Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von 8 Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtatret wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —,————— auf 1 Monat: 1 Mk.— PFf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ Entgegennahme „„„ 3„—„„—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. .6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zexriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defedte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer ſnen Erſatz des Ganzen verp flichtet. 4— J7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 4 ¹ IJrnmner oder die Widerſpruͤche der Liebe. Ein Roman vom Lord Byron, frei bearbeitet von Guſtav Joͤr dens. Zweiter Theil. Leipzig, 1823. Bei Wilhelm Lauffer. I. Ale Fremde, die ſich in Montpellier und der Umgegend aufhielten, kamen uͤberein, der erſten Vorleſung im mediziniſchen Hoͤr⸗ ſale, womit der neue Kurſus begonnen wer⸗ den ſollte, beizuwohnen. Irner, der juͤngſte, aber mit dem mei⸗ ſten Rednertalent unter allen Lehrern begabt, wuͤrde, ſo war es angekuͤndigt, die Einlei⸗ tungsrede halten, und dann ſeine im vorigen Halbjahre abgebrochenen Vorleſungen fort⸗ ſetzen. Seine Verbindung mit Taher Ali und deſſen Kindern hatte wohl einigermaßen auf den Fortgang ſeiner Vorleſungen ſtoͤrend ein⸗ gewirkt, ja einige Zuhoͤrer wollten bemerkt haben, daß er nicht mehr von dem gluͤhenden 1 — 2— Eifer, wie anfangs, beſeelt, ſondern zuweilen etwas zerſtreut ſey. Eine noch auffallendere Veraͤnderung fand man in ſeinem Betragen, etwas Verſtoͤrtes, Unzuſammenhaͤngendes, ſich Widerſprechendes... Weit bedeutender aber war die Veraͤnde⸗ rung, welche durch die Bekanntſchaft mit Tahers Kindern in ſeinem Gemuͤth hervor⸗ gebracht worden war. Die auffallende Ver⸗ ſtimmung, welche er zeigte, konnte nicht un⸗ bemerkt bleiben. Das Publikum, von Irners Beſuchen in der Familie Tahers unterrichtet, meinte, daß in Mirza's Entfernung der Grund von der Mißſtimmung des Ritters zu ſuchen ſey— und dieſe Meinung war nicht falſch. Mirza's Kuß, ihr zartes Geſtaͤndniß, ihre Trauer beim Abſchiede— hatten in Irners Bruſt die Flamme einer ſtuͤrmiſchen Leidenſchaft angefacht. Dennoch beſaß er genug Beſonnenheit und Klugheit, um ſich nicht durch ganz auffallende Veraͤnderung ſeiner Lebensweiſe und ſeines Betragens offenbar zu verrathen. eilen dere gen, des, ende⸗ mit rvor⸗ Ver⸗ un⸗ rners ſcchtet, Brund uchen alſch. dniß, n in ſchen tund lende eines — 3— Das beſte Mittel, die Unruhe, welche ſeines Herzens ſich bemaͤchtigt hatte, zu be⸗ ſchwichtigen, war— auhaltende Beſchaͤfti⸗ gung. Er vertiefte ſich nunmehr ganz in die Wiſſenſchaft, und dachte mit Ernſt dar⸗ an, wie er ſeine Vorleſungen mit Eifer fort⸗ ſetzen, und die Auszeichnung, die ihm bis⸗ her zu Theil geworden waren, erſt recht verdienen wolle. II. Das Auditorium war mit Zuhoͤrern ange⸗ fuͤllt. Auch die Graͤfin Mathilde und andere Damen hatten ſich eingefunden, nicht eben, um ſich unterrichten zu laſſen, ſondern viel⸗ mehr, um Irnern ihren Beifall zu bezeigen. Endlich ſchlug die ungeduldig erwartete Stunde.— Der Ritter trat herein, beſtieg das Katheder, verneigte ſich ehrerbietig gegen die Verſammlung, und fing nun mit feſter und volltoͤnender Stimme folgendermaßen zu ſprechen an: „Verehrteſte Zuhoͤrer! Unſtreitig war es das Gefuͤhl des Mitleids, welches die Menſchen antrieb, ſich einander zu naͤhern, und geſellſchaftliche Verbindungen anzuknuͤ⸗ pfen.— Mehr als alles Andre iſt der Schmerz geeignet, die Menſchen daran zu 5½ 6 — ſe gegen feſter n zu ar es die hern, knuͤ⸗ der i zu 1 —e— erinnern, daß ſie zuſammenhalten muͤſſen, wenn ſie beſtehen wollen. Eben deswegen iſt auch die Arzneikunſt ſo alt, wie die Welt. Sie verdankt ihr An⸗ ſehn nicht allein dem Umſtande, daß ſie Schmerzen linderte, und fruͤhem Tode ſo manches Opfer entriß. Der Wilde, blos an wenige Beduͤrfniſſe gewoͤhnt, körperliche Bewegung liebend, weiß wenig von Krankheit. Aber mit der Verfeinerung des Menſchen⸗ geſchlechts ſtellten ſich auch die Krankheiten ein. Ein noch undeutliches Gefuͤhl rieth dem Menſchen, den Schmerz zu fliehn und nach dem Vergnuͤgen zu ſtreben. Hierin iſt der Grund aller Wiſſenſchaft zu ſuchen. Daß der Menſch ſein Leben zu erhalten ſtrebt, dies iſt ein von der Natur ihm ein⸗ gepflanztes Gefuͤhl und Beduͤrfniß. In den fruͤheſten Zeiten benutzte man blos die Er⸗ fahrungen einzelner Menſchen, welche hie und da einem Kranken geholfen hatten; man — 6— befolgte ihre Rathſchlaͤge und unterwarf ſich ihren Anordnungen. Alſo— das Mitleid mit frewdem Schmerz war es, wodurch das Geſellſchafts⸗ band zuerſt geknuͤpft und die Civiliſation befoͤrdert wurde. Druiden, Magier, Braminen, alle Geſetz⸗ geber des Alterthums, alle Philoſophen ſtudir⸗ ten zuerſt emſig den Menſchen und deſſen Natur, ehe ſie mit ihren Meinungen hervor⸗ traten. Wie ſich nun eine Anzahl Menſchen ge⸗ funden hatte, welche die Krankheiten zu be⸗ kaͤmpfen verſtanden, wurde auch der Um⸗ fang der Wiſſenſchaft immer groͤßer, ja in ſeinem unerſaͤttlichen Durſt nach Wahrheit ging der Menſch uͤber ſeine Natur hinaus. Und als er nun nach langen Forſchungen die Blicke auf ſich ſelbſt zuruͤckwendete, da entdeckte er in ſich eine Welt, weit bewun⸗ dernswürdiger als die, welche er auswaͤrts aufgeſucht hatte. Dieſe Betrachtung machte ihn zum Herrn ſeines Schickſals, ſie eroͤffnete ihm die reich⸗ ſten Quellen des Leids und der Freude. Lerne Dich ſelbſt kennen! ſo ſprach das Orakel*) oder der Prieſter, welcher dem Orakel zum Munde diente.— Ha, die Fuͤrſten kannten ſich ſchlecht, welche die Fol⸗ tern des Ehrgeizes den reinen Freuden der Wiſſenſchaft vorzogen, und ihr Volk zu un⸗ terdruͤcken ſuchten. Nun ſtanden die Philoſophen auf, als Retter und Raͤcher. Sie erinnerten die Ty⸗ rannen an die urſpruͤnglichen Rechte der Menſchen und an ihre vergeſſenen Pflichten. Oft freilich war ihre Muͤhe erfolglos. Auf ſolche Weiſe entſtanden geheime Verbin⸗ dungen und Verbruͤderungen, wodurch das heilige Feuer, welches die Despoten aus⸗ blaſen wollten, im Herzen Einzelner unter⸗ halten und immer heftiger angefacht wurde. Jetzt, in unſerer Zeit— wo die Gewalt *) N“νοει αʒαᷣααασ hieß die Inſchrift des Delphiſchen Tempels. J. das natürliche Recht mit Fuͤßen tritt— wo die Voͤlker ihrer angeſtammten Befugniſſe beraubt ſind, und die Vorrechte nicht kennen, welche das Naturgeſetz ihnen zuſpricht— jetzt, Juͤnglinge meines Volks, iſt es an Euch, der Schlange des Elends den Kopf zu zertreten! Ohne philoſophiſchen Geiſt laͤßt ſic die Arzneikunſt nicht ausuͤben, denn ihr Zweck iſt, die Leiden der Menſchheit zu mildern, und es iſt jetzt noͤthiger als jemals, daß ſie dieſen ihren Zweck feſt und unverruͤckt im Auge behalte. Eine Menge Wiſſenſchaften ſind von der Medizin ausgegangen, allein durch die Ge⸗ meinſchaftlichkeit des Gegenſtandes und durch die Gleichheit ihres Urſprungs ſtehen ſie in der genauſten Verbindung. So ſteigen die vielen Aeſte eines Baums aus Einem Stamme auf, und beweiſen den gleichen Urſprung am deutlichſten dadurch, daß ſie einerlei Fruͤchte tragen. Unter allen Studien iſt keins belohnender — 9— und nuͤtzlicher, als das Studium des Men⸗ ſchen, wenn man ihn nach ſeinen koͤrperlichen und geiſtigen Anlagen in phyſiſcher und mo⸗ raliſcher Beziehung betrachtet. Dadurch ler⸗ nen wir die Wuͤrde des Menſchen kennen. Aber ach! wie weit hat er ſich von ſeiner eigentlichen Beſtimmung entfernt, welchen ſchlechten Gebrauch von ſeinen Anlagen und Geiſteskraͤften gemacht! In ein Labyrinth von Irrthuͤmern hat er ſich verirrt, und da⸗ durch ein Heer von Uebeln hervorgerufen. Das Menſchengeſchlecht iſt jetzt ganz von Vorurtheilen umſtrickt; Laſter haͤlt man fuͤr Tugenden, und die edelſten Gefühle des Her⸗ zens fuͤr Verbrechen.. Ausgezeichnete Maͤnner, nachdem ſie alle Wahrheiten erforſcht hatten, die der Menſch begreifen kann, verirrten ſich nun in das Gebiet des Ueberſinnlichen. Sie wollten Erſcheinungen entraͤthſeln, die der Meuſch nie entraͤthſeln kann. O der thoͤrichten Ruhm⸗ ſucht! Endlich mußten ſie ſelbſt ihre Unwiſſen⸗ heit bekennen, und da ſie ſich nicht anders — 10— zu helfen wußten, jene Erſcheinungen uͤber⸗ natuͤrlichen Urſachen zuſchreiben. Wer die Natur und ihre Geſetze erforſchen will, darf nichts Anderes zu ſeiner Ueber⸗ zeugung machen, als Dasjenige, was ihm durch ſeine Sinne und ſein Gefuͤhl klar wird. Wenn er weiter geht, ſo tappt er in unge⸗ wiſſer Finſterniß umher. Wir ſind in der Erkenntniß dadurch nicht weiter gekommen, daß wir unſere Seele fuͤr einen Ausfluß der Gottheit ausgaben. Menſch, du ſchwaches, hinfaͤlliges Weſen, wie willſt du dich aufſchwingen zum Aller⸗ hoͤchſten?— Man wuͤrde die jetzige falſche Philoſophie und ihre ſeltſamen Meinungen dulden koͤnnen, wenn ſie die Gluͤckſeligkeit untergruͤbe.. Allein dieſe Philoſophie wuͤrdigt den Men⸗ ſchen in ſeinen eigenen Augen herab, ſie zer⸗ ſtoͤrt ſeinen Glauben an Gott als ein das Gute belohnendes und das Boͤſe beſtrafen⸗ des Weſen. des Menſchengeſchlechts nur nicht gaͤnzlich iber⸗ ſchen eber⸗ ihm vird. nge⸗ nicht fuͤr eſen, Lller⸗ lſche ngen gkeit zlich Nen⸗ zer⸗ das fen⸗ — 1 1— Und nachdem dieſe falſchen Meinungen den Menſchen ſein Leben hindurch gequaͤlt haben, vergiften ſie ihm auch noch die letzten Augenblicke, indem ſie ihm Schrecken und Furcht vor dem Tode einfloͤßen. So gefahrvoll iſt es, ſich Irrthuͤmern zu uͤberlaſſen die den Menſchen mit ſich ſelbſt in Widerſpruch bringen.— Wenn wir die Ueberzeugung annehmen, daß der Tod der Uebergang zu einem neuen Daſeyn ſey, wird ihn nicht der Tugendhafte fuͤrchten, ſobald er nicht feſt an Gottes Ge⸗ rechtigkeit glaubt? und wird der Verbrecher nicht gleichermaßen vor ihm beben, weil ihm der Glaube an Gottes Barmherzigkeit mangelt? Meinen mir aber, der Tod beſtehe blos in einer Trennung des Leibes und der Seele, und fuͤrchten wir, die Qualen der Aufloͤ⸗ ſung... ſo haben wir auch dann Gruͤnde genug zu unſerer Beruhigung. Allein was wollen wir uns mit Gedanken wegen der ungewiſſen Zukunft beſchaͤftigen, warum uns vergeblich bemuͤhen, ein Dunkel zu durchdrin⸗ gen, welches undurchdringlich iſt?— Und wenn der Gedanke der Zerſtoͤrung oder Auf⸗ loͤſung es iſt, der dem Menſchen bange macht, dann glaube er nur an die Unvergaͤnglichkeit des Koͤrpers oder der Materie, er glaube daran, daß die Beſtandtheile ſeines Koͤrpers nach ihrer Trennung von Neuem zu einer ſchoͤneren Form ſich verbinden werden. Und waͤre auch das Ende des Menſchen ſchmerzhaft, ſo ermuthige er ſich durch den Gedanken, daß er wohl im Leben groͤßeren Schmerz erduldete, als in der Todesſtunde. In dem Augenblicke, wo Koͤrper und Geiſt in ihrer ſonſtigen Thaͤtigkeit geſtoͤrt ſind, kann der erſtere wenig Erſchütterung fuͤhlen, und der letztere keinem Nachſinnen ſich uͤberlaſſen. Auf ſolche Weiſe muß die Annaͤherung des Todes der Empfindung gleich ſeyn, wenn uns der Schlaf befaͤllt.... Und ſelbſt weun auf den Tod kein Erwachen folgte, den⸗ noch wuͤrde er uns willkommner ſeyn muͤſſen, als der Schlaf, weil uns im Grabe kein boͤſer Traum beunruhigt...“ ¹). —— Und Auf⸗ acht, hkeit aube pers einer ſchen den heren ande. Geiſt kann und ſſen. rung venn elbſt den⸗ ſſen, kein III. Ju dieſem Augenblicke wurde der Ritter durch einen heftigen Laͤrm unterbrochen, der ſich anfaͤnglich nur dumpf und verworren in der Ferne hoͤren ließ, aber bald naͤher kam und ſich vermehrte. Man unterſchied Angſt⸗ geſchrei, Roßgewieher und Hufſchlag auf den gepflaſterten Straßen. Dazwiſchen ſchmetterten Trompeten, wir⸗ belten Trommeln, und endlich fingen die Glocken aller Kirchen dumpf zu heulen an... Saͤmmtliche Zuhoͤrer ſtanden uͤberraſcht, be⸗ gierig die Urſach dieſes Tumults zu erfahren, als ein Soldat Trincavels in den Hoͤrſaal ſtuͤrzte. „Zu den Waffen!“ ſchrie er.„Zu den Waffen! Der Feind iſt an unſerer Kuͤſte ge⸗ landet! Er bedroht die Stadt! Jetzt iſt er in Begriff, ſich des Schloſſes Lauſa zu be⸗ maͤchtigen!“— — 144— Des Schloſſes Lauſa?— rief Irner mit fuͤrchterlicher Stimme— Eh' ſoll die Welt untergehn! 3 Und ſchnell erhob er ſich vom Katheder, zerriß ſein Lehrerkleid und ſprach dann zu den Zuhoͤrern gewendet: „Ja, meine Freunde, zu den Waffen! — Her mit Schwert und Harniſch!— Die Wiſſenſchaft ruhe ſo lange, bis der Feind unſers Vaterlands vertrieben iſt!“ IV.“ Dee Beſatzung der Stadt war nicht zahl⸗ reich, allein bald wurde ſie durch Lehnsleute vermehrt, und durch eine Menge Anderer, die, von edlem Eifer getrieben, ſich freiwillig zur Bekaͤmpfung der Mauren erboten. Eilboten wurden ſchleunig in die umlie⸗ genden Staͤdte und Doͤrfer geſendet, mit Befehl, daß die dort ſtehenden Truppen ſich unverzuͤglich zuſammen ziehen ſollten. Ehe der Tag ſich neigte, ſtand ein Heer unter den Mauern von Montpellier, ſtark genug, ſich dem Vordringen der Feinde mit Nachdruck zu widerſetzen, vorzuͤglich weil Irner es befehligte. Niemand war auch der Befehlshaberſtelle wuͤrdiger als der Ritter; durch begeiſternde Reden floͤßte er den Soldaten Muth ein, 88. entwarf raſch ſeine Plaͤne, und eilte eben ſo raſch zu ihrer Ausfuͤhrung. Er gewann ſich durch ſeine Thaͤtigkeit immer mehr die Liebe und Achtung des Volks, die er ſchon beſaß, und ſelbſt der Adel, ſo ſehr er den Ritter um ſeinen Ruhm beneidete, mußte ihm doch Gerechtigkeit wiederfahren laſſen. Gegen Mitternacht brach das Heer auf und beſetzte die Huͤgel von Frontignan. Von dort wollte Irner bei Aufgang der Sonne die Mauren unvermuthet uͤberfallen. Nachdem er die noͤthigen Befehl ausge⸗ geben, beſchloß er in eigner Perſon von der Stellung der Feinde ſich zu unterrichten. Er naͤherte ſich ihrem Lagerplatze. Truͤbe war die Nacht, dichte Wolken bedeckten den Him⸗ mel und der Vollmond hatte ſeinen Glanz verborgen. Ploͤtzlich fing der Herbſtwind ſo ſtark zu wehen an, daß er die faſt erloſche⸗ nen Wachtfeuer im Lager der Mauren wie⸗ der entflammte. Dieſen Augenblick benutzte der Ritter, um Alles aufmerkſam zu be⸗ trachten. T ſo w ſehr geſtell barg das G rathe ging, im tr Er und u deckun⸗ kehren. Al der M das † ſenſpa⸗ vom 6 ſternis gewiſſ ſtrengt — A in ſeit II. Da er die Gegend ganz genau kannte, ſo war es ihm moͤglich, ſich den Feinden ſehr zu naͤhern, ohne daß die weithin aus⸗ geſtellten Wachen ihn bemerkten. Er ver⸗ barg ſich im Dunkel der Eichen, und damit das Geraͤuſch ſeiner Schritte ihn nicht ver⸗ rathe, wartete er allemal, ehe er weiter ging, bis der Wind vom Gebirge heulte und im trocknen Laube raſſelte. 2— Er hatte nunmehr ſeinen Zweck erreicht, und wollte zufrieden mit den gemachten Ent⸗ deckungen zu ſeinen Waffengenoſſen zuruͤck⸗ kehren. 3 Allein das dumpfe eintönige Geräuſch der Meereswellen, die ſich am Ufer brachen, das Plaͤtſchern einer aus einem nahen Fel⸗ ſenſpalt rinnenden Quelle, das Rauſchen des vom Sturm bewegten Geſträuchs, die Fin⸗ ſternis, die Kuͤhle der Nachtluft, ſelbſt eine gewiſſe Mattigkeit, die er nach den An⸗ ſtrengungen des vergangenen Tages empfand, — Alles dieß diente dazu, die Kniegsglut in ſeinem Herzen zu maͤßigen. 19 6 — 18— Ein weiches, wehmüuthiges Gefuͤhl be⸗ meiſterte ſich ſeiner, er ſetzte ſich neben der Quelle hin und hing ſeinen Gedanken nach. Die Feinde— ſo dachte er bei ſich— denen ich jetzt ſo nahe bin, kommen ja aus der Heimath meiner Geliebten. Vor Kurzem konnten ſie noch ihr ſüßes Lächeln ſehen, ihrer lieblichen Rede horchen... Und ich, den ſie beim Abſchiede betrauerte, der fuͤr ſie in der heißeſten Liebe brennt, ich ſoll nie mehr den milden Klang ihrer Stunme hoͤren, nie mehr in ihr ſanftes Auge blicken, dem das ungerechte Schickſal— ach!