——— ᷣ — l deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfang 7 ühe 2. jedem den angenommen. 3.(Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines inter wird 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 3 5 2 für wöchentlich 27 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 1 ———2——— auf 3 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 2 2 3 ver⸗ Buücher auf ihre eigene n Koſten und( 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defeet Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern zꝛc.) muß der 8* Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ 8 lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz d des Ganzen verpflichtet. 8 Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird befanben rs darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden varf. indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben —-— Leihbiblivthek vor Eduard Olkmaun in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. nahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens bis Abends 8 Uhr offen. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe legen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet Auswärtige Abonnenten haben für Hin und Zurückſendung 1 ahr ſelbſt zu ſorgen. 8 von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. -—X Bibliothek deutſcher Briginalromane. Siebenzehnter Jahrgang. Dritter Band. — Ein Bürgerneiſter. III. Wien. H. Markgraf& Comp. 1862. Ein Zürgermeiſter. Geſchichtlicher Roman von Iulie Burow (Frau Pfannenſchmidt). Dritter Theil. 4½——ꝙᷓ; Wien. H. Markgraf& Comp. 1862. Ein Zürgermeiſter. ——— Erſtes Capitel. Zweites Capitel Drittes Capitel Viertes Capitel Fünftes Capitel Sechſtes Capitel. Siebentes Capitel. Achtes Capitel. Neuntes Capitel Zehntes Capitel Erſtes Capitel. Auf dem äußerſten rechten Flügel des Lagers der ſiegreichen polniſch⸗lithauiſchen Armee, in einer grünen lichten Holzung am Ufer der Maranſe, hatte der junge böhmiſche Wladika von Roſenberg mit ſeinen Söldnern Poſto gefaßt. Es war ein guter Lagerplatz, weit genug entfernt von dem Schlachtfelde, daß nicht der Peſthauch, den die Juliſonne ausbrütete auf dieſem Schauplatze des Jam⸗ mers, in die luftigen Hütten von Erde und Baumzweigen dringen konnte. Nahe genug an dem lebendig rauſchenden Waſſer der Maranſe und doch nicht in den ſumpfigen Gründen des Fluſſes, ſchattig durch den Wald und nicht zu ferne von Dorfſchaften, wo noch immer etwas Nah⸗ rungsmittel aufzutreiben waren. Der rieſige Begleiter des Führers, Chwal vdn Machowecz, lag vor ſeiner Erdhütte ausgeſtreckt auf einem weißen Mantel mit ſchwarzem Kreuze, der noch vor wenig Tagen die Schultern eines Ordensritters be⸗ Ein Bürgermeiſter. III. 1 ———— 2 deckt hatte, deſſen Glieder jetzt höchſtens noch einer Decke von Erde bedurften. Die dunklen Flecken auf dieſer einſt ſo zarten Hülle zeigten die Wege, die das Herzblut des früheren Beſitzers genommen hatte, der jetzige aber nahm daran keinen Anſtoß. Er lag, die dunklen Augen auf den wolkenloſen Sommerhimmel gerichtet, und ſchien auf das Säuſeln des Windes zu horchen, der in dem Laub der Bäume ſpielte. Der eigentliche Anführer des Heerhaufens, Herr von Roſenberg, war abweſend im Zelte des Königs von Polen geweſen, kam aber jetzt mit leichtem Schritt daher und näherte ſich ſeinem Freunde und Gefährten. „Nun auf! nur auf, fauler Träumer!“ ſagte er, luſtig mit dem feinen Fuß den Rieſenleib des Liegenden berührend.„Auf! Chwal von Machowecz, mein Fähnrich laß die Trompete blaſen und entfalte unſer Banner, König Wladislav, unſer Gebieter für ein oder zwei Monde willigt ein, daß wir als Vortrab voran ziehen in das Herz dieſes gedemüthigten Landes. Auch Toktamiſch, der Tartarenführer, iſt klug geweſen und ſchon vor drei Stunden aufgebrochen, Abenteuer zu ſuchen und die eingeſchüchterten Städte Preußens auf ſeine eigene Hand zu erobern, wir müſſen eine andere Marſchlinie nehmen als er, denn dieſe Tartaren ſind wie die Heuſchrecken, ſie zehren Alles auf, was in ihrem Wege liegt.— Vor⸗ er Decke er einſt blut des r nahm auf den auf das aub der „ Herr igs von tt daher agte er, egenden fähnrich Banner, ſer zwei tehen in tamiſch, dor drei und die ne Hand nehmen cckeen, ſie — Vor⸗ 3 wärts denn, wir müſſen noch ehe der Abend dunkelt, zum Mindeſten in Oſterode ſein, wo morgen früh auch die Leiche des ſtolzen Ulrich ankommt.“ „Vorwärts alſo,“ ſagte Chwal„und nichts ſoll unſern Siegeslauf hemmen als das blaue Meer, das ſchäumend an die Küſte dieſes Landes ſchlägt.“ Eine Viertelſtunde ſpäter konnte man denn auch im Lager der böhmiſchen Söldner jenes rege Leben ſehen, das dem Aufbruch eines Heerhaufens vorangeht.— Die Soldaten ordneten ihr Gepäck, Trommler und Pfeifer ließen ihre luſtigen Weiſen erſchallen, Pferde wieherten, und als die Hitze des Tages nachließ, war der Zug in Bewegung. Freilich war er kleiner geworden, als da er die Grenze des Ordensgebietes überſchritt. Viele der luſtigen Böhmen ſchliefen den langen Schlaf auf dem Gefilde von Tanneberg und Mancher noch blieb todtwund zurück in den niederen Baracken, der Barmherzigkeit Gottes preisgegeben, während mehr als einer der nicht Reiten⸗ den und Wandernden den Stempel des Todes auch ſchon auf der Stirn zu tragen ſchien und ſeine letzten Kräfte aufbot, um ſo lange als möglich unter ſeinen Kameraden zu weilen. Es war ein linder Sommerabend und der Zug ging durch ein Land, das in ſich alle Lieblichkeit nordi⸗ 1* ————— ——CQO·O——————— ſcher Gegenden vereinigt und noch nicht von dem wüthen⸗ den Kriege verheert war. Schon eine Meile von Tanneberg entfernt, ſah man an den Landſtraßen wieder reifende Korafelder mit den blühenden Feldern des Buchweizens und der grünen langbärtigen Gerſte abwechſeln.— Grüne Wälder um⸗ kränzten die heiteren kleinen Landſeen, mit denen die Gegend geſchmückt iſt, und das Städtchen Oſterode lag, freundlich von Grün umhegt, am Fuße eines waldigen Hügels. Die böhmiſchen Söldner kannten die Kriegsge⸗ bräuche und den Bürgern von Oſterode waren ſie auch nicht fremd, ſo machten jene es ſich denn in den Bürger⸗ häuſern auf's Beſte bequem, ließen ſich auftiſchen nach Herzensluſt und tranken Bier, Wein und Meth ſo viel als mit Gutem und mit Bäſem aufzutreiben war. In dem Städtchen herrſchte Furcht und Trauer vereint. Die Leiche des Hochmeiſters kam faſt mit den böhmiſchen Söldnern zugleich an und die Bürgerſchaft empfing ſie und trug ſie in die Kirche. Am Hochaltare unter dem von Holz geſchnitzten Bilde der Dreieinigkeit lag was von dem tapferen Ritter Ulrich von Jungingen auf Erden noch übrig war, auf einer einfachen, mit einem weißen Rittermantel bedeckten Bahre. üthen⸗ t, ſah der mit grünen Trauer mit den gerſchaft chnitzten n Ritter var, auf bedeckten 5 Die edlen Züge waren noch unentſtellt, die Augen wie zum Schlafe geſchloſſen und die Hände auf der tapferen Bruſt gefaltet. Kein Freund, kein Ordensbruder wachte an der Leiche, kein Prieſter weihte und ſegnete ſie. Die böhmi⸗ ſchen Söldlinge zogen neugierig in die Kirche und gin⸗ gen ſchwatzend wieder hinaus; die Bürger Oſterode's hielten ſich ſtill in ihren Häuſern und bewirtheten die Soldaten des ſiegreichen Königs von Polen, als deſſen Unterthanen ſie ſich bereits betrachteten, auf das Beſte und dankten Gott, daß der Tartarenhaufen, von deſſen Plünderungen und Miſſethaten in benachbarten Dörfern und in dem Städtchen Orelsburg, das ſie heimgeſucht, die ſchrecklichſten Dinge berichtet wurden, ihre Heimat nicht berührt hatte. Die böhmiſchen Soldaten waren noch die ſchlimm⸗ ſten nicht; die beiden Führer und beſonders der lange Fähnrich hielten ſtrenge Mannszucht, und wenn die Bür⸗ ger Alles gaben was ſie hatten— und das thaten ſie unweigerlich— verübten die Fremden keinen Unfug, während die Tartaren gar fürchterlich gewirthſchaftet und dem Pfarrherrn in Orelsburg aus ſchändlicher Bosheit die Stirnhaut aufgeſchnitten und zwei Widderhörner in die Wunden geſchoben, dann Alles feſt verbunden und mit Harz verklebt hatten, ſo daß der unglückliche Mann ————— jetzt dalag und das häßliche Geweih, das ihm grauſame Schmerzen machte, nicht von ſich thun konnte*) ohne ſich Haut und Haar vom Kopfe zu reißen.— Der böhmiſche Befehlshaber geſtattete auch, daß die Oſte⸗ roder Bürger die Leiche des Hochmeiſters zu Wagen nach der Marienburg führten und außer, daß hie und da ein Böhme eine ſilberne Spange oder Lampe vom Hauſe eines Reichen einſteckte, oder, daß ein anderer halb oder ganz betrunken eine Dirne, die ſich auf der Straße ſehen ließ, küßte, geſchah nichts, was die guten Leute von Oſte⸗ rode gekränkt hätte. Den am nächſten Morgen weiter Ziehenden muß⸗ ten zwei angeſehene Bürger den Weg nach Preuß. Mark zeigen und ſie ſchätzten ſich das zur Ehre, denn ſo viel war ja ausgemacht, der auf's Haupt geſchlagene Orden war für immer zerſtört und das Land und die Städte alle gehörten dem großen König von Polen, der den Bürgern neue Freiheiten und Privilegien mancherlei Art verſprach, nur, daß ſie eben den Soldaten des Königs Zehrung, Wein und alles Nöthige geben mußten, was einmal ja auch im Kriege nicht anders ſein konnte. Aus Chriſtburg, Mohrungen, Preuß. Mark, ja *) Wird in einem alten Kirchenbuche in Taggerben bei Schippenbeil als Thatſache erzählt. rauſame ) ohne — Der Oſte⸗ gen nach da ein Hauſe ilb oder ze ſehen n Oſte⸗ n muß⸗ .. Mark ſehrung, umal ja ark, ja rben bei 7 ſelbſt aus der nicht unbedeutenden Comthurei Elbing hatte ſich die Beſatzung des Ordens zurückgezogen. Die Schlöſſer ſtanden leer, und die Burgen empfin⸗ gen den erſten Vortrab der Armee des Polenkönigs mit demüthiger Unterthänigkeit. Der Schrecken ging ihnen voraus und bahnte ihnen den Weg, und ſelbſt der Ueber⸗ gang über die Nogat, eine Meile unterhalb der Marien⸗ burg, wurde von Fiſchern und Bauern auf das Beſte vermittelt. So eilte denn das Fähnlein der Böhmen wie im Triumphzuge auch durch das geſegnete Delta, daß die beiden Flußarme der Weichſe! bilden und erreichte Dan⸗ zig faſt an demſelben Tage, wo der Tartarenſchwarm und eine Horde Lithauer vor den Thoren der alten Stadt angelangt. Der Bürgermeiſter Conrad Letzkau war von ſeiner Reiſe noch immer nicht heimgekehrt, aber ſein nächſter College, Herr Arnold Hecht, war ein Mann von eben ſo kühnem Muthe und erkannte bald, daß die Belagerer, die mit großem Pompe zwei Herolde in die Stadt ge⸗ ſchickt und ſie zur Uebergabe an das ſiegreiche Heer des Königs von Polen Wladislav Jagello aufgefordert hat⸗ ten, nur ein kleiner Trupp ſeien, und nur mit wenigen Geſchützen verſehen. Er weigerte ſich daher entſchie den der Uebergabe ——— * —— 8 und eilte, während er alle Anſtalten zu einer nachdrück⸗ lichen Vertheidigung dem Herrn Tiedemann Hurter überließ, zu dem Comthur, Herrn Johann Schönfeld, von dieſem ſich noch Verhaltungsregeln und kriegeriſchen Rath zu erbitten. Herr Johann von Schönfeld ſaß in ſeinem Roll⸗ ſtuhle ganz in Lammwolle eingewickelt, denn das Zipper⸗ lein plagte den würdigen Ritter arg.— Der junge Or⸗ densritter Huldrich von Sefeln war bei ihm. Er ſah noch leidend aus, obſchon ſeine Wunden bereits zu heilen begannen, und ſeine Beſchäftigung war auch nicht ſo ſehr kriegeriſcher Natur, denn er fütterte einen Falken, den er abzurichten verſucht hatte. mnich „Ei, Du mein Heiland und Erbarmer,“ ſagte u Herr von Schönfeld, als der Bürgermeiſter Hecht ſeinen 1 Bericht geendet mit kläglichem Tone, Polen vor den he Thoren Danzigs— ſo iſt die Marienburg bereits er⸗ Ihr obert, Elbing, Chriſtburg, ſchon in den Händen des Re Feindes, was können wir thun, was kann ich, ich armer d kranker, alter Mann thun?— Oeffnen Sie Ihre Thore, not Bürgermeiſter Hecht, ergeben Sie ſich der Gnade des un großen Polenkönigs, mich und die Burg überlaſſen ſie unt unſerm Schickſale, wir wollen als Männer, als Ritter mit un Ehren ſechtend, hier ſterben.“ Er verſuchte bei dieſen Worten ſich aufzuraffen, chdrück⸗ Huxter hönfeld, eriſchen n Roll⸗ Zipper⸗ ge Or⸗ Er ſah u heilen ſo ſehr een, den —ſagte t ſeinen vor den ſſen ſie ttter mit 9 und griff nach dem neben ſeinem Rollſtuhle ſtehendem Schwerte, aber das böſe Zipperlein entriß ihm einen lauten Schmerzenſchrei und zitternd ſank er zurück in ſeinen Stuhl. „Zum Teufel, Herr Ritter!“ ſagte Arnold Hecht halblachend, halb zornig, iſt das eine Antwort für die getreue Bürgerſchaft von Danzig? Wir wollen fechten, und wir werden fechten, ſo lange Einer von uns einen Arm rühren kann um ein Schwert zu heben, und Sie ſprechen von Ergebung ehe noch eine Kugel über die Stadtmauer geflogen iſt.“ „Nicht für mich, ach, heilige Jungfrau, nicht für mich, meine alten Knochen begehren nichts als einen ehr⸗ lichen Soldatentod, aber Danzig iſt eine ſchöne Stadt, große Reichthümer liegen angehäuft hinter ihren Mauern, ſchöne Jungfrauen wohnen unter ihren Dächern, ergebt Ihr Euch der Gnade des Polenkönigs wird man Euch ſchonen, ſeid Ihr thöricht genug eine Vertheidigung zu verſuchen, wird man ſengen und brennen, plündern und nothzüchtigen. Herr Gott! Herr Gott! Nehmt Vernunft an, Bürgermeiſter Arnold Hecht, denkt an Euer Fleiſch und Blut, an Enre Güter und Habe, wo Widerſtand unmöglich iſt, da iſt Ergebung Weisheit.“ „Ihr ſprecht, Herr, als ob Ihr Krämer wäret,“ entgegnet Arnold Hecht finſter, wohlan, ſo will ich Euch eine ritterliche Antwort geben: „Wir wollen fechten und unſer Hab und Gut, unſere Weiber und Töchter, ja unſere Mannesehre ver⸗ theidigen und ſo es Gott gefällt, dieſen Schwarm ver⸗ laufener Hallunken von unſern Mauern jagen, hat Er, der Lenker der Schlachten es aber anders beſchloſſen, wohlan! ſo wollen wir mit Ehren und von dem Feinde geachtet ſterben!“ „Lebt wohl, meine Herren Ritter und wehrt Euer koſtbares Leben.“ Herr Huldrich von Sefeln hatte Anfangs auf das Geſpräch der Beiden ſo wenig geachtet, als ging ihm die verhandelte Angelegenheit nicht im mindeſten an. Als aber Arnold Hecht ſich wandte, um das Zimmer zu ver⸗ laſſen, ſetzte er ſeinen Falken auf eine Stange und trat mit hochmüthigem Ausdruck dem erbitterten Bürger in den Weg. „Gemach, gemach! Mein Herr Ritter von der Elle,“ ſagte er mit verächtlichem Tone,„habt die Güte Euch zu erinnern, daß Ihr mit Euern Landesherrn, mit Euern Herrn ſprecht, denn noch ſind wir das, und wollen es Euch zeigen. Mein ehrwürdiger Bruder von Schönfeld iſt ein kranker Greis und ſeine Barmherzigkeit mit Euch, Schächer, war es, die ihm den Rath auf die Zunge ch Euch d Gut, hre ver⸗ rm ver⸗ hat Er, hloſſen, Feinde rt Euer uf das ihm die n. Als zu ver id trat ger in Elle,“ Euch zu Euern bllen es Zunge 11 legte, den er Euch gab, wir, die Ritter und Herren dieſer Burg, ſind ſicher hinter ihren guten Mauern und wer⸗ den ſie vertheidigen, ſo lange ein Ziegel derſelben auf dem andern liegt. Merkt Euch das, Herr Bürgermeiſter von Danzig und wagt es nicht, auch nur in einer Miene, einen Zweifel an der Tapferkeit des geringſten Ritters vom Orden unſerer Frau zu Jeruſalem auszuſprechen.“ Arnold Hecht warf einen Blick der tiefſten Ver⸗ achtung auf den jungen Mann. „Eure Tapferkeit, Herr, kenne ich zur Genüge,“ ſagte er und ſeine Augen blitzten,„es iſt die des Katers, der über die Dächer ſchleicht, und wäre es uns nicht um unſere bürgerliche Ehre, der Teufel und die Tartaren ſollte Euch Ritter holen, ſobald es ihnen beliebte.“ „Schurke!“ ſchrie Sefeln, nach ſeinem Schwerte greifend,„das Deinem Herrn?“ Mit einer raſchen Armbewegung ſchlug Hecht die Waffe aus der noch ſchwachen Hand des Verwundeten und ſich in der Zimmerthür noch einmal umwendend, ſagte er kalt: „Dankt's meiner Liebe und Theilnahme für einen alten Freund, meinem Mitleid für ein verführtes Mäd⸗ chen, daß ich Euch nicht mit der Armbruſt erſchoß, als ich Euch über Letzkau's Dach ſchleichen ſah.“ Dann die Thür zuwerfend, daß der alte Bau 12 krachte, ging er mit flammenden Blicken über den Schloß⸗ hof.— In dem kleinen Bau unfern der Schloßmauer hatte Vlaſta von Roſenberg ſtill und traurig im Bogenfenſter an ihrem Stickrahmen geſeſſen.— Die arme verwaiſte Jungfrau war ſeit einigen Tagen ganz und gar verlaſſen, denn die alte Anka, ihre treue Wärterin, war geſtorben und Urſula hatte ſeit einigen Tagen Danzig verlaſſen, um, wie ſie es immer um dieſe Zeit zu thun gewohnt war, Heilkräuter für den Winter zu ſammeln. Ludmilla, ihre jüngere Zofe war nur widerwillig bei ihrer Gebieterin, denn das ſtille, von keiner Zer⸗ ſtreuung, keinem heiteren Tanz, keiner luſtigen Schau⸗ ſtellung unterbrochene Leben, fern von ihrer Heimat, voll Muſik, Geſang und Tanz behagte der jüngeren Böhmin ganz und gar nicht! Auch gefiel es ihr nicht in dem fla⸗ chen Lande ohne Berge, nicht in der Stadt mit den ſchma⸗ len Gaſſen, und die Liebe, die ſie an ihre Gebieterin knüpfte, war nicht ſtark genug, um allen dieſen Entbeh⸗ rungen die Wage zu halten. Als Arnold Hecht mit eiligen Schritten und zorni⸗ gem Ausdruck über den Burghof nach dem Pförtchen am Waſſer eilte, ſah er das ſchöne böhmiſche Fräulein am Fenſter ſitzen. Fleißig über den Stickrahmen gebeugt, zeigte ſich ihr edles Profil und das reiche braune in höch meir Han Dich rück friſe ſpri We ſie lich arn Ra Schloß⸗ ter hatte enfenſter verwaiſte derlaſſen, geſtorben ſſen, um, hnt war, derwillig ner Zer⸗ Schau⸗ nat, voll Böhmin dem fla⸗ n ſchma⸗ ebieterin Entbeh⸗ breiten Flechten an ihrer Wange niedergehend und hinten in einen Knoten verſchlungene und mit goldenen Nadeln aufgeneſtelte Haupthaar in der günſtigſten Weiſe, und während der erzürnte, von Vorurtheil befangene Bürger ſich im Stillen wunderte, wie ein ſo edles Angeſicht einer Dirne angehören könne, die im Ritterſchloß ihr un⸗ ſauberes Weſen treibt, trat Ludmilla keck auf ihn zu, machte ihm ihren beſten Knix und ſagte:„Kommt Ihr zu uns, edler Herr? Beliebt's Euch etwa, mein Fräulein zu ſprechen?“ „Aus dem Wege, Dirne,“ ſchrie Arnold Hecht, in höchſtem Grade empört über dieſe Frechheit,„rühre meinen Arm oder mein Kleid an, und ich laſſe Dir die Hand vom Arm hacken durch den Angſtmann, ehe man Dich aus dem Weichbilde der Stadt peitſcht.“ Das arme Zöfchen trat entſetzt und zitternd zu⸗ rück und das böhmiſche Wort, das über ihre hübſchen friſch rothen Lippen ſchlüpfte, war eben kein Segens⸗ ſpruch für das würdige Haupt der Stadt Danzig.— Weineud lief ſie hinauf in ihr Stübchen und als Vlaſta ſie zu ſich entbot, bedurfte es vieler gütiger und freund⸗ licher Troſtworte der milden Herrin, um das Gemüth des armen Mädchens zu beruhigen. Herr Aruold Hecht ging indeß tief empört in die Rathsſtube, wo ſchon alle die Perſonen verſammelt wa⸗ 4 —————— 8 14 ren, welche bei den Anſtalten zur Vertheidigung der Stadt betheiligt waren. Der Hauptmann der Miliz, die Geſchützmeiſter, der Meiſter der Armbruſtſchützen, der Aufſeher des Zeughauſes und noch viele andere. Die Berichte eines jeden über die getroffenen Ver⸗ anſtaltungen waren beruhigend, und Alle waren guten Muthes, denn es fehlte der Stadt an nichts Nothwendi⸗ gem, ſowohl was den Mundvorrath als was den Schieß⸗ bedarf betraf. Von den Vorſtädten waren allerdings ſchlimme Nachrichten eingelaufen. Die Tartaren hatten die Schid⸗ litz angezündet, in der Jungſtadt waren die Tuchmagazine geplündert worden, in der Kirche zu allen Engeln ſtan⸗ den Pferde und fraßen aus den Beichtſtühlen und vorm Altare; die Stadt ſelbſt hatte aber noch nichts zu beſor⸗ gen, das ſah man wohl. In der That waren die beiden Heerhaufen, welche vor Danzig zuſammengetroffen, keineswegs geeignet, die gut befeſtigte, wohl bewahrte, von tüchtigen Männern vertheidigte Stadt einzunehmen, auch beabſichtigten ſie dies keineswegs. Die Tartaren wollten plündern und richteten dieſe ihre Abſicht an jeder unvertheidigten Stelle ſogleich an's Werk. In dem Tartarenlager in der Schidlitz waren Hunderte von Tuch⸗ und Leinwandballen, Teller von Zinn, kupferne Keſſel und Pfannen, Brote, Schinken und Speckſeiten, abgewürgte Hühner und Gänſe, Mau mit l am 7 Joha ſein bedech blick glänz ſchein ſagte mit in g der liz, die en, der en Ver⸗ n guten hwendi⸗ Schieß⸗ chlimme Schid⸗ dagazine n ſtan⸗ 15 Betten, Kleider und Hausrath aller Art haufenweiſe aufgeſchichtet. Die kleinen rauhen Tartarenpferde fraßen Mehl und Brot aus zinnernen Schüſſeln und ihre Herren tranken Wein aus Waſchzubern. Die Feuer, um welche die wilden Krieger ſich la⸗ gerten, wurden theils mit Dachſparren, Thüren und Läden der zierlichen Landhäuſer, theils mit den noch mit ihren unreifen Früchten beladenen Zweigen der Obſt⸗ bäume aus den luſtigen Gärten der Danziger Bürger unterhalten. Wildes Jauchzen und Lärmen ſcholl in der Nachtſtille von dort oft hinüber zu den Wächtern auf den Mauern der Stadt und erfüllte ſo nanche⸗ kühne Herz mit leiſem Schauder. Der böhmiſche Heerhaufen hatte ſein Standquartier am Fuße jenes Hügels genommen, den man jetzt den Huhanegerg nennt. Heinrich Wok von Roſenberg und ſein Begleiter hatten bald nach ihrer Ankunft dieſe wald⸗ bedeckte Höhe erſtiegen und Beide ſtanden einen Augen⸗ blick verſunken in den Anblick des Meeres, das wie ein glänzender Stahlſpiegelregungslos im Sommer⸗Sonnen⸗ ſchein dalag. „So ſind wir alſo jetzt hier am Ende der Erde,“ ſagte Chwal von Machowecz endlich,„und die Heimat mit ihren Bergen liegt weit, weit hinter uns. Was aber 16 ſollen wir hier? welch' einen Ruhm kann unſere Hand⸗ voll Leute unter den feſten Mauern dieſer Stadt er⸗ werben?“ „Du vergiſſeſt, daß es für uns ſchon überhaupt ein Ruhm iſt, hier am Rande des Meeres zu ſtehen,“ entgegnete Roſenberg„und überdies weißt Du ja, daß hier herum das Kloſter Oliva liegen muß, der Ort, wo ſich die Dokumente finden ſollen, die mich zum armen Schelm, wenn ſie ſich aber nicht finden, zum Herrn des reichen Erbes machen, das als Kunkellehen den Töchtern der Roſenberg und wenn keine Töchter vorhanden ſind, den Vettern von der zweiten Linie zufällt. „Die ſchöne Vlaſta ſelbſt muß auch irgendwo hier herum zu finden ſein, und Du weißt, ſie iſt meine mir von dem Hauſe der Familie zugeſagte Braut— wenn ihr Anſprüche an das Vermögen berechtigt ſind— und wahrlich ſie iſt ſo ſchön, daß ich das von ganzem Herzen wünſche.— Nach dem Kloſter Oliva muß ich mit mei⸗ nem Häuflein daher auch morgen ſchon aufbrechen, und einen Convent voll Mönche in Angſt zu ſetzen, ſind wir ſtark genug, wenn wir gleich ohne die Trompeten, die Joſua vor Jericho gebrauchte, ſelbſt mit Hilfe der Tarta⸗ ren, die bis hieher gekommen, die Stadt Danzig nicht einnehmen könnten!— Wo nur Toktamiſch mit der Hau uner wir mit burg den, wahr wir wie der Held Kön and Hand⸗ adt er⸗ herhaupt ſtehen,“ ja, daß Ort, wo n armen rrn des Töchtern den ſind, wwo hier eine mir — wenn — und Herzen mit mei⸗ en, und ſind wir ten, die r Tarta⸗ zig nicht mit der 17 Hauptmacht ſeines Volkes geblieben ſein mag, iſt mir ein unerklärliches Räthſel!“ „Er hat nur einen andern Weg eingeſchlagen als wir, und wird als ein gehorſamer Genoſſe Wladislav's mit dieſem jetzt ſchon vor den Mauern der alten Marien⸗ burg ſteh'n, vielleicht auch ſich bereits in denſelben befin⸗ den,“ entgegnete Chwal. „Dieſe Ritter ſind doch tüchtige Männer und von wahrhaft adeligem Sinn,“ meinte Roſenberg,„ich wollte, wir hätten unter Ulrich von Jungingen kämpfen dürfen, wie ich es urſprünglich beabſichtigte. Noch als Leiche ſah der Meiſter des deutſchen Ordens wie ein ſiegreicher Held aus, während Wladislav— nun er iſt eben ein König wie mancher Andere auch— ſelbſt als Sieger nichts anderes iſt, als ein ältlicher Mann, der in ſeiner Ju⸗ gendzeit hübſch geweſen iſt und das noch nicht vergeſſen kann.“ „Er hat mit ſeinen golddurchwirkten Gewändern, mit ſeinen Schuhen von Gemsleder, ſeinem Hermelin⸗ mantel und ſeiner reich gefütterten Krone die Herzen dreier Fürſtinnen erobert, die ihm ſchöne Mitgaben zu⸗ gebracht. Die junge Hedwiga beſonders, die früh ſtarb und dem Lithauer Fürſten die polniſche Königskrone ver⸗ erbte. Und nicht einmal ihr Blut wird künftig das Po⸗ lenvolk beherrſchen, ſie hinterließ kein Kind, und Wla⸗ Ein Bürgermeiſter. 1II. 2 18 dislav's kräftiger Erbe iſt jetzt noch ein kleiner Knabe, aus ſeiner dritten Ehe entſproſſen,“ ſagte Chwal von Machowecz. „Das Kind wird einſt ein großes Reich beherrſchen, vom Urſprung des Weichſelſtromes bis zu ſeinem Aus⸗ fluß und von dem Waſſerlaufe des Don bis zu dem der Oder,“ entgegnete Roſenberg nachdenklich. „Meinſt Du?“ ſagte Chawl,„das wäre ein Reich, größer als Deutſchland und Böhmen und Ungarn zu⸗ ſammen, aber ich denke nicht, daß es alſo ſein wird. Die⸗ ſer geputzte Polenkönig und der falſche Withold ſind Beide nicht Fürſten, die ein großes Reich ſtiften. Es be⸗ trügt da Einer den Andern, wie Gauner ſich beim Spiele betrügen. Die Ritter werden auch dieſe Lande nicht unter ihrer Herrſchaft behalten, ihre Zeit iſt vorüber und nicht die große verlorene Schlacht hat ihre Macht gebrochen, ſondern — ja wie ſoll man das ſagen,— ſie wäre auch ohne die Schlacht von ſelbſt erloſchen wie ein Licht verlöſcht, das keine Nahrung mehr hat.— Johann Huß, der Mann Gottes, hat recht, der Erlöſer liegt ja nicht in ſeinem Grabe zu Jeruſalem, um das die Chriſtenheit ſo blutige Kämpfe gekämpft, er iſt aufgefahren gen Himmel zur rechten Hand Gottes zu ſitzen, bis zum Tage des Gerich⸗ tes, und ſelbſt um das leere Grab Chriſti kämpft dieſe Ritterſchaar nicht mehr, auch hat ſie keine Pilger zu be⸗ ſchütz Lehre in all „Pfa Ding dieſe ſchon gefüll gehen was ter ſe tete ſe ſtarb Man mabe, (von ſchen, Aus⸗ m der Reich, en zu⸗ .Die⸗ d ſind Es be⸗ Spiele t unter icht die ondern hne die ſt, das Mann ſeinem blutige nel zur Gerich⸗ t dieſe zu be⸗ 19 ſchützen, keine Heiden weit und breit zu bekämpfen. Die Lehre des würdigen Johann Huß wirft den Feuerbrand in alle Klöſter und geiſtlichen Rittervereine.“ „Du biſt ein Thor, Chwal,“ ſagte Roſenberg lachend. „Pfaff iſt Pfaff und wenn der Meiſter Huß zu viele Dinge predigt, die der Geiſtlichkeit nicht behagen, wird dieſe ihm dann den Mund mit Erde ſtopfen, wie ſie es ſchon manchem Ketzer gethan. Dein dicker Schädel iſt an⸗ gefüllt mit Dingen, die weder Dich noch mich etwas an⸗ gehen und ich muß manchmal erſtaunen über all' das, was Du in Deinen Gedanken aushockſt.“ Der rieſige Böhme legte ſeine Hand auf die Schul⸗ ter ſeines Gefährten und ein ſeltſamer Schimmer erleuch⸗ tete ſeine Augen als er ſagte: „Sie können den Huß tödten, die Propheten ſind oft ſchon Märtyrer geworden, und ſelbſt der Heiland ſtarb ja am Kreuze, die Lehre des frommen und heiligen Mannes aber können ſie nicht unterdrücken, die wird durch alle Zeiten wirken und dieſe Lehre iſt es eben, die die Herrſchaft der Ritter und Mönche zernichtet.“ „Pah! Pah!“ entgegnete Roſenberg lachend,„für's Erſte ſind wir noch nicht ſo weit, morgen aber Kamerad müſſen wir hinüber nach Oliva Erkundigungen einzuzie⸗ hen über die bewußten Dokumente und unſere Leute ſol⸗ len uns dahin begleiten, denn nichts in der Welt gibt 2* 20 einer friedlichen Anfrage ſo gute Hoffnung auf eine be⸗ friedigende Antwort, als wenn 2— 300 Lanzen hinter dem Fragenden ſtehen.“ Auf die ſchöne Abtei Oliva hatte bis jetzt der Krieg ſeinen traurigen Einfluß noch wenig ausgeübt. Alles war dort noch in altgewohnter Behaglichkeit,— Pater Enſebius, der wackere Kellermeiſter, verſorgte in ſeiner Gutmüthigkeit den greiſen Pater Medardus noch immer mit den leckerſten Biſſen und einem guten Trunke, ob⸗ gleich der hochfürſtliche Abt Jacobus der Meinung war, der arme Tollhäusler müſſe in Bezug auf Leibesnahrung etwas kurz gehalten werden, damit ſeine unſchädliche Narrheit nicht etwa gar in Raſerei überginge. Der junge Bruder Amadeus war von ſeiner Ur⸗ laubsreiſe, die der Abt ihm auf die beſonderen Eröffnun⸗ gen des Herrn Arnold Hecht geſtattet, noch nicht zurück⸗ gekehrt und der hochwürdige Abt ſelbſt war immer noch eng befreundet mit dem hochwürdigen Biſchof von Gne⸗ ſen, Herrn Johannes, der in den Sternen geleſen, daß der König von Polen, Wladislav Jagello, der in der Apo⸗ kalypſe verheißene Regent des neuen Jeruſalems ſei. Die verlorene Schlacht, von der man auch im Klo⸗ ſter Nachricht empfangen hatte, machte dem Abt Jacobus daher wenig Sorgen, er glaubte zu den klugen Leuten zu r Krieg Alles Pater ſeiner ig war, nahrung thädliche mner Ur⸗ röffnun⸗ zurück⸗ ner noch on Gne⸗ en, daß der Apo⸗ ſei. im Klo⸗ Jacobus euten zu gehören, die ſich für alle Fälle ſichergeſtellt, und wartete der Dinge, die da kommen konnten mit aller Ruhe. Pater Medardus ſaß auf ſeinem Thurmkämmerlein am Fenſter und arbeitete, den ſchönen hellen Sommertag benützend, gar fleißig an den Miniaturen zu einem koſt⸗ baren Pſalmbuch.— Um ihn herum auf dem Tiſche ſtan⸗ den kleine Muſcheln, gefüllt mit ſchöner blauer undbren⸗ nend hochrother Farbe und mit den jetzt leider nicht mehr bekannten Miſchungen, welche auf dem Pergament das Gold und Silber ſo prächtig und glänzend hervorbrin⸗ gen. Die Pinſel flogen in den Händen des fleißigen Greiſes und die Augen, von den Jahren nicht geſchwächt, erhoben ſich kaum von der wunderbar zierlichen und ſchö⸗ nen Schrift: „Nähme ich Flügel der Morgenröthe Und bliebe am äußerſten Meere, So würde mich doch Deine Hand halten Und Deine Rechte mich führen.“ die er ſo eben fertig geſchrieben, und ſeine Seele er⸗ füllte ſich mit dem troſtreichen, verheißungsvollen Gedan⸗ ken des Pſalmiſten. Jal ſagte er ſanft, nach der Gewohnheit alter einſamer Menſchen mit ſich ſelbſt ſprechend, ja! das iſt ein Wort der Weisheit, das Kraft und Muth gibt in allen Lebenslagen! 22 Es iſt nicht ein Wort des Heilandes, ſondern ein ſolches, wie es auch die Weiſen meines Landes ausſpre⸗ chen in ihren heiligen Hainen. Was iſt es anders, das ſie verehrten, als der Geiſt der Liebe, Schönheit, Ordnung und Gerechtigkeit, die ſich in der Natur offenbart. Die Religion meiner Väter iſt nicht gar ſo ſehr verſchieden von der des Weltheilandes. Kannten ſie nicht auch ſchon die Dreieinigkeit, und was iſt denn unſere dreifache Gottheit, Perkunos, Pi⸗ kollos und Potrimpos anderes, als Vater, Sohn und Geiſt; Schaffen, Erhalten, Verwandeln! Wer ſich demuthsvoll den Geſetzen der Natur un⸗ terwirft, der legt ſich in die Vaterarme Gottes, der uns ſchuf, erhielt und durch den Tod verwandelt, wenn es Zeit iſt; das Sterbliche in Unſterbliches!— Bald, bald—— Er legte den Pinſel aus den bleichen Händen und faltete ſie zum ſtummen Gebete, die Augen zum Himmel erhebend. Da erſchreckte ihn der laute, ſchrille Ton einer Pfeife. Er blickte zur Erde und ſah einen Trupp Reiter auf kleinen zottigen Pferden durch den Wald daher tra⸗ ben.— Es waren Männer von ungemeiner Häßlichkeit mit ſchräge ſtehenden Augen und breiten kolbigen Naſen. n ein zſpre⸗ Geiſt ie ſich o ſehr t, und „Pi⸗ n und er un⸗ er uns nn es Bald, n und immel einer Reiter er tra⸗ lichkeit Naſen. Sie trugen hohe Mützen von ſchwarzem Schaffell, weite an den Knöcheln gebundene Beinkleider, Halbſtiefeln von gelbem und rothem Leder und weite Röcke, faſt wie Wei⸗ berröcke geſchnitten. Einige, mit ſeltſamen muſikaliſchen Inſtrumenten verſehene Perſonen ritten dem Zuge voraus, und als der⸗ ſelbe ſich an dem Eingange der Kloſtergebäude ſam⸗ melte, begannen jene eine barbariſche Muſik zu machen, in deren wilde ſchrille Töne ſich das Klingeln von Glöck⸗ chen auf keineswegs angenehme Weiſe miſchte. Im Kloſtergebäude wurde es jetzt plötzlich auch lebendig. Thüren wurden auf⸗ und zugeſchlagen, Schritte eilten über die Treppen, murmelnde und klagende Stim⸗ men ließen ſich vernehmen, und plötzlich ſah Medardus den hochfürſtlichen Abt, bekleidet mit allen Zeichen ſei⸗ nar hohen geiſtlichen Würde, begleitet von dem Bruder Pförtner über den Hof nach dem wohlverriegelten Ein⸗ gangsthore ſchreiten. Der Bruder Pförtner öffnete die kleine Schauklappe und blickte hinaus. Seine Bewegungen dabei waren un⸗ gemein ängſtlich und verſtört und der Abt hielt es für nöthig, ſelbſt an das kleine Schubfenſterchen zu treten, von wo aus er in lateiniſcher, deutſcher und polniſcher Sprache die Frage ertönen ließ:„Was iſt Euer Begehr?“ 24 Die draußen ſchienen eine Antwort nicht für nöthig zu erachten, ſie lachten unter einander und Einer zog endlich das Glöckchen an der Pforte, als begehre er Einlaß. Der Abt Jacobus fragte noch einmal:„Wer iſt da und was iſt Euer Begehr?“ „Oeffnet, öffnet, im Namen des Königs von Polen,“ ſchrie jetzt einer der draußen Stehenden;„öffnet Ihr faulen, heuchleriſchen, verrätheriſchen Mönche, oder wir werfen ſogleich Feuerbrände in Euer Otternneſt.“ „Wir ſind Freunde und treue Verehrer Seiner Majeſtät des Königs Wladislav,“ antwortete der Abt mit unterthänigem Tone.„Sicher würde der große Mon⸗ arch ſelbſt jede Unbill, die unſerem armen Kloſter, deſſen Bereitwilligkeit, Ihm zu dienen Er ſehr wohl kennt, auf's Strengſte ſtrafen.“ „So öffnet denn alſo ſofort und ohne langes Ge⸗ plänkel den Verbündeten Seiner Majeſtät des Königs Wladislav, oder wir ſelbſt werden uns den Weg bahnen und das könnte Euch ſchlecht gefallen.“ Im nämlichen Augenblick hatte einer der wilden Reiter draußen eine Petarde an der Pforte angezündet. Ent⸗ ſetztflog der Abt zurück, denn das explodirende Pulver zer⸗ ſprengte brauſend das Schloß der eichenen Thür, der Bruder Pförtner aber ſtürzte mit lautem Gekreiſch auf den empg helle Pfer ſtämn Scha war, Abt. Jaco nehm ner C Händ beſſer Prieſ komn Eure Sau Goͤld Pflich vor d beiner Abt Non⸗ eſſen kennt, 25 den Rücken und ſtreckte die Beine zappelnd zum Himmel empor. Eine Minute darauf drangen die wilden Reiter in hellen Haufen durch das mit Gewalt geöffnete Thor Pferde wieherten im Kloſterhof und wurden an Baum⸗ ſtämme und Fenſterkreuze feſtgebunden, und einer der Schaar, der wohl der deutſchen Shache am mächtigſten war, trat vor und fragte mit herriſchem Tone nach dem Abt. „Ich bin der Hirt dieſer frommen Heerde,“ ſagte Jacobus vortretend, indem er, alle ſeined raft zuſammen⸗ nehmend, eine Ruhe zeigte, die er keines egs fühlte. „So ſorge für gute und reichliche Bewirthung Dei⸗ ner Gäſte, laß den Kellermeiſter die Schlüſſel in die Hände meines Fährrich's legen, ſolches Amt paßt ſich beſſer für einen tüchaigen e boldaten als für einen frommen Prieſter. Sorgt alsbald, daß unſere Pferde Futter be⸗ kommen und ſchafft vor Allem tauſend Goldgulden aus Eurem Kloſterſchatze herbei, als Strafgeld für Eure Saumſeligkeit das Heer des Königs von Polen mit Geld⸗ und Nahrungsmitteln zu verſorgen, wie es Eure Pflicht geweſen wäre.“ Jacobus ſtand trotz ſeiner Furcht nicht ohne Würde vor dem drohenden Tartarenhäuptling und ſagte ruhig: „Wer hat Euch den Befehl gegeben, das Kloſter Oliva, das die Vorfahren meines königlichen Herrn Wla⸗ dislav Jagello, die Herzoge Subislav I. und II. von Pommerellen ſtifteten und mit reichen Gaben belohnten, zu brandſchatzen?“ „Euer Vetter, der Teufel, mein Herr Abt,“ ſchrie der Tartar. „Und wenn wir uns weigern zu zahlen, oder dieſe wilde Rotte in unſern heiligen Mauern zu beherbergen?“ entgegnete der Abt. „Auf Eure Gefahr,“ ſagte der Tartar mit höhni⸗ ſchem Lachen. Im gleichen Augenblick drang von der anderen Seite eine neue Rotte Tartaren in den Kloſterhof, ſie vertheilten ſich und ſchwärmten bald in dem ſonſt ſo ſtil⸗ len Gebäude mit wildem Jubel umher, drangen in die Kirche und ſchleppten die ſilbernen und goldenen Geräthe vom Altar. Einer ergriff die koſtbare, wie eine Sonne geſtaltete und mit reichen Edelſteinen beſetzte Monſtranz, und die Hoſtien auf den Boden ſtreuend, ſteckte er ſie in den Ledergurt ſeines Beinkleides. Auf den Stufen des Altares ſaßen mehrere und tranken den Kloſterwein aus goldenen Kelchen. Einer riß die Perlenſchnüre, womit das Biid der heil. Jungfrauin einer Seitencapelle geſchmückt war, mit roher Hand herab, und band ſich die ſelben um ſeine Mütze. Alle ſchrieen und tobten in de unve den Kloſt ren d nem und Refe meng mit d präg Wölf noch die C Wla⸗ . von hnten, , ſie o ſtil⸗ in die ſeräthe , und tobten 27 in den ſeltſamen Guturaltönen, einer den Monchen ganz unverſtändlichen Sprache und durch die ſchöne Kiiche, den wohlgepflegten Kloſtergarten, durch alle Gänge des Kloſtergebäudes ergoß ſich der rohe Schwarm, die Thü⸗ ren der Zellen aufreißend, mitnehmend, was irgend ei⸗ nem von Werth oder brauchbar erſchien, und zerreißend und zerſchlagend, was ſich nicht mitſchleppen ließ. Die Mönche waren in bitterer Todesangſt in dem Refectorium neben den Kreuzgängen der Kirche zuſam⸗ mengekommen, und ſahen in ihren weißen Gewändern, mit den Geſichtern, auf denen ſich die Rathloſigkeit aus⸗ prägte, einer Heerde Schafe nicht unähnlich, die, von Wölfen auf allen Seiten angefallen, weder zu fliehen noch ſich zu wehren fähig iſt. Der Pater Kellermeiſter war gezwungen worden, die Gewölbe zu öffnen und Wein, Bier und Meth fing an in Strömen zu fließen, und erhitzte die Köpfe der rauhen Geſellen noch mehr. In der Kloſterküche brannten mächtige Feuer und Pater Euſebius, der würdige Küchenmeiſter war dort beſchäftigt, Speiſen zu bereiten, ſo viel als er nur her⸗ beizuſchaffen vermochte. „Ein hungeriger Menſch,“ ſagte er zu dem alten Pater Medardus, den er ſich zum Gehilfen auserleſen und der ruhig und freundlich alle Geſchäfte eines ſolchen 28 verrichtete,„ein hungeriger Menſch, mein vielgeliebter Bruder, iſt ein pier furchtbareres Geſchöpf als ein ſatter. Thun wir unſer Möglichſtes, daß dieſer ſüße Grätzbrei bald gar wird, das Ochſenfleiſch und das Schweinefleiſch kocht ſchon und ier bringe ich alle vorräthigen Schinken, ſechg an der Zahl, die kann man ungekocht verthellen, item, dieſe Keräntherten Würſte, dieſe guten Brote und Wejzenfleiten⸗— Ich danke Gott, mein ſehr lieber Bru⸗ der Medardus, daß Ihr mir ſo treulich beiſteht, die An⸗ dern haben alle den Kopf verloren, und zur Arbeit iſt kein Einziger zu bewegen.“ Aber während die Beiden noch eifrig in der Küche ſchafften, erhob ſich im Refectorium ein wildes Geſchrei, das von Moment zu2 hernant ſchörclche klang. Pater Euſebius legte den Kochlöffel aus der Hand und Vei ängſtlich nach ſeinem Haupte: Das iſt des Abtes Stimme,“ ſagte er und ſeine Li ippen wurden bleich,„heilige Mutter Gottes, was ge⸗ ſchieht unſerm beklagenswerthen Oberhaupte, daß er alſo ſchreit und jammert?“ Auch Pater Medardus horchte mit Theilnahme. „Son ſteh' dem Unglücklichen bei,“ ſagte er endlich, die Hände ſaltend,„ſie foltern ihn, daran iſt nicht zu zweifeln.“ Dann ſank er auf die Kniee nieder und betete in⸗ brün für ſchw ßen die H von Kloſt ckend ungl ſterlu zuckt Wolt frue Grun ſamk nehm Stim toben merkl iebter atter tzbrei Kleiſch nken, eilen, e und Bru⸗ An⸗ eit iſt Küche ſchrei, Hand ſeine as ge⸗ r alſo ne. ddlich, ccht zu tte in⸗ 29 brünſtig mit zum Himmel erhobenen Händen um Hilfe für den Unglücklichen, deſſen Jammergeſchrei allmälig ſchwächer und ſchwächer wurde. Pater Eujelin eiute bitterlich und vergaß den ſü⸗ ßen Brei zu rühren, von dem er gewiß gehofft, daß er die Herzen der Feinde milder ſtimmen würde. „Es brennt,“ ſagte Pater Medardus, ſich plötzlich von ſeinen Knieen erhebend, die Schändlichen haben das Kloſter angezündet, fühlt Ihr den Rauch nicht, der erſti⸗ ckend in die Küche dringt?“ „Jal! großer Herr Gott, ja, es brennt!“ ſchrie der dngl lückl liche Küchenmeiſter,„ſeht! ſeht hier durch die Fen⸗ ſterlucke, wie das ſchwarze Nauchgewölt heran wirbelt⸗ „Seht! ach ſeht mein Bruder Medardus, da zuckt ſchon die woth Gluth wie ein Blitz durch ſinſtere Wolken, durch den ſchwarzen Rauchwinkel.“ „O, meine Heimat, meine liebe He lnate Oliva fruetifero, fruchttragender Oelbaum, ſo mußt Du zu Grunde gehen!“ Ein ernentes wildes Getümmel zog die Aufmerk⸗ ſamkeit der beiden armen Möͤnche jetzt ſelbſt von den zu⸗ nehmenden Flammen ab.— Des waren nicht mehr die Stimmen der Henker und ihrer Opfer, das war Kampf, tobender Kampf, der ſich jett ihnen durch das Ohr be⸗ merklich machte. 30 Schwertergeklirr, das Knallen der Hackenbüchſen, miſchte ſich mit dem Praſſeln und Ziſchen der zunehmen⸗ den Flammen, ja und jetzt— kein Zweifel— jetzt be⸗ mühte man ſich die Flammen zu löſcher; Waſſerſtrahlen fuhren ziſchend in die ſprühende Gluth und der Rauch wurde ſchwärzer und dichter, aber die Flammen lohten nicht wieder hindurch, die Menſchenkraft ſchien ihrer Herr zu werden. „Vielleicht können wir draußen nützlicher ſein als hier, drinnen in dem feſten Küchengewölbe, mein lieber Bruder Euſebius!“ ſagte Medardus, die eiſerne Thüre öffnend und in den von Rauch geſchwärzten kleinen Klo⸗ ſterhof tretend. In dem Graſe dicht vor der Thür lag auf dem An⸗ geſicht eine menſchliche Geſtalt regungslos, ſtumm! Pater Medardus bückte ſich und ergriff die weit ausgeſtreckte Hand, ſie war kalt und ſteif, die Hand einer Leiche. Der Kleidung nach war der Todte einer der Tar⸗ taren; ein Pfeil war ihm in den Hals gedrungen, er mußte verwundet noch bis an dieſen ſtillen Ort gelaufen ſein, denn eine Blutſpur zog ſich quer über den kleinen Hof, nach dem hinteren Eingang der Kreuzgänge. Medardus ging derſelben nach und trat in das Re⸗ fectorium. ſinnu ſchnür Meda zeug u Waſſe ihn ül 8 gen, u Angſtſ 8 ſetzter, ihm u mal, d gehalt wohl willen vor die mälig higkeit ſer, der un 1 hſen, men⸗ t be⸗ ahlen Tauch ohten ihrer n als lieber Thüre Klo⸗ An⸗ weit einer laufen kleinen s Re⸗ 31 Da lag am Boden ausgeſtreckt, röchelnd und be⸗ ſinnungslos der Abt Jacobus. Eine Peitſchenſchnur war feſt um ſeine Stirn ge⸗ ſchnürt und mit Knebeln auf's Aeußerſte angezogen.— Medardus löſte mit zitternden Händen das Folterwerk⸗ zeug und wuſch die blutige Stirn des Unglücklichen mit Waſſer; einige Tropfen Wein, der auf dem Tiſche ſtand, ihn über die Lippen gießend. Mit einem tiefen Seufzer öffnete der Abt die Au⸗ gen, und den alten Medardus erkennend, rann ein leichter Angſtſchauder über ſein Herz. Der freundliche Greis ahnte nicht, daß ſein Vorge⸗ ſetzter, dem er mit achtungsvoller Seele anhing, ſich vor ihm und ſeiner Rache fürchtete; wußte er doch kaum ein⸗ mal, daß er als ein Gefangener in ſeinen Thurmſtüblein gehalten und nur durch die Güte des Küchenmeiſters ſo⸗ wohl genährt und gepflegt worden war. „Verbergt mich! ach um des gebenedeiten Erlöſers willen, um der heiligen Mutter Gottes willen, verbergt mich vor dieſen wüthenden Heiden,“ ſeufzte der Abt, als all⸗ mälig unter der Pflege des alten Medardus ihm die Fä⸗ higkeik zu ſprechen wiederkehrte.„Gott erbarme Dich un⸗ ſer, wenn das die Verbündeten des Polenkönigs ſind, der uns von der Herrſchaft der Ordensritter zu befreien 3 32 verſprach; Gott ſchütze uns vor ſolchen Beſchützern!“ fügte er dann in jammernden Tönen hinzu. „Beruhigt Euch, hochwürdigſter Herr und Bater,“ tröſtete Medardus den Jammernden;„Diejenigen, welche Euch ſo ſchrecklich gemißhandelt haben, ſind wohl nur ein Haufe von Plünderern geweſen und jetzt bereits vor einer regelmäßigen Truppe entflohen. Das Feuer iſt wenigſtens gelöſcht und ich höre in den vorderen Theilen unſerer Abtei etwas, das wie Kampfgetöſe zu ſein ſcheint; da,“ ſetzte er hinzu, einen Blick durch das Bogenfenſter in den kleinen Hof werfend,„da kommen Leute, die mit dieſen Würgern und Mördern nichts gemein haben, ſicherlich werden ſie Achtung beweiſen vor Eurer geiſt⸗ lichen Würde; es ſcheinen mir feine Männer zu ſein, und die Soldaten, die ihnen folgen, ſehen auch ganz an⸗ ders aus als jene, die ich von meinem Thurmfenſter vor zwei Stunden heran ſchwärmen ſah.“ Pater Medardus hatte recht geſehen. Herr von Roſenberg und ſein Fähnrich Chwal von Machowecz hatten ſich an dieſem Morgen mit ihren Böhmen aufgemacht, die Abtei Oliva aufzuſuchen, wo der Erſtere gewiſſermaßen die Entſcheidung ſeiner Zu⸗ kunft erwartete.— Ein Knabe aus der Jungſtadt Dan⸗ zig hatte ihnen zum Wegweiſer gedient; und als ſie ——;——— durch beln erſt umr hoch und dung vor genö Land ſagte Köni men Mön Verb Fein er ſe tarer Hoch Ein zernl“ aater,“ welche hl nur its vor ter iſt Theilen ſcheint; rfenſter die mit haben, r geiſt⸗ zu ſein, nz an⸗ ſter vor val von t ihren ſen, wo als ſie 33 durch die hügellige Waldgegend zogen, hatte der aufwir⸗ belnde Rauch ſie zur Eile geſpornt. Angelangt vor dem ſchönen Gebäude ſahen ſie zu⸗ erſt einen Troß Tartaren, die mit Geſchrei einen Karren umringten.— Näher reitend bemerkten ſie, daß derſetbe hoch bepackt war mit goldenen und ſilbernen Geräthen und daß zwei bejahrte Mönche, deren weiße Ordensklei⸗ dung, beſchmutzt und blutbefleckt, gar jämmerlich ausſah, vor dieſen Karren geſpannt und durch Peitſchenhiebe genöthigt wurden ihn den Sandhügel hinab nach dem Landwege zu ziehen.*) „Nun, da kommen wir, ſcheint es, zur rechten Zeit,“ ſagte Chwal, auf dieſe empörende Scene zeigend, um den König Wladislav einen Dienſt zu thun und ſeinen Na⸗ men vor Schmach und Schande zu bewahren.“ „Ich bin freilich kein großer Verehrer von allem Mönchsgezücht, aber wenn der König ſeine treueſten Verbündeten alſo behandeln läßt, was würden ſeine Feinde ſich von ihm zu verſprechen haben?“ „Vorwärts! Vorwärts!“ ſchrie Roſenberg, indem er ſein Schwert zog und wie ein Ungewitter auf die Tar⸗ taren ſprengte, die, im Augenblick verdutzt, ihr abſcheu⸗ *) Ein Bild die Hochaltars in Oliva. Ein Bürgermeiſter. III. ſer Begebenheit findet ſich unfern des 3 — — liches Spiel im Stiche ließen und, den Berg hinab flie⸗ heud, die Koſtbarkeiten ſowohl als die jammernden Mönche dem Schutze der Böhmen überließen. Alsbald ſetzte ſich auf den Befehl ihres Anführers der ganze Trupp derſelben in eiligen Marſch nach dem Klo⸗ ſter, aus deſſen vorderen Dächern eben die Flam⸗ men empor zu züngeln begannen. Ein kurzer Kampf machte die in Schlachtordnung ſtehenden Böhmen zu Herren des Platzes, da die Tartaren, meiſtens waffenlos und betrunken, ſich in den Kellern, Sälen und Gärten zerſtreut hatten, um ihre Raubluſt und ihre Zerſtörungs⸗ wuth zu befriedigen. Was von dem Geſindel fliehen konnte, floh in Eil, die beiden geretteten Mönche konnten den böhmiſchen Soldaten zeigen, wo ſich die Werkzeuge zur Löſchung der Flammen befanden, und während die meiſten Hände ſich mit beſtem Erfolge mühten des Feuers Herr zu werden, betraten die beiden Anführer der Böhmen das Innere der Kloſterräume als Erretter und Beſchützer. Noch war der ſchwer leidende Abt Jacobus freilich nicht fähig, den Wirth, ſolchen edeln Gäſten gegenüber, mit der gehörigen Würde zu machen: aber während er ſich die über ſeine Stirn rieſelnden Blutstropfen abwiſchte, winkte er dem Pater Medardus und befahl ihm Alles zu thun, was den würdigen und trefflichen Rittern Sr. poln ſein ſeine und Alles von Kloſt treffl Elen Wan in ſe des( Vern fahl getra Ritte gegen der g fertig Wach Schu ordne Wein flie⸗ nden s der Klo⸗ lam⸗ dampf in zu fenlos bärten ungs⸗ loh in iſchen ig der de ſich erden, unere reilich ,mit r ſich piſchte, Alles Sr. 35⁵ polniſchen Majeſtät nur irgend genehm und erfreulich ſein könne. Herr von Roſenberg, rief den Feldſcheer, welcher ſeine Truppen ſchon von Böhmen hierher geleitet hatte, und befahl ihm, nach dem Zuſtande des Abtes zu ſehen, Alles zu ſeiner Erleichterung zu beſorgru⸗ und geſtützt von dieſem, dem erſten Juden, der wahrſcheinlich die Kloſterhalle Oliva's ſeit ihrer Gründung betrat, und den trefflichen Pater Euſebius, dem dicke Thränen über das Elend ſeines geiſtlichen Dberhauztes über die roſigen Wangen rannen, Ver Jacobus in ſeine Schlafzelle und in ſein weiches Bett gebracht. Pater Medardus rief indeß ſo viele der Brüder des Convents herbei, als ſeinem Rufe in der allgemeinen Verwirrung Folge leiſten wollten oder konnten, und be⸗ fahl im Namen des kranken Abtes, daß ſogleich Sorge getragen würde, für Vieh und Menſchen bei den geehrten Rittern.— Zum Glück war der Pater Kellermeiſter gegenwärtig und wohl bei Kräften, und die Speiſen, in der großen Kloſterküche für die Tartaren bereitet, waren fertig und wohlſchmeckend.— Während alſo Chwal Wachen ausſtellte, und alle kriegeriſchen Vorkehrungen zum Schutze der Abtei und ſeiner dort ſchmauſenden Leute traf, ordneten die Mönche in aller Eile die Tafeln, zapften Wein, Meth und Bier und zerſchnitten die Brote und 3* die Schinken und vertheilten den ſüßen Brei auf Holz, Zinn und irdene Teller, ſo viel ihrer im Kloſter nur aufzuſinden waren. Großer Jubel herrſchte nun bald in den Kloſter⸗ hallen, die noch vor Kurzem ein Platz des Schreckens geweſen waren. Auch Pater Euſebius, der wackere Küchenmeiſter, war aus der Zelle des Abtes zurückgekehrt, und ſchleppte in ſeiner Herzensdankbarkeit für die Er⸗ rettung aus allen Aengſten ſo viel in Honig und Eſſig Eingemachtes, ſo viel ſüße Confituren und andere Nä⸗ ſchereien herbei, als ſeine Vorrathskammern nur faßten, immer noch mit Thränen in den Augen Gott und den böhmiſchen Heerführern für die Erlöſung aus dem ſchreck⸗ lichen Elend dankend, das er ſich um ſo gräßlicher aus⸗ malte, je weniger ſeine eigenen Augen davon geſehen hatten. Auf den beſonderen Wunſch des jungen adeligen Führers der Böhmen mußten alle anweſenden Mönche ſich mit ibm und ſeinem Fähnriche an eine Tafel im Re⸗ fectorium zu gemeinſamen Mahle ſetzen, während für die Soldaten, je fünfzig und fünfzig, im großen Kloſter⸗ hofe eine Tafel gedeckt war, an der ſie abwechſelnd ſchmau⸗ ſen durften, während die andere Partie ihre Dienſtpflich⸗ ten erfüllte. der Ger wür ches hatte man cherl als? Gott würd Tage Brüd der 2 Band Seel⸗ den h verhe Wille Mach liche Holz, nur oſter⸗ eckens ackere kehrt, ie Er⸗ Eſſig e Nä⸗ aßten, d den chreck⸗ r aus⸗ deligen chmau⸗ tpflich⸗ 37 Ruhe und Heiterkeit herrſchte wieder in den Hallen der ſchönen Abtei Oliva. Herr von Roſenberg hatte Vieles von dem koſtbaren Geräth, das geraubt worden war, in die Hände der würdigen Väter abliefern laſſen. Freilich fehlte ſo man⸗ ches prächtige Stück, das die Tartaren, wohl verſteckt, hatten mit ſich ſchleppen können, aber gerne verſchmerzte man das in dem Gefühle zurückgekehrter Ruhe und Si⸗ cherheit, in der Gewißheit, daß der mächtige Polenkönig als Freund und Verbündeter in alle Zukunft das edle Gotteshaus vor neuen Mißhandlungen beſchützen würde. Auch der alte Pater Medardus ſaß ſeit manchem Tage zum erſten Mal wieder an feſtlicher Tafel mit ſeinen Brüdern. Das Herz des Greiſes war nicht minder als das der Anderen der wunderbaren Rettung froh, denn viele Bande der Liebe und der Gewohnheit knüpften ſeine Seele an den Ort, wo er nach den Schmerzen des Lebens den heiligen Frieden in Gott gefunden. In dieſe Mauern, an denen heute die Flamme verheerend geleckt, war er eingetreten, nicht mit eigenem Willen und aus freier Wahl, ſondern gezwungen von der Macht des Schickſals, dem zu widerſtreben ſeine jugend⸗ liche Kraft viel, viel zu ſchwach geweſen. 