ihbiblioth 8— dek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 4 von.— Eduard Ottmann in Gießen, 3 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Jeih- und Ceſebedingungen. 1 1. Ofkensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 4 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen..— 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 3 5 1n. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: 8 für wochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 4————— Be: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Nk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 1 ⁵— 1— 2 1— 11 ; 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung a der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlörene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mir Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verp flichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen zder Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——— —— 4 4 3 MANFRED. A TRAGEDYN B V LORD BYRON. LEIPZIIG: F. A. BROGK HAU sS. 13 1 9. Manfred. Trauerſpiel von Lord Byron. Teutſch von Adolf Wagner. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1 8 19. DRAMATIS PERSONAE. MaäANTRED. CRHAMOISs HuUNTER. ABBOT OFE S8r. MAURICE. MANUELI. HzERMAN. WrroH OE THE ALPs. ARIMANEsS. NsaMksis. The DESTINIES. SprRITS, etc. 3. The Scene of the Drama is amongst the Higher Alps — partly in the Castle of Manfred, and partlo in the Mountains: 9 Scene: Perſonen. Manfred. Ein Gemſenjaͤger. Abt vom St. Morizkloſter. Manuel. Hermann. Alpenfee. Ahriman. Nemeſis. Schickſalsſchweſtern. Geiſter ꝛc. Die Oberalpen— theils in Manfreds Burg, theils in den Gebirgen. MANF RED. ACT. I. S G ENE I. MaäANFRRD alone— Scene, a Gochic gallery— Time, Midnight. Tas lamp must be replenisl'd, but even then It will not burn so long as I must watch: My slumbers— if I slumber— are not sleep, But a continuance of enduring thought, Which then I can resist not: in my heart There is a vigil, and these eyes but close To look within; and yet I live, and bear The aspect and the form of breathing men. ——y —— 81 ——ℳ—— „ 2 — — Manfred. Erſter Aufzug. Erſter Auftritt. Mitternacht.— Eine gothiſche Halle. Manfred(allein). Nachguß bedarf die Ampel; dennoch brennt ſie Auch dann ſo lange nicht, als ich muß wachen. Mein Schlummer— ſchlummr' ich auch— iſt doch nicht Schlaf, Nichts, als ein anhaltſam ertragnes Gruͤbeln, Das unabwehrbar mich bedraͤngt; im Herzen Iſt immer Nachtwach' und die Augen ſchließen Sich nur, hineinzuſchauen; gleichwol leb' ich, Trag' Menſchenantlitz und Geſtalt und athme. 10 But grief should be the instructor of the wise; Sorrow is knowledge: they who know the most Must mourn the deepest o'er the fatal truth, The Tree of Knowledge is not that of Life. Philosophy and science, and the springs Of wonder, and the wisdom of the world, I have essayed, and in my mind there is A power to make these subject to itselk— But they avail not: I have done men good, And I have„met with good even among men— But this avail'd not: I have had my foes, And none have baffled, many fallen before me— But this avail'd not:— Good, or evil, life, Powers, passions, all I see in other beings, Have been to me as rain unto the sands, Since that all-nameless hour. I have no dread, And feel the curse to have no natural fear, Nor fluttering throb, that beats with hopes or wishes, Or lurking love of something on the earth.— Now to my task!— — 2u 8 2 d 1 - AQ 8 wXͤs c Gb in r, 11 Ja, Gram nur ſollte Lehrer ſeyn des Weiſen; Schmerz iſt Erkenntniß; wer am meiſten weiß, Muß auch die Schmerzenswahrheit tiefſt beklagen: Erkenntnißbaum iſt nicht der Lebensbaum. Weltweisheit, Wiſſenſchaft, dazu die. Quellen Der Wunder und Anordnung dieſer Welt Hab' ich verſucht; Macht wohnt mir im Gemuͤthe, Macht, ihnen allſammt herrſchend obzuwalten— Das aber frommt nicht. Menſchen that ich Gutes, Fand auch wol manchmal Gutes noch dabei— Doch frommt' es nimmer. Feinde hatt' ich auch, Wich keinem jemals, mancher fiel vor mir— Doch frommt' es nie:— ſo Gut, wie Boͤſe, Leben, Kraft, Leidenſchaft, was ich an Andern ſehe, Mir war es Regenſchau'r in duͤrren Sand Seit jener unnennbaren Zeit. Mich ſchreckt nichts, Den Fluch nur fuͤhl' ich, keine Furcht zu kennen, Noch rege Wallung, wie von Wunſch und Hoffnung, Von Luſt nach irgend etwas auf der Erde.— Wohlauf, zum Werk!— * 12 Mysterious Agency! Ne spirits of the unbounded Universe! Whom I have sought in darkness and in light— Ne, who do compass earth about, and dwell In subtler essence— ye, to whom the tops Of mountains inaccessible are haunts, And earth's and ocean's caves familiar things— I call upon ye by the written charm Which gives me power upon you Rise! appear! A pause.] They come not yet.— Now by the voice of him Who is the first among you— by this sign, Which makes you tremble— by the claims of him Who is undying,— Rise! appear! Appear! A⁴ pause.] If it be so.— Spirits of earth and air, Ye shall not thus elude me: by a power, Deeper than all yet urged, a tyrant-spell, Which had its birth-place in a star condemn'd, The burning wreck of a demolish'd world, 13 Geheimnißvolle Schaffner! ¹) Des unbegraͤnzten Weltenalls Urgeiſter, Von mir in Dunkel ausgeſpaͤht und Licht,— Ihr, Erd' allum ²) ausmeſſend, ihr, inwohnend ³) In feinerm Stoffe— denen ſelbſt die Felshoͤh'n, Die unerklimmbar'n, gaſtliche Behauſung, Erdhoͤhlen, Weltmeerkluͤfte ſind alltaͤglich— Kraft Zauberſpruches lad' ich euch hieher, Der mir Gewalt giebt uͤber euch. Herbei! (Pauſe.) Sie kommen nicht. Wohlauf nun! bei der Stimme Des Erſten unter euch, bei dieſem Zeichen, Drob ihr erbebet, bei dem Anrecht Deß, Der unvergaͤnglich iſt! Erſcheint! Herzu! (Pauſe.) Steht's ſo mit uns? Ihr Luft⸗ und Erdengeiſter, Mir ſollt ihr nicht entgehn! Mit einer Macht, Vor allen uͤberſchwaͤnglich, einem Zwingbann, Den ausgeboren ein verdammter Stern, Die Truͤmmer einer ausgebrannten Welt, 14 A wandering hell in the eternal space; By the strong curse which is upon my soul, The thought which is within me and around me, I do compel ye to my will.— Appear! A star is seen at che darker end] cdhe gallen; it is stationaly; and a voice is heard singing.] FIRST SPIRIT. Mortal! to thy bidding bow'd, From my mansion in the cloud, Which the breath of twilight builds, And the summer's sun-set gilds With the azure and vermilion,. Which is mix'd for my pavilion; Though thy quest may be forbidden, On a star-beam I have ridden; To thine adjurarion bow' d, Mortal— be thy wish avow'd! 15 Nein, Wandelhoͤll' im ew'gen Himmelsraum, Bei ſchwerer Fluchslaſt, welche mich bedruͤckt, Bei dieſer Denkkraft in mir, um mich her, Zwing' ich beſchwoͤrend euch herauf. Erſcheint! 15(Am dunkeln Ende der Halle zeigt ſich ein Stern, der feſt⸗ B ſteht. Eine Stimme ſingt.) Erſter Geiſt. Menſch, von deinem Spruch entbannt Meinem Wolkenheimathland, Aufgebaut aus Daͤmmerluft, Von der Abendſonne Duft Blau und roͤthlich angeſtrahlet, Wie ſich mein Gezelt mir mahlet; Magſt du gleich Verbotnes bitten, Komm' auf Sternſtrahl ich geritten, Deinem Machtruf unterthan— Sag nun dein Begehr mir an! 16 Foice of the SzcoNp SIRIT. Mont Blanc is the monarch of mountains, They crowned him long ago On a throne of rocks, in a robe of clouds, Winh a diadem of snow. Around his waist are forests braced, The Avalanche in his hand; But ere it fall, chat thundering ball Must pause for my command. The Glacier's cold and restless mass Moves onward day by day; But I am he who bids it pass, Or with its ice delay. I am the spirit of the place, Could make the mountain bow And quiver to his cavern’d base— And what with me wouldst Thou? Foice of the THIRD SPIRIT. In the blue depth of the waters, 17 Stimme des zweiten Geiſtes. Montblanc iſt der Fuͤrſt der Gebirgshoͤhn, Sie kroͤnten ihn wol ſchon eh Auf felſichtem Thron und im Wolkengewand Mit dem Stirnenband von Schnee. Als Gurt umzieht ihn ein Forſtgebiet, Die Schneelawin' in der Hand— Doch haͤlt vor dem Fall der donnernde Ball Auf mein Geheiß noch Stand. Des Gletſchers kalt raſtloſe Laſt Rollt vorwaͤrts Tag fuͤr Tag. Ich hemm' allein des Eiſes Haſt, Lenk' auch wol ab den Schlag. Ich bin der Geiſt vom Bergesrund; Wollt' ich's, mir nickt' er zu, Schrumpft' ein in ſeinen Hoͤhlengrund— Sag, was begehreſt du? Stimme des dritten Geiſtes. ⁴) In dem Meergrund, in dem blauen, 2 18 Where the wave hath no strife, Where the wind is a stranger, And the sea-snake hath life, Where the Mermaid is decking Her green hair with shells; Like the storm on the surface Came the sound of thy spells; O'er my calm Hall of Coral The deep echo roll'⸗d— To the Spirit of Ocean Thy wishes unfold! er — * FovunrH SPIRIT. VVhere the slumbering earthquake Lies pillow'd on fire, And the lakes of bitumen Rise boilingly higher; Where the roots of the Andes Strike deep in the earth, 19 Wo die Brandung ſich legt, Wo der Wind ſtets iſt ein Fremdling, Und die Meerſchneck' ſich regt, Wo das Meerweib mit Muſcheln Sich das Haargruͤn umſteckt, Hat wie Sturmswuth auf der Meerhoͤh' Mich dein Bannſpruch erweckt. Im Korallſaal, dem ſtillen, Tief grollte der Laut— Sei dem Geiſte des Weltmeers Dein Wuͤnſchen vertraut! Vierter Geiſt. Wo der Erdſtoß auf dem Glutpfuͤhl Im Schlummer noch ruht, Und Asphaltſuͤmpf' aufbrauſen Im ſchaͤumenden Sud; Wo die Wurzeln der Andes Tief ſtreichen im Grund, 20 As their summits to heaven Shoot soaringly forth; I have quitted my birth-place, Thy bidding to bide— Thy spell hath subdued me, Thy will be my guide! FIETH SPIRIT. I am the Rider of ihe wind, The Stirrer of the storm; The hurricane I left behind Is yet with lightning warm; To speed to thee, o'er shore and sea I swept upon the blast: The fleet I met sailed well, and yet „Twill sink ere night be past. SIXTH SPIRIT. * My dwelling is the shadow of the night, Why doth thy magic torture me with light? und die Scheitel gethuͤrmt ſtehn Zum himmliſchen Rund; Den Geburtsort verließ ich, Gehoͤr dir zu leihn— Vom Zauber bezwungen Muß Sklav ich dir ſeyn. Fuͤnfter Geiſt. Windroſſes Herr erſchein' ich hier; Aufraſ't auf mein Geheiß Der Sturm; die Windsbraut hinter mir Gluͤht noch von Blitzen heiß. In Haſt einher uͤber Land und Meer Fegt' ich mit Sturmeswehn. Her ſchwamm in Pracht eine Flotte; zu Nacht Muß ſie doch untergehn. Sechſter Geiſt. Mir iſt Behauſung naͤcht'ges Schattengraun; Was foltert mich dein Zauber, Licht zu ſchaun? 22 SEVENTH SPIRIY. The star which rules thy destiny, Was ruled, ere earth began, by me: It was a world as fresh and fair As e'er revolved round sun in air; Its course was free and regular, Space bosom'd not a lovelier star. The hour arrived— and it became A wandering mass of shapeless flame, A pathless comet, and a curse, The menace of the universe; Still rolling on with innate force, Without a sphere, without a course, A bright deformity on high, The monster of the upper sky! And thou! beneath its influence born— Thou worm! whom I obey and scorn— Forced by a power(which is not thine, And lent thee but to make thee mine) For this brief moment to descend, 5 Siebenter Geiſt. Den Stern, den dein Geſchick dir wob, Lenkt' ich, bevor die Erd' anhob; Ein Stern, ſo jugendfriſch, ſo hold, Als einer je die Sonn' umrollt! Frei, ſchoͤn geregelt war ſein Lauf, Nicht ſchoͤnern nahm der Raum noch auf. Da kam die Zeit— nun ward er bloß Unfoͤrmlich roll'nder Feuerkloß, Pfadloſer Schweifſtern, Fluch, der Noth Und Ungemach der Welt androht. Mit eingeborner Kraft und Fleiß Fort rollt er ſonder Bahn und Gleis, Ein Mißgebild, glanzvoll zu ſehn, Das Ungethuͤm der Wolkenhoͤh'n. Du, deß Geburt er lenkte ſchon, Wurm, dem ich diene, doch mit Hohn— Gezwungen durch erborgte Macht, Die dich nur mir dienſteigen macht, Auf kurze Friſt hieher geſchickt, 24 Where these weak spirits round thee bend And parley with a thing like thee— What wouldst thou, Child of Clay! with me? The SzvEN SPIRITS. Eearth, ocean, air, night, mountains, winds, thy star, Are at thy beck and bidding, Child of Clay! Before thee at thy quest their spirits are— What wouldst thou with us, son of mortals— say? „ MANFRED. Forgetfulness FIRST STIRIT. Of what— of whom— and why? MANFRED. Of that which is within me; read it there— ve know it, and I cannot utter it. 5 ar, 25 Wo Schwaͤch're dich umſtehn gebuͤckt, Zwieſprach' zu pflegen, Ding, mit dir— Sprich, Erdenſohn, was willſt du mir? Die ſieben Geiſter. Erd', Weltmeer, Luft, Nacht, Berge, Wind, dein Stern Sind dir zu Wink und Willen, Kind von Thon! Und ihre Geiſter ſtehn vor dir, als Herrn, Was heiſcheſt du von uns, du Staubesſohn? Manfred. Vergeſſenheit— Erſter Geiſt. Weß? und wovon? und wie? Manfred. Deß, was im Innern mich bewegt— dort lebt es— Euch iſt's bekannt; ausſprechen darf ich's nicht. — 26 SPIRIT. We can but give thee that which we possess: Ask of us subjects, sovereignty, the power O'er earth, the whole, or portion, or a sign Which shall control the elements, whereof We are the dominators, each and all, These shall be thine MANFRED. Oblivion, selfoblivion— Can ye not wring from out the hidden realms Ve offer so profusely what I ask? SpIRIT. It is not in our essence, in our skill; But— thou mayst die. MAäANFRED. Will death bestow it on me? 27 Geiſt. Wir koͤnnen nur verleihn was wir beſitzen. Heiſch' Unterthanen, willſt du, Herrſchgewalt, Macht an der Erde, theilweis, ganz, ⁵) ein Zeichen, Das Elemente, denen wir obwalten, Beſpricht, das alles ſoll von uns und jedes Dir werden. Manfred. Nur Vergeſſen, Selbſtvergeſſen— Was? ihr vergeudet unſichtbare Reiche, Und zwingt doch ihnen mein Begehr nicht ab? Geiſt. Deß ward uns Kundſchaft nicht, noch Weſenheit. Doch— wirſt ja ſterben. Manfred. Und gewaͤhrt's der Tod? 28 SPIRIT. We are immortal, and do not forget; We are eternal; and to us the past Is, as the future, present. Art thou auswered? MANTRED. ve mock me— but the power Which brought ye here Hath made you mine. Slaves, scoff not at my will! The mind, the spirit, the Promethean spark, The lightning of my being, is as bright, Pervading, and far-darting as your own, And shall not yield to yours, though coop d in clay! Answer, or I will teach ye what I am. SPIRIT. Wae answer as we answered; our reply Is even in thine own words. MANFRED. Why say ye so? clay! 29 Geiſt. Wir ſind unſterblich und vergeſſen nicht; Sind ewig dauernd, und Vergangenheit Iſt uns, wie Zukunft, Gegenwart. Begreifſt du? Manfred. Ihr ſpottet meiner— doch, was euch herauflud, Zwingt euch. Ihr Knechtsgeſindel, hoͤhnet nicht! Gemuͤth und Geiſt, der promethe'ſche Funke, Und meines Weſens Aufblitz iſt ſo licht, Durchdringend, fernhintreffend, als der eure, Euch weicht er niemals, ob auch thonumkerkert. Antwortet, oder lernet mich erkennen! Geiſt. Du haſt die Antwort; ja, ſie liegt bereits In deinen Worten. Manfred. Und wie meint ihr das? 30 SPIRITT. If, as thou say'st, thine essence be as ours, We have replied in telling thee, the thiug Mortals call death hath nought to do with us. MANFRED. I then have call'd ye from your realms in vain; Ne cannot, or ye will not, aid me. SEIRIT. Say; Whart we possess We offer; it is thine: Bethink ere thou dismiss us, ask again— Kingdom, and sway, and strenght, and lengih of days MANERED. Accursed! What have I to do with days? They are too long already.— Hence— be gone! I Geiſt. Gleicht, wie du ſagteſt, unſerm ganz dein Weſen, War dir Erwiedrung ſchon das Wort: das Ding, Das Menſchen Tod heißt, fecht' uns nimmer an. Manfred. Um nichts entbot ich denn euch euren Reichen; Ihr koͤnnet, oder wollt nicht helfen. Geiſt. Sprich! Was wir beſitzen, bieten wir dir an. Entlaß uns nicht ſo vorſchnell! Noch einmal— zrch of Reich, Herrſchgewalt und Kraft und Tagelaͤnge— Manfred. Verfluchte! ha! was ſollen mir die Tage? gone! Sie ſind mir allzulang ſchon. Fort! Hinweg! 3² SPIRIT. Yet pause: being here, our will would do thee ser- vice; Bethink thee, is there then no other gikt Which we can make not worthless in thine eyes? MANFRED. No, none: yet stay— one moment, ere We part— I would behold ye face to face. I hear Vour voices, sweet and melancholy sounds, As music on the waters; and I see The steady aspect of a clear large star; But nothing more. Approach me as yé are, Or one, or all, in your accustom'd forms! SPIRIT. We have no forms beyond the elements Of which we are the mind and principle: But choose a form— in that we will appear- h) G⁸ʃ 5 33 Geiſt. Gemach! Wir moͤchen, einmal hier, dir dienen. Bedenke dich! Giebt's denn nicht andre Gaben, Die nicht ſo werthlos deinen Blick beduͤnken? Manfred. Mit nichten. Aber halt! bevor wir ſcheiden, Moͤcht' ich euch Aug' in Auge ſehn. Wol hoͤr' ich Der Stimmen wehmuthvollen ſuͤßen Laut, Muſikgleich auf den Waſſern, und ein Standſtern Blickt groß und helle dort zu mir herab; Doch weiter nichts. Drum naht mir unverhuͤllet, All' oder Einer, in gewohnter Form! Geiſt. Wir haben nur die Form der Elemente, Von welchen Urgrund wir und Seele ſind. Doch, waͤhlſt du eine, nehmen wir ſie an. 3 34 MäANFREDp. I have no choice; there is no form on earth Hideous or beautiful to me. Let him, Who is most powerful of ye, take such aspect As unto him may seem most fitting.— Come! SEVENTH SPIRIT. Appearing in che shape a beautiful female figure.) Behold! MäANFRED. Oh God! if it be thus, and thou Art not a madness and a mockery, I yet might be most happy.— I will clasp thee, And we again will be [The figure eanishes.] My heart is crush'd! [MANERED falls senseless.] 120 35 Manfred. Was braucht's da Waͤhlens? Keine Form auf Erden Iſt mir verabſcheut, oder ſchoͤn. So mag dann Der Macht voraus hat unter euch, erſcheinen Wie's am genehmſten ihn beduͤnkt.— Herbei! Siebenter Geiſt (in Geſtalt eines ſchönen Weibes erſcheinend). Blick auf! Manfred. O Himmel! Waͤre dies, und du Waͤrſt nicht ein Spottbild, nicht ein Wahnerzeugniß, „ Dann waͤr' ich gluͤcklich doch.— An meine Bruſt! Wir wollen wieder— (Die Geſtalt verſchwindet.) 1 Weh! mir birſt das Herz. (Er ſtürzt bewußtlos zu Boden.) 