Hei hbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oftmann in Gießen, b Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 3 kL. ie Leih- und Lleſebedingungen. 88 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek f ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Büeher jeden Tag von Morgens 3 7 Uhr bis ALenter 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rü ckgabe eines geliehenen Buches wird ed von’ 5 * jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, eines Buches, eine dem Werthe deſſelben hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe v wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt beträgt: für wöchentlich 2 Snwere 4 Bücher: 6 Bücher: auf 4 Monat: 1 Mk.—— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „— 3„ 4 5. SansRärtige Ahonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene üind defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß Ladenpreis erſetzt werden. Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, vers lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verp flichter. . Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Lage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir 11 de liehen. auch dafür z ſtehen haben. —— bei Gntgedernahne 5 entſprchende Summe on mir zurückerſtattet werden und Taschenbibliothek der ausländischen Klassiker, in neuen Verdeutschungen. No. 126. Byron's Poesien. Sechzehntes Bändchen. Lord Byron's Pocesilen. Aus dem Englischen. Sechzehntes Bändchen. merner. Ein Trauerspiel in fänf Aufzug en. Uebersetzt von Wilhelm v. Lüdemann, —2———ℳ—ℳ-:2—i—u—ᷣvꝰNn Zwickau, im Verlage der Gebrüder Schumann. 1 8 2 5. Werne L. Trauerspiel von Lor d Byron. Deutsch: von W. v. Lüdemann. Vom Dichter dem erlauchten Göthe geweiht. Personen. Werner, später Graf Siegendorf- Vlrich, sein Sohn. Baron Stralzlenhein. Idenstein, Castellan. Gabor. Fritz, Diener Strahlenheims. Henrich, Erich, Arnheim, Meisten, Lidwig, Rudolph, aus dem Gefolge Graf Ulrichs. Josephine, Werners Gattin, nachher Gräfin Siegendorjf. Ida von Strahlenheim, des Barons Tochter. von der Dienerschaft im Schloſs Siegendonf. Die Scene ist theils in einem Donfe an der Gränze von Schlesien und Sachsen, theils im Schloſs Siegendorf bey Prag. Die Zeit: das Ende des drey ſsigjährigen Krieges. ——B————————— Erster Act. Erste Scene. Vorsaal in einem verfallenen Schloſs, nahe bey einer kleinen Stadt, an der nördlichen Gränze von Schlesien. (Stürmischer Minterabend.) Werner und Josephine. Josephine. Sey ruhig, mein Geliebter! Merner. O, ich bin's. Josephine. Für mich— doch nicht für Dich. Dein Frie- den ist Dahin— und niemand eilt durch ein Gemach, Wie dies, mit Schritten, wie die Deinen, wenn 12 Sein Herz in Ruhe ist. Ja, wär's ein Carten, Da müſst' ich Dich für glücklich halten— 3 wähnend, Du eiltest mit der Biene fort von Blum“ Zu Blume; aber hier!— WMWerner. S'ist schneidend kalt! Und dort durch die Tapete bläst der Wind, Von dem sie sich bewegt— mein Blut ist starr! Josephine. O nicht doch! MWerner(lächelnd). Nun, willst Du's nicht son Sosephine. Es sey Ein muntrer Strom vielmehr... WMWernen. O laſs es flieſsen, Bis es verschüttet oder aufgehalten— Wie bald— das härmt mich nicht. Josephine. Und bin ich nichts In Deinem Herzen? MWerner. Alles— alles! Josephine. Wie kannst Du wünschen, was das meine bricht? Merner (indem er sich ihr langsam naht). Wenn Du nicht warst, so wär' ich— frag' nicht, was— Doch traun, viel Gutes oder Uebles! Was Ich bin— Du weiſst's! Was ich seyn könnte, Sieh, oder sollte, o, das weiſst Du nicht.— Doch, sieh, ich liebe Dich— und nichts soll je Uns trennen. (Er wendet plötzlich um, geht und naht sich ihr wieder. Nun, vielleicht bedrängt mich auch Der Sturm dort draufsen in der Nacht— ich bin Ein fühlend Ding— und war so krank noch kürzlich: Du weiſst es ja— aus Leiden gröfser, denn Die meinen, Theure, die Du bey mir wachtest! Josephine. Dich wohl zu sehn, ist viel— Dich glück- lich— o! 14 Merner. Wo sahst Du solchen je?— Lafs mit dem 4 Rest Mich elend seyn!— Josephlne. O denl, wie mancher jetzt In dieser Sturmesstunde vor dem Frost Des scharfen Windes, vor dem schweren Regen, Der ihn mit jedem Tropfen näher beugt Zur Erde, bebt, der sonst kein Obdach hat, Als ihre Hülle! Mernen. Das ist nicht das Schlimmste! Wer kümmert sich um Kammern— Ruh' ist alles! Der Arme, den Du nennst— nun ja, der Wind Heult um ihn her, der kalte Regen nagt Am kranken Mark im innersten Gebein— Doch sich, ich war Soldat, war Reisender, War Jäger— bin ein Bettler nun, und sollte Das Ding, von dem Du sprichst, doch kennen.. Josephine. Nun, Und bist Du nicht gesichert und geschützt? 0, MWerner. Nun ja— vor diesen! Josephiine. Das ist etwas! Werner. Wahr— Ja!— Für den Bauer. Josephine. Kann der Edelmann Undankbar für die Zuflucht seyn, die ihm Die zartere Gewöhnung— nöthiger Noch, als dem Bauer, macht, wenn ihn die Ebbe Des Glückes einsam auf dem Sand des Lebens Zurücke läfst... II. ernen. Das ist es nicht— Du weiſst, Das ist es nicht!— Wir haben's ja ertragen, Ich will nicht sagen, ruhig— aufser Dir— Indefs wir haben'’s doch ertragen. Josephine. Nun— Werner. O, etwas über unsre äufsre Leiden (Obgleich schon diese in die Scele bohren) 16 Ist's, was mich oft zernagt, und mehr als je— Heut— jetzt!— Sich, ohne diese Krank- heit, die Mich so zur Unzeit hier in dieser Wüste Ergreifen muſs, die meine Kraft nicht nur, Nein, meine letzten Mittel selbst verzehrt, Und uns zu Grunde richtet:— doch dies liegt Ja hinter mir.— Allein, wenn dies nicht war, So war ich glücklich wieder— Du warst glücklich— Mein Rang behauptet— meines Namens Glanz— Und meines Vaters Nam' empor gehalten— Und mehr, als dies... Josephine(Schnell)- Mein Sohn— ja, unser Sohn— Ja, unser Ulrich wäre noch einmal In diese lange— lange leeren Arme Gedrückt, und hätte einer Mutter Hunger Auf einmal so gestillt.— Zwölf ew'ge Jahre! Er war erst acht— schön war er— schöner mußs Er heute seyn.— Mein Ulrich, o mein Kind! WMWernen. Ich war schon oft des Glückes flüchtig Wild: Jetzt hat es, fern von jedem Zufluchtsort, Mich eingeholt... Krank, arm und einsam.. Josephine. Einsam? Mein theurer Gatte! Nicht 126 sje— Krank- 3 ur, rt, s liegt at war, warst lanz— en— ohn— ger Jahre! er muſs Kind! Wild: sort, am... insam? 17 MWerner. Oder schlimmer noch— Mit allem, was ich liebe, schwer verstrickt In diesem Elend— dieser Wüste hier.— Ja, einsam wäre ich gestorben, sieh, Und alles war auf einmal schnell vorüber Mit einem namenlosen Grab. Josephine. Ich hätte Dich nimmer überlebt— doch fasse Muth! Wir haben lang gekämpft; und die, die mit Dem Glücke kämpfen, siegen, oder sie Ermüden ihren Feind, bis sie das Ziel Erreichen, oder in Fühllosigkeit Sich retten.— Fasse Muth, Geliebter! Glaub', Wir finden unser Kind.— Merner. Wir sah'n ihn schon, Wir sahen alles, was Ersatz versprach Für lang ertragnes Leid—(bitker:) und so gestürzt Zu werden!— Josõephine. O, wir sind's noch nicht!— MWenner. Nicht ohne Geld? 126. Sind wir Josephine. Wir waren niemals reich. MWernen. Und doch war ich zu Reichthum, Rang und Macht Geboren, und genoſs sie, liebte sie: Und ach! miſsbrauchte und verwirkte sie, Durch meines Vaters Zorn in rascher Jugend. Doch dicsen Mifsbrauch haben schwere Leiden Zum Uebermafs gerächt!— Des Vaters Tod Legt mir die Pfade endlich offen— doch, Nicht ohne Schlingen! Jener kalte Kriecher, Der schon so lang sein Auge auf uns heftet, Wie auf den flatternden verlornen Vogel Die Schlange— jener Vetter hat mich, sich, Nun überholt, und sich zum Herrn gemacht Von meinen Rechten, meinem Eigenthum, Das ihn zum Fürsten an Besitz und Rang Erhebt. Josephine. Wer weiſs— vielleicht ist unser Sohn In seines Vaters Haus zurückgekehrt, Und kämpfet jetzt für Deine Rechte schon, MWerner. Die Hoffnung ist ein leerer Wahn. Du weitst, Seit jenem wunderähnlichen Verschwinden Aus meines Vaters Haus— das meine Sünden, Nun Uns Zum Sein Allei Nich Des Ich 1 Doch Wir Verh Sie 1 Des! Umri Und; Hieh Und Dies Läſst Zurü⸗ Wir ls reich. ang und sie, ugend. Leiden Tod ch, cher, eftet, gel „ sieh, macht genthum, ang ser Sohn chon, du weilst, aden Sünden, 19 Nun auf ihn selbst vererbt— enthüllte nichts Uns seinen Weg.— Du weiſst, ich brachte ihn Zum Vater selbst, auf die Verheiſsung, dafs Sein Zorn bey'’m dritten Gliede würde ruhn: Allein der Himmel scheint sein Vorrecht uns Nicht zu erlassen, und in unserm Sohn Des Vaters Thorheit strafend heimzusuchen. Josephiine. Ich hoffe besser, sich; wir sind bisher Doch Strahlenheims Verfolgung stets entgangen. MWernern. Wir wären es, war diese Krankheit nicht Verhängniſsvoller, denn ein tödtlich Uebel— Sie läſst das Leben uns, und nimmt die Lust Des Lebens rauh hinweg!— Mein Geist fühlt sich Umrungen von den Schlingen dieses Feindes— Und wissen wir, ob er uns selber nicht Hieher gelockt P Josephine. Er kennt Dich nicht von Ansehn— Und seine Späher liefsen wir in Hamburg. Die schnelle Reise, und des Namens Tausch, Läfst jegliche Entdeckung hinter uns Zurück, und niemand glaubt uns hier, als was Wir scheinen... Wernern. Was wir scheinen Was wir sind! Zwey kranke Bettler— selbst an Hoffnung— ha!(lacht.) Josephine. O CGott, welch bittres Lachen! Wernen. Nun, wer läs In diesem Aeufsern auch die hohe Seele Des Sohnes eines alten, edlen Stammes; In diesem Kleide: wer den einz'gen Erben Von fürstlichem Besitz?— In diesem Aug', Versunken, hohl und matt, den Stolz des Rangs Und alter Abkunft? In der tief, ja tief Durchfurchten Wange und der hungerhohlen Verbleichten Brau' den Herrn so weiter Hallen, Die tausend von Vasallen täglich speisen. Josephine. Ihr legtet solch Cewicht auf diese Dinge, Mein Werner, nicht, da Ihr die Tochter einst Des heimathlosen Wandrers, des Verbannten, Zur Braut Euch wähltet! Wernern. 3 Des Verbannten Tochter Und ein verstofsner Sohn— fürwahr die Wahl ief hohlen weiter en. Se⸗ ter einst annten, Tochter ie Wahl 21 War gut.— Doch nein, ich hatte Hoffnungen, Dich zu dem Range noch emporzuheben, Für den wir beyde einst geboren wurden. Dein Haus war edel, wenn verfallen auch— Durch Abkunft werth des Bundes mit dem meinen. Nosephine. Dein Vater dachte anders, kannt' er gleich Den Adel meines Stamm's.— Doch wär' auch dies Mein ganzer Anspruch auf den Bund mit Dir— Ich hielt' ihn doch für was er immer war— Wernern. Was war er denn in Deinen Augen? Sprich! Josephine. Das, was er stets für mich gethan— nichts! Werner. Nichts ð Wie? Josephine. Oder schlimmer nur, als nichts— denn sieh, er war Ein Krebs in Deiner Brust von Anfang her. War er nicht, o, wir trugen unsre Armuth, Wie Millionen sie und Myriaden, Ertragen— fröhlich!— Ohne dies Gespenst— 22 Die Geister Deiner Lehnsvorfahren— hättest Auch Du Dein Brod, wie Tausende geerntet— Und wenn Dir das zu niedrig schien und schwer, Durch Handel oder bürgerlich Gewerbe Dein Glück verbessert. Werner(ironisch). Ha, und wärest so Ein braver Bürger mehr geworden!— Nun, Vortrefflich! Josephine. Was Du warst, mir warst Du stets, Was höh'rer oder nied'rer Stand nicht ändert, Des Herzens erste Wahl— das Dich erkohr, Unkundig Deines Ranges, Deines Stamm's, Und Deiner Hoffnungen— mitwissend blos Des Kummers, der Dich härmt'’. So lang er währt, Lafs mich Dich trösten, oder doch ihn theilen; Und wenn er endet, laſs auch meinen enden Mit ihm— mit Dir. Wernern. Mein bess'rer Engel!— Ja, So Rab' ich immer Dich gefunden!— Sieh, Und diese Raschheit, diese Schwäche selbst In meinem Wesen, hat es nie gewagt, Auch in Gedanken nur Dich zu verletzen, Es kl Wir nättest rntet— schwer, st so Nun, Du stets, ändert, rkohr, n's, blos lang er theilen; enden 1— Ja, Sieh, Ibst en,. 23 Nicht Du verdarbst mein Glück; der Jugendsinn War solcher Art bey mir, ein Königreich Zunicht zu machen, wäre dies mein Erbe. Doch jetzt— gebeugt, geläutert, abgeschliſfen, Dahin gelangt, mich selbst zu kennen, jetzt:— Des Vaters Erbe für den Sohn— für Dich— So zu verlieren!— Glaube mir, da mich (Ich zählte zwey und zwanzig Lenze kaum) Mein Vater aus der Väter Hause stiefs, Den letzten Sproſs von hundert würd'gen Ahnen, (Ich war der Letzte damals,) o, da litt Ich weniger, als jetzt, mein einzig Kind, Und meines Kindes Mutter so zu sehn, In ihrer Unschuld ausgeschlossen von Dem Gut, das meine Fehler einst verwirkt; Und dies— ob meine Leidenschaften schon Lebend'ge Schlangen damals waren, die, Gorgonen gleich, mich rings umschlangen! (Man hört Klopfen.) Josephine. Horch! WMWernen. Es klopft! Josephine. Wer kann es seyn, zu dieser Stunde? Wir haben wenigen Besuch... 24 WMWerner. Die Armuth hat Ihn nicht, es wäre solcher denn, der sie Noch elender zu machen kommt. Wohlan, Ich bin bereit. (Er sucht in seinem Busen wie nach einer Iaßfé.) Josephine. O schau nicht so, mein Freund! Ich will zur Thür, es kann nicht von Bedeutung In dieser winterlichen Wüste seyn; Die Abgeschiedenheit bewahrt den Menschen Ja vor dem Menschen!..(geht zur Thür.) Idenstein tritt ein. Idenstein. Schönen guten Abend Der schönen, werthen Frau. (schnell zu Merner.) Wie heiſst Ihr, Freund? Werner. Erschreckt Ihr nicht, mich so zu fragen, wie? Idenstein. Erschreckt?— Bey meiner Treu', ich bins fürwahr... Ihr schaut darein, als fordert' ich was Bess'res, Als Euren Namen—— Abend Preund? n, wien ch biu's Bess'res, MWernen. Bess'res, Herr? Idenstein. Nun, ja! Sey's besser oder schlechter, wie die Ehr'— S'ist all' eins. Was soll ich weiter sagen 5 Ihr seyd mein Gast seit einem Monat hier, Im Schlofs des Prinzen, und wenn Seine Hoheit Es gleich, seit voll zwölf Jahren schon, Ge- spenstern Und Ratten überlassen, ey so bleibt's Ein Schlofs doch stets— nun seht, seit einem Monat Seyd Ihr mein Miether, und noch immer weiſs Ich Euren Namen nicht. MWennern. Mein Nam' ist Werner! Idenstein. Ein guter Nam', ein werther Name, traun, So gut, als irgend einer auf dem Schilde Vor einer Bude je vergoldet stand.— Ich hab''nen Vetter bey dem Lazareth In Hamburg, dessen Frau denselben führt. Er ist ein Mann im Dienst— Gehülfe bey'’m Chirurg— und hofft es auch dereinst zu werden. O, er hat Wunder schon gethan im Amt— Vielleicht seyd Ihr mit ihm verwandt P.. MWernern(höhnisch.) Mit Euch? Hosephine. Nun ja, wir sind— jedoch nur fern... Ey n (bey Seite zu Merner.) Wie, kannst Du das Geschwätz des Narren nicht ertragen, Bis wir die Absicht des Besuchs erfahren 5 Idenstein. Nun seht, das freut mich. Traun, ich dacht es immer— Ein so natürlich Mitleid spielt um meine Brust— Blut ist kein Wasser, Vetter! Drum, macht S0 W. frisch, Nen Becher Weins auf unsre bessere Wie Bekanntschaft, seht, Verwandte müssen Freund' Auch seyn! . Merner. Ihr habt genug getrunken, scheint's; Und habt Ihr's nicht, um so viel schlimmer— Das denn Seit Ich habe keinen Wein, sonst wär' er Euer; Doch schaut, das wiſst Ihr, oder solltet's Doch Wissen. Ihr seht, ich bin entblöſst und krank— und Ein wollt. uch 5 kannst dacht Brust— macht Nicht sehn, ich wäre gern allein— indefs, Zu Euerem Geschäft, was führt Euch her p Idenstein. Ey nun, was führt mich her? Wernen Gtark). Ich weiſs nicht, Herr! Allein ich mein', ich rathe, was Euch fort Zu bringen fähig wär'!... Josephine(bey Seite). Geduld, mein Werner! Idenstein. So wiſst Ihr nicht, was sich begeben hat Aosephine. Wie sollten wir... Idenstein. Der Flufs ist über, seht! Josephine. Das wissen wir zu unserm Schmerze schon Seit voll fünf Tagen, da es hier uns hält... Idenstein. Doch was Ihr noch nicht wifſst, seht, ist, dafs Euch Ein grofſser Herr, der, trotz dem Strom und trotz 28 Vier Postillionen über ihn gewollt, Dicht bey der Furth zusammt fünf Pferden, Herr! Und einem Affen, einem Hund und Diener— Ertrunken ist. Josephine. Die Armen! Seyd Ihr sicher P.. Idenstein. Des Affen, ja, des Dieners und des Vieh's. Doch ob auch Seine Excellenz ertrunken, Ist ungewiſs— die Edelleute sind Euch schwerer zu ertränken, Herr, wie's denn Dem Mann von Amt und Ansehn auch geziemt. Doch was gewiſs, ist, daſs er Euch genug Von unsrer Oder eingeschluckt, um zwey Gemeine Bauern zu ersäufen.— Und, Zwey Reisende, ein Sachse und ein Ungar, Die ihn mit eigener Gefahr dem Strom Und seinen Wirbeln kühn entrissen haben, Die schicken jetzt und bitten um Quartier, Vielleicht auch um ein Grab, seht, je nach dem's Mit Seiner Excellenz um Tod und Leben Nun ausschlägt. Josephine. Nun, Ihr nehmt ihn auf, ich hoffe; Und können wir Euch helfen— redet, sprecht! Er wi Erfuhn Entfer Den! ferden, ener— er PH. h's. n, 's denn eziemt. 8 8„ Sar, hoffe; precht! 29 Idenstein. Hier P Nein, doch in des Prinzen Staatsgemach, Wie's einem edlen Gast geziemt.— 8' wird dumpf Zwar seyn, da's unbewohnt zwölf Jahr schon blieb; Allein er kömmt von einem dumpfern Ort, So wird er kaum den Schnupfen kriegen, ist Er ja dem Schnupfen auch noch unterworfen— Und ist er's nicht, so wird er morgen, traun, Wohl schlechter noch logirt!— Indeſs ich hab' Für Feuer schon und Zubehör gesorgt, Auch für den schlimmsten Fall, das heifst, wenn er Am Leben bleibt. Josephine. Der arme Herr! Ich hoff, Er wird, von ganzem Herzen! Werner. Herr Verwalter, Erfuhrt Ihr seinen Namen 5 (bey Jeite) Josephine, Entferne Dich, ich will den Narrn erforschen. (osephine geht.) Idenstein. Den Namen, Herr? Wer weiſs, ob er noch einen 30 Hat oder nicht! S'ist Zeit genug, danach zZu fragen, wenn er fähig ist, Euch Antwort Was Zu geben! Und wenn nicht, des Erben seinen 1 Auf seinen Grabstein hinter her zu setzen.— Fort: Ich denk', Ihr schaltet mich so eben, Herr, Da ich nach Namen frug? MWerner. Wahr— wahr! Ihr sagt Ganz recht und gut! Gabor tritt ein. Gaborn. Vergebung, wenn ich störe— Idenstein. O keine Störung. Dies ist hier das Schloſs, Befehl Und dieser Herr ein Fremder, wie Ihr selbst. Nun Ich bitt' Euch, macht's Euch wie zu Haus— doch wo lch m Ist Seine Excellenz, und wie ergeht'’s? Gefall Gab Aus E 21005: Nicht Gar nafs und matt; indeſs doch aufser Sorge. Mit m Er hielt in einer Hütte, seine Kleider Die E Zu wechseln(wo auch ich die meinen, hier Für diese, tauscht'). Nun, er hat sich fast Erholt, und wird bald hier seyn, Herr Ver- Doch walter. Dochl h ntwort seinen en.— terr, hr sagt Löre— loſs, selbst. laus— Sorge. hier fast rr Ver- 31 Idenstein. Wasb Hier?— Geschwind, Ihr Leute: Her- mann, Weilburg! Fort! Peter, Conrad! Macht! (gibt ihnen Befehle) Ein Edelmann Schläft hier zur Nacht! Dafs in dem Damast- zimmer Auch alles fein in Ordnung: macht den Ofen— Ich will den Keller— und Frau Idenstein (Mein Weib, Herr Fremder) soll das Bettgeräth Besorgen— denn, Euch'’s zu gestehn, es ist Ein wenig knapp damit in diesem Schlofs, Seit Seine Hoheit— vor ein Dutzend Jahren— Mir'’s so verliefsen.— Seine Excellenz Befehlen doch zu Nacht zu speisen— wie? Gabor. Nun wahrlich, Herr, ich kann's nicht sagen. Doch Ich mein'’, das Kissen müſst' ihm besser, traun, Gefallen, als die Tafel nach dem Trunk Aus Eurem Flufs. Doch, daſs die Mahlzeit Nicht weggeworfen wird, so will ich selbst, Mit meinem Freunde drauſsen, Eurer Kost Die Ehre thun, mit Reiseappetit. Idenstein. Doch seyd Ihr sicher— Seine Excellenz— Doch Freund, sein Name, sprecht— wie lautet er? 32 Gabor. Die ga 1 Ich weiſs nicht! Da kei Idenstein. Hat Se Was? Und Ihr habt ihn gerettet? l Gabor. Genug Ich half nur meinem Freunde, das zu thun. Idenstein. . Nun, das ist sonderbar! Nen Mann zu retten, Den man nicht kennt. Wir u Gabon. Ey, nein! Ich kenne manchen Hervor So gut, dafs ich mir kaum die Mühe gäbe. . G Idenstein. Und Ihr, mein lieber Freund, wer seyd denn Nen g Ihr 5 Wohl Gabor. Erhalte Ein Ungar von Geburt. Idenstein. Und heiſst? Gabon. Ihr wo Das thut Euch wenig, Herr! Idenstein(bey Seite). Indesse Nun, meiner Treu! Ich glaub; Ein CI 126. d denn thut 2 glaub' 33 Die ganze Welt ist Namenlos geworden: Da keiner mehr will sagen, wie er heifst.— Hat Seine Excellenz ein grofs Gefolge? Gabor. Genug! Idenstein. Wie viel etwa b? Gabor. Ich zählt’ sie nicht. Wir trafen ihn von ungefähr, und grad' Zu rechter Zeit, ihn durch sein Kutschenfenster Hervor zu ziehn... Idenstein. O Herr! Was gäb' ich d'rum, Nen grolsen Mann zu retten! Nun, Ihr werd't Wohl eine unermeſßsliche Belohnung Erhalten, seht. Gabon. Kann seyn! Idenstein. Auf wie viel rechnet Ihr wohl 5 Gabor. Ich hab'’s noch nicht überschlagen... Indessen, wäre traun, mein bester Dank Ein Glas von Eurem Hochheimer, ein grünes, 126. 34 Mit Trauben reich geziert, und Trinksprüchen— Und eingefüllt mit Eurer ält'sten Nummer Voll— bis zum Rand! Wofür ich Euch ver- spreche, Wenn Ihr in Noth einst wäret, zu ertrinken, (Obgleich von allen Todesarten dies Die mindest wahrscheinliche scheint für Euch:.) So will ich Euch umsonst herausziehn, Freund. Drum fort! und denkt, bey jedem Becher, den Ich leere, rausche eine Welle wen'ger Ob Eurem Haupt! Idenstein(bey Seite). Der Bursch gefällt mir nicht; Verschlossen, trocken scheint er, zweyerley, Das mir nicht pafst— indessen Wein muſs er Schon haben; wenn ihm das den Mund nicht öffnet, So schlaf' ich diese Nacht vor Neugier nicht. (geht.) Gabor(2zu merner). Der Narr mit seiner Umstandssucht scheint wohl Der Castellan des Schlosses hier zu seyn.— Es ist ein schön Gebäude, doch verfallen. WMernern. Die Zimmer dessen, den Ihr heut' errettet, Sind passender für einen kranken Gast, Als diese— wohl. 3 Euch.) Freund. er, den cht; erley, muſs er Id nicht nicht. ac.) int wohl n.— ſen. Gabor. So wundre ich mich, dafs Ihr Sie nicht besetzt; denn Ihr scheint zart, Herr, von Gesundheit... Merner chnell). Wie Gabor. Verzeiht— sagt' ich etwas, Das Euch beleidigt... MWerner. Nichts!— Doch wir sind fremd Gabon. Traun, ein Grund, daſs ich uns minder So wünsche. Seht, ich denke, unser Wirth, Redselig, wie er scheinet, sagte mir, Ihr wär'’t ein Gast hier, ein Zugvogel, so Ein Seitenstück zu mir und dem Cefährten. Einander! MWernen. Gabon. Nun denn! Da wir zuvor uns nie Getroffen, und wohl niemals wieder mögen So dacht' ich diesen alten Kerker hier Mir zu erheitern, wenn ich Euch entbot, So ist's! Mahl mit mir und meinem Cameraden Ein freundlich Theil zu nehmen. WMWennern. O, verzeiht.. Die übele Gesundheit... Gabor. Nun, wie's Euch Gefällt! Ich war Soldat, und bin gerad Und plump... MWernen. Ich habe auch gedient, und kann Des Kriegers graden Grufs erwiedern. Gabor. Wo? In welchem Dienst? Dem kaiserlichen— wie? Werner(Sochnell und sich unterbrechend). Ich commandirt', ich diente, meine ich— S'ist lange schon, da einst der Böhme dort Die Fahne wider Oestreich kühn erhob.— Gabon. O, das ist nun vorbey; der Friede hat Wohl ein Paar tausend tapfre Herzen weg Geschickt, zu leben, wie sie können, und, Man mufs gestehn, es hat denn mancher so Den kürz'sten Weg gewählt. An al Ganz Von! Die s Der. Denn Für I Zu re Woh Verlit Ihr se Hier Solda Selbst aden rzeiht.. 2uch ad ind kann weg und, her so 37 MWerner. Der ist? Gabor. Nun, Hand An alles, was sie sehn, zu legen.— Ja, Ganz Schlesiens und der Lausitz Wälder sind Von Banden angefüllt, der letzten Truppen, Die sich vom Land den Unterhalt erheben.— Der Adel liegt in seinen Schlössern fest, Denn hochgefährlich ist's für reiche Grafen, Für Eure aufgeblasene Barone Zu reisen.— Nun, mein Trost ist, mag ich gehn, Wohin ich will, ich habe wenig zu Verlieren. IM. ernen. Und ich— nichts! Gabor. Das ist noch härter!— Ihr sagt, Ihr war't Soldat? Werner. Ich war's! Gabor. Ihr seht Hier einen andern vor Euch! Und alle Soldaten sollten Cameraden seyn, Selbst wenn sie Feinde sind.— Schaut, unsre Degen, 38 Sind sie gezogen, müssen rauh sich kreuzen, Und unser Rohr zielt nach des andern Brust; Doch, wenn ein Fried', ein Stillstand, oder sonst Was Ihr nur wollt, den Stahl zur Scheide sendet, Den Funken in der Lunte schlafen läſst, Da sind wir Brü der!—. Ihr seyd arm und krank, Ich bin nicht reich, allein ich bin gesund, Und mir fehlt nichts, das ich nicht missen kann; Euch mangelt das— drum willst Du theilen, Freund! (er schüttet seine Börse aus.) Werner. Wer sagte Euch, daſs ich ein Bettler sey? Gabon. Ihr selbst— Ihr sagtet ja, Ihr seyd Soldat Iu Friedenszeit— Werner(mit Argwohn). Ihr kennt mich nicht? Gabor. Nun, Freund, Ich kenne keinen Menschen— nicht einmal Mich selbst; wie sollt' ich einen, den ich noch— Vor einer halben Stunde— nie gesehn. So dæ Ist ec Für e Obgl’0 Ich d Ein I Gewe So sol Gebo Erlan Kaum Mir b Allei Doch Mit 3 Muſs Freund, mal len ich 39 Werner. So dank' ich Euch! Eu'r Anecrbieten, traun, Ist edel, wär's für einen Freund, und mehr Für einen Unbekannten, Fremden, noch— Obgleich kaum räthlich und verständig— doch Ich danke Euch nicht minder drum. Ich bin Ein Bettler, seht, in Allem, aufser im— Gewerb'; indessen, wenn ich einmal bettle, So soll's bey dem geschehn, der mir zuerst Ceboten, was wohl wenige durch Bitte Erlangen. S0— vergebt mir denn!