38 In langen, bangen, troſtloſen Nächten hatte er in dieſen Kreuzgängen auf dem harten Stein gelegen, jam⸗ mernd über ſein Geſchick, voll heißer Sehnſucht nach Freiheit, nach den grünen Hainen des fernen Samlandes, an deſſen waldige Küſten die Wellen der Oſtſee branden. Dort hatte er als ein glückliches Kind geſpielt, dort hatte ein weiſer liebreicher Vater, der letzte Waide⸗ lolle ihn in der Natur den dreieinigen Gott, den Schö⸗ pfer, Erhalter, Verwandeler verehren gelehrt. Seinem Vater verdankte er die Erkenntniß der Natur, die ſpäterhin ſeine einzige Tröſterin wurde, und als nach einer ſchrecklichen Schlacht die deutſchen Ritter mit ihrem Heere in das heilige Dunkel des Buchenwaldes eindrangen, wo der Knabe neben dieſem Vater gelebt, als er die würdevolle Ergebung ſah, mit der der Hoch⸗ verehrte den Tod am Altare ſeiner Götter der Gefan⸗ genſchaft unter den Chriſten vorzuziehen entſchloſſen war, da wollte auch er ſterben für die Götter ſeiner Heimat unter dem Dach der uralten Buchen, deren leiſes Rauſchen ihm ſo oft die Stimme der Götter ge⸗ ſchienen. Ach, wie lange, lange Zeit war verfloſſen ſeitdem. Nach Gottes gnädigem Willen war aus dem Hirten⸗ knaben ein chriſtlicher Prieſter geworden, der die heiligen Lehren des Evangeliums mit tiefer Inbrunſt liebte und er in „jam⸗ zt nach andes, anden. eſpielt, Waide⸗ Schö⸗ niß der ſe, und Ritter awaldes gelebt, r Hoch⸗ Gefan⸗ ſchloſſen r ſeiner deren ter ge⸗ ſeitdem. Hirten⸗ heiligen iebte und 39 dem Erlöſer, dem Gottgeſandten, der am Kreuze auch für ihn geſtorben, nachzufolgen ſtrebte. Auf rauhen Wegen war Pater Medardus ſeinem Herrn und Heilande nachgegangen, aber Eines hatte in dieſen Kloſterhallen ſein kuͤmpfendes Menſchenherz zu ſanftem Frieden geführ 1 die Gewißheit, daß die Gobhhet⸗ die ſein frommer Vater verehrt, nur im Laute des Namens verſchieden ſei von dem Golt den der Sohn des Chriſt hetei und verehrte. Die ſchaffendewaltende Naturkraft, deren geheimnißvoll heiliges Wirken Medardus nachge⸗ forſcht hatte, ſo lange ſein Geiſt Herr geworden über die Scmerzen ſeines Herzens; ſie war ſo gewiß als ſie ſichtlich und der denkenden Seele erkennbar, das ſchöne Weltganze erhielt, der Gott ſeiner chriſtlichen Brüder als der ſeiner heidniſchen Vorfahren. Und der Erlöſer, der Menſch gewordene Gottesgeiſt! was war er denn anders 18 die Gotteskraft der Liebe, die, das Herz des Menſchen durchdringend, ihn zum Herrn ſeiner eigenen irdiſchen Winnſche zum Herrn ſeiner Selbfäſucht. ja zum Beſieger des Todes, weil zum Beſieger der Wberfucht macht.— In den Hallen des Kloſters Oliva unter den ſchö⸗ nen Bäumen, welche dasſelbe von der Welt abſchloſſen, am Ufer des Meeres, das hier wie in ſeiner Heimat allen Schmerzen ein ſüßes Schlummerlied ſang, hatte 40 Medardus ſich dieſe Ueberzeugung zu eigen gemacht und das Kloſter mit ſeiner ſchönen Umgebung war die Welt des Greiſes geworden, in der er Gott ſuchte und von Tag zu Tag mehr fand in ſeinen Werken.— Die Augen des Greiſes hingen voll Dankbarkeit an dem Geſichte des jungen böhmiſchen Ritters, der ſich gar adelig in ſeinem ganzen Thun zeigte und an jeden der anweſenden Brüder freundliche Worte richtete. Nur mit dem ſchweigſamen Medardus, der am un⸗ teren Ende der Tafel die wenigen Speiſen zu ſich nahm, deren er bedurfte, hatte der ſchöne junge Mann noch nicht geſprochen und der Greis horchte jetzt hoch auf, als derſelbe zu erzählen begann, daß er das Kloſter eigent⸗ lich in eigenen Geſchäften beſucht und ein beſonderes Anliegen an die würdigen Herren Confratres des Con⸗ vents habe. „Es iſt vor langer, langer Zeit,“ ſagte er verbind⸗ lich,„es mögen 20, ja 24 Jahre her ſein, als einer mei⸗ nes edlen Geſchlechtes, Herr Heinrich Wock von Roſen⸗ berg, mit einem Fräulein aus polniſchem oder ſamaiti⸗ ſchem Blute allhier getraut worden. Aus dieſer nur kurze Zeit dauernden Ehe iſt ein Fräulein entſproſſen, mit der ich ſeit Jahren als ihr naher Vetter verlobt bin. Die Heirat kann aber nicht vollzogen werden, wenn ſich die eheliche Geburt meiner ſchönen Braut nicht darthun läßt, und ve die bet ging ſi Zeit ir einmal ihrem trauer weſen Kloſte ſtätigu würde unſer! geſicher 5 Sie he es war aber ol — 2 der der geſpro wohl nach de 2 des Re noch t und Welt d von arkeit er ſich jeden n un⸗ nahm, i noch ff, als igent⸗ ideres Con⸗ rbind⸗ rmei⸗ oſen⸗ maiti⸗ kurze nit der . Die ich die in läßt, 41 und vergeblich hat ſie ſelbſt ſchon den Verſuch gemacht, die betreffenden Urkunden hier aufzufinden, wenigſtens ging ſie nach dieſem entfernten Lande und hat ſeit dieſer Zeit in ihrer Heimat nichts von ſich hören laſſen, nicht einmal mir, ihrem harrenden Verlobten Nachricht von ihrem Aufenthalte gegeben. So vermuthe ich denn mit trauernder Seele, daß ihre Nachforſchungen umſonſt ge⸗ weſen, indeß ſie aus Gram darüber ſich in irgend ein Kloſter zurückgezogen hat.— Gelänge es mir, die Be⸗ ſtätigung der Erbrechte jener Jungfrau zu finden, ſo würde ich Muth haben, auch ſie ſelbſt aufzuſuchen, und unſer Beider Glück wäre in einer ehelichen Verbindung geſichert.“ Die würdigen Paters flüſterten leiſe mit einander. Sie hatten ſchon Einiges von dieſer Angelegenheit gehört, es war Nachfrage angeſtellt worden nach jenen Urkunden, aber ohne Erfolg. 5 Auch Medardus ſchwieg, bis der Pater Honorius, der den kranken Abt bei der Tafel vertrat, das Gratias geſprochen hatte, die ganze Geſellſchaft aufſtand und ſo⸗ wohl Gäſte als Wirthe die Ruhe ſuchten, die Allen nach dieſen bewegten Tagen ſo nothwendig war. Als aber der junge Herr von Roſenberg die Halle des Refectoriums verließ, um vor Einbruch der Nacht noch Muſterung zu halten und die Wachen anzuordnen, 2 42 ging er ihm leiſen Schrittes nach und bat ihm um ein kurzes Geſpräch in ſeiner einſamen Thurntzelle. Eine Stunde ſpäter, als alle Brüder zur Ruhe ge⸗ gangen waren, als auch die böhmiſchen Soldaten, an gute Manneszucht gewöhnt, zu ſchmauſen und zu zechen auf⸗ gehört hatten, und nur diejenigen wachten, welche die Pflicht dazu hatten, ſtieg Herr von Roſenberg mit klo⸗ pfendem Herzen die Thurmtreppe hinan, an deren Fuß ihn Medardus mit einem Windlichte in der Hand er⸗ wartete. Der flackernde Schein des Lichtes verjagte die Fle⸗ dermäuſe und Käutzchen aus ihren Neſtern, aber ihr Flattern und der gleichmäßige Schritt der Wachen im Kloſterhofe waren auch die einzigen Lebenszeichen, welche die Beiden vernahmen, bevor ſie in die ſtille Zelle des al⸗ ten Geiſtlichen traten, der ſeinen Gaſt hier mit milder Höflichkeit willkommen hieß. Der Mond goß ſein ſilbernes Licht in das Thurm⸗ gemach und machte dasſelbe hell genug, um die mancher⸗ lei Gegenſtände zu erkennen, welche das Glück und den Troſt, wie die Beſchäftigung des greiſen Bewohners aus⸗ machten. Auf Wandbrettern und in Schränken waren hier vielerlei Dinge geordnet, von deren Gebrauch und Nu⸗ tzen der junge Parteigänger auch nicht die leiſeſte Vor⸗ ſtellun Zeichn gezoger ein zal Eintre Hand res vi 1 ſagte ckend ſorgen Aerme 1 ſchaft gen m meine fragt ten; n zwanz rich W Groß Sane Hedw Olivo um ein uhe ge⸗ an gute en auf⸗ elche die mit klo⸗ ren Fuß and er⸗ die Fle⸗ aber ihr chen im , welche des al⸗ t milder Thurm⸗ mancher⸗ und den ers aus⸗ ⸗ren hier und Nu⸗ ſte Vor⸗ 43 ſtellung hatte.— Gewichte und Maße mancherlei Art, Zeichnengeräth und Pergamentrollen, Blumen, in Schalen gezogen, ſchmückten die Fenſter ohne ſie zu verdecken, und ein zahmes, ſchneeweißes Mäuschen lief zutraulich den Eintretenden entgegen und ſprang auf die hingehaltene Hand ſeines alten Freundes, aller angebornen Scheu ih res viel verfolgten Geſchlechtes los und ledig. „Setzt Euch hier her, edler Herr von Roſenberg,“ ſagte Medardus, einen Holzſeſſel an das Fenſter rü ckend und ſeinen kleinen Liebling mit einigen Brocken ver ſorgend, die er bei der Tafel für ihn im Aufſchlag ſeines Aermels aufgehoben hatte. „Hier an dieſem Fenſter, wo man die weite Land⸗ ſchaft überſieht, kann ich am beſten Euch die Mittheilun⸗ gen machen, welche ich Euch ſchuldig bin, und die mit meinem eigenen Leben in naher Verbindung ſtehen. Ihr fragt nach den Trauſcheinen eines Eurer edeln Verwand⸗ ten; wiſſet denn, ich bin der Geiſtliche, der vor fünfund⸗ zwanzig Jahren den edlen böhmiſchen Bladiken Hein⸗ rich Wock von Roſenberg und das aus dem Blute des Großfürſten Gedemin von Lithauen ſtammende Fräulein Saneita, bei der heiligen Taufe wie ihre königl. Pathin Hedwiga genannt, an dem Altare der Kloſterkirche in Oliva traute.“ „Ha!“ ſagte Roſenberg, in lebhafter Bewegung von ſeinem Sitze aufſpringend,„und die Documente,— exiſtiren ſie, kann ich ſie erhalten?“ „Unter gewiſſen Bedingungen: Ja!“ entgegnete der Greis, ein Schwur bindet dieſerhalb meine Seele, ſonſt, das glaubt Ihr wohl, würde ich ſie dem Retter unſeres Kloſters gewiß mit Freuden überliefern. Geſtattet mir daher, edler Herr, daß ich Euch Alles was aus meinem Leben mit dieſer Angelegenheit Zuſammenhang hat, mit⸗ theile. Wenn Ihr dann den Eid, den ich von Euch for⸗ dern muß, geleiſtet habt, woran ich nicht zweifle, ſo werde ich Euch Alles übergeben und dem Himmel danken, daß er mein Leben ſo lange erhielt, um das Eure zu be⸗ glücken.“ „Und wenn ich nun ohne Bedingung, ohne Eid und allen Firlefanz, das haben wollte, was unverweigerlich mein Eigenthum iſt?“ ſagte Roſenberg leiſe, mit der Hand am Schwertgriff ſpielend. „So würde ich es tief beklagen Euch meine Dank⸗ barkeit nicht beweiſen zu können,“ entgegnete Medardus mit milder Ruhe. „Dies wollen wir ſeh'n,“ ſchrie der Böhme, den Greis feſt bei der Kehle faſſend und die Spitze ſeines Schwertes auf ſein Herz ſetzend,„wo ſind die Papiere?“ Medardus zeigte kein Zeichen des Schreckens oder der Verwirrung, ſeine Geſtalt zitterte nicht, ſein Ange⸗ ſicht, warme räther zückte C ſeinem fürchtet ſeine 2 keine I ſich die ſchwore Euch u das jun es Euch von Eu Gehör der Gr niederl wie Eu Es war mern i gründet lav von ite,— tete der ſonſt, unſeres tet mir meinem at, mit⸗ igerlich 45 ſicht, auf das der volle Mondſtrahl fiel, behielt ſeine warme Röthe, und ſein Auge blickte traurig auf den Ver⸗ räther, der vor dieſem ſ ſanften und feſten? Blick das ge⸗ zückte Schwert langſam ſinken ließ, und die Hand von ſeinem Halſe entfernte. „Ihr könnt den nicht erſchrecken, der den Tod nicht fürchtet, und Gott vertraut,“ ſagte der Greis, ſobald ſeine Bruſt wieder Athem hatire„glaubt mir, edler Herr, keine Marter würde mir das Bekenntniß entreißen, wo ſich die Papiere befinden, die wohl aufzuheben ich ge⸗ ſchworen habe und mit meinem jähen Tode wären ſie für Euch und für Jeden rettungslos verloren. Wenn Ihr aber das junge Fräulein, Eure Braut, wirklich liebt, ſo wird es Euch nicht ſchwer fallen, den Eid zu leiſten, den ich von Euch fordern muß, wenn Ihr mir wenige Minmien Gehör ſcheukt. 4 „So ſprecht denn,“ entgegnete der Böhme, und der Greis, ſich ihm gegenüber in den zweiten Holzſeſſel niederlaſſend, begann: „Dieſes Land iſt ſeit zwei Jahrhunderten ſchon, wie Euch bewußt iſt, eine Grenzmark gegen die Heiden. Es ward dazu ſchon ehe Subislav I., Herzog von Pom⸗ mern im Jahre des Herrn 1170, das heilige Kloſter gründete, und als im Jahre 1198 der Herzog Grimis⸗ lav von Schwetz eine Schaar der Ritterbrüder vom hei⸗ ligen Johannes zu ſeinem Beiſtande gegen die Heiden, die ihn von Oſten und Süden her bedrängten zu Hilfe rief, da war ſchon unſäglich viel Blut gefloſſen von bei⸗ den Seiten und tiefe Feindſchaft und Erbitterung war zwiſchen den Völkern von Polexia und Galinden, und den Chriſten, die diesſeits der Weichſel lebten, von Jenen nur durch das Bett des Stromes geſchieden. Blutrache war heiliges Geſetz bei jenen Völkern und es geſchahen viele ſchreckliche Thaten, denn die trotzigen Galinder, Pole⸗ rianer, Samaiten, Maſuren, Samländer und Lithauer rächten an Sohn und Enkeln das Blut ihrer Landsleute, das Vater oder Großvater vergoſſen hatte. Beſonders wählten ſie ſich zu ihren Ueberfällen die Zeitpunkte, wo man im chriſtlichen Lande recht feſt und getreulich an eine Ausſöhnung glaubte. „Mehr als einmal waren Bündniſſe geſchloſſen zwiſchen den Chriſten diesſeits und den Heiden jenſeits der Weichſel, der Sohn eines chriſtlichen Edelmannes, der Verlobte einer heidniſchen Jungfrau aus gutem Blute, und wenn dann die Hochzeitsgäſte fröhlich beiſammen ſaßen, erhoben ſich Diejenigen, die unter den heidniſchen Gäſten eine ungerächte Blutthat in ihrer Familie und Freundſchaft wußten, und erſchlugen Alles was ihr Schwert erreichen konnte, ſo Chriſten als die mit ihnen durch Heirat verbundenen Heiden. Salza ſehr vo und C ſchloſſen oder die ten, m thume! und H Ordens mit ein ren cht heidniſe II herz h und ſe Erinne / lich zu von Ro des gro vermäll „ und üb⸗ Heiden, u Hilfe on bei⸗ ng war ind den ien nur che war n viele Pole⸗ Lithauer dsleute, ſonders kte, wo tlich an chloſſen jenſeits tannes, Blute, ammen dniſchen klie und bas ihr it ihnen 47 „Als unter dem edlen Hochmeiſter Hermann von Salza der deutſche Ritterorden in's Land kam, ward man ſehr vorſichtig in Abſchließung der Ehen zwiſchen Heiden und Chriſten. „Eine ſolche Ehe ward nur in tiefer Stille abge⸗ ſchloſſen und endlich ganz für ungiltig erklärt. Der Heide oder die Heidin, welche ſich mit Chriſten verehlichen woll⸗ ten, mußten ſich durch die Taufe vorher zum Chriſten⸗ thume bekehren. Kinder aus einer Ehe zwiſchen Chriſten und Heiden hatten unter der Herrſchaft des deutſchen Ordens kein Erbrecht, ja mehr als dies, ſelbſt eine Ehe mit einem neu getauften Chriſten galt bald in den älte⸗ ren chriſtlichen Familien für unehrenhaft und halb heidniſch. „Manch' jugendliches warm ſchlagendes Menſchen⸗ herz hat bitter dadurch gelitten,“ ſetzte der Greis hinzu und ſeine Bruſt hob ſich mit einem Seußzer trauriger Erinnerung. „Dies mußte ich Euch ſagen, um den Schritt erklär⸗ lich zu machen, den Euer Verwandter, Herr Heinrich von Roſenberg that, als er ſich mit Hedwiga, der Enkelin des großen Lithauer Herzogs Gedemin, hier in Oliva vermälte. „Er wußte, daß König Wenzel nicht ſein Freund ſei und überhaupt das Geſchlecht der Roſenberge haſſe, und er wußte auch, daß ſeine Ehe mit einer neuen Chriſtin einen gewaltigen Anſtoß in ſeinem Vaterlande und am Hofe des Königs geben würde, und nicht ohne Grund fürchtete er, daß man vielleicht ihre Gültigkeit an⸗ taſten möchte, zumal Lehnsvettern auf ſein großes Erbe lauerten. „So vertraute er denn das Heil und die Ehre ſeiner Nachkommen dem Geiſttlichen, der ihn getraut hatte, mir an. „Zunächſt legte er in meine Hände ſeine eigene, von mir beglaubigte Ausſage, daß er getraut ſei, ſodann einen Schatz von Gold und Edelſteinen, den ich, falls es nothwendig würde, Demjenigen ſeiner Verwandten oder Nachkommen überliefern ſollte, in deſſen Händen ſich der Ring befände, den ſeine Gattin bei einer gewiſſen Gele⸗ genheit von Withold dem Lithauer Herzoge, ihrem nahen Verwandten, erhalten hatte und den ich ſelbſt mit einem kleinen, aber mir ſehr wohl erkennbaren Zeichen verſehen mußte. „Im Falle meines Todes ſollte ich dies Alles dem⸗ jenigen Bruder unſeres Convents anvertrauen, den ich deſſen am würdigſten hielte.— Ach, guter Gott! ſchon ſind zwei mir voran in's Himmelreich gegangen, denen ich mein Geheimniß unterm Siegel der Beichte anver⸗ traut hatte, und der dritte, ein frommer Jüngling, der könne. genwa chen C Kirche cher ſe⸗ unſere vertra aber d ßer me Gott: und d Roſen Mann Falle Ein T Ehriſtin nd am Grund eit an⸗ s Erbe e ſeiner mir an. ene, von ſodann falls es ſen oder perſehen es dem⸗ den ich ! ſchon „denen anver⸗ ig, der 49 mich, den uralten Greis, gewiß überlebt hätte, ſpurlos verſchwunden. „Sollte aber Einer, der den Namen Roſenberg führt, ohne jenes Erkennungszeichen kommen und nach den be⸗ wußten Papieren fragen, ſo ſollte er zwar nicht die Pa⸗ piere ſelbſt, wohl aber einen gewiſſen Theil des niederge⸗ legten Schatzes empfangen, falls er auf das heil. Kreuz und bei der Ehre ſeines Namens ſchwört, nichts zu thun, zu ſagen, oder zu ſchreiben, was den nachgebliebenen Kin⸗ dern des Heinrich Wock von Roſenberg an Leben, Ehre, Eigenthum oder Erbe jemals ſchädigen oder ſchmälern könne.— Alles dieſes weiß in dieſem Gotteshauſe ge⸗ genwärtig Niemand als ich.— Die Beweiſe der eheli⸗ chen Geburt des Fräuleins von Roſenberg, die ſich in den Kirchenbüchern befanden, ſind verſchwunden, ja dieſe Bü⸗ cher ſelbſt wollen ſich nicht auffinden laſſen. Das iſt Sache unſeres hochwürdigen Abtes, der von dem was mir an⸗ vertraut worden, nicht die geringſte Kenntniß hat. Wo aber der Schatz des Roſenberg aufgehoben, wußten au⸗ ßer mir nur noch zwei Perſonen, wovon der Eine der in Gott ruhende Hochmeiſter Herr Conrad von Jungingen, und der Andere ein edler Verwandter der Gattin von Roſenberg, Herr Zindram von Maſchcowicz, jetzt ein Mann von hohen Gaben und großem Ruhme iſt. Im Falle ſich fünfzig Jahre nach der Trauung des Roſen⸗ Ein Bürgermeiſter. III. 4 berg kein Kind und kein Verwandter, der ſein Recht auf einen Theil des Schatzes durch jenen Eid erwerben will, gemeldet, ſollte derſelbe an unſer Kloſter fallen. „Ihr wißt nun Alles, theurer und verehrter Herr,“ ſetzte der Greis hinzu,„leiſtet den Eid und nehmt was ich Euch zu geben habe, und möge es Euch zu Gute kommen zeitlich und ewiglich.“ „Dies iſt eine ſehr ſeltſame und kaum glaubliche Erzählung,“ ſagte der böhmiſche Edelmann, und es zuckte ziemlich unheimlich um ſeine feinen Lippen. „Wie wenn ich mich nun an den Herrn Abt ſelbſt wenden würde, er muß ſo gut wie Ihr von all' dieſen Dingen wiſſen.“ „Herr,“ entgegnete der alte Mönch,„thut nach Eurem Belieben, Eines aber erfahret, denn es kann Euch von Nutzen ſein. Es exiſtiren ganz gewiß Perſonen, de⸗ nen daran gelegen ſein muß, die Heirat des Roſenberg als ungeſchehen betrachten zu laſſen, dieſe haben ſich vor Euch an unſern Abt gewendet und die Zeugniſſe der Trauung, welche im Beſitz des Kloſters waren, ſind ver⸗ ſchwunden. Die welche ich beſitze, werde ich nicht anders, als an Denjenigen ausliefern, in deſſen Händen ſich der Ring befindet, außerdem aber merkt Euch dieſes: Hinter⸗ ließ Herr Heinrich Wock von Roſenberg ein Kind aus der Ehe, welche ich einſegnete, ſo iſt dies ſelbſt jedenfalls im A mäßi meine noch Schat Anſp cobus Eure ſie zu auf d Verſich ſagte, werden Rechte tend m 7 in den tzen, die ſich ebe verpflie n. Lügen: es wird gen, m decht auf ben will, er Herr,“ ehmt was zu Gute gZlaubliche des zuckte Abt ſelbſt all' dieſen thut nach kkann Euch ſonen, de⸗ Roſenberg n ſich vor gniſſe der ſind ver⸗ t anders, en ſich der 8: Hinter⸗ Kind aus jedenfalls 51 im Beſitze jener Zeugniſſe, die rechtskräftig und geſetz⸗ mäßig von mir ausgeſtellt worden ſind. Die, welche in meinen Händen ſind, kann weder Eure, noch des Abtes, noch irgend eines Menſchen Gewalt mir entreißen. Der Schatz aber, auf den Ihr, als ein Erbe der Roſenberg, Anſpruch habt, iſt für Euch verloren, ſobald der Abt Ja⸗ cobus von ſeiner Exiſtenz erfährt.— Iſt das Fräulein Eure verlobte Braut, ſo leiſtet den Eid, den ich von Euch im Namen des Vaters derſelben verlange, wagt es dann ſie zu Eurer Gattin zu machen, auch ohne daß Ihr Recht auf das Erbe Ihres Vaters erwieſen iſt und glaubt der Verſicherung eines Greiſes, der nie wiſſentlich eine Lüge ſagte, die Beweiſe ihrer adeligen und ehelichen Geburt werden dann in Euern Händen ſein, ſo daß Ihr die Rechte Eurer Gattin gegen alle Welt vollſtändig gel⸗ tend machen könnt. „Wollt Ihr nun den Schwur leiſten und Euch ſelbſt in den Beſitz eines anſehnlichen Theiles jener Schätze ſe⸗ ten, die Euer Vetter hier für Diejenigen niederlegte, die ſich eben durch jenen Eid ihm und ſeinen Nachkommen verpflichten wolllen⸗ 24 „Ich denke,“ ſagte der junge Mann,„dies ſind Alles Lügen und Betrügereien eines ſpitzbübiſchen Pfaffen, und es wird mir nicht all' zu ſchwer werden, Euch zu zwin⸗ gen, mich in den Beſitz von Allem und Jedem zu ſetzen, 4* 52 was ſich in Euern Händen befindet. Für jetzt, Pater Me⸗ dardus, ſeid Ihr mein Gefangener, und folgt mir wohin ich Euch führen werde.“ „Wohl mir,“ entgegnete der Mönch,„das ich allen Anordnungen des Mannes, der mir vertraute, genau nachgekommen bin, ich mag nun Leben oder ſterben, in Eure Hände wird nichts von dem mir Anvertrauten fal⸗ len.— Thut mit mir was Euch beliebt, Herr von Ro⸗ ſenberg, und möge Gott Alles zum Beſten lenken.“ Der Greis hatte dies mit ſanfter und ruhiger Stimme geſprochen, während der junge Böhme mit ſeiner ledernen Degenkuppel ihm die Hände auf den Rücken zu⸗ ſammen band. „Vorwärts denn,“ ſagte Roſenberg„für das Klo⸗ ſter Oliva ſeid Ihr, ſein älteſter Bewohner, ſo lange todt, bis es mir gelungen, Eure Zunge zu löſen.— Geht dieſe ſteilen Treppen vor mir hinunter, ich halte Euch feſt an dieſer Schnur, die ich an mein Wehrgehäng knüpfe, ſchreit Ihr, ſo übergebe ich Euch meinem Profoß, der es trefflich verſteht einen Knebel zu drehen, verhaltet Ihr Euch ruhig, wird Euch augenblicklich kein Leid ge⸗ ſchehen.“ Der Roſenberg warf jetzt ſeinen eigenen dunkeln Soldatenmantel über die weiße Mönchskleidung des Greiſe der To 8 wo Me˖ ſehende wurde, in dieſe 2 böhmiſe Werder burg m lithauif treiben ger nich in die wegtrie Landhä ter Me⸗ r wohin ich allen , genau ben, in uten fal⸗ von Ro⸗ n.“ ruhiger nit ſeiner kücken zu⸗ das Klo⸗ ange todt, — Geht alte Euch ag knüpfe, pß, der es haltet Ihr Leid ge⸗ dunkeln liidung des 53 Greiſes und drückte ſeinen Federhut auf das Haupt mit der Tonſur. Lautlos ſtiegen Beide dann hinab in den Hofraum, wo Medardus, gebunden wie er war, von zwei wild aus⸗ ſehenden böhmiſchen Soldaten in Empfang genommen wurde, die ihn auf den Befehl ihres Rottenführers noch in dieſer Nacht bis unter die Thore Danzigs führten. Am andern Morgen zog ohne viel Geräuſch die böhmiſche Rotte nach Süden über Dirſchau, durch das Werder, um ſich vielleicht vor oder in der Veſte Marien⸗ burg mit der polniſchen Armee zu vereinen. Die Tartarenſchwärme, zu denen ſich ein Theil des lithauiſchen Heeres geſellte, blieben, noch mancherlei Unfug treibend, vor den Mauern Danzigs und ſetzten die Bür⸗ ger nicht ſelten in Angſt und Schrecken, indem ſie Feuer in die Stadt warfen, die Thore blokirt hielten, alles Vieh wegtrieben und die reichen Vorſtädte und die ſchönen Landhäuſer plünderten und in Flammen aufgehen ließen. Zweites Capitel. In der Marienburg herrſchte trotz der Gefahr, die ihren zahlreichen Bewohnern näher und näher rückte, mu⸗ ſterhafte Ruhe und Ordnung. Der alte Spittler, Herr Werner von Tettingen, verſah die Krankenſäle ſo ruhig, als ob der tiefſte Friede im Preußenlande herrſchte, und ein anderer Greis aus der Zeit des Hochmeiſters Conrad von Jungingen, Herr Sigmund Brendel, der die Schlacht von Tanneberg über⸗ lebt hatte, trotzte einer ſchweren Hiebwunde in ſeinen fechsundſiebenzig Jahren, und verwaltete das Amt des Hauscomthurs mit einer Umſicht, die Jeden in Erſtaunen ſetzen mußte, der die ungeheuren Verpflichtungen desſel⸗ ben auch nur annähernd kannte.— Der Küchen⸗, Kel⸗ ler⸗ und Futtermeiſter ſtanden unter ſeiner ſpeciellen Aufſicht. Dieſe drei Ritterbrüder hatten die genaue Auf⸗ ſicht über alle in der Marienburg zuſammengebrachten Vorräthe zur Speiſung von den vielen, vielen Menſchen und Thieren, die ſich in ihren Mauern befanden. Keller Menſe Bürge ſicht d und r ſamkeit in jede Niema Keinen 2 Hausci marien Reſte entgege 4 halter Ritter er ſo Brühe, räume waſſer nen, de ihr, die kte, mu⸗ ettingen, te Friede reis aus eu, Herr erg über⸗ in ſeinen Amt des erſtaunen n desſel⸗ n⸗, Kel⸗ ſpeciellen aue Auf⸗ ebrachten Menſchen 1. 5⁵ In verſchiedenen großen Räumen des oberſten Kellergeſchoßes wurden die Speiſen für die Tauſende von Menſchen von dreißig Frauen beſorgt, die aus den vielen Bürgersfrauen der Stadt ſorgfältig ausgewählt waren. Zwanzig andere Frauen beſorgten unter der Auf⸗ ſicht des alten Brendel die Vertheilung dieſer Speiſen, und wunderbar war das Gedächtniß und die Aufmerk⸗ ſamkeit des Greiſes.— Er kannte die Anzahl der Köpfe in jedem Zimmer und Kellerraum genau, gewiß warb Niemand von ihm überſehen, und eben ſo gelang es Keinem, ſich die doppelte Portion zu erſchwindeln. Der junge Pater Amadeus war von dem greiſen Hauscomthur mit dem Ehrenamte betraut, in den Fir⸗ marienſälen die Speiſeportionen zu vertheilen und die Reſte derſelben zu ſammeln, denn in der Zeit, der man entgegenſah, hatte jedes Brot⸗Bröcklein ſeinen Werth. Der junge Geiſtliche war ein verſtändiger Haus⸗ halter und verſah ſein Amt zur Zufriedenheit des alten Ritters, keine Klage lief über ihn ein, und doch brachte er ſo manche Schale voll Grützbrei, ſo manchen Napf Brühe, ſo manchen Korb voll Brotreſte in die Vorraths⸗ räume zurück. Alle Kranken erhielten auf Verlangen ihr Trink⸗ waſſer aus dem achtzig Fuß tiefen kühlen klaren Brun⸗ nen, der ſich im Corridor vor des Meiſters Wohnräumen befand, die jetzt freilich nicht wie in friedlichen Zeiten von dem Vertreter des Meiſters allein, ſondern von allen anweſenden Ritterbrüdern bewohnt wurden, da die Woh⸗ nungen derſelben in den anderen Theilen der Burg von den aus der Stadt geflüchteten Bürgern und ihren Fa⸗ milien angefüllt waren. Neben dem berühmten Brunnen im Corridor ſtand ſtets ein Waſſergefäß aus Sandſtein, mit großer Kunſt gearbeitet, in dem ſich das empor gewundene Waſſer viele Stunden friſch erhielt, des Meiſters Handfaß ge⸗ nannt, und aus dieſem floß der einzige Erquickungstrank, deſſen ſich Heinrich Reuß von Plauen während der Dauer der Belagerung Marienburg's bediente. Conrad Letzkau hatte, von den Segenswünſchen und Gebeten der Ritter begleitet, die Marienburg am 21. Juli in der Morgendämmerung verlaſſen. Ob es ihm ge⸗ lungen ſei ſich durch das Heer des Polenkönigs zu ſchleichen, wußte noch Niemand, doch der Plauen vertraute mit Recht der Klugheit, Umſicht und Treue des Danziger Bürgermeiſters. Am Tage nach Letzkau's Abreiſe aus der Marien⸗ burg langte an den Thoren derſelben der Trauerzug an, der die Leiche des edlen Hochmeiſters Ulrich von Jungin⸗ gen 88 der ritterlichen Gruft in die St. Annen⸗Kapelle brachte. Hein der B ger vo ten, u meiſte einen ( nun, 1 Schul kirche 2 greiſes deckte, Reuß Bahre erhellte blatt a Lippen verzwe ſteine ſchönen wie R Zeiten n allen Woh⸗ g von ten Fa⸗ r ſtand Kunſt Waſſer faß ge⸗ gstrank, Dauer hen und 21. Juli ihm ge⸗ nigs zu ertraute Hanziger Narien⸗ rzug an, Jungin⸗ Kapelle 57 Im feierlichen Zuge empfingen die Ritterbrüder, Heinrich Reuß von Plauen an ihrer Spitze, im Vorhofe der Burg den Sarg von Fichtenholz, in welchen die Bür⸗ ger von Oſterode die Leiche des Landesherrn gelegt hat⸗ ten, und auf die Anordnungen des Vertreters der hoch⸗ meiſterlichen Würde ward dieſer erſte einfache Sarg in einen anderen koſtbaren von Blei geſetzt. Großes Wehklagen ertönte durch die Hallen, als nun, von zwanzig wohlgerüſteten Ordensrittern auf ihren Schultern getragen, die Leiche nach der St. Annen⸗ kirche in die Gruft ihrer Vorgänger gebracht wurde. Weinend ging der alte Compan Brendel, ſein greiſes Haupt mit einem Tuche umbunden, das die Wunde deckte, die er bei Tanneberg empfangen, neben Heinrich Reuß von Plauen, als erſten Leidtragenden, hinter der Bahre her. In der ſtillen, nur von dämmerndem Tageslichte erhellten Begräbnißkapelle ſtand Herr Johannes Linden⸗ blatt am Hochaltar und kaum vermochten ſeine bebenden Lippen die heiligen Worte der Todtenmeſſe zu ſprechen. Ralph, der braune Diener des Verſtorbenen, kniete verzweifelt hinter einer der ſchönen, aus dunklem Sand⸗ ſteine gemeißelten Säulen, welche die Emporkirche dieſes ſchönen Gotteshauſes ſtragen, und ſeine Thränen floſſen wie Regen auf die Steinplatten, die hier ſchon ſo viele edle Ritter und große Regenten deckten.— Herr Hein⸗ rich von Plauen, der junge Neffe des Stellvertreters, hatte ſich des armen verlaſſenen Fremdlings angenom⸗ men, und Ralph betrachtete ſich jetzt als den ſpeziellen Diener dieſes Herrn, für den er von der glücklichen Zeit her, da er ihn und das ſchöne böhmiſche Fräulein als Vorreiter nach Danzig geleitet, eine große Vorliebe hatte.— Der arme Narr gedachte in ſeinem eigenen ſchwe⸗ ren Herzenskummer theilnehmend auch der ſchönen Jung⸗ frau, für die der in Gott ruhende Meiſter ſo ſehr geſorgt, die er ſeinem Freunde, dem edlen Heinrich Reuß von Plauen noch kurz vor ſeinem Tode ſo warm empfohlen hatte.—. Ach, die Noth der Zeit geſtattete den Freunden des Dahingeſchiedenen nicht einmal, ſich dem Schmerz um ihn aus Herzensgrund hinzugeben. Nach Beendi⸗ gung des Todtenamtes mußte Jeder eilen, ſeine augen⸗ blicklichen dringenden Pflichten zu erfüllen, und auch auf Ralph's Schultern lagen ſolche gebieteriſche Pflichten. In dem großen Kornhauſe an der Nogat, deſſen mächtige Räumlichkeiten zur Stallung für 400 Roſſe überflüſſigen Raum boten, ſtanden jetzt ſo viel Kühe, welche vierzig Mädchen täglich füttern und melken muß⸗ ten, und es war Ralph's Amt, die Fütterung zu beauf⸗ ſichtig abzulie welche C auch d ſeine ji gerinne auf ihr kaum o der He dieſem ſie als währe die flei der Zit den Tö Burſch S Fenſte einſt Gaſt Söldn wackere ſuch zu dri Hein⸗ reters, enom⸗ ziellen n Zeit in als orliebe ſchwe⸗ Jung⸗ geſorgt, uß von pfohlen keunden jchmerz Beendi⸗ augen⸗ uch auf flichten. „deſſen ) Roſſe l Kühe, muß⸗ n beauf⸗ 59 ſichtigen und die Milchvorräthe an den Küchenmeiſter abzuliefern, wo dieſe in den Firmarien an die Familien, welche Kinder hatten, vertheilt wurden. In jenen ungeheuern, gewölbten Ställen ſtanden auch die Kühe des Sigmund aus Großlichtenau und ſeine junge Frau gehörte zu den Melkerinnen und Pfle⸗ gerinnen des lieben Viehes, und ſaß manche Viertelſtunde auf ihrem Melkſtuhle unter ihren Lieblingen, die ſie jetzt kaum als ihr Eigenthum betrachten durfte, und gedachte der Heimat im geſegneten Werder, wo ihr Gatte, ach, in dieſem Jahre nicht die reiche Weizenernte ſchneiden, noch ſie als fröhliche Binderin hinter ihm her ſchreiten würde, während die Mutter im Hauſe das reichliche Mahl für die fleißigen Arbeiter rüſtete und wo Abends beim Klang der Zither eines wandernden Muſikanten oder auch bei den Tönen der Rohrpfeifen und Schalmeien, die die Burſchen ſpielten, ſich Alles in luſtigem Tanze ſchwang. Das ſchöne Haus in Großlichtenau mit den grünen Fenſterläden und Balken, in welchem der Hochmeiſter einſt auf einer mit Silbergulden gefüllten Tonne als Gaſt ihres Schwiegervaters geſeſſen, war von einem Söldnerhaufen geplündert und angezündet worden. Ihre wackere Schwiegermutter war geſtorben, als ſie den Ver⸗ ſuch gemacht, noch einmal in die flammende Wohnung zu dringen, um noch eine Geldſumme, von der ſie allein 60 wußte, den Flammen zu entreißen. Sie aber hatte ſich mit ihrem Kinde auf dem Arme und in jeder Taſche ihres weiten Wadmolrockes mehr Geld als das verbrannte Haus werth war, geflüchtet und auf Feldwegen, die nur den Bewohnern der Gegend bekannt waren, nach Ma⸗ rienburg gerettet. Dorthin kam auch faſt mit ihr zugleich im Gefolge des Reuß von Plauen ihr Mann, und groß war die Freude des Wiederſehens, als die Gatten ſich in den Ar⸗ men lagen, aber eben ſo groß war auch die Trauer des Sohnes, als er den Tod ſeiner Mutter erfuhr. Er erkundigte ſich genau nach Tracht und Bewaff⸗ nung Derjenigen, die ſein Heimweſen zerſtört und ſeiner armen Mutter jähen ſchrecklichen Tod bereitet hatten, und die junge Frau verſtand gut Auskunft zu geben. Die böhmiſche Schaar, die er zu dem Reuß von Plauen geleitet, hatte den Frevel verübt, und jener lange Fähnrich, der ſeiner ſchon in der Wildniß geſpottet, hatte den Befehl zum Anzünden des Gehöftes gegeben. Sehr wohl erkannte er nach der Beſchreibung ſeines Weibes den Frevler an dem Collet von Elensfell, an dem grauen halb aufgeſchlagenen Filzhute ohne Feder, an den wilden Augen, deren Blitzen auch ihn aus ſeiner gewöhnlichen Kaltblütigkeit für eine Weile aufgeſcheucht hatte, und es gohr ein Gefühl rachſüchtiger Wuth im Herzen des jun⸗ gen B lacht! mund neswen Ringe Schwe Ritter 2 nur ſel Natur ſich füh welche burg z dort vie das He der Be ger Ta Muße ruhen. J 3 ander! ben un in all' ſchon ſich aſche annte e nur Ma⸗ ſefolge ar die n Ar⸗ er des ewaff⸗ ſeiner hatten, n. iß von lange ,hatte Sehr Weibes grauen wilden nlichen und es s jun⸗ 61 gen Bauern, das Derjenige, dem es galt, vielleicht ver⸗ lacht hätte, wenn es ihm bekannt geweſen. Aber Sig⸗ mund von Großlichtenau, der künftige Freiſaſſe war kei⸗ neswegs ein velächtlicher Feind.— Er war ein tüchtiger Ringer, der beſte Bogenſchütze im Werder und auch das Schwert verſtand er zu führen in einer Weiſe, die keinem Ritter Schande gemacht hätte. In der Marienburg ſahen die jungen Eheleute ſich nur ſelten. Sigmund's Wunde war, Dank ſeiner guten Natur und dem Balſam der Hexentrude, den er ſtets bei ſich führte, geheilt, und man hatte ihn der Schaar beigegeben, welche unter dem Befehl des jüngeren Plauen die Vor⸗ burg zu vertheidigen beſtimmt war.— Der Dienſt nahm dort viele Zei des Lehnsmannes ſchon in Anſpruch als noch das Herr des Polenkönigs hinter Stuhm lagerte; wenn der Belagerungszuſtand wirklich eintrat, waren die Krie⸗ ger Tag und Nacht auf den Mauern nöthig, und hatten Muße eine Nacht über die andere ein paar Stunden zu ruhen. Dennoch freuten ſich Mann und Frau, daß ſie ein⸗ ander nahe waren und der Sigmund herzte ſeinen Kna⸗ ben und dankte Gott, daß er ſo wohl und ſtark geblieben in all' dem Elende, welches den armen kleinen Kerl nun ſchon betroffen. Herr Heinrich Reiß von Plauen kannte und 62 ſchätzte den wackeren Freilehnsmann und auch das hübſche und jugendliche Weibchen und den kräftigen Buben, und hatte mitten in ſeinen tauſenderlei Geſchäften doch noch ſich die Zeit genommen, bei der jungen Frau, die aus den Ställen am Kornhauſe kam, ſtehen zu bleiben und mit ihr von dem Unglücke, das ihren Hof und ihre Schwie⸗ germutter betroffen, mit einer faſt väterlichen Theilnahme zu ſprechen.— Dein Kind aber haſt Du gerettet, Mar⸗ garethe, wie ich gehört habe, dafür danke ich mit Dir dem lieben Heilande, hatte er jüngſt freundlich zu ihr ge⸗ ſagt, erziehe es wohl, damit es ein ſo tüchtiger Landmann und ein ſo wackerer Krieger werde, als ſein Großvater geweſen, als ſein Vater es iſt. Wohl uns, daß wir auf die Kraft unſerer Arme und den Muth unſerer deut⸗ ſchen Herzen gewieſen ſind, dieſem zahlreichen und erbar⸗ menloſen Feinde gegenüber, Beides iſt gleich gut und wird Stand halten, ſo lange dieſe Mauern ſtehen und der alte Nogatſtrom an ihrem Fuße dahinrauſcht. Dann war er grüßend weiter geſchritten und Frau Margarethe ging und erzählte allen ihren Gefährtinnen die wackeren Worte des hohen Herrn und alle Herzen ſelbſt die ſchwächeren der Frauen ſchlugen furchtloſer und glaubten an den Sieg, wie ſie an das Wort Gottes glaubten. Und dennoch— wie zweifelhaft war dieſer Sieg wozu munter der Er ſchen,! von Po durch j T ſelbſt a Einfluf mit alle nen Ge ihnen und kül V Meinun Dränge mannes Schlach gefeiert, Zeit un fübſche 1, und h noch us den nd mit Schwie⸗ lnahme „Mar⸗ nit Dir ihr ge⸗ dmann oßvater vir auf r deut⸗ erbar⸗ ut und en und d Frau rtinnen Herzen chtloſer Gottes r Sieg 63 — täglich und ſtündlich liefen betrübende Nachrichten ein, von der Felonie der Städte, die ſich faſt ohne Schwertſchlag ergaben. Die Abteien und Klöſter ſand⸗ ten ohne Scham und Scheu, große Ladungen von Fleiſch, Wein und Gemüſe an den heranrückenden Landesfeind, wozu ſie das Beiſpiel des Johannes von Gneſen er⸗ munterte, der laut in ſeiner Diöceſe verkünden ließ, daß der Erlöſer des Preußenlandes vom Joche der heuchleri⸗ ſchen, liederlichen Kreuzherren herannahe, daß der König von Polen, Wladislav Jagello, allem Elende der Preußen durch ſeine glorreichen Siege ein Ende machen werde. Das ehr⸗ und treuloſe Thun der Geiſtlichkeit blieb ſelbſt auf das dem Orden ergebene Landvolk nicht ohne Einfluß, ſie ergaben ſich den Polen und verſorgten ſie mit allen Lebensbedürfniſſen, zumal da ſehr vielen offe⸗ nen Gegenden die Zufluchtsörter geraubt waren, welche ihnen in früheren Kriegsnöthen, die wohl befeſtigten und kühn vertheidigten Ordensburgen geboten. Vier Tage hatten Wladislav und Withold trotz der Meinungen des jüdiſchen Arztes, trotz dem ernſtlichen Drängen ſeines tapferen kriegserfahrenen Feldhaupt⸗ mannes Zindram, mit ihren Schaaren in der Nähe des Schlachtfeldes von Tanneberg geweilt und Siegesfeſte gefeiert, ſo wild und ſchaurig, als der rohe Geiſt ihrer Zeit und ihrer Völker ſie nur fordern konnte. 64 Viele Meilen umher waren alle Städte und Dörfer niedergebrannt und geplündert. In die ſchutz⸗ und vertheidigungsloſen Ordens⸗ burgen drangen höhnend die Schaaren, und obgleich Chriſten, zerſtörten ſie die Altäre und beraubten ſie ihres goldenen Schmuckes, zertrümmerten die ſchöngemalten Fenſter und Heiligenbilder, ſengten und brannten, ſo daß von den feſten herrlichen Gebäuden, deren Trümmer noch jetzt, nach länger als vier Jahrhunderten, die Be⸗ wunderung jedes Bauverſtändigen, die Freude jedes künſt⸗ leriſchen Gemüthes ſind, nichts ſtehen blieb, als das mit höchſter Feſtigkeit gefügte Mauerwerk. Erſt als weit und breit Alles in Städten und Dör⸗ fern ausgeraubt und in rauchende Trümmer verwandelt war, gab Wladislav Jagello den Befehl zum Aufbruch, und der Zug der Polen durch die Landſchaft über Oſte⸗ rode, Mohrungen, Elbing, Ruhm und Chriſtburg, glich dem eines Heuſchreckenſchwarmes, der, wo er hinkommt, Alles zerſtört. Flammende Dörfer, zerſtampfte Felder, Leichen und Trümmer bezeichneten den Weg! Alle Städte öffneten ihm die Thore, leiſteten dem Kö⸗ nige den Huldigungseid und verſorgten freiwillig die Truppen mit Lebensmitteln und Allem was ſie ſonſt be⸗ durften. Es ſchien ein bloßer Triumphzug zu ſein, auf dem der König von Polen mit ſeinen Schaaren begriffen. Als er haupthe muth ke feldherr ſten Be mit den ſpräche A nen St ſchmückt Linien f aus,„ ſtande d ſo Gott und ge Ordens und vo Geburt Kraft u iſt bis und es Ein Bü Döͤrfer drdens⸗ öögleich te ihres emalten ten, ſo rümmer die Be⸗ s künſt⸗ das mit d Dör⸗ wandelt ufbruch, ler Oſte⸗ g, glich nkommt, Felder, dem Kö⸗ lillig die ſonſt be⸗ ein, auf begriffen. 65 Als er in Ruhm, etwa zwei Meilen von dem Ordens⸗ haupthauſe Marienburg, anlangte, kannte ſein Ueber⸗ muth keine Grenzen und triumphirend ließ er den Kron⸗ feldherrn Zindram, der auf dem Marſch von den ernſte⸗ ſten Beſchäftigungen in Anſpruch genommen und wenig mit dem Könige zuſammengekommen war, zu einem Ge⸗ ſpräche zu ſich beſcheiden. Wladislav ſaß in dem ſtattlichſten Hauſe des offe⸗ nen Städtchens, in Purpur und Hermelin gekleidet, ge ſchmückt mit Schuhen von Goldleder und ein reiches Diadem in den leicht ergrauten Locken, auf einem Seſſel, den man in Eile mit einen Thronhimmel ver ſehen hatte. „Schwertträger Krakau,“ ſagte er, und alle Linien ſeines ſchönen htes ſprachen ſeinen Triumph aus,„hier wären wir nun angel gt, unter dem Bei⸗ ſtande der heiligen Jungfrau und St. Georg's. Morgen, ſo Gott will, thronen wir im Stuh enſeres beſiegten und getödteten Feindes, des Hoch neiſters deutſchen Ordens. Gott ſelbſt hat ihn in unſere Hand gegeben, und von nun an iſt dies Land, das uns durch unſere 1 —— — S 8 0 Geburt ſchon zugefallen, auch unſer Eigenthum durch die Kraft unſeres ſiegreichen Schwertes. Der Weichſelſtrom iſt bis zu ſeinem Ausfluſſe dem polniſchen Handel frei, und es iſt unſer ernſtlicher königlicher Wille, daß je eher Ein Bürgermeiſter. III 5 66 deſto lieber die verhaßte deutſche S prache verſtumme in dieſen Landen, die jetzt ein Theil des Königreiches Polen ſind, und bleiben ſollen bis an der Welt Ende. „Euch, Zindram, unſerem Kronfeldherrn, befehl wir nun, Sorge zu tragen, daß am morgenden Tage d Einzug unſerer Truppen in die Marienburg auch d äußeren Glanzes nicht eutbehre, der das Auge der Menge nicht nur beſticht, ſondern auch eines großen en T e e † Königs allein würdig iſt. Der Schwertträger von Krakau, ſtand ſchweigend und betreten vor dem ſtolzen ſiegesgewiſſen Fürſten, der den Gedanken, daß die feſte Marienburg, der letzte Hort des deutſchen Ordens, ſeinen Siegeslauf auch nur um einen Tag verzögern könne, weit von ſich geworfen hatte. „Zindram aber, von guten Kundſchaftern bedient, hatte ſogar bereits eine Verbindung im Innern der Marienburg angeknüpft, und wußte ſehr wohl, daß die Ritter entſchloſſen waren, ſich dort auf's Aeußerſte zu vertheidigen, und er wußte auch noch etwas, das Wla⸗ dislav's ſtolzen Trüumen leicht ſehr verderblich werden konnte, das aber noch Niemand gewagt hatte dem ſieges⸗ trunkenen Könige mitzutheilen.— Die Ruhr und eine ihr ähnliche nur noch viel gräßlichere Peſt wüthete in den von nach noch der 2 in S Kron auf Vertf 8 erth ſicher! zu be Thore entgeg Bürg meine Aufru das d und( wo d ſchlägt daß ich ihrer ime in reiches Welt veigend en, der fte Hort lur um eworfen bedient, nd eine ithete in 67 den? Meihen der Soldaten und forderte täg bi Hunderte von Opfer„die todtkrank am Wege liegen blieben, um ben nach wenigen Stunden, wenn der Zug vorüber war, oft noch halb debe nd eine Beute de r Wölfe, er Geier und der dn gkrähen zu werden, welche der polniſchen Armee in Schaaren folgten „Herr!“ ſagte Zindram,„meine Pflicht als Euer 5 her rr iſt 8s, Kuih mein naailiche Gebieter, dar⸗ af. au „Ich habe ein beſſeres Mittel gewählt, mir ihre Thore zu öffnen, als ein kur rzer Kampf ſein würde,“ entgegnete Wladislav.„Es dauert mich des Blutes der Bürger und Bauern, be jetzt meine Unterthanen und meinen königlichen Herzen theuer ſind.— Da lies den Aufruf, den ich an alle Lande ergehen laſſe, die jetzt noch das Joch dieſer Mönchsritter tragen. „In Pommerel llen und Pomeſanien, in Ermeland und Galinoerland, im Barten und Nathengen bis dahin wo die Oſtſee an die waldigen Küſten des Samlandes ſchl hlägt, ſollen alle dieſe armen geknechteten Leute erfahren, daß ich ihr gnädiger König ſein will, wenn ſie eiligſt zu ihrer Unterthanenpflicht zurückfehren, und mir ihre Treue 5* 68 durch den Huldigungseid, durch Oeffnen ihrer Thore und Burgen, durch ſchleuniges Verjagen des Reſtes dieſer ketzeriſchen, übermüthigen und wollüſtigen Ritter beweiſen. „Herolde ſollen durch alle Lande ziehen, und Denen meine königliche Gnade verkünden, die ſich ſogleich zu mir wenden, während ſie mit meinem ganzen Zorn Die⸗ jenigen bedrohen, die es jetzt noch wagen, nachdem Got⸗ tes Wille durch das Schwert für mein geheiligtes Recht entſchieden, demſelben zu widerſtreben. Der Orden liegt darnieder, ſeine Häupter, die freventlich unſerer könig⸗ lichen Macht widerſtrebten, haben ihren verdienten Lohn. Uns dauert aber des Landes Elend, möge daher ein Je⸗ der ſich ſchnell entſchließen und uns den Huldigungseid leiſten; wer ſich deſſen weigert, zeigt Verachtung unſerer königlichen Gnade und hat ſich die Folgen ſelbſt zuzu⸗ ſchreiben,“ ſetzte er hinzu, die letzten Worte, die in dem Manifeſte ſtanden, wiederholend, denn er verſtand zwar nicht lateiniſch oder deutſch zu leſen, ſein Gedächtniß aber war treu und ſicher. „Ein Herold ſoll dies auch in die Marienburg brin⸗ gen,“ ſagte er, das Blatt in Zindram's Hände legend, „undes iſt mehr als gewiß, daß es auch dort ſeine Wir⸗ kung thun wird. Schicket einen ſolchen noch in dieſer zu gu troffen warer dem C unterf Bette Iſrae gene d hatte: Sicher und de halten 8 ſ chreck bis an führt, hore teſtes ditter denen ch zu Die⸗ Got⸗ Recht liegt könig⸗ Lohn. in Je⸗ ngseid inſerer zuzu⸗ in dem b zwar ß aber ig brin⸗ legend, e Wir⸗ dieſer 69 Stunde ab und räſten wir uns für den morgenden, glor⸗ reichen Tag.“ Die Botſchaft an die Marienburg kam dem Schwert⸗ träger von Krakau ſehr erwünſcht. Nicht weil er im Entfernteſten glaubte, daß die Thore des Ordenshauſes ſich vor bloßen Worten öffnen würden, dazu kannte er den Sinn und Geiſt der Ritter zu wohl, und wußte auch zu gut, daß die Vertheidigungs⸗Anſtalten, die dort ge⸗ troffen worden, ernſt, nachhaltig und nicht zu verachten waren. Als er in das Haus zurückkehrte, das er ſelbſt in dem Städtchen Ruhm bewohnte, ſaß der Withing Gedete, unterſtützt von ſeinem Pflegeſohn Bruno, auf einem Bette und genoß den Stärkungstrank, den Joel Ben Iſrael ihm bereitet. Der wackere Preuße war noch immer der Gefan⸗ gene des polniſchen Feldherrn, aber ſeine Gefangenſchaft hatte nichts Drückendes.— Zindram hielt es für das Sicherſte, ſeinen jungen, wiedergefundenen Verwandten und deſſen Freund und Schützer in ſeiner Nähe zu be⸗ halten. Wohin auch hätte er ſie entlaſſen können in dieſen ſchrecklichen Zeiten. Tartarenſchwärme hatten das Land bis an das Meeresufer überſchwemmt und Thaten voll⸗ führt, die alle Herzen mit Furcht und Grauen erfüllten, 70 auch der Theil des Werders zwiſchen Marienburg und Dirſchau, wo ſeit Urväter Zeiten das feſte Haus Gedete's ſtand, war von den ſchrecklichen Gäſten nicht verſchont geblieben. Die edle Nomeda hatte ſich hoffentlich mit ih⸗ rer beſten Habe nach Danzig oder in die Marienburg ge⸗ flüchtet; war ihr dies nicht gelungen, ſo war ihr Los, das ſo vieler Tauſend anderer Frauen Preußens, ſie war geſtorben in den Flammen ihrer Heimat, oder unter den Schwertern der Tartaren. Gedete dachte ihrer wie einer theuern Todten, und hoſſte bald mit ihr in dem Lande vereint zu werden, welches der Glaube als die wahre Heimat des Chriſten bezeichnet. Der Withing betrachtete ſich ſelbſt auch nicht mehr wie einen Lebenden. Der Tod hatte ihn ſchon einmal in ſeinen Armen gehalten und er hoffte, daß dieſer letzte Freund aller Leidenden bald wie⸗ derkommen und ihn von einem Daſein erlöſen werde, das für ihn ohne Nomeda keine Freude und keinen Zweck mehr hatte. Als Zindram in das Zimmer trat, wo ſeine beiden Gefangenen weilten, traf er ſie eben in einem Geſpräch, das auch ihn intereſſirte, da es die Zukunft ſeines jungen Verwandten betraf. „Laß Dich dies nichtbetrüben, Bruno, mein Sohn,“ ſagte Gedete,„ſind wir nicht Chriſten und müſſen glau⸗ ben, daß Alles was der Herr thut, auch wohlgethan ſei? Gott n alten) geſcheh meine: ten, ha derten! Krieger leute ein ſondern entſprof haupt e und du tes und zen ſo und Ol einen T ſten Häö verwüſte Du kann Dir kein „ thing's, gefunden Eure edl D „ war den einer Lande wahre ichtete Tod nd er wie⸗ verde, einen peiden präch, ungen ohn,“ glau⸗ n ſei? 71 Gott will, daß der letzte Edelmann aus dem Blute der alten Preußen kinderlos und erblos ſterbe! zein Wille geſchehe!— Das Volk, zu deſſen edelſten Häuptern zueine Vorfah n ſich mit gerechtem Stolze zählen durf⸗ ten, hat ſich v zermiſch mit den Poltern⸗ die ſeit Jahrhun⸗ dr n hier urwanderten, theils als Kaufleute, theils als Krieger, theils als Acker bauer. Warun ſollten ſeine Edel⸗ leute ein anderes Schickſal haben? Du biſt kein Preuße, ſondern aus dem Blute der ſtolzen Fürſten Lithauens entſproſſen, von denen die Sage erzählt, daß ihr Skaunn⸗ haupt aus dem fernſten Süden vor Jahrhunderten kam und durch ſeine Schönheit, durch die Kraft ſeines Wor⸗ tes und die Geſchick lchkei it ſeiner Hände ſich Aller Her⸗ zen ſo gewann, daß man ühn einſtimmig zum Fürſten und Oberhaupt des Landes erwählte. Du haſt ſchon einen Deiner Vermandten wiedergefunden und die höch⸗ ſten Häupter der r Feinde, die dies Land Küberziehen und verwüſt en, f ſind d durch Blutsbande mit Dir verbunden. Du kannſt nicht Liebe für das Land fühlen, in dem man Dir keine Liebe erwies, halte Dich zu den Deinen.“ „Herr,“ unterbrach Bruno die Rede des Wi⸗ thing's, mit ehrerbietiger Stimme,„ich hätte nicht Liebe gefunden im Preuf ſeia ade? und doch habt Ihr und Eure edle Gattin mich Sohn genannt?“ „Dieſes Alles,“ ſagte Zindram mit Ruhe und 72 Ernſt,„kann erſt zwiſchen Euch ausgemacht werden, wenn es Friede geworden iſt nach dieſem grauſamen und blutiger „Jetzt noch ſeid Ihr Beide meine Gefangenen und als ſolche von allem Kriegführen und von jeder eignen Wahl der Partei ausgeſchloſſen.“ „Es iſt mein feſter Wille, daß Ihr beiſammen und ſo lange in meiner Nähe bleibt, bis ich einen Ort aus⸗ gemittelt, wo der Withing in Ruhe ſeine Wunden pfle⸗ gen und Bruno ſeine volle Sohnespflicht als ſein Wär⸗ ter gegen ihn erfüllen kann. Es geht in einer Stunde ein Herold nach der Marienburg, und ich werde ihn beauf⸗ tragen, Nachricht einzuziehen, ob die Gattin des Wi⸗ thing's ſich in ihren Mauern befinde. Dieſe Tartaren⸗ horden ſind allerdings ſchlimme Verbündete geweſen und haben viel Uebles gethan auf ihrem Streifzuge, aber den⸗ noch iſt es möglich, ja wahrſcheinlich, daß die Heimat des edeln Gedete nicht von ihnen heimgeſucht worden iſt; hof⸗ fet daher das Beſte und füget Euch als Männer in das Schlimmſte, wenn es unabänderlich iſt.“ Der Herold, welchen Zindram nach der Marienburg zu ſenden beſchloſſen hatte, ſollte aber ſeinen Auftrag nicht vollführen. Noch als er in Ruhm verweilte, ſeine Kleidung und Begleitung ordnend, ergriff ihn die Ruhr mit fürchterlicher Heftigkeit, und ſchon nach zwei Stunden war er Haa(t. des Sto 6 in alle zum l. konnte ßer Deo denbur⸗ ihm un von To Marie die Tl ſprengt bis die begehrt Jagelle Donne müthig der jün zogen der im Perlen Truppe erden, ſamen meine en und 1 en und rt aus en pfle n Wär⸗ nde ein beauf⸗ es Wi⸗ rtaren⸗ ſen und ber den⸗ nat des ſt; hof⸗ rin das rienburg Auftrag e, ſeine ie Ruhr Stunden 7 45 war er eine kalte, ſtumme Leiche, die von den Bürgern des Städtchens ſtill beerdigt wurde. Des Königs Aufruf aber ward nach ſeinem Willen in alle Lande verbreitet, und als das Heer ſich aufmachte zum letzten Tagemarſch nach dem Ordenshaupthauſe, v Jagel ß konnte Wladis ßer Danzig, Schwetz, Rheden, Schlochau, Bulga, Brau denburg und Königsberg das ganze Preußenland ſich ihm unterworfen habe. Zehn Tage waren ſeit der verhängnißvollen Schlacht von Tanneberg verfloſſen, als die erſten Polen vor der Marienburg erſchienen.— Gewohnt, daß auf ihrem Zuge die Thore aller Burgen ſich ihnen geöffnet hatten, ſprengten ſie auch jetzt, einen Trompeter an der Spitze, bis dicht an die aufgezogene Brücke der Vorburg und begehrten Einlaß im Namen des Königs Wladislav Jagello. Eine Geſchützſalve, die nicht blos durch ihren Donnerton erſchreckte, ſondern mehr als einen der über⸗ müthigen Krieger zu Boden warf, war die Antwort, die der jüngere Plauen ihnen gab.— Mit wildem Geſchrei zogen ſie ſich außer Schußweite zurück und der König, der im vollen Schmuck, auf prächtigem mit Gold und Perlen geſchmücktem Roſſe an der Spitze ſeiner beſten Truppen, jetzt auch heranſprengte, erröthete und erbleichte 74 3 vor Aerger und d Zorn als ihm die Nachricht von dem ſeines Vortrabes gemeldet wurde. tern und Thürut alſo wollen uns in ufbahn en?“ ſagte er, und die Hand mit dem gold dgeſt tickten Handſe hhuh wies verächtlich auf die ſtattlichen ſtolzen Gebäude des Ordenshaupt⸗ hauſes. „Wohlan! ſo möge ihnen zu Theil werden was ſie verdienen! Kein Stein ſoll auf dem andern bleiben in dieſer frechen Veſ eſte, und die welche ſich jetzt hinter ihren Mauern uns trotzen erkühnen, follen unſere Macht und unſeren Zon; erfahren. 8 die Zelte aufſchlag en, Zindram, und rüſte Alles zur Belagerung und Beren⸗ nung dieſer trotz eigen V deſte⸗ 0 St St Das kriegsgeul te Auge des Schwertträgers von 1 indeß ſ ogleich erkannt, daß die Eroberung es Platzes nicht das Werk eines Augenblicks ſein Der oberen und mittleren Burg konnte das Be⸗ lagerungsheer ſich nicht nähern, weil die Stadt jetzt ei glühender Aſchenhaufen, die mächtigen Gräben und der Nogatſtrom ſie umſchloſſen, ſo mußten denn die erſten und kräftigſten Angriffe auf die Vorburg gemacht wer⸗ den und der junge Plauen war der Mann dazu, dieſel⸗ ben kräfti geben.— Auch durchſchw an die Bo breiteten allen Seit Außen ab Luſt und Filz, rings um und Verh lagerten und Lithe burg an. und Fene Urſprung ſelbſt geg der„eiſer ſtellt, daß Remters ganz deut Das den rauch mit Allen ben kräftig zu empfangen und mit Zinſen zurückzu zurde. geben.— ns in 1 Auch die 4 d dic durchſchwärmt hatt ea ſc ch htlich an die Belagerer ane nnd Kch budeddee aupt reiteten ſich dieſelben hald ſo aud⸗ ring jeder Verbindn „ Außen abgeſchlo oſſen war. as ſie Luſtigen Städtchen gleich erhoben ſich die Leinwand⸗ n. In und Filzzelte, die Erd⸗ und S en der Soldaten Ahren rings um die Burg, durch raſch au ſgeworfene Erdwälle Neacht und Verhaue mögli ichſt vor den Wurſgeſche 0 ſen d der⸗ Be⸗ lagen, lagerten geſichert. Die Belagerungsger äthe r Polen Serel⸗ und Lithauer langten uch allmälig vor der Marien⸗ 8 burg an. Bliden und M auerbrecher aus älteren en Zeilen s von und Feuer ſchü ff erung Urſprungs, Viel 8 ſein ſelbſt geg der„eiſerne Mann,“ war gze⸗ ſtellt, daß Heinrich Reuß von P Plauene da em Fenſ ter ſeläs Bt ein Remters das mächtige Rohr auf ſeiner blauen Unterlage id der ganz d atlich ſehen konnte. erſten Das Prächtige Zelt des Polenkönigs ſtand neben wer⸗ den rauchenden Trümmern der Johanniskirche und war ieſel⸗ mit Allem verſehen, was Wladislav's Herz ſich nur in der Marie ubr 76 wünſchen mochte. Der Biſchof von Gneſen hatte ihm die feinſten Weine aus Frankreich und Hispanien, ja jenen ſüßen Wein geſendet, der im fernen Wälſchland an den Feuerbergen gezeitigt und Jeſus⸗Thräne genannt wird.