A Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von. Eduard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und LCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhyr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 1 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für öpchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ——— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mr. 509 Pf. 2 Mk.— Pf. „„ 2„— 5„— u u— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Beſonders gefaͤllt ihnen Montpellier, denn dort findet man ſie noch haͤufiger, als in Paris. Aus dieſem Grunde war es befrem⸗ dend, daß kein Romandichter Englands — deren dieſes Land doch ſo viele und vorzuͤgliche beſitzt— einen Roman erſann, deſſen Szene in das mittaͤgliche Frankreich verlegt war. Endlich erſchien der Roman, welcher jetzt dem deutſchen Publikum in einer freien Bearbeikung vorgelegt wird— Irner. Obgleich der Dichter nicht genannt iſt, ſchreibt doch die allgemeine Stimme Englands dieſen Roman dem beruͤhmten Lord Byron zu, und darum iſt ſein Na⸗ me auf den Titel geſetzt worden. Wer eingedrungen iſt in das Innerſte — ich kann ſagen— in das Herz dieſes großen Dichters, der wird geſtehn, daß dieſer Roman andern Erzeugniſſen ſeiner Muſe ſehr verwandt iſt— dieſelbe Tiefe des Gefuͤhls, dieſelbe Menſchenkenntniß, — ²— aber auch dieſelbe Menſchenfeindllchkeit— natuͤrlich abgerechnet den Unterſchied, der n, 4 zwiſchen Poeſie und Proſa immer ſich findet. ch Der Hauptgedanke iſt groß und wuͤrde dem Dichter keines Volks(das unſrige er mit eingeſchloſſen) Schande machen. er V Widerſpruͤche der Liebe!— V Keine Leidenſchaft iſt mit ſich ſelbſt in groͤßerm Widerſpruche befangen, als dieſe. nt Man kann wohl, ohne zuviel oder etwas e Falſches zu behaupten, ſagen: ſie ſey en b ſich ſelbſt ein ewiges Raͤthſel. a⸗ Aber freilich, um dies ſagen zu koͤnnen, muz man ſelbſt geliebt haben. ſte Nicht minder originell iſt die Idee, es daß der Dichter ſeinem Helden nicht blos ß die Nolle eines Ritters, ſondern auch er 1 die eines(freilich blos aus Ehrbegier) um fe die Wiſſenſchaft aͤußerſt bemuͤhten Mannes zugetheilt hat. Dieſer Charakter erinnert gewiſſer⸗ maßen an einen Juͤngling, den ich in die⸗ ſem Augenblicke mit meinem Volke be⸗ weine, an— Theodor Koͤrner. Der erwaͤhnte Gegenſatz aber tritt am klarſten im zweiten Theile des Werks hervor, wo man Irnern, der im Auditorio mit Unterſuchung eines hoͤchſt ſchwierigen Gegenſtandes beſchaͤftigt iſt, die Nach⸗ richt bringt, daß die Mauren in Frank⸗ reich eingefallen— wie er dann ſein Leh⸗ rerkleid(das Friedenskleid) zerreißt und nach Harniſch nnd Schwert ruft.— Doch ich will den Leſern nichts im Voraus ver⸗ rathen, ſie moͤgen— leſen. Noch habe ich mich uͤber die Grund⸗ ſaͤtze, nach welchen ich bei der gegenwaͤr⸗ tigen Bearbeitung verfahren biy, zu er— klaͤren, aber ich will es blos in der Kuͤrze thun und durch Anfuͤhrung eines Beiſpiels. —— — vII— Ganz genau und ſtreng an das Ori⸗ ginal ſich anſchließende Ueberſetzungen ge⸗ fallen in Deutſchland nicht. Deshalb will auch die mit ſo vieler Genauigkeit und Sorgfalt gefertigte Voß'ſche Ueber⸗ kragung des Shakeſpeare nicht oder doch minder gefallen, als die A. W. Schlegel⸗ ſche oder ſelbſt die Eſchenburgſche. Tadelt man uͤbrigens Bearbeitun⸗ gen fremder Dichterwerke im Allgemei⸗ nen, ſo muß man auch Schillern wegen ſeiner Umarbeitung des Makbeth und der Turandot, und Goͤthe'n wegen des Vol⸗ taireſchen Mahomets mit Tadel verfolgen; denn es iſt im Grunde einerlei, ob man fuͤr das ſchauende oder fuͤr das leſen⸗ de Publikum bearbeitet. Sollten hie und da Nachlaͤſſigkeiten im Styl ſich finden, ſo bitte ich ſie mir wohlwollend zu verzeihen, weil ich etwas — VIII— ſchnell, wenn auch nicht ſo ſchnell wie Lope de Vega ſchrieb. Anmerkungen waren wohl noͤthig, indeß blos wenige. Weil aber die meiſten Leſer ſolche, ſo wie die Vorreden, zu uͤberſchlagen pflegen, habe ich es fuͤr zweckmaͤßiger gehalten, ſie in's Exil zu ſchicken, d. h. ſie an's Ende des Buchs zu verweiſen. Dua, deren Bild mich ſtets umſchwebt, Mir ſtets in tiefſter Seele lebt, Die ich, ein fluchbeladner Mann, Doch nie die meine nennen kann; In Deine Hand geb' ich dies Buch!— 4 Nun denke Dir vom Leichentuch U Bedeckt mein kaltes Angeſicht... J Doch weiter, weiter frage nicht.— D Wenn aber eine Thraͤne mild, Beim Leſen Dir ins Auge gulllt, 3 W Dann weiß ich es, dann iſt's mir klar, AX Daß lang' Dein Herz das meine war.— D Ich glaubt' an Traͤum' und Zauberei'n, Ich warf mich in die Welt hinein; S Das Beſte war mir oft zu ſchlecht, D un Und das Gerechte— ungerecht. Still iſt es nun in meiner Bruſt, Und ausgetobt die wilde Luſt— Ich ſann recht lang' und ruhig nach, Da wurde mir die Nacht zum Tag. Ein Raͤthſel nur errieth ich nicht: Warum ſich Liebe widerſpricht?— Warum dem lichten Genius Der Menſch zur Hoͤlle folgen muß? Durch Irnern weiß ich nun, warum Sich in der Liebe Heiligthum Der finſtre Geiſt des Boͤſen ſchleicht, Und Tugend ſcheu dem Laſter weicht. Lies dieſes Buch. Als ich es ſchrieb, War nichts mir, als der Himmel lieb; Recht ſehnlich wuͤnſcht' ich mir ein Grab, Doch ach!— das Schickſal ſchlug mir's ab. Leipzig, am 1. Januar 1823. Guſtav Joͤrdens. . 1. Die Sarazenen, wenn ſie auch in Kuͤnſten und Wiſſenſchaften keinen ſo ausgezeichneten Ruhm erlangten, als die Griechen und Roͤ⸗ mer, waren doch ſo gut, wie jene Voͤlker, ausgezeichnet durch ihre Waffenthaten. Obgleich ſie ſich nicht immer auf der naͤm⸗ lichen Hoͤhe der Gewalt erhalten konnten; ſo bewaͤhrten ſie doch im Wechſel der Zeit und des Glucks immerdar den ihrer Nation und uͤberhaupt allen Morgenlaͤndern angeborenen Stolz. Selbſt, als ſie aus Europa vertrie⸗ ben wurden, mußten ihre Feinde ſie achten. Nicht Sittenloſigkeit ſtürzte ſie; blos die Maſſe der Feinde, mit welchen ſie ſich zu ſchlagen hatten, fuͤhrte ihren Untergang her⸗ bei. Wenn es auch nicht zu laͤugnen iſt, J. 1 — 2— daß viele Verheerungen im Suͤden Europa's von ihnen angerichtet wurden, ſo kann doch die Geſchichte dieſem Volke ihre Achtung nicht verſagen, denn dieſes Volk war die naͤchſte Veranlaſſung, daß das Licht der Wiſſenſchaft in einer Zeit, welche recht eigentlich fuͤr die Dunkelheit geſchaffen ſchien, einen hellen Schein verbreitete. Dies iſt der Zeitpunkt, in welchem die Helden und Heldinnen des gegenwaͤrtigen Romans auftreten. Die Mauren waren da⸗ mals im Beſitz Spaniens und befoͤrderten Wiſſenſchaft und Kunſt, waͤhrend die uͤbrigen Länder Europa's von einer zwiefachen Geißel, naͤmlich von der Ignoranz und von der In⸗ toleranz, welche letztere beſonders in Ange⸗ legenheiten der Religion ſich aͤußerte, gezuͤch⸗ tigt wurden. Seit dem Kalifate Almanſurs waren die Gelehrten in Granada ſehr geſchaͤtzt, und durch Begünſtigung dieſes Kalifen geſchah es auch, daß von arabiſchen Aerzten in einer —— —— 3. —2, A pa's doch nicht ichſte chaft r die hellen m die rtigen n da⸗ derten brigen Beißel, r In⸗ Ange⸗ ezuͤch⸗ waren „ und hah es einer Stadt des Orients eine Schule der Medizin gegruͤndet wurde, welche zur hoͤchſten Be⸗ ruͤhmtheit gelangte. Im Jahre der Hegira 720 ²) unter der Regierung des Ben⸗Aben⸗ Seif⸗Allah ſtand ſie in ihrer herrlichſten Bluͤthe. Dem Bruder dieſes Kalifen, Taber Ali, war nicht nur die lebendige Phantaſie, ſondern auch das finſtre, daͤmoniſche Weſen eigen, durch welches der Charakter der Mor⸗ genlaͤnder von dem der Abendlaͤnder ſich be⸗ deutend unterſcheidet. Er hatte nach Ben Abens Tode, weil dieſer ohne Söhne war, gegruͤndete Anſpruͤche auf den Thron, den⸗ noch hatte er einen ungemeinen Abſcheu gegen das Hofleben, und Alles, was mit demſel⸗ ben in Verbindung ſtand. Er war auch ſchon, wenn ihm die Re⸗ gierung zufiele, im Voraus entſchloſſen, ſie nicht zu uͤbernehmen, ſondern zu Gunſten ſeines Sohnes Kellamar Aben darauf Verzicht zu leiſten. Er widmete daher, um 1* — 4— ſeinen Sohn zum Herrſcher faͤhig zu machen, der Erziehung deſſelben die groͤßte Sorgfalt. Auch eine Tochter, Namens Mirza, beſaß Taher, die von ihm zaͤrtlich geliebt war. Beide Kinder wohnten auf einem nicht fern von Granada gelegenen Landhauſe. Dorthin begab ſich Taher Ali, wenn er der Welt vergeſſen, und ſich ſelbſt uͤberlaſſen ſeyn wollte. Aber eben dieſe Liebe zum zuruͤckgezogenen Leben war es, die den Verdacht des Kalifen, ſeines Bruders, erregte. Vergebens bemuͤhte ſich Taher, dieſen Argwohn aus der Seele des Kalifen zu vertilgen. Er wurde nur immer ſtaͤrker, und fraß ſich wie eine verzehrende Flamme in das Herz des Kalifen. Endlich ſiel ihm ein Mittel ein, wodurch er Aben’s Verdacht am ſicherſten von ſich entfernen zu koͤnnen meinte, und dieſes Mittel war— Entfernung. Er bat ſeinen Bruder, in das mittaͤgliche Frankreich reiſen zu duͤrfen. Durch ein aͤrzt⸗ liches Zeugniß bewies er, daß die Luft dieſer Ge ſun ſich ſchr dor und mit jehe zur von Ta nan im Woͤ ten in ſelb gef ſcht zu lich enn er rlaſſen ogenen alifen, ſemuͤhte ele des immer ehrende Endlich ben's ernen var— aͤgliche aͤrzt⸗ dieſer Gegend zur Herſtellung ſeiner zerruͤtteten Ge⸗ ſundheit unumgaͤnglich noͤthig ſey. Er beab⸗ ſichtige— ſagte er in ſeinem Anſuchungs⸗ ſchreiben— ſich in Montpellier niederzulaſſen, dort die Erziehung ſeines Sohnes fortzuſetzen, und ſeine Mußeſtunden durch den Umgang mit Gelehrten, deren Unterhaltung er von jeher leidenſchaftlich geliebt, auszufuͤllen. Sein Bruder ertheilte ihm die Erlaubniß zur Abreiſe. Er ſchiffte ſich darauf im Hafen von Alikante ein, und es dauerte nur wenige Tage, ſo waren ſie im Hafen von Frontig⸗ nan. Die ſehr verſandete Bucht war nicht im Stande, groͤßere Schiffe aufzunehmen. Waͤhrend nun die Matroſen ſich beſchaͤftig⸗ ten, das Eigenthum des Mauriſchen Fuͤrſten in eine Schaluppe zu bringen, begab er ſich ſelbſt, von ſeinem Sohne und ſeiner Tochter geführt, in den mit bunten Wimpeln ge⸗ ſchmückten Kahn, um an Frankreichs Ufer zu gelangen. Die blaſſen Wangen Tahers und die Zärt⸗ lichkeit, mit welcher ſeine Kinder ihre Blicke — 6— auf ihn hefteten, dienten zum Beweiſe, daß er dieſes Klima aufſuche, um ſeine Geſund⸗ heit wiederherzuſtellen. Der Schiffer, welcher den Kahn lenkte, wandte ſich an Kellamar und ſprach: „Gewißlich, junger Herr, kommt dieſer wuͤrdige Greis, den ich fuͤr Euern Vater halte, weit her, um ſich bei den Aerzten von Montpellier Raths zu erholen. Ich wundre mich nicht daruͤber, denn der Ruf unſerer Aerzte iſt noch ausgebreiteter, als der unſerer Weine. Allein unſere Stadt wuͤrde in Hinſicht der Arzneikunde einen noch bedeutenderen Ruf haben, wenn der beruͤhmte Ritter, welcher hier lebt, zur Ausuͤbung dieſer Wiſſenſchaft ſich entſchließen wollte.“ Warum denn— fragte Taher— thut er es nicht, wenn er die erforderlichen Kennt⸗ niſſe beſitzt „Der Adel ſeines Geſchlechts“— ver⸗ ſetzte der Schiffer—„und die Statuten ſei⸗ nes Ordens, an die er feſt gebunden iſt, ſcheinen ihn davon abzuhalten. Irner naͤm⸗ daß ſund⸗ enkte, dieſer Vater lerzten Ich Ruf „ als tadt noch lhmte uͤbung Ilte. thut lich iſt Bruder des Statthalters von Mont⸗ pellier und zugleich Johanniterritter.“ Irner? rief Taher mit dem Ausdruck des Erſtaunens und der Freude zugleich. Ein mir ſehr vortheilhaft bekannter Name! Irner hieß ja der Ritter, der ſich bei der Vertheidigung der Inſel Rhodus ſo ſehr aus⸗ zeichnete. „Das wird wohl der Naͤmliche ſeyn”“— verſetzte der Schiffer—„denn er iſt erſt nach Montpellier gekommen, als jener Krieg beendigt war.“ Taher Ali, als damaliger Befehlshaber der Galeeren Ben Abens, hatte bei der Blo⸗ kade der Haͤfen von Rhodus ſich vielfaͤltig von Irners Tapferkeit uͤberzeugt, und da es ihm auffallend war, den naͤmlichen Mann, den er als einen wackern Ritter gekannt hatte, jetzt als einen Profeſſor wieder zu treffen; ſo konnte er die Gelegenheit, den Sonder⸗ baren in ſeinem neuen Wirkungskreiſe zu ſehen und zu beobachten nicht vorbeigehen laſſen. —— —— II. So wie er alſo nach Montpellier gekommen war, und von den Beſchwerden der Reiſe einigermaaßen ſich erholt hatte, verfuͤgte er ſich in den mediziniſchen Hoͤrſaal, in welchem Irner uͤber verſchiedene merkwuͤrdige und räthſelhafte Erſcheinungen in der menſchlichen Natur Vorleſungen hielt. Seine Zuhoͤrer empfingen ihn mit Begei⸗ ſterung und der lebhafteſten Freude, als er in den Saal trat, und der lauteſte Beifall folgte ihm, als er den Saal verließ. In der That verdiente auch ſein aͤußerſt ſcharf⸗ ſinniger, gewandter und belebter Vortrag dieſe Anerkennung. Von der Natur mit den ſchoͤnſten Talen⸗ ten ausgeſtattet, fuͤhlte Irner ſchon fruͤh das lebhafteſte Verlangen, ſeine Kenntniſſe zu vermehren. Unbefriedigt durch die Art der Erziehung, wie man ſie Kindern aus den ien eiſe er em ind hen gei⸗ er fall In arf⸗ rag len⸗ das zu der den — 9— ſogenannten vornehmen Familien zu geben pflegt, machte er die Bekanntſchaft eines Arabers, welcher in Montpellier wohnte, und ſtudirte unter deſſen Anleitung Sprachen und die Elemente der Wiſſenſchaften, beſonders der Naturwiſſenſchaften, zu welchen ſein Geſchmack entſchieden ſich hinneigte. Seine Eltern geriethen in Beſtuͤrzung, daß ihr Sohn ſich mit Dingen beſchaͤftigte, die ihm nach ihren Begriffen nicht nur nichts nutzen konnten, ſondern auch ſeines alten Adels unwuͤrdig waren. Sie ſendeten ihn alſo, um ihn von dem Irrwege abzubringen, auf welchem er ihrer Meinung nach ſich be⸗ fand,— nach Rhodus, um bei den dortigen Rittern Knappendienſte zu leiſten. Indeſſen auch dort fand Irner Mittel, ſeine Lieblingsſtudien fortzuſetzen, zugleich aber auch Gelegenheit, bei verſchiedenen Veranlaſſungen ſeinen Muth zu bewaͤhren. Muth iſt um ſo verdienſtlicher, wenn der Beſitzer deſſelben auch ein empfaͤngliches und weiches Herz hat. Irner hatte dies, und — 10— brachte es auf dieſe Weiſe dahin, daß ſeine Mitknappen ihm ſeinen gemeinen und buͤr⸗ gerlichen Geſchmack an den Viſſenſchaften ziemlich gern vergaben. Ja, es gab wohl Manche, die ihn insgeheim um ſeine wiſſen⸗ ſchaftlichen Kenntniſſe beneideten. Nach Abſchluß des Friedens mit den Un⸗ glaͤubigen kehrte er zuruͤck nach Montpellier, wo eben Trincavel den Titel Koͤnig und die Krone von ſeinem Vater geerbt hatte. Nun konnte nichts ihn abhalten, ſeinen Lieb⸗ lingsbeſchaͤftigungen ſich gaͤnzlich hinzugeben. Mehrere Edelleute hatten ſich ſchon in der Rechtsgelehrſamkeit ausgezeichnet, und mit Erklaͤrung der noch im Okzident geltenden römiſchen Geſetze beſchaͤftigt. So war nun Irner Willens, all' ſeine Anſtrengung den Naturwiſſenſchaften zu widmen. Er ſtudirte eifrig, und begann nach hinlaͤnglicher Bor⸗ bereitung öffentliche Vorleſungen zu halten. Koͤnnte man im menſchlichen Herzen leſen, wie in einem Buche; ſo wuͤrde man zu der Ueberzeugung gelangen, daß nur zu haͤufig das Herrlichſte, welches geleiſtet wird, den unlauterſten Bewegungsgruͤnden ſeine ſten Entſtehung verdanken muß. ohl Irnern verzehrte der Ruhmdurſt, indeß ſen⸗ beſaß er hinlaͤngliche Selbſtbeherrſchung, um immer nur die, wenigſtens dem Anſcheine in⸗ nach, rechtlichſten Mittel zur Ausfuͤhrung er, der ihm von der Ehrſucht eingegebenen end Entwuͤrfe zu waͤhlen. Irners Ehrgeiz aber te. war nicht ſtuͤrmiſch und wild; er vergaß ſeb⸗ daruͤber die geſelligen Verhaͤltniſſe nicht. ſen. Schon der Gedanke, durch ſeine Kriegs⸗ er thaten Aufſehn, und den heimlichen Neid nit derer, welche weit laͤnger als er auf der den Bahn der Ehre gewandelt waren, erregt zu un haben, hatte fuͤr ihn ungemeinen Reiz; aber den noch weit reizender war fuͤr ihn die Vor⸗ rte ſtellung, ſich auf den Feldern der Gelehr⸗ or⸗ ſamkeit Lorbeern zu pfluͤcken, obgleich er . recht gut— ſelbſt aus ſeinen Kuappenjah⸗ en ren her— wußte, daß dieſes Streben ihn an beim Adel laͤcherlich, wo nicht gar veraͤcht⸗ lich mache. 12 War dieſe Ruhmſucht etwas anders, als eine tief gewurzelte Seelenkrank⸗ heit?— Bei ſeinen Studien, um das Raͤthſel des menſchlichen Lebens zu loͤſen, war er zu Reſultaten gelangt, welche von den ge⸗ woͤhnlichen und ordinaͤren Anſichten ſeiner Zeitgenoſſen ſich himmelweit unterſchieden. Allein bald bemaͤchtigte ſich Eiskälte, Spott⸗ ſucht, ja Nichtachtung der einmal ange⸗ nommenen Religionsbegriffe ſeines Herzens, und trocknete die Blutquelle aus, welche es belebte. Er hatte viel Leichname zergliedert, daher meinte er nun: in dem Tode liege das Ge⸗ heimniß des Lebens. Und als ſein Gefuͤhl ertoͤdtet war, da hoͤrten alle Wahrheiten— d. h. alle Meinungen, welchen wan den Namen Wahrheiten zu geben pflegt— auf, fuͤr ihn Wahrheiten zu ſeyn. Er unterſtand ſich, Fragen an das Schickſal zu richten, die einer— dem ſeine Tugend und ſein Gluͤck lieb iſt— nun und . 