— ſchon ſo viele bittre Thraͤnen entpreßte? Nie mehr werd' ich ihren Kuß fuͤhlen, deſſen Glut noch auf meinen Lippen brennk.... Ha, und nicht allein die Erinnerung an das fluͤchtige Gluͤck, deſſen ich genoß,— nicht allein die Gewißheit, daß ſie mir auf ewig verloren iſt, verurſacht mir dieſe Schmerzen... Bei dieſen Worten hielt Irner inne und horchte? Still! Was iſt das fuͤr ein Ge⸗ raͤuſch?— Bin ich vom Feinde entdeckt?— Ich naͤhe neter vorw ſich, wiede Felſe brach dieſe Ande K wo ſ ten, hier Liebe der d ſeine 2 Irne nicht zu. Wac Bl be⸗ en der nach. ich— a aus rurzem ſehen, nd ich, der fuͤr ſoll nie hoͤren, „ dem ſchon e mehr d, und uͤchtige ein die erloren . ⸗ in Ge⸗ fkt?— t noch ne und Ich hoͤre Jemand kommen. Eine Geſtalt naͤhert ſich mir; aber das iſt kein Bewaff⸗ neter.. es iſt ein Weib. Mit langſamen Schritten ging die Geſtalt vorwaͤrts; oft ſtand ſie ſtill, als beſoͤnne ſie ſich, ob ſie ihren Weg weiter verfolgen oder wieder umkehren ſolle. Jetzt, als ſie dem Felſen ſich genaͤhert hatte, wo Irner lag, brachen Seufzer aus ihrer Bruſt, als wenn dieſe Stelle traurige Erinnerungen oder das Andenken an verlorne Freuden in ihr erwecke. Hier iſt's— ſagte ſie nach einer Weile— wo ſeine Augen mir die Leidenſchaft bekann⸗ ten, die ſein Mund nicht zu geſtehen wagte; hier iſt's, wo ich zuerſt die Flamme der Liebe im Buſen fuͤhlte... Ach, wenn er, der dieſes Feuer in meiner Bruſt entzuͤndete, ſeiner Geliebten vergeſſen haͤtte!.. Der Klang dieſer Stimme erſchuͤtterte Irnern in tiefſter Seele; er vermochte ſich nicht zu halten, ſondern ſtuͤrzte auf ſie zu. Die wankende Flamme des nahen Wachtfeuers ſpiegelte ſich auf dem blanken 2* ———— ꝗMuoͤ-—— — 20— Stahle ſeines Helms und dem Griffe ſeines Schwerts.. Bei der unerwarteten Erſcheinung des Ritters ſtieß die Unbekannte fliehend einen lauten Angſtſchrei aus, welcher die Stille der Nacht unterbrach. —— D. aufr zu ware begit Heer um den die bren mit die ſeines g des einen Stille V. Durch dieſen Angſtruf wurden die Wachen aufmerkſam und machteu Laͤrm im Lager. Irner, eingedenk ſeiner Pflichten, eilte zu ſeinem Heere, zuruͤck. Gluͤcklicherweiſe waren alle wach nnd fertig, den Kampf zu beginnen. Irner ſondert einen Theil des Heers ab, und ſtellt ſich an deſſen Spitze, um von der Seite des Thals Mireval aus den Angriff zu beginnen. Ermuthigt durch die Rede und die Gegenwart ihres Anfuͤhrers brennen die Soldaten vor Streitluſt. Nun ſchmettert die Trompete, ſie ſtuͤrzen mit Ungeſtuͤm, doch nicht ordnungslos, auf die erſten Reihen der Feinde. Dieſe leiſten tapfern Widerſtand. Ein wildes Geſchrei durchtoͤnt die Luft, die Waffen klingen, Blut ſtroͤmt; von beiden Seiten wird mit gleichem Muthe gefochten. Allein die Mauren waren auf einen ſo engen Raum zuſammengedraͤngt, daß ſie ſich nicht gehoͤrig ausbreiten konnten, und ſo ge⸗ riethen ſie bald in Verwirrung. Die Sol⸗ daten gehorchten nicht mehr der Stimme ihrer Anfuͤhrer, und flohen endlich, ohne daß der Befehl zum Ruͤckzuge gegeben war, in gro⸗ ßer Unordnung nach Frontignan, in dem Augenblicke, wo die erſten Sttahlen der Sonne ihnen die Schwaͤche des Heeres ihrer kuͤhnen Angreifer verrathen haben wuͤrden. Doch die Flucht ſicherte ſie nicht. Kaum ſah Irner den gluͤcklichen Erfolg ſeines erſten Angriffs, ſo uͤberließ er das Kommando einem der erfahrenſten Haupt⸗ leute, und eilte mit dem Reſt des Heeres dem Hafen zu, wo die Mauren gelandet waren. Die dort zuruͤckgelaſſene Wache war zu ſchwach, um langen Widerſtand zu leiſten. Ein uͤbrig Tode griffe hende in 7 uͤbrig ſunke Verz und Soll der — 3 23— Ein Theil derſelben wurde niedergehauen, die uͤbrigen fluͤchteten in die Galeeren, um dem Tode zu entrinnen. Allein die Chriſten er⸗ griffen Feuerbraͤnde, ſchleuderten ſie den Flie⸗ henden nach, und bald wirbelte ein Schiff in Flammen auf. Das Verlangen, die uͤbrigen zu retten, belebte ploͤtzlich den ge⸗ ſunkenen Muth der Mauren, ſie fochten wie Verzweifelnde, um die Bruͤcke zu behaupten, und wirklich gelang es ſchon einer Menge Soldaten, die Galeeren zu gewinnen und der Feuersbrunſt Einhalt zu thun. Die Chriſten machten ihnen auch den Weg zur Flucht nur wenig ſtreitig; ſie waren zu⸗ frieden, an den ſtolzen Osmanen wegen ihres Uebermuths ſich geraͤcht zu haben. Dennoch dauerte der Kampf am Hafen fort. 1 von ſuͤcht den Einl hat then Sch vI. iſt e 3 ſeine Ier befand ſich immer im dichteſten Streit⸗ ihn getuͤmmel. Er hielt es fuͤr Pflicht, als Feld: b herr ſich perſönlich tapfer zu beweiſen, da⸗ die mit der gemeine Soldat ihm nacheifere. Er mer beſaß keine große Koͤrperſtaͤrke, ſein Wuchs ſtar war ſchlank und zart, und ſeine Beſchaͤftir gung mit den Wiſſenſchaften hatte ihn ab: der gehalten, durch Leibesuͤbungen ſeine Mnskeln zeic zu kraͤftigen. Allein durch ſeine uͤberwiegende De Geiſtesthaͤtigkeit war er faͤhig, die groͤßten ſchi koͤrperlichen Anſtrengungen auszuhalten. Se Ueberhaupt bemerkt man bei allen Men⸗ kuͤn ſchen, wo die Seelenkraft vorherrſcht, auch di eine guffallende Leibesſtaͤrke. So verlaͤßt,. un enskeln iegende groͤßten n. Men⸗ „ auch rlaͤßt, von einem boͤſen Traume gepeinigt, die Mond⸗ ſüͤchtige ihr Nachtlager, eilt fort, ſpringt in den Strom, mit deſſen Wellen ſie in der Einbildung den Vater oder den Geliebten hat kaͤmpfen ſehen, ſie ringt gegen die Flu⸗ then mit einer Anſtrengung, die den kuͤhnſten Schwimmer in Erſtaunen verſetzt.— So iſt es auch mit dem Wahnſinnigen, der trotz ſeines zerruͤtteten Körpers die Ketten, welche ihn gefangen halten, zu zerbrechen vermag. Vaterlandsliebe, T Durſt nach Ruhm und die Nothwendigkeit, ſein Leben zu beſchir⸗ men— waren es, die jetzt Irners Arm ſo ſtark machten.— Unter den Feinden befand ſich ein Ritter, der ſich durch ſeinen Muth eben ſo ſehr aus⸗ zeichnete, als durch die Pracht ſeiner Waffen. Der Zaum ſeines rabenſchwarzen Roſſes ſchimmerte von Gold; auf dem Griffe ſeines Schwerts waren einige Spruͤche des Koran künſtlich ausgelegt; von ſeinem Helme wogten dicke purpurrothe Federn wie Feuerflammen, untermiſcht mit ſchwarzen, die allen denen, — 26— gegen welche ſie ſich neigten, den Tod zu drohen ſchienen; der gruͤne an ſeinen Schul⸗ tern befeſtigte und auf den Harniſch zuruͤck⸗ fallende Mantel verrieth, daß der Ritter von hoher Geburt ſey. Seine Gegenwart belebte den Muth der Soldaten; mit gebieteriſcher Stimme theilte er Befehle aus, welche ſogleich befolgt wur⸗ den, ſo daß man in ihm, auch ohne die Abzeichen ſeines Ranges, den Anfuͤhrer der Mauren erkannt haben wuͤrde. Da, wo das Kampfgewühl am blutigſten war, wo mit der groͤßten Erbitterung und Wuth ge⸗ fochten wurde, ſah man ſeinen Helmbuſch wehen. Seine raſtloſe Thaͤtigkeit, ſein lodern⸗ der Muth war es, welche die Ordnung im Heer ſeit Sonnenaufgang erhalten hatten. Waren ſeine Soldaten zuruͤckgetrieben wor⸗ den, ſo ſicherte er wenigſtens ihren Ruͤckzug, und rächte aufs Grimmigſte ihre Schmach am Feinde. Sein Arm war immer in Be⸗ wegung; entweder gebrauchte er die Lanze oder das Schwert. Unter allen Mauren, zuruͤck⸗ r, wo uth ge⸗ mbuſch lodern⸗ ung im hatten. wor⸗ ickzug, hmach n Be⸗ Lanze ruren, ſelbſt unter den Chriſten führte keiner furcht⸗ barere Streiche. Eiferſuchtig hatte Irner bisher den Tha⸗ ten des Fremdlings zugeſehn. Beide fuͤhlten ein lebhaftes Verlangen, ſich im Kampfe zu meſſen, ſie drohten einander mit Stimm' und Gebehrde, allein das Gewuͤhl hatte ſie bisher gehindert, ſich zu treffen. Jetzt aber, wie von gleichen Gedanken ergriffen, nahmen ſie einen Umweg, und begegneten einander in einiger Entfernung vom Handgemenge, um einen Kampf auf Leben und Tod zu beginnen. VII. Siee legten ihre Lanzen ein, ſpornten ihre ohnehin unbaͤndigen Roſſe und ſtuͤrzen auf einander los. Der Stoß war ſo heftig, daß die Lanze des Mauren an Irners Harniſche zerſplitterte. Dieſem gelang es durch eine geſchickte Wendung, das Roß ſeines Geg⸗ ners in der Seite zu treffen, es uͤberſchlug ſich und ſchleuderte ſeinen Herrn einige Schritte weit. Irner ſtuͤrzte, um ſeinen Vortheil zu benutzen, auf den Mauren los, allein dieſer hatte ſich ſchon von der Betaͤubung des Stur⸗ zes erholt, ſeine Klinge entbloͤßt, und ſie blitzſchnell bis an's Heft in die Bruſt des Roſſes geſtoßen, welches ſeinen Gegner trug. en ihre den auf g, daß arniſche ch eine 3 Geg⸗ rſchlug Schritte heil zu mdieſer Stur⸗ ind ſie ſt des trug. ſprungen und ſtand mit blankem Schwerte Ehe es zuſammenſtuͤrzte, war Irner abge⸗ ſeinem Feinde gegenuͤber. Da. Blitzſchnell, hageldicht fielen ihre Streiche, die erſten Strahlen der Morgenſonne glaͤnz⸗ ten auf den Klingen der Kaͤmpfenden, von welchen keiner dem Andern an Staͤrke und Gewandheit wich. Als ſie eine Weile, ohne daß Einer dem Andern irgend einen Vortheil abgewann gekaͤmpft hatten, mußten ſie er⸗ muͤdet inne halten. Bewunderung trat an die Stelle der Erbitterung, zugleich wurde aber auch die heftigſte Eiferſucht in ihnen rege, und wuͤthender erneuerten ſie ihren Kampf. Hatten ſie bisher blos ihre Gewandheit gezeigt, ſo ſchienen ſie nunmehr allein in der Staͤrke mit einander ſich meſſen zu wollen. Raſſelnder fielen die Schlaͤge; jeder ſuchte die Ruͤſtung des Gegners zu zertrüm⸗ merm. Ach! Irnern verfolgte ein boͤſes Schickſal, ſein Schwert zerbrach am Har⸗ niſche des Mauren und in dem naͤmlichen Augenblicke zerſplitterte dieſer mit einem ge⸗ — 30— waltigen Schwertſchlage das Helmgitter ſeines Geguers, ſo daß deſſen Antlitz enthuͤllt wurde. Da wankte der Maure zuruͤck, als ob er ein Geſpenſt ſaͤhe, dann ſchleuderte er ſein Schwert hinweg und ſprach, indem er das Viſier aufſchlug, mit weicher Stimme: Du biſt es, mein Freund, dem ich den Tod geben wollte? Ha, wie konnte ich Dich nicht gleich an Deiner Tapferkeit erkennen? Laß mich ihr huldigen; ja ich muß ſie lieben, denn ſie hat mir ein Verbrechen erſpart. Bei dieſen Worten ſchloß Kellamer(denn dieſer war es) mit Thraͤnen im Auge den Ritter in ſeine Arme, dann ſich gewaltſam losreißend ergriff er ſein Schwert wieder, und eilte ſchnell zu den Seinigen zurück. Die Schlacht war beendet; mehrere Schiffe hatten ſchon die hohe See gewonnen; die Mauriſchen Krieger, welche ſich zuletzt ein⸗ ſchifften, zoͤgerten, unruhig uͤber das Schick⸗ ſal ihres Anfuͤhrers, ſich zu entfernen. End⸗ lich ſahen ſie ihn am Geſtade erſcheinen, — 31— und ſandten ſogleich eine Schaluppe ab, die ſenthuͤllt ihn aufnehmen und zum Schiffe bringen ſollte. als ob Wie einige Chriſten dies bemerkten, eilten erte er ſie herbei, ſich der Einſchiffung zu wider⸗ dem er ſetzen allein ehe ſie ankamen, hatte Kellamar timme: ſeine Waffen weggeworfen, ſprang ins Meer ich den und ſchwamm vor den Augen der erſtaunten Di Feinde hinuͤber. lieben, atrt. 139zl zu (denn ge den— altſam 131 8i. wieder, 25 ück. 4811255 12 Schiffe 1; die u5.. zt ein⸗ Schick⸗ End⸗ einen, VIII. Ehe die Mauren an Frankreichs Kuͤſte lan⸗ deten, hatten ſie ſich der nicht weit davon entfernt liegenden Inſel Brescie ²) be⸗ maͤchtigt. Dahin fluͤchteten ſie jetzt, als ſie von Irner zuruͤckgeſchlagen worden waren. Hier befanden ſie ſich in Sicherheit, und da die Schiffe des Koͤnigs von Majorkg in der Ferne beſchaͤftigt waren, ſo konnten die Mauriſchen Galeeren ungehindert vor den Haͤfen Frankreich's kreuzen, um eine guͤn⸗ ſtige Gelegenheit zur gluͤcklichern Erneuerung ihres jetzt mißlungenen Verſuchs zu erſpaͤhen. Der ungluͤckliche Erfolg ihrer Landung hatte den Muth der Mauren nicht niederge⸗ —— iſte lan⸗ t davon 2) be⸗ zt, als waren. it, und korka in iten die dor den ee guͤn⸗ euerung ſpaͤhen. andung ederge⸗ — druͤckt, ſondern ihn nur noch mehr entflammt. Viele ihrer Bruͤder waren gefallen, dieſe mußten geräͤcht werden, die Chriſten beſaßen Schaͤtze, deren mußte man ſich bemaͤchtigen. Kellamar freute ſich uͤber dieſen Trotz und dieſe Beharrlichkeit ſeiner Soldaten und be⸗ ſtärkte ſie darin nach allen Kraͤften, wozu er um ſo mehr Urſach hatte, als die ganze Unternehmung lediglich von ihm herruͤhrte. Er wurde naͤmlich gleich bei ſeiner An⸗ kunft in Granada im Heere des Kalifen an⸗ geſtellt, und zeichnete ſich bei vielen Ge⸗ legenheiten aus. Durch das Gluͤck ſeiner Waffen wurde er immer kühner, und ſo machte er den Entwurf zu den Landungs⸗ verſuche, welcher nicht blos Ben Abens Vor⸗ theil befoͤrdern, ſondern ihm ſelbſt auch zur Befriedigung ſeiner perſoͤnlichen Rache dienen ſollte. Ha, welches Wonnegefuͤhl— dachte er oft— als Sieger in dem Lande zu erſchei⸗ nen, wo man mir ſoviel Beleidigungen an⸗ that, jene Stolzen, die mich gefangen hiel⸗ II. 3 — 34— ten, mit eigner Hand zu erwuͤrgen, und ihre Oft Schloͤſſer der Wuth der Flammen Preis zu die geben!— ſich 4 Der Kalif, welchen er von ſeinem Plane es unterrichtete, wollte Anfangs nicht darauf eingehen, doch gab er endlich, der Tapfer⸗ und keit Kellamars vertrauend, dem wiederholten uns V— Andringen deſſelben nach, und ließ Schiffe zu ausruͤſten und mit Mannſchaft beſetzen, uͤber vweeche Kellamar den Oberbefehl erhielt. es, Alls der Tag der Abfahrt beſtimmt war, es glaͤnzten wieder Hoffnungsſtrahlen in Mirza's ſie V Seelle, die ſchon lange von Schwermuth uen umhuͤllt war. Die ſuͤßen Empfindungen, welche ſie beim Wiederſehen ihres Vaterlan⸗ daß V des ergriffen, dauerten nur kurze Zeit. Des ſie Umgangs mit ihrem Bruder beraubt, deſſen heg ganze Zeit durch Kriegsgeſchaͤfte ausgefüllt gett war, nach den Sitten ihres Volks zur Ein⸗ wil ſamkeit und Eingezogenheit verdammt, be⸗ lich wohnte ſie das Landhaus Taher Ali's, wo heu ſie erzogen worden war, und wo Alles an leich den Verluſt des geliebten Vaters ſie erinnerte. will und ihre Preis zu hwermuth indungen, Vaterlan⸗ eit. Des t, deſſen usgefuͤllt zur Ein⸗ mt, be⸗ li's, wo Alles an erinnerte. Oft trauerte ſie, fern von der Erde zu ſeyn, die ſeine Aſche umſchloß... ſie dachte es ſich ſo ſuͤß, auf ſeinem Grabe weinen und es mit Blumen beſtreuen zu duͤrfen... Ach, daß wir ſo gern uns ſelbſt taͤuſchen, und unſre Empfindungen verwechſeln, um uns gegen die Vorwuͤrfe der Vernunft ſicher zu ſtellen!— Nicht das Grab ihres Vaters allein war es, weswegen ſie ſich nach Frankreich ſehnte, es war noch ein anderer Gegenſtand, aber ſie wagte es nicht, ihn ihrem Herzen zu nennen. 3 55 Als ihr Bruder ſie davon unterrichtete, daß der Tag ſeiner Abfahrt nahe ſey, ſprach ſie zu ihm: O geliebter Kellamar! Schon hegte ich die Hoffnung, nicht mehr von Dir getrennt zu werden— da reißt Dich der wilde Krieg ſchon aufs Neue von mir. End⸗ lich nach langer Abweſenheit ſehe ich Dich heut wieder, doch nur, um Dich— viel⸗ leicht auf ewig— zu verlieren. Und Du willſt nicht, daß ich mit dem harten Schick⸗ 3 ½ ſale hadern ſoll?— War denn meine Lage damals, als man mich gefangen hielt, trau⸗ riger? Konnte ich mir damals, ungewiß uͤber Dein Schickſal, Dich in groͤßeren Ge⸗ fahren denken, als die ſind, welchen Du jetzt entgegen gehſt?— Nein, mir fehlt der Muth, mein hartes Geſchick laͤnger zu er⸗ tragen. Jetzt habe ich blos Dich auf der Welt und ohne Dich kann ich nicht ſeyn. O Kellamar, bleib bei mir oder nimm mich mit Dir!— Denke daran— verſetzte Kellamar— daß der Kalif befohlen hat, und daß ich gehorchen muß. Mirza. Nun dann, ſo laß mich Dir folgen; dies hat der Kalif nicht verboten.— Kellamar. Schyeſter, was faͤllt Dir ein? Du willſt den Gefahren und Beſchwer⸗ den des Kriegs Dich ausſetzen?— Mirza. Kellamar, wenn ich bei Dir bin, was hab' ich da zu fuͤrchten?— Kellamar. Du unter dem rohen Kriegsvolk?— — 37— Mirza. Man wird die Schweſter des „ trau⸗ Anfuͤhrers achten. ngewiß Kellamar. Es iſt den Geſetzen unſers ren Ge⸗ Landes entgegen. Mirza. Sie ſind ungerecht. Kellamar. Wir wuͤrden Ben Abens zu er⸗ Zorn auf uns laden.