3* 36 A voice is heard in che Incantation wwhich follorvs.) When the moon is on the wave, And the glow-worm in the grass, And the meteor on the grave, And the wisp on the miCrass; When the falling stars are shooting, And the answer'd owls are hooting, And the silent leaves are still In the shadow of the hill, Shall my soul be upon thine, — With a power and with a sign. Though thy slumber may be deep, Vet thy spirit shall not sleep, There are shades which will not vanish, There are thoughts thou canst not banish; By a power to thee unknown, Thou canst never be alone; Thou art wrapt as with a shroud, Thou art gathered in a cloud; — 9.) (Eine Stimme läßt ſich in folgendem Bannſpruch vernehmen:) Wenn der Mond auf Wellen ſchwimmt, Gluͤhwurm hell im Graſe flimmt, Ueber'm Kirchhof Meteor Flammt, und Irrwiſch tanzt am Moor; Wenn die Stern' im Fall ſich ſchneuzen, Heulend Kaͤuz' antworten Kaͤuzen, Und das Blattgeſaͤuſel ſtumm Wird in Bergesnacht allum: Legt mit Zauberzeichens Kraft Meine Seel' die dein' in Haft. Magſt du ſchlummern noch ſo faſt, Deinem Geiſt wird nimmer Raſt; Schatten giebt's, die nie verſchwinden, Bilder, die kein Bann mag binden; Kraft von dunkeln Zauberei'n Laͤßt dich nimmermehr allein. Wie vom Grabtuch eingezwaͤngt, Wie von Wolkenmaur undraͤngt, 38 And for ever shalt thou dwell In the spirit of this spell. Though thou seest me not pass by, Thou shalt feel me with thine eye As a thing that, though unseen, Must be near thee, and hath been; And when in that secret dread Thou hast turn'd around thy head, Thou shalt marvel I am not As thy shadow on the spot, And the power which thou dost feel Shall be what thou must conceal. And a magic voice and verse Hath baptized thee with a curse; And a spirit of the air Hath begirt thee with a snare; In the wind there is a voice Shall forbid thee to rejoice; Sollſt in dieſem Zauberwort Du mir hauſen fort und fort. Siehſt du auch mich ſchweben nicht, Fuͤhlen ſoll's dein Augenlicht, Wie was, ungeſehen zwar, Nah dir ſeyn muß, und ſchon war. Wenn du heimlich dann erſchrickſt, Schreckbefangen um dich blickſt, Soll dich's wundern, ſoll's dir graun, Auch'nen Schatten nicht zu ſchaun, Sollſt die wohlgefuͤhlte Macht Dir verbergen doch in Nacht. Zauberſtimm' und Zauberſpruch Tauften dich mit grauſem Fluch; Eines Luftgeiſts arge Hand Hat mit Fallſtrick dich umſpannt; Ein Geheul aus Windes Bruſt Soll dir ſcheuchen jede Luſt; 40 And to thee shall Night deny All the quiet of her sky; And the day shall have a sun, Which shall make thee wish it done. From thy false tears I did distil An essence which hath strenght to kill; From thy own heart I then did wring The black blood in its blackest spring; From thy own smile I snatch'd the snake, For there it coil'd as in a brake; From thy own lip I drew the charm Which gave all these their chiefest harm; In proving every poison known, I found the strongest was thine own. . By thy cold breast and serpent smile, By thy unfathom'd gulfs of guile, By that most seeming virtuous eye, By thy shut soul's hypocrisy; 41 Hehre Nacht legt ruhelos Dich in ihren dunkeln Schooß. Sonnentage ſollſt du ſehn, Die du lieber ſaͤhſt vergehn. Aus deiner Heuchelthraͤnen Thau Zog ich mir ab ein Giftgebrau; Aus deines Herzborns duͤſtrer Fluth Pumpt' ich ein arg tief dunkles Blut, Aus deines Laͤchelns Hag entnahm Ich mir den Schlangenwirbelkram, Von deinem Mund den Zauberreiz, Der ganzen Miſchung ſchaͤrfſte Beiz; 1 Manch Gift wird ſeiner Kraft belobt, Deins hab' ich als das ſtaͤrkſt' erprobt. *½ Bei deiner Eisbruſt, Schlangenhuld, Grundloſer Argliſt tiefſter Schuld, Bei dieſer Tugendaͤugelei, Verſchloßner Seele Heuchelei, 42 By the perfection of thine art Which pass'd for human thine own heart; By thy delight in others' pain, And by thy brotherhood of Cain, I call upon thee and compel Thyself to be thy proper Hell! And on thy head I pour the vial Which doth devote thee to this trial; Nor to slumber, nor to die, Shall be in thy destiny; Though thy death shall still seem near To thy wish, but as a fear; Lo! the spell now works around thee, And the clankless chain hath bound thee; 0*, heart and brain together Hath the word been pass'd— now wither! Bei deiner Kunſt, die fein und hoch Sich ſelbſt ein Menſchenherz erlog, Bei deiner Luſt an fremdem Leid, Bei deiner Kainshaftigkeit, Sprech' ich den Bannfluch, daß du ſeiſt Dir ſelbſt ein Hoͤllenplagegeiſt. Und dieſe Schaale gieß' ich aus, Dich einzuweihn zu ſolchem Strauß: Schlummern nicht und ſterben nicht, Sei hienieden dein Gericht! Scheint erwuͤnſchter Tod zu nahn, Nur als Furcht ruͤhr' er dich an! Hei! wie regt die Zauberkraft ſich, Feſſelt ſtumm der Kette Haft dich; Herz und Hirn hat Bannesweh Dir getroffen— nun vergeh! 44 SCENE II. The Mountain of che Jungfrau.— Time, Morning. MaNFRED alone upon the Cli s. The spirits I have raised abandon me— The spells which I have studied baffle me— The remedy I reck'd of tortured me; I lean no more on super-human aid, It hath no power upon the past, and for The future, till the past be gulf'd in darkness, It is not of my search.— My mother Earth! And thou fresh breaking Day, and you, ye Mountains, Why are ye beautiful? I cannot love ye. And ihou, the bright eye of the universe, That openest over all, and unto all Art a delight— thou shin'st not on my heart. Zweiter Auftritt. ing. Morgen. Das Jungfraugebirg. Manfred lallein auf den Klippen). Verſchwunden ſind die vorgelad'nen Geiſter, Mich aͤfft der Bannſpruch, den ich ausgeforſcht— Was heilen ſollte, ward mir Folterquaal; Fortan verzicht' ich auf der Geiſter Beiſtand. Vergangnem walten ſie nicht ob, und Zukunft, Bevor das Dunkel nicht Vergangnes einſchlang, lins, Mag ich nicht ausſpaͤhn. Meine Mutter Erde! Du jugendfriſcher Tag und ihr, Gebirge, Wie prangt ihr herrlich! Doch ich lieb' euch nicht. und du, des Weltalls glanzerfuͤlltes Auge, Das Allen aufgeht, alle Welt mit Wonne Beſeligt— mein Gemuͤth iſt dir verſchloſſen. 46 And you, ye crags, upon whose extreme edge I stand, and on the torrent's brink beneath Behold the tall pines dwindled as to shrubs In dizziness of distance; when a leap, A stir, a motion, even a breath, would bring My breast upon its rocky bosom's bed To rest for ever— Wherefore do I pause? I feel the impulse— yet I do not plunge; I see the peril— yet do not recede; And my brain reels— and yet my foot is firm: There is a power upon me which withholds And makes it my fatality to live; If it be life to wear within myself This barrenness of spirit, and to be My own soul's sepulchre, for I have ceased To justify my deeds unto myself— The last infirmity of evil. Ay, Thou winged and cloud-cleaving minister, CAn eagle passess.] Whose happy flight is highest into heaven, T 47 Du Felsgeklipp, auf deſſen jaͤhſtem Vorſprung Ich ſteh', und unten, laͤngs dem Stromgeſtade, Die hohen Fichten eingeſchrumpft zu Buſchwerk Erblick' in Schwindelferne; da ein Sprung, Ein Sturz, ein Anſtoß, ſelbſt ein Athemzug Auf dieſem Felsſchooß meine Bruſt ſogleich Fuͤr immer betten koͤnnte— was denn zaudr' ich? Hinunter zieht's mich— dennoch ſtuͤrz' ich nicht— Ich ſeh' Gefahr— und trete nicht zuruͤck— Mein Hirn iſt ſchwindlich— doch der Fuß ſteht feſt. Ach, mich umwaltet eine Macht, die ruͤckhaͤlt, Und, mir zum Unheil, mich zu leben zwingt; Wenn leben heißt, ſolch eine Geiſtesduͤrr' Inwendig hegen, und der eignen Seele Grabmahl ſich ſeyn. Denn uͤberſtanden hab' ich Des Laſters letzte Schwachheit, meiner Thaten Rechtfertigung vor mir.— Ha! du beſchwingter, Dienſtbarer Wolkenſpalter, hehrer Aar, (Ein Adler fliegt vorüber.) Der ſelig aufſtrebt nach den hoͤchſten Himmeln, 48 Well may'st thou swoop so near me— Ishould be Thy prey, and gorge thine eaglets; thou art gone Where the eye cannot follow thee; but thine Net pierces downward, onward, or above With a pervading vision.— Beautiful! How beautiful is all this visible world! How glorious in its action and itself! But we, who name oucselves its sovereigns, we, Half dust, half deity, alike unfit To sink or soar, with our mixd essence make A conflict of its elements, and breathe The breath of degradation and of pride, Contending with low wants and lofty will Till our mortality predominates, And men are— what they name not to themselves, And trust not to each other. Hark! the note, [The Shepherd's pipe in che discance is heard.] The natural music of the mountain reed— For here the patriarchal days are not A pastoral fable— pipes in the liberal air, l be one ves, 49 Bedeutſam kreiſeſt du mir nah. Ich ſollte Raub dir und Nahrung ſeyn fuͤr deine Brut. Doch unerreichbar meinem Aug' ſchon ſchwebſt du, Derweil das deine vorwaͤrts, auf und nieder, Durchbohrend blicket.— Wie ſo ſchoͤn allum Sich doch dem Blick aufſchmuͤckt das Weltgebaͤu! Glorreich in ſeinem Wirken und ſich ſelbſt! Nur wir, anmaßlich ſeine Herren, wir, Halb Staub, halb Gottheit, gleicherweis untuͤchtig Zu Sturz und Aufſchwung, wecken, ſo gemiſcht, In ſeinen Elementen Streit und athmen Hochmuth und Niedrigkeit, mit hehrem Willen So wie mit niederm Nothbedarf ſtets ringend, Bis endlich obſiegt unſre Sterblichkeit, Und Menſchen ſind— was ſie ſich ſelbſt verſchweigen, Und vor einander. (Schalmei in der Ferne.) Horch! die Hirtenweiſe! Hier wirbelt kunſtlos Haberrohrs Getoͤn— Denn hier verſcholl Urvaͤterart noch nicht 4 50 Mix'd with the sweet bells of the sauntering herd My soul would drink those echoes.— Oh, that I were The; viewless spirit of a lovely sound, A living voice, a breathing harmony, A bodiless enjoyment— born and dying With the blest tone which made me! (Enter from below a CHAMoIs HuNTER.) CRAMoOISs HuNTER. Even so This way the chamois leapt: her nimble feet Have baffled me; my gains to-day will scarce Repay my break-neck travail.— What is here? Who seems not of my trade, and yet hath reach'd A height which none even of our mountaineers, Save our best hunters, may attain: his garb Is goodly, his mien manly, and his air Proud as a free-born peasant's, at this distance.— I will approach him nearer. 51 Als Hirtenmaͤhrchen— frei in freie Luft Zu ſuͤßem Triftgelaͤut ſchwertritt'ger Heerde. Schluͤrf, Seele, dieſen Wiederhall! O waͤr' ich Lieblichen Klanges unſichtbarer Geiſt, Lebend'ge Stimme, Harmonienlaut, Unkoͤrperliche Luſt, erzeugt und ſterbend Im Segenstone, der mich ſchuf! (Ein Gemſenjäger ſteigt herauf.) Gemſenjaͤger. Ja, hieher Nahm ihren Lauf die Gems, und angefuͤhret Hat mich der Leichtfuß. Mein Verdienſt nicht lohnt Halsbrechereien dieſer Art.— Wer iſt das? Nicht mein Gewerbe treibt er, ſcheint's, und dennoch Erklomm er eine Hoͤh', die unſre beſten Waidmaͤnner nur erreichen. Seine Tracht Iſt fein, die Miene maͤnnlich und ſein Anſehn Stolz, freigebornem Landmann gleich, von weitem. Ich muß ihm naͤher treten. 5²2 MaäANFRED(not perceiving the other). To be thus— Grey-hair'd with anguish, like these blasted pines, Wrecks of a single winter, barkless, branchless, A blighted trunk upon a cursed root Which but supplies a feeling to decay— And to be thus, eternally but thus, Having been otherwise! Now furrow'd o'er With wrinkles, plough'd by moments, not by years; And hours— all tortured into ages— hours Which I outlive!— Ye toppling crags of ice! Ve avalanches, whom a breath draws down In mountainous o'erwhelming, come and crush me! I hear ye momently above, beneath, Crash With a frequent conllict; but ye pass, And only fall on things which still would live; On the young flourishing forest, or the hut And hamlet of the harmless villager. CHAMOTIS HUNTER. The mists begin to rise from up the valley; 20 16 Manfred(ohne ihn zu bemerken). So zu ſeyn Von Harm ergraut, gleich abgeſtorbnen Fichten, Den Truͤmmern eines Winters, baſt⸗ und zweiglos, Ein duͤrrer Baumblock auf verfluchter Wurzel, Dem nur Gefuͤhl noch bleibet fuͤr Verfall— Und ſo zu ſeyn— und ewiglich nur ſo, Nicht mehr wie weiland!— Jetzo nur von Runzeln Durchfurcht, in Jahren nicht, in Augenblicken, Und zu Geſchlechtsreihn ausgereckte Stunden Doch uͤberleben!— Stuͤrzt, ihr Eisbergwuchten, Ihr Schneelawinen, Bergwuſtuͤberſchuͤttung, ⁰) Von einem Hauch hinabgeweht, zermalmt mich! Allaugenblicklich hoͤr' ich oben, unten Euch mit Gekrach losbrechen— doch umſonſt! Ihr trefft nur Gegenſtaͤnde, die gern leben, Friſchgruͤne Waldung, wol vielleicht die Huͤtte Harmloſes Landmanns, oder auch ſein Doͤrfchen. Gemſenjaͤger. Aufwaͤrts vom Thalgrund wallen ſchon die Nebel. 54 P'll warn him to descend, or he may chance To lose at once his way and life together. MaäANFREp. The mists boil up around the glaciers; clouds Rise curling fast beneath me, white and sulphury, Like foam from ihe roused ocean of deep Hell, Whose every wave breaks on a living shore, Heaped with the damn'd like pebbles.— I am giddy. CHAMoOTS HuNTER. I must approach him cautiously; if near, 3 A sudden step will startle him, and he Seems tottering already.. L MäANFRED. Mountains have fallen, Leaving a gap in the clouds, and with the shock Rocking their Alpine brethren; filling up The ripe green valleys with destruction's splinters; 55 Ich mahn' ihn Ruͤckwegs; denn er koͤnnte leicht Sonſt Weg und Leben allzumal verlieren. Man fre d. In Nebeldampfumhuͤllung ſtehn die Gletſcher; 3 Kraus ſteigt Gewoͤlk auf dicht zu mir, weiß, ſchweflicht, Gleich Hoͤllenſtroms tiefaufgewuͤhltem Schaum, Deß Wogenbrandung peitſcht belebten Strand, Hu! mir ſchwindelt. Aufwimmelnd von Verdammten. Gemſenjaͤger. Ich muß behutſam naͤher gehn. Zu nah' Erſchreckt ein Jaͤhſchritt ihn zu ſehr, und ſchon Scheint er zu taumeln. Manfred. Alpen ſtuͤrzten ein, Gewoͤlkszerkluͤftung laſſend, mit dem Sturz Durchdroͤhnend Bruͤderalpen, gruͤne Thalſchluͤcht Anfuͤllend mit den Truͤmmern der Zerſtoͤrung, 56 Damming the rivers with a sudden dash, Which crush'd the waters into mist, and made Their fountains find another channel— thus, Thus, in its old age, did Mount Rosenberg— Why stood I not beneath it? CHAMOIS HUNTER. Friend! have a care, Vour next step may be fatal!— for the love Of him who made you, stand not on that brink! MäANFRED(not kearing him). Such would have been for me a litting tomb; My bones had then been quiet in their depth; They had not then been strewn upon the rocks Forthe wind's pastime— as thus— thus they shallbe— In this one plunge.— Farewell, ye opening heavens! Look not upon me thus reproachfully— Ve were not meant for me— Earth! take these atoms! (As MaAxERED is in act to spring from the cliſſ che CHAMOISs HUNTER Seizes and retains him with a sudden grasp.) ⁸8 22 Die Fluͤſſe daͤmmend durch den jaͤhen Sturz, Daß Waſſer aufſtob nebelgleich und Quellen Sich andre Gaͤng' aufſuchten; ſo verſank Einſtuͤrzend einſt der Roſenberg vor Alter— Waͤr' ich am Fuß geſtanden! Gemſenjäͤger. Freund, hab' Acht! Dich kann ein Schritt vernichten. Ach, um Gott! Steh' nicht auf dieſem Felſenriff ſo keck! Manfred(ihn überhörend). Das waͤr' ein ſchicklich Grab fuͤr mich geweſen. Da ruhte mein Gebein doch in der Tiefe, Wuͤrd' auf den Felſen nicht verſtreut, den Winden Zum loſen Spielwerk— wie es jetzt— geſchehn muß Mit einem Sturz.— Fahrt wohl, ihr offnen Himmel! Blickt nicht ſo ſtraͤflich zuͤrnend auf mich nieder! Ihr wart fuͤr mich nicht.— Erde, nimm den Staub! (Indem Manfred hinabſpringen will, faßt ihn der Gem⸗ ſenjäger und hält ihn mit einem ſchnellen Griff zurück.) 58 CHAMoOIS HUNTER. Hold, madman!— though aweary of thy life, Stain not our pure vales with thy guilty blood!— Away with me I will not quit my hold. MäANFRED. I am most sick at heart— nay, grasp me not— I am all feebleness— the mountains whirl 3 Spinning around me— I grow blind— Whar art R 2 thou? CHAMOIS HUNTER. T'll answer that anon.— Away with me— E The clouds grow thicker— there— now lean on 8 me—§ Place your foot here— here, take this staff, and cling 8 A moment to that shrub— now give me your hand, And Hold fast by my girdle— softly— well— 4 The Chalet will be gained within an hour— 4 Gemſenjaͤger. Wahnſinn'ger, halt! Biſt auch du lebensmuͤde, 5 Dein Blut beflecke nicht die reinen Thaͤler— Folg mir! Ich laſſe, traun! dich nicht abhanden. Manfred. Mir iſt ſo uͤbel— faſſe mich nicht an— Ich ſink' in Ohnmacht— Berge drehn ſich wirbelnd Rings um mich her— vor Augen flimmt's— wer biſt du? 5 Gemſenjaͤger. 3 Du ſollſt's erfahren. Jetzo folge mir! 3 Die Wolken ballen ſich— hieher— nun ſtuͤtz' dich! Hieher den Fuß— da nimm den Stab und hake 5 Dich an dem Buſch feſt!— So— nun reich' die . 4 Hand mir! Halt feſt an meinem Guͤrtel— ſacht— ſo recht! In einer Stunde ſind wir auf der Scheideck. 60 Come on, we'll quickly find a surer footing, And something like a pathway, which ihe torrent Hath wash'd since winter.— Come,'tis bravely done— You should have been a hunter.— Follow me. (As lhey descend che rooks vith diſiculgy, che scene oloses.) 61 Komm nur, wir finden bald noch feſtern Grund, Etwas wie Fußſteig, das ſeit vor'gem Winter Der Strom hat ausgeſpuͤlet. Vorwaͤrts— brav! Du haͤtt'ſt ein Jaͤger ſollen ſeyn.— Auf! folge! (Während ſie mühſam herabſteigen, fällt der Vorhang.) ACT II. SCENE I. A Cottage amongst che Bernese Alps. MaANTRED and the CHAMOIS HUNTER. CHAMOIS HUNTER. No, no— yet pause— thou must not yet go forth: Thy mind and body are alike unfit To trust each other, for some hours, at least; When thou art better, I will be thy guide— But whither? MäANFRED. It imports not: I do know My route full well, and need no further guidance. Zweiter Aufzug. Erſter Auftritt. Hütte auf den Berner Alpen. Manfred. Der Genſenjaͤger. Gemſenjaͤger. orth: Nein, nein— verweile— geh noch nicht von mir! Dein Geiſt und Koͤrper koͤnnen noch nicht ganz Einander trauen. Stunden braucht's wol noch. Iſt dann dir beſſer, werd' ich dich geleiten— Sag nur, wohin? Manfred. Unnuͤtze Muͤh'! Gar kundig Bin ich des Weges, brauche nicht der Leitung. 64 CHAMOIS HuUNTER. Thy garb and gait bespeak thee of high lineage— One of the many chiefs, Whose castled crags Lock o'er the lower valles— which of these May call thee Lord? I only know their portals; My way ok life leads me but rarely down 9 To bask by the huge hearths of those old halls, A 3 Carousing with the vassals; but the paths, 3 Which step from out our mountains to their doors, A I know from childhood— which ofthese is thine? K MAäANTFRED. No matter. G CHAMOIS HUNTER. Well, sir, pardon me ihe question, And be of beiter cheer! Come, taste my wine; S „Tis of an ancient vintage; many a day G „T has thawed my veins among our glaciers, now 8 Let it do thus for thine.— Come, pledge me fairly. 2 ls; 8, 6⁵ Gemſenjaͤger. Nach Tracht und Ausſehn ſcheinſt du hohen Stamms, Der Freiherrn einer, deren Klippenveſten Weit niedre Thalgruͤnd' uͤberſchaun— und welche Nennt Herr dich? Nur die Burgeinfahrten kenn' ich; Mich fuͤhrt nur ſelten mein Gewerb hinab, An Rieſenheerde ſolch' uralter Burgen, Zum Zechgelag mit Dienern; doch die Pfad⸗ Aus unſerm Felsgekluͤft nach ihren Thoren Kenn' ich von Kindheit— welche nennſt du dein? Manfred. Gleichviel! Gemſenjaͤger. Nun dann, verzeih mir dieſe Frage! Sei aufgeraͤumter! Koſte meines Weins. Es iſt ein alt Gewaͤchs, hat manchmal ſchon Das Blut mir aufgethaut auf unſern Gletſchern. Das moͤg' es dir jetzt! Thu mir fein Beſcheid! 5 66 MAäANEREDP. Away, away! there's blood upon the brim! Will it then never— never sink in the earth? CHAMoOIS HuüUNTER. Whart dost thou mean? thy senses wander from thee. MäANFRED. I say'tis blood— my blood! the pure warm stream Which ran in the veins of my fathers, and in ours When we were in our youth, and had one heart, D And loved each other as we should not love, un And this was shed: but still it rises up, D Colouring the clouds, that shut me out from heaven, S 4 Where thou art not— and I shall never be. W CHAMOISs HuNTER. Man of strange words, and some half-maddening sin, D Which makes thee people vacancy, whate'er 5 D Thy dread and sufferance be, there's comfort yet— 70) The aid of holy men, and heavenly patience thee. ream oOuTrs leart, laven, 67 Manfred. Hinweg, hinweg! Blut klebt am Becherrande! Will's denn die Erde nimmermehr verſchlingen? Gemſenjaͤger. Was faͤllt dir ein? Du faſelſt ſinnverworren. Manfred. Blut iſt es— meins— der helle, heiße Strom, Der durch des Vaters Adern rann, durch unſre, Da jung wir waren, beide nur Ein Herz, Und wir uns liebten, wie wir nicht geſollt— Dies ward vergoſſen; und nun ſteigt's empor, Sperrt mir, ein Blutgewoͤlke, nun den Himmel, Wo du nicht weilſt— ich nimmer hingelange. Gemſenjaͤger. Du Mann, befremdlich durch Verbrechenswahnſinn, Der dir bevoͤlkert oͤden Raum, was immer Dein Schreck und Leiden ſei— es giebt noch Troſt— Der Heil'gen Beiſtand, himmliſche Geduld. 5* 68 MANFRED. Patience and patience! Hence— that word was made For brutes of burthen, not for birds of prey; Preach it to mortals of a dust like thine,— I am not of thine order. CHAMOIS HuNTER. Thanks to heaven! I would not be of thine for ihe free fame Of William Tell; but whatsoe'r thine ill, It must be borne, and these wild starts are useless. MäANFRED. Do I not bear it?— Look on me— I live. CHAMoOIS HuUNTER. This is convulsion, and no healthful life. MäANFRED. I tell thee, man! I have lived many years, Many long years, but they are nothing now D. La nade less. Manfred. Geduld und ſtets Geduld! Ein Wort, zu ſchweigen Saumthiere ²) wol, doch nicht das Raubgevoͤgel. Das pred'ge Staubgebornen nur, wie du— Ich bin nicht deiner Sippſchaft. 