deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von. Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Jeih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 4 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. v 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe 8* hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und 1 beträgt: 3 3 3 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 8—————— 1 auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 2 2 4. „ 3„ 2„—„ 3„=„—„ 8 5. Auswärtige Abonnenten haben für H ⸗ und Zurü der Bücher auf ihre eigenen Koſten und C fahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Der Doge Francesco Foscari. Jacob Foscari, sein Sohn. Loredano, ein Patricier. Marco Memmo, Chef der aVierzig“. Barbarigo, Senator. Andere Senatoren, Mitglieder des Raths der Zehn", Machen, Diener. Marina, Gemahlin des jungen Foscari. Die Scene ist: der herzogliche Pallast szu Venedig. Die Zeit: das Jahr 1457. 2————— A* Erster Act. Ein Saal im herzsoglichen Pallast. Loredano und Barbarigo. Loredano. Wo habt Ihr den Gefangenen ⁵ Barbarigo. Er ruht Vom gestrigen Verhör! Loredano. Die Stunde ist Vorüber, die zum Fortgang des Processes Erst gestern ward bestimmt. Lafst uns hinein— Die Procedur betreiben— Barbarigo. O, lafst ihn Vielmehr für seine kranken Glieder noch Der kurzen Rast sich freun. Zu mächtig griff Das gestrige Verhör ihn an: er stirbt, Wenn Ihr es jetzt schon wiederholt.. Loredano. Und dann? Barbarigo. Ich weich' Euch wahrlich nicht in Liebe der Gerechtigkeit, noch selbst in tiefem Haſs Der ehrbegier'’gen Foscari, des Sohns, Des Vaters, und des ganzen frevelnden Geschlechts. Doch der Unselige, er hat Gelitten, seht, was auch die stoischste Natur nicht kann. Toredano. Doch ohne zu gestehn!— Barbarigo. Und ohne Schuld vielleicht! Indefs, der Brief An Mailands Herzog ward ja eingeräumt, Und seiner Qualen Gluth entschuldigt wohl Die Schwachheit... Loredano. Nun, wir werden schn..? 11 Barbarigo. Ihr treibt Den Euch vererbten Haſs zu weit!— Loredano. Wie weit? Barbarigo. Bis zur Vernichtung! Loredano. Seht, wenn sie vernichtet, Dann mögt Ihr's sagen. Fort— laſst uns zum Rath. Barbarigo. Verzichet noch. Die Zahl ist noch nicht voll, Zwey fehlen noch, Pevor die Sitzung oſfen. Lonedano. Und unser Vorstand— wier der Doge? Bar'barigo. Er,— Mit mehr als eines KRömers fester Stirn, 3 Er ist, Ihr wifst, der Erste stets im Rath Bey diesem unglückseligen Proceſs, In den sein letzter, einz'ger Sohn verfiel. 4 ZLoredano. Wahr— wahr.. sein letzter ist's... Barbarigo. Ha, rührt's Euch nicht? Loredano. Fühlt er'’'s— meint Ihr? Barbarigo. Er zeigt es nicht! Loredano. Das sah Auch ich.. der Elende! Barbarigo. Doch gestern, hör' Ich, fiel der alte Mann, da er zurück In seine Zimmer trat, noch auf der Schwelle In Ohnmacht. Loredano. Ha, so wirkt's! Barbarigo. Das Werk ist Euer Zur Hälfte.. Loredano. Ja, und sollte ganz es seyn. Mein Vater und mein Oheim sind nicht mehr. chtb sah lle Luer icht Bar'dbarigo. ich las auf ihrem Grabstein, dafs an Gift Sie hingeschieden... Lonedano- Seht— der Doge sprach: „Es ist umsonst! Ich glaube mich nicht Herr, „S0 lange Pietro Loredano lebt.“* Drauf schwanden beyde Brüder schnell hinweg, Und er ist Herr! Bardbarigo. Ein thränenwerther! Loredano. Sprecht, Was sollen die seyn, welche Waisen machen? Barbarigo. Doch machte dazu Euch der Doge f Loredano. Ja! Barbarigo. Habt Ihr glaubwürd'ge Proben denn dafür? Lonredano- Wenn Fürsten heimlich an das Werk sich geben, Was wird aus Proben und Proceſs alsdann? Doch solche Proben hab' ich, die Verhör Und Procedur unnöthig machen— seht! 14 Barbarigo. Ihr werdet doch nur nach dem Recht verfahren? Loredano. Nach so viel Recht, als er uns übrig liefs! Baròbarigo. Das ist, Ihr wiſst, bey uns von solcher Art, Daſs die Vergeltung leichter wird, als sonst Bey andern Völkern!— Sagt, ist's wahr, dafs Ihr In Euren Handlungsbüchern, die auch Ihr, Wie alle Edlen dieses Freystaats, führt, Vermerkt:«Der Doge Foscari, verschuldet Für Marco's und Pictro's, meines Vaters Und meines Oheims Tod an mich!».. 1 Loredano. 1 So steht's( Vermerkt! 1 Barbarigo. Und wollt Ihr diese Post nicht löschen? Loredano.„ Wenn sie bezahlt!.. Barbarigo. Und wie? (Zwey Senalonen gehn durch den Vorsaal in die Halle der Zehn.) 15 Loredano. Ihr seht, die Zahl Ist voll! Folgt mir! (Seht.) Barbarlgo(allein). Dir folgen? Nein! Ich bin Zu lange dem Verwüstungspfade schon Gefolgt, den du mich führst, wie eine Woge, Der, vor ihr, folgt, so Kiel als Mast ver- schlingend, Die vor dem Sturme brachen, sammit dem Armen, Der in dem Wrack um Hülfe ruft, indefs Die tauben Fluthen durch die Ribben dringen! Doch dieser Sohn und dieser Vater möchten Die Elemente selbst zum Frieden zwingen! O dafs ich grausam vorwärts muſs, wie sie, Und doch nicht vorwurfslos und blind es kann, Wie sie!— Doch still, wer kommt? Er ist's! O schweig, Mein Herz!.. Dein Feind ist's, mufs dein Opfer seyn! Willst du für die— die dich gebrochen?— schlagen P 16 Jacob Foscari, geſangen, zwischen Machen. Barbarigo. Ein Wächtern. Lafst ihn! Herr, nehmt Euch Zeit! Jacob Foscari. Ich dank' Euch, Freund! Ich bin, Ihr seht's, gar schwach— doch stellt W Ihr Euch Mei Dem Tadel auch nicht blos? L G Wächter. Ich wag's darauf. Des 1 1 Foscari. 0, Ihr seyd gut! Ich finde Mitleid— Coit W. Doch Gnade?! O!— Es ist das Erstemal! Wächter. Und möchte wohl das letzte seyn, wenn die, 8e Die herrschen, so uns säh'n! L Barbarigo(wortretend). Ihr seyd gesehn, Un Doch fürchtet nicht: ich will nicht Richter Euch, La Noch Kläger seyn. Ist auch die Stunde da— Da So harret ihres letzten Winkes doch. U chen. eund! stellt rauf. gott! nal! die, hn, Euch, da— 17 Ich selbst bin von den Zehn, und mein Verweilen Rechtfertigt Euch. Beym Schall des letzten Rufs Geht Ihr mit mir hinein! Seht wohl indefs Auf den Gefangenen! Foscari. Ha, welche Stimme? Wie? Barbarigo? Unsres Hauses Feind? Mein Richter! Barbarigo. Wiegt des Feindes Stimme, nicht Des Vaters, unter Deinen Richtern, auf? Foscari. Wahr ist's— er richtet mich! Barbarigo. So klage das Gesetz der Grausamkeit nicht an, das nachsieht, Daſs Dir ein Vater seine Stimme gibt In Dingen, die des Staates Heil betreffen. Foscani. Und seines Sohns! Genug! O ich bin schwach, Lafst mich— ich bitte Euch, an jenes Fenster, Das Eure Wasser überschaut, lafst mich— Um einen Hauch der Luft! 121. B (Ein Oficier naht und spricht leise zu Bar⸗ barigo. Barbarigo(zur M ache). Lafst ihn dorthin: Ich darf nicht länger weilen. Die Gränzen meiner Pflicht verboten mir Den kurzen Zwiesprach selbst, ich fehlte, und Ich habe gut zu machen— drum hinein! (geht.) (Foscari wird zum Fenster geführt.) Wächtern. Hier, Herr,'s ist offen; sprecht, wie fühlt Ihr Euch! Foscari. O, wie ein Kind!— O, mein Venedig! O! MWächlter. Und Eure armen Glieder 5 Foscari. Glieder?— Ja, Wie oft, dort über jene blaue Fluth, Wie trugen sie mich hin, wenn ich, ein Knab', Im kind'’schen Spiel, geschmückt als Gondelier, Mit meinen fröhlichen Genossen, hin Die Barke hüpfend trieb, stolz meiner Kraft t Ihr 0! 19 Im Wettkampf; und ein zahllos dichtes Volk Schönheit gedrängt an Schönheit, lohnte uns Patricier und Volk, mit seinem Lächeln, Begleitete mit halbgehörten Wünschen, Und mit der Tücher Wehn, mit lautem Klatschen Die jugendlichen Kämpfer bis ans Ziel!— Wie oft mit stärkerm Arm, mit kühn'rer Brust, Hab' ich die rauh're Welle dann gespalten, Zurück mit eines Schwimmers starker Hand Vom nassen Haar die dreuste Welle schleu- dernd, Von meiner Iippe weg die Woge lächelnd, Die sie gleich einem Becher Weins gekiſst, Vom Schlag der Wellen luftig hoch gehoben, Und stolzer stets, je höher sie mich trugen.— Oft auch im jugendlichen Uebermutk, Tief niedertauchend, Kühn in ihrem grünen Und glas'’gen Busen, und mir Bahn erzwingend Zu Muscheln und zu Seegras, ungesehn Von denen über mir, bis ich zurück Gerufen dann von ihrer Furcht, empor In meiner Hand die Zeichen trug, daſs ich Der. Woge tiefsten Busen aufgesucht: Dann sprang ich wohl empor mit einem Schlag, Der weit umher erscholl, und zog den lang Zurückgehaltnen Athem mir herauf Aus tiefer Brust, bis ich den Schaum von neuem 2 Rings von mir stiefs, und einem Secaar gleich, Dahin durch Fluthen schofs!— Ich war ein Knab'! Wächter. seyd jetzt ein Mann; Ihr brauchtet niemals mehr Des Mannes Stärke, denn zu dieser Frist.— Foscari(über das Gitter gebeugt). O schöne einz'ge Welt— o mein Venedig! Das ist ein Hauch! Dein Athem ist’s, ja, a— Dein Athem, Adria!— O wie er mir Die Stirn umspielt! Verwandt ist meinen Adern Dein Wind, der Ruhe fächelt in mein Blut!— Wie ungleich, o, dem schwülen Wehn, auf den Entsetzlichen Cycladen, wie's um mein Gefängniſs heult' in Candia, und— ach, Mich krank am Herzen machte. Mächtern. Seht, das Blut Steigt ja in Eure Wang' empor! Cott geb- Euch Kraft zu tragen, was Euch bleibt! Mir graus t „ Daran zu denken, 8= BEAE ich, ein Foscari. Sag', sie werden doch Nicht wieder mich verbannen? Nein, o nein! Dann lafs sie ziehen, zerren— sieh, ich bin Noch stark! MW ächter. Gesteht, und Ihr entgeht der Qual! Foscari. O, ich gestand einmal— zweymal— und sieh, Sie haben beyde Male mich verbannt! W ächten. Zum dritten Male bringen sie Euch um! Foscari. Laſs sie, wenn ich nur hier begraben, hier, Wo ich das Licht erblickt— o besser ist's, Hier Asche seyn, als etwas, das da lebt, Wo anders!— WMW dchten. Könnt Ihr, sprecht, den Boden lieben, Der so Euch hafst P Foscani. Den Boden!— Nein, ha nein Die Saat des Bodens ist's, die mich verfolgt; 22 Der Heimath Erde nimmt mit Mutterarm Mich einmal auf— und sich, ich will— nicht mehr! Ein Grab,— ein Kerker, was sie wollen, wenn’s Nur hier— nur hier— hier in Venedig— ist! Ein OFficier(kommt). Bringt den Geſangenen herein! Mid h 1 Wächter. Auf, Herr, Dir Ihr hört die Ordre— fort! Bis Foscari. Ja, Freund, ich bin Ein Daran gewöhnt:— es ist das Drittemal, 41 Dafs sie zur Folter mich geschleppt; wohlan, 225. 1 Ich So leih' mir Deinen Arm. OQhhicier. Nehmt meinen, Herr: Mit Mich heifst die Pflicht, der nächste seyn um Euch. Foscari. De Ihrp Nein! Ihr lenktet gestern meine Marter! De Di Hinweg— ich will allein... nicht ollen, — ist! OQFficier. Wie'’s Euch gefällt: Ich gab nicht den Befehl, doch dem gegebnen Nicht zu gehorchen, sprecht, wer wagte das? Zumal wenn sie... Foscari. Dort auf ihr scheufslich Werk Mich auszustrecken heifsen! Fort, Perühr' Mich nicht— jetzt nicht; es kommt die Zeit, da sie Dir das Gebot erneuen— hinweg darum Bis zu der Frist: hinweg!— Sech' ich nur hin Auf Deine Hand, so zittert schaudernd schon Und ahnend seine Qual mein armer Leib; Ein kalter Tropfen schleicht durch meine Wimper, Als wenn— doch fort, ich hab's getragen und Ich kann's!— Wie saht Ihr meinen Vater? Sprecht! Ohicier. Mit dem gewohnten Antlitz! Foscari. Ja, so schaut Der Himmel und die Erd'; des Oceans Blau, Der Glanz Venedigs, und die goldnen Zinnen; Die laute Freude ihrer Piazza, wie 24 Sie cben jetzt das lust'ge Schwirren mir Von ihren Völkerschwärmen aufwärts sendet, In diese Kammern hier der Unbekannten, Die herrschen, und der Unbekannten, ach, Der ungezählten Opfer, die sie still Gerichtet und vernichtet.— Alles, seht, Ja alles trägt dasselbe Antlitz— selbst Mein Vater.— O, nichts fühlt mit Foscari, Selbst nicht ein Foscari!— Geht, Herr— ich folge! (ab, mit der Mmache.) Menmo und ein andrer Senator. Memmo. Secht, er ist fort— wir sind zu spät. Meint Ihr, Die Sitzung werde lange dauern heut? Senaton. Man schildert den Gefangnen sehr verhärtet, Und fest bey seinem ersten Läugnen; doch— Mehr weiſs ich nicht. Memmo. Und das ist viel! Die Nacht, Die jenes schrecklichen Gemachs Geheimniſs Meint rtet, loch— Nacht, 25 Verbirgt, ist für die Edelsten des Staats Nicht minder dicht, als für den Haufen selbst. Senator. Gerüchte abgerechnet, die, so wie Gespenstermährchen von verfallnen Burgen, Niemals bewiesen, und nie ganz geläugnet.— Doch von des Staates wahrem Seyn und Treiben Erfahren wir so wenig wohl, als von Des Grabes unergründetem Geheimniſs. Memmo. Die Zeit, die Zeit allein verschafft uns oft Noch einen Schritt im Lande der Erkenntniſs. Ich denke, einer einst der Zehn zu seyn! Senator. Und Doge? Wie? Memmo. Nein, nimmermehr, wenn ich’'s— Vermeiden mag! Senator. Die erste Stelle ist's Im Staat, und kann mit gutem Recht gesucht Vom edlen Bewerber werden, und Erlangt! 26 Memmo. Ich laſs sie gern! Ob edel gleich Geboren, ist mein Ehrgeiz enger, Freund! Niema Ich mag die Einheit lieber seyn zu der Der F Allherrschenden und fürchterlichen«zehn“, Als einsam glänzen eine einzelne, Wenn auch vergold'te Laſe 8 Doch wer Beden mta Euch; Die Gattin Foscaris! Marina mit einer Dienerin. Marina. Wie?— Keiner hier P Doch nein, ich irrte— dort erblick' ich zwey— Allein es sind nur Senator'n... Des I Menmo. 5 Befehlt Uns, edle Frau. 7 S0 is Marina. Wär Ich Euch befehlen Ha, Zur] Mein ganzes Leben war ein langes Bitten, Senat Und ein vergebliches! Die Memmo. O ich verstehe! Doch wag' ich keine Antwort. Seyd 27 Marina. Wahr, sehr wahr! Niemand wagt hier zu antworten, als auf Der Folterbank, und niemand fragt, als sie.. Memmo(Sie unterbrechend). Bedenkt Euch, hochgeborne Frau, bedenkt Euch, wo Ihr seyd! Marina. Ja, wo ich bin! Hier, hier, Des Vaters meines Gatten Pallast ist's! Memmo. Des Dogen— Haus. Marina. Und seines Sohn's Gefängnifs! So ist's, ich hab' es nicht vergessen: ja Wär' keine näh're, bittrere Erinn'rung Zur Hand, ich dankte wohl dem trefflichen . Senator Memmo noch dafür, daſs er Die Freuden dieses Ortes mir gezeigt. Memumo. Seyd ruhig, edle Frau. Marina(zum Himmel blickend). Das bin ich, Herr; gie kö Doch du, Allmächtiger, vermagst du, noch Mit einer Welt, wie diese, fortzuleben 5 Memmo. Sind ei Er kann noch freygesprochen werden, scht... Mein Marina. Er ist's— im Himmel! O ich bitt' Euch, Herr Senator, sprecht mir nicht davon: Ihr seyd Gerech Ein Mann vom Dienst— wohlan, der Doge ist Das auch! Er hat hier einen Sohn im Spiel, Jetzt, diesen Augenblick,— und ich, o seht, Wenn Ich habe einen Gatten, oder hatte ihn... Doch I Sie sind dort drinnen, oder waren es Nicht Vor einer Stunde, Stirne gegen Stirn, Sie ruf Als Richter und Verklagter. Wird er— ihn Verdammen?— Sprecht! Und a EiniSc Memuo. Ich denke nicht. Marina. Und wenn Er's nicht— wird beyde nicht vielleicht dann ein Verdammungsurtheil treffen, sagt! Memmo. Nun ja, sie können es! noch— Marina. O CGott! Und Will' und Macht Sind eins bey ihnen in Verruchtheit! O ß— scht... Mein Catte ist verloren! Memmo. ch, Herr Glaubt es nicht, seyd Cerechtigkeit ist Richter in Venedig! Doge ist Spiel, Marina. , o seht, Wenn dem so wäre, wäre kein Venedig! hn... Doch lafst es leben, wenn nur die Gerechten Nicht stürben, bis die Stunde der Natur Sie ruft:— allein die«Zehn» sind schneller, — ihn seht, Und auf sie haben wir zu hören.— Ha, EinlSchmerzensruf!— (ein schwacher Schrey wird gehört.) Senalorn. 1d weuln Still, horcht! ht dann Memmo. Es war ein Schrey. Mayina. Nicht meines Gatten; o, nicht Fosoaris! Menmmo. Die Stimme war's... Marina. Nicht seine; schweigt! Meint Ihr, Er sollte klagen! Nein, dem Vater steht Dies zu, nicht ihm! Nicht ihm! Er stirbt verstummt.. (ein schwaches Gestön wird vernommen.) Memmo. Noch eins!.. Manina. Sein Ton! So schien's— ich mag's nicht 8 glauben!