— uf der Mirza. O nein. Er hat ſich um die Tochter ſeines Bruders nie bekuͤmmert. Ihm in mich iſt es gleichguͤltig, ob ich in ſeinem Lande bleibe oder es verlaſſe. Kellamars Liebe zu ſeiner Schweſter war daß ich ſo groß, daß er ihrem Wunſche nicht laͤnger zuwider ſeyn konnte, ſondern ihn zu erfuͤllen ich Dir verſprach. Einige Tage nachher ging die fen.— Mauriſche Flotte unter Segel. Kellamar llt Dir heatte ſeine Schweſter heimlich einſchiffen ſchwer⸗ laſſen. hei Dir rohen IX. Als ſie an der Kuͤſte gelandet waren, und Mirza die Stellen wieder betrat, die ſie ſo oft an Irners Seite beſucht hatte, als ſie vollends die Stelle wieder ſah, wo Irners Kuß auf ihren Lippen brannte,— da war es ihr kein Geheimnis mehr, was ſie fuͤr den Ritter fuͤhlte, aber ſie vergoß bittre Thraͤnen, daß ſie ſich und ihren Bruder ge⸗ taͤuſcht. Mit heißer Liebe kam ſie in der Nacht umherirrend an den Ort, wo Irner verbor⸗ gen bei der Quelle lag; hier verrieth ſie im Selbſtgeſpraͤch die geheimen Empfindungen ihres Herzens. We ken, und ie ſie ſo als ſie o Irners da war 3 ſie fuͤr oß bittre zuder ge⸗ er Nacht r verbor⸗ th ſie im indungen Wenn auch der Ritter damals Mirza'n nicht deutlich erkannte, ſo war er doch nun⸗ mehr außer Zweifel daruͤber, daß ſie es ge⸗ weſen, weil Kellamar ſich ihm als Anfuͤhrer des Mauriſchen Heers gezeigt hatte. Von ſo guͤnſtiger Bedeutung aber auch Mirza's Ruͤckkehr fuͤr ſeine Liebe war; ſo konnte doch ſein Herz truͤber Ahnungen ſich nicht erweh⸗ ren. Die auffallende Begebenheit, durch welche ſie zu ihm zuruͤckgefuͤhrt wurde, als er die Hoffnung, ſie wieder zu ſehn aufgege⸗ ben hatte; ſein ſonderbares Verhaͤltnis zu ihr und Kellamar; der Widerſpruch zwiſchen ſeiner Neigung und ſeiner Pflicht— Alles dies vermehrte die Abſpannung ſeiner Seele, die er ſeit dem Zweikampf mit Kellamar gefuͤhlt hatte. Mit langſamen Schritten ging er auf dem Schlachtfelde hin und her. Er bekuͤm⸗ merte ſich nicht um die Trophaͤen, welche der Tod hier aufgethuͤrmt hatte, ſondern dachte nur an ſeine Liebe. Doch ploͤtzlich erſchuͤtterte ihn ein beaͤnſtigender Gedanke... „* Sie konnte ja das Schiff nicht erreicht, im Gewuͤhl des Kampfs den Tod gefunden haben ... Jetzt richtete er aufmerkſame Blicke auf die Gegenſtaͤnde umher, und ſchauderte, als er das Leichenfeld uͤberſah.— Immer aͤngſtlicher wurde er, jedem Todten ſah er in das bleiche Geſicht und fuͤrchtete fortwaͤh⸗ rend, Mirza's Zuͤgen zu begegnen. Traf er ein Antlitz, welches mit dem ihrigen einige Aehnlichkeit zu haben ſchien, dann lief er ſchnell hin, wiſchte das Blut ab, und forſchte ſo lange in den zerſtoͤrten Geſichtszuͤgen des Todten, bis er ſich uͤberzeugte, daß Sie es nicht ſey— Auf dieſe Weiſe unterſuchte er das ganze Schlachtfeld, und erſt dann, als er gewiß war, daß Mirza unter den Todten ſich nicht befinde— erſt dann beweinte er die Grau⸗ ſamkeit der Menſchen, erſt dann bejammerte er das Ungluͤck des Krieges— Er, der ſchon ſo vieles Elend gleichguͤltig mit ange⸗ ſehen hatte und uͤber ſo manches Durſeid geſchritten war. einige lief er orſchte en des Sie es ganze gewiß h nicht Grau⸗ nmerte „ der ange⸗ lutfeld —— X. Als Irner an der Spitze des Heeres nach Montpellier zuruͤckkehrte, zog ihm der Magi⸗ ſtrat ſammt dem Volke entgegen. Er wurde vom allgemeinen Jauchzen begruͤßt, und mit allen Ehrenbezeugungen empfangen, die man ſeinem Range, vorzuͤglich aber dem wichtigen Dienſte, welchen er ſeinem Vaterlande ge⸗ leiſtet hatte, ſchuldig war. Der Statthalter uͤberhaͤufte ihn mit den ſchmeichelhafteſten Lobeserhebungen, doch Ir⸗ ner antwortete: Jeder Soldat, welcher mit focht, hat gleichen Anſpruch auf dieſes Lob, wie ich.— Was haͤtte ich— fügte er hinzu, indem er ſich zum Heere wandte— 4² was hätte ich ohne Euern Muth und ohne Eure Ausdauer vermocht? Offiziere und Soldaten, Freiwillige und Vaſallen, Alle haben mit gleichem Eifer ihre Pflichten er⸗ fuͤllt!— Hierauf erklaͤrte er, daß, da ein neuer Einfall nicht zu befuͤrchten ſey, er ſeine Be⸗ fehlshaberſtelle niederlege, um zu ſeinen un⸗ terbrochenen wiſſenſchaftlichen Arbeiten zu⸗ ruͤckzukehren.— Eigentlich lag dieſe Maͤßi⸗ gung und Entſagung nicht in Irners Cha⸗ rakter. Er fuͤhlte aber, daß er ſeine Feinde durch Opfer verſoͤhnen und ihre eiferſichtige Aufmerkſamkeit auf ſeine Handlungen einzu⸗ ſchlaͤfern ſuchen muͤſſe, da dieſe ihm jetzt mehr als je laͤſtig war. Mirza befand ſich in der Naͤhe. Wie konnte er ſein gluͤhendes Verlangen, ſie wie⸗ derzuſehn, bezaͤhmen?— Von Agde aus brauchte es kaum einer Viertelſtunde, um nach Brescie uͤberzuſetzen. Lange kaͤmpfte der Ritter mit ſich— aber die Sehnſucht nach Mirza druͤckte alle ꝛſichtige einzu⸗ m jetzt . Wie ſie wie⸗ de aus e, um ich— te alle — 43— ſeine Grundſaͤtze nieder. Oft nahm er einen leichten Kahn, um an das Land zu ſchwim⸗ men, wo das Maͤdchen ſeiner Seele ſich be⸗ fand. Er hoffte ſie am Ufer zu erblicken, aber vergebens. Statt ihrer traf er Schild⸗ wachten, die ihn, ſobald er ſich naͤherte, anriefen, und ihn noͤthigten, ſich zu entfer⸗ nen, wenn er nicht verfolgt ſeyn wollte.— Unterdeſſen war Mirza immer mit dem Ritter beſchaͤftigt; oft erwartete ſie ihn am Strande, oder ſie ſtieg auf den hoͤchſten Fel⸗ ſen und blickte uͤber das Meer hin. Aber niemals, wenn ihr Auge uͤber die Wogen hinſchweifte, hatte ſie Irners Kahn bemerkt; vielleicht daß ſie die rechte Stunde nicht traf, oder das ihr Geliebter in zu großer Entfernung war. Nun haͤrmte ſie ſich und glaubte von ihm vergeſſen zu ſeyn. 3 XI. Ven allen Orten, welche Mirza aufſuchte, um das Meer und die Kuͤſte zu ſehen, liebte ſie am meiſten eine Felſengrotte auf der Morgenſeite der Inſel Brescie. Sie war nicht von Menſchenhaͤnden, ſondern von der Natur ausgehoͤlt, und man erkannte ſogleich darin den erhabenen Styl dieſer großen Bau⸗ meiſterin. Hier bildeten majeſtaͤtiſche Schwib⸗ bogen eine Gothiſche Kapelle, weiterhin be⸗ merkte das Auge einen zierlichen Saͤulen⸗ gang, und Truͤmmern lagen auf dem Bo⸗ den umher. Das tropfenweis niederfallende Waſſer kriſtalliſirte ſich zu unzaͤhligen ſon⸗ derbaren Geſtalten. Am Eingange dieſer Grotte ſaß Mirza ſo gerne, mit ihrem Blick auf der Meeres⸗ flache verweilend. Von hier aus konnte ſie die Kuͤſte von Areskies ſehen und das Ge⸗ hölz, wo ſie Irnern, ohne ihn zu erkennen, ſo nahe war. Hatten ihre Augen ſich ermuͤdet mit Auf⸗ ſuchen eines Fahrzeugs, von welchen ſie hoffte, daß es den Geliebten ihr zufuͤhren werde— vermochte ſie den Glanz der Sonne, die ſich in den Fluthen ſpiegelte, nicht laͤn⸗ ger zu ertragen— erſt dann hatte ſie Ge⸗ fuͤhl fuͤr die Reize der Natur, von welchen ſie umgeben war. Sie betrachtete die Schoͤnheiten der Grotte; ſie horchte dem Geraͤuſch der Wellen, die in den Felshoͤhlen brauſten, oder durch die Tropfſteine ſchluͤpften; ſie hing mit ihren Blicken an den Blumen, die der Lenz dieſem unfruchtbaren Eilande geſchenkt hatte 5). Hier wuchs die Seenelke und die blaubluͤ⸗ hende Winde; der Lein wiegte hier ſeinen zarten Stengel mit gelber glaͤnzender Bluͤthe, 2— 46— die nur zu ſchnell vom Meerwind abgeſtreift wurde; das Crithmum mit ſeinen klebrigen Blaͤttern draͤngte ſich aus den Felſenſpalten hervor, und das lilienartige Pancratium ver⸗ gnuͤgte mit ſeiner ſtillen Pracht das Auge. Der Brachvogel kam, die Koͤrner des Wege⸗ breits zu picken, und das Waſſerhuhn badete ſeine gruͤnlichten Federn am Strande. Zwar feſſelten alle dieſe Gegenſtaͤnde nicht lange Mirza's Aufmerkſamkeit, aber ſie dienten doch dazu, ihre Schwermuth zu zerſtreuen. eeſtreift ebrigen ſpalten m ver⸗ Auge. Wege⸗ badete nſtaͤnde „aber zuth zu 1„ 4 XII. Gewoͤhnlich beſuchte ſie die Grotte, ſobald ſie aufgeſtanden war. Eines Morgens kam ſie Auroren zuvor und ſaß in Traͤume ver⸗ ſunken auf dem trocknen Mooſe, welches, ehe die Mauren der Inſel ſich bemaͤchtigt hatten, von den Fiſchern hingebracht worden war. Plötzlich glaubte ſie leiſe Ruderſchläͤge zu hoͤren. Sie erhob die Augen und ge⸗ wahrte bei der ungewiſſen Helle des Morgen⸗ roths zwei Maͤnner, welche einen Nachen nach der Inſel hinlenkten. Jetzt hielten ſie einen Augenblick an, und ſchienen leiſe mit einander zu reden, allein ſchnell ſtießen ſie die Ruder wieder in die Fluth, trieben raſcher — 45— den Kahn fort und landeten an der Stelle, wo die Grotte ſich befand. Behend ſprang der eine Mann au's Land und ſtand Mirza'n gegenuͤber. Ein freudiges Schrecken durchzitterte ihre Bruſt; es war — Irner. Er hatte, da ſeine Verſuche am Tage zur Inſel zu gelangen geſcheitert waren, jetzt mit beſſerem Erfolge die Nacht⸗ zeit zu ſeiner Fahrt gewaͤhlt. Trunken vom Gluͤck des unerwarteten Wiederſehns ruhten ſie Herz an Herz und ſtammelten Hymnen der Liebe, Worte ohne Sinn und Zuſammenhang. Mirza hatte ihre Arme um den Nacken des Geliebten ge⸗ ſchlungen und ihr Haupt auf ſeine pochende Bruſt gelegt; kaum merklich war ihr Athem, bis ein ſußer Seufzer ihrem Buſen entflog .. Sie richtete jetzt einen ſchmachtenden Blick auf den Geliebten, und fluͤſterte leiſe, wie die Lenzluft, wenn ſie die Roſen Pa⸗ laͤſtina's umkoſet: O wie Unrecht that ich, mein Schickſal anzuklagen! Ich habe das Land wiederge⸗ Stelle, s Land eudiges s war eerſuche cheitert Nacht⸗ arteten z und e ohne te ihre en ge⸗ chende lthem, entflog tenden leiſe, n Pa⸗ hickſal derge⸗ ſehn, von dem ich mich auf ewig entfernt glaubte!— Ich habe Dich, von dem ich mich vergeſſen waͤhnte, und den ich ſelbſt zu vergeſſen fuͤrchtete, wiedergefunden mit einem Herzen voll unſaͤglicher Liebe.— Ach, wie lange habe ich die Empfindungen meines Herzens verkannt! Als beim Abſchiede von Dir meine Thraͤnen floſſen, meinte ich, es waͤren blos Thraͤnen der Dankbarkeit und Freundſchaft; als ich Kellamar'n bat, mich mitzunehmen, glaubte ich blos den Einge⸗ bungen ſchweſterlicher Liebe zu gehorchen. Aber ich taͤuſchte mich— nun kenne ich mein Herz— Irner, ich liebe Dich und liebte Dich ſchon lange. Doch beklage ich es nicht, daß das Gefuͤhl meines Herzens mir bisher ein Raͤthſel war, daß Schwermuth und Un⸗ ruhe mich befielen— deſto lebhafter genieße ich nun das Gluͤck der Liebe... Mirza hatte oͤfters ihre Rede unterbro⸗ chen; allein Irner blieb ſtumm, er war ganz in das Anſchaun ſeiner Geliebten ver⸗ ſunken... er lauſchte entzuͤckt ihrer Stimme, II. 4 die ſo weich und ruͤhrend klang, noch mehr war er entzuͤckt von der Unſchuld, mit wel⸗ cher ſie ihm die geheimſten Empfindungen ihres Herzens bekannte. h mehr it wel⸗ dungen XIII. Als er ihre Stimme nicht mehr hoͤrte, uͤberließ er ſich einige Augenblicke dem Nach⸗ denken, dann ſprach er: Bei Dir zu ſeyn, die ich anbete; aus Deinem Munde die ſuͤßen Verſicherungen der Liebe zu hoͤren, das iſt groͤßere Seligkeit als ich je zu hoffen und zu wuͤnſchen wagte; aber dadurch, daß ich der erduldeten Leiden gedenke, wird das freudige Gefuͤhl meiner Bruſt nicht erhoben, ſondern niedergedruͤckt. Mirza(theilnehmend). So mußten Deine Schmerzen ſchrecklich ſeyn, weil Du ſchon vor der Erinnerung an ſie zuruͤckbebſt. Irner. Ja, ſchrecklich! So ſchrecklich, 4* —— —— wie Du ſie— zum Gluͤck— nie fuͤhlen kannſt und nie fuͤhlen wirſt. Ach, ſelbſt in dieſem Augenblicke, wo ich in Deinen Armen ruhe, werd' ich ihrer nicht los. Mirza. O, mein Irner, vergiß ſie! Stille Liebe im Herzen naͤhrend, ſind wir lange getrennt geweſen. Nun hat das Schick⸗ ſal uns vereinigt, unſre Seelen haben ſich verſtanden, nun laß des Gluͤcks der Liebe uns genießen.. Indeß will ich es Dir nicht verhehlen, daß auch mich gewiſſe Er⸗ innerungen beunruhigen... Jetzt da ich die Liebe kenne, weiß ich, daß ſchon einmal ein Gefuͤhl in meinen Herzen lebte, dem ich keinen anderen Namen, als den Namen Liebe geben kann. Irner(heftig). Wie, Mirza? Du haͤtteſt einen Andern geliebt, als Irnern? . Mirza. Ach, er war es nicht werth. Es war der Herr des Schloſſes, der mich gefangen hielt, und mich von meinem Bru⸗ der trennte— fuͤhlen ſelbſt Deinen * ß ſie! d wir Schick⸗ en ſich Liebe 1s Dir ſe Er⸗ da ich einmal em ich Namen 2 Du ern? werth. r mich 1. Bru⸗ — 53— Irner(heftiger). War es der Hen des Schloſſes Orthus? Mir za. Nein, dieſer nicht. Der, wel⸗ dhe ich meine, war minder ſtrafbar als Miges. Er war das Opfer der heftigſten Leidenſchaft, und machte ſich ſelbſt Vor⸗ wuͤrfe, obgleich ich ihm verziehen hatte. Nie habe ich ſein Antlitz deutlich geſehen, allein ſein Schmerz dauerte mich. Und wenn ich ihn bemitleidete— ſonderbarl— dann mußte ich immer an Dich denken; ſelbſt jetzt, als ich Dich wiederſah, erinnerte ich mich unwillkuͤhrlich an ihn.—— Sey nicht daruͤber eiferſuͤchtig, geliebter Irner! Indem jenes Gefuͤhl mit dem des Augenblicks in meiner Seele ſich vermiſcht, finde ich mich nur begluͤckter durch Deine Liebe... Der Ritter legte die eine Hand auf ſeine Stirn, um die Thraͤnen zu verbergen, welche in ſein Auge drangen, dann druͤckte er einen gluͤhenden Kuß auf Mirza's Lippen und rief: Fuͤrchte nicht, meine Eiferſucht zu erregen, geliebtes Leben! Behalte in Deiner Bruſt die Empfindungen, die der ungluͤckliche Herr des Schloſſes in Dir erregte, beunruhige Dich daruͤber ſo wenig, als uͤber Deine Neigung zu mir... Und dumpf, ohne daß ihn Mirza ver⸗ ſtand, ſprach er in ſich hinein: Ach, ich war es ja ſelbſt! Aber— ſagte er nach einer Pauſe— die Zeit entflieht; die Sonne ſteigt herauf am Himmel, und das Meer iſt ruhig; ich muß eilen, Frankreichs Kuͤſte wieder zu er⸗ reichen. 5 Wie?— rief Mirza beunruhigt— Du willſt fort? Willſt Mirza verlaſſen? Du kamſt alſo nicht hieher, um Dein Schickſal auf ewig mit dem meinigen zu vereinen? Ach, ich glaubte, Du wuͤrdeſt nun immer hier bleiben, und Dich nie von mir trennen. Mirza!— verſetzte Irner ſanft— Meine Geburt und die Verhaͤltniſſe legen mir Ver⸗ pflichtungen auf, denen ich die theuerſten und heiligſten Gefuͤhle meines Herzens zum Opfer bringen muß. Niemand ahnet es, — Du 2 Du hickſal einen? immer ennen. Meine Ver⸗ herſten 3 zum et es, daß ich dieſe Inſel beſuchte... Was mir einmal moͤglich war, wird auch mehrmals moͤglich ſeyn... aber jetzt muß ich mich entfernen.— Mirza. Nun dann, ſo geh⸗! Allein warte noch einige Augenblicke. Bald wird das Schiff, auf welchem Kellamar iſt, in den Hafen einlaufen; wir wollen ihn zu⸗ ſammen in unſere Arme ſchließen. Wie glücklich wird er ſeyn, wenn er Dich wie⸗ derſieht. Irner. Was denkſt Du, Mirza? Kel⸗ lamar iſt nicht der ungluͤckliche Gefangene mehr, deſſen Schickſal ich auf jede Weiſe zu mildern ſuchte; jetzt iſt er der Feind meines Vaterlands, und blos auf dem Schlach elde duͤrfen wir uns wiederſehn. Mirza. Deine Worte erſchrecken mich. Iſt nicht Kellamar Mirza's Bruder? Irner. Sey ruhig! Das werde ich nie vergeſſen. Schon einmal begegneten wir uns, das Schickſal beguͤnſtigte Deinen Bruder; er konnte mir das Leben rauben, allein er — 56— umarmte mich als Freund... Sprich, was wollt ihr denn hier an den Kuͤſten Frankreichs?— O daß Du Deinen Bruder von ſeinen Plaͤnen abbringen koͤnnteſt!— Beharrt er aber bei ſeinem Vorſatze, mei⸗ nem Vaterlande feindlich zu begegnen, dann ſage ihm nichts von mir, dann ſage ihm nicht, daß ich hieher kam. Leicht koͤnnte er aus meinem Betragen ſchließen, daß ich den ſtrafbaren Gedanken gefaßt, mein Va⸗ terland zu verrathen. Durch einen ſolchen Argwohn darf Irners Ehre nie befleckt wer⸗ den. Und nun— leb' wohl, leb' wohl!— In zwei Tagen ſiehſt Du mich wieder. Er hielt Wort. Die Felſengrotte war noch oft die Schutzgoͤttin ihrer Liebe, noch oft ruhten ſie dort einander ſelig in den Armen. Allein waͤhrend der Ritter ſo gluͤcklich war, zog ſich, von ſeinen Feinden erregt, ein fuͤrchterliches Ungewitter uͤber ſeinem Haupte zuſammen. 