗ her, trauen?— Wo ſollte ſie eine Freundin finden, die ihrer Emma po⸗ an Güte, Sanftmuth und Nachſicht mit allen ihren kindiſchen die Fehlern gleichkam?— Doch begriff ſie nicht, warum Emma ſo großen Abſcheu gegen die erwähnte Heirath hegte, denn Ju⸗ uge lie war noch zu kindiſch, um zu verſtehen, was Liebe oder was den eine Ehe ohne Liebe ſei. Sie hielt es für höchſt ergötzlich, eine Braut zu ſein und mit Geſchenken welche ſie für die pothwendige Folge eines ſolchen Verhältniſſes hielte äber⸗ 5 hͤuft zu werden.—„O, wie werden Dich dieſe Sachen kle 14 den,— ſetzte ſie hinzu—„und wie angenehm muß es für En Dich ſein, Deinen kleinen Haushalt zu ordnen, von dem Du Au früher ſo oft erzählt haſt. Ja, Du wirſt gewiß glücklich wer⸗ au den, wenn die erſte bittere Trennung vorüber iſt; aber mit Ir mir Armen iſt es etwas ganz Anderes; ich muß hier in meinen einſamen Zimmer bleiben und ſeufzen und ſehnen und mi jeder Minute an Dich erinnern!— Dabei begann die arme un Julie wieder bitterlich zu weinen. ſte Emma umarmte ſie und verſprach, ihr an jedem Poſttage li zu ſchreiben, indem ſie ihr verſicherte, daß die zarte Sorgfalt fẽ ihrer Eltern, der Umgang mit liebenswürdigen Freunden und 3 T die geräuſchvollen Zerſtrenungen der Hauptſtadt für Julien ſehr e be die Bitterkeit einer Trennung mildern würden, die ihr 5 etzt ſo ſchwer erſchien. t Beide Jungfrauen begaben ſich darauf zur Ruhe und ver⸗— ſanken trotz der ſo eben vergoſſenen Thränen bald in den ſüßen 1 chlaf der Unſchuld, der Geſundheit und des reinen Herzens. Der Grund zu Emma's Widerwillen gegen eine Verbin⸗ dung mit Fridolf Tyrell lag keineswegs in der Perſönlichkeit deſſelben, deren ſie ſich nicht weiter erinnerte, als daß er in 1 Ber und der Umgegend als ein ſehr ſchöner Jüngling bekannt 4 und bei Allen, die ihn kannten, beliebt geweſen war. Sie hatte alſo gar keinen Grund, ihn zu verabſcheuen oder zu verachten; und gerade das war es, was ſie am meiſten verdroß, denn ſie wünſchte einen triftigen Grund für ihre Weigerung zu finden. Der Aſſeſſor hatte ſich nicht geirrt. Emma hatte ſchon ſeit 6 lange in ihrem Herzen ein Ideal getragen, ein ſchönes Bild, eine lichte Erinnerung, die ihr beſtändig folgte und ſo mit ihrem ti anzen Weſen berſchmolzen war, daß es ihr unmöglich ſch hien, Jahr vorher war ſie in Begleitung ihrer Tante und uſtne auf der Kunſtausſtellung gensſen Emma und arme ſttage rgfalt und ſehr lie ihr ver⸗ ſüßen zens. rbin⸗ ichkeit er in kannt hatte hten; n ſie iden. ſeit Bild, rem jien, und und ten, — 15 Emma Landſchaften; und Letztere verſtand wirklich eine ſchöne Ausſicht der Natur recht wacker nachzuzeichnen. Auf der Kunſt: ausſtellung war Emma unbemerkt von ihrer Tante und von Julie weg in ein anderes Zimmer gerathen und daſelbſt vor em Oelgemälde von Fahlerantz wie angewurzelt ſtehen ge⸗ i. Während ſie daſtand und ihre lebhaften, ſprechenden, 4 unſchuldsvollen Augen, die von Pmnnernns und Entzücken ſtrahlten, auf das Bild geheftet h hatte, Hrte ſie eine mänꝗ liche Stimme dicht neben ſich, welche zu ihr ſprach:—„C fällt Ihnen dieſes Gemälde?— Emma blickte wie aus ein Traume erwacht nach dem Sprechenden und ſah in demſel einen ſchönen jungen Mann, deſſen feurige Augen mit Ausdruck des Entzückens auf ihr ruhten. Emma ſchlug 2 thend ihre Augen nieder und ſchwieg. Der Frende fuhr —„Sie ſind eine Kunſtliebhaberin, Sie malen jedenfalls 2 das ſehe ich aus der Theilnahme, mit der Sie ddieſes es Gen betrachten.“— Emma erwiederte verwirrt:—„Ich beſ⸗ tige mich zuweilen mit Zeichnen.“— Indem ſie ſich 2 ſen Worten umblickte und mit Erſtaunen von ihrer Geſah allein gelaſſen ſah, machte ſie dem Unbekannten eine kurze 4 beugung und eilte in das nächſte Zimmer, in welchem ſie ⸗ Angehörigen fand. Dieſe hatten ihr Zurückbleiben nicht des merkt, und Emma ſe eelbſt erwähnte nichts davon, hütete ſich aber wohl, ihrS Tante wieder zu verlaſſen und ergriff deshalb ihren Arm. Doch bemerkte ſie, daß ihr der junge Mann in eini⸗ ger Entfernung von Zimmer zu Zimmer folgte. Als die Damen die Gemälde ſattſam beſehen hatten, gingen ſie in die Weſtlangſtraße, um in einem Gewölbe eine Kleinig⸗ keit zu kaufen. Auf dem Guſtav⸗Ado lfs⸗Markt ſah ſich Emm⸗ zufällig um und bemerkte, daß ihnen der Unbekannte in einigen Entfernung noch immer folgte. Sie erröthete wie eine Noſe und wagte nicht wieder hinter ſich zu blicken. Einige Augen⸗ blicke darauf ging der Unbekannte an den Damen vorüber unp 16 wWarf Emma ſo brennende Blicke zu, daß dieſe die Augen un⸗ — willkürlich zur Erde ſenken mußte. Eilenden Schrittes ging nun der ſtattliche, wohlgewachſene junge Mann über die Nordbrücke bis an den Münzmarkt; dort blieb er ſtehen und die verlegene Ermma mußte dicht an ihm vorbei paſſiren. Als die Damen endlich an das Gewölbe gekommen waren, ging er mehrere Male an demſelben vorüber und ſah mit Augen hinein, aus een die höchſte Erregung ſprach. Julie drückte Emma's Arm flüſterte:—„Siehſt Du den ſonderbaren Herrn?— dhre der Kunſtausſtellung folgte er uns beſtändig auf dem Fuße, die i hat er uns bis hierher begleitet und jetzt blickt er un⸗ 1 bald andt ins Gewölbe.“— Emma hatte nicht gedacht, daß etzt e Achtung auf den Herrn gegeben habe; ſie wurde noch 4 ggener; um aber Juliens Gedanken auf einen andern Ge⸗ ſankenund zu lenken, fragte ſie wegen ihres Einkaufs um Rath, Schla ulie vergaß bald den ſonderbaren Herrn. Dlicht ſo Emma. Als ſie aus dem Gewölbe heraustrat, ie ihren unbekannten Bewunderer nicht mehr; ſie ſah ihn defbieſem Tage nicht wieder, obwohl ſie heimlich wünſchte, ihn Bür rzuſehen. Vergeſſen konnte ſie ihn jedoch nicht. Sein und Fies Geſicht, ſein hoher ſchlanker Wuchs, ſeine ſanfte, wohl⸗ gfullende Stimme, ſein ſtattliches, ja vornehmes Aeußere in Ver⸗ indung mit dem Eindruck, den ſie auf ihn gemacht zu haben ſchien, hatten ſich ſo tief in ihr Herz eingeprägt, daß ihr ſein Bild überall hin folgte. Ohne ſich ſelbſt Rechenſchaft über die Gefühle geben zu kön en, die in ihrer Bruſt herrſchten, dachte ſie doch mit innigem Wergnügen an den Tag zurück, an wel⸗ hem ſie ihn geſehen hatte. Aber ſie ſah ihn nicht wieder und 8 ſichahm als beſtimmt an, daß er Stockholm verlaſſen habe. zaſie, ohne jedoch ihre Nuhe oder ihre gewöhnliche Heiterkeit Mindeſten zu ſtören. Oft ſah ſie ihn in ihren Träumen; dd weun ſte ſich ihren Gedanken überließ, trat ſein Bild unter — 4 Das ſchöne Ideal ſchwebte beſtändig vor Emma'’s Phan⸗ 2 „aus Arm 2— Fuße, r un⸗ daß noch Ge⸗ Rath, strat, h ihn „ ihn Sein vohl⸗ Ver⸗ haben ſein r die achte wel⸗ und han⸗ rkeit den; un⸗ g nun brücke legene am hrate L, zh,, 4₰ A. Be-. Se 1 en,, e deeen tar 32 m=ByJle M A dea mee aAdo,a h D Mb uue, 3 a h h a r aon. M 5 k 4 7„—, ee e ·7 Calte 2 5 7 8 4— ¹ . 90. MW⸗ Bn 3 2dh, h. 6 f. 7 e. 7— 2—, nu t. V n Gh e 22 M 7 7 A 8 „.. h. 1 2 72 mnn au 7 E —e. g ne s h— r 2 1 5, 2n ch, 8 6 4 2 h ec 3 2., 2e s. 8 2 e 4—. nn af L. 2) h 2 Si . 3 3 h 8 2 2 rnee F e 4 e c le e⸗ e 2, Fl⸗ 1 — 4 T 1— h Ae— eia— eke A* 1 22 8 hs;, 2 Wir 2 5 7 ‿04 3e,e Et,“ 5 7 — M.—, eane T„ A u, e 16 A 22,„ b p. D!, f md e D. 2 h4 7. h ae 2 A— dte, ſ, ſ⸗— v. 6 hee 2— ec 7 ¹, n 2 2 2, — a.2A e U.. e , hen A ,,— u. dhe 7.=, 4 5 27 4 2 blag — r er„„ 22 ge. en iee. 27. h 7 — 2we eer F, f e D p , p G; ,; 2 2— ee e d— * 2, 3 S 7, / a e e 22 24 -e de z3 Se Ske 5, n e 1 7 Subzit—2 anee, A ⸗ „ſhee e 8 7, 2een 2 ermre r 3 g e n, Ple 4 2 2„ 4* 2 h 3 Se.- u, 5 l. 2 ay h, — — be 3 7* ——— 1 8 4 reer Fe Ge, 7 er erucfe ſe⸗ 87 M,,. G 2-, — O v,e nncee 2u ee Pa . M 4 al e 5 nelhe d 7. 8 2g. e e. e. 3„— her 2eee .. 2— e A, A ,⸗,. 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Aber nun war der Tag angebrochen, an welchem Tante Gertrud ankommen ſollte. Der Aſſeſſor und ſeine Frau waren nie er⸗ freuter, als wenn ſie Beſuch von einem entfernten Verwandten ehielten; aber die alte Mamſell Getrude Oliveblad war ihnen diesmal, da ſie ihnen ihre gute liebe Emma entführen wollte, nichts weniger als willkommen. Doch beſann man ſich bald, daß dies nicht der Fehler der guten Alten war; und darum traf man Vorkehrungen, ihr den kurzen Aufenthalt ſo ange⸗ nehm als möglich zu machen. 1 Die gute Tante kam Abends an, als die kleine Familie eben im Speiſezimmer verſammelt war. Sie umarmte den Aſ⸗ ſeſſor und deſſen Frau herzlich und küßte und drückte Julien, indem ſie rief:—„O mein Herr Gott, wie biſt Du gewach⸗ ſen, mein Herzchen; Du warſt ja noch ein kleines Püppchen, als ich Dich das letzte Mal ſah, und nun biſt Du eine große Dame. Ach, wie doch die Jugend heranwächſt!“— Nach die⸗ ſer Bemterkung machte Tante Gertrud eine tiefe Verbeugung vor Emma, die ſie für eine fremde Dame hielt.—„Aber wo iſt Emma?“— fragte ſie endlich, indem ſie ſich umblickte und keine Ahnung davon hatte, daß die vor ihr ſtehende ſchöne blühende Dame mit dem ſchmächtigen, nicht beſonders hübſchen Kinde identiſch ſei. Emma ergötzte ſich an dieſem Irrthum und gab ſich nicht zu erkennen; ſie warf den Uehrigen einen verſtohlnen Seitenblick zu, den dieſe wohl verſtanden. Tante Vertrud ließ ſich auf die Bitte der Aſſeſſorin langſam nieder, eam ſie ſich noch einmal im Zimmer umſah und mit un⸗ 8. DBlicken fragte:—„Aber wo iſt denn meiner Schweſter 5 92*ℳ ————— Tochter?— Doch nicht etwa krank?“ ſei Lob und Dank, friſch und kommen,“— antwortete die Aſſeſſorin, in blickte, die mitten im Zimmer ſtand und ſich ſ ſie die Angekommene nicht kennte. die Verwandtenliebe, die in jedem fühlenden Gemüth mächtig iſt, ihre Stimme in Emma's Herzen; mit ausgebreiteten Ar⸗ men und unter dem Ausruf:—„Gute Tante, ich bin ja Emma!“— ſtürzte ſie an die Bruſt der Alten. Allein dieſe machte ſich haſtig von ihr los, ſtand von ihrem Sitz auf, trat einige Schritte zurück und blickte ſie mit dem Ausdruck des höchſten Erſtaunens an. Nicht weniger beſtürzt ſtand Emma bei dieſem ſonderbaren Beginnen, bis ſie nach einem Schwei⸗ gen von mehreren Augenblicken von Neuem rief:— bin ja Emma, ich bin wirklich Emma Hilbert. O meine gute Tante, haben Sie nicht eine einzige Umarmung, nicht einen einzigen freundlichen Blick für Ihre früher ſo ſehr geliebte Schweſter⸗ tochter, die Sie ſo oft auf Ihren Armen getragen haben?“ — Gerührt zog nun die Tante das Mädchen an ihre Bruſt und vermochte eine Weile nicht zu ſprechen.— Emma ver⸗ gaß in dieſem Augenblick, warum die Tante gekommen war, und überließ ſich blos der Freude; alle Erinnerungen ihrer Kindheit traten ihr wie lächelnde Engel vor die Seele. Sie erinnerte ſich mit dankbarer Rührung an den Eifer und an f die Sorgfalt, die ihr ſeit ihrer zarteſten Jugend von der guten Alten gewidmet worden waren— und alle Gefühle ihrer Seele verſchmolzen in einem einzigen Gefühl— in dem des frohen t Wiederſehens.— Der Aſſeſſor und ſeine Damen ſahen dieſem Auftritt mit Rührung zu, die ſich aber bald in Lächeln Tante Gertrud rings um Emma herumz⸗ 8 —„Ach Herr Gott!—. einer angenehmen verwandelte, als gehen und ſie mit dem Ausrufe: potz tauſend!“— von allen Seiten zu betrachten begann t, Gott herein⸗ ma er⸗ als ob f erhob mächtig ten Ar⸗ bin ja ein dieſe uf, trat ruck des Emma Schwei⸗ „Ich bin e Tante, einzigen chweſter⸗ haben?“ re Bruſt ma ver⸗ ien war, en ihrer le. Sie und an der guten rer Seele ss frohen tritt mit 1 Lächeln herumzu⸗ tt!— 3 * — 21 Der Abend verging ruhig unter zahlreichen Fragen nach Emma's Eltern und nach Perſonen, die ihr nahe ſtanden; nur nach Fridolf Tyrell wurde nicht gefragt. Der Aſſeſſor und ſeine Frau nannten ſeinen Namen aus Schonung für Emma nicht; allein Tante Gertrud, die den Plan ihres Bruders hin⸗ ſichtlich ſeiner Verheirathung nicht kannte, erwähnte ihn flüch⸗ tig, indem ſie erzählte, wie heiter und intereſſant die neue Pfar⸗ rerfamilie wäre, die ſeit dem Tode des vor drei Jahren ver⸗ ſtorbenen Pfarrers Tyrell auf dem Hammerwerk wohnte.— „Hatte der Letztere Familie?“— fragte die Aſſeſſorin, die gern hören wollte, was die alte Dame über den jungen Tyrell ſagen würde.—„ZJa, eine Frau, einen Sohn und eine Toch⸗ ter— erwiederte die Tante„die Tochter iſt bei den neuen Predigersleuten und der Sohn iſt bei uns oder vielmehr bei meinem Schwager.“—„Bei dem Schwager?“— rief der Aſſeſſor, ſich unwiſſend ſtellend.—„Ja,“— verſetzte Ger⸗ trud—„er wohnt und jißt bei uns, denn er iſt Buchhalter am Hammerwerke.“—„Iſt er leidbar?— fragte Julie. —„Nun, ſo ſo,“— entgegnete die Alte.—„Die Andern halten viel von ihm, aber ich bin nicht für den Herrn einge⸗ nommen, denn— unter uns geſagt— er iſt ein Spottvo⸗ gel, der jeden armen Einfall lächerlich zu machen weiß, den man nicht ganz nach Vorſchrift und Ordnung ausſpricht. Er ſoll, Gott bewahr ihn, ſehr gelehrt ſein, denn er iſt Anfangs auf der Acantemie gegweſen und hat ſtudirt; aber als ſein Vater ſtarb, wußte er keinen Rath mehr und wurde— an⸗ ſtatt Dukter zu werden, wie er gedacht hatte— ein ſchlich⸗ ter Hammerwerksbuchhalter.— Dieſe Wendung des Geſprächs machte Emma für den übri⸗ gen Theil des Abends niedergeſchlagen und ſtill. Man aß geitig, trennte ſich zeitig, und die jungen Mädchen brachten einen an Theil der Nacht damit zu, über ihre bevorſtehende Tren⸗ u weinen. S lbſchieds⸗ kkommen. im Ge⸗ herſunken. Cabinet, der Welt 1. Emma itterlichen rten, als Pren ließ. rigen und Gelächter. n großes r Straße in andrer ußgänger, Seiten der Eine alte ging und em andern reck an die rämer, der mit ſeiner Alte ſtieß, deren einer und von erk, Eiſen⸗ azt auf der nüht, dieſe arme Alte Man hali rief⸗ Waſtgotländer, die Meiſten zu der Höckerin, Alle wollten ihr 23 nen friſchen Apfelſinen!“— In dieſem Augenblicke bemerkte ſie die die Knaben, die ſich wie hungrige Raubvögel auf das zerbrochene Backwerk geworfen hatten und tapfer um die Beute kämpften.—„Wollt ihr wohl fort, ihr Canaillen!“— ſchrie die Alte; allein die Knaben verlachten ſie.—„Nun ſo will ich euch ſogleich helfen!“— rief ſie abermals und wollte über die Knaben herfallen; allein ſie hatte ſich beim Fallen beſchä⸗ digt und vermochte kaum aufzutreten. Jammernd lehnte ſie ſich wieder an die Wand und ſah mit Entſetzen, wie auch ihre Apfelſinen geplündert und von den ungeflügelten, aber ſchnell⸗ füßigen Raubvögeln fortgeſchleppt wunden. Niemand nahm ſich die Mühe oder Zeit, die kleinen Räuber zu verfolgen, denn alle Umſtehenden waren beſchäftigt, den armen Weſtgotländer zu begaffen, der unglücklich genug geweſen war, den Fall der armen Frau zu veranlaſſen oder wenigſtens dieſes Vergehens beſchuldigt zu werden. Der arme Mann war von dem bei ſolchen Gelegenheiten ſtets dienſtfertigen Pöbel ergriffen wor⸗ den und ſah ſich ſo feſt gehalten, daß er nicht von der Stelle konnte. Man drang einſtimmig in ihn, daß er den verur⸗ ſachten Schaden erſetzen ſollte; und die Alte— durch dieſe Be⸗ hauptung unterſtützt— belferte in dem ihrem Gewerbe eigen⸗ thümlichen Jargon auf ihn los. Der Weſtgotländer hatte ſeinen Hut abgenommen und kratzte ſich hinter den Ohren; allein bald faßte er Muth und ſprach zu der Alten:—„Kann ich dafür, daß Ihr nicht auf den Beinen ſtehen könnt?— Habe ich Augen im Nacken?— Gingt Ihr nicht hinter mir, und lagt Ihr nicht, als ich einen Schritt zurücktrat, platſch! wie eine Kröte da?— Geh ſie immerhin, Alte! denkt ſie, ich habe ſo viel Geld, daß ich es alten Hexen hinterher werfen kann, die ehrlichen Leuten nicht aus dem Wege gehn?— Nun entſtand ein gewaltiger Lärm unter dem Volkshaufen, der ſich immer mehr und mehr vergrößerte. Einige hielten zu dem 24 Wort mit hineinreden. Sogar ein Italiener, der ein Bret mit Gipsfiguren auf dem Kopfe trug, drängte ſich bei einem vor ihm ſtehenden, mehlgepuderten Bäckergeſellen vorbei, um ſein „Diamine“ und„„Corpo di bacco“ mitzufluchen. Ein tau⸗ melnder Matroſe, der beſtändig aus einer Düte ſchnupfte, führte das Wort beſonders laut und ſchlug vor, den Junker— wie er den Weſtgotländer nannte— zu kielholen; dann ſchob er ſeinen pechbeſchmuzten Strohhut auf die Seite und ſchrie, daß man doch ſofort nach einem Polizeidiener ſchicken ſollte. Der arme Weſtgotländer, der vor der Polizei und deren dienſtbaren Geiſtern gewaltige Furcht hatte, wurde blaß und fing an zu zittern. Er verſicherte hoch und theuer, daß er keinen Stüber beſäße, den er der Alten geben könnte, indem er an dieſem Tage noch nicht einmal Handgeld eingenommen hätte.— 3 Nun, ſo gieb ihr von Deinem baumwollnen Zeug“— rief eine Stimme—„die Alte kann einen Sonntagsanzug brauchen. — Dieſer Vorſchlag fand allgemeinen Beifall und der ſchreiende Pöbel drängte ſich immer dichter um die ſtreitenden Parteien zuſammen, um den Weſtgotländer ſein Waarenbündel zu ent⸗ reißen und daſſelbe zu plündern, wie vorher die Körbe der al⸗ ten Frau geplündert worden waren. „Laßt ihn los!:— rief ein wohlgekleideter Mann, der ſich auf Befragen als ein Mitglied der Gaſtwirthszunft zu erkennen gab.—„Er hat die Alte nicht umgeſtoßen; Ihr ſeht ja, guten Leute, daß ſie betrunken iſt; deshalb taumelt ſie li⸗ 3 —„Das iſt nicht wahr, Herr; ſie iſt eben ſo nüchtern wie der Herr ſelbſt,“— rief eine ehrenwerthe Collegin der Höcke⸗ rin.—„Der Pflaſtertreter hier hat ſie umgeſtoßen, ſo wahr ich Madam Laubgrün heiße; das muß ich wiſſen, denn ich ha es geſehen.“ Mehrere ſtimmten ihr bei. Zum zweiten Mal ſuchte dem Weſtgotländer ſein Bündel zu entreißen und behauf wenn er nicht in Baarem zahlen könne, müſſe er i bezahl ich au in nat ſeine unzwe rück 1 dieſell den v Trödl den d tag a völlig aller dern hier, Nehn glückl nie ich w komm meine 3 „Geb deter den B Das Gebie iſtbaren an zu Stüber dieſem „Nun, rief eine auchen.“ chreiende Parteien lzu ent⸗ e der al⸗ unn, der zunft zu Ihr ſeht nelt ſie!“ htern wie der Höcke⸗ ſo wahr n ich habe 1 hehauptete uchte man f 8 bezahlen.—„So?— verſetzte der Krämer darauf—„wenn ich auf dieſe Weiſe bezahlen darf, ſo ſoll es ihr nicht fehlen; in natura ſoll ſie genug bekommen.“— Und damit erhob er ſeine Elle nach ſeinen ſonderbaren Anſichten vom Bezahlen mit unzweideutiger Geberde über der Alten. Man hielt ihn zu⸗ rück und zu gleicher Zeit kamen zwei Polizeidiener an. Als dieſelben von der Urſache des Zuſammenlaufs unterrichtet wor⸗ den waren, ſchrieben ſie die Namen des Weſtgotländers, der Trödlerin und mehrerer umſtehenden Zeugen auf und beſchie⸗ den die Aufgeſchriebenen ſämmtlich für den folgenden Vormit⸗ tag auf das Polizeiamt. Der arme Weſtgotländer gerieth nun völlig außer ſich; er ſah ſich im Geiſte ſchon in dem finſterſten aller Kerker, breitete todtenblaß ein Stück Zeug nach dem an⸗ dern auseinander und rief mit klagender Stimme:—„Seht hier, gute Herren, nehmt dies und gebt es der alten Frau. Nehmt Alles, laßt mich nur gehen. Macht mich nicht un⸗ glücklich. Gott weiß es, daß ich ein ehrlicher Kerl bin, der nie Jemanden um eine Oere*) gebracht hat; und nun ſoll ich wegen einer ſolchen Hexe feſtgeſetzt werden, vor die Polizei kommen, in Arreſt genommen werden, den Credit verlieren, meiner Heimath ein Schandfleck werden und endlich mit Weib und Kind verhungern. Ach, ich armer Mann! Lieber Herr Polkgeidiener, nehmt das Zeug und laßt mich gehen!“ In Wieſem Augenblicke rief eine männliche Stimme:— „Gebt Rauum!“— und ein auffallend ſchöner und wohlgeklei⸗ deter jungeln Mann drängte ſich mit großer Anſtrengung durch den Volkshauffen, der ihn ſtaunend und erwartungsvoll angaffte. Das Aeußenre des jungen Mannes hatte ſo etwas Vornehmes und Gebieten bes, daß eine allgemeine Stille eintrat, als er zu reden be⸗ gann.=„Lieben Freunde,“— ſprach er—„ich brauche nicht erſt nach der Urſache dieſes Auftritts zu fragen, denn ich habe von 4 1) Oere, eine kleine ſchwediſche Kupfermünze. * 4 26 einem Fenſter hier in der Nähe Alles geſehen und gehört, und bin jetzt hierher gekommen, um dem Streit ein Ende zu machen. Thut dem armen Weſtgotländer nichts zu Leide,“— wandte er ſich zu einem der Polizeidiener—„ich will ſehen, ob ich den Schaden der alten Frau aus meinen Mitteln erſetzen kann.“ — Bei dieſen Worten ſteckte er dem Angeredeten eine Bank⸗ note in die Hand, und dieſer entfernte ſich mit ſeinem Kame⸗ raden unter ehrerbietigen Verbeugungen. Nun wandte ſich der Fremde zu dem Weſtgotländer und ſprach:—„Behalte Dein wollnes Zeug, lieber Freund, und geh' Deines Wegs. Um Dich von Deinem Schreck zu erho⸗ len, kaufe Dir eine kleine Erfriſchung.“— Dabei gab er ihm einen Bankzettel, deſſen Betrag die Umſtehenden vergebens zu erforſchen ſuchten. Der arme erſchrockene Weſtgotländer wußte bei dem ſchnellen Uebergang von Angſt zur Freude nicht, was er that, und benahm ſich ſo lächerlich, daß Alle über ihn zu lachen begannen. Er weinte und lachte gleichzeitig, küßte die Rockzipfel des jungen Herrn, ſtammelte eine Menge halbge⸗ brochne Dankſagungen hervor, die Niemand verſtand, machte höchſt komiſche Verbeugungen und ſtand noch immer mit krum⸗ mem Rücken da, bis ſein Retter endlich zu ihm ſagte:—„Es iſt gut, mein braver Mann, nimm Deinen Sack und geh' Dei⸗ nes Wegs!— Da nahm der Weſtgotländer ſeinen Sack auf den Rücken und entfernte ſich, kaum glaubend, daß deſſen In⸗ halt ihn wirklich noch zugehöre. 4. Nun kam die Reihe, getröſtet zu werden, an die alte Frau Der junge Herr trat zu ihr und fragte ſie, oly ſie ſich bei Fall beſchädigt hätte.—„Ach nein, das ebem nicht, mei ſchöner Herr,“— entgegnete ſie—„aber es iſt Schaden nug für mich, daß ich meine beiden Körbe fallen ließ un ſteher kaum und und gewe dann blank erſetz trund das mehr lange und ſich geſta ſie mit Allem, was darin war, zerſtört worden ſind.. war wohl Alles zuſammen werth, was Du in Deinen hatteſt?— fragte der junge Herr.—„Nun, ſchöner ſört, und machen. wandte , ob ich n kann.“ ne Bank⸗ In Kame⸗ nder und und, und zu erho⸗ b er ihm gebens zu er wußte ticht, was eer ihn zu küßte die ge halbge⸗ d, machte mit krum⸗ —„Es geh' Dei⸗ i Sack auf deſſen In⸗ alte Frau— ſich beimn cht meit en Perbert ier H 8 — ſprach die Alte—„ich hatte für zwei und einen halben Thaler Apfelſinen in dem einen, und in dem andern— für — ja“— und nun begann ſie alle Arten von Backwerk auf⸗ zuzählen und zu übertrieben hohen Beträgen anzuſchlagen, die ſich in ihren Körben befunden hatten. Man hörte deutlich, daß ſie einen tüchtigen Profit zu machen gedachte. Ein nahe⸗ ſeh endes altes Weib wandte ihr zwar neidiſch ein, daß ſie kaum halb ſo viel, als ſie angab, in ihren Körben gehabt hätte, und daß ihre von der Sonne ausgetrockneten Pfefferkuchen und Zuckerſtrietzel höchſtens vier und zwanzig Schillinge werth geweſen wären. Allein der junge Herr hieß ſie ſchweigen, hörte dann die Beſchädigte geduldig bis zum Ende, gab ihr zwei blanke Speciesthaler und fragte, ob ſie damit ihren Verluſt erſetzt glaube. Ohne die Antwort und Dankſagung der freude⸗ trunkenen Alten ahöuwarien, drängte er ſich dann ſchnell durch das verſammelte Volk, das ſich allmählig verlief, als es nichts mehr zu ſehen fand. Die alte Frau blieb jedoch noch eine lange Weile ſtehen, beſah ſich vergnügt die blanken Münzen und blickte dem verſchwundenen Wohlthäter nach, indem ſie vor ſich hin murmelte:—„Ein leibhaftiger Engel in Menſchen⸗ geſtalt.“— Dieſer Auftritt hatte ſich vor dem Hauſe zugetragen, deſ⸗ ſen erſtes Stockwerk der Aſſeſſor Lr* bewohnte. Er und ſeine Damen hatten daher Alles geſehen und gehört; denn ſie hat⸗ ten gleich beim Anfang der Scene die Fenſter geöffnet. Die Aſſeſſorin, Julie und Tante Gertrud ſtanden an dem einen, der Aſſeſſor und Emma an dem andern Fenſter der Stube. A Ffaufangs hatte Emma gleich den Uebrigen mitgelacht; als aber Mer ſchöne, wohlt hätige junge Mann auftrat, geſtaltete ſich die 1 Sache anders. Sie wurde plötzlich verlegen, hohe Röthe über⸗ Dog ihre Wangen, ihr Buſen hob ſich wie von heftiger inne⸗ ker Bewegung. Der neben ihr ſtehende Aſſeſſor hemerkte dieſe derbare Gemüthsbewegung ſogleich, äußerte jedoch nichts 28 darüber, ſondern beobachtete ſie blos mit geſpannter Aufmerk⸗ muthur ſamkeit. Allein Emma gewahrte ſeine ſpähenden Blicke nicht, und w denn ſie war in den Anblick des ſchönen jungen Mannes ver⸗ ſelbſt i ſunken. Als ſich die Volksmenge ſchon zerſtreut hatte und auf der Kumm Straße Alles ſtill geworden war, ſtand ſie allein noch am Fen⸗ mehr ſter und ſah mit unverwandten Blicken nach der Gegend, in Al welcher der Unbekannte verſchwunden war. Endlich zupfte ſie meinſch der Aſſeſſor beim Aermel und fragte leiſe:—„Wachſt Du, letzte Emma?— Bei dieſer Frage erſchrak ſie und ward bleich.„O m Der Aſſeſſor wollte ſie necken, allein ſie ſprach mit matter in der Stimme:—„Mir iſt ſehr übel, lieber Onkel!“— verbarg da ich ihr Geſicht in beiden Händen und eilte aus dem Zimmer. auch, i Julie erſchrak und wollte ihr folgen, aber der Aſſeſſor bat ſie ihn an ernſt, zurückzubleiben und Emma allein zu laſſen. Julie ge⸗ ſie und horchte zwar ohne Widerſpruch, richtete aber auf ihren Valet ſen Vi einen Blick, in welchem ſich ihre Verwunderung über die ſon⸗ Lor 1) derbare Härte, mit der ihr der Vater verbot, Emma beizu⸗ hattei ſtehen, unumwunden ausſprach. ſeinen, „Emma bedarf nur ein Stündchen Einſamkeit, dann iſt me, in es vorüber,“— verſetzte der Aſſeſſor ſanft, ſtrich ſeiner Nereſe Tochter liebkoſend die Wange, winkte ſeiner Frau und begab euhiht ſiich mit derſelben in das anſtoßende Cabinet, deſſen Thür er n dun hinter ſich verſchloß.. 4 rüchzut Dort theilte er ſeiner Gattin die eben gemachte Entdeckung mit und verſicherte, daß er nun den Grund von Emma's Wi⸗ derwillen gegen ihre Abreiſe und noch mehr von ihrem Abſchen gegen die von ihrem Vater vorgeſchlagene Heirath vollkomme kenne.—„Ohne Zweifel hat ſie dieſen jungen Mann ſa früher geſehen und Zuneigung für ihn gefaßt,“— ſprache —„und ſo wahr ich ein ehrlicher Mann bin, hier iſt die hot tigſte Leidenſchaft im Spiele. Wenn ich nur wüßte wer e Die Aſſeſſorin, die nach der Beſchreibung, welche ihr von Emma's heftiger Gemüthsbewegung machte, mit ſein lufmerk⸗ ke nicht, nes ver⸗ auf der am Fen⸗ gend, in upfte ſie chſt Du, d bleich. matter verbarg Zimmer. r bat ſie zulie ge⸗ en Vater die ſon⸗ a beizu⸗ dann iſt h ſeiner id begab Thür er tdeckung la'’s Wi⸗ Abſcheu Ulkommen un ſcin ſprach e t die hee r er 58 6 hr Gase mner 5 muthung völlig übereinſtimmte, konnte nicht begreifen, wann und wo Emma den jungen Mann geſehen haben ſollte, da ſie ſelbſt ihn nie geſehen hatte. Doch bat ſie ihren Manf, den Kummer des armen Mädchens nicht zu vermehren, ſich viel⸗ mehr zu ſtellen, als ob er nichts bemerkt hätte. Als Emma in das Zimmer trat, das ſie mit Julien ge⸗ meinſchaftlich bewohnte und in welchem ſie nun jedenfalls die letzte Nacht zubringen ſollte, ſank ſie auf einen Stuhl.— „O mein Gott,“— ſprach ſie für ſich—„er iſt alſo hier in der Stadt, und ich ſollte ihn nicht eher ſehen, als heute, da ich gerade zur Abreiſe bereit bin! Doch— wozu diente es auch, ihn wiederzuſehen?— Ich kenne ihn ja nicht und werde ihn auch wahrſcheinlich niemals kennen lernen.“— Hier ſchwieg ſie und verſank in tiefes Nachdenken. Der junge Mann, deſ⸗ ſen Bild ihr länger als ein Jahr gefolgt war, hatte wirklich vor ihren Augen geſtanden, es war kein Traum geweſen, ſie hatte ihn wirklich geſehen. Sie hatte ſein Geſicht, ſeinen Wuchs, ſeinen Gang erkannt, ſogar ſeine männliche, wohllautende Stim⸗ me, und die edelmüthige Handlung, deren Zeugin ſie ſo eben geweſen war, hatte ſeinen Werth in ihren Augen nicht wenig erhöht. Je mehr ſie dieſe Gedanken zu vertreiben ſuchte, deſto zudringlicher und lebhafter kehrten ſie zurück. Eine lange Zeit hindurch fühlte ſie ſich unfähig, in's Geſellſchaftszimmer zu⸗ rückzukehren. Endlich that ſie ihren Gefühlen Gewalt an, gab Iirerr GBeſicht ein ruhiges Ausſehen und ging in's Geſell⸗ Frhaftszimmer zurück, wo ſie mit erzwungener Freundlichkeit ver⸗ faich erle, daß ſie ſich wieder beſſer befände. Man überhäufte Fiie mit Liebkoſungen und Zärtlichkeitsbeweiſen, allein dieſe ver⸗ mochten ihre Gedanken nicht zu bannen. Sobald ſie ſich wie⸗ der weniger beachtet ſah, ſtützte ſie ihr Kinn auf eine Hand, den Arm auf einen Tiſch und verſank in tiefe Betrachtungen. *) Ein viel geleſenes Journal in Stockholm. Man ließ ſie ungeſtört ſitzen. Der Aſſeſſor ſetzte ſich hin und las das Abendblatt,*) die Aſſeſſorin ging hinaus, um Emma's Reiſegepäck zu ordnen, Julie war fleißig an einem Ruhekiſſen beſchäftigt, das ſie zum Andenken für Emma ſtickte, leider aber ſo ſpät angefangen hatte, daß ſie bis zu Emma's Abreiſe nicht fertig damit werden konnte;⸗Tante Gertrud war draußen auf⸗ dem Saal und packte ihre Sachen ein. Emma war allein unthätig. Jetzt war alſo der Augenblick gekommen, in welchem die Liebe mit ihrer Zauberkraft das Bewußtſein ihrer Gegenwart in dieſem unerfahrnen, reinen, unſchuldigen Herzen erwecken ſollte. Nun hatte ſie ihn wiedergeſehen, ihn, deſſen Bild ſie ſo lange treu in ihrem Gedächtniſſe bewahrt hatte. Wieder geſehen— vielleicht zum letzten Male. Allein eine Ahnung in ihrem Innern ſagte ihr das Gegentheil. Die Stimme der Hoffnung flüſterte ihr zu, daß ſie den jungen Mann wieder ſehen und ihn genauer kennen lernen würde. Da trat der Ge⸗ danke an Fridolf Tyrell plötzlich wie ein Schreckbild in ihr hervor und machte ſie ſchaudern. Allein da ſtieg das Bild des Unbekannten in ſeinem ganzen Glanze wieder auf und trieb das Bild des Verhaßten zurück— lächelnd ſaß Emma da, 3. wie ein Kind, das im Traume Engel ſieht. Endlich erwachte ſie aus ihrem Sinnen und beſchloß ſich zu beſchäftigen, um ſich zu zerſtreuen. Als ſie aber auf den Saal hinaus kam und durch die daſelbſt aufgeſtapelten Man⸗ telſäcke, Schachteln und Kiſten wieder an ihre Abreiſe eriunest wurde, kehrten ihre trüben Gedanken wieder. Nun holten eine Menge Sachen aus Juliens Zimmer, um der Tante 6 trud einpacken zu helfen; denn dieſe arme alte Dame war wie es in kleinen Orten Sitte iſt— bei ihrer Reiſe 4 Um collation Zettel, o Fräulein keine M kehrt,“ verſicher ſie ſich! Freiſchüt die Tant ber iſt, ber.“— ter, Ca⸗ fort.— tete Em richtig. belte, leg ſprach er fel ſinge „Nun, ſi ſie auf e „Aria ur dies itali Tante C mich nich Fräulein ſangen di Freude de hat ge 1 8 ſch Lie 31 nund Um ſich zu überzeugen, daß nichts vergeſſen worden war, una's collationirte nun Emma mit der Tante. Emma las von dem ekiſſen Zettel, auf welchem die Aufträge ſtanden:—„Muſikalien für aber Fräulein Louiſe.“—„Nein, Noten bat ich Dich zu kaufen, nicht keine Muſikalien, ſondern Noten; nun iſt gewiß Alles ver⸗ u auf kehrt,“— jammerte die Tante und ſchüttelte den Kopf. Emma hätig. verſicherte ihr jedoch, daß Beides ein und daſſelbe ſei, worauf m die ſie ſich beruhigte. Emma las weiter:—„Ouvertüre zum nwart Freiſchütz von Weber.⸗——„Tauſend,“— unterbrach ſie vecken die Tante—„Weber? Ich möchte wiſſen ob dies derſelbe We⸗ ld ſie ber iſt, den ich in meiner Jugend kannte; er war ein Ger⸗ Jieder ber.“— Emma bis ſich in die Lippen.—„Nun, lies wei⸗ mung ter, Catharina aus dem Freiſchütz,— fuhr die Tante ie der fort.—„Nein, Cavatina aus dem Freiſchütz,“— berich⸗ vieder tete Emma. So collationirten ſie weiter und fanden Alles r Ge⸗ richtig. Aber Tante Gertrud ſtand noch immer und grü⸗ n ihr belte, legte die Noten in Ordnung, las die Titel derſelben und Bild ſprach endlich:—„Aber es iſt doch ſeltſam, daß der Teu⸗ trieb fel ſingen ſoll.“——„Wie ſo?⸗— fragte Emma.— a da,»Nun, ſieh doch, liebes Kind,“— verſetzte die Tante, indem ſie auf ein Heft Noten zeigte, auf deſſen Titel die Worte: ß ſich„Kria ur cosi fan tutti“*) ſtanden. Emma erklärte ihr, daß f den dies italieniſche Worte wären.—„So, ſo?⸗— ſprach da Man⸗ Tante Gertrud,—„Italieniſch?— Nun, dann wundre ich Inest mich nicht darüber, daß ich kein Wort von dem verſtehe, was tes r Fräulein Louiſe ſingt. Da lob' ich mir meine Jugend; da 6C ſangen die Mädchen ſo, daß es die ganze Welt verſtand und er Freude daran hatte; und ich ſang mit, mußt Du wiſſen.„„Liſon .hat geſchlafen in dem Pri und die Arme ausgeſtreckt,“ war bel mein Lieblinslied. de 3 einſt Vam heißt im Schwediſchen der Teufel. Nun erſt klopfte Tante Gertrud ihrer Nichte dankend auf rragen die Schultern, ſetzte aber doch ſeufzend hinzu:—„Wenn nur Nach e die Gräfin und das Fräulein mit meinen Einkäufen zufrieden daſelbſ ſind, dann will ich froh ſein.“— Alle, d Man aß zu Abend und trennte ſich dann, indem man heim⸗ ſtand ſ lich Thränen darüber vergoß, daß man einander für lange und merei unbeſtimmte Zeit, vielleicht zum letzten Mal gute Nacht ſagte. Kindes Gertrud war die Einzige, die nicht weinte. Sie ſehnte ſich gewiß, vielmehr, die große Stadt zu verlaſſen, die mit ihren hohen, vaters dicht zuſammengebauten Häuſern, ihrem ermüdenden Stein⸗ B pflaſter, ihren unaufhörlich hin⸗ und herfahrenden Wagen und fam raſſelnden Karren, ihrer dumpfigen Luft und ihren ſchreienden den iu Volksmaſſen für ſie der unerträglichſte Ort war, den ſie kannte. b enl Es war noch nicht drei Uhr Morgens, als Emma, die kein ren ge Auge zum Schlaf zu ſchließen vermocht hatte, bereits wach und Kaleſch angekleidet war. Mit wehmüthigen, in Thränen ſchwimmen⸗ 9 den Blicken ſtand ſie vor Juliens Bett und betrachtete das zn 2 darin liegende funfzehnjährige Mädchen, das ſchön, mild und ſc aft 1 lächelnd wie ein Engel den ſüßen Schlaf der Unſchuld ſchüief 1— —„Schlafe, ſchlafe nur, Du liebenswürdiges Weſen,“— persom ſprach ſie leiſe und küßte eine blonde, reiche Haarflechte, die ſich unter der weißen Nachthaube hervorgeringelt hatte und auf De der roſigen weichen Schulter der Schläferin lag.