(Er gehr.) Gaborn(allein). Fürwahr, Ein braver Kautz, nach seinem Ansehn— Obgleich ein wenig abgetragen schier, Wie brave Bursche meist, durch Leid und Lust, Die beyde vor der Zeit aus uns das Leben Hervorzureiſsen pflegen— ja, ich weiſs Kaum, welches mehr und schneller. Nun, er scheint Mir bess're Tage wohl gesehn zu haben; Allein, wer hat das nicht, der gestern sah! Doch still— hier naht der weise Castellan Mit seinem Wein— nun, um des Bechers willen, Muſfs ich den Schenken schon ein wenig dulden. 40 Idenstein tritt ein. Idenstein. Da, hier! Das wahre Supernaculum— Und zwanzig Jahr, so wahr als einen Tag! Gabor. Die Zeit macht junge Weiber, alten Wein. Nur schade, daſs von zwey so schönen Dingen, Die Zeit, die eins verschönt, dem andern schadet, Nun, voll zum Rand!— Auf unsre schöne Wirthin, Eu'r hübsches Weib!(nimmt das Glas.) Idlenstein. Schön b Nun, wenn Dein Geschmack Im Wein nicht besser, als in Schönheit ist!— Doch sey’s— ich thue Euch Bescheid. Gabor. Nun, ist Das hübsche Weib, die ich im Vorsaal dort Erblickt, und die mit Aug' und Stellung mir, Wie sie dem Schloſs in seinen schönsten Tagen 3 (Obgleich in einem Kleid, das zu ihm paſst, In seiner jetzigen Verlassenheit) Zur Zierde wohl gereicht, den Gruſs so freundlich Zurückgab, denn nicht Euer 5 Doch Und Nach Woh Und Ist m Herr. Denn n Tag! Wein. Dingen, schadet. schöne las.) eschmack it ist!— un, ist saal dort uing mir, önsten n paſst, reundlich Idenstein. Nun, ich wollt'’s! Doch seht, Ihr irrt.— Sie ist des Fremden Frau! Gabor. Und könnte eines Fürsten seyn, fürwahr, Nach ihrem Aeufsern— ob die Zeit sie gleich Wohl auch berührt— so viel erhabne Schönheit Und Majestät bewahrt sie noch— Idenstein. Und das, Ist mehr, fürwahr, als Ihr von meiner Frau, Herr, sagen mögt, in Schönheit wenigstens; Denn was die Majestät betrifft, so hat Sie Eigenheiten, die geschont seyn wollen— Doch lafst das ruhn. Gabon. Ich thu's!— Allein, wer mag Der Fremde seyn— er hat so eine Art Weit über seinen äufsern Stand. Idenstein. Da bin Ich andrer Meinung— er ist arm, wie Hiob, Und lang nicht so geduldig, seht; doch, wer Er sey, wohin, woher und was— bis auf Den Namen, den ich auch erst heut' erfuhr, Das weiſfs ich nicht. f 1 Gabon. Wie kam er denn hieher F Idlenstein. In einer alten, elenden Calesche, Vor einem Monat fast, und ward gleich drauf Todtkrank-— ich sag’, er hätte sterben sollen! Gabor. Schr zart und wahr— doch sagt, warum 5 Idenstein. Nun, schaut, Was ist das Leben ohne Brod? Er hat— Ich sage Euch, nicht einen Pfennig. Gabon. Nun, Da wundr'’ ich mich, daſs mir ein Mann, wie Ihr, Von Eurer Klugheit, so verlorne Gäste In dieses edle Schloſs nur eingelassen 5 Idenstein. S'ist wahr; doch Mitleid, Herr, das liebe Mitleid Läfst einen solche Streiche wohl begehen. Und neben dem, da hatten sie wohl auch Noch ein'gen Werth an Sachen denn bey sich, Die so für sie bezahlt, bis heute hin: So dacht ich, ey, so mögen hier sie bleiben, So gut, wie in der kleinen Schenke dort— Und gab von meinen ält'’sten Zimmern Ein Paa D'rin zu Sie noch Die arm Und doc Nicht ir Der Hin Vor we Die wah Werne Gehört. itleid b b sich, Ihm Eure unterthän'ge Schuldigkeit— 4³ Ein Paar daher.— Sie dienen doch, die Luft D'rin zu erfrischen, wenigstens so lang Sie noch für Brennholz richtig Zahlung leisten. Gaborn. Die armen Menschen! Idenstein. Ja— entsetzlich arm! Gabon. Und doch zur Armuth nicht gewöhnt— wo ich Nicht irre. Sagt, wohin denn wollten sie p Idenstein. Der Himmel weifs, wenn nicht zum Himmel selbst. Vor wenig Tagen schien uns diese Reise Die wahrscheinlichste wahrlich für Herr Werner, Gabon. Wernerf Ich habe diesen Namen schon Gehört. Allein er mag erdichtet seyn. Idenstein. Wohl möglich, Herr.— Doch horch, ich höre Stimmen. Ich höre Räder— Fackeln blitzen draufsen— So wahr ich lebe, Seine Excellenz! Auf meinen Posten! Fort! Wollt Ihr mit mir Ihm aus dem Wagen helfen— an der Thür 44 Gabor. Ich zog ihn aus dem Wagen, da er gern Die halbe Grafschaft oder Baronie Dahergegeben, von der Gurgel sich Das wirbelnde Gewässer abzuhalten! Jetzt hat er Volk genug; doch damals standen Sie fern, und schüttelten die Ohren triefend Am sichern Ufer dort und schrien: Hülfe! Doch reichten keine!— Und, was Schul digkeit Betrifft, so that ich meine damals— thut Die Eure nun.— Credenzt und kratzfufst nur Ihn her... Idenstein. Wie? Ich?— Doch mir entgeht die Zeit! Den Henker auch— er naht, und ich bin fern. (geht eilig ab.) M ernen tritt auf. Werner(für sich). Ich höre Wagen rollen, Stimmen sich Durchkreuzen— wie mich jeder Ton erschreckt! (Er bemerkt Gabor.) Noch hier b Ist's ein Spion von unserm Feind Wohl gard— Sein rasches Angebot, so plötzlich Und gegen einen Fremden, trug das Ansehn Von einem Feind fürwahr: denn Freunde sind So schnell mit solchem nicht.— Und, u Die alte Der He- Noch se Für der Mehr E Ist da! . Die Tre Verfalle Besuch Gnäd'ge Itna standen fend fe! Schul- k thut duſst nur lie Zeit! pin fern. ab.) chreckt! Feind lötzlich sehn de sind Gabon. Ihr scheint vertieft— Und, traun, die Zeit ist nicht danach gemacht. Die alten Mauern werden jetzt lebendig— Der Herr Baron, Graf, oder was sonst mehr Noch seine halb ertränkte Gnaden sey'n, Für den der Pöbel dieses wiisten Dorfs Mehr Ehrfurcht, als die Elemente, zeigt— Ist da! Idenstein(draußsen). Hier— Euer Excellenz! Habt Acht, Die Treppe ist ein wenig dunkel und Verfallen— zwar, doch hätten wir so hohen Besuch erwarten können— nehmt meinen Arm, Gnäd'ger Herr! Strahlenheim, Idenstein, Diener und Gefolge treten ein. Stralzlenheim. Hier will ich ruhn— Idenstein(zu den Dienern). Ein Stuhl! Geschwind, ihr Leute! Mernern(bey Seite). Ha— er ist's! 46 Strahlenheitn. O, mir Ist besserrnun!— Wer sind die Fremden p Idenstein. Nun, Zu Dero hoh'n Befehl— der eine sagt, Er sey ein Fremder. Merner(laut und schnell). Wer— wer sagt das? (Alle sehn ihn erstaunt an. Idenstein. Ey, Wer spricht von Euch denn, oder zu Euch, Freund! IHIier ist ein Mensch, den Seine Excellenz (auf Gabor deutend) Nur kennen will... Gabon. Ich will sein adliches Gedächtnifs nicht belästigen! Stranlenheim. Mich dünkt, Es sey dies einer von den Fremden, die Zu meiner Rettung halfen. (Auf Merner zeigend:) Ist das nicht Der andre?— O, die Lag', in der ich war, Erstan Zusteh 7 Als dieser Beystand kam, mufs meinen Zweifel, Wem ich so viel verdank', entschuldigen. Idenstein- Er— edler Herr? O nein, der braucht des Beystands Mehr, als er ihn gewähren kann! Es ist Ein armer, kranker Mann, vom Reisen matt, Und kürzlich erst von einem Lager wieder Erstanden, traun, von dem er nie mehr auf Zustehn gedacht! Strahlenheim. Mich dünkt— es waren zwey. Gabor. So war's— zusammen, Herr! Doch in dem Dienst, Der Euch erwiesen ward, nur Einer, sag' Ich Euch, und der ist fern. Sein war, was Euch An Beystand ward geleistet— denn das GClück Liefs ihn der erste seyn.— Mein Wille war Nicht schwächer, doch die gröſsre Kraft und Jugend Des andern überholte mich.— Und so Verliert mit mir nicht Euren Dank erst, Herr; Ich war ein munterer Gehülfe blos Zu einem edlern Haupt... Strahlenheim. Wo ist er? Sprecht! Ein Diener. Er zögerte noch in der Hütte, dort, Wo Eure Excellenz der Ruhe pflegte, Und sagt': er käme morgen erst hieher. Strahlenheim. Bis dahin kann ich mündlich Euch nur danken; Doch dann— Gabor. Ich fordre nichts, und habe kaum So viel verdient. Mein Camerad mag für Sich selber sprechen. Strahlenhein (indem er Merner starr ansieht, bey Seite). Es kann nicht seyn! Und doch, hab' Acht auf ihn! Seit zwanzig Jahren sah mein Aug' ihn nicht— Und waren meiner Späher Blicke gleich Ohn’ Unterlafs auf ihn geheftet: so Entfernte mich die Klugheit doch von ihm, Um ihm nicht Argwohn meines Plans zu geben. Schlimm, daſs ich die zurück in Hamburg liefſs, Die mir Gewiſsheit reichen könnten, ob Er'’s sey, ob nicht!— Ich träumte mich fürwahr Schon im Besitz von Siegendorf, und reiste So schnell, den Elementen selbst zum Trotz, Die sich zum Kampfe gegen mich verschworen, Wie diese wilde Fluth, die mich wohl hier Gefangen halten wird.— (er Beacht Sich s Sein e An ihr Ein Ir Eu'r 6 Es Eud Die ül Die de Vertie nken; kaum hm, geben. g lieſs, ürwahr ste Trotz, woren, hier er stockt, und blickt auf Im erner, dann:) Der Mann will streng Beachtet seyn!— Nun, wenn er's ist, so trug Sich solcher Wechsel mit ihm zu, daſs, traun, Sein eigner Vater, von der Gruft erstanden, An ihm vorüber ging'. Der Vorsicht braucht's— Ein Irrthum würde alles nur verderben! Idenstein. Eu'’r Gnaden scheinen uns vertieft. Gefällt Es Euch, des Weges weiter jetzt zu gehn Strahlenhzeimn. Die überstandene Ermattung ist's, Die dem gebeugten Geist das Ansehn von Vertiefung gibt.. Ich will zur Ruh indefs.. Idenstein. Das fürstliche Gemach ist schon bereit— Derselbe Apparat, den Seine Hoheit Gebraucht, da sie zum letztenmale hier In vollem Glanze residirt... (bey Seite:) Ein wenig Zerrissen wohl, und dumpfig— immer doch Noch gut genug bey Fackelschein für sein Hochädlich Blut mit nur zwanzig Quartieren Im Wappen! Mag er, der sie führt, nun schlafen Dort unter einem Dache, jenem ähnlich, Das ihn für immer einst bedecken wird!— 126. D Strahlenhein (aufstehend und zu Gabor gewandt). So gute Nacht denn, lieben Leute.— Ihr Sollt morgen mich bereiter finden, Euch Den Dienst zu lohnen, den Ihr mir erwies't. Indessen bitt' ich Euch in mein Gemach Für einen Augenblick mich zu begleiten. Gabor Ich folge Euch. Strahlenheim (indem er sich nach wenig Schritten umwendet und Merner rufl). Mein Freund! MWerner. Was gibt's, mein Herr? Idenstein. Mein Herr?— O Cott, mein Herr! Und wie? Ihr sagt Nicht Euer Cnaden— Eure Excellenz!— Vergebet, gnäd'ger Herr, des armen Mann's Geringe Lebensart— er ist auch nicht Gewohnt, sich solchen Herr'n zu nah'n... Strahlenheim. Genug, Herr Castellan! Schon Nicht Von j⸗ Antwo Fürwa Mit H Versag Nun, Sie wo Durch ndet aug, Idenstein. O, ich bin siumm. Strahzlenheinz(szu Merner). Seyd Ihr Schon lange hier ⁵ MWernern(überrascht). Lang?— Hier?— Strahlenhelm. Ich hofft' auf Antwort, Nicht auf ein Echo. WMWerner. Fordert beydes Euch Von jenen Wänden.— Ich bin nicht gewohnt, Antwort zu geben dem, den ich nicht kenne! Strahlenlieim Fürwahr?!— Indessen könnt Ihr einer Frage, Mit Höflichkeit gethan, die Antwort nicht Versagen! 4 Merner. Wenn ich sie dafür erkenne— Nun, dann bezahl' ich in derselben Weise Sie wohl— Strahlenhein. Der Castellan sagt uns, Ihr wär't Durch Krankheit hier zurückgehalten. Kaun — 52 Ich Euch behülflich seyn, wenn Euer Weg Der meine ist? Werner(Schnell). Ich geh' nicht Euren Weg... Strahlenheim. Wie wiſst Ihr das, bevor Ihr meine Straſse Erfahrt P MWerner. Weil's einen einz'gen Weg nur gibt, Den Arm' und Reiche je zusammen gehn! Ihr wich't von diesem Weg vor wenig Stunden, Und ich vor wenig Tagen.— Doch von nun An liegen unsre Straſsen auseinander, Wenn sie auch gleich nach einer Heimath führen. Strahlenheim. Nun, Eure Red' ist über Euren Stand Fürwahr... M enner(bitter). Meint Ihr 5 Strahlenheim. Zum wenigsten doch über Dies Kleid... MWernen. S'ist gut, dafs sie nicht drunter ist, Ich Da i Dafs Wol Ich Von Dem Für Doch l den, nun timath über r ist, 53 Wie'’s oft dem Besserangekleideten Ergeht.— Mit einem Wort: was wollt Ihr mirP Strahlenheim(bestürzt). Ich?— Euch?— Merner. Ja, Ihr! Ihr kennt mich nicht, Und wundert Euch, daſs ich nicht antworte, Da ich den Frager doch nicht kenne.— Auf, Erklärt Euch, was Ihr wollt; dann will ich Euch Befried'gen oder mich!— Strahlenkhein. Ich wuſste nicht, Dass trift'ge Gründe zur Zurückhaltung... MWennen. Wohl mancher hat dergleichen! Habt Ihr nicht? Strahlenhein. Ich habe keine, die dem blofsen Fremden Von Interesse sind... MWerner. Nun, so erlaubt Demselben niedern Fremden auch den Wunsch, Für einen andern es zu bleiben, der Doch nichts mit ihm zu theilen hat!— Strahlenheim. Nun wohl, Ich thue Eurer Laune keinen Zwang, Ist sie gleich unverbindlich; seht, ich meint' Euch zu verpflichten. Doch, nun gute Nacht! Herr Castellan— zeigt uns den Weg! (zu Gabor:) Ihr geht Doch mit!(Strahlenheim, Diener, Idenstein und Gabor gehn.) Wernen(allein). Er ist's— ich bin in seinem Netz! Bevor ich Hamburg noch verliefs, vertraut Mir Giulio, sein Agent, daſs er vom Churfürst Von Brandenburg den lang erwarteten Verhaftsbefehl für Kreutzer(welchen Namen Ich damals trug), so bald ich an der Gränze Erschien', erlangt. Die freye Stadt verbürgte Mir Freyheit wohl, bis ich von ihr entwich. Thor, der ich war! Umsonst hab' ich gehofft, Dies niedre Kleid, die unbetretne Strafse, Sollt' der Verfolgung seiner Späher mich Entziehn!— Was ist zu thunb— Er kennt mich nicht Von Ansehn— und auch ihn hätt' wohl kein Aug', Als das des Argwohns hier nach zwanzig Jahren Erkannt, so selten trafen wir, so kalt In früher Jugend je zusammen. Doch, Indef Die! Iden Sogle wohl, neint' Nacht! ar geht enstein etz! ut urfürst men änze bürgte vich. gehofft, 2 1 kennt al kein Jahren 55 Die um ihn?— Jetat entaziffr' ich mir den Freymuth, Die Offenheit des Ungarn, der gewiſs, Ein Werkzeug, hier, und Späher Strahlenheims, Mich zu erforschen und zu sichern kam.— Krank ohne Mittel— arm, und rings umgarnt Von dieses Stromes wilder Fluth, die selbst Dem Reichthum jetzt, mit allen seinen Mitteln, Um Menschenleben zur Besiegung der Gefahr, zu kaufen, doch unüberschreitbar.— Was kann ich hoffen?.. O, vor einer Stunde Schien meine Lage mir verzweiflungsvoll, Jetzt ist sie so, daſs mich die frühere Ein Paradies fast dünkt! Noch einen Tag Und sich— ich bin entdeckt, am Vorabend Von Ehr', und vom Besitz des Vatererbes— Indefs ein Paar elende Tropfen Gold, Die Flucht begünstigend, mich retteten. Idenstein und Fritz, im Gespräch, treten ein Frit=. Sogleich! Idlenstein. Ich sage Euch— es ist unmöglich— Frit=. Ihr müfst's versuchen! Und geht auch ein Bote Verloren, nun so müssen andre fort, Bis Antwort kommt von Frankfurt, Antwort, seht, 56 Vom Commandanten. Idenstein. Nun, ich will ja thun, Was ich vermag. EWit. Und sparet keine Müh', Sie lohnt Euch hundertfach. Idenstein. Ist Seine Gnaden Zu Bett? Frit. Wie Er ruht in einem grofſsen Stuhl, Nah beym Camin, und schlummert; noch vorher Nun Befahl er, dafs man ihn nicht wecken sollte, Daſs: Bis elf, da er zu Bett zu gehen meint. So scl Idenstein. Nun denn, es sey; ich will mein Bestes thun E 83 Für seinen Dienst— eh' eine Stund' entflicht. Lon efal Eritz. Drunm Ja, denkt daran.(geht.) Idensleiri. Der böse Feind mit diesen EsS W Gewalt'gen Herr'n! Sie meinen, alles sey Für sie allein gemacht.— Da mufs ich nun Das rt, seht, thun, Gnaden 1 7 vorher ollte, 3 thun tflieht. diesen ey nun 57 Ein halbes Dutzend zitternde Vasallen Von ihrem harten Lager schrecken, und Sie mit Gefahr des Lebens über'’n Flufs Nach Frankfurt schicken! Traun, man sollte glauben, Daſs seiner Gnaden eigene Erfahrung Vor wenig Stunden Mitgefühl ihn lehrte— Doch nichts!—«Es muſs so seyn— und da- mit Punctum. — Ey seht, Herr Werner, seyd Ihr da, mein Schatz P Wernner. Wie liefs't Ihr Euren edlen Gaste Fein ruhig t Idenstein. Nun ja— er nickt' ein wenig, scht, und will, Dafs niemand sonst im Hause schlafen soll, So scheint's zum wenigsten.— Denn schaut— hier packt Er ein Paquet mir an den Commandanten Von Frankfurt auf, auf alle Kosten und Gefahr. Doch, ich darf keine Zeit verlieren— Drum gute Nacht! geht.) MWerner(allein). «Nach Frankfurt.“ So Nun wohl, Es wächst, es naht!«zum Commandanten 9* Nun, Das pafst vortrefflich zu den frühern Schritten 58 Des kalten Feindes, des Berechnenden, Der zwischen mich und meines Vaters Haus Sich eingeschlichen.— S'ist gewiſs! Er schreibt Um Mannschaft, mich in irgend einer Festung Verschwinden still zu lassen.— Ehe das Geschieht—(er blickt scheu umher, und ergreiſf ein Messer, das auf dem Tische liegt.) Jetzt bin ich meiner selbst doch Herr. Horch— Fufstritt!— Und wie weiſs ich nur daſs er Selbst diesen äufsern Pomp der Macht erwartet Um seines Raub's im Schatten des Gesetzes Sich zu erfreu'’n? Daſs er mit Argwohn auf Mich sieht, ist nun gewifs; ich bin allein— Ein zahlreiches Gefolge ficht für ihn; Ich schwach— er stark, in Gold und Dienern, Rang Und Ansechn.— Ich ein Namenloser, der In seinem Namen Untergang und Tod Verbirgt, bis ich mein Vatererb' erreicht; Er aufgeblasen, reich an Titeln, die Dem dunklen Bürger dieses Orts noch mehr Als anderen, das Auge blenden müssen.— Horch, näher!— Fort, in den geheimen Gang, Der zu dem... Alles still! Es war nur Täu. schung! Still, wie der athemlose Zwischenraum Vom Blitz zum Donner!— Ach, ich muſs die Seele Ich lie Verber Und e Hinwe Sich g Dem( Ich z Mein( Dem 2 Haus schreibt Festung as ergreiſf liegt.) ch Herr. ch nur- rwartet etzes auf llein— Dienern, er ht; ehr n Gang, ur Täu. auſs die Beschwichtigen inmitten der Gefahr!— Ich will zu jenem Gang, von dem ich weiſs, Zu sehn, ob er noch immer unentdeckt. Er mag im schlimmsten Fall für kurze Frist Als Zuflucht dem gescheuchten Wilde dienen. (Merner zieht ein Fachwerk in der Mand auf, und tritt hinein, indem er es hinter sich verschlieſst.) Gabor zsnd Josephine treten ein. Gabon. Wo ist Eu'r Mann 5 Josephlne. Hier, meint' ich, sollt' er seyn; Ich liefs ihn unlängst hier; doch diese Zimmer Verbergen gar verschiedne Ausgäng' oft, Und er ist mit dem Castellan vielleicht..„ Hinweg... Gabor. Der Herr Baron erkundete Sich gar genau nach Eurem Gatten bey Dem Castellan, und offenherzig, seht, Ich zweifle, ob er's redlich mit ihm meint. Nosephine. Mein Cott! Was könnt' es zwischen ihnen seyn? Dem mächtigen Beron und meinem Werner 6⁰ Gabor. Das wiſst Ihr besser, traun, als ich. Josephine. Und wär' Dem so, wie kämt Ihr selbst dazu, für ihn Euch zu bekümmern, lieber, als für den, Dem Ihr das Leben rettetet. Gaborn. Ich half's Ihm retten, da er in Gefahr; doch seht, Dafs ich mich ihm zum Dienst verbunden hätte Zur Unterdrückung, o, das nicht! Ich kenne Die Groſsen, seht, und ihre tausend Weisen, Den armen Mann mit Füſsen kalt zu treten.— Ich habe sie erfahren, und mein Inn'res Kocht brausend auf, wenn ich sie so im Werl Erblicke gegen Schwache.— Das, das ist Mein ganzer Grund. NJosephine. Es wäre schwer, fürwahr, Von Eurer guten Absicht meinen Gatten Zu überzeugen. 1 Gabon. Ist er so argwöhnisch P Ertrink Und h-æ Für ha Die kö Und m ad wär! r ihn den, If's eht, len hätte, cht! Ich Weisen, reten.— es m Werl s ist ürwahr, ten 6¹ Josephinte. Er war es nicht; doch Zeit und Noth hat ihn Zu dem gemacht, was Ihr ihn seht. Gabor. Das thut Mir leid um ihn! Der Argwohn ist Euch stets Gar eine läst'ge, schwere Wehr; die uns Mit ihrer Last mehr hindert, denn beschützt.— Doch gute Nacht! Ich denk', ich seh' ihn Bey Tagesanbruch noch.(geht.) Idenstein und einige Bauern. Josephaine im Hintergrunde. Frsten Bauen. Und wenn ich nun Ertrinke P Idenstein. Nun, dafür seyd Ihr bezahlt... Und habt schon mehr gewagt, als zu ertrinken, Für halb so viel... Zaweyter Bauer. Und unser Weib' und Kind! Idenstein. Die können's ja nicht schlechter haben, Schatz, Und mögen'’s besser leicht... 62 Dritter Bauer. Ich habe kein' und will es wagen, seht! Idenstein. So recht! Du bist ein wack'rer Bursch', und werth Soldat zu seyn.— Du sollst mir in des Fürsten Leibgarde, Freund, wofern Du einschlägst, schau, Und kriegst in funkelndem Metall dazu Zwey harte Thaler! Dritter Bauer. Mehr nicht? Idenstein. Schäme Dich, Pfuy, über Deine Habsucht!— Wird Dein Ehrgeiz Von diesem niedern Trieb erregt?— Ich sag! Dir, Bursch, zwey Thaler sind in kleinem CGeld Ein Schatza!— Wie? Wagen nicht fünf hun- derttausend Ruhmwürd'’ge Helden täglich Scel' und Leben Dir für den zehnten Theil von einem Thaler? Wo hattest Du denn jemals halb so viel P Dritten Bauern. Niemals; doch Herr, drey mufs ich dennoch haben!— Und wer Bespritzt Für jede Vom Le Auf eine Zu schla Und eige Unmögli Nun ma Wie ger Fühllose „ und dürsten schau, Dich, Dein h sag! inem f hun- eben haler? 5 ennoch Idenstein. Hast Du vergessen, Schurke, wer Du bist, Und wessen Unterthan P Dritter Bauen. Des Fürsten, Herr, Und nicht des Fremden! Idenstein. Schuft! Ich bin Dein Fürst, Wenn Seine Hoheit fern zu seyn geruht— Und der Baron ist mein intimster Freund: Hört, Vetter Idenstein so sagt er,«hört, Ihr müfst ein Dutzend Bauern her beordern»— Und so, Ihr Schlingel, marsch— fort, sag' ich Euch; Und wenn ein einzig Ohr in dem Packet Bespritzt nur von der Oder wird— gebt Acht! Für jede Seite wird Euch eine Haut Vom Leib gezogen, und, wie Ziska's Fell, Auf einen Trommelbock gespannt, Allarm Zu schlagen gegen alle widerspenst'ge Und eigensinnige Vasallen, die Unmögliches nicht möglich wollen machen.— Nun marsch, hinweg, Ihr Erdenwürmer, fort! (er geht, indem er sie hinaustreibt.) Nosephine(hervortretend). Wie gern entflöh' ich diesen häuf’gen Scenen Fühlloser, übermüth'ger Tyranney, 64 Schmachvoll geübt an wehrlos-schwachen Opfern. Ich kann nicht helfen— mag nicht Zeuge seyn! Selbst hier in diesem fernen, dunklen Fleck, Dem namenlosesten im ganzen Land, Hier herrscht der Uebermuth der Macht, des Reichthums, Vom Elend ausgeübt am gröfsern Elend— Der Stolz des Ranges in der Sclaverey, Und ausgelassen an noch ärgre Sclaven. Das Laster selbst im Elend, und gehüllt In cinem Scheinbild halbverblichnen Glanzes. Was für ein Zustand!— O, Toscana! Du, Mein schönes, sonnenreiches Mutterland, Wo jeder Edle Kaufmann ist und Bürger, Wie Cosmo!— O, wir haben Uebel, ja— Doch solche nicht! In unserm schwellenden Und fruchtbeladnen Thal, wo jeder Halm Ein Mahl schon ist und jede Reb' den Trank Herabträuft, der des Menschen Brust erfreut, Da ist die Armuth selber froh und reich! Die nie vermiſste Sonn'(die selten nur Umwölkt, und wenn umwölkt, in jedem Hauch Erinnerung an ihren Strahl uns läfst) Macht selbst den abgetrag'nen Mantel, und Das dünne Kleid zu einer leichtern Last, Als Eures Kaisers purpurschwerer Rock.— O, die Despoten dieses Nordens ahmen Dem Eiswind ihres Clima's nach, der auch Durch Lumpen noch den bebenden Vasallen Heimsr Das ral Und 2 Empor Des an Ernied Aus ni Verhär Gewoh Ward Des th In me Beglüc Auf un Auf u Du m Ist's n Wer au er So m War 126 auch zallen 65 Heimsucht— sie quälen seine Seele, wie Das rauhe Element den armen Leib!— Und zwischen solche Menschen strebt mein Werner Empor? Und solcher Art ist jener Stolz Des angeerbten Rang's, daſs zwanzig Jahr' Erniedrigung, wie sie wohl kein Vater je Aus niederm Stande über seinen Sohn Verhängt— nicht ein Atom in seines Seyns Gewohnter Art geändert!— O, ich auch Ward edel einst geboren; doch die Milde Des theuren Vaters pflanzte andern Sinn In meine Brust. O, lang geprüfter, nun Beglückter Geist, Du, meines Vaters, schau Auf uns und unsern langersehnten Sohn— Auf unsern Ulrich— den ich liebe, wie Du mich einst liebtest!(Pause.) Werner, bist Du es?— Ist's möglich? Wie? Und soP— Werner tritt eilig, das Messer in der Hand, aus dem geöffneten Fach in der Mauer, das er verwirrt hinter sich verschlieſst, hervor. Werner(der sie nicht erkennt). EntdecktP Nun denn, (erblickt Josephine.) Ah— Du, Josephine— hier 5 Warum noch nicht zur Ruh?— 126. So mord' ich! E 66 Josephine. Zur Ruh? Mein Gott! Was hast Du vor b Werner(Zeigt ihr eine Geldrolle). Schau, hier ist Gold— ja Cold, Das uns aus diesem Kerker hier befrey'’t!— Josephine. Und wie erlangt? Dies Messer, o— MWerner. Ist rein Vom Blute noch— doch, fort, in unser Zimmer! Josephine. Bleib, sprich: wo kommst Du her? II. ernen. Frag nicht, und laſs Uns denken, wo wir hin zu gehn. Dies macht (auf das Geld zeigend) Uns Bahn! Ja, sich, nun will ich sie erwarten! NJosephiine. Ich wage nicht, Dich schuldig und entehrt— Mernen. Entehrt? Josephine. Ich sagte es. Die 1 Ich d Gewit Noch Ich h. Was Nicht ein nmer! ad laſs macht rten! art— Merner. Hinweg! Dies ist Die letzte Nacht, die wir hier bleiben. Josephiline. 0, Ich denk', es war die schlimmste!— Wernern DenkstP— Ich bin Gewifs!— Doch fort, in unser Zimmer! Fort! Josephine. Noch eine Frage: Was hast Du gethan? M eruern(wild). Ich habe ungethan gelassen, das, Was alles gut gemacht! Doch, lafs mich dran Nicht denken. Fort! NJosephine. G, daſs ich zweifeln mufs! (Beyde ab.) 68 ———OO—ℳ————— Zweyter Act. Erste Scene. Vorsaal im Schloſs,. Idenstein, Fritz und andre. Idenstein. Ey, schöne Dinge, feine, saubre Dinge!— Der Herr Baron beraubt im Schlofs des Fürsten, Wo bis daher von solcher Sünde nie Ein Mensch gehört... Fritz. Es war auch schier unmöglich, Wofern etwa die Ratten nicht die Mäuse Um ein Paar Lumpen einer halb zernagten Tapete hier beranbt... Idenstein. Daſs ich den Tag Erleben mufs! Die Ehre unsers Orts Ist nun dahin für immer!—— Jetzt Der Nicht Euch, Und Kein Kein Ich ——— 69 Fritz. Ja.