7— Sprich, Kuͤſten Bruder ſt— „ mei⸗ dann ge ihm koͤnnte daß ich ſin Va⸗ ſolchen ft wer⸗ öhl!— r. te war „ noch in den uͤcklich erregt, ſeinem XIV. Miges hatte es bald entdeckt, daß Irner es geweſen war, welcher Mirza's Aufent⸗ halt auf ſeinem Schloſſe entdeckt, ihren Bruder davon benachrichtigt, und die Flucht Beider beguͤnſtigt hatte. Schwerer war es ihm, die lange Abweſenheit Kellamars zu entraͤthſeln, ehe derſelbe wieder zum Vor⸗ ſchein kam. Er ſtieß noch auf andere Be⸗ denklichkeiten. Fruͤher hatte er geglaubt, daß Mirza auf einem Schloſſe Irners ge⸗ fangen geſeſſen habe; dies wurde ihm aber nun ganz unwahrſcheinlich, wenn er annahm, daß die Flucht der Kinder Tahers vom Rit⸗ ter beguͤnſtigt worden ſey. Die Sache mochte ſich nun aber verhalten wie ſie wollte, der Vicomte war Irners erbitterſter Feind. Die Veranlaſſung zu dieſer Feindſchaft durfte Miges nicht oͤffentlich bekannt machen, weil er ſich dadurch ſelbſt in ein ſchlechtes Licht geſetzt haben wuͤrde, daher ſuchte er durch verlaͤumderiſche Andeutungen und durch Ausſtreuung von allerhand uͤblen Geruͤchten, die dem Neide ſo willkommen ſind, den guten Ruf des Ritters zu untergraben. Als Irner die Mauren zuruͤckgeſchlagen hatte, mußte der Vieomte eine Zeitlang ſchweigen, weil ſelbſt die, welche vor Kur⸗ zem ſeinen Worten begierig zuhoͤrten, jetzt den Ritter bewunderten. Vielleicht haͤtten die Beweiſe von Vaterlandsliebe, die Irner bei dieſer Gelegenheit gegeben hatte, den Vicomte bewogen, ſeinen Haß fahren zu laſſen, wenn er nur nicht die Nachricht er⸗ halten haͤtte, daß Kellamar der Anfuhrer der Mauren geweſen, wenn er nur nicht von dem ſonderbaren Ausgange des Zwei⸗ kampfs, und von Irners haͤufigen Verſuchen, einem macht und Mirz comte mit d treter zu v nehm Eine ihn ihm war ihn -, der dſchaft nachen, llechtes hte er b durch uͤchten, „ den hlagen eitlang r Kur⸗ „ jetzt haͤtten Irner „ den ren zu cht er⸗ fuͤhrer nicht Zwei⸗ uchen, 59— nach Brescie uͤberzuſetzen, unterrichtet wor⸗ den waͤre. Wie groß war ſeine Freude, als er in einem Hauſe zu Agde lauernd die Entdeckung machte, daß der Ritter die Inſel beſuche, und oft lange Zeit dort verweile. Daß es Mirza's wegen geſchehe, fiel jetzt dem Vi⸗ comte nicht ein— er glaubte, Irner ſey mit den Mauren in geheime Verbindung ge⸗ treten, und ſtehe im Begriff, ſein Vaterland zu verrathen. Auf jeden Fall war das Be⸗ nehmen des Ritters ſo unvorſichtig, daß Einer, welcher damit umgegangen waͤre, ihn zu ſtuͤrzen, keine andere Handlungsweiſe ihm haͤtte anrathen koͤnnen. Der Schein war ganz gegen Irnern, und Miges eilte, ihn zum Verderben des Ritters zu benutzen. Er ſandte an den Koͤnig von Majorla eine Anklage gegen Irnern, in welcher er den Ritter beſchuldigte, daß er ſchon ſeit geraumer Zeit mit den Feinden des Vater⸗ lands in Verbindung ſtehe. Nachdem er die Thatſachen, auf welchen ſeine Anklage beruhte, angefuͤhrt hatte, fuhr er fort: „Sire, ich behaupte es zuverſichtlich, er hat nichts Geringeres im Sinne, als ſich die Herrſchaft üͤber das ſuͤdliche Frankreich zuzueignen. Wenn er fruͤher die Unglaͤu⸗ bigen ſchlug, ſo zeigte er ſich blos pflicht⸗ getreu, um das Vertrauen, welches er ſich dadurch erwarb, in der Folge deſto ſicherer misbrauchen zu koͤnnen. Noch ſind die Feinde vor unſern Thoren, dennoch hat er die Be⸗ fehlshaberſtelle niedergelegt; er behauptet, es ſey nichts mehr von ihnen zu fuͤrchten, allein er thut dies blos in der Abſicht, daß man das Heer, welches zum Schutz der Kuͤſte noch verſammelt iſt, auseinander gehen laſſen ſoll. Folgt man dieſem hinterliſtigen Rathe, dann wird Irner ſchnell an der Spitze der Mauren erſcheinen, und mit ihrer Huͤlfe ſich zum Herrn der Provinz machen. Ja, ſollten die Unglaͤubigen mit einem Chriſten in Verbindung zu treten, und ſeine ehrſuͤchtigen Plaͤne zu befoͤrdern Bedenken tragen; ſo traue Stelle ihm if geiz z gelang u der V es ni allger Ruhn als d worbe wuͤrd wede Thei Es bitter und Ankl Er ſ liche die nklage t: lich, er ls ſich ankreich uglaͤu⸗ pflicht⸗ er ſich ſicherer Feinde die Be⸗ auptet, uͤrchten, dt, daß utz der r gehen liſtigen Spitze Huͤlfe Ja, ſten in chtigen n; ſo traue ich es Irnern zu, daß er auf der Stelle das Chriſtenthum abſchwoͤrt, denn ihm iſt es nur darum zu thun, ſeinen Ehr⸗ geiz zu befriedigen und zur Fuͤrſtenwuͤrde zu gelangen.“ Um die Wirkungen hervorzubringen, die der Vicomte mit dieſer Anklage bezweckte, war es noͤthig, Irnern der Achtung, die er faſt allgemein genoß, zu berauben, und ſeinen Ruhm, den er ſowohl durch Kriegsthaten, als durch wiſſenſchaftliche Arbeiten ſich er⸗ worben hatte, zu verdunkeln. Ohnedem wuͤrden die Beſchuldigungen des Vicomte weder beim Volke noch auch bei einem großen Theile des Adels Glauben gefunden haben. Es war ſogar zu vermuthen, daß das er⸗ bitterte Volk dem Gericht ſich widerſetzen und die Beleidigung ſeines Lieblings an dem Anklaͤger raͤchen werde. Miges waͤhlte alſo einen Schlangerteg. Er ſammelte alle Nachrichten uͤber das haͤus⸗ liche Leben des Ritters, dann entſtellte er die gleichguͤltigſten ſowohl als die lobens⸗ — 6— wuͤrdigſten Handlungen deſſelben, und die⸗ jenigen, welchen er nicht recht auf die Spur kommen konnte, wußte er ſo zu ergaͤnzen, wie es ſeinen Zwecken angemeſſen war. Nun verbreitete er mancherlei Geruͤchte im Pub⸗ likum, welche dazu dienen mußten, Irnern in den Augen deſſelben herabzuwuͤrdigen. Durch den Leichtſinn der Graͤfin Mathilde wurden die Abſichten des Vicomte ſehr un⸗ terſtuͤtzt. Sie fand, um ſich an ihm, der ſie verſchmaͤht hatte, zu raͤchen, genug Wege; alles Nachtheilige und Unguͤnſtige, was man von Irnern ſprach, wußte ſie geſchickt in Umlauf zu bringen.— Ja ſie vertraute ſogar dem Vicomte unter dem Siegel der Verſchwiegenheit, daß das Kind, welches ſie als ihre Tochter erziehe, eine Frucht ver⸗ botner Liebe und daß Irner ihr Vater ſey. Noch— fuͤgte ſie hinzu— habe ſie keine vollſtaͤndigen Beweiſe, allein... O die Thoͤriun! Sie wollte Irnern in der Achtung Anderer erniedrigen und doch liebte ſie ihn.— d die⸗ Spur Baͤnzen, Nun Pub⸗ Irnern en. Nathilde ſehr un⸗ in, der Wege; as man hickt in ertraute gel der welches cht ver⸗ er ſey. e keine in der liebte Niges war ſchon damals, als ſie den Ritter zu ihrem Geburtstagsfeſte einlud, ihr Vertrauter. Erbitterung und Eiferſucht hatten ſie immer enger verbunden. Ein im weiblichen Gemuͤth leicht entſtehender Irr⸗ thum bewog ſie, ihn, den ſie liebte, zu haſſen. Daß der Vicomte ebenfalls von Mirza's Reizen beſtrickt war, wußte ſie nicht. Er kam oft in ihr Haus, weil er dort Geſellſchaft fand, die ihm geduldig zuhoͤrte. XV. Wellte ich Alles erzaͤhlen, was ich von dem Ritter weiß— ſagte er eines Tages, nachdem er mit Aufmerkſamkeit die Phyſio⸗ gnomieen aller Anweſenden unterſucht hatte— ſo wuͤrde ich heute nicht fertig. Sonderbar⸗ keit oder Bosheit liegt allen ſeinen Hand⸗ lungen zum Grunde. Wo er ſich aufhielt, da nahm er auch Theil an allem Ungewoͤhn⸗ lichen, allen Verbrechen. Aus mehreren Ur⸗ kunden, die ich geſammelt habe, geht hervor, daß der Ritter auch in eine Begebenheit ver⸗ flochten war, die ſich vor einigen Jahren in unſerer Stadt ereignete, aber noch in ein undurchdringliches Dunkel gehuͤllt iſt.— Anw comt dem herge kein folge Hauß lebte cut konn Arbe Irne Er alten ſtelli beide drei gebe den an Cha I ſch von Tages, Phyſio⸗ atte— derbar⸗ Hand⸗ ſ-ufhielt, gewoͤhn⸗ en Ur⸗ hervor, ſeit ver⸗ Jahren in ein 65 Dieſer Eingang erregte die Neugier aller Anweſenden; man drang daher in den Vi⸗ comte, die Begebenheit zu erzaͤhlen. Nach⸗ dem er ſeine Augen in der Geſellſchaft um⸗ hergeworfen, und ſich uͤberzeugt hatte, daß kein Freund Irners zugegen ſey, begann er folgendermaßen: Nicht weit von Irners Schloſſe, in einem Hauſe welches zu ſeinen Beſitzungen gehoͤrte, lebte ein armer Bauer, Namens Bares⸗ cut, mit ſeiner Familie. Als Leibeigene konnten ſie blos durch die angeſtrengteſte Arbeitſamkeit ihre Duͤrftigkeit erleichtern, bis Irner unerwarteter Weiſe ihrer ſich annahm. Er verlangte blos maͤßige Arbeit von dem alten Barescut, und gab ihm ſogar zur Be⸗ ſtellung ſeines Ackers, die er zeither mit ſeinen beiden erwachſenen Soͤhnen beſorgt hatte, drei Knechte zu. Die Soͤhne wurden freige⸗ geben, vom Pfluge weggenommen und in den Waffen unterrichtet. Der Ritter, welcher an ihnen eine ungewoͤhnliche Feſtigkeit des Charakters und eine weit uͤber ihren Stand . 5 — 66— erhabene Geiſteskraft bemerkte, ſorgte fuͤr Ausbildung ihrer Anlagen. Und damit ſie ſchneller Fortſchritte machen ſollten, ertheilte fer ihnen ſogar ſelbſt Unterricht. Haͤufig unterhielt er ſich mit ihnen entweder in der Wohnung ihres Vaters, oder auf dem Felde, oder in ſeinem Schloſſe. Es war, als ob er geahnet haͤtte, daß er in den Widerwaͤrtigkeiten, in welche ſein unruhiger Sinn und die Wildheit ſeiner Seele ihn ſtuͤrzen mußten, des Beiſtandes kuͤhner Menſchen beduͤrfe, die er ſich geneigt gemacht. Für das beſte Mittel aber, ſie an ſich zu feſſeln, hielt er es, ihnen ſeine gottloſen Grundſaͤtze einzupflanzen. Irner war damals in der wildeſten Zeit der Jugend; noch waren vom Ehrgeiz ſeine anderen Leidenſchaften nicht unterdruͤckt wor⸗ M den— er liebte. Barescut hatte eine Tochter von ausge⸗ zeichneter Schoͤnheit. Nichts fehlte ihr, als Bildung und Erziehung, um ihren Geiſt mit ihrem Koͤrper in Harmonie zu bringen. Allein 1 4 ſelbſt war Ausdr ihrem J Verhe geſtar ſie ſt Fall klaͤrte waret 2 pellie der word ein gekon nicht word tekti ihm fent Kaiſ tte fuͤr nit ſie rtheilte Haͤufig in der e, daß ſche ſein ſeiner iſtandes geneigt ber, ſie en ſeine ten Zeit eiz ſeine kt wor⸗ ausge⸗ hr, als eeiſt mit Allein 4 Felde, — 67— ſelbſt im groben Gewande einer Leibeignen war Eudomire(ſo hieß ſie) durch den Ausdruck von Offenheit und Unſchuld in ihrem Angeſichte hoͤchſt verfuͤhreriſch. Ich will nicht beſtimmen, in welchem Verhaͤltniſſe Irner zu Eudomiren eigentlich geſtanden hat; ſoviel aber iſt gewiß, daß er ſie ſtolz und ehrſuͤchtig machte; auf jeden Fall iſt er ſtrafbar, weil er Menſchen auf⸗ klaͤrte, welche durch ihren Stand beſtimmt waren, ewig in Unwiſſenheit zu leben. Barescuts Tochter ging oft nach Mont⸗ pellier. Dort war ſie von einem Studenten der Rechte, Namens Anaxile, bemerkt worden. Der Juͤngling war erſt in ſeinem ein und zwanzigſten Jahre in's Abendland gekommen. Von ſeiner Herkunft wußte man nichts, als daß er in Griechenland erzogen worden. Indeß wollte man aus der Pro⸗ tektion, welche der Comthur Villedieu ihm angedeihen ließ, aus dem langen Au⸗ fenthalte des letztern am Hofe der griechiſchen Kaiſer, aus der auffallenden Aehnlichkeit der 5* Geſichtszuge Beider ſchließen, daß zwiſchen Anaxile und dem Comthur eine ziemlich enge Verwandtſchaft ſtatt finde. Da Villedieu als Ordensritter ihn als Sohn nicht aner⸗ kennen durfte, ſo ſuchte er ihm wenigſtens eine ehrenvolle Laufbahn zu eröffnen. Er ließ ihn alſo die Rechtsgelehrſamkeit ſtudi⸗ ren, und hoffte ihm in der Folge durch ſeinen Einfluß eine bedeutende Stelle im Magiſtrat zu verſchaffen. Anarxile als ein Morgenlaͤnder hatte hef⸗ tige Leidenſchaften, insbeſondere einen unwi⸗ derſtehlichen Hang zur Wolluſt. Wenn er mit Damen aus den hoͤhern Staͤnden zu⸗ ſammentraf, mußte er freilich die Gluth ſeiner Leidenſchaft zuruͤckhalten, ſeine Sinn⸗ lichkeit maͤßigen und den beſcheidenen Sitten des Abendlands ſich unterwerfen; traf er ber ein Geſchoͤpf aus der niedern Volks⸗ klaſſe, welches ſeine Sinnlichkeit erregte, dann dachte er blos darauf ſie zu befriedi⸗ gen, und dann waren ihm auch alle Mittel, um zu ſeinem Zwecke zu gelangen, die rechten. A auf niger ihr b verſta daruͤb geſche draͤng ihre C wiede blieb ihr und leſen waͤre Anaz er i ſeher folg⸗ Mor Stu wiſchen h enge illedien aner⸗ igſtens 4. Er ſtudi⸗ h ſeinen agiſtrat ſtte hef⸗ unwi⸗ Venn er den zu⸗ Gluth Sinn⸗ Sitten traf er Volks⸗ erregte, efriedi⸗ Mittel, rechten. Anfaͤnglich, als er Barescuts Tochter auf allen Schritten verfolgte, war ſie we⸗ niger daruͤber beſtuͤrzt, daß der Fremdling ihr beleidigende Antraͤge machte— denn ſie verſtand nicht, was er ſagte; als vielmehr daruͤber, daß er ſeine Aufmerkſamkeit ihr geſchenkt hatte und ſich unaufhoͤrlich an ſie draͤngte. Sie erroͤthete dann und verdoppelte ihre Schritte. Eines Tages aber, als Anaxille ſich ihr wieder mit ſeiner gewoͤhnlichen Rede naͤherte, blieb ſie, die es bis jetzt nicht gewagt hatte, ihr Auge gegen ihn aufzuſchlagen, ſtehen, und warf ihm einen Blick zu, in welchem er leſen konnte, daß ſeine Abſichten ihr nun klar waͤren, aber daß ſie ihn tief verachte.— Anaxile verſtummte und entfernte ſich. Weil er in den naͤchſten Tagen ſich nicht wieder ſehen ließ, glaubte Eudomire von ſeinen Ver⸗ folgungen ſich befreit. Barescuts Wohnung lag ſo nahe bei Montpellier, daß ſeine Tochter faſt zu jeder Stunde des Tages, wenn gerade Beduͤrf⸗ niſſe fr die Familie einzukaufen waren, nach der Stadt ging. Eines Tages war ſie kurz nach Sonnenuntergang fortgegangen, die Mutter wartete der Tochter an der Hausthuͤre, allein Eudomire kam nicht zuruͤck, obgleich die Sterne ſchon hell am Himmel glaͤnzten. Nun ward die Mutter aͤngſtlich, und forderte ihre beiden Soͤhne auf, Endomiren zu ſuchen. Die Juͤnglinge machten ſich ohne Verzug auf den Weg. Als ſie in den Wald kamen, durch welchen der Fußſteg nach der Stadt fuͤhrte, glaubten ſie ſeitwaͤrts im Gebuͤſch ein Geraͤuſch und ein klaͤgliches Wimmern zu hoͤren. Sie horchten— und hal ſie er⸗ kannten die Stimme ihrer Schweſter, ob⸗ gleich der Schmerz ſie ſehr gedaͤmpft hatte. Sie ſtuͤrzten in das Gebüſch und fanden Eudomiren bewußtlos auf dem Boden liegen. Als ſie das Geſchrei ihrer Bruͤder hoͤrte, nahm ſie alle ihre Kraͤfte zuſammen, um ſich aufzurichten— allein ſie ſank ohnmaͤchtig nieder. Die Bruͤder umfaßten die Schweſter mit nach e kurz „ die thuͤre, bgleich aͤnzten. orderte ſuchen. Verzug kamen, Stadt Gebuͤſch immern ſie er⸗ r, ob⸗ hatte. fanden liegen. hoͤrte, um ſich naͤchtig ter mit kraͤftigen Armen und trugen ſi ſie nach Hauſe. Noch immer war ſie bewußtlos, und Nie⸗ mand vermochte die Urſach ihres Zuſfandes⸗ zu ergruͤnden. Endlich als ſie erwachte, und ſich von Vater, Mutter und Bruͤdern umgeben ſah, ſchrie ſie laut auf, und riß ſich mit krampf⸗ hafter Anſtrengung aus ihren Armen. Sie griff nach dem Schwerte eines ihrer Bauͤder, welches vor ihr auf dem Tiſche lag und wollte es ſich ins Herz ſtoßen, aber Eltern und Bruͤder verhinderten ihren Vorſatz und redeten ihr zu, von ſolch einem gottloſen Beginnen abzuſtehen. Allein Eudomire ſprach: Zwingt mich nicht zum Leben, denn von nun an muß ich mich ſelbſt verabſcheuen!— Bei dieſen Worten kniete ſie nieder, verbarg ihr Ge⸗ ſicht an der Bruſt ihrer Mutter und fluſterte dieſer weinend zu: Ein Unbekannter uͤber⸗ fiel mich im Walde, und obgleich ich ihm den heftigſten Widerſtand leiſtete, ſo war ich doch zu ſchwach, und mußte die graß⸗ lichſte aller Beleidigungen von ihm erdul⸗ den!... Bei dieſem Bekenntnis Eudomirens zer⸗ floſſen die Eltern in Thraͤnen; allein die Bruͤder blieben ſtumm und weinten nicht. Als des Maͤdchens Schmerz durch die Lieb⸗ koſungen der Mutter einigermaßen beſchwich⸗ tigt war, ſagte der alte Bareseut mit Faſ⸗ ſung: Der Ehrenraͤuber unſerer Tochter war gewiß ein großer, angeſehener Mann, ſonſt hätte er nicht ſo kuͤhn gehandelt. Allein Gott wird ſein Verbrechen ſtrafen; blos ihn koͤnnen wir um Rache anrufen. Wir ſind arm und ſchutzlos, vor welchem Rich⸗ terſtuhle, als vor dem des Alllerhoͤchſten, duͤrfen wir da Recht zu finden hoffen?