— BV fa————— ☛ 5— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von, Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Aeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Buͤcher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet. wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt:.. 3 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mr.— Pf. 7„„ 3„.„„— o 5. Auswärtige Abonnenten baben für Hin⸗ und Zuruͤckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Bur Em⸗ Morgens wird von 24 Stun⸗ gennahme Summe ckerſtattet den und ücher: — . Pf. —„ kſendung ſorgen. ene und muß der ste, ver⸗ s, ſo iſt nd wird erleihen ſche die⸗ Sämmtliche Werke von Emilie Carlén. Stuttgart. 3 Verlag der Frauckh'ſchen Buchtetlag Zerlag 4 1846. Der Einſiedler auf der Johannis-Klippe. * Küſten⸗Roman 4 26 . Emilie Carléun. 4— Aus dem Schwediſchen von 1 Dr. C. Friſch. Erſtes bis fünftes Bändchen. Stuttgart. Verlag der Frauckh'ſchen Buchhandlung. 1846. Erſter Zeitraum. Die Flüchtlinge auk dem „Freiſegler.“ Den Pilger wirft der gewaltige Strom— Wild brauſen um ihn die Wogen. 1t6 italis. —— liebend folgt ſie Ihm auf ſeiner Bahn, 4 Freundlich wie die Purpurröthe Mit dem Tag erſcheint. Ingelman. 4 1 Der mermorge Buchten erhoben u dahin. Die den Str Seeſchwe . abſpiegel ſcchienen, bald üb wieder d geſtande Fiſch zu appetit va noch in ange Taback die eine und be die vie der No Zeit ſ ſchafte Der Erſtes Kapitel. Der dichte Nebel, der ſich faſt immer an den Som⸗ mermorgen auf den Chriſtiania⸗Fjord und ſeine kleinen Buchten lagert, hatte nach und nach ſeine graue Decke erhoben und zog jetzt in leichten Ringen über das Meer dahin. Die Sonne war eben aufgegangen, und ihre blenden⸗ den Strahlen beſchienen die ſchneeweißen Flügel einiger Seeſchwalben, die ihre in der blanken Meeresfläche ſich abſpiegelnden Geſtalten mit Wohlgefallen zu betrachten ſchienen, während ſie ſich in blitzesſchnellen Bewegungen bald über das durchſichtige Gewäſſer erhoben, bald ſich wieder auf daſſelbe hinabſenkten, um etwa einen früh auf⸗ geſtandenen, ſchlaftrunkenen Häring oder einen andern kleinen Fiſch zu entdecken, der paſſend ſein könnte, ihren Morgen⸗ appetit zu befriedigen. Auf den Klippen ſaßen hie und va noch in ihren geraden Reihen die ernſthaften Möven in angenehmen Schlummer verſenkt und unbeweglich gleich Taback rauchenden Muſelmännern vor ihren Harems. Nur die eine oder die andere hob wohl bisweilen leiſe ein Bein und bewegte gemächlich die Flügel— eine Bewegung, die vielleicht einem Gähnen oder auch einer Anfrage bei der Nachbarin entſprechen konnte, ob es wohl nicht bald Zeit ſein möchte aufzuwachen und ſich an die Tagesge⸗ ſchäfte hinaus zu begeben. Der Einſiedler ꝛc. I. 1 Ein verdecktes Boot von der kleineren Gattung hatte hoͤhnt es inzwiſchen beſſer als die Möven verſtanden, daß„Mor⸗ in den genſtunde Gold im Munde“ hat. Hinter vemſelben lagen ſchen T ſchon die mit Grün bekleideten Felſenmaſſen, an deren von ſei Fuße die Stadt Drammen liegt: man konnte nur noch 5 kaufen die Magazine und einige größere Gebäude unterſcheiden. 1 G Ein entfernter Beobachter würde gemeint haben, das Boot tz;es un führe mitten durch herrliche Haine und wilde Waldgegen⸗ war ei den dahin, als daſſelbe leiſe an dem öſtlichen Geſtade ent⸗ von der lang glitt, deſſen reicher Baumſchlag und faſt überall weiß 3 ſchwere angeſtrichene Herrenſitze mit daguerotypiſcher Genauigkeit Doch auf der ruhigen Oberfläche wiedergegeben wurden. f nicht e An dem Hintertheile dieſes Bootes prunkte an der verſchn einen Seite in gelber Oelfarbe der naſeweiſe Name,„der heute ſ Freiſegler,“ und auf der andern Seite die Heimath„Graf⸗ er ſich werna.“*) Die ſymmetriſchen Formen des kleinen Fahr⸗ hatte. zeuges, die gleichmäßige Verkleidung des Bordes, die faſt 6 unſichtbare Vernagelung, die kaum merklichen Fugen des 4 Gomäl Verdeckes und endlich die ſeine, blanke Verharzung würden kein B einen Kenner ſogleich überzeugen, daß dieſes eines von den daraus als Schnellſegler bekannten Koſterböten war, an denen die auch d Meiſterhand des Schöpfers, Thomas in Kile, überall er⸗ Eifer ſichtlich iſt. in wel Die Segel, welche aus Vergeßlichkeit noch aufgehißt. Tabach zu ſein ſchienen, hingen zu beiden Seiten ſchlaff herab, als D ſeufzten ſie nach dem gewöͤhnlichen friſchen Morgenhauche. und GC Doch ihre gewaltigen Dimenſionen bewieſen, daß, wenn dem dieſer Seevogel ſeine Flügel zu einem Fluge über das nach a Meer aufſpannte, Wenige mit ihm würden gleichen Schritt Art S halten und keiner ihn würde einholen können; auch flüſterte 4 man in Grafwerna vieles davon, wie der Freiſegler bei verſchiedenen gefährlichen Gelegenheiten die Zolljachten ver⸗ *) D. h. die Gräber. Namen der Ortſchaften und. Perſonen find hier, wie uͤberall in folgendem unuüberſetzt geblieben. Anm. d. Ueberſ. hatte „Mor⸗ lagen deren noch Heiden. 8 Boot gegen⸗ e ent⸗ l weiß uigkeit an der ,„der „Graf⸗ Fahr⸗ die faſt Ben des würden von den enen die rall er⸗ ufgehißt rab, als nhauche. wenn ber das Schritt flüſterte gler bei ten ver⸗ Berſonen blieben. berſ — 3 höhnt hätte, und wie die Zollbeamten den Thomas in Kile in den Abgrund verflucht hätten, weil dieſer den rabuliſti⸗ ſchen Vorſatz gefaßt zu haben ſchien, um keinen Preis eines von ſeinen ſogenannten Meiſterbooten an den Zoll zu ver⸗ kaufen*). Elias Aßbjörnsſon, der glückliche Beſitzer dieſes Scha⸗ tzes unter allen Boͤten, ſaß ſelbſt beim Steuerruder. Er war ein Mann von etwa ſechzig Jahren mit braunem, von der Sonne verbranntem Geſichte, das von ſo manchem ſchweren Kampfe gegen die Stürme auf dem Meere zeugte. Doch die muskelſtarke Geſtalt war noch ungebeugt, und nicht ein einziges weißes Haar ließ ſich unter den kurz verſchnittenen, gekräuſelten, ſchwarzen Locken entdecken; ja heute ſah der Alte jugendlicher aus denn gewöhnlich, weil er ſich geſtern was ſonſt ſehr ſelten eintraf— rafirt hatte. Daß Elias kein großer Bewunderer des großartigen Gemäldes war, das vor ihm lag, oder daß er überhaupt kein Bewunderer der Stille des Meeres war, konnte man daraus abnehmen, daß er in einem fort nickte, ſo wie auch daraus, daß er, um ſich wach zu halten, mit großem Eifer die Hand gar oft in die linke Jackentaſche ſteckte, in welcher ein wohl aſſortirtes Lager von kleinen, netten Tabacksſtummeln, den Lieblingen des Alten, verwahrt lag. Der zweite Mann auf dem Boote, der einzige Sohn und Erbe des alten Aßbjörnsſon, hatte ſich bequem mit dem Rücken gegen den Maſt geſetzt, die Beine der Länge nach ausgeſtreckt und den unentbehrlichen„Südweſt“(eine Art Seemannshut) tief in die Augen gedrückt. Er ſchlief *) Es verdient der Erwähnung, daß Thomas in Kile in den Bohuslän'’ſchen Scheren ein Name von großer Berühmtheit iſt. Er iſt der Einzige, der von dem Nor⸗ weger Spiern, dem erſten Erfinder dieſer außerordent⸗ lich ſcharfſegelnden Bdote, die Kunſt erlernt hat. Tho mas kehrt ſie jedoch keinem Andern: er baut nur nach dem Angenmaße. Anm. d. Berf. mit ſolchem Ernſte und mit ſolcher Kraft, daß man hin⸗ den. länglich verſtehen konnte, er hätte, von der Einförmigkeit geſtern der Nacht ermüdet, ſeinem Vater und Vorgeſetzten mit gleich Vergnügen die Morgenwache abgeſtanden. doch l Endlich erhob ſich Bater Aßbjörnsſon mit einer un⸗ 8 hatte, geduldigen Bewegung, und nachdem er mit bedächtiger der S Miene den Blick nach Weſten geworfen, nach Wind ge⸗„ pfiffen, und um die Geduld zu ſtärken, ſich einen nicht und al unanſehnlichen Hieb aus der kleinen ovalen Flaſche genom⸗ beerer⸗ men hatte, die in der rechten Jackentaſche ſteckte, ſo rief.„ er mit gedämpfter Stimme:„Carolus, Carolus! Du!— gut, d jetzt kannſt Du wohl genug geſchlafen haben— höͤrſt Du, ſteif in Junge!“ 4 men ſo Der junge Seemann erhob ſich hurtig und ergriff habt! maſchinenmäßig das Fockſegel; als er jedoch ſah, daß je⸗ kommer des Manoeuvre damit überflüſſig war, ſo nahm er ganz wenn i ruhig den abgefallenen Südweſt auf, rieb ſich die Augen, gefährli ſchlug ſich die Arme ein paarmal um die Schulter usd zu nehr blickte dann mit fragender Miene den Vater an.„S „Heraus mit dem Ruder, Carolus, und hurtig an's Antwo Werk!“ kommandirte der Schiffer.„Bekommen wir kei⸗„ nen beſſern Wind, ſo kommen wir heute nimmermehr über ebenfal den Fjord.“ darum „Da iſt's Euere eigne Sache, Vater!“ entgegnete klugen Carolus freimüthig, indem er in die Hände ſpuckte und auf der die Ruder mit einer Fahrt in den Gang ſetzte, die den„ Kräften von vier gewöhnlichen Ruderern Ehre gemacht nicht ſa haben könnte. „Eigne Sache?“ wiederholte Elias;„will nun das wetten, Ei wieder klüger ſein als die Henne?— oder wie iſt's lucke— ſonſt gemeint?“ man gg „Ja Vater! Ihr hättet Euch nicht ſollen überreden die laſſen“— hier ſchickte Carolus einen ſchnellen, geheimniß⸗ vollen Blick nach der Decklucke, wo ein Haufen von Bet⸗ ob er ten und Segeln ſichtbarlich von einer andern Kraft als den unermeßlichen Bewegungen des Bootes bewegt wur⸗ an hin⸗ rmigkeit en mit ner un⸗ ächtiger genom⸗ ſo rief Du!— oͤrſt Du, ergriff daß je⸗ er ganz e Augen, sulter udd artig an's wir kei⸗ nehr über ſentgegnete puckte und die den e gemacht l nun das r wie iſt's überreden geheimniß⸗ von Bet⸗ Kraft als wegt wur⸗ den.—„Ihr hättet Euch nicht ſollen überreden laſſen, geſtern Abend Euch mit dem Fjord abzugeben; denn ob⸗ gleich wir da einen kleinen Bläſer hatten, ſo konnte man doch leicht ſehen, daß Einer, wenn dieſer erſt ausgeblaſen hatte, mit einem ſolchen Winde, wie er jetzt iſt, nicht aus der Stelle kommen würde.“ „Ja, Du hüätteſt gewiß lieber in der Stadt gelegen und alles Geld verſpielt oder es um Flitter für die Blau⸗ beerer⸗Johanna weggegeben!“ „Huſch, Vater! was Ihr da ſagt!— Ihr wißt recht gut, daß Johanna auf dem Blaubeerenholm ein wenig zu ſteif im Nacken iſt, als daß ſie von mir Präſente anneh⸗ men ſollte, ehe Ihr mir die Hälfte in dem Boote gegeben habt! doch ich merke wohl, Ihr wollt nur von dem ab⸗ kommen, wovon ich ſprach, denn Ihr könnt es nicht leiden, wenn ich ein Wort ſage, oder nur darauf ſtoße, daß es gefährlich ſein kann, ſolche fremden Paſſagiere an Bord zu nehmen.“ „Alt iſt das Aelteſte!“ war die kurze, zurechtweiſende Antwort des alten Aßbjörnsſon. „Doch,“ wendete Carolus ein,„können die Jungen ebenfalls ihre Gedanken für ſich haben, und ſie brauchen darum noch nicht eben dumm zu ſein, wenn Einer einen klugen Vater hat: Ihr wißt, Vater, daß ich den Kopf auf der rechten Stelle habe.“, „Wenn er richtig ſäße, ſo würde Dir der Mund nicht ſo vielen Kummer machen.“ „Poſſen! das ſagt Ihr nur ſo.... doch ich will wetten, daß der da“— wieder ein Blick auf die Deck⸗ lucke—„dennoch einer von den großen Thieren iſt, die man gebiſſen, oder die ſelbſt gebiſſen haben, und nun für die Beſchwerde in ein andres Fell haben kriechen müſſen.“ „Still, Burſche!— was geht's Dich oder mich an, ob er zu den großen oder zu den kleinen Fiſchen gehört? Er hat die Fracht ehrlich bezahlt, und hätte er auch nicht zwei Stüber bezahlt, ſo hätte ich's ihnen dennoch nicht ab⸗ ſchlagen koͤnnen, ſie mitzunehmen; denn, ſiehſt Du, wer ſo viele Dinge in der Welt erlebt hat, wie ich, der betrach⸗ tet die Leute weiter als bis an die Zähne: und Du kannſt es Deinem Vater auf's Wort glauben, dieſer Mann hat ſeit vielen Jahren nicht erfahren, wie es ſchmeckt, wenn man auf Roſen liegt.“ „Herr, mein Gott und Vater! wie regal und ſchön redet Ihr, wenn Ihr nur hineinkommt— es thut Einem doch gut im Herzen, Euch zu hören, und da Ihr ihn in ſo guten Gedanken habt, ſo will ich auch nicht gegen ihn ſein; doch das ſage ich, es geſchieht dies auch um der Frau und des Jungen Willen. Sie iſt ſo rar und fein, daß ſie juſtement ſo ausſieht, wie die Jungfrau Maria auf dem Altargemälde, wie ſie da auf einem goldenen Stuhle ſitzt und unſern Herrn Chriſtus auf den einen Fuß ſtreichelt; doch ihr Mann— er iſt gerade ſo wie der Emmegrant, von welchem Capitän Simmerberg erzählte, den er von Nantes mitbrachte, und den er auf der Weſt⸗ küſte von Irland an das Land ſetzte: er erzählte die ganze Geſchichte dem Patron Holmer auf Strand, und ich ſaß an der Thür und hörte jedes Wort.“ „Wie klang denn die Geſchichte?“ fragte Elias und pfiff noch einigemal, um dem launenhaften Winde zu ſchmeicheln, der dann und wann einen kleinen Hauch durch die Luft ſäuſeln, aber doch gleich wieder ſterben ließ, ehe er im Stande war, nur den kleinſten Lappen der trägen Segel zu füllen. „Simmerberg war vor acht oder zehn Jahren in Nantes. Er hatte ſchon klarirt und es war nur noch die letzte Viſitation übrig, als am Abende der Mäkler zu ihm ſagte, er ſollte zweitauſend Francs haben, wenn er einen Emmegranten bei der Viſitation verbergen und ihn aus dem Lande bringen könnte. Ihr begreift wohl, Vater, daß Simmerberg recht gern ſo viel verdienen wollte, obgleich die ganze Schute auf dem Spiele ſtand, wenn man ihn ertappte.“ ein ha ein; hande megre ſchliff wiede den J und l Viſite mir d hier, fäſſern Pfenn zeichne Fraue ſchwa Fäſſer Männ ſauften 7 Elias ſern T nung ſtand beiden ſterte u, wer ſo betrach⸗ Du kannſt Nann hat kt, wenn und ſchön ut Einem hr ihn in gegen ihn um der und fein, au Maria goldenen den einen ſo wie der zerzählte, der Weſt⸗ die ganze nd ich ſaß Elias und Winde zu auch durch n ließ, ehe der trägen Jahren in sur noch die kler zu ihm n er einen lid ihn aus Vater, daß te, obgleich an man ihn „ 7 „Ja, das glaube ich wohl,“ fiel der alte Aßbjörnsſon ein;„ich weiß auch recht gut, was ein ſolcher Schleich⸗ handel zu bedeuten hat.“ „Nun, Ihr ſollt hören! In der Nacht kam der Em⸗ megrant an Bord, und Simmerberg, der ein alter ge⸗ ſchliffener Fuchs iſt er iſt auch nicht um nichts und wieder nichts der Schwager unſres Jachtaufſehers— ließ den Paſſagier in ein leeres Waſſerfaß ohne Boden kriechen und legte dieſes unter die andern auf dem Verdecke. Die Viſitation geſchah, aber obgleich ſie wohl dort, wie ich mir denken kann, eben ſo ſchlaue Schnüffler haben, wie hier, ſo dachten ſie doch nicht daran, Leute in den Waſſer⸗ fäſſern zu ſuchen, und Simmerberg verdiente nun jeden Pfennig. Nachher wurde es aber dennoch entdeckt, und die Rhederei verklagte ihn, und wollte, er ſollte die Paſſa⸗ giererfracht bezahlen; doch er lachte der Rhederei in's Ge⸗ ſicht und kam glücklich davon.“ Nachdem das Geſpräch in dieſem Geiſte eine Weile gedauert hatte, ſo bewegte ſich etwas neben der ſo oft be⸗ zeichneten Verdeckslucke, und bald darauf ſah man ein Frauenzimmer in einem langen weiten Mantel, mit einem ſchwarzen Flor über dem leichten Strohhut, zwiſchen den Fäſſern und Tauen hindurchſteuern und auf die beiden Mäanner zukommen, welche ſie mit einem unausſprechlich ſauften Lächeln begrüßte. „Wir haben nur Windſtille, liebe Frau,“ verkündigte Elias;„doch Sie müſſen Geduld haben, es gibt bald beſ⸗ ſern Wind, das ſehe ich.“ Die junge Frau ſah ſo aus, als wäre dieſe Ermah⸗ nung ganz überfluſſig geweſen: die perſonificirte Geduld ſtand auf ihrer bleichen Stirne geſchrieben, von welcher ein halbblondes gelocktes Haar in einem feinen Rande zu beiden Seiten der Wangen herabſchlich. Wäre es nicht möglich, Feuer zu bekommen?“ flü⸗ ſterte ſie mit einem vorſichtigen Blicke auf das Lager, das ſie eben verlaſſen.„Ich möchte gerne ein wenig Kaffee kochen, ehe ſie aufwachen.“ „O ja, das könnte ſich wohl machen laſſen... Ca⸗ rolus! ich will die Ruder nehmen und Du gehſt ſchnell und machſt Feuer im Grapen an; und wollen Sie's ihm anvertrauen, ſo kocht er Ihnen Kaffee; er hat ſchon längſt in dieſer Kunſt ſeine Meiſterprobe abgelegt.“ „Ich fürchte nur, zu viele Umſtände zu machen „Thun Sie, wie Sie wollen!“ meinte Elias, der allzu geradezu war, als daß er, nachdem das Anerbieten einmal gemacht war, weitere Umſtände hätte machen ſol⸗ len. Carolus dagegen, welcher jung und, wie er ſich ſelbſt ausdrückte, ein wenig complimentirlich war, antwortete auf eine andere Weiſe: „Kümmern Sie ſich nur nicht unnöͤthiger Weiſe darum, liebe Frau!“ ſo begann er mit einem ganz beſon⸗ ders wohlwollenden und ermunternden Blicke;„ſondern rudern Sie nur her mit den Bohnen, ſo ſoll's hier Kaffee geben, und das im Augenblick. Sie müſſen wiſſen, es geht hier nicht ſo zu, wie wenn man auf dem Lande oder auf ſolchen Fahrzeugen und Böten Kaffee kocht, die Cajü⸗ ten und Feuerherde haben... dieſer hier iſt unſer Feuer⸗ herd!“ Mit dieſen Worten holte Carolus einen großen geborſtenen Grapen hervor, in welchem er mit einer Fer⸗ tigkeit, über welche die junge Frau ſich wunderte, Feuer anmachte und den Kaffeekeſſel aufſetzte. „Wenn wir einen tüchtigen Sturm hinter uns haben,“ fuhr er fort, da er merkte, daß ſeine Aufklärungen intereſ⸗ ſirten,„da können Sie glauben, ſteht er nicht ſo gut und ſo hübſch ſtill, wie jetzt“— er deutete hiebei auf den Grapen—„nein, meiner Seel! will Einer da ein Kaffee⸗ thränchen oder einen Biſſen zu eſſen haben, ſo mag man zuſehen, daß er nicht ſchlenkert, und das geht ſo zu, daß man einen hinlänglich ſtarken Draht durch beide Oehre zieht; darauf hängt man ihn an einem Tauende in dem Tackelwerke irgendwo auf, und ſo kocht man ſchnell, wäh⸗ n.“ rend nie, n 8 Kochk fremde voll g dienſtf 7 fachte alten eben n wahre dieſer war, nach( ſchlech ſich do Carolt Eßkaſt einen Kaffee ... Ca⸗ ſt ſchnell Sie's ihm on längſt hen.“ lias, der lnerbieten achen ſol⸗ ſich ſelbſt untwortete er Weiſe nz beſon⸗ „ſondern jier Kaffee viſſen, es ande oder die Cajü⸗ ſer Feuer⸗ en großen einer Fer⸗ te, Feuer ns haben,“ geen intereſ⸗ ſo gut und dei auf den ein Kaffee⸗ mag man o zu, daß eide Oehre de in dem hnell, wäh⸗ rend er ganz leiſe und fein wiegt— dann überſchlägt er nie, wenn Einer ſeine Vorſichtsmaßregeln gehörig nimmt.“ Während ſich Carolus über die Schwierigkeiten der Kochkunſt auf einem Boote ohne Kabuſe ausließ, holte die fremde Frau aus ihrer großen Reiſetaſche eine Flaſche voll gemahlenen Kaffee hervor und überlieferte dieſelbe dem dienſtfertigen Koche. „Koch, Du Tauſend T—!“ fuhr Carolus fort und fachte das Feuer mit einigen gewaltigen Drücken an einem alten Blaſebalge an.„Sehen Sie, liebe Frau! ich brauche eben nicht zu prahlen; doch mein Vater ſagte ein ganz wahres Wort, als er ſagte, daß ich meine Meiſterprobe in dieſer Kunſt abgelegt hätte; denn als ich noch ein Junge war, ſo reiſ'te ich als Küchenjunge mit einem Capitain nach England, und hätte ich ihm ſchlechten Kaffee oder ſchlechtgewichste Stiefel gebracht, ſo... aber ſetzen Sie ſich doch hübſch, liebe Frau, ſetzen Sie ſich!“... und Carolus wiſchte den Staub von ſeinem blauangeſtrichenen Eßkaſten mit der Jacke ab, die er der Wärme wegen aus⸗ gezogen hatte. „Mutter, liebe Mutter! wo biſt Du?“ erſcholl eine Stimme von der Lucke her.„Mein Gott, Mutter! was hab' ich für einen garſtigen Traum gehabt! weißt Du was, Mutter?— Du fielſt ins Waſſer und ich warf mich ſogleich nach.“ Die Mutter eilte zu dem Sohne, einem elfjährigen Knaben, und gab ihm ein Zeichen, ſtille zu ſein.„Du weckſt nur den Vater!“ flüſterte ſie. „Vater iſt wach, wenn er auch die Augen noch zu⸗ hält!“ antwortete Georg eben ſo leiſe; doch in der Modu⸗ lation der Stimme lag etwas, welches andeutete, daß er es nicht gewagt haben würde, dieſe Anmerkung laut zu machen. „Mache aber dennoch keinen Lärm... da haſt Du einen Zwieback; vertreibe Dir die Zeit damit.“ Georg nahm die Vorbereitung zu ſeinem Frühſtück an, und da der Blick der Mutter für ihn das beredteſte von Allem war, das er kannte, ſo tauchte er wieder unter in ſeiner Matratze zwiſchen zwei Kiſten. Gleichwohl hätte er weit lieber aufſpringen und ſich auf dem Boote mit ſeinen Umgebungen vertrauter machen wollen. Mit einem liebevollen Blick auf den Knaben nahm Frau Letsler— unter dieſem Namen war die Familie an Bord gekommen— ein Strickzeug und ſetzte ſich ſeitwärts neben das Lager, auf welchem ihr Gatte mit dem Ge⸗ ſichte in der Hand ruhte, und indem ſie die Stricknadeln die eine Maſchenreihe nach der andern durchfliegen ließ, ſcheuchte ſie von Zeit zu Zeit die Inſekten hinweg, die ihn beunruhigten, für welchen ſie mit ſo vieler Zärtlich⸗ keit wachte, obgleich weder ein Blick noch eine Bewegung erkennen ließ, daß ihre Sorgfalt bemerkt wurde. „Klar zum Trinken, liebe Frau!“ rapportirte Caro⸗ lus und hielt den Kaffeekeſſel hoch in die Luft. „Gib mir eine Taſſe, Nicoline!“ ſagte die Perſon, welche bisher geſchwiegen hatte, und indem er ſich auf⸗ richtete und auf einer niedrigen Kiſte Platz nahm, ließ er ein Geſicht ſehen, auf deſſen verfallenem Grunde großer Kummer oder tiefe Leidenſchaften ihre Furchen gepflügt hatten. Das ſchwarze, hie und da graugeſprengte Haar war höchlich unzufrieden mit der falſchen gelblich braunen Perrücke, die jedoch von der bedächtigen Nicoline mit einer ſchnellen Bewegung ſo in Ordnung geſetzt wurde, daß das erwähnte natürliche Haar nicht zu ſehen war. „Wir ſind nicht weit gekommen,“ ſagte ſie, indem ſie ihm die Kaffeetaſſe und Zwieback reichte. „Ich habe es wohl gehört!“ war die Antwort.„Du haſt ebenfalls nicht geſchlafen, arme Nicoline— arme, arme Nicoline!“ Und bei dieſen ſanften Worten ſtreichelte der ernſte Mann, deſſen Lippen nicht mehr die Kraft zum Lächeln zu haben ſchienen, die Hand der freundlichen Gattin. „Nicht arme,“ ſagte ſie in einem leicht vorwurfs⸗ voller einen Schu gab, verlat Heim die ti zuſam welche ſanfte Elias Kauen 7 auf de iſt beredteſte der unter ohl hätte voote mit en nahm amilie an ſeitwärts dem Ge⸗ ricknadeln igen ließ, weg, die Zärtlich⸗ Bewegung irte Caro⸗ e Perſon, ſich auf⸗ hm, ließ ude großer gepflügt ngte Haar h braunen mit einer urde, daß r. ſie, indem bort.„Du arme, ſtreichelte Kraft zum reundlichen vorwurfs⸗ vollen Tone;„wo Du biſt und Er“— die Mutter warf einen lächelnden Blick auf den Sohn, der hinter dem Schutze der beiden Kiſten ihr mit Winken zu verſtehen gab, daß ihm nach ſeinem Antheile an der Bewirthung verlangte„wo Du biſt und Er, dort iſt auch meine Heimath.“ „Heimath!“ wiederholte der Mann langſam, und die tiefen Furchen auf ſeiner Stirn zogen ſich noch dichter zuſammen. Nicoline ſchwieg, doch ihr Auge redete eine Sprache, welche dem Manne nicht fremd war, auf den ſie dieſe ſanften Blicke richtete. „Lange uns die Balge her, Carolus!“ ſagte der alte Elias.„Wir wollen, Gottes Tod! einen Biſſen zum Kauen haben.“ „Vater!“ flüſterte Carolus, indem er die Eßbalge auf den Sitz ſtellte, wo der Alte beim Steuer ſaß;„es iſt ganz gewiß ſo wie ich dachte; er hat etwas Böſes gethan: das Haar iſt falſch— ich ſah es ſo klar, wie ich jetzt Euch ſehe; und wenn Einer unter falſcher Flagge ſegelt, ſo wißt Ihr wohl, wie viel die Uhr iſt.“ Elias ſendete einen forſchenden Blick nach der Seite hin, wo der geheimnißvolle Paſſagier ſaß, ſchüttelte dar⸗ auf das Haupt und murmelte:„Halt ein mit Deinem dummen Gewäſche— ſein Haar ſitzt ihm eben ſo feſt auf dem Kopfe wie mir und Dir.... Gegen Mittag begann, wie Elias geweiſſagt hatte, der Wind zu wehen und nahm bald ſo zu, daß der Alte mit kräftiger Commandoſtimme ſeine Beſehle ertheilen konnte.„Carolus! das große Segel und die Focke ge⸗ hißt!... Mach den Klüwer klar! Bleibt der Wind ſo wie jetzt, ſo kommen wir heute noch ein gutes Stück weiter.“ Mit geübter Hand führte Carolus die Manveuvres aus. Die Ruder wurden eingezogen, der leichte Wind füllte die Segel und Vater und Sohn nahmen ganz gemächlich ihren Platz in der engen Vertiefung beim Steuer ein. „Ach, lieber Carolus!“ rief Georg— er war ſchon mit der Freiheit ſeines Alters und ſeinem eigenen kühnen und geraden Charakter mit dem jungen Seemanne vertraut geworden—„lieber Carolus! birg doch vor allen Dingen die weiße hübſche Tonne, die dort auf dem Waſſer fließt .. nein, ſiehl da iſt noch eine... und noch eine... und da noch eine!“ „Ja, hat ſich was zu bergen,“ lachte Carolus;„Sie ſollen nicht glauben, mein kleiner Herr, daß dieſe Tonnen da um nichts und wieder nichts liegen.“ „So ſag' mir doch, was ſollen ſie dort thun?“ fragte Georg und keilte ſich neben Carolus und den Alten ein, um ſich wo möglich ſo weit zu praktifiren, daß er das Steuer anfaſſen konnte; doch dieſes hatte Vater Elias in der Hand und er gab in ſeiner unerſchütterlichen Ruhe nicht Achtung auf das brennende Verlangen des Knaben. „Das koͤnnte ich wohl recht gut ſagen,“ antwortete Carolus;„dieſe Tonnen ſind luftdicht und heißen Boien; ſie liegen da und fließen, damit die Seefahrenden ſich vor ſolchen Stellen in Acht nehmen koͤnnen, die nicht tief genug ſind. Es gibt ſehr viele ſolche Tonnen hier im Chriſtianiafjord.“ „Es iſt recht luſtig,“ ſetzte Georg die begonnene Bekanntſchaft fort,„auf der See zu ſein und auf einem ſolchen Boote zu fahren! Aberz das Luſtigſte wäre doch, wenn es tüchtig wehen wollte, 5 daß es in den Segeln ſchlüge und lärmte und die Welſen wie große Berge an⸗ gefahren kämen!“ „Ach ſo, das Herrchen iſt ſchon ſo viel zur See ge⸗ weſen, und weiß Beſcheid, daß die See wie große Berge geht— das war keine Kleinigkeit für einen ſo kleinen Herrn, in ſolchem Wetter auf der See zu ſein!“ „O, ich ſollte meinen, ich bin eben nicht ſo klein mehr!“ meinte Georg, indem er die Schultern erhob⸗ „Doch war i Beine! ich w ſo ger dürfte, wenn 9 ſo lan⸗ Augen dieſer dem K zu Wi E tigen 2 Inſtruc intereſſt fortgeſe Seiten 13 mächlich„Doch damals, als die See ſo hoch ging, wie ich ſagte, ein. war ich nur ein kleiner Junge und konnte kaum auf den ſar ſchon Beinen ſtehen, als ſie mich auf das Verdeck ſetzten; aber ii kühnen ich weiß es doch noch recht gut, denn ich mag die See vertraut 8 ſo gern leiden— und ich mochte gar zu gerne, wenn ich Dingen dürfte, verſuchen, ob ich das Boot wohl regieren konnte, er fließt wenn ich am Steuer ſäße.“ line... Bei der Darſtellung dieſes Vorſchlags, der ihm ſchon ſo lange auf dem Herzen gelegen hatte, blickten Georg's s Lnren Augen ſo freundlich und beredt auf den alten Elias, daß Ton dieſer ſich mit einem gutmüthigen Lächeln zurückzog und dem Knaben, der ihn ſchon gar ſehr eingenommen hatte, zu Willen that. Entzückt und ſtolz ſetzte ſich Georg auf ſeinem wich⸗ thun?“ ben Alten daß er tigen Platze zurecht; und während unter den gemeinſamen ter Elias Inſtructionen des Vaters Elias und des Carolus die hen Ruhe intereſſante, für Andere ziemlich einförmige Beſchäftigung Knaben. 8 fortgeſetzt wurde, ſo wurde auch das Geſpräch auf beiden untwortete Seiten immer lebhafter. Doch als Carolus den Kleinen n Boien; ganz behende auf das Kapitel von den großen Waſſerbergen, n ſich vor die er geſehen, zurückführte, ſo hoͤrte man zum erſten nicht tief Male ſeit mehren Stunden die Stimme des älteren Letsler, hier im der den Knaben aufforderte, den Schiffer und den jungen Seemann nicht länger mit ſeinen Fragen und mit ſeiner begonnene Neugierde zu beläſtigen. auf einem„Er beläſtigt gewiß keinen Menſchen!“ erklärte der väre doch, alte Elias, dem die große Unzufriedenheit ganz beſonders en Segeln mißfiel, die aus dem ausdrucksvollen Antlitze des Knaben Berge an⸗ ſprach. 2 Georg wagte jetzt jedoch nicht länger zu bleiben: mit r See ge⸗ einem Blicke der tiefſten Entſagung gab er das Steuer oße Berge an Carolus ab und kehrte mit ziemlich langſamen Schrit⸗ ſo kleinen ten nach dem Theile des Verdeckes zurück, wo der Vater uA noch immer auf der Kiſte ſaß, ſeine Cigarre rauchte und cht ſo klein die alten dichten Wälder der vorbeieilenden Geſtade an⸗ ern erhob⸗ ſtarrte. Frau Letsler hatte, um ſich gegen die Sonne zu ſchützen, Georg's Platz zwiſchen den beiden großen Kiſten eingenommen. Sie hatte ein Buch in der Hand, ſchien ſich jedoch mehr mit dem Studiren der Geſichtszüge ihres Mannes zu beſchäftigen(ein Buch, zu deſſen letztem Ca⸗ pitel ſie nie kam), als mit den Blättern, die ſie je zu⸗ weilen gedankenvoll umwendete. An dem düſteren Vater vorbei ſchlich ſich Georg mit leichten Schritten zu der holden Mutter, und ſich zu ihr hinabbeugend flüſterte er mit brennenden Wangen:„Sahſt Du, wie ich das ganze Boot regierte? denke nur, ich hätte es auf den Grund ſetzen können, wenn ich ge⸗ wollt hätte; und das würde ich auch gethan haben, Mutter! wenn Du nicht mit geweſen wäreſt.“ „Warum denn das, Du kleiner Wilder?“ fragte Nicoline und blickte den Knaben mit einem ſchwachen Lächeln an. „Wenn aus keinem andern Grunde, ſo wegen der vielen Mühe, die wir haben würden, um wieder flott zu werden. Ja, ich will wetten, das wäre hier ein anderes Leben und ein anderes Gelaufe geworden, als jetzt.“ „Ach, Du unvernünftiges Kind!“ ſeufzte ſie weh⸗ müthig;„Du weißt ſo wenig, was es heißt, ſich von einer Untiefe loszuarbeiten, auf die man einmal gerathen iſt! Doch, Georg, auf keinen Fall darfſt Du ſo unar⸗ tige Gedanken haben auf keinen Fall darfſt Du die Gefahr ſelbſt heraufbeſchwören; denn das hieße Gott ver⸗ ſuchen.“ Ein wenig entmuthigt von den ſtrafenden Worten und dem dieſelben begleitenden ungewöhnlich ſtrengen Blicke, ſetzte ſich Georg ganz ſtill und begann an einem Stücke Holz zu ſchnitzeln, welches ſichtbarlich beſtimmt war, eine Nachahmung eines Bootes uoder etwas ähnliches zu werden, und dieſe Arbeit ſetzte er eifrig fort, bis ein neuer Gegen⸗ ſtand ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog. „Was ſind das für Häuſer?“ Mit dieſer Frage ſtand Georg weiße Georg dort ſo nen bringer denken damit reiſe n mit, w wird ei ich kenn hin reiſ konnten hatten Taſchen „0 verdiene den Bli 9 begeben „Das ſohn!“ G griff, v Carblus Geberde. 15 ponne zu Georg wieder neben Carolus und deutete auf einige lange n Kiſten weiße Gebäude, die ſich längs der Küſte erſtreckten. 1 ſchien„Die da am weſtlichen Strande— ja, ſieht Herr ge ihres Georg, das iſt Horten. Das iſt eine merkwürdige Stelle: dm Ga 8 dort legen die Norweger Schiffswerfte und Docken anz je je zu⸗ ſo nennt man ſolche Stellen, wo ſie die Schiffe hinein⸗ bringen, wenn ſie ausgebeſſert werden ſollen, und künftig eorg mit denken ſie ihre ganze Flotte dort zu ſtationiren— doch 5 zu ihr damit geht's wohl noch nicht ſo geſchwind. Auf der Her⸗ Sahſt reiſe nach Drammen hatten wir mehre Bohuslänninger nte nur,. mit, welche auf Horten Arbeit nehmen wollten„ denn dort ich ge⸗ wird ein viel größeres T agelohn bezahlt, als bei uns, und n haben, ich kenne viele arme Teufel, die ſo ganz ohne Geld dort⸗ 7 hin reiſ'ten, daß ſie kaum einen Biſſen zu eſſen bezahlen „ fragte konnten„und als ſie nach einigen Jahren zurückkamen, ſo ſchwachen hatten ſie ganze drei oder vierhundert Reichsthaler im 3 Taſchenbuche!“ vegen der 3„Es iſt recht gut zu wiſſen, wo Einer ſo viel Geld er flott zu verdienen kann!“ meinte Georg ganz bedächtig und richtete n anderes den Blich auf Horten. 1. 36 5 1„Vielleicht hat der kleine Herr Luſt, ſich dorthin zu . weh begeben und zu verſuchen?“ fragte Carolus ſcherzend. ſſcch von„Das würde ſich juſt paſſen für einen ſo feinen Herren⸗ 0 17 l gerathen ſohn! ſo unar⸗„Ich bin kein feiner Herrenſohn!“ entgegnete Georg Du die verdrießlich und warf einen trotzigen Blick auf Carolus. Gott ver⸗„Und wenn Du glaubſt, daß ich nicht ſtark genug bin zur Arbeit, ſo ſieh hier mit eigenen Auc en, ob i z ein ſchwa⸗ Wich in 14 d genl,) cher Wicht bin!“ ch Vorten und er Licht bin gen Blicke, 1 Mit dieſen Worten ergriff er einen ziemlich großen m Stücke und ſchweren Stein, der auf dem Verdecke lag, und ſchwang war, eine ihn über ſeinen Kopf.—.“ 3 zu werden, Das war, mein Leib und Seel! ein richtiger Kerls⸗ er Gegen⸗ griff, von dem Herr Georg große Ehre hat!⸗ vermeinte R 4 Carolus mit dem Ausdrucke des Beifalles in Stimme und frage ſtand Geberde. Jetzt lächelte Georg, der alte Elias lächelte und Nicoline, die holde Mutter, lächelte ebenfalls über die Freude ihres Sohnes. Nur Letsler ſaß ſtumm da und ſchenkte der Heldenthat Georg's keine Aufmerkſamkeit. Unter einem gleichmäßigen und friſchen Winde, der den Freiſegler raſch auf ſeiner blauen Bahn dahinführte, verſchwand der Abend. Die Nacht und der Mond kamen in Geſellſchaft und ſchenkten den Reiſenden den ſchoͤnſten Anblick: eine glimmende Mondesflut war über die ganze Meeresfläche ausgegoſſen. In der Morgendämmerung paſſirte der Freiſegler die Mündung des Swineſundes. Da hatte der Schlaf die Augen des Vaters und des Sohnes geſchloſſen. Doch Nicoline ſaß wachend da und betrachtete mit tiefer Theilnahme die große wunderbare Veränderung, welche die beiden Länder an dieſem Punkte, wo ſie ſich zur Vereinigung die Hände reichen, dar⸗ bieten. Mit ſchweren Ahnungen ſah ſie, wie das Boot Nor⸗ wegen und den ſchönen Chriſtiania⸗Fjord mit ſeinen herr⸗ lichen, paradieſiſchen Ufern und laubreichen Holmen verließ und auf die ſchwediſche Küſte zuſteuerte, an welcher ſich die ſteinigſte und wildeſte Natur offenbarte. In dieſem Augenblicke lag ein Nebel nicht nur auf den grauen Felſen⸗ maſſen des alten Schwedenlandes, ſondern auch auf der Seele und dem Gemüthe der armen Nicoline. Ihr war⸗ mes Herz fror bei dem Anblicke einer ſo großen Armuthez ſie ſchloß die Augen, öffnete ſie jedoch unwillkührlich wie⸗ der. Und vielleicht wird kein Menſch ohne ein nieder⸗ ſchlagendes Gefühl dieſen ploͤtzlichen Wechſel betrachten. Sobald man an dem Swineſund vorüber gekommen iſt, ſo ſieht man nicht das allergeringſte Zeichen von Gewäch⸗ ſen mehr, ſofern man nicht einige Seediſteln und Pech⸗ nelken dahin rechnen will, die ſich hie und da auf den Klippen und Holmen angeſiedelt haben. Der Contraſt iſt wirklich ſcharf: von der einen Seite, ſo weit das Auge 4 4 reicht ni nackte B den Wog Und arm ſchei gültigen Aber ma ſegeln, m eines gro Felſen ze w mit Schuͤuſpie auch wild umlagerte zige fürch der Eindr langen Ja Erinnerun Nico die ſie ve die neuen mit Verw heften kon auch nur Geſtaden, te und üͤber die da und eit. de, der unführte, d kamen ſchoͤnſten die ganze ſegler die und des da und underbare 1 Punkte, en, dar⸗ ſoot Nor⸗ inen herr⸗ en verließ elcher ſich n dieſem ten Felſen⸗ h auf der Ihr war⸗ Armuthz hrlich wie⸗ in nieder⸗ betrachten. ſommen iſt, In Gewäch⸗ und Pech⸗ a auf den Contraſt iſt das Auge 17 reicht nur lachende Ausſichten, und auf der andern nur nackte Berge und Felſen, rothgefärbt von den nie ruhen⸗ den Wogen des Weſtmeeres*). Und dennoch, obg arm ſcheinen kann, ſo gültigen Beobachter ei Aber m. muß ſelbſt ſegeln, man muß es eines großen weſtl Felſen zerſchmetterten Sch wi nit Schaudern, mit Schüuſpiel, welches dieſe Scheren uns ſchenken, wenn auch wild und herzzerreißend, weil die ganze von Holmen umlagerte Küſte bei einer ſolchen Gelegenheit als eine ein⸗ zige fürchterliche Brandung erſcheint, dennoch ſo iſt, daß der Eindruck deſſelben ſtark genug bleibt, um noch nach langen Jahren als ein eigenes, vollendetes Bild in der Erinnerung zu bleiben. Nicoline ſeufzte zurück nach den ſchoͤnen Gegenſtänden, die ſie verlaſſen hatte; ſie beſaß noch keine Vorliebe für die neuen, an denen ſie vorbeifuhr, doch ſie ſah dieſelben mit Verwunderung, froh, wenn ſie das Auge auf etwas heften konnte, das einem Gewächſe glich, und wäre es auch nur der wankende Seetang. alles häßlich, öde, freude⸗ dennoch für den nicht gleich⸗ und ernſtes Inter verſchlingen und man Schrecken erkennen, daß das Zweit es Kapitel. Unter der unzähligen Maſſe von öden und kahlen Geſtaden, welche in einem Kranze die Bohuslän'ſche Küſte Mit dieſem Namen bezeichnet man in Schweden das Kattegat, Skagerat und die Nordſee Anm. d. Ueb. Der Einſtedler ꝛc. 1 2 18 umſchließen, und welche, in der Entfernung vom Meere aus geſehen, wie eine einzige in unendlich viele Theile zer⸗ ſplitterte Bergmaſſe erſcheinen, iſt vielleicht die weſtliche Seite von Grafwerna— ein Fiſcherort auf der äußerſten Spitze von Sotenäs— diejenige, welche die gemiſchtartig⸗ ſten Eindrücke zu ſchenken vermag, denn ihre Düſterheit hat nicht allein ihre Lichtſchatten, ſondern ſogar auch ihre Poeſie. Man wird wehmüthig geſtimmt, wenn man zum erſten Male den Fuß auf dieſe unfruchtbaren, glühenden Sandhügel ſetzt, unter deren kreiſenden Wirbeln die Kin⸗ der des Strandes in der einen Stunde ihre Spielhäuſer von vielfarbigen Muſchelſchaalen aufführen, um ſie in der folgenden von einem unfreundlichen Windſtoße hinwegge⸗ führt zu ſehen; und das Auge ſchwindelt, wenn es die jähen Felſen bis an ihre verborgenen Feſten verfolgt, aus denen Legionen von Waſſeerrieſen entſprungen ſind, um während des Laufes einiger Secunden zu ringen, zerſchmet⸗ tert zu werden und zu ſterben. Doch dabei empfindet man auch etwas Geheimnißvolles: man fühlt ſich gleichſam von geheimnißvollen Weſen umſäuſelt, welche hier, ihre eigenen Gräber durchwühlend, in den Klagen der Wellen und Sagen erzählen, die keine Tradition aufbewahrt. Eine hochherzige und menſchenliebende Frau(Mar⸗ garethe Hwitfelt), unter deren Oberherrſchaft einſt der Strand von Kongshamn gehörte, ließ hier einen Kirchhof anlegen, und jeden Strandbeſitzer bei Strafe des Abzuges Herpflichten, keinen Einzigen der vielen ſchiffbrüchigen See⸗ fahrer, deren Leichname hier an das Land floßen, unbe⸗ graben liegen zu laſſen. So erhielt dieſer Strand ſeinen myſtiſchen Namen, und nie hat wohl ein Ort mehr Grund zu ſeinem Namen gegeben, weil dieſe ganze Seite von Grafwerna, oder Grafwarne*), wie es richtiger heißen ſollte, als ein einziges geräumiges Grab erſcheint. * *) d. h. die Gräber. We ſtere Na nicht me dem geg einen der gen ande ſeine eig⸗ nicht unld In Jahres 1 ſtiana⸗Fj dem daſſe ſtehenden endlich ar Kau wurde de zeichneten Kopf und blicken ha „Gu ſeiner El wohl Alle „Go herzlicher und Stra ſchaften b einer ſchel Farbe un Mutter.“ „O und hältſt ſchon beſſe n Herrſe vom Meere le Theile zer⸗ die weſtliche der äußerſten gemiſchtartig⸗ ſre Düſterheit gar auch ihre in man zum n, glühenden beln die Kin⸗ te Spielhäuſer um ſie in der dße hinwegge⸗ wenn es die verfolgt, aus gen ſind, um gen, zerſchmet⸗ empfindet man gleichſam von r, ihre eigenen r Wellen und ahrt. haft einſt der einen Kirchhof fe des Abzuges fbrüchigen See⸗ floßen, unbe⸗ Strand ſeinen rt mehr Grund nze Seite von rrichtiger heißen ſcheint. Frau(Mar⸗ 19 Weiter vom Strande entfernt iſt die wilde und dü⸗ ſtere Natur nicht ganz ſo charakteriſtiſch roh: ſie zeigt nicht mehr dieſe Armuth, die ſich zuerſt offenbart. In dem gegenwärtigen Zeitpunkte gilt dieſer Fiſcherort für einen der lebhafteſten in den Scheren und bildet nebſt eini⸗ gen andern benachbarten eine eigene Kapellengemeinde, hat ſeine eigene Kirche, ſeinen eigenen Paſtor und treibt ſeinen nicht unbedeutenden Handel. In der kühlen Abenddämmerung im Sommer des Jahres 18.. glitt das Boot, welches wir über den Chri⸗ ſtiana⸗Fjord begleiteten, leiſe auf Grafwerna zu. Nach⸗ dem daſſelbe eine Zeit lang von einer auf dem Strande ſtehenden Frauensperſon obſervirt worden war, ankerte es endlich an der weſtlichen Seite. Kaum lag der Freiſegler an ſeinem alten Platze, ſo wurde derſelbe und ſeine beiden Beherrſcher von der be⸗ zeichneten Perſon mit vielen Geberden und Winken mit Kopf und Hand bewillkommnet, und nach wenigen Augen⸗ blicken hatte das Verdeck noch eine Vermehrung erhalten. „Guten Abend, Malena!“ ſagte der alte Aßbjörnſon, ſeiner Ehehälfte freundlich zuwinkend;„zu Hauſe ſteht wohl Alles gut?“ „Gottes Frieden, Vater!“ antwortete Malena mit herzlicher Stimme.„Der Herr hat ſeine Hand über Land und Strand gehalten... Du haſt, ſehe ich, Herr⸗ ſchaften bei Dir—— Nun, guten Abend, Carolus!... Du haſt wohl die Graupen und die Farbe gekauft, wie ich Dir auftrug?“ „Davon habe ich nichts gehört!“ ſagte Carolus mit einer ſchelmiſchen Miene und Ton. Ihr habt mir ja von Farbe und Graupen kein ſterbendes Wörtchen geſagt, Mutter.“ „O ſchäme Dich, Du langer Bengel! ſtehſt Du da und hältſt Deine Mutter zum Narren, ſo will ich Die ſchon beſſern Reſpect beibringen.... Aber was für Art don Herrſchaften habt Ihr mitgebracht?“ 20 „Das iſt ein Herr, der Letsler heißt,— er hat Frau und Sohn bei ſich!“ erklärte Elias.„Ich habe ſie von Bammen mitgebracht.“ „Wohin wollen ſie?“ „Das weiß ich nicht, doch der Herr“— hier wen⸗ dete ſich Elias mit lauter Stimme an den geheimnißvollen Paſſagier, der, ſich ſtill und gedankenvoll auf die Galerie lehnend, den öden Strand von Grafwerna betrachtete,— der Herr wird ſelbſt wohl am beſten wiſſen, was er hier ſucht: vielleicht ein Boot, um ihn nach Göteborg zu bringen?“ Nicht ſo ganz!“ entgegnete der Fremdling.„Ich wünſche für's Erſte hier nur einige Tage auszuruhen.“ „Leider Gott fiel die alte Malena ein, welche meinte, ihre hausmütterliche Würde erfordere es, ſich in das Geſpräch zu miſchen, iſt hier für Herrſchaftsleute gewiß nichts zu haben; doch wollen Sie’s ſo gut nehmen, wie es iſt, ſo iſt das Wenige herzlich gern gegoͤnnt. „Dank, meine gute Madam*), wir ſind nicht ver⸗ wöhnt!“ ſagte Letsler und reichte ſeiner Frau die Hand, um ihr beim Ausſteigen behülflich zu ſein. Georg war ſchon an's Land geſprungen und jetzt elfrig beſchäftigt, einen Theil der vielen Schneckenſchalen zu inventiren, welche in dem nächtlichen Dunkel gleich hingeſtreuten Edelſteinen im Sande leuchteten. Das Häuschen des Elias Aßbjörnsſon deutete an, daß der Beſitzer ein nach Maßgabe ſeines Nahrungszweiges und ſeiner wenigen Bedürfniſſe wohlhabender Mann wal⸗ Außer dem äußern oder alltäglichen Zimmer, in welchem die Wände mit allen denjenigen Geräthſchaften reichlich bekleidet waren, welche die Wohnung eines Seemannes und Fiſchers bezeichnen, wie Angelleinen, Schießgewehre, Seehundsfelle und große Buͤnde ven Netzen für den Hä⸗ ) Mit dieſem Worte bezeichnet man in Schweden ſteis eine Ehefrau niederen Standes, und mit„Fraus eine höhern Standes. Anm. des Reberſ. ringsfang in denen gen zu tr Familie geſammel unter der führt von beſucht ha die ſchneer ſpitzen her allerprächt in einer S kann. Ei Naſe vorſt man zu b ſiſchen Art liden gezie mit Schla ganz paſſit Topf mit ein indiſche Und zuletzt diſchen Fre Platten, n mäßig zwi zu ſehen, reſpectabler Doch von dem Lr Beſchreibun fügen, daß der feine S natürlich— hatte— do zeihliches C führten. t Frau habe ſie von hier wen⸗ trachte tete„— was er hier Göteborg zu dling.„Ich zuruhen.“ ein, welche 8, ſich in errſchaftsleute gut nehmen, gegönnt. id nicht ver⸗ u die Hand, Georg war häftigt, einen n, welche in Sdelſteinen im deutete an, brungszweiges Mann war. in welchem re hlich Seemannes gewehre, den Hä⸗ eden ſtets t„Frauc eine e Vebet ſ. führten. 21 ringsfang u. dergl., waren dort noch zwei Seitenkammern, in denen das Moos kaum Zeit gehabt hatte, in den Sprün⸗ gen zu trocknen, und wo unwiderſprechlich Alles, was die Familie an Kleinodien beſaß, zu einem ſchönen Ganzen geſammelt war. Die kleinen Tiſche in jeder Ecke ſeufzten unter der großen Maſſe von roſigem Porcellan, heimge⸗ führt von den verſchiedenen Orten, die Vater und Sohn beſucht hatten. Und auf dem Fenſterbrette, von welchem die ſchneeweißen leinenen Gardinen mit ihren feinen Netz⸗ ſpitzen herabſielen, ſah man in einer zierlichen Reihe die allerprächtigſten und verſchiedenartigſten Artikel, die man in einer Scherenhütte ſich nur zur Schau ausgeſtellt denken kann. Ein Gipsbild, das den Napoleon mit zerſchlagener Naſe vorſtellte, begann die Sammlung; demnächſt hatte man zu betrachten: ein Theeſchrein von der ächteſten chine⸗ ſiſchen Art. Daran gelehnt, wie es einem armen Inva⸗ liden geziemt, ſah man eine halbe engliſche Punſchbowle mit Schlauheit ſo geſtellt, daß dieſelbe von Außen als ganz paſſiren mußte. Ferner offenbarte ſich ein oſtindiſcher Topf mit geflicktem Deckel, über deſſen üppige Blumen ein indiſcher Fächer ſeinen herrlichen Schatten herabwehte. Und zuletzt wird ſich Niemand wundern, hier einen hollän⸗ diſchen Frauenputz, eine von dieſen breiten hochſtrebenden Platten, welche die Stirn der Damen beſchweren, parade⸗ mäßig zwiſchen zwei türkiſchen Pfeifenröhren aufgehängt zu ſehen, deren äußerſte Enden ganz gemächlich auf ihren reſpectablen Kokosnüſſen ruhten. 3 Doch wir haben jetzt eine hinlänglich klare Vorſtellung von dem Lurus dieſer Kammern, als daß noch eine nähere Beſchreibung von Nöthen ſein ſollte; und wenn wir hinzu⸗ fügen, daß der neugeſcheuerte Fußboden ſo weiß war, wie der feine Sand, womit er beſtreut war, ſo finden wir es natürlich beſonders da die eine Kammer ein gutes Bett hatte daß die Wirthsleute nicht ohne ein gewiſſes ver⸗ zeihliches Gefühl von Stolz die rei ſende Familie hier ein⸗ —ÿ 22 „Sehen Sie, Herr,“ meinte der alte Aßbjornsſon und warf einen langen und vergnügten Blick um ſich her, hier iſt wenigſtens ein Dach über dem Kopf. Bleiben Sie, ſo lange es Ihnen anſteht; uns fehlen ſolche Fiſch⸗ arten nicht, die Herrſchaften eſſen können, und Malena iſt Mutter genug, um Langfiſche und Dorſche kochen zu können. das Schlimmſte iſt das Brod.“ „Wir haben Proviant in beiden Kiſten,“ fiel Nicoline ein, indem ſie dem alten treuherzigen Elias einen freund⸗ lichen Blick zuwarf;„und es ſoll uns viel Vergnügen machen, ſelbſt zu fiſchen, wenn wir die Geräthſchaften leihen dürfen.“ „Und wenn dieſe Kammer auf einen Monat zu ver⸗ miethen iſt,“ fiel Letsler ein, ſo will ich als Fremdling gerne die Miethe vorausbezahlen. Ich bin nicht reich, aber doch auch nicht ſo arm, daß Jemand an mir Etwas verlieren ſoll.“ „Wir werden ſchon einig,“ meinte Elias.„Sie konnen nach Ihrem Vermoͤgen bezahlen, und koͤnnten Sie gar nichts geben, ſo verliere ich doch nichts, denn wir brauchen die Kammer nicht eher, als bis mein Sohn Ca⸗ rolus ſich angreift und heirathet— und ſo viel mir be⸗ kannt iſt, ſteht die Speklaſion noch in weitem Felde.“ Und hiemit war der Contrakt gemacht und beſiegelt. „Ihr gebt immer Alles für guten Kauf, Vater!“ meinte Carolus, als der Alte, an den Strand zurückkeh⸗ rend, dem Sohne erzählte, was im Hauſe vorgefallen war. „Soll nicht noch immer der erſte Augenblick kommen, an welchem Du an täglichem Brode Mangel leideſt 20 fragte der Alte zornig.„Brauchſt Du mehr? hat dein Vater mehr gehabt? Hüte Dich, Carolus, nach unerlaubtem, ſchändlichem Gewinn für alle Deine Handlungen zu trachten! Haſt Du kein Herz in Dir, etwas des Dienſtes wegen zu thun, den Du erzeigſt, ſo magſt Du Dich ſchämen l* „Aber, Vater,“ wendete Carolus ein,„es kann woh nicht anders als erlaubt und ehrlich ſein, wenn man fü und vielle muskelſta die Dienf nimmt, d gend um Ihr, um dem Bla⸗ noch dazu ſich kaum „Ah er die V Fäſſen zu kann ich eigentlich ſie Deine in ſeiner lieben und „Da „wenn Ei ſeht, mi Waſſerlili Geſicht be „We Aßbjoͤrns haben, ſic „Ja guten unf der Zeit, das ich ſi 8 Elia Aßbjoͤrnsſon um ſich her, pf. Bleiben ſolche Fiſch⸗ d Malena iſt n zu köͤnnen. fiel Nicoline einen freund⸗ I Vergnügen ſchaften leihen Ronat zu ver⸗ als Fremdling nicht reich, n mir Etwas Elias.„Sie d könnten Sie ts, denn wir nein Sohn Ca⸗ o viel mir be⸗ em Felde.“ und beſiegelt. Kauf, Vater!“ rand zurückkeh⸗ orgefallen war. enblick kommen, angel leideſt 20 hat dein Vater ch unerlaubtem, gen zu trachten! enſtes wegen zu ) ſchämen 1 „„es kann woh wenn man fut 23 die Dienſte, welche man thut, von ſolchen Leuten bezahlt nimmt, die bezahlen können? Wenn ich nicht in der Ju⸗ gend um mich bin, ſo werde ich ganz gemächlich alt wie Ihr, und habe nie die geringſte Hoffnung, Johanna auf dem Blaubeerenholm in die neue Kammer zu ſperren, und noch dazu wird wohl auch ſie bis dahin ſo betagt, daß es ſich kaum der Mühe verlohnt!“ „Aha, mein lieber Carolus!“ meinte Elias, indem er die Viertel ans Land rollte, während der Sohn die Fäſſen zu beſorgen hatte,„biſt Du von dieſer Wolle? da kann ich Dir recht gerne rein heraus ſagen, ich glaube eigentlich nicht, daß Johanna ſehr zu beneiden iſt, falls ſie Deine Frau wird; denn, ſiehſt Du, die, welche Einer in ſeiner Jugend geliebt hat, die mag er auch im Alter lieben und ehren.“ „Dagegen ſage ich auch nichts,“ entgegnete Carolus, „wenn Einer ſie nur die ganze Zeit gehabt hat. Doch ſeht, mit ihr fürlieb zu nehmen, nachdem ſie wie die Waſſerlilie im Herbſt alle Blätter verloren und Falten im Geſicht bekommen hat— das ſteht mir nicht an.“ „Wenn ich ſolche Gedanken hätte,“ meinte der alte Aßbjoͤrnsſon,„ſo würde Mutter Malena große Urſache haben, ſich zu beklagen; doch das ſoll ſie nie noͤthig haben.“ „Ja, das glaube ich wohl,“ ſiel Carolus mit einem guten und muntern Lachen ein;„es iſt lange her ſeit der Zeit, da Ihr jung ward und noch das Lied ſanget, das ich ſo gerne ſumme: Die rothe Roſ' und das weiße Blatt, Die ſchmucke Maid ſeh' ich ſehr gern, Und kriegt' ich, die ich gerne hätt', Da wär's eine Luſt zu leben! Heiſan!“ * Elias lächelte und betrachtete nicht ohne Zufriedenheit und vielleicht nicht ohne ein wenig Hochmuth den hurtigen, muskelſtarken Sohn, der mit ſeinen rothbraunen Wangen —— 24 und kurzen gekräuſelten Locken, ſeiner offenen, von jugend⸗ lichem Muthe ſchwellenden Bruſt ausſah, wie ein ächter ſchwediſcher Seemann. Schon röthete ſich der Himmel im Oſten, als endlich alle nothwendigen Geſchäfte beendigt und Vater und Sohn fertig waren, in's Haus zu treten, um ein wenig auszu⸗ ruhen. Mutter Malena ſaß aufrecht im Bette und zeigte ihnen den Tiſch, auf welchem eine Schüſſel voll kalter Fiſche, ein Korb voll friſcher Haferbrode und eine Kanne friſches Bier der Heimkommenden wartete. „Haſt Du den Fremden auch etwas gegeben?“ fragte Elias, indem er einen Blick auf den kleinen Hausflur warf, welcher beide Zimmer trennte. „Sie hyauchten nichts, ſagten ſie, ſondern waren nur ſchläfrig und gingen zu Bette.“ „Was ſagſt Du von ihnen, Mutter?“ „Nichts, Vater; da Du ihnen Dach gegeben haſt, ſo ſoll ihnen mein Wohlwollen nicht fehlen. Die Frau iſt ſo gut und freundlich wie man ſie nur ſehen kann, und der Junge gefällt mir auch; doch...“ „Und wie gefällt Euch dies, Mutter?“ ſagte Ca⸗ rolus, indem er hinter ſeinem Rücken außer der Farbe und dem Beutel mit Graupen zwei ganze Pfund rothes, wei⸗ ßes und blaues baumwollenes Garn zu einem Kleide für die Mutter, das ſie ſo lange nach einem aus Lyſekil er⸗ haltenen Muſter zu weben gewünſcht hatte, hervorſuchte und vor der Alten auf der Bettdecke ausbreitete. „Potz tauſend, Carolus, Junge! woher nimmſt Du alles Geld?“ die Augen der Mutter Malena leuchteten vor Freude, Verwunderung und mütterlicher Zärtlichkeit. „Geld?— wißt Ihr nicht, Mutter, daß ich ein gro⸗ ßes Faß Hummer für eigene Rechnung geladen hatte, und wenn ich mir auch, wie Vater ſagt, in guter Geſellſchaft ein Gläschen oder zwei beſtehe, ſo bin ich dennoch kelin ſolcher Verſchwender, wie er ſich bisweilen einbildet,“ ant⸗ wortete C den alten einen und niedergelaf „Nun mit dem g auch nicht wenn Du für unſerm Vollk zu gleicher Carolus a Vaters geg die Speiſe Als 1 ſchnarchte, ſchlafen pfl mit einem der Hand, Schillingsz Ehrfurcht ab. Nach Schatz in mit meſſin allein gehu Eltern ein die er ſich hatte. Caro Vater mit Freiſeglers als Geſche geworden m ſeine Frau res, als f ſolchen Re von jugend⸗ ie ein ächter als endlich ler und Sohn venig auszu⸗ e und zeigte l voll kalter Heine Kanne ben?“ fragte nen Hausflur en waren nur eben haſt, ſo Die Frau iſt n kann, und “ ſagte Ca⸗ er Farbe und rothes, wei⸗ m Kleide für us Lyſekil er⸗ hervorſuchte tete. r nimmſt Du ena leuchteten Zärtlichkeit. Zich ein gro⸗ en hatte, und e Geſellſchaft dennoch keln nbildet,“ ant⸗ 25 wortete Carolus mit einem ſchelmiſchen Seitenblicke auf den alten Elias, der ſich ſchon mit dem Brodſtücke in der einen und dem Dorſchkopfe in der andern Hand gemächlich niedergelaſſen hatte. „Nun, nun Du!“ meinte der Vater, indem er ſich mit dem geſtreiften Aermel den Mund abwiſchte, pes iſt auch nicht geſagt, daß ich alles ſage, was ich denke; doch wenn Du ſonſt ein kleines Verdienſt haſt, ſo habe ich da⸗ für unſerm Herrn und nicht Dir zu danken, verſtehſt Du?2 Vollkommen mit der Antwort zufrieden, die für ihn zu gleicher Zeit ſchmeichelhaft und ermunternd war, nahm Carolus auf einer alten Schiffsbank dem Stuhle ſeines Vaters gegenüber Platz, und nun ließen ſich beide Männer die Speiſe gut ſchmecken.... Als der alte Aßbjörnsſon ſchon neben der Mutter ſchnarchte, ſtand der Verſchlag, in welchem Carolus zu ſchlafen pflegte, noch unberührt. Er ſaß vor dem Fenſter mit einem kleinen Taſchenbuche von ſchwarzem Leder in der Hand, zählte vergnügt ſeine Zwölf⸗ und Achtzehn⸗ Schillingszettel, und legte mit einer Miene von großer Ehrfurcht einen ganzen Speciesreichsthaler für ſich ſelbſt ab. Nachdem er Alles ſortirt hatte, ſchloß er den ganzen Schatz in die Beilade eines mit Leder überzogenen und mit meſſingnen Nägeln beſchlagenen Koffers, der ihm allein gehörte, und in welchem er ohne Mitwiſſen ſeiner Eltern eine nicht unbedeutende Summe Geld verwahrte, die er ſich durch Arbeit, Fleiß und Sparſamkeit erworben hatte. Carolus hatte nämlich die Abſicht, dereinſt ſeinen Vater mit dem Anerbieten zu überraſchen, die Hälfte des Freiſeglers zu kaufen, die ihm der Alte von Jahr zu Jahr als Geſchenkverſprochen hatte, ohne daß bis jetzt etwas daraus geworden war. Und nächſt der Freude, die Blaubeeren⸗Johanna ſeine Frau nennen zu können, wußte Carolus nichts beſſe⸗ res, als ſich die Verwunderung ſeines Vaters bei einer ſolchen Rede vorzuſtellen, und ſogleich, wenn der Alte ſa⸗ l I f 1 1* 4 5 26 gen würde:„warte mit dergleichen großen Worten, bis Du ſie löſen kannſt!“ ſogleich zum Koffer zu eilen und zu zeigen, daß nichts leichter wäre. Nun ſind wir gleichwohl ſchuldig zu ſagen, daß Ca⸗ rolus, obgleich er ein guter Jüngling mit reinem Herzen war, dennoch bei weitem nicht ſo ſtrenge Rechtsprincipien hatte, als Vater Elias. Wohl konnte Carolus gerne hülfreiche Hand anlegen und für einen Menſchen, der ſich in Noth befand, Leben und Gliedmaßen wagen; doch ſah er, daß etwas zu verdienen war, ſo gab er es nicht für ſo guten Kauf, und oft wenn die Eltern glaubten, daß er auf der See Makrelen fiſchte, ſo war er ſtatt deſſen für einen Kaufmann der Nachbarſchaft auf eine andere Art von Fiſcherei aus, und durch ſeine Schlauheit und Kühn⸗ heit ging ſo mancher guter Biſſen vor der Naſe der Zoll⸗ beamten vorbei. Der nächſte Jachtlieutenant war daher mit den Beſchäftigungen des Carolus nicht ſo unbekannt wie die Eltern, und mehrmals hatte der junge Schmugg⸗ ler ſeine ganze Schlauheit, Geſchicklichkeit und Stärke nöthig gehabt, um mit heiler Haut von ſeiner Fiſcherei nach Hauſe zu kommen. Doch gerade ſolche kühne Abenteuer waren ſeine Luſt, und einen„Zollſchnüffler“ zu belauern, war die Hoͤhe ſei⸗ ner Ehre. Das Einzige, welches ihn etwas peinigte, war der fatale Umſtand, daß er ſeine Heldenthaten nicht erzäh⸗ len und ſich mit denſelben nicht brüſten konnte; denn ſei⸗ nen Eltern durfte er damit nicht kommen; ihnen würde dieſes nur Anlaß zur Furcht und zu Vorſtellungen gegeben haben; anderswo aber konnten dergleichen Mittheilungen mit Gefahr verbunden ſein, und daher mußte er ſich da⸗ mit begnügen, auf eigene Hand darüber hochmüthig und fröhlich zu ſein. Doch jetzt ſchlug die Wanduhr fünf. Carolus fand es für gut, ſeinen einſamen Verſchlag zu ſuchen, in welchem gleichwohl der Gedanke an den ſon derbaren Fremdling, die ſanſte Frau und den lebhaftet Knaben ih Schlafe n Johanna u Soter mittleren ſtrecken, iſ den vielen des geſtorb oder nicht daß der N einſt hier: doch auf thumsforſc in ſeinen baren Ber häuptlinge, kühne Sch Auch auch eben Alterthume in den Be manches ſogar im Die ſogene 9 Sot död oder ei 1 . — Worten, bis zu eilen und gen, daß Ca⸗ reinem Herzen echtsprincipien Larolus gerne hen, der ſich gen; doch ſah s nicht für ſo bten, daß er tatt deſſen für e andere Art eit und Kühn⸗ taſe der Zoll⸗ ait war daher ſo unbekannt ge Schmugg⸗ und Stärke einer Fiſcherei ren ſeine Luſt, die Hoͤhe ſei⸗ peinigte, war n nicht erzäh⸗ nte; denn ſei⸗ ihnen würde ungen gegeben Mittheilungen tte er ſich da⸗ ſchmüthig und nen Verſchlag ee an den ſong den lebhaften 1 — 27 Knaben ihn noch eine ganze Viertelſtunde wach erhielt. Im Schlafe waren ſeine Gedanken nur zwiſchen der ſchönen Johanna und dem Freiſegler getheilt. Drittes Kapitel. Sotenäs, eine der groͤßten Halbinſeln, die ſich in dem mittleren Theile der Küſte von Bohuslän in das Meer er⸗ ſtrecken, iſt nach alten Traditionen ſo genannt worden von den vielen Schiffbrüchigen, die dort eines natürlichen To⸗ des geſtorben ſind*). Sei es nun, daß dieſe Sage mehr oder nicht mehr Grund hat, als eine ſpätere Behauptung, daß der Name von einem gewiſſen Sote herrühre, der ſich einſt hier niedergelaſſen haben ſoll, ſo bleibt dieſes Härad doch auf jeden Fall von großem Werthe für den Alter⸗ thumsforſcher, eine reiche Grube werthvoller Erinnerungen in ſeinen vielen Alterthümern, beſonders in den wunder⸗ baren Bergwohnungen, ehedem Burgen mächtiger See⸗ häuptlinge, in ſpäteren Zeiten gute Verwahrungsörter für kühne Schmuggler. Auch in den Felſen um Grafwerna findet man, wenn auch eben keine beſonders merkwürdigen Ueberreſte aus dem Alterthume, ſo doch eine große Menge von Aushoͤhlungen in den Bergen, die tief genug ſind, um nicht allein ſo manches ſtumme Geheimniß zu bewahren, ſondern auch ſogar im Nothfalle einem Lebendigen Schutz zu gewähren. Die ſogenannten Rieſentöpfe(Jättegrytor), von denen die 9 Sotdöden iſt der natürliche Tod; näs ein Vorgebirge oder eine Landſpitze. Anm. des Ueberſ. 28 Küſte von Bohuslän einen ſo überfließenden Vorrath be⸗ ſitzt, und aus denen vielleicht die Wikinger und die um⸗ herſtreifenden Schotten bei ihren Willkommen⸗ und Ab⸗ ſchiedsſchmäuſen tranken, ſind ebenfalls ganz beſonders geeignet, in den nächtlichen Abenteuern, die ſich ſeit Jahr⸗ hunderten unter den nackten und mit Meerſaum umgebenen Klüften der Scheren zugetragen haben und wahrſcheinlich noch nach Jahrhunderten zutragen werden, eine bedeutende Rolle zu ſpielen. In ſo unbedeutender Entfernung von dem Strande bei Grafwerna, daß es ausſieht, als wäre ſie bei einem Erdbeben oder einer andern großen Naturrevolution davon losgeriſſen worden, liegt eine kleine Klippe, die Johannis⸗ Klippe genannt, an Geſtalt gleich einer ovalen Schnecke, in deren geſpalteter Mitte, zwiſchen den jähen Seiten der Bergſpalte leicht ein Häuschen Platz finden könnte. Nach der Landſeite zu ſind dieſe Wände ſo dicht zuſammengedrängt, daß die ungeheuren Felſenblöcke, we lche gleichſam uͤber und zwiſchen ihnen zu ſchweben ſcheinen, für die Höhle ſelbſt ein ſchützendes Dach bilden, deren Oeffnung faſt ganz von einem Lager zerſplitterter Steine verſteckt wird. Auf einer Anhöhe am Strande, dieſer Klippe gegen⸗ über, welche ſo nackt, ſo arm war, daß nur eine einzige wilde Diſtel, obgleich ſelbſt arm und elend, aus Erbarmen über die ärmliche, von der ganzen Natur verlaſſenen Klippe dort ihren Wohnſitz aufgeſchlagen hatte— ſtand zu den Zeiten unſerer Erzählung oft der einſame Fremdling und ſtarrte hinaus in das Meer, welches den Fuß der Klippe unaufhörlich überſpülte und ſorgfältig jedes wohlwollende Sandkorn, das auf ihrer Oberfläche verweilen wollte, hin⸗ wegkehrte. Nicoline! was ſagſt Du, wenn wir uns hier eine Wohnung errichteten?“ fragte Letsler eines Tages ſeine Frau, indem er auf die tiefe Spalte in der Klippe deutetenn Ein leichter Schauder erſchütterte den Leib des jungen Weibes,„Biſt Du hier nicht zufrieden?“ fragte ſie auset weichend. nicht ſchre „Ach 7 ſchwaches 2 ein Recht h ſagte der J bensgefährt Nicoli ſich zitternd fiel ungeſeh — ein Bil ihren warm „Mein nein gewiß an Georg, „Wied liebſt ihn Liebe mehr „Aber coline ſanft — wie kan gerecht ege „Das ſtehſt, kan zu beurtheil letzte Tropf bricht, in d „So l kommen, d fühle zu v⸗ hindurch nu „Lan ſie ſind Dir ſinnen kann Vorrath be⸗ und die um⸗ nen⸗ und Ab⸗ anz beſonders ſich ſeit Jahr⸗ im umgebenen wahrſcheinlich ine bedeutende dem Strande ſie bei einem olution davon ie Johannis⸗ len Schnecke, Seiten der önnte. Nach imengedrängt, ſam über und öͤhle ſelbſt ein anz von einem Klippe gegen⸗ r eine einzige aus Erbarmen aſſenen Klippe ſtand zu den remdling und 13 der Klippe wohlwollende ; wollte, hin⸗ uns hier eine Tages ſeine elippe deutete. b des jungen ragte ſu aus⸗ weichend.„Iſt es hier nicht ſtill und menſchenleer? iſt's nicht ſchrecklich genug hier in Grafwerna?⸗ „Ach, Nicoline! Du biſt doch weiter nichts als ein ſchwaches Weib, viel ſchwächer, als ich glaubte, als ich ein Recht hatte, von Deinem vorigen Muthe zu erwarten!“ ſagte der Mann und wendete ſich hinweg von ſeiner Le⸗ bensgefäh in, die an ſeiner Seite auf dem Hügel ſaß. Nicoli ff ſchnell ſeine Hand; eine Thräne, die ſich z zitternd en Rand der Wangen geſchlichen hatte, fiel ungeſehen den heißen Granit und vertrocknete dort — ein Bild genen ſchon um Mittag auf der Sand⸗ heide des Lebens verdorrten Jugendblume Nicolinens. Letsler ſah ſie nicht an, doch ſeine Hand erwiederte ihren warmen Händedruck. „Mein Bernhard! ſieh m nich an: ich bin nicht ſchwach, nein gewiß nicht, im Geringſten nicht— ich dachte nur an Georg, nicht an mich! er der Junge!“ enigegnete Letsler dauh.„Du liebſt ihn mehr denn mich, und doch bedarf ich Deiner Liebe mehr als er, der noch kein Leiden erfahren hat.⸗ r auch noch keine Rinderfreuden ie wendete Ni⸗ eoline ſanft ein.„O Bernhard, Du biſtja ſonſt ſo gut — drſf kannſt Du es denn über Dich gewinnen, faſt un⸗ gerecht gegen Dein eigenes Kind zu ſein?“ bin ch nicht 3 nein, Nieolinel doch Du ver⸗ r abzuwwa gen im 8 ande bin, wann da er Welle, die ſich jetzt an jener Klippe ſinken wird.4 e Wird denn nie eine Zeit en werde, die Gedanken und Ge⸗ die ich nun ſchon zwölf lange Jahre h dunklen Räthſeln errathen habe?“ = hindurch „Lange, ſagſt Du? a, ja, ich glaube wohl Lange 9.1 9 hl, ſie ſind Dir ſo vorgekommen, obgleich ich mich nicht ent⸗ ſinnen kann, daß Du je ſo geſagt haſt!“ 30 In dieſen Worten Letsler's lag ein Ausdruck, der Nicolinens weiches Herz erzittern machte. Es vergingen einige Augenblicke, ehe ſie das Schweigen zu brechen wagte. Endlich ſagte ſie ganz leiſe, ſchmeichelnd, bittend mit der ganzen Kraft der lieblichſten Stimme:„Ich meinte nicht das Böſe, das Du denkſt; Gott ſieht, daß ich es nicht meinte—— doch koͤnnte ich Dein Weib, Deinem Herzen ſo nahe ſein, ohne die Zeit lang zu nennen, die mich von Deinem wahren Menſchen trennte?“ Es war wunderbar, zu ſehen, wie der kalte, verſchloſ⸗ ſene Mann mit einem Blitz ploͤtzlich aufflammender Leiden⸗ ſchaft das Weib an ſeine Bruſt zog und ihre blonden Lo⸗ cken mit der ganzen Gluth eines Jünglings küßte:„Mein beſſerer Menſch wohnt nicht in meinen Gedanken, Nicoline; nur meine Gefühle wohnen in meinen Herzen, in der Seele, in dem Gemüthe, und ſie alle gehoͤren allein Dir, Du blaues, geliebtes Auge!“ „Ich darf nur Deine lichten Augenblicke theilen; doch ſpäterhin— wie wird es dann?“ Es lag eine unbeſchreib⸗ lich naive und unſchuldsvolle Kindlichkeit in dieſer Frage. „Wie jetzt— es kann nie anders werden! Ver⸗ ſprachſt Du nicht, als Du dem unglücklichen Flüchtlinge Deine Treue und Deine Liebe ſchenkteſt, daß Du ihn nie fragen, nie bitten oder zu überreden ſuchen wollteſt, Dir ein Vertrauen zu ſchenken, das ihm zu geben unmöglich war? Dir war es ja hinreichend, daß er geächtet war, daß er in der Welt allein ſtand.“ „Ach, ſo iſt es noch jetzt!“ rief ſie aus.„Denke nicht mehr an meine Unvernunft— ich will Dich mit die ſem Gegenſtande weiter nicht mehr plagen.“ „Und auch nicht mehr mit dieſer kindiſchen Einbildung daß ich unſern Sohn nicht hinlänglich liebe? Glaube mien ich liebe ihn eben ſo herzlich wie Du, wenn auch auf aus⸗ dere Weiſe! Wem aber auf Erden nichts mehr übrig ge blieben iſt, als nur das Herz eines Weibes, der theilt daß 8 1 ſo ſoll er d ſelbe nicht bar wird.“ „Iſt ungerecht g 2„Ich iſt, daß ich für ihn bis Nieoli ihres Gatte Vertheidigu Bewußtſein ten nie ver Gemüth un „Laß der allmaͤlit gewoͤhnlichen von meinem Nicoli die Wünſche ſie,„es iſt zu feſſeln, Stuͤrme au „Iſt en Luft athme in welcher „In D manche ſtill „Die ein.„Ich wäre es au in dem brei gegen alle damit Georg an die einzi ſtimmen ka usdruck, der Es vergingen brechen wagte. ttend mit der meinte nicht ß ich es nicht deinem Herzen die mich von alte, verſchloſ⸗ nender Leiden⸗ e blonden Lo⸗ küßte:„Mein ken, Nicoline; rzen, in der en allein Dir, theilen; doch ge unbeſchreib⸗ dieſer Frage. verden! Ver⸗ en Flüchtlinge ß Du ihn nie wollteſt, Dir ben unmöglich geächtet war, aus.„Denke Dich mit die⸗ hen Einbildung Glaube mir, mauch auf an⸗ nehr übrig ge⸗ der theilt daß 31 ſelbe nicht gerne mit Jemanden, falls dieſe Theilung meß⸗ bar wird.“ „Iſt denn, mein theurer Bernhard, dieſe Theilung ungerecht geweſen?“ „Ich kann nicht ſagen, meine Geliebte; gewiß aber iſt, daß ich gemeint habe, Du hätteſt in Deiner Schwäche für ihn bisweilen mich vergeſſen und verſäumt.“ Nicoline lehnte ihr Haupt ſtumm an die Schulter ihres Gatten. Sie hatte nunmehr keine Worte zu ihrer Vertheidigung: ſie hatte nur ihr inneres, befriedigendes Bewußtſein, die wichtigen, die unausſprechlich bittern Pflich⸗ ten nie verſäumt zu haben, die ſo oft ihr klares, reines Gemüth und warmes Herz gedrückt hatten. „Laß uns nicht mehr davon reden!“ begann Letsler, der allmälig wieder in ſeinen gewöhnlichen Ton, in ſeinen gewöhnlichen düſtern Ernſt zurückkam.„Was ſagſt Du von meinem Vorſchlage?“ Nicolinens Auge überfuhr langſam den Ort, auf den die Wünſche ihres Gatten gerichtet waren.„Ach!“ ſeufzte ſie,„es iſt doch hart, unſern Georg an dieſe wilde Klippe zu feſſeln, ſtets den Abwechſelungen des Meeres und der Stürme ausgeſetzt!“ „Iſt es nicht beſſer, daß er dieſe friſche und geſunde Luft athmet, als wenn er in der dumpfen Ruine verwelkte, in welcher er einmal eingeſchloſſen war?“ „In Dänemark,“ fluſterte Nicoline ängſtlich,„gibt es manche ſtille, einſame Gegend, die..“ „Die dennoch nicht Schweden iſt!“ fiel Letsler kurz ein.„Ich will, ich muß ſchwediſche Luft athmen, und wäre es auch nur hier draußen auf dieſer Klippe, wo eine in dem breiteſten Theile der Spalte aufgeführte Wohnung gegen alle Stürme hinlänglichen Schutz gewährt. Und damit Georg nicht leuteſcheu werde, ſondern ſich frühzeitig an die einzige Lebensart gewöhnt, zu welcher ich ihn be⸗ ſtimmen kann, nämlich an die See, wozu er auch Luſt hat, ſo ſoll er die Erlaubniß haben, oft hier in Grafwerna zu 32 ſein und den Elias und Carolus auf ihren Reiſen zu be⸗ Augen gleiten.“— glücklich Nicoline war in dieſem Augenblicke nicht im Stande ſcheiden, d zu antworten. Die Zukunft ihres Georg, ſo dunkel, ſo men: und kalt, ſo freudenarm lag ſchwer auf ihrem Herzen; doch dieſes treue ein Kampf wäre eben ſo vergeblich als unbedachtſam ge⸗ ihm zu lebe weſen: ſie ſah, daß der Würfel geworfen war, daß dieſet Indem öde Punkt allzu gut mit dem Geſchmacke und den Wün ſenkte ſich d ſchen ihres Gatten übereinſtimmte, als daß er ihn jemalz auf deſſen würde verlaſſen wollen. Ihr blieb daher weiter nichtz und her gl übrig, als wie gewöhnlich in dem Unvermeidlichen die Seetang ar troſtreichſte Seite aufzuſuchen. Doch vermochte ſie dieſet ſchaukelnden nicht ſogleich; ſie mußte Zeit haben, ſich an jede neue Ven die düſtern änderung zu gewöhnen, die von längerer Dauer ſein ſollte Schimmer Nach einer Weile ſagte Letsler, indem er ſich erhot Johannisklip und ſich nach dem Hauſe hinwendete:„Ich will den Eliat Allmält aufſuchen und mit ihm meinen Plan überlegen, falls ich Neuem.„Al Dein Schweigen als Einwilligung deuten darf. Du weiß’ Innern,„ko Nicoline, daß jede Art von Berührung mit Menſchen, ſi Stürme jede mögen ſein welche ſie wollen, mir zuwider iſt: hier, auf Sommer, un dieſer Klippe, die ich ſchon liebe, kann ich in Ruhe leben zu einer Fe Nicoline nickte einen ſtummen Beifall; als ihr Gatt groß und ſch ſie jedoch verlaſſen hatte, da ſtrömten die Thränen vom Ruder ihren Wangen herab, und mit Blicken des Entſetzens, ſiähinter dem der Verzweiflung betrachtete ſie dieſe düſtere Meerklippemernde Bah die ihre künftige, ihre ſtete Heimat werden ſollte. Tagnomen, wel aus und Tag ein, vielleicht lange, lange Jahre, ſolltzerklären, ſa ſie hier lebend auf ihrem, eigenen Grabſteine ſitzen und dihabenen Pla Stunden zählen. Und wenn Georg, die hoͤchſte, reinſtnicht am we Freude ihrer Seele, weg war— wenn ſie ſich allein beerſchien ihr d fand mit dieſem geheimnißvollen Manne, dem ſie(weil ſruthe in der ihn allzu ſehr liebte und fürchtete, als daß ſie es wage Gruß zuwin ſollte, einen anderen Gedanken zu haben als er) ſo galarolus kan untergeben war— wie viele ſtillen, heißen Thränen wütgäher, inde den da nicht fließen, wie viele Seufzer nicht ſich aus ihrzänd Georg a Bruſt ſchleichen, während die Lippen lächelten und. Der Ein 33 Reiſen zu be⸗ Augen klagten! Denn wenn Letsler nicht glaubte, ſie ſei — glücklich ſo würde er im Stande ſein, ſich von ihr zu cht im Stande ſcheiden, dieſe düſtere Wohnung allein in Beſitz zu neh⸗ ſo dunkel, ſo men: und ein ſolcher Fall wäre denn doch— das fühlte Herzen; doch dieſes treue, liebende Weib— weit ärger, als dort mit bedachtſam ge⸗ ihm zu leben. war, daß dieſen Indem Nicoline ſo in ihren ſtillen Träumen da ſaß, und den Wün ſenkte ſich die Sonne leiſe herab und umarmte das Meer, er ihn jemalz auf deſſen blanker Oberfläche ein paar Fiſcherböte hin⸗ weiter nichtt und her glitten. Ein ſauſender Wind wiegte den hohen ermeidlichen di Seetang auf und ab und ſpielte in den Blättern einer nochte ſie dieſe ſchaukelnden Waſeerlilie, während purpurrothe Wolken durch jede neue Ven die düſtern Bergmaſſen flammten und einen freundlichen jauer ſein ſolltt Schimmer auf die einſame Diſtel warfen, die auf der m er ſich erho Johannisklippe wuchs. will den Elia Allmälig hob ſich Nicolinens gedrückte Bruſt von legen, falls ich Neuem.„Auch hier,“ ſo flüſterte eine Stimme in ihrem arf. Du weiß Innern,„kann es Frieden und Licht geben. Auf die it Menſchen, ſi Stürme jedes Herbſtes und Winters folgen Frühling und iſt: hier, au Sommer, und jede Sonne, die auf⸗ und abwandert, ladet in Ruhe leben zu einer Feierlichkeit ein, die in ihrer einſamen Pracht ; als ihr Gatzz groß und ſchön iſt.“ ie Thränen von Ruder plätſcherten in der Nähe des Strandes, und 3 Entſetzens, ſthinter dem Boote her erſchien gleichſam eine ſilberſchim⸗ ſtere Meerklippamernde Bahn auf der blauen Oberfläche. Dieſes Phä⸗ den ſollte. Taßnomen, welches die Seeleute auf ſo verſchiedenartige Weiſe ge Jahre, ſolllerklären, ſah herrlich und wunderbar aus von dem er⸗ ne ſitzen und dihabenen Platze, den Nitoline inne hatte; und als der höchſte, reinſtnicht am wenigſten ſchöne Gegenſtand auf dem Gemälde ie ſich allein keerſchien ihr der blondgelockte Sohn, welcher mit der Angel⸗ dem ſie(weil ſiruthe in der Hand auf der Ruderbank ſaß und ihr ſeinen aß ſie es wageGruß zuwinkte. Geführt von den ſehnigen Armen des als er) ſo ginCarolus kam das Boot dem heimiſchen Strande immer n Thränen würgäher, indem Carolus einen muntern Geſang anſtimmte ht ſich aus ihnund Georg aufmerkſam auf das Echo der Berge lauſchte. ächelten und d. Der Einſiedler ꝛc. J. 3 34 Das Boot legte bei der Landungsſtelle an. Carolut band es an einen der Pfähle feſt, und nachdem er das reich verſehene Fiſchernetz und ſämmtliche Geräthſchaſta hineingetragen hatte, eilte er Georg nach, der ſogleich als er den Fuß an das Land geſetzt hatie, den Hüg hinauf lief, auf welchem die Mutter ſaß. Es war ſchön zu ſehen, wie der junge hurtige Co⸗ rolus ſich des Knaben faſt väterlich annahm, ihm da Fiſchen zeigte, ihn das kleine Boot rudern und ſteuen ließ und ihn dabei mit Erzählungen von der wunderbarg Art unterhielt, die ſich auf einen großen Theil der Pund auf Sotenäs bezogen. „Bitte hübſch um Entſchuldigung!“ ſagte Carolu als er den Felſen erreicht hatte, wo Nicoline ihren Liet ling ſchon empfangen hatte;„ich dachte nicht, daß Hen Georg ſo flink ſein würde, hier an den ſchroffen Klipp emporzuklettern, ſondern fürchtete, er moͤchte fallen u ſich beſchädigen.“ „Danke, guter Carolus!“ erwiederte Nicoline u nickte dem jungen Manne freundlich zu.„Carolus iſt ſeh gut und freundſchaftlich gegen meinen Georg.“ „Ja, Mutter!“ ſiel Georg ein;„ſo luſtig wie he habe ich's noch nie gehabt— ich will immer bei Carolz ſein, ſo gerne mag ich ihn leiden.“ „Kinder ſind mit ſo Wenigem zufrieden,“ meit Carolus beſcheiden...„doch, wenn ich ſo naſeweis ſi darf zu fragen, wie kommt es, daß der Herr und Frau ſo oft hier auf dieſem Berge ſitzen?“ „Wir betrachten die ſonderbare Kluft in der John nisklippe; und oft habe ich mich ſchon bei mir ſelbſt g wundert, warum ſie Johannisklippe heißt— weiß Carol das?“ „Ach ja, genug weiß ich's,“ meinte Carolus. gibt eine Sage von der Klippe, die ich von der alt Großmutter hörte, da ſie noch lebte.“ „Wenn Carolus Zeit hat, ſo erzähle er ſie anf hat Nicoli Georg ihn nöthigte, i lieber Caro „Nun beſſern Zur etwas fehle gut geht, nachdem C wechſelswei terkleider folgender 2 1„Zu j ſchichte geh Naſenkönig und ihre 6 heutiges Ta und Schiffe eingeritzt ſt Gaſtmähler Schwert, Grafwerna Und dieſer ſie habe a wäre jedoch Schwert u eben ſo gu war ſie au Kampf, do Schönheit möchte. Doch an einem 9 ſie ihre lan haube verbo Liebe und le an. Carolu nachdem er daß Geräthſchafte ), der ſogleich tie, den Hügt nge hurtige Co⸗ ahm, ihm daß ern und ſteuen der wunderbarg Theil der Pund ſagte Carolu oline ihren Liet nicht, daß Hen ſchroffen Klippe noͤchte fallen u tte Nicoline un „Carolus iſt ſeß eorg.“ luſtig wie h nmer bei Caroli — frieden,“ mein ſo naſeweis ſi er Herr und 2 lft in der Joha bei mir ſelbſt g — weiß Carc e Carolus. ℳ ch von der al fihle er ſie un hat Nicoline mit einem ermunternden Blicke, während Georg ihn trotz ſeiner Complimente neben ſich zum Sitzen nöthigte, indem er fröhlich ausrief:„Wußte ich's doch, lieber Carolus, daß Du noch mehr Sagen konnteſt!“ „Nun ſo meinethalben— ein Schelm, der mit einer beſſern Zunge ſpricht, als er bekommen hat! Doch ſollte etwas fehlen, und ich kann nicht verſprechen, daß Alles gut geht, ſo müſſen Sie entſchuldigen, liebe Frau!“ Und nachdem Carolus nach dieſer kleinen Einleitung einigemal wechſelsweiſe die Stirn und die von Pech glänzenden Un⸗ terkleider gerieben hatte, ſo begann er ſeine Erzählung folgender Maßen: „u jener Zeit— denn, ſehen Sie, mit dieſer Ge⸗ ſchichte geht's weit zurück— zu jener Zeit, da noch die Naſenkönige lebten und hier auf dieſer Küſte regierten und ihre Schlachten und Kampfſpiele hielten, die noch heutiges Tages hier in den Felſen mit Pferden und Leuten und Schiffen, die ſie Drachen nannten, ausgehauen und eingeritzt ſtehen, und noch dazu ihre fürchterlich großen Gaſtmaͤhler hielten— denn ſie liebten nicht nur das Schwert, ſondern auch den Meth— da wohnte hier auf Grafwerna ein Mann, der als ein ſteifer Kämpe galt. Und dieſer Mann hatte eine Tochter. Von ihr hieß es, ſie habe an Schoͤnheit nimmer ihres Gleichen gehabt; wäre jedoch auch ſo mannhaft geweſen, daß ſie ſowohl Schwert und Bogen führen, als auch Boot und Segel eben ſo gut lenken konnte wie ein Mann; und darum war ſie auch immer mit ihrem Vater in jeder Art von Kampf, doch dann in männlicher Kleidung, ſo daß ihre Schönheit niemand ſehen und Luſt zu ihr bekommen möchte. Doch wie ſie ſich auch in Acht nahm, ſo hatte doch an einem Morgen der Sohn des Koͤnigs ſie erblickt, ehe ſie ihre langen gelben, ſeidenen Haare unter der Stahl⸗ haube verborgen hatte. Und da der Prinz ſchoͤnen Frauen, Liebe und Abenteuern vor allen Dingen zugethan war, ſo war er übermäßig froh über die Entdeckung, welche er ſo unverhofft gemacht hatte, und trat dreiſtiglich vor die Jungfrau, die dabei jedoch ungemein grimmig wurde und die Hand auf ihr gutes Schwert legte. „Schöne Jungfrau!“ ſagt' der Königsſohn und trat ihr dennoch ganz nahe,„Sie mag ſich nicht einbilden,“ ſagt' er,„daß ich Ihr Leides thun will; doch mein Vater und Herr iſt ein ſehr ſtrenger Mann, und er würde es gewiß ſehr übel nehmen, wenn er dahinter käme, daß eine Jungfrau in ſeinem Heere iſt—— laß' Sie es alſo ein Geheimniß ſein unter uns!“ In dem Augenblick, meldet die Sage, ſiel gleichſam ein Mühlſtein auf den lilienweiſen Buſen der Jungfrau; ſie fühlte, daß ſie in einer unglücklichen Stunde mit dem Königsſohne geredet hatte; doch ſie ſchwieg und ſagte: „nun meinethalben!“ Und ſo ging es eine Zeitlang. Die Jungfrau wurde darauf ſtets von dem Prinzen mit ſeiner Liebe verfolgt, und er wollte ſie überreden, mit ihm in der Stille zu fliehen. Doch die ſchöne Jungfrau hatte einen Andern lieb, einen ſehr geringen und armen Mann, der ihr aber der Liebe wegen vielmal lieblicher und ſtolzer vorkam, als alle Königsſoͤhne in Swealand. Und dieſer Mann, den ſie leiden mochte, hieß Johannes, und gehörte zu den Kämpen auf Stongenäs, wo ebenfalls ſo wie hier auf Sotenäs ein König regierte— es war nämlich damals kein Mangel an Königen! Da nun die Treue der Jungfrau dieſem Johannes gehörte, ſo wollte ſie ſchlechterdings nichts von den Ver⸗ ſprechungen des Prinzen hören, ſondern erzählte alles ihrem Vater und bat ihn um Erlaubniß, ſich in aller Stille von der Fehde hinweg nach Hauſe begeben zu dürfen. Der Vater, welcher wohl verſtand, daß der Koͤnigsſohn ſeine Tochter nicht zur Frau haben wollte, ſah ſie daher ſehr gerne zu Hauſe gut aufgehoben, und ließ ſie in vin tiefſten Stille abfahren. 1 Dock war, ſo g dieſe war ihre eiger Jungfrau einem Ab wie fein d ſeufzte un wußte, m daß die K. mengeſchlo zu züchtig hauſ'te— dem Felſe die Jungf kommen., dachte ſie; war wohl ken— flo kaum hatt dern vor „Rül „denn we welche er ſo lich vor die g wurde und hn und trat einbilden,“ mein Vater er würde es ime, daß eine Sie es alſo — fiel gleichſam er Jungfrau; nde mit dem g und ſagte: ngfrau wurde iebe verfolgt, der Stille zu einen Andern der ihr aber evorkam, als r Mann, den lhörte zu den wie hier auf imlich damals tem Johannes von den Ver⸗ lte alles ihrem n aller Stille en zu dürfen. er Koͤnigsſohn ſah ſie daher ließ ſie in ve Doch ſo heimlich es auch angeſtellt und ausgeführt war, ſo gab es dennoch zwei, die alles ausgeſpürt hatten, dieſe waren der Prinz und Johannes, und beide hatten ihre eigenen Gedanken. Nun; kurze Zeit, nachdem die Jungfrau wieder nach Hauſe gekommen war, ſaß ſie an einem Abende ſo wie Sie, liebe Frau jetzt, und ſah zu, wie fein der Tag zu Ende ging, und wie ſie da ſaß und ſeufzte und ſich nach dem Liebſten ſehnte, der, wie ſie wußte, mit im Kriege war— denn damals war es ſo: daß die Könige von Sotenäs und Stongenäs ſich zuſam⸗ mengeſchlagen hatten, um einen liſtigen Räuberhäuptling zu züchtigen, der dort in dem Kirchſpiele Swarteborg hauſ'te— wie ſie da ſaß, ſagt' ich, ſo kam dort hinter dem Felſenvorſprunge ein kleines Boot angeſchlichen, und die Jungfrau war nicht faul, die Füße unter ſich zu be⸗ kommen.„Johannes iſt gekommen, um mich zu beſuchen!“ dachte ſie; und in der Dämmerung, wie es war— es war wohl ein wenig dunkler als jetzt, kann ich mir den⸗ ken— flog ſie dem entgegen, welchen ſie erwartete. Doch kaum hatte ſie den Mann erblickt, der dort an dem Strande „heraufgegangen kam, ſo blieb ſie plötzlich ſtehen: es war, Gottes Tod! der Sohn des Koͤniges, der in eigenen Klei⸗ dern vor ihr ſtand und ſie umarmen wollte. „Rühre mich nicht an!“ rief die Jungfrau aus; „denn wenn ich hier auch weder Bogen noch Schwert habe, ſo befreie ich mich doch; weißt Du das!“ ſagt' ſie. Doch der Prinz ließ ſich nicht verblüffen.„Ich biete der ſchönen Jungfrau Silber und Gold,“ ſagt' er,„ſo viel ſie haben will, und Perlen aus des Meeres Tiefe zu Ringen und goldenen Spangen!“ „Weich' von hinnen; Du überredeſt mich nicht!“ ant⸗ wortete die Jungfrau auf die Rede. „Ich weiche nicht,“ ließ er ſich vernehmen,„ſondern neha Dich mit Gewalt, wenn Du nicht gutwillig mit⸗ gehſt.“ „So nimm denn!“ ſagt' die Jungfrau. Doch ehe er ſie erreichte, ſchleuderte ſie ihm einen ſcharfen Stein an den Kopf, ſo daß ihm ſchwindlich wurde in der Mütze, und er wie ein Verrückter umherzulaufen begann. Da— gerade im ſchlimmſten Augenblicke— landete noch ein anderes kleines Boot, und mit einem lauten Freu⸗ denrufe vernahm die Jungfrau die Stimme ihres Ge⸗ liebten. „Zur See, meine holde Dirne!“ ſchrie Johannes und ſtürmte friſch den Strand herauf, ſo daß er die Jungfrau in ſeine Arme bekam.„Du ſollſt ſehen,“ ſagt' er weiter, „daß der Schelm zehn Kämpen hier verſteckt hat, ſonſt ſtritte ich mit ihm— doch nun müſſen wir fliehen.“ Doch ſieh, kaum war das Boot vom Lande abgeſto⸗ ßen, ſo kam der Prinz ſo weit wieder zu ſich ſelbſt, daß er mit einer großen Pfeife alle Kämpen zuſammenpfiffz dieſe warfen ſich nun über Hals und Kopf in die Böte, um die Beute zurückzuholen. Da Johannes ſah, wie es beſtellt war, ſo begriff er, daß es rein unmoöͤglich war, die See zu erreichen. Er landete daher dort bei der Klippe und kam nur ſo gerade hinauf, ehe der ganze Schwarm nachkam, wie hungrige Wölfe hinter einem Lamme. Johannes und ſeine Herz⸗ allerliebſte waren hier Zwei gegen Elf. Er kämpfte und ſie kämpfte mit übermenſchlicher Macht; doch da ſie zu⸗ letzt ſahen, daß der Kampf fur ſie keinen glücklichen Aus⸗ gang haben koͤnnte, ſo rief die Jungfrau mit lautet Stimme: „Lieber Johannes, wenn Du mich lieb haſt, ſo ſtoßt mich mit Deiner Hand hinab in die Tiefe des Meeresz denn wenn Du fällſt, ſo weiß ich wohl, was meine wartet!“ Dieſe Worte brannten wie das heißeſte Feuer in Jo hannes Blut; er hieb und ſtach um ſich her, wie der Tet⸗ fel ſelbſt; als er aber verſtand, daß er immer matter um matter wurde und das Spiel nicht länger beſtehen konnte, ſo heftete er traurig ſeine Augen auf die Liebſte, und i er ihr ſo weder e Liebſten ſagt' er: wieder!“ einige B geſchah. Nut aber ſam übrig ha Augenbli wieder d ſechs Lei niges ne Kampf k Klippe. De doch an Diſtel a bis an d der Na hören ſo froh Nicoline Geſang „J ſten Na einmal denken: len Stein an der Mütze, ann. ke— landete lauten Freu⸗ te ihres Ge⸗ Johannes und die Jungfrau gt' er weiter, ckt hat, ſonſt fliehen.“ ande abgeſto⸗ h ſelbſt, daß zuſammenpfiff; in die Böte, „ſo begriff er, erreichen. Er nur ſo gerade wie hungrige nd ſeine Herz⸗ FEr kämpfte und doch da ſie zu⸗ glücklichen Aus⸗ au mit lauten Hhaſt, ſo ſtoßt fe des Meeres l, was meine e Feuer in Jo⸗ r, wie der Teu⸗ ner matter um beſtehen konnte Liebſte, und di er ihr ſo in das Innerſte der Seele geblickt hatte und ſie weder erblaßte noch ſonſt Furcht zeigte, ſondern ihrem Liebſten wieder liebevoll und mild in die Augen blickte, ſo ſagt' er:„Leb' wohl, ſchön' Jungfrau! wir ſehen uns bald wieder!“ und ſo war es augenblicklich gethan, und nur einige Bewegung des Waſſers zeigte die Stelle an, wo es geſchah. 3 Nun hielt Johannes eine kleine Weile inne; darauf aber ſammelte er die ganze geringe Kraft, die er noch übrig hatte, zu einer männlichen Vertheidigung im letzten Augenblicke. Und als am folgenden Morgen die Sonne wieder die Klippe beſchien, ſo lagen dort nicht weniger als ſechs Leichen, und unter ihnen der eigene Sohn des Kö⸗ niges neben Johannes. Und zum Andenken an dieſen Kampf heißt die Klippe noch heutigen Tages die Johannis⸗ Klippe. Den Namen der Jungfrau hat man nie gekannt; doch an der Stelle, wo ſie hinabgeſtürzt wurde, wuchs eine Diſtel auf, die ſeit der Zeit dort geſtanden hat, und auch bis an den jüngſten Tag dort ſtehen wird. Und ſpät in der Nacht kann Einer wohl einen Geſang aus der Tiefe höͤren— da iſt es die Jungfrau, die ihrem Bräutigam ſo froh den Willkommen zuſingt...“ „Dank, guter Carolus, für die ſchöne Sage!“ ſagte Nicoline. Vielleicht bin ich bisweilen ſo glücklich, den Geſang der Jungfrau zu hören.“ „Ja, das kann wohl ſein,“ erwiederte Carolus ernſt⸗ haft; denn er hing mit Vorliebe feſt an dem Aberglauben, der ſich noch jetzt, oft in poetiſcher Form, unter den kühn⸗ ſten Naturen der Scheren zeigt.„Ich habe ſie mehr als einmal gehört, nnd nie kann ich mir etwas Schoͤneres denken: Es iſt, als wenn kleine Silberrollen gegeneinan⸗ derklingen; doch muß es noch ſtiller ſein, als heute Abend, wenn man es vernehmen ſoll.“ „Singt aber Johannes nicht auch bisweilen?“ fragte Georg, der ganz ſtill und gedankenvoll zugezoͤrt hatte. 40 „Nein, Johannes hoͤrt wohl nur zu, und darüber wundere ich mich nicht. Doch ſonſt, wenn Herr Geor⸗ bis zum Herbſt hier bleibt, wenn es tüchtig heult und ſtürmt, ſo kann Einer deutlich hören, wie dort Schwerter gegen die. Klippe ſchlagen und Kämpen mit großem Ge⸗ räuſche fallen, als wenn die Felſen ſelbſt auf die Beine kämen, um mit einander zu ringen; ja, ja, das iſt gewiß⸗ lich wahr, Herr Georg; darauf können Sie ſich verlaſſen .. doch ſieh da kommt Mutter und verkündigt, daß die Fiſche gekocht ſind— ſein Sie ſo gut, liebe Frau! treten Sie ein, und ſchmecken Sie; das iſt Herrn Georg's Fang!“ Lalls Georg dem Vater am Abende eine gute Nacht wünſchte, ſo fragte ihn dieſer, indem er ſeine Hand feſt⸗ hielt:„Gefällt es Dir hier, Georg?“ „Ja, Vater! ich habe in meinem Leben keine ſo frohe Zeit gehabt: jeden Tag habe ich ſo viel Vergnügen; und nun hat mir Carolus verſprochen, er will mich zu einer Inſel mitnehmen, die Tryggö heißt; dort ſoll ſo ein ſon⸗ derbares Grab ſein, das wie eine Röhre ausſieht, und in dieſer Röhre liegen die Gebeine des norwegiſchen Wickin⸗ gerköniges Tryggwe. Du weißt wohl noch, Vater, daß der König Tryggwe in der Sage hinterliſtig von den Gudrödskämpen ermordet wurde— doch nie häͤtte ich ge⸗ glaubt, als ich es las, daß ich die Inſel ſelbſt noch ſehen würde.“ „Ja, und das iſt doch nur eine von den vielen Merk⸗ würdigkeiten, die hier ſind, und die Du nach und nach zu ſehen bekommen kannſt, wenn wir hier bleiben,“ ſagte Lets⸗ ler in einem Tone, der wohl berechnet war, Georg's Luſt zu der See und zu den Wundern der Küſte anzufeuern. „Ich wollte, wir blieben für immer hier!“ rief er lebhaft aus.„Wo koͤnnten wir es beſſer haben, als hier bei Elias und Carolus?“ „Aber im Winter gibt es hier keine Vergnügungen, Georg— haſt Du auch wohl daran gedacht?“ 2 „O, Freiſegler Netze ſtri „W Letsler w die gegen Sohn und thut; aber mir nahe „Dan einen Kuß und darüber Herr Georg ig heult und rt Schwerter großem Ge⸗ auf die Beine das iſt gewiß⸗ ſich verlaſſen digt, daß die Frau! treten errn Georg's 2 gute Nacht ne Hand feſt⸗ keine ſo frohe rgnügen; und mich zu einer l ſo ein ſon⸗ ſieht, und in ſchen Wickin⸗ „Vater, daß ſtig von den hätte ich ge⸗ bſt noch ſehen vielen Merk⸗ und nach zu “ ſagte Lets⸗ Georg's Luſt anzufeuern. ſier!“ rief er en, als hier „O, da lerne ich Böte machen und ſie nach dem Freiſegler tackeln; und dann ſo helfe ich dem alten Elias Netze ſtricken und Carolus auf dem Eiſe fiſchen.“ „Was ſoll denn aber die Mutter thun?“ fragte Letsler weiter, und warf einen ſanften Blick auf Nicolinen, die gegen das Fenſter gelehnt zuhörte, wie ſich Vater und Sohn unterhielten. „O, Mutter ſoll es eben ſo machen, wie anderswo.“ „Was meinſt Du damit?“ „Das weiß ich nicht recht, ich weiß nicht, was ſie thut; aber Mutter macht, daß ich immer meine, ſie iſt mir nahe— und das iſt das beſte.“ „Dank, mein Georg!“ ſagte Nicoline und drückte einen Kuß auf die Stirne ihres Sohnes. Zweiter Zeitraum. In Nacht war der rollende Sturmwind gehullt, Bis über dem Meere der Donner nun brüllt. Carlésn. Wer zuletzt lacht, der lacht am beſten. Altes Sprüchwort. Stets lebt ſie noch in ihren Herzen. Franzén. Des ſäet unter und beſſere hoffen und gewohnt iſ einzuſamm Ausſaat un die bei Jer gen, währ endloſen B des Kumm Es g. ſucht ſein Märtyrern viele Leiden Leiden gehe fragt:„ka Wir fragen Verheerung haben; un Tiefe von Auge in de wir wohl i ſtellung da dieſer engen Sorge, Er heit einen Minute, jer wenn ſie a Derz hat n. was die 2 Viertes Kapitel. Des Jahres Wechſel kommen und gehen. Der Eine ſäet unter Thränen und erndtet mit Freuden eine reichere und beſſere Erndte, als er je den Muth gehabt hatte, zu hoffen und zu ahnen. Einem Andern dagegen, der ſchon gewohnt iſt, die ſchoͤnſten und edelſten Früchte des Lebens einzuſammeln, haben Froſtnächte, unerwartete Stürme Ausſaat und Erndte zerſtört; und die Quelle der Thränen, die bei Jenem ſo ſchnell verſiegte, iſt bei dieſem entſprun⸗ gen, während noch ein Dritter jetzt wie immer auf ſeiner endloſen Bahn, auf der einförmigen und dornigen Straße des Kummers und der Widerwärtigkeit daherwandelt. Es gibt Menſchen, von denen man zu glauben ver⸗ ſucht ſein möchte, daß ſie von einer hoͤhern Macht zu Märtyrern auserſehen ſind, über deren Häuptern ſich ſo viele Leiden, ſo viele Stürme, ſo viele unvorhergeſehene Leiden gehäuft haben, daß man verwundert und erſchreckt fragt:„kann ein ſchwacher Menſch das Alles tragen?