—„Gern ſich, eh möchte ich Dich noch in dieſen letzten Stunden genießen, aber gann e — darf ich wohl Deine Ruhe ſtören?— Du haſt bis na denn d Mitternacht um mich geweint, ſo iſt es wohl billig, daß ich ihrem 8 Dir einige Augenblicke Schlaf gönne. Emma's Thränen daß ſie fielen auf Juliens Stirn, ſie fürchtete ihre Freundin zu erwecke 2 und trat an das Fenſter, durch welches die aufgehende Sonn Deiner freundlich ims Zimmer blickte.—„— ſeufzte ſie derſelbe wie ſchön wird dieſer Tag! Wie mild lächelt die Sonne Nacht ber ſie wird mir in einer andern Gegend leuchten, ſie die Wellen beſtrahlen, die mich von dieſen guten Menſche kend auf denn nur zufrieden an heim⸗ unge und cht ſagte. hnte ſich n hohen, 1 Stein⸗ agen und hreienden e kannte. „die kein wach und wimmen⸗ htete das mild und d ſchlief. ſen,— echte, die und auf „Gern ßen, aber bis nach daß ich Thränen erwecken 7 ide Sonne zte ſie Sonne „ ſie wi ſchen weß 33 tragen, von“——— ſie verſtummte haſtig und erxröthete. Nach einer Weile ging ſie wieder an Juliens Bett zurück, kniete daſelbſt nieder und bat den Allgütigen um Schutz für ſich und Alle, die ihr theuer waren. Mit Vertrauen und Ergebenheit ſtand ſie auf.—„O gewiß,“— flüſterte ſie in ſüßer Schwär⸗ merei—„o gewiß ſchweben Engel um das Lager dieſes guten Kindes; ſie haben mich während meines Gebets umgeben und gewiß, gewiß haben ſie mein Gebet vor den Thron des All⸗ vaters getragen!— Bald darauf wurde man allgemein wach im Hauſe und ſammelte ſich um den Kaffeetiſch. Alle waren wortarm und hiel⸗ ten nur mit Mühe ihre Thränen zurück. Das Reiſegepäck war bereits vor das Haus hinuntergetragen, daſelbſt auf einen Kar⸗ ren gepackt und auf das Dampfſchiff gefahren worden; eine Kaleſche hielt zur Aufnahme der Reiſenden vor der Thür. Die ganze Familie wollte Emma bis auf den Ritterholm beglei⸗ ten. Die Glocke ſchlug— man mußte eilen. Alles— Herr⸗ ſchaft und Geſinde— drängte ſich Abſchied nehmend um Emma — Tante Gertrud ſpielte bei dieſer tragiſchen Scene eine personnage muet. Der Wagen rollte fort und mit Verwunderung ſah man ſich, ehe man es gedacht hatte, auf dem Ritterholm. Hier be⸗ gann eine neue Abſchiedsſcene, die jedoch nicht lange dauerte, denn das Dampfſchiff ſollte bald abgehen. Aber mitten in ihrem Kummer unterließ doch Julie nicht Emma zuzuflüſtern, daß ſie Acht auf ihre Träume in der erſten Nacht haben ſolle. —„Denn,“— ſetzte ſie hinzu—„Dein Bater hat ja nach Deiner Abreiſe eine neue Wohnung erhalten, Du haſt alſo in derſelben noch nie geſchlafen; und was man in der erſten Nacht an einem Orte träumt, an welchem man noch nicht geſchlafen hat, das trifft ein, ſo gewiß zwei mal zwei Vier beträgt.“— Emnia's Herz. 1. 3. Emma lächelte durch Thränen, und verſprach ihrer Freun⸗ din Alles mitzutheilen, was ſie träumen würde. Emma und die Tante waren bereits am Bord des Dampf⸗ ſchiffes und der Aſſeſſor mit Frau und Tochter ſaß bereits 8 wieder im Wagen, als ſie einander noch immer freundlich⸗ wehmüthige Grüße zunickten. Wir wollen die Letzteren einſt⸗ weilen verlaſſen, um der guten Emma auf der Reiſe zu folgen. Lang⸗ Ufer; das S ihrem Thrän merker ihre ti 3 giere uum ſie Freun⸗ Dampf⸗ bereits eundlich⸗ en einſt⸗ Reiſe zu II. Die Dampfſchifffahrt. Lange noch ſtand das holde Mädchen und wehte ihren am Ufer zurückgebliebenen Lieben mit dem Taſchentuche zu; aber das Schiff flog dahin und bald waren die Zurückgebliebenen ihrem Blick entſchwunden. Noch ſtand ſie da und blickte mit Thränen in den Augen nach der Hauptſtadt zurück, nicht be⸗ merkend, daß ſie durch ihre ungewöhnliche Schönheit und durch ihre tiefe Betrübniß die Aufmerkſamkeit aller übrigen Paſſa⸗ giere auf ſich zog. Man drängte ſich in einiger Entfernung, um ſie zu betrachten. Die Herren benutzten Brillen und Lorg⸗ netten fleißig, die Damen flüſterten einander zu:—„Wer mag das ſchöne Mädchen ſein?— Warum weint ſie ſo ſehr? — Gewiß hat ſie ihre Eltern oder ihren Bräutigam verlaſ⸗ ſen müſſen.“— Als Tante Gertrud bemerkte, daß Emma der Gegenſtand ſe vieler neugierigen Blicke war, nahm ſie dieſelbe bei der Hand und ſagte leiſe:—„Komm, liebe Emma, wir wollen auf ein Weilchen in den Salon hinuntergehen.“— Die Tante ging voraus, Emma wollte ihr folgen, verlor aber in demſelben Augenblick ihren Handſchuh. Ein naheſtehender Herr hob ihn nuf und übergab ihr ihn mit den Worten:— Erlauben Sie gnir, Fräulein, Ihnen den Handſchuh zu überreichen, den Sie verloren haben.“— Gott, welche Stimme! Emma hatte die⸗ 3*6 — — ſelbe ſchon früher mit Entzücken gehört. Sie erhob ihre großen ſtrahlenden himmelblauen Augen und erblickte— den ſchönen und h Unbekannten, ihr theures Ideal. mein Emma's Verwirrung war ſo groß, daß ſie faſt den Hand⸗ ausſeh ſchuh von dem artigen jungen Mann gar nicht angenommen wn hätte. Als ſie aber nach einer ſtummen Verbeugung ihrer ſchwer bot er ihr ſeine Hand, um ſie in den hätteſt Tante nacheilen wollte, ren. Ihre ſchöne zarte Hand, die jetzt ohne Hand⸗ ſen. faßt, ſie zog die⸗ auf w chuh war, wurde ſanft von der ſeinigen ge elbe nicht zurück, zitterte aber merkbar, als ſie die Hand des daß D Als ſie bis an den Salon gekommen hindur Unbekannten berührte. waren, öffnete der Unbekannte die Thür deſſelben, verbeugte ſchmer ſich und kehrte dann auf das Verdeck zurück. Dich 2 „Wo bliebſt Du denn, Mädchen?“— ſagte Tante Ger⸗ in der trud.—„Ich dachte, Du wäreſt bei mir, aber ich erſtaunte hich jun d ganz allein hier Dich z nicht wenig, als ich mich ganz allein ſah un eintreten mußte. Eben wollte ich mich in Trab ſetzen, um Eltern Dich zu ſuchen.“— Emma war viel zu aufgeregt, um auf ich Dir das zu hören, ante ſprach; ſie ſetzte ſich auf ein holm Sopha in einer Ecke des Salons nieder und hoffte dort un⸗ lereien geſtört zu ſein, denn das ſchöne Wetter hatte faſt alle Paſſa⸗ 4 that i Emma und der Tante Doch h giere aufs Verdeck gelockt, und außer befanden ſich nur noch zwei Perſonen im Salon: ein alter der S Geiſtlicher, der in einem Buche las, und ein altes Fräulein, weſen das ſich damit beſchäftigte, einen Mops zu füttern. Der Geiſt eine ſt dem Mops war dergeſe Buch und das Fräulein mit um auf Emma zu liche mit dem zu ſehr in ihre Beſchäftigungen vertieft, achten, die mit niedergeſchlagenen Augen daſaß und an den Griff ihres Sonnenſchirms drehte. Tauſend Gedanf en vunch ſag ie glaubte ihr Herz ſchl kreuzten ihren Kopf, ſ welche Emma's verſtörte Tante Gertrüud, bniß, die Hauptſtadt und ihre Freu herleitete, hielt es für ihre Pflicht, ſie auf ihrer Betrü rr, großen chönen Hand⸗ mmen gihrer in den Hand⸗ og die⸗ nd des ommen rbeugte e Ger⸗ eſtaunte ein hier en, um um auf auf ein ort un⸗ Paſſa⸗. r Tante in alter Fräulein, er Geiſt⸗ s waren mma zu an den n durch⸗ hörf ehen ver zuheit und hielt ihr deshalb folgende erbauliche Rede:—„Höre, mein Kind, nun darfſt Du nicht länger weinen und traurig ausſehen, Dein Aeußeres verliert dadurch horribel, beſonders Deine Augen. Ein junges Mädchen darf die Dinge nicht allzu ſchwer nehmen. Als ich in Deinen Jahren war, Mädchen, o, da hätteſt Du mich ſehen ſollen, das war ein ganz anderes We⸗ ſen. Ich tanzte, ich ſang, ich lachte— ja, ich wußte kaum, auf welchem Fuße ich ſtand. Es iſt wohl hübſch von Dir, daß Du dankbar gegen diejenigen biſt, welche Dich ſo viele Jahre hindurch erzogen haben; ich wundere mich nicht, daß es Dir ſchmerzlich iſt, Dich von ihnen zu trennen. Aber Du betrübſt Dich zu ſehr. Ein Mädchen muß in einer Minute weinen und in der andern lachen können; ſo machte ich es wenigſtens, als ich jung war. Und übrigens giebt es ja nichts, worüber Du Dich zu grämen brauchſt. Du kommſt nach Hauſe zu Deinen Eltern, und bei dieſen wirſt Du keine Noth haben, das kann ich Dir verſichern. Freilich wirſt Du nicht— wie in Stock⸗ holm— den ganzen Tag daſitzen und ſticken oder ſolche Spie⸗ lereien machen können. Nein, daheim mußt Du arbeiten, ſo that ich auch, als ich jung war, und habe es immer gethan. Doch haſt Du keine ſchweren Tage zu Hauſe zu erwarten, denn der Schwager kümmert ſich nicht viel um das innere Haus⸗ weſen, er iſt vielmehr oft zu ganzen Tagen auswärts; und eine ſtrenge Mutter haſt Du nicht. Aber Du darfſt nicht nie⸗ dergeſchlagen ausſehen, denn der Schwager leidet keine ſauern Geſichter, das hat er erklärt. Deshalb iſt er auch oft böſe auf Schweſter Lotta; ſie ſieht immer ſehr„milarcholiſch“ aus, ſagt er.“—— Als Tante Gertrud dieſen Vortrag beendet hatte, machte ſie eine Pauſe und erwartete, daß Emma antworten würde. Allein vergebens; die alte Däme hatte tauben Ohren gepredigt; und als ſie ihre Predigt fortſetzen wollte, brauchte Emma eine kleine Liſt und ſprach:—„Liebe Tante, mir iſt ſehr übel. 7 „O Gott, biſt Du krank?“— rief Gertrud bekümmert. —„Laß uns dann geſchwind auf's Verdeck ſteigen, vielleicht wird Dir in der friſchen Luft beſſer.“— Weiter wünſchte ja Emma nichts. Kaum hatten ſie das Verdeck erſtiegen, als Emma's Blicke auf den ſchönen Unbekannten fielen— und vorüber war alles Uebelbefinden. Der junge Mann ging ihnen entgegen und redete die Tante an:—„Die Damen ſind unten im Salon geweſen; iſt es nicht zu warm darin?“—„O, ganz terri⸗ bel.— erwiederte Gertrud—„meine arme Schweſtertochter ward ſo krank unten, daß wir wieder heraufgehen mußten.“ Mit der zärtlichſten Theilnahme erkundigte ſich nun der Unbekannte nach Emma's Befinden, worauf die Letztere mit glühend rothen Wangen entgegnete, daß ſie ſich weit beſſer befände, ſeitdem ſie wieder in die freie Luft gekommen wäre. Der Fremde ließ ſich nun in ein lebhaftes Geſpräch mit der guten Tante ein, die— ſtolz auf dieſe Auszeichnung— auf der Bank, auf welcher ſie mit Emma ſaß, ein wenig zu⸗ rückte und den Herrn fragte, ob es ihm nicht beliebe, bei ihnen Platz zu nehmen. Welch' ein unerwartetes Glück!— Der junge Mann, der eine ſolche Gunſt des Glücks nicht im Ent⸗ fernteſten erwartet hatte, nahm das freundliche Anerbieten entzückt an und ſetzte ſich zwiſchen die beiden Damen. Emma gerieth in die größte Verlegenheit und konnte Gertruds Dumm⸗ * dreiſtigkeit auch ſpäter nicht vergeſſen, denn Aller Blicke teten ſich auf ſie und ihre Geſellſchaft. „Sie ſind ſo niedergeſchlagen,“— ſprach der Fremde Emma,—„vermuthlich waren es Ihre Eltern und Ihre Schweſter, die Sie am Ufer verließen?— 3 Emma verneinte und berichtete mit ungekünſtelter Anmuth und nicht ohne Rührung, in welchem Verhältniß ſie mit Zurücggebliebenen ſtand. Sie beſchrieb ihre Güte, ihre S ärtliche Zuneigung zu ihr mit einer ſo gefühle überleg zwunge mmert. elleicht Blicke v alles n und Salon terri⸗ tochter ißten.“ un der ere mit beſſer wäre. ich mit ung— nig zu⸗ ei ihnen — Der m Ent⸗ erbieten Emma Dumm⸗ cke rich⸗ remde zu nd Ihre Anmuth mit den re Sorg⸗ ühlvollen 39 Beredtſamkeit, daß ſie dadurch in den Augen ihres Zuhörers noch ſchöner erſchien. Er fragte weiter, ob ſie Stockholm für immer verließ, und Emma erwiederte, daß ſie davon überzeugt ſei, weil ſie keine Hoffnung hegen könne, ihres bloßen Vergnügens halber eine ſolche Reiſe aus dem Hauſe ihrer Eltern in die Haupt⸗ ſtadt unternehmen zu dürfen. Während dieſer Unterhaltung fiel ſein Blick auf einen Zipfel von Emma's Taſchentuch, auf welchen die Buchſtaben E. H. geſtickt waren. Er fragte, ob dies die Anfangsbuch⸗ ſtaben ihres Namens wären.—„Ja wohl,“— erwiederte Emma lächelnd. „Sonderbar,“— ſprach er—„ſo haben wir dieſelben Anfangsbuchſtaben. Ich heiße Eduard, und mein Familien⸗ name beginnt mit dem Buchſtaben H.“— Allein Emma ſchien darin nichts beſonderes zu finden, ſondern erwiederte gleichgültig, es gäbe viele Hundert Men⸗ ſchen, deren Namen gleiche Anfangsbuchſtaben hätten. Der junge Mann that nun mehrere Fragen über Em⸗ ma's Heimath und über das Ziel ihrer Reiſe; das offenher⸗ zige Mädchen erzählte ihm darauf ohne Zurückhaltung, daß ſie nach B*s, einem Hammerwerk in Oſtgotland, reiſe und daß ihr Vater daſelbſt Inſpector ſei. Bei dieſer Nachricht wechſelte die Geſichtsfarbe des jungen Mannes auf ſo bemerkbare Weiſe, daß Emma darüber er⸗ ſtaunte. Sie ſah deutlich, daß er etwas Wichtiges bei ſich überlegte. Bald faßte er ſich jedoch wieder und fuhr mit er⸗ zwungener Ruhe fort:—„Welch' ein Glück, daß Sie in B wohnen; ich werde das Vergnügen haben, Sie oft wie⸗ der zu ſehen, denn ich reiſe ebendahin. Mein Name iſt Hähr⸗ ling; ich komme von Upſala, woſelbſt ich meine Studien he⸗ Wendigt habe, und beabſichtige einige Zeit bei dem Generalma⸗ or Gkafen H“** zuzubringen. Ich habe nämlich das Glück gehabt, demſelben einige leiſten, und zu ſich ein⸗ unbedeutende Dienſte zu er iſt ſo gütig geweſen, mich für den Sommer zuladen.“— „So? verſetzte Emma langſam und verbarg ihre Freude eben ſo ſchlecht, wie vorher der Student ſeine Verwirrung. Doch fragte ſie, um ſeine Aufmerkſamkeit von ſich abzulenken, ob er wiſſe, wo ſich der junge Graf H**, der Sohn des General⸗ majors— der ſich, wie ſie gehört hatte, im Auslande auf Reiſen befand— gegenwärtig aufhielt. Dieſe Frage ſchien den jungen Mann legenheit zu ſetzen, aus der ihn jedoch ſeir alsbald befreite. Bevor er nämlich antw zur Tante Gertrud, welche der Unterhaltu gen Leute ſchweigend zuhörte, eine Dame, die ſie mit ſcharfen und forſchenden Blicken betrachtete. Dadurch wurde die Un⸗ terhaltung abgebrochen; denn wie Tante Gertrud und die mnander anſahen, fragten und antworteten, ſo chſen und fremde Dame einan ſie als Kinder zuſammen aufgewa ch nun nach vierzig Freude— abermals in Ver⸗ a glücklicher Stern orten konnte, trat ug der beiden jun⸗ ergab ſich, daß Schulkameradinnen geweſen waren, die ſi leicht denken, mit welcher Jahren— man kann wiederſahen. Die fremde Dame war die Bürgermeiſterin Oefelt aus ell Ger⸗ W, die durch Zufall von der Anweſenheit Mamſ trud Oüvenblad's am Bord gehört und hatte, die alte Bekanntſchaft zu erneuern. die alte Freundin ſogleich neben ſich ſetze des übrigen Theils vom Vormittag nur Augen fü uicht geringer Freude Herrn Eduard H nur für Emma Augen und Ohren hatte und darin war, daß er ſich ungeſtört mit ih n die Tante eine Unart zu begehen. Emma ihr es eine Welt Außer ihr gab und lebte b des gegenwärtigen Augenblicks. ſich ſogleich beeilt Tante Gertrud ließ n und hatte während r ſie, u ährlings, der ſeinerſeits ſetzt glücklich 4 r unterhalten konnte, ſtrahl derſel hielt. ihrer dieſes Bildu verbut 1, und h ein⸗ Freude Doch ob er eneral⸗ de auf 1 Ver⸗ Stern „ trat en jun⸗ ſcharfen die Un⸗ und die eten, ſo en und vierzig ude— felt aus ell Ger⸗ ch beeilt trud ließ während ſie, zu einerſeits glücklich n konnte, na ihrer⸗ bte blos Moöthigen. wagte ſie nun das Original des Bildes, welches ſie ſo lange im Herzen getragen hatte, zu betrachten, und Minuten lang ſtrahlten ihre ſchönen blauen Augen auf den Jüngling, ſo oft derſelbe ſprach. Die Unterhaltung wandte ſich auf die Kunſt, auf die geſelligen Kreiſe der Hauptſtadt, auf Geſchichte und Sitte des Auslandes; und in Allem, was der junge Mann darüber ſprach, entdeckte Emma ſo viel Geſchmack, Geiſt, Witz und geſundes Urtheil, daß ſie dieſen Mann mit dieſer Geiſtes⸗ bildung in Verbindung mit ſeinem ſchönen Aeußern und ſeinem gefühlvollen Herzen für eine ſehr ungewöhnliche Erſcheinung hielt. Aber noch weit eingenommener war der Student. Emma's Schönheit, die ihn anfangs ganz beſonders erregt hatte, ver⸗ ſchwand jetzt in ſeinen Augen faſt ganz vor dem Geiſt und der Seelengüte, die aus jedem ihrer Worte ſprach, aus jedem ihrer Blicke hervorleuchtete, vor dem unverbildeten Verſtand dieſes erſt kürzlich der Kindheit entwachſenen Mädchens. Die Bildung und Gewandtheit, die ſich in ihrer Unterhaltung zeigte, verbunden mit der Schüchternheit und dem ungekünſtelten We⸗ ſen eines Landmädchens, übertraf Alles, was Eduard in dieſer Beziehung bisher geſehen und gehört hatte. Wie Emma ver⸗ gaß auch er die ganze Welt außerhalb des Dampfſchiffes und glaubte, bis zu dieſem Augenblick noch gar nicht eigentlich ge⸗ lebt zu haben. Unterdeſſen theilten ſich die Bürgermeiſterin und Tante Gertrud wechſelſeitig ihre Schickſale mit. Gertrud erzählte, wie ſie erſt mehrere Jahre in dem Hauſe eines reichen Groß⸗ händlers zu Götheburg conditionirt und ſeit der Verheirathung ihrer jüngſten Schweſter Lotta mit dem Inſpector Hilbert auf dem Hammmerwerke B*s ſich bei dieſer aufgehalten hätte. Nun, und wie geht es der ſüßen Lotta?— fragte die Bür⸗ germeiſterin.—„Gott ſei Dank, recht gut!— erwiederte Gentrud.—„Sie hat ihr gutes Auskommen und wohl noch darüber; aber ſie hat einen ſtrengen, mürriſchen Mann, ob⸗ wohl derſelbe übrigens ein grundehrenwerther Menſch iſt. Man ſieht daraus, daß irdiſches Glück nie vollkommen iſt. Schweſter Lotta iſt wohlhabend und hat Alles, was ſie will oder braucht; aber dennoch iſt ſie nicht glücklich, denn ſie fürchtet ſich beſtän⸗ dig vor ihrem Mann, der ſie ſtets kalt behandelt. Ja, ich verſichere Dir, ſobald ſie ihn nur kommen hört, erſchrickt ſie ſo, daß ſie zittert. Nun, jetzt wird ſie doch einigen Troſt be⸗ kommen, denk' ich, denn ich bringe ihre einzige Tochter mit nach Hauſe, die ſeit fünf Jahren in Stockholm geweſen iſt und viel Schönes gelernt hat. Das iſt ein Mädchen, die ihres Gleichen nicht hat, ſag! ich Dir.“— Die Tante wandte ſich um und rief Emma zu ſich. Emma ſah mit Wehmuth, daß ſie Eduards intereſſante Geſellſchaft verlaſſen mußte. Sie ſtand auf und verneigte ſich vor der Bürgermeiſterin, welche ihrer⸗ ſeits ausrief:— Herr Gott, hat Lotta ſchon eine ſo große Tochter? O, wie doch die Zeit vergeht! Als Lotta ihre Hei⸗ math verließ, war ſie ungefähr in demſelben Alter, in welchem jetzt die Mamſell ſteht; aber Lotta war bei weitem nicht ſo ſchön, das weiß Gott!“— „Schweſter Lotta wurde ſtets für ein ſchönes Mädchen an⸗ geſehen,“— fiel Gertrud verdrießlich ein—„obwohl meiner Schweſter Tochter“—— hier beſann ſich die Tante und ſprach ihre Meinung nicht weiter aus.—„Es iſt ſonderbar,f — fuhr ſie nach einer Weile fort—„daß Emma keinen ein⸗ zigen Zug vom Vater oder von der Mutter hat. Wenn ich ſie, wie viele Andere, kaum dafür halten.“— Doch dürfte es nun wohl an der Zeit ſein, den Leſer näher mit dem Herrn Studioſus Eduard Hährling bekannt zu machen. Derſelbe war nämlich kein Anderer, als dey junge Graf Eduard H, der künftige Beſitzer des Gutes, auf we nicht wüßte, daß ſie Hilberts und Lotta's Tochter iſt, ich würde chen hatt Gra Gut Bru derſ ſich lauf lin und auße gene Gen bleil drin gere Gra rend ihr Hau und in, ob⸗ . Man chweſter waucht; beſtän⸗ Ja, ich rickt ſie roſt be⸗ bter mit heſen iſt die ihres ndte ſich ith, daß Sie ſtand de ihrer⸗ ſo große hre Hei⸗ welchem nicht ſo dchen an⸗ öl meiner ante und nderbar,“ einen ein⸗ Wenn ich ich würde den Leſer g bekannt der junge auf wel⸗ chem Emma geboren war. Und daß ihn Emma nicht kannte, hatte in Folgendem ſeinen Grund. Der gegenwärtige Beſitzer des Gutes, der Generalmajor Graf Huu, der Vater des jungen Grafen Eduard, beſaß das Gut Bus erſt ſeit ſieben Jahren. Ein alter unverheiratheter Bruder ſeines Vaters hatte ihm daſſelbe hinterlaſſen. Sobald derſelbe todt war, reiſ'te der Erbe auf das Gut und beſah ſich daſſelbe, blieb aber nur einige Tage daſelbſt. Nach Ver⸗ lauf zweier Jahre kehrte er jedoch zurück, von ſeiner Gemah⸗ lin und ſeinem einzigen Sohn, dem damals ſiebzehnjährigen und in Upſala ſtudirenden Eduard, begleitet. Die Gräfin fand außerordentliches Behagen an der romantiſchen Lage und an⸗ genehmen Umgebung des ſchönen Beſitzthums und bat ihren Gemahl, der die Hauptſtadt für immer zu verlaſſen und ſeinen bleibenden Aufenthalt auf dem Lande zu nehmen beabſichtigte, dringend, B* zu ſeinem künftigen Wohnſitz zu wählen. Gerade zu dieſer Zeit war Emma nach Stockholm ab⸗ ereiſt. 3 Es vergingen jedoch noch zwei Jahre, ehe der Wunſch der Gräfin in Erfüllung ging; doch verlebte ſie alljährlich wäh⸗ rend der Sommermonate einige Wochen in der Gegend, die ihr ſo ſehr gefiel. Müde des Hoflebens und des Geräuſches der Hauptſtadt legte endlich Graf Hes alle ſeine Aemter nieder und zog mit ſeiner Gemahlin und einer jungen Verwandtin, dem Fräulein Louiſe R**, nach B*r*, um ſeinen Wohnſitz für immer daſelbſt zu nehmen. Sein Sohn war damals mit ſeinem Erzieher im Auslande auf Reiſen und war eben in ſein Vaterland zurückgekehrt, als ihn Emma in der Kunſtaus⸗ ſtellung ſah. Sein Aufenthalt in Stockholm war damals nur auf drei Tage berechnet, und gerade am letzten derſelben er⸗ blickte er Emma. Obwohl er gern gewußt hätte, wer das etzende Mädchen war, ſo konnte er doch aus Mangel an Zeit icht die geringſte Nachforſchung darüber anſtellen. Er reiſte nach ſo langer Trennung nach Ber, um ſeine Eltern, die ſich dort blieb er aber nur ſehr nach ihm ſehnten, zu umarmen; kurze Zeit, dann unternahm er ohne Begleitung eine Reiſe in die Nachbarreiche Dänemark und Rußland. Gleichwohl hielt einige Tage in Stockholm auf die er noch nicht vergeſſen hatte. Aber vergebens; Emma wohnte damals mit der Familie ihres An zurückkehren, um den bringen und dann unter ein Kavallerieregiment zu treten. hatte von Stockholm aus ſeinen Eltern ſeine glückliche Ankunft gemeldet und zugleich geſchrieben, daß er ſich einer wichtigen Angelegenheit halber noch vierzehn Tage in der Hauptſtadt auf⸗ halten müſſe. Dieſe wichtige Angelegenheit betraf jedoch ledig⸗ lich ſein Herz er hoffte noch immer das ſchöne Mädchen wiederzufinden, deren Bild er unvertilgbar im Herzen trug⸗ Allein das Schickſal ſchien ihm dieſe Freude nicht zu gönnen. Seine Eltern ſchrieben ihm die zärtlichſten Briefe, daß er ſeine Heimreiſe beſchleunigen möchte; ſie meldeten ihm endlich, daß ſie ihm Pferde entgegen ſchicken würden, die ihn bei ſeinem Aus⸗ ſteigen aus dem Dampfſchiſſ in Norrköping treffen ſollten. Der zunge Graf wäre zwar gern noch einige Tage in der Hauptſtadt weiblichen Weſen fortzuſetzen, das bisher ſein Herz gerührt allein die Vorſtellung, daß ſich ſeine Mutter bei ſeinem länge⸗ ren Außenbleiben ängſtigen könne, bewog ihn, der Stimme der kindlichen Liebe zu gehorchen. Als er ſeinen Aeltern ſeine Abreiſe gemeldet, ein Billet zum Dampfſchiff gelöſt und Alles für den folgenden Morgen zur Abreiſe vorbereitet hatte, beſuchte er noch einen ſeiner Freunde und früheren Commilitonen, der in der Königsſtraße wohnte, dem Hauſe faſt gegenüber, in welchem Emma lebte. O, hätte er geahnet, daß ihm der erſehnte Ge⸗ zurückgeblieben, um ſeine Nachforſchungen nach dem einzigen hatte; gen geb tritt Ant auf beſte Ent fand war ſpre dene unbe dara als leben nen 8 ſeine men würd Reiſ mal vielf woll zu v und 1 Unte erfo nito 3 1 1 Mã war tem —= 45 genſtand ſo nahe war, er würde nicht ſo ruhig bei ſeinem Freund ung geblieben ſein! Von deſſen Stubenfenſter aus hatte er dem Auf⸗ nur tritt auf der Straße zugeſehen, an welchem er endlich ſo thätigen ſe in Antheil nahm. hielt Wie ein Träumender begab er ſich am folgenden Morgen auf auf das Dampfſchiff, nur an Sie denkend, die vorzugsweiſe hatte. beſtändig ſeine Gedanken beſchäftigte. Nun denke man ſich ſein ihres Entzücken, als er die vergebens Geſuchte ſo unvermuthet wieder fernt. fand. Noch größer war ſeine Freude, als er erfuhr, wer ſie Biüss war; er konnte ſie ja von nun an ſo oft ſehen, ſo oft mit ihr zuzu⸗ ſprechen und mit ihr in den Geſellſchaften zuſammen ſein, zu Er denen ſich die Jugend auf dem Lande häufig ſammelt. Jung, ikunft unbeſonnen und gänzlich unbekannt mit der Liebe, dachte er nicht htigen daran, daß dieſes fortwährende Zuſammenſein ſowohl für ſeine, t auf⸗ als für Emma's Ruhe bedenkliche Folgen haben könnte; der ledig⸗ ebensfriſche Jüngling lebte blos für die Gegenwart, ohne ſei⸗ ädchen nen Blick auf die Zukunft zu richten. trug. Aus dieſer Unbeſonnenheit entſtand auch ſein Kunſtgriff, önnen. ſeinen Namen vor Emma zu verbergen und einen fremden Na⸗ r ſeine mmen anzunehmen. Er wußte wohl, daß ſie in Kurzem erfahren ch, daß würde, wer er ſei; aber er wollte während der Dauer dieſer m Aus⸗ Reiſe vollkommen glücklich ſein, da ihm ſein guter Genius ein⸗ en. Der mal das Glück geſchenkt hatte, dem reizenden Gegenſtand ſeiner uptſtadt vielfachen fruchtloſen Nachforſchungen ſo nahe zu ſein. Er einzigen wollte ſcheinbar gleichen Standes mit Emma ſein, um den Zwang et hatte; zu vermeiden, der zwiſchen dem Sohn des adligen Gutsbeſitzers länge⸗ und der Tochter des bürgerlichen Untergebenen herrſchen mußte. ume der Unter dieſem Incognito wollte er ihren Character und ihr Herz Abreiſe erforſchen; aber er bedachté nicht, welche Gefahr dieſes Incog⸗ für den nito der ganzen künftigen Wohlfahrt des argloſen unerfahrnen er noch Mädchens bringen könnte. Hätte ſie ſogleich erfahren, wer er in der war, ſo würde ſie ſich gewiß zeitig, wenn auch mit verwunde⸗ welchem tem Herzen, ſcheu zurückgezogen haben; jetzt dagegen, da ſie die hnte Ge= 46 Kluft nicht kannte, welche das Standesverhältniß zwiſchen ihnen bildete, jetzt überließ ſie ſich ohne Zwang dem Reiz eines lie⸗ benswürdigen, verführeriſchen Umgangs. Zu beiden jungen Herzen hatte ſich der ſchelmiſche Amor ohne ihr Wiſſen ſchon vor Jahresfriſt einen heimlichen Weg gebahnt; jetzt trieb er ſein Spiel ungehindert darin, denn keines von beiden verſtand es, daß es Liebe war, was ſie bereits für einander fühlten; aber beide fühlten ſich unendlich glücklich, daß ſie ihre Gedan⸗ ken und Gefühle austauſchen und ſich Auge in Auge, Seele in Seele ſpiegeln konnten. Ein anderer junger Mann an Eduards Stelle würde viel⸗ leicht in Emma nur eine Unterthanin ſeines Vaters geſehen und ſie höchſtens einiger verſtohlener Blicke oder einiger nachläſſigen Fragen gewürdigt haben: allein Eduard ſah in dem Menſchen nur den inneren Werth, nicht die Vorzüge des Standes und des Glücks. Von einem aufgeklärten braven Lehrer erzogen, trat er ohne den geringſten Anſtrich jener Vorurtheile in die Welt, welche eine ſchwache Seite ſeines Vaters waren. Dieſer, der Rang und Titel über alles in der Welt liebte und ſeinen, meh⸗ rere Jahrhunderte alten Stammbaum für den koſtbarſten Ge⸗ genſtand in und ihm daher den verderblichen Rangſtolz nicht einimpfen kön⸗ nen, Gebildet, aber ungekünſtelt und Einbildung auf ſeine perſönlichen der Erweiterung ſeiner Kenntniſſe ſtrebend, ging der junge Graf den, ſeinem Vaterland nützlich, ohne einen andern Ehrgeiz, als den, von der Mitwelt geliebt und gelobt zu werden. Die Sonne hatte ihre Mittagshöhe erreicht, als das Dampf⸗ ſchiff dicht an einer mit ſchattigen Bäumen bewachſenen Inſel hin fuhr. Eduard und Emma auf das Eiland. Leiſe bewegte der Wind das zitternde der Welt hielt, hatte ſeinen Sohn nie ſelbſt geleitet⸗ von welchem er ſelbſt und noch mehr die Gräfin erfüllt war. anſpruchslos, ohne die geringſte Vorzüge und beſtändig nach 3 felt ruhig ſeiner Zukunft entgegen, ohne einen andern Zweck, als richteten unwillkürlich ihre Blicke aub der ihre trotzi Balj weich ten; und den! nicht Sonn entwi len 2 ſeinen Licht, noch und d den r gegene mel o ohne§ die un verſch wind Natur — D und die bei durch beantm lſeine ten vo Emma — 47 znen der Espen, uralte Eichen und mooſige Hängebirken ſpiegelten lie⸗ ihre Wipfel im Waſſer, immergrüne Tannen ſchienen ihre ngen trotzige Stirn bis zum wolkenloſen Himmel erheben zu wollen. ſchon Balſamiſcher Duft entſtrömte den unzähligen Blumen, deren b er weiche Stengel ſich in dem friſchen Seewinde hin und her wieg⸗ ſtand ten; auf den Baumzweigen hüpften und ſangen zahlloſe Vögel lten; und freuten ſich ihres kurzen, gleich einem Traum dahin fliehen⸗ dan⸗ den Lebens. Alles war ſchön, herrlich, feierlich. Wie hätten ſich ele in nicht Emma's und Eduard's Seelen darüber freuen ſollen? In den erſten Frühlingstagen der Jugend, wenn der den viel⸗ Sonnenſtrahlen ſich mehr und mehr öffnende Körper zur völlig n und entwickelten Knospe wird, wenn die Geſundheit die friſchen, vol⸗ ſſigen len Wangen mit Purpur ſchminkt, wenn das Leben mit all' nſchen ſeinem bunten Gewimmel nur Glück und Freude verheißt, wenn id des Licht, Luſt und Entzücken durch alle Pulſe ſtrömt, das Herz trat er noch ſchuldlos, das Gefühl noch weich, das Vergnügen lebhaft Welt, und die Freude ungetrübt iſt; wenn die Hoffnung im flattern⸗ r, der den roſigen Kleide, mit Blumen in den goldenen Locken uns ent⸗ meh⸗ gegeneilt und dem Auge ihr Fernglas vorhält, das einen Him⸗ 7 Ge⸗ mel ohne Wolken und eine immer grünende und blühende Erde geleitet ohne Klüfte und Abgründe zeigt; wenn die kleinen Kümmerniſſe, en kön⸗ die uns etwa treffen, vor der darauf folgenden heitern Stunde t war. verſchwinden, wie leichte Wölkchen vor dem friſchen Morgen⸗ ringſte wind— o mit welchen Gefühlen betrachtet man dann die ſchöne g nach Natur! e Graf Der junge Graf war ſo artig, Tante Gertrud, Frau Oe⸗ ck, als felt und Emma zum Mittagseſſen einzuladen; un 3 3 die beiden alten Damen dazu gelangt waren, durch eine Unzahl von Verbeugüngen und beantworten, war er ſchon unten im Reſtaure ſeine Anordnungen zu treffen. Die beiden alt ten vor Neugierde, ſeinen Namen zu erfahre Ennna mit Fragen darüber. Allein dieſe wußt 48 was er ſelbſt ihr geſagt hatte. Die Bürgermeiſterin nannte ihn einen„herzlieben jungen Mann“ und Tante Gertrud äußerte, dachte er müſſe der Sohn ſehr vornehmer Eltern ſein, da er mit dem lange Grafen He Bekanntſchaft habe. Dabei waren aber beide in wünſch großer Verlegenheit, wie ſie ihn nennen ſollten; denn einen ſo Un feinen Mann ſchlecht und recht„Herr Student’ zu nennen, wolle gannen ſich doch nicht ſchicen— meinten ſie—„Herr Magiſter“ könne und ihr man allenfalls ſagen. Emma lächelte, ohne zu antworten. käme, 1 Eben kam der Graf, um die Damen zum Eſſen abzuholen; und ihr und als das letztere vorüber war, ſtimmten Tante Gertrud und Freund die Bürgermeiſterin überein, daß ſie noch nie auf der Reiſe ſo ihr die lecker gegeſſen und ſo köſtlich getrunken hätten. die K Allein nach dieſem„ſeltnen Genuß“ wurden die alten Da⸗ ie Kla men ein wenig ſchläfrig. Die Bürgermeiſterin ging hinunter in innerlic den Salon und zog ſich zu einem Mittagsſchläfchen von zwei mißverg bis drei Stunden Dauer zurück; Tante Gertrud aber, deren 4 Ver Gewiſſen ihr nicht erlaubte, den Schatz zu verlaſſen, den ſie hen. T zu bewachen hatte, kämpfte gegen den Schlaf, wie der Erzengel Paſſegi Michael gegen den Leviathan. Bald ſank ihr jedoch das Haupt 3 9 Cl auf die Bruſt herab und ihre Athemzüge wurden ſchwerer und feßtſa 3 lauter. 1. Die Stunden flogen dahin und das Fahrzeug durchpflügte E hinn die glänzenden Wellen. Noch ſchlief die Bürgermeiſterin im ſein e 7 Salon und Tante Gertrud auf dem Verdeck, und Emma war noch immer in einer lebhaften Unterhaltung mit dem Grafen begriffen, als plötzlich ein ungewöhnliches Geſchrei und Gelärm rzeug entſtand. Der Kapitain ließ ſeine Baßſtimme atroſen ſchrieen durch einander, die Maſchiniſten eid die Paſſagiere liefen geräuſchvoll herum. um ſich über die Urſache des Lärms zu un⸗ hhielt die Antwort:—„Herr, das Fahrzeug en es nicht los und es iſt nicht möglich, von⸗ mnen.“—„Ach, wenn es weiter nichts iſt, ihn erte, dem 2 in n ſo volle önne blen; und ſe ſo Da⸗ ter in zwei deren en ſie zengel dachte er—„meinetwegen mag das Schiff feſtſitzen bleiben, ſo lange es ihm beliebt, denn ich bin ſo glücklich, daß ich gern wünſchte, dieſe Reiſe dauerte bis Ragnarök), wie Frithjof ſagt.“ Unterdeſſen waren die beiden alten Damen erwacht und be⸗ gannen zu klagen, Frau Oefelt über die Angſt ihres Mannes und ihrer Kinder, wenn ſie nicht zur beſtimmten Zeit nach Hauſe käme, und Tante Gertrud über die Beſorgniſſe ihrer Schweſter und ihres Schwagers. Vergebens bot die erſtere ihrer alten Freundin eine Priſe nach der andern an, vergebens präſentirte ihr die letztere dagegen Rau de Gordon— wie ſie es nannte — ſie vermochten einander nicht zu tröſten. Emma ſtimmte in die Klagen der alten Damen ein, ſo gut ſie konnte, obwohl ſie innerlich über dieſe Verlängerung der Reiſe nichts weniger als mißvergnügt war. Vergebens arbeitete man, das Fahrzeug wieder flott zu ma⸗ chen. Da trat der Kapitain auf und erbot ſich, die ſämmtlichen Paſſagiere nach und nach in der Jolle durch etliche Matroſen nach einer kleinen hübſchen Inſel rudern zu laſſen, die nur we⸗ nige Ellen von der Stelle entfernt war, auf welcher das Schiff feſt ſaß.„Durch dieſe Erleichterung des Fahrzeugs“— ſetzte er hinzu—„gelingt es uns vielleicht, daſſelbe wieder flott zu bringen; und es wird den Herrſchaften jedenfalls angenehmer ſein, dort ſpazieren zu gehen, als ſich hier an Bord zu langwei⸗ len. Ich bürge mit meiner Ehre dafür, daß Ihre Sachen hier in ſicherer guter Verwahrung ſein werden.“ Die meiſten Paſſagiere nahmen dieſes Anerbieten gern an und bald war die Jolle mit einer Menge von Perſonen gefüllt, *) Ragnarök iſt nach der altnordiſchen Mythologie der Untergang der Welt. SDie Gätterdämmerung) Im ſiebenten Geſange der Frithjofsſage von Degner wünſcht Frithjof in ſeinem Glück,, die Sonne möge ſchlafen his Rag⸗ narbk;“ und im vierundzwanzigſten Geſange ſagt Balders Oberprieſter: Theträt iſt der Sühnungstag der Aſen— das Weltgericht.“ Anm. d. Neberf. Emma'’s Herz. I. 4 1 die über die unvermuthete Verzögerung der Reiſe mehr oder tücher weniger verdrießlich waren und ſich auf die Inſel rudern ließen, fels nachdem der Kapitain verſprochen hatte, ſie ſogleich von da ab⸗ die 3 holen zu laſſen, wenn es gelänge, das Schiff flott zu machen. genbli Allein ein Theil der Paſſagiere traute ſich nicht, ihr Gepäck zu jedoch verlaſſen; und unter dieſen war auch Frau Oefelt.