— Und schrie' er auch, ich müfst' ihn dennoch lieben! Doch nein, nein, nein! Es wär' ein wilder Schmerz, Der diesen Seufzer ihm erprefst! Senator. Und wollt Ihr, die Ihr für ihn fühlt, dafs ohne Laut Er mehr, denn Todesschmerzen stumm erdulde P Ich lie Wir a Sänk Und m. Mit TI Horch! Doch Sich j Nun, ſint Ihr, at stirbt 's nicht ennoch wilder 51 Marina. Wir alle haben unsern Schmerz zu tragen— Ich liefs das Haus der Foscari nicht öde, Sänk' Vater auch und Sohn vernichtet hin:— Und mehr hab' ich geduldet, da ich Leben In die, die ihnen folgen, schuf, als sie, Die von ihm fliehn.— Doch freudig schien mein Schmerz— Und drängt' er auch, daſs ich fast schreyen konnte, Ich that es nicht, denn meine Hoffnung war: „Du bringst die Helden ja an's Licht, und darfst Mit Thränen nimmer sie bewillkommen.“ Memmo. Horcht, alles stil!! Marina. Vielleicht, vorüber alles! Doch nein, ich will's nicht glauben; nein, er hat Sich jetzt gesammelt— fordert sie heraus. Ein Diener tritt eilig ein. Memmo. Nun, Freund, was sucht Ihr? Diener. Einen Arzt; denn der Gefangene ist schwach geworden. (geht.) Memmo. Wie?— Seht, edle Frau, ich mein', es wäre besser, Ihr zöget Euch zurück. Senator(will ihr beystehn.) Thut's, edle Frau! Marina. Hinweg! Ich will zu ihm— ihm helfen! Memmo. Besinnt Euch— Eintritt wird in diese Zimmer Den Zehn allein, und ihrem Dienst gewährt. Marina. Ich weiſs es ja. Kein Lebender kehrt wieder Wie er hineintrat; ach— und mancher nie! Und dennoch sollen sie den Eintritt mir Nicht wehren!.. Memuno. Ach— Ihr setzt Euch, edle Frau, Nur rauherer Begegnung, schlimmerm Aufschub Aus. Marina Wer vermag's hier mir zu widerstehn? Memmo. Die, deren Pflicht es heischt... Marina. Ha! Ihre Pflicht Heifst jedes menschlich edele Gefühl, Und alle Bande, die den Menschen nur Am Menschen knüpfen, kalt mit Füſsen treten, Und mit der Hölle Schergen selbst wetteifern, In wilder Martern Wechsel und Erfindung, Die jene einst bezahlen. Ha, und doch— Will ich hinein! Memmo. Es ist unmöglich— seht! Marina. Lafstschn! Verzweiflung ruft die Allmacht selbst Zum Kampf heraus, und hier im Herzen fühl' Ich etwas, das sich Bahn wohl brechen mag Durch dichter Schaaren eng gedrängte Speere! Und meint Ihr, ein Paar Häscher zwängen mich Von meinem Weg?— Nein, macht mir Platz! Hier ist des Dogen Pallast, und ich bin Die Gattin seines Sohns— unschuld'gen Sohns— Lafst das sie hören, auf! 121. C V Memino. O, halt! Es wird, O edle Frau, die Richter nur erbittern. Nenm . Der Marina. Der 4 Wieb Sind die Richter, die der Leidenschaft In ein Erliegen? Mörder sind sie!— Macht mir Der k Platz! Der 1 (geht.) V Senaton. Mich Das arme Weib! V Memmno. b ; 5; Nein, Verzweiflung spricht aus ihr, Man l Sie wird die Schwelle nimmer überschreiten. Senaton. Ei un 13 Und könnte sie's, sie würde ihn nicht retten. Der ſ Doch seht— dort kömmt der Diener schon- Das i zurück. (Dieser geht mit einem andern über die Bühne.) Memmo. Ich hätte wahrlich so viel Mitleid nicht Im Rath der Zehn gesucht, wie solcher Beystand, Dem Dulder hier gewährt, beweis't. etten. schon ihne.) tand, Senator. Fie? Mitleid? Nennt Ihr denn Mitleid das, was zum Gefühl Der Qual zurück den Unglücksel'gen ruft, Der glücklich schon dem Todesschmerz entrann, In einer Ohnmacht Nacht, die letzte Zuflucht Der klagenden Natur, in der sie noch Der Tyranney des Schmerzes trotzen kann 5 Memmo. Mich wundert’'s, dafs sie ihn nicht kurz ver- dammen. Senator. Nein, Freund, das ist nicht ihre Politik: Man läſst den leben, der den Tod nicht scheut; Und man verbannt ihn, weil man weiſs: für ihn Sey jedes Land, Venedig ausgenommen, Ein weiter— weiter Kerker, jeder Hauch Der fremden Luft ein langsam schleichend Gift, Das ihn verzehret, ohne ihn zu tödten. Memmo. Man sagt, dafs viele Dinge seine Schuld Bestätigen: doch er gesteht sie nicht. Senaton. Nichts räumt er, als das Schreiben an den Herzog Von Mailand ein, und sagt, daſs er's geschrieben 36 In der Cewifsheit, dafs die Botschaft dem Senate in die Hände würde fallen, Der sicher nach Venedig ihn zurück Auf diese Weise würde führen lassen. Memumo. Doch als Gefangener 5 Senaton Sohnell.) In's Vaterland! Das war’s, was er erstrebt— so sagt er's aus.— Memmo. Und die Bestechung ward erwiesen 5 Wie P Senaton. Nicht deutlich; und die Klag' auf Meuchelmord Ist durch des Nicolo Erizzo letztes Bekenntniſs auf dem Todbett widerlegt: Er selbst erschlug das letzte Haupt der«Zehn». Memmo. Und warum spricht man ihn davon nicht los? Senator. Das lafst sie selbst verantworten. Denn seht, S'ist allbekannt, dafs Almoro Donado Erschlagen ward aus Rache von Erizzo. So li Als d Doch Lafst Glau Ihr f. So n Und In ve In d Nich Den Nich 97 Memmo. So liegt in dieser Procedur wohl mehr, Als dieser Schein von Schuld in dem Beklagten. Doch seht, dort nahen zwey vom Rath der Zehn— Lafst uns hinweg!.. Loredano. Barbarigo. 8.— Barbarigo. Nein, Freund, das war zu viel: Glaubt mir, es war nicht recht, daſs, im Verhör, Ihr fortzufahren drangt, in dem Moment... Loredano. mord So mufs der Rath sich trennen, meinet Ihr, Und die Gerechtigkeit urplötzlich still In vollem Laufe stehen, weil ein Weib ehn». In die Berathung ein sich drängt 5 Baròbarigo. 3 Ios9 Das nicht!— Oatt Nicht dies war Ursach— nein, Ihr sahet ja Den Zustand des Gefang'nen. eht, Loredano. Wie? War er Nicht zu sich selbst zurückgekehrt? Barbarigo. So weit, Um bey der mindesten Erneuerung Zurückzufallen... Loredano. Das ward nicht versucht. Barbarigo. Ihr murrt umsonst; die Mehrheit war ja selbst Im Rathe gegen Euch. Loredano. Dank Euch und dort, Dem herzoglichen, aberwitz'gen Thoren, Der jene würd'ge Stimmen sammelte, Die mich verwarfen. Barbarigo. Seht, auch ich bin Richter! Doch glaubt, ich wollte daſs die harte Vor- schrift, Die nicht allein die Folter uns befiehlt, Die uns zu sitzen zwingt und anzusehn Die Wirkung jeder Qual— ich wollte, daſs.. ZLoredano. Was sagt Ihr? Wien Von Ein! Die! Ein: Habt Um Selbst rt, Barbarigo. Ich meinte nur, dafs Ihr Zuweilen fühlen möchtet, wie ich stets.— Lorèedano. Nun, traun! Ihr seyd ein Kind, krank am Gefühl, Wie am Entschlufſs— und umgeblasen stets Von jedem Hauch, von jedem Seufzer, ja Von jeder Thräne weggeschwemmt, geschmolzen. Fürwahr ein feiner Richter für Venedig: Ein würd'ger Staatsmann, würdiger Genosse In meinem Plan. Barôbarigo. O— keine Thräne flofs Von seiner Wimper... Loredano. Zweymal schrie er laut. Barbarigo. Ein Heil'ger hätte das gethan, und schwebt' Die Märterkrone selbst vor seinem Aug': Ein so unmenschlich Kunststück in der Qual Habt Ihr an ihm geübt!— Doch seht, er schrie Um Mitleid nicht— kein Wort, kein Seufzer floh Von seiner Lipp', und jener dumpfe Schrey, Er flehte nicht— der Schmerz erprefst' ihn nur, Und keine Bitte, keine Klage folgte. Lonèedano. Er sprach in sich hinein, doch unverständlich. 4 Barbarigo. Ich hört' ihn nicht— Ihr standet näher ja. Loredano. So war's! Sarbarigo. Mich dünkt, Ihr wurdet selbst gerührt, Und traun, erstaunt sah ich, der erste, Euch, Um Hülfe rufen, als er schwach geworden. Loredano. Ich meint', es war sein letztes... Barbarigo. Wie? Und hört' Ich nicht, Euch sein und seines Vaters Tod Als Euer heiſsestes Begehren nennen ⁵ Wenn Nicht Beklag Aucl Auf se Wenn Ihr da Und’s Verni Des h 41¹ Loredano. Wenn er unschuldig stirbt, das heiſst, mit noch Nicht eingestandner Schuld, so wird man ihn Beklagen!.. Barbarigo. Wie? Wollt Ihr sein Angedenken Auch tödten? Wie? Loredano. Und sollen seine Güter Auf seine Kinder kommen, wie's geschieht, Wenn er unüberführt erbleicht?— Sprecht, wollt Ihr das P Barbarigo. Und Krieg mit diesen auchf! Loredano. Mit ihm— Und seinem Haus— bis ihres oder mein's Vernichtet ist! 1 Barbarigo. Wie? Und der Todesschmerz Des bleichen Weibes, und das schwache Zucken Der hohen königlichen Brau' des Vaters, Die bald unmerklich sich zusammenzog, Bald kalte Tropfen, schnell hinweg gescheucht Von eis'ger Festigkeit, verstohlen barg, Das nicht, und nichts, vermag Euch, nichts zu rühren?— (Loredano geht stumm hinweg.) Ha, er ist stumm im Haſs, wie Foscari Im Dulden war: deſfs lautlos stiller Schmerz Mich mehr, als tausend Klagerufe rührte. Welch schreckenvoll-entsetzliches Gesicht, Als sein verwirrtes Weib gewaltsam ein In unsre Sitzung brach, und nun erblickt, Was wir, dazu gewöhnt, doch kaum zu schau'n Vermocht. Ich darf's mir nicht mehr denken; traun,. Es schmilzt in diesem Schmerz um unsern Feind Der alten Kränkungen Erinn'rung fort, Und ich verlier' die Freude an der Rache, Die Loredano sich und mir bereitet. Doch mich befriedigte geringere Vergeltung, als sein heifs'rer Haſs erstrebt, Den ich in mildere Gesinnung gern Verkehrte.— Nun, für jetzt hat Foscari, Auf Antrag jener Aelteren im Rath, Bewegt von seiner Qual, und seines Weibes Erscheinung in dem Saal, die kurze Rast Von einer Stunde mindestens erlangt.— sich Ich k In di Ich w nichts tweg.) 1 hmerz denken; n Feind he, ebt, 45 sich da— sie nah'n! Wie schwach— wie elend.— O! Ich kann's nicht tragen, meinen Blick auf sie In diesem Jammer fest zu richten. Fort! Ich will hinweg, und Loredano mildern.— geht.) 44 ——————— LZWeyter Act. Faal im Pallast de Dogen. Der Doge und ein Sen kkor. Senator. So ist' Gefällt es Euch, die Botschaft jetzt u zeichnen, Den Z. Herr Herzog, oder soll's bis morge. eiben? Den F Doge. Sogleich— gebt her— ich übersah es estern— Daſs w Die Unterschrift nur fehlt, gebt her d Feder.. S0 lan (er setzt sich und schreibt. Hier, Herr Senator! Fast v Senator(das Papier betrachten. Beelaär Herr, Ihr habt's verg en— Den l Die Schrift ist nicht gezeichnet... Bedur eichnen, eiben? stern— eder.. en— Erlaubt mir— so! Doge 3 Nicht? Ich merk's, Mein Aug' wird schwächer mit der Zeit— ich sah Es nicht, daſs ich erfolglos eingetaucht Die Feder... Senaton(taucht die Feder ein, und legt das Papier zurecht). Eure Hand auch bebt, Herr Herzog; Doge. So recht— ich dank' Euch, Herr! Senator. So ist's bekräftigt denn von Euch und von Den Zehn, was endlich unserm Vaterland Den Frieden wiedergibt. Doge. Dafs wir der Ruh uns nicht erfreut— mag's nun So lang auch währen, dafs die Waffen schlafen. Es ist lang her, Senatorn. Fast vier und dreyſsig Jahr’, Herr Herzog, sinds; Beständ'gen Kampfes mit dem Türken, oder Den Mächten von Italien. Bedurfte, traun, ein wenig Rast. Der Staat Doge. So ist's! Ich fand Venedig Königin des Meers, Ich lasse sie gewalt'’ge Herrscherin Der Lombardey: und ihrem Diadem Fügt' ich(ein süſser Trost ist's mir), Ihr wiſst, Die edlen Steine Brescia und Ravenna Hinzu. Auch Bergamo, Cremona sind Nun ihr; von allen Seiten wuchs ihr Reich Zu Land, und wich nicht einen Fingerbreit Zur See zurück, so lange ich geherrscht. Senator.— Sehr wahr; des ganzen Landes Dankbarkeit Gebührt Euch, Herr, dafür. Doge. Vielleicht, mein Freund. Senaton. Und wahrlich, offenbaren sollte sichs... Doge(streng). Ich klage nicht! Senalton. Verzeihung, edler Herr! Doge. Wofür? 9 Um mie Von D eit „ reund. err! 47 Senakor. Mir blutet, traun, das Herz um Euch. Doge. Um mich, Signor 5 Senator. Um Euren... Doge. Halt! Senator. Es muſs Heraus, Herr Herzog! Seht, ich hab' zu viel Verpflichtung gegen Euch und Euer Haus, Für gegenwärt'ge und vergang'ne Gnade, Als daſs ich tief für Euren Sohn nicht fühlte. Doge(ernst). Lag das in Eurer Botschaft, Herr? Senaton. Wie so, Mein gnäd'ger Herr 5 Doge. Ich meine dies Geschwätz Von Dingen, die Ihr nicht versteht.— Genug! / 4 Ihr sehet den Vertrag von mir gezeichnet, Jetzt bringt ihn denen, die Euch hergesandt. Senator. Ich will's.— Der Rath befahl mir auch, von Euch Die Stunde der Versammlung einzuholen... Doge. Sagt: wann sie wollen— jetzt— im Augen. plick, Wenn's ihnen recht, ich bin des Staates Sclav'. Senalton. Man möchte einige Frist zu Eurer Ruh... Doge. Ich habe keine Ruh— das heifst— seht Ihr, Ich fordre keine, die das Vaterland Um eine Stunde nur verkürzt. Lafst sie Zusammen kommen. Mich, mich soll man finden, Wo ich muſs seyn, und wie ich immer war.— (Der Senator geht: der Doge versinkt in Schweigen.) Ein Dienern. Mein gnäd'ger Fürst! Marin „ von Augen. Sclav'. ht Ihr, ll man immer inkt in 49 Doge. Was gibt es b Redet! Dienen. Die Erlauchte Donna Foscari begehrt Gehör. Doge. Lafs sie herein!— Unglückliche Marina!— 0—! (Der Diener geht. Pause.) Marina. Ich störe Eure Mufſse, Mein Vater! Doge. Nein, mein Kind; ich habe keine Für Euch! Befehlet über meine Zeit, Wenn nicht der Staat darüber schon befohlen. Marina. Ich kam, mit Euch von ihm zu reden; seht! Doge. Von Eurem Gatten 5 Marina. Ja, von Eurem Sohn! D Doge. So redet, Tochter! Marina. Seht— ich hatte Urlaub Vom Rath der Zehn, für eine kurze Zahl Von Stunden— ihn zu sehn. Doge. So war'’s, mein Kind. Marina. Es ist zurückgenommen! Doge. Sagt, von wem? Marina. Nun, von den Zehn! Da wir die Seufzerbrücke“ Erreicht, die ich mit Foscari bereit Zu überschreiten war— da hielt mich erst Der finstre Wächter dieses Passes auf: Ein Bote ward zurück gesandt zum Rath— Doch dieser safs nicht mehr, und schriftlich hatt' Ich nichts— so ward ich denn zurückgewiesen, Mit dem Bescheid, daſs, bis das Tribunal Zusammen käm', des Kerkers Mauern mich Und ihn noch scheiden müſsten. 8 laub 21 Kind. rücke“ 5¹ Doge. Wahr; die Form Ward iin der Eil', womit der Rath sich trennte, Vergessen, und bis er zusammen tritt— Ist's zweifelhaft.— Marina. Bis er zusammen tritt! Und wenn'’s geschieht, da werden sie von neuem Ihn martern, sceht, und er, und ich, wir müssen Durch Folterqual das Wiedersehn erkaufen, Und die Umarmung zwischen Mann und Weib, Das Heiligste der Bande unterm Himmel. O siechst du das— du groſser, guter Gott! Doge. Kind— Kind! 9 Marina(Schnell). Nennt mich nicht Euer Kind. Bald, ja, Bald habt Ihr keine Kinder mehr— und Ihr Verdient ja keine— nein! Ihr, der so kalt Von einem Sohne sprechen kann in Lagen, Die Thränen von Spartanern selbst erpreſsten. Sah'n sie sie thränenlos im Kampf auch fallen, Wo steht's geschrieben, daſs sie Stück für Stück 5² Zerreiſsen sie geseh'n, und keine Hand Zu ihrer Rettung ausgestreckt? Doge. Ihr seht'’s, Ich kann nicht weinen— ja, ich wollt' Ich könnte es.— Doch, wenn jedwedes Haar Auf diesem Haupt ein junges Leben wär', Und dieser Herzogshut das Diadem Der Welt, und dieser Ring, der mich der See Vermählt, ein Talisman, sie still zu machen, Ich gäbe alles— alles hin für ihn! Marina. Mit wen'’ger kann der Vater ihn erretten! Doge. Die Antwort zeigt, Ihr kennt Venedig nicht. Und ach, wie solltet Ihr; sie kennt sich selbst Ja nicht in dem gceheimniſsvollen Seyn, Das stets sie vor sich selbst verhüllt.— Hört mich: Die, die's auf Fosoari jetzt abgesehn, Die zielen, seht, auch nach des Vaters Haupt— Des Vaters Tod befreyt den Sohn noch nicht— Und mit verschiednen Mitteln wirken sie Zum Ziel— dies ist.. Doch still! Noch haben sie, Noch nicht gesiegt! 80 1 Wie Nach So 1 Der Zurü Mit Ein8 Noch Hätt Exil Er h Wie 7 IHaar 7 der See chen, en! nicht. selbst — Hört aupt— icht— . haben Marina. Allein zerdrückt.. Doge. Noch nicht— So lang' ich bin! Marina. Und Euer Sochn?