“ Wir fragen ſo, und ſehen dennoch nur die Außenſeite der Verheerungen, die dieſe Stürme und Leiden hervorgerufen haben; und was iſt dieſes Geringe im Vergleich mit der Tiefe von Qualen und Martern, die kein menſchliches Auge in dem Herzen eines Andern ſchaut? Wie ſollten wir wohl im Stande ſein, auch nur die entfernteſte Vor⸗ ſtellung davon zu faſſen, wie es innerhalb der Mauern dieſer engen Welt ausſieht, wo vielleicht Pflicht und Liebe, Sorge, Erniedrigung, Schande und hoffnungsloſe Dunkel⸗ heit einen ewigen Kampf kämpfen, wo jede Stunde, jede Minute, jede Secunde die Erfindung neuer Pein bezeugen, wenn ſie auch nur ſelbſtgeſchaffen iſt? Das menſchliche Herz hat nicht genug an den Schmerzen der Wirklichkeit: was die Bitterkeit des Lebens übrig gelaſſen hat, das füllt es ſelbſt aus mit Betrachtungen, die bisweilen hun⸗ dertmal peinigender ſind, als die wirklichen Leiden, ſowohl nahr auſan des Korpers als auch der Seele... Währe Seit drei Jahren beſaß die einſame Diſtel auf der Johannis⸗Klippe nicht mehr die Alleinherrſchaft über den 85 fnh düſtern Felſen. Ein kleines Gebäude mit drei kleinen der beſuchehden Meerſeite zugewendeten Fenſtern hatte Platz und Schutz ſchwärmer gefunden in der großen Spalte, deren feſte Mauern die lichten Geſt beiden Giebel des Hauſes bildeten, während die hintere der Seefah Seite deſſelben ſo nahe an die vorher erwähnte Berghoͤhle tuten des ſtieß, daß zwiſchen beiden eine Communication ſtatt fand, Klippe. Oft konnte der entfernte Segler beim Untergange der Die al Sonne Nicolinens blonde Locken im Winde flattern ſehen, mocht, den wenn ſie, auf der Felſenplatte vor ihrer Wohnung ſitzend daͤmpfen auf das Sauſen der Wogen oder dem Klange der Silber⸗ malz als töne der Jungfrau in dem ſtillen Blau lauſchte. Viel baren Wohr Seeleute hielten den ganzen Anblick— die ſchöͤne blond bendige Gr Frau auf der wilden Klippe im Meere— für ein präch hatte ſich rr tiges Blendwerk, und meinten, es gehoͤre zu der Anzah drängt. N der vielen unerklärbaren Wunderwerke, die den Soͤhnel Segel mit des Meeres auf ihren Fahrten begegnen. keit, wie In ſtürmiſchen Herbſtnächten dagegen, wenn an den konnte); ni Fuße der Johannis⸗Klippe die raſenden Brandungen ſich m ſehnſuchtsvo dem Getoſe vieler tauſend Zungen überſchrieen, ſah mat gehen, ohn bisweilen, wie der Mond, nachdem er ſtundenlang ve tigen, wie! grauen Wolken umhüllt geweſen war, zuletzt einen blaſſt ſicht zu ha Schein auf eine andere Geſtalt warf, deren Zeit es u Meer. war, auf der Felſenplatte zu ſitzen. Düſter und zuſamm Doch gekauert mit gekreuzten Armen betrachtete Letsler großen und Kampf der Natur Doch wurde es ihm beſſer 8 welcher der durch, daß die unterdrückten, dumpfen, lautähnlichen Se dennoch zu zer, die ein verarmtes Herz auspreßte, ſich in das Geht für alle ihre des Sturmes, in das Getoſe der Brandung miſchtet Geſund Nein, es wurde ihm nicht beſſer; denn mit jedem Heit Seele und ſah man die nämliche Geſtalt, die gantz heſtimmt ein empor und mit der vollendetſten Schoöͤnheit begabt geſßeſen war, imß die er früh . sweilen hun⸗ eiden, ſowohl iſtel auf der aft über den tei kleinen der z und Schutz e Mauern die d die hintere unte Berghoͤhle ſion ſtatt fand Antergange der flattern ſehen, ohnung ſitzend, ge der Silber⸗ huſchte. Viel ſchöne blond für ein präch zu der Anzah ie den Soͤhne ,wenn an den ndungen ſich m rieen, ſah ma ſtundenlang ve tzt einen blaſſt ren Zeit es un und zuſamme tete Letsler N ihm beſſer d atähnlichen Sei ch in das Geh ndung miſchten nit jedem Heitt beſtimmt einm eeſen war, imm mehr zuſammenfallen, bis zuletzt nur noch ein gebückter und gekrümmter Greis übrig war. Während der erſten Jahre erblickte man oft einen friſch emporſchießenden Sprößling an ſeiner Seite, und noch öfter, wie gleich einem Nordſchimmer oder einem beſuchenden Engel, ein luftiges Weſen den düſtern Nacht⸗ ſchwärmer umſchwebte. Doch ſpäterhin verſchwanden die lichten Geſtalten, und dagegen erblickte viele lange Jahre der Seefahrer in Täuſchung und Wirklichkeit nur die Con⸗ turen des geheimnißvollen Einſiedlers auf der Johannis⸗ Klippe. Die allmächtige Hand der Gewohnheit hatte es ver⸗ mocht, den erſten ſchweren Kampf in Nicolinens Bruſt zu dämpfen. Sie empfand keinen Schauder mehr, wie da⸗ mals, als ſie zum erſten Male die Schwelle dieſer wunder⸗ baren Wohnung überſchritt, die ſie bei ſich ſelbſt das le⸗ bendige Grab nannte. Jetzt war es anders: das Herz hatte ſich ruhiger, geduldiger in ſich ſelbſt zuſammenge⸗ drängt. Nicht mehr betrachtete ſie ein vorbeifliegendes Segel mit Neid und Bitterkeit(wir meinen eine Bitter⸗ keit, wie ſie in Nicolinens reiner Seele Platz finden konnte); nicht mehr blickte ſie jeder neuen Morgenſonne ſehnſuchtsvoll nach: ſie ließ dieſelben jetzt kommen und gehen, ohne ſich mit dem mühſeligen Zählen zu beſchäf⸗ tigen, wie lange ſie zugebracht hätte, ohne eine andere Aus⸗ ſicht zu haben, als die Nebel, die Klippen und das Meer. Doch brach ihr Herz nicht, denn ſie beſaß einen großen und reichen Troſt in dem aufblühenden Sohne, welcher der ſtete Gegenſtand ihrer Bekümmerniſſe und dennoch zu gleicher Zeit die Erquickung und Belohnung für alle ihre Sorgen war. Geſund und ſtark, mit gehärtetem Körper, lebhafter Seele und warmem Herzen wuchs er auf dem Meere empor und gewoͤhnte ſich an die Mühſeligkeiten deſſelben, die er früh eben ſo liebte wie die Vergnugungen deſſelbenz denn nächſt der zärtlichen Mutter war das Meer dar die Klippe! Liebſte, das Vorzüglichſte, das Georg kannte oder ſic zur Linken, denken konnte. Von Carolus lernte er getreulich da wohnte Geo ermüdende Gewerbe, das Gewerbe eines Seefahrers; um angenſcheinli der redliche Carolus, der den Knaben ſeiner Kühnheit um war für Ni Hurtigkeit wegen liebte, wurde ihm eine Art von wir, Dieſes lichem Mentor. Auch trennte ſich Georg ſtets höchſt un der Nothw⸗ gern von Carolus, dem Freiſegler, und ſeinen lieba war, welcht Beſchäftigungen auf dem Boote, wenn es galt, zu Hauß Geſtalt und auf der Johannis⸗Klippe während der langen Herbſtabend dunklen und die Studien durchzumachen, zu denen er der Hülfe ſeins zitternden I Vaters bedurfte. Doch— wenn Nicolinens klarer Blit zelle gehalte ihm entgegenſtrahlte, ſo wurden auch ihm dieſe Beſchäf einem ſonn tigungen angenehm. Sommerabe Wenn möglicher Weiſe durch die erſte Ankunft de Jalouſien, Familie in Grafwerna und die Niederlaſſung derſelben au blume, wele der Johannis⸗Klippe in dem Fiſcherorte einige Neugien blätterreichen erregt worden war, ſo war doch dieſe nunmehr ſo voll hatte; ſah kommen erkaltet, daß kaum noch ein Menſch von des die weißen Fremdlinge redete, der nichts that, um die Aufmerkſamte Winde erho auf ſich zu ziehen, und darum auch derſelben entging. ſelte; ſah Man hatte immer vermuthet, daß der neue Stran Bergmaſſen ſitzer nicht ohne Vermögen war, obgleich er weder Briß Wogen zi noch Beſuche erhielt oder mit irgend einem Menſchen man hie un Verbindung zu ſtehen ſchien, wodurch dieſes Vermögen iſt einem friſch zukommen konnte. Nichts deſto weniger mußte er ei während hot Quelle gehabt haben; denn obgleich er ſeinen mäßi Ringen hin Tiſch ſelbſt mit Fiſchen verſah, ſo war dennoch mehr ſchöne Frau forderlich, um zu leben und die reichen Vorräthe einf weilen ihre kaufen, die Carolus ihm von den Städten mitbrachte, miſchten; ſ denen er reißte. Auch die Einrichtung der drei klein Sage, wo Kammern, die das ganze Haus einnahmen, bewies, wa aus blickenn auch nur die anſpruchsloſeſte Einfachheit, ſo doch ein harrt, verw Zierliches und Bequemes, das weit von Armuth he In die ſchieden war. 3 Naͤhtiſch un Das mittlere dieſer Zimmer, das einen Ausgang t giedrigen S Der Ein 1 —ö —— das Meer dar unte oder ſich getreulich daß beefahrers; um r Kühnheit um Art von wirk⸗ ſtets höchſt un d ſeinen lieben galt, zu Hauß en Herbſtabende der Hülfe ſeing ens klarer Blit n dieſe Beſchäͤf ſſte Ankunft de ng derſelben au einige Neugien unmehr ſo voll Nenſch von des e Aufmerkſamte lben entging. er neue Stramf er weder Brit nem Menſchent s Vermögen in mußte er ei ſeinen mäßig dennoch mehr i Vorräthe eing en mitbrachte, der drei klein S en, bewies, we „ſo doch etw on Armuth 1 Nähtiſch nen Ausgang t 49 das zur Linken, ebenfalls mit einem eigenen Ausgange, be⸗ die Klippe hatte, wurde von Letsler ſelbſt bewohnt; wohnte Georg; doch das zur Rechten, von allen dreien au genſcheinlich das ſchönſte und am beſten eingerichtete, war für Nicolinen beſtimmt. Dieſes ſonderbare kleine Zimmer, das den Forderungen der Nothwendigkeit zufolge nach der Oeffnung geformt war, welche die Klippe hier bildete, hatte eine dreieckige Geſtalt und hätte möglicher Weiſe, wenn es an einem dunklen und kalten Herbſtabende, da es nur von einem zitternden Mondſtrahle beleuchtet wurde, für eine Nonnen⸗ zelle gehalten werden können. Sah man es jedoch an einem ſonnigen Frühlingstage oder an einem ruhigen Sommerabende, und blickte hinaus durch die anmuthigen Jalouſien, die Nicoline von den Zweigen einer Paſſions⸗ blume, welche ſich geſchmeidig„um das hohe Spalier des blätterreichen Epheu hatte biegen laſſen, zuſammengeflochten hatte; ſah man hinaus durch dieſe Jalouſien, über denen die weißen Fenſterdraperien ſich luftig vor dem leichten Winde erhoben, der durch das halbgeöffnete Fenſter ſäu⸗ ſelte; ſah man das blaue Meer, begraͤnzt von großen Bergmaſſen und beſtreut mit unzähliggn Scheren, wo die Wogen zwiſchen rothgeſchliffenen Steinen hinrollten; ſah man hie und da ein Fahrzeug mit geſpannten Segeln, von einem friſchen Winde über ſchäumende Bahnen getrieben, während hoch über ſeinen Maſten die Seevögel in weiten Ringen hin und her ſchwebten; und ſah man endlich die ſchöne Frau vor dieſem Fenſter ſitzen, und wie ſich bis⸗ weilen ihr? goldenen Locken mit den grünen Blättern ver⸗ miſchten: ſo glaubte man ine von dieſen Kammern der Sage, wo eine eingeſchloſſ e, täglich auf das Meer hin⸗ aus blickende Jungfrau«k die Stunde der Befreiung harrt, verwirklicht zu ſehen In dieſem kleinen He ligthum Nicolinens ſtand ihr und ühr Bächordee t; und in der einen Ecke des niedrigen Sopha's, der in dem Winkel der Kammer ein⸗ Der Einftebter ꝛc. I. 4 geſchoben war, ruhte oft unberührt ihre Zither, zu welchen ſie in ihrer früheren Jugend die frohen Lieder geſungen hatte, die ſpäterhin nach und nach auf ihren Lippen erſtar⸗ ben. Sang ſie jetzt je zuweilen, ſo geſchah es entweder weil Georg ſie ſo herzlich darum bat, oder auch wenn ſie während Letsler in ſeinem Fiſcherboote draußen auf der See ſaß, ſich allein auf der Johannis⸗Klippe befand und das Bevürfniß empfand, mit den wohlbekannten Tönen ihr Herz in Ruhe zu wiegen. Wenn Georg zu Hauſe war, ſo war es ihm eim Freude, bei der Mutter zu ſitzen und das Penſum zu ler⸗ nen, das der Vater ihm aufgegeben hatte; denn ſo ſehr in ſich ſelbſt verſchloſſen Letsler anch immer lebte, ſo ver⸗ ſäumte er es doch nie, Georgs Studien zu leiten um auszubilden und ſogar— dieſes jedoch ſeltener— ge ſprächsweiſe ſeinen Verſtand zu erleuchten und anzubauen, Doch obgleich Georg jetzt das Alter erreicht hatte, da g⸗ mit der Kenntniß des Charakters ſeines Vaters dieſe Stun⸗ den, die auch nie aus ſeiner Erinnerung verſchwanden hinlänglich zu ſchätzen verſtand, ſo hatte dennoch die ein⸗ fachſte Wahrheit, der ſanfteſte Rathſchlag, ausgeſprochn von den Lippen der Mutter, einen unendlich höheren Wertz für ihn; und ſein lebhaftes, unruhiges Gemüth mußt ſchon ganz beſonders gefeſſelt ſein, wenn nicht ihre Reda ihn hätten feſſeln ſollen. Dieſes war gleichwohl eben an einem Abende deß Fall, da er, nachdem er ſeine Bücher zuſammen geleg hatte und zweimal erinnert worden war, ſeinen Tuſchkaſten hervorzuſuchen, womit er ſich unter Nicolinens Aufſicht beſchäftigte, dennoch mit ſehnſüchtigen Blicken die Thun be etrachtete. „Was fehlt Dir, mein Georg?— macht's Dir 3 und wie länger Vergnügen, bei der Mutter zu ſein 2 „Ja gewiß, das macht mir immer Vergnügen; aden es war ſo, ich ſollte hinaus mit Carolus und fiſchen.“ „Doch wohl nicht die Nacht ausbleiben, liebes Kind? „Ich dem es z „Ab See, wen ſen macht und auf d „Ach wenn ich gleich die und ich v ſind gege eigene Ha geht nicht Steuer ſit Abe Es iſt ger Nachts, kann und bisweilen bemerkt, platz geſch mein Kind phirender ja in viel 734 ſtill ich e r, zu welchen der geſungen Lippen erſtar⸗ es entweder uch wenn ſie lußen auf der pe befand und annten Tönen es ihm einm benſum zu ler⸗ denn ſo ſehl tlebte, ſo ver⸗ zu leiten und eltener— ge lind anzubauen t hatte, da g⸗ ers dieſe Stun⸗ verſchwanden dennoch die ein ausgeſprocha höheren Wertt Gemüth mußt licht ihre Reda im Abende de uſammen geleg inen Tuſchkaſten olinens Aufſich icken die Thut acht's Dir nich 24 hergnügen; abe und fiſchen.“ 51 „Ich weiß nicht, wie bald es zu Ende iſt— je nach⸗ dem es zu arbeiten gibt.“ „Aber, lieber Georg, biſt Du nicht genug auf der See, wenn Du mit Vater Elias und Carolus lange Rei⸗ ſen machſt— wozu willſt Du denn immer draußen liegen und auf dem Waſſer umherplätſchern?“ „Ach, liebe Mutter, ich bin auf dem Waſſer ſo, als wenn ich dort wohnte, und dann, ſo meine ich, daß, ob⸗ gleich die langen Reiſen ganz luſtig und angenehm ſind und ich viele Dinge zu ſehen bekomme, ſie doch gar nichts ſind gegen die kleinen Reiſen, die ich und Carolus auf eigene Hand machen; denn da iſt es friſches Leben und geht nicht ſo bedächtig zu, als wenn Vater Elias am Steuer ſitzt.“ „Aber was ſind denn das für Arten von Reiſen?— Es iſt gewiß nicht immer Frage von Makrelenfiſcherei des Nachts, wenn, wie Du weißt, Vater oft nicht ſchlafen kann und hinaus geht an die friſche Luft und ich mich bisweilen ihm nachſchleiche, ſo habe ich mehr denn einmal bemerkt, wie der Freiſegler, oder bisweilen auch ein klei⸗ neres Boot von Carolus geführt, ſich an den Landungs⸗ platz geſchlichen hat... haſt Du das nicht auch geſehen, mein Kind?“ „Sollte ich nicht?“ antwortete Georg, und ein trium⸗ phirender Blitz ſchoß hervor aus ſeinem Auge.„Ich bin ja in vielen Nächten mit dabei geweſen.“ „Du?— wenn ich meinte, Du lägeſt in Deinem Bette? „Ja, da habe ich dort hübſch gelegen, kannſt Du glauben! Aber, Mutter, Du kannſt gar nicht glauben, wie ſtill ich ein Ruder zwiſchen den Klüften und Scheren führe, und wie ſtark ich bin.“ „Stark?— wozu brauchſt Du denn da ſo ſtark zu ſein?— was meinſt Du?⸗ „Ich meine, daß der keine ſchlechte Sehnen haben , liebes Kind i darf, der im Stande ſein ſoll, Ballen, bisweilen kleine, 1 bisweilen große, zu tragen: ſie ſind nicht ſo leicht, das kannſt Du glauben! Und dann ſich auf dem Sande hin⸗ zuſchleichen, ſo leiſe, daß keine Katze leiſer ſchleichen kann, und dann die beſten Verſtecke, bald in den Felſenſpalten, bald in den Höhlen, die es in den Klippen gibt, zu fin⸗ den— o, das iſt das alerluſtigſte.. Aber es muß recht dunkel ſein und ſtürmen, ſo daß es um die Ohren ſauſ't, denn ſonſt iſt es nicht, wie es ſollte.“ „Aber, liebes Kind, ich berſänhe das alles nicht recht — woher bekommt Carolus ſo viele Ballen, was enthal⸗ ten ſie, und wohin kommen ſie, nachdem ſie in den Fel⸗ ſenhöhlen gelegen haben 2“— Niccline, die mit dieſen myſtiſchen Gegenſtänden ſo unbekannt und ſo wenig arg⸗ wöhniſch war, wie ein Kind, wenn von der Wirklichkeit ſelbſt die Rede iſt, hatte dennoch ein inſtinktartiges Gefuühl, welches ihr andeutete, daß hierin etwas Unrechtes läge. „Bisweilen,“ erwiederte Georg,„kommt ein anderes Boot, und nimmt die Frachtgüter, nachdem wir ſie ein Stück gefahren haben, in Empfang; bisweilen treffen wi auch ein Boot, das uns ſolche liefert. Da vergraben wi ſie bisweilen, beſonders in großen Rieſentöpfen, auf welcht ein Stein als Deckel paßt, und bisweilen an andere Stel⸗ len, die ich nicht nennen darf. Bisweilen fahren wir auche wohl zu einem von den Kaufleuten und laden die Sachen in ihren Seebuden aus.“ Aber glaubſt Du nicht, Georg, daß in dieſen ge⸗ heimnißvollen Reiſen etwas Boͤſes liegt?— ſage mir, u Du das nicht ſelbſt glaubſt.“ Georg ſchien unentſchloſſen zu ſein, was er nun anß worten ſollte.„Ich weiß nicht ſo ganz beſtimmt,“ ſagt er zuletzt,„obgleich ich nicht begreife, was für Böſes de rin liegen kann.“ Weiß Vater Elias davon?“ 8 „Nein, ſo viel mir bekannt, weiß er nichts; um Carolus ſagte mir, als er mich das erſtemal uitnah daß ſolche Arten von Reiſen niemals gelängen, wenn 3 doch nuchen Viele um ihm bekann wäre, und „Er h etwas davo „Nein, würde ich's wenn man „Aber, „ſo ſage mi von dieſen 1 mein gelieb neuern; der gentlich Unr daß Du dal „Ja, wußte vorhe mit einem der Verdrufß liebe Mutte ſtigen Abent reue, daß i führeſt, luſtigſten Fr gen, wenn Wnaren 4 daß Du un willſt. Ich o leicht, das Sande hin⸗ hleichen kann, Felſenſpalten, gibt, zu fin⸗ Aber es muß im die Ohren les nicht recht „was enthal⸗ e in den Fel⸗ ie mit dieſen ſo wenig arg⸗ er Wirklichkeit ertiges Gefühl, echtes läge. nt ein anderen i wir ſie en len treffen wir vergraben wit en, auf welcht n andere Stel⸗ hren wir auche en die Sachen ß in dieſen ge⸗ ſage mir, t as er nun ank ſtimmt,“ ſagt für Böſes das er nichts; un er mitnahe ngen, wenn u 5 1 doch nicht ſo viel werth ſein, mein theurer C Viele um das Geheimniß wüßten. Doch ſagte er, es ſei ihm bekannt, daß ich ein flinker und verſchwiegener Junge wäre, und darum wollte er mir ein Vergnügen machen.“ „Er hat Dir alſo ausdrücklich verboten, Deinen Eltern etwas davon zu ſagen?“ „Nein, das hat er nicht, denn da kannſt Du glauben, würde ich's Dir jetzt nicht erzählt haben; ich erzähle nicht, wenn man mich gebeten hat, ich ſoll ſchweigen.“ „Aber, lieber Georg!“ ſagte die Mutter ſchmeichelnd, „ſo ſage mir doch, warum haſt Du mir nicht ſchon längſt von dieſen nächtlichen Ausflüchten erzählt? Ich ſage Dir, mein geliebtes Kind! Du darfſt dieſelben nicht mehr er⸗ neuern; denn wenn auch in ihrer Heiglichkeit nichts ei⸗ gentlich Unrechtes liegt, ſo iſt es dennoch ſehr möglich, daß Du dabei Deine Geſundheit zerſtoͤren kannſt.“ „Ja, ſieh, das konnte ich mir wohl denken— ich wußte vorher, daß es ſo kommen würde!“ rief Georg aus mit einem Tone, in welchem heftiger Schmerz und reden⸗ der Verdruß lag.„Aber nun verſtehſt Du wohl auch, liebe Mutter, warum ich nicht ſchon längſt von dieſen lu⸗ ſtigen Abenteuern erzählt habe, und warum ich's nun be⸗ reue, daß ich es gethan habe.“ „Schäme Dich, Georg! wie kannſt Du ſo unartig ſein.... Du machſt mir Kummer!“ „Und Du machſt mir Kummer! Ich wußte recht gut, daß Du unruhig werden würdeſt, ſobald Du es er⸗ führeſt, und ſo wäre es zu Ende mit meinen beſten und luſtigſten Freuden; und doch kann nichts Böſes darin lie⸗ gen, wenn Carolus den Kaufleuten dient und ihnen ihre Waaren in Sicherheit bringt.“ „Doch dieſe Freuden,“ ſagte Nieoline ſanft, indem ſie die glühende Stirne des Knaben ſtreichelte,„können Dir org, als daß Du um ihretwillen meine Ruhe auf's Spiel ſetzen willſt. Ich könnte nimmermehr ruhig ſchlafen, wenn ich 54 wüßte, daß Du auf der See wäreſt... Wie Du wohl frieren und ſchlecht fahren mußt!“ „Frieren?— nein Mutter, behüte! mir iſt bisweilen ſo warm, daß ich ſchwitze; und dann ich kleide mich immer ſo, daß ich mich nie erkälten kann. Da ich aber ſchon ſo viel erzählt habe, ſo kann ich Dir wohl auch erzählen, daß ich zweimal mit Carolus bei dem Patron Holmér auf Strand geweſen bin, und er hat uns alle mogliche Ehre und Gaſtfreundſchaft erwieſen. Und weißt Du was, Mutter“— hier war Georg's Heftigkeit und Verdruß ganz dem Vergnügen gewichen, der geliebten Mutter etwas Neues erzählen zu koͤnnen—„weißt Du, Patron Holmér hat eine kleine Tochter, Fanny, ein kleines ſuͤßes Mädchen, und ſo klug und ſo artig! Ich habe ihr mehrere kleine Böte gemacht und von ihr die ſchönen, prächtigen Wall⸗ nüſſe und alle die großen Feigen bekommen, die ich Dir gebracht habe. Ja, ja, liebe Mutter! wer hinaus kommt in die weite Welt, der bekommt Vieles zu ſehen... aber arme, arme, gute Mutter! Du ſitzeſt, wo Du ſttzeſt, wie ein kleiner, einſamer Vogel oder wie die Diſtel der Jungfrau draußen auf der Klippe.“ „Ich klage nicht darüber, mein Georg, und bin auch nicht verlaſſen, gleich der armen Diſtel. Laß mich aber nun wiſſen, ob Du nicht ſelbſt dadurch gelitten haſt, weil Du ein Geheimniß vor mir hatteſt— ich hätte es mir nie vorſtellen können, daß es möglich wäre.“ „Das iſt auch nicht gerne geſchehen, liebe Mutter und Du kannſt mir glauben, es iſt mir bisweilen ſchwen genug geworden. Doch nie, nie, liebe Mutter 1“— hier blickte Georg der Mutter treuherzig und innig in dasß Auge— hätte ich es gekonnt, wenn ich nicht immer get fürchtet hätte, daß das Ende ſo werden würde, wie 6hh wurde, nämlich, daß es mit der Freude ein Ende hätten ſobald ich davon ein Wort erzählte.“ „Bereueſt Du denn Deine Offenherzigkeit, mein Kind „Nein, Mutter! ich wollte für alle meine Abenteuen dies nicht u nach ihnen liebe Mutte Dieſes war gleichn hört worden Ofen ſitzend zu lauſchen „Was mit dem In auch nicht e ner Gattin „Wenn entgegnete 2 was ich Ge „Nicht erzogen wird gen ſolche( Verzärtelung Georg ſich er wird leid als dieſen.“ Nicoli Machtſpruch machte; do tigt zu ſein wagte ſie „Ich glaube lich, wenn begleitet, un Beſtes, wen „So ſ hen die Ge jeder Witter „Leide 55 Lie Du wohl iſt bisweilen 2 mich immer ch aber ſchon auch erzählen, atron Holmér alle moͤgliche eißt Du was, und Verdruß Mutter etwas atron Holmér ßes Mädchen, mehrere kleine ſchtigen Wall⸗ die ich Dir hinaus kommt zu ſehen... wo Du ſthzeſt, die Diſtel der und bin auch zaß mich aber tten haſt, weil hätte es mit liebe Mutter, sweilen ſchwer ttter!“— hiet innig in das icht immer gee vürde, wie in Ende hätten , mein Kind 7/ heine Abenteuer nach 5⁵ dies nicht ungethan haben— aber ach! wie werde ich mich ihnen ſehnen! Du kannſt Dir gar nicht vorſtellen, Mutter, wie ſehr ich ſie vermiſſen werde.“ Dieſes Geſpräch, das Nicoline für unbemerkt hielt, liebe war gleichwohl durch die halboffene Thür von Letsler ge⸗ hört worden, obgleich dieſer, neben dem kleinen eiſernen Ofen ſitzend, auf nichts als auf ſeine eigenen Gedanken zu lauſchen ſchien. „Was iſt das nun ſchon wieder für ein Gehätſcheln mit dem Jungen!“ rief er, wenn auch nicht hart, ſo doch auch nicht eben ſanft aus, indem er in das Zimmer ſei⸗ ner Gattin trat. „Wenn Du, mein guter Bernhard, Alles gehoͤrt haſt,“ entgegnete Nicoline nachgiebig,„ſo hoffe ich, Du billigſt, was ich Georg geſagt habe.“ „Nicht im Allergeringſten! Für einen Jüngling, der erzogen wird, um ſein Brod auf der See zu ſuchen, tau⸗ gen ſolche Einſchränkungen nicht; mit einem Worte: keine Verzärtelung taugt! Darum, liebe Nicoline, laß Du den Georg ſich ruhig an Sturm und Sonnenſchein gewöhnen, er wird leider auf jeden Fall jenen mehr erfahren müſſen, als dieſen.“ Nicoline hatte ſich ſeit langer Zeit gewöhnt, den Machtſpruch zu ehren, den ihr Gatte gegen ſie geltend machte; doch in dieſem Falle glaubte ſie ebenfalls berech⸗ tigt zu ſein, eine Meinung zu haben. Und ſanftmüthig wagte ſie daher mit einem Einwande hervorzukommen. „Ich glaube,“ ſagte ſie,„es iſt für Georg gar nicht nütz⸗ lich, wenn er den Carolus auf ſeinen nächtlichen Abenteuern begleitet, und darum meine ich, es wäre Georg's eigenes Beſtes, wenn er keine Erlaubniß dazu hätte.“ „So ſage mir denn,“ fiel Letsler ein,„worin beſte⸗ hen die Gefahren, die Du ahneſt? denn daß Georg in jeder Witterung draußen ſein, darf, das weißt Du vorher.“ „Leiver, theurer Bernhard, weiß ich das allzu gut; 56 doch auf Deine Frage kann ich weiter nichts antworten, als daß ich an mein Gefühl glaube.“ „Das hat Dich aber doch ſchon oft getäuſcht! Glaube mir, der ich Erfahrung von dem Leben habe, wenn ich Dir ſage, daß Alles, was Carolus auf dieſen Reiſen vor⸗ nimmt, in nichts anderem beſteht, als Güter aus der ei⸗ nen Hand in die andere umzuſetzen— ich kann es nicht weitläuftiger erklären, weil Du es ohne eine weitläuftige Abhandlung nicht verſtehen würdeſt; ſei jedoch überzeugt, daß Carolus weder etwas für eigene Rechnung nimmt, noch auf eine andere Weiſe etwas verdient, als durch einen ehrlichen Accord mit den Kaufleuten, denen er ihre eigenen Waaren bringt.“ Alles dieſes, was gewiß nicht als ganz unwahr er⸗ ſcheinen kann, und was ſich gewiß recht gut ſagen ließe, wenn es auch vor andern als Nicolinens Ohren geſchähe, beruhigte ſie zwar nicht, hatte aber doch die Wirkung, daß ſie glaubte, ihr Mann müßte dies natürlicher Weiſe beſſen wiſſen, und vor allen Dingen, daß er es nicht geſtatten würde, wenn darin etwas läge, das Georg's moraliſchen Begriffen ſchädlich ſein könnte. An dieſem Abende blieb jedoch Georg von ſelbſt zu Hauſe; denn ſo jung er wa und kaum ſeine eigenen Ge⸗ fühle begriff, ſo ſchmerzte es ihn dennoch ſo ſehr, daß ſein liebe Mutter Widerſpruch erfahren hatte, daß er, wenn dieſes auch nicht hinreichend geweſen wäre, ihren Wün⸗ ſchen nachzukommen, es dennoch gethan haben würde, blos um dem Vater zu zeigen, wie ſehr er dieſelben hoch⸗ achtete. Selbſt Letsler zollte in dieſem Augenblicke der ſo oſfte überwiegenden Zärtlichkeit für eine Gattin, die er plagte und dabei dennoch vergötterte, ſeinen Tribut. Er ſtreichelte Georg und ſagte mit ungewöhnlicher Zärtlichkeit:„Est gefällt mir, mein Junge, daß Du zu Hauſe geblieben biſt, und ich wäre, obgleich ich es Dir nicht geweigert habe, unzufrieden geweſen, wenn Du Dich jetzt hinwegt begeben hä zu erfüllen Im Feſt von k Carol der Beſitze ſondern hat gut genug Blaubeeren ohne viele langer Zeit Tage, da Grafwerna Sohne als zu uͤberliefe kleinen Rei ſionen ange Jetzt Boden, un daß er der Johanna u keineswegs, was auch d bald mit T und Speiſe Hausmutten Methoden hts antworten, luſcht! Glaube abe, wenn ich en Reiſen vor⸗ er aus der ei⸗ kann es nicht e weitläuftige och überzeugt, nung nimmt, ls durch einen r ihre eigenen nz unwahr er⸗ ut ſagen ließe, hren geſchähe, Wirkung, daß r Weiſe beſſe nicht geſtatten 's moraliſchen von ſelbſt zu ne eigenen Ge⸗ ſehr, daß ſeine daß er, wenn ihren Wuͤn⸗ haben würde, (dieſelben hoch⸗ icke der ſo oſte die er plagtet .. Er ſtreichelte lichkeit:„Es auſe geblieben nicht geweigert jetzt hinweg 5 57 begeben hätteſt. Vergiß es nie, die Pflichten des Herzens zu erfüllen, ſo lange ſie nicht gegen die Ehre ſtreiten! Fünftes Kapitel. Im folgenden Frühlinge wurde in Grafwerna ein Feſt von keiner geringen Bedeutſamkeit gefeiert. Carolus war nämlich ſeit einem Jahre nicht allein der Beſitzer der einen Hälfte des Freiſeglers geweſen, ſondern hatte ſich auch ſo viel geſammelt, daß er ſich für gut genug erachtete, bei der ſchoͤnen Johanna auf dem Blaubeerenholm als Freier aufzutreten; er hatte auch ohne viele Umſchweife ihr Ja erhalten, weil er ſchon ſeit langer Zeit ihr Herz beſeſſen hatte. Und an dem großen Tage, da die Hochzeitſchaar ihren jubelnden Einzug in Grafwerna hielt, fand der alte Elias es für gut, dem Sohne als Hochzeitgabe die zweite Hälfte des Fahrzeuges zu uͤberliefern, nachdem er ſich für ſeine noch übrigen kleinen Reiſen ein anderes Boot von geringeren Dimen⸗ ſionen angeſchafft hatte. Jetzt alſo ſtand Carolus auf eigenem Grund und Boden, und fühlte ſich auch nicht ſo wenig ſtolz darüber, daß er der glückliche Beſitzer des Freiſeglers, der ſchönen Johanna und— der Mitgift war; denn Johanna kam keineswegs, wie man es nennt, barfuß in ihr neues Heim, was auch daraus zu erſehen war, daß die neuen Kammern bald mit Tapeten verſehen wurden und eine eigene Küche und Speiſekammer erhielten, in welchen ſich die junge Hausmutter nach eigenem Gefallen und nach eigenen Methoden umſchwenken konnte. Von dieſen eigenen Me⸗ 58 thoden verſicherte jedoch Mutter Malena kopfſchüttelnd, daß ſie allzu neu wären, als daß ſie zu etwas taugen könnten. „Sage Carolus nichts davon, Mutter,“ ermahnte der Alte,„denn da ſtößeſt Du auf eine Patrouille.“ „Sei Du nur nicht ängſtlich, Du— ich bin ſo froh über ſeine Freude, daß ich nicht das Herz habe, Katz! zur Katze zu ſagen. So ein dummes Ding will mehr wiſſen, als die Schwiegermutter und legt die Fiſche in kaltes Waſſer ſtatt in heißes.“ „Aber ſie iſt doch recht gut und liebt unſern Caro⸗ lus!“ ſagte Elias verſoͤhnend. O, ich ſage ja weiter nichts, als daß er weit „, ſchlechter hätte ankommen können. Das junge Ding iſt gut, wenn ſie nur erſt ſo viel mit in die Welt gefahren iſt, daß ſie lernt, Schönheit und prächtige Kleider ſind nicht Alles. Nun iſt ſie wie junges Bier, es ſchäumt über— doch ſie wird ſchon geſetzt werden...“ Die glücklichen und häufigen Reiſen, die Carolus während des Sommers und bis ſpät in den Herbſt hinein nach Helſingör, Malmd und Göteborg gemacht hatte, ließen vermuthen, daß er jetzt das gefährliche Handwerk, welches er als Junggeſelle getrieben, ganz aufgegeben hätte, dieſes jedoch zur größten Betrübniß und zum Ver⸗ luſte der Handelshäuſer, denen ſeine Thätigkeit und Ge⸗ ſchicklichkeit ſo oft von Nutzen geweſen war. „Gott ſei Lob und Dank jetzt darf ich Dich doch viele Monate zu Hauſe behalten,“ ſagte Nicoline, als ſie ihren Georg bei ſeiner Rückkehr von der letzten Herbſt⸗ reiſe heftig an das unruhige Mutterherz drückte.„Es iſt aber doch ſo ſchön zu ſehen, wie groß und ſtark Du durch dieſe beſchwerlichen Reiſen wirſt!“ Und mit Augen, die von den ſchönſten Perlen, den Freudethränen einer Muttst⸗ glänzten, betrachtete die arme, an ſo vielen andern Dingen⸗ freudenloſe Nicoline den kräftig ausgebildeten Körper ihres 8 Georg, ſo ſchwellenden Die S ihm ſo ſchoͤ und Anmut ſetzte, um d wenn der S Georg wäre er ſec und Herzens ten zu woll und aufmer beſchreiblich rungen, die Städten au kleinen Auft Mutter mac Blumentopf de Cologne brachte er e hatte, um d Vergnügen, Thierſammlit gar, um da dem kleinen ſpruch genon ihn ſtatt de Und ſo, ind wegte Gewi fegenen S voſgel in ein Es wü lihſten fühll en, hat beſhrungen be autter ſich pfſchüttelnd, was taugen, ermahnte der e.)* bin ſo froh habe, Katz will mehr die Fiſche in unſern Caro⸗ daß er weit ige Ding iſt Jelt gefahren Kleider ſind es ſchäumt ie Carolus Herbſt hinein macht hatte, ſe Handwerk, aufgegeben d zum Ver⸗ eit und Ge⸗ Hh Dich doch line, als ſie tzten Herbſt⸗ kte.„Es iſt hrk Du durch Augen, die ſeiner Muttet ndern Dingen (Körper ihres Georg, ſo wie ſeinen lebhaften Blick und ſeine trotzig ſchwellenden Lippen. Die Schifferjacke und der rothe Langſhawl ſtanden ihm ſo ſchoͤn, und dann der blanke Hut, den er mit Stolz und Anmuth in allen möglichen Richtungen auf den Kopf ſetzte, um der Mutter zu zeigen, wie er feſt ſitzen könnte, wenn der Sturm ihn über Bord werfen wollte! Georg war jetzt vierzehn Jahre, ſah aber aus, als wäre er ſechzehn, und die Entwickelung des Verſtandes und Herzens ſchien mit dem Körper gleichen Schritt hal⸗ ten zu wollen. Es konnte keinen zärtlicheren, gehorſameren und aufmerkſameren Sohn geben, und es lag etwas un⸗ beſchreiblich Rührendes in den tauſend kleinen Entbeh⸗ rungen, die er ſich während des Aufenthaltes in den Staͤdten auferlegte, um mit der ſparſamen Handkaſſe einen kleinen Aufkauf, eine kleine Ueberraſchung für die geliebte Mutter machen zu koͤnnen, die meiſtens in einem netten Blumentopfe, einigen Gewächſen, einem Nähkäſtchen, Eau de Cologne und dergleichen mehr beſtand. Diesmal aber brachte er ein rechtes Prachteremplargeſchenk mit, und er hatte, um daſſelbe anſchaffen zu koͤnnen, dem entzückendſten Vergnügen, das Marionettentheater und die wunderbare Thierſammlung zu ſehen, entſagen müſſen; ja er war ſo⸗ gar, um das Capital nicht zu rühren, genoͤthigt geweſen, dem kleinen Bettlerknaben, der ſein Mitleiden oft in An⸗ ſpruch genommen hatte, ein Scherflein zu verſagen, und ihn ſtatt deſſen mit einem Schiffszwieback zu regaliren. Und ſo, indem er mit dieſer Gabe das noch ſo leicht be⸗ wegte Gewiſſen beſchwichtigte, ging er und kaufte den be⸗ Mgenen Schatz— einen ausgezeichnet ſchoͤnen Canarien⸗ voſgel in einem vergoldeten Käfig. Es wiürde ſchwer ſein, zu ſagen, wer ſich am glück⸗ lihſten fühlte, Nicoline, weil ſie Georgs ſchönes Geſchenk ealten hatte, welches er— das wußte ſie— mit Ent⸗ beſhrungen bezahlt hatte, oder Georg, weil er ſah, daß die Mautter ſich auf den glänzenden Käfig hinabbeugte und mit„Schoͤn⸗Fanny“ plauderte. Georg hatte nemlich den hätte. Si prächtigen Kanarienvogel ſchon unterwegs nach ſeiner klei⸗ unter ande nen Göttin in Strand getauft; doch um die beiden Namen Du jetzt d zu unterſcheiden, ſchlug er vor, den Vogel„die norwegiſche weilen ban Fanny“ zu nennen, wenn man nämlich von und nicht gen, die es mit ihm redete. 6.„Soll Etwa eine Woche nach ſeiner Rückkehr ſaß Georg Wogen?— an einem Abend in dem Zimmer ſeines Vaters, woſelbſt Dich, daß auch Nicoline mit ihrem Strickzeuge ſo nahe wie möglich ich nicht w an dem Kamine, um ſich nämlich gegen die Kalte zu falls nie ba ſchützen, Platz genommen hatte. Es war einer von dieſen dem Freiſeg unruhigen und unangenehmen Abenden, an denen die weſt⸗ ſtuͤrmte als lichen Winde längs der Küſte raſen und zahlloſe Verwü⸗ mich feſt in ſtungen anrichten. Die kleine Wetterfahne vor dem Hauſe len wie der knarrte mit ſchneidenden Tönen und die Fenſterläden zit⸗ peitſchten, terten ſo heftig an ihren Angeln, daß es den Hausbe⸗ leicht im H wohnern ſo vorkam, als würden ſie in jedem Augenblicke moͤchte noch aufgeriſſen werden, während das Getoſe der fürchterlichen ich im Stu Brandung an der weſtlichen Seite der Johannisklippe ſich ja, wenn di mit ihren Intervallen horen ließ, je nachdem die Fluthen teſt Du, lie ſich gegen die nackten Felſen ſtürzten oder über dieſelben leben!“ hinwegſpulten.„Was An dem kleinen Tiſche, der vor Nicolinen ſtand, ſaß„Ja, Georg und takelte ein nach dem Muſter des Freiſeglers Kriegsfahrz angefertigtes Boot; und faſt jedesmal, wenn Letsler wäh⸗ im Nebel u rend feiner Wanderung im Zimmer ſich dem Tiſche näherte, herzlich gem hatte Georg eine Frage in Bereitſchaft: bald ob die Focke ſolchen Wen zu grob ware, bald ob nicht der Kiel richtig geſtreckt ſe voller Schl und ob der Vater nicht meinte, der Vorderſteven habe dißt ſchön das ſ Krümmung, welche Thomas in Kihle ſeinen Böten gäbtg über die Lu und endlich wollte er auch wiſſen, ob es nicht moͤglichte liebe Mutte wäre, nach dieſem Modellé ein großes Boot zu bauen. nichts zu d Aus den kurzen und zerſtreuten⸗Antworten, die Lets Erſte wäre auf dieſe lebhaften Fragen gab, erſahen Mutter und Solz daß dieſer Tag einer von denjenigen wäre, an dene weniger denn gewöhnlich Gefühl für etwas außer n Namen rwegiſche und nicht ß Georg woſelbſt e möglich Kälte zu won dieſen die weſt⸗ ſe Verwü⸗ dem Hauſe rläden zit⸗ n Hausbe⸗ Nugenblicke rchterlichen sklippe ſich die Fluthen er dieſelben ſtand, ſaß Freiſeglers ketsler wäh⸗ ſche näherte, ven habe die Böten gäbt licht möͤglic zu bauen. „die Lets r und So an denen außer hätte. Sie unterhielten ſich daher mit einander, und unter anderem ſagte Nicoline:„Denke Dir, Georg, wenn Du jetzt draußen wäreſt!... Iſt Dir doch nicht bis⸗ weilen bange vor den Brandungen und den großen Wo⸗ gen, die es ſo ſpät im Herbſte gibt? „Sollte mir bange ſein vor Brandungen und großen Wogen?— nein, meine gute, liebe Mutter, ich verſichere Dich, daß ich die Wahrheit ſage, wenn ich behaupte, daß ich nicht weiß, was bange ſein heißt. Carolus iſt eben⸗ falls nie bange, und Du kannſt glauben, daß wir oft mit dem Freiſegler aus geweſen ſind, wenn es noch weit ärger ſtürmte als jetzt. Da ſtand ich im Vordertheile und hielt mich feſt im Stag. Wenn ſo der Schaum von den Wel⸗ len wie der ärgſte Regen mir das Geſicht und die Bruſt peitſchten, ſo that mir das richtig wohl, mir wurde ſo leicht im Herzen und im Kopfe, daß ich wünſchte, es moͤchte noch eine Weile ſo fortdauern. Und dann habe ich im Sturme, ach! ſo viele herrliche Gedanken gehabt— ja, wenn die Gedanken Wahrheit werden köͤnnten, da ſoll⸗ teſt Du, liebe Mutter, recht viele Freude in der Welt er⸗ leben!“ „Was waren denn das für Gedanken, mein Georg?“ „Ja, Du weißt wohl, wie ich mich nach einem Kriegsfahrzeuge ſehne.... Wenn wir nun im Sturm, im Nebel und dergleichen draußen waren, ſo habe ich ſo herzlich gewünſcht und zu Gott darum gebetet, in einem ſolchen Wettey auf einem Kriegsſchiffe an Bord und in voller Schlacht mit einem Feinde zu ſein— ach, wie ſchön das ſein muß!“ Georgs Auge ſtrahlte vor Freude über die Luftſchloͤſſer, welche er aufführte.„Denke Dir, liebe Mutter!... Du kannſt ja nur denken, es koſtet ja nichts zu denken... denke, wenn ich beim Entern der Grſte wäre, der Erſte, der die ſchöne ſchwediſche Flagge aßf das eroberte feindliche Schiff ſetzte! Die Beſatzung wird entwaffnet— ich weiß ganz genau, wie es zugehen maß! Nachdem nun alles in Ordnung und ein Theil 62 unſerer Mannſchaft auf die Priſe an Bord geſetzt iſt, ſe werden Alle auf das Verdeck geblaſen— nun lache nicht! — Georg Letsler wird vorgerufen, der Befehlshaber klopft ihm auf die Schulter und ſagt... ja, laß mich ſehen und denken, was er ſagen ſoll... ja, nun habt ich'st„Georg Letsler!“ ſagt er,„Du haſt Dich brav ge⸗ halten, mein Junge— Du biſt Conſtabler und gehſt zu den Cadetten in ihre Cajüte!“ Nun, Mutter! was meinſ Du, war das nicht gut, oder ſollte er vielleicht noch et⸗ was mehr ſagen, wie zum Beiſpiel:„Georg Letsler! Di biſt nebſt einigen Andern gemeldet, um eine Medaille zu erhalten— fahre ſo fort und Du wirſt bald Offizien werden!“ „Ich ſehe ſehr wohl,“ entgegnete Nieoline, ſanft la⸗ chelnd über die glänzenden Hoffnungen des Sohnes,„daß Du eben ſo gute Luftſchlöſſer als Boͤte bauen kannſt.. ach, mein lieber Georg!“ „Ach, meine liebe Mutter, dieſe Luftſchlöſſer ſin denn doch nicht ſo dumm, daß nicht für Andere Ernf daraus geworden iſt, und warum koͤnnte es denn nich auch für mich werden? Und ich wollte Dich ſehen, Mut⸗ ter, wenn Du nach einigen Jahren an einem Abende wi heute“— hier aber ſenkte Georg die Stimme—„D. ſollteſt in Deinem eigenen Zimmer neben der ſchöne Paſſionsblume ſitzen und mit der norwegiſchen Fann ſpielen, die auf dem Tiſche umherhüpft und Dir Hanf ſaamen aus dem Munde nimmt... wenn Du nun ſe daſitzeſt, ſo geht die Thür auf und ein großer Jünglint — ich glaube wohl, daß ich recht groß werde— ttt ein mit goldenen Epauletts auf den Schultern und m einer Medaille auf der Bruſt, und dieſer Herr ſchlitte eins, zwei, drei, die liebe Mutter in ſeine Arme, un meint, daß vor Allem dies das Beſte iſt.“ 4 Nicoline betrachtete ihren Georg mit einem von 8 ſen Blicken, mit denen nur eine Mutter auf ihr einzigtt Kind blicken kann.„Du malſt,“ ſagte ſie,„nur mit 5 roſenrother Gegenſtänd daß ich ſt Jünglings könnte, in denken an Georg zuſe „Ja nete Georg; fällt mir d ich wohl g⸗ ich mir ſo chen und ei können, wo fahren kann und Mutter ſer unheiml lichen Wohr bracht häͤtte Erwachen ei „Waru fragte Geor Stande ſein zu führen? „So la ich will es Mal, daß er „Niem geſetzt iſt, ſi n lache nicht! Befehlshaben ja, laß mich n, nun hab dich brav ge⸗ und gehſt zu l was meinſt eicht noch et⸗ Letsler! Du 2 Medaille zu bald Offizien ine, ſanft la Sohnes,„daß in kannſt.. ftſchlöſſer ſimn Andere Ernſ es denn nicht h ſehen, Muß⸗ m Abende wi mme—„D i der ſchönen giſchen Fan nd Dir Han nn Du nun ſ voßer Jünglin werde— u ultern und m „Herr ſchlittt ne Arme, u einem von 3 auf ihr einzigt „„nur mit 5 roſenrothen Farbe, die Dein geſt oth— geſundes, fro t Gegenſtänden des Lebens ertheilt. deenfe ban Ahe du daß* ſtatt des großen, mit einer Medaille gezierten Jünglings von einem ſeiner Freunde einen Brief rhalten künnte, in welchem dieſer mir die Medaille als ein An⸗ eenken an meinen einzige im K f 1 deuken ancien. zigen, geliebten, im Kampf gefallenen „Ja— es koͤnnte ſich woh ff 17 ohl auch ſo treffen,“ e. ne Georg; doch, obgleich auch das recht ſcon were uged⸗ fã lt mir das erſte dennoch weit beſſer. Und da u zee ich wohl ganz guten Grund; dann käme ich ſo wt 5 3 ich mir ſo viel Geld verdient hätte, um ein nettes Ha 28 hen und einen Garten in einer ſchönen Gegend Taufaui 1 hhden di aber auch ein See ſein muß, auf dan män dren. ann, da wollte ich— am liebſten, wenn Vat un Rutter in ihrem beſten Schlummer lägen Euch v ler ſe unheimlichen Johannis⸗Klippe hinweg zu der ſre de lehen Wohuung führen, die ich für Euch in Ordnung de⸗ racht hätte— und ich verſpreche, es e bei Eerm Gttnachen eine Ueberraſchung ſein! Klte bei mem Gegen das Ende des jugendlichen G ä Letaler ſich zu ihm und ſagte lichen,s hzßeh mendeße DneS hoͤre doch endlich auf, ſolche Kindereien und Damnah lſenon nnichwaben— ich meine doch wirklich 3— 1 Buwiſ enig zu alt, zu ſolchem einfältigem „Warum ſollten es Kindereien un . 4 nd Dummheit in,“ keagie Georg erröthend,„zu wünſchen, daß ich di ſeihe 2 adee ſein möchte, Vater und Mutter von hier hinwe zu fü een das waheleäue faſt in jeder Nacht daons „So en Traum fahren, mein la ente norr ber Vater in einem etwas Hufeeunnet tge 16 3 es Dir lieber jetzt ſo gut ſagen, wie ein anderen al, deß er nicht erfüllt wird.“ lnenas „Niemals?“ fragte Geor it 2 9 fragte Georg mit Nachdruck.„Wollt 64 Ihr denn beide, Vater und Mutter, hier auf dieſer öden vorigen Jah Klippe ſterben?“ ja in dieſen „Wir werden hier ſterben!“ war die eintoͤnige Ant, In dieſ wort.„Und könnteſt Du mir ein Haus vor Gold bauen ſierladen, ſo ſo würde ich dennoch die nackte Klippe vorziehen.“ den getrennt „Aber Du, mein Georg,“ fiel Nicoline ermunter zu gaſſeln be ein,„Du ſollſt hinaus in die Welt und dort glücklich um„Ich w froh leben und bisweilen nach Hauſe kommen und Dein er ein Tauem Eltern mit Deinem Beſuche erfreuen.“ hinauseilte. Georg ſchüttelte traurig den Kopf. Nach den düſten Es lag Worten, die ſein Vater ausgeſprochen hatte, konnte a wären beide nicht wieder in ſeine vorige frohe Gemüthsſtimmung zu geweſen. rückkommen. 3 Mit Mi Inzwiſchen wuchs der Sturm draußen immer mih er die Lucken an und lärmte mit immer größerer und groͤßerer Kraß um ſicher zu Zuletzt ergriff er mit einem Rieſenarme die Thür, ſo de und die Mutt dieſe ſperrweit aufſprang und dem Winde den Weg fui die äußerſte S ließ, um nachzufolgen. ſchweben, um „Mach die Thür zu, mein Kind!“ ſagte Nicoline m große Vorgeb einem leichten Schauder.„Es iſt doch unheimlich, dral ſchlungen und ßen beinahe im Meere zu wohnen!“ erz das Inſi „Wer dort heute Abend gegen die Wogen ankämpt„Es ziſch würde, wie ich glaube, gern ſehr viel geben wollen, wer hörte, wie dic er ſo ſicher ſitzen könnte, wie Du,“ ſagte Letsler, inde Steine hinwä er ſeine Pfeife an der Kante des Ofens ausklopfte und warf, von we von neuem ſtopfte. draußen iſt's „Ja, das iſt wahr, mein Freund!“ antwortete Nit den, die heu line, die in ihrem Innern einen Vorwurf fühlte, daß betete er anda ſich in einem Augenblick beklagen konnte, da wahrſcheint das ihm trotz unzählige Menſchen ſich in Lebensgefahr befanden.„At einladend erſch es iſt denn doch ſchrecklich,“ fuhr ſie fort,„zu hören, w Nicoline der Sturm ſtets wächſt, und an alles Unglück zu dent dem Manne welches er anrichtet!“ doch ſie ſelbſt „Das gehoͤrt ja der Jahreszeit an, liebe Muttz können. tröſtete Georg; nund es ſtürmt jetzt nicht ſtärker, als„Du arn Der Einſie Jdieſer öden ntoͤnige Ant⸗ Gold bauen hen.“ e ermuntern glücklich um n und Dein h den düſten e, konnte i timmung zu immer meh röͤßerer Kraft Thür, ſo di den Weg fi te Nicoline m zeimlich, dral ogen ankämp wollen, wer Letsler, inde Kklopfte und ntwortete Nit 65 vorigen Jahre, und im vorvorigen und ſo weiter; es hat ja in dieſen Monaten immer geſtürmt.“ In dieſem Augenblicke faßte ein Wirbelwind die Fen⸗ ſterladen, ſo daß der Bolzen ausſprang, wodurch die La⸗ den getrennt wurden und mit aller Macht gegen einander zu raſſeln begannen. „Ich will ſie ſchon feſt kriegen!“ ſagte Georg, indem er ein Tauende ergriff und damit auf die Felſenplatte hinauseilte. Es lag über Meer und Land eine Finſterniß, als wären beide in eine ungeheure Leichendecke gehüllt geweſen. Mit Mühe kam Georg zu dem Fenſter, und nachdem er die Lucken feſtgebunden und ſie mehrmals geprüft hatte, um ſicher zu ſein, daß ſie nicht wieder aufgeriſſen werden und die Mutter erſchrecken möchten, ſo ſtellte er ſich auf die äußerſte Seite der Klippe und ließ ſeinen Blick hinaus⸗ ſchweben, um den Sote⸗Kopf zu ſuchen, dieſes gefährliche große Vorgebirge, das ſchon ſo manches Fahrzeug ver⸗ ſchlungen und auf ſo manches warm ſchlagende Seemanns⸗ herz das Inſiegel des Grabes gedrückt hatte. „Es ziſcht hier,“ dachte Georg bei ſich ſelbſt, da er hörte, wie die See mit Getoſe und Geräuſch ſich an die Steine hinwälzte, dieſelbe losriß und in die Tiefe hinab⸗ warf, von welcher hohe Waſſerſäulen emporziſchten;„doch draußen iſt's noch ärger... Gott bewahre alle Camera⸗ den, die heute Abend auf der See zu thun haben!“ ſo fühlte, daß betete er andächtig und trat wiederum in das Häuschen, a wahrſcheint das ihm trotz ſeiner Liebe zur See recht freundlich und fanden.„A einladend erſchien. „zu hören, n Nicoline trug die kleine Abendmahlzeit auf, welche glüͤck zu dent dem Manne und Sohne vortrefflich zu ſchmecken ſchien; doch ſie ſelbſt war zu unruhig, als daß ſie hätte eſſen liebe Muttz können. ſtärker, als „Du armes, weiches Kind! daß Du es nie lernen Der Einſiedler ꝛc. I. 5 66 kannſt, Dich an dieſes Leben zu gewohnen!“ ſagte Letsler, indem er ſeine treue Lebensgefährtin zärtlich betrachtete. „Ach, guter Bernhard! es gibt gewiſſe Dinge, an die man ſich nie zu gewöhnen vermag. Es iſt mir, al würde mir beſſer zu Muthe ſein, wenn es draußen uumß nicht ſo dunkel wäre.“. „Etwas ſpäter geht der Mond auf, wenn das Dich tröſten kann, und wahrſcheinlich nimmt auch der Sturn bald ein Ende; denn wenn er wie jetzt orkanartig kommt ſo pflegt er nicht lange anzuhalten, und...“ Ein Getöſe, das weder von dem Meere noch voM dem Sturme herrühren konnte, erſchütterte das ganze Hauf in ſeinen Fugen, und ein gewaltiger Blitz, der durch da kleine Herz in den Fenſterladen hereinflammte, verkündigt eine neue Vermehrung in dem Kampfe der Natur. „Ein Gewitter!“ rief Nicoline ängſtlich aus.„ das wird allzuunheimlich— am Ende des Octobers!⸗ „Das iſt ſo ungewoͤhlich gar nicht,“ bemerkte Leit ler..„Aber was ſtehſt Du da, Georg, uf lauſcheſt?“ „Es war mir, als hoͤrte ich Schläge an die Hau thür.“ „Schläge an die Hausthür? unmöͤglich! wer ſolt heute Abend draußen ſein?“ Drei erneuerte Schläge, faſt eben ſo ſtark, wie d Donner ſelbſt, verkündigten der Familie, daß kein Irrthu⸗ länger Statt finden könnte. Doch die Schläge wan wohlbekannt, denn alle drei riefen wie mit einem Munk „Carolus!“ Georg flog, um den Riegel hinwegzuſchieben.„M gibt's?“ fragte er. 3 „Ich habe jetzt nicht Zeit, darüber eine lange N zu halten!“ ſagte Carolus, ſtürzte an Georg vorbeit das Zimmer, und ſogar ſeine gewoͤhnliche Höflichkeit ge⸗ Nicolinen vergeſſend, trat er ſchnell zu dem Haushe und raunte ihm einige Worte in das Ohr. „Gu worauf( entfernte. „Ge wenig au Tone, ar Ungeduld Nico Schrecklich — vielleie daß ſie ſie ſah, als h er keinen ſen zu ein Bei dem! dem unein That jedos von der B In ſi durch dieſe einem, d vier dergl dem Haus Eile mit zu warten Unmi im Hausft Nicoline, Schiffbrüc bildung ei ſchreibliche die von eingerollt anders alg ſp eben v praktizirt ſagte Letsler, betrachtete. Dinge, an die iſt mir, als draußen um henn das Dich der Sturn anartig kommt 71 eere noch vof as ganze Hau der durch da nte, verkündigt Natur. lich aus.„O Octobers!“ bemerkte Lelt Georg, un e an die Hauf lich! wer ſol ſtark, wie d aß kein Irrthu Schläge wal it einem Mun zuſchieben.„W. eine lange N Georg vorbet Höflichkeit geßt u dem Haush Fr. „Gut, gut! ſoll ſogleich geſchehen i“ ſagte Letsler, worauf Carolus ſich ſogleich und mit gleich großer Eile entfernte. „Geh' in Dein Zimmer, mein Kind! Du mußt ein wenig ausruhen!“ ſagte Letsler zu ſeiner Frau in einem Tone, aus dem gegen alle Gewohnheit Eilfertigkeit und Ungeduld ſprach. Nicoline antwortete nicht. Sie war vor Furcht, etwas Schreckliches zu erblicken— vielleicht zerfleiſchte Leichname — vielleicht— ſie wußte nicht was— ſo erſchrocken, daß ſie ſich nicht zu bewegen vermochte; und da es aus⸗ ſah, als hätte Letsler keine Zeit zu verlieren, ſo machte er keinen weiteren Verſuch, ſondern wendete ſich ſtatt deſ⸗ ſen zu einem großen Schranke, den nur er allein benutzte. Bei dem Drucke einer Feder in dieſem Schranke, der je⸗ dem uneingeweihten Auge wandfeſt zu ſein ſchien, in der That jedoch auf ganz guten Angeln ruhte, trennte er ſich von der Wand und wanderte heraus, wie eine Thür. In ſtummem Erſtaunen ſah Nicoline, wie ihr Mann durch dieſe Thür verſchwand, gleich darauf aber, erſt mit einem, darauf mit noch einem Anker und ſo ferner mit vier dergleichen herauskam. Jetzt rief er den Georg von dem Hausflur herein, und befahl ihm, die Anker in aller Eile mit Waſſer zu füllen und dann auf weitere Befehle zu warten. Unmittelbar darauf vernahm man ein großes Geräuſch im Hausflur.„Jetzt,“ dachte die arme in Angſt geſetzte Nicoline,„jetzt werden ſie wohl kommen mit den armen Schiffbrüchigen“ denn unaufhoͤrlich ſtand vor ihrer Ein⸗ bildung eine ſolche Vorſtellung. Doch zu ihrem unbe⸗ ſchreiblichen Erſtaunen erblickte ſie nur zwei große Saſer die von Carolus und ſeinem Bootsmanne Stonge⸗Jen eingerollt wurden. Und dieſe Fäſſer— wo blieben ſie anders als in dem geheimnißvollen Raume, den die Anker ſp eben verlaſſen hatten? Nachdem ſie dort glücklich ein⸗ raktizirt waren— dieſer Raum wurde nämlich von der oben ſchon öfter erwähnten Kluft gebildet, die recht eigent⸗ lich zu einer Schmugglerhöhle eingerichtet war— ſo wur⸗ den erſt die Federn und darauf die Schrankthüren geſchloſ ſen, worauf aus nichts weiter etwas von demjenigen, das hier vorgefallen war, die Aufmerkſamkeit eines Menſchen auf ſich ziehen konnte. „Iſt er Dir dicht auf den Ferſen?“ ſagte Letslen leiſe zu Carolus, indem er den Schlüſſel in die Taſche ſteckte. „O, ſo gefährlich iſt's eben nicht: er kann vor eine halben Stunde noch nicht hier ſein!“ antwortete Carolut eben ſo leiſe und gab ſeinem Stonge⸗Jan einen Wink hinauszueilen und Georg bei der ihm anvertrauten Arbei zu helfen. „Nun, da haſt Du einen kleinen Vorſprung.“ „Ja, den brauche ich auch, meiner Seel! und dam ſoll's ihm auch nicht ſo leicht werden, hier bei der Johan⸗ nis⸗Klippe ans Land zu legen! Aber Ihr könnt mir glau⸗ ben, Herr Letsler, ich preßte den Freiſegler ein wenig: i dieſem Wetter hatte ich nur ein einziges Reff eingerefft Ihr wißt, ich bin nicht matt— doch, meiner Treu, ie mußte mit Kraft angreifen, um das Ruder richtig zu hal ten und dem Winde ſo nahe wie möglich zu kommen; un obgleich ſich Stonge⸗Jan, der doch auch kein ſchlechte Kerl iſt, ſich an der Lovartſeite feſthielt und ſich faſt gan überlegte, ſo ging die See doch faſt bis an die Lucke hin auf. Nun, nun! ich kannte das Boot— wenn Einer aut ein Fregattenſegel daraufſetzen wollte, ſo ſchlüge es dennot nicht um. Aber Ihr wißt wohl, Herr, daß auch ein Hol ſchuh über das Waſſer kommt, und wir brauchen nich lange zu warten, ſo haben wir den Alten hier. Er auf jeden Fall ein tüchtiger Kerl— und Gott ſei jeden ehrlichen Kaufmanne hier auf der Küſte gnädig, weß ſeſchte.. Lieutenant Gran den Freiſegler hätte, und Carolus Elia ſon als Jachtkerl beim Steuer ſäße!“ Pitige Scene 1 „Ab Abend hi „Icl heute Abe den Cogn. muß hina Dank für Und „Me Nicoline. nie geſehe wovon ſpr iſt der Al „Se nur Deinz liches! W ſo würdeſt bin, dem und für di dienſt erze ſo ſehr me alles erklä Zimmer z Und L und trug f ihr ſitzend vorginge, Doch Bei d ie recht eigent⸗ dar— ſo wur⸗ thüren geſchloß⸗ emjenigen, das eines Menſcher „ſagte Letslei in die Taſche kann vor einen vortete Carolut n einen Wink rtrauten Arbei ſprung.“ eel! und dam bei der Johan könnt mir glau r ein wenig; i Reff eingerefft neiner Treu, it crichtig zu hal zu kommen; um h kein ſchlechte und ſich faſt gan an die Lucke hin venn Einer aut chlüge es denno ß auch ein Hol brauchen nich len hier. Er d Gott ſei jedet d Carolus Elia 69 „Aber warum haſt Du nicht geſagt, daß Du heute Abend hinauswollteſt?“ „Ich dachte, der Alte, im Dienſte der Krone, ſollte heute Abend hübſch zu Hauſe bleiben, und da hätte ich den Cognac direct nach Strand gebracht... doch ich muß hinaus und mich nach den Jungen umſehen.... Dank für die Hülfe, Herr Letsler!“ Und Carolus verſchwand. „Mein Gott! was bedeutet das Alles?“ ſtotterte Nicoline.„Was iſt das für eine Kammer, die ich noch nie geſehen habe? O, Bernhard! mir iſt ſo angſt... wovon ſprach er?... Was verbargſt Du?... Wer iſt der Alße, im Dienſte der Krone?“ „Sef ruhig, meine geliebte, meine theure Nicoline: nur Deinf erregte Einbildung ſieht hierin etwas Gefähr⸗ liches! Wenn Du nur nicht ſo unbegreiflich kindiſch wärſt, ſo würdeſt Du gar leicht begreifen, daß ich gezwungen bin, dem Carolus für die vielen Dienſte, die er uns leiſtet, und für die Sicherheit, die ich hier habe, einigen Gegen⸗ dienſt erzeigen muß. Du ſollſt wiſſen: Carolus iſt jetzt ſo ſehr mein Freund, daß wenn ich— was Gott verhüte! — noch einmal mich als Flüchtling hinweg begeben müßte, er uns auf dem Freiſegler brächte, wohin ich wollte.“ „Aber vor wem fürchtet ſich denn Carolus?“ „Liebes Kind, wenn wir allein ſind, werde ich Dir alles erklären... Erlaube mir nun, Dich in Dein Zimmer zu führen!“ Und Letsler nahm das geliebte Weib auf ſeine Arme und trug ſie ſelbſt hinein auf den Eckſopha, wo er neben ihr ſitzend und mit einem Ohre lauſchend, was draußen vorginge, ihre Unruhe zu zerſtreuen und einzuſchläfern e feſchte.... gnädig, wen Doch wir eilen hinaus, um einen Blick auf die dor⸗ Pitige Scene zu werfen. Bei dem Scheine einer von Georg gehaltenen Laterne —— ͦ-—— 70 waren Carolus und ſein Gehülfe, gewöhnlich Stonge⸗Jan genannt, um ſeinen Urſprung von Stongenäs zu bezeich⸗ nen, beſchäftigt, mit aller Sorgfalt von den Ankern jedes Zeichen des eben erhaltenen Inhaltes abzuwiſchen; und nachdem dieſelben gehörig geputzt waren, und ſie allen Schein der wirklichen„Aechtheit“ hatten, wurden zwel derſelben in eine kleine Felſenſpalte gerollt. Das Ganze hatte im Falle der Ueberraſchung vollkommen das Aus⸗ ſehen eines nächtlichen Abenteuers, bei welchem Schmugg⸗ ler auf das eifrigſte bemüht ſind, ihre Güter zu ver⸗ bergen. „Nun mag er kommen, wann er will!“ rief Stonge⸗ Jan mit lauter Stimme, damit man ihn vor dem Sturme hoͤren koͤnnte;„ich verſpreche dem Alten, er ſoll ſchoͤnen Cognac zu riechen bekommen! Ach, Du mein Herr umd Gott! wie gerne ſäße ich in einer Ecke und ſähe zu, wem er in der Zollkammer verkauft werden ſoll— doch ſe weit kommt's wohl nicht; denn kenne ich die Zollbeamten recht, ſo ſchmecken ſie die Waare erſt ehe ſie ſie verkau⸗ fen, und dann... hi, hi, hi... welch' eine Naſe hat dann der Jachtlieutenant!“ „Halt's Maul und prahle nicht, bis Du den Spaß bis ans Ende geſehen haſt!... doch, hörſt Du, Georgt mach das Licht aus wir brauchen ihm den Weg nicht mehr zu zeigen als nothwendig iſt.“ Georg erfüllte ſein Begehren, ſchien jedoch überhaupt ſich gleichſam beleidigt zu fühlen, weil er nicht von Ar⸗ fang an hatte mit ſein dürfen. Als Carolus aber einige Worte fallen ließ, die alle mögliche Aehnlichkeit mit einen Verſprechen hatten, er wollte ihm, wenn alles gut ginge die franzoͤſiſche Fregatte ſchenken, die in der kleinen neut Kammer an der Decke hing, ſo war Georg's gute Lau ſogleich wieder hergeſtellt. Er hatte jetzt nur noch ⅜i Gefühl, und dieſes theilten die beiden Andern mit ihn nämlich er wünſchte mit Ungeduld, daß der Alte ⁵ Dienſte der Krone bald ankommen möchte. Auf Klippe e Maßen v „Je Raubvoge die Gotte ſchwind, tens wohl der Teufe Hund! vo Diener!” nichts. Höhle 3 ein j 9 Oeſte ef ſo, nun dieſen W „Ja „— beſſer!. Hättſt D beim letzt die Stein nun? ſah „Ja ich! lebe, Jußgen g helger!“ „W Klßhver auff die dent Boo h Stonge⸗Jan gäs zu bezeich⸗ Ankern jedes uwiſchen; und und ſie allen wurden zwel Das Ganze nen das Aus⸗ hem Schmugg⸗ Güter zu ver⸗ “ rief Stonge⸗ or dem Sturme er ſoll ſchoͤnen mein Herr und Hſähe zu, wem oll— doch ſt die Zollbeamte e ſie ſie verka⸗ ' eine Naſe hat Du den Spaßf rſt Du, Georg den Weg nich jedoch überhaupt r nicht von Ar⸗ dlus aber einige ichkeit mit einen alles gut ginge der kleinen neust org's gute Lau Bt nur noch Undern mit ih aß der Alte 5. 71 Auf der Zolljacht, die inzwiſchen vor der Johannis⸗ Klippe einen wilden Tanz tanzte, klang es folgender Maßen von den Lippen des Befehlshabers: „Ich ſage, des Teufels Großmutter hat bei dem Raubvogel Gevatter geſtanden, wenn er es möglich macht, die Gotteswaaren vor meiner Ankunft zu verſtecken. Ge⸗ ſchwind, Oeſterberg, mach' das letzte Reff los! wir hal⸗ tens wohl aus; nur geſchwind!... ſo!... Dich ſoll der Teufel holen, Kron, mit Haut und Haaren! Du Hund! vollen Wind am Steuer!—— Aha! Ergebenſter Diener! nun loͤſcht das Pack das Licht aus... ſchadet nichts.. glaubſt Du ich brauche Licht, um Deine Höhle, finden? nein, mein Freund! zwar biſt Du ein j 6 Fuchs, doch ich bin ein alter, ſiehſt Du!... Oeſteißeig, Du Eſel! die Schote beſſer angehalt!... ſo, nun iſt's gut! Oeſterberg! kannſt Du die höchſte Spitze der Johannis⸗Klippe ſehen, wenn Du Dich bückſt? ... So? Du kannſt nicht? nun, ſo gib Acht beim näch⸗ ſten Blit, und wenn Du den Punkt haſt, gerade aus! ... Wende ein wenig!... Siehſt Du etwas?“ Mit dieſen Worten deutete der Lieutenant nach der Leeſeite. „Jg, Herr Lieutenant!“ 83 „O) das war ein ſchöner Blitz! Wende um!.. beſſer!. Hnoch beſſer!... Sol ſtopp!... gerade aus! Hättſt Du die Fenſter offen gehabt, ſo hätteſt Du wohl beim letzten Blitz ſehen können, daß Carolus etwas in die Steine wälzte— Büſche ſind Gottlob nicht da— nun? ſahſt Du das?“ „Ja, behüte, Herr Lieutenant; ich erkannte, ſo wahr ich lebe, den Carolus und den Stonge⸗Jan, und den Junigen auch— er iſt meiner Treu kein ſchlechter Helfers⸗ helgfer!“ 3„Wend' noch ein wenig!... ſo! Herunter mit dem Kühver und der Focke!... jetzt geht's!... Steuere auff die Landungsbrücke zu, Kron!... Oeſterberg! nimm dens Bootshaken und halt ab! halt aber auch feſt! hier iſt 72 ein verteufelter Wellenſchlag... Still, ſag' ich, macht keinen ſo fürchterlichen Lärm!... gut!... Lege nun leewärts von ſeinem verdammten Freiſegler an's Land! Oeſterberg geht mit; und Du, Kron, bleibſt hier in der Jacht!— ſchabt ſie ſich, ſo nimm Deine Kinnbacken in Acht, wenn ich zurückkomme!... Gib mir die Blend⸗ laterne!“ „Soll geſchehen, Herr Lieutenant!“ Und jetzt ſtieg der Zollbeamte mit ſeinem Handlangen an's Land. „Wollen Sie nicht als Anführer die Güte haben vor⸗ anzugehen, Herr Lieutenant?“ ſchlug Oeſterberg vor, als ſie ſich ein Stück Weges hinaufgeſchlichen, und greinte über ſeine eigene Klugheit.„Carolus könnte glauben, ich wäre allein— und er läßt nicht mit ſich ſpaſſen, das weiß ich noch von alten Zeiten.“ „So kriech denn hinter meinen Rücken! Aber ich will mich in eine Meerkatze verwandeln laſſen, wenn nicht Dein ſeliger Vater ſeines Handwerkes ein Töpfer*) war ... Nun ſtill!... Du brauchſt nur als Zeuge zugegen zu ſein.“ Mit vorſichtigen Schritten näherten ſich beide dem Orte auf der Klippe, von dem noch vor kurzem der Licht⸗ ſchein ihnen geleuchtet hatte, und ſtanden bald bei der Felſenſpalte, bei welcher Carolus, Stonge⸗Jan und Georg auf das allereifrigſte bemüht waren, die Anker nicht zu verſtecken. „Guten Abend, mein lieber Carolus!“ begann ͤder Lieutenant.„Willkommen zu Hauſe von Helſingör! du haſt Dich wohl in dieſem fürchterlichen Wetter auf iß Schatzgräberei gelegt, und das noch dazu ganz im *) Schwediſch krukmakare, Typfmacher; kruuka bedeutet. nicht nur einen Topf, ſondern auch einen erbaͤrmlicht. beſonders feigen Menſchen— ein Wortſpiel, das nicht wiedergeben ließ. Anm. d. Ueberſ. überdies zeugen, d Wetter ni Hoͤhle ged 1 54 ſtern— ausgegan leuchten! laterne il und die ſtäblich „Ah wohl den Du nicht wohl zu unterwegs nach Beft teſt. Nun dungen er kleinen ſil der König liebe Jung und viellei Gewogenh hinabtrage Jetzt tig getroff Schrecken lagen, ha Jeſuitenco „Her dem Ohre muth der habe ich vier Auge „Seh Tiger in ag' ich, macht .. Lege nun leerr an's Land! ibſt hier in der Kinnbacken in mir die Blend⸗ lem Handlanger Büte haben vor⸗ erberg vor, als n, und greinte könnte glauben, ſich ſpaſſen, das cken! Aber ich een, wenn nicht Töpfer*) war s Zeuge zugegen ſich beide dem eurzem der Licht⸗ en bald bei dar „Jan uͤnd Georg Anker nicht zu 81“ begann ade Helſingör! du Wetter auf d zu ganz im ai uka bedeutet 44 inen erbarmlicht ortſpiel, das im. d. Ueberſ J 73 ſtern— doch, ich kann mir denken, Dir iſt die Leuchte ausgegangen... Warte, mein Junge, ich will Dir leuchten!“ Und in demſelben Augenblicke warf die Blend⸗ laterne ihren blendenden Schein auf die gefährlichen Anker und die auf der That ertappten Schmuggler, die buch⸗ ſtäblich vor Schrecken geſchlagen zu ſein ſchienen. „Aha! was iſt denn das?... Ich konnte mir wohl denken, daß Du auf Abenteuer geweſen biſt, weil Du nicht beilegteſt, als ich Dich anrief! Du hatteſt wohl zu ſchwer geladen, kann ich verſtehen, ſo daß Du unterwegs ein wenig löſchen mußteſt, das Du ſpäterhin nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt, nachholen könn⸗ teſt. Nun aber hoffe ich, Du wirſt mir ohne Einwen⸗ dungen erlauben“— hier ſpielte der Lieutenant mit einer kleinen ſilberbeſchlagenen Piſtole—„daß ich im Namen der Königlichen Majeſtät und der Krone auf dieſe vier liebe Jungen“(er deutete auf die Anker)„die Hände lege und vielleicht auch haſt Du wegen alter Bekanntſchaft die Gewogenheit, und hilfſt Oeſterberg ſie in die Zolljacht hinabtragen!“ Jetzt ſprang Carolus auf, als hätte der Stich rich⸗ tig getroffen, und die Bläſſe, die ſein Antlitz überzog, der Schrecken, der Zorn und die Unruhe, die auf demſelben lagen, hatten gewiß einem vierzigjährigen Zöglinge eines Jeſuitencollegiums Ehre gemacht. „Herr Lieutenant!“ ſagte er in einem Tone, der vor dem Ohre des Zollbeamten ſich in die gezwungene De⸗ muth der unterdrückten Wuth kleidete;„Herr Lieutenant! habe ich nicht die Erlaubniß, ein Wort mit Ihnen unter vier Augen zu ſprechen?“ „Sehr gerne, Freund Carolus! da ich ſehe, daß der Tiger in Dir nur den Kratzfuß gemacht hat, und Du überdies ſelbſt Gelegenheit gehabt haſt, Dich zu über⸗ zeugen, daß die Zolljacht— was Du ihr in ſolchem Wetter nicht zutrauteſt— mit heiler Haut bis in Deine Hohle gedrungen iſt, ſo wäre es unraiſonabel von mir, 1 74 wenn ich Dir nicht zu Willen ſein wollte. Rede, maß Junge, rede!“ Dieſer beleidigende Scherz, der die vortreffliche Laun des triumphirenden Beamten ausdrückte, würde, falls die Sache auf der andern Seite Ernſt geweſen wäre, di hinlängliches Reizmittel geweſen ſein, um den Carolus Wuth zu verſetzen, ja vielleicht ihn ſogar zu einer Gewal⸗ thätigkeit vermocht haben, die ihm nachher theuer zu ſtehn gekommen wäre; doch wie die Sachen nun ſtanden, war er genörhigt, um nicht dadurch Verdacht zu erregen daß er ſeinen ſehr wohl bekannten Charakter nicht gan verleugnete, wenigſtens einen Schein deſſelben annahn und mit einer Geberde, die den Lieutenant überzeugte, daß die Höflichkeit nur eine äußerliche war, ſagte er mit w Wuth zitternder Stimme: „Nehmen Sie ſich in Acht, Herr Lieutenant!— will es Ihnen nur ſagen— der Tiger könnte ein anden Mal ſeine Zähne gebrauchen, und daran denken, daß G. nun auf ihn geſpuckt haben!“ „Gewiß nicht, mein Ehren⸗Paſcha!— das habe ſt nicht gethan; im Gegentheil weiß ich die Ehre, den Tign überwältigt zu haben, gebührender Maßen zu ſchätzen Doch was wollteſt Du mir denn eigentlich ſagen?“ „Herr Lieutenant! Sie wiſſen, daß ich Ihnen ui etwas zu Leide gethan habe!“ „Mir eben nicht,“ entgegnete Petter Gran mit un verwüſtlicher Ruhe,„doch deſto mehr der Königliche Majeſtät und der Krone. Glaubſt Du nicht, daß ich ſe langer Zeit, obgleich Du Dich dieſen Sommer über Deiner Haut gehalten haſt, auf alle Deine Kniffe Achtun gegeben habe?“ „Es gibt keinen Zollbeamten an der ganzen Kit von Bohuslän, der ſich ſolcher Augen rühmen kann, der Herr Lieutenant— doch.. „Weiter, weiter, mein Junge! Ich fühle mich Deinem Lobe ſehr geſchmeichelt.“ „D auf der paſſen; Aechte⸗ nant! ſtehen ſo mit H. wahr ich thaler un weiter ni „Ca ſollſt Du die Bean ſollte ich hälter äh O „D, in Untert wohl für „M Teufel g werk zu auf mein gnügen, auf der„ October meinem deckte B griffen, wurde un bildeſt D *) In S Caro Elias rolua Gebr den .. Rede, men ortreffliche Laum wwürde, falls de beſen wäre, ai den Carolus i zu einer Gewal⸗ (theuer zu ſtehn nun ſtanden, dacht zu erregen —rakter nicht gan eſſelben annahn t überzeugte, daß ſagte er mit we Lieutenant!— könnte ein anden denken, daß G. !— das habe it ie Ehre, den Tign taßen zu ſchätzm. lich ſagen?“ daß ich Ihnen ui ter Gran mit un r der Königliche nicht, daß ich ſe Sommer über eine Kniffe Achtu der ganzen Kt rühmen kann, Ich fühle mich 75⁵ „Doch iſt es ſchwer, ſo in jeder Witterung draußen auf der See zu liegen und im Norden und Süden aufzu⸗ paſſen; und Sie brauchten wohl einmal etwas wirklich Aechtes zu Ihrer Stärkung.... Nun, Herr Lieute⸗ nant! Sie ſind zu klug, als daß Sie mich nicht ver⸗ ſtehen ſollten! Nehmen Sie dieſes Cognacs⸗Anker, das mit H. und drei Kreuzen bezeichnet iſt— das koſtet, ſo wahr ich Carolus Eliasſon*) heiße, einen Reichsbanks⸗ thaler und drei Mark in Helſingör! Die andern enthalten weiter nichts als reinen däniſchen Branntwein.“ „Carolus, mein Junge! den Herren Deinen Gott ſollſt Du nicht verſuchen, ſagt die Schrift, und auch nicht die Beamten der Obrigkeit, ſagt das Geſetz— und wie ſollte ich, der Diener deſſelben, dem ungerechten Haus⸗ hälter ähnlich ſein wollen!“ „O, lieber Herr Lieutenant! verzeihen Sie, wenn ich in Unterthänigkeit zu denken mich erdreiſte, daß es ſich wohl für einmal thun läßt.“ „Möglich, möglich, mein Freund, wenn es ein armer Teufel geweſen wäre, der erſt angefangen hätte ins Hand⸗ werk zu pfuſchen. Doch ſiehſt Du, wenn ich nun wieder auf meine Jacht an Bord komme, ſo habe ich das Ver⸗ gnügen, im Journale anzuzeichnen: Beim Patrouilliren auf der Zolljacht in der Nacht zwiſchen dem 29. und 30. October unter ſtarkem ſüdweſtlichem Sturm, und nachdem meinem Rufe nicht Folge geleiſtet war, wurde das ver⸗ deckte Boot der Freiſegler, Schiffer Carolus Eliasſon, er⸗ griffen, wobei unter Beſchlaganſpruch folgendes angehalten wurde und ſo weiter. Nun, Carolus, was meinſt Du? bildeſt Du Dir ein, ich wollte für zehn ſolche Anker einen *) In Schweden gibt es keine Familiennamen, daher heißt Carolus nicht Aßbjörnsſon(Sohn des Aßbjörn) ſondern Eliasſon(Sohn des Elias), und ſein Sohn würde Ca⸗ rolusſon heißen. Gleichwohl iſt zu bemerken, daß diefer Gebrauch jetzt nur noch auf dem Lande, nicht aber in den Städten exiſtirt. Anm. d. Ueberſ. 76 ſolchen Rapport fahren laſſen? Nein, Paß!— wer viel⸗ gekommen leicht ein Prämium erhält und bei dem Diſtricthof gut ſteht, Tone, de ſieh, das iſt Petter Gran.“ Deiner E Carolus war gezwungen, ſeine Geſichtsmuskeln zz Denke, n einem verzweifelten Greinen zu bewegen, um das Geläch⸗ Ankern iſt ter zu verbergen, welches er mit Mühe zurückhalten konnt; der hier, „Der Herr Lieutenant thut ſeine Pflicht!“ ſagte er ent durch die ſchloſſen.„Sch „Nun, ſiehſt Du, das heißt geſprochen wie ein ver, entdecken ſ nünftiger Kerl! Hilf nun hübſch die Anker hinabtragen, Seel', ich denn ich muß vor zwolf Uhr heute Nacht zu Hauſe ſein er iſt 1 Ich ſage nichts; nur ſo viel will ich Dir zu Deinen Geore Troſte mittheilen, daß Du in dem Journal für dieſe Nach gehabt ha nicht ganz allein paradirſt. Seine dun So lange noch ein Laut von dem mit der Beute hin Wort,“ ſa⸗ wegeilenden Kronbote gehört werden konnte, gegen welche aber ſiehſt die Wogen raubgierig anſtürzten, blieben unſere Aben hiebei die teurer unbeweglich ſtehen. Sobald ſie ſich aber für völlz einmal ſehr ſicher glaubten, brachen ſie einhellig in ein munteres Ge das doch lächter aus. ich mich fü „Das thu' mir mal einer nach!“ ſagte Carolus ſtohz für Vater „Das iſt nun ſchon das zehnte Mal, daß ich den alten haben: N Petter Gran belauert habe. Aber die verdammte Zolljacht Jachtlieuten ſegelt jetzt beſſer, ſeitdem Truls in Elgö ſie reparirt und Viſitation ihr neue Segel gegeben hat; ich erhalte bei weitem nicht mehr ſolchen Vorſprung wie ſonſt— aber ich ſchlage mich doch durch. Und wenn ſie es nun entdecken, ſo kann mit doch kein Menſch etwas anhaben; denn welcher Teufel kam an mich kommen, wenn es den Kerlen der Krone einfällt mir meine Waſſeranker wegzunehmen, während ich des Cognac an din rechten Deſtinationsort in gute Verwahrung bringe?.. Aber hoͤrſt Du, Georg! können wir nicht ſ Deiner Kammer Hausraum bekommen, bis es Tag wirz ſo brauche ich bei mir zu Hauſe keinen Lärm zu machen da wir doch ſo früh wieder hinaus müſſen.“ Als ſie in das kleine von Georg bewohnte Zimme wo ich eingg Nun, ſo ſi ſein! Du 1— wer viel⸗ cthof gut ſteht, chtsmuskeln zu m das Geläch⸗ ickhalten konnte ſagte er ent⸗ en wie ein ver⸗ er hinabtragen, zu Hauſe ſein. dir zu Deinen für dieſe Nacht der Beute hir⸗ ,gegen welche unſere Aben⸗ aber für völl munteres Ge⸗ e Carolus ſtolg ß ich den alte ſammte Zolljacht ſie reparirt umd bei weitem nicht ſich ſchlage mich n, ſo kann mit ſcher Teufel kam Krone einfällt ährend ich des ute Verwahrun ien wir nicht i s es Tag win rm zu ma houhnte Ainu ſein! Du weißt, ich konnte, wenn es ſein ſollte, für Dich 77 gekommen waren, ſo äußerte dieſer in einem bedenklichen Tone, der ſeinen Lehrmeiſter hoͤchlich verwunderte:„In Deiner Stelle, Carolus, hätte ich das nicht gethan. Denke, wenn nun ſogleich verrathen würde, was in den Ankern iſt! Da haben wir ja die Zolljacht ſogleich wie⸗ der hier, darauf Hausviſitation, und mein Vater wird durch die Geſchichte rein unglücklich.“ „Schlidderſchladder— ich will den wohl ſehen, der entdecken ſoll, daß der Schrank nicht wandfeſt in! Meiner Seel, ich glaube, der Junge hat Angſt! ſieh wie blaß er iſt!“ Georg, der inzwiſchen im Zimmer etwas zu ordnen gehabt hatte, blieb jetzt plötzlich vor Carolus ſtehen. Seine dunkelblauen Augen funkelten vor Zorn.„Dieſes Wort,“ ſagte er,„iſt aufgeſchoben, doch nicht aufgehoben! aber ſiehſt Du, Carolus! dieſe Fauſt“— er ſtreckte ihm hiebei die geballte Hand hin—„dieſe Fauſt wird vielleicht einmal ſehniger als Deine, und dann.. Aber ich hätte das doch nicht von Dir verdient, obgleich ich geſtehe, daß ich mich fürchte; jedoch nicht ſo wie Du denkſt, ſondern für Vater und Mutter, die hier ihre einzige Freiſtätte haben: Mutter würde ſich zu Tode ängſtigen, wenn der Jachtlieutenant zurückkäme und in ihrem kleinen Zimmer Viſitation anſtellte.“ So hatte Carolus den Georg noch nie geſehen. Und weil er ihn mit einer Innigkeit und Wärme liebte, wie ſie nur in ungekünſtelten Naturen in ihrer größten Kraft an das Licht treten, ſo hätte er um keinen Preis den hurtigen, ſtolzen Jüngling beleidigen wollen.„Mein lieber Georg!“ ſagte er daher,„ſei mir nicht böſe! Ich meinte es nicht ſo— darauf kannſt Du Dich ſetzen! Sokkteſt Du Dich fürchten, Du? Glaubſt Du, ich habe vergeſſen, wer auf dem Brette lag und ſich auf das dünne Eis hinaus wagte, wo ich eingebrochen war, und wer mir das Tau zuwarf.. Nun, ſo ſieh mich an, Junge! und laß alles wieder gut 78 den letzten Tropfen von meinem Herzblute hergeben, und Du weißt auch, daß Carolus Eliasſon das für keinen Andern thut, als von dem er hinlänglich weiß, daß er an Geiſt ein Kerl iſt, wenn auch an Jahren nur ein Jungel Mit leuchtenden Augen reichte ihm Georg vollig ver⸗ ſöhnt die Hand, blieb aber dennoch bei ſeiner Meinung, daß die Fäſſer ſogleich weggebracht werden müßten.„Ich ſage ſo nicht aus Eigenſinn, lieber Carolus, ſondern wal ich fürchte, der Verſteck könnte entdeckt werden. Ich wul gerne mitfahren.“ „Thue dem Knaben zu Gefallen!“ fiel Stonge⸗Jm ein.„Der Alte wußte eben ſo gut wie Du und ich, daß wir Cognac an Bord hatten, als wir hier anlegten; um kommt er zurück und findet draußen nichts, ſo kanng leicht ausrechnen, daß weder Du noch ich damit wegfli⸗ gen konnten. Und verfällt er dann auf die dumme Idee, oben auf die Felſenſpitze hinauf zu klettern, ſo kann i zwiſchen den Felsbloͤcken hindurch in die Kluft hinabſehen und Petter Gran iſt nicht ſo dumm, daß er dann nich den Eingang in den Verſteck zu finden wiſſen ſollte.“ „Nun meinethalben! Aber, zum T—! wir könntet doch wohl warten bis es Tag wird, da die Fäſſer jetzt n Sicherheit ſind!“ „Aber Johanna!“ wendete Stonge⸗Jan ein; 7f weiß, in welchen Geſchäften wir ausgefahren ſind— glack Du, ſie kann in dieſer Nacht ein Auge zuthun, ehe d. nach Hauſe kommſt? Nein, Du, ihre Augen ſehen mat gen juſtament ſo aus wie die Schale eines gekochten Hun⸗ mers! Einer kann verwegen ſein, doch kann Einer ie mit Raiſon ſein, und ein kluger Kerl bringt lieber ſol ſchwierigen Dinge in Ordnung während die Nacht iſt hilft, als daß er recht am Tage das Glück verſucht in gleichſam die Zollſchnüffler herausfordert, ihr Beſtest dhun⸗ „Sieh ſo! nun kann's genug ſein mit dem Geſchtut Es iſt wohl Schade um meine Johanna, und eine hi. Meile in Der Patre verziehen l „Wer vorbei ſind der Patron Netas auf „Ja g geh' Du vo bläst wahr Du mit be nichts dage pel! Es i „Sore und eilte h ſeinem Lieb die Mutter Bitten zur ſich ausgez Georg in ſ rigkeit ſeine liche Abhär für Georg geleitete hie Doch der nächtlig jacht an T hergeben, und das für keinen iß, daß er an ir ein Junge! org vöͤllig ver⸗ einer Meinung, müßten.„Ich , ſondern well den. Ich wil el Stonge⸗Jm u und ich, daß anlegten; um ſts, ſo kann i damit wegflit e dumme Idee rn, ſo kann eluft hinabſehen Zer dann nich ſſen ſollte.“ —l wir könnta ie Fäſſer jetzt n ⸗Jan ein; en ſind— glauf zuthun, ehe d. lugen ſehen me s gekochten Hun⸗ kann Einer de ringt lieber ſolt die Nacht inn blück verſucht i t, ihr d it dem Geſchwit 79 Meile in noch ſo ſchlimmem Wetter geht auch wohl über. Der Patron hält die Seebude offen, ſo daß wir nicht zu verziehen brauchen.“ „Wenn wir nur erſt an den Untieſen bei Groſkär vorbel ſind, meinte Georg,„ſo iſt's leicht gethan; denn der Patron hat wohl wie gewöhnlich beſorgt, daß bei Hans Netas auf dem Berge Licht iſt.“ „Ja gewiß!“ nickte Carolus.„Doch, hörſt Du, Jan! geh' Du voraus und reffe alle Segel ein, denn heute Abend blaͤst wahrhaftig der blaugebrannte Satan ſelbſt! Und da Du mit beim Schmauſe ſein willſt, Georg, ſo will ich nichts dagegen haben; doch zieh Dich warm an, Du Krüp⸗ pel! Es iſt meiner Treu heute kein Wetter für Jungen“ „Sorge Du für Dich ſelbſt!“ ſagte Georg lachend, und eilte hinaus, um die Einwilligung ſeines Vaters zu ſeinem Lieblingsvergnügen zu begehren. Er fürchtete nur, die Mutter moͤchte wach ſein und ihn mit ihren ſanften Bitten zurückhalten. Doch die arme Nicoline war ohne ſich ausgezogen zu haben entſchlummert, und Letsler, den Georg in ſeinem eigenen Zimmer antraf, gab ohne Schwie⸗ rigkeit ſeinen Beifall, weil nach ſeiner Ueberzeugung jeg⸗ liche Abhärtung, ſowohl des Körpers als auch der Seele, für Georg nützlich war, und eine Affaire wie die jetzt ein⸗ geleitete hielt er zu beiden Zwecken für paſſend. Doch während ſich die Beſatzung des Freiſeglers A der nächtlichen Fahrt rüſtet, begeben wir uns zu der Zo jacht an Bord. , und eine huß. daß die 2 auf dem 7 3„Neit Sechstes Kapitel. lus kam im Johannis⸗ „Ich fing aber doch endlich den Fuchs!“ ſagte da ker umzutc Lieutenant vergnügt, und ſetzte ſich ſelbſt an das Steugf„Sah nachdem er gleichwohl zuvor ein wenig mit dem große Boote lieg Segel gewirthſchaftet hatte.„Nein „Ja, Herr Lieutenant! Sie kamen über ihn wie da tenant!“ Weihnachtsabend über die alte Frau: er hatte nicht ein„Du mal Zeit auszupuſten! Ich kann mir ihn jetzt recht den„begreifſt ken; er flucht gewiß wie ein Türke und geberdet ſich m daß die An ein wüthender Kettenhund, dem man das geſtohlene Stüt Boot nicht Fleiſch genommen hat.“ eben haben. Der ſüße Geruch der Schmeichelei geſiel Petter Gramf„Ich Naſe nicht übel.„Man iſt nicht Schuld daran,“ ſagt anderes ſag er, indem er den Bart rieb,„daß man zufällig ein wen ſo finſter, mehr weiß, als andere Leute! Doch iſt das Glück gu näher gehal Jungen! ſo machen wir heute Abend noch einen Fam verdeckt, und Ihr bekommt auch Euren Antheil nach Befund, w dem Verde der Kreisrichter ſagt;... Oeſterberg! haſt Du die Anka„Gut, wie ich Dir befahl, in die linke Koje der Cajüte einge„Das packt? Sie liegen wohl feſt und mit dem Spunde nat„Du oben?“ ſechs Mona „Die Anker liegen gut, Herr Lieutenant, dafür bün Jachtkerle ich mit meinem eigenen Rücken! Doch wollen wir nih Hinweg mi einreffen? Der Wind wird mit jedem Augenblicke ſteifer„Waſſt „Kein Geſchwätz!— das beſorge ich ſelbſt! As Oeſterberg. lauf nun geſchwind hinunter und mach' Feuer an im K„Zünd mine, ſpüle den Kaffeekeſſel aus und ſetz' Waſſer auf, i„und ſchrau will eine Taſſe Thee trinken.“ gange nicht „Soll geſchehen!“ antwortete Oeſterberg und fühn bei 1 eilfertig den erhaltenen Befehl aus. Darauf wendete ſich der Lieutenant zu ſeinem zweitz gen ſein; Handlanger:„Höre, Kron! Du kannſt wohl darauf ſchworz ſo ſoll's au Der Ein 81 daß die Anker, welche wir jetzt weggenommen haben, auf dem Freiſegler an Bord waren?“ „Nein, Herr Lieutenant! wie könnte ich das? Caro⸗ lus kam wenigſtens eine halbe Stunde vor uns nach der Johannis⸗Klippe, und hatte inzwiſchen Zeit genug, die An⸗ hs!“ ſagte da ker umzutauſchen ſo oft er Luſt hatte.“ an das Steun„Sahſt Du denn nicht wenigſtens vier Anker in ſeinem mit dem großn Boote liegen? Das mußt Du nothwendig geſehen haben!“ 3„Nein, das ſah ich wahrhaftig nicht, Herr Lieu⸗ iber ihn wie de tenant!“ hatte nicht ein„Du Dorſch!“ fuhr der Lieutenant ungeduldig fort, mjetzt recht da„begreifſt Du denn nicht, wenn ich nicht beweiſen kann, geberdet ſich w daß die Anker in dem Boote lagen, ſo kann auch das geſtohlene Stü Boot nicht confiscirt werden— und das Boor will ich eben haben.“ iel Petter Granſ„Ich verſichere Sie, Herr Lieutenant, ich kann nichts daran,“ ſag anderes ſagen, als was ich ſah. Denn wäre es auch nicht ufällig ein wen ſo finſter, wie es iſt, und wir hätten den Freiſegler das Glück gu näher gehabt, als wir hatten, ſo iſt er ja auf jeden Fall och einen Fan verdeckt, und es läßt ſich nicht leicht ſehen, was unter ach Befund, u dem Verdecke liegt.“ t Du die Anka„Gut, gut! Sah denn Oeſterberg auch nichts?⸗ der Cajüte einge„Das weiß ich nicht, Herr Lieutenant!“ em Spunde nat„Du weißt nichts— ich aber weiß, daß Du nach ſeechs Monaten ſuspendirt biſt, denn Du taugſt zu einem nant, dafür bün Jachtkerle nicht mehr, als ein Hirte aus Dalsland... wollen wir nich Hinweg mit Dir nach dem Vordertheil!“ genblicke ſteifer„Waſſer aufgeſetzt, Herr Lieutenant!“ rapportirte ich ſelbſt! An Oeſterberg. Feuer an im K„Zünd' das Licht an,“ befahl der Lieutenant weiter, „ Waſſer auf, it„und ſchraube den Leuchter feſt, daß er bei dieſem See⸗ gange nicht umfällt! Nach einer Weile rufe ich Euch beide, damit Ihr zuſeht, daß der Spund an allen Ankern richtig verſiegelt wird, denn Ordnung muß bei allen Din⸗ zu ſeinem zweitz gen ſein; das war der Satz meines ſeligen Vaters, und l darauf ſchworz ſo ſoll's auch bei mir ſein...“ Der Einſiedler ꝛc. I. 3 6 erberg und füh 82²2 „Licht angezundet, Herr Lieutenant!“ paſſablen „Gut! Nimm das Steuer, Oeſterberg!.... Vm menrührun teufelte Windſtoͤße— halt die Zunge gerade im Maule! ten Gewoh Der Lieutenant ging hinunter und verſchloß die Thi dar, daß n ſorgfältig hinter ſich. Darauf war ſein erſtes Geſchäf unter dem die Gardinen vor die kleinen Fenſter zu ziehen, die and Denn nimt langen Seite der Cajüte angebracht waren. an der Bo In Petter Gran's Geſichte, ſo wie daſſelbe ſi entſtehen lo jetzt an dem Tiſche in der vollen Beleuchtung des flacken wie viele 8 den Lichtes zeigte, lag eine ſeltene Miſchung von ein Beherrſcher Schelm und einem ehrlichen Manne. Die Heiterkeit! Doch ſeinen ründlichen Geſichtszügen nebſt dem Ehrfurcht e ſtande unſen bietenden in ſeinen mit Silber beſprengten Locken, ſloß Gedanken, eine Art von Vertrauen ein; blickte man ihm jedoch un den Zucker in die Augen, ſo lauerte dort ein Katzenblick, welcher n ßen geſtalte deutete, daß der Mann nicht voͤllig ſo gut war, wien will: er ſch Schild, das unſer Herr ihm gegeben hatte, gerne glauf hen hat. laſſen wollte. und da er, Auch das ganze Ausſehen und der Inhalt der Caſt ſchwört, ſo verrieth den Charakter des Eigners derſelben. M Du dort“ durfte man ſich darüber wundern, daß auf dem Ram waſſer, da des mit erhabenen Kanten verſehenen Tiſches ein halban—„warte gegeſſener Eidamer Käſe mit einer lübiſchen Metwurſtn Freunde er die Wette Purzelbäume ſchlug, und mit derſelben um t die Anker Recht des Vorzuges ſtritt, wer von beiden ſich zuerſt kung lecken den Wogen eines umgeworfenen Porterkruges baden ſolt aushalten k auch nicht darüber, daß Petter Gran's Raſirpinſel dun zweite Hand ein großes Saltomortale von dem Brette auf eben dißßt drei Kreuz Tiſch herabgekommen war, woſelbſt er ſich jetzt in ein ſein. Ja, Akrobatentanze umtummelte und ſich bald auf die Batt Es muß w cirſtange lehnte, die hier unter der Geſtalt eines großs zu laſſen u tigen Pfeifenrohres dargeſtellt wurde— denn das al ohne daß war eine ganz natürliche Folge der von dem Sturmet zieht. Ab gerichteten Revolution. Doch die ganze Eajüte, di Lopf weite kleine Zimmer, welches auf einer Jacht ein Mittenn dieſen Wor zwiſchen einem Dampſſchiffſalon und einem einiger Mit faſſen konn 1.... B be im Maulel ſchloß die Thi erſtes Geſchahf bhen, die ande ie daſſelbe ſie ung des flacken hung von einen ie Heiterkeit; Ehrfurcht G (n Locken, flößt ihm jedoch un blick, welcher i lt war, wie d e, gerne glau Inhalt der Caſt derſelben. M auf dem Ram ſches ein halban hen Metwurſt n derſelben um d en ſich zuerſte ruges baden ſolh Raſirpinſel due te auf eben dieſe ſich jetzt in eine ld auf die Bali ſtalt eines großt — denn das a dem Sturme zze Eajüte, dit cht ein Mi nem einiger tteld Mr 8³ paſſablen Puppencabinette iſt, bot hier eine ſolche Zuſam⸗ menrührung von Unſauberkeit, Nachläſſigkeit und eingefleiſch⸗ ten Gewohnheiten von alten Grogggewohnheiten— dar, daß man ganz deutlich merkte, wie der Mann nicht unter dem wohlthätigen Einfluſſe der Pantoffeltaktik ſtände. Denn nimmermehr hätte die Frau eines Jachtlieutenants an der Bohusläniſchen Küſte die Hälfte dieſer Unordnung entſtehen laſſen, falls ſie ſo viel zu ſagen gehabt hätte, wie viele Frauen es dort über die Kronjachten und die Beherrſcher derſelben in der That haben. Doch wir entfernen uns von dem nächſten Gegen⸗ ſtande unſerer Aufmerkſamkeit, nämlich von Petter Gran's Gedanken, welche fich, während er mit einer Federſpule den Zucker in dem Waſſer umrührte, etwa folgender Ma⸗ ßen geſtalteten:„Oeſterberg muß auf jeden Fall wie ich will: er ſchwoͤrt gewiß, daß er die Anker an Bord geſe⸗ hen hat. Darauf wird Carolus zum Eide verurtheilt, und da er, holen mich tauſend T—! dieſen Eid nicht ſchwört, ſo kneife ich den Freiſegler... Sieh ſo!l warte Du dort“— er meinte nämlich das Glas mit dem Zucker⸗ waſſer, das in ſeinem Verwahrungsraume warten ſollte „warte, Du ſollſt bald Deine Ranzion von dieſem Freunde erhalten!... Ach ſo, keine Siegel! Nun gut, die Anker koͤnnen natürlicher Weiſe ohne weitere Anmer⸗ kung lecken, wenn ſie nur anſtändg lecken, ſo daß ſie es aushalten können, noch ein wenig zu lecken, wenn ſie in die zweite Hand kommen! Tritt Du vor, mein Junge mit den drei Kreuzen!— Du ſollſt ja von vollblütiger Race ſein. Ja, ja, der Palkon Holmer hat guten Geſchmack! Es muß wohl angehen, Dich auf eine Kanne zur Ader zu laſſen und Dir eine Kanne Waſſer wieder zu ſchenken, ohne daß Jemand Deinen ächten Urſprung in Zweifel zieht. Aber verdammt, daß ich außer dieſem einen kleinen Topf weiter unten habe! Rufen kann ich nicht“— bei dieſen Worten wog er einen Topf, der etwa eine Kanne faſſen konnte, und jetzt über den vierten Theil mit Cognac 84 von einer ſchlechteren Sorte angefüllt war, in den Hände —„und hier iſt nicht einmal eine Bouteille, in die i ihn gießen kann! Miſchen... nein, Paß! Noth he kein Gebot; alſo nur zul“ Mit dieſen Worten goß er da Inhalt des Topfes entſchloſſen durch ein in dem Fuß boden befindliches Loch aus. Aber den Petter Gran jetzt mit dem bezeichnete Anker auf ſeinen Knien zu ſehen und zu betrachten, wi er ein Meſſer vor den Spund ſetzte, und ſo in den Top goß, das war Geldeswerth. Sein ganzes Geſicht drüch Genußbegier aus, die Augen leuchteten; und während d Zolljacht in allen Fugen erzitternd von den gewaltige Wogen hin und her geworfen wurde, und Alles, was ni feſt war, oben und unten krachend zuſammenſchlug, u wollte es mit den Donnerſchlägen wetteifern, ſaß Pett Gran, beleuchtet von dem flackernden Lichte, ſo ruhig, ſelig, ſo lächelnd und ſo feſt da, wie er an einem ſchöm Sonntagsnachmittage im Hochſommer, mit einer Ladun Herrſchaften zu einer Luſtfahrt an Bord, am Steuer g ſeſſen haben würde. „Aha, das iſt meiner Seel' reiner Spiritus!“ datt der Alte entzückt über die helle Farbe des Inhaltes. „So, alter Kamerad! jetzt wirſt du zugepfropft! den Gra nehme ich noch obendrein: der kommt weiter nicht in I trachtung.“ Und nachdem das Glas gefüllt worden we ſetzte ſich oder, richtiger geſagt, keilte ſich der Lieutenn. zwiſchen Bank und Tiſch ein, indem er vergnügt murmelt „das kann. gar nicht fehlen! Noch hat kein Menſch dem Can lus etwas anhaben können, ſo lange man auch hinter i her geweſen iſt. Seine Schmugglerei iſt dem Diſtrikte hinlänglich bekannt: er meldet mich beim General⸗Zt Steueramte an: man wird Controleur; von dort iſte eigentlichen ein Schritt zum Zollverwalter—— Ihr Wohlſein, K verſchlunge Diſtriktchef!“— Fahrzeug a Bei dieſen Worten ſetzte der Jachtlieutenant— deß lieutenant erregte Gedanken ihm nicht erlaubt hatten, den auffalt den Umſtar das Glas 1 blicke das boden ſpritz Petter Glas an die mit einem ſtand leiſe ſeinen Vern niſchen Bra lange, ſo n gutem Quel das ihm zu Cognac ente thaler und Dieſer Petter Gran beweglich do deuteten die deten, dara hatte, daß die Jacht Wind anſe in den Hände le, in die in aß! Noth he ten goß er da in dem Fuß ſem bezeichnetn betrachten, wi ſo in den Toß Geſicht drück lind während d den gewaltige Alles, was nich nmenſchlug, a ſern, ſaß Peti te, ſo ruhig, dan einem ſchoͤm mit einer Ladu am Steuer f Spiritus!“ dach es Inhaltes.. fropft! den Gra eiter nicht in füllt worden we ich der Lieuten rgnügt murmelt Menſch dem Can⸗ n auch hinter in ſt dem Diſtrikttt eim General⸗Z von dort iſt n )r Wohlſein, jeutenant— 8c en, den auffalt den Umſtand des mangelnden Geruches zu bemerken— das Glas vor den Mund, ließ jedoch in demſelben Augen⸗ blicke das eingenommene Zuckerwaſſer wieder auf den Fuß⸗ boden ſpritzen. Petter Gran ſprang nicht heftig auf, warf nicht das Glas an die Wand, erleichterte nicht einmal ſein Herz mit einem Fluche. Er wurde nur ein wenig blaß, lächelte, ſtand leiſe auf und unterſuchte, nachdem er das Glas an ſeinen Verwahrungsort geſetzt hatte, die Anker, welche dä⸗ niſchen Branntwein enthalten ſollten; aber es dauerte nicht lange, ſo war er überzeugt, daß auch dieſe mit eben ſo gutem Quellwaſſer gefüllt waren, wie das zuerſt unterſuchte, das ihm zur Beſtechung angeboten worden war, und das Cognac enthalten ſollte, der in Helſingör einen Reichsbank⸗ thaler und drei Mark gekoſtet hatte. Dieſer Betrug war zu groß, zu grob! Man ſah es Petter Gran's Geſicht an, während er einige Minuten un⸗ beweglich daſtand, daß er dies ſelbſt meinte; zugleich aber deuteten die tiefen Furchen, die ſich auf ſeiner Stirn bil⸗ deten, darauf hin, daß ein ſeiner nicht unwürdiger Ent⸗ ſchluß im Anzuge begriffen war. Und dieſer entwickelte ſich bald. „Leewaͤrts geſteuert!“ donnerte er zur Thür hinaus, ſo daß Oeſterberg hoch in die Höhe fuhr, und der zweite Jachtkerl, der gutmüthige Kron, der in der Einbildung eben zu Hauſe bei ſeiner Alten gebratenen Speck und dicke Grütze aß, auf den Magen ſtürzte und nur dem Umſtande, daß er beim Falle den Fockſtag ergriff, es zu danken hatte, daß er nicht über Bord geſpült wurde; denn da die Jacht zufolge des gegebenen Befehles faſt gegen den Wind anſegelte, ſo wurde das kleine Fahrzeug in der eigentlichen Bedeutung des Wortes von einer Schlagwelle verſchlungen, die ſich über das Verdeck hinwälzte und das Fahrzeug auf die Seite warf. Alle, ja ſogar der Jacht⸗ lieutenant ſelbſt, glaubten einige Augenblicke, daß die Jacht 86 beim Wenden umſchlagen würde, doch ſie erhob ſit wieder. „Mein Gott, lieber Herr Lieukenant!“ rief Oeſten berg, da er wieder zu Athem kam,„warum ſollen wi wenden?— wir können in ſolchem Wetter nimmermeh See halten! Sie ſind Wittwer, Herr Lieutenant; doc Kron und ich haben Frau und Kinder!“ In ſolchen wichtigen Augenblicken war jedoch Peite Gran Befehlshaber und weiter nichts; das hörte man ſe ner Antwort deutlich an:„Halte dem Winde ſo nat wie möglich, Du Hund— oder, bei allen Teufeln! ſt ſchlage Dir mit dem Ruder den Kopf ein!“ Und m. wirklicher Lebensgefahr reffte der alte Seegaſt ſelbſt de große Segel ein und half darauf Kron bei der Foc ebenfalls. „So, meine Jungen!“ ſuhr er nun in ſeiner g. wöhnlichen ruhigen Weiſe fort;„hört jetzt ein Wort gut wie zwei— denn Ihr wißt, Petter Gran denkt und redet dann! Nun gut; und ſollte es auch unſre le Nacht im Leben ſein, ſo müſſen wir dennoch über de Fjord nach Groſkär: jetzt habt Ihr's gehört!“ „Aber— Gott ſegne Sie, Herr Lieutenant!— Ri iſt ja unraiſon...“ „Still, ſag' ich! Wollt Ihr als Eſel im Journai paraviren, ſo will ich's wenigſtens nicht. Wißt N Kinder, was Pflicht und was Ehre iſt? Ja, unſre Pfli iſt, uns ſelbſt zu Kopf zu ſehen ſo viel wir können; dae dabei gewinnt auch der Staat; das Eine folgt aus ii Andern. Unſre Ehre aber iſt, ſo viele Sachen in N ſchlag zu nehmen wie möglich, und daß kein Menſch uns ſagen kann, daß man uns geprellt oder bei der N gezogen hat; das könnte jedoch der Fall ſein, wenn in dieſer Nacht nicht die Augen offen haben.“ „Haben wir heute Abend nicht das Unſrige gethanf erdreiſtete Oeſterberg ſich einzuwenden. „Ja, den T— auch! hoͤrt nur! Ich ſtreckte zufit denn nach den Arm ſuchen, un Was glaub naß. Ich von Cognac den Spund ker mit W mit Waſſer Bei di den Jachtker Flüche und ſammenhang Scherenbew jedoch pflic laſſen. Nun ſagte, da er ſagte er. 5 müſſen ſie bracht habe Carolus Cd Tücher und hatte— all auch, wo gelöſcht hat ſtriet; aber bringen; un dem ich ſei ſolchen Kiki „Wenn wollen Sie „Ich d weiß, daß halten laͤßt richtigen A ſie erhob ſie ¹“ rief Oeſter rum ſollen wi er nimmermeh jeutenant; dot ir jedoch Pette hoͤrte man ſei Winde ſo nah en Teufeln! iit ein!