— Des Königs Lager war von Eiderdunen, Decken von Goldbrocat ſchmückten es. Das Fleiſch aller zahmen und wilden Thiere des reichen Preußenlandes ward für ſeine Tafel zugerichtet. Vom goldenen Weizen, den die Werder erzeugen, bereitete man ſein Brot; ihm und ſeiner Umgebung fehlte kein Bedürfniß des Luxus und des Vergnügens, denn ſelbſt fahrende Sänger und Mu⸗ ſikanten fanden ſich bei ihm ein, die aus fremden Landen, aus Frankreich und Schwaben kamen.— Sonſt hatten ſie ihre füßen Weiſen in den Hallen der Marienburg vor den Ohren der Ritter und zum Preiſe und Ruhme ihrer Thaten ertönen laſſen; jetzt fangen ſie die Thaten des Polenkönigs und ſeiner Bundesgenoſſen und Wladis⸗ lav horchte darauf und freute ſich des Ruhmes, den die Troubadoure über ſeinen Namen ausbreiteten. Die vor Marienburg lagernde Armee befand ſich aber bei weitem nicht in ſo behaglichem Zuſtande als ihre Fürſten, denn auch Withold, der Lithauerherzog, ſchwelgte mit in dem Ueberfluß, der durch die Ver⸗ mittlung des Biſchofs von Gneſen die preußiſche Geiſt⸗ lichkeit an den Polenkönig ſendete. 31 Täglich an Getr kehrend, Dieſe T hört und zur Weid Tartaren zig keinen Wel reichem 2 heeres v fehlte es Wartung Da welche f⸗ bei, das zu mache ſeren hoh brennende gen Zelte einen R den von ten wolke und den e ihm ien, ja ſchland genannt Decken zahmen ard für den die hm und rus und and Mu⸗ Landen, hatten rienburg Ruhme Thaten Wladis⸗ ies, den eten. fand ſich ande als erherzog, die Ver⸗ che Geiſt⸗ 77 Zwar Noth litten die Soldaten noch keineswegs. Täglich kamen auf dem reichen Werder noch Zufuhren an Getreide. Die Tartaren trieben, von dort zurück⸗ kehrend, große Rinder⸗ und Schafheerden in das Lager. Dieſe Thiere hatten meiſtens Danziger Bürgern ge⸗ hört und waren von ihnen zur Sicherſtellung und auch zur Weide in das offene Land gebracht und von den Tartaren als gute Beute erklärt worden, wodurch Dan⸗ zig keinen geringen Verluſt erlitten. Wenn aber Nahrungsmittel auch noch immer in reichem Maße unter die Soldaten des Belagerungs heeres vor Marienburg vertheilt werden konnten, ſo fehlte es doch den vielen Kranken an Pflege und Wartung. Das Lagerſtroh wurde ſelten, und die Ruhr, welche fort und fort wüthete, trug nicht wenig dazu bei, das Vorhandene ſchmutzig, eckelhaft und ungeſund zu machen. Die glühende Hitze des Juli, die in un⸗ ſeren hohen Breitegraden durch die langen Tage noch brennender wird, lag brütend über den heißen dunſti⸗ gen Zelten und Erdhütten, von denen nur wenige ohne einen Ruhrkrauken gefunden worden wären. Milliar⸗ den von Fliegen und ſcharf ſtechenden Mücken ſchweb ten wolkenartig über den Waſſern des Nogatſtromes und den die Marienburg umgebenden Gräben. Es ge⸗ 78 hörten nur wenige Stunden dazu um das geſchlachtete Bieh, das dem Menſchen zur Nahrung d zien ſollte, in eine eckelh hafte, von Würm ern und Maden wimmelnde übelriechende Maſſe zu verwandeln. Auch die armen vrmundeten Menſchen entgingen dieſem Schickſale. nicht, und das Lager der verbündeten Pole n und Li⸗ thauer barg bald eine Maſſe von Elend, zu ſchaurig um ſie näher zu beſchreiben, und die wenigen Aerzte meiſtens Juden aus Böhmen, reichten nicht aus, auch nur der Hälfte der Leidenden, Verwundeten und Er⸗ krankten Linderung zu verſchaffen. In der belagerten Burg ſah es weit weniger ſchrecklich aus. e Ritter, von jeher ihrem Gelübde nach Kran⸗ eben ſowohl Wunden zu heilen Dj kenwärter, verſtanden als zu ſchlagen. Unter der weiſen Aufſicht des alten würdigen Spittler Werner von Tettingen befanden ſich die Fir⸗ marien(Krankenſäle) im beſten Zuſtande. Die ſtarken Mauern der Burg hielten eben ſowohl die Feinde als die glühenden Sonnenſtrahlen von ihren Einwohnern ab. Das eiskalte Weffen der tiefen und klaren Brun⸗ nen war die beſte Labung für Geſunde und Kranke und es fehlte auch nicht an Nahrungsmitteln für alle die vie burg die ed. bei Le gat be konnte, Geſchü Seiten, des Ho 9/08 Vögel zeichnet richteten Arbeite Lebensh dem B weilen und gle Es warten die ſie ſ geneſen leiſe wie hlachtete 3 3 hlen vllte mmelnde 2 armen Schickſale und Li⸗ ſchaurig en Aerzit aus auch und Er⸗ t weniger ach Krau⸗ zu heilen würdigen die Fir⸗ Hdie ſtarken Feinde als inwohnern ren Brun⸗ nd Kranke n für alle 3 „0 70 die vielen tauſend Menſchen, die Schutz in der Marien⸗ burg geſucht hatten. Dichter und dichter zogen indeß die Polen ſich um die edle I ienburg zuſammen. dhre Schhader hatten bei Leſewitz, wo zu jener Zeit eine Furt h in der No⸗ gat befindlich war, die man g fahrlos durchreiten konnte, den brückenloſen Strom überſchritten und das Geſchütz wüthete geg e ern von allen Seiten, vor Allem aber gege chöne Wohnung des Hochmeiſters. Schuß auf Schuß dröhnte bei Tag und Nacht Die Schaaren der Frauen ſaßen wie geſcheuchte Vögel in den Stellen, die ihnen als die ſicherſten be⸗ zeichnet waren, beiſammen, weinten, beteten und ver⸗ richtetet trotz aller Augſt die kleinen nothwendigen Arbeiten, die in beſſeren Zeiten das Glück und den Lebensberuf des Weibes ausmachen. Wenige Tage nach dem Beginn der Beſchießung fand ſich zu ihnen bis⸗ weilen auch eine alte bleiche Frau, die Alle kannten und gleichmäßig vermieden. Es war die Hexentrude, die gegen ihr eigenes Er⸗ warten von ihrer ſchweren und gefährlichen Krankheit, die ſie ſeit Jahren verzehrte, noch einmal wieder ſo weit geneſen war, um im Schatten der mächtigen Gebäͤude, leiſe wie ein Geiſt umher zu ſch leichen, und hier einem die feſte. 80 Kinde ein ſüßes Brötchen, dort einem anderen einen ver⸗ ſchrumpften, aber weichen, vorjährigen Apfel zuzu⸗ ſtecken. Die Kinder und die Thiere fürchteten ſich auch gar nicht vor der blaſſen alten Frau, nur die Erwachſenen ſcheuten ſie und ſahen ihr mit Blicken nach, in denen ſich Furcht und Ver achtung miſchten. Sie ertrug das als etwas lang Gewöhntes, ſich von ſelbſt Ver ſtehendes; ſie redete Niemanden an, und wenn ſie in ſeltenen Fällen angeredet wurde, antwortete ſie leiſe mit niedergeſenkten Augenlidern. Sie mußte ſehr ſchön geweſen ſein, die Trude. Die älteren Perſonen aus der Stadt Marienburg hatten ſie alle noch als ein junges, bildſauberes Mädchen doskannt und Niemand athmete wohl in den überfüllten Hallen der Marienburg, die nichts von ihrem Vergehen und deſſen Strafe gewußt hätten. Einer aber war, der, wo er ſie auch treffen mochte, hartnäckig an ihr vorüberging, ohne ihrem bleichen Ge⸗ ſichte einen Blick zu ſchenken, das war Wolf, der alte Ge⸗ ſchützmeiſter. Sein eisgraues Haar, ſein von tauſend Furchen durchzogenes, vom Wetter gebräuntes Geſicht war in der Marienburg eben ſo wohl bekannt als das der Trude. Jedermann wußte, daß ſie Vater und Tochter waren einan ter ſo ſegen⸗ der ſ fen ſe Krank hatte, gehalt verdec ungeſe por ſa ſie wa meint tragen würde Prieſt Gotte Kamp der B allen daß e heimi Ein? n ver⸗ zuzu⸗ ich gar chſenen ien ſich ich von d wenn ſie leiſe ide. Die atten ſie gekannt, allen der dd deſſen mmochte, chen Ge⸗ alte Ge⸗ Furchen t war in das der d Tochter 81 waren, und Niemand wunderte ſich, daß ſie ſo ſtumm an einander vorübergingen, hatte doch die Trude ihren Va⸗ ter ſchwer beleidigt, und ſich ſeiner Liebe, ſeines Vater⸗ ſegens längſt unwerth gemacht. Der junge Pater Amadeus war der einzige Menſch, der ſich bisweilen mit der alten Frau in den Schloßhö⸗ fen ſehen ließ. Er begleitete ſie in den Saal, wo ſie als unheilbare Kranke ihre Schlafſtelle, ihren kleinen Tiſch und Schrein hatte, betete ihr vor und führte ſie, wenn Gottesdienſt gehalten wurde, bei dem er ſelbſt beſchäftigt war, an ein verdecktes Plätzchen in der Kirche, wo ſie dann von allen ungeſehen auf den Knieen lag und Gebete zu Gott em⸗ por ſandte, an deſſen Vergebung ſie glaubte, denn auch ſie war ja erkauft durch das Blut des Erlöſers, und ſie meinte, daß die Leiden, die ſie auf Erden mit Geduld er⸗ tragen, ihr im Himmel als Sühne angerechnet werden würden. Daß ihr Sohn, der junge, ſtrenge und fromme Prieſter, ihr vergeben, ſchien ihr ein ſicheres Zeichen von Gottes Huld und Gnade, und das wilde Toben des Kampfes, die mannigfachen Leiden und Entbehrungen der Belagerung, die Scheu und Verachtung, die ihr von allen Seiten unverholen gezeigt wurde, hinderten nicht, daß ein Gefühl des Friedens, der Ruhe in ihrer Seele heimiſch ward, wenn ſie in die Augen ihres Sohnes ſah, Ein Bürgermeiſter. III. 6 82 2 die mit jedem Tage liebevoller auf die unglückliche Mut⸗ ter blickten. Pater Amadeus hatte ſich, dem Rathe ſeiner Mutter folgend, an den wackern alten Compan Siegfried Bren⸗ del gewendet und dieſen gebeten, ihm Geſchäfte anzuwei⸗ ſen, durch welche er in der Burg nützlich ſein, und die Ehre ſeiner prieſterlichen Würde wahren könne. Der alte Ritter empfing ihn mit Güte, und gab ihn Beſchäftigung in den Krankenſälen, beauftragte ihn mit der Bedienung eines Altars in der Annenkirche, und forderte oft ſeine Begleitung, wenn er ſeine Rundgänge durch die Burg machte. So lernte Amadeus die großen Vorrathshäuſer, Ställe, Keller, Heizräume und alle die Räumlichkeiten und Vorrichtungen kennen, welche mit hoher Weisheit bedacht und ausgeführt waren, das Marienburger Schloß für Nothzeiten, wie die gegenwärtige, zu einem Aufenthalt von vielen Tauſend Menſchen zu machen. Freilich hatte der wackere Befehlshaber dieſer Veſte, Herr Heinrich Reuß von Plauen, wenig oder keine Hoff⸗ nung auf Entſatz und ſchlug ſich gegen den mächtigen Feind faſt hoffnungslos zur Wahrung der Ehre. Von Letzkau war keine Nachricht eingetroffen, ob Kaiſer und Reich ſich des bedrängten Ordens annehmen, welche Schritte die Könige von Böhmen und Ungarn, die alte wußte wie die mitteln das pol ſchofs Silber ſchickte, theilt, d doch au der Ord furchtba N begleite Spitler Sigmur Einſchli berblick in die? D ten, de den Zin mund 2 geben, e zutragen Mut⸗ Nutter Bren⸗ zuwei⸗ und die id gab gte ihn he, und dgänge Zhäuſer, ichkeiten Leisheit nburger einem chen. er Veſte, ne Hoff⸗ ächtigen fen, ob nehmen, Ungarn, 83 die alten Feinde Polens, gegen Wladislav thun würden, wußte er nicht; dagegen aber mußte er mit Schmerz ſehen, wie die Städte des Landes große Ladungen von Lebens⸗ mitteln, Wein, Holz und andere nothwendige Dinge in das polniſche Lager ſendeten, wie unter des falſchen Bi⸗ ſchofs von Gueſen Leitung die Geiſtlichkeit Tonnen mit Silber aus Kirchenkleinodien an den König Wladislav ſchickte, er mußte ſehen, daß, unter ſo viel Tanſende ver⸗ theilt, die ungeheuern Vorräthe der Marienburg denn doch auch zuſammenſchmolzen, und daß die Geſchütze, die der Orden ſelbſt hatte gießen laſſen, den meiſten und furchtbarſten Schaden in der Ordensburg anrichteten. Mit ſchwerem Herzen wanderte der kühne Mann, begleitet von den briden älteſten Ordensbrüdern, den Spitler Werner von Tettingen und dem alten Compan Sigmund Brendel, am achten Tage nach der vollſtändigen Einſchließung der Burg über die Zinnen, um einen Ue⸗ berblick über das Lager des Feindes und einen Einblick in die Stimmung der Vertheidiger zu gewinnen. Der Geſchützmeiſter Wolf hatte den Befehl erhal⸗ ten, den Meiſter zu begleiten um den Zuſtand der auf den Zinnen befindlichen Geſchütze zu prüfen, und Sig⸗ mud Brendel hatte dem jungen Pater den Auftrag ge⸗ geben, einen Korb mit Wein in einiger Entfernung nach⸗ zutragen, um Jedem, der einer Erquickung bedürftig ge⸗ 6* 84 funden würde, eine ſolche ſogleich verabreichen zu können. Der alte Wolf hatte ſeit längerer Zeit die Gewohn⸗ heit, ſich ſtets ſchweigend und in einiger Entfernung von ſeinen Befehlshabern, den Rittern, zu halten, wann ſeine Pflicht ihn zu denſelben rief. Er antwortete nur, wenn eine Frage unmittelbar an ihn gerichtet wurde, und auch dann waren ſeine Antworten kurz, nur das Nächſte be⸗ treffend, und ſein Auge verlor nie den finſtern Ausdruck, der wie eine Gewitterwolke ſtets über demſelben lagerte. Auch jetzt ging er ſchweigend in gemeeſſener Ent⸗ fernung hinter den drei Ritterbrüdern her. Sigmund Brendel hatte ſich Anfangs mit einigen freundlichen Wor⸗ ten an ihn, als an einen vieljährigen und lieben Bekann⸗ ten, gewendet, aber ein düſteres: „Laßt mich, Herr, wenn Ihr mir nichts Beſonders zu befehlen habt,“ war die ganze Entgegnung auf ſeine Anrede geweſen. Pater Amadeus ging wenige Schritte hinter dem finſtern Mann, als dieſer ſich plötzlich umwendete und mit einem ſeltſamen Tone ſagte: „Wer ſeid Ihr, junger Hochwürdiger, und wie kommt Ihr in dieſe Burg?“ „Ich ward in dieſe Gegend berufen, einer armen Kranken die letzte Wegzehrung zu geben,“ entgegnete der junge ich von bis zu hierher fällt, z 7/ der des ſchwer Euch di 7„2 traut.“ ( Grauko tragen, pfui! w und Be danken zu wolle ſeid, für Eures Mutter einſt To n zu wohn⸗ ig von n ſeine wenn d auch hſte be⸗ isdruck, lagerte. er Ent⸗ igmund n Wor⸗ ekann⸗ ſonders uf ſeine lter dem dete und ie kommt r armen gnete der 8⁵ junge Mönch ſehr ſanft,„und da ſie am Leben blieb und ich von meinem Vorgeſetzten den Befehl erhalten hatte, bis zu ihrem Tode bei ihr zu bleiben, ſo brachte ich ſie hierher, wo ſie Sicherheit fand, um, wenn es Gott ge⸗ fällt, zu ſterben.“ „Und wie heißt Ihr?“ fragte der Greis weiter. „Ich bin Pater Amadeus, zur Zeit jüngſter Bru⸗ der des Convents in Oliva.“ „Hört,“ ſagte der Alte jetzt, indem er ſeine Hand ſchwer auf die Schulter des Jünglings legte,„was ſagte Euch die Kranke, die Ihr hierher begleitet habt?“ „Was Sie ſagte, ward mir in der Beichte anver⸗ traut.“ „Gutl gut! Ach, ich bin ein Thor, ein weichlicher Graukopf, der jetzt noch, jetzt nach allem Elend was ich er⸗ tragen, nach Liebe dürſtet, nach Kindesliebe! Pfui! pfui! wer ſein Leben lang ſich rein hielt von Schmutz und Befleckung, der ſollte nicht zuletzt noch auf den Ge⸗ danken kommen, eine ſüße Frucht aus der Goſſe aufleſen zu wollen.— Geht, Pater Amadeus, und wenn Ihr der ſeid, für den ich Euch erkenne, denn Ihr tragt die Züge Eures heuchleriſchen Vaters und Eurer ehrvergeſſenen Mutter in Euerm Geſicht, ſo ſagt ihr! ihr, die ich einſt Tochter nannte: Der Tag des Gerichtes ſei nahe. — — 86 — Sagt ihr, der Vater, den ſie betrog, konnte ſie nicht behüten, aber er wird ſeinen Eid halten und ſie rächen.“ Die finſtere Rede des Alten ging dem Jünglinge wie ein Stich durch's Herz, er wollte ihm nacheilen, freundlich mit ihm reden und den Verſuch machen, die Seele des Greiſes, den er vielleicht für den Vater ſeiner Mutter halten mußte, zu beruhigen, aber Heinrich Reuß von Plauen rief denſelben eben zu ſich und gab ihm einen Befehl, die Richtung eines der Stücke betreffend, wodurch er an dem Platze der Zinnen feſtgehalten wurde, wäh⸗ rend Amadeus den Ritter nach den Zinnen der Vorburg begleiten mußte. Hier tobte der Kampf immer noch mit ganz beſon⸗ derer Heftigkeit.— Der jüngere Plauen kam ſeinem Oheim entgegen und ſtattete ihm Bericht ab über alle von ihm getroffenen Vorkehrungen. Der Stellvertreter des Meiſters ſah wohl, daß ſein Neffe Alles was nöthig und möglich war, mit aller Kraft geleiſtet hatte und auch die Mannſchaft war muthig und fröhlich und ertrug alle Gefahren und Be⸗ ſchwerden auf's Beſte. Neben einem großen Geſchütze ſtand der Sigmund aus Lichtenau, aber er bediente dasſelbe nicht, drei an⸗ dere tüchtige Leute hatten das Amt, denn Sigmund, der beſte beſte und von n des S pflegt vigen zeigen zuwerj Marie die der ſeine 2 Polla Schaa zu ſte Sohn ein kle den un Fuge ſ er au Speck ſchieße zen K ie nicht ächen.“ inglinge acheilen, chen, die er ſeiner ch Reuß )m einen wodurch de, wäh⸗ Vorburg nz beſon⸗ entgegen troffenen vohl, daß war, mit haft war Bo⸗ und Be⸗ Sigm nd drei an⸗ mnund, der 87 beſte Bogenſchütze im Werder, und ſomit auch wohl der beſte in ganz Preußen, wirkte mit ſeiner eigenen Waffe, und ſchon kannte man im polniſchen Lager die Stelle, von welcher der geſchickte Freilehnsmann auf den Zinnen des Schloſſes ſeine ſtets treeffnden Pfeile zu verſenden pflegte. „Da, Herr,“ ſagte Sigmund, mit dem rechten ner⸗ vigen Arm, den das Lederwams bedeckte, nach der Ebene zeigend, wo die Belagerer beſchäftigt waren Gruben auf⸗ zuwerfen, um im Schutze derſelben ſich den Mauern der Marienburg zu nähern,„da ſeht, das ſind die Böhmen, die der im Herrn entſchlafene Meiſter Ulrich nicht in ſeine Dienſte nehmen wollte und die ſich da gleich den Pollaken verkauften. „Der Lange, o, ich erkenne ihn unter der ganzen Schaar, der hat den Befehl gegeben mein Haus in Brand zu ſtecken, dafür will ich ihn zeichnen, ſo wahr ich der Sohn meiner armen Mutter bin; nur ein wenig näher, ein klein wenig näher noch müſſen dieſe verfluchten Hei⸗ den unſern guten Mauern kommen und ich werde jede Fuge ſeines Harniſches mit meinen Pfeilen finden, daß er ausſehen ſoll, wie ein Haſe, den die Köchin mit Speck geſpickt, und hat er einmal ſein Viſir offen, ſo ſchieße ich nach ſeinem Auge, wie die Buben nach ſchwar⸗ zen Knöpfen ſchießen. 88 „O Hund, verfluchter, hätte ich Dich doch im Sumpfe erſticken laſſen, als Du Deinen Strick um meine Arme warfſt, uns Beiden wäre wohler, wenn gleich ich mit Dir umgekommen wäre.“ „Ich ſoll Dich von Deiner Frau grüßen, Sigmund,“ ſagte der alte Compan Brendel, ſich an den Freilehns⸗ mann wendend,„Dein Bube wird wacker und kräftig, läßt ſie Dir ſagen.“ „Dank Euch, Herr!“ entgegnete der junge Mann mit einem plötzlich erhellten Geſicht, ach, wollte Gott dieſe Polen, Lithauer und Tartaren erſtickten wie ein Bienenſchwarm, den man ausräuchert, und wir könnten wieder unter der Regierung der edlen Ordensherren in Frieden das geſegnete Land bebauen.“ „Wir müſſen das Land nicht blos bebauen, wir müſſen es auch vertheidigen, wackerer Mann,“ ſagte der Reuß von Plauen,„oder was würdeſt Du von einem Sohne denken, den ſeine Mutter ernährt und ausgeſtattet, und der ſie nicht vertheidigen wollte, wenn fremde Buben es wagen ſie zu mißhandeln?“ „Ihr ſollt den Sigmund von Groß⸗Lichtenau ſelbſt einen Buben heißen, wenn er nicht ſein Land vertheidigt und ſeine Mutter rächt, edler Herr,“ ſagte Sigmund mit einem kühnen Blick in das Geſicht des Plauen. ſehr wir d durch das n Land der al legte gen 2 1 gelobt erwieſ 7 len, i geſchle auf de gem G und u Augen der F an der ſie wo Gotte Federl dch im ſck um wenn nund,“ ilehns⸗ kräftig, Mann te Gott wie ein könnten rren in ſen, wir agte der n einem geſtattet, be Buben au ſelbſt rtheidigt Sigmund en. — 89 „Recht ſo, mein Lehnsmann,“ entgegnete dieſer ſehr freundlich,„wir Alle kämpfen für eine Mutter, wenn wir dieſe Mauern vertheidigen, und ſind ſie nicht geziert durch das Bild der gebenedeiten Mutter aller Gnaden, das nun ſchon Jahrhunderte lang ſegnend auf dieſes Land herabſchaut und unſerer Burg den Namen gibt?“ Er ſchritt weiter, der jüngere Plauen begleitete ihn, der alte Brendel aber blieb ſtehen bei dem Lehnsmanne, legte ſeine hagere Hand auf den kräftigen Arm des jun⸗ gen Bauers und ſagte: „Wie die Gebenedeite uns ſchützt, das hat ſie— gelobt ſei ihr Name— heute wieder durch ein Wunder erwieſen. „Wiſſe, in der Morgenſeii e erfrechten ſich die Po len, welche dem hei iligen2 Bilde gegenüber ihr Lager auf⸗ geſchlagen haben, an ſeiner Kraft zu zweifeln. Ich ſtand auf den Zinnen und konnte ſehen, wie ſie in fluchwürdi gem Spotte ein Geſchütz nach der Schützerin dieſer Burg und unſeres heiligſten Ordens ri ichteten.— Meine alten Augen, in der Nähe ſchon ſchwächer werdend, ſehen in der Ferne noch ſcharf, wie die Augen des Falken. Ich ſah an den Ge berhen des zuſammenſtehenden Haufens, was ſie wollten, und mit Abſcheu empfand ich den Frevel der Gottesläugner. Einer, ein kecker Geſelle mit ſchwarzem Federhute, zielte und richtete das Stuck juſt nach dem 90 Haupte der Himmelskönigin, und lachend legte er die brennende Lunte auf. „Aber es geſchah ein ſeltſames Wunder; das Ge⸗ ſchütz zerſprang*), fünf bis ſechs der frechen Spötter la⸗ gen todt oder ſchwer verwundet am Boden. Der aber, welcher mit ſeiner gottverfluchten Hand den Schuß abge⸗ feuert, ſtand noch eine Weile aufrecht. Die Federn ſeines Hutes brannten. Die Lohe leckte über ſein Geſicht, dann ſank er ſchreiend zuſammen; er wird das Auge, das ſich die Mutter des Heilandes zum Ziele für ſein Geſchoß erſah, nicht mehr dem goldenen Tag öffnen, denn ſelbſt, wenn der Herr ihm das Leben erhält, damit er Buße thue, ſehen werden die Augen nimmermehr, die ſo vom Feuer beleckt wurden. he obt ſeiſt Du, Maria!“ Der alte Ritter, der Freilehnsmann und der Ka⸗ nonier bei dem nahen Geſchütz bekreuzten ſich andächtig, und Pater Amadeus, der jetzt hinzutrat, flüſterte ein leiſes „Ave Maria!“ Dann aber ſchloß ſich im Weitergehen Brendel an den jungen Mönch und wiederholte ihm die Erzählung, die dieſer mit gläubiger Andacht vernahm. ——=*) Thatſache; wird als Wunder erzählt, daß die heitige Jungfrau den Schützen, der nach ihr gezielt, mit Blindheit geſchlagen und die Kugel mit dem Arm abgewehrt habe. ren ſ ein fu der a junge Nähe alten Wege und g Verkr Weile einen hoher ein ſol das, n Ende Beicht Aln ub keiner er die 8 Ge⸗ ter la⸗ aber, z abge⸗ ſeines , dann das ſich Geſchoß ſelbſt, r Buße ſo vom der Ka⸗ dächtig, in leiſes ndel an ählung, e heitige Blindheit habe. 91 Es war ein Verhältniß zwiſchen den beiden in Jah⸗ ren ſo verſchiedenen Perſonen entſtanden, das man wohl ein freundſchaftliches nennen konnte, und auch heute zeigte der alte Compan ſo viele und ſo herzliche Liebe für den jungen Mönch, daß dieſem wohl und warm in ſeiner Nähe wurde. Sie gingeu weit hinter den beiden Plaueu und dem alten Spitler, dicht neben einander auf dem ſchmalen Wege, der ſich rings um die Bedachungen der Burg zieht und geſchützt iſt durch die Mauerzinnen, deren zahlreiche Verkrümmungen zugleich Schießſcharten bilden. „Mein Bruder,“ ſagte Brendel, nachdem er eine Weile nachdenkend geſchwiegen hatte,„ich halte Euch für einen Mann, dem trotz ſeiner jungen Jahre ein Amt von hoher Wichtigkeit anvertraut werden kann; würdet Ihr ein ſolches übernehmen und in meine Handſchwören, daßIͤhr das, was Ihr bei demſelben hört und ſeht bis zu Eurem Ende verſchweigen und höchſtens erſt in Eurer letzten Beichte, daſern Ihr Euer Seelenheil dadurch in Gefahr glaubt, Eurem Beichtiger vertrauen wollt, wenn ich Euch dagegen bei der unbefleckten Jungfran und meiner Ritterehre die Verſicherung gebe, daß das, wozu ich Euch auffordere, ein Werk chriſtlicher Barmherzigkeit und in keiner Weiſe gegen Eure Gelübde iſt!“ ( 1 92 „Ich bin gern bereit, Alles zu thun, was Ihr mir befehlt,“ entgegnete der junge Mönch ſanft. „Wohlan denn, mein Bruder, ſo erwartet mich heute um Mitternacht an der Thüre, die zu den Heizräumen führt, ich werde Euch aber länger als eine Stunde bei mir behalten, betrachtet dieſen Nachtgang als einen Got⸗ tesdienſt, denn das iſt er.“ In dieſem Augenblick hatten ſie die drei vorgehen⸗ den Ritter eingeholt und der wackere Reuß von Plauen, ſagte mit einem trüben Blick auf das weit ringsum ausgebreitete feindliche Lager: „Sei es d'rum, wenn Ihr es für Recht haltet, mein Bruder, ſo will ich meine Seele demüthigen vor dieſem ſtolzen Polenkönig und ihn um Gnade anſle⸗ hen, des vielen, lebendigen Athems willen, der jetzt noch in dieſen Maueru weht. Von meiner Güte, nicht allein von meiner Kraft, können dieſe Tauſende von Menſchen ihr Leben fordern, die in dieſer Burg auf den Ausgang des Kampfes harren und ich will für ihr Leben thun was ich für das meine weder möchte noch dürfte, heute noch werde ich ſicheres Geleit für mich fordern und morgen vor 2 Gladislav treten.— Gott helfe mir!“ die w belage ckensze die S C burg k die im 8 petenſi den M 4 focht a Führer Frauen den be Waſſer or mir heute äumen nde bei Got⸗ gehen⸗ Flauen, ingsum will für möchte Leit für en.— Drittes Capitel. Die Mitternacht hatte ihren Sternenmantel über die weite Gegend gebreitet, aber die Stille war in der belagerten Marienburg und um dieſelbe in jener Schre ckenszeit nicht wie ſonſt ihre treue Begleiterin. Das Getöſe des Kampfes verſtummte nicht, trotz die Stunde der Ruhe gehören ſollte. Die Ritter und Krieger auf den Mauern der Vor burg kämpften einen wilden hartnäckigen Kampf gegen die immer näher rückenden Feinde. Kanonendonner, wildes Schlachtgeſchrei, laute Trom⸗ petenſignale ertönten von der Mauer herab, ſchallten zu den Mauern hinauf. Heinrich von Plauen, ſchön wie ein Kriegsgott, focht an der Spitze ſeiner Schaaren und der Muth des Führers durchſtrömte alle Herzen. Selbſt eine Schaar Frauen in der Burg hatte ſich in die Nähe der Kämpfen⸗ den begeben und zeigte ſich vielfach t jätig, indem ſie Waſſer kochend machten, das auf die Häupter der Be⸗ 94 ſtürmenden gegoſſen wurde, Pech in großen eiſernen Pfannen ſchmolzen, die dann zwei Männer nach den Zinnen trugen, von wo es in glühenden Strömen her⸗ unterfloß, zerſtörend was in ſeinen Weg kam. Selbſt an den Schleudermaſchinen arbeiteten ein⸗ zelne Frauen neben ihren Gatten, feſt entſchloſſen mit denſelben zu leben oder zu ſterben. Das junge Weib des Sigmund befand ſich auch an ſeiner Seite. Sie hatte ihren Knoben einer alten Frau übergeben, unter deren Schutz ſchon einige kleine Kinder ſanft ſchliefen. Der Kanonendonner ſtörte nicht den Schlaf der Kindheit, den ja auch inden ſchlimmſten Zeiten die Engel bewachen; außer den Säuglingen war aber wohl Alles was noch Leben hatte wach in den Hallen der Burg, und auch die tapferſten Herzen ſchlugen raſcher bei dem neuen, zu ſo ungewohnter Stunde gemachten Angriff. Dennoch war es unter freiem Himmel in den großen Burghöfen verhältnißmäßig ſtill und vollſtändig menſchenleer. Nur ein einziger Ritter, feſt eingehüllt in ſeinen weißen Mantel und mit dem Zipfel desſelben eine Blendlaterne bedeckend, ſo daß auch nicht der leiſeſte Schimmer ihres Lichtes ſichtbar werden konnte, ging mit dem langſamen Schritt des Alters über den weiten Raum, —— der die des M unterit bilden, Geſtal! „Gelo denn de lich hit ten laf mein w fordern S treten, wölbe a jungen ein klein die Han⸗ jener ihr „Esi lichkeit darin, do am Kan — was ſernen ch den 1 her en ein⸗ en mit auch an n Frau Kinder cht den Zeiten r aber Hallen raſcher machten in den lſtändig ſeinen ſen eine leiſeſte ing mit Raum, 95 der die Firmarien von dem Mittelſchloß, der Wohnung des Meiſters, trennte und ſtand an dem Eingang zu jenen unterirdiſchen Räumen, die eine Burg unter der Burg bilden, an der Thür zu den Einheizungen ſtill. Hier lehnte an einem vorſpringenden Pfeiler eine Geſtalt, die ſeiner zu harren ſchien und mit dem Gruß: „Gelobt ſei Jeſus Chriſtus“ auf ihn zutrat. „In Ewigkeit!“ entgegnete Compan Brendel— denn der war es, dem Pater Amadeus und ſetzte freund lich hinzu:„Es iſt mir gar lieb, daß Ih mich nicht war⸗ ten laſſet ehe wir aber an unſer ernſtes Werk gehen, mein werther Bruder, leiſtet den Eid, den ich von Euch fordern muß.“ Sie waren bei dieſen Worten in den Heizraum ge⸗ treten, hier hing Brendel die Laterne am niedern Ge⸗ wölbe auf, ließ ihr volles Licht grell auf das Geſicht des jungen Mönches fallen und zog unter ſeinem Mantel ein kleines goldenes Crucifix hervor, auf das Amadeus die Hand legen mußte, während er den Eid leiſtete, den jener ihm vorſprach. „Esiſt gut,“ ſagte der alte Ritter als dieſe ernſte Feier⸗ lichkeit vorüber war,„und ich ſehe den Finger Gottes darin, daß Ihr Euch in dieſen Mauern befindet. Ihr, der am Kampfe nicht theilnehmen darf, und der ſelbſt, wenn — was Gott verhüten wolle, der Letzte der Brüder auf 96 dieſen Zinnen gefallen wäre, doch von den eindringenden Feinden geſchont werden würde. Wladislav Jagello wird keinem Mönche ein Haar krümmen, der zum Con vent von Gneſen oder Oliva gehört, Ihr werdet alſo, komme, was mag, im Stande ſein, die Pflicht, welche ich Ench übergebe, zu erfüllen, bis ſie nicht mehr nothwen⸗ dig iſt.“ Der Ritter hatte bei dieſen Worten von ſeinem Wehrgehänge einen Schlüſſelbund losgeneſtelt und öffnete die eiſerne Thür, welche in die ungeheuren Kellergewölbe führte. Der Raum, in den die Beiden nun traten, war mit großen Vorräthen von Brennholz bis unter das Gewölbe gefüllt und nur ein ſchmaler Weg freigelaſſen, auf welchen eine Perſon gehen konnte.— Der Ordensritter ging voran, der Mönch folgte ihm auf dem Fuße nach. Am anderen Ende des ungeheuren Kellergewölbes befand ſich eine Fallthür, welche Sigmund Brendel auf⸗ hob und eine Wendeltreppe hinab in eine gähnende Tiefe ſtieg. 4 Das Gewölbe, welches ſie nun betraten, lag nicht unmittelbar unter dem, welches ſie eben verlaſſen, ſon⸗ dern ſeitwärts von demſelben. Eine feuchte Luft wehte ihnen hier entgegen und Amadeus konnte bemerken, daß man ſich hier tief in der Erde, befand trägt. das kl daß a keit, bauer! befind die Ri ten un geſtalt 4 Hand deſſen mit eis wohl ſ und L . k- grauſa meinen „Du! 1 da ich kann, Ein 2 genden Jagello Con⸗ et alſo, elche ich othwen⸗ ſeinem Höffnete gewölbe war mit Gewölbe welchen er ging Pewölbes del auf⸗ nde Tiefe lag nicht ſen, ſon⸗ egen und jef in der 97 Erde, aber jedenfalls ſenkrecht unter dem herrlichen Saale befand, deſſen Wölbung eine einzige herrliche Säule trägt. Hier aus dieſem Grunde ſtieg dieſelbe empor und das kleine Licht der Laterne, beleuchtete dieſelbe, und zeigte, daß auch hier in dieſen Tiefen nicht blos auf die Feſtig⸗ keit, ſondern auf die Schönheit derſelben von den Er⸗ bauern der ſtolzen Veſte geſehen worden war. Ziemlich nahe an dem in der Mitte des Gewölbes befindlichen Pfeiler ſtand ein einfaches Bettgeſtell, wie die Ritter es in ihren Zimmern geſetzmäßig haben durf⸗ ten und auf dem Stroh desſelben lag eine Menſchen⸗ geſtalt und erhob ſich beim Geräuſche ihres Eintritts. Herr S igmund Brendel trat, die Leuchte in der Hand haltend, zu dem Erwachten, und als das Licht auf deſſen Geſicht fiel, ſah Amadeus, daß es ein Greis war mit eisgrauem Bart und Haar, und mit Zügen, die einſt wohl ſehr ſchön geweſen ſein mußten, jetzt aber von Alter und Leiden auf's Aeußerſte abgezehrt waren. „Warum ſtoͤreſt Du mich in dem Einzigen was die grauſamſte Tirannei mir nicht ganz genommen hat, in meinem Schlaf?“fragte der Gefangene mit hohler Stimme. „Du haſt mir ja meine Nahrung ſchon gebracht.“ „Ich bringe Dir jetzt einen Wärter für die Zeit, da ich das Amt bei Dir nicht ſo regelmäßig verſehen kann, mein Sohn,“ entgegnete der Ritter.„Oben wü⸗ Ein Bürgermeiſter. II. 7 thet der wildeſte Kampf, dauert es noch lange, ſo wird die Nahrung knapp werden für die Tauſende, die die Burg vor den Schwertern der Polen ſchützt; Alles was das Schwert führen kann, muß überdies oft viele Stunden auf der Mauer ſein; ſo habe ich denn dieſen Jüngling vereidigt, das traurige Amt des Gefangen⸗ wärters für mich zu übernehmen, weiß ich doch nicht, in welchem Augenblicke mich eine feindliche Kugel treffen kann. Mein Haus iſt beſtellt.“ Der Gefangene war jetzt von ſeinem ärmlichen Lager geſtiegen und ſtand vor den Beiden in ſeiner abgetragenen Kleidung, mit den Greiſenlocken doch eine hohe, gebieteriſche Geſtalt, ſein Auge leuchtend, ſeine Haltung königlich und ſein Mund, um welchen das Leid ſeine tiefen Züge gegraben hatte, noch geſchmückt mit blendend weißen Zähnen. Sein linker Fuß war vermittelſt einer dünnen, aber feſten Kette an den Pfeiler gefeſſelt, ſie reichte gerade nur ſo weit, daß er ſich auf die Entfernung ſeines Lagers mit derſelben bewegen konnte. Ein hölzerner Tiſch und Stuhl ſtand auch ſo, daß er dort hinge⸗ langen konnte und auf dem ſelben lagen mancherlei dem Pater Amadeus nicht fremde Gegenſtände, Tuſch⸗ näpſchen, Pinſel, Federn und Papier. Man hatte dem Unglücklichen das entſetzlichſte Elend der Gefangenſchaft, die 2 beſche ſchlic⸗ Erlat dem tiefes der je Ihr würde die ich genug menſch glückli ten. die G des e fangen zur 9 zu E wende Euer2 — ach vird die Alles viele eeſen igen⸗ nicht, reffen lichen ſeiner ) eine ſeine das hmückt , aber gerade ſeines berner hinge⸗ licherlei Tuſch⸗ te dem aſchaft, 99 die Arbeitsloſigkeit nicht koſten laſſen, er konnte ſich beſchäftigen und mancherlei Dinge, die neben dem ſchlichten Tiſche am Boden lagen, zeigten, daß er dieſe Erlaubniß ernſtlich benützte. „Seht! mein Bruder,“ ſagte Brendel, indem er dem Gefangenen näher trat,„ich habe, Gott weiß es, tiefes Mitleid mit Euerm Leid, Ihr ſeid der Einzige, der jetzt noch in dieſem Kerker ſchmachtet, und wenn Ihr Buße thun endlich Buße thun wolltet, vielleicht würde Euch Gnade.“ „Habe ich noch nicht gebüßt? iſt die Ewigkeit, die ich in dieſen Mauern zubrachte, noch nicht Strafe genug für das was gerechter Zorn, was natürliches menſchliches Gefühl mich thun ließ?“ fragte der Un⸗ glückliche. „Ihr erhobet die Hand gegen Euern Vorgeſetz⸗ ten.— Einmauerung wäre die Strafe geweſen, die die Geſetze unſeres heiligen Ordens Euch zuerkannten, des edlen Meiſter Conrad's Güte milderte ſie in Ge⸗ fangenſchaft. Walter, mein Bruder, Gott verhelfe Euch zur Reue! habt Ihr aber, wenn ich nun nicht mehr zu Euch kommen kann, einen beſonderen Wunſch, ſo wendet Euch an dieſen Jüngling, der von jetzt ab Euer Wärter ſein wird.— Daß ich ihn zu Eunch führe — ach, Bruder Walter, iſt vielleicht eine Sünde von 7*⅔ 100 mir, aber Tag und Nacht hat mir mein Herz nicht Ruhe gelaſſen, denn wißt“— hier beugte ſich Bren⸗ del ganz nahe zu dem Gefangenen und flüſterte ihm einige Worte zu, die Amadeus nicht verſtehen kounte, die aber einen furchtbaren Eindruck auf Jenen machten, denn er ſprang von ſeinem Lager auf, und alle ſeine Glieder ſchienen wie von einem electriſchen Schlage zu erbeben.— „Ich laſſe Euch jetzt allein,“ ſagte der alte Or⸗ densritter, ſich von dem Gefangenen abwendend„mor⸗ gen betritt dieſer Jüngling ohne mich Euer Gefängniß, vis dahin werdet Ihr Euch geſammelt, Euch vorbe⸗ reitet haben auf das was Ihr mit ihm ſprechen wollt. Gott mit Euch, mein Bruder Walter! betet für das bedrängte Ordenshaus und Eure Brüder.“— Er winkte dem jungen Geiſtlichen mit der Leuchte, die er ihm übergab, voran zu gehen und entfernte ſich raſch von dem Pfeiler, an welchen der Gefangene ſich bebend lehnte und mit einem brennenden Blick den Beiden nachſah, bis die Fallthür, die ihn von allem Leben ſchied, ſich hinter ihnen ſchloß. Zitternd und in tiefer Aufregung ging Amadeus voran durch die dunklen Gewölbe und betrat den Hof wieder, als bereits der lange heiße Tag des 1. Auguſt anbrechend, den öſtlichen Himmel ſo weit vergoldete, daß über Krie gen verh ruhe von mit ermi auf Geiſ geſtie farbi richte einen telnd kamn ten ſeid icht ren⸗ ihm inte, zten, ſeine lage Or⸗ mor⸗ gniß, orbe⸗ wollt. das uchte, te ſich ne ſich k den allem tadeus n Hof d uguſt ſoldete, 101 daß man den glänzenden Purpur der Morgenröthe über dem Mauerwerke ſehen konnte. Während des letzten Theiles der Nacht hatte der Kriegslärm um die Burg und in derſelben geſchwie⸗ gen; auch jetzt lag noch tiefe Stille über der weiten verheerten Gegend. Der Polenkönig hatte für dieſen Tag eine Waffen⸗ ruhe angeordnet und dem Statthalter Heinrich Reuß von Plauen frei Geleit in ſein Lager verſprochen, um mit ihm wegen Friedensbedingungen zu unterhandeln. In dieſer Morgenſtunde lag der Statthalter noch ermüdet von den langen furchtbaren Anſtrengungen auf ſeinem Lager und tiefer Schlaf umfing ſeinen Geiſt. Erſt als die Sonne ſo hoch am Himmel empor⸗ geſtiegen, daß ihr blendendes Licht ſich voll in das farbige Fenſter ergoß, erwachte der kräftige Mann und richtete ſich hoch empor, ſeine Gedanken ſammelnd und einen Traum, der ihn heftig angeregt, von ſich ſchüt⸗ telnd.— Ein leiſer Schritt in dem dicht an ſeiner Schlaf⸗ kammer gelegenen und des Meiſters Stübchen genann⸗ ten Gemach ermunterte ihn völlig.„Seid Ihr da? ſeid Ihr es, mein lieber Bruder Johannes Linden⸗ blatt?“ rief er laut, und ſich tief verneigend, trat der Gerufene in ſeiner prieſterlichen Kleidung ein. „So helfe mir denn Gott auf dieſem ſchweren Wege,“ ſagte der Statthalter, während er ſich eilig ankleidete und rüſtete,„ich fühle mich, mein theurer Bruder, ordentlich gekräftiget, nicht nur durch den ſanf⸗ ten Schlaf, ſondern durch einen freundlichen Traum, der mir beſchieden ward. Denkt Johannes, ich ſah ihn in dieſer Nacht, ihn, meinen theuren verklärten Herrn und Freund, den in Gott ruhenden Meiſter Ulrich. Er ſtand vor mir in all' ſeiner Hoheit, den koſt⸗ baren Mantel, den man ihm um die Schultern ge⸗ ſchlagen, das im Tode edle Angeſicht verklärt und leuchtend in überirdiſcher Schönheit.— Heinrich, mein Bruder, ſagte er, eile, eile! und dabei wies er mit der Hand nach Weſten, wo eben der Mond unterging, und einen Glanz und eine Gluth un ſich verbreitete, wie ſonſt nur die Sonne.— Ich ſtarrte erſtaunt das Wunder an und erwachte darüber, es jetzt erſt ge⸗ wahr werdend, daß die Sonne goldhell in mein Stüb⸗ chen geſchienen und daß der Abglanz ihres Lichtes durch die offene Thür auf meine ſchlafenden Augen⸗ lider gefallen war. „Friede mit der Setle Ulrich's!“ entgegnete Lin⸗ denblatt, ſetne eigene Stirn bekreuzend, er ſtarb einen ritte men Sta inne ſen rad Wo Wa dem ihn gelu zuri ſieht Des ſagt von ruh Tar mit Pre dem Fla dern mir der veren eilig eurer ſanf⸗ aum, ihn Herrn Ulrich. koſt⸗ en ge⸗ und mein r mit erging, rreitete, ut das —rſt ge⸗ Stüb⸗ Lichtes Augen⸗ te Lin⸗ einen 103 ritterlichen Tod und das Blut des Erlöſers hat ſeine menſchlichen Sünden abgewaſchen.— Wißt Ihr, edler Statthalter, ich denke, ſeine Erſcheinung ſoll Euch er⸗ innern an das edle Fräulein, deſſen Geſchick in die⸗ ſen ſchrecklichen Kriegszeitetezweifelhafter iſt, als je.“ „Ich habe geſtern Nachricht empfangen von Con⸗ rad Letzkau,“ entgegnete Heinrich,„der Geſchützmeiſter Wolf hatte ſich hinausgewagt aus dem Pförtchen am Waſſerthore, um auszuſpähen nach den Kundſchaftern, die dem Letzkau entgegen geſendet worden. Die Polen hatten ihn gefangen genommen, aber dem treuen Knecht war es gelungen, zu entweichen, und wie er eben, zum Pförtchen zurückkehrend, die Wache um Einlaß anrufen will, da ſieht er die Männer und brachte ſie mit in die Burg.— Des Letzkau's Sendung iſt gänzlich fehlgeſchlagen, ſo ſagt der Brief, den Wolf mir ſelbſt zuſtellte, auf Zuzug von Deutſchland her iſt nicht zu rechnen, Danzig im Auf⸗ ruhr, das ganze Werder eingeäſchert durch Polen und Tartaren: Was bleibt mir da übrig als Frieden zu ſuchen mit dieſem übermächtigen Feinde, Frieden um jeden Preis!— ſo werde ich denn gehen, demüthig bitten und dem armen Lande den Frieden ſchaffen. Ich kann die Flammen nicht mehr ſehen, die zum Himmel empor lo⸗ dern, wenn die Nacht beginnt. Ich fühle, daß Gott von mir das Leben der Menſchen fordern wird, die ſchuldlos —— 104 hingeſchlachtet werden von dieſen heidniſchen Mördern, das Leben der Weiber und Kinder, der Greiſe und Prie⸗ ſter.— Nur die Ehre will ich dem Orden erhalten, deſ⸗ ſen letzte Stunde herannaht, und wenn dieſer grauſame Krieg beendet iſt, dann ſoff auch das Geſchick des armen Mädchens meine Sorge ſein.“ „Ich habe in der Nacht vor ſeinem Tode des edeln Hochmeiſters letzte Beichte gehört und ihm die Sterbe⸗ ſacramente gegeben,“ ſagte Johannes Lindenblatt,„ſeine letzte Bitte an mich als ſeinen Freund betraf das Fräu⸗ lein, das er durch mich nochmals Euerm Schutze em⸗ pfahl. O das Herz des Stärkſten iſt ſchwach, wenn die Liebe zum Weibe darin Platz gefunden.— Welch' ein Mann war Ulrich! welch' ein Krieger, welch' ein Ritter, welch' ein Herrſcher! und ihn ſah ich weinen in dem Ge⸗ danken an die Mutter dieſes Mägdleins und an ſie ſelbſt. Aber ſeht, edler Statthalter, dort im Hofe ſammeln ſich ſchon Ritter, die Euch auf dieſem traurigen Wege beglei⸗ ten ſollen, labt Euer Herz noch durch einen Becher Wein und geht dann unter dem Schutze Gottes, dem Lande Frieden zu bringen.“ Mit einer ernſten Bewegung wies Heinrich den dargereichten Becher zurück. „Nein, mein Bruder, nein!“ entgegnete er,„zu dieſem Bußgange ſoll Wein mich nicht erquicken, noch ſoll ich h ein von verla noch gen G feſt i Reuß traue ten m engten den S warer ſtümp Bürg ſchme ſchwa liche grelle ſtande ſen S dern, Prie⸗ deſ⸗ ſame rmen edeln erbe⸗ ſeine Fräu⸗ e em⸗ n die »' ein Kitter, Ge⸗ ſelbſt. in ſich eglei⸗ Wein Lande h den „Ju noch 105 ſoll Speiſe vor demſelben meinen Mund berühren, kehre ich heim, dem Lande den Frieden bringend, dann möge ein Tropfen Wein meiner Seele Stärkung geben. „Lebt wohl, werther Bruder Johannes!“ Eine halbe Stunde ſpäter bewegte ſich ein Zug von ſechs Ordensrittern, das Ausfallspförtchen der Burg verlaſſ 38, über die weite, jetzt verödete Ebene, auf der noch vor Kurzem ein Theil der freundlichen, gewerbthäti⸗ gen Stadt Marienburg geſtanden.— An ihrer Spitze, feſt in ſeinen weißen Mantel gehüllt, ſchritt Heinrich Reuß von Plauen, und ſine ernſten Augen ruhten trauervoll auf den wüſten Trümmern, die er überſchrei⸗ ten mußte, geſchwärzte Balken, eingeſtürzte Wände ver⸗ engten den Weg und lagen als ſchmutzige Schutthaufen in den Straßen, die einſt ſo hell und freundlich geweſen waren. Hin und wieder Vrten auch verkohlte Baum⸗ ſtümpfe die Stellen, wo einſt die luſtigen Gärten der Bürger das Familienglück derſelben erhöht hatten, und ſchmerzlich zuckte Herr Heinrich zuſammen, als er in den ſchwarzen Trümmern an verſchiedenen Stellen menſch⸗ liche Gebeine liegen ſah, auf welche die Auguſtſonne ihr grelles Licht warf. Aber nicht blos da, wo die angezündete Stadt ge⸗ ſtanden, begegneten dem Blick des Statthalters die troſtlo⸗ ſen Spuren des Krieges. 106 Im Lager des Wiehers, des ſtolzen Polenkönigs, ſah es noch diel troſtloſer aus. Ein ſeltſamer, das Athmen erſchwerender Geruch wehte den Rittern ſchon entgegen, bevor ſie noch in die Verſchanzungen traten und Gaſſen von Zelten und Erd⸗ hütten durchwandelten, ein Kirchhofgeruch, gemiſcht mit all den Peſt hauchenden Düften, die die Sommerſonne auf Koth und Sumpf brütet. Lautes Stöhnen und Jam⸗ mern miſchte ſich in den Zeltgaſſen mit wilden i in barba⸗ riſchen Sprachen ausgeſtoßenen Flüchen und dem Ge⸗ brülle roheſter Luſt. Das ſeidene Zelt des Polenkönigs, vor welchem die ſtolze Fahhne Polens wehte, befand ſich auf einem Hügel an der Weichſel. Es ethieit außer den Räumen, in wel⸗ chen Wladislä ſchlief und ſich bei Tage aufhielt, eine ſchön geſchmückte Kapelle mit Betaltar und unter dem⸗ ſelben i in einem ſchnell gemauerten Gewölbe den Schatz und die Koſtbartei ten des Königs. Wladislav, in einem von Perlen und Edelſteinen ſtrahlenden Gewande, ſaß auf einem Throne, den Purpurſammt deckte, in allem Stolz des Siegers. Ihm zur Linken ſtand in voller Rüſtung, auf ſein Schwert gelehnt, der tapfere Zindram, ſein Kronfeld⸗ herr, und zur Rechten ein alter Mönch, der unter den Ge⸗ fangen ſchen d men bi ſtets m ſauftes geflößt 2 nach ei Nicken ten,„ Mönckh der M den un ſpreng alle in hängen Mahl. 7 Plauer dens u oder n hen. 2 Todei mert d dnigs, Heruch in die Erd⸗ ht mit ne auf Jam⸗ barba⸗ i Ge⸗ em die Hügel in wel⸗ , eine dem⸗ Schatz einem , ſaß allem -uf ſein pnfeld⸗ en Ge⸗ 107 fangenen ausgeſucht worden war, den Dollmetſch zwi ſchen dem Statthalter und dem Könige zu machen: Es war Pater Medardus aus Oliva, den die Böh⸗ men bis hierher geſchleppt, aber während der ganzen Zeit ſtets mit einer gewiſſen Achtung behandelt hatten, die ſein ſanftes Weſen und ſeine natürliche Hoheit ihnen ein⸗ geflößt. „Endlich!“ ſagte Wladislav, als die ſechs Ritter nach einem ehrerbietigen Gruß, den er kaum mit einem Nicken erwidert, ſich vor ſeinem Throne aufgeſtellt hat⸗ ten,„endlich ſeid Ihr gedemüthigt, Ihr hochmüthigen Mönchritter! Ihr kommt zu Euerm Heil, mir die Schlüſſel der Marienburg zu übergeben, ſonſt hätten meine Partar den und Bliden in den nächſten Tagen Eure Mauern ge⸗ ſprengt, bei meinem königlichen Wort! ich hätte Euch alle in Euern weißen Mänteln an den Zinnen dort auf⸗ hängen laſſen, den Geiern und Raben ein willkommenes Mahl.“ „Königlicher Herr,“ entgegnete Heinrich Reuß von Plauen,„ich der zeitige Statthalter des deutſchen Or⸗ dens unſerer Frau zu Jeruſalem, komme nicht, um mein oder meiner Brüder Leben von Euer Gnaden zu erfle⸗ hen. Die Brüder unſeres Ordens ſind gewöhnt dem Tode in jeder Geſtalt entgegen zu treten, aber mich jam⸗ mert das Land, deſſen Wohl und Wehe Gott für kurze 108 Zeit in meine ſchwache Hand gelegt und für dieſes bitte ich Ew. Hoheit flehentlich und demüthigſt um Frieden. Das Culmerland, Michalon und Pommerellen biete ich Euch als Friedensgabe, laßt Eure Trompeter zum Abzuge von dieſer der heiligen Jungfrau geweihten Veſte blaſen und regiert Euer großes Land in Frieden und zu Gottes Ehre.“ Pater Medardus überſetzte dieſe Antwort des Statthalters mit ruhiger Stimme und mit den möglichſt demüthigen Worten, aber dennoch verfinſterte ſich die Stirn des Polenkönigs, und als der alte Mönch geendet, entgegnete er ſtolz:, Ihr ſchenkt mir, was mein iſt durch weine Siege, fürwahr ein feines Geſchenk! öffnet die Thore Eurer Burg, beugt vor mir, wenn das ganze Preußenland mein Eigen iſt, Eure trotzigen Kniee, Eure hochmüthigen Herzen, und dann kommt und fleht um Gnade bei mir für Euch und Euern Orden.“ Eine glühende Röthe ſtieg auf Heinrich's edle Stirn, aber den Löwentrotz mäßigend, fragte er mit knhigere Stimme: Iſt das Euer Gnaden letztes Wort? Habt Ihr kein günſtigeres in Eurer Bruſt?“ „Nein!“ ſchrie der König, heftig mit dem Fuße aufſtamp end. Der Statthalter erhob ſein Haupt und warf einen feſten Blick in Wladislav's Angeſicht, deſſen einſt ſo große C denſchaf thigen, Gottes über! ten, ſo tels ſch. und das Er kommen rienburg Augenbe die Rit und die Zwang Marien kenſälen den Sch heute d Vorburg lehnsma He und im itte ich Das ) Euch ge von en und Ehre.“ rt des öglichſt ſich die geendet, t durch net die s ganze e, Eure eht um 's edle er mit ibt Ihr Fuße arf einen einſt ſo 109 große Schönheit weniger das Alter, als Zorn und Lei⸗ denſchaft entſtellt hatte. „Wohlan denn,“ ſagte er,„ich kam mich demü⸗ thigen, kam vertrauend auf die Großmuth Deſſen, den Gottes Wille durch den Sieg begnadigt. Es iſt vor⸗ über! Die Marienburg wird Euer Fuß nicht betre⸗ ten, ſo lange mein Herz unter den Falten dieſes Man⸗ tels ſchlägt. Gott und die heilige Jungfrau mögen uns und das Land ſchützen.“ Er wandte ſich um und ging langſam, wie er ge⸗ kommen, von ſeinen Rittern gefolgt, nach der Ma⸗ rienburg zurück. Wohl empfand Wladislav's falſches Herz einen Augenblick Luſt, ſein gegebenes Geleit zu brechen und die Ritter zurückzuhalten, aber Zindram's ernſter Blick und die Nähe des alten Kloſtergeiſtlichen legten ihm Zwang an, und unbehindert gelangten Jene in der Marienburg wieder an, als eben dort in den Kran⸗ kenſälen Speiſe ausgetheilt und die Mannſchaften auf den Schloßzinnen abgelöſt wurden. Unter Denen, welche heute der beſchwerliche Dienſt auf den Zinnen der Vorburg traf, befand ſich auch Sigmund, der Frei⸗ lehnsmann aus Großlichtenau. Heinrich Reuß von Plauen hieß den ſtattlichen und immer heiteren Mann, auf ſeinen mächtigen Bo⸗ 110 gen gelehnt, ehrerbietig grüßend, ſtehen bleiben, als er über den Hof ſchritt, um nach ſeinem Gemache zu gehen, und das Herz ward ihm warm beim? Anblite des gutmüthigen, tr anherzigen Geſichtes. „Grüß Goit, Mann!“ ſagte er freundlich,„thu' Dein Beſte s auf Deiner Wacht, denn es wetd alle Tage ernſthafter mit dieſem Kampfe 2 „Meint Ihr, edler Herr,“ entge egnet e der Bauer, „aber glaubt mir auf's Wort, drüben im Lager iſt’s auch nicht ſpaßig.— Wir hier haben das Beſte, was 8. es 1 dfe Sommerhitze gibt, das kalte klare Waſſer in Fülle, wir können die Wunden unſerer Kranken, die in kühlen Sälen ruhen, damit baden.— Sie trin⸗ ken das faule, ſtinkende Waſſer der Nogat, das mit Leichen, Aas und Unrath falſt zudedäddmt iſt, die Flie⸗ gen freſſen ihre? Peſtkranten auf noch bei lebendigem Leibe und unſere Pfeil e und Bogen, Herr, thun auch was, um ſie dort unten klein zu machen, ſo roß ſie 14 6 7. ſich auch dünken. Sie ſind uns jetzt nahe genug, daß ich die Knopflöcher i ihrer Wänſer zu meinen Zielen auswählen kann und ich verfehle das Erwählte ſelten.“ Es flog ein Lachen über das Geſicht des Bau rs, das gar wenig zu d den ſonſt ſo gutmüthigen Ausdrucke desſelben paßte.—„Ich warte nur auf Einen,“ ſetzte er hinzu,„und habe ich ihn erſt gezeichnet, wie ich will, de thun; ſe Pfeil ar Schaft Sigmun haarſcha Lehnsme v4 men, de führte u fehl gal meine h ſie, um einmal Böſewie Auge ſe Gott zu auf die Heinrich Armbru Er dankenvr ſagte er ſind ſan zu edes thu alle auer, iſt’s was Vaſſer anken, trin mit Flie⸗ digem auch poß ſie Zielen elten.“ au rs, sdrucke ſetzte vie ich daß 111 will, dann mag Gott mit mir nach ſeinem Gefallen thun; ſeht Herr“— er zog bei dieſen Worten einen Pfeil aus ſeinem Köcher, auf deſſen langem dunklem Schaft in deutſcher Sprache geſchrieben ſtand:„Des Lünandes Gruß“ und prüfte mit ſeinem Finger die haarſcharfe Eiſenſpitze desſelben. „Und wem haſt Du dieſen Gruß zugebracht, Lehnsmann?“ fragte der Statthalter kopfnickend. „Dem Böhmen, Euer Gnaden, dem großen Böh⸗ men, der mich in der Wildniß wie ein Kind am Stricke führte und mit ſeinen gottverfluchten Lippen den Be⸗ fehl gab, mein Haus anzuzünden. Meine Mutter, Herr! meine herz liebe Mutter kam in den Flammen um, als ſie, um ihres Sohnes irdiſch' Gut zu retten, ſich noch einmal in das brennende Haus ſtürzte, ich bin's dem Boͤſewicht ſchuldig, ihn zu zeichnen, und ich hoffe, ſein Auge ſoll mich zahlen für das Leben meiner Mutter. Gott zum Gruß, Euer Gnaden, aber ich muß jetzt auf die Zinnen; der würdige, ritterliche Held, Herr Heinrich von Plauen, meint, mein Arm und meine Armbruſt ſeien da oben wohl zu gebrauchen.“ Er ging. Der Statthalter ſah ihm lange und ge dankenvoll nach.—„Das iſt deutſche Art und Natur,“ ſagte er endlich für ſich hin!„Sie lieben den Frieden und ſind ſanftmüthige getreue Unterthanen und wackere Fa⸗ es 8 0 u 11² milienväter. In's Herz, in's Heiligthum ihres Hauſes muß man ihnen greifen, um ſie aufzuſtacheln, aber dann ſind ſie auch Kämpfer, ſo wacker, muthig und geſchickt, wie kein anderes Volk ſie aufzuweiſen hat.“ Er ging. Der heiße Tag verglomm, und viele ähnliche wechſelten ab mit Nächten ohne Schlaf in der belagerten Marienburg. Was Menſchenkraft und Man⸗ nesmuth, was echter Ritterſinn vermögen, das wird hier aufgeboten, die übermüthigen Feinde fern zu halten. Wladislav mit ſeinen Verbündeten machte keinen erſichtlichen Fortſchritt in der Belagerung. Hunger und Peſt ſetzten unter ſeinem zahlreichen, aber ermatteten und zuchtloſen Heere ihr Wüthen fort, das Lager der verbün⸗ deten Polen, Lithauer und Tartaren ſchien zu einem Kirchhofe geworden zu ſein. In der Marienburg ſchwand der Muth der Be⸗ lagerten nicht, aber die Lebensmittel begannen zu ſchwin⸗ den.— Das Mehl war gänzlich ausgegangen und auch das Heu und Stroh zur Nahrung der vielen Thiere ward allmälig knapp. So wurden denn die Milchkühe geſchlachtet und der Quell, der ſo vielen Kranken ein Labſal geboten, war verſiegt. Auf dem im Schloſſe be⸗ ſindlichen Handmühlen konnte ferner nicht ſo viel gemah⸗ len werden als das Bedürſniß erforderte, und ſo ging denn der Statthalter mit gutem Beiſpiele voran und ge⸗ noß 4 dicken und 4 wohl nen,! reiche Geſun düſter bei de war ſe A zu T Auge Willen ſterdien Speiſu den Fi Mutter Haupt Schlaf weinen C ſchwand Zwei T Ein 2 uſes dann chickt, viele n der Man⸗ d hier keinen er und en und erbün⸗ einem ler Be⸗ chwin⸗ d auch Thiere lchkühe ken ein ſoſſe be⸗ gemah⸗ ſo ging und ge⸗ 113 noß ſtatt des Brotes das weich gekochte und zu einem dicken Brei zerriebene Getreide. Es war dies eine geſunde und nahrhafte, wenn auch keineswegs angenehme und wohlſchmeckende Koſt und das herrliche Waſſer der Brun⸗ nen, das immer gleich klar und kühl blieb und in aus⸗ reichender Menge vorhanden war, blieb für Kranke und Geſunde eine große Erquickung. Bruder Amadeus ging allnächtlich hinab in jenen düſteren Gefängnißraum und blieb oft Stunden lang bei dem Gefeſſelten.