— Wie lang— Wie lange wird er seyn? Doge. Ich meine, traun, Nach allem, was vorüber und geschehn, So lange, und beglückter, als sein Vater! Der rasche Knab'’, mit weib'scher Ungeduld Zurück zu kehren— alles hat er ja Mit diesem aufgefang'nen Brief verdorben: Ein Staatsverbrechen, das ich selbst nicht läugnen, Noch mildern kann, als Vater oder Herzog.— Hätt' er ein wenig nur sein Candisches Exil ertragen— seht, mir strahlte Hoffnung— Er hat sie ausgelöscht.— Er mufs zurück! Marina. Wie? In's Exil5 Doge. Ich sagte es. Marina. Und darf Ich mit? Doge. Ihr wifst— schon zweymal ward vorher Euch diese Gunst vom vollen Rath der Zehn Verweigert, und wird Eurer dritten Bitte, Jetzt da erhöhte Schuld sie strenger nur Für ihn gestimmt— wohl kaum b ewilligt werden. Marina. Wieb Strenger nennt Ihr sie? Sagt, wilder! Die alten Feinde aller Menschheit— dort, Mit einem Fufs im Grab' und trübem Aug' Fremd jeder Thrän', als der des Aberwitzes, Mit langem, weiſsem, kargem Haar und zitternd An Hand und Haupt— verschrumpft am Her- zen, sie Beschliefsen, sitzen, rathen, cabaliren, Und löschen Menschenleben aus, als wenn Ein Menschenleben nichts, als das verruchte Gefühl in ihrem finstern Busen wär'. Doge. Ihr kennt sie nicht... Marina. Ich kenn'— ich kenn'. Und Ihr, Mich dünkt, Ihr solltet's auch.— Ja, Teufel sind's! Wie Vom Die Die Gere Gesc In N Im A Daſs Was Sie 1 Ihr s Ihr’s Daſs Gewi Und Nach Daſs darf vorher ehn ⸗ ur rerden. zes, itternd n Her- nn chte nd Ihr, eufel 55 Wie wär' es möglich auch, daſs Menschen, die Vom Weib geboren und vom Weihb gesäugt, Die selbst geliebt, wenn nicht— davon ge- schwatzt, Die ihre Hand im heiligen Gelübd' Gereicht, die ihre Kinder— auf den Knie'n Geschaukelt, über sie vielleicht geweint, In Noth, in Angst, in Tod. Das Wesen, die Im Aceuſsern doch dem Menschen gleich gebildet, Dafs diese gegen Eure konnten thun, Was sie und Ihr gethan— Ihr selbst, Ihr, der Sie hetzt! Doge. Ich seh' Euch's nach— Ihr wiſst nicht, was Ihr sagt. Marina. Ihr wiſst es wohl!— Doch fühlen könnt Ihr’'s nicht! Doge. Ich hab' so viel getragen, seht, Dafs Worte aufgehört, mich zu erschüttern. Mayrind. Gewifs! Ihr sahet Eures Sohnes Blut, Und Euer Fleisch ist unbewegt geblieben. Nach diesem— ach, was sind da Weiberworte, Daſs sie Euch rühren könnten— Weiberthränen! 56 Doge(heftig). Weib, Dein Geschrey, ich sage Dir, wiegt nichts, Nichts gegen das—(mild) doch nein, mein armes Kind, Sich, ich beklage Dich— Marina. Beklaget ihn!— Wo nicht, So geb' ich Euer Mitleid Euch zurück! Doch— Mitleid! Mitleid für den Sohn!— Fürwahr, Das Wort ist Deinem Herzen fremd, wie kam's Auf Deine Lippen? Sprich! Doge. Ich seh' Dir's nach: Obgleich Du diesem Herzen Unrecht thust.— O, daſs Du lesen könntest... Mayrina. O, ich seh's Auf Deiner Wimper nicht; in Deinem Aug', In Deinen Thaten nicht; wo soll ich'’s sehn, Das holde Mitgefühl? Doge(auf die Erde zeigend). Dort— dort! nichts, „ mein o nicht, hn!— e kam's aach: ast.— Aug', sehn, Marina. Im Schoofs Der Erde P Doge. Dort— wohin ich strebe! Ja, Wenn Marmor einst auf diesem Herzen ruht, Und leichter ruht, als die Gedanken, die Es jetzt erdrücken, dann, dann kennt Ihr mich. Marina. So seyd Ihr wirklich denn beklagenswerth 5 Doge. Beklagen P Niemand soll dies Wort— mit dem Die Menschen ihren inneren Triumph Verhüllen— je mit meinem Namen mischen. Der Name soll— so weit ich ihn getragen, Wie ich ihn überkommen, bleiben! Marina. Ja— Um Deiner Söhne willen, die Du, o, Nicht retten konntest— oder wollt'st— bist Du Der Letzte, der ihn trägt. Doge. O, wär' es so! Wohl besser wär's für ihn, er hätte nie Das Licht erblickt, und besser wär'’s für mich. Ich habe unser Haus— entehrt gesehn! — ſu 58 1 Marina. Per ] Ihr lügt! Ein treuer, edler, reiner Herz— Ich Mehr liebend, mehr gelicbt, und ohne Falsch, „ Schlug nie in eines Menschen Brust. Ich möchte Nicht meinen armen, unterdrückten Gatten Noc Verstümmelt, überwältigt und zerdrückt— Doch nicht entehrt— todt oder lebend, scht, Nicht für den ersten Herrn und Paladin 3 In Fabel und Geschicht', mit einer Welt Ver Im glänzendsten Gefolge— mir vertauschen. ” Entehrt? Wie? Er entehrt? Ich sag' Euch, 1n Herr,. A Venedig ist's, das sich entehrt. Sein Name Bleibt ihr ein schwerer Schimpf; ein ew'ger Die Vorwurf, Ich 1 Was er erduldet, nicht, was er gethan— Das i Ihr seyd hier die Verräther, die Tyrannen! Mit Ja liebtet, liebtet Ihr das Vaterland, Als e 6 Wie dieses Opfer, das in Ketten und 4 Die Zu unerhörter Qual, doch zu ihm schwankt, T Und alles eh'r, als die Verbannung trägt, Ihr würft Euch vor ihm hin, und flehtet, seht, Er is Auf Euren Knieen um Barmherzigkeit Darf Für Eure ungeheure Schuld! Doge. Im. 8 Er war— Er war, was Ihr gesagt! O Cott, ich trug Den Tod der beyden theuren Söhne, die Nich 2— Falsch, möchte en 1— 1, scht, lt hen. Euch, ame ew'ger 59 Der Himmel mir entriſs, auch leichter, als Ich die Entehrung dieses Sohnes trage. Marina. Noch einmal dieses Wort? Doge. O, ist er nicht Verurtheilt P Marina. Wird es, sprecht, die Schuld allein? Doge. Die Zeit wohl richtet ihn empor; o sieh', Ich hoffe so. Er war mein Stolz, mein— doch— Das ist vorüber nun!— Es kommt nicht leicht Mit mir zu Thränen, sieh', allein ich weint' Als er geboren ward vor Freud' und Lust. Die Thräne war verhängniſsvoll! Marina. Ich sag', Er ist unschuldigl Seht, und wär' er's nicht, Darf unser Fleisch und Blut sich von uns wenden Im Augenblick der Noth? Doge. Ich wende mich Nicht ab; doch— andre Pflichten rufen mich, 60* Als eines Vaters, und der Staat hat, sieh', Von dieser Pflicht mich nicht entbinden wollen. Zweymal erbat ich's mir, und ward zurück Gewiesen; nun, so werde sie erfüllt! Ein Diener tritt ein. Diener. Herr, eine Botschaft von dem Rath der Zehn! Doge. Wer bringt sie, Freund? Dienern. Der edle Loredan. Doge. Wie— er?— Doch laſs ihn ein! Marina. 2 Und soll ich fort? Doge. Vielleicht wird's nicht erfordert, wenn es Euch Und Euren Gatten angeht... (Toredano tritt ein.) Nun, Signor, Zu Eurem Dienst 5 Loredano. Ich bring'— dies von den Zehn. ehn! dan. fort? 3 Euch Doge. Sie haben ihre Botschaft wohl gewählt. Loredano. S'ist ihre Wahl, die mich hieher geführt. Doge. Sie ehrt die Weisheit und die Höflichkeit Des Raths.. Doch fahret fort! Loredano. Wir haben uns Entschlossen... Doge. Wir? Loredano. Die Zehn in voller Sitzung. Doge. Man kam zusammen, wie b Und ohne mich Davon zu unterrichten? Sprecht! Loredano. Man wünschte Eu'r Alter, Herzog, Euere Gefühle Für diesmal zu verschonen. Doge. Das ist neu! Wann wurden diese je geschont?!— Indeſs Ich dank' Euch doch für Eure Meinung, Herr! 6² Loredano. Ihr wiſst, sie haben Macht nach Willkühr, mit Und ohne Gegenwart des Dogen zu Verfahren.— Doge. Ja, es sind schon ein'ge Jahre, Seit ich das lernte— lang vorher, ech' ich Geträumt, des Staates Oberhaupt zu seyn. Ihr braucht mich's nicht zu lehren, Herr Senator, Ich safs im Rath der Zehn, da Ihr ein junger Patricier war't. Loredano(Schnell). Zu meines YNaters Zeit! Ja, ja; ich hab's von ihm und seinem Bruder, Dem Admiral, gar cft erzählen hören. Gefall's nur Eurer Hoheit, d'ran zu denken: Sie starben beyde— plötzlich!— Doge. So geschah’s— Und besser schnell geschieden, denn in Harm Und Angst ein schleichend Leben führen. Lorèedano. Wohl! Doch seht, die meisten Menschen lieben'’s nun, Doch ihre Tage bis ans End' zu leben. Und Am 80 s Mein Von Doge. , mit Und thaten sie’s denn nicht? Loredano. Das Grab weiſs das Am besten, Herr!— Ich sagt', sie starben re, plötzlich! Doge. nator, Ist das so wunderbar, dafs Ihr das Wort Mit solchem Tone wiederholt? Loredano. So fern Vom wunderbaren, daſs wohl nie ein Tod So streng natürlich war, als ihrer, seht! Meint Ihr's nicht auch ruder, ken: Doge. Was soll ich meinen, sprecht, Von ihrem Tod? ah’s— Loredano. Harm Daſs sie Tod-Feind exhatten! Doge. ohl! Ha, ich verstehe!— Eure Väter waren] 's nun, Die meinen, und Ihr seyd ihr Erbe, traun, In allen Stücken! 64 Loredano. Nun, Ihr wiſst's am besten 1,,„, Ob ich's mu fs seyn. Doge. Ich weifs es.— Euer Haus Ist Feind des meinen, und ich hab' gehört, Dafs schmähliche Gerüchte drauſsen gehn.— Auch jene Grabschrift habe ich gelesen, Die ihren Tod dem Cifte zugeschrieben. Das Ding ist wahr, vielleicht, wie— Crab. inschriften Es pflegen, und nicht minder ein Gedicht. Loredano. Wer wagt mir das zu sagen? Doge. Ich, mein Herr! Wahr ist es, Eure Väter waren mir So bittre Feinde stets, als nur ihr Sohn Kann seyn— und ich nicht minder, war der ihre. Doch ich war's offen; niemals wirkte ich Durch Anschlag und Cabale in dem Rath, Noch durch verborgnen Handgriff gegen Leben, Mit Stahl und Trank, und zum Beweis beruf' Ich mich auf Euer Daseyn, Herr Senator. Ich Ich Ihr* Drur Ich Hie Zu fi Doch Einst An B Die Was Die v Vor Geha So ha An's Doch Nicht 12¹1 besten, Loredano. Ich fürchte nichts! Doge. Ihr habt nicht Ursach, da Ich einmal bin— seht, was ich bin. Doch wär' Ich der, für den Ihr, Herr, mich halten wollt, Ihr wär't längst über alle Furcht hinaus! Drum hasset mich— ich gebe nichts darauf! Loredaano. Ich hörte nie, dafs hier ein Edelmann, Hier, in Venedig, eines Dogen Zorn Zu fürchten hat— das heifst: auf ofſnen Wegen. Doge. Doch ich, mein guter Herr, ich bin— ich war Einst etwas mehr, denn ein gemeiner Doge, An Blut, an Mitteln, und an Geist— und die, Die mich zu wählen scheuten, und seitdem Was möglich war, versucht, mich zu erdrücken, Die wuſsten das.— Doch seyd gewiſs, hätt' ich's, Vor oder nach der Zeit, der Mühe werth Gehalten, Euch entfernt zu wünschen, seht, So hätt' ein Wort von mir wohl solche Geister An's Werk gebracht, die Euch zu nichts gemacht!— Doch nein— in Allem hab' ich Achtung stets Nicht blos vor dem Gesetz gezeigt, nein selbst 121. E vor Euch(doch seht, ich spreche nur von Euch, Als von der einen Stimme unter Vielen), Die Ihr's wohl über jene Gränzen triebt, Die ich für meinen Posten fordern könnte, Wär'’ ich geneigt zum Streit.— Doch, wie gesagt, Ich habe mit der Ehrfurcht eines Priesters Für seinen Hochaltar, und opfernd selbst Blut, Frieden, Ruh und Sicherheit, ja alles— Nur nicht die Ehre— stets die Satzungen Des Staats, sein Wohl und seinen Stolz be- achtet.— Und somit, Herr, zu Euerem Geschäft! Loredano. Es ist beschlossen, ohne weitere Erneu'rung der Tortur, und ferneres Verhör, das nur den starren Sinn uns zeigt Des Schuldigen— indem der hohe Rath Das strengere Gesetz umgeht, das die Tortur uns bis zum völligen Bekenntniſs Zu treiben anbefiehlt— und, da ein Theil Der Schuld, durch Anerkennung jenes Brief's An Mailand's Herzog eingeräumt— es ist Beschlossen: Jacob Foscari soll in's Exil sofort zurück, auf der Galeere, Die ihn gebracht. Noc 67 ar von Marina. Dem Himmel Dank! So wird 7 Er mehr vor dieses Höllentribunal 12 Doch nicht geschleppt!— O dächte er, wie ich, 2 wie Das glücklichste Gericht, das nicht blos er, 4 Das alle, die hier wohnen, wünschen können, u Es wäre: diesem Lande zu entflichn! 5 Doge. lles—— 1 99 gen Dies ist kein Venezianischer Gedanke, 512 be- Mein Kind! Marina. Ich weiſs, er ist zu menschlich, Vater.— Ist sein Exil zu theilen mir vergönnt 5 ZLoredano. Liat Hierin ward nichts beschlossen von den Zehn. 1 Marina. 8— heil Ich dacht' es wohl! Das wäre auch zu Brief's menschlich. ist Doch sprecht— es ward nicht untersagt 5 Loredano. Es ward Noch nicht erwähnt. Marina(sum Dogen). So mögt Ihr, Vater, denn Mir dies gewähren, oder doch erlangen. (zu Loredano.) Ihr aber werdet nicht entgegen seyn, Dafs meinen Gatten ich begleiten darf. Doge. Ich will's versuchen. Marina. Nun, und Ihr? Loredano- Mir kömmt Es, edle Frau, nicht zu, des hohen Raths Belieben zu anticipiren... Marina. a! Belieben? Welch ein Wort für die Beschlüsse Der... Doge. Tochter, denkt, in wessen Gegenwart Ihr diese Dinge sprecht! Marina. In SPnes Fürsten Und seines Unterthanen, meine ich. denn ömmt 18 hlüsse enwart Loredano(für sich). Ja, Unterthan! Marina. Wie? Härmt es Euch? Nun wohl, Ihr dünkt Euch seines Gleichen, guter Herr; OQ denkt das nicht, Ihr würdet das nicht seyn, Wär'’' er ein Bauer auch.— Doch still, Ihr seyd Ein Fürst— ein fürstlich Edler! Nun, und was Bin ich? Loredano. Ein Sprosse eines edlen Hauses. Marina. Vermählt mit einem Edlen. Wo ist denn Der Mann, der Schweigen zu gebieten wagt, Dem freyen Denken meiner Brust?b— Loredano. Erlaubt! Die Gegenwart des Richters Eures Gatten... Doge. Die schuld'ge Achtung vor dem kleinsten Wort, Aus deren Mund, die herrschen in Venedig. Marina. Verspart Euch diesen Grundsatz immerhin Für Eure Künstler, Eure Krämer auf, 7⁰ Für Eure Criechen und Dalmazier, Für Eure Sclaven und Zinspflichtige, Für Eure stummen Bürger, Euren Do Verkappten Adel, Sbirren und Spione, Die Eure Mitternachts-Entführungen, Und Eure Mitternachts-Ertränkungen, Und Eure Kerker in des Pallasts Dach, 4 Sel Und unterm Meeresspiegel; Eure stets Bis Geheimniſsvolle Sitzung, unbekannt Mi Gericht und ungeahnet Urtheil, ja, Die Eure«Seufzerbrückeno,«Würgekammern“ Nur Und Eure Folterbank, Euch endlich selbst Her Für Wesen andern Ursprungs halten lassen, Herabgestürzt aus einer schlimmern Welt. Vo Spart sie für jene auf— ich fürcht' Euch nicht; Ich kenne Euch; ich hab' das Schlimmste ja Di In diesem höllischen Proceſs erfahren. Auf, macht'’s mit mir, wie Ihr's mit meinem Gatten Gemacht— Ihr thatet's schon, da Ihr ihm 8o Begegnet. O, was hätt' ich auch von Euch Zu fürchten, sprecht, selbst wenn ich furchtsam wär', Was ich, ich denke, niemals doch gewesen? Doge. lhr hört, sie redet irr'. nern“ 5t en, Leinem hm 80 nch chtsam esen? Marina. Nicht weise, ja, Doch, traun, nicht irr'. Loredano. Was ich an Worten hier, Sehr edle Frau, vernehme, trag' ich nur Bis an des Hauses Schwell', indem ich stets Mir diesen Schritt, der mich vom Dogen trennt, Nur für den Dienst des Staates aufgehoben.— Herr Doge, habt Ihr etwas mir zur Antwort d Doge. Vom Dogen wenig; Etwas von dem Vater.. Lorèedano. Die Sendung galt dem Dogen blos! Doge. So sagt, Der Doge wolle seinen eigenen Gesandten wählen, oder in Person Bestimmen, was ihm Rechtens dünkt.— Und was Den Vater angeht... Loredano. Ich denk' des meinen!— So küfs' ich der sehr edlen Frau die Hand, Und neige mich dem Herzog!(geht.) Marina. Vater, sprecht, Seyd Ihr zufrieden? Doge. Kind, ich bin, was Du Mich siehst. Marina. Und das ist ein Geheimnifs.. Doge. Ja, Wie alles für den Sterblichen! Wer wagt'’s Zu lösen, wer, als der ihn schuf! Und wenn Wir'’s wagen, sag', was lernen wir alsdann, Die wenigen begnadigten Gemüther, Die lange dieses schwere Buch studirt, Den Menschen— und auf jene dunkle Blätter Sein Herz und sein Verstand— gedacht, ge- sonnen, Was lernen wir, als einen Zauberspruch, Der auf den Jünger, der ihn lernt, zurück, Ja schwer zurücke fällt.— Die Sünde, die In andern wir entdeckt, ist unsre schon: Und aller Vorzug nur gebührt dem Glück! Geburt, Gesundheit, Reichthum, Schönheit, sieh, Sind seine Gaben, ja und murren wir, So sol Nichts Das U Begeh Um d Am w Wo 1 Undu Im Sc Jedwe Bis au Wie: Und 1 Des F Des H Auf T. Undn Ja, u Nicht Vom Auf u Vom Und: So W Ein I Und as Du Ja, agt's wenn nn, )n: k! önheit, 7³ So sollten wir gedenken, dafs das GClück, Nichts geben kann, als was es uns gegeben.