8)— Gemſenjaͤger. Gott ſei Dank! Moͤcht' auch um Wilhelm Tell's freiſinn'gen Ruhm Nicht deiner Sippſchaft ſeyn: doch, wie du leideſt, Ertragen mußt du— wilder Trutz iſt fruchtlos. Manfred. Trag' ich's nicht wirklich? Sieh mich an— ich lebe. Gemſenjaͤger. Das iſt ein Krampf nur, kein geſundes Leben. Manfred. Laß, Mann, dir ſagen! Lange lebt' ich ſchon, Viel lange Jahre— doch die ſind jetzt nichts— 70 To those which I must number: ages— ages— Space and eternity— and consciousness, With the fierce thirst of death— and still unslaked! CRHAMOIS HUNTERR. Why, on thy brow the seal of middle age Hath scarce been set; I am thine elder far. MayFREp. Think'st thou existence doth depend on time? It doth; but actions are our epochs: mine Have made my days and nights imperishable, Endless, and all alike, as sands on the shore, Innumerable atoms; and one desart, Barren and cold, on which ihe wild waves break, But nothing rests, save carcases and wrecks, Rocks, and the salt-surf weeds of bitterness. CHAMOISs HuNTER. Alas! he's mad— but yet I must not leave him. y ed! eak, him. 71 Weit mehr noch kommen— ach, das ſind Geſchlechter, Sind Raum und Ewigkeit— und Selbſtbewußtſeyn, Mit wildem Todesdurſt— dem unausloͤſchbar'n. Gemſenjaͤger. Was? Kaum das Siegel noch der Mitteljahre Traͤgt deine Stirn. Ich bin um vieles aͤlter. Manfred. Waͤhnſt du, das Daſeyn ruhe bloß auf Zeit? Wohl wahr! doch Handeln mißt die Zeit, und meins Schuf Tag' und Naͤchte mir, gleich unvergaͤnglich, Endlos, des Meerſands Koͤrnern all' vergleichbar, Zahllos wie Sonnenſtaͤubchen— eine Wuͤſte, Kalt, unfruchtbar, dran wild die Wogen brechen, Wo nichts Beſtand hat, als Geripp' und Truͤmmer, Und Riff' und Salzkraut nur der Bitterkeit. Gemſenjaͤger. um Gott! er raſ't. Doch darf ich ihn nicht laſſen. 72 MaäANFRED. I would I were— for then the things I see Would be but a distempered dream. CHAMoOTS HUNTRR. What is it That thou dost see, or think thou look'st upon? MäANFRED. Myself, and thee— a peasant of the Alps— Thy humble virtues, hospitable home, And spirit patient, pious, proud and free; Thy selfrespect, grafted on innocent thoughts; Thy days of health, and nights of sleep; thy toils, By danger dignified, yet guiltless; hopes Of cheerful old age and a quiet grave, With cross and garland over its green turf, And thy grandchildren's love for epitaph; This do I see— and then I look within— It matters not— my soul was scorch'’d already! Je 8 ☛ GQ 8 8 8 8 (4 0 20 ls, Manfred. Ich wollt', ich raſ'te— was ich rings erblicke, Waͤr' dann doch Fiebertraum nur. Gemſenjaͤger. Und was ſiehſt, Vielmehr was meinſt du jetzt vor dir zu ſehn? Manfred. Mich, und nun wieder dich, den Alpenlandmann Demuͤth'ger Tugend, edler Gaſtlichkeit, Geduld'gen Geiſtes, fromm und ſtolz und frei, Voll Selbſtgefuͤhls, geimpft auf Sinnesunſchuld, Geſunde Tage, ſchlaferquickte Naͤchte, Schuldloſes Muͤhſal, durch Gefahr geadelt, Hoffnung auf muntres Alter, ſtilles Grab, Mit Kreuz und Kraͤnzen auf dem Raſengruͤn, Zuletzt zur Grabſchrift deiner Enkel Liebe; Dies Alles ſeh' ich— blicke dann in mich— Gleichviel— die Seele war mir laͤngſt verkohlt. ₰ ☛ CHAMoOTIS HuUNTER. And would'st thou then exchange thy lot for mine? MäANFRED. No, friend! I would not wrong thee, nor exchange My lot with living being: I can bear— However wretchedly,'tis still to bear— In life what others could not brook to dream, But perish in their slumber. CHAMOISs HUNTER. And with this— This cautious feeling for another's pain, Canst thou be black with evil?— say not so. Can one of genile thoughts have wreak'’d revenge Upon his enemies? MAäANFRED. Oh! no, no, no! My injuries came down on those who loved me— On those whom I best loved: I never quell'd 22 d 8 252 702 (.050 2 4 e7 75 Gemſenjaͤger. und moͤcht'ſt du nicht mein Loos um deines tauſchen? Manfred. Nein, Freund, unehrlich waͤre das; auch tauſcht' ich Mit keiner Seele— kann ich doch im Leben— Zwar klagewuͤrdig— aber doch ertragen, Was Andre nicht im Traum ertragen koͤnnten, Ohn' umzukommen. Gemſenjaͤger. Und mit dieſem Sinn, Dem ſorglichen Gefuͤhl fuͤr fremdes Leid, Truͤgſt du des Laſters Makel? Sag das nicht! Kann man, ſo mildgeſinnet, Feinde doch Rachwuͤthig quaͤlen? Manfred. Nein, o nein, o nein! Mein Frevelunheil traf nur die mich liebten, Die heiß von mir Geliebten; keinen Feind 76 An enemy, save in my just defence— But my embrace was fatal. CHAMOIS HuUNTER. Heaven give thee rest! And penitence restore thee to thyself; My prayers shall be for thee. MANFRED. - I need them not, But can endure thy pity. I depart— „Tis time— farewell!— Here's gold, and thanks for thee— No words— it is thy due.— Follow me not— I know my path— the mountain peril's past:— And once again, I charge thee, follow not! (Exit MANFRED.] T 70) 77 Erſchlug ich, außer in gerechter Selbſtwehr— Doch mein Umarmen toͤdtete. Gemſenjaͤger. So moͤge Dir Gott verzeihn und Buße dich verſoͤhnen! Dich faſſet mein Gebet ein. Manfred. Deß bedarf's nicht; Mitleid vertrag' ich allenfalls. Ich geh'. 's iſt) Zeit.— Gehab dich wohl!— Nimm Dank und Gold!— Kein Wort! Gebuͤhr iſt's.— Folg' mir nicht— Ich weiß den Weg, entrann der Berggefahr— Somit noch einmal, folge nicht, ich fordr' es. (ab.) SCENE II. A lower Valley in che Alps.— A Cacaracd. Enter MANFRED. It is not noon— the sunbow's rays still arch The torrent with the many hues of heaven, And roll the sheeted silver's waving column O'er the crag's headlong perpendicular, And fling its lines of foaming light along, And to and fro, like the pale courser's tail, The Giant steed, to be bestrode by Death, As told in the Apocalypse. No eyes But mine now drink this sight of loveliness; I should be sole in this sweet solitude, And with ihe Spirit of the place divide The homage of these waters.— I will call her. 22 2 G 79 Zweiter Auftritt. Ein Alpenthal. Waſſerſturz. Manfred(kommt). Noch iſt's nicht Mittag— ob dem Alpſtrom woͤlbt Die Sonne noch den bunten Himmelbogen, †) Noch rollt die fluͤſſ'ge Silberſaͤule ſenkrecht An ſchroffer Fluhwand ¹⁰) ausgedehnt herab, Gradaus die Lichtſchaumſtreifen um ſich werfend, Wie auf und nieder, gleich der Falbe Schweif, Des Rieſenroſſes, das der Tod beſteigt Im Buch der Offenbarung. Mir allein Iſt dieſes Prachtanblicks Genuß vergoͤnnt. In ſolcher ſuͤßen Abgeſchiedenheit Sollt' ich allein auch mit dem Geiſt des Thals Der Waͤſſer Huld'gung theilen. Wohl! Ich ruf' ihn. 80 (MäANFRED takes Some of che water into che palm of his hand, and flings it in the air, muttering che adjuration. After a pause, the WrTOH OE THE ALPs riges beneatl the arch of the sunbeam of the torrent.) MANFRED, Beautiful Spirit! with thy hair of light, And dazzling eyes of glory, in whose form D The charms of Earth's least-mortal daughters grow- D To an unearthly stature, in an essence E Of purer elements; while ihe hues of youth,— D Carnation'd like a sleeping infant's cheek, S Rock'd by the beating of her mother's heart, V Or ihe rose tints, which summer's twilight leaves D Upon the lofty glacier's virgin snow, A. The blush of earth embracing with her heaven,— D Tinge thy celestial aspect, and make tame D The beauties of the sunbow which bends o'er thee. D Beautiful Spirit! in thy calm clear brow, H V Wherein is glass'd serenity of soul, 8¹ the 27(Er ſchöpft Waſſer in die hohle Hand und ſchleudert es, 3 eine Beſchwörung murmelnd, in die Luft. Nach einer 4, 4 Pauſe erhebt ſich die Alpenfee unter dem Sonnen⸗ at 4 bogen des Waldſtroms.) Manfred. Holdſel'ger Geiſt! mit deinen Lichthaarfluthen, Der Strahlenaugen Glanz, in deſſen Bildung rowW Der allerholdſten Erdenfrau'n Huld Erwuchs zum Himmelleib, Zuſammenfluß Der reinſten Stoff“', indeß die Jugendfarbe— Schlafrothen Kindleins Wangengluͤhn vergleichbar, Vom Schlag des Mutterherzens eingelullt, es Den Roſengluthen auch der Sommerdaͤmm'rung Auf hoher Gletſcher jungfraͤulichem Schnee, Der Erde Schaamroth bei des Himmels Kuß— Dein Himmelantlitz faͤrben und die Schoͤne 469, Des Sonnenbogens uͤber dir noch daͤmpfen; Holdſel'ger Geiſt! im ruhig klaren Auge, Worinnen Seelenheitre ſtill ſich ſpiegelt, 6 82 Which of itself shows immortality, I read that thou wilt pardon to a Son Of Earth, whom the abstruser powers permit At times to commune with ihem— ik that he Avail him of his spells— to call thee thus, And gaze on thee a moment. WIrTcOH. Son of Earth! I know thee, and the powers which give thee power; I know thee for a man of many thoughts, And deeds of good and ill, extreme in both, Fatal and fated in thy sufferings, Ihave expected this— what wouldst thou with me? MäANFREp. To look upon thy beauty— nothing further. The face of the earth hath madden'd me, and I Take refuge in her mysteries, and pierce To the abodes of those who govern her— —2 „ ver; me Die ſichre Buͤrgſchaft von Unſterblichkeit, Leſ' ich Verzeihung fuͤr den Erdenſohn, Dem auch die dunklern Maͤchte jezuweilen Gemeinſchaft goͤnnen, wenn er, ſeines Banns Sich dreiſt gebrauchend, dich herauf beſchwoͤrt Und eine Weil' anſtaunet.— Fee. Erdenſohn! Wol kenn' ich dich und deine Machtertheiler. Ich weiß, du biſt gedankenvoll und ſinnig, Gleich gut, wie boͤſ', in beiden uͤberſchwaͤnglich, Zu Leid und Unheil ſchickſalvoll beſtimmt. Erwartet hab' ich dies. Was willſt du nun? Manfred. An deiner Schoͤnheit laben mich, nichts mehr. Am Erdenantlitz ward ich irr; drum fluͤcht' ich In ihr geheimes Walten mich und dringe Vorwaͤrts zum Wohnſitz ihrer Hochgebieter. 6* But they can nothing aid me. I have sought From them what they could not bestow, and now I search no further. WrreH. What could be the quest Which is nor in the power of the most powerful, The rulers of the invisible? MANFRED. A boon; But why should I repeat it?'twere in vain. WIrTcCH. I know not that; let thy lips utter it. MaäANFRED. Well, though it torture me,'tis but the same; My pang shall find a voice. From my youth upwards My spirit walk'd not with the souls of men, 20 8⁵ Die aber helfen nicht. Nun ich von ihnen OW.„ 9 Begehrt, was nimmer ſie gewaͤhren konnten, Forſch' ich nicht weiter. Fee. Und was waͤre denn, Deß Macht nicht haͤtten jene Maͤchtigſten, Des Unſichtbaren Lenker? ful, Manfred. Eine Wohlthat. Wozu das wiederholen? Das waͤr' fruchtlos. Fee. Mir iſt's verborgen. Alſo ſprich es aus! Manfred. Wohlan! ſo mich's auch foltre, mir gilt's gleich; Ich leih' der Qual die Zunge.— Fruͤh bereits Mocht' ich nicht wandeln Menſchenbahn und Gleis, rds 4 8 1 1 * 4 4 86 Nor look’d upon the earth with human eyes; The thirst of their ambition was not mine, The aim of their existence was not mine; My joys, my griefs, my passions, and my powers, Made me a stranger; though I wore the form, I had no sympathy with breathing flesh, Nor midst the creatures of clay that girded me Was there but one who but of her anon! I said, with men, and with the thoughts of men I held but slight communion; but instead, My joy was in the Wilderness, to breathe The difficult air of the iced mountain's top, Where the birds dare not build, nor insect's wing Flir o'er the herbless granite; or to plunge Into the torrent, and to roll along On the swift whirl of the new breaking wave Of river-stream, or ocean, in their flow. In these my early strength exulted; or To follow through the night the moving moon, The stars and their developement; or catch Mit Menſchenaugen nicht die Welt beſchaun. Ihr durſt'ger Ehrgeiz war von je mir fremd, Und ihres Daſeyns Zweck war nicht der meine. 8, Mich ſchied Gemuͤthkraft, Schmerz und Luſt von ihnen Und Hang und Streben. Form allein ward mir Von Fleiſch, das athmet, Seelenmitklang nicht, Und in der Staubumgebung um mich her War Eine bloß, die— doch von ihr hernach! Mit Menſchen, ſagt' ich, und mit ihrer Denkart War wenig mir gemeinſam; doch dafuͤr War in der Wildniß meine Luſt, die Luft Der Eisberggipfel angeſtrengt zu athmen, Wo nie ein Vogel niſtet, nie um kahlen Granit ein Kaͤfer ſchwirret— in den Strom Mich ſtuͤrzend, auf der friſchgebrochnen Welle Behendem Strudel, mit dem Stromgefaͤll, Oder auf der Meerfluth auch hinabzutreiben. Da jauchzt' ich jugenduͤppig. Oder auch, Wenn ich des Mondes Wandel durch die Nacht, Der Sterne Laufbahn nachzog, in den Blitz 88 The daazzling lightnings till my eyes grew dim; Or to look, list'ning, on the scattered leaves, While Autumn winds were at their evening song. These were my pastimes, and to be alone; For if the beings, of whom I was one,— Hating to be so,— cross'd me in my path, I felt myself degraded back to them, And was all clay again. And then I dived, In my lone wanderings, to the caves of death, Searching its cause in its effect; and drew From wither’d bones, and skulls, and heap'd up dust, Conclusions most forbidden. Then I pass'd The nights of years in sciences untaught, Save in the old-time; and with time and toil, And terrible ordeal, and such penance As in itself hath power upon the air, And spirits that do compass air and earth, Space, and the peopled infinite, I made Mine eyes familiar with Eternity, Such as, before me, did the Magi, and 89 Starraugig eindrang bis zur Augumflorung; Oder wenn ich lauſchend ſah den Blaͤtterfall Zu ſchalen Herbſtwinds herbem Abendlied. Dies war ergetzlich mir— und Einſamkeit; Denn wenn die Weſen, deren eins ich war, Nur widerwillig war,— den Pfad mir kreuzten, Fuͤhlt' ich zu ihnen mich herabgeſunken, Ganz wieder Staubling ¹¹). Da verſenkt' ich mich, Einſam luſtwandelnd, in des Todes Hoͤhlen, Nachſpuͤrend ſeinem Grund in ſeiner Wirkung, Straͤfliches folgernd aus vermoderten Gebeinen, Schaͤdeln, aufgehaͤuftem Staub. Dann forſcht' ich naͤchtlich jahrelang in weiland Lehrbaren Kuͤnſten, und mit Zeit und Muͤh', Furchtbarem Ordel ¹²) einer Buͤßungpein, Die ſchon von ſelbſten Macht hat uͤber Luft Und Geiſter, welche Luft und Erd' und Raum, Die ganze voll' Unendlichkeit, ausmeſſen, Macht' ich die Augen fuͤr das Ew'ge wacker, Wie ſonſt die Zaub'rer thaten und wie Er, 90 He who from out their fountain dwellings raised Eros and Anteros, at Gadara, As I do thee;— and with my knowledge grew The thirst of knowledge, and the power and joy Of this most bright intelligence, until— WITCH. Proceed. MäANFRED. Oh! I but thus prolonged my words, Boasting these idle attributes, because As I approach the core of my heart's grief— But to my ask. I have not named to thee; Father or mother, mistress, friend, or being, 1 With whom I wore the chain of human ties; If I had such, they seem'd not such to me— Yet there was one WITCHI. 2 Spare not thyself— proceed. 9¹ Der aus der Quellenwohnung zog herauf, Eros und Anteros zu Gadara, †*†) Wie jetzt ich dich— und mit der Kenntniß wuchs Der Durſt nach Kenntniß, und die Macht, die Luſt An ſolcher Einſicht Herrlichkeit, bis dann— Fee. Nur weiter! Manfred. Ach! weitlaͤufig ruͤhmt' ich bloß Deshalb ſo nichtig Eigenthum, dieweil, Je mehr des Herzleids tiefſtem Kern ich nah'— Doch nun zur Sache! Nicht genannt hab' ich Geliebte, Freund, noch Aeltern, noch ein Weſen, Woran der Menſchheit Bande mich geknuͤpft. Hatt' ich dergleichen, hielt ich ſie nicht ſo— Doch gab es Eine— Fee. Schon' dich nicht! Fahr fort! 92 MAäANFRED. She was like me in lineaments— her eyes, Her hair, her features, all, to the very tone Even of her voice, they said were like to mine; But soften'd all, and temper’d into beauty; She had the same lone thoughts. and wanderings, The quest of hidden knowledge, and a mind To comprehend the universe: nor these Klone, but with them gentler powers than mine, Pity, and smiles, and tears— which I had not; And tenderness— but that I had for her; Humility— and that I never had. Her faults were mine— her virtues were her own— I loved her, and destroy'd her! WITGH. With thy hand? MANYRED. Notwith my hand, but heart— which broke her heart— It gazed on mine, and withered. I have shed 20 2 93 Manfred. Sie glich an Bildung mir. Das Haar, die Augen, Die Einzelzuͤge, ja ſogar der Ton Der Stimme, hieß es, ſei der meine, nur Geſaͤnftigt Alles, zart und ſchoͤn verſchmolzen. Sie hatte ganz das einſam ſinn'ge Schweifen, Hang nach verborgnem Wiſſen, ein Gemuͤth Das Weltall aufzufaſſen, und dabei Anlagen, Gaben, ſchoͤner noch, als meine: Mitleid und Laͤcheln, Thraͤnen— die mir fehlten; Und Zaͤrtlichkeit— die hegt' ich nur fuͤr ſie; Demuth— ach, dieſe ward nie mir zu Theil. Mein war an ihr, was Fehler, ihr, was Tugend. Sie liebte, ſie zerſtoͤrte— Fee. Deine Hand? Manfred. Nicht meine Hand, mein Herz brach ihr das Herz— An meinem hing's und welkte. Wohl vergoß —õ——õ 94 Blood, but not hers— and yet her blood Was shed— I saw— aud could not staunch it. WITCH. And for this— A being of the race thou dost despise, The order which thine own would rise above, Mingling with us and ours, thou dost forego The gifts of our great knowledge, and shrink'st back To recreant mortality— Away! MaNFRED. Daughter of Air! I tell thee, since that hour— But words are breath— look on me in my sleep, Or watch my watchings.— Come and sit by me! My solitude is solitude no more, But peopled with the Furies;— I have gnash'd My teeth in darkness till returning morn, Then cursed myself till sunset;— I have pray' d For madness as a blessing—'tis denied me. 22 2 29 U 3ö ck Ich Blut, nicht ihres— und doch wieder ihres— Ich ſah's und konnt's nicht ſtillen.— Fee. Und um ſie, Den Sproͤßling vom Geſchlecht, das du verhoͤhnſt, Vermengſt du, beides uͤberſpringend, Erd' Und Himmel, und verzichteſt uͤbereilt Auf Gaben unſrer Wiſſenſchaft und ſchrumpfſt Zuruͤck in ſchnoͤde Sterblichkeit?— Hinweg! Manfred. Laß dich bedeuten, Kind der Luft! Seitdem— Doch Wort iſt Athem— ſchaue mich im Schlaf, Merk' auf mein Wachen— ſetze dich zu mir! Sieh, wie die Einſamkeit ſich mir bevoͤlkert Mit Rachgoͤttinnen!— Zaͤhneknirſchend hab' ich Des Morgens Ruͤckkehr naͤchtelang erſehnt, Dann mich verflucht bis Sonnenuntergang, Umſonſt den Wahnſinn heiß erfleht als Segen. I have affronted death— but in the war Of elements the waters shrunk from me, Of an all-pitiless demon held me back, In phantasy, imagination, all The affluence of my soul— Which one day A Croésus in creation— I plunged deep, But, like an ebbing wave, it dash'd me back Into ihe gulf of my unfathom'd thought. I plunged amidst mankind— Forgetfulness I sought in all, save where„tis to be found, And that I have to learn— my sciences, My long pursued and super-human art, Is mortal here— I dwell in my despair— And live— and live for ever. WITCOHI. Ir may be That I can aid thee. And fatal things pass'd harmless— the cold hand Back by a single hair, which would not break. Was 97 Ich hab' dem Tod getrotzet— doch im Krieg Der Elemente ſelbſt verrann das Waſſer; Was ſonſt den Tod giebt, wich vor mir— die Eishand Erbarmungsloſen Daͤmons zog zuruͤck mich, Zuruͤck an einem Haar, das nicht zerriß. 14 Da taucht' ich unter in die Einbildung, 5 In Phantaſein, in all' der Seele Fuͤlle, Die einſt ein Kroͤſus war im Reich der Schoͤpfung— Doch, gleich der Ebbe, wogt' es mich zuruͤck In des Gedankens bodenloſen Abgrund. Nun ſtuͤrzt' ich mich ins Weltgewuͤhl, und ſuchte Vergeſſen allwaͤrts, außer dort wo's weilt. Dies muß ich lernen— meine Wiſſenſchaft, Und uͤberird'ſche, lang betrieb'ne Kunſt Erlahmen hier— fort leb' ich in Verzweiflung, Und leb', ach, immerdar. Fee. Ich koͤnnte wol Vielleicht dir helfen. MaäANFRED. To do this thy power Must wake the dead, or lay me low with them. Do so— in any shape— in any hour— With any torture— so it be the last. WrroH. That is not in my province; but if thou Wilt swear obedience to my will, and do My bidding, it may help thee to thy wishes. MaANFRED. I will not swear— Obey! and whom? the spirits Whose presence I command, and be the slave Of those who served me— Never! WIrcH. Is this all? Hast thou no gentler answer?— XYet bethink thee, And pause ere thou rejectest. 70) 288 G 22 20) — 99 Manfred. Todte mußt du dann Aufwecken, oder mich zu ihnen betten. Und thu das nur— in jeder Stund' und Form— Mit jeder Folter— ſei es nur die letzte. Fee. Das liegt in meinem Kreiſe nicht; doch willſt du Mir nur Gehorſam ſchwoͤren und vollziehn Was ich befehle, foͤrdert's deinen Wunſch. Manfred. Ich ſchwoͤre nicht.— Gehorchen? Wem? den Geiſtern, Die, mir gehorſam, kommen? und ein Knecht ſeyn Dienſteigner Knechte? Nimmermehr! Fee. So trutzig? Haſt du kein mildres Wort fuͤr mich? Erwaͤge, Bevor den Antrag du verwirfſt! 100 erleee— X MANFRED. I have said it. 13 — WIrTcH. Enough!— I may retire then— say! 6 MANFRED. Retire! [The WrreR disappears.] MäANEFRED(alone). We are the fools of time and terror: Days v Steal on us and steal from us; yet we live, Loathing our life, and dreading still to die. In all the days of this detested yoke— This vital weight upon the struggling heart, Which sinks with sorrow, or beats quick with pain, Or joy that ends in agony or faintness— In all the days of past and future, for In life there is no present, we can number Manfred. Ich ſagt' es. Fee. Genug!