— Wenn er dann wieder hinaufkam, war ſein jugendliches Geſicht todtenbleich, ſeine von Tag zu Tag mehr abmagernden Hände zitterte und ſein Auge hatte einen Glanz, der es zu verklären ſchien. Er war krank, aber mit Aufwendung aller ſeiner Willenskraft hielt er ſich aufrecht, verrichtete ſeinen Prie⸗ ſterdienſt am Altar der St. Annenkirche, half bei der Speiſung und Pflege der Kranken und Verwundeten in den Firmarien, ſaß dann oft Stunden lang neben ſeiner Mutter, ſein braunlockiges, faſt noch knabenhaft ſchönes Haupt in ihren Schoß legend, in einem Zuſtande zwiſchen Schlaf und Wachen, und das arme Weib beugte ſich weinend über das Angeſicht ihres Kindes. Endlich aber brach ſeine Kraft, das Bewußtſein ſchwand und ein wildes Fieber tobte in ſeinen Adern.— Zwei Tage hatte er bereits ſo in der Firmarie gelegen, da Ein Bürgermeiſter. II 8 114 ſchien es der neben ſeinem Lager ſitzenden Trude, als ob ſein Bewußtſein wiederkehre. Er richtete ſich hoch auf, ſchaute wilden Blickes um ſich und rief endlich:„Weiß er, weiß der Ritter Sigmund Brendel, daß ich darnieder⸗ liege?“ „Nein!“ entgegnete die geängſtigte Mutter,„was haſt Du, mein Sohn, mit dem Herrn Compan und Haus⸗ comthur?“ „Ich muß ihn ſprechen, gleich, jetzt, Leben und Tod hängt daran, oder nein, Mutter! eilt, eilt! ruft mir einen Geiſtlichen, welcher es auch ſei, einen Prieſterbru⸗ der— ich muß beichten.“ Herr Johannes Lindenblatt befand ſich eben im nächſten Saale, als die geängſtigſte Frau ihn durcheilte, um einen Beichtvater für ihren ſterbenden Knaben zu ſuchen. . An ihn wendete ſie ſich, und der Caplan folgte ihr an das Bett des Kranken, das die Mutter nun verließ, und ſich mit verhülltem Geſicht in der Ferne niederſetzte, um zu weinen.— Die Beichte des Fieberkranken dauerte lange⸗ Herr Lindenblatt ſchien ſie Anfangs für die Ausgeburt ſeines kranken Gehirns zu halten, als aber Amadeus unter ſeiner Kutte die gewichtigen Schlüſſel hervorzog, die er mit zitter nder Hand dem Prieſter übergab, da ſagte dieſer tief erregt: Brus Ande iſt al gehei Sünd Tone Eine denble nachde gen h ging, rich ſi 8 belage ſchleud Verwu ßend Todte abgebre dem Ki ein ſche umgab, als ob h auf, iß er, teder⸗ s haſt Haus⸗ en und ft mir terbru⸗ pen im cheilte, ben zu gte ihr perließ, rſetzte, Herr ſeines unter die er ſagte 115⁵ „Dies Alles, was Ihr mir erzählt, mein guter Bruder, muß ich, wenn ich nützlich ſein will, noch einem Andern anvertrauen, in deſſen Bruſt es eben ſo ſicher iſt als in der meinen, entbindet mich daher des Beicht⸗ geheimniſſes und geſtattet mir das, was nicht direct Sünden betrifft, zu beſprechen.“ „Retter! rettet!“ flüſterte der Kranke in hohlem Tone,„geht zu Sigmund Brendel, aber— rettet!—“ Eine Ohnmacht umnebelte ſeine Sinne und Herr Lin⸗ denblatt rief die alte Frau an das Bett des Bewußtloſen, nachdem er die Schlüſſel an ſich genommen und verbor⸗ gen hatte. Er überſchritt den mit Menſchen gefüllten Hof und ging, den Stellvertreter zu ſuchen, an alle Plätze, wo Hein⸗ rich ſich um dieſe Zeit aufzuhalten pflegte. Wildes Getöſe erſchallte von allen Seiten um die belagerte Burg, das Anprellen der von den Bliden ge⸗ ſchleuderten Steine, Kanonenſchüſſe, Geſchrei der Verwundeten miſchte ſich mit der Muſik, die ohrzerrei⸗ ßend aus dem nahen Tartarenlager widerklang.— Todte und ſchwer Verwundete, die von den Zinnen her⸗ abgebracht waren, wurden von Frauen auf Bahren nach dem Kirchhofe oder nach der Firmarie getragen. Es war ein ſchauerliches Chaos, was den Prieſterbruder überall umgab, und der Gedanke, der ſeine Bruſt mit Qual er⸗ 8* 116 füllte, ſchien gleichſam ein grelles Licht zu werfen auf die Umgebung, an die er ſonſt wohl ſchon gewöhnt geweſen. „Kann das wirklich des höchſten Gottes Wille ſein?“ fragte er ſich ſelbſt,„würde der Erlöſer, der am Kreuze in Liebe ſtarb, mitgekämpft haben in dieſen wil⸗ den Reihen? würde er ſolche Schrecken geduldet haben, zur Verbreitung ſeines Namens?— O St. Albans, der edle Franzoſe, hat Recht, Johannes Huß hat Recht und Recht hatteſt auch Du, mein theurer, dahingeſchiedener Gebieter und Freund Ulrich von Jungingen, die Zeit dieſes Ordens iſt vorüber, ein anderes Verſtändniß des Chri⸗ ſtenthums wird über die Welt kommen und ſein Loſungs⸗ wort wird Liebe ſein und Friede.“ Im Remter traf Johannes Lindenblatt den Stell⸗ vertreter Heinrich Reuß von Plauen, und die Mitthei⸗ lung, die er dieſem machte, ſchien einen noch tiefern Schat⸗ ten zu werfen auf des edlen Ritters kummervolles An⸗ geſicht. „Ich habe von dergleichen gehört oder geträumt,“ ſagte er,„ich weiß es nicht ſo genau, es exiſtirt ein Ge⸗ richt in unſerer Brüderſchaft, das ſtill und mit furchtba⸗ rer Strenge richtet und nicht immer, das weiß ich, ge⸗ hört der jedesmalige Hochmeiſter zu demſelben.“ „Ich ſelbſt will hinab zu dem Unglücklichen und Sigmund Brendel ſoll mich geleiten.“ in den eine S ſich H Speiſe ſehen; dem u Ein w träufel ſich ma alle ih T nicht, ſerne 9 geword war eis fünfzig war er ßig Jal fürſtlich D den Seſ „ von Oel auf die weſen. Wille der am en wil⸗ haben, ns, der ſt und jiedener t dieſes Chri⸗ ſſungs⸗ Stell⸗ eitthei⸗ Schat les An⸗ äumt,“ lin Ge⸗ rchtba h, ge⸗ een und 117 Vergebens aber ſuchte man den alten Hauscomthur in den ungeheuren Räumlichkeiten der Burg, es verrann eine Stunde nach der andern, und als es dunkelte, fand ſich Herr Johannes Lindenblatt mit einem Korbe voll Speiſe und der Statthalter mit einer Blendlaterne ver⸗ ſehen in dem großen Holzraum zuſammen, den Weg nach dem unterirdiſchen Kerker anzutreten. Der Gefangene lag ohnmächtig auf ſeinem Lager. Ein wenig Wein, den Heinrich Reuß ihm auf die Lippen träufelte, weckte ihn aus ſeiner Betäubung, und als er ſich mäßig durch Speiſe und Trank erquickt, konnte er auf alle ihm vorgelegten Fragen genügende Antwort geben. Wie lange er in dieſem Kerker geweſen, wußte er nicht, doch war es ſicherlich über ſiebzehn Jahre, der ei⸗ ſerne Ring um ſeine Fußknöchel war roſtig und morſch geworden in dieſer langen Zeit, ſein Haar und ſein Bart war eisgrau, und doch konnte er nicht mehr als etwa fünfzig Jahre zählen, denn als man ihn hierher gebracht, war er ein junger Mann geweſen, noch lange nicht drei⸗ ßig Jahre alt, Comthur von Chriſtburg, Sohn einer fürſtlichen Familie. Der Statthalter zitterte ſo heftig, daß er ſich auf den Seſſel niederlaſſen mußte. „So ſeid Ihr, Walter, mein Waffenbruder, Walter von Oels, der jüngere Sohn des in Gott ruhenden Her⸗ 118 zogs, der Bruder des edeln Herzogs Conrad von Oels, der bei Tanneberg gefangen ward,“ ſagte er.„O, um Gottes und der heiligen Jungfrau willen, welcher Frevel hat Euch in dies Elend gebracht, und wie kann ich Eure Ketten löſen, damit Ihr mir nachfolgt, gleich jetzt, an Gottes Licht und Luft.“ „Dieſe Kette iſt an meinen Fuß feſtgeſchmiedet,“ entgegnete der Gefangene,„und ich bin hierher gebracht nach dem Urtheil des höchſten Ordensgerichtes der fünf Männer.“ „O, um Gott, werther Bruder Johannes, eilt, holt ein Feile, damit ich die Kette dieſes Märtyrers löſe,“ ſagte Herr Heinrich, Johannes Lindenblatt aber zog ein ſolches Werkzeug aus dem Aufſchlage ſeines Aermels. „Ich dachte nach der Erzählung des jungen Pater Amadeus an dieſe Möglichkeit,“ ſagte er, neben dem La⸗ ger des Gefangenen niederknieend und den letzten Ring der Kette des Unglücklichen durchſägend. „Seid Ihr berechtigt mich zu befreien?“ fragte die⸗ ſer mit Beben,„o ich kann es nicht denken, daß mir endlich, endlich vergeben ſein ſoll.“ „Ich bin Heinrich Reuß von Plauen, zur Zeit Statthalter in der Marienburg, und da der edle Meiſter Ulrich von Jungingen bei Tanneberg geſtorben und in jetzt kl 2 ſtill ſta lingen gehalte er nicht und de E ſen und gen, ſa tiefſten, 21 heftig,, leiden m des jung ſetz des ein Verg Andere, Oels, d, um Frevel Eure tzt, an iedet,“ bracht er fünf lt, holt löſe,“ zog ein nels. Pater m La⸗ Ring gte die⸗ aß mir r Zeit Meiſter und in 119 dieſer ſchrecklichen Zeit das Capitel noch zu keiner neuen Wahl geſchritten, das Haupt des deutſchen Ordens.“ „Ich habe ſo etwas geträumt, oder es iſt mir offen⸗ bar worden,“ flüſterte Walter von Oels, deſſen Kette jetzt klirrend zu Boden fiel. „Die Welt iſt ihren Gang gegangen, die für mich ſtill ſtand. Scheachten ſind geſchlagen, Kinder zu Jüng⸗ lingen erwachſen, der unerbittliche Tod hat ſeine Ernte gehalten, nur mich in dieſem ſinſtern Gemäuer, mich hat er nicht finden können, wie ja auch das Licht der Sonne und der Sterne mich nicht fand.“ Er hatte ſich wieder matt auf ſein Lager fallen laſ⸗ ſen und die Hände, vor das leichenhafte Geſicht geſchla⸗ gen, ſaß er da mit den eisgrauen Locken, ein Bild des tiefſten, troſtloſeſten Jammers. „Und weßhalb,“ fragte der Statthalter nochmals heftig,„weßhalb hat dieſer Mann ſo lange, ſo unſäglich leiden müſſen?“ „Herr,“ entgegnete Lindenblatt,„die Erzählung des jungen Mannes habe ich Euch mitgetheilt. Das Ge⸗ ſetz des Ordens, Ihr wißt das, hat ſchwere Bußen auf ein Vergehen wie das ſeine geſetzt. „Conrad von Jungingen war ſtreng gegen ſich und Andere, aber ſein Herz war von Nutur gütig.— Ein⸗ 120 mauerung, Ihr wißt, das iſt des Ordensritters Strafe, der ſein Keuſchheits⸗Gelübde bricht.“ „Drei Tage Leiden befreien den Eingemauerten vom Leben,“ flüſterte der Gefangene,„ich aber ſterbe ſeit einer Ewigkeit in jeder Stunde und Minute. Ich lebe in meinem Grabe!— o, keine Menſchenſeele weiß, was das bedeutet. Getrennt von Gottes Licht und Luft, ge⸗ trennt von Weib und Kind, getrennt von jedem menſch⸗ lichen Angeſicht, kein Wort der menſchlichen Stimme hö⸗ rend, als das was von den Lippen meines Kerkermeiſters kommt.— Wer Ihr auch ſeid, edler Herr! erbarmt Euch meiner, gebt mir den Tod, damit mein Leiden ein Ende habe. „Ich habe meinen Sohn geſeh'n, er hat mir geſagt, daß die unglückliche Gefährtin meiner Schuld noch lebt und meiner noch gedenkt, das iſt der einzige Funke menſch⸗ lichen Glückes, der mir zu Theil geworden, und ich ſehne mich— o wie ſehr nach der Ruhe im Grabe. Conrad von Jungingen ließ mich zuſchauen, wie man mein Weib höhnte und zum Spott der Schergen machte; er ließ mich zuſchauen, wie man die Arme nackt mit dem weinenden Kindlein im Arm vom Hofe der Chriſtburg jagte, und ich war ein Mann! ein Mann, der ein Schwert an der Seite trug! Ich packte ihn, wer würde das nicht gethan haben, ich riß mein Schwert aus der Scheide und würde Sigm fallen waffn ritterl dem) meiner oder o Sünd in das terirdi ſtitbt. Lager Zeit l unſere Das denn mauer das d Buße der in Order ders 2 die dr Miche Strafe, auerten rbe ſeit ch lebe 3, was uft, ge⸗ menſch⸗ mme hö⸗ meiſters erbarmt iden ein geſagt, och lebt menſch⸗ ch ſehne Conrad n mein hhte; er mit dem riſtburg Schwert as nicht ide und 121 würde es ihm in die Bruſt geſtoßen haben, wenn nicht Sigmund Brendel, ſein Compan, mir in die Arme ge⸗ fallen wäre; der Kraft Beider gelang es, mich zu ent⸗ waffnen. Da ſagte Conrad: Dieſer Mann, einſt unſer ritterlicher Bruder Walter von Oels, hat ſich an mir, dem Meiſter deutſchen Ordens, vergriffen, Beleidigungen meiner eigenen Perſon darf ich als Landesfürſt ſtrafen oder als Thriſt vergeben, ich will aber ſtrafen, denn die Sünde iſt groß, und ſo ſoll denn dieſer Walter von Oels in das obere Verließ unſerer Marienburg durch den un⸗ terirdiſchen Weg gebracht werden und dort bleiben bis er ſtitbt. Es ſoll ihm dort gute Nahrung, Kleidung, Licht, Lager und Beſchäftigung gegeben werden, und er ſoll Zeit haben, ſein Verbrechen gegen die heiligen Gelübde unſeres Ordens zu verbüßen, ſo lange es Gott gefällt! Das war eine Begnadigung, es war Güte von Conrad, denn ich hatte durch meine Buhlſchaft den Tod der Ein⸗ mauerung nach den Ordensgeſetzen verdient. Ich fühlte das damals nicht, aber in den langen Jahren meiner Buße habe ich oft die Großmuth des Meiſters erkannt, der in ſtrengſter, ritterlicher Zucht auch nicht die kleinſte Ordensregel ſelbſt verletzte, wollte er doch nicht des Sün⸗ ders Tod inmitten ſeiner Sünden.— So ſchwuren denn die drei anweſenden Ritterbrüder, Sigmund Brendel, Michael Küchenmeiſter von Sternberg und Werner von 122 Tettingen einen theuern Eid auf die Kreuze ihrer Schwer⸗ ter, meinen Aufenthalt und mein Leben nie zu verrathen und nur ſtets Dem anzuvertrauen, den ſie zu meinem Ernährer und Kerkermeiſter beſtimmten. „Der Letzte, dem das Amt übergeben ward, war mein Sohn! Sigmund Brendel brachte ihn zu mir. Er hat gewußt, wen er in dieſe Mauern brachte, o, möge der Erlöſer am Haupte ſeines Lagers ſtehen in ſeiner. Sterbeſtunde, und ſeine Seele in ſeinen eigenen Armen ter an in die Hallen des Himmels tragen!“ veröde Er ſank von Neuem halb ohnmächtig zuſammen Sonns und leiſe flüſternd beſprachen ſich Lindenblatt und der niſche Statthalter über den Ort, wo man dem Armen Licht 8 und Luft genießen laſſen könne. gegoſſe Vor Allem hielt es der Reuß für nothwendig, ihn radt g mit ritterlicher Kleidung und einem neuen Mantel zu helbe 8 verſehen, auch ſein überlanges Haar und ſeinen Bart zu MMane ſcheeren. Beide Liebesdienſte erzeigte der Statthalter Polem dem Gefangenen ſelbſt, denn er war wohlgeübt in allen Pb 3 zur Krankenpflege nothwendigen Handfertigkeiten. Tendh Durch Wein, Speiſe und reinliche Kleidung er⸗ quickt, erhob Walter von Oels ſich von ſeinem Lager ifer und folgte ſeinen Befreiern bis hinauf in des Meiſters men Stübchen, wo er, am Fenſter ſtehend, die Morgenſonne dade nach ſo langen Jahren zum erſten Male wieder er⸗ uhr Tr blickte. hwer⸗ rathen einem war c. Er möge ſeiner Armen mmen ad der Licht gg, ihn tel zu lart zu halter allen lig er⸗ Lager eiſters ſonne r er⸗ Viertes Capitel. Heinrich Reuß von Plauen ſtand einige Tage ſpä⸗ ter am Fenſter des Remter und ſchaute hinaus in die verödete Landſchaft.— Der Nogatſtrom glitzerte im Sonnengolde, und noch jenſeits desſelben lag das pol⸗ niſche Lager weit ausgebreitet. Der„eiſerne Mann,“ das größte in der Marienburg gegoſſene Feldſtück, lag der ſchönen Meiſterwohnung ge⸗ rade gegenüber und hatte ſchon manche Kugel auf die⸗ ſelbe abgefeuert, die Schaden genug in dem herrlichen Mauerwerk angerichtet. Vor einer Stunde hatte Reuß die Abgeſandten des Polenkönigs entlaſſen, die ihm Frieden geboten und eh⸗ renvollen Abzug, wenn er die Burg räumen wollte. „So lange ich lebe nicht!“ war ſeine Antwort ge⸗ weſen, und er wußte, daß in wenigen Minuten dieſe Ant⸗ wort das Zelt des Königs erreicht haben mußte, und daß dann alle jene Feuerſchlünde rings um die Burg ihr Toben und Raſen wieder beginnen würden. 124 Auf Entſatz konnte der Statthalter nicht hoffen, aber er wußte, daß er im Lager der Polen einen ſchreck⸗ lichen Verbündeten hatte, die ruhrartige Peſt, die weit mehr Menſchen dort tödtete, als die Kugeln und Pfeile der Veſte es vermochten. An Waffen und Munition war kein Mangel inner⸗ halb der Burgmauern, der Muth ſeiner ritterlichen Brü⸗ der war unerſchütterlich, aber es war doch nur ein Ver⸗ zweiflungskampf, denn nach den Briefen, die der Ge⸗ ſchützmeiſter Wolf von Conrad Letzkau gebracht hatte, wollte ſich im ganzen deutſchen Lande kein Schwert mehr erheben für die Sache des bedrängten Ordens. „So iſt denn die Zeit, da dieſe Brüderſchaft, die ſeit Jahrhunderten Großes gewirkt hatte, untergehen ſoll, früher und ganz anders gekommen, als Du es ge⸗ hofft und geträumt, mein edler Freund Ulrich,“ flüſterte Heinrich Reuß von Plauen.„Wir hier, die dieſe Burg umſchließt, wollen kämpfen bis ihre ſtarken Mauern über unſeren Leichen zuſammenſtürzen, und die uns draußen überleben, werden ſich in alle Welt zerſtreuen, den weißen Mantel mit dem ſchwarzen Kreuze als ein Zeichen, das ihnen zu bettern geſtattet, um ihre Schultern geſchlagen, denn die Comthureien und Balleien in den Ländern ſüd⸗ lich und weſtlich von hier im Reiche werden die Fürſten bald als ihr Eigenthum in Anſpruch nehmen, wenn hier in Pre — Do Welt k Schwe — W Ausflu ſeinen das nie Bürger innig! — Sch verſtun auf der thauer, die Me Flamm len wir unſerer den, di den ſin ruht, 1 jammer ließen l den die hoffen, ſchreck⸗ e weit Pfeile inner⸗ Brü⸗ 1 Ver⸗ er Ge⸗ hatte, t mehr ft, die rgehen es ge⸗ üſterte Burg n über außen weißen t, das lagen, 125 in Preußen keine Machtmehr vorhonden, die ſie beſchützt. — Das iſt die Strafe unſerer Sünden! Eine andere Welt kommt nach uns, eine ganz neue, in der nicht das Schwert mehr herrſchen wird und der ritterliche Muth. — Wladislav Jagello wird, wenn das Land bis zum Ausfluß der Weichſel ſein Eigen iſt, Handel treiben mit ſeinen Unterthanen in die Wette und— wer weiß ob das nicht ſo am beſten iſt für die Menſchheit.— Der Bürgerſtand wird blühen, der Bauer aber, bisher ſo innig verbunden mit uns, wird zum Leibeigenen werden. — Schmählich! ſchmählich! das deutſche Wort wird verſtummen in dieſen Landen, das wir hierher trugen auf den Spitzen unſerer Schwerter; der Pole, der Li⸗ thauer, der Ruſſe und der Tartare wird hier hauſen, wenn die Marienburg über den letzten deutſchen Rittern in Flammen zuſammengebrochen.— Doch mit Ehren wol⸗ len wir ſterben! die vielen, vielen Sünden, welche in unſerer allmälig entartenden Verbrüderung begangen wur⸗ den, durch einen freiwilligen ritterlichen Tod ſühnend! „Armer Walter von Oels, Deine vieljährigen Lei⸗ den ſind auch eine Felſenlaſt, die auf unſerem Orden ruht, und wie Mancher hat gleich Dir gelitten und ge⸗ jammert!— Unter dieſen Hallen, in den dunklen Ver⸗ ließen bezeichnen ſchwarze Kreuze an den feuchten Wän⸗ den die Stellen, wo die, welche vor unsmenſchlich fühlten, 126 und fehlten, den gräßlichen Tod litten. Einſt war unſer Orden eine heilige Verbrüderung zu heiligen Zwecken, jetzt iſt er nur eine Verſorgungsanſtalt für die jüngeren Söhne des deutſchen Adels, ſeine Zeit iſt vorüber!“ Während dieſer träben Gedanken des Statthalters hatte ſich der ſchöne Saal allmälig mit einer großen Zahl von Ritterbrüdern gefüllt. Sie waren hieher be⸗ ſchieden worden zu einer großen Berathung, das Wohl und Wehe der in der Veſte befindlichen Kinder und Wei⸗ ber und überhaupt der redlichen Bürger Marienburg's, die hier Schutz geſucht, betreffend. Alle in Marienburg anweſenden Gebietiger und älteren Ordensritter waren zu dieſer Verſammlung be⸗ rufen worden. Der Geſchützmeiſter Wolf aber war der einzige Halbbruder in derſelben, und Heinrich Reuß von Plauen hatte ſeine Anweſenheit hauptſächlich gewünſcht, weil er einer der älteſten Diener des Ordens, ein gebor⸗ ner Bürger der Stadt Marienburg und ein ernſter, kriegserfahrener Mann war. Wolf, ſonſt immer von einem finſteren Ernſt, ſchien heute in beſonders feierlicher Stimmung. Er hatt, ehe er den Verſammlungsſaal betrat, wohl eine Stunde in der Annenkirche gebetet und als er beim Austritt aus derſelben ſeine blaſſe Tochter getroffen, rief er ſie leiſe beim Namen:„Waltrude!“ 2 ſie flie von ihr Zittern 2 als ſie Kirche grau g Augenb Willen mit leiſ Dir ver und Si S Licht ein ſteinerte ihres V Herz.„ was wo bende H von ſic Scheibe tete, un Waltru kommen unſer n, jetzt Söhne halters großen er be⸗ Wohl Wei⸗ burg's, er und ig be⸗ ar der ß von ünſcht, gebor⸗ ernſter, ſchien . wohl r beim roffen, 127 Als die alte ſcheue Frau ihren Vater erkannte, wollte ſie fliehen, aber dieſer Name, den ſie ſeit ihrer Trennung von ihm nicht mehr aus ſeinem Munde gehört, hielt die Zitternde an den Platz gebannt. Der finſtere Greis winkte ihr näher zu treten, und als ſie neben ihm ſtand unter dem herrlichen Portal der Kirche legte er ſeine abgemagerte Hand auf das vorzeit g grau gewordene Haupt. Seine Lippen zitterten einen Augenblick, ſo daß die Sprache ihm verſagte; mit aller Willenskraft ſich aber zuſamenfaſfend⸗ ſagte er endlich mit leiſer hohler Stimme:„Waltrude, Dein Vater hat Dir verziehen und ſegnet Dich und Dein in Schmach und Sünde gebornes Kind.“ Sie blickte empor, einen Moment lang ſchien das Licht einer unſäglichen; Freude aus dieſen im Gram ver⸗ ſteinerten Zügen aufzuleuchten, als aber ihr Auge dem ihres Vaters begegnete, griff eine furchtbare Augſt in ihr Herz.„Mein Vater! um der gebenedeiten Heiligen willen! was wollt Ihr thun?“ fragte ſie und wollte ihre be⸗ bende Hand auf ſeinen Arm legen, er aber ſchob ſie weit von ſich, daß das helle Sonnengold, durch die rothen Scheiben der Kirche efall end, ihr bleiche es Geſicht beleuch⸗ tete, und ſagte:„Deine Schmach in Blut abwaſchen, Waltrude, denn die Stunde der Rache iſt endlich ge⸗ kommen.“— 128 So war er von ihr gegangen, ſie ſah, daß er ein kleines rothes Käpplein, das ſie als Jungfrau oft und gern getragen, in ſeiner Hand hielt, und ein unſäglicher Schmerz fuhr beim Anblick desſelben, durch ihre Seele. Dies Käpplein hatte ſie von ihren Haaren verloren, als ſie ſich in's Waſſer ſtürzte, ummit Walter von Oels zu fliehen. Jahre lang hatte ihr Vater es aufgehoben, er hatte es nicht in's Feuer geworfen, als er erfuhr, daß ſie nicht ſchuldlos geſtorben, ſondern ehrlos gelebt hatte, er beſaß es noch und es hatte ihn begleitet als ſein Haus in Flammen aufgehen mußte, hatte ihn vielleicht ſchon oft begleitet in Schlacht und Kampf. Dies Käppchen hielt Wolf noch in der Hand, als er in den mit Ordensrittern faſt gefüllten Saal trat. Er drückte es feſt zuſammen, trat ans Fenſter und ſchaute hinaus. Dort ſtand der„eiſerne Mann,“ das mächtige Ge⸗ ſchütz, das er ſelbſt gegoſſen und lange Zeit bedient hatte. Ein finſteres Lächeln glitt bei dieſem Anblick über des Greiſes Antlitz, und als wollte er das Geſchütz noch näher betrachten, öffnete er einen Moment lang den Schieber des untern Fenſters, griff hinaus und befeſtigte das brennend rothe mit einer Goldſpange gezierte Käpp⸗ chen ſeiner Tochter an einen Nagel, den er vor Wochen ſchon ſelbſt unter dem Fenſterkreuze eingeſchlagen. W murme nun w gen P ter trä die Ri Saale aber n. 1 deſto l. höher! 7 hin,„ das wi 2 der ält Noth, Bürger 2 faſt au und V war do das po bedrän Ein 2 129 er ein War es ein Fluch oder ein Gebet, das der Greis t und murmelte, als er, langſam vom Fenſter forttretend, ſich glicher nun wie erſchöpft mit dem Rücken an den ſchönen mächti⸗ Seele. gen Pfeiler lehnte, der das herrliche Gewölbe des Rem⸗ a, als ter trägt? els zu. Es war ein Gebet, ſein Sterbegebet, und während e, e die Ritter in eifriger Berathung auf und ab gingen im „ daß Saale, murmelte er es fort, mit bleichen Lippen zwar, hatte, aber mit glänzendem Auge. Haus Je mehr der ſchöne Saal ſich mit Rittern füllte, ſchon deſto leuchtender ward der Blick des Greiſes und deſto höher und feſter erhob ſich ſeine gebeugte Geſtalt. d als„Mit einem Schlage Alle“ ſagte er leiſe vor ſich trat. hin,„was jetzt noch übrig bleibt von dieſem Gezüchte, ſchante das wird der Welt keinen Schaden mehr thun!“ Der Statthalter ging während deſſen mit einigen e Ge⸗ 1 der älteſten Gebietiger auf und ab. Sie ſprachen von der hatte, Noth, welche den Tauſenden der in die Veſte geflüchteten c über Bürger bevorſtand. noch Die Kühe waren alle geſchlachtet, das Brotmehl ſig den faſt ausgegangen, das vorhandene wurde den Kranken feſtigte und Verwundeten in den Firmarien aufbewahrt, und es Käpp⸗ war doch möglich, daß der Winter heran kam, während bochen das polniſche und lithauiſche Volk die Veſte noch immer bedrängte. Ein Bürgermeiſter. III. 9 130 Dann freilich mußte Wladislav ſein halb aufgerie⸗ benes Heer in Städten unterbringen, bis dahin aber, wie würde es den Weibern und Kindern in der Marienburg ergehen? Ein Klopfen an die geſchloſſene Thüre des Remter unterbrach dieſe wenig tröſtliche Berathung.ü Man öffnete und ließ den Bruder Amadeus eintre⸗ ten, deſſen Geſicht von großer Freude erglänzte, indem er ſich demüthig vor dem Statthalter und den Rittern verneigte. Als aber der Jüngling lächelnd und freundlich bis in die Mitte des Saales getreten war, mußte die ſchreck⸗ liche Verwunderung in den Zügen des alten Wolf Jedem auffallen, der ihn zufällig anblickte. Alles Blut war in das noch vor einer Minute tod⸗ tenbleiche Geſicht des Greiſes getreten, ſeine Augen blickten ſtarr auf den jungen Mönch und ſeine Hände erhoben ſich gegen ihn, als wollte er ihn hinaus weiſen. In dieſem Augenblicke erdröhnten die erſten Kano⸗ nenſchüſſe aus dem polniſchen Lager, und ehe noch einer der im Saale anweſenden Ritter Zeit fand, ein Wort auszuſprechen, ſchlug eine mächtige Kugel durch das Mittelfenſter und fuhr pfeifend dicht an dem Pfeiler vor⸗ bei, in die hintere Wand, unweit der ſteinernen Brüſtung, welche Mahlze E Getöſe, der Ste den, d mächtig 8 Brüder mehr re Decke n tert unt L aber w Wolf, d Gruß z D chelnd ihm un wie die N Stattha winkte i weit erh lag, rief ffgerie⸗ her, wie ienburg Remter eintre⸗ indem Rittern liich bis ſchreck⸗ f Jedem ate tod⸗ Augen Hände eiſen. Kano⸗ h einer Wort rch das Ler vor⸗ üſtung, 131 welche dort die Anrichte umgibt, durch die bei feſtlichen Mahlzeiten die Speiſen in den Saal befördert wurden. Eine augenblickliche tiefe Stille folgte dem wilden Getöſe, alle anweſenden Ritter ſtanden wie gebannt in der Stellung, in welcher ſie die droheude Gefahr gefun⸗ den, dann aber erhob Heinrich Reuß von Plauen ſeine mächtige Stimme und ſagte: „Preiſet den Herrn, den Erretter, meine theuren Brüder, ging dieſe Kugel nur um eines Zoll Breite mehr rechts, ſo hätte der zuſammenbrechende Pfeiler die Decke nicht mehr getragen, und wir Alle lägen zerſchmet⸗ tert unter dem einſtürzenden Gewölbe. Lautloſes Schweigen folgte dieſem Ausruf, dann aber wurden alle Anweſenden aufmerſam auf den alten Wolf, deſſen Geſchütz ſoeben ihnen einen ſo gefährlichen Gruß zugeſendet. Der Greis war zuſammengebrochen und lag rö⸗ chelnd am Boden, Pater Amadeus aber knieete neben ihm und ſtützte ihm das Haupt, deſſen Augen gläſern wie die eines Sterbenden emporſtarrten. Nit dem Ausdruck herzlicher Theilnahme trat der Statthalter zu den Beiden, aber die Hand des Greiſes winkte ihm in der Ferne zu bleiben, und plötzlch ſich ſo weit erhebend, daß er neben dem Pfeiler auf den Knieen lag, rief er mit hohler Stimme: 9* 2 ₰ 13 „Höre mich, Heinrich Reuß von Plauen, hört mich Ihr Anweſenden Alle! meine Rache hat Gottes Wille abgewendet von Euern ſchuldigen Häuptern; aber er wandte auch den Tod ab von dem Haupte dieſes Jüng⸗ lings, des Kindes der Schande und Sünde, ach! und doch meines Enkelkindes! Jedes Haar ſeines Hauptes war mir theurer als mein eigen’ Leben, und doch durfte ich ihm nicht zeigen, daß ich ihn liebte. Jetzt will ich es, der Tod iſt mir gewiß, denn ich habe Euch verrathen,— ich habe die Briefe Letzkau's gefälſcht, die Euch die gute Nachricht brachten, daß König Sigmund mit den Polen anbinden wird, und daß Ihr von hieraus nur eilig Geld ſenden möchtet, die zu Eurer Hilfe im Reich geworbenen Schaaren zu beſolden. Ich habe dem polniſchen Geſchütz⸗ meiſter ein Zeichen gegeben, daß Ihr hier Alle verſam⸗ melt ſeid und wohin er zu zielen habe, um durch das Zertrümmern dieſes Pfeilers Euch mit einem Schlage zu tödten. Dies Alles that ich, um die Schmach meines Kindes zu rächen, das von Einem aus Eurer Mitte verführt und dann von Allen verſpottet und verhöhnt ward. „Ihr wähnt, das Herz des Bürgers ſei nicht em⸗ pfindlich gegen Ehre und Schande ſeines Hauſes, und Ihr wißt nicht, Ihr ausſchweifenden Mönchritter, wie ei⸗ nem Vater zu Muthe iſt bei dem Elend ſeines Kindes. Euer der C für di es für tilgen Euch klage Rache Unſch Das Leben in Zu mit de ſeines trat die W vaters Zufal ſagt, als ie ſtillſte einen t mich Wille ber er Jüng— )l und auptes durfte ich es, en,— ie gute Polen g Geld rbenen ſchütz⸗ erſam⸗ ch das ſchlage neines Mitte rhöhnt ht em⸗ s, und wie ei⸗ indes. 133³ Euer Orden, geſtiftet zur Ehre Gottes und zum Segen der Chriſtenheit, iſt zum Fluch geworden für das Land, für die ehrbaren Bürger und ihre Familien, und ich hielt es für den Willen Gottes, ihn mit einem Schlage zu ver⸗ tilgen vom Angeſicht der Erde. Ich ſelbſt wollte mit Euch zugleich vor Gottes Gericht treten und meine An⸗ klage Eurer Thaten ſollte die Rechtfertigung meiner Rache ſein. Aber der Herr hat nicht gewollt, daß dieſer Unſchuldige mit den Schuldigen zu Grunde gehen ſoll. Das Leben dieſes Jünglings, von ſeiner Geburt an ein Leben der Heiligkeit, ſollte geſpart werden, damit er auch in Zukunft durch Gebet und Buße den Herrn verſöhne mit der Sünde ſeiner Erzeuger.“ Der alte Mann war zurückgeſunken in die Arme ſeines neben ihm knieenden Enkels, der Statthalter aber trat zu ihm hin und befragte ihn zuvörderſt ernſt um die Wahrheit der Nachrichten, die er ausgeſprochen. Pater Amadeus nahm jetzt an Stelle ſeines Groß⸗ vaters das Wort: „Hoher Herr,“ ſagte er,„durch einen ſeltſamen Zufall, kann ich Euch das was dieſer unglückliche Greis ſagt, beſtätigen. Seht hier was mir an dieſem Morgen als ich auf den Zinnen wandelte, die Ruhe des Waffen⸗ ſtillſtandes zu benützen, in die Hand fiel. Es war ein um einen runden Feldſtein gewickelter Pergamentſtreifen, was 134 der junge Prieſter in die Hand des Statthalters legte, und darauf ſtand Folgendes: „Eilet, edler Statthalter, und ſendet Boten mit Geld nach der nächſten Ballei auf deutſcher Grenze. Schon warten die geworbenen Söldner auf den Befehl Euch zu Hilfe zu kommen. Bedürft Ihr des Geldes mehr als Ihr in Marienburg vorräthig habt, ſo gebt dem Bo⸗ ten Wechſel mit. Mein Schmiegerſohn Große, ich und alle redlich geſinnten Kaufleute Danzig's werden ſie decken. Jeder etwa in der Veſte anweſende Prieſter wird freies Geleit von dem Polenkönige erhalten, wenn Ihr darauf antragt. Das Heer des König Sigmund ſteht bereits an der Grenze Polens. Dies zur Nachricht. Conrad Letzkau.“ „Nun, ſo ſei Gott gelobt und die heilige Jungfrau!“ ſagte Heinrich Reuß von Plauen, Hand und Auge voll inbrünſtigen Dankes zum Himmel erhebend. „Ihr, Pater Amadeus, ſollt Geld und Wechſel zur Weiterbeförderung an Conrad Letzkau bringen und dann in Euer Kloſter heimkehren, denn ich weiß Ihr ſeid ein treuer Unterthan, und da Gott das Vergehen Eures Großvaters nicht zur Ausführung kommen ließ, ſo möge die Rache desſelben ihm überlaſſen bleiben, der Alles zum Beſten lenkt.“ „Geht, Geſchützmeiſter Wolf, zu Eurer Tochter, vergel da Ih Feind unſern uns niſche Ihr r wir a vertre Möne chen t war zum trat, die durch mußt den d nahn und legte, n mit brenze. Befehl 3 mehr m Bo⸗ ch und decken. freies darauf bereits au.“ rau!“ ge voll ſel zur d dann ſeid ein Eures möge es zum lochter, 13³⁵ vergebt ihre Schuld wie die Eure vergeben worden, und da Ihr Verbindungen nach Außen mit dem Herrn unſerer Feinde habt, ſo macht Euer Verbrechen gut, indem Ihr unſern Boten, der Euer Enkel iſt, nebſt ſeinem von uns erkorenen Begleiter freies Geleite durch das pol⸗ niſche Lager ſchafft. Das Kind Eurer Tochter werdet Ihr nicht verrathen, daß es eines ehrloſen Todes ſterbe, wir aber, meine Brüder, wollen kämpfen und auf Gott vertrauen, die Hilfe wird uns zur rechten Zeit werden.“ Am Tage nach dieſem Vorfall verließen zwei Mönche in voller Ordenstracht, durch das Ausfallspfört⸗ chen tretend, die Marienburg. Pater Amadeus war der Eine und ſein Begleiter war Wetter von Oels, der nach Jahre langer Kerkerhaft zum erſten Mal wieder unter Gottes freiem Himmel trat, und, geſtützt auf den kräftigen Arm ſeines Sohnes, die nächſte verödete Umgebung der belagerten Veſte durchſchritt. Ihr Weg zur Nogatfurth, die ſie durchwaten mußten, führte ſie durch den Theil des feindlichen Lagers, den das ſehr zuſammengeſchmolzene böhmiſche Piket ein⸗ nahm. Eine Wache empfing ſie beim Eintritte in das ſelbe und benachrichtigte ſie, daß der Anführer Herr Wock von 136 Roſenberg die beiden geiſtlichen Herren zu ſprechen wünſche. Schweigend folgten Beide dem voranſchreitenden Söldner, der ſie in das Zelt des vor Kurzem noch ſo übermüthigen böhmiſchen Edelmannes führte. Es war kein Aufenthalt der Freude oder Zerſtreuung dies Zelt, denn zwei Strohſtätten machten ſo ziemlich die ganze Einrichtung desſelben aus. Auf der einen lag, von der Ruhr gepackt, der junge Anführer und wand ſich in Schmerzen, die andere nahm ſein Fähnrich ein, der rie⸗ ſige Chwal, neben dem am Boden Pater Medardus kniete, von Zeit zu Zeit Umſchläge von kaltem Waſſer um das Auge des Böhmen machend, das ein Pfeilſchuß von den Zinnen der Marienburg ſeines Lichtes für im⸗ mer beraubt hatte. Der Roſenberg richtete ſich beim Eintritt der Frem⸗ den auf und betrachtete ſie mit mattem Blick. „Ihr reiſt mit königlichem Geleit,“ ſagte er lang⸗ ſam,„und das erſte Ziel Eurer Reiſe iſt die Abtei Oliva. — Wohlan, hier befindet ſich noch ein Mönch aus der⸗ ſelben, ein würdiger Greis und großer Arzt, wollt Ihr ihn mit Euch nehmen, er war mein Gefangener, doch gebe ich ihm für große Dienſte, die er mir und meinem Freunde leiſtete, gern die Freiheit. Dies Lager iſt eine Stätte des Elendes geworden, und ich möchte dem würdigen Bru⸗ der au⸗ lange werde. 2 nicht ſt als er Segen ſagte „werde entfern darf zu wie ich mag de lebe, m ten Gu Amade ich ſeit Nachfo ihn noe Abt Ja Erben ſetze, i zurückbe cchen nden ch ſo tung h die von ch in rie⸗ rdus aſſer chuß im⸗ rem⸗ ang⸗ liva. der⸗ Ihr gebe lunde des Bru⸗ der aus demſelben gern entfernen, damit ſein Leben ſo lange als möglich zum Segen der Menſchheit erhalten werde.“ Pater Medardus, denn dies war der Mönch, hatte nicht ſobald ſeinen jungen Gefährten Amadeus erkannt, als er freudig auf ihn zuſchritt und ihm mit Gruß und Segen die Hand bot. „Mit nichten, werther Herr von Roſenberg,“ ſagte er dann, ſich lächelnd zu dem Kranken wendend, „werdet Ihr mich in Eurer Großmuth von einem Platze entfernen wo ich nützlich ſein kann und Gutes wirken darf zum Preiſe Gottes und der heiligen Jungfrau?“ „Dieſer, mein wackerer jugendlicher Bruder, geht, wie ich höre, nach unſerem heiligen Kloſter zurück. Er mag dem ſehr ehrwürdigen Abt Jacobus melden, daß ich lebe, mich wohl befinde, und mit meinen ſchwachen Kräf⸗ ten Gutes wirke, ſo lange es Tag iſt.— Den Bruder Amadeus, einen Jüngling nach dem Herzen Gottes, hatte ich ſeit er unſer Kloſter betrat, zu meinem Schüler und Nachfolger erkoren, und es iſt eine hohe Freude für mich, ihn noch einmal in dieſer Welt zu ſehen! Ich hoffe, der Abt Jacobus wird nichts dagegen haben, daß ich ihn zum Erben meiner Bücher, Schriften und Werkzeuge ein⸗ ſetze, ich ſelbſt will, wenn nicht mein Vorgeſetzter mich zurückberuft, hier bleiben und Euch und Euerm Freunde, 138 auch den beiden von dem ſehr edlen Zindram gefangen gehaltenen Preußen, in Liebe dienen, ſo lange Ihr meiner bedürft. Unter meiner Pflege wird das unverletzte Auge Eures Freundes gerettet werden, während ſonſt Blind⸗ heit wahrſcheinlich ſein Loos ſein dürfte, und wahrlich, dieſer Mann, ſo durchdrungen von den Lehren des wür⸗ digen Johannes Huß, ſo nahe ſtehend dem Throne König Wenzels, iſt zu großen Dingen berufen und ſein Name wird einſt genannt werden in der ganzen Chriſtenheit.“ Das Herangalloppiren eines Pferdes unterbrach die Worte des alten Mönches. Ein großer ſchlanker Reiter ſprang von demſelben und trat, ſich bückend, un⸗ ter das Leinendach. „Gelobt ſei Jeſus Chriſtus,“ ſagte er, in rein deutſcher Sprache grüßend, denn die böhmiſchen Herren hatten ſich derſelben zwar auch bedient, aber man hörte ihnen an, daß es nicht ihre Mutterſprache ſei.—„Ich komme von Zindram, dem edlen Schwertträger von Krakau,“ ſetzte er eilig hinzu,„und er hat mich beauf⸗ tragt, die beiden Geiſtlichen, welche nach ihren Klöſtern zurückkehren wollen, durch das Werder zu geleiten, damit nicht etwa Nachzügler und räuberiſches Geſindel, des Königs Befehl nicht achtend, ihnen Schaden zufüge. Der edle Zindram hat mich zugleich beauftragt, nach der Gattin meines Wohlthäters und Pflegevaters, des Wi⸗ thing wo m Brigit das Z tragen wird.“ L hatte ſi träger. Pflege bildet. Geſell niſcheu thauiſ und ſe ſchönh war de Schütz königs von K tritt fü fürchtet willkon dürfte, ngen einer Auge lind⸗ rlich, wür⸗ Lönig dame it.“ brach anker „un⸗ rein erren hörte „Ich von eauf⸗ öſtern damit „des afüge. ch der Wi⸗ 139 thing Gedete, der würdigen Nomeda, zu forſchen und ſie wo möglich bis zur Rückkehr ihres geneſenen Gatten im Vric ttendloſte zu Danz igunterzubringen.— Dies Pferd, das Zindram mir anvertraute, ſoll Denjenigen von uns tragen, welcher ſich etwa ermüdet oder leidend fühlen wird.“ Bruno Sungalo, der ehemalige Brückenwärter, hatte ſich als Gefangener ſeines Verwandten, des Schwert⸗ trägers von Krakau, noch weit mehr als neben ſeinem Pflegevater zu einer wahrhaften Rittergeſtalt herausge⸗ bildet.— Die wenigen Wochen, welche er in Zindram's Geſellſchaft verlebte, hatten ihn überdies auch der pol⸗ niſchen Sprache, die er in ſeiner Kindheit neln der li⸗ thauiſchen erlernt, vollkommen wieder mächtig gemacht, und ſelbſt dem Auge Wladislav Jagello's, der Körper⸗ ſchönheit an Mann oder Weib hoch zu ſchätzen wußte, war der ſtattliche gefangene Preuße aufgefallen. Es wäre ein Leichtes für Zindram geweſen, ſeinem Schützling eine paſſende Stellung im Heere des Polen⸗ königs zu ſichern, einmal aber wußte der Schwertträger von Krakau, daß Bruno Sungalo einen ſolchen Ueber⸗ tritt für einen Treubruch gehalten hätte, dann aber auch fürchtete er, daß der Urenkel des großen Gedemin dern willkommener Diener dem ſtolzen Enkel desſelben ſein dürfte, wenn dieſe Verwandtſchaft einſt an's Licht getre⸗ 140 ten wäre; Zindram wußte, daß Wladislav Jagello den Vater Bruno's bitter haßte, weil er einſt dem gefangenen Withold zur Flucht verholfen, er wußte auch, daß und warum Withold, jetzt der Verbündete ſeines Betters und einſtigen Todfeindes, Bruno's Familie heute noch haßte und einſt in Verbannung und Tod getrieben hatte, und er wußte auch, daß beide Fürſten wohl bisweilen den Dank für geleiſtete Dienſte, nie aber die Rache und ihren Groll vergaßen. So hatte es der würdige Schwertträger für gut ge⸗ halten, ſeinen jugendlichen Gefangenen eher aus der Nähe jener Beiden zu entfernen, als ſie ahnen konnten, wer derſelbe ſei, und die Begleitung der beiden aus der Marienburg ziehenden Möuche erſchien ihm eine paſſende Gelegenheit dazu.— Der König von Polen hatte Grund, der Geiſtlichkeit Preußens dankbar zu ſein, und liebte es dieſen Dank mit möglichſt geringen Opfern abzutragen, und als ein ſolches konnte Zindram die Entlaſſung des Gefangenen erſcheinen laſſen, bevor Wladislav ſelbſt den Wunſch ausgeſprochen, ihn an ſeinen Hofhalt zu feſſeln. Leider konnte Gedete ſeinen Pflegeſohn nicht beglei⸗ ten, die Ruhr hatte ihn ganz darnieder geworfen und Zindram hatte ihn nach Elbing bringen laſſen, wo er mit anderen Erkrankten von Rang aus dem Heere der Polen und Li denshe E wohlge beiden konnten ſetzen. auch TW in dem und Pe eine F. Sattel weſend 1 Herzſti einer je Hochm Bauern ten pfl brauch drängt Bogenf überall Lehnsr I den enen und und aßte und den ihren t ge⸗ der nten, s der ſende rund, bte es agen, des ſt den eſſeln. eglei⸗ und er mit Polen 141 und Lithauer in den Krankenſälen des ehemaligen Or⸗ denshanſes die möglichſte Pflege erhielt.— Die Begleitung und der Schutz des gewaltigen, wohlgerüſteten Kriegers war eine Höflichkeit, welche die beiden Geſandten des Statthalters nicht zurückweiſen konnten, ohne ſich dem Verdachte der Spionerie auszu⸗ ſetzen.— Zindram hatte durch Bruno den Reiſenden auch Wegzehrung geſendet, ſo viel und ſo gut ſich ſolche in dem öde werdenden Lager der Polen auftreiben ließ, und Pater Medardus reichte dem leidenden Roſenberg eine Flaſche von dem rothen Weine, den Bruno aus den Satteltaſchen ſeines Pferdes gezogen, um ſie den An⸗ weſenden als Erquickung anzubieten. Neben dem Lager des Verwundeten, der an dieſer Herzſtärkung nicht Antheil nehmen konnte, lag am Boden einer jener langen Pfeile, mit denen ſeit den Zeiten des Hochmeiſters Dietrich von Altenburg die Bürger und Bauern des Preußenlandes ihre Schießübungen zu hal⸗ ten pflegten. Die Erfindung des Pulvers hatte den Ge⸗ brauch des mächtigen Bogens unter denſelben nicht ver⸗ drängt.— In allen Städten Preußens gab es berühmte Bogenſchüben und die Würde des Schützenkönigs war überall im Lande hochgeachtet und von Bürgern und Lehnsmännern ſehr dzefucht. Der Pfeil, welchen Bruno Sungalo jetzt vom Bo⸗ 142 den aufhob, gehörte zu der größten Art, und eine lange Reihe grober mit weißer Farbe geſchriebener Buchſtaben befand ſich auf dem braunen Schafte desſelben. Außer den beiden Geiſtlichen, Medardus und Ama⸗ deus, konnte nur Walter von Oels dieſe Inſchrift leſen, und der warf einen fragenden Blick auf den jüngeren Mönch, den dieſer mit einem leiſen Nicken erwiderte. „Das iſt das Geſchoß des Sigmund von Groß⸗Lich⸗ tenau,“ flüſterte Amadeus,„des beſten Armbruſtſchützen im Marienburger Werder.“ „Es iſt das Geſchoß unſeres Führers an der Grenze,“ ſagte der Verwundete mit Bitterkeit.„So lange der Kampf vor den Mauern dieſer Veſte dauert, hat der Satansbauer meinen Leib zu ſeinem Ziele gewählt, und es iſt keine Fuge meines Panzers, in der nicht einmal ein Pfeil mit jenen hölliſchen weißen Buchſtaben gezittert hätte. Jetzt iſt es ihm gelungen, er hat mich gezeichnet für die Zeit meines Lebens, und der Name, den ich mir aus dieſem Preußenlande heimbringe in unſere Berge, wird Ziska*) ſein, ein Spott und Schimpfname.“ „Und warum, mein Bruder,“ entgegnete Medardus mit Milde,„warum ſollte nicht auch dieſer Name einen *) Ziska— der Einäugige. ———— guten durch wißt, zwei A Herr, feſter i drunge liums, der We aufgen herrnta Ihr zu ſchaffen 3 Zeit wi vielleich Erkenn 1 . lichen, der Fell fragte d nig von „ aber ni Lehnin 143 guten Klang gewinnen in der Welt? Gott erhielt Euch durch meine geringe Kenntniß das andere Auge und Ihr wißt, daß es beſſer iſt, einäugig zum Himmel, als mit zwei Augen zur Veidandinnis eingehen. O, daß Ihr edler Herr, durch das Unglück, das Euch betwoffen, ruhiger, feſter in Eurem Vertrauen auf Gott und inniger durch⸗ drungen würdet von der Wahrheit des reinen Evange⸗ liums, das Euer würdiger Landsmann, Johannes Huß, der Welt verkündet, und das Ihr ſo raſch in Euer Herz aufgenommen habt. Eure große Tapferkeit, Euer Feld⸗ herrntalent und Eure Kraft können jedem Namen, den Ihr zu d den Eurigen macht, den höchſten Ruhm ver⸗ ſchaffen. „Pflegt nur jetzt in Ruhe Eure Augen, und die Zeit wird kommen, da Ihr vom Neuen kämpfen könnt, vielleicht für das Höchſte, was der Menſch beſitzt, für die Erkenneniß der Wahrheit. „Kennt Ihr, Vater Medardus, die beiden Geiſt⸗ lichen, die nach Euerm Kloſter zurückkehren und denen der Feldherr des Polenkönigs ſo gutes Geleit ſendet?“ fragte der Herr von Roſenberg, der ſich ächzend ein we⸗ nig von ſeinem Lager erhob. „Ja!“ entgegnete der Greis ruhig,„der ältere geht aber nicht nach dem Kl loſter Oliva, ſondern hinauf nach Lehnin in der 3 ark, wie er mir ſagt, und will nur in 144 Oliva raſten, bis er ſich von den Leiden, die er in Ma⸗ Pater 2 rienburg erduldet, erholt hat.“ begaben „Es mag dort bei den Belagerten wohl ſchlecht furth, d ſtehen,“ ſagte Roſenberg„da bei uns, den Belagerern, durchſch⸗ ſchon des Elends genug herrſcht.“ D Amadeus richtete ſein jugendlich ſchönes Haupt ſchaffen mit einem Blick empor, der ſich für einen demüthigen Di Mönch nur wenig ſchickte.„Es fehlt in der Marienburg Lithauer mindeſtens nicht an Mannesmuth und Feldherrntalent, vollen„ auch nicht an Schießbedarf und Trinkwaſſer,“ ſagte er Erdhütt ziemlich ſtolz. grabener Ein tiefer Seufzer hob bei dieſer Antwort ſeines übrig G prieſterlichen Sohnes die Bruſt des fürſtlichen Vaters. zu der Es lag ſo viel Jugendmnth, ſo viel Bewußtſein eigener Wellen Kraft, ſo viel wahre Ritterlichkeit in dem Weſen des Geier 1 Jünglings, deſſen ganzes Leben ſchon vor der Geburt ſte heral den finſtern Mächten verfallen war. Hi Welch' ein Enkel des edeln Herzogs von Oels, mei⸗ volle F nes erlauchten Vaters, dachte er, und der Schmerz dieſes Geſicht; Gedankens reichte aus, die Freude an der eigenen neu niederhit geſchenkten Freiheit zu trüben.„ ren Kle Bruno Sungalo aber, den ſein Herz mächtig vor⸗ D wärts zog, erinnerte ſeine Reiſegefährten daran, daß der Stempe vorrückende Tag zum Aufbruch mahne, und da die Rei⸗ blickte, ſ ſenden ſich nun erquickt hatten, nahmen ſie Abſchied von Ekel od Ein Bü Na⸗ lecht tern, aupt digen burg lent, e er eines ters. gener des eburt mei⸗ ieſes n neu vor⸗ 145 Pater Medardus und den beiden böhmiſchen Herren und begaben ſich durch das polniſche Lager zu der Nogat⸗ furth, die ſie mit Hilfe des kräftigen Pferdes leicht zu durchſchreiten hoffen konnten. Dies polniſche Lager war freilich ganz anders be⸗ ſchaffen als vor der ſiegreichen Schlacht bei Tanneberg. Drei Viertel des Heeres des Polenkönigs und des Lithauer⸗Herzogs waren vor der Marienburg der grauen⸗ vollen Peſt zum Opfer gefallen.— In den Zelten und Erdhütten, auf den Plätzen und Wägen lagen der unbe⸗ grabenen Todten ſo viele, daß es ſchien, die wenigen übrig Gebliebenen könnten die Leichen nicht einmal bis zu der Nogat ſchleppen, auf deren ſommergoldenen Wellen mehr als eine ſtille Geſtalt! binaͤglit während Geier und Raben ſich, mit den Flügeln ſchlagend, auf ſie herabließen. Hin und wieder ſaß vor einem Zelte eine jammer⸗ volle Frauengeſtalt, die Hände vor das leichenfarbige Geſicht geſchlagen, um welches die dunklen Locken verwirrt niederhingen. Die einſt grell⸗bunten, nicht ſelten koſtba⸗ ren Kleider zerlumpt und beſchmutzt. Dieſe unglücklichen Geſchöpfe trugen ſo ſehr den Stempel des Elendes an ſich, daß es Jedem, der ſie er⸗ blickte, ſchwer ward zu unterſcheiden, ob ihr Anblick mehr Ekel oder Mitleid erregte.— Alle Gräuel des Krieges Ein Bürgermeiſter. III. 10 146 ſchienen auf einen Haufen gedrängt in dem ſiegreichen Lager der Polen und Lithauer, und das ſtolze Zelt Wla⸗ dislav Jagello's mit dem im Winde flatternden Polen⸗ banner blickte höhnend auf den Wuſt von Entſetzen und Elend herab. Die Augen des jungen Geiſtlichen ſchweiften von einem ſchrecklichen Gegenſtande zum andern und füllten ſich endlich mit Thränen, die langſam über ſeine friſchen Wangen herab rieſelten. „Iſt das das Leben in der Welt?“ ſagte er und ſeine Stimme zitterte, indem er ſich an Walter von Oels wendete,„ſo danke ich Gott, der mich durch meine Geburt ſchon von demſelben ausſchloß! O, mein Vater, obſchon heißes, jugendliches Blut in meinen Adern rollt, ſühle ich doch, daß ich nur glücklich ſein kann in der Stille des Kloſters! Seit ich die heiligen Mauern, in denen ich er⸗ zogen ward, verlaſſen, habe ich nichts geſehen als Ver⸗ brechen und Elend. Meine Mutter, verachtet und ver⸗ ſpottet, Ihr ein armer Gefangener, der Greis, der mich ſeinen Enkel nannte, ein Verräther, ringsum in der weiten Welt dieſer grauſame Krieg, der Jammer und Noth zu Bergen häuft über die Menſchheit. Nirgend, nirgend Glück und Freude unter dem blauen Himmel, der doch ſo ſchön und glänzend iſt und alles mögliche Glück dem Herzen zu verſprechen ſcheint.“ ritten 1 ſein ſta Jahre Gewäſſ D Meinha brochen des von mes gin dorf He Er die Pol zwei Jal ten, wu Abflußce gen noc zwiſchen B bens au Strom reichen Wla⸗ Polen⸗ n und en von füllten friſchen er und n Oels Geburt obſchon , fühle ille des ich er⸗ ls Ver⸗ und ver⸗ er mich in der jer und eirgend, immel, nögliche 147 Bruno Sungalo war durch das Lager vorausge⸗ ritten und ließ an der ihm wohlbekannten Nogatfurth ſein ſtattiches Pferd verſchnaufen. Dieſer Strom war im Jahre 1410 keinesweges das mächtige, ſchreckenerregende Gewäſſer wie in unſeren Tagen. Die Dämme, womit ihn der große Landmeiſter Meinhard von Querfurt eingehegt, waren noch nie ge⸗ brochen oder überfluthet worden, denn der Hauptabzug des von den Karpathen herabkommenden Weichſelſtro⸗ mes ging ganz nahe bei Danzig, da wo jetzt das Fiſcher⸗ dorf Heubuden liegt, in das baltiſche Meer. Erſt durch die unüberlegten Waſſerbauten, welche die Polen während ihrer Herrſchaft über die Weichſel, zwei Jahrhunderte ſpäter bei der Montauerſpitze*) mach⸗ ten, wurde ein großer Theil der Waſſerfluthen dieſem Abflußcanale zugetrieben, wodurch bis zu unſeren Ta⸗ gen noch im Herbſte und Frühling das geſegnete Delta zwiſchen den beiden Flüſſen ſo oft zu leiden hat. Bruno Sungalo, der einen großen Theil ſeines Le⸗ bens auf der Nogatbrücke zugebracht hatte, kannte den Strom ſo genau wie wenig andere Menſchen. „Wir Beide“ ſagte er, ſich zu Bruder Amadeus *) Ort, wo Weichſel und Nogat ſich theilen. 10* 148 wendend,„können hier an dieſer Stelle durchgehen ohne in dieſer Jahreszeit weiter als bis an's Knie naß zu werden und wenn dieſer ehrwürdige Greis ſich meines Roſſes bedienen will, ſo werde ich, es am Zügel füh⸗ rend, dafür ſorgen, daß auch nicht die Sohle ſeines Schu⸗ hes benetzt werde.“ Walter von Oels ſchürzte, ohne ein Wort auf dieſe Freundlichkeit zu antworten, ſein geiſtliches Gewand, ſo daß es ihm nicht hinderlich ward, und ſchwang ſich mit einer Leichtigkeit, die ihm aus früheren Jahren geblieben war, in den Sattel, und in wenigen Minuten hatten die drei den Nogatſtrom und das polniſche Lager hinter ſich.— Der laue Wind trug ihnen noch einige Augenblicke die Töne einer lebhaften triumphirenden Muſik zu, die von den Zinnen der Marienburg erklang und von den Belagerern mit einigem Erſtaunen vernommen wurde, da Niemand unter denſelben es ahnte, daß die beiden abreiſenden Mönche unter ihren Kutten theils bar, theils in guten Wechſeln die Summen trugen, welche der belagerten Veſte in Kurzem Entſatz ſchaffen ſollten. Böhmen, De ſenden je ſchrecklich nicht an des verhe faſt über tigt, ar hing ei ter die deſto ger Wege ab Frauen n ohne naß zu meines s Schu⸗ uf dieſe and, ſo iit einer war, in drei den — Der die Töne von den lagerern Niemand reiſenden in guten lagerten Fünftes Capitel. Der Weg durch das Werder, welchen die drei Rei⸗ ſenden jetzt gemeinſchaftlich machten, war weit weniger ſchrecklich als ſie gefürchtet hatten.— Zwar fehlte es nicht an niedergebrannten Häuſern und anderen Spuren des verheerenden Krieges, dennoch waren die Landleute faſt überall mit dem Heimbringen der Ernte beſchäf⸗ tigt, an den Fruchtbäumen in zahlreichen Gärten hing ein Segen von reifendem Obſte, und je wei⸗ ter die Reiſenden ſich von der Marienburg entfernten, deſto geringer wurden die Verwüſtungen in den vom Wege abliegenden Dörfern. Die Züge der Tartaren und Böhmen, welche das Werder durchſtreift hatten, waren nicht groß genug geweſen und hatten auch viel zu kurze Zeit gedauert, um dies geſegnete Land zu ruiniren. Frei⸗ lich ward die Ernte faſt gänzlich durch Frauenhände eingebracht, freilich gingen hinter den mit Kühen beſpann⸗ ten Pflügen Frauen, und hin und wieder hatten keuchende Frauen ſich da, wo die letzte Kuh fortgetrieben war, ſo⸗ 150 gar vor den Pflug geſpannt, der das Brachland für die Ernte des künftigen Jahres umarbeitete, dennoch war es für alle drei Reiſende eine Freude und Erholung im Sonnenſcheine dahin zu ziehen, die Lerchen in den Lüf⸗ ten trillern zu hören, zu ſehen wie an den Gräben, die die reichen Wieſen durchſchnitten, die blauen Cichorien luſtig blüheten und wie der Storch gravitätiſch einher ſchritt durch das hohe Gras, in dem freilich nicht mehr Heerden von kräftigen Rindern oder ſtattlichen Pferden weideten. Bruno Sungalo hatte ſein Roß, das er von dem Schwertträger von Krakau erhalten, noch immer dem Gebrauch desjenigen ſeiner Reiſegefährten überlaſſen, den er für einen ſehr alten Kloſterbruder hielt. Das eisgraue Haupt⸗und Barthaar und die bleiche Ge⸗ ſichtsfarbe Walter's, mußten Jeden, der ihn ſah, unbedingt über die Zahl ſeiner Jahre täuſchen. Die lange ſchreckliche Kerkerhaft hatte dem kaum fünfzigjährigen Manne das Aus⸗ ſehen und die Körperſchwäche eines Achtzigers gegeben und der Glanz des Auges hatte außerdem noch etwas, das ihn fieberkrank und ſchwer leidend erſcheinen ließ.