— Doch seht, Jetzt kommt's drauf an, den Thäter zu entdecken: Der Herr Baron will diese Summe Euch Nicht ohne Nachsuchung verloren haben.. Idenstein. So will auch ich! Fritz. Auf wen vermuthet Ihr P Idenstein. Vermuthen? Ich?— Die ganze Welt.— Ich sag' Euch, drinnen— draufsen—oben— unten— hier Und überall! O Himmel, hilf! Fritz. Ist denn Kein andrer Eingang in das Zimmer? Wie? Idensteln. Kein einziger! Fritz. Seyd Ihr gewiſs? Idenstein. Gewiſs! Ich habe hier gedient von Kindheit auf, 7⁰ Und hätt' davon gehört, wenn einer wär’— Gesehn... Prit. So ist es einer, der Euch Zutritt Zum Vorgemach gehabt... Idenstein. Gewiſs! Fritz. Der Mann, Den Ihr Herr Werner nennt, ist arm.— Idenstein. Arm, wie Ein Geizhals! Doch, er wohnt so fern Euch weg Im andern Flügel, der mit jenem Zimmer So ohne mögliche Verbindung ist, Daſs es unmöglich ganz.— Und aufserdem Bot ich ihm gute Nacht,'ne Meile fast Von hier im Vorsaal, der zu seinem Zimmer Allein nur führt, fast um dieselbe Zeit, Da dieses räuberisch-empörende Verbrechen scheint verübt zu seyn. Fritz. So ist's Ein andrer denn— der Fremde... Idenstein. Ja, der Ungar!.. Fritz. Der Seine Gnaden aus der Oder fischen Half... Idenstein. Traun! Nicht unwahrscheinlich! Doch— halt— wie?— Wenn's einer aus der Suite selber wär' Fritz. Was, Herr!— Wirb Idenstein. O, nicht Ihr grad— doch einer So von den untern Leuten, seht.— Ihr sagt, Der Herr Baron lag in dem groſsen Sessel, Dem Sammetstuhl, und in dem reichgestickten Nachtkleide fest im Schlaf— die Toilette Vor sich, und auf derselben eine Lade Mit Briefen, Schriften, ein'ge Rollen Gold— Von welchen eine nur verschwunden ist— Die Thür war unverriegelt, unverwehrt Der Zutritt... 3 Fritz. Guter Freund— gemach, gemach! Die Ehre unsers Corps— vom Hausverwalter Bis auf den Stallknecht— kurz, was nur zum Haus Des gnäd'gen Herrn gehört, ist unverdächtig, 72 Es sey denn, was das fein're Peculat Betrifft, als da sind: Rechnungen, Gewicht, Und Maſs— der Wein-, der Speck-, der But- terkeller, Wo Jedermann auf Beute gehen mag— Wie denn auch: Porto, Zehnteinsammlung— Feste, Verständnifs mit den Handslsleuten, die Für Seine Gnaden liefern, und so weiter.— Doch, was den kleinen, graden, oſſnen Diebstahl Betrifft, den fliehen wir, wie Kostgeld, Herr. Und dann, wenn's einer doch von uns gethan, So wär' er nicht am Geist so arm gewesen, Den Hals für eine Rolle blos zu wagen— Er hätt' sie alle weggefegt, ja auch Die Lade, wenn sie tragbar war. Idenstein. Ihr sprecht Mit Grund und Wissenschaft... Fritz. Nein, seyd gewifs, Von unserm Corpus war es keiner; seht, Es war ein kleiner, neuer, schwacher Dieb, Entblöfst an Geist vielmehr und ohne Kunst. Die Frag' ist nur, wer anders in das Zimmer Noch konnte, als der Ungar und Ihr selbst? Idenstein. Ihr meint doch mich nicht— Freund? Zu ho Und n stahl cht ewiſs, b, nst. nmmer bst? 7³ Fritz. Nein, Herr; ich hab' Zu hohe Meinung, seht, von Eurem Geist.. Idenstein. Und meiner Ehr', ich hoffe! Fritz. Nun, natürlich!— Doch jetzt zur Sache, Freund— was ist zu thun? Idenstein. Nichts— doch zu sagen wäre viel darüber; Wir machen einen Preis bekannt— bewegen So Erd' als Himmel, und die Polizey Zuletzt(obgleich wir keine näher haben, Als bis zu Frankfurt), fassen Protocolle Im Manuscript(wir haben keinen Drucker), Und bringen unsern Schreiber dann an's Werk, Sie vorzulesen(denn seht, aufser ihm Und mir lies't niemand hier). Wir schicken Bauern Umher im Lande, Bettler aufzugreifen, Und leere Taschen zu durchsuchen; ja, Wir lassen alles schlecht' und schmutz'ge Volk, Zigeuner und dergleichen, arretiren.— Gefang'ne soll es geben, wenigstens, Wenn auch den Schuld'gen nicht.— Und was das Gold Betrifft: so soll der Herr Baron, wenn's nicht 74 Gefunden wird, doch die Befried'gung haben, Zweymal so viel daran zu setzen, um Den Geist von dieser Rolle fest zu bannen. Seht, das heiſst Alchemie, die Eures Herrn Verlust ersetzt. Fritz. Er hat'ne bess're schon Gefunden! Idenstein. Wo? Fritz. In einer mächt'gen Erbschaft Vom letzten Grafen Siegendorf dort, her. Es war sein Vetter, fern genug, und starb Bey Prag in seinem Schlofs— und unser Herr Ist unterweges jetzt, Besitz zu nehmen. Idenstein. War denn kein Erbe da? Fritz. Nun ja: allein Der war seit langem vor dem Aug' der Welt Und von der Welt vielleicht— verschwunden. Seht, So ein verlorner Sohn, der unterm Fluch Des Vaters schon seit zwanzig Jahr die Welt Durchzogen, und für den der alte Herr Noch Aus Und Scht, Sein Zur I Vertr Von Gleic Der Nicht Die S Den bschaft T. hrb er Herr 75 Das fette Kalb zu schlachten stets verschmäht; Drum, wenn er lebt, so bleiben ihm die Hülsen. Doch Seine Gnaden würden Mittel finden, Wenn er erschiene, ihn fein still zu machen: Er ist gar klug, und hat Euch mächt'gen Einfluſs Bey Hofe... Idenstein. Er ist glücklich!— Fritz. Zwar, da ist Noch so ein Enkel wohl, den sich der Alte Aus seines Sohnes Händen reclamirt', Und ihn als Erben auferzog; allein, Seht, die Geburt ist zweifelhaft. Idenstein. Wie sob Frits. Sein Vater schlofs so eine Art von Ehe Zur linken Hand, mit eines Italien'schen Vertriebenen schwarzäug'ger Tochter— zwar Von Adel, wie man sagt, allein doch nicht Gleichbürtig für das Haus von Siegendorf.— Der Alte mochte auch von der Verbindung Nichts hören, und ist nie bewogen worden, Die Sippschaft nur zu sehn— obschon er selbst Den Sohn zu sich genommen. 76 Idenstein. Wenn'’s ein Bursch Von Geist und Leben ist, so wird er Euch Den Bissen wohl noch streitig machen, und Euch ein Gewebe weben, daſs der Herr Baron daran noch aufzufädeln hat. Fritz. Nun, was den Geist betrifft, den hat er Euch; Sie sagen ja, es sey'ne feine Mischung Von der Natur des Vaters und Groſsvaters: Tief, wie der Letzte, feurig, wie der Erste; Doch, was Euch wunderbar, ist, dafs er auch Vor wenig Monat erst verschwunden! Idenstein. Was? Den Henker mag er! Fritz. Ja doch, ja!— Es mußst- Auf Antrieb wohl des bösen Feindes seyn— Zu einer Frist, so kritisch, als der Abend Vor'm Tod des alten Herrn, deſs Herz es brach. Idenstein. Und ward kein Grund entdeckt? Fritz. Genug, gewiſs! Doch keiner war der rechte! Einer sagt: ursch 1 mufst — d brach. ewiſs! Er suchte seine Eltern; andre, weil Der alte Herr den mächtig strebenden Und kühnen Geist auch allzusehr beengt— (Das möchte seyn, denn er war halb vernarrt In ihn). Ein Dritter meint', er wünscht' im Krieg Zu dienen— doch da bald darauf der Friede Geschfossen, wär' er wohl zurückgekehrt, War dies der Grund.— Ein Vierter meinte gar, Da etwas Dunkles stets und Mystisches An ihm bemerkt, er sey im wilden Drang Der Jugend zu der schwarzen Bande gar Gegangen, die die Lausitz und die Berge Von Schlesien und Böhmen wild verwüstet, Seitdem der Krieg die letzten Jahre her Euch in ein allgemeines Raubsystem Und Bandenwesen ausgeartet ist: Jedweder Trupp mit seinem Oberhaupt, Und alle gegen alle Menschen— seht! Idenstein. Das kann nicht seyn. Ein junger Erb', erzogen Zu Pracht und Reichthum— und sein Leben in Die Schanze schlagen, wiep mit abgedankten Soldaten und Verzweifelten— unmöglich! Fritz. Der Himmel weiſs! Doch seht, es gibt Naturen, So mit dem wilden Durst nach Unternehmung 78 Und That vermählt, daſs sie Gefahren suchen, Wie Andre— Lustbarkeit. Ich hörte sagen, Dafs nichts den Indier zähmet und den Tiger, Ist ihre Kindheit gleich mit Milch und Honig Genährt; und endlich, schaut, was sind denn auch Die Wallenstein, die Tilly und Gustavus, Die Banner, Torstenscohn und Weimar auch, Als ganz dasselbe Ding nach gröfserm Maſfsstab. Doch nun, da sie dahin, und Friede rings Ist ausgerufen, müssen die, die folgen, Das Handwerk fein auf eigne Kosten und Gefahr betreiben.— Doch, hier kommt der Herr Baron mit jenem jungen Sachsen, der Sein Retter in der gestrigen Gefahr Gewesen, doch die Hütte an der Oder Nicht eh'r, als heute früh verliefs! Stranlenheim und Ulrich. Stralzlenheim. Nun, seht— Da Ihr mir jegliche Vergeltung denn, Hochherz'ger Fremdling, als ung leichen Dank, Versagt; so raubt Ihr Euch selbst diesen fast, Da ich den Unwerth bloſser Worte fühle, Und über meinen dürren Dank erröthe, Der Was Ich I Nein Und; Einne Und Ihr w Gern achen, gen, iger, onl 8 1 denn s8, uch, aſsstab. 88 d mt der seht— i chen n fast, ale, 7 Der so zu karg erscheint, verglichen dem, Was Euer hoher Muth für mich gethan. Wrich. Ich bitt' Euch, Herr, laſst dieses Thema ruhn. Strahlenhein. Nein, sprecht, kann ich Euch dienen?— Ihr seyd jung, Und von dem Holz, das Helden pflegt zu treiben, Einnehmend, brav, wie ich an mir erfahren, Und solcher Form und solchen Herzens, daſs Ihr wohl gewiſs dem Krieg ins Feueraug' Gern schen mögt— und glühend für den Ruhm, Da Ihr dem dunklen Tod für einen Fremden In dem nicht weniger gefahrvollen Entgegenstehnden Element getrotzt.— Ihr seyd geboren für den Krieg.— Ich hab“ Gedient, und habe Rang durch Dienst, Geburt Und Freunde, die die Euren sollen seyn. S'ist wahr, die neue Friedenspost begünstigt Nur wenig meinen Wunsch, indeſs er wird Nicht dauern— secht, des Menschen Geist ist an Sich selbst zu unruhig dafür; und kaum Kann jetzt, nach dreyfsig Jahren Kampfs, der Fried' Euch etwas anders seyn, als kleiner Krieg, Wie jeder Wald ihn schon uns darlegt, oder 8⁰ Ein Stillstand mit den Waffen in der Hand.— Der Krieg wird seine Rechte wieder fordern, Und unterdefs gewinnt Ihr einen Posten, Der cinen höhern Euch verbürgt, und steigt Durch meinen Einflufs.— Seht, ich spreche hier Von Brandenburg, wo ich wohl mit dem Churfürst Mich stehe; denn in Böhmen, dessen Gränze Wir ſast berühren, bin ich selbst ein Fremder, Wie Ihr... Ulrich. Ihr seht, mein Kleid ist Sächsisch, und Mein Arm vielleicht dem eignen Fürsten pflichtig. Doch, wenn ich Euer Anerbieten ab Muſs lehnen, so geschieht's mit dem Gefühl, Das es hervorgerufen. Strahlenheim. Nein, das wär' Nur offner Wucher, seht! Ieh schulde Euch Mein Leben, Herr, und Ihr verschmäht die Zinsen Sogar von meiner Schuld, um mehr Verpflichtung Auf mich zu häufen, und mich nieder ganz Zu beugen, Ulrich. Saget das, wenn ich die Zahlung Einst fordre! Des 1 nd.— ern, 4. eigt he hier dem ränze emder, h, und flichtig. efühl, Euch äht die Hichtung ganz b hlung 8¹ Strahlenhein. Nun, da Ihr nicht wollt..— Ihr seyd Vom Adel— wie? Drrich. So sagten meine Vettern! trahlenhein. Und Euer Thun bezeugt es. Darf ich denn Nach Eurem Namen fragen 9 Ulrich. Ulrich. Ftrahlenheim. Und Des Hauses 5 VUlrich. Wenn ich seiner werth, dann will Ich antworten. Flrahlenkzeim(bey Seute). Vielleicht ein Oestreicher, Dem diese ungewisse Zeit verbietet, Sich seines Stammes an dieser wilden Gränze Zu rühmen, wo der Name seines Landes Gefährlich und verhafst. (laut zu Fritz und Idenstein.) Ihr Herr'n, wie geht’s Mit Eurer Nachsuchung? 126. F 82 Idenstein. Nun, ziemlich wohl, Zu Eurer Excellenz Befehl... trahlenheim. So muſs Ich glauben, dafs der Dieb ergriflen? Wie? Idenstein. Herr, nicht so ganz. Stralhzlenheim. Doch mindestens vermuthet? Idenstein. Ey wohl, was das betrifft— gar sehr ver- muthet... Strahlenhein. Wer kann es seyn? Idenstein. Nun, wiſst Ihr es denn nicht, Mein gnäd'ger Herr? Strahlenheim. Wie sollte ich; ich war Im tefen Schlaf. Idenstein. So war ich auch— und dies Ist Als wohl, Vie? uthet? ar ver- nicht, wWar 1 dies 83 Ist denn der Grund, warum ich mehr nicht weiſs, Als Eure Excellenz. Strabzlenheim. Der Tropf! Idenstein. Denn seht! Wenn Euer Gnaden, die beraubt sich nennen, Den Räuber nicht erkennt, wie sollte ich, Der nicht beraubt, ihn unter dieser Menge Heraus denn finden Ey, im dichten Haufen, Mit Eurer Gnaden gütiger Erlaubniſs, Da schaut Eu'r Dieb grad so, wie die andern, Vielleicht auch besser aus. Nur dort am Gitter Des Tribunals und zwischen Kerkerwänden Erkennt der weise Mann den Sünder an Den Zügen, und ich wette, wenn wir sein Gesicht nur einmal dort gesehn, sey er, Nun schuldig oder nicht, so ist er ein Verbrecher. Stralllenheim. Sag' mir, Fritz, was ist geschehn, Den Thäter zu entdecken? Fritz. Gnäd'ger Herr, Nicht viel, bis jetzt, es wäre denn Vermuthung. 84 Strahlenheim. Nun, aufser dem Verlust, der, ich gesteh's, Gerade jetzt mich wesentlich berührt, Muſs schon aus Gründen des gemeinen Wohls Der Schuldige herausgefunden werden.— Denn ein so feiner Dieb, der fähig war, Durch meine Diener sich und so viel Zimmer, Erleuchtet und bewohnt, hindurch zu stehlen, Und weg vor meinem kaum geschlofsnen Aug' Das Gold zu rauben, würde Euren Ort, Herr Amtmann, Euch gar bald zur Wüste machen. Idenstein. Gewiſs, wär' etwas wegzutragen— hier! Ulrich(vortretend). Was heifst dies alles 5 Strahlenhein. Da Ihr heut’ erst kam't, So wiſst Ihr nicht, ich ward die Nacht beraubt— Ulrich. Gerüchte sind davon zu mir gelangt, Da ich die äufsern Zimmer dieses Schlosses Durchschritt— allein ich weifs nicht mehr. Strahlenheinz. Es ist Ein sonderbarer Fall— der Amtmann dort Kann Euch das Nähere berichten... Sehr Bis Das Mit In ti Mit Gera Aucl Dem Und Entw Die i Das Mich Die Noch Nur Ein Es ist prt Idenstein. Gern, Sehr gern!— Ihr seht... Frtranlenheim(ungeduldig). Verschiebt doch die Erzählung, Bis Ihr gewils seyd der Geduld des Hörers... Idenstein. Das lehrt uns der Versuch allein.— Ihr seht.. Strahlenheim (ihn unterbrechend, zu Ulrich). Mit einem Wort, ich lag in einem Sessel- In tiefem Schlaf, und vor mir eine Lade, Mit etwas Gold darauf(mehr, als ich jetzt Gerade zu verlieren liebe, wenn Auch nur zum Theil); genug, ein schlauer Dieb, Dem es gelungen, sich durch meine Diener, Und die des Schlosses, Eingang zu gewinnen, Entwandte mir ein hundert Gold-Ducaten, Die ich zurück zu finden wünsche, und— Das ist's!— Vielleicht, dafs Ihr(da ich noch schwach Mich fühle) zu der gestrigen Verpflichtung Die leichtre zwar, doch nicht geringe, heut: Noch fügen wollt, den Leuten dort(die mir Nur lauwarm scheinen) in der Untersuchung Ein wenig beyzustehn. 86 Ulrich. Recht gern, recht gern— Und ohne Zeitverlust.(2u Idenstein.) Hieher, mein Herr! Idenstein. zu viel Eile fördert nicht das Werk.— Ulrich. Und Müssigstehn noch weniger— drum marsch! Ihr sollt mir unterwegs erzählen. Idenstein. 8 Nun, Aber.. Ulrich. Zeigt mir den Ort, dann will ich Antwort geben. Frit=. Ich will's, mit Seiner Excellenz Erlaubnifs. Strahlenheim. Thu das, und nimm den alten Narren mit— Fritz. Wohlan denn! Ulrich. Komm, Du alt Orakel, komm, Und gib Dein Räthsel auf.— Hinweg! (Er geht mit Idenstein und Frits.) Ein Wie Mit Die i Und Auf F Ich b Denn Und 1 Hera Die 2 Dazu Ist kü In eir Die 8 Dem Der N Dem! Im B Hier Er m Und Mit n Er is Der? n— hher, esch! eben. 87 Strahlenhein(allein). Fürwahr, Ein wack'rer, krieg'risch-thät'’ger Bursch, und schön, Wie Hercules vor seiner ersten Arbeit; Mit einer Stirn in Ruhe, voll Gedanken, Die über seine Jahre weit hinaus— Und einem Aug', das sich entflammt in Antwort Auf Eures! Gern gewänn' ich ihn für mich— Ich brauche solcher Geister jetzt fürwahr, Denn diese Erbschaft ist des Kampfes werth. Und denk' ich gleich, sie ohne solchen nicht Herauszugeben, nun, so scheinen die, Die zwischen mich und meine Wünsche treten, Dazu nicht mehr geneigt, als ich.— Der Knab' Ist kühn, versichert man: allein er hat In einer Stunde grillenhafter Thorheit Die Schule mir versäumt, und überläſst's Dem Glücke, für sein Recht zu streiten.— Nun, Der Vater, den ich manches Jahr verfolgte, Dem Spürhund ähnlich— im Geruch und nie Im Blick— war mir entgaugen; aber hier— Hier hab' ich ihn, und so ist's besser!— Ja, Er muſs es seyn! So ruft mir alles zu; Und unbedachte Stimmen, unbekannt Mit meiner Fragen Grund, bestärken mich: Er ist's.— Der Mann, sein Aeuss'res, das Ge- heimniſs Der Zeit der Ankunft, und die Schild'rung, die Der Amtmann mir von seinem Weibe macht 88 (Noch sah ich sie nicht selbst); von ihrer Würde Und ihrer fremden Art. Dies alles, und Vor allem die Antipathie, mit der Wir auf einander trafen— gleich wie Löw Und Schlange, die entsetzenvoll zurück Zu prallen pflegen vor einander, aus Geheimer Ahnung, daſs sie Feinde sind Zum Tod, wenn schon zur Speise nicht einander Bestimmt.— Ja, alles dies bestärkt den Arg- wohn. Indefs— es mufs zum Entern kommen, Freund! In wenig Stunden ist die Ordre hier schwillt, Und ihre Flucht das Wetter stets begünstigt)— Dann mag er mir in sein Gefängniſs wandern, Und dorten seinen Stand und Namen nennen; Es ist kein Uebel, wenn's ein andrer ist; Denn dieser Diebstahl— aufser dem Verlust— Ist meinem Plane günstig. Er ist arm, Das ist verdächtig— unbekannt, und das Ist schutzlos— zwar, wir haben keine Proben Von seiner Schuld; doch welche hat denn er Von seiner Unschuld?— Wäre er mir sonst Gleichgültig, nun, so fiel mein Argwohn ehr Auf jenen Ungar, der mir etwas hat, Das ich nicht leiden mag, und der allein Ringsher ja, aufser dem Verwalter hier, Von Frankfurt(wenn die Fluth nicht höher Als in Mir e Ich h Das i Ihr n Ich 1 Auf 89 Und meiner und des Fürsten Dienerschaft, Erlaubten Zutritt ins Gemach gehabt. Gabor tritt ein. trahlenheim. Wie geht Euch's, Freund? Gabon. Wie's denen geht, Die, haben sie gespeis't und ausgeschlafen, Gleichgültig wie, sich völlig wohl befinden. Und Ihr, gnäd'ger Herr P Strahlenheim. In Ruhe besser, Als in der Börse. Secht, die Herberg scheint Mir etwas theuer wohl zu kommen— Gabon. Nun, Ich hört' von Euerem Verlust— indeſs Das ist nur eine Kleinigkeit für Euch... Strahlenheim. Ihr meintet schwerlich so, träf' er Euch selbst. Gabor. Ich hab' in meinem Leben nicht so viel Auf einmal je gehabt, drum kann ich nicht 9⁰ Entscheiden.— Doch ich kam, um Euch zu melden, Dafs Eure Boten wieder hier— ich hab' Sie auf dem Rückweg überholt. Ftrahlenheim. Ihr?— Wie? Gabor. Ich ging bey Tagesanbruch nach dem Strom, Zu schn, ob seine Fluth verrinnt, begierig, Die Reise fortzusetzen— doch er wies Die Boten, wie mich selbst, voll Wuth zurück; Und so, da keine Hoffnung ist, will ich Des Stromes Gefallen denn erwarten.— Strahlenhein. Ich wollt', die Schelme lägen selbst darin! Warum versuchten sie nicht wenigstens Den Uebergang, wie ich's befahl, auf jede Gefahr— Gabor. Könnt Ihr der Oder anbefehlen, Sich aufzuthun, wie Moses cinst dem Meer— (Kaum röther, als der aufgeschwollne Strom)— Und zum Gcehorsam sie bewegen, nun, So hätten sie's vielleicht gewagt... 1 zu 9¹ Strahlenheim. Ich muſs Doch selber sehn— die Schurken, ha, die Schelme, sie sollen's büfsen!..(geht.) Gabor(allein). Pah! da geht er hin, Mein edler, eigenwill'ger Herr Baron, Ein Auszug alles dessen, was die Recken Der guten alten Zeit an Ritterthum Und adelichem Wesen uns gelassen.— Traun, gestern bot er alle seine Lande (Wenn deren sein) und seine sechzehn theuren Quartiere obenein, für so viel Luft, Als eine Blase füllt, da er tief gurgelnd Und sprudelnd halben Leibes schon heraus, Aus seiner umgestülpten Kutsche Fenster, Im Wasser lag— und heute wüthet er Und tobet gegen jene Jammerbilder, Dafſs sie ihr Leben auch zu lieben wagen.— Und er hat recht, wenn solche Helden, wie Er, sie nach Wohlgeſallen zwingen kann, Es für ihn selber täglich d'ran zu wagen.— O Welt— du bist fürwahr ein trüber Spaſs! (Gabor geht.) Zweyte Scene. Wenners Zimmer im Sehloſs. Josephine und Ulrich. Josephine. Hier tritt zurück: Lafs mich noch einmal so Dich sehn. Mein Ulrich, mein geliebtes Kind— Ist's möglich— Nach zwölf ewig langen Jahren? Wlrich. O, theure Mutter! Josephine. Ja, erfüllt ist nun Mein Traum. Wie schönb Wie mehr, als alles, was Ich je erfleht! Nimm, Himmel, meinen Dank- Nimm einer Mutter Freudenthräne gütig, O, nimm sie an— dein Werk allein ja ist's— Zu dieser Stunde, da er nicht als Sohn— Als Retter uns erscheint. Ulrich. Wenn solche Freude, O Mutter, meiner harrt: so kann sie, was Ich fühle, nur verdoppeln, und die Last Der langen Schuld der Pflicht zum Theil er- leichtern, O nei Zuers so ind— hren? r, als ank— st's— ade, ras eil er- 95⁵ Der Pflicht, doch nicht der Liebe; diese ward Euch niemals vorenthalten.— O, vergebt— Der lange Aufschub war nicht meine Schuld, Fürwahr... Sosephine. Ich weiſs!— Doch sieh, ich kann der Trauer Mich nicht erinnern mehr, und zweifle fast, Ob ich sie je gefühlt— so gänzlich hat sie diese Lust aus dem Gedächtniſs mir Verwischt!— Mein theurer Sohn!(umarmt ihn.) Wernern tritt ein. Werner. Wie, noch mehr Fremde? Josephine. O nein! Schau her— was siehst Du?— MWennern. Einen Jüngling Zuerst... Ulrich(niederknieend). Und für zwölf lange Jahr— mein Vater! Werner. 0 CGott! Josephine. O, Du erblaſs'st?— Merner. Nein, mir ist wohl! Mein Ulrich!(umarmt ihn.) Ulrich. O, mein Vater, Siegendorf!— Werner(auffahrend). Süll, Kind; die Wände könnten diesen Namen Hier hören... Vlrich- Und... Merner. Nun, Sohn, wir sprechen noch Davon... Jetzt denk', ich darf als Werner nur Gekannt hier seyn.— O komm in meine Arme, Noch einmal und noch einmal! Ja, Du siehst, Wie ich einst schen sollte, und nicht sah— O Josephine, schau, mich blendet wohl Die Vaterliebe nicht; doch die Gestalt, Inmitten von zehntausend Jünglingen Von den Erwähltesten— fürwahr, mein Herz Hätt' sie für meinen Sohn sich auserwählt. Wlrich. Und dennoch kanntet Ihr mich nicht! Auf Das Mit e Den Hat! Verg. Und Nich Ja, i Dem Nach Und Zu se Mit d Nun Ich's Mein Ich Ii Und vohl! Jamen noch ger nur Arme, siehst, h— Herz 9⁵ MWerner. O— still! Auf meiner Seele lastet ein Gewicht, Das mich auf alle Menschen schauen läfst Mit einem Aug', das nur das Uebel auf Den ersten Blick erkennt! Ulrich. Seht, mein Gedächtniſs Hat besser mir gedient. Ich habe nichts Vergessen, und in jenen stolz-gewölbten Und fürstlich reichen Hallen von(ich will's Nicht nennen, da es Euch gefährlich dünkt): Ja, in der Pracht des väterlichen Schlosses, Dem Pomp der Herrschaft, schaut' ich oft zurück Nach Böhmens Bergen, wenn die Sonne sank, Und weinte, einen Tag herniedergehn Zu schen über mich und Euch. mein Vater— Mit diesen Bergen zwischen uns!— Doch nun, Nun trennen sie uns niemals mehr... MWerner. Nicht, dafs Ich's weifs.— Hast Du erfahren, theurer Sohn, Mein Vater ist nicht mehr! Ulrich. O Himmel! Wie? Ich liefs in hohem Alter ihn, doch frisch Und gleich der Eiche, die entblättert zwar, 96 Doch fest dem Zorn der Elemente trotzt, Der jüng're Stämme rings umher zerknickt.— Kaum sind's drey Monden erst... Werner. Warum verlieſs'st Du ihn 5 Josephine(Ulrich umarmend). Wie kannst Du fragen?— Ist er denn Nicht hier? Werner. Wahr— wahr! Du suchtest Deine Eltern Und fandest sie— doch wie? In welcher Lage? Wlrich. Das soll sich ändern!— Was zunächst zu thun, Ist durch zu dringen: unsre Rechte, oder Die Eurigen vielmehr zu sichern— denn Was mich betrifft, verzichte ich auf alles; Es sey denn, dafs der Vater über seine Weit ausgedehnten Lande solcher Art Verfügt, daſs meine Rechte näher stünden, Und ich zum Schein den Anspruch muſs ver- folgen. Allein ich hoffe besser, und daſs alles Nur Euer Eigenthum. Werner. Hast Du gehört Von Strahlenheim F Sein Die S ieſs'st denn Altern Lage? thun, der 8; Ulrich. Ich rettete erst gestern Sein Leben— er ist hier. Werner. Du rettetest Die Schlange, die uns sticht.— Ulrich. Ihr sprecht in Räthseln. Was hat denn dieser Strahlenheim mit uns 5 MWerner Zu viel, mein Sohn! Er spricht mein Vatererbe An, für sich selbst; ein ferner Vetter, ach, Und unser nächster Feind! Ulrich. Ich hörte nie Den Namen nennen. Zwar, der alte Graf Sprach oft von einem Vetter mir, der, wenn Sein eigner Stamm erlischt, entfernt wohl in Der Erbschaft mit begriſfen werden möchte: Doch nannt' er niemals seine Titel mir.— Und was auch mehr; sein Anspruch weicht dem unsern!— MWernern. Ja, Schn, zu Prag! Doch hier ist er all- mächtig! Und hat den Fuſstritt Deines Vaters so 126. C 98 Mit Schlingen schon umstellt, dafs mein Ent- rinnen Mein Glück, nicht sein Geschenk. Ulrichz. Kennt Er Euch von Person 5 MWerner. Nein, Sohn.— Doch sieh, er argwöhnt scharf, Wie er verrieth; und schon verdank' ich selbst Die Freyheit dieses Augenblicks allein Der Ungewifsheit nur, in der er schwebt. Ulrich. Ich mein', Ihr thut ihm Unrecht, Vater(nun, Verzeiht dies Wort). Doch Strahlenheim ist nicht, Was Ihr ihn denkt; und wann er's ist, so schuldet Er mir, seht, etwas für Vergangenheit Und Gegenwart.— Ich rettete sein Leben; Er traut auf mich. Und überdies ist er, Seit er hierher gekommen, schwer beraubt, Ist krank und fremd, und schon als solcher wenig Geschickt, den Schelm, der ihn beraubt, 4 heraus zu finden. Ich verband mich selbst hiezu, Den Das Wer Zur 1 Daſs Mic selbst webt. mnun, m ist t, 80 en; bt„ olcher raubt, u, 99 Und was zu Euch mich führte, war nur dies. Doch scht... indefs ich nach des Andern . Schlacken Gesucht, entdeckt' ich meinen gröfsten Schatz— Euch, meine Eltern. Wernern(dief und bewegt). Sohn! Wer lehrte Dich Den Namen: Schelmp Ulrich. Welch besserer gebührt Gemeinen Dieben 5 Werner(wie oben). Sohn, wer lehrte Dich Ein unbekanntes Wesen mit dem Brandmahl Der Hölle zu bezeichnen P Wrich. Mein Gefühl, Das mich den Schurken— Schurken nennen lehrt. MWerner(wie oben). Wer lehrte Dich, Du lang gesuchter, und Zur Unzeit aufgefundner Knabe, sprich, Dafs es für meinen Sohn gefahrlos sey, Mich zu beschimpfen? Ulrich. Einen Schurken nannte Ich, sagt, was hat ein solches Wesen Gemein mit meinem Vater? Werner. Alles— sieh, Der Schurke ist Dein Vater! Josephine. O, mein Sohn! Nein, glaub' ihm nicht.. Und selbst... (Ssie stockt.) Urrich (langsam und mit einem langen Blick auf I erner). Und— Ihr gesteht's?,. Merner. Süll, eh Du wagst, den Vater zu verachten, O lerne seine Handlung erst verstehn!