— Das Uebrige ist Nacktheit, Lüsternheit, Begehren, Eitelkeit, das groſse Erbe, Um das wir immerdar zu kämpfen haben; Am wenigsten— im niedrigsten Beruf, Wo Hungen alles andere verschlingt, Und unser Erstgebot, dafs wir hienieden Im Schweiſse essen sollen unser Brot, Jedwede andre Neigung ferne hält, Bis auf die Sorge des Verhungerns.— O, Wie niedrig, falsch und hohl ist alles doch; Und Thon vom Ersten bis zum Letzten— von Des Fürsten Urne bis zum Topf des Töpfers.— Des Helden Ruhm ruht in der Menschen Hauch; Auf Tagen baut sich unser Daseyn fort: Und unsre Tage ruhn auf Jahreszeiten, Ja, unser ganzes Seyn auf Etwas, das Nicht wir— das aufser uns!— So sind wir Sclaven, Vom Gröſsten bis zum Kleinsten; nichts beruht Auf unserm Willen— denn er selber hängt Vom Strohhalm ab, wie von dem rauhsten Sturm. Und wenn wir andere zu führen wähnen, So werden wir geführt, und stets— zum Tod; Ein Ding, das aufser unsrer Fügung kömmt Und Wahl, wie die Geburt.— So scheint es fast, Dafs wir gesündiget in einer weit Entlegnen Welt, und hier— hier sey die Hölle! Das Beste ist, dafs sie nicht ewig währt. Marina. Von diesen Dingen steht kein Urtheil uns Auf Erden zu. Doge. Und wie vermögen wir Einander denn zu richten— wir, die wir Nur Erde sindb Und ich, der ich berufen, Den eignen Sohn zu richten!— Treulich hab' Ich— siegreich— meinem Vaterland ge- dient, Ich fordre sie heraus, hier, vor die Karte, Von dem, was es gewesen— was es ist: Verdoppelt hab' ich seine Reiche, sieh, Und zur Belohnung läfst Venedig mich, Und will mich lassen— einsam und ver- waist! Marina. Und Foscari Ich denk' an nichts, wofern Ich mit ihm bin! Doge. Das sollst Du, Kind! So viel Vermögen sie Dir nimmer zu verweigern. 2y die ver- viel Marina. Und wollten sie's, ich würde mit ihm fliehn. Doge. Das kann nicht seyn! Wohin auch wolltest Du? Marina. Ich weiſs nicht, rechne nicht: nach Syrien, Egypten, zu dem Türken, gleichviel, wo— Wo wir nur ohne Fesseln athmen mögen, Und von Spionen nicht umringt, und nicht Inquisitoren-Winken unterthan. Doge. Wie? Willst Du Deinen Gatten zum Verräther, Zum Renegaten machen Marina. Er nicht ist’s! Der Staat ist an sich selbst Verräther, der Die edelsten und besten seiner Söhne So von sich stöfst; denh Tyranney ist weit Der schmählichste Verrath.— Meint Ihr, es könne Der Unterthan allein Empörer seyn? Der Fürst, der seine Treue bricht, sein Wort Verletzt, ist mehr ein Räuber, als das Haupt Der schlimmsten Bande. Doge. Nun, mir gebt Ihr wohl Nicht solchen Treubruch schuld? Marina. Nicht Euch, fürwahr, Ihr schütztet und gehorchtet solcher Satzung, Die im Vergleich selbst Draco's rauh Gesetz Zu einem Codex des Erbarmens macht. Doge. Ich fand sie vor— ich hab' sie nicht gemacht. Wär' ich ein Unterthan, ich fände auch Wohl manche Stelle der Verbefsrung fähig, Doch sieh, als Fürst, darf ich— um unser Haus— Die Satzung unsrer Väter nicht verändern! Marina. Und gaben jene, sagt Herr Herzog, sie Zu ihrer Kinder Untergang? Doge. Mein Kind, Mit dieser Satzung ward Venedig, was Es ist— ein Staat, in Heldenmuth, im Reich, An Tagen und— ich füg' hinzu, an Ruhm— (Denn Römer Geist hat sich auf uns vererbt) Dem gleich, was uns von Rom und von Carthago, In ihre Da no Sagt li Fühllo Viellei In sole Der R Der N Auf gl Das St Nachst Dies 2 Es zeig Und v Von s So leh hr wohl fürwahr, tzung, esetz gemacht. h hig, unser rn! nd, a Reich, hm— rerbt) arthago, 77 In ihren besten Tagen, die Geschicht' erzählt, Da noch Senate jene Völker lenkten. Marina. Sagt lieber, da sie unterm schweren Joch Fühlloser Oligarchen seufzten. Doge. Nun, Vielleicht!— Allein, die Welt bezwangen! Sieh, In solchem Staat ist einer, sey er nun Der Reichste an erlaubtem Rang, sey er Der Niedrigste, und ohne Namen, stets Auf gleiche Weise— nichts, kömmt's darauf an, Das Staatsgesetz, das einem grofsen Ziel Nachstrebt, in Wirkung zu erhalten. Marina. Nun, Dies zeigt, Ihr seyd ein befsrer Dog', als Vater. Doge. Es zeigt, ich bin mehr Bürger nur, als beydes. Und waren durch Jährhunderte nicht tausend Von solchen Bürgern hier, und werden seyn, So lebt' Venedig längst nicht mehr, als Staat. Marina. Der Fluch bedeckt den Staat, wo das Gesetz Die Ordnung der Natur verkehrt! Doge. Zählt' ich So viele Söhne als ich Jahre zähle, Ich gäb' sie alle, sieh, nicht ohne Schmerz— Allein ich gäb' sie doch dem Dienst des Staats: Nach seinem Wunsch zu thun, sey's auf der Fluth, Im Felde, oder, mufs es seyn— wie's dem Geschehen— im Exil, in Ketten, oder, Was sonst noch Schlimm'res er von ihnen heischt. Marina. Und nennt Ihr Liebe dies des Vaterlands? Mir scheint es nur die wildste Barbarey! Hinweg, laſst mich zu meinem Catten jetat. Der weise Rath, mit seiner Eifersucht, Wird nicht so schlimm mit einem Weibe kriegen, Dafs er den Zutritt zum Gefängniſs mir Versagt. Doge. Ich nehm’s auf mich so weit, dafs ich Befehl will geben, Euch zu ihm zu lassen.— Was Daſs Nicht Er ge Das 1 Daſs Ich w ich erz— Staats: auf der 's dem r, ihnen 79 Marina. Was sag' ich ihm von seinem Vater? sprecht! Doge. Dafs er des Staats Gesetz verehren soll! Marina. Nichts weiter? Wollt Ihr ihn nicht sehn, bevor Er geht P Es ist das letztemal— vielleicht! Doge. Das letzte! O, mein Kind, das letztemal, Dafs ich mein letztes Kind— soll sehn! Sag ihm, Ich würde kommen; Tochter, sag' ihm das! (gehn.) —AA——Oͤͤ— Dritter Act. Das Gefängniſs Jacob Foscari's. Jacob Foscani(allein). Kein Licht, als jener schwache Schimmer, der Mir Mauern zeigt, die niemals einen Schall, Als Schmerzenstöne, Seufzer langen Kerkers, Den dumpfen Hall des fesselschweren Tritts, Gestön des Todes, und den Fluch zuletzt Verlorner Hoffnung wieder je gegeben! Und doch, für sie bin nach Venedig ich Zurück gekehrt, mit jener schwachen Hoffnung. Wahr ist's, daſs, ach, die Zeit, die ja den Marmor Verzehrt und schleift, auch aus der Menschen Brust Den wilden Haſs vielleicht gesogen hätte! Doch nein, ich hab' sie nicht gekannt— und hier Verzehrt sich nun mein eigen Herz, das, o, 81 — Mit solchem Sehnen für Venedig schlug, Als das der Taube für ihr fernes Nest, Wenn sie hoch durch die reinen Lüfte rollt, Die junge Brut von neuem zu begrüfsen.— (nähert sich der Mauer.) Doch welche Züge sech' ich hier entlang Die unerbittlich starre Mauer hin Gezeichnet? Reicht der schwache Schein mir 1. zu, Sie zu entziffern?— Ach, die Namen sind's, Von meinen Vorfahr’'n hier, an diesem Ort— Die Daten rasender Verzweifelung, er, der Der kurze Ausruf eines Grams, der, ach, nall, Für manchen wohl zu lastend mochte seyn! kers, Dies Blatt von Stein, gleich einem Grab-. ritts, stein, hält zt Mir die Geschichte ihrer Leiden vor; Und des Gefangnen klagende Erzählung h Steht hier in seine Kerkerwand gegraben, ſInung. Wie auf der, Rinde eines schlanken Baum'’s, ja den Der sein und seiner Holden Namen trägt, Des Liebenden glückseliger Bericht.— inschen Ach, ich erkenne manchen Namen hier, Der mir bekannt— zernagt, verdorben, gleich 21 Dem meinen, den ich hier hinzu will fügen, — und Wohl würdig einer solchen Chronik, die Vom Elend ward geschrieben und gelesen! G , o, (er gräbt seinen Namen.) 121. F Ein Diener der Zehn tritt ein.) Dienern. Ich bring' Euch Nahrung... Foscani. Setzt's nur nieder, dort: Der Hunger ist vorbey— doch meine Lippe Klebt dürr und trocken fest... Das Wasser! Meit Diener. Hiera Eoscari(nachdem er getrunken). Keir Ich dank' Euch.. o, nun ist mir besser! Dienen. Seht, Sag' Ich bin befehligt, Euch zu sagen, Herr, Dafs das Verhöp für heut' verschoben bleibt.— Foscari. Bis wann ⁵ Ja a Dienen. zul Ich weiſs nicht, Herr! Zugleich bin ich 4 Beordert, die sehr edle Frau hier ein Ii 1 in Zu lassen. J . a, Foscari. ESi Ab— sie geben nach! O Cott, Zu] Um Ich hatte aufgehört zu hoffen.— Ja, S'war Zeit! Wa Marina tritt ein. 2. Marina. O mein Geliebter! dort; Foscari(sie umarmend). pe Theures Weib! Mein einz'ger Freund! O welches Glück! Marina. O, nun Kein Scheiden mehr! Foscari. Und wolltest Du den Kerker, Sag’, mit mir theilen P bt.— Marina. Folterbank und Grab— Ja alles, alles ja, mit Dir!— Doch sieh, das Grab . Zuletzt— denn dort, dort sind wir, unbe- din ich wufst, Einander nah; doch will ich's mit Dir theilen! Ja, alles— alles, nur kein neuer Abschied ,— Es ist genug, den ersten überlebt tt, Zu haben!— O, wie ist Dir? Sag', wie steht's 4 Um diese kranken Glieder b— Sprich! Doch ach, Was frag' ich: Deine blasse Wange.. Foscari. I 9. Die Freude, Dich so bald, so ungehofft gie Zu sehn, sie hat mein Blut zurück zum Herzen V V Gedrängt, und meine Wang' der Deinen gleich 5 Gemacht. Denn Du bist blaſs— sehr blaſs, 1 Marina! gic . De- Marina. Die Das Zwielicht dieser ew'gen Zelle ist's, Fü Die keinen Sonnenblick je sah, und die Da Verblafste Leuchte jenes Dieners, die Mit Dem Dunkel näher, als dem Licht verwandt, Den Pechqualm mischend mit dem schweren Dampf Des Kerkers, alles, was wir sehn, Dumwölkt, Sogar Dein Aug’... Doch nein, es glänzt; o wie Es glänzt! Hie Ge- Foscari. Und Deins; doch jene Fackel blendet W Mein Aug'. Marina. Mich blendet's ohne sie. Und sal'st Voi Du hier? Gel 85⁵ V Foscari. ſ Zu Anfang nichts. Doch Zeit und Uebung Sie machten mit dem Dunkel mich vertraut: lerzen Und endlich war das graue Zwielicht selbst, gleich Das schimmernd durch die Spalten, die der blaſs, Wind Sich öffnet, dringt, mir theurer, als der Glanz Der vollen Sonne, wenn sie überströmend Die Thürme andrer Städte, als Venedigs, Für mich vergoldet!.. Und im Augenblick Da Du erschienst, war ich beschäftigt, sieh, Mit Schreiben. ndte Marina. awe 8 Du?— Und was? lkt, 4 Foscari. ö Jlänzt; 3 Mein Name, sieh! Hier ist er— dicht bey dem, der vor mir hier Gewohnt, wenn diese Kerkerchronik wahr.— Marina. blendet Was ward mit ihm Foscari. Die Wände schweigen, Kind, d sah'st Von der Bewohner Ende, wenn sie gleich Geheimnifsvoll uns zuzuwinkeu scheinen. So feste Mauern wurden nie errichtet, Als über Todte, oder solche, die Es bald zu seyn!— Was ward mit ihm? Du fragst Was ward mit mir?— mag bald gefragt hier werden, Und mit derselben Antwort— Zweifel— und Verstummen;— wenn nicht etwa Du mein Loos Erzählst. Marina. Ich— von Dir sprechen?! Foscari. Und, warum? Sich, Alles— Alles spricht alsdann von mir: Die Tyranney des Schweigens währt nicht lang, Und sind Begebenheiten auch verborgen, Die Seufzer des Gerechten brechen doch Zuletzt durch jeden Kitt, ja wär' es selbst Ein lebend Grab, wie dies.— Ich zweifle nicht An meinem Angedenken, nein; allein An meinem Leben:— doch, ich fürchte keins! Marina. Dein Leben ist gerettet! Foscari. Und die Freyheitk und n Loos rum 5 n mir: t lang, „. bst le nicht fürchte Marina. Der freye Geist kann seine eigne bilden. Foscari. Das klingt gar edel— doch es ist nur Schall, Zwar eindrucksvoll, doch flüchtige Musik.— Der Geist ist viel— doch sieh, er ist nicht alles! Der Geist hat mich gestählt, dafs ich der Noth Des Todes stumm getrotzt und arger Qual (Die schlimmer als der Tod, wenn dieser Schlaf Nur ist) getrotzt, selbst ohne einen Seufzer, Mit einem Schrey allein, der meine Richter, Nicht mich beschämt.— Doch, alles ist er nicht, 2s gibt noch schlimm're Dinge— schlimmere; Wie dieses Kerkers Dunkel hauset, wo Ich viele— viele Jahre athmen mag! Marina. Ja wohl! Und diese schmale Zelle hier, Die alles, was Dir von dem weiten Reich Geblieben, dessen Fürst Dein Vater ist! Foscari. Nur der Cedanke hilft mir's kaum ertragen. Mein Urtheil ist gemein, wie viele, sich, Verschmachten nicht in Kerkern?— Doch nicht einer Gewifs in einem Kerker, der so nah An seines Vaters Pallast gränzt.— Allein Da ist mein Herz bisweilen hoch, und sieh Die Hoffnung strömt entlang am lichten Strahl Des Tags, der, reich bewohnt von Sonnen- stäubchen, Uns unser einzig Licht gewährt; bis auf Des Kerkerwächters Fackel und ein Würmchen, Das gestern sich in jener Spinne Netz Gefangen; sieh, und aufser dem ich nichts, Was einem Strahle glich, hier je gesehn!— Ja, ja, ich weiſs, ob uns der Geist vermag Empor zu tragen, oder nicht. Denn, glaub', Ich habe solchen, habe ihn gezeigt Der Weltl— Er kränkelt in der Einsamkeit: Die Seele ist gesellschaftlich geboren! Marina. Ich will ja bey Dir seyn. Foscari. Ja, wenn das wäre! Doch sie erlaubten's nicht, sie werdens nicht!— Nein, nein, ich werde wieder einsam seyn; Kein Mensch— kein Buch— dies falsche Zerr- bild selbst amkeit: väre! rdens yn; ne Zerr- 89 Des falschen Menschen! Sieh, ich bat um jene Conturen unseres Geschlechts— die man Annalen nennt, Historie, wie Du willst, Die Männer wie Gemälde auf uns bringen— Allein sie wurden mir verweigert;— so Sind diese Mauern hier mein Studium, Ein treuer Bild Venezischer Geschichte, Mit ihren Lücken, ihren dunklen Flecken, Als jene Halle, die nicht weit von hier In Bildern hundert Dogen, ihre Thaten, Und ihre Daten zeigt. Marina. Ich kam hieher, Dir den Erfolg der letzten Sitzung, die Sie über Dich gehalten, zu berichten. Foscari. Ich weiſs ihn; sieh! (er zeigt auf seine Glieder, auf die überstan- dene Tortur deutend.) Marina. Nichts mehr— nichts mehr hievon, Sie selber lassen nach in wildem Haſs. Foscari. Und dann 5 90 Marina. Du kehrst zurück nach Candia! Foscari. So stürzt denn meine letzte Hoffnung hin! Ich trug den Kerker, denn er war— Venedig. Ich trug die Folter, denn in dieser Luft War Etwas, das die Seele aufrecht hielt, Gleich dem vom Sturme wild bewegten Schiff, Das stolz die hohen Fluthen doch durchfurcht, Und nicht von seiner Richtung weicht— doch dort! Fern— fern— auf jener fluchbeladnen Insel, Von Sclaven und Ungläubigen und Verbrechern Bewohnt— dort gleich ich dem gestrandeten, Zerschellten Wrack, und meine Seele schmilzt In meinem Busen:— ja, Du siehst mich Stück Für Stück vergehen, mufs ich dort zurück! Marina. Und hier 5 Foscari. Mit eins— auf besserm Wege, da Er kürzer ist! Wie? Wollen sie mir auch Der Väter Gruft entreiſsen, wie sie mir Mein Haus und Erb' entrissen P Marina. Mein Gemahl! Ich habe nachgesucht, dafs ich mit Dir Doc Auf Ihr All. Allr Her Das Gin Die 11 hin! enedig. It, Schifl, furcht, — doch Insel, rechern h Stück urück! 9¹ Von hinnen darf, und nicht so hoffnungslos.— Die Liebe für ein grausam, undankbar Und wildes Vaterland, wie Du sie nährst, Ist irre Leidenschaft, nicht ächte Gluth! Für mich, säh' ich Dich ruhig nur und froh Im freundlichen Besitz der Erd' und Luft, Ich wollt' um Clima nicht und Gegend rechten! O dieser Haufen von Pallästen, sieh, Und Kerkern ist fürwahr kein Paradies. Verbannte waren seine Urbewohner... Elende... Foscari. O, ich weiſs, wie elend! Marina. Und Doch siehst Du selbst, wie vom Moment der Flucht Auf diese Salzes-Inseln vor den Tartern Ihr alter Muth, der von der Erbschaft Roms Allein noch übrig blieb, ihr Heldensinn Allmächtig aus der Wog' ein neues Rom Hervorgerufen.