1 4 3 3 t 6 nimmermehr au das Schickſal richten ſollte. Daß das tiefſte Wiſſen, ſtatt zum Gluͤck zu fuͤhren, zum Ungluͤck fuͤhre; daß Un⸗ wiſſenheit weit begluͤckender und lobenswer⸗ ther ſey, als Vielwiſſen— das bemerkte er freilich, aber zu ſpaͤt. Doch ohne dieſe traurigen Verirrungen waͤre Irner die Wolluſt, welche in Aus⸗ uͤbung der Tugend liegt, zu empfinden gar nicht faͤhig geweſen. Von der Natur war er mit den herrlichſten geiſtigen Eigenſchaf⸗ ten ausgeruͤſtet; er beſaß Muth, Gefuͤhl, Rechtsſinn. Als Gebieter eines unermeßlichen Ver⸗ moͤgens ſowohl als durch ſeinen aufgeklaͤrten Geiſt erhob er ſich uͤber Andere; ja durch ſeinen Geiſt erhob er ſich auch uͤber ſein Jahrhundert, welches man fuͤglich das Jahr⸗ hundert der Mißbraͤuche taufen könnte. Sonſt war es ihm Wonne, die Spur von Ungerechtigkeiten zu vertilgen, und Un⸗ gluͤcklichen als ein rettender Engel zu er⸗ ſcheinen. Aber mochte nun ſein von Natur weiches Gefuͤhl verhaͤrtet worden ſeyn durch den Anblick der Blut⸗ und Schlachtfelder, uͤber welche er geſchritten war, oder durch die Unterſuchung der Leichname von Men⸗ ſchen und Thieren, deren Eingeweide er durchwuhlt hatte, faſt willenlos reichte er dem boͤſen Daͤmon die Hand. Alle ſeine Empfindungen und kalle ſeine Handlungen richteten ſich endlich nur auf einen einzi⸗ gen Zweck,— nehmlich Aufſehn zu erre⸗ gen, ſich Ruhm zu erwerben. Indem er nach dieſem Schattenbilde die Arme ausſtreckte, dachte er durch daſſelbe ſein Herz auszufuͤllen, aus welchem der Glaube an Gott, an Vorſehung und Tugend faſt ganz gewichen war. Seltſames Räth⸗ ſel! Andere achtete er nicht, aber Er wollte geachtet ſeyn. Indem er nun alles Moͤgliche anwendete, die geheimen Triebfedern ſeiner Handlungen den Menſchen zu verbergen, erwachte oft der ihm inwohnende beſſere Geiſt, dann ver⸗ fluchte er den Zwang, welchen er ſich auf⸗ erlegt, und die Verſtellung, welche er ſich angekuͤnſtelt hatte. Andern erſchien er frei⸗ lich wie ein Raäͤthſel oder wie ein Sonder⸗ ling; ſie wußten nicht, was ſie aus ihm machen ſollten. Es war dies ſehr natür⸗ lich, denn Irners Charakter konnte nicht von Jedermann begriffen werden. Schon, als er die erſte Bekannſchaft mit der Welt gemacht hatte, niſtete ſich Gleichguͤltigkeit gegen das weibliche Geſchlecht in ſein Herz ein. Eine Schaar von Weibern fühlte ſich hoͤchlich dadurch beleidigt, weil ſie von Irnern an der empfindlichſten Stelle — bei ihrem Stolze und ihrer Eitelkeit— angegriffen wurden. Das konnten ſie dem Ritter niemals verzeihen, daß er dem Haupt⸗ geluͤbde ſeines Ordens— dem der Keuſch⸗ heit— ſo ſtreng getreu blieb. Die Da⸗ men hatten doch die vielfache Erfahrung ge⸗ macht, daß andere Ritter weniger ſtreng an dieſes Geluͤbde ſich banden. Bei Irnern wandten ſie alle Kunſtgriffe der Buhlerei vergebens an. Er ſchien aller⸗ dings gelehrig, doch in dem Augenblicke, wo ſie ihn recht feſt zu halten meinten, war er ihnen glatt wie ein Aal entſchlüpft; ſie merkten nun, daß er blos ſeinen Scherz mit ihnen getrieben hatte. Die wahre Liebe — jenes himmliſche Gefuͤhl das ſich auf wechſelſeitige Achtung und Verehrung grůn⸗ det, und durch Aufopferungen noch mehr entflammt wird— war ihm fremd. III. Das Landhaus, welches Taher Ali be⸗ wohnte, hatte eine hoͤchſt anmuthige Lage. Nahe bei der Stadt lehnte es ſich gegen Abend an einen dichten von Hirſchen und Rehen bevoͤlkerten Wald. Hier lebte Taher, wie er gern immer gelebt haͤtte, aber wegen des Hofzeremoniels in Granada nicht hatte leben duͤrfen. Die gruͤnen Wieſen, der Ju⸗ belzug einer Bauernhochzeit, der Geſang des Maulthiertreibers, der Anblick der fernen lachenden Kuͤſten, das tiefe Blau des Him⸗ mels, der Schlag der Nachtigallen— er⸗ fuͤllte ſeine Seele mit unnennbarer Wonne und ſeine Augen ſtrahlten dann von Feuer der Verklaͤrung. Dann richteten ſeine Kin⸗ der auf ihn Blicke des Erſtaunens und der Neugier; ſie warfen ſich freudeweinend in ſeine Arme, weil ſie Hoffnung hatten, ihn bald der Geſundheit und dem Gluͤcke wie⸗ dergegeben zu ſehn. Jeden Morgen ging er mit ihnen im Gehoͤlze ſpazieren. In ein lebhaftes Ge⸗ ſpraͤch vertieft entfernte ſich einſt Kellamar mit ſeinem Vater von der Stelle, wo Mirza blumenpfluͤckend zuruͤckblieb. Aber wie ſie ihre Hand nach einer der ſchoͤnſten Blumen ausſtreckte, ſchoß eine Schlange aus dem Graſe hervor, und verwundete ihren Arm mit ſcharfem Zahne. Mirza ſchrie laut auf und ſtuͤrzte ohnmaͤchtig nieder. Da kam aus dem Walde ein junger Mann, der durch das Angſtgeſchrei aufmerk⸗ ſam gemacht worden war, herbeigeeilt. Er J. 2 — warf. einen kurzen Blick auf die bleich nie⸗ dergeſunkene Schoͤne, dann verfolgte er die im Greaſe ſich fortringelnde Schlange und zertratt ihr den Kopf. Er hob ſie in die Hoͤhe und rief: Gott, eine Giftſchlange!— Kellamar hatte Mirza's Angſtgeſchrei in der Ferne gehoͤrt, er ſah die zertretene Schlange, die niedergefallene Schweſter; ſtuͤrzte erblaſſend neben ihr nieder, und rief außer ſich: Vergiftet? Beruhigt Euch!— verſetzte der Fremde — Ich weiß ein untruͤgliches Heilmittel. Er zerriß das Gewand, welches Mirza's Arm bedeckte, legte ſeine Lippen feſt auf die Wunde und ſog das Gift aus. In die⸗ ſem Moment ſchlug Tahers Tochter die Augen auf. Des Fremden einnehmende Ge⸗ ſtalt, der Druck ſeiner gluͤhenden Lippen auf ihrem entbloͤßten Arme, und die ſeltſa⸗ men Blicke, die er auf ſie heftete— er⸗ regten in ihrer Bruſt ein eigenes unerkläͤr⸗ bares Gefuͤhl. Sie gewann Kraft, ſich aufzurichten, wobei der Fremde ihr den nie⸗ r die und n die 1— ei in retene eſter; drief remde el. irza's t auf n die⸗ r die e Ge⸗ ippen ſeltſa⸗ — er⸗ erklaͤr⸗ ſich den — 49— Arm bot. Unterdeſſen war auch Taher Ali herbeigeeilt, und errieth ſogleich den Ver⸗ lauf der Sache. Wer Du auch ſeyſt— ſprach er zu dem Unbekannten— ich bin Dir ewige Dank⸗ barkeit ſchuldig. Komm in mein Haus; laß die Pflicht der Gaſtfreundſchaft mich an Dir, meinem Wohlthaͤter, erfuͤllen. Aber als er den Fremden aufmerkſamer betrach⸗ tete, rief er: Iſt's moͤglich?— Der Mann, welcher mit Gefahr ſeines eignen Lebens meine Tochter dem Tode entriß, iſt — Irner? Der junge Mann reichte dem Fuͤrſten ſchweigend die Hand. Du biſt's!— rief dieſer mit ungeſtümer Freude— Ha, wie konnte ich Dich nicht gleich auf den erſten Blick wieder erkennen?— Kellamar ergriff voll Begeiſterung Ir⸗ ners Hand und kuͤßte ſie. Es iſt ja die Hand— ſagte er— von welcher die Wunde meiner geliebten Schweſter verbunden wurde. Mirza's Dank ſprach ſich blos in ihren 9 † — 20— Blicken und in ihrem Verſtummen aus. Ta⸗ her bat Irnern wiederholt, auf ſeinem Land⸗ hauſe einige Tage zuzubringen; dieſer aber mußte das Geſuch zuruͤckweiſen, weil er in der Stadt Geſchaͤfte hatte, die keinen Auf⸗ ſchub litten. Doch begleitete er Tahern nebſt ſeinen Kindern bis zu ihrer Wohnung. Unterweges ſagte er mit Beziehung auf die Beſorgniß, welche Taher geaͤußert hatte; Das Schlangengift kann ohne Gefahr ver⸗ ſchluckt werden, es iſt blos dann toͤdtlich, wenn es durch den Zahn der Schlange dem Menſchen(daß ich mich ſo ausdrüuͤcke) ein⸗ geimpft wird. Ich kannte die Gattung Schlangen, wozu diejenige gehoͤrt, von wel⸗ cher die ſchoͤne Jungfrau gebiſſen worden iſt, und deshalb bediente ich mich des Mit⸗ tels der Pſyllen(2). Noch verordnete Irner Mittel zur ſchnel⸗ lern Heilung der Wunde, und nachdem er Tahern auf deſſen Bitte oͤfter zu beſuchen verſprochen hatte, empfahl er ſich. Ta⸗ and⸗ aber er in Auf⸗ ahern nung. s auf hatte; ver⸗ dtlich, e dem ein⸗ attung wel⸗ vorden Mit⸗ ſchnel⸗ em er ſuchen IV. Irner erfuͤllte ſein Verſprechen; er beſuchte Tahern auf ſeinem Landgute, und vom er⸗ ſten Beſuche an wurden dieſelben immer haͤufiger. Im Vorhergehenden fehlt noch die Be⸗ ſchreibung von Irners Aeußerm, welche jetzt nachzuholen iſt. Er trug blos ein⸗ fache, aber geſchmackvolle Kleidung. Sein Wuchs war ſchlank und ſein blondes Haar fiel in vollen Locken uͤber die Schultern. Die anmuthige Bewegung ſeiner Lippen, die Gruͤbchen in ſeinen Wangen gaben eigentlich ſeinem Geſichte einen kindlich unſchuldigen Ausdruck. Jetzt ſchien er laͤcheln zu wollen, — da lagerte ſich ploͤtzlich eine dunkle Wolke auf ſeiner Stirne, als ob eben ein finſterer Gedanke in ſeinem Haupte feſten Wohnſitz gefaßt haͤtte. Sein blaues Auge, von den 7 4 verzogenen Wimpern beſchattet, blickte dann wild in die Ferne. Redete man ihn aber in einem ſolchen Augenblicke an, dann trat ein fluͤchtiges Roth auf ſeine bleiche Wange; anfaͤnglich wenn er antwortete war der Klang ſeiner Stimme dumpf— faſt ſchaurig, als ob er eben aus einem beaͤngſtigenden Traume erwache. Doch wenn die Unterhaltung leben⸗ diger ward, trat immer mehr Freundlichkeit und Milde, Sanftmuth und Herzlichkeit in ſeinen Zuͤgen hervor. Irners Antlitz wurde dann das Antlitz eines Juͤnglings, und doch war er in Hinſicht ſeiner umfaſſenden Kennt⸗ niſſe und des Ruhms, den er ſich erworben, ein Greis. Bald war Irner kein Fremdling mehr in Taher Ali's Familie, denn ſobald es ſeine Berufsgeſchaͤfte erlaubten, beſuchte er ſie. Die reine Tugend, die ſchoͤne Harmonie zwiſchen Gefuͤhl und Pflicht, die in dieſer Familie herrſchte, machten einen ſo beleben⸗ den Eindruck auf ſein Gemuͤth, daß er als⸗ dan Ma nur will ehrr keit len dure die zen, ter die gern che Nat gaͤn tung Ste ſche nun heit ben⸗ hkeit t in urde doch unt⸗ ben, nehr es e er onie ieſer ben⸗ als⸗ dann ſich mit ſich ſelbſt verſoͤhnte. Die Mauriſche Familie hingegen liebte ihn nicht nur um ſeiner ausgezeichneten Eigenſchaften willen, ſondern erwies ihm auch jene Ver⸗ ehrung, wodurch edle Seelen ihre Dankbar⸗ keit auszudruͤcken pflegen.— Edle See⸗ len ſagt' ich; denn die Egoiſten finden ſich durch Wohlthaten gedehmuͤthigt, und, um die Laſt der Dankbarkeit von ſich abzuwaͤl⸗ zen, gefallen ſie ſich darin, ihren Wohlthaͤ⸗ ter mit Geringſchaͤtzung zu belohnen. Kellamar's Lieblingsbeſchaͤftigung war die Jagd, aber er opferte dieſes Vergnuͤgen gern ſeinem Vater und ſeiner Schweſter, wel⸗ che eine ſtille aufmerkſame Betrachtung der Natur uͤber Alles liebten. Solche Spazier⸗ gaͤnge gewannen ſehr durch Irners Beglei⸗ tung. Er fuͤhrte die Mauriſche Familie an Stellen, wo ſie durch irgend einen maleri⸗ ſchen Anblick, eine ſonderbare Naturerſchei⸗ nung, oder den Reichthum und die Schoͤn⸗ heit der Pflanzenwelt uͤberraſcht wurden. Die Gegend um Montpellier bietet un⸗ gemein viele Abwechſelung dar. Hier ſieht man wildromantiſche Felſen, aus deren Mitte Quellen hervorſprudeln, dann kommt man in die fruchtbare Ebene, durch welche der Strom Lez geht, weiterhin gelangt man zu einer Fiſcherhuͤtte und zu der Stelle, wo das gruͤnliche Waſſer des Stromes mit den blauen Wogen des mittellaͤndiſchen Meeres ſich vermiſcht. Abwechſelnd beſuchte Irner mit der Mau⸗ riſchen Familie die Grotte von Mireval, die Magdalenenquelle, welche boͤsartige Duͤnſte aushaucht, den Vulkan bei Montferrier, das herrliche Thal Fonfrede, und das Schloß Orthus, welches auf einem Berggipfel ſich erhebt, wo ſelbſt Raubvoͤgel Neſter zu bauen ſich ſcheuen wuͤrden(3). Aber die Kuͤſte von Maguelone war der Ort, welchen ſie allen uͤbrigen vorzogen und wo ſie am oͤfterſten verweilten. Sie ſchifften ſich bei Sonnenaufgang auf dem See ein, und waͤhrend die Wellen um das Fahrzeug ſpielten, weideten ſie ſich an dem wo den eres Nau⸗ die inſte rier, hloß ſich auen war ogen Sie dem das dem Glanze und der Pracht des Morgens. Mit dem fernen dumpfen Geraͤuſch des Meeres vermiſchten ſich die frommen Geſaͤnge der Moͤnche von Maguelone und der Orgelklang. Still war die Luft; in den Wolken ſchwebte ein einſamer Reoiher, langſam die großen Fluͤgel wiegend, und aufgeſchreckt durch die Ruderſchlaͤge, flatterte ein Moͤvenſchwarm mit lautem Geſchrei davon. Wenn ſie auf der Inſel ein einfaches Fruͤhſtuͤck eingenommen, gingen ſie zu Fuße auf die ſchmale Erdzunge. Hier konnten ihre Augen frei uͤber das Meer hinſchwei⸗ fen. Gern ſieht der ſtuͤrmiſch⸗leidenſchaft⸗ liche Menſch dieſes furchtbare, tobende, grol⸗ lende Element, welches ewig unruhig iſt. Aber es hat auch Reiz fuͤr das furchtſame Weib; der Anblick des Starken iſt ermuthi⸗ gend fuͤr das Schwache, des Schutzes Be⸗ duͤrftige. Und endlich verſinnlicht nichts ſo lebhaft als das Weltmeer den Weltgeiſt. Irners Seele nahm bei Betrachtung des Meeres ſelten einen religioͤſen Schwung; 20.— wenn es aber doch geſchah, und er erblickte die Segel eines Schiffes; ſo war ſein auf⸗ keimendes religiöſes Gefuͤhl mit einem Male vernichtet, blos Gedanken des Ehrgeizes und Ruhms wurden durch das vorbeieilende Fahr⸗ zeug in ihm rege. Vergaß er denn, daß die Wogen maͤchtiger ſind, als das zerbrechliche Menſchenwerk, welches ſie tragen, oder hatte er nie den Leichnam eines kecken See⸗ fahrers und Schiffstruͤmmer von der er⸗ zütnten eelle auf das ſand ufer werfen ſehen?— 8 Die Kuͤſte iſt uͤbrigens trocken und ſan⸗ dig, indeſſen ſieht man doch hier und da Strecken blumigen Raſens, die man eini⸗ germaßen mit den Oaſen in Afrika's Wuͤſte vergleichen koͤnnte. In der Mittagsſtunde findet hier der Reiſende Schatten und ſuͤßes Waſſer in den Brunnen, welche die Fiſcher eingruben.(Man hat behaupten wollen, das Meerwaſſer verliere ſeinen bit⸗ tern Geſchmak, wenn es durch den Sand gehe; aber dies iſt nicht der Fall, die Brun⸗ 2 nen enthalten blos Regenwaſſer; ſobald man tiefer gruͤbe, wuͤrde das Waſſer allerdings einen bittern Geſchmack annehmen.) Taher und ſeine Kinder waren beſonders entzuͤckt von der Gewandtheit, mit welcher Irner die Unterhaltung zu wechſeln wußte. — Jetzt hatte er vielleicht eben ihren Geiſt mit Erklaͤrung eines Naturgeſetzes beſchaͤf⸗ tigt,— nun wandte er ſich zu einem neuen Gegenſtande, der mehr die Phantaſie, als die Urtheilskraft in Anſpruch nahm. Manch⸗ mal, wenn ſein ſinnenber Blick uͤber das Meer hinflog, vertiefte er ſich in das Alter⸗ thum. So ſagte er bei einer ſolchen Gelegen⸗ heit: Seht Ihr bei den Felſen von Brescou die Stadt, deren Mauern ſchwarzgrau ſind, wie der vulkaniſche Berg, auf dem ſie er⸗ baut wurden? Hier war es, wo die Phoͤ⸗ nizier lange zuvor, ehe die Roͤmer an die Eroberung Galliens dachten, eine Kolonie errichteten.— Koͤnnt Ihr uͤber Aignesmor⸗ tes hinaus die Flaͤche unterſcheiden, welche fortwaͤhrend den Ueberſchwemmungen der Rhone ausgeſetzt iſt, und nach dem Feld⸗ herrn, der hier lagerte, Carmogue genannt wird?— Hier hat Marius, einer der groͤßten Feldherrn, die es je gegeben, den Einfall der CEimbrier verhindert, ſie unverſehens uͤber⸗ fallen, und durch einen blutigen Sieg die Schmach ausgeloͤſcht, welche dieſe Barbaren ſeinem Vaterlande angethan hatten.— Die Thuͤrme, die auf dieſen Gebirgen ſich er⸗ heben, und die man ſchon weit im Meere ſieht, ſind Leuchtthuͤrme. Der hoͤchſte von allen aber wird durch den Huͤgel verdeckt, deſſen blaue Spitze im Blau der Wolken ſich verliert. Auf ihm verbrannte man den Leich⸗ nam der Plautina. Weithin leuchteten die Trauerflammen, die Adrian einer Kaiſerin zu Ehren angezuͤndet hatte, welcher er den Thron verdankte. Schon bei ihrem Leben hatte er ihr mehrere Denkmaͤler ſetzen laſſen. Die Arena, das viereckige Gebaͤude, welches Ihr zu Nimes geſehen habt, iſt ebenfalls — jar — 9 9— Zeuge der Dankbarkeit des Nachfolgers Tra⸗ jans!—— V. Dieſe und aͤhnliche Zerſtreuungen aͤußerten den wohlthaͤtigſten Einfluß auf Tahers Ge⸗ ſundheitszuſtand. Doch ein unerwartetes Ereigniß ſtoͤrte ſeinen ſtillen Frieden. Mehrere chriſtliche Fuͤrſten hatten ſich zum Kriege gegen Ben⸗ Aben⸗Seif⸗Allah verbunden. Der Koͤnig von Majorka, deſſen Staat mehr als alle uͤbrigen den Einfaͤllen der Mauren ausgeſetzt war und oft ſchon dadurch gelitten hatte, glaubte eine guͤnſtige Gelegenheit zur Rache gefunden zu haben, und machte deshalb mit den chriſtlichen Fuͤrſten gemeinſchaftliche Sache. Da nun Montpellier ein Lehn der Krone von Majorka war, und der Koͤnig dieſes Reichs in Erfahrung gebracht hatte, daß der Bruder des Kalifen mit ſeinen Kindern ſich dort auf⸗ 35 halte, ertheilte er dem Statthalter Trincavel den Befehl, Tahern nebſt ſeinen Kindern gefangen zu nehmen, damit Ben⸗Aben deſto eher den Bedingungen ſich unterwerfe, die man ihm vorzuſchreiben geſonnen war. Irner fuͤhlte es, daß dieſe Nachricht Tahern blos aus Freundesmund beigebracht werden duͤrfe, wenn ſie ihn nicht gaͤnzlich niederdruͤcken ſolle. Er begab ſich zu ihm und ſtand eben in Begriff, ihn mit moͤglich⸗ ſter Schonung vorzubereiten, als der Vi⸗ comte Miges, von Trincavel abgeſendet, dem Mauriſchen Fuͤrſten den Befehl des Koͤ⸗ nigs von Majorka uͤberbrachte. Der Stadt⸗ halter von Montpellier hatte indes aus⸗ druͤcklich beigefuͤgt: obgleich Taher zum Ge⸗ fangenen erklaͤrt ſey; ſo werde er doch ſeinem Range gemaͤß behandelt werden; er duͤrfe wie bisher die Umgebungen der Stadt be⸗ ſuchen, nur nicht den Hafen von Frontignan, die Inſel und die Kuͤſte von Maguelone. Waͤhrend Taher Ali dieſe Schrift durch⸗ las, bemerkte Miges Irnern. Es wunderte — 31— ihn, wie ein chriſtlicher Ritter am Schickſal eines Unglaͤubigen Theil nehmen koͤnne. Er wenigſtens empfand nicht das geringſte Mit⸗ leid; er hatte die Ueberzeugung, daß unter den Feinden des wahren Gottes die maͤchtig⸗ ſten auch die ſtrafbarſten waͤren; es war ihm ſogar unerklaͤrbar, was Trincaveln hatte bewegen koͤnnen, den Rang des Gefangenen nur im mindeſten zu beruͤckſichtigen. Als jedoch ſeine Blicke auf Mirza fielen, ſtand er eine Weile ſprachlos, ſeiner Gedan⸗ ken ſich ſchaͤmend. Das war die Allmacht der Schoͤnheit, die eine Art Gottesverehrung iſt, durch welche Intoleranz und Fanatis⸗ mus niedergedruͤckt werden!— Als Taher geleſen hatte, gab er die Schrift an Miges zuruͤck mit der Verſiche⸗ rung, daß er gehorchen werde; dann wandte er ſich zu ſeinen Kindern, welche unruhige Blicke auf ihn hefteten, und ſprach die Worte, durch welche der Muſelmann ſeine Ergebung in den Willen des hoͤchſten Weſens — 2— 32 S8 ausdruͤckt: Allah kerim! das heißt: Al⸗ lah iſt gerecht. Dieſe Worte machten auf die Kinder einen ſehr verſchiedenen Eindruck. Kellamar ſchien alle ſeine Kraͤfte zuſammen zu neh⸗ men, um ſein Ungluͤck zu ertragen; mit feſter Stimme wiederholte er die Worte, die ſein Vater geſprochen hatte. Aber das weibliche Herz iſt eines ſolchen Zwanges un⸗ faͤhig, wenigſtens nicht im Stande, ſich augenblicklich zu faſſen. Wie konnte Mirza, voll des Gefuͤhls ihrer Unſchuld, das ſtrafende Schickſal gerecht nennen? Sie ließ ihrer Verzweiflung freien Lauf; ihre Augen, in welchen Thraͤnen ſchimmerten, glichen dem Nazeunid⸗ an welchem Blitze flammen. Miges, welcher ſe ſcharf beobachtete, bemerkte, das ſie ihres Schmerzes ungeachtet Irnern zaͤrtliche Blicke zuwarf, als wolle ſie ihm für ſeine Theilnahme danken. Dann richtete ſie aber auch auf Miges ihren Blick. Und dieſer Blick machte ihn beben, denn es war es ſe milie dem Eifer warf 2 2 Leide ung Mor Ach, verge als dahit die 8 heut verlo derer nun weil betre 5 ſeine I. war darin der Vorwurf zu leſen, daß er es ſey, welcher das Ungluͤck uͤber ihre Fa⸗ milie gebracht habe. Er ging heftig aus dem Zimmer, indem er ſein von Zorn und Eiferſucht flammendes Auge auf Irnern warf. 3 Dieſer troͤſtete nach Miges Weggange die Leidenden: dann bat er ſie zu ihrer Zerſtreu⸗ ung in den Wald zu gehn, wohin ſie ihren Morgenſpaziergang zu richten pflegten.