— Jung, rasch und neu im Leben, auſerzogen Ln Schoofs des Ueberflusses, kommt Dir's zu, Die Macht der Leidenschaft und die Versuchung Des Elends zu ermessen?— Warte(und Nicht lange, denn es nahet, wie die Nacht Schnell— unbemerkt), ja, warte, warte, bis All Deine Hoffnungen zerstönt— wie mir, Und Gram und Schmach als Dienerinnen stehn In Deinem Schlafgemach— bis Hunger und unte Hohläugig Elend Cäst' an Deinem Tisch, Verzweifelung Dein Schlafgenosse ist— Dann springe auf vom Lager ohne Rast Und Ruh, und— urtheile!— Wenn dieser Tag Erschien, und Du die Schlange siehst, wie sie Um alles, was Dir theuer ist und werth, Die kalten Ringe schlug, und die nun schlum- mernd Auf Deinem Pfad mit ihren Kreisen ruht, Rauh zwischen Dir und Deinem Glück; wenn der, Der lebt, um von Dir Namen, Ehr' und Land Und Leben loszureifsen, vor Dir liegt: Das Glück Dein Führer; Mitternacht Dein Mantel, Das blofse Messer in der Hand; die Welt Im Schlaf— für Deinen Todfeind selbst im Schlaf: Wenn er den Tod dann einzuladen scheint, Indem er daliegt, wie der Tod— indeſs Sein Ende Dich allein erretten kann— 0, danke Gott, mein Sohn, wenn Du alsdann, Gleich mir, mit kleinem Raub befriedigt, still Dich auf die Seite schleichst— Ich that es so! Ulrich. Doch— Werner. Still, und hör' mich aus! Ich dulde hier 102 Nicht eines Menschen Stimm' und wage kaum Auf meine eigene zu hören(ist. Die eines Menschen Stimme noch). Hör' mich! Du kennst ihn nicht, den Mann; ich kenne ihn. O, er ist niedrig, falsch, habsüchtig, Kind! Du glaubst Dich sicher, da Du jung und brav— O niemand ist es vor Verzweifelung, Und wen'ge sind es vor Spitzfindigkeit. Mein schlimmster Feind, in eines Fürsten Schlofs, In eines Fürsten Schlafgemach— er lag Tief schlummernd unter meinem Messer; sieh, Ein Augenblick, die mindeste Bewegung, Ein leiser Druck, ein Nichts wischt ihn hinweg, Und mit ihm allen Harm von dieser Erde. Er war in meiner Macht; mein Messer schwebt', Ich zog's hinweg— und bin in seiner.— Ja, Bist Du's nicht auch? Wer sagt Dir, dafs er Dich Nicht kennt? Wer sagt Dir, daſs er Dich nicht selbst Hieher gelockt, Dich hier zu enden, oder Mit Deinen Eltern tief Dich zu vergraben In einem Kerker?(Pause.) Ulrich(sinnend). Weiter, Vater, weiter! Wernen. Mich hat er stets gekannt, und mich verfolgt Durch jeden Wechsel hin der Zeit, des Glücks, Du h Hab' Alleir 103 aum Durch jeden Tausch des Namens.— Und nicht Dichb ich! Bist Du erfahrner in dem Menschen denn, ihn. Als ich?— Er hat mit Schlingen mich um- d! stellt, v— Auf meinem Pfad Gewürm umher gestreut, Das ich in meiner Jugend fortgestofsen t. Aus meinem Blick, und das, wenn ich es jetzt loſs, Zertrete, nur mit neuem Cift sich füllt. Wirst Du geduld'ger seyn? O Ulrich, Ulrich, ch, Es gibt Vergehn, die die Gelegenheit Verzeihlich macht, und traun, Ver- weg, suchungen, Die die Natur des Menschen nicht lebt’“, bezwingt. 14 Vlrich (blickt auf ihn, dann auf Josephinen). icht 0, meine Mutter! MWernen. Ja, ich dacht' es wohl; Du hast jetzt eine Mutter nur... Verloren Hab' ich den Vater, wie den Sohn, und bin Allein!..(er Stärzt fort.) Wrich. O, haltet! 8t Josephine. icks, Folg' ihm nicht, mein Sohn, 104 Bis dieser Sturm der Leidenschaft vorüber. Meinst Du, dafs, war' es wohl gethan, ich ihm Nicht selber folgte? Wlrich. Ich gehorche Euch, Obgleich mit Mühe, Mutter; doch, mein erst Geschäft soll nicht ein Ungehorsam seyn. Josephine. O, wie so gut Du bist!— Verdamm ihn nicht Nach seinem eignen Wort; nein, glaube mir, Die, ach, so viel mit ihm, und für ihn trug. Dies ist die Rinde nur von ihrer Seele, Der Grund ist rein und reich an bessern Dingen. Ulrich. So ist's nur die Gesinnung meines Vaters, Und meine Mutter denkt nicht gleich mit ihm? Josephine. Er selber denkt nicht, wie er spricht. O, nein, Es ist der lange Gram, der ihn so macht Zuweilen. Ulrich. Nun, so lehrt mich, theure Mutter, Den Anspruch Strahlenheims doch näher kennen: Denn hab' ich alles erst in rechter Form Erkannt, so mag ich besser ihm begegnen, Und Euch aus Eurer jetzigen Gefahr Hab 105 Befrey'n— dafür verbürg, ich mich!— O, . daſs Ich wenig Stunden früher doch gekommen! Josephine. Ja, wärst Du, theurer Sohn, uns eh'r er- schienen! Gabor, Idenstein und Diener treten ein. Gabor(zu Ulrich). Ich such'Euch, Camerad!— Das ist mein Lohn! (er zeigt auf seine Umgebung.) Ulrich. Was meint Ihr, Freund? Gabon. Bey meinem Leben! Hab' ich dafür so lang gelebt? (zu Idenstein:) Fürwahr, Wär' Euer Alter nicht und Eure Narrheit— (greift ihn an.) Idenstein. Zu Hülfe! Hand weg! Einen Amtmann an Zu greifen!— Gabor. Meint Ihr— ich wollt' Eurer Gurgel Die Ehr' anthun, sie von den Rabenstein Zu retten, und Euch selbst erdrosseln? 106 Idenstein. 0,. Ich dank' Euch für die Nachsicht— doch es gibt Hier Leute, die sie nöthiger gebrauchen... Wlrrich. Enträthselt diesen niedern Hader... Gabor. Kurz, Der Herr Baron ist hier bestohlen worden, Und diesem würd'gen Herrn beliebt es nun, Den gütigen Verdacht auf mich zu werfen, Mich, den er nie gesehn, bis gestern Abend.. Idenstein. Er wollt', ich sollte meine eigenen Bekannten gar in Argwohn ziehn! Nein, wilst, Ich übe bessern Umgang, Herr! Gabor. Du sollst Den besten und den letzten Umgang bald Für alle Menschen, den der Würmer, haben, Du Hund!(ergreift ihn.) Dlrich(daswischen tretend). Still! Nicht Gewalt geübt! Er ist Alt, unbewaffnet; mäſsigt Euch, Freund Gabor. Gabor(indem er ihn loslä ſst). S'ist wahr! Ich bin ein Thor, mich zu vergessen, Weil! S'ist ei 0, he Dann Das se Und R Soll s In Eu So m 1 07 Weil Narren mich für einen Schurken halten— . S'ist eine Ehre ja! gibt Ulrich(zu Idenstein). 34 Wie geht's Euch, Freund? Idenstein. Ulrich. Ich half Euch ja! b Idenstein. Nein, bringt ihn um, 0, helfr! 1d.. Dann habt Ihr Recht... Gabor. . Seht, ich bin ruhig— lebt! riſst Idenstein. Das sollst Du nicht, wenn noch Gerechtigkeit Und Recht in Deutschland ist.— Der Herr Baron Soll sprechen! Gabor. ben, Hat er Euch gehetat, sagt an, In Eurem Argwohn 5 st Idenstein. abor. Nun, wer anders denn? Gabor. So mag er mir das nächste mal ersticken, ſp 108 6 Eh' ich den Galgen mir durch seine Rettung Vom feuchten Tod verdiene.— Doch er kommt Ftrahlenheim tritt ein. A 4 Gabor(ihm entgegen). Hier bin ich, edler Herr! Strahlenheim. Nun— und? Gabor. Sprecht, habt Ihr etwas gegen mich? Strahlenheim. Was sollt' ich, sagt? Gabor. Thr wifst's am besten, wenn die Oder gestern Euch das Gedächtnifs ganz nicht ausgespühlt. Doch das ist Kleinigkeit— allein, ich stehh Beschuldigt hier in unzweydeut'gen Worten Von diesem Castellan, des Raubs an Euch Und Eurem Zimmer— sagt, ist die Beschul digung Eu'r oder nicht? Ftrahlenheim. Mein?— Ich beschuld'ge Niemand! Seht E Wenn Will So sey Ich se Und Doch Verm Ich v ung mmt! Gabor. So0 sprecht Ihr denn mich los— Baron? Styahlenheinm. Ich weiſs Nicht, wen ich zu beschuld'gen oder los Zu sprechen— kaum zu argwöhnen weiſs ich— Gabor. Doch wen Ihr zu beargwöhnen nicht habt, Das solltet Ihr zum mindesten doch wissen.— Ich bin beschimpft und unterdrückt von dem Gesindel hier, und blick' auf Euch um Hülfe.— Auf, lehrt sie ihre Pflicht!— In Eurem Haus' Scht Euch nach Dieben um, das kömmt Euch zu, Wenn Ihr es lernen wollt!— Mit einem Wort, Will einer hier mein Kläger seyn, wohlan, So sey's ein Mann, der meiner würdig ist.— Ich selbst bin Eures Gleichen! Strahlenhzeim⸗ Ihr 5 Gabon. Ja, Herr, Und dais Ihr's wissen mögt, leicht mehr, als Ihr! Doch, fahrt nur fort; ich frage nicht nach Winken, Vermuthungen, Umständen und Beweisen. Ich weiſs genug, was ich für Euch gethan, 110 Und was Ihr, Herr, mir schuldet, daſs ich traun, Auf Euren Lohn gewartet lieber, denn Mich selbst bezahlt, wenn Euer Gold mich lockte. Auch das weiſs ich, dafs, wäre ich der Schelm, Den Ihr mich glaubt, der Dienst, den Ihr empfingt Von mir, Euch nicht erlaubt, mich also zu Verfolgen, aufser durch Beschämung, seht, Die Euer Wappen zum Blanket nur macht*). Doch das ist nichts— Cerechtigkeit will ich; Mein Recht hier gegen dies Gesinde, und Von Euren Lippen offene Verläugnung Des unverschämten Argwohns gegen mich! * So viel, Herr, schuldet Ihr dem Unbekannten, Der mehr nicht will, und wahrlich nicht gedacht, Dafs er so viel von Euch sich fordern müſste. trahlenhein. Der Ton scheint der der Unschuld wohl zu seyn.— *) Das Dunkel dieser Stelle ist schwer durch Uebersetzung zu erhellen. Vielleicht ist der Sinn: durch Schaam, die, wenn Ihr selbst sie hättet, Euch zeigte, daſs es mit Eurem Wappenschilde nichts ist. A. d. U. Bey n Als so Herr, Eiszap Und i Den N Wir t Ich we Ich sa Ihn w Euch Von 4 Den N Gabor. Bey meinem Leben, wer bezweifelt das, Als solche Schurken, die sie nie gehaht! Strahlenheim. Herr, Ihr seyd hitzig! Gabor. Soll ich denn fürwahr Eiszapfen werden vor dem Hauch der Schufte Und ihres Meisters? Strahlenheim. Ulrich, sprecht, Ihr kennt Den Mann, ich fand Euch ja mit ihm zuerst.. Gabor. Wir fanden Euch, Herr, in der Oder, und Ich wollte, daſs wir Euch darin gelassen! Strahlenhein. Ich sag' Euch meinen Dank! Gabor. Nun ja, ich hab“ Ihn wohl geerntet!— Hätt' ich Eurem Loos Euch überlassen, schaut, ich hätte mehr Von Andern wohl verdient... Strahlenheim. Ihr kennt ja, Ulrich, Den Mann? Gabor. Nicht mehr, als Ihr; erkennt er nicht Laut meine Ehre an! Ulrich. Ich kann sein Herz, Und in so weit, als uns ein kurzer Umgang Sie zeigt, auch seine Ehre Euch verbürgen. Strahlenheim. Nun, das befriedigt mich! Gabor(mit Hohn). Mich dünkt, sehr leicht! Was ist der Zauberspruch in seinem Wort Denn mehr, als der in meinem P Strahlenheim. Ey, ich sag, Ich bin befriedigt, nicht, daſs Ihr drum frey Gesprochen seyd. Gabor. Noch einmal, Herr, bin ich Verdächtig oder nicht? Str ahlenheim. Gemach, Gemach! Ihr werdet rücksichtslos. Wenn Umstände Und allgemeine Gründe des Verdachts Sich gegen Euch erklären, sprecht, kann ich nicht din ich ach! nde n ich 113 Dafür b— Und ist's nicht schon genug, daſs ich Die Untersuchung Eurer Schuld und Unschuld Laut abgelehnt 5 Gabor. Herr, Herr! das ist Nur leere Ausflucht, eitel Spiel mit Worten! Ihr wifst sehr wohl, dafs Euer Zweifel hier Ringsum für Wahrheit gilt, dafs Euer Blick Hier Sprache und Beweis, und Euer Zorn Ein Urtheil ist.— Ihr übet Eure Macht An mir, weil Ihr sie habt; doch seht Euch vor, Ihr wiſst nicht, Herr, wen Ihr zu treten sucht! Strahlenheim. Ihr drohet gar? Gabor. Lang nicht so viel, als ihr Beschuldiget.— Ihr wagt die niedrigste Beschimpfung, und ich gebe sie zurück Mit einer offnen Warnung. Strahlenheim. Wie Ihr sagt, Ich schuld' Euch etwas, doch Ihr scheint geneigt, Euch selber au bezahlen. Gabor. Wahrlich nicht Mit Eurem Gold! 126. H 114 Strahlenheim. Und Mit schrankenlosem Trotz.— Dex (zu den Dienern:) Und Ihr dürft den Mann hier weiter nicht beläst'gen. Und Fort, laſst ihn gehn!— Nun, guten Morgen, Ulrich! goll (geht mit Idenstein und Gefolge ab.) S Gabor(ihm nach.). Ich will ihm nach.. er soll... Siist . Doc Ulrich. Nicht einen Schritt. Gaborn. 603 Wer hält mich auf? Ulrich. Ich denke, Eure eigne wW Vernunft nach einem Augenblick Besinnung. 3 Gabor. b Soll ich das tragen?. V Ulrich. Pah! Wir alle müssen We Den Uebermuth des Höheren ertragen, Und auch der Höchste kann den Erbfeind selbst Nei Nicht seine Schergen bier auf Erden kann. Ich habe Euch den Elementen trotzen Nicht immer bändigen, so wie der Niedre V 8tz.— st'gen. lorgen, a5.) Schritt. üssen d selbst lre an. 115 Und Dinge tragen sehn, vor denen sich Der Seidenwurm fürwahr verpuppen möchte— Und könnt Ihr nun ein Paar verkappte Worte, Und arme Sticheleyen nicht ertragen? Gabor. Soll ich für einen Dieb mich halten lassen 5 Wenn's noch ein Räuber wär', so wollt' ich's tragen, S'ist doch was Kühnes wenigstens darin! Doch, schaut, den Pfennig eines Schlummern- den... Wlrich. So scheint es denn, Ihr seyd nicht schuldig ⁵ Wie? Gabor. Was? Hör' ich rechtb Auch Ihr? Ulrich. „¶% Ich frage blos. Gabor. Wenn mich der Richter fragt, geb' ich zur Antwort: Nein!— Doch, Euch— diese!(er Zzieht.) Ulrich(indem er den Degen zieht). Von Herzen gern! 116 Josephine. Halt! Helft! Herbey! O Gott— sie morden sich! (eilt schreyend davon.) Gabor und Ulrich fechten. Gabor wird entwafſnet, indem Strahlenheine, Jose⸗ pPhire, Idenstein und Gefolge eintreten. Josephine. O güt'ger Himmel, seht, er ist gerettet! Strahlenhein(su ihr). Wer ist gerettet? Josephine. Mein... 2 Ulrich(unterbricht sie mit einem finstern Blick, zu Strahlenheim gewandt). Herr, beyde sind's!— Hier ist kein grofses Leid geschehn! Strahllenhzeina. Was war Die Ursach'? Wlrich. Ihr, Baron, ich denke; doch Da nun die Wirkung ohne Harm vorüber, Als orden on.) wird Jose⸗ ten. Blick, d's!— War doch er, 1 117 So lafst Euch das nicht stören.— Cabor, hier Ist Euer Schwert, und wenn Ihr'’s wieder zieht, (langsam und leise) So sey es, traun, nicht gegen Eure Freunde! Gabor. Ich dank' Euch minder für mein Leben, schaut, Als für den Rath. Strahlenheim. Der Lärmen muss hier enden. Gabor (indem er sein Schwert nimmt). Er soll's!— Ihr habt mich, Ulrich, mehr mit dem Gedanken, denn mit Eurem Schwert verletzt. Ich wollt', das letzte wär' in meiner Brust, Wenn nur der erste nicht in Eurer wär'! Ja, leichter hätt' ich dieses edlen Herrn Absurden Argwohn mir gefallen lassen: Einfalt und Dummheit sind ein mächtig Theil Von seiner Erbschaft, das ihm länger währt, Als seine Länder; doch, ich sprech' ihn noch!— Ihr aber habt mich überwunden, Freund! Ich war so närrisch, in der Leidenschaft Zu glauben, dafs ich Euch gewachsen wär', Euch, den ich schon in gröſserer Gefahr Erprobt, als hier in dieser Waſfe ruht. Jedoch wir mögen uns noch wiedersehn— Indefs, wo es auch sey, in Freundschaft stets. Zu ü (geht.) Strahlenheim. Ich will's nicht länger dulden— dieser Hohn Nach der Beleidigung, und selbst vielleicht Nach dem Verbrechen, hat das wenige, Was ich ihm schuldete für seinen Beystand, Bey Eurer bessern Hülfe ganz getilgt.— Seyd Ihr verwundet, Ulrich? Nun⸗ Ulrich. lIch fi Nicht einmal vVerw Geritzt. 1 Ja all Strahlenheim(zu Idenstein). 5 Genug, verhaftet mir den Mann, Herr Castellan! Ich nehme meine früh're Gelindigkeit zurück; er wird nach Frankfurt Die Gebracht, sobald die Wasser nur gefallen. Des Idenstein. Verhaften Ihn? Er hat den Degen wieder, Das Und scheint zu wissen, wie man ihn gebraucht; Es ist sein Handwerk, schaut; ich bin ein Bürger; Ein stiller Bürger, Herr!— Strahlenheimn. Ein Narr!— Sind Euch Denn zwanzig Bauern dort auf Eurer Fährte 119 Noch nicht genug, ein Dutzend solcher Bursche Zu überwältigen?— Hinweg! Ihm nach! Ulrich. Baron, ich bitte Euch! Strahlenheim. Gehorcht! Kein Wort! Idenstein. Nun, wenn es denn nicht anders ist, wohlan, So marsch, Vasallen!— Ich, Eu'r General, Ich führ' die Nachhut an: ein kluger Feldherr Verwahrt sein kostbar Leben wohl, auf dem Ja alles ruht: und der Artikel, traun, Gefällt mir; marsch!(geht mit den Bauern.) Strahlenhein. Kommt, Ulrich, kommt!— Was will Die Frau hier?d— Nun erkenn' ich sie— sie ist Des Fremden Frau, der sich hier Werner nennt. Ulrich. Das ist sein Name! trahlenheim. Ist er's, sagt, gewiſs?— Ist Euer Mann zu sehen, schöne Fraub Josephine. Wer sucht ihn 5 Strahlenheim. Niemand noch— für jetzt.— Ich hab' Allein mit Euch zu reden, Ulrich! Ulrich. Nun, So folg' ich Euch! Josephine. Nicht so!— Ihr waret hier Die letzten Gäste, und verfügt mit Recht HHier über alle Orte. (bey Seite zu Ulrich.) O, beherrsch' Dich, Ulrich— denk, was oft an einem Wort Ja hängt!(geht.) VUlrichz(zu ihr). Besorget nichts. Strahlenhein. Ich mein', ich darf Euch trau'n. Ihr habt das Leben mir gerettet, Und Thaten dieser Art erzeugen stets Ein unbegränzt Vertrau'n. Ulrich. So sprecht! Strahlenheim. Wohlan: Geheimniſsvolle, lang bestandene Verbindungen(die ich Euch heute nicht Enty Mir Gem Nein Und Von Der Der l Alleir (Und Und Seyn Hab' Gesan h hab' 121 Entwickeln kann) sie haben diesen Mann Mir schädlich, ja verhängnifsvoll vielleicht, Gemacht!— Ulrich. Wen meint Ihr?— Gabor? Jenen Ungar? Flrahlenhein. Nein, diesen Werner, mit dem falschen Kleid Und Namen... Ulrich. Wie ist's möglich? Er, der ärmste Von allen Armen— dessen hohles Aug' Der tiefe Ruhsitz blasser Krankheit istP— Der Mann ist ohne Hülfe! Strahzlenhein. Ja, so ist's— Allein, wenn er der Mann ist, den ich meine (Und dafs er's sey, bekräftigt alles hier, Und vieles, das nicht hier): so mufs er ſest Seyn, eh' zwölf Stunden noch vergehn. Ulrich. Und was Hab' ich zu thun damit? Strallenheim. Ich hab' nach Frankfurt Gesandt, zu meinem Freund, dem Gouverneur, Um eine angemessene Bedeckung— 122 Wozu ein offener Verhaftsbrief mich Vom Hause Brandenburg berechtiget— Doch dieser fluchbeladne Strom versperrt Starr Mir jeden Weg und kann's für mehre Stunden.. Steht Ulrich. Doch Das Wasser fällt... Strahzllenheim. Das ist vortrefflich.. Doch.. Ulrich.— Doch, was soll mir dies alles P.. Die r Und Strahlenheim. So na Euch, wie einem, Pas Der schon so viel für mich gethan, dafs er So da Unmöglich gleichgültig kann seyn, für das, Sein Was wicht'ger, als das Leben ist, das er RKRings Gerettet.— Haltet Euer Aug' auf ihn! Er flieht mich jetzt; er weiſs, daſs ich ihn kenne; Ja, II Bewacht ihn mir: wie Ihr den wilden Bären Bewachet, wenn er gegen Euren Stand Hervorbricht. So wie diesen, trefl' auch ihn Ihr'’s s Der sichre Speer! Gesagt Ulrich. Doch— sagt, warum? den.. hoch.. 123 Strahlenheim. Nun, seht: Starr zwischen mir und einem reichen Erbe Steht dieser Mann— o, daſs Ihr's sehen möchtet... Doch ja, Ihr sollt! Ulrich. Ich hoffe so! Strahzlenhein. Es ist Die reichste Baronie im reichen Böhmen, Und unversengt von dieses Krieges Brand. So nahe liegt's der starken Veste Prag, Dafs Schwert und Feuer leicht vorüber glitten; So daſs— reich schon an sich und von Natur, Sein Werth verdoppelt wächst, da ganze Reiche Ringsum und fern in Wüsten fast verwandelt. Ulrich. Ja, Ihr beschreibt es, wie es ist.— Strahlenheim. O, daſs Ihr's sähet, Ihr bekräftigtet's. Doch, wie Gesagt— Ihr sollt! Ulrich. Ich nehm' das Omen an! 124 Ftrahlenhein. Dann fordert Euren Lohn von ihm und mir, Wie des Empfangs und Eurer Dienste er Für mich und für die Meinen würdig ist. Ulrich. Und der verlafsne, bleiche, elende, Vom Wege aufgeriebne Fremdling stellt Sich zwischen Euch und dieses Paradies— (bey Seite) Wie Adam zwischen Satan einst und seines,— Strahlenheim. So ist's!... Ulrich. Hat er denn Rechte? Strahlenheim. Rechtet? Keins! Ein längst Enterbter und Verlorener, Der zwanzig Jahre seinen Stamm entehrt’ In jedem seiner Schritte, und vor allem Durch seine Heirath und den niedern Umgang Mit Handel treibenden und schmutz'gen Bürgern In einer Judenstadt. Wlrich. So hat er denn Ein Weib? ,. Sie M Gesel Nicht Ein Iü Verba Mit d Es is Den e Ist nä Den a Er eis Allein Er flol Auch Um 81 mir, nes.— Strahlenhein. Es würd' Euch jammern, solltet Ihr gie Mutter nennen. Doch Ihr habt sie ja Gesehn, die er so heifst! Wlrich. Und ist sie's nichtb trahlenhein. Nicht mehr, als er selbst Euer Vater ist. Ein Italien'sches Ding, die Tochter eines Verbannten, die von Lieb' und Armuth lebt Mit diesem Werner. Ulrich. Sind sie kinderlos P Ftrahlenheim. Es ist— es war auch so ein Bastard da, Den einst der alte Graf— Ihr wiſst, das Alter Ist närrisch oft— zu sich genommen, um Den alten Busen dran zu wärmen, als Er eiskalt gegen seine Grube sank— Allein der Gimpel steht mir nicht im Weg'; Er floh, und niemand weiſs, wohin; ja wär's Auch nicht— sein Recht allein ist zu ver- ächtlich, Um Stich zu halten! Nun, Ihr lächelt; wie? 126 Ulrich. Ob Eurer eitlen Furcht.— Ein armer Wicht, Der ganz in Eurer Hand— ein Kind, ein Knab' Von ungesetzlicher Geburt— erschreckt Hier einen Grofsen Eurer Art?.. Strahlenheim. . Wo alles Gewonnen wird, ist alles auch zu fürchten. Wlrich. Wahr, wahr— und alles wird gewagt, es zu Gewinnen, zu erhalten!.. Strahlenheim. Ja, Ihr schlagt Die rechte Saite an, zunächst dem Herzen; Kann ich auf Euch vertrau'n? Ulrich. Es wär“ zu spät, Daran zu zweifeln, Herr! Strahlenheim. So lafst Euch denn Kein thöricht Mitleid irren(denn das Ansehn Des Mannes ist erbarmenswürdig); doch Er ist ein Elender und so verdächtig Des Diebstahls gegen mich, als nur der Andre, Blos dafs die Proben minder gegen ihn— Da er weit ab ein eigenes Gemach Bewe Und Ich Als Und Dazu Und Die Hera Nein Kanu Nich Nich Ich Den Zur Verl Ihn Als es zu 127 Bewohnt, das ohne Zugang zu dem meinen. Und aufserdem, die Wahrheit zu gestehn, Ich denk' zu gut vom Blut, das mir verwandt, Als dafs ich solcher That ihn ſähig hielt-. Und weiter, war er auch Soldat, und noch Dazu ein braver, wenn auch schon zu hitzig, Ulrich. Und die, wir wissen's aus Erfahrung, Herr, Die plündern nie, bis sie das Hirn nicht erst Herausgeschlagen, so, daſs sie nicht Diebe, Nein— Erben sind. Der Todte, der nicht fühlt, Kann nichts verlieren, also auch beraubt Nicht werden— ihre Beute ist nur Erbschaft, Nichts mehr... Strahlenheinm. Fürwahr, Ihr seyd ein Schelm! Doch sagt, Ich kann mich drauf verlassen, Ihr bewacht Den Mann, und laſst mich jegliche Bewegung Zur Flucht, und zum Verbergen, wissen? Ulrich. Nun, Verlaſst Euch drauf, und glaubt, Ihr könnt Ihn selber besser nicht behüten, Herr, Als ich sein Wächter bin. 128 Strahlenhein. Ihr macht dadurch Mich zu dem Euren, und auf immer. Ulrich. Seht, Das ist's, was ich erstrebe: weiter nichts! (gehn nach verschiedenen Seiten ab.) — Faa Ihr! Mir! Woh Mein So el Der Wie Und Mich 120 urch 129 —.— ——— 3 Dritter Act. Erste Scene. Saal, aus dem der geheime Gang jührt. Werner und Gabor. Gabor. Ihr habt mich nun gehört: gefällt es Euch, Mir Zuflucht nun für kurze Frist zu leih'n, Wohlan; wenn nicht, so muſs ich anders wo Mein Glück versuchen. M erner. Sagt, wie kann ich, selbst So elend, fremdes Elend schützen— ich, Der eine Zuflucht selbst so ängstlich sucht, Wie je das aufgescheuchte Reh sein Lager... Gabon. Und der verletzte Löwe seine Schlucht! Mich dünkt, Ihs säh't eh'r einem solchen ähnlich, 126. 130 Der umkehrt, und des Jägers Eingeweid' Mit gift'gem Zahne sucht. Wernen. Ah!— Gabor. 3 Mir ist's gleich, Ob dem so ist, ob nicht; denn, seht, ich bin Entschlossen fast, dasselbe auch zu thun.— Drum, wollt Ihr mich verbergen? Schaut, ich bin, Wie Ihr, Herr, unterdrückt, und arm, vwie Ihr,— Beschimpft... MWerner Gehnell). Wer sagt Euch das von mir P Gabon. Niemand. Auch sag' ich nicht, Ihr wärt's: Mit Eurer Armuth Ist meine Aehnlichkeit zu End'. Ich sagt“, Ich sey's, und wollte weiter sagen: Und So unverdient, wie Ihr, fürwahr! MWerner. Wie ich? Noch einmal, gleich, ch bin at, ich 1, wie t Eurer gi', nd einmal, 131 Gabor. Und jeder andre Ehrenmann!— Was Henker, wollt Ihr denn P Ihr haltet mich Doch dieses niedern Diebstahls wohl nicht schuldig P MWerner. O nein, ich kann nicht! Gabor. Nun, so seyd Ihr, traun, Ein Ehrenherz!— Der junge Riese dort, Der jämmerliche Amtmann und der Wicht Von Edelmann, sie alle hatten mich In Argwohn; und warum 5 Weil ich der schlecht Gekleidetste und ungenannteste Von allen bin— obgleich wär’ Momus Fenster In unsrer Brust, so möchte meine Seele Es weiter aufthun, schaut, als ihre je. Doch, seht, so ist's: ich arm und hülflos— und Ihr beydes fast noch mehr, als ich. Werner. Wie wiſst Ihr das 5 Gabor. Ihr fragt mit Recht! Ich komme her, Und bitt' um Euren Schutz, Euch, den ich selbst 3 152 Für hülflos nun erkläre; wenn Ihr jetzt Ihn mir verweigert, bin ich wohl bezahlt.— Doch Ihr, der mir die ganze Bitterkeit Des Lebens scheint geschmeckt zu haben— ja, Ihr wifst, aus eigener Erfahrung wohl, Ob alles Geld der neuen Welt, mit dem Der Spanier sich brüstet, je den Mann, Der seinen Werth erkannt und ihn gewägt Mit seinem eigenen— versuchen könnte, Es wäre denn in dieser Art(und hier Erkenn' ich seine Macht und fühle sie), Dafs er damit den AIp von seinem Herzen Bey Nacht verscheuchen könnte. MWerner. Sprecht, was meint Ihr, Freund! Gabor. Nun, was ich sage! Ich dacht'“, mein Satz War klar.— Ihr seyd kein Dieb, noch bin ich es— Und alle Ehrenmänner sollten sich Einander schützen und vertheidigen. MWernern. Herr! Es ist eine sündenschwere Welt!