—„Ich nomm gehe nicht von der Stelle,“— ſagte ſie—„ich werde meine Kof⸗ Eduar fer und Packete nicht Wind und Wellen überlaſſen. Der Ka⸗ Hunge pitain hat eben Zeit, nach den Sachen zu ſeh en— und an wen gen an ſollte ich mich wohl haltem wenn bei meiner Zurückkunft die To Hälfte meiner Sachen weg⸗ Mren?⸗ ihrer S Tante Gertrud dagegen erklärte, daß ſie— jedoch lediglich Wagen Emma's halber— mit ans Land fahren würde, und bat ihre da aus Freundin, auch auf ihre Sachen ein wachſames Auge zu haben. mußte! Mit dem zweiten Transport der Jolle fuhr ſie dann nebſt Emma nach der und Eduard nach der Inſel. Auc Bald waren ſie am Land. Da es zum Promeniren noch beruhigt zu warm war, zogen die meiſten Paſſagiere vor, ſich am Strand Spazier unter die ſchattigen Erlen hinznſtrenen, von wo ſie den arbeiten⸗ men. 1 den Matroſen auf dem Schiffe mit Bequemlichkeit zuſehen konn⸗ verſchied ten. Die, welche zu landen gewünſcht hatten, waren nun alle darauf z auf der Inſel, die Mißtrauiſchen ſtanden drüben auf dem Ver⸗ Eduard. deck. Die Matroſen ſtrengten vergebens alle ihre Kräfte an— in das G — es ſchlug ſieben, es ſchlug acht Uhr, und noch immer ſtand Die das Schiff an derſelben Stelle. Ein dumpfes Gemiſch von die ſpiege Klagen, Flüchen und ungeduldigen Ausrufungen eerhob ſich nun. Tik te P vom Ufer der Inſel; nur Eduard und Emma waren ruhig. ſteigenden Um die Zeit zu verkürzen, verließ man die Ruheplätze und und 2 promenirte ein wenig, da es inzwiſchen kühl geworden war. Es ſchlug neun Uhr, und das Fahrzeug, das nun ſeit drei Stunden feſtgeſeſſen hatte, ſaß noch immer an derſelben Stelle. Vi Paſſagiere waren unterdeſſen hungrig geworden und wünſchten ſich an Bord, um zu ſoupiren. Man wedelte mit den Tece 4 Emma en noch Strand erbeiten⸗ 51 tüchern, man rief:—„Rudert die Jolle herüber— ins Teu⸗ fels Namen— wir verhungern ja hier!“— Drauf ruderte die Jolle eilends vom Schiffe ab und landete; in einem Au⸗ genblicke war ſie mit Hungrigen gefüllt. Tante Gertrud erklärte jedoch, daß ſie nach dem reichlichen Mittageſſen, das ſie einge⸗ nommen hätte, keinen Appetit zum Abendeſſen verſpüre. Von Eduard und Emma wird man wohl glauben, daß ſie weder Hunger noch Durſt fühlten. Sie kamen alſo überein, mit eini⸗ gen andern Paſſagieren noch auf der Inſel zurückzubleiben. Tante Gertrud fing nun wieder an, über die Beſorgniſſe ihrer Schweſter und ihres Schwagers zu klagen. Pferde und Wagen ſollten in Norrköping Schlag acht Uhr warten, und von da aus konnten ſie um zwölf Uhr daheim ſein. Wie unruhig mußte man nun nicht in der Heimath werden, wenn eine Stunde nach der andern in vergeblicher Erwartung verging. 1 Auch Emma fing an ängſtlich zu werden; aber der Graf beruhigte beide Damen und ſchlug zu ihrer Zerſtreuung einen Spaziergang vor, um die ſchöne Inſel in Augenſchein zu neh⸗ 4 men. Die übrigen Zurückgebliebenen hatten ſich ebenfalls nach verſchiedenen Richtungen der Inſel hin zerſtreut; man darauf zu achten, daß man die Ankununanm Eduard bot beiden Damen den Aaz in das Gehölz. Die Sonne ſank immen 5² den unzähligen Nachtviolen, die Vögel ſchlummerten in den Zwei⸗ gen, durch deren Schaukeln leiſe in den Schlaf gewiegt. Die ganze Natur bereitete ſich zur Ruhe der kommenden Nacht vor, ſtand aber dennoch prachtvoll, herrlich und feierlich, obwohl in einen leichten Flor gehüllt. Vergeſſend die Unruhe ihrer Eltern, vergeſſend den verhaß⸗ ten Fridolf— ja, die ganze Welt mit ihrem Wohl und Weh vergeſſend, ging die unſchuldige Emma in der feierlichſten Stim⸗ mung an Eduards Arm, der leiſe den ihrigen berührte. Hoch ſchlug das Herz des Jünglings, er glaubte im Paradieſe an der Seite eines Engels zu wandeln. Emma gewahrte ein Vergißmeinnicht, das im hohen Graſe blühte. Schnell ließ ſie Eduards Arm los und eilte einige Schritte vorwärts, um das Blümchen zu pflücken. Mit unbefangener Miene gab ſie es ihrem Begleiter und ſprach:—„Sehen Sie, Herr Hährling— es war das einzige, das ich ſah.“— Der Graf nahm die Blume und küßte ſie entzückt. Haſtig ließ er dann Tante Gertruds Arm los, zog ſein Taſchentuch hervor, riß ein Blatt Papier daraus, wickelte die Blume in daſſelbe und ie an ſuner Bruſt. indem er ſprach:—„Hier ſollſt n, das ſah ſehr zuſnnn leiben, bis der Herr Zwei⸗ Die öt vor, ohl in herhaß⸗ d Weh Stim⸗ Hoch an der Graſe Schritte angener zen Sie, — Der ließ er hervor, ſelbe und ſier ſollſt ma errö⸗ n Manu wünſche; oraliſiren hr zärtlich der Herr Zeit, als ottiſe ge⸗ Endlich ſchreckte Tante Gertrud aus ihrem Nachdenken empor und fragte, wie ſpät es ſei. Emma ſah nach ihrer Uhr und be⸗ merkte mit Beſtürzung, daß es bereits eilf Uhr war. Nun ge⸗ rieth man in Angſt, daß die Jolle die übrigen Paſſagiere von der Inſel abgeholt und das Schiff ſeinen Weg fortgeſetzt haben könnte. Und es war nicht ſo leicht, ſich an den Strand zurückzufinden, als es geweſen war, ſich in das Gehölz zu vertiefen; man ge⸗ rieth vielmehr immer tiefer in den Wald und erreichte endlich ſtatt des geſuchten Strandes den entgegengeſetzten. Nach einer langen ängſtlichen Wanderung über mooſige Steine, naſſes Gras und durch verwachſenes Gebüſch, wo man ſich vor zurückſchlagen⸗ den Zweigen, Diſteln und Dornen in Acht nehmen mußte, ka⸗ men die Verirrten endlich glühend und mit klopfendem Herzen zu dem grünen Platz, unter deſſen Bäumen man früher geſeſſene hatte. Da ſahen ſie mit Schrecken ihre traurige Ahnung beſtä⸗ tigt. Das Schiff war wirklich fort, keine Spur davon war zu ſehen, noch weniger ein Menſch am Strande zu erblicken. Während unſere Reiſenden an der andern Seite der Inſel promenirt und über der ſchönen Natur das Schiff völlig vergeſ⸗ ſen hatten, waren die Matroſen mit der Jolle an die Inſel ge⸗ kommen, um die letzten Gelandeten abzuholen. Das Schiff war endlich flott gemacht worden. Da Niemand wußte, ob unſere drei Paſſagiere fehlten oder ſchon mit der erſten Ladung an Bord zu⸗ rückgekehrt waren, ſo fiel es Niemand ein, auf der Inſel nach ih⸗ nen zu rufen oder zu ſuchen. Und auf dem Schiffe glaubte die Bürgermeiſterin, welche unten im Salon ſaß, ihre Freundin wäre auf dem Verdeck. Alle waren froh, daß die ſo lange unter⸗ brochene Reiſe endlich fortgeſetzt wurde, und Niemand ahnte, daß drei Paſſagiere fehlten. „ eun ſtelle man ſich die Klagen der Tante Gertrud vor. Emma Kazieg, um ihren Jammer nicht zu vermehren, obwohl ſie ſelbſt für. beſtürzt war. Eduard dagegen ſuchte die alte Dame zu be⸗ Bigen. Allein was war zu thun?— Man mußte ſich darein finden, die Nacht auf der Inſel zuzubringen und am folgenden Morgen bei der Rückkehr des Dampfſchiffs aufzupaſſen, um ſich wieder an Bord aufnehmen und nach Stockholm zurückbringen zu laſſen. Keine menſchliche Stimme wurde gehört, keine menſchliche Wohnung geſehen, und man überzeugte ſich bald, daß die Inſel unbewohnt war. Doch fürchteten die Damen Schlangen und wilde Thiere. Eduard verließ ſie auf eine Weile, um zu recog⸗ nosciren, allein da ſtieg die Angſt der armen Frauen noch weit höher. Sie fürchteten nicht allein für ſich ſelbſt, ſondern auch für ihn, der in dieſer hülfloſen Lage ihre einzige Stütze war. Wie leicht konnte er nicht irre gehen oder von einem Unglück be⸗ troffen werden!— Zu ihrer Beruhigung kam er jedoch bald zurück. Die drei Unglücksgefährten beſchloſſen nun, ſich in einiger Entfernung vom Meer niederzuſetzen, ſodaß ſie bemerken konn⸗ ten, wenn ein Fahrzeug vorüber ſegelte, mit dem ſie vielleicht die Tante neben ihr, Eduard beiden gegenüber. Emma bat Knniee ihrer Nichte. 4 Zum Glück war die Nacht ſo lau, wie ſie nur im Begin des Monats Juli ſein kann. Keiner von den Unglücksgefäh großen Hitze des Tages äußerſt angenehme Kühlung. Etwa Eßbares ließ ſich durchaus nicht auftreiben, doch verſichert die Damen den darüber bekümmerten Grafen, daß ſie v müthsbewegung keinen Biſſen zu eſſen vermöchten, wenn ſi vor dem leckerſten Mahle ſäßen. te jedoch nach einer Weile zu bemerke bis Norrköping— wohin ſie nicht weit zu haben glaubten — kommen könnten. Emma ſaß auf einem beraſ'ten Hügel, ihre von innerer Unruhe und von der Reiſe ermüdete Tante, ſich auf ſie zu lehnen, und gern benutzte die Tante dieſes An⸗ erbieten, nahm ihren Hut ab und lehnte ihren Kopf an die ten klagte über Kälte und man fühlte nur eine leichte, nach der zarte könn Zwe da, ger hatte bereit ſie fa mel auf w chen alten, Lager, falls S laubte den No Lippen verwa Wi Bruſt kaum z Er be ten un Emma nicht di den ſich gen iche nſel und cog⸗ weit für Wie K be⸗ bald iniger konn⸗ elleicht Hügel, na bat Tante, Ls An⸗ aubten 5⁵ zarte Emma ihre wohlbeleibte Tante nicht lange würde ſtützen können. Ohne etwas zu ſagen, begann er mit großem Eifer Zweige von den Bäumen zu brechen.—„Was machen Sie da, Herr Magiſter?⸗— fragte die Tante.„Ich will ein La⸗ ger für die Damen zurecht machen“— erwiederte er. Bald hatte er auch wirklich ein weiches Ruhebett von Laub und Moos bereitet. Allein Emma ſchlug es aus, Platz darauf zu nehmen; ſie fand mehr Behagen daran, den ſchönen nächtlichen Him⸗ mel und die in leichte Schleier gehüllte Erde zu betrachten, auf welcher unzählige, im Graſe verborgene Johanniswürm⸗ chen wie Sterne leuchteten. Tante Gertrud ſtreckte jedoch ihren alten, ziemlich umfangreichen Leib gern auf das einladende Lager, ſie nahm ſich aber heimlich allen Ernſtes vor, keinen⸗ falls ſich dem Schlaf zu überlaſſen. Stumm und gedankenvoll ſaß Emma da, und Eduard er⸗ laubte ſich nicht, ihre Betrachtungen zu ſtören, denn ihre gegen den Nachthimmel gerichteten Augen und die ſich leiſe bewegenden Lippen zeigten, daß ihre Gedanken ſich in ein ſtilles Gebet verwandelt hatten. Wie ein Träumender ſenkte Eduard den Kopf auf die Bruſt und kreuzte ſeine Arme. Tauſenderlei Gefühle, die er kaum zu nennen wußte, kämpften in ſeiner Bruſt durcheinander. Er bemühte ſich, das Innere ſeines Herzens näher zu betrach⸗ ten und gewahrte mit Erſchrecken, daß ſich eine heftige Liebe zu Emma ſeines ganzen Weſens bemächtigt hatte.—„Liebe ich nicht dieſes Mädchen?“— fragte er ſich ſelbſt.—„Iſt nicht ſchon meine ganze Seele mit den Banden der Leidenſchaft an ſie gefeſſelt und werden dieſe Bande nicht ewig dauern, wenn ich ſie nicht ſogleich zerreiße? Sie kann nie meine Gat⸗ tin werden, ich kenne ja die Vorurtheile meiner Eltern über Nang und Stand. Uebrigens haben ſie ja bereits eine Braut (für mich auserſehen. Nein, ich muß dieſe reizende und ge⸗ he Emma fliehen. Sobald ich ſie nach Stockholm zurück begleitet habe, reiſe ich noch deſſelben Tages zu Lande mit der Poſt zu meinen Eltern, denn ich wage mich nicht dem ver⸗ führeriſchen Reiz einer abermaligen Seereiſe in ihrer Geſell ſchaft auszuſetzen. Mein Aufenthalt in Be ſoll dann nicht lange dauern.— So ſprach der junge Mann mit ſeinem Herzen, indem er ſo abgeſchloſſen mit ſich ſelbſt da ſaß, als ob er ganz und gar vergeſſen hätte, daß ihm Emma ſo nahe war. Und gleichwohl war ſie es, die ſeine Gedanken ausſchließlich beſchäftigte. Wäh⸗ rend deſſen zerſtreuten ſich die Merkmale der Nacht immer mehr, im Oſten ſchwammen ſchon feuerfarbige Wolken am Him⸗ mel, und bald darauf breitete der Morgen ſeine Pupurdecke am Rande des azurblauen Horizontes aus.„Ich will den An⸗ blick Emma's vermeiden,“— dachte Eduard—„ihr Sonnen⸗ blick würde meine eben gefaßten vernünftigen Vorſätze zerſtreuen.“ — Aber gleich darauf redete die Tante Emma an und dieſe antwortete; ſüß wie Aeolsharfenklang tönte die Stimme der Geliebten in Eduards Seele wieder und er erhob ſein Auge zu ihr empor. Wie ein Magnet das Eiſen an ſich zieht, ſo wurden ſeine Blicke zu dem Magnet ſeines Herzens gezogen und hafteten feſt an demſelben. Ob ſich Tante Gertrud, ihrem Vorſatz treu, wirklich wach erhalten, oder ob ſie dann und wann ein Weilchen geſchlum⸗ mert hatte, läßt ſich nicht mit Beſtimmtheit angeben. Freilich wollte ſie gern hören, was ſich die jungen Leute einander ſagen würden. Aber ſie lauſchte vergebens, kein Wort wurde zwi⸗ ſchen ihnen gewechſelt. Sie ſaßen Beide unbeweglich zu beiden Seiten ihres Lagers, da richtete ſich die Tante endlich auf und redete Emma an. Es war kaum halb vier Uhr und man hatte daher noch. mehrere Stunden auf die Ankunft des Dampfſchiffs zu warten; Indeſſen wurden ihre verſtimmten Gemüther durch den m 2 mit t ver⸗ Geſell⸗ nnicht dem er ind gar ichwohl Wäh⸗ immer m Him⸗ purdecke den An⸗ Sonnen⸗ ſtreuen.“ und dieſe mme der ſein Auge zieht, ſo geſ chlum⸗ der ſagen urde zwi⸗ Freilich 57 ſchenden Morgen bald ſoweit belebt, daß ſie eine heitere Un⸗ terhaltung begannen. Um nicht, wie an dem vorhergegangenen Abend, das Dampf⸗ ſchiff zu verſäumen, ſetzte man ſich gegen ſieben Uhr nahe an's Ufer und ſpähete ſehnſuchtsvoll hinaus in das Meer. Nach Verlauf einiger Zeit glaubte man das Dampfſchiff in einiger Entfernung zu erblicken. Allmählig kam das Fahrzeug näher und näher und ſteuerte der Inſel zu, ohne daß die drei Verlaſſenen es angerufen hatten. Man ſah deutlich, daß man am Bord von den Zurückgebliebenen bereits Wiſſenſchaft hatte. Dieſe Letzteren fühlten ſich nun übrigens nicht wenig beſchämt und verlegen darüber, daß ſie wieder dahin zurückkehren mußten, woher ſie gekommen waren. Der Capitain ſelbſt holte ſie von der Inſel und war unerſchöpflich in Entſchuldigungen wegen ihres Ungemachs. Gleich nach ihrer Ankunft am Bord fanden ſie, daß man ihr Gepäck in dem Fahrzeuge gelaſſen und wohl verwahrt hatte; dann war ihre erſte Sorge, ſich ein Frühſtück zu verſchaffen und auszuruhen. Schnell und ohne Sterung ging die Rückreiſe nach der Hauptſtadt vor ſich⸗ Unterdeſſen war Fridolf Tyrell gegen Mittag von Ber ab⸗ gereiſt, um die Tante und ſeine künftige Braut in Norrköping zu empfangen. Als er ſich in den mit zwei derben Braunen beſpannten netten Jagdwagen ſetzte, ſagte Frau Hilbert:— „Gott ſei mit Dir, lieber Fridolf. Ich wünſchte wohl, daß Du ſchon mit meiner Emma zurückgekommen wäreſt, denn die Un⸗ geduld eines Mutterherzens zählt jede Minute.“—„Nun, ſo leb' wohl, lieber Schwiegerſohn in Hoffnung!“— rief ihm Hilbert fröhlich nach—„komm bald zurück mit Deiner kleinen Braut, nimm Dich aber in Acht, daß Du nicht unterwegs Arme und Beine brichſt.“— Dieſe Warnung fügte der In⸗ ſpector deshalb hinzu, weil er glaubte, Fridolf würde ſeine Reiſe mit der Ungeduld eines Liebhabers allzu ſehr beſchleuni⸗ gen; allein Fridolf war ganz ruhig, kümmerte ſich nicht im em en⸗ iell ren im⸗ nen ei⸗ anze „ſo n er unte wer⸗ ge⸗ nſcht dem uner⸗ demie herzte Auf⸗ en die leinen ſtraße mmen laſſen, d über , war in Uhr ) nicht ſzuf dem har der bleitung Emmazs vorſtellen, als ſie nach mehrſtündiger ängſtlicher Er⸗ 59 eines Dieners mit einer prächtigen Wiener Kaleſche in die Stadt geſchickt worden war, um den jungen Grafen abzuholen. Hät⸗ ten Beide gewußt, daß der, den ſie erwarteten, auf einer In⸗ ſel im Mälar feſtſaß, ſo würden ſie nicht ſo ungeduldig auf der Brücke geſtanden und nach dem Dampfſchiff ausgeſehen haben. Fridolf hatte ſich Lectüre vom Hauſe mitgenommen, ſaß ganz ruhig bei einem Bekannten und las. Als das Dampf⸗ ſchiff um zehn Uhr noch nicht angekommen war, legte er ſich ſchlafen und wachte erſt auf, als er vier Schüſſe, die Zeichen der Ankunft des Dampfſchiffes— hörte. Eilig ſtand er auf und lief hinaus. Da er in der Dunkelheit und im Gedränge vergebens nach dem Fräulein Oliveblad und Hilbert fragte und von den durch⸗ einander drängenden Paſſagieren keine andere Antwort erhielt, als daß ſie dieſe Damen nicht kennten, ſo wandte er ſich an den Capitain, an den ſich eben der Kutſcher des Grafen HV* mit der Frage nach ſeinem jungen Herrn gewandt hatte. Als nun Fridolf ebenfalls zu ihm trat und nach den Damen fragte, wurde der Capitain ungeduldig und rief:—„Herr, fragen Sie mich weder nach Grafen, noch nach Damen; wer Teufel ſoll denn alle Menſchen kennen, die am Bord geweſen ſind!⸗ — Mit dieſer zufriedenſtellenden Antwort mußte Fridolf und der Hue ſche Kutſcher nach B** zurückkehren, überzeugt, daß die von ihnen Geſuchten nicht an Bord des Dampfſchiffes ge⸗ weſen waren. Fridolf war nicht auf die Bürgermeiſterin von Wer ge⸗ troffen, die ihrerſeits umherlief und die beiden Damen ſuchte, nach langem Suchen aber endlich auf die Idee kam, daß dieſelben auf der Inſel zurückgeblieben wären. Mit vielem Eifer legte ſie dem Capitain die Verbindlichkeit auf, bei ſeiner Rückreiſe die Verlaſſenen aufzuſuchen und mitzunehmen. Unmöglich kann man ſich die Gemüthsſtimmung der Eltern wartung Fridolf allein zurückkommen ſahen. Und als er ver⸗ ſicherte, daß weder Emma noch die Tante am Bord des Dampf⸗ ſchiffes geweſen wären, fing Frau Hilbert an zu weinen und rief:—„Meine Emma iſt krank, ganz gewiß iſt ſie krank, da ſie weder mitgekommen iſt, noch geſchrieben hat— ach Gott, ſie iſt vielleicht todt!“— Hilbert war nicht weniger unruhig und traf ſogleich Vorbereitungen zu einer Reiſe nach Stockholm, die er noch an demſelben Tage in Fridolfs Be⸗ gleitung unternehmen wollte. Auf die nächſte Ankunft des Dampfſchiffes zu warten und ſich zu überzeugen, ob ſeine Toch⸗ ter mit dieſer eintreffen würde, dazu war er viel zu ungedul⸗ dig. Weinend brachte die gute Frau Hilbert ihres Mannes und Fridolfs Gepäck in Ordnung, Stunden ſaßen Hilbert und der Buchhalter in einer großen vierſitzigen Kaleſche, Letzterer mißlaunig und verdrießlich, denn er hätte lieber erſt von ſeiner früheren Reiſe ausgeruht. Unterdeſſen war das Dampfſchiff wieder in die Nähe von Stockholm gekommen; und da ſich nur wenige Paſſagiere am Bord befanden, ſo waren unſre Reiſ Der junge Graf hatte ſich in des Capitains eignes Bett ge⸗ legt, allein er ſchlief nicht, weil Emma's Bild beſtändig vor ſeiner aufgeregten Phantaſie ſchwebte. Gertrud und Emma hatten ſich in die Ecken des im Salon befindlichen Sopha's gelehnt und erwachten nicht eher, als Mittags gegen ein Uhr. Bald darauf erhielten ſie einen Beſuch von Eduard. Dieſer brachte den übrigen Theil der Reiſe bei den Damen zu und Tante Gertrud forderte ihre ſchöne Nichte auf, ein Stück auf der Laute zu ſpielen. Emma gehorchte, nahm ihre Laute aus dem Futteral, präludirte geſchickt und ſang mit ihrer ſchönen Immer tiefer wur⸗ icht mehr un⸗ Stimme ein Lied. Eduard war entzückt. k! Tröſtender Engel aus unſerer verr zelte in ſeinem Herzen eine Neigung, die er n terdrücken konnte. Muſi und nach Verlauf einiger enden ziemlich ungeſtört. W A ver⸗ mpf⸗ und cank, ach niger nach Be⸗ t des Toch⸗ gedul⸗ annes iniger roßen denn f. je von re am geſtört. ett ge⸗ ig vor Emma vopha's n Uhr. Dieſer zu und ück auf ite aus ſchönen er wur⸗ ehr un⸗ rer ver⸗ e ſfelbe überhäuft hatte. lornen Heimath, ſüß biſt du, aber für Liebe und Schwärme⸗ rei biſt du zu gefährlich! Bald ſtimmte auch Eduard mit einer ſchönen männlichen Stimme in Emma's Geſang ein. Wie ſelig wiegten ſich nicht ihre reinen Seelen auf den Wellen der Harmonie! Tante Ger⸗ trud, die Geſang und Muſik leidenſchaftlich liebte, ſaß ent⸗ zückt da. Die Zeit verging ihnen ſo ſchnell, daß ſie erſchra⸗ ken, als das Dampfſchiff gegen Abend an der Ritterholms⸗ brücke ſeine vier Schüſſe abfeuerte. Es war ziemlich dunkel und Eduard erbot ſich, die Tante und Emma zu der Wohnung des Aſſeſſors, die man ſchon ver⸗ ſchloſſen zu finden fürchtete, zu begleiten. Zum Glück fanden ſie jedoch die Thür noch offen, und Eduard entfernte ſich, als er die Damen bis an die Treppe gebracht hatte, ohne etwas darüber zu ſagen, ob und wann ſie ſich wiedertreffen würden und ob er mit dem Dampfſchiffe wieder nach Norrköping zu⸗ rückzureiſen beabſichtigte. Emma betrübte ſich darüber. Man kann denken, welches Erſtaunen die Ankunft der bei⸗ den Damen bei der Familie des Aſſeſſors hervorbrachte. Letz⸗ tere hatten ſich eben zur Ruhe begeben wollen. Der Bediente, welcher auf ihr Klingeln die Thür öffnete, hätte bei ihrem Anblick beinahe das Licht aus der Hand fallen laſſen; die Mägde ſtießen einen Schrei des Erſtaunens aus und Julie, die bei dieſem Geſchrei aus der Stube auf den Vorſaal eilte, ſtimmte in daſſelbe ein..Es dauerte nicht lange, ſo ſtanden alle Mitglieder der Familie und des Hauſes verwundernd und fragend um die beiden Reiſenden verſammelt. Als die Letzteren endlich in die Stube gelangten, erzählte Emma ihren erſtaunten Verwandten die ganze Reiſegeſchichte vom Anfang bis zum Ende. Zwar erwähnte ſie nur wenig von dem angeblichen Studenten Hährling, dafür beſchrieb aber Tante Gertrud ausführlich alle die Artigkeiten, womit ſie der⸗ Auf Emma's Wunſch war Beider Reiſegepäck auf dem ei Dampfſchiff zurückgelaſſen worden, weil ſie an einem der näch⸗ T ſten Tage mit demſelben Fahrzeug wieder abreiſen wollten. ſp Sie ließen ſich am folgenden Morgen durch den Bedienten des al Aſſeſſors ſo viel von ihren Sachen, als ſie während der kur⸗ W zen Zwiſchenzeit zu brauchen gedachten, vom Schiffe holen. Den folgenden Tag verbrachte Emma unter großer Un⸗ G. ruhe über die Beſorgniſſe, die ſie gegen ihren Willen in ihren bre Eltern erweckt hatte; dabei grämte ſie ſich nicht wenig über na die Kälte, mit welcher Eduard ſie verlaſſen hatte. Sie hatte erwartet, daß er ihnen ſagen würde, wann und wie er zu⸗ rückzureiſen beabſichtigte. Und nun denke man ſich Emma's, Tante Gertrud's und Aller Erſtaunen— ja, Erſchrecken— als Abends plötzlich der alte Hilbert und Fridolf anlangten! Man ſah ſich nun genöthigt, Beiden die ganze Reiſege⸗ ſchichte ohne Vorbehalt mitzutheilen. Der ſtrenge, heftige alte Mann begann darauf ſogleich ſeiner armen Schwägerin die heftigſten Vorwürfe darüber zu machen, daß ſie ſo nachläſſig ſein und auf der Inſel hätte zurückbleiben können. Allein die weinende, bittende und ſchmeichelnde Emma beſäuftigte ihn bald wieder; er erſtickte ſeinen aufflammenden Zorn und ließ ſein Vaterauge mit Stolz und Vergnügen auf dem engelhüb⸗ ſchen Mädchen ruhen, die ſich an ſeine Bruſt gelehnt hatte. Am folgenden Tage ließ er das Gepäck der beiden Damen vom Dampfſchiffe holen, weil Beide mit ihm zu Lande zurück⸗ reiſen ſollten; zugleich ſchrieb er ſeiner Frau mit der nächſten Poſt, daß Emma friſch und geſund wäre. Dann gönnte er ſich den Genuß, ſeine Tochter ſpielen und ſingen zu laſſen; und es war ein hübſcher Anblick, den alten Mann zu ſehen, wie er vergnügt daſaß und bald ſeine Tochter, bald die übrigen Anweſenden anblickte, als wollte er fragen:—„Bin ich nicht ein glücklicher Vater?“— Fridolf fühlte ſich ganz eingenommen von Emma; aber 63 dem 1 eine gewiſſe Schüchternheit, von ſeinem Mangel an geſelligem ich⸗ Tact herrührend, erlaubte ihm kaum ein Wort mit ihr zu ten. ſprechen; ſie ihrerſeits würdigte ihn kaum eines Blicks. Der des alte Hilbert erwähnte zu Emma's großer Zufriedenheit kein kur⸗ Wort vom Bräutigam und dexgleichen. 1. Tags darauf am frühen Morgen reiſte Hilbert mit Tante Un⸗ Getrud, Emma und Fridolf ab; und ſchnell rollte die große hren braune Kaleſche auf der ebenen trocknen Landſtraße dahin, die über nach B** führte. Damen zurück⸗ ächſten unte er laſſen; ſehen, übrigen fragte rechts, ſchlug erröth ren Willen ſich ſel ihre Sor Emn klein 4 ſchad III. alt Die Ankunft in der Heimath. Man heit Erwe Di; 4 als l ie Reiſe wurde ohne Aufenthalt fortgeſetzt. Aber wie ſehr niger verſchieden von der früheren kam ſie Emma vor! Damals ſah ſicht ſie den geliebten Eduard vor ſich, jetzt ſaß der verhaßte Fri⸗ Schöt dolf neben ihr. Sorgfältig vermied ſie, ihn anzuſehen oder ſtaun⸗ der Gegenſtand ſeiner Blicke zu werden, die unaufhörlich iin ei ihr ſchönes Geſicht ſuchten, während ſie daſſelbe ſtets nach der gedach Ihr Vater, der dies bemerkte, 4 mehr entgegengeſetzten Seite kehrte. endlich:—„Warum ſiehſt Emma? Sieh' doch auch s iſt dort eben ſo ſchön. end ihre ſchönen Augen nieder; ebenfalls, aber mit einer ſchalkhaften Miene, ſeine Tochter wolle blos aus Schüchternheit den braunen gen Fridolfs nicht begegnen. Aber nichts verdroß Emma ſo ſehr, als daß ſie gegen ih⸗ ugeſtehen mußte, daß Fridolf ein ſchö⸗ ſchön wie Eduard war er zwar bei Wei⸗ tem nicht— aber doch war Fridolf ein ſehr hübſcher Mann Unter ſeiner weißen, von ſchwarzen gelockten Haaren umkränz ten Stirn blitzten große, braune ſprechende Augen hervor; au dem rothen Munde glänzten zwei Reihen perlweißer ſchön⸗ Zaähne, wenn er ſprach oder lachte; ein ſchwarzer Bart hr ſeine nach links, e ner Mann war. ſehr ſah Fri⸗ oder örlich h der terkte, nach inmal te und ächelte laubte, in Au⸗ gen ih⸗ n ſchö⸗ ei Wei⸗ Mann. mkränz⸗ or; aus ſchönſs gart hü ihre Farbe noch mehr. Das ganze Geſicht, obwohl von der Sonne verbrannt, hatte etwas Einnehmendes, das aber auf Emma's Herz keinen Eindruck machte. Lieber hätte ſie ihn mit kleinen ſchlechten Augen, rothem Haar, blauen Lippen und ſchadhaften Zähnen geſehen; ſie hätte dann mehr Grund ge⸗ habt, ihn zu verabſcheuen. Ganz anders war der Eindruck, den ſie auf den jungen Mann hervorbrachte. Wäre ſie nur von mittelmäßiger Schön⸗ heit geweſen, ſo würde ihr Ausſehen Fridolfs Hoffnungen und Erwartungen weit überſtiegen haben. Er hatte ſie ſich ſtets als häßlich vorgeſtellt, denn Hilbert, der Vater, ſah nichts we⸗ niger als ſchön, und ſeiner Gattin mageres und blaſſes Ge⸗ ſicht zeigte ebenfalls keine Spuren früherer verſchwundener Schönheit. Wie groß war bei dieſen Erwartungen ſein Er⸗ ſtaunen und ſeine Freude, als er in der ihm beſtimmten Gat⸗ tin eine ideale Schönheit ſah, die Alles übertraf, was er bisher gedacht und geſehen hatte. Ein Meduſenhaupt hätte ihn nicht mehr verſteinern können, als das ſchöne Geſicht Emma's bei ſeinem Eintritt in das Zimmer des Aſſeſſors. Er hörte ſie gleich darauf ſingen und ſpielen, er ſah ihre Handarbeiten, Zeichnungen und dergleichen, die ſie an Feſttagen den Mitglie⸗ dern der Familie, in deren Schooße ſie ihre erſte Jugend zu⸗ gebracht, geſchenkt hatte, er überzeugte ſich daraus, daß Emma eben ſo talentvoll als ſchön war; zugleich aber wunderte er ſich, daß dieſes Mädchen ihm, dem unbemittelten unbedeutenden Mann, zur Gattin beſtimmt war, daß dieſe volle ſchöne Roſe, würdig, die vornehmſten Kreiſe der Hauptſtadt zu ſchmücken, in einem abgelegenen Provinzialflecken verborgen werden ſollte. 9 Allein Vater Hilbert wiederholte ihm ſein Verſprechen, ſobald Jer mit ihm allein war, und Fridolf warf ſich mit dankbarer — Rührung in ſeine Arme. Nun hatte er nicht mehr Luſt über ſein Glück zu ſcher⸗ un; deſto tiefer fühlte er ſein Nichts an der Seite dieſes— Emma's Herz. I. 5 en Weſens; in dem Zeit⸗ r er von der heftigſten en Gewalt er ſich um ſo zuver⸗ da ihn Emma's Vater zur Hoff⸗ nach ſeiner Meinung— vollkommen raum von wenigen Augenblicken wa Liebe entzündet worden, der ſichtlicher überlaſſen konnte, nung berechtigte. Bald waren unſere Reiſenden kaum noch eine Meile von ihrem Ziele entfernt, und immer höher ſchlug Emma's Herz, als ſie die Orte wiederſah, an denen ſie als Kind geſpielt, an denen ſie in Geſellſchaft ihrer Eltern oder Freunde ſo manche angenehme Stunde zugebracht hatte. Je näher ſie ihrer Hei⸗ ſto deutlicher erkannte ſie jede Hütte, jeden Baum. math kam, deſ Immer näher rollte der Wagen dem Hammerwerk, Emma ließ ihre Blicke entzückt von einem bekannten Gegenſtand zum an⸗ dern ſchweifen. Hier war die große Wieſe, auf welcher ſie als Kind beim Heumachen geweſen war, dort ein Hügel, auf welchem ſie mit ihren Geſpielinnen oft Beeren gepflückt hatte, vort ein flacher Stein, auf dem ſie ihre Puppen und Spiel⸗ ſachen aufgeſtellt hatte, etwas weiter davon der grüne Anger, auf dem ſie am Johannistag um den Maibaum getanzt hatte. Hier kam ihnen eine alte Frau entgegen, die mit einem Freu⸗ denruf Emma begrüßte, als ihr der Inſpector ſeine Tochter eigte, die der armen kranken Frau oft ei eine Erfriſchung zuge Bauermädchen von gleichem Alter ihr— gewachſen und groß geworden w kaum wiedererkannten. ben Stunde Wegs ein ſpector ſämmtlich kannte, ſo ließ er den ten, um ihnen den Schatz zu zeigen, ſtadt heimbrachte. Zwar ſprachen die aber in ſeinen vergnügten Blicken war leſen. Und noch höher ſtieg ſeine gute 8 darüber wunder aune, als Alle i Stück Kuchen oder tragen hatte; dort begegnete ihnen ein mit Emma, die— gleich ar, ſo daß Beide ſich So trafen ſie während der letzten hal⸗ e Menge Leute; und da ſie der In⸗ Wagen beſtändig hal⸗ den er aus der Haupt⸗ s ſeine Worte nicht aus, es deutlich genug zuſ — ten, daß Mamſell Emma ſo groß und ſo ſchör 9 heim. gew len nen kame nicht ter— aber Auge Kind geliel und Weib freud Auge Vater leichtſ Emp pfind heimg jedem ihrer Mutt „ ſuchte Augen einem auch 1 Emma nneh Zeit⸗ gſten wer⸗ Hoff⸗ D von Herz, lt, an nanche 3 Hei⸗ Zaum. a ließ m an- ſer ſie el, auf hatte, Spiel⸗ Anger, t hatte. n Freu⸗ Tochter nen ein — gleich zeide ſich zten hal⸗ der In⸗ ndig hal⸗ 8 -Haupt nicht aus, genug zu f hen oder 1 8 5 geworden war. Mit unverkennbarer Güte reichte Emma Al⸗ len die Hand und begleitete dieſe häufig noch mit einem klei⸗ nen angemeſſenen Geſchenk. Ihre innere Bewegung, als ſie der Heimath noch näher kamen, entging der Aufmerkſamkeit Fridolfs und ihres Vaters nicht.—„Was fehlt Dir, beſtes Kind?“— fragte der Va⸗ ter—„ich glaube gar Du weineſt, daß Du nach Hauſe kommſt.“ —„Ach, Vater,“— erwiederte Emma—„ich weine nicht, aber ich kann die Thränen nicht zurückhalten, die mir in die Augen treten, da ich die Orte wiederſehe, an denen ich als Kind geſpielt, und die Perſonen wiedertreffe, die mich als Kind geliebt haben.“—„Ja darüber ſollteſt Du Dich aber freuen und nicht weinen,“— verſetzte der Vater.—„Was doch die Weiber für Geſchöpfe ſind! Bei der geringſten traurigen oder freudigen Gemüthsbewegung haben ſie gleich Thränen in den Augen.“— Fridolf warf einen mißbilligenden Blick auf den Vater, einen zweiten voll Zärtlichkeit auf Emma. Obwohl er leichtſinnig war, beſaß er doch Gefühl und konnte ſich Emma's Empfindungen recht wohl denken; er ſelbſt hatte ähnliche Em⸗ pfindungen gehabt, als er von der Akademie zu ſeiner Mutter heimgekehrt war. Mit angenehmer Theilnahme folgte er nun jedem Blick des zarten Mädchens, um darin zu leſen, was in ihrer Seele vorging. Emma ſprach ihre Sehnſucht aus, ihre Mutter bald zu umarmen, aber ihr Vater verſetzte ganz trocken: —„Gieb Dich zufrieden, liebes Kind, wir ſind ja bald da⸗ heim.— In dieſem Augenblick, als ihre ganze Seele erregt war, ſuchte Fridolf zum erſten Mal einen Blick aus ihren ſchönen Augen zu erhalten. Er faßte ihre Hand und redete ſie mit einem Ausdruck von Gefühl, Zärtlichkeit und Liebe an, der auch ein hartes Herz gerührt haben würde. Anfangs richtete Emma ihren Blick auf ihn, indem ſie ſich wunderte, ihn ſo einnehmend zu finden; ſie lächelte ihn ſogar an und antwor⸗ 5* tete ihm zum erſten Mal ohne die kalte abgemeſſene Höflich⸗ keit, mit welcher ſie bisher kurz und einſilbig ſeine Fragen be⸗ B und antwortet hatte. Aber plötzlich— als ob ſie ſich erinnerte, 2 heute edrohte ihrer If ſprach, deſſen bloßer Name ſie b 1 — zog ſie haſtig ihre Hand zurück und wandte ſich von ihm ſich ſ ab. Tief betrübend fühlte der arme Fridolf, daß er der ein⸗ der zige Menſch war, gegen welchen dieſes liebevolle reine Herz ei wolle nen gewiſſen Abſcheu oder ein ähnliches Gefühl empfand. eigner Jetzt bog der Wagen in eine laubige Allee ein, die zu den dieſe größeren Gebäuden des Hammerwerks führte. Ein Frauenzim⸗ hina mer, welches in dieſer Allee auf einer Bank ſaß, richtete ſich bei bieten ihrer Ankunft ſchnell in die Höhe, und Emma erkannte mit ei⸗ dolfs nem Freudenſchrei ihre Mutter in derſelben. Leicht wie ein und Vogel war ſie aus dem Wagen und in den Armen ihrer Mut⸗ ben ter. Es iſt unmöglich, ſich die Freude Frau Hilberts vorzu⸗ 3 ma's ſtellen, als ſie ihre blühende Tochter an ihr Hepß drückte; nur Frau eine Mutter, die lange von ihrem einzigen Kind getrennt gewe⸗ Emme ſen iſt, kann ſich ihre Gefühle in dieſem ſeligen Augenblick vor⸗ kamm daß ſie mit Frido — 554 ſtellen. Nach wenigen Minuten war Emma im väterlichen Hauſe, uns z wo ſie Alles eben ſo verändert fand, als ſie von Allen verändert ſeine gefunden wurde. Das Wohnhaus ſelbſt war ſeit ihrer Abreiſe hinein neu gebaut worden und der größte Theil der Meubeln war neu— Butte! oder verändert. Sie hatte aber in dem frühern Hauſe ein klei⸗ Plan 8 3i nes nettes Zimmerchen für ſich inne gehabt, während ſie in dem neuen Hauſe kein Zimmer fand, das dem ihrigen glich.—„Wo dern, iſt denn mein Stübchen, liebe Mutter**— fragte ſie endlich. von p „Du haſt keine eigne Stube, mein Kind,— erwiederte die 8 weiße Mutter—„Du mußt in Tante Gertruds Zimmer mit wohnen, Plafor wir ſind ſo ſehr beſchränkt in dem neuen Hauſe.“— Emma Holz fühlte ſich nicht wenig verſtimmt darüber, äußerte jedoch kein fand G Wort. Ungefähr gegen ſechs Uhr Abends war Emma in Be Arbeite angekommen. Etwa eine Stunde darauf trat ihr Vater hereit einen und ſagte:—„Ich hoffe, meine Tochter, daß Du uns Alle be⸗ 3 heute Abend zum Thee einladen wirſt.“— Emma ſtand von rte, ihrem Stuhl auf und ſah niedergeſchlagen aus, denn ſie fühlte ohte ſich ſo fremd in ihrer Eltern Hauſe.—„Nein, nein,“— ſagte ihm der Alte—„Du ſollſt uns in Dein Zimmer einladen, wir A wollen dort unſern Thee trinken.