“ Und m. eegaſt ſelbſt di bei der Foth un in ſeiner g. tzt ein Wort Gran denkt ahf auch unſre let ennoch über de ört!“ utenant!— R Eſel im Journat cht. Wißt N Ja, unſre Pfiic wir können; den e folgt aus di Sachen in kein Menſch k oder bei der W ſein, wenn n ben.“ 3 Unſrige ette ch ſtreckte zuſi richtigen Anker wieder eingeladen. Sie ſind auf ihrer 87 den Arm über die Koje, um mir den Schlafrock zu ſuchen, und kam dabei an den Spund des einen Ankers. Was glaubt Ihr, traf da ein? Ja, die Hand wurde naß. Ich roch daran, um zu ſehen, was für eine Art von Cognac es war, roch nichts, ſchöpfte Verdacht, öffnete den Spund, und komme nun dahinter, daß alle vier An⸗ ker mit Waſſer gefüllt waren— Jungen, denkt Euch: mit Waſſer ſtatt des Cognacs!“ Bei dieſer Nachricht floſſen von den Lippen der bei⸗ den Jachtkerle eine ganze Menge ächter Bohunslän'ſcher Flüche und Verwünſchungen, die zwar wegen ihres Zu⸗ ſammenhanges mit der Küſte und dem Charakter der Scherenbewohner angeführt zu werden verdienten, die wir jedoch pflichtſchuldigſt bei der bloßen Ahnung bewenden laſſen. „Nun gut, Kinder! habt Ihr gehört, was der Däne ſagte, da er gehenkt werden ſollte?„„wart ein bischen!“ℳ ſagte er. Wer zuletzt lacht, lacht am beſten! den Cognac müſſen ſie zu dem Landſtreicher in aller Eile hinaufge⸗ bracht haben; denn ſo wahr ich lebe, ich weiß, daß Carolus Cognac und eine Menge Baumwollenzeug und Tücher und mehr dergleichen von Helſingor an Bord hatte— alles für Patron Holmer's Rechnung. Ich weiß auch, wo er mit Bewilligung der Behörden die Waaren gelöſcht hat: das geſchah gleichwohl nicht in meinem Di⸗ ſtriet; aber den Cognac wollte er in Holmer's Seebude bringen; und es iſt mir eben eine ſaubere Geſchichte, nach⸗ dem ich ſeine Spur ſo lange verfolgt habe, von einem 8 ſolchen Kikindiewelt angeführt zu werden!“ „Wenn ich fragen darf, Herr Lieutenant— wohin A wollen Sie denn nun? fragte Oeſterberg. „Ich denke ihm zu beweiſen, wenn er's noch nicht weiß, daß ich nicht derjenige bin, der ſich zum Narren halten läßt! dahin zurückzufahren, wäre gar kein Plan, denn nach meiner Berechnung haben ſie wahrſcheinlich die 88 Hut. Gewahren ſie die Zolljacht von ferne, ſo ſtoßen ſie ab und gewinnen die See— und dann Adieu mit dem ganzen Verdienſt.... Aber hört nun zu! Um Eins geht der Mond auf; da nimmt wie gewöhnlich der Sturm ab, und länger wagen auch die Schmuggler nicht zu warten. Indeſſen gewinnen wir guten Vorſprung: wit legen die Jacht hinter den hoͤchſten Berg auf Groſkär in Lee, und während Kron nach ihr ſieht und den Weg nach der Johannis⸗Klippe beobachtet, gehe ich hinauf zu Hal⸗ war, leihe ſein Boot und damit fahren wir, ich und Du, Oeſterberg, geſchickt verkleidet nach Strand hinüber, und dort wollen wir die Schurken ſchon faſſen!“ „Herr Lieutenant! Sie werden mit Ihren Plänen ac⸗ curat ſo ſchnell fertig, als ich den Tabak im Munde um⸗ wende!“ ſagte Oeſterberg.„Aber,“ fügte er tief ſeufzend hinzu, es iſt kein Kinderſpiel, über den Fjord und an dem Arelbrott vorbeizukommen!“ „Iſt nicht gefährlich, mein Junge; ich bin oftmals ſchlimmer daran geweſen. Als wir wendeten, ſo hatten wir die Furuholme gerade leewärts, und halten wir nur den Cours, den wir nun ſteuern, ſo kommen wir an dem Arelbrott vorbei gerade nach Groſkär... Aber, Oeſter⸗ berg! haſt Du nicht zufällig ein wenig Cognac in Deina kleinen Flaſche? Ich kam mit dem Fuße an meinen um mein ganzer Vorrath rann mir weg.“ „Ja, Herr Lieutenant, ich glaube gewiß, daß ich noß ein Paar Tropfen übrig habe,“ ſagte Oeſterberg dienſt willig und überlieferte ſeinem Gebieter eine Quartbouteille die er, um allen unglücklichen Ereigniſſen, als Fäll und Stößen, vorzubeugen, an einem Nagel in einem alte Strumpfe hangen hatte. „Ich gehe nun auf einen Augenblick hinunter!“ ven kündigte der Lieutenant.„Steuere in dieſer Richtung we ter.. Und Du, Kron! komme ſogleich zu mir, wen Du etwas Verdächtiges hörſt— halt die Ohren offen, viel Dir möglich iſt!“ Nach eilte er in „Couleur“ Nach gann der Gran eber leerte, ſo ſie glaubten Schne Treppe hine Augen, um darauf hin⸗ Holmes be mit zufriede Groſkär; it Junge ſo n Nacht hoffe Kreisrichter „Der lachte Oeſt „Ich für eine P meine Beſe von der Kü gnädiges rage zu ha habers wir lichen Eſel einen Seite berg! ſteue Seite an, Kron, th ich, komm ſchön! gut Nach Aufſicht a ſo ſtoßen ſie eu mit dem ! Um Eins h der Sturm ler nicht zu ſprung: wir f Groſkär in den Weg nach nauf zu Hal⸗ ich und Du, hinüber, und n Plänen ac⸗ Munde um⸗ r tief ſeufzend fjord und an ch bin oftmals en, ſo hatten halten wir nu in wir an dem Aber, Oeſter⸗ znac in Deina an meinen um , daß ich noh ſterberg dienſe Quartbouteille n, als Fälltt in einem alten hinunter!“ ven er Richtung we h zu mir, wen Ohren offen, 89 Nachdem Petter Gran dieſe Ordres ertheilt hatte, ſo eilte er in ſeine Cajüte, um dem Zuckerwaſſer eine andere „Couleur“ zu ertheilen. Nach der Vorherbeſtimmung des Jachtlieutenants be⸗ gann der Sturm merklich nachzulaſſen, und als Petter Gran eben den letzten Tropfen des zweiten Groggglaſes leerte, ſo rapportirte Kron, das Arelbrott ſei paſſirt, und ſie glaubten, was gerade vor ihnen läge, ſei Groſkär. Schnellen Schrittes begab ſich der Befehlshaber die Treppe hinauf, hielt einen Augenblick die Hand über die Augen, um ſie an die Finſterniß zu gewöhnen, bückte ſich darauf hinab, um gegen den Himmel die Conturen des Holmes beſſer unterſcheiden zu koͤnnen, und rief endlich mit zufriedenem Tone aus:„Ja, meine Kinder, das iſt Groſkär; ich kenne den Felſen noch recht gut, wo ich als Junge ſo manche Eidergans geſchoſſen habe, und in dieſer Nacht hoffe ich auch eine ſolche nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt, pflücken zu koͤnnen.“ „Der Herr Lieutenant hat immer ſo luſtige Einfälle!“ lachte Oeſterberg. „Ich habe,“ entgegnete Petter Gran,„es immer für eine Pflicht ſowohl gegen mich ſelbſt, als auch gegen meine Beſatzung und das Fahrzeug gehalten, das mir von der Königlichen Majeſtät und der Krone durch unſer gnädiges Zollamt anvertraut iſt, mich bei friſcher Cou⸗ rage zu halten; denn das Beiſpiel eines hurtigen Befehls⸗ habers wirkt ſtets gut, ſofern man nicht mit unverbeſſer⸗ lichen Eſeln zu thun hat“— bei dieſen Worten warf er einen Seitenblick auf Kron—„Aber, hörſt Du, Oeſter⸗ berg! ſteuere ein wenig höher— wir legen an der andern Seite an, ſo daß die Jacht nicht zu ſehen iſt; und Du, Kron, thue einige Züge mit dem Ruder, ſonſt, glaube ich, kommen wir nicht an dem Vorſprunge vorbei... ſo! ſchön! gut!“ Nach einigen Minuten lag die Zolljacht unter Kron's Aufſicht an dem befohlenen Orte. Der Mond war ſchon —— ————— 90 hoch genug, ſo daß das Auge entferntere Gegenſtände zu bemerken im Stande war, wenn dieſelben auch wegen der dunkeln Wolkenmaſſen im Nebel zu ſegeln ſchienen. Auch prägte der Jachtlieutenant nicht einmal, ſondern wohl zehnmal in Kron's Kopf ein, er ſollte ſich ſcharf um⸗ ſehen und melden, wenn er den Freiſegler im Fahrwaſſer bemerkte, ſofern es ihm lieb wäre, eine heile Haut nach Hauſe zu bringen. Und Kron, die gute Seele, hatte einen ſo ſtarken Reſpect vor den Befehlen ſeines Anfüh⸗ rers, daß er während der ganzen Zeit, da dieſer entfernt war, kaum eine Priſe zu nehmen und noch viel weniger zu den herrlichen Gedanken an das gebratene Speck und die Grütze bei ſeiner Alten zurückzukehren wagte. „Auf, Siebenſchläfer!“ war der Gruß des Lieutenants, als er in die unverſchloſſene Hütte des armen Fiſchers, Halwar Monſon eintrat.„Geld zu verdienen, auf!... Hurtig an's Werk! Deine Alte kann die Decke über den Kopf ziehen, ſo lange ich hier bin: ich weiß, ſie iſt eine ehrbare und ſittſame Frau, nach Befund, wie der Kreis⸗ richter ſagt.“ „Ich hoͤre, es iſt der Herr Lieutenant!“ antwortete eine grobe Stimme.„Aber hier gibt's leider Gottes kein Endchen Licht im ganzen Hauſe.“ „Gleich viel!“ antwortete Petter Gran, indem er nach dem Herde tappte.„Ich habe Licht in der Laterne — ſchlage nur Feuer an!“ Der aus dem Schlafe erweckte Fiſcher kroch mit der größten Behutſamkeit aus dem Bette, um nicht auf die Kinder zu treten, welche in Geſellſchaft der Katze und eines halberwachſenen Ferkels neben demſelben lagen. Nach langem Klopfen und Blaſen bekam Halwar endlich Feuer und zündete das Licht an. „Nun, mein lieber Halwar,“ ſagte der Lientenant, „Du haſt wohl meine Fiſcherkleider noch in guter Verwah⸗ rung, die ich Dir letzthin gab? Sei flink, und rudere het damit; nimm darauf dieſe Kronflagge und wickele ſie um einen Sto Und ſchöpf im Hinter Afſaire vor und nimm Ferkel und giß auch d Waͤhr anvertraute Gran dam eigenthümli leute noch Deine Fra den Kopf ſich nur ſo bei Petters ihre Rechn Viertel Pfa „Gott ſcheidenheit freigebig fi antwortete altes mit halten kamn Bei d terne und verurſacht erwacht, ha welchen ſie Blicken an Pette züge hatte überfluſſig Liebe gew auch nicht enſtände zu wegen der nen. Auch dern wohl ſcharf um⸗ Fahrwaſſer Haut nach deele, hatte nes Anfüh⸗ aeſer entfernt weniger zu heck und die Lieutenants, ſen Fiſchers, „auf!... tke über den , ſie iſt eine e der Kreis⸗ „antwortete Gottes kein n, indem er n der Laterne kroch mit der nicht auf die er Katze und lagen. kkam Halwar r Lieutenant, gzuter Verwah⸗ nd rudere het wickele ſie um 91 einen Stock— mach' ſie aber erſt an beiden Enden feſt! Und ſchöpfe Dein Boot leer und wiſche die Fiſchſchuppen im Hintertheile ab! Du verſtehſt, ich habe eine klaine Affaire vor. Sobald Du fertig biſt, kommſt Du herauf und nimmſt einen Reichsthaler Banco zu Mehl für das Ferkel und die Bälge an! Doch ſchnell, ſchnell!... ver⸗ giß auch die Ruder nicht!“ Während Halwar beſchäftigt war, aus der Kiſte die anvertrauten Dinge hervor zu ſuchen, beluſtigte ſich Petter Gran damit, durch die Art von Scherzhaftigkeit, die ihm eigenthümlich war, ſich in der guten Meinung der Wirths⸗ leute noch mehr zu befeſtigen.„Ich ſehe,“ ſagte er,„daß Deine Frau meinen Rath befolgt, und die Decke über den Kopf gezogen hat— doch mag ſie nun ſchlafen oder ſich nur ſo ſtellen, ſo kann ſie, wenn ſie nach Lin⸗d kommt, bei Pettersſon nachhören, ob nicht der Jachtlieutenant für ihre Rechnung ein halbes Pfund Kaffeebohnen und ein Viertel Pfannenzucker bezahlt hat.“ „Gott ſegne Sie, Herr Lieutenant, wegen Ihrer Be⸗ ſcheidenheit und Großmüthigkeit— Sie ſind immer ſo freigebig für die kleinen Dienſte, die Halwar thun kann!“ antwortete eine Stimme von der Decke her, ſofern ein altes mit Seetang geſtopftes Segel dieſe Benennung er⸗ halten kann. Bei dem ungewohnten Schein des Lichtes in der La⸗ terne und dem Geräuſche, das der Beſuch des Lieutenants verurſacht hatte, waren die auf der Erde liegenden Kinder erwacht, hatten ſich aufgerichtet und ſtarrten nun den Gaſt, welchen ſie gleichwohl ganz gut kannten, mit verwunderten Blicken an. Petter Gran, welcher wirklich einige gute Charakter⸗ zuͤge hatte, liebte Kinder; da aber ſeine Gefühle mit keiner überfluͤſſigen Feinheit behaftet waren, ſo äußerte ſich dieſe Liebe gewöhnlich in einem rohen Spiele, welches, wenn auch nicht ſo übel gemeint, dennoch für denjenigen, welcher 92 der Schreckſcenen der Armuth ungewohnt war, höchſt pei⸗ nigend zu ſehen geweſen ſein würde. Belebt von der Hoffnung auf eine eben ſo feine Rache als einen großen Triumph, war Petter Gran in dieſer Nacht eben in einer Laune, die für ſeine Umgebung ange⸗ nehme Früchte tragen mußte.„Seht hier, Bälge!“ rief er mit wichtiger und gnädiger Miene aus—„könnt Ihr wohl richtig ſehen, was dies ſein ſoll?“ Bei dieſen Worten, und nachdem er ghörigen Lärm damit in ſeiner großen Taſche gemacht hatte, zog er eines von den Schiffsbröden hervor, womit er ſich für dieſes Abenteuer verſehen hattte. Nach⸗ dem er eine Zeitlang die herrliche Lockſpeiſe in allen Rich⸗ tungen umgeſchwenkt und ſein Körper während deſſen die wunderlichſten Cirkel beſchrieben hatte, hielt er ploͤtzlich das Brod mit der Geberde einer Perſon hin, die Hunden das Springen lehren will; und ganz nach der Berechnung ſprangen in einem Nu drei kleine Knaben mit einer ſolchen Heftigkeit auf, daß das Stroh um ſie her wirbelte, ſielen über den Schiffszwieback her und kämpften um denſelben. Und Petter Gran lachte, daß ihm die Thränen in die Augen kamen. Zuletzt endigte der Kampf ſo, daß das Brod auf die Erde fiel, woſelbſt das Ferkel ſogleich mit einer Kraſt, die allen weiteren Streit überfluͤſſig machte, Beſchlag darauf legte. Dieſe ganz unerwartete Vermehrung in dem Vergniü⸗ gen gewährte unſerm Petter Gran einen ſo großen Genuß, daß er für einige Augenblicke ſeine ganze Expedition ver⸗ gaß. Die Probe wurde erneuert, und fiel diesmal ſo aus, daß die beiden kleinſten Knaben weinend und jammernd, der älteſte dagegen mit dem Siegeszeichen in der Hand, auf das Strohbett zurückkehrten. Auf dieſem Bette befand ſich gleichwohl noch ein Weſen, welches weder aufgeſprungen war, um an dem Kampfe Theil zu nehmen, noch auch weinte, als ihm kein Brod zu Theil wurde. 1 Kau krochen, von dem gegeben. Und ihre heit, wele hatte, mas Nachdem worfen ha ploͤtzliche W der Knabe zwiebacke e zuwarf, da „Höre hundsſtiefel ſchamhaft wie der Kr keit iſt eine nes, ſagt. ter Gran Jetzt fertig wärg „Gut Hier liegt Nun iſt nu und Mütze „Aha und ruder „Haſ für Geld 4 es nicht da *) Dem e rechte ſo viel Jett g höchſt pei⸗ feine Rache n in dieſer ebung ange⸗ älge!“ rief „könnt Ihr ſen Worten, koßen Taſche den hervor, ttte. Nach⸗ allen Rich⸗ nd deſſen die ter plötzlich die Hunden Berechnung einer ſolchen rbelte, fielen im denſelben. ränen in die Brod auf die einer Kraft, te, Beſchlag dem Vergnü⸗ roßen Genuß, wpedition ver⸗ esmal ſo aus, d jammernd⸗ in der Hand ohl noch ein um an dem als ihm kein 93 Kaum aber waren Alle wieder unter das Segel ge⸗ krochen, ſo wurde plötzlich dem älteſten Bruder ein Stück von dem Brode entriſſen, und dieſer Biſſen dem jüngſten gegeben. Dieſes räuberiſche Weſen war ein Mädchen. Und ihre Handlung nebſt ihrer unſchuldsvollen Verſchämt⸗ heit, welche die mächtige Begierde zu dem Brode beſiegt hatte, machte ſogar auf Petter Gran einen tiefen Eindruck. Nachdem er in der Eile die Fiſcherkleidung über ſich ge⸗ worfen hatte, ſo leerte er die Taſchen und machte eine ploͤtzliche Veränderung in dem Erbrechte, indem er jedem der Knaben einen, dem Mädchen dagegen zwei Schiffs⸗ zwiebacke ertheilte*) und ihr noch dazu das ſeidene Tuch zuwarf, das um die Kleider gebunden geweſen war. „Höre, meine Kleine!“ ſagte er, indem er die See⸗ hundsſtiefeln anzog, laß mich ſehen, daß Du immer ſo ſchamhaft biſt und Deine Reize verbirgſt nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt. Denn, ſiehſt Du, die Ehrbar⸗ keit iſt eine ſchöne Blume in dem Hauſe des armen Man⸗ nes, ſagt... nun, gleich gut meine Tochter, wenn Pet⸗ ter Gran es geſagt hat, ſo kannſt Du's glauben.“ Jetzt trat Halwar mit der Anzeige ein, daß Alles fertig wäre. „Gut, mein lieber Halwar— Dank für die Hülfe! Hier liegt ein Reichsthaler Banco auf dem Tiſche... Nun iſt nur noch übrig, daß Du Oeſterberg Deine Jacke und Mütze leihſt.“ „Aha!“ ſagte Halwar,„ſollen die Lappen auch hinaus und rudern helfen?“ „Haſt Du denn noch nicht gehört, daß der Deutſche für Geld Alles thut?— und ich ſehe nicht ein, warum es nicht der Schwede eben ſo machen ſoll.“ *) Dem erſt 1844 von den Reichsſtänden aufgehobenen Erb⸗ rechte zufolge erbten auf dem Lande die Söhne doppelt ſo viel als die Töchter; in den Städten jedoch gleich. Jetzt gilt auch auf dem Lande das gleiche Erbrecht. Anm. d. Ueberſ. 94 „Weil aber dieſes Letzte nicht mit in der Rechnung war,“ erdreiſtete ſich Halwar zu bemerken, indem er gleich⸗ wohl die begehrten Kleidungsſtücke an Oeſterberg abgab, „ſo muß der Herr Lieutenant ſo gut ſein nachzufühlen, ob er nicht ein wenig Tabak in der Taſche hat!“ und bei der Hoffnung auf dieſen Genuß, für welchen, in Paren⸗ theſe geſagt, der arme Fiſcher, der ſo wenige Genüſſe hat, zu jedem Wagſtücke im Stande wäre) leuchteten Halwars Augen von einem Feuex, wie daſſelbe nicht einmal die ſo unvermuthet erhaltene Summe eines ganzen Reichsthalers Banco hervorzurufen im Stande geweſen war. „Hier haſt Du den ganzen Vorrath!“ ſagte der Lieu⸗ tenant, indem er ihm eine ziemlich bedeutende Rolle gab. „Aber bedenke, was ich Dir ſage: reinen Mund, bis ich Dir Erlaubniß gebe zu reden, welches nach Befund ge⸗ ſchieht, wie der Kreisrichter ſagt... Und nun lebt wohn, meine Kinder! Um ein Paar Stunden, oder auch ſchon früher iſt Oeſterberg mit den geliehenen Kleidern und dem Boote wieder hier.“ Und in dem kleinen Hausflure, woſelbſt das Licht in der Laterne ausgelöſcht wurde, verſchwand unter den Dankſagungen der armen Familie der Zollbeamte mit ſeinem Handlanger. „So, Oeſterberg!“ ſagte der Lieutenant auf dem Wege zum Boote,„laß uns nun verſuchen, wer am beſten kann: Ich nehme das eine Ruder ſelbſt.“ Und nachdem Halwar ihnen behülflich geweſen war das kleine Fahrzeug abzuſtoßen, flog daſſelbe, von den ra⸗ ſchen Ruderſchlägen getrieben, hurtig über den Fjord, deſſen erregte Wogen trotzig ihre Häupter erhoben und gleichſam den Weg ſperrten, um gleichwohl im nächſten Augenblick ohnmächtig hinabzuſinken und dem Boote Platz zu machem um über eine neue Reihe zu fahren, die wiederum dent einer andern verdrängt wurde und ſo fort. Es war eine anſtrengende Arbeit. Aber Petter Grant hatte noch ſeine volle Kraft und ruderte eben ſo kräſtig wie Oeſte an ſeinen Expedition belebt wur Zufol die Gedul Probe ſetz daß es jetz den konnte. aber es we nicht weit Nachd fragte Oeſt des Lieuten men Töpfe! tenant an brücke, die erblickte, „Das iſt drückten an's Land den iſt!“ „Bekü wortete de ſonſt gebe S Zaähne Sec Oeſter andere Ged „Sper darauf.. jetzt an der „Das ſtill geword vorwärts z —„Stog Siehſt Du er Rechnung n er gleich⸗ berg abgab, zufühlen, ob t!“ und bei „ in Paren⸗ Genüſſe hat, ten Halwar's inmal die ſo Reichsthalers gte der Lieu⸗ e Rolle gab. Lund, bis ich Befund ge⸗ in lebt wohl, er auch ſchon dern und dem bſt das Licht nd unter den ollbeamte mit ant auf dem wer am beſten 8. geweſen war, ,, von den ra⸗ n Fjord, deſſen und gleichſam en Augenblick atz zu machene wiederum vor er Petter Gian eben ſo kräſtig 9⁵ wie Oeſterberg, deſſen Phantaſie doch von dem Gedanken an ſeinen Antheil an dem Gewinn und bei dem Ende der Expedition an einen Schnapps und Butterbrod hinlänglich belebt wurde. Zufolge der Veränderlichkeit der Winde, die ſo oft die Geduld und die Berechnungen des Seemannes auf die Probe ſetzt, hatte der Sturm jetzt ſo ſehr nachgelaſſen, daß es jetzt faſt eine vollkommene Windſtille genannt wer⸗ den konnte. Deſto hoͤher gingen gleichwohl die Wogen; aber es war ein Gluüͤck, daß es von Groſkär nach Strand nicht weit war. Nachdem ſie eine Weile ganz ſtill gerudert hatten, fragte Oeſterberg in einem Tone, der an die Behauptung des Lieutenants erinnerte, daß Oeſterberg von dem ehrſa⸗ men Töpferhandwerke herſtammte, ob nicht der Herr Lieu⸗ tenant an dem äußerſten Ende der Strand'er Landungs⸗ brücke, die man jetzt unterſcheiden konnte, etwas Weißes erblickte, das da ausſähe wie ein Menſch ohne Kopf. „Das iſt ganz gewiß,“ ſagte er mit einem halb unter⸗ drückten Seufzer,„ein ertrunkener Seemann, der nicht an's Land gefloſſen und in chriſtlicher Erde begraben wor⸗ den iſt!“ „Bekümmere Du Dich nicht um Geſpenſter,“ ant⸗ wortete der Lieutenant mürriſch,„ſondern rudere Du— ſonſt gebe ich Dir ein Primo auf die Schnauze, daß die Zähne Secundo trillern ſollen!“ Oeſterberg ſchwieg: er merkte, daß ſein Befehlshaber andere Gedanken in ſeinem Sinne bewegte. „Sperr' die Augen auf!“ begann Petter Gran bald darauf.„Siehſt Du den Freiſegler? Ich meine, er ſollte jetzt an den Lyngholmen vorbei ſein.“ „Das glaube ich kaum, Herr Lieutenant— es iſt ſo ſtill geworden, daß ſie die Ruder gebrauchen müſſen, um vorwärts zu kommen.“ „Stopp, Oeſterberg!... halt' ein wenig ſtill!... Siehſt Du nicht etwas dort dicht unter Flatſkär im Waſ⸗ 96 ſer glimmen 2... Nun, ſpucke mich in's Geſicht, wenn das nicht die Schmuggler ſind! Sie rudern im Schatten des Holmes, um nicht geſehen zu werden... Der Tau⸗ ſend! jetzt ſiehſt Du wohl, wie ſie hinter der Klippe her⸗ vorkommen?— ſie müſſen dort noch ein wenig Wind haben, denn ſie haben das große Segel aus.“ „Ja, meiner Seel! Herr Lieutenant, Sie haben Recht — ich erkenne das Boot an der Höhe des Segels. Doch wir ſind gut geborgen: es dauert noch eine Weile, ehe ſie kommen!“ „O ja, gewiß ſind wir Dreiviertelſtunden vor ihnen dort... Doch laß uns näher an's Land rudern, daß ſie uns nicht ſehen; und wenn wir an die Seebude kom⸗ men, ſo bücke Du Dich hinab, ſo daß die Landungsbrücke Dich deckt— und dann laß mich für das Uebrige ſorgen! Doch noch ein Wort! Welche Befehle Du auch erhältſt ſo expedirſt Du ſie geſchwind, ſonſt... Du kennſt michle „Ja wohl, an meinen fünf Fingern!“ antwortet Oeſterberg. Der Lieutenant gab nun ſein Ruder ab mit der Er⸗ klärung, er wollte etwas im Boote in Ordnung bringen. Dieſes Ordnen beſtand darin, daß er ein Stück Se⸗ geltuch über die beiden mittleren Bänke breitete, dieſte jedoch ſo kunſtmäßig, daß es ganz ſo ausſah, als wän darunter etwas verborgen. „Kannſt Du vernehmen, Oeſterberg, ob die Buh offen iſt?— es kommt mir ſo vor, als bewegte ſich don etwas,“ flüſterte Petter Gran....„Doch ſchl ſitze nun ſtill: ich ſah Holmer's Kopf! Er will die Waaren t eigener Perſon entgegen nehmen; um ſo beſſer: da iſt d Affaire bald gemacht... da haſt Du Dein Geſpenſte Du ſiehſt, er hat den weißen Mantel an. Er hat un gewiß lange bemerkt, der alte Ehren⸗Fuchs.“ 3 Der Zollbeamte war jetzt dicht unter die Landunge⸗ brücke gekommen, und dieſe lag wegen des Schattens, de das Magazingebäude auf die See warf, in einem hinlänglichen Halbdunkel, ſogleich erka als eben jetz „Carol herab—„b „Sch! bückte, gleie legen. „Haſt Ferſen, da kannſt in der „Sch, fortwährend Rücken zuwe jedoch Oeſter die Seite der ſchnell hinau beſtürzten Ka „Guten find noch ſpä gehen Allem Sie erwarten recht ſchön, mir ſogleich laden behülfli „Gut, der Kaufman ſehe, daß i Sie däs Geſ „Hm, eendungen! vorſichtig ſein „Herr L kleinen weiß damit fürlieb Der Einſi Geſicht, wenn im Schatten Der Tau⸗ v Klippe her⸗ wenig Wird 2 e haben Recht segels. Doch Weile, ehe ſie den vor ihnen rudern, daß Seebude kom⸗ andungsbrück ebrige ſorgen! auch erhältſt kennſt mich! !“ antwortete mit der Er⸗ ung bringen. in Stück Se⸗ rreitete, dieſes ah, als wän ob die Bude egte ſich don ſch! ſitze nu die Waaren i eer: da iſt d in Geſpenſte Er hat un die Landunge Schattens, da m hinlänglicht 1 97 Halbdunkel, daß Jemand, der anlangte, wenigſtens nicht ſogleich erkannt werden konnte, und dieſes um ſo weniger, als eben jetzt eine günſtige Wolke den Mond bedeckte. „Carolus!“ flüſterte der Patron Holmér von oben herab—„biſt Du's?“ „Sch! ſch!“ antwortete der Lieutenant, indem er ſich bückte, gleicſſam, um im Boote etwas in Ordnung zu legen. 3„Haſt Du die verdammten Zollſchnüffler auf den Ferſen, da Du nicht mit dem Freiſegler kommſt? Du kannſt in dem kleinen Boote nicht viel haben.“ „Sch, ſch! war die einzige Antwort, die Petter Gran fortwährend in gebückter Stellung und dem Lande den Rücken zuwendend zu geben für gut fand. Nachdem es jedoch Oeſterberg gelungen war, das Boot hinlänglich an die Seite der Brücke zu bringen, kletterte der Lientenant ſchnell hinauf und ſtand im nächſten Augenblicke vor dem beſtürzten Kaufmanne. „Guten Abend, guten Abend, Herr Holmér! Sie ſind noch ſpät draußen, Herr Patron! Doch die Geſchäfte gehen Allem vor. Das iſt auch mein Satz. Ich höre, Sie erwarten einige Fäſſer durch den Carolus; es war recht ſchön, daß der Zufall mich herführte; nun kann ich mir ſogleich den Begleitſchein anſehen und Ihnen beim Ab⸗ laden behülflich ſein.“ „Gut, Herr Lieutenant! keinen Scherz!“ entgegnete der Kaufmann in einem ernſten und ärgerlichen Tone.„Ich ſehe, daß ich entdeckt bin— alſo kurz und gut: wollen Sie däs Geſchäft abſchließen?“ „Hm, Herr Patron! Sie ſind zu ſchnell in den Wendungen! Ein Mann in meinem wichtigen Amte muß 6 vorſichtig ſein nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt.“ „Herr Lieutenant! Sie haben ſo lange nach meiner kleinen weißen Schiffsſchaluppe gefiſcht— nehmen Sie damit fürlieb!“ Der Einſiedler ꝛc. I. 7 98 „Ei, ei! die paßt nicht gut als Kronboot, iſt aba ſonſt ein nettes kleines Ding.“ „Nun gut; das ſchwarze Tuch, welches Sie im Son⸗ mer auf Rechnung nahmen— kann das nicht bis in alte Ewigkeit ſtehen bleiben „Sie reden ſehr reell und vernünftig, Herr Patron⸗ äußerte Petter Gran in einem eben ſo leiſen Ton, al derjenige, in welchem er angeredet worden war,„und ic bin auch nicht der Mann, welcher ehrlichen Leuten da Verdienſt ſchmälern will: leben und leben laſſen, ſagt da Deutſche. Doch werden Sie einſehen, Herr Patron, dir ich über ſolche Dinge nicht ſelbſt mit meinen Leuten rede kann: man verliert den Reſpect bei ihnen.“ Herr Holmér begnügte ſich diesmal, dem wichtige Zollbeamten einen fragenden Blick zuzuwerfen. Petter Gran räuſperte ſich und ſah ungeduldig am „Ich gehe hier ein wenig auf der Brücke ſpatzieren, ſagte er;„Sie wiſſen ſelbſt, was Sie zu thun haba Herr Holmér: ein Zehnthalerzettel in Oeſterberg's Har — mehr oder weniger nach Befund, wie der Kreisrichte ſagt!“ 3„Gut!“ entgegnete der Patron vergnügt,„ich wen Ihnen den Dienſt nicht vergeſſen!“ Mit dieſen Worn wendete er ſich um und kroch zu Oeſterberg in das Bes hinab. Doch kaum war dieſes Mandeuvre gethan, ſo mach der Lieutenant ſchnell wie der Blitz das Boot los u ſtieß daſſelbe ab. Sein dienſtbarer Geiſt begriff die Signal ſo geſchwind, daß er faſt in demſelben Augf blicke die Ruder ſpielen ließ. „Schnell zurück zur Zolljacht, Oeſterberg! Feuen den Kamin, Licht auf den Tiſch, vor mit Allem, n das Haus vermag, nicht zu vergeſſen eines von den en liſchen Porterkrügen— und wenn Du den Herrn Pat in der Cajüte gut beſorgt haſt, ſo mach' die Thürt und ſei ſchnell wieder hier!“ „H ſolche En mehr! wollen w „J rief Vett und ſchne und wen Die zwiſchen der Lieute denen dieſ Petter Gr Mannhaft noch nicht ſo ungeleg Oeſterberg Boot dabe er der Ueh welches der „Was morgen ar ſitation an Nuder ſitze er in Ewig rückt zugeh 8„Ja, Jan,„ſof boot, iſt abe sSie im Som⸗ icht bis in al Herr Patron eiſen Ton, al war,„und ich hen Leuten da laſſen, ſagt de er Patron, dar ſen Leuten reda 7 dem wichtige rfen. ungeduldig aut ücke ſpatzieren, zu thun haba heſterberg's Han der Kreisrichte nügt,„ich wen t dieſen Worn erg in das Be gethan, ſo mach s Boot los u eiſt begriff dies demſelben Augt erberg! Feuer mit Allem, n ines von den en den Herrn Patt ich' die Thün „Herx!“ ſchrie der Kaufmann aus dem Boote,„eine ſolche Erzeanaille wie Sie gibt's unter der Sonne nicht mehr! Doch laſſen Sie das Boot zurückkommen, ſo wollen wir's unter jeder Bedingung abmachen.“ „Ich danke, danke unendlich für die Freigebigkeit!“ rief Vetter Gran, während ſich das Boot immer ſchneller und ſchneller entfernte;„doch man thut ſeine Schuldigkeit, und wenn es Einem auch noch ſo weh thut.“ Die letzten Worte dieſer Schmährede wurden in⸗ zwiſchen eben ſo wenig von dem Kaufmann gehört, wie der Lieutenant die Ausrufungen vernehmen konnte, mit denen dieſer ſeinem gränzenloſen Harme Luft machte. Doch Petter Gran ſah, daß, obgleich der Patron Holmér ſeiner Mannhaftigkeit wegen nicht in hohem Rufe ſtand, er den⸗ noch nicht geſonnen zu ſein ſchien, ſeine Freiheit in einem ſo ungelegenen Augenblick zu verkaufen: er ſchien mit Oeſterberg ſich um die Ruder zu ſtreiten; da jedoch das Boot dabei umzuſchlagen drohte, ſo wurde es deutlich, daß er der Uebermacht wich, und ſich in das Schickſal ergab, welches der liſtige Zollbeamte ihm bereitet hatte. Siebentes Kapitel. „Was für ein Geſicht er machen wird, wenn er morgen ankommt und auf der Johannis⸗Klippe Hausvi⸗ ſitation anſtellt!“ ſagte Carolus, auf dem Freiſegler beim Ruder ſitzend, zu Stonge⸗Jan.„Die Schrankthür findet er in Ewigkeit nicht, und wenn es auch wirklich ſagwer⸗ rückt zugehen ſollte, ſo iſt dort nichts mehr zu holen.“ „Ja, Viſitation ſtellt er gewiß an,“ entgegnete Stonge⸗ Jan,„ſofern er vor Morgen nichts entdeckt. Gott gebe 100 nur, daß nichts Verrücktes noch in dieſer Nacht geſchieht! — Ich kenne den Petter Gran, und glaube kaum, doß er lange Geduld gehabt hat, die Waaren zu prüfen; nun, nun, paß ſelbſt auf, Carolus, ob Du nicht dafür leiden mußt, daß Du gegen meinen und Georg's Rath war⸗ teteſt, bis der Mond aufging! Es iſt gar ſo unmöglich nicht, daß er irgendwo hier in den Winkeln auf der Lauer liegt.“ „Du ſprichſt, wie Du es verſtehſt!“ meinte Carolus in ſtrengem Befehlshabertone.„Iſt denn die Zolljacht jetzt ſo klein geworden, daß man ſie nicht einmal im Mondſchein ſehen kann? Nein, Kinder, das hat keine Gefahr— ich habe den alten Petter Gran ſchon öfter geprellt; doch ich glaube wohl, dies iſt das letzte Mal, denn dieſe Umſtände und die Anſtrengungen, welche damit verbunden ſind, fangen an mich zu langweilen.... Nun, wir ſind bald da, und obgleich ich meine, ich habe ſo gute Augen wie ein Anderer, ſo ſehe ich doch kein le⸗ bendiges Weſen auf dem Waſſer.“ Georg, der lange ſtill geſeſſen, ſagte jetzt in einem zuverſichtlichen Tone:„Da ſiehſt Du ſchlechter als ſonſt, Carolus denn dort nach der Groſkärsſeite hin ruden beſtimmt ein Boot.“ Carolus wendete ſich nach der angewieſenen Gegend hin und merkte nach einiger Anſtrengung, daß Georgt Blick ihn nicht getauſcht hätte.„Nun, da iſt es woll irgend ein Fiſcher, der Robben fängt— dumm iſſt auf jeden Fall! Doch der Jachtlieutenant kann es un möglich ſein; der rudert nicht allein in einem Kahne Und übrigens mag's ſein, wer es will, ich ſcheere mit den T— drum! Denn ehe er herkommen kann, iſt Allat in der Bude ſicher verwahrt, und da kann Herr Holmen für das Uebrige ſorgen... Seht, dort öffnet er urn Seel' die Thuͤr der Seebude! Doch wir können ſo h Stonge⸗Jan! lauf' Du nach vorn i nicht kommen, ſondern müſſen an das Ende der Landun brücke anlegen. halt, ab. Patron; können.“ Beh⸗ Eckenbalk durch die Patron! lieutenant Ihre Late „Der indem er „Und nun die Leinen im Finſter So l ſprach, ſe dem Patr bei dem ſ Züge des ſchnell in den ſonder auf der B Georg, de war, Ver Seiten des überlegte warnen kö der Thür ohne Leine Lieutenant in demſel Rufe:„C hier⸗— Ohre, und zccht geſchieht! e kaum, doß prüfen; nun, dafür leiden s Rath war⸗ ſo unmoͤglich auf der Lauet neinte Carolus die Zolljacht ht einmal im das hat keine un ſchon öfter as letzte Mal, „welche damit weilen.... eine, ich habe h doch kein le⸗ jetzt in einen hyter als ſonſt, eite hin ruden ieſenen Gegend daß Georgt a iſt es woll dumm iſte kann es un einem Kahne ch ſcheere mit kann, iſt Alls Herr Holmei pffnet er mein können ſo bes e der dundn nach vorn u halt ab... ſo, gut! Georg, klettre hinauf und eile zum Patron; hole die Leinen, damit wir die Fäſſer hinaufhiſſen können.“ Behende wie eine Katze kletterte Georg an einem der Eckenbalken an der hohen Brücke hinauf und eilte darauf durch die halboffene Thür in die Bude.„Schnell, Herr Patron! geben Sie mir die Leinen!“ ſagte er, dem Jagd⸗ lieutenant auf die Schulter klopfend.„Warum aber brennt Ihre Laterne nicht?“ „Der Sturm loͤſchte ſie aus!“ flüſterte Petter Gran, indem er die Stimme des Kaufmannes nachzuahmen eſuchte. „Und nun weiß ich nicht, wo der verteufelte Ladendiener die Leinen hingelegt hat— ſuche ſie, ſo gut Du kannſt, im Finſtern!“ So bei auch der Jachtlieutenant dieſe Worte aus⸗ ſprach, ſo hörte doch Georg deutlich, daß die Stimme dem Patron Holmeér nicht angehörte. Auch glaubte er bei dem ſchwachen Lichte, das durch die Thür fiel, die Züge des Jachtlieutenants zu unterſcheiden; und da er ſchnell in ſeinen Gedanken mit der Finſterniß in der Bude den ſonderbaren Umſtand, daß der Patron ſich nicht ſelbſt auf der Brücke gezeigt hatte, zuſammenlegte, ſo begann Georg, der, wenn auch jung, dennoch kein Neuling mehr war, Verdacht zu faſſen, daß dies eine Hinterliſt von Seiten des Jachtlieutenants ſein koͤnnte. Während er ſich ſtellte, als ſuchte er die Leinen, überlegte er, wie er den Carolus wohl auf die beſte Art warnen könnte. Und zuletzt näherte er ſich nach und nach der Thür unter dem Vorwande, man müßte ſich wohl ohne Leinen helfen, da ſie nicht zu finden wären. Der Lieutenant folgte ihm indeſſen auf den Ferſen nach; und in demſelben Augenblicke, da Georg mit dem heftigen Rufe:„Carolus! ſtoß ab! der Lieutenant ſſt verkleidet hier⸗— hinauszukommen ſuchte, brauſ'te es vor ſeinem Ohre, und von einem heftigen Schlage von Petter Gran's muskelſtarker Hand getroffen taumelte er halb bewußtlos unter Tonnen und Kiſten hin. „Im Namen der Königlichen Majeſtät und der Krone lege ich Beſchlag auf Fahrzeug und Laſt!“ donnerte der indem er mit unſinniger Heftigkeit auf der langen Brilcke vorwärts eilte, worauf er ſich bückte und die Fangleine ergriff, die jedoch zu ſeiner unaus⸗ ſprechlichen Wuth in demſelben Augenblicke von Stonge⸗ Jan gekappt wurde. ee Brücke war zu hoch, als daß er von derſelben einen Sprung auf den Freiſegler hinab wagen konnte. Doch mit der kühnen Geiſtesgegenwart, die den Petter Gran unzeichnets, ergriff er das abgehauene Tauende fe⸗ ſter und ließ ſich an demſelben hinab, um wo möglich das Verdeck zu erreichen oder wenigſtens in der Takelage feſten ſſ Letzteres gelang ihm denn auch wirklich; doch obgleich er mit den Beinen das Maſtſtag feſthielt bis er ſich in faſt horizontaler Lage befand, ſo fühlte er den⸗ noch, daß das Boot ihm Zoll für Zoll entglitt, und daß er entweder mit den Beinen nachgeben und an der Lan⸗ dungsbrücke hangen bleiben oder auch loslaſſen und köpf⸗ lings in die See ſtürzen müßte: vorhanden, weil Carolus und Stonge⸗Jan ſchon die Nu⸗ der ergriffen hatten und der Lieutenant, Weiſe unmöglich war, das Boot feſtzuhalten, ſich auch nicht zu ihnen hinüber ſchwingen konnte. Jetzt ſchäumte Petter Gran vor Wuth. aber zuletzt der Fußpunkt entglitt und der bunge Körper ziemlich unſanft gegen die Balken ſchlug, da kannte ſein Raſerei keine Gränzen mehr, Mann, und das gerade in dieſem Augenblicke, gezwungen war, ſich vor demjenigen zu demüthigen, über welchen u noch vor einem Augenblicke ſo ſicher geweſen war, 9 Jachtlieutenant, ein Drittes war nicht dem natürlicher beſonders da der ſteinharte „Carolus!“ rief er,„Du kennſt mich! willſt Du nit meinem im Namen der Koͤnigl. Majeſtät und der Kron gegebenen wieder auf mir unmög punkt habe. „L„ lus, indem ſchwimmen alſo nur lo „Aber ſtöhnte der auch fruchtt „Das einer Gleich die Worte wenn Sie nach Befund und um die Journal un derweile, m Geſellſchaft Wäre Frelſegler a weſen ſein, ſehen.„Ic ſchrie er ne Haut ſo dur nen Nachlaf komme nach Doch Gleichwohl dem erhalte! der Seebud winkte Caro war, daß d „Es w⸗ tenant in ſa lb bewußtlos nd der Krone donnerte der deftigkeit auf r ſich bückte einer unaus⸗ von Stonge⸗ von derſelben dagen konnte. ie den Petter Tauende fe⸗ o möglich das rakelage feſten nuch wirklich; g feſthielt bis ühlte er den⸗ litt, und daß an der Lan⸗ ſſen und köpf⸗ ſes war nicht ſchon die Ru⸗ m natürlicher ſich auch nicht h. Als ihm lange Korpet h kannte ſein der ſteinharte fe, gezwungen er welchen ii ſen war, u illſt Du nict nd der Kron gegebenen Befehle gehorchen, ſo hilf mir doch wenigſtens wieder auf die Brücke! Du kannſt ja ſelbſt ſehen, daß es mir unmöglich iſt hinaufzuklettern, da ich keinen feſten Fuß⸗ punkt habe.“ „O, Kleinigkeit!“ entgegnete der unbewegliche Caro⸗ lus, indem er mit aller Kraft die Ruder bewegte.„Sie ſchwimmen wie eine Otter, das weiß ich; Sie brauchen alſo nur loszulaſſen und ans Land zu ſchwimmen.“ „Aber ich verliere Leben und Geſundheit, Du Satan!“ ſtöhnte der Lientenant, indem er einen verzweifelten, wenn auch fruchtloſen Verſuch machte, hinaufzuklettern. „Das wäre fürchterlich elend!“ meinte Carolus mit einer Gleichgültigkeit, die den Lieutenant mehr reizte als die Worte ſelbſt.„Aber, hören Sie, Herr Lieutenant! wenn Sie nicht baden wollen, ſo ſteht es Ihnen ja frei, nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt, hangen zu bleiben; und um die Zeit zu vertreiben koͤnnen Sie ja über das Journal und die Anzeichnungen nachdenken. Gute Nacht derweile, mein guter Herr Lieutenant! und Dank für gute Geſellſchaft hier und auf der Johannisklippe!“ Wäre der Lieutenant bei dieſen Aeußerungen auf dem Freiſegler an Bord geweſen, ſo möchte es zweifelhaft ge⸗ weſen ſein, ob Carolus die Sonne wieder hätte aufgehen ſehen.„Ich treffe Dich wohl einmal, Du Schurke!“ ſchrie er nun.„Und glaube Du mir, ich will Dir die Haut ſo durchgerben, daß Deine Erben ſie mit unter Dei⸗ nen Nachlaß anzeichnen laſſen ſollen— warte nur, ich komme nach, ſagt' Jon!“ Doch alle dieſe Drohungen verklangen in der Luft. Gleichwohl wurden ſie von Georg vernommen, der ſich von dem erhaltenen Schlage wieder erholt hatte, und jetzt aus der Seebude hervorkam. Er eilte auf die Brücke und winkte Carolus, welcher den Gruß erwiderte, und froh war, daß den Knaben kein Unglück getroffen hatte. „Es war gut, daß Du kamſt, Junge!“ ſagte der Lieu⸗ tenant in ſanfterem Tone.„Sei nun ſo gut und lauf in 104 die Bude— vort liegt ohne Zweifel eine Fallreiftreppe— nimm ſie und befeſtige ſie hier an den Balken. Sollte aber keine da ſein, ſo ſchaffe ein Tau und ſchürze ſieben oder acht Knoten daran, ſo komme ich auf jeden Fall hin⸗ auf. Eile, eile, um das brennende Leben! Ich kann mich kaum länger halten— und laſſe ich kos, ſo verderbe ich mich, oder wenigſtens meine neue Cylinderuhr und mein ſchönen Piſtolen!“ „Wir haben jetzt ſchönes Wetter!“ antwortete Georg indem er ſich ruhig auf die Brücke ſetzte und die Füßt dicht neben dem Lieutenant hinabhangen ließ.„Der Wim iſt jetzt, ſehe ich, gegen Morgen öſtlich geworden, dem Carolus hat das große Segel, die Focke und den Klüpe beigeſetzt. Es iſt eine Freude, den Freiſegler unter Sean zu ſehen— oder was meinen Sie ſelbſt, Herr Lieutenant? „Hörteſt Du, junger Hund! was ich ſagte— oda willſt Du Schuld ſein an dem Tode eines ehrlichen Man nes?— hole ſogleich ein Tau!⸗ „Es ſauſt mir ſo häßlich in dem Ohr von den Schlage, den ich von Ihnen erhielt, ſo daß ich nicht rech hören kann!“ Nimmermehr würde Georg's gutes Herz ihm erlautt haben, ſo zu antworten, wenn er nicht erſtlich berechne hätte, daß der Lieutenant recht gut noch eine Weile aus⸗ halten koͤnnte, und wenn er nicht zweitens die Ruderſchlägt eines Bootes gehört hätte, welches ſich eilfertig näherte Da dieſes ſo nahe war, daß er den Oeſterberg darin er kannte, ſo nickte er dem Lieutenant eine gute Nacht zu und auf das Boot deutend ging er zuerſt zu der Seebude welche er ſorgfältig verſchloß, und darauf verſchwand er auf dem Wege, der in den Hof des Patrons Holmér fuhrte „Du kriechſt doch immer, Du elende Töpferkröte, magf Du nun auf dem Waſſer ſein oder auf dem Lande! ſ klang der Gruß, den Oeſterberg aus dem Munde des Liel tenants vernahm, nachdem dieſer glücklich in das Boc 1 4 herabgeke ſtreckt ha „G „K ten früh Spektake ſondern können.. ihn gleich „Do ſchon ſo was das ſo war d ich zu th brachte;1 noch— welchen der Joha Oeſt über die( ſich aber den Befel Reſultat einer Vier erblickte, Cognacfäßf Morgenne Bei und that die Haare ſchürze ſieben den Fall hin⸗ Ich kann mich o verderbe ich hr und meine „Der Wim worden, dem id den Klüven r unter Segtl Lieutenant? ſagte— ode hrlichen Man⸗ ohr von den ſich nicht rech berg darin er te Nacht zu polmér fuhrte Ferkröte, magſ i Lande 14 ſ nde des Lieu in das Boct 1 herabgekommen war und ſeine gelähmten Glieder ausge⸗ ſtreckt hatte. „Gott ſegne Sie, Herr Lieutenant! ich...“ „Kein Wort!— Du hätteſt wenigſtens zehn Minu⸗ ten früher hier ſein koͤnnen! Da wäre dieſes hölliſche Spektakel nicht geſchehen. Nun aber gaffe nicht länger, ſondern verſuche, ob wir den Schurken nicht noch erreichen können.... Legte ſich der Wind nur ganz, ſo hätten wir ihn gleich!“ „Das iſt unmöglich, lieber Herr Lieutenant: er iſt ſchon ſo weit hinaus, daß er den Landwind fühlt; und was das anbetrifft, daß ich früher hätte hier ſein können, ſo war das meiner Seel' rein unmöglich— ſo viel hatte ich zu thun, ehe ich den Patron Holmér in die Cajüte brachte; und das mußte ja dennoch mit Höflichkeit geſchehen.“ „Gleich gut; die Dummheit erfahre ich nachher wohl noch— jetzt ruderſt Du. Ich will wenigſtens wiſſen, welchen Cours er ſteuert. Daß er ſich nicht wieder nach der Johannis⸗Klippe wagt, daß weiß ich.“ Oeſterberg, der in dieſer Nacht ſeine Kräfte ſchon über die Gebühr angeſtrengt hatte, ſeufzte heimlich, ſtrengte ſich aber dennoch von Neuem auf das Aeußerſte an, um den Befehl ſeines Befehlshabers zu erfüllen. Das einzige Reſultat war gleich wohl, daß Petter Gran nach Verlauf einer Viertelſtunde den Carolus außer den äußeren Scheren erblickte, und bald darauf war der Freiſegler nebſt den Cognacfäſſern in ſüdweſtlicher Richtung in dem grauen Morgennebel verſchwunden. Bei dieſem Anblicke faltete Petter Gran ſeine Hände und that ein Morgengebet, daß ſich auf Oeſterbergs Kopfe die Haare zu Berge ſträubten. Achtes Kapitel. An dem Ende des langen und ſchmalen Hausflures, der das Haus des Kaufmann Holmérs durchſchnitt, und mit dem Laden und der Ladenſtube zuſammenhängend, lag ein großes, nettes, wohlverſehenes Zimmer, das Zimmer der Frau genannt, in welches wir uns jetzt verſetzen wollen, ehe Georg in der Dunkelheit dorthin kommen konnte, um, wie er beabſichtigt, dem Patron die vorgefallenen Ereig⸗ niſſe zu rapportiren. Auf einem reich aufgemachten Bette ruhte in halb⸗ liegender Stellung eine weibliche Perſon, die noch nicht die Mittagshöhe ihres Alters erreicht hatte, obgleich ein merkbarer Zug von Kränklichkeit die ehmaligen Roſen auf ihren Wangen zerſtört und das Feuer in ihren Augen ge⸗ dämpft hatte. Ihre Stellung war die einer Lauſchenden, und ihre oft der Thüre zugekehrten Blicke verriethen Er⸗ wartung. Daß dieſe Frau, Cornelia Holmér, mit mehr denn gewöhnlicher Schönheit begabt geweſen war, ſah man gleich bei dem flüchtigſten Blicke; und man vermeinte ein Miniaturbild ihrer erſten Jugend zu ſehen, wenn man die Tochter, die elfjährige Fanny betrachtete, welche jetzt, vor kurzem aus ihrem Bette aufgeſprungen, halb angezogen auf dem Schemel an der Seite ihrer Mutter ſaß und die blühende Wange auf ihre Hand gelegt hatte. Das einzige von einem grünen Schirme bedeckte Licht warf eine ſchwache Beleuchtung über das Zimmer, in welchem übrigens alles ſo ſtill war, daß man das Ge⸗ räuſch der tobenden Brandungen in ſeiner peinigenden Ein⸗ förmigkeit vernehmen konnte. „Welch' eine garſtige Nacht, liebe Mutter!“ flüſterten Fanny, indem ſie die glänzenden Haare von der Stirne „Es iſt jetzt faſt eben ſo ängſtlich, als da es zurückſtrich. am ärgſten zurückkom „Ich nachgelaſſe ches mir 3 der Thüre, Fannd hüllt in d bei der beſt Mantel dr Schwelle u tenen Auft „Nun „Nich nur die S des Nachts „Bellt „Jetzt „Ich gewiß ware nicht zurüch .... um ſtanden zu „Viell rolus, der —— Jet noch geſund Jetzt aber Winter vo ſtatt daß ie „Aber Vater und ten ja eben dere, die 2 Hausflures, hnitt, und ingend, lag s Zimmer Ben wollen, konnte, um, enen Ereig⸗ te in halb⸗ noch nicht obgleich ein Roſen auf Augen ge⸗ Lauſchenden, riethen Er⸗ mehr denn rmeinte ein nn man die e jetzt, vor angezogen laß und die ſah man 1“ flüſterte der Stirne als da es am ärgſten ſtürmte. zurückkommen 20 „Ich glaube nicht, mein Kind! Das Unwetter ſcheint nachgelaſſen zu haben... doch wirf das Tuch um, wel⸗ ches mir zu den Füßen liegt, und horche noch einmal an der Thüre, ob Vater nicht kommt!“ Fanny's leichte, geſchmeidige Geſtalt war bald einge⸗ hüllt in das große Tuch, mit welchem ſie ſich, wenn ſie bei der beſten Laune war, herzlich gerne wie mit einem Mantel drapirte. Mit einigen Sprüngen ſtand ſie an der Schwelle und oͤffnete die Thür ein wenig, um den erhal⸗ tenen Auftrag noch beſſer ausrichten zu können. „Nun, Fanny? „Nichts, Mutter— nicht das Geringſte höre ich; nur die See heult ärger als der alte Phylar, wenn er des Nachts die Meerfrau und ihr Gefolge ſieht.“ „Bellt Phylar nicht?“ „Jetzt nicht!“ „Ich verſtehe nicht, warum er neulich ſo tobte— gewiß waren Fremde hier. Es iſt unbegreiflich, daß Vater nicht zurückkommt! Vielleicht iſt er zu früh hinabgegangen .... um dieſe Zeit pflegt aber doch ſonſt alles über⸗ ſtanden zu ſein.“ „Vielleicht geht Vater und wartet vergebens auf Ca⸗ rolus, der ſich in dieſem ſchweren Sturm nicht hinaus begibt?“ „O ja, ſolche Nächte benutzt Carolus am liebſten —— Jetzt geht doch alles ſo langſam! Sonſt, da ich noch geſund und kräftig war, da war es ganz anders. Jetzt aber liege ich hier, den ganzen langen Herbſt und Winter von der Gicht gebunden, und bin nur unruhig, ſtatt daß ich thätig ſein ſollte.“ „Aber, liebe Mutter, ſage mir, warum macht Ihr, Vater und Du, Euch ſolche Unruhe? Dieſe Sachen könn⸗ ten ja eben ſo gut bei Tage gelöſt werden, wie viel an⸗ dere, die Vater erhält!“ Sollte das Gewitter wohl wieder 108 „Das verſtehſt Du nicht, liebes Kind; nur ſo viel will ich Dir erklären, daß es eine Menge von Waaren gibt, welche, wenn ſie vom Auslande geholt werden, mit einer ſo hohen Abgabe belegt ſind, die man Zoll nennt, daß die armen Kaufleute nicht im Stande ſein würden, dieſe Waaren zu den billigen Preiſen zu verkaufen, die unſere armen Scherenbewohner bezahlen können, falls die Kaufleute nicht im Stande wären, dieſelben herein zu ſchaffen, ohne daß die Zollkammer etwas davon erfährt. Das kann aber nicht zu jeder Zeit geſchehen, weil die Zollbeamten faſt immer umherſtreichen, um ſolche Frei⸗ heiten zu verhindern. „Jetzt verſtehe ich,“ ſiel Fanny ein;„der Jacht⸗ lieutenant, vor dem Vater ſich immer ſo ſehr fürchtet, iſt einer von dieſen Zöllen, welche kommen und die Abgabe nehmen wollen, ſo daß Vater den armen Fiſchern die Waaren nicht ſo wohlfeil verkaufen kann.“ „Ja, ſo ungefähr! Das Aergſte aber iſt, daß man ſeine ſo geſammelten Sachen verliert, wenn man ſie nicht gut verwahren kann. Der Jachtlieutenant hat das Recht, im Hauſe Viſitation anzuſtellen und alles zu nehmen, uns da muß man noch obendrein ein große Summe Geld al Strafe bezahlen.“ „Pfui, ſolche garſtigen Schnüfſter, wie Vater fie nennt!“ „So dürfen wir nicht ſagen, liebe Fanny— es iſt ihre Pflicht, ſo zu handeln. Laß aber nun ſehen, mein Kind, daß Du Dir nicht von Deinen Bekannten das Ge⸗ heimniß entlocken läßſt, daß Vater des Nachts draußen Geſchäfte hat! Das koͤnnte gefährlich ſein; und wirſt Du nicht bei Zeiten vorſichtig, ſo ſage ich, du biſt ein ſehr einfältiges und dummes Mädchen!“ „Einfättig und dumm“— wiederholte Fanny m einem kleinen, ungläubigen Kopfſchütteln—„und weißt Du, Mutter, was ſie in der Göteborger Schule ſagen Ja, ſie ſagen, ich bin ein ſo kluges und geſchliffenes Mäh⸗ chen, daß i ſell Blad ſe „Um haſt in der „In „Doch ſtill Lippe und ſ herab.„C es war nich das iſt!“ „Ich ſollte,“ ſeu hin und her ich auch ni⸗ „Schie „Ich ſchlei⸗ nach, wie e „Nein, gehen laſſen verlor ich n „Ach warm anzie verſichere T mir ein wer vor nichts.“ „Das gleich Du ſo möchte i mit einem Dir ſtünde, teſt Du ihr „Ja. wortete gar mich, als h „Das nur ſo viel von Waaren werden, mit Zoll nennt, ſein würden, rkaufen, die en, falls die n herein zu avon erfährt. n, weil die ſolche Frei⸗ „der Jacht⸗ fürchtet, iſt die Abgabe Fiſchern die ſt, daß man nan ſie nicht at das Recht, nehmen, uns me Geld als die Vater ſie mny— es iſt ſehen, mein iten das Ge⸗ chts draußen und wirſt Du biſt ein ſehr Fanny mi „ und weißt Schule ſagen! liffenes Maͤh⸗ chen, daß ich nicht leicht anzuführen bin: das hat Mam⸗ ſell Blad ſelbſt geſagt!“ „Um ſo beſſerl Wenn Du es nur nicht vergeſſen haſt in der Zeit, da Du zu Hauſe geweſen biſt.“ „In einem Monate?“ antwortete Fanny lachend. „Doch ſtill!“.... ſie legte ſchnell den Finger auf die Lippe und ſenkte das ſchöne Köpſchen auf die eine Schulter herab.„Es war mir, als hörte ich etwas; aber nein, es war nichts: es war bloße Einbildung— ſo ärgerlich das iſt!“ „Ich fühle es an mir ſelbſt, daß es nicht iſt, wie es ſollte, ſeufzte Frau Holmér und wendete ſich unruhig hin und her.„Ich wage nicht zu rufen, und ſelbſt kann ich auch nicht gehen.“ „Schicke mich, Mutter!“ fiel Fanny lebhaft ein. „Ich ſchleiche mich hinab nach der Seebude, und höre nach, wie es iſt.“ „Nein, nein, Du erkälteſt Dich— ich darf Dich nicht gehen laſſen! Eben durch ſolche nächtliche Promenaden verlor ich meine Geſundheit. Bleib' Du hier, Kind!“ „Ach liebſtes, ſüßeſtes Mütterchen! ich will mich warm anziehen, und ſo zünde ich die Laterne an— ich verſichere Dich, Mutter, wenn nur das Gewitter, wovor mir ein wenig bange iſt, aufgehöͤrt hat, ſo fürchte ich mich vor nichts.“ „Das weißt Du nicht vorher, liebe Fanny; und ob⸗ gleich Du Dich jetzt muthig zeigſt, um mich zu beruhigen, ſo möchte ich wohl wiſſen, was Du thun wollteſt, wenn mit einem Male der Jachtlieutenant, der grobe Kerl, vor Dir ſtünde, und Deine Wege wiſſen wollte— was woll⸗ teſt Du ihm wohl antworten? laß hören!“ „Ja... laß mich ſehen... ich glaube, ich ant⸗ wortete gar nichts, ſondern ſchrie und liefe, und ſtellte mich, als hätte ich ein Geſpenſt geſehen.“ „Das taugte gewiß— er hätte Dich bald eingeholt!“ 110 „Nun ſo laß ihn— damit bekäme er noch nichts zu wiſſen.“ „O, er würde Dich ſchon ſo in Angſt ſetzen, daß Du reden müßteſt, und hätte er noch gezweifelt, ſo würde er es verſtehen, daß Vater in der Seebude wäre.“ „Nein wahrhaftig! Das ſollte er nicht.... Ich drehe ihm eine Naſe!“ Fanny hatte ſchon die Füße in ihre warmen Schnür⸗ ſtiefel geſteckt und bemühte ſich jetzt aus allen Kräften, das Kleid hinten auf dem Rücken zuzuhaken, als die Mut⸗ ter, die während der letzten Augenblicke unſchlüſſig geweſen war, ob ſie das Anerbieten ihrer Tochter annehmen ſollte, plötzlich ausrief:„Du darfſt nicht gehen, Fanny! Du darfſt wirklich nicht! Dadurch ſchaffſt Du mir nur eine doppelte Unruhe!“ Doch ſchneller als der Gedanke war Fanny mit ihrem Anzuge fertig, warf einen Mantel über die Schultern, zündete das Licht in der Laterne an und verſchwand unter eifrigen Verſicherungen, daß ſie im Augenblicke mit guten Nachrichten wieder da ſein würde. „Verwegenes Mädchen!“ rief die Mutter;„verbirg wenigſtens die Laterne unter dem Mantel— ſonſt kann der Lichtſchein uns verrathen!“ Doch Fanny hörte nicht mehr. Dieſes Kind hatte einen Muth, eine Herzhaftigkeit von der Art, die eher größer, denn kleiner wird, wenn es ſich ſelbſt überlaſſen wird und keine andere Leitung hat⸗ als den Inſtinkt. Zugleich aber lag auch in dieſem kraft⸗ vollen Charakter eine liebenswürdige Kindlichkeit, eim herzliche Güte, eine ſchöne Miſchung von Verſchämtheit und Kühnheit. Ueber den langen Hausflur trippelte ſie leiſe wie en Geiſt dahin; als es aber galt, die große Hausthür auß⸗ zuſtoßen und ſich auf den Hof hinaus zu begeben, ſo ſah ſie ſich um, nicht eigentlich vor Furcht, aber doch nicht ohne ein gewiſſes ſonderbares Gefühl. Doch war dieß 8 Gemüthsl hin, um hohe Thü⸗ ſchwer.( krönt; abe ſetzt: als und das L Einig ſchlüſſig au Zuruü⸗ leicht zu fi Phylar bel gegen das und geſpen⸗ — ſonſt F großen, ſch Faſt gann Fann möchte, wier künftig nie unzähligeme Fanny, da hinab gehen Als ſie war, über durch eine terne hinten Fanny auf verige Pflaf Zwiſche waren, um ſie Poſto, zugleich abe Beobachtung ſelben zu ma Thür offen noch nichts ſetzen, daß lt, ſo würde ire.“ .... 30 nen Schnuͤr⸗ len Kräften, ils die Mut⸗ üſſig geweſen ehmen ſollte, Fanny! Du nir nur eine ny mit ihrem e Schultern, hwand unter ke mit guten ſer;„verbirg ſonſt kam Herzhaftigkeit ird, wenn es Leitung hat, dieſem kraft⸗ lichkeit, ein Verſchämtheit leiſe wie en austhür auf⸗ eben, ſo ſat r doch nicht ch war dieſt Gemüthsbewegung leicht beſiegt, und ſie ſetzte die Laterne hin, um mit der vereinten Kraft ihrer beiden Hände die hohe Thür zu oͤffnen. Dieſe Arbeit war inzwiſchen ſehr ſchwer. Endlich wurde ſie aber dennoch mit Glück ge⸗ krönt; aber die arme Fanny hatte die Laterne zu nahe ge⸗ ſetzt: als die Thür aufflog, ſo zerſchmetterte ſie das Glas und das Licht erloſch. Einige Augenblicke lehnte unſre kleine Heldin ſich un⸗ ſchlüſſig an den Thürpfoſten. Zurück in das Zimmer der Mutter war der Weg leicht zu finden; draußen dagegen war es dunkel und kalt. Phylar bellte, die Wogen rollten ſo dumpf und unheimlich gegen das felſige Ufer, die Seebude ſelbſt ſah ſo grau und geſpenſterhaft aus, und der Mond, der garſtige Mond — ſonſt Fanny's beſter Freund— hatte ſich hinter einer großen, ſchwarzen Wolke verſteckt. Faſt beſiegt von ſo vielen vereinten Widrigkeiten be⸗ gann Fanny ernſthaft zu bedenken, ob es nicht gut ſein möchte, wieder umzukehren— dann aber konnte ſie ja auch künftig nie mehr behaupten, daß ſie ſich nicht fürchtete; unzähligemal würde die Mutter ſagen:„denke an die Nacht, Fanny, da Du ſo muthig ſein und nach der Seebude hinab gehen wollteſt!“ Als ſie zu dieſer ärgerlichen Vorſtellung gekommen war, überwand ſie mit einem Male ihre Unſchlüſſigkeit: durch eine raſche Bewegung mit dem Fuße wurde die La⸗ terne hinten in den Winkel geſchoben— und hinaus trat Fanny auf die dunkle Treppe und von dieſer auf das hol⸗ perige Pflaſter des Hofes. Zwiſchen zwei großen Kufen, die hingeſetzt worden waren, um Regenwaſſer in denſelben zu ſammeln, faßte ſie Poſto, um ſich erſt an die Finſterniß zu gewöhnen, zugleich aber auch, um von dieſer Verſchanzung aus ihre Beobachtungen über die Seebude und die Umgebungen der⸗ ſelben zu machen. Bald genug unterſchied ſie, daß die Thür offen war, und gleich darauf, daß Jemand von dort 112 kam; doch ſah ſie deutlich, daß dieſe Perſon weder ihr Vater, noch auch Carolus war. Ungewiß, ob ſie hinab gehen oder warten ſollte, um zu ſehen,, ob der Vater nachkommen würde, blieb ſie noch eine Zeitlang in derſelben Stellung ſtehen; plötzlich aber fuhr ihr Herz zitternd zuſammen. Sie hörte einen Noth⸗ ruf; und weit entfernt von der Ahnung, daß der kühne Jachtlieutenant ſelbſt ſich in einer kritiſchen Lage befinden konnte, fürchtete ſie im Gegentheil, es könnte ihr Vater ſein und daß ſie nur der Entfernung wegen die Stimme nicht erkannte. Fanny's Angſt war unerträglich. Sie wollte zur Hülfe hinab eilen, ſie wollte laufen und die Knechte her⸗ beirufen; ehe ſie jedoch einen Entſchluß gefaßt hatte, höoͤrte ſie ein ſonderbares Geräuſch, gleichſam als wenn eiwas fällt, und gleich darauf ein heftiges Plätſchern. Dieſe Bewegung, welche von dem Lieutenant veranlaßt wurde, da dieſer ſich in das Boot hinabließ, beſtimmte ſie, und ohne an etwas anderes, als an den Vater zu denken, be⸗ gann ſie aus allen Kräften den langen Hof hinab zu lau⸗ fen, ſie hatte jedoch kaum erſt die Hälfte des Weges zu⸗ rückgelegt, ſo wurde ſie von zwei vorgeſtreckten Armen auf⸗ gehalten. Es war Georg, der eben jetzt ſich in das Hauz begeben wollte. „Nein, was ſehe ich! Wie in Gottes Namen! wie biſt Du herausgekommen, liebe, beſte Fanny! und das mitten in der Nacht?“ „O, biſt Du es, Georg?“ rief Fanny froh aus, i⸗ dem ſie tief aufathmete.„Es war alſo wohl ein Faß⸗ das in die See fiel? Ich hörte eben etwas Schreckliche vort unten von der Brücke, das mich ſo furchtbar angſtigte⸗ „Das war nichts Schreckliches,“ verſicherte Geolz in einem Tone, der Fanny völlig beruhigte,„ſondern in Der Jachtlieutenant hat ſich weil er uns einen heißen Aben Gegentheil etwas Luſtiges! ein wenig abkühlen müſſen, gemacht hat.“ „Was wohl bald „Der fand die T „Nein ſer Nacht, zuletzt iſt er wurden Mu⸗ um zu hore „und fragte Geor nen Kopf b Hauſe war, daß etwas vorgefallen laut werden „Ich b die Laterne rum war wo kann Va verſteckt habe Da Ge von der ſtark ſo hielt er es mér ohnmä Vermuthung niß, Fanny Doocch da in die Seebu „Nein, beſſer, daß ic anſchaffen.“ „Aber d Fanny;„das nimm mich m Der Einſi weder ihr ſollte, um ieb ſie noch lötzlich aber einen Noth⸗ der kühne age befinden e ihr Vater die Stimme wollte zur Knechte her⸗ hatte, hörte wenn etwas Hern. Dieſe nlaßt wurde, nte ſie, und denken, be⸗ inab zu lau⸗ Weges zu⸗ Armen auf⸗ in das Haut Namen! wie y! und daßs froh aus, in⸗ ohl ein Faß⸗ Schrecklichen ar angſtigtzn ſicherte Geonz nant hat ſi „„ſondern it heißen Aban „Was thut aber Vater dort ſo lange— er kommt wohl bald?“ „Der Patron iſt gewiß hinauf gegangen, denn ich fand die Thür offen.“ „Nein, nein, er iſt mehrmals draußen geweſen in die⸗ ſer Nacht, um Carolus entgegen zu nehmen, doch nun zuletzt iſt er ein Paar Stunden unten geblieben; darum wurden Mutter und ich ſo unruhig, daß ich hinab lief, um zu horchen.“ „Und das wagteſt Du, meine liebe, tapfere Fanny? fragte Georg, der plötzlich eine Menge von Grlllen in ſel⸗ nen Kopf bekam: da der Patron Holmér nicht oben im Hauſe war, ſo konnte er den Verdacht nicht unterdrücken, daß etwas vor ſeiner und Carolus Ankunft in Strand vorgefallen wäre; doch wagte er nicht, ſeine Ahnungen laut werden zu laſſen, um nicht Fanny's Unruhe zu ſteigern. „Ich bin gewiß nicht furchtſam,“ ſagte Fanny;„doch die Laterne ging mir entzwei, und es wurde finſter; da⸗ rum... war das nicht ärgerlich? Aber was meinſt Du: wo kann Vater wohl ſein? ſollte er ſich in der Seebude verſteckt haben?“ Da Georg ſich des Schlages erinnerte, den er ſelbſt von der ſtarken Hand des Jachtlieutenants erhalten hatte, ſo hielt er es für wahrſcheinlicher, daß der Patron Hol⸗ mér ohnmächtig ſein könnte. Natürlich behielt er ſeine Vermuthung bei ſich ſelbſt und bat nur um die Erlaub⸗ niß, Fanny nach Hauſe führen zu dürfen. Doch davon wollte Fanny nichts hören.„Wir gehen in die Seebude!“ ſagte ſie. „Nein, nicht Du, liebe Fanny; es ſchickt ſich viel beſſer, daß ich allein gehe. Ich will mir nur eine Laterne anſchaffen.“ „Aber da erſchrecken wir meine Mutter,“ erklärte Fanny;„das will ich nicht, Georg! Ich bitte Dich, nimm mich mit— gib mir Deine Hand! Wir machen Der Einſiedler ꝛc. 1. 8 114 die Thüre auf, ſo ſehen wir genug, und dann können wir ja rufen und mit den Händen um uns herfuͤhlen. Georg konnte der freundlichen und ſchmeichelnden Stimme nicht widerſtehen; er nahm Fanny auf den Arm und trug ſie zur Seebude hinab, in welche ſie an ſeiner Hand zitternd eintrat. „Hu! ſo düſter und ſtill— doch ich darf wohl ru⸗ fen... Vater!. Vater!“ Doch ihre Stimme verklang ohne Antwort. Sie ſchloß die Augen, ſie ſchauderte zuſammen.. und ſchmiegte ſich ſo dicht, ſo dicht an ihren jungen Beſchützer Doch bald beſiegte ſie das Gefühl, welches ſich ihr auf⸗ drängen wollte, ging einige Schritte vor Georg hin um begann mit den Händen, um ſich her zu taſten. „Wenn Vater nur nicht todt iſt!“ flüſterte Fann in einem Tone, der die Höhe ihrer Angſt verrieth. „Nein, nein, behüte! es kann kein Unglück geſchehen ſein!“ tröſtete Georg.„Doch Du mußt hinauf, liele Fanny, und ich will den Buchhalter wecken.“ Er ergti ihre Hand. „Laß mich, laß mich, Georg!l ich will nicht weg un hier— ich will meinen Vater wieder haben! Nilsſon ſß nicht zu Hauſe, er reiste geſtern weg, und Mutter ha geſagt, wir dürfen keinen Menſchen wecken!“ Und m begann Fanny von Neuem ihre Klage:„Vater! Vata antworte!“ Da aber nahm Georg, welcher einſah, daß hier kei Bitten fruchteten, die arme Fanny auf den Arm und tm ſie alles Widerſtrebens ungeachtet zur Mutter hinauf, wef cher er mit wenigen Worten ſo gut er konnte das G ſchehene erklärte. Georg's Meinung war— und Frau Holmér, jetzt die größte Geiſtesgegenwart bewies, gab ihren I fall dazu— daß die Knechte im Hauſe geweckt und Bewegung geſetzt werden ſollten; denn ſei es durch Zuſt oder durch die Schuld eines Andern, der Patron kon ja von der Brücke hinab geſtürzt ſein. Georg ſagte di 1 gleichwohl allein in d Jacht noch Was dagen das war, ßen haben ein Handge Sprache ve Nach Laternen in Seebude un Georg auf das eift auf einande matten um ſchläge bei Patron Ho ſtörtem Gei „Was auf?“ war „Um der dieſen L das Denkm nichts weni ſeligen Patr Der K gen; hierau Euch alle, ſchicken! Je ſtellen, wurn ich mich nic Haſt Du m Worte wurd hinauf in d So ſel brannte, do gleichwohl eben ſo wenig, als daß er den Jachtlieutenant allein in der Seebude getroffen hätte, und daß weder die Jacht noch auch die Jachtkerle in der Nähe geweſen wären. Was dagegen Georg die Frau Holmér ſelbſt ahnen ließ, das war, der Patron koͤnnte gefallen ſein und ſich geſto⸗ ßen haben, welche Andeutung ſie ſo überſetzte, daß er in ein Handgemenge gerathen ſein und dabei Beſinnung und Sprache verloren haben könnte. Nach einigen Augenblicken ſammelten ſich Leute und Laternen in allen Richtungen um den Hof, die Brücke, die Seebude und den über derſelben befindlichen Boden. Georg führte den ſuchenden Zug an. Als er jedoch auf das eifrigſte beſchäftigt war, einen großen unordentlich auf einander geworfenen Haufen von Segeltuch und Baſt⸗ matten umzuwühlen, ſo vernahm man ellfertige Nuder⸗ ſchläge bei der Brücke, und gleich darauf zeigte ſich der Patron Holmér ſelbſt, zwar mit etwas bleichem und ver⸗ ſtörtem Geſichte, aber dennoch vollkommen unbeſchädigt. „Was gibt's hier, Kinder?— warum ſeid Ihr alle auf?“ war ſeine erſte Frage. „Um Verzeihung, Herr Patron; ich bin derjenige, der dieſen Aufruhr angerichtet hat!“ rief Georg, indem er das Denkmal liegen ließ, welches ſeinen Gedanken nach nichts weniger enthielt als die irdiſchen Ueberreſte des ſeligen Patrons Holmér.„Als ich und Car..“ Der Kaufmann gab ihm ſchnell einen Wink zu ſchwei⸗ gen; hierauf ſagte er:„Geht gleich, Kinder, und legt Euch alle, und laßt Euch künftig nicht ſo in den April ſchicken! Ich hatte heute Abend etwas auf Groſkär zu be⸗ ſtellen, wurde jedoch von dem Sturme aufgehalten, ſo daß ich mich nicht früher auf den Rückweg begeben konnte... Haſt Du mir etwas zu ſagen, mein Junge“— dieſe Worte wurden an Georg gerichtet—„ſo komm mit mir hinauf in die Ladenkammer!“ So ſehr aber auch der Patron Holmér vor Ungeduld brannte, das Schickſal des Carolus und ſeiner Cognac⸗ 116 fäſſer zu erfahren, ſo mußte er dennoch ſeine Unruhe ſteuern und erſt hinein, um ſeine Frau und Tochter zu be⸗ ruhigen. „Vater!“ rief Fanny aus, ſich ihm froh an den Hals hängend;„Du kannſt nimmermehr glauben, was ich in dieſer Nacht gelitten habe— doch ich werde Dir alles erzählen, ſobald Du Zeit haſt!“ „Gott ſei gelobt!“ ſagte Frau Holmér, indem ſie den Händedruck ihres Mannes herzlich erwiderte, ohne je⸗ doch eine Spur von der Unruhe zu zeigen, die ſich offen⸗ bart hatte, da ſie mit der Tochter allein war;„Gott ſei gelobt!— Ich begann wirklich ſchon zu fürchten, daß es ſehr ſchlecht ſtünde.“ Holmér flüſterte einige Worte mit ſeiner Frau, welche Fanny nicht hörte; doch eben weil ſie meinte, der Vater hätte jetzt keine Eile, ſo begann ſie ihre eigenen Schickſale zu erzählen. Und nachdem er ſeinem Lieblinge ein halbes Ohr geliehen hatte, ſo drückte er ihre Lippen mit dem angenehmen Befehle zu, ſie ſollte dem jungen Letsler ein wenig zu eſſen ſchaffen, und dann damit in die Laden⸗ kammer kommen, wohin Holmér jetzt ſelbſt eilte, um den Zuſammenhang näher zu erfahren. „Nun, Georg!“ „Nun, Herr Patron!— was, in Gottes Namen, hatte er mit Ihnen gemacht?“ „Nahm er die Fäſſer?“ „Ja, ſchoͤn nahm er!— er mußte ſtatt deſſen hangen!“ „Was meinſt Dus der Herr moͤchte geben, daß ich den Schurken einmal hangen ſähe, für allen Aerger und Schimpf, den er mir in dieſer Nacht angethan hat!“ „Ja, das war eine Nacht voller Abenteuer, ſo daß es verſchlägt!“ „Aber die Fäſſer, mein Junge! die Fäſſer?“ „Ja, wo die jetzt ſind, das mag Gott wiſſen und Carolus; doch glaube ich wohl, ſie ſind auf dem 3 habe lange zu einer E aufzuſchnüf nun erzähl Holmér in ganze Beg Klippe bis thaten hier tungen mit hing und ſ Menſchlichke Es moͤ manne die m ſeine Waar⸗ heit, daß de bezahlt hatte chen des En freude, ſchl einander, kl Fingern, un was Petter zeſſes geſagt ßenden Freud ſo war es zu danken, d ſowohl die 9 Rache zu. „O, da beſcheiden. „a, m chung einen denn hätteſt gedreht, als dem Carolus beherzter Jün irgend eine 9 ine Unruhe ihter zu be⸗ an den Hals was ich in e Dir alles „indem ſie ſe, ohne je⸗ e ſich offen⸗ 3„Gott ſei ten, daß es Frau, welche , der Vater e Schickſale e ein halbes den mit dem Letsler ein die Laden⸗ ſelbſt eilte, tttes Namen, ſtatt deſſen. ,, daß ich dem Aerger und an hat!“ euer, ſo daß ſer?“ t wiſſen um uf dem zu einer Stelle, wo Petter Gran ſchwer haben ſoll, ſie aufzuſchnüffeln. Sonſt iſt es ſo zugegangen...“ Und nun erzählte Georg, während das Geſicht des Patrons Holmér immer freundlicher und freundlicher wurde, die ganze Begebenheit von ihrem Anfange auf der Johannis⸗ Klippe bis und mit ſeinen eigenen und Carolus Helden⸗ thaten hier in Strand nebſt den„angenehmen“ Unterhal⸗ tungen mit Petter Gran, als dieſer an dem Tauende hing und ſie zu bewegen ſuchen wollte, die Pflichten der Menſchlichkeit zu üben. Es moͤchte ſchwer ſein, zu entſcheiden, was dem Kauf⸗ manne die meiſte Freude machte, die ziemlich ſichere Nachricht, ſeine Waaren noch zu beſitzen, oder die angenehme Gewiß⸗ heit, daß der Jachtlieutenant ſeine Unverſchämtheit theuer bezahlt hatte. Unter ſchnell aufeinanderfolgenden Ausbrü⸗ chen des Entzückens oder, richtiger geſagt, der Schaden⸗ freude, ſchlug er unaufhörlich die Beine kreuzweiſe über⸗ einander, klatſchte mit den Händen, ſchnippste mit den Fingern, und ließ ſich von Georg mehrmals wiederholen, was Petter Gran während des merkwürdigen Hangpro⸗ zeſſes geſagt und gethan hatte. Als endlich dieſe überflie⸗ ßenden Freudenbezeugungen ein wenig abgenommen hatten, ſo war es ſeine erſte Sorge, Georg auf das Herzlichſte zu danken, denn ſeiner Klugheit und Fündigkeit ſchrieb er ſowohl die Rettung der Cognacfäſſer als auch die luſtige Nache zu.. „O, das iſt nicht viel Erhebenswerth!“ meinte Georg beſcheiden. „Ja, meiner Seele, ich will Dir für dieſe Handrei⸗ chung einen Gegendienſt erzeigen, mein ehrlicher Georg! denn hätteſt Du nicht Unrath gemerkt und ihm eine Naſe gedreht, als Du mit ihm in der Bude warſt, ſo wäre es dem Carolus ganz unmöglich geweſen, zu entkommen. Ich habe lange geſehen, daß Du ein tüchtiger, hurtiger und beherzter Jünglirg biſt; und wunſcheſt Du, daß ich Dir irgend eine Art von Emploi auf einem Fahrzeuge oder Comptoir verſchaffen ſoll— doch im Vorbeigehen ſage ich Dir, Du mußt bei der See bleiben— ſo denke daran, daß Nils Holmér kein ſchlechtes Gedächtniß hat, wenn es Freunde betrifft, die ihm gedient haben!“ „Gewiß bleibe ich bei der See im Leben und Tod!“ meinte Georg.„Und es trifft ſich wohl, daß ich ein anderes Mal mit Ihnen von dem Verſprechen rede... Jetzt aber will ich bitten, das kleine Boot leihen zu dür⸗ fen, denn es iſt am beſten, daß ich mich auf den Weg be⸗ gebe!“ „ Nicht eher, mein Sohn, als bis Du etwas genoſſen haſt!“ „Nun ja, es könnte wohl ſchmecken! Doch nun, Herr Patron! wenn Sie nicht meinen, daß es zu naſeweis von mir iſt, moͤchte ich wohl wiſſen, wo Sie Haus gehalten haben, während wir, Carolus und ich, unſre Sachen be⸗ trieben.“ „Ja, ſiehſt Du, die Canaille hatte ſich verkleidet in dem Groſkärsboote hierher geſchlichen, während er die Zolljacht liſtig hinter den Holm in Schutz gelegt hatte. Nun gut, der Mond war zwar aufgegangen, ſchien aber doch nicht klar genug, daß man Leute durch und durch ſehen konnte. Petter Gran wendete mir im Boote den Rücken zu— die Brücke wirft Schatten, wie Du weißt— und ich war dumm genug, mir einzubilden, es wäre Carolus. Die Täuſchung hatte bald genug ein Ende, und da kannſt Du Dir wohl denken, daß ich's mit ihm in der Güte ab⸗ machen wollte. Aber die ganze Krankheit iſt, daß der Fuchs nach dem Freiſegler trachtet. Er ſtellte ſich, als wollte er ſich beſtechen laſſen, bis er mich in's Boot ge⸗ bracht hatte, um Oeſterberg einen Zettel in die Hand zu ſtecken. Aber was meinſt Du wohl, that er nun?— Ja, ſchneller als der Teufel Zeit hätte, ſich die Naſe aut⸗ zuſchnauben, hatte er dem Boote einen Tritt gegeben, umd der andre verſtand das im Augenblick: und ich mochte nun meinen, es ſchmeckte ſüß oder ſauer, ſo mußeſ ich mich b zu machen „Eine Du mir in der bei der Un gen Worte ich leicht ſ Beſten geh wenigſtens gefangen n die Thür ein gekochte iſt frei, a was er ſag die nicht Darauf m ſtieg ein, Fäſſern ur Lied ein Da i Holmér ni erzählte, ſo ſo herzlich dern brach Frau ihn auf dem S Warmem“ Doch mutter, we eine lange kleiner Tiſt und Georg Es war allen dieſe lichen Ka 119 ich mich bequemen, eine Tour nach der Zolljacht hinaus zu machen.“ „Eine ſo liſtige alte Katze!“ fiel Georg ein. Du kannſt glauben, ich war nicht gut! doch wurde mir in der Cajüte die Zeit eben nicht lang; ich fand dort bei der Unterſuchung die vier Waſſeranker, und aus eini⸗ gen Worten, die der einfältige Kron fallen ließ, konnte ich leicht ſchließen, daß Carolus den Jachtlieutenant zum Beſten gehabt hatte, und der Troſt machte mir das Herz wenigſtens etwas leicht, ſo daß ich meine gute Vernunft gefangen nehmen konnte. Etwa nach einer Stunde ging die Thür auf, und Petter Gran, roth im Geſichte, wie ein gekochter Hummer, ſteckte die Naſe herein.„Der Weg iſt frei, aber wir rreffen uns ein andermal!“ war alles, was er ſagte. Und ich gab ihm ein Paar Hiebe wieder, die nicht ſo übel ſielen, wenn ich's ſelbſt ſagen ſoll. Darauf marſchirte ich hinauf; das Boot war klar, ich ſtieg ein, nachdem ich mich vorher vergeblich nach den Fäſſern umgeſehen hatte, Oeſterberg ſtieß ab— und damit Lied ein Ende!“ Da inzwiſchen dieſes kleine Abenteuer dem Patron Holmér nicht halb ſo luſtig vorkam, wie das von Georg erzählte, ſo gefiel es ihm auch nicht recht, daß dieſer eben ſo herzlich über das eine wie über das andere lachte, ſon⸗ dern brach das Geſpräch mit der Anmerkung ab, daß ſeine Frau ihn ſprechen wollte, und daß Georg gerne ein wenig auf dem Sopha ſchlafen könnte, bis Fanny mit„etwas Warmem“ käme. Doch Fanny, dieſer kleine gute Stoff zu einer Haus⸗ mutter, war allzuſehr für Georg beſorgt, als daß ſie ihm eine lange Wartezeit geſtattet hätte. Bald ſtand dort ein kleiner Tiſch gedeckt; und einander gegenüber ſaßen Fanny und Georg und aßen und ſcherzten aus Herzens Grunde. Es war ein ſo ſchönes und angenehmes Gefühl, nach allen dieſen bunten nächtlichen Abenteuern in der vertrau⸗ lichen Kammer bei einer guten Mahlzeit und neben einer 120 ſolchen kleinen fröhlichen Schöͤnheit, wie Fanny, ruhig, warm und froh ſitzen zu können. Eine kurze Zeit leiſtete der Patron Holmér ſelbſt ihnen Geſellſchaft; doch ſobald er ſich mit dem Leckerſten, das der Tiſch darbot, zu Kopfe geſehen hatte, ſtand er wieder auf und überreichte Fanny mit bedeutungsvollem Lächeln einen Schlüſſel, wobei er ihr ins Ohr raunte: „halte hübſch Haus! bedenke: drei Winter lang!“ Das Mädchen klatſchte vor Freude in die Hände, und kaum hatte ſich hinter dem Vater die Thür geſchloſſen, ſo zog Miß Fanny augenblicklich den dreifüßigen Comptoir⸗ ſtuhl an einen großen Schrank von Nußholz. Nachdem ſie mit Hülfe eines Schemels auf den Stuhl gekommen war, ſo rief ſie Georg zu ſich, um ihr das Licht zu halten. Beider Blicke leuchteten vor Entzücken, als ſich das Heiligthum des Schrankes öffnete, und die Fächer die allerherrlichſten Reihen von Citronen, Apfelſinen und Re⸗ netten, ſo wie auch Hafen voller Trauben, Confertroſinen und Feigen zeigten. Herr Hoimér, einer dieſer Scherenkaufleute, die in einem hohen Grade die Kunſt verſtehen, ſich ſelbſt zu Kopfe zu ſehen, hatte neulich dieſe Kunſt bis zu einem bewunde⸗ rungswürdigen Grade entwickelt, als das Gluck ihm den Vorzug ertheilte, die Geſchafte einer geſtrandeten ſpaniſchen Brigg zu handhaben. Die Kleinigkeiten, welche der Schrank enthielt, waren, wie er ſich gegen ſeine Freunde ſelbſt ausdrückte, ein Geſchenk des Capitains, dem es eine Freude gemacht hatte, ihm für die Beſchwerden aller Art, die nicht in die Rechnung mit aufgenommen werden konn⸗ ten, eine kleine Erkenntlichkeit zu beweiſen. Anfänglich begnügten ſich Fanny und ihr Geſellſchafter damit, dieſe lieblichen und duftenden Früchte nur zu be⸗ ſehen. Doch für Georg war der nicht am wenigſten feſ⸗ ſelnde Anblick Fanny's ſylphidiſche Geſtalt, welche, auf den Spitzen der Zehen ſtehend, ſich mit den Händen an den Fächern Leben in d einen Seite miſch bald welcher letzn neben ihr Fanny's ge gefielen, p Mutter erir menen Scht „Iſt es ön?“ 3„Ja r neres!“ „Was wurde es ſe etwas Scht des Vaters lange ſie d hatte, zu w beſchreiblich dem wohlſe erhalten ha die Fanny aus dieſen füllen dür holte ſie. „Du nahe ſo ſch röther als als die Tr Fannd meinte, C artig, ſo der Schrar Fann 121 den Fächern des Schrankes feſthielt, mit fröhlich unruhigem Leben in den Bewegungen das ſchöne Köpfchen von der lmeér ſelbſt einen Seite nach der andern umherwarf und dabei ſchel⸗ Leckerſten, miſch bald auf die ſchönen Früchte, bald auf Georg blickte, ſe, ſtand er welcher letztgenannte in der erſten ſtolzen Jünglingskraft ungsvollem neben ihr ſtand und das Licht hielt, um eben ſo ſehr hr raunte: Fanny's goldgelbe Haarflechten(die ihm ganz beſonders 17 gefielen, weil ſie ihn ſtets an die lichten Locken ſeiner ny, ruhig, Hände, und Mutter erinnerten), als das kleine Eden in dem nußbau⸗ geſchloſſen, menen Schranke zu betrachten. Comptoir⸗„Iſt es nicht luſtig, Georg?“ fragte Fanny,„iſt es nicht Nachdem ſchön?“ gekommen„Ja wohl! Aber ich weiß etwas doch noch Schö⸗ s Licht zu neres!“ „Was denn?“ fragte Fanny verwundert, denn ihr 8 ſich das wurde es ſchwer, ſich vorzuſtellen, daß es in der Welt Fächer die etwas Schöneres, etwas Prächtigeres geben könnte, als n und Re⸗ des Vaters großer nußbaumener Schrank, welchen ſie, ſo nfectroſinen lange ſie denken konnte, ſtets als ein Heiligthum betrachtet hatte, zu welchem ſie nur in großen Augenblicken, da ſie un⸗ te, die in beſchreiblich artig geweſen war, Zutritt erhielt; denn außer ſt zu Kopfe dem wohlſortirten Lager, welches der Schrank vor Kurzem 1 bewunde⸗ erhalten hatte, umſchloß der Schrank noch andere Schätze, k ihm den die Fanny ſehr wohl kannte; ſie hatte oͤfter denn einmal ſpaniſchen aus dieſen unzähligen Schiebladen ihre Schürzentaſchen er Schrank füllen dürfen...„Was denn, Georg?“ wieder⸗ unde ſelbſt holte ſie. nmes eine„Du ſelbſt, Fanny, biſt weit ſchoͤner! Du biſt bei⸗ aller Art, nahe ſo ſchön wie meine Mutter— Deine Wangen ſind rden konn⸗ röther als die Aepfel, und Deine Augen leuchten klarer 4 als die Traube, welche Du gegen das Licht hältſt.“ ſellſchafter Fanny lächelte, erklärte aber auch, daß, obgleich ſie ur zu be⸗ meinte, Georg ſei ebenfalls ſchoͤn und dabei ſehr, ſehr igſten feſ⸗ artig, ſo könnte ſie dennoch nicht anders ſagen, als daß llche, auf der Schrank dennoch das allerſchoͤnſte wäre. änden an Fanny war erſt elf Jahre. Georg dagegen war beinahe fünfzehn. Er ſah nicht ganz mit der Antwort zufrieden aus, ohbgleich er herzlich darüber lachte. Jetzt forderte ihn Fanny auf, den Hut hinzuhalten. Und nachdem ſie mit zärtlicher Sorgfalt ſich erkundigt hatte, was Georgs Mutter am liebſten hätte, ſo legte ſie freigebig von allen Arten hinein. Nachdem aber Georg verſehen worden war, ſo begann Fanny an ſich ſelbſt zu denken, und ſammelte nun mit der einen Hand in ihre kleine Schürze dieſes gleichwohl ſo ſparſam, daß es den Ueberfluß, welchen ſie ihm geopfert, wieder gut machen ſollte. Fanny war vorſichtig: ſie wollte ſo haushalten, daß ihr der Schlüſſel zu dem herrlichen Schranke noch öfter anvertraut werden möchte. Als ſie aber jetzt in voller Beſchäftigung waren, Georgs Antheil in einen kleinen Korb zu packen und wieder um⸗ zupacken, ſo trat Herr Holmér ein und verkündigte, daß der Tag anfinge zu dämmern. 5 Georg ſprang auf; er hatte es ja ganz vergeſſen, daß ſeine Eltern unruhig über ihn ſein könnten, falls Ca⸗ rolus nicht zurückkäme. „Adieu, Herr Patron... Adieu, liebe Fanny— ich muß eilen!“ Und mit dem Korbe auf dem Arme eilte er hinaus, die Treppen hinab, an die Landungsſtelle, riß die Ruder aus dem Schuppen, machte das Boot los und ſaß bald als alleiniger Herr auf der in ihrem Innern ſie⸗ denden Waſſermaſſe, über welcher der Morgennebel ſchwer herabhing gleich einer undurchdringlichen Decke. Kein einziges Segel war zu ſehen, kein Ruderſchlag zu hoͤren, ja ſogar die Seevoͤgel hatten ſich, von dem Kampfe der Elemente erſchreckt, zurückgezogen. Alles war grau, ſtill und dumpf, und dennoch redete ein mächtiger Geiſt aus dieſer Stille, welche in dem dämmernden Mor⸗ gen noch unheimlicher erſchien. Aus dem zerreißenden Nebel ſtiegen allmälig Land und Meer hervor und nun konnte das Auge das Trauerſpiel überſchauen, welches der Morgen na Raume, auf führt. Gra Klippen. terte noch v zerſchellter d Georg was ein ſolch hatte, doch langen Well nach dem öd Unter d und über ein ausgeſpannt alle übrigen Fäden zuſam wickelten, zu Wir br Nicolinens 1 Dieſes einen eigenne blos für der liebevoller es bebte es auc brechen konn In ihr ¹ obgleich ſie ſah nicht er herzlich inzuhalten. erkundigt o legte ſie ber Georg h ſelbſt zu dd in ihre aß es den ut machen aushalten, anke noch , Georgs ieder um⸗ digte, daß vergeſſen, falls Ca⸗ elle, riß nächtiger pben Mor⸗ 123 Morgen nach einer ſturmvollen Nacht ſtets auf dem oͤden Raume, auf welchem der Kampf gekämpft worden iſt, auf⸗ ſührt. Graugrün ziſchte der Schaum gegen die nackten Klippen. Der Sturm lag gebunden, doch das Meer zit⸗ terte noch vor Wuth, obgleich es von den Ueberbleibſeln zerſchellter Fahrzeuge geſtreichelt wurde. Georg Letsler ſeufzte tief: er wußte nur allzugut, was ein ſolcher Abend wie der letztverfloſſene zu bedeuten hatte, doch mit geübter Hand lenkte er das Boot über die langen Wellen hin und ſpähte mit ſehnſuchtsvollen Blicken nach dem öden Strande von Grafwerna. Neuntes Kapitel. Unter den vielen Fäden, die in dieſer Nacht geſponnen und über einen kleinen Raum in den Bohuslän'ſchen Scheren ausgeſpannt wurden, gab es einen, welcher tiefer lag, als alle übrigen, und welcher ſich ſpäterhin mit andern neuen Fäden zuſammenſpann, bis die Rolle, auf welche ſie ſich wickelten, zuletzt auf ewig ſtehen blieb. Wir brauchen kaum zu erwähnen, daß der Faden in Nicolinens weichem Herzen geſponnen wurde. Dieſes warme Herz, das ſchon längſt aufgehört hatte, einen eigennützigen Wunſch zu haben, lebte und athmete blos für den Gatten und den Sohn; doch je ſtärker, je liebevoller es für dieſe beiden Weſen ſchlug, um ſo mehr bebte es auch vor jedem Uebel, das über dieſelben herein⸗ brechen konnte. In ihrem Innerſten erregt, erſchüttert und betäͤubt, obgleich ſie nicht im Stande war, den rechten Zuſammen⸗ 124 hang deſſen zu faſſen, was ſie gehört und geſehen hatte, aber nicht länger bethört von der Frage über das Rechte und das Unrechte, war die arme Nicoline endlich mit tau⸗ ſend verwirrten Gedanken in ihrem Kopfe entſchlummert. Als aber der Mond ſeinen erſten matten Schein über die Gegenſtände warf, ſo wurde ſie von einem Geräuſche auf der Landungsbrücke geweckt. Verwirrt fuhr ſie auf und erinnerte ſich, daß ſie eben— im Traume, wie ſie glaubte, obgleich es in der vollen Wirklichkeit geſchehen war — die Thür des geheimnißvollen Verwahrungszimmers hatte knarren hören. Sie hatte nur einen Gedan⸗ ken:„Sie bringen die gefährlichen Sachen jetzt wäh⸗ rend der Nacht hinweg; wenn nur Georg nicht mit dabei iſt!“ Leiſe ſchlich ſie ſich in das Zimmer ihres Mannes. Es war leer.„Gewiß ſitzt er wieder draußen auf der Klippe!“ ſeufzte ſie, indem ſie vor der Thür, die in Georgs Kammer führte, lauſchend ſtehen blieb, ob ſie nicht ihn athmen hören konnte; denn erhielte ſie nur dieſes beruhigende Zeichen, das ſie überzeugte, er ſei ruhig zu Hauſe, ſo wollte ſie ihn keinesweges in ſeinem Schlaft ren. Aber Nicoline vernahm nichts. Daher öͤffnete ſte die Thür und trat ein— ach! ihre Ahnung war alſo wahr Georgs Bett war nicht einmal aufgemacht, und er ſelbſt war im ganzen Hauſe nicht zu finden. „Noch ſind ſie vielleicht nicht abgefahren,“ war ihr nächſter Gedanke. Und ohne zu bedenken, wie wenig ihr dünner Anzug mit der kalten, nebligen Nacht zuſammen⸗ ſtimmte, eilte ſie hinaus auf die Klippe und kam eben noch zur rechten Zeit, um zu ſehen, wie der Freiſegler hinter der Landſpitze verſchwand... Auf dem Felſenblocke, worauf er die langſamen Stun⸗ den ſo mancher Nacht hingebracht hatte, ſaß Letsler; ſein Kopf war in den hohen Mantelkragen hinein geſunken. Er hörte nicht die Schritte ſeiner Gattin eher, als bis ſie ſich weinend an ihn ſchmiegte und mit zitternder Stimmt fragte:„O Georg, The Iſt er nicht und verwege Nicolin in ihr Zimn ſetzte dieſen phismen, wa zu eigener 2 Nicolinens h gann, keine Geſchäfte, 3 gegen die Ge ten; und für daß ihr Soh tigungen erm eigenen Vater Und das zwar nicht m unruhig. In kommen, und Ohr, obgleich ſicherung gab wäre. In ſiebe des Freiſegler zu ſchaffen, l eine Stunde zurück zu fü Jetzt wi ſollte ſchon l ſcheinlich, da „Geh, Nicoline faſt war, ſo wü er nun ohne eſehen hatte, das Rechte ich mit tau⸗ tſchlummert. ein über die heräuſche auf ſie auf und e ſie glaubte, ſchehen war ungszimmers nen Gedan⸗ jetzt wäh⸗ ht mit dabei res Mannes. ßen auf der hür, die in lieb, ob ſie ſie nur dieſes ſei ruhig zu alſo wahr „“ war ihr nem Schlafe ffnete ſie de (und er ſelbſt 125 fragte:„O Bernhard, Bernhard, warum erlaubſt Du es Georg, Theil zu nehmen an demjenigen, was Unrecht iſt? Iſt er nicht ſo ſchon allzuſehr geneigt zu unbedachtſamen und verwegenen Handlungen, ohne daß... 2 Nicoline kam nicht weiter: Letsler führte ſie zurück in ihr Zimmer. Er redete jetzt über den Schleichhandel, ſetzte dieſen in das beſte Licht mit einer Fertigkeit in So⸗ phismen, welche ſeine Gewohnheit zeigte, daß er ſich ihrer zu eigener Beruhigung bediente; doch hatten dieſe, da Nicolinens heller Verſtand ſich ſelbſt klar zu werden be⸗ gann, keine Macht mehr über ſie. Sie ſah ein, daß die Geſchäfte, zu denen man Georg gebrauchte, Verbrechen gegen die Geſetze waren und Strafe nach ſich ziehen konn⸗ ten; und für ſie war es eine Quelle der Verzweiflung, daß ihr Sohn, ihr geliebter Georg, zu ſolchen Beſchäf⸗ tigungen ermahnt wurde, und das noch dazu von ſeinem eigenen Vater. Und das ſogar in einer ſolchen Nacht! Es ſtürmte zwar nicht mehr ſo heftig; doch die See ſchlug hoch und unruhig. In jedem Augenblicke konnte der Orkan wieder kommen, und das that er auch wirklich vor Nicolinens Ohr, obgleich ihr Gatte ihr in jedem Augenblicke die Ver⸗ ſicherung gab, daß dieſes nur das Geräuſch der Brandung wäre. In fieberhafter Spannung erwartete ſie die Ankunft des Freiſeglers. Ihre Einbildung, ſtets fertig, Gefahren zu ſchaffen, hatte gute Zeit, Ausflüchte zu machen, denn eine Stunde verſchwand nach der andern, ohne das Boot zurück zu führen. Jetzt wurde auch Letsler unruhig. Carolus konnte und ſollte ſchon lange zu Hauſe geweſen ſein; es war augen⸗ ſcheinlich, daß er unnoͤthiger Weiſe zauderte. „Geh, guter Bernhard, und ſieh Dich um!“ bat Nicoline faſt in jedem Augenblick. Doch ſobald ſie allein war, ſo wünſchte ſie ihn ſogleich wieder zurück, und wenn er nun ohne Troſt kam, ſo wurde es noch ärger. Zuletzt hatte der Tag die düſtern Schatten der Nacht verdrängt; jetzt war es entſchieden, daß es nicht richtig war, und Letsler konnte nicht anders vermuthen, als daß der Jachtlieutenant den Freiſegler von Neuem getroffen und Beſchlag gemacht hätte. Doch endlich, da die Sonne zwiſchen den ſinſtern Wolken hervorblickte, erſchien in weiter Ferne ein ſchwe⸗ bender Punkt. Dieſer näherte ſich, und bald ſtürzte Letsler mit dem Tubus in der Hand heftig herein und ſchloß Nicolinen in ſeine Arme auf eine Weiſe, die allzu deutlich erkennen ließ, was er ſelbſt gelitten und verſchwiegen hatte. „Großer Gott!⸗ rief ſie aus, die ſo gut die Schlägt dieſes ſtürmenden Herzens verſtand und erwiderte,„er iſ hier— Georg, mein Kind, iſt hier!“ Und bei der Ankunft des hochgeliebten Sohnes ſtromt auf der armen Johannis⸗Klippe ein Perlenthau ſo reich und warm, daß davon eine Roſe, eine Gefährtin der ein ſamen Diſtel hätte erwachſen koͤnnen. Krampfhaft ſchloß ſich Nicolinens Herz mit neuen Pulsſchlägen an das Hei des zärtlichen und Uiebevollen Jünglinges, welcher melnte daß das ſeinige vor Reue und Sorge brechen wollie, iiſ er in ruhigem Genuſſe zu Strand hatte vergeſſer könnt daß die geliebte Mutter zu Hauſe in Kummer wachte. i Schmeichelnd fuhr Nicoline mit der Hand über d von der heftigen Ruderarbeit feuchten Locken des Sohnt⸗ und verſicherte ihn nicht einmal, ſondern unzählige Malz daß jetzt Alles wieder gut, daß alle Unruhe vergeſet wäre. Liebevoll verzeihend und friedevoll war der Bldh womit ſie in das Auge ihres Gatten ſah, in welchem ein Bitte um Vergebung das heilige Gelübde, eben ſo deutlich zu leſen ſtand, w daß Georg nicht mehr an ſolchen Unternehmungen, wie die letzte, Theil nehmen ſollte. Dieſes Gelübde that Georg ſich auch ſelbſt, als zärtliche Mutter in liebevollen Worten ihre Betrübniß ent wickelte, zu wiſſen, daß ihr Liebling geſetzwidrige Han lungen ohne dieſe Geſetzn ſie zu haſſen Jetzt a Elias ein. Wedek dem darauf Freiſegler zu Kraft erwach nacht. Mutter die junge Jo widerhallen, und ab lief, „So ſo Kind,“ erme an und ſei auf as Wo iſt au eine kommen; de dennoch behg heit nicht im jacht wegen „Ja, d das weiß i Stolz in i anderes!“ „Bezäh ſuche nicht 6 einem vorw „Wo a Vater?“ n der Nacht nicht richtig en, als daß m getroffen den finſtern e ein ſchwe⸗ türzte Letsler und ſchloß allzu deutlich verſchwiegen t die Schläge derte,„er iſt ohnes ſtroͤm thau ſo reith hrtin der ein⸗ pfhaft ſchla an das Hen elccher meinte in wollte, wiiſt des Sohns tzählige Mal ruhe vergeſſe wwar der Blich welchem ein ſen ſtand, n ehr an ſolche nnen ſollte. ſelbſt, als de Betrübniß ent zwidrige Han 127 lungen ohne Abſcheu betrachtete; und Georg, der bisher dieſe Geſetzwidrigkeit geliebt hatte, war jetzt nahe daran, ſie zu haſſen, ſo luſtig ſie auch war.... Jetzt aber zog die Unruhe in die Hütte des Vaters Elias ein. Wedek an dieſem, noch an dem folgenden, noch an dem darauf folgenden Tage war das Geringſte von dem Freiſegler zu ſehen. Der Sturm war dagegen mit neuer Kraft erwacht und hauſete ärger, als in der Schmuggler⸗ nacht. Mutter Malena wiſchte im Stillen die Augen; doch die junge Johanna ließ ihre Traurigkeit unter den Felſen widerhallen, wo ſie in der Verzweiflung hin und her, auf und ab lief, ohne nur einen Augenblick Ruhe zu ſinden. „So ſorge Dich doch nicht lebendig zu Tode, mein Kind,“ ermahnte der alte Elias,„ſondern nimm Raiſon an und ſei nicht länger unraiſonlich! Verlaſſe Du Dich auf ns Wort eines alten erfahrenen Seemannes: Carolus iſt au eine andere Weiſe, als zu Grunde zu gehen, ent⸗ kommen; denn obgleich er mein Sohn iſt, ſo kann ich dennoch behaupten, daß er dem Petter Gran an Schlau⸗ heit nicht im Geringſten nachgibt— er darf ſich der Zoll⸗ jacht wegen nicht zurückwagen!“ „Ja, daß Georg ſich an den alten Gran nicht kehrt, das weiß ich recht gut,“ entgegnete Johanna mit einigem Stolz in ihrer Betrübniß—„nein, ihn bindet etwas anderes!“ Und nun begann ſie von Neuem zu weinen. „Bezähme Dich ein wenig, junges Weib, und ver⸗ ſuche nicht Gott mit Deinem Gepfeife!“ ſagte Elias in einem vorwurfsvollen Tone. „Wo aber kann er denn ſein— was meint Ihr ſelbſt, Vater?“ —ᷣ—ꝛꝛ: „Das weiß Gott unſer Herr; da er aber ein ſolcher verwegener Geſell iſt und ſich, wie ich hoͤre, mit Schmuggelei und ſolchen Dingen an Bord gelegt hat— Dinge, die er von ſeinem Vater nicht gelernt hat, dar⸗ auf kannſt Du Dich verlaſſen— ſo hat er wohl, kanm ich verſtehen, irgendwo angelegt, wo er die Waare con⸗ ſervirt behalten kann. Vielleicht iſt er auch verſchlagen; aber etwas Schlimmeres iſt es nicht, das fühle ich in meinem Leibe.