— Ach, an den Stellen, wo ſie ihr Vaterland vergeſſen hatten, dachten ſie jetzt an nichts, als an Spanien, und daß ſie vielleicht nie dahin zuruͤckkehren wuͤrden. Die Baͤume, die Flur, die ſie geſtern noch liebten, hatten heut mit einem Male all' ihren Reiz fuͤr ſie verloren. Und alle die Gegenden und Plaͤtze, deren Beſuch ihnen verboten war, fingen ſie nunmehr erſt recht heiß zu lieben an, eben weil es ihnen unterſagt war, ſie wieder zu betreten. Als der Vicomte Miges von Vollziehung ſeines Auftrags Bericht erſtattete, unterließ J. 3 er nicht, den Statthalter zugleich von Allem, was er im Hauſe des Mauriſchen Fuͤrſten beobachtet hatte, zu unterrichten. Er be⸗ zeigte beſonders ſein Befremden uͤber Irners innige Verbindung mit dieſer Familie; dann gab er zu verſtehen, daß Liebe wohl die geheime Urſach ſeyn moͤge, und ſchloß da⸗ mit, daß er ſagte, er halte dies fuͤr ein Aergerniß, welches nicht geduldet werden duͤrfe. 1 Der Vicomte, indem er ſo ſprach, meinte blos vom Religionseifer angetrieben zu ſeyn, allein es war noch eine andere unedlere Leiden⸗ ſchaft, die in ſeinem Herzen Platz gegriffen hatte. Er liebte zwar nicht Tahers ſchoͤne Tochter, denn ſie war ja eine Unglaͤubige! — aber doch fuͤhlte er die Qual der Eifer⸗ ſucht. Ohne ſelbſt ſie beſitzen zu wollen, fand er Freude daran, ſie Irner'n zu ent⸗ ziehn. Schon lange war er neidiſch auf den glaͤnzenden Ruhm des Ritters, ſchon lange hatte er nach einer Gelegenheit getrachtet, ihm wehe zu thun und ihm zu ſchaden. 35 Trincavel'n ſelbſt war der Ruhm ſeines Bruders laͤſtig; er freute ſich daruͤber, daß er ihm jetzt ſeine Uebermacht konnte fuͤhlen laſſen. Seine Verbindung mit der Mauri⸗ ſchen Familie— ſagte er zu ihm— koͤnne leicht den Verdacht des Koͤnigs erregen, und es ſey daher durchaus noͤthig, daß ſie gaͤnzlich abgebrochen werde. Irner erkannte ſogleich die Veranlaſſung zu dieſem Befehle.— Ich werde mich fügen! verſetzte er ſtolz; doch im Herzen fuͤhlte er tiefe Erbitterung, daß die Politik in ſeine Privatverhaͤltniſſe ſich miſchen durfte.— Soviel Faſſung Taher auch Anfangs be⸗ wieſen hatte; ſo aͤußerten doch die Maags⸗ regeln, die man gegen ihn ergriffen, einen hoͤchſt nachtheiligen Einfluß auf ſeinen Ge⸗ ſundheitszuſtand. Ein ſchleichendes Fieber verzehrte ihn, und feſſelte ihn an's Bette. Wie ſehnte er ſich nach Irners Geſellſchaft, die mehr als jede andere geſchickt war, ihm ſeine Leiden zu erleichtern!— Aber Irner * 3 — 36— — kam nicht. Ein Tag nach dem andern verſtrich, und Irner— kam nicht. Da wurzelte in Tahers Herzen der Ver⸗ dacht, daß der Ritter, den er doch ſo hoch uͤber alle Vorurtheile erhaben geglaubt hatte, ihn im Ungluͤck verlaſſen habe. In innerſter Seele fuͤhlte er ſich dadurch verwundet, und ſeine Krankheit ward immer gefaͤhrlicher. Endlich kam ein Araber, abgeſandt von Irner, um dem Fuͤrſten die Urſach ſeines Wegbleibens zu erklaͤren. Aber— Taher war nicht mehr, er war in den Armen ſeiner Kinder verſchieden(4). VI. Die Sonne hatte beinahe ihre Laufbahn vollbracht. Immer tiefer ſank ihre goldene Scheibe hinter die blauen Berge von Mer⸗ viel. Ihre letzten Strahlen beleuchteten das Kreuz auf der Spitze des Glockenthurms, und die hoͤchſten Wipfel der Waldbaͤume. n 2 — 5 — Wenn der Menſch die Sonne untergehen ſieht, kann er eines traurigen Gefuͤhls ſich nicht erwehren; er glaubt die Natur ſterben zu ſehen. Doch die Gewohnheit macht dieſe Empfindung voruͤbergehend.— Die Seele Kellamars aber, der in der Daͤmmerung durch den Wald irrte, war von einem tiefern unauslöſchlichen Schmerze durch⸗ drungen. Als er ſeiner Wohnung ſich ziem⸗ lich genaͤhert hatte, wurde er erſt gewahr, daß ſeine Schweſter zuruͤckgeblieben ſey. Das Dunkel war zu groß, als daß ſeine Augen ſie haͤtten auffinden koͤnnen.„Mir⸗ za!“ rief er in den Wald, und das Echo rief den Namen nach.„Wo biſt du denn, meine Schweſter? Hoͤre die Stimme Kella⸗ mars!“ Er ſtürzt durch den finſtern Wald, ferne Toͤne dringen in ſein Ohr— er glaubt ſeine Schweſter um Huͤlfe rufen zu hoͤren — er ſteht ſtill. Grauſame Taͤuſchung! Es iſt der Wind, der durch die Fichten und Lerchenbaͤume ſeufzt. Schweigen rund um⸗ her. Noch einmal ruft er Mirza's Namen; da antwortet ihm ein Uhn mit dumpfem Geſchrei. Kellamar glaubt, daß der Nacht⸗ vogel ihm Ungluͤck weiſſage. Er wankt und ſinkt bewußtlos zu Boden. Ein anhaltendes Geheul weckt ihn aus ſeiner Betaͤubung, er geht ihm nach und kommt zum Grabe ſeines Vaters. Ach! Es iſt Narbel, Taher Ali's treuer Hund, der an dieſer Stelle ſo klaͤglich wimmert. So wie er den Sohn ſeines Herrn erkennt, ſpringt er liebkoſend an ihm in die Hoͤhe, doch Kellamar erwiedert nicht, wie ſonſt, dieſe Liebkoſungen; regungslos lehnt er ſich an das Marmordenkmal, welches uͤber Ta⸗ hers Aſche ſich erhebt. Der Hund indeſſen hoͤrt nicht auf zu heulen, beißt ſich in Kel⸗ lamars Mantel feſt, und ſcheint ihn fort⸗ ziehen zu wollen. 3 Jetzt fallen durch die vom Winde beweg⸗ ten Zweige des Lerchenbaums einige Mond⸗ ſtrahlen auf das Grabmal. Er ſieht es mit Blumen geſchmuͤckt. Wer konnte dies ge⸗ than haben, als Mirza? Taher Ali hatte ja it als Spre mals . War rend Wen Man entft als Kur friſch du? an, Mir danl Sch wol cher dete ihm ja in dem fremden Lande keine Freunde, als ſeine Kinder, und blos ſie verſtanden die Sprache, in welcher die Inſchrift des Denk⸗ mals abgefaßt war. Oh!— rief Kellamar ſchmerzvoll— Warum verließ ich meine Schweſter, waͤh⸗ rend ſie Waldnarziſſen und Anemonen ſuchte? Wenn ſie ſich verirrt, wenn irgend ein Mann, oon ihrer Schoͤnheit gereizt, ſie mir entfuͤhrt hat; wen kann ich deshalb anklagen, als mich ſelbſte Aber ſie muß vor Kurzem hier geweſen ſeyn, denn es ſind friſche Blumen O Schweſter, wo biſt du?—. Jetzt fing der Hund aufs Neue zu heulen an, und zupfte Kellamar'n beim Mantel. Mirza's Bruder gerieth nun auf den Ge⸗ danken, daß das Thier den Aufenthalt ſeiner Schweſter wiſſe und ihm ſolchen anzeigen wolle. Er folgte dem treuen Narbel, wel⸗ cher vor ihm herlief, ſich aber oft umwen⸗ dete, als wolle er nachſehn, ob ſein Herr ihm auch folge. — 40— Als ſie den Wald hinter ſich hatten, kam Kellamar nebſt ſeinem Begleiter zu einem mit hohen Mauern und einem tiefen Waſſergraben umgebenen Schloſſe. Dunkel waren die gothiſchen Thurmfenſter, und keine Wache ſtand auf dem Walle. Tahers Sohn wuͤrde das Schloß fuͤr unbewohnt ge⸗ halten haben, wenn nicht mit einem Male die vorher niedergelaſſene Zugbruͤcke auf⸗ gezogen worden waͤre.— Kellamar maß die Breite des Grabens, die ihn von der Thuͤr trennte. Da fing Narbel wieder ſo heftig zu heulen an wie im Walde, und ſprang in den Graben, ſo daß das Waſſer hoch aufſpritzte. Kellamar ſtuͤrzte ihm nach, ohne eigentlich zu wiſſen, wozu dies nutzen ſolle. Wie war es moglich, in die wohlverwahrte Burg zu dringen?— Sie hatten die Mauern des Schloſſes umſchwom⸗ men, aber vergebens nach einer Stelle ge⸗ ſpaͤht, wo in daſſelbe zu gelangen waͤre. Nun bemerkte Kellamar die mit Eiſenſtaͤben vergitterte Oeffnung der Waſſerleitung. Die Staͤl Hun Kelle beln ſchic dies der ande noch gen ſchm viel Da des erha Sol vor wen Ma er er ſ — 41— Staͤbe waren ſoweit von einander, daß ein Hund ſich wohl hindurch zwaͤngen konnte. Kellamar gerieth auf den Gedanken, Nar⸗ beln durch dieſe Oeffnung in die Burg zu ſchicken, ohne eigentlich zu wiſſen, wozu dies frommen ſolle. Er hob den Hund mit der einen Hand empor, waͤhrend er mit der andern ruderte. Eine Zeit lang unterſchied noch Kellamar das Gebell in den Kruͤmmun⸗ gen des engen Gewoöͤlbes, dann ward es ſchwaͤcher— mit einem Male aber wieder viel ſtaͤrker— jetzt verſtummte es ganz. Da glaubte ſich Kellamar des einzigen Freun⸗ des beraubt, den er auf der Erde beſaß. Kaum konnte er ſich noch auf den Wellen erhalten. Der Mond glaͤnzte am Himmel. Sollte er jetzt ſterben; ſo wollte er doch zu⸗ vor noch einmal ſeinen Blick zu dem Lichte wenden, das ihm als Bekenner der Lehre Mahomets ſo heilig war. Muͤhevoll erhob er ſein Haupt; aber wie erſtaunte er, als er ſah, daß man die Zugbruͤcke niedergelaſſen hatte! Neben ihm tauchte eine Leiter nieder, er ergriff ſie, ſtieg empor und trat in den Schloßhof. Sein erſter Gedanke war ſeine Schweſzerz er blickte umher nach Jemanden, den er deshalb befragen koͤnne. Aber der Hef war wuͤſte; doch brannte am Ende eines dunkeln Ganges eine Lampe mit mattem Scheine. „Dahin richtete er ſeinen Weg. Es oͤffnete ſich eine Eiſenthuͤr, durch welche er ſogleich eintrat. Ein Page von einnehmender Geſtalt kam ihm entgegen, und lud ihm ein, ſich niederzulaſſen und auszuruhen. Kellamar fragte ihn haſtig: Wo iſt meine Schweſter? Wo iſt mein Hund? Das weiß ich nicht— verſetzte der Juͤng⸗ ling— aber bleibt im Schloſſe, denn hier ſeyd Ihr ſicher. Religionskriege fangen wie⸗ der an die Laͤnder zu verheeren; Eure Klei⸗ dung und Euer Glaube ſetzen Euch großer Gefahr aus. Dieſes Zimmer iſt das Eurige; im Nebengemach findet Ihr Euer Lager be⸗ reitet; auch Kleider ſind fuͤr Euch hingelegt. Kell Frag auffo ſann Er befri zuruf ſie v 2 in ei ſchaf Um mir Mir welc 43 Dieſe Tafel wird täglich fur Euch gedeckt ſeyn. Mit dieſen Worten entfernte ſich der Page. VII. Jellamar hatte nicht Zeit gehabt, ſeine eich Fragen zu wiederholen; aber wenn er den talt auffallenden Begebenheiten dieſer Nacht nach⸗ ſich ſann, wurde ſein Erſtaunen immer groͤßer. Er ſtand, um ſeine brennende Neugier zu eine befriedigen, in Begriff, den Pagen zuruͤck⸗ zurufen, und ging zur Thuͤr; allein er fand ng⸗ ſie verſchloſſen. hier Das alſo— rief er aus, indem er ſich vie⸗ in einen Seſſel warf— iſt die Gaſt freund⸗ lei- ſchaft, die man mir verhieß und gewaͤhrte! ßer Um mich Gefahren zu entziehn, entreißt man ges mir die koͤſtlichſten Guͤther, die ich beſitze. be⸗ Mirza's Raͤuber iſt der verraͤtheriſche Bube, welcher mich an dieſen Ort gelockt hat. Um — 44— ſich den ruhigen Beſitz ſeines Raubes zu ſichern, nimmt er dem die Freiheit, deſſen Arm die beleidigte Ehre der Schweſter zu raͤchen im Stande geweſen waͤre. Tahers Sohn irrte ſich nicht. Mirza wurde wirklich im Schloſſe gefangen gehal⸗ ten; doch das ihr angewieſene Zimmer war von dem ihres Bruders ſehr weit entfernt. Seeit einigen Tagen ſchon hatte Mirza, wenn ſie auf dem Grabe ihres Vaters kniete, zwei Maͤnner bemerkt, welche ſie belauſchten. Sie hatte Kellamarn dieſen Umſtand ver⸗ ſchwiegen, weil ſie befuͤrchtete, er moͤchte ihr dann nicht mehr erkauben, das Grab zu beſuchen. Der Wunſch, dieſe frommen Beſuche fort⸗ zuſetzen, rechtfertigte nach ihrer Meinung das Stillſchweigen, welches ſie uͤber den Vorfall gegen ihren Bruder beobachtete. Allein wie ſie wieder auf dem Grabe kniete und betete, traten plötzlich die beiden Unbekannten hervor, und geboten ihr mit dumpfer Stimme, ihnen zu folgen. Sie ſank ihr B hin n 5 ſie ge Schn vor ſ preßt + liche ſam, ſie di nehm quivi eine! ten d kraft fuͤhlt wie des 2 geöff unge s zu eſſen er zu Mirza ſehal⸗ war rnt. irza, niete, hten. ver⸗ oͤchte b zu fort⸗ nung den rabe iiden mit Sie ſank ohnmaͤchtig zu Boden, und erlangte ihr Bewußtſeyn erſt im Schloſſe wieder, wo⸗ hin man ſie gebracht hatte. Sie dachte an ihren Bruder, von dem ſie gewaltſam getrennt war, und der heftigſte Schmerz erſchuͤtterte ſie; dumpf ſtarrte ſie vor ſich hin, bis ein Thraͤnenſtrom ihre ge⸗ preßte Bruſt erleichterte. Plötzlich war es ihr, als ob ſie eine herr⸗ liche Muſik hoͤre. Die Bewegung war lang⸗ ſam, der Ton ſchwermuͤthig. Oft meinte ſie die Guitarrenklaͤnge Taher Ali's zu ver⸗ nehmen, wie ſie von den Echo's am Guadal⸗ quivir wiederholt wurden. Mochte nun Mirza eine wirkliche Muſik gehoͤrt haben, oder moch⸗ ten dieſe Toͤne blos durch ihre Einbildungs⸗ kraft hervorgerufen worden ſeyn— genug ſie fuͤhlte durch dieſe Toͤne ſich eben ſo beruhigt, wie Koͤnig Saul durch den Klang der Harfe des Sohns Iſai's. Mirza hatte die Fenſter ihres Zimmers geoffnet, und warf ihre Blicke auf das vom ungewiſſen Schimmer Aurorens beleuchtete — 46— Landſchaftsgemaͤlde. Der Himmel war hei⸗ ter; ein flammendes Purpurroth bezeichnete die Stellen, wo die Sonne aufgehen werde. Jetzt ſchoſſen die erſten Strahlen der Sonne am Horizonte herauf, und ſpiegelten ſich in den Meereswellen. Das Morgenlicht be⸗ glanzte auf der Inſel die grauen Thurmſpi⸗ tzen der Kirche von Maguelone. Der aus der Rhone aufſteigende Nebel umhuͤllte noch den Thurm von Conſtange und die Stadt Aigues⸗Mortes. Links waren ſchon die hoch⸗ aufſteigenden Felſen von S. Loup nebſt dem 9 p Anfang des mit Reben und dem bleichen Gruͤn der Oliven bedeckten Cevennengebirges ſichtbar, amphitheatraliſch niederſteigend bis in die vom Lez und Maoſſon bewaͤſſerte Ebene. Der Anblick des Sonnenaufgangs macht ſowohl den Schuldigen, als den Unſchuldi⸗ gen nachdenkend. Jener empfindet bei dieſer Erſcheinung neue Gewiſſensbiſſe, und dieſer neuen Troſt und neue Freude. Mirza betrachtete mit heitrer Seele das ſchoͤn daß genſe Zimt ten verk. den die ihren melt nen. Hof ſehn ihres Ger⸗ mer! Raſ auf Aug men von 47 hei⸗ hnete erde. onne ch in be⸗ iſpi⸗ aus noch tadt hoch⸗ dem ichen irges bis ſſerte dacht aldi⸗ ieſer le ſer das ſchoͤne Schauſpiel. Sie bemerkte zugleich, daß Alles angewandt war, um die Gefan⸗ genſchaft ihr ertraͤglich zu machen. Ihr Zimmer hatte die freie Ausſicht in den Gar⸗ ten und war ihr nicht durch finſtere Waͤlle verkummert, denn der Garten ſchien ſich in den Ebenen von Mireval zu verlieren. Thraͤnen entfloſſen ihren Augen, als ſie die Stellen erkannte, welche ſie oft mit ihrem Bruder beſuchte, um Pflanzen zu ſam⸗ meln, die ihnen Taher Ali hatte kennen ler⸗ nen. Dieſen Orten ſo nahe zu ſeyn und keine Hoffnung zu haben, Kellamarn wiederzu⸗ ſehn.. Der Gedanke riß die Wunden ihres Herzens von Neuem auf; doch ein Geraͤuſch im Garten machte jetzt ihre Auf⸗ merkſamkeit rege. Sie bemerkte, daß ein Mann von der Raſenbank, wo er geſeſſen hatte, ſchnell aufſtand und ſich ſeufzend entfernte. Ihre Augen verfolgten ihn, bis er unter den Baͤn⸗ men ſich verlor. Vom Mitkleid und zugleich von der Neugier getrieben, eilte ſie hinab — 48— in den Garten, doch der Unbekannte war nirgends zu entdecken. VIII. Das ploͤtzliche Verſchwinden der Kinder Taher Ali's gab zu verſchiedenen Muth⸗ maßungen Anlaß. Am Allgemeinſten war die Vermuthung, daß ſie in einem der nahen Haͤfen ſich eingeſchifft haͤtten, um in ihr Vaterland zuruͤckzukehren. Aber es war die Frage, wie es ihnen moͤglich geweſen, dieſe Einſchiffung ohne Beihuͤlfe einer einflußrei⸗ chen Perſon zu bewerkſtelligen?