— Gabor. Das ist die nächste, von den zwey'n, die folgen, Wie unsre Priester sagen auch(und traun, Ist 1 80 s. Denr Das; Woll en meint n Satz h bin 133 Sie müssen's wissen); darum halt' ich mich An diese— Herr, und habe keine Lust Zum Märtyrer zu werden, wenigstens Mit solcher Grabschrift, wie ein Raub sie gibt. Nur eine Nacht Quartier verlang' ich, seht, Und will die Wasser morgen schon versuchen, Wie einst die Taube im Vertrauen that, Daſs sie gefallen wären. MWernern. Wie? Gefallen 5 Ist Hoffnung denn dafür Gabor. So war’s um Mittag. Werner. So sind wir denn gerettet! Gabon. Seyd Ihr, sprecht, Denn in Gefahr 5— MWerner. Die Armuth ist das immer. Gabon. Das weiſs ich lange aus Erfahrung. Nun, Wollt Ihr die meine nicht verringern, wie? WMWerner. lch?— Eure Armuth?— 134 Gabon. Nein, Ihr seht nicht aus, Als wäret Ihr ein Arzt für diese Krankheit. Ich meinte die Gefahr, in der ich bin... Ihr habt hier Dach und Fach, ich habe keins.: Und suche einen Winkel, mich zu bergen.. WMWernern. Nun ja, wie sollte auch ein Elender, Wie ich, zu Gelde kommen? Gaborn. Kaum ganz ehrlich, Die Wahrheit zu gestehn! Obgleich ich selbst Fast wollt', Ihr hättet des Barons... MWerner. Wie spielt Ihr an, vielleicht? Gabon. Worauf Werner. Wiſst Ihr, zu wem Ihr sprecht? Gabor.. Nein!— Doch ich bin auch nicht gewohnt, Mich groſs darum zu kümmern. sie Und Ich Ums Wo Ich Bey Neh Gere Nicl Ich Ich! Seyd rlich, selbst Spielt 8 135 (Ein Geräusch wird drauſsen gebonn) Doch, horcht— horcht— sie kommen! WMWerner. Wer denn, sprecht! Gabon. Der Castellan Und seine Hunde hinter ihm. Fürwahr, Ich böt' dem Volk die Stirn, allein es ist Umsonst, Gerechtigkeit von ihm zu hoffen.— Wo soll ich hin?— Zeigt mir nur einen Ort! Ich schwöre Euch, wenn Treu' und Glauben noch Bey Menschen wohnt, ich bin Euch schuldlos, Seht, Nehmt an, es wäre Euer eigner Fall. MWerner(bey Seite). Gerechter Himmel! Deine Hölle ist Nicht dorten mehr— nein, hier! Bin ich noch Staub 5 Gabor. Ich sch's, Ihr seyd bewegt; das steht Euch wohl! Ich kann noch leben, einst Euch's zu vergelten! MWerner. Seyd Ihr denn, sprecht, kein Späher Strahlen- — heims? 136 Gabor. Ich?— Nun, gewiſs nicht, Herr! Und wär' ich es, Was ist in Euch denn zu erspähn— obgleich Ich Euch gestehe, dieses häuf ge Fragen Nach Euch und Eurer Frau, erregt mir wohl Verdacht.— Doch Ihr wiſst besser, ob und wie; Ich bin sein Todfeind! MWerner. Ihr P Gabor. — Nun ja, nach der Behandlung und nach einem solchen Dienst, Wie ich zum Theil ihm leistete— bin ich Sein Feind, und seyd Ihr selber nicht sein Freund, So müſst Ihr, schaut, mir beystehn. MWernern. Ja, ich vwill's. Gabor. Doch wie? Wernern(eigt ihm die verborgne Thür). Seht, eine Feder öffnet hier Die Thür; doch merkt Euch wohl, ich habe sie Durch Zufall nur entdeckt, und nur benutzt Als Zuflucht! (d wär' gleich rohl d wie; ch der enst, ich ht sein will's. ür). abe sie nutzt. 137 Gabor. Oeffnet sie, ich will sie zu Demselben Zweck benutzen. Merner. Wie gesagt, Ich fand sie; seht, sie führt Euch schlängelnd fort,* Durch Mauern(stark genug in ihren Seiten, Den Tritt des Menschen zu verbergen, ohne An Festigkeit und Stärke zu verlieren), Durch hohle Zellen, dunkle Nischen fort, Ich weiſs selbst nicht, wohin!— Allein Ihr dürft Nicht weiter— gebt mir Euer Wort darauf! Gabor. Es ist nicht nöthig. Sagt, wie sollt' ich auch Mir Bahn durch diese Gothische Gewinde Im Finstern öflnen? Mernen. Ja; doch, Freund, wer weiſs Wohin Euch's führen mag— ich weiſs es nicht! Vielleicht, dafs es Euch gar in Eures Feinds Gemach noch führt— so wunderbar sind Euch Oft diese Gäng' von unsern Vätern in Der alten Zeit geführt und eingerichtet, Da Menschen wen'ger gegen Elemente, 138* Als gegen ihren nächsten Nachbar bau'ten.— Drum dürft Ihr über die zwey ersten Ecken Auch nicht hinausgehn, hört Ihr!— Thut Ihr es, (Obgleich ich niemals sie zurückgelegt,) So steh' ich Euch für nichts, wohin Euch's führt. Gabon. Das will ich selbst.— Und nun, den besten Dank!— MWernnen. Ihr findet an der andern Seit' die Feder Bequemer; darum, wenn Ihr wiederkehrt—. Sie weicht der leisesten Berührung. Gabon. Fort— Ich mufs hinein!— Lebt wohl!— (Gabor ab.) Wernern(allein). Was that ich— Cott!— Und o, was hab' ich früher nur gethan, daſs dies Gefährlich istb— O, mag mir das zur Mil- d'rung Gereichen, dafs ich den errette, dessen Aufopf'’rung mich selbst vielleicht errettet!— Sie kommen, ach, um anderswo zu suchen, Was hier vor ihnen steht... So m Mit f Gebil Versc Wie Beper Gekr. Mit 8 Phan Von Verd Hier Bewe Das I So is Den 159 Idenstein und Gefolge treten ein. Idenstein. Ist er nicht hier?— So muſs er traun durch jene Coth'’schen Gläser, Mit frommer Hülfe derer, die darauf. Gebildet stehn in roth und gelben Fächern, Verschwunden seyn, durch die der Abendschein, Wie Morgenroth, auf rothe Kreuze fällt, Beperlte Bärte, goldne Bischoſsstäbe, Gekreuzte Waffen, Helme, Panzerhemden, Mit Schwertern, Kappen, und dem ganzen Trofs Phantastischer Verzierung dieser Fenster; Von kühnen Rittern, heil'gen Eremiten, Verdunkelt, welche Aehnlichkeit und Ruhm Hier ein'gen Scheiben Glas, die jeder Wind Bewegt, verdanken, so zerbrechlich, wie Das Leben und der Ruhm des Menschen selbst.— So ist er fort.— Werner. Wen sucht Ihr denn? Idenstein. Den Schurken! MWerner. Warum kommt Ihr denn so weit? 140 Idenstein. Nun, den zu suchen, welcher seine Gnaden Beraubt!— Wernen. Und seyd Ihr sicher, daſs Ihr ihn Entdeckt b Idenstein. So sicher, als dafs Ihr hier steht! Drum sagt, wo ist er hin? Werner. Wer? Idenstein. Den wir suchen. MWerner. Ihr seht, der ist nicht hier. Idenstein. Doch folgten wir, Ich sag' Euch, seiner Spur in diesen Saal Hinein!— Seyd Ihr Genossen, oder— sprecht, Versteht Ihr auf die schwarze Kunst Euch gar? Menner. Ich handle offen, und das ist die schwärz'ste Für Manchen... naden ihn ht! uchen. wir, precht, gar? 2'ste 141 Idenstein. Nun, kann seyn, daſs ich hernach Für Euch'ne Frage hätte, oder zwey.— Doch nun lafst uns den Andern welter suchen. Werner. Ihr thätet wohl, die Untersuchung jetzt Schnell zu beginnen, denn ich möchte stets Nicht so geduldig seyn! Idenstein. Ich wüſste gern So recht mit Grund, ob Ihr der Mann wohl seyd, Den Seine Gnaden sucht. MWernern. Wie, Unyerschämter! Seht Ihr denn nicht, dafs er nicht hier? Idenstein. Ja, einer:— Doch hier ist noch ein andrer, den er schärfer Und bald mit solcher Macht verfolgen wird, Die über sein' und über meine geht. Doch kommt, Gesellen— rührt euch, frisch! Wir zaudern! (geht mit Gefolge.) 7 142 MWerner(allein). In welches Labyrinth hat mich mein rauh Geschick verstricktb— O, eine andre That Hat minder mir geschadet, als dafs ich Die gröfs're ungethan gelassen.— Still, Geschäft'ger Teufel, der in meiner Brust Sich regt und rührt, du kommst zu spät— ich will, Ich will mit Blut ja nichts zu schaffen haben! Ulrich tritt ein. Ulrich. Ich such' Euch, Vater! WMennen. Ist auch nicht Gefahr? UDlrich. Nein, keine; Strahlenheim hat keine Ahnung Der Bande, welche uns verknüpfen— ja, Er schickt mich als Spion vielmehr hieher Für Euch, und glaubt mich ganz den Seinigen. Werner. Ich kann's nicht glauben— nein, dies ist ein Fallstrick, Mit dem er beyde uns umschlingt, um so Den Vater und den Sohn auf einmal zu Vernichten. Den Soh 143 Wlrich. ah Nun, ich kann bey jeder Furcht That Mich nicht verweilen— über jeden Zweifel Nicht stutzen, die, wie ritzend Dorngesträuch Auf unserm Pfad erstehn.— Ich mufs hin- t durch, t— ieh Gleich einem waſfenlosen Menschen, der Mit nackten Gliedern durch das Dickicht stürzt, haben! In dem er Holz gespalten um das Brod, Wenn plötzlich gegen ihn ein Wolf hervor- bricht!— 0, Schlingen sind für Drosseln, Adler fängt Man so nicht! Seht, wir müssen drüber weg, Mein Vater, oder sie in Stücken reifsen.— MWerner. Ja, zeig' mir, wie P Ulrich. Könnt Ihr's nicht rathen? er Werner. inigen. Nein! Wlrich. ist ein Nun, das ist sonderbar! Kam der Gedanke Denn gestern Nacht nicht auf in Eurem Sinn! s0 MWenner. Sohn, ich versteh' Dich nicht. Ulrich. Nun, so fürwahr Vverstehen wir uns niemals mehr!— Doch, das Gespräch zu wechseln, sagt mir doch... WMWernen. Du meinst Es fortzusetzen, da es ja sich handelt Um uusre Sicherheit. Wlrich. Nun wohl, ich nehme Bericht'gung an.— Ich sche nun das Ding Viel klarer— und genauer unsre Lage. Die Wasser fallen— wenig Stunden bringen Von Frankfurt die verlangten Myrmidonen Herbey— Ihr seyd dann sein Gefangener, Vielleicht noch schlimmer— ich, ein Ausge- stofsner, Gebrandmarkt als Bastard, durch seine Kunst, Um Bahn für ihn zu machen. WMWernen. Und Dein Mittel? Sprich schnell, mein Sohn;— ich dachte zu entfliehn Durch Hülfe dieses fluchbeladnen Cold's... Doch sich, nun wag' ich's nicht zu brauchen, nicht Zu zeigen; ja nicht selbst darauf zu blicken, Erdu Verg Auf Des Von Um Sie s Ihr Nich Ein! Und Mit Cales Beyn Rascl 80 s Beso 12 rahr „ das 7 14 Erdreist' ich mich. Mich dünkt, als träg' es mein Vergehn statt des Gepräges und der Umschrift Auf seinen Seiten, und anstatt des Kopfs Des Fürsten— meinen, schrecklich rings umspielt Von zischenden und krausen Schlangen, die, Um meine Stirn sich windend, jedem, der sie sicht, zurufen:«Schauet hier den Dieb!“ Ulrich. Ihr dürft es nicht gebrauchen, wenigstens Nicht jetzt!— Doch nehmet diesen Ring... Wernnen. Mein Sohn— Ein Edelstein! Es war des Vaters einst... . Ulrich. Und ist als solcher nun der Eure. Fort! Mit ihm erkauft des Amtmanns elende Calesche Euch, und Pferde, Eure Reise Beym ersten Morgenroth mit meiner Mutter Rasch fortzusetzen... Werner. Soll ich Dich verlassen— So spät gefunden— und in der Gefahr? Vlrich. Besorget nichts... Es wär' Gefahr allein, 126. 146 Wenn wir zusammen flöh'n— denn dies enthüllt Das Band sogleich, das zwischen uns besteht. Die Wasser fluthen hoch noch zwischen hier Und Frankfurt; doch der Weg nach Böhmen ist, Obgleich erschwert— doch undurchdringlich nicht. Und habt Ihr wenig Stunden nur gewonnen, So wächst die Schwierigkeit für die Verfolger, Und über jene Gränze— seyd Ihr sicher. Werner. Mein edler Sohn! Ulrich. Still— keine Herzergiefsung; Das bleibt verspart bis auf Schlofs Siegendorf. Zeigt Niemand Euer Gold und gebt dem Amt- mann Den Edelstein; ich kenn' den Mann, ich hab' Sein Herz durchschaut. Er leistet, so gebraucht, Uns einen doppelten und wicht'gen Dienst. Es wurde Gold entwandt, kein Edelstein— Drum kann er sein nicht seyn, und der, der den Besafs, kann dem Verdacht kaum unterliegen, Das CGeld geraubt zu haben, während er Den Ring so leicht in mehr verwandeln konnte, Als Strahlenheim durch seinen Schlaf verlor.— 147 Drum zeigt Euch nicht zu schüchtern im Gespräch Mit Idenstein, und nicht zu stolz und dreist— So dient er Euch, wie Ihr es wünschen mögt. Merner. Ich folg' in allem Deiner Weisung, Sohn. Ulrich. Ich möcht' Euch gern der Mühe überheben; Doch zeigt' ich ofl'nes Interesse hier Für Euch, und wirkte mit dem Ring dafür, So würde alles leicht wohl gar entdeckt... Merner. Mein Engel Du, mein Schutz und Trost, ja Du Bezahlst mit Wucher die Vergangenheit.— Doch sprich, wie wird es Dir ergehn, sind wir Hinweg? Ulrich. Seht: Strahlenheim weifs nichts von mir, Und von dem Band des Blutes zwischen uns.. Ich bleibe einen Tag und zwey bey ihm, Ihn einzuwiegen— dann zu meinem Vater!.. Merner. Um nie von ihm zu scheiden— nie! Vlrich. Ich weiſs Das nicht:— doch seht, wir sehen uns ja wieder. MWerner Mein Sohn— mein Freund— mein einzig Kind— o mein Beschützer— hassest Du mich nicht! O sprich! Ulrich. Ich Meinen Vater hassen? Mernern. O, mein Vater Hat mich gehafst— warum nicht auch mein SohnP Ulrich. Eu'r Vater kannt' Euch nicht, wie ich Euch kenne.— MWernnen. O, Scorpionen sind in Deinem Wort— Du kennst mich nicht— o nein, so kannst Du mich Nicht kennen, Sohn— ich war ja nicht ich selbst! Doch hafs' mich nicht, ich bin es bald ja wieder. Wrich. So will ich warten! Seyd indefs gewiſs, Dafs Alles, was ein Sohn für seine Eltern Vermag, für Euch geschieht. einzig in prich! ater mein Euch kannst at ich ald ja 149 WMWerner. Ich seh's— ich fühl's... Allein ich fühle weiter, dafs Du mich Verachtest! Ulrich. Warum sollte ich P MWerner. O, muſs Ich die Erniedrigung Dir wiederholen 5 Ulrich. Nein, Vater; scht, ich habe sie und Euch Ergründet. Aber— reden wir davon Nicht mehr, und muſs es jemals seyn, nicht jetzt. Der Irrthum hat die Schwierigkeiten nur, Mit denen wir in dem geheimen Krieg Mit Strahlenheim zu kämpfen, noch vermehrt; Und alles, was wir jetzt zu denken haben, Ist, wie wir seinen Plan vereiteln.— Nun, Ich hab' Euch einen Weg gezeigt. Werner. Ja wohl, Den einzigen, und ich umfasse ihn, Wie Dich, mein Sohn, der sich und meine Rettung An Einem Tage zeigt. 15⁰ Wlrich Ihr seyd gerettet: Das sey genug!— Doch sagt, kann Strahlen- heims Erscheinung wohl in Böhmen, wenn wir im Besitz von unserm Erbe sind, darin Uns stören 5 MWerner. Allerdings— in unsrer Lage; Obgleich der frühere Besitzer wohl Zuletzt, wie stets, der Stärkre möchte seyn, Besonders wenn, wie hier, der Nächst' im Blut. Ulrich. Ja, Blut!— Das ist ein Wort von mancherley Bedeutung, Vater. In der Ader und Daraus— s'ist ganz ein ander Ding!— Und 8 0, So sollt' es seyn, sobald die Nächsten Euch. Im Blut— wie man wohl sagt— sich frermdg U sind, wie Die Brüder einst zu Theben.— Ist ein Glied Verdorben, nun, so heilen oft ein Paar N Vergofsne Unzen schnell den ganzen Rest. 8t Wernen. Sohn, ich versteh' Dich nicht. V 151 Wrich. Kann seyn— und doch— Ihr solltet— aber still! Macht Euch bereit: Ihr und die Mutter, Ihr mülst fort, vor Nacht.— Dort kommt der Castellan— sondirt ihn wohl Mit jenem Ring; er wird in seine Seele Herniedersinken, wie das Bley in's Meer, Und Euch vom Grunde Schlamm und Schmutz eenu Herauf, und Moder hringers, wie das Bley Mit seiner schmutz'gen Unterlage pflegt. Allein gerad wie dies, wird es uns dienen, Durch diese Sandbänk' unser Schiff zu lootsen. Die Fracht ist reich— so hebt die Schnur bey Zeiten.— Lebt wohl!— Kaum hab' ich Zeit— indessen gebt Mir Eure Hand, mein Vater! Werner. Lafs mich Dich Umarmen, Sohn! Ulrichz. Man möcht' uns sehen, Vater. Nein, unterwerfet die Natur der Zeit; Steht ab von mir, als wär’s von Eurem Feind. Mernen. Verflucht sey der, der unsre süſsesten 15²2 Und lautersten Cefühle niederdrückt, Und schnöd verkümmern läſfst in einer Stunde, Wie diese! Ulrich. Fluchet, Vater, flucht— es thut Euch wohl vielleicht— doch seht, der Ca- stellan!— Idenstein tritt ein. VUlrich. Nun, Herr, wie geht's mit Eurem Dienst? Habt Ihr Den Dieb erwischt? Idenstein. Nein, traun! Ein . Zi Ulrich. 1c Nun, tröstet Euch: Es gibt dergleichen mehr, und Ihr habt wohl Bey einer andern Treibjagd besser Glück.— die Wo ist der Herr Baron 5 6 Idenstein. In seinem Zimmer; Her Und nun ich daran denk', er frug nach Euch Mit adelicher Ungeduld... ienst? 153 Dnnioh. b Fürwahr, Die grofsen Herren wollen schnell bedient, Und schnell erwiedert seyn; schnell wie der Sprung Des edlen Renners Eures Spornes Stachel Entspricht.— S'ist gut, daſs sie noch Rosse haben; Denn wär' es nicht: ich fürchte, Menschen hätten Die Räder ihrer Wagen schieben müssen, Wie man versichert, Kön'ge zogen einst Den des Sesostris! Idenstein. Sagt, wer war denn der? Ulrich. Ein alter Böhme, Herr, ein kaiserlicher Zigeuner! Iden stein. Nun, Zigeuner— Böhm’ ist eins.. Sie gehen unter beyden Namen.— War Er einer P Wlrich. Ja, Ihr hört's!— Doch ich mufs fort: Herr Amtmann, Euer Diener. (leicht) Werner, wenn Dies Euer Name ist— der Eurige.(geht.) 154 Idenstein. Schaut, Ein wohlberedter, flinker, muntrer Bursch— Und wohl erzogen! Wie er seine Stellung Erkennt! Und jedem seinen schuldigen Respect ertheilt! MWerner. Ich sah's, und gab ihm Recht Für seinen feinen Tact— und für den Euren. Idenstein. So recht— ganz recht und wohl! So kennt Ihr auch Denn Eure Stelle, Herr?— Obgleich ich selbst Nicht weifs, dafs ich die Eure kenne... Werner(zeigt ihm den Ring). Lehrt Sie der vielleicht Euch kennen 5 Idenstein. Was? He? Wie? O— ein Juwel! Mernen. S'ist Eurer unter einer Bedingung. Idenstein. Meiner? Redet! Mit Sagt Ein Kom Gew Ersc Geb Obg Das esch— ing Recht zuren. kennt selbst Wie? 155⁵ MWerner. Daſs Ihr mir Frlaubt, ihn mittelst des dreyfachen Werths Einst einzulösen.. ein Familienring— Idenstein. Familie— Ihr? Und ein Juwel? Gott— ich Bin athemlos! Mernern. Auch müſfst Ihr mich vor Tag Mit Mitteln noch versehn, schnell abzureisen. Idenstein. Sagt, ist er ächt?— Still, lafst mich sehn! O, Herr! Ein Diamant, bey allem, was da glänzt! MWernner. Kommt her, ich will mich Euch vertrau'n. Ihr habt Gewiſs geahnet, dafs ich über meiner Erscheinung, wie sie gegenwärtig ist, Geboren bin. Idenstein. Ich kann nicht sagen, Herr, Obgleich der dort Euch darnach aussieht— schaut, Das ist der wahre Prüfstein edlen Bluts! 156 MWerner. Ich habe wicht'ge GCründe, unbekannt Und heimlich meine Reise fortzusetzen. Idenstein. So seyd Ihr denn der Mann, den Strahlenheim.. WMerner. Ich bin es nicht; allein, dafür gehalten, Kann solche Störung jetzt für mich und einst Für den Baron daraus erwachsen, dafs... Genug, um Beyder willen, möcht' ich gern Geräusch vermeiden... Idenstein. Seyd Ihr's, oder nicht; Mich ficht's nicht an: denn niemals hätt' ich wohl Von jenem stolzen Knicker halb so viel Erlangt, der, traun, die ganze Landschaft hier Schon um sein Bischen Gold uns aufgerührt, Und niemals ein bestimmt Douceur verspricht. Doch der— noch einen Blick— erlaubt! MWerner. Schaut dreist Nur hin— bey Tagesanbruch ist er Euer.— Idenstein. O holder Funken du, du mehr als Stein Der Weisen— Prüfstein du des N Veisen selbst. Mich Ein hd Ein w Gefess- Doch! Nennt Mit ei lch gl. lch la Doch So fre. 197 Du glänzend Aug' des Bergschachts— Leit- stern du Der Seele, und wahrhaft magnet'’scher Pol, Nach welchem alle Herzen nordwärts weisen, Wie Nadeln!— Flammengeist der Erde du, Der, hoch am Diadem des Fürsten prangend, Mehr ehrfurchtsvolle Blicke auf sich zieht, Als selbst die Majestät, die unterm Schmuck, Die ihre Schläfe drücket, schwitzend sitzt; Wie tausend Herzen, welche bluten müssen, Nur um ihr Glanz zu leih'n.— O, bist du mein P Mich dünkt, ich bin ein kleiner König schon, Ein hochbeglückter, sel'ger Alchymist— Ein weiser Zaubrer, der den bösen Feind Gefesselt, ohne Schaden seiner Seele!— Doch kommt, Herr Werner, oder wer Ihr seyd! Werner. Nennt mich nur Werner, Freund! Ihr sollt mich einst Mit einem höhern Namen kennen lernen. Idenstein. lch glaub' an Euch— Ihr seyd der Geist, von 3 dem lch lang geträumt— in einem niedren Kleid. Doch fort, ich will Euch dienen, und Ihr sollt So frey seyn, wie die Luft, der Fluth zum Trotz. 158 Fort, fort; ich zeig' Euch, daſs ich redlich bin.— O mein Juwel!— und solche Mittel stehn Zur Flucht für Euch bereit, dafs, wäret Ihr Auch eine Schnecke, doch kein Vogel je Euch überholen sollte... Lafst mich sehn!— Noch einmal!— O, ich hab''nen Pflegebruder Am Markt von Hamburg, der auf Steine sich Versteht.— Wie viel Carat wohl mag er wiegen? Doch fort, Herr Werner, kommt, ich schaff' Euch Flugel! (beyde ab.) Zweyte Scene. Ferahlenheims Zimmer. Strahlenhein und Fritz. Eitz. S'ist alles fertig, gnäd'ger Herr! Strahlenheim. . Ich bin Nicht schläfrig, Freund! Jedoch ich will zu Bett: Ich sagte gern, zur Ruh! Allein es drückt Auf meiner Seele Etwas, das zu schwer Zum Wachen ist, und zu lebendig für Den Schlaf; und das, wie eine schwarze Wolke Am 1 Hind Sich Und Ein Doch Dort ſegen? schaff' ab.) 159 Am Himmel, keinen Sonnenstrahl zu mir Hindurchläfst, und in Regen nicht herab Sich senkt und endet, sondern zwischen Erd' Und Himmel aus sich breitet, wie der Neid, Ein ew'ger Nebel zwischen Mensch und Men- schen.— Doch ich will auf mein Kissen! Eritz. Mögt Ihr wohl Dort ruhn! Strahlenheim. Ich fühl's und fürchte, dafs ich's werde. Eritz. Ihr fürchtet's, wie? Strahlenhein. Ich weiſs nicht, und darum Nur fürcht' ich's mehr.— Ein unbeschreiblich Etwas... Doch das ist Thorheit!— Sind die Schlösser, sag', Wie ich’s befahl, an dieser Thür geändert? Der Vorfall letzte Nacht erfordert es. Frit= Gewifs, genäd'ger Herr, wie Ihr befahlt, Und unter meiner, und des jungen Sachsen, Der Euch gerettet, Aufsicht ist's geschehn— Ich denk, man nennt ihn Ulrich! Stralzlenheim. Wie? Du denkstp Argwöhn'scher Sclav'!— Mit welchem Rechte schiltst Du Dein Gedächtnifs, das doch stolz und glücklich Muſs seyn, den Namen dessen zu bewahren, Der Deinen Herrn gerettet, gleich als wär's Die Litaney, die Deine Pflicht Dich täglich Zu wiederholen heifst!— Hinweg! Du denkstb Fürwahr, ihr standet heulend— triefend dort Am Ufer, unterdefs ich starb, wenn Er, Der fremde Jüngling, nicht den Schaum der Fluth Kühn von sich warf, und mich befreyte— ihm Zu danken, und euch zu verachten.— Denkstb Und kannst Dich seines Namens kaum entsinnen? Ich will mehr Worte nicht mit Dir verlieren! Fort, wecke mich bey Zeiten! Eits. Gute Nacht! Ich hoffe, diese Nacht soll Euer Gnaden Mit neuer Kraft und Heiterkeit uns stärken. (Die Scene wechselt.) kstöb echte und hren, r 8 ch kstö dort n der ihm 14.— unen? ren! en. 161 Dritte Scenc. Das Innere des geheimen Gangs. Gabon(allein). Vier, fünf— und sechs hab' ich gezählt, der Wacht Auf vorgeworfnen Posten gleich, nun an Der niemals frohen Uhr, dem hohlen Mund Der Zeit, die immer— tönt sie auch zur Lust— Mit jedem Klange etwas von der Freud' Uns raubt!— Es ist die ew'ge Todtenglocke, Und tönte sie zum Hochzeitfeste auch: Denn jeder Schlag ja klagt um eine Hoffnung Nun weniger, und singt den Grabgesang Der Liebe, tief und hoffnungslos verscharrt Im Grabe des Besitzes.— Und dafür Trifſft das Geläut für abgelebte Eltern, Im Ohr des Sohnes auf ein fröhlich Echo, Das ihm die Zeit verdreyfacht!— O, s'ist kalt— S'ist finster— meine Finger hab' ich oft Genug behaucht, und jeden Schritt und Tritt Cezählt— die Stirn schon gegen fünfzig Ecken Gerannt, und Ratt' und Fledermaus erweckt Zu allgemeinem Auſstand, bis mich nun Ihr widrig-rauschender, verdammter Fuſs, Der schwirrende, verhafste Flügelschlag, Fast taub für jeden andern Ton gemacht.— 126. L 162² — Ein Licht!— Dort— fern(wenn sich Ent- fernung läſst Im Finstern messen). Still— es blinkt, als wär's Durch eine Spalte— durch ein Schlüsselloch— In der behemmten Richtung!— Ich muſs hin— Aus Neugier— denn ein Lampenstrahl ist hier In dieser Höhle wahrlich ein Ereigniſs!— Nun, dafſs es mich zu nichts, das mich versucht, Nur führt! Sonst Himmel, hilf mir, daſs ich es Erlangen, oder ihm entfliehen mag.—— Noch immer scheint's!— Und wär's auch Luzifers Gestirn, und er gehüllt in diesem Strahl, Ich hielt' mich länger nicht, ich müfſst' es sehn!— Gemach— vortrefflich— dieser Winkel hier Ist nun umbogen. So— noch nicht— ganz recht— Jetzt naht's! Noch eine finstre Ecke, ganz Verfallen! So! Hier muſs ich ruhn ein wenig! Gesetzt, es führte mich in eine chlimm're Gefahr, als der ich kaum entronnen P— Thut Mir nichts!— Ist's eine neue doch, und frische Gefahr, wie frische Mädchen, haben stets Etwas Magnetisches für Männerherzen! Ich will hinzu— und sey es, wo es sey— Mein Dolch vertheidigt mich im Fall der Noth. So brenne, kleines Lichtlein, brenne nur— Du bist mein Leitstern hier, mein stehend Irrlicht! 80— so— es hört den Ruf, und weicht min nicht. (Die Scene wechselt.) Ent- rär's 4— n— hier acht, ch es aifers 2 n!— ier ht— nig! hut ische Vierte Scene. EZin Park. Wernen(allein). Ich kann nicht schlafen, und die Stunde naht— Der Mann hat Wort gehalten; Alles ist Bereit— und vor des Schlosses äufserm Thor, Unfern dem Walde, harrt der Wagen mein.— Am Himmelsbogen schwindet das erblafste Gestirn hinweg, und hier zum letztenmal Schau ich auf diese Schreckensmauern hin.— O nimmer, nimmer werd' ich sie vergessen!— Ich kam hieher, arm, elend und verlassen, Doch unentehrt— und ich verlasse sie Mit einem Fleck, wenn nicht auf meinem Namen, So doch im Herzen— den nie sterbenden, Nie ruhn'den Wurm, den kaum der nahe Glanz Der weiten Lande und der Herrlichkeit Von Siegendorf mir einen Augenblick In Schlummer wiegen wird!— Wobhlan, ich muſs Ein Mittel des Ersatzes finden, das Die Brust beruhiget. Allein wie ohne Entdeckung?— Doch es muſs geschehn. Ja, ja; Die erste sichre Stunde soll mir zeigen, Wie ich's vollbringe!— O des Elends Wahnwitz Hat mich zu dieser niedern That verführt, Die Reue mufs dafür Ersatz gewähren!— Nichts soll von Strahlenheim auf meiner Seele Je ruhn, ob er die Hand gleich ausgestreckt Nach meinem ganzen Gut, Land, Freyheit, Ehre! Und dennoch schläft er nun vielleicht tief, wie Ein Kind, tief unter seidnen Kissen dort, Und rings umschlingt ein busenreicher Vorhan Sein Lager, so wie damals, da.. Doch still! Ich hör' Geräusch! Noch eins!