— Kann ein Uebel denn, Das so zum Guten führt, Dich also beugen? Foscari. Ging' ich aus meinem Vaterland, wie Die alten Patriarchen, fern, mit Haus 9² Und Heerd', ein ander Reich sich suchend; wär' Ich fortgestoſsen, wie der Jude ward Von Zion, und wie unsre Väter von Italiens fruchtbaren Gefilden wurden, Durch Attila, auf diese öde Inseln, Ich hätte eine Thräne meinem Land Geweiht, und manches Angedenken— doch, Dann hätt' ich mich mit denen, um mich her, Daran gemacht, mir eine neue Heimath, Und einen frischen Staat zu gründen— sich, Und so hätt' ich's vielleicht ertragen lernen— Doch weiſfs ich's nicht. Marina. Warum nicht? Sieh, es war Das Loos von Millionen, und es wird's Von andern seyn! Foscari. O sieh, wir hören nur Der Ueberlebenden Gedeihn— die Zahl, Die Arbeit und ihr Wachsthum preisen. Doch, Wer zählt die Herzen, die im Stillen brachen, An dieser Trennung, oder bald nachher. An jener Krankheit*), welche grünende Und heimathliche Fluren aus der Tiefe *) Die Calentura. Des Mit Des Kan An Und Des Er f Und Und Ihr S'ist Von Das Gehe Des Meeres vor dem Blick empor oft ruft; Mit solcher Täuschung für das irre Aug' Des siechenden Verbannten, dafs er kaum Kann abgchalten werden hin zu treten?— An jener Melodie*), die sich aus Schall Und Tönen solche Nahrung für den Gram loch Des kranken Bergbewohners webt, sobald och,. 4.— Er fern von seinen wolkigten Schneegipfeln Und seinen Schluchten weilt, daſs er sich fort vieh Und fort am süſsen Gifte letzt— und etirbt. 2 Ihr nennt dies Schwachheit. Doch ich sage euch, S'ist Stärke— Stärke, und die Mutter, scht, Von jedem edelen Gefühl. Ja, wer Das Vaterland nicht liebt, nichts kann der lieben! ch her, rnen— 8 War Marina. Gehorch' ihm denn! Es stöfst Dich fort von sich! 2 Doch, Foscari. ehen Ja, ja, das ist's.— Es ist wie Mutterfluch Auf meiner Seele, und das Brandmahl klebt nur *) Anspielung auf den Schweizerkuhreigen und seine Wirkung. 94 An mir!— O, die Vertriebenen, die Du Genannt, sie gingen Völkerweis hinweg: Ihr Arm erhielt sie aufrecht wechselweis Den langen Weg hindurch, und ihre Zelte, Sie standen an einander dicht gedrängt— Ich bin— allein! Marina. Du bist's nicht mehr! Ich geh' Mit Dir! Foscari. Mein süfses Weib!— Und unsre Kinder? Marina. Die, fürcht' ich, dürfen uns nach dieses Staats Entsetzenvoller Politik(die ja 4 Sich jedes Bands bemächtiget, und nach Gefallen es, gleich einem Faden, bricht) Nicht folgen. Foscari. Und vermagst Du sie zu lassen? Marina. Mit mancher Thräne, ja, allein ich kann's; Ich kann die Kinder lassen, Dich zu lehren, Doch minder Kind zu seyn. O, lern' von mir, Gefühle lenken, wenn die höhre Pflicht Esl Zu Für Um Verg Erba Fern In w Dies Dir j Tief Du s- Auf So st Du h Und Ich v Lals lte, h geh inder? Staats 9⁵ Es heischt, und unsre erste ist auf Erden, Zu tragen! Foscari. Hab' ich nicht? Marina. Zu viel— zu viel Für diese finstre Tyranney. Genug, Um nicht vor einem Loos zu zittern, das, Verglichen dem, was Du getragen hast, Erbarmung ist. Foscari. O, sieh— Du warst noch nie Femn von Venedig; sah’st noch niemals— o, In weichende Entfernung Dir zurück Die schönen Kuppeln schwinden, während, ach, Dir jede Furche Deines Schiffes tief, Tief durch die Seele selbst zu schneiden scheint; Du sah'st noch nie den Tag hernieder gehn Auf diese heimathlichen Zinnen, die So still in ihrer goldnen Glorie ruhn; Du hast von ihnen schmerzlich nie geträumt, Und bist erwacht, und fandest sie nicht mehr! Marina. Ich will das mit Dir theilen, theurer Freund! Laſs uns an unsern Abschied lieber denken Von dieser sehr geliebten Stadt(da Du Sie einmal lieben mufst) und dieser Kammer, Für unsre Kinder wird der Herzog sorgen, Die ihre Dankbarkeit Dir zuerkennt.— Die Ohme; wir, wir müssen noch vor Nacht Zu Schiff! Foscari. O, das ist schnell! Soll ich ihn nicht, Den Vater, denn nicht sehn... Marina. 3 Du wirst! Foscari. Und wo? 4 Marina. Hier, oder dort, im herzoglichen Saal.. Er sagt nicht, wo?— Ich wollt'’, Du trügst Dein Loos, Wie er es trägt. Foscari. O, schilt ihn nicht! Ich auch, Ich murrte wohl für einen Augenblick; Allein er kann, er kann nicht anders.— Sieh, Ein Zeichen des Gefühls, ein Wink des Mitleids 97 Hätt' auf sein greises Haupt den Argwohn schnell Der Zehn herabgezogen, und auf mich Gehäuft're Qual. Marina. Gehäuftere? O sag', Mit welchem Schmerz verschonten sie Dich denn? Foscari. Mit dem, Venedig zu verlassen, und Dich nicht und ihn zu sehn, was sie zu weigern Vermocht, wie sie's das erstemal gethan. Marina. Sieh, das ist wahr; und so weit bin ich selbst Des Staates Schuldnerin.— Und werd' es mehr, Seh' ich uns schweben erst dahin— dahin Auf freyen Wogen, wär' es auch an's End' Der Welt, von der verhafsten, ungerechten.. Foscari. O, fluch' ihr nicht! Wenn ich verstumme, Wer darf mein Vaterland verklagen? Sprich! Marina. O Menschen hier, und Engel dort! Das Blut Von Myriaden, das zum Himmel dampft, 121. Das Stöhnen Tausender in Sclavenketten, Verschmachtende in Kerkern, Mütter, Weiber; Und Söhn' und Aeltern in der Sclaverey Von zehn Starr-Köpfen, und zuletzt, ja sieh, Dein Schweigen selbst. Wohlan, vermöchtest Du Zu seinem Preise etwas nur zu sagen— Wer gäb'’ ihm breis gleich Dir 5 Foscari. So lafs uns denn An unsern Abschied denken, da es muſs Geschieden seyn. Doch still! Wer kommt? Loredano mit Dienern. Loredano(zu den Dienern). Zurück! Und lafst die Fackeln hier! (die Diener gehn.) Fosccri. Willkommen hier, Sehr edler Herr; ich glaubte diesen Ort Nicht würdig solcher Gegenwart. Loredano. Es ist Das erstemal nicht, daſs ich ihn besucht. 99 Marina. ber; Und sollte wahrlich nicht das letzte seyn, ie Fänd' Jedermanns Verdienst nur seinen Lohn!— zu 8 Kamt Ihr hieher, uns zu versöhnen, oder test Um als Spion um uns zu bleiben, oder Als Geifsel gar für uns 5 Zoredano. Nichts liegt von dem, Sehr edle Frau, in meinem heutigen dem Beruf— ich bin hieher gesandt vom Rath, 5 Dem Manne dort, den Schlufs der Zehn“ zu t bringen. Marina. Der zarte Dienst ist Euch vorweg genommen; Er ist bekannt!— Loredano. Wie das? Marinca. er, Ich hab' ihn, seht, vielleicht So schonend nicht, als Euer zarter Sinn Gewünscht, die Milde Euerer Collegen Schon mitgetheilt— allein er kannte sie!— Kommt Ihr um unsern Dank: so nehmt ihn, und Hinweg!— Des Kerkers Finsterniſs ist tief 100 Genug, auch ohne Euch, und das Gewürm, Nicht minder lästig, ist sein Stich auch gleich Noch ehrlicher!.. Foscari. Ich bitte Dich... o schweig.; Was nützet solch ein Wort? Marina. Es zeigt ihm doch, Dafs er gekannt! Loredano. Die edle Frau behauptet Das Vorrecht des Geschlechts... Marina. Ich habe Söhne, 0 Herr, die einst Euch besser danken sollen! Loredano. Ihr handelt löblich, klug sie zu erziehn.— So wiſst Ihr Euer Urtheil, Foscari p Foscari. Nach Candia? Loredano. So ist's— für Lebenszeit, Foscari. Nicht lange also. 8 Loredano. ich Hört! Ieh sagte Euch, Für Lebenszeit- Foscari. 42 Und ich erwiedre Euch, Nicht lange! Loredano. 12 Ihr haht ein Jahr Gefangenschaft In der Canea, dann die freye Wahl Der ganzen Insel... 2t. Foscari. O es ist dasselbe: Die spät're Freyheit und der früh're Kerker. Ist's wahr, mein Weib begleitet mich? Loredano. — Ja; wenn sie will!— Marina. Und wer erlangte mir so viel Gerechtigkeit? Loredano. Jemand, Ihr seht, der nicht Mit Weibern kriegt. Marina. Und Männer unterdrückt!.⸗ Doch wie dem sey, er nehme meinen Dank, Als für das einz'ge Gut, das ich von ihm Und Seines-Gleichen angenommen. Loredano. Er Empfängt ihn, seht, wie er geboten wird. Marina. So mag er ihm gedeihn— nicht mehr! Foscari.. Ist dies, Herr, Eure ganze Sendung? Denn, Ihr. wiſst, Die Zeit ward kurz uns zugemessen, seht, Und Eure Gegenwart beunruhigt Die Dame dort, aus einem Haus, so edel Als nur das Eure ist. Marina. O, edeler! Loredano. Wie das? Marina. Hochherziger!— Wir sagen ja: „Ein hohes Roſs“, die Reinheit seines Bluts Uns zu bezeichnen— alse lernte ich's: k, Obgleich Venezianerin— die selten Nur Rosse sehn, als die von Erz gebildet— Von solchen, die die fernen Küsten oft Egyptens und Arabiens besucht— Warum denn nicht sogleich:«ein hoher Mann! Wenn Abkunft etwas ist, so ist sie's doch Durch Eigenschaften, nicht durch Jahre blos. Allein mein Stamm, so alt als Euerer, Ist besser in den Früchten.— Ja, o blickt Nur nicht so streng, macht Euch hinweg viel- mehr, Studiret Euren Stammbaum, der am Blatt Wohl grün, an Früchten reif wohl ist, und schämt Euch, Ahnen dort zu finden, die fürwahr Ob solchen Sohns, wie Du, errötheten, Du langer, kalter Hasser! Foscari. Still, Marina! Marina. Wie?— Still, Marina!— Siehst Du nicht, er kommt Hicher, mit einem Blick auf unser Elend Noch seinen Hafs zu weiden. Laſs ihn dies Denn theilen! Foscari. O, das wäre schwer. Marina. Nichts leichter! O siek, er theilt es jetzt. Und mag er gleich Still hinter einer Marmorstirn und hinter Dem Lächeln seiner Lippe seine Qual Verbergen— o, er theilt es doch. Ein Wort Voll Wahrheit macht des Bösen Knecht, so gut Als seinen Meister, schaamroth.— Sich', ich hab' An seiner Seele einen Augenblick Genaget, wie das ew' ge Feuer bald Für immer wird. Sich', wie er vor mir bebt! Mit Tod und Ketten und Exil zur Hand, Die nach Gefallen über sein Geschlecht Er streuen mag, erbebt er, sich', vor mir! Zum Angriff sind sie, nicht zur Wehre— sein; Denn bis in's Tiefste seines kalten Herzens Hab' ich gebohrt.— Ich fürchte nicht sein Zürnen; Wir können ja nur sterben— aber er, Er lebt— das schreckenvollste Loos für ihn— Denn jeder Tag verbürgt ihn dem Ver- sucher! Foscari. Du redest Wahnwitz. chter! gleich Wort 80 gut h hab' bebt! at sein ihn— a Ver- 105 Marina. Mag es seyn! Wer hat Wahnwitzig uns gemacht 5 Loredano. Laſst sie, lafst sie— Es reizt mich nicht. Marina. Du lügst! Du kamst hieher, Mit eisigem Triumphe Deinen Blick An tausendfält'gem Elend kalt zu weiden; Umsonst erfleht zu werden kamest Du, Zu zählen unsre Thränen, unsre Seufzer Zu sammeln, und den Schiffbruch anzusehn, In den Du eines Fürsten Sohn gestürzt— Und meinen Gatten— den Gefallnen, kurz, Mit Füſsen noch zu treten— ein Geschäft, Vor dem der Henker schaudert, wie die Men- schen Vor ihm.— Wie steht es nun um Euch, Signor? Wir sind so elend, seht, als Euere Cabale nur uns machen, Eure Rache Uns wünschen kann— wie fühlt Ihr Euch denn nunb Loredano. Dem Felsen gleich... 106 Marina Wenn ihn der Blitz zerschellt, Er fühlt es nicht— allein er ist zerschellt. Komm, Foscari— laſs uns hinweg, hinweg! Sich', diesen Frevler lassen wir zurück, Als würdigen Bewohner dieser Zelle, Die er zwar oft bevölkert, doch noch nie Gebührend, bis er selbst, allein, hier haus't.— Der Doge tritt ein. Foscari. Mein Vater! Doge(ihn umarmend). Jacob! O mein Sohn, mein Sohn! Foscari. O Vater, sagt, wie lange ist es schon, Dafs ich Euch meinen Namen nennen hörte? Ja, meinen— unsern Namen. Doge. O, mein Kind! Ja, wüfstest Du... Foscari. Ich habe nicht gemurrt, Ich Her eschellt, hellt. nweg! nie k, hier Sohn hörte 5 Kind! b V murrt. Doge. Ich fühl’'s zu sehr— Du hast es nicht. Marina. Schaut auf, Herr Doge!(sie deutet auf Loredano.) Doge. Wohl, ich seh' den Mann: was meinst Du, Kind? Manina. Nun, Vorsicht! Lonedano. Ja, das ist die Tugend, Die dieser edlen Frau am meisten noth; Sie handelt recht, sie also zu empfehlen. Marina. Elender, schweig! S'ist keine Tugend, nein, Sie ist die Politik der Elenden, Die mit Gewalt dem Laster folgen müssen. Und so empfahl ich sie, wie ich den Wandrer, Der auf die Natter treten Wollte, warne. Doge. Es war nicht nöthig, Tochter, s'ist schon lang, Daſs ich Herrn Loredano kenne— Loreduano. 3 0, Ihr könnt ihn besser kennen lernen. 108 Marina. Ja, Denn— schlechter— ist nicht möglich! Foscari. Vater, o, Lafst diese Abschiedsstund' uns nicht verlieren Im Hören eiteler Beschuldigungen. Sagt: ist's— o ist's gewifs das letztemal? Doge. Du siehst dies weifse Haar... Foscari. Und ach, ich fühl's, Dafs meines nie zu solchem Schnee erbleicht. Umarmt mich, Vater; o ich liebt' Euch stets, Doch nimmer, so, wie heut'.— O sehet, seht Auf meine Kinder— Eures letzten Sohns.. Lafst sie Euch seyn, was er Euch war, doch nie, Was er Euch heutc ist!.. Kann ich sie sehn? Marina. Nicht jetzt— nicht hier. Foscari. Sie dürfen überall Nicht ihren Vater sehn? 2 glich! ater, o, erlieren mal? kühl's, bleicht. ch stets, net, seht hns.. h war, ie sehn? berall Marina. Ich wollte nicht, Daſs sie an einem Ort ihn säh'n, wo Furcht Sich zu der Liebe rauh gesellt, die nur Ihr junges Blut im frohen Lauf erstarrt. sie afsen, schliefen sanft, und wufsten nicht, Ihr Vater sey ein aufgejagtes Wild, Geächtet, ohne Wehr und Schutz. Wohlan, Und ahn' ich gleich, sein Schicksal werde einst Ihr Erbtheil seyn, so sey es denn ihr Erbe, Und nicht ihr gegenwärtiger Besitz. Ihr Sinn der Liebe offen, ist es auch Dem Schreck, und jener schwarze Dampf, die Woge, Die dick und grünlich über diesem Ort sich wieget, wo wir sind— der Kerker, der Tief unterm Wasserspiegel seinen Hauch Durch jeden Ritz hervor uns sendet— dies, Dies möchte sie entsetzen; o, es ist Nicht ihre Atmosphäre, seht, wenn gleich Ihr— Ihr, und als der Würdigste, auch Ihr, Herr Loredano, ohne Nachtheil hier sie athmen mögt. Foscari. Ich dachte nicht daran, Und bin zufrieden.— Muſs ich scheiden denn, sprich— ohne sie zu sehn? Doge. Das nicht, mein Sohn— sie sollen Dein in meinen Zimmern warten. Foscari(zu Loredano). Und muſs ich alle lassen— sagt? Loredano. 8 Ihr müſst! Foscari. Nicht einen? Loredano. Nein, sie sind des Staats!.. Marina. Icli wähnt, sie wären mein! Loredano(kalt). In mütterlichen Dingen.. Da sind sie's— ja. Marina. Das heifst, in allem dem, Was schmerzlich ist! Seht, sind sie krank etwan, Da läſst man mir sie zur Besorgung— ja, Und stürben sie— zur Klage, zum Begrähniſs, Doch wenn sie leben, o, da macht ihr schnell Verb Sie 1 Und Seht Für Die d Wie In se So we Lag s Entfe So ge Die f Sey s8 Sohn— rten. nüfst! wähnt, ingen.. m dem, e krank ja, gräbniſs, schnell Soldaten, Senatoren, Sclaven und Verbannte draus— wie Euch's beliebt; und sind Sie Töchter und begütert— Bräute gar, Und Werbelohn, für Eure Edlen. O, Seht da des Staates warme Lieb' und Sorgfalt Für seine Söhne, seine Mütter! Lonedano. Auf! Die Stunde nahet, und der Wind ist gut. Foscari. Wie wiſst Ihr's, hier, wo nie ein Windstoſs weht In seiner schönen, kühnen Freyheit? Sprecht! Loredano. So war es, da ich kam; und die Galeere Lag segelfertig—, einen Bogenschufs Entfernt von Riva de' Schiavoni— nur. Foscari. So geht voran, mein Vater— und bereitet Die Kinder zu dem Abschied vor, vom Vater. Doge. Sey stark, mein Sohn... Foscari. b rill' Ich Ich will's.„ Mit Marina. Ein Lebewohl Sag diesem Kerker noch, mein Freund, und dem, Defs guten Diensten Du ihn einst verdankt. 01 Loredano. Da „... Wi Und seine Freyheit, jetzt. 8 6 Doge. Ich Er redet wahr! Hin⸗ Foscari. Ich zweifle nicht! Allein es ist ein Tausch Her Von schweren Ketten gegen schwerere. Er wufste das— sonst hätt' er nicht getauscht. Doch keinen Vorwurf; nein! Loredano. Die Zeit verrinnt.. Foscari. Ich dachte nicht, so zögernd diese Wohnung Einst zu verlassen; doch ich fühle— o, Daſs jeder Schritt— aus diesem Kerker selbst, bewohl 1, und lankt. r! sch rvere. tauscht. nnt.. 0, r selbst, b Ein Schritt ist— von Venedig; und so blick' Ich denn auf diese grauen Mauern selbst Mit Schmerz.. zurück. Doge. Mein Sohn— still, keine Thräne! Marind. O laſst sie fliefsen.. seht, er weinte nicht, Da Ihr ihn auf die Folter ausgestreckt, Wie könnt' ihn diese Thräne jetzt beschämen? Sie thut dem— ach, zu milden— Herzen wohl; Ich will sie trocknen, diese Thränen, oder Hinzu die meinen thun.