— So ſcheid' ich. Du befiehl! Manfred. 22 Verſchwinde! (Die Fee verſchwindet.) Manfred l(allein). Wir ſind der Feigheit Narren und der Zeit. Die Tage ſchleichen ab und zu; wir leben In Lebensuͤberdruß und Todesfurcht. Wie wenig— ach! wie minder noch, als wenig, Vermag der Staubesſohn doch aufzuzaͤhlen in, Von all den Tagen des verhaßten Jochs, Der Lebenswucht auf angſtempoͤrtem Herzen, Das bald der Gram beugt, Freude bald und Leid Erſchuͤtternd aufloͤſt, oder auch entkraͤftet, 102 How few— How less than few— wherein the soul Forbears to pant for death, and yet draws back As from a stream in winter, though the chill Be but a moment's. I have one resource Still in my science— I can call the dead, And ask them what it is e dread to be: The sternest answer can but be the Grave, And that is nothing— if they answer not— The buried Prophet answered to the Hag Of Endor; and the Spartan Monarch drew From the Byzantine maid's unsleeping spirit An answer and his destiny— he slew ThHat which he loved, unknowing what he slew, And died unpardon’d— though he call'd in aid The Phyxian Jove, and in Phigalia roused The Arcadian Evocators to compel The indignant shadow to depose her wrath, Or fix her term of vengeance— she replied In words of dubious import, but fulfill'd. 103 ul Von all' den Tagen, kuͤnft'gen, wie vergang'nen— Denn gegenwaͤrt'ge giebt's im Leben nicht— Wo nicht die Seele ſtoͤhnt nach Tod, und dennoch Ruͤckſchaudert, wie vor einem Winterſtrom, Obgleich der Froſt nur augenblicklich iſt! Doch bleibt ein Ausweg mir— die Zauberkunde: Ich kann die Todten fragen, was uns ſchreckt. Im aͤrgſten Falle waͤr' die Antwort: Grab. Und das iſt nichts;— dafern ſie nicht antworten— Doch Antwort gab ja Samuel der Hexe Von Endor aus dem Grab; der Sparterfuͤrſt Frug ſein Geſchick dem unentſchlaf'nen Geiſte Des Byzantiner Maͤdchens ab— unkundig Hatt' er den Liebling umgebracht, und ſtarb Drauf unverſoͤhnet. Ob er gleich den Zeus Anrief um Beiſtand, und Arkadiſche Beſchwoͤrungsmeiſter in Phigalia Suͤhnung vom grimmen Geiſt erzwingen wollten, Wo nicht, Rachziels Beſtimmung, ſprach er doch Zweideut'gen Sinnes und vollzog ſein Werk.— †*) 104 IfE I had never lived, that which I love Had still been living; had I never loved, That which I love would still be beautiful— Happy and giving happiness. What is she? What is she now?— a sufferer for my sins— A thing I dare not think upon— or nothing. Within few hours I shall not call in vain— Vet in this hour I dread the thing I dare: Until this hour I never shrunk to gaze On spirit, good or evil— now 1 tremble, And feel a strange cold thaw upon my heart. Bur I can act even what I most abhor, And champion human kears,— The night approaches. Eæxit.] SCENE III. The Summit of the Jungfrau Mountain. Enter FIRST DESTINV. The moon is rising broad, and round, and bright; And here on snows, where never human foot 22 ☚ 25 22 8 5,7 —„ 282 2.2 Haͤtt' ich das Taglicht nicht geſchaut, mein Lieb Waͤr' noch am Leben; haͤtt' ich nie geliebt, Waͤr' meine Traute waidlich noch und ſchoͤn, Gluͤcklich und Gluͤck gewaͤhrend. Aber jetzt— Was iſt ſie jetzt?— Duld'rinn fuͤr meine Suͤnden— Was nur zu denken ſchon mir graut— wol nichts! In wenig Stunden ruf' ich nicht umſonſt; Jedoch in dieſer fuͤrcht' ich das Ertrotzte. Noch hat es niemals mir gegraut vor Geiſtern, So guten nicht, wie boͤſen; jetzo beb' ich, Ein nie gefuͤhlter Froſt beſchleicht mein Herz. Doch auch das Grauſenhafte fuͤhr' ich aus. es. Trutz biet' ich aller Furcht.— Die Nacht bricht an. 1 (ab.) Dritter Auftritt. Gipfel der Jungfrau. Erſte Schickſalsſchweſter(tritt auf). t; d Der Mond erhebt ſich groß und rund und glaͤnzend, Und auf dem Schneehaupt, nimmer von gemeiner 106 Of common mortal trod, we nightly tread, And leave no traces; o'er the savage sea, The glassy ocean of the mountain ice, We skim its rugged breakers, which put on The aspect of a tumbling tempest's foam, Frozen in a moment— a dead whirlpool's image; And this moststeep fantastic pinnacle, The fretwork of some earthquake— where the clouds Pause to repose themselves in passing by— Is sacred to our revels, or our vigils; Here do I wait my sisters, on our way To the Hall of Arimanes, for to-night Is our great festival—'tis strange they came not. A Foice without, vinging- The Captive Usurper, Hurl'd down from the throne, Lay buried in torpor, Forgotten and lone; ꝗ( 20) Sterblichen Fuß betreten, wandeln wir Bei Nacht und ſpurlos; auf der wilden See, Dem Fluthenſpiegel von dem Eisgebirg, Beſtreifen wir die holperichten Wellen, Den ſchnell erſtarrten Wetterwolkenſchaum, Der ſchwer heraufwallt— ein erſtorb'ner Strudel! Und dieſe Zinne, wunderſeltſam, ſchroff, Erdbebens Bildwerk, ſcheint's, worauf die Wolken Voruͤberrollend halten an und ausruhn— Iſt unſres Nachtfeſts heil'ger Tummelplatz. Hier harr' ich meiner Schweſtern auf dem Weg Nach Ahrimanshall— denn wir feiern heut Die große Feſtnacht. Wunder, daß ſie ſaͤumen! Stimme hinter der Buͤhne ſingend⸗ Vom Throne gewettert, Dem frevlichen Raub, Gefangen, zerſchmettert Lag Herrſcher im Staub. 108 I broke through his slumbers, I shivered his chain, I leagued him with numbers— He's Tyrant again! With the blood of a million he'll answer my care, 5 With a nation's destruction— his flight and despair. 8 Second Foice, without. The ship sail'd on, the ship sail'd fast, 4 But I left not a sail, and I left not a mast; T There is not a plank of the hull or the deck, 4 1 And there is not a wretch to lament o'er his wreck; Save one, whom I held, as he swam, by the hair, And he was a subject well worthy my care; A traitor on land, and a pirate at sea— But I saved him to wreak further havoc for me! FrIRST DESTINY, anspyering- The city lies sleeping; The morn, to deplore it, 109 Er ſchlief, und mir gluͤckte Zu loͤſen den Mann— Und der Zauberberuͤckte Ward wieder Tyrann. Millionenverblutung vergilt mir das Muͤh'n, Ihm Volkesverheerung verzweifeltes Fliehn. Zweite Stimme hinter der Buͤhne. Her ſchwamm das Schiff, es ſegelte faſt; Doch ich ſchonte nicht Tau und verſchonte nicht Maſt, Zerriß das Verdeck und den Rumpf und das Rack, Und da lebt keine Seel', zu bejammern den Wrack. Nur Einer, den faßt' ich im Schwimmen am Haar, Weil meiner Errettung er wuͤrdig mir war, Verraͤther zu Land und ein Raͤuber zur See— Den erhielt ich, zu ſchaffen noch anderes Weh. Erſte Schickſalsſchweſter(antwortend). Noch ſchlummert geborgen Die Hauptſtadt— truͤber 110 — May dawn on it weeping Sullenly, slowly, The black plague flew o'er it— Thousands lie lowly; Tens of thousands shall perih— The living shall fly from The sick they should cherish; But nothing can vanquish The touch that they die from. Sorrow and anguish, And evil and dread, Envelope a nation— The blest are the dead, Who see not the sight Of their own desolation.— This work of a night— This wreck of a realm— this deed of my doing— For ages P' ve done, and shall still be renewing! Wird graun doch der Morgen. Schauerlich ſtrichen Peſtengel daruͤber— Tauſend erblichen; Zehntauſend verderben— Die Lebenden meiden Die Liebſten im Sterben. Nichts wehret der Peſtwuth, Daran ſie verſcheiden. Alle verlaͤßt Muth. Beklommniß und Noth Mehrt Volkes Ertoͤdtung— Heil denen, die todt, Nicht ſchauen die Macht Der grauſen Veroͤdung! Dies Werk einer Nacht— Eines Reiches Zertruͤmm'rung, wie muß es mich freuen! Zeitalter umfaßt es— ſtets muß ſich's erneuen. 112 Enter the SEGOND and TRIRD DESTINIES. Ihe Three. Our hands contain the hearts of men, Our footsteps are their graves; We only give to take again The spirits of our slaves! FIRST DESTINV. Welcome!— Wheré's Nemesis? SECOND DESTINVY. At some great work; But what I know not, for my hands were full. THIRD DESTINY. Behold she cometh. Enter NεMESISs., FIRST DESTINV. Say, where hast thou been? My sisters and thyselk are slow to-night. 2 115 6. 3(Zweite und dritte Schickſalsſchweſter treten auf.) Alle Drei. uns iſt verfehmt des Menſchen Sinn; Wir ſtreu'n den Todeskeim Durch Gaben; denn als Ruͤckgewinn Faͤllt uns der Knechtsgeiſt heim. Erſte Schickſalsſchweſter. Willkommen! Was thut Nemeſis? Zweite Schickſalsſchweſter. ork; Wol Großes, Mir unbekannt; denn ich war uͤberhaͤuft. Dritte Schickſalsſchweſter. Seht da, ſie nahet. (Nemeſis tritt auf.) Erſte Schickſalsſchweſter. 1b Sag, wo wareſt du? Die Schweſtern ſaͤumten, wie du ſelbſt, heut Nacht. 8 114 NEMRSIS, I was detaim d repairing shattered thrones, Marrying fools, restoring dynasties, Avenging men upon their enemies, And making them repent their own revenge; Goading the wise to madness; from the dull Shaping out oracles to rule the world Afresh, for they were waxing out of date, And mortals dared to ponder for themselves, To weigh kings in the balance, and to speak Of freedom, the forbidden fruit.— Away! We have outstaid the hour— mount we our couds! (Eæeunt.) SCENE IV. The Hall of Arimanes.— Arimanes on his Throue, a Globe of Ftre, surrounded ly the Spirits. MWmn of che SæiRITS. Hail to our Master!— Prince of Earth and Air!— Who walks the clouds and waters— in his hand —˖ uds! oue, nand Nemeſis. Zerfall'ne Throne hatt' ich auszubeſſern, Narr'n zu vermaͤhlen, Reiche herzuſtellen, Menſchlein an Feinden nach Geluͤſt zu raͤchen, Reu' anzufachen dann in ihrer Bruſt. Zum Wahnwitz trieb ich Weiſe; von dem Bloͤdſinn Ließ ich Orakel ausgehn zu der Welt Umbildung; denn ſie hat ſich uͤberlebet, Und Menſchen wagten fuͤr ſich ſelbſt zu denken, Die Fuͤrſten abzuwaͤgen, von der Freiheit Verbot'ner Frucht zu ſprechen.— Doch genug! Die Stund' iſt nun verfloſſen.— Wolkenan! (ab.) Vierter Auftrirt. Ahrimanshall. Ahriman auf dem Thron, einer von Gei⸗ ſtern umgebenen Feuerkugel. Geiſterhymne. Heil unſerm Meiſter! Erd⸗ und Luftregent! Er faͤhrt einher auf Meers⸗ und Wolkenboot, 3* 116 The sceptre of the elements, which tear Themselves to chaos at his high command! He breatheth— and a tempest shakes the sea; He speaketh— and the clouds reply in thunder; He gazeth— from his glance the sunbeams flee; He moveth— earthquakes rend the world asunder. Beneath his footsteps the volcanos rise; His shadow is the Pestilence; his path The comets herald through the crackling skies; And planets turn to ashes at his wrath. To him War offers daily sacrifice; To him Death pays his tribute; Life is his, With all its infinite of agonies— And his the spirit of whatever is! Enter the DESTINIES and NEMESIS. FIRST DESTINV. Glory to Arimanes! on the earth His power increaseth— both my sisters did His bidding, nor did I neglect my duty! ( G à2⁊᷑& 5 00 Herr aller Elemente, die zertrennt In's Chaos kehren auf ſein Machtgebot. Er athmet— und ein Sturm erregt das Meer; Er ſpricht— der Wolken Donnerhall erwiedert; Er blickt— und ſcheucht der Sonnenſtrahlen Heer; Er ruckt— die Erde droͤhnt und iſt entgliedert. Gluthberg' entlodern ſeiner Tritte Spur; Sein Schatten iſt die Peſt; ihm gehn voraus Schweifſterne durch's Gebraus der Wolkenflur. Sein Grimm zerſtaͤubt Irrſtern' in Aſchengraus. Ihm bringt alltaͤglich Krieg ein Opfer dar; Zinsbar iſt ihm der Tod, das Leben ſein, Mit all der unzaͤhlbaren Leiden Schaar, Und ihm gehoͤrt der Geiſt von allem Seyn. (Die Schickſalsſchweſtern und Nemeſis treten auf.) Erſte Schickſalsſchweſter. Ruhm Ahriman! Es breitet ſeine Macht Sich aus auf Erden. Sein Gebot vollzog Mein Schweſternpaar; auch ich that meine Pflicht. 118 - Skcop DESTINV. Glory to Arimanes! We who bow The necks of men, bow down before his throne! TRIRD DESTINV. Glory to Arimanes!— We await His nod! NEMESIs. Sovereign of Sovereigns! we are thine, And all that liveth, more or less, is ours, And most things wholly so; still to increase Our power, increasing thine, demands our care, And we are vigilant— Thy late commands Have been fulfilled to the utmost. Enter MANFRED. A SEIRIT. What is here? A mortal!— Thou most rash and fatal wretch, Bow down and worship! ☛ 202 1¹9 Zweite Schickſalsſchweſter. Ruhm Ahriman! Wir, die den Menſchen beugen, Wir werfen nieder uns vor ſeinem Thron. Dritte Schickſalsſchweſter. Ruhm Ahriman! Wir harren unterwuͤrfig Hier ſeines Winks. Nemeſis. e,. Allherrſcher! Wir ſind dein: Und was da lebet, minder, mehr, iſt unſer, Das Meiſte gaͤnzlich. Unſre Macht zu mehren Mit deinem Wachsthum, heiſchet unſre Muͤh'; Drum ſind wir wachſam. Puͤnktlich iſt vollzogen, Was du zuletzt befahleſt. (Manfred tritt auf.) Ein Geiſt. 2 4 Was iſt das? Ein Menſch? Du vorſchnell ungluͤckſel'ger Staubling, Knie nieder und bet' an! 120 SECOND SPIRIT. I do know the man— A Magian of great power, and fearful skill! THIRD SGPIRIT. Bow down and worship, slave!— What, know'st thou not Thine and our Sovereign?— Tremble, and obey! Arr THE SPIRIgS. Prostrate thyself, and thy condemned clay, Child of the Earth! or dread the worst. MaäANFREDp. I know it; And yet ye see I kneel not. FouRTH SPIRIT. »T will be taught thee. MäANFRED. „Pis taught already;— many a night on the earth, 2 Zweiter Geiſt. Ich kenn' ihn wohl— Er iſt ein furchtbar machtbegabter Zaub'rer. Dritter Geiſt. Knie nieder, Sklav, anbetend! Kennſt du nicht Ihn, deinen, unſern Herrn? Gehorch' und zittre! Alle Geiſter. Nieder mit dir und dem verdammten Staub, Du Lehmgeburt! Sonſt fuͤrchte dir das Aergſte! Manfred. ir; Ich weiß, und kniee nicht. 5 Vierter Geiſt. 6. Man wird dich lehren. Manfred. Man hat's bereits.— So manche Nacht auf Erden 122 On the bare ground, have I bow'd down my face, And strew'd my head with ashes; I have known The fulness of humiliation, for I sunk before my vain despair, and knelt To my own desolation. FIFTH SPIRIT. Dost thou dare Refuse to Arimanes on his throne What the whole earth accords, beholding not The terror of his Glory— Crouch! I say. MaäANFRED. Bid him bow down to that which is above him, The overruling Infinite— the Maker Who made him not for worship— let him kneel, And we will kneel together. THE SPIRITS. Crush the worm! Tear him in pieces!— 123 3 Hab' ich auf nacktem Grund gebeugt mein Antlitz, Das Haupt mit Aſche mir beſtreut, und Demuth, Die tiefſte Demuth, eingelernt, einſinkend Vor meiner Schwermuth, vor dem eiteln Spuk Troſtloſen Daſeyns. Fuͤnfter Geiſt. Und du wagſt es, hier Auf ſeinem Thronſitz Ahriman zu weigern, Was alle Welt ihm zugeſteht, unachtſam D Auf ſeines Ruhmes Frais? ¹³) Zu Boden, ſag' ich! Manfred. Heiß ihn ſich beugen dem, der uͤber ihm, Der allem obherrſcht ewig, der ihn ſchuf; Doch nicht zur Anbetung— ihn laß nur knien! Dann knieen wir zuſammen. „ Geiſter. Nieder, Wurm! Reißt ihn in Stuͤcken! 124 FIRST DESTINV. Hence! Avaunt!— he's mine. Prince of the Powers invisible! This man Is of no common order, as his port And presence here denote; his sufferings Have been of an immortal nature, like Our own; his knowledge and his powers and will, As far as is compatible with clay, Which clogs the etherial essence, have been such As clay hath seldom borne; his aspirations Have been beyond the dwellers of the earth, And they have only taught him what we know— That knowledge is not happiness, and science But an exchange of ignorance for that Which is another kind of ignorance. This is not all— the passions, attributes OFearth and heaven, from which no power, nor being, Nor breath from the worm upwards is exempt, Have pierced his heart; and in their consequence Made him a thing, which I, who pity not, —2 125 Erſte Schickſalsſchweſter. Laſſet ab! Mein iſt er!— Fuͤrſt unſichtbarer Maͤchte! Dieſer Mann Iſt von gemeinem Range nicht, wie Haltung Bewaͤhrt und Hierſeyn. Gleich unſterblich war, Wie unſres, auch ſein Leiden; ſeine Kenntniß, Anlagen, Wille, waren, in ſo weit Es mit dem Staube nur vereinbar iſt, Der Himmelskraft einkerkert, ſo vortrefflich, Wie ſelten vorkam; all ſein Tichten ¹⁴), Trachten, Ging uͤber das der Erdbewohner weit. Allein durch dieſes lernt' er, was wir wiſſen: Daß nicht Erkenntniß Gluͤck beſcheert, und Wiſſen Unwiſſens Austauſch nur iſt gegen Etwas, Das auch Unwiſſen iſt, doch andrer Art. Und nicht genug— die Leidenſchaften, Himmels Und Erdenantheil, denen keine Kraft, Nichts was da lebt, vom Wurm herauf, entgeht, Durchdrangen ihm das Herz und machten ihn So mitleidswuͤrdig, daß ich Mitleidsloſe 126 vet pardon those who pity. He is mine, And thine, it may be— be it so, or not, No otber Spirit in this region hath A soul like his— or power upon his soul. NEMESIS. What doth he here then? FIRST DESTINV. Let him answer that. MANFRED. ve know what I have known; and without power I could not be amongst ye: but there are Powers deeper still beyond— I come in quest Of such, to answer unto what I seek. NEMERSIS. What wouldst thou? Gern Andern es verzeihe. Mir gehoͤrt er und dir vielleicht— doch wie dem immer ſey, 1 5 Kein andrer Geiſt noch hat in dieſer Gegend Solch eine Seele— noch auch Macht darob. Nemeſis. Was will er alſo hier? Erſte Schickſalsſchweſter. Er moͤg' es ſagen. Manfred. ower Mein Wiſſen iſt auch eures; ohne Macht Waͤr' ich nicht unter euch; jedoch es giebt t Weit tiefre Maͤchte noch— die fodr' ich auf, Kundſchaft zu geben uͤber mein Begehr. Nemeſis. 5 Was foderſt du? 128 MäANFRED. Thou canst not reply to me. Call up the dead— my question is for them. 8& - NaMzsrs. Great Arimanes, doth thy will avouch The wishes of this mortal? ARIMANES. NYea. NEMESIS. Whom would'st thou Uncharnel? MANFRED. One without a tomb— call up Astarte.. 129 Manfred. me. Du kannſt mir nicht antworten. 9 Ruf' mir die Todten! Ihnen leg' ich's vor, Nemeſis. Willſt, großer Ahriman, du dieſes Menſchen Begehr erfuͤllen? Ahriman. Nemeſis. t thou So ſprich, wer ſoll Entboten werden? Manfred. Jemand ohne Grab. Ruf' mir Aſtarte! —— 130 NEMESIS. Shadow! or Spirit! Whatever thou art, Which still doth inherit The whole or a part Of ihe form of thy birth, Of the mould of thy clay, Which returned to the earth, Re-appear to the day! Bear what thou borest, The heart and the form, And the aspect thou worest Redeem from the worm. Appear!— Appear!— Appear! „Who sent thee there requires thee here! (The Phantom of AsrARTE rises and stands in the midst.) MaäANFRED. Can this be death? there's bloom upon her cheek; But now I see it is no living hue, 70 -- 8 ·˖‚SGS e³mooppt Nemeſis. Geſpenſt, oder Geiſt, 8 In der Zeit erblaßt, Was immer du ſeiſt, Wofern du noch haſt, Was Geburt dir beſcheert Von Erdengeſtalt, Die zur Erde gekehrt,— Erſchein' alsbald! Bring, Geiſt, was ſie trug, Wie Herz, ſo Gewand, Dem Aſchenkrug Und den Wuͤrmern entwandt! Erſchein'! Erſchein'! Erſchein'! Rere! Der dich hinabſtieß, laͤd't dich ein. s and(Aſtartens Geſpenſt erhebt ſich in der Mitte.) Manfred. Das waͤre Tod? Die Wang' in Jugendbluͤthe?— Doch nein! lebendig iſt die Farbe nicht, cheek; 9* 132 But a strange hectic— like the unnatural red Wnich Autumn plants upon the perish'd leaf. It is the same! Oh, God! that I should dread To look upon the same— Astarte!— No, I cannot speak to her— but bid her speak— Forgive me or condemn me. NEMESIS. By the power which hath broken The grave which enthrall'd thee, Speak to him who hath spoken, Or those who have call'd thee! MANFREp. She is silent, And in that silence I am more than answered. NEMESIS. My power extends no further. Prince of air! It rests with thee alone— command her voice. 70h) 73 170 25 5 5 133 Schwindſuͤcht'ge Tuͤnche nur, wie jenes Rothbraun, Das auf verwelkte Blaͤtter haucht der Herbſt— Durchaus daſſelbe. Gott! daß ich muß ſchaudern, Ihr Gleichniß anzuſchaun— Aſtarte! Nein! Sie ſprechen kann ich nicht— ſie nur drum bitten— Vergieb mir, oder fluche mir! Nemeſis. Bei der Macht, die erbrochen Das Grab, ſo dich deckte, Sprich ihm, der geſprochen, Oder mir, die dich weckte! Manfred. Sie ſchweigt, und dies ihr Schweigen iſt mir mehr, als Antwort. Nemeſis. Hier endet meine Macht. Nun, Luftbeherrſcher, Iſt's dir anheim geſtellt. Heiß ſie ſprechen! 