— Die Zweige schüttern... Und lose Steine stürzen jählings nieder Von der Terrasse dort!.. (VUlrieh springt hastig von der Terrasse herab.) Mein Ulrich! Sey Willkommen! Dreymal mir willkommen— Sohn— Dein kindlich Herz... Ulrich(ihn zurückdrängend). Halt!.. Eh' wir nahen, sprecht., . MWerner. Wie blickst Du— Sohn p Ulrich. Erblick' ich meinen Vater Sprecht— oder— Mernen. Wen? Sohn! Bist Nun cht.. er— 165 Wlrich. Einen Mörder— 9 Werner. Du Bist sinnlos— oder unverschämt— Wlrich. Erwiedert— Wenn Euer Leben oder mein'’s Euch werth!.. MWerner. Worauf soll ich erwiedern 5 Ulrich. Seyd Ihr— oder Seyd Ihr es nicht— der Mörder Strahlenheims p MWennen. Ich war nie eines Menschen Mörder!— Sprich, Was meinst Du b Wlrich. Nahmt Ihr diese Nacht denn nicht, „So wie die letzte, Euren Weg durch den Geheimen Gang?— Habt Ihr sein Zimmer nicht Besucht von Neuem, und... Wennen. O, weiter— weiter! Vlrich Nun, starb er denn von Eurer Hand nicht— sprecht! Merner. Gerechter Gott!— Wlrich. So seyd Ihr rein von Schuld, Mein Vater, rein! Umarmt mich— ja, der Ton, der Blick— ja, ja! Allein, o sprecht es aus! MWernen. b Wenn je in meinem Herzen, überlegt Nur der Gedanke wucherte, und ich Vielmehr ihn nicht zur Hölle stets zurück, Woher er kam, gescheucht(wenn je einmal Er durch den Zorn der unterdrückten Brust Hindurchgeglänzt): so sey der Himmel ewig Dem Aug' und meinen Hoffnungen verschlossen. Ulrich. Doch Strahlenheim ist todt! Wernen. Das ist abscheulich, Entsetzlich, schrecklich!— Aber, wie bin ich Dabey betroffen? Vlrich. Seht, kein Riegel ist Gesprengt— und nirgends von Gewalt, als an Dem Körper des Entseelten, eine Spur.— Ein Theil der Dienerschaft ist aufgeweckt; Allein da Idenstein entfernt, so nahm Ich selbst es über mich, die Polizey Verz Wel Wel Um Euch Wen Ich t Hier Nich Um Nun Vers- 1 167 Zu mustern. Ja, s'ist aufser Zweifel, daſs Manm heimlich sich in sein Gemach geschlichen.— Verzeiht, wenn die Natur... Wennen.. O Sohn, o Sohn! Welch ungeahnet Wehe sammelt sich, Welch finsteres Verhängniſs, wolkengleich— Um unser Haus! UWlrich. Mein Vater, seht, ich sprech' Euch frey!— Doch, wird's die Welt? Und wird'’s der Richter, Wenn— doch Ihr müſst hinweg— sogleich! M ernern. Nein, Sohn! Ich trotze dem! Wer kann es wagen, mich Hier in Verdacht zu ziehn P VUlrich. Und doch— Ihr hattet Nicht Gäste, noch Besuch— kein athmend Leben Um Euch, als meine Mutter... Mernen Gott!— Der Ungar! Ulrich. Nun, der ist fort. Bey Sonnenuntergang Verschwand er. 8 168 MWernen Nein! Ich selbst verbarg ihn— dort, In dem entsetzlichen— geheimen Gang! Ulrich. Und dort will ich ihn finden!(will gehn.) MWerner. S'ist zu spät! Er war hinweg, eh' ich das Schlofs verliefs. Ich fand die Wandthür offen, und das Zimmer, Das sie verbirgt: und dachte wohl, daſs er Den günst'’gen Augenblick der Ruhe rasch Benutzt, um jenen Myrmidonen zu Entfliehn, die gestern auf der Spur ihm waren. Ulrich. Ihr schlofst die Wandthür wieder, Vater? Werner. Ja, Und ohne Vorwurf nicht, und inn'res Zittern Um die Cefahr(der ich noch kaum entgangen), In die mich seine Unvorsichtigkeit, Das einzige Asyl seines Beschitzers So der Entdeckung Preis zu geben, stürzte! Ulrich. Ihr seyd gewifs, daſs Ihr sie zugeschlossen 5 MWerner. Gewiſs! een. 169 wlrich. Nun, das ist gut; doch besser war's, Ihr machtet nie sie zu der Höhle eines... (er stockt.) Mernern. O, eines Diebes, willst Du sagen; Sohn! Ich mufs es tragen; ich verdiene es:— Doch nicht... Wlrich. Nein, Vater.. nichts davon für jetzt.. Es ist nicht Zeit, an kleinliche Vergehen Zu denken; nein, vielmehr den Folgen grofser Zuvorzukommen.. Sprecht, warum verbargt Ihr jenen Mann? MWernen. O, konnt' ich anders denn? Der Mann, verfolgt von meinem grõſsten Feind— Beschimpft hier um mein eigenes Verbrechen; Ein Opfer meiner sicherheit— der fleht Mich an, um ein'ge Stunden Obdach, mich, Die einz'ge Ursach, dafs er dessen braucht:— Wär's auch ein Wolf gewesen, nein, ich hätt; Ihn nicht, in dieser Lage, fortgestoſsen— Ulrigh. Und wie ein Wolf hat er Euch nun bezahlt! Doch hierzu ist's zu spät; Ihr müfst hinweg— Vor. Tagesanbruch— ich verweile noch, Den Mörder aufzufinden, ist es möglich.— 170 Wernen. Doch diese schnelle Flucht, wird sie Verdacht Hier nicht erregene Wird's zwey neue Opfer Nicht brauchen, statt des einen, wenn ich pleibe P Der Ungar, der der Schuld'ge scheinet, und.. Wlrickhz. Nur scheint? Wer wär' es sonst? Wernern. Nicht ich, obgleich Du eben zweifeltest; mein Sohn, ja Du— Du zweifeltest.— Ulrich. Und zweifelt Ihr an ihm, Dem Flüchtigen...— Merner. Sohn, seit ich selbst gestürzt, Tief in den Abgrund des Verbrechens(wenn Gleich solches nicht), und den Unschuldigen Geschen, unterdrückt um mich— seitdem Da zweifl' ich an der Schuld des Lasters selbst. Dein Herz ist frey, und schnell entbrennt es noch Im Zorn der Tugend, wider bloſsen Schein Von Schuld, und sicht Vergehn im Schatten schon 3 Der Unschuld— weil, nun, weil er dunkel ist. V V V V Wer Die Euch So0 d Ich Um s Und Ja I. Verk Und Das! Pah! Die! Nach Was Der, Wol Nich An c Und erdacht Opfer enn ich und.. 171 VDlrich. Wenn dem so ist, was wird die Welt denn thun, Die Euch nicht kennet, oder nur gesehn, Euch zu erdrücken!— Nein, Ihr dürfet jetzt So dringender Gefahr nicht trotzen. Fort— Ich ebne Euch die Bahn— der Amtmann wird Um sein und seines Demant willen schweigen, Und überdies nimmt er an Eurer Flucht Ja Theil, und... MWerner. FluchtF Ich sollte meinen Namen Verkettet hier mit dem des Ungarn lassen, Und vorgezogen, als der Aerm're wohl, Das Brandmahl für vergofsnes Blut zu tragen? Ulrich. pah!— Lasset alles ehr, als Euer Erbe, Die Länder und die Schlösser Eures Vaters, Nach welchen Ihr so lang umsonst geschmachtet! Was für ein Name denn? Ihr lafst ja keinen— Der, den Ihr traget, ist ja nur erdichtet! WMWernen. Wohl wahr, mein Kind. Allein ich mag auch ihn Nicht in der Menschen Angedenken— selbst An diesem dunklen Orte hier— blutroth Und feurig eingegraben wissen.— Ja, Und aufserdem, die Nachstellung—— 172 Wlrichz. Ich steh'* Für alles, was Euch treffen kann!— Es kennt Euch niemand hier als Siegendorf, Als Graf, und argwöhnt Idenstein es auch, So ist's Vermuthung nur, und er ein Narr! Ja, seine Thorheit soll noch überdies So viel Beschäft'gung haben, daſs der arme Und unbekannte Werner schnell der Sorg' Um seine eigne Hülle weichen soll.— Was das Gesetz betrifft(wenn eines je In dieses Dorf noch dringt), so schläft es jetet, Seit diesem langen allgemeinen Kampf— Erdrückt, und matt erstehend aus dem Staub, In den der Zug der Heere es getreten.— Der Todte(seinem Adel selbst zum Trotz) Ist ohne Schutz hier, ohne Land und Einflußs, Als den, der mit ihm starb, und wenige Verlängern diesen eine Woche über Die Feyer des Begräbnisses hinaus— Man müſste denn das Interesse der Verwandten noch zu ihrer Herrschaft rechnen. Nun, hier ist's nicht der Fall: er starb allein, Und unbekannt; ein einsam Crab„ so still, Wie sein Verdienst, und ohne Wappenschild, Ist alles, was er noch bekommt und braucht!— Entdecke ich den Mörder, wohl;— wenn nicht, So mein' ich niemand sonst fürwahr, wenn Euch Der ganze vollgestopfte Schwarm Cesindels Des u steh' 2s kennt ch„ Narr! arme „ org es jetzt, 4 Staub, 5tz) ainfluſs, ige chnen. allein, till, aschild, cht!— nicht, n Euch els V 173 Um seine Asche— wie in seiner Noth Dort an der Oder— heult; es rührt sich, traun, Kein Finger mehr um ihn, jetzt so, wie damals. Fort, fort darum und keine Antwort— seht; Die Stern' erbleichen rings, und schon beginnt Des Alters Grau durch's schwarze Heer der Nacht Zu schimmern.— Keine Antwort; nein, vergebt, Daſs ich so dringend bin— s'ist Euer Sohn, Der spricht, der Langverlorne, Spätgefundene.— Lafst uns die Mutter rufen, leis' und schnell, Und lafst das andre mir; ich bürge für Den Ausgang selbst, so weit er Euch betrifft. Und dies ist mir die erste Sorg' und Pflicht: sie soll vollzogen werden— baut darauf! Wir sehn uns wieder in Schlofs Siegendorf, Noch einmal dort soll unser Banner weh'n.— Das fafst in's Aug', und laſst den Rest nur mir, Deſs Kraft und Jugend mehr zum Kampfgeschickt, Hinweg, und hoch beglickt sey Euer Alter!— Noch einen Kufs der Mutter, dann der Himmel Mit Euch!— W erner. Dein Rath ist gut; doch ist er ehrlich? Ulrich. Des Sohnes Ehre ist, den Vater retten! (beyde ab.) 4 174 —:— ê—ê—êℳ—V— ℳ——-'äõõ-An Vierter Act. Erste Scene. Gochischer SCaal im Schloſs Siegendorf bey Prag. Erich und Henrich, aus dem Gefolge des Grafen, treten ein. Enichi. So ist denn endlich bess're Zeit gekommen, Für diese alten Mauern; neue Herren Un frische Feste, beydes lang ersehnt. Henrich. Nun, neue Herren ja, die mögen solchen, Die stets das Neue wollen, ging' es auch Aus einem frischen Grab hervor, behagen. Allein was Feste anbetrifft, so dächt' Ich doch, der alte Graf hielt seine Cäste So hoch, als nur ein Fürst im ganzen Reich. Ja, Da le Der r Die, Verd- Nur Litt) Seyd War Wir Ein Und Ein Ihr se Der! Da is Ein R ½n 175 Erich. Ja, was den Becher und das Messer anlangt, Da lebten wir wohl leidlich gut; allein Der rechte Spafs, das Spiel, die Lustbarkeit, Die, wenn sie fehlen, Salz und Saucen nur Verderben, da war unser Deputat Nur ganz gering. Henrich. Nun ja, der alte Herr Litt Euren Braus und Lärmen gar nicht gern. Seyd Ihr gewiſs, daſs dieser wird? Erich. Bis jetzt War er so gütig, wie splendid noch stets.. Wir alle lieben ihn.. Henrich. Sein Reich ist kaum Ein Jahr erst über seine Flitterwochen, Und jedes neue Regiment hat Euch Ein Jahr, als Brautjahr.— Hinterher erst seht Ihr seine wahre Form und Sinnesart. FErich.. Der Himmel gebe, daſs die heut'ge bleibe! Da ist sein Sohn, Graf Ulrich, scht, das ist Ein Ritter!— Schade, daſs der Krieg zu Ende! Hennich. Wie son 176 Ericha. Ey, seht ihn doch nur an, und sagt Euch's selbst. Henrich. Nun, er ist jung und stark und schon, Grad' wie ein junger Tyger. Erich. Das ist kein Vergleich für einen treuen Lehnsvasallen. Henrich. Vielleicht nur um so wahrer. Erich. Schade, sag, Ich, dafs der Krieg vorbey.— Wer gleicht Graf Ulrich Im Saal an edlem Stolz und Anstand, der Euch Achtung einflöfst, ohne zu verletzen? Im Feld, den Jagdspeer in der Hand, wer gleicht Ihm da, wenn Euch der Bär, die Hauer wetzend, Und rechts und links die Koppel niederrennend, Ins Dickicht stürzt b— Wer sitzt zu Rofs, wie er b Wer trägt den Falken, oder kreis't das Schwert Gleich ihm P Und wessen Federbusch nickt stolz Und ritterlich, wie seiner? Henrich. Keiner, ja, — 177 Ich geb' Euch's zu.— Und fürchtet nichts; wenn ihm Der Krieg zu lange auſsen bleibt, so ist Er Euch der Mann dafür, ihn für sich selbst Zu führen, wenn er's ja nicht schon gethan. Erich. Was meint Ihr P Sprecht! Henrich. Ihr könnt's nicht läugnen, sein Gefolg'(denn wen'’ge sind geborne Vasallen unsrer Herrschaft) ist ein Schlag Von Burschen, die—(stockt.) Erich. Nun, was P Heririch. Der Krieg, den Ihr So liebt, läſst leben; und wie andre Eltern, Verwöhnt er grade seine schlimmsten Kinder. Erich. Unsinn! Sind lauter eisenfeste Kerle Und brav: grad wie der alte Tilly gern Sie mochte. Henrich. Nun, wer liebte Tilly Euch 5 Fragt nur zu Magdeburg!— Und Wallenstein Dazu!— Doch die sind nun zur... 126. M Erich. Ruhe, Freund; Und was darüber ist, geht uns nicht an. Henrich. Ich wollt', sie hätten uns von ihrer Ruh Was hier gelassen!— Seht, dem Namen nach Sind wir im Frieden nun— doch schaut Euch um, Das Land ist überschwemmt, Cott weiſs, womit! Sie fliegen Euch bey Nacht herbey, und sind Verschwunden, ch' die Sonne aufgestanden; Und hinter ihnen die Verwüstung, seht, Nicht anders, wie ein offner Krieg. Erich. Allein Graf Ulrich— nun, was hat denn der damit Zu thun?. Henrich. Damith— Er könnt' es ändern, schaut; Ihr sagt, er liebt den Krieg— nun sprecht, warum Führt er ihn gegen diese Räuber nicht? Erich. Ihr fragt ihn besser selbst darnach! Hennich. Nun ja! Ich möcht' den Löwen lieber fragen, Freund: Warum er keine Milch denn säufty Eu- ind; und: 179 Erich. Da kommt Er selbst. Henrich. Den Henker auch! Ihrschweigt— nichtwahr? Erich. Was seht Ihr denn so blaſs 5 Henrich. S'ist nichts— ich bitt' Euch, schweigt!— Erich. Ich will, worüber wir gesprochen. Henrich. Ich sag' Euch auch, ich meinte nichts, gar nichts. Ein blofses Spiel mit Worten, weiter nichts.— Un wär' es auch ein wenig anders, nun, Hat er sich nur die schöne Baroneſs, Ida von Strahlenheim, des Alten Erbin, Erst heimgeführt, so wird sie ohne Zweiſfel Die Wildheit mildern, die der Bürgerkrieg Mehr oder minder jedem mitgetheilt, Besonders solchen, die in ihm geboren, Und auf dem Schoofs des Mordes fast erzogen, Ja, in der Taufe schon mit Blut bespritzt— Drum still von allem, was wir jetzt geredet! 180 Ulrich und Rudolph treten auf. Henrich. Ey, guten Tag, Herr Graf! Ulrich. Ich danke, Henrich. Ist alles fertig, Erich, für die Jagd?— Erich. Die Hunde sind den Wald hinabgesandt— Und eben so die Treiber, dort die Büsche Zu schlagen, und der Tag verspricht!— Soll ich Eu'r Gnaden Jagdgefolge rufen, und Welch Roſs befehlet Ihr Ulrich. Den Braunen, Walstein! Erich. Ich fürcht, er hat vom letzten Montag kaum Sich noch erholt:— es war'ne edle Jagd, Da Euer Gnaden vier allein erlegt. Ulrich. S'ist wahr; ich dachte nicht daran; so laſs Den alten Ziska vor— er ist, ich mein', Seit vierzehn Tagen mir nicht aus gewesen. Erichi. Er soll sogleich gesattelt fertig stehn!— Wie viel von Eurer Suite sollen folgen n Si ich 181 Dlrich. Ich überlafs' das Weilburg, unserm Marschall— Rudolph!—(Erich geht.) Raldolpl. Nun, gnäd'ger Herr! Ulrich. Die Nachrichten Sind schlimm von... (Rudolph zeigt stumm auf Henrich.) Nun, was steht Ihr noch 9 Henrich. Ich warte Auf Euer Excellenz Befehl. Ulrich. So geh Zu meinem Vater, bring' ihm mein Empfchl Und frag', ob er noch etwas hat für mich, Eh ich zu Rosse—(Henrich geht.) Rudolph— unsre Freunde In Franken haben's schlimm getroffen, und Man sagt, die Mannschaft, gegen sie gesandt, Wird noch verstärkt— ich muſs hinzu, und bald! Ruclolpha. Es wäre besser, weitre Nachricht noch Und sichre zu erwarten. 182 Ulrich. M Ja, so dacht' Ich auch:— es kann nicht ungelegener 0 Fürwahr sich treffen, und zu einer Zeit 21 Ungünstiger für alle meine Plane.— Ei Rudolph. 2 Es wird Euch Mühe kosten, die Entfernung D. Beym Grafen, Eurem Vater, zu entschuld'gen. Ulrich. le Wohl wahr— indeſs die ungeordnete Verfassung unsrer weiten Länderey'n K- Im obern Schlesien verstattet und D. Bemäntelt diese Reise. Drum, sobald Un Die Jagd heut' anfängt hitziger zu werden, M So ziehst Du ab mit achtzig Mann, die Wolf 1 U Dir zuführt!— Halt die Wälder unterwegs— Ic Du weiſst den Weg? G. Rudolpla. So gut, wie jene Nacht, Da wir... ZvP⸗lrich. Ic Nichts jetzt davon— nicht eh'r, bis wir D. Denselben Streich mit gleichem Glück erneu'n.— D Und wenn Du ankommst, gib an Rosenberg U Den Brief(gibt ihm ein Papier). Sag' ihm, ich send' ihm die Verstärkung, Ja ung, 183 Mit Dir und Wolf, als Bürgschaft meines Kom- mens, Obgleich ich sie nicht ohne Müh'’ enibehre Zu dieser Frist, da, wie Du weiſst, mein Vater Ein reich Gefolge liebt an Zahl im Schloſs, Bis diese Hochzeit erst mit ihrem Pomp Und ihrer Narrheit ausgeläutet, und Der Unsinn dieser Feyer erst vorüber. Raadolphz. Ich meint', Ihr liebtet Fräulein Ida, Graf? Ulrich. Ey nun, ich liebe sie! Doch folgt daraus, Daſs ich in meiner Jugend mich, so kurz Und heiſs, in meines Glanzes Tagen gern Mit einem Weibergürtel binden lasse, Und wär' es Venus Gürtel selbst?— Indeſs Ich liebe sie, wie man die Weiber soll— Geheim und traut! Raadolpz. Und auch beständig— wie? Ulrich. Ich meine, denn ich liebe keine sonst.— Doch jetzt hab' ich für diese Spielereyen Des Herzens keine Zeit.— Gewaltige Und grofse Dinge, Freund, gescheh'n! Drum Eil'— Ja, eile, guter Rudolph! Rudolpht. Kehr' ich wieder, So find' ich Fräulein Ida also schon In Gräfin Siegendorf verloren Wie? Ulrich. Kann seyn! Mein Vater will's, und er hat Recht— Es ist kein übler Streich; und die Verbindung Mit dieser letzten Knospe jenes Stammes, Rival des unsrigen, verschmilzt die Zukunft, Zerstöret die Vergangenheit. Radolph. Lebt wohl! Ulrich. Nein, halt! S'ist besser wohl, wir bleiben bis Die Jagd beginnt, beysammen; dann— hinweg, Und thu', wie ich gesagt. Radolple. So sey's!— Doch noch Einmal! Es war'ne edle That vom Crafen, Nach Königsberg hinauf zu senden, um Die schöne Waise des Barons hieher Zu führen, und als Tochter zu begrüſsen. Wlrich. Vortrefflich! Und besonders, weil bisher So wenig Liebe zwischen ihnen sproſs. Der Nich Gar Und Ein! Er lif Ich 1 Und Ihr s Zuf. Doch bis weg, noch 1, Riadolph. Der selige Baron starb ja am Fieber, Nicht soP Wlrich. Wie soll ich's wissen! Rudolphz. Nun, ich hörte Gar wunderlich von seinem Tode reden— Und selbst der Sterbeort ist kaum bekannt.— Ulrich. Ein Dorf, auf Schlesiens und Sachsens Gränze— Raαᷣolb. Er liefs kein Testament, kein Abschiedswort?— Ulrich. Ich bin kein Beichtiger und kein Notar— Und kann's nicht sagen. Raadolp!. Schaut dort Fräulein Ida! Ida v. Strahlenheim tritt ein. Ulrich. Ihr seyd früh auf, Cousine! Lda. Nun, doch nicht Zu früh für Ulrich 5— Unterbrech' ich Euch?— Doch warum nennt Ihr mich«Cousine" P Sprecht! 186 Vlrich(lächelnd). Seyd Ihr es nicht? Ida. Nun ja; indeſs ich mag Den Namen nicht; mich dünkt, er klingt so kalt, Als wenn Ihr nur an unsern Stammbaum dächtet, Und unser Blut nur wöget! Wlrich(auffahrend). Blut P! Ida. Warum Flieht denn das Eurige von Eurer Wange? Dlrickz. Wie? Thut es das n Ida. Ey wohl!— Doch nein, nun flieſst's In Eurer Brau, gleich einem Strom, hinauf... Ulrich(gesammelt). Nun, wenn es floh, geschah's allein, weil Ihr's Zum Herzen jagt, das für Euch schlägt, geliebte Cousine! Ida. Noch einmal— Cousine 5 Wlrich. Ey, So will ich Schwester sagen!— Ich v Das Ey⸗ Ja nt Es ni Kaum Cousi Nur! Ja al Doch mag kalt, 187 Idc. O, noch schlimmer! Ich wollt'’, wir wären nie verwandt gewesen! UWlrich inster). Das wollt' ich auch! Ida. O Himmel, wünscht Ihr dasf Ulrichz. Ey, Liebchen, schaut, ich gab Euch Euren Wunsch Ja nur zuriick. Ida. Das wohl; allein ich wünscht' Es nicht mit diesem finstern Blick, und wuſste Kaum, was ich sagte.— Aber lafst mich seyn: Cousine, Schwester— was Ihr wollt, wenn ich Nur Etwas bin für Euch! Ulrich. Ihr seyd bald alles— Ja alles— Ida. O, das seyd Ihr schon für mich— Doch ich— kann warten! Ulrich. Theure Ida! 188 Ida. Nennt Mich Ida, Eure Ida; denn die will Ich seyn und keine sonst!— Und in der That, Ich habe niemand, seit mein armer Vater— (tockt.) VUlrich. Ihr habet meinen— habet mich! Ida. Mein Ulrich! Wie wünschte ich, der Vater sähe nur, Sah unser Glück— o, dies nur fehlt daran. Ulrich. Ida. Ihr hättet ihn geliebt— er Euch, Denn edle Herzen lieben stets einander. Wohl war sein Aeuſseres ein wenig kalt, Und stolz sein Sinn(wie seines Standes Recht); Doch unter dieser ernsten Hülle barg Er— o, ich wollt', Ihr hättet ihn gekannt!— Wart Ihr an seiner Seite, oder jemand, Wie Ihr, auf dieser unglücksel'’gen Reise, Er wäre ohne Freund doch nicht gestorben, Der seinen letzten Augenblick versuüſst... Ulnich. Fürwahr! Wer sagt das? Der Der Es W Sie⸗ Nun Verg Ein Das Was 80 88 Zuwe 189 Ida. Was? Ulrich. r That, V Daſs er allein gestorben? ater— ke.) Ida. Der allgemeine Ruf, und das Verschwinden Der Dienerschaft, die nie zurückgekehrt. FES war ein mörderisches Fieber, das — sSie alle so auf einmal hingerafft! Irich!. Ulrich. daran. Nun, wenn sie um ihn waren, starb er nicht Vergessen, oder einsam. Lda. O, was ist uch, Ein Miethling bey dem Sterbebette, schaut Das matte Aug' umsonst nach dem umher, Was einst das Herz geliebt.— Erstarb am Fieber, echt); V So sagt man... Ulrich. ant!— Sagt: Es war so! 1 Ida. 1 Nun, ich träume en, Zuweilen anders. Ulrich. Träume sind nicht Wahrheit. 19⁰ Ida. Und dennoch seh' ich ihn, wie Euch bisweilen. Ulrich. Wo seht Ihr ihn? Ida. Im Schlaf. Ich seh' ihn blaſs, Verblutend— und ein Mensch mit einem Messer, Erhoben— neben ihm. Ulrichz. Und seht Ihr sein Gesicht Nicht auch P Ida(ihn anstarrend). Gott— nein! Seht Ihr's vielleicht? Ulrich. Wie sot? Was fragt Ihr so? 3 Ida. Weil Ihr so aussaht, als Ob Ihr den Mörder sähet. Ulrich(bewegt). Das ist Kinderey! Ihr steckt mit Eurer Schwachheit selbst mich an, Zu meiner Schaam— allein da alles, was Ihr fühlt, auch mir gemeinsam ist, so fühl Auch ich's. Drum, liebes Kind, hört auf!— Ich weilen. n blaßs, Messer, Gesicht cht Vie so? als erey! aich an, was fühl' uf!— 191 Lda. Was, Kind? Ich zähle volle funfzehn Sommer schon. (Ein Hifthorn wird gehört.) Rudolph. Horcht, gnäd'ger Herr— das Horn! Ida(neckend zu Rudolph). Was braucht Ihr's ihm Zu sagen F Kann er's selbst nicht hören, ohne Eu'’r Echo P Radol pPla. O, verzeiht, mein schönes Fräulein. Ida. Ich will Euch nicht verzeihn, wenn Ihr es nicht Dadurch verdienen wollt, daſs Ihr mir helft, Graf Ulrich abzureden von der Jagd Für heut.— Ridolphz. Ihr braucht wohl meine Hülfe nicht Dazu, mein Fräulein! Ulrich. Nein! Ich darf es nicht Versäumen! Ida. Doch— Ihr sollt! Ulrich. Wie, sollt? 19² Ida. Ja, oder Ihr seyd kein ächter Ritter! Kommt, mein Ulrich, Auf— gebt mir nach hierin— dies eine mal. Der Tag ist schwer, und Ihr seyd blaſs und krank-— Ulrich. Ihr scherzt. Ida. Gewifs, ich scherze nicht, fragt Rudolph. Rudop. Nun ja, genäd'ger Herr, Ihr habt fürwahr In dieser Viertelstund' Euch mehr geändert, Als ich bisher in Jahren es gesehn. Ulrichz. S'ist nichts— und wäre es, so machte mich Die Luft gar bald gesund. Ich weiſs, ich bin Gar ein Camäleon, und lebe nur Von Luft; und Eure Feste und Bankets In Schlofs und Saal verkümmern meinen Geist. Ich bin ein Waidmann, Athmer scharfer Luft Auf Bergesgipfeln, wo ich liebe, was Der Adler liebt... Ida. Bis auf die Beute, hoff' ich! Ulrich. Drum, Liebchen, wünscht mir eine gute Jagd— Ich bringe Euch sechs Bärenköpfe auch Nach Hause, als Trophäen. 193 Ida. Bleibt Ihr nicht?— Ihr sollt nicht fort! Kommt, kommt, ich sing' Euch auch. Ulrich. Schaut, Ihr pafst schlecht zu eines Kriegers Frau. Ida. Das will ich auch nichtseyn! Ich mein', der Krieg Ist nun vorbey, und Ihr sollt friedlich leben Auf Euern Gütern, Ulrich.— Werner, als Graf Siegendonf, tritt ein. Wrich.. Ah, mein Vater, Ich grüſse Euch— die Kürze dieses Grufses Bedauernd— Ihr habt unser Horn gehört; Die Leute warten... Siegendon. Lafs sie! Du vergaſsest, Auf morgen ist das groſse Fest des Friedens In Prag bestimmt, und, sieh, Du bist gewohnt, Der Jagd mit solchem Eifer nachzugehn, der Dir Verbietet, heute heimzukehren, und Wenn das auch, doch zu schwer ermüdet, um Des andern Tags den angewies'nen Platz In unsers Adels Bänken einzunehmen. 126. N 194 Wlrich. Ihr thut es für uns beyde, Craf! Ich bin, Ihr wiſst, kein Freund von solchem Schaugepräng'. Sieqendon. Nein, Sohn, es wär' nicht recht, daſs Du allein Von unserm jungen Adel... Ida. Und dazu Der Edelste in Ansehn und Benehmen— Siegendonf. Ganz recht, mein Kind, obgleich ein wenig frey Für eine schöne Jungfrau, so wie Ihr!— Doch Ulrich, denk' an unsre Stellung, Sohn— So neu in unsre Würde rückgekehrt; Nein, glaub', es wird bemerkt in jedem Haus, Um wie viel mehr in unserm, wenn wir fehlen, An solchem Orte und zu solcher Zeit.— Und aufserdem hat auch der Himmel, scheint’s, Der unser Eigenthum zurück uns gab— Im Augenblick, da allgemeinen Frieden Er überall verlieh, ein doppelt Recht Auf unsern Dank— zuerst für unser Land, Und dann, dafs wir hier weilen, seinen Segen Zu theilen. Ulrich(bey Seite). Wie b Auch Heuchler noch!(laut) Nun denn, Ich füge mich.— Entlasse, Ludwig, das Gefolge draufsen.(Ludwig geht.) 2. räng'. allein 3 frey hn— Haus, ehlen, eint's, d, Segen denn, he.) Idla(zu Ulrich). So gewährt Ihr ihm, Das, was ich stundenlang umsonst erfleht. S&iegendonf(lächelnd). Ihr seyd mir doch nicht eifersüchtig, kleine Empörerin, die Ihr den Ungehorsam Wohl gegen alles eh'r, als Euch, entschuldigt. Doch fürchtet nichts, Ihr sollt ihn einst schon lenken, Mit zarterem und festerm Regiment. Ida. O seht, ich möchte jetzt regieren— Stegendonf. Ja, Ihr sollt es— Eure Harfe, die Euch längst Schon in der Gräfin Zimmer dort erwartet. Sie klagt, Ihr flöht seit kurzem die Musik, Und harret Eurer! Lda. Guten Morgen denn— Mein theurer Vetter— Ulrich, wollt Ihr mich Nicht hören? Wrich. Nun, vielleicht... Ida. O, seyd gewifs, 195 196 Es klingt viel besser noch, als Eure Hörner. Seyd nur so pünktlich, wie für jene— seht, Ich spiel' Euch König Gustav's Marsch dafür... Ulrich. Warum nicht Tilly's lieber? Ida. O, der Unmensch! Ich meinte, meiner Harfe Saiten könnten Nur weinen, statt zu tönen, spielt' ich etwas Von ihm darauf! Doch macht, und kommt, fein bald; Die Mutter wird Euch übergern empfangen. (geht.) Siegendorf. Mein Sohn, ich wünschte Dich allein zu sprechen, Ulrich. Befehlet— meine Zeit ist Euer... (bey Seite zu Rudolph:) Fort— Und thu, wie ich gesagt! Und Rosenberg Soll mir in bester Eile Antwort senden, Mit seinen schnellsten Mitteln— hörst Dup Fort! Rudolph. Herr Graf von Siegendorf, befehlt Ihr etwas P Ich habe eine Reise vor— jenseit Der Gränze... Siegendonf(überrascht). Ah— wohin P Nach welcher Gränze? —— 80] Bes Mit Gel In ze? 197 Rudolph. Der Schlesischen auf meinem Weg... (bey Seite zu Ulrich.) Wohin Soll ich ihm sagen? Ulrich(zu ihm). Ey, nach Hamburg!