— Ich könnte weinen, Kllein ich will's dem Unglücksel'gen dort Zu Lieb' nicht thun. Lafst uns hinweg— und Ihr, Herr Doge, führt uns an. Loredano(zu den Dienern). Die Fackeln her! Marina. Ja, leuchtet uns, als wär's zum Scheiterhaufen, Mit Loredano trauernd, wie ein Erbe. Doge. Mein Sohn— o, Du bistschwach— nimm diese Hand. 121. H 114 Foscari. O Gott! Muſs meine frische Jugend sich Auf Euer Alter lehnen?— Ich— der ich Die Stütze Eurer Jahre sollte seyn... Loredano. Nehmt meine denn, Marina. Berühr' ihn nicht— Er sticht, mein Foscari!— Entfernt Euch, Herr; Seyd überzeugt, wenn nur ein Griff von Euch Uns aus dem Abgrund rettete, in den Ihr uns gestürzt, nicht eine Hand, o seht, Nicht eine streckt' sich aus, der Euren zu Begegnen.— Komm, mein Foscari; und nimm Die Hand, die der Altar Dir gab; sie konnte Dich retten nicht, doch stützen soll sie Dich! (alle gehn.) 82₰ Icl ich lnimm onnte soll sie ehn.) 115 ——V--————— Vierter Act. Saal im kerzoglichen Pallast. Loredano. Barbarigo. Baròbarigo. Und habt Ihr selbst Vertraun auf diesen Plan? Lonedano. Ich hab's. Barbarigo. S'ist hart in seinen Jahren! Loredano. Sagt Vielmehr, s'ist mild, die schwere Last des Staats Von ihm zu nehmen. Barbarigo. O, es bricht sein Herz. Loredano. Das Alter liefs ihm keins! Er sah des Sohns Gebrochen; doch, bis auf ein einzigmal,— Im Kerker— wich er nicht. Barbarigo. Im Aeufsern— ja, Ich geb' Euch's zu. Allein, ich sah ihn oft In einer so verzweiflungsvollen Ruhe, Dafs auch der laut'ste Schmerz im Innern ihm Nichts zu beneiden hatte. Sagt, wo ist Er jetzt? Loredano- In seinem Theile vom Pallast, Mit seinem Sohn und mit dem ganzen Haus Der Foscari. Barbarigo. Zum Abschied b Loredano. Ja, zum letzten— Wie er auch bald dem Herzogthum ihn sagt. Barbarigo. Wann schifft er ein? Zu — ja, oft n ihm aus ten— Im ihn Loredano. Sofort, wenn dieser Abschied Beendet ist.— S'ist Zeit, sie zu erinnern! Barbarigo. O lafst sie doch... verkürzet ihnen nicht Den Augenblick. Loredano. Ich nicht!.. Wir haben mehr Zu thun zu dieser Frist. Denn dieser Tag, Ich sag' Euch, muſs der letzte seyn vom Reich Des alten Herzogs, wie's der erste ist Von seines Sohns Exil.— Das heiſst mir: Rache! Barbarigo. Zu harte, meine ich. Loredano. O, mäſsige! Nicht einmal Leben ja für Leben, wie's Die Regel der Vergeltung doch von aller Zeit: Sie schulden mir des Vaters und des Oheims! Barbanigo. Wie? Hat der Dog' es nicht geläugnet? Loredano. ¹ Ja! 118 Barbarigo. Und Euern Argwohn so erschüttert? Loredano. Nein! Barbarigo. Doch seht, wenn die Entthronung vor sich geht Durch unsern Einflufs in dem Rath der Zehn, So muſs es doch mit aller Rücksicht seyn: Auf seine Jahre, seine Stellung, sein Verdienst.— Loredano. So viel Ceremonie, als Euch Beliebt; nur daſs die That geschieht. Ihr mögt, Ich acht' es nicht, den Rath auf seinen Knie'n, Wie Barbarossa vor dem Papst, zu ihm Beordern, und ihn höflichst bitten lassen, Entl- So gut zu seyn, den Herzog abzudanken. Ihm Es is In u Barbarigo. Und wenn er es nicht will.... Ist's, Loredano. So wählen wir Uns einen andern— und cassiren ihn! V Ihr hie'n, Barbarigo. Doch, schützt uns das Gesetz? Loredano- Was für Gesetz ⁵ Die«Zehn“ sind das Gesetz! Und wär' es nicht, so will ich das Gesetz für diesen Fall Euch geben- Barbarigo. Ja, auf Euere Gefahr. Loredano. Es ist hier keine, sag' ich Euch— es liegt In unsrer Vollmacht. Barbarigo. Zweymal hat er, seht, Entlassung schon verlangt, und zweymal ward's Ihm abgeschlagen. Loredano. Ey, um so viel besser Ist's, jetzt sie zu gewähren. Barbarigo. Unverlangt? Loredano. Das zeigt den Eindruck seiner frühern Bitten. Wenn sie von Herzen kamen, nun so muſs Er unsrer jetzigen Verfügung danken; Wenn nicht, bestraft sie seine Heucheley.— Kommt, sie sind voll— laſst uns zu ihnen, fort, Und seyd nur diesmal fest in Eurem Plan. Ich habe solche Gründe schon bereit, Die sie bewegen— ihn entfernen sollen. Seht, ihre Wünsche und Gesinnungen Sind klar; drum lehrt nur Ihr mit Eurem stets Gewohnten Scrupeln nicht, uns stille stehn— Und alles wird gelingen. . Sar'barigo. Wär' ich nur Gewiſs, dafs dies kein Vorspiel ist, zu solcher Verfolgung für den Vater, wie sie auf Den Sohn gefallen ist— ich hülf' Euch gern. ZLoredano. Er ist in Sicherheit— ich sag' es Euch. Mag er die fünf und achtzig weiter ziehn, So lang er kann— sein Thron ist unser Ziel⸗ Barbarigo. Entsetzte Fürsten leben selten lang! Und Wa Wei Meh à stets hn— olcher gern. 2. Ziel. Loredano. Und Achtziger noch seltener, mein Freund! Sarbarigo. Warum die wen'gen Jahre denn nicht harren? Loredano. Weil wir nun lang genug geharrt, und er Mehr als zu lang gelebt.— Hinweg, zum Rath! (gehn ab.) Memumo und ein Senator. Senalton. Wie? Eine Ladung zu den Zehn?— Was ist’'s? Menmano. Die Zehn allein beantworten Euch das— Und traun, sie sind es nicht gewohnt, Ihr wiſst, Vor ihren Planen irrende Geriichte Vorher zu senden. Kurz, wir sind geladen— Das ist genug! Senalton. Für sie— doch nicht für uns! lch wüſste gern: warum 5 Memmio. Das werdet Ihr, Wenn Ihr gehorcht, in kurzem, und wenn nicht, Erfahret Ihr gewifs, warum Ihr zu Gehorchen hattet! Senalon. O, ich meine ja Nicht ihnen mich zu widersetzen; aber— Memmo. Mein Freund, das„Aber“ hier ist ein Ver- 8 räther!— Werft mir kein Aber» ein— ihr wanqdert, traun, Sonst über jenen Steg*), den Wenige Zurückegehn. Senator. O, ich bin stumm. Memmo. Wozu Auch zögern? Seht, der Rath der Zehn ruft sich *) Ponte de' gemieti, Seufzerbrücke. Heut fünf und zwanzig Senatoren, und Darunter Euch und mich, zur Hülf' in der Berathschlagung; und sey es Zufall— Wahl— Ich dünke mich geehrt, zu einer so Erhabenen Versammlung mich zu rechnen. Senator. Sehr wahr; ich sage auch nicht mehr. Memmo. Da wir Ver-(Und alle Edlen mögen dies) mit Recht Verhoffen, Einmal von den Zehn zu seyn, ndert, So ist's für die Erwählten des Senats GCewiſs ein Glück— und hoher Weisheit Schule Berufen als Novizen schon zu seyn— Des Staats Geheimnifs in der Näh' zu schaun. 1 Senator. So laſst's uns schaun; es ist der Mühe werth.. Memmo. Da's unser Leben gilt, wofern wir plaudern;— Gewiſs, ist's etwas werth— für Euch und mich Zum mindesten. 124 Senatkon. Ich suchte keinen Platz Im Heiligthum; allein, gewählt— ohgleich Selbst wider meinen Wunsch— mußs ich den Dienst Der Pflicht erfüllen. Memmo. Lafst uns denn die Letzten Nicht im Gehorsam ihrer Ladung seyn. Senaton. Sie sind noch nicht zusammen; doch ich selbst Bin Eurer Meinung ja— so weit. Laſst uns Hinein! Memmo. Die Ersten— die Willkommensten Bey wicht'gem Rath— seyn wir's nicht minder drum. (gehn.) Der Ja, V So fle Daſs Wie Als L Mit je Doch Mein Uns 1 Zu se Ja sel Mein Da si leich ch den Letzten selbst t uns 1 nsten V minder n.) Der Doge. Jacob Foscari. Marina. Foscari. Ja, Vater, muſs und will ich gleich von hier, So fleh' ich dennoch Euch, erlanget mir's, Dafs ich noch ceinmal wiederkehren darf, Wie fern die Frist auch sey. Stellt eine Zeit Als Leuchtthurm auf, einst für mein schiffend Herz, Mit jeder Bufse, wie sie gut Euch dünkt— Doch laſst mich einst— o einst zurück noch kehren!— Doge. Mein Sohn— geh' und gehorch dem Vaterland: Uns kommt’s nicht zu, darüber jetat hinaus Zu sehn. Foscari. O stets mufs ich dahin zurück Ja sehn. O, ich beschwör' Euch, denkt an mich! Doge. Mein Sohn, Du warst das liebste Kind mir stets, Da sie noch zahlreich— sprich, wie solltest Du’'s 126 Jetzt minder seyn, da Du mein letztes bistt Doch forderte der Staat auch das Exil Der ausgegrab'nen Asche Deiner Brüder Von mir, und ihre Schatten kämen mahnend Herbey geeilt, die That zu hindern, sieh, Ich wurde wen'ger nicht gehorsamen Der Pflicht, die über alle Pflichten geht. Marina. Mein Foscari— hinweg! Verlängern wir Nicht unsern Schmerz. Foscari. O zögre noch— noch sind Wir nicht gefordert, und des Schifles Segel Ruh'n unenifaltet noch; wer weiſs, der Wind Kann noch sich ändern. Marina. Und wenn er es thut, Er ändert nicht ihr Herz, noch unser Loos.— Die Canots der Galeere fliehen schon Den Hafen... Foscari. O, ihr Elemente! Wo— Wo sind uun Eure Stürme? V V Marina. In der Brust Der Menschen!— Kann Dich nichts beruhigen? Foscari. Nie rief der Schiffer seinen Heiligen Um günstig Weiter brünst'ger an, als ich Zu euch, ihr Heil'gen meiner Stadt, zu euch, Die ihr sie mehr nicht lieben könnt, als ich, Jetzt flehe, daſs ihr Adria's tiefste Fluth Aufrühren und den Fürst der Stürme mir, Den Auster, senden mögt, bis mich die See, Ein Leichnam, an der heimathlichen Küste, Am öden Lido, wieder von sich wirft, Dafs ich mich in dem Sand verlieren mag, Der wüst das Land umgürtet, das ich liebe, Und das ich niemals wieder sehen soll! Marina. Und wünschest Du an meiner Seite so?⁵ Foscari. Nein, nicht um Dich, zu gutes, zartes Weib! O magst Du leben, Mutter noch zu seyn Der theuren Kinder, welche Deine Treu' Um Deinen Beystand bringt. Doch sieh, für mich, O möchten alle Winde dieses Himmels Doch nieder auf den Golfo stürmen, bis 128 Das Schiff zerschellt, das Seevolk stumm, ver- blafst Sein schon verzweifelnd Auge wirft auf mich, Wie einst auf Jonas die Phönizier, Und mich den Wogen hinvirft, als ein Opfer, Sie zu beruhigen. Die Welle, die Mich tödtet, wird barmherz'ger seyn, als mir Die Menschen waren, und mich todt, ja todt Zu meiner heimathlichen Grube tragen, Von Fischers Hand am öden Strand gebildet!— O, von den tausend Wracken, die dort ruhn, Kam keines so zerrissen je dahin, Als dieses Herz— das dort zum Grabe sinkt; Doch warum bricht's nicht jetzt? Was lebe ich 5 Marina. Dich zu ermannen, und Dich mit der Zeit Zum Herren dieser eitlen Leidenschaft Zu machen... Sich, bis jetzt warst Du ein Dulder, Doch nicht ein lauter— und was ist nun dies, Verglichen dem, was schweigend Du ertrugst— Gefängnifs und Tortur. Foscari. Ja, doppelt, dreyfach, Und zehnfache Tortur! Doch Du hast recht.— Es m Mir I Doch Der a Gebur (Wie Des IL Was 129 „ ver- Es mufs ertragen seyn! Mein Vater— gebt Mir Euren Segen!... ich, Hoge. 1 Opfer, 9.1 O, daſs er Dir hülfe! 1s mir Doch— doch, Du hast ihn, Sohn. todt Foscari. et!— 3 4 Vergebt.. ruhn, Se Doge. inkt; 9 8 5 lebe Kind, was f Foscari. Der armen Mutter die unselige eit Geburt, und mir mein Leben; o, Euch selbst, (Wie ich's auch Euch vergebe) dies Geschenk Hu ein Des Daseyns, das Ihr über mich gebracht! t nun Marina. Was thatest Du? 2gst— Foscani. Nichts, Kind!— Ich kann yfach, In dem Gedächtnifs wenig anders finden, ht.— 121. I 130 Als Leiden: doch so sehr ward ich, sieh, über'm Gemeinen Mafse heimgesucht, daſs ich Nothwendig glauben muſs, ich war ein Sünder. Und war ich so, so mag, was ich ertrug Hienieden, mich vor einem gleichen dort Behüten! Marina. Fürchte nicht: das bleibt bestimmt Für Deine Unterdrücker. Foscari. O, lafs mich's Nicht hoffen!.. Marina. Wie? Nicht hoffen? Foscari. Nein, ich kann Nicht alles ihnen wünschen, was ich trug. Marina. Nicht allesP Diesen Teufeln! Mag der Wurm, Der niemals stirbt, doch ewig sie zernagen!— Sie Der Des Mei Die mmt Foscari. sie können Reue fühlen! Marina. Wollien sie's, Der Himmel nimmt die späte Reue nicht Des Unholds an. Ein Oficier und Mache. OQʒficien. Signor, das Boot ist da— Der Wind schwillt an; wir sind bereit, Euch zu Geleiten. Foscari. Und ich bin's, geführt zu seyn.— Mein Vater— Eure Hand! Doge. Hier, Sohn! O, wie Die Deine bebt! Foscani. Ihr irrt, die Eure ist'’s, Die zittert, Vater! Lebet wohl! Doge. Leb' wohl! Hast Du noch etwas? Foscari. Sei Nein— nichts mehr... (zum Oſſicier) Leiht mir Doch Euren Arm, Signor! Bin OQFficiern. Ihr werdet blafs!“ Lafst Euch doch halten.. blasser, wie? Fort! Hülfe! Bringt Wasser! Marina. O, er stirbt! Foscari. Wohlan, ich bin Bereit!... Mein Blick schwimmt wunderbar. Wo ist Die Thür 5... Marina. Hinweg! Lafst mich ihn stützen. O, Geliebter— Gott! Wie langsam schlägt sein Herz! Sein Puls Foscari. Licht— Licht! Ist dort das Licht?— mir O ich— Bin schwach! (Der OMicier reicht ihm Wasser.) lafs! Opficier. Fort! Es bessert sich im Freyen wohl. Foscari. Ich zweifle nicht! Weib— Vater, Eure Hand Marina. Mein Gott! In diesem eis'gen Druck ist Tod! Mein Foscari, wie ist Dir? Rede! Foscari. Wohl! (er sinkt um und stirbt.) Ohficier. Er ist dahin! Doge. In Freyheit! Marina. Nein— er ist Nicht todt’— Es mufs in diesem heiſsen Herzen Noch Leben seyn!— Er kann uns so nicht lassen. Doge. O Tochter! Marina. Schweigt! Schweigt, alter Mann! Ich bin Nicht Eure Tochter— Du hast keinen Sohn! O Foscari! Opficier. Die Leiche mufs hinweg... ist eiſsen nicht —— 135 Marina. Berührt ihn nicht, Ungläubige! Hinweg! Eu'r Kerkerdienst hört mit dem Leben auf, Und geht nicht weiter, als zum Mord— ja selbst Nach Euren mördrischen Gesetzen.— Fort! Lafst seine Asche denen, die sie— o, Zu ehren wissen: Opficier. Ja— der Signorie Will ich's berichten, und Befehl erholen.. Doge. Berichtet denn der Signorie von mir, Dem Dogen, Herr, auf diesen Leichnam steh' Kein Recht ihr zu! So lang er lebt', gehört' Er ihr, wie es dem Unterthan geziemt. Jetzt ist er mein, mein herzgebrochen Kind! (der Oſficier geht.) Marina. Und ich muſs leben! ——— 136 Doge. Deine Kinder athmen, Marina! Marina. Meine Kinder? Ja, sie leben, Und ich muſs bleiben, sie zum Dienst des Staats, Zu einem Tod, wie dieser ihres Vaters, Mir aufzuziehn!—— Der höchste Segen, o, Hier, in Venedig, ist— Unfruchtbarkeit Ich wollte, meine Mutter wär's gewesen! Doge. O meine armen Kinder! Marina. Wie? So fühlt Ihr’s denn zuletzt!— Wo ist der Stoiker Des Staates nun? Doge. (indem er sich bey dem Leichnam seines Sohnes niederwirft.) Hier— hier! Ich Es Sie Er Marina. O, weinet nur; ſIch meint', Ihr hättet keine Thräne— doch Es scheint, Ihr sammeltet sie auf, bis daſs Sie nutzlos waren.— Weinet nun! Er weint, Er weint nicht mehr— nie mehr! Loredano. BarbariJo. Loredano. keitt Was gibt es hier 5 Marina. Ha, Satan naht, die Todten zu beschimpfen! Hinweg, du Lucifer von Fleisch und Bein— Siist heil'ger Grund, und eines Märtyrers Gebein ruht hier: ein Schränklein ist es, voll Von heiligen Reliquien.— Hinweg It Darum mit dir— an deinen Marterplatz! V Barbarigo. Wir wuſsten nichts, sehr edle Frau, von dem 9 Betrübten Vorfall, scht, und folgten hier Fohnes Nur unserm Weg vom Rathe her.. Marina. 5 So geht!— 138 Loredano. Zwar suchten wir den Dogen.. Marina. auf den Dogen weisend, der noch immer neben dem Leichnam seines Sohnes liegt.). Seht, er ist Beschäftigt mit der Arbeit, die Ihr ihm Besorgt.— Seyd Ihr zufrieden 5 Barbarigo. Lafst uns, Freund, Des Vaters Schmerzen schonen... Marina. O, ihr macht Sie ihm vergessen nur... Doge(aufstehend). Ich bin bereit— Barbarigo. O, nein, nicht jetzt. Wen Ich neben er ist reund, nacht 139 Loredano(kalt). Es ist doch wichtig, seht— Doge. Wenn's so ist, wiederhol' ich nur, Ihr Herrn, Ich bin bereit! Bar'barigo. Es darf nicht seyn, nicht jetzt— Und hing Venedig, wie ein leckes Schiff, Selbst über einer bodenlosen Tiefe.