“—„Aber ich habe ja kein 3 el⸗ eignes Zimmer,“— wandte Emma ein. Frau Hilbert, die in dieſem Augenblick einen Wink von ihrem Mann erhielt, eilte den hinaus und der alte Hilbert bat Fridolf, Emma den Arm zu mir⸗ bieten und ſie zu führen. Erſtaunt und zögernd nahm ſie Fri⸗ ) bei dolfs Arm, Hilbert folgte ihnen mit brennender Tabackspfeife M ci⸗ und Tante Gertrud beſchloß den Zug. Auf dem Vorſaal blie⸗ e em ben Alle vor einer Thür ſtehen, die man kurz vorher auf Em⸗ Mut⸗ ma's Fragen für die Thür der Speiſekammer ausgegeben hatte. vorzu⸗. Frau Hilbert öffnete von innen die Thür und der Vater bat z nur Emma, einzutreten. Sie trat ein— aber nicht in eine Speiſe⸗ gewe⸗ kammer, ſondern in das ſchönſte Zimmer des ganzen Hauſes. f vor⸗—„Das iſt die Stube meiner Emma, und hierher ladet ſie uns zum Thee,“— ſagte die gute Mutter. Der Vater nahm Hauſe, ſeine Tochter bei der Hand und führte ſie tiefer in's Zimmer rändert hinein, in deſſen Mitte ein reichbeſetzter Theetiſch mit friſcher Abreiſe Butter, friſchem Backwerk und dergleichen ſtand. Die Fenſter var neu geſtatteten die Ausſicht auf einen ſchönen Park, den allgemeinen ein klei⸗ Spaziergang des Ortes. Die Möbel des Zimmers waren mo⸗ in dem dern, einfach, aber äußerſt geſchmackvoll. Das hübſche Bett 34 von polirtem Birkenholz hatte eine roſenrothe Cambrickdecke und endlich. - weiße Mouſſelinvorhänge, die durch einen goldenen Ring am derte die Plafond befeſtigt waren. Sopha und Stühle von demſelben wohnen, HFolz waren mit roſenrothem Cattun überzogen. Außerdem Emma fand Emma einen ſchönen Nähtiſch, eine ausgezeichnet nett ge⸗ doch kein Jarbeitete Chiffonniére, eine Toilette mit ſilbernen Verzierungen, keinen großen polirten Kleiderſchrank, eine kleine bedeckte Bronce⸗ lampe an der Decke und Fenſtervorhänge von weißem Neſſel⸗ a in Be ter herelr tuch mit roſenrothen Drapperien. Am meiſten aber fühlte ſie ſich durch ein großes Mahagonipianoforte überraſcht, welches ihr Vater kürzlich gekauft un alten Klaviers, auf wel⸗ chem ſie als Kind unter der Leitung de in ihr Zimmer geſtellt hatte. Kaum fand Emma Worte, ihre Freude un keit gegen die guten Eltern auszudrücken, die ihre Wünſche errathen und auf ſo zarte Weiſe befriedigt hatten. Gerührt warf ſie ſich bald in des Vaters, bald in der Mutter Arme, de Eltern nicht wenig freuten, ihre Tochter o i Wohnung zu ſehen. Es war ſonſt d ihre Dankbar⸗ s Hilbert, daheim nicht eben eine ſchwache Seite des Inſpector in der Umgebung ſeiner Angehörigen ſehr geſprächig zu ſein; frag aber an dieſem Abend machte er in ſeiner Freude über die Ankunft Emma's eine Ausnahme und war ungemein heiter„Jd und ſprachſelig. 4 aber „Apropos,“— ſagte er unter andern, indem ſie Thee der tranken—„weißt Du, Mutter, daß ich auf dem Hinweg 8 was nach Stockholm unſerm jungen Grafen begegnete, der nach erzã Hauſe reiſte? Er fuhr wie tauſend Teufel, grüßte mich ſehr wär artig, ſchien aber nicht Luſt zu haben, anzuhalten. Frä gegen ließ meinen Kutſcher anhalten und winkte, ſ das Graf ſein Gefährt ebenfalls anhalten mußte. Ich b wegen des Aufenthalts höflich um Verzeihung, äh mit wenigen Worten, daß und in welchen Angelegenh den reiſte und erſum ins Bra Gra hinzu, da weil meine Unruhe um meine Tochter ſo groß ſei, indem ich fürchtete, ſie ſei krank geworden.—„Mamſell Emma iſt nicht krank“— fiel er mir heftig ins Wort. Ich ſtarrte ihn ſtaunt an und wollte ihn eben um Erklärung bitten, als d te ſie es ihr wel⸗ npert, —— nkbar⸗ üünſche erührt Arme, hter ſo r ſonſt* daheim u ſein; ber die i heiter ie Thee Hinweg der nach nich ſehr ihlte ihm heiten ich 4 1 ihn, bei Z ich ohne Ich fügte fen hoffte, 6 indem ich 71 ſeinem Poſtbauer fortzufahren befahl und mit dem Zuruf:— „Entſchuldigen Sie, Herr Inſpector!“— weiter fuhr, daß die Staubwolken um ſeinen Wagen wirbelten. Ja, Fridolf weiß am beſten, wie ſeltſam ſich der Graf benahm. Wie konnte er ſo beſtimmt behaupten, daß das Mädchen geſund wäre?— Kennſt Du den jungen Grafen, Emma?“— Emma konnte nicht ahnen, daß der junge Graf H** und der Student Hährling eine und dieſelbe Perſon waren. Sie antwortete alſo ganz unbefangen:—„Nein, Papa, ich habe ihn nie geſehen, ſoviel ich weiß. Wahrſcheinlich hat er ſeine Aeußerung blos gethan, um den Papa zu tröſten.“— „Wann iſt denn Graf Eduard angekommen, Lotta?— fragte Hilbert ſeine Gattin. „Vor einigen Tagen,“— erwiederte die Hausfrau.— „Ich habe ihn zwar ſeit ſeiner Ankunft noch nicht geſehen; aber ſobald er angekommen war, erfuhr ich es ſogleich von der Großmagd, die herunter kam und mich um Rath fragte, was ſie für eine ihrer kranken Kühe brauchen ſollte. Dabei erzählte ſie mir, daß der junge Graf ſo eben angekommen wäre und daß ſich Alles im Hauſe ungemein freute, ſo daß Fräulein Louiſe ihrer Kammerjungfer ein Kleid geſchenkt hätte, das ſie ſelbſt nur wenige Male erſt getragen.“— „Wer iſt denn Fräulein Louiſe?“— fragte Emma. „Tauſend, liebes Kind!“— rief die Mutter.„Haſt Du denn noch nichts gehört, daß die Gräfin eine junge Verwandte ins Haus genommen hat, ein Fräulein Rrr, die Graf Eduards Braut iſt? „Graf Eduards Braut?“— fragte Emma.—„Der Graf iſt ja noch ſo jung.“— „Er iſt volle zweiundzwanzig Jahr alt,“— verſetzte Hil⸗ tert—„und Fräulein Rar iſt erſt ſiebzehn Jahr. Gott weiß es, ob ſich der junge Graf viel aus ihr macht, aber iſt vater⸗ und mutterlos und hat ein unermeßliches er ſie mund ünſcht gehor⸗ wie wen ſt mit hinaus ß das blieben Ham⸗ dieſer nabend. on die⸗ Emma im Va⸗ will ich ich auch zwanzig nd es in gwerkbe⸗ e einige n, mein mneulich Emma 3 anfing, enſter ei dieſem rſtummte ficht Dich an, Mädchen? Ich glaube, Du träumſt. Gerade an der ſchönſten Stelle hörſt Du auf.“— Emma vermochte nicht zu antworten, ſie ſah wieder nach dem Fenſter, aber Eduard war verſchwunden. Noch zitternd vor Furcht und hef⸗ tiger Gemüthsbewegung wollte ſie ihren Geſang fortſetzen, als ihre Mutter die Thür öffnete und herein rief:—„Liebe Emma, komm einmal heraus; es iſt jemand Fremdes hier, der Dich ſucht.“— Emma, die als gewiß annahm, daß der Studioſus Hährling draußen ſtünde, ward noch verlegner, als vorher. Mit klopfendem Herzen und unbeſchreiblich freudigen Gefühlen, die ihr faſt den Athem benahmen, folgte ſie ihrer Nutter hinaus auf den Saal. Aber nicht Eduard Häheling war es, den ſie daſelbſt fand; es waren drei ihr gänzlich un⸗ bekannte junge Mädchen. Bei den Verneigungen, welche Emma den jungen Damen machte, verlaſſen wir ſie, um unterdeſſen einen Blick auf Herrn Eduard zu werfen. Am Morgen nach ſeiner fatalen Rückkehr nach Stockholm hatte er ſich— treu ſeinem gefaßten Entſchluſſe— in ſeinen leichten zweiſitzigen Reiſewagen geſetzt und war mit Poſtpfer⸗ den abgereiſt, ſo ſchnell es thunlich war. Unterwegs begegnete er— wie wir bereits wiſſen— dem Inſpector Hilbert. Eduard vermuthete ſogleich die Urſache ſeiner Reiſe und machte ſich Vorwürfe darüber, daß er ſelbſt hauptſächlich die Wolken auf der gefurchten Stirn des Inſpectors zuſammengezogen hatte; denn hätte er auf der Inſel Emma nicht am Arme geführt und ſich ſo angelegentlich mit ihr unterhalten, ſo würde ſie gewiß die Abfahrt des Dampfbootes nicht verſäumt haben. Unbedachtſam folgte er dem Antriebe ſeines guten Herzens und verſicherte dem alten Hilbert mit glaubwürdiger Miene, daß ſeine Tochter vollkommen geſund ſei. Doch fiel ihm in demſelben Augenblicke ein, wie ſonderbar dieſe Ver⸗ ſicherung dem Inſpector erſcheinen mußte, da ſie aus dem Munde eines Mannes kam, welcher Emma gänzlich unbekannt war; er brach daher ſogleich die Unterhaltung ab und ſetzte tig eilends ſeine Reiſe fort, den alten Hilbert ſeiner Verwunde⸗ ſich rung überlaſſend. jen Die Freude ſeiner Eltern und Louiſens über ſeine An⸗ I zut kunft war unbeſchreiblich. Da er an dem beſtimmten Tage 84 nicht gekommen war, ſo hatten ſie ihn nicht ſobald erwartet, ken fürchteten, daß er erkrankt ſein möchte, und warteten ängſtlich we auf einen Brief, der ihre Beſorgniß zerſtreuen oder beſtäti⸗ gen würde. dar Von der unangenehmen Reiſe mit dem Dampſſchiff er⸗ ter wähnte er nichts, ſondern bemerkte blos, daß er ſeinen Reiſe⸗ mi plan geändert und den Weg zu Lande vorgezogen hätte. Da⸗ wa gegen erzählte man ihm, wie das Dampfſchiff Norrköping ſch länger als drei Stunden auf dem Grunde feſtgeſeſſen hätte, ge und wünſchte ihm Glück, daß er nicht dabei geweſen war. bli Eduard hatte Mühe, ſich ernſthaft zu erhalten. Se Doch konnte ihn in den erſten Tagen ſeines Aufenthalts ein nichts erfreuen oder ergötzen. Dankbar gegen die Liebesbe⸗ La weiſe ſeiner Eltern, war er doch beſtändig unruhig, und man nig ſah in ſeinem Geſicht deuklich die Spuren einer innern Sehn⸗ ſei ſucht, die durch nichts befriedigt werden konnte. Die vorzüg⸗ liche Aufmerkſamkeit, die ihm Fräulein Louiſe widmete und in welcher ſich die heftigſte Liebe für ihn ausſprach,— obwohl ſie dieſelbe ſoviel als ſie konnte zu verbergen ſuchte— war ihm weit mehr läſtig, als erfreulich. Seine Eltern, die ihm ſchon früher ihren Wunſch zu erkennen gegeben hatten, ihn mit ihr verbunden zu ſehen, hatten zwar ſeit ſeiner Aeüetee dieſen Wunſch nicht wieder ausgeſprochen, zweifelten aber niche im Mindeſten, daß er denſelben ſehr gern erfüllen würde, dn n Maädchen von Louiſens Rang und Vermögen in ihren Augen die wünſchenswertheſte Parthie für ihren Sohn war, die es geben konnte. Sie bemerkten nicht die Kälte, mit wel er er ihr begegnete; aber das Auge der Liebe iſt ſcharfſich 7 4 ſetzte unde⸗ An⸗ Tage artet, gſtlich eſtäti⸗ ff er⸗ Reiſe⸗ Da⸗ köping hätte, war. thalts besbe⸗ d man Sehn⸗ orzüg⸗ und in obwohl — war ie ihm a, ihn 75 tig. Das arme Fräulein gewahrte bald die Eisrinde, die ſich mit jedem Augenblick um ſo dicker um ſein Herz legte, jemehr ſie ſich bemühte, ſie durch das Feuer ihrer Blicke auf⸗ zuthauen. Da ſie trotz aller Anſtrengungen ihm weder ein Lächeln abzwingen noch die um ſeine Stirn ſchwebenden Wol⸗ ken zerſtreuen konnte, ſo wurde ſie endlich betroffen und weinte oft heimlich über Eduards Kälte. Fräulein Louiſe ſpielte das Pianoforte und die Harfe— das Lieblingsinſtrument des alten Grafen— ſehr gut. Letz⸗ terer nöthigte daher einmal ſeinen Sohn, ein Duett zur Harfe mit ihr zu ſingen; Eduard gehorchte, aber nur ungern. Loniſe war hingeriſſen; ſie ſang mit einem Gefühl und einem Ge⸗ ſchmack, durch welche der Graf und die Gräſin in Erſtaunen geſetzt wurden; ihre ganze Seele wiegte ſich in dieſem Augen⸗ blick auf den Schwingen der Harmonie, um ſich mit Eduards Seele zu vereinigen. Aber ſeine Seele entwich dieſer Ver⸗ einigung, denn ſie weilte bei Emma. Der Ton von Emma'’s Laute ſchwebte noch vor ſeinem Ohr; ihre Stimme— obwohl nicht ſo künſtleriſch gebildet, wie die des Fräuleins— klang ſeinem Herzen viel melodiſcher. Um Eduard zu ergötzen, veranſtalteten ſeine Eltern kleine Ausflüge zur See und zu Land, luden Fremde in ihr Haus ein und fuhren mit ihm zu Beſuchen in die Nachbarſchaft; aber Eduard war in der Geſellſchaft ſtets zerſtreut und ſtill und ſuchte die Einſamkeit. Da er einige Tage vor Emma angekommen war, ſo beſuchte er bei jeder Gelegenheit die Heer⸗ ſtraße, auf welcher ſie von Stockholm kommen mußte, um zu ſehen, ob ſie käme. Dabei beharrte er aber ſtets auf dem Entſchluſſe, ſich nicht vor ihr zu zeigen. Doch wurzelte dieſer Vorſätz blos in ſeinem Kopfe, ſein Herz kämpfte ſtets dagegen ſohen. An dem Tage, an welchem Emma in Bus arf und trieb ihn, ſie noch ein Mal, nur ein einziges Mal zu war Eduard mit ſeinem Vater bis Abends gegen acht Uhr auf der Jagd geweſen. Der Vater war müde von der gehabten Anſtrengung und zog ſich gleich nach der Heimkehr in ſein Zimmer zurück; Eduard, erfreut, ſich von ſeinem Vater losmachen zu können, ging hinunter auf die Heerſtraße. Einige Arbeiter von dem Hammerwerk, die ihm daſelbſt begegneten, frug er, ob der Inſpector zurückgekommen ſei. Man erwie⸗ derte ihm, er wäre ſchon gegen ſechs Uhr angekommen und hätte ſeine Tochter, ſchön wie ein Engel, mitgebracht. Darauf kehrte Eduard um und nähm ſeinen Weg in den Park unter Emma's Fenſter; als er daſſelbe offen fand und den lieblichen Geſang Emma's hörte, blieb er wie bezaubert ſtehen. Als er aber Emma's Erſchrecken bemerkte, zog er ſich ſchnell zu⸗ rück, denn er fürchtete, daß ihr Vater die Urſache ihrer Ver⸗ wirrung bemerken möchte. Er hatte ſie nun wiedergeſehen und gehört; deſto ſchwe⸗ rer wurde ihm nun die Flucht. Er wünſchte im Gegentheil noch einmal mit ihr zu ſprechen, und dieſer Wunſch raubte ihm in der folgenden Nacht den Schlaf. Doch bot ſich die Gelegenheit zur Erfüllung deſſelben dar, ehe er es dachte. An der Stelle des verſtorbenen Pfarrers Tyrell, deſſen Wittwe ſich zu einigen Verwandten in Veſteräs gewendet hatte, war der Paſtor Rosman Pfarrer in Büm geworden. Dieſer Rosman war ein ſehr beliebter Geſellſchafter und übrigens ein Mann, der einen untadelhaften Lebenswandel führte und ſein Amt als Seelſorger einer Gemeinde muſterhaft verwaltete. Von einer Familie, die ihn liebte und hochachtete, umgeben, von ſeinen Pfarrkindern geliebt und geachtet, führte er ein freudiges Leben und nahm jeden Beſuch, der unter ſein prie⸗ ſterliches Dach trat, gaſtfreundlich auf. Auch verſäumte Nie mand ſo leicht, ſein Haus zu beſuchen, denn man ſah, dß man ſtets herzlich darin willkommen war, und übrigens wäir die Pfarre ſehr häufig der Verſammlungsplatz für die Houg ratioren des Hammerwerks und des ganzen Ortes. Von der riauf Gattin des Pfarres konnte man mit Recht ſagen, daß ſie die ſein. würdige Gattin des würdigen Geiſtlichen ſei; ihre zehn Vater Kinder, von denen ſechs bereits erwachſen waren„zeigten ſich Linige ſämmtlich wohlerzogen, talentvoll und liebenswürdig. Der neten älteſte Sohn, welcher Notar beim Hofgericht in Götha war, wie⸗ brachte dieſen Sommer in B** zu. Der zweite Sohn Wil⸗ 1 und helm, Doctor der Philoſophie, war mit dem jüngern Bruder arauf Albert, welcher ebenfalls ſtudirte, während der Ferien in der unter Heimath. Die drei älteren Töchter Guſtava, Emilie und lichen Jenny waren natürlich, häuslich und wacker, dabei gebildet Als und ſehr ſchön. Außerdem lebte in der Pfarre noch die äl⸗ Il zu⸗ teſte Tochter des verſtorbenen Predigers, Henriette Tyrell, Fri⸗ Ver⸗ dolf's Schweſter, die mit dem älteſten Sohn Fredrik verlobt war, und ein junges Mädchen, Clara D** aus Stockholm, ſchwe⸗ die Tochter eines daſigen Großhändlers, welche auf der Pfarre in Penſion war, um die Landwirthſchaft zu erlernen. Da das rütſeit Paſtorat ſehr groß war, ſo hielt ſich der Pfarrer zwei Adjunk⸗ ich die ten, den Magiſter A** und den Magiſter O*. Man kann te ſich ſalſo leicht vorſtellen, daß in einem Hauſe, in welchem ſo Adeſſen viele junge Leute lebten, ein fröhlicher, angenehmer Aufent⸗ hatte halt ſein mußte. Auch Emma ſehnte ſich, in dieſem Hauſe be⸗ Dieſer kaunnt zu werden, da ſie von ihrem Vater und von der Tante ens ein Gertrud viel über die intereſſante Predigerfamilie gehört hatte. nd ſein Ihr Wunſch wurde früher erfüllt, als ſie dachte; denn die valtete. drei jungen Mädchen, von denen ſie gleich am erſten Abend ngeben ihrer Ankunft begrüßt worden war, waren Guſtava und Emilie er ein Rosman mit Clara D*. In wenigen Minuten war gegen⸗ n prie⸗ ſeitig Bekanntſchaft gemacht und eine Einladung an Emma te Nie⸗ end Fridolf ergangen, Tages darauf in die Pfarre zum Kaffee h, diß u kommen; denn dort war allſonntäglich eine Menge junger Kuute beiderlei Geſchlechts verſammelt. Emma verſprach fröh⸗ lich, daß ſie kommen würde; es gefiel ihr aber nicht, daß Fri⸗ dolf ihr Begleiter ſein ſollte; ſie entwarf ſich bereits einen ſchnellen geheimen Plan, ſeiner Geſellſchaft unterwegs zu ent⸗ gehen. Indem die vier jungen Mädchen noch von der Zuſam⸗ menkunft des folgenden Tages ſprachen, traten Jenny Rosman und Henriette Tyrell zu ihnen.—„Wir ſind nicht allein,— ſprachen ſie nach der erſten Begrüßung—„die ſämmtlichen Herren ſtehen draußen und erwarten uns; wir wollen Euch abholen, ihr Mädchen!“— Frau Hilbert eilte hinaus und nöthigte„die ſämmtlichen Herren“ in die Stube. Zugleich kam auch der Inſpector, ſeine große Meerſchaumpfeife im Munde, in Fridolf's Begleitung vom Hammerwerk zurück. Herr und Frau Hilbert waren nicht wenig auf die unver⸗ ſtellte Bewunderung ſtolz, welche ihre Tochter erregte. Kaum wußten ſie, wie ſie die Anweſenden von allen Fertigkeiten und Talenten Emma's in Kenntniß ſetzen ſollten; eine Menge Zeich⸗ nungen und Malereien, die ſie von Stockholm mitgebracht hatte, ſollten herbeigeholt und gezeigt werden; ſie ſollte ihre Laute holen und darauf ſpielen; endlich ſollte ſie die ſämmt⸗ lichen Gäſte in ihr Zimmer führen und ſich daſelbſt auf dem Pianoforte hören laſſen. Emma gehorchte mit einer gewiſſen Verlegenheit über die Eitelkeit ihrer Eltern; Frau Hilhert lächelte behaglich und aus dem Geſicht des Inſpectors leuch⸗ tete ein inniges Vergnügen über die beſtändigen Ausrufungen der Mädchen:—„Tauſend, wie ſchön!— O Gott, wie herrlich!“— Fridolf allein hätte zurückgehen müſſen. Man nahm alſo der Verabredung Abſchied von einander, ſich am folgenden Ve mittag in der Kirche und Nachmittags in der Pfarre zu treffei Es war ſpät geworden und man mußte ſich trennen. Die jungen Leute aus der Pfarre wollten Fridolf und Emma nöthigen, ſie ein Stückchen Wegs zu begleiten; Fridolf waur ſogleich dazu bereit, aber Emma entſchuldigte ſich mit Müdig keit von der Reiſe, denn ſie wußte wohl, daß ſie dann ——— nen ent⸗ am⸗ man 3 ichen Euch und leich im nver⸗ daum und Zeicha⸗ vracht ihre mmt⸗ dem wiſſen dilhert leuch⸗ ungen Die Emm 7 1 79 Nachdem ſich die jungen Mädchen wohl drei Viertelſtunden lang gute Nacht gewünſcht hatten, riefen ſie endlich einander zum letzten Mal zu:—„Nun, gute Nacht, gute Nacht; wir ſehen uns morgen wieder!“— S Emma wünſchte ihren Eltern gute Nacht und begab ſich in ihr Zimmer, um ſich der Ruhe zu überlaſſen, am meiſten aber, um ihre Gedanken auf Eduard Hährling zu richten. Dabei erinnerte ſie ſich, daß ſie ihrer Freundin Julie L** verſpro⸗ chen hatte, ihr den Traum der erſten Nacht mitzutheilen; ſie nahm ſich daher vor, dieſen Traum gewiſſenhaft zu merken. Ob ſie heimlich von Eduard zu träumen wünſchte, oder ob ſie zufällig von ihm träumte, weiß man nicht— aber wahr iſt es, daß ſein Bild bis Nachts zwei Uhr vor ihrer Phantaſie ſchwebte— dann erſt ſchlief ſie ein. ——— mer! ſind ſein rückg WV. im Der erſte Sonntag in B**. bunn er einen Mut Morgens Schlag vier Uhr trat Frau Hilbert in das Zim⸗ dieſel mer ihrer Tochter. Die unermüdliche Hausfrau pflegte im 4 Toch⸗ Sommer täglich um dieſe Zeit wach zu ſein und da ſie an Emma's Stubenthür vorüberging, konnte ſie ihrer Neigung ſchwe nicht widerſtehen, im Vorbeigehen einen Blick auf die geliebte derm Tochter zu werfen. Auf den Fußſpitzen ſchlich ſie an das Bett, Einre auf welchem ihre ſchlafende Tochter in der einnehmendſten Situa⸗ wehr der Bettdecke ruhend, der hörlic tion lag, der eine runde Arm auf von welchem das kleine Nacht⸗ Aben floh aus Allee andere über den Kopf gelegt, häubchen herabgeglitten war, ſo daß das reiche kaſtanienbraune Haar ungehindert in üppigen Wellen über den weißen Hals herabrollen konnte. Mit großer mütterlicher Zärtlichkeit be⸗ trachtete Frau Hilbert ihre Tochter, Thränen entrollten ihren des † Augen.—„Schlaf in Frieden,“— flüſterte ſie—„leider tors wird bald genug die Zeit kommen, da Du wie ich unter tau⸗ beme da Du wie ich alle Deine Kräfte öffnet ſend Sorgen wachen wirſt, anſtrengen mußt, um Deinen Beruf zu erfüllen, da Du viel⸗ leicht auch wie ich oft Undank und Uebelwollen erfahren wirſt. Doch— was ſpreche ich auch?— Iſt nicht das Gefühl er⸗ füllter Pflicht hinreichende Belohnung?— Gutes, liebens⸗ würdiges Kind, daß ich Dich doch immer glücklich ſähe! Ahe könnte ich Dich wohl mit aller Mühe und Sorgfalt der er dahi die C feade wi Alpr 1e Zim⸗ te im ſie an eligung eliebte Bett, Situa⸗ d, der Nacht⸗ braune 1 Hals keit be⸗ n ihren „leider er tau⸗ Kräfte du viel⸗ i wirſt. fühl er⸗ liebens⸗ e Aber er feune wi Emma hatte, ſeitdem ſie eingeſchlafen war, nicht g Alhr gerade gegen Morgen träumte ſie, daß ſie vo 5 —. 6 Tr Emma's Herz. I. 81 merniſſe entheben, die unzertrennlich vom menſchlichen Leben ſind?— Warum, warum mußteſt Du auch ein Mädchen ſein?— Das Weib iſt in jedem Verhältniß des Lebens zu⸗ rückgeſetzt.“ Sie ſchwieg und verſank in tiefe Gedanken. Endlich trat ſie an's Fenſter und öffnete daſſelbe, weil es ihr warm genug im Zimmer zu ſein ſchien. Die draußen blühenden Flieder⸗ bäume verbreiteten einen balſamiſchen Duft und die Strahlen der Morgenſonne, welche durch das Laub drangen, warfen einen ſanften Schimmer über die ſchlafende Schöne. Die Mutter blickte noch einige Augenblicke mit inniger Liebe deu dieſelbe und verließ dann das Zimmer mit dem Vorſatz, ihre Tochter vor neun Uhr nicht zu wecken. Eduard, vor deſſen Phantaſie die ſchöne Emma beſtändig ſchwebte, war, ſeitdem er ſie wiedergeſehn hatte, von Neuem dermaßen von ihr eingenommen worden, daß er ungeachtet aller Einreden ſeines Verſtandes ſich der Ueberzeugung nicht zu er⸗ wehren vermochte, er könne ohne Emma nicht leben. Unauf⸗ hörlich mit dem Gedanken an ſie beſchäftigt, warf er ſich ſpät Abends auf ſein Bett zum Schlafen nieder, allein der Schlaf floh ſeine Augenlider. Schon vor Aufgang der Sonne war er aus dem Bette und wankte wie ein Nachtwandler in allen Alleen herum, bis er endlich durch eine Ahnung in die Gegend des Parks geführt wurde, in welcher die Wohnung des Inſpee⸗ tors lag. Plötzlich erwachte er aus ſeinem tiefen Nachſinnen, bemerkte wo er war, und ſah in demſelben Augenblicke das ge⸗ öffnete Fenſter in Emma's Stube. Wie ein Dieb ſchlich er dahin. Frau Hilbert hatte ſo eben das Zimmer verlaſſen. Ein ſo befangener Liebender, wie Eduard, wird am beſten die Gefühle beurtheilen können, die ihn beim Anblick des ſchla⸗ ſeuden Mädchens ergriffen. Vater in vollem Brautſchmucke zu einem Altar geſchleppt würde, der in einer Allee des Parks errichtet war. Auf dem dete Altare brannte ein Opferfeuer und am Fuße deſſelben ſtand gen Fridolf und neben ihm ein bejahrter Geiſtlicher, den ſie früher die mie geſehen hatte. Emma weinte und widerſtrebte, aber der ſehe Vater zog ſie mit Gewalt an den Altar, während ihr die Mut⸗ glär ter, die neben ihr herging, die Hand drückte und ihre Thränen Däc abtrocknete. umg Eine große Volksmaſſe folgte ihnen und vergebens ſah ſie die ſich nach Eduard Hährling um, von welchem ſie Rettung hoffte. dene Endlich gewahrte ſie ihn in weiter Entfernung, aber er kam vor ihr nicht zu Hülfe, ſondern floh im Gegentheil vor ihr. da ihren vief ſie aus allen Kräften:—„Eduard, Eduard!“— Und in dern demſelben Augenblicke, in welchem ſie zu rufen träumte, rich⸗ Men tete ſie ſich wirklich im Bette auf, ſtreckte die Arme aus und räuſt rief mit lauter Stimme:—„Eduard, Eduard!“— Zugleich Gede erwachte ſie, ſah ſich verwirrt im Zimmer um und erblickte den ihr( Grafen, der erſtaunt und vor Entzücken außer ſich am Fenſter gang ſtand. Erſchrocken legte ſich Emma wieder zurück und zog die gi Edug Decke über ſich; um ſich zu überzeugen, ob ſie geträumt oder Eduard wirklich geſehen hätte, blickte ſie nach einer Weile un⸗ Und ter der Decke hervor— aber Eduard war verſchwunden. Sie ihre hielt daher die Erſcheinung am Fenſter für eine Fortſetzung daß ihres Traumes und ſchlief bald wieder ein. Frau Hilbert,, die eben in der Küche war, hörte Emma's lauten Ruf, ohne ſterbe ſollte ſtellt chens zufäll chem wenn würdt jedoch den Namen Eduards unterſcheiden zu können. Sie lief ſchnell in Emma's Zimmer, fand aber ihre Tochter ruhig da⸗ liegend und— wie ſie glaubte— ſchlafend; ſie verließ da⸗f her die Stube in der Ueberzeugung, daß das Mädchen ge⸗ träumt habe. Sowie ſich das Thürſchloß beim Eintritt der Mutter bewegte, hatte ſich Eduard eilig vom Fenſter zur⸗ zogen und in den Park geflüchtet. 5 Gegen acht Uhr erwachte Emma zum zweiten MaleAbu leppt dem ſtand üher der Mut⸗ ränen ah ſie fpoffte. kam Da Ind in rich⸗ s und ugleich kte den Fenſter zog die it oder le un⸗ n. Sie tſetzung Hilbert, f, ohne Sie lief thig da⸗ ließ da⸗ chen ge⸗ 83 dete ſich an und eilte hinaus, um den ſchönen Sommermor⸗ gen zu genießen. Einſam wandelte ſie umher und betrachtete die Gegend mit einem unnennbar ſüßen Gefühl des Wieder⸗ ſehens. Es war ein herrlicher Sonntagmorgen, die Sonne glänzte und färbte die nahegelegenen Berggipfel und die Dächer der Häuſer. Obwohl Alles Leben war, was Emma umgab, war doch Alles ſo ſtill und feierlich, als wenn ſich die ganze Natur bereitete ihre Andacht zu halten. Die Leute, denen ſie begegnete, gingen alle in ſonntäglicher Kleidung und vor der Thür jeder Hütte erblickte ſie Kinder, welche ſich über ihren ſonntäglichen Anzug freuten und ſich ſelbſt und die an⸗ dern mit innigem Vergnügen betrachteten. Ueberall ſah ſie Menſchen, überall hörte ſie ſprechen; aber weil heute das Ge⸗ räuſch des Hammers ſchwieg, kam ihr Alles ſonderbar vor. Gedankenvoll ging ſie in den Alleen auf und ab, erfreut, daß ihr Eduard nicht begegnete, deſſen Anblick ſie nach dem Vor⸗ gang dieſes Morgens nicht ertragen zu können glaubte; denn bei genauerem Nachdenken hatte ſie ſich wohl beſonnen, daß Eduard wirklich draußen vor dem Fenſter geſtanden hatte. Und bei dem Gedanken, ihn laut gerufen zu haben, fühlte ſie ihre Wangen erglühen.—„Was mag er von mir denken, Und der fatale Traum erwachte ſo lebhaft in ihrem Ge⸗ te⸗ dächtniß, daß ſie ſich ſchaudernd an die Aeußerung Juliens bl. erinnerte, was man in der erſten Nacht auf einem Orte, auf 1 Er dem man zum erſten Mal ſchlafe, träume, das treffe zuver⸗ lin läſſig ein. Nicht weil Julie dies geſagt hatte, fürchtete ſie 5 me das Eintreffen des Traumes— aber ſie glaubte in dieſem äu Traum eine Prophezeiung ihres künftigen Schickſals zu ſehen Gr und zitterte bei dem Gedanken, daß ihre Verbindung mit Fri⸗ ſon uard vor ihr fliehen könne, doch Gi dolf wirklich erfolgen und Ed überließ ſie ſich vertrauensvoll den Schickungen der Vorſehung, bek und erlangte bei dieſem Gedanken bald ihre Ruhe wieder. Es kam ihr ſonderbar vor, daß ihr Vater noch kein Wort mündlich von dem erwähnt hatte, was in dem Briefe ange⸗ deutet war, daß ſie nämlich gleich nach ihrer Rückkehr Fridolf Tyrell's Braut werden ſolle. Ein Funken von Hoffnung, daß er dieſe Abſicht aufgegeben habe, glimmte in ihrem In⸗ nern empor, erloſch aber bald wieder und ließ nur den Ge⸗ danken zurück, daß blos die Gnade Gottes und ihre eigene Standhaftigkeit ſie von der gefürchteten Verbindung retten könnten. Als ſie wieder nach Hauſe kam und von ihren El⸗ tern gefragt wurde, wie ſie geſchlafen hätte, erwiederte ſie:— „Recht gut.“— Ihre Mutter erzählte ihr darauf, daß ſie einen lauten Schrei von ihr gehört hätte und eilends in ihr Zimmer gekommen wäre. Emma verſicherte, ſie könne ſich nicht erinnern, Etwas geträumt zu haben. Es war nun Zeit, zur Kirche zu gehen. Tante Gertrud ſollte Emma begleiten, die mit Vergnügen hörte, daß Fridolf nicht mitgehen würde, da er mit dem Inſpector über Land fah⸗ ren und erſt Mittags zurückkommen ſollte. Die Familie des Inſpectors hatte zugleich mit der des Arztes die erſte Baͤuk auf der Emporkirche inne; die Familie des Pfarrers dagegen hatte ihren Platz im Schiff der Kirche. Daher konnte Emma die Damen aus der Pfarre erſt näch dem Schluſſe des G Ge⸗ ens auf 2 ver⸗ ſie eſem ehen Fri⸗ doch zung, L. Wort ange⸗ ridolf nung, 1 In⸗ 1 Ge⸗ eigene retten n El⸗ de: daß ſie in ihr ne ſich Gertrud Fridolf nd fah⸗ ilie des te Bauk 3 dagegen Emma die ihrerſeits nur zuweilen verſtohlen nach ihm ſah⸗ Mecha⸗ 85 tesdienſtes treffen. Als ſie ein Weilchen daſaß und um ſich blickte, ſah ſie Eduard Hährling in die gräfliche Kapelle treten. Emma wunderte ſich nicht im Geringſten darüber, denn Hähr⸗ ling wollte ja nach ſeiner eigenen Angabe den ganzen Som⸗ mer hindurch bei dem Grafen verweilen; Tante Gertrud äußerte aber ihr Erſtaunen, daß weder der junge noch der alte Graf in der Kirche anweſend war, und meinte, ſie hätte doch ſonderbares Unglück, daß ſie den jungen Grafen, von deſſen Güte und Schönheit ſo viel geſprochen würde, nie zu ſehen bekäme. Eben traten die Damen aus der Pfarre ein, und Emma ſah, daß ſie ſich vor Eduard Hährling ehrfurchtsvoll verneig⸗ ten und dieſer ſeinerſeits den Gruß freundlich erwiederte.— „Hm,“— dachte Emma—„ſie kennen ihn, wahrſcheinlich iſt er ſchon früher hier geweſen.“— Die Pfarrdamen blickten jetzt nach der Emporkirche und ſahen Emma; gleich darauf be⸗ gann ein freundliches gegenſeitiges Zunicken. Eduard folgte mit ſeinen Augen den Blicken der Pfarrmamſells und ge⸗ wahrte mit Entzücken ſeine ſchöne Emma. Mit Blicken, welche das Gefühl ſeines Herzens ausſtrahlten, grüßte er ſie; Emma erwiederte ſeinen Gruß und erröthete wie eine Päonie. Die Rosman’'ſchen Damen hatten dies jedoch nicht bemerkt, weil ſie eben mit geſenkten Häuptern daſaßen. Der Gottesdienſt begann. Emma bemühte ſich ihre Ge⸗ danken zu ſammeln und von allem Irdiſchen loszureißen, um ſich nur mit dem göttlichen Wort zu beſchäftigen. Aber un⸗ glücklicher Weiſe hatte Eduards Bild mehr Gewalt über ſie, als alle die Worte, welche ſie hörte und las. Sie warf ſich ihren Mangel an Andacht als eine große Sünde vor, aber nichts deſto weniger ließ die ſchöne Sünderin ihren Gedanken den früheren Lauf. Der Gegenſtand derſelben war aber guch keineswegs andächtig, denn er blickte beſtändig nach Emma. 86 niſch ſtand er mit der Verſammlung auf und ſetzte ſich wieder, wenn ſich die Andern ſetzten. Der Orgelklang und die Baß⸗ der ſtimme des Glöckners weckten ihn wohl beim Beginn des Pſal⸗ ve menſingens aus ſeiner Betäubung, aber er ſang nicht mit, hielt feſ das aufgeſchlagene Buch in der Hand und ſah nach Emma. ſie Nicht beſſer ging es während der Predigt, zum erſten Male— ein in feinem Leben hatte er ſo gedankenlos und zerſtreut in der Ge Kirche geſeſſen, und als der Prediger Amen ſagte, ſprang mor Eduard wie aus einer Betäubung auf. des Sein Mangel an Andacht ſtörte auch die ihm gegenüber Leid ſitzenden Pfarrdamen. Da ſie ihn ſeine Blicke ſo unabläſſig dand aber auf Emma richten ſahen, wandten ſie ihre Augen auf ihn, 4 um zu ſehen, wie lange er Emma betrachten würde. Und als und. die Predigt zu Ende war, hatten ſie ebenſowenig wie der Graf etwas von ihrem Inhalt gehört. Anſtatt deſſen flüſterten ſie gern einander zu:—„Seht, wie der Graf Manſell Hilbert an⸗ neh er ſieht. Das iſt ja entſetzlich! Er kann ja die Augen nicht von ihr abwenden. Das iſt zwar kein Wunder, denn ſie iſt ſehr ſchön; aber was würde Fräulein Ruær dazu ſagen, wenn ſie heute in der Kirche wäre?— Von Beginn der Predigt an war jedoch Emma mit an⸗ dern Gedanken beſchäftigt. Der Pfarrer Rosman predigte Umge Schli 2 war Emp corps 5 Sonntags ſelbſt, und ſo wie er die Kanzel beſtieg, erkannte Wort Emma denſelben Geiſtlichen in ihm, den ſie in ihrem Traumnme Wwar geſehen hatte. Sie erblaßte und dachte:—„Soll dieſer hatte Mann das unglückſelige Bündniß knüpfen? Iſt er es, voen WMen deſſen Lippen ich mein Todesurtheil hören ſoll?“— So Senedo dachte ſie über ihre Verbindung mit Fridolf; wäre ſie aber und nicht ſchon ſeit einem Jahre für Eduard eingenommen ge nen g * 2 L weſen, ſo würde ſie wahrſcheinlich ganz anders darüber ge dacht haben. 3 Mit einer Art von Entſetzen hatte ſie alſo den Pfarrer Rosman zum erſten Mal geſehen; als ſie aber lebenſpen⸗ 5 demnq mnitta der, aß⸗ al⸗ jelt ma. kale der ang über äſſig ihn, als Graf en ſie an⸗ von ſehr in ſie t an⸗ tedigte kannte raume dieſer von — So e aber en ge⸗ ber ge⸗ Pfarrer enſpen⸗ — dende Worte aus dem Munde des würdigen Lehrers hörte, verſchwand allmählig dieſes unbehagliche Gefühl. Mit dem feſten Vorſatz, der Predigt recht aufmerkſam zuzuhören, blickte ſie auf den ehrwürdigen Prediger, in deſſen redlichen Geſicht ein unverkennbarer Zug von Güte zugleich mit einer gewiſſen Genialität lag.—„Nein, Du biſt kein unglückdrohender Dä⸗ mon,“— dachte ſie—„Du biſt wohl vielmehr ein Herold des Friedens, zur Stütze der Wankenden und zum Troſt der Leidenden geſendet. Mein Traum iſt blos eine Warnung, damit ich meine Feſtigkeit in der Religion ſuchen, daneben aber ſelbſtſtändig handeln ſoll; denn ich bin ein freier Menſch und werde mich nie zu Etwas zwingen laſſen.— Am Schluß der Predigt verließ der Graf die Kirche, und gern hätten die Pfarrmamſells daſſelbe gethan, um Emma zu treffen und ſie mit den feurigen Blicken des Grafen zu necken; aber der Pfarrer hatte ſeiner Familie und ſeiner ganzen Umgebung mehrere Male geboten, ſtets bis zum völligen Schluß des Gottesdienſtes in der Kirche zu bleiben. Endlich war der Gottesdienſt vorüber. Emma war bereits von der Emporkirche herabgeſtiegen und von dem ganzen Mädchen⸗ corps umringt— aber noch hatten ſie kein vertrauliches Wort mit einander ſprechen können, denn in der Kirchthüre war ihnen der Inſpector Hilbert entgegen gekommen und hatte mit der Artigkeit eines Cavaliers ſeiner Schwägerin den einen und ſeiner Tochter den andern Arm geboten. Die Mädchen wagten daher nicht, von dem Grafen zu ſprechen, denn Hilbert war ein Mann, deſſen ernſtes Weſen alle eiteln und kindiſchen Reden verbannte, obwohl er es im Allgemei⸗ nen gern ſah, wenn ſich die Jugend ergötzte. Sie begrüßten demnach Emma nur und luden ſie wiederholt für den Nach⸗ nittag ein, während der Inſpector ſchon den Hut zum Ab⸗ chiednehmen lüftete und ſodann mit ſeiner ſchönen Tochter ſeiner dicken Schwägerin weiter ging. 5 5 6 „Was hat denn das zu bedeuten,— ſprach Tante Ger dr trud—„daß der Schwager ſo artig iſt und uns in ſelbſt⸗ un eigener Perſon abholt?