“ Während der Freiſegler weder auf dem Lande noch auf der See geſpürt, mit Leuten und Ladung verſchwun⸗ den war, hielt die Zolljacht getreulich wie ein ſehnſuchts⸗ voller Liebhaber, der die Ankunft ſeiner Geliebten erwarte ſcharfe Wache auf ihrem Platze vor Strand. Und die Ge⸗ duld des Petter Gran ermüdete um ſo weniger, als nicht nur die großen Beleidigungen, die ihm durch de kühne Unverſchämtheit des Carolus zugefügt worden waren, ſondern auch eine darauf folgende gänzlich verunglückte Haus⸗ viſitation bei dem Patron Holmér zu rächen hatte, welche We ſitation zufolge einer geheimen Angabe ſtatt hatte, daß d vorhin erwähnten Stückgüter, welche, wie Petter Granz wiſſen glaubte, außerhalb ſeines Diſtrictes verſteckt gewweſt waren, bei hellem Tage eingeſchmuggelt ſein ſollten. Von dieſer Viſitation, bei welcher Petter Gran in der ganze feierlichen Würde ſeiner Wichtigkeit als Königlicher B0 amter, begleitet von ſeinen beiden Schatten Oeſterber und Kron, officiirt hatte, war viel erzählt worden, un ſelbſt der Kaufmann Holmér behauptete lachend, ſolch Genauigkeit und ein ſolcher anhaltender Fleiß, wie Pett Gran ſie bei dieſer Gelegenheit an den Tag gelegt, hän ten eine beſſere Belohnung verdient, als eine lange Naſt⸗ Jetzt war eine Woche vergangen. Der Mond wu in das letzte Viertel getreten, und nicht ſo viel wie einſamer Stern erhellte die dunklen Herbſtnächte. Dennoch hielt Petter Gran eben ſo fleißig Wa wie an dem erſten Tage; er war nicht der Mann, welcht 3 i ſich aus N nen Unterne ſeine Opera als verließe vermuthet zu Währe. ereignete es die Naſe na liche Wache wohl bekann bei Grafwer Drinnen mit heißen Netzen ſpann Vorſtellungen Georg tagtä — der Freig Doch Mutte Gemüth; ſ Stillen. Der alt ſaß und Ru Zeit ſeine ju war, mit ir⸗ dern die Hä Noch wollte mit ſeinem er geſtehen, Plöͤtzlich Mitglieder d Thür— ein blick ſpäter ſ „Jeſus! Johann Vater die zu „Gib Der Ein ein ſolcher hoͤre, mit elegt hat t hat, dar⸗ wohl, kann Waare con⸗ verſchlagen; fühle ich in Lande noch g verſchwun⸗ in ſehnſuchts⸗ ten erwartet, Und die Ge⸗ iger, als a vorden waren, glückte Haut tte, welche W hatte, daß die better Gran erſteckt geweſett ſollten. Vot in der ganze böniglicher Be ten Oeſterbenz worden, un lachend, ſolch iß, wie Pette 'gelegt, z3 ne lange Naſt der Mond weau kächte. fleißig Wach Mann, welch ſo viel wie 5 129 ſich aus Mangel an Bequemlichkeit und Ruhe in ſel⸗ nen Unternehmungen hindern ließ. Jetzt aber hatte er ſeine Operationen inſofern verändert, als er ſich oft ſtellte, als verließe er die Gegend; doch kam er eben ſo oft un⸗ vermuthet zurück. Während er ſeine Zeit auf dieſe Weiſe verlebte, ſo ereignete es ſich an einem Abende, da die Zolljacht eben die Naſe nach Strand hingewendet hatte, um die gewöhn⸗ liche Wache zu beginnen, daß ein in dieſen Gegenden wohl bekanntes Boot zwiſchen zwei Felſen daher glitt und bei Grafwerna landete... Drinnen im Hauſe ſaß Mutter Malena und netzte mit heißen Thränen den Faden, welchen ſie zu Vaters Netzen ſpann. Alle Hoffnungen waren nunmehr trotz der Vorſtellungen des Alten verſchwunden— reiſ'te nicht Georg tagtäglich vergebens ins Kreuz und in die Quere? — der Freiſegler war und verblieb gleichſam weggeblaſen. Doch Mutter Malena hatte ein ruhiges und geduldiges Gemüth; ſie klagte nicht; ihre Thränen floſſen im Stillen. Der alte Elias, welcher auf der Kante des Herdes iiß und Ruderpflöcke ſchnitzelte, betrachtete von Zeit zu Zeit ſeine junge Schwiegertochter, welche nicht im Stande war, mit irgend einer Arbeit die Zeit zu vertreiben, ſon⸗ dern die Hände ringend im Zimmer auf und ab wanderte. Noch wollte Elias nicht heraus damit, wie ſchlecht es mit ſeinem eigenen Muthe ſtand; ſich ſelbſt aber mußte er geſtehen, daß derſelbe ſehr ſchwach war. Plötzlich flog ein elektriſcher Funken durch alle drei Mitglieder der kleinen Familie: es griff jemand an die Thür— ein wohlbekannter Griff— und einen Augen⸗ blick ſpäter ſtand Carolus vor den Seinigen. „Jeſus! Carolus! biſt Du's?“ Johanna erhielt die erſte Umarmung, Mutter und Vater die zweite. „Gib mir zu eſſen!“ waren die erſten Worte, die Der Einſiedler ꝛc. I. 9 über Carolus Lippen kamen.„Ihr koͤnnt es wohl mir und dieſem Gefangenen anſehen“— er deutete auf die jämmerliche Figur des Stonge⸗Jan—„daß wir etwas in die Weſte haben müſſen, ehe wir den Sprachkaſten offnen können... Vergiß nicht, liebe Johanna, daß wir einen ehrlichen Schnapps haben müſſen!“ Im Stillen Gott dankend, ſchwiegen Alle mit ihren Fragen und Erkundigungen, bis Carolus und ſein Boots⸗ mann ihren unermeßlichen Appetit geſtillt hatten. Als aber Carolus die leere Schellfiſchſchüſſel weggeſchoben und mit gefalteten Händen ſein:„Gott ſei Dank für Eſſe und Trinken!“ gebetet hatte, ſo wendete er ſich an den Alten, deſſen Auge mit inniger Theilnahme die geringſten Bewegungen des verwegenen Sohnes begleitet hatte; und aus dem Heißhunger, womit er aß, ſchloß Elias, daß er auf vielerlei Art ſchlecht gefahren war. „Vater!“ ſagte Carolus, und reichte ihm die groß kraftvolle Hand über den Tiſch hin,„ich ſehe es Euch an, daß Ihr ein Verſprechen von mir haben wollt— und Mutter und Johanna, die arme Kleine! wollen es wohl auch; darum ſage ich, ſo ſon heiße, und dieſen Namen ehrlich bis a führen will, daß Ihr das Verſprechen haben ſollt! Das bei aber bleibe ich, und das ſollen mir weder Prieſter noch Propheten noch Zollkerle noch königliche Verordnungen, und reichten ſie auch von hier bis nach England, einbib den, daß ich nicht darum ein eben ſo guter und ehrlichen Kerl bin, weil ich wohl bisweilen mit dem Kronbocte Blindekuh geſpielt habe— denn das thäte ich gerne wie⸗ der, wenn ich allein wäre. Aber höret nun, Vater, daß ich treuwürdig gelobe, ein regaler und geſetzter Mann zi werden! denn das iſt ſo zu verſtehen: wenn Einer recht den Verdienſt gegen die Beſchwerde und Verantwortlichk abwägt, ſo ſieht es ſchlecht damit aus; und daher zun Teufel damit!“ Gegen das E wahr ich Carolus Eliate. n meinen Tih und reichte Als er aber ner Johanne was dieſe as cherer Stin kleines Herze habe, weil mußte. Ab Teufel in's auch wieder leicht: Pett in die See ſteckte.“ „Wie G Wangen die „Sie ſagen, gelegen.“ „Ja, Freiſegler mi mußte er ſich das erſte wa „Wo a denn die ga lauſchten mit „O ja nun, meine fürchten: Ei als Weibsler topf im Fel ſondern auch Jetzt aber h weiß eine H. güter verſteck Cognacfäſſer wurmte und nde dieſer Erklärung ſtand Carolus a Zollſchnüffler wohl mir ete auf die wir etwas Sprachkaſten hanna, daß e mit ihren ſein Boots⸗ ſatten. Als eſchoben und k für Eſſen ſich an den ie geringſten hatte; und Elias, daß hm die großt ſehe es Euch ben wollt— l wollen es arolus Elias meinen doi ſollt! Da veder Prieſter Berordnungen, gland, einbil⸗ und ehrlichen em Kronboclt ich gerne wie „Vater, duß tzter Mann zi an Einer ret rantwortlichket und daher zun d Carolus ℳ 131 und reichte den Seinen der Reihe nach herzlich die Hand. Als er aber darauf das von Thränen benetzte Antlitz ſei⸗ ner Johanna gegen das Licht erhob, und recht betrachtete, was dieſe acht Tage bewirkt hatten, ſo fuhr er mit wei⸗ cherer Stimme fort:„Ich will Dir's geſtehen, mein kleines Herzensgold, daß ich oft Gewiſſenskrämpfe gehabt habe, weil ich Euch hier zu Hauſe Betrübniß verurſachen mußte. Aber, Gottes Tod und Pein! als ich einmal den Teufel in's Boot genommen hatte, ſo mußte ich ihn wohl auch wieder an's Land bringen— und das war nicht leicht: Petter Gran jagte mich wie einen wilden Vogel in die See hinaus, ſobald ich nux den Schnabel aus⸗ ſteckte.“ „Wie ging es denn zu?“ fragte Johanna, auf deren „Wangen die Freude wieder neue Roſen geworfen hatte. „Sie ſagen, er hat wie ein getreuer Hofhund vor Strand gelegen.“ „Ja, gerade ſo! Verſtehſt Du nicht; ſobald der Freiſegler nur die Naſe vorſtreckte und ſich umſah, gleich mußte er ſich wieder zurückziehen, da immer die Zolljacht das erſte war, was er zu ſehen bekam.“ „Wo aber, Carolus, in Gottes Namen! warſt Du denn die ganze Zeit über?“ Und Vater und Mutter lauſchten mit Johanna. „O ja, ich habe im Sudoſten Freunde— nun, nun, meine liebe Johanna, Du brauchſt Dich nicht zu fürchten: Einer kann andere Freunde in der Bucht haben, als Weibsleute, wie zum Beiſpiel einen ehrlichen Rieſen⸗ topf im Felſen, wo man nicht nur ſeine Fiſche kochen, ſondern auch im Nothfalle Kleinigkeiten verſtecken kann... Jetzt aber hätten dieſe Rieſentöpfe nicht verſchlagen: ich weiß eine Höhle, gleich gut wo, wo man größere Fracht⸗ güter verſtecken kann. Ich dachte wohl einmal daran, die Cognacfäſſer dort eine Zeitlang liegen zu laſſen, dann aber wurmte und reizte es mich, daß ich mich einem alten Zollſchnuffler ergeben ſollte, und darum, weil ich ſah, daß er eigenſinnig war, Strand nicht verlaſſen zu wollen, ſo ſchwur ich— das war wohl ein dummer Eid, da ich aber geſchworen hatte, ſo mußte ich's auch halten— ich wollte die Fäſſer an den rechten Ort bringen ehe ich Ab⸗ ſchied von ihnen nähme, und ſollte ich auch bis an den jüngſten Tag da liegen.“ „Nun?“ fragten alle drei mit geſpannter Erwartung, da Carolus inne hielt. „Zuletzt fiel es Petter Gran ein, daß ein ſo guter Kerl wie er wohl ein feineres Spiel ſpielen koͤnnte. Er begab ſich bei Tage hinweg, kam aber des Abends in aller Stille zurück, um den Freiſegler zu kneifen, der, ſo glaubte er, ſich nun herauswagen ſollte. Aber der Freiſegler wußte beſſer Beſcheid; er wollte dem Petter Gran einen eben ſo feinen Poſſen ſpielen. Nun ich war früh um ſpät auf der Wache, und als die Zolljacht heute Morgen ſich hinwegbegeben hatte, um einen andern Goldfiſch zu fangen, den der Alte durch mein Zuthun in die Nähe be⸗ kommen hatte, obgleich ich nicht glaube, daß er ihn finden — fügte Carolus mit einem zufriedenen Lächeln hinzu— „ſogleich nahm ich(wie ich das ſchon vorher abgemacht hatte) den Kahn der Jungen auf Risö; denn hätte ich de Freiſegler genommen, ſo hätte der alte Peiter ihn am Geruch erkannt, und wäre er auch noch ſo weit weg z⸗ weſen. Und mit kühner Stirn, als wäre das, was ich vorhatte, erlaubt geweſen, begab ich mich mit einigen Le pfunden Seetang uber den Fäſſern bei hellem Vormittagt auf die Reiſe, und da das Glück dem Kühnen beiſteht ſo kam ich glücklich hin; Holmér hätte jedoch beinahe de Schlag bekommen, als ich hereingelaufen kam und me Fäſſer abzuliefern begehrte.„Du verrückter Menſch, A. machſt mich unglücklich 1“ meinte er; doch ich ſprach itn Muth ein. Die Fäſſer wurden ſogleich in den Keller ge bracht, wo weder ein Zollſchnüffler noch ſonſt eine Chriſtn ſeele ſie„finden ſoll. Und nachdem die Arbeit verricht war— alles war in einer halben Viertelſtunde gethant ſo kehrte i Bord auf d am Nachmi hatte, aufz Nacht, da mungen gem ſollte, woh wäre, als mehr hatte ſchehen könn eine Zeit la ſich ſchnell nem Leben g ſo viel Unve dem erhalte ders da das lers in Stro Natürli doch dieſe w denn ſolche waren bei ko gen kein We enach einer kehrte, und hinderte, m walten. Erſchla lebhafte Zol und bei No Berge und träumte von haber von ei füllung gel letzten Jagt u wollen, ſo Eid, da ich halten— ich mehe ich Ab⸗ h bis an den r Erwartung, ein ſo guter; koͤnnte. Er bends in aller er, ſo glaubte der Freiſegler er Gran einen war früh um heute Morgm Goldfiſch zu die Nähe be⸗ er ihn finden cheln hinzu— her abgemacht hätte ich da Petter ihn an weit weg ge⸗ das, was ih nit einigen Lie⸗ em Vormittage Lühnen beiſtegt och beinahe de n kam und i er Menſch, A. ich ſprach ihn den Keller ge ſt eine Chriſte Arbeit verrich tunde gethan 4 133 ſo kehrte ich in meinen alten Verſteck zurück, ging an Bord auf den Freiſegler und machte mich bereit, ſobald am Nachmittage die Zolljacht ſich nach Strand begeben hatte, aufzupaſſen und vorbeizukeilen. Weil ich in jener Nacht, da wir uns trennten, ſo viele Umwege und Krüm⸗ mungen gemacht hatte, ſo wollte ich nicht, daß er verſtehen ſollte, woher ich käme und wie ſchlecht mir's gegangen wäre, als wir keinen Proviant und keinen Branntwein mehr hatten, und das Beſte und Luſtigſte, das nun ge⸗ ſchehen könnte, wäre, wenn ich hoͤrte, daß er nun noch eine Zeit lang dort läge und den Freiſegler erwartete. Doch dieſe Hoffnung ſchlug fehl. Die Ankunſt des Carolus war eine Neuigkeit, die ſich ſchnell verbreitete; und Petter Gran, der nie in ſei⸗ nem Leben geahnt hatte, daß in einem menſchlichen Köͤrper ſo viel Unverſchämtheit ſein könnte, war nahe daran, von dem erhaltenen Stoße ernſthaft krank zu werden, beſon⸗ ders da das Gerücht von dem Beſuche des kühnen Schmugg⸗ lers in Strand ſein Ohr erreichte. Natürlich wurde eine neue Hausviſitation veranſtaltet, doch dieſe war eben ſo vergeblich wie die vorhergehende; denn ſolche Verſtecke, wie ſie der Patron Holmér hatte, waren bei keinem andern Kaufmann vorhanden. Wir ſa⸗ gen kein Wort von den Gefühlen, mit denen Petter Gran tnach einer ganzen verlorenen Woche nach Hauſe zurück⸗ kehrte, und nur eine Erkältung mitbrachte, die ihn lange hinderte, mit dem gewöhnlichen Eifer ſein Amt zu ver⸗ walten. Erſchlafft und ſtumpfſinnig lag die neulich noch ſo lebhafte Zolljacht— ſie, die ſonſt gewöhnlich bei Tage und bei Nacht über die Wogen des Skageraks„hohe Berge und tiefe Thäler“ tanzte— dort lag ſie nun und träumte von alten Thaten, während ihr großer Befehls⸗ haber von einer Rache träumte, die gleichwohl nie in Er⸗ füllung gehen ſollte; denn Carolus ließ ihn nach der letzten Jagdgeſchichte nicht wieder zum Schuß kommen. Zehntes Kapitel. Die Tage der Unruhe waren über Grafwerna dahin⸗ gegangen, ohne daß eine ſichtbare Spur Zeugniß gab von ihrem Beſuche. Ruhig ſaßen die Männer bei ihren Winterarbeiten, die Frauen bei ihren Spinnrädern. Letsler ſtützte jetzt wie immer ſeinen grübelnden Kopf mit der Hand. Georg ſtudirte mit der ganzen Kraft einer völlig erwachten Wißbegierde; und Nicoline, der gute Engel der Johannisklippe, ſie, die durch ihre Liebe, ihre Sanftmuth, ihren Frieden alles Streitende in ihrem klei⸗ nen Reiche zuſammenhielt; ſie, die Gute, ſaß auch jetzt wie ſonſt vor ihrem kleinen Arbeitstiſche und ließ durch die entlaubten Zweige der Paſſionsblume ihren Blick em⸗ porſchweben in die Heimath der Blumen... Dann aber ſah ſie ihren Georg an und dann die norwegiſche Fanny, den kleinen Liebling, der umherflatterte und aus Nicolinens Hand ihre Körnchen pickte und auf ihren Schultern ſaß und ihre Locken verwirrte. Und Nicoline lächelte, weil ihr Georg ſo entzückt und froh war und immer ſagte, wollte im Frühlinge die andere Fanny, die kleine ſchöm Fanny in Strand, bitten, zu ſeiner geliebten Mutter zut kommen und ſie zu erfreuen. War jedoch Nicoline allein, ſo ſchlich ſich kein Lie cheln über ihre Lippen, ſondern oft ſiel eine Thräne auf die Arbeit, welche ſie für den Gatten oder den Sohn nähete. Seit jener unglücklichen Nacht, da ſie ohne auf ihte ſchwache, vorher ſchon untergrabene Geſundheit zu achtett draußen ſtand und den kalten Wind der Johannis⸗Klinße ihre Glieder durcheiſen ließ, während die Angſt und h fieberhafte Spannung in ihrem Innern brannte— ſet dieſer Nach Dieſer Zuf ſchon längt Der mit ſeligen prüfte, ſie haben, wen jenigen, r hätte. So u hing, ſo bevorſtehend nun erſt ir ſollte, als ſterer werd gewählten ohne Bitte und zuletzt denken das Dieſer das Linderung Alles ge dieſe auf f Nicoline v endlich der ſelbſt konn qualvollen Dage hoffte und und zu be den Augen ſie allein Laſters, i und ſo l Bewunder unter ſein verna dahin⸗ niß gab von interarbeiten, belnden Kopf Kraft einer e, der gute ‚Liebe, ihre n ihrem klei⸗ aß auch jetzt d ließ durch en Blick em⸗ . Dann aber iſche Fanny, s Nicolinens chultern ſaß chelte, well mner ſagte, er kleine ſchone iI Mutter zu ſich kein La⸗ Thräne auf r den Sohn phne auf ihre ſeit zu acht annis⸗Klit ngſt und annte— ſitt 13⁵ dieſer Nacht fühlte Nicoline den Tod in ihrem Herzen. Dieſer Zufall hatte gleichwohl nur die Entwickelung eines ſchon längſt empfangenen Saamenkornes beſchleunigt. Der Tod ſelbſt hatte für ſie nichts Abſchreckendes: mit ſeligem Entzücken würde ſie, die lange und hart Ge⸗ prufte, ſich dem Gedanken an dieſen Freund hingegeben haben, wenn nicht die Vorſtellung von dem Schickſale der⸗ jenigen, welche ſie zurückließ, ſie ſtets mit Qual erfüllt ätte. So unendlich ſtark Nicolinens Herz auch an Georg hing, ſo blickte ſie gleichwohl bei dem Gedanken an die bevorſtehende Trennung weniger ſchmerzhaft auf ihn, der nun erſt in die Welt hinaus und ſich Erfahrung kaufen ſollte, als auf Letsler, welcher allein und mit immer dü⸗ ſterer werdender Gemüthsſtimmung in dieſer oͤden, ſelbſt⸗ gewählten Heimath bleiben ſollte. Jener, das fühlte ſie ohne Bitterkeit, würde allmälig die Traurigkeit vergeſſen und zuletzt nur in einem angenehmen, wehmüthigen An⸗ denken das Bild ſeiner ſo angebeteten Mutter zurückrufen. Dieſer dagegen, das fühlte ſie bitter, würde nie eine Linderung in ſeinem Schmerze empfinden: für ihn war ſie Alles geweſen, ohne ſie gab es für ihn Nichts. Und dieſe auf ſichern Grund erbauete Ueberzeugung machte, daß Nicoline vor dem Augenblicke bebte, wenn ſeine Augen ſich endlich der Trauer öffnen würden, die ſeiner wartete. Sie ſelbſt konnte es nicht über ſich gewinnen, über einen ſo qualvollen Gegenſtand ein Geſpräch anzufangen. Dagegen bereitete ſie ihren Georg darauf vor. Sie hoffte und bemühte ſich, ſeine Seelenkräfte ſo zu ſtärken und zu bereichern, daß ſie ihn nicht verlaſſen moͤchten in den Augenblicken des Kummers und der Gefahr. Wenn ſie allein waren, ſo malte ſie ihm die Verirrungen des Laſters, ihre abſchreckenden Folgen mit ſo ſtarken Farben und ſo herrlichen Worten aus, daß Georg in ſtummer Bewunderung ſah, wie ſeine ſtille und weiche Mutter ſich unter ſeinen Augen in einen kräftigen und ſtarken Geiſt verwandelte, der ihn mit tiefer Zuverſicht erleuchtete, warnte und leitete. Dieſe ſo geheimnißvollen und ernſten Unterhaltungen ſtarben nie in Georg's Erinnerung; doch erſt weit ſpäter, als ſie, welche dieſelben geweckt und belebt hatte, ihn ſchon längſt in ſeiner Phantaſte nur als ein warnender Engel umſchwebte, erſt da ſtanden ſie in ihrer vollen Klarheit vor ſeiner Seele: da faßte er klar ihre dunkeln Worte, ihre Bitten, ihre Unruhe, ihre abſichtsvollen Beſtrebungen, ihn durch die Entſchleierung ſo mancher Verſuchung zu härten und im Voraus zu läutern. Schon hatte die Sonne die kalten Flocken geſchmelzt, welche der Winter um den Fuß der Johannis⸗Klippe ge⸗ bettet hatte, als Letsler, gleichſam aus einer langen Be⸗ täubung erwachend, ſeine Gattin mit Blicken betrachtete, aus denen eine ſchreckenvolle Unruhe redete. Nicoline vermied ſeine Blicke; denn ſie konnte es nicht ertragen, dieſelben ſo forſchend auf ſich geheftet zu ſehen, ohne das Bedürfniß zu fühlen, ſich auszuweinen— und ſie wollte ſich ſo gern ſtark zeigen. Nachdem Letsler erſt von dieſem erſchreckenden Ge⸗ danken geweckt war, der gleichſam alle andern zu ver⸗ ſchlingen drohte, verſank er in eine Melancholie, welche verzehrender war, als alle Qualen, die ihn ſchon peinigten. Er machte ſeinen Gefühlen nicht durch Worte Luft, er tobte nicht, er klagte das Schickſal nicht der Härte ant er ſchwieg; doch in dieſem Schweigen lag eine grabähn⸗ liche Unheimlichkeit. Und ſeine abgemergelte Wange und ſeine gebeugte Geſtalt verriethen Kraftloſigkeit, Hoffnungs⸗ loſigkeit, Kampf und raſtloſe Unruhe. Nachdem ſich Georg lange, ſowohl über ſeinen Vater, als auch uüͤber ſeine Mutter gewundert hatte, ſich gewun⸗ dert hatte, unterhalten kommen, Blicke von zufällig beg Todesſchaue die Traurig verzehrt, n wilder Ver⸗ Mutter:„ Mutter, ſag in grenzenle „Mein Mutter. S ſie ihre Wa ihm die St⸗ „So ſt ling...„ Klippe hinw ich ein Ma⸗ beiten, nicht wollte ich h auch ich ſter „Um C tig— Du Alles vergeb mit Dir ger Heftigkeit in ſchaftliche u beiten?“ „Und T wildem Uebe mich hier au wachen und und doch, do Dir hler zu te, warnte chaltungen eit ſpäter, ihn ſchon der Engel Klarheit In Worte, ſtrebungen, uchung zu geſchmelzt, Klippe ge⸗ ngen Be⸗ etrachtete, fkonnte es leheftet zu einen— nden Ge⸗ zu ver⸗ e, welche peinigten. Luft, er härte an: dert hatte, daß ſie, die ſo oft ſich ohne Worte mit Blicken unterhalten hatten, jetzt gleichſam, wie aus einem Ueberein⸗ kommen, als hätten ſie ein Verbrechen begangen, die Blicke von einander abwendeten, ſobald ihre Augen ſich zufällig begegneten, ſo fühlte auch er zuletzt, daß eine Todesſchauer ſeine Seele durchbebte. Doch er wollte die Traurigkeit, die ſich ohne Hoffnung oder Troſt ſelbſt verzehrt, weder verſtehen, noch verſtand er ſie. In wilder Verzweiflung ſank er zu den Füßen der geliebten Mutter:„Sage, daß ich mich täuſche, ich bitte Dich, Mutter, ſage es— oder ſage mir die Wahrheit!“ bat er in grenzenloſer Verwirrung. „Mein Georg! mein Sohn!“ ſtotterte die überraſchte Mutter. Sie vermochte nicht mehr zu ſagen; doch neigte ſie ihre Wange an Georg's geſenktes Haupt und küßte ihm die Stirne. „So ſollſt Du alſo ſterben?“ ſchluchzte der Jüng⸗ ling...„ſterben, ehe ich Dich von dieſer ſchrecklichen Klippe hinwegführen konnte, ehe Du ſehen konnteſt, ob ich ein Mann würde! dann aber will ich nicht mehr ar⸗ beiten, nicht mehr leben: für Dich allein, liebe Mutter, wollte ich hier im Leben arbeiten— ſtirbſt Du, ſo will auch ich ſterben!“ „Um Gottes willen, mein Georg! ſei nicht ſo hef⸗ tig— Du erſchreckſt mich! Ich muß alſo glauben, daß Alles vergebens war, was ich während dieſes Winters mit Dir geredet habe. Du willſt alſo nicht gegen die Heftigkeit in Deinem Charakter, nicht gegen das Leiden⸗ ſchaftlice und Unbändige in Deinen Gefühlen anar⸗ beiten?“. „Und Du erkälteteſt Dich in jener Nacht, da ich in wildem Uebermuthe aller Deiner Bitten vergaß, da ich mich hier auf den Zehen umherſchlich, damit Du nicht er⸗ wachen und ſehen möchteſt, wie ungehorſam ich war— und doch, doch konnte ich dort fröhlich ſein, während Du Dir hler zu Hauſe den Tod holteſt!“ ſtoͤrt hat; nie hat er es mich ahnen wäre, Dir eine Bitte abzuſchlagen.“ „Nein, mein geliebtes Kind! damals geſchah das ge⸗ wiß nicht, bilde Dir ſo etwas nicht ein, peinige Dich⸗ nicht mehr, als noͤthig iſt— mein armer Georg, Du be⸗ kommſt dennoch Trauer genug! Lanze, lange vorher, da wir noch in Norwegen wohnten, ja noch lange vorher, (Du kannſt Dich deſſen nicht erinnern) Tage in dem alten Neſte zubrachten, da i wegung vermißte und nie Gottes blauen Himmel ſah, außer wenn ich einen Blick durch die Lucken werfen konnte — da, mein Georg, da brach mein Herz, und nur durch Gottes wunderbare Gnade habe ich nachher noch ſo lange bei Euch bleiben dürfen... doch ſtill! ich glaube die Schritte Deines Vaters zu vernehmen!“ „Nein, es waren keine Schritte!“ fiel Georg ein. , als wir unſre ch Luft und Be⸗ „Alſo ſchon damals fingſt Du an zu ſterben? Zwar bin ich wohl noch zu jung, um zu fragen, aber ich bin doch nicht ſo jung an Verſtand— und willſt Du, geliebte Mutter! wohl von mir hinweggehen, ohne daß ich alles erfahren und beweinen darf, was Du gelitten haſt? Ich weiß, obgleich ich es erſt jetzt zum erſten Male ſage, daß I es viel, ſehr viel geweſen iſt; und ich will auch wünſchen — hier flammte eine dunkle Röthe auf Georg's die klaren Thränen hingen an ſeinen langen Wimpern—„daß Deine Thränen keinem Menſchen auf dem Herzen brannten!“ „Nie, mein Georg— das ſage ich ernſthaft, und Du weißt, daß ich nicht im Stande ſein würde, 1 wahrheit zu ſagen— nie habe ich Thränen der Reue ge⸗ weint! Aber ich habe auch nie Theil gehabt an dem fin⸗ ¹ ſteren Geheimniſſe, welches das Leben Deines Vaters zer⸗ laſſen; und ſo oſt ich auch über die Nothwendigkeit, die ſeine Zunge band, geklagt habe(ich glaube nicht, daß es trauen war), ſo danke ich dennoch Gott dafür. meine Unwiſſenheit in dieſer Hinſicht, erſpart mir den Schmerz, den ich empfinden würde, we Mangel an Ver⸗ ann ich genöthigt Geor deckte die Nico unverſtänd plagen, d brauchte i meiner Lie „Lieb ihn heirath „Vie ich kann führte. J Mich zog ſenen Ma empfand d ſo viel ich „Und oder, liebe Freude?“ „Kan meine Lieb einzige Gl machte: ich Leben vere eine noch mir ſchenk „Ach zer,„went Dir, ſtatt Do ſehr; und und aus Jüngling ſtrengeres legſt. D ah das ge⸗ einige Dich ig, Du be⸗ vorher, da age vorher, wir unſre ft und Be⸗ immel ſah, rfen konnte nur durch ch ſo lange glaube die Georg ein. Zwar bin ch bin doch du, geliebte ß ich alles haſt? Ich ſe ſage, daß wünſchen Wange und lern—„daß brannten!“ ſthaft, und be, eine Un⸗ Bunge band, Bel an Ver⸗ für. Denn art mir den h genöthigt 3 139 Georg antwortete nur mit heißen Thränen und be⸗ deckte die Hand der Mutter mit Küſſen. Nicoline fuhr fort:„Es wäre unrecht, kindiſch und unverſtändig von mir geweſen, den Vater mit Bitten zu plagen, die er nicht im Stande war, zu erfüllen: was brauchte ich wohl weiter zu wiſſen, als daß er unglücklich, meiner Liebe und Zärtlichkeit bedürftig war?“ „Liebe Mutter, war denn Vater ſchon ſo, als Du ihn heiratheteſt?“ „Viel ärger war er damals, als der Zufall oder, ich kann wohl ſagen, Gottes Vorſehung uns einander zu⸗ führte. Ich ſtand arm, allein und hülflos in der Welt. Mich zog eine ſtarke Macht hin zu dem düſtern, verſchloſ⸗ ſenen Manne, der ſo ſehr zu leiden ſchien, und mein Herz empfand die groͤßte Seligkeit, wenn ich ihn troͤſten und ſo viel ich vermochte mit ſich ſelbſt verſöhnen konnte.“ „Und Dein eigenes Leben war immer traurig?— oder, liebe Mutter, hatteſt Du wohl jemals irgend eine Freude?“ „Kannſt Du ſo fragen, mein Georg! Ich hatte ja⸗ meine Liebe und das beſeligende Bewußtſein, daß ich das einzige Glück, die einzige Freude, meines Gatten aus⸗ machte: ich war das Band, welches ihn wieder mit dem Leben vereinte; und ſpäterhin ſchenkte mir der Himmel eine noch ungewiſſere Freude, als er Dich, mein Kind, mir ſchenkte. „Ach, Mutter!“ ſagte Georg mit einem bittern Seuf⸗ zer,„wenn Du wüßteſt, wie es mich ſchmerzt, daß ich Dir, ſtatt der Freude oft Kummer gemacht habe!“ Doch nie mit Vorſatz— dazu liebteſt Du mich zu ſehr; und was Du als Knabe aus kindiſchem Uebermuth und aus Verwegenheit gefehlt haſt, das ſollſt Du als Jüngling und als Mann bezahlen dadurch, daß Du ein ſtrengeres Band auf Deinen Willen und Deine Gefühle legſt. Du biſt frei aufgewachſen, doch der gereifte Ver⸗ 140 brauſende Blut zu zügeln.“ „Ja,“ ſiel Georg heftig ein und legte den Kopf an die Bruſt der Mutter,„das Andenken an Dich ſoll mich zurückhalten, und ſtände ich auch auf dem Wege, ein wirkliches Verbrechen zu begehen. Oft iſt es mir, als käme ein wilder Sinn über mich— doch laß ihn kommen— ich habe Dir gelobt, ihn zu zügeln! Und das will ich; denn wenn Gott Dich hinwegnimmt, ſo glaube ich, daß Du mich unſichtbar umſchwebſt und Alles ſiehſt und vernimmſt, was ich thue, ja vielleicht Alles, was ich denke; oder was glaubſt Du, Mutter?“— „Wenn wir hoffen könnten, wenn wir es wagen dürf⸗ ten, anzunehmen, daß uns dieſes ſchöne Vermögen ertheilt wäre, da... Doch, mein Georg, Du darfſt Dich ſolchen geefährlichen Betrachtungen nicht hingeben; ſie nützen zu nichts, ſondern verwirren die Seele und verſetzen die Phan⸗ taſie in eine zu große Thätigkeit. Denke Dir lieber, daß es Dir durch den ſchwachen Rath und die Belehrungen, die ich Dir während meines Lebens ertheilt habe, durch die Kraft Deines eigenen feſten Willens und vor allen andern Dingen durch ein feſtes Vertrauen auf Gott mög⸗ lich werden wird, auf dem Wege der Gerechtigkeit zu wandeln, und daß Du Dich nie gedankenlos oder aus Schwäche den Verwirrungen und Lockungen oder Leiden⸗ ſchaften hingibſt!“ Nach ſolchen Geſprächen, wie dieſes, wurde Nicoline immer ſo matt, daß Georg, den dieſes allzuſehr ſchmerzte, es nicht wagte, dieſelben zu erneuern. Jetzt trauerte und weinte auch er im Stillen, und obgleich bis jetzt zwiſchen ihm und dem Vater kein innige⸗ res, vertraulicheres Verhältniß Statt gefunden hatte, ſo wurde Georg nun zu ihm gezogen, wenn er in ſtummer Verzweiflung, ſtark in ſeiner Qual, jeden Ausbruch in ſich verſchließen und nur durch den Blick den Schmerz verrathen ſah, der ihn nie verließ. ſtand und das Andenken an mich werden Dir helfen, das Als aus einer anſah, als wie Du? ein Lichtſch die Hand Felſenblock Lippen, un ſo ergriff i eine Frage dieſe Ant Wahrheit auch vor dem Gewie Der dem Ergu ſelbſt liegt. und Leiden ſetzt, zieht wohin kein bloßen Vor welche bish länger ein Georg begreifen, dieſe Augen des Vaters ohne Fruch Georgs V ſtillem Vo Meinung, handeln. Als d ſegler ſich gen, ſo w ſo theilnal elfen, das Kopf an ſoll mich wirkliches käme ein en— ich ich; denn daß Du ernimmſt, oder was gen dürf⸗ en ertheilt ch ſolchen nützen zu die Phan⸗ jeber, daß ehrungen, e, durch wor allen hott mög⸗ igkeit zu oder aus er Leiden⸗ Nicoline ſtummer sbruch in Schmerz 141 Als Letsler merkte, daß Georg aus eigenem Antriebe, aus einer inneren Sehnſucht ſich ihm näherte und ihn oft anſah, als wollte er ſagen:„leide nicht ich eben ſo ſehr wie Du?— laß unſere Herzen ſich öffnen!“— da flog ein Lichtſchimmer über ſein Antlitz: er konnte dem Sohne die Hand entgegenſtrecken und ihm neben ſich auf dem Felſenblocke Raum machen. Oeffnete jedoch Georg die Lippen, um den Anfang zu machen mit dieſem Vertrauen, ſo ergriff ihn mit Macht die Furcht, er moͤchte einen Laut, eine Frage vernehmen, die eine Antwort heiſchte; denn dieſe Antwort würde ja nothwendig und unbedingt die Wahrheit entſchleiern, welche, ſo vollkommen klar dieſelbe auch vor ſeiner Seele lag, dennoch bis jetzt nicht von dem Gewichte der Worte bekräftigt worden war. Der Schmerz in der jungen Bruſt ſehnt ſich nach dem Erguſſe, nach dem Glücke, das in der Mittheilung ſelbſt liegt. Der Schmerz dagegen, welcher den Kämpfen und Leiden eines langen Lebens die Dornenkrone auf⸗ ſetzt, zieht ſich am liebſten zurück in den engen Raum, wohin kein fremder Blick dringt, und ſchaudert bei der bloßen Vorſtellung vor einem Augenblicke, da die Qualen, welche bisher eigene waren, zu Andern übergehen und nicht länger ein Geheimniß ſein werden. Georg war nicht im Stande, ein ſolches Gefühl zu begreifen, und zog ſich daher jetzt ſeiner Seits zurück, und dieſe Augenblicke, welche ſo geeignet waren, die Herzen des Vaters und des Sohnes zuſammen zu führen, gingen ohne Frucht vorüber. Nicoline, die mit herzlicher Freude Georgs Verſuche beobachtet hatte, blickte bisweilen mit ſtillem Vorwurfe auf ihren Gatten. Er verſtand ihre Meinung, vermochte es jedoch nicht über ſich, anders zu handeln. Als die See wieder frei war von Eis und der Frei⸗ ſegler ſich von Neuem rüſtete, die ſalzige Woge zu pflü⸗ gen, ſo wunderte ſich Carolus, daß Georg ſo gleichgültig, ſo theilnahmlos war; aber er wunderte ſich noch mehr, 142 als Georg beſtimmt erklärte, er hätte beſchloſſen, nicht dieſen Fruͤhling, ja vielleicht nicht dieſen ganzen Sommer die Johannis⸗Klippe zu verlaſſen. „Was in Gottes Namen willſt Du denn die ganze Zeit anfangen?“ fragte Carolus, welcher mit Sehnſucht dieſe Zeit erwartet hatte, hegt hatte, daß in derſelben den Beſchäftigungen, die er ſo Zerſtreuung finden würde. „Ich will... Gott weiß, was!“ antwortete Georg mit einem unterdrückten Seufzer.„Das aber weiß ich, daß ich während dieſes Frühlinges meiner Mutter keinen Kummer machen will: ſie ſoll nicht mehr vor Unruhe weinen und mit Sehnſucht hinausſehen nach mir, an den ſie ſo oft denkt— ich bleibe zu Hauſe, Carolus!“ Und wie belohnend war nicht der Ausdruck, den Georg in dem Antlitze ſeiner lieben Mutter las, als er ihr ſagte, daß der Freiſegler diesmal ohne ihn reiſen müßte. „Wenn Du nur nicht zu große Sehnſucht nach der See bekommſt, die Du ſo ſehr liebſt, mein Kind!“ „Nichts auf Erden liebe ich ſo wie Dich, Mutter, und nichts in der Welt könnte mir jetzt eine Freude mehr ſchenken, wenn ich im Stande wäre, Dich jetzt zu ver⸗ laſſen, da Du ſo ſchwach biſt.“ Und der Freiſegler fuhr ohne Georg. Jetztt grünte die Paſſionsblume wieder und ſchlang ihre friſchen Stengel durch die Laubgewölbe des Epheus, und von dem einen Zweige zu dem andern hüpfte Nico⸗ linens kleiner Vogel und ſang die ſchönſten Lieder, wäh⸗ rend ſie ſelbſt mit dem bleichen, feinen, von dem ſchoͤnen Goldhaare umſchwebten Antlitze vor dem Fenſter ſaß, eine lebenvige Erklärung der weilen an dem Ende des und reinem Gemüthe der Georgs ſtille Traurigkeit bei ſehr liebte, eine heilſame von welcher er die Hoffnung ge⸗ ſchoͤnen Vorſtellung, daß bis⸗ Lebens in Menſchen von edlem Engel ſich in den irdiſchen For men offenbe glänzenden Hier l und der ha dennoch fül mit kleinen in ſpielende ſucht erhob empor, u ihre hellgrü Meerſchwall die ſtündlich Meer zu ne In ruh Mutter hinit er zu ihrem von den W. Granitblock und Semſen den Eingang tuch, welche dankbare Me Wie ſe Auge wäſſer auch einen ihres Sohne einem Stuh einem Tiſche die er von d in zierlicher Buch, bal wurde ſie vo Eines beſſere Ueber Als N blickte ihr ſſen, nicht n Sommer die ganze Sehnſucht pffnung ge⸗ urigkeit bei ne heilſame rtete Georg weiß ich, itter keinen vor Unruhe nir, an den 1s!“ druck, den aas, als er ihn reiſen t nach der lind!“ „ Mutter, freude mehr jetzt zu ver⸗ und ſchlang es Epheus, üpfte Nico⸗ der, wäh⸗ em ſchoͤnen ler ſaß, eine 7 —,— daß bis⸗ von edlem diſchen For 14³3 men offenbart, durch das Fenſter der Seele blickt und ſeine glänzenden Schwingen über das ganze Weſen breitet. Hier kündigte nicht der herrliche Duft der Laubhoͤlzer und der halb entkeimten Blumen den Frühling an, und dennoch fühlte und hörte man ihn in Allem. Dunkelblau mit kleinen ſilberſchimmernden Gipfeln tanzten die Wogen in ſpielender Wildheit um die Johannis⸗Klippe; mit Sehn⸗ ſucht erhob die arme Diſtel ihre dünne Krone zur Sonne empor, um von ihren Strahlen einen Purpurſaum für ihre hellgrünen Blätter zu leihen, während die weißen Meerſchwalben ſich froh durch die Lüfte ſchwangen, und die ſtündlich vorbei eilenden Böte verkündigten, daß das Meer zu neuer Thätigkeit erwacht war. In ruhigen Abendſtunden ruderte Georg ſeine geliebte Mutter hinüber nach einem kleinen Holme, auf welchem er zu ihrem Vergnügen eine Grotte errichtet hatte; zwei von den Wänden derſelben hatte die Natur aus einem Granitblock gebildet, die dritte aber hatte er aus Steinen und Semſen zuſammengefügt, und vor der vierten, die den Eingang bildete, flatterte ein Vorhang von Flaggen⸗ tuch, welchen Georg immer mitnahm, wenn er die innigſt dankbare Mutter zu dieſer kleinen Freiſtätte führte. Wie ſelig war nicht das Gefühl, welches Nicolinens Auge wäſſerte, wenn ſie bei jedem neuen Beſuche hier auch einen neuen Beweis von der nie ruhenden Zärtlichkeit ihres Sohnes vorfand; bald war er Tages zuvor mit einem Stuhl und einem Schemel dort geweſen, bald mit einem Tiſche, auf welchem alle die ſeltenen Erfriſchungen, die er von dem Patron Holmér auf Strand erhalten hatte, in zierlicher Ordnung aufgeſtellt waren, bald hatte er ein Buch, bald einen Blumentopf angeſchafft— immer wurde ſie von etwas begrüßt, das ſie nicht geahnt hatte. Eines Tages hatte jedoch Georg eine andere noch beſſere Ueberraſchung in Bereitſchaft. Als Nicoline an ſeiner Hand in die Grotte trat, blicte ihr in derſelben das allerſchönſte kindliche Geſicht 144 entgegen, und ein hübſches, frohes Weſen— die kleine Fanny— ſtand am Eingange und verneigte ſich, indem ſie mit der Hand die Schürze feſthielt, worin ſie ihre Gaben mitgebracht hatte. „Ach, das iſt gewiß Fanny!“ rief Nicoline, freudig überraſcht und entzückt von der reinen Schöͤnheit des klei⸗ nen Mädchens aus, in welcher ſich der ganze Ausdruck einer kindlichen Friſche mit einer edlen und ſanften Feſtig⸗ keit miſchte. „Ja, ſchöne gute Frau, ich bin Fanny!“ Das freund⸗ liche Mädchen verneigte ſich noch einmal, und hierauf kramte ſie aus ihrer Schürze alles Prächtige, das ſie mit⸗ gebracht hatte, und legte es vor Nicolinen auf den Tiſch; darunter waren zwei duftende, an der Wurzel abgeſchnit⸗ tene Hyacinthen gewiß nicht das Unbedeutendſte. Nicoline küßte mit Zärtlichkeit Fanny's Stirn und betrachtete liebevoll ihre herzensgute und lebhafte Geſchäf⸗ tigkeit.„Wie biſt Du ſo allein hieher gekommen, mein Kleine? fragte ſie. „O, ich hätte wohl allein rudern koͤnnen— doch wohl nicht ſo weit!“ meinte Fanny mit einer kleinen ſtolzen Miene.„Aber heute half mir die Lootſen⸗Pernilla, und jetzt iſt ſie nach Grafwerna hinüber gefahren, um für Mutter etwas auszurichten.“ „Und heute früh,“ ſiel Georg, aus deſſen Augen die Freude ſtrahlte, ein,„war ich hinüber nach Strand, und bat Fanny und ihre Mutter, daß Fanny hierher kommen möchte.“ „Und wenn es ſich thun ließe,“ fuhr Fanny mit einiga Schüchternheit ein, die ihr unendlich ſchön ſtand, iſo könnte ich gewiß auch nach der Johannis⸗Klippe rudern— ich habe mehre Blumen zu Haufe. Sie warf hiebei einen haſtigen Blick auf Nicolinen. „Danke, Du ſüßes, gutes Kind!— auf der Johanniten Klippe aber iſt es doch allzu einſam!“ antwortete Nieohine welche höchſt ungerne die Bitte abſchlug, die ſo ſprechen 4 in Fanny's? Klippe war einer fremde nur ein Kin „Einſt kommen, d Georg.„2 wünſchen, d Fanny linens Auge Bilder aus ſich durch in und ſchönen leicht dereinſ Art, haben gewandert w Doch di lichſte und ſe erlebt hatte. ſehen, friſche Bald al hoͤren. Gebunde erwartete N Abend. Noch h Gatten zu ſp zu ihm zu er verzehrenden( thaten ihrem lichkeit wohl welche er ſich Nächten ihr warm auch d doch beide der Dennoch Der Einſi 145 in Fanny's Auge geſchrieben ſtand. Doch auf der Johannis⸗ Klippe war ja Jemand, der nicht den entfernteſten Anblick einer fremden Perſon ertragen konnte, und wäre dieſe auch nur ein Kind. „Einſt ſollſt Du dennoch nach der Johannis⸗Klippe ine, freudig kommen, darauf kannſt Du Dich verlaſſen!“ tröſtete eit des klei⸗ Georg.„Vater braucht Dich nur zu ſehen, und er wird de Ausdruck wünſchen, daß Du immer bei ihm ſein moͤchteſt.“ nften Feſtig⸗ Fanny lächelte und nickte ihm zu. Aber in Nico⸗ r linens Auge ſchwamm eine Thräne: viele wehmuthevolle Das freund- Bilder aus ihrer eigenen entſchwundenen Kindheit drängten und hierauf ſich durch in ihrem Gedächtniſſe, da ſie dieſe beiden jungen das ſie mi⸗ und ſchönen Weſen betrachtete, für welche das Leben viel⸗ ⸗ f den Tiſch; leicht dereinſt eben ſo viele Dornen, wenn auch anderer I abgeſchni⸗ Art, haben koͤnnte, als diejenigen, über welche ſie ſelbſt ſte. Ir gewandert war. Suinn und Doch dieſer Abend auf Georg's Holm war der glück⸗ afte Geſchäf lichſte und ſchoͤnſte von allen, die Nicoline ſeit langer Zeit men, mein erlebt hatte. Sie hatte noch einmal frohe Geſichter ge⸗ ſehen, friſche Kinderſtimmen gehört.... leinen ſtolzn 1 Bald aber mußten auch dieſe kleinen Ausfahrten auf⸗ ren. ernilla, und Gebunden an den Sopha in ihrer ſtillen Kammer een, um fütt erwartete Nicoline mit ſtiller Ergebung den letzten . Abend. tn Augen die Noch hatte ſie nicht die Kraft gehabt, mit ihrem Strand, um Gatten zu ſprechen. Sobald ſie es verſuchte, ihren Blick rher kommen zu ihm zu erheben, ſo ſuhr ſie zurück vor der düſtern, verzehrenden Gluth, die aus ſeinem Auge flammte. Zwar y mit einige thaten ihrem Herzen die unzähligen Beweiſe ſeiner Zärt⸗ lichkeit wohl, ſo wie auch die Entbehrung der Ruhe, welche er ſich auferlegte, um in den langen, ermüdenden Nächten ihr Geſellſchaft zu leiſten; doch wie heilig, wie . warm auch das Verhältniß zwiſchen ihnen war, ſo ſuchten der Johannte doch beide den entſcheidenden Augenhlick zu vermeiden. tete Niroh Dennoch kam derſelbe. ſo ſprechen Der Einſiedler ꝛc. 1. 10 die kleine ſich, indem rin ſie ihre Es war eine ſtille Julinacht. Durch das ein wenig geöffnete Fenſter ſtrömte die Seeluft herein, ein bleicher Mondſtrahl, der ſich durch das dichte Laubgewölbe einen Weg gebrochen hatte, ſiel auf Nicolinens lilienweißes Ge⸗ ſicht, das ſich zur Hälfte an Letslers Bruſt lehnte. Sie hatte eine halbliegende Stellung auf dem Sopha einge⸗ nommen; er ſaß auf der Kante daneben, hatte den einen Arm um ihren Leib geſchlungen und umſchloß ſie mit ſeinen Händen. Es war ſo ſtill draußen und im Zimmer; nur bis⸗ weilen vernahm man einen leiſen plätſchernden Laut von dem Waſſer her, das ſich über die Steine ergoß. Lang und nachläſſig ſiel Letslers ergrauendes Haar auf ſeine eingefallenen Wangen herab: auf der Stirn lag eine düſtere Wolke, und mit einem namenloſen Ausdrucke der Zärtlichkeit ruhte ſein Blick auf ihr, die in ſeinen Armen in halbem Schlummer lag. Plötzlich fuhr ein Schauder durch Nicolinens Glieder: ſie wurde durch etwas geweckt, ein heißer Tropfen brannte auf ihrem Halſe— es war eine Thräne aus Letsler's Auge. Sechzehn Jahre lang war ſie mit dieſem Manne ver⸗ eint geweſen, aber noch nie hatte ſie ihn weinen geſehen. Sie erhob ſich, ſie betrachtete ihn, ſie verſtummte bei dem⸗ jenigen, was ſie ſah: es war nicht die unheimliche, kalte Verzweiflung, deren ſie gewohnt geworden war, ſondern eine ſtille unerhörte Todesqual arbeitete in ihm durch Lelb und Seele. „Bernhard, mein theurer, geliebter Bernhard— rede mit mir!“ bat ſie mit herzlichem, inſtändigem Tone.„9 1 Geliebter! rede, rede!“ „Nicoline!“ Er drückte ſie ſeſter an ſeine Bruſt, a ſchluchzte und eine Thränenfluth badete ihren Hals und ihre Stirne. 2 Jetzt konnte ſie ihm antworten: auch ſie hatte Thränen Nach einigen Minuten ſagte er leiſe mit krampfhafe ten Unterb ſo in ſich ſ wenn das T det, verſchw Nicolin wagte jedoch „Weiß Tone, den 1 „Ja l „Und „Bereit „Aber ſage Nein! weilen bei d Deinem Blic Lippen lag?“ „Wean wäre ich ni aber dennoch hat. Ich h wie wenige im Leben geſ „Und d ſein an ein 2 ſel verblieb, den über De wagt, welche genblicke me meine zärtlich chen war doc ſchuldbeladene „O me obgleich ich Deinen lange leicht iſt mi kindiſcher Ne ein wenig in bleicher bölbe einen weißes Ge⸗ hnte. Sie pha einge⸗ 5 den einen ß ſie mit 2 nur bis⸗ Laut von oß. ndes Haar Stirn lag Ausdrucke ein ſeinen us Glieder: pfen brannte us Letslers Manne ver⸗ nen geſehen. nte bei dem⸗ nliche, kalte ar, ſondern n durch Lelb hard— rede Tone.„9 ne Bruſt, er in Hals und atte Thräntn it krampfhafe ten Unterbrechungen:„Koͤnnen Worte erklären, was eine ſo in ſich ſelbſt zerriſſene Seele wie die meinige, leidet, wenn das Weſen, welches ihr ganzes Leben war, verſchwin⸗ det, verſchwindet, um nie zurückzukehren?“ Nicoline drückte dem geliebten Gatten die Hand, wagte jedoch nicht den Verſuch, von Troſt zu reden. „Weißſt Du, daß Du ſtirbſt?“ fragte er mit einem Tone, den man unmsglich zu beſchreiben verſuchen würde. „Ja!“ flüſterte ſie. „Und Du biſt?“ „Bereit, mein Geliebter— Gottes Willen ergeben.“ „Aber Du gehſt nicht gerne dahin— ſage Nein, ſage Nein! Wenn Du dürfteſt, ſo wollteſt Du noch ver⸗ weilen bei dem armen Einſiedler, deſſen einzige Sonne in Deinem Blicke aufging, deſſen einzige Freude auf Deinen Lippen lag?“ „Wean es Gottes Wille geweſen wäre, o wie gerne wäre ich nicht treulich bei Dir geblieben! Wir müſſen aber dennoch geduldig ſein, da er es anders beſchloſſen hat. Ich habe viel, viel geliebt, ich bin geliebt geweſen, wie wenige es ſind: ich habe das Höchſte, das Schönſte im Leben geſchmeckt!“ „Und das Bitterſte, Du armes Weib: gebunden zu ſein an ein Weſen, das Dir ſtets ein unaufgeloͤstes Räth⸗ ſel verblieb, das nicht einmal jetzt, da der Tod ſeinen Frie⸗ den über Deine Seele breitet, die Qualen zu entſchleiern wagt, welche ſein Herz verzehrt haben und in dieſem Au⸗ genblicke mehr denn je auf demſelben brennen! O Nicoline, meine zärtliche, angebetete Gattin! mein größtes Verbre⸗ chen war doch, daß ich Dein unſchuldsvolles Herz an mein ſchuldbeladenes zog.“ „O mein Bernhard, nicht dieſe Rede! Vielleicht— obgleich ich ſchon längſt die Hoffnung aufgegeben habe, einen langen, bittern Schmerz theilen zu durfen— viel⸗ leicht iſt mir jetzt, da Du weißt, daß ich Dich nicht aus kindiſcher Neugierde frage, das Elück beſchert, Dich nach Ich frage Dich noch einmal mit dem ganzen warmen Ernſte derjenigen, die bald nicht mehr im Stande iſt, zu fragen; wäre es nicht gut und beruhigend für Dich, Dei⸗ nen Kummer bei mir niederlegen zu kͤnnen? Würde es Dir nicht gut ſein, wenn ich nicht mehr bin, denken zu können, daß Du und ich in Allem Eins geweſen ſind? Alles kann ich jetzt hören; denn ich bin ſtark, ſtark in dem Willen Dich zu überzeugen, daß Gottes Gnade unerd⸗ lich iſt!“ „Selbſt dieſen Troſt, Du Himmliſche, mit Deiner Liebe meiner Seele Ruhe einzuhauchen, muß ich mir ver⸗ ſagen! Mein Herz ſehnt ſich, Dir alle ſeine Wunden oͤff nen zu können; doch meine Liebe hält mich zurück; ſie hat Mitleiden mit Dir. Glaube mir, meine Geliebte, was ich in dieſem Augenblicke verſichere, ich wäre der treuen Zärtlichkeit, die Du an mich verſchwendet haſt, ganz un⸗ würdig, wenn ich Dir dieſe Bürde auferlegte! Nein, mag es bleiben, wie es geweſen iſt: in allem Schönen, Reinen und Guten ſind unſere Gefühle und Gedanken ſtets einan⸗ der entgegen gekommen— möge ſich nun auch nichts an⸗ deres zwiſchen dieſelben legen!“ X„ ſo behalte denn dieſes Geheimniß, mein Bern⸗ hard! Laß mich aber noch eine Frage thun: ſoll dieſe Pein Deines Lebens mit Dir ſterben, ſoll nicht Georg ſie erfahren? Glaube Du auch mir, was ich ſage: Er ſſ ſtark und voller Kraft— er vermag es, Dir dieſe Bürde tragen zu helfen, die mir zu ſchwer war! Er wird der zärtlichſte Sohn und Freund, wenn ich meinen Platz nicht mehr erfüllen kann.“ „Ja, Georg ſoll dereinſt Alles erfahren, das geloe ich Dir heilig! Und blicke nun nicht mehr mit Unrite auf Vater und Sohn— ſie werden ſich ganz verſtehen wenn eine Sorge Beide drückt.“ „Und er wird Dein Troſt?“ „Keiner ſoll, keiner kann mich tröſten: meine Traut meinen geringen Kräften tröſten und beruhigen zu koͤnnen? rigkeit iſt; die Welt: für mich h meinen Eri empfinde, ſ entſchwinde ches ich Le „Wer werden wir „Nich tem nicht vollkommer dieſer Klip rechte Kan hat, da wi um meine Nicol des geliebt ſtürmiſche aber ihre Leiden, das werden ko Und d auf dieſer die Unglü ſich zu ei ten blickte der Fenſter einſt bei ſ zuſammen Von ſeligen V Klippe leb Geor er brauch zu koͤnnen? zen warmen tande iſt, zu Dich, Dei⸗ 2 Würde es u, denken zu eweſen ſind? ſtark in dem nade unend⸗ mit Deiner ich mir ver⸗ Wunden öͤſ⸗ nrück; ſie hat zeliebte, was re der treuen iſt, ganz un⸗ 1 Nein, mag zönen, Reinen n ſtets einan⸗ uch nichts an⸗ , mein Ber⸗⸗ un: ſoll dieſt icht Georg ſie ſage: Er ſſt ir dieſe Bürde Er wird der nen Platz nicht n, das gelohe )r mit Unrhe ganz verſtehen, : meine Trau 149 rigkeit iſt zu groß für den Troſt. Georg muß hinaus in die Welt: für ihn iſt die Johannis⸗Klippe zu eng, doch für mich hat ſie Raum genug! Ich will allein leben mit meinen Erinnerungen; und wenn ich jemals etwas Frieden empfinde, ſo geſchieht es bei der Ueberrechnung, daß jeder entſchwindende Tag das lange Fegefeuer vermindert, wel⸗ ches ich Leben nennen muß!“ „Wer weiß wie lange, theurer Bernhard— vielleicht werden wir bald wieder vereint!“ „Nicht bald, meine Nicoline: ich bin noch bei wei⸗ tem nicht bereit! Erſt nachdem ich vollkommen allein, vollkommen verlaſſen bin, wenn kein lebendiges Weſen auf dieſer Klippe meine Klagen vernimmt, erſt da beginnt der rechte Kampf.... Wenn der aber ein Ende erreicht hat, da will ich Dich vom Himmel her anrufen, daß Du um meine Erlöſung bitteſt.“ Nicolinens Haupt ſank wieder herab auf die Bruſt des geliebten Mannes. Ihre Seufzer beantworteten die ſtürmiſchen Schläge ſeines Herzens. Beide ſchwiegen, aber ihre Blicke, die in einander verſanken, verriethen ein Leiden, das tiefer war, als daß es von Lippen ausgedrückt werden konnte. Und der Mond— der Mond, der ſo manches Leiden auf dieſer Welt geſehen hatte— blickte ſanft herab auf die Unglücklichen und erlaubte es ſeinen ſchönen Strahlen, ſich zu einem Kranze zu verflechten, der glänzend die Schlafe der unglücklichen Gatten umfloß. Und die Gat⸗ ten blickten auf zu dem Monde, der jetzt durch die Mitte der Fenſterſcheibe ſchien, und ſie beteten, daß er ihnen der⸗ einſt bei ſich einen kleinen Raum geben moͤchte, wo ſie zuſammen ſein dürften........... Von dieſer Nacht an durchwehte ein ſchöner Geiſt ſeligen Vertrauens die Drei, welche auf der einſamen Klippe lebten. Georg wußte nicht, wie dieſes zugegangen war; doch er brauchte den Vater nun nicht mehr zu fliehen: der ſtiller Vorbereitung. Und wenn auch Letsler je zuweilen in den düſteren Höhlen verſchwand, um ſich den Blicken Aller zu entziehen, ſo konnte er dennoch bald genug die ſtarken Ausbrüche beherrſchen und ruhiger zu der Gelieb⸗ ten zurückkehren............ Engelrein, ſanft und anſpruchslos, nur zu weich für dieſe Welt, hatte Nicoline üͤber der Erde geſchwebt, und aller Schmerz derſelben hatte zwar ein ſchweres Band auf ihr Leben gelegt, aber doch nur leicht ihre Schoͤnheit be⸗ „rührt. Wie und wann ſie dahin ging, brauchen wir nicht zu ſchildern. Still erhob der Engel ſeine Fittige und breitete ſie ſchützend aus über die geliebten Beiden, die in hoffnungsloſer Traurigkeit auf der oͤden Klippe im Meere zurückblieben. Wochen und Monde lagen nunmehr zwiſchen dem erſten kühlen Herbſttage und dem lächelnden Sommermor⸗ gen, an welchem Nicolinens Geiſt ſich zu ſeiner Heimath empor geſchwungen hatte. Längſt waren die Blätter der Paſſionsblume ergilbt auf die halbverwelkten Zweige des Epheus herabgefallen. Doch Vater und Sohn hatten die Tage nicht gezählt, ſie gaben auch nicht Acht darauf, daß der Herbſt kam und ſich düſter und kalt über Meer und Land lagerte: ſie ſaßen da und blickten ſtumm bald ſich an und bald hinauf zu dem Blau des Himmels, wo ſie wohnte. Selten ging ein Wort über ihre Lippen, doch in jeder Geberde lag eine beredte Mittheilung. Wenn ihre Blicke ſich auf der Rückkehr von ihrer Heimath begegut⸗ ten, ſo nickten ſie beide— und dieſes Geſpräch war ihnen genug, war Alles, was ſie bedurften. Ein langer und ſtrenger Winter bettete in dieſem Vater floh ihn nicht; alle drei waren ſtets zuſammen in Jahre ſeir nis⸗Klippe des Felſen Doch haufen ſaß und um d Um geliebten( Letsler die derſchrieb, den, die i Beſchäftigt Verluſtes Nahrung wohl als 3 Georg doch nicht, zulegen, u den, da o ahnte, daß das ſchwer ſeines Vate In d erſten Nac heilig, wi haben, er fiungen des Georg ihm faſt ſo die Zeit ba Johannis⸗K dieſer qual leidigt zu und ſeines dieſer Letzt ſeinem We zuſammen in je zuweilen den Blicken d genug die der Gelieh⸗ zu weich für ſchwebt, und es Band auf Schönheit be⸗ en wir nicht Fittige und Beiden, die Klippe im wiſchen dem Sommermor⸗ ner Heimath Blätter der Zweige des )n hatten die darauf, daß er Meer und nm bald ſich els, wo ſie den, doch in Wenn ihre nath begegne⸗ ch war ihnen te in dieſem 151 Jahre ſeine hohen Schneemaſſen über und um die Johan⸗ nis⸗Klippe; man ſah kaum das kleine Haus in der Spalte des Felſens. Doch in demſelben vor dem zuſammenfinkenden Aſchen⸗ haufen ſaßen zwei Geſtalten, die ſich wenig um die Kälte und um die Schneemaſſen kümmerten. Um die endloſen Stunden zu todten, und um ein der geliebten Gattin gegebenes Verſprechen zu erfüllen, nahm Letsler die Feder zur Hand; aber jede Zeile, die er nie⸗ derſchrieb, entbloͤßte auf eine gefährliche Weiſe alle Wun⸗ den, die in ſeiner Seele bluteten. Und wenn auch dieſe Beſchäftigung den letzten Schmerz der Trauer und des Verluſtes vertheilte, ſo gab ſie doch dem alten um ſo mehr Nahrung und wurde zu einer Tortur, deren er ſich gleich⸗ wohl als einer Art von Buße unterzog. Georg, der ſo herzlich mit dem Vater litt, wagte es doch nicht, ihm eine Frage über dieſen Gegenſtand vor⸗ zulegen, und erlaubte ſich kaum, ihn während der Stun⸗ den, da er am Schreibetiſche ſaß, anzuſehen. Aber er ahnte, daß dieſe Blätter dereinſt ihm anheimfallen und das ſchwere Kreuz erklären würden, welches das Leben ſeines Vaters drückte. In dieſem Winter bereitete ſich Georg auf ſeinen erſten Nachtmahlsgang vor, und mit Gefühlen ſo tief und heilig, wie ſie je in eines Jünglinges Bruſt gebrannt haben, erwartete er den Augenblick, der ihn zu den Prü⸗ fungen des Lebens einweihen ſollte. Georg konnte es ſich ſelbſt nicht verbergen, daß es ihm faſt ſo vorkam, als wünſchte der Vater heimlich, daß die Zeit bald kommen möchte, da er ganz allein auf der Johannis⸗Klippe leben könnte; doch weit entfernt, ſich von dieſer qualvollen Sehnſucht eines zerriſſenen Herzens be⸗ leidigt zu fühlen, ſuchte er auf jede erdenkliche Weiſe ſein und ſeines Vaters gemeinſames Leben ſo zu ſtellen, daß dieſer Letztere nicht empfinden moͤchte, daß ein Band in ſeinem Wege lag. Dritter Zeitraum. Der Schirtsjunge und der Commandeur⸗-Capitain. Frei wie der unendliche Raum war mein Lauf Auf dem Meere! Geijer. Wie lang, wie endlos ſind nicht jedes Pulsſchlags Schmerzen. Tegnésr. Klar und ſchön des Vaterlandes Bilder brennen. Böttiger. Wer Jahres 18 den hätte der ſchönſt erfreuen l vollen Se Der blickes wi Geſchrei Manoeuvre Ein k Schiff ma ein Ton, durch eine maſſen ver gen in di noch ferner letzt ſtürzt hinab. Bo in dem Ta oberen The ein ſchönes doch dieſe Elftes Kapitel. Wer an einem Nachmittage im Monate Auguſt des Jahres 18.. an dem Strande von Fredrikswärn*) geſtan⸗ den hätte, der würde das Vergnügen gehabt haben, eines der ſchonſten Schauſpiele zu ſchauen, deſſen das Auge ſich erfreuen kann, nämlich wie ein großes Kriegsſchiff mit vollen Segeln einläuft und Anker wirft. Der Flug der Phantaſie, der Genuß des Augen⸗ blickes wird nicht gehemmt von dieſem Lärme, dieſem Geſchrei und dieſem Geſpringe, das meiſtens ähnliche Manoeuvres auf Kaufefartheiſchiffen begleitet. Ein kurzer Laut aus der Pfeife, und das majeſtätiſche Schiff macht eine lange, kreisförmige Schwenkung; noch ein Ton, und die ungeheure Segelmaſſe verändert ſich wie durch einen Zauberſchlag; wieder ein Ton, und die Segel⸗ maſſen verſchwinden: ein Theil fällt hinunter, andere ſtei⸗ gen in die Höhe. In kurzen Zwiſchenräumen hört man noch ferner dieſe angenehmen kurzen Pfeifentöne, und zu⸗ letzt ſtürzt ſich das ungeheure Anker auf den Meeresboden hinab. Bald beginnen hurtige, lebhafte Figuren überall in dem Tauwerke ſich zu bewegen, und bald iſt von dem oberen Theile des Fahrzeuges nur ein Skelett übrig, doch ein ſchönes und ſymmetriſches Skelett. Vielleicht kann aber doch dieſe herrlichſte Schönheit in ihrer Tiefe von keinem *) Eine Feſtung in der Grafſchaft Laurwig in Norwegen, an einer Meeresbucht ſüdlich dicht bei der Stadt Laur⸗ wig mit einer Schiffswerfte für Galeeren. Die Feſtung dient zum Schutze der genannten Stadt. Aum. d. Ueberſ. 156 andern ſo tief empfunden werden, wie von dem alten in⸗ validen Matroſen, der nur in der Erinnerung und im Traume noch mit ſein kann. Als ein Gegenſtück des harmoniſchen und erhebenden Anblickes dieſes Kriegsſchiffes durchſchnitt ein lärmendes Dampfſchiff, unabhängig von Wind und Wetter, das Meer. Man meinte ein unförmliches Seeungeheuer zu vernehmen, das Feuer und Rauch aus ſeinen gewaltigen Nüſtern ſpie und mit einem ängſtlichen Gewimmer einem unſichtbaren, unten verfolgenden Feinde zu entkommen ſuchte. Ein Dampfſchiff neben einem ſegelnden Kriegs⸗⸗ fahrzeuge entſpricht vielleicht der Vergleichung, welche die Einbildung zwiſchen einem ägyptiſchen Goͤtzenbilde und einem Apollo di Belvedere machen kann. Ein wenig entfernt von der Fregatte, deren Ankunſt auf der Fredrikswärner Rhede wir betrachtet haben, lag ein kleiner norweg'ſcher, gut getackelter Schoner, der mit dem Kriegsſchiffe faſt zu gleicher Zeit eingelaufen war. Doch wir laſſen ihn und begeben uns ſogleich an den Bord des letztgenannten. Sowohl die Befehlshaber als auch die Beſatzung hatten ſich für dieſen Abend ein ganz anderes Ziel vorge⸗ ſpiegelt, nämlich Winga, den bekannten Ankerplatz vor dem Einlaufe nach Göteborg. Doch gegen Mittag hatte der Wind ſo abgenommen, daß dieſes nebſt der ſtarken Strömung, die ſie ſtets weſtwärts getrieben, den Chef ver⸗ mocht hatte, in Fredrikswärn anzulaufen. Vielleicht trug hiezu auch der Waſſermangel bei, ſo wie der Umſtand, daß die Beſatzung der Erholung bedurfte nach den letzten drei oder vier Tagen, während welcher das Fahrzeug in der Nordſee einen harten Sturm zu beſtehen gehabt hatte. Genug— die Böte wurden hinuntergelaſſen um zu bug⸗ ſiren; nachdem jedoch ein norweg'ſcher Lootſe an Bord gi⸗ kommen war, und man ſich dem Einlaufe auf eine Meile genähert hatte, ſo fand ſich ein ſchöͤner ſüdweſtlicher Wind ein, der das Bugſiren überflüſſig machte, und dem prächtigen nes ſtolzer Dort deſſen äuf Wolken a ſinkende S Die ihr einfoͤrt meldet, d Offtzierzin einem arn Die Vorderthei Arbeit, 4⁴ hatten ebe halblaute Heimath Arm gehe einander r der Alten dem und teuer erzä zukommen Hier mit neuge nun wolle mußte, n zu ſehen An d zwei Kade ſie mit i Schoner auf einer auf das l ſo unzähl . worden n n alten in⸗ ig und im erhebenden lärmendes Zetter, das ggeheuer zu gewaltigen nmer einem entkommen den Kriegs⸗ welche die enbilde und rren Ankunſt haben, lag er, der mit laufen war. n den Bord — e Beſatzung Ziel vorge⸗ kerplatz vor Kittag hatte der ſtarken en Chef ver⸗ ielleicht trug er Umſtand, h den letzten Fahrzeug in gehabt hatte. um zu bug⸗ an Bord ge⸗ f eine Melle ſtlicher Wind , und dem 157 prächtigen Schiffe geſtattete, in dem ganzen Glanze ſei⸗ nes ſtolzen luftigen Gewandes im Hafen einzulaufen. Dort lag es nun ſchlummernd auf dem Waſſerſpiegel, deſſen äußerſte Kante die gelben, rothen und violetten Wolken abſpiegelte, welche die ſchon unter den Horizont ſinkende Sonne umgaben. Die Uhr hatte eben zwei Glas geſchlagen, die Poſten ihr einförmiges„alles gut!“ gerufen, der Conſtapel ge⸗ meldet, daß das Feuer ausgelöſcht wäre, außer in dem Offizierzimmer und beim Doctor, der eben dabei war, einem armen Teufel einen Zahn auszuziehen. Die Leute, welche die Wache hatten, ſaßen im Vordertheile in voller Beſchäſtigung mit der angenehmen Arbeit, Hoſen und Hemden zu flicken. Die Jüngeren hatten eben ihre Liebeslieder beendigt, welche ſie gegen halblaute Mittheilungen von ihren Geliebten dort in der Heimath vertauſcht hatten, mit denen ſie bald Arm in Arm gehen zu koͤnnen hofften, während die Aelteren unter einander verhandelten, wie angenehm es ſein würde, bei der Alten und bei den Kindern in Ruhe zu kommen und dem und dem alten guten Freunde beim Grogg die Aben⸗ teuer erzählen zu können, welche dieſe Reiſe ihnen hatte zukommen laſſen. Hier und dort ſah man einige Stricke und Stangen mit neugewaſchener Wäſche behängt, welche, ſie mochte nun wollen oder nicht, am folgenden Morgen trocken ſein mußte, weil nach Sonnenaufgang dergleichen nicht mehr zu ſehen ſein durfte. An der Steuerbordſeite auf dem Gangborde ſtanden zwei Kadetten und flüſterten eifrig mit einander, wobei ſie mit ihren Blicken bald den erwähnten norwegiſchen Schoner überfuhren, bald dieſelben mit ſcheuer Ungeduld auf einer Gruppe junger Offiziere ruhen ließ, welche ſich auf das lebhafteſte in einen Gegenſtand vertieft hatten, der ſo unzählige Male verhandelt, aber dennoch nie erſchöpft worden war, nämlich wie traurig es wäre, daß das 158 Fahrzeug kaum in Ordnung gekommen und die. Mann⸗ ſchaft eingeübt wäre, ſo wäre man auch ſchon gezwungen, wieder abzutakeln, und im Zuſammenhange hiemit kam man denn auch noch auf das Capitel, wie ſchlecht die Soͤhne der Flotte daran wären, wenn man ſie mit denen der Armee vergliche, welche jährlich eine hinreichende Uebung haben, während jene dagegen auf nicht mehr rech⸗ nen können, als auf ein drei⸗ bis viermonatliches Exer⸗ citium in jedem fünften oder ſechsten Jahre. Der billige Aerger hatte das Blut der jungen Kämpen gewärmt und ihre Wangen geglüht, als ſie ſich endlich zu einer guten Nacht die Hände reichten. Und jetzt merkte man es dem lebhaften Geſichtsſpiele der Kadetten an, daß ſie nichts Beſſeres begehrt hatten. Doch konnte man aus ihren un⸗ ruhigen Blicken abnehmen, daß ſie etwas im Sinne hät⸗ ten, welches, wenn es vor dem Befehle entdeckt werden ſollte, ihnen das Vergnügen verſchaſſen könnte, ein Stünd⸗ chen oder zwei oben auf dem Maſtkorbe zu ſitzen. „So!“ ſagte der Eine in eilfertigem Tone,„jetzt iſt guter Rath theuer! die Zeit iſt da— ich muß einen ent⸗ ſcheidenden Schritt wagen. Neunzehn feingeſchriebene Bo⸗ gen an meine Bianca brennen mir auf die Seele, und ich werde wahnſinnig, wenn ich das kleine Paquet nicht auf den Schoner ſchaffen kann!“ „Es wäre hart, weil er beim Anrufen anzeigte, daß er nach Cadir deſtinirt iſt, wenn Du nicht einen Gruß an Deine Geliebte mitgeben koͤnnteſt! doch in Deiner Stelle gäbe ich mich zufrieden, denn die Sache hat ihre Schwierigkeiten. Dieſe feuerfangenden ſpaniſchen von Duennenaugen bewachten Heiligen koͤnnen für den Augen⸗ blick gut ſein; doch hier in unſerm guten Schweden meinetwegen moͤgen ſie ſich an einem andern Liebhaher rächen ſo gut ſie können und wollen!“ „Ja warum?— ja Du biſt mit Deinem ganzen Herzen in Smoland, während ich das meinige in Spanien ge⸗ laſſen habe. Schwatze daher keine Dummheiten, ſondern —— fordere De Ehre mach „ Gehe eine Schal „Vor Mutter au Schaluppe ſie zu treff Schaluppen wendet wer den eigentli lich bezweif wäre oder den müßte; brillanteſten „Ja, nicht, daß⸗ meinte der „So; aber weiter ſchafft, der Leben meine „O ja einen Wage „Brud — Du biſt ich muß g⸗ ſchon gefund teſt Du von Die Ke Kopfnicken. ile. Mann⸗ zwungen, emit kam hlecht die mit denen inreichende f nehr rech⸗ hes Exer⸗ Der billige värmt und einer guten an es dem ſie nichts ihren un⸗ Sinne hät⸗ ickt werden ein Stünd⸗ n. „ u jetzt iſt einen ent⸗ riebene Bo⸗ lle, und ich nicht auf zeigte, daß Linen Gruß in Deiner he hat ihre liſchen von ben Augen⸗ chweden— Liebhaber — nzen Herzen panien ge⸗ en, ſondern 159 fordere Deinen Gehirnkaſten auf zu einem Rathe, der Dir Ehre macht!“ 4 „Gehe den geraden Weg;: bitte den Chef, daß er Dir eine Schaluppe erlaubt!“ „Vortrefflich ausgedacht! Wäre auch meine eigene Mutter auf dem Schoner an Bord und ich bäte um eine Schaluppe und um Mannſchaft, um hin zu rudern und ſie zu treffen, ſo wuͤrde er allergnädigſt erklären, daß die Schaluppen der Krone nur zum Dienſt der Krone ange⸗ wendet werden dürfen. Wäre ich dagegen einfältig genug, den eigentlichen Zweck zu ſagen, ſo würde er wahrſchein⸗ lich bezweifeln, ob ich im Beſitz meines vollen Verſtandes wäre oder ob ich wohl nicht unter Bewachung geſetzt wer⸗ den müßte; in dem beſten Falle aber, wenn er bei ſeiner brillanteſten Laune wäre, würde er mir ſagen, ich ſollte mich zum T— ſcheren und würde mir den Rücken zu⸗ wenden..“ „Ja, ja, ſo ganz unmoͤglich wäre es wohl eben nicht, daß Deine Sache ein ſolches Ende nehmen könnte!“ meinte der Vertraute mit einem ärgerlichen Lächeln. „So; alſo das ſiehſt Du ein?— ſiehſt Du denn aber weiter nichts ein, nichts, das mir Gelegenheit ver⸗ ſchafft, den Verdacht zu verſcheuchen, der gewiß das Leben meiner theuren Bianca verdüſtert?“ „O ja, ich meine zum Beiſpiel, Du koͤnnteſt irgend einen Wagehals überreden, hinüber zu ſchwimmen!“ „Bruder! Du biſt bei meiner Ehre ein heller Kopf — Du biſt ein würdiger Stoff zu einem Admiral. Doch ich muß geſchwind operiren. Ich habe meinen Mann ſchon gefunden.... Geh Du hinunter und thue, als wüß⸗ teſt Du von nichts! Bald ſehen wir uns wieder.“ Die Kadetten trennten ſich mit einem geheimnißvollen Kopfnicken. 160 Seitwärts von der wachehabenden Beſatzung ſtand im Schatten des zu dem großen Maſte gehörenden Tau⸗ werkes ein großer und ſtark gebauter Jüngling, beſchäftigt die Aermeloͤffnungen einer Bootsmannsjacke zuſammen zu nähen. Da während des Segelns jeglicher Uniformzwang aufgehört hatte, war er mit einem rothen wollenen Hemde und einem Paar ehemals weißen Beinkleidern von gekaper⸗ tem Zeuge bekleidet; letztere waren zwar hie und da mit einem Theerflecken verſehen, verriethen aber dennoch durch ihre Feinheit und durch ihren Schnitt ihr Herkommen von einer Offiziergarderobe. Statt der Traghänder wurden die Unterkleider durch einen um die Weichen hart zuſammen⸗ gezogenen ledernen Riemen aufgetragen, wodurch die an und für ſich ſelbſt ſchon geſchmeidige Geſtalt in noch ge⸗ ſchmeidigeren Formen ſich darſtellte und die breiten Schul⸗ tern ein noch athletiſcheres Anſehen erhielten. Jede Be⸗ wegung des Jünglings verrieth Kraft, vereint mit Cla⸗ ſticität und Geſchmeidigkeit. Unter einem weißen Hute von Segeltuch, verſehen mit einer breiten Borte, blickte ein von der Sonne gebräuntes Antlitz hervor, geſund und blühend und bartlos, als gehörte es einem Mädchen anz und dieſes Geſicht nebſt den reichen braunen Locken, die unter dem Hute herabwogten, hatten eine unyerkennhare Aehnlichkeit mit einem gewiſſen Jünglinge, den wir einmal auf dem Freiſegler geſehen haben. Das ſchelmiſche Lächeln, welches vor Kurzem über Georg Letsler's rothe Lippen geſchwebt hatte, war allmälig in einen faſt melancholiſchen Zug, ja faſt in eine Art von Schwärmerei übergegangen, wie man ſie ſelten bei dem jungen, lebensfrohen Seemanne antrifft. Er lehnte ſich leicht an den Bord und ſchien in die Betrachtung der in jeder Minute ſich verändernden Geſtalten der gold⸗ und purpurfarbigen Wolken des Himmels verſunken zu ſein. Wenn aber auch Georg's Augen dort verweilten, ſo waren doch ſeine Gedanken weit davon entfernt: dieſe fuhren auf den Schwingen der Erinnerung zurück in die Heimat und 4 blieben ſte da er bei Bilder fü gelernt, 1 in der Ei⸗ als Schiff die einzige darin, daß ger zu ei Sohnes, e ſen hatte d Seeweſen Luſt und 2 „Ja, rend ſein f ſchattet, ſie vermißte A arme Mutt Medaille weiß ich je Traum, 1 gehe wieden Geiſt in d aus der de wieder zur „Was Augenblicke rührte ſanf wir uns eb einen Poſtil auch die R. Georg Loch zu für „Aha! „O 7 Der Ein zung ſtand enden Tau⸗ beſchäftigt iſammen zu iformzwang lenen Hemde von gekaper⸗ und da mit ennoch durch kommen von wurden die t zuſammen⸗ durch die an in noch ge⸗ reiten Schul⸗ 1. Jede Be⸗ int mit Ela⸗ weißen Hute Borte, blickte , geſund und Mädchen anz Locken, die nverkennhare n wir einmal Kurzem über war allmaͤlig eine Art von 161 blieben ſtehen bei dem Abende auf der Johannis⸗Klippe, da er bei der geliebten Mutter ſitzend ſo ſchöne, glänzende Bilder für die Zukunft malte. Jetzt hatte er es kennen gelernt, wie verſchieden es zugeht in der Wirklichkeit und in der Einbildung: als Schiffsjunge war er ausgefahren, als Schiffsjunge kam er zurück, und der einzige Grad, die einzige geringe Auszeichnung, die ihm geworden, beſtand darin, daß der Chef ihn zu ſeinem Aufwärter oder richti⸗ ger zu einer Art von Geſellſchafter und Wächter ſeines Sohnes, eines zwölfjährigen Knaben, ernannt hatte. Die⸗ ſen hatte der Vater mitgenommen, um ihn früh für das Seeweſen zu bilden; doch zeigte er dazu nicht die geringſte Luſt und Anlage. „Ja, ja,“ fuhr Georg in ſeinen Gedanken fort, wäh⸗ rend ſein feuriges Auge, eben von einer leichten Wolke be⸗ ſchattet, ſich gen Himmel erhob, wo ſeine geliebte, herzlich vermißte Mutter jetzt wohnte,„jetzt hätteſt Du geſehen, arme Mutter, wie kindiſch ich war! Epaulets, Degen und Medaille— alles ging zu Grunde. Der Traum, das weiß ich jetzt, wird nie etwas anderes, als ein ſchoͤner Traum, und darum laſſe ich auch die Flotte fahren und gehe wieder zur Kauffahrtei!“ Bei der Richtung, die ſein Geiſt in dieſem Ideengange erhielt, erhob er ſich hurtig aus der denkenden Stellung und nahm die Segeltuchnadel wieder zur Hand. „Was haſt Du vor, Georg?“ fragte ihn in dieſem Augenblicke eine jugendliche Stimme, und eine Hand be⸗ rührte ſanft ſeine Schulter. Es war der Kadett, von dem wir uns eben trennten, und welcher jetzt ausging, um ſich einen Poſtillon d'amour zu ſuchen, welcher aber zugleich auch die Rolle des Neptun zu ſpielen übernehmen ſollte. Georg zog den Hut und antwortete:„Ich ſtopfe ein Loch zu für Nro. 36, Tupp.“ „Aha! Du biſt alſo Schiffsſchneider?“ „O, ſo hoch bin ich noch nicht geſtiegen, ⸗ ſagte Der Einſiedler ꝛc. J. 11 162 Georg lächelnd.„Aber ich will Ihnen ſagen, Herr Kadett, wie es iſt: der Flaggſchiffer Stormbom bewegte und fä⸗ chelte zufällig ſo heftig mit der Hand, daß Tupp jetzt ein ſchlimmes Auge hat, und darum kann der arme Teufel nicht ſehen, um ſich ſelbſt das Hemde zu flicken.“ 3 „Ich habe,“ fuhr der Kadett mit ungemein verbind⸗ licher Stimme fort,„ich habe Dich ſtets, Georg, für eine ehrliche und dienſtwillige Seele gehalten, und es freut mich zu ſehen, daß ich in dieſem Falle Recht habe. Doch daß Du gut biſt, das iſt bei weitem nicht alles: Du biſt auch ein verteufelt tüchtiger Junge, und fürchteſt Dich vor nichts, und eben darum geſällſt Du mir ſo ſehr!“. „Nun ja,“ meinte Georg, der wohl fand, daß das Lob etwas unvermuthet, doch aber im Ganzen genommen nicht ſo ganz unverdient kam,„ich ſchlage mich durch ſo gut wie ein Anderer.“ „Höore jetzt, Du Teufelskerl!“— Der Kadett nahm eine vertraulichere Stellung an und erhob ſich auf die Zehenſpitzen, um Georg's Ohr erreichen zu koͤnnen.— „Du ſiehſt dort den kleinen norwegiſchen Schoner! Er iſt eben ſo weit nicht... oder was meinſt Du?“ „Nein, behüte; wir haben ihn ja beinahe auf der Naſe!“ „Das iſt auch meine Meinung. Und da ich zu Um⸗ ſchweifen keine Zeit habe, ſo will ich Dich ſchlecht und recht fragen, ob Du mir nicht den Dienſt erweiſen und dort für mich etwas beſtellen willſt?“ „Wie ſollte das zugehen?“ fragte Georg und machte dabei große Augen.„Sie können wohl verſtehen, Her Kadett, daß ich nicht Petri Kunſt beſitze, auf dem Waſ⸗. ſer gehen zu können, wenn ich auch bisweilen ein wenig Glück habe.“ „Aber, Georg, Du kannſt ſchwimmen, ſchwimmen wie der—; Du biſt ein rechter Meiſter in der Schwimme kunſt— ich weiß, daß Du darin Deines Gleichen nicht haſt! 4 — „W Uhr— „Kl bedeutet Gallion, oder wier „Ja werde ich vollen Ge ſeine endl indiſchen? kein Ende „Kan etwas zu will geſetz „Nult ſch ſo ſch Du, Geor mert hat, der eine ſo zu ziehen! Dich— Weiſe ſchle „O4 die beſte C nicht mit Was aber ein Wicht ſelbſt recht war, dami „Mein einem ande meine Meit im Gegentl derr Kadett, gte und fä⸗ pp jetzt ein arme Teufel n.“ 5 ein verbind⸗ rg, für eine es freut mich Doch daß Du biſt auch ch vor nichts, ind, daß das en genommen nich durch ſo Kadett nahm a ich zu Um⸗ ſchlecht und erweiſen und n, ſchwimmen der Schwimme Gleichen nicht 163 „Was hilſt das? Kein Mann von Bord nach neun Uhr— wiſſen Sie das nicht mehr, Herr Kadett?“ „Kleinigkeit, Georg! einem Wagehals, wie Du biſt, bedeutet das gar nichts! Du gleiteſt leiſe hinab von der Gallion, und kein Menſch weiß, weder wann Du fährſt oder wieder kommſt.“ „Ja, das iſt Ihnen alles gut zu ſagen, Herr Kadett; werde ich aber entdeckt, ſo...“ Mit einer ausdrucks⸗ vollen Geberde deutete Georg auf eine Kanone. „Mache Dir keine ſolche Vorſtellungen, mein Junge! Der Premierlieutenant iſt jetzt eben dabei, dem Doctor ſeine endloſen, wohl ſchon fünfzigmal aufgewärmten weſt⸗ indiſchen Reiſen zu erzählen, und die nehmen meiner Seele kein Ende in dieſer Wache!“ „Kann wohl ſein! doch ich habe jetzt keine Luſt mehr, etwas zu riskiren: die Reiſe iſt bald zu Ende, und ich will geſetzt werden.“ „Nun, ſo ſah ich wohl niemals einen tüchtigen Kerl ſich ſo ſchnell in einen Wicht verwandeln— und das thuſt Du, Georg: Du, der nie ſich um etwas anderes beküm⸗ mert hat, als bei einem guten Witze der erſte zu ſein, und der eine ſo mackelloſe Fertigkeit hat, ſich aus dem Spiele zu ziehen! Ich verſichere, ich bin wirklich betrübt über Dich— ich fürchte, Du befindeſt Dich auf irgend eine Weiſe ſchlecht; Du biſt wohl gar wirklich krank?“ „O Herr Kadett, beunruhigen Sie ſich nicht: ich habe die beſte Geſundheit von der Welt, und darum will ich nicht mit zerſchlagenen Gliedern nach Hauſe kommen. Was aber den Umſtand betrifft, daß ich mit einem Male ein Wicht ſollte geworden ſein, ſo wiſſen Sie es gewiß ſelbſt recht gut, Herr Kadett, daß das nur eine Nothlüge war, damit ich anbeißen möchte!“ „Mein ehrlicher Georg!“ begann der Herr Kadett in einem anderen Tone,„Du darfſt nicht glauben, daß es meine Meinung war, Dich zu beleidigen— nein behüte, im Gegentheil! aber ich will Dir ſagen, meine Gemüths⸗ 164 ſtimmung iſt ſo, daß ich die Worte ſo genau nicht abwä⸗ gen kann... Sage mir: haſt Du jemals recht herzlich geliebt?“ „Ja, das ſollte ich meinen!“ antwortete Georg, und ein ſtärkeres Feuer flammte in ſeinem Auge auf. „Nun— ſiehſt Du, da verſtehen wir uns bald! Ich habe auch Jemand, der mir warm am Herzen liegt, ein Mädchen, das in Cadir bittere Thränen um mich weint, während ich hier die koſtbare Zeit mit Bitten verſchwende. Der Schoner ſegelt nach Cadir, und hier“— er legte die Hand an die Bruſttaſche—„hier habe ich einen Brief in einer kleinen blechernen Lade, die Du mit einer Schnur um den Hals binden könnteſt... Und nun, da ich Dir alles geſagt habe, haſt Du wohl nicht das Herz, ein Ver⸗ trauen, das ich auf Dich ſetzte, zu vernichten? Haſt Du das Herz, mir meine Bitte abzuſchlagen?“ „Nein, das habe ich nicht!“ antwortete Georg, der durch dieſe Waffen augenblicklich überwunden war.„Hier iſt keine Zeit zu verlieren; ich begebe mich ſogleich auf den Weg. Doch“— fuhr er in ſcherzhaftem Tone fort —„ich fühle es an meinem Leibe, daß hier ein Sturm vom Hinterdeck kommt... Herr Kadett! Sie find wohl ſo menſchlich, daß Sie um gutes Wetter bitten, wenn ein Unglück geſchieht?“ 3 Ich ſchwöre, Dich nicht im Stiche zu laſſen, wenn die Sache entdeckt wird und weiter geht, als daß Du ſelbſt helfen kannſt!“ Nachdem einige nothwendige Verabredungen getroſſen waren, hatte der Kadett bald die unbeſchreibliche Freude, ſeinen hochbetrauten Geſandten glücklich die gefährliche Reiſe antreten zu ſehen. Als aber Georg ſich ſo weit entfernt hatte, daß er ihm nicht länger mit den Augen folgen konnte, ſo begab ſich der ungeduldige Liebhaber hinab in die Kadettenkajüte, um dem Ohre ſeines Ver⸗ trauten den glücklichen Anfang des kühnen Wageſtückes zu trappotiren. — Ga des Kad die nicht wirklich dem Oht den Hän lieutenang heftete, d „Dort fe „Ei gutmüthit und bald „Eit mit einen iſt ein S ... warte von unſre Doch nahm der wohlwolle aus gewe wirkliche⸗ An d Bugſpriet Schiffjung Schelm, bicht abwä⸗ chtt herzlich Georg, und uf. bald! Ich liegt, ein mich weint, verſchwende. — er legte einen Brief eliner Schnur da ich Dir erz, ein Ver⸗ 2 Haſt Ddu Georg, der war.„Hier d ſogleich auf m Tone fort ar ein Sturm ie ſind wohl bitten, wenn laſſen, wenn hls daß Du gen getroſſen ſbliche Freude, ſie gefährliche ſich ſo weit t den Augen ige Liebhaber e ſeines Ver⸗ Vageſtückes zu — 165 Zwölftes Kapitel. Ganz gegen die Berechnung und die Verſicherung des Kadetten hatten inzwiſchen die weſtindiſchen Reiſen, die nicht während dieſer Wache beendigt werden ſollten, wirklich lange vor dem Ende der Wache aufgehört in dem Ohre des aufmerkſamen Doctors zu toͤnen, und mit den Händen in den Taſchen ſpazierte der wachehabende Offizier auf dem Verdecke umher, während der Doctor in Begriff war, ſeine Koje zu ſuchen. „Warten Sie einen Augenblick!“ ſagte der Premier⸗ lieutenant, indem er die Augen ſcharf auf einen Punkt heftete, der ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen hatte. „Dort fließt etwas!“ 2 „Eine ſchoͤne Ankerboje, glaube ich!“ meinte der gutmüthige Doctor, der die Lorgnette vor das Auge ſetzte und bald den Gegenſtand bemerkte. „Eine ſchoͤne Ankerboje!“ entgegnete der Lieutenant mit einem flüchtigen Lächeln.„Bei meiner Seele! das iſt ein Schwimmer, der gerade auf die Fregatte zuſteuert ... warten Sie hier... ich bin überzeugt, es iſt einer von unſrer Beſatzung!“ Doch weit entfernt, der Aufforderung zu gehorſamen, nahm der Doctor eilfertig Abſchied, indem er in ſeinem wohlwollenden Herzen wünſchte, der arme Teufel, welcher aus geweſen war, möchte auf einige Stunden in eine wirkliche Ankerboje verwandelt werden koͤnnen. Der Lieutenant dagegen that ſeine Pflicht und ging mit ſchnellen Schritten nach vorne. An dem Gallion, ſah er auf einem Tau unter dem Bugſpriet die Beinkleider, die Jacke und den Hut eines Schiffjungen ruhen.„Aha,“ dachte er,„nun iſt der Schelm, der Georg, wieder da!“ Und jetzt ſtellte ſich der 166 Lieutenant, auf deſſen Geſicht man bei dieſer Entdeckung einen helleren Schein wahrnehmen konnte, dicht neben das Gallion; doch ſo, daß der Schwimmer ihn nicht ſehen konnte. Gleich darauf bemerkte man an der Bewegung der Ankerkette in der Klüſe, daß Jemand heraufgeklettert kam. Still und gelenkig wie eine Katze und nicht im Aller⸗ geringſten die Begegnung ahnend, die ſeiner wartete, war es Georg bald gelungen, auf das Verdeck zu klettern. Aber unfreiwillig trat er einen großen Schritt zurück, als er ſich ſo unverhofft vor dem wachehabenden Offizier be⸗ fand; denn trotz des ſtolzen Bewußtſeins, daß er der Günſtling ſowohl des Befehlshabers, als auch der Mannſchaſt war, wagte Georg in dieſem kritiſchen Augenblicke dennoch nicht, ſich einen glücklichen Ausgang zu prophezeien. Weislich beſchloß er inzwiſchen, kein Mittel— die Wahr⸗ heit ausgenommen— zu ſparen, um die Sache in das moͤglichſtbeſte Licht zu ſetzen. „Zieh Dich geſchwinde an!“ war der erſte, mit einer barſchen Stimme ausgeſprochene Befehl des Premier⸗ lieutenants. „Ja, Herr Lieutenant!“ Und ehe fünf Minuten ver⸗ gangen waren, ſtand Georg wieder vor ſeinem Vorgeſetz⸗ ten. Mit ſchnellem Blicke hatte er ſchon bemerkt, daß das Verdeck„rein“ war; mit dem Lieutenant unter vier Augen hielt er die Sache nicht für halb ſo gefährlich; er konnte es wagen, ein wenig geſprächig zu ſein und ſeine Liſt nach mehren Richtungen hin ſpielen zu laſſen. „Wo kommſt Du her?“ der Blick des Lieutenants fixirte ihn ſcharf. „Gnädiger Herr Lieutenant! es iſt die reine Wahr⸗ heit, ich hatte eine ſolche Hitze im Leibe, ſeitdem ich letzt⸗ hin die Kanone putzen mußte, daß ich mich nothwendig mit einem Bade abkühlen mußte.“ „Ich ſeh' es Dir an, daß Du lügſt— verſuche es nicht, mich zum Beſten zu haben!“ „O und dure ging, de hilft, ſo „N „Jc ſo großer über's V und mich „Ni mit ſtren ſtrengſte und trifff kanntſchaf Aber beke Du kam thun?“ Jetzt Dennoch Geheimni Zufall un laſſen. „Nu heit entſch „Ja, dem norw „Wa „Gn⸗ ſagen.“ „Wie Kaſten au teſt Du d „Nich etwas zu ſich durchz „Wa⸗ Entdeckung neben das nicht ſehen wegung der lettert kam. ht im Aller⸗ vartete, war zu klettern. zurück, als Offizier be⸗ daß er der Mannſchaſt licke dennoch prophezeien. — die Wahr⸗ ache in das e, mit einer ees Premier⸗ Minuten ver⸗ m Vorgeſetz⸗ bemerkt, daß t unter vier o gefährlich; ſein und ſeine aſſen. Lieutenants reine Wahr⸗ (dem ich letzi⸗ h nothwendig — verſuche es 167 „Der Herr Lieutenant ſieht Einen auch immer durch und durch. Ich wollte es nicht gerne ſagen, wie es zu⸗ ging, denn ich ſchäme mich ein wenig; da es aber nicht hilft, ſo muß ich mich wohl bequemen..“ „Nun, ſo laß höͤren!“ „Ja, es war ſo: ich angelte vorn, und da biß ein ſo großer und ſchwerer Fiſch an, daß, als ich ihn bis über's Waſſer gezogen hatte, er ſich einen Schneller gab und mich über Bord zog.“ „Nimm Dich in Acht, Junge!“ ſagte der Lieutenant mit ſtrengem Tone, der gleichwohl noch nicht der aller⸗ ſtrengſte war.„Vielleicht änderſt Du Deine Gedanken und triffſt die Wahrheit näher, wenn Du morgen die Be⸗ kanntſchaft mit der„Tochter des Conſtabels“ erneuerſt! Aber bekenne im Augenblick— ich habe geſehen, woher Du kamſt— was hatteſt Du auf dem Schoner zu thun?“ Jetzt wurde es Georg ernſtlich heiß um die Ohren. Dennoch war er nicht im Stande, ein ihm anvertrautes Geheimniß zu verrathen und beſchloß daher, alles auf den Zufall und die Großmuth des Lieutenants ankommen zu laſſen. „Nun? wird's bald? haſt Du Dich für die Wahr⸗ heit entſchieden?“ „Ja, Herr Lieutenant! Ich bekenne, daß ich von dem norwegiſchen Schoner komme.“ „Was hatteſt Du dort zu thun?“ „Gnädiger Herr Lieutenant! das kann ich nicht ſagen.“ „Wieder Seitenſprünge!... Du hatteſt einen Kaſten auf der Bruſt, als Du heraufkamſt— was hat⸗ teſt Du darin?“ „Nichts, Herr Lieutenant! jch war nicht ſo glücklich, etwas zu bekommen!“ antwortete Georg, wiederum bereit, ſich durchzuſchleichen. „Was wollteſt Du denn darin holen?“ 168 * „O, ich wollte einige kleine Meerthiere darin fangen, für den Werft⸗Doctor zu Hauſe, der mich' gebeten hat, für ihn ſolche Kleinigkeiten zu ſammeln, die mir merkwürdig ausſehen. Doch das gelang mir, wie geſagt, nicht; denn man kann ſie nach Sonnenuntergang nicht recht mehr ſehen.“ „Junge! Du biſt zu kühn; doch nun hat meine Ge⸗ duld ein Ende, und ich frage Dich zum letzten Male, ob Du mir der Wahrheit gemäß die Urſache Deines Beſu⸗ ches auf dem norwegiſchen Schoner erklären willſt?“ „Herr Lieutenant!“ antwortete Georg ernſthaft,„ich kann es nicht ſagen: es iſt ein Geheimniß, das den Dienſt nicht betrifft.“ „Doch morgen wird Dir der Dienſt die Zunge löſen!“ „Nicht mehr, als heute Abend! Wenn ein Menſch die Wahrheit aus mir bringen köͤnnte, ſo wären Sie es, Herr Lieutenant, denn Sie ſind immer ſo gut gegen mich geweſen— doch die Zunge gehört mir, und ich ſchweige, was auch geſchehen mag. Um Eins will ich doch auf das Inſtändigſte und Herzlichſte bitten: Herr Lieutenant! wenn Sie mir in vollem Ernſte etwas mit dem Tauende geben laſſen wollen, ſo laſſen Sie es damit bewenden; denn wenn ich wegen meines Ungehorſams die gute Mei⸗ nung verlieren ſollte, die Sie, Herr Lieutenant! von mir bis jetzt gehabt haben, ſo verſichere ich, ich wollte lieber, als daß dies geſchehen ſollte, dreimal die Kanone putzen!“ „Morgen erhältſt Du Fünfundzwanzig!“ Der Lieutenant wendete ſich ſchnell hinweg, damit Georg nicht ſehen moͤchte, daß er gerührt war; denn was auch der Jüngling vorhin geſchwatzt haben mochte, ſo wußte doch der Lieutenant allzu gut, daß er in dieſem Falle die Wahrheit ſagte. Jetzt aber trat der wirkliche Verbrecher, der junge Kadeit, vor. Er hatte ſchon längſt ſeine Cajüte verlaſſei, und aus einem Verſteck das ganze Verhoͤr belauſcht. * „He Wange ten trat, wenn ich ſein woll er ſich a überredete blechernen gerne der daß Sie, Strafe zi Der ſchon ſo bergfeſten oft zu pr deſſen, da Geheimni ſowohl de einem Vo Aber ſtig gezeie allein wo Reiſe geb ſollte leid⸗ der Ueber die ſicherf „„ G Handreich dett, inden für keinen war... und eilte ſich bald ſtellten 6 fangen, für n hat, für merkwürdig nicht; denn recht mehr meine Ge⸗ Male, oh eines Beſu⸗ villſt?“ nſthaft,„ich s den Dienſt die Zunge ein Menſch ären Sie es, t gegen mich ich ſchweige, lich doch auf Lieutenant! ſdem Tauende it bewenden; ie gute Mei⸗ hnt! von mir wollte lieber, die Kanone Oer Lieutenant ſehen moͤchte, ungling vorhin utenant allzu hg te. r, der jung jüte verlaſſei pelauſcht. 8 169 4 „Herr Lieutenant!“ ſagte er, indem er mit bleicher Wange und heftigklopfendem Herzen zu ſeinem Vorgeſetz⸗ ten trat,„ich wäre nicht werth, meine Uniform zu tragen, wenn ich länger ein Zeuge von Georg's Hochherzigkeit ſein wollte, ohne ihn des Schweigens zu entbinden, das er ſich auferlegt hat. Ich war Derjenige, welcher ihn überredete, zu dem Schoner mit einem Briefe in dem blechernen Käſtchen zu ſchwimmen. Ich unterziehe mich gerne der Verantwortlichkeit für meinen Fehler, hoffe aber, daß Sie, Herr Lieutenant! ſo großmüthig ſind, Georg die Strafe zu, erlaſſen!“ 1 Der Lieutenant, dem Georg's muntere Schnurren ſchon ſo oft gefallen hatten, und der den gefälligen und bergfeſten Charakter des Jünglings ſchätzte, den er ſchon oft zu prüfen Gelegenheit gehabt hatte, ließ in Betracht deſſen, daß er(der Lieutenant) der alleinige Inhaber des Geheimniſſes war, diesmal Gnade für Recht ergehen, und ſowohl der Kadett, als auch der Schiffsjunge kamen mit einem Verweiſe dovon. Aber obwohl Georg's guter Stern ſich diesmal gün⸗ ſtig gezeigt hatte, und er ſelbſt, als er mit dem Kadetten allein war, lachend verſſicherte, er hoffte jetzt für dieſe Reiſe geborgen zu ſein, ſo verrechnete er ſich dennoch: es ſollte leider nicht lange dauern, bis er ſeine Erfahrung mit der Ueberzeugung bereicherte, daß nichts unſicherer iſt, als die ſicherſten Berechnungen. „Was kann ich Dir für einen Gegendienſt für dieſe Handreichung erzeigen, Du Ehrenpaſcha?“ ſagte der Ka⸗ dett, indem er Georg noch einmal dankte. „Gar keinen Dienſt, Herr Kadett! Sie haben dadurch ſchon alles gut gemacht, daß Sie mir zeigten, daß ich für keinen ſchlechten Menſchen in die Klemme gekommen war... Und nun gute Nacht!“ Georg zog die Mütze und eilte hinab, um ſeine Hangematte aufzuſuchen, wo er ſich bald in den ſtattlichſten Träumen als einen wohlbe⸗ ſtellten Capitain auf einem ſchönen Kaufſahrtheiſchiffe 170 von den vollkommenſten und entzückendſten Formen er⸗ blickte. Doch Georg hatte auch noch andere Träume, lieb⸗ liche, ſelige Träume, wie er bei der Rückkehr ſeinen Va⸗ ter auf der Johannis⸗Klippe mit langen und muntern h 9 Erzählungen über alle luſtigen Reiſeabenteuer, die er auf der Reiſe gehabt hatte, unterhalten wollte; und da es ihm nun ſo vorkam, als ob das trauernde, von den tiefen Lei⸗ den gefurchte Antlitz des Vaters ſich erheiterte und ihn anlächelte, ſo verurſachte ihm die Freude hierüber ein ſo heftiges Herzklopfen, daß er erwachte. Doch ſchon war er mit allen ſeinen Sinnen ſo in die roſenrothe Zukunft vertieft, daß er bald wieder einſchlief, und jetzt erſchien ihm das entzückende Bild der geliebten Mutter, und empfing ſeine kleinen vertraulichen Mittheilungen— noch immer kindliche Mittheilungen eines guten und unverderb⸗ ten Herzens. Dreizehntes Kapitel. Am folgenden Morgen finden wir Georg in ſeinem Amte als aufwartender Geſellſchafter bei dem Sohne des Chefs wieder. Er war eben beſchäftigt, dem kleinen Freiherrn hei dem Takeln einer funkelnagelneuen Brigg zu helfen, die auf einem der ſeidenbezogenen Sophas in dem Salon des Commandeur⸗Capitains, Barons von U..„ ſtand. Während eigentlich Georg ganz allein die Arbeitz vollendete, unterhielt ſich der junge Herr Frits, dem das allzu bekannte Vergnügen ſchon langweilig zu werden he⸗ —— gann, de Schlafzit das Glü kette ver zubringen aufſchob. Nac Comman⸗ vornehme das Fah würden möglich, mit er der ſo ergriff Brigg un andern ar Der ungefähr auf der T Mit Blitz zurück ver Capitains ſchäftigt, ſchaben. „We Laune. Geor Einig mandeur⸗ holen woll als er die einen Plat und das a Sein Koje in de Frits Formen er⸗ aͤume, lieb⸗ ſeinen Va⸗ nd muntern , die er auf nd da es ihm en tiefen Lei⸗ rte und ihn rüber ein ſo h ſchon war othe Zukunft jetzt erſchie Nutter, und igen— noch id unverderb⸗ — 171 gann, damit, daß er über einen kleinen Schrank in dem Schlafzimmer des Vaters inventirte, und er hatte auch das Glück, die Entdeckung eines mit einer ſpaniſchen Eti⸗ kette verſehenen Hafens voller eingemachter Sachen mit⸗ zubringen, deſſen Inhalt er zu unterſuchen nicht lange aufſchob. Nachdem er die ſchoͤnen Pfirſiche— mit denen der Commandeur⸗Capitain bei der Ankunft in Göteborg einige vornehme Damen zu traktiren beabſichtigt hatte, welche das Fahrzeug ganz gewiß mit ihrem Beſuche beehren würden— erſt einmal gekoſtet hatte, ſo war es ihm un⸗ möglich, das intereſſante Vergnügen abzubrechen, und da⸗ mit er demſelben noch größere Eilfertigkeit ertheilen könnte, ſo ergriff er den noch nicht eingeſetzten großen Maſt der Brigg und langte mit demſelben das eine Stück nach dem andern aus dem Hafen. Der kleine Baron hatte von dem Inhalte des Hafens ungefähr dreiviertheile geleert, als wohlbekannte Schritte auf der Treppe ihm das Blut auf die Wangen jagten. Mit Blitzesſchnelligkeit wurde der Hafen an ſeinen Platz zuruck verpaßt, und bei dem Eintritte des Commandeur⸗ Capitains war Frits in abgewendeter Stellung eifrigſt be⸗ ſchäftigt, den ſo übel zugerichteten großen Maſt rein zu ſchaben. „Weg mit der Sypielerei!“ ſagte der Chef in übler Laune. Georg verſchwand augenblicklich. Einige Stunden ſpäter begab es ſich, daß der Com⸗ mandeur⸗Capitain etwas aus dem erwähnten Schranke holen wollte, und da fand er denn zu ſeiner Verwunderung, als er die Gefäße mit den eingemachten Sachen von dem einen Platze auf einen andern ſetzte, daß das eine ganz und das andere halb leer war. Sein erſter Verdacht fiel auf den Sohn, der ſeine Koje in dem eigenen Schlafzimmer des Vaters hatte. Frits wurde vorgefordert. Als er aber das immer 172 ernſte Antlitz des Vaters jetzt durch eine ſprechende Strenge verfinſtert ſah, ſo wagte der furchtſame Knabe nicht, mit der Wahrheit hervorzukommen, ſondern verſicherte mit heftigem Herzklopfen, er wüßte gar nicht, daß Eingemach⸗ tes in dem Schranke des Vaters wäre. Zwar entging es der Aufmerkſamkeit des Vaters nicht, daß Frits bei dieſer Erklärung bald roth bald blaß wurde, aber er wußte auch recht gut, daß der Unſchuldige dies eben ſo gut aus Furcht thun kann, und da er überdies meinte, es ſei ganz unmoͤglich, daß ſein Sohn es wagen ſollte, ihm etwas vorzulügen, ſo glaubte er der abgegebe⸗ nen Erklärung, und der nächſte Verdacht ſiel auf Georg. Der Jüngling wurde gerufen und ſtand gerade wie ein Licht mit der Mütze in der Hand in der Thür der Cajüte. „Du biſt mehrmals allein hier unten geweſen?⸗ ſagte der Chef mit prüfendem Blicke. „Ja, nach dem Befehle des Herrn Commandeur⸗Ca⸗ pitains habe ich die Brigg des kleinen Barons getakelt.“ „Biſt Du in meinem Schlafzimmer geweſen— haſt Du meinen Schrank geöffnet, und aus meinen Häfen mit eingemachten Sachen gegeſſen?“ „Nein, Herr Commandeur⸗Capitain!“ Und Georgs Wange ward bald roth, bald weiß. „Haſt Du ſie denn auch nie geſehen 24 Georg ſchwieg. „Sollteſt Du wohl die Kühnheit haben können, mich zu belügen?“ „Nein, Herr Commandeur⸗Capitain! das waͤre mit rein unmöglich.“ „Aber man hat mir geſagt, Du haſt verſchiedene Schelmſtücke an Bord begangen!“ „Sie ſagen ſo, Herr Commandeur⸗Capitain— doch ſind ſie ganz unſchuldig geweſen.“ „ „Nein, Herr Commandeur⸗Capitain!“ Und mein Eingemachtes haſt Du nicht gekoſtet? — Capitain „Ge bom, er woͤhnliche raden ſich wird!“ zugegen g. gegeben h auf der bl Als gegangen und flüſte nichts bitt ſo ſehr, d ihm, wem „Nu⸗ einen halb leiden ge Knaben w Bald Um ter des C ſcher Ord⸗ ſtand, ho ende Strenge ee nicht, mit eſicherte mit Eingemach⸗ Vaters nicht, blaß wurde, ſchuldige dies er überdies ihn es wagen der abgegebe⸗ l auf Georg. d gerade wbe der Thür der n geweſen?“ mandeur⸗Ca⸗ ns getakelt.“ weſen— haſt een Häfen mit Und Georg⸗ können, mich das wäre mir t gekoſtet, ſt verſchiedene pitain— doch 173 „Haſt Du denn ſchon das Tauende auf der Kanone geſchmeckt?“ „Bei verſchiedenen Gelegenheiten, Herr Commandeur⸗ Capitain!“ „Geh' hinauf und ſage dem Flaggenſchiffer Storm⸗ bom, er ſoll ſich mit einem neuen Tauende an dem ge⸗ woͤhnlichen Platze klar halten! Dann ſollen Deine Came⸗ nnden ſich aufſtellen, um zu ſehen, wie eine Lüge beſtraft wird!