„ Die drei Reiſenden hatten bis jetzt auf ihrem Wege noch von nichts Anderem als der Peſt und dem Elend in dem Lager des Polenkönigs geſprochen, und Bruno theilte ſeinen Gefährten mit wie ſchon ſeit längerer Zeit Herzog rienburg Allen g „2 Scheuer gen kein gleitern, burg err beſchäfti. det morg lich in d that wer Veſte Di nichts zu Strom Dirſcha des Lar Preußen Wenn Heerhau Stellung Rückzug Scheden Oh ſchaft d für die war es ng im n Lüf⸗ en, die chorien einher ſt mehr Pferden on dem er dem en, den iche Ge⸗ bedingt reckliche asAus⸗ egeben etwas, ließ.„ nWege lend in Bruno er Zeit 151 Herzog Withold die Abſicht geäußert habe, von der Ma⸗ rienburg abzuziehen und nur durch den Einfluß des von Allen geachteten Zindram davon zurückgehalten werde. „Von dem Getreide, das hier die Leute in die offnen Scheuern bringen, wird ihnen wohl in den nächſten Ta⸗ gen kein Hälmchen mehr bleiben,“ ſagte er zu ſeinen Be⸗ gleitern, während ſie ein Dorf zwei Meilen von Marien⸗ burg erreichten, wo die Frauen fleißig auf den Feldern beſchäftiget waren. Der Schwertträger von Krakau ſen⸗ det morgen, wie ich hörte, Fouragierzüge ſo weit als mög⸗ lich in das Werder, und das friſche Stroh wird eine Wohl⸗ that werden für die armen Kranken. Die Beſatzung der Veſte Dirſchau, jenſeits des Weichſelſtromes, kann hier nichts zum Schutze der Bauern thun, denn der mächtige Strom hat dort weder Furth noch Brücken. Zwiſchen Dirſchau und Danzig aber wird die Ernte das Eigenthum des Landmannes bleiben und früher oder ſpäter dem Preußenlande und ſeinen Gebietern zu gute kommen. Wenn nicht ein Wunder geſchieht, ſo können ſich die Heerhaufen des Polenkönigs nur noch kurze Zeit in ihrer Stellung halten und es iſt für Wladislav Jagello ein Rückzug nur mit Ehren möglich, weil Ruhm und Elbing, Scheden und Graudenz in ſeinen Händen ſind.“ Ob es oin Glück ſei, daß der Orden noch die Herr⸗ ſchaft des geſegneten Preußenlandes behielt, darüber 15⁵² ſprachen die Reiſenden nicht, obſchon ihre Gedanken ſich ziemlich übereinſtimmend der Ueberzeugung vom Gegen⸗ theil zuneigten. Bruno Sungalo, der in ſeiner Jugend all' das Elend geſchmeckt hatte, das der Ritter Nachläſſigkeit über die ſamaitiſchen Geißeln verhängt, liebte den Orden ſo wenig als Bruder Amadeus, der, ſeit ſeiner Kindheit in einem Kloſter lebenb, ſich ſeine Anſicht über die Ritter⸗ herrſchaft nach der ſeiner Oberen gebildet hatte, und Walter von Oels, der ausgeſtoßene Ordensbruder, der Jahre lang ſeiner Freiheit beraubte Mann, hätte kein Menſch ſein müſſen, wenn er nicht eine Bitterkeit in ſeinem Herzen gegen Diejenigen gefühlt hätte, durch welche er ſo lange und ſo ſchwer gelitten. Dennoch waren die beiden Abgeſandten vollkommen treu in dem, womit ſie beauftragt worden, und Bruno Sungalo fühlte als Gedete's Pflegeſohn ſich Preuße und Untergebener des Ordens, als des rechtmäßigen Landes⸗ errn. 5 Die Reiſenden hatten jetzt den Punkt der Straße erreicht, wo ihre Wege ſich trennten, da Bruno zur Woh⸗ nung Gedete's zu ziehen beabſichtigte, während ſeine beiden Gefährten nach Danzig und von dort weiter nach den Marken geſendet waren.. Er beſtieg daher jetzt wieder ſein Roß, ſchüttelte den B große lenwil hier A freund ſtillen ſein§ komm Peſt o terer Hoffn einen einma getäfe die zu blickte gen H mit li von d kehrte Nome hervo iken ſich Gegen⸗ s Elend iber die den ſo heit in Ritter⸗ te, und her, der tte kein erkeit in j welche kommen Bruno iße und Landes⸗ Straße r Woh⸗ d ſeine er nach hüttelte 153 den Beiden zum Abſchiede die Hand und bog von der großen Straße ab in den Seitenweg, der durch die Er⸗ lenwildniß führte. Zu ſeinem Erſtaunen fand er, daß hier Alles im beſten Zuſtande war und ſo friedlich und freundlich ausſah, daß wohl Niemand, der durch die ſtillen dichten Baumſchatten dahin zog, in denen der Specht ſein Hämmern erſchallen ließ, auf die Vermuthung ge kommen wäre, daß wenige Meilen davon Krieg und Peſt auf's Schrecklichſte wütheten. Auch das Haus des Withing lag unverletzt in hei⸗ terer Stille da, und mit einem Gefühle der froheſten Hoffnung band der Angekommene ſein edles Roß an zeinen der Bäume und ging auf die Thür zu, die, nicht einmal verriegelt, ihm den Eintritt in die große mit Holz getäfelte Halle geſtattete. Als er aber mit zitternder Hand die hür öffnete, die zu dem Wol angemache der edlen Nomeda führte, er⸗ blickte er an der Wand, wo ſonſt der Webeſtuhl der fleißi⸗ gen Hausfrau geſtanden, ein großes Bett, wohl verhangen mit linnenen Vorhängen, die das goldene Sonnenlicht von demſelben ausſe hloffen. Ein Kranker lag darin und kehrte langſam ſein blaſſes Geſicht dem Eintretenden zu. Im nämlichen Augenblicke trat aber auch die edle Nomeda hinter der Thür, wo ſie am Spinnrocken geſeſſen, hervor und begrüßte den Sohn, den ſie ſich erwählt hatte, 1⁵54 mit Thränen der Freude, die zu innigem Dankgebete wisden⸗ als ſie er fuhr, daß ihr Gatte lebend und zwar in Gefangenſchaft, aber wohl gepflegt in den Händen eines edlen und ritterlichen i Feindes ſei. Wohl iſt der Krieg das ſchrecklichſte Uebel, das menſchliche Unvollkommenheit über das leidende Menſchen⸗ geſchlecht gebracht hat, aber aus dem blutgedünkten Bo⸗ den desſelben erblühen, Dank ſei es der Güte Gottes, bisweilen auch Freudenblumen von ſo hoher Schönheit als ohne ihn auf Erden nicht erwachſen könnten. Das Wiederſehen eines verloren gegebenen Theuren, die Nach⸗ richt vom Leben eines Todtgeglaubten ſind einige davon, und Nomeda und Bruno ſaßen neben einander und fühl⸗ ten alle ſeligen Freuden eines ſolchen Wiederſehens. Der heimgekehrte Sohn fand Worte der Mutter zu beſchreiben, auf welche Weiſe ihr Gatte gerettet worden ſei. Er erzählte von dem Edelmuthe Zindram's, des mächtigen Polenfeldherrn, von dem wackenen und weiſen jüdiſchen Arzte, von der blutigen Schlacht, dem Tode des Hochmeiſters Ulrich und dem wilden Triumphe des Polenkönigs, aber dch von den Schrecken der Peſt un⸗ ter den Belagerern der Marienburg, von dem helden⸗ müthigen Widerſtande des Statthalters und von der Wahrſcheinlichkeit, daß das Heer der vereinten Polen, Lithauer und Tartaren ſich werde zurückziehen müſſen, ſpräch verſtar daran auch hi einer⸗ kämpfe wenden 7 ſo weit kann, ihm ſa der T bötet ſ 2 glaube auf da Tarta b 15⁵ b gebete bevor der Winter ſeinen Schneemantel über das ver 6 ar in wüſtete Land ausgebreitet. eines Der Kranke lag bei dieſem Geſpräche ruhig auf ſeinem weichen Lager und hörte, mit Aufmerkſamkeit zu, das und obgleich er der deutſchen Sprache, in der das Ge⸗ ſchen⸗ b ſpräch geführt wurde, nicht vollkommen mächtig war, ſo Bo⸗ verſtand er doch das Meiſte davon und ſein Intereſſe ottes, b daran mehrte ſich mit jedem Augenblicke. eheit Endlich richtete er ſich mit ziemlicher Kraft empor, Das und ſich einer Sprache bedienend, die ſich— ähnlich wie die Nach⸗ lingua franca in Paläſtina während der Kreuzzüge— avon, auch hier während der Jahrhunderte dauernden Kriege aus 3 fühl⸗ einer Vermiſchung der verſchiedenſten Mundarten der kämpfenden Völker gebildet, ſagte er, ſich an die Hausfrau 3 ter zu wendend: orden„Meine edle Wirthin und Pflegerin, ich bin wohl des ſo weit geneſen, daß ich zu meinen Brüdern zurückkehren eiſen kann, wollet daher Euern Sohn an Zindram ſenden und Tode ihm ſagen laſſen, Toktamiſch der ältere, geborner Fürſt e des der Tartaren, ſei in Eurer Gefangenſchaft und Ihr tun⸗ bötet ſeine Freiheit zum Löſegeld Eures Ga ten.“ lden⸗„Das würde der Schwertträger von Krakau nicht der b glauben,“ entgegnete Bruno, einen verwunderten Blick olen, b auf das Antlitz des Sprechers werfend,„Toktamiſch, der iſſen, b Tartarenhäuptling, befindet ſich unter ſeinem Zelte im 156 Lager vor Marienburg geſund und im Begriffe, mit ſei⸗ nen Schaaren, die ſich bis ans Meer vorgewagt und viele Beute gemacht haben, abzuziehen, weil die Ruhr gerade unter ihnen am meiſten wüthet.“ „Der Tartarenführer iſt mein jüngerer Bruder, und ich habe ihm nicht nur meinen Rang, ſondern auch meinen Namen abgetreten,“ ſagte Jener mit Ruhe,„doch weiß ich, daß er mich, obſchon im Charakter und Glau⸗ ben von mir gänzlich verſchieden, mit aller Brüderlichkeit liebt, und Alles thun wird, um meine Befreiung zu be⸗ wirken, und ſo kann ich dieſer edlen Frau meinen Dank für die treue Pflege und Gaſtfreundſchaft abſtatten, die ich in ihrem Hauſe genoſſen.“ „Ihr ſeid die Großmuth und Güte ſelbſt, mein edler Schützer,“ entgegnete Nomeda, indem ſie an das Lager des Kranken trat,„aber Eure Anweſenheit hat mein Leben und die Ehre meiner Dienerinnen geſchützt, hat das Haus und all' mein Eigenthum vor Plünderung und Zerſtörung bewahrt, und wenn von Dankbarkeit zwiſchen uns die Rede iſt, ſo kann dieſelbe nur auf mei⸗ ner Seite liegen, auch ſeid Ihr ja gar nicht gefangen; können wehrloſe Frauen Euch bewachen? würden Frauen, denen Ihr ſo viel Gutes erwieſen, nur die Abſicht haben, Euch feſt zu halten?“ „Es handelt ſich auch nicht um meine Befreiung, edle Eur Sch Zind chen Heer Gat am ſeher mich ſchü tzer, dem den Sol Wu blie it ſei⸗ t und Ruhr ruder, t auch „doch Glau⸗ lichkein zu be⸗ Dank :, die mein in das it hat ſchützt, derung barkeit f mei⸗ ngen; rauen, haben, eiiung, 157 edle Frau,“ entgegnete der Kranke,„ſondern um die Eures Gatten, der ſeinem Hauſe nothwendiger iſt als Schützer in dieſer kriegeriſchen Zeit als in jeder andern. Zindram, der mich ſehr wohl kennt und auch weiß, wel⸗ chen Einfluß ich auf meinen wilden Bruder und ſein Heer ausübe, wird gern in eine Auswechslung Eures Gatten mit mir willigen und Ihr werdet Den, der Euch am theuerſten in der Welt iſt, bald an Euerer Seite ſehen.“ „Der Heiland lohne Euch Eure große Güte gegen mich und meinen Gatten, mein edler Freund und Be⸗ ſchützer,“ antwortete Nomeda,„aber, mein edler Beſchü⸗ tzer, Ihr ſeid jetzt noch zu ſchwach, um die Reiſe bis nach dem Lager des Polenkönigs zu machen und die Beſchwer⸗ den zu ertragen, die Eurer nach der Schilderung meines Sohnes dort warten mögen.“ „Dies muß auf den Verſuch ankommen, edle No⸗ meda,“ ſagte der Kranke,„ich fühle mich ſehr wohl, meine Wunde iſt geheilt, und die Schwäche, die noch zurückge⸗ blieben, wird vergehen, wennich mich wieder in der freien Luft bewege. Dieſer junge Mann iſt alſo Euer Sohn?“ ſetzte er hinzu, einen langen Blick auf Bruno Sungalo heftend, der mit einem eigenthümlichen Gefühl in das bleiche Angeſicht des Fremden ſchaute. 158 „Dieſer junge Mann, ſagte Nomada, iſt der Sohn unſerer Wahl, mein werther Gaſt, da wir kinderlos ſind, ſo geſtatten es uns die Bräuche unſerer Vorfahren uns ein Kind anzueignen, das unſer Erbe erhält, nachdem es in Liebe dis indeih liian gegen unſer Alter erfüllt hat. „Dieſer Jüngling nun, einer von den vielen ſunu⸗ tiſchen Geißeln, war meinem Gatten ſeit vielen Jahren lieb und wohlbekannt, und mit Erlaubniß unſeres Ober⸗ herrn haben wir ihn vor dem Rathe der Ritler adoptirt. Von dem Augenblicke an iſt er uns auch in heiligem Ernſte ein treuer Sohn geworden und hat ſeine Sohnes⸗ pflicht, wie ihr eben ſelbſt gehört in Noth und Tod ge⸗ gen meinen Gatten erfüllt.“ „Ihr ſeid ein Samaite?“ fragte der Fremde, ſich an Bruno wendend. „Nein, Herr! ein geborner Lithauer aus dem fürſt⸗ lichen Blute des großen Gedemin,“ entgegnete der ehe⸗ malige Leibeigene mit Stolz,„und ein Verwandter Zin⸗ dram's, des edlen Schwertträgers von Krakau, aber meine Eltern, die vor dem Zorne Withold's flüchten mußten, hatten ſich in der Wildniß an der preußiſchen Grenze wahrſcheinlich einem Zuge flüchtender Samaiten ange⸗ ſchloſſen und waren dann mit dieſem von Söldnern der Ordensritter gefangen genommen. Mein Vater ward von dieſen ſchmachvoll ermordet, meine Mutter blieb in wilde mich wilde erma ſank ſten genal ſein flößt den? auch beſten Wolj „und Kind Gott denn, Tarte Land beute Mut Frau Sohn os ſind, en uns hdem es Ult hat. ſamai⸗ Jahren Ober⸗ doptirt. heiligem Sohnes⸗ Tod ge⸗ ade, ſich mn fürſt⸗ der ehe⸗ er Zin⸗ r meine ſnußten, Grenze ange⸗ ern der ward plieb in 159 wildem, raſenden Schmerz bei der geliebten Leiche zurück, mich aber ſchleppte der Führer des Zuges weiter auf wilden Waldpfaden, bis ich vor Hunger und Verzweiflung ermattet unter einem Baume auf weichem Raſen nieder⸗ ſank und als ein Todter aufgegeben und verlaſſen wurde.“ „Wahrſcheinlich ſehen wir uns dann nicht zum er⸗ ſten Male,“ ſagte er milde. „Auch mir ſchien dies ſo,“ meinte Bruno,„als ich genau in Euer Auge ſah. Da ich als Kind mein Bewußt⸗ ſein wiederfand, beugte ſich ein Mann über mich, und flößte mir aus einer ſteinernen Flaſche etwas Wein in den Mund.— Dieſer Mann trug Eure Züge, Herr, und auch Euern Namen: Toktamiſch, ich habe ihn ſpäter dem beſten Freunde, den ich hatte, meinem ſchönen treuen Wolfshund, gegeben.“ „Es iſt ſo wie ich dachte,“ entgegnete der Fremde, „und ich freue mich in dem Sohne meiner Pflegerin das Kind wiederzufinden, durch welches nach dem Rathſchluſſe Gottes mein Leben ein neues geworden iſt.— Wißt denn, meine Freunde, ich bin wie mein Aeußereszeigt ein Tartar. Mein Vater hatte auf einem Streifzuge im Lande des Moskowiter ein junges ſchönes Mägdlein er⸗ beutet und ſie zu ſeiner Gemalin erhoben, ſie ward meine Mutter, und vierzehn Tage ſpäter brachte eine andere Frau meines Vaters meinen Bruder zur Welt. Beide 160 nannte uns mein Vater nach einem ſeiner treueſten Freunde Toktamiſch. Meine Mutter aber war eine griechiſche Chriſtin, eine fromme, ſanfte Frau von großer Schönheit, ſie hatte mich bei meiner Geburt mit ihren Thränen heimlich getauft und mir den Namen des heiligen Märtyrer Stephanus gegeben, und ſie unterrich⸗ tete mich, da ich heranwuchs, im Chriſtenthume. Ihr Chriſtenthum war aber weſentlich ein anderes als das der meiſten Chriſten, die ich ſpäterhin kennen lernte. Ich lernte von ihr, daß Vergebung und Nächſtenliebe die erſten Erforderniſſe im Leben eines wahren Chriſten ſeien. Ich ſah an ihr das Beiſpiel der höchſten Milde, der auf⸗ richtigſten Pflichttreue. Sie war meinem Vater, den ſie fürchtete, die treueſte Dienerin, die ſanfteſte Gattin, und ertrug ſeinen Zorn und ſeine Mißhandlungen mit der Geduld einer Heiligen. Von ihr ging es aus, daß ich meinem jüngern Bruder ſtets freundlich, nachgiebig und beſcheiden begegnete, ſo daß wir Beide in brüderlicher Liebe aufwuchſen. Da geſchah es eines Tages, daß mein Vater von ihr verlangte, daß ſie das kleine Kreuz, wel⸗ ches ſie ſo lange ich lebte um meinen Nacken gebunden, abnehmen und in's Feuer werfen ſolle. „Sie bat demüthig, dies nicht thun zu dürfen, und weigerte ſich endlich mit Sanftmuth, aber ganz entſchie⸗ den dem immer zorniger werdenden Gatten zu gehorchen. 4 ——y— —y Es wa erfuhr, ja end und ſie ſogleich indem ſie mit bend d gen, il werden mit ich Knabe Chriſt eint zu Grenz und er Augen ihrer fallen. wandt Wort Ein reueſten dar eine hu von urt mit mnen des iterrich⸗ le. Ihr als das ite. Ich liebe die n ſeien. der auf⸗ den ſie tin, und mit der daß ich big und derlicher aß mein z, wel⸗ bunden, en, und entſchie⸗ horchen. 161 Es war wohl das erſte Mal, daß er Widerſpruch von ihr erfuhr, und um ſo mehr ſchien er durch denſelben gereizt, ja endlich gerieth er ſo außer ſich, daß er ſie heftig ſchlug, und ſie zu tödten drohte, wenn ſie ſeinen Willen nicht ſogleich erfülle.— Sie lag vor ihm auf den Knieen und indem ſie ihre blauen Augen zum Himmel erhob, ſagte ſie mit lauter Stimme: „Ja, tödte mich, damit ich von Deiner Hand ſter⸗ bend die Sünde verbüße einem Heiden in Liebe augehan⸗ gen, ihm, der des Sacraments der Ehe nicht theilhaftig werden kann, Kinder geboren zu haben, tödte mich, da⸗ mit ich alle Heiligen und Engel beſchwören kann meinen Knaben in dieſem Höllenpfuhl zu beſchützen, daß er ein Chriſt bleibe, um dermal einſt mit mir im Himmel ver⸗ eint zu werden. „Als mein Vater dies hörte, kannte ſein Zorn keine Grenzen, ſie war das geliebteſte ſeiner Weiber geweſen, und er liebte ſie ſicherlich auch noch in jenem ſchrecklichen Augenblick, doch erhob er ſeine Hand und ließ ſie in ihrer ganzen Schwere auf das Haupt der Unglücklichen fallen. „Sie ſank lautlos zuſammen, mein Vater aber wandte ſich ab, ſtieß mich von ſich und verließ ohne ein Wort ſein Zelt.. „Schreiend und jammernd ſtürzte ich neben meiner Ein Bürgermeiſter. III. 11 162 Mutter nieder. Sie erwachte nach einiger Zeit wieder, drückte mich feſt an ihre Bruſt, ſie ſchien zu beteu, und nach einer Stunde war ſie eine Leiche. „Von dieſer Zeit an ſchien die Liebe meines Va⸗ ters zu mir ſich zu verzehnfachen. Ich ward feierlich als ſein Erbe und Nachfolger ernannt; ich war ſein Be⸗ gleiter; bei Tag und Nacht durfte ich nicht von ſeiner Seite weichen, und oft verſchwendete er die zärtlichſten Liebkoſungen an mich, den trauernden ſtillen Knaben. „Da brachte die Mutter meines Bruders mir eines Tages einen ſüßen Brei und bat mich, ihn in ihrer Ge⸗ genwart zu genießen. Ich that es um ihr, wie meine Mut⸗ ter es mir geboten, gehorſam und freundlich zu ſein, bald darauf erkrankte ich und entging dem Tode nur wie durch ein Wunder, aber eine Schwäche blieb in meinen zitternden Gliedern zurück, und nur der Aufmerkfamkeit, die mein Vater auf mich verwendete, gelang es, mich am Leben zu erhalten.— „Ich kannte keine andere Freude mehr als die Beob⸗ achtung der Sterne in meinen ſchlafloſen Nächten und die Beobachtung der Pflanzen und Kräuter an ſonnen⸗ hellen Tagen. Unter den Männern, die meinem Vater gehorchten, war mehr als Einer, der Kenntniß der chal⸗ däiſchen Sternkunde und Kenntniß aller ſchönen und nützli c von 1 mir zu 9 fehligt thums Witho und de und es meines deſſen auf, d Gattik nachde hatten aber 1 als B mich Schut ruſale meine oder wieder, u, und es Va⸗ lich als ſein Be⸗ ſeiner tlichſten ben. r eines ter Ge⸗ e Mut⸗ u ſein, nur wie meinen famkeit, nich am Beob⸗ en und onnen⸗ Vater er chal⸗ n und 163 nützlichen Pflanzen der Gegend hatte, in der unſere Zelte von Jahr zu Jahr aufgeſchlagen wurden. „Mein geſunder und kräftiger Bruder war indeß mit mir zugleich herangewachſen. „Wir, d. h. die große Horde, die mein Vater be⸗ fehligte, befanden uns an der Grenze des Großh herzog⸗ thums Lithauen, und mein Vater ſchloß ein Bündniß mit Withold zu gegenſeitigem Schutz gegen die Moskowiter und den deutſchen Orden. „Mein Bruder war ein großer Krieger geworden, und es wäre wohl natürlich geweſen, daß er das Erbe meines Vaters und die Führung unſeres Volkes nach deſſen Tode erhalten hätte, mein Vater aber beſtand dar auf, dem Sohne ſeiner geliebten und im Zorn getödteten Gattin ſein Erſtgeburtsrecht feſtzuſtellen und er ſtarb, nachdem die tapferſten Krieger in ſeine Hand geſchworen hatten, mich gegen meinen Bruder zu ſchützen.— Dies aber wäre nicht nöthig geweſen, denn wir liebten uns als Brüder und alle meine Neigungen gingen dahin, mich in ein chriſtliches Land, wo möglich unter den Schutz der deutſchen Ritter unſerer lieben Frau zu Je⸗ ruſalem, zu begeben und dort mich offen zum Glauben meiner Mutter zu bekennen und als ein frommer Mönch oder Einſiedler zu leben und zu ſterben. „Als die Krieger unſeres Stammes daher beim 11* 164 Tode meines Vaters kamen, um mir den Eid der Treue zu ſchwören, entließ ich ſie und verwies ſie ſelbſt an meinen jüngern Bruder, dem ich alle meine Rechte ab⸗ trat, mir ſelbſt nur ausbedingend, daß ich mich mit eini⸗ gen Kleinodien nach dem Preußenlande begeben dürfe. „Toktamiſch und ſeine Mutter willfahrten mir mit großer Freude, nicht ſo die Krieger und Aelteſten unſeres Volkes, die in mir nicht nur ihren rechtmäßigen Fürſten, ſondern auch einen Heiligen und Seher verehr⸗ ten, deſſen Gegenwart ſchon hinreiche, Glück und Segen bei ihrem Volke zu erhalten. „Heimlich, unter dem Schutze der Mutter meines Bruders, entfloh ich aus unſern Zelten, und es gelang mir nach einer Reiſe von zehn Tagen die Wildniß zu erreichen, welche im Norden das Gebiet Withold's von dem des Ordens ſchied. „Mit Nahrungsmitteln wohl verſehen, durchreiſte ich jene wilden Waldungen, ich brachte zwei Nächte auf Bäumen zu, wo ich Schutz vor den wilden Thieren ge⸗ noß, und am dritten Tage meiner Reiſe befand ich mich in der Nähe von vielen Menſchen, die die Wildniß wie ich durchſtreiften, deren Führer aber, ein jugendlich ſchöner und kühner Mann, ſtreng Acht hatte auf einen Trupp ge⸗ fangener Männer, Weiber und Kinder. Einer der Er⸗ ſteren war mir wohl bekannt. Es war Euer Vater, der litha als Kame nes jährig hen Man es, mord wußt in P das herzi Euch rühre Kräff trage Gol an leicht aus wollt wege 8₰ geru Treue bſt an e ab⸗ t eini⸗ rfe. u mir elteſten äßigen verehr⸗ Segen meines gelang dniß zu d's von eiſte ich hte auf en ge⸗ ich mich wie ich ner und pp ge⸗ der Er ter, der 165 lithauiſche Bojar Sungalo, der mehr als einmal als Botſchafter ſeines Vetters Withold unter dem Kameelhaarzelte meines Vaters geweſen war, ſein ſchö⸗ nes ſtolzes Weib und Ihr, ſein damals kaum neun⸗ jähriger Knabe, waren bei ihm.— Ich war ungeſe⸗ hen Zeuge wie der Führer des Zuges den ſtattlichen Mann eines ehrloſen Todes ſterben ließ. Ich verſuchte es, die Gattin fortzuführen von der Leiche des Ge⸗ mordeten, und als mir das gelang, als ich die Be⸗ wußtloſe in der einſamen Wohnung eines Struthers in Pflege gebracht, verſuchte ich Euch aufzuſuchen und das Kind, als erſtes Werk meiner chriſtlichen Barm⸗ herzigkeit, der Mutter wiederzugeben. Auch fand ich Euch, aber dem Tode nahe und unfähig ein Glied zu rühren, ich erquickte Euch ſo gut als es in meinen Kräften ſtand, da ich Euch aber nicht mit mir fort⸗ tragen konnte, ſo löſte ich von Euerm Nacken die feine Goldkette, die Ihr unter dem Wämslein trugt und an der ſich ein ſeltſames Kleinod, ein Götzenbild, viel⸗ leicht ſo groß wie das Ci eines Storches, geſchnitzt aus einem dunklen, glänzenden Steine, vefand. Dieſes wollte ich Eurer Mutter bringen und ſie dadurch be⸗ wegen mit mir zu Euch zu kommen. „Auch traf ich ſie an, ſie folgte mir ohne Wei⸗ gerung, aber als wir die Stelle wiederfanden, wo ich 166 Euch verlaſſen, da war ſie leer. Eine Anzahl Reiter mußte dageweſen ſein und Euch mitgenommen ha⸗ ben. Da ergriff ein wilder Grimm das Herz Eurer unglücklichen Mutter, ſie zerraufte ſich das Haar, zer⸗ ſchlug ihre Bruſt und raffte ſich dann auf, tauſend Flüche auf den Mörder ihres Gatten, auf den Räuber ihres Sohnes, den ſie Conrad Letzkau nannte, ſchleu⸗ dernd, und ſtürzte fort, meinen Blicken bald im Dickicht des Waldes verſchwindend. „Traurig ſah ich ihr nach; was ich von der Hand⸗ lung der Chriſten geſehen, hatte mein Herz tief verwun⸗ det. Ach, das war nicht das Chriſtenthum meiner ſanften Mutter, deſſen Kern Vergebung und Liebe ſein ſollte. Auch fand ich nirgend eine chriſtliche Aufnahme, Aufmunte⸗ rung und Vertrauen. Hier hielt man mich für einen Wahnſinnigen, dort für einen Spion Withold's, an an⸗ dern Stellen für einen entflohenen ketzeriſchen Mönch. Bettelnd ging ich ein Jahr lang in chriſtlichen Landen von Thür zu Thür, von Kloſter zu Kloſter, ich ward mit Schimpfworten abgewieſen, mit Hunden hinweggehetzt, mit Schlägen, Kerker und Pein bedroht. Den Tod im Herzen, kehrte ich endlich um, ſuchte und fand den Weg nach den Zelten meines Volkes und blieb bei meinem kühnen und mächtigen Bruder, der mich ſchätzte, liebte und wie einen Heiligen verehrte. Seine Mutter, die mich jetzt 1 gen, dem an ſe Meer hieb Bode häup das H und herſch der Sehe Reiter gen ha⸗ Eurer ar, zer⸗ tauſend Räuber ſchleu⸗ Dickicht Hand⸗ verwun⸗ ſanften te. Auch fmunte⸗ ir einen an an⸗ Mönch. Landen dard mit ggehetzt, Tod im een Weg meinem , liebte ter, die 167 mich einſt angefeindet und zu tödten verſucht hatte, war jetzt meine Freundin und Schützerin. „Ich begleitete meinen Bruder auf allen ſeinen Zü⸗ gen, als ſein Berather und treueſter Unterthan; auch in dem blutigen Kriege, der jetzt die Welt verheert, war ich an ſeiner Seite, ich ſah mit ihm das blaue wogende Meer, das Ende der Welt, und als ichdurch einen Schwert⸗ hieb hier in der Nähe dieſes Hauſes ſchwer verletzt zu Boden ſank, brachte er ſelbſt, Toktamiſch der Tartaren⸗ häuptling, mich hierher, und meine Anweſenheit ſicherte das Haus Eurer und meiner Wohlthäterin vor der Raub⸗ und Mordluſt der Tartaren und Böhmen, ja aller um⸗ herſchweifenden Banden Withold's und Jagello's, denn der Name Toktamiſch des Aelteren, des tartariſchen Sehers, iſt wohlbekannt im ganzen Heere.“ Er ſchwieg ermattet, auch ſeine beiden Zuhörer ſchwiegen, bis endlich Bruno Sungalo ſich erhob und, an das Lager des Kranken tretend, dieſem dankbar die Hand reichte. „Edler Toktamiſch, mein Wohlthäter und Lebens⸗ retter,“ ſagte Bruno endlich nach Minuten langem Schweigen,„ich kehre eilend zurück in das Lager der Verbündeten, um Eurem Bruder Nachricht von Euch zu bringen, und um die Auslöſung meines Vaters gegen Euch mit Zindram zu unterhandeln.“ 168 „Ich weiß, daß dies nur eine Form iſt, denn Ihr ſeid nicht der Gefangene, ſondern der Beſchützer dieſes Hauſes, und Zindram wird dem Withing Ge⸗ dete, den er mit Wohlthaten überhäufte, es nicht ver⸗ ſagen, in Freiheit zu ſeiner Heimat und ſeiner Gattin zurück zu kehren.“ „Ruhe und raſte ein wenig, mein Sohn,“ ſagte Nomeda,„ich gehe das Mahl für dich zu rüſten.“ Sie ging, und bis zur einbrechenden Dunkelheit ſaßen die beiden Männer einander in tiefem, ernſtem Geſpräch gegenüber. Bruno Sungalo ſchöpfte aus dem was Tokta⸗ miſch der Aeltere ihm mittheilte, die Hoffnung, daß ſeine Mutter wohl noch leben könne, und daß ſie ſich gegenſeitig an ſo manchem kleinen Zeichen, namentlich aber an dem ſeltſam geformten Ringe erkennen konn⸗ ten, den ſein ſterbender Vater dem zitternden Knaben in die Hand gedrückt hatte mit dem letzten heißen Kuß und ſeinem väterlichen Segen. Der Name Conrad Letzkau war ihm auch nicht unbekannt, war es doch der des erſten Bürgermeiſters der edeln Stadt Danzig und hatte er ihn doch oft nennen hören von Ralph, ſeinem alten Bekannten und Gönner. 4 Ritt i Boten ſeine zurück wechſe wohler durch ihres eilte ſe aus de war. kehrte weilte bis W nig v Heere ſein ſeiner von de Reuß Freu hingeg leidlig denn ſchützer ig Ge⸗ cht ver⸗ Gattin ſagte ſten.“ nkelheit ernſtem Tokta⸗ „ daß ſie ſich nentlich konn⸗ Knaben heißen h nicht neiſters och oft ten und 169 Als er am andern Morgen nach einem rüſtigen Ritt im Polenlager ankam, entſandte Zindram einen Boten, den gefangenen Withing Gedete, ſobald es nur ſeine Geſundheit erlaube, zur Auswechslung in das Lager zurück zu ſenden, und ehe noch das Licht des Mondes wechſelte, befanden ſich Vater und Sohn in dem ſtillen wohlerhaltenen Hauſe neben der glücklichen Nomeda, die durch treue Pflege nicht wenig zur völligen Geneſung ihres Gatten beitrug.— Toktamiſch der Aeltere aber eilte ſeinem Bruder nach, der mit ſeinen Tartaren zuerſt aus dem von der Peſt decimirten Polenlager abgezogen war. Da es ihm aber nicht gelang, dieſe einzuholen, ſo kehrte er zu Zindram vor die Marienburg zurück und ver⸗ weilte in der Nähe des edlen Schwertträgers von Krakau, bis Wladislav Jagello durch die Nachricht, daß der Kö⸗ nig von Ungarn die Grenzen Polens mit bedeutender Heeresmacht überſchritten, ſich endlich bewogen fühlte, ſein Lager in Brand zu ſtecken und mit dem Reſt ſeiner Heeresmacht am 19. September des Jahres 1410 von der Marienburg abzuziehen. In der Nacht nach dieſem Tage kniete Heinrich Reuß von Plauen weinend am Grabe ſeines theuren Freundes Ulrich von Jungingen und ſchwur dem Da⸗ hingegangenen, ſeine letzte Bitte zu erfüllen, ſobald ein leidlicher Friede ihm Zeit dazu laſſen würde, und zuerſt 170 ſeinen Neffen Heinrich mit der Tochter jener Frau zu verbinden, die Ulrich ſo heiß geliebt und ſo ſchwer belei⸗ digt hatte, dann aber das Möglichſte zu thun, um den geiſtlichen Orden in eine weltliche Herrſchaft zu ver⸗ wandeln. 8 ſeiner würdig in der Theiln in den ſagte Geſich fach neben Orden hunde Leib herrn, Orde für ih ich ha Frau zu er belei⸗ um den zu ver⸗ Sechſtes Capitel. Der Bürgermeiſter, Herr Conrad Letzkau, ſaß in ſeiner Wohnſtube und neben ihm ſtand ſeine Gattin, die würdige Frau Gertrud. Sie hielt ſeine zitternde Hand in der ihrigen und ſchaute mit Augen voll Liebe und Theilnahme in ſein Geſicht, das die Spuren der Sorge in den gefurchten Zügen trug. „Und das erfahre ich jetzt! jetzt erſt, Gertrud!“ ſagte er, während eine plötzliche Zornesflamme über ſein Geſicht loderte.—„Gott möge alle meine Sünden zehn⸗ fach ſtrafen, wenn ich dieſen veralteten Schimpf nicht neben den mir neu angethanen bitter räche. Ich bin des Ordens getreuer Unterthan, das habe ich bewieſen in hundert und wieder hundert Fällen. Gut und Geld, Leib und Leben habe ich ausgeſetzt für meinen Landes⸗ herrn, was ich in meine Hand nahm zum Frommen des Ordens, es gerieth auf's Beſte, und nie iſt mir ein Opfer für ihn zu ſchwer geworden. Was ein Mann thun kann, ich habe es gethan, ſo fern es nicht gegen meine Bürger⸗ 172 ehre oder gegen meine Pflicht als erſter Bürgermeiſter dieſer Stadt ging.— Vergeben hab' ich als ein Chriſt den Tod meiner Schweſter, und alle die furchtbaren Ehrenkränkungen, die Einer aus der Ordensbrüderſchaft mir angethan. Treue Dienſte, die ich ſeit langen Jahren dem Orden leiſtete, haben die Verpflichtungen, die mir als Kind durch ſeine Wohlthaten aufgelegt wurden, wett gemacht. Was jetzt geſchehen, ſchnellt die Wagſchale hoch empor. „Ich bin ein deutſcher Mann, jeder Einzelne dieſer deutſchen Herren iſt auch nur ein ſolcher, und meine Bürgerehre iſt mehr werth als ihre adelige, die ſie mit Dirnen, beim Würfelbecher, in den Trinkſtuben des Ketzerhaines in den Koth werfen.— Meinem Kinde ſoll. keiner dieſer liederlichen Ritter mehr ehrloſe Anträge machen, und den, der ſich deſſen erfrecht, ſoll meine Fauſt die Hirnſchale zerſchmettern, ſo wahr ich Conrad Letzkan heiße und ein getaufter Chriſt bin.“ „Die Rache iſt des Herrn!“ entgegnete Frau Ger⸗ trud mit zitternder Stimme,„und zumal, mein lieber Herr, iſt das, was Du für eine ſo große Kränkung Dei⸗ ner Ehre hältſt, nicht ſo ſchlimm als Du Dir's ausmalſt. Die Frau, welche zu unſerer Tochter kam und ſie bat, ſie im Schloſſe zu beſuchen, iſt ſo gewiß von unbeſcholtenen Sitten, als ich es bin. Ich habe ſie geſeh'n, habe ſie ſprechen gehört, Dirne Gattin Geſicht „Gott Du! I Geſchle gezogen das im und def nichts! gar wil „ und De nicht ve dem umkom Herzen ken, und ſchlagen Eheher deiten rmeiſter Chriſt htbaren eerſchaft Jahren die mir en, wett ale hoch ee dieſer d meine ſie mit den des nde ſoll Anträge e Fauſt Letzkau u Ger⸗ n lieber ig Dei⸗ smalſt. bat, ſie ſoltenen prechen 173 gehört, und es iſt nichts an ihr, was ſie als fahrende Dirne ausweiſt, im Gegentheil—“ „Gott ſei mir Sünder gnädig!“ fiel Letzkau ſeiner Gattin in die Rede, während er mit geballter Fauſt, das Geſicht vom heftigſten Zorne geröthet, vor ſie hintrat. „Gott ſei mir gnädig und vergib mir meine Sünde, Du! Du! Gertrud! Du, die Tochter eines ehrbaren Geſchlechts, haſt geredet mit dem Weibsbilde, das hierher gezogen kam unter dem Schutz der liederlichen Ordensritter, das im Hauſe der Kupplerin Urſel ganz öffentlich wohnte und deſſen Lügen über die eigene vornehme Geburt durch nichts beſtätigt, ja von dem Herrn Abt Jacobus ganz und gar widerlegt worden? „Gertrud! Gertrud! danke es meiner alten Liebe und Deiner ſteten guten Führung, daß ich mich an Dir nicht vergreife. O, ein Fluch liegt auf den Frauen aus dem Hauſe der Letzkau und alle, alle müſſen in Unehre umkommen.“ Der ſtarke Mann war bei dieſen aus verzweifeltem Herzen hervorklingenden Worten auf einen Stuhl geſun⸗ ken, und unter den Händen, die er über das Angeſicht ge⸗ ſchlagen, drangen einzelne Thränen hervor. „Conrad! mein herzlieber Gatte, mein hochgeehrter Eheherr, o um der heiligen Jungfrau, um aller gebene⸗ deiten Heiligen willen, faſſe Dich, habe Mitleid mit 174 Deinem armen Weibe und mit Dir ſelbſt, und laß den Böſen nicht Macht gewinnen über Deine Seele,“ flehte Frau Gertrud. „Gott ſei ihr gnädig,“ ſagte Letzkau, ſeine Augen mit wildem Blick zum Himmel emporſchlagend.„Meine Seele, o ſie iſt vergiftet bis in ihre tiefſten Tiefen, ver⸗ giftet durch das ehrloſe Andenken an die Weiber meines Geſchlechtes! Hat nicht meines Vaters einzige Schweſter ſich weggeworfen an einen ſamaitiſchen Heidenbuben und büßen müſſen für ihre Sünden im ſtrengſten Kloſter? Hat nicht meine einzige Schweſter ſich ein Leid angethan und iſt unbußfertig vor Gott getreten wegen eines dieſer ſchändlichen Ordensritter, der ſie in den Staub trat? „Und mein einziges Kind, mein Stolz! meine Freude! mein Alles! hat als Braut eines Ehrenman⸗ nes bei Nacht in ihrem Kämmerlein Beſuch von einem dieſer gottverfluchten Mönchritter angenommen, zur Schande meines Hauſes, zur Schande ihres Gat⸗ ten, zur Schande der Stadt, der ſie hätte ein leuchtendes Beiſpiel der Zucht und Sitte ſein ſollen. Und jetzt, jetzt als Große's Ehefrau, kommt eine fah⸗ rende Dirne und fordert ſie auf, zu ihr unter das unſaubere Dach des Schloſſes zu gehen und einem kranken Verwundeten dieſer Landläufer Troſt zu geben, da er nach ihr verlange. Schmach! Schmach! O Du 8 allmäck Leben es verd higem Feſtigke alle S Vorfah und da und ſ Tochter ihrem Die al Herzen laß den flehte Augen Meine n, ver⸗ meines ſweſter en und loſter? gethan dieſer rat? meine uman⸗ h von mmen, einem geben, O Du 175 allmächtiger Gott, womit habe ich, der ich all' mein Leben lang der Ehre und Rechtſchaffenheit treu blieb, es verdient, daß mein eigen’ Eheweib mir ſie mit ru⸗ higem Blut, faſt mit lachendem Munde erzählte?“ „Conrad,“ entgegnete Frau Gertrud mit ruhiger Feſtigkeit,„Dich macht der Zorn blind, weil Du alle Schmerzen und Kränkungen, die Du und Deine Vorfahren jemals erlitten, auf einen Haufen wirfſt und das dazu thuſt, was jetzt allerdings unangenehm und ſehr beſorgnißerregend eingetreten iſt. Unſere Tochter Marie iſt eine ehrbare Frau und hängt an ihrem Gatten mit treuer Liebe, wie er es verdient.— Die alte Urſel, die einen ſchweren Haß auf Dich im Herzen trägt, hat ſie, das junge, unerfahrene Ding, ver⸗ führt, dem Ordensritter ihre Kammer zu öffnen, zu einer Stunde, wo er leicht geſehen werden konnte, nachdem ſie das arme Kind auch dazu gebracht, dem Thunicht⸗ gut ihr armes, junges Herz zu ſchenken.— Nun ſchweig und laß jetzt Dein Weib vor Dir reden, was recht und wahr iſt, hernach verurtheile, tödte, entehre uns, oder beruhige Dich und ſtrebe mit uns, den kleinen Fleck, den eine Neigung, die oft beim Weibe die Stimme der Ehre und Pflicht übertönt, auf das Da⸗ ſein unſerer armen Marie geworfen, zu verdecken oder auszulöſchen. Marie iſt ſo unſchuldig in das Haus 176 ihres Gatten getreten, daß ſie nicht einmal eine Vor⸗ ſtellung davon gehabt hat, was die Leelt meint, wenn ſie von der Unſittlichkeit ſpricht, die eine Liebe, die auf einen zur Eheloſigkeit verpflichteten Mann fällt und heimliche Zuſammenkünfte mit einem ſolchen zur Folge hat. Jetzt mag ſie vielleicht beſſer über ſolche Dinge belehrt ſein. Das Fräulein aber, das geſtern in der Frühe bei ihr war, iſt eben ſo unſchuldig als ſie. Sie iſt die Tochter eines großen Edelmannes in Böhmen, der neuen Lehre zugethan, die dort der Magiſter Jo⸗ hannes Huß aufgebracht, und ganz ernſtlich Willens, einen deutſchen Herrn zu heiraten, wenn ſie zu ihrem Vermögen gekommen ſein wird und an den heiligen Vater, an Kirchen und Klöſter ſolche Bußen und Abgaben zahlen kann, die ihren Geliebten von ſeinen Gelübden befreien.— Das iſt ihr Alles ganz heiliger Ernſt, und es muß doch auch möglich zu machen ſein, denn der ſelige Hochmeiſter Herr Ulrich von Jungingen und der gegenwärtige Vertreter, Herr Heinrich Reuß von Plauen, wiſſen um dieſe Sache und haben ihr Schutz und Beiſtand verſprochen. Zu unſerer Marie kam ſie auch in allen Ehren und bat ſie mit gar höflichen und geſetzten Worten, zu ihr in ihre Behauſung im Schloſſe zu kommen,— denn ſie wohnt dort in den Gaſtgemächern,— und die letzten Worte und die Ab⸗ bitte d leidigt, könne d bei der konnte — me ſein, chriſtlie Haush. aus Bi Bürge Marie die Th nicht d ſproche deſſen Ein B e Vor⸗ wenn die auf It und Folge Dinge in der e. Sie öhmen, ter Jo⸗ Villens, ihrem jeiligen en und ſeinen heiliger en ſein, igingen uß von Schutz kam ſie öflichen ung im in den die Ab⸗ 177 bitte des Herrn entgegen zu nehmen, der ſie einſt be⸗ leidigt, ſie aber doch innig liebe und nicht ſterben könne ohne ihre Vergebung, ſie bat mich— denn ich war bei dem ganzen Geſpräch zugegen und kein Meßpfaffe konnte rührender ſprechen als das ſchöne Mädchen — meine Tochter zu ihr zu begleiten und Zeuge zu ſein, daß Alles in Zucht, Ehrbarkeit und wahrhaft chriſtlicher Liebe zugehe.“ „Und das nahmſt Du Alles für Wahrheit? Gertrud, Gertrud! und Du kommſt her mir das zu erzählen, mir, der ich dieſe deutſchen Herren und ihre Ehrbarkeit und chriſtliche Demuth kenne? Gott ver⸗ zeihe Dir Deine Thorheit, Frau! „Dies aber nimm als den ſtrengſten Befehl Deines Hausherrn und laß kein Pünktchen davon aus Deinem Gedächtniß kommen. Sollte die vornehme ſittſame Dame aus Böhmen ſich jemals noch unterſtehen, das Haus des Bürgermeiſters Conrad Letzkau oder das ſeiner Tochter Marie Große betreten zu wollen, ſo weiſe ihr mit Ernſt die Thür, damit der Hausherr und Hausvater dieſes nicht durch den Stadtbüttel thun läßt.“ Mit dieſen ohne Zorn, aber in tiefem Ernſt ge⸗ ſprochenen Worten nahm Herr Letzkau ſein Amtsbarett, deſſen Feder einen dunklen Schatten über ſein ſtrenges Ein Bürgermeiſter. 11I. 12 3 4 ————— 178 Geſicht warf, und verließ ſein Zimmer, ohne ſeiner Gat⸗ tin Lebewohl zu ſagen. Es war dieſes eine Liebloſigkeit ohne Beiſpiel in dem ehelichen Leben des Danziger Bürgermeiſters und ſie wurde tief gefühlt von Frau Gertrud, die trotz der hohen Achtung, die ſie von ihres Gatten Verſtand und Rechtsgefühl hatte, hier überzeugt war, daß Irrthum und Vorurtheil ſein Herz verhärteten. „Gott helfe uns armen Menſchen,“ flüſterte ſie leiſe mit gefalteten Händen„und laſſe uns das Gebot der Nächſtenliebe, der chriſtlichen Duldung und Demuth nicht über unſerem Stolz und Ehrgefühl vergeſſen.“ Während ſie nach dieſem ſtillen Gebete ruhig und rüſtig an ihre häuslichen Arbeiten ging, ſchritt Herr Conrad eilig über die Straße nach dem Rathhaus, in deſſen glänzend geſchmückten Saal er den ihm zuſtehen⸗ den Ehrenplatz einnahm. Er war einer der Erſten in der berufenen Verſamm⸗ lung und hatte noch Zeit, den Sturm in ſeinem Innern zu beruhigen, indem er halb gedankenlos, jedoch mit ſteigendem Wohlgefallen die ſchönen Holzſchnitzereien und die künſtlich ausgelegten Arbeiten an dem Kamine und den in die Wände eingelaſſenen Schiebfächern be⸗ trachtete. Conrad Letzkau war wie jeder rechte Mann, der den Segen häuslichen Glückes genießt, ein eifriger Vaterl Saales ſondern 3 men fa aus§ Gegend dien er geführt deihen verſam heit, di Herren unſeren ſchen Schade ſchreckl auch u brannt Handel nicht in Ritter der au er Gat⸗ piel in es und rotz der nd und rrthum eerte ſie bot der th nicht hig und tt Herr aus, in uſtehen⸗ rſamm⸗ Innern doch mit itzereien Kamine ern be⸗ Mann, eifriger 179 Vaterlandsfreund, und in den reichen Verzierungen dieſes Saales ſah er nicht nur ihre künſtleriſche Schönheit, ſondern auch das Aufblühen ſeiner theuren Vaterſtadt. Da waren an den Schiebfächern Früchte und Blu⸗ men faſt in natürlicher Farbe und Zierlichkeit gemacht, aus Holzarten, die Danziger Schiffe aus den fernſten Gegenden gebracht hatten, gefärbt mit Farben, die In⸗ dien erzeugt und der geſegnete Handel in dieſen Norden geführt hatte. Es war ein leiſer Segensſpruch für das fernere Ge⸗ deihen Danzigs, der über ſeine Lippen ſchlüpfte, als der verſammelte Rath ſein Wort forderte, über die Angelegen⸗ heit, die ihn heute hieher geführt. „Es iſt Ihnen Allen bewußt, meine Freunde und Herren,“ ſagte er mit klangvoller Stimme,„daß die vor unſeren Thoren zuſammengelaufenen polniſchen, böhmi⸗ ſchen und lithauiſchen Schaaren uns unter anderem Schaden, den ſie uns zugefügt, als ſie ſich nach der ſchrecklichen Schlacht bei Tanneberg bis hieher getrauten, auch unſeren guten ſtandfeſten Krahn an der Mottlau ver⸗ brannt haben. Daß ein Krahn zur Förderung unſeres Handels von Neuem hergeſtellt werden muß, kann gar nicht in Frage ſtehen, auch ſind unſere Lehnsherren, die Ritter deutſchen Ordens, Willens, uns einen ſolchen wie⸗ der aus gutem Holze zu erbauen, wofür wir denn ver⸗ 12* 180 pflichtet ſein ſollen, ihnen die Gebühr für das Aufwinden der Waaren aus den die Mottlau bis zur Stadt herauf⸗ kommenden Schiffen, ſo wie auch für die Waaren aus den Schiffen, die die Weichſel herab uns von Polen Getreide, Werg, Fett und Hanf bringen, zu zahlen. Da aber das Bollwerk am Mottlau⸗Ufer von uns erbaut, und daher der Platz, worauf der Krahn ſtehen muß, Eigenthum der Stadt iſt, ſo wäre es wohl rechtmäßig und der Klugheit angemeſſen, wenn wir auf ſtädtiſche Koſten uns einen maſſiven Krahn erbauten, den unſere Nachkommen noch bis in's hundertſte Glied nützen kön⸗ nen, und der die Aufwinde⸗Gebühren dem ſtädtiſchen Säckel zuwendet. Es wäre allerdings eine für den Augen⸗ blick koſtſpielige, aber trotz der Kriegsnöthen gar nicht unmögliche Sache und von höchſter Wichtigkeit für den kaufmänniſchen Vortheil. Dies iſt das Erſte, was ich Ihrer Berathung vorlege, das Zweite betrifft uns, die wir hier verſammelt ſind, am nächſten. Der Orden, dem jetzt ſogar das Haupt fehlt, ſeit der Hochmeiſter Herr Ulrich von Jungingen bei Tanneberg den Rittertod ſtarb, verlangt von dem Magiſtrat der Stadt Danzig, daß er hinfort kein von ſeiner Geſammtheit gefälltes und recht⸗ mäßig von mir unterzeichnetes Urtheil, das einen Ver⸗ brecher zu Ehrenſtrafen verdammt, ſoll ausführen laſſen, cher m und ſ aber Mehl unſeren könnte mal br nehme Ritter maſſiv den le Abnei keiten es erh Bruch Schut zelne, Platze mend teten Letzka fwinden herauf⸗ ten aus a Polen len. Da erbaut, hen muß, chtmäßig ſtädtiſche i unſere Ben kön⸗ ädtiſchen u Augen⸗ gar nicht für den was ich uns, die den, dem iſter Herr rtod ſtarbp, g, daß er und recht⸗ inen Ver⸗ ren laſſen, 181 ohne es vorher dem Ermeſſen des zeitigen Comthurs Herrn Heinrich von Plauen vorzulegen, wodurch——“ „Hoho!“ unterbrach Herr Huxter den ernſten Spre⸗ cher mit einem bitteren Lachen,„dieſes wäre dem Orden und ſeinen getreuen Knechten lieb und angenehm, uns aber ſchwerlich. Denn wenn die Hörigen des Ordens Mehl aus der Mühle, Obſt aus unſeren Gärten und unſeren Frauen die Wäſche von den Bleichen ſtehlen, ſo könnte der Herr Comthur, der ſolche Dinge auch manch⸗ mal brauchen kann, die Diebe in ſeinen gnädigen Schutz nehmen. Nein! nein! dieſes mit nichten; die Herren Ritter mögen es da nur beim Alten laſſen, und was den maſſiven Krahn betrifft—“ Die Wechſelreden in der Rathsverſammlung wur⸗ den lebhaft und auch jetzt, wie immer, ſprach ſich die Abneigung der wackeren Bürger gegen die Zügelloſig⸗ keiten der deutſchen Herren ſehr unumwunden aus; ja es erhob ſich mehr als Eine Stimme, die zum offenen Bruch mit dem Orden und zur Unterwerfung unter den Schutz Polens rieth. Doch waren dies immer nur Ein⸗ zelne, die Mehrzahl all dieſer wackeren und an ihrem Platze mächtigen Männer, aus deutſchem Blute ſtam⸗ mend, trugen echt deutſche Herzen im Buſen und fürch⸗ teten eine Vereinigung mit den Polen, die, wie Conrad Letzkau ſehr lebhaft ausſprach, nicht Gott, noch Menſchen — 2 treu ſind. Der Ritterorden war immer deutſchen Blutes, ſchützte die deutſche Sprache, und ſeine Grundordnung bekundete hohe Achtung vor deutſcher Sitte und Art, wenn auch vielleicht ſo mancher einzelne Ritter in ſeinen Thaten dieſelbe aus den Augen ſetzte. Seit kurzer Zeit hatte der Tod des greiſen Herrn von Schönfeld die Stelle des Hauscomthurs von Danzig erledigt, und erſt vor wenigen Tagen war auf Befehl ſeines Vetters, des Vertreters Heinrich Reuß von Plauen, der junge Herr Heinrich von Plauen im Schloſſe zu Danzig angelangt, um dort das Regiment zu übernehmen. Der neue Comthur fand eine ſchwere Stellung, nicht nur der Danziger Bürgerſchaft und ihrem ſtol⸗ zen Magiſtrat gegenüber, ſondern auch in andern nur Gott und ihm allein ganz bekannten Beziehungen. Als er, gehüllt in ſeinen weißen Mantel, bei wil⸗ dem, herbſtlichen Regenwetter in das Burgthor einge⸗ ritten, empfing ihn im Vorhof bleich und gebeugt ſein Waffenbruder Herr Huldrich von Sefeln, deſſen Wun⸗ den noch immer nicht geheilt, deſſen Gefundheit und Kraft gänzlich untergraben waren. „Weißt Du auch,“ ſagte dieſer, als die Freunde in dem Remter des Comthurs allein bei einander ſaßen, „daß in dieſen Mauern die ſchöne Böhmin, mit der Du eine r feld E den C bräun meine unbek⸗ ſoll u treten verlaſſ Möge ſtehen Leben und übern er nu die jemal Gelü Hauß Glutes, dnung Art, ſeinen Herrn von ir auf Reuß en im giment llung, ſtol⸗ n nur n. ei wil⸗ einge⸗ gt ſein Wun⸗ it und reunde ſaßen, er Du 183 eine romantiſche Liebſchaft hatteſt, bei dem alten Schön⸗ feld Schutz geſucht und gefunden hat, und drüben in den Gaſtgemächern noch in dieſem Augenblicke weilt?“ Ein plötzliches, glühendes Roth überflog die ge⸗ bräunten Wangen des Comthurs. „Bei der Liebe meiner Mutter, bei der Ehre meines Vaters,“ entgegnete er,„das iſt mir gänzlich unbekannt und für mich ein großes— Unglück. Wie ſoll und kann ich der edeln Dame unter die Augen treten? woher den Muth nehmen, ſie, die ohnedies verlaſſen genug iſt, aus dieſen Mauern zu verweiſen? Möge die heilige Jungfrau mich retten und mir bei⸗ ſtehen, dieſes iſt die ſchwerſte Prüfung meines elenden Lebens!“ Es log ſo viel bitterer Ernſt in den Worten und Mienen des Sprechers, daß dem Andern der übermüthige Scherz auf den Lippen ſtecken blieb und er nur mit theilnehmendem Tone ſagte: „Ich dächte, Du hätteſt jetzt, da Deinem Odeim die Hochmeiſter⸗Würde nicht entgehen kann, mehr als jemals die Hoffnung, durch den heiligen Vater Deiner Gelübde entbunden und ein freier Mann zu werden.“ Plauen ſchüttelte traurig, aber entſchloſſen das Haupt. „Die Kraft des Ordens iſt gebrochen, aber je⸗ 184 der Einzelne von uns ſteht mit ſeiner eigenen Ritter⸗ ehre für ihn ein,“ ſagte er ernſt,„nur ein Schuft und Feigling verläßt ſein leckes Schifflein, in dem all' ſeine Freunde und Brüder mit den Wellen ringen um für ſich ſelbſt Sicherheit und Freude zu finden. Wenn der Orden bei Tanneberg ſiegte, dann konnte ich Befreiung von den Gelübden in Rom ſuchen, nicht jetzt, wo Polen in unſeren Reihen Aufnahme finden dürfen— denn dies iſt eine der Friedensbedingungen Wladislav Jagellos, nicht jetzt, wo es jedes deutſchen Edelmannes Pflicht iſt, ſeinen Arm der Stütze und Befreiung des Ordens zu leihen. Gott thue mir dies und das, wenn ich meiner deutſchen Ritterpflicht nicht eingedenk bleibe, jetzt, wo ſie zum Schutzwall deut⸗ ſcher Ehre wird.“ „Und Vlaſta?“ flüſterte Sefeln. „Der Herr helfe ihr! ich will ihre Ehre wah⸗ ren als ein heiligſtes Kleinod, ich will ihre Rechte fördern und ſchützen, aber es hat wohl ehe ſchon ein Mägdlein ihren Bräutigam in der Schlacht verloren, bei Tanneberg verlor Vlaſta von Roſenberg den ih⸗ ren, möge ſie ihn in Züchten betrauern und ſich dann tröſten. Der Comthur von Danzig iſt deutſcher Or⸗ densritter und weiß nichts von Liebe und Ehe.“ „Und Johannes Huß und die neue Lehre, die 7. er pre über d freiung fragte unterr die a zu bri thure unddre Schul bittern fühl d laſſene Ritter⸗ ift und m all' ringen, inden. konnte ,nicht finden gungen utſchen ſe und r dies nicht deut⸗ wah⸗ Rechte on ein rloren, en ih⸗ j dann r Or⸗ re, die 185 er predigt, und Deine und Deines Oheims Gedanken über die Reform des deutſchen Ordens, und die Be⸗ freiung der Brüder von unnatürlichen Gelübden?“ fragte Sefeln nicht ohne einen leiſen Anflug von Spott im Tone ſeiner Stimme. „Erſt muß des Ordens Kraft von Neuem befe ſtigt ſein, bevor ſeine Regeln verbeſſert werden kön⸗ nen! wer jetzt den deutſchen Orden verändern wollte, gäbe das Regiment dieſes Landes in die Hände des Polenkönigs.“ So trennten ſich die Freunde, der kranke Se⸗ feln ſchlich nach dem Firmarienſaale, ſeiner Wunden zu pflegen, und der Comthur ging in das Archiv, dort fich von den Verhältniſſen ſeines neuen Amtes genau zu unterrichten und die nöthigen Befehle zu ertheilen, um die aufſäſſige Bürgerſchaft zu Ruhe und Gehorſam zu bringen. Heinrich von Plauen war einer der jüngſten Com⸗ thure deutſchen Ordens. Er zählte noch kaum acht⸗ unddreißig Jahre, als dies ſchwere Amt auf ſeine Schultern gelegt ward, und ſein Herz kämpfte einen bittern Kampf gegen das heilige und natürliche Ge⸗ fühl der Liebe zu einem ſchönen, ohne ihn ganz ver⸗ laſſenen Weibe. Seine Leidenſchaft für Vlaſta von Roſenberg, 186 hüllte ſich in das Gewand des Mitleids und verlor dadurch nicht wenig von ihrer Erhabenheit. Er wußte, daß es ſeine Pflicht geweſen wäre, gleich bei ſeinem Eintritt in das Danziger Schloß den ſchönen Gaſt mit Höflichkeit aus ſeinen Räumen zu weiſen. Er hatte noch nicht das Alter, das einem Comthur die geſetzliche Erlaubniß gab, weibliche Gäſte in den Gaſträumen der Comthurei aufzunehmen, und wenn er auch nicht wußte, daß der Eintritt in die Elauſur eines Deutſchherrn Schloſſes in den Augen der ſtrengen Bürger ſchon Unehre auf ein junges Weib warf, ſie mochte Fürſtin oder Bäuerin ſein, ſo fühlte er doch ſehr lebhaft, daß die Nähe des Fräu⸗ leins, das ihn liebte und das er in ſchöneren Tagen als ſeine verlobte Braut betrachtet hatte, für ihn ge⸗ fährlich, für ſie in hohem Grade ſchmerzlich ſei. Vergebens aber bemühte er ſich in der Stadt in einem geachteten Bürgerhauſe eine Wohnung für Vlaſta zu ermitteln. Er gab ihr durch Sefeln den Rath, Danzig zu verlaſſen, aber ſie hatte ihrer alten Schützerin und wahrſcheinlichen Anverwandten Urſel verſprochen, ihre Heimkehr ganz gewiß abzuwarten. Urſel hatte, mit der Hoffnung im Herzen die Tochter einer theuern Schweſter wiedergefunden zu ha⸗ ben, die Stadt verlaſſen. Sie ging, wie ſie ſagte, nur um Kr oder W einen wißheit aus de vor der nicht. jene K bei ihr S deutend fort ur aller H ( S bende? recht h durchb gemein ihn nie daß er ihm, d hatte? der de der C verlor wäre, ß den en zu einem Gäſte 1, und in die Augen junges in, ſo Fräu⸗ Tagen hn ge⸗ i. tadt in aſta zu Danzig in und n, ihre I die zu ha⸗ te, nur 187 um Kräuter zu ſammeln, aber ſie wollte Beſtätigung oder Widerlegung ihrer Hoffnung haben und wußte einen Mann in nicht zu weiter Ferne, der ihr Ge⸗ wißheit geben konnte. Die muthige unglückliche Frau aus dem Blute des Lithauer⸗Fürſten kannte die Furcht vor dem Lärm und der Verwirrung eines Feldlagers nicht. Eines nur fürchtete ſie, die Möglichkeit, um jene Koſtbarkeiten gebracht zu werden, die Vlaſta ihr bei ihrem Weggehen anvertraun mußte. Das verlaſſene Mädchen gab aber mit dieſen be⸗ deutenden Schätzen den größten Theil ihres Beſitzthums fort und ſie fand ſich jetzt plötzlich mittellos, einſam und aller Hoffnungen auf ihre Liebe beraubt. Sie wußte wohl, die Arme— und welches lie⸗ bende Frauenherz weiß das nicht— daß ihr Geliebter recht handelte, daß die heißen Schmerzen, die ihr Herz durchbohrten, nicht durch ſeine Schuld, ſondern durch ihr gemeinſames hartes Geſchick verurſacht waren. Sie klagte ihn nicht an! aber konnte ſie von ihm jetzt verlangen, daß er ihr die Mittel zum Lebensunterhalte gäbe? von ihm, den ſie einſt mit Reichthum zu überſchütten gehofft hatte? ja und wenn ſie ihm ihre Noth klagte, hatte er, der deutſche Ordensritter, denn Geld und Gut? durfte der Comthur von Danzig einer Fremden von dem, 188 was ſeiner Ehre mit ſeinem Amte anvertraut war, denn etwas übergeben, ohne dieſe Ehre zu verletzen? Im Schloſſe erhielt ſie als geehrter Gaſt des Comthurs Speiſe und Trank. Das ſaubere Zimmer, das ſie nun ſchon ſeit Monaten bewohnte, war ihr eine liebe ſtille Heimat enderden, dort ſaß ſie, ſeit Anka's Tode einſam, eifrig eſch häftigt mit ihrer Stickerei, die den Thronſeſſel des neuen Hochmeiſters bei ſeiner nahe bevorſtehenden Wahl zieren ſollte, oder auch verſunken in ihre Schmer⸗ zen und Thränen. Den Comthur ſah ſie nur flüchtig und ſelten, wenn er hoch zu Roß gerade durch das Thor neben ihrer Wohnung das Schloß verließ. Huldrich von Sefeln, der ſchon bei Lebzeit des alten Comthurs von Schönfeld die Bekanntſchaft Blaſta's gemacht, und ſie, ſobald ſeine Wunden es ihm geſtatteten, in ihrem Zimmer beſucht hatte, kam auch jetzt zuweilen zu ihr. Sie ſah ihn nicht ungern, denn er erzählte mit Schmeichellauten ihr oft und viel von ſeiner eigenen Liebe zu der ſchönen Tochter des Danziger Bürger⸗ meiſters Conrad Letzkau. Er verſtand es, die Liebe der Frau Marie Große zu ſeiner Perſon in das rechte Licht vor den Augen des b. ben ſeiner hander ſich 1 Geliel ihm z ihr Mutl chen Herze die muth.