— Schutzlos?— rief der juͤngſte Sohn, welcher Irners Liebling war, mit fuͤrchter⸗ licher Stimme— Schutzlos? Habt Ihr denn keine Soͤhne? Meint Ihr denn, daß wir nicht ſelbſt das Richteramt verwalten und die Gerechtigkeit, die man uns verwei⸗ 4 gert, chen der 2 ſchull biſt, wir Ehre hinde ruͤhn Dir loͤſch rnni forſe daß der ihr ſcho Dur ſein Beg Tag kan erdul⸗ s zer⸗ n die nicht. Lieb⸗ hwich⸗ t Faſ⸗ war ſonſt Allein blos Wir Rich⸗ hſten, Sohn, ſchter⸗ Ihr daß dalten rwei⸗ V 3. gert, ſelbſt handhaben koͤnnen?— Bei ſol⸗ chen Angelegenheiten iſt der gewoͤhnliche Gang der Juſtiz viel zu langſam!— Eudomire, ſchuldloſes Opfer; jetzt, da Du ungluͤcklich biſt, wollen wir Dich noch mehr lieben, als wir Dich ſonſt liebten, den Moͤrder Deiner Ehre wollen wir aufſuchen, wir wollen ihn hindern, ſeines ſchaͤndlichen Sieges ſich zu ruͤhmen, wir wollen die Schmach, welche er Dir zugefuͤgt hat, mit ſeinem Blute aus⸗ loͤſchen!—. Natuͤrlich mußte der Thaͤter zuerſt er⸗ forſcht werden. Eudomire erinnerte ſich blos, daß der Unbekaunte etwas Fremdartiges in der Ausſprache gehabt habe, auch war es ihr vorgekommen, als ob ſeine Stimme ihr ſchon bekannt ſey, allein die Furcht und die Dunkelheit des Waldes hatte ſie verhindert, ſeine Geſichtszuͤge zu unterſcheiden. Seit jener Nacht ging Eudomire blos in Begleitung ihrer Bruͤder in die Stadt. Eines Tages, als ſie mit ihnen auf den Platz kam, wo die Rechtsſchule war, erblaßte ſie und waͤre zu Boden geſtuͤrzt, wenn ihre Bruͤder ſie nicht mit den Armen aufgefangen haͤtten. Als ſie wieder zu ſich kam, verlang⸗ ten die Bruͤder die Urſach ihrer heftigen Be⸗ wegung zu wiſſen. Nun erklaͤrte ſie, daß ſie unter den Studenten, welche vor dem Gebaͤude geſtanden und mit einander ge⸗ a ſprochen, die Stimme des Raͤubers ihrer „hre zu erkennen geglaubt habe. 3 Sogleich ließ einer der Bruͤder ſie los und lief zuruͤck, allein der Platz war leer. Doch freuten ſich die Barescuts, dem Manne, welchen ſie ſuchten, auf die Spur gekommen zu ſeyn. Sie hatten Irnern ihr Geheimnis anver⸗ traut, und ihn ohne Zweifel auch uͤber die Mittel zu Rathe gezogen, wie ſie ſich Recht verſchaffen koͤnnten. Der Ritter verſagte ihnen ſeinen Rath um ſo weniger, als zwi⸗ ſchen den Studenten der Rechte und denen der Medizin fortwaͤhrend Streitigkeit obwal⸗ teten, bei welchen natuͤrlich der Ritter immer die Parthei der letzteren ergriff. W mer kuͤhle dunke 2 erwa net welch In Plat wo befa die pfle neb ihre angen erlang⸗ en Be⸗ „ daß r dem er ge⸗ ihrer ie los r leer. Nanne, dmmen anver⸗ der die Recht erſagte 3 zwi⸗ denen bwal⸗ immer V V Wegen der großen Hitze werden im Som⸗ mer die Kollegien blos Abends, wenn es kuͤhler iſt, geleſen; oft iſt es ſchon ganz dunkel, wenn ſie beendigt ſind. ugr Das Ende eines ſolchen Rechtskollegiums erwarteten Eudomirens Bruͤder, wohl bewaff⸗ net und in Begleitung mehrerer Bauern, welche ſie fuͤr ihre Sache gewonnen hatten. In der Mitte der Straße, welche an den Platz ſtieß, wo die Rechtsſchule war, und wo die Studenten gewoͤhnlich vorbeigingen, befand ſich ein tiefer Brunnen, aus welchem die Maulthiertreiber ihr Vieh zu traͤnken pflegten.— Hier ſtellten ſich die Barescuts nebſt ihren Freunden hin. Die Straße war ſo eng, daß nur wenige neben einander ge⸗ hen konnten; dieſe Stellung, die Nacht und die Waffen die ſie fuͤhrten, ſicherten Eudo⸗ mirens Bruͤdern den beſten Erfolg zu. Aber wie war der Schuldige zu erkennen? — Eudomire hatte geſagt, daß er an der fremdartigen Betonung der Worte kenntlich „ſey. Dies war genug.— Wie alſo die Stu⸗ — 76— deuten die Straße entlang kamen, wurden ſie von den Söhnen Barescuts und ihren Freun⸗ den ergriffen, und gezwungen den Abendgruß auszuſprechen. Diejenigen, welche damit zoͤgerten oder etwas Fremdartiges in der Ausſprache verriethen, wurden ſogleich er⸗ mordet und in den Brunnen geſtuͤrzt. Anarlle konnte ſeinem Schickſale nicht entgehn, auch er wurde niedergeſtoßen, aber wie viel Unſchuldige waren ermordet worden, ehe der Tod den Schuldigen traf?— Die gerichtlichen Unterſuchungen, welche wegen dieſes Verbrechens ſtatt fanden, ſind Euch bekannt; allein den Thaͤtern konnte man nichts beweiſen und ſo blieben ſie ſtraf— los. Bald darauf ging Irner nach Rhodus ab, und nahm Barescuts Soͤhne mit ſich, den einen als Stallmeiſter, den andern als Pagen 4).— Hier endete Miges ſeine Erzaͤhlung und blickte umher, den Beifall der Geſellſchaft ſuchend. den ſie Freun⸗ dgruß damit In der ch er⸗ nicht aber rden, welche „ ſind konnte ſtraf⸗ hodus ſich, en als g und ſchaft XVI. Trincavel, als Statthalter und General⸗ bevollmaͤchtigter des Koͤnigs von Majorka, haͤtte eigentlich das naͤchſte Recht gehabt, in der gegen Irnern angeordneten Unter⸗ ſuchung die Praͤſidentenſtelle einzunehmen. Allein Miges hatte dem vorzubeugen ge⸗ wußt, indem er dem Koͤnige vorſtellte, daß Trincavel, als Bruder des Angeklagten, ſeinen ganzen Einfluß anwenden werde, um des letztern Freiſprechung zu bewirken. Haͤtte der König die Anklage ſelbſt ge⸗ leſen, ſo wuͤrde der in ihr herrſchende leiden⸗ ſchaftliche Ton ihm aufgefallen ſeyn, allein ſie wurde ihm blos durch ſeinen Miniſter vorgetragen, welcher ebenfalls zu denjenigen gehoͤrte, die den Ritter wegen ſeines Ruhms beneideten. Da nun der Vicomte es geweſen war, welcher auf die Groͤße der Gefahr, die man von Irnern zu beſorgen habe, aufmerkſam gemacht hatte, ſo wurde ihm der Auftrag ertheilt, den Unterſuchungsprozeß gegen den Ritter einzuleiten. Dieſer Auftrag ſetzte den Vicomte einiger⸗ maßen in Verlegenheit; er beſaß noch ſoviel Gewiſſenhaftigkeit, um ſich zu ſagen, daß wenn Irner ſchuldlos verurtheilt werde, die Verantwortlichkeit blos auf ſein Haupt falle. Er trooͤſtete ſich indeß damit, daß ihm der ehrwurdige Biſchof von Maguelone als Bei⸗ ſitzer zugegeben war, und der Comthur Ville⸗ dien bei der Unterſuchung den Vorſitz hatte. War etwas zu verantworten, ſo mußten dieſe einen Theil der Verantwortung auf ſich nehmen. Trincavel, als er von dem königlichen Dekret, wodurch ſein Anſehn geſchmaͤlert einig er il Die jenigen Ruhms war, e man erkſam uftrag en den einiger⸗ ſoviel „ daß de, die falle. hm der Bei⸗ Ville⸗ hatte. hußten auf lichen aͤlert — 0— wurde, und von der gegen ſeinen Bruder erhobenen Anklage Nachricht erhielt, gerieth in die groͤßte Beſtuͤrzung. Obgleich er ſei⸗ nem Bruder, eiferſuͤchtig auf deſſen Ruhm, bisher mit Kaltſinn begegnet, und allennge⸗ gen denſelben erhobenen Verlaͤumdungen ein geneigtes Ohr geliehen hatte, ſo erwachte doch jetzt im Augenblicke der Gefahr ſſee ganze bruͤderliche Liebe. Er eilte in Irners Wohnung, allein er traf ihn nicht. Er ſuchte ihn in ſeinem Schloſſe, ebenfalls vergebens. Endlich nach einigen Tagen, als er wieder hinging, fand er ihn, in Begriff ſeine Kleider zu wechſeln⸗ Die Kleidung, welche er eben abgelegt hatte, war ganz naß. imt Vergieb mir, Bruder!— ſprach Trin⸗ cavel, indem er Irnern zaͤrtlich umarmte— vergieb mir, daß ich ſo lange es unterließ, mit meinem Rathe und meiner Breundſthut Dir beizuſtehn. Das bedaur' ich allerdings!— verſetzie Irner ſehr ernſthaft.— Dem bruͤderlichen —-— 80— Rathe haͤtte ich dann gewiß eher gehorcht, als der Stimme meiner Leidenſchaften.... Ach, es iſt ſo ſchwer, den rechten Weg zu finden und ſich in ſein Schickſal zu ergeben, wenn man einſam und verlaſſen in der Welt daſteht. Wenn man von Allen ſich zuruͤck⸗ geſtoßen ſieht, ſelbſt von denen, welche die Natur uns zu Freunden gab, dann freilich ſammelt der Menſch Gift im Herzen und wird dahin gebracht, ſich gegen Alles zu empoͤren und zu verſchwoͤren... Aber nein!— ſetzte er ſanfter hinzu, indem er ſeine Arme um den Bruder ſchlang— Ich will Dir keine Vorwuͤrfe machen, denn Du zeigſt Dich jetzt ſo gut und liebevoll gegen mich. Dennoch verbitterſt Du mir dieſe Stunde; nicht dadurch, daß Du an meine begangenen Fehler mich erinnerſt, ſondern, weil ich in Deinen Blicken leſe, daß auch Du den gegen mich ausgeſtreuten luͤgen⸗ haften Geruͤchten, wodurch meine Ehre ge⸗ kraͤnkt wird, Glauben beimiſſeſt... Trincavel.(lebhaft) Nein, daran glaub Geruͤ kann T .. ſtand, 3 daß u haft Allem iſt, der e wenn anruf was Pflich bin, die m ruͤchte was ſ ᷣ T auf d Dir j ſuchun II. horcht, eg zu rgeben, er Welt zuruͤck⸗ che die freilich len und lles zu Aber dem er — Ich nn Du l gegen dieſe meine ndern, ß auch luͤgen⸗ )re ge⸗ daran — 8— glaube ich nicht, und werde auch nie ſolchen Geruͤchten Glauben beimeſſen... Allein ich kann meine Bedenklichkeiten Dir nicht verhehlen ... Deine oͤftere Abweſenheit, ſelbſt der Zu⸗ ſtand, in welchem ich ſo eben Dich uͤberraſche... Irner. Trincavel, ich gebe es zu, daß mein jetziges Betragen Manchem raͤthſel⸗ haft und unbegreiflich ſeyn mag. Aber bei Allem, was mir am theuerſten auf der Welt iſt, bei Deiner brüderlichen Liebe und bei der ewigen Gerechtigkeit des Himmels— wenn ein Sterblicher dieſen zum Zeugen anrufen darf— ich habe nichts gethan, was der Ehre unſeres Stamms, oder den Pflichten, die ich meinem Vaterkande ſchuldig bin, zuwider waͤre. Wenn auch Menſchen, die mir nicht wohl wollen, durch boͤſe Ge⸗ ruͤchte meinen guten Ruf zu beflecken trachten; was ſchadet es, endlich ſiegt doch die Wahrheit. Trincavel. Lieber Irner, Du pochſt auf die oͤffentliche Meinung... Dieſe nutzt Dir jetzt nichts. Der Koͤnig hat den Unter⸗ ſuchungsprozeß gegen Dich einzuleiten be⸗ II. 6 fohlen, und Dein Anklaͤger iſt zugleich zu Deinem Richter ernannt worden. Irner. Ich weiß Alles, aber ich fuͤrchte ſeine Verfolgung nicht. Weh' ihm, wenn er mich zwingt, die Wahrheit an den Tag zu bringen!— Trincavel. Wie, Bruder? Du woll⸗ teſt Dich vor Gericht ſiellen, und ſeinem Ausſpruche Dich unterwerfen? Irner. Ja, das will ich! Und dem Vicomte will ich trotz der Macht, die der Koͤnig ihm verliehen hat, fuͤhlbar machen, daß er ohnmaͤchtig iſt. Trincavel. Meinſt Du denn, daß Dein Trotz Dir zu etwas helfen wird? Er zann Dir blos Nachtheil bringen. Miges hat die Gewalt in Haͤnden... er laͤßt Dich verhaften, in den Kerker werfen. Schon die Klugheit raͤth ihm dies.— Bru⸗ der!— ich kann den Gedanken nicht faſſen — Du im Kerker, angeklagt der ſchaͤndlich⸗ ſten Verbrechen?— Welche Schmach fuͤr unſern Stamm! Welche ſchmaͤhliche Vernich⸗ tung rufe Uunſch dere, des( werde Men Verlo Deine zu gl die el Setze nicht um, Man der C auch den? an de rung habe meine wird eich zu fuͤrchte wenn n Tag u woll⸗ ſeinem d dem die der machen, n, daß d? Er Miges er laͤßt werfen. Bru⸗ tfaſſen andlich⸗ ach fuͤr gernich⸗ — 83— tung Deines erworbenen Ruhms!— Be⸗ rufe Dich nicht darauf, daß das Gefuͤhl der Unſchuld die Leiden der Gefangenſchaft mil⸗ dere, nicht darauf, daß durch den Ausſpruch des Gerichts Deine Ehre werde gerechtfertigt werden... Lieber Irner! Du kennſt die Menſchen und kennſt ihre böſen Seſten. Verlaß Dich nicht auf die Gerechtigkeit Deiner Sache. Man iſt geneigter das Boͤſe zu glauben, als das Gate, man liebt es, die edelſten Handlungen zu verfälſchen.— Setze Dich alſo dem ungewiſſen Schickſale nicht aus. Bruder, ich beſchwoͤre Dich dar⸗ um, fliehe!— Es muß einmal ſo ſeyn.— Man bekennt ſich nicht ſchuldig, wenn man der Gewalt ausweicht. Brudoer, was man auch uͤber Deine Flucht urtheilen moͤge, je⸗ den Falls biſt Du gerechtfertigt. Ich habe an den Koͤnig geſchrieben, ihm die Verſiche⸗ rung gegeben, daß Du unſchuldig ſeyſt; ich habe gegen das Dekret proteſtirt, welches meiner Rechte mich beraubt. Mein Brief wird ihm durch einen Mann, auf welchen 6* — 64— ich mich ganz verlaſſen kann, uͤbergeben werden.— Der Koͤnig, wenn er mit eignen Augen ſieht, nicht die Stimme des Miniſters hört, welcher Dir abhold iſt, wird keinen Anſtand nehmen, Dir Gerechtigkeit wider⸗ fahren zu laſſen und die eingeleitete Unter⸗ ſuchung wieder aufzuheben.— Allein ich kann nicht ſogleich von der Inſel Majorka Ant⸗ wort erhalten, darum iſt es noͤthig, daß Du, ehe die Unterſuchung beginnt, die Flucht ergreifſt... Flieh, geliebter Ir⸗ ner!. In wenig Stunden kannſt Du außer Landes ſeyn. Die Grafſchaft Venaiſſin iſt nicht weit, dorthin nimm die Flucht; wir bleiben dann einander ſo nahe, daß ich Dir bequem die Nachrichten mittheilen kann, welche fuͤr Dein Schickſal von Wichtigkeit ſind.— Waͤhrend Trincavel ſo ſprach, war Irner in tiefes Nachdenken verſunken. Er wollte Gegengruͤnde vorbringen, allein er wunderte ſich, daß er keine hatte. Nun dann— ſprach er kalt— ich will fliehn, damit Du Zeit gewinnſt, Deine Plaͤne auszt dem Hand nung ſieger imme Vicoꝛ ſchlec L Trine und Wir unten L ſo d weit begle Rhor war, ſchied pellie ſergeben eignen einiſters keinen wider⸗ Unter⸗ ch kann a Ant⸗ 8, daß nt, die ter Ir⸗ nſt Du zenaiſſin cht; wir ich Dir „welche ſind.— r Irner wollte dunderte ich will e Plaͤne auszufuͤhren. Aber— ſetzte er hinzu, in⸗ dem er mit einem wilden Blicke Trincavels Hand druͤckte— wenn Du in Deinen Hoff⸗ nungen Dich taͤuſcheſt, wenn unſere Feinde ſiegen, dann, Bruder, glaube mir, weiß ich immer noch ein unfehlbares Mittel, um dem Vicomte eine Ungerechtigkeit und unſerm Ge⸗ ſchlecht Schande zu erſparen!— Laß uns alle Furcht verbannen! verſetzte Trincavel erweicht. Du biſt nicht ſtrafbar, und der Himmel wird nicht ungerecht ſeyn. Wir wollen fort. Meine Saͤnfte wartet unten im Schloßhofe.— Sie machten ſich eiligſt auf den Weg, ſo daß ſie, als die Nacht einbrach, ſchon weit uͤber Nimes hinaus waren. Trincavel begleitete ſeinen Bruder bis an das Ufer der Rhone, und erſt, als derſelbe uͤbergeſchifft war, und ihm vom jenſeitigen Ufer Ab⸗ ſchied zugewinkt hatte, ging er nach Mont⸗ pellier zuruͤck. XVII. Osgleich der Verbrechen nicht ſchuldig, die man Irnern aufbuͤrdete, hatte er ſich doch manche Unworſichtigkeit, ja manches Ver⸗ gehen anderer Art vorzuwerfen, allein er fuͤhlte deswegen keine Gewiſſensbiſſe. Er beklagte ſein Schickſal nicht, ſondern unter⸗ warf ſich ihm ohne Murren; denn in den Verfolgungen die er jetzt erlitt, erkannte er blos die finſtre Macht wieder, die(wie er glaubte) ſein Leben beherrſche. Wegeu ſeiner Liebe zu Mirza tadelte er ſich ebenfalls nicht, ſondern fuͤhlte ſich ſtolz bei dem Gedanken, um ihrentwillen verbannt zu ſeyn, er fuͤhlte, daß er jene Momente dig, die ſich doch es Ver⸗ allein er ſſe. Er n unter⸗ in den annte er (wie er nelte er ich ſtolz verbannt Nomente — 87—: der Seligkeit, die er in ihren Armen genoß, nie zu theuer bezahlen koͤnne. Aber Eins betruͤbte ihn, der Gedanke, daß ſein Volk, fuͤr welches er nun ein Ge⸗ genſtand des Mitleids geworden, ſeines Ruhms und ſeiner Verdienſte vergeſſen werde. Noch mehr fuͤhlte er ſich gedehmuͤthigt und zugleich erbittert, wenn er ſich daran erinnerte, daß er, ſonſt ſo angeſehn und um ſein Anſehn beneidet, jetzt als Fluͤchtling im fremden Lande umher ſchweife, und bei Unbekannten eine gaſtfreundliche Aufnahme ſich erbetteln müſſe. Dieſe Betrachtung verſenkte ihn oft in den finſterſten Mismuth. Eines Tages, als der Ritter in Nach⸗ denken verloren, langſamen Schritts am Ufer der Rhone hinwandelte, naͤherte ſich ihm ein Armer. Da er bemerkte, daß der Ritter nachſann, und daß Schwermuth und Trauer in ſeinen Mienen lag, zoͤgerte er ihn um eine Gabe anzuſprechen. Sobald Irner ſeiner gewahr wurde, zog er ſeinen Beutel. — 88— Helft mir!— ſprach der Arme. Ich werde Gott fuͤr Euch bitten. Ha, ſchon wieder Einer, welcher mich ſeines Schutzes verſichert!— zuͤrnte der Ritter und ſteckte den Beutel ein. Wie elend muß ich ausſehn, da ein Mann in einem ſolchen Gewande zu meinem Beſchuͤtzer ſich aufwirft. Vergebt mir!