——„Ah,“— erwiederte der In⸗ ih ſpector—„ich kam um zwölf Uhr uach Hauſe und hielt es ein für langweilig, am Sonntag Vormittag daheim zu ſitzen; es ſiel mir daher ein, den Kirchenbeſuchern entgegen zu gehen. her Fridolf ſollte mich begleiten, aber der wollte ſich erſt umklei⸗ ein den und fein machen. Eine Weile wartete ich auf ihn, da er ohl ſich aber ſo lange bürſtete und pomadiſirte, ſo ging ich allein. No Er mag nachkommen, wenn er will.— M Bald darauf begegnete ihnen Fridolf, der eine Menge tru Vorwürfe von dem alten Hilbert ertragen mußte, weil er ſich dol ſo lange geputzt und beſpiegelt hatte. Fridolf antwortete den nicht, aber ſeine Kleidung zeigte, daß er wirklich viel Sorg⸗ dur falt darauf verwendet hatte, denn ſie war ungemein zierlich, obg 2 und beſonders mußte ihm die Halstuchſchleife à la Bergamt viel Zeit gekoſtet haben.— ᷣ Nun nun,“— ſagte der alte Hilbert—„nimm's nur nicht übel, ich meine es nicht böſe; nir nun eine der beiden Damen abnehmen, ich Du kannſt u habe an einer genug. will Gertrud behalten.“ „Alſo der Papa verſtößt mich?— fragte Emma lächelnd. „Nein, aber ich denke es iſt beſſer, wenn Dich der junge Burſche da führt“— erwiederte der Vater.— tsvoll bot Fridolf Emma ſeinen Arm; aber dieſe Komm hierher, nimm Du Emma, ich Ehrf 3 hielt wie oocken ihren Vater feſt und ſprach mit bittender Stimme: Darf ich nicht bei Dir bleiben, Papa? „Was!“ rief der Vater mit ſtrengem Blick—„ſollteſt Du gegen einen Mann ſo ſchüchtern ſein? Liebe Emma, ſolche Dummheiten mußt Du Dir abgewöhnen, ſie laſſen nicht gut, Schüchtern kann ein Mädchen wohl ſein, aber wenn die Schüch⸗ ternheit ausartet, dann iſt ſie unangenehm.“ Emma— furchtſam und verlegen mußte nun jer⸗ dolfs Arm annehmen. Fridolf redete ſie mehrere Male an lbſt⸗ und erhielt höfliche, aber kurze Antworten. Endlich machte In⸗ 4 ihn die Wortkargheit verdrüßlich und Beide gingen ſtumm neben t es einander her. ; es Nachmittags ſollte Emma mit Fridolf in die Pfarre ge⸗ ehen. hen; aber Emma, die nichts in der Welt mehr fürchtete, als kklei⸗ ein tete-d-teéte mit dieſem jungen Mann, war ſo unartig, da er ohne denſelben fortzugehen. Ihr Vater hatte ſich zu einem Ulein Nachmittagsſchläfchen niedergelegt, die Mutter war in der Milchkammer, um Kaffeerahm abzuſchäumen und Tante Ger⸗ denge trud ſaß in ihren Stube und las in Lehnbergs Poſtille; Fri⸗ r ſich dolf ſpazierte im Baumgarten auf und ab. Da paßte Emma ortete den Augenblick ab, nahm Hut und Sonnenſchirm und eilte Sorg⸗ durch eine kleine Nebenthür über den Hof nach der Pfarre, erlich, obgleich es noch ſehr zeitig war. rgam Ziemlich lange darnach ſah Fridolf nach ſeiner Uhr, ſie r alte zeigte auf halb vier Uhr. Er eilte in ſein Zimmer hinauf, böſe; bürſtete an ſeinem coup de vent, zog den geſteiften Halskra⸗ n, ich gen in die Höhe, brachte die Halstuchſchleifen in Ordnung, na, ich ſteckte die Buſennadel feſt, und fragte ſeinen Spiegel nochmals um Rath, ob Alles gut ſäße, nahm ſeinen Hut und eilte hinunter, ichelnd. um zu fragen, ob die Mamſell fertig wäre. Nachdem er eine junge Weile vergebens nach ihr gefragt und geſucht hatte, erfuhr ker endlich, daß ſie ſchon vor dreiviertel Stunden fortgegangen er dieſe war. Verdrüßlich ging er ihr nach, ohne ſie einholen zu kön⸗ ittender nen, denn ſie war auf dem geraden Fußſtege gegungen, wäh⸗ 2.⸗— rend er den großen Fahrweg eingeſchlagen hatte. Nach und nach verſammelte ſich daſelbſt eine Schaar von jun⸗ gen Mädchen von den nahegelegenen Herrenhöfen. Mehrere derſelben waren frühere Bekannte von ihr, andere waren erſt während ihrer Abweſenheit in die Nachbarſchaft gezogen. Doch wurde Emma von keiner ihrer früheren Geſpielinnen wieder Herzlich und warm war Emma's Empfang in der Pfarre. — 90 erkannt, ein Gemurmel der Bewunderung über ſie durchlief den ganzen Kreis der Verſammelten. Unter den Perſonen, welche Emma gänzlich unbekannt wa⸗ ren, fielen ihr ein paar Damen— die Töchter des Rittmei⸗ ſters Br auf Lindeſaker— unangenehm auf. Die langen, blaſſen, feſtgeſchnürten und langleibigen beiden Fräulein ſetzten ſich zu beiden Seiten Emma's und beſtürmten ſie mit unzähligen Fragen über Stockholm, über Concerte, Theater, Amaranthen⸗ Börſenbälle und dgl., ob ſie den Lieutenant Pe, den Haupt⸗ mann Ers, den königlichen Secretair Re, den Kammerjun⸗ ker Ver und Gott weiß wen ſonſt kennte. Und wenn Emma antwortete:—„Nein, den kenne ich nicht! ſo riefen Beide einſtimmig:—„Ach, wie ſonderbar!“— Verſicherte ſie je⸗ voch, daß ſie einen der genannten Cavaliere kenne, ſo folgten eine Menge Fragen, ob ſie denſelben nicht ſehr hübſch fände, charmant gewachſen und liebenswürdig; ob er nicht ausgezeich⸗ net tanze, reizend ſänge u. ſ. w. Und wenn Emma auf alle dieſe Fragen wieder antwortete:——„Das weiß ich nicht!* ſo folgte wieder der Ausruf:—„Ach, wie ſ Inzwiſchen trat Fridolf noch ganz ärgerlich über Emma herein und hatte ſich vorgenommen, ſie zu ignoriren. Um dieſem Vorſatz treu zu bleiben, hielt er ſich zu den Herren draußen im Saal, ohne in das Damenzimmer zu gehen und die Damen zu begrüßen. Aber einige Worte, welche Emma drinnen ſprach, drangen harmoniſch in ſein Ohr, wider ſei⸗ nen Wilen er an im Saal herum zu gehen, blickte in das Damenzimmer und ſah Emma ſitzen, wie eine friſche Roſe er ſich an die Thür gefeſſelt; bald war der eine Fuß über vergeſſen, dem garſtigen Mädchen auszuw unartig hatte ſitzen laſſen. ** onderbar!”“—. zwiſchen zwei verwelkten Sonnenblumen. Unwiderſtehlich fühlte der Schwelle; ebenſo der andere; nicht lange, ſo war er mit Leib und Seele im Zimmer und hatte ſeinen Vorſatz ganz eichen, die ihn ſo Nachdem er die Frau und die Töch ter 1 und verri zu g Vorn als antw wirrn Herr ren. Frido V und i kaum gebroc Augen E men Spazi Fridol Pfarr lächelt ſache ſ hatte wohl an ihr könnte auf de rere A Rosm du 4 4 3 3 91 ter vom Hauſe begrüßt hatte, ging er geradewegs zu Emma ef und redete ſie mit einem Tone an, der nichts weniger als Zorn 3 verrieth:—„Mamſell Hilbert war ſo grauſam, ohne mich d⸗ zu gehen; es war ja abgeredet, daß ich Sie begleiten ſollte 9 35— Emma machte ſich in der Güte ihres Herzens wirklich en.. Vorwürfe darüber, daß ſie den armen Fridolf, der ihr nichts len als Höflichkeiten erwieſen, ſo vorſätzlich beleidigt hatte; ſie gen antwortete mit Sanftmuth, aber auch mit einer gewiſſen Ver⸗ - 2 wirrung:—„Ich dachte, Sie hielten ein Mittagſchläfchen, pt⸗ Herr Tyrell, und wollte mir nicht erlauben, Sie darin zu ſtö⸗ an- ren. Verzeihen Sie mir, wenn ich dadurch gefehlt habe.“— m Fridolf war über dieſe vortheilhafte Veränderung ihres Tones Lide und ihres Blickes gegen ihn außer ſich vor Freude, vermochte le kaum ein Wort hervorzubringen und ſtammelte nur einige ab⸗ Iten. gebrochene Sätze, die jedoch Niemand hörte, weil in demſelben hde, Augenblicke neue Gäſte eintraten. . Emma wurde noch immer von den beiden fragluſtigen Da⸗ O 3 men belagert, als Guſtava Rosman zu ihnen trat und einen Spaziergang im Garten vorſchlug. Alle eilten hinaus; nur Fridolf allein blieb mitten im Zimmer ſtehend zurück. Die ln Pfarrerin, die gleichzeitig in das Zimmer trat, betrachtete ihn mn lächelnd, ſtörte ihn jedoch keineswegs, denn ſie hatte die Ur⸗ erren ſache ſeiner Zerſtreuung wohl errathen.„Verzeihen Sie,— und hatte ſie geſagt und ihn dabei ſo ſanft angeblickt. Wäre es mm wohl möglich, daß ſie allmählig ihre Kälte überwinden, ſich ſei⸗ an ihn gewöhnen und vielleicht— vielleicht gar— ihn lieben te m. könnte. Und dann, dann war er ja der glücklichſte Menſch Roſe auf der Erde. Solche Gedanken beſchäftigten ihn noch meh⸗ fühſr⸗ rere Augenblicke, bis der Magiſter A** und der Magiſter Rosman zu ihm traten und ihn ſcherzend fragten, ob er nicht zuſt hätte, aus ſeiner Ideenwelt in die Körperwelt zurückzu⸗ ren. 3 nterdeſſen hatten die Mädchen ihren Plan geandert und er mit ganz hn ſo Töch — waren anſtatt in den Garten, in ein Seitengebäude des Pfarr⸗ hofs gegangen, in welchem die Töchter des Pfarrers ſowie die übrigen im Hauſe anweſenden jungen Mädchen ihre Zimmer hatten. Emma nannte ſich mit Allen bereits Du und war in ein vertrauliches Verhältniß mit ihnen getreten. Während deſſen fuhr ein zierliches Kabriolet in den Hof und mit dem Ausruf:—„Graf Eduard und Fräulein Louiſe!“— ſtürz⸗ ten Alle ans Fenſter, um die Genannten ausſteigen zu ſehen. Auch Emma eilte neugierig an ein Fenſter; aber wer vermag ihre Beſtürzung zu ſchildern, als ſie ſah, daß der junge Graf kein anderer als der angebliche Hährling war.—„Wie ſchön, wie liebenswürdig iſt er!“ riefen die jungen Mädchen, die um Emma ſtanden.—„Schade, daß ſeine Braut ſo widerwärtig ſein ſoll!“— bemerkte ein Mädchen aus der Nachbarſchaft. Aber Emma hatte nichts von dieſen Aeußerungen gehört, ſie ſtand wie verſteinert da. Der Graf hatte unterdeſſen dem Fräulein aus dem Wagen geholfen und trat mit ihr bereits in das Pfarrhaus, als Guſtava rief:—„Kommt, kommt, Mädchen, wir müſſen hineingehen und ſie empfangen, wir können nicht länger wegbleiben!— Alle eilten nun hinüber in das Wohnhaus; Emma verbarg ſich gleich nach ihrem Ein⸗ tritt hinter die andern Mädchen. Eduard hatte ſie bisher noch nicht geſehen, gleichwohl war es ihr unmöglich, ſeinen Anblick in dieſem unangenehmen Augenblick der Ueberraſchung länger zu ertragen. Ohne von Jemand bemerkt zu werden, ſchlich ſie ſich in ein ziemlich entlegenes Keres Zimmer und ſank dort faſt bewußtlos auf ein Sopha nieder. Jenny, welche ſie vermißte und ſuchte, fand ſie endlich daſelbſt. Emma ſchützte eine plötzliche Unpäßlichkeit vor und mußte die größte Mühe anwenden, um die gute Jenny abzuhalten ihre Mutts und ihre Schweſtern herbeizurufen und Lau de Cologne, ſte kende Tropfen oder dergleichen herbeizuholen. Da aber Jenn aus Theilnahme und Artigkeit nicht von ihrer Seite weiche woll licht Bal fen verle muſt hein dun niede und Ros ſchör Zuer nen Klari hören ſchaft Hier der 2 Emn Bittq horch wom auch anlaſ ange den Fing Stin ſprac arr⸗ e die nmer war jrend dem ſtürz⸗ ſehen. rmag Graf ſchön, † ie um värtig chaft. gehört, en dem bereits kommt, n, wir hinüber m Ein⸗ zer noch Anblick länger , ſchlich nd ſank welche Emma e größte Mutte „. 93 wollte, that ſie ſich Gewalt an, verſicherte, daß ihre Unßäß⸗ lichkeit vorüber ſei, und ging mit in die Geſellſchaft zurück. Bald nach ihrem Eintritte ſtellte ſie der Pfarrer dem Gra⸗ fen und dem Fräulein vor; der Graf verbeugte ſich und ſah verlegen aus, das Fräulein ſprach einige Worte mit Emma, muſterte ſie vom Kopf bis auf die Füße und wunderte ſich heimlich nicht wenig über ihre Schönheit und elegante Klei⸗ dung. Emma ließ ſich darauf in einer Ecke des Zimmers nieder, und Emilie Rosman und Clara Dur blieben bei ihr und beklagten ihr Uebelbefinden. Jetzt kam die Rede auf Muſik, denn alle Mitglieder der Rosmanſchen Familie waren muſikaliſch und führten häufig ſchöne Quartetten und andere Stücke großer Meiſter aus. Zuerſt trug heute der Pfarrer mit ſeinen drei älteſten Söh⸗ nen ein Quartett für das Violoncello, zwei Violinen und eine Klarinette vor; darauf ließ ſich Clara Drr auf der Harfe hören. Fräulein Louiſe ſang ſodann auf Bitten der Geſell⸗ ſchaft einige größere Arien mit vielem Geſchmack zur Harfe. Hierauf wurde das große Pianoforte geöffnet und mehrere der Anweſenden ließen ſich auf demſelben hören. Nun wurde Emma von Allen, welche ſie Tages vorher gehört hatten, mit Bitten beſtürmt, ſich an das Inſtrument zu ſetzen. Sie ge⸗ horchte und gewann durch das Gefühl und den Geſchmack, womit ſie ſpielte, den allgemeinen Beifall. Hierauf mußte ſie auch mehrere Stücke ſingen. Daraus nahm der Graf Ver⸗ anlaſſung zu ihr zu treten und ſie zu fragen, ob es ihr un⸗ angenehm wäre, ein Duett mit ihm zu ſingen, das er unter den herumliegenden Noten ausgeſucht hatte. Mit zitternden Fingern begann Emma die Introduction, mit zitternder Stimme gleich darauf ihre Geſangparthie. Anfangs ver⸗ ſKrrach man ſich nicht viel von dieſem Geſang, denn Emmats Krregtes Gefühl benahm ihr faſt den Athem, ſo daß ſie kaum ermochte die Töne deutlich zu ſingen. Als aber der G raf 7 — unt feiner ſchönen, klaren und biegſamen Stimme einfiel, er⸗ mantite ſich auch Emma immer mehr, zitterte nicht weiter und vergaß ſicher, voll, melodiſch und mit dem innigen immer höher ſteigenden Gefühl einer liebenden Seele, Alles um ſich her, außer die reizenden Töne, die von den Lippen des ſchö⸗ nen jungen Mannes ſtrömten und von ihr aus der Tiefe ihres reinen vollen Herzens beantwortet wurden. Beifalls⸗ rufe und Dankſagungen ſtrömten von Aller Lippen; nur Fräu⸗ lein Louiſe's Lippen waren geſchloſſen und ihre Blicke hafte⸗ ten auf dem Fußboden. Sie hatte zu hören geglaubt, daß Eduard jetzt mit tiefem Gefühl geſungen hatte, während er daheim mit ihr ſo kalt, ſo ſeelenlos ſang! Fridolf, der in dem triumphirenden Gefühl, daß dieſes von Allen bewunderte Mädchen ihm bald angehören ſollte, alle Talente derſelben geltend zu machen wünſchte, ſchlich un⸗ bemerkt hinaus und ſchickte einen Boten nach Hauſe, Emma’'s Laute zu holen. Die muſikaliſche Unterhaltung wurde inzwi⸗ ſchen fortgeſetzt. Jenny entſchloß ſich auf den Wunſch der Geſellſchaft, zur Guitarre zu ſingen. Sie that dies ungekün⸗ ſtelt und anſpruchslos; zwar war ihre Stimme ſchwach, aber angenehm— keinesfalls ausgezeichnet; aber Fräulein Louiſe brach nichts deſto weniger in enthuſiaſtiſche Ausrufungen über den ſchönen Geſang aus und ſetzte mit einem nicht ganz un⸗ merklichen Seitenblick auf Emma dazu:—„Man kann ſich auch auf dem Lande recht artige Talente verſchaffen.— Niemand antwortete auf die Aeußerung des Fräuleins; es entſtand eine lange, lange peinliche Pauſe, während der Emma mit Verwunderung, aber ohne den geringſten Unwillen, ihre ſchönen klaren Augen auf das Fräulein richtete. Die übri⸗ gen Anweſenden, welche Fräulein Louiſens Stichwort ſehr wohl verſtanden hatten, ſahen zum Theil verlegen, zum The verdrüßlich aus. Aber unter den geſenkten Augenlidern jungen Grafen ſchoß ein zorniger Blick hervor, der das arme Frät Wun mitg Fräui zuſch mit Stol einer ein l weſen auch —1 2 Frido raſch ferner Bitte um Lan tet, de Wunſ Vorw ihrem und t währe Häh und g zu zäf ging, E zen . Fräulein wie ein zweiſchneidiges Schwert verwundete un 1 el. Wunſch in ihr erregte, daß ſie an dieſem Nachmittagtt elter mitgefahren wäre. miner Fridolf ärgerte ſich nicht weniger über den Ausfall des m ſich Fräuleins gegen Emma, den er einer offenbaren Eiferſucht ür. zuſchrieb; er ging aus dem Zimmer und kehrte bald darauf mit Emma's Laute zurück, die unterdeſſen angelangt war. fallss Stolz und freudig ging er zu Emma und überreichte ihr mit Fra einer Kniebeugung die Laute. Es lag in dieſem Augenblick hafte⸗ ein beſonderer Reiz in ſeinem Aeußern. Dies fiel allen An⸗ , daß weſenden, beſonders den Damen, auf; und jedenfalls würde end er auch Emma dieſelbe kenhuehnnneh fuacht jalen, wenn nicht — ja— wenn nicht——— l Alacudre Ih Jerurfen,. dieſes Alle, außer Fräulein R** und Emma ſelbſt, rühmten ſollte, Fridolfs Umſicht und dankten ihm für dieſe freundliche Ueber⸗ h un raſchung. Allein Emma weigerte ſich mit Beſtimmtheit, noch mmas ferner zu ſingen und zu ſpielen. Alle beſtürmten ſie mit nzit⸗ Bitten, allein ſie hatte Fräulein Louiſe zu gut verſtanden, ch de um dieſelbe noch länger mit ihrem— nicht auf dem gekün⸗ Lande erworbenen Talente zu quälen. aber Ein Wort vom Grafen Eduard, von einem Blick beglei⸗ Louiſe tet, der ſeinen frühern Blicken glich, beſtimmte ſie endlich, den n über Wunſch der Geſellſchaft zu erfüllen, obwohl ſie ſich ſpäter uz un Vorwürfe darüber machte, daß ſie gerade auf ſeine Bitte von un ſich ihrem Entſchluß abgewichen war. Erröthend wie eine Roſe 1.— und tief Athem ſchöpfend begann ſie ein kleines Lied, welches as; es während der merkwürdigen Dampfſchifffahrt den Studioſus Emma Hährling ſo ſehr entzückt hatte. Eduard war jetzt ganz n, ihre und gar wieder Hährling, denn er vergaß ſeine feurigen Blicke e übri⸗ zu zähmen, und die arme Louiſe ‚der dies keineswegs ent⸗ ging, wurde dadurch nicht wenig gepeinigt. Endlich verſchonte man Emma mit Bitten, weiter zu ern des zen, und Fräulein Louiſe wurde des weiteren Zuhörens 96 8 8 enthoben. Es war jetzt kühl geworden und man beſchloß, ins Freie zu gehen. Eduard ſchlug das Enkenſpiel vor, und man begann das⸗ ſelbe ſogleich mit großer Lebendigkeit. Der erſte Enkling war Albert Rosman, nach ihm kamen mehrere andere junge Män⸗ ner an die Reihe, bis endlich Eduard Enkling wurde. Er ſah ſich um, wer das letzte Paar bildete, und erblickte Emma und eine der ſchon erwähnten Fräulein B**.—„O,— dachte er—„nun will ich das allerliebſte Kind ſchon faſſen.“ — Er rief, und auf ſeinen Ruf entlief Emma ſchnell wie der Wind; aber das lange Fräulein war keine geſchickte Läuferin, anſtatt Emma entgegen zu laufen, ſchlug ſie die entgegenge⸗ ſetzte Richtung ein. Der Graf ſchien es nicht zu bemerken, daß ihm Fräulein Baur ganz nahe war, ſo daß er ſie ganz bequem erreichen konnte. Er lauerte blos auf Emma. Dieſe lief ihrerſeits kreuz und quer, bald hierhin, bald dorthin, und narrte den Grafen beſonders dadurch, daß ſie mitten im Lauf eine andere Richtung einſchlug. Endlich aber erreichte er ſie, ergriff ſie bei der Hand, hielt ſie feſt und ſprach, indem er mit ihr zu den Uebrigen zurückkehrte:—„Verſuchen Sie nun nicht mehr, mir zu entkommen, Mamſell Hilbert, es würde Ihnen nicht gelingen.“—„Ach, ich glaube auch nicht, daß ſie es verſuchen will,“— bemerkte Fräulein Louiſe leiſe, doch laut genug, daß es von denen, die ihr zunächſt ſtanden, gehört werden konnte. Das Spiel wurde noch eine ziemlich lange Zeit fortge⸗ ſetzt, und noch hatte Niemand dem Grafen ſeine G attin ent⸗ reißen können. Fridolf fing an, ſich darüber zu ärgern. Beim nächſten Mal ward er deshalb abſichtlich Enkling und ſtrengte alle ſeine Kräfte an, u Emma zu erhaſchen, die mit der Leichtigkeit eines Zephyrs entf 1 weiter als gewöhnlich. Der überall mit hohem Grasp bedeckte Garten war mit einer niedrigen Steinmauer loh. Im Eifer liefen alle Prei ſtürzt geber Emn aber Pfar Gra Steit blieb mit Fride ſtürzn fleher men Erſch Hand Gefal mit 2 ſuchte ſtillen ſchaft trug mer, loſopl ſtillte merwa Verbo dem 6 Ader gleich vorgef — loß, geben. Eben als Fridolf am Ziel ſeines Wunſches war und Emma ergreifen wollte, war ihr auch Eduard nahe, ſtürzte das⸗ aber in demſelben Augenblicke über einen Kegel, den des war Pfarrers kleine Söhne Tages vorher bei ihren Spielen im Kän⸗ Graſe verloren hatten. Dies geſchah ganz in der Nähe der Er Steinmauer, der Graf fiel mit dem Kopfe gegen dieſelbe und mma blieb ohne Bewegung liegen. Im Fallen hatte er auch Emma —— mit zu Boden gezogen, die aber dabei keinen Schaden nahm. ſen.“ Fridolf half ihr ſogleich auf, beſchäftigte ſich in großer Be⸗ ie der ſtürzung ausſchließlich mit ihr, ergriff ihre Hand und bat ſie ferin, flehentlich, ihm zu ſagen, ob ſie irgend einen Schaden genom⸗ genge⸗ men hätte— denn ihr weißes Kleid war voller Blutflecken. erken, Erſchrocken riß ſie bei dieſen Worten ihre Hand aus Fridolfs ganz Hand, beugte ſich, ohne zu antworten und nur an Eduards Dieſe Gefahr denkend, über den Verwundeten und ſah ſeine Stirn , und mit Blut bedeckt.—„Hülfe! Hülfe!“— rief ſie und ver⸗ n Lauf ſuchte mit ihrem Taſchentuch das hervorſtrömende Blut zu er ſie, ſtillen. dem er In dieſem Augenblicke wurden ſie von der ganzen Geſell⸗ en Sie ſchaft umringt; Erſchrecken zeigte ſich in jedem Geſicht. Man vt, es trug Eduard, der ſich noch immer nicht regte, in ein Zim⸗ h nicht, mer, in welchem Wilhelm Rosman, der Magiſter der Phi⸗ ſe leiſe, loſophie und zugleich Candidat der Mediein war, die Blutung ſtanden, ſtillte und die Wunde verband, während man nach dem Ham⸗ merwerksarzt ſchickte. Dieſer kam gleich darauf, billigte den fortge⸗ Verband des jungen Rosman, fand ſich aber doch veranlaßt, in ent⸗ dem Grafen, der noch immer ohne Bewußtſein war, eine . Beim Ader zu öffnen. Als dies geſchehen war, öffnete Eduard ſo⸗ ſtrengte gleich die Augen, blickte verwundert um ſich und fragte, was mit der vorgefallen ſei. Man erzählte ih deß er beim Spiel ge⸗ alle Drii ſtürzt ſei und ſich hart am Kopfe ber letzt habe. Aber Alles rasy ihm wie ein Traum. Erſt als er mit der Hand die uer ſeerlaßbinde fühlte, erinnerte er ſich, daß er gefallen war, (Emmass Herz. 1. 5 78 98 und zugleich Emma mit zu Boden gezogen hatte. Emma wagte nicht, zu zeigen, wie ſehr ſie an ſeinem Unfall Theil nahm; ſie verbarg ſich hinter dem Kreiſe, der ſich nach dem Aderlaß um den Grafen gebildet hatte. Endlich öffnete ſich zufällig der Kreis und Eduards unruhig ſuchender Blick fiel auf Emma. Eifrig frug er, ob auch ſie beſchädigt ſei, und auf ihre verneinende Antwort wurde ſeine Miene ruhiger. Hierauf bat er die Anweſenden dringend, die Spiele fortzu⸗ ſetzen, indem er verſicherte, daß er ihnen vom Fenſter aus mit Vergnügen zuſehen würde. Aber natürlich wurden für dieſen Abend alle Spiele ausgeſetzt. Sämmtliche Anweſende blieben bei dem Grafen und da der Arzt mit ſeinem Ehren⸗ wort verſicherte, daß die Wunde durchaus ungefährlich ſei, ſo wurde man allmählig ruhiger und nach und nach ſogar heiter. Auch auf Emma's vom Schreck erbleichte Wangen kehrten all⸗ mählig die Roſen zurück. Sie ging in ein leeres Zimmer, in welchem ſie ſich ihrer Freude darüber, daß der Geliebte aus drohender Lebensgefahr gerettet worden war, ungeſtört überlaſſen konnte.—„Mag er zur Freude ſeiner Eltern leben!“— ſeufzte ſie—„auch für— für ſeine Braut!— Braut?— Ja, es iſt ſo— o Gott!— Aber iſt ſie wohl ein Herz wie das ſeinige werth? Doch wer giebt mir ein Recht, daran zu zweifeln?— Ich ſehe ſie heute zum erſten Mal, vielleicht iſt ſie ihres Glückes werth. O Himmel!“— ſetzte ſie hinzu, indem ihrem aufwärts blickenden Auge eine Thräne entrollte—„warum mußte ich Unglückliche ihn in Stockholm ſehen und mit ihm reiſen, oder warum mußtz der Student Hährling der hochadelige Beſitzer des gräflichen Gu⸗ tes B** ſein?— O, es war unrecht, ſehr unrecht von ihm, daß er mir ſeinen wahren Namen verbarg. Was dies für ein Einfall war!— Ich kann ihn nicht begreifen, noch weniger vergeben.“— Emma begab ſich wieder in die Geſellſchaft zurück, v — ntheil ſchme ſelbſ Unte lein betro das lein. lich, bert lein. an 1 auf dere dem um Ungl ſucht Leich haup eben daß ihr Bra weni wöhr würd dara Seit führt uma heil dem ſich fiel und iger. rtzu⸗ aus für ſende hren⸗ ei, ſo heiter. i all⸗ nmer, eliebte geſtört Eltern wohl ir ein erſten 85— ge eine ihn in ßtn der Gu⸗ ht von as dies n, noch 99 ſelbſt Emiliens und Jenny's freundſchaftliche und muntere Unterhaltung bald ihre düſtere Gemüthsſtimmung zerſtreute. Während dem war eine Art von Streit zwiſchen Fräu⸗ lein Louiſe und Guſtava Rosman entſtanden. Dieſer Streit betraf Emma.—„Blos wegen dieſes gezierten Geſchöpfs iſt das Unglück mit dem Grafen geſchehen,“— ſagte das Fräu⸗ lein.—„Geziert!“— rief Guſtava.—„Iſt es wohl mög⸗ lich, natürlicher und ungekünſtelter zu ſein, als Emma Hil⸗ bert?⸗—„Ei, das iſt ſehr möglich,“ behauptete das Fräu⸗ lein. Jetzt traten Clara und Henriette an daſſelbe Fenſter, an welchem die Streitenden ſaßen, und hielten ſich natürlich auf Guſtava's Seite. Die Fräulein B** und mehrere An⸗ dere geſellten ſich ebenfalls zu dieſer Gruppe, nicht um an dem allzu lebhaften Geſpräch Theil zu nehmen, ſondern blos um demſelben zuzuhören. Fräulein Louiſe behauptete noch immer, von dem ganzen Unglücksfall trüge Emma die Schuld, weil ſie aus Gefall⸗ ſucht ſo viele Umwege beim Laufen gemacht habe, um ihre Leichtigkeit und Gewandtheit zu zeigen, wie ſie denn über⸗ haupt ſehr kokett wäre. Mehrere der Herren traten nun ebenfalls herzu und nahmen alle eifrig Emma's Parthie, ſo daß das Fräulein endlich trotz aller Aufmerkſamkeit, die man ihr als der Verwandtin der Gräfin und als der erwählten Braut des jungen Grafen erwies, wenn nicht überzeugt, doch wenigſtens überſtimmt wurde. Alle rühmten Emma's unge⸗ wöhnliche Schönheit, ihre zahlreichen Talente und ihr liebens⸗ würdiges ungekünſteltes Benehmen; das Fräulein entgegnete darauf kein Wort weiter. Die meiſten Anweſenden hatten ſich allmählig nach der Seite des Zimmers gewendet, in welcher dieſes Geſpräch ge⸗ führt wurde; die übrigen hatten ſich in andere Zimmer ver⸗ stheilt. Eduard, deſſen Kopf von dem heftigen Falle ſehr ſchmerzte, hatte doch einige ſelige Augenblicke, die ihn ſeinen 1 — 2 * 100 Schmerz vergeſſen ließen. Emma ging nämlich zufälliger Weiſe dicht an dem Sopha vorüber, auf welchem er ſaß und die Augen geſchloſſen hatte. Sie wollte in ein anſtoßendes Schlafzimmer gehen, in welchem Emilie, Jenny und einige andere Mädchen ſaßen und plauderten. Aber— waren nun Eduards Augen nicht ſo ganz feſt geſchloſſen oder hatte er ein inneres Gefühl von der Gegenwart der Geliebten— er ſchlug die Augen plötzlich auf und flüſterte:—„Nur ein ein⸗ ziges Wort, Mamſell Hilbert.“— Emma näherte ſich.— „Wenn Sie mich vollkommen geſund machen wollen,“— fuhr Eduard fort—„ſo ſetzen Sie Sich ein wenig her zu mir, denn man hat mich ſeit einer ziemlichen Weile allein gelaſ⸗ ſen.“— Emma ſetzte ſich zwar nicht, aber ſie ließ ihre zarte Hand einige Minuten in der ſeinigen ruhen, ohne daß es von den übrigen Anweſenden, die in ihre angelegentliche Unterhal⸗ tung vertieft waren, bemerkt wurde. Eduard drückte die ſchöne Hand und ſah Emma mit einem Blick an— ſo vielſagend und ſo voll Liebe. Das Gefühl von Kummer, von welchem das holde Mädchen kurz vorher eingenommen geweſen war, kehrte jetzt mit verdoppelter Stärke wieder, als ſie dem gelieb⸗ ten Gegenſtand ſo nahe war, dem ſie ausweichen zu müſſen glaubte. Denn er hatte ja ſeine Liebe und Treue einer An⸗ dern gelobt, er war ja an Rang und Stand weit über ſie erhaben. Eine heiße Thräne, ein unwillkürlicher Verräther deſſen, was in ihrem Herzen vorging, zitterte in ihrem kla⸗ ren unſchuldsvollen Auge; um dieſelbe zu verbergen, eilte Emma ins Schlafzimmer. Aber der Graf hatte dieſe Thräne allzuwohl bemerkt, die vie ein ſilberblinkender whanttropſen in einer blauen Blume, in dem himmelblauen Auge glänzte. Dieſe Thräne mit Em⸗ ma's Morgentraum in Verbindung geſetzt, überzeugten ihn. daß er geliebt war. Entzückt und zugleich bekümmert darliber— ſaß er ſtumm und gedankenvoll da; und als man ihn fragte, — lliger und endes einige nun r ein — er ein⸗ 3.— fuhr mir, gelaſ⸗ zarte S von erhal⸗ ſchöne ſagend elchem war, gelieb⸗ müſſen r An⸗ ber ſie räther m kla⸗ „ eilte kt, die Blume, it Em⸗ en ihn. darüber 101 wie er ſich befände, antwortete er höflich, aber einſilbig. Man glaubte, daß er zu ruhen wünſche, und ließ ihn allein mit ſeinen wehmüthig ſüßen Gedanken. Fräulein Louiſe, die nun übler Laune war, blickte wieder⸗ holt nach ihrer Uhr; und als dieſelbe auf neun Uhr zeigte, fragte ſie Eduard, ob er nun Luſt hätte mit ihr nach Hauſe zu fahren. Eduard antwortete ſehr artig, aber kalt, daß ſie Beide nicht wohl zuſammen fahren könnten, weil der Wagen blos zweiſitzig ſei und er, Eduard, mit ſeinem verbundenen Arm die Zügel nicht führen könne, ein Kutſcher aber nicht Platz auf dem Wagen habe, wenn nicht er oder Fräulein Louiſe wegbliebe. Daher wolle er den Pfarrer bitten, daß er ihr einen Kutſcher mitgebe, während er ſelbſt die Rückkehr des Wagens und den Einbruch der völligen Dunkelheit abwarten wolle, um ſeine Mutter durch ſeinen verbundenen Arm und Kopf nicht zu erſchrecken. Schließlich erbat er ſich von dem Fräulein einſtweilen die tiefſte Verſ chwiegenheit über dieſen Unfall, weil er denſelben am folgenden Morgen ſeinen Eltern perſön⸗ lich mitzutheilen wünſchte. Das Fräulein ließ ſich durch die Bitten der Predigerfami⸗ lie nicht länger zurückhalten. Sie nahm Abſchied und Albert wurde von ſeinem Vater erſucht, ſie zu fahren. Bald war das Kabriolet beſpannt und Fräulein verließ ohne Bedauern eine Geſellſchaft, in der ſie mehr Verdruß als Vergnügen empfun⸗ den hatte. 3 Als ſie fort war, wurde der unpäßliche junge Graf ſo munter, als ob er neues Leben erhalten hätte. Dieſe Mun⸗ terkeit verbreitete ſich wie ein elektriſcher Funke durch die ganze Geſellſchaft. Man ſetzte ſich in einem Halbkreiſe um den in einer Sophaecke lehnenden Grafen, und bald hörte man wieder⸗ holtes herzliches Gelächter über eine Menge von Anecdoten und witzigen Einfällen, womit man ſich gegenſeitig zu amüſi⸗ ten ſuchte. Endlich wurde die Abendmahlzeit— einfach, aber 102 wohlſchmeckend— aufgetragen und der an Kopf und Herzen verwundete Graf nahm ebenfalls Antheil an derſelben. 1 Noch etliche Stunden nach dem Abendeſſen beluſtigte man b fe ſich mit Geſellſchaftsſpielen und heiterm Geſpräch. Aber end⸗ iſ lich war es ſpät geworden und man mußte ernſtlich an den Heimweg denken. Wagen, Kaleſchen und Chaiſen rollten vor te und nahmen diejenigen von den Gäſten ein, welche den wei⸗ k teſten Weg nach Hauſe hatten. Auch der Graf fuhr fort und T benutzte die Dunkelheit und das Gewirr des Abſchiednehmens, ol um Emma die Hand feſt und bedeutungsvoll zu drücken. Das G arme Mädchen, welche fürchtete, mit Fridolf allein nach Hauſe ³ G gehen zu müſſen, bat die Pfarrerstöchter dringend, ſie auf dem 4 Heimwege zu begleiten. Gern erboten ſich dieſe dazu und nun 11 baten auch die Herren um Erlaubniß, an der Abendprome de nade Theil zu nehmen; ſogar der Pfarrer und die Pfarrerin ch ſchloſſen ſich der Geſellſchaft an. E „Was willſt Du mit meiner Dame, Du kurzſichtiger Ma⸗ giſter?— rief Fridolf verdrüßlich, als er ſah, wie ſich Will f helm Rosman beeilte, Emma den Arm zu bieten.—„Deiner Dame?— entgegnete dieſer—„ſuche Dir zu dieſem Spa⸗ ziergang eine andere Dame, ich behalte die meinige.⸗ Aber Fridolf ſuchte ſich keine andere Dame, obwohl Jenny Rosman, die im Geheimen Gefallen an ihm zu finden ſchien, gern an ſeiner Seite gegangen wäre. Einſam ging er hinter der Geſellſchaft her, verdrüßlich, daß ihm Wilhelm die gün⸗ ſtige Gelegenheit raubte, Emma ſeine Liebe zu erklären, wie er ſich vorgenommen hatte. Als Emma nach Hauſe kam, trat ſie auf den Zehen in Tante Gertruds Zimmer. Die gute Alte ſchlief noch nicht, und Emma, die vor Begierde brannte, ihr zu ſagen, daß der angebliche Studioſus Hährling kein Anderer als der zunge ⁸ Graf H ſei, brachte ſie mit ihrer Nachricht zum Erſtaunen. —Herr Gott, was ſagſt Du, Kind!“— rief ſie.—„Iſt derzen man end⸗ n den n vor i wei⸗ ct und mens, Das Hauſe f dem d nun rome⸗ rrerin Ma⸗ )Wil⸗ Deiner Spa⸗ Jenny ſchien, hinter 2 gün⸗ 1, wie hen in 103 es denn möglich?— O, hätte ich das auf der Reiſe gewußt, ich, die ich immer ſo ſehnlich gewünſcht habe, den jungen Gra⸗ fen zu ſehen! Nun, Gott ſei Dank, daß er der junge Graf iſt!“—„Warum Gott dafür danken?⸗— fragte Emma. „Nun, ſiehſt Du, ich habe meine Gründe dazu. Ich fürch⸗ tete, daß er ſich in Dich und Du Dich in ihn verliebt haben könnteſt; und das wäre ſchlimm geweſen, denn was in aller Welt hätteſt Du mit einem Studenten anfangen ſollen. Nicht ohne Grund war ich ſo verdrüßlich, daß Dir der Hährling die Cour ſo angelegentlich machte. Jetzt, da ich weiß, daß er ein Graf iſt, hört mein Verdruß auf; denn nun weiß ich, daß es nur Galanterie iſt. Von Liebe kann zwiſchen einem Grafen und der Tochter ſeines Inſpectors keine Rede ſein. Der Stan⸗ desunterſchied iſt zu groß, ſiehſt Du; kein Graf kann ein ſol⸗ ches Mißverhältniß eingehen.“— Wie täuſchte ſich die einfältige alte Dame! Emma erwie⸗ derte kein Wort auf ihre geiſtreichen Bemerkungen und ging in ihre Stube. Aber wenn ſie, von vielfältigen Gefühlen be⸗ ſtürmt, lange kein Auge zum Schlummer zu ſchließen ver⸗ mochte, ſo ging es der Tante Gertrud nicht beſſer, die vor lau⸗ ter Erſtaunen, daß ihr ein reicher junger Graf den Arm geboten und ſie zum Mittageſſen eingeladen hatte, nicht ein⸗ ſchlafen konnte.— 4 — „ V. Der erſte Beſuch im gräflichen Hauſe. Emma erwachte am andern Morgen von dem Getöſe des Hammers, der das wiedererwachende Leben des Montags ver⸗ kündete. Es war halb fünf Uhr— und dies ſchien Emma nicht zu zeitig, denn ſie hatte ſich ſchon in der Stadt daran gewöhnt, die ſchönen Sommermorgen zu genießen. Sie ſtieg aus dem Bett, kleidete ſich an und ſetzte ſich hin, um an die Aſſeſſorin Lu und an Julie zu ſchreiben. Der Letzteren theilte ſie unter Anderm auch den Traum ihrer erſten Nacht im elter⸗ lichen Hauſe mit, wobei ſie jedoch Alles, was Eduard betraf, wohlweislich verſchwieg. Schon war ſie mit beiden Briefen fertig und beſchäftigte ſich mit dem Zuſammenlegen derſelben, als plötzlich durch das offenſtehende Fenſter ein langes zuſammengerolltes Papier wie ein kräftig abgeſchoſſener Pfeil in's Zimmer flog. Verwun⸗ dert betrachtete ſie einige Augenblicke das auf dem Fußboden liegende Papier, hob es auf, faltete es auseinander und ſah, daß es ein auf das feinſte Poſtpapier geſchriebener, an ſie adreſſirter und mit Munzlack verſiegelter Brief war. Erſtaunt und neugierig brach ſie denſelben auf und las: „Liebenswürdige Emma! Verzeihen Sie mir, daß ich dieſe vertrauliche Benene g ‚gegen Sie brauche; allein ſie iſt mir gar zu theuer. Tauſengt 1 — — des der⸗ 3 ima 3 ran 4 tieg die 4 eilte ter⸗ 5 raf, runt 105 „Dank für den geſtrigen Tag und für all' die Freude, die Sie „mir durch Ihr ſchönes Spiel und entzückenden Geſang bereitet „haben; noch klingen die ſüßen Töne ohne Aufhören in meinen „Ohren. Aber Emma! Sie waren ſo betrübt; lange waren „Ihre ſchönen Augen von Thränen befeuchtet, die Sie vergebens „zu verbergen ſuchten. Was konnte dieſe Betrübniß veranlaßt haben?