⸗ von jetzt ſtellu Bürg Herk und ſtin, wieſe denn „denn ſt des i ſeit Heimat eifrig I des henden chmer⸗ ſelten, neben eit des ttſchaft es ihm n auch te mit eigenen hürger⸗ Große Augen 189 des böhmiſchen Fräuleins zu ſetzen und ihr den Glau⸗ ben beizubringen, daß Marie mit heißer Sehnſucht ſeiner gedenke, daß ſie von ihrem Gatten niedrig be⸗ handelt werde und keinen heißeren Wunſch habe, als ſich noch einmal in dieſer Welt mit dem todtwunden Geliebten ihrer Jugend zu beſprechen, Abſchied von ihm zu nehmen, und ſich von ſeinen Lippen Troſt für ihr Leid, Verhaltungsregeln für ihre Zukunft und Muth zur Erfüllung ihrer ſchweren Pflichten einſpre chen zu laſſen. Wer ſelbſt heiß geliebt und mit gebrochenem Herzen muthig entſagt hat, iſt nur zu leicht geneigt, die eigenen Gefühle auch in andern Seelen zu ver⸗ muthen. Vlaſta von Roſenberg's Liebe zu dem Comthur von Danzig war jeder Zeit eben ſo rein geweſen als jetzt bei ihrer völligen Hoffnungsloſigkeit. Sie, das vornehme Fräulein, hatte keine Vor⸗ ſtellung von den bittern Vorurtheilen, mit denen die Bürger Danzigs ihren Aufenthalt im Schloſſe, ihre Herkunft, ihr ganzes Sein betrachteten. Sie glaubte, und das war natürlich, daß ſie, die böhmiſche Für⸗ ſtin, der Tochter Conrad Letzkau's eine hohe Ehre er⸗ wieſe, wenn ſie ihr Haus beträte, und ſo machte ſie ſich denn an einem ſonnigen Oktober⸗Nachmittage, von ihrem 190 jungen Kammermädchen begleitet, auf, der Frau Maria Große einen Beſuch abzuſtatten. Dieſer Beſuch, den die junge Danziger Patri⸗ zierin angenommen hatte, war der Grund von Conrad Letzkau's Zorn und Kränkung geworden und raubte der armen Fremden jede Möglichkeit, in der Stadt Danzig ein anſtändiges Unterkommen zu finden. Die verlaſſene Vlaſta hatte auch nicht die fernſte Ahnung von den finſteren Wolken, die ſich um ihr letztes Kleinod, ihren guten Ruf, lagerten, das Geſchick hatte ihr Alles entriſſen, Vater und Mutter, Heimat und Vermögen, Namen und Ausſichten, alle Hoffnun⸗ gen ihrer Liebe, für die ſie ſo viel in die Schanze ge⸗ ſchlagen. Die Fran, in der ſie eine Verwandte und Beſchützerin gefunden zu haben hoffte, war mit dem letzten Reſte ihres Eigenthumes, mit dem theueren An⸗ denken an die ihr ſo früh entriſſene Mutter wegge⸗ gangen, ohne ihr ſeitdem ein Lebenszeichen zu geben. Ihre alte treue Anka war geſtorben, und ihr Geliebter, der vor Kurzem noch ſo begeiſterte Anhän⸗ ger ihres verehrten Lehrers Johannes Huß, war, unter einem Dache mit ihr lebend, jetzt nur noch Comthur von Danzig und deutſcher Ordensritter. In der Hoffnung auf Urſula's endliche Rückkehr blieb ſie in dem einzigen Zufluchtsorte, den das Schick⸗ ſal i auf C gelt, Haus 8 in ihr gefund und d einer Theiln für ge Maric reiche ihr de werde nes H als de ſchaft die ſch Weh pflich Liebe ihnen Maria Patri onrad Stadt fernſte lm ihr Heſchick Heimat Iffnun⸗ zze ge⸗ te und it dem en Au⸗ wegge⸗ geben. nd ihr lnhän⸗ unter zmthur ückkehr Schick⸗ raubte 191 ſal ihr gelaſſen, denn das Wohnhaus Urſula's war auf Conrad Letzkau's Befehl verſchloſſen und verſie gelt, der ſtrenge Mann betrachtete es als wäre es das Haus einer Ausſätzigen und Peſtkranken geweſen. Vlaſta's Gemüth hatte in ihrem tiefen Kummer, in ihrer grenzenloſen Verlaſſenheit einen ſüßen Troſt gefunden in dem kurzen Geſpräche mit Maria Große und deren ſanften würdigen Mutter. Die junge Böhmin, deren Herz erfüllt war von einer reinen und jetzt hoffnungsloſen Liebe, fühlte tiefe Theilnahme an einem Verhältniß, das ſie dem ihrigen für ganz ähnlich hielt. Sefeln hatte ihr erzählt, daß Maria Letzkau auf Befehl ihrer Eltern einen bejahrten, reichen und angeſehenen Mann geheiratet habe, er hatte ihr den Glauben beizubringen gewußt, daß er verzehrt werde von der brennenden Sehnſucht, dem Weibe ſei⸗ nes Herzens Lebewohl für dies Leben zu ſagen, und als das böhmiſche Fräulein in das ſtattliche Geſell⸗ ſchaftszimmer der Danziger Rathsherrn⸗Frau trat und die ſchöne, jugendliche, aber blaße und wie von ſtetem Weh gebeugte Marie ſah, hielt ſie es für Chriſten⸗ pflicht, den beiden doch wohl dem Tode verfallenen Liebenden den letzten großen Dienſt zu leiſten und ihnen ein Geſpräch in ihrem Zimmer zu ermöglichen. Die Anweſenheit der Frau Gertrud Letzkau war ihrem Vorhaben eher angenehm als hinderlich. Welche Mutter hätte ihrer Tochter nicht Unterſtützung gewährt bei dem Abſchied, der einem ſterbenden Manne den letzten Troſt geben ſollte? Zudem war Blaſta der Meinung, daß zu einer ſolchen heiligen Handlung der Troſt und Segen einer Mutter nothwendig und heil⸗ bringend ſei. So ſprach denn die hochdenkende, herzensreine Jungfrau in ihrem fremd accentuirten Deutſch mit ihrer ſüßen Stimme ſo herzgewinnend, daß ſie ſich in Mutter und Tochter alsbald Freundinnen erwarb. Freilich wieſen Beide die Bitte von Herrn von Se⸗ feln Abſchied zu nehmen, ganz entſchieden zurück, jedoch in einer Weiſe, die in Vlaſta's Gemüth keinen Augen⸗ blick den Argwohn erwecken konnte, daß man ſie und ihre Abſichten für unrein und unehrenhaft halten könne.— Marie ſprach es ſanft und freundlich aus, daß ihr Gatte, eben weil er kein Jüngling mehr ſei, doppelte Rückſicht von ihr auf ſeine Gefühle erwarten könne, daß er ſie liebe und ihr vertraue, und daß beſchworene Pflichten über den Regungen des Herzens ſtehen müßten. Als aber die ſanfte Fremde ſich achtungsvoll von ihnen trennte, da baten ſie Beide um freundliche Wiederholung ihres Beſuches und, einſam und ver⸗ laſſen einen derſell ter de fand, Gatten zigen und S haftes D und l ſtändn in ſein Beſuch unglüc ſo ſchn werfen Ein V Welche währt ie den ta der ng der d heil⸗ asreine ſch mit ſich in arb. on Se⸗ jedoch Augen⸗ ſie und halten 118, daß poppelte könne, jworene müßten. ngsvoll nundliche àd ver⸗ 193 laſſen wie Vlaſta war, fand ſie in dieſer Einladung einen Troſt und eine Freude und verſprach bald von derſelben Gebrauch zu machen. Sobald ſich Frau Gertrud aber nicht mehr un⸗ ter dem Einfluß von Blaſta's Liebenswürdigkeit be⸗ fand, wurden natürlich die Erinnerungen an ihres Gatten Anſichten und Vorurtheile in ihr rege. Was würde er ſagen, wenn er dan junge Mäd⸗ chen, das in ſeinen Augen nun einmal eine fahrende Dirne war, als Gaſt bei Frau oder Tochter antreffen ſollte? Das Herz der wackeren Frau erzitterte bei dem Gedanken an dieſe Möglichkeit nicht. Sie hielt es für das Beſte ganz offen gegen ihren ſonſt ſo edelher⸗ zigen Gatten zu ſein, und ihm von der Verlaſſenheit und Schuldloſigkeit der lieblichen Fremden ein wahr⸗ haftes Bild zu entwerfen. Wie aber eine Lüge ſtets die zweite und zehnte und hunderte nach ſich zieht, ſo hat auch ein Ge⸗ ſtändniß der Wahrheit naturgemäß andere Geſtändniſſe in ſeinem Gefolge, und Conrad Letzkau erfuhr mit dem Beſuch Vlaſta's und deſſen Zweck endlich auch jenen unglückſeligen Beſuch Huldrich's von Sefeln, der einen ſo ſchwarzen Schatten auf die Ehre ſeiner Tochter hatte werfen können. Ein Bürgermeiſter. 1II. 13 — ———— * 194 Das ſtolze ehrenfeſte Herz des Danziger Bürger⸗ meiſters ward dadurch in ſeinen heiligſten Tiefen ver⸗ letzt.— Alle Leiden vergangener Jahre traten mit voller Bitterkeit vor ſeine erzürnte Seele, und obſchon ſein ge⸗ treues deutſches Herz weit entfernt war von dem Ge⸗ danken an Aufruhr gegen den Orden, ſo ſchwur er doch das ſtrengſte rückſichtsloſeſte Feſthalten an allen Rechten und Privilegien der Stadt und die feſteſte Ausübung aller ſeiner Gerechtſame als deren erſtes Oberhaupt. Der Bau des neuen maſſiven Krahns an der Mottlau auf Koſten der Gemeinde und zum Beſten der Danziger Kaufmannſchaft begann, und der neue Comthur hatte nicht die Mittel und Kräfte demſel⸗ ben Einhalt zu thun. Außerdem beſchloß die Geſammtheit des Danzi⸗ ger Rathes ganz in der Nähe der Schloßmauer auf ſtädtiſchem Gebiete einen Thurm zu erbauen, von deſ⸗ ſen Warte man das Innere des Schloßhofes zu je⸗ der Zeit überſehen und ſo das Privatleben der Or⸗ densritter gewiſſermaßen unter die Aufſicht der Oef⸗ fentlichkeit ſetzen könne. Auch dieſer Bau begann und hatte ſeinen Fort⸗ gang verhäng zigs, ir ten des des vo und Re bing. D dem W den Un mit ſeit ſpiel ge Polenkö In ſein Iſrael, der Pol ſelbſt k leute R Ziska B. (Schau gar dem Bürger⸗ efen ver⸗ it voller ſein ge⸗ dem Ge⸗ hwur er an allen ie feſteſte pen erſtes an der der neue demſel⸗ ts Danzi⸗ mauer auf von deſ⸗ m Beſten fes zu je⸗ t der Or⸗ der Oef⸗ nen Fort⸗ 195 gang*) und leiſe verrannen die letzten Tage des verhängnißvollen Jahres 1410 in den Mauern Dan⸗ zigs, in der Marienburg, in Oliva und in den Städ⸗ ten des Ordenslandes, in denen noch der letzte Theil des von Krankheit aufgeriebenen Polenheeres Ruhe und Raſt gefunden hatte. Tauſende von ruhrkranken Polen ſtarben in El⸗ bing. Dort weilte am Schluſſe des Jahres 1410, nach⸗ dem Wladislav Jagello über die Grenzen ſeines von den Ungarn bedrohten Reiches gezogen, und Withold mit ſeinen Lithauern und Tartaren längſt ſeinem Bei⸗ ſpiel gefolgt war, noch der würdige Kronfeldherr des Polenkönigs, Zindram, Schwertträger von Krakau. In ſeiner nächſten Umgebung befand ſich Joel Ben Iſrael, der gelehrte jüdiſche Arzt, auf deſſen Rath der Polenkönig nur den Werth legte, wenn er ſich ſelbſt krank fühlte, und die beiden böhmiſchen Edel⸗ leute Roſenberg und ſein Fahnenjunker Chwal, jetzt Ziska genannt. Beide waren des Arztes wegen in Elbing zurück⸗ *) Dieſer Thurm vom Volksmunde:„Kieck in die Köck“ (Schau in die Küche) genannt, ſteht heute noch und hat ſo⸗ gar dem letzten großen Brande im Jahre 1859 getrotzt. 13*½ 196 geblieben, denn Roſenberg litt noch ernſtlich an den Folgen und Nachkrankheiten der furchtbaren Ruhr, die ihn vor Marienburg niedergeworfen und dem Tode nahe gebracht hatte, und ſein Begleiter pflegte ſeine Augen, wovon das eine durch den Pfeilſchuß des Schützen Sigmund von Groß⸗Lichtenau rettungslos verloren gegangen war, während die kluge Behand⸗ lung des jüdiſchen Arztes und die Pflege des Pater Medardus das andere ſeinem Beſitzer erhalten hatte. Zindram hatte ſeine Wohnung im Elbinger Schloß genommen. Auch dem gelehrten Juden wurde ein Zimmer desſelben zu ſeiner Wohnung und die Thurmwarte zu ſeinen aſtrologiſchen Arbeiten einge⸗ räumt, und in der Firmarie befanden ſich die beiden kranken Böhmen noch immer in beſonderer Verpfle⸗ gung des Pater Medardus, der ſie hatte begleiten müſſen, da auf Roſenberg's Verlangen Zindram in ſeine Gefangenhaltung gewilligt hatte. Die Tage des edeln Schwertträgers von Kra⸗ kan vergingen wie immer, ſo auch jetzt in Arbeiten und Mühen, die das Beſte des zerſtreuten, von Krank⸗ heit geſchlagenen Polenheeres bezweckten. Seine wenigen Freiſtunden brachte er gerne in Geſellſchaft des gelehrten Arztes zu, den er oft auf ſeine Sternwarte begleitete, wo er dann auch biswei⸗ len den Mönch ten böl reiche 3 von der die Son Bi Gelehrte verdunke und ſpre den Ste „T mein ge Ben Iſ „Ihr h Euer m mußte d nur bede daß der wie unf um den ſchönſten die Jud in Nicht die fern an den duhr, die m Tode gte ſeine chuß des ttungslos Behand⸗ es Pater en hatte. Elbinger en wurde und die en einge— die beiden Verpfle⸗ begleiten ndram in von Kra⸗ Arbeiten on Krank⸗ gerne in er oft auf hh biswei⸗ 197 len den alten, aus ſamaitiſchem Blute ſtammenden Mönch traf, der in dem edeln Polen und dem gelehr⸗ ten böhmiſchen Juden aufmerkfame und verſtändniß⸗ reiche Zuhörer fand, wenn er ihnen ſeine Hypotheſe von der Bewegung der Erde um ſich ſelbſt und um die Sonne erklärte. r Bisweilen ſaßen die beiden für ihre Zeit großen Gelehrten auch zuſammen in dem noch immer halb⸗ verdunkelten Zimmer des böhmiſchen Fahnenträgers und ſprachen in ſeiner Gegenwart ihre Anſichten über den Sternenhimmel aus. „Das kann Alles ſo ſein wie Ihr es meint, mein gelehrter Herr Pater,“ ſagte eines Tages Joel Ben Iſrael in Gegenwart des Böhmen zu Medardus, „Ihr habt ganz recht, wenn Ihr meint, ſo groß wie Euer menſchlicher Verſtand ſich das Weltall träume, mußte der Allmächtige es auch ſchaffen können. Eines nur bedenkt Ihr nicht, wenn es wirklich wahr iſt, daß der Mond und die Wandelſterne Weltkörper ſind wie unſer Erdball, und ſich in beſtimmten Kreiſen um den Sonnenball bewegen, ſo fällt eine unſerer ſchönſten erhabenſten Wiſſenſchaften, die Wiſſenſchaft, die Jude und Chriſt gleich ſehr ehren, die Aſtrologie, in Nichts zuſammen. A ſelchen Einfl zuß könnten denn die fernen Erdkörper au das SWhlſald der Menſchen 198 haben, die doch unter ihrem Einflüß geboren und dem⸗ ſelben wohl lebenslang unterworfen ſind durch ihr Temperament und Geſchick. Wo blieben unſere Ho⸗ roſcope und Nativitätsſtellungen, wo alle Wahrſagun⸗ gen aus den Sternen, die ſich doch ſo oft als Wahr⸗ heiten bewähren?“ Der rieſige Böhme lachte. „Wahrheiten! das müßt Ihr beſonders mir ſa⸗ gen, Meiſter Joel,“ ſagte er bitter,„mir, dem man aus den Sternen prophezeit hat, daß ich mir aus dieſem Kriege in Preußen einen Namen zurückbringen werde, deſſen Klang alle Jahrhunderte durchtönt.— Ich habe mir einen Namen mit gebracht!— Ziska(den Einäugigen) nennen mich die ſechzehn oder zwanzig Böhmen, die von unſerem wackern Häuflein nicht vor Marienburg durch die Ruhr umgebracht wurden.“ „Und meint Ihr denn, edler Herr,“ entgegnete der Jude,„daß dieſer Name nicht ſo gut wie jeder andere unſterblich werden kann, wenn der Träger des⸗ ſelben unſterbliche Thaten verrichtet? Ihr ſeid noch gar ein junger Mann und könnt dem Namen, der Euch jetzt ſo unheilvoll ſcheint, ewigen Ruhm ſchaffen. Seid Ihr doch ein wackerer Kämpfer, begünſtigt von Euerm angebornen Fürſten, und ein Freund des gro⸗ ßen Ch. man ſa bringen Ei Böhmen 8 anderer, es ſo! W in dem oben in Kronfel der Br und die Schlafe eingreif der Klo * .7 da wir gegenüh „0 id dem⸗ rch ihr ere Ho⸗ rſagun⸗ Wahr⸗ mir ſa⸗ em man nir aus kbringen önt.— cht!— ihn oder Häuflein gebracht atgegnete vie jeder ger des⸗ eid noch ien, der ſchaffen. tigt von des gro⸗ 199 ßen Chriſtenprieſters Johannes Huß, deſſen Lehre, wie man ſagt, der ganzen Welt Frieden und Freiheit bringen wird.“ Ein Blitz ſchien über die entſtellten Züge des Böhmen zu zucken. „Ziska!“ flüſterte er leiſe,„ein Name wie ein anderer, und wohl gemacht Furcht einzuflößen, ſei es ſo! ich will ihn führen und zu Ehren bringen.“ Wenige Stunden ſpäter ſaß Pater Medardus in dem kleinen Stübchen, das der edle Zindram ihm oben in dem Thurme für ſeine Studien eingeräumt hatte, als dieſer ſelbſt eilig und augenſcheinlich in er⸗ regter Stimmung bei ihm eintrat. „Gott helfe mir, ehrwürdiger Vater!“ ſagte der Kronfeldherr, ſich neben dem alten Mönch mit fliegen⸗ der Bruſt niederſetzend,„die Todten ſtehen wieder auf und die Vergangenheit erwacht aus ihrem vieljährigen Schlafe, mit eiſerner Hand in die gegenwärtige Stunde eingreifend. Sprecht, ſeid Ihr nicht der älteſte Mönch der Kloſtergemeinde Oliva?“ „Ja! edler Herr!“ entgegnete Medardus. „Erinnert Ihr Euch meiner und des Momentes, da wir vor Jahren einander unter anderen Verhältniſſen gegenüberſtanden?“ „Sehr wohl, Herr! das Alter vergißt den geſtri⸗ ———— ₰. 200 gen Tag, aber es weiß ſehr wohl, was vor zwanzig Jahren geſchah.“ „Euch wurde damals, als Einem aus ſamaitiſchem lute Stammenden, großes Vertrauen geſchenkt, ehr⸗ würdiger Vater!“ „Ich habe mich beſtrebt, desſelben würdig zu ſein, das mir damals anvertraute Geheimniß iſt heute noch ſicher in meiner Bruſt bewahrt.“ „Wohl! dafür ſei Gott und Euch Dank. die Zeit iſt gekommen, wo Euer Zeugniß von unſchätzbarem Werthe iſt, und Gottes Finger hat Euch ſichtbarlich in mein Lager geführt, damit das Recht ſeinen Sieg davon trage.— Laßt jetzt Eure Studien, mein wer⸗ ther Pater, und kommt mit mir in mein Stübchen, wo Jemand mit Sehnſucht auf Euer Wort wartet.“ In dem kleinen Stubchen, das in beſſeren Zeiten das Privatgemach des jeweiligen Comthurs von Elbing war, und das der polniſche Kronfeldherr jetzt benutzte, ſaß, als Medardus hinter dieſem eintrat, eine in einen Wadmolmantel verhülle Frau. Ihr blaſſes, von grauem Haar umrahmtes Geſicht war von Thränen überſtrömt und ihre Hand, die ſie dem Schwertträger voon Krakau entgegenſtreckte, zitterte heftig. S„So habe ich Euch denn wieder gefunden, Zindram, mein dler Velter, ſagte ſe tief bewegt,„die Gälter meines mich d den laſ kann, d Liebe zu jetzt ſo zu den 0 A wunden ſich ru habe m NReuß JIhr ve⸗ zur Sit ich, ei gegenüb tern da Ihr ſei wie ſe Fürſten und pr anzig iſchem t, ehr⸗ u ſein, e noch ie Zeit barem barlich Sieg a wer⸗ übchen, artet. Zeiten Elbing enutzte, einen „, von hränen tträger ndram, Götter 201 meines Vaterlandes haben mein Flehen erhört und mich den einzigen noch lebenden Verwandten fin⸗ den laſſen, der dem jungen Weſen Schutz gewähren kann, das mir und Euch, gleich nahe verwandt und in Liebe zugehörig, aus vornehmem Chriſtenblut ſtammend, jetzt ſo hilfsbedürftig und veraſten iſt, als gehörte es zu den Nachkommen der ſamaitiſchen Geißeln. „Ich bin dem Zuge des Polenheeres gefolgt mit wunden Füßen, ich habe die Wölfe nicht geſcheut, die ſich rudelweiſe um die Leichenhaufen ſammelten, ich habe mich durch die Poſten geſchlichen, welche Heinrich Reuß von Plauen an der Grenze des Gebietes, das Ihr verlaſſen, aufgeſtellt, und durch die, welche Ihr zur Sicherung dieſer Stadt angeordnet, und hier bin ich, ein elendes gebrochenes Weib, das aber Euch gegenüber doch noch ſich freuen und den ewigen Göt⸗ tern danken kann.“ „Sprecht nicht alſo, Urſula, meine theure Muhme, Ihr ſeid wie alle Abkömmlinge des großen Gedemin, wie ſeine Urenkel Withold und Wladislav, die Fürſten aus ſeinem Blut, auf Chriſti Namen getauft und preiſen wir gemeinſam Gott und die heilige Jung⸗ feau, die es geſtatteten, daß wir uns nach ſo langer Trennung wiederſeh'n.“ Urſula, der der weiße Wadmolmantel, von der 202 hagern Schulter gefallen war, winkte achſelzuckend mit der Hand.„Gut! gutl ſei es ſo,“ entgegnete ſie mit einem Tone der Ungeduld,„ich ſitze nicht zu Ge⸗ richt über die Rechte der himmliſchen Götter, mögen ſie wie die Fürſten der Erde das unter ſich ausma⸗ chen. Ich freue mich Euch zu ſehen, Zindram, und habe mich ſtets gefreut, wenn ich in der Tiefe meines Elends von Euch ſprechen hörte, und daß Ihr ein großer Held und die rechte Hand dieſes falſchen, übermüthigen Wladislav Jagello geworden. „Seit mein edler Gatte den Verbrechertod ſtarb, mein einziger Sohn von dem Mutterherzen geriſſen ward, nachdem ich erfahren, daß das Kind, welches ich erzog, meine holde vielgeliebte Schweſter, elend dahin geſiecht und qualvoll geſtorben, ward Ihr lange der einzige Menſch auf Erden, an deſſen Schickſal ich Theil nahm, bis ich jetzt das verſtoßene beraubte Kind dieſer Schweſter fand.— Um dieſer Jungfrau willen, die verlaſſen und verrathen iſt wie ich ſelbſt, komme ich zu Euch, edler Zindram! Ihr, ein damals faſt kna⸗ benhafter Jüngling, habt Sanaita Hedwiga begleitet, als ſie vor den Nachſtellungen des wüſten Withold heimlich zu ihrem Geliebten eilte, jenem ſtolzen böh⸗ miſchen Vladiken, der ſich Roſenau nannte. „Ein junges, ſchönes, böhmiſches Fräulein, Vlaſta von R ihren Heirat den S ſeines durch! malin Gatter aus de dem f ſtätigu miſchen ſamait ehelich burt il wiga ſo ſol erfüllt tern Landes nem Ringe neben id mit tte ſie Ge⸗ mögen usma⸗ , und meines hr ein lſchen, ſtarb, eriſſen elches elend tlange Theil dieſer en, die me ich t kna⸗ gleitet, Vithold i böh⸗ Vlaſta 203 von Roſenberg, das Abbild Sanaita's, hat ſich vor ihren Lehnsvettern, die ſie mit einer unerwünſchten Heirat bedrohen, nach Preußen geflüchtet, ſie ſuchte den Schutz des Hochmeiſters Conrad und fand den ſeines Nachfolgers Ulrich von Jungingen, der ſie mir durch Ralph, ſeinem treuen Diener, übergab. „Sie beſitzt einen jener Ringe, den Withold's Ge⸗ malin den Jungfrauen gab, die ihr bei der Flucht ihres Gatten Beiſtand geleiſtet, ſie beſitzt dies Kleinod, ſtammend aus dem Nachlaß des großen Gedemin, dem es einſt aus dem fernen Indien gebracht wurde, ſie ſucht die Be⸗ ſtätigung der Trauung ihres Vaters, des großen böh⸗ miſchen Vladiken von Roſenberg mit einer Jungfrau aus ſamaitiſchemoderlithauſchem Blute, mit der Jener in Oliva ehelich verbunden wurde, worauf dieſelbe bald nach der Ge⸗ burt ihrer Tochter im Gefolge der jungen Königin Hed⸗ wiga ſtarb.— Iſt ſie das Kind meiner Schweſter, ſo ſoll ihr Recht erwieſen und ihr höchſter Wunſch erfüllt werden, das habe ich geſchworen bei den Häup⸗ tern meiner Gemordeten, bei den Göttern meines Landes, bei meinem Haß und bei meiner Liebe!“ Sie legte bei dieſen Worten das kleine, aus grü⸗ nem Stein geſchnittene Götzenbild nebſt den bekannten Ringen und noch mehrere andere Kleinodien auf den neben ihr ſtehenden Tiſch, und blickte feſt in das Ge⸗ 204 ſicht des polniſchen Kronfeldherrn, das ſich aufmerk⸗ ſam zu den Koſtbarkeiten niederbeugte. Auch Pater Medardus trat an denſelben, und eine leichte Röthe überflog ſeine gealterten eingefallenen Wangen.„Kronfeldherr von Polen,“ ſagte er, mit feſter Hand das Götzenbild ergreifend,„ich nehme Euch zum Zeugen, daß hierin das Dokument unter⸗ gebracht wurde, welches die Schließung der Ehe des edlen Wock von Neoſenberg mit derj jungen lithauiſchen ürſtin Sanaita Hedwiga aus dem Blute des gro⸗ ßen Herzogs Gedemin beſtätigt.“ Zindram nickte ſchweigend mit dem Haupte und * Medardus drückte an einer Stelle der kleinen Sigur, worauf dieſelbe ſich aus einander nehmen ließ. In der Doppelrinne, den der hohle Stein jetzt bildete, lag ein äußerſt zuſammengerolltes eng beſchriebenes Pergament. „Hier,“ ſagte der Greis, indem er das feine Schrift⸗ ſtück aus einanderlegte, iſt das in lateiniſcher, deutſcher und böhmiſcher Sprache ausgeſtellte Document, das die Trauung der Eltern des Fräuleins von Roſenberg rechtskräftig erweiſet, und hier ſtehen zwei lebendige Zeugen derſelben, der edle Schwertträger von Krakau, Herr Zindram von Machowecz und ich, Pater Me⸗ dardus; hier auf dem Pergameut iſt unſere Namens⸗ unterſchrit und ier die dritte, des nun in Gott rie hend rad Ritte der ſalen ternd ſagte auf ander rad dram Frau Soh o ſe Spra Herz ſtren „Ih ein grim noch merk⸗ und enen mit nehme unter⸗ ſe des iſchen gro⸗. und Figur, n der ag ein ament. chrift⸗ ꝛtſcher „ das enberg endige rakau, Me⸗ mens⸗ it xu- 205 henden Hochmeiſters des deutſchen Ordens, Herrn Con⸗ rad von Jungingen, der damals Waffenbruder des Ritters von Roſenau und Trapier des heiligen Ordens der deutſchen Herrn unſerer lieben Frau von Jeru⸗ ſalem war.“ Urſula hatte das feine Pergament mit ihrer zit⸗ ternden Hand ergriffen, und es an ihr Herz drückend, ſagte ſie mit faſt jauchzender Freude: „So bin ich nicht mehr einſam und kinderlos auf Erden, die Tochter meiner Schweſter hat keine andere Mutter als mich, und für den Sohn, den Con⸗ rad Letzkau mir entriß, gibt Eure Hand, edler Zin⸗ dram, mir in dieſer Tochter Erſatz.“ „Ich habe Euch mehr als dies zu geben, edle Frau,“ entgegnete Zindram mit Rührung.—„Der Sohn, der Euch entriſſen ward und den Euer Herz ſo ſchwer betrauert, lebt!“ Die alte Frau heftete einen irren Blick auf den Sprecher.„Treibt nicht Scherz mit dem gebrochenen Herzen einer Mutter,“ ſagte ſie mit äußerſter An⸗ ſtrengung, dem Zittern ihrer Stimme Einhalt thuend. „Ihr ſeid ein Mann und wißt nicht, was es heißt, ein Kind ſelbſt hingeopfert zu haben, und neben dem grimmigen Schmerz um den Verluſt desſelben auch noch den nagenden Stachel der Reue in der Bruſt zu 206 tragen.— Als ich in dem wilden Walde der Grenze dieſes Landes, wo wir auf der Flucht vor Withold's Grimm mit den ſamaitiſchen Geißeln zuſammentrafen, bei der Leiche meines ſchändlich ermordeten Gatten zurückblieb, ſah ich voll ohnmächtiger Verzweiflung meinen Knaben ſortſchleppen von den eigenen Hän⸗ den des tückiſchen Conrad Letzkau. „Ich hörte ſein Hilfegeſchrei in der Ferne verhal⸗ len und wollte in meiner verzweifelten Herzens⸗Em⸗ pörung die theure lebloſe Hülle nicht verlaſſen. Jener Schändliche, der den Befehl gegeben, welcher den freien Bojaren Lithauens zum Verbrechertode verurtheilte, glaubte mich zwingen zu können, ihm zu folgen, indem er mir mein Kind entriß. Es war Trotz, Wahnſinn, Ver⸗ zweiflung des liebenden Frauenherzens, daß ich die Leiche des Gatten dem lebenden Kinde vorzog. O ihr Götter meines Volkes! als ich zur Beſinnung kam, als ich wieder dachte und den Knaben an meiner Seite nicht mehr fand, nicht lebend und auch nicht ſeine Leiche, da ging ich dem Zuge nach, den von Wölfen zernagte Leichen mir bezeichneten. Ich traf auch die unglückli⸗ chen Samaiten wieder, die Letzkau zuſammengekop⸗ pelt wie eine Viehheerde, mit wenigen Soldknechten des Ordens vorwärts getrieben, aber—— weh mir, mein Kind, mein ſchöner Knabe, war nicht mehr bei il ein Leiche von Sung nende ohnm den ſ ich fr wurze chen, mich Trun ihrer Fetze leben ſeine in di Grenze ithold's atrafen, Gatten veiflung Hän⸗ verhal⸗ 8⸗ Em⸗ . Jener n freien rlheilte, , indem n, Ver⸗ e Leiche Götter als ich ite nicht Leiche, zernagte glückli⸗ ngekop⸗ knechten — weh ht mehr 207 bei ihnen, und ein Weib aus ihrem Zuge, ſie hatte ein todtes Kind in ihren Armen und trug die kleine Leiche mit Anſtrengung ihrer Kräfte, um ſich nicht von ihr zu trennen, ſagte mir, daß mein Kind, mein Sungalo, den Anſtrengungen des Marſches, dem bren⸗ nenden Durſte, dem nagenden Hunger erlegen und ohnmächtig oder todt in der Waldeinöde gelaſſen wor⸗ den ſei. „Ich kehrte den Weg zurück, den ich gekommen, ich friſtete mein Daſein mit Brombeeren und Natter⸗ wurzeln und irrte Tage, Wochen durch die fürchterli⸗ chen, verſumpften Wälder.— Die Grenzhüter ließen mich ziehen, ja ſie gaben mir Nahrung und einen Trunk Waſſer, wenn mein irrer Fuß mich zu einer ihrer Hütten trug. „Ich fand von Wölfen zernagte Menſchenknochen, Fetzen der einſt reichen Bekleidung dieſer armen Sa⸗ maiten, ich fand— meines Knaben Gurt, den ich ſelbſt geſtickt, er ſelbſt war verſchwnnden! Die Thiere der Wildniß hatten ſeinen ſchönen Leib vielleicht noch lebend und vor Schmerz zuckend zerriſſen, und ich, ſeine Mutter, hätte ihn retten können.“ Sie hatte ſich durch dieſe Erzählung allmälig in die wildeſte Aufregung verſetzt. Ihre dunkeln Au⸗ 208 gen flammten, ihr bleiches Geſicht verzerrte ſich und blutiger Schaum ſtand auf ihren bläulichen Lippen. Der Schwertträger von Krakau legte ſei ne ſchlanke Hand auf ihre Schulter und ſagte halb entſetzt, halb theilnahmsvoll: „Faßt Euch, meine unglückliche Muhme, faßt Euch, und dankt der heiligen Jungfrau für die Ret⸗ tung.—— „Schweigt! ſchweigt!“ unterbrach ſie ihn in wil⸗ deſter Wuth',„der heiligen Jungfrau ſoll ich danken, weil mein elendes Leben gerettet ward? O, an jedem Abend, wo ich mein Kind ſuchte und nicht fand, hab' ich den Göttern meines Volkes Rache gelobt für das geraubte Leben meines Gatten und meines Sohnes. Ich hab' geſchworen, dieſem Conrad Letzkau die Angſt, die Reue, die Verzweiflung fühlen zu laſſen, die meine Bruſt zerfleiſchten, ihn, den ſchändlichen Mörder, ehr⸗ los, kinderlos, troſtlos zu machen, und ihm an jedem Tage ſeines Lebens einen Wermuthtropfen in den Kelch ſeines Glückes zu gießen.— Ich bin Jahre lang umhergeirrt, die Spuren meines Kindes zu ſu⸗ chen, man hielt mich für eine Wahnſinnige und ich bin es auch vielleicht, aber der Wunſch, mich zu rächen iſt immer klar und deutlich in meinem Herzen geweſen! Als mir jede Hoffnung ſchwand, mein Kind Kind, wieder Gatten Conra Danzig von N Ich ho ten ha ner V über i mutter lein ſt geweih⸗ lein a vor. J dem ich unrecht auf ſein wuchs mein ü einen ihres f . Feindeg Ein B. ſich und Lippen. eſchlanke etzt, halb me, faßt die Ret⸗ t in wil⸗ ) danken, an jedem und, hab' für das Sohnes. die Angſt, ſie meine der, ehr⸗ an jedem in den in Jahre s zu ſu⸗ und— mich zu m Herzen ein Kind 209 wiederzufinden, fand ich doch ihn wieder, der mir den Gatten gemordet, den Sohn geſtohlen hatte. Ihn! Conrad Letzkau! den geehrten Bürgermeiſter von Danzig! Horcht, Schwertträger von Krakau, Zindram von Machowecz! Ihr in beſſerer Zeit mein Vetter. Ich habe mich gerächt.— Drei Söhne des Verruch⸗ ten habe ich durch den Zauber aus dem Lande mei⸗ ner Väter getödtet, indem ich die Worte des Fluches über ihr junges Leben ausſprach, wann die Wehe⸗ mutter ſie zur Taufe in die Kirche trug. Die Kind⸗ lein ſtarben in Krämpfen und wurden begraben in geweihter Erde. Ich aber grub bei Nacht die Knöch⸗ lein aus und warf ſie in den Wäldern den Wölfen vor. Ich verbitterte jede Stunde des Verfluchten, in⸗ dem ich ihn an den Namen deſſen erinnerte, den er unrechtmäßig, ehrlos und erbarmenlos tödtete. „Ich ſchrieb Sungalo's Namen an ſeinen Ruheplatz, auf ſeinen Ehrenſeſſel, an ſeinen Kirchſtuhl, und als das Kind, deſſen Leben meinem Zauber widerſtanden, heran⸗ wuchs und ein ſchönes Mädchen ward, da lockte ich ſie in mein übel berufenes Haus, vergiftete ihre Adern durch einen Liebestrank, und ihren Ruf durch die Handlungen ihres frechen Liebhabers, zu denen ich ihn anſpornte.“ „Ich habe mich feſt geheftet an die Ferſen meines Feindes, ich habe alle Weisheit der klugen Frauen mei⸗ Ein Bürgermeiſter. III. 14 210 nes Volkes, die ich in meiner Jugend heimlich, ohne Wiſ⸗ ſen meiner getauften Mutter, von meiner Amme erlernte, all' mein bei unſ'rer Flucht gerettetes Gut, das mich zur reichen Frau machte unter dieſen Danziger Krämern, darauf verwendet, ihn zu ſchädigen; aber er lebt, er hat ein Weib, das ihn liebt, ſeine Tochter iſt trotz Allem, was ich ihr anthat, eine vornehme und geachtete Frau, er wird bald einen Enkel in ſeinen Armen wiegen, und ich, — o und ich—“ die Stimme verſagte ihr, ſie ſchlug die Bruſt, die krampfhaft flog, mit ihren dürren Armen, ihre thränenloſen Augen ſchloſſen ſich und ſie ſank erſt in die Kniee und dann fiel plötzlich ihr Haupt mit hartem Auf⸗ ſchlage zu Boden. Pater Medardus nahm ſie in ſeine Arme und rieb ihre Schläfen und Handwurzeln, während Zindram eilig Befehl gab, den jüdiſchen Arzt herbei zu rufen, von deſ⸗ ſen Weisheit man kräftigen Beiſtand für die Leidende er⸗ warten konnte. „Und das iſt eine getaufte Chriſtin,“ ſagte der alte Mönch mit leiſem, wehmüthigen Ton,„getauft auf den Namen des Erlöſers, der, am Kreuze ſterbend, um Ver⸗ gebung für ſeine Mörder betete, und ihre Unwiſſenheit als Rechtfertigung für ihre Verbrechen anführte?“ „Dieſe Frau,“ flüſterte Zindram, indem er den ſtarren Körper Urſula's auf ein nahes Lager trug,„iſt meine berin u „. dardus wohl we auf das leuchten eines G ähnliche ſchen u üben. „8L Ueberfli len böſe auch ih überſtrö gefügte ſem He lich un ihrer S wenn ſi empfän iſt, den Glück ſi Wiſ⸗ ernte, h zur mern, er hat „was 1, er ꝛ ich, ng die , ihre in die Auf⸗ d rieb eilig n deſ⸗ de er⸗ er alte uf den Ver⸗ eenheit er den 3, niſt 211 meine nahe Verwandte, aber leider eine gefährliche Zau⸗ berin und große Sünderin.“ „Eine große Sünderin iſt ſie wirklich,“ ſagte Me⸗ dardus milde,„aber edler Schwertträger, ihr Zauber iſt wohl wenig zu fürchten, ſo lange er ſich auf bloße Worte, auf das Durchbohren eines Wachsherzens, auf das Be⸗ leuchten eines Platzes mit einem Lichte, dem der Finger eines Gehängten zum Leuchter dient, und all' dem andern ähnlichen Hokus⸗Pokus beſchränkt, mit dem die litthaui⸗ ſchen und ſamaitiſchen Weiber ihre Zaubereien aus⸗ üben. „Sie iſt ſehr ſchuldig, weil ihre Seele voll zum Ueberfließen iſt von Haß und Rachſucht, weil ihr Wil⸗ len böſe geweſen, und ſie, ſo weit ihre Kräfte reichten, auch ihrem Feinde Böſes zugefügt hat. All' die volle überſtrömende Liebe ihres Herzens iſt durch das ihr zu⸗ gefügte Leid in Haß verwandelt worden, doch iſt in die⸗ ſem Herzen eine Umwandlung zur Liebe immer noch mög⸗ lich und wahrſcheinlich; hat doch die Liebe zu dem Kinde ihrer Schweſter noch immer Platz darin gefunden, und wenn ſie durch Euch, werther Herr, ihren Sohn wieder empfängt, der, wie mir ſcheint, jener ritterliche Jüngling iſt, den der Withing Gedete adoptirt hat, ſo wird ihr Glück ſie milde, verſöhnlich und chriſtlich machen.“ 14* 212 „Ihr mögt Recht haben, ehrwürdiger Vater,“ ent⸗ gegnete Zindram. „Es iſt eine große Freude für mich, Euch, den ich längſt im Himmel glaubte, noch einmal auf Erden zu be⸗ gegnen. Darum erſchien mir Euer ehrwürdiges Ange⸗ ſicht ſowohl bekannt, als ich Euch im Zelte des Herrn von Roſenberg als Gefangenen antraf, für deſſen Leben und Wohlſein ich, ſo lang er den Fahnen Polens folgte, warmen Antheil nahm, als für einen Verwandten des Gatten Sanaita's, da er den Jahren nach ihr Sohn nicht wohl ſein konnte. „Er iſt einer der Lehensvettern, denen die großen Beſitzungen von dem Gemal jener Edelfrau zufallen müſſen, da das Geſchick ihm einen Sohn verſagte. Dem jungen Fräulein bleibt an Land und Gold genug, um ſie zu einer der reichſten Erbinnen in allen kaiſerlichen Lan⸗ den zu machen. Die Lehensvettern aber machen ihr dies ſtreitig und wollen, falls ſie ihre rechtmäßige Abkunft be⸗ weiſen kann, ſie zur Ehe mit Einem von ihnen zwingen. Der Abt von Oliva, Herr Jakobus, der ſehr wohl um ihre Abſtammung weiß, da er die Bücher, welche die Beſtätigung der Trauung ihrer Eltern enthalten, ſelbſt an einem heimlichen Orte verborgen hat, will das junge Mädchen für das Kloſter gewinnen. Es iſt meine Pflicht, Euch, Herr Zindram, dem nahen Ver⸗ mit d wand Ihr des, guten hat, u wird, kellehn hatten Ben Urſule ſich j Arzt i der S Schla Bewu wachte ſeiner leuten beiden ten, u ſentw der C eut⸗ den ich zu be Ange⸗ Herrn Leben folgte, tten des r Sohn großen zufallen 2. Dem um ſie en Lan⸗ ihr dies unft be⸗ wingen. vohl um welche ithalten, vill das Es iſt den Ver⸗ 213 wandten der Jungfrau, dies Alles genau zu ſagen, ſeid Ihr doch der einzige lebende Beſchützer des armen Kin⸗ des, das fremd in unſerm Lande und ganz unbekannt mit deſſen Sitten und Vorurtheilen, ſich das Kleinod des guten Rufes durch gewiſſe Unvorſichtigkeiten verſcherzt hat, und eines ſichern Schutzes auch dann noch bedürfen wird, wenn ihre Geburt und ihre Rechte auf das Kun⸗ kellehn der Roſenberge vollſtändig erwieſen ſind.“ Der Schwertträger von Krakau und der alte Mönch hatten leiſe von dieſen Dingen geſprochen, weil Joel Ben Iſrael mit der noch immer in Krämpfen zuckenden Urſula. ſich im Nebenzimmer befand. Die alte Frau hatte ſich jetzt allmälig beruhigt, und während der jüdiſche Arzt ihr mit ſeinen beiden Daumen an den Schläfen von der Stirn abwärts ſtrich, verfiel ſie in einen ruhigen Schlaf, aus dem ſie nach einer Stunde mit dem vollen Bewußtſein deſſen, was ihr geſagt worden war, er⸗ wachte. Der edle Zindram dankte nun für die Stärkung ſeiner Verwandten, erbat dann von den böhmiſchen Edel⸗ leuten die Freilaſſung des alten Mönches, und gab den beiden Perſonen, die zuſammen nach Danzig reiſen woll⸗ ten, um der verlaſſenen Vlaſta das zu bringen, um deſ⸗ ſentwillen ſie aus ihrer Heimat gezogen, die Beſtätigung der Ehe ihrer Eltern, ſicheres Geleit durch das Lager der 214 Polen und Anweiſung, wo Urſula den verlorenen Sohn in günſtigen und ehrenhaften Verhältniſſen zu finden hof⸗ fen könne. Mit der Gewißheit die Tochter ihrer Schweſter und in der ſeligen Hoffnung, den geliebten Sohn wieder ge⸗ funden zu haben, war Urſula nicht mehr das elende, ge⸗ brochene Weib, das, nur auf Böſes ſinnend, im Aeußern ſchon hexenhaft und abſcheulich erſchien, ſondern eine ſtattliche Matrone von edelm Ausſehen. 4 Sie ritt ein ſchönes, weißes Maulthier, das ihr Vetter Zindram geſchenkt hatte, Pater Medardus be⸗ gleitete ſie auf einem ruhigen braunen Gaul, und ſechs gut berittene Knechte gaben den Reiſenden das Geleit bis zu den Wachen, die Heinrich Reuß von Plauen hin⸗ ter Marienburg aufgeſtellt hatte und die den wohlbekann⸗ ten Pater Medardus aus Oliva und die von ihm beſchützte Frau ruhig ihres Weges ziehen ließen, ihnen mit Vorſicht die Nogatfurth zeigend, da die Pfahlbrücke über den Strom noch nicht wieder hergeſtellt worden war. ren Wer hatt gen über Nog ten die Pfo zwit den zeln Mo teſt ber gin n Sohn den hof⸗ ſter und eder ge⸗ nde, ge⸗ Aeußern ern eine das ihr dus be⸗ nd ſechs Geleit uen hin⸗ lbekann⸗ heſchützte Vorſicht ber den Siebentes Capitel. In den weiten Hallen der Marienburg und in ih⸗ ren geräumigen Höfen herrſchte Stille und Einſamkeit. Wenige Wochen nach dem Abzuge des polniſchen Heeres hatten die Bürger und Landleute den Schutz der mächti⸗ gen Mauern verlaſſen, die Herbſtſtürme zogen brauſend über die hohen Zinnen und peitſchten die Gewäſſer der Nogat, daß ſie mit feuchten Zungen an den Fundamen⸗ ten der ungeheuren Gebäude leckten. Freilich zeigten Mauern, Dächer, Fenſter und Thore die Spuren der ſchweren und langen Belagerung; die Pfahlbrücke, ſonſt in beſſern Zeiten eine feſte Verbindung zwiſchen der Stadt und dem Werder, war verſchwun⸗ den und aus dem Bette des Stromes ragten nur ein⸗ zelne halb angebrannte Pfähle hervor. Schon waren aber Maurer und Steinmetze eifrig beſchäftigt, die ſchadhaf⸗ teſten Stellen des Mauerwerkes wieder herzuſtellen. Ue⸗ ber den Hof ſchritten einzelne ſtattliche Rittergeſtalten; ſie gingen an ihre Geſchäfte in den verſchiedenen Theilen ——y—— 216 des Schloſſes und begrüßten einander im Vorüberſchrei⸗ ten mit dem Gruß: „Gelobt ſei Jeſus Chriſtus.“ „In Ewigkeit! Amen!“ Wer vor Kurzem noch den wilden Lärm der Bela⸗ gerung und Vertheidigung hier mit erlebt hatte, den mußte die Stille der Burg erhebend und feierlich ſtim⸗ men, und die jetzt ertönenden Klänge der Orgel, beglei⸗ tet von dem Geſange der Ritterbrüder, die in den ſchö⸗ nen Hallen der Kirche ein feierliches Hochamt begingen, konnten dieſe Stimmung nur erhöhen. Es war Nachmittag etwa drei Uhr, die Winter⸗ ſonne war durch die Wolken gebrochen, die ſie während dieſes ganzen Tages verhüllt hatten, und ſtreute goldene Sterne auf die im Winde wogenden Wellen des Nogat⸗ ſtromes. An dem Fenſter des Stübchens, das auf dieſen hinabſchaut, ſtand der edle und kühne Vertheidiger der Marienburg, Herr Heinrich Reuß von Plauen, zur Zeit noch Vertreter des in Gott ruhenden Hochmeiſters deut⸗ ſchen Ordens unſerer lieben Frau von Jeruſalem; ſein junger Neffe, Herr Heinrich von Plauen, Comthur von Danzig, war bei ihm, und die beiden Verwandten waren in einem ernſten und bedeutungsvollen Geſpräch be⸗ griffen. „2 iſt,“ ſag zurück m Ich habe edlen N bieten n Ordens lübden; meines die preu ärmeren und ver⸗ Leben fi lein zu t kellehns Jakobus möglich, Orden; eröffneſt die Dich und wirt terloſe liebte, w „9 nete der ſchrei⸗ Bela⸗ , den ſtim⸗ beglei⸗ n ſchö⸗ gingen, Jinter⸗ ährend oldene Nogat⸗ dieſen ger der r Zeit deut⸗ ; ſein ir von waren ch be⸗ „Wenn das Dein feſter, unumſtößlicher Entſchluß iſt,“ ſagte der ältere, ſich jetzt wieder nach dem Zimmer zurück wendend,„ſo kann ich weiter nichts dagegen ſagen. Ich habe die letzte Bitte unſeres entſchlafenen Freundes, des edlen Meiſter Ulrich, erfüllt, indem ich Dir das Aner⸗ bieten mache, allen meinen Einfluß, ja allen Einfluß des Ordens in Rom auf Deine Freiſprechung von den Ge⸗ lübden zu verwenden. Du ſollſt innerhalb der Grenzen meines Gebietes ſo viel Land empfangen, daß Du wie die preußiſchen Withinge oder jene Eingewanderten vom ärmeren deutſchen Adel, arbeitend Deinen Acker bebauend und veredelnd, mit Weib und Kind ein anſpruchloſes Leben führen kannſt; mehr für Dich oder das Edelfräu⸗ lein zu thun, deſſen Anſprüche auf den Beſitz des Kun⸗ kellehns der Roſenberge dieſer falſche, verrätheriſche Abt Jakobus zu nichte gemacht hat, iſt in dieſen Zeiten nicht möglich, und wenn Du wirklich feſt entſchloſſen biſt, im Orden zu bleiben, ſo ſparſt Du mir tauſend Sorgen und eröffneſt Dir ſelbſt, ſo hoffe ich, eine glänzende Laufbahn, die Dich zu den höchſten Ehren und Würden führen kann und wird. Nur das Mädchen, das arme vater⸗ und mut⸗ terloſe Kind, das Ulrich von Jungingen ſo väterlichee liebte, was wird aus ihr?“ „Ihr werdet ſie beſchützen, mein Oheim,“ entgeg⸗ nete der junge Mann mit feſter Stimme. „Jetzt an Liebesluſt zu denken wäre für einen Rit⸗ ter unſeres vor Kurzem noch ſo ruhmreichen Ordens eine Felonie, die kein Mann von Ehre, kein deutſcher Edel⸗ mann ſich jemals vergeben könnte.“ „Ich bin lange mit mir ſelbſt zu Rathe gegangen und zu dieſem Schluß gelangt.“ „Ich will des Fräuleins wegen,“ entgegnete der Vertreter,„an den weiſen und würdigen Magiſter Jo⸗ hannes Huß ſchreiben. Sein Name hat in Böhmen bei Hoch und Niedrig einen guten Klang und iſt ſogar nicht ohne Einfluß auf den Willen Kaiſer Wenzel's. Zwar haßt dieſer das Geſchlecht der Roſenberge, doch das macht ihn vielleicht um ſo eher geneigt, einen Theil des Ver⸗ mögens, das ſie beanſpruchen, der Jungfrau zuzuſichern, die zwar die Enkelin ſeines Todfeindes, aber für ihn nicht zu fürchten iſt.“ „Sei es ſo,“ entgegnete der Comthur,„und jetzt, mein Oheim, eilen wir, eine Angelegenheit in's Werk zu richten, die für den deutſchen Orden im Augenblick das Allerwichtigſte iſt, die Beſtätigung Eurer Perſon in der Meiſterwürde, die Ihr in der ſchwerſten Zeit ſo edel vertreten habt.“ „Ich denke, dafür iſt bereits das Nothwendige ge⸗ ſchehen,“ ſagte Herr Heinrich Reuß von Plauen.„Bru⸗ der Michael Küchenmeiſter von Sternberg, dem ich noch währen des Or ſeinen ein ſtar der Ju gegnete terliſtig und Ve ſind zu gen Br welches ner, de kennt.“ ſo ſchw habe do ner wer inen Rit⸗ dens eine hher Edel⸗ gegangen egnete der giſter Jo⸗ öhmen bei ſogar nicht 8. Zwar das macht des Ver⸗ zuzuſichern, er für ihn „und jetzt, 's Werk zu henblick das rſon in der zeit ſo edel vendige ge⸗ ien.„Bru⸗ em ich noch 219 während ſeiner Gefangenſchaft bei den Polen die Würde des Ordensmarſchalls verlieh, iſt geſtern heimgekehrt, in ſeinen Händen liegt die Anordnung dieſer Sache, er iſt ein ſtarker und kluger Mann, und noch aus den Tagen der Jugend mein perſönlicher Freund.“ „Ich habe kein Zutrauen zu dieſem Manne,“ ent⸗ gegnete der Comthur,„ich halte ihn für falſch und hin⸗ terliſtig, jedoch kann Euch, mein Oheim, wohl kein Feind und Verräther ſchaden, Eure Verdienſte um den Orden ſind zu groß und augenfällig, und es iſt unter den weni⸗ gen Brüdern, die das grauſe Elend durchgemacht haben, welches dieſer Polenkrieg über uns brachte, ſicherlich kei⸗ ner, der Eure Anſprüche an die Meiſterwürde nicht aner⸗ kennt.“ „Ich habe gethan, was ein Mann thun kann in ſo ſchweren Zeiten, keiner kann eben mehr thun, aber ich habe das feſte Vertrauen zu den Brüdern, daß auch kei⸗ ner weniger gethan hätte als ich. „Wir haben dieſe Burg bewahrt, daß kein Fuß ei⸗ nes falſchen Polen ihre heilige Schwelle entweihen durfte, aber doch hat dieſer Wladislav Jagello, vom Kriegs⸗ glück begünſtigt, dem Orden harte Demüthigungen auf⸗ erlegt. Die ſchlimmſte davon iſt die, daß polniſche Edel⸗ leute von jetzt an in die Bruderſchaft aufgenommen wer⸗ den ſollen, die ſich mit Recht bisher deutſche Ritter ————— 4.— nannte. Es iſt aus mit dem Deutſchen Orden Unſe⸗ rer Frau zu Jeruſalem, und Heinrich Reuß von Plauen wird der erſte Meiſter ſein, der zu einem Polen in den Hallen der Marienburg„mein Herr Bruder“ ſagen muß.“— Während dieſes Geſpräches der beiden Verwand⸗ ten hatte der frühe Abend ſeinen Schleier über die Ge⸗ gend gebreitet. Die Ordensbrüder kamen, ein kleiner Zug ernſter Männer, aus der St. Annenkirche und ſchritten ſchweigend über den dunkeln Hofraum. Ganz zuletzt ver⸗ ließ der Prieſterbruder Johannes Lindenblatt das Got⸗ teshaus. Während er noch beſchäftigt war, die eichene Thär feſt zu verſchließen, legte ſich eine Hand ſchwer auf ſeine Schulter und eine Stimme flüſterte in ſein Ohr: „Ich möchte Euch ſprechen, Herr Puſilie, unter vier Augen, wo möglich, in wichtiger Angelegenheit.“ „Ah, Ihr ſeid's, Bruder Marſchall von Stern⸗ berg,“ entgegnete der Geiſtliche,„ich ſah Euch ſchon in der Kirche und freute mich von Herzen, daß es dem ed⸗ len Vertreter gelungen iſt, Euch aus Eurer polniſchen Gefangenſchaft zu erlöſen. Ihr wart nicht bei Tanneberg, wo Ulrich von Jungingen ſein ritterlich' Leben ritterlich beſchloß?“ „Nein, Herr Puſilie! Die Polen haben mich bei Krone, gehoben Kampfe Gott, ſeiner „ Sternbe Herr Li der Me „2 mit ſein Gottes gegnete „2 blatt,“ wenngle doch nich höchſten Vertrau Augen! und ſei berüchtiz bans p. dieſer P 1 en Unſe⸗ Plauen n in den ¹ ſagen zerwand⸗ die Ge⸗ iner Zug ſchritten tletzt ver⸗ das Got⸗ ene Thär auf ſeine hr: ie, unter egenheit.“ on Stern⸗ ſchon in es dem ed⸗ polniſchen kanneberg, ritterlich n mich bei 221 Krone, wo ich mit einem kleinen Schlachthaufen lag, auf⸗ gehoben und weggeſchleppt nach dem unritterlichſten Kampfe, wo ſie 20 gegen Einen fochten.“ „Ihr erlagt eben der Uebermacht, ſo wollte es Gott, der den Orden demüthigen wolle, vielleicht um ſeiner Sünden willen!“ „Wahr! wahr!“ flüſterte der Marſchall von Sternberg,„o, nur zu wahr, und was ſagt Ihr dazu, Herr Lindenblatt, daß Heinrich Reuß von Plauen nach der Meiſterwürde ſeine Hand ausſtreckt?“ „Daß er ſie bei der Vertheidigung der Marienburg mit ſeinem Blute erworben hat und ſicherlich zur Ehre Gottes und der heiligen Jungfrau verwalten wird,“ ent⸗ gegnete der Befragte. „Das kann Ener Ernſt nicht ſein, Herr Linden⸗ blatt,“ flüſterte Tanneberg,„Ihr, ein römiſcher Prieſter, wenngleich ein Halbbruder deutſchen Ordens, könnt es doch nicht billigen, daß dieſer offenkundige Ketzer zur höchſten Würde im Orden gelangt. Solltet Ihr, der Vertraute des Meiſters Ulrich, es mit Eueren offenen Augen nie bemerkt haben, welche Verhandlungen dieſer und ſein Freund Heinrich Reuß von Plauen mit dem berüchtigten landflüchtigen, franzöſiſchen Ketzer St. Al⸗ bans pflegte? Solltet Ihr es wirklich nicht wiſſen, daß dieſer Plauen mit dem böhmiſchen Magiſter Johannes Huß einen eifrigen Briefwechſel führt? Die Peſt der Ketzerei hat ſich in den Orden geſchlichen, den fromme Herzen einſt zur Ehre Gottes und ſeiner heiligen Mutter ſtifteten. Heinrich Reuß von Plauenwird Meiſter deutſchen Ordens werden, und ihn zum ſchnödeſten Abfall von der heiligen Kirche verführen, denkt an mein Wort, Herr Lindenblatt! Das Alles kann und wird kein gutes Ende nehmen, zumal da die Bürger aller Städte des Landes gegen den Orden aufſäßig ſind wegen des ſ chlechten und ſittenloſen Lebens, das die jungen Brüder führen.“ „Sollte ſich das in neueſter Zeit ſo ſehr verſchlim⸗ mert haben?“ ſagte Herr Lindenblatt mit ziemlich be⸗ deutſamer Betonung.„Ich hörte, daß zur Zeit des keuſchen und ſtrengen Conrad von Jungingen eine Ma⸗ rienburger Jungfrau getheert und gefedert ward wegen ihrer Vergehungen mit einem Ordensbruder, und daß eine Danziger Jungfrau Hand an ihr junges Leben legte, oder was auch nicht unwahrſcheinlich iſt, ohne Beichte und Abſolution von ihrem Buhlen getödtet ward, der ein be⸗ rühmter Ritter deutſchen Ordens geweſen ſein ſoll.“ Es war dunkel auf dem Hofe, den die Beiden leiſe überſchritten, und nur das Auge, das in's Verborgene ſieht, konnte wahrnehmen, ob dieſe Worte die gebräunten Wangen des ſtattlichen Ordensmarſchalls erröthen oder erbleichen ließen. Se ſo ruhig lichem S Sünden gen word ſtus ſchon aber das blatt, ſo deutſchen eine geſun So Sternber Wohnung ſuchte den mit dem wollte, u geben.— Es trude, der und ſelige Ihr die Grüf deſſen Liel ehre gewe Der eſt der romme Mutter utſchen don der Herr 8 Ende Landes ten und 1 rſchlim⸗ lich be⸗ eit des ne Ma⸗ dwegen nd daß n legte, chte und ein be⸗ ll.“ den leiſe borgene räunten en oder Seine Stimme aber war unverändert und klang ſo ruhig und gefaßt wie immer, als er nach augenblick⸗ lichem Schweigen ſagte:„Ja, mein Herr Lindenblatt, Sünden und Uebertretungen ſind zu allen Zeiten began⸗ gen worden, und es iſt ein Wort der Wahrheit, das Chri⸗ ſtus ſchon zu den Apoſteln ſagte:„Der Geiſt iſt willig, aber das Fleiſch iſt ſchwach!“— Morgen, Herr Linden⸗ blatt, ſoll Heinrich Reuß von Plauen als Hochmeiſter deutſchen Ordens beſtätiget werden. Ich wünſche Euch eine geſunde Nacht und gute Träume!“— So trennten ſich die Beiden; der Marſchall von Sternberg durchſchritt die gewölbten Gänge, die zu der Wohnung des Meiſters führten; Johannes Puſilie aber ſuchte den alten Compan Herrn Sigmund Brendel auf, mit dem er noch einen Gang in die Firmarien machen wollte, um einer ſterbenden Frau die letzte Oelung zu geben.— Es war dies keine andere, als die unglückliche Wal⸗ trude, deren leidenvolles Leben jetzt endlich einem ruhigen und ſeligen Ende nahte. Ihr Sohn war zu ihr zurückgekehrt und hatte ihr die Grüße und Segenswünſche Desjenigen gebracht, deſſen Liebe der Grund all' ihres Jammers und ihrer Un⸗ ehre geweſen. Der ehemalige Ordensritter Walter von Oels war 224 in ein Kloſter ſtrengſter Obſervenz eingetreten, und büßte die Schuld ſeiner Jugend, ohne das Andenken an das Weib, das ihm Alles geopfert hatte, aus ſeinem Herzen zu reißen. Er hatte den Sohn ſeiner Liebe und Schuld geſegnet, und hatte, als ſie ſich trennten, ihm geſagt, wie ſehr es ihn tröſte, daß der Jüngling bei ſeiner geiſtlichen Laufbahn den Troſt der Wiſſenſchaften zur Begleitung habe. „Was den Geiſt erhellt, das erfüllt und befriedigt auch die Sehnſucht des Herzens,“ waren die letzten Worte des Märtyrers ſeiner ſchuldigen Liebe geweſen. Bruder Amadeus pflegte ſeine Mutter bei ſeiner Rückkehr nach der Marienburg, er empfing ihren letzten Segen, und als ſie jetzt, verſehen mit allen Gnaden⸗ mitteln der heiligen Kirche, geſtorben war, kniete er weinend an ihrem Lager, wo der alte Compan Sigmund Brendel ihm eine ziemlich bedeutende Geldſumme ein⸗ händigte, das Erbe ſeines Großvaters, das der greiſe Freund ſeiner Familie ſeit Jahren ſchon von dem Ge⸗ ſchützmeiſter Wolf empfangen hatte, um es dem Kinde der verlorenen Tochter zu bewahren. Wenige Stunden, nachdem der Unglückliche ſeinen Verrath gegen den Orden ſcheitern ſah, hatte ein Schlag⸗ fluß ſeinem Leben ein plötzliches Ende gemacht, und Niemand außer ſeiner einſamen Tochter hatte an ſeinen Tod au umtobe S zen und Kloſter und Lel hin zog hofe nel armen er ſein Jugend T Marien als Ho Befehl net hat Marien kirche C der Ae thanen liche, kann, anderen Ein Be nd büßte an das Herzen Schuld ſagt, wie eiſtlichen egleitung befriedigt die letzten eweſen. bei ſeiner en letzten Gnaden⸗ kniete er Sigmund mme ein⸗ der greiſe dem Ge⸗ em Kinde che ſeinen n Schlag⸗ acht, und an ſeinen Tod auch nur gedacht, im Gewühle des die Marienburg umtobenden Kampfes. So war der junge Mönch mit ſeinem ſanften Her⸗ zen und hellem Geiſte allein in der Welt und das ſchöne Kloſter Oliva, wo er den Pater Medardus, ſeinen Freund und Lehrer, zu finden hoffte, ſeine einzige Heimat. Dort⸗ hin zog ihn ſeine Sehnſucht, und als er auf dem Kirch⸗ hofe neben der Annenkapelle, dem irdiſchen Theile ſeiner armen Mutter, die letzte Ruheſtätte bereitet hatte, ſchürzte er ſeine Lenden, und kehrte dahin, wo ſeine früheſte Jugend in Frieden verfloſſen war, zurück. Der junge Mönch verließ die ſtolzen Hallen der Marienburg, an dem Tage, wo Heinrich Reuß von Plauen als Hochmeiſter deutſchen Ordens zum erſten Male einen Befehl an denſelben mit ſeinem Meiſterſiegel bezeich⸗ net hatte. Es war der, die Waltrude Wolf, in der Stadt Marienburg geboren, auf dem Gottesacker der Annen⸗ kirche chriſtlich in geweihter Erde zu begraben.