“ „Soll geſchehen,“ antwortete Georg mit unerſchütter⸗ licher Ruhe, und ging, um die ertheilte Ordre zu be⸗ ſtellen. Es war ein Glück für Frits, der bei dem Verhöre zugegen geweſen war, daß der Vater nicht auf ihn Acht gegeben hatte; denn das Wort ſchuldig ſtand deutlich auf der bleichen Stirn und den zitternden Lippen geſchrieben. Als der Commandeur⸗Capitain in das Schlafzimmer gegangen war, ſo ſchlich ſich Frits auf das Verdeck hinauf und flüſterte Georg in das Ohr:„Ich darf Dich um nichts bitten, guter, lieber Georg; aber ich fürchte mich ſo ſehr, daß Vater Alles erfahren ſoll— erzählſt Du es ihm, wenn's ſehr weh thut?⸗ „Nur nicht ängſtlich!“ antwortete Georg, indem er einen halb verächtlichen, aber doch mit gutwilligem Mit⸗ leiden gemiſchten Blick auf den weichlichen, muthloſen Knaben warf. Bald erſchien der Chef auf dem Verdeck... Um die Kanone, mit dem myſtiſchen Namen„Toch⸗ ter des Conſtabels,“ ſtanden die Schiffsjungen in militäri⸗ ſcher Ordnung. Und Georg, der etwas vor den Andern ſtand, hatte eine ſolche Miene von Stolz und Selbſtge⸗ 174 fühl, als wenn die Rede davon geweſen wäre, die Kanone zum Salutiren zu ſerviren. Auf den Befehl des Vaters war auch Frits gegen⸗ wärtig, um ſich an dem Beiſpiele zu ſpiegeln; doch er konnte kaum auf den wankenden Beinen ſtehen, und ſtützte ſich auf die Kante des Gangbordes dicht bei der Oeffnung der Fallreifstreppe. Nachdem der Commandeur⸗Capitain noch einmal einige Worte mit Georg geredet, ihn aber verſtockt gefun⸗ den hatte, ſo trat eine Stille ein, welche einige Augen⸗ blicke dauerte; dann aber trar auf einen Wink des Chefs der Flaggenſchiffer Stormbom, ein alter Seegaſt, vor, der aus Liebe zur Sache gewöhnlich den Dienſt des Batterie⸗ Corporales übernahm. Der Alte hatte eine kunſtmäßig zuſammen geflochtene Karbatſche mit rothen Franſen am Ende in der Hand. Nachdem Georg der Ordnung gemäß mit Hülfe zweier Seeſoldaten auf die Kanone applicirt und die ominoͤſen Worte„Fünf und zwanzig!“ ausgeſprochen waren, ſo be⸗ gann die Execution. Doch kein einziger Laut kam übet die Lippen des Jünglings; er betrachtete nur dann und wann den kleinen Baron mit Blicken, die dieſen zu er⸗ mahnen ſchienen, ſich dieſes Beiſpiel zur Warnung gerei⸗ chen zu laſſen. Frits, deſſen gutes, aber ſchwaches Herz von dem Leiden des Unſchuldigen vielleicht grauſamer gefoltert wurde, als wenn er ſelbſt die Strafe erlitten hätte, wollte von Zeit zu Zeit vorſpringen und ſich ſeinem Vater auf Gnade und Ungnade ergeben; doch ſtets hielt ihn ſeine unüber⸗ windliche Furcht vor körperlichem Schmerz und ſeine an⸗ geborne Feigheit zurück, und ſo vergingen die Augenblicke in unnützer ÜUnentſchloſſenheit. Jetzt hatte Georg fünfzehn Hiebe empfangen; bit dem ſechzehnten preßte die unbarmherzige, von der geübten Hand des alten Stormbom geführte Karbatſche ihm inet halb unterdrückten Klageſchrei aus. Doch in demſelben Augenble Kanone Seeſolda Jemand Bord im In ſchwinden „Der kle Wã jetzt ſtur! chen zu dieſer Ku weſen, di Auf Hände u darauf ſe eben dieſe Der ſich weit hende Bl Waſſer e nigen, w ſicherten, Male erl Stunde d Inzy Befehl de bewerkſtell das Leben laſt des 2 ergreifen über die wußte all⸗ daß er ſ Knaben ol Von 8 7 „die Kanone Frits gegen⸗ eln; doch er I, und ſtützte der Oeffnung noch einmal erſtockt gefun⸗ einige Augen⸗ nk des Cheſs gaſt, vor, der des Batterie⸗ ne kunſtmäßig a Franſen am t Hülfe zweier die ominoͤſen waren, ſo be⸗ aaut kam über ur dann und dieſen zu er⸗ Parnung gerei⸗ Herz von dem befoltert wurde, e, wollte von ter auf Gnade ſeine unüber⸗ die Augenblicke mpfangen; bit on der geübien ſche ihm einen ⸗ in demſelben und ſeine an⸗ 4 1 175 Augenblicke ſtürzte auch der Delinquent heftig von der Kanone auf, ließ die Jacke in den Händen der beiden Seeſoldaten, die ihn feſthalten ſollten, und war— ehe Jemand es hindern konnte— mit einem Sprunge über Bord im Meere. In unmittelbarem Zuſammenhange mit Georg's Ver⸗ ſchwinden hoͤrte man über das ganze Verdeck den Ruf; „Der kleine Baron fiel über Bord!“ Während der Nacht war es windig geworden, und jetzt ſtürmte es beinahe. Frits konnte daher kaum verſu⸗ chen zu ſchwimmen; er hatte zwar vielen Unterricht in dieſer Kunſt erhalten, war aber noch nicht im Stande ge⸗ weſen, dieſelbe zu erlernen. Auf dem Rücken einer Welle erhoben ſich zwei kleine Hände und verſchwanden augenblicklich wieder, Gleich darauf ſah man, wie Georg's weiße Hemdeärmel nach eben dieſer Richtung hinarbeiteten. Der Commandeur⸗Capitain ſchwieg, aber er ſtreckte ſich weit über die Schanze hinaus und warf heftige, glü⸗ hende Blicke auf den Gegenſtand, der ſich bald uͤber das Waſſer erhob, bald unter daſſelbe hinabſenkte; und dieje⸗ nigen, welche der Chef ſeit alten Zeiten her kannte, ver⸗ ſicherten, daß ſein ſonneverbranntes Geſicht jetzt zum erſten Male erblaßt und ſeine Zunge noch nie zuvor in der Stunde der Gefahr gelähmt worden wäre. Inzwiſchen hatte Georg das Glück— ehe noch der Befehl des Premier⸗Lieutenants, die Schaluppe auszuſetzen bewerkſtelligt war, und als Frits eben auf dem Wege war, das Leben und das Tageslicht gegen den kriſtallenen Pa⸗ laſt des Meeres zu vertauſchen— ihn bei den Haaren zu ergreifen und mittelſt einer raſchen Schwenkung wieder über die Waſſerfläche zu bringen. Der junge Seemann wußte allzu gut, daß ſogleich Entſatz erſcheinen würde, ſo daß er ſeine Kräfte nur anzuwenden brauchte, um den Knaben oben zu halten. Von vier Männern gerudert, kam gleich darauf die 176 Schaluppe an, und nachdem erſt der kleine Baron aufge⸗ zogen war, kletterte Georg, geſchmeidig wie ein Aal, in das Boot, wo er ſich ſogleich mit dem Knaben beſchäf⸗ tigte, welcher ſchon wieder zur Beſinnung gekommen war und nur über Froſt klagte. Als der Commandeur⸗Capitain ſeinen Sohn gerettet und wohlbehalten an Bord ſah, ſo kehrte auch ſogleich ſeine unerſchütterliche Ruhe zurück, und mit einem Tone, der nicht im mindeſten anders klang als gewöhnlich, befahl er den Cajütenwächter, er ſollte ihn hinabbringen und ihm tro⸗ ckene Kleider geben. „Neun Hiebe zu fordern, Herr Commandeur⸗Capi⸗ tain!“ ſagte Georg, indem er vor den Chef trat und die Hand an den Ort führte, wo die Mütze zu ſitzen pflegte. „Sage Stormbom, mein hurtiger Junge, daß Di Dein Recht wird!“ ſagte der Chef, wendete ſich jedoch dabei ſchnell auf die Seite, denn Georg's Geſicht und Blick rührte ihn auf eine merkwürdige Art. 3 Dieſe Augen, welche bei der vielleicht unerwarteten Antwort gleich Blitzen leuchteten, waren ihm nicht frend: der ganze Ausdruck des Geſichtes redete bekannt zu ihm. Mit langſamen Schritten kehrte der Commandeur⸗Capi⸗ ſtain in die Cajüte zurück, nachdem er befohlen hatte, daß Georg ſich dort um eine Stunde einfinden ſollte. Mit unerſchütterlichem Muthe kehrte dieſer an ſeinn Platz auf der Kanone zurück. Aber der Flaggenſchiffer Stormbom bewies große Ungeſchicklichkeit bei der Aypl⸗ cation des Rückſtandes, denn jetzt mußte die Kanone faſt alle Hiebe entgegennehmen. Nach beendigter Execution erhielt Georg Befehl, utt dem großmüthigen Offizier, der am vorhergehenden Abende die Wache gehabt hatte, in die Cajüte deſſelben zu kom⸗ men. Was dort vorgefallen, das iſt nicht bekannt getho⸗ den; doch bald kam Georg zurück mit einem feinen Hende von holländiſcher Leinwand, einer netten blauen Jacke ner neuen Auflage von den weißen gekeperten Beinkleider und eine ſchen He des redle machen des Lieu Sei feinen S ſchenk an den Schi ſo viele Andenken und And nen Haus um ihn: kommen Georg at Widerſpen muth aus hätte, wa Als mit feſten mandeur⸗ auf⸗ und Baron aufge⸗ e ein Aal, in enaben beſchäf⸗ gekommen war Sohn gerettet h ſogleich ſeine Tone, der nicht befahl er dem und ihm tro⸗ mandeur⸗Capi⸗ hef trat und die zu ſitzen pflegte. unge, daß Dir dete ſich jedoch s Geſicht und m nicht frend: bekannt zu ihm. mandeur⸗Capi⸗ hlen hatte, daß ſollte. dieſer an ſeinen Flaggenſchiffe bei der Aypli⸗ die Kanone faß org Beſehl, mit gehenden Abende heſſelben zu kom⸗ bekannt gewor⸗ m feinen Hemde blauen Jacke, dr ſcten Beinkleidern zt unerwarteten 177 und einem loſe um den Hals geſchürzten, rothen, bengali⸗ ſchen Halstuche. Dieſer ganze Anzug war ein Geſchenk des redlichen Lieutenant, der dem Georg gerne eine Freude machen wollte, weil dieſer ſich ganz nach dem Geſchmacke des Lieutenants aufgeführt hatte. Seiner Seits würde Georg mit ſeinem ſtolzen und feinen Selbſtgefühle nicht von einem Jeden dieſes Ge⸗ ſchenk angenommen haben; denn obgleich er eigentlich nie den Schilling achtete, wenn er auf dem Lande war, wo ſo viele Herrlichkeiten zu ſchauen waren, die ſich wohl zu Andenken für den Vater, für Carolus, für Schoͤn⸗Fanny und Andere paſſen konnten, ſo hatte er dennoch ſeine klei⸗ nen Haushaltungsprinzipien, welche hinlänglich feſt waren, um ihn nie hinſichtlich des Nothwendigen in Verlegenheit kommen zu laſſen. Doch mit einigen Offizieren meinte Georg auf einem ſo guten Fuße zu ſtehen, daß es als Widerſpenſtigkeit, Undankbarkeit oder überflüſſiger Hoch⸗ muth ausgeſehen haben würde, wenn er nicht angenommen hätte, was ſie ihm mit Wohlwollen anboten. Als es Zeit war vor den Chef zu treten, ging Georg mit feſten Schritten hinab in den Salon, wo der Com⸗ mandeur⸗Capitain gedankenvoll und mit gekreuzten Armen auf⸗ und abwanderte. „Du haſt mich ja doch auf eine gewiſſe Art belogen, Georg!“ waren die erſten Worte des Chefes. „Ich habe noch nie im Ernſte gelogen, Herr Com⸗ mandeur⸗Capitain!“ „Warum ſagteſt Du mir nicht, war? Jetzt weiß ich's, Hinſicht Dein Schweigen.“. „Ich war nicht im Stande anders zu handeln.“ Der Einſiedler ꝛc. 1. 12 wer der Schuldige billige aber dennoch in keiner 178 * „Doch das war unrecht, ſage ich, und darum haſt Du Deine Strafe gewiſſer Maßen verdient.“ Georg ſchwieg. „Ich danke Dir nicht ſo ſehr dafür, daß Du meinem Kinde das Leben retteteſt— das hätte jeder Andre thun können, der Deine Geſchicklichkeit im Schwimmen beſaß— da Du jedoch heute einen feſten Muth, eine hurtige Ent⸗ ſchloſſenheit und ein gutes Herz, die drei vorzüglichſten Eigenſchaften eines Seemannes, an den Tag gelegt haſt, ſo ſchenke ich Dir zu einem Andenken meiner vollkom⸗ menen Zufriedenheit mit Deinem Betragen dieſen Degen, den ich ſelbſt getragen habe.“ In Georg's Augen zitterten Thränen der Dankbar⸗ keit. Seine ſonſt tiefe und männliche Stimme war weich wie die eines Kindes, als er ſeine Dankſagung hervot⸗ ſtotterte. Es wurde eine Pauſe, die ein Paar Secunden dauerte. 3 Georg glaubte, obgleich er noch keine abweiſende Bewegung erhalten hatte, daß die Audienz zu Ende wär,, und daß er ſich zurückziehen müßte. Doch in dem Augen⸗ blicke, da er das Thürſchloß mit einer tiefen Verbeugung ergriff, winkte ihm der Chef zu bleiben und fragte; „Was denkſt Du anzufangen, wenn Du nun nach Hauſe kommſt? Dauerte die Erpedition noch länger, ſo ſollteſt Du von heute an nicht länger Schiffsjunge geweſet ſein.“ „Ich will wieder zur Kauffahrthei gehen, Herr Com⸗ mandeur⸗Capitain!“ „Recht, mein Sohn! Die Flotte iſt für unbemittelte Söhne beſſerer Familien ein ſchlechter Weg zum Fet⸗ kommen. Le...“ Es lag ein merklicher Ausdruck de Unſchlüſſigkeit ſowohl in dem Tone des Commandelte Capitains, als auch in der beabſichtigten Frage. 1 lich vollendete er:„Lebt Dein Vater noch 4 Georg erröthete. Es war dies das erſte Mal, diß ihm je wort Vorbei .„ meinte mander 4 ganz e ſo ſeine uber die habe ein über di Deines dend; hieß Ni W Freude * nd darum haſt 71 ß Du meinem er Andre thun mmen beſaß— ie hurtige Ent⸗ vorzüglichſten rag gelegt haſt, neiner vollkom⸗ dieſen Degen, n der Dankbar⸗ imme war weich kſagung hervot⸗ Paar Secunden keine abweiſende 3 zu Ende waͤr, h in dem Augen⸗ ſefen Verbeugung nd fragte: Du nun nach noch länger, ſo iffsjunge geweſe then, Herr Com⸗ für unbemittelte Weg zum Fer⸗ her Ausdruck de s Commandelt⸗ en Frage. ch 2“ erſte Mal, dißß * 179 ihm jemand dieſe Frage vorlegte. Er war auf die Ant⸗ wort gar nicht vorbereitet. „Beunruhige Dich nicht— ich fragte nur ſo im Vorbeigehen! Er iſt vielleicht ſchon todt?“ „Nein, nicht ſo ganz!“ antwortete Georg, welcher meinte, daß er ſo der Wahrheit am nächſten käme. „Was meinſt Du?“ die Aufmerkſamkeit des Com⸗ mandeur⸗Capitains ſchien ganz gefeſſelt zu ſein. „Ich meine, daß er zwar gewiſſer Maßen lebt, doch ganz einſam, ganz getrennt von den Menſchen. Das iſt ſo ſeine Art— aber er iſt dennoch ein ehrlicher Mann!“ „Wo wohnt er?“ „Draußen in den Bohuslän'ſchen Scheren auf einer öͤden Klippe. „Und Du, Du heißeſt Georg Letsler?“ fuhr der Commandeur⸗Capitain mit ſtarker Betonung fort.„Daß Dein Name mir bis heute entfallen konnte! das iſt ſonder⸗ bar, das iſt höchſt merkwürdig... Georg Letsler... Georg Letsler!“ wiederholte er, indem er augenſcheinlich einem Strome innerer Erinnerungen nachhing. Georg ſtand verſtummt. „Weißt Du, ob Dein Vater ein eingeborner Schwede iſt?“ „Ja, ich habe nie etwas anderes gehört. Aber meine gute Mutter— ach, ſie iſt nun nicht mehr!— ſie war aus Dänemark.“ Bei dieſen Worten fuhr eine große düſtere Wolke uber die Geſichtszüge des Commandeur⸗Capitains.„Ich habe einmal,“ ſagte er halblaut, indem er mit der Hand über die Stirne fuhr,„einen Mann mit dem Namen Deines Vaters gekannt. Er war immer düſter und lei⸗ dend; aber er hatte eine Frau, die er herzlich liebte; ſie hieß Nicoline.“ „Das war meine Mutter!“ rief Georg aus, und ein Freudenſtrahl ſprang aus ſeinem Auge, als er dieſen ſei⸗ 180 nem Herzen ſo lieblichen, ſo heiligen Namen ausſprechen hörte. vwill ic „Nun wohl!“ ſagte der Commandeur⸗Capitain, in⸗ das H. dem er ſich bemühte, eine Faſſung wieder zu gewinnen, ſehr ir die für einige Minuten wirklich geſtoͤrt war,„ich habe ihm ſo Dich ſtets mit Aufmerkſamkeit und Zufriedenheit beob⸗ 3 jetzt ſo achtet: Du haſt Dir das Wohlwollen Deiner Vorgeſetzten„ und die Liebe Deiner Cameraden erworben. Du verdienſt Stande es, daß ich auf dieſe Eigenſchaften Rückſicht nehme, ſo thut m wie auch auf die Handlung, welche Du heute ausgeübt wenigſte haſt, und wegen welcher Du auf meine beſondere Dank⸗ ſoll.. barkeit Anſpruch haſt; darum iſt es meine Abſicht, künftig treffe, i auch um der Freundſchaft willen, die mich einmal mit Wenn i Deinen Eltern verbunden hat, mich Deiner anzunehmen. rede, ſe Bei unſrer Ankunft in Göteborg werde ich zuſehen, ob⸗ Reſpect Du nicht von der Fregatte abgeſchrieben werden kannſt,„ damit Du nach Hauſe reiſeſt und Deinen Vater beſucheſt, Fregatte will dan der ſich wohl nach Dir ſehnen mag. Doch in dieſem nächſten Herbſt und Winter ſollſt Du auf meine Koſten in Göteborg die Navigation ſtudiren, und ſobald Du Dein Examen als Steuermann gemacht haſt, ſo ſtehe ich ein für einen Platz auf einem Oſtindienfahrer, mit deſſen Capitain ich in Verbindung ſtehe.“ deutlich Bei dieſer außerordentlichen Gelegenheit koſtete es privaten Georg die unglaublichſte Anſtrengung, den Reſpect beizu⸗ in den H behalten. Er hätte ſich vor dem Commandeur⸗Capitain auf die Knie werfen und dann auf das Verdeck ſtürzen wollen;, er hätte gerne geſchrien, gehüpft, gelaufen, ge⸗ lacht, geweint, getanzt; doch er mußte ganz ſtill ſtehen, während doch der Fußboden unter ihm brannte, das Herz brannte, das Blut brannte.. Endlich ſtotterte er, als hätte er einer Bekräftigung bedurft, daß nicht alles einer ſeiner gewöhnlichen Träume war:„Iſt das wohl alles möglich?“ — 3 Als mehr zu Gegen ſa „Ja wohl, ja wohl,“ lächelte der Chef hoͤchſt gud⸗ dig;„ich bin gewohnt, mein Wort zu löſen. Doch Eits en ausſprechen Capitain, in⸗ zu gewinnen, ar,„ich habe edenheit beob⸗ 3 er Vorgeſetzten Du verdienſt cht nehme, ſo heute ausgeübt eſondere Dank⸗ Abſicht, künftig ch einmal mit er anzunehmen. h zuſehen, ob werden kannſt, ater beſucheſt, och in dieſem meine Koſten nd ſobald Du heit koſtete es Reſpect beizu⸗ andeur⸗Capitain Verdeck ſtürzen , gelaufen, ge⸗ Banz ſtill ſtehen, er Bekräftigung nlichen Träume hef höchſt gute 5 Doch Eins hnnte, das Herz 3 mehr Gegenſtand, will ich Dir noch ſagen, mein Junge; das Herz auf der Zunge; ſehr irre, ſo hat Dein Vater es am liebſten, wenn von ihm 3 ſllten wie moͤglich die Rede iſt— iſt es nicht noch je t 0„ 5„Ja, wirklich!“ rief Georg aus, der nicht länger im Stande war, ſeine Verwunderung zu zügeln,„und es habe nicht immer denn wenn ich mich nicht allzu thut mir herzlich leid. Doch hoffe ich, daß er dereinſt, wenigſtens gegen mich, das Herz auf der Zunge haben ſoll.... Wage ich, darf ich, wenn ich ihn nun bald treffe, ihn von dem Herrn Commandeur⸗Capitain grüßen? Wenn ich mit ihm von dem Herrn Commandeur⸗Capitain rede, ſo kann ich alle Dankſagungen ausgießen, die der Reſpect mich jetzt auszuſprechen hindert!“ „Das geht! Du ſollſt noch dazu, wenn Du die Fregatte verläſſeſt, einen Brief an ihn erhalten, und ich will dann noch einmal mit Dir reden!“ Bei dem Ende dieſer Worte machte der Comman⸗ deur⸗Capitain eine leichte Bewegung mit der Hand; doch in dieſer befehlenden Geberde des Vorgeſetzten gegen den unbedeutenden Schiffsjungen lag ein gewiſſes Etwas, das deutlich zu erkennen gab, daß der Chef in dieſer völlig privaten Angelegenheit vor dem Vater und dem Menſchen in den Hintergrund getreten war. Vierzehntes Kapitel. Als Georg wieder auf das Verdeck kam, wohin er zu ſchweben als zu gehen vermeinte, war der erſte auf den ſein Auge ſich feſt zu heften ſuchte, 182 der alte Ehrenmann Stormbom, der noch immer mit der Karbatſche unter dem Arme an der Kanone auf⸗ und abſpazierte und dieſelbe mit einer gewiſſen betrübten Miene betrachtete. Georg näherte ſich ihm ſchnell und drückte flüſternd* ſeine Dankbarkeit aus, daß die letzte Portion der Strafe ſo gelinde ausgefallen war. „Hätteſt Du nicht unter falſcher Flagge geſegelt, mein Junge,“ ſagte der Alte mit liſtiger Miene,„ſo würdeſt Du diesmal nicht Gelegenheit gehabt haben, die Vortreff⸗ lichkeit meiner neuen Erfindung zu beurtheilen!“ Er ſchwenkte hiebei die Karbatſche, gewöhnlich„Rectificator“ genannt, ein Name, der allen Bootsmännern und Schiffs⸗ jungen an Bord ſo bekannt war, daß die bloße Erwäh⸗ nung deſſelben ſich immer mit einem gewiſſen Schauder längs dem Rückgrate vereinigte. Georg, der jetzt noch weit weniger als zuvor die Wahrheit geſtehen wollte, begnügte ſich damit, ihm einen eben ſo liſtigen Blick zurückzugeben. „Gut, ich verſtehe,“ fuhr der alte Stormbom ſort, „Du kümmerſt Dich nicht mehr um eingemachte Sachen, als ich jetzt nach einem jungen gut getakelten Weibe frage! Doch obgleich Du nicht damit heraus willſt, ſo ſehe ich's Dir dennoch an, daß alles entdeckt iſt.... Komm mit mir hinunter in die Cajüte!“ Georg, der nichts ſehnlicher wünſchte, als ſein über⸗ ſtrömendes Herz in einer ſo würdigen Geſellſchaft ent⸗ laden zu koͤnnen, folgte mit hurtiger Bereitwilligkeit. Als ſie hinabkamen in die Cajüte, von welcher der alte Stormbom die eine Hälfte zu disponiren hatte, erhielt Georg die Einladung, neben ihm auf der mit —— nehmen, und hierauf begann der ehrliche Flaggenſch ſtt mit einem Ausdrucke in Geſicht und Stimme, als be abſichtigte er ſein Teſtament zu machen, folgender Maßei zu reden; roth angeſtrichenem Segeltuch überzogenen Kiſte Platz 5 1 „Gee das Herz habe, daß dem Fuß tratſt, daß junge erle Deckleinwe Deine Sch dungen de einen ande Du ſtets; endlich fü irgend eine Geor mit der ge mit Grung von dem( letztgenann meiſter wa auf dieſe; andächtiger „Ich ausdrucksv Körper erl nt Krone aber no⸗ ar nh. den Spiege weißt Du Dich den ſind, auf Und nun; ſchwätz iſt ſchenke ich *) Ein 9 „ ier mit der auf⸗ und bten Miene kte flüſternd— der Strafe ſegelt, mein „ſo würdeſt die Vortreff⸗ eilen!“ Er Nectificator“ und Schiffs⸗ loße Erwäh⸗ en Schauder — ls zuvor die t, ihm einen — ormbom fort, achte Sachen, kelten Weiße us willſt, ſ ckt iſt... als ſein über⸗ ſellſchaft ent⸗ willigkeit. (n welcher der ren hatte, ſt auf der mit Kiſte Platz Flaggenſch ſt mme, alsh lgender Maße 183 „Georg, Junge!— ſtopp, ſage ich!— laß nicht das Herz einen Leck bekommen, ehe ich Dir erſt geſagt habe, daß ich es Dir im Augenblick anſah, als Du mit dem Fuß über die Schwelle aus der Cajüte des Chefs tratſt, daß Du mit Ehren von Deinem Amte als Schiffs⸗ junge erledigt worden warſt, und alſo nicht ferner als Deckleinwand auf der Kanone gebraucht werden wirſt. Deine Schute hat alſo künftig nichts mehr von den Bran⸗ dungen des Rectificators zu fürchten: Du wirſt künftig einen andern Cours ſteuern, und ich wünſche herzlich, daß Du ſtets mit günſtigem Winde ſegeln mögeſt, bis Du es endlich für rathſam erachteſt, das alte Schiffswerk in irgend einem gemüthlichen Hafen Anker werfen zu laſſen.“ Georg, der gewohnt war, den alten Flaggenſchiffer mit der groͤßten Achtung zu betrachten, denn dieſer hatte mit Grund die Liebe der ganzen Beſatzung des Fahrzeuges von dem Chef bis auf die Schiffsjungen herab, welchen letztgenannten er nach eigener Wahl eine Art von Schul⸗ meiſter war— Georg, ſagen wir, horchte ſo andächtig auf dieſe Worte, daß er in der Kirche keine Predigt hätte andächtiger hören können. „Ich habe,“ fuhr der Alte in ſeiner eigenthümlichen ausdrucksvollen Weiſe fort, indem er ſeinen noch kräftigen Körper erhob,„fünf und dreißig Jahre lang das Brod der Krone gegeſſen und die Planken der Krone getreten, aber noch nie— das ſei zu Deiner Ehre geſagt, mein Junge!— noch nie ſah ich, daß das Tauende der Krone den Spiegel eines tüchtigeren Schiffsjungen enterte! Darum weißt Du auch, daß ich Dir ſchon längſt gut bin und Dich den andern Wichten vorgezogen habe, die nicht werth ſind, auf einer Wener ⸗)⸗Schute die Schoten einzuhalen. Und nun zum Beweiſe, daß dies Alles kein bloßes Ge⸗ ſchwätz iſt, ſondern die klare, tageslichte Wahrheit, ſo ſchenke ich Dir meinen neuen Rectificator mit dem Wunſche, *) Ein großer Landſee in Schweden. Anm. d. Ueb. 184 nicht daß Du ihn auf Deinem Leibe mit Geſundheit ver⸗ brauchen mögeſt, wie meine Mutter immer ſagte, wenn ich mich für ein Paar neue Hoſen bedankte, ſondern daß Du bei dem Anblick dieſes Gönners Dich Deines alten Freundes und Lehrers Stormbom erinnerſt, der“— hier hob der Alte den Deckel der Lade auf und holte eine Flaſche hervor, an welcher miltelſt eines Bindfadens ein kleines Wurſthorn mit einem hölzernen Boden befeſtigt war—„Dir erlaubt, künftig Onkel zu ſagen!“ Unmittelbar darauf, nachdem dieſe bedeutungsvollen Worte ausgeſprochen waren, füllte Stormbom den Horn⸗ tummler, trank Georg zu und überlieferte ihm denſelben von Neuem gefüllt, und Georg fühlte ſich ſeiner Seits natürlicher Weiſe aufgefordert, für die Geſundheit eine kleine Rede zu halten. „Mein beſter Onkell“ ſagte er mit einer ehrfurchtsvollen Verbeugung,„das iſt wirklich eine große Ehre. Da aber dieſer ſonderbare Tag von der Nachtwache an bis jetzt die allerwunderbarſten Dinge enthalten hat, ſo wundere ich mich nun über nichts mehr, ſondern danke auf das herz⸗ lichſte und aufrichtigſte für eine Erlaubniß, deren ich mich mit vielem Stolze bedienen werde. Und ſo gewiß wie ich Georg Letsler heiße, ſoll der Rectificator— von Onkels eigener Hand geflochten— mich durch das ganze Leben hindurch eben ſo treu begleiten, wie dieſer Degen, den ich vor einem Augenblicke von dem Chef ſelbſt erhielt!“ Bei dieſen Worten zog er die kleine Waͤffe hervor, die er bisher verſteckt gehalten hatte. „Dank, Du Ehrenjunge! Ich bin überzeugt, daß Du denkſt, was Du ſagſt. Und ich kann Dir auch ſagen, daß ich ein wenig von dieſem Dinge ſah, als Du bei der Kanone zu mir tratſt, und daher ſogleich begriff, wie viel die Uhr war... Und nun kannſt Du mir wohl auch erzählen, was Dir der Alte für ſchöne Dinge ſagte das muß nicht ſo wenig geweſen ſein, nach der Zeit zu urtheilen, da Du unten warſt.“ — Mit Comman nach den glaubte, dem Che bei der g Jahre eit fahrer zu „Jn „das ſind ich ſagen thut nich war eine Ich habe Alte die auf ſeine und daru und Erbe wiſſen— kein Men Krone gr. er für L beit ſein! 4„Bi etwas no⸗ ein gelb ein Mann in dieſem *) Eine Göteb forna, ndheit ver⸗ ggte, wenn ondern daß heines alten er“— hier holte eine dfadens ein een befeſtigt 1“ atungsvollen den Horn⸗ im denſelben ſeiner Seits undheit eine furchtsvollen Da aber bis jetzt die wundere ich (uf das herz⸗ —ren ich mich ewiß wie ich von Onkels ganze Leben Degen, den bſt erhielt!“ rvor, die er rzeugt, daß auch ſagen, Du bei der rriff, wie viel wohl auch ge ſagte— der Zeit zu —.,— 18⁵ Mit Ausnahme deſſen, was die Bekanntſchaft des Commandeur⸗Capitains mit ſeinem Vater betraf, was er nach dem eben erhaltenen Winke verſchweigen zu müſſen glaubte, erzählte nun Georg alles Uebrige, ja jedes von dem Chef ausgeſprochene Wort, und verweilte beſonders bei der glänzenden Ausſicht, vielleicht ſchon im folgenden Jahre einen Platz als Unterſteuermann auf einem Oſtindien⸗ fahrer zu haben. „Junge!“ rief Stormbom herzlich vergnügt aus, „das ſind große Neuigkeiten— große Ausſichten, wollte ich ſagen! Ich kenne den Alten im Hintertheile: er thut nichts zur Hälfte. Dein Glück iſt gemacht, und es war eine geſegnete Stunde, da Du die Kanone beſtiegſt! Ich habe als etwas ganz Beſtimmtes gehört, daß der Alte die Abſicht hat, ſich jetzt in Ruhe zu begeben und auf ſeinem alten Gute in Holland vor Anker zu gehen, und darum will er zum Dank dafür, daß Du ſeinen Sohn und Erben auffiſchteſt, Dich bei der Kauffahrtei geborgen wiſſen— und eben das gefällt mir. Denn obgleich es kein Menſch beſſer weiß als ich, daß der Brodkuchen der Krone groß iſt, ſo weiß vielleicht auch keiner beſſer, daß er für Leute, wie Du und ich, verdammt zähe iſt.“ „Und wenn ich nach Goͤteborg komme, wo ich dieſen Winter die Navigation lernen ſoll, ſo erlaubt wohl Onkel, daß ich bisweilen komme und ein Stündchen verplaudere? Ich denke, das ſoll mir die beſte Zerſtreuung nach der Ar⸗ beit ſein!“ „Bisweilen— ſagſt Du... Höre zu: ich weiß etwas noch weit Beſſeres! Draußen im Maſthugg*) liegt ein gelb angeſtrichenes hölzernes Häuschen, deſſen Beſitzer ein Mann mit Namen Stormbom iſt. Weiter, ſiehſt Du, in dieſem Häuschen iſt ein kleines Kämmerlein mit einem *) Eine faſt nur von Seeleuten bewohnte Vorſtadt von Göteborg; die äußerſte Vorſtadt am Meere heißt Ma⸗ ſorna, welches unten vorkommt. Anm. d. Ueb. 186 eigenen Eingange. Meine Alte, die— Du kannſt mir's auf meine Seemannsehre glauben— an Vortrefflichkeit nicht ihres Gleichen hat, kann Dir Deine Wäſche waſchen und Dich zu aller Art von Ordnung ziehen, und ich, ich will Dir ein Vater ſein, falls Du keinen beſſern bei der Hand haſt!“ „Topp!“ entgegnete Georg hoͤchſt zufrieden.„Wenn der Commandeur⸗Capitain nicht etwas ganz Beſonderes dagegen einzuwenden hat, ſo kann ich nicht anders als das ehrenwerthe Anerbieten mit der größten Dankbarkeit anzunehmen. Onkel bleibt wohl nicht lange in Carlskrona, kann ich mir denken?2“— Hier wurde das vertrauliche Geſpräch von einer ein⸗ tretenden Perſon unterbrochen, welche kaum den Kopf zur Thür herein geſteckt hatte, als er ſchon mit einer luſtigen Grimaſſe Stormbom zunickte und ausrief:„Ich habe zu⸗ fällig die Augen in den Kalender geworfen, Onkel, und meiner Seel! ich wurde hell im Geſicht wie eine Sonnen⸗ blume, als ich ſah, daß es heute nicht mehr und nicht weniger iſt, als der zwanzigſte!“ „Auguſt, ja...“ lachte der alte Stormbom mit voller klingender Stimme.„Doch, mein lieber Mas, meinen Geburtstag feiere ich erſt den zwanzigſten Sep⸗ tember.“ „Uff, uff, Onkel!— dagegen lege ich Proteſt ein! Ich habe mich auf einen frohen Abend bereit gemacht, und ich will es Dir daher beweiſen, daß es den beſten Grund in der Welt hat, es mit einem Monate mehr oder weni⸗ ger nicht ſo genau zu nehmen. Heute, den zwanzigſten Auguſt, ſind wir noch beiſammen, den zwanzigſten Sep⸗ tember iſt die Fregatte im Hafen und wir haben einander Lebewohl geſagt, und das vielleicht für immer— bedenke das, Onkel, weil es noch Zeit iſt!“ „Nun, nun, Steuermann Mas! Du haſt eben nicht Unrecht; und da wir hier doch im Hafen liegen und mit nichts Anderem die Zeit vertreiben koͤnnen, ſo war der 1 Gedanke Rum im achtundfi zu mir k ſehen un noch ein iſt, als trinken k Na welcher ſollte, C männer, mann N vortreffli detten a geweſen Mittheil überall bei ſeine mit kein Na länglich ßen Gli er unge konnte. koͤnnen, ſeine u nein.. nicht we hatte ja Tage g und ſie obendrei ihn beti daran m daß es unſt mir's refflichkeit e waſchen ich, ich en bei der „Wenn Beſonderes nders als Hankbarkeit lange in einer ein⸗ Kopf zur er luſtigen h habe zu⸗ nkel, und Sonnen⸗ und nicht bom mit ber Mas, hſten Sep⸗ proteſt ein! nacht, und ſten Grund oder weni⸗ zwanzigſten ggſten Sep⸗ i einander bedenke eben nicht n und mit b war der —— 187 Gedanke ſo dumm nicht! Ich denke, es ſoll noch ſo viel Rum im Kruge ſein, daß er zu einer Bowle an meinem achtundfünfzigſten Geburtstage reicht. Ihr ſollt Euer drei zu mir kommen, und Georg kann wohl ebenfalls mit ein⸗ ſehen und im Vorbeigehen ein Glas nehmen, obgleich er noch ein zu junges Huhn und noch zu gering an Würde iſt, als daß er ſich zu alten Seeleuten ſetzen und mit ihnen trinken kann.“ Nachdem Georg zu dem improviſirten Geburtstage, welcher nun in vollem Ernſte vorwärts gerückt werden ſollte, Glück gewünſcht hatte, verließ er die beiden Ehren⸗ männer, den Flaggenſchiffer Stormbom und den Steuer⸗ mann Mas, um mit ſeinen frohen Neuigkeiten ſowohl dem vortrefflichen Premierlieutenant, als auch dem jungen Ka⸗ detten aufzuwarten, deſſen Geſandter er am vorigen Abend geweſen war. Und wohin Georg mit ſeinen intereſſanten Mittheilungen kam und ging, übevall war er willkommen, überall wurde er mit großem Vergnügen gehoͤrt; ja ſogar bei ſeinen Cameraden war die Theilnahme allgemein und mit keinem Neide gemiſcht. Nachdem er jedoch das Glück und den Stolz hin⸗ länglich genoſſen hatte, der in der Mittheilung eines gro⸗ ßen Glückes liegt, ſo ſuchte er einen einſamen Ort, wo er ungeſtört ſeine angenehmen Gedankenbilder fortſetzen konnte. O, hätte er nur das groͤßte Glück noch erwarten knnen, bei der Rückkehr auf die Johannis⸗Klippe noch ſeine unvergeßliche Mutter treffen zu können— doch nein... bei näherem Nachdenken wollte er es dennoch nicht wünſchen: ſie war ſo glücklich, wo ſie jetzt war; ſie hatte ja auf der öden, nackten Klippe im Meere ſo lange Tage gehabt! Warum ſollte er alſo ihren Frieden ſtören und ſie wieder auf die Erde zurückrufen? War er nicht obendrein überzengt, daß ſie alles ſah und wußte, was ihn betraf, daß ſie ſich ſeines Glückes freute und Theil daran nahm, daß er es ihren Bitten zu danken hatte, daß es ihm ſo gut gegangen war, und daß ſie mit ſorg⸗ 188 fältiger Aufmerkſamkeit ſeinen Schritten folgte, ſo daß er nie weder etwas Gutes noch etwas Boͤſes thun konnte, das ſie nicht wußte. Dieſer Glaube oder, richtiger geſagt, Aberglaube, der auf ein von Natur ſchwärmeriſches Gemüth einen höchſt ſchädlichen Einfluß hätte haben koͤnnen, wirkte wohlthätig auf Georg, der einer jugendlichen Fröhlichkeit und einem friſchen Muthe eben ſo ſehr, als einer gewiſſen Verwegen⸗ heit, einer nicht immer überlegten Tollkühnheit geneigt war. Wenn er ſich geneigt fühlte, irgend ein Schelmſtück zu be⸗ gehen, das man ſtrenge genommen nicht ganz unſchuldig nennen konnte, ſo dachte er immer an die Ermahnungen ſeiner geliebten Mutter, und ſo ſchwer es ihm auch wurde, ſo übertrat er dann doch nie die Gränze, welche ſein eige⸗ nes Gewiſſen vor das Erlaubte zog. Beſtand er bei einer anderen Gelegenheit Verſuchungen von dem Aufbrauſen ſeines heftigen Gemüthes, ſo waren wiederum ſeine Ge⸗ danken bei ihr: da widerhallte in ſeinem Ohre der zitternde Klang ihrer Stimme, ihrer Bitten während ihres letzten Lebensjahres, und bei dieſer Erinnerung wurde es in ſeiner Seele wieder ſtill und ruhig. Und ſo zart war Georg's Gefühl, daß, wenn er je zuweilen des Abends, ermüdet von den anſtrengenden Tagesarbeiten ſeine Hangematte ge⸗ ſucht hatte und ohne das Gebet zu Gott, ohne den Seuf⸗ zer an ſie zu entſchlummern, er ſich am folgenden Morgen ſtundenlang mit der Furcht beunruhigen konnte, daß ſein wachender Engel traurig in den Wolken ſäße und auf ihn herab blickte; und bei ſolchen Gelegenheiten wurde wohl bisweilen ſeine Phantaſie ſo ſtark, daß er unter den ſchnell vorbei ſegelnden Wolken das von den goldglänzenden Locken umfloſſene Haupt der Mutter zu unterſcheiden vermeinte, und im Herzen fühlte er es dann deutlich, ob die geliebten blauen Augen ihm lächelten oder um ſeinetwillen weinten. Aber wir würden Georg Unrecht thun, wenn wir nicht ebenfalls ſagten, daß ſeine lebhaften Gedanken auch täglich bei dem gebeugten Vater auf der öͤden Johannis⸗Klippe zum Bef zerſtörte denen wi Einſiedle ken war alte biede den, nac Und danm dann.. Hoffnung ſowohl ſi norwegiſc Mit welcher d war, ſcho gangen, ſe Mannſcha nehmen ke menden 2 neuen We ſammenha unvergleic leeren Rä Gege kommenſte der wache Promenar ſo daß er in konnte, laube, der nen hoͤchſt wohlthätig und einem Verwegen⸗ neigt war. ück zu be⸗ unſchuldig nahnungen uch wurde, ſein eige⸗ bei einer Aufbrauſen ſeine Ge⸗ zitternde res letzten s in ſeiner r Georg's , ermüdet matte ge⸗ den Seuf⸗ n Morgen daß ſein d auf ihn lurde wohl ben ſchnell den Locken vermeinte, geliebten weinten. wir nicht ch täglich ſis⸗Klippe — — — ,— 189 zum Beſuch waren. Doch ſein Bild that Georg weh und zerſtörte die Freude, deren er ſonſt genoſſen haben würde; denen wie konnte er froh ſein, wenn ſeine Seele den armen Einſiedler umſchwebte? der einzige Troſt bei dieſen Gedan⸗ ken war die Gewißheit, daß der redliche Carolus und der alte biedere Elias Aßbjoͤrnsſon es nicht unterlaſſen wür⸗ den, nach beſten Kräften ihrem Nachbar beizuſpringen. Und dann kam ja Georg ſelbſt auch bald nach Hauſe, und dann.... Mit einer ſolchen warmen und roſenrothen Hoffnung ſchloſſen ſtets Georg's Gedanken, welche auch ſowohl für die ſchöne Fanny in Strand als auch für die norwegiſche Fanny im Käfig noch guten Raum hatten. Fünfzehntes Kapitel. Mit gewoͤhnlicher Launenhaftigkeit war der Wind, welcher die ganze Nacht hindurch ganz widrig geweſen war, ſchon gegen das Ende der Nachmittagswache umge⸗ gangen, ſo daß, obgleich noch kein Befehl ertheilt war, die Mannſchaft ſolche Vorkehrungen traf, daß man daraus ab⸗ nehmen konnte, man würde wahrſcheinlich am nächſtkom⸗ menden Abende ſchon bei Winga oder wohl gar bei der neuen Werfte von Göteborg vor Anker liegen. Im Zu⸗ ſammenhange hiemit ſtellte ſich die Erinnerung an den unvergleichlichen Goͤteborger Porter ein, der gewiß einige leeren Räume im Taſchenbuche veranlaſſen würde. Gegenwärtig herrſchte auf dem Fahrzeuge die voll⸗ kommenſte Stille, nur unterbrochen von dem Geplauder der wachehabenden Mannſchaft und von den regelmäßigen Promenaden des wachehabenven Offtzieres. 190 Der Chef nebſt dem größten Theile der Oberen war an das Land gefahren, und frei von allem Dienſte lag die ſtolze Fregatte anmuthsvoll ſchwankend auf der gekräuſelten Oberfläche, die geſtern Abend noch ein Spiegel ihrer ſchö⸗ nen Formen geweſen war. In der Cajüte des Flaggenſchiffers Stormbom, welche er mit dem Steuermann Mas theilte, herrſchte ein Leben und eine Munterkeit, die wirklich der Bruſt aller derjeni⸗ gen, die nur Zuhörer ſein durften, Seufzer entpreßte. Georg erſchien nicht bei dem Schmauſe: er war mit unter denjenigen, die beordert worden waren, die Schaluppe des Chefs zu rudern; doch es wäre eine Sünde und eine Schande geweſen, wenn man hätte behaupten wollen, daß er nur im Geringſten vermißt wurde. Nein, ſaß der alte Stormbom mit einer Geſchichte auf den Lippen und dem Punſchlöffel in der Hand bei der Boyvle, ſo vermißte er— nichts. jenigen, die durch gleichen oder untergeordneten Nang in näherer freundſchaftlicher Verbindung zu ihm ſtanden, ſon⸗ dern auch bei der ganzen Beſatzung für das Muſter eines ächten Seemannes. In der Gefahr bis zum Erſtaunen kaltblütig, dazwiſchen aber wieder warm wie geglühtes Ei⸗ ſen, war er zu gleicher Zeit ihr Muſter und ihr Plagegeiſt. Nie war irgend jemand bereitwilliger, Bekümmerniſſe anzuhören. Er nahm von ganzem Herzen Theil, wenn jemand kam, ihm zu beichten, und ſparte noch überdies kluge und wohlberechnete Rathſchläge eben ſo wenig, als er bei andern Gelegenheiten die Handhabung des Rectifica⸗ tors ſparte, denn die Ueberzeugung des Alten war, daß junge Seeleute nicht zur Vollkommenheit in ihrem Dienſte herangebildet werden könnten, als wenn ſie früh gelernt hätten, den wohlthätigen Einfluß einer wohlthätigen Kar⸗ batſche zu ſchätzen. Uebrigens lag in der ganzen hohen und kräftigen Ge⸗ ſtalt des alten Stormbom, in ſeinem männlichen, von der —,— Der Flaggenſchiffer Stormbom galt nicht nur bei den⸗ P 3 — 8 8 Son den das höhen ſchifff reren Geleg das 2 hoben ganzen wenigt giles Gäͤſte Alte in D verſeher beſtand hörte, Bowle ſilberne Wurſtht Di jedem A und alle ten bedie bung übe Hogland Schilderu ſo ſchnell thun ließ, r ergrif eſtrafung Den 17 Sphlaa Ddberen war iſte lag die gekräuſelten ihrer ſcho⸗ 4 vom, welche e ein Leben Uer derjeni⸗ atpreßte. er war mit e Schaluppe de und eine wollen, daß ſaß der alte en und dem rmißte er— en Nang in anden, ſon⸗ Muſter eines nur bei den⸗ (n Erſtaunen eglühtes Ei⸗ r Plagegeiſt. lekümmerniſſe Cheil, wenn och überdies wenig„ als pes Rectifiea⸗ n war, daß ihrem Dienſte früh gelernt fhätigen Kar⸗ ſo ſchnell es ſich mi Er ergriff den zunächſt vorhandenen, näͤmlich Georg's Beſtrafung und Mannhafiigkeit. kräftigen Ge⸗ en, von der 8 191 Sonne verbrannten und von den Jahren gefurchten, von den langen ergrauten Locken umfl atterten Geſichte etwas, das unwillkürlich Achtung gebot, obgleich er es nicht höher, als bis zum Schiffer mit dem Titel eines Flaggen⸗ ſchiffers gebracht hatte. Und wenn der Alte , der an meh⸗ reren Seeſchlachten Theil genommen hatte, bei feierlichen Gelegenheiten den ſogenannten Medalllenrock trug und durch das Anziehen deſſelben ſich auf einen höheren Punkt ge⸗ hoben fühlte, ſo war gewiß keine einzige Seele auf der ganzen Fregatte, die ſich nicht vor ihm bückte oder ſich wenigſtens dazu verſucht fühlte: ein ſolcher Ausdruck von ſtiller und edler Hoheit ruhte auf den Zügen des Alten... In der kleinen Cajüte, welche die drei eingeladenen Gaͤſte und. er ſelbſt eingenommen hatten, war jetzt der Alte im beſten Zuge zu plaudern. Die Bowle, welche aus ein verſehenen, mit Oelfarbe angeſtr beſtand, das hörte, ſtand mitten auf dem Tiſche, König drei uteille abgelöste Wurſthorn, aus welchem der Alte ſelbſt trank, aufgeſtellt. i leuchtete aus ffer den Löffel regierte und alle nicht nur mit Punſch, ſondern auch mit Geſchich⸗ ten bediente. Er war eben in der Fahrt, eine Beſchrei⸗ bung über ſein eigentliches Lieblingsthema, die Schlacht bei Hogland*), zu geben, als Mas, der dieſelbe aus älteren Schilderungen an feinen fünf Fingern kannte, für gut fand, t Achtung gegen den geehrten Wieth thun ließ, die Rede auf einen anderen Gegenſtand zu leiten. Den 17. Juli 1788 zwiſchen Schlacht blieb unentſchieden, * Schweden und Ruſſen. Die Anm. d. Ueberf. tiger Junge!“ ſagte Storm⸗ von ſeinem Günſtlinge re⸗ den zu können, vergaß, daß er gewiſſer Maßen unterbrochen worden war.„Ich weiſſage, daß es nicht viele Jahre dauert, ſo bekommt er etwas zu befehlen— Ihr wißt „Das iſt ein verteufelt tüch bom, der über das Vergnügen, wohl, wie es eigentlich mit dem Eingemachten zuſammen⸗ hängt? Der Alte im Hintertheile hat die Sache ſelbſt ein gerech⸗ t werden laſſen: er weiß recht gut, was und wäre er auch fünfzehnmal Chef.“ doch nicht ganz ſo öffentlich mit der Beſtrafung zu!“ bemerkte einer der Gäſte.„Der Com⸗ mandeur⸗Capitain hatte einige Worte gegen den Second fallen laſſen; dieſer überbrachte dieſelben dem Premierlieu⸗ tenant, und ſo ging es den ganzen Weg. Ich meines Theils dachte ſogleich: Georg iſt ein allzu großer Schelm, als daß er mit ſolchen Kleinigkeiten ſpielen ſollte... Ein tüchtiger Junge, ein kluger Junge!... Es iſt eine wahre Augenweide zu ſehen, wie er köpflings von dem Maſtkorbe in die See ſtürzt und wohl zwanzigmal um die Fre⸗ gatte ſchwimmt!“ „Und wer klettert im ſtärkſten Sturm hurtiger in der Takelage umher, wenn ein Segel gerefft werden ſoll?“ fiel Stormbom ein.„Doch es iſt nicht genug, daß er Muth und Verwegenheit hat— das gehört allen jungen Gelbſchnäbeln an, die das Herz auf dem rechten Flecke haben— er iſt auch geſchliffen, geſchliffen wie ein Fuchs, wenn es Noth thut.... Ich weiß nicht, ob ich Euch die Geſchichte von den Engländern und den Guineen erzählt habe, die ſich zutrug, als wir vor Gibraltar lagen? habe ſie ſelbſt von Lieutenant W... gehört, und er iſt ein ſo tüchtiger Junge, daß man jedes Wort, welches er ſagt, für ein Buchwort halten kann!“ „O, beſter Onkel; ich höͤrte wohl etwas keln, als Georg am Morgen zurückkam und ſeine Ranzich vom Rectificator erhielt; doch den rechten Zuſammenbi 1 bekann ter Chef thun muß, „Es ging aber „ davon mun⸗ 8 5 5 konnte ich Sto ſich etwas er ſeine( e a, richtig in au prügeln Nun, wie letzten Se nooch wißt Stadt reiß Uhr am 2 die Becher zuletzt!. ruderer m äch beka meinen, Nun wohl natürlicher frohen Tag der weder anglotzt un meraden g lard geſpie iſt. Georg ihm und b vor der Th und den I zu ſtehen, Gurtsta 8 er 43 er Ein Storm⸗ inge re⸗ rbrochen e Jahre öhr wißt ſammen⸗ che ſelbſt — — n gerech⸗ al Chef.“ ) mit der der Com⸗ n Second remierlien⸗ Ich meine Wcechelm, te.... Ein eine wahre Maſtkorbe die Fre⸗ rden ſoll?¹ ug, daß er allen jungen echten Flecke e ein nachs ich Euch die ih erzählt lagen 3 (und er iſt ein lliches er ſagt, tiger in der davon munt ſeine Ranziot uſammenheg * 193* konnte ich nie erfahren, und es wäre ſchoöͤn, wenn ich ihn nun zu wiſſen kriegte!“ Stormbom fuͤllte das Horn und den Becher, und ſich etwas rücklings über an die Wand lehnend, begann er ſeine Geſchichte folgender Maßen: „Ja, er iſt ein Junge, der da taugt— es hat mir richtig in der Seele wohl gethan, einen ſolchen Jungen zu prügeln, und ich liebe ihn, wie meinen eigenen Sohn! Nun, wie geſagt, wir lagen vor Gibraltar. Es war am letzten Sonntage vor unſrer Rückreiſe, und wie Ihr wohl noch wißt, hatten die Kadetten Erlaubniß erhalten, in die Stadt reiſen zu dürfen, jedoch mit dem Befehl, um zehn Uhr am Abende zurück zu ſein.. So, Kinder! rührt die Becher. Proſit! die Geſundheiten ſparen wir bis zuletzt!... die jungen Herren hatten vier Schaluppen⸗ ruderer mit, unter ihnen Georg und Brännare, der, wie „Cuch bekannt, unſern kleinen Edelleuten aufpaßt, die da meinen, ſie ſeien zu gut, ſelbſt ihre Stiefel zu wichſen. Nun wohl: Als ſie ans Land kamen, ſo ſingen die Herren natürlicher Weiſe an, ſich zu bedenken, wie ſie ſich einen frohen Tag machen könnten. Doch der kleine Fiffenberg, der weder trinkt, noch Karten ſpielt, ſondern den Mond anglotzt und Liebeslieder ſchreibt, hatte ſich von den Ca⸗ meraden getrennt und an einen Ort begeben, wo nur Bil⸗ lard geſpielt wurde, welches Fiffenberg's beſtes Vergnügen iſt. Georg und Brännare gingen auf ſeinen Befehl mit ihm und blieben, ebenfalls auf gnädigen Befehl, draußen vor der Thür. Als jedoch das Spiel etwas lange dauerte, und den Jungen die Zeit lange wurde, auf dem Poſten zu ſtehen, ſo ſchlichen ſie ſich behend hinein und erwiſch⸗ ten einen kleinen Sitzplatz in einer Ecke dicht bei der Thür... Aber ſchlaft mir nicht ein, Ihr Herren, ſon⸗ dein hebt die Gläſer— der alte Stormbom feiert ſeinen duttstas nicht oͤfter als einmal des Jahres, doch dann will er auch einen Haarbeutel haben!“ der Einſiedler ꝛc. J. 13 * 194 Die drei Gäſte nickten Beifall, leerten die Becher und ließen ſie unter ſtiller Aufmerkſamkeit von dem Wirthe wieder füllen. „Nun, Fiffenberg und zwei engliſche Kadetten und ein Paar ſpaniſche Buchhalter hatten mehrere Stunden lang mit einander geſpielt, als ploͤtzlich die jungen Herren ſich erzürnten. Georg, der ſogleich merkte, daß es ſich zum Ernſte artete, ſchlich ſich behende zu einem Seiten⸗ tiſche, wohin die Kadetten ihre Degen gelegt hatten, zog ſämmtliche Klingen aus und war ſo glücklich, dieſelben unbemerkt hinter einem Schranke verſtecken zu können. Darauf kehrte er an ſeinen Platz zurück.“ „Nun, jetzt wird's luſtig zu höͤren, wie es gingl“ ſagte Mas, während Stormbom ſeine Aufmerkſamkeit der Pfeife widmete, welche ihm ausgehen wollte, und einer von den beiden andern Gäſten fluchte mit herzlicher Zufrie⸗ denheit:„Hol' der Teufel den Georg, daß er ſo etwas wagte!“ „Ja, Georg hatte, mein Seel' und Leib! richtig ge⸗ rathen: plöͤtzlich liefen alle drei Kadetten zu ihren Waf⸗ fen; als ſie jedoch die Scheiden leer fanden, ſo behauptete der eine Engländer, Fiffenberg hätte ſie aus Feigheit ver⸗ ſteckt. Doch Fiffenberg, ſo fein und nett er auch ſein mag, iſt doch keine Meiſe: und das zeigte er am beſten dadurch, daß er dem Engländer, als Antwort auf die Beſchuldigung, eines vor das eine Feuer(Auge) gab, ſo daß dieſer an die Wand taumelte.“ „Gut gehandelt!“ rief Mas.„Fiffenberg ſoll le⸗ ben! Ich hätte es ihm nicht zugetraut, daß er ein ſol cher Kerl wäre! Aber was thaten nun die Engländer?“ „Der Eine ruhte ſich, verſteht Ihr, nach der erhal⸗ tenen Ranzion, während der Andre ſich rüſtete, das Spiil an ſeiner Stelle zu Ende zu führen. Als er jedoch ſah⸗ daß der Camerad, nachdem er ein wenig Luft geſchöͤßſt hatte, mit einem Bor, den der Teufel in eigener Peiſon den berdammten Englaͤnder gelehrt hat, auf Fiſſenbeg losging, ſeiner E. zu. Dock berg ſchlee hieb und Bremſe z1 er einem Naſſe lege Und nun, Verſtärkun drei uͤber d nehmen, de er war auf Wie... h Gießt die3 daß Du ein æ*. kopf u ſiel Vorrath de in der Eile „Ja, 9 eorg„ er rannare!⸗ nnd laß Kei der tüchtige umſonſt ſeine oorten Jeert nen Miene „Nun, Ihr die zur Hand ten in dem mit Armen u länder erſchre der auch wier engliſche Kad⸗ Sigarre rauch 195 die Becher losging, ſo ließ er ſie in Ruhe und ſetzte ſich alſo, mit dem Wirthe deng Cigarre im Munde, ſtill auf ebee ſh und ſah zu. Doch, nun koͤnnt Ihr glauben, ging es dem Fiffen⸗ berg ſchlecht, denn er hatte nie Borerkniffe gelernt; er hieb und ſchlug um ſich, wie ein blindes Pferd, wenn die Bremſe zu naſeweis wird; aber wie er hieb, ſo verſetzte er einem von den Spaniern, der auch ſeine Naſe in das Naſſe legen zu wollen ſchien„ ebenfalls einen Schlag. Und nun, verſteht Ihr, erhielt der engliſche Kadett gute Verſtärkung von den beiden Spaniern, und als nun alſo drei üͤber Fiffenberg herkamen, ſo kann kein Menſch übel nehmen, daß er es nicht lange aushielt, ſondern ſo lang er war auf der Erde lag mit allen drei Beſtien um ſich, wie... wie.. dadetten und ere Stunden ungen Herren daß es ſich nem Seiten⸗ t hatten, zog ich, dieſelben zu können. ie es gingl⸗ erkſamkeit der lner. nun gleichviel, kann gleichgültig ſein! „ und ina Gießt die Perle hinunter! Was— ich ſehe es Dir an, icher Befn daß Du einen Gedankenſteller brauchſt!“ er 61 richtig ge u ihren Waf⸗ ſo behauptete eigheit ver⸗ 5 dhen ſein er am beſten twort auf die luge) gab, ſo nberg ſoll le aß 5 ein ſal⸗ Engländer?“ ach der erhal⸗ ete, das Spiel ler jedoch ſah Luft geſchöf ſeigener Perſon auf Fiffenberg „.... wie ein Haufen von Ferkeln u kopf!“ ſiel Mas ein, welcher, Vorrath des Alten an Gleichniſſen auszu in der Eile das erſte Bild ergriff, das ihm „Ja, ganz ſo!“ nickte Stormbom.„D m einen Kohl⸗ da er bemerkte, daß der gehen begann, einfiel. och nun meinte eorg, er könnte nicht länger den Reſpekt beobachten. „Brännare!“ flüſterte er, und laß Keinen ein! Ich habe Luſt der tüchtige Junge,„ob mir der alte Stor umſonſt ſeine Lehren eingeimpft hat!”“.. Vorten leerte der Flaggenſchiffer mit einer nen Miene das „Run, Ihr Herren, die zur Hand war, und mit einem Sprunge „gib Du auf die Thür Acht zu ſehen,“ ſagte er, mbom ſo ganz . Mit dieſen ſelbſtzufriede⸗ Wurſthorn und holte tief Athem.... Georg nahm die erſte beſte Queue, ſtand er mit⸗ ten in dem Haufen und faſt ſo raſch und verwegen mit Armen und Beinen, daß die Spanier und der Eng⸗ länder erſchraken der auch wieder glücklich auf die Beine kan engliſche Kadett, und den Fiffenberg loslaſſen mußten, Der andere welcher auf dem Billard ſaß und ſeine Varre rauchte, rief nur in einem fort;„Goddam!“ und 196 rauchte und rauchte, denn ſeht, er meinte, der Junge machte ſeine Sache gut.“ 1 „„Er hat nicht umſonſt vierzehn Monate unter Onkels Rectificator geſegelt!“ fiel einer der Gäſte ein.„Doch hol' der Teufel den Kadetten, der ſtill ſitzen und zuſehen konnte, ohne zwei Strohhalme in's Kreuz zu legen, um die Stärke zu vertheilen, ehe Georg hinzukam— ſie hät⸗ ten ja Fiffenberg ganz zu Kohlen machen können.... Proſit, Onkel!“ „Jedes Land hat ſeine Sitte, ſeine Art und Weiſe,“ meinte Stormbom,„und darum legte er, ſtatt der Stroh⸗ halme, ſeine Beine in's Kreuz. Was ich an ſeiner Stelle gethan haben würde, das weiß ich wohl! Jetzt aber wurde das Unweſen ſo überlaut, daß die Poli⸗ zei Nachricht davon erhielt; doch zugleich mit der Wache kamen auch alle übrigen Kadetten, und ſo wurde es ihnen eben nicht ſchwer, ihre Cameraden zu befreien. Schnell begaben ſie ſich hinab zu der Schaluppe, wo die beiden Ruderer alles zur Abreiſe klar hatten.“ „Wie aber ging es mit Fiffenberg's Degen, den Georg verſteckt hatte?“ fragte Mas.„Ohne dieſen wagte er wohl nicht zurückzukommen?“ „Ja, ſiehſt Du, da lag der Hund begraben! Und da Georg bald an den Umſtand dachte, ſo ſchlich er ſich zurück in vas Billardzimmer; doch gerade, da er ſich bückte, un die Degen hervorzuſuchen, ſo wurde er von hinten ergri⸗ fen, und ehe er nur einen Seufzer von ſich gebes konnte⸗ befand er ſich zwiſchen der Wache auf dem Wege zum Arreſt.“ „Ich wünſchte, der Teufel fraͤße ſolche Spione unge⸗ kocht!“ rief Mas mit der allergrößten Theilnahme. „Als Georg an dem engliſchen Kadetten vorbeiging, den er eben ſo tüchtig gegerbt hatte, ſo gab er dieſem en Zeichen, er ſollte Fiffenberg's Degen mitnehmen. Andere, welcher zum Schranke eilte und die Klingen fand begriff nun die ganze Sache; und Georg's Aufführung muß ihr ſchon freͦ nachdem haber ge den beid ſieh, da in ſeiner länder a Punſch ü wie tief ohne win hört, wer — Geor eignen Ke ken, als e Da 1 mit ſüßen Onkel, wo „Ja, ſagt. Er und den a glauben, , der Junge unter Onkels ein.„Doch n und zuſehen zu legen, um im— ſie hät⸗ können.... et und Weiſe,“ tatt der Stroh⸗ ich an ſeiner ß ich wohl! daß die Poli⸗ mit der Wache wurde es ihnen freien. Schnell wo die beiden egen, den Georg pieſen wagte er graben! Und d ich er ſich zurüc ſich bückte, un pn hinten ergriſ⸗ ch geben konnte, hbem Wege zum he Spione unge eilnahme. etten vorbeiging, nitnehmen. Da die Klingen fand rg's Aufmͤhrun ab er dieſem eint 197 muß ihm wohl gefallen haben, denn obgleich er ſich ſelbſt ſchon frei gemacht hatte, ſo ging er dennoch mit, und nachdem er auf eine Weile auf Spaniſch mit dem Befehls⸗ haber geredet hatte, wurde Georg losgelaſſen und eilte mit den beiden engliſchen Kadetten nach dem Hafen. Aber ſieh, da waren unſre Kadetten ſchon abgefahren; und in ſeiner Noth war Georg froh, das Anerbieten der Eng⸗ länder annehmen zu köͤnnen, nämlich erſt mit auf ihre Fregatte zu kommen, und dann ein Boot zu ſeiner eigenen zu erhalten.“ „Der T—! wie wird's dem Jungen nun gehen?“ „Du ſollſt hören! Als ſie beim Engländer glücklich an Bord gekommen waren, nahmen ihn die Kadetten mit ſich in ihre Cajüte. Nun weiß ich nicht, ob ſie's ihm anſahen— man ſieht es Georg ſonſt gut genug an— daß er von Leuten hergekommen iſt, oder ob es nur einer von den vielen Einfällen iſt, welche die Engländer haben, genug, ſie meinten, es ſei curios, mit einem Schiffsjungen en Camerad umzugehen und boten ihm daher Wein und Punſch über die Maßen. Sie wollten wohl auch ſehen, wie tief ein ſchwediſcher Seegaſt in den Krug ſehen kann, ohne wimmelkantig zu werden! Aber haſt Du davon ge⸗ hört, wer in ſeine eigene Grube ſiel, ſagt der Deutſche — Georg, gute Freunde! mußte drei Kadetten in ihre eignen Kojen packen helfen, und war dennoch nicht betrun⸗ ken, als er wieder bei uns an Bord kam.“ „Das glaube ich wohl!“ bemerkte Mas.„Ich weiß nicht, wie's der Satans⸗Junge macht: obgleich er für ein gutes Glas nicht Nein ſagt, wenn es ſo ſein ſoll, ſo ſieht man's ihm nie mehr an, als ob er die Gurgel mit ſüßem Waſſer geklärt hätte.... Doch weiter, Onkel, weiter!“ „Ja, nun kommt die Concluſio, wie der Prieſter ſagt. Er brachte zwei Briefe mit, einen an Fiffenberg und den andern an den Premierlieutenant, und Ihr koͤnnt glauben, ſie machten große Augen, als ſie erfuhren, daß 198 der Kadett, der ſo gut eingeſeift worden war, der Sohn eines der vornehmſten engliſchen Lords wäre!“ „Das war das Beſte von der ganzen Geſchichte la jubelte Mas, indem er ſeine Hände voller Entzücken rieb. „Ein Lordſohn von ſchwediſchen Fäuſten traktirt— nehmen Sie ſo fürlieb, Ew. Lordſchaft, und verſchmähen Sie nicht, was das Haus vermag!“ „In Fiffenberg's Brief,“ fuhr Stormbom fort,„ſtand die artigſte Einladung, zu dem Lordſohne und einigen an⸗ dern jungen Offizieren zum Frühſtück zu kommen, nebſt der Bitte, einen ſeiner Cameraden mitzubringen, um nach dem Frühſtücke entweder mit dem Degen oder mit Piſto⸗ len den unterbrochenen Zwiſt abzumachen. Der Brief an den Premierlieutenant dagegen— es iſt doch ein verteu⸗ felt ſtolzes und ehrenwerthes Volk, dieſe Engländer— enthielt einen ſchönen Verſuch, Georg zu entſchuldigen, weil er bis über die Permiſſionszeit ausgeblieben wäre, und damit folgten drei Guineen dafür, daß er wie ein 3 Gentleman ſchlagen und trinken konnte.“ „Das war ſchön, das war ehrenhaft, das war nicht Peunmre erſcholl es im Chor von den Lippen der Ge⸗ ellſchaft. „Der Premierlieutenant,“ fuhr der Alte fort,„dankte dem engliſchen Edelmanne in Fiffenberg's Namen auf das Artigſte, bedauerte jedoch, daß dieſer von dem Anerbieten keinen Profit ziehen könnte, theils weil er drei Tage im Arreſt ſitzen müßte, weil er bis über die Permiſſionszeit ausgeblieben wäre, theils auch weil die Fregatte mit Tagesanbruch die Anker lichten ſollte. Was dagegen den Schiffsjungen beträfe— hieß es weiter in dem Brief ſo, obgleich des Premierlieutenants eigenes Gefühl mit ſeiner Pflicht ſtritte, müßte letztere doch allem andern vorangehen; doch würden die drei Guineen ein angenehmer Erſatz ſein. Georg dagegen lachte recht gut über ſein Abenteuer, und ich meine(obgleich er's gewiß nicht ge⸗ ſagt hat) daß er's nicht beſſer wünſchen konnte, wenn er ſein ganze ſöhne zu ſter Guin Onkel die nachher a⸗ „Doc nehmen, die Bowle diehen wär ken! Ich dankt, wel aber ſollt die...“ war ſehr ſe digkeit uns ich meine Hauſe erwe abgenutzt, Schute mit war! Gen aber ſolche mehr, auck mannsherz. in ſie, eber ein Lieutena 3 mich d ſoo arm ich „Sie 1 ſchweigſamer aufgefordert nicht betroge „Nein, ich will Eu⸗ nicht wißt: , der Sohn 4 Geſchichte 10 ntzücken rieb. rt— nehmen hmähen Sie fort,„ſtand einigen an⸗ mmen, nebſt en, um nach er mit Piſto⸗ Der Brief an h ein verteu⸗ Engländer— entſchuldigen, blieben wäre, as war nicht pen der Ge⸗ fort,„dankte kermiſſionszeit Fregatte mit dagegen den ſem Brief— hllem andern angenehmer t über ſein viß nicht ge⸗ ſte, wenn er ß er wie ein men auf das Anerbieten rei Tage in Gefühl mit 199 ſein ganzes Lebelang keine ſchwerere Arbeit hätte, als Lord⸗ ſöhne zu prügeln, ſelbſt Schläge zu kriegen und als Pfla⸗ ſter Guineen anzunehmen!“ „Ich ſage nichts drüber,“ lächelte Mas;„denn das Gold unberechnet ſollte er jedes Mal froh ſein, wenn Onkel die Güte hat, ihm eine Lection zu geben, die nachher am engliſchen Gentleman Früchte tragen kann!“ „Doch nun, Ihr Herren,“ ließ ſich Stormbom ver⸗ nehmen, indem er eine feierliche Miene annahm und in, die Bowle blickte, um zu ſehen, wie weit es damit ge⸗ diehen wäre,„nun iſt's Zeit an die Geſundheiten zu den⸗ ken! Ich habe Euch in vielen Gläſern für die erſte ge⸗ dankt, welche Ihr auf mein Wohlergehen tranket; jetzt aber ſollt Ihr mir Beſcheid thun in einer Geſundheit, die...“ hier begann der Alte zu ſchluckſen, denn es war ſehr ſcharf getrunken worden...„die unſre Schul⸗ digkeit uns nicht bis zu allerletzt aufzuſchieben erlaubt: ich meine für unſre Alten, junge und alte, die uns zu Hauſe erwarten. Meine iſt zwar von der Zeit ein wenig abgenutzt, aber Ihr könnt mir's glauben, das war eine Schute mit ſchöner Farbe und Takelage, als ſie noch neu war! Gewiß habe ich von Weiberaugen reden hoͤren, aber ſolche Schießſcharten wachſen auf keinem Baume mehr, auch ſchoß ſie Breſche in manches tüchtige See⸗ mannsherz. Nun ich wurde verliebt, oder beſſer verrückt in ſie, eben ſo wie zwanzig andere— ja es war ſogar ein Lieutenant mit dabei, der ſie haben wollte... ja, hol' mich der T— es iſt wahr!! Doch ſie nahm mich, ſo arm ich war; ja, das that ſie!“ „Sie wußte wohl, was ſie that!“ meinte einer der ſchweigſamen Geſellſchaftsbrüder, und der andere fand ſich aufgefordert hinzuzufügen:„ſie wurde bei dem Commerz nicht betrogen, ſollte ich meinen!“ „Nein, ich glaube nicht— weder ſie noch ich! Doch ich will Euch etwas ſagen, das Ihr Gelbſchnäbel noch nicht wißt; es iſt mit den Weibern gerade ſo wie mit 200 den Schuten: je länger wir mit ihnen ſegeln, deſto lie⸗ ber werden ſie Einem... Geſundheit für die Alten!“ Und auf die Geſundheit aller guten Frauen wurde getrunken, nachdem die Becher zuvor zu ihren Ehren ge⸗ bührender Maßen angeſtoßen worden waren. „Ihr wißt,“ fuhr der Flaggenſchiffer fort,„daß ich nun bald penſionsmäßig bin, und ſo will ich den Ab⸗ ſchied nehmen und in meinem guten Hafen draußen im Maſthugg vor Anker gehen— nun, Ihr ſollt ihn ſchon ſehen, wenn wir an's Land kommen, und ich denke, er wird Euch auch gefallen, obgleich er verdammt klein iſt! Nun wollte ich nur ſagen, da Ihr noch viele Jahre in dem Dienſte der Königlichen Majeſtät und der Krone bleibt, ſo kommt Ihr gewiß noch auf mehre Expeditionen als dieſe mit hinaus, und trifft es ſich dann ſo, daß das Fahrzeug bei Goͤteborg anlegt, ſo moͤgt Ihr dann nicht den Weg vergeſſen, den ich Euch jetzt ſelbſt zu des alten Stormbom's Hütte zeigen werde! Und nun Dank, Ca⸗ meraden, für gute Geſellſchaft! Wir ſind immer in gu⸗ tem und ſchlechtem Wetter Freunde geweſen— ich bin überzeugt, Ihr werdet Euch noch oft, wenn Ihr in einem ſolchen kleinen muntern Kreiſe ſitzt, des alten Stormbom und ſeines Rectificators erinnern! Man lernt ſich kennen, wenn man elf Monate mit einander geſegelt hat... Proſit, Kinder! Geſundheit für gute und angenehme Cameradſchaft!“ Zur Beantwortung dieſer Geſundheit, die in Aller Herzen Anklang fand, hielt Mas eine Rede, die dem Alten beinahe Thränen in die Augen gelockt hätte. Er ſah, wie beliebt, wie geſchätzt er war, und dies ſchmei⸗ chelte dem alten Seemanne. Nachdem die Geſundheiten des Chefs, des Premier⸗ lieutenants und einiger anderer Offtziere getrunken waren, ſo begann unſer alter Biedermann ſich, wie man ſagt. ein wenig gerührt zu fühlen, und als er bis auf dieſen Punkt gekommen war, ſo mußte die Geſundheit vom Stapel und bei war. „F zu ſich, Reſte il Geſundh bis auf ſchon ſo Doch we bei den Haben wir können wir „Iſt brauchen!⸗ Klein⸗ Anker, un hervorgehol das ſchon bald wieder der Alte es den Grund „Nun der alte S vernehmt, n, deſto lie⸗ ie Alten!“ rauen wurde en Ehren ge⸗ rt,„daß ich ich den Ab⸗ draußen im ähr ſollt ihn und ich denke, rdammt klein h viele Jahre nd der Krone Expeditionen ſo, daß das hr dann nicht t zu des alten Dank, Ca⸗ immer in gu⸗ in— ich bin Ihr in einem Stormbom ait ſich kennen, gelt hat... d angenehme die in Aller de, die dem t hätte. Er dies ſchmei⸗ des Premier⸗ rrunken waren, ie man ſagt, Pis auf dieſen ſundheit vom 201 Stapel laufen, die dem Alten zunächſt am Herzen lag, und bei jeder Geburtstagsfeier ſein höchſtes Entzücken war. „Freunde, Brüder!“— Stormbom zog die Bowle zu ſich, um dadurch, daß er ſie ſchief hielt, zu dem Reſte ihres Inhaltes zu kommen—„ich will noch eine Geſundheit vorſchlagen, die Ihr, holen mich tauſend T—! bis auf den Grund austrinken ſollt, und wäret Ihr auch ſchon ſo weit, daß Ihr unter den Tiſch taumeln wollt... Doch was ſehe ich? Wir haben die Bowle leer gepumpt!“ „Die Oelfarbe geht mit, Onkel!“ rapportirte Mas, indem er dem Alten half, das Horn aufzulangen, welches bei den Bemühungen des Alten, etwas in daſſelbe zu ſchöpfen, zurück bleiben wollte. „Hat nichts zu bedeuten, mein Junge— wenn man etwas aufhebt, ſo hat man etwas! Kein Menſch ſoll von dem alten Stormbom ſagen, daß er für dieſe Geſundheit nichts hat hergeben wollen, und wäre es auch der letzte Tropfen... Hebe den Ladendeckel auf, Mas, wenn Du noch kannſt, und gib Klein⸗Olle her... er ſteht an der Steuerbordsſeite. Der Zucker liegt in der Bei⸗ lade... Nun, Du Zauderer! was ſuchſt Du ſo lange? Haben wir kein aufgekochtes Waſſer mehr im Keſſel, ſo können wir von den Kadetten leihen.“ „Iſt nicht nöthig, Onkel— hier iſt alles, was wir brauchen!“ Klein⸗Olle(ein kleines mit Bambusrohr überzogenes Anker, und daher auch Bambus⸗Olle benannt) wurde hervorgeholt, und das alte intereſſante Compaßfutteral, das ſchon oft bei ſolchem Spiele mit geweſen war, hatte bald wieder ſo viele Flüſſigkeit, daß das Wurſthorn, falls der Alte es wieder fallen ließ, nicht in Gefahr war, auf den Grund zu ſtoßen. „Nun ſetzt Ihr Euch wieder, Ihr Herren!“ begann der alte Stormbom mit etwas zitternder Stimme,„und vernehmt, daß ich meinen Geburtstag nie feiere, ohne 202 zuletzt ein Glas zu leeren für— den Herzog Carl... ja, ja, behüte! er war zuletzt König! doch ich kenne ihn nur als Herzog und als Groß⸗Admiral der ſchwediſchen Flotte. Seine Geſundheit, Jungen— und bis auf den Grund!“ „Was T—!“ rief Mas, vollkommen unvorbereitet auf dieſe Geſundheit, die ihm keinesweges anſtand,„ſollen wir für Carl XIII. trinken? Ich meines Theils glaube, daß es ſich kaum der Mühe verlohnt!“ „Ich habe,“ wendete Stormbom erblaſſend ein,„keine Geſundheit für Carl XIII. vorgeſchlagen, ſondern für den Groß⸗Admiral, den Herzog Carl von Soͤder⸗ manland!“ „Ach ſo,“ bemerkte Mas etwas gereizt ein,„füt ihn, der während der Schlacht bei Hogland ſich ver⸗ kroch?“ „Hol' Dich der T—, Du Gelbſchnabel, für Deine Lügen!“ unterbrach der Flaggenſchiffer die ehrenrührige Aeußerung des Steuermannes Mas.„Ich ſage Dir, ich, daß er auf dem Verdecke ſtand und jeder feindlichen Kugel eben ſo ſehr ausgeſetzt war, wie Du dieſem Schnauzen⸗ hiebe, Du elender Verläumder!“ Wäre nicht Mas ſchnell ausgewichen, ſo würde er ſich wahrſcheinlich gleich dem Bootsmanne Tupp über ein ſchlimmes Auge haben beklagen müſſen. Vielleicht machte auch die gründliche Feier des improviſirten Geburtstages die Bewegungen des alten Stormbom etwas unſicher. Nichts deſto weniger ſprang er auf und griff nach dem Rectificator. Doch ſuchten die beiden andern Gäſte durch einen Strom von vermittelnden Worten den Ausbruch der verletzten Gefühle des Alten zu hemmen. „Beſter Onkel Stormbom!“ ſagte Mas, welcher außer ſeiner hohen Achtung gegen den Alten allzu gut⸗ herzig war, als daß er durch einen Zank die Freude des Feſtes hätte ſtören wollen,„beſter Onkel! werde nun nur wieder gut, ſo will ich, wenn Du eine ſolche Genug⸗ thuung wahrlich paßfutte und nun § herzigen verſagen „S murmelta Stubenfe hat, ſich ein alter das Wur abſchlägt Doch dieſe Geſ werden ſo Swenskſun kaum hatte Mund geſe ſtürzend, o höre nicht Wie! die Seeleu „J r Alte zahe gehen; der war.“ [— *) Eine at lieferte Admira gerichte wurden am 14. in welch biete ve g Carl... ich kenne ihn ſchwediſchen bis auf den unvorbereitet ſtand,„ſollen Theils glaube, nd ein,„keine ſondern für von Soͤder⸗ azt ein,„für and ſich ver⸗ l, für Deine ehrenrührige ſage Dir, ich, ndlichen Kugel Schnauzen⸗ ſo würde er upp über ein elleicht machte Geburtstages vas unſicher. ff nach dem Gäſte durch Ausbruch der Nas, welcher i allzu gut⸗ ! werde nun ſolche Genug⸗ die Freude 203 thuung für ein Paar Worte forderſt, mit welchen ich wahrlich keine böſe Meinung hatte, gerne das ganze Com⸗ paßfutteral zu Ehren des Groß⸗Admirals austrinken und nun vergib mir, Onkel!“ Hiebei reichte Mas ſeine Hand mit einer ſo treu⸗ herzigen Miene hin, daß Stormbom ihm die ſeinige nicht verſagen konnte.— „So gib denn künftig Achtung auf Deine Zunge!“ murmelte der Alte beſänftigt,„und bedenke, daß ein Stubenferkel, das nur im Scherze Pulverdampf gerochen hat, ſich nicht weigern darf, eine Geſundheit zu trinken, die ein alter Kriegsmann vorſchlägt! Und nunt— er ergriff das Wurſthorn—„es iſt wohl Keiner hier, der es mir abſchlägt, einen Becher für den Herzog Carl zu trinken à“ Doch das Schickſal ſchien beſchloſſen zu haben, daß dieſe Geſundheit nicht mit aller der Feierlichkeit getrunken werden ſollte, welche der Veteran von Hogland und Swenskſund*) derſelben ſo gerne gegeben haͤtte; denn kaum hatten die verſammelten Freunde ihre Becher an den Mund geſetzt, ſo rief der Alte, den Inhalt ſchnell hinab⸗ ſtürzend, aus:„Was zum T—l— die Pfeife!... Ich höre nicht unrecht: man bläſt alle Mann auf's Verdeck!“ Wie von einem elektriſchen Stoße getroffen, ſprangen die Seeleute auf. „Ihr ſollt ſehen,“ ließ ſich der Eine vernehmen,„der Alte im Hintertheile will noch in dieſer Nacht unter Segel gehen; der Wind war nordöſtlich, als ich neulich oben war.“ . *) Eine am 9. Juli 1790 zwiſchen Achedſden und Ruſſen ge⸗ lieferte Seeſchlacht. Die letzteren hakten ſchon auf ihrem Admiralſchiffe ein Zimmer für den König Guſtaf In. ein⸗ gerichtet, den ſie gefangen zu nehmen hofften. Doch wurden ſie von den Schweden gänzlich beſtegt, und ſchon am 14. Auguſt war der Frieden zu Werelä abgeſchloſſen, in welchem Schweden wenigſtens nichts von ſeinem Ge⸗ biete verlor. Anm. des Ueberſ. 204 „Nun, nun, das iſt auch ſo übel nicht!“ ſagte Stormbom.„Packe das Compaßfutteral irgendwo ſo lange ein... Meine Beine wollen nicht recht Cours halten; doch es wird ſchon beſſer werden, wenn ich erſt hinauf komme und mir der Wind ins Geſicht bläſt.“ Die Röcke wurden eilfertig übergeworfen, das Lict, welches an einem Drath von der Decke herabhing, ausge⸗ lͤſcht, und bald darauf war die Cajüte des Flaggen⸗ ſchiffers Stormbom und des Steuermanns Mas leer. Wirklich wurde Signal gegeben, die Anker zu lichten. Man zog die Boote ein, ſetzte die Bäume in das Spiel, die Schiffsjungen ſangen angenehme Melodien, wäh⸗ rend das Ankertau ſich aufwickelte, und in der Stille des Sommerabends, nur von den Ordres der befehlenden und von den raſchen Manoeuvres der gehorchenden Macht unter⸗ brochen, breitete die Fregatte ihre Flügel aus, welche bald der herrliche Mondſchein der Auguſtnacht verſilberte*). Sechzehntes Kapitel. Zwei Tage nach der Nacht, in welcher wir die Fre⸗ gatte aus dem Hafen von Fredrikswärn ſegeln ſahen, finden wir dieſelbe in der Nähe von Göteborg wieder. Die Beſatzung, welche heute den Befehl erhalten hatte, blaue wollene Hemden und Beinkleider von gleicher I Farbe anzuziehen und ſchwarze Hüte aufzuſetzen, auf derm flatternden ſeidenen Bändern der Name der Fregatte in *) Der Mondſchein im Auguſt iſt in den nördlichen Breiten, wo es an den laͤngſten Tagen gar nicht finſter wird, am ſchönſten. Anm. d. Ueberſ nung au zige bem deſſen, die Tiefe digte. 3 Aufmerk Unterbefe zuſehen, End ſegel ein hinzu, i aus den woaͤhrend lang eilt Die nicht!“ ſagte ndwo ſo lange Cours halten; h erſt hinauf en, das Licht, bhing, ausge⸗ des Flaggen⸗ Mas leer. kker zu lichten. Zäume in das Melodien, wäh⸗ der Stille des befehlenden und n Macht unter⸗ us, welche bald erſilberte*). ler wir die Fre⸗ In ſahen, finden eder. Befehl erhalten per von gleicher b letzen, auf deren er Fregatte in dlichen Breiten, inſter wird, am wahrend die Beſatzung mit den Enden das Verdeck ent⸗ nm. d. Ueberſ. 20⁵ vergoldeten Buchſtaben prunkte, war kurz zuvor abgeblaſen worden von der Diviſionsmuſterung, und war jetzt mit den Kojen beſchäftigt, welche, nachdem ſie nett eingepackt waren, an ihren Ort gebracht wurden. Baſtmatten, Ue⸗ berzüge, alles wurde hinweggeſchafft, kurz: auf dem gan⸗ zen Fahrzeuge, auf deſſen blendend weißem Verdecke die Leute eifrig beſchäftigt wimmelten, herrſchte ein ungewoͤhn⸗ liches und friſches Leben. Man machte ſich klar, an's Land zu gehen. Es war kurz nach Mittag, als die Fregatte ſich der prächtigen Handelsſtadt näherte. Der wachehabende Of⸗ ſtzier erhielt den Befehl, alle Mann auf's Verdeck blaſen zu laſſen. Hierauf nahm der Unterchef das Sprachrohr und ſtellte ſich auf den Commandoplatz. Stille— eine unerläßliche Bedingung für die Ord⸗ nung auf einem Schiffe— herrſchte jetzt überall; der ein⸗ zige bemerkbare Laut, den man vernahm, war der Geſang deſſen, der das Senkblei auswarf und bei jedem Wurfe die Tiefe und die Beſchaffenheit des Seegrundes verkün⸗ digte. Aller Augen und Ohren waren mit geſpannter Aufmerkſamkeit auf den Befehlshaber gerichtet, und die Unterbefehlshaber waren an ihren Plätzen thätig, um nach⸗ zuſehen, daß Jeder an ſeinem Poſten war. Endlich commandirte der Unterchef mit ſcharfer und deutlicher Stimme das Manoeuvre, welches ausgeführt werden ſollte. 3„Klar vorne!“ antwortete eine grobe Baßſtimme vom Back. Einige Augenblicke ſpäter vernahm man wieder die Stimme des Unterchefs:„Unterſegel hinauf! das Bram⸗ ſegel eingerefft!... Schnell, Jungen!“ fügte er leiſe hinzu, indem er mit dem Sprachrohre winkte, worauf aus den Pfeifen der Schiffer ein ſchneidender Laut erſchallte, lang eilte... Die Fregatte hatte mit vier Schüſſen Salute geſchoſſen, 206 und dieſe waren vom Lande mit eben ſo vielen Schüſſen beantwortet worden. Als das Senkblei fünf Faden zeigte, ſo wurden die Marsſegel gegeiet und der Klüwer gefeiert, und als das Fahrzeug eine langſamere Bewegung erhielt, ſo ſiel der Anker und zog fünfzehn Faden von der raſſelnden Kette hinter ſich her. Jetzt lag die Fregatte ruhig bei der neuen Werfte. Eine Menge von Leuten hatte ſich geſammelt und be⸗ trachtete mit Neugierde das ſchöne Kriegsſchiff, und die Leichtigkeit und Behendigkeit, womit ſeine hurtige Beſatzung hinaufkletterte und die Segel befeſtigte. „Geht es bei unſrer Ankunft in Carlskrona ſo gut,“ äußerte der Chef mit einem zufriedenen Lächeln zum Unter⸗ chef,„ſo brauchen wir uns vor der Beſatzung nicht zu ſchämen! Laſſen Sie ihnen einen Extra geben, wenn ſie hinab kommen und das Verdeck klar gemacht haben... „Ich bin überzeugt, ſagte der Flaggenſchiffer Storm⸗ bom, indem er den Arm ſeines guten Freundes, des Steuermannes Mas, berührte,„daß meine Alte mit unter den andern Leuten am Strande ſteht; doch ſie muß ſich gedulden, die Arme! der Alte im Hintertheile ſieht zwar licht aus— und dazu kann er auch ſeine Gründe haben, denn Dank den Früchten meines Rectificators, die Jungen verſtehen's— an Urlaub iſt heute doch nicht zu denken! Nun, meine Alte iſt die Frau eines alten Seemannes und weiß recht gut, was Subordination bedeutet. Doch meint ſie gewiß auch, es iſt recht ſchön, die Fregatte zu ſehen, auf welcher ich bin!“ „Ja, das iſt zum Anfange doch wenigſtens etwas,“ entgegnete Mas mit einem gutmüthigen Lächeln;„und wenn ſie Dich morgen umarmen und in Deine Kiſte ſehen darf, ſo findet ſie ſchon Etwas, das ſie in eine beſſere Laune verſetzt, wie zum Beiſpiel den ſchönen Theetopf zur Linken des Bambus⸗Olle.“ Doch außer dem alten Stormbom war hier nach ein Anderer Bedeutt St Georg Seine einige lebte er gerne de leihen. Göttin Gedanken genſtände tauchten Elias, S und der Und da lungen T2 und etwa ſo begant ſeine See wartete e Abſchied Inſtructis Daf begünſtigt nicht. D und vielle tenden C 1 ſelbſt For dem mo Aen Schüſſen Hwurden die und als das „ſo fiel der ſelnden Kette ien Werfte. melt und be⸗ ziff, und die tige Beſatzung rona ſo gut,⸗ In zum Unter⸗ zung nicht zu den, wenn ſie t haben.. ſchiffer Storm⸗ Freundes, des lte mit unter ſie muß ſich eile ſieht zwar Gründe haben, g, die Jungen cht zu denken! heemannes und .. Doch meint Patte zu ſehen, ggſtens etwas,“ ächeln;„und ne Kiſte ſehen in eine beſſere Theetopf zur hier noch ein 207 Anderer, für den die Ankunft in Göteborg eine wichtige Bedeutung hatte. So wie jetzt, da er ſich dem Ziele näherte, hatte Georg noch nie die Macht der Sehnſucht empfunden. Seine Bruſt ſchwoll bei dem Gedanken, daß er ſchon um einige Tage ſeinen Vater wieder ſehen würde. O, wie lebte er jetzt? Georg's eigenes frohes Gefühl wollte ſo gerne dem Bilde des Vaters einen Schimmer von Glück ſeihen. Darauf flogen ſeine Gedanken zu ſeiner kleinen Göttin in Strand— wie ſie wohl gewachſen war! Und dann die norwegiſche Fanny und die Paſſionsblume und der Epheu, unter deſſen Zweigen die ſchoͤnen Locken der Mutter ſo oft geflattert hatten! Hier ſeufzte Georg ſchwer und tief... die kleine Kammer, welche ſie bewohnt hatte, war jetzt leer! Doch er riß ſeine Gefühle los von dieſen traurigen Gedanken, um dieſelben wiederum unter fröhlicheren Ge⸗ genſtänden umherſchwärmen zu laſſen. Andere Bilder tauchten auf: Corolus, der liebe, liebe Carolus, Vater Elias, Stonge⸗Jan, Mutter Malena, die ſchöne Johanna und der Freiſegler— der Freiſegler zuerſt und zuletzt! Und da er ferner bedachte, wie der Vater ſeinen Erzäh⸗ lungen Beifall zunicken und Carolus mit großen Augen und etwas kräftigen Worten ſeine Hand ſchütteln würde, ſo begann ein Gefühl von einem angenehmen Stolze in ſeine Seele zu gleiten, und mit brennender Ungeduld er⸗ wartete er den Augenblick, da er von der Fregatte den Abſchied und von dem Commandeur⸗Capitain die letzten Inſtructionen erhalten ſollte. Daß ihn das Glück auf eine ſo ſonderbare Weiſe begünſtigt hatte, darüber zerbrach er ſich den Kopf eben nicht. Daß es ſo gekommen war, das war das vornehmſte; und vielleicht— Georg hatte ſeinen nicht ganz unbedeu⸗ tenden Grad von Eigenliebe— vielleicht hatte er ſich ſelbſt Fortunas Gunſt nicht ganz unwürdig bewieſen! Doch dem mochte nun ſein, wie ihm wollte, ſo hatte er auf 208 jeden Fall die Abſicht, ſich des günſtigen Windes zu be⸗ dienen, wenn auch immer mit dem klugen Vorſatz, nicht zu glauben, daß derſelbe ewig ſo anhalten würde, ſondern ihn ſo zu nehmen, daß ſein Muth und ſeine Hoffnung nicht Schiffbruch zu leiden brauchten, falls der Wind ploͤtz⸗ lich ungunſtig werden ſollte. Georg's Phantaſien wurden bald vollkommen unter⸗ brochen: die Cameraden wollten ihn jetzt beſitzen, und bald war er mit ihnen auf dem Unterverdeck verſammelt, woſelbſt ſie das Abendbrod erwarteten. Der gigantiſche Keſſel, aus welchem der Brei ſo angenehm duftete, kochte ſchon weniger hörbar, und endlich begann der Verwalter ſein wichtiges Austheilungsamt mit Brei und Butter. Es iſt eine Freude, eine Herzensfreude, zu ſehen, wie dieſer Raum, der ſo viele Menſchen beherbergt, eine ſo außer⸗ ordentliche Reinlichkeit und Zierlichkeit darbietet, daß man⸗ ches Prunkgemach in den Städten in einer Vergleichung mit demſelben vor Scham erröthen würde. Hat man wohl je einen weißeren Fußboden und eine nettere Ver⸗ wahrung aller Arten von Zubehör geſehen— vielleicht aber müſſen wir doch in Parentheſe hinzufügen— wenn das Fahrzeug im Hafen liegt? Und ſogar, wenn hie und da von der Decke herab eine Hangematte herabſchwebt, wo⸗ rin ein armer Kranker ruht, ſo gibt dieſes nicht den ge⸗ ringſten Anſtrich von Unreinlichkeit, denn die ganze Welt des Kranken liegt in dem reinlichen Segeltuche, und ſo er je wieder geſund werden, ſo ſieht es aus, als müßte er es hier werden, wo er von ſo vieler Reinlichkeit und Be⸗ haglichkeit umgeben iſt. Die Speiſevertheilung auf einem Kriegsſchiffe bon der größeren Art iſt auch wohl eine der froheſten und lebhafteſten Scenen, die man ſchauen kann. Hier gruh⸗ piren ſich dieſe kraftvolten Figuren, dieſe muntern, ſtar⸗ ken Leute, hier in dieſem ihrem eigenen Neſte, frei von dem Dienſtzwange, in ihren leichten Coſtümen ungenirt um die langen Tiſche, je nachdem die Backeameradſchaft ſie eintheilt. Tages nen, au hervor, Munde beſonders diejenigen ſen, wie von den Geo von dem geſchah, geweſen: ſen geſpie weil, ob und Korn pielt, ſor Gewohnhe jungen be — Unter Brännare eine Art nun iſt's hatte; nu Cameraden ein großer men hat, ſieh, mein daß ich n muß. 4 „Wen lich viele habe, dann nete Georg „Du mußt bom hat R Der Einſi 209 Windes zu be⸗ eintheilt. Wie mancher luſtiger Scherz, der während des Vorſatz, nicht Tages aus Mangel an Gelegenheit ſich entladen zu kön⸗ würde, ſondern nen, aufgeſpart worden iſt, ſtrömt jetzt nicht ungehemmt ſeine Hoffnung hervor, während der Löffel von der Schüſſel nach dem der Wind ploß⸗ Munde wandert; und wenn auch der Scherz nicht ſo ganz beſonders fein iſt, ſo iſt er dennoch unterhaltend genug für llkommen unter⸗ diejenigen, gegen welche er gerichtet iſt. Will man wiſ⸗ st beſitzen, und ſen, wie ein herzliches Gelächter klingt, ſo muß man es deck verſammelt, oon den Lippen fröhlicher Seeleute klingen hören. Der gigantiſche Georg und Brännare, jene Perſonage, deren in der m duftete, kochte, von dem alten Stormbom erzählten Geſchichte Erwähnung n der Verwalter geſchah, waren während der ganzen Reiſe Backeameraden und Butter. geweſen und hatten einander ſo manchen unſchuldigen Poſ⸗ de, zu ſehen, wie fen geſpielt. Brännare liebte den Georg aus der Urſache, agt, eine ſo außer⸗ weil, obgleich er fühlte, daß dieſer von anderm Schrot rbietet, daß man⸗ und Korn war, Georg dennoch nie auf dergleichen ange⸗ ner Vergleichung ſpielt, ſondern ſich mit Ausnahme der angebornen feineren irde. Hat man Gewohnheiten in allen Stücken gleich den übrigen Schiffs⸗ eine nettere Ver⸗ jungen benommen hatte. then— vielleicht unter einem luſtigen Geſpräche hin und her brach zufügen— wenn Brannare plötzlich ab, legte den Loffel weg und fiel in ar, wenn hie und eine Art traurigen Klageton:„Ja, mein lieber Georg! hherabſchwebt, wo⸗ nun iſt's gethan, ſagte Jener, da er falſch geſchworen eſes nicht den ge⸗ hatte; nun haben wir unſer letztes Abſchiedsmahl als die ganze Welt Cameraden mit einander eingenommen! Du wirſt wohl beltuche, und ſoll ein großer Mann, Du, weil der Chef ſelbſt es übernom⸗ zus, als müßte er men hat, Dich in der Welt vorwärts zu ſtoßen— doch nlichkeit und Be⸗ ſeh, mein Schickſal, darauf kann ich mich ſetzen! bleibt, 2 daß ich noch viele viele Jahre als Schiffsjunge laufen Kriegsſchiffe von muß.“ per froheſten und lann. Hier grup⸗ lich e muntern, ſtat⸗ 44 210 i*ſt zähe. Du köͤnnteſt meiner Seel' eines Tages Unter⸗ ſteuermann auf meiner Brigg werden und Dir ein Haus und eine hübſche Frau in den Scheren anſchaffen— das ſind doch wahrhaftig hellere Ausſichten, als wenn man höchſtens daran denken kann, Hochbootsmann zu werden!“ „Wahr genug, meiner Seel' 1“ fiel Brännare wieder in guter Laune ein.„Wenn Du aber ein ſolcher Kerl wirſt, ſo kann ich wohl gewiß ſein, daß Du nicht mehr an den alten Cameraden in Schelmſtücken denkſt!“ „Du kennſt mich nicht recht, das höre ich! antwor⸗ tete Georg.„Eines guten Cameraden, worin es auch geweſen ſein mag, vergeſſe ich nie— nein, Brännare, in Ewigkeit nicht! Und den Platz ſollſt Du haben, ſo wahr ————— „Al rückt ger wendete geſellſcha Letsler's wie Du Nonde li „Da welcher m berden m ganze Ge⸗ munkeln k fahren kon gemachter „Wa blicklich au „Nich durch eine ſo frech wi beladen kar Doch ſchen; de Hand dem gegeben, de „Sieh füt, daß T Pagſt Du ennem elen ſeg es, we Voraus an es Tages Unter⸗ d Dir ein Haus inſchaffen— das als wenn man ann zu werden!“ Brännare wieder ein ſolcher Kerl ß Du nicht mehr denkſt!“ öre ich! antwor⸗ , worin es auch in, Brännare, in n haben, ſo wahr ne Brigg haſtl⸗ an er meinte, daß e hätte. ſcherte Georg mit bin ich im acht⸗ pch nicht vier und em Verdeck!“ ollwichtiger, klin⸗ e Brigg ehe du (nein, mein lieber e Unbequemlichkei abzuſtimmen. Ich unn Du von einer Scherenſchute: die wenn ich wolltel ſſetzt, daß ich ein ein Fahrzeug, des ch rede nicht ban ſon meiner eignen Macht im Traum „Armer Junge, er iſt verrückt, ganz roſenraſend ver⸗ rückt geworden! Höre, Tromm!“— mit dieſen Worten wendete er ſich an ein anderes Mitglied der Schiffsjungen⸗ geſellſcaft—„haſt Du noch nie von Capitain Georg Letsler's Brigg reden hören?— hi, hi, hil ich meine, wie Du weißt, die, welche vor der Sonne und hinter dem Monde liegt!“ „Das kannſt Du wohl begreifen!“ antwortete Tromm, welcher mit hoͤhniſchem, von einigen ausdrucksvollen Ge⸗ berden mit Händen und Kopf begleitetem Lächeln das ganze Geſpräch mit angehört hatte.„Und ich habe ſogar munkeln hören, daß dieſe Brigg bald von Groͤnland ange⸗ fehren kommen wird, beladen mit lauter Häfen voll ein⸗ gemachter Sachen.“ „Was hat das zu bedeuten?“ fragte Georg, augen⸗ blicklich auffahrend. „Nichts anderes, als daß derjenige, welcher ſein Glück durch einen Hafen mit Eingemachtem gemacht hat, bald ſo frech wird, daß er ein ganzes Fahrzeug mit dieſer Waare beladen kann! Und übrigens...“ Doch das, was noch übrig war, kam nie zum Vor⸗ ſchin; denn in dem nächſten Augenblicke hatte Georg's Hand dem Tromm eine ſo nachdrückliche Zurechtweiſung gegeben, daß dieſer köpflings unter den Tiſch taumelte. „Sieh da, Du Wicht, Du Meiſe! das haſt Du da⸗ füt, daß Du mich auf eine ſo hinterliſtige Weiſe ſchmähſt Vagſt Du es noch ein einziges Mal, zu ſagen, daß ich inem elenden Hafen mein Glück zu danken habe— ſo ſag' es, wenn Du Herz haſt; doch will ich's Dir nur im Voraus anzeigen, daß Du keinen einzigen Knochen heil khältſt... Darauf kannſt Du Dich verlaſſen!“ „Biſt Du denn ganz und gar vom Hochmuthsteufel keſeſen!“ ſtoͤhnte Tromm, indem er ſich wieder aufarbei⸗ tte.„Du meinſt, daß Keiner ſo gut iſt, wie Du, weil Du aus der Schiffsjungenſchaft kommſt und Navigation ſemnen ſollſt— wem aber dankſt Du das, wenn nicht... 21²2 hi, hi, hi...“ Tromm hielt inne, um richtig auszulachen, während ſein Blick ſich an den ſchwellenden Adern auf Georg's Stirne und an der Wuth, die in allen ſeinen Geſichtszügen gezeichnet ſtand, weidete...„wem nicht, ſage ich... hi, hi, hi, ſo luſtig!“ „Wem danke ich's?“ ſtotterte Georg, vor Zorn bald roth bald blaß—„wem? ſage 2“ „Wem, wem, nicht dem Ha... ha... ha.. 4 „Nimm Dich in Acht, Tromm!“ raunte ihm Bran⸗ nare in's Ohr,„läſſeſt Du noch ein einziges Wort heraus, ſo haſt Du ihn über Dir, wie eine Sturzſee über einen Holzſchuh! Nimm Dich in Acht— nun biſt Du ge⸗ warnt!“ „Heraus mit der Sprachel ſonſt...“ murmelte Georg zwiſchen den zuſammengebiſſenen Zähnen. „Heraus mit der Sprache! ſonſt!“ ahmte ihn Tromm nach, der ſich an Körperkraft nicht mit Georg meſſen konnte, übrigens aber ſich gerne zum Ritter macht und nicht ohne Liſt für den Hausbedarf war.„Zum T— l das will ich ja auch. Ich brauche mich nicht vor meiner Sprache zu ſchämen— ich habe wohl ſchon fri⸗ her geſprochen, ehe ich den Herrn Capitain Georg Letsler ſah, und denke auch bis an meinen Tod zu ſprechen; und daher ſage ich nun ſo frei, daß jede Seele es hören kan, daß Du für allen günſtigen Wind, der Dich jetzt mit großen Worten füllt, weiter keinem zu danken haſt, al gerade dem Ha... Ha.. Hafen von Fredrickswän und dem Südoſtwinde, der ſo recht paſſend war, als Du Dich in die See warfſt, um den kleinen Baron heraus⸗ zuholen.“ Bei dieſer Wendung erſchallte ein überlautes Gelach⸗ ter rund umher, in welches keiner lebhafter einſtimmt, als Georg; denn ſo heftig er war, ſo leicht war er auc wieder verſöhnt. Aller Aerger war augenblicklich vergeſſen, und Geot und Tromm wurden nach dem Streite ſo gute Freunde daß jener d eine äußerf ſchenkte. E gehabt, dock „Und j Brigg des die, welche hinter dem „Das einmal wirke Mit ra ren Tiſche e tackelte dieſe ter ihm ſtan lebhaften Be ſpiel:„der wirklich recht Du die Brig der mit Con ſellſchaft ſitzt „Wie p nare, da de Stapel zu la „Gott i ſagte Georg Capitain Ge Name iſt mi gemalt an ei die beſte, die ... doch la Georg's Strand. Si jetzt mit ſchö „Das ſi er, indem e Cornelia! g auszulachen, en Adern auf die in allen e..„wenn vor Zorn bald .. ha.. 4 nte ihm Brän⸗ Wort heraus, ee über einen n biſt Du gi⸗ nurmelte Georg „ ahmte ihr icht mit Georg Ritter macht war.„Zun mich nicht vor vohl ſchon fri— Georg Letsle ſprechen; und es hören kann, Dich jett m hnken haſt, al Fredrickswän b war, als Du Baron heraus⸗ erlautes Gela fter einſtimmt cht war er ale ſen, und Geot 1 gute Freunde 213 daß jener dem Tromm, als ein öffentliches Friedenszeichen, eine äußerſt ſtattliche Uhrkette von goldrother Bronze ſchenkte. Er hatte dieſelbe zwar für Carolus beſtimmt gehabt, doch jetzt wollte er dieſem ſeine eigene ſchenken. „Und jetzt,“ ſchlug Tromm vor,„ſollſt Du uns die Brigg des Capitains Georg Letsler zeichnen, ich meine die, welche nach Brännare's Meinung vor der Sonne und hinter dem Monde liegt!“ „Das thue ich— und gib Acht, ob Du ſie nicht einmal wirklich zu ſehen bekommſt!“ Mit raſchen Zügen machte Georg auf dem jetzt lee⸗ ren Tiſche einen großen Entwurf von einer Brigg und tackelte dieſelbe, während Tromm und Brännare, die hin⸗ ter ihm ſtanden, ihn mit ſchnell aufeinander folgenden und lebhaften Beifallsäußerungen aufmunterten, wie zum Bei⸗ ſpiel:„der Teufels⸗Georg! wie er zeichnet.— Ja er iſt wirklich recht geſchickt, das Stück Kreide zu führen! Führſt Du die Brigg einmal eben ſo gut, ſo wirſt Du ein Kerl, der mit Commandeur⸗Capitainen und Admiralen in Ge⸗ ſellſchaft ſitzt!“ „Wie willſt Du ſie denn aber taufen?“ fragte Brän⸗ nare, da das Fahrzeug fertig zu ſein ſchien, um vom Stapel zu laufen. „Gott weiß— daran habe ich noch nicht gedacht!“ ſagte Georg...„Die Brigg Nicoline, gefuͤhrt vom Capitain Georg Letsler, klingt nicht übel— doch der Name iſt mir allzutheuer, als daß ich ihn mit Oelfarbe gemalt an einer Planke ſehen möchte, und wäre ſie auch die beſte, die je in einem ſchwediſchen Walde gewachſen iſt ... doch laß ſehen...“ Georg's Gedanken flogen zu ſeiner kleinen Göttin in Strand. Sie hatte ja zwei Namen. Und Georg zeichnete jetzt mit ſchönen Buchſtaben: Fanny Cornelia. „Das ſieht gut aus und klingt nicht ſo übel,“ ſagte er, indem er die beiden Namen ausſprach:„Fanny. Cornelia! Ich kenne ein Mädchen, das ſo heißt und —; 214 mir ſehr theuer iſt. Aber es würde mir dennoch beſſer gefallen, wenn ich vor Cornelia einen etwas längeren Na⸗ men hätte!“ „Ja, es klingt gleichſam, als wäce es ein wenig al⸗ geſchwänzt!“ bemerkte Brännare.„Doch haſt Du nur erſt die Schute, ſo findeſt Du auch wohl einen Namen dafür. Und kommen wir an's Land, ſo gehen wir um trinken ein Glas für Capitain Georg Letslers Brigg!“ „Topp— und ich bezahle! Doch eins will ich Euch noch ſagen: Ihr könnt überzeugt ſein, wenn auch der Zu⸗ fall es mit dem kleinen Baron nie ſo gefügt hätte, ſo hätte ich dennoch nicht die Abſicht gehabt, als Schiſſ⸗ junge noch eine Reiſe zu machen! Ich hatte ſchon vorher feſt beſchloſſen, Abſchied vom Dienſte zu nehmen und mich wieder zur Kauffahrtei zu geben.“ „Ja, ja; aber die Navigation zu lernen, koſte Geld!“ „Gewiß koſtet es Geld— doch ich bin auch nicht ſo ganz ohne, und hätte ich nicht nothwendig eine lange Reiſe machen wollen, ſo könnte das Examen jetzt übe⸗ ſtanden ſein.“ „Ja, ja, ein Herrenmanns⸗Sohn hat es leichter vor⸗ wärts zu kommen, als wir arme Teufel! Aber ſo huf Du auf jeden Fall dem Chef vieles zu verdanken, ud wirſt ihm künftig noch mehr zu verdanken haben— 6 iſt Ehre und Gluͤck, einen ſolchen Gönner zu haben.“ „Ich bin auch dankbar, das könnt Ihr glauben; an meiſten jedoch für das Verſprechen, einen Platz auf einen Oſtindienfahrer zu bekommen! Auf ſolchen Reiſen verdient ein Steuermann ſchweres Geld, und Ihr ſollt ſehen, mch einigen Jahren habe ich, ohne das Geld von Jemanden zum Geſchenk erhalten zu haben, ſo viel erſpart, daß ich mit dieſen Erſparungen und mit der Summe, die mit mein Vater verſprochen hat, ernſtlich an ein Schiff dende kann.“ Einig dem Unter dem Com Natü Schiffsjun zu einem zufolge di höher, den ſchiede von mannstrach blautuchen Hut und d geſchürzten „Nun Capitain, ſogar Geo ſcheiden nr vorzunehme „Ich Capitain!⸗ judikat. dennoch beſſer 3 längeren Na⸗ ein wenig al⸗ haſt Du nur einen Namen gehen wir und lers Brigg!“ will ich Euch n auch der Zu⸗ fügt hätte, ſo , als Schiſs⸗ tte ſchon vorher ehmen und mich lernen, koſte bin auch nicht endig eine lange men jetzt üher⸗ es leichter vor⸗ 1 Aber ſo haf verdanken, und n haben— 6 zu haben.“ hr glauben; an glatz auf einn Reiſen verdient ollt ſehen, nach von Jemanden l erſpart, daß bumme, die mit n Schiff denten 215 Einige Tage nach dem vertraulichen Geſpraͤche auf dem Unterverdecke ſtand Georg in ſeinen Feinkleidern vor dem Commandeur⸗Capitain. Natürlich betrachtete er ſich jetzt nicht mehr als Schiffsjunge der Fregatte, ſondern als den guten Stoff zu einem Unterſteuermann auf einem Oſtindienfahrer, und zufolge dieſer Ideenverbindung trug er den Kopf etwas höher, denn gewöhnlich, ſo wie er auch nach ſeinem Ab⸗ ſchiede vom Fahrzeuge*) die gewoͤhnliche ſchwediſche See⸗ mannstracht angezogen hatte, die jetzt durch eine feine blautuchene Jacke, durch dito Unterkleider, einen blanken Hut und dem ſeidenen bengaliſchen, leicht um den Hals geſchürzten Halstuch repräſentirt wurde. „Nun, mein lieber Georg!“ ſagte der Commandeur⸗ Capitain, indem er ihn mit einem Blicke betrachtete, worin ſogar Georg mehr als Theilnahme zu leſen meinte;„wir ſcheiden nun von einander— was denkſt Du allererſt vorzunehmen?“ „Ich reiſe ſogleich nach Hauſe, Herr Commandeur⸗ Capitain!“ „Das ahnte mir— und Du haſt nicht weit?“ 1„Nein, behüte! wenn der Wind nur einiger Maßen iſ 1“ „Gut— und dann?“ „Dann will ich mit des Herrn Commandeur⸗Capi⸗ tains Erlaubniß ſtudiren, als ein Kerl, der Eile hat, fer⸗ tig zu werden.