— Von allen Vornehmen des Landes hatte blos ein Einziger das Haus des Mauriſchen Fuͤrſten haͤufig beſucht; blos dieſer konnte den Kindern Tahers zur Flucht behuͤlflich geweſen ſeyn. So glaubte das Volk und dachte auf Irnern; doch gereichte ihm dies keinesweges zum Acht ohnel 1 hielt verm ſtren nicht kaner nalge der unter ihren 4 geger hatte an, Meit mach ſinn er he gegen theid J. war zum Nachtheil, ſondern es vermehrte die Achtung und Anhaͤnglichkeit, die man ihm ohnehin ſchon bewies. Trotz der Rohheit des Mittelalters be⸗ hielt das Volk doch jenen Gerechtigkeitsſinn, vermoͤge deſſen es oͤffentliche Handlungen einer ſtrengen Pruͤfung unterwarf. Es zeigte dabei nicht den Stolz und Trotz der alten Republi⸗ kaner, noch den Neuerungsſinn— Natio⸗ nalgeiſt genannt— der alle Handlungen der Obergewalt dem ungemeſſenſten Tadel unterwirft, und wodurch die neuere Zeit zu ihrem Nachtheile ſich auszeichnet. Die Menge ſah die Maasregeln, die man gegen Taher Ali und deſſen Familie ergriffen hatte, aͤls eine Verletzung des Voͤlkerrechts an, und freute ſich daruͤber, daß Irner(ihrer Meinung nach) dieſe Ungerechtigkeit gut zu machen geſucht hatte. Der Gerechtigkeits⸗ ſinn des Ritters war ſchon bekannt, denn er hatte ſchon oͤfters die Rechte der Vaſallen gegen die Anmaaßungen ihrer Oberherrn ver⸗ theidigt. I 4 Ohne des Volkes gutmuͤthige Geſinnun⸗ gen zu theilen, hegten die meiſten Adlichen den naͤmlichen Verdacht gegen Irnern, und ſie wuͤrden ihn deshalb foͤrmlich ange⸗ klagt haben, wenn nicht die Unmoͤglichkeit der Beweisfuͤhrung ſie davon zuruͤckgehalten haͤtte. Sie unterließen alſo die Anklage, weil ſie damit blos Irnern die Waffen zu ihrer eignen Demuͤthigung in die Hand ge⸗ geben haben wuͤrden. Wenn ſte einander zuweilen ihren truͤben Argwohn mittheilten; ſo geſchah es blos leiſe, und nur dann, wenn ſie ſich von Niemand beobachtet glaubten, der ihre geheimen Muthmaaßungen dem Rit⸗ ter haͤtte hinterbringen koͤnnen. Man machte indeß allgemein die Bemer⸗ kung, daß ſeit der Zeit, wo die Kinder Ta⸗ her verſchwunden waren, eine auffallende Veraͤnderung in Irners Betragen ſich zeigte. Er war traͤumeriſcher, in ſich gekehrter, als jemals. Zwar unterbrach er ſeine phy⸗ ſikaliſchen Vorleſungen nicht, allein er ſetzte ſie mit dem Eifer und dem Feuer, womit — ,———— nun⸗ chen lern, nge⸗ hkeit alten age, zu d ge⸗ nder lten; wenn dten, Rit⸗ ter, hy⸗ ttzte mit — 31— er ſie begonnen hatte, jetzt nicht mehr fort. Er ſuchte die Einſamkeit, und vermied die Geſellſchaften, die er ſonſt durch ſeine leben⸗ dige Unterhaltung entzückt hatte. Faſt ſchien es, als bereue er es, ſo lange der Eitelkeit und Ruhmſucht geopfert zu haben, und als ſey ihm jetzt die Bewunderung der Menſchen zum Ekel geworden. Einige meinten auch— weit entfernt von dem Glauben, daß er den Mauren zur Flucht behuͤlflich geweſen— er ſey jetzt traurig uͤber ihre Entfernung, und der Vi⸗ komte habe nicht Unrecht gehabt, als er da⸗ mals Trincaveln verſicherte: Irner liebe die ſchöͤne Mirza. IX. Zur Zahl derer, welche der letztern Ver⸗ muthung beitraten, gehoͤrte auch die Graͤfin Mathilde, die Gemahlin des Admirals der Flotte von Majorka. Sie ſtammte aus 4* einer bedeutenden Familie der Grafſchaft Venaiſſin her, und lebte ſeit ihrer Vermaͤh⸗ lung im Montpellier. Sie hatte die Schoͤn⸗ heit und den majeſtaͤtiſchen Wuchs, aber auch den ſtolzen Charakter, welchen die Alten der Gemahlin Jupiters beilegen. Kaum war ſie in Montpellier angekom⸗ men, ſo verſammelte ſich ſogleich ein Kreis von Maͤnnern um ſie, welche durch Geburt und Rang ſich auszeichneten, und machte ihr den Hof. Montpellier hatte viel Frauen von hoher Schoͤnheit; um ſo mehr mußte ſich die Graͤfin von der Auszeichnung, die ihr zu Theil wurde, geſchmeichelt finden. Dieſer Triumph erregte ihre Eitelkeit ſo ſehr, daß ſie derſelben ſich nunmehr allein hingab, und alle edlere Empfindungen des Herzens un⸗ terdruͤckte. Nicht als ob alles Gefuͤhl in ihrer Bruſt ertodtet worden waͤre; ſie beſaß deſſen immer noch mehr; als ſie glaubte. Aber doch leitete die Eitelkeit faſt allein ihre Handlungen; durch ſie brachte ſie alle uͤbri⸗ gen Empfindungen zum Schweigen. Sie gab ſich nun ungeſtoͤrt den von ihren Bewunderern veranſtalteten Luſtbarkeiten hin, wie die Galanterie des Mittelalters ſie er⸗ fand. Feindin alles einfachen Genuſſes, wodurch der Neid ihrer Nebenbuhlerinnen nicht erregt werden konnte; alle Bewegungen ſcheuend, die ihre Schwaͤche verrathen und ihren Hochmuth gedemuͤthigt haben wuͤrden, ſann ſie immer nur auf Pracht und Glanz, und wurde auf dieſe Weiſe leichtſinnig ihrem eigenen Herzen abtruͤnnig. Ihr Benehmen war ein Gemiſch von Inkonſequenz und kal⸗ ter Berechnung, und der Widerſpruch ihres Gemuͤths zeigte ſich ſelbſt in ihrem Aeußern, in dem ungewoͤhnlichen Kontraſt, den ihr blaues Auge zu ihrem ebenholzſchwarzen Haare bildete. Irner folgte dem Strome. Er ward von Mathilden ausgezeichnet, weniger ſeines vor⸗ theilhaften Aeußern und ſeines glaͤnzenden Rufs halber, als wegen der Kaͤlte und Gleich⸗ gultigkeit, mit welcher er die Reize der Graͤfin betrachtete, wodurch andere Maͤnner zu ver⸗ — 534— liebten Thoren geworden waren. Um des Ritters Herz zu feſſeln, wandte Mathilde alle Kunſtgriffe an, die ihrem Geſchlechte zu Gebot ſtehn; ſchon glaubte ſie Irnern als Sklaven zu ihren Fuͤßen liegen zu ſehen, als mit einem Male ſein geſchmeidiges zuvor⸗ kommendes Weſen ſich in toͤdtende Kaͤlte verwandelte. Er hatte mit Empfindungen blos geſpielt; ſein Herz war frei geblieben. Mathildens Erbitterung kannte keine Graͤnzen. Raͤthſelhaft! Wie konnte ſie denn von Irnern ein Gefuͤhl verlangen, welches ſie doch nie getheilt haben wuͤrde? Armiden gleich war ſie ein Opfer ihrer eigenen Liſt geworden. Und jetzt, als ſie muthmaaßte, in Irners Herzen wohne die Leidenſchaft fuͤr eine Andere, die ſie ihm einzufloͤßen unvermoͤgend geweſen war; da brannte die Flamme in ihrem Buſen, die ſie in ſeiner Bruſt hatte entzuͤnden wollen. Mathilde liebte zum erſten Male, doch war dieſe Liebe blos eine Geburt verletzter Eitelkeit. Indeß fiel ihr ein: Konnte ſie 4 ſich nicht irren in der Urſach von Irners Betragen? Und wie ſollte ſie ſich nun Auf⸗ klaͤrung verſchaffen in dieſer fuͤr ſie ſo wich⸗ tigen Sache? Nur ſelten erſchien der Ritter in den Ge⸗ ſellſchaften, welche ſie beſuchte, ſchon lange hatte er ihr Haus gemieden, wo ſie ihn am leichteſten und ſicherſten haͤtte beobachteu und erforſchen koͤnnen. Endlich fiel ihr ein Aus⸗ kunftsmittel ein. Ihr Geburtstag war nahe; ſie wollte dieſen Tag durch ein glaͤnzendes Feſt feiern, und Irnern nebſt mehrern andern Vorneh⸗ men, dazu einladen. Erſcheint Irner nicht — dachte ſie— ſo iſt all' meine Ungewiß⸗ heit zu Ende; kommt er; ſo werde ich ſchon Mittel finden, ihn dahin zu bringen, daß er ſich erklaͤrt oder verraͤth. Der Roſenmond war vergangen; das Laub hatte nicht mehr jene zarte durchſich⸗ tige Farbe, die in den erſten Tagen des Fruͤhlings dem Auge ſo wohl thut. Allge⸗ mach raubte die Hitze den Feldern und Wie⸗ — 36— ſen ihre Blumen, und die man noch antraf waren verſchmachtet und ſtreuten ihre Blaͤt⸗ ter auf den Boden. Aber in Mathildens Garten bluͤhte noch durch die Gewalt der Kunſt der Fruͤhling in ſeiner ganzen zaube⸗ riſchen Pracht.. Um ein Marmorbecken, aus welchem ſtets ein heller lebendiger Waſſerſtrahl in die Hoͤhe ſprang, flochten die Zweige des Feigen⸗ und des Zitronenbaums ſich in ein⸗ ander, und bildeten ein von der Sonne nicht zu durchdringendes Blaͤtterdach. Und weit umher auf dem friſchen Raſenteppich brei⸗ tete der Mai ſeinen ganzen Blumenſchatz aus. Welche Farbenverſchwendung! Welche herr⸗ liche Zeichnungen! Es ſchien, als ob der Orient ſeiner ſchoͤnſten Blumen ſich beraubt haͤtte, um Mathildens Garten zu ſchmuͤcken. Hier ſtand die glaͤnzende Ranunkel und die Blume von Palaͤſtina, dort die Iris von Suſa und die Nelke von Kaſchemir. Wei⸗ terhin wiegte die Agley ihre himmelblauen Bluͤthen und alle Roſen aus Aſien und V Europa waren verſammelt, von der Wald⸗ roſe an bis zu Syriens praͤchtiger Blume, von der Moosroſe bis zu der Rieſenroſe Beu⸗ galens. Vaſen von verſchiedener oft ſonderbarer Form waren umher aufgeſtellt. Eben ſo verſchieden und oft ſonderbar waren die darin ſtehenden Pflanzen und Gewaͤchſe. Hier ſah man eine Staude, mit unſaͤglichen Koſten aus fernen Gegenden hieher gebracht; daneben eiue gewoͤhnliche Blume, wie man ſie in der Gegend von Montpellier im Ueber⸗ fluß antrifft. Die Schwertlilie ſtand neben einem Orangenbaum, welcher Fruͤchte und Bluͤthen zugleich trug, die Senſitive neben der Reſeda, die gelbe Ringelblume neben dem ſchuͤchternen Veilchen. O ihr, die ihr eine ſtolze Schoͤne liebt, und zu ſchuͤchtern ſeyd, durch euren Mund die Gefuͤhle eurer Bruſt auszudruͤcken— lernt die Blumenſprache! Lernt die Sprache, die in der Einſamkeit des Harems von der Liebe erfunden ward, um eiferſich⸗ tige Despoten zu uͤberliſten! Die Mauren waren es, welche die Blu⸗ menſprache nach Spanien brachten, von wo aus ſie ſich weiter im Abendlande verbreitete. — Auch Mathilde erhielt zu ihrem Geburts⸗ tage von ihren Anbetern Blumenſtraͤuße, welche ihr die Empfindungen der Geber dol⸗ metſchen ſollten. Der eine redete von ſeiner Traurigkeit, der andere von Verſchwiegen⸗ heit, der dritte von Hoffnung, der vierte von Freundſchaft u. ſ. w. Mathilde verſtand die Sprache, doch gleichgultigen Blicks be⸗ trachtete ſie die Blumen. Ach, die Blume der Liebe war ja nicht darunter, und— Irner erſchien nicht. „Ha!“ rief ſie.„Selbſt die gewoͤhn⸗ lichen Pflichten der Hoͤflich keit vernachlaͤſſigt er. Schon lange iſt die beſtimmte Stunde 1. voruͤber und immer noch kommt er nicht.“ Langſamen Schritts begab ſie ſich in den Park an den Platz, wo das Marmorbecken befindlich war. Sie ſah hinein, doch die Oberflaͤche des Waſſers war zu bewegt, um ihr Bild zuruͤckzuſpiegeln. Sie ſetzte ſich nieder, zuweilen entflog ihrer Bruſt ein Seufzer, und endlich— fing ſie zu weinen an, und weinte und ſchluchzte immer heftiger. Da kam eine ihrer Dienerinnen und mel⸗ dete Irners Ankunft. Sogleich hatte ſie ihre Faſſung wieder, und die Thraͤnen ver⸗ ſchwanden aus ihren Augen. X. In der That!— begann ſie, nachdem ſie den Gruß des Ritters erwiedert hatte.— Beruͤhmte Maͤnner duͤrfen ſich viel erlau⸗ ben; ſonſt wuͤrde es Euch nie zu verzeihen ſeyn, daß Ihr ſo lange mich vernachlaͤſſigt habt. Irner.(mit einer Verbeugung) Ihr ſchmeichelt, ſchoͤne Graͤfin, indem Ihr Vor⸗ wuͤrfe machen wollt. Indeß darf ich Euch verſichern, ſchon ehe ich Eure Einladung zu — 60— dem heutigen Feſte empfing, hatte ich den Entſchluß gefaßt, Euch an dieſem Tage meine Verehrung zu bezeigen. Welche An⸗ ſpruͤche auf Ruhm auch ein franzoͤſiſcher Ritter haben moͤge, ſo darf er doch nim⸗ mermehr die Artigkeit und Achtung gegen edle Frauen vergeſſen. Mathilde. Nach dieſem Glaubensbe⸗ kenntniſſe iſt Euer bisheriges Betragen mir begreiflich. Ihr habt blos den ſteifen Ge⸗ ſetzen des Anſtandes gehorcht, und wenn dieſe es erlaubt haͤtten, waͤrt Ihr wohl noch laͤnger weggeblieben.— Ich muß geſtehn, gleich, wie ich Euch kennen lernte, fiel mir dieſer Fehler an Euch auf, ich ſuchte Euch davon zu befreien, denn ich dachte, zwei Ge⸗ müther, die einander ſo nahe verwandt ſind, als die unſrigen, koͤnnten wohl eine eben ſo ſchoͤne, als dauerhafte Verbindung—— Irner(mit Kaͤlte einfallend) Ihr habt wohl Recht, edle Graͤfin. Gewiſſermaßen ſind wir ſinnesverwandt. Wir treiben Beide die Liebe zur Freiheit bis zur Schwaͤrmerei den Tage An⸗ ſiſcher nim⸗ gegen noch ſtehn, I mir Euch i Ge⸗ ſind, en ſo habt aßen Beide nerei — 64— 4 — nur mit dem Unterſchiede, daß Ihr des Vorrechts Euers Geſchlechts Euch bedienen und die Freiheit Anderer unterjochen duͤrft.— Mathilde. Ritter, nur nicht allzube⸗ ſcheiden! Vergeßt nicht der Vorrechte Euers Geſchlechts. Ihr erobert, ohne den Krieg erklaͤrt zu haben; Ihr greift einen Feind an, ohne daß Ihr ihm Zeit laßt, ſich in Ver⸗ theidigungsſtand zu ſetzen. Irner(nachdenkend und wie im Trau⸗ me) Wenn nun aber der Sieger keinen Ge⸗ fallen daran findet, ſeinen Sieg zu benutzen? Mathilde. Dann iſt's eine Beleidigung fuͤr die Beſiegte. Irner. Und wenn er großmuͤthig ge⸗ nug iſt, ihr das Geſtaͤndniß der Niederlage zu erſparen? Mathilde. Die wahre Großmuth be⸗ ſteht darin, daß der Ueberwinder von der Ueberwundenen ſich wieder uͤberwinden laͤßt. Glaubt mir, Ritter, der Sklaverei der Liebe kann ſich Niemand auf immer entziehen. Ihr ſelbſt, welchem ſchon der Gedanke, ſeine — 62—„ Freiheit verlieren zu koͤnnen, Pein verurſacht — fuͤhlt Ihr es nicht, daß dieſe Freiheit blos ein vergrabener Schatz iſt, und nichts weiter?— Den Kunſtgriffen der Buhlerei habt Ihr Widerſtand geleiſtet— aber auch der feineren Verfuͤhrung?— Ihr ſchweigt. Ritter, ich ſage Euch, auf dem Boden des Kelches werdet Ihr Wermuth finden. Doch, dies iſt falſch geſprochen. Der Trank iſt Euch ſchon zu Wermuth geworden. Bei dieſen Worten war Mathllde ſelbſt zu bewegt, als daß ſie die Bewegung des Ritters haͤtte wahrnehmen koͤnnen. Seine Ge⸗ ſichtszuͤge waren bleich und verſtoͤrt. Beide hatten die Kaͤlte und Gemeſſenheit, mit wel⸗ cher ſie das Geſpraͤch begonnen, ganz außer Acht gelaſſen. Voll Schaam, ſich Bloͤßen gegeben zu haben, ſtanden ſie einige Minu⸗ ten ſchweigend mit niedergeſchlagenen Augen einander gegenuͤber, bis die Graͤfin bei einem fluͤchtigen Aufblicken Irners Verlegenheit ge⸗ wahrend und benutzend, den Faden des Ge⸗ ſprächs wieder aufnahm. ſacht eiheit nichts hlerei auch eigt. des Doch, lik iſt ſelbſt g des e Ge⸗ Beide t wel⸗ außer loͤßen Ninu⸗ lugen einem it ge⸗ Ge⸗ Wir ſind— fing ſie mit einer gewiſſen Feierlichkeit an— durch ein feſteres Band verbunden, als das einer fluͤchtigen Leiden⸗ ſchaft. Wenn ich mich naͤher erklaͤren koͤnnte, dann wuͤrdet Ihr gewiß Euer uneingeſchraͤnk⸗ tes Vertrauen mir ſchenken. Preis gegeben den Pfeilen des Neides, eine unerwiederte Leidenſchaft ihm Herzen naͤhrend, fuͤhlt Ihr denn kein Beduͤrfniß, Eure Geheimniſſe mit⸗ zutheilen?— Geheimniſſe?— fragte Irner mit kalter Wuͤrde— Waͤre ich ſo ungluͤcklich, Geheim⸗ niſſe in meinem Herzen zu verwahren, und haͤttet Ihr auch das Befugniß, ſie mir ab⸗ zuverlangen, dennoch wuͤrde ich die Befrie⸗ digung Eurer Sehnſucht fuͤr Grauſamkeit halten. Allein Ihr habt vorgefaßte Mel⸗ nungen; warum ſoll ich Euch bekennen, was Ihr ſelbſt ſchon beſſer wißt— oder doch— beſſer— zu wiſſen— denkt? Mathilde. Wie ſollte ich nicht wiſſen, was die oͤffentliche Stimme ſagt?— Ritter Cihn fixirend) Ihr liebt Mirzal Sie — 4— 64 4 iſt's, mit der Eure Gedanken ohn’' Ende beſchaͤftigt ſind; deren Entfernung Euch mar⸗ tert. Ihre Abweſenheit hat Euch in truͤbe Schwermuth verſenkt. Irner. Wie, Mathilde?— Mathilde. Ja, ich wiederhole es, Ihr liebt Mirza, und noch mehr, Ihr betet ſie an. Koͤnnt Ihr es laͤugnen?— Geſteht, Irner. Ich beſchwoͤr' Euch bei meinem Leben und dem Leben meiner Tochter! Mit einem ſeltſamen unruhigen Blick ſtarrte Irner die Graͤfin an, doch nach eini⸗ gen Minuten des Nachdenkens antwortete er mit gemaͤßigter Stimme: Gern, Mathilde, bemerke ich die Huldi⸗ gung, die Ihr den Geſetzen der Natur dar⸗ bringt. Statt Euer eigenes Herz zum Zeu⸗ gen anzufuͤhren, beſchwoͤrt Ihr mich bei Eurer muͤtterlichen Liebe, Ihr beruft Euch auf Eure Tochter. Doch gewiß— fuhr er fort, indem er ſeine irrenden Blicke auf ein Armband richtete, welches Mathilde ſeit eini⸗ gen Monaten trug— Ihr verrathet die — 65— Luſt, ein Geheimniß zu erforſchen, ohne daß Ihr Luſt habt, es zu bewahren.. Aber noch einmal, Mathilde! Ihr taͤuſcht Euch in Euren Vermuthungen, und da ich blos dieſen die gegenwaͤrtige ziemlich lange Unterredung verdanke; ſo daͤchte ich, es waͤre das Beſte, wenn wir in den Saal uns be⸗ gaͤben, wo die Geſellſchaft unſerer wartet. Die Graͤfin war nicht minder von der unvermutheten Wendung des Geſpraͤchs, als der Feſtigkeit Irners uͤberraſcht; doch um ſich keine Bloͤße zu geben, wozu der Augen⸗ blick ſie ſo leicht haͤtte verführen koͤnnen, faßte ſie Irners Arm, und begab ſich mit ihm in den Saal. XI. Es erhob ſich ein leiſes Gefluͤſter des Bei⸗ falls, als Irner an Mathildens Arm in den Saal trat. Und in Wahrheit, man konnte kaum ein ſchoͤneres Paar finden, als dieſes. J.— 2 Beide waren in dem romantiſchen Koſtuͤm, welches zuerſt am Hofe der Koͤnige Arrago⸗ niens eingefuͤhrt und dann in ganz Europa mit Beifall aufgenommen ward. Das mit Gold geſtickte Schleppkleid Mathildens, ihr mit Diamanten beſetztes Diadem, und der Hermelinmantel, welcher um ihre Schulter wogte, gaben ihr ein imponirendes Anſehen.— Die von Irners Sammet⸗Barett nieder⸗ chwankenden Federn, ſo wie das an ſeinen & Koͤrper knapp ſich anſchließende Kleid, ſein ſchlanker Wuchs, ſein melancholiſches Ge⸗ ſicht, auf welchem noch die Spuren einer kaum niedergekaͤmpften Leidenſchaft zu leſen waren, nahmen ſo ſehr fuͤr ihn ein, daß man nicht Zeit gewann, das Kreuz, welches auf ſeiner Bruſt hing, noch das Heft ſeines Dolchs und den Griff ſeines Schwerts, die mit Brillanten geziert waren, zu bewundern. Und was das Auffallendſte war— man glaubte die Geſchlechter veraͤndert. Irner ſchien ein Weib, und Mathilde ein Mann zu ſeyn. Er zeigte ſich in dieſem Augen⸗ ſtuͤm, ago⸗ ropa mit ihr der ulter n.— eder⸗ einen einer leſen man auf eines die dern. man frner ann gen⸗ blicke nachgebend und weich, ſie ſtolz und anſpruchsvoll. Noch ehe ſie Platz genommen hatten, wur⸗ den Trincavel und Miges angemeldet. Durch das Erſcheinen Beider war die Zahl der ein⸗ geladenen Gaͤſte voll, und es eilten nunmehr Alle, der Graͤfin ihre Gluͤckwuͤnſche darzu⸗ bringen. Als man damit fertig war, wurde vom Kriege gegen die Mauren und vom plötzlichen Verſchwinden der Kinder Taher Ali's geſpro⸗ chen. Man wußte nicht recht, auf welche Weiſe dieſer Gegenſtand auf die Bahn ge⸗ kommen war. Vielleicht war es das lebhafte Intereſſe, welches man allgemein an dieſer Sache nahm,— vielleicht hatte auch Ma⸗ thilde geſchickterweiſe das Geſpraͤch auf dieſen Gegenſtand zu leiten gewußt. Miges erklaͤrte ganz offen: Das ſchnelle Verſchwinden der Kinder Taher Ali's ſey ein uͤbler Umſtand; das Intereſſe des Koͤnigs von Majorka werde dadurch ſehr benachthei⸗ ligt.— Und wenn vollends das Geruͤcht 5* 9 — 68— wahr ſpraͤche— ſetzte er hinzu, einen grim⸗ migen Blick auf Irnern ſchleudernd— daß ein Chriſt den Unglaͤubigen zur Flucht behuͤlflich geweſen?— Wie könnt Ihr— brach der Ritter los, der ſeinen Zorn nicht laͤnger zu baͤndigen vermochte— wie koͤnnt Ihr den Kindern Ta⸗ hers ihre Flucht zum Verbrechen anrechnen wollen? Es war eine himmelſchreiende Un⸗ gerechtigkeit, eine Gewaltthat, daß man ſie gefangen nahm, und darum war auch jedes Mittel, welches ſie waͤhlten, um dieſer Ge⸗ fangenſchaft ſich zu entziehn, gerecht. All⸗ maͤchtiger Gott! Sie ſtrafbar?— Hatten ſie Euch denn den Eid der Treue geſchwo⸗ ren?— Maͤßige Dich, Bruder!— ſagte Trin⸗ cavel.— Wenn Du ſo fortfaͤhrſt, die Mau⸗ ren zu vertheidigen, koͤnnte man leicht darin eine Beſtaͤtigung der Geruͤchte finden, welche hinſichtlich Deiner Verbindung mit ihnen im Umlauf ſind. Ja— verſetzte Irner mit Hoheit— ich — 69— ſehe es ein, daß ich mich rechtfertigen muß. daß Wohlan denn, ſo ſchwoͤre ich hiermit zu Gott ucht dem Allmaͤchtigen und Allwiſſenden, daß ich die Flucht der Kinder Tahers nicht beguͤnſtigt los, habe!— Aber— ſetzte er nach einer Pauſe igen hinzu, indem er aus tiefſter Bruſt ſeufzte— Ta⸗ ich wuͤrde mich uͤbergluͤcklich fuͤhlen, wenn nen das Schickſal mir vergoͤnnt haͤtte, ihnen die⸗ Un⸗ ſen Dienſt zu leiſten.