— ſagte der Arme, ohne den Ritter zu begreifen— Iſts denn eine Beleidigung, daß ich bei Gott fuͤr Euch bitten wille Irner. Was haſt Du denn fuͤr Gruͤnde, zu glauben, daß Gott dein Gebet gleich er⸗ hoͤren werde? Der Arme. Man ſagt, die Kinder des Ungluͤcks waͤren Gottes Lieblinge und ihre Gebete ihm die angenehmſten. Irner. Mann, ſiehſt Du denn nicht, daß ich auch ungluͤcklich bin, ungluͤcklicher als Du, ob ich gleich ein reiches Kleid trage, und Du mit einem zerriſſenen Ge⸗ wande bedeckt biſt? Ich r mich ite der e elend einem Ber ſich „ ohne un eine bitten Bruͤnde, eich er⸗ Kinder e und nicht, cklicher Kleid n Ge⸗ Der Arme. Nun dann, Herr, wenn Euer Schickſal ſo hart iſt, dann richtet nur ein frommes Gebet zum Himmel— es wird gewißlich erhoͤrt werden. Irner fuͤhlte ſich erſchuͤttert von dieſen Worten. Der Arme ging, weniger betruͤbt daruͤber, daß er keine Gabe empfangen, als erſtaunt uͤber den Fremden und die ſonder⸗ baren Reden deſſelben. Kaum hatte er ſich aber einige Schritte entfernt, ſo ſtuͤrzte der Ritter ihm nach, warf ſich um ſeinen Hals, drang ihm den ganzen Beutel auf, kniete vor ihm nieder und rief: Alter, gieb mir Deinen Segen!— 4 XVIII. Um nicht erkannt zu werden, nahm Irner das Koſtuͤme eines Troubadours an, welche damals von Schloß zu Schloß zogen, ihre Lieder ſangen und ſie mit der Harfe beglei⸗ teten. Ein gaſtfreundliches Obdach ſuchend ent⸗ fernte er ſich von den Ufern der Rhone, und langte gegen Abend am Geſtade der Sorgue an. Als er das Thal, welches von dieſem Fluſſe bewaͤſſert wird, hindurch ge⸗ gangen war, bemerkte er ein praͤchtiges Schloß. Die Vorderſeite war im Toskani⸗ ſchen Style erbaut, und erinnerte an das ſchoͤne Ebenmaaß in der Baukunſt der Alten. An beiden Enden befanden ſich ſtatt der Thuͤrme Irner welche n, ihre beglei⸗ end ent⸗ Rhone, nde der hes von rch ge⸗ ichtiges oskani⸗ s ſchoͤne n. Au Thuͤrme freundliche Pavillons. Kein duͤſtrer Wall umringte das Schloß. Daneben ſchlaͤngelte ſich ein klares Baͤchlein hin, welches den Raſen gruͤn erhielt, und die das Schloß umſchattenden Feigenbaͤume erfriſchte. Der Hauch des Weſtwinds, welcher mit dem Laube ſpielte; der Glanz der Abend⸗ ſonne, die ſich in den Fenſtern des Schloſſes ſpiegelte, die Daͤmmerung, welche ſchon in der Tiefe langſam ihren Schleier aus⸗ breitete— Alles dies diente dazu, das Schloß ſchoͤner und einladender zu machen. Irner war vorgeſchritten bis unter den Balkon des Schloſſes, nun nahm er ſeine Harfe, durchirrte mit den Fingern die Sai⸗ ten und ſang folgende. Romanze. Mit der Harf' in ſeiner Hand Zieht der Troubadour durch's Land, Laͤßt ſie laut erklingen, Und die Toͤne ſtuͤrmiſch wild, Dann wie Zephyrs Saͤuſeln mild In die Luft ſich ſchwingen. Er beſingt der Chriſten Muth Und der Sarazenen Wuth, Schlacht und Kampf und Siege. Doch da tritt die Schaͤferin Sanften Blickes vor ihn hin, Spricht:„O ſchweig' vom Kriege!“ .⸗ „Schweig' von Kampf und Blut und Streit, Sing' von Liebesſeligkeit, Von der Unſchuld Frieden, Sing' vom Gluͤck, das einem Paar, Welches lang' getrennet war, Endlich ward beſchieden.“— In dem Aug' des Saͤngers ſtill Blinket eine Thraͤn'; er will Singen— doch vergebens. „Weh' mir, wehe!“ rnft er laut, „Mir geſtorben iſt die Braut, Mir das Licht des Lebens!“— Waͤhrend er noch ſang, kam ein kleines Maͤdchen, welches unter dem Laubwerk um⸗ hergeſprungen war, herbeigelaufen, und hoͤrte ihm mit allen Zeichen der lebhafteſten Theil⸗ nahme zu.. Auch ein Stallmeiſter und mehrere Be⸗ dient beige den es h zu, pen chen ſchoͤ Gen gaſt dieſe Sch geb inde ſole mit wer es hie reit, leines um⸗ hoͤrte Lheil⸗ diente wurden vom Klange der Harfe her⸗ beigezogen, und ſchienen den Fremden anre⸗ den zu wollen. Doch das Kind, als haͤtte es hier zu gebieten, winkte ihnen Schweigen zu, indem es beide Haͤndchen auf die Lip⸗ pen legte. Als Irner geendet hatte, faßte das Maͤd⸗ chen ſeine Hand, kuͤßte ſie und ſagte: Komm, ſchoͤner Troubadour, komm in's Schloß. Gewiß wollteſt Du durch Dein Spiel eine gaſtfreundliche Aufnahme Dir erwerben; dieſe ſoll Dir zu Theil werden, denn das Schloß gehoͤrt mir und ich habe darinnen zu gebieten, ſobald meine Mutter nicht da iſt. O der gluͤcklichen Mutter— rief er, indem er des Maͤdchens Hand ergriff— die ſolch ein Kind beſitzt!— Aber— ſetzte er mit bedenklicher Miene zur Dienerſchaft ſich wendend hinzu— vielleicht wird die Mutter es misbilligen, was die Tochter mir ver⸗ hieß... Deswegen ſey ohne Sorgen!— verſetzte die Kleine.— Meine Mutter hat die Trou⸗ — 94—— badours ſehr gern, und nimmt ſie allemal freundlich auf. In einigen Tagen wird ſie hieher kommen, dann ſing' ihr nur die Ro⸗ manze vor, welche Du eben ſangſt, und die Mutter wird ſehr damit zufrieden ſeyn, daß ich Dich aufnahm. Es iſt wahr— ſagte jetzt der Stall⸗ meiſter— die Frau Graͤfin weiſet nie einen Troubadour ab, darum verfuͤgt Euch ohne Umſtaͤnde in's Schloß. ellemal ird ſie e Ro⸗ nd die „ daß Stall⸗ einen H ohne XIX. Irner konnte nicht muͤde werden, das Engel⸗ angeſicht des Kindes zu betrachten, welches ihn ſo freundlich aufgenommen hatte. Und je laͤnger er es anſah, deſto lebhafter trat in ſeiner Seele die Erinnerung an ein ihm theures Weſen hervor, die jedoch nicht allein wohlthuend, ſondern auch ſchmerzhaft fuͤr ihn ſeyn mußte, denn unruhig wendete er ſich bei Seite und ſprach: Nein, es kann nicht ſeyn!— Jeden Morgen, wenn er aus ſeinem Ge⸗ mache trat, begegnete er der jungen Herrin des Schloſſes. Sie gruͤßte ihn freundlich und bat ihn dann, ihr etwas vorzuſingen. — 96— Gern erfuͤllte er ihren Wunſch, und wenn er nun die Finger durch die Saiten irren ließ, und ihnen weiche Toͤne entlockte, dann wurde ſeine innere Bewegung, die er jedes⸗ mal in der Naͤhe des Kindes empfand, noch ſtaͤrker. Als er ihr eines Morgens wie gewoͤhn⸗ lich begegnete und ihren Wuͤnſchen zuvorzu⸗ kommen eilte, ſagte die Kleine laͤchelnd: Warte noch einen Augenblick— meine Mut⸗ ter iſt angekommen— heute ſollſt Du ihr vorſingen— bald wird ſie hier ſeyn. Bei dieſen Worten reichte ſie dem Trou⸗ badour die Roſenwange, die er mit einem keuſchen Kuſſe beruͤhrte, waͤhrend eine bange Ahnung, daß er das geliebte Kind nie wie⸗ der ſehen werde, ſeine Bruſt beklemmte. Bald darauf erſchien die Mutter allein.— Himmel!— rief Irner, die Graͤfin Ma⸗ thilde erkennend— bei wem habe ich Gaſtfreundſchaft geſucht? Ritter!— verſetzte die Graͤfin, indem ſie ſich bemuͤhte, ihre Blicke und Worte zu maͤß fuͤr gebe und mir die entf ſicht ich ſo d Jem habe Haͤr tief ich zu Un Mi Eu wenn irren „ dann jedes⸗ „ noch ewoͤhn⸗ vorzu⸗ helnd: Mut⸗ u ihr Trou⸗ einem bange le wie⸗ maͤßigen— So beleidigend dieſe Ausrufung fuͤr mich iſt, ſo will ich Euch doch ver⸗ geben. O moͤchtet Ihr es gleichfalls thun, und mir das Unrecht verzeihen, welches Ihr mir vorzuwerfen habt. Irner. Entſchuldigt, gnaͤdige Graͤfin, die Worte, welche in der Ueberraſchung mir entfuhren. Nichts weniger war meine Ab⸗ ſicht, als Euch wehe zu thun. So gern ich Wohlthaten von einem Freunde annehme; ſo demuͤthigend iſt es fuͤr mich, ſolche von Jemanden zu empfangen, den ich beleidigt habe.— Mathilde. Wollt Ihr mich durch die Haͤrte, welche Ihr in Eure Worte legt, noch tiefer verwunden?— IJruer, ich bereue, ich klage mich an, an Euerm Ungluͤcke Schuld zu ſeyn... allein jetzt erlaubt mir, mein Unrecht nach Möglichkeit gut zu machen.— Miges weiß um Euern Aufenthalt, er hat Eure Auslieferung verlangt; ich eilte hieher, um Euch zu ſchuͤtzen, hier in meinem Schloſſe II. 7 ſeyd Ihr ſicher, und durch meine Gegen⸗ wart— Irner. Nein, nein, Graͤfin! Durch⸗ aus nicht. Ich habe Euch Beleidigungen zugefügt, die ein Weib nie verzeihen kann— Mathilde. Ha, Irner, ich verſtehe Euch.— Auch das Ungluͤck hat Euern Stolz nicht gebaͤndigt; durch eine neue De⸗ muͤthigung ſoll ich mir das Recht erkaufen, Euch in meinem Schloſſe eine Freiſtatt geben zu duͤrfen... Ihr verſichertet, Euer Herz ſey frei— dennoch liebtet Ihr damals ſchon die Tochter Taher Ali's, und ſie iſt's, um derentwillen Ihr mich jetzt verſchmaͤht— Irner. Graͤfin, ich will Euch nicht hintergehn. Ihr verlangt Wahrheit; ſo will ich ſie Euch geben. Durch ihre Tugend, durch ihre Schoͤnheit, durch ihre Unſchuld, durch ihr Ungluͤck floͤßte Mirza mir Liebe ein. Ja, ich liebe ſie— und liebe ſie jetzt mehr als je, um des Elends willen, das mich ihrentwegen verfolgt. Blos der Tod kann ihr Bild aus meinem Herzen reißen... Nu Ihr bin zu Eure Wor ſein Ma Gegen⸗ Durch⸗ digungen kann— verſtehe t Euern deue De⸗ rkaufen, tt geben uer Herz als ſchon t's, um ht— ch nicht ſo will Tugend, Inſchuld, ir Liebe ſie jetzt n, das der Tod zen... Nun ſeht Ihr ſelbſt, daß ich der Guͤte, die Ihr an mich verſchwenden wollt, unwuͤrdig bin... Darum erlaubt mir, Euer Schloß zu verlaſſen.. Gott nehme Euch und Eure Tochter in Schutz!— Demuͤthig und herzlich ſprach Irner dieſe Worte, und bedeckte mit der flachen Hand ſein Auge. Stumm und unbeweglich ſtand Mathilde. XX. Aber ploͤtzlich ſtarrte ſie auf— Waffen⸗ getoͤſe und ein verworrener Laͤrm ließ ſich unten hoͤren. Sie trat an's Fenſter. Gott! — rief ſie erbleichend— Die Leibwache des Legaten hat das Schloß umringt!— Der Ritter ſtand da ruhig, wuͤrdevoll und ſchweigend, aber der Blick, welchen er jetzt der Graͤfin zuwarf, ſchien ihr ſagen zu wollen: Ich verdiene es, daß Du meinem Schickſale mich üͤberlaͤſſeſt, und will Dich darum nicht anklagen; wenn Du aber die mir drohende Gefahr abwenden kannſt, ſo handle großmuͤthig. Mathilde verſtand die ſe ſtumme Shrache — ohne ich r. guͤn zuge entſ ner grim werd wen der doch ſale raſe Ma reut ſeir Ve Waffen⸗ ließ ſich Gott! dache des vuͤrdevoll elchen er ſagen zu meinem ill Dich aber die anſt, ſo Sprache. — 101— — Leicht koͤnnte ich Euch— ſprach ſie nicht ohne Spott— der Gefahr entziehn, aber ich werde keine ſolche Thoͤrin ſeyn, die jetzige guͤnſtige Gelegenheit, mich wegen aller mir zugefuͤgten Beleidigungen an Euch zu raͤchen, entſchluͤpfen zu laſſen. Thut, was Euch beliebt! murmelte Ir⸗ ner kalt.— Ja, Ungluͤcklicher!— rief ſie, mit einem grimmigen Blicke ihn durchbohrend— Ich werde Dich Deinem Schickſale uͤberlaſſen, wenn Du meine Liebe zuruͤckſtoͤßeſt... Das geht zu weit, Graͤfin! verſetzte der Ritter. Ihr mißbraucht meine Lage— doch immerhin uͤberlaßt mich meinem Schick⸗ ſale!— Der Tumult wurde ſtaͤrker; Irner ging raſch der Thuͤre zu. Da ſchwand ploͤtzlich Mathildens Erbitterung; ihre Heftigkeit be⸗ reuend ſtuͤrzte ſie Irnern nach, um ihn von ſeinem Vorſatze abzubringen. Halt!— rief ſie.— Willſt Du meine Verirrung an Dir ſelbſt beſtrafen?.. Bleib', — 102— geliebter Irner, bleibe! Das Gefuͤhl, wel⸗ ches Dich beleidigt, will ich abſchwoͤren. Verachte, verſchmaͤhe mich, nur laß mich Dich retten. Ein Wort von mir, zu den Soldaten geſprochen, iſt hinreichend ſie ſo⸗ gleich zu entfernen. Nein, nein!— verſetzte Irner. Es iſt zu ſpaͤt. Wir muͤſſen uns trennen. Ich gehe meinem Schickſale entgegen!— Ungluͤcklicher!— rief ſie, zu ſeinen Fuͤßen ſich niederwerfend— Wenn Mathil⸗ dens Verzweiflung und die Sorge fuͤr Dein eignes Wohl Deinen wilden Sinn nicht er⸗ ſchüttern koͤnnen, ſo bedenke doch nur, daß der Schritt den Du thun willſt, Dich auf ewig von der ſcheidet, die Du anbeteſt, von Mirza.— Und nun noch Eins, Grauſamer. Fuͤhlteſt Du nichts, als Du das Kind, wel⸗ ches ich als das meinige erziehe, an Dein Herz druͤckteſt? Irner, Du biſt ſein Vater. Bleib, ich beſchwoͤre Dich im Namen Deines Kindes.. Aber Irner war aus dem Zimmer ge⸗ „ wel⸗ hwoͤren. eß mich zu den „ ſie ſo⸗ Es iſt ſeinen Mathil⸗ ar Dein icht er⸗ r, daß dich auf ſt, von uſamer. d, wel⸗ in Dein Vater. Deines ner ge⸗ — 4103— ſtuͤnzt, ohne die letzten Worte zu hören. Mit Hoheit ging er den Soldaten entgegen, und rief ihnen zu: Ihr ſucht Irner'n? — Ich bin es. XXI. Der Pallaſt des Biſchofs von Maguelone war hell erleuchtet. Vor den Thuͤren gingen Schildwachten auf und ab, und auch das Innere war mit Bewaffneten angefuͤllt. Sie ſtanden auf ihre Piken geſtuͤtzt und ſummten von Zeit zu Zeit ein Lied vor ſich hin. Im Saale lagen vor dem dort aufgerich⸗ teten Throne die Inſignien der biſchoͤflichen Wuͤrde, desgleichen ein blanker Degen, und das Kreuz des Johanniter Ordens. Alles verkündigte eine große Feierlich⸗ keit.— Nun oͤffneten ſich kreiſchend die Fluͤgel⸗ thuͤren und hereintraten der Comthur Ville⸗ dien, der Biſchof von Maguelone und der Vicomte Miges. aguelone in gingen nuch das t. Sie ummten din. ufgerich⸗ hoͤflichen en, und Feierlich⸗ Fluͤgel⸗ ir Ville⸗ und der — 105— Auf dem Throne nahm der Comthur Platz; der Biſchof und Miges ſtellten ſich zu beiden Seiten. Aufs Neue oͤffneten ſich die Thuͤren; Irner, der Angeklagte, erſchien. Sein Gang war langſam, aber feſt und ſicher; keine Spur von Furcht oder Gewiſſensangſt zeigte ſich in ſeinen Mienen; er ſchien ganz in ſich verſunken, und Alles was ihn um⸗ gab, gar nicht zu beachten. Aus Furcht, daß ein Volksaufſtand entſtehn moͤchte, wa⸗ ren Irners Richter uͤbereingekommen, ihn im biſchoͤflichen Pallaſte verwahrt zu halten, ja ſie hatten ſogar die Nachtzeit gewaͤhlt, um uͤber ihn zu richten. Zuerſt erhob ſich Miges. Er rieb einige Mal mit der Hand die Stirne, als ob er eine in ſeinem Haupte aufgeſtiegene Unruhe zertheilen oder vertreiben wolle, dann begann er, ohne jedoch Irnern anzuſehn: „Schon dadurch, daß der Angeklagte dem uͤber ihn verhaͤngten Gericht durch die Flucht ſich zu entziehen ſuchte, hat er ſeine 8 — 106— Strafbarkeit eingeſtanden. Sie iſt indeſſen ſchon durch die von uns geſammelten und gepruͤften Beweisthuͤmer dargethan. Leider nur allzuwahr iſt es: Irner, aus einem der edelſten Geſchlechter ſtammend, die Zierde des Ordens vom heiligen Johannes, lange Zeit einer der treuſten Unterthanen des Koͤ⸗ nigs von Majorka und die Stuͤtze ſeiner Macht, hat all' dieſen Ruhm durch die ab⸗ ſcheuvollſte Verraͤtherei befleckt. Ein ſo großes Vergehen konnte nicht ſein erſtes ſeyn, er hat fruͤher noch anderer ſich ſchuldig gemacht. Indeſſen will ich mir den Schmerz erſparen, ſie aufzuzaͤhlen, weil ſchon das Verbrechen, deſſen ich ihn anklage, die Todesſtrafe ihm zuziehen muß. Gott ſey ſeiner Seele gnaͤ⸗ dig; Gott verleihe ihm Kraft, ſich dem Schickſale, wie er es ſich ſelbſt bereitet hat, mit Faſſung zu unterwerfen.“ Der Biſchof von Maguelone nickte dieſer Rede Beifall zu, allein der Comthur ſchůͤt⸗ telte bedenklich das Haupt und ſprach: Derſelbe Gott, welcher Irnern richten wird nun erſche falſch ſchwe iſt wa ſich. ſind, gekom Urthe noch Mein trauer ſtaͤnde keit nicht woller der ſuchen mir iſt, dem naue deſſen n und Leider einem Zierde lange es Koͤ⸗ ſeiner bie ab⸗ großes bn, er macht. paren, rechen, fe ihm e gnaͤ⸗ )) dem et hat, dieſer ſchůt⸗ richten — 107— wird, richtet auch uns. Und wenn wir nun vor dem Richterſtuhle des Allerhoͤchſten erſcheinen, und bekennen muͤßten, daß wir falſch oder uͤbereilt gerichtet haͤtten— welche ſchwere Verantwortung traͤfe uns dann! Es iſt wahr, der Ritter hat viel, ſehr viel wider ſich. Allein laßt uns, die wir hier verſammelt ſind, nur bedenken, daß wir nicht zuſammen⸗ gekommen, um ſogleich auf der Stelle ein Urtheil zu ſprechen.— Laßt uns damit noch anſtehen, laßt uns unſern vorgefaßten Meinungen, ja unſerer Ueberzeugung miß⸗ trauen, und zuvor mit dem Ritter alle Um⸗ ſtaͤnde unterſuchen, worauf ſeine Straffaͤllig⸗ keit gegruͤndet wird. Der Koͤnig hat uns nicht verboten, alſo zu verfahren; darum wollen wir die Pflicht der Menſchlichkeit mit der Strenge des Geſetzes zu vereinbaren ſuchen.