“ „Sehr gut, Georg! Du weißt, ich bezahle Deinen Curſus nebſt dem Aufenthalte in Göteborg, und folglich bekommſt Du etwas mehr Geld in Deine Hände, als Du bisher gehabt haſt. Darum will ich Dir nur ſagen, daß es mir lieb ſein würde, wenn Du ſtets paſſende Geſell⸗ *) Dieſe von Geſetzen und Verfaſſung gemachte Ausnahme iſt ein von der Verf. zu Georg's Beſtem gegebenes Prä⸗ judikat. Anm. der Verf. 216 ſchaft wählteſt und Dich nicht mit Jünglingen aus der ich geſagt 5 unteren Seemannsſchaft abgäbeſt; denn das taugt nicht habe ich n für denjenigen, der ſich nicht nur zu einem tüchtigen Be⸗ fortwähren fehlshaber, ſondern auch zu einem geſitteten Menſchen bil⸗ Du Dich det— Du verſtehſt mich?“ Du Dein „Ich glaube wohl, Herr Commandeur⸗Capitain; und der verſpre obgleich ich nie ſo hochmüthig werden kann, daß ich die⸗„Es jenigen nicht kenne, die einmal meine Cameraden waren, unverſtellte ſo hoffe ich mich doch ſo ſtellen zu können, daß keiner meine Mut glauben ſoll, die Cameradſchaft dauert noch fort, da ſie gewiß ſtets der Ordnung wegen ein Ende haben muß.“ beten!“ „Aber ich habe gehört, daß Du eben in dieſen Tagen„Ach, mit dem Brännare und Tromm im Maßhugg getrunken färbte die haſt?“ lerrliches „Vorgeſtern, Herr Commandeur⸗Capitain, war ich Ich bin fro noch Schiffsjunge!“ entſchuldigte ſich Georg frei⸗ für ſie allz müthig.„Ja, „Gut; ich ſehe, daß Du meine Meinung verſtehſ! Seufzer., Bei einem Seemanne kann und darf es keinen Hochmuth nie, nie d gegen diejenigen geben, die unſre Lebensart getheilt haben. nießen wird oder noch theilen; aber Dienſtverhältniſſe fordern eine„Ein Ordnung, die man ſtreng befolgen muß.“ über deſſen „Ja, Herr Commandeur⸗Capitain, mag ich nun der verlaſſen fül Gehorchende oder der Befehlende ſein, ſo werde ich ſtets Banden los meine Pflicht vor Augen haben! Doch ich wollte ganz mich zur R ergebenſt fragen, ob der Herr Commandeur⸗Capitain etwas der Comma⸗ dagegen hat, wenn ich mich bei meiner Rückkehr hier in er einen fo Goͤteborg beim Flaggenſchiffer Stormbom niederließe; er gleichwohl iſt ſo gut geweſen, mir zu verſprechen, daß er mich auf ſchaft mit d alle Weiſe leiten will, wenn ich es nicht ſelbſt hinlänglich nen gab— kann?“ KLu ſollſt m „Das war ein Vorſchlag, den ich ganz billig. ich ſehe, die Stormbom iſt ein Mann von ſtarkem Ehrgefuͤhl, ein dauern, ſo alter tüchtiger Kerl. Ued wenn ich mich in Carlskrona hier. Lebe von dem Alten trenne, ſo werde ich ein Paar Worte mit kunft in Göu ihm darüber ſprechen... Jetzt gebe ich Dir hier, wie Anfange bre gen aus der taugt nicht tüchtigen Be⸗ Menſchen bil⸗ Capitain; und daß ich die⸗ traden waren, , daß keiner fort, da ſie dieſen Tagen ugg getrunken ain, war ich Georg frei⸗ nung verſtehſt! een Hochmuth getheilt haben fordern eine ich nun der rde ich ſtets H wollte ganz Papitain etwas nckkehr hier in iederließe; er ß er mich auf bſt hinlänglich ganz billige. hrgefühl, ein n Carlskrona hr Worte mit Pir hier, wie 217 ich geſagt habe, einen Brief an Deinen Vater; und nun habe ich nur noch die Verſicherung hinzuzufügen, daß Du fortwährend auf meine Theilnahme zu rechnen haſt, falls Du Dich gut aufführſt und mir Ehre machſt! Sobald Du Dein Eramen gemacht haſt, ſo ſchreibſt Du mir, und der verſprochene Platz ſoll nicht ausbleiben!“ „Es wird mir ſchwer,“ ſagte Georg mit tiefer und unverſtellter Rührung,„meinen Dank zu äußern; doch meine Mutter, meine geliebte Mutter im Himmel wird gewiß ſtets für das Wohl des Herrn Commandeur⸗Capitains beten!“ „Ach,“ antwortete dieſer, und eine leichte Röthe färbte die Wange des ernſten Seemannes,„ſie war ein herrliches Weib— ich ſah nie ein ſchöneres und ſanfteres! Ich bin froh, daß ſie die Erde verlaſſen hat; dieſe war für ſie allzu karg und hart.“ „Ja, das war ſie!“ ſagte Georg mit einem leiſen Seufzer.„Doch auf der Johannis⸗Klippe lebt Einer, der nie, nie die geringſte Freude in dieſem Leben mehr ge⸗ nießen wird, ſeitdem ſie dahin gegangen iſt.“ „Ein Vater, der einen hoffnungsvollen Sohn hat, über deſſen Zukunft er ſich freuen kann, wird ſich nicht verlaſſen fühlen, wenn er ſich auch ſelbſt von allen andern Banden losgeriſſen hat. Da ich nun die See verlaſſe und mich zur Ruhe begebe auf dem alten Helgenäs“— indem der Commandeur⸗Capitain dieſen Namen ausſprach, heftete er einen forſchenden Blick auf Georg, in deſſen Geſicht gleichwohl nicht die geringſte Bewegung einer Bekannt⸗ ſchaft mit dem langſam ausgeſprochenen Worte zu erken⸗ nen gab—„ſo werde ich beinahe ebenfalls ein Einſiedler: Du ſollſt mich ſpäterhin auf Helgenäs beſuchen... doch ich ſehe, die Uhr iſt gleich zwoͤlf: es wird nicht lange dauern, ſo haben wir eine Ladung beſuchender Damen hier. Lebe wohl, mein lieber Georg! Bei Deiner An⸗ kunft in Göteborg wirſt Du erhalten, was Du zum erſten Anfange brauchſt... keinen Dank! Gott ſegne Dich! 218 Fahre ſo fort, wie Du angefangen haſt, und ich werde ſtets mit Dir zufrieden ſein!“ Bei dieſen Worten klopfte der Commandeur⸗Capitain Georg mit vertraulicher Güte auf die Schulter, und mit weicher Stimme, ſo daß er kaum die Thränen zurückhal⸗ ten konnte, antwortete Georg:„Es iſt mein feſter Vor⸗ ſatz, ſofern mir Gott hilft, nie der Güte des Hemt Commandeur⸗Capitains unwürdig, nie undankbar zu werden!“ Noch einmal nickte der Chef und verſchwand, indem Georg langſam und mit erregten Gefühlen auf das Ver⸗ deck zurückkehrte. b „Lebe wohl, guter Georg ¹“ ſagte eine Stimme dicht b hinter ihm. Es war Frits, der ſich ihm nachgeſchlichen b hatte.„Ich wollte ſo wagſam und ſo ſtark ſein wie Du — aber ich bin ein Wicht, ſagt der Vater!“ „Frits wird ſchon anders werden, wenn er groß wird,“ meinte Georg,„davon bin ich überzeugt; und ich bin auch überzeugt, daß Frits nie wieder lügt!“ „Ja, Georg! ich habe mir vorgenommen, daß es nie wieder geſchehen ſoll! Und wenn ich nach Hauſe komme, ſo will ich Elviren erzählen, wie gut Du ge⸗ weſen biſt, und daß Du um meinetwillen die Kanone be⸗ kleidet haſt, da Du bloß ein Wort zu ſagen brauchteſt um davon zu kommen— Du kannſt Dich darauf verla ſen, daß ich Dich und den Tag nie vergeſſe!“ „Wer iſt Elvira?“ fragte Georg.„Das iſt ſchöner, ein ſehr ſchöner Name.“ „Elvira iſt meine Schweſter— und Du kannſt glau⸗ ben, ſie fürchtet ſich nicht! Wahrhaftig, ſie hätte ſich beſſer als ich zu einem Knaben gepaßt! denn ich kann Dirs gerne ſagen, da Du nun reiſeſt und es Keinem erzählſ daß mir bange iſt, auf der See zu ſein, ſo wie ich mich, da ich noch klein war, vor dem alten Thurme zu Hauſt fürchtete. Doch Elvira, die nur ein Jahr älter iſt als ich, ſie Dinge.“ „A der ſchon darauf g ſicht ſo zu benent Brigg 8 Letzteres gewiß fr wahlen, Da beſchäftig Vertraue keit gege weiter ne Locken ur alle ſchör Elvira w Augen un 4„De eine Lilie „Ne dunkel!“ gleich ich dem Port „Nu fragte G. gen mit; „Ja, daß ſie m her wiede bekommt „Ab „Ja, denn einn und ich werde ndeur⸗Capitain ſter, und mit nen zurückhal⸗ ein feſter Vor⸗ ite des Herrn undankbar zu hwand, indem auf das Ver⸗ Stimme dict nachgeſchlichen rk ſein wie Du 14 wenn er groß zeugt; und ich lügt!“ mmen, daß es ch nach Hauſe hie gut Du ge⸗ die Kanone be⸗ agen brauchteſ h darauf vetlaſ⸗ ſel „Das iſt ein Du kannſt glau⸗ , ſie hätte ſih in ich kann Dirs Keinem erzählſ, ſo wie ich mich, hurme zu Hauſe hr alter iſt als 219 ich, ſie thut, was ſie will—. und das ſind viele Dinge.“ „Ach, wie gefällt mir dieſer Name!“ ſagte Georg, der ſchon in Gedanken für ſeine künftige Brigg Beſchlag darauf gelegt hatte... Es paßte ſich ja in jeder Hin⸗ ſicht ſo ſchoͤn, ſie nach der Tochter ſeines ehemaligen Chefs zu benennen, und es kam jetzt nur darauf an, ob die Brigg Fanny Elvira oder Elvira Cornelia heißen ſollte. Letzteres klang jedoch weit ſchöner, und Fanny würde ſich gewiß freuen, er mochte nun von ihren beiden Namen wählen, welchen er wollte. Da Georg ſo mit ſeinen eigenen wichtigen Gedanken beſchäftigt war, ſo gab er nicht beſonders Acht auf das Vertrauen, welches Frits ihm hinſichtlich ſeiner Bangig⸗ keit gegeben hatte; und indem er dem Gedanken an Elvira weiter nachhing, fragte er, ob ſie nicht helle, goldgelbe Locken und blaue Augen hätte, denn ſo ſtellte ſich Georg alle ſchönen Mädchen vor. Doch hierauf antwortete Georg, Elvira wäre gerade das Gegentheil, denn ſie hätte ſchwarze Augen und ſchwarze Haare. „Dann aber iſt ſie wohl doch weiß im Geſicht, wie eine Lilie?“ „Nein, behüte, ſie iſt gewiß nicht weiß, ſondern recht dunkel!“ verſicherte Frits.„Aber ſie ſagen es doch, ob⸗ gleich ich es nicht meine, daß ſie ſehr ſchön iſt; ſie gleicht dem Portraite meiner alten Großmutter.“ „Nun, ſo iſt ſie doch wenigſtens gut, wie ein Engel?“ fragte Georg, der nothwendig eine von ſeinen Vorſtellun⸗ gen mit Ja beantwortet haben wollte. „Ja, ein ſchoͤner Engel! Sie iſt ſo böſe und ſo ſtark, daß ſie mich oft niedergeworfen hat, obgleich ſie mich nach⸗ her wieder aufhalf, und thut man nicht, wie ſie will, ſo bekommt man gleich zu ſehen, wie gut ſie iſt!“ „Aber Frits liebt ſie wohl dennoch?“ „Ja, das kannſt Du glauben! Sie hat mich mehr, denn einmal von Vaters ſpaniſchem Rohr befreit; und 220 wenn ich etwas gethan habe, ſo nimmt ſie die Schuld auf ſich, denn ſie weiß recht gut, daß Vater ſie nicht anrührt.“ 8 „Das gefällt mir: es iſt doch etwas Gutes in ihr! Und werde ich ein ſolcher Herr, daß ich auf Helgenãs einen Beſuch machen kann, ſo werde ich wohl hören, daß Frits ihr an Stärke überlegen iſt. Denn das ſage ich, es ſchickt ſich gar nicht für einen Knaben, wenn er ſich von einem Mädchen unterwerfen oder ſonſt nach Gutdün⸗ ken behandeln läßt.“ „Ja, ja, Du ſagſt ſo, Du— Du kennſt Elviren nicht... Doch lebe wohl, guter Georg; und vielen Dank für alle frohen Stunden und für alle Boͤte, die Du mir gebauet und aufgetackelt haſt!“ Noch war für Georg der peinliche Abſchied von Vorgeſetzten und Cameraden übrig. Alle hatten ihm ein freundliches und herzliches Wort zu ſagen. Und von dem guten Premierlieutenant erhielt er manchen guten Rath, der ſtets in ſeiner Erinnerung blieb. Der alte Stormbom, hoͤchlich geſchmeichelt durch die günſtigen Worte, die der Chef über ihn geäußert hatte, verſicherte auf ſeine glaubwürdigſte und beſtimmteſte Art, es wäre verdammt fatal, daß eben jetzt eine Scherenſchute bereit liegen und Georg mitnehmen ſollte, ehe er mit dem gelben Hauſe im Maſthugg Bekanntſchaft gemacht hätte, daß er aber, wenn er einmal dahin käme, finden würde, wie ihn dort Vater und Mutter erwarteten. Denn,“ fügte der Alte hinzu,„obgleich der Rectificator nun ſeine gol⸗ dene Zeit überlebt hat und künftig wie ein Invalide neben dem alten Medaillenrocke hangen muß, ſo hat doch der alte Flaggenſchiffer ſeines Theils eine ſo gute Laſt Erfah⸗ rung eingenommen, daß er mehr denn genug davon beſitt, um ein halbes Stiege ſolcher kleinen Böte ausrüſten zu können!“ 22 bitte ich, daß Onkel ſo gut iſt, mich der Frau Stormbom „Ja, wohl ein ganzes Stiege, denke ich! Inzwiſche beſtens z Als renſchute Schritter auch ſie „Lel noch ei mit ein Rührung meinte 2 Gec ſeidene E der Schi Noc Die die Brig⸗ zu laufen Ewigkeit Ein menſchlich an ſich it Wel ie die Schuld zater ſie nicht Butes in ihr! auf Helgenäs ohl hoͤren, daß das ſage ich, wenn er ſich nach Gutdün⸗ kennſt Elviren g; und vielen Boͤte, die Du Abſchied von hatten ihm ein Und von dem guten Rath, ichelt durch die eäußert hatte, ſtimmteſte Art, e Scherenſchute he er mit dem gemacht hätte, finden würde, Denn,“ fügte nun ſeine gol⸗ Invalide neben p hat doch der (ute Laſt Erfah⸗ -ug davon beſitzt, e ausrüſten zu ch! Inzwiſchen Frau Stormbom 221 beſtens zu empfehlen und ihr meinen herzlichſten Gruß zu⸗ kommen zu laſſen. Ich komme nicht eher nach Göteborg zurück, als bis ich einen Brief erhalte, daß Onkel hier 74 iſt... Als Georg ſchon an Bord der kleinen netten Sche⸗ renſchute war, ſah er, daß zwei Perſonen mit großen Schritten nachgelaufen kamen. Mit einigen Sätzen waren auch ſie auf dem Verdeck. 4 „Lebe wohl, Georg— wir mußten Dich nothwendig noch einmal ſehen!“ riefen Brännare und Tromm mit einer herzlichen und ihnen ſelbſt ungewohnten Rührung. „Wir beneiden Dir nichts, Georg!“ verſicherte Tromm. „Doch Du wirſt ein Herr, Du...! „Doch Du bleibſt immer ein ehrenwerther Junge!“ meinte Brännare. Georg reichte Jedem eine Hand, gab dem Einen das ſeidene Schnupftuch und dem Andern das Halstuch; doch der Schiffer rief:„Von Bord!“ Noch einmal ſchwenkten alle drei die Hüte... Die Cameraden trafen ſich nie wieder. Denn ehe die Brigg des Capitains Letsler fertig war, vom Stapel zu laufen, waren Brännare und Tromm ſchon in die Ewigkeit gegangen. Siebenzehntes Kapitel. Ein Verfaſſer hat irgendwo geſagt:„Augenblicke im menſchlichen Leben ſind peinigend, dochdas ganze Leben an ſich iſt ein Segen.“ Wehe denen, mit welchen es ſo weit gekommen iſt, 222 daß ſie dieſe Worte umkehren und ſagen:„Es gibt Au⸗ genblicke im Leben, die ein Segen ſind, doch das ganze Leben an ſich iſt ein Fluch!“ Letsler hatte in früheren Tagen etwas Aehnliches ge⸗ dacht, wenn Nicolinens ſanftes Weſen ihm die Bürde, welche das Leben für ihn viele Jahre lang geweſen war, weniger ſchwer empfinden ließ. Doch dieſe Zeit war mit dem geliebten Weibe verſchwunden, und nun ging er noch weiter: die lichten Augenblicke waren für immer entſlohen — nur der Fluch war noch übrig. Bittere Erinnerungen voll zehrender Angſt, unſelige Doppelgänger eines verſchwundenen Ehemals, verfolgten ihn ſtets und erhielten freien Spielraum in der Einſam⸗ keit, der gefährlichſten Geſellſchaft für einen Geiſt, der in ſich ſelbſt keine feſte Stütze und keine andere Beſchäfti⸗ gung hat, als ſich ſelbſt aufzureiben. Nicoline war dahin— auf ewig dahin— Georg war hinweg. Letsler hatte nicht eher als jetzt recht ge⸗ wußt, wie unendlich lang die Stunden werden koͤnnen, wenn kein Menſch nahe iſt, mit welchem man ein Wort, einen Gedanken austauſchen kann. Allein... immer al⸗ lein. Nacht und Tag! Es lag in dieſem Uebermaße von Zeit, die nicht zu tödten war, ein gränzenloſes Uebel. Täglich ging er in Nicolinens Kammer, reinigte die Paſſionsblume und gab dem Vogel ſein Futter. Der Epheu war ſchon vertrocknet, doch blieb er mit ſeinen ver⸗ dorrten Stengeln ſtehen. Dies war ſeine einzige Zerſtreuung; doch dieſe Zer⸗ ſtreuung hatte in ihrem Gefolge ſo große Trauer, ſo viel Schmerzgefühl, ſo viele Erinnerungen, daß er oft ſchau⸗ dernd vor der fürchterlichen Leere aus dieſem Heiligthume in ſein eigenes Zimmer entfloh. Hier konnte er ſtundenlang ſitzen und ſich in die un⸗ bendige Geſellſchaft, eine große Schildkrote, welche Caro⸗ lus neul Raume nie zu b Er merkwürd mit ſeine „Dieſes auch kein lang von in ſeiner ſchleppen, Denkt di Gedanken den Geda ſten dasje wurde, un ihr Sklar Neid, die Letsler's; . Jetzt feſter Wil iſt, zu gen Mit ſich auf d durch die Menſchen Feinde erk die ſchwar ausmatten beſchreibliche Langſamkeit vertiefen, womit ſeine zweite le⸗ 4 3 f 1 ſhreckliche Darauf w ande veg Chieres ve An d Fs gibt Au⸗ ch das ganze ehnliches ge⸗ die Bürde, geweſen war, Zeit war mit ging er noch ner entflohen gſt, unſelige 3, verfolgten der Einſam⸗ en Geiſt, der ere Beſchäfti⸗ n— Georg jetzt recht ge⸗ erden können, ſan ein Wort, ... immer al⸗ die nicht zu , reinigte die utter. Der it ſeinen ver⸗ ch dieſe Zer⸗ rauer, ſo viel er oft ſchau⸗ Heiligthume ine zweite le⸗ welche Caro⸗ ch in die un⸗ feſter Wille über das Werkzeug vermochte, das beſtimmt lenſpannung ſchadlos für die mangelnde Nahrung. Doch ſchon am zweiten Tage begann der Hunger ſich auf eine ſchreckliche Weiſe fühlbar zu machen. Letsler aber lachte 223 lus neulich mitgebracht und ihm geſchenkt hatte, auf einem Raume von einigen Zollen umherkroch und ſich dennoch nie zu bewegen ſchien. Er verglich ſeine eigene Lage mit der Lage dieſes merkwürdigen Thieres, und fand, daß dieſe in Vergleich mit ſeiner eigenen auf der Höhe der Glückſeligkeit ſtände. „Dieſes Thier,“ dachte er,„hat keine Bedürfniſſe, folglich auch keine Sorge, dieſelben zu befriedigen; es lebt Monate lang von einigen Waſſertropfen, einigen Blättern; es lebt in ſeiner Schale, kennt nicht die Pein, ſein Weſen hinzu⸗ ſchleppen, denn die Schale ſchützt es vor Luft und Sonne. Denkt die Schildkröte, ſo verzweigen ſich wenigſtens die Gedanken nicht und verwandeln ſich nicht in Furien gleich den Gedanken, die ſich um die Ehre reißen, und am ärg⸗ ſten dasjenige von den Weſen martern, welches geboren wurde, um den Gedanken zu beherrſchen, doch ſtatt deſſen ihr Sklave wird—— o, ſie iſt glücklich!“ Und der Reid, dieſe giftige Plage, geſellte ſich zu den übrigen in Letsler's Bruſt. Jetzt wollte er verſuchen, was die Seele, was ein iſt, zu gehorchen. Mit einem Waſſerkruge und einem Brodkuchen neben ſich auf dem Tiſche legte er ſich zu Bette. Er wollte durch die Züchtigung der nothwendigſten Bedürfniſſe des Menſchen nicht nur einen Sieg über ſeine verächtlichſten Feinde erkämpfen, ſondern auch die ſchwierigeren, nämlich die ſchwarzen Gedanken, unterjochen; er wollte dieſelben ausmatten bis ſie ihn nicht länger zu peinigen vermochten. Darauf wollte er nur in einem betäubungsähnlichen Zu⸗ ſtande vegetiren, wie er ſich den Zuſtand des beneideten Thieres vorſtellte. An dem erſten Tage hielt ihn die unnatürliche See⸗ 224 und forderte ihn mit wilden Drohungen heraus, ſein Aerg⸗ ſtes zu thun. Er lag und hatte Genuß bei der Skeletti⸗ rung der körperlichen Bedürfniſſe. An dem dritten Tage brannte das Fieber in ſeinen Adern. Der Waſſerkrug war leer— wiederum ein gräßliches Bedürfniß: die Be⸗ gierde den Durſt zu loͤſchen! Doch ſie war eine neue Plage! Er ſchwelgte in dem Kampfe gegen Hunger und Durſt: ſie hatten den Kampf der Seele beſiegt. Doch wie lange? Er wurde matter. Er betrachtete die Schildkroͤte, welche fortfuhr in ihrer Ruhe umher zu kriechen, und er war geneigt, ſie zu morden, weil er trotz aller ſeiner Be⸗ mühungen nicht im Stande war, ſich in denſelben Zuſtand zu verſetzen. 7 Endlich war gleichwohl der Wille erſchöpft, und die Kraft war es ebenfalls. Und mit bitterem Hohngelächter taumelte er auf von ſeinem Lager, um die Bedürfniſſe zu befriedigen, denen er noch kürzlich in ſeinem Wahnſinne Trotz geboten hatte. Von dieſem Tage an faßte er eine noch tiefere Ver⸗ achtung gegen ſich ſelbſt. Er hatte alſo jetzt verſucht, die Bedürfniſſe unter die lebensnährenden herabzuſetzen— und der Verſuch war verunglückt. So einfach die Koſt auch war, die er ſich bereitete, ſo ſah er dennoch ein, daß er ihrer nicht entbehren könnte. In dem Eigenfinne, ſeinen einmal gefaßten Entſchluß durchzuführen, begann er jedoch die Portionen zu vermindern. Bald entdeckte er gleichwohl zu ſeiner Verzweiflung, daß die geſparte Zeit, welche er auf die Gedanken für ſeine körperliche Pflege anzuwenden hatte, ihm einen noch größeren Vorrath an Zeit übrig ließ, als er bisher gehabt hatte. Den groͤßten Theil der Nächte, die ihm keinen Schlaf darzubieten hatten, verlebte er draußen auf der Klippe⸗ Der Regen und der Wind brausten um ihn her, aber er weckte dies auf keine andere Weiſe, als daß er ſich dadurch weniger denn dadt Dar Sommer Wen auf der 3 daß ſeine lus war a hätte anre Georg, u können, da das alles er gab ni Carolus nr Antlitz ſog. machte ein, lichen Sch Namen aus Währe liebten Gat gen, welche jetzt waren Luſt zu dieſ nicht mehr kröte verblie einzige Zerſt und ihr Zin immer ſpärli Seinen war gewoͤhn! nun im Win dieſelben im Im Anf zählung jetzt Grade dahin licher Gefühll Der Einſi us, ſein Aerg⸗ der Skeletti⸗ dritten Tage r Waſſerkrug fniß: die Be⸗ var eine neue n Hunger und beſtegt. Doch e Schildkroͤte, echen, und er ller ſeiner Be⸗ iſelben Zuſtand höpft, und die Hohngelächter Bedürfniſſe zu em Wahnſinne zt verſucht, die uſetzen— und die Koſt auch anſinne, ſeinen Bann er jedoch Verzweiflung, Gedanken für ch tiefere Ver⸗ ch ein, daß er b 225 weniger gepeinigt fühlte, als wenn die Sonne ihn brannte, denn dadurch wurden die Gedanken noch heißer. Darum war für Letsler von allen Jahreszeiten der Sommer die ſchrecklichſte. Wenn Carolus zu Hauſe war, ſo ſprach er täglich auf der Johannis⸗Klippe ein; obgleich er recht gut ſah, daß ſeine Beſuche nicht willkommen waren. Doch Caro⸗ lus war allzu redlich, als daß er dem Alten ſeine Launen hätte anrechnen ſollen. Er unterhielt ſich mit Letsler über Georg, und hoffte ihn mit der Vorſtellung beleben zu können, daß dieſer ein tüchtiger Kerl werden würde. Doch das alles ſchien den Vater nicht zerſtreuen zu koͤnnen, denn er gab nur einſilbige Antworten. Erwähnte dagegen Carolus nur des Namens Nicoline, ſo wechſelte Letslers Antlitz ſogleich die Farbe: er athmete kürzer, heftiger und machte eine Bewegung, als hätte es ihm einen unbeſchreib⸗ lichen Schmerz verurſacht, daß er nur dieſen geliebten Namen ausſprechen horte. Während des erſten Jahres nach dem Tode ſeiner ge⸗ liebten Gattin ſchrieb er bisweilen an ſeinen Anzeichnun⸗ gen, welche ihn bisweilen für Augenblicke feſſelten. Aber jetzt waren dieſelben entweder beendigt, oder er hatte die Luſt zu dieſer Beſchäftigung verloren— genug: ſie kamen nicht mehr zum Vorſchein, und der Vogel und die Schild⸗ kröte verblieben ſeine einzige Geſellſchaft, ſo wie es ſeine einzige Zerſtreuung war, Nicolinens Blumen zu pflegen und ihr Zimmer aufzuräumen, in welches er gleichwohl immer ſpärlicher und ſpärlicher hineinſah. Seinen Anzug vernachläſſigte er jetzt gänzlich, und er war gewoͤhnlich in ſeinen alten Mantel gehuͤllt, mochte er nun im Winter ſeine Fiſche auf den Kohlen braten oder dieſebben im Sommer auf dem Felſen trocknen. Im Anfange dieſes Sommers, zu welchem die Er⸗ zählung jetzt gelangt iſt, waren ſeine Kräfte bis zu dem Grade dahin geſchwunden, daß er in einen Zuſtand gänz⸗ ſlicher Gefühlloſigkeit verſank. Er wußte nicht mehr, ob Der Einſiedler ꝛc. I. 15 226 er gegeſſen, ob er geſchlafen hatte oder nicht; er wußte ſogar nicht mehr, daß er in ſeiner Einſamkeit geſtört wurde: er hörte nicht, daß ſich etwas um ihn her bewegte. Es war nämlich jemand von der Familie des alten Vaters Elias, der da kam, um ſich nach dem Kranken umzuſehen. Letsler wußte nicht, daß er krank war, obgleich er es wirklich in einem hohen Grade war. Die alten Freunde, und am meiſten die weiblichen— obgleich er alle weiblichen Beſuche ſtrenge verboten hatte— ſahen bei ihm ein und pflegten ihn freundlich. Es war eine unheimliche, eine ſchreckliche Krankheit. der Körper bewegte ſich, lebte und fühlte die Bedürfniſſe dieſes Lebens, doch die Thätigkeit der Seele war dahin. Man mußte ihn behandeln wie ein Kind. Er gab durch nichts zu erkennen, daß es ihn plagte, beläſtigte oder be⸗ friedigte. Er ſchien das Ziel erreicht zu haben, nach welchem er ſo eifrig geſtrebt hatte, nämlich der Schil⸗ kroͤte ähnlich zu ſein. So verfloſſen mehre Wochen. Doch an einem Abende, nachdem er lange gelega und einen Gegenſtand zu den Füßen des Bettes angeſtart hatte, ſchien endlich ſeine Aufmerkſamkeit wiederum ge⸗ feſſelt zu werden. Der Mechanismus des Gehirnes begamn von Neuem ſeine Arbeit; Gedanken kamen und fuhren, aber ſie konnten ſich noch nicht ordnen., Und ſo wie de Augen an dem erwähnten Gegenſtande feſtgewachſen zu ſein ſchienen, ſo ſchienen ſich auch die Kräfte der Seele allmälig um denſelben zu ſammeln. Zuletzt begann de Bruſt heftig zu arbeiten, die Augen brannten, die Pulſt ſchlugen mit erneuertem Leben. Er ſtreckte die Arme aus und ein leiſer, unbegreiflicher Laut brach aus ſeinen ſo lange verſtummten Lippen hervor.. Dieſer Gegenſtand war ein goldgelocktes weibliches Weſen, das ſich an die Bettſtelle lehnte und bei dem une. vermutheten Laute aufſprang und zu ihm eilte. Letsler betrachtete dieſes Weſen mit Verwunderung. Es war Nicolinel liches B „W vermochte „Fa zehnjährit ich hörte koͤnnte Il „Ja Tone.„ „Ab welche hit den Mutl oft bei un mir.“ „Wi Mädchen? „Car wie beküm erlaubten „Es Kind! Rei „Ach, gleich wier Ich möchte hereinkomm Letsler! da ſein, wenn wäre! Un auf Georg ebenfalls ge „Sahſ doch ſein A „Ja,“ verſtand,„i er wußte ſogar tört wurde: er vegte. Es war ters Elias, der . Letsler wußte erklich in einem ind am meiſten Beſuche ſtrenge id pflegten ihn liche Krankheit: die Bedürfniſſe eele war dahin. Er gab durch läſtigte oder be⸗ zu haben, nach ich der Schibd⸗ r lange gelegen ettes angeſtaut t wiederum ge⸗ Gehirnes begam hen und fuſhren, Und ſo wie de feſtgewachſen zu träfte der Setl letzt begann de nten, die Pulſe ſte die Arme aus cktes weibliches nd bei dem un⸗ eilte. Verwunderung. aus ſeinen ſo Es war nicht was ſeine Einbildung hatte ſehen wollen: Nicolinens Geiſt, ſondern ein verjüngtes Bild, ein herr⸗ liches Bild der verewigten Gattin. „Wer iſt da?“ fragte er, nicht unwillig, denn er vermochte jetzt keinen Unwillen zu zeigen. „Fanny Holmér, beſter Herr!“ antwortete das vier⸗ zehnjährige Mädchen.„Ich kam hieher, Herr Letsler, als ich hörte, daß Sie ſo krank wären; denn ich glaubte, ich koͤnnte Ihnen nützlich ſein.“ „Fanny Holmér?“ wiederholte er in einem kälteren Tone.„Ich weiß nichts von dieſem Namen.“ „Aber Georg kennt ihn recht gut!“ entgegnete Fanny, welche hinlänglich von Letsler gehört hatte, als daß ſie den Muth gleich hätte ſinken laſſen ſollen.„Georg iſt oft bei uns in Strand geweſen und hielt ſehr viel von mir.“ „Wie Mädchen?“ „Carolus Frau war geſtern in Strand und erzählte, wie bekümmert ſie in Grafwerna um Sie wären, und da erlaubten mir meine Eltern, hieher zu reiſen.“ „Es paßt ſich nicht für Dich, hier zu ſein, mein Kind! Reiſe zurück ich— brauche keinen Menſchen.“ „Ach, ſagen Sie nicht ſo; ſchicken Sie mich nicht gleich wieder nach Hauſe! Ich wollte ſo gerne bleiben. Ich möchte Ihnen gerne Suppen und Eier kochen und nur hereinkommen, wenn ich noͤthig wäre.... Beſter Herr Letsler! darf ich das nicht? Georg würde gewiß ſo froh ſein, wenn er hörte, daß ich bisweilen hier geweſen wäre! Und die gute, ſchöne Frau Letsler, die ich einmal auf Georg's kleinem Holm ſah, ſie würde es gewiß ebenfalls gewünſcht haben.“ „Sahſt Du...?“ Letsler fuhr nicht weiter fort, doch ſein Auge fragte ſchneller als Worte. „Ja,“ fuhr Fanny fort, welche ſeine Meinung leicht verſtand,„ich ſah ſie, und ſie war ſo freundlich und gut biſt Du denn hierher gekommen, junges 228 gegen mich! Ich ſchickte ihr immer meine ſchoͤnſten Blu⸗ dann, u men und die beſten Früchte, welche ich von dem Vater Arme fü It.“. 4. 8 h„Thateſt Du das?... Nun, da Deine Augen ſie der 5 geſehen haben, da Du ihr Freude gemacht haſt, ſo kann wurde v ich Dir Deine Bitte nicht abſchlagen. Kemm bisweilen(welche e hieher, manchmal... Doch ſelten, ſehr ſelten! Jetzt aber über ihn mußt Du mich verlaſſen— glaube jedoch nicht, daß ich uns er fe undankbar bin für das Gute, das Du mir erzeigen woll⸗ Klppe zu teſt, obgleich ich wünſche allein zu ſein!“.„... bo nacktun Fanny wagte nicht länger eigenſinnig zu ſein; ſie zonnte. nte ſich. jeſ Aſſäedte ſihele allein war, ſo erhob er ſich mit forſchen⸗ inen eſ den Augen um ſich her. Allmälig legte ſich wieder in Jahre, ihre die halbklaren Züge die frühere ſchwere Wolke. nzt die Joham war er erwacht? Seine einſame Wache auf der leeren Letsler Klippe fortzuſetzen, in der Qual der Vergangenheit zu le⸗ olge des ben, ohne ein Ziel, ohne eine Hoffnung für die Zukunft erdichteten haben! 386= aus Neigun 1 Jegt fiel ſein Blick auf die noch immer gleichmäßig vählt halu und leiſe dahinſchreitende Schildkroͤte. Und mit einem ne zwang geſe beſchreiblichen Ausdrucke von Traurigkeit ſeufzte ,3f nen, unſiche war eine Zeitlang wie Du— doch jetzt iſt die Schat gehüllt ſind Neborſten l eet atnic nach den Die Krankheit entwich. 3 zuf ſie übt. Letsler tand auf von ſeinem Lager, ſaß wieder drau⸗ enude, ßen auf dem Felſenblocke und ſtarrte hinaus auf die Wog, verſchlagen welche jetzt wie immer ihren eintönenden Takt gegen ui fäbſt ſich ſe Klippe ſchlug. Aber oft kam die kleine frohe Fanng 3 üeer ſich die her gerudert in ihrem Boote, das ſie ſelbſt Keuerte, fü ein verbannte gleich einer Meeresgöttin, auf der blauen Woge un un aunzem Herz geben von tanzenden Sonnenſtrahlen. Und wenn ſie duß ſicheren Aufe Boot feſtgebunden hatte, ſo eilte das ſchöne Mädchen de Kr ſah rauhen Felſen hinauf und zu Letsler, indem ſie vfam vie der Gran Vorbeigehen einen theilnehmenden Blick auf die 6 e nur ſo wege! Diſtel warf. Doch Letsler bemerkte ihre Ankunft er Noch beſaßse ſchoͤnſten Blu⸗ on dem Vater eine Augen ſie haſt, ſo kann zmm bisweilen lten! Jetzt aber nicht, daß ich erzeigen woll⸗ 3 zu ſein; ſit ch mit forſchen⸗ ich wieder über Wolke. Wozu auf der leeren ngenbeit zu le⸗ ür die Zukunſt ner gleichmäßig mit einem un⸗ -ufzte er:„Ich iſt die Schale ß wieder drau⸗ auf die Wogt, Takt gegen die ohe Fanny da⸗ ſteuerte, ſitzend, Woge und um⸗ wenn ſie das f die einſame Ankunft erſt 229 dann, wenn er Arme fühlte. Letsler's Gemüth und Herz, weit entfernt, ſich bei der Anweſenheit eines ſo unſchuldigen Weſens zu öffnen, wurde von dieſer Unterbrechung ſeines Einſiedlerlebens (welche er gleichwohl wegen Fanny's unerklärlicher Macht über ihn unmöglich abſchütteln konnte) ſo ſehr gepeinigt, daß er ſich oft mit dem Gedanken trug, die Johannis⸗ Klippe zu verlaſſen und einen andern, eben ſo armen, eben ſo nackten Fleck aufzuſuchen, zu welchem niemand kommen konnte. Dieſem Vorſatze widerſtand jedoch der Schmerz, einen Ort zu verlaſſen, an welchem Nicoline ihre letzten Jahre, ihre letzten Tage verlebt hatte. Nein, unmöglich! die Johannis⸗Klippe war ſeine Heimath, ſein Grab. Letsler's düſtere Gemüthsſtimmung war nicht die Folge des Einfluſſes einer krankhaften Seele, keine von erdichteten Leiden hervorgebrachte Milzſucht. Wenn er auch aus Neigung eine ſolche Abſonderung von der Welt ge⸗ wählt hatte, ſo war dies wahrſcheinlich eben ſo ſehr aus Zwang geſchehen. Er gehöͤrte nicht zu dieſen ſchweben⸗ den, unſicheren Charakteren, die vor ſich ſelbſt in Wolken gehüllt ſind und verbrecheriſch, ſchwach, edel ſein können, je nach dem Einfluſſe, welchen der Gang der Ereigniſſe auf ſie übt. Letsler war wohl auch bis zu einem gewiſ⸗ ſen Grade von den unmittelbaren Schickungen des Fatums berſchlagen worden, aber man konnte auch ſagen, daß er ſelbſt ſich ſein Schickſal erſchaffen hatte; er hatte ſelbſt iber ſich die Folgen deſſelben hereingezogen, und ſtand jetzt ein verbannter Flüchtling in dem Lande, das er ſo von ganzem Herzen liebte, und eine Klippe in demſelben jedem ſccheren Aufenthalte in einem anderen Staate vorzog. Er ſah zwar aus, als wäre er gefühllos und ſtarr, wie der Granitblock, auf welchem er ruhte, doch das ſchien nur ſo wegen des ſtets nach innen gerichteten Blickes. Noch beſaß er große Kraſt, zu fuͤhlen und zu leiden, noch ihr ſchmeichelndes Händchen auf ſeinem brannte in dieſer morſchen Hütte ein Feuer, das eben ſo„J ſtark flammte, wie eines Jünglings Feuer. Vergebens ſchoͤnen ſtrömten die kalten nächtlichen Winde gegen ſeine Bruſt; ungewö ſie wurde nicht kalt.„8 War es ein Verbrechen oder eine Thorheit, oder war! es beides, wodurch dieſer urſprünglich ſtarke Geiſt gebengt wurde? Gott wußte es. Daß irgend etwas das Gewiſſen 4 tief nagte und daſſelbe in wirkſamer Pein hielt, das war einen g gleichwohl eben ſo gewiß, als daß die Reue mit gewalti⸗ lange,! ger Kraſt ſein Herz ergriffen hatte, aber eine Reue, die habe. keine Ruhe gefunden hatte, die ohne Raſt, ohne Ruhe„G bauete und einriß und wieder aufbauete. Vielleicht ſollte Slimine jedoch endlich Letsler's unruhiger Geiſt zum Frieden mit Elias A ſich ſelbſt kommen. der rothe „G reichte ih —„De ſehen!“ ſ „Wie gel Es war ein herrlicher Abend gegen Ende des Auguſt. te zu 4 Leisler war draußen vor dem Hauſe an ſeinem gewoͤhn⸗ ommen? lichen Platze und an ſeiner Seite Fanny, die eben in bald„Ja ihrem kleinen Boote von Strand gekommen war, und jett ſſ zuri mit ihrer gewöhnlichen Freundlichkeit ihn zu ermuntemn le ch uchte. te gute dach Fanny, ſo jung, ſo froh, ſo friſch, liebte den geheim⸗ leire Fi nißvollen Mann, und obgleich man ihr zu Hauſe ſagtet 5 sſon' „Reiſe nicht immer und belaͤſtige nicht einen fremdm er Joha Menſchen!“ ſo reiſ'te Fanny dennoch, und ſie war glüͤt⸗ ſ G/0 lich, wenn ſie ihm einige Worte oder das geringſte Zä⸗ 55 de e chen der Zufriedenheit abpreſſen konnte. n 31 „Heute Abend,“ ſagte Fanny und blickte den Einſied⸗ d ets ler mit zärtlich theilnehmenden Augen an,„heute Abend, den angen Herr Letsler, ſehe ich etwas Schöͤnes auf Ihrem Geſichten ahe 5 es ſieht ganz ſo aus, als waͤre ein Sonnenſtrahl in irgend einen Au einem Winkel ſitzen geblieben.“ en Au , das eben ſo Vergebens ſeine Bruſt: rheit, oder war (Geiſt gebeugt K das Gewiſſen hhielt, das war ie mit gewalti⸗ ine Reue, die ohne Ruhe Vielleicht ſollte m Frieden mit nde des Auguſt⸗ ſeinem gewöhn⸗ p, die eben in war, und jebt zu ermuntem lebte den geheim⸗ zu Hauſe ſagte: einen fremden ſie war glüͤk⸗ geringſte Zer te den Einſte⸗ „heute Abend, Ihrem Geſichten ſtrahl in irgend 231 „Ich habe in der letzten Nacht einen langen und ſchönen Traum gehabt!“ antwortete Letsler mit einem ungewöhnlich wohlklingenden Tone. „O, erzählen Sie mir ihn!“ „Nein, mein Kind, das kann ich nicht!“ „Vielleicht bedeutet der Traum irgend ein Glück?“ „Vielleicht... doch ich halte es ſchon für ein Glück, einen glücklichen Traum gehabt zu haben— es iſt lange, lange her, ſeitdem ich ein ſolches Glück geſchmeckt habe.“ „Guten Abend!“ erſcholl hinter ihnen eine herzliche Stimme, und die noch immer kraftvolle Geſtalt des alten Elias Aßbjörnsſon zeigte ſich in der geſtreiften Jacke mit der rothen wollenen Mütze auf dem Kopfe. „Guten Abend!“ nickte Letsler dem Alten zu und reichte ihm die Hand. „Das war ſchön, den alten guten Vater Elias zu ſehen!“ ſagte Fanny und klopfte ihm auf die Schulter. „Wie geht's mit der alten Mutter und der jungen Mut⸗ ter zu Hauſe? Sind neulich Briefe von Carolus ge⸗ kommen?“ „Ja, geſtern erſt, liebes Mamſellchen; und er kommt bald zurück. Aber, was ich ſagen wollte, ich meine, es iſt noch ein Andrer auf dem Rückwege! Noch hat der Alte gute Augen... Herr Letsler! ſehen Sie wohl das kleine Fiſcherboot, das hieher kommt? Das iſt Petter Iſaksſon's Boot, und vorn ſteht Jemand, der hier auf der Johannis⸗Klippe gewiß willkommen iſt!“ „Georg— ach mein Gott, beſter Herr Letsler, es iſt Georg!“ rief Fanny aus und ſchlug vor Entzücken die Hände zuſammen.„Ach, ſo ſchön! ach, ſo luſtig!“ Letsler wendete ſich um und blickte auf die See, um den angedeuteten Gegenſtand zu entdecken, doch vergebens, denn in dieſem Augenblicke verſchwand das Boot hinter einer Landſpitze. Doch die Wangen des Vaters hatten für einen Augenblick die Farbe angenommen, welche ein frohes ——— 232 Gefühl verleiht, und der Blick hatte einen Ausdruck, wie Fanny ihn noch nie geſehen hatte. „Es kann wohl kaum Georg ſein?“ äußerte er und blickte von neuem den Alten an. „Ja, meiner Seel, er iſt's! den Jungen kenne ich, ſo weit das Auge reicht. Er iſt gleich hier...ℳ Doch welche Gefühle ſchwellten nicht in Georg's Herzen, als er ſich dieſer Klippe näherte, auf welcher ehe⸗ mals die zärtlichſte der Mütter ihm immer die Arme ent⸗ gegen geſtreckt hatte! „Jetzt,“ ſo ſagte er zu ſich ſelbſt,„jetzt darf ich die lichten Locken nicht mehr gleichſam mir entgegen fliegen ſehen! Vater iſt wahrſcheinlich düſtrer, denn gewöhnlich, und freut ſich vielleicht gar nicht über meine Ankunft— aber denke! wenn auch er hinweg wäre, wenn die Johan⸗ nis⸗Klippe allein und verlaſſen da ſtände, wie ſonſt mit ihrer armen wilden Diſtel, und kein einziges Herz mich willkommen hießg!“ Durch dieſe traurigen Gedanken wehmüthig geſtimmt, wagte Georg kaum, als die Klippe ſichtbar wurde, ſeine Blicke auf dieſelbe zu werfen. Als er aber ſo vielen Muth bekam, daß er es that, ſo meinte er zu träumen— ſaß nicht dort auf dieſem ewigen Felſenblock der Vater, o ſo ähnlich ſich ſelbſt, nur magerer und gebückter! Und flogen ihm nicht lichte Locken entgegen?... ach es waren nicht die goldgelben Locken der Mutter, ſondern Fanny's! Wie war ſie hieher gekommen? wie hatte ſie einen Platz an der Seite des Vaters erhalten? war es nur ein Traum, eine Phantaſie? Doch je näher er kam, um ſo deutlicher, um ſo ge⸗ wiſſer wurde ihm, was er ſah. Anderthalb Jahre waren ſeit der Zeit verfloſſen, da er zum letzten Male Fanny ſah. Das Kind war jetzt eine Knospe geworden, die eine herrliche Jungfrau ver⸗ ſprach— und mit glänzenden Blicken, mit Blicken des Entzuckens betrachtete er bald ſie, bald den Vater, und — ſtreckte beide Elias nickte froh, ſo gli⸗ ſeinen Vate Und de Mit ein und ſtattlich ten Bangigk ſich auf die neigte die VW ſeinen Seger ſeinem Herz fühl, das rei Nachden langen Züge ſchlägen eine eines Sohnes Hand des V Jetzt erhielt erröthend me — Du biſt „Du a ſchoſſen, wie liſt!“ Und da „Nun! ſchlag haben? ein. „Ja, um licher, vortre Hauſe? da n wenn etwas sdruck, wie erte er und . kenne ich, ℳ n Georg's velcher ehe⸗ Arme ent⸗ darf ich die gen fliegen gewöhnlich, Ankunft— die Johan⸗ e ſonſt mit Herz mich g geſtimmt, urde, ſeine vielen Muth men— ſaß Zater, o ſo Und flogen waren nicht any's! Wie en Platz an ein Traum, „um ſo ge⸗ erfloſſen, da d war jetzt ngfrau ver⸗ Blicken des Vater, und 233 ſtreckte beiden die Arme entgegen. Doch auch dem alten Elias nickte er einen freudevollen Gruß zu. Er war ſo froh, ſo glücklich, ſo übervoll dankbarer Gefühle, daß er ſeinen Vater in der Einſamkeit nicht verlaſſen fand. Und das Boot ſtieß gegen die Landungsſtelle. Mit einigen Schritten war Georg— jetzt ein hoher und ſtattlicher Jüngling, den Fanny faſt mit einer verſchäm⸗ ten Bangigkeit betrachtete— bei dem Vater. Er warf ſich auf die Knie vor ihm auf dem Felſen nieder und neigte die Wange herab auf ſeine Hände und ſo erhielt er ſeinen Segen in Worten, die mit himmliſchen Toͤnen in ſeinem Herzen erklangen, denn dieſe Worte enthielten Ge⸗ fühl, das reiche Gefühl eines Vaters. Nachdem er ſo einige Augenblicke gelegen und in langen Zügen die Seligkeit der heiligen von den Puls⸗ ſchlägen eines zärtlichen Vaterherzens erwiederten Gefühle eines Sohnes geathmet hatte, führte er noch einmal die Hand des Vaters an ſeine Lippen, und nun ſtand er auf. Jetzt erhielt Fanny die zweite Umarmung, obgleich ſie erröthend meinte:„Nein, Georg! Du biſt jetzt ſo groß — Du biſt ſchrecklich groß geworden!“ „Du auch, meine ſüße Fanny! Du biſt emporge⸗ ſchofſen, wie eine Waſſerlilie— wie ſchön Du geworden biſt!“ Und das Herz des Jünglinges ſchlug heftig. „Nun! ſoll denn der Alte nicht auch einen Hand⸗ ſchlag haben?“ fiel Elias mit einem gutmüthigen Lächeln ein. „Ja, und eine ehrliche Umarmung dazu, alter, ehr⸗ licher, vortrefflicher Vater Elias!... Iſt Carolus zu Hauſe? da muß ich noch heute Abend hinüber nach Graf⸗ werna!“ „Wäre er dort zu finden geweſen, ſo wäre er gewiß ſchon hier geweſen!“ meinte der Alte.„Aber er kommt bald... Und laß mich nun ein Wort à part ſagen: wenn etwas fehlt, ſo wohnt Elias Aßbjörnsſon hier dicht 234 bei— Herr Letsler kuümmert ſich eben nicht viel darum, ob etwas im Hauſe iſt oder nicht.“ „Doch heute Abend,“ ſagte Letsler aufſtehend, und ſein ganzes gewöhnliches Weſen hatte rein menſchlichen Gefühlen Platz gemacht,„heute Abend ſoll auf der Jo⸗ hannis⸗Klippe ein Feſt gefeiert werden! Geh Du, mein Kind“— er nickte Fanny freundlich zu—„und ſetze Waſſer zu Thee auf's Feuer... Vater Elias hilft Dir wohl... und wenn Du den Thee fertig haſt(ich ſehe, Du haſt wie gewöhnlich Deinen kleinen Korb nicht ver⸗ geſſen), ſo gib uns Nachricht davon 17 Georg wollte kaum ſeinen Ohren glauben, und als Fanny's leichte Geſtalt verſchwunden war, ſo ſagte er in übermächtiger Bewegung:„O, mein Vater! dies iſt doch mehr, als ich zu hoffen wagte— ich bin ſo gerührt, ſo dankbar, ſo froh!“ 5 „Wiege Dich nicht in falſche Hoffnungen ein, lieber Sohn! dieſes Kind kommt bisweilen hieher, weil ſie mich aufſuchte, als ich einmal krank war, und mir damals durch ihre Bitten das Verſprechen abzwang, ſie nicht weg⸗ zujagen, wenn ſie wieder käme, und das hat mich nachher mehr gepeiniget, als Du glauben kannſt... Dieſer heu⸗ tige Tag iſt eine Ausnahme von meinem gewöhnlichen V Leben, ein doppeltes Feſt, denn ſie“— Letsler's Auge blickte gen Himmel empor, und ſeine Stimme ſenkte ſich —„ſie hat mich in der letzten Nacht beſucht. Das weiſſagte mir Glück: Du kamſt! Und noch einmal ſage ich: ſei willkommen; denn Dein Blick ſagt mir, daß Du mit einem eben ſo reinen Herzen zurückkehrſt, als womit Du abreiſ'teſt!“ „Ja, mein Vater,“ antwortete Georg,„ſie wuͤrde ſonſt nicht zu Dir gekommen ſein und Dir meine Ankunft verkündigt haben!“ Und beide verſanken in tiefe Gedanken auf dem Fel⸗ ſenblocke, wo ſie Hand in Hand ſaßen. „Morgen,“ ſagte Letsler, da Fanny erſchien und ſie hereinnöthi Reiſen erza Wäre ben, was Täuſchung mer des V gegen jede Zwar Vermögen man leicht, Geiſt des d „Gehe Letsler, als das Schloß Mutter füh nicht hinein Georg nes eigenen er es gelaſſ gewebe von noch immer „Joham räumen!“ f Georg ſind gewohn zimmer ſind „Ja, L ihre ſchönen viel darum, tehend, und menſchlichen auf der Jo⸗ Du, mein „ und ſetze as hilft Dir iſt(ich ſehe, b nicht ver⸗ den, und als »ſagte er in dies iſt doch gerührt, ſo n ein, lieber weil ſie mich mir damals ſie nicht weg⸗ mich nachher . Dieſer heu⸗ gewöhnlichen ketsler's Auge me ſenkte ſich beſucht. Das einmal ſage mir, daß Du , als womit „„ſie würde neine Ankunſt auf dem Fe⸗ eſchien und ſie 235 hereinnöthigte,„morgen ſollſt Du mir etwas von Deinen Reiſen erzählen!“ Achtzehntes Kapitel. Wäre Georg auch noch ſo geneigt geweſen, zu glau⸗ ben, was er am liebſten wünſchte, ſo mußte dennoch die Täuſchung verſchwinden, ſo bald er den Fuß in das Zim⸗ mer des Vaters ſetzte, wo Alles die tiefſte Gleichgültigkeit gegen jede Art von Behaglichkeit anzeigte. Zwar hatten der alte Elias und Fanny nach beſtem Vermögen dem Mangel abzuhelfen geſucht, doch merkte man leicht, daß dieſes nur Flickwerk war, und daß kein Geiſt des Friedens durch die Heimath ſchwebte. „Gehe heute Abend nicht hinein, mein Sohn!“ ſagte Letsler, als Georg mit beklemmtem Herzen die Hand auf das Schloß der Thüre legte, welche in das Zimmer der Mutter führte.„Es iſt Alles gut, doch gehe heute Abend nicht hinein!“ Georg zog ſich zurück und öffnete jetzt die Thür ſei⸗ nes eigenen Zimmers. Hier ſtand noch Alles faſt ſo wie er es gelaſſen hatte, und wenn man die langen Spinnen⸗ gewebe von der Rechnung abzog, ſo war dieſes Zimmer noch immer das angenehmſte. „Johanna ſoll herüber kommen und ein wenig auf⸗ räumen!“ flüſterte Elias Georg in's Ohr. Georg nickte dankbar, doch Letslex fiel ein:„O, wir ſind gewohnt, uns ſelbſt zu helfen, Vater Elias— Frauen⸗ zimmer ſind hier bei uns immer überflüſſige Waaren!“ „Ja, gewiß ſind ſie das!“ meinte Fanny, indem ſie ihre ſchönen, lebhaften Augen auf Letsler warf.„Wäre — 236 ich jetzt nicht hier geweſen, ſo hätten Sie keinen Thee ge⸗ habt!“ „Und wie paſſeſt Du hier?“ entgegnete Letsler.„Wie ein armes Röschen hinaus geworfen in eine Sandwüſte. Du paſſeſt gar nicht hierher, Fanny... Und nun iſt's wah Zeit, daß Du Dich nach Hauſe begibſt— es wird pät.“ „Schmeckt nicht der Thee gut?“ fragte Fanny, taub vor dem beſtimmten Winke. Noch war ja die Sonne nicht ganz untergegangen, und auf der See war ja der Abend das Allerſchönſte. „Es iſt lange her, ſeitdem ich Thee geſchmeckt habe“— Letsler unterdrückte einen ſchweren Seufzer—„er ſchmeckt ut!“ 3„Nun aber wollen wir den alten Gebrauch wieder in Gang bringen!“ fiel Georg ein.„Du kannſt Dir gar nicht denken, lieber Vater, wie geſchickt ich bin, Thee und Pudding zu kochen— die letztgenannte Kunſt habe ich dem Koch auf unſerer Fregatte abgeſtohlen.... Aber was iſt das für ein Goͤnner, der dort zum Vorſchein kommt? Das iſt ja wahrhaftig eine Schildkröte!“ „Ja ſie iſt lange meine Geſellſchaft geweſen. Sie iſt ein liebes Andenken an Carolus.“ Der Thee war getrunken und die Geräthſchaften ab⸗ getragen; der letzte Sonnenſtrahl vergoldete die Berge und Fanny hatte nicht länger einen Vorwand zum Verziehen, als Georg fragte:„Wer ſoll Dich nach Hauſe rudern, liebſte Fanny?“ „Niſſe von Weſtraö ſitzt im Boote und wartet auf mich. Er muß mich immer rudern wohin ich will. Und Du kannſt nicht glauben, lieber Georg, wie dankbar der arme Junge dafür iſt, daß Vater ihm Dach und Brod gibt.... Du kennſt ja wohl den Niſſe von Weſtrab? oder war er vielleicht noch nicht nach Strand gekommen, da Du zuletzt bei uns warſt r —— —y— „Ich kann ich m „Ein erzählen. ſoll... nicht beunr komme ich Sie mir de „Du meinte Lets Dir, mein „Vate Land ſetze, bat Georg; fahren.“ „Herzl auf Georg's Sache abgen zen ſieben: lauter Entzn „Wenn „ſo geh' vo ich gehe jetz erwarte Dich „Darf Georg, nach ren, wo N müthigen 3 ſaß und Bir „Ja ge ſetze Du Die ſo bald Du Und nu ergriff die R alte Elias ne ſieß das Bo den Thee ge⸗ etsler.„Wie Sandwüſte. ind nun iſt's — es wird Fanny, taub die Sonne war ja der eckt habe“— „er ſchmeckt ich wieder in ſt Dir gar n, Thee und nſt habe ich ... Aber m Vorſchein öͤte!“ ſen. Sie iſt lhſchaften ab⸗ ie Berge und n Verziehen, bauſe rudern, wartet auf h will. Und dankbar der und Brod 237 „Ich glaube faſt, den Namen gehört zu haben, doch kann ich mich, nicht entſinnen, ihn geſehen zu haben.“ „Ein andermal will ich Dir ſeine kleine Geſchichte erzählen. Jetzt ſehe ich, Herr Letsler will, daß ich gehen ſoll... Doch, Herr Letsler! wenn Sie auch von mir nicht beunruhigt werden, ſo lange Georg zu Hauſe iſt, ſo komme ich doch wieder, wenn er gereiſ't iſt— erlauben Sie mir das nicht?“ „Du kommſt wohl, ich mag es erlauben oder nicht,“ meinte Letsler und ſtreichelte das Mädchen.„Gott ſei mit Dir, mein Kind!“ „Vater Elias! wenn ich Euch bei Grafwerna au's Land ſetze, ſo leiht Ihr mir wohl Euer Boot ein wenig,“ bat Georg;„ich moͤchte gern ein Stück Weges mit Fanny fahren.“ „Herzlich gerne!“ ſagte der Alte. Und als Letsler auf Georg's fragenden Blick Beifall nickte, ſo war die Sache abgemacht, und ihre vierzehn Jahre und die gan⸗ zen ſieben Monate darüber vergeſſend tanzte Fanny vor lanter Entzücken den Felſen hinab. „Wenn Du zurück kommſt,“ ſagte Letsler zu Georg, „ſo geh' von dem Hausflur ſogleich in Dein Zimmer— ich gehe jetzt zu Bette; doch morgen bin ich früh auf und erwarte Dich!“ „Darf ich Dein Boot rudern, Fanny?“ fragte Georg, nachdem ſie an den Landungsplatz gekommen wa⸗ ren, wo Niſſe— ein bleicher Jüngling mit ſtillen, gut⸗ müthigen Zügen— auf der hinteren Bank des Bootes ſaß und Binſen flocht. „Ja gerne, guter Georg! wenn Du ſo willſt. Niſſe! ſetze Du Dich zu Vater Elias in's Boot und komm' nach, ſo bald Du ihn bei Grafwerna an's Land geſetzt haſt...“ Und nun ſaß das junge Paar im Boote. Georg ergriff die Ruder, Fanny das Steuer, und nachdem der alte Elias noch einen Gruß zum Abſchied erhalten hatte, ſtieß das Boot ab. 3 238 „Ja, dies war nicht ſo wenig luſtig!“ meinte Georg und eilte nicht ſehr mit der Arbeit. „Du haſt wohl Vieles auf der Reiſe erlebt, und biſt in großen, fremden Ländern geweſen?“ fragte Fanny. „Darauf kannſt Du Dich verlaſſen! Doch von der Flotte habe ich mich ſchon getrennt, und jetzt habe ich's mir in den Kopf geſetzt, ſobald ich mein Steuermannsera⸗ men gemacht habe, mich auf einen Oſtindienfahrer zu begeben.“ „Ach, guter Georg, da kommſt Du gewiß nie wieder nach Hauſe... Dieſe Oſtindienfahrer ſind ſchrecklich merkwürdige Leute! Und was ſie in Oſtindien für herrliche ſeidene Schnupftücher haben— ach, wie gefallen mit die!“ℳ. „Wenn ich von meiner erſten Reiſe zurückkomme, ſe erhältſt Du wenigſtens zwei Stück ächte oſtindiſche— darauf kannſt Du Dich verlaſſen, meine liebe Fanny!“ „Ja, wenn Du zurückkommſt!“ Ueber ihr ſchöͤncs Geſicht flog ein kleiner Zug von Zweifel und Mißmu⸗ thigkeit. einer Reiſe nach Oſtindien hegen— doch ich verſichen Dich, eine ſolche iſt weder gefährlicher noch merkwürdiga, als die, welche wir jetzt gemacht haben. Warte nur noch ein wenig, ſo werde ich Dir Geſchichten erzählen, ſo lang wie von hier nach Strand... Jetzt aber ſage mir, liche Fanny, wie befinden ſich Patron Holmér und Deine Mut⸗ ter? Iſt's gut gegangen mit dem Schleichhandel, und hat ſich jemand gefunden, der dem Petter Gran eine ſo lange Naſe zu drechſeln verſteht, wie Carolus und ich ſie ihm anhefteten, als wir ihn auf der Landungsbrücke bei Strand aufhenkten?“ „Nein, das glaube ich gewiß nicht!“ entgegnete Fannh lachend.„Denn im letzten Frühlinge kniff er von Vatet einen ganzen Sack mit Stückgut; und da Vater viel Geld als Strafe bezahlen mußte, ſo glaube ich nicht, daß er „Liebe Fanny! Du mußt ſonderbare Gedanken von ſich für's ſagt imme rolus ſche hauptet, e „Nur doch, Fan „Mu Sommer kommt, ſiehſt Du, Winter ül werde da „Ach ich wollte nach der J mermehr d ſich dahin laubniß gel „Dam verſchwand mit Deinen ſein Verſtal und klagten ich ihm zu jedoch viele reiſen durfte ich nur den „Groß Georg aus würde ich n daß er mein von ihm ent „An T mußte ich 1 pflegen. W blickte! Gen neinte Georg lebt, und biſt 2 Fanny. Doch von der etzt habe ich's kuermannsera⸗ dienfahrer zu piß nie wieder ind ſchrecklich n für herrliche gefallen mit rückkomme, ſo oſtindiſche— de Fanny!“ er ihr ſchönes und Mißmu⸗ Gedanken von ich verſichere merkwürdige, Parte nur noch ählen, ſo lang age mir, liebe d Deine Mut⸗ lcchhandel, und Gran eine ſo lus und ich ſie pungsbrücke bei nicht, daß er 239 ſich für's erſte um dieſen Commerz weiter kümmert. Er ſagt immer, keiner kann den Carolus erſetzen. Aber Ca⸗ rolus ſchmuggelt nicht mehr, wenn nicht, wie man be⸗ hauptet, eine Kleinigkeit für eigene Rechnung.“ „Nun, das kann ich mir von Carolus denken... doch, Fanny, Deine Mutter?“ „Mutter iſt, Gott ſei gelobt! jetzt, wie immer im Sommer geſund: ſobald aber der Herbſt und der Winter kommt, ſo iſt es mit ihr vorbei, arme Mutter! Aber ſiehſt Du, Georg! nun werde ich groß, und im nächſten Winter übernehme ich die Haushaltung: Du weißt, ich werde da fünfzehn Jahre!“ „Ach ja, das ſieht man Dir wohl an... Aber ich wollte noch ſo Vieles, Vieles wiſſen— wie kamſt Du nach der Johannis⸗Klippe? Ich hätte mir's wohl nim⸗ mermehr denken können, daß ein ſo junges Weſen wie Du ſich dahin wagen, und noch weniger, daß er Dir die Er⸗ laubniß geben würde, wieder zu kommen!“ „Damals,“ antwortete Fanny, und das frohe Lächeln verſchwand von ihren Lippen,„ſah es ſehr ſchlecht aus mit Deinem Vater. Sie glaubten auf Grafwerna, daß ſein Verſtand zerrüttet wäre, und da ſie zu uns kamen und klagten, ſo wollte ich beſtimmt reiſen und ſehen, ob ich ihm zu etwas nützlich werden könnte. Es koſtete mir jedoch viele Bitten, ehe ich ſo auf meine eigene Hand reiſen durfte! Jetzt aber reiſe ich, wohin ich will, wenn ich nur den Niſſe von Weſtraö bei mir habe.“ „Großer Gott! iſt es ſo ſchlimm geweſen?“ rief Georg aus und ließ die Ruder ruhen.„Wie bekümmert würde ich wohl nicht geweſen ſein, wenn ich gewußt hätte, daß er meiner Hülfe bedürftig war, und ich mich ſo weit von ihm entfernt hatte!“ „An Dich, Georg, dachte ich auch, und eben darum mußte ich nach der Johannis⸗Klippe und Deinen Vater pflegen. Wie überraſcht er war, als er mich zuerſt er⸗ blicktel Gewiß bildete er ſich ein, es wäre eine Andere— 240 Du weißt wohl, welche ich meine— denn er ſtreckte die begreifen, Arme aus nach mir.“ immer in „Ich kann recht gut faſſen, was er dachte; aber nie, unſere Be liebe, gute Fanny! kann ich beſchreiben, wie ich Dir in liebe ich meinem Herzen für Deine Zärtlichkeit und für Deine Ge⸗ der ganzen duld danke, und daß Du immer wieder gekommen biſ, wie ſie ſe obgleich er Dich gewiß ſehr oft zurückgewieſen hat! Ich Eine gan; glaube, Fanny, kein Menſch in der ganzen Welt iſt ſt Rieſen kle gut wie Du!“ auf einen „O, ich weiß Einen, der viel beſſer iſt, Einen, den Oberfläche Niemand lobt, und der dennoch beſſer iſt, als Andere⸗ das gering Einen, der das treueſte und beſte Herz unter allen Her⸗ Gipfel abe zen hat!“ und auf d „Wer kann das ſein?“ fragte Georg.„Dieſe Be⸗ In* ſchreibung trifft nicht bei mir ein!“ fügte er ſchelmiſch Steines in hinzu. wohner erz „Nein, das habe ich ja auch nicht behauptet!“ ent. ges iſt, d gegnete Fanny mit ihrer gewöhnlichen Lebhaftigkeit.„Aber einließ, w Du kannſt wohl auch einſehen, damit iſt noch gar nicht Grund ge geſagt, daß es nicht bei einem Andern eintreffen kann.. A noch heutig „Und dieſer heißt?“„Ich, „Niſſe!“ antwortete Fanny und nickte ihrem Günſ⸗ wort,„ich linge zu, der in dem andern Boote nachkam. prächtiger „Ich glaube, ich werde neidiſch auf Niſſe— was ich nirgende hat er denn gethan, das ihn in Deine Gunſt ſo hoch ge⸗„Das bracht hat?ℳ kannſt Du „Das will ich Dir erzählen, weil Du heute Aben eiwas recht Deine eigenen Geſchichten nicht beginnen willſt... Doch Wäldern u ſieh Dich erſt recht um, Georg! Wie gefallen Dir unſere ſolche Erbä großen Berge? Haſt Du ſchönere roth geſchliffene Steine ſl gebrauch geſehen? Haſt Du irgend wo ſolche Wolken ſich in blaue⸗ der... he rem Gewäſſer abſpiegeln geſehen, und haſt Du kahlere i Felſenmaſſen geſehen? Reiſende ſagen, daß dieſe Küſte ſheur Blun ſehr häßlich iſt, daß ſie nicht begreifen, wie man hier als unſer S leben und ſich glücklich fühlen kann— und ich bin da⸗ 3„Und: gegen drei Jahre in Göteborg geweſen, und kann nicht nidchen⸗ er Ein E — S S — — 2 er ſtreckte die chte; aber nie, wie ich Dir in für Deine Ge⸗ gekommen biſt, ieſen hat! Ich zen Welt iſt ſe iſt, Einen, den t, als Andere; nter allen Her⸗ g.„Dieſe Be⸗ e er ſchelmiſch hhauptet!“ ent⸗ ftigkeit.„Aber noch gar nicht treffen kann..* Niſſe— wat ſchliffene Steine n ſich in blaue⸗ ſt Du kahlert ſaß dieſe Küſte (und kann nicht wie man hier nd ich bin da⸗ 241 begreifen, wie irgend Jemand, der umhin kommen kann, ſich immer in Stadtmauern aufhalten will! Da ziehe ich doch unſere Berggrotten den ſtattlichſten Häuſern vor! Ach, wie liebe ich ſie! Ein Haus verbrennt— und aus iſt's mit der ganzen Herrlichkeit; doch meine Berge bleiben ſtehen, wie ſie ſchon viele tauſend Jahre lang geſtanden haben. Eine ganze Stadt kommt mir gegen einen einzigen ſolchen Rieſen klein vor!, Fanny deutete mit ſtrahlenden Blicken auf einen der höchſten Berge, deſſen nackte, ſenkrechte Oberfläche nicht einmal die kleinſte Spalte zeigte, worin das geringſte Moos wachſen konnte, auf deſſen höchſtem Gipfel aber ein großer Stein von ſonderbarer Geſtalt lag und auf das Meer hinaus ſpähte. In ⸗dem Halbdunkel ſchienen ſich die Formen des Steines in menſchliche zu verwandeln, und die Strandbe⸗ wohner erzählen, daß dieſer Stein der Geiſt eines Wikin⸗ ges iſt, der ſich einſt mit Berggeiſtern in einen Kampf einließ, weil ſie während der Nacht ſein Schiff in den Grund gebohrt hatten. Doch er wurde beſiegt und war noch heutiges Tages ein Gefangener. „Ich,“ gab Georg auf Fanny's Darſtellung zur Ant⸗ wort,„ich habe vieles geſehen, das über alle Beſchreibung prichtiger war, als dieſes; doch etwas Aehnliches habe ich nirgends gefunden.“ 18 „Das glaube ich auch!“ fiel Fanny ſtolz ein.„Abers kannſt Du mir ſagen, Georg, warum die Leute, wenn ſie von etwas recht Schönem reden wollen, immer mit Wieſen, Wäldern und Flüſſen zum Vorſchein kommen? Fluſſe— ſolche Erbärmlichkeit!— die kann ich ja als Waſchſchüſ⸗ ſel gebrauchen, wenn ich mich waſchen will! Und Wäl⸗ der... haben wir nicht ebenfalls Waͤlder, wenn unſere Maſten und Segel die See erfüllen? Wo wachſen prach⸗ tigere Blumen, als unſere Waſſerlilien und höheres Gras als unſer Seetang?“ „Und wo gibt's ein ſchöneres und lebhafteres Sche⸗ renmadchen, als Fanny Holmér?“ Der Einſiedler ꝛc. I. 16 242 „Nun, gut war's, daß Du Scherenmädchen ſagteſt! Sonſt, verſtehſt Du, Georg, kümmere ich mich gar nicht darum, daß ſie ſagen, ich ſei ſchön... aber nun bin ich durch mein Geſchwätz ganz von Niſſe's kleiner Geſchichte abgekommen— oder willſt Du vielleicht umkehren?“ „Nein, behüte! noch nicht.“ Und von neuem mit den Rudern inne haltend, bog ſich Georg vorwärts, um Fanny beſſer betrachten zu koͤnnen, die für einige Augen⸗ blicke das Steuer losgelaſſen hatte und die See als Spie⸗ gel benutzend, den Strohut zurecht ſetzte. Die Sonne war jetzt längſt hinter die Berge hinab geſunken; doch über das Meer zogen lange, purpurglühende Flammen und vergoldeten die lange Silberwoge hinter dem Boote. „So hoͤre denn ein wenig von dem armen Niſſe!’“ begann Fanny, indem ſte das Steuer wieder ergriff.... „Du weißt, die Weſtrab iſt ſo klein, daß ſich dort nur zwei oder drei ärmliche Haushaltungen haben niederlaſſen können. In der einen dieſer Hütten wohnten Niſſe's Eltern mit ihm und ſeinen beiden kleinen Geſchwiſtern. Sie wa⸗ ren ſo arm, ſo arm, daß Du, mein guter Georg, gar nicht glauben kannſt, wie arm ſie waren! Aber ſie waren auch ſehr gottesfürchtig, und jeden Abend, ſie mochten nun einen Biſſen zu eſſen gehabt haben oder nicht, dankten ſie dem guten Gotte für ſeine Gnade, und Niſſe's Vater las laut ein Stück aus der alten Bibel mit den ledernen Deckeln, dem einzigen Erbtheil, das ihm ſein Vater hin⸗ terlaſſen hatte, welcher ſie wiederum von dem ſeinigen er⸗ halten hatte, und ſo weiter. Die Bibel war ihr Troſ und dieſer Troſt täuſchte ſie nicht. „Der Alte reiſ'te im Sommer als Bootsman⸗ Werg. Und wenn er ſo viel fertig hatte, daß er außer ſeinem Eſſen ein wenig Tabak für den Vater, ein wenig Schnupftabak und Kaffee für die Mutter kauſen konnte, da hätteſt Du ihn ſehen ſollen! n und fiſchte im Winter, und Niſſe war in Strand und zupſte „Do Jahre he der See; hatte er! war ein ſ möchte zi Doch Be Herrgott ren, wenn das Lootf ſonſt thue „Ach Bengt; a Am folger tert. „Da aus der war; und herabkam, „Ich Niſſe dam⸗ ſaß und V und doch 1 oft mit de knochen zu ob ich die einigemal, Küche genc res zu ſage „Niſſe Tag und N noch nicht auch Niſſe konnte, Han er uns; abe Schnupftabe hen ſagteſt! ch gar nicht nun bin ich er Geſchichte ehren?“ neuem mit brwärts, um inige Augen⸗ bee als Spie⸗ Berge hinab rrpurglühende erwoge hinter ermen Niſſe ergriff.... ſich dort nur in niederlaſſen Niſſe's Eltern rn. Sie wa⸗ Georg, ger ber ſie waren ſie mochten nicht, vankten Niſſe's Vater den ledernen in Vater hin⸗ ſeinigen er⸗ ur ihr Troſt, „Doch eines Abends— es köͤnnen jetzt wohl einige Jahre her ſein— hörte Niſſe's Vater Nothſchüſſe von der See; und obgleich er kein richtiger Lootſe war, ſo hatte er doch ſchon ſo manchem Menſchen geholfen. Es war ein ſtarker Sturm, und die Frau bat daher, Bengt möchte zu Hauſe bleiben und nicht das Leben wagen. Doch Bengt ſagte:„Sei Du getroſt, Mutter! Unſer Herrgott hat uns nicht das Leben gegeben, um es zu ſpa⸗ ren, wenn Jemand eine kräftige Huͤlfe braucht. Sehe ich das Lootſenboot draußen, ſo bin ich gleich wieder hier; ſonſt thue ich, was ich kann.““ „Ach, Georg! er that gewiß was er konnte, der gute Bengt; aber er kehrte von der Reiſe nie wieder zurück. Am folgenden Morgen fand man das Fahrzeug geſchei⸗ tert. „Da las Niſſe der betrübten und bedrängten Mutter aus der Bibel vor, die jetzt ſein Eigenthum geworden war; und ſie laſen ſo lange, bis Gottes Geiſt auf ſie herabkam, ſie tröſtete und ihnen Muth ertheilte. „Ich weiß noch recht gut, wie bleich und durchſichtig Niſſe damals zu Hauſe in unſerm Hofe auf einem Steine ſaß und Werg zupfte. Er hatte kaum Zeit außzuſehen, und doch war er immer ſo gut und freundlich, daß ich oft mit der ganzen Schürze voller Kartoffeln und Fleiſch⸗ knochen zu ihm hinab ging. Da aber fragte er mich, ob ich die Erlaubniß hätte, ihm dieſes zu ſchenken; und einigemal, da ich meine Schätze ohne Erlaubniß aus der Küche genommen hatte, wagte ich nicht, ihm etwas ande⸗ res zu ſagen, als daß Mutter mich geſchickt hätte. „Niſſe's Mutter ſpann ſo fleißig, daß das Rad faſt Tag und Nacht in Bewegung warz aber es wollte den⸗ noch nicht verſchlagen. Da, kannſt Du glauben, lernte auch Niſſe im Winter, wenn er nichts anderes ausrichten konnte, Hanf ſpinnen; und manches Liespfund Garn brachte er uns; aber nie bettelte er etwas anderes, als ein wenig Schnupftabak für ſeine Mutter⸗ 244 „Und immer laſen ſie in der Bibel und ſagten im Herzen, daß Gott bei ihnen wäre. „Da kam ein Winter ſo kalt, ſo kalt— es war ge⸗ rade dieſer letzte. Das Waſſer fror und belegte ſich mit Eis. So lange das Eis trug, ging Niſſe aus und ſuchte ſich Arbeit, wo er ſie bekommen konnte. Doch in der Mitte des Januars ging das Eis auf, doch nicht ſo, daß das Waſſer frei wurde, ſondern das Eis zerbrach in viele Stücke, ſo daß die armen Leute auf Weſtraö weder vor⸗ noch rückwärts konnten, und Niemand im Stande war, zu ihnen zu kommen. „In den andern Haushaltungen war es ebenfalls knapp; doch nirgends ſo elend, wie bei Niſſe's Mutter. Und als eben das Eis aufging, hatten ſie ein ganzes Liespfund*) Garn fertig, für welches Niſſe hatte Speiſe kaufen wollen. „Sie hatten gar nichts im Hauſe, und der eine Tag war gleich dem andern; das Eis wollte nicht weggleiten, und mit großer Verzweiflung betrachtete Niſſe die ſchwan⸗ kenden Eisſtücke. In der Hütte ſchrien die Kinder nach Brod. Die Mutter, welche lange gehungert hatte, um ihnen zu geben, war vor Ermattung niedergeſunken, und konnte das Bett nicht mehr verlaſſen. Niſſe ſelbſt hatte während der letzten vier und zwanzig Stunden keinen Biſ⸗ ſen genoſſen, als er endlich bei einem Nachbar eine Vier⸗ tel Kappe*) Kartoffeln geliehen bekam. Dieſe wollte er kochen und unter die Kinder vertheilen, ehe er einen Vor⸗ ſat auszuführen wagte, der ihm ſtets im Sinne gelegen hatte, obgleich er nicht wußte, wie er ſich dabei benehmen ſollte. hatte, ſo wuchs ſein Muth mit wunderbarer Kraft.„Kann ich nichts zu ihrem Nutzen ausrichten, ſo kann ich wenig⸗ *) d. h. 20 Pfund. 4) Ein Getreidemaß, wovon 32 oder 36 auf eine Tonne gehen. „Nachdem er jedoch noch einmal in der Bibel geleſen ſtens für ſtarb, un für Mutt ſagt hatt gab ſich größeren zwiſchen „Mit das erſte ſich mit i riefen, er aber anty als zu ve welche nu⸗ kroch er b er ein gi Dir nun, wurde, als lagen, daf „Da nem Eisfel brünſtig zu ſo treu in einem and Neuem au „Aber Tag ſich 6 der Hunge Verſuchung ins Waſſer Mutter, die vor der Se lange arber nicht weiß, „Und n fährlichen I d ſagten im es war ge⸗ egte ſich mit s und ſuchte Doch in der nicht ſo, daß drach in viele weder vor⸗ Stande war, nfalls knapp; er. Und als Liespfund*) kaufen wollen. der eine Tag ht weggleiten, ee die ſchwan⸗ Kinder nach kt hatte, um eſunken, und ſſe ſelbſt hatte n keinen Biſ⸗ ar eine Vier⸗ ieſe wollte er r einen Vor⸗ hbei benehmen Bibel geleſen f eine Tonne Sinne gelegen 245 ſtens für ſie ſterben!“ ſagte er bei ſich ſelbſt.„Vater ſtarb, um fremde Leute zu retten— ich wage mein Leben für Mutter und Geſchwiſter!“ Und als er die Worte ge⸗ ſagt hatte, ſo nahm er eine Planke und ein Tau und be⸗ gab ſich hinab zur See, auf welcher die Eisſtücke mit groͤßeren und kleineren Oeffnungen von reinem Waſſer da⸗ zwiſchen umherfloſſen. „Mit feſter Entſchloſſenheit ſprang Niſſe hinaus auf das erſte Eisſtück; dieſes begann ſogleich zu ſchwanken und ſich mit ihm umzudrehen, während die Leute vom Lande riefen, er würde ſich ganz gewiß das Leben nehmen. Niſſe aber antwortete ruhig:„es iſt eben ſo gut zu ertrinken, als zu verhungern!“ Und ſo legte er ſeine Planke aus, welche nur ſo gerade das andere Stück erreichte, und nun kroch er bis er wieder feſten Fuß faſſen konnte. So kam er ein gutes Stück hinüber nach Strand. Aber denke Dir nun, lieber Georg, wie dem armen Niſſe zu Muthe wurde, als nun die Eisſtücke ſo weit von einander entfernt lagen, daß ſeine Planke nicht hinüber reichte! „Da ſtand denn der arme, arme Niſſe mitten auf ei⸗ nem Eisfelde und wußte keinen Rath! Doch er betete in⸗ brünſtig zu Gott, und Gott hatte den Niſſe lieb, weil er ſo treu in der Bibel geleſen hatte. Darum floß das Stück einem andern näher, und Niſſe konnte ſeine Planke von Neuem auslegen. „Aber während er ſo betete und ſtrebte, ſo begann der Tag ſich zu neigen. Sein Körper war ſteif vor Kälte, der Hunger plagte ihn füͤrchterlich, und oft war er in Verſuchung, ſeinem Leiden ein Ende zu machen und ſich ins Waſſer zu ſtürzen. Doch da ſtanden ihm immer die Mutter, die kleinen Geſchwiſter und die Bibel des Vaters vor der Seele, und er ſagte zu ſich ſelbſt:„Ich will ſo lange arbeiten, bis ich keine Beſinnung mehr habe und nicht weiß, daß ich mir ſelbſt das Leben nehme!“ „Und noch eine Weile ſchleppte er ſich auf ſeinem ge⸗ fährlichen Wege weiter. Doch ploͤtzlich ſtand er ganz ver⸗ nichtet da, denn vor ihm war das Waſſer bis nach Strand offen, während der letzten Stunden hatte der Wind das Eis zerriſſen. „Nun konnte Niſſe nicht mehr daran denken, vorwärts zu kommen, und nach Hauſe zurück konnte er ebenfalls nicht. Darum ſetzte er ſich hin auf das Eisſtück und ließ es treiben, wohin es wollte. Und das Eisſtück trieb, und Niſſe ſchloß die Augen und ſeufzte, bis er hörte, daß es gegen etwas ſtieß. Da fuhr er auf und ſammelte die er⸗ matteten Kräfte, um nachzuſehen, was es war; und Du kannſt wohl begreifen, Georg, was er fühlte— es war ein Boot!“ „O, mein Gott, der arme Junge!“ rief hier Georg, der mit großem Intereſſe Fanny's einfache Erzählung ah⸗ gehört hatte,„welche Gefühle er wohl gehabt hat!“ „Ja, ich glaube wohl, ſie waren froh... Er klet⸗ terte in das Boot, das vor nicht langer Zeit mit einem armen Schiffer, der nie wieder kam, umgeſchlagen war. Mit der Planke als Ruder und mit neuem Muthe im Herzen, legte er nun den noch übrigen Weg nach Strand zurück. Doch niemals vergeſſe ich, wie er ausſah, als er endlich ankam. Einem Stein hätte er Thränen entlocken können!“ „Wie in Gottes Namen, wurde es aber weiter mit ihm? War das Waſſer am folgenden Morgen frei von Eis?“ 4 „Ja, ſo viel, daß man zwar nicht ohne große Geſaht rudern konnte; aber es ließ ſich dennoch thun. Wir be⸗ luden das kleine Boot des Vaters mit Eßwaaren, mit ei⸗ nem gewiſſen Vorrathe für jede von den kleinen Haushal⸗ tungen. Niſſe weinte bald, und Freuden über alle ſeine Geſchenke und bald vor Furcht, ſie möchten zu ſpät kommen. Vor Unruhe ſchloß er wäh⸗ rend der Nacht kaum ein Auge, und am Morgen kounte ihn niemand halten, ſondern er begab ſich ſogleich hinweg. Als er darauf Weſtras erreichte, ſo wollte ſein Herz vor bald lachte er, bald vor Freuden ſchwiſter, dem Str ſeiner pfl den guten „Got an Dienſt zu Winte in die N um ein k Kleider a Weſtrab, den kleine Fibel und „Un leichterſt, „Jet und iſt ſe arbeiten k weil ich Ich helfe Aber ſieh uns— n. lange um Jetzt Georg ſti ten und 3 „Wi ſagte Niſ Herrin al zu bewege ren. Niſſ legt, wie und wie d Lache doch woh⸗ nach Strand der Wind das ken, vorwärts er ebenfalls ſtück und ließ ück trieb, und hörte, daß es nmelte die er⸗ var; und Du lte— es war ef hier Georg, Erzählung ah⸗ bt hat!“ ... Er klet⸗ zeit mit einem eſchlagen war. m Muthe im S nach Strand ausſah, als er tänen entlocken ber weiter mit orgen frei von e große Geſahr zun. Wir be⸗ vaaren, mit ei⸗ einen Haushal⸗ te er, bald vor Id vor Furcht, ſchloß er wah⸗ Morgen konnte ſogleich hinweg. e ſein Herz vor 247 Freuden brechen, denn die Mutter und die kleinen Ge⸗ ſchwiſter, obgleich ſie ſo ermattet waren, daß ſie kaum von dem Stroh aufkriechen konnten, erholten ſich bald unter ſeiner pflegenden Hand. Und ſie konnten nicht aufhören, den guten Niſſe zu ſegnen. „Gott hoͤrte den Segen. Niſſe erhielt von dieſer Zeit an Dienſt bei meinem Vater, und legt nun jeden Schilling zu Wintervorräthen für die Mutter zurück; und bis ſpät in die Nächte hinein verrichtet er für die anderen Knechte um ein kleines Trinkgeld Arbeiten und beſſert Schuhe und Kleider aus. Aber jeden Sonntag rudert er hinüber nach Weſtrab, lieſ't der Mutter aus der Bibel vor und verhört den kleinen Brüdern, was ſie während der Woche in der Fibel und in dem kleinen Katechismus geleſen haben.“ „Und daß Du, liebe Fanny, Niſſe's Beſchwerden er⸗ leichterſt, das ſehe ich Deinen Augen an!“ „Jetzt eben nicht viel, denn jetzt hat er den Dienſt und iſt ſo glücklich, daß er ſelbſt für Mutter und Brüder arbeiten kann, daß ich ihm die Freude nicht rauben mag, weil ich glaube, daß er nachher nicht ſo froh ſein würde. Ich helfe nur, daß er in den Freiſtunden Arbeit hat.... Aber ſieh, Georg! da haben wir ja Strand gerade vor uns— wir haben die Zeit verſchwatzt! Du ſollteſt ſchon lange umgekehrt ſein!“ Jetzt erhielt Niſſe einen Wink, näher zu kommen. Georg ſtieg in das andere Boot; und nach einigen Wor⸗ ten und Winken zum Abſchiede ruderte Georg zurück. „Wir ſind gewiß zwei Stunden unterwegs geweſen!“ ſagte Niſſe mit trauriger Miene, als er mit ſeiner jungen Herrin allein war und die Ruder auf eine flinkere Weiſe zu bewegen begann, als ſie bisher handthiert worden wa⸗ ren. Niſſe hatte während der langſamen Rückfahrt über⸗ legt, wie viele Schuhe er während der Zeit hätte flicken, und wie viele Schillinge dafür hätten einfließen können. Lachend entgegnete Fanny:„O, ſo lange hat's denn doch wohl nicht gedauert! Gewiß hat Georg nicht ſchnell 248 gerudert; doch die Zeit, welche Du verloren haſt, holſt Du wohl wieder nach, lieber Niſſe; ich will meinen Va⸗ ter bitten, daß Du morgen Abend zwei Stunden frei be⸗ kommſt. Und dann ſollſt Du wiſſen, Niſſe, heute, als ich in meinen Schiebladen kramte, ſo fand ich ein großes dunkles Tuch, das gewiß Deiner Mutter trefflich paſſen wird— Du kannſt es am Sonntage mitnehmen, wenn Du nach Weſtras hinüber fährſt!“ Niſſe verzog den Mund zu einem Lächeln, das ſehr beredt ſeine Dankbarkeit ausdrückte. Neunzehntes Kapitel. Georg hatte erſt einige Stunden geſchlafen, als ſchon ſein Vater in Bewegung war. Er räumte auf und bemühte ſich, ſeinem Zimmer das Ausſehen einer Art von Behaglichkeit zu geben. Das Bett, welches Jahr und Tag eine und dieſelbe Form ge⸗ habt hatte, wurde aufgemacht, und aus dem Schranke eine wollene Decke hervorgeſucht und über die zerriſſene geſtickte Decke gebreitet, obgleich Letsler dieſe um keinen Preis mit einer andern vertauſcht haben würde, weil die Betrachtung aller Figuren, welche durch die herausgezogene Baumwolle entſtanden waren, eine ſeiner nothwendigen Zerſtreuungen ausmachte. Er wäre mit einer neuen Decke ſchlecht daran geweſen, denn dieſe hätte ihm keine Beſchäftigung gewährt. Doch es war nicht genug mit der Zurüſtung des Bettes: der alte Sand wurde ausgekehrt und ſtatt deſſen neuer und friſcher übergeſtreut. Einige Stücke Holz wur⸗ den in den Ofen gelegt, um Kaffee zu kochen, und als dieſer ſauſ'te und ziſchte, ſo öffnete Letsler die Thür, welche — in Nicolin immer fei mittelſt de laſſen hatt Frühſtücke Als Georg her ſchung und rüſtungen. Sorgen de Das bewohnt h die ihr gel menden G der Vater in einem 2 geduldig ſe „Ja! die in ſein⸗ darauf in Rührung z Späte ruhigt hatt dem Zimn Reiſen von ſichtbarer Abtheilung den Namer der von ein konnte.„3 unter... Dienſt verſ „Ja, von U... „Gut men— wi n haſt, holſt meinen Va⸗ nden frei be⸗ heute, als ich )ein großes refflich paſſen ihmen, wenn An, das ſehr fen, als ſchon in Zimmer das geben. Das lbe Form ge⸗ Schranke eine iſſene geſtickte nen Preis mit e Betrachtung ne Baumwolle Zerſtreuungen ſchlecht daran gung gewährt. urüſtung des ind ſtatt deſſen cke Holz wur⸗ chen, und als Thür, welche — 249 in Nicolinens ehemaliges Zimmer führte, und welches noch immer fein und aufgeräumt geſtanden hatte. Nachdem er mittelſt des Oeffnens des Fenſters die Morgenluft einge⸗ laſſen hatte, ging er, um die einfachen Beſtandtheile des Frühſtückes zu ordnen. Als der Kaffee und das Uebrige fertig war, wurde Georg herein gerufen; und mit der lebhafteſten Ueberra⸗ ſchung und herzlichſten Dankbarkeit gewahrte er alle Zu⸗ rüſtungen. Georg wußte ſo gut, daß in dieſen kleinen Sorgen der große Beweis der Zärtlichkeit ſeines Vaters lag. Das Wiederſehen des Zimmers, welches die Mutter bewohnt hatte, des Vogels, der Blumen und aller Dinge, die ihr gehört hatten, erſchütterte ihn ſo, daß er die ſtür⸗ menden Gefühle kaum zurück zu halten vermochte. Doch der Vater legte ihm die Hand auf die Schulter und ſagte in einem Tone tiefen, reſignirten Schmerzes:„Laß uns geduldig ſein; ſie iſt uns nahe!“ „Ja!“ ſagte Georg und wiſchte die Thräne hinweg, die in ſeinem Auge brannte: dennoch warf er ſich gleich darauf in den Sopha: es war ihm nicht möglich, ſeine Rührung zu bekämpfen: er weinte wie ein Kind.... Später, da die Gemüther und die Gefühle ſich be⸗ ruhigt hatten, ſaßen Vater und Sohn neben einander in dem Zimmer des Erſtgenannten. Georg erzählte ſeine Reiſen von Anfang bis zu Ende, und der Vater hörte mit ſichtbarer Theilnahme zu. Als er jedoch zu der letzten Abtheilung kam, und zum erſten Male gleichſam zufallig den Namen des Chefs erwähnte, da wurden Letsler's Glie⸗ der von einem Zucken erſchüttert, das er nicht verbergen konnte.„Wie?“ rief er erblaſſend aus,„Du haſt gedient unter... unter....“ Die Stimme ſchien ihm ihren Dienſt verſagen zu wollen. „Ja, mein Vater, unter dem Commandeur⸗Capitain von U...⸗ „Gut! ich glaubte, er hätte längſt Abſchied genom⸗ men— wie behandelte er Dich?“ 250 „Immer nach meinem geringen Verdienſt, bis er ent⸗ deckte... „Was?“ Letsler ſprang in der hoͤchſten Spannung auf.„Was entdeckte er? Deinen Namen— ach ſol Ja, viele können Letsler heißen... Aber Du biſt immer ein heftiger, zügelloſer Junge geweſen, und haſt nicht ſchwei⸗ gen gelernt! Gewiß eine Unvorſichtigkeit...“ „Mein Vater! mein beſter Vater...“ „Sage kein Wort! Was er entdeckte, iſt gewiß eine Folge Deiner einfältigen Antworten geweſen!“ „Aber ich hatte ja keine beſondern Verhaltungsbefehle erhalten!“ „Still, ſage ich, ſtill! Du warſt ſo alt, daß Du ſelbſt hätteſt verſtehen ſollen, daß kein Menſch eine Woh⸗ nung wählt, wie dieſe, wenn er eine andere wählen kannl. Alſo verrathen— verrathen durch meinen eige⸗ nen Sohn!“ „Sei überzeugt, mein Vater, welches Geheimniß der Aufenthalt hier auf der Johannis⸗Klippe auch verbergen mag, ſo iſt es in guter Verwahrung bei dem Commandeur⸗ Capitain— er iſt ein Ehrenmann und kann keinen Freund verrathen.“ „Das glaube ich wohl,“ erwiederte Letsler mit Bit⸗ terkeit;„er hätte geringen Gewinn davon! Doch hätte ich's gerne geſehen, daß Niemand, der mich in beſſeren Umſtänden kannte, erfahren hätte, wo der Fleck liegt, wo⸗ hin ich meine Zuflucht genommen habe... Doch erzähle mir alles ausführlich, getreu!“ Georg erzählte, und gab zuletzt den Brief ab, den ſein Chef ihm mitgegeben hatte. Während Letsler denſelben las, milderte ſich das Harte und Unwillige in ſeinen Zügen, und ſogar ein hellerer Schimmer fuhr über dieſelben. Der Brief war lang, und nachdem Letsler ihn hart zuſammengedrückt hatie, ſagie er langſam:„Du haſt eigentlich keine Schuld, Georg! Ich üͤbereilte mich. Der Name und die Geſichtszüge. Nun, glei⸗ Dein Glüch mann, und ohne ſeine ſo iſt es je daß er aus und einige machen.“ „Wenn nach einigen deur⸗Capit eine alte S „Nein, gar nichts Er hat mit keine ander’ erlegt. Vo Dich thun von keiner „Ich ‚und ich bi „Weiß nob er auß hat? „Eine „Eine kann ungefe — fügte er „der Sohn er nicht die „Er ſe „Ja, jetzt einen und es lag eine bittere nahm er ſ t, bis er ent⸗ en Spannung 1— ach ſol du biſt immer ſt nicht ſchwei⸗ 71 iſt gewiß eine 14 haltungsbefehle alt, daß Du ſch eine Woh⸗ andere wählen h meinen eige⸗ Geheimniß der uch verbergn Commandeur⸗ keinen Freund tsler mit Bit⸗ 1 Doch hätt lich in beſſern leck liegt, wo Doch erzähle Brief ab, den ſich das Harte r ein hellerer war lang, und t hatte, ſagtt huld, Georg eſichtszüge. 251 Nun, gleich viel! Vielleicht war dieſes Zuſammentreffen Dein Glück. Der Commandeur⸗Capitain iſt ein Ehren⸗ mann, und obgleich es mir lieber geweſen wäre, wenn Du ohne ſeine Hülfe in der Welt vorwärts gekommen wäreſt, ſo iſt es jetzt dennoch ſo wie es iſt, und er mag zuſehen, daß er aus Dir machen kann, was Dein eigenes Betragen und einige gewiſſe andere Verhältniſſe ihm zur Pflicht machen.“ „Wenn ich dieſe Worte verſtehen darf,“ ſagte Georg nach einigem Nachdenken,„ſo bezahlt gewiß der Comman⸗ deur⸗Capitain in dem Guten, das er für mich thun will, eine alte Schuld ab?“ 3 „Nein, das eben nicht: er kann mir alles oder auch gar nichts ſchuldig ſein— wie man es nehmen will. Er hat mir ebenfalls Dienſte erzeigt, aber ich habe an ihn keine andere Anſprüche, als die, welche die Ehre ihm auf⸗ erlegt. Von dieſer Seite betrachtet, iſt alles, was er für Dich thun kann, eine Pflicht— doch bedenke es ſehr wohl: von keiner andern!“ „Ich werde es ule vergeſſen!“ antwortete Georg, „und ich bin ihm ſchon große Dankbarkeit ſchuldig.“ „Weißt Du,“ fragte Letsler nach längerem Schweigen, „ub,e außer dieſem Sohne noch mehre Kinder am Leben at? „Eine Tochter, hörte ich...“ „Eine Tochter... ja richtig, eine Tochter.. ſie kann ungefähr zwölf oder dreizehn Jahre alt ſein. Aber“ — fuügte er gleichſam mit ſich ſelbſt ſprechend hinzu— „der Sohn bekommt Helgenäs! Helgenäs... erwähnte er nicht dieſes Namens?⸗ „Er ſagte, ich ſollte ihn dort einſt beſuchen.“ „Ja, warum denn nicht?“ Letsler's Antlitz erhielt jetzt einen Ausdruck, den Georg nicht begreifen konnte, und es lag ſowohl in den Worten, als auch in dem Tone eine bittere Miſchung von Scherz und Ernſt. Doch bald nahm er ſeine natuͤrliche Stimme wieder an und fuhr — 25² fort:„Es iſt noch Zeit genug, daran zu denken! Inzwi⸗ ſchen bin ich mit dem Plane zufrieden, den der Comman⸗ deur⸗Capitain vorgefchlagen hat— folge dieſem und es wird nicht lange dauern, ſo ſtehſt Du auf eigenem Grund und Boden.“ „Das iſt mein beſtimmtes Ziel, das mir beſtändig vorſchwebt,“ erwiederte Georg,„und darum kann ich auch nichts verſäumen, um daſſelbe zu erreichen!“ „Sollte aber der Herr mich plöͤtzlich hinwegrufen, ſo ſieh hier!“... Letsler drückte an die geheime Feder in dem Schranke und nachdem er ſich geöffnet und den Ei⸗ gang zu der ehemaligen Schmugglerhöhle frei gelaſſen hatte, ſo zeigte er ſeinem Sohne eine kleine durch eine gut eingepaßten Stein verſteckte Spalte in dem Felſen. „Dieſes iſt ein Verwahrungsort, den nur wir beide ka⸗ nen. Hier liegt was ich an Papieren und an Geld beſitze V Geld findet ſich hier nicht viel, aber doch genug, un, nachdem Du ſelbſt etwas dazu verdient haſt, Dich in den Stand zu ſetzen, ein eigenes Fahrzeug zu kaufen. Die Papiere werden Dir Alles erklären, was Dir in Deinez Vaters Leben dunkel war, ſo wie auch alle Umſtände, die ihn hindern, Dich an den Platz zu ſtellen, den Du eigent⸗ lich das Recht hätteſt zu fordern.“ „Ich,“ ſagte Georg, gerührt und erſchüttert von der großen Niedergeſchlagenheit, womit der Vater die letzten Worte ausgeſprochen hatte,„ich werde mich ſtets mit dem Platze begnügen, der mir von meiner Kindheit an beſchent war. Und ich verſichere, ich würde, in welcher Lage ich auch geweſen wäre, welches Vermögen ich auch gehatt hätte, auf keinen Fall etwas anderes, als das Leben eines Seemannes gewählt haben!“ „Aber,“ wendete Letsler ein,„Du biſt ſtolz, Du biſt ehrgeizig; Du haſt als Knabe Träume gehabt, die der Jüngling fahren laſſen muß.“ „Wer hat nicht ſeine kindiſchen Träume gehabt!“ entgegnete Georg ſtark erröthend bei der Erinnerung an ſeine roſige das. Ziel iſt und Offizie erreichen ka jetzt denke, und auf eig in welchem Letsler dachte wie Nach hatten, bege dem Vater und zärtlich ſo paſſende Vater! ſoll jetzt, da T drückt? Es ich Dir me Wort des 2 ben biſt und „Ich ches, Georg nicht ſo bal Hintritte A jung, und ie Wunden wi gen und Di Du auch d mag dann a getröſtet noc können nicht verzehrten H „Wie!“ geben, die mal die he darf 2 nken! Inzwi⸗ der Comman⸗ dieſem und es eigenem Grund mir beſtändig kann ich auch 64 ¹ inwegrufen, ſo heime Feder in und den Ein⸗ 2 frei gelaſſen ine durch einen dem Felſen. wir beide ken⸗ an Geld beſitze. h genug, um, „Dich in de kaufen. Die Dir in Deinez Umſtände, die en Du eigent⸗ hüttert von dar ater die letzten pſtets mit dem heit an beſchent elcher Lage ich h auch gehabt as Leben eines ſtolz, Du biſt ehabt, die der ume gehabtl“ rinnerung an 253 ſeine roſigen Luftſchlöſſer.„Zwar träume ich noch; aber das Ziel iſt ein anderes; ſtatt der Epauletts, des Degens und Offiziervollmacht ſtrebe ich nach einem Ziele, das ich erreichen kann, ohne allzu lange zu warten. So wie ich jetzt denke, will ich weit lieber eine eigene Planke betreten und auf eigenem Verdecke commandiren, als bei der Flotte, in welchem Grade es auch ſein mag, als Subaltern gehen.“ Letsler nickte Beifall, überzeugt, daß Georg wirklich dachte wie er ſagte. Nachdem ſie einige Augenblicke ſtille geſchwiegen hatten, begann Georg leiſe, indem er mit ſeinem Stuhle dem Vater näher rückte und ihn mit der ehrerbietigſten und zärtlichſten Liebe betrachtete:„Vielleicht kehrt eine ſo paſſende Gelegenheit wie dieſe nie wieder... Lieber Vater! ſollte es Dir Leiden verurſachen, wenn Du mir jetzt, da Du lebſt, das Geheimniß mittheilſt, das Dich drückt? Es ſchmerzt mich ſo herzlich und ſo bitter, daß ich Dir meine Theilnahme nicht beweiſen, daß ich kein Wort des Troſtes ſagen kann, während Du noch am Le⸗ ben biſt und mich noch hören kannſt!“ „Ich beſtimme in dieſem Falle nichts Unwiderrufli⸗ ches, Georg! Vielleicht endigt meine mühevolle Lebensbahn nicht ſo bald, und in dieſem Falle wirſt Du vor meinem Hintritte Alles erfahren. Jetzt aber biſt Du noch zu jung, und ich noch nicht abgeſtumpft genug, um dieſe alten Wunden wieder aufreißen zu können. Laß mich aber ſa⸗ gen und Dir die Ueberzeugung mittheilen: wo und wann Du auch die Schickſale Deines Vaters leſen magſt, er mag dann auf oder unter der Erde ſein, ſo will er weder getröſtet noch bedauert ſein; denn Troſt und Bedauern können nicht zu einem in ſeinem Innerſten verletzten und verzehrten Herzen durchdringen!“ „Wie!“ fiel Georg tief ſeufzend ein,„kann es Herzen eben, die ſo unheilbar verletzt ſind, daß auch nicht ein⸗ mal die herzliche Theilnahme eines Kindes ſie erreichen darf 20 — — 254 „Vielleicht iſt die Theilnahme eines Kindes eben die ſchmerzhafteſte... Doch, mein Sohn, laſſen wir dieſes! Wenn ich noch einige Jahre lebe, ſo werde ich ſelbſt ein⸗ mal auf dieſen Gegenſtand zurückkommen— berühre Du ihn bis dahin nicht!“ Und mit Zärtlichkeit drückte Georg ſeinem Vater die Hand. Am Nachmittage dieſes Tages beſuchte Georg den alten Vater Elias und übergab den verſchiedenen Mitglie⸗ dern der Familie ſeine kleinen Geſchenke. Während die junge, ſchöne Frau des Carolus vor den Spiegel das prächtige ſeidene Halstuch verſuchte, und die kleinen Carolusſöhne mit den bleiernen Soldaten ſpielten, horchten Vater Elias und Mutter Malena mit offenen Ohren auf die Erzählungen des jungen Seemannes, wor⸗ auf ſie ebenfalls von Carolus erzählten, und wie ihm Alles glücklich in die Hände ginge, und wie gut und prächtig Johanna wäre, wie ſittſam und beſcheiden ſie in Allem die Schwiegermutter um Rath fragte, und aus Liebe zu Grblns nie abwog, ob ein Wort ſo bisweilen neben bei fiel. „Aber, Mutter, wie könnt Ihr hier ſitzen und mich ſo loben! ich muß rein hinausgehen, wenn Ihr ſolche R⸗ den führt!“ „Geh' Du, mein Zuckerpüppchen!“ ſagte die Alie freundlich;„ſieh aber nach, ob Du nicht den Cognacskeug Deines Mannes finden kannſt... Herr Georg ſoll ein Glas Toddy trinken— er ſoll ſehen, daß Carolus Elias⸗ ſon ein ſo wohlhabender Kerl iſt, daß er einem alten Freunde ein Gläschen anbieten kann. Ich hoffe, Hert Georg nimmt die Vertraulichkeit nicht übel 241 fügte ſie entſchuldigend hinzu. „Seid herzlich, ſetzen werd ſeiner und froheſten 2 nicht mehr „Man die das G Elias ein. da muß n. Tag komm ihm die Tl „Aber einmal die härtet! Ich im Waſſer und legt ſie meinen Vat ken, die er⸗ verlebt!“ „Habt Wille iſt ſe Herr Letslei ſeinen Sohr bald wieder ſelbſt zu ſeit Georg kann björnsſon's bleiben: wi Einer zu oft Als G ſo fühlte er ten Troſtgri terredung, unaufhörlich der Commat indes eben die ſen wir dieſes! ich ſelbſt ein⸗ — berühre Du nem Vater die hte Georg in edenen Mitglie⸗ larolus vor dem ſuchte, und die oldaten ſpielten, na mit offenen ſeemannes, wor⸗ und wie ihm wie gut und bisweilen neben ſitzen und mich Ihr ſolche R⸗ ſagte die Alte den Cognacskrug Georg ſoll ein Carolus Elias⸗ er einem alten ſch hoffe, Hert bel?4 fügte ſi beſcheiden ſie in le, und aus Liehe 25⁵ „Seid überzeugt, Mutter Malena,“ verſicherte Georg herzlich,„daß ich, ſo lange ich lebe, einen Werth darauf ſetzen werde, Carolus' Freund zu ſein! Nie vergeſſe ich ſeiner und des Freiſeglers— mit beiden verlebte ich meine froheſten Tage; denn damals lebte noch Eine, die jetzt nicht mehr iſt.“ „Man muß die Gedanken von den Dingen abziehen, die das Gemüth ſchwer machen, Herr Georg! fiel der alte Elias ein.„Man lebt nur einmal hier in der Welt, und da muß man dem Kummer nicht nachhangen; denn der Tag kommt früh genug, da Einer nicht mehr Macht hat, ihm die Thüre zu zeigen.“ „Aber es iſt gerade das allerſchlimmſte, daß nicht einmal die Jugend den Menſchen gegen den Kummer ab⸗ härtet! Ich bin wohl meiſtentheils fröhlich wie der Fiſch im Waſſer, aber ſo kommt dann doch wieder eine Laſt und legt ſich mir auf's Herz: ich kann es nicht laſſen, an meinen Vater und an die langen, einſamen Tage zu den⸗ 14 die er Jahr aus und Jahr ein auf der Johannis⸗Klippe verlebt!“ „Habt Ihr nicht gehört, Herr Georg: des Menſchen Wille iſt ſein Himmelreich? Ich bin überzeugt, obgleich Herr Letsler jetzt im Anfange etwas hellgelaunt iſt, da er ſeinen Sohn nach Hauſe bekommen hat, ſo wird er ſich bald wieder darnach ſehnen, bloß in Geſellſchaft mit ſich ſelbſt zu ſein— meiner Seele, das thut er! Doch Herr Georg kann ſich darauf verlaſſen, ſo lange in Elias Aß⸗ björnsſon's Hauſe noch eine Katze lebt, ſoll er nicht allein wleiben: wir horen öfter nach als er glaubt, denn kommt Einer zu oft und beſucht ihn, ſo ſieht er's nicht gerne.... Als Georg die alten Freunde in Grafwerna verließ, ſo fühlte er ſich trotz ihrer ermunternden und ungekünſtel⸗ ten Troſtgründe ſehr traurig geſtimmt. Die wichtige Un⸗ terredung, die er mit ſeinem Vater gehabt hatte, das unaufhörliche Grübeln über die Verhältniſſe, in welchen der Commandeur⸗Capitain zu ſeinem Vater geſtanden hatte, 256 und beſonders die Worte, daß der Vater ihm nicht den Platz geben koͤnnte, der ihm zukäme, vereinigten ſich, um ſeine lebhafte Phantaſie mit unzähligen Bildern und ſein Gemüth mit Unruhe zu erfüllen. Georg liebte keinesweges das Geheimnißvolle. Mit ſeinem offenen und kraftvollen Charakter würde er Alles aufgeopfert haben, um ſogleich einen klaren Blick in ſeine Angelegenheiten werfen zu koͤnnen. Da ihm jedoch dieſes nicht geſtattet wurde, ſo war ſein nächſter Wunſch, alles vergeſſen und ſo bald als möglich in ſeine vorige frohe Gemüthsſtimmung zurückkommen zu koͤnnen. Als er mit dem Boote von Grafwerna fuhr, ſo ſteuerte er nach dem kleinen Holm, wohin er ehemals ſeine Mutter zu führen pflegte. Noch ſtand die Grotte mit der Bank und dem Tiſche da, noch lagen dort einige vertrocknete Blätter von den letzten Blumen, die Fanny der„ſchönen Frau“ mitgebracht hatte, und dieſe vereinten Erinnerungen an ſie, die er über alles andere in der Welt verehrt hatte, wirkten wohlthätig auf ſein ſo erregtes Gemüth. Jetzt dachte Georg nur an die zärtliche Mutter, die gleich ihm ſtets in dunkler Unge⸗ wißheit geſchwebt hatte, vor welcher aber jetzt Alles klar war. Und je höher ſeine Gedanken ſtiegen, deſto kleiner erſchienen ihm alle Gegenſtände, über welche er noch vor wenigen Augenblicken gegrübelt hatte. Früher oder ſpäter ſollte er ja ebenfalls dort ſein, wohin ſie vorangegangen war, und dann hätte es ein Ende mit allem Streben, aller Unruhe, aller Neugierde.„Nein, wahrhaftig,“ ſo ſchloß er ſeine Unterredung mit ſich ſelbſt,„unſere Zeit iſ allzu kurz, als daß wir ſie mit unnöthigen Grbeleien verſchwenden ſollten! Erſahre ich einſt etwas, ſo iſt es gut, vielleicht auch nicht— doch wie es auch gehen mag, ſo will ich meine Gedanken nicht mehr auf einen Gegenſtand wegwerfen, der auf keinen Fall etwas in meiner Lage veräͤndert.“ So ermuntert von ſeiner leichten und friſchen Seels,, der Ein die nicht Eindruͤck welche d Punkt d geliebte Kau fen, ſo f ſammen: men, un worauf e worden r ben geler die Beſch der Freiſe Hut entg Freund u Unm ankam, ſo begann au rudern. l nicht wied nahe vor wollte. Hier der Reiſe ben, geſeſſ ter, dama geraucht h den beiden Und jetzt fung am die Hände deutlich er waren. „Nei ihm nicht den nigten ſich, um dildern und ſein anißvolle. Mit würde er Alles Blick in ſeine im jedoch dieſes Wunſch, alles ne vorige frohe 1. verna fuhr, 1 hhin er ehemals und dem Tiſche Blätter von den b au“ mitgebracht ſie, die er über kten wohlthäͤutg Georg nur an in dunkler Unge⸗ jetzt Alles klar , deſto kleiner che er noch vor aher oder ſpäter —H vorangegangen allem Streben, wahrhaftig,“ ſo „unſere Zeit iſ gen Grübeleien hs, ſo iſt es gut, gehen mag, ſo nen Gegenſtand in meiner Lage friſchen Seil⸗ 257 die nicht ſo eingerichtet war, daß ſie bleibende und lange Eindrucke beibehalten konnte— wenigſtens keine von der Art, welche die Seele herabſtimmen— beſtieg er den höchſten Punkt des Holmes, um eine freiere Ausſicht über das geliebte Meer zu haben. G Kaum aber hatte er einen Blick auf die See gewor⸗ fen, ſo fuhr er vor einer unbeſchreiblichen Bewegung zu⸗ ſammen: er ſah ein Boot mit vollen Segeln herankom⸗ men, und das Boot war ja kein anderes, als dasjenige, worauf er einmal als Kind an das nackte Geſtade gebracht worden war, welches er ſpäterhin als ſeine Heimath lie⸗ ben gelernt hatte; es war ja das Boot, auf welchem er die Beſchwerden eines Seemannes lieben lernte— es war der Freiſegler, und der Mann am Steuer, der ihm den Hut entgegenſchwenkte, war ja kein anderer, als ſein alter Freund und Lehrer Carolus! Unmöglich konnte Georg warten, bis ver Freiſegler ankam, ſondern er warf ſich in ſein kleines Fahrzeug und begann aus allen Kräften dem Ankommenden antgegenzu⸗ rudern. Und bald betrat ſein Fuß die Planke, welche er nicht wieder ſehen konnte, ohne daß ihm die Bruſt bei⸗ nahe vor der Uebermacht der Gefühle zerſpringen wollte. Hier war ja der Ort, wo ſeine arme Mutter auf der Reiſe von Drammen, auf ihrer letzten Reiſe im Le⸗ ben, geſeſſen hatte; dort die Kiſte, auf welcher der Va⸗ ter, damals ſo düſter, wie jetzt, geſeſſen und ſeine Pfeife geraucht hatte; und hier der Platz, wo er ſelbſt zwiſchen den beiden Packkiſten ſeine kleine Matratze gehabt hatte. Und jetzt keilte er ſich eben ſo wie damals in die Vertie⸗ fung am Steuerruder ein, nachdem er mit Carolus erſt die Hände mit einer Wärme geſchüttelt hatte, woran beide deutlich erkennen konnten, wie theuer ſie ſich gegenſeitig waren. „Nein, ſieh! welch ein Kerl aus dem Jungen des Der Einſiedler ꝛc. J. 17 258 Freiſeglers geworden iſt!