— Traun, Das Wort soll seine fernern Fragen wohl Mit einem Schlofs verhängen... Rucolplz(laut). Graf, nach Hamburg! Stegendonf(unruhig). Nach Hamburg? Nein, ich wüſste nichts; ich bin Mit diesem Orte gar nicht in Verbindung. 80— guten Weg! Radolphz. Gehabt Euch wohl, Herr Graf! (gehe.) Fiegendonf. Sohn, dieser Mann ist einer auch von jenem Besondern Umgang, über den ich gern Mit Dir gesprochen... VUlrich. Er ist edel von Geburt; aus einem von den besten Häusern In Sachsen... 198 Siegendonf. Nun, ich rede nicht, mein Sohn, Von seinem Stamm, von seiner Führung nur. Die Leute sprechen leicht von ihm! Ulrich. So thun Sie von der gröfsern Zahl der Menschen! Seht, Selbst der Monarch ist vor dem Leumund ja Des letzten seiner Kämmerer nicht sicher, Noch vor der argen Rede und dem Wink Des Schlecht'sten seiner Höflinge, den er Selbst grofs und undankbar gemacht. Siegenclonf. Wohlan, Wenn ich denn deutlich reden soll, die Welt Spricht mehr als leicht von diesem Rudolph; sieh, Man sagt ihn in Verbindung mit den« Schwarzen“, Die immer noch die Gränzen frech verwüsten. Ulricha. Und glaubet Ihr der Welt? Siegendonf. In diesem Fall— Ja, Kind! Wrich. In jedem Falle, mein' ich, kenntet intet ——— Tèè́N——— Ihr selbst sie besser, als Beschu ldigung Schon für ein Urtheil anzunehmen.— Süegendonf. 9 7 Sohn!— Ja, ich verstehe Dich! Du weisest auf... Doch still! Mein Schicksal hat sein Spinngeweb' So fest um mich geschlungen, dafs ich nur, Der armen Pliege ähnlich, flattern kann, Doch nicht entfliehn.. O nimm ein Beyspiel, Sohn; Du hast gesehn, wohin die Leidenschaft Mich führte! Zwanzig lange Jahre Elends Und Hungers hatten sie nicht ausgelöscht— Und zwanzig Tausend Jahr' vielleicht verlöschen (Und so viel Augenblicke hier, die wohl Für Jahre rechneten, wär' Angst die Uhr), Verlöschen und versöhnen nicht den Wahnsinn, Die Schande eines Augenblicks!—„ Ulrich, Von Deinem Vater laſs Dich warnen!— O, Ich ward es nicht von meinem, und Du siehst Mich nun! Ulrich. Ich sehe nur den reichen und Beglückten Grafen Siegendorf; den Herrn Von fürstlichem Besitz— geehrt von denen, Die unter ihm, und denen neben ihm!— Fiegendon f. Ah Sohn! Was nennst Du mich beglückt, 199 200 So lang ich furchten mufſs für Dich?— Beliebt, Wenn Du mich nicht mehr liebst?— O, alle Herzen, Sie mögen voll von Liebe für mich schlagen, Was frommt es mir, ist meines Sohnes kalt? Ulrich. Und wer erkühnt sich, das zu sagen? Sprecht! Siegendonf. Niemand, als ich; der sieht und der es fühlt, Mehr, als der Feind, der mir es eingeraunt, Im Herzen Deinen Stahl je fühlen würde. Mein Herz, Sohn, überlebt die Wunde! Ulrich. Nein, Ihr irrt! Ich bin zu äufs'rer Zärtlichkeit Nicht von Natur geneigt. Wie sollt' ich auch Noch nach zwölf Jahren Trennung von den Eltern? Siegendonf. Und lebt' ich diese Schmerzenszeit denn nicht In gleicher Trennung?— Doch, es ist umsonst, In Dich zu dringen.— Die Natur ward nie Durch Vorstellung und Tadel umgewandt.— Doch von was anderm.— Ueberleg', mein Sohn, Wohin die jungen Edlen, hohen Namens, Doch finstrer Thaten(ja, der finstersten, Wenn alles wahr, was das Gerücht erzählt), Mit denen Du verkehrst, Dich führen müssen.— Ulrich(ungeduldig)⸗ Mich führt kein Mensch! Siegendon. Ey, Du wirst sie doch nicht, Ich hoffe... Doch genug!— Um Dich zugleich Vor der Gefahr der Jugend, und dem Stolz In Deiner Sinnesart zu sichern— hab' Ich gut erachtet, Dich mit Fräulein Ida, Und um so lieber zu verloben, da Du sie zu lieben scheinst. Ulrichz. Ich sagte Euch, Ich würde Eurem Wunsch gehorchen, wär' Er selber— Hecaten zu frey'n. Sagt, kann Ein Sohn mehr sagen b Siegendonf. O, er sagt zu viel— Damit!— S'ist gegen die Natur der Jugend Und Deines Blutes; Deines heifsen Sinn'’'s, So kühl von dem zu reden, und so sorglos In dem zu handeln, was die Blume, oder Der Giftthau ist auf aller Menschen Glück. (Denn selbst der Ruhm ist nur ein ruhlos Kissen, Legt Liebe ihre Wange nicht darauf.) Es mufs drum irgend eine mächt'ge Irrung In Deinem Busen— ein verschlagner Feind In Deinem Dienste seyn, der Dich mifslenkt, 202 Der, während Du ihn für den Sclaven hältst, Sich den Gedanken selber dienstbar macht.— Sonst sagtest Du: Ich liebe Ida, und Ich fordre sie zum Weibe. Oder: Nein, Ich lieb' sie nicht, und keine Macht der Erde Vermag mich je dazu!— So hätte ich Geantwortet, mein Sohn! Wlrich. Ihr habt aus Liebe Cefrey't! Siegendon). So war’s, und— glaube, das war oft In manchem Leid mein einz'’ger Trost! Ulrich. Welch Leid Ihr nie gekannt, als blos um diese Ehe Aus Liebe!— Stegendon. Wieder gegen Deine Jahre, Und die Natur!— Wer sprach mit zwanzig Jahr Je so? UVlrich. Nun, habt Ihr mich vor Eurem Beyspiel Denn nicht gewarnt P Siegendornf. Sophist!— Mit einem Wort, Liebst, oder liebst Du Ida nicht? Euch Und’s Nicht Sie ist An sol Die d- Verwa Und g Die T Die V Nun, Verdie Ich me Für ei Und’s Wie Erzähl Den s Verbli Und 1 Obgle Gerad be oft eid 203 Wrich. Was thut Euch das, bin ich bereit, Euch zu gehorchen— Und sie zu frey'n P Siegendon). So wie Du fühlst— für Dich Nicht viel— allein für sie das ganze Leben! sie ist jung, schön— vergöttert Dich, ist reich An solchen Gaben, die das Glück verleihn; Die das gemeine Leben in den Traum Verwandeln, welchen kein Poet beschreibt— Und gegen welchen(wär's nicht Weisheit schon, Die Tugend lieben) die Philosophie Die Weisheit selber gern vertauschen würde.— Nun, Ulrich, wer ein solches Glück gewährt, Verdient auch selbst ein wenig wohl dafür.— Ich möchte, traun, ihr Herz nicht brechen sehn, Für einen Mann, der keins zu brechen hat, Und sie verwelken sehn, auf ihrem Stamm, Wie jene Rose, nach des Morgenlands Erzählung, die, verlassen von dem Vogel, Den sie für eine Nachtigall gehalten— Verblich.— Sie ist... Ulrich. Die Tochter Strahlenheims, Und Eures Feinds!— Indeſs ich freye sie, Obgleich, die Wahrheit zu gestehn, ich wenig Gerade jetzt für dieses Band entflammt. 2⁰⁴ Siegenclon. Allein sie liebt Dich— Ulrrich. Und ich sie; darum Sch' ich das Ding mir zweymal an!— Stegerndonf. Die Liebe nie! Das that Ulrich. So wär' es Zeit, sie thät's, Und nähm' das Band vom Aug', und sähe fein, Bevor sie springt.— Bisher nahm sie den Anlauf Gar oft im Finstern... Siegendonf. Nun, Du willigst ein? Ulrich. Ich that's und thu' es noch. Siegendon. Wohl, so bestimme Den Tag! Ulrich. Es ist Gebrauch und schicklich, dies Der Braut zu überlassen. V um mme dies Siegendonf. Nun, ich steh“ Wlrich.. Fürwahr, das wag' ich für kein Weib!— Doch, da ich unerschüttert gern das seh', Was ich einmal bestimmt, so will ich reden, Wenn sie gesprochen hat. Siegendonf. S'ist Deine Sache, Ulrich. Dieser Bund ist Euer Werk— So möget Ihr auch werben, Vater!— Doch Weil's Euch gefällt, will ich zur Mutter hin, Bey der das Fräulein weilt.— Was wollt Ihr Für sie! Zu werben... mehr? Ihr untersagt mir männliche Zerstreuung, Und ich gehorche Euch.— Ihr weis't mich in Das Zimmer, um dort— Handschuh aufzuheben, Und Fächer und Stricknadeln;— auf Gesang Und Saitenspiel zu horchen;— auf ein Nicken Zu passen;— fein zu kleinlichem Geschwätz Zu lächeln, und den Weibern in die Augen Zu schau'n, als wären sie die Sterne, die Auf unsern Wunsch am Morgen einer Schlacht, Um eine Welt, verschwänden.— Kann ein Sohn, Ja, kann ein Mann mehr thun?—(geht.) 206 Siegendonf(allein). Zu viel— o, zu Viel kalte Pflicht, und ach, zu wenig Liebe. O, er bezahlt mich in der Münze, die Er mir nicht schuldet. Denn von solcher Art War mein Geschick, daſs ich des Vaters Pflichten Bis heut' nie gegen ihn erfüllen konnte. Doch Liebe schuldet er mir wahrlich, denn Nie wich mein Sinn von ihm, noch sehnt' mein Aug' Sich ohne Thränen je nach ihm, bis ich Ihn fand. Doch wie? Gehorsam aber kalt: Pflichtliebend äufserlich; doch sorglos stets: Geheimniſsvoll, zerstreut, entfremdet mir— Geneigt zu langem Aufsenbleiben— niemand Weiſs, wo?— ein Bund mit den verlorensten Des jungen Adels— ob er gleich(gerecht Zu seyn) sich nie zu ihren niedrigen Ergötzungen herabgelassen.— Doch, Es waltet ein geheimes Band, das ich Noch nicht enträthselt, zwischen ihm und ihnen. Sie blicken zu ihm auf, sie holen Rath Von ihm; sie drängen sich um ihn, als wär's Um ihren Führer, während sein Vertrau'n Vor mir entflieht.— Und kann ich's hoſfen denn Nach allem— was.. O, meines Vaters Fluch, Steigst du auf meinen Sohn auch noch herab? Sprich, oder ist der Ungar nah, um mehr Blut zu vergiefsen, oder.. wär' es möglich 5— Geis Ihn, Obs Des Es W Du Ich Mit Und Allei Festl Von Auf? Daſs Befle- Ersat Für Er ni Gefal Wär S0 fr Als n Eu'r( 0, zu iebe. r Art ichten enn mein alt: 2ts: r— nand ensten at 207 Geist Strahlenheims, irrst du durch diese Mauern, Ihn, oder die herauszuwittern, die, Ob sie dich schon nicht schlugen, doch die Thür Des Todes dir entriegelten?— Still, still! Es war nicht unsre Schuld, nicht unsre Sünde! Du warest unser Feind, und dennoch schont' Ich dich, obschon mein eigner Untergang Mit dir schlief, um mit dir auch zu erwachen, Und nahm dein Gold— dein fluchbeladnes Gold Allein, das nun wie Cift in meiner Hand Festliegt, und das ich zu gebrauchen nicht— Von dem ich nicht zu scheiden wage:— denn, Auf solche Art gelangtest du zu mir, Dafs jede Hand an dir sich, wie die meine, Beflecken mufſs.— Und dennoch that ich zum Ersatz für dich, du elend Gold, ach, und Für deines todten Herrn Gericht— obgleich Er nicht durch meine und der Meinen Hand Gefallen, was ich nur vermocht für ihn, Wär er mein Bruder auch.— Ich nahm sein Kind, So früh verwaist— zu mir, und liebte es, Als müſst' es meines seyn. Ein Diener tritt ein. Diener. Der Abt, nach dem Eu'r GCnaden sandten, wünscht Euch aufzuwarten. Der Prior Albert tritt ein. Albert. Der Friede Gottes sey mit diesen Mauern, Und allen, die darin... S&iegendorJ. Willkommen hier, Willkommen, heil'ger Vater; möge Eu'r Gebet Erhörung finden!— Alle Menschen Bedürfen sein, und ich.. Albert. Ihr habt ein Recht, Das erste Recht auf das Gebet der ganzen Gemeinde. Unser Kloster, aufgerichtet Von Euren Eltern, wird noch stets beschützt Von ihren Kindern... Siegendonſ. . Fahret, guter Vater, In Eurem täglichen Gebet für uns, In diesen Tagen arger Ketzerey Und Blutes fort, ist der Schismatiker, Der Gustav, gleich dahin... Albert. In jene finstre Und ruhelose Wohnung der Ungläubigen, Wo ew'ger GCram und Schmerz zu Hause ist, ter, re n, be ist, 2 209 Zähnklappen, Heulen, blut'ge Thränen und In ew'ger Cluth, der Wurm, der niemals stirbt. Siegendonf. Ja, guter Vater, und um diese Qual Von jemand abzuwenden, der— obgleich Von unsrer unſehlbaren heil'gen Kirche— Doch ohne ihre letzten Dienste starb, Die unsre Seele durch der Rein'gung Qualen Allein erhöh'n und trösten, habe ich Zu Scelenmessen diese karge Schenkung Demüthiglich bestimmt. (Siegendorf bietet das Gold, das er Strahlen- heim entwandt.) Albent. Herr Graf, wenn ich Das Angebotene empfange, so Geschieht's allein, weil Euch die Weigerung Beleidigte.— Seyd überzeugt, die Schenkung Soll zu Almosen nur verwandt, und drum Nicht eine Messe wen'’ger für den Todten Gelesen werden.— Unser Haus bedarf Jetzt keiner Schenkung— Dank den Euren— mehr, Die es von Alters her reich ausgestattet. Doch uns gebührt's, in allen guten Dingen Euch und den Euren zu gehorchen.— Sagt, für wen Nun sollen wir sie lesen 5 126. 0 Siegendonf(stockend). Für.. nun für Den Todten! Albert. Seinen Namen? Stegendor. Eine Seele, Und nicht ein Name ist's, von dem ich das Verderben wenden möchte. Albert. Meine Meinung War nicht, in Eu'r Geheimniſs einzudringen. Wir wollen dann für einen Ungenannten, Wie für den ersten Ritter, beten. Siegendonf. 9 7. Wie? Ceheimniſs? Nein, ich habe keins— obgleich Der Todte wohl eins haben mochte.— Kurz, Er hinterliefs mir— seht— doch nein, nicht so— Ich widme diese Summe frommen Werken.. Albernt. Ein gutes Werk für abgeschiedne Freunde.. Siegendonf. O nein, der Todte war das nicht, mein Freund.. Mein Feind vielmehr, der starrste, tödtlichste.. Ihr Es Bed das Albert. Noch besser, Graf; mit unsern Mitteln hier Noch für die Seelen unsrer todten Feinde Zu wirken, ist so gut, als lebend ihnen Verzeih'n... Stiegendonf. O, ich verzieh ihm nicht, dem Mann— Ich hafst' ihn bis an's End, so wie er mich; Auch jeitzt nicht lieb' ich ihn— allein— Albent. Noch edler— Seht, das ist lautere Religion! Ihr wollt den, den Ihr hasset, von der Qual Des ew'gen Feuers noch befrey'n! O, rein Und evangelisch Mitleid.— Und- Mit Eurem eignen Gold dazu... Siegendonf. Nun, nein, Es ist mein Gold nicht, Vater... Albert. Wessen dann? Ihr sagt, es wäre kein Legatb Siegendonf. Es thut nichts, wessen Es sey.. Seyd überzeugt, der, dem's gehört, Bedarf jetzt sein nicht mehr, es wäre denn — 212 In Dingen, die von Euerem Altar Zu kaufen sind. Drum ist es seins und Eures. Albert. Und klebt kein Blut daran? Siegendonf. Nein!(für sich:) Schlimmer ja Als Blut noch— ew'ge Schmach! Albent. Starb der, dem es Gehört, in seinem Bett? Siegendon. Ey, leider— ja! Albert. Mein Sohn, Ihr fallet in die Sünde denn Der Rachsucht, wenn Ihr Eures einst'gen Feinds Blutlosen Tod bedauert! Siegendonf. O, sein Tod War unergründlich tief in Blut! Albert. Ihr sagt, Er starb in seinem Bett und nicht im Kampf. Siegendonf. Er starb, ich weiſs kaum wie— ermordet— Bey Nacht— da habt Ihr es— aufseinem Kissen, Sa Pres. ner ja eim es 213 Von Meuchelmörders Hand.— Ah, schaut nicht so Auf mich— ich bin es nicht! Ich blick' Euch in Das Auge drauf, wie ich einst hoffe, in Das Auge Gottes selbst zu schau'n. Albert. Und starb Er auch durch Werkzeug, Mittel, Zuthun nicht Von Euch b Siegendon). Nein, bey dem Coit der sieht und trifft! Albert. Und Ihr erfuhrt nicht, wer ihn tödtete? Siegendor. Ich kann's nur ahnen— und er ist mir fremd, Und unverbunden, so wie ungebraucht Von mir. Ich sah ihn nie, als einen Tag, Den Mann, auf den der Argwohn fiel.— Albert. Wohlan, So seyd Ihr frey von Schuld! 3 Siegerdlonf(Schnell). O, bin ich es? Sagt an! Albert. Ihr sagt es so, und wifst's am besten. 214 Siegendonf. Ich sprach die Wahrheit, Vater, nichts als die, Wenn auch die ganze nicht. Drum sprecht es aus, Sagt, dafs ich schuldlos; denn das Blut des Mann's Ruht schwer auf mir, als ob ich es vergossen, Obgleich ich's— bey der Macht, die Menschenblut Verabscheut, nicht gethan— vielmehr einmal Es schonete, da ich versucht ward, und Gekonnt, ja es gesollt, wenn Selbster- haltung Je solchen Abweis feindlicher Verfolgung Eutschuldiget.— Doch betet für ihn, Vater, Für mich und für mein ganzes Haus; denn, wie Gesagt, obgleich ich schuldlos bin, so drückt Gewissensqual mich schwer, als wäre er Durch meine und der Meinen Hand gefallen. Drum betet, Vater— seht, umsonst, umsonst— Hab' ich's gethan... Albert. Das will ich— tröstet Euch Indefs— Ihr seyd ja rein von Schuld, so seyd Auch wie die Unschuld— ruhig! Fiegendonf. Ruhe ist Nicht stets das Eigenthum der Unschuld, Vater. Ich fühl's, dafs sie nicht ist... die, recht unn's en, blut amal ter- er, „wie ickt llen. 215 Albert. Sie ist es stets, Wenn unser Geist in sich die Wahrheit sam- melt.— Denkt an das hohe Fest, in dem Ihr morgen Mit Eurem edlen Sohn im ersten Rang Des höchsten Adels dort zu glänzen habt.— Erheitert Eure Stirn und lasset dort Bey'm Dank für das gehemmte Blutvergiefsen, Nicht solches, das Ihr nicht vergossen habt, Auf Eurem Herzen wolkengleich sich lagern. Das wäre wahrlich zu empfindsam. Nein, Seyd ruhig, Graf; bemüht Euch zu vergessen. Und laſst der Schuld, der sie gebührt, die Reue! (beyde ab.) 216 — VY— ℳꝛqBWuà 2————-— ℳêâq ꝛ ęM₰»ͤnAn Fünfter Act. Erste Scene. Eine prächlige Halle im Schloſs Siegendorf mit Fahnen, I appen und Trophäen geziert. Meister, Arnheim und andere Diener des Grafen. Arnheim. Macht fort, der gnäd'ge Herr ist bald zurück. Die Damen sind schon an dem Thorweg— fort! Sprecht, habt Ihr Boten ausgesandt nach dem, Den Seine Gnaden sucht 5 Meister. Nach jeder Richtung, Und durch ganz Prag, so weit des Manns Gestalt Und Tracht, nach Euerer Beschreibung, ihn Bezeichnen konnte.—— Ey, der Henker hol' All diese Feste und Prozessionen!— —ε2 j mit e:r des rück. fort! dem, ung, vestalt ihn r hol' 217 Die ganze Freude, wenn's dergleichen gibt, Fällt auf die Zuschauer, und nichts auf uns, Die wir die Pracht und die Parade machen. Arnheim. Schaut, die Frau Gräfin naht... Meister. Ich ziche vor, Den ganzen Tag fürwahr parforce zu reiten, Auf einem steifen Gaul, als noch einmal In eines grofsen Herren Suite, bey So einem Puppenspiel, zu paradiren. Arnheim. Fort, fort— und schmähet drinnen, alter Freund! (gehen.) grãſfin Josephine und Ida v. Strahlenhein. Josephine. Dem Himmel Dank, das Schauspiel ist vorüber! Ida. Wie könnt Ihr nur so sagen, gute Mutter! Nie träumte mir von solcher Pracht!— Der Glanz Der Blumen, Kränze, Fahnen, Ritter, Edlen; Die Pracht der Steine, Kleider, Federn und Die glücklichen Gesichter; dann die Rosse, Der Weihrauch und der Sonnenglanz, der durch 218 Die dunklen Scheiben magisch drang— ja selbst Die Cräber, die so friedlich schauten, und Der Hymnus, der vom Himmel mehr herab Als zu ihm aufzusteigen schien— der Sturm Der Orgel, der mit vollem Donner dann Harmonisch schien entlang zu rollen— o, Die weifsen Kleider, die erhob'nen Blicke— Die Welt in Frieden wieder, und in Frieden Nun jeder mit dem andern und sich selbst—— O theure Mutter!..(Stürzt in Josephinens Arme.) Josephine. Mein geliebtes Kind! Das sollst Du seyn, in kurzem hoffe ich. Ida. O still! Ich bin es schon! Fühlt nur, wie laut Das Herz mir schlägt! Josephine. So ist's, mein Kind; und mag Es nie, o nie von bitterm Leide schlagen! Ida. Nein, niemals! Sagt, wie sollt' es auch Was kann Ihm fehlen? Seht, ich hör' nichtgern von Kummer. Und wir, wie könnten wir je traurig seyn, Die wir einander also lieben? Ihr, Der Graf, mein Ulrich, seht, und Eure Tochter. Nosephine. O armes Kind! selbst and rab turm 0⸗ e— :den —— Erme.) d! laut 1mag kann emer. 2¹9 Ida. Beklagt Ihr mich denn, Mutter? Josephine. Nein, ich beneide Dich, und das in Schmerz (Und nicht im Sinn der Welt) um jene Sünde, Die allgemein— wenn's wahr, daſs eine Sünde Mehr als die andere gemein uns sey.— Ida. Kein Wort mehr mag ich gegen eine Welt, Die Euch und meinen Ulrich einschliefst, hören. Saht Ihr nur etwas, das ihm glicher Wie unter allen dort hervor er ragte, Wie alle Blicke ihm nur folgten? Ja, Die Blumen selber, die von jedem Fenster fielen, Die drängten schneller sich zu seinen Füſsen, Als vor die andern hin, und wo er schritt, Da blühn sie fort und fort, und dürfen nie Verwelken! Josephine. Ihr verderbt ihn, Schmeichlerin, Wenn er Euch hört! Ida. Das will er nie! Ich wag' Auch vor ihm nicht so viel zu sagen— seht, Ich fürchte mich— Josephine. Wie sop Er liebt Buch ja. 220 Ida. O, nimmer kann ich den Gedanken, seht, Von ihm in Worte kleiden zu ihm.— Und Bisweilen gar erschreckt er mich.— Nosephine. Wie das? Ida. Nun, ein Gewölk verhüllt mir plötzlich oft Sein blaues Aug'. Doch er, er sagt mir nichts.. Josephilne. S'ist nichts, mein Kind. Die Männer haben, sieh, In dieser finstern, ruhelosen Zeit Gar viel zu denken! Ida. O, ich kann nichts denken, Als ilm... Josephine. Doch gibt’'s noch andre Männer, Kind, Im Aug' der Welt nicht minder würdig. Sieh, Da ist der junge Graf von Waldorf dort, Zum Beyspiel, welcher heut' kein Aug' von Euch Gewandt... Ida. Ich sah ihn nicht, ich sah nur Ulrich! Bemerktet Ihr's— da alle knie'ten und Ich weinen mufsteb O, durch meine Thränen, Dicht, heifs und jählings, wie sie stürzten, Sah' ich, mich dünkt, ihn lächeln gegen mich. „Mir IsSt Josephine. Ich sahe nichts, Kind, als den Himmel; denn Zu ihm war, mit des Volkes Aug'“ mein Blick Erhoben.. Ida. O, ich dacht' des Himmels auch, Obschon ich nur auf Ulrich blickte. Josephine. Kommt, Lafst uns in unsre Zimmer; denn sie müssen Bald hier seyn in Erwartung des Bankets. Wir legen diese nickenden Gefieder Und diese schleppenden Gewänder ab Indessen... Ida. Und vor allem dieses starre Und lastende Gestein, das Herz und Kopf „Mir schwer nur macht, wenn unter ihrem Glanz Um Brau und Cürtel beyde ängstlich schlagen. Ich folge Euch, geliebte Mutter— kommt! (beyde ab.) Graf Siegendornf im Festanzug und Luclevig. Siegendonf. Ist er noch nicht gefunden? Luclwig. Nachgeforscht 222 Ist überall, und ist der Mann in Prag, So muſs er aufgefunden werden.— Ersch Stiegendornf. Wo Ist Ulrich P.. Lucwig. Seine Gnaden ritt zuerst Ich 1 Den andern Weg mit ein'’'gen jungen Herr'n; delhs Allein er liefs sie bald, und irr' ich nicht, So hört' ich ihn vor einem Augenblick Mit seiner Suite auf der Brücke sprengen. Vrrich, reich gekleidet, tritt ein. Nun, Siegendonf(zu Ludwig). Sich, dafs sie nachzuforschen nicht ermüden. (Ludwig geht.) 1 Ha, Ulrich— o, ich hab' verlangt nach Dir! Ulrich. In il Nun, Euer Wünschen ist erfüllt— hier bin Ceg Ich! Fiegendonf. Zur Sohn! Ich habe ihn gesehn— den Mörder! Vlrich. V Wen?5 Wob— Seee, Wa 223 Siegendonf. Den Ungar, welcher Strahlenheim Erschlug! Ulrich. Ihr träumt! Siegendonf. Ich lebe, und so wahr Ich leb', ich sah ihn— hörte ihn; er wagte Selbst meinen Namen auszusprechen. Urrich. Welchen? Siegendonf. Nun, Werner!— O, es war mein Name. Ulrich. Und Er darf es nicht mehr seyn— vergesset ihn! Siegendonf. O niemals, niemals! Mein Geschick ist eng In ihm verwebt.— Er wird nicht auf mein Grab Gegraben; doch er führt mich wohl dahin! Wlrich. Zur Sache— nun, der Ungar? Stegendonf. Hör’— die Kirche War voll— gedrängt; der Hymnus stieg empor: 224 «Te Deum“ tönt's von Nationen mehr Als Chören, angestimmt zu einem grofsen: «Herr Gott, dich loben wir, für diesen Tag «Des Friedens, der nach dreymal zehen Jahren— „Und jedes blut'ger, als das vorige— «Uns wieder lächelt.“ Sieh, da stand ich auf, Mit allen Edlen, und so wie ich nun Herab die lange Reih' erhobener Gesichter schau', von der mit Schild und Fahnen Geschmückten Gallerie, erblicke ich— Wie eines Blitzes Zucken(denn es war Ein Augenplick), das, was mich blind für alles Zurückwarf— das Gesicht des Ungarn. Mir Ward übel;— da ich mich erholt vom Taumel, In welchem meine Sinne wirbelten, Sah ich noch einmal hin;— ich sah ihn nicht! Das Dankgebet war aus, der Zug bewegte Sich langsam drauf zurück..(Stockt.) Ulrich. Nun, weiter, weiter! Fiegendonf. So nun erreichten wir die Moldau-Brücke.— Die frohen Schaaren, die zahllosen Barken, Mit reich geschmückten Ruderern bemannt, Die auf dem spiegelnden Gewässer glitten Pfeilschnell— entlang— die schön gezierten Strafsen, Der lange Zug, die rauschende Musik, eeiter! n, a, 3 ierten 225 Der fern ertönende Geschützes-Donner, Der schmerzlich jenen groſsen Thaten schien Ein lautes, langes Lebewohl zu sagen: Die Fahnen, um mich her, der Hufschlag rings, Der Jubelruf der Tausende— ja alles, O alles scheuchte nicht den Mann von mir, Obgleich er meinen Sinnen längst entschwunden.. 3 Wlrich. Ihr saht ihn dann nicht mehr? Siegendonf. Ich blickt' umher Nach ihm, Sohn, wie der sterbende Soldat Nach einem Trunk— jedoch ich sah ihn nicht.— Allein in seiner Statt... Slrich. Nun, was, statt ihn P Siegendonf. In seiner Stelle fiel mein Auge stets Auf Deinen schwanken Helmbusch, der zu oberst, Wie auf dem höchsten, liebsten Haupt er winkt’“, Hoch über jenen Strom von Büschen ragte, Die luftig durch die hellen Straſsen zogen. Ulrich. Und was hat mit dem Ungar dies zu thun p Siegendonf. O viel, mein Sohn! Denn fast schon hatt' ich ihn 126. 226 In meinem Sohn vergessen, als, gerad' Da das Geschütz verstummt, und die Musik, Und da die frohen Schaaren sich umarmten, Anstatt in Jubel auszubrechen— da Cerad' vernahm ich eine dumpfe Stimme, Deutlich und scharf, mehr als Geschützes-Donner, Die rief mich Werner“! Ulrichz. Wer? Von wem 5 SiegerndorJf. Von ihm! Ich wandte mich— und sah— und fiel zur Erde! Ulrich. Warum? Wieb Sah' man Euch? Siegendonf. Die Sorge derer, Die mich in dieser Schwäche sahen, zog Mich fort, unkundig ihrer Ursach'. Du, Mein Sohn, warst zu entfernt im Zug(in dem Die Väter von den Söhnen weit geschieden), Mir beyzustehn! Wlrich. Das will ich jetzt! Siegendonf. 