— Ich achte Euren Schmerz. Doge. Ich danke Euch! Doch ist die Zeitung, die Ihr bringet, schlimm, So sagt sie frey, nichts kann mich jetzt be- trüben, Als der, den Ihr dort auf der Erd' erblickt. Und ist sie gut, so sagt sie auch; Ihr dürft Nicht fürchten, Freund, dafs sie mich trösten wird. Barbarigo. Ich wollte, sie vermöcht's! Ich sagt' es nicht Zu Euch.. zu Loredano, seht, und der Versteht mich schon!— Marina. Ja, ja, ich dacht' es wohl! Doge. Was meint Ihr, Tochter 5 Marina. Seht! Dort fängt das Blut An, durch die welken Lippen Foscari's Zu rinnen.. O, der Leichnam blutet vor Dem Mörder... (ZLu Loredano.) Ha, Du feiger Mörder, durch Gesetze, sieh, wie der Ermordete Noch Zeugniſs wider Deine Thaten gibt! Doge. Mein Kind, dies redet Deine Phantasie, Vom Gram zerstört. Wen Ihr d Nicht Ein W Zu b Nähr Ihn Von Von Und Von hicht der wohl! as Blut Vor durch 1 (Zu Dienern.) Entfernt den Leichnam.— Herr'n, Wenn’s Euch beliebt, in einer Stunde wieder. (Doge und Marina gehn.) Barbarigo Ihr dürft ihn jetzt nicht stören! Loredano. Wie? Hat er Nicht selbst gesagt, nichts stör' ihn mehr 9. Barbarigo. Das war Ein Wort! Doch Gram ist einsam, undähinein Zu brechen über ihn, wär' grausam. Loredano. Schmerz Nährt sich von Einsamkeit, und nichts zerstreut Ihn mehr, als wenn wir ihn zu rechter Zeit Von seiner schwarzen Vision zurück— Von jener Welt zu dieser heimwärts rufen. Der Thätige hat keine Zeit zu Thränen! Barbcrigo. Und darum mögt Ihr wohl den alten Mann Von aller Thätigkeit entbinden wollen! Loredano. Die Sache ist beschlossen, und die«Zehn“, Vereinigt mit der Junta, haben’'s zum Gesetz erhoben; sagt, wer widersetzt Sich noch? Barbarigo. Die Menschlichkeit! Lonedano(Spottend). Nun, weil sein Sohn Gestorben 5 Barbarigo. Und noch unbegraben! Loredano. Nun, Wenn wir's gewuſst, da's im Beschluſs Noch war, so möcht' es die Verfügung, traun, Wohl aufgehalten haben.— Doch, einmal Passirt, vermag sie nichts zu hemmen... Barbarigo. Nein, Ich will'ge nie darin! Laſ lch Und ehn“, in Sohn in, 3 „ traun, Amal n.. Nein, Loredano. Ihr habt's gethan, In Alles, was uns wesentlich hier war; Lafst mir das Uebrige. Saròbar igo. Und warum zur Entsagung ihn mit dieser Eile drängen 5 Loredano. Gemeines Mitleid darf dem Wohl des Ganzen Nicht Abbruch thun, und was der Staat be- schloſs Für heute, darf dem Morgen niemals weichen Um ein natürliches Freigniſs, seht! Barbarigo. Ihr auch habt einen Sohn! Loredano. Ich habe! Doch lch hatte einen Vater. Barbarigo. O, so hart, Und unerbittlich stets p Loredano. Stets! Barbarigo. Nein, lafst ihn Den Sohn begraben wenigstens, eh' wir Mit der Verfügung ihn bedrängen... Loréedano. Lafst Ihn meinen Oheim, meinen Yater erst Zurück in's Leben rufen— dann mag's seyn! Der Mensch kann, alt selbst, Vater seyn und scheinen Von hundert Söhnen, doch nicht ein Atom Von seinen Vätern kann er mehr beleben, Wenn sie der Erd' einmal verfallen sind. Die Opfer sind nicht gleich. Er hat die Söhne Der Ford'rung der Natur erliegen sehn; Doch meine Eltern ich— gewaltsamer, Geheimnifsvoller Krankheit. Ich gebrauchte Kein Cift, bestach mir keinen schlauen Meister In jener mörderischen Kunst zu heilen, Den Weg zum ew'gen Heil ihm abzukürzen— Nein, seine Söhne(und er hatte vier) Sind hingegangen, ohne dafs ich drum Mit Speis' und Trank mich eingolassen hätte. Und Ich 1 Verr. Nach Den Mit Ihn Ihm Erwi Voll 12 seyn! n und om n, Söhne plassen Barbarigo. Und seyd Ihr sicher, dafs er so gethan? Loredano- Ich bin'’s. Barbarigo. Er schien doch frey und offen ganz. Loredano. So schien er jenem Carmagnuola auch Unlängst. Barbarigo. Dem fremden, überwiesenen Verräther5— Loredano. Ihm!— Als er die Nacht darauf— Nachdem die Zehn, verbunden mit dem Dogen, Den Tod für ihn beschlossen— Morgens Mit einem Scherz den Herzog froh begrüſste, Ihn fragend: ob er guten Tag ihm oder Ihm gute Nacht zu wünschen habe;“ da Erwiederte ihm seine Herrlichkeit 9 Voll Hohn: daſs er in Wahrheit diese Nacht K 121. — 146 Fast wachend hingebracht; und,“ fügte er, Mit einem gnäd'gen Lächeln, dann hinzu: Es ist die Rede oft von Euch gewesen.“*) So war's! Die Frage war der Untergang Des Carmagnuola— seht, acht Monden eh'r, Als er erblich.— Der alte Herzog wuſste Sein Urtheil, dennoch lächelte er ihm, Mit tödtlich gift'gem Scherz, acht lange Monden Vor seinem Tod.— Acht Monden Heucheley, Wie sie nur achtzig Jahre lehren können.— Der brave Carmagnuola starb:— so starb Der junge Foscari und seine Brüder— doch, Ihr saht mich niemals ihnen lächeln, Freund. Barbarigo. War Carmagnuola Euer Freund’n Loredano Das nicht.. Allein er war ein Schirm für unsre Stadt.. In jungen Jahren zwar ihr Feind— allein, Im Mannesalter ihr Erretter erst— Und dann— ihr Opfer. — *) Historisches Factum ht.. llein, adt.. 147 Barbarigo. Ach, das scheint der Lohn Zu seyn, bestimmt für die, die sie gerettet! Der, gegen den wir jetzt verfahren, war Ihr Retter nicht allein, er gab ihr auch Die Herrschaft über viele andre noch. Loredano. Die Römer(und wir eifern ihnen nach) Verliehen eine Krone jedem Krieger, Der eine Stadt gewann, und jedem Bürger, Der einen andern rettete im Feld. So war die Schätzung gleich. Und wenn wir nun Die Städte, die der Doge Foscari Gewonnen, gegen jene Bürger rechnen, Die durch ihn oder um ihn sind gefallen, So balancirt die Rechnung fürchterlich, Ich meine, gegen ihn— selbst eingeengt Zu bürgerlichem Zwist, wie zwischen ihm Und meinem todten Vater... Barbarigo. Seyd Ihr so Entschlossen denn 5 Loredano. Was soll mich wenden? Barbarigo. Das, Was mich! Doch nein, ich weiſs, Ihr seyd De wie Marmor Eu Im Hassen. Doch, wenn alles nun gelungen, Als Wenn Ihr den alten Mann entthront, entehrt Den Namen seines Hauses, unterdrückt ßBe Sein ganz Geschlecht, und Eures triumphirend- W Sagt, werdet Ihr dann ruhig schlafen?— Loredano. Tief, Und ruhig. Barbarigo. O, Ihr irrt; seht, Ihr werdet Es anders finden, ehe— als Ihr noch Bey Euern Vätern schlaft... Loredano. Sie schlafen ch'r In ihrem übereilten Crabe nicht, Sei Bis Foscari das seine füllt. Ich seh' Sie jede Nacht erzürnt mein Bett umschleichen, Und auf des Dogen Pallast deutend, mich Zur Rache mahnen. Das, ar seyd. 5 ngen, ntehrt rend— det 149 Harbarigo. Schwere Krankheit, Freund, Der Phantasie! S'ist keine Leidenschaft Euch so phantastisch und gespenstersüchtig, Als Hafs;— Sselbst nicht sein Gegentheil, die Liebe, Bevölkert Luft und Erde so mit Geistern, Wie diese Krankheit in der Menschenbrust. Ein Diener tritt auf. Loredano. Wohin da, Freund! Dienern. Auf seiner Herrlichkeit Befehl, des jungen Foscari Begräbniſs Zu ordnen... Barbarigo. Ihr Gewölbe hat sich oft Seit wenig Jahren aufgethan. Loredano. Bald ist Es voll, und wird für immer dann geschlossen. 15⁰ Diener. Und kann ich gehn? Loredano. Ihr könnt!— Barbarigo. Wie wägt der Herzog, Sagt, diesen letzten Unfall 5 Dienen. O, Herr, mit Der Festigkeit, die die Verzweiflung giht. In Andrer Gegenwart zwar spricht er wenig, Allein ich sah sich seine Lippe still Bewegen, und im nahen Vorgemach Vernahm ich— hörbar kaum, die Worte:„0, Mein Sohn!" von ihm.— Doch still— ich muſs hinweg! (geht.) Barbarigo. Der Schlag bringt ganz Venedig für ihn auf. Lonedlano. So ist's, und darum braucht'’s der Eile, Freund! Lafst uns die Abgeordneten berufen, Erwählt, den Schlufs des Raths zu überbringen, Ierzog, ingen. Barbarigo. Ich protestire— für den Augenblick! Loredano. Wie Euch beliebt!— Ich gehe, ihre Stimmen Zu sammeln, und zu sehen, welche mehr Gewicht gewinnt, die Eure oder meine. (gehn nach verschiedenen Seiten ab.) —-— ℳʃMu—₰N—-———A Fünfter Act. Des Dogen Gemaech Der Doge und ein Diener. Diener. Mein Fürst! die Deputirten harren noch; Doch, wenn Euch eine andre Stunde mehr Gefällt, so wollen sie zur ihrigen Sie machen. Doge. Mir sind alle Stunden gleich Lafs sie herein! (der Diener geht.) Ein andrer Diener. Mein Fürst.. ich hab's vollbracht, Was Ihr befahlt... Doge. Und was befahl ich Dir Diener. Ein trauriges Geschäft— den Zug zu ordnen.. Doge. Wahr— wahr. Ich bitt’ Euch um Verge- bung; ja Ich werde im Gedächtniſs schwach— und alt, Alt, fast, wie meine Jahre! O bis jetzt Wehrt'’ ich sie ab von mir; allein sie fangen Nun an, mich doch zu überwältigen.— Die Deputation, aus sechs Mitgliedern der Signoria und dem Chef der Zehn“ beste- hend, tritt ein. Chef der Zehn. Zuvörderst condolirt der Rath der Zehn Den Dogen ob der Trauer seines Hauses.. Doge. Nichts mehr— nichts mehr davon! Che). Wie? Will der Doge Dies Opfer unsrer Achtung nicht empfangen?⁵ Doge. Ich nehm' es, wie's geboten wird— doch weiter! Chef. Der Rath, vereint mit einem Ausschufs von Den fünf und zwanzig bestgebornen Patriziern, hat, in Betracht der Lage Der Republik, und jener schweren Sorgen, Die doppelt Eure Jahre jetzt bedrücken— So lang schon Eurem Vaterland geweiht— Für gut erkannt, mit schuldiger Verehrung Von Eurer Weisheit zu erbitten(die Unzweifelhaft darin einstimmig ist), Dafs Ihr den herzoglichen Ring— so lang Und so verehrungswürdig stets von Euch Geführt— zurückegebt: und zum Beweise, Dafs er nicht kalt, noch undankbar geblieben, Für Eure Jahre, seht, und Eure Dienste, So setzt er Euch zur Appanage noch 8⁰ ler Doge angen ⁵ a weiten! von gen, 1— t— rung lang h veise, blieben, te, Zwey tausend goldene Ducaten aus, Dafs Euere Zurückgezogenheit Nicht wen'ger glänzend sey, als es dem Haupt Des Staats geziemt. Doge. Sprecht— hab' ich recht gehört? Chef. Soll ich's noch einmal sagen 5 8 Doge. Nein! Seyd Ihr Zu End' 5 Chef. Ich habe ausgeredet.— Vier Und zwanzig Stunden sind Euch eingeräumt Zur Antwort. Doge. O, ich brauche nicht so viel Secunden. Qef. Herr— wir ziehen uns zurück! Doge. Nein, bleibt! Die Zahl von Stunden ändert nichts In dem, was ich zu sagen. Che. Nun, so sprecht! V Doge. b Als ich— wohl zwey verschiedne mal— den Wunsch, Zurückzutreten von dem Thron, gewagt, Ward mir's verweigert— ja, und nicht allein Verweigert— Ihr erprefstet einen Eid Von mir, dafs ich den Antrag niemals mehr Erneuen würde. Und so hab' ich denn Geschworen, in der Uebung meines Amts, Zu dem mein Vaterland mich hier berufen, Wie Ehr' und Pflicht erheischt, zu sterben. Und Ich breche nimmer meinen Eid! Chef. Ihr zwingt Nur zur Alternative des Decrets, Statt des Gesuchs, uns so. Es tl Allei Mich Ihm 157 Doge. ändert Der Himmel häuft Auf meine Tage Läuterung und Prüfung— Doch Ihr, Ihr habt kein Recht, mir ihre Länge Hier vorzuwerfen, da ich jede Stunde Dem Staat— Ihr wiſst es selber— stets ge- ht weiht. eht V Ich bin bereit, mein Leben für ihn ab Zu legen— o, ich habe theureren Besitz, als diesen, nieder schon gelegt— — den Doch meine Würde— nimmermehr!— Ich hab' I sie von dem ganzen Staat, und wenm der allein Wunsch Des Ganzen offenbar, dann geb' ich Ant- wort.— Chef. Es thut uns leid um die Erwiederung; Allein sie nützt Euch nicht. Doge. Ich kann, o scht, ſingt Mich allem unterwerfen— doch ich komm' Ihm nicht zuvor. Was Ihr beschliefst— be- schliefst! 158 Chef. Und hiemit kehren wir zurück zu denen, Die uns gesandt 5 Doge. Genug, Ihr hörtet mich! Chef. Und weichen nun mit schuldiger Verehrung! gehn.) Ein Diener triet ein. Dienern. Mein Fürst— die hochgeborne Frau Marina Begehrt Gehör... Doge. Die Zeit sey ihre— sag'! Manina tritt ein. Marina. Wenn ichlEuch störe, sagt's— Ihr wäret gern Vielleicht— allein... Diea Doch Um 0 me Dich ag! ina gern 15) ₰ Doge. Allein?— Ich bin's, und käm' Die ganze Welt hier um mich her zusammen. Doch still, wir wollen's tragen! Marina. Ja, so sey's! Um deren willen, die zur Ruhe sind. O mein Gemahl!— Doge Lafs ihn, mein Kind. Ich kann Dich ja nicht trösten. Marina. O, er mochte leben, Geschaffen, wie er war, für sanftern Umgang, So liebend, so geliebt— in jedem Land, (Denn wer war so gesegnet— segenspendend Je, als mein Foscari 5) in jedem Land, Und nichts gebrach an unsrer Seligkeit, Als dafs er nur Venedigs Sohn nicht war. Doge. Noch eines Fürsten, Kind! 160 Marina. Ja, alles, was Zu andrer Menschen Glück und Glanz ge- reicht, Das ward ihm durch ein wunderbar Geschick Verhängniſsvoll und tödtlich. Vaterland Und Volk, das er so brünstig lieben mufste, Der Fürst, defs erstgeborner Sohn er war— Und der— Doge. Nun bald nicht Fürst mehr ist. Marina. Wie das? Doge. Sie haben meinen Sohn von mir genommen, Und zielen nach dem morschen Diadem, Dem abgetragnen Ring mir nun.— Laſs sie Das Spielzeug nehmen! Marina. Die Barbaren— o, Zu dieser Stund'? Den Gef 48 inz ge- chick and muſste, ar— ie das? men„ 6 s sie 161 Doge. Es war die beste Zeit— Denn eine Stunde früher hätte ich's Gefühlt!— Marina. Und fühlt Ihr's jetzo nicht?— O Rache! Ja, wäre er genug beschützt gewesen, Er zahlte jetzt den Schutz wohl reichlich wieder; Doch nun kann er den Vater nicht beschir- men! Doge. Noch dürfte gegen seines Vaterlands Gesetz er es, und hätt' er tausend Leben, Für das.. Marina. Das sie von ihm herausgefoltert! Genug— mag dies Patriotismus heiſsen; Ich bin ein Weib; mir waren meine Kinder, Mein Gatte war mir Haus und Vaterland! Ihn liebte ich— o, wie ich ihn geliebt!— Ich sah ihn siegreich solch Gericht bestehn, Das alte Märtyrer zurückgeschreckt— Er ist dahin, und ich, die gern mein Blut L 121. 162 † Verspritzt, ich habe nichts, als Thränen jetzt Pür ihn.— O daſs es mir beschieden, die Vergeltung seiner Leiden einst zu sehn! Doch still— ich habe Söhne, und sie werden Einst Männer seyn.— Doge. Dein Schmerz, mein Kind, verwirrt Dich ganz! Marina. Ich dachte damals wohl, ich könnte Es tragen, da ich ihn gebeugt erblickt' Von solcher Unterdrückung— ja, ich meinte, Ich wollte lieber seine Leiche sehn, Als länger ihn in dieses Kerkers Nacht— Ich bin bestraft nun, seht, für den Ge- danken. Ha, wäre ich in seiner Gruft! Doge. Ich muſs ihn selbst Noch einmal sehn! Marina. So kommt mit mir. Ist e Ist 86 Kom Ba Im † Erlau jetzt die werden Ferwirrt könnte meinte, n Ge- elbst Doge. Ist er.. Marina. Auf unserm Brautbett ruht er; das Ist seine Bahre— Doge. Ist er.. eingesargt?.. Marina. Kommt, alter Mann; hinweg! (beyde ab.) Barbarigo. Loredano. Ein Diener. Barbarigo. Wo ist der Doge? Diener. Im Augenblick ging er hinein mit der Erlauchten Frau, der Wittwe seines Sohns. Barbarigo. Wo— sprecht! Diener. Nun, in die Kammer, wo die Leiche. Barbarigo. So lafst uns fort! Loredano. Vergesset nicht, dafs Ihr Nicht könnt.— Wir haben ja Befehl vom Ausschufs, Sein hier zu warten, und für diesen Dienst An ihn uns anzuschliefsen.— Nun, man folgt Uns bald! SBarbarigo. Und will man denn die Antwort auf Ihm dringen? Loredano. Seht, sein eigner Wunsch ja war's, Dafs alles schnell geschäh'.— Er gab uns schnell Ja Antwort— geben wir sie ihm nun auch, Für seine Würde ist gesorgt— gesorgt Für seinen Unterhalt; was will er mehr? ſs Ihr hl vom enst „ man Barbarigo. In seinem Herzogsmantel sterben!— Seht, Er hätte lange ja nicht mehr gelebt!— Genug, ich that, was ich vermocht für ihn, Und widersprach dem Antrag bis zuletzt. Umsonst! Warum nun zwang man mich hieher?.. Loredano. Weil's billig war, dafs einer, dessen Rath So weit von unserm sich entfernte, hier Als Zeuge gleichsam gegenwärtig war—— Dafs falsche Zungen nicht verbreiteten, Die härtre Mehrheit hätte es gescheut, Ihr heimlich Thun die Andern sehn zu lassen. Bardbarigo. O, still! Ich denke es geschah zum Theil, Um mich für meine Widerserzlichkeit Zu züchtigen.