“ ließ ſich Carolus vernehmen, indem er mit vergnügtem Stolz einen Blick mit Stonge⸗ Jan wechſelte...„Aber wo iſt die Uniform der Flotte?“ „Zum Henker geworfen!“ ſagte Georg lachend. „Der T= ſitzt in Dir, mein Junge, daß Du ſo ſchnell klug werden konnteſt! Ich dachte immer, es würde lange dauern, ehe Du ſo weit kämeſt. Du gehſt alſo wieder zu der Kauffahrtei?“ „Ja, und das mit vollen Segeln: das Glück weht mir vollkommen günſtig. Ich ſehne mich recht darnach, Dir alles erzählen zu koͤnnen... Aber ſieh nur, welch ein ſtattlicher Herr aus dem Stonge⸗Jan geworden iſt.— Guten Tag, alter Stonge⸗Jan! Weißt Du wohl noch, als wir den Petter Gran aufhenkten? Die Geſchichte ver⸗ geſſe ich in meinem Leben nicht!“ „Ich auch nicht!“ verſicherte Carolus. „Ich gewiß auch nicht, darauf koͤnnt Ihr Euch ver⸗ laſſen!“ lachte Stonge⸗Jan.„Denn obgleich ich nun wie⸗ der ein wenig Fleiſch auf den Knochen habe, ſo dauerte is ein rundes halbes Jahr nach der Jagd, ehe ich mich wie der erholen konnte.“ „Still, Du Schwätzer!“ ſiel Carolus ein,„und laß mich fragen, wie es zu Hauſe, in Grafwerna, ausſieht! Georg, Du weißt jetzt beſſeren Beſcheid als ich 14 „Die Alten leben wie die Perle im Golde, und Jo⸗ hanna und die Jungen blühen um die Wette— Carolus, Du haſt ein Paar ſtattliche Jungen!“ „Ja, ſie ſind nicht ſo übel! entgegnete Carolus mit einem zufriedenen Lächeln.„Und ſobald ſie groß und ſtark genug ſind, ſo ſollen ſie mir hinaus auf die See— ich denke, ſie ſollen die Ehre haben, unter dem Herrn Capitain Georg Letsler zu ſegeln!“ „Der Aelteſte kann fertig ſein, ſeine erſte Reiſe als Cajütenwächter zu machen, wenn ich meine erſte Neiſe als mein eigner Herr mache!“ meinte Georg ſcherzhaft. „Aber, l Güte da Gott m ſamkeit o Carolus Georg's Als und alle digt word freigebig ſaß er m in Georg Mittheilu kräftige( als er en ruderte,( das Gerin ſondern m dem friſch An d delkammer nackte Wä Papierſchn merabender Kehricht a VWor hing eine us vernehmen, k mit Stonge⸗ Uniform der g lachend. ,, daß Du ſo umer, es würde Du gehſt alſo as Glück weht recht darnach, ſieh nur, welch zeworden iſt.— Du wohl noch, Geſchichte ver⸗ 6. Ihr Euch bver⸗ ſich ich nun wie⸗ be, ſo dauerte es he ich mich wie⸗ s ein,„und laß verna, ausſieht! Ils ich!“ Golde, und Ja⸗ tte— Carolus, te Carolus mit groß und ſtark die See— ich Herrn Capitain e erſte Reiſe als eine erſte Reiſe arg ſcherzhaſt.. 259 „Aber, lieber Carolus, laß mich Dir von Herzen für alle Güte danken, die Du meinem Vater erzeigt haſt! der gute Gott mag wiſſen, wie es mit ihm in ſeiner großen Ein⸗ ſamkeit ohne Euch Begangen ſein würde!“ „So etwas mag ich gar nicht hören!“ antwortete Carolus und gah dem Stonge⸗Jan einen Befehl, um Georg's Dankſagungen zu entgehen. Als aber der Freiſegler bei Grafwerna in Ruhe lag und alle im Hauſe mit ſogenannten Präſentgaben befrie⸗ digt worden waren, denn mit dieſen war Carolus immer freigebig, wenn er von einer langen Reiſe zurückkam, ſo ſaß er mit Georg in guter Ruhe auf der Johannis⸗Klippe in Georg's Zimmer und ſie tauſchten ihre vertraulichen Mittheilungen aus. Und Carolus, der frohe, hurtige und kräftige Carolus, hielt ſolche aufmunternde Reden, daß, als er endlich kurz vor Tagesanbruch wieder nach Hauſe ruderte, Georg nach allen Geheimniſſen der Welt weder das Geringſte fragte noch ſich von denſelben ſtören ließ, ſondern wieder ganz der frohe, unbekümmerte Knabe mit dem friſchen, leichten Sinne war. Zwanzigſtes Kapitel. An die Geſindeſtube zu Strand gränzte eine Rum⸗ pelkammer, die kleine Kammer genannt, deren unheimlich nackte Wände neulich eine Bekleidung von aufgekleiſterten Papierſchnitzeln erhalten hatten, welche an den Som⸗ merabenden von dem aus dem Laden hinausgefegten Kehricht aufgeleſen waren. Vor der einzigen Fenſterſcheibe der kleinen Kammer hing eine kleine Gardine von weißem Shirting, an den 260 Kanten in tiefen Zähnen ausgeſchnitten und mit Franſen verſehen. An der einen Seite ſtand die an der Wand be⸗ feſtigte Bettſtelle, mit einer dunklen wollenen Decke nett uberzogen; und über dem ganzen kleinen, allzukleinen Zim⸗ mer, deſſen Geräthſchaften übrigens in einem hoͤlzernen Schemel, einer Bank, einem unter dem Fenſter ſtehenden Tiſche und einem braunen Schreine beſtanden, ruhte ein Geiſt der Wohnlichkeit und Behaglichkeit, der trotz aller Nothwendigkeitsartikel für verſchiedene Arbeiten wirklich in die Augen fiel. Der Herrſcher in dieſer kleinen Reſidenz war kein ande⸗ rer, als Niſſe von Weſtraë, der ſo lange alle Arten von kleinen Dienſten und Handreichungen, die ſeiner Gebieterin gefallen und erfreuen konnten, gehäuft hatte, bis ſie, die ſo gut wußte, was Niſſe's ſehnlichſter Wunſch war, ſich zuletzt bewogen fand, ihm eines Tages den Befehl zu er⸗ theilen, alle Haushaltungswaare, welche die kleine Kam⸗ mer enthielt, hinauszutragen, und dieſelbe mit vollem V⸗ ſitzungsrechte einzunehmen. Wer war ſtolzer und glücklicher als Niſſe, als an mit ſeinem ganzen Hausrathe und einem großen Siel⸗ das alte Schuhe und Stiefel enthielt, die ihm gegen dret vier bis fünf Schillinge per Stück oder Paar zur Aus⸗ beſſerung anvertraut waren, aus der Geſindeſtube hier ein⸗ ziehen konnte! Und nicht weniger glücklich war er, als er zu der Anordnung ſelbſt kam: da wurden nebeneinander in einer Reihe alle ſchon geſtopften Strümpfe und gebeſ⸗ ſerten Jacken und Weſten aufgehängt, für die das Löſegeld noch Kicht erlegt worden war, und die daher— dem Niſſe war gleich ordentlich in Debit und Credit— bis auf Weiteres hangen bleiben mußten. Ja, Niſſſe's Haushal⸗ tungsprinzipien waren ſo unzugänglich, daß nicht einmal die Jacke, woran er nur zwei Knöpfe feſtgenäht hatte, aus⸗ geliefert wurde, ehe er für Zwirn, Wachs und Abnutzung der Nadel ſeinen Viertelſchilling in Banco erhalten hatte, Bisweilen ſagten wohl Einige unter den Dienſtboten Niſſe wäre geringſten T Beſchuldigu ren, die m Mutter und leiſten. Kam i ſo flickte N handel mit verſtand, ſei auf Niſſe's arbeiten. 1. auch der art Noth war, daß er am neuertem Zi gar, daß N den ſonſt beſ Jetzt w Die M Niſſe's kleine fen auf die ſtreiften Str hefteten Pap Kreuzen und Löcher und d Niſſe ſel Tiſche und n dem älteſten wollte, damit ſein mochten, ten Moos ſue In eine dem Fenſter ſ ſo oft er wo beſtehend in o mit Franſen der Wand be⸗ en Decke nett sukleinen Zim⸗ lem hoͤlzernen ſſter ſtehenden n, ruhte ein der trotz aller en wirklich in dar kein ande⸗ lle Arten von ner Gebieterin bis ſie, di iſch war, ſich Befehl zu er⸗ e kleine Kam⸗ ſit vollem Be⸗ Niſſe, als a großen Siebe, im gegen drai⸗ paar zur Aus⸗ ſtube hier ein⸗ var er, als er nebeneinanden pfe und gebeſ e das Loſeged her— denm dit— bis auf ſſſe's Haushal⸗ nicht einmal iht hatte, aus⸗ und Abnutzung lerhalten hatte⸗ (n Dienſtboten, 261 Niſſe wäre im hoͤchſten Grade geizig und wollte keinem den geringſten Dienſt erweiſen; doch Niſſe antwortete auf eine ſolche Beſchuldigung ganz ruhig: er ſei nicht reich genug, Ande⸗ ren, die mehr hätten als er, der gezwungen wäre, eine Mutter und zwei kleine Brüder zu verſorgen, Dienſte zu leiſten. Kam dagegen Jemand, der ärmer war als er ſelbſt, ſo flickte Niſſe umſonſt oder ſchloß eine Art von Tauſch⸗ handel mit der Zeit ab: der arme Fiſcher, der es nicht verſtand, ſeine Schuhe oder Beinkleider auszubeſſern, mußte auf Niſſe's Anhalten für den Patron Holmäér ſtatt ſeiner arbeiten. Und wenn er es ſo einrichten konnte, ſo konnte auch der arme Camerad, der für den Augenblick in der Noth war, auf Niſſe's uneigennütziges Wohlwollen rechnen, daß er am Ende des Tages ſeine Kleidungsſtücke in er⸗ neuertem Zuſtande zurückerhielt; ja es ereignete ſich wohl gar, daß Niſſe die Flicken hergab, für welche andere Kun⸗ den ſonſt beſonders debitirt wurden. Jetzt war es Sonnlan⸗ Die Morgenſonne ſchien ſanft, und ſchoͤn herein in Niſſe's kleine Kammer und warf einen glänzenden Strei⸗ ſen auf die lange Reihe von blauen, geſprenkelten und ge⸗ ſtreiften Strümpfen, Jacken und Weſten mit ihren ange⸗ hefteten Papierſtreifen(Niſſe's Merkzeichen, beſtehend in Kreuzen und Strichen, welche die Anzahl der zugeſtopften Löcher und der Flicken nebſt dem Preiſe bezeichneten). Niſſe ſelbſt ſaß in ſeinem Sonntagsanzuge vor dem Tiſche und nähte an einem kleinen Schurzfelle, das er dem älteſten der kleinen. Brüder, Swante, mitgehmen wollte, damit dieſer nicht ſeine Kleider, ſo ärmlich auch ſein mochten, zerreißen möchte, wenn er in den Felſenſpal⸗ ten Moos ſuchte. In einem alten mit Erde gefüllten Backtroge, der dem Fenſter ſo nahe ſtand, daß Niſſe ihn ablangen konnte ſo oft er wollte, wuchſen Niſſe's kleine Blumenanlagen, beſtehend in Stabwurz und Balſam, einem kleinen Gera⸗ 262 nium mit bleichen Blättern und noch bleicheren Blüthen nebſt einigen ſtarrköpfigen Stockroſen, nicht zu vergeſſen den Schwarzkümmel und einen kleinen Buſch weißer Tau⸗ ſendſchoͤnchen. Wer nicht ſelber zugeſehen hatte, welche Blicke Niſſe auf dieſen wachſenden Backtrog warf, der kann ſich auch keine nur entfernte Vorſtellung von dem reinen Glücke, der ungemiſchten Freude machen, die dann aus ſeinen Au⸗ gen leuchtete, und die ſich deutlich in der Zärtlichkeit und der unermüdlichen Sorgfalt zu erkennen gab, womit er ſeine Lieblinge pflegte, und wie ſtolz er ſich über dieſelben fühlte. Er war ſo glücklich, der gute Niſſe, welcher jetzt in der frühen Morgenſtunde von ſeinen Arbeiten, ſeinen Blumen und herzensguten Gedanken umgeben im Sonnen⸗ ſcheine ſaß, daß er gewiß mit keinem Mächtigen getauſcht haben würde. Niſſe war klug: er war reich in den Kleinen und erſtreckte ſelten ſeine Wünſche über das Ziel hinaus, welches ſie ſchon erreicht hatten. Der Ehrgeiz⸗ den Niſſe vielleicht in ſich nährte, beſtand darin, daß die Leute einſt ſagen ſollten: Niſſe von Weſtras führte ſich ſo auf, daß er niemals ohne Arbeit war, und durch ſeim Arbeit unterhielt er eine alte Mutter und erzog zwei Bri⸗ der— welche alle er hier im Leben am höchſten liebte. Als Niſſe eben das fertig genähte Schurzfell zu den andern Sachen legte, die ihn auf ſeiner Reiſe nach Hauſe begleiten ſollten, ſo erklang das erſte Glockengeläute von der Kapelle in Grafwerna herüber. Er hatte die Zeit für ſeine Arbeit ſo ausgerechnet, daß dieſelbe beendigt ſein ſollte, wenn der erſte Glockenſchlag durch die Lüfte er⸗ tönte; denn nach demſelben, den Niſſe für das eigent⸗ liche Signal hielt, daß der Sabbath ſeinen Anfang nähme, würde ihn nichts dazu vermocht haben, noch ferner die Nadel anzufaſſen. Jetzt öffnete er den braunen Schrein und nahm mit großer Vorſicht das koſtbare väterliche Erbtheil, die große in Leder andächtigen der Feier den Tiſch wurde ſeir wirklichen wurde von dem Herzer mochte ein ſtören woll Auch Schon die halboff Fanny's Li wurde zwa Bibel geleſ als wenn gut und fo hoͤrte. Niſſe Blumen her abzubrechen. zu dem an haben ſollte unmöglich i ſunden Blä des Gewäch der Kante e Jetzt ri „Gotte etwas ausrie „Ja, „Wenn könnten Sie weiß wenigſt „Der 6 eren Blüthen t zu vergeſſen weißer Tau⸗ Blicke Niſſe kann ſich auch reinen Glücke, aus ſeinen Au⸗ ärtlichkeit und b, womit er über dieſelben velcher jetzt in beiten, ſeinen n im Sonnen⸗ tigen getauſcht reich in den über das Ziel Der Chrgeiz⸗ arin, daß die —ras führte ſich id durch ſeine zog zwei Bri⸗ hſten liebte. hurzfell zu den ſe nach Hauſt kengeläute von e die Zeit für beendigt ſein die Lüfte er⸗ ür das eigent⸗ lnfang nähme, och ferner die und nahm mit heil, die große 263 in Leder eingebundene Bibel heraus. Und nach einem andächtigen Seufzer— Niſſe's erſter Vorbereitung zu der Feier des Sonntages— ſetzte er ſich von neuem an den Tiſch und ſchlug die Bibel auf. Während des Leſens wurde ſein ſonſt keinesweges ſchönes Geſicht von einer wirklichen Schönheit verklärt; und ſeine Gottesfurcht wurde von Allen im Hauſe fuͤr ſo ungeheuchelt, ſo aus dem Herzen kommend betrachtet, daß ihn Niemand, er mochte ein Anliegen haben welches er wollte, darin ſtören wollte. Auch heute zollte man ihm dieſe Aufmerkſamkeit. Schon mehrmals hatte ein blondlockiger Kopf durch die halboffene Thür geblickt; doch kein Laut war über Fanny's Lippen gekommen... Drinnen bei den Eltern wurde zwar ebenfalls an jedem Sonntagsmorgen in der Bibel geleſen, doch nie meinte Fanny, daß es ſo wäre, als wenn Niſſe las, und ſie fühlte ſich nicht halb ſo gut und fanft zu Muthe, wenn ſie einen Andern leſen hoͤrte. Niſſe hatte jetzt geendigt und bückte ſich auf die Blumen herab, um ein Balſamblatt zu einem Buchzeichen abzubrechen. Sein Blick ſchwebte von dem einen Blatte zu dem andern: welches er wohl zu rauben das Herz haben ſollte? Ein verwelktes Blatt wollte und konnte er unmöglich in das Buch des Lebens legen—— die ge⸗ ſunden Blätter dagegen waren ja die herrlichſte Zierde des Gewächſes... Niſſe wählte endlich eines, das an der Kante ein wenig beſchädigt war. Jetzt rief ihm Fanny ihren guten Morgen zu. „Gottes Frieden!“ antwortete Niſſe.„Soll ich eiwas ausrichten?“ „Ja, guter Niſſe! wenn Du wollteſt.“ „Wenn ich wollte, beſte Mamſell Fanny? was könnten Sie von mir wollen, das ich nicht wollte? ich weiß wenigſtens gar nichts!“ „Der Sonntag iſt ja Dein eigener Tag!“ „Und wem danke ich das? wem danke ich alles Gute, das ich habe, Mamſell Fanny, wenn nicht Ihnen — verſteht ſich nächſt Gott?“ „Höre Niſſe! Iſt es weit von Weſtraë nach Nöddö — ich glaube es iſt nicht weit?“ „Gewiß nicht, wenn Einer nur das Ruder rühren kann!“ „Das kannſt Du, Niſſe! Und ſiehſt Du, auf Nöddd liegt des alten Lars Mattsſon's Katrina im Sterben. Vielleicht geht's wohl noch nicht ſo ſchnell: ſie kann ſich wohl noch einmal wieder erholen. Aber Du weißt, wie elend und arm ſie iſt ſeit der Zeit, da ihr Schwiegerſohn und ihre Tochter ertranken.... Jetzt habe ich ihr ein Wenig in Ordnung gelegt— ſie ſoll wohl nicht in ihren letzten Tagen Noth leiden?“ Bei dieſen Worten ſtellte Fanny ohne weiteres ein wohlverſehenes Bündel neben Niſſe's blühenden Backtrog. „Gut, es ſoll geſchehen!“ ſagte Niſſe. Und mit einem liebevollen Blicke auf ſeine Blumen fuhr er fort; „Ich will ihr auch etwas geben, womit ſie ſich recht er⸗ muntern kann, die arme Katrina! Ich will ihr einen kleinen Kräuterſtrauß binden— nichts kann wohl erfreu⸗ licher und lieblicher ſein für einen Menſchen, der in einer langſamen Krankheit darniederliegt, als Gottes friſche und ſchoͤne Blumen zu ſehen und zu riechen!“ „Das iſt wahr genug, Niſſe... Aber ſage mir nun, ob es weit iſt von Nöddö nach dem kleinen Holm, den ich Dir einmal zeigte, als wir vorbeiruderten. Ich weiß nicht, ob er ſchon einen Namen hat,“ fuhr ſie er⸗ röthend fort,„doch ich nenne ihn Georg's Holm, weil Georg dort für ſeine Mutter die kleine Grotte gebaut hat. Ich habe nach ſeiner Abreiſe nicht dorthin rudern wollen; jetzt aber würde ich herzlich gerne ſehen, wenn es dort ein wenig aufgeputzt würde. Denn es könnte wohl ſein, daß ich, oder daß Georg, oder daß wir beide hinführen und den kleinen Holm beſuchten.“ „Ja, ein tüchtig holm, wie Nöddö, ſo geben— 1 „Dan und die kl liegt etwas alte Lars ihr.. L Und le gengeſchäfte. Kurz Boot bei d welcher ſelb⸗ mit freundlie ſerm Georg, „Willko Georg,.. nun viel zu Vornamen ſchon getroffe das Mädchen gekommen we „Ich de guͤtig ſind, Georg artig. luſtigen alten für meine Se nicht weit ve Grund, Her „Heute 7 nke ich alles nicht Ihnen Hnach Nöddo Ruder rühren u, auf Noͤddo b im Sterben. ſie kann ſich weißt, wie Schwiegerſohn be ich ihr ein nicht in ihren Vorten ſtellte Bündel neben e. Und mit fuhr er fort: ſich recht er⸗ vill ihr einen wohl erfreu⸗ der in einer es friſche und ber ſage mir kleinen Holm, uderten. Ich „ fuhr ſie er⸗ Holm, weil e gebaut hat. idern wollenz wenn es dort ate wohl ſein, eide hinführen 265 „Ja, ich verſtehe!“ ſagte Niſſe.„Und obgleich es ein tüchtiges Stück Weges iſt von Nöddö zum Georgs⸗ holm, wie Sie ihn nennen, und weiter als von uns nach Nöddö, ſo will ich mich doch gegen Abend von Hauſe be⸗ geben— und fein ſoll's dort werden!“ „Dank, guter Niſſe!... Grüße Deine Mutter und die kleinen Brüder... Neben Deinem Frühſtück liegt etwas Apartes für die Kinder! Und grüße ja die alte Lars Mattsſon's Katrina— ich komme ſelbſt zu ihr... Lebe wohl!“ Und leicht und froh eilte Fanny zurück an ihre Mor⸗ gengeſchäfte. Kurz vor Mittag an demſelben Tage landete ein Boot bei dem Patron Holmér; und der Herr Patron, welcher ſelbſt auf dem Hofe ſtand und ſich ſonnte, ging mit freundlichem Geſichte dem Ankömmlinge, nämlich un⸗ ſerm Georg, entgegen. „Willkommen, herzlich willkommen, mein lieber Georg,.. Herr Letsler, wollte ich ſagen!— Du biſt nun viel zu groß, als daß man Dich mit dem bloßen Vornamen nennen ſollte!... Nun, Fanny haſt Du ſchon getroffen. Ich war meiner Seel' recht froh, als das Mädchen nach Hauſe kam und erzählte, daß Du an⸗ gekommen wäreſt!“ „Ich danke recht ſehr, Herr Patron, daß Sie ſo gütig ſind, ſich meiner noch zu erinnern!“ antwortete Georg artig.„Und obgleich ich nicht mehr mit bei den luſtigen alten Abenteuern ſein darf, ſo halte ich's dennoch für meine Schuldigkeit, zu erwähnen, daß ich die Zolljacht nicht weit von hier geſehen habe. Haben Sie vielleicht Grund, Herr Patron, eine Viſite zu vermuthen?“*. „Heute macht mir der alte Petter von Amts wegen 266 keinen Beſuch, ſo viel iſt gewiß!“ meinte der Patron, in⸗ dem er mit Georg von der See hinaufwanderte.„Aber ich will Dir ſagen, mein Junge! wie es iſt. Vor eini⸗ gen Tagen kam ein Neffe zu Petter Gran: dies iſt ein junger Herr, der bisweilen für den Alten vicariren ſoll, wenn er an dem Podagra leidet— ein verteufelt ſchoͤnes Podagra, das er ſich bei dem Hangeproceß(Du weißt wohl noch) zuzog; und nun glaube ich, er kommt i aller Freundſchaft zum Beſuch, damit der alte Fuchs Ge⸗ legenheit hat, dem jungen einigen Rath über dies ud jenes zu ertheilen und ihm zu zeigen, wie das Land liegt, falls er in Zukunft— Du verſtehſt— mit meinen Schuten und Seebuden kleine Geſchäfte abzumachen habm ſollte.“ „Ich verſtehe!“ ſagte Georg lachend.„Petter Gran iſt ein geſchliffener und tüchtiger Kerl und würde den Kaufleuten gewiß noch weit mehr Schaden zufügen, wem er nur tauglichere Jachtkerle hätte.“ „Tauglich genug, meiner Seell Nachdem er es end⸗ lich ſo weit brachte, daß die ehrliche Haut Kron trant⸗ portirt wurde, ſo ſchaffte er ſich einen wahren Flegel an, den man allgemein Schnüffel⸗Calle*) nennt; denn wem er nur ausgeſchickt wird, ſo ſchnüffelt er ſo lange umher, bis er die Spuren hat, und wären ſie auch noch ſo weit weg— ja ich kann darauf ſchwören, er kann noch acht Tage nachher den Fleck riechen, an welchem Güter gelegen haben! Das iſt ein verfluchter Kerl, dieſer Schnüffler⸗ Calle; eben ſeinem Eifer habe ich's zu danken, daß Petter Gran im letzten Frühlinge mir einen großen Sack mit Stückgütern wegkniff.“ „Ich rathe, Petter Gran lächelte mit etwas meht Zufriedenheit, als da er das Waſſer in den ſchoͤnen Cog⸗ naesfäſſern entdeckte.“ 6 „Ja, er blähte ſich ganz wie ein Puterhahn und Schwediſche Benennung für Karl. ich hätte wo die M im Stillen „Ma ben, die g „Wa um ſich ſe hinlänglich ungeſtempe und ſo iſt ſchlechte Z die Kaſſe l Jetzt ſehen hatte gelaufen. „Nein chend—„ ſicht, als w die Güte, dem Quirl mit dem S „Nicht Mutter häl ſchön, daß mich ſo ſeh rück zu leg Und um meinett ben, ich ha Herr 4 mit ſeiner? Georg begl Gelegenheit preiſen. „Sollt weilen das r Patron, in⸗ derte.„Aber ſt. Vor eini⸗ dies iſt ein vicariren ſoll, tteufelt ſchönes reß(Du weißt er kommt i ilte Fuchs Ge⸗ über dies un das Land liegt, mit meinen umachen hahe „Petter Gran nd würde dea zufügen, wem dem er es end⸗ ut Kron trand⸗ hren Flegel an, int; denn wem 1b lange umher h noch ſo weit kann noch acht Güter gelegen ſer Schnüffler⸗ ken, daß Pette ſoßen Sack mit it etwas meht n ſchoͤnen Cog⸗ terhahn— un 267 ich hatte jetzt große Luſt, dem alten Schelm zu zeigen, wo die Milchſtraße iſt, wenn es nicht klüger wäre, ganz im Stillen zu ſehen, was der neue Gönner für ein Kerl iſt.* „Man hört's, Herr Patron, daß Sie die Abſicht ha⸗ ben, die geheimen Geſchäfte fortzuſetzen.“ „Was ſoll man thun? Will man leben, ſo muß man um ſich ſein. Der verdammte Zoll nimmt mir ſo ſchon hinlänglich weg. Du verſtehſt wohl: iſt die eine Hälfte ungeſtempelt, ſo muß wenigſtens die andere geſtempelt ſein; und ſo iſt es mit Allem— ſchlechte Zeiten, mein Sohn, ſchlechte Zeiten: keine Geſchäfte zu machen, die etwas in die Kaſſe liefern!“ Jetzt aber kam Fanny, die aus der Küche Georg ge⸗ ſehen hatte, mit dem Quirl in der Hand ihm entgegen gelaufen. „Nein, ſeh' mir Einer die Dirne!“ ſagte Holmér la⸗ chend—„ſie ſpritzt uns ja den Sahnſchaum in das Ge⸗ ſicht, als wenn das eine Schüſſel wäre!... Haben Sie die Güte, Mamſell Windfang, und ziehen Sie ſich mit dem Quirl zurück, ſonſt erzähle ich der Mutter, wie Du mit dem Schneemuß haushältſt! „Nicht aus der Schule ſchwatzen, lieber Vater!— Mutter hält mich ſo ſchon ſtreng genug! Ach Georg, wie ſchon, daß Du kommſt! Als ich Dich ſah, da freute ich mich ſo ſehr, daß ich vergaß, den Quirl in den Topf zu⸗ rück zu legen!“ Und ich,“ ſagte Georg,„bin noch froher, daß Du um meinetwillen etwas vergeſſen haſt— Du kannſt glau⸗ ben, ich habe ebenfalls oft an Dich gedacht!“ Herr Holmér war vorweg geeilt, um einige Worte mit ſeiner Frau über den zu erwartenden Beſuch zu reden. Georg begleitete ſeine Fanny in die Küche, wo er bald Gelegenheit hatte, ihre Hurtigkeit und Tichtigkeit zu preiſen. 4 „Sollte ich nicht hurtig ſein, wenn Mutter mir bis⸗ weilen das Vertrauen ſchenkt, ihren Platz einzunehmen? 268 Ueberdies war es ſchon immer meine höchſte Luſt, in der Haushaltung zu wirthſchaften, als ich noch ein Kind war.“ „Du kannſt Dich der Zeit wohl kaum mehr entſin⸗ nen!“ ſagte Georg mit einem etwas boshaften Lächeln. Fanny runzelte die feinen Augenbrauen und ſah ganz böſe aus.„Wenn man beinahe funfzehn Jahre alt iſt, ſo iſt man nicht länger Kind, ſollte ich meinen!“ „Ich wünſchte, Du wäreſt immerwährend ein Kind geblieben; denn damals hatteſt Du ſo viele Reize, ſo viele ſchoͤne Geberden, daß Du beſtimmt daran verloren haſt, daß Du groß wurdeſt.“ 4 „Habe ich?— das glaube ich nicht... Aber ſieh! nun ließ ich zwei ſchöne Nonnenkuchen verbrennen, weil Du mich reizteſt... laß das bleiben!“ „Nein— biſt Du ſo reizbar? das biſt Du gewor⸗ den, ſeitdem Du den Puppen entwachſen biſt; als Du da⸗ mit ſpielteſt, da wurdeſt Du nie böſe.“ „Damals ſagteſt Du auch nicht: Fanny, wie ſiß warſt Du, da Du noch in der Wiege lagſt und ſchrieſt— wie ſchön ſtand es Dir, als Du noch die Klapper ſtatt dieſer großen Puppen regierteſt!“ „Ja, ſiehſt Du, daß ich ſo nicht ſagte,“ meinte Georg, indem er die Schüſſel für die neuen Nonnenku⸗ chen hinhielt,„das kam nur daher, weil ich Dich nicht ſah, da Du in der Wiege lagſt. Aber ich bin faſt über⸗ zeugt, daß Du damals am allerſüßeſten warſt!“ „Und Du glaubſt alſo, ich verliere immer mehr, je größer ich werde?... Aber halt die Schüſſel nicht ſchief!... Ich möchte wohl wiſſen, ob jemand beſſee Nonnenkuchen backen kann? Es war gewiß nicht meine Meinung, heute ſolche zu haben; da ich aber vom Vauz hoͤrte, daß der junge Jachtlieutenant kommt, ſo...“ „Ah ſo! alſo nicht meinetwegen bekamſt Du ſolche Eile, die Maſſe anzurühren?“ „Wie? Deinetwegen?“ rief Fanny mit der äußerſten Berwunderung aus.„Deinetwegen!!! Nein, mein beſter Ge⸗ gar, wenn gehört, d iſt ganz b „Fan — denkſt? daß der E kann er un „Adie gültig zu Georg Thür war ſeine Arme ausrief:„ im Kopfe!“ zen, bis ſie immer gut „Nimn werde böſe! „Sage Secunde läi „Ach, ziſchen!— Georg!“ „Die 2 „Sagte ſagteſt, ich wäre nicht n „Das hezig. „Dann der geſagt ne anders als T Luſt, in der n Kind war.“ mehr entſin⸗ en Lächeln. und ſah ganz ihre alt iſt, ſe 14 prend ein Kind ele Reize, ſo daran verloren Aber ſieh! brennen, weil biſt Du gewer⸗ i; als Du da⸗ enny, wie ſiß und ſchrieſt— ²Klapper ſtatt agte,“ meinie zen Nonnenk⸗ ich Dich nicht bin faſt üͤbet⸗ ſ rſt!“ 3 limer mehr, ſe Schüſſel nicht jemand beſſete woiß nicht meine ber vom Vater „ſo... mſt Du ſolche t der äußerſten⸗ ! Nein, mein 269 beſter Georg, man vergißt kleine Spielcameraden ganz und gar, wenn man einen jungen Herrn zu ſehen hofft! Ich habe gehört, der junge Jachtlieutenant ſieht ſehr gut aus und iſt ganz beſonders höflich und artig.“ 3368 „Fanny! jetzt ſehe ich wohl, Du biſt kein Kind mehr — denkſt Du ſchon an ſchöne Herren? Aber da es ſo ſteht daß der Spielcamerade ſchon überflüſſig geworden iſt ſo kann er umkehren... Adieu, Fanny!“ 4 „Adieu, lieber Georg!“ Fanny wendete ſich gleich⸗ gültig zu dem Herde und hatte dort viel zu thun. Georg ſtellte ſich, als ob er ginge; doch von der Thür war er in einigen Sätzen wieder da, hob Fanny auf ſeine Arme und ſchwenkte ſie umher, ſo daß ſie lachend ausrief:„Laß, laß mich los, Georg! ich werde ſchwindlig im Kopfe!“ 4 3 „Für wen machteſt Du die Nonnenkuchen?“ „Für den Jachtlieutenant, habe ich Dir ja geſagt!“ „Ach ſo— nun da wollen wir noch ein wenig tan⸗ zen, bis ſie alle verbrannt ſind; für ihn ſind ſie doch noch ſnnner dut genug 14 „Nimm Dich in A rg! i i unde un ich in Acht, Georg! laß mich!— ich „Sage nur die Wahrheit, ſo e ich Di eine Serunde Uengend hrheit, ſo halte ich Dich keine „Ach, ach, meine Nonnenkuchen!... Hoͤre wie ſie Pörrn.— ſie verbrennen ganz zu Kohlen— garſtiger „Die Wahrheit! heraus mit der Wahrheit!“ „Sagteſt Du die Wahrheit, Georg, als Du eben ſagteſt, ich hätte jetzt keine ſchönen Geberden mehr, und wäre nicht mehr ſo ſüß?“ 4 he habe ich nie geſagt!“ verſicherte Georg treu⸗ zig. „Dann haſt auch Du Dich verhört— ich habe we⸗ eer geſagt noch gedacht, daß die Nonnenkuchen für jemand anders als Dich beſtimmt wären.. Nun aber iſt's ſo 270 wie es iſt, und Du mußt mit verbrannten Nonnenkuchen fürlieb nehmen!“ „Und wären ſie ſchwarz wie Ruß, ſo ſchmeckten ſie doch wie Engelſpeiſe!“ erklärte Georg, und ſtellte Fanny wieder an ihren Ort beim Herde.„Ach, Du biſt recht.., recht... „Süß!“ ſiel Fanny froͤhlich ein. „Nein naſeweis— Du biſt jetzt noch ein eben ſo naſeweiſes und nettes Ding, wie früher! Aber ich ſage Dir, Fanny, wage es nicht, dieſen Jachtlieutenant anzuſe⸗ hen: ich leide es nicht, daß Du es thuſt!“ „Woran denkſt Du? Kleine Kinder dürfen wohl mit denen ſpielen, die gut gegen ſie ſind 24 „Kleine Kinder, ja! Doch— „Und wenn er mich auf den Schooß nimmt und mit Flune ſchönes zeigt, wie die Uhr, die Tuchnadel oder 0... „Dich auf den Schooß nehmen?“ rief Georg mit blitzenden Augen.„Ich moͤchte es ihm nicht rathen!— ich prügelte ihn braun und blau!“ „ Bchäüte! ein kleines Mädchen wie ich! was meinſ Du?⸗ „Ich meine Du biſt ein kleines artiges Ding.. aber dennoch das ſüßeſte, das ich kenne!“ Und Georg bof bei dieſen Worten Fanny's ſchönes Koͤpfchen zurück, ſtall ſich einen Kuß und flog zur Thür hinaus...... In dem beſten Zimmer ſaß Frau Holmér mit der Poſtille vor ſich. Sie empfing Georg mit Herzlichkeit, erkundigte ſich mit der Theilnahme einer alten Bekannten nach ſeiner Reiſe und ſeinen Ausſichten, und hoͤrte mit dem aufrichtigſten Wohlwollen die Nachrichten, welche er zu ertheilen hatte; noch dazu bat ſie ihn freundlich, möchte, ſo lange er in Grafwerna wäre, Strand immer als ſein zweites Heim anſehen. „Ich kann nichts beſſeres wünſchen,“ antwortete Georg und erhob die Hand der bleichen Frau ehrerbietig zu ſeinen Lippen,„ bin für d als fie no Ihnen erfa „Nich führt ſo v hältniſſe al erfuhr, de Wir müſſen ner Wille lichkeit zu kommt ja d „Erge bar nach d Stimme., Nähe waren meinen Nac ein ſchlauer richter ſagt! 4„Als de nicht anders uu ſagen, i grüßte. Herr G wie der Bau *) Gran be⸗ Nonnenkuchen ſſchmeckten ſie ſtellte Fanny i biſt recht.. ein eben ſo Aber ich ſage atenant anzuſe⸗ rfen wohl mit immt und mir Tuchnadel oder ief Georg mit licht rathen!— h! was meinſ ges Ding.. Und Georg bog n zurück, ſiahl polmér mit dar nit Herzlichkeit, alten Bekannten und höͤrte mit hhten, welche a Strand immer ntwortete Geotg freundlich, rbietig zu ſeinen 271 Lippen,„und ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich bin für die Güte, welche ich, meine theure Mutter— als ſie noch lebte— und nun zuletzt mein Vater von Ihnen erfahren haben!“ „Nichts davon, mein beſter Herr Letsler! Fanny führt ſo vollkommen Buch über die Umſtände und Ver⸗ hältniſſe aller Menſchen hier in der Gegend, daß ſie leicht erfuhr, der kranke Einſiedler brauchte Hülfe und Pflege. Wir müſſen gleichwohl aufrichtig bedauern, daß ſein eige⸗ ner Wille es unmöglich gemacht hat, für ſeine Bequem⸗ lichkeit zu thun, was wir wünſchten... Nun ſieh! da kommt ja der Jachtlieutenant mit ſeinem jungen Vicarius!“ Einundzwanzigſtes Kapitel. „Ergebenſter Diener, beſte Frau!“ ertöͤnte unmittel⸗ bar nach dem Oeffnen der Thür Petter Grau's laute Stimme.„Habe die Ehre, da wir zufällig eben in der Nähe waren, meinen Bruderſohn, und wenn Gott will, meinen Nachfolger zu präſentiren: Herr Ture Gran— ein ſchlauer und feiner Junge nach Befund, wie der Kreis⸗ richter ſagt!“ „Als der Neffe des Herrn Jachtlieutenants kann er nicht anders ſein!“ konnte Frau Holmér nicht unterlaſſen, un ſagen, indem ſie gleichwohl den Fremden artig be⸗ grüßte. Herr Gran junior war lang und ſchlank und gerade wie der Baum, deſſen Namen er führte.*) Sein Geſicht, * Gran bedeutet Tanne, pinus abies,— Anm, des Ueberſ. 272 wenn auch nicht eigentlich ſchoͤn, hatte eine angenehm friſche Farbe, und ſeine Art zu grüßen und ſich zu trage war in jeder Hinſicht ſo untadelig, daß es in Verhältint zu dem Platze, worauf ihn das Schickſal geſtellt hatt, als ganz beſonders fein und verbindlich erſcheinen mußte Die Stimme war weich und wohlklingend und gab da geringſten Höflichkeit einen Ausdruck von Artigkeit— ain Artigkeit, die ihn nie verließ und in hohem Grade ſich ven der rohen, aber gut gelaunten Grobkörnigkeit des Petm Gran unterſchied. „Ich fürchte,“ ſagte er mit einer tiefen Verbeugm zu der Wirthin,„daß die Freiheit, die mein Onkel ſih nimmt, einen Fremdling auf dieſe Weiſe einzuführn allzu groß iſt!“ „Nicht im Geringſten, Herr Lieutenant!“— Fm Holmér ertheilte dem jungen Vicarius dieſen Titel, m ſich ſogleich durch eine ſchmeichelnde Höflichkeit mit in in ein gutes Vernehmen zu ſetzen—„Ihr Herr Ore verſchafft uns im Gegentheil hiedurch ein großes Vergm⸗ gen! Hier in unſern kahlen Scheren iſt es ſo ſchwer, ein angenehmen Kreis zu ſeinem Umgange zu finden, daß iie wenigen vorhandenen Perſonen es nicht aufſchieben dürfe, ſich gegenſeitig aufzuſuchen.“ „Da haſt Du genau meine Worte wieder!“ ſiel Pen ter Gran ein.„Mein lieber Ture,“ ſagte ich zu meinen Neffen,„nun wollen wir uns einen frohen Tag machen u beim Patron Holmér einſprechen; denn es iſt ſo, daß ich und die Herrſchaft auf Strand immer nach Befund, u D der Kreisrichter ſagt, auf ſehr freundſchaftlichem Fuß mi einander gelebt haben...“ „Ja, das iſt die reine Wahrheit!“ ſiel mit lautan Lachen der Patron Holmer ein, der in dieſem Augenblt von dem Hofe kam, wo er ſeine Gäſte ſchon bewillkomm hatte...„Doch ſehen Sie hier, Herr Lieutenant, eing alten Bekannten, Herrn Georg Letsler, der wohl nach ein gen Jahren, falls er ſich mit einem Scherenſchoong begnügt, keck— ni noch wohl „Ja, Gran ver einen vertr lich! ſagt hier ſteht d ſoll!ℳ Herr Zolljacht auf der no ſich einige mehr ſagten die Ueberze Freunde zu konnte nicht ſcheidenheit Sie verſtand würden. Jetzt Locken herei Sie he zu werden. ſten Blicke ſtande und, barte; denn zeigte wirkli ame nicht in den Auge es ſogar ver ihr geſtohlen „Miß Gran, indem „Viellei attigem Ton Der Einſe eine angenehm d ſich zu tragn es in Verhältnt al geſtellt hatt, rſcheinen mußte end und gab in Artigkeit— eim n Grade ſich we gkeit des Peint iefen Verbeugmn mein Onkel ſith zeiſe einzuführn nant!“— Nu ieſen Titel, u flichkeit mit ihn Ihr Herr On großes Vergu⸗ 8 ſo ſchwer, ein u finden, daß ie ufſchieben dürfen wieder!“ ſiel Pe⸗ te ich zu meinn Tag machen un es iſt ſo, daß it ach Befund, ie aftlichem Fuß mi fiel mit lauta dieſem Augenbit ſchon bewillkomm Lieutenant, eing er wohl nach ein Scherenſchoong 273 begnügt, ein guter Kunde wird. Er war ſchon als Knabe keck— nicht wahr? der Herr Lieutenant entfinnt ſich ſeiner noch wohl?“ „Ja, er war ein rechter Satan!“ ließ ſich Petter Gran vernehmen, indem er ſeinem ehemaligen Feinde einen vertraulichen Handſchlag gab.„Doch ſeid verſoͤhn⸗ lich! ſagt die Schrift; ich bin ein alter Mann— doch hier ſteht derjenige, welcher künftig mein Dolmetſcher ſein oll! Herr Ture Gran, der künftige Befehlshaber auf der Zolljacht und Georg Letsler, der künftige Befehlshaber auf der noch ungebaueten Brigg Elvira Cornelia, maßen ſich einige Secunden gegenſeitig mit Blicken, die eben nicht mehr ſagten, als andere Blicke, die aber dennoch beiden die Ueberzeugung gaben, daß ſie nicht geſchaffen wären, Freunde zu werden. Georg's offenes, gerades Weſen konnte nicht mit der geſuchten Anmuth, der ſtudirten Be⸗ ſcheidenheit bei dem Erben des Petter Gran harmoniren. Sie verſtanden jetzt ſchon ſo viel, daß ſie ſich nie verſtehen würden. Jetzt kam Fanny roth und warm mit fliegenden Locken herein. Sie hatte ſich ganz außerordentlich beeilt, um fertig zu werden. Auch ſah ſie es der Mutter gleich beim er⸗ ſten Blicke an, daß dieſe Eilfertigkeit ſich in ihrem An⸗ ſtande und, was noch ärger war, in ihrem Anzuge offen⸗ barte; denn dieſer, wenn auch nett und geſchmackvoll, zeigte wirklich einige Nachläſſigkeit, die jedoch der jungen Dame nicht übel ſtand. Fanny's Beſtürzung, da ſie ſich in den Augen der Mutter ſpiegelte, war ſo groß, daß ſie ss ſogar vergaß, über den Kuß zu erröthen, den Georg ihr geſtohlen hatte, als ſie ihn jetzt wieder ſah. „Miß Fanny blüht wie eine Tulpe!“ äußerte Petter Gran, indem er ſeinen Neffen von neuem präſentirte. „Vielleicht, lieber Onkel,“ ſiel Herr Ture mit ſehr — aitigem Tone ein,„koͤnnte das Gleichniß der Wahrheit Der Einſiedler ꝛc. 1. 18 274 näher kommen, wenn Sie an die Stelle der Tulpe ein Roſe ſetzten!“ „Ach ſo! meinſt Du das, Du Schelm? Nun, na Befund, wie der Kreisrichter ſagt! Miß Fanny verlim nichts dabei, wenn ihr von jüngeren Lippen eine Artigket geſagt wird; das klingt immer beſſer als von alten; dem wenn ich mich recht entfinne, ſo war es in meiner Jugem ſo, und iſt es wohl auch noch, daß die Knaben alte Leut⸗ verdrängen.“ „Fanny, mein Kind! iſt der Tiſch gedeckt?“ fragif Frau Holmér und unterbrach ſo Petter Gran's Wen ſchwall. „Ja, liebe Mutter!“ „Da nehmen wir unſern Appetitſchnapps!“ fit Patron Holmäér ein, und zeigte den Herren den Wegſt den Saal. Inzwiſchen flüſterte Frau Holmér der Tochter be ſtohlen zu:„Mein Gott, Fanny! wie kannſt Du ſo u⸗ ordentlich hereinkommen? das Halstuch auf der eym Schulter, die Schürze ſchief und die Haare um ih Ohren!... Dieſe Locken paßten ſehr gut, da Du noth ein Kind warſt; nun aber mußt Du wohl das Har flechten, wie andere Leute thun, und das Halstuch ſeß⸗ machen, daß es nicht flattert wie der Wimpel auf einm Maſte! Du ſagſt ja immer, daß Du bald fünfzehn Jann biſt— aber das ſieht man wahrhaftig nicht!“ „Ach, liebe Mutter! das iſt ja nicht ſo gefährlit — an eine ſolche Kleinigkeit kehrt ſich Georg nicht!“ „Aber der junge Jachtlieutenant, der heute zum erſte Male hier iſt!... Ziehe wenigſtens die Collerette i die linke Schulter... Gott troͤſte mich! da ſind ja at dem Rücken zwei Haken offen— ich verſichere Dic Fanny, Du biſt wirklich unausſtehlich mit Deiner Unc dentlichkeit!“ Laut aber ſagte Frau Holmér in der Tht des Speiſeſaales, um Fanny Zeit zu laſſen, hinauszukon men und nach den Haken und dem Uebrigen zu ſehen „Geh, me auftragen Und ſchnurgere goldenen tern umfle waren ja Am Freigebigk⸗ die vortref reiſe auf machen. Obgl— ſelten ausf Fann erwachſen? ſtets gelten „War Georg zu „Wäre die guten Cond tragen und „Ja, ſagte Fann wißheit, ob Währe dem friſchen Segel beizu in der Caj auf dem V ttaffen Sei Werth des alte Petter Flagge der „Der wenn er ein der Tulpe ein Im? Nun, nac Fanny verlien en eine Artigkei von alten; dem in meiner Jugen Knaben alte Leut gedeckt?“ ſrag Gran's Wom itſchnapps!“ fi erren den Wegt der Tochter ber kannſt Du ſo w auf der ein Haare um i But, da Du uh wohl das Han as Halstuch fiſ⸗ Wimpel auf einer ld fünfzehn Jahn icht!“ 1 -nicht ſo gefährlit eorg nicht!“ r heute zum erſte ie Collerette inh ! da ſind ja at verſichere Dic mit Deiner Unoh lmér in der Thi ſen, hinauszukon⸗ ebrigen zu ſehen 275 „Geh, mein Kind, und ſage Stina, ſie ſoll das Fleiſch auftragen!“ Und als Fanny wieder eintrat, da ſaß die Collerette ſchnurgerade und das Halstuch war mit einer kleinen goldenen Nadel befeſtigt. Doch den Hals und die Schul⸗ tern umflatterten noch immer die loſen Locken, denn ſie waren ja ſo ſchoͤn— hatte Georg geſagt.... Am Nachmittage ſchlug Petter Gran, der durch die Freigebigkeit des Patrons Holmér mit dem Portwein in die vortrefflichſte Laune gerathen war, vor, eine kleine Luſt⸗ reiſe auf der Zolljacht zur Beluſtigung der Damen zu machen. Obgleich Frau Holmér zufolge ihrer Kränklichkeit ſelten ausfuhr, gab ſie dennoch ihren Beifall. Fanny tanzte vor Freuden. So gerne ſie auch für erwachſen paſſiren wollte, ſo machte ſich dennoch das Kind ſtets geltend. „Warum freuſt Du Dich darüber ſo?“ flüſterte ihr Georg zu, indem er ſie bis an die Thür begleitete. „Wäre die Zolljacht nicht gekommen und Du hätteſt ſo guten Convoi erhalten, ſo hätte ich Dir mein Boot ange⸗ tragen und Dich ausgexudert!“ „Ja, aber das wäre dennoch nicht die Zolljacht!“ ſagte Fanny und lief weg. Georg ſtand da in der Unge⸗ wißheit, ob ihre Worte Ernſt oder Scherz wären.... Während der Fahrt, die in dem herrlichen Wetter und dem friſchen Winde, der dem Petter Gran erlaubte, alle Segel beizuſetzen, äußerſt prächtig ging, wurde den Damen in der Cajüte Limonade geboten und die Herren erhielten auf dem Verdecke Toddy. Und um ſich richtig auf dem ſtraffen Seile ſehen zu laſſen und zu zeigen, daß er den Werth des Damenbeſuches zu ſchätzen wüßte, hatte der alte Petter ſeinem Oeſterberg den Befehl ertheilt, die Flagge der Königl. Majeſtät und Krone zu hiſſen. „Der verteufelte Petter Gran iſt doch nicht ſo dumm, wenn er ein Menſch ſein will!“ ſagte Patron Holmér zu ſich ſelbſt, und ſchlug in der Zufriedenheit ſeines Herzens Brüderſchaft mit demjenigen vor, der bisher von ihm ſo viele andere Namen erhalten hatte. Während die älteren Herren auf dem Verdecke mit den Gläſern und den Pfeifen zu thun hatten, war Hen Ture in der Cajüte bei den Damen artig. Doch zu ſeinem nicht geringen Verdruſſe ſah er, wie Fanny trotz des Ver⸗ gnügens, das ſeine leichte Unterhaltungsgabe ihr hatte ſchenken ſollen, Hut und Halstuch nahm, um auf das Verdeck zu gehen, wobei ſie Georg einen Wink gab, mi⸗ zukommen. „Vielleicht befehlen Sie, Frau Holmér, ebenfalls oben die freiere Luft zu genießen?“ fragte Herr Ture, deſſe ſeine Artigkeit ihm in keinem andern Falle erlaubte, die Cajüte zu verlaſſen. „Nein, ich danke, ich befinde mich hier ſo gut!“ Mit Reſignation ſetzte ſich der junge Wirth ihr ge⸗ genüber, und bemuhte ſich, ihr auf keine Weiſe die fehlge⸗ ſchlagene Hoffnung unter der jetzt gleichwohl weniger le⸗ haften Unterredung zu zeigen. Aber mochte nun Frau Holmér etwas merken oder nicht, ſo konnte man ihr wenigſtens nichts anſehen, ſon⸗ dern ſie blieb mit unbeweglichem Eigenſinne auf ihrem Platze ſitzen.. „Dank, Fanny! Dank, ſüße Fanny,“ ſagte Georg, als er neben dem ſchönen Mädchen an der einen Seite des Bordes ſtand;„Dank, Dank, daß Du ihn nicht länger zu hoͤren vermochteſt! Er ſprach ja in einem 3uge fort, als wäre ich eine Null oder ein Junge, der gat nicht weiß, was er ſagen ſoll.“ „Ja, ich ſah, daß Du die Geduld verlorſt und Deinem Aerger faſt nicht mehr ſteuern konnteſt, und darum ging ich herauf. Sonſt aber machte er mir bil Vergnügen!“ verſicherte ſie ſcherzend. „Das that er nicht! Meine Augen können wohl ebenfalls ſehen, was Du denkſt... doch hoͤre, liet Fanny! Namen kle „Wie wohnt biſt fremd— „Doc ein ſchöner — das g großen ver ziehe ich C „Doch kommen,“ ſchon ſämn „Aber und ſiehſt wenn er f du liebes, bekomme, Aber zwei Elvira 2 3„Fi!“ ein häßliche „Ich doch ſiehſt ehemaligen es nicht la werde. So Brigg ihren willen— ei Namen erhe 1„Ich 3 ge na lieber dehe „Nein, ich nicht geg „O ja, ſeines Herzens her von ihm ſo u Verdecke mit tten, war Hen Doch zu ſeinem )trotz des Ver⸗ gabe ihr hätte , um auf das Wink gab, mi⸗ r, ebenfalls oben err Ture, deſſen lle erlaubte, die ier ſo gut!“ ge Wirth ihr ge⸗ Weiſe die fehlge⸗ pohl weniger lil⸗ was merken oder ts anſehen, ſou⸗ ſinne auf ihrm „“ ſagte Georg, der einen Seite ß Du ihn nicht a in einem Zugt Junge, der gat -uld verlorſt und n konnteſt, und achte er mir dil gen können wehſ doch hoͤre, liebe 277 Fanny! was meinſt Du: welcher von Deinen beiden Namen klingt am beſten, Cornelia oder Fanny?“ „Wie kannſt Du ſo fragen, Georg, da Du doch ge⸗ wohnt biſt, Fanny zu ſagen? Cornelia klingt ja ganz fremd— es kommt mir vor, als wäre ich es gar nicht!“ „Doch, doch! Cornelia biſt Du, und Cornelia iſt ein ſchoͤner, ein ſehr ſchöner Name! Für ein Mädchen — das gebe ich zu— paßt Fanny beſſer; doch mit großen vergoldeten Buchſtaben auf ein Fahrzeug gemalt ziehe ich Cornelia vor.“ „Doch wird dieſer Name wohl nie auf ein Fahrzeug kommen,“ meinte Fanny,„denn Vater hat die ſeinigen ſchon ſämmtlich getauft.“ „Aber wenn ich mein eigenes Schiff bekomme— und ſiehſt Du, ich bin nicht derjenige, welcher nachgibt, wenn er ſich etwas in ſeinen Kopf geſetzt hat— nun, du liebes, ſüßes Kind! wenn ich mein eigenes Schiff bekomme, ſo ſoll es ganz beſtimmt Cornelia heißen. Aber zwei Namen müſſen es ſein! Wie gefällt Dir Elvira?“ „Fi!“ rief Fanny etwas heftig aus.„Elvira iſt ein häßlicher Name— wer heißt ſo?“ „Ich habe die Perſon nie geſehen, die ſo heißt; doch ſiehſt Du, liebe Fanny, ſie iſt die Tochter meines ehemaligen Chefs und jetzigen Gönners, mit deſſen Hülfe s nicht lange dauern ſoll, bis ich mein eigener Herr werde. Sollte ich alſo wohl nicht aus Dankbarkeit der Brigg ihren Namen geben, weil ſie doch nur um Deinet⸗ villen— einzig und allein um Deinetwillen— weibliche Namen erhält?“ „Ich habe gehört, es ſoll nie glücklich ſein, Fahr⸗ ſeuge nach Frauenzimmern zu benennen. Laß das bleiben, ſeber Georg, wenn Du eins bekommſt!“ „‚Nein, das laſſe ich gewiß nicht bleiben! Doch hätte ich nicht geglaubt, daß es Dir nicht gefallen würde.“ „O ja, gewiß gefällt es mir, und wenn Vater die große Galeaſſe baut, von der er ſtets ſpricht, und die nach feinem Verſprechen nur für meine Rechnung fahren ſoll, ſo denke ich ihn zu bitten, daß er ſie Ture Georg nennt — ich glaube nicht, daß es ſo übel klingt, oder was meinſt Du?“ „Ich meine, daß Ture Georg hoͤchſt gemein klingt Du haſt ein ſo gutes Ohr, liebe Fanny, daß Du wohl einſiehſt, dieſe Namen paſſen nimmermehr zuſammen.“ „Eben daſſelbe meine ich von Eloira Cornelia!“ „Ich aber kann es nicht aus meinem Kopfe bekom⸗ men: Tag und Nacht ſpuken die Buchſtaben in dieſen beiden Namen mir vor den Augen— ich kann mir gar nichts denken, das ſchöner klingt, als Elvira Cornelia.” „Wenigſtens,“ ſagte Fanny verdrießlich,„wird doh wohl Cornelia Elvira eben ſo ſchön klingen 2“ „Nein, bei weitem nicht!“ „Ach ſo! Du meinſt, mein Name paßt hinte am beſten?“ „Ja, weil das Wort Elvira leichter klingt. Vergi, liebe Fanny; aber Du darfſt mich nicht bitten, dieſes bleiben zu laſſen— es macht mir allzu viele Freudel“ „O, wir haben noch Zeit genug, davon zu reden. Vielleicht, wenn Du einmal ein Fahrzeug haſt, ſo nenn Du es weder nach mir, noch nach der Tochter des Chefs: kein Menſch kann es wiſſen... Warum aber willſt D es denn nicht Nicoline nennen?“ „Ach nein, der Name iſt mir allzu theuer und lich als daß Alle ihn leſen ſollen. Und ſo“— hier erröthet Georg ſtark—„iſt es wie ich glaube auch mit den kleinen netten Namen Fanny. Nicoline und Fanny— die beiden Namen ſtehen im Herzen... Elvira Corneli ſollen auf dem Fahrzeuge ſtehen.“ „So laß ſie denn ſtehen!“ ſiel Fanny mit einer Stimme ein, die plöͤtzlich ſo lieblich und verſchämt ge⸗ worden war, daß Georg ſtutzte. Fanny, obgleich noch nicht fünfzehn Jahre alt, wa kein Kind Jahre älter „Nun als er auf Neffen alle ein guter kneifen könn „Ein wortete mi Angeredete das Sopha „Mit angenehm t „Wenigſten iſt Geld, n ſollte ich g ſogleich an. „Kleir Scherenmat eben keine „Nicht Dingen nie einen Weg nach Befung nicht vor de „Das geſagt, ſo verſuchen. „Dem und ſie iſt Jahre alt, Um zwei, , und die nach g fahren ſoll, e Georg nennt gt, oder was gemein klingtt daß Du wohl zuſammen.“ Cornelia!“ Kopfe bekom⸗ aben in dieſen kann mir gar a Cornelia.. ch,„wird doch 1 2 ne paßt hiuta klingt. Vergt, bitten, dieſes iele Freude!” davon zu reden. haſt, ſo nennſ chter des Cheſß: aber willſt Ddi theuer und lih, hier erröͤlhet auch mit dem und Fanny Elvira Corneln anny mit eine ud verſchämt ge Jahre alt, wul kein Kind mehr; die drei letzten Tage hatten ſie drei Jahre älter gemacht. „Nun? taugt die Dirne nicht? fragte Petter Gran, als er auf der Rückreiſe von Strand mit ſeinem geliebten Neffen allein in der Cajüte ſaß.„Wäre ſie wohl nicht ein guter Biſſen— was meinſt Du? wenn Du ſie ſo ineifen könnteſt! Das reichſte Mädchen in den Scheren 12 „Ein hübſches Kind, eine kleine nette Puppe!“ ant⸗ wortete mit einer etwas gekünſtelten Nachläſſigkeit der Angeredete, indem er die Eigarre anzündete und ſich auf das Sophabrett warf. „Mit ſolchen kleinen Puppen ſpielen zu können, iſt angenehm und unterhaltend genug!“ meinte Petter Gran. „Wenigſtens dreißig tauſend Reichsthaler Banco— das iſ Geld, mein lieber Ture, hier in unſrer Gegend! Doch ſollte ich glauben, ſie beißt nicht bei dem erſten Verſuche ſogleich an.“ „Kleinigkeit!“ entgegnete Herr Ture.„Eine kleine Scherenmamſell, kaum der Kinderſtube entwachſen, möchte eben keine ſchwere Eroberung ſein!“ „Nicht ſo, nicht ſol Ein kluger Mann iſt in ſolchen Dingen nie allzu ſicher: er ſieht ſich vor, er bahnt ſich einen Weg— und bricht ſich im Nothfalle einen Weg nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt; aber er ſtolzirt nicht vor der Zeit.“ „Das thue ich auch nicht, Onkel! denn aufrichtig geſagt, ſo denke ich vort mein Glück wirklich nicht zu verſuchen. Sie iſt noch dazu allzu ſehr ein Kind.“ „Dem Fehler iſt leicht zu helfen: noch zwei Jahre und ſie iſt ſertig. Ihre Mutter war noch nicht ſiebzehn Jahre alt, als ſie mit Holmér in die Brautſtube trat... Um zwei, höchſtens drei Jahre nehme ich Abſchied und 280 ſetze mich in Ruhe, und dann, mein lieber Ture, paßt n alles vortrefflich zuſammen!“ „Sie hat keine Erziehung genoſſen: ihr Sitten ſind ſehr... ſehr...“ „Vortrefflich!“ ſetzte der Onkel den abgebrochenen Satz fort.„Und was die Erziehung betrifft, ſo iſt ſie zu Göteborg in die Schule gegangen, rechnet und ſchreibt wie ein Contoriſt und macht noch dazu Blumen und Früchte und dergleichen dummes Zeug mehr, das mit zu der feineren Erziehung gehört.“ „O nein, beſter Onkel, dergleichen rechnet man nicht mit zu der feineren Erziehung— das iſt ja weniger denn nichts!“ „Nun das war meiner Seel' luſtig!“ Petter Gran ſah höchſt verwundert aus.„Ich möchte wohl wiſſen, was Du unter Erziehung verſtehſt.“ „Ja, Onkel, das iſt etwas ganz verſchiedenes— etwas... mit einem Worte... etwas vollkommen verſchiedenes!“ „Ja, ja, das höre ich wohl, doch worin beſteht denn die Verſchiedenheit?“ „Ein gut erzogenes Mädchen,“ begann Herr Ture, indem er ſich von der bequemen Lage erhob und die mög⸗ lichſt höchſte Würde annahm, um deſto mehr auf Petter Gran einzuwirken, der mit dem ben gefüllten Groggglaſe in der Hand ſaß und ſeinen lieben Neffen angaffte,„ein gut erzogenes Mädchen muß vor allen Dingen das Fran⸗ zoͤſiſch wie Waſſer verſtehen...“ „O Teufel!“ „... und das Deutſche wie ihre Mutterſprache... „Wetter!“ „... und das Engliſche zum Hausbedarf!u „Der Henker!“ „Ferner muß ſie zeichnen können, und zwar nicht nur Blumen und Fruchte oder ſolche Kleinigkeiten, ſondern ſie muß auch und dergle „Tau Groggglas halt auf d Gouvernan Ture! Fa ſo viele ſie chen kann ſolchen den kaufen woll „Das geſſen, Or uͤber eine g noch gehöͤrt Sie, Onkel, „Stop haſt Du G allen Deiner Zierde gena ich, der ich Du: die Zi Manne zu g. ſie Klavier ſ ſie franzöſiſe ſie deutſch l ringe und n⸗ Dummheiten den taugen a diſche ſalzen rein und das Hauptknoten thaler Bancn nöthig. Der Zierden nicht Ture, paßt ja hr Sitten ſind abgebrochenen fft 1 ſo iſt ſie et und ſchreibt Blumen und , das mit zu dnet man nicht ſt ja weniger Petter Gran wohl wiſſſen, erſchiedenes— s vollkommen in beſteht demn unn Herr Ture, und die moͤg⸗ ehr auf Petter en Groggglaſe ngaffte,„ein ggen das Fran⸗ rſprache..“ parf!“ zwar nicht nur en, ſondern ſir 281 muß auch großartige Zeichnungen, Landſchaften, Seeſtücke und dergleichen ausführen und etwas malen können.“ „Tauſend T— l!“ rief Petter Gran, und ſetzte das Groggglas ſo heftig nieder, daß wenigſtens der halbe In⸗ halt auf den Fußboden rann.„Da wäre ſie ja eine ſolche Gouvernantenmamſell! Doch Du ſollſt wiſſen, mein lieber Ture! Fanny Holmér hat Geld genug, um ſich Gemälde, ſo viele ſie will, kaufen zu können, und ein ſolches Mäd⸗ chen kann wahrhaftig etwas Nützlicheres vornehmen, als ſolchen den Verdienſt wegzunehmen, die ihre Arbeit ver⸗ kaufen wollen.“ „Das iſt wohl möglich; doch dürfen Sie nicht ver⸗ geſſen, Onkel, daß Sie ſelbſt mich aufgefordert haben, über eine gute Erziehung meine Meinung zu ſagen. Und noch gehoͤrt dazu, daß ſie Muſik verſtehen muß, denn ſehen Sie, Onkel, das eben iſt die hoͤchſte Zierde eines Mädchens!“ „Stopp und bind' feſt!“ fiel Petter Gran ein.„Jetzt haſt Du Gallimathias genug geſchwatzt! Zum T— mit allen Deinen Zierden, wenn ein ſolches Geklimper eine Zierde genannt zu werden verdient— und ich ſage Dir, ich, der ich etwas länger in der Welt gelebt habe als Du: die Zierde eines Weibes iſt, in allen Stücken ihrem Manne zu gefallen. Sieht ſie nach der Haushaltung, wenn ſie Klavier ſpielt? Näht ſie Kleider für die Kinder, wenn ſie franzoſiſch lieſ't? Stopft ſie Deine Strümpfe, wenn ſie deutſch lieſ't? Sieht ſie nach der Einſatzung der Hä⸗ ringe und nach dem Handel, wenn ſie Papier bekleckſt und Dummheiten malt? Nein, ſolche Weiber und ſolche Zier⸗ den taugen an unſrer Küſte nicht! Brauen, backen, kochen, Fiſche ſalzen und trocknen, Mann und Kinder heil und rein und das Haus im Stande halten— ſieh, das iſt der Hauptknoten! Und wenn ſich damit dreißigtauſend Reichs⸗ thaler Banco vereinigen, ſo meine ich, iſt weiter nichts nöthig. Der Mann, welcher verrückt genug iſt, und ſolche Zierden nicht zu ſchätzen verſteht, der waͤre werth, nur 282 Klaviergeklimper, das allerteufliſchſte, das ich kenne, ſein ganzes Lebelang zu hören!“ Jetzt lachte der junge Herr Ture und begann ſeinen Onkel unendlich luſtig zu finden. „Doch, um jetzt recht ernſthaft zu reden,“ begam Petter Gran und nippte aus ſeinem Groggglaſe,„ſo ver⸗ giſſeſt Du ſtets, daß Du, obgleich Du mit der Ausſicht auf ein großes Vermögen erzogen wurdeſt, nach dem Banquerutt und Tode Deines Vaters ſo ziemlich einer Kirchenmaus gleicheſt! Mußteſt Du nicht aus Mangel an Geld Deine Studien unterbrechen?— nun, das iſt ſo lange noch nicht her, und ich denke, du wirſt es noch wohl wiſſen— und hätte ich Dir nicht geholfen, beim Zoll alt Extraordinarius anzukommen, ſo....“ „ſo wäre ich ſchon längſt verhungert, nicht wahr, Onkel?“ „Ja, ja, mein Sohn, die Ueberraſchung iſt ſchen manchem Kerl bereitet worden, der eben ſo gut war, wie Du!⸗ „Aber ich,“ verſicherte Ture mit Nachdruck,„wuͤrde es nicht ſo weit haben kommen laſſen! Wozu gibt ez Pulver und Kugeln in der Welt, wenn man ſie nicht ge⸗ brauchen ſoll, da alles andere fehl ſchlägt?“ „Immer groß in Worten!“ Der alte Petter ſchüt⸗ telte bedächtig das Haupt.„Es gefällt mir nicht, wem Knaben damit prahlen, daß ſie unſerm Herrgott in's Hand⸗ werk pfuſchen können. Steck die Pfeife in den Sack, heißt es, und nimm den Löffel in die ſchöne Hand!“ Herr Ture erroͤthete ſtark. Aus Furcht, ſeinen Onte noch mehr zu reizen, antwortete er gleichwohl nichis⸗ Doch eben dies reizte den Alten. Er ſtürzte den Reſt dei Groggs hinunter und ſagte mit zitternder Stimme:„Ne⸗ benbei will ich Dir noch etwas anderes ſagen: mir gefält Dein Weſen nicht, und Du kannſt daran denken, daß ic, Petter Gran, nicht der Mann bin, der ſich mit ſeinem Schnickſchnack bethören läßt— das kann an fremden Stellen u ich will r zum Fort auch ein? ankommt morgen ro der erlaub „Me wirklich ſi geſagt, da ſo ſoll es hängig iſt „Nun Jachtlieute ben wollte artigen N. Sohn! 2 und Fanntd „Ich das Mädc gaſt verga „Aha in ſeine g ſchon verli bekannten fund, wie „Aber zu vergeſſe „Dun als das. Junker ein Rede davo nachfühlen „Was „Daß etwas entz ch kenne, ſein begann ſeinen den,“ begann glaſe,„ſo ver⸗ it der Ausſicht eſt, nach dem ziemlich einet t aus Mangel nun, das iſt 1 rſt es noch wohl beim Zoll als V b b , nicht wahr, ſchung iſt ſchon o gut war, wie hdruck,„würde Wozu gibt tz an ſie nicht ge⸗ 20 te Petter ſchüt⸗ nir nicht, wem (rgott in's Hand⸗ den Sack, heiß ℳ cht, ſeinen Onke eichwohl niihls⸗ zte den Reſt dei Stimme:„Me⸗ gen: mir gefält denken, daß ich, ſich mit ſeinem unn an fremden 283 Stellen und um Weibsleute zu locken recht gut ſein; doch ich will reines und kurzes Spiel haben. Und ſoll ich Dir zum Fortkommen in der Welt behülflich ſein, ſo will ich auch ein Wort mitzuſagen haben. Sonſt, wenn es darauf ankommt, ſo kann ich noch zehn Jahre dienen und gleich morgen rapportiren, daß meine Geſundheit mir jetzt wie⸗ der erlaubt, dem Dienſte vorzuſtehen!“ „Mein beſter Onkel,“ fiel der Neffe ein, ſeinen jetzt wirklich ſiedenden Aerger unterdrückend,„habe ich etwas geſagt, das Ihnen Anlaß zur Unzufriedenheit geben konnte, ſo ſoll es mir herzlich leid thun! Doch wer arm und ab⸗ hängig iſt, der kann leider leicht verletzt werden!“ „Nun, nun, laß es jetzt gut ſein!“ antwortete der Jachtlieutenant, welcher zwar ſeine Herrſchaft nicht verge⸗ ben wollte, im Ganzen jedoch über ſeinen hübſchen und artigen Neffen ſtolz war.„Nicht ſo übel gemeint, mein Sohn! Ich meine ſonſt, Du kannſt mit der Zolljacht und Fanny Holmér auf dem Korne ganz ruhig ſein. „Ich habe nichts auf dem Korn, lieber Onkel— das Mädchen hat ſich ja ſchon in dieſen naſeweiſen See⸗ gaſt vergafft!“ „Aha,“ lächelte Petter Gran, der jetzt wieder voͤllig in ſeine gute Laune zurückkam,„ſind wir da zu Hauſe: ſchon verliebt und ſchon eiferſüchtig— da ſind wir in einem bekannten Fahrwaſſer und ſteuern geraden Cours nach Be⸗ fund, wie der Kreisrichter ſagt.“ „Aber Jugendbekanntſchaften pflegt man nicht ſo leicht zu vergeſſen!“ „Dummheiten, ſage ich! Ich wünſchte nichts beſſeres als das. Ich habe noch von alten Zeiten her mit dem Junker eine Gans zu pflücken, und iſt einmal ernſtlich die Rede davon, daß er Dir im Wege liegt, ſo will ich ſchon nachfühlen, wo der Schuh am ärgſten klemmt!“ „Was meinen Sie, Onkel?“ „Daß mit der Herrſchaft auf der Johannis⸗Klippe eiwas entzwei iſt. Der Vater hat dort nun viele Jahre —; 284 gewohnt, und kam dahin, als wäre er aus den Wolken herabgefallen: man hat nie erfahren koͤnnen, ob er ein Vogel oder ein Fiſch iſt!“ „O, irgend ein...“ Ein Strahl von niedrigem Glanze erſchien ploͤtzlich in Ture's Auge. Doch er ſchwieg. „Wie ich ſage: weder Vogel noch Fiſch; doch durch einige kleine kluge Nachforſchungen könnte man wenigſtens den jungen Abenteurer hinlänglich beunruhigen, um ihn zu zwingen, Dir das Feld zu räumen. Er hegt große Liebe zu dem Vater; und wenn er die Geheimniſſe deſſel⸗ ben nicht kennt, ſo kennt er wenigſtens ſo viel, daß er weiß, ſie würden ſich nicht allzu wohl befinden, wenn ſie ſich am Tageslichte ſonnen müßten! Doch dieſes beruht auf der Zukunft. Der Mann hat in unſrer Gegend keinem Menſchen etwas zu Leide gethan, und wer Dir nicht ſcha⸗ det, dem ſollſt auch Du nicht ſchaden— ſo iſt meine Logik.“ „Und die Logik iſt geſund, Onkel; es wäre gut, wenn alle Leute ſo edel dächten!“ „Nun, nun,“ ſchloß Petter Gran,„das alles geſchieht nach Befund, wie der Kreisrichter ſagt! Ein Zollbeam⸗ ter im Dienſt muß ſchaden, wo er Zeit und Raum dien⸗ lich findet. Was ich eben ſagte, das meinte ich außer dem Dienſte, verſtehſt Du wohl?“ „Ja, Onkel, und ich erfaſſe Ihre Meinung in ihrer vollkommenſten Ganzheit!“— Meh Johannis Wäh ohne daß letztgenann von Weſtt Ja d für irgend barten Uf nähete, n und weiht kunft ein. und ſeine wenn ſie i ihr nächſt beſondere 7 die Georg hier der K verwebt w ſie zitterte Meer, das konnte ſie Um ſe theilen, mu Zeichnungen geſehen hat allen Dinge wenn ſie de waren. U kleines Fal Fanny wie 3 den Wolken en, ob er ein von niedrigem och er ſchwieg. h; doch durch dan wenigſtens igen, um ihn Er hegt große eimniſſe deſſel⸗ viel, daß er den, wenn ſie dieſes beruht Gegend keinem Dir nicht ſcha⸗ ſo iſt meine äre gut, wenn alles geſchieht Ein Zollbeam⸗ d Raum dien⸗ e ich außer inung in ihrer Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Mehre Wochen waren ſeit Georg's Ankunft auf der Johannis⸗Klippe verfloſſen. Während dieſer Zeit war kaum ein Tag vergangen, ohne daß er Strand oder die Grotte beſuchte, an welchem letztgenannten Orte Fanny, von ihrem treuen Ritter, Niſſe von Weſtraö, begleitet, ſeiner oft harrte. In dieſen Stunden erzählte Georg, während Fanny für irgend einen ihrer kleinen Schützlinge an den benach⸗ barten Ufern ein Hemde, ein Kleid oder etwas ähnliches nähete, weit und breit ſeine ſämmtlichen Reiſeabenteuer und weihte ſeine Vertraute in alle ſeine Pläne für die Zu⸗ kunft ein. Und Fanny war entzückt und ſtolz über Georg und ſeine Triumphe und kannte keine größere Freude, als wenn ſie ihn erzählen und wieder erzählen hörte. Was ihr nächſt demjenigen, was Georg perſönlich betraf, ganz beſondere Freude machte, war die Beſchreibung des Meeres, die Georg auch ſo poetiſch wie möglich machte. Und wenn hier der Kampf der Fregatte mit einem tüchtigen Sturme verwebt wurde, da athmete Fanny kaum; ſie lebte mit, ſie zitterte vor Schrecken und jubelte vor Freuden. Das Meer, das Meer war ihre Luſt, und was ſich dort zutrug, konnte ſie ſtundenlang feſſeln. Um ſeinen Mittheilungen völlige Deutlichkeit zu er⸗ theilen, mußte Georg ihre Bitte erfüllen und eine Menge Zeichnungen der verſchiedenen Arten von Menſchen, die er geſehen hatte, liefern, ſo wie auch ihrer Trachton und vor allen Dingen der verſchiedenen Boote, die er geſehen hatte, wenn ſie des Tauſchhandels halber zur Fregatte gekommen waren. Und als Georg zu ihrem Vergnügen ein ſolches kleines Fahrzeug, eine Pirogue, gemacht hatte, ſo wurde Fanny wiederum ein wirkliches Kind: jedesmal, wenn ſie 286 ihre kleinen Seereiſen machte, ſo ſegelte die Pirogue an der Schnur dem Boote nach; und Fanny war von dieſer Spielerei ſo beluſtigt, daß Georg, welcher meinte, daß er darunter leiden müßte, ſeine Dienſtfertigkeit faſt zu bereuen begann. Als aber die Zeit des Abſchiedes, die Zeit, da Georg nach Göteborg reiſen ſollte, herbei kam, da wurde die Pirognue in Fanny's Zimmer an einem Hacken an der Decke aufgehängt, und ſie dachte wiederum und einzig und allein an den Geber und wie leer es werden würde, wem er fort wäre. Kein Menſch war ſo angenehm und unter⸗ haltend, ſo gut und artig, wie Georg: dies war bis jett die Hauptſumme von demjenigen, was Fanny von ihren Gefühlen verſtehen konnte. Georg hatte die ſeinigen ebenfalls noch nicht u deuten begonnen: er dachte an Fanny, weil es ſo natür⸗ lich war, und es that ihm ſehr weh, daß er von iht ſcheiden mußte. Dennoch, ſo lieb ſie ihm auch war, häti er um ihretwillen den Anfang ſeiner Thätigkeit auch nicht um eine einzige Woche aufſchieben wollen. Er hatte den Brief des alten Stormbom abgewarte! Dieſer war jetzt angelangt mit der Nachricht, daß der Flaggenſchiffer, nachdem die Fregatte in den Hafen von Carlskrona eingelaufen, nach Hauſe zurückgekommen warz und nun Georg zum Winterquartier im Maſthugg er⸗ wartete. „Nun ſollſt Du nicht länger warten,“ ſagte Letsler zu ſeinem Sohne.„Je eher Du beginnſt, deſto eher er⸗ reichſt Du das Ende.“ „Ja, ich will und werde arbeiten!“ ſagte Georg. „Aber es thut mir in der Seele weh, Dich, lieber Vater, hier ſo allein zu laſſen; jetzt kommt der Herbſt, und dan der Winter— der Winter...“ „Kleinigkeit, mein Kind! das bin ich ja gewohnt.“ O, das iſt eine ſchlimme und harte Gewohnheitl „O, 14 Du könnteſt wieder krank werden! „Ich ein Menſe „Hie mit Verw willſt Du das Zim raſaunen? „Nei Vater, de ich kenne Jüngl.. „Sti mich ſelbſt „Das nie im W er gewiß iſt von all „Wie doch wen „Eine von Weſtr hieher gern in jedes V Stille, be fragt kein nur ſehen nen, und „Hm, ſehen. Er und ſcheint „Nein er endlich e gebrochen h Hausbedarf ie Pirogue an var von dieſer meinte, daß er faſt zu bereuen Zeit, da Georg da wurde die Hacken an der und einzig umd n würde, wenn ehm und unter⸗ Ls war bis jett auny von ihren noch nicht zu eil es ſo natür⸗ daß er von iht auch war, hätte gkeit auch nicht bom abgewartet. Hricht, daß der den Hafen von pekommen wär Maſthugg er⸗ „“ ſagte Letslet , deſto eher er⸗ “ ſagte Geotg. ch, lieber Vater, berbſt, und dam ja gewohnt rte Gewohnheit! 287 „Da ſagen wir: des Herrn Wille geſchehe!⸗ „Ich aber kann nimmermehr in Ruhe leben, nein, nie will und kann ich Ruhe finden, wenn nicht zum Herbſt ein Menſch hieher ziehen darf.“ „Hieher? biſt Du von Deinen Sinnen?“ rief Letsler mit Verwunderung, ja faſt mit Unwillen aus.„Vielleicht willſt Du, ich ſoll ein altes Weib hieher nehmen, um das Zimmer auszufegen und mir die Ohren voll zu raſaunen? „Nein, gewiß nicht! Ich weiß recht gut, lieber Vater, daß Du keine Frauenzimmer leiden kannſt; aber ich kenne Jemand, einen ſchweigſamen, guten und ernſten Jungl..“ „Still mit Deinen Kenntniſſen! noch kann ich für mich ſelbſt ſorgen.“ „Das weiß ich wohl; doch der, den ich meine, würde nie im Wege ſein: er hat einen ſo guten Inſtinkt, daß er gewiß begreift, wo und wie er ſich halten ſoll. Er iſt von allen, die ich kenne, der einzige, der hieher paßt.“ „Wie ich Dir geſagt habe, hieher paßt niemand— doch wen meinſt Du?⸗ „Einen armen, ſehr armen Jüngling, Namens Niſſe von Weſtrab, der jetzt auf Strand dient und Fanny oft hieher gerudert hat. Sein Charakter iſt ſo, daß er ſich in jedes Verhältniß fügt. Er arbeitet allein und in der Stille, bedarf keiner Geſellſchaft und ſagt gewiß unge⸗ fragt kein einziges Wort. Lieber Vater, wenn Du ihn nur ſehen wollteſt! Er koͤnnte in meinem Zimmer woh⸗ nen, und Du brauchteſt Dich nie um ihn zu kümmern.“ „Hm,“ ſagte Letsler,„ich glaube, ich habe ihn ge⸗ ſehen. Er ſitzt immer mit einer Handarbeit im Boote und ſcheint weder zu hoͤren, noch zu ſehen.“. „Nein, behüte!“ entgegnete Georg, entzückt, daß er endlich ein, wenn auch noch ſo kleines Loch in das Eis gebrochen hatte,„es iſt nicht ſeine Sache, mehr als zum Hausbedarf zu ſehen und zu hören. Er iſt ein guter, 288 ein ehrlicher Junge, und für ein kleines Monatgeld wird er treu, wie der treueſte Hund— doch da ſagte ich etwas Dummes und Unwahres: er wird nicht treu für das Geld, ſondern er wird treu und unermüdlich für denjeni⸗ gen ſein, der ihm Geld gibt, um damit ſeine Mutter und ſeine Brüder unterſtützen zu können. Ach, lieber Vater, wenn Du wüßteſt, welches Herz der Junge hat! Ich verſichere Dich, er wäre nicht im Stande, Dich zu ſtören, wenn er ſähe, welchen Werth Du auf die Einſamkeit ſetzeſt!“ „Du biſt ſehr beredt, mein lieber Georg, und Du kannſt wohl wiſſen, daß ich Deine gute Abſicht zu achten und zu ſchätzen weiß. Dennoch kann ich Dir kein Ver⸗ ſprechen geben: ich kann keine ſo ploͤtzliche Veränderung in Gewohnheiten treffen, die mir ſo lieb und werth ge⸗ worden ſind... Inzwiſchen will ich mir die Sache überlegen!“ Georg wagte diesmal nicht mehr zu verlangen. Was er erreicht hatte, übertraf ſeine Hoffnung ſchon weit. Als er bald darauf Fanny wieder traf, fragte er mit zärtlicher Stimme:„Ich glaube, liebe Fanny, wem ich Dich um etwas bäte, das Du ſehr lieb hätteſt, ſo würdeſt Du dennoch im Stande ſein, es mir zu geben, oder was glaubſt Du— meinſt Du, ich bilde mir allzu viel ein 2“ „Gewiß nicht, mein lieber, guter Georg— wem ich etwas habe, das Du haben willſt, wäre es auch mein großes, ſchoͤnes, bernſteinernes Herz, ſo ſollſt Dus haben!"“. „O’“ fiel Georg lachend ein,„wäre die Rede da⸗ von, ein Herz zu begehren, ſo kannſt Du wohl verſtehen, Fanny, daß ich zugreifen würde: Du haſt wohl noch ei anderes Herz außer dem bernſteinernen... Hier war aber die Meinung, nur zu fragen, ob Du wohl etwas abtreten wollteſt, das Du— ich weiß es— nicht gerne einem Andern geben würdeſt?“ „Ich ſagte Fant ſteinerne 4 konnte. „Ich „Wor kann ich mit ihm?“ „Ich ſtehſt Du, Hand und und der S habe ich m daß er viell und, Fann⸗ keinen Aug dort ganz o kein Menſch meinen Vat Haushaltun rend der ü und Jacken „Ach Gedanke! 3 und ich, de würden, ſo einen recht Schwerſte a den Niſſe an „Ich h könnten— ich kein voll auch keinen wird Niſſe ſ „O, ¹ Vater bekon Der Einf donatgeld wird agte ich etwas treu für das ch für denjeni⸗ ne Mutter und lieber Vater, nge hat! Ich Dich zu ſürn, die Einſamfet eorg, und Du bſicht zu achten Dir kein Ver⸗ he Veränderung und werth ge⸗ mir die Sache rlangen. Wis ſchon weit. traf, fragte er pe Fanny, wem ieb hätteſt, ſo mir zu geben, bilde mir all Georg— wem re es auch mein ſo ſollſt Dus re die Rede da⸗ wohl verſtehen, ſt wohl noch en .. Hier war Du wohl etwas n— nicht gerne 289 „Ich kann mir gar nicht denken, was Du meinſt!u ſagte Fanny, die nach Georg's Ausfall auf das bern⸗ ſteinerne Herz gar nicht wieder zu ſich ſelbſt kommen konnte. „Ich will den Niſſe von Weſtraö haben!“ „Woran denkſt Du?“ lachte ſie herzlich—„wie kann ich den Niſſe verſchenken? Und was willſt Du mit ihm?“ „Ich will ihn gar nicht haben, gute Fanny! doch ſiehſt Du, ich habe ſo gedacht“— hier ergriff er ihre Hand und drückte ſie herzlich—„wenn der Winter kommt und der Schnee ſich um die Johannis⸗Klippe lagert, ſo habe ich meinen Vater immer vor Augen und denke daran, daß er vielleicht wieder krank iſt, wie im vorigen Jahre, und, Fanny, Du kannſt Dich darauf verlaſſen, ich konnte keinen Augenblick Ruhe haben, wenn ich wüßte, daß er dort ganz allein wäre. Glaubſt Du nicht, wie ich, daß kein Menſch beſſer als Geſellſchafter und Aufwärter für meinen Vater paſſen würde, als Niſſe, welcher der kleinen Haushaltung für ſie beide vorſtehen, und dabei doch wäh⸗ rend der übrigen Zeit noch für ganz Grafwerna Schuhe und Jacken flicken könnte?“ „Ach, Georg, das iſt ein guter, ein vortrefflicher Gedanke! Und obgleich ich wohl nie dachte, daß Niſſe und ich, die ſo gute Freunde ſind, ſich jemals trennen würden, ſo bin ich dennoch herzlich froh, Deinem Vater einen recht großen Dienſt erzeigen zu koͤnnen! Das Schwerſte aber iſt wohl, ihn ſo weit zu bringen, daß er den Niſſe annimmt!“ „Ich hoffe, es ſoll leichter gehen, als wir glauben fönnten— ich habe ſchon mit ihm geredet, und obgleich ich kein volles Verſprechen erhielt, ſo gab er mir doch auch keinen beſtimmten Abſchlag. Was aber meinſt Du wird Niſſe ſelbſt dazu ſagen?“ „O, Niſſe will alles, was ich ihm ſage! Und Vater bekommt leicht mehr Arbeiter, als er gebraucht, Der Einſiedler ꝛc. I. 19 290 darüber kannſt Du ruhig ſein. Wenn der Herbſt und die Stürme kommen, ſo ſoll Niſſe verſuchen, auf der Johannis⸗Klippe eine Heimath zu erhalten. Ich will Carolus bitten, es auf eine vernunftige Art zu ver⸗ ſuchen.“ „Wie gut und verſtändig Du biſt, ſüße Fanny, und welch ein Herz Du haſt! Wenn Du ernſthaft redeſt, ſo ſollte man nimmermehr glauben, daß Du erſt vierzehn Jahre alt biſt!“ „Und ſieben Monate und drei Wochen!“ ſiel Famg ſchelmiſch ein. „Wetter, daß ich auch immer das Wichtigſte ber⸗ geſſe!“ antwortete Georg in gleichem Tone.„Aber, Fanny“— hier wurde ſeine Stimme weicher—„Du kannſt Dich darauf verlaſſen, wenn ich auch bisweilen Dein Alter vergeſſe, ſo vergeſſe ich doch nie Dich ſelbſt. Dein fröhliches, ſchöͤnes Bild und Deine blonden Locken begleiten mich zu Lande und zur See. Und wenn ich in eine große Gefahr komme, ſo ſoll es mir ein großer Tyoſt und eine große Freude ſein, zu glauben, daß Du vielleicht an mich denkſt!“ „Lieber Georg! Du verführſt mich beinahe zum Weinen— ich glaube, ich ſterbe vor Traurigkeit, wem Du reiſeſt..“ „... und vor Freuden, wenn ich wieder kommel fiel Georg ein. „Nein, da will ich ſchon leben,“ meinte Fanny fröh⸗ licher;„denn da wenigſtens hoffe ich, Du ſollſt meinen, daß ich groß bin!......... An eben dieſem Abende, da Georg dieſen Umſtand mit Fanny abmachte, kehrte Carolus von einer Reiſe von Drammen zurück. Der raſtlos thätige Carolus hatte wiederum uun einige Tage für die Seinigen übrig. Jetzt wollte er na Göteborg, und alſo traf es ſich ſo glücklich, daß Georg noch einmal die Freude hatte, in Carolus Geſellſchaft ... eine Reiſe Vergnügen hatte- in der Ku ſpäter, un ges, eine Scherzhaft ſeinen Sch von Fannd Und Zwar nes eine E finden. A nothgedrun wäre, und läge, ein ſich auch d Gleich Sohn ging beugte Lete Auge auf! ſchleppende Eines Verſtimmtl geheimnißvw Schmuggle er Georg denken den Ein!. Augen, die in die Fel Dieſes wier 5 er Herbſt und chen, auf der ten. Ich will Art zu ve⸗ ße Fanny, und haft redeſt, ſo u erſt vierzehn n!“ fiel Fanny Wichtigſte ber⸗ Tone.„Aber, eicher—„du auch biswelle nie Dich ſelbſt blonden Lockn nd wenn ich in ein großer Luſt aß Du vielleich ih beinahe zum (caurigkeit, wem wieder kommel inte Fanny frit⸗ hu ſollſt meinen, dieſen Umſtan einer Reiſe ven e wiederum nur 6t wol g ma klich, daß Geor rolus Geſellſchaſ 291 eine Reiſe auf dem Freiſegler zu machen. Und von dem Vergnügen und der Freude, die er auf dieſer kleinen Reiſe hatte— auf welcher Carolus, wie er ſagte, den Georg in der Kunſt eraminirte— redeten ſie noch viele Jahre ſpäter, und erinnerten ſich immer wieder an etwas Luſti⸗ ges, eines ſcherzhaften Wortes oder eines Poſſens; dieſe Scherzhaftigkeit war auch für Georg eine Hülfe geweſen, ſeinen Schmerz nach dem Abſchiede von dem Vater und von Fanny zu betäuben. Und nun war Letsler wieder allein und verlaſſen. Zwar hatte er oft während der Anweſenheit des Soh⸗ nes eine Sehnſucht empfunden, ſich wieder recht allein zu finden. Als aber Georg weg war, ſo mußte er ſich nothgedrungen geſtehen, daß ihm die Liebe ein Bedürfniß wäre, und daß etwas Wohlthuendes in dem Bewußtſein läge, ein liebevolles Herz in der Nähe zu haben, wenn ſich auch die Gefühle noch ſo ſelten in Worten ausſprachen. Gleichwohl durfte, konnte es nicht anders ſein: der Sohn ging in die Welt hinein, der Vater heraus. Stumm beugte Letsler ſein Haupt und ſeufzte von Neuem, als ſein Auge auf die in ihrem glücklichen Stumpfſinne ſich hin⸗ ſchleppende Schildkröte fiel. Eines Tages, da eine mehr denn gewöhnlich drückende Verſtimmtheit über ſeinem Gemüthe lag, öffnete er den geheimnißvollen Schrank und trat in die jetzt unbenutzte Schmugglerhöhle. Er blieb vor dem Platze ſtehen, den er Georg angewieſen hatte, und nahm nach einigem Be⸗ denken den oben erwähnten Stein hinweg. 4 Ein leichtes Zittern durchflog ſeinen Koͤrper, und mit Augen, die von einer dunklen Gluth flammten, blickte er in die Felſenſpalte, zog ſich jedoch gleich wieder zurück. Dieſes wiederholte er mehrmals, doch endlich riß er, über⸗ 292 wältigt von irgend einem ſtärkeren Gefühle das Paquet an ſich. Jetzt nahm ſein Geſicht einen Ausdruck an, der auf einen neuen Kampf hindeutete: er ſchien irgend eine Ab⸗ ſicht, irgend eine Idee zu haben, die er vor ſich ſelbſt verbergen wollte. Mit erkünſtelter Ruhe legte er das Paquet zurück und begann nun alle möglichen Gegenſtände mit einer Beharrlichkeit anzublicken, als wollte er ſie an⸗ rufen, ſeine Gedanken auf ſich zu ziehen. Doch die lebloſen Dinge verſtanden ihn nicht. Mit einer Art von triumphirendem Hohn, als wenn nichts weiter zu thun wäre, ſteckte er zum zweiten Male ſeine Hand in die Spalte. Es waren über zwei Jahre ſeit der Zeit verſloſfen va er dieſe Papiere hier niederlegte. Ein mächtiges Bedürfniß, ſie noch einmal zu ſehen und durchzuleſen, hatte ihn jetzt ergriffen, obgleich er vor der bloßen Berührung derſelben zurückſchauderte und dun⸗ kel ein heftiges Verlangen empfand, dieſe Erinnerungen zu zerſtoͤren, die ſeinem Sohne das Geheimniß entdecke ſollten, welches bisher von keinem Menſchen gekannt, ihn eben ſo unbekannt in das Grab begleiten konnte. Mit einer haſtigen Bewegung ergriff er das Pagutt zum zweiten Male und trug daſſelbe jetzt in das Zimmer hinaus. Nachdem Letsler ſich an das Zimmer geſetzt und das Paquet aufgelöſ't hatte, ſielen erſt einige ältere Papſere aus demſelben. Dieſe ſchob er ſogleich auf die Seite und ſchlug das erſte Blatt des Heftes auf, welches er ſellſt einige Zeit nach Nicolinens Tode begonnen und vollendet hatte, und welches folgende Ueberſchrift hatte:„Bernhanh Letsler's Beichte, ſeinem Sohne gewidmet.“ Dieſe Reihen ſtarrte er lange und nachdenkend an. „Wenn,“ ſo murmelte er in ſich hinein,„wenn i dieſes alles in's Feuer würfe, wer könnte dann alle dieſe alten Geſchichten von Unglück und Entehrung erzählen, ohne deren glücklicher dieſen Pap tung und tief—„de gerne den Jetzt iſt ſie teter und leidenſchafts ſtehen zu k Letsler Er ſch her möglich wollen, vo letzte Anwe von Frieden Zuſamment eine ſichere kümmerniſſe geſtoßenen E zu ahnen, nahe ſtände, Hätte daß Georg würde, daß war zu viel der Erinner zu ſtolz, al Mitleiden he „Waru ten? Riß n her kamen d ich ja bezal mit dem L. mit welchen das Paquet an, der auf end eine Ab⸗ or ſich ſelbſt legte er das Gegenſtände V lte er ſie an⸗ nicht. ihn, als wenn zweiten Male Zeit verfloſſen, nmal zu ſehn obgleich er vot erte und dun⸗ Erinnerungen miß entdeckn n gekannt, ihn nnte. er das Paguct n das Zimmer geſetzt und das ältere Papier die Seite und elches er ſelſſt und vollendet hdenkend an. in,„wenn i dann alle dieſe rung erzählen, tte:„Bernhand 293 ohne deren Kenntniß er eben ſo glücklich, ja wahrſcheinlich lücklicher leben würde? Wenn Georg's Auge nie auf dieſen Papieren ruht, ſo wird auch nie ſeine kindliche Ach⸗ tung und Liebe verrückt... Deunoch“— er ſeußzte tief—„dennoch habe ich's ihr verſprochen, ihr, die ſo gerne den Schleier von der Vergangenheit heben wollte! Fetzt iſt ſie ihr hell geworden..O Nicoline, angebe⸗ teter und mir entriſſener Engel! Du warſt zu rein, zu leidenſchaftslos, um ſo viele Thorheit, ſo vieles Elend ver⸗ ſtehen zu können!“ Letslers Stirne ſank auf die Hand hinab. Er ſchien mit einem ſtärkeren Vorſatze, als ihm fruͤ⸗ her möglich geweſen war, den Sinn dahin wenden zu wollen, von wo ſie auf ihn herabblickte. Durch Georg's letzte Anweſenheit hatte ſich in ſeiner Seele ein Fünkchen von Frieden entzündet: er ſah Gottes Finger in Georg's Zuſammentreffen mit dem Commandeur⸗Capitain, er ſah eine ſichere Hoffnung für Georg's Zukunft, und ſeine Be⸗ kummerniſſe für den ſchutzloſen, in die weite Welt hinaus⸗ geſtoßenen Sohn waren nicht mehr ſo zehrend. Er begann zu ahnen, daß derjenige, welcher der Barmherzigkeit ſo nahe ſtände, nicht verzagen dürfte. Hätte er nur mit der Ueberzeugung ſterben dürfen, daß Georg ſein Andenken ſegnen und keine Ahnung haben würde, daß irgend ein Flecken darauf haftete! Doch das war zu viel begehrt— er konnte nicht fleckenfrei leben in der Erinnerung des Sohnes. Und noch war ſein Gemüth zu ſtolz, als daß es ſich mit der Liebe, die Pflicht und Mitleiden hervorrufen, begnügen wollte. „Warum aber ſollte er mich denn eigentlich verach⸗ ten? Riß mich nicht das Schickſal mit ſich fort? Nach⸗ her kamen die Folgen: ſie bereitete ich ſelbſt, und ſie habe ich ja bezahlt mit einem verlorenen und elenden Leben, mit dem Leben eines verbannten Mannes.... Doch mit welchen Scheingründen komme ich mir jetzt? Nein, 294 wie Georg's kindliches Gefühl auch immerhin richten mag, ſo muß dennoch ſein Rechtsgefühl verdammen.“ Er raffte die Papiere zuſammen. Ein Brief ſiel auf die Erde. Da er ihn aufnahm, ſiel ſein Blick auf die Unterſchrift:„Richard Tank.“ Letsler fuhr heftig zuſammen, konnte jedoch kaum die Augen von dieſem Namen entfernen, den ſeine Lippen leiſt ausſprachen. „Richard Tank... Richard Tank,“ ſagte er noch einmal mit leiſer, ſchmerzhafter Stimme—„biſt Du noch nicht hinlänglich gerächt?“ Ein n doch kaum di ne Lippen lſ Vierter Zeitraum. ſagte er noch „biſt Du noch nrichten mag, 44 Brief fiel auf Blick auf die Ein alter Seemann in einem Hauſe. Die Frau war die tüchtigſte Frau hier im Nord, Und wußte ſtets Ordnung zu halten. v. Braun. Nach ſegler hat Maſthugg' gelb angej Kriegsgott „Hier dem Mant Er tr äußern An Georg auf eine Frau Die Hauſe ung mäßig, al die Fichten gelegt, wel men ausze welchen ſie Georg welche der wirklichem ligen Vorg Jetzt blick, der ſe mitten in e gelhaufen ſ in dieſem 2 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Nach ſeiner Trennung von Carolus und dem Frei⸗ ſegler hatte Georg ziemlich lange die Labyrinthe des Maſthugg's durchwandert, bis er zuletzt vor einem kleinen, gelb angeſtrichenen, mit einem zaſten Gallionbilde des Kriegsgottes Mars verzierten Hauſe ſtehen blieb. „Hier,“ ſagte Georg zu dem Träger, der ihn mit dem Mantelſacke begleitete,„hier muß es ſein!“ Er trat in den Hausflur. Und wenn man aus dem äußern Anblick auf den innern ſchließen darf, ſo hätte Georg auf Ehre ſchwören können, daß die alte Stormbom eine Frau mit dem ſtrengſten Ordnungsſinne ſein müßte. Die merkwürdige Reinlichkeit der Straße vor dem Hauſe ungerechnet, lag der Sand im Hausflure ſo gleich⸗ mäßig, als wäre er mit einer Maſchine ausgeſtreut, und die Fichtenſpitzen längs der Wände waren in Figuren aus⸗ gelegt, welche ſich durch die zierlichſten und üppigſten For⸗ men auszeichneten, wenn man auch die Originalien, nach welchen ſie gelegt waren, nicht angeben konnte. Georg klopfte leiſe an diejenige von den drei Thüren, welche der Hausthüre am nächſten lag, und erkannte mit wirklichem Vergnügen ſogleich die Stimme ſeines ehema⸗ ligen Vorgeſetzten in einem kräftigen:„Herein!“ Jetzt trat Georg dreiſtiglich ein, und der erſte An⸗ blick, der ſeine Augen traf, war der alte Stormbom, der mitten in einem kleinen Zimmer hinter einem großen Se⸗ gelhaufen ſaß. Er war beſchäftigt, Segel zu nähen, doch in dieſem Augenblicke kratzte er die Pfeife aus. 298 „Willkommen, mein Jungel herzlich willkommen!... Ich habe Dich ſchon lange erwartet, und habe auch eiwas, das auf Dich wartet, Du Krabbe!“ „Was denn, beſter Onkel? Hätteſt Du geſagt: Je⸗ mand, ſo würde ich geglaubt haben, Frau Stormbom hätte vielleicht mit Güte meiner Ankunft entgegen ge⸗ ſehen!“ „Daß ſie das gethan hat, kannſt Du glauben! Doßh jetzt meinte ich ſie nicht... Nun, Du kannſt, fühle ich, einen Handſchlag geben trotz einem alten Seemanne.... Ich ſagte zu meiner Alten— und Du ſollſt ſehen, Georg, das iſt eine Alte, die da taugt— Mutter, ſagt' ich, Preik ſei meinem Rectificator, ich habe aus dem Jungen ein tüchtiges Stück von einem Seemanne gemacht, von dem f ich Ehre haben werde. Du mußt mir verſprechen, ihn wie Deinen eigenen Sohn zu halten!“ „Was antwortete ſie darauf?“ fragte Georg; denn er war neugierig, eine kleine Idee von der Gemüthsſtimmung ſeiner künftigen Vicemutter zu erhalten. „Was ſie antwortete? Sie antwortete gerade ſo, wie eine Frau mit ihrem Verſtande antworten muß: Das kommt darauf an, wie er ſich anſtellt.... Aber wo haſt Du die Sachen, mein Junge? Die Alte iſt ausge⸗ gangen, um ein wenig Friſches zum Mittagseſſen einzu⸗ handeln— ich will Dir ſelbſt das Zimmer zeigen!“ Dem eigenen Arbeitszimmer des Flaggenſchiffers Storm⸗ bom gegenüber lag ein faſt eben ſo großes Kämmerlein, in welchem Alles auf das netteſte und zierlichſte für den neuen Gaſt eingerichtet war. Jedes Stück Meubles ſchien genau nach der Größe des Zimmers und nach dem Bedurfniſt deſſen, der es bewohnen ſollte, abgepaßt zu ſein. Man konnte es gar nicht begreifen, wie ſo viele Sachen Raum erhielten; doch durch Klugheit, Geſchmack und einiges Abſägen an den hervorſtehenden Kanten war alles hinein⸗ gegangen und ſah nun aus, als wäre es in dem Zimmer ſelbſt aufgewachſen. Das Ausſehen des Ganzen äußerte augenblich fühlte mi Nach zahlung den eingen mit einem „Höre, 1 einen See einen mög „Ja das eigene „Ebe nicht verſc eine ſolche gute Ordn Bagage h. wiſche Di ſo nimmſt verſtehſt w Geor berſtände. die der Al ſchränkte e ficators ein „Mut Kopfnicken den Hausfl ſie von m Dienſtmäd für Leute Krone zäh! jedem Tage „Liebſt begann, wa geweſen ſe wenn ich lkommen!... e auch eiwas, geſagt: Je⸗ iu Stormbom entgegen ge⸗ 6 lauben! Doch inſt, fühle ich, 1 eemanne... ſehen, Georg, ſagt' ich, Preis n Jungen ein acht, von dem erſprechen, ihn Georg; denn müthsſtimmung gerade ſo, wi n muß: Das ... Aber wo Alte iſt ausge⸗ ſtagseſſen einzu⸗ (r zeigen!“ ſchiffers Storm⸗ Kämmerlein, in — für den neuen es ſchien genau pem Bedürfniſſe n dem Zimmer anzen äußerte augenblicklich ſeine vortheilhafte Wirkung auf Georg: er fühlte mit Entzücken, daß er hier glücklich werden würde. Nachdem der Träger ſeine Bürde niedergelegt, Be⸗ zahlung erhalten und Georg ſelbſt begonnen hatte, mit den eingetragenen Sachen zu kramen, ſo ſagte Stormbom mit einem Tone, worin ein wenig Unruhe verborgen lag: „Höre, mein Sohn, dies iſt ja ein großes Zimmer für einen Seemann, der immer gewohnt geweſen iſt, ſich in einen möglichſt kleinen Raum einzupacken 2 „Ja wohl, Onkel! dieſes Zimmer iſt ja ſo groß wie das eigene Schlafzimmer des Chefs! „Eben darum will ich Dich bitten, mit dem Raume nicht verſchwenderiſch umzugehen; denn ſiehſt Du, durch eine ſolche üble Angewohnheit könnteſt Du Dir leicht die gute Ordnung an. Bord abgewöhnen... Packe die loſe Bagage hübſch ſo ſchnell Du kannſt ein, mein Junge, und wiſche Dir immer die Füße hübſch an der Hausthür ab, ſo nimmſt Du keinen unnöthigen Ballaſt mit herein; Du verſtehſt wohl?“ Georg ſah gleichwohl nicht ganz ſo aus, als ob er verſtände. Dies war eine neue Art von einer Predigt, die der Alte an Bord nie gehalten hatte; denn dort be⸗ ſchränkte er ſich auf die Ordnung, die mittelſt des Recti⸗ ſicators eingeprägt werden mußte. „Mutter,“ fuhr Stormbom mit einem vertraulichen Kopfnicken fort, putzt an jedem Mittwoch und Sonnabend den Hausflur: die Alte liebt die Reinlichkeit— das hat ſie von mir gelernt. Wären wir ſo reich, daß wir ein Dienſtmädchen halten konnten(doch wie ich Dir ſagte: für Leute aus meiner Kaſte iſt der Brodkuchen der Krone zähe und klein), ſo konnte der Hausflur gerne an jedem Tage gefegt und geputzt werden; aber...“ „Liebſter Onkel,“ fiel Georg ein, der nun zu begreifen begann, wo das Land lag,„ich will nimmermehr würdig geweſen ſein, Deinen Rectificator abgenutzt zu haben, wenn ich nicht die Stiefelſohlen blank ſcheuere wie Spie⸗ 300 gelglas, ehe ich die Diele betrete! Wenn ich nur die Ordnung des Hauſes kenne, ſo übertrete ich ſie auch nie „Gut, gut, mein Junge!... Hier haſt Du einen Winkel, den die Alte Garderobe nennt. Da hat ſie Dir ein Laken für Deine Kleider aufgehängt. Stelle nur den Mantelſack und die andern loſen Güter dort hinein— ſpäterhin im Herbſt, wenn an jedem Sannabend das Kachelofenholz für die Woche eingetragen wird, ſo kannſt Du's an der andern Wand aufhängen!“ Nach dieſen väterlichen Rathſchlägen verließ der Alte ſeinen jungen Gaſt, um ſich auf eigene Hand zurecht zu finden. In der erwähnten Garderobe— ein kleines Dreieck unter der auf den Boden führenden Treppe.g konnte ſich kaum eine Perſon umkehren, und dennoch ſollte Georg hiet nicht allein alle ſeine kleinen aufhängbaren Sachen, ſonden ſogar das Holz einpacken! Er dachte:„Habe ich nicht ſchon Anlage zur Ordnung gehabt, ſo muß ich ſie nun wohl lernen, das ſehe ich!“ Indem er dieſe Anmerkung machte, blickte er zufällig durch eine Ritze in der Garderobe auf den Hausſtu⸗ hinaus, und hier ſah er etwas, das auf das allerhöchſte ſeine Bewunderung auf ſich zog. Der alte Stormbom hatte, da er Georg verließ, etwas davon fallen laſſen, daß er hinaus gehen und nach⸗ ſehen wollte, ob Mutter noch nicht zu ſehen wäre. Doch ſtatt vor der Thüre zu ſtehen und auf die Straße inaus zu blicken, lag der Alte auf dem Hausflur niedergekauert und kratzte den Sand zurecht, wobei er mit einem Pfriemm die in Unordnung gerathenen Fichtenſpitzen wieder in die Geſtalten zu bringen ſuchte, welche ſie vorher gehabt hatten. „Aha!“ dachte Georg, der jetzt zu einer⸗ vollkom⸗ menen Kenntniß von der Lage des Landes kam, der Alti, welcher an Bord der Schrecken aller Bootslelltes und Schiffsjungen war, zittert zu Hauſe ſelbſt vor dem Pan⸗ toffel der Alten— das hätte ich mir nie vorſtellen können! richten ha „Mu da er wie Junge, ſ Olle lebt Von Alten, in leinenen U ein Schlüſ einem Haut war, ſon blickte das Nach mit dem de er Georg tiſchte hier Feigen auf. „Nun zu Lande d ein Gläsch leicht ſo vie ankommt darum wil und herzli nimmſt!“ „Wie dazu verlei Alte ſieht d Mäßigkeit! einwirkte: ſich nicht“ Zeitvertreib dennoch nig „War haben duͤrf ich nur die ſie auch nie“ haſt Du einen da hat ſie Dir Stelle nur den vort hinein— Sonnabend das vird, ſo kannſt Nach dieſen ſeinen jungen finden. kleines Dreiech konnte ſich ollte Georg hier Sachen, ſonden „Habe ich nicht uß ich ſie umn ickte er zufäͤllig den Hausflut Georg verließ, ehen und nach⸗ i wäre. Doch Straße hinau r niedergekauett einem Pfriemen i. wieder in die vorher gehatt einey vollkom⸗ kam, der Alte, Bootsleute und vor dem Pan⸗ r me vorſtellen das allerhöchſte 301 können! doch iſt's gut zu wiſſen, wonach ich mich zu richten habe.“ „Mutter iſt aufgehalten worden,“ ſagte Stormbom, da er wieder eintrat.„Aber komm zu mir hinein, mein Junge, ſo nehmen wir uns einen Willkommen— Klein⸗ Olle lebt noch!“ Von dam Nagel an der Thür in dem Zimmer des Alten, in welchem die Seemannskiſte mit dem gemalten leinenen Ueberzeuge Platz genommen hatte, wurde nun ein Schlüſſel genommen; und nachdem der Deckel von einem Haufen zuſammengebundenen Wergs frei geworden war, ſo wurde die Kiſte geöffnet und Bambus⸗Olle er⸗ blickte das Licht des Tages. Nachdem der Alte ſeinen zweiten Liebling, die Flaſche mit dem daran befeſtigten Wurſthorne, gefüllt hatte, trank er Georg zu und bot ihm darauf den„Conjacer,“ und tiſchte hierauf einige in der Beilade verwahrte trockene Feigen auf. „Nun diesmal mag's ſein, Onkel! Sonſt will ich zu Lande dergleichen nicht trinken. Ich kann mir ſchon ein Gläschen nehmen, wenn's ſein muß, und kann viel⸗ leicht ſo viel vertragen, wie ein Anderer, wenn's darauf ankommt— doch, wie geſagt, es ſchmeckt mir nicht, und darum will ich nur diesmal Deine Geſundheit erwiedern und herzlich danken, daß Du mich zu Dir in's Haus nimmſt!“ „Wie Du willſt, mein Junge! Man ſoll niemals dazu verleiten, was früh genug zu lernen iſt! Meine Alte ſieht das gewiß ſehr gerne: ihr gefällt jede Art von Näßigkeit und Ordnung... nicht eben, daß ſie auf mich einwirkte; denn ſiehſt Du, Georg, ein tüchtiger Kerl ſetzt ſich nicht unter Frauengewalt; wenn man ihnen auch zum Zeitvertreib bisweilen zu Willen lebt, herrſchen ſollen ſie dennoch nicht!“ „Warum aber ſollen nicht auch ſie ihren Willen haben durfen?“ ſagte Georg, der ſehr gut wußte, daß 302 in dieſem Punkte Widerſpruch willkommener ſein würde als Beiſtimmung.„Ich denke, ein tüchtiger Kerl, wie Du, Onkel Stormbom, iſt viel zu klug, als daß er nicht um des lieben Hausfriedens willen alles Moͤgliche thut. Ein ſolcher Kerl braucht keine Herrſchaft ſehen zu laſſen, um zu zeigen, daß er in ſeinem Hauſe Herr iſt; ein Jeder verſteht das ohnedies ſchon, obgleich er die Frau ein wenig regieren läßt. Die armen Frauenzimmer er⸗ halten ja auf keine andere Weiſe eine Befehlshaberſtelle, und es wäre wahrhaftig Schade, wenn ſie nicht ein wenig Macht in dem Hauſe haben ſollten, für welches ſee ſtreben und arbeiten.“ „Junge, Du biſt klüger als ich glaubte!“ rief der Flaggenſchiffer, ſichtbarlich erleichtert von einer Bürde, die ihm auf dem Herzen gelegen hatte, aus.„Es iſt accurat ſo, wie Du ſagſt: im Hauſe ſteuert ein kluger Kerl nach dem Compaſſe der Alten— nota bene: wenn ſie ſolchen Verſtand hat wie meine— und er verliert, hol mich de —! nichts dabei.“ „Sieh!“ ſagte Georg, der den Gegenſtand des Ge⸗ ſpräches zu ändern wünſchte,„da haſt Du zwei neu Brüder des prächtigen Rectificators verfertigt, den ich zum Andenken erhielt!