— Fragt, forſcht ſie nicht weiter! Denn wegen meiner Gedanken edes und Meinungen bin ich Gott allein Rechen⸗ Ge⸗ ſchaft abzulegen ſchuldig. All⸗ Eben wollte Miges antworten, als ein tten Diener der Graͤfin meldete, daß Alles bereit wo⸗ ſey. Mathilde bat hierauf die Geſellſchaft, ſich in den Saal zu verfuͤgen. rin⸗ Die feinſten Speiſen wurden aufgetragen, au- die ſeltenſten Weine kredenzt. Allmaͤhlig trat icht an die Stelle des feierlichen Tons, welcher en, Anfangs herrſchte, Munterkeit und Frohſinn, mit und bald war uͤber Muſik und Tanz die Politik vergeſſen. Bis an den fruͤhen Morgen dauerte das Feſt, doch ſchon vor Mitternacht hatte ſich Irner der Graͤfin empfohlen, und in aller Stille die Geſellſchaft verlaſſen. XII. Das Schloß, in welchem Tahers Kinder gefangen ſaßen, war das Schloß Lauſa(6). Kellamar beruhigte ſich bald daruͤber, daß man ihm ſeine Freiheit entzogen hatte. Seit ſein Vater todt und ſeine Schweſter ihm geraubt war, konnten ihm ja die reizenden Umgebungen Montpelliers blos wie ein Kirch⸗ 1 hof erſcheinen. Nur eine Sehnſucht kannte n er— ſich an dem Raͤuber ſeiner Schweſter 3 zu raͤchen. k Mirza wußte nicht, daß ihr Bruder mit ihr in demſelben Schloſſe gefangen ſaß. Aber das war bei ihr Gewißheit geworden, daß der Unbekannte, den ſie im Garten ge⸗ ſehen, ſie mit ſeiner Liebe verfolge. Tahers Tochter war in dem Alter, wo aller inder (5). uͤber, hatte. r ihm enden dirch⸗ aunnte peſter ruder ſa ß. rden, nge⸗ „wo — das Maͤdchen ein neues Leben beginnt. Em⸗ pfindungen, die ihr bisjetzt unbekannt waren, regten ſich in ihrem Buſen. In einer Nacht traͤumte ihr, ſie befaͤnde ſich wieder in dem Walde, wo ſie von der Schlange gebiſſen wurde. Allein ſtatt Ir⸗ ners trat ein unbekannter Mann, welchen ſie fuͤr den Herrn des Schloſſes hielt, aus dem Schatten der Baͤume hervor. Er ſog ihr das Gift aus der Wunde, doch ſeine Lippen wurden ſo gluͤhend auf der Stelle, daß ſie halb im Schlafe eine Bewegung machte, ihm den Arm wegzureißen. Sie fuͤhlte, daß Jemand ihr Widerſtand leiſtete und ſchlug die Augen auf— aber ſie glaubte immer noch zu traͤumen. An ihrem Lager kniete ein Mann und benetzte ihre Hand mit Thraͤnen. Zuweilen druͤckte er ſeine Lippen auf die Narbe, welche vom Biß der Schlange zuruͤckgeblieben war, und dann ſtroͤmten ſeine Thraͤnen haͤufiger und ſein Schluchzen ward heftiger. Die Lampe brannte düͤſter, ſo daß Mirza die Geſichtszuüge des Manues nicht erkennen konnte. Aber ein unerklaͤrliches Gefuͤhl be⸗ wegte ihr Herz; es war nicht bloße Neugier, es war zugleich das tiefſte Mitleid; denn aus allen Umſtaͤnden ergab ſich, daß der Fremde hoͤchſt ungluͤcklich ſeyn muͤſſe. Was iſt Dir denn, du Armer?— fragte ſie weich und geruͤhrt.— Nenne mir die Quelle Deines Ungluͤcks. Oder glaubſt Du, ich verſtehe Deinen Schmerz nicht?— Dann taͤuſcheſt Du Dich. Thraͤnen genug fuͤr frem⸗ des Ungluͤck laͤßt mein eigner Schmerz mir uͤbrig. Als bei dieſen Worten die Seufzer des Unbekannten ſich vermehrten, fuhr ſie mit noch milderer Stimme fort: Vergieb mir, wenn ich eine empfindliche Wunde Deines Herzens beruͤhrte, indem ich Dich troͤſten wollte.— Aber ſage mir, was bringt Dich hieher? Warum wacheſt Du in den Stun⸗ den, wo die ganze Natur ſchlaͤft?— Mirza, Du kennſt mein Leiden nicht?— fragte der Geheimnißvolle mit dumpfer wan⸗ 4 2——,— — 7 7 3— 2₰ kender Stimme— Merkſt Du denn nicht, was mein Ungluͤck iſt? Eine unſelige Leiden⸗ ſchaft tobt in meiner Bruſt... Schon oft bin ich hier geweſen und habe Deinen Schlum⸗ mer belauſcht... Aber Deine Unſchuld blieb mir heilig. Bei dieſen Worten wurde die Gemuͤths⸗ bewegung des Unbekannten immer heftiger, bis er endlich in ſeinem Schmerze verſtummte. Weinend griff Mirza nach ſeiner Hand und ſagte: Ungluͤcklicher, der Du um meinetwillen leideſt, laß mich Dich troͤſten. Dein Schmerz zerreißt meinen Buſen, darum laß mich Balſam auf Deine Wunde gießen... Das willſt Du, edles Maͤdchen?— fragte der Geheimnißvolle— Balſam traͤu⸗ feln auf die Wunden, die ich mir ſelbſt ge⸗ ſchlagen habe?— Mirza, Du biſt ein En⸗ gel!— Engel?— fragte ſie voll Befremdung— Geheimnißvoller Menſch, Du ſpotteſt meiner, oder Du laͤſterſt Gott.— Noch weiß ich nicht, ob es blos Mitleid iſt, was ich em⸗ pfinde, aber das weiß ich, daß ich mein Le⸗ ben drum gaͤbe, Dich gluͤcklich zu ſehn. Iſt es wahr, Mirza; das wollteſt Du?— Bei dieſen Worten richtete er ſich auf. Doch in dem naͤmlichen Augenblicke erloſch die Lampe; undurchdringliche Finſterniß herrſchte im Zimmer.— Eine ſuͤße Bangigkeit durch⸗ zitterte Mirza's Buſen— eine heiße Hand legte ſich leiſe auf ihre Schulter— ein war⸗ mer Hauch wehte ſie an... ihre Bruſt wogte heftiger... die Bangigkeit wurde zur Furcht... ſie wollte rufen, ſchreien... Da zog der raͤthſelhafte Mann ſeine Hand von ihrem Nacken zuruͤck, und ſprach dumpf und hohl, als haͤtte er ſeine Stimme von den Todten geliehen: Nein— nein! Ich bin Deiner Liebe nicht werth. Laß mich ſterben — ſterben!— Sterben! wiederholte das Echo, indem ſein leiſer Tritt in den Saͤlen ſich verlor. in XIII. Mirza konnte nicht ſchlafen. Kaum zeigten ſich die erſten Streifen der Morgenroͤthe am Horizont, ſo ſtand ſie auf, und ſtellte ſich ans Fenſter. Der Mittagswind blies heftig, und ſtemmte ſich gegen die Wellen... er riß Baͤume, Huͤtten, Haͤuſer nieder... Die Wolken wurden dichter und ſchwaͤrzer, und verkuͤndeten den Anzug eines fuͤrchterlichen Ungewitters. Mit gellendem Geſchrei flatter⸗ ten die Waſſervoͤgel aus den Suͤmpfen auf; der Sturmwind riß Aeſte von den Baͤumen und heulte durch die Felſenſpalten. Das ferne Rollen des Donners vermiſchte ſich mit dem Brauſen des erzuͤrnten Meeres. Jetzt zogen die ſchwarzen Wolken naͤher, die feurigen Schlangen des Blitzes ſtuͤrzten herab, und der Wiederhall des Thales beantwortete das laute Krachen des Donners. Das Meer ſchien ein Feuerſee geworden zu ſeyn. Die wilden Thiere ſtuͤrzten mit Geheul aus ihrem Schlupfwinkel. Der Sturm fing die Glocken der Kirche von Maguelone zu laͤuten an... Mirza blickte in den Aufruhr der Ele⸗ mente. In der Einſamkeit iſt das Weib muthlos. Wie ſehnte ſie ſich nach ihrem Bruder!. Sie fuhr beim Leuchten der Blitze und beim Bruͤllen des Donners er⸗ ſchrocken zuſammen, und ihre Angſt ſtieg zu einer ſolchen Hoͤhe, daß ſie mit beiden Häͤnden ihr Geſicht verhuͤllte. Wenn der Menſch irgend einen unange⸗ nehmen Eindruck auf ſeine Sinne ſchwaͤchen will, ſo pflegt er ſich oft momentan des Ge⸗ brauchs derſelben zu berauben— er verdeckt ſein Auge, er verſtopft ſein Ohr. Dies ge⸗ hoͤrt zu den Selbſttaͤuſchungen, deren wir ſo viele anwenden, um unangenehme Empfin⸗ dungen zu beſchwichtigen. Mirza erhob das Haupt nicht eher, bis der Donner zu rollen aufgehoͤrt hatte. Das — 77— Gewitter war nicht mehr ſo heftig wie An⸗ fangs; aber noch verhullte ein dunkler Wol⸗ kenmantel das Antlitz der Sterne. Als Mirza etwas ruhiger geworden war, hoͤrte ſie den Klang einer Harfe— es wareu die naͤmli⸗ chen Toͤne, die ſie ſchon mehrmals im Schlafe zu hoͤren geglaubt hatte;— aber jetzt er⸗ klangen ſie ſtuͤrmiſcher.. Sie lauſchte und hoͤrte folgende Worte: Wenn mit fuͤrchterlichem Ziſchen Sich die Elemente miſchen, Pochet freudig mir die Bruſt. Bei des Donners lauten Schlaͤgen, Unter'm blauen Feuerregen Jauchzt die Seele mir voll Luſt.— Mirza! Wenn ich, was ich fuͤhlte, Oft in Naͤchten ſang und ſpielte, Hat es nicht Dein Ohr erreicht?— Meines Buſens banges Stoͤhnen Und mein Lied, gehemmt von Thraͤnen, Hat es nicht Dein Herz erweicht?— Tob' und raſe fort, Gewitter!— Als ein kampfbegier'ger Ritter Stuͤrz' ich mich in's Schlachtgewuͤhl. Ausgehaucht iſt bald die Flamme, Und ob Gott mich auch verdamme, Immer fort— nur fort— zum Ziel! Als die Toͤne verklungen waren, pochte Mirza's Herz hoͤrbar. Sehr ungluͤcklich mußte der Mann ſeyn, welcher ſo ſingen konnte. Sein Lied ſchien den Himmel anzuklagen, von ihm Rechenſchaft zu fordern wegen er⸗ littenen Unrechts, wegen geſtohlenen Gluͤcks... Mirza horchte noch, als die Toͤne laͤngſt verhallt waren. Sie ſtarrte in die Daͤmme⸗ rung, um den Saͤnger zu erblicken. Der niederzuckende Strahl eines Blitzes verrieth ihn ihr. Er ſtand auf ſeine Harfe gelehnt, die Augen zum Himmel gehoben. Der Aufruhr der Elemente ſchien ihm Wolluſt zu verur⸗ ſachen. Seine Stellung war aufgerichtet, kuͤhn und drohend. Sein Auge flammte wie das Licht des Nordſcheins, ſeine Locken flatterten im Sturme... er ſtand da ſo fuͤrchterlich⸗ 1. erhaben, daß man in Verſuchung gerieth, ihn fuͤr den Geiſt des Sturms zu halten. Ein zweiter Blitz ſtuͤrzte nieder, und be⸗ leuchtete die Geſichtszuͤge des Geheimnißvollen. te Eine dunkle Erinnerung erwachte in Mirza's te Seele; beſinnungslos nannte ſie Irner's e. Namen. n⸗ Ploͤtzlich ſchwieg die Harfe und es rauſchte 45 V im Laube; der Unbekannte hatte ſich entfernt. .. Auf ihren Arm geſtuͤtzt verweilte Mirza ſt lange ſinnend am Fenſter. e⸗ er 7 th XIV. ie Seit jenem Gewitter waren mehrere Tage r verfloſſen. Sie hatte die Stimme des Un⸗ ⸗ bekannten und ſeine Harfe nicht wieder ge⸗ V hoͤrt... Ihre Einſamkeit erpreßte ihr n V Thraͤnen und lebhafter als je ſehnte ſie ſich 6 V nach ihrem Bruder. Sie konnte nicht ſchla⸗ fen; fruͤher als die Morgenroͤthe erwachte ſie und irrte in den Laubgaͤngen des Gar⸗ — 80— tens umher; die unbezwingliche Sehnſucht, einem fremden Herzen ſich mitzutheilen, ver⸗ NM zehrte ſie. Kellamar, mein Bruder!— rief ſie— wo biſt Du?— Biſt Du verſchmachtet in dem fremden Lande?— Wo iſt die Erde, in welcher Deine Aſche ruht?— Ihren Betrachtungen ſich uͤberlaſſend ver⸗ irrte ſich Taher's Tochter in die dunkelſten Stellen des Gartens. Jetzt war ſie bis an den Wall gekommen. Sie bemerkte in der Mauer eine Oeffnung, und als ſie die wil⸗ den Pflanzen, welche daruͤber hinwuchſen, weggebogen hatte, wurde der Eingang einer Hoͤhle ſichtbar. Der Gedanke der Freiheit ſtieg in ihrer G Bruſt auf. Vielleicht fuͤhrte dieſe Hoͤhle ar in's Freie?— Sie ſtieg einige Stufen hinab, allein je weiter ſie ſtieg, deſto un⸗ entſchloſſener wurde ſie. Was will ich denn?— fragte ſie ſich ſelbſt— Wohin will ich?— Wenn ich auch meine Freiheit wieder habe, was ſoll 8 „99 dann aus mir werden?— Soll ich das Mitleid eines Chriſten anflehen?— Indeß die Liebe zur Freiheit ſiegte uͤber ihre Bedenklichkeiten. Sie ſtieg immer tiefer hinab— oft glitt ſie auf dem ſchluͤpfrigen Boden aus— ſie griff ſich an den Waͤnden des gewoͤlbten Ganges hin— und jetzt, jetzt erblickte ſie den Glanz des Tageslichts. Es war ihr unmoͤglich, in dieſem Augen⸗ blicke von ihren Empfindungen ſich ſelbſt Rechenſchaft abzulegen. Gewiß haͤtte ſie ſonſt bemerkt, daß es die naͤmliche ſey, die ſie waͤhrend ihres Aufenthalts in Montpellier oftmals beſucht hatte. Sie kam jetzt in's Freie,— und das Gefuͤhl der Freiheit uberwog nun bei ihr alle andern Gefuͤhle und Empfindungen. XV. Trotz der großen Hitze findet man doch im Thale Mireval mehrere Vertie fungen, welche J. 6 von der brennenden Jahreszeit verſchont wer⸗ den; aufſprudelnde Quellen erhalten dort immerdar den Raſen friſch. Mirza ließ ihre Freude laut ausbrechen; als ſie im Thale war. Sie ſchwaͤrmte froͤh⸗ lich umher, wie der Vogel in der blauen Luft, wie die Biene, wenn ſie Blumenſtaub ſammelt. Sie ſehnte ſich im Gefuͤhl ihrer Freiheit', alle Weſen zu umarmen; ſie haͤtte die Baͤume, die Blumen und Bluͤthen an ihren Buſen druͤcken moͤgen... Allein nur ku rze Zeit dauerte dieſe Ueber⸗ ſpannung. Bald füͤhlte ſie ihr Herz von der Erinnerung an die Vergangenheit gepreßt, und wenn ſie an die Zukunft dachte, wurde ſie noch truͤbſinniger. Mitten am Himmel ſtand die Sonne, als Mirza zur Bruͤcke von Moaſſon kam. Ermuͤdet vomz weiten Wege und der Hitze, warf ſie unter einem Baume an der Straße ſich nieder. Und indem ſie hier ihre ver⸗ laſſene Lage recht klar ſich vorſe lm⸗ fing ſie bitterlich zu weinen an. 75 2 5 Da kamen des Weges her zwei Maͤnner, welche eine Saͤnfte trugen. Gott, ſchoͤnes Maͤdchen!— rief der eine Traͤger— Wie konnteſt Du ſo weit von der Stadt Dich entfernen? Ich wollte in die Stadt— ſchluchzte Mirza— doch zweifl' ich, daß ich ſie er⸗ reichen werde.. Der Ton ihrer Stimme erregte die Auf⸗ merkſamkeit des Herrn, welcher in der Saͤnfte ſaß; er guckte heraus. Kaum aber hatte er das Angeſicht der Maurin erblickt, ſo ſtieg er aus der Saͤnfte, naͤherte ſich ihr und ſprach: Holdſelige Jungfrau, wie freue ich mich, Euch wieder zu finden! Ein herbes Schickſal muß Euch verfolgen, ſonſt traͤfe ich Euch gewiß nicht hier an der Landſtraße ... Ich bitte, bedient Euch dieſer Saͤnfte. Ohne zu danken— leere Hoöͤflichkeitsfor⸗ meln waren ihr fremd— ſtieg Mirza in die Saͤnfte. Bis jetzt hatte ſie den Fremden noch nicht genauer betrachtet, nun fiel ihr Blick auf ihn— Ha, ſie kannte dieſes Ge⸗ 6* — 34— ſicht, und bebte und erbleichte. Es war — Miges. XVI. Die Freundlichkeit des Vicomte war blos Verſtellung. Trug und Verrath wohnte in ſeinem Herzen. Gleich, wie er Mirza'n im Hauſe ihres Vaters erblickt hatte— liebte er ſie. Doch wollte er dieſes Gefuͤhl ſich nicht geſtehen, denn ſie war ja eine Un⸗ glaͤubige!—— Mirza's Entfernung entflammte ſeine Leidenſchaft noch mehr. Und was iſt’s denn? — dachte er.— Warum ſoll ich's mir nicht geſtehen?— Ich liebe ſie. Plötzlich hielt er inne und dachte nach. „Verbrecher! Du liebſt ſie? Du, ein Recht⸗ glaͤubiger, die Unglaͤubige?“— Er uͤber⸗ ließ ſich auf's Neue dem Nachdenken. „Ha!“ rief er triumphirend.„Nun weiß ich's! Ich will ſie dahin bringen, daß ſie bei — 5— 80 ihren falſchen Glauben abſchwoͤrt; ich will ſie in den Schoos der alleinſeligmachenden Kirche fuͤhren. Dadurch erhalte ich die An⸗ wartſchaft auf eine der erſten Stellen im Himmel!“— Eben ſchwebte auf Mirza's Lippen die Frage nach Kellamar, als Miges anfing: Wie kommt es aber, holde Jungfrau, daß Euer Bruder Euch nicht begleitet? Ach!— ſeufzte ſie. Er war ja nicht bei mir; ich habe bisher von ihm getrennt gelebt. In Montpellier hoffte ich ihn zu finden. Alſo— Er war— nicht— bei Euch? — fragte der Vicomte mit gezogenem Tone und haͤmiſcher Freude, die er nur muͤhſam verbarg. 5 Wie?— rief Mirza weinend. Mein Bruder haͤtte mich verlaſſen koͤnnen, meint Ihr?— O, wenn mein Schickſal ihm be⸗ kannt geweſen waͤre, er waͤre geeilt, geflo⸗ 1 — 86— gen... Sprecht, Ritter, wie lange iſt's her, daß Kellamar Montpellier verließ?— Seit Eurer Entfernung hat man auch ihn vermißt. Wenigſtens iſt dies dem Statt⸗ halter gemeldet worden.— Hier ließ Mirza einige Worte fallen, welche ihre Gefangenſchaft auf dem unbe⸗ kannten Schloſſe betrafen. Miges horchte neugierig, und beſtuͤrmte ſie mit Fragen. gwar erwaͤhnte ſie des Burgherrn blos flůch⸗ tig und im Vorbeigehn— ſie ſagte, daß ſie ſein Geſicht nie geſehn; dennoch wechſelte, als ſie von ihm ſprach, Blaͤſſe und Roͤthe ſo ſchnell auf ihren Wangen, daß ſich da⸗ durch ſowohl ihre Theilnahme, als ihre Be⸗ ſtuͤrzung verrieth. Eine dunkle Roͤthe faͤrbte Miges Antlitz; der Skorpion der Eiferſucht hing an ſeinem Herzen. Haſtig fragte er: Und wie hieß der Herr des Schloſſes? Wie hieß er?— Ich will— ich muß ſeinen Namen wiſſen!— Seinen Namen weiß ich nicht!— ſagte * auch Ptatt⸗ llen, unbe⸗ brchte agen. uͤch⸗ daß ſſelte, Roͤthe ) da⸗ Be⸗ iſts Mirza ſanft, und blickte dem Vicomte ruhig in das flammende Auge. Aber Ihr kennt das Schloß doch, das Schloß?— fragte Miges heftiger. Er deutete auf die Schloͤſſer in der Ge⸗ gend umher.„War es dieſes, wo ihr ge⸗ fangen ſaß't,— oder dieſes— oder die⸗ ſes?— Mirza ſenkte verneinend ihr Lockenhaupt und ſprach:„Ich weiß es nicht, denn beſin⸗ nungslos lag ich da, als man mir meiee Freiheit ſtahl!“ XVII. Gut— gut! ich weiß mir zu helfen!— dachte Miges, und freute ſich des Gedan⸗ kens, welchen ſeine Seele ausgebruͤtet hatte. Als Vikarius des Erzbiſchofs von Ma⸗ guelone kannte er die Gegend ganz genau; er wußte, wem die Schloͤſſer gehoͤrten. „Wenn Irner es geweſen waͤre?“ ſprach er leiſe zu ſich. Bei reiflicherem Nachdenken wurde ihm dies immer wahrſcheinlicher. Er erwog al alle Umſtaͤnde; Irners Benehmen, als er ihn zuerſt bei Taher ſah— ſein Betragen bei der Graͤfin Mathilde— ſeine Traurigkeit bei Mirza's Verſchwinden. Und dennoch haͤuften ſich die Raͤthſel. Wenn es Irner war, der ſich Mirza's be⸗ maͤchtigte, und wenn ſie ihn liebte— warum war ſie denn entflohen?— Ha, nun weiß ich es!(ſprach er nach einigem Nachdenken leiſe zu ſich.)— Jetzt errathe ich Dich, Irner!— Der Ritter(ſo dachte er) hat Trincavel's Befehle wenigſteng augenſcheinlich nicht ver⸗ letzen wollen; darum hat er Mirza'n ent⸗ führt, insgeheim ſeine Beute hingenom⸗ men... Und— ſo verfolgte er ſeine geheimen Gedanken— wenn Irner der Entfuͤhrer ge⸗ we Ge ha we F At weſen, dann wird er ſich wohl huͤten, die Gefangene zu reklamiren. Der einzige Menſch welcher das Recht hatte, ſie zuruͤckzufordern, Kellamar,— war nach Miges Meinung nicht mehr in Frankreich— das Meer trennte ihn vom Aufeunthalte ſeiner Schweſter— wahrſchein⸗ lich hatte er laͤngſt in der Schlacht den Tod gefunden.—— So waren ſie in den Wald, nicht fern von der Stadt, gekommen. Weinend be⸗ gruͤßte Mirza alle Stellen, welche ihr durch die Erinnerung heilig waren. Dieſen Ra⸗ ſen hatte ihr Fuß beruͤhrt, unter dieſem Baume hatte ſie geruht, hier hatte ſie den freundlichen Worten Kellamars und den Er⸗ mahnungen ihres Vaters zugehoͤrt. Aber am heftigſten wurde ihre Bewegung, als ihr Blick auf das ſonſt von ihr bewohnte Landhaus fiel.„Dort— dort—“ rief ſie„muß mein Bruder ſeyn!“— Miges befahl den Traͤgern, zu halten. Sogleich ſprang Mirza aus der Saͤnfte, und eilte in das Haus, welches ſie ſonſt bewohnt hatte. O, wie hatte ſich Alles ſeit Kurzem veraͤndert. Aus den Ritzen der Schwelle ſchoß Gras hervor, leer waren die Zimmer— das Haus hatte ein trauriges, verſtoͤrtes Ausſehen. Werke der Menſchen wie vergaͤnglich ſeyd ihr!——. Der unbarmherzige Jaͤger reißt oft die Nachtigall aus dem Neſte; wo ſie auf ihrer noch ungeſiederten Brut ſitzt und ſperrt ſie in einen Kaͤfich. Gelingt es ihr auch der Gefangenſchaft zu entrinnen, kehrt ſie zu⸗ ruͤck in ihr Neſt, ruft ſie mit lauter Stimme ihre Kinder— ach! das Neſt iſt zerſtoͤrt, und ihre Brut iſt geraubt.