— Es war dieſer Befehl der erſte des neuen Meiſters, der Aergerniß und Anſtoß bei gar vielen ſeiner Unter⸗ thanen erregte, doch vergaß man ihn und die Unglück⸗ liche, der er das letzte Glück, das die Erde bieten kann, gewährt hatte, bald. Anders war das mit einem anderen Meiſterbefehl des Reuß von Plauen, zu dem Ein Bürgermeiſter. III. 15 —————. 226 die durch den ſchrecklichen Krieg und ſchlechten Frieden zerrüttete Lage des Ordens ihn gezwungen. Der Plauen ſaß in dem Archiv des Schloſſes, dem ſogenannten„Briefzimmer“, an ſeinem Schreib⸗ tiſch und ſtützte das ſorgenſchwere Haupt mit der Linken, während er in der Rechten ſein großes ſilber⸗ nes Meiſterſiegel hielt, das einen Befehl beſtätigen ſollte, von deſſen Ungerechtigkeit er ſelbſt am meiſten überzeugt war. Sein Neffe, der Comthur von Danzig, ging mit dem Marſ lall von Sternberg leiſe auf und nieder in dem nicht großen, gewölbten Raume, ſo leiſe, daß es ſcheinen mochte, die beiden mächtigen Geſtalten hüteten ſich, die eiſenbeſchuhten Füße feſt auf den Boden zu ſetzen, damit das Geklirr ihrer Sporen nicht etwa die ernſten, unruhigen Gedanken des Meiſters ſtören möge.— „Und wo werden wir unter dieſen trotzigen und ſtolzen Bürgern, zumal in den Städten, die der Hanſe ange⸗ hören, Leute finden, die das in's Werk richten?“ fragte dieſer, indem er das Siegel auf das Blatt legte. „Juden gibt es keine in dieſem Preußenlande, die ſich dazu brauchen laſſen würden, dafern man ihnen einen großen Vortheil dabei geſtattet, und ſo den Bürger und Unterthan doppelt plündern wollte.“ gens Comt ihm ir führt, der O „Eine Hande ſo zu Wenn dieſes laſſen Silbe Eure Zahlr im W lich je Schw Porti Frieden chloſſes, Schreib⸗ mit der 3 ſilber⸗ eſtätigen meiſten ing mit ieder in daß es hüteten oden zu twa die ſtören dſtolzen eange⸗ fragte tt legte. die ſich n einen Bürger 227 „Ah, beim Blute des Erlöſers!“ entgegnete der Marſchall,„es werden's Chriſten auch thun um ihres Vortheils willen.“ „In Danzig mindeſtens habe ich wegen des Schla⸗ gens der ſchlechteren Münze keine Sorge,“ ſagte der Comthur,„der Münzmeiſter, Herr Pfennig iſt—“ „Ein gewiſſenloſer Schurke!“ ſiel der Hochmeiſter ihm in die Rede. „Aber ein brauchbarer Mann, der eine Sache durch⸗ führt, die ihm Nutzen bringt, und ſolche Leute braucht der Orden in dieſer Nothzeit,“ rief der Comthur.— „Eine Münze, mein Oheim, iſt ein Ding, das erſt der Handel erfunden hat, ſie iſt eben nur eine Werthmarke ſo zu ſagen, und der Wille des Gebieters macht ſie dazu. Wenn Ihr, der Meiſter deutſchen Ordens, der Herr dieſes reichen Landes, auf ein Stück Kupfer eingraben laſſen wollt:„dies gilt in meinem Lande für eine Mark Silber,“ ſo muß es dafür gelten, und Ihr ſeid nur durch Eure Ehre gezwungen, jede dieſer Kupfermünzen in Zahlungen, die der Unterthan Euch zu leiſten hat, auch im Werthe einer Mark Silber anzunehmen, und ſo end⸗ lich jede derſelben einzulöſen.“ „Und das Ausland, und unſere Bürger, die in Schweden und Frankreich, in dem fernen ſeegewandten Portugal und in Hiſpanien Handel treiben?“ 15* „Mögen ſie dafür Sorge tragen, daß ſie dem Auslande gute Waaren und Früchte, die dies geſegnete Land erzeugt, an Zahlung für ſeine Erzeugniſſe geben, dann darf die geringhaltige Münze dorthin gar nicht verabfolgt werden. Stärket Euer Herz an dem Gedanken, mein edler Oheim, daß dieſe ſchlechte Münze, die Ihr nothgedrungen dem Lande gebt, nichts Anderes iſt als ein Anlehen, das Ihr von Eueren Unterthanen nehmt, und ſicherlich erſtatten werdet, ſobald beſſere Zeiten ein⸗ getreten ſein werden. Herr Benedikt Pfennig, der Danzi⸗ ger Münzmeiſter, wird die Groſchen ſo prägen, daß Ihr aus dem wenigen vorhandenen Metalle ſo viel erhaltet, um dem erſten Nothſtand Eures Regierungs⸗Antrittes die Stirne bieten zu können. Denkt, Conrad Letzkau und ſeine reichen Danziger Gefreundeten borgten Euch noch zwei⸗ bis drei⸗, ja zehnmal ſo viel als ſie bis jetzt ſchon gethan, ohne Zinſen, denn in die Säckel dieſer reichen Geldprotze gehen doch auch von dieſen geringen wie von den trefflichen Münzen Eurer in Gott ruhenden Vor⸗ gänger die allermeiſten.“ „Und der Bauer, der die Erzeugniſſe ſeines Bo⸗ dens mit werthloſen Zinnſtücken bezahlt erhält, und ge⸗ wöhnt iſt, dieſelben für ſeine Kinder und Kindeskinder aufzuheben? wird nicht die Nachkommenſchaft der heu⸗ tigen Beſitzer des Bodens dieſes Landes den Meiſter Heinr fen, d erblich geſchi klump dem und r fügte dieſes auch wäret zu, je zu lee rienbr jenen faſſen dazu, Man daß n Münz Meiſte te dem ſegnete geben, r nicht danken, ie Ihr iſt als nehmt, en ein- Danzi⸗ aß Ihr rhaltet, ntrittes au und ch noch tt ſchon reichen vie von n Vor⸗ 2s Bo⸗ und ge⸗ skinder er heu⸗ Meiſter 229 Heinrich Reuß von Plauen einen Schurken ſchelten dür⸗ fen, der ſie betrogen, bevor ſie noch das Licht der Welt erblickt?“ ſagte mit trübem Tone der Meiſter. „Dem Narren, der ſein Geld in den Kaſten ſchließt, geſchieht ſchon recht, wenn es ſich in Kohlen⸗ oder Zinn⸗ klumpen verwandelt,“ entgegnete der Marſchall,„außer⸗ dem was noch gethan werden muß, thue man mit Muth und ruhiger Stirn.“ „Dem muß ich beiſtimmen, mein edler Oheim,“ fügte der jüngere Plauen hinzu.„Der Orden, der Herr dieſes Landes, iſt in ungewöhnlicher Noth, da können auch nur ungewöhnliche Mittel helfen. Glaubt mir, wäret Ihr minder gewiſſenhaft, ſo ſtände es Euch wohl zu, jetzt die übervollen Käſten jener aufſäßigen Bürger zu leeren, die von dem Orden, als Jagello vor der Ma⸗ rienburg lag, treulos zu den falſchen Polen übergingen.“ „Könnte ich die Elbinger oder die falſchen Pfaffen jenen Johannes von Gneſen und ſeinen Anhang jetzt faſſen, gewiß ich thäte es und hätte ein gutes Recht dazu, aber wie verdient es Danzig, das einen ſo treuen Mann wie Conrad Letzkau in ſeinen Mauern hegt, daß wir ſeinen Wohlſtand durch das Prägen ſchlechter Münzen gleichſam betrügeriſch untergraben?“ ſagte der Meiſter. Der junge Comthur von Danzig erröthete bei V 230 dieſen Worten und erwiderte faſt grimmig:„Ihr kennt den Letzkau wohl wenig, mein Oheim, wenn Ihr ihn einen treuen Mann nennt. Hat er dem Orden, ſeinem Landesherrn, während des letzten Krieges treu gedient, ſo geſchah dies wahrlich nicht aus treuem Her⸗ zen, ſondern weil er das für ſeinen, oder der Stadt Vortheil, was wohl ziemlich dasſelbe iſt, am beſten hielt. Er iſt der entſchloſſenſte und keckeſte Rebell und häufte Beleidigung über Beleidigung auf den würdi⸗ gen Comthur Schönfeld, meinen Vorgänger, und jetzt auf mich. Hat er den Bau des maſſiven Krahns auf dem der Stadt gehörigen Grund und Boden, doch faſt beendet und dem Säckel des Ordens ſo eine der bedeu⸗ tendſten Einnahmen in Danzig entzogen. Hat er doch auch die Mühle jetzt für ſtädtiſch' Eigenthum erklärt und ihre Einkünfte fließen in die Kaſſen des Danziger Magiſtrats. Verurtheilt er nicht zu Pranger und Steu⸗ penſchlag und läßt ſein Urtheil vollzieh'n ohne die Beſtätigung des Comthurs oder des Hochmeiſters, ſeines Landesherrn? Ja, Conrad Letzkau ſteht an der Spitze der Danziger Rebellen, die dem Orden die ſo noth⸗ wendige Kriegsſteuer verweigern.“ „Wie“, ſagte der Meiſter,„Letzkau? faſt ſcheint mir das auf einem Mißverſtändniß zu beruhen, hat doch Letzkau viele Tauſende von ſeinem eigenen Ver⸗ mögen gerlich zum es keck herrn dieſe da ſie der§ auf d abger Steue ſo de künfte mir z ſtockte Er h- ſeinen Comt Blicke das t ſeinen Danz „Ihr enn Ihr Orden, ges treu em Her⸗ Stadt t beſten bell und würdi⸗ und jetzt hns auf doch faſt er bedeu⸗ er doch n erklärt Danziger ad Steu⸗ ohne die s, ſeines er Spitze ſo noth⸗ ſt ſcheint then, hat ien Ver⸗ mögen während der Dauer des letzten Krieges unwei⸗ gerlich und freudig hingegeben.“— „Ja! und jetzt, hat er erklärt, daß er dies Opfer zum Beſten ſeiner Mitbürger gebracht habe. Er ſpricht es keck aus, daß er nicht den reichen übermüthigen Deutſch⸗ herrn⸗Orden, ſondern den armen Bürgern Danzig's dieſe Summe ſchenke, und daß die Kriegsſteuer, welche, da ſie eine Kopfſteuer iſt, den armen Mann, der aus der Hand in den Mund lekt, allein ſchmerzlich trifft, auf die Schuld, die der Orden an ihn zu zahlen hätte, abgerechnet werden ſoll.— Er iſt es auch, der die Steuerzahlungen der Bernſtein⸗Drechsler hemmt und ſo dem Orden abermals eine Quelle ſeiner alten Ein⸗ künfte verſtopft.— Ich mit den wenigen Söldnern, die mir zu Gebote ſteh'n, bin ohnmächtig gegen den ver⸗ ſtockten Bürgertrotz dieſes hartköpfigen Danzigers.— Er hat einen Schwur gethan, der Aufwiegler! daß mit ſeinem Willen kein Pfennig Steuer in den Säckel der Comthurei in Danzig fließen ſoll, ſo lange noch—— „Nun, wie lange nicht?“ fragte mit lauernden Blicken der Marſchall von Sternberg. Der junge Mann ſtrich ſich mit der Hand über das tief erröthende Angeſicht, und vollendete murmelnd ſeinen Satz:„ſo lange noch ein Weiberrock in den Danziger Schloßmauern weile.“ 23²2 Der Marſchall von Sternberg lächelte falſch, und ſagte achſelzuckend:„Nun, die Bedingung könnte dem Manne erfüllt werden, denn was haben Weiber dort zu thun, mein werther Bruder, ſehr edler Comthur von Danzig?“ „Dies iſt eine Sache, die eigentlich nur zwiſchen mir und meinem Neffen beſprochen werden ſollte,“ ſagte der Hochmeiſter mit würdevollem Ernſt,„ſei es indeß auch Euch jetzt offenbaret, mein Bruder von Sternberg, daß das Fräulein, das der alte Comthur von Schönfeld in das Schloß als Gaſt aufnahm, eine Schutzbefohlene unſ'res edeln in Gott ruhenden Mei⸗ ſters Ulrich von Jungingen iſt. Sie kam aus dem fer⸗ nen Böhmen hierher, um ſich die Beweismittel für ihre eheliche und adelige Geburt und für ihr gutes Recht an einem großen Erbe zu ſchaffen. „Meiſter Ulrich hat mir die Sorge für dies Mägd⸗ lein noch in ſeinem letzten Willen au's Herz gelegt, und da das Unglück all' ſeine Tücken an ihr zu erpro⸗ ben ſcheint, da die Beweiſe für ihr Recht ſich nicht fin⸗ den, da ihre Geldmittel erſchöpft ſind, da der Tod ihrer alten Amme hier im fremden Lande ſie vollſtändig ein⸗ ſam macht, da ihre Lehnsvettern in Böhmen ſie verläug⸗ nen, und derjenige Edelmann, welcher ihr beſter und natürlichſter Schutz hätte ſein ſollen, ihr Verlobter, durch wie ſi weiße lein i zig w feld in Wide iſt da⸗ ſenber berg unſ're zu D reiſe Sorg zig fi glaube lſch, und inte dem ber dort Comthur zwiſchen ſollte,“ „ſei es der von Comthur hm, eine en Mei⸗ dem fer⸗ f ihre es Recht Mägd⸗ gelegt, u erpro⸗ icht fin⸗ od ihrer dig ein⸗ verläug⸗ ſter und erlobter, 233 durch Umſtände gezwungen, das heißt arm und mittellos, wie ſie ſelbſt jetzt iſt, das ſchwarze Kreuz hat auf ſeinen weißen Mantel nehmen müſſen, ſo iſt ne arme Fräu⸗ lein in gar bedauerlicher Lage, und das Schloß zu Dan⸗ zig war bei Lebzeit des alten Bruder Comthur von Schön⸗ feld ihr paſſendſter Zufluchtsort, da ſie einen natürlichen Widerwillen gegen den Eintritt! in ein Kloſter hat. Jetzt iſt das freilich anders geworden, das Fräulein von Ro⸗ ſenberg— dies iſt ihr name⸗ mein Bruder Stern⸗ berg— iſt jetzt beſſer aufgehoben in dem Gaſtzimmer unſ'res Haupthauſes Merentung als in dem Schloſſe zu Danzig, und bis wir ſie allhier auf ihrer Heim⸗ reiſe nach Böhmen empfangen können, wollen wir Sorge tragen, daß ſie bei der Bürgerſchaft in Dan⸗ zig für unſere Koſten anſtändige Aufnahme finde. Ich glaube, daß unſer Münzpächter, Herr Benedikt Pfen⸗ nig, ihr Herberge in ſeinem ehrbaren Hauſe geben wird bis auf Weiteres.“ „Ihr thut weiſe, mein ehrenwerther Meiſter,“ entgegnete der Marſchall,„daß Ihr in dieſer Sache Euch in der Entfernung haltet. Junge Fräuleins in den Schlöſſern geben zu übler Nachrede Veranlaſſung. Von dieſer ſagt man in Danzig, ſie ſei eine huſſitiſche Ketzerin, die einen Ordensritter geliebt und die Abſicht gehabt habe, ihn mit ihrem Vermögen von ſei⸗ 234 nen Gelübden loszukaufen. Ich rede was ich aus dem Munde des Herrn Abt Jakobus in Oliva erfahren. „Wir Alle müſſen nicht nur die Sünde ſelbſt mei⸗ den,— welcher Ritter vom Orden unſ'rer lieben Frau zu Jeruſalem thäte das nicht nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen— ſondern auch deren leiſeſten Anſchein; denn es ſteht geſchrieben: Seid klug wie die Schlan⸗ gen.— Jetzt iſt es beſonders nöthig kein Aergerniß zu geben, denn das ganze Land iſt aufſäßig und dieſe heilloſen Bürger, die unſer Schwert beſchützt hat, nehmen die Verleumdungen zum Vorwande ihrer Auf⸗ ſäßigkeit. Laßt die geringhältigen Münzen ſchlagen, ſehr edler Meiſter, Noth kennt kein Gebot.“ Er richtete ſich bei dieſen Worten zu ſeiner ganzen Höhe empor, zog den weißen Mantel feſt um ſeine Schultern und verließ mit einem:„Gelobt ſei Jeſus Chriſtus!“ das Archiv. Der Meiſter blickte eine Weile ſinnend auf den Platz, wo Michael von Sternberg geſtanden hatte. „Gott bewahre mich vor böſen und argwöhniſchen Gedanken,“ ſagte er dann, ſein ſilbernes Siegel unter den Befehl zur Verringerung des Werthes der Münzen druckend,„aber die Zeit, in der ich mein Amt antrete, iſt ſchlecht und traurig, und ich ſehe Feinde überall, wohin mein Auge blickt, Dieſer Marſchall von Stern⸗ berg i meiner Letzkau gedemi ſage. ſeiner wie a⸗ kenne. * eifrige Sohn auch ich tr Fraue len ar zig, n Thate⸗ Weg Roſen mir ſt Ihr w wiſſen Männ ſchöng aus dem ahren. bſt mei⸗ en Frau ſſen und nſchein; Sch lan⸗ erniß zu nd dieſe ützt hat, rer Auf⸗ ſchlagen, r ganzen im ſeine ei Jeſus auf den n hatte. öhniſchen gel unter Münzen antrete, überall, Stern⸗ 235 berg iſt auch einer, und ich hielt ihn bis heute für meinen warmen und treuen Freund.— Und Conrad Letzkau! nun gleichviel— aber dieſe Danzinger müſſen gedemüthigt werden. Alſo, mein Neffe, höre was ich Dir ſage. Ich habe Dich kennen gelernt als Einen, der zu ſeiner Ritterpflicht hält, und ich verlaſſe mich auf Dich wie auf den beſten Mann, den ich in dieſem Orden kenne.“ „Mein Oheim,“ Unterbrach der Comthur den eifrigen und erregten Sprecher,„Ihr denkt Euch den Sohn Eures Bruders anders, weicher und vielleicht auch beſſer als er in Wirklichkeit iſt. „Seht, ich bin wie Ihr ein jüngerer Sohn, und ich trat in den Orden, wohl wiſſend, daß ich der Frauenliebe, dem Glücke des Familienlebens und vie⸗ len andern Segnungen entſage; aber ich bin ehrgei⸗ zig, mein Herz verlangte von früh auf nach großen Thaten, und der Orden erſchien meiner Seele als der Weg zum höchſten Ruhme.— Als ich Vlaſta von Roſenberg kennen lernte, war ſie ein Weib, hoch über mir ſtehend wie ein Stern.— Es iſt— mein Oheim, Ihr wißt dies ſo gut wie andere Männer es auch wiſſen— gar ein eigen’ Ding um die Liebe eines ſtolzen Männerherzens. Ich liebte in Blaſta nicht blos die ſchöne Jungfrau, die liebende Seele und den edeln reinen Leib— wenn ſie eine Hirtin oder eine Zofe geweſen wäre, hätte ich nie den Gedanken gehabt, den Orden zu verlaſſen und mit ihr in einer Hütte zu leben, all' mein Glück in ihrem Lächeln findend, wie die Min⸗ ſtrells es ſagen und ſingen. „Die Tochter der Roſenberge aber konnte mich an ihrer Hand auch auf den Weg zu hohen Ehren führen und— ich hoffte auf Freiſprechung von den Gelübden durch den heiligen Vater vermittelſt ihres großen Vermögens.— Das iſt jetzt Alles zu Rauch und Staub geworden. Ich beklage das Mägdlein, das Namen, Vermögen und auch den Liebſten zu gleicher Zeit verliert, aber ich möchte nicht der Schuft ſein, der, die Gelegenheit, die ſich ihm bietet, benützend, ſie auch noch ihrer jungfräulichen Ehre beraubt. Ich bleibe deutſcher Ordensritter, denn wo ſollen die Geldmittel herkommen zu meiner Befreiung, und wären ſie auch aufzufinden, ich ſehe kein Glück darin mit einem Weibe auf einer Scholle Land zu ſitzen und meine Kinder zu Bauern mit einem adeligen Namen zu erziehen. Dem Ordensritter genügt Schwert, Pferd und Mantel, als Burgherr und Familienhaupt müßte ich mehr beſitzen. „So geſtattet nun, daß ich das Fräulein in Zucht und Ehren zu dem Münzmeiſter Pfennig geleite, und ſucht d Kloſter men. V ſchen T Gehorfe habt ſie das iſt mir Eu nicht N Herr V ſchelt. C dafür!“ De ſchweige „Ich gle Ordens ſo leben unſ'res ich zähn Ordens t leben, e Min⸗ te mich Ehren ſon den ſt ihres Rauch in, das gleicher fft ſein, end, ſie h bleibe edmittel ſie auch n Weibe nder zu n. Dem Mantel, ) mehr n Zucht te, und 237 ſucht dann ſie zu bewegen in einem feinen adeligen Kloſter außerhalb unſers Landes den Schleier zu neh⸗ men. Vor Allem aber, Herr, habt Acht auf dieſe rebelli⸗ ſchen Danziger, brecht ihren Trotz, zwingt ſie zum Gehorſam. Ich habe dazu nicht die Macht, Ihr aber habt ſie, nutzt ſie zum Beſten Eures Regiments, denn das iſt zum Beſten Aller. Und nun, mein Oheim, gebt mir Euern Segen— ich bin ein harter Mann, ich habe nicht Mutterliebe gekannt, und Euer Bruder, mein Herr Vater, hat ſeinen nachgebornen Sohn nie gehät⸗ ſchelt. Ihr aber habt mich geliebt! Gott ſegne Euch dafür!“ Der Hochmeiſter reichte dem Comthur, der jetzt ſchweigend vor ihm ſtand, die Hand und ſagte endlich: „Ich glaube Du hätteſt das Zeug, aus dem die echten Ordensritter gemacht waren, wenn in Dir der Glaube ſo lebendig wäre als in ihnen, ohne dieſen— iſt unſ'res Ordens Zeit vorüber. Die Danziger aber will ich zähmen, ſo wahr ich zur Zeit Hochmeiſter deutſchen Ordens und ein getaufter Chriſt bin!“ Achtes Capitel. Es war ein ſtrenger, ſchneereicher und außerordent⸗ lich kalter Winter, der dem heißen Sommer des Jah⸗ res 1410 gefolgt. Schon war das heilige Weihnachtsfeſt dieſes Trauer⸗ jahres vorüber, ſchon nahte ſich das neue Jahr, aber dieſe ſonſt ſo freudenvolle Zeil wurde in der Stadt Danzig diesmal nicht in Freuden zugebracht. Der Magiſtrat war am 29. Dezember 1410 in den Morgenſtunden im Rathhausſaale verſammelt, und alle Anweſenden waren in ſtürmiſcher Aufregung, ob⸗ ſchon der Beſchluß bereits abgefaßt war. Conrad Letzkau ſtand mit Arnold Hecht und ſeinem Schwiegerſohne Große in leiſem Geſpräch neben dem ſtattlichen Kamin. „Gott ſoll uns helfen,“ flüſterte Große,„das iſt offene Rebellion und wird uns großes Elend bringen.“ „Es iſt nichts als männliche Beſchützung unſeres guten Rechtes, und nach Allem was geſchehen, konnte gar nichts? allerdin und keit Mit Ge dieſe üb bringen erbietige mit eine mit eine ſo ſoll ſi fohlen, 1 geſſen, ſagte Le ging na Fr in ihren die Spi Frau mi liebe Me den Tro mert wi „ Frau m mein ſe tordent⸗ es Jah⸗ Trauer⸗ hr, aber r Stadt 1410 in elt, und ng, ob⸗ dſeinem ben dem „das iſt ngen.“ unſeres unte gar 239 nichts Anderes folgen. Der Orden iſt unſer Landesherr, allerdings, aber wir haben unſere verbriefte Gerechtſame und kein Hochmeiſter darf wagen, dieſelben zu verachten. Mit Gottes Hilfe und unſerer eigenen Kraft wollen wir dieſe übermüthigen Ritter zur geſunden Vernunft zurück⸗ bringen und ihnen dann wieder wie ſonſt treue und ehr⸗ erbietige Unterthanen ſein. Wenn die Ritterſchaft meint, mit einer Hanſeſtadt nur ſo umſpringen zu können wie mit einer Heerde lithauiſcher oder ſamaitiſcher Bauern, ſo ſoll ſie zeitig inne werden, daß ſſie ſich irrt. Gott be⸗ fohlen, meine Herren, und möge Niemand von uns ver⸗ geſſen, daß unſere Kraft in unſerer Einigkeit liegt!“ ſagte Letzkau mit tiefem Ernſt, nahm ſein Amtsbarett und ging nach ſeiner Wohnung. Frau Gertrud ſaß im traulich warmen Zimmer in ihrem großem Armſtuhle, eifrig ſpinnend, und während die Spindel luſtig am Boden tanzte, ſprach die würdige Frau mit ihrer anweſenden verheirateten Tochter. „Schlimme Zeiten, ſehr ſchlimme Zeiten! meine liebe Marie, wollte der Herr uns geben, daß ſie durch den Trotz und Eigenſinn der Stadt nicht noch verſchlim⸗ mert würden.“ „Meine liebe, theure Mutter,“ entgegnete die junge Frau mit großer Beſtimmtheit,„ſo lange ein Mann, wie mein ſehr edler Vater an der Spitze der Stadt Danzig —— ſteht und ihre Angelegenheiten mit ſeiner kräftigen Hand führt, iſt ſicherlich nichts zu fürchten. Was Conrad Letz kau übernimmt, das gedeiht auch und „O du liebe Zeit, Marie!“ Arterbroc ſie die Mutter, indem ſie mit der Hand ein abwehrendes Zei⸗ chen machte,„ich bitte Dich, verrufe nicht, was etwa Gu⸗ tes und Glückbringendes Deinem Vater auf ſeinem Le⸗ benswege begegnet iſt. Du biſt noch gar jung und kennſt wenig von dem Leid, mit dem er gekämpft hat. Jal ſelbſt jetzt, wo man ſein Glück preiſt und ſein Cre⸗ dit feſtſteht, weiß ich, ſeine Frau, daß ſein Vermögen er⸗ ſchöpft iſt durch die Vorſchüſſe, die er dem Orden wäh⸗ rend des Krieges gemacht, durch den Bau des Krahns, zu dem er das meiſte Geld aus ſeinem eigenen Säckel ge⸗ nommen, durch— „Das meine ich auch nicht, meine vie lgeliebte Mut⸗ ter,“ entgegnete die junge Frau mit einigem Stolze. „Conrad Letzkau kann wohl verarmen, weil er ſeinen ei⸗ genen Vortheil aus den Augen ſetzt bei Ausübung ſeiner Amtspflichten, was er aber thut, wird ſtets das Rechte ſein.. „Seht, werthe Frau Mutter, ich nehme jetzt mit allen meinen Gedanken, mit meinem ganzen Herzen Theil an den Angelegenheiten der Stadt.— Ihr ſelbſt wißt, wie große Opfer an Zeit und Geld mein Vater dem Or⸗ den wo der ſch Schiffk Er gab ſchen 2 drängte von do⸗ Ungarn Wirkſa zum M iſt es n läßt, 1 für den annehn deßhall klug zu Schurk Pfenni ziger giſtrats Münzg Rathha verſam klärte, gefalle Ein B Hand d Letz⸗ ſie die 8 Zei⸗ da Gu⸗ m Le⸗ ig und pft hat. n Cre⸗ gen er⸗ n wäh⸗ drahns, ickel ge⸗ e Mut⸗ Stolze. inen ei⸗ g ſeiner Rechte jetzt mit n Theil t wißt, em Or⸗ 241 den während des Krieges gebracht. Er führte noch nach der ſchrecklichen Schlacht bei Tanneberg 500 wackere Schiffkinder von unſeren Werften in die Marienburg. Er gab ſein Vermögen her, um die Reiſe nach den deut⸗ ſchen Balleien und Comthureien zu machen und dem be⸗ drängten Vertreter Herrn Heinrich Reuß von Plauen, von dort Hilfe zu holen. Er ſprach mit dem König von Ungarn und mit dem römiſchen Kaiſer, und ohne ſeine Wirkſamkeit, das iſt ſicherlich, wäre dieſe Gegend bis zum Meere hin jetzt dem Polenkönig unterthan. Sprecht, iſt es nicht eine Betrügerei, daß der Orden Geld ſchlagen läßt, welches kaum den vierten Theil des Werthes hat, für den der Kaufmann, der Handwerker, der Bauer es annehmen müſſen? Conrad Letzkau empörte ſich aber deßhalb nicht gegen den Landesherrn, und das war wohl klug zu nennen. Er hielt ſich an den, der ſich zu ſolcher Schurkerei gebrauchen ließ, und nahm dem Benedikt Pfennig, dem Münzpächter, die Erlaubniß in der Dan⸗ ziger Münze zu arbeiten. Dieſer kehrte ſich an den Ma⸗ giſtratsbefehl nicht, ließ von ſeinen Leuten die Thür des Münzgebäudes aufreißen, und weil die Prägeſtöcke auf das Rathhaus getragen waren, lief er frech dorthin, ließ den verſammelten Magiſtrat mit groben Worten an und er⸗ klärte, daß er als Münzpächter des Ordens es ſich nicht gefallen laſſen werde, daß man ihn am Schlagen der Ein Bürgermeiſter. III. 16 242 Münzen hindere. Da gab mein würdiger Vater dem Re⸗ bellen die Verſicherung, daß man ihm in Allem zu Willen ſein würde, dafern er erkläre, daß er von jetzt ab die Münzen nur in ihrem vollem Metallwerth prägen und ausſtempeln würde. Benedikt Pfennig nannte darauf den verſammelten Magiſtrat der edeln Stadt Danzig einen zuſammengelaufenen Haufen von ſchurkiſchen Krämern. Mußte da der Bürgermeiſter nicht befehlen, daß die Amtsdiener den Schimpfenden fortbrächten?— Statt aber der Weiſung Folge zu leiſten, drängte ſich Pfennig in das Innere des Rathzimmers, mitten unter die Ver⸗ ſammlung, packte den Herrn Huxter an der Bruſt und ſchleppte ihn an das offene Fenſter, da war es wohl nur natürlich und Nothwehr, daß die Rathsherren, die ſich um die Beiden ſchaarten, den wüthenden Angreifer zum Fen⸗ ſter hinauswarfen. Dieſer Vorfall wird ſelbſt von Euch, ſeiner Gattin, dem edlen Letzkau zum Vorwurfe gemacht, Mutter, herzliebe Mutter, das iſt traurig! Es iſt das ſchlimmſte Ding in der Welt, wenn der Unfriede draußen auch Krieg in den Familien anfacht.— Ihr Mutter, wenn Keiner ſonſt in dieſer Stadt, ja in der ganzen Welt, müßtet auf der Seite Eures Mannes ſtehen!“ „Und thue ich denn das nicht, Marie, meine liebe Tochter?“ entgegnete Frau Gertrud händeringend.„O, Du mein Gott, nur aus Liebe für meinen Conrad zittere ie Opfern, terthan Gemeinn Herz ker Vater al da meine eigenen L Gerechtſe fröhne ni uns und allezeit ve rie, Du Deines T Schlag m „M Tönen de mich nicht zufügte! „Jetzt durch jen jenes böſe genſtunde barſchaft dieſer Seſ dem Re⸗ Willen ab die gen und rauf den ig einen rämern. daß die Statt Pfennig die Ver⸗ ruſt und vohl nur ſich um im Fen⸗ 8n Euch, gemacht, iſt das draußen Mutter, en Welt, ine liebe nd.„O, Conrad 243 zittere ich ja und möchte ihn zurückhalten von all' den Opfern, die er und er allein bald ſeiner Pflicht als Un⸗ terthan des Ordens, bald der als Vorſteher des Danziger Gemeinweſens bringt. Ach, meine Tochter, Dein junges Herz kennt noch die Bosheit der Welt nicht; wo Dein Vater als gehorſamer Unterthan für den Orden ſpricht, da meinen dieſe undankbaren Bürger er habe nur ſeinen eigenen Vortheil vor Augen, wo er aber auftritt für die Gerechtſame und Privilegien der Stadt, da ſagen ſie, er fröhne nur ſeinem alten Groll. Gott erbarme ſich über uns und lenke Alles zum Beſten— aber meine Seele iſt allezeit voll Furcht und Sorge um den Gatten. O Ma⸗ rie, Du wirſt jetzt, da Du das Schickſal der Schweſter Deines Vaters kennſt, einſehen, wie furchtbar ſchwer der Schlag war, denn Deine Liebe—“ „Mutter! Mutter!“ rief die junge Frau in den Tönen der höchſten Aufregung,„ich bitte Euch, erinnert mich nicht an die Schmach, die meine Unvernunft Euch zufügte! „Jetzt erſt weiß ich, welche Schmach mir angethan wurde, durch jenen Beſuch in meiner Kammer, ja ich weiß, daß jenes böſe verſchollene Weib, die Urſel, die helle Mor⸗ genſtunde deßhalb erwählte, um meine Unehre der Nach⸗ barſchaft und der Stadt gleich kund zu thun.— Ha! und dieſer Sefeln— erfrecht ſich noch mir, einer Ehefrau, 16*¾ 244 den Antrag machen zu laſſen, ihn im Schloſſe aufzu⸗ ſuchen. Helfe mir Gott, herzliebe Mutter! aber ich weiß nicht was ich thun ſoll, um mich zu flüchten vor den un⸗ ehrenhaften Anträgen des Mägdleins, das ſich das Fräu⸗ lein von Roſenberg ſchelten läßt, obgleich der Herr Abt Jacobus und die frommen Nonnen von St. Brigitten be⸗ haupten, ſie habe nicht das mindeſte Recht auf ſo vor⸗ nehmen Namen.— Sie iſt nun ſchon zum dritten Male bei mir geweſen, und— heute, als ich zu Euch ging, trat ſie mich auf offener Straße an und ſagte mir, ich möchte ſie beſuchen im Hauſe des Benedikt Pfennig, wo ſie gegenwärtig wohnt. Wüßte ich nur, wie ich ihrer los und ledig werden ſollte; ſie thut mir immer ſo herzlich leid, wenn ich in ihr bleiches, gramvolles Geſicht ſehe, obſchon ſie eine verächtliche, unehrliche Perſon iſt.“ „Dafür werde ich Sorge tragen, meine Tochter!“ ſagte Conrad Letzkan, die Hand auf Marien's Schulter legend.—„Wohl uns, daß ich mein Recht, die Ehren⸗ ſtrafen über liederliche Leute zu verhängen, mir mit aller Kraft und allem Ernſte gegen dieſe Anmaßungen des Ordens bewahrt habe. Erzähle mir ſogleich und ganz genau, was Du von dieſem Fräulein von Roſenberg ge⸗ hört haſt und in welcher Weiſe ſie ſich unterſtanden, ſich an Dich zu drängen.“ Beide Frauen, ſowohl Marie als Gertrud, zitterten heftig. Lo welches Wie lan Geſpräche Sei die Ehre ſelben ei nicht berü ihm zu er Gattin un Zornausl Der hereinkam Augenbli Der ſich ſelbſt tend, ſag „Um Go Euerm ze Freund, laßt Euch dieſer Be Recht, zu Euern Ag aber— aufzu⸗ ich weiß den un⸗ as Fräu⸗ Herr Abt itten be⸗ f ſo vor⸗ en Male uch ging, mir, ich anig, wo ihrer los o herzlich ſicht ſehe, Schulter ie Ehren⸗ mit aller ngen des und ganz nberg ge⸗ nden, ſich zitterten 45 heftig. Letzkau war aus dem Nebenzimmer getreten, in welches man durch einen Hinterflur gelangen konnte. Wie lange mochte er dort verweilt, wie viel von ihrem Geſpräche gehört haben? Seit dem ſchrecklichen Tode ſeiner Schweſter war die Ehre ſeiner Familie und namentlich der Frauen der⸗ ſälen ein wunder Fleck in Letzkau's Herzen, den man nicht berühren durfte, ohne einen krampfhaften Zorn bei üm zu erregen. Daß er jetzt ſo ruhig erſchien, erſchreckte Gattin und Tochter aber mehr noch, als es der heftigſte Zornausbruch gethan haben würde. Der Eintritt Große's, der eilig von der Straße hereinkam, gab indeß dem Geſpräche wenigſtens für den Augenblick eine andere Wendung. Der Rathsherr warf das Barett auf den Tiſch und ſich ſelbſt in einen Stuhl, und die Hände zuſammenfal⸗ tend, ſagte er, ſich an ſeinen Schwiegervater wendend, „Um Gotteswillen, um der gebenedeiten Jungfrau, bei Euerm zeitlichen und ewigem Heile, Letzkau, mein werther Freund, mein Bruder, mein Vater, laßt Euch warnen, laßt Euch rathen, bietet Euern ganzen Einfluß auf, daß dieſer Beſchluß abgeändert werde. Bis jetzt war das Recht, zum wenigſten der gute Schein desſelben, bei all' Euern Aenderungen ſtets auf der Seite der Stadt, dies aber— ein Fehdebrief an den Vogt zu Dirſchau, weil er 246 Kaufleute, die durch ſein Gebiet reiſten, aufgefangen und in den Thurm geſteckt hat,— iſt offene Rebellion, denn der Vogt von Dirſchau iſt ein Gebietiger des Ordens und handelt, wie Ihr ſehr wohl wißt, auf Befehl des Hochmeiſters Heinrich Reuß von Plauen.“ „Auch Benedikt Pfennig, das wißt Ihr und der ganze Danziger Senat ſehr wohl,“ entgegnete Letzkau, „handelt nur auf des Meiſters Befehl, und doch findet Ihr es in der Ordnung ihm die Münze verſchließen und die Prägeſtöcke wegnehmen zu laſſen, findet es ganz in der Ordnung, ihn aus dem Fenſter zu werfen.— Niemand von dem ganzen Senat Danzig's ſah offene Rebellion darin, als wir die Kriegsſteuer verweigerten und den Zoll vom Bernſtein. „Wußtet Ihr etwa nicht, daß Heinrich Reuß von Plauen nicht der Mann iſt, der ſich alſo Trotz bieten läßt. Er befahl uns einzuſchließen in unſere Mauern und ohne Sturmböcke und Kanonen uns dazu zu brin⸗ gen, daß wir zu Kreuze kröchen und zahlten, zahlten und wieder zahlten, um nun die Handelsſtraße über Dirſchau nach dem Reiche wieder frei zu bekommen. Ueber Dirſchau, aus dem Werder holen unſere Fleiſcher Ihr Schlachtvieh, unſere Bäcker ihr Getreide. Sitzen nicht zehn Männer aus dieſen Gewerken, die in ihren Geſchäften reiſten, im Dirſchauer Thurme? ſitzten nicht die Her Hewelke als ſie „2 lichen 2 wollen, zu packe als rech ihr Re zwingen geſchlage Frieden entgeger klug be zen.— gers un und die würdige ſeid unt thigen Ordens , denn Ordens eehl des und der Letzkau, h findet chließen ndet es —rfen.— hh offene ſeigerten uß von 3 bieten Mauern zu brin⸗ zahlten ße über ommen. Fleiſcher Sitzen ihren en nicht 247 die Herrn Gotthold Ferber, Claus Upphagen, Peter Hewelke eben daſelbſt, die gefangen genommen wurdeu als ſie ihre Waaren auf der Straße begleiteten?— „Was bleibt uns übrig, wenn wir nicht zu abſcheu⸗ lichen Verräthern an dieſen unſern Mitbürgern werden wollen, als in Eile den Dirſchauer Vogt bei den Ohren zu packen? Wenn die Bürger von Danzig einig und als rechte Männer handeln, ſo können fie jetzt noch ihr Recht ſchützen und wahren und den Hochmeiſter zwingen, ihnen im Stillen nachzugeben, indem er dem geſchlagenen Vogt von Dirſchau befiehlt uns ferner in Frieden zu laſſen. Hilf Dir ſelbſt, ſo hilft Dir Gott! iſt alle Zeit ein wahres und ein gutes Wort geweſen.“— „O mein geliebter Herr und Gatte,“ ſagte Frau Gertrud, die gefalteten Hände dem eifrigen Sprecher entgegen ſtreckend,„was Du ſagſt mag wahr ſein und klug bedacht, aber es wird Dich in's Verderben ſtür⸗ zen.— Man ſagt Gehorſam iſt die Pflicht des Bür⸗ gers und ohne Gehorſam geht die Welt zu Grunde und die heilige Schrift befiehlt, wie uns neulich unſer würdiger Herr Prieſter ſo ſchön erklärte: Ihr Knechte ſeid unterthan Euern Herren, nicht blos den Sanftmü⸗ thigen ſondern auch den Wunderlichen.“ „Wir aber ſind nicht die Knechte des deutſchen Ordens,“ entgegnete Letzkan mit ernſter Feierlichkeit, 248 „merke Dir dies, Gertrud, wenn Du mit Männern ſprichſt. Wir ſind Bürger dieſes Landes, und Lehns⸗ leute und Unterthanen des Ordens, der unſere Väter unter günſtigen Bedingungen in dieſe fernen Gegenden rief, wir ſind freie Männer und unſ're Rechte dem Orden gegenüber ſo wie unſere Pflichten gegen denſel⸗ ben ſind feſtgeſetzt, wohlgeordnet und verbrieft.“ Er wendete ſich ab und verließ das Zimmer. Große aber ſtand auf nnd folgte ihm nach; Frau Gertrud blieb weinend bei ihrer Tochter zurück, die ſie zu tröſten ſuchte mit der Verſicherung, daß Letzkau ſeine Sache gegen den Orden wohl durchſetzen werde und daß morgen mit dem Früheſten drei Fähnlein Danziger Stadtſoldaten auszögen gegen den Vogt von Dirſchau und zur Befreiung der Danziger Bürger, die von die⸗ ſem auf Befehl des Hochmeiſters gefangen gehalten wurden.— Es war ein Wintermorgen von glänzender Schön⸗ heit als ſich dieſe Kriegsleute auf dem alten Markte vor dem ſtattlichen Gebäude, das der Ju nker⸗, auch Ar⸗ tushof genaunt wird, verſammelten. Der Rauhreif hing an den Ketten der Beiſchläge und ſchimmerte im Son⸗ nenlichte. Der Spiegel der Mottlau war mit einer Eisdecke belegt nnd die im Strome eingefrorenen Schiffe ſchienen hier in ten. D war di ₰ dem S ſelben Innerr dem z hatte e Comth⸗ tief in lagen, bewohn — älteren innern Lehns⸗ Väter genden e dem denſel⸗ mmer. Frau die ſie u ſeine e und nziger rſchau in die⸗ halten Schön⸗ Markte ch Ar⸗ f hing Son⸗ isdecke hienen 249 hier in dem feſten Bollwerke ihren Winterſchlaf zu hal⸗ ten. Der neue maſſive Krahn feierte, und die Schifffahrt war durch den Froſt gehemmt. Das Haus der alten Urſula, deſſen Fenſter nach dem Strome gingen, ſtand leer und alle Laden des⸗ ſelben waren geſchloſſen. Es hatte, wie wir wiſſen, im Innern Zuſammenhang mit der Burg und ſtand auf dem zum Burgfrieden gehörigen Boden.— Urſula hatte es vor langen Jahren von dem Vorgänger des Comthurs Schönfeld gekauft und aus Gründen, die tief in ihrem ſtolzen und ſchwer gekränkten Herzen lagen, ſich ſtets in Verbindung mit den die Burg bewohnenden Rittern gehalten.— Sie kannte daher perſönlich alle die jüngeren und älteren Ritter, die, wenn auch nur kurze Zeit, im Dan ziger Schloſſe ihren Aufenthalt gehabt hatten. Sie hatte allen größere und kleinere Dienſte zu leiſten Gelegenheit gehabt und dieſe auch ſtets mit Eifer genützt, von Haß und Rachſucht erfüllt. Es war ihr erwünſcht und nicht im mindeſten kränkend, daß man ſie für die Kupple⸗ rin der Ordensritter hielt, deren Lebenswandel damals freilich nicht mehr ganz ſo ſilberrein als ein Jahr⸗ hundert früher, aber doch bei weitem nicht ſo verwor⸗ fen war, als die Bürger der größeren Städte des Or⸗ dens wähnten. Auch ihren Ruf als Hexe und Zauberin, 0 250 8 fand Urſula nach ihrem Wunſche und erhöhte ihn durch den eigenen Glauben an ihre Zauberkunſt.— Seit das Chriſtenthum ſich auch über das Volk der Litthauer ausgebreitet hatte, waren dort, wie überall, die chriſt⸗ lichen Prieſter bemüht geweſen, die alten Götter des Landes zu böſen Geiſtern umzuſtempeln, ihre Vereh⸗ rung zu einem Verbrechen zu machen und den Wahn zu verbreiten, daß ſie ihren Anbetern übernatürliche Kräfte, das Böſe zu thun, verleihen könnten.— Was Urſula vom Chriſtenthume wußte, war nicht viel mehr, als eben daß die alten Götzen, an denen ihre Väter hingen, auch heute noch über Kräfte gebieten werden, die ihr Herz tief erſehnte, um Rache zu üben an dem Manne, den ſie mit all' der Wuth haßte, den ihr wilder Schmerz in ihr entzündet hatte.— Von einer alten Die⸗ nerin hatte ſie als junges Mädchen viele jener alten Zauberſtückchen gelernt. Urſula braute Liebestränke und verkaufte und verſchenkte ſie, ſie hexte Weichſelzöpfe in das Haar derer, die auf ihren Rath ſich nicht kümmerten um Krämpfe und Gicht los zu werden, und ihre Künſte brachten ihr an Geld und Gut nicht wenig ein im Laufe der Jahre, die fie in Danzig zugebracht.— Aber die Enkelin Gedemin's war keineswegs arm ihrem Feinde Letzkau dorthin gefolgt. In ihrem weiten Wadmolrock, den ſie auf ihrer Flucht vor der Rache Withold's trug, in ih⸗ ren 4 Das ihren die zu ſeinen die ihr Strar worde Mach welken ihre? träger vielme ratun holen, einen an ein Einge mand Waſſ ſend in de verand durch Seit hauer hriſt⸗ r des ereh⸗ Vahn rliche Was mehr, Väter erden, dem vilder Die⸗ alten e und n das n um Sünſte Laufe er die reinde lrock, trug, in ihrem Kopftuche, ja in Handſchuh und Gürtel, wa⸗ ren Kleinodien von hohem Werth künſtlich eingenäht. Das Vermögen, das die Enkelinnen des großen Gedemin ihren Gatten zubrachten, beſtand in derartigen Schätzen, die zum Theil noch von jenem mächtigen Ahnherrn bei ſeinen Kriegszügen nach dem fernen Oſten erobert oder die ihm von Fürſten aus Ländern, deren Namen man am Strande der Oſtſee nicht kunnte ii8, nt dargebracht worden waren.— Urſula's Reichthümer waren eine Macht, über die ſie Töbot und ſin wurden in ihrer welken zitternden Hand zu furchtbaren Waffen gegen ihre Feinde. Als ſie Danzig verließ, um ſich bei dem Schwert⸗ träger von Krakau Nachricht über Vlaſta's Herkunft, oder vielmehr über die Beweiſe von ihrer Schweſter Verhei⸗ ratung und den wirklichen Namen ihres Gatten zu holen, hatte ſie alle ihre eigenen Beſitzthümer und auch einen Theil der Edelſteine jener verwaiſten Jungfrau an einem Orte ihres Hauſes verborgen, der nur einem Eingeweihten bekannt ſein konnte, denſt aber von Nie⸗ manden zu entdecken war. In der Tiefe des Rodaune⸗ Waſſers, das ſich unter einer Fallt hur ihres Flurs brau⸗ ſend der nahen Mottlau entgegen ſtürzt, lag eingeſenkt in den Boden des Strombettes und auf künſtliche Weiſe verankert eine Kiſte von Stein, die ein aus Eichenholz, 252 das durch den Einfluß des Waſſers die Farbe und Feſtig⸗ keit des Eiſens angenommen hatte, geſchnitzter Deckel verſchloß. Dieſe Kiſte, die für die Arbeit der nordiſchen Zwerpe gehalten wurde, hatte ein Comthur von Dan⸗ zig hier unterbringen laſſen zum Verbergen von Schä⸗ tzen, die er als Ordensritter nicht beſitzen durfte. Der Tod hatte ihn überraſcht und ſein Geheimniß war mit ihm begraben worden. Als Urſula das Haus kaufte, hatte anch ſie keine Kenntniß davon; unruhig aber und von ſtetem Schmerz gefoltert, wie ſie war, durchkroch und durchirrte ſie bei Tag und Nacht jedes Räumchen ihres Beſitzthumes und fand zuerſt den Gang, der von ihren Kellern aus nach denen des Schloſſes ſührte. Sie ſelbſt ſchleppte Steine und Holzſtücke, die ihn verſperrten, aus demſelben und entdeckte dabei in der Mauer eine Vorrichtung, gleich einer Schraube, die ihr ſeltſam erſchien. Das Ding ließ ſich mit Leichtigkeit bewegen, bis die feuchte Wand ſich öffnete und als eine Thür erwies, an deren innern Seite eine feſte feine Kette hing. Urſula zog und drehte an derſelben und entdeckte endlich den Mechanismus, der jene Steinkiſte in den Bereich ihrer Hand brachte und es ihr erlaubte ſie zu öffnen. Halb mit Grauſen und halb mit Entzücken and ſie eine bedeutende Summe geprägter Münzen in die auch hin d umge werde Vlaſt zeigt neben Armt Man des Weh den Welt Ande Leid Woh ſie Con er ſ man tung eine hien. die vies, eckte den zu icken nzen S in dieſem feſten Verſteck und fügte dieſem Schatze jetzt auch noch ihre eigenen reichen Beſitzthümer bei. Da lagen ſie unter dem brauſenden Strom, wo⸗ hin die Kiſte mit großer Leichtigkeit vermittelſt einer umgekehrten Drehung der Schraube zurückgeſchoben werden konnte, vor jedem Auge verborgen, während Vlaſta, der Urſula dieſen heimlichen Verſteck nicht ge⸗ zeigt hatte, bevor ſie ſich von ihr trennte, allmälig neben all' ihrem andern Kummer auch das Leid der Armuth kennen lernte. Als das unglückliche junge Mädchen von dem Manne Abſchied genommen, den ſie trotz ſeines Stan⸗ des als ihren Verlobten liebte, hatte jenes furchtbare Weh, das ein tieffühlendes Gemüth ſpäterer Tage mit den Worken ſchildert:„Das Herz iſt erſtorben, die Welt iſt leer,“ gleichſam einen Nebelſchleier über alles Andere geworfen, was ihr bis dahin als ſchweres Leid erſchienen war.— Sie verließ ihre beſcheid'ne Wohnung in den Gaſtgemächern des Schloſſes, wo ſie das letzte Geſpräch auf Erden mit dem jungen Comthur Heinrich von Plauen gehabt hatte. Das letzte! er ſelbſt hatte ihr das verkündet, ruhig! feſt! wie man einem Dienſtmann die Löſung ſeiner Verpflich⸗ tungen kund thut. „Sie ſehen, ſehr edles Fräulein,“ hatte er geſagt, 254 daß unter den jetzigen traurigen Verhältniſſen nur ein Verräther und Schurke ſich von dem Orden losſagen könnte. Selbſt wenn es daher möglich wäre meinen Dispens vom heiligen Vater Rom durch die Ver⸗ mittlung meines Oheims, des erzeitigen Meiſters deut⸗ ſchen Ordens, und durch große Opfer von ihrem ererb⸗ ten Vermögen zu erlangen, ſo wäre es für einen Edel⸗ mann aus dem Geſchlechte der Plauen nicht möglich die⸗ ſelbe anzunehmen. Für eine Dame von hoher Herkunft und edler Sitte iſt aber hinwieder der Aufenthalt i in der Nähe, ja, ſo zu ſagen, unter dem Dache eines Mannes, der ihr ein Eheverſprech en gebrochen, unerlaubt, zu ehren⸗ kränkend. So haltet es denn mir zu Gute und verkennt meine Geſinnungen gegen Euch nicht, wenn ich Euch bitte, Eure Wohnung bei einem dem Orden ergebenen Manne, dem Münzmeiſter Pfennig, zu nehmen, wo der Orden, wie es die Nitterpflicht gegen eine fremde, ein⸗ ſame, verwaiſte Dame gebietet, Sorge tragen wird für Eure und Eures Gefolges Bedürfniſſe.— Und nun Gott befohlen, ſehr edles Fräulein; dieſes Geſpräch iſt das letzte auf Erden zwiſchen Euch und Eurem ſehr ge⸗ treuen Ritter Heinrich von Plauen.“ Nach dieſen Worten hatte er ſich entfernt, ohne dem zu Tode erſchöpften Mädchen auch nur die Hand zu bieten und ſie nach ihrem Sitze zu führen, den ſie, als er das Zi vor der — ſie erhe nen Fr Benedi Worten Alles i W ihren u alle äu genblie die ſie hatten ſich m Fräule burt. nerin, lich zu bei ihr daß es 1 ihnen r ein agen einen Ver⸗ deut⸗ rerb⸗ Sdel⸗ die⸗ kunft a der ines, pren⸗ kennt Euch enen d der ein⸗ für nun h iſt rge⸗ ohne id zu ls er das Zimmer verließ, nicht mehr erreichte, da ſie dicht vor demſelben ſtarr und kalt zu Boden ſank.— Wie lange ſie ſo gelegen, ſie wußte es nicht, denn ſie erholte ſich erſt in den Armen einer ältlichen unſchö⸗ nen Frau, die ſich ihr als Ehegattin des Münzpächters Benedikt Pfennig zu erkennen gab und ſie mit vielen Worten bat, ihr in ihr Haus zu folgen, woſelbſt für ſie Alles in Bereitſchaft ſei.— Wäre die Seele des unglücklichen Mädchens durch ihren unſäglichen Gram nicht abgeſtumpft geweſen gegen alle äußerlichen Eindrücke, ſie hätte hier in jedem Au genblick, bei jedem Athemzuge Kränkungen empfunden, die ſie jetzt nicht bemerkte. Herr Benedikt Pfennig und ſeine würdige Gattin hatten von Ralph, der auf des jüngeren Plauen's Befehl ſich mit ihnen wegen Blaſta's beſprach, gehört, das Fräulein ſei eine reiche Erbin von ſehr vornehmer Ge⸗ burt. Als aber das junge bleiche Mädchen, ohne Die⸗ nerin, mit ziemlich leeren Koffern, vergrämt und kränk⸗ lich zu ihnen gekommen war und nur wenige Tage bei ihnen gelebt hatte, da wußten die klugen Leute, daß es mit dem Reichthum ihres Gaſtes nichts ſei. Die würdigen Eheleute nahmen ſo viel Geld als ihnen für Vlaſta vom Schloſſe nur immer gezahlt wurde und leiſteten ihrem Gaſte dafür ſo wenig als auch nur immer möglich. So kam es, daß das arme blaße Kind durch Frau Pfennig ihr letztes Goldkettlein zum Gold⸗ ſchmied ſchickte, um von dem Gelde für dasſelbe ſich etwas Weißzeug anzuſchaffen, denn das ihrige ging auf die Neige.— Dieſes Kettlein hatte Urſula ihr gegeben, die dafür dasihrige, ein Andenken an ihre Mutter, in den Tauſch genommen, von dem die alte Frau glaubte, daß es einſt ihrem Vetter gehört habe, der die Schweſter auf der Reiſe nach Oliva zu dem ſie dort erwarten⸗ den Verlobten begleitet. Die Kette aber, die Blaſta jetzt verkaufte, hatte Urſula vor Jahren von einem ſchönen Mädchen empfan⸗ gen das ſich von ihr wahrſagen ließ. Sie war die Arbeit des Goldſchmieds Hevelke, der ſie erkannte, als Frau Pfennig ſie ihm zum Kaufe anbot.— „Woher habt Ihr das Stück, Frau Münzpäch⸗ terin?“ fragte der Mann mit ſehr ernſtem Geſichte. „Ei,“ entgegnete die Frau wegwerfend,„ich denke, Ihr könnt nicht glauben, ich hätte es geſtohlen. „Das alberne Mägdlein, das mir vom Comthur und vom Meiſter aufgehalſet worden und das ich für wenige Groſchen, halb aus Barmherzigkeit füttere, nahm ſich's ab; ſie will ſich Hemden kaufen für den Erlös und wahrlic Schatze Mante zitternd nen La 2. „da, A tigſt u „. ſchenkte geſtohle nun an gehe ie ihm die redliche und he Pfenni wo ſie T Worten wie ma Ein B. ich nur Kind Gold⸗ be ſich ing auf egeben, in den te, daß hweſter varten⸗ , hatte mpfan⸗ var die kannte, nzpäch⸗ te. denke, omthur ich für „nahm ös und 257 wahrlich ſie iſt deren benöthigt; mag's wohl von ihrem Schatze haben, der es ſo lange unter ſeinem weißen Mantel trug.“ „He, Frau!“ rief der Meiſter Hevelke mit ſchon zitternder Stimme in das Hinterſtübchen, das an ſei⸗ nen Laden ſtieß. Die Gerufene erſchien. „Dau, ſagte der Mann, ihr die Kette zuwerfend, „da, Anna Dorothea, kennſt Du dies?“ Die Frau erröthete ſtark, doch faßte ſie ſich kräf⸗ tigſt und antwortete: „Gewiß, es iſt das ſchöne Kettchen, das Du mir ſchenkteſt als mein Schatz, und das mir ſo ſchnöde geſtohlen ward.“ „Ho, ho!“ entgegnete er,„den Dieb werden wir nun auch finden, das ſteht ſchon feſt, und gleich jetzt gehe ich zu dem Bürgermeiſter Letzkau und erzähle ihm die ganze Geſchichte, das iſt der Mann dazu, den redlichen Bürgern Recht zu ſchaffen gegen Diebsgeſindel und hergelaufene Dirnen. Sehe Sie wohl zu, Frau Pfennig, daß es Ihr dabei nicht an dem Beweiſe fehlt wo ſie das Ding hergenommen.“ Der Frau des Goldſchmiedes ward bei dieſen Worten ihres Gatten gar übel zu Muthe. Sie wußte, wie man von dem Mädchen ſprach, die bei der alten Urſula Ein Bürgermeiſter. III. 17 58 d geweſen, und obgleich ihr Beſuch ſicherlich ein ſchuld⸗ loſer, ſo kannte ſie ihres Mannes Anſichten, die denen aller andern Bürger völlig gleich waren, ja ſie, was den Ehrenpunkt betraf, vielleicht noch überboten. Sie war zu der Urſel nur gegangen, als ihr Liebſter aus der Fremde viele Monate ihr kein Lebenszeichen geſendet und die Hexe hatte geſagt, nur wenn ſie ihr das koſtbarſte Geſchenk desſelben, drei Haare von ſeinem Haupte und einen Fetzen ſeiner Kleidung gäbe, könne ſie den Zauber veranſtalten, der ihr die Treue des Entfernten bewahre. Würde ihr Mann ihr glauben, wenn ſie ihm das erzählte?— er, der ſchon längſt ſie im Verdacht ge⸗ habt, daß ſie nach einem Andern ſähe, nach einem der jungen Ritter aus dem Schloſſe, deſſen Namen ſie nicht einmal wußte!— Sie beſchloß bei ihrer Aus⸗ ſage, daß die Kette ihr geſtohlen ſei, zu bleiben, und ſah mit Zittern, daß er ſich, das Kleinod nicht aus der Hand laſſend, rüſtete zu einem Beſuche bei dem ſtrengen Bürgermeiſter Conrad Letzkau. Meiſter Hevelke fand das Haupt der Stadt noch in der tiefen Aufregung, die das Geſpräch zwiſchen Frau und Tochter, das er angehört hatte, nach allen amtlichen Sorgen und Aergerniſſen bedeutend erhöht aatte.— Letzkau nahm die feine, ſchön gearbeitete Kette hus der Hand des Meiſters, betrachtete das am Schild⸗ lein d und d war, u Roſenl nen,„ muß ei C ihren r der ſei krank d S Fräule Zeit ſa ges, tod den R Straß zu jene (Schü umpfir zu ſchl Wand ſers a ten Fe ſchuld⸗ denen , was n. Sie aus der det und ſtbarſte te und Zauber wahre. hm das icht ge⸗ iem der men ſie er Aus⸗ bleiben, od nicht bei dem adt noch zwiſchen ch allen erhöht ete Kette Schild⸗ 5 lein derſelben gemachte Zeichen des Goldarbeiters daran und den Namenszug der Frau Hevelke, der daneben war, und ließ ſich Alles genau erzählen. „Alſo, Alles zuſammen, iſt dies edle Fräulein von Roſenberg,“ ſagte er dann mit zuſammengebiſſenen Zäh⸗ nen,„eine liederliche Dirne! Kupplerin! Diebin! dem muß ein Ende gemacht werden.“ Eine Stunde ſpäter traten zwei Stadtdiener in ihren rothen Röcken in das Haus des Benedikt Pfennig, der ſeit ſeinem Sturz aus dem Fenſter des Rathhauſes, krank darnieder lag. Sie fragten nach der Frauensperſon, die ſich das Fräulein von Roſenberg nennen ließ, und nach kurzer Zeit ſahen die Pflaſtertreter der Stadt Danzig ein jun⸗ ges, todtenbleiches Frauenbild in ſchwarzer Kleidung, von den Rothröcken an den Armen feſtgehalten, über die Straßen nach dem Bürgergefängniß führen, das ſchon zu jener Zeit den charakteriſtiſchen Namen Schüdderkopp (Schüttelkopf) trug. In dem engen düſtern Raum, der die Unglückliche umpfing, fand ſie nichts als ein hölzernes Geſtell darauf zu ſchlafen, einen irdenen Krug mit Waſſer und an der Wand ein in Holz geſchnitztes Bild des ſterbenden Erlö⸗ ſers am Kreuze. Ein Lichtſtrahl, der durch die vergitter⸗ ten Fenſter ſeinen Weg gefunden, fiel goldig auf dasſelbe 17* 260 und ſchien es zu verklären. Mit gerungenen Händen warf ſich das verlaſſene Mädchen vor dem einzigen Freunde, der ihr geblieben, auf die Kniee, und betete heiß und unter allmälig ſanfter werdenden Thränen:„Herr erbarme Dich meiner!“ D ſaß ety jungen Stübche „L Danzige Recht, ſo lan Gemein „9 Gefang frecht, d er ſich n und frief zufallen gen ſein und ſich nen Th inden zigen heiß „Herr Neuntes Capitel. Der Hochmeiſter Herr Heinrich Reuß von Plauen ſaß etwa 8 Tage nach dem Neujahr 1411 mit ſeinem jungen Vetter, dem Comthur von Danzig, in ſeinem Stübchen. „So kann es nicht länger bleiben,“ ſagte er,„dieſe Danziger müſſen gedemüthigt werden, und Du haſt ganz Recht, wenn Du behaupteſt, daß dies nicht geſchehen wird, ſo lange Conrad Letzkau an der Spitze des ſtädtiſchen Gemeinweſens ſteht. „Haben dieſe rebelliſchen Städter doch wirklich die Gefangenen aus der Veſte Dirſchau befreit und ſich er⸗ frecht, den Vogt zu bedrohen, ſie würden ihn hängen, wenn er ſich noch einmal unterſtünde, Wegelagerung zu treiben und friedliche reiſende Bürger auföffentlichen Straßen an⸗ zufallen. Es iſt Letzkau, der allen aufrühreriſchen Handlun⸗ gen ſeiner Mitbürger ein Mäntelchen umzuhängen verſteht und ſich in ſeinen Reden, ja gewiſſermaßen ſogar in ſei⸗ nen Thaten, den Anſtrich eines treuen Unterthanen erhält. —Q 262 „Es wird Zeit, daß wir, Gleiches mit Gleichem vergeltend, mit dieſem Rebellen und ſeinen Genoſſen ver⸗ fahren wie Rechtens iſt und ſo lange den Schein der gu⸗ ten Freundſchaft gegen ihn bewahren, bis wir ihn in unſern Händen zerdrücken können. Iſt Conrad Letzkau erſt in feſtem Gewahrſam, ſo iſt dem Drachen des Auf⸗ ruhrs in Danzig der Kopf abgeſchlagen!“ „Dieſes iſt die Wahrheit, mein Oheim,“ entgegnete der Comthur,„ich hoffe, daß es mir über kurz oder lang gelingen wird, Ruhe und Gehorſam zurückzuführen in die Mauern der alten Hanſeſtadt.“ „Und wie geht es dem Fräulein von Roſenberg, mein Sohn?“ fragte der Meiſter. „Wohl! denke ich,“ ſagte der Comthur.„Ihr habt, wie ich hoffe, bereits an den Magiſter, Herrn Johannes Huß, geſchrieben. Wenn der Bote Antwort bringt, findet er das Fräulein in Benedikt Pfennig's Hauſe. Es geſchieht, das könnt Ihr mir glauben, von meiner Seite Alles, um dieſen Mann, der das Geld liebt, der verlaſſenen Jung⸗ frau wohl geneigt zu machen, wollte Gott, ſie hätte Freunde, die ſich ihrer annehmen, eine Heimat voll Liebe oder einen braven Liebſten, daß ſie nicht lebendig in Kloſtermauern begraben werden dürfte.“ Während die beiden Ordensgebietiger ſich alſo be⸗ ſprachen, näherte ſich dem Städtchen Marienburg auf der Stu ungewöl A Männe ßer Sch braunen waffnete der Ma K Bruder Frau U herzogs des Cor von ſein lichkeit mit Ve ihm zu verwun ſo geä an der chem ver⸗ gu⸗ on in tzkau Auf⸗ gnete lang en in berg, habt, annes findet chieht, s, um Jung⸗ hätte t voll bendig ſſo be⸗ rg auf 263 der Straße von Elbing her ein reiſiger Zug von ziemlich ungewöhnlichem Ausſehen. An der Spitze desſelben ritten drei wohlbewaffnete Männer, denen auf einem weißen Maulthiere von gro⸗ ßer Schönheit eine Frau folgte, an deren Seite auf einem braunen Gaule ein alter Mönch ritt, drei andere Be⸗ waffnete ſchloſſen den Zug, der ſich jetzt, Einlaß fordernd, der Marienburg näherte. Kurze Zeit darauf meldete der eintretende junge Bruder,„Junge“ in der Ritterſchaft genannt, die edle Frau Urſula, Enkelin des verſtorbenen Lithauer Groß⸗ herzogs Gedemin und den Pater Medardus, Confrater des Convents von Oliva.