— Ihr seyd erfinderisch, Herr Loredan, in Eurer Rache— ja Poetisch fast, und wahrlich, ein Ovid In Eurer Kunst zu hassen.— Und so dank* Ich Euch(obgleich ein klein'rer Gegenstand Des Hasses— doch der Eure hat nun gar Ein microscopisch Aug'), wie eine Folie 166 Pür jene, welche gröſsern Eifer zeigten,— Dic unerwünschte Wahl zu eurem Ausschußs. Und Loredano. Wie? Meinem Ausschufs? Barbarigo. Hie Eurem— Eurem, ja! Sie sprechen Eure Sprache, warten nur Auf Euren Wink, umfassen Euren Plan, Und krönen Euer Werk— sind sie nicht Euer? Loredano. Ihr redet ungewarnt.— S'ist gut, daſs sie Euch nicht gehört... Barbarigo. O süll! Sie werden's einst Von lautern Zungen hören, als die meine. Der Umkreis ihrer Macht ist überschritten— Bey Und dies, so oft es bey dem feilsten Valk, In dem gesunkensten der Staaten auch Geschah— hat stets die schwergereizte Mensch- 80 heit Hi Erweckt zur Gegenwehr, 167 . Lonredano. schuſs. Ihr sprechet leer Und eitel... Barbarigo. Das bleibt dem Erfolg verspart.— Hier kommen Euere Collegen— seht! Die Deputation(wie oben) tritt ein. 2. nicht b Chef der Zenn. Weiſs Seine Herrlichkeit, wir warten sein? ie Diener. Es soll gemeldet werden. (geht.) s einst Barbarigo. ac. O, er ist 11 Bey seinem Sohn! lsten Che. 2 Wenn dem so ist, wohlan, lensch- So lassen wir's, bis das Gepräng' vorüber: Hinweg— es eilet nicht— bis morgen dann! Loredano (bey Seite zu Barbarigo). So komm' des reichen Mannes Höllenfeuer Denn über Deine Zung', Du unauslöschbar, Unausgelöschter Schwätzer! Traun, ich will Die feige Zunge Dir von ihrer Wurzel Dafür losreifsen, dafs Du nichts als Blut Und Seufzer ferner von Dir stoſsen sollst! (laut) Sehr weise Herr'n, ich bitt' Euch, übereilt Euch nicht! Barbarigo. Seyd menschlich, Herr! Loredano. Dort kömmt der Doge! Der Doge tritt ein. Doge. Ich folge Eurer Ladung. Chef. Fürst! Wir kommen, Den frühern Antrag wieder zu erneuen. Sie Doge! nmen, 169 Doge. Ich— meine Antwort Euch zu wiederholen. Che. Und welche, Herr? Doge. Die Einzige!— Ihr habt sie ja gehört! Chef. So hört auch Ihr den Schlufs Der Zehn— unwiderrufbar— unyerletzlich. Doge. Zur Sache! Kommt zur Sach'— ich kenne lang Die alten Formen des Geschäfts, und längst Das milde Vorspiel rauher Handlungen— Zur Sache denn! Chef. Ihr seyd nicht länger Doge! Der Fürsteneid ist Euch zurückgegeben.— Ihr legt den Herzogmantel ab— doch seht, Für Eure langen Dienste läſst der Staat Die schon erwähnte Appanage Euch.— 17⁰ Drey Tage sind Euch eingeräumi, von hier Hinweg zu ziehn— bey Strafe, Eure Güter Dem Staate zuerkannt zu sehn. Doge. Das wird— Ich rühme mich's zu sagen— Euren Schatz Nicht sonderlich bereichern! Chef. Eure Antwort, Herr Doge! Loredano. Eure Antwort, edler Herr Francesco Foscari! Doge. Hätt' ich'’s bemerkt, Dafs meine hohen Jahre je dem Staat Zum Nachtheil ausgeschlagen, seht, so hätte Das Haupt der Republik so undankbar Sich nicht erwiesen, dafs er seinen Rang Dem Wohl des Landes vorgezogen hätte. Doch, da dies Leben durch so manches Jahr Dem Vaterland nicht nutzlos wenigstens Ver Die Doc S0 Erw 8⁰ Als hatz ort, ahr 17¹ Verstrich— so hätt' ich ihm so gern nun auch Die letzten Augenblicke selbst geweiht.— Doch, da der Rath es anders will, wohlan, So weiche ich! Che. Wenn Ihr die drey vorhin Erwähnten Tage ausgedehnet wünschet, So wollen wir zu achten sie verlängern, Als Zeichen unsrer Ehrfurcht— Doge. Haltet ein! O, nicht acht Stunden, Herr, ja seht, Nicht acht Minuten braucht's. (indem er die herzogliche Mütze und den Ring darreicht.) Hier ist der Ring— Und hier des Herzogs Diadem.— Und so Kann Adria sich einen andern Gatten Erwählen!— Chef. O, Ihr wollt doch nicht— so schnell? 172 Doge. Seht, ich bin alt; und um nur langsam fort Zu kommen, mufs ich zeitig, Herr, begin- nen.— Mich dünkt, ich sehe Jemand unter Euch, Den ich nicht kenne: Herr Senator— Ihr, Der nach dem Kleid das Haupt der«Vierzig“ ist— lch bitte— Euer Name 5 Memumo. Herr, ich bin Der Sohn des Mario Memmo. Doge. Euer Vater War einst mein Freund. Doch Söhn' und Väter!— Wo Sind meine Diener? Dienen. Hier— mein Fürst! Doge. Dein Fürst Nicht, Freund! fort begin- h, Ihr, ierzig“ und (auf die Deputation weisend.) Dort stehn des Fürsten Fürsten! Bereite alles, Augenblicks von hier Zu scheiden. Chef. Und warum so schnellp Es gibt Nur Aergerniſs. Doge. Nun, dafür haftet Ihr! Das steht Euch zu!— Fort, rührt Euch; macht geschwind! Da ist noch eine Last, die tragt mit Sorg', Ich bitt' Euch, ist sie über allen Harm Auch gleich hinaus.— Doch still, ich seb' wohl selbst Danach... Barbarigo(zu Memmo). Er meint die Leiche seines Sohns... Doge. Und ruft Marina, meine Tochter! Marina eritt ein. Doge(au ihr). Mach' Dich fertig: Wir tragen unsern Schmerz wo anders hin! Marina. Und überall mit uns! Doge. Ist Nun ja! Doch frey Und fern von diesen Spürern um die Grofsen.— Ihr Herren könnt nun gehn! Was wollt Ihr D mehr P Wir scheiden: Fürchtet Ihr, wir nehmen Euch Den Pallast mitb— Die alten Mauern hier— Zehnmal so alt, als ich, und ich bin alt— Sie haben Euch gedient, wie ich, und, traun, 8. 5 2 1. 7 4 M Sie könnten, so wie ich, Euch Ding' erzäh- len—. 4 Doch seht, ich rufe sie nicht an, auf Euch Zu stürzen; ja, sonst möchten sie's, wie 0 einst Z Die Last der Pfeiler dort in Dagons Tempel 2 Auf des Israeliten Feinde stürzten.— D tig: hin! traun, 175 Denn solche Macht wohl läg' in meinem Fluch, Von Euch hervorgerufen— doch ich fluch Euch nicht.— Und Gott befohlen nun, Ihr Herren, Mag Euer nächster Doge besser seyn, Als Euer jetziger! Loredano. Der Jetzige Ist Pascal Malipiero! Doge. . Nicht!— Bis ich Die Schwelle überschritten! Loredano. Nun, bald wird Sanct Marco's groſse Glocke seine Wahl Mit heller Stimme aller Welt erzählen. Doge. 0, Erd' und Himmel, wollt ihr diesen Klang Zurück auch geben? Muſs ich leben, ihn Zu hören? Ha, der erste Doge, der Den Schall für seines Erben Wahl gehört.— 176 Ja, glücklicher war selbst mein Vorfahr wohl, Der finstre, überwies'ne Faliero; Der Schimpf zum wenigsten ward ihm erspart. Lonedano. Beklagt Ihr den Verräther P Doge. Nein, doch ich Zus Beneid' ihm seinen Tod! Für Chef. Herr Herzog, seyd Ihr wirklich denn entschlossen, den Pallast Des Staats so eilig zu verlassen, nun So wählt die klein're Treppe doch, die Euch Zum Landungsplatze im Canal geleitet... leh— ch 4 Doge. Bist Nicht so! Ich steige jene Treppe nieder, Die einst zur Herrschaft mich hinaufgeführt: Die Riesentrepp', auf deren weitem Plan Ihr mir den Fürstenmantel einet gereicht. Verdienste haben ihre Stufen mich Hinaufgerufen— laſst die Bosheit nun Und Von meinen Feinden mich hinunter stoſsen! 177 wohl, Dort ward ich— fünf und dreyfsig Jahre sind's— erspart. In's Herzogthum einst eingeführt: von dort Durchschritt ich diese Hallen, die ich nie Wohl zu verlassen meinte, denn als Leiche, Als Leiche, oder fechtend doch für sie— Cnud nicht, wie nun geschieht, von meinen Brüdern Hinausgestoſsen— o, mein Sohn und ich Zusammen— er zu seinem Grab, und ich Für meines flehend. Chef. Wie? So öffentlich 5.. ich Doge. . Ich wurde öffentlich erwählt; so sey Ich öffentlich denn auch entsetzt!— Marina, Bist Du so weit? Marina. rt::.. 7 Hier ist mein Arm, o Vater! Doge. Und hier mein Stab— so laſs gestützt mich n! wandeln... 121. M Che. Es darf nicht seyn— die Menge wird es sehn... Doge. Das Volk Hier ist kein Volk— das wiſst Ihr wohl; Sonst wagtet Ihr nicht, so mit ihm zu han- deln— Hier ist ein Pöbel, dessen Blicke wohl Euch allenfalls beschämen mögen— doch Er wagt es nicht zu murren und zu fluchen, Es wäre denn mit Herz und Aug' allein.. Chef. Ihr sprecht in Leidenschaft, sonst... Doge. Ihr habt Recht, Ich habe mehr geredet, als ich pflege.— Es war nicht meine Schwäche bis dahin; Allein sie nützet Euch, denn seht, sie zeigt, Daſs ich mich einer Schwachheit nahe, die Die That, die Ihr gethan, entschuld'gen mag, ASSS ird es ist Ihr u han- h hen, Recht, eigt, e . 179 Wenn'’s die Gesetze gleich nicht thun.— Und nun Lebt wohl, Ihr Herren! Barbarigo. Nein, Ihr dürft nicht fort Ohn' ein Gefolge, wie es Eurem Rang Geziemt.— Wir wollen Seine Herrlichkeit In seine Wohnung ehrfurchtsvoll begleiten: Sagt, Brüder, wollen wir's P * Verschiedne Stimmen. Ja, ja! Doge. Nicht so! Ihr weichet nicht— mit mir zum wenigsten! Ich trat als Fürst hier ein— ich geh' als Bürger, Zwar durch dasselbe Thor, allein als Bürger. Ein eiteles Gepräng' wär' neue Schmach, Und reizte nur das wunde Herz noch mehr, Indem es Gift für Gegengift ihm reicht.— Pomp ist für Fürsten, und ich bin es nicht: Doch nein, ich bin's bis zu dem Thore noch. Loredano. Horcht! (die groſßse Glocke von Sanct Marco wird gehört.) 5 Barbarigo. Die Glocke!.. Chef. Von Sanct Marco, die Die Wahl Malipiero's uns verkündet. Doge. Ja, ich erkenn' den Klang! Ich hört' ihn einmal, Nur einmal, und das war vor vollen fünf Und dreyfsig Jahren nun. Selbst damals war Ich schon nicht jung... Bar'barigo. O setzt Euch, Herr, Ihr zittert! Doge. Das ist das Grabgeläute meines Sohns— Mein Herz schmerzt bitterlich! Ma M. Ei 181 Barbarigo. Ich bitt' Euch— sitzt! Doge. Nein, nein, mein Sitz hier war ein Thron bisher... Marina, laſs uns fort! Marina. Sogleich! Doge (nachdem er einige Schritte gemacht.) ihn Ich fühl' Mich durstig— will mir niemand hier vorher Ein wenig Wasser reichen p rar Barbarigo. Ich! tert! Marina. Nein, ich! Loredano. Und ich! 182 (Der Doge nimmt einen Becher aus Loredano's Hand.) Doge. Ich nehm'’s von Euch, als von der Hand, Die sich am besten schickt zu dieser Stunde. Loredano. Wie son Doge. Man sagt: das Venezianische Crystall hab' solche antipath'sche Kraft Für Gift, daſs es zerbricht, wenn es berührt Von ihm. Ihr brachtet diesen Becher, und Er barst Euch nicht! Loredano. Und nun P Doge. So ist die Sage Falsch, oder Ihr seyd wahr! Was mich betrifft, Ich glaube keins von beyden— und ich denke, Es ist nur eitler Wahn... No Er Io 183 Marina. Ihr redet irr“; Und besser wär's— Ihr setzter Euch, und schiedet Noch nicht. Denn jetzt— jerzt blickt Ihr, wie mein Gatte! Barbarigo. Er sinket— stützt ihn— schnell— ein Sitz — o— Ooge. Die Glocke tönt— hinweg— mein Hirn ver- brennt— Barbarigo. Ich bitt' Euch— lehnt Euch nur auf uns.. Doge. Nein, nicht!— Ein Fürst mufs stehend sterben! O mein Sohn! Hinweg mit Euren Armen!— O, die Glockel.. (Er Jällt und stirbt.) 184 Marina. Mein Gott— mein Gott! Barbarigo(zu Loredano). Seht Euer Werk vollendet Che. Ist keine Hüife mehr? Wie? Ruft um Bey- stand! Diener. Es ist vorbey. Chef. Wenn dem so ist, so soll Sein Leichenzug dem Namen Ehre machen, Den er geführt, dem Volke— seinem Rang Und seiner Treue für die Pflicht, als Herr- scher, So lang die Jahre ihm verstattet, ihr Und sich genug zu thun! Wie, Brüder, soll's Nicht also seyn P Bar'barigo. Er ist dem Schmerz entflohn, Als Unterthan zu sterben, wo er einst Geherrscht— so sey sein Leichenzug denn fürstlich. Che. det! So sind wir einig? Alle(auſser Loredano). Ja! Che. Des Himmels Friede Mit ihm! Marina. 17 Ihr Herr'n, verzeiht! Treibt keinen 5 Spott, Herr- O treibt mit diesem Körper hier kein Spiel! Vor einem Augenblick, da eine Seele der, In ihm sich regt', und eine Seele, die 2 Eu'r Reich erweitert, Eure Macht so stolz Als seinen Ruhm gemacht— verbanntet Ihr Von dieser Schwelle ihn— und risset ihn 3 Mit kaltem Hohn herab von seiner Höh’.— Und nun, da er die Ehre nicht mehr sieht, Und sie verschmähen würde, könnte er's— 186 Jetzt soll er Euch zum Schaugepränge dienen, Er, den Ihr kalt mit Füſsen erst getreten! Ein fürstliches Begräbnifs schilt nur Euch, Und ehrt ihn nicht! Che. Sehr edle Frau, wir ändern So leicht nicht unseren Entschluſs. Marina. Ich weifs, So weit er: Qual der Lebenden— betrifft: Allein ich glaubte doch die Todten frey, Und über Euch— obgleich wohl einige An Mächte fallen mögen, denen ähnlich, Die Ihr auf Erden übt.— Lafst mir ihn, seht, Ihr wolltet's ja für diesen Rest von Leben, Den Ihr so gütig ihm verkürzet habt. S'ist meine letzte Pflicht, und wird mir, o, Zu schaudervollem Trost in meinem Elend! Gram ist phantastisch, seht; er liebt die Todten, Und finstres Grahgepräng' ist seine Lust. Chef Bestehet Ihr auf diesen Dienst? — 8 187 Marina. Ja, Herr!— Und ist sein Gut im Dienst des Staates gleich Verzehrt— ich habe noch mein Witthum, seht, 4 Das sey dem Pomp geweiht, und dem— dern(Fie stockt vor heftiger Hewegung.) Chef. fs, Es wär“ Wohl besser, Ihr bewahrtet's Euren Kindern. Marina. O, sie sind vaterlos— Ich danke Euch. Chef. Wir können dem Gesuche nicht willfahren! Die Leiche bleibt, mit dem gewohnten Pomp 1 Dem Blick des Volkes ausgestellt, und wird, qie Begleitet von dem neuen Dogen— doch Als Dogen nicht, im Kleide des Senators— Nach ihrer Ruhstatt dann geführt. Manina. Ich hab' Von Mördern schon gehört, die ihre Opfer 188 Begruben; doch von so viel Heucheley Und so viel Glanz für die, die sie erschlugen, Bis diese Stunde nicht!— Mir ward von Wittwen In Thränen auch erzählt— Dank Euch, ich hab'* Ja deren selbst vergossen— und von Erben In Asch' und Trauer— doch Ihr liefs't ihm keinen— So wollt Ihr selbst die Rolle übernehmen. Nun denn, Ihr Herren, Euer Will' gescheh', Wie einst, ich hoffe, der des Himmels wird. Chef. Wiſst Ihr, sehr edle Frau, zu wem Ihr sprecht, Und kennt Ihr die Gefahren solcher Rede? Marina. Ich weiſs das Erste besser, denn Ihr selbst; Das Zweyte— wie Ihr selbst, und trotze ihm! Wollt Ihr noch mehr Begräbniſspomp? Barbarigo. Lafst uns Ihr Wort nicht wägen— Ihre Lage heischt Entschuldigung für sie!.. N⁴ Fi 189 gen, Chef. von So zeichnen wir's Nicht auf! ich Barbarigo G ℳ(zu Loredan, der in seiner Schreibtafel schreibt)- ihm Was schreibt Ihr denn mit solchem Ernst In Eure Tafel? h', Loredano*) ird.(auf den Leichnam weisend.) Dafs er— mich bezahlt! ht ¹ Chef. 2 Für welche Schuld? Loredano. Für eine lange und Gerechte, traun, die der Natur und meine. Der Vorhang Jällt. *) Historisch. S. Geschichte von Venedig von P. Daru. II. 411. e h e e Sowohl diese Verdeutschung, als das ganz lleich gedruckte Original, sind in folgenden Hauptstädten stets vorräthig: Aachen, b. Mayer. Amsterdam, Sülpke. Berlin, Amelang. Dümmter. Enslin. Logier. Mittler. Nicolai. Stuhr u. s. w. Bremen, Heyse. Kaiser. Breslau, W. G. Korn. Max et Comp. Copenhagen, Brummer. Reitzel. Dresden, Arnold. Hilscher. Florenz, Molini. Frankfurt a. M. Brönner. Jäger. Schäfer u. s. W. Gothenburg, Linke. Hamburg, Herold. Hoffmann et Comp. Perthes und Besser. Nestler. Hannover, Gebr. Hahn.— Helwings. Königsberg, Gebr. Bornträger.— Unzer. Lausanne, Fischer. Leipzig, Barth. Hartmann. Reclam u. s. w. Moscau, Oelzner. München, Fleischmann. Lindauer. Petersburg, Gräff. Veh'’sche Buchhandlung. Lifsner. Posen, Mittler. Prag, Calve. Enders. Widtmann u. s. w. Riga, Deubner und Treuy. Hartmann. Strasburg, Treuttel und Würtz. Stuttgart, Löflund. Metzler. Warschau, Brzezina. Glücksberg. Wien, Gerold. Mörschner und Jasper. Zürich, Orell, Füſsli et Comp. übrigens durch alle andere Buchhandlungen zu haben. —