— Wie die Nachtigall, der ihre Jungen ge⸗ raubt ſind, flog Mirza durch alle Zimmer. Sie ſuchte, was ſie nicht fand. Ohne Auf⸗ hoͤren rief ſie den Namen ihres Bruders. Keine Antwort. Lange dauerte es, ehe der Schmerz ſie ſprechen ließ. —⏑——— .————,„ XVIII. Sie ſtreckte die Arme empor, klagte mit dem Blicke der wuͤthendſten Verzweiflung den Himmel an und rief:„So bin ich denn allein, allein im fremden Lande?— Har⸗ tes Schickſal! War es dir denn nicht genug, mir den Vater zu nehmen? Mußteſt du mich auch des Bruders beraube?. O mein Vater, Dir iſt wohl! Deine letzten Athemzuͤge habe ich belauſcht, mit meinen Haͤnden Deine Augen zugedruͤckt... Und als der Todesengel Dich hinaufgetragen hatte in das Reich der Seligen, durfte ich noch Blumen auf dein Grab ſtreuen, und den Marmor mit meinen Thraͤnen benetzen... O Vater, mein Vater!— Du biſt ent⸗ ſchlafen, Dich haͤlt das Grab gefangen!— Aber Du lebſt noch, Kellamar, mein Bru⸗ der?— Ha, wenn Du lebſt, ſo laß Deine Schweſter nicht allein!— Oder haſt Du vielleicht Frankreich verlaſſen und Dich nach Spanien gewendet?— Ach, Du wirſt es bereuen, ſchwer bereuen, daß Du ſchutz⸗ los Deine Schweſter zuruͤckließeſt. Dein Leben wird welken, wie die Bluͤthe des Cyti⸗ ſus, die ein einziger Nachtwind toͤdtet!“— Miges war ihr nachgefolgt. Sonſt ſtumpfſinnig und gefuͤhllos konnte er doch bei dem heftigen Ausbruche ihres Schmerzes nicht kalt bleiben. Er ſprach: Jungfrau, das Ungluͤck ver⸗ folgt Euch; tragt es mit Geduld, aber laßt ab, Euch ſelbſt zu peinigen.— Was be⸗ kümmert Ihr Euch wegen Kellamar?— Iſt er auch nach Spanien in den Krieg gezogen... nicht lange dauert es, ſo wird Friede geſchloſſen, und der Bruder, den Ihr lange vermißtet, fliegt wieder an Eure Bruſt.. 4,2 „ Hier hielt er inne, als ob er aus dem Gefuͤhle des Mitleids, das in ſeiner Bruſt aufgeſtiegen war, ſich ein Verbrechen mache. Sie befanden ſich in dem naͤmlichen Zim⸗ .—— 88— mer, in welchem Miges Tahern den Befehl des Koͤnigs von Majorka uͤberbrachte. Wie hatten ſeitdem die Verhaͤltniſſe ſich geaͤndert! — Damals konnte Mirza mit der Miene der Beleidigung die zudringlichen Blicke des Vicomte zuruͤckweiſen— jetzt war ſie in ſeiner Gewalt und ihn als ihren Beſchuͤtzer anzu⸗ ſehen genoͤthigt. Miges hielt dieſes fuͤr den beſten Zeit⸗ punkt, der Tochter Taher's ſeine Leidenſchaft zu erkennen zu geben. Indeß auch hierbei verlaͤugnete er den Diplomatiker nicht. Gott!— rief er mit erheuchelter Theil⸗ nahme. Warum bin ich nicht vermoͤgend, Euern Bruder in dieſem Augenblicke iu Eure Arme zu fuͤhren?— Wenn nur eben ein ſegelfertiges Schiff nach Granada abginge!— Aber der Krieg, der boͤſe Krieg! Alle Haͤfen ſind blokirt— man wird beobachtet, be⸗ lauſcht auf jedem Tritte.— Es thut mir leid, es Euch ſagen zu muͤſſen,— aber die Verhaͤltniſſe ſind einmal nicht anders— Ihr werdet es Euch wohl noch laͤnger hier gefallen — 94— laſſen muͤſſen. Was mich betrifft, ſo will ich nach meinen Kraͤften beitragen, Euern Aufenthalt Euch angenehm zu machen.— Offenherzig geſtanden, hier in dem vaͤterlichen Landhauſe ſeyd Ihr nicht ſicher; Ihr wißt, die Religionsſtreitigkeiten—? Aber mein Schloß, nicht weit von der Stadt, das waͤre ein Wohnort für Euch! Himmliſche Umgebungen— eine hoͤchſt romantiſche Lage! Es wird Euch bezaubern. Dort, Mirza, dort ſeyd Ihr außer aller Gefahr. Kommt, ſchoͤne Jungfrau, macht jene Gegend durch Euern Aufenthalt zum Paradieſe.— Wenn der Krieg in Spanien zu wuͤthen aufgehoͤrt hat,— wenn Ihr wieder frei und gefahrlos ſeyd— Seligkeit des Himmels wird meine Bruſt erfuͤllen, ſobald ich dieſe guͤnſtige Bot⸗ ſchaft Euch uͤberbringe! —— Ha, des hinterliſtigen Boͤſewichts! Mitleid und Tugend nimmt er zum Deck⸗ mantel ſeines Laſters. Wehe dir, Menſch! Die Binde, welche du, dich muthwillig zu blenden, um deine Augen ſchlingſt, wird — 95— zerreißen, Du wirſt Wahrheit ſehen, und — ſchaudern.—— Leicht haͤtte Mirza die Seele des Vicomte durchblicken koͤnnen; aber die Unſchuld iſt arglos. 3 Ohne etwas zu ſagen, reichte ſie ihrem geheimen Feinde die Hand, zum Zeichen, daß ſie ſeine Vorſchlaͤge annehme. Doch als ſie das Landhaus verlaſſen hatte, wendete ſie ſich noch einmal um... zahlloſe ſchoͤne Erinnerungen lebten in ihrer Bruſt auf. Sie wollte gehen, aber ihre Füße wankten. Schon eine ziemliche Strecke war ſie vom Landhauſe entfernt, da riß ſie ſchnell ihren Arm aus dem Arme des Vi⸗ comte los, und kehrte zuruͤck. Weinend warf ſie ſich nieder auf der Schwelle des Hauſes, wo Taher gewohnt hatte, dann hob ſie die Augen zum blauen Himmel, und rief mit halb vom Schmerz erſtickter Stimme: „Alles hatmich verlaſſen. Wenn auch Du mich von Dir ſtoͤßeſt, Al⸗ lah; dann bin ich rettungslos ver⸗ loren. Hilf Du mir, ſchuͤtze Du mich nur, und laß mich ewig treu bleiben der Tugend, wie ſie mein entſchlafener Vater uͤbte!“— XIX. Die Leſer ſind gewiß begierig, von dem Herrn des Schloſſes, wo Mirza gefangen ſaß, etwas Beſtimmteres zu erfahren. Das Raͤthſelhafte und Geheimnißvolle reizt ja die Neugier am meiſten. Doch noch kann und darf ſie nicht vollſtaͤndig befriedigt werden. Der Unbekannte hatte es wohl bemerkt, als Mirza beim Leuchten der Blitze ihn be⸗ trachtete. Mit einer gewiſſen Aengſtlichkeit entzog er ſich ihren Blicken. Allein in ſei⸗ nem Zimmer, welches dicht an Mirza's Zimmer ſtieß, und blos durch eine duͤnne Zederwand von demſelben geſchieden ward, belauſchte er ſie ungeſtoͤrt. Hier konnte er — 97— jeden ihrer Tritte, jedes ihrer Worte hoͤren, welches ſie, wenn ſie ſich unbeobachtet glaubte, ausſprach. Nichts entging ihm von ihren Seufzern, von ihren Klagen und Traumge⸗ ſpraͤchen... Schlaflos durchwachte er mehrere Naͤchte; endlich beſchloß er, ſich der Maurin zu ent⸗ decken. Bei Sonnenaufgang hatte er ſie in den Garten gehen ſehen; dahin eilte er ihr nach, er durchſuchte alle Hecken und Lauben, und rief ohne Aufhoͤren ihren Namen. Aber ſein Suchen und Rufen war umſonſt. Verſtoͤrt kam er auf ſeinem Zimmer an. Hier entſann er ſich ploͤtzlich, daß die Thuͤr, welche durch den Wall in’s Freie fuͤhrte, offen geblieben ſey. „Ha, ich Unvorſichtiger!“ rief er, die geballte Fauſt gegen ſeine Stirn druͤckend. „Mirza iſt entflohen!“— Nochmals ging er in den Garten; ja— die Thuͤr ſtand. offen— entflohen war Mirza. In fruͤher Jugend litt der Burgherr an epileptiſchen Zufaͤllen; ſpaͤterhin hatten ſie I. 7 ſich verloren, allein jetzt kehrten ſie bei der gewaltſamen Erſchuͤtterung, die Mirza's Ver⸗ luſt ihm erregte, mit verdoppelter Staͤrke zuruͤck. Er griff krampfhaft in den Boden, riß die Erde auf, und fuhr mit der Hand in der Luft umher, als ob er mit unſicht⸗ baren Feinden zu kaͤmpfen haͤtte. Schon in den aͤlteſten Zeiten iſt man Menſchen, welche in Zuckungen liegen, als Heilige anzuſehen gewohnt geweſen. Bei⸗ ſpielsweiſe laſſen ſich die Delphiſche Pythia und die Prieſter des Trephonius anfuͤhren.— Haͤtte Mirza den Ungluͤcklichen geſehn, wie er ſo da lag mit ſtarrer Hand, mit gebro⸗ chenem Auge und farbloſen Lippen— ſie haͤtte ihm das tiefſte Mitleid und ihre Thraͤ⸗ nen gewiß nicht verſagt. XX. Aber Taher's Tochter war ferne; ſie be⸗ fand ſich auf dem Schloſſe Orthus in s in Miges Gewalt. Der Vicomte dachte an nichts, als wie ſein Bekehrungsplan recht geſchickt auszufuͤhren ſey. Behutſam fing er von den Vorzüͤgen der chriſtlichen Religion vor der Lehre Mahomets zu ſprechen an. Lange Zeit hoͤrte ſie ihm aufmerkſam zu, ſchon glaubte er geſiegt zu haben; da antwortete Mirza voll Ernſt und Hoheit: Deine Religion(im Eifer des Geſpraͤchs gab ſie dem Vicomte das vertrauliche Du) nennſt Du die einzig wahre, die allein ſelig machende?— Huͤte Dich, Gott zu laͤſtern.— Die chriſtliche Religion iſt zu einem Spiel⸗ werke in den Haͤnden der Partheiſucht und des Unrechts herabgewuͤrdigt!— Weißt Du wohl, daß alle Menſchen Bruͤder ſind? Weißt Du wohl, daß das hoͤchſte Weſen auf vielerlei Weiſe den Sterblichen die Wahr⸗ heit offenbart?— Endlich, weißt Du wohl, daß es dieſem Weſen gleich gilt, ob und wie es angebetet wird?— Seine Namen heißen Guͤte und Gerechtigkeit. Es 7* — 190— belohnt den Tugendhaften und ſtraft den Verbrecher.— Das weiß ich und das glaub' ich!— Hier ſann ſie eine Weile nach mit gen Himmel gerichteten Augen. Ach— ſprach ſie darauf— meine Mutter war ja auch nicht von der naͤmlichen Religion wie mein Vater. Sie bekannte ſich zum Armeniſchen Glauben. Aber nunmehr droben im Reiche der Seligen iſt der Glaube meiner Aeltern gewiß nicht verſchieden. Der Vicomte wußte nichts zu entgegnen; beſchaͤmt und verwirrt ſchlug er die Augen zu Boden, und hatte nicht den Muth, ſeine Bekehrungsverſuche zu erneuern. Er be⸗ ſchraͤnkte ſich nunmehr darauf, Mirza'n ſorg⸗ faͤltig zu bewachen, damit ſie ihm nicht ent⸗ fliehe. XXI. Eines Abends, als Miges auf einem Spa⸗ ziergange mit Mirza'n etwas weit vom — w den das gen rach nuch nein ſchen iche tern ten; lgen eine be⸗ Und was dann mit Euch geſchehen waͤre? — 101— Schloſſe ſich entfernt hatte, ſtutzte er plöͤtzlich, verſteckte ſich in das Gebuͤſch und lauſchte. Ganz in der Naͤhe ſprangen zwei Reiter von ihren Roſſen und faßten dieſelben bei den Zuͤgeln, um ſie durch den engen Hohl⸗ weg zu leiten. So wie Miges ſie aus den Augen verloren hatte, wendete er ſich zu Mirza und ſprach leiſe: Die Vorſicht ver⸗ langt, daß wir ſchnell in's Schloß zuruͤck⸗ kehren. Dort will ich Euch die Gruͤnde ſagen. Haͤtte— fing er hier an— die Gefahr, welcher wir ſo eben entgangen find, mich allein bedroht; ſo wuͤrde ich davon ſchweigen. Vielen Unannehmlichkeiten habe ich allerdings mich ausgeſetzt, indem ich mein Schloß zum Zufluchtsort Euch anbot. Die Reiter, welche wir ſahen, waren Soldaten Trincavels. Wenn der Statthalter in Erfahrung braͤchte, daß Ihr hier in meinem Schutze Euch befindet, dann wuͤrde ich ſtreng beſtraft werden; eigent⸗ lich haͤtte ich Euch ſogleich ausliefern ſollen. — Wenigſtens wuͤrde Eure Freiheit ſehr ein⸗ geſchraͤnkt worden ſeyn. Himmel!— rief Mirza. Um meinet⸗ willen ſetzt Ihr Euch Gefahren aus?— Nein, dann darf ich nicht laͤnger hier ver⸗ weilen. Erlaubt, Miges, daß ich Euer Schloß verlaſſe. Ich will hin zu Trincavel — was auch mein Schickſal ſeyn moͤge! Der Vicomte erroͤthete aus Verlegenheit. — Verzeiht,— ſprach er— daß ich mit einigen fluͤchtig hingeworfenen Worten der Gefahr erwaͤhnte, welche mich leicht treffen koͤnnte, ſobald es bekannt wuͤrde, daß ich in meinem Schloſſe Euch aufgenommen.— Ich haͤtte Euch meine Beſorgniſſe verſchwei⸗ gen ſollen.— Allein nimmermehr kann ich darein willigen, daß Ihr dieſe ſichere Staͤtte verlaßt. Nimmermehr kann ich zugeben, daß Ihr einer ungewiſſen Zukunft entgegen geht. Meine erſte Bitte an Trincavel— ſagte Mirza— wird dieſe ſeyn: Erlaube mir, daß ich Frankreich verlaſſen, und in mein Vater⸗ land Spanien reiſen darf. reffen iß ich n.— hwei⸗ in ich Staͤtte . daß geht. ſagte daß gater⸗ — 193— Schoͤne Jungfrau!— verſetzte er— Wenn Ihr denkt, der Statthalter werde Eure Bitte gewaͤhren— dann irrt Ihr Euch. Bleibt lieber hier in Eurer Eingezogenheit.— Glaubt mir, ich rathe Euch wohlwollend.— Sagt, was haben denn bisjetzt Eure Ver⸗ wandten fuͤr Euch gethan?— Nichts. Der Kalife weiß es, daß man ſeines Bruders Kinder als Geißeln zuruͤckhaͤlt,— aber welche Maasregeln hat er denn ergriffen, um ihr Schickſal ertraͤglich zu machen?— Ich frag' Euch, welche Maasregeln?— Die Gewalt iſt in ſeiner Hand; er koͤnnte, wenn er wollte.— Allein er hat nichts gethan, in keine Traktaten mit dem Feinde ſich ein⸗ gelaſſen; kein einziges Schiff, da er deren doch in Ueberfluß beſitzt, gegen dieſe Kuͤſte geſendet. Ben Aben ſetzt der Sanftmuth der Chriſten Trotz entgegen. Eben deswegen glaube ich, wird der Koͤnig von Majorka Euch der Haft ſobald uicht entlaſſet. ——— XXII. Wie?— rief ſie. Der Bruder meines Vaters haͤtte unſer Ungluͤck gewußt, und nichts zu deſſen Milderung gethan?— Nein, nimmermehr will ich dies glauben!— Ich beklage Euch aufrichtig— ſprach der Vicomte, und ſuchte in ſeinem Auge nach einer Thraͤne, die er freilich nicht fi en konn⸗ te.— Um es Euch offenherzig zu geſtehn: Ihr ſeyd an Eurem Ungluͤck ſelbſt ſchuld... Warum denkt Ihr denn noch an Eure An⸗ verwandten, da dieſe an Euch nicht denken?.. Aus fuͤrſtlichem Gebluͤt entſproſſen— in Pracht und Ueberfluß erzogen— habt Ihr die gerechteſten Anſpruͤche auf ein gläͤnzendes Leben.— Wohlan denn, laßt Frankreich Euer zweites Vaterland werden!— Schwoͤrt Euren falſchen Glauben und alle Gemein⸗ ſchaft mit Ben Aben Seif Allah ab— be⸗ eines und Nein, cch der nach konn⸗ ſtehn: Id... An⸗ n2.. — in Ihr endes eich woͤrt nein⸗ be⸗ — 14105— kennt Euch zur chriſtlichen Religion; dann faſſe ich Eure Hand, und ſtelle Euch morgen der Welt als meine— Gemahlin vor. Soviel Muͤhe der Vicomte ſich gab, der Tochter Taher's dieſen Vorſchlag auf eine ſchonende Weiſe zu machen, ſo hatte er ſie doch dadurch in innerſter Seele verwundet, und ihre Augen floſſen von Thraͤnen uͤber. Sie dachte an das Gebet, welches ſie damals, als ſie verzweiflungsvoll auf die Schwelle des Vaterhauſes ſich niederwarf an den Himmel richtete. Doch nicht allein der Gedanke, ihren Glauben und ihr Vaterland abſchwoͤren zu ſollen— nicht allein die Erinnerung an Ta⸗ her Ali und Kellamar— grub die Stacheln des Schmerzes in ihren Buſen, als Miges auf eine ſolche Art ſich aͤußerte. Sie erinnerte ſich auch in dieſem Augen⸗ blicke lebhaft der Begebenheiten im Schloß Lauſa, ſie gedachte des geheimnißvollen Man⸗ nes, den ſie liebte, ohne es eigentlich zu wiſſen und ohne es ſich geſtehn zu wollen. Jemehr ſie den Vicomte verabſcheute, deſto heftiger liebte ſie den Unbekannten. Miges erwartete, daß Mirza bei ſeinen Aeußerungen ihren Schmerz recht heftig werde ausbrechen laſſen. Aber— da hatte er ſich ſtark geirrt. Schon warf ſich der dichte Schleier der Daͤmmerung um die Gegend; da ſprach er: „Beſſer waͤre es wohl, holde Jungfrau, wenn Ihr in Euer Zimmer Euch verfügtet, des Schlummers genoͤſſet, deſſen Ihr gewiß ſehr beduͤrft, und am Morgen meine Vor⸗ ſchläge mit Ruhe und Nachdenken uͤberlegtet.“ Seines Dafuͤrhaltens hatte er ihr un⸗ ſchaͤtzbare Vortheile angeboten. Darum dachte er, blos kurze Zeit ſey hinreichend, ſie zu einem beſtimmten Entſchluſſe zu vermoͤgen. Aber er taͤuſchte ſich— Mirza's Gemuͤth war tiefer, als das ſeinige. Liebe und Fanatismus kaͤmpfte in ſeiner Bruſt— jetzt wollte er ſie haſſen, wenn er daran dachte, daß ſie ſeiner Religion nicht angehoͤre, und jetzt, wenn er ſie ſah und deſto einen verde r ſich r der ) er: frau, ligtet, gewiß Vor⸗ tet.“ un⸗ dachte iſe zu hen. muͤth einer venn nicht und — 107— mit ihr ſprach; wenn er es daruͤber vergaß, daß ſie zu einem andern Glauben ſich be⸗ kenne, als zu dem ſeinigen— wenn ſein entzuͤckter Blick auf ihren Engelsmienen ruhte; jetzt mußte er ſie lieben. ——::n 2: nͤ— XXIII. Auf einem Felſen, dem Schloſſe Orthus gegenuͤber, ſtand einſam eine halbzertruͤm⸗ merte Kapelle. Sie war beim Anfange der Religions⸗ zwiſtigkeiten beſchaͤdigt worden; aber eben der Umſtand, daß man einen heiligen Ort angetaſtet hatte, vermehrte die Ehrfurcht des Volks. So wie der Friede geſchloſſen war, wurde auch die Kapelle aus ihrem Schutt erhoben, und mit aller nur erſinnlichen Pracht, die im Geiſte des Kultus der roͤmiſch-katholiſchen Kirche liegt, ausgeſchmuͤckt. Zum Gedaͤchtniß des Wiederaufbau's der . — 408— Kapelle ward ein Feſt angeordnet, zu welchem alljaͤhrlich das Volk und die Geiſtlichkeit aus der Umgegend zahlreich ſich verſammelte. Dies Feſt trat mit Beginn des Herbſtes ein;— es war jetzt nahe, als Miges der Manrin ſeine Gefuͤhle bekannt hatte. Die Freudenflammen, drei Naͤchte hindurch auf den Berggipfeln brennend, kuͤndigten die Feierlichkeit an. In der dritten Nacht laͤutete man die Glocke der Kapelle ſolange, bis die Sonne aus dem Schooße des Meeres aufſtieg.— Als der erſte Glanz des Morgens die grauen, aus dem dunkeln ſie bedeckenden Eichenwalde aufſtrebenden, Felſenſpitzen ver⸗ klaͤrte, und die in Stein gehauenen Bilder an der Außenſeite der Kapelle beleuchtete; ſtroͤmten die Landleute, mit ihren Feſtkleidern angethan, zahlreich herbei, nnd die Geiſt⸗ lichen, fromme Lieder ſingend, folgten dem Zuge nach. Die Luft war ſtill, der Himmel klar und blau, als⸗Miges— ein eifriger Katholik, chem aus bſtes der urch igten t die onne - die nden ver⸗ ilder feete; dern eiſt⸗ dem und — 1 09— wie man ſich ihn nur denken kann— untey den Zug der Pilgrime ſich miſchte. Sein Herz fuͤhlte ſich von einiger Be⸗ geiſterung ergriffen. Und in der That, es konnte Niemand von dieſer Feierlichkeit un⸗ geruͤhrt bleiben. Auf drei Wegen, die zur Kapelle fuͤhrten, klimmten die Wallfahrer in die Hoͤhe; die Gewaͤnder von verſchiedener Farbe, die flatternden Fahnen, die gemeſſe⸗ nen Schritte der Pilger, der feierliche Klang der Lieder, welche ſie aus voller Bruſt au⸗ ſtimmten, und welchen der Wiederhall des Thales antwortete— machten einen ergrei⸗ fenden Eindruck. Der Platz oben bei der Kapelle war nicht geraͤumig genug, alle Pilger zu faſſen; ein großer Theil derſelben mußte daher unten am Berge verweilen. Nun hielt der Schloßkaplan von Orthus eine Rede. Mit ſtuͤrmiſchen Worten donnerte er gegen den jetzigen Kaltſinn der Chriſten⸗ heit. Bis in die entlegenſten Winkel der — 140— Erde— rief er— ſollte man die Ketzer verfolgen mit Feuer und Schwert!— Haͤtte der Vicomte dieſe Aeßerungen in jenem Augenblicke gehoͤrt, als Mirza mit ihm uͤber Glaubensduldung ſprach, dann haͤtten ſie ihn gewiß empoͤrt; aber die herr⸗ liche Jungfrau ſtand ihm jetzt nicht zur Seite, und darum konnte er den Redner ſo ruhig anhoͤren.