— Darf ich mir wohl mit dem Gedanken ſchmei⸗ „cheln, daß mein Sturz— doch nein— ich darf nicht ſo ver⸗ „meſſen ſein— und dennoch, dennoch war dieſer Gedanke „geſtern ein heilender Balſam für meinen verwundeten Kopf— „ich glaubte in Ihren Blicken eine gewiſſe Zärtlichkeit, eine ge⸗ „wiſſe Theilnahme zu leſen. Heute fühle ich mich beſſer; die „Folgen des Falles werden höchſtens eine Wunde von etlichen „Tagen und eine kleine Narbe ſein.— Wenn doch jede Wunde „ſo ſchnell heilte! Wenn doch die Wunden des Herzens eben⸗ „falls durch Pflaſter und Verband geheilt werden könnten— „aber nein— unglücklicher Weiſe giebt es für kranke Herzen „keine Heilmittel; ſie ſind verurtheilt, ſich zu verbluten.“ „Ich habe Sie heute ſchon geſehen, holdes Mädchen! „Schon vor einer Stunde ging ich leiſe an Ihrem Fenſter „vorüber, warf einen Blick in Ihr Zimmer und ſah Sie ſitzen „und ſchreiben. Sie gewahrten mich nicht. O, wie ſchön wa⸗ „ren Sie mit der Farbe der Geſundheit auf Ihren friſchen „Wangen; ſchöner waren nicht die zu meinen Füßen blühen⸗ „den Roſen im Park. Entzückt betrachtete ich Sie eine Weile; zaber ich hielt mich ſtill und wagte nicht, Sie zu ſtören. An⸗ „ſtatt deſſen eilte ich nach Hauſe in mein Zimmer, um mich mit Ihnen zu beſchäftigen, um an Sie zu ſchreiben. „Jetzt, da Sie meinen wahren Namen kennen, haben Sie „Urjache mir zu zürnen, weil ich auf der Reiſe einen andern agggenommen hatte. Ach, Emma, dies war ſehr un⸗ Mkeen von mir; aber ich wollte gern das Glück venie an Ihrer Geſellſchaft zu ſein; ich wollte eiden Brief zuſam⸗ 3 5 5 106 aus dem Freudenbecher trinken, an deſſen Rande ich ſeitdem blos nippen durfte. Ich wollte den leeren Klang eines Titels „verbannen, der Sie vielleicht zurückhaltender gemacht haben „würde. Ach, wenn ich in dieſem Augenblicke dieſem Titel „für immer hätte entſagen können, vielleicht wäre ich dann „glücklicher, als je ein Sterblicher geweſen iſt.“ „Emma, ich liebe Sie. Mit der ganzen Stärke einer rei⸗ „nen, wahren Leidenſchaft, mit dem innigen, brennenden Ge⸗ „fühl der Jugend, der erſten Liebe und eines unverdorbenen „Herzens liebe ich Sie, unſchuldsvolles, zartes, liebenswür⸗ „diges, engelſchönes Weſen. Seit einem Jahr trage ich⸗Ihr „Bild im Herzen, ſeit der Zeit, da ich Sie in Stockholm zum verſten Mal ſah, Sie wiſſen ſelbſt, wann und wo. Sie zu „ſehen, Ihre ſüße Stimme zu hören— von Ihren ſchönen „Lippen zu erfahren, daß ich Ihnen nicht ganz gleichgültig bin, „zu hoffen, daß ich Sie einſt meine Gattin nennen kann,— „,o, dies wäre das ſeligſte Loos auf Erden, die größte Selig⸗ „keit, die ich mir zu denken im Stande bin. Aber es kann, „es darf nicht ſo werden; andere Bande, andere Verhält⸗ niſſe feſſeln mich mit eiſernen Ketten; ich gehöre nicht zu „denen, die in dieſer Welt glücklich werden.“ „Und wenn mir der Kopf glüht, wenn mein ganzes We⸗ .ſen in Aufruhr iſt, wenn Ihr Bild vor mir ſteber wohin ich auch gehe, wenn die ganze Natur um mich her voll davon „iſt und die Sehnſucht meines Herzens nach Ihrer Nähe ſich „nicht beſchwichtigen läßt, dann irre ich wie ein Wahnſinniger im Park umher und lechze nach einem Blick von Ihnen, wie nach einem Tropfen Balſam für mein krankes Herz. In „»Augenblicken der Beſonnenheit dagegen, wenn ſich die Stimme „der Vernunft hören läßt, dann erkenne ich meine Tharheit und faſſe den Entſchluß, Sie zu fliehen. Ich weiſs nicht, o6 VSewri⸗aend werth bin; ich weiß nicht, ob Sie meitte gegen Sie brauche aßen theilen; ich will es nicht wiſſen, i —— eitdem Titels haben Titel dann r rei⸗ Ge⸗ benen zwür⸗ „Ihr zum Sie zu hönen gbin, n,— Selig⸗ ann, chält⸗ ht zu We⸗ in ich davon de ſich nniger wie In imme orheit —t, o5 meite 4 1, ich —ſſͤ— 107 „wünſche es nicht einmal; dazu bin ich nicht Egoiſt genug. „Ein einziger Hauch von Ihren Lippen, daß Sie mich Ihrer. Zaärtlichkeit nicht für unwürdig achteten, würde mich voß⸗ der „Erde in die Gefilde der Seligen erhebenz und dennoch muß hich wünſchen, Ihnen völlig gleichgültig zu ſein, um nicht die „Ruhe Ihres reinen Herzens zu ſtören, in welchem Engel des „Himmels ihre Wohnung haben. Ja, Emma— ich will „Sie fliehen, und Sie werden mich vergeſſen; dies fällt Ih⸗ „nen vielleicht nicht ſchwer. Der Weg unſerer Pflicht führt uns nach verſchiedenen Richtungen. Ich kann kämpfen „gegen meine Leidenſchaft und mit Gottes Hülfe ſie beſiegen, „aber Sie vergeſſen?— nein, nie, ſo lange dieſes Herz „ſchlägt. Die kleine Blume, die ich aus Ihrer Hand empfing, „ruht noch an meiner Bruſt; ich betrachte ſie zuweilen und „benetze ſie mit Thränen; ſie iſt ein Bild Ihrer Unſchuld und „Ihrer natürlichen Anmuth. Ach, warum mußte ich Sie je⸗ mals ſehen?— Warum mußte mir mein grauſames Schick⸗ „ſal einen Himmel zeigen, von dem ich für immer ausgeſchloſ⸗ „ſen bin?“ „Leben Sie wohl, gute, theure, geliebte Emma! Leben Sie wohl! Mögen Sie ruhig und glücklich ſein, wie ich es „war, bevor ich Sie ſah. Für mich giebt es keine Freude „mehr. Adolph Eduard H=**.“ „Mögen Sie ruhig und glücklich ſein!— rief Emma, nachdem ſie den Brief geleſen hatte.—„Wie kann ich nur daran denken, jemals eines von beiden zu werden?*— Sie weinte laut, küßte den Brief und drückte denſelben an ihr Herz. Nachdem ſie eine Zeit lang geweint hatte, wurde ſie ruhiger und nahm ſich alles Ernſtes vor, Eduard zu vergeſſen. Hatte er doch ſelbſt darum gebeten! Um ſich zu zerſtreuen, brach ſie ihre beiden Briefe zuße r men und verſiegelte ſie; dann blickte ſie in den Spiegel, ob noch Spuren der vergoſſenen Thränen auf ihrem blühenden Antlitz ſichtbar wären, und als ſie ſich überzeugt hatte, daß dies nicht der Fall war, begab ſie ſich ins Comptoir zu ihrem Vater, um die Briefe noch an demſelben Tage mit dem Poſt⸗ felleiſen abgehen zu laſſen. Der Inſpector erſtaunte nicht we⸗ nig, Emma ſchon wach zu ſehen, da es erſt ſechs Uhr war, und noch mehr erſtaunte er, als er erfuhr, daß ſie ſchon zwei Briefe geſchrieben hatte.—„Das heiße ich ein munteres und galantes Mädchen,— ſprach er, indem er ihre ſchöne ſchnee⸗ weiße Stirn küßte—„ſo gehört ſich's für ein Landmädchen, ſie darf ihren Tag nicht verſchlafen, wenn ſie daran denkt, mit der Zeit eine raſche Hausfrau zu werden.“— Fridolf ſaß ebenfalls im Comptoir. Seine Augen ſtrahl⸗ ten vor Freude beim Anblick der ſchönen Emma, die ihn zwar grüßte, hernach aber keines Blickes weiter würdigte.—„Nun, haſt Du denn auch den dort begrüßt?⸗— fragte der Vater nach einer Weile. Emma bejahte, ſchlug die Augen nieder und eilte ſogleich aus dem Zimmer, weil ſie fürchtete, daß ihr Vater, der an dieſem Morgen außerordentlich gute Laune zu haben ſchien, von ihrem Bräutigam zu ſchwatzen anfangen und ſeinen Plan, ſie mit Fridolf zu verbinden, erwähnen würde. Plan, 3) Sobald ſie das Zimmer verlaſſen hatte, beklagte ſich Fri⸗ dolf bei dem Inſpector über die unüberwindliche Kälte ſeiner Tochter gegen ihn, verſicherte ihm, daß er nicht die geringſte Ausſicht beſäße, jemals die Liebe derſelben zu erwerben und erklärte, daß er ſich in dieſem Falle ganz unglücklich fühlen würde. Der alte Hilbert, der Emma's Benehmen gegen Fri⸗ dolf nicht für eine Folge ihrer Kälte, ſondern lediglich ihrer jungfräulichen Schüchternheit hielt, munterte ihn auf und ver ſicherte, daß Alles gut gehen würde. Aber Fridolf verſich das Gegentheil und führte zum Beweis ſeiner Behauptung viele Grändes an, daß er endlich den Alten überzeugte. —— *— 5 rum Du ſi mögli ſorgfä er ihr ſchaffe ſagen, mit C ſohn wohl nicht weſen und gebüh ausrit dolf j von ſ C bei de Tante über war C Fräu din g L dem dem uden daß hrem Poſt⸗ we⸗ war, zwei und hnee⸗ chen, denkt, rahl⸗ zwar eun, Bater teder Fri= einer ngſte und ihlen Fri⸗ ihrer ver⸗ herte ig ſ 109 „Das iſt auch Dein eigner Fehler,“— ſprach er— wa⸗ rum ſprichſt Du nicht mit ihr und ſagſt ihr rein heraus, daß Du ſie liebſt?— Fridolf entgegnete, dies ſei deshalb un⸗ möglich, weil Emma jeder Gelegenheit, mit ihm allein zu ſein, ſorgfältig auswich. Darauf verſprach ihm der Inſpector, daß er ihm bald eine Gelegenheit, mit Emma allein zu ſein, ver⸗ ſchaffen wolle;—„denn— ſagte er—„Du mußt ihr ſagen, daß Du ſie haben willſt, ſonſt denkt ſie, ich will Dich mit Gewalt und wider Deinen Willen zu meinem Schwieger⸗ ſohn machen. Als ſie noch in Stockholm war, habe ich ihr wohl davon geſchrieben, aber mündlich habe ich darüber noch nicht mit ihr geſprochen, weil ich dachte, Du wäreſt ſelbſt an⸗ weſend und künnteſt Deine Sache führen. Sprich mit ihr und ſetze Deine Worte ſo, wie es einem Liebenden anſteht und gebührt, ſollteſt Du aber damit bei dem kleinen Aejſchen nichts üerichedn, ſo will ich Dir ſchon zu Hülfe kommen.“ Fri⸗ dolf ſchwieg,— er erwartete in der That nur wenig g Erfolg von ſeiner Liebeserkle lärung. Emma ſollte an dieſem Vormittag einen Reſpectsbeſuch bei der Gräfin machen, die ſie noch nie geſehen hatte. Auch Tante Gertrud wollte ſie begleiten, um der Gräfin Rechenſchaft über die Beſorgung ihrer Aufträge zu geben. Die Beſuchſtunde war für zwölf Uhr beſtimmt. Emma fürchtete jedoch dieſen Beſuch, weil ſie ſich durch Fräulein Louiſe— welche ſie ſich ohne ihre Schuld zur Fein⸗ din gemacht— bei der Gräfin übel angeſchrieben glaubte. Und ganz Unrecht hatte ſie dabei nicht; denn das Fräulein, dem ſie nicht gefiel, hatte ſie bei der Gräfin wirklich nicht, in dem vortheilhafteſten Lichte geſchildert, und Emma mußte ſich perſönlich zeigen, um der Gräfin eine vortheilhaftere Meinung von ſich einzuflößen. In der ſchlechteſten Laune von der Welt war Fräulein am Sonntagabend aus der Pfarre nach Hauſe gekom⸗ zum gr irr hie haben. men. Sie elte ſogleich in ihr Zimmer, ſank auf das Sopha nieder, warf Haudſchuhe und Taſchentuch weit von ſich, zerriß ärgerlich das Knupfband am Hut, deſſen Schleife ſich nicht gleich löſte, ſchalt das Kammermädchen aus, weil es ihr Zim⸗ Ir mer nicht gehörig gelüftet hatte, ſtieß mit dem Fuß heftig die 3 3 geſtickte Fußbank von ſich, die ihr das Kammermädchen dienſt⸗ blick ih eifrig hingeſetzt hatte, und zeigte durch ihr Benehmen, daß ihr indem Alles— ſowohl in, als außer ihr— nicht recht war. von ihr „Endlich erkundigte ſie ſich nach der Gräfin und erhielt die dee d 8 Antwort, daß der Graf und die Gräfin von der Oberſtin Mer 1 aliſ 5 3 auf Bjbreſät, bei der ſie den Nachmittag zugebracht hatten, noch nnh e nicht zurückgekommen wären. Louiſe war ſehr froh darüber, Bei en denn ſie wünſchte allein zu ſein. ſchön n Nachdem ſie eine Zeitlang ruhig dageſeſſen hatte, ließ ſie ddige Lec re Harfe holen. Hanna brachte ſie— aber ſie war ver⸗ tigte, n ſtimmt.—„Bring mir den Stimmſchlüſſel!“ befahl das Fräu⸗ bald ſie lein; er ſand ſich nirgends. Hanna ſuchte überall, ſie wandte Doch ko die daliegenden Noten des Fräuleins wiederholt um, ſchob da⸗. wenn ei bei die ſchöne elfenbeinerne Garnwinde auf die Seite, daß ſe Talente zerbrach, zog die Nadel aus einer Spitzenkante, an welcher Gle das Fräulein zu ſtricken pflegte, und machte tauſenderlei Ver⸗ König i ſtöße in ihrer Angſt. Das Fräulein ſchalt, Hanna weinte Untröſtl Gattin, und der Stimmſchlüſſel fand ſich nicht. 8 Aergerlich befahl das Fräulein dem weinenden Mädchen, wollte ſi die Harfe wieder weszutragen, Licht anzuzünden und ihr ein ter tren⸗ Buch zu bringen. Mehr als zwanzig Bücher mußte Hannaf bringen und wieder wegtragen, ehe ſie den Geſchmack des Fräu leins traf. Endlich behielt ſie Schillers Don Carlos, blät terte darin und ſuchte die Seene, in welcher die Prinzeſſin Eboli mit dem aus Verſehen in ihr. Zimmer gekommenen fanten kokettirt. Dieſe Scene las ſie laut mit äußerſt le haften Geberden, indem ſie im Zimmer hin und her ging ſie ver⸗ räu⸗ udte bda⸗, 3 ſie lcher Ver⸗ einte chen, ein ſanng räu⸗ blät⸗ zeſſin In⸗ leb⸗ zum größten Erſtaunen Hanna's, die das Fräulein für geiſtes⸗ irr hielt. Endlich ging ſie ſchlafen, ohne vorher ſoupirt zu haben. Fräulein Louiſe Rer war in Oſtgotland auf einem unweit Bee gelegenen Gute geboren. Mutterlos vom erſten Augen⸗ blick ihres Daſeins an— denn ihre Mutter war geſtorben, indem ſie ihrer Tochter das Leben gegeben hatte— war ſie von ihrem Vater, deſſen einziges Kind ſie war, vergöttert wor⸗ den. Ihr Herz war im Grunde gut und gefühlvoll, aber ſie war voller Launen und hatte durch Vernachläſſigung ihrer mo⸗ raliſchen Ausbildung zwei große Characterfehler— Hochmuth und Neid auf die Vorzüge Anderer— eingeimpft erhalten. Bei einem ſehr hübſchen Aeußern— obwohl ſie nicht gerade ſchön war— beſaß ſie viel Witz; und dieſer ſowie die beſtän⸗ dige Lectüre, mit der ſie ſich unter der Gräfin Leitung beſchäf⸗ tigte, machte ſie zu einer ſehr intereſſanten Geſellſchafterin, ſo⸗ bald ſie ihrem heftigen Temperament Feſſeln anzulegen wußte. Doch konnte ſie ihren häßlichen Neid nicht immer verbergen, wenn eine andere Dame außer ihr wegen ihrer Schönheit oder Talente bewundert wurde. Gleich nach dem Tode ihrer Mutter war ihr Vater vom König in Regierungsgeſchäften ins Ausland geſchickt worden. Untröſtlich über den Verluſt ſeiner ſchönen neunzehnjährigen Gattin, mit welcher er kaum ein Jahr verbunden geweſen war, wollte ſich Graf Rem unter keiner Bedingung von ſeiner Toch⸗ ter trennen und beſchloß, dieſelbe mit ſich zu nehmen. Ver⸗ gebens ſtellte man ihm die Unannehmlichkeiten vor, oölche die Begleitung eines zarten Kindes auf einer ſo langen Reiſe für ihn haben würde— er beharrte auf ſeinem Borſatz— Amme und Kind mußten ihn begleiten. Allein die Amme wollte Schweden nicht verlaſſen und wurde deshalb verabſchiedet, 2 chiedete Amme zog jedoch ſogleich in den Dienſt des Swoller Emm⸗ — muſſblos acht Tage die kleine Louiſe genährt hatte. Inſpector Hilbert, deſſen Gattin etliche Tage früher als die Gräfin Reivon einer Tochter— Emma— entbunden worden war. Frau Hilbert nährte anfangs ihre Tochter ſelbſt, wurde aber ſpäter durch Krankheit davon abgehalten und nahm die verabſchiedete Amme mit Freuden auf. Und dieſe letztere ge⸗ wann bei dieſem Dienſtwechſel wenigſtens ſo viel, daß ſie ihr eignes Kind, ebenfalls ein Mädchen, bei ſich behalten durfte. Fräulein Louiſe Reem und Emma Hilbert waren daher von gleichem Alter und hatten eine und dieſelbe Amme gehabt, ob⸗ wohl erſtere dieſelbe nur acht Tage, Emma aber ſie anfangs als Amme und dann als Wärterin bis in ihr fünftes Lebens⸗ jahr gehabt hatte. Die Reiſe des Grafen Rirs lief ſehr glücklich ab; das Kind gedieh, wuchs und erfreute bald durch ſeine kindliche Fröh⸗ lichkeit den bekümmerten Vater, der ſeine verſtorbene Gattin viel zu innig betrauerte, um an eine neue Ehe zu denken. Die kleine Louiſe war das Einzige, was ihn noch ans Leben feſſelte. Nach fünf Jahren kehrte Graf Res in ſein Vaterland zurück, ließ ſich aber nicht auf ſeinem Gute, ſondern in Stock⸗ holm nieder, wo er ſeiner Tochter eine beſſere Erziehung ge⸗ ben konnte. Er nahm eine geſchickte Gouvernante und berühmte Lehrer für ſein Kind an; und Louiſe, der es nicht an Kopf fehlte, faßte Alles, was ihr gelehrt wurde, ſehr leicht und ſchuell auf. Aber ihr Vater war zu ſchwach, um ihre Fehler zu ſehen; noch weniger duldete er, daß ihn Jemand aufmerk⸗ ſam auf dieſelben machte; und unglücklicher Weiſe wuchs Louiſe in ihrem Muthwillen auf, ſo daß ſie, ungeachtet ihres hellen Verſtandes und ihrer vielfachen Talente, ihren nächſten Umgebnngen höchſt unangenehm wurde. Als ſie zwölf Jahre alt war, ſtarb ihr Vater plötzlich und ſie als einzige Erbin ſeines ſehr bedeutenden s ließ zurück. Der Graf und die Gräfin H“t, welche. Stockholm wohnten, waren nicht nur durch verwandiß— —. 2 7 4 7 Verh dem desha ihren Die mütter gen F Freihe dies n Louiſe fenden genug hatte willigte vom A er wol ſie beſſ des na Günſti Auftrit Oh erfuhr, Vormu Bitten, zwiefa alle ih In währen Graf orden ourde n die e ge⸗ e ihr urfte. von t, ob⸗ fangs bens⸗ ; das Fröh⸗ Gattin a. Die feſſelte. terland Stock⸗ ng ge⸗ rühmte n Kopf ht und Fehler ufmerk⸗ wuchs et ihres nächſten Verhältniſſe, ſondern auch durch vertraute Freundſchaft mit dem verſtorbenen Grafen verbunden geweſen. Graf Hes war deshalb ſchon ſeit mehreren Jahren für den Fall, daß Louife ihren Vater verlieren ſollte, zu deren Vormund auserſehen. Die Gräfin nahm ſich der weiteren Erziehung des Kindes mütterlich an. Anfangs ſollte die Gouvernante bei dem jun⸗ gen Fräulein bleiben; allein ſie aana h eines Tages die Freiheit, einen Fehler Louiſens u indem ſie glaubte, dies nach dem Tode des Vaters wag dürfen. Da lief Louiſe zu ihrer Tante und erbat Gunſt, ihrer kläf⸗ fenden„ma bonne“ entledigt zu betheit, von der ſie lange genug geplagt worden ſei. Die Gräſin zögerte, aber der Graf hatte eine beſondere Abneigung gegen alle Gouvernanten und willigte daher ſogleich in Louiſens Begehr. Sein Plan war vom Anfang an, ſie zur Gattiſeines Sohnes zu erziehen: bringen, wo er er wollte ſie deshalb in ine Pen ſie beſſer als unter der Leitung eitter gegen die Laune des Kin⸗ des nachgiebigen Gouvernante aufgehoben glaubte, die nichts Günſtiges für das Kind ausrichten und nur unangenehme Auftritte veranlaſſen konnte. Ohne dergleichen ging es aber auch nicht ab, als Louiſe daß ſie in Penſion gebracht werden follte. Allein der Vormund war in ſeinem Entſchluſſe unerſchütterlich. Weinen, Wütl Bitten, Wüthen, Schmollen— Alles war vergebens, und mit zwiefacher Sehnſucht dachte ſie an ihren Vater zurück, der ſtets alle ihre Wünſche erfüllt hatte 8 In der Penſionsanſtalt blieb ſie drei Jahre, ohne ſich während derſelben ſehr zu än 1 theils auf der Akademie, theils im Auslaud auf Reiſen gewe⸗ ſſen war, hatte von ihr wie von einem eigenſinnigen und lau⸗ ken Kinde ſprechen hören und ihr wenig Aufmerkſamkeit mma's Herz. I. 8 n. Um dieſe Zeit zogen der Graf und die Gräfin nach Be und nahmen Louiſen mit ſich. Eduard, der ſie bisher nur ſelten geſehen hatte, weil er⸗ geſchenkt. Aber ſeitdem ſie erwachſen war und ſeitdem ihm der Graf ſeinen Plan, ihn mit ihr zu verbinden, mitgetheilt hatte, glaubte er, Louiſe habe ihre Fehler abgelegt, ſodaß er den Willen ſeiner Eltern ohne Widerwillen würde erfüllen kön⸗ nen. Denn damals hatte er Emma noch nicht geſehen. Louiſens Amme war auf der Rückreiſe des Grafen Rus nach Schweden geſtorben. Sobald die frühere Amme erfuhr, daß der Graf Ritt ſeiner Tochter in Stockholm angekom⸗ men ſei, verließ ſie ſogleich das Haus des Inſpectors Hilbert und reiſte nach der auptſtadt, um bei dem Grafen RNau ei⸗ nen Dienſt als Wärterin zu ſuchen. Sie wurde ſogleich Wär⸗ terin des Fräuleins und hegte eine unbeſchreibliche Zärtlichkeit für die kleine Louiſe, welche auch ihrerſeits ſehr an Anna— ſo hieß die Wärterin— hing. Der Graf wußte ihr dieſe Zuneigung für ſeine Tochter Dank und hatte in ſeinem Te⸗ ſtament eine Summe ausgeſetzt, deren Zinſen ſie lebensläng⸗ lich genießen ſollte. Jetzt wohnte Anna, die nicht mehr in des Fräuleins Dienſt war, in einem kleinen hübſchen Häus⸗ 1 chen in der Nähe des Hammerwerks; an ihre Stelle hatte das Fräulein die Tochter des Gärtners, Johanna, in ihren Dienſt genommen. Als Fräulein Louiſe am Morgen nach dem fatalen Sonn⸗ tag in der Pfarre das Zimmer der Gräfin betrat, war ſie nicht wenig überraſcht, als ſie Eduard— den ſie für krank in Folge ſeines Falles hielt— darin antraf. Er fürchtete nämlich, daß dienſtwillige Zungen der Gräfin ſeinen geſtrigen Unfall übertrieben ſchildern und ſie dadurch ängſtlich machen möchten, und um dem zuvorzukommen, wollte er ſelbſt ihr den ganzen Vorfall erzählen und als höchſt unbedeutend ſchil⸗ dern. Der Verband von der Wunde war bereits verſchwun⸗ den und anſtatt deſſen ein ſchwarzes Pflaſter angebracht und mit dem darüber gekämmten Haar ſo geſchickt bedeckt, daß d — lerne fragte Ich h war gleich wie e ſie ſig tete ſſ mentr weil ſtellun W dete, n ihm getheilt daß er n kön⸗ en. n Rn erfuhr, gekom⸗ Hilbert de ei⸗ h Wär⸗ ttlichkeit una— hr dieſe em Te⸗ nsläng⸗ nehr in Häus⸗ hatte das 1 Dienſt n Sonn⸗ war ſie ür krank fürchtete geſtrigen h machen elbſt ihr eend ſchil⸗ erſchwun⸗ racht und daß d „ 115 Gräfin nicht das mindeſte Auffällige an dem Kopf ihres theu⸗ ren Sohnes bemerkte. Eduard begrüßte Louiſen mit finſterer Miene und verließ ſogleich das Zimmer. Sofort begann nun das Fräulein der Gräfin die von Stockholm angekommene Inſpectorstochter zu beſchreiben und namentlich ihre Koketterie und ihr eingebilde⸗ tes Weſen zu tadeln. Die Gräfin fragte, ob ſie hübſch ſei und Louiſe mußte dies gegen ihren Willen bejahen; um dies jedoch nicht mit directen Worten thun zu müſſen, erwiederte ſie:„Ih nun, wie die Leute gewöhnlich ſind— man kann wohl ſagen, daß ſie eher hübſch als häßlich iſt.“— In dieſem Augenblick tratſder akte Graf herein.—„Weißt Du wohl, Adolf,“— ſprach die Gräfin zu ihm—„daß der alte Hilbert ſeine Tochter von Stockholm heimgeholt hat? Sie ſoll ſo eingebildet und kokett ſein, ſagt Louiſe.“— Der Graf ſchwieg, denn er kannte Louiſens Neid viel zu gut, um auf Urtheil in ſolchen Dingen etwas zu geben.—„Sie ſoll auch die Laute und das Pianoforte ſpielen⸗— fuhr die Gräfin fort.—„Welche Thorheit, einer Inſpectorstochter ſolche Dinge lernen zu laſſen— fiel Louiſe ein.—„Warum denn 2 fragte der Graf—„Muſik iſt in jedem Stande angenehm. Ich hätte Luſt das Mädchen zu ſehen!— Dieſer Wunſch wurde bald erfüllt, denn Schlag zwölf Uhr war Emma mit der Tante Gertrud in der Schloßallee und gleich darauf in dem gräflichen corps de logis oder dem Schloſſe, wie es das Volk nannte. Heftig ſchlug Emma's Herz, als ſie ſich der Wohnung des Geliebten näherte, Inzwiſchen be⸗ tete ſie heimlich zu Gott, daß Eduard bei ihrem erſten Zuſam⸗ mentreffen mit ſeinen Eltern nicht gegenwärtig ſein möchte, weil ſie fürchtete, in dieſem Fall nicht Geiſtesſtärke oder Ver⸗ ſtellungsgabe genug zu beſitzen, um ihre Blicke zu beherrſchen. „ Während ein Diener Tante Gertrud und Emma anmel⸗ dete, verweilten Beide in einem Vorzimmer, aus welchen eine 5 8* 1 ene Thür in den Salon führte. mit weißem Flor verhang Durch dieſe Thür konnten ſie Fräulein Louiſe ſehen und hö⸗— ren, welche auf der Harfe ſpielte und eine italieniſche Arie inen. dazu ſang. Von dem Geſang konnte Emma nur die Worte: keſſen „sempre senza speranza:“ welche mehrere Male wiederhollt trud ih wurden, vernehmen. Gleich darauf kam der Diener zurüc und 1) und führte ſie zur Gräfin, die ſich in dem blauen Zimmer un di links vor dem Salon aufhielt. Als ſie in den Salon traten fieu und ſich vor Fräulein Louiſe verneigten, erwiederte dieſe ihre den fſ Begrüßung nachläſſig und ohne aufzuſtehen. lich i. Die Gräfin ſaß in einem vergoldeten, mit blauer Seide würde überzogenen Sopha. Vor thr auf einem großen Divantiſch den hal lag ein aufgeſchlagnes Buch, in welchem ſie geleſen hatte, wäh⸗ vortheil rend ſie an einem feinen Strumpfe ſtrickte. Neben ihr lag Kind h ein Mops, der ſich vor Wohlbeleibtheit kaum zu bewegen ver⸗ ziehen.“ mochte; auf ihrem Schooße ſaß ein kleiner trübäugiger ſpani⸗ Anf ſcher Hund mit rothem Halsband. Beide Favoriten begannen lein ein beim Eintritt der Fremden ein gräßliches Gebell; die Gräfin wahrte, beruhigte ſie, empfing die Eintretenden artig und nöthigte ſie griffen zum Niederſetzen. Allein Tante Gertrud nahm zuvörderſt ihre näher e Nichte bei der Hand und ſtellte ſie der Gräfin vor, die Emma Bei mit Güte und einem gewiſſen Wohlwollen betrachtete. das Bu Sodann ſtattete Tante Gertrud Rapport über die von der Su dn Gräfin erhaltenen Aufträge ab, kramte aus ihrem ſchwarz⸗ iſch 1 el ſeidnen dreiviertel Elle langen Ridikül eine Menge Kleinigkei⸗ ter 3 3 ten auf den Divantiſch und ſchwatzte nebenbei mit unermüd⸗ Grch den lichem Eifer. Drauf kam auch Fräulein Louiſe herein, um ſech, int ihren Antheil von dem Einkauf ebenfalls in Empfang zu neh⸗ d mi men, und Beide— ſowohl die Gräſin, als das Fräulein Eynonci ihre volle Zufrisdenheit mit dem Gräj erklärten der guten Gertrud i was ſie von dem Einkauf ſahen, und verſprächen, die gekal d Noten und das Uebrige noch an demſelben Tag 7„Sie 117 rte. hö⸗ einen Bedienten aus der Wohnung des Inſpectors abholen zu Urie kaſſen. re: Da das Fräulein mit großer Artigkeit gegen Tante Ger⸗ holt trud ihr beſonderes Wohlgefallen über deren guten Geſchmack rück und die billigen Preiſe ausſprach, bemerkte die Tante:—„Es mer freut mich unbeſchreiblich, wenn das Fräulein mit dem zufrie⸗ aten den iſt, was ich eingekauft habe. Aber dies iſt nicht mein Ver⸗ ihre dienſt, denn meine gute Emma hat mir bei dem Einkauf red⸗ lich beigeſtanden. Hätte ich ſie nicht zur Seite gehabt, ſo Seide würde ich mich in der geräuſchvollen Stadt übel zurecht gefun⸗ tiſch den haben, wo die Menſchen nur darauf ſinnen, Jeden zu be⸗ wäh⸗ vortheilen, den ſie für einen Fremden halten. Aber das gute lag Kind hat mir geholfen, mich ſo leidlich aus der Schlinge zu ver⸗ ziehen.— pani⸗ Anſtatt dem„guten Kind“ zu danken, warf ihr das Fräu⸗ annen lein einen verächtlich lächelnden Blick zu, den Emma nicht ge⸗ räfin wahrte, weil ſie eben in einem Geſpräch mit der Gräfin be⸗ te- ſie griffen war, die ſich nach ihrem Aufenthalte in Stockholm ſt ihre näher erkundigte.—— Emma Bei einer Armbewegung, welche die Gräfin machte, ſiel das Buch vom Tiſche und Emma beeilte ſich, es aufzuheben. E war ein franzöſiſches Buch. Davon nahm die Gräfin on der Veradvlafſung, Emma zu fragen, ob ſie in Stockholm franzö⸗ 1 hwarz⸗ ſiſch gelernt hätte. Emma bejahte. Die Gräfin fragte wei⸗ nigkei⸗ ter, abb ſie das gegenwärtige Buch geleſen hätte.—„Ja, Euer ermüd⸗ Gunhiden.⸗—„Wie gefällt es Ihnen?“—„Ich finde es n, um ſelch, intereſſant.“—„Ah, ſo haben Sie die Güte und leſen u neh da mir ein Stück vor; ſo werde ich zugleich hören, wie Sie lein— Ennonciren.“— Emma las erröthend ein Stück, welches Gräfin auswählte. Als ſie fertig war, ſprach die Gräfin: Sie haben einen ſchönen Accent; es iſt ſehr angenehm, Franzöſiſche ſo gut ausſprechen zu hören. Verſtehen Sie eutſch?—„Ja, Euer Gnaden.„Was haben No Sie denn für deutſche Bücher geleſen?“— Die meiſten Bände der Bibliothek deutſcher Klaſſiker undemehrere Andere.“— V Gräfin Das Fräulein hatte das Zimmer verlaſſen. Tante Ger⸗ ecerlichen trud bemerkte, daß die Gräfin ein Examen mit Emma halten Nichte wollte; ſie trat hervor und erzählte weitläuftig, welche große allein Summen der Inſpector auf die Erziehung ſeiner Tochter vere Herrſch wendet hatte.—„Aber er hat das Geld auch nicht umſonſt Emma gegeben,“— ſetzte ſie hinzu—„denn ſo viel kann ich imn Als ſie Emma's Gegenwart ſagen, daß ſie ſehr geſchickt in allerlei bert, Fächern iſt.“— b kommer Indem trat der Graf ein und ließ ſich von ſeiner Ge⸗ len vo! mahlin die erröthende Emma vorſtellen. Der Graf war zeit: Sie ſ lebens ein großer Verehrer weiblicher Schönheit geweſen und& fra wurde durch Emma's reizendes Aeußere ſo überraſcht, daß er Emma. einen Schritt zurücktrat. Allein er faßte ſich ſogleich, trat auf gen, ſie zu, ergriff ihre Hand und zog ſie mit ſich an ein Fenſter, Inſtrun wo er ſich auf ein Tabouret niederließ. Ihm gegenüber⸗ wahrha ſtehend— denn er hielt ihre Hand fortwährend feſt— mußte der Gr nun die arme Emma ſeine forſchenden Blicke, welche neugie⸗ Si rig auf ihrer ſchönen Geſtalt hafteten, ruhig ertragen. Mi gleiten, niedergeſchlagenen Augen und glühenden Wangen ſtand ſie vor zer Kre ihm und wünſchte ſich weit weg davon. 7 nicht vr Endlich begann der Graf mit ihr zu ſprechen und Wußte ſchicklich 8 1he e ußt Sie re St zu bringen, daß ſie bald in eine ſo heitere Stimmung zu bringen, d ß ſie Haus lachte. Der Graf fand ihr Lachen beſonders reizend, weil ſgöch 3 dabei ihre ſchönen perlweißen Zähne zeigten. Ungeachtet mt. ch hah Liebe für ſeinen alten Stammbaum war der Graf ſehr& ach, En gegen Alle, auch gegen den Geringſten ſeiner Unterthat Hent Als 8 we den Uebrigens hielt er ſehr viel auf den Inſpector Hilbert, ſowohl ihm als ſeinem verſtorbenen Onkel eifrig, treu⸗ unermüdlich gedient hatte. Er freute ſich daher, deſſen? ter zu ſehen; und da er ſie ſo ſchön fand, gewährte es ein doppeltes Vergnügen, ſie zu betrachten. 5 nde hex⸗ lten coße ver⸗ ſonſt h in lerlei Ge⸗ zeit⸗ und aß er tt auf enſter, lüber⸗ mußte eugie⸗ Miß ie vnr 119 Noch ziemlich lange unterhielten ſich der Graf und die Gräfin mit Emma und ſchienen ſie mit väterlichem und müt⸗ terlicheem Wohlwollen zu behandeln. Tante Gertrud, die ihre Nichte vergötterte, war darüber nicht wenig ſtolz und erfreut; allein ſie fand endlich, daß es nicht ziemlich ſei, die gnädige Herrſchaft länger zu geniren. Beide nahmen daher Abſchied, Emma ihrerſeits ſehr erfreut, wieder nach Hauſe zu kommen. Als ſie gingen, ſagte die Gräfin noch:—„Mamſell Hil⸗ bert, es würde mir lieb ſein, wenn Sie manchmal zu mir kommen und mich unterhalten; dann können Sie mir zuwei⸗ len vorleſen, denn Louiſe hat dazu nicht immer Luſt.“— „Sie ſpielen ja wohl auch die Laute und das Pianoforte?“ — fragte der Graf.—„Ganz unbedeutend,“— erwiederte Emma.„Wie kannſt Du denn„ganz unbedeutend“ ſa⸗ gen,“— fiel Tante Gertrud ein—„Du ſpielſt ja beide Inſtrumente ganz vortrefflich.“—„Nun, dann müſſen Sie wahrhaftig hald kommen und mir Etwas vorſpielen!“— rief der Graf. Die Gräfin war ſo artig, Beide bis in den Salon zu be⸗ gleiten, woſelbſt Fräulein Louiſe ſaß und einen Kopf in ſchwar⸗ zer Kreide zeichnete. Tante Gertrud konnte dieſe Gelegenheit nicht vorüber laſſen, der Gräfin Emma's ausgezeichnete Ge⸗ ſchicklichkeit im Zeichnen und Malen zu ſchildern.—„Wiſſen Sie, gnädige Gräfin,— ſprach ſie—„daß Emma jedes Haus, jeden Baum, ja, was ſie nur ſieht, abzeichnen kann. Ich habe ſogar geſehen, daß ſie einen Hund abgezeichnet hat; ach, Euer Gnaden, und ſo natürlich, als ob er leibhaftig mit Haut und Haar lebendig daſtände.— Die Gräfin lächelte, Emma erröthete, das Fräulein nahm eine ſpöttiſche Miene an. Als Emma und Tante Gertrud wieder unter freiem Him⸗ mel waren, ſchöpfte die erſtere tief Athem und freute ſich, daß en erſten Beſuch bei der gnädigen Herrſchaft überſtanden and Epuard, deſſen Anblick ſie fürchtete, nicht getroffen hatte. Aber gerade über den letzteren Umſtand brummte Tante Gertrud, weil ihr das Vergnügen genommen worden war, den jungen Grafen ſeinem Stande gemäß zu bekomplimentiren, da ſie ihn auf der Reiſe blos für einen einfachen Studenten gehalten und deshalb nicht ſo artig behandelt hatte, als ſie für vöthig hielt. Unterdeſſen ſtanden der Graf und die Gräſin in der Thüre des Salons und blickten den Fortgehenden nach.—„Sieh, — ſprach der Graf zu ſeiner Gemahlin—„mit welcher Ehrfurcht ſie der alten Tante ihren Arm bietet.“—„Ach ja, ſie kann ſich gar recht gehaben,“ verſetzte Louiſe.—„Wie biſt Du wunderlich!— rief der Graf.—„Was haſt Du denn gegen das Mädchen, liebe Louiſe? Sie iſt, bei meiner Ehre, ebenſo liebenswürdig als ſchön.“—„Eingebildet, kokett, pre⸗ tentiös,— murmelte Louiſe.—„Nichts von dem Allen iſt ſie,— erwiederte die Gräfin—„wenigſtens fand ich ſie ganz beſcheiden und anſpruchslos, ohne daß ſie ſich dabei im mindeſten albern gezeigt hätte.⸗—„Das glaube ich wohl, daß ſie vor Ihnen, Tante, beſcheiden iſt,“— verſetzte Louife —„denn ſie wird wohl noch nicht oft mit Perſonen Ihres Standes geſprochen haben; aber man muß ſie unter ihres Gleichen ſehen— da habe ich ſie geſehen— da erſt zeigt ſie ſich, wie ſie iſt.— Mit großem Ernſt im Blick und in der Stimme ſprach jetzt der Graf:—„Nimm Dich in Acht, Louiſe, übel von dem Mädchen zu ſprechen. Wenn es ein Fremder hörte, er könnte glauben, Du wäreſt neidiſch auf ihre Schönheit und ihre Talente.“ Bei dieſem eben ſo bittern als gerechten Vorwurf wurde Fräulein Louiſe ſo zornig, daß ſie von ihrem Platz aufſprang und die mit vieler Sorgfalt zugeſpitzte ſchwarze Kreide mit ſolcher Heftigkeit von ſich warf, daß ſie in Stücke zerbrach. Eilends ging ſie in ihr Zimmer und weinte vor Zorn. Unterdeſſen war im Küchenflügel ein ſo entſetzlicher Le entſt kann Em geleg eben autre rief: ſchön ſo ri mern drüßl ſtört Herrn chen das ka recht lächeln Gott, ebenfa es viel nicht und fy den K war d zurückg rud, igen ihn eten tthig hüre ieh,“ lcher h ja, biſt denn Ehre, pre⸗ en iſt ch ſie ei im wohl, Louiſe Ihres ihres igt ſie ſin der Acht, ſes ein ch auf wurde ſprang —— 121 entſtanden, daß man ſich kaum einen Begriff davon machen kann. Und zwar war Eduard der Urheber dieſes Lärms und Emma die unſchuldige Urſache deſſelben. Eduard ſaß nämlich oben in ſeinem nach der Seeſeite zu gelegnen Zimmer und hatte keine Ahnung davon, daß Emma eben bei ſeinen Eltern war. Als aber Emma den Rückweg autrat, kam ſein Bedienter Guſtav eilig in ſein Zimmer und rief:—„O, wenn der Herr Graf gewußt hätten, welch' eine ſchöne Dame bei der Frau Gräfin war, ſo würden Sie nicht ſo ruhig hier geſeſſen und geleſen haben.“—„Was küm⸗ mern mich die ſchönen Damen,“— verſetzte Eduard ver drüßlich über den Bedienten, der ihn ſo vorlaut im Leſen ge⸗ ſtört hatte.—„Ah,“ rief der Diener—„es beliebt dem Herrn Grafen ſo zu ſprechen; aber— ein ſo ſchönes Mäd⸗ chen wie das, welches ich meine, ſieht man nicht alle Tage; das kann icewerſichern.“—„So? Du wirſt Dich wohl auch recht auf ſchöne Mädchen verſtehen,“— verſetzte Eduard kächelnd.—„Du biſt ja noch ein Knabe.—„Bewahre Gott, Herr Graf,“— entgegnete Guſtav—„ich habe doch ebenfalls Augen im Kopfe; und ſo viel kann ich ſagen, wenn es viel ſolche ſchöne Mamſells giebt, ſo müſſen viele Herren nicht recht klug ſein.— Eduard brach in lautes Lachen aus und fragte:—„Nun, wer iſt denn die Schönheit, die Dir den Kopf verdreht hat, obwohl Du kein Herr biſt?