154 ARIMANES. Spirit— obey this sceptre! NEiMRSIS. Silent still! She is not of our order, but belongs To the other powers. Mortal! thy quest is vain, And we are baffled also. MäANFRED. Hear me, hear me— Astarte! my beloved! speak to me: I have so much endured— so much endure— Look on me! the grave hath not changed thee more Than I am changed for thee. Thou lovedst me Too much, as I loved thee: we were not made To torture thus each other, though it were The deadliest sin to love as we have loved. Say that thou loath'st me not— that I do bear This punishment for both— that thou wilt be 2 in, 135 Ahriman. Gehorche dieſem Scepter, Geiſt! Nemeſis. Sie ſchweigt. Nicht unſres Ranges iſt ſie; andern Maͤchten Gehoͤrt ſie an. Menſch! dein Begehr iſt fruchtlos. Wir ſelber ſind betrogen. Manfred. Hoͤr', o hoͤr' mich! Aſtarte! Liebe! Traute! ſprich zu mir! Ich hab' ſo viel gelitten— leide noch— Schau her! Das Grab hat dich nicht mehr verwandelt, Als mich um deinetwillen. Du auch liebteſt Einſt allzuſehr mich, Traute! Nein, wir waren Einander ſo zu foltern nicht gemacht, Wenn gleich Todſuͤnde war, uns ſo zu lieben. Sag daß du mich nicht haſſeſt— daß nur ich Fuͤr Beide buͤße— daß der Sel'gen eine 136 One of the blessed— and that I shall die; For hitherto all hateful things conspire To bind me in existence— in a life Which makes me shrink from immortality— A future like the past. I cannot rest. I know not what I ask, nor what I seek: I feel but what thou art— and what I am; And I would hear yet once before I perish The voice which was my music— Speak to me! For I have call'd on thee in the still night, Startled the slumbering birds from the hush'd boughs, And woke the mountain wolves, and made the caves Acquainted with thy vainly echoed name, Which answered me— many things answered me— Spirits and men— but thou wert silent all. Yet speak to me! I have outwatch'd ihe stars, And gazed o'er heaven in vain in search of thee. Speak to me! I have wandered o'er the earth And never found thy likeness— Speak to me! Look on the fiends around— they feel for me: ———V—ʒ—ꝛ—ʒ—:ꝛ:,˖,·-·— 48, 137 Dereinſt du ſeyn wirſt, daß ich ſterben werde— Denn alles Haſſenswerthe hat bis jetzt Mich an ein Daſeyn hingebannt— ein Leben, Das vor Unſterblichkeit mich ſchaudern macht, Als fortgeſetztem Daſeyn. Ruhe flieht mich. Ich weiß nicht, was ich fodre, was ich ſuche. Das Einz'ge fuͤhl' ich, wer du biſt, wer ich. Und nur noch einmal laß, bevor ich ſterbe, Die Stimm' erſchallen, die Muſik mir war! Dich hab' in ſtiller Nacht ich angerufen, Aus ſtillem Laubſitz aufgeſcheucht die Voͤgel, Bergwoͤlf' erwecket und umſonſt in Kluͤfte Hineingeheult den vielgeliebten Namen— Sie hallten Antwort— Vieles gab mir Antwort, Die Geiſter und die Menſchen— du nur ſchwiegſt. Nun ſprich!— Die Sterne hab' ich uͤberwacht, Nach dir den Himmel fruchtlos angeſtarrt; Drum ſprich!— Die Erde hab' ich ganz durchwandert, Doch deines Gleichen fand ich nicht— drum ſprich!— Sieh, boͤſe Geiſter fuͤhlen ſelbſt mit mir; 138 I-fear them not, and feel for thee alone— Speak to me! though it be in wrath;— but say— I reck not what— but let me hear thee once— 6 2Q. 9 This once— once more! PHANTOM OF ASTARTE. Manfred! MàANFRED. Say on, say on— ..... Q I live but in the sound— it is thy voice! PHANTOM. Manfred! To-morrow ends thine earthly ills. N Farewell! F MaNFRED. Vet one word more— am I forgiven? PHANTOM. Farewell! 8 MäANFRED. Say, shall we meet again? 139 Ich fuͤrchte keinen, fuͤhle dich allein; Drum ſprich! und waͤr's im Grimme— rede nur! Sei's was es wolle— nur noch einmal ſprich— Einmal— nur einmal!— Aſtartens Geiſt. Manfred! Manfred. O ſprich weiter! Ich leb' in dieſem Klang— erkenn' ihn wieder. Aſtartens Geiſt. Manfred! Dein Erdenleid wird morgen enden. Fahr wohl! Manfred. Dies Eine noch— Haſt du vergeben? Aſtartens Geiſt. Fahr wohl! Manfred. Und werden wir uns wiederſehn? 140 PHANTOM. Farewell! MäANFRED. One word for mercy! Say, thou lovest me. PHANTOM. Manfred! (The spirit of AsrARTE disappears.) NrMEsIs. She's gone, and will not be recall'd; Her words will be fulfil'd. Return to the earth. A SEIRIT. He is convulsed— This is to be a mortal And seek the things beyond mortality. ANoOTHER SPIRTT. Net, see, he mastereth himself, and makes His torture tributary to his will. Had he been one of us, he would have made An awful spirit. „ 141 Aſtartens Geiſt. Fahr wohl! Manfred. Erbarmen! Noch ein Wort der Liebe! Aſtartens Geiſt. Manfred! (Sie verſchwindet.) Nemeſis. Sie ſchwand und kehret keinem Ruf. Erfuͤllt wird, was ſie ſagte. Kehr' zur Erde! Ein Geiſt. Er zucket krampfhaft. Das heißt ſterblich ſeyn Und nach dem Jenſeits uͤbermuthhehr trachten. Ein andrer Geiſt. Doch ſeht— er uͤbermeiſtert ſich und macht Dem Willen zinsbar ſeine Folter ſelbſt. Waͤr' er der Unſern Einer, traun! es waͤr' Ein ehrenwerther Geiſt. 142 NiMESIs. Hast thou further question Of our great sovereign, or his worshippers? MaäANFRED. None. NEMESIS. Then for a time farewell. MANRRED. We meer then! Where? On the earth?— Even as thou wilt: and for the grace accorded I now depart a debtor. Fare ye well! [Eæeit MANFRED.] (CSoene oloses.) 2 C — Nemeſis. Verlangſt du mehr Von unſerm Herrn zu wiſſen, oder uns? Manfred. Nichts. Nemeſis. Nun ſo fahre wohl, o Menſch, einſtweilen! Manfred. Wir ſehn uns alſo wieder? Wo? Auf Erden?— Gleichviel, wie dir's gefaͤllt. Ich ſcheid' als Schuldner Fuͤr mir gewaͤhrte Gunſt. Somit lebt wohl! (ab.) (Vorhang fällt.) A0CT III. S 6 ENEI. A Hall in che Castle of Manfred. MANFRED and HERMAN. MANFRED. — O Wuat is the hour? 5 HERMAN. 1 It wants but one till sunset, And promises a lovely twilight. z MaäANFRnD. 1 Say, Are all things so disposed of in the tower 4 0 As I directed? Dritter Aufzug. Erſter Auftritt. Ein Saal in Manfreds Burg. Manfred und Hermann. Manfred. Was iſt die Glocke? Hermann. Bis zur Sonnenraſt Fehlt eine Stund'; ein ſchoͤner Abend winkt. Manfred. Haſt du die Anſtalt meinem Wunſch gemaͤß Im Thurm getroffen? 10 146 HERMAN. All, my lord, are ready; Here is the key and casket. MaäANERED. It is well: Thou mayst retire. [EHwit HERMAN.] MaäANFRED(lone). There is a calm upon me— Inexplicable stillness! which till now Did not belong to what I knew of life. If that I did not know philosophy To be of all our vanities the motliest, The merest word that ever fool'd the ear From out the schoolman's jargon, I should deem The golden secret, the sought«Kalon, found, And seated in my soul. It will not last, But it is well to have known it, though but once: It hath enlarged my thoughts with a new sense, Hermann. ; Alles, Herr, iſt fertig. Hier iſt der Schluͤſſel nebſt dem Kaͤſtchen. Manfred. Gut! Du biſt beurlaubt. (Hermann geht.) Manfred l(allein). Wie ſo friedlich iſt mir, Wie unausſprechlich ſtill zu Muth! So heiter Hat mir das Leben nimmer noch gelacht. Wenn ich nicht wuͤßte, daß Philoſophie Der Eitelkeiten bunt'ſter Gaukeltand, Ein leid'ges Wort iſt aus dem Schulwortkram, 1 Wie eins das Ohr nur aͤffte, traun! gefunden Waͤhnt' ich die Urſchoͤnheit 1⁵), das Goldgeheimniß, 3 Und bei mir eingekehrt. Wol wird's nicht dauern; e: Doch gnuͤgt's ſchon, einmal dies Gefuͤhl zu haben. Hat's mir doch einen neuen Sinn erſchloſſen, 10* ———————— 148 And I within my tablets would note down That there is such a feeling. Who is there?. Re-enter HERMAN. My lord, the abbot of St. Maurice craves To greet your presence. (Enter the ABBOT OF ST. MAURICOE.) ABBOT. Peace be wich Count Manfred! MäANFRED. Thanks, holy father! welcome to these walls; Thy presence honours them, and blesseth those Who dwell within them. ABBoOT, Would it were so, Count!— But I would fain confer with thee alone. 149 Und moͤcht' ich niederſchreiben in's Gedenkbuch, Es geb' ein ſolch Gefuͤhl. (Hermann tritt wieder ein.) Wer kommt ſchon wieder? Hermann. Der Abt vom Morizkloſter wuͤnſcht gar ſehnlich, Dir aufzuwarten. (Der Abt vom Morizkloſter tritt ein.) Abt. Friede dir, Graf Manfred! Manfred. Dank, heil'ger Vater! Sei mir hochwillkommen! Dich gruͤßt mit Ehrfurcht dieſe Burg; denn Segen 3 Bringt dein Erſcheinen. Abt. 6 — Waͤr' dem, wie du ſagſt! Doch hielt ich Zwieſprach gern mit dir allein. 150 MaäANFRED. Herman, retire. What would my reverend guest? ABBox. Thus, without prelude:— Age and zeal, my office, And good intent, must plead my privilege; Our near, though not acquainted neighbourhood, May also be my herald. Rumours strange, And of unholy nature, are abroad, And busy with thy name; a noble name For centuries; may he who bears it nov- Transmit it unimpair'd! MANFRED. Proceed,— I listen. ABBor. „Tis said thou holdest converse with the things Which are forbidden to the search of man; That with the dwellers of the dark abodes, The many evil and unheavenly spirits 6, 151 Manfred(zu Hermann). Abt. Nun, ohne Vorwort! Alter, Amt und Eifer Und gute Meinung muͤſſen mich vertreten. Ja ſelbſt die Nachbarſchaft, ob ungepflegt auch, Sei mir ein Herold!— Sonderbarer Leumund, Und zwar von ſchnoͤder Art, iſt vielgeſchaͤftig Um deinen Namen. Traun! ein edler Name Jahrhundert' aufwaͤrts! Moͤchte, der ihn fuͤhrt, Ihn unbefleckt fortpflanzen! Manfred. Sprich! Ich hoͤre. Abt. Man ſagt, du treibeſt ſtark Verkehr mit Weſen, Die aufzuſpaͤhen Menſchen iſt verboten, Du hab'ſt mit dunkles Aufenthalts Bewohnern, Den himmelausgeſtoßnen, boͤſen Geiſtern, Tritt ab!— Was wuͤnſchet mein hochwuͤrd'ger Gaſt? 152 Which walk the valley of the shade of death, Thou communest. I know that with mankind, Thy fellows in creation, thou dost rarely Exchange thy thoughts, and that thy solitude Is as an anchorite's, were it but holy. MäANFRED. And what are they who do avouch these things? ABBox. My pious brethren— the scared peasantry— Even thy own vassals— who do look on thee With most unquiet eyes. Thy life's in peril. MäANFRnD. Take it. ABBOT. I come to save, and not destroy— I would not pry into thy secret soul; But if these things be sooth, there still is time — 153 Die durch das Schattenthal des Todes wandeln, umgang. Mit Menſchenkindern, weiß ich wohl, Mit deinen Mitgeſchoͤpfen, haſt du ſelten Gedankenaustauſch, lebſt in Einſamkeit, Gleich einem Siedler— waͤr' ſie drum nur heilig! Manfred. Und wer verbreitet ſolcherlei Geruͤcht? Abt. Die frommen Bruͤder— hocherſchrocknes Landvolk— Dein' Eigenholde ¹⁶⁴) ſelbſt, die ſcheues Blicks Aufmerken. Deinem Leben droht Gefahr. Manfred. Nimm's hin! Abt. Zu retten komm' ich, nicht zu toͤdten. In dein Geheimniß mag ich mich nicht draͤngen; Doch, ſollt' es wahr ſeyn, iſt noch immer Zeit — ——— ————— 5 154 For penitenee and pity: reconcile thee With the true church, and through the church to heaven. MANTFRED. I hear thee. This is my reply; whate'er I may have been, or am, doth rest between Heaven and myself.— I shall not choose a mortal To be my mediator. Have I sinn'd Against your ordinances? prove and punish! ABBoOT. My son! I did not speak of punishment, But penitence and pardon;— with thyself The choice of such remains— and for the last, Our institutions and our strong belief Have given me power to smooth the path from sin To higher hope and better thoughts; the first I leave to heaven—«Vengeance is mine alone!“ So saith the Lord, and with all humbleness His servant echoes back the awful word. tal in 155 Zu Buß' und Gnade. Drum verſoͤhne dich Der wahren Kirche, mittelbar dem Himmel! Manfred. Ich hoͤre. Hier die Antwort: Was auch immer Ich ſei geweſen, oder ſei, ich hab's Nur mit dem Himmel— keinen Sterblichen Waͤhl' ich zum Mittler. Hab' ich gegen euer Geſetz geſuͤndigt? Unterſuch' und ſtrafe! Abt. Mein Sohn, von Strafe war ja nicht die Rede, Von Buß' und Gnade lediglich; du ſelbſt Haſt hier zu waͤhlen— im Betreff der letztern Gab Kirchenordnung mir und feſter Glaube Vollmacht, den Suͤndenpfad zu hoͤh'rer Hoffnung Und beſſ'rer Sinnesart zu ſchlichten— Erſtres Iſt Himmelsvorbehalt.„Mein iſt die Rache“ So ſpricht der Herr Herr, und mit aller Demuth Lallt jenes Schreckenswort der Diener nach. 156 MAäANFRED. Old man! there is no power in holy men, Nor charm in prayer— nor purifying form Of penitence— nor outward look— nor fast— Nor agony— nor, greater than all these, The innate tortures of that deep despair, Which is remorse without the fear of hell, But all in all sufficient to itself Would make a hell of heaven— can exorcise From out the unbounded spirit, the quick sense Of its own sins, wrongs, sufferance, and revenge Upon itself; there is no future pang Can deal that justice on the selfecondemn'd He deals on his own soul. ABBox. All this is well; For this will pass away, and be succeeded By an auspicious hope, which shall look up With calm assurance to that blessed place, E — 157 Manfred. Hochwuͤrd'ger Greis! Nicht heil'ger Maͤnner Macht, Noch auch Gebetskraft, keine Suͤhnungsart Bußfert'ger Andacht, aͤußrer Schein, nicht Faſten Noch Todesangſt, ja mehr als dieſes Alles, Die eingeborne Marter der Verzweiflung, Die, ſonder Hoͤllenfurcht, Gewiſſensangſt iſt, Hinlaͤnglich ſchon fuͤr ſich, den Himmel uns Zur Hoͤll' umzugeſtalten— nichts, o nichts Bannt' aus dem ew'gen Geiſt der Suͤnd' und Unbill, Der Selbſtbeſtrafung und der Schmerzensquaal Unwandelbar Gefuͤhl; kein kuͤnft'ges Leiden Kann je ſo ſtreng den Selbſtverdammten richten, Als er ſich ſelber. Abt. Alles dies iſt gut; Denn dies verſchwindet; dann jedoch tritt auch Die ſel'ge Hoffnung ein, die ſtill vertrauend Zu jener Seligkeit Gefild hinaufſchaut, 158 69 Which all who seek may win, whatever be Their earthly errors, so they be atoned: And the commencement of atonement is The sense of its necessity.— Say on— And all our church can teach thee shall be taught; And all we can absolve thee, shall be pardon'd. MANFRED. When Rome's sixth Emperor was near his last, The victim of a self-inflicted wound, 4 2 To shun the torments of a public death From senates once his slaves, a certain soldier, With show of loyal pity, would have staunch'd The gushing throat with his officious robe; The dying Roman thrust him back and said— Some empire still in his expiring glance, «It is too late— is this fidelity? ABBOT. And what of this? 159 Das, wer es aufſucht, auch gewinnt, was immer Hienieden er gefehlet, ſuͤhnt er's anders. Und dieſer Suͤhnung Anbeginn iſt fuͤhlen, Daß ſie Bedarf iſt. Alſo ſag's heraus— ht; Und was die Kirche lehren kann, erfaͤhrſt du, Jedweden Ablaß, den ſie hat, ertheilt ſie. Manfred. Als Roma's ſechſter Kaiſer lag im Sterben, 1 Schlachtopfer einer ſelbſtgeſchlag'nen Wunde, Die Quaal der Hinrichtung von Senatoren, Sonſt ſeinen Knechten, ſich damit zu ſparen, Da wollt' ein Kriegsmann, den der Fall geruͤhrt, Mit ſeinem Rock dienſtfertig ihn verbinden. Doch wies der Roͤmer ſterbend ihn zuruͤck uUnd ſprach, ein Reich im halbgebrochnen Aug': „Es iſt zu ſpaͤt jetzt— iſt das auch wol Treue?“ Abt. Was ſoll das heißen? 160 MäANFRED. I answer with the Roman— «It is too late!» ABBor. It never can be so, To reconcile thyself with thy own soul, And thy own soul with heaven. Hast thou no hope? „Tis strange— even those who do despair above, Yet shape themselves some phantasy on earth. To which frail twig they cling, like drowning men. MaäANERED. Ay— father! I have had those earthly visions And noble aspirations in my youth, To make my own the mind of other men, The enlightener of nations; and to rise I knew not Wwhither— it might be to fall; But fall, even as the mountain-cataract, Which having leapt from its more dazzling height, E S 2à 22 8 70 * 161 Gleich dem Roͤmer ſag' ich: „Es iſt zu ſpaͤt jetzt.⸗ B V Abt. Nimmer iſt zu ſpaͤt, 1” Mitt deiner Seele ſelbſt dich auszuſoͤhnen, be? Sie mit dem Himmel. Haſt du keine Hoffnung? 3 pe, Es iſt befremdlich— wer am Jenſeits zweifelt, 3 Erſchafft hienieden doch ſich ein Gebild, 1 an So ſchwaches Reislein, fluthbedraͤngt, feſthaltend.” l Manfred. Einſt hatt' ich, Vater, auch ſolch' ird'ſche Traͤume, Solch edlen Aufſchwung, als ich jung noch war. Da dacht' ich auch mich Andern einzugeiſten ¹⁷) Wollt' Volkserleuchter werden, aufwaͤrts dringen, Weiß nicht, wohin, vielleicht auch nur zu fallen— Doch fallen, gleich Gebirgeswaſſer Sturz, G3 lt, Der von der Firne Glanzeshoͤh' herab 7 1 11 3 162 Even in the foaming strength of its abyss, (Which casts up misty columns that become Clouds raining from the re-ascended skies,) Lies low but mighty still.— But this is past, My thoughts mistook themselves. ABBOT, And wherefore so? MaäNFRED. I could not tame my nature down; for he Must serve who fain would sway— and soothe— and sue— And watch all time— and pry into all place— And be a living lie— who would become A mighty thing amongst the mean, and such The mass are; I disdained to mingle with A herd, though to be leader— and of wolves. The lion is alone, and so am I. ABBor. And why not live and act with other men? 70 2,2 22 3 8 n ſeines Abgrunds Schaumgebraus geſtuͤrzt, J Das Nebelſaͤulen auftreibt, die als Regen Aus wieder aufgehobnen Wolken traufen, Tief liegt, doch machtvoll. Das iſt nun vorbei. Ich hab' mich misverſtanden. Abt. Und warum? Manfred. Nicht niederzwaͤngen konnt' ich mich; denn dienen Muß, wer da herrſchen will— und ſchmeicheln, bitten, Und immer wachſam ſeyn und allwaͤrts umſpaͤhn, Lebend'ge Luͤge werden, daß er maͤchtig Werd' unter Kleinen— denn das iſt die Menge. Doch ich verſchmaͤht' es, wollt' ich auch ſie fuͤhren, Zur Heerde mich zu halten— ja zu Woͤlfen. Der Loͤwe ſteht allein. So ſteh' auch ich. Abt. Und warum lebteſt, wirkt'ſt du nicht mit Andern? X 11 — — ——— 164 MaäANFRED. Because my nature was adverse from life: And yet not cruel; for I would not make, Burt find a desolation:— like the wind, The red-hot breath of the most lone Simoom, Which dwells but in the desart, and sweeps o'er The barren sands Which bear no shrubs to blast, And revels o'er their wild and arid waves, And seeketh not, so that it is not sought, But being met is deadly; such hath been The course of my existence; but there came Things in my path Which are no more. * ABBox. Alas! I'gin to fear that thou art past all aid From me and from my calling; yet so young, I still would— MaäANFRED. Lock on me! there is an order 20 8, 2— 165 Manfred. Weil ich dem Leben immer abhold war, Und doch nicht grauſam; denn Verheerung mocht' ich Anrichten nicht, nur ſinden, gleich dem Wind, Dem gluͤhen Athem einſam weh'nden Samums, Der in der Wuͤſte hauſ't allein und hinfegt Ob ſtrauch⸗ und pflanzentbloͤßter duͤrrer Sandſtepp', Und auf den wuͤſten wilden Wirbeln ſchwebt, Und nimmer ſuchet, noch geſuchet wird, Doch, angetroffen, toͤdtet. Alſo war Mein Leben auch geartet. Doch da traten Mir Ding' entgegen, die— vergangen ſind. Abt. O mir! Ich fuͤrchte, nicht mein Amt, nicht ich Kann dich berathen; aber noch ſo jung— Ach, daß du moͤchteſt— Manfred. Sieh mich an! Hienieden 166 Of mortals on the earth, who do become Old in their youth, and die ere middle age, Without the violence of warlike death; Some perishing of pleasure— some of study— Some worn with toil— some of mere weariness— Some of disease— and some insanity— And some of withered, or of broken hearts; For this last is a malady which slays More ihan are numbered in the lists of Fate, Taking all shapes, and bearing many names. Look upon me! for even of all these things Have I partaken; and of all these things, One were enough; then wonder not that I Am what I am, but that I ever was, Or having been, that I am still on earth. ABBor. Vet, hear me still— MANFRED. Old man! I do respect 167 Verkuͤmmern Manche ſchon im Juͤnglingsalter Und ſterben, eh' die Mitteljahre kommen, Nicht vom Gewaltloos blut'gen Kriegs ereilet. Der ſtirbt an Freude— der an Forſcherdrang— Den welket Muͤhſal— jenen Ueberdruß— Den wieder Krankheit— jenen Raſerei— Wenn's dieſem eindorrt, bricht das Herz dem andern. Und dieſes Letztre rafft wol mehr dahin, Als auf der Schickſalsliſte ſtehn verzeichnet, Weil's vielgeſtaltig, vielbenamet iſt. Und nun betrachte mich! Dies Alles hab' ich Auch ausgelebet, und von allem dem Haͤtt' Eins genuͤgt— drum ſtaune nicht, daß ich Bin, der ich bin, nein, daß ich nur je war, Daß, wenn geweſen, ich noch bin auf Erden. Abt. Deßungeachtet hoͤre! Manfred. Greis! dein Alter 168 Thine order, and revere thine years; I deem Thy purpose pious, but it is in vain: Think me not churlish: I would spare thyself, Far more than me, in shunning at this time All further colloquy— and so— farewell. [Eæic MAaNFRED.] ABBoOT. This sklould have been a noble creature: he Hath all the energy which would have made A goodly frame of glorious elements, Had they been wisely mingled; as it is, It is an awful chaos— light and darkness— And mind and dust— and passions and pure thoughts, Mix'd, and contending without end or order, All dormant or destructive: he will perish, And yet he must not; I will try once more, For such are worth redemption; and my duty Is to dare all things for a righteous end. PIl follow him— bur cautiously, though surely. [Eæic ABBOT.] 