— Bisher hatte er dem Kaplan den Auf⸗ enthalt der Maurin auf ſeinem Schloſſe zu verbergen gewußt. An dem heutigen Tage aber hielt er es fuͤr Gewiſſensſache, ihm, als ſeinem Beichtvater, Alles, auch das Geheimniß ſeiner Liebe zu entdecken. Der Kaplan machte ihm die heftigſten Vorwuͤrfe, und befahl ihm, zur Buͤßung ſeines Ver⸗ gehens Alles anzuwenden, damit die Maurin ihren falſchen Glauben abſchwoͤre, und zur chriſtlichen Religion uͤbertrete. Miges war zerknirſcht; er ſtellte ſich die Groͤße ſeiner Suͤnde lebhaft vor, und mar⸗ terte ſich mit Angſt und Vorwuͤrfen. Außer mit dann herr⸗ heite, uhig Auf⸗ ſe zu Tage ihm, das Der uͤrfe, Ver⸗ aurin zur die nar⸗ ußer — 4414— ſich ſtuͤrzte er in Mirza's Gemach, und ſchreckte mit Donnerworten die ſtill daſitzende Jungfrau auf:„Mein Zureden“ rief er „habt Ihr nicht beachtet; wohlan denn, ſo ſoll Gewalt mich zum Zwecke fuͤhren!“ XXIV. Ueber Kellamar's Schickſal iſt bisher ge⸗ ſchwiegen worden. Er ſaß fortwaͤhrend ge⸗ fangen in dem Schloſſe, aus welchem ſeine Schweſter entflohen war. Eines Morgens, noch in der Daͤmmerung, wurde die Thuͤr ſeines Zimmers geoͤffnet, und der Page, welcher ihn bedient hatte, trat herein. Das ungewoͤhnlich fruͤhe Erſcheinen deſſelben befremdete ihn zwar, doch weil der Jüngling bei ſeinen neugierigen Fragen ſich immer wortkarg gezeigt hatte, ſo unterließ er es abſichtlich, ihn zu fragen: warum er jetzt ſo zeitig komme?— Vergebt— begann der Page— daß ich — 142— Euern Morgenſchlaf ſtoͤrte. Gewißlich waͤre es nicht geſchehn, wenn ich nicht eine aͤußerſt angenehme Nachricht Euch mitzutheilen haͤtte. Wie?— rief Kellamar, indem er von ſeinem Lager ſich aufrichtete. Eine ange⸗ nehme Nachricht? Rede! Meine Schweſter iſt hier, nicht wahr?— Page. Nein. Der gegenwaͤrtige Auf⸗ enthalt Eurer Schweſter iſt mir ſo wenig bekannt, als Euch. Aber wenn Ihr ſie auf⸗ ſuchen wollt; ſo koͤnnt Ihr es— denn Ihr ſeyd freil 4 Kellamar. Frei? Höor' ich recht?— Page. Auch wuͤrde man auf keinen Augenblick Eurer Freiheit Euch beraubt ha⸗ ben, wenn es nicht in guter Abſicht ge⸗ ſchehen waͤre. Ihr keunt die jetzigen Reli⸗ gionsunruhen— nunmehr iſt Alles wieder ſtill.—. Kellamar. So darf ich das Schloß verlaſſen? Page. Augenblicklich. einen ha⸗ ge⸗ eli⸗ eder hloß Kellamar. Ich dachte, meine Schwe⸗ ſter ſitze ebenfalls hier gefangen... Als der Page ſchwieg, fuhr Kellamar fort: Vor meiner Abreiſe wuͤnſchte ich aber doch den Herrn dieſes Schloſſes zu ſprechen— Page. Darauf kann ich Euch nichts erwiedern. Was mir befohlen worden iſt, Euch zu ſagen, das habe ich Euch geſagt.— Doch noch Eins. Seyd Ihr die Burg zu verlaſſen bereit; ſo ſteht ein geſatteltes Roß für Euch im Hofe. So unbefriedigend die Antwort des Pa⸗ gen war, ſo unterließ doch der Maure— ſelig im Gefuͤhl der ihm angekuͤndigten Frei⸗ heit— weiter in ihn zu dringen. Voll Be⸗ gierde ſah er den Ereigniſſen des heutigen Tages entgegen. Raſch kleidete er ſich an, und ging in den Hof, wo ein ſchoͤn gezaͤum⸗ tes Andaluſiſches Roß ſtand. Er ſchwang ſich hinauf; der Hufſchlag donnerte uͤber die Zugbruͤcke, und jagte den Staub auf Mirevals Feldern in die Hoͤhe. Mochte nun das Roß von Natur ſcheu J. 8 — 444— ſeyn, oder verſtand Kellamar die Kunſt nicht, es ordentlich zu baͤndigen— oder erſchrak es uͤber einen Vogel, welcher in ſeiner Ruhe geſtoͤrt ploͤtzlich aufflatterte— oder lag eine andere Urſach dabei zu Grunde— genug! der Reuner flog pfeilgeſchwind fort, und trug den Reiter bis an den Wald. XXV. Kellamar wuͤrde zu Boden geſtuͤrzt ſeyn, wenn nicht eben ein fremder Reiter ihm entgegen gekommen waͤre. Dieſer ſprang ſchnell ab, und ergriff mit kraftvoller Hand den Zuͤgel des Roſſes, auf welchem der Maure blos mit Muͤhe ſich halten konnte. So wie Kellamar von ſeiner Beſtuͤrzung ſich erholend aufblickte, um den Fremden, der ihm wie ein Engel des Lichts erſchienen war, zu danken— erkannte er Irnern. O Du— rief er— dem ich nie genug danken kann, mit welcher Freude druͤcke ich ſeyn, ihm prang Hand n der onnte. ſich „ der war, enug e ich 115 weiter wuͤrde ich an das Schickſal machen, wenn nur Mirza hier waͤre, und ihren Dank mit dem meinigen verbinden koͤnnte.— Ach, ſie iſt mir verloren!— Nie vielleicht iſt es mir vergoͤnnt, ihr zu ſagen, daß der Mann, welcher ihr das Leben erhielt, auch das mei⸗ nige rettete. Irner erwiederte Kellamars Umarmung mit bemerkbarer Verlegenheit; doch konnte er nicht umhin, ihm das bruͤderliche Du zu geben.„Lobe nicht eine That“ ſprach er „welcher jeder Andere an meiner Stelle auch fäͤhig geweſen waͤre. Der Zufall fuͤhrte mich hieher— was iſt denn an einer z u⸗ falligen Handlung zu ruͤhmen?— Ich wuͤnſche mir Gluͤck, daß das Ohngefaͤhr mich hieher brachte, und ſo mir Gelegenheit ver⸗ ſchaffte, Dir einen Dienſt zu erweiſen— Doch hiervon genug. Weißt Du es denn, Mirza iſt Dir ganz nahe, aber in einigen Stunden vielleicht auf ewig Dir verloren. Kellamar. In einigen Stunden auf 8* Dich an meine Bruſt!— Keine Anſpruͤche — 146— ewig? Sprich deutlicher; ich beſchwoöre Dich! 85 Irner. So wiſſe denn, der Vicomte Miges haͤlt ſie in ſeinem Schloſſe Orthus gefangen, er will ſie zwingen, zur chriſtlichen Religion uͤberzutreten... Kellamar, jetzt liegt das Schickſal Deiner Schweſter blos in Deinen Haͤnden. 1 Kellamar. Ha des Verraͤthers Mi⸗ ges! Er ſoll mir nicht entkommen; ich eile— Irner. Und wenn Du die Schweſter retteſt, dann muͤßt ihr Beide ohne Verzug nach Spanien. Schon ſeit einigen Tagen hat man an der Kuͤſte eine Mauriſche Ga⸗ leere bemerkt... mit leichter Muͤhe iſt ſie zu erreichen... Kellamar. Irner, waͤre es moͤglich? Irner. Zweifle nicht, verdirb nicht die koſtbare Zeit zu Mirza's Rettung mit leeren Fragen. Hin nach Orthus! Hat Miges ihr den Glauben geſtohlen, ſo kann er auch eben ſo gut ihre Liebe entwenden.— Dein Pferd iſt zu wild, nimm das meinige... Eile, hwoͤre comte Prthus lichen jetzt blos eile— weſter Verzug Tagen e Ga⸗ iſt ſie glich? ht die leeren es ihr heben Pferd Eile, 147 fliege!. Ich will den Himmel bitten, daß die erſten Strahlen der Sonne Dich im Arm der Schweſter ſehn und gluͤcklich finden. Kellamar druͤckte Irners Hand und ſprengte fort. Dieſer ſtand eine Weile nachſinnend und traͤumend; verworrene Gedanken ſchienen in ſeiner Seele zu kaͤmpfen und ihn zu kei⸗ nem beſtimmten Entſchluſſe kommen zu laſſen. — Endlich wandte er ſein Pferd raſch um, und ſprengte dem Mauren nach.„Ich ver⸗ laſſe Dich nicht“ rief er in der Ferne„ſon⸗ dern will bei Dir bleiben im Augenblicke der Gefahr!“— XXVI. Bei Montferrier fließt der Strom Lez ſanft zwiſchen Huͤgeln hin. Seine ruhige Ober⸗ flaͤche iſt immer von einer Menge Pflanzen bedeckt; es breiten ſich darauf die Waſſer⸗ Ranunkeln mit ihren hellgruͤnen Blaͤttern und ihrer praͤchtigen Bluͤthe aus, wogegen die — 4418— dunkeln Blaͤtter des Potamogiton gar ſehr, doch nicht unangenehm, abſtechen. Die prachtvollſte der Waſſerpflanzen aber iſt die vorzugsweiſe ſogenannte Seeblum e, die man auf dem Fluſſe ebenfalls in großer Menge antrifft. Der Blaͤtterkranz um ſie her ſcheint ihr Hofſtaat, und ſie eine ſtolze Koͤnigin zu ſeyn. Die Roſe iſt das Sinnbild der Liebe und Freude, die Seeblume aber das Symbol der Ruhmſucht. Wer nach der Roſe greift, ver⸗ wundet ſich haͤufig an den Dornen, doch der Duft der Blume iſt ſuͤß... die Seeblume bluͤht laͤnger, allein ſie verdankt ihr Daſeyn dem truͤben Waſſer, aus welchem ſie ſich hochmuͤthig erhebt; endlich, wenn ihre Bluͤ⸗ thenzeit voruͤber iſt, und ſie verwelkt nieder⸗ ſinkt, wird ſie von den Wellen veraͤchtlich an's Ufer geworfen.—— Etwas weiter vom Thale, durch welches der Strom Lez hingeht, wird die Gegend trauriger und duͤſterer. Der Reiſende trifft keine Weinſtoͤcke und Oelbaͤume mehr, ſondern ſehr, aber me, roßer ſie tolze und l der ver⸗ h der lume — 24219— blos duͤrre Huͤgel, Steineichen und Rosma⸗ rinbuͤſche. Hier und da ſieht er wohl Faͤ⸗ cherfichten(6.) wie Kinder, die ſich im Walde verirrt haben, oder wie Palmbaͤume in der Wuͤſte. Sobald man aber die Straße an der Bergkette von S. Loup hingegangen iſt, er⸗ öffnet ſich mit einem Male die herrlichſte Ausſicht. Zwiſchen zwei kegelfoͤrmig ſich er⸗ hebenden Bergen hat man den Anblick der ſchoͤnſten Landſchaft, und auf einem dieſer die Wolken faſt beruͤhrenden Berge, lag das Schloß Orthus. Irner und Kellamar hatten ihr Ziel er⸗ reicht; ſie ſtiegen ab und banden ihre Roſſe an den Baͤumen unten am Fuße des Berges feſt. XXVII. Du ſiehſt— ſprach Irner— alle Umſtaͤnde ſind guͤnſtig; die Zugbruͤcke iſt niedergelaſſen, 420 die Kapellenthuͤr offen. In der Kapelle fin⸗ deſt Du Deine Schweſter. Wenn ich Dein eigenes Beſte nicht beruͤckſichtigte, und der Religion, zu welcher ich mich bekenne, Ach⸗ tung zu beweiſen nicht ſchuldig waͤre— ſo wuͤrde ich Dir folgen. Miges glaubt ſich ſicher; Du haſt jetzt leichte Arbeit. Aber dem Zufalle darfſt Du nicht trauen— dar⸗ um geb' ich dieſes Schwert in Deine Hand. Hoͤrſt Du die Glocke laͤuten?— Eben jetzt wird Deine Schweſter zu Grabe getragen.— Der Kaplan murmelte Gebete her, als Mirza am Arm des Vicomte dem Altare ſich naͤherte.— Ihre Wange war bleich und das Feuer ihres Auges erloſchen. Wie ein Schlachtopfer zwang man ſie auf den Stufen des Altars niederzuknien. Nun forderte der Kaplan ſie auf, ſich laut zur chriſtlichen Religion zu bekennen. Sie bewegte zwar die Lippen, allein ihr Schmerz und ihr innerer Kampf war zu heftig, als daß ſie haͤtte antworten koͤnnen. Statt ihrer nahm der Vicomte das Wort — 421— und ſagte:„Dieſe Jungfrau bekennt Dein ſich zur chriſtlichen Religion.“— der Nun gab ihr der Kaplan eine Kerze in Ich⸗ die bebende Hand, zog den weißen Schleier ſo von ihren dunklen Locken, und beſprengte mit ſich dem Waſſer der Reinigung ihre Stirne... Aber Mit einem Male rief draußen eine laute dar⸗ Stimme den Namen Mirzal Freude durch⸗ and. ſchauerte ihren Buſen, als ſie die bekannte jetzt Simme ihres Bruders hoͤrte. Kellamar .— ſtuͤrzte in die Kapelle und umſchlang ſeine als Schweſter voll Iunigkeit.„Hab' ich Dich ltare wieder, meine liebe Mirza?“ rief er, ſie bleich an ſeine Bruſt druͤckend.„Du biſt wieder mein, Kellamar?“ ſprach ſie mit einer Um⸗ 1 ſie armung. nien. Unbeweglich und verſtoͤrt ſtand Miges laut da, kaum ſeinen Sinnen trauend. Kella⸗ Sie mar's ploͤtzliche Erſcheinung war ihm ganz merz unerklaͤrlich. Er ſtarrte ihn an, als ob es als ein boͤſer Geiſt ſey, aus dem Pfuhl der Hoͤlle aufgeſtiegen. In der heftigſten Bewegung Jort V ſtuͤrzte er auf die Stufen des Altars nieder = 122— und verhuͤllte mit dem Mantel des Kaplans ſein Angeſicht. Die Geſchwiſter, blos der Freude des Wiederſehens ſich uͤberlaſſend, achteten nicht auf das, was um ſie her vorging, bis der Kaplan mit donnernder Stimme Kellamar'n zurief:„Hinweg, Ruchloſer, von dieſer ge⸗ weihten Staͤtte, ſonſt wird des Himmels furchtbarſter Zorn Dich treffen!“ Kellamar ſtieß den gegen ihn ausgeſtreck⸗ ten Arm des Kaplans zuruͤck und umſchlang mit Rieſenkraft ſeine Schweſter, um ſie aus der Kapelle zu tragen. In dieſen Augen⸗ blicke, wo er ſie wiedergefunden, war er zu ſelig, als daß er daran gedacht haͤtte, an dem Vicomte Rache zu nehmen. Doch wie er die Schwelle uͤberſchreiten wollte, blitzte ihm ein Schwert entgegen. Miges Stallmeiſter war es, der, als er ſeinen Herrn beſinnungslos auf die Stufen des Altars niederſtuͤrzen ſah, den Entſchluß faßte, ſich dem Unglaͤubigen zu widerſetzen. Aber nur zu bald mußte er ſeinen Vorwitz ber au Kl Ge laͤ lans des nicht 5 der nar'n r ge⸗ mels treck⸗ lang aus igen⸗ er zu an wie litzte 8 er ufen bluß zen. witz bereuen.— Kellamar legte ſeine Schweſter auf der Boden, entbloͤßte wuthentbrannt die Klinge, die ihm Irner gab, und trieb ſeinen Gegner bis an die Schloßmauer. Hier konnte er den wuͤthenden Hieben des Mauren nicht laͤnger ausweichen, und zog ſich zuruͤck,— aber hier erlauerte ihn auch ein fuͤrchterliche⸗ rer Tod, als der, welchem er zu entfliehen trachtete. Kellamar verfolgte ſeinen Feind bis an eine in der Mauer befindliche Oeffnung, hier verſetzte er ihm noch einen Schwertſchlag, und der Stallmeiſter, obgleich nicht toͤdtlich getroffen, war doch von der Gewalt, mit welcher der Hieb gegen ihn gefuͤhrt wurde, ſo betaͤubt, daß er ſich ruͤckwaͤrts beugte und in den Abgrund ſtuͤrzte, welcher unter ihm ſich aufthat. Ein Angſtſchrei entfuhr ſeiner Bruſt, die Raben(7) hoͤrten ihn, und flatterten kraͤchzend herbei, um das Mahl zu verzehren, welches fuͤr ſie angerichtet war. —— XXVIII. Nun ſtieß Kellamar ſein blutiges Schwert in die Scheide, nahm die Schweſter wieder in ſeinen Arm, und ſtieg, ohne daß man ihm weitern Widerſtand leiſtete, vom Felſen herab, bis an den Ort, wo Irner ſeiner wartete. Noch hatte Kellamar ſeiuer Schweſter nicht geſagt, daß Irner ihn aus Todesge⸗ fahr gerettet habe, ſonſt wuͤrden Worte des Danks ihre erſten Worte geweſen ſeyn. Wie aber der Ritter mit ungewiſſem Schritte ſich ihr naͤherte und einen jeuer Blicke auf ſie heftete, durch deren ſanft⸗melancholiſchen Ausdruck ſie immer bezaubert worden war, beſtuͤrmten eine Menge wechſelnder oft ſich widerſprechender Gefuͤhle ihre Bruſt. Irner ergriff Mirza's Hand und druͤckte ſie an ſeine heißen Lippen. Unwillkuͤhrlich rachte ſie dabei an den Unbekannten im hwert vieder man Felſen ſeiner weſter hesge⸗ e des Wie e ſich f ſie ſchen war, ſich uͤckte rlich im Schloſſe Lauſa, und, ohne daß ſie es eigent⸗ lich ſich zu erklaͤren wußte, vermengte ſie Irners Bild mit dem Bilde jenes Geheim⸗ nißvollen in ihrer Seele. Sie war geneigt, Beide fuͤr eine und dieſelbe Perſon zu halten. Kellamar war ebenfalls zerſtreut, er bildete ſich ein, in der Ferne Hundegebell zu hoͤren, demjenigen gleich, welches Narbel an dem Abende erhob, wo Mirza verſchwunden war. Der Ritter unterbrach die Traͤumereien der Kinder Tahers, indem er ſie zur Abreiſe aufforderte. Sogleich ſprang Kellamar auf ſein Roß und ſetzte ſeine Schweſter vor ſich; Irner ritt neben ihnen her. Da man ſie aber gleich erkannt haben wuͤrde, wenn ſie am hellen Tage durch die Stadt geritten waͤreu, begaben ſie ſich auf Umwegen nach Frontignan. Die Sonne war hinter den Huüͤgeln von Mireval niedergeſunken und der Abendſtern glaͤnzte am Himmel, als ſie zu Areskies an der Kuͤſte anlangten. XXIX. Sieb, Schweſter!— rief Kellamar, auf die rothe Fahne des Schiffs zeigend, welche der Wind hin und her trieb.— Bald wer⸗ den wir in Granada und bei den Unſrigen ſeyn. Alles dies verdanken wir Irnern. Ach, vielleicht— erwiederte Mirza trau⸗ rig— iſt dieſes das letzte Mal, daß wir... Hier hielt ſie inne und erroͤthete, als ſchaͤme ſie ſich einer Empfindung, welche ſie eben zu verrathen Willens geweſen. Als jetzt Irners Blick dem ihrigen begeg⸗ nete, fuhr ſie mit Begeiſterung fort:„Ed⸗ ler Mann! Um uns ein milderes Schickſal zu bereiten, ſtellſt Du der hoͤchſten Gefahr und der Rache Deiner Glaubensgenoſſen Dich blos. Du uͤbertrittſt die Geſetze Deines Lan⸗ des, um unſerer Heimath uns wiederzuge⸗ ben. Hier auf Erden ſehen wir uns vielleicht nicht wieder..Durch das brauſende „auf V welche 7 wer⸗ ſrigen r. trau⸗ r... „ als he ſie begeg⸗ „Ed⸗ ickſal efahr Dich Lan⸗ zuge⸗ leicht ſende — 127— Meer und durch die Feindſeligkeiten der bei⸗ den verſchiedenen Voͤlker, welchen wir ange⸗ hoͤren, ſind wir von einander getrennt. Die Zeit und die Entfernung wird es bald dahin bringen, daß Du Kellamarn und ſeine Schwe⸗ ſter vergiſſeſt. Allein wir, die wir in unſerm Ungluͤcke gluͤcklich waren durch Deine Liebe, wir vergeſſen Dich nicht, wir vergeſſen die Opfer nicht, die Du uns brachteſt, und die Erinnerung an Dich wird uns ewig theuer bleiben.“ Schweſter, was ſagſt Du?— unterbrach Kellamar ihre Rede. Irner, ſprichſt Du, werde ungluͤcklich werden, weil er den Ge⸗ ſetzen ſeines Landes untreu wad? Ha, dieſe Geſetze ſind geſetzlos, ſie ſind ehrlos, ungerecht, ſie treten die heiligen Pflichten der Gaſtfreundſchaft mit Fuͤßen.— Wer ſollte uͤbrigens Irnern verrathen? Wir allein ſind es ja, die das Geheimniß bewachen.— Auch der Gedanke der Trennung erſchuͤttre uns nicht.— Nicht ewig iſt ja die ſe Trennung.— Und wie koͤnnten wir der — 128— Dienſte vergeſſen, die Irner uns erwies? Das waͤre der graͤßlichſte Undank. Dann möge eine feindliche Welle uns in den wuͤſten Ocean ſchleudern und uns auf ewig von der geliebten Heimath trennen, dann moͤge, nahe dem Hafen, unſer Schiff in die Wogen ver⸗ ſinken!— Irner, die Erinnerung an Dich lebt ewig in unſerm Herzen!— Als er dies ſagte, nahm das uͤberwal⸗ lende Gefuͤhl ihm die Sprache, verſtummend warf er ſich an Irners Bruſt... Dieſer hatte bis jetzt nachdenkend und lautlos, wie ein Traͤumender, dageſtanden. Nun aber, als er fuͤhlte, daß Kellamars Herz an dem Zinigen ſchlug, daß die Thraͤ⸗ nen des Juͤnglings auf ſeiner Wange brann⸗ ten... ſtarrte er aus ſeinem dumpfen Nach⸗ ſinnen auf. Mirza ſtand vor ihm und fragte:„Ab⸗ ſchied auf ewig?“— Ohne Antwort zu erwarten, naͤherten ihre gluͤhenden Lippen ſich den ſeinigen... ihr Odem wehte ihn an... er fuͤhlte das Pochen ihres Buſens ——„ wies? Dann wuͤſten berwal⸗ d und tanden. lamars Thraͤ⸗ brann⸗ Nach⸗ „ Ab⸗ untwort Lippen hte ihn Buſens mmend an ſeiner Bruſt.— Da, wie ein Wahn⸗ ſinniger, riß er ſie in ſeine Arme, und gluͤ⸗ hender, als er ihn empfangen hatte, gab er ihren Kuß zuruͤck. XXX. Stiu war die Natur— ruhig das Meer — kein Luͤftchen bewegte das Geſtraͤuch am Ufer— der Kahn, welcher beſtimmt war, die Geſchwiſter bis zum Schiffe zu bringen, glitt leiſe durch die Wellen, die vom Mond⸗ lichte beſchienen, Silberflittern aufſtaͤubten. Irner blieb zuruͤck am Geſtade und blickte dem enteilenden Schiffe ſo lange nach, bis Mirza's weißer Schleier, in der Nachtluft flatternd, ſich in die Ferne verlor. Ploͤtzlich verſchwand auch die Flagge. Eine Wolke verhuͤllte den Mond; dichte Fin⸗ ſternis lagerte ſich auf dem Meere... „Ha!