9 Worin? Virich. Den Mann zu suchen, oder.. Doch, wenn wir Ihn nun gefunden, sprecht, was soll geschehn Mit ihm 5 We Seir Gar Ein Zu For Dere Gek K, 4, iner, m! rde! rer, wir an Siegendon). Das weiſs ich nicht! Vlrich Warum denn suchen? Slegendonf. Weil ich nicht ruhen kann, bis er gefunden! Sein Schicksal, Strahlenheims, das unsre scheint Gar eng verwebt, und unenträthselt, bis— Ein Diener tritt ein. Diener. Ein Fremder, welcher Euer Excellenz Zu sprechen... Siegernadonf. Wer 5 Dienern. Er nannte keinen Namen. Siegendonf. Fort, lafs ihn ein. (Der Diener führt Gabor herein, und geht.) Siegendonf(überrascht). Ah! Gabor. Ha, so ist er's— Werner! Siegendonf(stolz). Derselbe, den Ihr unter diesem Namen Gekannt— und Ihr 5 228 Gabor(sich umschauend). Ja, ich erkenn' Euch beyde; Vater und Sohn— so scheint's b—— Herr Graf, ich höre, Ihr und die Euren suchten mich— wohlan, Hier bin ich! Siegendonf. Ja, ich suchte Euch und— fand.— Ihr seyd beschuldigt(und Eu'r eigen Herz Gemahne Euch daran, warum P) solch eines Verbrechens...(stockt.) Gabon. Nennt'’s— dann stehe ich den Folgen. Siegendonf. Das sollt Ihr, oder... Gabor. Nun, zuerst, wer klagt Mich an.. Siegenconf. O, alles, wenn nicht Jeder!— Seht, Der allgemeine Ruf, die Gegenwart An Ort und Stell', die Zeit und jeder Umstand, Kurz, alles, seht, verbindet sich, die Blutschuld Auf Euch zu heften.. Gabon. Und aùf mich allein? Denkt, eh' Ihr Antwort gebt, Herr Graf! Ist denn Kein andrer Nam' in der Geschichte mehr Befleckt? Siegendonf. Spitzfind'ger Bösewicht, der mit Der Blutschuld noch zuspielen meint! Von allem, Was lebt, kennst Du am besten dessen Unschuld, Auf den Dein gift'ger Hauch die blutige Beschuld'gung athmen will.— Genug, ich will Mit einem Elenden nicht länger rechten, Der der Gerechtigkeit verfallen ist. Antworte mir, und ohne Ausflucht, jetzt Auf die Beschuldigung! Gabor. Nun, sie ist falsch! Flegendonf. Wer sagt das? 9 Gabor. Ich! Siegendonf. Wie widerlegst Du sie? Gabor. Nun, durch die Gegenwart des Mörders! S&iegendonf. Nenn' Ihn— auf! Gabor. Er mag mehr Namen haben— schaut, 230 Als einen; Euer Gnaden hatten auch Zu einer Zeit... Siegendonf. Wenn Du mich meinst, so fordre Ich Dich zum Aeufsersten heraus! Gabon. Das könnt Ihr, und mit Sicherheit; ich kenn' den Mörder! Siegendonf. Wo ist er 5 Gabor(auf Ulrich zeigend.) Euch zur Seite! (Ulrich macht eine Bewegung vorwärts gegen Gabor; Siegendorf tritt dazwischen.) Siegendorn]. Lügner! Teufel!— Doch Du sollst hier mir nicht erschlagen werden, Dies Haus ist mein, und Du bist sicher hier!— (su Ulrich.) Mein Sohn, entwaffne die Verläumdung so Wie ich! Ich gebe zu— s'ist ein Cewächs, So ungeheuer, dafs es kaum auf Erden Geboren scheint.— Indefs sey ruhig, Sohn— Ich selber widerlege ihn— berühr' Ihn nicht! (Ulrich versucht sich zu sammeln.) Gabon. Blickt auf ihn, Graf, und hört mich dann! Ich Wie Zusæ gen n! Siegendonf. Ich höre Euch— 9 (zu Ulrich) Mein Cott, Du blickst.. Ulrich. Fiegendonf. Wie jene Schreckensnacht, da wir im Park Zusammen trafen.. Nun, wiep Wlrich(gesammelt). Es ist nichts. Gabor. Nun, Graf, Ihr seyd verpflichtet, jetzt mich anzuhören: Ich kam hicher gesucht, und nicht Euch suchend. Als ich dort in der Kirche mit dem Volk Auf meine Knicee sank, da meint' ich nicht, Den Bettler Werner im erhabnen Sitz Der Fürsten und des Adöls aufzusuchen. Allein Ihr riefet mich, und ich bin dal Siegendonf. Nun, fahret fort! Gabon. Bevor ich's thu', erlaubt, Dafs ich Euch frage, wer gewonnen hat Durch Strahlenheims Ermordung— P Ich, Der jetzt so arm, wie damals, ja, noch ärmer Durch den Verdacht auf ihm— ich oder Ihr?— 232 Nicht Edelstein, noch Gold ward eingebüfst In diesem letzten Straufs— das Leben blos, Ein Leben, welches zwischen Eurem Recht Und fremden Anspruch stand, an Gut und Ehr' Geringer kaum, als fürstliche. Siegendonf. Der Wink, So grundlos als verächtlich, trifft gleich sehr Mich selbst und meinen Sohn! Gatbon. Ich kann's nicht ändern, Herr Graf; doch laſst die Wirkung auf den fallen, Der unter uns den Schuldigen sich fühlt.— Ich sprech' zu Euch, Herr Craf von Siegendorf, Weil ich Euch schuldlos weifs, und für gerecht Euch halte.— Doch bevor ich weiter rede, WagtIhr's, mich zu beschützen; sprecht, wagt Ihr's Mir’s zu gebieten?— f (SCiegendorf sieht erst den Ungar an, dann Ul- rich, der sein Schwert abgenommen, und mit demselben, jedoch in der Scheide, auf dem Boden Linien zieht.) Ulrich(su Siegendonf). Lafst ihn weiter reden. Gabon. Graf, ich bin waffenlos, laſst Euren Sohn Den Degen niederlegen... 22 259 Ulrich(indem er uhn verächtlich hinreicht). Nehmt! Gabor. Nicht so! Es ist genug, wenn beyde unbewaffnet... Ich mag ein Schwert nicht führen, das gar leicht Mit anderm Blut befleckt, als das im Kampf Daran gekommen. Ulrich(wirft das Schwert verächtlich von sich.) Dieses, oder eins Ihm ähnlich, spart' in meiner Hand einmal, Da Ihr entwaffnet und in meiner Macht, Das Eure... Gabon. Ja, ich hab' es nicht vergessen! Ihr spartet mich zu Euren Zwecken, Herr, Um eine Schmach zu tragen, die nicht mein. Ulrich. Zur Sache— weiter— die Erzählung wird Unstreitig des Erzählers würdig seyn.— (zu Siegendorj.) Doch, ist es meines Vaters, ihn zuhörenb Siegendonf(indem er seine Hand ergreifl.) Mein Sohn, ich kenne meine Unschuld, und Ich zweifle an der Deinen nicht: indefs Ich hab' dem Mann Geduld versprochen— lafs Ihn weiter reden! Gadorn. Nun, ich halte mich Nicht auf mit langem Reden von mir selbst. Ich fing das Leben zeitig an, und bin, Wozu die Welt mich früh gemacht.— Cenug, Zu Frankfurt an der Oder, wo im Dunkel Ich einen Winter hingebracht, da hört' Ich an verschiedenen Vergnügungsorten (Die ich zuweilen, doch nicht oft besuchte) Ein wunderbares Mährchen oft erzählen.— Ein kleines Truppencorps, gesandt vom Staat, Hatt' endlich und nach langem Widerstand Euch eine Bande von Verzweifelten, Die man für Marodöre hielt vom Heer, CGesprengt und überwältiget.— Man fand Jedoch, daſs sie Banditen waren, die Der Zufall oder Wagnifs fern von ihrem Gewohnten Zufluchtsort, die Wälder Böh- mens, Bis in die Lausitz selbat hervorgeführt.— Man sagte manchen hohen Rang darunter, Und das Gesetz schlief für den Augenblick: CGenug, zuletzt begnügte man sich gar, Sie über jene GCränze nur zu bringen, Und unter die Civilgerichtsbarkeit Von Frankfurt sie zu stellen. Nun, wohlan, Von ihrem Schicksal weiſs ich weiter nichts! Slegendonf. Und was hat dies mit meinem Sohn gemein? Doch Ein J Gebu Fast i Verki Als s In sei Die f Von Ich g Als d Der N In un Dies Um at, öh- 235 Gabor. Doch unter ihnen, ward erzählt, befind' Ein Jüngling sich von wunderbaren Caben. Geburt und Glück, und Jugend, Kraft und Schönheit, Fast übermenschlich, beyspiellose Kühnheit, Verkündete der allgemeine Ruf Als sein— und seine Herrschaft nicht allein In seiner Bande, sondern selber über Die Richter, ward dem Zauber zugeschrieben; Von solcher Art war sein allmächtig Walten.— Ich glaube sonderlich nicht an Magie, Als die des Bergwerks, undso meint' ich denn, Der Mann sey reich.— Allein mein Herz erhob In unbezwinglichem Verlangen sich, Dies Wunder aufzusuchen, wär' es nur, Um es zu sehn... Fiegendon. Und thatet Ihr's P Gabor. Ihr sollt's Erfahren! Seht, der Zufall will mir wohl. Ein Volksgetümmel rief die ganze Stadt Auf offnem Markt zusammmen. Nun, es war So eine der Gelegenheiten, da Der Menschen Seelen aus den Augen schau'n, Und wie sie sind, im Angesicht sich zeigen. Genug— im Augenblicke, da mein Aug' Auf seines traf, da rief ich aus: Er ist'’s! 256 Obgleich er damals mir, wie stets nachher, Umgeben von dem Adel jener Stadt Erschien.— Ich fühlt', ich hatte nicht geirrt, Und lang und in der Näh' bewacht' ich ihn. Ich merkte die Gestalt, die Ge-ten mir, Gesicht und Züge, Stellung und Benehmen— Und zwischen allem— unter jeglicher Erworbener und angeborner Gabe, Entdeckte ich, so dünkte mich, Herr Graf, Das Mörderaug', das Herz des Gladiators! Wlrich(lächelnd). Das Ding klingt gut! Gaborn. Und mag noch besser klingen!— Genug, er schien mir eines von den Wesen, Vor denen das Geschick sich beugt, wie vor Dem Kühnen, und auf denen oft das Loos Von Tausend andern ruht.— Ein unerklärlich CGefühl zog mich zu diesem Manne hin, Wie wenn der Pol von meinem Glück durch ihn, Durch ihn allein bestimmt nur könnte werden. Und darin irrte ich!— Siegendonf. Und irrt vielleicht Nicht minder jetzt! Gabon. Ich folgte ihm, bewarb Um seine Kenntniſs mich, erlangte sie, Wen Es We Wir Zusan Der Erret Graf; Ich 1. Ich f. Vom Auch Denn Nur Euch en!— esen, vor 508 lärlich ch ihn, verden. 237 Wenn schon ich seine Freundschaft nie gewann! Es war sein Plan, die Stadt still zu verlassen— Wir reis'ten mit einander ab, und traſen Zusammen in dem kleinen Orte ein, Der Werner barg, und wo wir Strahlenheim Erretteten.— Jetzt sind wir an dem Punkt:— Graf, habt Ihr Muth, mich weiter noch zu hören 9 Siegendonf. Ich mufs jetzt, oder hörte schon zu viel! Gaborn. Ich fand in Euch nun einen Mann, gebeugt Vom Schicksal, über seiner Stellung, wenn Auch nicht so hoch, wie ich Euch jetzt erblicke; Denn wenig Männer in dem höchsten Rang Nur hatte ich an Höhe des Gemüths Euch gleich geschn! Ihr waret arm, entblöſst, Ich wollte meine Börse mit Euch theilen, Obgleich gering— allein, Ihr schlugt mir's ab. Siegendonf. Verbindet etwa diese Weig'rung mich, Dafs Ihr sie so betont! Gabon. Ihr schuldet stets Mir etwas, Craf, obgleich nicht dafür;— doch Ich selbst verdankt' Euch meine Sicherheit, Zum wenigsten die scheinbare, da mich Die Sclaven Strahlenheims verfolgten, auf Dem Grund, dafs ich— daſs ich beraubt ihn hätte. 238 Siegendonf. Ja, ich verbarg Euch— ich, den Du, Mit seinem ganzen Haus, vergiften willst, Du wiederaufgelebte Natter! Gabor. Craf, Ich klage niemand an, es wäre denn Zu meiner eigenen Vertheidigung. Ihr seyd mein Kläger ja, mein Richter, Graf, Hier Euer Herz und Eure Halle ist Mein Tribunal.— Seyd Ihr gerecht, und ich Will gnädig seyn! Stegendornf. Ihr gnädig?— Elender Gabon. Ich! Es ruht bey mir, ob ich Es werde, oder nicht!— Ihr barget mich— Geheimniſsvoll in tief verborgnen Gängen, Nur Euch bekannt; und niemand sonst, wie Ihr Mir sagtet!— Dort, um Mitternacht, erschöpft Vom Wachen, zweifelhaft, ob ich im Dunkel Wohl meinen Weg zurück auch fände, schaut, Da sah ich plötzlich durch entfernte Spalten Ein schimmernd Licht!— Ich ging ihm nach. es führt’ Zu einer Thür mich.. dann zu einem Durchgang, Der sich verborgen in ein Zimmer öffnet', Von wo, nachdem ich mir mit leiser Hand Verläumder! raf, d ich lender 239 So viel von der Befestigung gelös' t⸗ Um eine weite Spalte zu gewinnen— Mein forschend Aug' ein Purpurbett erblickte, Und auf demselben— Strahlenheim! Siegendonf. 9 7. Im Schlaf! Und doch, und doch erschlugst Du ihn, Elender! Gabor. Er war erschlagen, Graf, und blutete Gleich einem Opferthier.— Mein Blut ward Eis.— Siegendlonf. Er war allein— Ihr saht sonst niemand? Wie? Ihr saht nicht den, der...(er Stockt.) Gabon. Nein!— Der, den Ihr nicht Zu nennen wagt, und den ich selber kaum Zu denken Muth, war nicht in dem Gemach.— Siegendonf(zu Ulrich). So bist Du schuldlos, Sohn; Du hiefsest mich, Uinsr mich so nennen, thu' auch Du es nun! Gabon. Geduld— ich kann jetzt nicht zurück, und müfste Ieh auch die alten Mauern hier erschüttern, Die zürnen über uns!— Erinnert Euch,— Und könnt Ihr nicht, so kann es Euer Sohn— Dafs an dem Morgen dieses selben Tags, Und unter seiner Aufsicht selbst, die Schlösser Geändert, im Gemache des Barons.— 240 Wie er hineinkam, weiſs er selbst am besten, Allein in einem Vorgemach, deſs Thür Zur Hälfte offen stand, erblickte ich Euch einen Mann, der blutbefleckte Hände Mit Eifer wusch, und oft mit finsterm Blick Und ängstlich auf den blut'gen Körper schaute. Allein, Herr Graf, der regte sich nicht mehr.— Siegenidonf. Gott meiner Väter! Gabor. Seht, ich sah die Züge, Wie ich die Euren sehe— aber Eure, Nein, Eure waren's nicht; doch ihnen ähnlich— Seht sie im Grafen Ulrich— grade wie Ich sie erblickt'; obgleich ihr Ausdruck jetzt Nicht das ist, was er damals war— jedoch Er war's, als ich vorhin zuerst und plötzlich Die Blutschuld auf ihn warf! Siegendon. O— das.. ist so... Gaborn(ihn unterbrechend). Süll, hört mich nun zu End'! Ihr mü ſst es jetzt; Ich fand mich so verrathen und betrogen Von Euch— und ihm(denn jetzt erkannt' ich klar, Dafs ein geheimes Band war zwischen Euch), Gelockt in diese Höhle, hier das Opfer Zu werden Eurer Schuld, und mein Gedanke V jetzt; it' ich ch), inke 241 4 Zuerst war Rache. Doch— obgleich bewaffnet Mit einem kurzen Dolch(mein Schwert blieb draufsen), War ich ihm nimmer doch gewachsen, wie Ich jenen Morgen schon erfahren, weder An Kraft noch Kunst. Ich floh daher zuriick In's Dunkle. Zufall mehr, als Klugheit lieſs Die Thür im Vorsaal wieder mich erreichen, Und drauf das Zimmer, wo Ihrschlieft, Herr Graf. Wenn ich Euch wachend traf, der Himmel weiſs, Was Rach' und Argwohn dann mir eingegeben, Allein Ihr schlieft, und niemals schlief die Schuld, Wie Werner schlief in dieser Nacht. Siegendonſ. Und doch Träumt' ich Entsetzliches, und kurz— so daſs Noch das Gestirn nicht wieder war gegangen, Als ich erwachte.— O, warum mich schonen 5 Ich träumt' von meinem Vater, und nun ist Mein Traum vorbey! Gabor. Es ist nicht meine Schuld, Wenn ich ihn ausgelegt!— Genug, ich floh— Verbarg mich, und nach vielen Monden führt Der Zufall mich hieher, um Werner mir Im Crafen Siegendorf zu zeigen; Werner, Den ich in Hüútten stets umsonst gesucht, Bewohnt ein fürstlich Schlofs.— Ihr suchtet mich, 126. Und habet mich gefunden!— Craf, jetzt wiſst Ihr mein Geheimniſs— wäget seinen Werth Nunmehr. Siegendonf(nach einer Pause). Fürwahr! Gabor. Ist Euer Sinnen Rache, Ist es Gerechtigkeit? Siegendornf. O keines— seht, ich wägte Den Werth von Euerem Geheimniſs nur! Gabor. Den sollt Ihr wissen, Graf!— Da Ihr entblöſst Und ich, ob arm gleich, reich genug, solch Elend, Das selbst das meinige beneidete, Empor zu richten, bot ich meine Börse Euch an. Doch Ihr verschmähtet. Ich bin offener, Ihr seyd ein reicher Mann, von Adel und Betraut vom Kaiser... Ihr versteht mich, Grafꝰ Siegendornf. Nun— ja!— Gabor. Nicht ganz! Ihr glaubt mich käuflich und Kaum ehrlich— und s'ist wahr, daſs mich mein Glück Zu beyden fast gemacht. Ihr sollt mir helfen, Wie ich Euch helfen wollte— seht, ich bin 243 Um Euch und Eurensohn, in meinem Namen Ein wenig, traun, beschädigt. Wäget wohl, Was ich Euch sage! Siegendonf. Haht Ihr Muth, den Ausgang 5 Von kurzer Ueberlegung abzuwarten? Gabor(blickt auf Ulrich, der sich gegen einen Pſeiler gelehnt.) Und wenn ich's thu' 5 Siegerndonf. Ich steh' für Euer Leben... Weilt hier in diesem Thurm indefs.— 3 9(õſſfnet eine Thür.) lſst G, end. born(zögernd).. Es ist Das zweyte, sichere Asyl, das Ihr ener, Mir bietet, Graf. Siegendonf. rafo Und war's das erste nicht?— 8 Gabor. Ich weiſs das selbst noch nicht. Allein ich will Dies zweyte doch versuchen!— Bin ich doch und Nicht ohne Schild!— Ich kam allein ja nicht mein Nach Prag; und würde ich mit Strahlenheim Zur Ruhe hier gebracht, so gibt es Zeugen, lfen, Die für mich wachen würden.— Macht es kurz! 7 1 bin Gwill gehn.) Siegendonf. So soll es seyn: mein Wort ist heilig und Unwiderruflich hier, in diesen Mauern— Doch weiter geht es nicht! Gabor. Es sey, ich nehm's Dafür! Siegendonf(auf Ulrichs Schwert, das am Boden liegt, Zeigend). Nehmt das mit Euch! Ich sah Euch gierig Drauf blicken und mifstrauisch ihn... Gabor(indem er das Schwert nimmt). Ich will's— Und nun verkauf ich Euch mein Leben, Graf, Nicht wohlfeil wenigstens. (Gabor geht in den Thurm, den Siegendorf verschlieſst. 4 Stegendornf(gegen Ulrich). Nun— Ulrich!— Denn Ich hab' nicht Muth genug, Dich Sohn zunennen. Was sagst Dup— Urich. Die Geschicht' ist wahr! Stegendonf. Wahr?— Ungeheuer! Ist wahr?— ——— Ulrich. Wahr, ja Vater— wahr! Und Ihr habt wohl gethan, sie anzuhören; Denn, was wir wissen, dem läſst sich begegnen: Er mufs zur Ruh! Siegendonf. Mit meinen halben Gütern! Und mit der andern Hälfte, nähmest Du, Und er dies Schreckenswort zurück! 4 Wlrich. Hier ist Nicht Zeit zum Scherz und zur Verstellung, Vater. Ich sagt' Euch, die Geschicht'ist wahr, und er— Er muſs zur Ruh'*.. Siegendornf. Und wie? Wrich. Wie Strahlenheim! Seyd Ihr so blöd', Dafs Ihr's nicht längst errathen? Wie? Da wir Im Park zusammen trafen, was, als nur Entdeckung bey der That, vermochte mir Von seinem Tode Kenntniſs denn zu geben? Denn, war die Dienerschaft erweckt, wie wäre Der Ruf nach Polizey wohl solchem Fremden, Als ich war, überlassen?— Oder sollt' Ich unterwegs gezögert haben? Oder Wär't Ihr, der Gegenstand des Hasses und Der Furcht des Todten, je entflohen, sprecht, 246 Als viele Stunden, eh' der Argwohn dort Erwachtp— Ich sucht' und ich erforschte Euch, Noch zweifelnd, ob Ihr schwach nur oder falsch: Ich fand Euchschwach, und dennoch so ver- trauend Zu Zeiten, dafs ich gelbst an Eurer Schwachheit Oft zweifelte! Slegendonf. Verwandtenmörder und Gemeiner Meuchler! Welche That von mir Berechtigt Dich, für Deinen Spiefsgesellen Mich selbst zu halten?— Ulrich. Vater, ruft den Teufel Nicht zwischen uns, den Ihr nicht legen könnt. S'ist Zeit zur Einigkeit, zu schneller That, Nicht zu Familienzwist!— Meint Ihr, das, was Euch quälte, liefs mich ungerührt? Und daſs Ich dieses Menschen Rede ohne einiges Gefühl gehörtb— Ihr habt mich fühlen lehren, Für Euch und für mich selbst.. für wen und was Noch sonst!— Siegendor.J. O meines Vaters Fluch! Er wirkt, er wirkt! Ulrich. So laſst ihn nur— das Grab wird ihn schon zügeln! ich, der ver- heit bi Staub ist ein schwacher Feind, und traun, es wird Uns leichter, den uns abzuhalten, als Dem Maulwurf, der den blinden, finstern Pfad Sich unter unserm Fufse wühlt— zu wehren! Drum hört mich!— Wenn Ihr mich verdammt, so denkt, Wer mich gelehrt, auf ihn zu hören einst: Wer mich gelehrt, daſs es Verbrechen gäbe, Die die Gelegenheit verzeihlich macht— Daſs Leidenschaft Natur des Menschen sey; Wer mich gelehrt, des Himmels Güter harrten Auf die des Glücks! Wer seine Menschlichkeit Abhängig mir von seinen Nerven zeigte! Wer alle Kraft mir raubte über mich Und alle Mittel hier zu offnem Kampf! Wer mich durch sein Vergehn zum Bastard machte, Ünd auf sich selbst die Schmach gemeinen Diebstahls Herabzog!— Ja, wer heifs und schwach zugleich zu Sünden einlud, die er zu begehn Verlangt' und brannte, aber selbstnicht wagte! Ist's denn so sonderbar, daſs ich gethan, Was Ihr gedacht?— Wir sind zu End mit Recht Und Unrecht, und wir haben Wirkung nur Nicht Ursach' mehr zu wägen. Strahlenheim, Dem ich das Leben unbekannt gereitet, Wie ich es einem Bauer oder Hund 248 Gethan— aus Trieb erschlug ich, da ich ihn Für meinen Feind erkannte, nicht aus Rache! Nein, scht: er war ein Fels in unserm Weg', Den ich durchstiefs, so wie's der Kühne thut, Nur weil er zwischen uns und unsrer wahren Bestimmung stand, nicht eitel und umsonst.— Als Fremder rettete ich ihn, und er Ward mir ein Leben schuldig, das, sobald Es mir verfallen, ich als Schuld zurück Mir nahm!—. Er, ich und Ihr, wir standen schwindelnd An eines Abgrunds Rand, in den ich keck Den Feind herabgestürzt!— Ihr habt die Fackel! Zuerst entzündet und den Weg gezeigt: Jetzt zeigt mir den der Rettung, oder lafst Mich selbst... Siegendonf(erschöpft). Mein Leben ist dahin! Ulrichz. Nicht doch! Lafst das dahin seyn, was das Leben nur Vergiftet— Vorwurf und Familienzwist, Um das, was doch nicht ungeschehn zu machen.— Ich kenne keine Furcht, und habe hier In diesen Mauern Leute, die(obgleich Ihr sie nicht kennet) alles für Euch wagen. Ihr stehet hoch im Staat, und was hier vorgeht, Wird seine allzugrofse Neugier nicht Erregen.— Haltet Eu'r Geheimniſs fest, ckel ch 249 Ein sichres Aug', und sprecht und rührrt Euch nicht! Das Uebrige lafst mir— wir brauchen hier Ja keinen dritten Schwätzer zwischen uns.— (geht eilig ab.) Siegendonf(allein). Gott! Wach' ich— ist dies meiner Väter Saal? Ist der mein Sohn? Mein Sohn— meinb Der 5 3 ich selbst Blut und Geheimniſs stets verabscheut, und Nun in die tiefste Hölle beyder stürzte!— Geschwind— ch' mehr vergossen wird— des Ungarn!— Mein Sohn hat Helfer, scheint's— ich konnt' es ahnen. O Thor! Der Wolf heult nur im Trupp!— Er hat Den Schlüssel(so wie ich) der andern Thür, Die diesen Thurm verschliefst.— Drum schnell —— will ich Von neu'm nicht Vater neuer Sünden seyn, Wie ich des Sünders bin.— He, GCabor, Cabor! (geht in den Thurm und verschlieſst die Thür hinter sich. Zweyte Scene. Das Innere des Thurms. Gabor. Siegendonf. Gabor. Wer ruft! Segendonf. Ich! Siegendorf! Nehmt hier und flieht— (er reiſst sich einen Demantstern vom Kleide und gibt ihn Gabor.) Verliert nicht einen Augenblick! Gabon. Was soll Ich thun damit? Siegendonf. Nun, was Ihr wollt— verkauft Es, spart es auf... sey d glücklich, nur verweilt Nicht hier— Ihr seyd verloren sonst! Gabor. Ihr tratet Ja für mein Leben ein! Stegendonf. Ich kauf’ mein Wort Hiemit zurück! O flieht— ich bin nicht Herr, So scheint's, in meinem Schlofs und meiner Leute; Ja selbst nicht dieser Mauern, sonst fürwahr ——— 251 Liefs ich sie niederstürzend— mich vernichten! Flieht— oder er erschlägt Euch! Gabor. Ist es das? So lebt denn wohl, Herr Graf; und denkt, Ihr wart's, Der diesen schlimmen Zwiesprach suchte! Siegendorn. Ja! Doch daſs er nicht noch schlimmer ende— fort! Gabon. Denselben Weg, den ich gekommen? Siegendornf. 8 Ja, Noch ist er offen; aber zaudert nicht In Prag. Ihr wisset nicht, mit wem Ihr habt Zu thun... Gabor. Ich weifs es, Graf, und wuſste es vor Euch, unsel'ger Vater!— Lebet wohl! (geht.) Siegendonf(allein und lauschend). Er ist die Trepp' hinunter— ah, ich hör' Die Thüre hinter ihm sich schliefsen.— O, Er ist gerettet.— Geist— Du— meines Vaters!.. — Ich bin erschöpft!— (er lehnt sich gebeugt auf einen steinernen Sitz.) Ulricht und Bewaffnete dringen ein. Ulrich. Macht fort! Hier ist er! Laclwwig. 9 Herr— Der Craf! Wrich(ihn erkennend). Ihr... hier 5 Siegendonf. Ja, braucht's ein Opfer— stofs! Ulrich(der ihn seiner Juwelen beraubt sieht.) Wo ist der Schelm, der Euch beraubt, sagt an!— Vasallen— sucht ihn— fort.. Ihr seht, es war, Wie ich gesagt; der Elende hat hier Juwelen meinem Vater noch geraubt, Die eines Fürsten Erbe bilden konnten. Hinweg— ich folge Euch— hinweg! (Gefolge ab.) Siegendornf und Ulrich. Ulrich. Was ist Das, Vater? Sprecht, wo ist der Elende P Siegendorf. Hier sind zwey; welchen meinst Du, Kind? M Wlrich. Nichts mehr davon! Ihr habt ihn doch nicht gar Entrinnen lassen? Stegendonf. Er ist fort! Ulrich. Wie das? Mit Euerer Bewilligung? Siegendorf. Ey nun; Mit meinem vollen— freyen Beystand! Ulrich. Dann— Lebt wohl!(will gehn.) Siegendorf. Halt! ich befehl'.. beschwöre Dich.. O Ulrich! Fliehst Du also mich P Ulrich. Und soll Ich bleiben— denuncirt zu werden— und Davon geschleppt, vielleicht in Ketten gar— Und alles das um Eurer angebornen, Verhängnifsvollen Schwäche, halben Tugend, Selbstischen Reue, lauen Mitleids willen, Das Euren ganzen Stamm aufopfert, um Mit seinem Untergange einen Wicht, 254 Wie den, zu retten!— Nein, Herr Craf, Ihr habt Nun keinen Sohn an mir zu fordern mehr! Siegendonf. Ich hatt' ihn nie!— O, daſs ich nie umsonst Den eitlen Namen Vater trug!— Wo willst Du hin?— Du sollst mir ohne Schutz doch nicht Hinweg!— Wrich. Lafst mir das! Ich bin nicht allein, Und war nicht blos der Erbe Eurer Güter. Nein, tausend, ja zehn tausend Schwerter stehn Mit Hand und Herz mir zu Gebot!— Siegenclonf. Die Schwarzen? Mit denen Dich der Ungar fand zu Frankfurt? Ulrich. Ja, Männer, die des Namens werth! Auf— eilt, Und saget Euren Senatoren nur, Daſs sie auf Prag fein schauen sollen. Traun, Das Friedensfest war früh für unsre Zeit; Es gibt mehr Männer, als mit Wallenstein Zu Ruhe gingen!— Josephine und Ida treten ein. Josephine. Was vernehmen wir? —n — hr an, 255⁵ Mein Siegendorf— dem Himmel Dank— Du bis: Gereitet! Slegendor. Ja, gerettet!— Ida. Theurer Vater! Fiegendonf. Nicht Vater! Nein, ich habe keine Kinder! Nie nenne mich mit diesem ärgsten Namen. Josephine. Was sagt uns das, mein theurer Gatte? Siegendonf. . Dais Du einen Teufel hast geboren! Ida(Ulrichs Hand ergreifend.) Ha— Wer waget das von meinem Ulrich!.. Siegendonf(reiſst sie hinweg). a, Hab' Acht.. s'ist Blut an seiner Hand!— Ida(szu Urich). So will Ich rein sie küssen, wär's auch meins! Siegendorn]. So ist's— 256 Ulrich. Hinweg! S'ist Deines Vaters Blut!- (stürzt fort.) Ida. Allmächt'ger Gott— ich liebte diesen Mann! (Fie fällt bewuſotlos nieder— Josephine hängt sprachlos über ihr.) Siegendonf. Der Elende hat beyde denn erschlagen!— 0 Josephine— sich, wir sind allein— O dafs wir immer so gewesen!— Alles Ist nun vorbey! Jetzt öffne mir Dein Grab, Mein Vater! Sieh, der Fluch auf Deinem Sohn Hat es durch meinen tiefer nur gegraben; Und das Geschlecht der Siegendorf ist aus! (Der Vorhang fällt.) — Ser