169 2 Iſt mir verehrlich, heilig dein Beruf, Fromm auch der Vorſatz, doch er iſt vergeblich. Halt mir's zu gute; moͤcht' ich dich ja doch Mehr, als mich ſelber ſchonen, wenn ich diesmal Meid' allen Zwieſprach.— Und ſomit— leb wohl! (Manfred ab.)' Abt. Das waͤr' ein edles Menſchenbild geworden; Aus ſolcher Spannkraft waͤr' ein ſchoͤnes Ganze 1 Großart'ger Grundkraͤft' auferbauet worden, Haͤtt' er ſie weislich nur gemiſcht; doch jetzt Iſt's nur ein furchtbar Chaos— Licht und Dunkel— Und Geiſt und Erde— Leidenſchaft und Reinſinn, Gemiſcht und kaͤmpfend, zwecklos, ſonder Ordnung, Bald ſtockend, bald verwuͤſtend.— Er geht unter; Doch nein, er ſoll nicht. Noch einmal verſuch' ich's.— Der iſt Erloͤſung werth, und meine Pflicht Heiſcht, edlem Endzweck Alles aufzuopfern. Ich will ihm folgen— kluͤglich, doch unfehlbar. (ab.) 170 SCENE II. Another Chamber. MäANFRED and HaR Max. HERMAN. My Lord, you bade me wait on you at sunset: He sinks behind the mountain. MäANFRED. Doth he so? I will look on him. (MANERED adoances to the Window of che Hall.] Glorious Orb! the idol Of early nature, and the vigorous race Of undiseased mankind, the giant sons Of me embrace of angels, with a sex More haautitul than they, which did draw down The erring spirits who can ne'er return.— Most glorious orb! that wert a worship, ere The m'stery of thy making was reveal'd! Thou earliest minister of the Almighty, J 171 Zweiter Auftritt. Ein andres Zimmer. Manfred und Hermann. Hermann. Du haſt zu Sonnenraſt mich herbeſchieden. Sie geht zu Thal ¹⁸) jetzt. Manfred. Wirklich ſchon? So will Ich denn ihr nachſchaun. (Nach dem Fenſter gehend.) Strahlenreicher Zirk, Abgott der Urwelt, und des Kraftgeſchlechts Noch unerkrankter Menſchheit, jener Rieſen, Aus Liebumfang von Engeln ausgeboren ††☛ ⅜ Mit Dirnen ¹), ſchoͤner noch als ſie, die einſt In ſtetes Irrſal Geiſter ſelbſt verlockten! 4 Du ſtrahlenreichſter Zirk, verehrt, bevor Sich deiner Schoͤpfung Wundertief' enthuͤllte, Dem Dienſt der Allmacht allererſt geweihter, 172 Which gladden’d, on their mountain tops, the hearts — Of the Chaldean shepherds, till they pour'd Themselves in orisons! Thou material God! And representative of the Unknown— —.,-—ͤ—— Who chose thee for his shadow! Thou chief star! —— Centre of many stars! which mak'st our earth Endurable, and temperest the hues And hearts of all who walk within thy rays! Sire of the seasons! Monarch of the climes, And those who dwell in them! for near or far, Our inborn spirits have a tint of thee, O Even as our outward aspects;— thou dost rise, V And shine, and set in glory. Fare thee well; U I ne'er shall see thee more. As my first glance 8 Of love and wonder was for thee, then take 2 My latest look: thou wilt not beam on one To whom the gifts of life and warmth have been 5 Of a more fatal nature. He is gone: 8 1 follow. (Exit MANFRED.] 175 Der einſt chaldaͤ'ſcher Hirten Herz erfreut Auf ihren Berghoͤhn, bis ſie andachtsvoll Sich in Gebet ergoſſen. Leibgewordner Gott, Und Stellvertreter jenes Unbekannten, Der dich zu ſeinem Schatten auskor! Hauptſtern! Quellpunkt von vielen, der auch unſerm Erdball Beſtand verleiht, und Herz und Farben ſchmelzt Jedwedes, der in deinen Strahlen wandelt! Jahrzeitenkoͤnig! du der Himmelspflegen Regent, wie der Bewohner! denn ob nah, Ob fern, ein Anflug ward von dir den Geiſtern, Wie unſerm aͤußern Anſehn. Du gehſt auf Und unter ſtrahlumkraͤnzet. Fahre wohl! Ich ſeh' dich niemals wieder. Wie mein erſter Aufblick Bewundrung war fuͤr dich und Liebe, So nimm den letzten! Nie beſtrahlſt du Einen, Dem Lebensgluth, die hold verlieh'ne Gabe, Heilloſer war, als mir.— Hinunter iſt ſie. Wohlauf! ich folge. 174 SCENE III.. IThe Mountains.— The Castle of Manfred at some distance.— A Terrace beſore a Torper.— Timeèe, Twilig ht. HzRMAN, MANVEE, and other Dependants of MäANFRED. HERMAN. „Tis strange enough; night after night, for years, He hath pursued long vigils in this tower, Without a witness. I have been within it,— So have we all been oft-times; but from it, Or its contents, it were impossible To draw conclusions absolute, of aught His studies tend to. To be sure, there is One chamber where none enter; 1 would give The fee of what I have to come these three years, To pore upon its mysteries. MäANUEI. „Twere dangerous; Content thyself with what thou knowest already. Geb 175 Dritter Auftritt. Gebirg. Manfreds Schloß in einiger Ferne. Vor dem Thurm ein Erdwall. Dämmerung. Hermann, Manuel und mehrere Diener Man⸗ freds. Hermann. Es iſt doch ſeltſam. Jahrelang hat er Allnaͤchtlich ohne Zeugen hier im Thurm Lang', lang' gewachet. Drinnen war ich wol, Wir Alle waren's oftmals. Doch aus dieſem 8 Und ſeinem Inhalt waͤr' es ganz unmoͤglich Herauszufolgern, welchen Zweck etwa Sein Forſchen habe. So viel iſt gewiß, Ein Zimmer giebt es, Jedem unzugaͤnglich. Drei Jahre meines Lohnes gaͤb' ich drum, Koͤnnt' ich es ausſpaͤhn. Manuel. Nein, das waͤr' gefaͤhrlich. Laß dir genuͤgen, was du ſchon vernommen. 176 HERMAN. Ah! Manuel! thou art elderly and wise, And could'st say much; thou hast dwelt within the castle— How many years is't? MäANUEL. Ere Count Manfred's birth, I served his father, Whom he nought resembles. HERMAN. There be more sons in like predicament. But wherein do they differ? MANUEI. I speak not Of features or of form, but mind and habits: Count Sigismund was proud,— but gay and free,— A warrior and a reveller; he dwelt not With books and solitude, nor made the night 29 — 5& 177 Hermann. Ach, Manuel, du biſt bejahrt und weiſe, he Wol koͤnnt'ſt du manches ſagen— wohnteſt drin— lang' iſt's her? Manuel. Eh Graf Manfred zur Welt kam, Dient' ich dem Vater, dem er gar nicht aͤhnelt. Hermann. Nun, das begegnet andern Soͤhnen auch. Fragt ſich, worin nicht? Manuel. Ei, ich ſpreche nicht Von Wuchs und Anſehn, ſondern Sinn und Sitte. Graf Sigismund war ſtolz— doch frei und heiter— Lebluſt'ger Kriegsmann; der verkehrte nicht Einſam mit Buͤchern, machte nicht die Nacht 12 4 A gloomy vigil, but a festal time, Merrier than day; he did not walk the rocks And forests like a wolf, nor turn aside From men and their delights. HERNMAN. Beshrew the hour, But those were jocund times! I would that such Would visit the old walls again; they look As if they had forgotten them. MaäANUIL. These walls Must change their chieftain first. Oh! I have seen Some strange things in them, Herman, HERMAN. Come, be friendly; Relate me some to While away our watch: T've heard thee darkly speak of an event Which happened hereabouts, by this same tower. een 179 Zu truͤber Nachtwach', nein, zum Feſtgelage, Kurzweil'ger, als der Tag. Der ſtreifte nicht Durch Berg' und Waldung, wie ein Wolf, noch mied er Geſell'ge Luſtbarkeit. Hermann. Verwuͤnſchtes Leben! Das nenn' ich angenehme Zeit. So ſollte Die alten Mauern wieder ſie begruͤßen, Die jetzt vergeſſen ſcheint. Manuel. Da muß zuvoͤrderſt Ein Herrenwechſel vorgehn. Ach, ich hab' Gar ſeltne Dinge hier erlebt. Hermann. Sei traulich! Erzaͤhl' mir etwas, unſre Wacht zu kuͤrzen! Du ſpracheſt dunkel einſt von einem Vorfall, Der hier um dieſen Thurm herum ſich zutrug. 12* — 180 MaäANUEI. That was a night indeed; I do remember „Twas twilight, as it may be now, and such Another evening;— yon red cloud, which rests On Eigher's pinnacle, so rested then,— So like that it might be the same; the wind Was faint and gusty, and the mountain snows Began to glitter with the climbing moon; Count Manfred was, as now, within his tower,— How occupied, we knew not, but with him The sole companion of his wanderings And watchings— her, whom of all earthly things That lived, the only thing he seem'd to love,— As he, indeed, by blood was bound to do, The lady Astarte, his— Hush! who comes here? Enter the ABBoOx. Where is your master? HERMAN. Nonder, in the tower. — 181 Manuel. Ja, das war eine Nacht, mir unvergeßlich! 's war auch um Daͤmmrungszeit, wie jetzt, und eben Ein ſolcher Abend; auch die rothe Wolke Dort auf dem Aarhorngipfel ſo gelagert, Als waͤr's dieſelbe noch. Die Luͤfte wehten Nur ſchaal und ſchaurig, und der Berge Schnee Begann im Mondesaufgang ſchon zu funkeln. Graf Manfred war, wie jetzt, in ſeinem Thurm; Womit beſchaͤftigt, weiß ich nicht; bei ihm Die einz'ge Wacht⸗ und Wanderungsgenoſſinn, Sie, die von allen Erdendingen er gs . In ſeinem Umkreis einzig ſchien zu lieben— Wie Blutsverwandtſchaft allerdings auch heiſchte—. 2 Fraͤulein Aſtarte— Still! wer kommt daher? e7 K Abt(auftretend). Wo weilet euer Herr? Hermann. Im Thurme dort. 182 ABBor. I must speak with him. MANUEL. „Tis impossible; He is most private, and must not be thus Intruded on. ABBor. Upon myself I take The forfeit of my fault, if fault there be— But I must see him. HERMAN. Thou hast seen him once This eve already. ABBoxr. Herman! I command thee, Knock, and apprize the Count of my approach. 4 HERMAN. We dare not. Ich muß ihn ſprechen. Manuel. Iſt unmoͤglich jetzt.— Er will allein ſeyn; alſo darf man nicht Zudringlich ſtoͤren. Abt. Iſt es ein Vergehn, So nehm' ich einzig alle Straf' auf mich. Doch ſehen muß ich ihn. Hermann. V 4 Bereits heut Abends Warſt du ja dorten. Abt. e, Hermann! Ich befehle, Klopf' an und melde mich bei deinem Grafen! Hermann. Wir duͤrfen nicht. 184 ABBoOT. Then it seems I must be herald Of my own purpose. MäANUEI. Reverend father, stop— I pray you pause. ABBor. Why so? MANUEIL. But step this way, And I will tell you further. Exeunt.] SCENE IV. Interior of the Tower. MaäANRED alone. — MaANFRED. The stars are forth, the moon above the tops Of the snow-shining mountains.— Beautiful! —O—V—V—᷑—’:—— 185 Abt. So muß ich ſelber mein Anliegen ihm— Manuel. Hochwuͤrd'ger Vater, halt— Verweil', ich bitte. Abt. Doch warum? Manuel. Folg mir! Du ſollſt das Weitre dann von mir erfahren. (Alle ab.) Vierter Auftritt. Das Innere des Thurms. Manfred lallein). Die Sterne ſind herauf und auf der Berge Schneelichten Spitzen ſteht der Mond. Wie ſchoͤn! 4 — 186 I linger yet with Nature, for the night Hath been to me a more familiar face Than that of man; and in her starry shade Of dim and solitary loveliness, I learn'd the language of another world. I do remember me, that in my youth, When I was wandering,— upon such a night I stood within the Coloseum's wall, Midst the chief relics of almighty Rome; The trees which grew along the broken arches Waved dark in the blue midnight, and the stars Shone through the rents of ruin; from afar The watchdog bayed beyond the Tiber; and More near from out the Caesars' palace came The owl's long cry, and, interruptedly, Of distant sentinels the fitful song Begun and died upon the gentle wind. Some cypresses beyond the time-Worn breach Appeared to skirt the horizon, yet they stood Within a bowshot— where the Caesars dwelt, Mich laͤßt die Sehnſucht nach Natur doch nicht. Denn mehr befreundet war mir, als der Menſchen, Das Angeſicht der Nacht. In Sternendaͤmmrung Und ihrem heimlich lieben, bleichen Schein Ward mir die Kundſchaft hoͤh'rer Weltenſprache. Da denk' ich wieder meiner Jugendzeit, Als ich, ein Wandrer— auch in ſolcher Nacht—' Im Koloſſeum mich befand, umgeben Von Ueberbleibſeln jener maͤcht'gen Roma. Die Baͤume nickten laͤngs verſunk'nen Bogen Gar truͤb' hinein in blaue Mitternacht; Die Sterne flimmten durch die Truͤmmerriſſe. Jenſeits der Tiber fernher boll der Wachthund, Und naͤher droͤhnt' aus Caͤſars Prachtgebaͤude 4 Weithin der Eulen Wimmern, und dazwiſchen Begann und ſtarb in leiſem Windgefluͤſter Fernſteh'nder Wachen roher Luſtgeſang. Ein Paar Cypreſſen uͤber morſchem Bruchwerk Schien Saum des Horizonts, und dennoch ſtand es In Bogenſchußweit' an den Kaiſerbauten, 188 And dwell the tuneless birds of night, amidst A grove which springs through levell'd battlements, And twines its roots with the imperial hearths, Ivy usurps the laurel's place of growth;— But the gladiators' bloody Circus stands, A noble wreck in ruinous perfection! While Caesar's chambers, and the Augustan halls, Grovel on earth in indistinct decay.— And thou didst shine, thou rolling moon, upon All this, and cast a wide and tender light, Which soften'd down the hoar austerity Of rugged desolation, and fill'd up, As'twere, anew, the gaps of centuries; Tln that beautiful which still was so, And making that which was not, till the place Became religion, and the heart ran o'er With silent worship of the great of old!— The dead, but sceptred sovereigus, who still rule Our spirits from their urns.— „Twas such a night! 189 Wo jetzt tonloſes Nachtgevoͤgel niſtet, Im Hain, inmitten eingeſtuͤrzter Zinnen, Der ſeine Wurzeln ſchlingt in Kaiſerheerde, Wo ſtatt des Lorbeers frech der Epheu rankt— Doch ſteht der Fechter blut'ges Rund noch immer, Ein edler Wrack in hehrer Zeitzertruͤmm'rung, Indeß Gemaͤcher Caͤſars, Kaiſerhallen Unausgezeichnet auf dem Grund verwittern. Dort uͤberglaͤnzteſt, Wandelmond, auch du Dies Alles, warfſt ein breites, mildes Licht, Das ſanft den herben Ernſt der grauſen Oede Danieder daͤmpfte, wiederum die Kluft Ausfuͤllte von Jahrhunderten; da blieb Das noch vorhand'ne Schoͤn' unangetaſtet, Was nicht ſo war, das ward es, bis die Staͤtte Zum Heiligthume ward und uͤberfließend Das Herz in Huld'gung alter Groͤße wallte— Der todten Herrſcher, die das Scepter fuͤhrten Und aus der Urne noch die Geiſter lenken. Solch' eine Nacht war's. Seltſam, daß mir's beigeht! —— ——— 190 „Tis strange that I recall it at this time; But I have found our thoughts take wildest flight Even at the moment when they should array Themselves in pensive order. Enter the ABBox. ABBOT. My good Lord! I crave a second grace for this approach; But yet let not my humble zeal offend By its abruptness— all it hath of ill Recoils on me; its good in the effect May light upon your head— could I say heart— Could I touch chac, with words or prayers, I should Recall a noble spirit which hath wandered; But is not yet all lost. MANFRED. Thou know'st me not; My days are numbered, and my deeds recorded: Rerire, or'twill be dangerous— Away! 0 2 —a 191 Doch fand ich immer, grad' am wildſten ſtuͤrmen ight In uns Gedanken, wenn ſie ſich zumeiſt Geſchloſſen anreihn ſollten. (Der Abt tritt ein.) Abt. Edler Herr! Verzeih mir nochmals, daß ich dreiſt erſcheine. Laß nicht der Demuth Eifer dich beleid'gen Durch raſchen Eindrang. Was er Boͤſes hat, 3 Wird mich ja treffen, doch die gute Wirkung Fall' auf dein Haupt— noch lieber ſagt' ich Herz— oul3 Koͤnnt' ich mit Worten, durch Gebet dies ruͤhren, Dann waͤr' ein edler Geiſt zurecht gewieſen. 1 Doch iſt nicht Alles hin. Manfred. Du kennſt mich nicht. Mein Lebensmaaß iſt voll, mein Thun verzeichnet. Geh, willſt du nicht gefaͤhrdet ſeyn. Hinweg! 192 ABBOT. Thou dost not mean to menace me? MäANFRED. Not I; I simply tell thee peril is at hand, And would preserve thee. AnBor. What dost mean? MaäANFRED. Look there! What dost thou see? ABBoOT. Nothing. MaäANFRED. Look there, I say, And steadfastly!— now tell me what thou seest? 193 Abt. Du willſt mir doch nicht drohen? Manfred. Keineswegs! Nur, daß im Anzug iſt Gefahr, dir ſagen Und gern dich retten. Abt. Was ſoll das? Manfred. Schau dort! ere! Was ſiehſt du dorten? Abt. Nichts. Manfred. , Ich ſage, ſchau, „ Doch unverwandten Blicks. Nun ſprich, was ſiehſt du? 13 194 ABBoOT. That Which should shake me,— but I fear it not— I see a dusk and awful figure rise Like an infernal god from out the earth; His face wrapt in a mantle, and his form Robed as with angry clouds; he stands between Thyself and me— but I do fear him not. MäANFRED. Thou hast no cause—he shall not harm thee— but His sight may shock thine old limbs into palsy. S I say to thee— Retire! ABBOT. And I reply— Never— till I have battled with this fiend—. What doth he here?. MaäANFRED. Why-— ay— what doth he here? I did not send for him,— he is unbidden. Was mich erſchuͤttern ſollte, doch nicht ſchreckt. Ein hehres Daͤmmerbild erhebt ſich dort, Gleich einer Hoͤllengottheit, aus der Erde. Das birgt im Mantel ſein Geſicht, umwoͤlkt 4 Von Zorn die Zuͤge; zwiſchen dich und mich Iſt's nun getreten— doch ich fuͤrcht' es nicht. Manfred. but Haſt auch nicht Urſach; dich verletzt es nicht; Doch kann der Anblick dir die Glieder laͤhmen; Drum ſag' ich warnend: geh! Abt. Und ich erwiedre: Mit nichten, bis ich dieſen Feind beſtanden. Was will er hier? Manfred. ere? Ei nun 2²⁰)— ach! was er will? Lud ich ihn denn? Uneingeladen kommt er. 15 ¾ 196 ABBoOT. Alas! lost mortal! what with guests like these Hast thou to do! I tremble for thy sake; Why doth he gaze on thee, and thou on him? Ah! he unveils his aspecr; on his brow The thunder-scars are graven; from his eye Glares forth the immortality of hell— Avaunt! MaäANFRED. Pronounce— what is thy mission? SEPIRIT. Come! ABBoOx. What art thou, unknown being? answer!— speak! SPIRIT. The genius of this mortal.— Come!'tis time. Weh dir, verlorner Menſch! Was ſollen Gaͤſte Wie dieſer, dir? Ich zittr' um deinetwillen. Wie er dich anſtarrt, und du wieder ihn! Ha! jetzt enthuͤllt er ſein Geſicht; der Stirn Sind Donnernarben eingefurcht; ſein Auge Blitzt weit Unſterblichkeit der Hoͤll' umher— Hinweg! Manfred. Verkuͤnde deinen Auftrag! Geiſt. Abt. Wer, unbekannter, biſt du? Sprich— gieb Antwort! Geiſt. Geiſt dieſes Staublings— Komm! Die Zeit iſt um. 198 MaäANFRED. I am prepared for all things, but deny The power which summons me. Who sent thee here? SPIRIT. 3 Thou'lt know anon— Come! come! MaNFRED. I have commanded Things of an essence greater far than thine, And striven with thy masters. Get thee hence!( SPIRTT. Mortal! thine hour is come— Away! I say. MäANFRED. I knew, and know my hour is come, but not To render up my soul to such as thee: Away! l'll die as I have lived— alone. SPIRIT. Then I must summon up my brethren.— Rise! [Other Spirits rise up.] 199 — Manfred. Auf Alles bin ich vorgefaßt; nur daß ich Die Macht verlaͤugne, die mich ruft. Wer ſchickt dich? Geiſt. Du wirſt's erfahren. Komm! —— Manfred. led Ich habe Geiſtern Weit hoͤh'rer Abkunft noch, als du, befohlen, Gekaͤmpft mit deinen Meiſtern. Heb' dich weg! —— ————ÿ— Geiſt. Menſch! deine Stund' iſt kommen. Folge, ſag' ich. — Manfred. Daß meine Stund' iſt kommen, wußt' und weiß ich, — Nicht, daß ich meine Seele dir ergebe. Fort! Lebt' ich einſam, will ich auch ſo ſterben. Geiſt. 1 5 So lad' ich meine Bruͤder vor. Herauf! (Andre Geiſter erheben ſich.) 200 ABBor. Avaunt! ye evil ones!— Avaunt! I say,— F v 3 Ye have no power where piety hath power, And I do charge ye in the name— SPIRIT. Old man! We know ourselves, our mission, and thine order; Waste not thy holy words on idle uses, It were in vain; this man is forfeited. Once more Isummon him— Away! away! MäANFRED. I do defy ye,— though I feel my soul Is ebbing from me, yet I do defy ye; Nor will I hence, while I have earthly breath To breathe my scorn upon ye— earthly strength Shall be ta'en limb by limb. SPrRIT. Reluctant mortal! Abt. Hebt euch von hinnen, Teufel! Fort dann! ſag' ich. Ihr habt zu walten nicht, wo Gnade waltet, Und ich befehl' euch bei dem Namen— „ Geiſt. 