“ rief er und breitete ſeine Arme in I. 9 — die Ferne aus.„Nun iſt die Liebe ver⸗ ſchwunden und die Hoffnung!“ Er war ſchon bereit, ſich in die Fluthen zu ſtuͤrzen; ſchwimmend wollte er die Geliebte erreichen und ſein Schickſal auf ewig mit dem ihrigen verflechten.... Da hielt ihn ruhige Beſonnenheit zuruͤck. Er gedachte der Pflichten gegen ſein Vater⸗ land. Aber ſeine Seele war heftig erſchuͤt⸗ tert, als er von der Kuͤſte ſich entfernte und den Weg nach ſeinem Schloſſe nahm. Ende des erſten Theils. Anmerkungen. (4.) Das Jahr der Hegira 720 iſt das Jahr 1315 nach der chriſtlichen Zeitrechnung. Schon fruͤher bluͤthe die hohe Schule in Montpellier.— Uebrigens hieß der Kalife, welcher damals Granada beherrſchte, nicht Ben Aben Seif Allah, ſondern es war Mahomet der Vierte, mit dem Zunamen Aben Azar.— Die Geſchichte weiß auch nichts davon, daß die Mauren im vierzehn⸗ ten Jahrhundert einen Einfall in Frankreich gethan; allein wer darf wegen Abweichungen von der Geſchichte dem Dichter Vorwuͤrfe machen?— (2.) Pſyllen wurden die Aerzte ge⸗ nannt, die der Kleopatra das Gift aus der Wunde ſaugten, als ſie, einer ſchimpflichen — 134— Gefangenſchaft zu entgehen, eine Schlange an die Bruſt ſich geſetzt hatte. Dieſes Mit⸗ tel äͤußerte aber keine Wirkung, weil es erſt angewendet ward, als ſchon das Gift im ganzen Koͤrper in Umlauf war. In der Gegend von Montpellier findet man aͤußerſt giftige Schlangen. Durch die Erfahrung iſt es bewieſen, daß eingeimpftes Schlangengift den Tod bringt; doch kann man es ohne Gefahr verſchlucken. Dies wußten die Pſyllen und dies war auch Ir⸗ nern bekannt (3.) Hier zum beſſern Verſtehen des Textes einige topographiſche Nachrichten. Das Thal Fonfrede fuͤhrt den Namen des ſchoͤnen Thals mit Recht. Eine mit Fichten beſetzte Huͤgelreihe umringt es, ſo daß es ſelbſt im Winter ein freundliches Anſehen behaͤlt. Ein kleiner Fluß ſtroͤmt durch, an deſſen Ufer drei oder vier Fabrik⸗ gebaͤude errichtet ſind. In der Naͤhe erblickt man Truͤmmern alter Schloͤſſer, weiterhin Felder, die durch ihre abwechſelnden Farben mmen mit „ ſo iches roͤmt brik⸗ blickt erhin rben das Auge ergoͤtzen, und im Hintergrunde das Blau der Berge.— Gewoͤhnlich iſt es ſtill hier; hoͤchſtens wird dieſe Stille vom Klin⸗ geln der Maulthiere unterbrochen, welche fruͤhmorgens Kohlen nach Montpellier tragen. Zu jeder andern Stunde des Tags und der Nacht vernimmt man nichts, als den Ge⸗ ſang der Voͤgel, das Rauſchen des Fluſſes oder das Sauſen des Windes im Laube der Baͤume. Die Felſen von Montferrier enthalten viel Eiſen— daher wohl der Name. Der Baſalt und die verwitterte Lava, die man noch antrifft, dienen zum Beweiſe, daß es fruͤher Vulkane geweſen. Der Profeſſor der Mineralogie an der Akademie zu Montpellier, de Serres, hat ſich deshalb mit weitlaͤuf⸗ tigen Unterhaltungen beſchaͤftigt. Nahe bei Montferrier ſieht man ein in praͤchtigem Style erbautes Schloß, welches die herrlichſte Ausſicht in die Ferne gewaͤhrt. (4.) Der Dichter laͤßt den Taher Ali in Montpellier ſterben. Wegen des großen — 136— Zufluſſes der Reiſenden iſt es nichts ſeltenes, daß hier Menſchen aus den angeſehenſten Familien ihr Ende finden. Hier verſchied z. B. Narziſſa, des beruͤhmten Dichters Ed. Young“s Tochter, hier der Herzog von Oſtgothland, Neffe Koͤnig Karls XII. von Schweden, hier der Vater Na⸗ poleons. (5.) Das Schloß Lauſa iſt noch zu ſehn und auch die Truͤmmern des Schloſſes Orthus ſind noch vorhanden. (6.) Faͤcher⸗Fichten. Nach Can⸗ dolle's Flora Frankreichs exiſtirt freilich die ſe Fichtengattung in Frankreich nicht, ſondern blos pinus silvestris, aber— wie ſchon oben geſagt— was iſt dem Dichter nicht erlaubt? Hat doch die Krone der Dichter Shakeſpeare, Schiffe in Boͤhmen landen laſſen. 7.) In der Naͤhe der Truͤmmern von Or⸗ thus halten ſich wirklich viele Raben auf. Sonſt pflegen ſie nicht haͤufig beiſammen zu ſeyn. ——— ndern ſchon nicht ichter anden — 1437— Bei Wilhelm Lauffer in Leipzig ſind erſchie⸗ nen und in allen Buchhandlungen zu haben: Gallerie aller juridiſchen Autoren von der aͤlteſten bis auf die jetzige Zeit mit ihren vorzuͤglichſten Schriften, nach alphabetiſcher Ordnung änfgeſtellt von J. H. Stepf. K. B. oberſten Juſtizrath. 3 Bde A bis G. gr. 8. 1820— 1822. 5 Thlr. 8 Gr. Die Lehre vom Contradietor bei erkanntem Concursproceſſe nach gemeinem und baieriſchem Recht. Von J. H. Stepf. Zweite um⸗ gearbeitete Auflage, gr. 8. 1821. 1 Thlr. 6 Gr. Das Vernunftrecht im Gewande des Staatsrechts und der Vorrechte. Von J. G. Raͤtze. 8. 1823. 14 Gr. System der innern Staatsverwaltung und der Gesetzpolitik, Von D. K. F. W. Ger- stäcker. 3 Abtheilungen. gr. 8. 1818 und 1819. 6 Thlr. 6 Gr. Geſchichte des Urſprungs der Staͤnde in Deutſchland. Von K. Huͤllmann. 5 Baͤnde. gr. 8. 1817. 5 Thlr. 12 Gr. Germaniens Urverfaſſung mit einer Vorrede uͤber den akademiſchen Vortrag der deutſchen Reichsgeſchichte. Vom Staatsrath J. E. Majer. gr. 8. 18 Gr. Deutſche Staatsron ſtiturſon entwickelt und dargeſtellt von J. E. Majer. 2 Bde. gr. 8. 2 Thlr. 12 Gr. — 138— Institutiones pathologiae medicinalis auctore H. D. Gaubio. Ad editionem tertiam edidit cum additamentis Ackermann. 8maj. 1787. 1 Thl. 8 Gr. Die Milch⸗ und Molkenkuren und deren zweckmaͤßigſte Anwendung in verſchiede⸗ nen Krankheiten. Von D. A. Daͤhne. 8. 1 Thlr. Hollmann, Dr. A. G., Animadversiones ad cap. III et XIII. epistolae pauli I. ad Corinthios. 8. 1819. 6 Gr. Morus, Dr. S. F. N.: recitationes in evangelium Joannis edidit Th. Im. Dindorf. Editio secun- da. gr. 8. 1821. 1 Thlr. 4 Gr. Sander, H., von der Guͤte und Weisheit Gottes in der Natur. Ein Buch zur Belehrung und Erbauung fuͤr Menſchen, welche die Natur und Gott aus derſelben kennen lernen wollen. 5te verbeſſerte Aufl. 8. 1820. 21 Gr. Bluͤthen von Jean Paul Friedrich Richter und Jo⸗ hann Gottfried v. Herder. Geſammelt von dem Profeſſor Genetſich. hi. 8. 1821. geh. 1 Thlr. r. Generſich, Prof. Emma, Leben einer gluͤcklichen Mutter. 8. 1819. geh. 18 Gr. Goͤtzel, C., auf zwanzigjaͤhrige Erfahrung ſich gruͤndendes Faͤrbebuch oder entdeckte Geheimniſſe, alle Sorten Leder zuzubereiten, zu faͤrben, zu waſchen und zu bleichen. Nebſt einem Anhange, Seide, Wolle und Leinwand zu faͤrben. Ein Handbuch fuͤr Lederfabrikanten und Handſchu⸗ macher, ſo wie ſuͤr Hausfrauen, welche ihre Handſchuhe ſelbſt faͤrben und waſchen wollen. 8. 1820. geheftet. 8 Gr. — 139— Der neue Gelegenheitsdichter. Eine Sammlung von Geburtstags⸗, Hochzeits⸗, Jubelhochzeitsgedichten, Amtsjubelfeiern, Abſchieds⸗ gedichten und Neujahrwuͤnſchen. 8. geh. 14 Gr. Tempel der Liebe und Freundſchaft. Auswahl von 480 der vorzuͤglichſten Aufſaͤtze in Stammbuͤcher. Mit 1 Kupfer. 8. geh. 9 Gr. Unterhaltungsſchriften fuͤr ge⸗ bildete Leſer. Der Beherrſcher der Eilande von Walter Scott, bearbeitet von F. P. E. Richter. 8. 1822. 1 Thlr. 6 Gr. Die Circe von Glas⸗Llyn. Ein Roman nach Walter Scott, bearbeitet von K. H. L. Reinhardt. 4 Baͤnde. 8. 1822 und 1825. 5 Thlr. 12 Gr. Harold der Unerſchrockne von Walter Scott, bearbeitet von W. von Morgenſtern. 8. 1823. 20 Gr. Jacobine oder der Ritter des Geheimniſſes. Ein hiſtoriſcher Roman nach Walter Scott, bearbeitet von F. P. E. Richter. 2 Bde. 8. 1822. 2 Thlr. Irner oder die Widerſpruͤche der Liebe. Ein Roman vom Lord Byron, frei bearbeitet von G. Jordens. 2 Bde. . 8, 1825. — 140— Mathilde von Rokeby von Walter Scott, bearbeitet von F. P. E. Richter. 2 Bde. 8. 1822. 2 Thlr. Marmion oder die Schlacht von Flodden⸗Field⸗ Eine Rit⸗ tergeſchichte von Walter Scott. Nach der gten Ausgabe frei bearbeitet von F. P. E. Richter. 2 Bde. 1822 u. 1823. 2 Thlr. Waverley oder Schottland vor ſechszig Jahren. Ein hiſto⸗ riſcher Roman von Walter Scott. 4 Bde. 8. 1822. 35 Thlr. 4 Gr. Thirza die Seherin aus Griechenland oder die deutſche Schleichhaͤndler. Ein romantiſches Gemaͤlde von W. v. Morgenſtern. 8. 1822. 1 Thlr. 12 Gr. Der Kreuzesritter oder Don Sebaſtian Koͤnig von Portugal. Ein hiſtoriſcher Ritterroman von Miß Anna Maria Porter, bearbeitet von Wilhelmine von Gersdorf. 2 Bde. 8. 1822. 2 Thlr. 12 Gr. Mirabilis oder der Alte Ueberall und Nirgends. Eine Er⸗ zaͤhlung von Wilhelmine von Gersdorf. 8. 1822. 1 Thlr. 6 Gr. Erzaͤhlungen von Wilhelmine von Gerxsdorf. 3 Bde. 8. 1821 u. 1822. 5 Thlr. 6 Gr. Eternelle oder die Blindgeborne. Ein romantiſches Gemaͤlde — 441— von W. von Gersdorf. 2 Bde. Neue Ausgabe. 8. 1822. 2 Thlr. 8 Gr. Erzaͤhlungen von Fr. Krug von Nidda. 2 Bde. 8. 1821 und 1822. 5 Thlr. gten Gonſalvo von Cordova Rittergedicht von Florian, frei uͤberſetzt und in Ockaven umgebildet von Fr. Krug von Nidda. gr. 8. 1821. 1 Thlr. 12 Gr. Die Koͤnigs⸗Scheibe oder die Ahnungen. Eine Familiengeſchichte aus dem deutſchen Befreiungskriege, von Carl Bonde. V Neue Ausgabe. 8. 1822. 1 Thlr. 4Gr. rlchen Kaͤtchen von Hubenſtein Gr. oder der Strohhut. Eine Familiengeſchichte von Carl Bonde. 8. 1821. 1 Thlr. 4 Gr. Ein Paul und Virginie „Et Mris Ein Gemaͤlde der Natur von Jac. Hnr. Bernh. . de St. Pierre. Neu uͤberſetzt von Fr. Gleich. 8. 1821. 1 Thlr. Sinnreiche und unterhaltende Ge⸗ ne Er⸗ ſchichten 1822. aus Frater Johannes Pauli's Schimpf und Ernſt. Herausgegeben und mit einer kurzen literariſchen Notiz begleitet von Guſtav Joͤrdens. 8. 1822. 18 Gr. 321 u. Giuglio und Iſidora oder die Flucht aus den Kerkern der Inquiſition. Eine romantiſche Erzaylung, von Dr. Friedrich. 8. maͤlde 1821, 18 Gr. — 4142— Komiſch⸗ſatyriſche und ernſt⸗poeti⸗ ſche Unterhaltungen fuͤr frohe Geſellſchaften und Deklamation. Von Fr. A. Doͤring. 8. 1823. 12 Gr. Schaudervolle Abentheuer im Todtengewoͤlbe zu Bentheim. Eine wahre Be⸗ gebenheit neueſter Zeit. Srble 8. 1819, 1 Thlr. 12 Gr. Verirrungen oder udie Macht der Verhaͤltniſſe. Ein Roman herausgegeben von Luiſe Brachmann. 3. 1823. 1 Thlr. 8 Gr. Die Aſſeburg. Hiſtoriſch⸗romantiſches Gemaͤlde; dramatiſirt von A. Klingemann. 2 Bde. Zweite Auflage. 8. 2 Thlr. Geſchichte der drei letzten Lebensmonate Napoleon Bonapartes. Nach authentiſchen Dokumenten verfaſſet von S... Aus dem Franzoͤſiſchen uͤber⸗ ſetzt. 8. 1822. geh. 8 Gr. Conſtantinopel im Jahre 1821 oder Darſtellung der blutigen und hoͤchſt ſchauderhaften Begeben⸗ heiten, welche in dieſer Hauptſtadt, ſeit dem Ausbruche des Kriegs zwiſchen der Tuͤrkey und Griechenland vorgefallen ſind. Von einem Au⸗ genzeugen, der ſeit 1815 in Conſtantinopel ge⸗ wohnt hat, mehrmals in Todesgefahr ſchwebte, und auf eine wunderbare Weiſe ſein Leben ret⸗ tete. Herausgegeben von Joh. W. A. Streit. 8. 1822. geh. 12 Gr. Doͤring, Fr. A., Launige Gedichte in oberſaͤchſi⸗ ſcher Bauern⸗Mundark fuͤr den deklamatoriſchen Vortrag zur frohen Unterhaltung freundſchaftli⸗ cher Eirkel bearbeitet. 8. 1821. 6 Gr. E enten uͤber⸗ 8 Gr. ellung geben⸗ dem ) und Au⸗ el ge⸗ debte, ret⸗ treit. 2 Gr. aͤchſi⸗ ſchen aftli⸗ Gr. — 143— IJugendſchriften. Engel, M., Religionsgeſaͤnge fuͤr Schulen. Zweite verbeſſerte Auſagh. 8. 1823. Funke, D. F. C„Erſte Blicke in die Naturge⸗ ſchichte, als Wr ruͤbn ugen zum Leſenlernen, nach den beliebteſten Methoden betbeitel; mit 24 in Kupfer geſtochenen Abbildungen. 8. 1821. gebun⸗ den und colorirt 14 Gr. —— das haͤusliche Gluͤck in Ruhethal, ein Fa⸗ milien-Bilderbuch zur angenehmen Unterhaltung und Belehrung mit 12 colorirten Kupf. 1821. gebunden 1 Thlr. —— Reiſen der Familie von Adelwerth oder lehrreiche Darſtellungen von der Oberflaͤche unſe⸗ rer Erde. Mit 12 colorirten Abbildungen. ge⸗ bunden 21 Gr. —— Naturhiſtoriſches Etuis oder Abbildung und Beſchreibung des Thierreichs fuͤr Freunde der Naturgeſchichte. Erſte Lieferung, Saͤugthiere. Mit 36 Abbildungen in Etuis. gebunden mit colorirten Abbildungen 1 Thlr. 6 Gr. mit ſchwar⸗ zen Abbild. 21 Gr. —— CEtuis fuͤr Voͤlkerkunde, oder Abbildung und Beſchreibung der vorzuͤglichſten Voͤlker der Erde. Erſte Lieferung. Europaͤiſche mit 32 co⸗ lor. Abbildungen 21 Gr. Heinroth, D. J. A. G., kleines Muſeum der De⸗ klamation fuͤr Kinder, beſtehend in Wiederho⸗ lungen aus der Geſchichte, Geographie und Na⸗ turgeſchichte. 8.„geb. 2 Gr. Moſer, D. A., Briefſammlung fuͤr Kinder gebil⸗ deter Eltern, zum Schul⸗ und Privatgebrauch. Als erſte praktiſche Anleitung zur innern und aͤunßern Einrichtung der Briefe und zum Brief⸗ ſchreiben uͤberhaupt. 8. 1822. 9 Gr. —— Unterricht in der deutſchen Rechtſchreibung auf Vorlegeblaͤttern zum Schul⸗ und Privatge⸗ brauch. 8. 1820, 10 Gr. — 144— Moſer, D. A., das erſte Schulbuch fuͤr den Unter⸗ richt im deutſchen Leſen, hat auch den Titel: Dieß AB CBuch ſoll allein fuͤr gute, fieiß'ge Kinder ſeyn. 8. 1822. ohne Kupfer 2 Gr. mit colorirten Kupfern und gebunden 9 Gr. Kinderreiſen in ferne Gegenden der Erde. Ein geographiſch⸗ naturhiſtoriſches Unterhaltungsbuch fuͤr die Jugend. Zweites Geſchenk. 12. Mit 8 color. Abbildungen. gebunden 16 Gr. Naturhiſtoriker, der kleine. Ein lehrreiches Unter⸗ haltungs⸗ und Leſeuͤbungsbuch aus der Natur⸗ und Voͤlkerkunde, ſo wie zur leichten Erlernung franzoͤſiſcher, engliſcher und lateiniſcher Woͤrter. Ein Geſchenk fuͤr die Jugend. Mit 88 illum. Abbildungen. gebunden 1 Thlr. 8 Gr. Schlez, J. F., der Schreibſchuͤler; oder Voruͤbun⸗ gen im Briefſchreiben und in andern buͤrgerlichen Aufſaͤtzen. Zum Gebrauch in Landſchulen. 5te verbeſſerte und vermehrte Auflage. 8. 1822. 5 Gr. Wolf, M. J. H., die jungen Weltkenner oder die Welt im Kleinen. Ein Bilderbuch technologiſchen, geographiſchen, naturhiſtoriſchen und moraliſchen Inhalts zur noͤthigen Kenntniß fuͤr Kinder. Mit 244 Abbildungen. gebunden 1 Thlr. 12 Gr. Fuͤr den Unterricht in der freien Handzeich⸗ nenkunſt. Fricke, F. A., der Zeichnenſchuͤler oder Voruͤbungen im Zeichnen, mir Hinſicht auf Landſchaftszeich⸗ nenkunſt. Ein Geſchenk fuͤr die Jugend, in 52 lithographirten Vorlegeblaͤttern, in Futteral. 14 Gr. 2te Lieferung. Mit 24 lithographirten Vor⸗ legeblaͤttern in Futteral 14 Gr. — Sammlung architektoniſcher Verzierungen nach antiken Blaͤttern zum Gebrauch fuͤr Burger⸗ und Sonntags⸗Schulen in 24 lithographirten * Vorlegeblaͤttern.(Des Zeichnenſchuͤlers 3te Lie⸗ : ferung), in Futteral 206 Gr. eiß'ge Fricke, F. A., Unterricht in der Thierzeichnenkunſt . mit in 36 theils nach der Natur, theils nach den 9 Gr. beſten Meiſtern auf Stein gezeichneten Vorlege⸗ blaͤttern(des Zeichnenſchuͤlers 4te Lieferung.) in Futteral 1 Thlr. 8 Gr. hi—— unterricht in der Blumenzeichnenkunſt zur hiſch⸗ Uebung fuͤr Schatten und Licht in 24 nach der ugend Natur auf Stein gezeichneten Vorlegeblaͤttern. ador. Zweite verbeſſerte und vermehrte Aufl.(des Zeich⸗ 10 Gt. nenſchuͤlers 5te Lieferung.) In Futteral 1 Thlr. nker⸗—— Vorſchule der freien Handzeichnung in 48 ſatur⸗ lithographirten ſymmetriſchen Vorlegeblaͤttern, rnung fuͤr Schulen und zum Selbſtunterricht. Der Vor⸗ poxfer.. ſchule der Blumenzeichnenkunſt 5te umgeaͤnderte 13 nin. und verbeſſerte Auflage(des Zeichnenſchuͤlers öte 8Gr. Lieferung.) 1 Thlr. —— der vollkommene Blumenzeichner oder gruͤnd⸗ licher Unterricht in der Blumenzeichnenkunſt zum Gebrauch fuͤr Schulen und zum Selbſtunterricht. Erſte Lieferung in 16 lithographirten Vorlege⸗ rlichen . Bte 5 Gr. Prhore blaͤttern. 4to 1 Thlr. 2te Lieferung in 20 litho⸗ liſchen graphirten Vorlegeblaͤttern. 4ato 1 Thlr. 8 Gr. Mit—,— Vorſchule der hoͤhern freien Handzeichnung 4 in Koͤpfen und Figuren zum Gebrauch fuͤr Schu⸗ 42 Gr. len und zum Selbſtunterricht in 36 lithographir⸗ zeich⸗ ten Vorlegeblaͤttern. In Futteral 1 Thlr. 4 Gr. —— Unterricht in der hoͤhern freien Handzeich⸗ nung in Koͤpfen und Figuren zum Gebrauch fuͤr zungen Schulen und zum Selbſtunterricht in 56 lithogra⸗ szeich⸗ phirten Vorlegeblaͤttern; in Futteral 1 Thlr. 8 Gr. in 52—— Daſſelbe, 2te Lieferung(Koͤpfe) in 20 li⸗ al. 14 thographirten Vorlegeblaͤttern. gr. 4, 1 Thlr. 8 Gr. Vor⸗—— der Landſchaftszeichner zum Gebrauch fuͤr 14 Gr. Schulen und zum Selbſtunterricht in ꝛ8 litho⸗ ungen graphirten Vorlegeblaͤttern. 1. Vorſchule der uͤrger⸗ Landſchaftszeichnenkunſt. In Futteral 16 Gr. hirten II. Unterricht in der Landſchaftszeichnenkunſt⸗ 10 — 426— iſte Lieferung(Baumſtudium) in 20 Vorlege⸗ blaͤttern. 4to in Futteral. 1 Thlr. 8 Gr. III. Un⸗ terricht in der Landſchaftszeichnenkunſt mit Ruͤck⸗ ſicht auf Perſpektive. 2te Liefer. in 16 Vorlege⸗ blättern. 4to Thlr. IV. unterricht in der Landſchaftszeichnenkunſt mit Ruͤckſicht auf Per⸗ ſpektive. 3te Lieferung in 12 Vorlegeblaͤttern. 4to 1 Thlr. Spiel e. Belagerung, die, ein neues unterhaltendes Wuͤr⸗ felſpiel für die Jugend. Mit Beſchreibung in Futteral, colorirt 12 Gr. Geißler, P. C., das heimliche Vehmgericht, ein unterhaltendes Pfaͤnderſpiel fuͤr frohe Geſell⸗ ſchaften. Mit 18 Spieltafeln und Beſchreibung, in Futteral, colorirt 12 Gr. Hahn, der, im Korbe, ein neues und unterhalten⸗ des Wuͤrfelſpiel fuͤr die Jugend. Mit Beſchrei⸗ bung und in Futteral, colorirt 12 Gr. Meßgeſchaͤfte, die, oder der Capitaliſt, das Wech⸗ ſel⸗Comptoir, die Kaufleute und die Zahlwoche. Ein neues unb unterhaltendes Spiel fuͤr frohe Geſellſchaften. Nach dem bekannten Schimmel⸗ ſpiele frei bearbeitet. Mit Beſchreibung und in Futteral, color. mit Wuͤrfel 14 Gr. ohne Wnſel — 12 Gr. Spiele fuͤr die Kinderwelt. Enthaltend: 1) Der Wolf in der Schaafherde, mit 6 Spieltaf. 2) a) die Veraͤnderlichen. 3 b) das Hochzeitgeſchenk, mit 2 Spieltafeln oder 36 Kaͤrtchen. 3) Das ſinnreiche Puzzleſpiel in 6 Theilen, mit 24 Abbildungen auf 4 Tafeln. Mit 15 Tafeln und Beſchreibung in Fut⸗ teral, colorirt. 18 Gr. Vaterhaus, das, oder die Reiſe durch das Leben. Ein die Aufmerkſamkeit erregendes und unker⸗ haltendes Geſellſchafts⸗Spiel. colorirt 16 Gr. Leben. unter⸗ 16 Gr. ——