— In dem Alter, von welchem mir blos noch eine dunkle Eriunerung uͤbrig iſt, darf man den Menſchen nicht nach dem erſten Anſcheine beurtheilen. Bei ge⸗ nauerer Unterſuchung findet man, daß die — 108— Handlungen der Jugend, welche uns als hoͤchſt ſtrafbar vorkommen, blos fluͤchtige Verirrungen ſind, und nur in der Uner⸗ fahrenheit ihren Grund haben.— So werde denn Irnern bekannt gemacht, was man ihm zur Laſt legt, welche Beweiſe man gegen ihn aufſtellt— kurz, wenn wir ge⸗ zwungen ſind, ihn zu verurtheilen; ſo ſoll er die Gerechtigkeit unſers Urtheils anerken⸗ nen muͤſſen.— Die Waͤrme, mit welcher Villedien ſprach, brachte keine Stoͤrung in ſeinen Geſichtszuͤgen hervor. Nicht durchbohrend war der Blick ſeines ſchwarzen Auges, ſondern ſanft und mild. Seine ausdrucksvolle Sprache, ſein weißer Bart, der ihm bis auf die Bruſt herabfiel, ſeine Roͤmernaſe, ſeine Stirn, auf welcher jetzt laͤngſt erſtorbne Leidenſchaften Furchen gezogen hatten— Alles dies diente zum Beweiſe, daß der Comthur ein Mann ſey, der Seelenſtäͤrke und zugleich Seelenruhe in hoͤchſtem Maaße beſitze. Irner, welcher Miges Rede blos durch und bega theid ſetze einen Rech geger treter erkar ſchaf fuͤhl Verl iſt, der dann der s als uͤchtige Uner⸗ b werde 6 man man ir ge⸗ ſo ſoll anerken⸗ ſprach, tszuͤgen er Blick ift und e, ſein Bruſt in, auf ſchaften diente Mann lenruhe 3 durch — — 4109— veraͤchtliches Schweigen beantwortet hatte, war von der Herzlichkeit und dem Rechts⸗ ſinn, welcher ſich in den Worten des Com⸗ thurs ausdruͤckte, geruͤhrt. Sein dankbarer Blick begegnete dem Auge Villedieus. Doch ſchnell bewoͤlkte ſich ſeine Stirn, und ſein Auge flammte, als er zu reden begann. Mit Worten will ich mich nicht ver⸗ theidigen— ſprach er— obwohl unſere Ge⸗ ſetze mir das Recht dazu geben; aber von einem uralten Herkommen will ich zu meiner Rechtfertigung Gebrauch machen. Wenn ich gegen meinen Anklaͤger als Anklagender auf⸗ treten wollte, wuͤrde ich gleich als ſchuldlos erkannt werden. Seine unbeſonnene Leiden⸗ ſchaft hat ihn ſo verwirrt, daß er nicht fuͤhlte, wie gefaͤhrlich es iſt, Andere ſolcher Verbrechen, deren man ſich ſelbſt bewußt iſt, zu beſchuldigen.— Wollte ich jetzt blos der Rache und der Erbitterung Gehoͤr geben, dann muͤßte mein Anklaͤger auf der Bank der Angeklagten ſeinen Sitz nehmen, und — 410— des Urtheils gewaͤrtig ſeyn... denn(wohl zu merken) mein Anklaͤger hat ſich nicht entbloͤdet, ſich zu meinem Richter aufzu⸗ werfen; jetzt fordere ich ihn auf, die Be⸗ ſchuldigungen, welche er gegen meine Ehre vorgebracht hat, mit dem Schwerte zu er⸗ weiſen.— Er iſt nunmehr ſo gut augeklagt, wie ich; und was ich alſo gegen ihn, oder was er gegen mich vorbringen moͤge, Beides muß dem unpartheiiſchen Richter gleicher⸗ maaßen verdaͤchtig ſeyn. Mithin koͤnnen uns nicht Menſchen, blos Gott kann uns richten. Ich begehre das Gottesurtheil!— Bei dieſen Worten warf er ſeinen Hand⸗ ſchuh vor Miges Sitz hin. Der Vicomte hatte wenigſtens den Muth des Fanatismus. Feſt uͤberzeugt, daß Irner mit den Mauren in verraͤtheriſcher Verbin⸗ dung ſtehe, und daß der Himmel durch den Ausgang des Zweikampfs ſeine Schuld offen⸗ baren werde, trug Miges kein Bedenken, den Handſchuh aufzuheben, wobei er Irnern einen drohenden Blick zuwarf. Dann kniete (wohl ich nicht aufzu⸗ die Be⸗ ne Ehre ezu er⸗ geklagt, n, oder Beides gleicher⸗ nen uns richten. Hand⸗ n Muth 6 Irner Verbin⸗ rch den offen⸗ en, den Irnern kniete d — 111— er vor dem Biſchofe nieder und reichte ihm ſein Schwert dar, um es einzuſegnen. Villedieu, ſo unlieb ihm der Ausgang war, welchen die Sache zu nehmen ſchien, ſah dennoch ein, daß er ſich nicht entgegen⸗ ſetzen koͤnne. An den Ritter ſich wendend ſprach er: Sonſt hieltet Ihr den Zweikampf fͤr eine barbariſche Sitte, und wart bemüht, Euer Volk von einer Gewohnheit abzubrin⸗ gen, bei welcher(wie Ihr Euch ausdruͤcktet) die Gerechtigkeit an die Staͤrke oder den Zu⸗ fall appellire. Doch— fuhr er fort, indem er dem Ritter das Schwert reichte„ welches vor dem Throne lag— Ihr beruft Euch auf das Geſetz— wohlan denn! ſo mag es vollzogen werden. Nehmt dieſes Eiſen, Irner; und wenn Ihr unſchuldig ſeyd, ſo ſey es ſieghaft in Eurer Hand!— Miges trat vor und gab Irnern den Handſchuh zuruͤck, welchen er aufgehoben hatte. Nun ſtellten ſie ſich einander gegen⸗ uͤber und kreuzten ihre Schwerter. Sie waren — 1212— ohne Ruͤſtung, Beide blos mit einem leichten Gewande bedeckt. Miges griff den Ritter mit wildem Ungeſtuͤm an, und dieſer ver⸗ theidigte ſich wacker, ohne von ſeinem Platze zu weichen. Die Kraͤfte der Kämpfer waren ziemlich gleich; allein der Eine theilte in blinder Haſt ſeine Hiebe aus, waͤhrend der Andere ſich kaltbluͤtig vertheidigte, und die Unvorſichtig⸗ keit des Gegners zu benutzen ſuchte. Immer haſtiger drang der Vicomte vor und traf mit der Spitze ſeines Schwerts Irners Bruſt, allein dieſer raͤchte ſich wegen dieſer Wunde auf der Stelle, indem er dem Feinde ſeine Klinge in die Seite ſtieß. Fluchend ſtuͤrzte Miges zuſammen, und nun trat Irner zu ihm, um in den Zuckun⸗ gen ſeines bleichen Angeſichts das Bekennt⸗ niß ſeines Verbrechens zu leſen. So ſehr war der Ritter in das Anſchauen des Nieder⸗ geſunkenen vertieft, daß er ſeine Wunde nicht fuͤhlte, und den Tumult nicht hoͤrte, welcher ſich draußen erhob. D von terric keit wie gung uͤberz gegen keit gierd Freuf entre 1 mit II leichten Ritter ſer ver⸗ a Platze ziemlich der Haſt ere ſich rſichtig⸗ Immer nd traf s Bruſt, Wunde dde ſeine n, und Zuckun⸗ Bekennt⸗ So ſehr Nieder⸗ Wunde dt hoͤrte, XXII. Darch gefangene Chriſten war Kellamar von der traurigen Lage ſeines Freundes un⸗ terrichtet worden, an welchen ihn Dankbar⸗ keit und Achtung feſſelte. Da Niemand, ſo wie er, von dem Ungrunde der Beſchuldi⸗ gungen, welche man dem Ritter machte, uͤberzeugt ſeyn konnte, ſo wurde ſein Haß gegen die Chriſten wegen ihrer Ungerechtig⸗ keit noch vermehrt, und er brannte fuͤr Be⸗ gierde, ſich an ihnen zu raͤchen und ſeinen Freund dem ihm drohenden Schickſale zu entreißen. Unterm Schutze der Nacht landete er mit ſeinen Waffengenoſſen zu Maguelone. II. 8 — 114— Die Beſatzung der Inſel war ziemlich zahl⸗ reich, allein da ſie von Irnern nicht ange⸗ fuͤhrt wurde, machte es den Mauren wenig Muͤhe, ſie gefangen zu nehmen, und ſich des Pallaſts zu bemaͤchtigen, in welchem man Gericht hielt. Einige Minuten nach⸗ her, als Irner dem Vicomte den Todesſtoß gab, legten draußen die Wachen ihre Waffen nieder. Mirza, traurig uͤber das lange Aus⸗ bleiben ihres Geliebten, und erſchrocken, als ſie die Urſache davon erfuhr, war mit ihrem Bruder nach Maguelone gekommen. Mit. ihm zugleich trat ſie, als die Wachen draußen nieder geworfen waren, in den Gerichtsſaal. Als ſie Irnern neben der Leiche des Vicomte ſtehend erblickte, bebte ſie zuruͤck, von einer furchtbaren Ahnung getroffen; ſie glaubte den geheimnißvollen Herrn des Schloſſes Lauſa vor ſich zu ſehn, wie ſie ihn in jener Gewitternacht ſah. Er trug das naͤmliche Kleid, ſeine Locken flatterten eben ſo verwirrt um das Haupt, er hatte. die Aus der tete dam ſich die klang Saa 11..2 h zahl⸗ t ange⸗ i wenig nd ſich welchem nach⸗ pdesſtoß Waffen e Aus⸗ en, als it ihrem . Mit. draußen chtsſaal. ſche des zuruͤck, een; ſie n des wie ſie Er trug atterten r hatte. — 445— die naͤmliche Haltung, den naͤmlichen wilden Ausdruck in ſeinen Mienen. Das volle Licht der Lampe, unter welcher er ſtand, beleuch⸗ tete ſein bleiches Angeſicht eben ſo, wie damals die Blitze... Erſchuͤttert warf ſie ſich mit dem lauten Ausruf: Irner! an die Bruſt des Geliebten, und ſein Name klang wieder in den hohen Woͤlbungen des Saales. Da ſtarrte der Ritter auf, ſtieß einen dumpfen Angſtſchrei aus, und druͤckte die Hand feſt auf ſeine Wunde, als habe er ſio erſt in dem Augenblicke empfangen, wo Mirza an ſeine Bruſt ſtuͤrzte. Auch Kellamar umſchlang Irnern, und ſo hielten die Geſchwiſter ihn umfaßt voll unnennbaren Schmerzes, weil der Tod ihnen den kaum Wiedergefundenen zu entreißen drohte. Irners Wunde war gefaͤhrlich. Die heftige Gemuͤthsbewegung, in welcher er ſich befand, hatte das Ausſtroͤmen des Bluts gehindert; jetzt ſtuͤrzte die Purpur⸗ quelle mit ſolcher Gewalt aus ſeiner Bruſt, . 8* — 1416— daß er ſich nicht mehr aufrecht erhalten konnte, ſondern auf die Kiſſen und Teppiche des Throns niedergelegt werden mußte. Man wollte ihm die Wunde verbinden, allein er ſchuͤttelte das Haupt, um dadurch zu ver⸗ ſtehen zu geben, daß ihm nicht zu helfen ſey. Erſt als man das Blut geſtillt hatte, war er im Stande zu ſprechen. Er redete zu den Kindern Tahers; um aber nicht vom Comthur, dem Biſchofe und den uͤbrigen anweſenden Chriſten verſtanden zu werden, bediente er ſich der arabiſchen Sprache. Indeß ließ ſich aus den Bewe⸗ gungen ſeines Armes, den er haͤufig nach Mirza ausſtreckte, und aus einigen Worten, die er vielmals wiederholte, ſchließen, daß er die Begebenheiten ſeines fruͤheren Lebens erzaͤhle, und aus der Traurigkeit und Ver⸗ ſtoͤrtheit, welche ſich dabei in ſeinen Ge⸗ ſichtszuͤgen zeigte, war abzunehmen, daß durch dieſe Bekenntniſſe manche ſchmerzliche Erinnerung in ſeiner Bruſt erregt werde. Noch erſtaunter waren die Anweſenden erhalten eppiche le. Man allein er zu ver⸗ zu helfen lt hatte, ers; um hofe und ſerſtanden rrabiſchen Bewe⸗ ffig nach Worten, hen, daß n Lebens und Ver⸗ nen Ge⸗ n, daß merzliche derde. weſenden — 44171— uͤber den Eindruck, welchen Irners Rede auf die Geſchwiſter machte. Kellamar hoͤrte aufmerkſam zu; ploͤtzlich riß er ſeine Hand aus den kalten Haͤnden des Ritters, ſtieß mit fuͤrchterlicher Stimme einige heftige Worte aus, und wendete ſich entſetzt von dem Sterbenden ab. Mirza ſchien eben ſo ſchmerzlich ergriffen von den harten Wor⸗ ten ihres Bruders, als von der Erzaͤhlung ihres Geliebten. So raͤthſelhaft dieſe Szene den uͤbrigen Anweſenden war; ſo wurden doch Alle davon geruͤhrt, und kein Auge blieb trocken. Nur Mirza konnte nicht weinen. Sie wendete ſich an ihren Bruder, um ihn zu dem Ster⸗ benden zuruͤckzurufen, doch als ihre Be⸗ muͤhung vergebens war, ging ſie wieder zu ihrem Geliebten, und beugte ſich uͤber ihn. Das Blut ſeiner Wunde, wonmit ſie ihre Bruſt befleckte, ſchien ihrem Herzen zu ent⸗ ſtroͤmen. Irner wurde ſichtlich ſchwaͤcher; die An⸗ ſtrengung, mit welcher er geſprochen hatte, — 418— und der Eindruck, den die harten Worte Kellamars auf ihn machten, erſchoͤpften ſeine Kraͤfte. Die Hand der Geliebten ruhte auf ſeinem Herzen, er ergriff ihren Arm, und druͤckte ſeine Lippen auf die Narbe, welche vom Biß der Schlange zuruͤckgeblie⸗ ben war. Da verbreitete ſich ein ſanftes Laͤcheln uͤber das Antlitz Mirza's; ihr Auge ſchloß ſich, ihr Mund beruͤhrte leiſe die erkaltenden Lippen ihres Freundes... ein unausſprechlich ſeliges Gefuͤhl durchwallte ihre Herzen... ſie vergaßen alles Elend des Lebens, und die Erde war ihnen ver⸗ ſchwunden.—— La bis unt Mr Au Worte hoͤpften in ruhte Arm, Narbe, geblie⸗ ſanftes r Auge Liſe die .. ein hwallte Elend den ver⸗ XXIII. Lange herrſchte feierliche Stille im Saale, bis ſie von einem verworrenen fernen Getoͤſe unterbrochen wurde. Es war kriegeriſche Muſik und das Siegsgeſchrei der Maureu. Auf einmal erdroͤhnten die Fenſter des Saals und die Woͤlbungen des Doms vom Klange des Kernazel(6), welches Inſtruments die Morgenlaͤnder ſowohl bei oͤffentlichen Luſt⸗ barkeiten, als bei Leichenbegaͤngniſſen ſich bedienen. 4 Schneidend, herzergreifend, lang' aus⸗ haltend, dumpf bebten die Toͤne, als ob die Todtenglocke angeſchlagen wuͤrde. Alle fuͤhlten ſich ergriffen; ſelbſt Kellamar — 420— bebte, und konnte eines geheimen Schauders ſich nicht erwehren. Komm!— rief er, ſeiner Schweſter ſich naͤhernd— komm— fort von hier!... Aber Mirza antwortete nicht, er ergriff ihre Hand, ſie war eiskalt... er ſchuͤttelte ſie heftig... keine Bewegung... Mirza war todt.. „O Allah, Gott Mahomets!“ rief Kellamar niederſinkend, indem er beide Arme emporhob.„Warum ließeſt Du ein ſolches Ungluͤck mich treffen in dieſem Lande der Treuloſigkeit und des Verraths?.. Und warum“— fuhr er fort, indem er die Leichen der beiden Chriſten anſtarrte— „warum uͤbernahmſt Du die Rache und uͤberließeſt ſie nicht mir?“— (Ende des zweiten und letzten Theils. . 4 4 — èO— ide der . Und er die rte— he und Anmerkungen. Anmerkungen. (1.) Mehrere Aeußerungen in dieſer Rede Irners ſind faſt wörtlich entlehnt aus einem aͤltern franzoͤſiſchen Werke, welches den Titel fuͤhrt: Rapports de physique et de morale. Der Verfaſſer war ein Arzt, doch iſt ſein Name unbekannt. Seiner an⸗ geblich revolutionaͤren und irreligioͤſen Ten⸗ denz wegen wurde dieſes Buch vom paͤpſt⸗ lichen Stuhle zu Rom in den Index libro- rum prohibitorum geſetzt.— Zu dem Schluſſe der Vorleſung, wo ſo ſchoͤn und beruhigend uͤber das Ende des menſchlichen Lebens geſprochen wird, laſſen ſich leicht - 424— viele Parallelſtellen bei andern Dichtern und Philoſophen auffinden. Hier blos zwei Beiſpiele. „Es iſt ungewiß, wo der Tod uns erwartet, erwarten wir ihn alſo allenthal⸗ ben! Sinnen auf den Tod, iſt Sinnen auf Freiheit. Wer ſterben gelernt hat, verſteht das Dienen nicht mehr. Fuͤr denjenigen hat das Leben kein Uebel, welcher die Wahrheit einſieht, daß es kein Uebel iſt, das Leben aufzugeben. Zu ſterben wiſſen, das befreit uns von aller Lehnspflicht und allem Zwange.“ Montaigne Gedanken und Meinungen, uͤberſ. von Bode, Th. 1. „Das Grab iſt nicht tief, es iſt der leuchtende Fußtritt eines Engels, der uns ſucht. Wenn die unbekannte Hand den letzten Pfeil an das Haupt des Menſchen ſendet; ſo buͤckt er vorher das Haupt, und der Pfeil hebt blos die Dornenkrone von ſeinen Wunden ab.“ Jean Pauls Hes⸗ perus. Th. 1. S. 124. 6 einen geleg Felſt men Vul hoͤre und Crit tern und bs zwei Cod uns llenthal⸗ nen auf verſteht jenigen her die ebel iſt, wiſſen, cht und hedanken Th. 1. iſt der der uns nd den denſchen t, und ne von 6 Hes⸗ — 4125— (2.) Die Inſel Brescie beſteht aus einem Felſen, auf welchem eine Feſtung an⸗ gelegt iſt. Hoͤchſt wahrſcheinlich hing dieſer Felſen ſonſt mit dem feſten Lande zuſam⸗ men, und wurde bei einem Ausbruche des Vulkans von Agde davon losgeriſſen. (3.) Alle hier erwaͤhnte Pflanzen ge⸗ hoͤren in die Klaſſe der cryptogamiſchen, und wachſen blos im Meerwaſſer. Das Crithmum, eine Grasart, waͤchſt indeſſen auch aus Felſen und den Spalten alter Mauern. Zwiſchen den Steinen in der Kirche zu Maguelone ſchießt es haͤufig hervor. (4.) Der Grund dieſer Erzaͤhlung iſt wahr; man findet wenigſtens in den fran⸗ zoͤſiſchen Chronikenſchreibern eine ganz aͤhn⸗ liche, wo zwei Bruͤder die beleidigte Ehre ihrer Schweſter auf eine eben ſo grauſame Art an den Studirenden zu Montpellier raͤchten. Die Zahl derer, welche in den Brunnen geſtuͤrzt wurden, betrug funfzig. — 126— (5.) Kernazel iſt ein Inſtrument, ziem⸗ lich der Trommel gleich. Sein Klang hat etwas Schauerliches; wenn es langſam ge⸗ ſchlagen wird, glaubt man eine Todtenglocke zu hoͤren. t, ziem⸗ ang hat ſam ge⸗ tenglocke Poetiſcher lege mich „ ber⸗ 7 Daß ich dieſer Bearbeitung des Iruer noch einige eigne Poeeſien beifuͤge, dies bitte ich mir nicht als Anmaßung auszu⸗ legen. Mehrere meiner Freunde ermunterten mich ſchon vor laͤngerer Zeit, eine Samm⸗ lung meiner Gedichte zu veranſtalten; doch iſt dies bis jetzt unterblieben, eines Theils, weil das Deutſche Publikum ſich fuͤr ſolche Gedichteſammlungen— wenn ſie nicht einen beruͤhmten und geprieſenen Namen an der Stirne tragen— zu wenig intereſſirt; andern Theils, weil ich ſelbſt fuͤhle, daß eine Her⸗ ausgabe meiner Poeſien noch zu fruͤh iſt, und daß ich noch längere Zeit auf ihre Vollendung wenden muß. II. 9 — 132.