“—„Es war die Tochter des Inſpectors, die kürzlich von Stockholm zurückgekommen iſt,“— bemerkte Guſtav. „Sie iſt hier geweſen?“— rief Eduard beſtürzt. „Ja, ſie ging ſo eben wieder fort,“— erwiederte der Diener. —„»Konnteſt Du das nicht ſogleich ſagen, Du dummer Teu⸗ fel?“— rief Eduard zornig. Zugleich ſteckte er die Schreib⸗ feder, mit der er ſich eben einige Worte aufgezeichnet hatte, binter das Ohr, ſtürzte zur Thür hinaus und fragte Guſtav welchen Weg Mamſell Hilbert genommen hätte.— „Sie ging die Allee hinauf,“— antwortete dieſer—„und ich glaube kaum, daß ſie ſchon weit von hier iſt, denn ſie hatte ihre dicke Tante bei ſich, die nicht viel Schritte in einer Stunde macht.“— Das Letztere hörte Eduard nicht, denn er war bereits draußen auf der Treppe. Hinter ihm her lief Guſtav mit lautem Geſchrei:—„Aber Herr Graf, ſo warten Sie doch um Gotteswillen! Das geht nicht an! Sehen Sie denn nicht, wie Sie ausſehen, Herr Graf?— Im Morgenrocke und barhäuptig!— Hier iſt Ihre grüne Mütze. So warten Sie doch um Gotteswillen!— Aber vergebens lief der Bediente mit der Mütze hinterher, der Graf war ſchon auf der Ter⸗ raſſe. Aus vollem Halſe lachend trug Guſtav die grüne Mütze wieder in des Grafen Zimmer, indem er für ſich hin ſprach:—„Hahaha, ich konnte mir wohl denken, daß ſich die Sache umkehren würde. Und er bekümmert ſich nicht um ſchöne Damen! Ha, Herr Graf, ich ſehe auch gern hübſche Mädchen, aber ich laufe ihnen nicht wie ein Narr, barhäup⸗ tig und mit einer Feder hinterm Ohre, nach.“— Um nicht von ſeinen Eltern bemerkt zu werden, wollte Eduard kluger Weiſe gerade durch die Küche gehen, weil er von da aus unbemerkt hinunter in die Allee kommen konnte. —„Und er bekümmerte ſich nicht um ſchöne Damen!— hatte Guſtav geſagt; und mit demſelben Recht konnte man auch ſagen:—„Und er hat an demſelben Morgen an Emma ge⸗ ſchrieben, daß er ſie fliehen und zu vergeſſen ſuchen wollte.“ — Und er konnte nicht einmal ſeinen Verdruß verbergen, daß er ſo lange bei ſeiner Mutter geweſen war und doch die ſchöne Gelegenheit, Emma zu ſehen, aus den Augen gelaſſen hatte. In ſeinem Eifer, Emma einzuholen, ihr ein zärtliche Wort zuzuflüſtern und mehrere in ſeinem Briefe gebrauch und nach ſeiner Anſicht harte Ausdrücke, die er bereute. milder der er Waſſe Seite, welche auf d dem Fußbo men l chen n ſichtig die Ze Eben gekomn Koch d Sturm maßen in den aus aufgeſt keinesn Küchen daſelbſt gierig achtet, unte. auch a ge⸗ bllte.“ / daß ch die elaſſen tliches 123 mildern, dachte er nicht daran, Jemand auszuweichen. In der erſten Thür ſtieß er auf eine Magd, die ein Gefäß mit Waſſer aus dem Eiskeller geholt hatte; dieſe ſtieß er in die Seite, daß ſie die Hälfte des Waſſers verſchüttete. Der Koch, welcher vor einem Backtrog ſtand, erhielt einen derben Stoß auf den dem Grafen zugewendeten Theil des Körpers. Neben dem Koch ſtand ein offener Sack mit Waizenmehl auf dem Fußboden, aus welchem derſelbe Mehl zum Zwieback zu neh⸗ men beabſichtigte; gleichzeitig kam ein halberwachſenes Mäd⸗ chen mit einer Schüſſel ſüßer Milch, welche ſie ernſt und vor⸗ ſichtig trug, indem ſie aus Furcht, die Milch zu verſchütten, die Zähne zuſammenbiß und die Lippen über einander kniff. ⸗ Eben freute ſie ſich, daß ſie glücklich bis in die Nähe des Kochs gekommen war. Aber in dem Augenblicke, in welchem ſie dem Koch die Milch übergeben wollte, kam der Graf gleich einem Sturmwind daher geſauſt und ſtieß das arme Mädchen der⸗ maßen, daß ſie zu Boden ſtürzte und ihr Milchgeſchirr mitten in den Mehlſack fallen ließ, in welchem ſich ſofort ein Teig aus Milch und Mehl bildete. Ein Theil der Milch und des aufgeſtäubten Mehls flog auf Eduard, der ſich aber dadurch keineswegs abſchrecken ließ, ſondern der gegenüber befindlichen Küchenthür um ſo ſchneller zueilte. Der Küchenjunge, welcher daſelbſt mit Fleiſchhacken beſchäftigt war und ſich eben neu⸗ gierig nach dem entſtandenen Tumult umſah, hatte nicht be⸗ achtet, daß der Hacktrog nicht feſt auf dem Hackklotz ſtand, ſo daß er, als der vorbeieilende Graf daran ſtieß, umſtürzte und das ganze gehackte Fleiſch auf dem ſandigen Fußboden ent⸗ ſchüttete. „Eduard hatte nun endlich alle Klippen und Hinderniſſe glücklich überwunden, ſah ſich unter freiem Himmel und eilte vorwärts, ohne ſich im Mindeſten um den Wirrwarr in der ezu kümmern. Der Koch war in völliger Verzweiflung, sss arme Mädchen, das in den Mehlſack gefallen war, heftig beim Arme empor und gab dem Küchenjungen, der das gehackte Fleiſch zu Boden hatte fallen laſſen, ein paar tüch⸗ tige Ohrfeigen, indem er in gebrochenem Schwediſch— denn er war ein Deutſcher— dazu fluchte. Die Küchenmagd, die das Eſſen für das Geſinde zubereitete, trat von der Seite des Heerdes, welche zu ihrem Departement gehörte, hervor und ſuchte ihn zu beruhigen; allein darüber ward er noch zorniger, ergriff Kelle und Zange und jagte damit alle lebenden Weſen, die ihm in den Weg traten— mochten ſie Menſchen, Hunde oder Katzen ſein— aus der Küche. Als er ſich wieder genug beruhigt hatte, um ſprechen zu können, begann er in ſeinem gebrochnen Schwediſch⸗Deutſch zu raiſonniren:—„Was Donner Tauſend Teufel hat der junge Graf hier in der Küche zu thun und ſolchen Rumor zu er⸗ heben? Iſt das wohl Facon, ſo wie ein thörichter Menſch hereinzufahren, durchzulaufen und ſo entſetzlich zu hauſen? Vermuthlich war es ein Mädchen, dem er nachlief. Ja, das ſackermenſchte Weibervolk, ſie können den beſten Kerl närriſch im Kopfe machen. Gott bewahre mich, wie es hier ausſieht! Und Du Schlingel dort, willſt Du gleich das Fleiſch auf dem Fußboden zuſammenkratzen und es den Hunden geben, da es nicht mehr für die Menſchen taugt.— Na, daß ſich Gott er⸗ barme, ſitzt nicht der Braten ganz feſt am Spieße, und Du, dummer Junge, kannſt Du nicht nachſehen und ihn wenden d — Bei dieſen Worten geſtikulirte er ſo kräftig mit der Kelle, daß der arme Junge an den Heerd anfiel. Die große Katze— gewöhnlich die ſchwarze Maus ge⸗ nannt— hatte ſich zwar aus der Küche jagen laſſen, nicht jedoch ohne eine eben gerupfte Gans, die während des Wirr⸗ warrs ihre Beute geworden war, mitzunehmen; ſie ſetzte ſich mit ihrem Raub auf den Boden und verzehrte dort in de ſchönſten Gemächlichkeit ſo viel davon, als ſie zu bewälts vermochte. Her mals wied derte ter D heiten durch das lockt daß e der C Morg ich mi auf m. drehen Vater gaffte viellei Un er ſo Gertri Erſtau fen in Morge bedeckun dem w ſeltſam brach in lache,⸗ Sie, H Anzug Lefand. das üch⸗ denn die des und iger, eſen, unde n zu ch zu lunge 1 er⸗ tenſch ſen? das rriſch ſieht! dem da es tt er⸗ Du, den? Kelle, s ge⸗ nicht Wirr⸗ te ſich in der ilee Inzug und wurde gewahr, in welchem „»Aber was Tauſend focht nur den Grafen an?— rief Herr Morgenroth(ſo hieß der Koch) nach einer Weile aber⸗ mals aus. Er war jetzt ruhiger geworden und ließ Alles wieder in Ordnung ſetzen, ſo gut er konnte. Dabei plau⸗ derte er jedoch ununterbrochen.—„Er iſt ſonſt ein ſo geſetz⸗ ter Menſch, der junge Graf, und man weiß nicht viel Dumm⸗ heiten von ihm. Was gab es denn, daß er ſo raſend hier durchlief?— Der Bediente des Grafen, Guſtav, war durch das Getümmel gleich dem übrigen Geſinde in die Küche ge⸗ lockt worden und unterrichtete geſchäftig Herrn Morgenroth, daß es Mamſell Hilbert, des Inſpectors Tochter ſei, welcher der Graf nacheile.—„Ja ſo, war ſie es,— erwiederte Morgenroth langſam.—„War ſie es? Ja, da wundere ich mich nicht mehr über den Grafen. Das Mädchen iſt auch auf meine Ehre ſo ſchön, daß ſie Jedem das Gehirn ver⸗ drehen kann. Ich ſah ſie am Sonnabend, als ſie mit ihrem Vater heimkam, und Gott bewahre mich, ich blieb ſtehen und gaffte ſie an. Wäre ich zwanzig Jahre jünger, ſo wäre ich vielleicht ebenfalls närriſch im Kopfe geworden.“— Unterdeſſen hatte Eduard ſeine Schöne eingeholt; und da er ſo ſehr eilte, hatte dies keine Schwierigkeit, denn Tante Gertrud ging ſehr langſam. Aber nun ſtelle man ſich das Erſtaunen der beiden Damen vor, als ſie den jungen Gra⸗ fen in dieſem Zuſtande erblickten— im Schlafrock und in Morgenſtiefeln, mit der Feder hinterm Ohr und ohne Kopf⸗ bedeckung— ſo weit von ſeiner Wohnung entfernt. Außer⸗ dem war er noch voll Milch⸗ und Mehlflecke, ſo daß er ſehr ſeltſam ausſah. Tante Gertrud ſtarrte ihn ſtumm an, Emma brach in lautes Lachen aus.—„Verzeihen Sie mir, daß ich lache,“— ſprach ſie gleich darauf—„aber woher kommen Sie, Herr Graf?“— Eduard betrachtete nun erſt ſeinen Zuſtande ſich derſelbe fand. Mit bekümmerter Miene ſprach er dann:„Beſte r, daß Sie bei meiner Mutter Rückweg angetreten hätten, deſto eher einzuholen; dabei Mamſell Hilbert, als ich erfuh geweſen wären und ſoeben den lief ich durch die Küche, um Sie ßte ich durch einen Haufen von Mägden, Küchenjungen muß und dergleichen, wahrſcheinlich auch über, ſoviel ich weiß.“— Emma entſchuldigte die Unordnung, in welcher ſich das Apere des Grafen befand, ſehr gern, als ſie hörte, daß ſie die Urſache derſelben war. Tante Gertrud begann den Grafen zu bekomplimentiren und von der angenehmen Dampf⸗ ſchifffahrt zu ſprechen, auf welcher ſie die Ehre gehabt hatte, ſich— obwohl ohne ihr Wiſſen— in der Geſellſchaft des Herrn Grafen zu befinden. Eduard hätte Emma gern einige Worte zugeflüſtert, aber es war ihm unmöglich. In ſeiner jetzigen Kleidung oder viel⸗ mehr Unkleidung die Damen zu begleiten, fand er unpaſſend, obwohl er ſie gern begleitet hätte. Er nahm daher bald Ab⸗ ſchied, nahm aber dabei⸗ Gelegenheit, unbemerkt von Tante Gertrud Emma's Hand ſo derb zu drücken, daß dieſe faſt laut aufgeſchrieen hätte. Gedankenvoll und langſ bei einem Backtrog vor⸗ am kehrte er nach Hauſe zurück. Als er ſich der Küche näherte, wurde er durch eine klagende Stimme aus ſeinem Nachdenken aufgeſchreckt. Er ſah ſich um und erblickte einen Knaben, welcher bitterlich weinte.—„Wer biſt Du und waum weinſt Du?— fragte er theilneh⸗ mend.—„Ach, gnädiger Herr Graf,“— antwortete der Knabe—„ich heiße Anders und diene als Küchenjunge in Ihrer Gnaden Küche. Und vorhin, als der Herr Graf durch die Küche ging, hatte ich das Unglück, einen Hacktrog mit ge⸗ hacktem Fleiſch umzuſtoßen; und darüber wurde der Herr Koch ſo böſe, daß er mir zw die thaten ſo weh.— ſeine Brieftaſche in ſeinem Morgenrocke. Glücklicher Weiſe hatte Edug Er zog dieſelbe h. ei Ohrfeigen gab.— Ach— ach ihn netn mac zwei faſt Meh nung Meh dieſe und Leben tete, Gra ſcher. der§ den dutter ätten, dabei ungen vor⸗ hh das , daß in den Hampf⸗ hatte, aft des t, aber er viel⸗ paſſend, ald Ab⸗ Tante eeſe faſt zurück. klagende ſich um —„Wer theilneh⸗ rtete der ijunge in 127 aus und gab dem Jungen einen Vierundzwanzigſtüberzettel, indem er ſprach:—„Armer Junge, ich will ſehen, ob ich Deine Ohren heilen kann.“— Dieſes Geſchenk ſtillte den Schmerz des Knaben ſogleich; er lief hinter dem Grafen her und rief wiederholt:—„Gott ſegne den gnädigen Herrn Grafen an Leib und Seele!“ Verdrüßlich über ſeine unvorſichtige Fahrt durch die Küche, beabſichtigte Eduard, den Rückweg durch die Küche zu venliei⸗ den und einen andern Weg einzuſchlagen; aber ſein gutes men⸗ ſchenfreundliches Herz verwarf dieſen Vorſatz ſogleich.— Vielleicht ſind dort noch mehr Betrübte, die ich tröſten muß, dachte er— denn ich glaube wirklich, daß ich durch mein eiliges Laufen durch die Küche viel Verwirrung angerichtet habe. Sollten denn die armen abhängigen Menſchen um mei⸗ netwillen leiden, ohne daß ich mein Verſchulden wieder gut zu machen ſuchte?— Und er hatte Recht. In der Küche waren wenigſtens zwei Perſonen zu tröſten: der arme Janne, der den Braten faſt hatte verbrennen laſſen, und das Mädchen, welches in den Mehlſack gefallen war. Die Arme ſtand in einiger Entfer⸗ nung vom Heerdfeuer und trocknete ihre naſſen, von Milch und Mehl übel zugerichteten Kleider. Es war Eduard nicht ſchwer, dieſe Betrübten zu beruhigen und zu tröſten, denn guter Wille und ein voller Beutel fehlte ihm nicht. Sein Vater verſah iihn reichlich mit dieſem Schlüſſel zu alken Genüſſen des Lebens. Miit einigen Worten, die er an Herrn Morgenroth rich⸗ tete, beruhigte er auch dieſen, ſo daß er über den Eifer des Grafen, einem hübſchen Mädchen nachzulaufen, lachte und ſcherzte. Da die Speiſekammer nicht leer an Vorräthen und der Kopf des Kochs nicht ohne Erfindungsgabe war, ſo wur⸗ den in aller Eile etliche andere Gerichte anſtatt der zerſtörten Abereitet, und die Grä 128 Mehrere Tage vergingen nun, ohne daß Emma mit der( Eduard, dem ſie ſorgfältig auswich, zuſammentraf. Sie ging aus nur ſelten aus, indem ſie vorſchützte, daß ſie ein Gewebe, gräfl welches ihr die Mutter als Lehrſtück übertragen hatte, ſchnell 2u ge vollenden müſſe; und unternahm ſie gelegentlich einen Spa⸗ glück ziergang, ſo war ſie von ihrem Vater begleitet. Die Mut⸗ gefall ter und Tante Gertrud nahmen ſich nie Zeit, ſpazieren zu ſchrer gehen. Ohre Dieſe Sorgfalt, dem Grafen auszuweichen, entging dem⸗ nes( ſelben nicht; er fand ſie ſehr vernünftig, betrübte ſich aber zon nichts deſto weniger darüber. Er hatte ſich wohl ſchon meh⸗ reicht rere Male vorgenommen, Ber ſchnell zu verlaſſen; aber wie Mam ſollte er einen paſſenden und in den Augen ſeiner Eltern gül⸗ tag in tigen Vorwand dazu finden? Und woher ſollte er ſo viel Stärke nehmen, dieſen ſchwachen Vorſatz auszuführen und der a dieſe freiwillig erwählte Pflicht zu erfüllen?— Noch blieb er jedoch von einem Tage zum andern, noch ging er oft an Emma's Wage Fenſter vorüber, denn er ſehnte ſich, ſie zu ſehen. Aber ent⸗ K* weder erblickte er ſie gar nicht oder— wenn er ſie ſah— meldet ſo ſaß ſie bei ihrer Arbeit, ohne aufzublicken. Das Letztere D geſchah jedoch nur ſelten, denn ſie befand ſich meiſt in der ein u Webekammer. Niedergeſchlagen, mit geſenktem Kopf und mit Gewit gekreuzten Armen kehrte er dann von ſeiner Promenade im ſuchen Park zurück und wanderte in den Wald, wo er der Mamſell noch z Echo ſeinen Schmerz klagte. der kr Eines Tages ſprach der alte Graf während der Mittags⸗ terhal mahlzeit zu ſeiner Gemahlin:—„Höre, liebe Ebba, warum liebens ſchickſt Du nie nach Mamſell Hilbert und läſſeſt ſie hierher hübſch einladen? Es wurde ja beſtimmt, daß ſie kommen, Dir vor⸗ leſen und mir vorſpielen ſollte. Es wäre ergötzlich, wenn ſie einige Stunden hier zubrächte, denn ſie iſt ein herzinnig ſüße Mädchen.“— Die Gräfin erwiederte ihrem Gemahl, daß it gelegentlich nach Emma würde ſchicken laſſen. Hieraf mit ging webe, ſchnell Spa⸗ Mut⸗ ren zu dem⸗ h aber meh⸗ der wie en gül⸗ ſo viel en und blieb er Emma's ver ent⸗ ſah— Letztere in der und mit nade im Mamſell Mittags⸗ warum hierher Dir vor⸗ wenn ſie iig ſüßes 129 der Graf ſeine Lobrede über Emma fort. Der Director P aus Linköping, welcher ſich in jedem Suiuner einige Zeit im gräflichen Hauſe aufhielt, um Fräulein L Louiſe Muſikunterricht. zu a geben, fr ragte dengiedi nach dem j jungen Mädchen, die ſo ſe dem Herrn Grafen in ſolchem Grade zu machte darauf eine enthuſt laſtiſche Be⸗ Und wie ſüß klang dieſelbe in Eduards g jedes Wort an die innerſten Saiten ſei⸗ rer ſprach kein Wort dazu. Louiſe fixirte ihn— er ſchlug die Augen nieder. Seine Verwirrung er⸗ 8* — . ‿ Ohren! Wie nes Gefü reichte ih als ihn ſein Vater fragte, ob er M amſe ell ge ſehen hätte.—„Ja, am Sonn⸗ tag in der wiederte er unruhig. ſi nicht raſend hübſch?— fragte der alte Gra duards guter Genius überhob ihn jedoch der Antwort auf dieſe Gewiſſ ſensfrage; eben hielt ein Wagen vor dem Schloſſe und gleich darauf wurde der Baron it ſei Schweſter, welche zum Beſuch kamen, ange⸗ weiter. E . Die fremden Herrſchaften traten einige Minuten darnach ein und entſchuldigten ihr ſpätes Kommen mit einem ſtarken Gewitterregen, der ſie unterwegs genöthigt hatte, Schutz zu ſuchen und ſich eine Stunde aufzuhalten. Sogleich wurden noch zwei Couverts aufgelegt, die Angekommenen nahmen an der kurz vorher erſt begonnenen Mahlzeit Theil und die Un⸗ terhaltung ward lebendig. Der Baron Ke* war ein junger liebenswürdiger Mann und ſeine Schweſter, Julie⸗Louiſe, ein hübſches einnehmendes Mädchen. Der Baron Ku liebte Fräulein Louiſe Rer und hatte ſchon vor zwei Jahren bei ihrem Vormund um ſie angehal⸗ n, von dieſem aber die Antwort bekommen, daß es noch zu tiig ſei, an die Verheirathung eines funffehnjährigen Kindes denken und daß der Herr Baron noch einige Jahre Harten Emma’s Herz. I. 9 3 3 möchte, bis ſie ſelbſt Einſicht und Urtheil genug haben würde, ſich einen Gatten zu wählen. Allein der Plan des Grafen war— wie wir bereits wiſſen— dahin gerichtet, das reiche Mündel nur mit ſeinem eigenen Sohn zu verbinden; aber er hütete ſich wohl, dieſen Plan bekannt zu machen, weil er fürch⸗ tete, daß man ihn in ſolchem Falle für eigennützig hal⸗ ten würde; er wollte vielmehr Louiſen nur Zeit laſſen, ihr Herz an Eduard zu feſſeln, damit ſie ſich dann nach eigner Wahl zu ſeinen Gunſten beſtimmen möchte. Unterdeſſen ſetzte jedoch der Baron ſeine Beſuche in B*⸗ fort, hielt ſich von Zeit zu Zeit acht bis vierzehn Tage daſelbſt auf und unter⸗ ließ während dieſer Zeit nicht, ſich bei dem Fräulein ſoviel als möglich beliebt zu machen. Allein Louiſe war ſchon zu ſehr für Eduard eingenommen, um für den Baron etwas mehr, als Achtung, zu empfinden. Der Graf fürchtete, daß der Baron Ks wieder in ſei⸗ ner Heirathsangelegenheit nach B** gekommen ſei; denn da 3 hsangelegenh. g; 3 Fräulein Louiſe nun ihr ſiebzehntes Jahr erreicht hatte, ſo konnte ſie ſelbſt— wenn auch nicht über ihre Hand— doch. über ihr Herz verfügen. Der Graf beſchloß daher, noch an demſelben Tage mit ſeinem Sohn zu ſprechen, damit dieſer dem Baron zuvorkäme und Louiſe einen gültigen Grund er⸗ hielt, dem Letztern einen Korb zu geben. So war der Sonntag wieder herangekommen. Emma ging mit ihrem Vater und Fridolf in die Kirche; aber Eduard war nicht darin. Er hatte mit ſeinen Eltern und deren Be⸗: ſuch eine für den ganzen Tag berechnete Luſtparthie unter⸗ nommen. Aus der Pfarre war ebenfalls Niemand in der Kirche, mit Ausnahme des Magiſters O, welcher predigte. Emma wunderte ſich. Als das Mittagseſſen vorüber war, ſchlug Hilbert vor, den Kaffee in dem kleinen Luſthauſe im Garten zu trinke Emma wandte zwar ein, daß ſie in die Pfarre zu gehen be⸗ 131 vürde, abſichtige; allein ihr Vater entgegnete darauf, daß ſie in kur⸗ Prafen zer Zeit mit ihm in die Pfarre fahren könne, da er mit ſeiner reiche Frau den eine Stunde von B.** wohnenden Ingenieur Car⸗ ber er 3 ſins beſuchen wolle und dabei an der Pfarre vorüber müſſe. In Carſins Hauſe waren keine jungen Leute, daher man ſich auch nicht für verbunden erachtete, Emma mitzunehmen. Es wurde alſo beſchloſſen, daß die Eltern Emma bis an die eigner Pforte mitnehmen, dort abſetzen und Abends auf dem Rück⸗ n ſetze. wege wieder abholen ſollten. ch von Kaum war der Laffee getrunken, ſo entfernte ſich erſt Frau unter⸗ Hilbert, dann Tante Gertrud und endlich auch der alte Hil⸗ ſoviel bert, ſo daß Emma mit Fridolf allein im Garten blieb. Als hon zu Emma dies bemerkte, wollte ſie den Uebrigen nacheilen, fand etwas aber zu ihrem Erſtaunen die Gartenthür von außen verſchloſ⸗ eenu. Dies geſchah in Folge einer Uebereinkunft zwiſchen Fri⸗ in ſei dolf und Hilbert; denn Letzterer hatte dem Erſteren verſprochen, enn daß ihm eine Gelegenheit zu verſchaffen, mit Emma allein zu ſein. tte, ſo Er unterließ nicht, dieſe Gelegenheit zu benutzen und — doch. Emma eine zärtliche Liebeserklärung zu machen. Allein Emma noch an erwiederte ihm offen, daß ſie ihn nicht lieben könne. Er bezog t dieſer ſich auf das Verſprechen ihres Vaters— vergebens; Emma und er⸗ ſtellte ihm dagegen vor, daß ihr Vater über ihr Herz nicht verfügen könne, weil er außerdem Beide— ſowohl ſie als Emma Fridolf— unglücklich machen würde. Eduard Fridolf betrübte ſich ſehr darüber. Er ſprach noch lange ren Be⸗: mit Emma, ohne dieſelbe zur Zurücknahme ihrer Worte be⸗ unter⸗ f wegen zu können. Hilbert kam bald darauf mit der Nachricht, in der. daß der Wagen, in welchem er Fridolf den vierten Platz an⸗ predigte.. bot, angeſpannt ſei. Emma eilte fort, um ihren Hut zu ho⸗ len; aber Fridolf weigerte ſich, mit in die Pfarre oder zu dem Ingenieur zu fahren, und Hilbert ſchloß daraus, daß ſeine interredung mit Emma kein günſtiges Reſultat für den jungen Mann gehabt habe. ſchü ſehr ver neh Gli Pot⸗Pourri.. wiß und — über 7 3—.. 7. dam Als Emma in die Pfarre kam, erregte ihre Ankunft laute an T Freude. Sie war heute doppelt willkommen, denn man ſah Weg ſie an und für ſich gern und hatte ihr außerdem eine große hatte wichtige Neuigkeit zu erzählen. Guſtava ſollte ſich mit Clara Kirch Drus Couſin, dem Großhändler S* in Stockholm, ver⸗ heirathen. Noch ſollte die Sache geheim gehalten, d. h. ſie auf follte blos den Freunden der Familie bekannt werden; allein Hoch am Johannistage ſollten alle Freunde und Verwandte aus der bei i Nähe und Ferne zu einer feſtlichen Mahlzeit in das Pfarr haus eingeladen und die Verlobten als ſolche vorgeſtellt nahn werden. 1 bevo Emma wunderte ſich nicht darüber, daß man ihr dieſe Kreiſ Nachricht bei ihrem erſten Beſuch in der Pfarre verſchwiegen freut hatte, weil ſie damals noch ſo fremd im Pfarrhauſe geweſen war; aber um ſo überraſchender war es ihr, daß man ſie jetzt mit ſolcher Eile davon in Kenntniß ſetzte. Allein dies lag daran, daß der Pfarrer erſt jetzt, nachdem er vorher die nöthi⸗ gen Nachrichten über den Character und die übrigen Verhält⸗ niſſe des Herrn Großhändlers eingezogen, ſeine Einwilligung zu dieſer Verbindung gegeben hatte. 5 Der Großhändler Sei war ein Mann von etwa zwe und dreißig Jahren, von angenehmem Aeußern, vyne ger 8 laute n ſah große Clara ver⸗ h. ſie allein s der gfarr⸗ geſtellt „ dieſe wiegen eweſen ie jetzt es lag nöthi⸗ erhält⸗— lligung ſchön zu ſein, und von gewandtem feinen Benehmen. Er war ſehr reich und hatte Hoffnung, mit der Zeit noch mehrere vermögende Verwandte zu beerben; es war alſo eine ſehr an⸗ nehmliche Parthie für Guſtava. *r beabſichtigte eben eine Reiſe nach Kopenhagen und hatte einen Umweg über B gemacht, um endlich ſeines Glückes gewiß zu werden, nachdem er lange genug in Unge⸗ wißheit geſchwebt hatte. Am Donnerſtag war er angekommen iud hatte am Sonnabend wieder abreiſen wollen, ſich aber überreden laſſen, bis zum Sonntag Morgens zurückzubleiben, damit ihn die ganze Familie— denn der Pfarrer predigte un dieſem Tage in Ex*n, einem Filial B**s— ein Stück Weges begleiten könnte. So geſchah es auch, und deshalb hatte Emma Niemand von der Familie des Pfarrers in der Kirche geſehen. Einige Tage vor dem Johannisfeſt wurde der Bräutigam auf längere Zeit in Ber erwartet; im Herbſt ſollte dann die Hochzeit gefeiert werden und Clara Dr die Neuvermählten bei ihrer Abreiſe nach Stockholm begleiten. Emma wünſchte der guten Guſtava mit aufrichtiger Theil⸗ nahme Glück, dachte aber mit Wehmuth daran, daß ſie im bevorſtehenden Winter dieſelbe nicht mehr in ihrem geſelligen Kreiſe ſehen würde. Und die Eltern und Geſchwiſter? Alle freuten ſich herzlich über die nach ihrer Vorausſicht vortheil⸗ hafte Parthie Guſtava's, trauerten aber auch zugleich, daß dieſelbe ſo weit von ihren Angehörigen fort mußte. Emma wurde mit Bitten beſtürmt, Abends nicht mit ihren Eltern nach Hauſe zu fahren, ſondern einige Tage in der Pfarre zu bleiben und an Guſtava's Ausſtattung mit zu hel⸗ fen. Es ſchiene zwar ziemlich zeitig, noch vor der Verlobung an die Ausſtattung zu denken— meinten die Mädchen— de der kurze Sommer ginge gar zu ſchnell vorüber; ſie hät⸗ *eſrenzußerdem für die übrigen Familienglieder viel zu weben 134 und zu nähen und wollten deshalb jede freie Stunde be⸗ nutzen, um an der Ausſtattung ihrer Schweſter zu arbeiten. Die kürzlich aus Stockholm zurückgekehrte Emma ſollte ihnen dabei mit ihrer Geſchicklichkeit und ihrem Geſchmack an die Hand gehen. Emma verſprach zurückzubleiben, falls ſie die Erlaubniß ihrer Eltern dazu erhalten würde. Drauf begann ein eifri⸗ ger Toilettenrath über verſchiedene neue Kleidungsſtücke, die zur Verlobung angeſchafft werden ſollten; dann wurde über Hohlnäthe und Steppnähte geſprochen. line, die vierte Tochter des Hauſes, welche ſich während des Winters in Norrköping in Penſion befand, brachte ihr Mo⸗ delltuch herbei, um die ſchönſten Muſter auf demſelben aus⸗ ſuchen zu laſſen. Gleichzeitig ſtürzten aber die ſämmtlichen Herren des Hauſes— Friedrich an der Spitze— in's Zim⸗ mer, klagten die Mädchen des Sabbathbruches an und ent⸗ riſſen ihnen das Modelltuch. Vergebens betheuerten die An⸗ geſchuldigten, daß ſie keinen Stich genäht hätten; man wollte ihnen nicht glauben und nöthigte ſie, das Zimmer zu ver⸗ laſſen und mit ihnen ins Freie zu gehen. In dieſem Augenblicke kamen mehrere Fremde; Hohlſaum, Steppſaum und alle andere Arbeiten wurden bald von den Mädchen vergeſſen, die eifrig Ballſchlag und Springſpiel be⸗ gannen, wobei ihnen der Pfarrer und die Pfarrerin nebſt etlichen andern älteren Perſonen mit Vergnügen von den Bänken im Vorhauſe zuſahen. Zwei der Mädchen waren jedoch mehr betrübt, als fröh⸗ lich. Emma, die mit Unruhe an den Zorn ihres Vaters dachte, wenn er die abſchlägliche Antwort erfahren würde, welche ſie Fridolf gegeben hatte, und die funfzehnjährige blauen Augen Thränen ſdan⸗ Jenny Rosman, in deren klaren den, weil Fridolf heute nicht in der Pfarre erſchienen wor Albert, der Jenny mehr als ſeine übrigen Schwterl Die zwölfjährige Eve⸗. ezeigt liebte alle die D Theil nen, unau mögli gute Geſch ſchloß ſicht kindiſe qualen Schwe von( wirklie Fridol 3 ſamme bevor daß e Schwe angene vergeh dauern weit d zu ha W der Pf nicht ⁸ als, die ip e Ve be⸗ iten. hnen 1 die ubniß eifri⸗ , die über Eve⸗. id des Mo⸗ aus⸗ atlichen 3 Zim⸗ id ent⸗ die An⸗ wollte bu ver⸗ hlſaum, pon den piel be⸗ n nebſt on den ls fröh⸗ Vaters würde, en ſtan njährige Wezeigt habe, ſie in die Pfarre zu begleiten, obwohl ihm von 135 liebte, weil ſie nur ein Jahr jünger als er ſelbſt war und alle Spiele der Kindheit mit ihm getheilt hatte, gewahrte bald die Wolke, welche auf ihrer Stirn ſchwebte. Mit zärtlicher Theilnahme fragte er nach der Urſache derſelben. Die Thrä⸗ nen, welche Jenny ſo lange zurückgehalten hatte, drangen nun unaufhaltſam aus ihren Augen; ſie erwiederte, daß ſie un⸗ möglich fröhlich ſein könne, wenn ſie daran denke, daß ihre gute Schweſter Guſtava in wenigen Monden den Kreis ihrer Geſchwiſter verlaſſen haben würde. Guſtava hörte dies und ſchloß gerührt Jenny in die Arme; Jenny verbarg ihr Ge⸗ ſicht an der Schweſter Bruſt und fühlte Schaam über ihre kindiſche Trauer um Fridolf's Außenbleiben und Gewiſſens⸗ qualen über die Unwahrheit, womit ſie ihre theilnehmende Schweſter getäuſcht hatte. Denn die bevorſtehende Trennung von Guſtava, obwohl ihr dieſelbe bitter erſchien, war jetzt wirklich nicht die Urſache ihrer Betrübniß, ſondern lediglich Fridolfs Außenbleiben. Jenny hatte ſich durch ein mehrjähriges faſt tägliches Bei⸗ ſammenſein ſo an dieſen Jüngling gewöhnt, daß ſie ihn— bevor ſie es ſelbſt wußte— zärtlich und innig liebte, ohne daß er ſeinerſeits die geringſte Ahnung davon hatte. Da ſeine Schweſter Henriette in der Pfarre wohnte und da ihm das angenehme Leben daſelbſt anſprach, ſo ließ er faſt keinen Tag vergehen, ohne einen— wenn auch nur etliche Minuten dauernden— Beſuch im Pfarrhauſe zu machen. Jenny war weit davon entfernt, ſich für den Gegenſtand dieſer Beſuche zu halten; aber ſie freute ſich, ſo oft Fridolf kam. Während der ganzen verfloſſenen Woche hatte er ſich in der Pfarre nicht ſehen laſſen, und da er auch am Sonntag nicht erſchien, hielten Alle ihn für krank und beſtürmten Emma, als, dieſelbe kam, mit Fragen über Fridolf's Befinden, Auf iwee Verſicherung, daß er ſich völlig wohl befinde, aber nicht Luſt 136 ihrem Vater ein Platz im Wagen angeboten worden ſei, wun⸗ füh derten ſich zwar Alle über dieſes Benehmen, dachten aber bald aus nicht mehr daran. Nur Jenny grübelte fortwährend darüber, ihm war zerſtreut und blickte beſtändig nach dem Wege. lich Wie würde ihr erſt zu Muthe geweſen ſein, wenn ſie den aud Grund von Fridolfs Benehmen gekannt, wenn ſie gewußt Da en S im Garten des ſtün Inſpectors dem fröhlichen G iſe der Rosmanſchen wob Familie vorzog?— Wie würde ihr zu Muthe geweſen ſein, von wenn ſie gewußt hätte, daß Fridolf Emma liebte und daß Fritd ihm Emma's Hand zugedacht war?— Aber das wußte Nie⸗ dern mand, nicht einmal Tante Gertrud. Alle Wie lange Fridolf auch in den Gängen des einſamen Gle Gartens ſpaziert war, er fühlte ſich Abends doch gelangweilt ſpiel und bereuete, daß er das wohlwollende Anerbieten des In⸗ Mä ſpectors, mit ihm bis in die Pfarre zu fahren, nicht angenom⸗ Wie men hatte. Endlich beſann er ſich und begab ſich ber pedes chen Kpostolorum in den Pfarrhof. Jenny's Wangen erglühten griff vor Freude, als er eintrat; Emma erblaßte. Allein bald be⸗ ſeine merkte ſie, daß er nicht gekommen war, um ihr Vergnügen zu berei ſtören oder ihr Verdruß zu bereiten; denn er ſtellte ſich an, als ob er Emma's Anweſenheit in der Geſellſchaft gar nicht Thü bemerkte. zu So viel hatte Fridolf durch ſeinen einſamen Spaziergang dem erzwungen, daß er den Entſchluß gefaßt hatte, ſich eiskalt im gegen Emma zu benehmen. Damit glaubte er ſein Ziel um mit leichteſten zu erreichen.—„Ich will mich völlig gleichgültig Nach gegen ſie zeigen,“— dachte er—„ich werde doch ſehen, ob gekon ſie ſich dann eher an mich anſchließt; denn die Frauen wol⸗ derſe len gern geliebt, aber nicht gehaßt ſein. Vielleicht bemuhs ſie zu f ſich dann eben ſo ſehr, meine Liebe zu gewinnen, als ſis bemüht iſt, ihr zu entgehen.. Daß Fridolf ſich täuſchte, wiſſen wir im Voraus; ab Ke inſamen angweilt 5 es Inl⸗ 1 r pedes rglühte n bald be⸗ rügen 3 u ſich an, gar nicht aiergang h eiskalt Ziel a m eichgültig ſehen, ob uen wol⸗ emuhs ſie 4 8* ſie 13 7 1 führte nichts deſto weniger ſeinen einmal gefaßten Entſchluß aus. Emma hatte erwartet, den ſchmachtenden Liebhaber in ihm wiederzufinden, der, indem er ſich von ihr trennte, zärt⸗ lich um ihr Mitleid gebeten hatte. Sie fürchtete, daß er ſie auch hier mit Seufzern und ſprechenden Blicken verfolgen würde. Da ſie ihn aber ſo kalt ſand glaubte ſie, d daß ihm eine mehr⸗ tündige Einſamkeit ſeine Liebe aus dem Sinn gebracht hätte, wobei ſie ſich nicht wenig wunderte, daß 1 Menſch ſo ſchnell on eine m Extrem zum andern i über gehe n konnte. Der ſchlaue Fridolf bemerkte ſehr wohl, wie ſie i ber die plötzliche B verung ſeines Benehmens gegen ſie nachſann; und Alles, was er gegenwärtig wünſchte. Um aber die Gleichgül tigkeit gegen Emma mit deſto beſſerem Erfolg zu ſpielen, fiel ihm ein, ſich verliebt in ein anderes anweſendes Mädchen zu ſtellen; und zufällig ſiel ſeine Wahl auf Jenny. Wie glücklich wurde dadurch das vorher ſo verſtimmte Mäd⸗ chen! Wie wenig ahnte ihr junges, unſchuldiges, allen Kunſt⸗ griffen fremdes Herz die ieſe Wunde, welche ihr Fridolf in ſeinem Leichtſinn, ohne alle böſe Abſicht für die Zukunft vor⸗ bereitete. Schlag zehn Uhr Abends hielten Emma's Eltern vor der Thür, um Emma Senholen; aber ſie waren nicht allein, denn zu Emma's großer Verwunderung ſaß Tante Gertrud auf dem Rückſitz des Saghiegens. Auch ſie hatte, wie Fridolf, im Hauſe Langeweile gefühlt und ſehr bereut, daß ſie nicht mit zu Carſins gefahren war. Zufällig war im Laufe des Nachmittags der alte Diſtrietsrichter Tes in einer Chaiſe an⸗ gekommen, um den Inſpector zu beſuchen. Als er hörte, daßs derſelbe zu Carſins gefahren war, entſchloß er ſich, ebendahin zu fahren und bot der Tante Gertrud einen Platz in feiner 4 Chaiſe an, den dieſe ſogleich dankend annahm. Auf dieſe Ei kam ſie zu Aller Ueberraſchung in das Carſin ſche Haus, Mun entſtand ein Gedränge und Gemurmel um der Wa⸗ gen! Alle baten um Erlaubniß für Emma, einige Tage in der Pfarre zu bleiben. Die gute Frau Hilbert willigte ſo⸗ gleich ein und als ſie ſodann ihren Mann fragend anblickte, erklärte dieſer, daß er ſeine Einwilligung nicht verſagen wolle, da die Mama bereits die ihrige gegeben habe. Drauf rollte der Wagen mit dem Inſpector, der Inſpectorin, Tante Ger⸗ trud und Fridolf unter den lauten Dankſagungen der Zurück⸗ bleibenden fort. Aber Tante Gertrud brummte während des ganzen Rück⸗ wegs vor ſich hin. Sie war der Meinung, daß ihre Schwe⸗ ſter und ihr Schwager ihre Tochter verzögen, indem ſie die⸗ ſelbe nicht allein fünf Jahre lang in dem verderblichen Stock⸗ holm— einem nach ihrer Meinung gefährlichen Orte für junge Mädchen— in Penſion gehabt hätten, ſondern ſie auch nach ihrer Rückkehr wenig beaufſichtigten und ſie nur ihren Vergnügungen überließen.—„Wenn Jemand Etwas auf Emma hält,“— ſetzte ſie hinzu—„ſo bin ich es; aber um ihres eigenen Wohles halber wünſche ich ihr eine andere Er⸗ ziehung. Es iſt wohl ſchön genug, muſikaliſche Inſtrumente ſpielen und fremde Sprachen plappern zu können, aber noch beſſer iſt es, einer Haushaltung vorſtehen zu können und dies lernt man nicht auf dieſe Weiſe.