3 Greis! Wir, unſre Sendung, dein Beruf iſt uns Bekannt; verſchwende nicht ſo heil'ges Wort! Es waͤre fruchtlos; dieſer iſt verfallen. Ich lad' ihn abermals— Hinweg! hinweg! Manfred. Ich trutz' euch aber— fuͤhl' ich gleich die Seele Mir ſchon entſtroͤmen— dennoch trutz' ich euch. Ich will von hinnen nicht, ſo lang' ich Athem, Euch auszuhoͤhnen hab', und ird'ſche Kraft, Zu ringen ſelbſt mit Geiſtern. Glied fuͤr Glied Muͤßt ihr mir nehmen. Geiſt. Widerſpaͤnn'ger Thor! 20⁰2 Is this the Magian who would so pervade The world invisible, and make himself Almost our equal?— Can it be that thou Art thus in love with life? the very life Which made thee wretched! MaNFREp. Thou false fiend, thou liest! My life is in its last hour,— chac I know, Nor would redeem a moment of that hour; I do not combat against death, but thee And thy surrounding angels; my past power Was purchased by no compact with thy crew, But by superior science— penance— daring— And length of watching-—strength of mind—and skill In knowledge of our fathers— when the earth Saw men and spirits walking side by side, And gave ye no supremacy: I stand Upon my strength— I do defy— deny— Spurn back, and scorn ye!— —— — 203 Iſt dies der Zaub'rer, der ſo kuͤhn durchlief Die unſichtbare Welt und ſich beinah 4 Uns gleich gehalten? Haͤngſt du denn ſo ſehr* An dieſem Leben? an demſelben Leben, Das dich ſo elend machte? Manfred. Feind! du luͤgſt. Es muß zu Ende gehn mit mir, das weiß ich. Auch moͤcht' ich's keinen Augenblick verzoͤgern. Nicht gegen Tod ankaͤmpf' ich, gegen dich Und deinen Anhang. Nicht mit deiner Rotte Vertrug ich feilſchend mich um fruͤh're Macht. Preis hoͤhern Wiſſens war ſie, Muths, Kaſteins— II Durchwachter Naͤchte— Geiſteskraft und Kundſchaft G' Urvaͤterlichen Wiſſens— als die Erde Noch Menſchen ſchaut' und Geiſter einig wandeln, Nicht Euch den Vorzug zugeſtand. Ich ſteh' In meiner Vollkraft— trotzend euch— verlaͤugnend— Euch ſcheuchend— hoͤhnend— 204 SPIRIT. But thy many crimes Have made thee— MäANFREp. What are they to such as thee? Must crimes be punish'd but by other crimes, And greater criminals?— Back to thy hell! Thou hast no power upon me, at I feel; Thou never shalt possess me, chat I know: What I have done is done; I bear within A torture which could nothing gain from thine: The mind which is immortal makes itself Requital for its good or evil thoughts— Is its own origin of ill and end— And its own place and time— its innate sense When stripp'd of this mortality, derives No colour from the fleeting things without; But is absorb'd in sufferance or in joy, Born from the knowledge of its own desert. „„ 22 205 Geiſt. Allzuviel verbrochen Haſt du; deswegen— Manfred. Kuͤmmert's dich, Geſell? Straft auch Verbrechen wol ſich durch Verbrechen Und groͤßre Suͤnder?— Weich' zuruͤck zur Hoͤlle! Obmacht gebricht dir uͤber mich, das fuͤhl' ich; Und mich bekommen ſollſt du nie, das weiß ich. Was ich gethan hab', iſt gethan, und Foltern Trag' ich im Herzen, die du nie kannſt ſchaͤrfen. Sein Selbſtvergelter iſt der ew'ge Geiſt Im Guten, oder Argen, das er dachte, Sein eigner Uranfang und Uebels Ende, Sich ſelber Zeit und Raum; ſein inn'rer Sinn, Der Sterblichkeit entkleidet, borget nicht Von aͤuß'rer Dinge Wechſelfluß die Farbe, Nein, laͤßt von Freude ſich und Leid verſchlingen, Die Selbſtbewußtſeyn nur ihm ausgebar. 206 Thon didst not tempt me, and thou couldst not tempt me; 1 have not been thy dupe, nor am thy prey— But was my own destroyer, and will be My own hereafter.— Back, ye baffled fiends! The hand of death is on me— but not yours! [The Demons disappear.] ABBoOx. Alas! how pale thou art— thy lips are white— And thy breast heaves— and in thy gasping throat The accents rattle— Give thy prayers to heaven— Pray— albeit but in thought,— but die not thus. MaNFRED. „Tis over— my dull eyes can fix thee not; But all things swim around me, and the earth Heaves as it were beneath me. Fare thee well— Give me thy hand. ABBoOx. Cold— cold— even to the heart— Bur yet one prayer— alas! how fares it with thee?— —— 2⁰7 Du haſt mich nicht verſuchet, konnteſt nicht; Nicht dein Bethoͤrter war ich, noch dir Beute. Mein Selbſtzerſtoͤrer war ich und ich will's Auch fuͤrder bleiben. Fort! du Schmachgeſindel! Die Hand des Todes ruht auf mir— nicht eure. —(Die Geiſter verſchwinden.) Abt. Weh! wie du blaß wirſt! wie die Lippen bleichen! Hochfliegend keucht die Bruſt— die Laute brechen Im luftberaubten Schlund— o fleh' zum Himmel— Bet', ob auch innerlich— nur ſtirb nicht ſo! Manfred. 's iſt aus— die Augen halten dich nicht feſt— Es ſchwimmt mir Alles rings umher— die Erde Droͤhnt ſchon wie unter mir. So fahre wohl! Reich' mir die Hand! Abt. Kalt bis an's Herz hinauf! Nur Ein Gebet noch! Weh! Wie ſteht's um dich? 208 MAäANFRED. Old man!'tis not so difficult to die. [MANFRED expires.] ABBoOT. He's gone— his soul hath ta'en its earthless flight— Whither? I dread to think— but he is gone. 2 209 Manfred. zs iſt doch nicht allzu ſchwer, o Greis, zu ſterben. 64.](ſtirbt.) Abt. t— Hin iſt er— ſeine Seele ſchwang ſich auf— Wohin?— Mit Schaudern denk' ich's— doch er ſchied. Anmerkungen. oe—6——————2— Des Dichters hier mit Sternchen bezeichnete Bemer⸗ kungen moͤgen die Zugabe des Ueberſetzers entſchuldi⸗ gen und verguͤten. Zuvoͤrderſt uͤber das Ganze einige Winke! Man hat dies Werk in England mit Mar⸗ low's neuerdings uͤberſetztem und mit einer Vorrede des geiſtreichen Arnims begleitetem Fauſt verglichen. Dies moͤge auf ſich beruhen. Es haͤngt, wie unſeres Goethe Fauſt, und gar viele, gewoͤhnlich nicht dahin gerechnete Werke, in der uralten mythiſchen Idee vom uͤbermuͤthigen Rieſentrutz des gottmenſchlichen Geiſtes, ſeinem Abfall und der damit verwirkten Unſchuld, wie Urerkenntniß, die nun aus(weißer) Magie eine ſchwarze Kunſt wurde. Dieſe Idee, die aus dem Orient herab in vielfachen Kruͤmmungen und Wendungen durch alle Zeiten und Voͤlker fließt, und, weil ſie das Ewige ſchlechthin fordernd bejahet, darum das Endliche ver⸗ neinet, draͤngt ſich dem allmaͤhlig ſich ſelbſt klar wer⸗ 1 214 denden Geiſte ſo unabweislich auf, daß ſie das mehr oder minder bewußt variirte Thema aller Zeiten wird. Aber auch ihr, wie jeder Idee, wirft die Zeit ſtets ihre Farbe an, wodurch dann ihre Klarheit mehr oder minder getruͤbt wird, wie dies eben ſelbſt wieder Folge des Falles iſt. Daß Goethe ſie in tiefem, weltge⸗ ſchichtlichen Sinne, wie keiner, wenn man nicht Dante zum Theil dahin rechnen will, ausgeſprochen, werden tiefſinnige Freunde wol faſſen und fuͤhlen, ja die gu⸗ ten, tiefen Seelen werden den Ausdruck der, dieſer Idee unmittelbar eingebornen und ſie ganz durchwoh⸗ nenden hoͤchſten vernichtenden Weltironie eben ſo wohl erkennen, als zu Nutz und Frommen anwenden. So tief hat nun wol freilich unſer edler Lord dieſe Idee, hier ſo wenig als anderwaͤrts, nicht aufgefaßt und ausgebildet, obwol ſeine Erzeugniſſe ſich meiſtens in ihr bewegen. Zwar fehlt es da nicht an Uebermuth, Stolz und Lebensverachtung, die ſich aus der klaͤrſten Verruchtheit aufraffen und wie an einem Fluchgeſchick trutzig raͤchen moͤchte; auch iſt die ſo verkuͤmmerte Menſchennatur, wie ihr Leib, die Natur recht ſtaat⸗ lich herausgeputzt und wie eine unmittelbar nach ei⸗ nem Gewitter beleuchtete Abendlandſchaft mit dem Schaumgold der untergehenden, noch einmal groß auf⸗ lodernden Sonne, ſo mit dem Schaumgolde der Phan⸗ ——4.— HfH f. 215 taſie gar duftig und herrlich angegluͤht; aber die Luft rd. iſt doch immer noch ſchwuͤl, und fernher aus grauen, ets der Sonne gegenuͤber aufziehenden, hagelſchweren Wol⸗ der ken zucken noch immer verlorene Blitze, und kaum iſt hlge die baͤndigende Sonnenkraft fuͤr heute vergluͤht, ſo ge⸗ fallen die Blitze haͤufiger, und in der Ferne lodert, te furchtbar die grauſe Nacht hellend, des Landmanns den Huͤtte, wie des Gutsherrn Schloß. Kurz, es ſchlaͤgt gu⸗ ein gewaltiger Geiſt hier die breiten Schwingen; aber eſer von der Laſt des bittern unmuths, wie von ſeiner oh⸗ Traͤgheitskraft, wieder herabgezogen, faͤllt er gerade pohl ſo hoch, als er ſich aufſchwang, herab, und ein ver⸗ So ruchter Fluch iſt das letzte Lebenszeichen, gleichſam der dee, furchtbar droͤhnende Hall des Falls. Koͤnnen wir nun und hierin einerſeits nicht das volkseigenthuͤmlich Finſtere, in Herbe, Muͤrriſche, ſo zu ſagen einen potenzirten Spleen, th, verkennen, ſo iſt uns Teutſchen auch noch eine andere ten Seite bemerkenswerth. ick In den Zeiten der Weltgaͤhrung naͤmlich, worin rte wir ſtehen, hat mit aller Kunſt und Kritik auch die at⸗ englaͤndiſche einen Umſchwung genommen, der wol noͤ⸗ ei⸗ thig war, da in dem langen Frieden und durch das em allzu verſchwenderiſche Schoͤnthun die Kraͤfte ziemlich tf⸗ erſchlafft waren. Auch in England iſt mancher ver⸗ n⸗ jaͤhrte, auf Hoͤrenſagen hin eingeraͤumte Anſpruch auf 216 ſitz Gluͤcklichen ſind die welken Lorbeeren vom Haupte geriſſen, den Bewerbern aber ganz andere Beglaubi⸗ gungen, Urkunden und Beweiſe, als die bisherigen, abgefordert worden. Unbefangene Auslaͤnder hatten dergleichen Einſchwaͤrzungen ſchon fruͤher entdeckt, und mußten den Inlaͤndern, als ſie dieſelben nun auch ent⸗ deckten, dazu Gluͤck wuͤnſchen; denn arge Einſeitigkeit und angehende Verſteinung druͤckte auch auf englaͤn⸗ diſche Kunſt und Kritik. Statt aller weitern Belaͤge darf man nur den Abfall von ihrem Dichter Shake⸗ ſpeare nennen.— Jedes Volk und jede Zeit hat, wie einen Urmythus, ſo auch in der Sphaͤre der ge⸗ ſchriebenen Poeſie, nur Einen wahrhaften Dichter, ob⸗ wol neben ihm manches Anmuthige, Geiſtreiche, beiher ſpielen kann!— Ueber Shakeſpeares vermeinte wilde Ueberſchwaͤnglichkeit, geile Auswuͤchſe, Geſchmackloſig⸗ keit, Schenkenwitz ꝛc. fuͤhlte ſich das ſpaͤtere Zwergen⸗ geſchlecht unendlich erhaben, als ob nun erſt ſeine wil⸗ den Wald⸗ und Bergfluthen in die gehoͤrigen Betten eingezwaͤngt, als feines, klares, gleichſam kein Waͤſſer⸗ chen truͤbendes, Baͤchlein des englaͤndiſchen Poeſieparks Verzierung und Prachtſtuͤck geworden waͤren. Daß hier nicht von der naturtriebmaͤßigen Anhaͤnglichkeit des Volks, als ſolchem, die Rede iſt, ſondern von dem Zerr⸗ Klaſſicitaͤt ab und zur Ruhe verwieſen, vielen im Be⸗ —— d— d6 2A 217 bild, das die Reflexion, nachdem ſie den Dichter und die mit, in und durch ihn ausgeborene Idee in die Arbeit genommen, daraus gemacht, wird jeder Ver⸗ ſtaͤndige von ſelbſt ermeſſen. Denn auch hier iſt Volks⸗ ſtimme Gottesſtimme, und hallt wie in einem Dio⸗ nyſiusohre nach, und das Naturgefaͤhl behaͤlt im Gan⸗ zen, wie ſich's gebuͤhrt, Recht. So kam es denn, daß die Ueberlieferung von ihm, als dem Dichter Englands, auch unter denen, welche dieſelbe in ihrer zum Grunde liegenden Idee ergreifen, anerkennen und nachweiſen ſollten, noch umging und umgeht, auch manche bruch⸗ ſtuͤckliche Beiwerke und Seltſamkeiten derſelben aufge⸗ ſtoͤbert und vorgezeigt wurden, wie zuletzt die Haz⸗ litt's und Drake's beweiſen. Was aber das We⸗ ſentliche anlangt, naͤmlich den feſten, unerſchuͤtterlichen Glauben und das klare lebendige Schauen, ſo erging es den Schriftgelehrten zumal mit ihm doch nicht viel anders, als den mythiſchen Figuren der Griechen und Roͤmer in der modernen Poeſie. Als und waͤhrend nun aber die Kritik an fruͤhern Erzeugniſſen ſich geuͤbt, geſtaͤrkt und geſchaͤrft hatte, war unterdeſſen auch die Poeſie in einer andern Geſtalt aufgetreten. In der engliſchen Poeſie,» ſagt Goethe,«findet man durch⸗ aus einen großen, tuͤchtigen, weltgeuͤbten Verſtand, ein tiefes, zartes Gemuͤth, ein vortreffliches Wollen, ein 218 leidenſchaftliches Wirken. Das Alles zuſammengenom⸗ men macht noch keinen Poeten. Die wahre Poeſie kuͤndet ſich dadurch an, daß ſie, als ein weltliches Evangelium, durch innere Heiterkeit, durch aͤußeres Behagen uns von den irdiſchen Laſten zu befreien weiß, die auf uns druͤcken. Wie ein Luftballon hebt ſie uns mit dem Ballaſte, der uns anhaͤngt, in hoͤhere Regio⸗ nen und laͤßt die verwirrten Irrgaͤnge der Erde in Vogelperſpective vor uns unentwickelt daliegen. Die munterſten, wie die ernſteſten Werke haben den glei⸗ chen Zweck, durch eine gluͤckliche geiſtreiche Darſtellung ſo Luſt als Schmerz zu maͤßigen. Nach dieſer Anſicht zeigen die meiſten engliſchen Gedichte einen duͤſtern Ueberdruß des Lebens.“ Dieſer allerdings aus dem Weſen der Englaͤnder aufgegriffene und richtig ange⸗ gebene Grundzug mußte auch in der neuen Umgeſtal⸗ tung der Poeſie um ſo mehr wieder hervortreten, weil, wie denn ganz Europa nach allen Richtungen hin aus⸗ gelaugt iſt, auch England dem Schickſal, das uns Teutſche traf, nicht entgehen konnte. Nachdem naͤm⸗ lich bei uns mit der Sittenreinheit das Große, Hei⸗ tere aus dem öffentlichen und beſondern Leben getreten, und dem ganzen Laſtertroß der Selbſtſucht, der Ueppig⸗ keit, dem Raub, dem Wucher, dieſer Peſt⸗ und Eiter⸗ beule Europa's, gewichen, beſſere That aber und beſſe⸗ 219 res Leben noch nicht eingetreten war, vermiethete ſich auch die Poeſie eine Zeit lang an die winzige Alltaͤg⸗ lichkeit, an dieſen juͤdelnden Kraͤmer⸗ und Hoͤkergeiſt des Tags, und verwechſelte Wahrheit und Natuͤrlichkeit mit Erſtorbenheit und Ertoͤdtung der Idee. Somit aber wurde durch Bankbruchgeſchichten, Familien⸗Klatſch, Jammer und Noth, Ueppigkeitsausſtellungen und Durch⸗ ſtechereien eine Art von Ekelkur unwillkuͤhrlich beſtan⸗ den. Der Kranke erholte ſich etwas von dem Maras⸗ mus und der Spannungsloſigkeit; aber das indeß auch wunderſamlich veraͤnderte Welt⸗ und Staatsklima wirkte auf den langſam Geneſenden, muͤhſam Kraft⸗ ſchoͤpfenden, allzu aufregend und nachtheilig ein. Es trat eine Kraftperiode, wie man es nennt, ein, eine bilderſtuͤrmeriſche Haſt, eine Zerſtoͤrungsluſt. Schil⸗ ler hatte bereits durch ſeine»„Raͤuber,« Heinſe durch »Ardinghello« der Pſyche an der Sonnengluth der Phantaſie die Fluͤgel verſengt, ſo daß ſie ſich nur in einem Utopien gefallen wollte. Nachdem nun der treffliche Schiller ſich vielfach verſucht, und die von der Kritik und dem hiſtoriſchen Studium der Poeſie ausgebeuteten Ideen, wie der Romantik, des Katho⸗ licismus ꝛc., mannichfaltig ausgebildet und geſtaltet hatte, gerieth er auch auf die Schickſalsidee, als dem Griechenthum eigenbehoͤrig, und wie ſie ſchon im 220 »Wallenſtein« als tiefer Misverſtand der Weltge⸗ ſchichte ſich verrieth, ſo trat ſie noch entſtellter und fuͤr den Unbefangenen befremdlicher in der»Braut von Meſſina“ hervor, einem unſeligen, ſchielenden Gemiſch von Antikem und Modernem, Chriſtenthum und Hei⸗ denthum. Durch alle dieſe Zeitmetamorphoſen ging nur Einer groß und gluͤcklich, und loͤſete feſten Gan⸗ ges, wie durch organiſche Nothwendigkeit ſeiner Na⸗ tur, innerhalb ſeines Bildungskreiſes, auch vorbild⸗ lich und prophetiſch jede ſcheinbare Einſeitigkeit in ſei⸗ nem harmoniſchen Ganzen auf. Aber was dieſem reichbegabten Einzelnen in ſeinem Kreiſe darzuſtellen und zu loͤſen vergoͤnnt war, daran loͤſet im Ganzen die Zeit und das Geſchlecht noch, welchen er auch hierin gar maͤchtig vorgeſchritten iſt. Denn allmaͤhlig hatte ſich, auch durch anderweitige Anregungen, eine Schule der Poeſie und Kritik gebildet, die den ſoge⸗ nannten Beſonnenern, den philosophes du bon vieux tems, welche mit der haſtig ſtuͤrmenden Zeit nicht eben Schritt halten konnten, gar viel zu ſchaffen machte. Bei den hier Genannten war nun freilich die Klage und das Stoͤhnen mehr aus aͤngſtlicher Selbſtſucht her⸗ vorgegangen; aber auch die tiefſt Gegruͤndeten und Gebildeten durften, wenn ſie es auch nur ſtill thaten, nicht ohne gerechten Grund klagen. Denn bei man⸗ 221 chem Guten, das zu Tage gefoͤrdert ward, war doch eine Ausgelaſſenheit, eine vornehme Unbeſorgniß, eine Lebenshaſt und Lebensgier, eine Luͤderlichkeit, ein Ue⸗ bermuth eingeriſſen, die ihre Schatten nothwendig auch in die Poeſie werfen und in Herzensverſengung und Ausdoͤrrung enden, oder davon ausgehen mußten, weil ja die Kunſt, mehr oder weniger dem Leben nach⸗ tretend, es reflectirt. So ſchwankte, oder ſtuͤrmte man denn, weil das geprieſene Vorhandene der gefeierten Gegenwart nicht genuͤgte, freilich wol auch den zumal ſo haſtig Strebenden nicht genuͤgen konnte, eine neue Welt aber nur noch in falſchen Wehen ſich ankuͤndigte, in die alten Zeiten der Religion, Minne und Ehre zuruͤck, und, nachdem man manche ſchoͤne Erzeugniſſe jener Zeit wieder vorgefuͤhrt, ſuchte man die Zeitwelt ſelbſt zur fruͤhern Untergegangenen umzugeſtalten. Dies kindiſche Streben ward nach und nach eine Krankheit, welche, als geiſtige, in der phyſiſchen Augenkrankheit, die unſer Goethe Akyanoblepſie nennt, ein gleichartiges Gegenbild hat, und durch den eben geruͤgten Mangel an pſychiſcher Diaͤt nur gefaͤhrlicher und anſteckender wurde. Man koͤnnte ſie, wohlverſtanden, als eine Art der Lichtenbergiſchen Ultrakrepidamie anſehen und in kuͤnftigen Geſchichtskompendien der Poeſie als Hip⸗ pomanie auffuͤhren. Weil nun aber dadurch Sinn und 222 Hand gelaͤhmt wurden, oder auch uͤberhaupt das Rechte, Noͤthige durch Kunſt allein vielleicht nicht ergreifbar war, ſo geſchah es, daß man immer ſtaͤrkere Reize aufbieten zu muͤſſen glaubte, um es zu erjagen, daß man die neue Weltgeburt mit Zangen hervorzureißen und zu zwingen ſtrebte; welcher Vorwitz denn freilich ſich mit Mondkaͤlbern lohnte. Und ſo entſtanden die »Februare, die Schuld, die That, die Ahnfrau ꝛc.« — dieſe aͤchten Sublimationen von poetiſcher asa foetida, Teufelsdreckblumen der Poeſie, wie es in der Chemie Schwefelblumen giebt. Ohne Bild und ohne Scherz zu reden, duͤnken uns dieſe Erzeugniſſe aller welthiſtoriſchen und dramatiſchen Wahrheit eben ſo ſehr, als aller Idee des Chriſtenthums baar, welches Beides hier in Eins zuſammenfaͤllt. Das Chriſtengemuͤth fuͤhlt und kennt nimmermehr ein blindes, mit Natur⸗ gewalt niederwerfendes, vernichtendes Schickſal; ja ſelbſt das leichtſinnige, an das Leibliche, die Natur hingegebene verpfaͤndete Griechenthum, welches mithin ſeine geiſtig tiefſten Ideen noch plaſtiſch vor ſeinen leiblichen Augen feſtzuhalten ſtrebte, und dem zufolge auch die Weltlenkung und Herrſchaft als blind und taub laſtende Gewalt hauſen ließ, als Nemeſis, oder Erinnys, mußte ſich ja doch beſcheiden, damit nur das Negative an der Idee, ihren in die Außenwelt gewor⸗ 223 fenen Schatten, alſo das Nichtige zu treffen, indem es den Geiſt, die eigentliche Ideenheimath und ihre reinſte Verklaͤrung wie auf einem Eliaswagen dieſer Welt enthob, ſo daß damit ſelbſt wieder das Poſitive in ſein, uns Menſchen in unſerer dermaligen Schmer⸗ zensgeſtalt freilich nicht zugaͤngliches, Heiligthum zu⸗ ruͤcktrat. So faßte es doch gewiß ſchon Sophokles im Schluß ſeiner Trilogie, dem»Oedipus auf Kolonos.« Wollte man uns hier entgegnen, das ſei ja aber eben nicht plaſtiſch, und mithin auch nicht der Kunſt dar⸗ ſtellbar, ſo laͤugnen wir dies entweder gar nicht, ſon⸗ dern, indem wir an die Idee der Adraſteia ſelbſt, an Spruͤchlein, wie»Nicht zuviel!