— Es ſind indeſſen einige meiner Gedichte, die ich als Anhang zu dem im vorigen Jahre(bei Kollmann) erſchienenen Nacht⸗ ſtuͤcke: Die Vermaͤhlung, abdrucken ließ, in verſchiedenen Zeitſchriften z. B. in der Abend⸗ zeitung und dem Weimarſchen Journal des Luxus und der Mode ſo guͤnſtig beurtheilt worden, daß ich mich ermuthigt fuͤhlte, die gegenwaͤrtigen poetiſchen Kleinigkeiten dem Irner als Anhang beizugeben. Ich ſchrieb ſie zum Theil ſchon vor mehreren Jahren, und ſie beduͤrfen— wie ich recht wohl fuͤhle— der Nachſicht. Das Publikum und die Kritik wolle ſie ihnen angedeihen laſſen! J. dichte, vorigen Nacht⸗ eß, in Abend⸗ al des rtheilt ſe, die i dem ſchrieb ahren, wohl m und laſſen! Das Marienbild. „Was frommt's, daß ich's im Buſen heilig hege, 3 Der Goͤttlichkeit und hoͤchſten Anmuth Bild? Daß ich's erwaͤrmend Jahre lang ſchon pflege, Wenn's daͤmmernd nur aus meinem Pinſel quillt? Ich ſeh' es hell vor meinen Blicken ſchweben, Hellglaͤnzend wie es in der Bruſt ſich malt; Doch nur geheim, fuͤr mich nur will es leben, Und fremdem Auge nie ſein Zauber ſtrahlt.“ 9 8 — 432— Der Maler ruft's mit Thraͤnen, als der Schlummer Mitleidig ihn mit weichem Arm umfaͤngt, Und aus dem Herzen ſeinen ſchweren Kum⸗ mer Ob des verlorenen Beſtrebens draͤngt. Er ſchlummert ſanft und neben ihn geſtellet Die Tafel iſt, mit Leinwand feſt beſpannt; Da wird von Glanze das Gemach erhellet, Und eine Lichtgeſtalt tritt aus der Wand. Es iſt ein Knabe. Silberhelle Schwingen Wehn von den weißen Schultern ihm; das Gold Der Locken zu der Bruſt herab in Ringen Bis auf den blauen Guͤrtel niederrollt. Er tritt zur Tafel, zeichnet gar behende, Des Bildes Umriß ſchnell vor ihm entſteht, Und als er mit der Arbeit nun zu Ende, Kuͤßt er des Malers heiße Stirn und geht. „O weile noch, du ſchoͤnſte der Geſtalten!“ So ruft der Kuͤnſtler, der vom Traum erwacht. als der aͤngt, n Kum⸗ e geſtellet eſpannt; erhellet, Wand. wingen m; das tingen lt. ende, entſteht, nde, d geht. alten!“ wacht. — 133— „O laß mit Liebesarmen feſt Dich halten, Verſinke nicht in weſenloſe Nacht!“ Und als ſein Blick ſich zu der Tafel wendet: „Das hat ein Engel“ ſpricht er„mir ge⸗ than! Der Himmel hat den Meiſter mir geſendet, Ich ſoll es enden, was er angefah'n.“ Und was des Engels Hand ihm vorge⸗ malet, 1e e Das zeichnet er mit treuer Liebe nach, Und bald im milden Farbenſchmucke ſtrahlet Maria's Bildniß unterm niedern Dach. Dann traͤgt er's zu der Kirche heil'gen Hallen, Hoch am Altare wird es aufgeſtellt; Man ſieht ihn innig betend niederfallen: „Dank“ ruft er„Dir, Gehuͤlf' aus hoͤhrer Welt!“ Sch m Am Bache klar Der Knabe lag, Aug' erloſchen, Wang' erblichen, Locken blutig. „Armer, wer that Dir das? Armer, was weinſt Du?“ Laß mich weinen, Geh voruͤber, Stoͤre fragend Meine Ruh' nicht. „Nicht will ich weichen, Bis Du mir Rede giebſt. Fremd nicht biſt Du Meinem Herzen. Als Minna mein ward..“ — 135— Blick' ich in's Auge Dir, Thraͤnenfeucht,— Scheint's mir zu ſagen, Daß wir ſchon fruͤher Nah uns geweſen... Ha, nun weiß ich's!— Einſam ſtand ich Am ſchwarzen Sarge, Drin lilienbleich Die Mutter lag. Da kamſt Du zu mir, Und wichſt nicht von mir, Und weinteſt mit mir, O lange— lange!— 82 Da ging ich von Dir, Kam nimmer zu Dir, Denn nur dem Ungluͤck Bin ich befreundet. „Und jetzt noch lieb' ich Dich, armer Knabe! — 136— Drum komm' zur Huͤtte, Wo Minna wohnt. Sie ſoll Dich pflegen, Du wirſt geſunden. Komm' mit mir, Kuabe!“ Krank bleib' ich ewig, Nicht darf ich wohnen, Wo Glüͤck der Liebe, Wo Freude bluͤht. Schmerz iſt mein Name, Drum lade mich nicht In Deine Huͤtte, Des Gluͤckes Wohnſitz!— Meine Sterne. 4 Zwei Sterne ſind's, die mir durch's Leben leuchten. Wohl kam das Ungluͤck tobend hergezogen, Als aber dieſe Sterne ſich mir zeigten, Da brauſten nicht mehr ſeine wilden Wogen. Der Jammer war verhallt, die Stuͤrme ſchwiegen, Und wie ein Maitag lag vor mir das Leben; Nun konnt' ich ſorglos mich in Traͤume wiegen, Was ich gebeten, war mir ja gegeben. — 138— Und nur fuͤr mich die lichten Sterne 4 blinken, Ich Gluͤcklicher nur darf ſie ſchimmern ſehen, O glaͤnzt mir ewig!... Werdet ihr ver⸗ ſinken, Dann will ich Armer, will auch ich vergehen. Sie breunen nicht in jenen Sternen⸗ — kranzen Am blauen Himmelsdom in weiter Ferne, Die Sterne, die das Leben mir beglaͤnzen, Sind naͤher mir, ſind. Minna's Augenſterne! 12½ ☚ 2 Morge Wenn Iſt de Der u Als a Ohne Lorbek Sterne n ſehen, ihr ver⸗ ſergehen. ternen⸗ Die bluͤhenden Lanzen*). Ferne, Plaͤnzen, *„Margen wird die Schlacht geſtritten, ung' Morgen ernten unſre Schwerter; VWVWenn wir auch verblutend ſinken, 1 Iſt der Tod uns dennoch werther, l Der uns trifft auf hartem Lager, Als auf weichem Bett zu ſterben, Ohne abgeſchiednen Tagen LCorbeerkraͤnze zu erwerben.“ B *) Dem Stoffe nach entlehnt aus der altfranzö⸗ Charle mague et des douze Pairs de France, welche zuerſt im Jahr 1505 gedruckt wurde. ſiſchen Chronik Histoire des faits et gestes de — 440— Alſo redeten die Franken. Chriſtus Glauben zu verbreiten, Folgten ſie dem König Karol, Sieg ſich oder Tod zu beuten; Lagen auf dem harten Boden, Bis der Sonne Strahl gekommen, Da, von Kampfesmuthe lodernd Standen auf die wackern Frommen. Traten hin vor ihre Zelte, Blickten hin nach ihren Waffen, Nach den aufgeſteckten Speeren.— Blumen hat die Nacht erſchaffen. Ha, aus dreier Lanzen Spitze Draͤngt ſich roſenrothe Bluͤthe; Klarer Thau darinnen blitzet, Wie Demanten ſeltner Güte. Und die Helden, deren Waffen, Unſichtbare Maͤchte weihten, Ogier, Alain, Galiandor, Alſo ſich das Wunder deuten: „Sieg verkuͤnden uns die Blumen, Gott hat ſie hervorgetrieben, Unſre Schi Tritt „Wo Spr „T 3 So Kaͤ Jeſt Wie Waꝛt Den Sin — 141— Unſre Feinde ſollen bluten, Schirmen will er, die ihn lieben!“ Koͤnig Karol, ſolches hoͤrend, Tritt herzu mit ſchwerem Herzen. „Wollet nicht Euch ſelbſt bethoͤren!“ Spricht er mit verhaltnen Schmerzen. „Tod verkuͤnden Euch die Blumen, So die Nacht hervorgetrieben, Kaͤmpfet wacker, fallet muthig, Jeſu Chriſto treu geblieben.“ *—* * Wie das Wunder Du gedeutet, Ward's erfuͤllet, Gottesdegen! Denn die Helden alle dreie Sind im heil'gen Kampf erlegen. Viſion. Sie iſt im Traum ein Engel mir er⸗ ſchienen, Ich ſah ſie leuchtend in den Wolken ſchweben; Der ganze Himmel ruht' in ihren Mienen Und meine Bruſt durchzuckt' ein hoͤhres Leben. Ich breitete entgegen ihr die Arme: „Zieh' mich hinauf in Deine Regionen, Entnimm' mich, Himmelsbild, dem frechen Schwarme Der Suͤnder, ſo die weite Welt bewohnen!“ mir er⸗ hweben; Lienen hoͤhres Da neigte ſie erbarmend ſich hernieder, Den Bittenden an ihre Bruſt zu legen, Doch ach! ich ſank zur Erden immer wieder, Und konnte mich zu ihr nicht hinbewegen. Fern ſah ich glaͤnzen ſie im Heil'gen⸗ glanze, Und weiße Woͤlkchen die Geſtalt umfließen, Als eine Roſ' und Lilie aus dem Kranze Des Hauptes niederfiel zu meiner Fuͤßen. Da fragt' ich leiſe:„Hab' ich Dich ver⸗ ſtanden? Ich ſoll Dich lieben nur, wie Engel lieben, Erſt mich entreißen niedrer Sinne Banden, Und wilder Leidenſchaften Irrgetrieben?“— „Ich ſchwoͤr's, ich will! Ich will mich dem Getuͤmmel Der Welt entziehen, und in's Lichtreich ſchweben; Rein will ich nahen Dir im reinen Himmel, Durch Reue buͤßen mein vergangnes Leben!“ An die Nachtigall. Schweig', o ſchweige, Saͤngerin! Truͤb' und truͤber wird mein Sinn. Deines Liedes Melodie Mahnt mich nur an Sie, an Sie! Ach, ſie ſchlaͤft in ſtiller Ruh, Die viel ſuͤßer ſang, als Du. Drum wird mir ſo truͤb' der Sinn, Schweig', o ſchweige, Saͤngerin! II. erin! Knapp Raimund. Weh mir, daß ich die Hestaih ließ Und keck in's Weite zog, Weh mir, daß mich der falſche Rhe Um Lieb' und Gluͤck betrog!. Das Heerhorn klang zum Schlachtgeſang, Es rief zu Edgar's Heer, u Auf fuhr ich wild, ergriff den Dthild Ergriff den langen Speer.. Heiß war der Tag und blutig lag Manch edler Kriegesheld, Mit Waffen war und Leichen gar Beſtreut das weite Feld. II. 10 — 146— Mit uns war Sieg; vorbei der Krieg, Vorbei die harte Schlacht; Doch ich war ſtill und habe ſtill An Brunhild nur gedacht. Du haſt wohl lang' auf mich gehofft, Und Klagen bang, geweint?—. Nun laͤchle nur dein Aeuglein klar, Nnn kommt er ja, dein Freund. Ich trat in's Thal, ich trat zum Baum, Wo ſie zu ſitzen pflag, In's gruͤne Thal, zum bluͤhn'den Baum ni kühlem Schattendach. Dooch nicht im Thal, nicht unter'm Baum Traf ich mein Liebchen an; Die Hirten wichen vor mir aus, Die mich im Kriegsſchmuck ſahn. Da watd mir's irr und wirr im Sinn Und ſchwarz vor'm Angeſicht, 3 Und in der Bruſt ſo voll und ſchwer Doch— weinen konnt' ich nicht. 2 2 5 A Krieg, Baum, Baum m Baum n Sinn ver Und warf mich auf mein treues Roß Und jagt' in's Weite hin, Es tobt' in mir, es riß mich fort, Als wollt' ich dem Tod eutfliehn. Ein Tag entwich, der andre kam, Der dritte Tag verging, Am vierten ſank mein muͤdes Roß, Als Nacht am Berge hing. Da floß es leiſ' vom Felſen her, Wie ferner Geiſterſang: „O Raimund, du Geliebter mein, Was weileſt du ſo lang'?“ „Gefangen ſitzt dein Voͤgelein Im Kaͤfich eng und hart; Kein Moudſtrahl kommt durch's Fenſterlein Mit Eiſen feſt verwahrt.“ „O Raimund, wann in wilder Schlacht Nicht floß dein junges Blut; So komm, ſo komm und löſe mich Aus falſchen Raͤubers Huth!“ 10* — — 148— Ich riß mich auf, ich ſtarrte hin, Vom Ruf empor geſchreckt; Ha, dieſe Stimme haͤtte mich Aus Todesnoth geweckt!— Doch wie? Du ſtehſt und jammerſt blos? Brauch' deinen Arm, dein Schwert! Brunhilden haͤlt im hohen Schloß Der Herzog Gondibert. Der Fiſcherknabe. Weiß nicht, wie das kommen mag, Daß ich armer, armer Knabe Noch kein Fiſchlein gefangen habe, Sitze doch ſchon den halben Tag. Waͤr' nicht das Maͤdel am Ufer dort Mit Purpurmund und friſchen Wangen, Haͤtt' ich ſicher manch Fiſchlein gefangen, Waͤre lang' mit der Beute fort. Da bleicht ſie ihr Linnen und ſingt dazu Klar, wie die Nachtigall ſiuget, Und weh! der ſuͤße Schall er dringet Tief in das Herz und ſtiehlt mir die Ruh. — 450— Hoͤr' auf mit Singen, lieb Maͤgdelein! Sonſt muß ich Abends nach Hauſe traben, Ohn' ein Fiſchlein gefangen zu haben, Drob wuͤrde der Vater gar boͤſe ſeyn. Und moͤcht' er ſchelten. Du ſchmuckes Kind, Wenn ich dich nur haͤtte gefangen, Dann truͤg' ich nach Fiſchen kein Verlangen, Die moͤchten dann bleiben, wo ſie ſind. So Die Veilchen an Alwina. „Geht hin, ihr Bluͤmchen, bittet um mein Leben! Verſchmaͤht Alwina euer leiſes Flehen, So will in ungeſtillter Gluth ich untergehen Und ſelber mich dem Schattenreich ergeben. Denn ewig zwiſchen Hoͤll' und Himmel ſchweben Iſt aͤrger noch, als Tod vor Augen ſehen. Geht hin!“— Er ſprach's und alſo iſt's geſchehen!— Die Tropfen, die in unſerm Kelche beben, 452— Sind Guido's Thraͤnen. Von den Thraͤ⸗ nen allen, Die je geweint ſind und geweinet werden, Kann keine brennender dem Aug' entfallen. Drum flehen wir, du wollſt dich ſein erbarmen, Wie er, ſo liebt dich keiner mehr auf Erden, Alwina, laß ihn ruhn in deinen Armen! Noc Godwin's Vermaͤcheniß. Mein Auge ſinkt, mein Herz das bricht, Laß, Waffenbruder, laß mich nicht! In die Rechte gieb mir das blanke Schwert, In die Linke meine Laute werth.— Bald wird's mit mir zu Ende ſeyn. Waſch mir vom Blut die Wunde rein; Iſt ſie auch tief und brennt ſie ſehr, Ein' andre brennt mir im Herzen mehr. Zu Irmgard geh', die mich verſtieß, Bring' ihr die Laut' und ſage dies: „Der Godwin fiel in harter Schlacht, Noch ſterbend hat er dein gedacht. Die Laute, die ſein Leben lang Zu Irmgard's Lob und Preiſe klang, Die Laute, die er noch geruͤhrt, Als ihm der Tod das Aug' umſchwirrt; Die ſchickt er dir und ſpricht dazu: Haſt nun vor Godwin gute Ruh! Vergieb ihm, daß er dich geliebt, Vergieb ihm, daß er dich betruͤbt.— Wenn in der Nacht der Kampf geruht, Da lag er bei des Wachtfeur's Gluth, Die Flammen ſpielten um ſein Herz, Und drinnen brannt' ihn Liebesſchmerz. Dann ward die Bruſt ihm eng und voll, Er ſaß ganz ſtill und weinte wohl, Doch jauchzt' er, wann der Tag erwacht Und ſtuͤrzte wild ſich in die Schlacht. Weil fuͤrder nun ſein Minnelied Die guͤldnen Saiten nicht durchzieht, Hat er die Laute dir verehrt, Daß fremde Hand ſie nicht entehrt.“ So ſprich zu ihr, wie ich gebot; Dann wird mir zwiefach leicht der Tod. Zum Dank ſey dir mein Schwert vermacht, Das mich in manchem Kampf bewacht. Auf meinem Grabe ruh' ein Stein; Die Inſchrift drauf ſoll dieſe ſeyn: „Es ſchlaͤft allhie nach Gottes Rath Ein Lautenſchlaͤger und Soldat.“ — 186— . 4 Bei dem Verleger dieſes ſind noch erſchienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Dasoͤffentliche Bauweſen und die zweckmaͤßigen Einrichtungen, nach welchen Staats⸗Bauten und Arbeiten mit Sparſamkeit auszufuͤhren ſind. Nebſt einem Nachtrage uͤber die zweckmaͤßige Erſparung bei Privat⸗Bauten. Herausgegeben durch die Hamburgiſche Geſell ſchaft zur Befoͤrderung der Kuͤnſte und nuͤtzlichen Ge⸗ werbe. gr. 8. 1818. geheftet 8Gr. Die Heilkraft gewiſſer Bewegungen des Koͤrpers zur Vertreibung hartnaͤckiger Hypochondrie, Gicht und einiger andern langwierigen Krankheiten. Nebſt Anzeige eines neuerfundenen einfachen Mittels die Schwaͤche der Augen zu heben und ſich, von der beſchwerlichen Brille zu befreien. Von einem Nichtarzte. Dritte verbeſſerte Auflage. 8. 1818. 16 Gr. Gemeinnuͤtziger Rechenknecht oder ſicheres Huͤlfsbuch bei dem Ein⸗ und Verkauf, zum Gebrauch fuͤr Jedermann, beſonders aber fuͤr Hausfrauen, Oekonomen, Capitaliſten und Handels⸗ leute. Zweite mit Intreſſen⸗Tabellen vermehrte Auflage. Von G. Meyer. 8. 1820. geheftet 6 Gr. Auf zwanzigjaͤhrige Erfahrung ſich gruͤndendes Faͤrbebuch oder entdeckte Geheimniſſe, alle Sorten Leder zu⸗ ubereiten, zu faͤrben, zu waſchen und zu bleichen. Nebſt einem Anhang Seide, Wolle und Leinwand aͤcht zu faͤrben. Ein Handbuch fuͤr Lederfabrikan⸗ ten und Handſchuhmacher, ſo wie fuͤr Jedem der „ hienen 1,. 1 belchen amkeit uͤber auten. lſchaft Ge⸗ ibung ndern eines ee der lichen dritte — 157— Handſchuh ſelbſt waſchen und faͤrben will. Heraus⸗ gegeben von C. Goͤtzel. 8. 1820, geheftet 8 Gr. Ueber den Gebrauch phyſikaliſche Kennzeichen zur Beſtimmung geſchnittener Edel⸗ ſteine Von dem Ritter Hauy, uͤberſetzt durch Carl Caͤſar Ritter von Leonhard. gr. 8. 1818. geheftet 10 Gr. Praktiſcher Unterricht in der Ma⸗ kerei. Vom Ritter A. R. Mengs, frei aus dem Ita⸗ lieniſchen uͤberſetzt und mit Anmerkungen vermehrt von V. H. Schnorr von K. Mit 1 Kupfer. 8. 1818. 16 Gr. Geſchichte der drei letzten Lebensmomente Napoleon Bonepartes. Nach authentiſchen Dokumenten verfaſſet von Si.. Aus dem Franzöſiſchen uͤberſetzt. 8. 1822. geh. 8 Gr. Europa's Palingeneſie. Sammlung der wichtigſten Materialien zur neueſten Geſchichte des Europaͤiſchen Contingents.(Von L. Luͤders.) 3 Bde. 1810. 1811. gr. 8. 5 Rthl. 12 Gr. Bibliothek der deutſchen Alter⸗ thuͤmer, ſyſtematiſch geordnet und mit Anmerkungen ver⸗ ſehn von B. F. Hummel. gr. 8. 1787. 1 Rthl. 8 Gr. Zuſaͤtze u. Verbeſſerungen hierzu. gr. 8. 1791. 12 Gr. 158 Beſchreibung entdeckter Alter⸗ thuͤmer in Deutſchland von B. F. Hummel. gr. 8. 1792. 12 Gr. Lehrbuch der Fabrikwiſſenſchaft von J. H. Jung. Zweite verb. Auflage. gr. 8. 1794. 1 Rthl. 16 Gr. Reliquien aus dem goldnen Zeitalter der deutſchen Freimaurerei, alſo weder Sarſena noch Mac⸗Benac, wohl aber kein unwichtiger Beitrag zur richtigen Beſtimmung der aͤchten Maurerei. 8. 1818. 14 Gr. Das verbeſſerte Syſtem der Illu⸗ minaten mit allen ſeinen Graden und Einrichtungen. Nene und vermehrte Auflage, 8. 1 Rthl. 8 Gr. 7 —