“— Die alte Dame ſchwieg ein Weilchen, denn das Wagenge⸗ raſſel hatte ihre halblaute Stimme übertäubt, ſodaß die Ue⸗ brigen wenig oder nichts davon gehört hatten; aber bald darauf begann ſie von Neuem:—„Ja, ja, ich weiß ſchon, wieviel ſie in dieſer Woche arbeiten werden. Es heißt wohl, ſie ſollen nähen und ſteppen, aber es wird wohl nichts gemacht werden, als geſpielt und geſchäkert mit den jungen Leuten und den Magiſtern, welche ſie Hülfsprediger nennen und die für Nichts und wieder Nichts Eſſen und Gehalt von dem Pfar⸗ rer kriegen. Es iſt eine Sünde und Schande, zwei Hülis⸗ prediger da herumlaufen und amtiren zu ſehen, während der Pfar Und helm mit tariu zeln. ein a haltu eine händl um v Stock gen d fliegen die ar ärgerl Famil ſicht g wohl beiſtü anhalt Schw mer, hältſt und ſt begin ich ha herun ich ein wer d können er um te Er⸗ imente noch d dies genge⸗ ie Ue⸗ r bald ſchon, wohl, gemacht een und die für 139 Pfarrer mit einem Adjunct gar wohl zufrieden ſein könnte. Und der ſogenannte Magiſter Rosman, der blödſichtige Wil⸗ helm mit der Brille auf der Naſe, iſt er wohl zu gut dazu, mit ſeinen jüngern Brüdern zu leſen?— Und dann der No⸗ tarius— aber der ſoll blos um ſeine Braut herumſchwän⸗ zeln. Ja, gewiß und wahrhaftig, das Rosmanſche Haus iſt ein angenehmes Haus, aber man verſteht nichts von Haus⸗ haltung darin, obwohl man die Pfarrerin hier am Orte als eine ausgezeichnete Hauswirthin ausſchreit, ſo daß ſogar Groß⸗ händlersfrauen aus Stockholm ihre Töchter zu ihr ſchicken, um von ihr kochen zu lernen. Das beweiſet ja, daß man in Stockholm Nichts davon verſteht. Ich habe ſonſt Nichts ge⸗ gen die Pfarrerin, außer daß ſie ihre Mädchen ſo viel herum⸗ fliegen und dem Vergnügen leben läßt; und nun wollen ſie die arme Emma ebenfalls verwirrt machen. Ich bin ganz ärgerlich darüber, daß ich ihr ſo viel Rühmliches von dieſer Familie geſagt habe; aber ich habe es freilich nicht in der Ab⸗ ſicht geſagt, daß ſie Tag und Nacht dortliegen ſoll. Es wäre wohl beſſer, daß ſie daheim bliebe und mir armen alten Frau beiſtünde; und meine Schweſter ſollte ſie tüchtig zur Arbeit anhalten— oder wenn ſie es nicht verſteht, ſo ſollte es mein Schwager thun, er iſt Herr im Hauſe und brummt ja ſonſt im⸗ mer, wenn es nicht nöthig iſt. Er ſollte ihr ſagen:—„„Du hältſt Dich hübſch daheim, Mädchen, und hilfſt Deiner Mutter und ſtehſt Deiner alten Tante bei, die jetzt kraftlos zu werden beginnt.“⸗— Nein, aber davon wiſſen ſie nichts; ſie denken, ich habe Zeit genug, mich für das Bischen Eſſen, das ich bekomme, herumzuſchinden und wie ein Bär zu arbeiten. Na, na, wenn ich einmal„incrapabel’ geworden bin, werden ſie wohl ſehen, wer dann Schweſter Lotten helfen ſoll; denn von der Kuchter können ſie nie Nutzen erwarten, das ſehe ich ſchon im Geiſte.— 6 SDe alte Dame ſprach enfangs nur hanenuts im Eifer 140 3 ungeachtet des W Zagengeraſſels ihr Gemurmel hörte und ſeine neben ihm ſitzende Frau durch einen Stoß init dem Ellenbo⸗ 8 gen ebenfalls darauf aufmerkſam machte.—„Sie leſen wohl, Schwägerin?⸗— fragte er nach einer Weile, abs ſie endlich eine Pauſe machte. Tante Gertrud ſchämte ſich und ſchwieg. Aber Fridolf, der neben ihr ſaß und die ganze Vorleſung mit angehört hatte, brach bei dieſer Frage in ſo lautes Lachen aus, daß ſich Hilbert erſtaunt zu ihm wandte und fragte, was es hinten im Wagen gäbe.— Hierauf ward Alles ſtill und der Heimweg wurde unter allgemeinem Stillſchweigen fort⸗ geſetzt. Am folgenden Morgen ſchickte Emma einen Boten in ihr elterliches Haus und ließ ſich etliche Kleider holen. Als der Bote zurückkam, überbrachte er Grüße von ihren Angehörigen, die er um den Kaffeetiſch verſammelt angetroffen hatte. Der Inſpector und ſeine Frau hatten ſehr freundlich gefragt, wie es im Pfarrhauſe ginge, dann hatten ſie ihn gebeten, Alle freundlich zu grüßen, Mamſell Emma aber beſonders zu bit⸗ ten, daß ſie früh und Abends nicht zu leicht gekleidet ins Freie gehe. Mamſell Oliveblad hatte ſehr mürriſch ausgeſehen und Emma mit der Erinnerung grüßen laſſen, ſie ſolle recht flei⸗ ßig ſein, die Zeit in Acht nehmen, ſich nützlich machen und den Beweis liefern, daß ſie auch thätig zu ſein, nicht blos ſich zu vergnügen verſtünde. Herr Tyrell dagegen hatte nach Rie⸗ mand gefragt, dem Boten aber beim Fortgehen zugerufen: —„Sage meiner Schweſter, daß ſie mir meine Bücher ſchickt.— Der naive und ausführliche Bericht des Boten ergötzte alle Anweſenden, die bei der Rückkehr des Boten ebenfalls ge⸗ rade um den Kaffeetiſch verſammelt waren. Und Henriette Tyrell erwiederte ganz ruhig:— Mein Herr Bruder kank ſelbſt kommen und ſich ſeine Bücher holen.⸗— Aber Fri erſchien mehrere Tage lang nicht.— ſo kalt achtet aus de er ſie. ihm da wiſſerm hielt ſie doch ge jungen dern F mal ſtigter Wenn er ſich, er nie pen zu en. e s N d ſeine llenbo⸗ nwohl, endlich chwieg. ng mit Lachen fragte, les ſtill en fort⸗ in ihr Als der hörigen, e. Der gt, wie u, Alle zu bit⸗ 1s Freie hen und cht flei⸗ den und blos ſich ach Rie⸗ gerufen: Bücher ergötzte falls ge⸗ Henriette der kan Indeſſen verging die Zeit für Emma ſehr angenehm unter Arbeit, Muſik, Tanz, Spaziergängen, Laufen, Schaukeln und Spielen. Tante Gertrud hatte nicht ſo Unrecht; man arbeitete nicht mit beſonderem Eifer. An Fridolf und deſſen Benehmen chte Emma nicht mehr; deſto mehr dachte ſie an Eduard, eſſen Bild ihr beſtändig folgte. Er wußte nicht, daß ſie ſich jetzt im Pfarrhauſe aufhielt, ſonſt würde er längſt einen Be⸗ ſuch daſelbſt gemacht haben. Am Donnerſtag Abend kam Fridolf; er benahm ſich eben ſo kalt, wie am Sonntage, gegen Emma, ließ aber demunge⸗ achtet auch keine ihrer Bewegungen und keinen ihrer Blicke aus den Augen. Ununterbrochen, aber unbemerkt, beobachtete er ſie. Ein neues Licht— leider aber nur ein Irrlicht— ging ihm dabei auf:— er wurde eiferſüchtig auf Wilhelm. Ge⸗ wiſſermaßen hatte er freilich nicht ganz Unrecht, denn Wilhelm hielt ſich fortwährend in der Nähe Emma's auf, die ſich je⸗ „doch gegen ihn leicht und unbefangen, wie gegen die übrigen jungen Männer betrug. Allein die Liebe hat bei vielen an⸗ dern Fehlern auch den, argwöhniſch zu ſein. Fridolf war ein⸗ mal auf die Idee gekommen, daß Wilhelm Emma's begün⸗ ſtigter Liebhaber ſei, und ſeitdem deutete er jeden Blick, den ſie auf Wilhelm warf, jedes Wort, das ſie mit demſelben ſprach, in dieſem Sinne aus. 4 Es war Nachmittag und die Mädchen in der Pfarre ſaßen alle zuſammen und nähten. Niemand von den Herren war bei ihnen, als Fridolf und Wilhelm. Letzterer ſaß dicht in Emma's Nähe und beſchäftigte ſich unaufhörlich mit derſelben. Wenn ſie die Scheere oder den Zwirnknäuel ſuchte, ſo beeilte er ſich, ihr Beides zuzureichen und wieder abzunehmen, wobei er nie unterließ, beide Gegenſtände unbemerkt mit ſeinen Lip⸗ hen zu berühren. Er half ihr eine feine Nähnadel anſtatt der 'e zerbrochenen aus dem Nadelbriefe ausſuchen, hielt ihr 8s Nodelltuch und zeigte ſich in allen Stücken ungemein eif⸗ rig. O, wie ärgerte ſich Fridolf darüber! Und dabei ſchien es ihm, als ob Emma Wilhelm dankbar anblickte und ihm freundlich zulächelte. O, wie ärgerte ſich der arme Fridolf darüber! Der Abend kam, die Theeſtunde war da, die ganze Familie ſammelte ſich im Zimmer. Sobald der Thee getrunken war, ſetzte ſich der Pfarrer an's Pianoforte und ſpielte einen Wal⸗ zer. Vom Nähen war nun nicht mehr die Rede. Die wilde Emilie ergriff ſogleich den Magiſter Oum beim Arm und walzte mit ihm, Friedrich umſchlang in demſelben Augenblick ſeine Braut zum Tanz und Magiſter A⸗s und Wilhelm enga⸗ girten gleichzeitig Emma. Dieſe ſtand einige Minuten un⸗ ſchlüſſig, bis ihr Clara zuflüſterte:—„Nimm Wilhelm, er walzt ausgezeichnet ſchön.“— Emma gehorchte und fand Cla⸗ ra's Ausſpruch beſtätigt. Leicht wie ein Zephyr flog ſie in des entzückten Wilhelms Armen durch die Wirbel des Tanzes. Aber Fridolf fühlte ſich ganz unglücklich, denn ſeine Ei⸗ ſerſucht nahm mit jedem Augenblick zu. Zwar ſuchte er ſeine Gemüthsbewegung dadurch zu verbergen, daß er mit Jenny walzte; aber er vermochte nicht Takt zu halten und Jenny wunderte ſich nicht wenig, daß er heute ſo ſchlecht tanzte, wie noch nie. Sie redete in ihrer kindlichen Unſchuld auf ihn, ſcherzte und lachte; aber er antwortete ihr entweder gar nicht oder verkehrt, während er begierig auf jedes Wort horchte, das Emma und Wilhelm zu einander ſprachen. Endlich ver⸗ langte er heimzukehren und ſchützte heftiges Unwohlbefinden vor, um einen paſſenden Vorwand für ſeine plötzliche Entfer⸗ nung zu haben. Seine Schweſter und die Pfarrerin wollten ihn jedoch auf keinen Fall in dieſem Augenblicke allein fortlaſe ſen; man ſuchte Alles auf, um ſein vorgebliches Uebel zu lindern. Ach! das Uebel, welches ihn plagte, war zu bös⸗ artig, als daß es vor Aethergeiſt und kölniſchem Waſſe wichen wäre.. „wie drän Emn. gewa mit an, 1 gen i Waſſe ſchwe mung ben; genon allein jetzt n in ſein loſen möglic dem th in zien S hatte. der in und be Fridolf läſſige wurde in eine Fridolf Aug Fridolf⸗ ſchien d ihm Fridolf zamilie n war, Wal⸗ wilde m und genblick enga⸗ ten un⸗ elm, er nd Cla⸗ ſie in Tanzes. eine Ei⸗ er ſeine t Jenny Jenny nzte, wie auf ihn, ar nicht horchte, lich ver⸗ lbefinden e Entfer⸗ u wollten fortlaſ⸗ Uebel zu zu bös⸗ aſſerℳ 4 143 Natürlicher Weiſe hörte nun jede Luſtbarkeit auf und Alle drängten ſich um den kranken Fridolf. Auch die gutherzige Emma bewies ihm viel Theilnahme. Als ſie ſeine Bläſſe gewahrte, vergaß ſie ſogleich ihren Widerwillen und redete ihn mit dem zärtlichen gefühlvollen Blick und der ſüßen Stimme an, wodurch ſie ſo unwiderſtehlich war. Als er auf ihre Fra⸗ gen über heftigen Kopfſchmerz klagte, ſtrich ſie ihm kölniſches Waſſer an die Schläfe und wetteiferte mit Henrietten in ſchweſterlicher Sorgſamkeit. In einer ruhigeren Gemüthsſtim⸗ mung würde dieſes Benehmen Emma's Fridolf entzückt ha⸗ ben; er würde ſich eingebildet haben, daß er durch ſeine an⸗ genommene Kälte die bisher unerweichliche Emma beſiegt habe; allein jetzt in ſeiner fixen Idee, daß ihr Wilhelm Alles gelte, jetzt während in Folge dieſer Idee die wüthendſte Eiferſucht in ſeinem Innern raſte, jetzt hielt er die Theilnahme des arg⸗ loſen Mädchens für bloße Verſtellung. Es war ihm nicht möglich, länger dazubleiben; er riß ſich faſt mit Gewalt aus dem theilnehmenden Kreiſe, eilte hinaus und befand ſich bald in ziemlicher Entfernung von dem Pfarrhauſe. Soviel hatte aber ſeine erheuchelte Krankheit doch gewirkt, daß ſie die heitere Stimmung des geſelligen Kreiſes zerſtört hatte. Henriette weinte bitterlich, denn ſie liebte ihren Bru⸗ der innig; ſie fürchtete, daß Fridolf ſchlimm erkranken möchte, und beruhigte ſich nicht eher, als bis ihr Friedrich verſprach, Fridolf noch an demſelben Abend zu beſuchen und ihr zuver⸗ läſſige Nachricht von ſeinem Befinden zu bringen. Jenny wurde an dieſem Abend nicht wieder geſehen; ſie ſaß einſam in einer entlegenen Kammer und weinte bitterlich darüber, daß Fridolf ſo krank war. Auch Wilhelm war verſtimmt.—„Wie glücklich iſt doch Fridolf“— flüſterte er mit gerunzelter Stirn Emma zu— „wie glücklich iſt doch Fridolf, daß er der Gegenſtand Eurer lichen Fürſorge iſt. Wie gern wollte ich krank ſein, um 144 von ſolchen Händen gehegt und gepflegt zu werden.“— Emma erröthete.—„Er litt ja ſo ſehr, der arme Menſch,“— ent⸗ gegnete ſie—„daß es jedem Menſchen zukam, ihn zu pflegen und zu warten.“— Allein Wilhelm behauptete, es ſei mehr als Mitleid geweſen, was ſie vermocht habe, ſich mit dem Kranken zu beſchäftigen; er fügte hinzu, daß er an Fridolfs Stelle fortwährend krank ſein würde, um für einen ſolchen Engel Gegenſtand der Theilnahme und Sorgfalt zu ſein. Emma erröthete noch mehr, und zwar aus Furcht, daß ſie ſich zu angelegentlich mit Fridolf beſchäftigt haben möchte. Und eben dieſes Erröthen beſtärkte Wilhelm in ſeinem Glauben, daß Fridolf für Emma nicht gleichgültig ſei; er ſeufzte und war den übrigen Theil des Abends hindurch ſtill und nach⸗ denkend. Unterdeſſen enteilte der arme Fridolf in vollem Galopp, um wo möglich ſeiner quälenden Eiferſucht zu entkommen, die ihn gleich einer Furie verfolgte. Als er nach Hauſe kam, fragte er mit Heftigkeit nach dem Inſpector; man ſagte ihm, derſelbe wäre in ſeinem Zimmer. Athemlos eilte er dahin und traf den alten Hilbert allein. Mit heftiger Bewegung erzählte er demſelben, daß Wilhelm Emma liebe und daß ſie dieſe Liebe jedenfalls erwiedere. Zugleich ſtellte er dem In⸗ ſpector vor, daß Wilhelm in mehreren Jahren noch keine Frau ernähren könne, während er, Fridolf, Emma ſofort, wenn auch nicht Wohlſtand, doch ein gemächliches unabhängiges Auskommen verſchaffen könne. Er hoffte, durch Ausdauer Emma's Kälte zu beſiegen, und beſchwor Hilbert, ſein Ver⸗ ſprechen zu halten. „Du biſt ein Narr, Fridolf,“— verſetzte der Alte kalt — wie oft ſoll ich Dir denn das Verſprechen wiederholen? — Habe ich denn jemals Etwas gebrochen, was ich verſpro⸗ chen habe?— Hier haſt Du meine Hand darauf, ſolltse Wilhelm Rosman noch ſo ſehr verliebt in Emma ſein, niß 3 uma ent⸗ legen mehr dem dolfs olchen ſein. ß ſie . Und auben, te und nach⸗ Halopp, een, die e kam, te ihm, dahin wegung daß ſie ſem In⸗ ne Frau , wenn hängiges usdauer in Ver⸗ Allte kalt erholen? fein, n verſpro⸗k flte-Auh ſoll er ſie bekommen; ich habe den Burſchen nie leiden mö⸗ gen.— Etwas beruhigter durch die Worte des Greiſes eilte Fri⸗ dolf auf ſein Zimmer und blieb daſelbſt bis zum folgenden Morgen, ohne hinunter zu gehen und zu Abend zu eſſen. Gegen neun Uhr kam Friedrich Rosman zu ihm, um ſich nach ſeinem Befinden zu erkundigen, entfernte ſich aber ſehr bald wieder, um Henriette zu beruhigen, als ihm Fridolf ver⸗ ſicherte, daß er ſich weit beſſer befände. Doch nahm ſich Fri⸗ dolf vor, künftig vernünftiger zu ſein und ſeiner Heftigkeit Zügel anzulegen. Endlich hatte denn die geſchäftige Fama auch Eduard da⸗ von unterrichtet, daß Emma die ganze Woche im Pfarrhauſe zubringen würde. Jeden Tag ſuchte er nun eine Gelegen⸗ heit, ſich unbemerkt und ſo daß Niemand von ſeinen Um⸗ gebungen etwas davon erfuhr, in das Pfarrhaus zu ſchleichen, aber jeden Tag wurde er daran gehindert, weil ihn ſeine El⸗ tern keine Stunde von der Seite des Baron Ker und deſſen bleiben beabſichtigten— wegließen. Erſt am Freitag Nach⸗ mittag ſah ſich Eduard einmal allein und benutzte die Zeit, um einen Spaziergang zu machen und dabei die Pfarre zu be⸗ ſuchen, in der er jedoch keineswegs lange zu verweilen gedachte. Als er ins Pfarrhaus kam, wurde er mit allgemeiner Freude empfangen und dringend gebeten, den ganzen Nachmit⸗ tag dazubleiben. Er dankte dafür und machte die Unmöglich⸗ keit eines längeren Verweilens bemerklich, indem er verſicherte, daß er Niemand im Schloſſe geſagt, wohin er ſeinen Weg ge⸗ nommen hätte. Aber doch zögerte er gern und unterhielt ſich angelegentlich mit der fröhlichen Jugend; zehn Mal ergriff er ſeinen Hut, und zehn Mal legte er denſelben wieder weg. Ein einziger Blick auf Emma hielt ihn endlich feſt und er beſchloß, dazubleiben. Um den Grafen zu ergötzen, ſchlug die Pfar⸗ 19 Emma'’s Herz. I. rerin eine Fahrt auf dem See vor, und Alle nahmen den Vor⸗ ſchlag mit Freuden auf. Zwei allerliebſte nette Schaluppen wurden bis an die Gartenbrücke gerudert, die Geſellſchaft ſetzte ſich ein und die Fahrzeuge wurden nach einer Inſel gerichtet, die weit in dem ruhigen ſpiegelklaren See lag. Flöte, Gui⸗ tarre, Waldhorn und Clarinette waren von der muſikaliſchen Familie mitgenommen worden, und bedachtſam hatte Wilhelm auch Emma'’s Laute mitgebracht, die ſchon am Montage in das Pfarrhaus geholt worden war. Man ſpielte und ſang, man ſcherzte, lachte und war ungemein heiter; aber Niemand war glücklicher als Eduard. Seine Blicke folgten der ſchönen Emma unaufhörlich, er ſang Duetts mit ihr, drückte ihr dann und wann die Hand und vergaß darüber ſeinen Vorſatz, ſie zu fliehen; vergaß alle ſeinem Glück hindernd entgegen treten⸗ den Geſellſchafts⸗ und Verwandtſchaftsverhältniſſe— kurz die ganze Welt. Ein hinreichender Vorrath von Erfriſchungen war mitgenommen worden, und da der Abend einer der ſchönſten war, den man ſich denken konnte, ſo wurde das Abendeſſen im Freien auf der Inſel eingenommen. Die Paſtorin bat den Grafen wegen des einfachen Mahls um Entſchuldigung, aber ihm erſchien daſſelbe wie ein Göttermahl, ſo unſäglich glück⸗ lich fühlte er ſich an dieſem Abend. Es war ſchon ſpät, als die frohe Schaar an den Rückweg dachte, denn der Pfarrer war nach Norrköping gereiſt und wurde erſt am folgenden Abend zurückerwartet; deshalb glaubten die jungen Leute— vorzüglich da die Pfarrerin mit anweſend war— daß ſie mit der Heimkehr nicht ſo pünktlich zu ſein brauchten. Aber die gute Pfarrerin fing bald an, ſich um die Gräſin zu ängſtigen, denn ſie ſtellte ſich die Angſt der Mutter vor, wenn man ihren einzigen lieben Sohn überall vergebens ſuchen würde. Meh⸗ rere Male erinnerte ſie an die Rückreiſe, aber Alle baten ſie, noch eine Weile bleiben zu dürfen; und Eduard war derjenige, der am meiſten für das Zurückbleiben auf der ſchönen Inſet I⸗ ſtimmte. Endlich war Mitternacht nahe, da bemerkte die Pfar⸗ den rerin, um den vergeßlichen Eduard mit Höflichkeit an ſeine tzte Pflicht zu erinnern!—„Aber die Frau Gräfin iſt wohl da⸗ tet, von unterrichtet, daß wir heute die Ehre haben, den Herrn ui⸗ Grafen bei uns zu ſehen?“—„Nein, mein Gott, das weiß hen ſie nicht!“— rief Eduard wie aus einem Traum erwachend, elm—„ich habe keinem Menſchen geſagt, wohin ich ging und in Niemand hat mich aus dem Hauſe weggehen ſehen. Ach, meine ing, arme Mama, ſie wird gewiß recht unruhig um meinetwillen and. ſein! Dank, gute Frau Paſtorin, daß Sie mich daran erin⸗ znen nert haben— o, laſſen Sie uns zurückeilen.“— Kaum hatte dann 4 er ausgeſprochen, ſo ſprang er in eine der beiden Schaluppen. ſie Die kleine Alfonſine, der Pfarrerin jüngſtes Kind, ſieben Jahr eten⸗ alt, lief in dieſem Augenblick noch auf der Inſel herum und die pflückte Blumen. Eduard war ein großer Kinderfreund und war 3 liebte vorzugsweiſe dieſes Kind, das ungewöhnlich ſchön, klug nſten und liebenswürdig war. So oft er in der Pfarre war, be⸗ in im ſchäftigte er ſich mit Alfonſine, ſchenkte ihr Bilder und Spiel⸗ den zeug und feſſelte dadurch das Kind ungemein an ſich. Es liebte aber den Grafen über alle Beſchreibung und jubelte ihm laut ent⸗ glück⸗ gegen, ſo oft es ihn von Weitem erblickte. Kaum ſah es jetzt , als den Grafen in die Schaluppe ſpringen, ſo rief es:—„Warte, arrer Graf, ich komme auch mit!“— und eilte ihm mit ausge⸗ enden ſtreckten Armen und fliegenden Locken nach. Aber in ſeiner te— Haſt trat das Kind fehl und ſtürzte in den See. Mit lau⸗ e mit tem Geſchrei eilten Alle ans Ufer und Friedrich, der ein guter r die Schwimmer war, ſprang ſogleich in den See, um ſeine kleine tigen, † Schweſter, den Liebling der ganzen Familie, zu retten. Aber ihren Eduard war ihm ſchon zuvorgekommen und mit der Schnel⸗ Meh⸗ ligkeit eines Pfeiles ins Waſſer geſprungen. Das Kind war⸗ n ſie, ſogleich auf den Grund des zum Glück nicht allzutiefen— jemge, See's geſunken, Eduard und Friedrich tauchten Beide unter Inſe das Waſſer, und der Erſtere war glücklich genug, das Kind 148 ſogleich zu finden; nach einigen Sekunden tauchte er mit dem Kind im Arme empor und Friedrich folgte ihm gleich darauf nach. Die Pfarrerin war ohnmächtig niedergeſunken, als ſie in einem und demſelben Augenblick zwei ihrer Kinder in der Tiefe des See's ſah. Man kann ſich denken, welcher Jammer in dieſem Augenblick auf der Inſel herrſchte und wie ſich derſelbe ſchnell in Freude umwandelte, als man das Kind und die bei⸗ den muthigen Schwimmer gerettet am Ufer erblickte. Man bemühte ſich zunächſt, die Pfarrerin ins Leben zurückzurufen; und als ſie endlich die Augen öffnete, legte man ihr das ge⸗ rettete Kind in die Arme und ſagte ihr, daß ſie dem Grafen für die Rettung deſſelben zu danken habe. Mit einem Gefühl, das nur eine Mutter zu faſſen vermag, drückte ſie das ge⸗ rettete Kind an ihr Herz und ſank damit zu Eduards Füßen, indem ſie die Hand gen Himmel hob und nur die Worte ſprach:—„Dort Ihre Belohnung!“— CEduard hob ſie empor und theilte ihr mit, daß Friedrich gleichen Antheil an Alfonſine’s Rettung habe und er ſelbſt nur mehr vom Glück begünſtigt worden ſei. Da fiel die Pfarrerin ihren Sohn weinend um den Hals. Die kleine Alfonſine weinte ohne Aufhören, denn der Schreck hatte ſie ſehr erſchüttert und Wilhelm fürchtete, daß dem kal⸗ ten Bad eine Krankheit folgen könnte. Man wickelte das Kind in einen Mantel und beſchleunigte den Heimweg, ſo ſehr man konnte, weil Jeder der Anweſenden nach dem heftigen Schreck das Bedürfniß nach Ruhe fühlte. Aber noch dauerte es lange, ehe Eduard zu ſeinen Eltern zurückkehren konnte, denn ſeine Kleider waren ganz durchnäßt und die Pfarrerin fürchtete ſo⸗ wohl für ſeine, als für ihres Sohnes Geſundheit; enn die Nacht war kühl und das Waſſer ungewöhnlich kalt. Sobald man in das Pfarrhaus gekommen war, eilten die Herren mit Eduard auf ihr Zimmer, wo ſie dem Letzteren † em auf in iefe in elbe bei⸗ Nan fen; ge⸗ afen fühl, ge⸗ üßen, Vorte b ſie il an Glück Sohn ſchreck kal⸗ Kind man chreck lange, ſeine te ſo⸗ u die en die tzteren — 2 —— 9. Kleider von dem Magiſter Ars, der mit ihm von gleicher Größe war, aufdrungen. Dann eilte der Graf, ſo ſchnell er konnte, durch den Pfarrgarten und begab ſich auf den Heimweg, ohne Abſchied von den Damen zu nehmen. Denn er wollte allen weiteren Dankſagungen entgehen. Wie ſtieg durch ſeine muthige menſchenfreundliche That in Emma's Augen ſein Werth! Wie groß war ihr Genuß, ſein Lob von der ganzen Familie preiſen zu hören! Glücklich war ſie den ganzen Nachmittag hindurch in ſeiner Geſellſchaft ge⸗ weſen; und glücklich in der Erinnerung an ihn, begab ſie ſich zur Ruhe und träumte von ihm. Unterdeſſen war im gräflichen Schloſſe, ſeitdem man Eduard vermißt und mehrere Stunden vergebens nach ihm geſucht hatte, eine entſetzliche Unruhe entſtanden. Niemand hatte die geringſte Ahnung davon, wohin der Graf den Weg genommen hatte; vergebens wurde überall in dem Bezirke des Hammer⸗ werks nach ihm gefragt. Die Gräfin war ganz untröſtlich als der Abend anbrach, ohne daß ihr Sohn zurückkehrte; und als Mitternacht vorüber war, ohne daß Jemand etwas über den jungen Grafen gehört hatte, gerieth ſie in Verzweiflung. Eine Menge Menſchen waren ausgeſchickt, um nach Eduard zu ſtreifen; Boten wurden zu allen Honoratioren der Nach⸗ barſchaft, welche Eduard zu beſuchen pflegte— natürlich auch zu der Pfarrerfamilie geſandt; aber bei der letztern antworte⸗ ten die Dienſtleute, die Herrſchaft wäre nicht daheim. Von Eduard wußten ſie Nichts, denn Niemand von ihnen hatte den⸗ ſelben kommen oder die Geſellſchaft in die Schaluppe ſteigen ſehen. Endlich kam der Vermißte heim. Welche Freude! Die Grafin fiel ihm an die Bruſt und weinte, ohne ein Wort ſprechen machte ihm Vorwürfe über ſein langes Außenbleiben und über ſein plötzliches und heimliches Verſchwinden, indem er ihn zu⸗ gleich fragte, wo er geweſen ſei. In einiger Verlegenheit er⸗ zählte nun Eduard, daß er eine Waſſerparthie mit der Familie des Pfarrers gemacht habe; allein er erwähnte nichts von dem Unglücksfall der kleinen Alfonſine. Fräulein Louiſe ward bleich, wie eine Leiche, als ſie hörte, daß Eduard im Pfarrhauſe ge⸗ weſen war; denn ſie wußte, daß ſich Emma jetzt daſelbſt auf⸗ hielt. Sie war es, die zuerſt einen Boten in die Pfarre ge⸗ ſchickt hatte, weil ſie ahnte, daß Eduard dort ſei; allein ſie hatte ſich beruhigt, als der Bote mit der Antwort zurückkam, daß Eduard nicht in der Pfarre geſehen worden. Als ſie aber jetzt vernahm, daß er dennoch dort geweſen ſei und ſich der⸗ maßen amüſirt habe, daß er den Lauf der Zeit ganz vergeſſen, da konnte ſie ihre Beſtürzung kaum verbergen. Bereits an dem Sonntag, an welchem ſie mit Emma auf der Pfarre zu⸗ ſammengeweſen war, hatte ſie den Eindruck bemerkt, den die⸗ ſelbe auf den Grafen gemacht hatte; und durch ſein verlegnes Geſicht, als der alte Graf vor einigen Tagen bei Tiſche von ihr geſprochen hatte, war Louiſens Argwohn nicht wenig ver⸗ mehrt worden. Nicht etwa, daß ihr die Inſpectorstochter in Bezug auf Eduards Vermählung als eine gefährliche Neben⸗ buhlerin erſchien, nein; aber ſie wollte nicht blos Eduards Hand, ſie wollte auch ſein Herz beſitzen; und in dieſer Hinſicht war ihr Emma ein Dorn im Auge. „Ich habe Nichts dagegen“— ſprach der alte Graf zu ſeinem Sohn—„daß Du dann und wann die guten Paſtors⸗ leute beſuchſt; aber wenn wir fremden Beſuch haben, könnteſt Du wohl im Hauſe bleiben, denn es iſt weit weniger lebhaft, wenn Du nicht da biſt.“— 3 Eduard entſchuldigte ſich artig bei dem Baron Kir un ſeiner Schweſter Julie⸗Louiſe, und man begab ſich zur Ruh —— Am andern Abend erfuhr man aber in der gräflichen Familt u —p 14 eich, ge⸗ auf⸗ ge⸗ ſie kam, aber der⸗ eſſen, 3 an 2 zu⸗ die⸗ tgnes von ver⸗ er in eben⸗ ards inſicht af zu ſtors⸗ unteſt bhaft, unmt Ruhen amilt 151 durch das Gerücht, daß Eduard die jüngſte Tochter des Pfar⸗ rers aus dem Waſſer gerettet hatte. Die Gräfin, welche mit den Uebrigen dieſe aufopfernde Handlung ihres Sohnes rühmte, dankte Gott, daß ſie in der vergangenen Nacht während Eduards Abweſenheit Nichts davon gewußt hatte, denn ſie würde ſonſt für ſein Leben oder ſeine Geſundheit gefürchtet haben, wäh⸗ rend ſie jetzt Eduard friſch und geſund vor ſich ſah und alſo keine Beſorgniß zu hegen brauchte. Die Zeit für Emma's Anweſenheit im Pfarrhauſe war nun vorüber; es war bereits Montag und ſie mußte von der Rosman'ſchen Familie ſcheiden. Die kleine Alfonſine war nach ihrem kalten Bade nicht krank geworden und Emma küßte beim Abſchied mit zweifacher Zärtlichkeit dieſes ſchöne liebens⸗ würdige Kind, welches ihr faſt noch theurer, als früher gewor⸗ den war, ſeitdem Eduard es gerettet hatte. Mit innigem, obwohl geheimem Wohlbehagen hörte ſie Alle von dem Edel⸗ muth und der Menſchenfreundlichkeit des jungen Grafen ſpre⸗ chen; mit Rührung vernahm ſie, wie der Pfarrer, als er nach ſeiner Rückkehr die Gefahr und Rettung ſeines Kindes erfuhr, gerührt verſicherte, daß er an keinem Tage vergeſſen würde, den Grafen Eduard dankend in ſein Gebet einzuſchließen. Als Emma nach Hauſe kam, wurde ſie von ihren Eltern freundlich empfangen; allein Tante Gertrud war bei völlig ſchlechter Laune und Fridolf benahm ſich noch kälter, als frü⸗ her. Emma fand daher ihr elterliches Haus faſt unerträg⸗ lich. Sie ſetzte ſich an den Webſtuhl, um mit Eifer an ihrem Gewebe zu arbeiten, welches ſie noch vor Johannis— das am Schluſſe der laufenden Woche fiel— fertig haben wollte. Allein ihre Arbeit wurde ſchlecht; das Weben ging ſehr übel, eine Menge Fäden gingen gleichzeitig auseinander, und kaum hatte ſie dieſelben in Ordnung gebracht, ſo zerriſſen wieder —ere. Die Einſamkeit, das ſchlechte Gewebe, Tante Ger⸗ 8- zruds ſchlechte Laune, die Sehnſucht nach dem heitern Leben in — — 1— der Pfarre— Alles vereinigte ſich, ihr dieſen Vormittag zu einem der längſten und unangenehmſten zu machen, den ſie je⸗ mals erlebt hatte. Der Mittag kam. Der alte Hilbert war zornig und 5 8 zankte ſeine Frau aus, weil ſie vergeſſen hatte, Etwas zu dns thun, das er ihr am Vormittag aufgetragen hatte. Die In⸗ P ſpectorin weinte, und Emma's Augen wurden ebenfalls feucht, 3 als ſie die Betrübniß ihrer Mutter ſah. Als das Mittag⸗ Sn eſſen vorüber war, folgte Emma ihrer Mutter in deren Schlaf⸗ wiütr zimmer, welches den gewöhnlichen Wohnzimmern fern lag. In dieſes pflegte ſich Frau Hilbert ſtets zu verſchließen, wenn ſie jein betrübt war. Getröſtet durch die Theilnahme und durch die ein zärtlichen Liebkoſungen der Tochter, hörte ſie jedoch bald auf Ena zu weinen.—„Gott ſegne Dich, mein gutes Kind“— ſprach Und ſie und drückte Emma an ihr Herz.—„Gott mache Dich ſo darn glücklich, wie ich wünſche, und laſſe Dich nie erfahren, was ich ¹ unge ſo viele Jahre hindurch erfahren habe.— 1 ſ chln Da nahm Emma Gelegenheit, ihre Mutter um Beiſtand Maor zu bitten und ſie anzuflehen, ihre Tochter von dem Unglück der zu retten, Fridolfs Gattin zu werden, wenn derſelbe auf ſei die 2 nem Vorſatz behgrren und ſich auf das Verſprechen ihres Va⸗ den ters ſtützen ſollte. er u Die Mutter verſprach, Alles, was in ihren Kräften ſtand, d zu thun, um ihren Mann zu überreden, von dem gefaßten freute Entſchluſſe abzuſtehen; allein ſie erwartete keinen großen Er⸗ ſie fü folg davon, denn wenn ſich ihr Mann einmal Etwas vorge⸗ ben nommen hatte, ſo ließ er ſich ſelten oder nie wieder davon ab⸗ 1 bringen. Selten war er bei ſo guter Laune, daß ſeine Frau Eifer ihm nur eine Einwendung zu machen wagte; und that ſie dies, die g. ſo wurde ſie gewiß nicht beachtet. aℳ ſt Am Abend dieſes Tages ging Emma im Park unweit ih ſchift rer elterlichen Wohnung ſpazieren; da ſand ſie in den Staum Arg einer Linde den Namen Emma⸗ eingeſchnitten. In der 8. ſch t zu h⸗ ind zu In⸗ iccht, ag⸗ laf⸗ In ſie die auf vrach ich ſo s ich ſtand iglück f ſei⸗ 6 Va⸗ ſtand, aßten Er⸗ borge⸗ n ab⸗ Frau dies, eit ih⸗ Iert n der melancholiſchen Stimmung, in welcher ſie ſich eben befand, holte ſie ſich ein Federmeſſer und ſchnitt die Worte:—„Vergiß mich!“— unter dieſen Namen, denn ſie zweifelte nicht, daß Eduard ihren Namen in den Baum geſchnitten hatte. Und obwohl ſie ſich am Freitag durch Eduards Gegenwart in der Pfarre und durch alle Beweiſe von Liebe, die er ihr gab, ſehr glücklich gefühlt hatte, ſo hatte doch der trübe Montag ihre Stimmung ſo geändert, daß ſie ſich wirklich von ihm vergeſſen wünſchte. Als Fridolf ſpäter Abends vom Hammer zurückkehrte und ſeinen Weg durch den Park nahm, bemerkte er die in die Linde eingeſchnittenen Worte. Sogleich fiel ihm ein, daß der Name Emma's von Niemand, als von Wilhelm herrühren könnte. Und daß Emma ſelbſt die Worte:—„Vergiß mich!— darunter geſchrieben hatte, deſſen war er ſo gewiß, daß er ſich ungemein darüber freute. Ruhiger als gewöhnlich ging er ſchlafen. Allein er erſtaunte nicht wenig, am folgenden Morgen, als er wieder durch den Park ging und den Stamm der Linde betrachtete, unter den Worten„Vergiß mich!’— die Worte:—„Ich kann nicht.— eingeſchnitten zu ſin⸗ den. Verdrüßlich über Wilhelms vermeinte Hartnäckigkeit ſchnitt er unter die Worte:„Ich kann nicht.⸗— die Worte:— „Du mußt!“— ein, ſetzte ſeinen Weg zufrieden fort und freute ſich, daß Wilhelm, wenn er die letzten Worte leſen würde, ſie für Emma's Willensäußerung halten und unwillkürlich glau⸗ ben müſſe, Emma wolle nichts mehr von ihm wiſſen. Wilhelm wußte jedoch nicht das Geringſte von Fridolfs Eiferſucht und zunehmenden Haß gegen ihn oder von den in die Linde eingeſchnittenen Worten. Aber Emma's Erſtaunen, alh ſie wieder an die Linde kam und die beiden letzten In⸗ ſchiften fand, läßt ſich leicht denken. Daß Eduard unter ihr Vrgiß mich!— die Worte— Ich kann nicht. einge ſchatten hatte, bezweifelte ſie nicht; wer ihr aber ſo dienſtfertig —— 154 zuvorgekommen war und das verdrüßliche:—„Du mußt!“ — in den Baum geſchnitten hatte, konnte ſie anfangs nicht begreifen. Erſt ſpäter kam ihr die Vermuthung bei, daß Nie⸗ mand als Fridolf ſich dieſe Mühe genommen haben könnte. Doch war ſie bei ſich nicht recht einig, ob ſie dieſe Worte wegſchneiden oder ſtehen laſſen ſollte. Sie beſchloß endlich das Letztere, um Fridolf keinen neuen Anlaß zu der Vermuthung zu geben, daß ſie einen Andern liebe. Nur Eduards wegen wollte ſie Pridolf allen Argwohn benehmen; denn daß der Letztere eiferſüchtig auf Wilhelm war, davon hatte ſie nicht die geringſte Ahnung. Ende des erſten Theils. + Druck von C. G. Naumann in Leipzig. — faſt 1 Carle ſchein dräng D deutlich Bei Chr. E. Kollmann in Leipzig erjcheinen demnächſt in Format und Ausſtattung an die dritke Auflage von ve Emma's Herz von Emilie Flygare⸗Carlén 8 ſich anſchließend: 1 dee Sophie, Gräfin von Knorring t die 27 ſämmtliche Romane. Aus dem Schwediſchen überſetzt von 4 . Carl Eichel. .— 8— 1. In Lieferungen à 10 Ngr. Schillerformat. Gräfin Sophie Knorring hat ſich durch ihre Schriften 3 faſt noch größere Beliebtheit errungen als Emilie Flygare⸗ Carlén; wenngleich Erſtere durch das Aufhören weiterer Er⸗ ſcheinungen durch Letztere ſcheinbar in den Hintergrund ge⸗ drängt worden iſt. Der Verkauf nicht unbedeutender erſter Auflagen beweiſt deutlich genug, daß die Romane der Gräſin Sophie von Knorring einer allgemeinen Aufmerkſamkeit ſich zu erfreuen gehabt haben. Wenn der hohe Preis der erſten Auflage einer allgemei⸗ teven Verbreitung hindernd im Wege geſtanden iſt, ſo glaubt der Verleger mit dieſer neuen Ausgabe von 4 Sophie, Gräſin Knorring's ſämmtlichen Romanen 1 dieſe ſelbſt der minder begüterten Claſſe des gebildeten 7 Publikums zugänglich gemacht zu haben. Vorläufig ſind nur die nachfolgend namentlich aufgeführ⸗ ten, in Chr. E. Kollmann'’s Verlage größtentheils bereits„ früher erſchienenen und zumeiſt vergriffenen Romane für dieſe neue Ausgabe beſtimmt worden; ſollte jedoch, was nicht 3 zu bezweifeln ſteht, die Theilnahme an der Subſcription den gerechten Erwartungen entſprechen, ſo werden auch die anonum herausgegebenen weiteren(in demſelben Verlage bereits erſchie⸗ nenen und vergriffenen) Romane in dieſer Ausgabe nachfol⸗ 1 gen. Die vorläufig den Druckereien übergebenen Romane heißen: Axel. 3 Bde. Die Couſinen. 3 Bde. St. Evremont. 3 Bde. Die Frauen. 2 Bde. Die Freunde. 2 Bde. Marte Gellert. 2 Bde. Der Häusler und ſeine Umgebung. Schilderung aus dem Volksleben. 2 Bde. Hoffnungen. 5 Bvove. Roſa und Reſede. 2 Bde. Skizzen. 2 Bde. Skizzen. Zweite Sammlung. 2 Bände. Standesunterſchiede. 2 Bde. Tante Lisbeths neunzehntes Teſtament. chungen. 2 Bode. 1 ubt f—2 7 h bmae⸗ Aads ⸗=ien eten 1 ühr⸗ reits 5 dieſee nicht den onyn. rſchie: achfol 2 heißen: lderung —