“ „Ja, ſie ſind beſtellt: ich arbeite ſolche auch fit Rechnung der Scherenflotte, wenn ich zu Hauſe bin... St! da haben wir meiner Seele, die Alte!“ Die Thüre ging auf, und an der Schwelle zeigte ſcc die eigene gut getakelte Schute des Flaggenſchiffers. Sie war nicht von den allerſchlankeſten Dimenſionen, hatte jedoch ein ungemein angenehmes Aeußeres. „Vater! trage den Korb in die Küche!“ ſagte Frnn Stormbom und nahm den Schleier ab, der über die dun⸗ kelfarbene mit grünen Blumen ausgeſtickte Bindhaube herabhing— ein Kopfzeug, gegen welches ſich das noch feine und runde Geſicht mit der einnehmenden und Achtung gebietenden Miene unvergleichlich ſchön ausnahm. der Comm „Wi Georg, d ſein! Er lich, reinli gewiß die leiden!“ Geor⸗ dieſelbe kü mit ihrer das— ſol wie gefällt „Ich ſehen! S nicht werth daß ich mi „So zu dem 2 Sachen ein, „Ja Garderobe! „Ja, terhalte er Mittag zur nicken verſch Währq wartete, m hinaus, u Da fiel es hätte etwag Brief von d Willen übe geheimnißvo ſeinem ehen zu glauben Capitain ih ſein würde er Kerl, wie daß er nicht Nögliche thut. hen zu laſſen, derr iſt;. her die Frau uenzimmer er⸗ ehlshaberſtelle, ſie nicht ein für welches ſi 1 abte!“ rief der iner Bürde, di „Es iſt aceurat uger Kerl nach denn ſie ſolchn hol mich der 1 nſtand des Ge⸗ Du zwei neu rtigt, den ich ſolche auch für Hauſe bin.. 14 welle zeigte ſih enſchiffers. Sie enſionen, hatte He ſagte Fran er über die dun⸗ ſckte Vindhen es ſich das no den und Achtung snahm. 303 „Willkommen, mein junger Herr!“ ſagte ſie zu Georg, den der Alte präſentirt hatte. Glück und Wohl⸗ ſein! Er ſieht gut und freundlich aus... Sei er ordent⸗ lich, reinlich, gottesfürchtig und arbeitſam, ſo werden wir gewiß die beſten Freunde— ich mag junge Leute gerne leiden!“ Georg ergriff die Hand der alten Frau und wollte dieſelbe küſſen. Doch ſie erlaubte es nicht, ſondern ſagte mit ihrer eigenthümlichen Würde:„Gut und wohl ohne das— ſolche Fagçonen ſind mir zu vornehm... Aber wie gefällt Ihm Sein Zimmer, junger Herr? „Ich habe nie etwas ſo Nettes und Bequemes ge⸗ ſehen! Sollte es mir dort nicht gefallen, ſo wäre ich nicht werth, ein Heim zu haben. Doch ich fühle ſchon, daß ich mir dort vortrefflich gefallen werde!“ „So ſoll's ſein!“ lächelte die Alte, ſichtbarlich ſchon zu dem Vortheile Georg's eingenommen.„Sind die Sachen eingeſetzt?“ „Ja wohl, Garderobe!“ „Ja, ja, die iſt gewiß recht nützlich... Jetzt un⸗ terhalte er ſich ſo gut er kann, während ich unſer kleines Mittag zurecht mache!“ und mit einem freundlichen Kopf⸗ nicken verſchwand ſie in der Küche. Während Georg auf das verſprochene Mittagseſſen wartete, machte er einen kleinen Spaziergang nach Majorna hinaus, und dachte darüber nach, wann und wie wohl der Commandeur⸗Capitain ſein Verſprechen erfüllen würde. Da fiel es ihm ein, daß Stormbom geſagt hatte, er hätte etwas für ihn.„Vielleicht,“ dachte er, iſt es ein Brief von dem Commandeur⸗Capitain ſelbſt!“ und wider Willen überließ er ſich von neuem dem Gedanken an die geheimnißvolle Verbindung zwiſchen ſeinem Vater und ſeinem ehemaligen Chef. Seinem Stolze ſchmeichelte es, zu glanben, daß er die Hülfe, welche der Commandeur⸗ Capitain ihm reichte, nicht ganz dem Mitleiden und Wohl⸗ und ſie hatten Platz genug in der 304 wollen zu danken hatte; unwillkürlich flocht ſich in ſeine Ideen etwas von Pflicht ein— er wußte nicht weßhalb. Aber er nahm ſich auch vor, jedes Wort und jeden Ge⸗ danken ſtreng zu bewachen, damit nicht eine ſo gefährliche Ueberzeugung Raum gewinnen möchte, die das Ausſehen der tiefſten und niedrigſten Undankbarkeit erhalten mußte. Als er in das Haus des alten Stormbom zurück⸗ kehrte, ſo empfing ihn der Wirth draußen vor der Haus⸗ thür, worauf ſie ſich mit einander in das gemeinſame Zimmer der Familie, das gröͤßte im Hauſe, das zu gleicher Zeit Schlafſtube, Wohnzimmer, Speiſeſaal und das eigene Kabinet der Frau bildete, begaben. Es war ein großes Zimmer, an zwei Seiten mit Fenſtern verſehen, vor welchen grüne Rollgardinen hingen. Die Wände hatten eine helle Waſſerfarbe und die Meubles waren ſo zierlich, nett und zweckmäßig, daß man ſehr gut ſehen konnte, daß ſie zu dem Zimmer gemacht waren. Auf dem ſchneeweißen Tiſchtuche glänzte eine blendende zinnerne Schüſſel mit einem von Dill duftenden Schafbug. Demſelben gegenüber ſtand eine gelbgeblümte porcellainene Aſſiette voller Kartoffeln, und die Mitte des Tiſches nahm die zinnerne Schüſſel mit Suppe ein. Auf einer Ecke des Tiſches ſtand die Branntweinflaſche mit dem Brodkorte und für diesmal eine Butteraſſiette. Als Vater den Appetitſchnapps nahm, machte die Alte mit geheimer Freude die Bemerkung, daß Georg, wie es einem ordentlichen Jüngling anſtände, ohne den Schnapps Appetit haben könnte. „Gott ſei gelobt für ſeine Gaben!“ ſagte der Alte indem er ſeine Ehehälfte vergnügt anſah.„Man ſieht es, Mutter, daß Du jetzt vollauf mit Monatsgeldern haſt!“ 0„O, Vater, habe ich nicht ſchon oft Deine Monals⸗ gelder erhalten, und haſt Du Dich nicht noch immet ſctt gegeſſen, na die Alte mit „Ohne nur an den gute Hausm ber ausdehne ausgeflogen Jetzt 1 nehmen kon! wählt hatte. Das A eingenommen Als ſie der Flaggenſ Zimmer, ſo geben, bis 2 .. aus,„ein 4 des Comman bom! der C „Laß ſe Georg dert Reichstl ſtand .„Mein für den erſte Du fertig bi daß ich Di welche ich iigen und ſie Gott ſei m Dich wache und ſchließe Zimmer und Der Ein t ſich in ſeine nicht weßhalb. und jeden Ge⸗ ſo gefährliche das Ausſehen —rhalten mußte. rmbom zurück⸗ vor der Haus⸗ das gemeinſame das zu gleicher und das eigene wwei Seiten mit ardinen hingen. nd die Meulles daß man ſehr ſimmer gemacht te eine blendende enden Schafbug. nte porcellainene es Tiſches nahm f einer Ecke des dem Brodkotte hm, machte de ng, daß Geotg tände, ohne dar ſagte der Alte, ih.„Man ſieht t Monatsgeldern Deine Monats⸗ noch immet ſett 305 gegeſſen, nachdem ſie zu Ende gegangen waren?“ fragte die Alte mit einem ernſten Seitenblick. „Ohne Frage, Mutter; doch Fleiſch gab es dann nur an den Sonntagen. Aber Du biſt dennoch eine ſo gute Hausmutter und bedächtige Frau, daß Du die Stü⸗ ber ausdehnen kannſt, glaube ich, nachdem der letzte längſt ausgeflogen iſt!“ Jetzt lächelte ſie auf eine Weiſe, woraus man ab⸗ nehmen konnte, wie gluͤcklich der Alte ſeine Antwort ge⸗ wählt hatte. Das Mittageſſen wurde eingenommen. Als ſie aber von Tiſche aufgeſtanden waren, ſo ſagte der Flaggenſchiffer:„Georg! komm nun mit mir in mein Zimmer, ſo will ich Dir etwas zu Deiner Unterhaltung geben, bis Mutter uns zum Kaffee bittet!“ „... Was in des Himmels Namen,“ rief Georg aus,„ein Brief mit drei Siegeln— und dem Wappen des Commandeur⸗Capitains! Meiner Treu, Onkel Storm⸗ bom! der Chef macht Ernſt aus ſeinen Verſprechungen.“ „Laß ſehen, was darin ſteht!“ Georg öffnete und zwei Banknoten, jede von hun⸗ ber Reichsthalern Banco ſielen heraus. In dem Briefe ſtand Mein junger Freund! Hier ſchicke ich Dir etwas für den erſten Anfang. Lies, arbeite und ſchreibe mir, wann Du fertig biſt! Ich habe weiter nichts hinzuzufügen, als daß ich Dich bitte, die Rathſchläge und Erma 4 welche ich Dir beim Abſchiede ertheilte, wo iigen und ſie Dir oft in das Gedächtniß Gott ſei mit Dir! Ich werde ſtets wi Dich wachen. Grüße den alten Ehre und ſchließe mit ihm einen e 5 zimmer und Koſt! unter frohem Geplauder Der Einſiedler 306 „Der Tauſend! Junge! was hat Dir das Glit hier in den Weg geworſen! rief Stormbom vergnit aus, indem er das Geld zufrieden in der Hand wouh „Ich habe wohl noch nie ſo etwas gehört! Nun, um Du retteteſt ja auch dem Erben das Leben.“ „Aber was ſoll ich mit ſo vielem Gelde anfangen Ein Ausweg ſteht mir gleichwohl offen— nun woll wir einen Accord machen, Suiel daß ich mich nicht ſchämen brauche für alles Gute, das ich genieße.“ „Wie, Junge— ſchämen! Wenn Du in das Hau des Flaggenſchiffers Stormbom ohne einen Heller in 1 Taſche kommſt, ſo brauchſt Du Dich dennoch nicht ſchämen; denn ich glaube, Du weißt, daß ich mit di die letzte Ranzion theilen würde. Doch beſſer iſt beſſen Wenn Du bezahlen kannſt, ſo wie jetzt der Fall iſt, un da der Commandeur⸗ Capitain ſo will, ſo mag es ge ſchehen, aber doch mit Maß. Die Alte weiß gewiß gau genau, welche Koſten ſie hat, und mit ihr magſt Du da Handel abſchließen. Als ein alter, erfahrener Freun aber ſage ich Dir: weil unſer Herr für gut befunden hat Dir einen ſonnigen Tag zu ſchicken, ſo glaube darum ſt nicht, daß er für immer Wolken und Nebel verwieſen hat! Gib daher Acht— haſt Du Geld, ſo daß De heute mit vollem Winde ſegeln kannſt, ſo halte Haus damit Du nicht morgen mit Ballaſt angetrieben komiiſt Niemals ſoll man filzig und knauſerig ſein, aber auct nie das Geld unbedachtſam verſchwenden und wegwerfen Ich weiß recht gut aus eigener Erfahrung, wie ein jungan 4 Geld zu achten pflegt— doch Du ſollit anders, Onkel, wenn Du ſo gut biſt Sonſt aber bin ich nicht ſo ganz un⸗ chon in Acht— und ſo vil werſchwenden.“ Kannſt Dich nicht Hege kein zu großes S auf den G Du mir d „Ein kluger Le und meinſt ich etwas erſchöpflich ja, ehe i wuͤſte in4 „Da „Das entſinne m teuern, die umſtände gleichwohl ereignen ſie erſehen, n ſelbſt in di „Nun hoͤren!“ er die Pfe ich als In und war b England 3 Da Miethe ger der Beſatz ein Capita unmöglich zu einem bengaliſche mehr, we Dir das Gli⸗ ormbom vergnin der Hand woa ört! Nun, um 1.“ Gelde anfangen! — nun woll ich mich nicht genieße.“ Du in das Hau een Heller in da dennoch nicht daß ich mit Di beſſer iſt beſſa r Fall iſt, un ſo mag es go weiß gewiß gan fr magſt Du da fahrener Freum gut befunden hat laube darum ſt Nebel verwieſen aeld, ſo daß De ſo halte Haus trieben komft. ein, aber auch dund wegwerfen , wie ein junga doch Du ſollf u ſo gut biſt cht ſo ganz un⸗ und ſo vißl ſen.“ nſt Dich nicht Hege kein zu 307 großes Selbſtvertrauen, auf den Grund.“ „Wenn man aber kein Vertrauen zu ſich ſelbſt hat, wie ſoll man da in der Welt vorwärts kommen— kannſt Du mir das ſagen, Onkel?“ „Einer ſoll ſich auf unſern Herrn und auf den Rath kluger Leute verlaſſen! War ich nicht ebenfalls jung, und meinſt Du nicht, ich dachte eben ſo, wie Du, wenn ich etwas in der Brieftaſche hatte, daß dieſe Quelle un⸗ erſchöpflich wäre? Nun, wie glaubſt Du, daß es ging— ja, ehe ich's mir verſah, war ſie trocken, wie die Sand⸗ wüſte in Afrika.“ „Da warſt Du alſo ein Verſchwender?“ „Das war ich nicht, ſondern ich war jung, und ſch entſinne mich in dieſem Augenblicke eines von den Aben⸗ teuern, die mich voͤllig ruinirten, wenn meine Vermögens⸗ umſtände am blühendſten waren. Dieſes Abenteuer war gleichwohl nicht im geringſten wunderlich: ſolche Spektakel ereignen ſich täglich und ſtündlich, aber Du kannſt daraus erſehen, wie leicht die Jugend ſich bethören läßt, und ſelbſt in die Schlinge läuft.“ „Nun, mein beſter hoͤren!“ O, das iſt bald erzählt!“ ſagte der Alte, indem er die Pfeife ſtopfte und anzündete... Damals reiſte ich als Jungmann mit einem engliſchen Wallfiſchfänger und war beinahe zwei Jahre aus geweſen, als wir nach England zurückkehrten. „Da ich während der ganzen Zeit nichts von meiner Miethe genommen hatte, ſo war ich bei der Abmuſterung der Beſatzung im Beſitz von vierzig Pfund Sterling— ein Capital, das ich für ſo anſehnlich hielt, daß es ſich unmöͤglich durchbringen ließe. So zum Beiſpiel ging ich zu einem Kleidermäkler und kaufte mir zwei neue Anzüge, bengaliſche Halstücher, geſtreifte Hemden und dergleichen mehr, was in einer ordentlichen Seemannskiſte liegen Onkel, laß das Abenteuer denn da ſtößeſt Du um ſo eher — 308 muß. Doch was verſchlug das! Ich wechſelte eine Fünf⸗ pfundnote und meinte, ich hätte noch eben ſo viel übrig. Ich ging in ein Wirthshaus und traktirte die Cameraden mit Eſſen, Porter, Wein und Toddy, und mit allem, was ſie haben wollten. Doch was verſchlug das! Wenn ich einmal ſpendirte, ſo ſpendirten ſie zehnmal wieder; denn ſie waren eben ſo reich an Geld und eben ſo arm an Verſtand, wie ich. Und noch dazu war ich ein luſtiger Kumpan, den ſie nicht miſſen wollten, und wenn ich ſelbſt ſagen ſoll, ſo gab es zugleich keinen hurtigeren Schalup⸗ pengaſt und tüchtigern Harpunirer auf dem Schiffe des Thranherrn, als der alte Stormbom damals war!“ „Ich weiß, das iſt keine Prahlerei, ich kenne Dich, Onkel!“ „Nun, an einem Abende ſaß ich mit einigen anderen Kameraden beim Porterkruge, und wir plauderten von unſern überſtandenen Heldenthaten unter dem Kriege mit den Wallfiſchen, als wir plötzlich ein heftiges Geräuſch auf dem Hausflure vernahmen. „Vorwitzig, wie ich war, eilte ich hinaus und kam eben zur rechten Zeit, um zu ſehen, wie der Wirth be⸗ ſchäftigt war, eine junge Weibsperſon zur Hausthür hin⸗ aus zu bugſiren, wobei er ſich als Bugſirtau ihrer ſchönen Haarflechte bediente, die mir aber zu einem ſolchen Ge⸗ brauche doch etwas zu gut zu ſein ſchien. „Ich war, wie geſagt, ein junger Springinsfeld, der zwar vieles von der See, aber doch noch ſehr wenig von dem Leben geſehen hatte. Ich meinte, der Wirth handelte als ein Schurke, ſchlug ihn daher zu Boden und half dem Mädchen hinweg, und ſie dankte mir mit einer ſo ſanften Stimme, daß ſie mir vorkam, wie eine ſchöne Kühlte vor Oſtwind. 8 1 „Ich habe oft über meine Einfalt gelacht und mich zu gleicher Zeit geärgert, daß ich die Geſchichte glauben konnte, welche ſie mir auftiſchte. Du kannſt Dir wohl denken, daß ſie unſchuldig war, wie die Blume des Feldes, und ung was alle Hauſe u mit nich ſichern zu ihr erſter laufen we Du ich in ein danken, ie gen, daß Gewiß he gerettet: Gebeten g Am über den bald mit guten The haſt Du Ende! Etwe Wirthshau unſer gew nächſten Z und verna umhin zu für meine auf! De dem zu u ſchön der ganze Geſc⸗ hinzu, da meinem „Nu ihm luſtig Du 2 lte eine Fünf⸗ ſo viel übrig. le Cameraden d mit allem, das! Wenn mmal wieder; eben ſo arm ch ein luſtiger venn ich ſelbſt eren Schalup⸗ m Schiffe des 3 war!“ h kenne Dich, einigen anderen dlauderten von m Kriege mit tiges Geräuſch naus und kam der Wirth be⸗ Hausthür hin⸗ u ihrer ſchoͤnen em ſolchen Ge⸗ Spriinginsfeld, och ſehr wenig ie, der Wirth zu Boden und 2 mir mit einer wie eine ſchöne lacht und mich ſwichte glauben kannſt Dir wohl (ume des Feldes, 309 und unglücklich und hülflos und ſchutzlos und Gott weiß, was alles. Die Summe war: ich begleitete ſie nach Hauſe und glaubte, die Zukunft des armen Würmchens mit nicht weniger als der Hälfte meines Wallfiſchgeldes ſichern zu koͤnnen: hatte ich nicht ſelbſt geſehen, wie übel ihr erſter Verſuch zu betteln, wie ſie es nannte, abge⸗ laufen war? Du kannſt glauben, als ich nach Hauſe ging, ſo war ich in einem ſolchen Grade entzückt und ſelig bei dem Ge⸗ danken, ich hätte eine Gott wohlgefällige Handlung began⸗ gen, daß ich kaum weiß, wann ich ſo ſchoͤne Gefühle hatte! Gewiß hatte ich die Unſchuld von Verbrechen und Elend gerettet: ſie ſelbſt würde mich ſegnen und meiner in ihren Gebeten gedenken. Am folgenden Morgen erſchrak ich beim Erwachen über den großen Leck im Taſchenbuche, troͤſtete mich jedoch bald mit der Hoffnung, daß unſer Herrgott es um der guten That willen bald wieder füllen würde. Aber— haſt Du mich nicht geſehen— der Troſt hatte bald ein Ende! Etwas ſpäter am Vormittage ging ich wieder in das Wirthshaus, wo ich am vorigen Abende geweſen, und wo unſer gewoͤhnliches Hauptquartier war. Da hörte ich im nächſten Zimmer den Schenkjungen meinen Namen nennen und vernahm, daß er mit jemand redete. Ich konnte nicht umhin zu horchen, verſtehſt Du, und was mußte ich nun für meine Mühe hoͤren— ja, ſie hielten ſich uͤber mich auf! Der Gönner, mit dem der Junge ſprach, war nach dem zu urtheilen, was ich nachher verſtehen konnte, ganz ſchön der Liebhaber des Mädchens; er erzählte nun die ganze Geſchichte, wie ich belauert worden wäre, und fügte hinzu, das Beſte von Allem wäre, daß er ſich jetzt mit meinem Gelde luſtig hielte.“. „Nun, ich rathe, Du hielteſt Dich ſtatt deſſen mit ihm luſtig.“ „Du erräthſt die Wahrheit, mein Junge! Ich glaube 310 wohl, jeder von uns büßte drei Zähne und ein Duzend Händevoll Haare ein. Doch was einmal geſchehen iſt, das läßt ſich nicht aͤndern: das Geld war weg, und nie ſah ich den Rauch davon wieder. Ich hatte inzwiſchen eine gute Erfahrung gemacht... Aber es war noch nicht genug mit dem Denkzettel, ich ſollte noch einen dazu bekommen und das für eben dieſe Geſchichte. „Was war denn das, Onkel? „Der Wirth, welcher recht gut verſtand, mit welchem klugen Kerl er zu thun hatte, drohte mir mit der Polizei und dem Gefängniſſe, wenn ich mich nicht in der Güte mit ihm abfinden wollte: ich hätte ihn in ſeinem eigenen Hauſe mit Hieben und Schlägen überfallen. Er forderte kein Spottgeld, kannſt Du glauben, und ſo ging die zweite Hälfte des Wallfiſchgeldes dahin, ſo daß ich kaum ſo viel Geld hatte, um nach Hauſe zu kommen— und das alles für eine Schlampe, wie ſie hier im Maſthugg haufenweiſe zu finden ſind... Seit dieſer Zeit mochten ſie meinet⸗ halben gerne alle Weibesperſonen bugſiren, und wenn es auch über Bord geweſen wäre, ſo ſehr war ich ihrer über⸗ drüſſig, bis unſer Herrgott mich meine Rebececa, meine Alte, kennen lehrte: denn ſieh, das war ein Weib von anderem Schrot und Korn!“ Kaum hatte er das letzte Wort ausgeſprochen und Georg herzlich für die lehrreiche Geſchichte gedankt, ſo ſchlug die Wanduhr drei, und gleich darauf begann an der Decke eine kleine Glocke, deren Schnur in das gemeinſame Zim⸗ mer ging, zu läuten. „Was ſoll das bedeuten?“ fragte Georg. „Signal zum Schaffen: es iſt die Kaffeeſtunde mei⸗ ner Alten. Sie hält Ordnung in allen Dingen— ſie iſt eine makelloſe Alte!“ An der aufgeklappten Scheibe des perlfarbigen Kiſches ſaß Frau Rebecca Stormbom mit dem blanken Kaffeekeſſel und den grüngeblümten Taſſen vor ſich. Sie lächelte dem jungen Gaſte freundlich zu, der ſeiner Se ſtrichenen Doch trot ruhte, ſal ſtrenge F etwas, da langen w⸗ fallen. „Mi Frau den vom Chef Jetzt will auch am was geſche „Ich gen Herrn Geld, ſo nehme, ſo er etwas wenn man wöhnt!“ Obgl ſein Geld dennoch ein herzlichſten ſeine Zuf der alte S abſichtigten es abgema rung gegel Waͤh waren, ho an ihrer zerſchnitten übrigens w d ein Duzend geſchehen iſt, weg, und nie tte inzwiſchen es war noch och einen dazu , mit welchem zit der Polizei in der Güte ſeinem eigenen . Er forderte ging die zweite kaum ſo viel und das alles gg haufenweiſe ten ſie meinet⸗ und wenn es ich ihrer über⸗ debecca, meine ein Weib von 7 geſprochen und dankt, ſo ſchlug n an der Decke méinſame Zim⸗ org.. 1 affeeſtunde mei⸗ ingen— ſie iſt lfarbigen Tiſches inken Kaffeekeſſel undlich zu, der 311 ſeiner Seits nie eine angenehmere alte Dame mit aufge⸗ ſtrichenen Haaren und in der Bindmiütze geſehen hatte. Doch trotz der angebornen Anmuth, die auf ihren Zügen rühte, ſah man dennoch deutlich, daß die alte Rebecka eine ſtrenge Frau mit eigenem Willen war, und an ihr war etwas, das ohne Erklärung andeutete; wer ihre Gunſt er⸗ langen wollte, der müßte ſich vorſehen, ihr nicht zu miß⸗ fallen. „Mutter!“ ſagte der Flaggenſchiffer, während ſeine Frau den Kaffee einſchenkte,„Georg hat großes Geld vom Chef erhalten, und dieſer fährt fort für ihn zu ſorgen. Jetzt will der Junge mit Dir accordiren, und Du verſtehſt auch am beſten ſo zu berechnen, daß von keiner Seite et⸗ was geſchenkt wird.“ „Ich will die Sache überſchlagen und dann den jun⸗ gen Herrn meine Meinung wiſſen laſſen. Doch iſt's viel Geld, ſo iſt's am beſten, daß ich's unter meine Hände nehme, ſo wie Deines, Vater! Herr Letsler kann ja, wenn er etwas gebraucht, von mir fordern es iſt immer gut, wenn man ſich von vorne herein an das Haushalten ge⸗ wöhnt!“ DOpbgleich Georg vollkommen überzeugt war, daß er ſein Geld ſelbſt gut genug verwalten wuͤrde, ſo ſah er dennoch ein, daß Frau Stormbom's Vo ag von dem herzlichſten Wohlwollen diktirt wurde, weßwegen er auch ſeine Zufriedenheit damit erklärte. Und nachdem er und der alte Stormbom eine Summe für den Anfang des be⸗ abſichtigten Navigationscurſus angeſchlagen hatten, ſo war es abgemacht, daß die Hauptſumme der Alten in Verwah⸗ rung gegeben werden ſollte. Während dieſe Verhandlungen noch in vollem Gange waren, holte Frau Rebecca aus einem kleinen Beutel, der an ihrer Stuhllehne hing, eine große Handvoll kleiner zerſchnittener ſeidener Läppchen hervor, welche ſie, ohne ſich ubrigens weiter zu erklären, in zwei gleiche Haufen theilte, 312 und den einen ihrem Manne und den andern ihrem Mieths⸗ gaſte hinſchob. Ihre eigene Thätigkeit begann ſie damit, daß ſie un⸗ ter dem Tiſche einen weit größeren Beutel hervorholte, als der erſtgenannte war. Aus den darin befindlichen wollenen und leinenen Lappen ſchnitt ſie ſchmale Streiſen, nähte dieſelben zuſammen und wickelte ſie auf. Bei der Vertheilung der Läppchen nahm das Geſicht des Flaggenſchiffers einen merkwürdigen Anſtrich von ſüß und ſauer an. Doch Georg's Verſtand ſtand gänzlich ſtille. „Nun, Vater!“ ſagte Frau Rebecca und nickte mit unbeſchreiblich einladender Freundlichkeit. Stormbom ließ die Pfeife zwiſchen den Zähnen ruhen und begann geduldig die Läppchen entzwei zu zupfen. „Soll es ſo ſein?“ fragte Georg, und bemühte ſich, dem Beiſpiele ſeines ehemaligen Vorgeſetzten zu folgen, obgleich er ſich nicht ohne große Mühe des Lachens ent⸗ halten konnte, da er den kraftvollen Flaggenſchiffer, den gewaltigen Führer des Rectificators vor ſich ſitzen und Lappen zupfen ſah, ohne daß er es wagte, den Mund zum Aufruhr gegen den häuslichen Scepter zu öffnen. Der Alte zupfte und ſchwieg und ſchien Georgs Frage gar nicht zu hoͤren; denn er ſchämte ſich wirklich, daß Georg ſehen mußte, wie er, der alte Stormbom, dem Pantoffel huldigte. Der Schlag war allzu heftig gekom⸗ men: der Alte hatte nicht Zeit gehabt, Georg durch irgend einen guten Scherz auf die gewoͤhnliche Unterhaltung der Nachmittage vorzubereiten; er hatte gemeint, es ſei abge⸗ macht, daß Mutter dieſelbe wenigſtens bis auf morgen ver⸗ ſchieben würde. Und nun zupfte er ſo emſig, daß Mutter ſelbſt es nicht emſiger gekonnt haben würde; er that die⸗ ſes, vamit der Aerger um ſo eher vorüber gehen mchtez denn er wußte allzu gut, daß er mit ſeiner Portion feriig werden müßte, wenn er den Himmel klar ſehen wollte. „Ich will Ihm zeigen, Herr Letsler, wie Er's machen ſoll!“ ſagte die Alte, herzlich über Georg's Ungeſchicklich⸗ 3 keit lache Nun? w iſt eine ein Stün verplaude „Ja des Tage aus wird um nicht legenheit mit dieſer „Hie aus dem 2 genſchiffers wenn man überzeugend ſieht, ſo g. Stunden, führen!“ „Ja, ſtaunt übe Frau Stor vorhaben? „Von ich Matten recht gut a mit der W Scheuerung alſo fünfzi die Matten, „Das Georg, der „Seh Matten ab der Fußbon „Unte prem Mieihs⸗ daß ſie un⸗ hervorholte, befindlichen ale Streiſen, f. ; das Geſicht trich von ſüß gänzlich ſtille. ind nickte mit Zähnen ruhen zupfen. bemühte ſich, ein zu folgen, Lachens ent⸗ nſchiffer, den ſch ſitzen und len Mund zum rmbom, dem heftig gekom⸗ durch irgend erhaltung der es ſei abge⸗ f morgen ver⸗ , daß Mutter er that die⸗ ehen moͤchte; ortion fertig ihen wollte. Er's machen ngeſchicklich⸗ 313 keit lachend.„Seh' Er nun zu... ſo ſoll's gehen.... Nun? wußte ich nicht, daß es bald gehen würde? Das iſt eine kleine nette Arbeit für Mannsleute, während ſie ein Stündchen nach dem Kaffee oder nach dem Abendbrod verplaudern!⸗ „Ja, ich danke!“ dachte Georg;„ſoll ich zweimal des Tages eine ſo angenehme Zerſtreuung haben? Dar⸗ aus wird nichts, das verſpreche ich!“ Doch laut ſagte er, um nicht ſeinen alten Freund zu betrüben und ſeine Ver⸗ legenheit zu vergroͤßern:„Aber welchen Nutzen können wir mit dieſer Arbeit ſtiften, meine beſte Frau Stormbom?“ „Hier der Beweis des Nutzens!“ ſagte ſie und holte aus dem Wandſchranke den ſchönen Sommerrock des Flag⸗ genſchiffers—„dieſer iſt von ſolchem Zeuge gewebt; und wenn man,“ fuhr ſie in keinem triumphirenden, wohl aber überzeugenden Tone fort,„wenn man einen ſolchen Rock ſieht, ſo glaube ich, man muß erkennen, daß auch müſſige Stunden, klug angewendet, Nutzen und Segen ins Haus führen!“ „Ja, meiner Treu!“ ſagte Georg, nicht wenig er⸗ ſtaunt über die Höhe der Induſtrie ſeiner Wirthin.„Aber, Frau Stormbom! wozu dient denn die Arbeit, welche Sie vorhaben?“ „Von dieſen ſchlechteren und groͤberen Streifen webe ich Matten. Ich meine, ſie ſehen hier auf dem Fußboden recht gut aus! Doch nicht genug mit dem Ausſehen und mit der Wärme: ſie erſparen mir auch woͤchentlich eine Scheuerung, was jährlich fünfzigmal eine Tagelöhnerin, alſo fünfzig Zwölfſchillingszettel reinen Gewinn einträgt, die Matten, welche ich verkaufe gar nicht mitgerechnet.“ „Das Jahr hat ja zwei und fünfzig Wochen!“ bemerkte Georg, dem die Berechnung der Alten Vergnügen machte. „Sehr wahr! doch zweimal des Jahres werden die Matten abgenommen und ausgeſtäubt, und da wird auch der Fußboden geſcheuert.“ „Unter ihrer Leitung, Frau Stormbom, lernt man 314 die Zeit gut anwenden!“ Georg's Ton druückte eine ſo herzliche Achtung aus, daß die Alte nie ein groͤßeres Compliment erhalten zu haben vermeinte. „Auf ſolche Weiſe, mein junger Herr, wird es Leuten mit knappen Einkünften möglich, anſtändig zu leben!“ „Und ich,“ fiel Stormbom ein, der jetzt, belebt von Georg's Unterredung mit ſeiner Frau, die uͤble Laune be⸗ ſiegt hatte, welche er erſt empfand,„ich will nicht ſchlech⸗ ter ſein, als die Alte: ich nähe Segel und verdiene nicht ſo wenig damit. Aber ich ſuche nun bald Penſion— und dann ſind wir im Trockenen!“ „Wir gehen wohl darum nicht ab von unſern alten Gewohnheiten, Vater! Wie könnten wir ohne dieſe leben?“ „Wie, Mutter? meinſt Du nicht, ich würde mich ſehr gut befinden, ohne des Tages zweimal bei dieſen alten Lumpen zu ſchwitzen?“ Frau Rebecca erröthete ein wenig, antwortete jedoch ganz ruhig(denn noch hatte kein Menſch gehoͤrt, daß ſie die Stimme gegen ihren Mann erhoben hatte):„Ich bleibe dennoch bei meinen Worten, Vater— Du kannſt glauben, ſie haben ihren guten Grund! Auf der See, da iſt's anders: da haſt Du Deine beſtimmten Beſchäftigun⸗ gen: doch zu Hauſe ohne einen beſtimmten Wirkungekreis würdeſt Du nie glauben, daß es mit der Zeit und dem Glücke richtig ſtände, wenn Du nicht Deinen kleinen Hau⸗ fen mit ſeidenen Lappen vor Dir hätteſt, über die Du Dich ärgern und freuen könnteſt, wenn die Arbeit gethan iſt. Die Gewohnheit, Vater, iſt die zweite Natur! Dir würde die Zeit lang werden, das behaupte ich!“ Der Alte lächelte und dachte nun wie ſo oft vorher: „Es muß alſo doch wohl wahr ſein, weil Mutter es ſagt! Einig eingewohnt Mit? wurde weg⸗ der Schlau den Zupflee der Frau 9 ſeitdem er unartiger I ſeines offen Unarten. Die ei Uneinigkeit ſpüren ließe Georg noch nehmbaren tzen ſuchen: Hauſes unte handhabt wr Schauer, w und Mutter Beutel unte! ins Zimmer Eines ſeiner Wirth „ Beſte, bittender St „Schän die Alte etw lution im Zi alle Federn ckte eine ſo ein groͤßeres rd es Leuten tleben!“ t, belebt von le Lunine 9 nicht ſch chi üu. Penſion— unſern alten ohne dieſe )würde mich al bei dieſen ortete jedoch hoͤrt, daß ſie aigg;„Ich — Du kannſt der See, da Beſchäftigun⸗ Wirkungskreis Zeit und dem kleinen Hau⸗ ſiber die Du Arbeit gethan Natur! Dir 5 1 oft vorhe 4 Uinie 8 V ierundzwanzigſtes Kapitel. Einige Wochen ſpäter hatte Georg ſich vollkommen eingewohnt. Mit Fleiß und Eifer begann er ſeine Studien, und wurde wegen ſeines Fleißes und ſeiner Arbeitſamkeit trotz der Schlauheit, mit welcher er ſich unzählige Male von den Zupflectionen zu befreien wußte, ein großer Günſtling der Frau Rebecca, obgleich ſie oftmals ſagte, er wäre, ſeitdem er in ſeinen Kleidern warm geworden, ein recht unartiger Junker; nichts deſtoweniger aber überſah ſie um ſeines offenen und herzlichen Weſens willen dieſe kleinen Unarten. Die einzigen Tage in der Woche, welche eine kleine Uneinigkeit zwiſchen der Regentin und dem Günſtlinge ver⸗ ſpüren ließen, waren die Sonnabende. Denn da mochte Georg noch ſo viel zu thun haben, oder mit noch ſo vielen an⸗ nehmbaren Gründen ſeine Zeit und ſein Zimmer zu ſchü⸗ tzen ſuchen: nichts half; er mußte ſich der Ordnung des Hauſes unterwerfen; welche ſtreng von Frau Rebecca ge⸗ handhabt wurde. Auch überlief Georg ſtets ein gelinder Schauer, wenn mit dem Schlage acht die Thür aufging und Mutter Stormbom mit einem kleinen netten ledernen Beutel unter dem Arme und einem Haarbeſen in der Hand ins Zimmer trat. Eines Tages aber fühlte Georg bei em Beſuche ſeiner Wirihin großere Unruhe als gewoͤhnlich. „Beſte, liebſte Frau Stormbom!ℳ begann er mit bittender Stimme. „Schäme Er ſich, daß er ſo faul iſt!“ antwortete die Alte etwas mürriſch. Und hiermit begann eine Revo⸗ lution im Zimmer, welche damit ihren Anfang nahm, daß alle Federn und Dunen, die während des Laufes der 316 Woche ſich unter dem Bette hatten ſammeln koͤnnen, her⸗ vorgekehrt wurden. Alle dieſe Federchen ſammelte ſte mit unermüdlichem Eifer in dem ledernen Beutel und band denſelben darauf ſorgfältig zu. Darauf folgte gewöhnlich Abſtäubung, Fenſterabwa⸗ ſchung und Inventirung der Garderobe; und Gott ſei Georg gnädig, wenn ſie bei ſolchen Gelegenheiten fand, daß Kleider hinabgefallen waren, oder das Eine unter das Andre geworfen war. In ſolchem Falle ließ ſich die Alte etwa folgender Maßen vernehmen:„Was iſt mir das hier für ein Spektaktel: reine und ſchmutzige Strümpfe neben einander auf einem Brette— Gott tröſte mich, welche Unordnung!... Und gewichste und ungewichste Stiefel untereinander! Er hat doch nicht den geringſten Ordnungs⸗ ſinn! Fi, daß ein junger Menſch ſich ſolche Nachläſſigkeit zu Schulden kommen laſſen will!... Was iſt aber dies? der Krug mit der Wichſe umgeworfen— ja wirklich um⸗ geworfen! Nein, mein junger Herr! ſo wahr ich Rebecca heiße, das taugt nicht! Will Er die Wichſe nicht auf eine andere Weiſe in Acht nehmen, ſo kann Er ſich gewichste Stiefel ſchaffen, wo Er will; denn weder gebe ich zu ſolchem Gebrauche die Wichſe noch auch meinen reinen Garderobenfußboden her... das ſoll er wiſſen!“ „Gute, beſte Frau Stormbom, es iſt wahrhaftig nicht mein Fehler!“ „Ach ſo... es iſt wohl ebenfalls nicht Sein Fehler, daß Er das neue Schnupftuch genommen und es damit abgewiſcht hat? Wäre Er ein wenig jünger, ſo wiſchte ich Ihm die Naſe ab! Aber ich will Ihm beſcheidentlich ſagen, Herr Letsler, daß es unwürdig iſt, ſo mit den Gaben unſers Herrn zu verfahren, und eben ſo unwürdig, in einem ordentlichen Hauſe Aergerniß anzuſtiften!“ Georg hoͤrte das alles zwar mit einer reuigen Miene an, ließ es ſich aber dennoch nie zu Herzen gehen. Wir kehren jetzt zu jenem Morgen zuruͤck, an wel⸗ chem Georg mehr als gewöhnlich unruhig war. „Frat der Garde ſchwendung auf dem 3 hatte,„F kommt mir Was wiſſen— i „Ach, ſeufzte Geor ſich gegen d „Was bei ſeinem zu werden l „Es th es allzu vie Nas Was / Meine komme... fand für gut kens auf da „Gott doch wohl n Alte hinaus dem Junker gleichwohl Wicht, der Schelte ertr würde. Nun a begann ſo h mal im Sta zu erſchütter dieſelbe halb Frau ſein ſollen. können, her⸗ nmelte ſie mit tel und band Fenſterabwa⸗ d7 Gott ſei genheiten fand, Fine unter das Z ſich die Alte mir das hier trümpfe neben mich, welche pichste Stiefel ten Ordnungs⸗ Nachläſſigkeit iſt aber dies? a wirklich um⸗ hhr ich Rebecen nicht auf eine ſich gewichste r gebe ich zu meinen reinen en!“ ahrhaftig nicht t Sein Fehle und es damit er, ſo wiſchte beſcheidentlih ſt, ſo mit den ſo unwürdig, ſtiften!“ reuigen Miene war. 317 „Frau Stormbom!“ rief er heftig, als die Alte ſich der Garderobenthür näherte, nachdem ſie über ſeine Ver⸗ ſchwendung des Papieres, von welchem große, reine Stücke auf dem Fußboden lagen, eine kleine Predigt gehalten hatte,„Frau Stormbom, was in des Herren Namen kommt mir an 2, Werde ich nicht blaß?⸗ Was Ihm ankommt— ja das mag unſer Herrgott wiſſen— ich ſehe nicht, daß etwas fehlt!“ „Ach, ich habe es den ganzen Morgen gefühlt!“ ſeufzte Georg mit plöͤtz ſich gegen die Ecke des Ofens. „Was hat Er denn gefühlt?“ fragte die Alte, welche bei ſeinem Tone und ſeiner Stellung ein wenig ängſtlich zu werden begann. „Es thut mir ſo weh,“ entgegnete er,„ich beherzige es allzu viel!“ „Was denn?“ Meine Nachläf ſigkeit, wofür ich immer Schelte be⸗ komme... aber ich werde ſo matt... Und Georg fand für gut, die Alte mittelſt eines wohlberechneten Sin⸗ kens auf das Sopha zu erſchrecken. „Gott im Himmel, iſt der Junge toll— er wird es doch wohl nicht ſo zu Herzen nehmen!“ Und nun ſlog die Alte hinaus, holte Eſſig und Waſſer und hätſchelte mit dem Junker, als wäre er ihr eigener Sohn, indem ſie gleichwohl immer prophezeite, daß ein ſo ſchwacher Wicht, der nicht einmal den Klang von einer Tracht Schelte ertragen könnte, nimmermehr auf der See taugen würde. Nun aber ſprang Georg auf, umarmte die Alte und begann ſo herzlich zu lachen, daß er doch wenigſtens ein⸗ mal im Stande geweſen wäre, ihre lieben Gewohnheiten zu erſchüttern; denn da er ihr jetzt die Uhr zeigte, ſé war dieſelbe halb zehn. Frau Stormbom hätte ſchon längſt auf dem Markte ſein ſollen. Und mit einem:„Ich will's ihm zu Hauſe h veränderter Stimme, und ſtützte 318 bringen!“ eilte ſie hinweg, ehe alle Kälber und Schaſe verkauft waren. Und für dieſes Mal war die Garderobe gerettet. Als Frau Stormbom's ſchwarzer Schleier hinter der Ecke verſchwand, trat der Flaggenſchiffer bei Georg ein, und nun begannen beide um die Wette zu lachen. Zuletzt ſagte Stormbom, indem er auf die Gardero⸗ 8 7 benthür zeigte:„Gedenke Du meiner Worte: die Alte gitt ſich nicht länger zufrieden, als bis heute Abend— Du mußt heraus mit dem Geheimniſſe!“ Ich fürchte mich wie ein Schulknabe!“ ſagte Geotg, indem er die Garderobenthür öffnete und einen kleinen Hund herauslockte, den er dort fünf ganze Tage lang ver⸗ ſteckt gehalten hatte. Georg hatte mit Onkel Stormbom’s Hülfe für die⸗ ſen neuen Inwohner Speiſe geſtohlen; denn trotz Frau Rebecca's beſtimmt ausgeſprochenem Abſcheu gegen Hunde hatte er nicht umhin gekonnt, dieſem Thiere Hausraum zu geben. Doch Frau Rebecca hatte ſeit ihrer Verheira⸗ thung nie einen Hund gehabt, und dachte auch künftig keinen zu haben. „Das geht nimmermehr gut, Georg!“ meinte Storm⸗ bom, der aber dennoch nicht umhin konnte, das ſchoͤne Thier zu ſtreicheln, über welches Georg ganz entzückt war. Der Hund war nämlich ein Geſchenk, geſchickt von Fanny mit einem der Boote des Herrn Holmér. Und zu⸗ gleich war Georg mit einem Brieſchen erfreut worden. „Onkel! Du mußt ein gutes Wort für mich ein⸗ legen!“ „Nein, ich danke! Ich habe ſelbſt immer Hunde geliebt und mehr denn einmal mir einen anſchaffen wollen — aber ich liebte den Hausfrieden hoͤher. Rebecen iſt⸗ wie Du ſiehſt, eine ſeltene und ungewoͤhnliche Frau, abet ihren Reſpekt will ſie haben.“ „Aber, lieber Onkel, ich konnte doch wohl den kleinen Hund, den mir eine gute Freundin geſchickt hatte, nicht auf die S mag— Da ſie ih großen ei ſo kann i „Ja, ſagen!“ daß ſie m dachte wa gewinnt.“ „Ja in raumer iſt, ſo bi ſein, daß „O, Schaden de Als d aber nicht Georg's Zi „Beſte lichſten und in die Gard erſt ſagen n derung von und wie li wie ſie es und hülfreich wie ordentli ſchaftliche G nicht ſchmer ſchmäht wü „Kein verſchmäht! thun?“ „Nein, r und Schafe gerettet. eier hinter der i Georg ein, n. die Gardero⸗ die Alte gibt Abend— Du ſagte Georg, einen kleinen Hülfe für die⸗ in trotz Frau u gegen Hunde ſere Hausraum hhrer Verheita⸗ auch künftig meinte Storm⸗ e, das ſchoͤne entzückt war. geſchickt von nér. Und zu⸗ kut worden. für mich ein⸗ immer Hunde ſchaffen wollen Rebecca iſt, he Frau, aber hl den kleinen hatte, nicht Tage lang ver⸗ 349 auf die Straße hinaus werfen? Nein, wie es auch gehen mag— ich trenne mich nie von Fanny's Geſchenk... Da ſie ihn„Komm“ genannt hat, und dieſer Name mit großen eingenähten Buchſtaben auf dem Halsbande ſteht, ſo kann ich wohl nicht das Herz haben, geh zu ſagen?“ „Ja, aber die Alte wird meiner Seele nicht Komm ſagen!“ „Das glaube ich wohl... Aber welch ein Glück, daß ſie nicht zu Hauſe war, als Komm ankam! Ich dachte was ich noch denke: alles gewinnt, wer Zeit gewinnt.“ „Ja ja, tröſte Dich für's Erſte damit: jetzt biſt Du in raumer See; doch ehe die Nachmittagswache zu Ende iſt, ſo bin ich ſicher, der Sturm wird ſo angewachſen ſein, daß Du alle Segel reffen mußt.“ „O, ich will ſchon ſo manoeuvriren, daß ich ohne Schaden den Hafen erreiche.“.... Als der Abend kam, ſo trat Frau Rebeeca, diesmal aber nicht mit einem ſehr ernſten Geſichte, wieder in Georg's Zimmer. „Beſte Frau Stormbom!“ bat Georg mit dem herz⸗ lichſten und einſchmeichelnſten Tone,„gehen Sie noch nicht in die Garderobe! Ich habe dort etwas, das ich Ihnen erſt ſagen muß!“ Und nun begann er eine lange Schil⸗ derung von ſeiner und Fanny's kindlicher Freundſchaft, und wie liebevoll Fanny gegen ſeine Mutter geweſen und wie ſie es noch jetzt gegen ſeinen Vater wäre, wie gut und hülfreich ſie gegen alle Armen, und vor allen Dingen wie ordentlich ſie wäre. Und ſie, welche ſelbſt ſo freund⸗ ſchaftliche Geſinnungen hegte, wie ſehr wuͤrde es ihr wohl nicht ſchmerzen, wenn ſie ſähe, daß ihre gute Abſicht ver⸗ ſchmäht würde. „Kein Menſch hat ja die Abſicht des guten Kindes werſchmäht!“ entgegnete die Alte.„Wer wird das thun?“. „Nein, wäre das nicht ſchlecht und undankbar?... 320 Und wenn ſie nun ein kleines Geſchenk an denjenigen ſchickt, welchen ſie für ihren beſten Freund hielte— nicht könnte er es verwerfen, wenn er auch dafür einige kleine Unannehmlichkeiten auszuſtehen genöthigt wäre?“ „Was ſoll's jetzt ſein?“ fragte Frau Stormbom in verändertem Tone.„Wahrhaftiger Gott! ich ahne ein neues Spektakel... Was hat das alles mit der Gar⸗ derobe zu thun?“ „Sehen Sie hier, meine gute Frau Stormbom! Georg ließ ſeinen Liebling aus dem Arreſte heraus.... „Iſt er nicht ſchön? Ich erhielt ihn vor einigen Tagen von Fanny; aber aus Furcht, Ihnen zu mißfallen, was mir ſo weh thun würde, daß ich keine Freude an dem ſchönen Thiere haben würde, wagte ich mein Geheimniß nicht zu offenbaren. Nun aber bitte ich ſo aufrichtig von ganzem Herzen: ſein Sie mir nicht böſe, ſondern ſagen Sie, daß ich ihn behalten darf— er ſoll nie unartig ſein!“ Frau Stormbom war überraſcht von der kindlichen Herzlichkeit, die in Georg's Bitte lag, und gar nicht un⸗ zufrieden über den Reſpekt den er ihrer Neigung ſo deut⸗ lich erwieſen hatte. Ueberdies war ſie ſchon durch die Er⸗ zählung von Fanny gerührt, und der kleine Hund hüpſte ſo freundlich und ſchmeichelnd um ſie her, daß Komm endlich in Gnaden angenommen und bewillkommnet wurde. Nachdem dieſer kritiſche Punkt auf ſolche Weiſe ab⸗ gemacht und der junge Komm alſo als einer von den Ge⸗ noſſen des Hauſes angeſehen wurde, nahm ſich Frau Storm⸗ bom natürlicher Weiſe auch ſeiner Erziehung an. Und ehe einige Wochen vergangen waren, ſo gab Komm s Anſehen eines der unzähligen Beweiſe von der Launen⸗ haftigkeit in den Neigungen des Menſchen: er war faſt eben ſo ſehr als ſein Herr ihr Liebling geworden, und mußte ſie an jedem Sonnabende auf den Markt begleiten, um den Korb zu tragen und unter Frau Stormbom's ei⸗ gener Handleitung Wachſamkeit zu lernen. Doch in einem Falle wu horſam k dem Hau⸗ So d gen Steu Aufenthalt derſelben Seine bom, der Munde ſei weilen, we öffnete un bringen. Wenn wurde Olle genſten Sch Alte ergri ſtatt gefund Nun vernünftige wie ein al wohnt gewe den zu habe legen konnte Nein, Da jer alles dem wurde dem ein halbes Frau Rebe dem halben den Mittag Der Ein an denjenigen jielte— nicht r einige kleine re?“ Stormbom in ich ahne ein mit der Gar⸗ Stormbom! e heraus. einigen Tagen nißfallen, was Freude an dem ein Geheimniß aufrichtig von ſondern ſagen ll nie unartig gar nicht un⸗ igung ſo deut⸗ 4n durch die Er⸗ e Hund hüpſte , daß Komm ſommnet wurde. plche Weiſe ab⸗ ler von den Ge⸗ hung an. Und gab Komms i der Launen⸗ er war faſt geworden, und Narkt begleiten, Stormbom's ei⸗ Doch in einem der kindlichen 321 Falle wurde es der alten Fran ſchwer, dem Komm Ge⸗ horſam beizubringen, nämlich die mit Tannenſpitzen auf dem Hausflure ausgelegten Figuren unberührt zu laſſen. So viele angenehme Bekanntſchaften mit andern jun⸗ gen Steuermännern Georg auch während dieſes ſeines Aufenthaltes in Goͤteborg machte, ſo war dennoch keine derſelben von der geringſten Bedeutung für ſeine Zukunft. Seine Freiſtunden verlebte er größtentheils bei Storm⸗ bom, der bei dem Segeltuche und mit der Pfeife im Munde ſeine alten Seegeſchichten erzählte, wobei er bis⸗ weilen, wenn ihm der Hals zu trocken wurde, die Küſte öffnete um den Bambus⸗Olle an die friſche Luft zu bringen. Wenn er aber hiebei die Mutter gehen hörte, ſo wurde Olle mit einer gewiſſen Eilfertigkeit in die verbor⸗ genſten Schlupfwinkel der Kiſte zurück verpaßt, und der Alte ergriff die Nadel, als wenn gar keine Schmuggelei ſtatt gefunden hätte. Nun darf jedoch kein Menſch glauben, daß eine ſo vernünftige Frau, wie Rebecca Stormbom nicht einſah, wie ein alter Seemann, der in allen ſeinen Tagen ge⸗ wohnt geweſen war, ſeine kleine Ranzion unter den Hän⸗ den zu haben, alte Gewohnheiten unmöglich im Alter ab⸗ legen konnte. Nein, weit entfernt! Da jedoch in dem kleinen Hauſe, worin ſie regierte, alles dem ſtrengſten Ordnungsgeiſte unterworfen war, ſo wurde dem Alten von der Haushaltskaſſe nicht mehr als ein halbes Stop Branntwein woͤchentlich beſtanden. Und Frau Rebecca hatte ſich ein Glas angeſchafft, in das aus dem halben Stopp ganz genau ſieben ganze Schnäppſe für den Mittag und ſieben halbe gingen; letztere konnte der Der Einſiedler ꝛc. I. 21 322 Alte entweder zu Mittag oder zum Abendbrode nehmen. Wollte er noch außerdem etwas haben, ſo mußte er ſch ſelbſt darnach umſehen; das war eine Sache, die Frau Rebecca nicht wußte, das heißt nicht wiſſen wollte. Und daher mußte Stormbom ſeine kleine Extraverpflegungen auf dasjenige einſchränken, was die Kiſte beſtehen konnte. Noch war von der Reiſe etwas übrig. Wenn aber Ban⸗ bus⸗Olle ſich in die Quer ſetzte und nicht mehr dahin zu bringen war, ſeine alte Pflicht zu erfüllen, ſo war da Alte gezwungen— wie er es ſchon oft gemacht hatte, wenn Olle ähnliche Capricen gehabt hatte— den Arbeits⸗ lohn der Segelnähterei etwas über den der Alten bekam⸗ ten Preis zu erhöhen: die Hauptſumme dieſer Verdienſte mußte ſie natürlicher Weiſe zur Haushaltung haben. Da⸗ gegen beſtand ſie ihm ſogenanntes Tabaksgeld, woͤchentlich einen Reichsthaler, wofür er keine Rechenſchaft abzulegen brauchte, und deſſen eigentliche Abſicht war, ihm nach A⸗ zug des Tabaks Gelegenheit zu verſchaffen, bisweilen einn Toddy im Wirthshauſe nehmen zu köͤnnen. Die Alte wußte nur allzu gut, daß Stormbom ohne dieſe Freude nie glücklich ſein koͤnnte. Doch ſieh, war der Reichsthaler vor dem Sonnabend zu Ende, ſo war an keine Erneuerung der Kaſſe zu denken, ausgenommen gleichwohl, wenn er, nachdem er die erſte Portion der ewigen Seidenläppchen gezupft hatte, von ſelbſt einen neuen Haufen nahm, in welchem Falle Muttet ſogleich wußte, wie es an der Zeit war, das große le⸗ derne Buch öffnete und einen Zwölfſchilling, ja wohl gar⸗ einen Achtzehnſchilling hervorholte; doch wurde derſäle ſtets mit einer kleinen Predigt über Vaters Mangel an Ordnung in ſeinen Affairen begleitet. 3 Der alte Stormbom nippte nie ſo oft, daß er im geringſten Grade wurde, was man angekommen neung — gleichwohl mit Ausnahme der Gelegenheiten, da a ſeinen Geburtstag feierte. Aber die Gewohnheit,“ ſagt er zu Georg, wenn dieſer über die Wanderungen nach diß Kiſte l zweite eine kle ſtets be⸗ Winde Ge Wirthsl. ſchäfte d pflegte an einen wollte; ſo nahm Epiſteln Nat um ihr danken un führte— je gelehr wurde. garſtiges Ich habe darauf ha „An ſetzte ich * dbrode nehmen. o mußte er ſich ache, die Frau viſſen wollte. traverpflegungen beſtehen konnte. Jenn aber Bam⸗ icht mehr dahin Llen, ſo war der gemacht hatte, 2— den Arbeits⸗ er Alten bekann⸗ dieſer Verdienſte ung haben. Da⸗ geld, woͤchentlich nſchaft abzulegen ar, ihm nach At⸗ ,, bisweilen einen Stormbom ohne r dem Sonnabem r Kaſſe zu denken, hdem er die erſt upft hatte, von hem Falle Mutta r, das große le⸗ ing, ja wohl gar h wurde derſelbe ſaters Mangel an ooft, daß er in gekommen nenn genheiten, da an zewohnheit,“ ſagt derungen nach de Kiſte lächelte,„die Gewohnheit, mein Junge, iſt die zweite Natur; und ich ſehe nicht ein, warum ich mir eine kleine Ermunterung verſagen ſollte, die das Gemüth ſtets belebt, man mag nun mit günſtigem oder ungünſtigem Winde ſegeln.“ Gewöhnlich, nachdem Georg des Abends ſeine guten Wirthsleute, die früh zu Bette gingen, um früh die Ge⸗ ſchäfte des Tages beginnen zu können, verlaſſen hatte, ſo pflegte er leichtverdauliche Dinge zu leſen oder ein wenig an einem Briefe zu ſchreiben, den er dem Vater zuſchicken wollte; denn obgleich dieſer ſo kurz wie möglich ſchrieb, ſo nahm er dennoch mit ſichtlichem Vergnügen Georg's Epiſteln entgegen. Natürlich ſchrieb Georg auch bisweilen an Fanny, um ihr für ihre beſtändige Sorgfalt für ſeinen Vater zu danken und ihr Nachricht zu geben, wie Komm ſich auf⸗ führte— ein Gegenſtand, der immer reichhaltiger wurde, je gelehrter ſein Liebling an künſtlerartigen Fertigkeiten wurde. Bisher hatte Georg ſelbſt noch nicht mehr als einen Brief von Fanny erhalten, nämlich den, welcher ihr Ge⸗ ſchenk begleitete. Doch gegen das Ende des Novembers kam ein neuer, welcher folgender Maßen lautete: „Lieber Georg! „Seit Deiner Abreiſe bin ich viermal recht vergnügt geweſen, und das war an den vier Tagen, da ich Deine Briefe erhielt. Wie ſchoͤn und wie luſtig kannſt Du Deine Briefe zuſammenſetzen. Ich ſchäme mich, daß ich es nicht kann, aber ich ſchreibe dennoch, weil ich weiß, daß es Dir Freude machen wird. „Wir haben nun ſchon lange ein ſo ſtürmiſches und garſtiges Wetter gehabt, wie wir es jeden Herbſt haben. Ich habe mein Verſprechen wegen Niſſe nicht vergeſſen— darauf haſt Du Dich wohl verlaſſen? „An einem ziemlich guten Tage vor drei Wochen ſetzte ich mich mit Niſſe in ein Boot und fuhr nach der — Johannis⸗Klippe. ein, ſo daß ich mit unſerm guten Freunde Carolus reden konnte. Ich erfuhr nun, daß Dein Vater ſich recht gut befände, daß aber alle Verſuche, die Carolus gemacht hatte, Deinen Vater zu Niſſe's Aufnahme zu vermoͤgen, ganz vergeblich geweſen wären, und Carolus wußte keinen andern Rath, als daß wir ganz einfach Niſſe dahin brin⸗ gen und ihn ſich ſelbſt überlaſſen wollten. Ich billigte dies, denn ich kannte ja Niſſe's Geduld ſo gut, und wußte, daß er den Muth nicht würde ſinken laſſen, wenn er auch anfänglich harte Worte hoͤren müßte. „Nun, Du ſollſt hören! Wir fuhren dahin und Ca⸗ rolus kam mit. „Laß mich ſehen, wie Du Dich zu benehmen weſßt, Niſſe!“ ſagte ich und klopfte ihm auf die Schulter.„Du weißt, daß Du nür thuſt, was recht und gut iſt, und wir beide, Carolus und ich, werden Dir's lohnen!“ „Haben Sie keine Furcht!“ antwortete Niſſe.„Da ich nun weiß wie es iſt, ſo ſoll er meiner nicht wieder los werden. Die Johannis⸗Klippe liegt überdies nicht ſe weit von Weſtras als Strand.“ 4 „Hörteſt Du, Georg— der gute Niſſe wollte mich mit dieſen Worten gleichſam beruhigen, daß ich nicht ängſtlich ſein ſollte, ihn an einem einſamen fremden Orte bei einer Perſon zu laſſen, die ihn nicht haben wollte. „Ich und Carolus blieben draußen und Niſſe ging hinein.— „Was willſt Du?“ fragte Herr Letsler, der bein Ofen ſaß und das Feuer umrührte.„Wer ſchickt Dich? „Ach, verzeihen Sie, lieber Herr,“ antwortete Niſt ſo demüthig, daß ich ganz gerührt wurde,„ich bin ein armer Junge, der eigentlich nirgends eine Heimath hat⸗ Mein Begehren iſt nur, hier draußen auf der Klippe woh⸗ nen zu dürfen. Ich will nie im Wege ſein, wenn ich nur einen kleinen Winkel haben darf.“ „Da aber ſchien Dein Vater ſehr böſe zu wetden, Erſt aber ſprachen wir in Grafwerna und Go⸗ Niſſe au geeilt u kann me lus;„d ten, der liebſten L ſagen, w wenn er Krankheit ſtehen, eit Letsler, d teborg tre mir hältj Ehre und Ruhe laſſ Hausraum daß Niſſe der ausdri erfreuen, des Morge darf. No doch mit bei Deinen in Grafwerna Carolus reden ſich recht gut rrolus gemacht zu vermoͤgen, 1s wußte keinen iſſe dahin brin⸗ a. Ich billigte gut, und wußte, , wenn er auch dahin und Ca⸗ benehmen weißt, Schulter.„Du gut iſt, und wir 19 nen. ete Niſſe.„Da ner nicht wieder überdies nicht ſo tiſſe wollte mich daß ich nicht en fremden Otte haben wollte. und Niſſe ging Letsler, der beim der ſchickt Dich?“ antwortete Niſe de,„ich bin enn ine Heimath hat⸗ der Klippe woh⸗ ſein, wenn ich böſe zu werden 325 und Gott weiß, ob er nicht zuletzt den Stock ergriffen und Niſſe ausgekehrt hätte, wenn nicht Carolus und ich hinein geeilt und mit den herzlichſten Bitten— der Carolus kann meiner Treue beſſer reden als mancher Herrenmann — ſeinen Zorn geſtillt und für Niſſe gebeten hätten. „Nicht um Ihretwillen, Herr Letsler,“ ſagte Caro⸗ lus;„der Knabe kann nicht viel für einen Mann ausrich⸗ ten, der gewohnt iſt, Alles ſelbſt zu verrichten und am liebſten Alles ſelbſt thut. Aber ſehen Sie, ich will Ihnen ſagen, wie es iſt: Georg hat weder Tag noch Nacht Ruhe, wenn er nicht erfährt, daß hier keine Chriſtenſeele iſt, wenn Krankheiten und ſolche Dinge, die in des Herren Hand ſtehen, eintreffen ſollten. Ich hätte wünſchen mögen, Herr Letsler, daß Sie ihn geſehen hätten, als wir uns in Gö⸗ teborg trennten. Carolus, ſagt' er, wenn Du ſo viel von mir hältſt wie für zwei Stuͤber, ſo gelobe es mir auf Ehre und Glauben, daß Du meinem Vater nicht eher Ruhe laſſen willſt, als bis Niſſe auf der Johannis⸗Klippe Hausraum erhalten hat!“ „Das alles, mein guter Georg, ſagte der ehrliche Carolus, und Du kannſt wohl verſtehen, daß auch ich nicht ganz ſtumm daſtand. Und endlich mußte Dein Va⸗ ter, ſo ſchwer es auch hielt, nachgeben und verſprechen, daß Niſſe in Deinem Zimmer wohnen ſollte, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, daß er nie zu Deinem Va⸗ ter hereinkommen, noch ſich um das Allergeringſte beküm⸗ mern ſollte. „Jetzt waren wir zufrieden, denn für den Anfang konn⸗ ten wir nicht mehr begehren. Doch nun, nachdem drei Wochen verfloſſen ſind, kann ich Dich mit der Nachricht erfreuen, daß Niſſe es ſo einzurichten gewußt hat, daß er des Morgens einheizen und bisweilen die Kartoffeln kochen darf. Noch reden ſie wenig oder nichts mit einander, doch mit jedem Tage darf Niſſe einen Augenblick länger bei Deinem Vater bleiben, und Du ſollſt ſehen, der arme Niſſe wird ſich am Ende ſo beliebt machen, daß Dein kam, daß Vater ihn gerne um ſich hat. frau und „Inzwiſchen näht Niſſe alle loſen Schuhſohlen zu Graf⸗ hört hatte, werna feſt und flickt alle zerriſſenen Jacken daſelbſt. Große„Doc Partien ſolcher Güter werden bei Carolus eingeſetzt und nen Kinde dahin zurückgeſchafft, denn nach der Johannis⸗Klippe wagt Frau, mei ſich kein Menſch.„Die „Ach, mein lieber Georg, wie freut mich das Alles! ich an Va Wenn nun der Wind weht und heult, ſo denke ich: jetzt den alten kann Georg ruhig ſein, denn der arme Einſiedler ſitz nicht und an die mehr allein; er hat einen Menſchen bei ſich, der ihm auf⸗ miſſen wü 6 warten und ihn gewiſſer Maßen auch verſtehen kann; denn daß er und Niſſe hat einen geſunden Verſtand.„Und Auf Weſtrab bei Niſſe's Mutter ſteht's ganz wohl. wer meinſt Ich bin erſt neulich dort geweſen und habe mich nach ih⸗„Dor nen umgeſehen. das Meer „Nun aber, lieber Georg, muß ich Dir erzählen, einer groß daß ich ein kleines Abenteuer gehabt habe, welches ich ge⸗ welche das wiß nicht gerne hatte, und welches macht, daß ich in die⸗ chen an eir ſem Herbſte nicht mehr daran denken kann, wieder auf die„ Ich See zu kommen, und wäre es auch nur für eine ganz einem ſolch kurze Strecke Weges. ſein konnte „Eines Tages, da ich nach Nöddd geweſen war, wirklich, überfiel uns auf dem Rückwege ein ſo heftiger Sturm, meine Rett daß das Boot,; obgleich es von einem der tüchtigſten Leute auszuhalten meines, Vaters gerudert wurde, nahe daran war, umzu⸗ dec wn nicht die ſchlagen. Wenn Du nun wiſſen willſt, ob ich mich fürch⸗ tete— und es ſah aus als eine wirkliche Lebensgefahr, keine ſo lei das konnte ich auf Bengt's Geſicht leſen, wenn ich's auch ich es beſe ſelbſt nicht verſtanden hätte— ſo ſage ich Dir, und, Georg, Dich geſch ich will daß Du mir glauben ſollſt: ich kannte keine Furcht. nes Boot Denn obgleich ich ſonſt eben nicht ſterben will, denn das Leben am Nuder iſt ſo luſtig, ſo meinte ich dennoch in dem Augenblicke, wo„Vate die Wogen hoch über das Boot ſchlugen und uns zu be⸗ Pweſen. 1 graben drohten, daß es eben nicht weh thun würde, in Sf wohl d ihren Schoß geworfen zu werden: ich weiß nicht, wie es Herrn Ture n, daß Dein hlen zu Graf⸗ ſelbſt. Große eingeſetzt und ⸗Klippe wagt ch das Alles! enke ich: jetzt dler ſitzt nicht der ihm auf⸗ en kann; denn os ganz wohl. mich nach ih⸗ Dir erzählen, welches ich ge⸗ aß ich in die⸗ wieder auf die für eine ganz geweſen war, war, umzu⸗ ich mich fürch⸗ e Lebensgefahr, venn ich's auch ir, und, Georg, te keine Furcht. denn das Leben Nlugenblicke, wo und uns zu be⸗ hun würde, in ß nicht, wie ds 327 kam, daß alle ſchönen Märchen, die ich von der Seejung⸗ frau und allen ihren mit Perlen geſchmückten Sälen ge⸗ hört hatte, in dieſem Augenblicke mir vor die Seele traten. „Doch Bengt ſah verzweifelt aus.„Meine vier klei⸗ nen Kinder“ ſagte er,„müſſen verhungern— und meine Frau, meine Frau!...“ „Dieſe Worte machten auch mich ängſtlich: da dachte ich an Vater und Mutter und an Dich, Georg, und an den alten Herrn auf der Johannis⸗Klippe, und an Niſſe und an die vielen vielen Armen, die mich gewiß auch ver⸗ miſſen würden, und da betete ich recht warm zu Gott, daß er uns eine Hülfe in unſerer Noth ſchicken möchte. „Und Gott hörte mein Gebet... Doch, Georg, wer meinſt Du wohl, kam? „Dort in weiter Ferne, in dem weißen Schaume, den das Meer überall aufpeitſchte, kam etwas auf dem Rücken einer großen Welle angeſchwebt. Es war die Zolljacht, welche das Halstuch gewahrt hatte, das ich als Nothzei⸗ chen an eine Stange gebunden hatte. „Ich weiß nicht, wie es möglich war, daß ich in einem ſolchen Augenblicke gegen den guten Gott undankbar ſein konnte! Ich bin ſehr traurig geweſen und ſchäme mich wirklich, Dir ſagen zu müſſen, daß ich Petter Gran für meine Rettung zu danken habe. Doch wäre es wohl noch auszuhalten geweſen, wenn er allein da geweſen wäre, doch nun war es ja eigentlich Herr Ture. Und hätte nicht die Zolljacht uns ſo bald aufgenommen— das war keine ſo leichte Sache, und Du verſtehſt dies, ohne daß ich es beſchreibe— ſo hätte ich vielleicht nie mehr an Dich geſchrieben. Denn bedenk, Georg! ein ſolches klei⸗ nes Boot einem Orkane ausgeſetzt mit nur einem Mann am Ruder und ich beim Steuer! „Vater und Mutter waren in der fürchterlichſten Angſt geweſen. Ach, ſie haben mich ſo lieb! Und Du kannſt Dir wohl denken, wie dankbar ſie gegen Petter Gran und Herrn Ture waren! Doch der Jachtlieutenant verſicherte, —.yy— —— 328 er ſeines Theils hätte nicht viel von der Dankbarkeit ver⸗ dient, ſondern Herr Ture hätte Alles gethan: er hätte zuerſt unſer Nothſignal entdeckt und Wunder verrichtet, um mich aus dem Boote auf die Jacht zu ſchaffen. Und darum weiſſagte der garſtige Petter Gran— kannſt Du wohl rathen, was? O nein, Georg, Du erräthſt es nie— er ſagte: es würde aus mir und Herrn Ture noch ein Ehepaar werden: er hätte immer gehört, daß ein junger Mann, der ein Mädchen aus einer Lebensgefahr gerettet, ſich ihr gleichſam verſchworen hätte. Pfui! wie dumm iſt doch dieſer Petter Gran! „Herr Ture aber ließ nur ein Paar Worte davon fallen, man ſollte die kleine Mamſell— hat man wohl je etwas ſo Aergerliches gehört: als wenn ich nun noch eine kleine Mamſell ſein ſollte, da ich drei Monate älter geworden bin, als damals, da Du hier warſt, und nur noch zwei an ſunfzehn Jahren fehlen!... Doch ich glaube, ich verlor im Aerger Herr Ture's Rede, die ſo lautete: man ſollte die kleine Mamſell nicht verlegen machen. „Ich kann Dich vielmals von der Pirogue grüßen. Sie lebt und befindet ſich wohl, und bisweilen bin ich ſo kin⸗ diſch, daß ich ſie herunter nehme und ein wenig ſchwim⸗ men laſſe. Dieſes Vergnügen erinnert mich ſo lebhaſt daran, wie oft wir in dieſem Sommer vergnügt waren —— ſollte ich wohl jemals wieder ſo vergnügt ſein köͤn⸗ nen? Wenn Du Dein Steuermannseramen gemacht haft und im nächſten Frühjahre nach Hauſe kommſt, ſo eilſt Du gewiß gleich wieder weg? „Doch nun iſt's wohl Zeit, für diesmal zu ſchließen. Grüße Deinen alten Flaggenſchiffer recht herzlich— ich habe den alten Mann ſehr lieb, und wenn ich im nächſten Sommer nach Göteborg komme, ſo ſuche ich beſtimmt das kleine gelbe Haus im Maſthugg auf, um mit ihm und der vortrefflichen Frau Rebecca, die ich ebenfalls lieb habe, ein wenig zu plaudern. Wie gut ſie war, daß ſie den kleinen§ grüßt un Wel in Georg Er darüber, Weſen un Doc verſchwar Neffe, d leiden kor daß dieſe das Leber zu ſeinen war— b und Süde ploͤtzlich des Umſch Stein des ärgerlichſt Ture Gre ſollte den nennen un geben— Fanny ha Und halten, lo Augen un unkbarkeit ver⸗ han: er hätte der verrichtet, ſchaffen. Und — kannſt Du äthſt es ni— Ture noch ein daß ein junger gefahr gerettet, il wie dumm Worte davon hat man wohl wich nun noch Monate älter darſt, und nur .. Doch ich 3 Rede, die ſo nicht verlegen e grüßen. Sie bin ich ſo kin⸗ ich beſtimmt i mit ihm und alls lieb habe, , daß ſie den 329 kleinen Komm nicht wegjagte! Du ſollſt ihn auch grüßen und er ſoll ſich gut aufführen und mir Ehre machen. Verziehe ihn nur nicht, damit Du künftig Nutzen von ihm haſt, falls Du Schmugglergeſchäfte machen willſt; denn Komm iſt von guter Race. „Vater und Mutter grüßen Dich vielmals. Carolus grüßt und Niſſe ebenfalls durch Deine Dir ergebene Fanny Holmér.“ Welches Gefühl war nach Beendigung dieſes Brlefes in Georg's Bruſt das mächtigſte? Er ſelbſt glaubte, es ſei das Gefühl der Freude darüber, daß der geliebte Vater nun endlich ein menſchliches Weſen um ſich hätte. Doch woher kam es denn, daß dieſe Freude ſo ſchnell verſchwand vor dem Harme darüber, daß Petter Gran's Neffe, dieſer unausſtehliche Herr Ture, den Georg nicht leiden konnnte, obgleich er die Urſache ſelbſt nicht wußte, daß dieſer Menſch das Glück haben ſollte, ſeiner Fanny das Leben zu retten? Ein ſolches Abenteuer konnte auch zu ſeinen Gunſten nie eintreffen, während er zu Hauſe war— o nein, behüte! da konnte Fanny nach Norden und Süden und Oſten und Weſten reiſen ohne daß ein ploͤtzlich entſtandener Sturm das Fahrzeug in die Gefahr des Umſchlagens verſetzte! Petter Gran war immer ein Stein des Anſtoßes geweſenz doch von nun an war er der ärgerlichſte Menſch von allen, die Georg kannte... Ture Gran und Fanny Holmér ein Ehepaar!!! Fanny ſollte den Petter Gran Onkel oder vielleicht ſogar Vater nennen und Herrn Ture kleine wirkliche Schmeichelnamen geben—„ja ſie ſoll! Nein, nie, in Ewigkeit nicht! Fanny hat gewiß einen beſſern Geſchmack.“ Und um eine Bekräftigung dieſer Hoffnung zu er⸗ halten, lockte Georg den Hund zu ſich, blickte ihm in die Augen und fragte ihn, während er es dem Herrn Komm 330 erlaubte, die Vorderfüße ihm auf den Schooß zu legen: „Was glaubſt Du? wird Fanny den Ture Gran hei⸗ rathen? Laß mich ſehen, daß Du eine verſtändige Ant⸗ wort gibſt!“ 1 Doch Komm ſchien nicht geneigt zu ſein, ein Orakel vorzuſtellen. Er befand ſich ſo vortrefflich in der einge⸗ nommenen Stellung, daß er ganz unbeweglich blieb. In ſeinem Aerger über ein ſolches Benehmen, gab ihm Georg eine Zurechtweiſung und erneuerte hiebei ſeine Frage, und jetzt beantwortete Komm, gereizt durch das unerwartete Tractament, dieſelbe mit einem ärgerlichen Murren. „So!“ rief Georg, der dieſes Omen für das glück⸗ lichſte hielt,„ich wußte es recht gut, daß du Verſtand hatteſt, ſogleich eine Antwort ertheilen zu können. O, du biſt ein prächtiger Junge, daß du über eine ſolche Partie die Zähne zeigſt! Ich bin auch nicht undankbar... ſieh hier!“ Er nahm aus dem Tiſchkaſten einen Zwieback, den er von ſeiner gewohnlichen Morgenportion zum Kaffee aufgehoben hatte. Nun aber wollte das Unglück, daß gerade in dieſem Augenblicke Frau Rebecca ganz unvermuthet zur Thür hereinkommen und den Unfug ſehen ſollte. „Was in Gottes Namen,“ rief ſie aus,„ſoll Er ſo verſchwenderiſch ſein und dem Stänker Zwieback geben? Ich will Ihm ſagen, es koſtet wahrhaftig zu viel, Waizen zu kaufen und Zwieback zu hacken, als daß man ſo damit haushalten koͤnnte!“ „Ich habe ihn ja von meiner eigenen Ranzion ge⸗ ſpart!“ merkte Georg verſoͤhnend an.„Frau Stormbom! Sie beſtehen mir meiner Treu nicht ſo viel Taſchengeld, daß ich Komm auf eine andere Weiſe mit Zwieback unter⸗ halten kann!“— „Er mag Gott danken, mein junger Herr, daß ich die Kaſſe in Verwahrung genommen habe! Ich glaube, es wäre ſonſt jetzt nicht viel mehr übrig geweſen. Gotttroſte mich! we auf eigene da gehen „Ver habe ſolch Sie ſich Ausnahm ſich gewiß nehmen w „Nu bemerkte während i meinem T über ſie, „O, Georg lat nicht das fünf oder .. Da trinken— Sie dann ich jetzt g und reinli furcht hab „Nur Er, wer l „Nur bom, als mich und da weiß i würde, der Stormbom „ſtabler.“ „Stil iſt nützliche zu einem ß zu legen: Gran hei⸗ tändige Ant⸗ „ein Orakel n der einge⸗ blieb. nen, gab ihm hiebei ſeine zzt durch das ärgerlichen ur das glück⸗ du Verſtand mnen. O, du ſolche Partie dankbar... men Zwieback, zum Kaffee ſade in dieſem ſet zur Thür „ſoll Er ſo leback geben? viel, Waizen (nan ſo damit Ranzion ge⸗ Stormbom! Taſchengeld, wieback unter⸗ —r, daß ich die glaube, es Gott tröſte 331 mich! wie wird's gehen, wenn Er hinaus kommt und auf eigene Hand allein für ſich ſorgen ſoll— wie wird's da gehen!“ „Verlaſſen Sie ſich darauf, Frau Stormbom! Ich habe ſolche Anlagen, ein guter Haushälter zu werden, daß Sie ſich gewiß ſtolz uͤber mich fühlen werden! Und mit Ausnahme einiger Duzend oſtindiſcher Kaffeetaſſen, die ſich gewiß in dem nußbaumenen Schranke ſehr ſchön aus⸗ nehmen werden, denke ich nichts zu verſchwenden.“ „Nun, das nenne ich auch keine Verſchwendung!“ bemerkte Frau Rebecca freundlich.„Wenn die Taſſen während meiner Lebenszeit hier ſtehen, ſo erbt Er ſie nach meinem Tode wieder; ich ſchreibe ſogleich ein Teſtament über ſie, ſobald ich ſie in meinen Händen habe.“ „O, das verlohnt ſich wohl kaum der Mühe!“ ſiel Georg lachend ein.„Doch bedenken Sie ſelbſt, ob ich nicht das Meinige zu Rathe zu halten denke, da ich um fünf oder ſechs Jahren ein eigenes Fahrzeug haben will ... Da ſollen Sie kommen und in der Cajüte Kaffee trinken— und wir wollen ſehen, Frau Stormbom, ob Sie dann nicht ſelbſt meinen werden, daß die Zucht, deren ich jetzt genieße, gute Früchte getragen hat: ein feineres und reinlicheres Fahrzeug ſoll noch nie das Waſſer ge⸗ furcht haben!“ „Nur nicht vor der Zeit geprahlt; ſondern bedenke Er, wer hier die Ordnung aufrecht hält!“ „Nun, da weiß ich keinen andern Rath, Frau Storm⸗ bom, als daß Sie auf der Brigg ſelbſt mitfahren und mich und die ganze Beſatzung zur Ordnung anhalten; denn da weiß ich, daß kein Winkel im Schiffe zu finden ſein würde, den man nicht fremden Augen zeigen könnte. Frau Sueiſhamn. ich ernenne Sie hiemit zu meinem Con⸗ „ſtabler.“ „Still, Er! und conſtable Er ſich ans Buch— das i*ſt nützlicher, als ehrliche Leute, die ſich vielleicht beſſer zu einem Conſtabler paſſen würden als mancher, der es 332 wirklich iſt, zum Narren zu haben; weiß Er das, mein lieber Herr Georg?“ Die alte Frau lockte Komm, der den Korb zu Markte tragen ſollte, und entfernte ſich. Georg ſetzte ſich, jedoch nicht an das Buch, ſondern er legte ein Papier zuſammen, das beſtimmt war, eine Ant⸗ wort auf Fanny's Brief zu werden. Gleich nachdem Frau Stormbom die Thür hinter ſich zugemacht hatte, ſetzte er ſich nieder und ſchrieb wohl ein Duzend Auflagen von dieſer Antwort. Dennoch bekam er dieſelbe nicht fertig, denn ſie wollte nicht ſo werden, wie er ſie haben wollte. Dagegen ſchrieb er ohne ſolche Schwierigkeiten zu empfinden, einen langen Brief an ſeinen Vater, dem er mit der wärmſten Liebe für das Glück dankte, daß er jetzt einiger Maßen ruhig ſein konnte:„ZJetzt, lieber Vater! habe ich keine einzige Beſorgniß mehr”...(Als er jedoch dieſe Worte niederſchrieb, ſo erröthete er vor ſich ſelbſt: hatte er nicht den ganzen Nachmittag über Petter Gran's Prophezeiung Beſorgniß gehegt? Und um alſo der Wahr⸗ heit nicht zu nahe zu treten, ſo vermehrte er den Satz noch mit zwei Worten)...„für Dich.“ Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Noch hatte der Winter nicht ganz von der Erde Ab⸗ ſchied genommen, als Georg für immer von den unteren Graden der Seemannſchaft Abſchied nahm; denn nach vollendetem Curſus beſtand er ausgezeichnet ehrenvoll ſein Eramen als Steuermann. Bei dieſer wichtigen Gelegenheit mußte Frau Storm⸗ bom her Feier des künftigen des Maſt „He ſagte die außer der thalerzette kel Storn nerung 3 kaum mit murmelte nimmerme Wirthſcha „Ref faßt in um ſeine meinen Ge gen warer Onkel Ste „Lebe On wer unter hüpft Dir ſo etwas „Set Stormbon wird? ein wenig „Lieb Stimme Eramen a „Und brummte? „Spl Male aufl ſtert werd Er das, mein Komm, der entfernte ſich. , ſondern er ar, eine Ant⸗ hür hinter ſich rieb wohl ein ennoch bekam ſo werden, wie dierigkeiten zu ater, dem er e, daß er jetzt lieber Vater! (Als er jedoch dor ſich ſelbſt: Petter Gran's lſo der Wahr⸗ den Satz noch ſel. der Erde Ab⸗ n den unteren denn nach ehrenvoll ſein —— Frau Storm⸗ 333 bom heraus mit einer nicht unbedeutenden Summe zur Feier des Schmauſes, den Georg nebſt einigen anderen künftigen Capitainen in einem der vornehmſten Wirthshäuſern des Maſthuggs gab. „Herr Gott! das geht nun und nimmermehr gut!“ ſagte die Alte, als Georg an dem Morgen dieſes Tages außer der vorher beſtimmten Summe ihr noch einen Zehn⸗ thalerzettel abpreßte. Und in der Nacht, da er mit On⸗ kel Stormbom zurückkam, und letzterer in ſeliger Rückerin⸗ nerung zwiſchen den Thüren des Hausflures lavirte und kaum mit Georg's Hülfe den Eingang finden konnte, ſo murmelte ſie bei ſich ſelbſt:„Sagte ich nicht, daß es nimmermehr gut gehen würde! Das iſt mir eine ſchöne Wirthſchaft!“ „Reffe ein, Mutter, reffe— ich merke, der Wind faßt in Deine Segel!“ lallte der Alte und tappte weiter, um ſeine Frau zu beſänftigen.„Du weißt, ich feiere meinen Geburtstag nur einmal im Jahre.... Die Jun⸗ gen waren ſo munter... munter!„Onkel Stormbom, Onkel Stormbom!“ ſchrie der Eine nach dem Andern. „Lebe Onkel Stormbom, der alte Seemann— glücklich wer unter ſeinem Rectificator geſegelt hat!“ Nun, Alte! hüpft Dir nicht vor Stolz das Herz im Leibe, wenn Du ſo etwas von Deinem Manne hoͤrſt?“ „Setz' Dich nicht mit dem Medalllenrock auf das Bett, Stormbom! kannſt Du nicht begreifen, daß er voll Federn wird?“ Der Ton der Alten klang nicht böſe, aber doch ein wenig ärgerlich. „Liebe Frau Stormbom!“ ſagte Georg; doch die Stimme war etwas verändert;„ich habe ja heute mein Eramen als Steuermann gemacht!“ „Und Er iſt wohl auch ſchon Capitain geworden?“ brummte Frau Rebecca.„Das iſt ſehr ſchnell gegangen!“ „Sprechen Sie nicht ſo!“ rief Georg mit einem Male auflodernd aus.„Ich will nicht in Allem gemei⸗ ſtert werden! Ich bin mein eigener Herr und werde doch 334 wohl das Recht haben, an einem ſolchen Tage ohne Ein⸗ ſpruch ein Glas trinken zu dürfen? ja ſogar ein Glas mehr als nöthig iſt!“ „Aha, bläst der Wind daher, mein junger Herr? hat er einen ſolchen Rauſch? Nun, ich gratulire!.... Aber Stormbom! ſo geh doch von dem Bette hinweg, da⸗ mit ich an den Tiſch kommen und Licht anmachen kann, da doch kein Andrer dazu im Stande iſt!“ „Ich kann ſchon Licht ſchaffen!“ ſagte Georg und ging gerades Weges nach der Gegend hin, wo der Kiſch ſtand. Doch in der Eile, da er zeigen wollte, er ſei dazu im Stande, fegte er die Waſſercaraffe und das Glas von Tiſche auf die Erde. Das kalte Waſſer, welches ſowohl ihn ſelbſt, als auch die im Bette ſitzende Frau Rebecca überſchwemmte— der Alte hatte ſich ſchon in aller Stille zurückgezogen— trug wunderbarlich bei, Georg's Geiſt abzukühlen.„Verzeihen Sie, allerliebſte Frau Stormbom, wenn es möglich iſt!“ „Gewiß hat er die Schwefelhölzer auch mit ertränkt l... Gott troͤſte uns, ich wußte wohl, daß das Geld gut an⸗ gewendet werden würde!“ „Aber, liebe Frau Stormbom, man muß es doch machen, wie andere Leute; man muß...“ „Alle Schwefelhölzer durch und durch naß— Herr Gott, welch ein Elend! Stormbom! was iſt denn aus Dir geworden? Schlaf nur nicht ein, ſondern ſteh ſtill, bis ich aufkomme, und nimm Dich in Acht, daß Du nicht dem Ofen zu nahe kommſt und den Rock ſchmutzig machſt!“ „Liebe Frau Stormbom! kann ich nicht in die Küche gehen und Feuerzeug holen?“ „Ja, das kann Er gewiß! Setze Er ſich auf's Sopha, und ſeid beide ruhig, bis ich wiederkomme!“ Nach einigen Augenblicken ſtand Frau Rebeeca in ihrem alten Morgenrocke mit dem Lichte in der Hand ind beleuchtete die Verheerung in ihrem ſchoͤnen, ordentlichen Zimmer: den Tiſch o Himm der Inhe Sie den ſie z Sie Wie wiegte n. ofen, ur Verbot d die Comt bom fort. ſeine Stu men, ſo ich den A wird aus noch ohne „Kör zugehen? auch ſein age ohne Ein⸗ gar ein Glas junger Herr? tulixe!.... te hinweg, da⸗ nmachen kann, te Georg und wo der Tiſch te, er ſei dazu das Glas vom welches ſowohl Frau Rebecca in aller Stille Georg's Geiſt au Stormbom, it ertränkt l.. Geld gut an⸗ muß es doch naß— Herr iſt denn aus dern ſteh ſtill, daß Du nicht Rock ſchmutzig t in die Küche u Rebecca in der Hand und n, ordentlichen auf's Sopha, 335 Zimmer:„Waſſer und Glasſcherben über die Matte und den Tiſch... ſchwimmende Schwefelhölzer... und— o Himmel!— die Schnupftabacksdoſe umgeworfen und der Inhalt verſchüttet!“ Sie hatte am Abend den letzten Vorrath eingelegt, den ſie zu Hauſe hatte. Sie beleuchtete den Alten. Wie ein nickender Chineſe von Porzellan ſaß er und wiegte mit dem Rücken gerade an dem verbotenen Kachel⸗ ofen, und zwar keinesweges aus Ungehorſam gegen das Verbot der Frau Rebecca, ſondern weil er den Ofen für die Commode der Mutter gehalten hatte. „Ach ſo, Vater, ach ſo— ich ſehe nun, wie es ſteht!“ Der Alte ſagte nichts, ſondern nickte in einem fort.— „Und dann der junge Menſch!“ fuhr Frau Storm⸗ bom fort.„Nehme Er das Licht und frachte Er ſich in ſeine Stube, ſo gut Er kann... aber, in Gottes Na⸗ men, ſo halt Er doch das Licht feſt und geh' Er, damit ich den Alten in's Bett bekomme!“ „Frau Stormbom! ich meine, das iſt recht ſonder⸗ bar,“ ſagte Georg, von neuem gereizt.„Und wäre ich an Onkel Stormbom's Stelle, ſo wüßte ich wohl, was ich thäte...“ Jetzt erblaßte Frau Rebecca: nicht einmal die Feier des Steuermannserxamens konnte länger als Entſchul⸗ digung gelten:„Geh Er zu Bette!“ ſagte ſie kurz. „Gewiß nicht! es iſt ſternenhell: ich gehe ſpazieren; ich thue was ich will; ich bin mein eigener Herr!“ „Nein, ſieht Er! ſo lange Er in meinem Hauſe iſt, wird aus den Nachtpromenaden nichts, weder mit Sternen, noch ohne ſolche— das iſt beſtimmt!“ „Können Sie mir verbieten, Frau Stormbom, aus⸗ zugehen? Oder glauben Sie, ich laſſe Jemanden, wer es auch ſein mag, meinem Willen Band anlegen? 336 „Gut, Junge, verdammt gut!“ nickte der Alte.„Gib ihr noch eine Salve, ſo ſtreicht ſie bald die Segel!“ Frau Stormbom höoͤrte nie, was ſie unter ihrer Würde hielt, zu hoͤren. Inzwiſchen war Georg ſchon in den Hausflur hinaus⸗ gegangen; doch wer in der größten Eile nachfolgte, den Schlüſſel in der aͤußern Thür umdrehte und denſelben in „die Taſche ſteckte, das war Frau Rebecca, welche gleich⸗ wohl dabei die Unv äußern:„So, nun Bei dieſer Aeußerung fuhr eine höhere Röthe über Georg's Wangen. wußte er nicht rech ſo viele Beſinnung, daß er ſich über ſich ſelbſt ärgern orſichtigkeit beging, ziemlich hörbar zu ſitzt die Maus in der Falle!“ Zum erſten Male in ſeinem Leben t, was er that. Indeſſen hatte er doch konnte; aber er ärgerte ſich noch mehr darüber, daß Frau Rebecca ihm ſo überlegen ſein ſollte. Und in ſeiner jetz⸗ gen gereizten Stimmung war hievon die Folge, daß er zeigen mußte, er ſei nicht geſonnen, ſich dem Willen eines Andern zu unterwerfen, und wenn es ihm auch das Leben koſten ſollte. „So, nun ſitzt die Maus in der Falle!“ „Das glaube ich nicht!“ antwortete Georg mit eiwas zitternder Stimme. gefälligſt die Thür Thuͤr hinaus, ſo ko Frau Stormbom betrachtete ihn einige Augenblicke mit Stillſchweigen. „Frau Stormbom, machen Sie mir ——— auf! Denn komme ich nicht durch die mme ich wohl durch's Fenſter!“ „Wie will Er durch Fenſterladen und doppelte Fenſter kommen?“ „Werden wohl ſehen... doch noch einmal: oͤfnen Sie gefälligſt die Thür!“ Jetzt merkte Frau Rebecca, daß ihre Macht gänzlich gebrochen war, und ſo ſchwer es ihr auch wurde, ſo mußte ſie ſich gleichwohl „Mein lieber Herr bequemen, andere Waffen zu waählen. Georg!“ ſagte ſie,„höre Er nun auf 3 mit Seinem Gallimathias! Habe ich nicht genug für Ihn gelitten, da Er mein Bett mit dem kalten Waſſer begoſſen der Alte.„Gib Segel!“ er ihrer Würde usflur hinaus⸗ achfolgte, den d denſelben in welche gleich⸗ liich hoͤrbar zu falle!“ re Röthe über ſeinem Leben hatte er doch h ſelbſt ärgern über, daß Frau in ſeiner jetzi⸗ olge, daß er u Willen eines 4 uch das Leben 16 13 eorg mit etwas achen Sie mir nicht durch die Fenſter!“ ge Augenblicke Fenſterladen Macht gänzlich purde, ſo mußte fen zu wählen. (re Er nun auf genug für Ihn Waſſer begoſſen ſeinmal: oͤffnen 4 hat? Soll ich nun noch dazu in der Angſt vor meinen offenen Thüren liegen?“ „Ich will zuſchließen und den Schlüſſel zu mir ſtecken — haben Sie die Güte— öffnen Sie!“ „O, mein Herr Georg! Sie thun etwas, das klüger iſt: Sie thun mir den Gefallen und legen ſich!“ „Frau Stormbom! hoͤren Sie nun auf! Ich habe es mir vorgenommen, hinauszukommen— und hinaus muß ich!“ „Nun in Gottes Namen, ſo geh' Er!“ Sie ſchloß die Thür auf.„Doch, Herr Georg, wenn Er noch ein wenig Achtung hat gegen diejenige, welche es immer gut mit Ihm gemeint hat, ſo geht Er nicht weit, ſondern kommt bald wieder!“ „Ich brauche nur drei bis vier Schritte zu gehen!“ ſagte Georg, der ſogleich wieder umkehrte, nachdem er nur einmal vor der Thür auf⸗ und abgegangen war.„Jetzt gehe ich ganz ruhig zu Bette. Ich wollte Ihnen nur zei⸗ gen, daß ich kein Kind mehr bin, das ſich leiten läßt... Gute Nacht, Onkel! Hätte Onkel es immer ſo ge⸗ macht...“ Die Alte ſchlug ihm die Thür vor der Naſe zu und ließ ihn ſein Zimmer ſuchen, ſo gut er konnte. „Das Licht, Frau Stormbom!“ „Licht?“— entgegnete Frau Rebecka von Innen. „Er geht am beſten im Dunkeln zu Bette!“ „Nun, meinethalben!“ Und einige Minuten ſpäter ſchlief Georg gut auf den Lorbeeren ſeines Steuermannsexamens. „Sie waren ſo munter, die Jungen! Lebe Storm⸗ bom, der alte Seemann, rief der Eine nach dem Andern!“ waren die erſten Worte, die Frau Rebecka hörte, als ſie wieder in das Zimmer trat. Der Alte ſtand da und ſtrebte aus allen Kraͤften den Rock auszuziehen. Da er es aber vergeſſen hatte, die Der Einſiedler ꝛc. 1. 22 8 338 Knöpfe an den Händen aufzuknöpfen, ſo wollte es nicht recht gehen. „Ich wollte von Herzen wünſchen, daß der Junge kein wildes Thier wird!“ ſagte Frau Stormbom gleichſam bei ſich ſelbſt. „Mutter! wie iſt's mit dem Rock?— Haſt Du die Aermel zugenäht?“— Doch ſtilll nun wurde ich flott.“ 3 „So, ſo! nun will ich weiter nichts mehr— zwei Knoͤpfe ab und der Ueberſchlag an dem Medaillenrock zer⸗ riſſen! Verſtehſt Du, Vater, was ich ſage?“ „Nein, Mutter! doch wünſchte ich, daß Du nichts ſagteſt!“ „Ich ſage nur, Du ſollſt Deinen Geburtstag ſobald nicht wieder feiern!“ Der Alte ſeufzte und gedachte der goldenen Zeit, da er ſich mit Hülfe des Rectificators in einen ſolchen Reſpect geſetzt hatte, wie er ihn nie in ſeinem eigenen Hauſe ge⸗ habt und auch nie bekommen ſollte.„Ich wünſche zu Gott, Mutter, daß Du mich nur ein einziges Mal auf der Fregatte geſehen hätteſt, beſonders wenn ich vor des Conſtablers Tochter ſtand— o, das war eine ſchöne Zeit! Ich rede nicht von Bootsmännern und Schiffsjun⸗ gen... die zitterten wie Espenlaub, wenn ich ſie nur anſah, ſondern ich rede von den Befehlshabern und von der Achtung, die ich höheren Ortes genoß; die Offiziere wußten die Verdienſte des Flaggenſchiffers Stormbom recht gut zu ſchätzen. Mir iſt immer, als wäre ich von ande⸗ rem Fleiſch und Blut, ſobald ich den Fuß auf das Ver⸗ deck ſetze!“ „Ja, Vater! ich weiß recht gut, daß Du auf der See ein tüchtiger Kerl biſt. Doch, nun kann's für heute Abend genug ſein... Komm nun, ſo helfe ich Dir, daß Du in die Koje kommſt!“ „Ach, Herr Gott, Mutter! Du biſt doch ein Chren⸗ weib! Gib mir einen Kuß!.. Ja, ein ſolches Weib, ₰ 8 ollte es nicht der Junge om gleichſam — Haſt Du n wurde ich nehr— zwei illenrock zer⸗ Vß Du nichts ttstag ſobald nen Zeit, da lchen Reſpect Hauſe ge⸗ wünſche zu ges Mal auf ich vor des eine ſchöne Schiffsjun⸗ ich ſie nur von ande⸗ f das Ver⸗ Du auf der 's füͤr heute Dir, daß ein Ehren⸗ plches Weib, ein ſolches Weib!. Aber iſt nicht der Alte munter wie eine Ploͤtze? Das meinten heute Abend die Jungen auch— Wetter, ſo nette und muntre Jungen!— und ſieh! als die Geſundheit des Großadmirals vom Stapel lief, ſo ging es, wie es ſollte! Da war kein ſolcher Dumm⸗ kopf wie Mas; aber er bekam auch ſeine Ranzion. Ich möchte wohl wiſſen, wo der gute Mas jetzt iſt!“ „Nun, Vater? wie geht es mit dem Stiefel?“ „Und noch kann ich einem Dutzend Jungen Verſtand und Reſpect eintrichtern, Stormbom!“ ſagt' der Comman⸗ deur⸗Capitain— denn wir redeten à part unter vier Augen und nicht in Dienſtangelegenheiten—, alter Ehren⸗ mann!“ ſagt er,„ich weiß, Du haſt ein gutes Auge auf den Jungen geworfen: ſei ihm ein Vater!“ Gerade ſo ſagt' er, als er mir die Vollmacht gab, den Jungen an⸗ zuführen, und das will ich auch in allen Stücken thun.... 5 harſſt ihm morgen nicht boöͤſe ſein, Mutter! hörſt Du, te? 4 An dem Tage, der auf die Nacht folgte, in welcher in dem ordentlichen Hauſe er Frau Rebecca ſo viele Un⸗ ordnungen angerichtet worden waren, wurde dort ein all⸗ gemeiner Buß⸗ und Bettag gefeiert. Als Georg am Vormittage ſehr ſpät erwachte und den Kaffee eiskalt auf dem Tiſche vor dem Bette ſtehen ſah, ſo merkte er ſogleich, daß etwas Außerordentliches, ja etwas ſehr Außerordentliches, auf dem Tapete geweſen ſein müßte, weil ſeine gute Wirthin ihn nicht geweckt, ſondern den Kaffee mit großer Gleichgültigkeit hingeſetzt hatte, um ihn nach Befund, wie der Kreisrichter und Pet⸗ ter Gran zu ſagen pflegten, zu trinken oder ſtehen zu laſſen. Allmälig klärte ſich Georg's Rückerinnerung auf. Zuerſt ſtellte ſich die Freude über das mit Ehren 2 beſtandene Eramen ein, und darauf kam der luſtige Abend an welchem er ſo viele muntere Brüder erhalten hatte, an welchem ſo viele Geſundheiten getrunken, ſo viele mun⸗ tere Lieder geſungen, ſo viele Hoffnungen vorgeſpiegelt und ſo viele Pläne geſchaffen worden waren: es war ein ſo ſelenvergnügter Abend geweſen, ſo herrlich, ſo luſtig, ſo reich an Gelübden und ſo ſelig, daß Georg noch nie einen ähnlichen gefeiert hatte. Doch nun kam auch das Ende! Die kleinen Scenen bei der Nachhauſekunft: die Waſ⸗ ſercaraffe mit den übrigen Verwüſtungen, die Spottreden und Bitten der Alten, und zuletzt ſein unbändiger Eigen⸗ ſinn, ſich unabhängig zu zeigen— alles rollte ſich vor ſeinen Blicken auf. Alſo— und hier drängte ſich ihm ein ſehr unbehag⸗ licher Gedanke auf— alſo nicht ganz bei Sinnen gewe⸗ ſen? Eine Röͤthe bedeckte ſeine Wangen. „Noch nie,“ ſagte er bei ſich ſelbſt,„noch nie bin ich ſo geweſen! Und nie will ich's mehr werden!“ Jetzt dachte er an ſeine Mutter, ſeine geliebte, zärtliche Mutter. Wie? wenn er ſo zu ihr gekommen wäre! Wenn er ihr einen ſolchen Charakter gezeigt hätte! Sie fürchtete ja immer ſeine Heſtigkeit⸗ und bat ihn ſo ſchön, ſo herzlich, er ſollte der Verſuchung fliehen. „Doch wer konnte wohl hier an eine Verſuchung den⸗ ken, da ich ſo froh, ſo überglücklich war! Ich wurde ſo plötzlich aufgebracht, daß ich gar nicht weiß, wie es zu⸗ ging. Und die alte Stormbom, meine ehrenwerthe Wirthin — ſie hat gewiß Urſache, boͤſe zu ſein, da ſie mich hier ſo hat liegen laſſen!“ Bei dieſem letzten Gedanken empfand Georg wirklich eine kleine Furcht vor dem Augenblicke, da er der. Frau Rebecca unter die Augen treten und entweder mit einer Predigt oder mit Stillſchweigen empfangen werden ſollte. Mit einem Sprunge war er aus dem Bette; und nachdem er ſich angezogen hatte, ſteckte er den Kopf zur —.'—— Thür! in ſein der wa mit ſei Schade Alte 3 77 Arreſt Vorſtel die Kif C ſeinem S einer g lich au bordina daß hie dirt? 1 die Be 1n 9 deln? und Di ſo hals Meuter „2 Land at „9 „2 woͤlkter Tag me „C ſtige Abend, alten hatte, o viele mun⸗ eſpiegelt und war ein ſo ſo luſtig, ſo dch nie einen ft: die Waſ⸗ Spottreden diger Eigen⸗ ollte ſich vor ehr unbehag⸗ Sinnen gewe⸗ nie bin ich den!“ Jetzt liche Mutter. Zenn er ihr fürchtete ja ſo herzlich, ſuchung den⸗ ſch wurde ſo wie es zu⸗ arthe Wirthin mich hier ſo r mit einer erden ſollte. Bette; und in Kopf zur ee 341 Thür hinaus, um zu lauſchen, ob der alte Stormbom ſich in ſeinem Zimmer rührte. Doch Alles war ſtill: entwe⸗ der war Onkel Stormbom nicht da, oder auch ſaß er ſtill mit ſeiner Segeltuchnadel in der Hand und ſuchte ſeinen Schaden wieder gut zu machen, um auf dieſe Weiſe die Alte zu verſöhnen. „Bambus⸗Olle kommt heute gewiß nicht aus ſeinem Arreſt!“ dachte Georg, und konnte nicht umhin, bei der Vorſtellung der ſehnſuchtsvollen Blicke, die der Alte auf die Kiſte werfen mochte, zu lächeln. Endlich faßte er Muth, öffnete die Thür und trat bei ſeinem ehemaligen Vorgeſetzten ein. Stormbom ſaß mit dem Pfriemen in der Hand vor einer großen Rolle Segeltuch und ſah ganz gottesjämmer⸗ lich aus. Er machte eine Bewegung mit der Hand, daß Georg kein Geräuſch machen ſollte. „Iſt Frau Stormbom nicht auf dem Markte, Onkel?“ „Schon wieder zu Hauſe— Du Schelm! Was haſt Du uns eingekocht! Ich glaubte, ich hätte Dir die Su⸗ bordination beſſer eingeprügelt. Weißt Du denn nicht, daß hier auf dem Lande Rebecca meine Schute comman⸗ dirt? und wenn ſie den Capitain commandirt, ſo ſoll wohl die Beſatzung mit einberechnet ſein?“ „Aber, liebſter Onkel! ich verging mich wohl nicht?“ „Nicht?— was nennſt Du denn gegen Ordre han⸗ deln? Sie wollte, Du ſollteſt im Hafen vor Anker gehen, und Du wollteſt hinaus und kreuzen, und dabei warſt Du ſo halsſtarrig, daß noch auf keinem Schiffe eine ärgere Meuterei geweſen iſt.“ „Aber, lieber Onkel! wie ſieht heute Morgen das Land aus?“ „Nebel mit Schneegeſtöber, widriger Wind!“ „Wir wollen hoffen, daß er bald umgeht! Ein be⸗ wölkter Morgen, das weißt Du ſelbſt, kann einen klaren Tag machen.“ „Glaube nicht, daß es geſchieht, mein Junge! Sieht eher aus als wollte es Sturm werden. Ich bin froh, daß ich in Lee gekommen bin, ehe er losbricht!“ „Ich wünſche, ich könnte das ebenfalls ſagen! Aber weißt Du was, Onkel? ich vertraue auf Gott und gehe hinein. Es iſt beſſer, der Gefahr entgegen zu gehen, als ihr aus dem Wege zu ſchleichen. Frau Stormbom hat ein zu gutes Herz, als daß ſie nicht wieder gut werden ſollte!“ Und obgleich der Alte zweifelnd den Kopf ſchüttelte, ſo ging Georg dennoch in das gemeinſchaftliche Zimmer, wo Frau Rebeeca ſaß und ſpann, ſo daß ſie weder zu hoö⸗ ren noch zu ſehen ſchien. „Guten Morgen, beſte Frau Stormbom!“ Georg verbeugte ſich tief. Eine ſteife Bewegung des Nackens war die Antwort auf den Gruß. „Beſte, liebſte Frau Stormbom!“ bat er mit der herzlichſten Stimme, und Georg's Stimme beſaß eine verführeriſche Beredtſamkeit, wenn er ſich ihrer recht he⸗ dienen wollte,„allerbeſte Frau Stormbom! ſoll ich hier wie ein gezüchtigter Schulknabe ſtehen? Ich weiß, daß ich mich geſtern Abend dumm und ungeſchickt aufführte; nun aber bitte ich auf das herzlichſte um Verzeihung. Sagen Sie nun etwas! ſchwänzen Sie mich tüchtig auf, doch ſein Sie nicht boͤſe!“ „Ich bin nicht böſe, aber ich bin betrübt!“ erwiederte Frau Rebecca ohne aufzublicken. „Immer ſchlimmer und ſchlimmer! Frau Stormboml Sie dürfen um meinetwillen nicht betrübt ſein; ich ver⸗ ſichere Sie, das halte ich nicht aus!“ „Ich bin eben nicht betrübt, daß Er in... ja in — ja gerade ſo— ſich gegen mich verging, obgleich ich alt bin und noch obendrein Seine gute Wirthin; ſondern ich bin betrübt, daß er, ein ſo junger Menſch oder Jüng⸗ ling oder Mann oder wie ich's nennen ſoll, ſo viel trank und dann einen ſo ſchlimmen Rauſch hatte.“ 4 4 wenig re ſchon wi daß es i wirklich wenn me Aber ſeh Leben ni alſo konn zu nehme Acht nel anderes 2 iſt nicht zurück zu das ande ich ſelbſt ſo unbän ich will darüber mehr wer alles wie zweiten ich mich das mütt bisher zu Jetzt Sie reich junger H Eine mit Auch ich aber man ches das! mer; dare „Me Frau Ste vom Herz din froh, gen! Aber t und gehe gehen, als rmbom hat gut werden ſchüttelte, he Zimmer, eder zu hö⸗ 14 Georg je Antwort er mit der beſaß eine weiß, daß auffuhrte; erzeihung. t erwiederte (Stormboml ;z ich ver⸗ ... ja in obgleich ich in; ſondern oder Jüng⸗ p viel trank 3 „Nun Gott ſei gelobt und gedankt, daß Sie nur ein wenig reden wollen! Da bin ich zufrieden, da ſoll alles ſchon wieder gut werden! Zu einem Anfange bekenne ich, daß es in keinem Alter Recht iſt, obgleich es ſich in einer wirklich muntern Geſellſchaft wohl vertheidigen laſſen kann, wenn man nicht ſo genau erwägt, was man tragen kann. Aber ſehe Sie, Frau Stormbom! ich bin noch in meinem Leben nicht in einem ſo verwünſchten Zuſtande geweſen, alſo konnte ich es auch unmöglich verſtehen, mich in Acht zu nehmen. Jetzt verſtehe ich's und werde mich auch in Acht nehmen; darauf können Sie ſich verlaſſen! Ein anderes Verſprechen weder will noch kann ich geben; denn iſt nicht der Vorſatz hinreichend, einen klugen Menſchen zurück zu halten, ſo helfen keine Gelübde... Was nun das andere von meinem ſchlimmen Rauſche betrifft, ſo bin ich ſelbſt traurig, daß meine Seele und mein Charakter ſo unbändig ſind. Doch ſo wahr ich Georg Letsler heiße, ich will Herr darüber werden! Und ſchon oft bin ich Herr darüber geworden und werde es wohl in der Zukunft noch mehr werden. Nun, liebe Frau Stormbom! laſſen Sie alles wieder gut ſein! Es bleibt mir ja in dieſer meiner zweiten Heimath nur noch eine ſo kurze Zeit übrig, daß ich mich herzlich betrüben würde, wenn ich in vollem Ernſte das mütterliche Wohlwollen verloren hätte, deſſen ich mich bisher zu erfreuen gehabt habe.“ Jetzt war Frau Rebecca in ihrem Innerſten ergriffen. Sie reichte Georg ihre Hand und ſagte:„Mein lieber junger Herr! wir wären keine Chriſten, wenn nicht der Eine mit den Fehlern des Andern Nachſicht haben wollte! Auch ich war vielleicht geſtern Abend nicht ganz klug— aber man iſt leider nicht immer im Stande, zu ſehen, wel⸗ ches das Rechte iſt. Freunde bleiben wir dennoch für im⸗ mer; darauf verlaſſe Er ſich!“ „Meinen herzlichſten Dank für die Worte, meine gute Frau Stormbom! Sie nehmen mir eine ſchwere Bürde vom Herzen. Ich glaube zwar nicht, daß ich mich weni⸗ ger vergangen habe, weil Sie mir meine Dummheiten verziehen haben, aber ich plage mich nicht mehr mitt ſo bittern Vorwürfen, da nun alles wieder gut iſt.“ „Das glaube ich wohl,“ ſiel die Alte lächelnd ein, „Er hält allzu viel von ſich ſelbſt, als daß Er mit rechter Kraft eingreifen will! Aber weiß Er was, mein junger Herr? Ich ſage nicht, daß derjenige, welcher ein⸗ oder zwei⸗ oder dreimal gerummelt hat, ein Rummler wird; aber ich ſage: unterdrücke Er Sein unbändiges Gemüth in der Jugend und laſſe Er die Luſt nie die Oberhand be⸗ kommen! Suche Er ſich nicht ſelbſt zu entſchuldigen, wenn es gilt, eigene Fehler zu beſtrafen! Denn merken dieſe Fehler nur, daß ſie Macht über uns bekommen, ſo gewinnen ſie immer mehr und mehr Eintritt. Denke Er an meine Worte, und glaube Er, daß kleine Fehler den⸗ noch keine kleinen Feinde ſind!“ „Es ſei ferne von mir, das zu glauben! Aber ſein Sie vollkommen überzeugt, meine beſte Frau Stormbom, daß ich nicht die geringſte Anlage zu einem Rummler habe, nein, nicht einmal die geringſte Neigung dazu.“ „Um ſo leichter kann es da gehen, wenn man nicht feſt iſt, da in einer luſtigen Geſellſchaft gute Freunde er⸗ mahnen und eigenſinnig ſind und nöthigen! Man hat das beſte Zutrauen zu ſich ſelbſt, denn man meint, man hat keine Neigung zu dem oder dem Fehler, und eins zweie drei, ehe man ſich's verſieht, hat man andere Gewohnhei⸗ ten angenommen.“ Noch eine gute Stunde mußte Georg es ſich gefallen laſſen, eine Beichtrede anzuhoͤren. Aber nach dem Mittagseſſen, dem Kaffee und dem Zupfvergnügen(heute zupften natürlich beide Herren die doppelte Portion) war der Friede völlig wieder hergeſtellt; und mit leichtem, frohem Herzen— denn im Ganzen ging ihm doch ſein Fehler eben nicht ſo nahe— ſetzte ſch Georg hin, um zwei Briefe zu ſchreiben: einen an ſeinen Vater und den zweiten an den Commandeur⸗Capitain, — 4 4₰ 4 ——ᷣ—ᷣ—;O;O—O—Oñ—yyö— 1 Dummheiten nehr mit ſo ſt.“ lächelnd ein, mit rechter mein junger eer ein⸗ oder umler wird; ges Gemüth Oberhand be⸗ ntſchuldigen, Denn merken kkommen, ſo Denke Er Fehler den⸗ i! Aber ſein Stormbom, m Numnler ug dazu.“ nn man nicht Freunde er⸗ Man hat das int, man hat und eins zwei e Gewohnhei⸗ ſich gefallen ffee und dem de Herren die 4 eer hergeſtellt; Ganzen ging — ſetzte ſch inen an ſeine deur⸗Capitain, —