« oder„Ruͤhre nicht, Bock! es brennt« erinnern, weiſen wir vielmehr die Kunſt und ihre Goͤtzendiener in ihre Schranken zuruͤck, oder wir halten es wenigſtens nicht auf dieſe Weiſe und mit Hoͤllenſchwarz ausfuͤhrbar. Alſo die Chriſten⸗ welt kennt nur einen Herrn Himmels und der Erde und alles deſſen, was darinnen iſt, eine Nothwendigkeit, welcher Augen eingeſetzt ſind, mithin eine Vorſehung. Wenn nun aber dieſe, uns als liebevollſter Vater ſich offenbarende, um jenen hohen Geiſtesfrieden, jene un⸗ getruͤbte heitere Seligkeit, kurz das Himmelreich, zu gruͤnden und herbeizufuͤhren, ſomit aber der Hoͤlle und dem Tode die Macht zu benehmen, das Reich von die⸗ 224 wenigſtens in den Seifenblaſen der Phantaſie dies Himmelreich ſo wenig getroffen und vorgebildet, als— durch jene Teufelsdreckblumen die Hoͤlle und der Tod abgetrieben werden, und jene Erzeugniſſe wuͤrden nicht die verſchwenderiſchen Lobpreiſungen verdienen, welche der abgeſtumpfte, oder uͤberreizte Zeitgeſchmack ihnen ertheilt, indem er von ungemeiner Geiſtesfreiheit und Gewandtheit ſpricht, womit es uͤberhaupt auch in den Kunſtſchoͤpfungen, welche aus Begeiſterung und einem Wahnſinn, der mindeſtens nach dem platoniſchen So⸗ krates(Tom. IV, 186. Zweibr. Ausg.) anders aus⸗ ſieht, hervorgehen ſollen, ſeine eigene Bewandtniß hat. In der That kann ſich dieſe Art von Kunſtſchoͤpfungen und Weltanſicht auch vor der Kunſt und ihren Mu⸗ ſtern und Meiſtern, wie vor der Wiſſenſchaft eben ſo wenig halten, als vor dem Glauben. Die Kunſt will eine reine Welt, die Welt der Ideen, aufgebaut durch ein ideengemaͤßes, ſtill in Liebe fortbildendes und we⸗ bendes Handeln, durch ein Walten in und aus der 8 Idee, damit die Idee Leib gewinne, und ihr Ernſt 3 2 4 noch iſt ſo heiter, daß ſie in der Tragoͤdie zum Bei⸗ ſpiel die Truͤbung durch irdiſche Beſchraͤnkung und Ein⸗ ſeitigkeit, feſten Muthes verſchmaͤht und lieber die Schranken der Individualitaͤt, als die Idee truͤbende, ſer Welt eben in ſein Nichts aufloͤſete, ſo wuͤrde doch 225 beengende, bricht, mithin die ewige Idee ſelbſt wieder an das Unſichtbare abgiebt, man moͤchte ſagen mit ei⸗ ner goͤttlich jungfraͤulichen Schamhaftigkeit und Zucht. Darum zieht ſie um das Unausſprechliche den Schleier der Iſis und friſcht die in der Welt hienieden nach⸗ dunkelnden, oder verbleichenden Ideen mit ihren lieb⸗ lichſten Farben wieder auf; darum loſet ſie irdiſche Verworrenheit und Mishall in himmliſchen Einklang auf. Betrachtet doch den herrlichen Meiſter Calderon, den ihr ja ſelbſt als Vorbild gelten laßt, und ſaget, ob es anders iſt! Sollte ſich in einem einzelnen ſei⸗ ner Werke dieſe plaſtiſche Geſchloſſenheit, dieſer Einhall nicht finden, wahrlich der Meiſter wuͤrde euch in ſei⸗ nes Glaubens und Schauens Kraft in einem andern ſeiner reichen Werke gewiß die Ergaͤnzung nachweiſen; worin beilaͤufig auch der tiefere Grund der griechiſchen Trilogien zu ſuchen iſt. Denn der Geiſt kann immer und ewig nur ſich, d. h. ſeinen Urſprung in Gott ſuchen. Darum nannten jene großen Meiſter die Kunſt und namentlich die Poeſie»das heitere Wiſſen“(el gayo saber); darum verlangten alte und neue Kriti⸗ ker Harmonie und Inſtanz der Beruhigung; darum ſollte nach ihrem Rath das ᷑αρον, das Blutbefleckte, Greuel⸗ und Grauſenvöolle verbannt werden, und Me⸗ deia ihre Kinder nicht vor dem Volke toͤdten. Dem 15 226 Griechen freilich lehrte das ſchon ſein Gefuͤhl fuͤr Maaß und Schicklichkeit. Iſt denn aber in dieſen euren Tra⸗ goͤdien ein heiteres, wohlgemuthes Handeln aus der Idee? Ehe der Vorhang zu eurer Tragoͤdie auf⸗ rauſcht, war ſchon eine mishaͤllige Frevelthat be⸗ gangen; ſie ſteht nun, als geſpenſtiſche Begebenheit erzaͤhlt, hinter dem Vorhang und wuͤrgt, ein ewig ſich wiederkaͤuender Fluch und Frevel, die da vorn, welche eben handeln ſollten. Nennt ihr das etwa Handlung, oder That? So etwas mußte wol Anlaß ſeyn, der Schuld die That nachzutragen, wenn nicht uͤber⸗ haupt der wolluͤſtige Graͤßlichkeitskitzel der Zeit Urſach waͤr'. Aber mit dem Wuͤrgen iſt es ja doch uͤber⸗ haupt nicht abgethan. Das uͤberlaͤßt die Poeſie der Geſchichte, ihrem Zwieſpalt und ihren feindſeligen Rei⸗ bungen, indeß ſie ſich ausgleichend, verſoͤhnend in die Mitte ſtellt zwiſchen ſie und die Ethik, wie dies Stef⸗ fens ſo ſchoͤn dargethan hat, und vermuthlich in ſeinen verſprochenen Karikaturen des Heiligſten noch naͤher nachweiſen wird. Und ſomit faͤllt ja dieſe Anſicht auch vor der Wiſſenſchaft. Denn auch ſie kann nie bei ei⸗ nem Einzelnen ſtehen bleiben, weil die wahrhafte Na⸗ turanſchauung dem Einzelnen das Ganze gegenuͤber⸗ ſtellt und es in ihm ausgleicht, von den beſondern, der Ergaͤnzung beduͤrftigen Momenten des Einzelnen dahin —— 227 ſchon ſelbſt geleitet. Schon darum alſo muͤſſen ſich jene Schauer⸗, Fluch⸗ und Schickſalsſpiele beſcheiden, als in Hundstagshitze getriebene Zeitbluͤthen in kurzem abzuwelken, und einer neuen Erſcheinung in dem Blu⸗ men⸗ und Fruchtreigen der Jahrzeit Platz zu machen. Aber wer nur uͤberhaupt die Zeichen der Zeit verſteht, wird wol auch gern bekennen, daß mit hohlem Phanta⸗ ſieſpuk, mit Papierblumen, mit Leinwand⸗ und Papier⸗ reflex dieſer unſerer verkuͤmmerten, abgetriebenen, er⸗ grauten und abgelebten Welt nicht zu helfen, damit ihr kein Verjuͤngungsmittel gereicht werde, ſondern daß nur der Menſch und ſeine in Gott gelaſſene That, ſein Walten, Leben und Seyn im Ewigen das jetzt aufge⸗ gebene und verlangte Kunſtwerk ſei, woraus einige Hoffnungsſchimmer aufblinken koͤnnten. Wie viel Ver⸗ ſtand und Scharfſinn und ſonſtige Kuͤnſtelei alſo auch immerhin an Erzeugniſſe jener Art verſchwendet werde, ſie koͤnnen nur die Verlaſſenheit, Zerriſſenheit, die Hoff⸗ nungsloſigkeit, die Verzweiflung und Unnatur der Zeit beurkunden, und wer den hohen Frieden, die ſelige Ruhe des Glaubens kennt, worauf auch das wahre Wiſſen aufgetragen iſt, der wird wenigſtens dieſe ſeine Seelenſtaͤrke nicht fuͤr jene freche Vermeſſenheit, jenen krampfigen Rauſch vertauſchen moͤgen, der, gleich der Schlange im Paradieſe, Gutes und Boͤſes zu wiſſen 15* 228 fuͤr Gottgleichheit haͤlt. Schon der Eindruck ſolcher Werke auf unbefangene Gemuͤther muͤßte ein Finger⸗ zeig ſeyn, obwol wir den uͤbermuͤthigen Kunſtrichtern dies gar nicht als einzigen Pruͤfſtein aufzudringen ge⸗ ſonnen ſind, wogegen wir aber freilich auch uns hin⸗ wiederum nicht die geruͤhmte Allgenuͤgſamkeit und Selb⸗ ſtaͤndigkeit der Kunſt aufdringen laſſen werden, weil ja aus der vermeinten Entbehrlichkeit und ſchmaͤhlichen Beſeitigung des ethiſchen Momentes eben Baͤume her⸗ 3 vorgehen, die man an den Fruͤchten erkennt. So viel von dem Zuſtande der teutſchen Poeſie und Kritik! Da wir bereits oben andeuteten, daß es der englaͤndiſchen eben ſo ergangen, ſo koͤnnen wir hier etwas kuͤrzer werden. Wie naͤmlich bei uns ſich eine Schule gebildet hatte, welche die Nichtigkeit der um⸗ gebenden Welt erkannt, in eine untergegangene, vom Weltgeiſt aufgeloͤſete, oder in eine vermeſſen ſelbſt er⸗ ſchaffene ſich fluͤchtete, ſo war auch um die Seen von Cumberland, der kritiſchen Policei, welche erſt ſpaͤter, zum Theil durch uns, ſcharfſichtiger ward, unbemerkt eine Schule entſtanden, welche daher die Schule der Seen hieß. Natuͤrlich mußten Geiſter, wie Southey, Wordsworth, Coleridge, Moore, ja unſer Byron, endlich das Engbruͤſtige, Verkuͤmmerte der Zeit, dieſer ſteifzierlichen Blumenleſerei, ja handwerklichen Blu⸗ 229 menſchmuͤckerei, welche ſich bisher fuͤr Poeſie ausgege⸗ ben hatte, fuͤhlen. Es wurden alſo auch hier Ruͤck⸗ ſchritte in die altenglaͤndiſche und ſchottiſche Dichtkunſt gethan, wie Ellis und Scotts ſchaͤtzbare Arbeiten beweiſen, ja in die altteutſchen und nordiſchen Poeſie⸗ gaͤrten. Die ſtereotypiſchen Formen, ſelbſt die metri⸗ ſchen, wurden zerſchlagen, oder beſeitigt, und mit freiern vertauſcht. So kam auch unter andern die Chaucerſche Stanze wieder an die Tagesordnung. Und ſo ward die Dichtkunſt auch hier Lebens⸗ und Zeitſpiegel, ein uͤbermuͤthiges Ankaͤmpfen gegen das Beſtehende in Welt, Sitte, Sittlichkeit, ein vermeſſener ikariſcher Flug in die heiße Zone der Phantaſie, oder eine trutzige Hoͤllenfahrt. Kurz, auch hier war das Thema: flectere si nequeo superos, Acheronta movebo. Ein Gluͤck, daß dieſe Fluͤge und Fahrten am Ende doch nur auf dem Papiere und uͤber den Tintenſtrom geſchahen, wiewol auch dies immer ein Wagniß und ſchlimmes Zeichen iſt. Das aber war gewiß ſpaßhaft— wie denn immer der Spaß dem Ernſte gleich unmittelbar eingeboren und mit ihm Eins iſt— daß die englaͤndiſchen Schaarwachten des Poeſie⸗ ſtaats uns Teutſche allein des Vortritts und der Schuld des boͤſen Beiſpiels bezuͤchtigten, ohne zu bemerken, daß die Geſunkenheit der geſammten europaͤiſchen Welt und Zeit, mithin auch ihres Volks, nothwendig dies herbei⸗ — —— —— ——— 250 fuͤhren mußte. Denn was koͤnnte wol Gegengift gegen Zucht⸗ und Sittenloſigkeit in allen Geſtalten, die wir oben ſchon zum Theil nannten, ſeyn, als Zucht, Sitte, Glaube, Buße, Beſſerung? Wo aber zeigten ſich dieſe noch, ohne verfolgt, der Heuchelei, Froͤmmelei, des My— ſticismus, der Kopfhaͤngerei, des Mangels an Lebensart, und wie die Kunſtausdruͤcke jener Schaarwaͤchter alle heißen moͤgen, beſchuldigt zu werden? Alſo iſt Ruͤckkehr und Umkehr allerdings noͤthig; nur daß bis jetzt der rechte Weg verfehlt, und das Land, wie ſeine Sprache, verlernt worden iſt. Dieſe Winke wollten wir nur geben, um Lord By⸗ rons ganz zeitgemaͤße, nothwendige und in dieſer Reihen⸗ folge uns gar nicht fremde Erſcheinung an ihrer Stelle zu begreifen. Wir moͤchten darum uns zu keiner der bei⸗ den Parteien, die ſie hervorgerufen, ſchlagen, und ihn weder ſo hoch, noch ſo tief ſtellen, als es in unſerer, aus den Fugen und dem Gleichgewichte geruͤckten, Zeit ge⸗ ſchehen iſt. Es ringt naͤmlich gewiß in ihm ein urkraͤf⸗ tiger, gewaltiger, nicht bei der Phantaſie um ein Kleid fuͤr die froſtige Reflexion bettelnder Geiſt, der ſich aber aus Mangel an Gegenſtand der Kraft, gegen ſich ſelbſt gewendet, zerſchlaͤgt und zerſtoͤrt, weil ihm die wahre, tiefe Liebe nicht aufgegangen. Daher die Vorliebe fuͤr das rieſenhaft Trutzige, Hoͤlliſche, ſchwarz Magiſche; da⸗ 231 her dies wuͤſte Umgreifen, wie hier das Verſchweißen des r perſiſchen und griechiſchen Mythus. Allen ſeinen Wer⸗ 6 ken iſt eine ſeltene Tiefe und Zartheit, Kuͤhnheit und e Bluͤthenfuͤlle der Phantaſie, eine ausdrucksvolle, treffende, ⸗ kraͤftige, anmuthige Sprache aufgepraͤgt. Auch iſt na⸗ mentlich hier im Manfred das ſittliche Gefuͤhl durch Ab⸗ 7 e daͤmpfung und Zuruͤckdraͤngung des vorausgegangenen r Unſittlichen in ein Helldunkel, wenn nicht ganz in Schat⸗ 3 r ten, geſchont, wie die objective Wahrheit, das Vergan⸗ gene als Vergangenes zu behandeln, getroffen. Aber dem Allen iſt auch ein bitterer, tiefer unmuth, eine uͤber⸗ ſchwaͤnglich liebloſe Menſchenverachtung, die bis zum 5 Grauſigen geht, mitgegeben. So iſt denn unbeſtreitbar e ſchon eine ſtarre Einſeitigkeit, faſt Manier merklich; denn all' ſeine Helden ſind, was Manfred von ſich ſagt,»Raub⸗ n voͤgel, verkohlte Herzen,“ an Liebloſigkeit, ja an frechen, 3 duͤnkelhaften Verbrechen trutzig verblutende, gefallene ⸗ Menſchen. Zwiſchen Himmel, Erd' und Hoͤlle blutgierig 3 herumſtuͤrmend, im ewigen Zwieſpalt mit ſich ſelbſt, d trutzig die einzig moͤgliche gebotene Huͤlfe verſchmaͤhend, ¹ 4 vermeſſen, uͤbermuthhehr die ferne, die keine iſt, for⸗ ſ ſie dem Teufel ihres Stolzes andere blutige Opfer ge⸗ bracht, werden ſie endlich es ſelbſt. Iſt nun aber damit der Teufel beſiegt? fragen wir; 3 dernd, reiben ſie ſich in dieſem Kampfe auf, und nachdem b oder iſt er alſo der 252 Weltregierer? oder iſt er nur eine wahnſinnige Verzer⸗ rung? und ſollen wir dieſe fuͤr Groͤße hinnehmen? Wo iſt hier der Friede der Anſicht? wo die Geſchloſſenheit des Werks? In des Dichters Geiſt und Seyn und Le⸗ ben? Wohl! ſo treten ſie auch heraus! Kurz, Alles treibt auf einen Frieden, welcher hoͤher iſt, denn alle Vernunft. So viel uͤber das vorliegende Werk! Daß der Ue⸗ berſetzer, wiewol er das Geſagte nicht zuruͤcknehmen kann, doch darum nicht lieblos und wegwerfend richte, daß er mit Liebe auf das Werk einzugehen, ſich daſſelbe anzueignen geſucht, ſoll hoffentlich nicht verkannt wer⸗ den. Darum, wie um der etwanigen Splitterrichter willen, welche doch nicht ausbleiben werden, und viel⸗ leicht ſo innere Verwandtſchaft, wie eigenthuͤmlichen Bau beider Sprachen, vorzuͤglich in Hinſicht auf Rhythmus und Metrum, nur fluͤchtig erwaͤgen moͤchten, einige Rechtfertigungen und Gruͤnde der Ueberſetzung! So frei und willkuͤhrlich freilich als der Englaͤnder, mit ſei⸗ nem Material des Verſes, der Sprache, zu verfahren, und es faſt als ganz unſelbſtaͤndiges, einer Ruͤck- und Gegenwirkung unfaͤhiges, oft einſylbiges Geklapper zu behandeln, koͤnnte ſich der Teutſche mindeſtens nicht er⸗ lauben, der durch weltgeſchichtliche Bedeutung ſowol, als innern Bau ſeiner Sprache, wie durch Natur des Rhyth⸗ mus und Metrums uͤberzeugt wurde, daß in ihrer Pro⸗ ———’ 233 ſodie Accent und Quantitaͤt durch Rhythmus und Me⸗ trum verſchmelzbar und zu verſchmelzen ſeyen. Auch der Ueberſetzer fuͤhlt immer mehr, daß dies unerlaͤßlich iſt, und, wenn es ihm auch nicht gelungen ſeyn ſollte, ſo wird er lieber ſeine Unbeholfenheit, ſein Ungeſchick und Unvermoͤgen geruͤgt ſehen, als die Fuͤgſamkeit der Sprache und die Loͤsbarkeit der Aufgabe Preis geben. Manches bleibt hier freilich dem feineren Ohr und Schicklichkeitsgefuͤhl uͤberlaſſen. Es giebt ſo werthloſe An⸗ und Bildungsſylben, daß ſelbſt die Haͤufung der Mitlauter ſie hoͤchſtens im Verein mit rhythmiſcher oder metriſcher Forderung zu Mittelzeiten, oder repraͤ⸗ ſentirenden kurzen machen kann. Doch hoͤrt ein feines Ohr wol heraus, daß die Sylbe en in Wolkenflur, Wolkentrift, Wolkenſtrom, etwas ſchwerer iſt, als in Wolkenzug, Wolkenſaum, oder gar Wol⸗ kenau. Ohne ſich hier auf das Einzelne einzulaſſen, wozu der Ort nicht iſt, deutet er nur an, nach welchem Grundſatz er gearbeitet, und moͤchte an die wenigen teutſchen Verskuͤnſtler ſich anzuſchließen rathen, die es ſich nicht ſo bequem machen, als die Menge. Je ſicherer und in dem Geſetz freier unſere Sprache wird, deſto weniger ſteht fuͤr die natuͤrliche, ungeſchminkte Einfalt der Darſtellung und des Ausdrucks zu fuͤrchten, wenn es ſonſt nicht an Sinn dafuͤr und fuͤr friſches Leben fehlt. 234 1. Schaffner. Fuͤr Ageney, als die per⸗ ſonificirte Geſammtheit unter hoͤherem Einfluß und Auftrag waltender Kraͤfte, bot ſich nichts beſſeres. Wirkſchaft ſollte nicht gewagt werden, obwol es nicht gegen die Analogie, welche ein wichtiges Entſchei⸗ dungsmoment iſt, verſtieß. 2. Allum. Man geſeatte dieſe alterthuͤmlich haͤufige, jetzt nur zu ſehr vernachlaͤſſigte, dem Griechi⸗ ſchen nachgebildete Zuſammenſetzung, wie man ſonſt allroth ꝛc. ſagte. Accent und Poſitionsmangel— wir brauchen doch wol drei Mitlaute dazu, da zwei das Gewoͤhnlichſte bei uns ſind— geſtatten es. 3. Inwohnend— nicht einwohnend, wo Bewegung ſtatt Ruhe ausgedruͤckt waͤre. 4. Das wegen laxer Proſodie des Vorbilds me⸗ triſch Schwankende, ja Schielende zwiſchen Anapaͤſt und Joniker, welches hier beibehalten iſt, gehoͤrt der Urſchrift, oder ihrer Sprache. 5. Theilweis, ganz. Der vierte Jambus kann bekanntlich Spondeus ſeyn, nicht der zweite und fuͤnfte. Auch die dritte Sylbe vertraͤgt proſodiſche Laͤnge. 6.— Ve toppling crags of ice! Ye ava- lanches, whom a breath draws down In mountainous o'erwhelming. Was dafuͤr in der Ueberſetzung ſteht, 18 2 235 wird hoffentlich eben ſo treu, als vielleicht metriſch ausdrucksvoller und metriſcher erfunden werden. Letz⸗ teres iſt eine Gunſt unſerer lieben reichen und lenkſa⸗ men Mutterſprache, welche freilich auch gemisbraucht in Schwerfaͤlligkeit und Ungeſchlachtheit ausarten kann. Hier ſchienen rieſige Zuſammenſetzungen, wie Eisberg⸗ wuchten, Bergwuſtuͤberſchuͤttung(Wuſt er⸗ innert an wuͤſte, vastus, guastare, gater, hier recht paßliche Anklaͤnge!), oder auch Bergſchwalluͤber⸗ ſchuͤttung, trotz der mit unrecht an das Wort Schwall gehefteten Vorſtellung von Widerwaͤrtigem, Gemeinem, nicht unſtatthaft— wiewol ſolche Wort⸗ zuſammenſchweißungen nicht bloß mit dem Zweck, auf⸗ geſchwollene, vermeintlich gewichtige Wortfuͤße zu ha⸗ ben, zu entſchuldigen ſeyn moͤgen. 7. Saumthier. Sollte nicht untergehen, noch fuͤr veraltet geachtet werden. Somaro und sommaire iſt noch im Italiſchen und Franzoͤſiſchen. Soma(urſpruͤnglich wol das griech. o.μασα) iſt Laſt und verwandt mit dem hebr. süm, mit&*αα ρα, mit dem indiſchen soma, Monderde, und andern, worin gar reiche Ideen⸗ ſpiegelung iſt. 8. Sippſchaft. Auch dies Wort druͤckt eine unzeitige Verachtung der Vornehmthuenden. Das cel⸗ tiſche sib, Stamm, das lat. cippus, das Wort pro⸗ '' 256 sapia, Saft, to sob, einwaͤſſern, auch das plattteutſche sip, Hund, fuͤhren wieder auf ein reiches, tiefverzweigtes religioͤſes Ideenſpiel. 9.*s iſt. Sollte Jemand im ernſten, gehal⸗ tenen Styl hieran Anſtoß nehmen, ſo mag er pyr⸗ rhichiſch leſen: es iſt, welches bekanntlich hier nicht unmetriſch waͤre. Freilich haben ſich auch die englaͤn⸗ diſchen Kritiker neuerdings gegen'tis, o'er, e'er, 'twixt f. betwixt, you ve f. you have, we'l f. we will, thou'st f. thou hast,(wie wir willtu) heav'n, ne'er, e'en, ev'n, tow'rds(bei Moore: lay open tow'rds the ocean flood) ꝛc. im gehaltenen Styl erklaͤrt. Indeß iſt bei uns das namentlich hier frag⸗ liche nicht eben beiſpiellos, und moͤchte vielleicht im Dialog ſich um ſo eher rechtfertigen. Man koͤnnte der⸗ gleichen kleine Freiheiten im Grunde wol erlauben, die am Ende doch wol eben ſo wenig Anſtoß ſinden duͤrf⸗ ten, als woιονπ⁹mεμασα, ·ε, und andere aͤhnliche. Warum ſollten, zumal vollends, wenn wir unſere Sprache als lediglich accentuirend anſehen, Woͤrter wie eine, uͤber, jede, nicht als Pyrrhichien gebraucht werden koͤnnen, da doch die Sprache ſelbſt in manchen mit uͤber zuſammengeſetzten Zeitwoͤrtern hierin vor⸗ geht? Oder warum verwirft man denn'ne? warum läßt man das alte ur fuͤr uͤber(Urdruß f. Ueber⸗ 237 druß), gerade wie das engl. o'er, nicht wieder ein⸗ treten? Warum erlaubt man nicht o'r fuͤr oder, oder oder pyrrhichiſch zu brauchen, da man doch zur und zum fuͤr zu der, zu dem erlaubt? In dieſen und vielen Faͤllen moͤchte wol das Zuruͤckſtellen des Platteutſchen ſeit Luther auch fuͤr die metriſche Aus⸗ bildung unſerer Sprache nicht minder nachtheilig ſeyn, als es fuͤr die poetiſche Seite uͤberhaupt geweſen iſt. †) Dieſer Regenbogen bildet ſich aus Sonnen⸗ ſtrahlen uͤber dem untern Theil der Alpenſtroͤme. Er gleicht voͤllig einem herabgeſunkenen Regenbogen, in⸗ nerhalb welches man umhergehen kann. Die Erſchei⸗ nung dauert bis Mittag. 10. Das Wort der Schweiz und der Geologen, Fluh, moͤchten wir doch im Hochteutſchen nicht ver⸗ ſchmaͤhen. 11. Staubling. Worte, wie Kraͤnkling, Sterbling, Zuͤchtling, Straͤfling, Haͤrling und andere, rechtfertigen das gebrauchte durch Ana⸗ logie. Mit Unrecht verwarf alſo irgendwo ein Re⸗ cenſent Sendling fuͤr Apoſtel, mit der Bemerkung, daß es nur activ der Abſendende bedeuten koͤnne. 12. Ordel, als altes urſpruͤngliches, gleich⸗ ſam techniſches Wort fuͤr das ſpaͤtere Gottesur⸗ theil, in der Form Ordalie bekannter, dem Sinne 238 nach furchtbare Pruͤfung und Rechtſprechung durch hoͤ⸗ here Macht, zogen wir jedem andern vor. Sollte man denn nur dadurch das Lob der Verſtaͤndlichkeit verdie⸗ nen koͤnnen, daß man im Leſer immer nur einen hoͤchſt unverſtaͤndigen Schulknaben vorausſetzt? †*†) Der Philoſoph Jamblichus. S. ſein Le⸗ ben von Eunapius, wo die Geſchichte gut erzaͤhlt iſt. † ½) Die Geſchichte des Sparterkoͤnigs Pau⸗ ſanias(der die Griechen in der Schlacht bei Plateia befehligte, und nachher wegen eines an den Lacedaͤ⸗ moniern verſuchten Verraths umkam) und der Kleonier ſteht in Plutarchs Leben des Cimon, und im Pau⸗ ſanias. 13. Frais, terror, Schreck; im Grunde daſſelbe Wort(man denke nur an ςρᷣαᷣααα εαν, uαπm) alſo zwar alt, doch gut, wie das davon gebil⸗ dete fraislich. So frisson im Franz., verwandt mit (dιαασ, frigeo, frigus, rigeo. frieren und andere, die auch die Idee des Starrens, der rauhen Ober⸗ flaͤche des Erſtarrens haben. 14. Tichten, getreu der Ableitung von Teuε, τ, ᷑παα wovon Jvrrng, Tochter u. a. So ſchrieben noch die Alten. 15. Urſchoͤnheit. Der Dichter hat gar das griechiſche xᷣQα beibehalten. Somit muthet und traut — 239 er dem Leſer mehr zu, als der Ueberſetzer oben. S. Anmerk. 12.. 16. Eigenhold, das alte Wort fuͤr Vaſſall; auch Eigenmann, Lehnsmann. 17. Einzugeiſten, to make my own the mind of other men. Begeiſten hat ſchon die Che⸗ mie. Verſelbſten hat Goethe. Inmeare, illuiare, in mich, in ſich aufnehmen, bildete Dante ohne Vorbild. Duͤrften wir nicht? 18. Zuthal, ein alter haͤufig vorkommender Ausdruck fuͤr nieder, herunter, abwaͤrts, z. B. das Haar hing ihr zuthal, der hier in dieſer Reiſe wol am wenigſten befremden kann. tt) S. 1 B. Moſ. 6, 2. 4. 19. Dirnen, junge Frauen, auch wenn ver⸗ heirathet. Frau, als Herrinn, paßte ſo wenig als Weib. 20. Why. Dieſer Gebrauch dieſes Nebenworts erhellt recht deutlich aus Moore's Lalla Rookh in the veiled prophet of Khorassan, wo dieſer Mokanna belagert, S. 117 zu Zelica ſagt: But hark! their battering engine shakes the wall— Why— ler it shake!— thus Ican brave them all. und Ppapier von Friedrich Vieweg Druck Braunſchweig. n ———õ—— 1 5—