— Der Hochmeiſter erhob fich von ſeinem Sitze und hieß die Eintretenden mit Freund⸗ lichkeit Willkommen, während der Comthur von Danzig mit Verwunderung in das Geſicht der Frau blickte, das ihm zwar bekannt, doch aber wieder ganz ſeltſam und verwundert erſchien. War dieſe ſtattliche Frau, die ihr Haupt ſtolz em⸗ por gehalten trug, wirklich die alte verkrümmte Perſon, die er unter den Namen Hexe Urſel vor Jahren gekannt hatte? konnte ſie es ſein? und welcher Zauber hatte ſie ſo geändert und verſchönt? „Hoher Herr,“ wandte ſie ſich in reinem Deutſch an dem Meiſter,„ich komme in Eure Lande mit einem 264 Geleit meines Verwandten, des polniſchen Kronfeldherrn Zindram, Schwertträgers von Krakau, und übergebe hier Euer Hoheit dieſen Brief desſelben, der die Bitte enthält, mich und meinen Begleiter hier, dieſen würdigen Mönch, in Euern gnädigen Schutz nehmen zu wollen. Die Ab⸗ ſicht meiner Reiſe hierher iſt eine zweifache, einmal komme ich um meinen einzigen geliebten Sohn nach viel⸗ jähriger Trennung im Hauſe des Withing Gedete aufzu⸗ ſuchen. Nach der Vereinigung mit ihm, will ich aber ſo⸗ gleich das ſehr ehrenwerthe Fräulein Vlaſta von Roſen⸗ berg in den Beſitz aller Zeugniſſe für die rechtmäßige chriſtliche Trauung ihrer Eltern ſetzen. Hier dieſer Greis hat dieſelbe vollzogen, Herr Zindram von Machowecz war Zeuge dabei. Die Mutter des Fräuleins aber war meine einzige Schweſter Sanaita, bei der hei⸗ ligen Taufe Hedwig genannt, und ihr Vater aber Herr Heinrich Wock von Roſenberg, älteſter Sohn jenes ſtol⸗ zen Roſenberg, deſſen Vorfahr, der berühmte Zawiſch von Roſenberg, im Jahre 1285 ſich mit der Witwe des böhmiſchen Königs Przemiſl Ottokar vermälte.“ Der Hochmeiſter hörte dieſe Worte mit ſichtbarer Freude.„Es ſoll Euch, würdige Frau, und Eurem Begleiter auf Eurer Reiſe durch mein Land jeder mög⸗ liche Schutz gewährt werden,“ ſagte er mit großer Freund⸗ lichkeit.„Es iſt mir ungemein lieb, daß das Fräulein von Ro Herr Ulr jetzt Sch um zum nicht unt Die Leibwach wurde, ſe Geleite, das Wer gebracht kein vorn und ein ſelben we „C „den Bl Augen e „kein M hat. Nu⸗ Gatten wird die Feinde n nicht me „ Medard⸗ errn hier fält, uch, Ab⸗ mal viel⸗ fzu⸗ ſo⸗ ſen⸗ ßige reis wecz aber hei⸗ Herr ſtol⸗ viſch des arer rrem nög⸗ und⸗ llein von Roſenberg, für das der in Gott ruhende Meiſter Herr Ulrich von Jungingen viele Theilnahme empfand, jetzt Schutz und Freunde findet und was wir thun können um zum Glück der Jungfrau beizutragen, das ſoll gewiß nicht unterlaſſen werden.“ Die Reiſenden erhielten nun ſtatt der polniſchen Leibwache, welche wohl beſchenkt zu Zindram zurückgeſchickt wurde, ſechs Lanzen vonden Truppen des Hochmeiſters zum Geleite, und der Zug bewegte ſich eben ſo ſtattlich durch das Werder als der, welcher die arme Vlaſta nach Danzig gebracht hatte, obgleich k kein junges ſchönes Fräulein und kein vorne)mer Kirchenfürſt, ſondern eine bejahrte Frau und ein armer Kloſterbruder die Panprperſonen in dem⸗ ſelben waren. „Glaubt es mir, ehrwürdiger Vater,“ ſagte Urſula, „den Blick ihrer von Freude und Hoffnung ſtrahlenden Augen empor zu dem klaren Winterhimmel richtend, „kein Menſchenherz iſt boshaft, das noch etwas zu lieben hat. Nur der, welcher einſam iſt in der Welt und weder Gatten noch Kind, noch Selmefler oder Bruder hat, wird die Kräffe ſeiner Seele auf die Zerſtörung ſeiner Feinde wenden, da er ſie auf die Beglückung ſeiner Lieben nicht mehr verwenden kann.“ „Mög lih ſehr edle Frau,“ entgegnete Pater Medardus voll Güt,„aber darum iſt das Chriſten⸗ 266 thum ſo ſchön, weil es alle Menſchen uns als unſ're Brüder, als Kinder eines himmliſchen Vaters lieben lehrt.“ „Das mag genug ſein für das Herz eine Mannes,“ ſagte Urſula,„ein Weib aber, dem man Gatten und Kind geraubt, dem eine holde Schweſter entriſſen wurde, ſieht in den übrigen Menſchen auf Erden nur Weſen, welche an die Stellen rücken, die von Rechtswegen die lieben Ihrigen einnehmen ſollten. Aber ſeht, hochwür⸗ diger Vater, was kommt uns dort für ein Reitertrupp entgegen! „O gnadenreiche Mutter Gottes! O Ihr Götter meines Volkes, ich kenne den Mann, der an der Spitze desſelben reitet, es iſt—— ja es iſt das Abbild meines ermordeten Gatten, mein Sohn! mein Sungalo!—* Die alte Frau hatte die Zügel ihres Maulthiers fallen laſſen und ſprang mit ausgebreiteten Armen zu Boden, als der Withing Gedete, ſein Pflegeſohn, und der geneſene Tocktamiſch, an ihr vorüberreitend, den Weg nach der Marienburg einſchlagen wollten. Die drei hielten ihre Pferde an, weil ſie wähnten, der reiſenden Frau ſei plötzlich ein Unfall zugeſtoßen, aber Urſula fand bald Worte das auszuſprechen, was ihr Herz ſo ganz erfüllte, und ehe noch der frühe Winterabend niederſank, befand ſie ſich an der Seite des ſtattlichen wiedergefun⸗ 1 denen S edle Non ter ihres einen fro Br Liebkoſur Geſpräch Lebhafte junge ſch nung an liebe the wollten denn die hellen I alten§ Ei Straßen und lau 9 Gedete genden kennen einen g⸗ zu Jah uſ're ieben tes,“ und urde, heſen, 1 die wür⸗ trupp hötter Spitze reines — 4 thiers eenn zu und Weg helten Frau fand ganz rſank, gefun⸗ denen Sohnes im Hauſe des Withing Gedete, wo die edle Nomeda alle ihre Gaſtfreundſchaft aufbot, der Mut⸗ ter ihres Sohnes und dem würdigen Pater Medardus einen frohen Abend zu bereiten. Bruno Sungalo's Erinnerungen kehrten unter den Liebkoſungen ſeiner Mutter mehr noch als bei Zindram's Geſprächen zurück, und er wünſchte nun ſelbſt auf das Lebhafteſte recht ſchnell nach Danzig zu eilen und jene junge ſchöne Dame, in deren Zügen er die erſte Mah⸗ nung an das Glück ſeiner Kindheit gefunden, als eine liebe theure Verwandte zu ſehen. Gedete und Tocktamiſch wollten Mutter und Sohn begleiten und ſo näherte ſich denn die ſtattliche wohlberittene Geſellſchaft an einem hellen Jännertage in der Mittagszeit den Mauern der alten Hanſeſtadt. Ein ungewöhnliches Leben regte ſich dort in den Straßen, Volkshaufen drängten ſich lachend, ſchimpfend und laut ſchreiend dem Markte zu. „Was gibt es hier zu ſehen?“ fragte der Withing Gedete von ſeinem Pferde herab einem der vorüberdrän⸗ genden Bürger, einen ganz ſtattlichen Mann, den er kennen mußte, da er ihn Meiſter Hevelke nannte. „Ei, Herr!“ entgegnete dieſer,„wir feiern heute einen großen Sieg über dieſe Ordensritter, die von Jahr zu Jahr wüſter werden in ihrem Thun und Treiben. Un⸗ 68 ſer geſtrenger, aber ſehr rechtſchaffener Bürgermeiſter Herr Conrad Letzkau läßt eine fahrende Dirne, die lange im Schloſſe ein liederlich' Leben geführt hat und dabei eine erwieſene Diebin iſt, am Pranger ſtrafen. Eben jetzt hat der Angſtmann ſie entkleidet und ihren weißen Rücken brav mit Ruthen geſtrichen. Sie iſt ein junges, zartes Ding und verfiel in Unmacht während der Strafe, auch kann ſie nicht am Schandpfahle aufrecht auf dem Gerüſte ſtehen, ſie liegt auf den Knieen und ihr Geſicht iſt das einer Leiche. Glaubt mir's, Herr! das arme Weibsbild jammert mich ſelbſt, obſch on ich ſie als Diebin verklagt habe, aber Recht muß ſein in der Welt.“ Da Urſul hes Weg nach ihrem Hauſe auch durch die Langgaſſe führen konnte, ſo bewegte ſich der Zug mit dem Volksſtrome und befand ſich bald dem neuen Rathhauſe gegenüber, vor deſſen ſtattlichem Portale das neugierige Volk ſich drängte und ſtieß, denn neben demſelben war ein hölzernes Gerüſte, auf dem der Gegenſtand ihrer Neu⸗ gierde in einem Zuſtande, der das Mitleid jedes fühlenden Herzens erregen mußte, zur Schau zusgeſtält war. Das unglückliche junge Mädchen lag auf den Knieen. Ihr Haupt war vermittelſt des eiſernen Reifens, der ihren Hals umſchloß und an einer eiſernen Kette an der Rathhausmauer befeſtiget war, an dieſe angedrückt. Ihr langes, braunes, leiſe in's Röthliche ſchimmerndes Haar wallte Wollenk Bohlen ihre gr⸗ mächtige gaffende deſſen G Sie ſah nicht der der Stir lichen G auch von her geſp Danzig, aber noch galo von Gewand eiſerne§ drückend, gleich no mehr an Mann drückte ſt unter der welche d neiſter lange dabei en jetzt Kücken zartes auch derüſte ſt das bsbild erklagt ich die t dem hhauſe ierige nieen. , der n der . Ihr Haar 269 wallte in aufgelöſten Locken um ihre mit einem dunklen Wollenkleide bedeckten Schultern und ſchleifte auf den Bohlen des Gerüſtes. Ihr Geſicht war bläulichbleich, und ihre großen dunklen Augen, wenn ſie ſich nicht in ohn⸗ mächtiger Schwäche ſchloſſen, richteten ſich nicht auf die gaffende Menge, ſondern empor zum Winterhimmel, an deſſen Gewölbe ſich düſtere Schneewolken zuſammenballten. Sie ſah nichts von dem was um ſie her vorging, alſo auch nicht den ſtattlichen Reiterzug, der auf Urſula's mit beben⸗ der Stimme gerufenes Halt! ſich dicht vor dem ſchreck⸗ lichen Gerüſte aufſtellte. Faſt im gleichen Momente kam auch von der Seite des langen Marktes ein Reiterzug da⸗ her geſprengt, an deſſen Spitze ſich der Comthur von Danzig, Herr Heinrich von Plauen befand. Ehe dieſer aber noch das Rathhaus erreicht hatte, war Bruno Sun⸗ galo von ſeinem Pferde geſtiegen, und ſich mit Kraft und Gewandtheit auf das Gerüſt ſchwingend, faßte er die eiſerne Kette mit ſeinen Händen, und ſie feſt zuſammen⸗ drückend, zerbrach er einen der Ringe, ſo daß Vlaſta, ob⸗ gleich noch das Halseiſen um ihren Hals lag, doch nicht mehr an der Mauer gekettet war. Nun hob der ſtarke Mann die feine leichte Geſtalt der Jungfrau empor, drückte ſie feſt an ſeine Bruſt und ſprang mit ihr mitten unter den Volkshaufen. Die rothröckigen Stadtſoldaten, welche den Pranger zunächſt umſtanden hatten, ſtoben 270 aus einander und Niemand hinderte den rieſigen Lithauer ſich wieder auf ſein Pferd zu ſchwingen, zumal da die Leute des Comthurs und dieſer ſelbſt ſich zu den Freun⸗ den des unglücklichen Mädchens geſellten, die ſich eilig in Bewegung ſetzten und bald das Schloß erreichten, wohin ſie Alle ſich zurückzogen, verfolgt von dem lauten Geſchrei des Pöbels, der ſich um einen Theil ſeines Schauſpieles gebracht ſah. Es war durchaus nicht Urſula's Abſicht, mit ihren Lieben anderwärts als in ihrer eigenen Wohnung zu bleiben, ſie folgte dem Comthur nur, weil er ihr ſagte, daß ihr Haus von dem Danziger Rath verſchloſſen und verſiegelt ſei. Doch begaben ſich Alle durch den bekannten Verbindungsweg dahin, und bald lag Vlaſta, von ihrer Muhme gepflegt, in ihrem weichen Bette, an deſſen Fuß⸗ ende ihr Befreier und ſein Pflegevater ſtanden. Ein hef⸗ tiges krampfhaftes Weinen löſte hier ein wenig den furcht⸗ baren Jammer des unglücklichen Mädchens, auf deſſen Haupt das Schickſal alle ſeine Bitterkeiten ausgegoſſen zu haben ſchien. Die alte Urſula, ſo erfahren in der Heilkunſt jener Tage, bereitete ihr keinen beruhigenden Trank, keinen lin⸗ dernden Balſam, ſondern ſetzte ſich nur zu ihr, zog ihr ſchönes Haupt an ihre Bruſt und ſagte mit mildeſter Stimme: die Sch Deine Zukunf weit ſch chen mi Freund gen alle mit wei ſten N. Fremde densritt eines er A dem le Mutter Zuneig ſprach Königi vor Al Verlaſſ höchſten bart ha Platze ſithauer da die Freun⸗ ſeilig in wohin Heſchrei ſpieles ſagte, n und kannten nihrer n Fuß⸗ Ein hef⸗ rfurcht⸗ deſſen gegoſſen iſt jener nen lin⸗ zog ihr ildeſter 271 „Du biſt unter den Deinen mein Kind! Ich bin die Schweſter Deiner Mutter! Dieſer würdige Pater hat Deine Eltern getraut, hier ſind die Zeugniſſe, die Deine Zukunft und Dein Glück ſichern, und dieſer Mann, der weit ſchwerer noch wie Du alle Erniedrigungen durchma⸗ chen mußte, iſt Dein Vetter, Dein Bruder, dein treueſter Freund, der Dich von nun an mit kräftigen Händen ge⸗ gen alle Unbilden des Lebens ſchützen wird.“ „O Gott hat mein Fleh'n erhört!“ ſagte Vlaſta mit weicher Stimme,„und mir den Retter in der höch⸗ ſten Noth geſendet. Ich bin nicht mehr die verlaſſene Fremde, die ordchlete und verſtoſſene Geliebte eines Or⸗ densritters, ich bin unter Blutsverwandten die Tochter eines edeln Stammes.“ Auch Pater Medardus wandte ſich jetzt tröſtend zu dem leidenden Mädchen, er erzählte ihr von Vater und Mutter, die er gekannt hatte, ſchilderte ihr die innige Zuneigung des edeln Böhmen für die Tochter Litthauens, ſprach von der Liebe und Achtung, welche die Paldiſch Königin Hedwig für dieſelbe empfunden und zeigte ihr Por Allem auch wie Gott, der Freund und Schützer aller Verlaſſenen n Verwaiſten, ſich ihr im Augenblick der höchſten Noth durch die Ankunft lhrer Freunde offen⸗ bart hatte. Als Bruno Sungalo die Befreite von dem Platze ihrer öffentlichen Beſchimpfung hinweggeführt 272 hatte, war das berittene Gefolge des Comthurs mit den die Wache haltenden Danziger Stadtſoldaten in harten Kampf gerathen, aber da die Maſſe des Pöbels und der Bürgerſchaft ſich auf die Seite ihrer Söldner ſtellte, ſo hatten die Reiſigen, von den Pferden geriſſen, ſchwer ge⸗ mißhandelt und faſt erdrückt, der Menge weichen müſſen. Das Schloß war von den Bürgern dann umdrängt und förmlich belagert worden. Als ſich jedoch der Rath ver⸗ ſammelte, ward beſchloſſen, jede weitere Feindſeligkeit ge⸗ gen die Ritter einzuſtellen und von ihnen nur die Aus⸗ lieferung der Verbrecherin zu verlangen, damit dieſe ihre Strafe bis zum Ende verbüßen möge. Als dieſe Forderung im Hauſe Urſula's durch Ralph, dem treuen Diener des jüngeren Plauen, bekannt wurde, begab Pater Medardus ſich ſogleich zu Conrad Letzkau, von dieſem alles Ernſtes verlangend, daß er ihn vor die oberſte Behörde der Stadt ſtelle, der er die Pa⸗ piere des Fräulein von Roſenberg vorzulegen und ihre Vertheidigung gegen alle ihr zur Laſt gelegten Verge⸗ hungen zu führen befugt und bevollmächtigt ſei. Es war eine Rathsſitzung, wie man ſie in Danzig wohl noch nie erlebt hatte, als der greiſe Kloſterbruder vor den Schranken des Gerichtes erſchien. „Edle Herren,“ ſagte er und ſeine Stimme tönte ſo hell wie die eines Jünglings,„der Stand eines Verbreck ken, das ein jung nannt w guter He lung, we Irrthum vornehm digten er Zweifel legen be Diebſtah gänzlich von vor Frau de gegen ei nun die trifft, na densritte laſſenheit chern der wegs vor Ordensg lichen Be gingen un Ein Bürg nit den harten ind der te, ſo ver ge⸗ nüſſen. gt und th ver⸗ keit ge⸗ e Aus⸗ eſe ihre durch dekannt Conrad er ihn die Pa⸗ d ihre Verge⸗ Danzig bruder tönte eines Verbrechers kann zwar niemals auf das Urtheil einwir⸗ ken, das über ſein Verbrechen gefällt wird, wenn aber ein junges fremdes Mädchen eine fahrende Dirne ge⸗ nannt wird, ſo genügt es wohl darzuthun, daß ſie von guter Herkuuft iſt, um zu erweiſen, daß ihre Verurthei⸗ lung, wenn nicht ein ſchlimmer Frevel, doch ein grober Irrthum war. An dem guten Herkommen, ja an dem vornehmen Stande des hier in Danzig ſo gröblich belei⸗ digten edeln Fräuleins Vlaſta von Rofenberg kann kein Zweifel obwalten nach den Papieren, die ich hier vorzu⸗ legen beauftragt bin. Der ſchmähliche Verdacht eines Diebſtahls, den ſie verübt haben ſoll, zerfällt auch gänzlich in Nichts, da eine lange hier wohnende Frau von vornehmer lithauiſcher Abkunft die Kette von der Frau des Goldſchmidmeiſters Hevelke empfing und ſie gegen eine dem Fräulein gehörende vertauſchte. Was nun die letzte Beſchuldigung des armen Mädchens be⸗ trifft, nämlich in unſittlichem Umgange mit den Or⸗ densrittern geſtanden zu haben, weil ſie in ihrer Ver⸗ laſſenheit die ihr gebotene Zuflucht in den Gaſtgemä⸗ chern des Schloſſes annahm, ſo gehört dieſelbe keines⸗ wegs vor den Magiſtrat der Stadt, ſondern vor das Ordensgericht. Die edeln Meiſter des Ordens, die eigent⸗ lichen Beherrſcher dieſes Landes, Herr Ulrich von Jun⸗ gingen und Herr Heinrich Reuß von Plauen, ſind aber Ein Bürgermeiſter. III. 18 274 Freunde und Beſchützer der verfolgten Jungfrau ſeit ihrem Eintritt in das Ordensland geweſen, und ſo er⸗ zürnt über die Mißhandlung derſelben, daß die Stadt Alles vom Zorne des jetzt regierenden Meiſters zu fürch⸗ ten het, dafern ſich ihre Häupter nicht demüthigen, dem Fräulein Abbitte thun, und ſich feierlich mit dem Com⸗ thur Herrn Heinrich Reuß von Plauen verſöhnen.“ Conrad Letzkau ſtand von ſeinem Ehrenſitze auf, als der Greis geendet hatte. Das Geſicht des Danziger Oberbürgermeiſters war ſehr bleich und er zitterte als Pater Medardus, ſich an ihn beſonders wendend, mit feſtem Tone ſagte:„Mit dem Maaße, da Ihr meſſet, wird Euch wieder gemeſſen werden. Conrad Letzkau. Ihr habt ein verwaiſtes Kind verurtheilt, nicht weil ſie ſchuldig war, oder Ihr ſie nach Eurem beſten Wiſſen und Gewiſſen dafür hieltet, ſondern um die Macht des ſtädtiſchen Gerichtes dem Orden gegenüber zu beweiſen, wird Gott der Herr Eure Sünden im Augenblicke Eures Todes vergeben um des Blutes ſeines Sohnes?— könnt Ihr darauf hoffen, feſt daran glauben? Ihr, Rich⸗ ter! der Ihr wohl ſchon mehr als Einmal Euer Verdam⸗ mungs⸗Urtheil ausſpracht, weil Ihr Euer Glück ſichern oder Eure Macht erweiſen wolltet!—“ In dieſem Augenblicke ſiel das Auge des Bürger⸗ meiſters auf die rieſige Geſtalt eines jungen ſchönen Mann preuße der Th dem 2 grauſa⸗ ſank er C ſehen, der ver laſſen, Mann nen Ei Man kräftige ſchaffen liebevo daran, Fremd noch id treuer von der Nomed kam, u und ih au ſeit ſo er⸗ Stadt fürch⸗ n, dem Com⸗ .4 de auf, anziger rte als id, mit meſſet, Letzkau. weil ſie Wiſſen acht des weiſen, Eures 28 2— c, Rich⸗ zerdam⸗ ſichern Bürger⸗ ſchönen Mannes, der in der linnenen Tracht des bekehrten Alt⸗ preußen, geſtützt auf ein mächtiges Schwert am Eingang der Thür des Rathzimmers ſtand. „Gott ſteh' mir bei,“ rief Letzkau mit durchdringen⸗ dem Tone,“ die Todten ſtehen auf zu zeugen wider den grauſamen, ungerechten Richter,“ und bei dieſen Worten ſank er kraftlos in ſeinen Seſſel zurück. Er glaubte den Geiſt des getödteten Samaiten zu ſehen, den er auf ſeinem Zuge durch die Wildniß, trotz der verzweifelten Bitten ſeines Weibes, hatte erhängen laſſen, obgleich er keinen Beweis davon gehabt, daß jener Mann eine Verſchwörung anzetteln wollte, und nur ſei⸗ nen Einfluß auf die anderen Gefangenen gefürchtet hatte. Man mußte den vor wenigen Augenblicken noch ganz kräftigen Mann ſchwer erkrankt nach ſeiner Wohnung ſchaffen laſſen, wo Frau Gertrud ihn empfing und ihn liebevoll pflegte und wartete. Niemand dachte nun weiter daran, irgend Schritte gegen die junge, ſchwer beleidigte Fremde zu thun, weder ihren Prozeß fort zu führen, noch ihr gebührende Abbitte zu leiſten. Unter Urſula's treuer Pflege erholte ſich das arme Kind mehr und mehr von dem unſäglichen Leid, das ſie betroffen, und da auch Nomeda, die würdige preußiſche Matrone, nach Danzig kam, um dort einige Zeit in Geſellſchaft ihres Gatten und ihres Pflegeſohnes zuzubringen, ſo herrſchte bald 18* 276 in dem einſt einſamen und verrufenen Hauſe der alten Urſula, von deſſen Thüren ſie ſelbſt mit feſter Hand die Rathsſiegel entfernt hatte, ein reges heiteres Familien⸗ leben, an dem aber niemals einer der Ritter Theil nahm, die, abgeſondert von allen Bewohnern Danzigs, ihre Zeit mit kriegeriſchen Uebungen oder den ihnen vorge⸗ ſchriebenen Gebeten verbrachten. W Plauen verwilde felbſt le ſchwerer mit gro voll tie Magiſtr Freunde Stadt Februar tung, ir Küchenn in Dan Macht, Milde z Es wie Frü ilten die lien⸗ ahm, ihre orge⸗ Zehntes Capitel. Wohl kann man ſagen, daß Heinrich Reuß von Plauen Alles that, um den Geiſt der Ordnung in dem verwilderten deutſchen Orden wieder herzuſtellen. Er ſelbſt lebte in tiefer Stille, ganz ohne Prunk und in ſchweren Arbeiten vergraben auf der Marienburg, die er mit großem Fleiß wieder herſtellen ließ. Sein Herz war voll tiefem Kummer, als er erfuhr, wie ſchnöde der Magiſtrat von Danzig mit dem Schützling ſeines theuren Freundes Ulrich umgegangen, und da er einſah, daß die Stadt gezähmt werden müſſe, ſo machte er ſich im Februar des Jahres 1411 mit einer kleinen Beglei⸗ tung, in der ſich auch der Ordensmarſchall, Herr Küchenmeiſter von Sternberg, befand, auf, um ſelbſt in Danzig zu erſcheinen und ſo den Trotz einer Macht, die er zu brechen jetzt nicht im Stande war, in Milde zu verſöhnen. Es war ein milder und klarer Tag, der faſt ſchon wie Frühlingsahnung über den Gefilden des Werders 278 lag, als der Hochmeiſter aus den Thoren der Marien⸗ burg ritt. Marſchall von Sternberg war an ſeiner linken Seite und betrachtete mit ihm das Städtchen Ma⸗ rienburg, das ſich täglich mehr aus dem Aſchenhaufen erhob, und deſſen Dächer und Häuſer jetzt natürlich viel ſchöner und neuer als vor dem Brande ausſahen. Auch der alte Compan Brendel war unter dem Gefolge des Meiſters, und mit der Hand auf einen Baum weiſend, der, vom Brande geſchwärzt, in einem Haufen Trümmer ſtand, ſagte er mit ſchmerzlichem Tone:„Hier war einſt der Garten des Geſchützmeiſters Wolf, und es war ein ſchöner, freundlicher Fleck, auf den mitten unter bunten Blumen viel ſchönes, reines Men⸗ ſchenglück blühte, das aber ſo zerſtört wurde, wie Gar⸗ ten und Haus.“ „Ja! mein alter würdiger Freund,“ entgegnete der Meiſter ernſten Blickes,„es iſt mit der Liebe des Mannes zum Weibe wie mit dem Feuer. Die Welt kann nicht beſtehen ohne beide und brennen ſie friedlich auf dem häuslichen Herde, ſo ſind ſie die Bereiter, För⸗ derer alles häuslichen Glückes, ohne die weder menſchliche Kunſt, noch menſchliche Freude beſtehen kann.“ „Wie meint Ihr das, edler Meiſter?“ fragte den Marſchall mit einem ſeltſamen ſpitzen Blick. „Ei nun,“ entgegnete Heinrich ohne Bedenke'n „ich mei unentbel „U alte Bre wohl nu volles V Kinder verbrann ſchützmei terlein, Verräthe Elend, brachte, rad in d 2U gegnete „ 2 die Sür „ S densgeſc „So la in Kra 1 der ſie! ien⸗ nken Ma⸗ zufen viel dem einen einem ichem iſters uf den Men⸗ Gar⸗ gegnete de des Welt riedlich ſchliche gte den denke’u 279 „ich meine, daß Frauenliebe und Ehe dem Manne ſo unentbehrlich ſind wie das Feuer der Welt.“ „Und da mögt Ihr wohl Recht haben“, fiel der alte Brendel mit leuchtenden Augen ein.„Glücklich kann wohl nur der Mann ſein, der in der Jugend ein liebe⸗ volles Weib in ſeinem Arme, im Alter wacker gedeihende Kinder an ſeiner Seite hat. Hier unter dieſem jetzt verbrannten Baum habe ich geſeſſen, neben dem Ge⸗ ſchützmeiſter Wolf und vor uns ſpielte ſein holdes Töch⸗ terlein, die niedliche Waltrude. Der Wolf ſtarb als Verräther, ſeine Tochter lebte in Unehre und ſtarb im Elend, und er, der Vuter und Tochter um ihr Glück brachte, hatte doch das Mägdlein Pnnigft geliebt.“ ohr meint den Oels, den der Hochmeiſter Con⸗ rad in die Kellergewölbe einkerkerte,“ ſagte Sternberg. „Und den unſer Meiſter Heinrich befreite,“ ent⸗ gegnete Brendel. „Der Meiſter ſcheint nachſichtig zu ſrin gegen die Sünden des Fleiſches,“ meinte der Marſchall. „Doch hat er überall die Aufrechthaltung der Or⸗ densgeſetze nui allem Ernſte von Neuem eingeführt.“— „So lange ſie als Geſetze gelten, müſſen ſie auch in Kraft erhalten werden,“ ſagte der Meiſter. „Aber Ihr meint, es könnte eine Zeit kommen, in der ſie nicht mehr Geſetze wären?“ fragte der Marſchall. 280 „Mein Bruder von Sternberg“, entgegnete Hein⸗ rich Reuß von Plauen,„Ihr ſeid einer der höchſten Gebietiger des Ordens und ein Mann von hohen Ga⸗ ben; ſolltet Ihr nicht auch den Gedanken gehabt haben, daß die Zeit, da unſ're Verbrüderung der Chriſtenheit nothwendig und ſehr nützlich war, eigentlich vorüber⸗ gegangen iſt? Wer denkt noch daran, das heilige Grab zu erobern? Und wo gibt es, außer vielleicht im fernen Hispanien, noch Heiden, die unſer Ritterſchwert bekeh⸗ ren könnte. Das Chriſtenthum ſoll eine Religion der Liebe werden, und unſer Orden eine Verbrüderung von Männern, die alle chriſtlichen Tugenden üben. Sind aber die Tugenden, die das Familienleben entwickelt, nicht die höchſten und ſchönſten des Menſchengeſchlechtes? — Unſer Orden, reich beſchenkt von Fürſten und Edel⸗ leuten, iſt jetzt nur noch eine Unterkunft für die jünge⸗ ren, erbloſen Söhne des deutſchen Adels, und wird auch das bald nicht mehr ſein, da der letzte Friedensſchluß uns verpflichtet, auch Polen in unſern Bund aufzuneh⸗ men. Was ich über alles das denke, kann ich Euch, meine Freunde, in wenigen Worten ſagen. Die Zeit iſt gekommen, wo die großen Güter des Ordens unter ſeine Mitglieder vertheilt werden ſollten zu freiem, adeligem Grundbeſitze, während der kräftigſte, der weiſeſte von uns, durch freie Wahl zum Könige dieſes Landes erhobe könnte Meiſte Gelübd 7 Weibe der M 7 Märſcl Neffen hatte: die un ſchwere Auge ſeines Ketzerl Augen langter das r währe Das kann Anden Hein⸗ chſten Ga⸗ gaben, enheit über⸗ Grab eernen bekeh⸗ n der g von Sind vickelt, chtes? Edel⸗ ünge⸗ dauch ſchluß uneh⸗ Euch, eit iſt ſeine ligem von andes 281 erhoben, der Macht des Polenkönigs die Spitze bieten könnte und——— „Wirklich!“ fiel Sternberg ihm in die Rede,„edler Meiſter, Euch verlangt wohl ſehr nach Befreiung vom Gelübde der Keuſchheit?“ „Welcher Mann hat nicht nach einem braven Weibe, nach blühenden Kindern verlangt?“ entgegnete der Meiſter feſt. „Conrad von Jungingen, dachte anders,“ ſagte der Marſchall. „Und er kerkerte Oels ein, verdammte ſeinen edeln Neffen, der noch nicht einmal die Ordensgelübde abgelegt hatte und konnte die ſchweren Sünden und Verbrechen, die unter ſeinem Regiment begangen wurden, durch alle ſchweren Strafen nicht hindern, ja er mußte ſogar ein Auge zudrücken, als fahrende Dirnen ſich in der Nähe ſeines Schloſſes anſiedel ten und er den ſchändlichen Ketzerhain aus den Fenſtern ſeines Stübchens täglich vor Augen ſah, weil die Marienburger Bürger des alſo ver langten.— So ward rechtliche Liebe und ihre Blüthe, das reine Familienglück, den Ordensrittern entzogen, während man ſchmä hliche Unzucht nicht hindern konnte. Das war ſicherlich nicht des Erlöſers Wille, noch dui kann die gebenedeite Jungfrau mit Huld darauf blicken. Anders muß es werden, meine Brüder, und was ich, 282 Heinrich Reuß von Plauen, dazu beitragen kann, ſoll gewißlich geſchehen.“ „Aber das wäre ja eine völlige Auflöſung unſeres heiligſten Ordens,“ meinte Brendel. „Wenn die Kinder eines Hauſes erwachſen und mündig ſind,“ ſagte der Meiſter,„ſo trennen ſie ſich auch, und jeder nimmt den ihm zuſtehenden Theil ſeines Erbes, eine eigene Familie damit zu gründen. Sie bleiben dar⸗ um doch Geſchwiſter, Kinder eines Vaters, die einen Namen tragen.“ „Der älteſte natürlich, nimmt den größten Erbtheil und iſt der Herr und Gebieter des andern,“ ſagte Stern⸗ berg.— „Ueberall herrſcht auf Erden der Stärkſte,“ ent⸗ gegnete der Meiſter.—— „Oder der Klügſte,“ meinte der Marſchall. „Klugheit iſt die Kraft, die in friedlichen Tagen herrſcht,“ ſprach Heinrich. „Amen!“ rief Sternberg lachend,„das war ein wahres Wort, edler Meiſter! Hier aber ſind wir in Groß⸗ Lichtenau,— und dort liegt das neue Haus des Bogen⸗ ſchützen Sigmund,“ fügte der alte Brendel hinzu, indem er ſein Pferd in den Pfad lenkte, der zu des wackeren Bauern freundlicher Wohnung führte. Mann und Frau empfingen die hochverehrten Gäſte mit aller dieſe lief Hausfro ſer als genſchüt gen tha Reichth. Weib auch ko wegſchl wächſt. meine Zeiten äugige Teufel Hand, ſchwer und d melte. glückt ten n „ſoll iſeres und auch, rbes, dar⸗ einen btheil tern⸗ ent⸗ ragen r ein broß⸗ ogen⸗ ndem keren Häſte mit allen Zeichen der Ehrfurcht, die ihnen gebührte, und dieſe ließen ſich den Imbiß gefallen, den die geſchäftige Hausfrau ihnen bereitete und anbot. „Ich kann Euch nicht mehr mit Geld gefüllte Fäſ⸗ ſer als Sitze anbieten, edler Meiſter,“ ſagte der Bo⸗ genſchütze,„wie mein Vorfahr einſt es einem der Euri⸗ gen that, aber wenn uns auch der Krieg den ſchweren Reichthum genommen, das beſte Beſitzthum da, mein Weib und meinen Knaben, hat er mir doch gelaſſen, auch konnten weder Polen noch Tartaren mir die Felder wegſchleppen, auf denen mein Gold als ſchwere Aehre wächſt. Mein Haus iſt auch neu aufgebaut und ihn, der meine fromme Mutter tödtete, hab' ich gezeichnet für alle Zeiten mit meiner Armbruſt, er wird Ziska, der Ein äugige bleiben bis ſein Name Eins wird mit dem des Teufels.“ Der Meiſter ſchüttelte dem wackeren Mann die Hand, ſpielte mit ſeinem rothwangigen Knaben, dem die ſchwere Zeit in der Marienburg keinen Schaden gethan und der jetzt in dem neuen Hauſe ſich ſchon wacker tum melte. Die Ritter trennten glücklichen Landmanne mit großer Herzlich ten noch am nämlie ſich von dem biederen und chkeit und erreich⸗ hen Tage die Veſte Dirſchau, bis wo⸗ 284 hin der Comthur von Danzig ſeinem Oheim und Ge⸗ bieter entgegen gezogen war. Der Einzug des Meiſters in den Mauer Stadt Danzig war würdig und feierlich; und ſeine Begleiter, zu denen auch der Vogt von Dirſchau gehörte, als auch der Comthur und der in Danzig lebende Ritter, der Magiſtrat und die Bürgerſchaft der Stadt, vereinten ſich am nächſten Sonntage zu einem feierlichen Hochamte in der neuen ſchönen Marienkirche.— Nach beendetem Gottesdienſte trat der Meiſter mit ſeinem Neffen in den durch eine Glaswand abgetheilten Platz der Kirche, den man ſchon damals wie noch jetzt den NRathſtuhl nannte. Hier ſaß, noch bleich und angegriffen von Krankheit, Herr Conrad Letzkau neben ſeinen Colle⸗ gen Arnold Hecht, Barthel Große und Lindemann Huxter. Sie alle erhoben ſich, ihren Landes grüßend, der ihnen nun mit ernſten und ten ihr Unrecht aus einander ſetzte un brachte, daß der tiefergriffene Letzkau es eingeſtand, daß er ſich gegen das fremde Fräulein, vom Scheine getäuſcht, grobes Unrecht habe zu Schulden kommen laſſen. Auf des Meiſters Aufforderung ſchüttelten ſich die Ritter und die Rathsherren die Hände und trennten ſich in vollem Frieden, jeder in ſein Haus zurückkehrend. n der alten und ſowohl er herrn ehrerbietig würdigen Wor⸗ id es endlich dahin Unt und der! Wochen zukehren mächtigen Rechte Prichta thun wür ihrer M De lungen: Erbe für daß ſie d würde, freien. In gung zu hatte ſie er hatte zwar Ge im Uebr ihrem C Umgang deſſen in jungen d Ge⸗ alten ohl er rſchau bende Stadt, lichen Nach einem Platz den riffen dolle⸗ tann ietig Vor⸗ ahin daß ſcht, Auf und lem Unter der treuen Pflege ihrer Verwandten Urſula und der wackeren Nomeda hatte Vlaſta ſich in einigen Wochen von ihren Leiden erholt. Nach Böhmen zurück⸗ zukehren ſchien ihr nicht ſo ganz rathſam, da ihre mächtigen Verwandten jetzt, da die Beweiſe ihrer Rechte auf das Kunkellehn als Erbe von ihrer Tante Prichta aufgefunden waren, gewiß alles Mögliche thun würden, um ſie durch eine Heirat mit Einem aus ihrer Mitte zu verbinden. Der Hochmeiſter übernahm es, durch Verhand⸗ lungen mit dem böhmiſchen Könige des jungen Mädchens Erbe für ſie einzufordern, immer vielleicht noch hoffend, daß ſie dasſelbe wenigſtens theilweiſe darauf verwenden würde, ſeinen Neffen von den Ordensgelübden zu be⸗ freien. Im Herzen der armen Vlaſta war aber die Zunei⸗ gung zu dem jungen Ordensritter längſt erloſchen. Er hatte ſie nie geliebt, darüber täuſchte ſie ſich nicht länger, er hatte ſeit ſie auf ſeinen Wunſch das Schloß verlaſſen, zwar Geld für ſie an Benedikt Pfennig zahlen laſſen, im Uebrigen aber auch nicht die kleinſte Theilnahme an ihrem Geſchick bewieſen. Neben ihr und im täglichen Umgang mit ihr ſtand jetzt aber ein anderer Mann, deſſen innige Zuneigung, ja deſſen anbetende Liebe der jungen Böhmin mit jedem Tage deutlicher wurde. Bruno 286 Sungalo, der Sohn ihrer Wohlthäterin und Freundin Urſula, deren höchſten Wünſche durch die Verbindung der zwei jungen Menſchen, die ihrem Herzen ſo nahe ſtanden, wie Vlaſta wohl wußte, erfüllt wurden. So zögerte ſie denn nicht, dem wackeren Mann, zu dem ihr Herz ſie zog, die Verſicherung ihrer treuen Ge⸗ genliebe zu geben, und die Vermälung des fremden Fräuleins mit dem ſtattlichen Pflegeſohn des Withing Gedete war ein eben ſo vielfach beſprochenes Ereigniß in den Mauern der alten Hanſeſtadt, als ein Jahr zuvor die der Tochter ihres Bürgermeiſters, nur daß Aller Au⸗ gen, als der ſchöne Brautzug ſich nach der Pfarrkirche be⸗ wegte, eben ſo ſehr auf den ſchönen Bräutigam als der ſchönen Braut hafteten. In der edel blickenden Matrone, die neben Nomeda in dem Zuge ging, hätte wohl Niemand die alte verru⸗ fene Urſula erkannt, wenn man es nicht gewußt hätte, daß die reiche, ſtattliche Frau aus dem Blute der lithaui⸗ ſchen Fürſten mit der früher gemiedenen Hexe und Kupplerin eine und dieſelbe Perſon ſei. Ein Frauenherz, das auf einen geliebten, hoffnungs⸗ vollen Sohn und deſſen jugendliche, wie eine Tochter geliebte Gattin vertrauensvoll blicken kann, verliert die Härte und Bitterkeit, die ſich nur in der Seele der Ein⸗ ſamen in ihrer ganzen Schärfe erzeugen kann.— D Glück, jungen und ſa von Fl. rung a⸗ mehr i dus, de deten 7 ben wa rius, geſtatte unendl Seele nur Li zu eröf kau ve früher ſeinen ändern der u Chriſt tes w eundin ndung Hnahe in, zu n Ge⸗ emden ithing niß in zuvor r Au⸗ he be⸗ n als meda erru hätte, haui⸗ und ungs⸗ ochter tt die Ein⸗ 287 Die alte Urſula, die ihren Sohn voll Stolz und Glück, gläcklich und geehrt neben ſich ſah, der mit ſeiner jungen Gattin frohlich ſcherzte und ſie liebevoll pflegte und ſchmückte, hatte ihre Rachegedanken, ihre Träume von Fluch und Zauberei vergeſſen; ſelbſt die Erinne⸗ rung an den Tod ihres Gatten konnte dieſelben nicht mehr in ihr aufregen, und der würdige Pater Medar⸗ dus, der noch mehrere Monden bei der ihm befreun⸗ deten Familie weilen durfte, da der Abt Jakobus geſtor⸗ ben war und der an ſeiner Stelle erwählte Pater Hila rius, ſein aller Freund und Schützer, ihm jede Freiheit geſtattete, trug durch ſeine ſanften Lehren und ſeinen unendlich liebreichen Umgang nicht wenig dazu bei, die Seele der alten Frau einem echten Chriſtenthume, das nur Liebe und Vergebung von ſeinen Bekennern fordert, zu eröffnen. Urſula hatte ihrem bitterſten Feinde Conrad Letz⸗ kau vergeben, ja ſie bereute bitter jeden Verſuch, den ſie früher gemacht, ihn an ſeinem Leben an ſeiner Ehre und ſeinem Familienglück zu ſchädigen, und zu dieſer Sinnes⸗ änderung hatte nicht nur Pater Medardus, ſondern auch der weiſe Tocktamiſch weſentlich beigetragen, deſſen Chriſtenthum ein echtes, wenngleich nicht überall geüb⸗ tes war. Er lebte mit Sungalo und deſſen Familie, bis er 288 in ſpäten Jahren noch nach Böhmen ging und ſich die Lehren des Magiſters Huß eigen machte. Wochen und Monden verſtrichen in Frieden und das Oſterfeſt des Jahres 1411 rückte heran.— Im Preußenlande war ein neues Glück eingekehrt. Der Hochmeiſter Heinrich Reuß von Plauen war ein eben ſo wackerer Regent, als tapferer und umſichtiger Kriegs⸗ mann. Der Handel blühte wieder in Danzig, und Con⸗ rad Letzkau's Wohlſtand erblühte mit ihm von Neuem. In den Mauern des Schloſſes herrſchte unter der Zucht des jüngeren Plauen Ordnung, Zucht und Sittſamkeit, aber dafür genoß der Comthur von Danzig auch in der Stadt den Ruf eines zwar ſehr ſtrengen, aber weiſen Herrn, und keine Menſchenſeele ahnete, was die ſeinige empfand, wenn er auf ſeinem ſchwarzen Roß durch die Straßen der feindlichen Stadt ritt oder an den Fenſtern ſeines Wohnzimmers auf die Mauern des Thurms blickte, den die Stadt ganz in der Nähe des Schloſſes auf ihrem eigenen Grund und Boden erbaut hatte. Heinrich von Plauen, der tapfere Ritter und mächtige Comthur von Danzig, war unzweifelhaft der unglücklichſte Menſch in der großen alten Stadt.— Er hatte auf Vlaſta verzich⸗ tet, weil er es vorzog ein mächtiges Glied des Ordens zu werden, und hatte es erleben müſſen, daß das Mäd⸗ chen, dem er doch wenigſtens ſeinen ritterlichen Schutz ſchuldete Augen gerettet, und ſeir Danzigs Ja er h den Bef J dem Co in eine Perſone reizten E rich vor meiſter thur ſte geraub Abkunf bewirkt an der Gatten Ein 2 ch die und Im Der eben iegs⸗ Con⸗ uem. zucht keit, der eiſen nige j die ſtern ickte, rem von von h in ich⸗ ens äd⸗ hut 289 ſchuldete, auf die entſetzlichſte Weiſe faſt unter ſeinen Augen gemißhandelt worden war, Fremde hatten ſie erettet, ein aderet Mann hatte ihr Herz gewonnen, ſeiner Macht war von den hochmüthigen Bürgern Danzigs auf das Empfindl ichſte Trotz geboten worden. Ja er hatte die Demüthigung erleben müſſen, ſich auf den Befehl ſeines Oheims und Vorgeſ etzten mit Conrad Letzkau, dem MWann⸗ den er als trotzigen Empörer wider ſeine Macht, als Verbreiter ſchlimmer Gerüchte wider ſeine ritterliche E Ehre und als den grauſamen Beleidi⸗ ger Vlaſta's haßte, öffentlich ausföhnen zu müſſen. Jeder Gedanke an den erſten B Bürgermeiſter war dem Comthur von Danzig wie ein ätzend r Gifttropfen in eine offene Wunde, und neben uun ftanden zwei Perſonen, die dieſe Schmerzen noch ſtets von Neuem reizten und erneuerten. Es waren dies ſeine nächſten Freunde, Herr Huld⸗ rich von Sefeln und her Ordensmarſchall Herr Küchen meiſter von Sternberg. Der Erſtere ſ ſprach zu dem Com⸗ thur ſtets von Vlaſta, als von einem ſeinem Freunde geraubten Glücke, von ihrer Schönh eit, ihrer Hoben Abkunft und dem großen Reichthum, der es zweifellos bewirkt haben würde, die Bande, welche den Plauen an den Orden knüpften, zu löſen und ihm, als dem Gatten des ſchönen und geliebten Weibes, eine hohe II. 19 Ein Bürgermeiſter. 290 Stellung am Hofe König Wenzel's oder des Kaiſers Ruprecht zu ſichern, während Herr von Sternberg auf den Trotz und die Macht des Conrad Letzkau, als auf ein dauerndes Hinderniß für des Plauen Emporſchwin⸗ gen zu einer bedeutenden Stellung im Orden hinwies. Als ſeine Verhältniſſe den Marſchall nöthigten nach der Marienburg zurückzukehren, waren ſeine letzten Worte an den Comthur von Danzig:„Ihr werdet, mein wuͤr⸗ diger Bruder, Eure Stellung in dieſer mächtigen Stadt nicht eher mit Ehren ausfüllen, bis ihr dieſen trotzigen Bürger und ſeine Mitſchuldigen wie Wespen mit Euerm Stahlhandſchuhe zerdrückt habt.— Hört übrigens, was ich Euch zum Abſchiede noch zu ſagen habe. Ich ſende Euch, da ich nach Elbing gehen muß, bevor ich meinen theuern Freund den edeln Meiſter in Marienburg wieder ſehen darf, den Scharfrichter jener Stadt, einen tüchti⸗ gen Mann, den Halbmeiſter Hans Schesmer. Solltet Ihr ſeiner Dienſte bedürfen, ſo wird er Euch zur Hand ſein, verlaßt Euch darauf.“ „Was meint er damit?“ fragte Plauen, ſich mit einem verſtörten Blick an den anweſenden Sefeln wen⸗ dend, der von ſeiner Verwundung zwar gänzlich geneſen, aber doch immer noch ein bleicher, ſchwächlich ausſehen⸗ der Mann geblieben war, dem Anſehen nach kaum mehr fähig, die ſchweren Waffen jener Zeit zu führen, weß⸗ 88E S2 N gnr o 2 o 291 halb er auch denſelben eine in Deutſchland nicht übliche, den hispaniſchen Dolch, zugefügt hatte, den er in einer ledernen, mit bunter Seide geſtickten Scheide an ſeinem Wehrgehänge trug. „Ich dächte, das wäre nicht ſo ſchwer zu verſtehen,“ entgegnete Sefeln auf die Frage ſeines Freundes. „In allen Ländern der Welt ſchaffen die Regenten ihre Feinde durch Henkershand aus der Welt und dieſer Letzkau und ſein Anhang ſind gewiß die ſchlimmſten Feinde des in dieſem Lande regierenden Ordens. Mit Gewalt ihnen beizukommen, haſt Du jetzt nicht die Macht. Indem der ſchwer beleidigte Meiſter aber zwiſchen ihm und Dir Verſöhnung ſtiftete, gab er Dir Möglichkeit in die Hand, ihm durch Liſt beizukommen. Glaubſt Du nicht, daß das Anerbieten des Sternberg, Dir den Scharf⸗ richter von Elbing herzuſenden, die Billigung Deines Oheims hat und gewiſſermaßen für Dich den Befehl enthält, Ruhe und Ordnung in Danzig zu ſtiften, in⸗ dem Du dem Drachen der Rebellion den Kopf abſchlägſt, der, das weißt Du ſo gut wie ich, Ein's und Dasſelbe iſt mit dem Kopfe Conrad Letzkau's.— Sieh! Du haſt die Jungfrau, die Du einſt nach Deiner eigenen Ausſage treu und ehrenhaft liebteſt, nicht retten können von der äußerſten Schmach, die dieſer Letzkau ihr anzu⸗ thun ſich erfrechte, blos um Dich empfindlich zu ver⸗ 8 19* 292 wunden, indem er Dir ſeine Macht zeigte. Räche jetzt Dich und ſie! lade ihn ein zum Eſſen auf den Palm⸗ ſonntag, wo alljährlich ein Feſt gefeiert wird, und wenn Du ihm dann als ſein höchſter Richter all' ſeine Ver⸗ brechen vorgehalten, ſo laß den Scharfrichter ſeine Pflicht thun und dem ſchlimmſten Widerſacher der Macht des Ordens, dem ſchändlichen Beleidiger Deiner Ehre, dem grauſamen Böſewicht, der ein verlaſſenes ſchuldloſes Weib mißhandeln konnte, den Kopf abſchlagen.“ Heinrich von Plauen hörte dieſe Worte und ſie klangen ihm aus allen Träumen ſeiner Nächte wieder. Er haßte Letzkau mit bitterſtem Haſſe, er liebte ſeine Macht, derentwillen er jede Hoffnung auf Liebesglück aufgegeben, und ſelbſt der Reſt ſeiner Liebe zu Vlaſta trieb ihn dazu, das Leid, das ſie erlitten, am Urheber desſelben zu rächen. Als nun drei Tage vor dem Palm⸗ ſonntage der Scharfrichter Hans Schesmer wirklich ankam, ſendete der Comthur Boten aus, die Häupter des Danziger Magiſtrats, den Bürgermeiſter Conrad Letzkau, Arnold Hecht, Tiedemann Huxter und den Rathsherrn Barthel Große zu einem frohen Mahle und zu freundſchaftlichen Beſprechungen über das Wohl der Stadt in aller Freundlichkeit einladen zu laſſen. Keiner von den Rittern, ſelbſt Sefeln nicht, hatte genaue Kenntniß von dem, was der Comthur beabſich⸗ —,.,—— 293 tigte, er hatte nicht ein Wort darüber geſprochen, auch war Befehl ertheilt worden, für den Palmſonntag ein Feſtmahl herzurichten zum Empfange ehrenwerther Güäſte. Im Hauſe des Bürgermeiſters Letzkau ſprach man dagegen ſehr viel von dem Feſte auf dem Schloſſe. Frau Gertrude rüſtete die ſtattlichſten Gewänder und das feinſte Linnen für ihren Gatten, und ihre Tochter that dasſelbe für den ihrigen. Die Einladung an die Häupter des Danziger Ma⸗ giſtrats auf dem Schloſſe das Palmſonntagsmahl einzu⸗ nehmen, hielt ſie für eine neue demüthige Abbitte, die ihrem Vater von Seite des Ordens zu Theil wurde, und es ſchien ihr ganz unzweifelhaft, daß dieſelbe angenommen werden müſſe. Als daher Große am Abende vor dem Feſttage, ſein ſtattliches Barett in ſeinen Händen hin und her drehend, zu ihr ſagte:„Ich weiß nicht, liebes Weib, ob wir klug handeln, uns in jene Mausfalle von einem Schloß ſo freiwillig einſperren zu laſſen,“ entgegnete ſie mit ruhi⸗ gem Lächeln:„Was könnteſt Du nur für einen Vor⸗ wand nehmen, eine ehrenvolle Einladung, die zur Her⸗ ſtellung des guten Vernehmens zwiſchen den Bürgern und dem Orden dienen ſoll, auszuſchlagen?“ „Ich weiß es nicht, mein liebes Weib,“ entgegnete der Rathsherr,„aber— es ſind nun viele, viele Jahre her,— ſeit ich durch jene finſteren Thore ſchritt, damals fand ich dort alles Glück und alle Hoffnungen meines Iugendlebens zerſtört und— mag es Furcht oder Aber⸗ glaube ſein,— ich kann die alten Mauern nicht auſehen, ohne daß ein eiſiger Schauder mich überläuft.“ „Aber nun behüt' Dich Gott, Marie, ich will noch hinübergehen zu Hecht und Huxter, mich mit ihnen wegen des morgigen Feſtmahles zu beſprechen.“ Canrad Letzkau hatte auch nicht einen Augenblick Argwohn, daß ihm oder ſeinen Gefährten auf dem Schloſſe irgend eine Gefahr drohen könne. Er hielt die Einladung für einen Triumpf, den die Feſtigkeit der ſtäd⸗ tiſchen Behörden über den Eigenſinn und die geſetzloſen Anmaßungen des Ordens feierte, und ſtand am Palm⸗ ſonntage etwa um 10 Uhr in der Vormittagsſtunde feſt⸗ lich geſchmückt auf dem Beiſchlage ſeines Hauſes, ſeine Collegen erwartend, mit denen er dann auch, als die neue Uhr an der Marienkirche ein Viertel nach 10 ſchlug, den Weg nach dem Schloſſe antrat. Der kleine, rundliche Herr Tiedemann Huxter hatte ſich an den Arm des ſtattlichen Rathsherrn Große ge⸗ hängt. lu„Helfe mir Gott,“ ſagte er,„ich ginge auch lieber in Euerm freundlichen Hauſe zu Tiſche und äße, was Eure junge Hausfrau zubereitet, als daß ich mich der 295 Gaſtfreundſchaft dieſer Deutſchherren in den finſteren Gewölben des Schloſſes überlaſſe.“ „Habt Ihr Sorge, wie man Euch ſättigen wird, mein werther College?“ fragte Arnold Hecht lächelnd. In dieſem Augenblick ſchritt Ralph, der braune Diener Ulrich's von Jungingen, der ſich ſeit dem Tode ſeines edlen Herrn ſtets als zu dem jüngeren Plauen ge⸗ hörig betrachtet hatte, die Straße hinauf, an den ſtattlich geſchmückten Herren vom ſtädtiſchen Rathe vorüber. Der Malaie(denn ein ſolcher war Ralph) hatte den Scherz Conrad Letzkau's gehört, und ſein grünlich braunes Geſicht mit den großen dunklen Augen den vier Danzigern voll zuwendend, ſagte er mit ſeltſam zittern⸗ der Stimme:„Wenn die Herren wüßten, was Ihnen zugerichtet iſt, ſie würden ſchwerlich kommen es auszueſſen.“ „Was war das? was meint der Mann?“ fragte Tiedemann Hurter, ängſtlich ſtehen bleibend. „Wenig genug ſicherlich,“ entgegnete Letzkau,„Ihr wißt, daß dieſer arme fremde Menſch ſeit Jahren halb verſtandlos und der Hofnarr des früheren Meiſters Ulrich iſt.“ „Und Ihr wißt doch,“ flüſterte Huxter,„daß ein weiſer Mann den Rath eines Narren beherzigen ſoll. Geht mit Gott, meine Herren, und möge Euch das Mahl auf dem Schloſſe wohlbekommen und behagen, ich muß 296 noch in meine Wohnung zurückkehren, denn ich habe den Schlüſſel in meinem Geldſchrank ſtecken laſſen, und habe keine Frau, die in meiner Abweſenheit nach dem Meini⸗ gen ſieht. Gehabt Euch wohl! ich will mein Hausgeſinde nicht in Verſuchung führen.“ Der kleine Mann entfernte ſich mit eiligen Schrit⸗ ten und war bereits in ſeiner Wohnung angelangt,— als ſeine drei Gefährten durch den finſtern Bogen des Schloßthores ſchritten, das ſobald ſie eingetreten waren hinter ihnen feſt verſperrt wurde. Es ſchien ihnen dies ziemlich ſeltſam, und ſie er⸗ ſtaunten nicht wenig als der braune Diener plötzlich vor ihnen ſtand und leiſe flüſternd ſagte:„Drei Vögel ſind gefangen, der alte vierte war zu klug ſich fangen zu laſſen.“ „Was meint Ihr, Ralph?“ fragte Letzkau, ſich mit milder Freundlichkeit an den Genannten wendend. Der Malaie ſchwieg, und ließ die Danziger an ſich vorüber gehen und in die Thür des Remters treten. Die goldene Frühlingsſonne goß ihre lichten Strah⸗ len in das Gemach, aber ſie fielen nicht auf einen wohl⸗ gedeckten und mit Speiſen beſetzten Tiſch, ſondern auf ein ziemlich hohes Gerüſte, deſſen Boden mit Sägeſpän⸗ nen beſtreut war. In der Mitte desſelben ſtand ein Holzklotz und hinter dieſem in einem langen rothen Man⸗ tel die rieſige Geſtalt Hans Schesmers, des Elbinger 297 Scharfrichters, der ſich nachdenklich auf ein Schwert von ungewöhnlicher Geſtalt und Größe lehnte. Die Eingetretenen hefteten einen Blick auf dieſe grauenerregende Vorrichtung und dann wendete ſich Conrad Letzkau an den Plauen, der mit Sefeln und noch drei andern Ordensrittern in einem der großen, auf die Mottlau blickenden Fenſter ſtand. „Was bedeutet das, Herr Comthur von Danzig?“ fragte er mit feſtem Tone. „Daß der Tag des Gerichtes über Euch Rebellen und Schurken jetzt hereingebrochen und daß Keiner von Euch lebendig dieſen Raum verlaſſen wird,“ entgegnete der Gefragte. „Und welches Gericht hat uns freie deutſche Män ner, Bürgermeiſter und Rathsherren zum Verbrechertode verdammt?“ fragte Letzkan mit unverringerter Feſtigkeit. „Mein Wille und meine Macht,“ ſagte Plauen. „Hat Euer Wille ohne die Einſtimmung Euer Lehns⸗ herren eine arme verlaſſene Jungfrau, die ſo ſchuldlos war wie die beſte Eurer Töchter, zur ſchmählichen Ent ehrung und Mißhandlung verdammt, hat Euer Wille Euch trotzen laſſen gegen die Befehle Eurer Herren und ihnen Zoll und Kriegsſteuer verweigern, ſo empfindet jetzt, daß auch der unſerige ſeine Macht hat. Ich, Heinrich von Plauen, will, daß Keiner von Euch Schurken und Verrä⸗ 298 ther lebendig dieſen Platz verläßt, und befehle Dir da oben, Hans Schesmer, Scharfrichter aus Elbing, dieſe drei Männer mit Deinem Schwerte vom Leben zum Tode zu bringen.“ Der Aufgerufene richtete ſein Haupt empor und blickte um ſich mit dunkel glühenden Augen.— „Mein Herr Ritter, Comthur von Danzig,“ ſagte er,„mein Amt iſt zu richten, wen das Geſetz und die ge⸗ ordneten Richter verurtheilt haben; zeigt mir den Befehl zur Hinrichtung dieſer drei Männer unterſchrieben und unterſtegel von dem Gerichte, unter deſſen Hoheit ſie ſte⸗ hen, und Ihr werdet mich bereit finden, mein Amt an ihnen zu vollziehen. Ohne einen ſolchen aber wäre ihre Hinrichtuug ein Mord, ich bin vereidigter Nachrichter, kein gedungener Mörder.“ Er ſtieg bei dieſen Worten von dem Gerüſte herun⸗ ter und trat dicht vor den Comthur, deſſen Wangen glüh⸗ ten als er, mit dem eiſenbeſchuhten Fuß auf den Bo⸗ den ſtampfend, ausrief:„Thue, was ich befahlen oder, bei meinem Leben und meiner ritterlichen Ehre, Dir ſoll gethan werden wie ihnen.“ „Du ſchwörſt bei Deiner ritterlichen Ehre, Comthur von Danzig? 2“ ſagte Letzkau,„Du, der redlichen Män⸗ nern eine ſo ſchändliche Falle gelegt,— Du, der ſeine Ehre in ſchnöder Liebſchaft mit einer fremden Dirne längſt in die Verrä rächen Plau ziehen frau; Tuge verm Hund nomn das d blitze ein E Klin rann Letzke Unſie ßen ches Sch⸗ ſchri 299 in die Schanze geſchlagen hat und jetzt zum ſchändlichen Verräther und Mörder wird, um ein Weibsbild zu rächen, das Pranger und Steupenſchlag erduldete?“ „Schurke! verleumderiſcher Schurke!“ ſchrie Plauen, in heftigſter Wuth ſein Schwert aus der Scheide ziehend,„wage es noch einmal ein Wort gegen die Edel⸗ frau zu ſprechen, deren vornehmen Stand und fleckenloſe Tugend Dein dicker Bürgerſchädel nicht zu begreifen vermag, und die Arbeit Dich abzuſchlachten ſoll dieſem Hunde von Nachrichter durch mein Ritterſchwert abge⸗ nommen werden.“ „Es iſt an Eurer Seite jedenfalls unehrlicher als das dieſes rechtſchaffenen Mannes,“ ſagte Letzkau mit blitzenden Augen. Kaum aber war das Wort geſprochen, ſo blitzte ein Sonnenſtrahl auf der blanken hochgeſchwungenen Klinge von Plauen's Schwert und im gleichen Augenblicke rann ein Blutſtrom über das Geſicht des unglücklichen Letzkau, und blendete ihn ſo, daß er taumelnd mit der Unſicherheit eines Blinden um ſich griff, bis er den wei⸗ ßen Mantel Sefeln's in ſeine Hände faßte. „Wenn hier ein Mann von Ehre iſt, der ein chriſtli⸗ ches Herz in ſeinen Buſen trägt, der leide es nicht, daß Schurken hier ihre Waffen gegen Wehrloſe gebrauchen,“ ſchrie der Wankende. 300 Der Scharfrichter von Elbing ſprang zu ihm, drückte das Richtſchwert in ſeine Hand und ſchrie:„Wohl Euch, Herr Letzkau!“ Der Bürgermeiſter erhob es; vom Blute geblendet, wie er war, verletzte er mit demſelben aber nicht Plauen, ſondern Sefeln, der nun blutend ſeinen Dolch zog, und ihn mehrmals in die Bruſt des Zuſammenſtürzenden ſenkte. Große und Hecht hatten ſich, als ſie dies Alles ſahen, mit wilder Wuth, waffenlos wie ſie waren, auf die Mörder geworfen. Die beiden Männer kämpften wie Tiger und Panther mit Händen und Zähnen; aber die Natur hat die Menſchenhand wohl zum Werkzeug kunſtreicher Arbeit, doch nicht zu einer Todeswaffe geſchaffen. Die Ritter be⸗ dienten ſich ihrer Stahlwaffen, und nach einem wilden, einige Minuten währenden Kampfe lagen die drei Bür⸗ ger, aus vielen Wunden blutend, auf dem mit Blut überſtrömten Boden des Zimmers. Hecht und Große waren ſtarr und kalt, aber in der hingeſtreckten Geſtalt Letzkau's zuckte noch das Leben. „Wegl wegl mit dieſen Leichnamen,“ ſchrie Plauen, die entſetzten Blicke nach dem ſonnenhellen Fenſter wen⸗ dend.„In den Keller mit ihnen, bis man die Aeſer in die Mottlau werfen kann.“ Di Befehl ſeinen g der dre Schloſſe waren, ahnend, am Mo forderten mein gee D wohlben Stimme Collegen R zitternde ſchleppt D des Letzz durch de Hauſe f Haus d aufſuche tung br kein mu ſihm, Pohl idet, uen, und den en, 301 Dieſer anſcheinend in ruhigem Tone ochene Befehl galt dem braunen Diener Ralph und hatte wohl ſeinen guten Grund, denn da gleich nach dem Eintritte der drei ſo ſchmählich Ermordeten die Thore des Schloſſes feſt verrammelt und die Brücken aufgezogen waren, ſo hatten ſich die Bürger Danzig's, nichts Gutes ahnend, unter den Fenſtern dicht an der Schloßmauer am Mottlau⸗Ufer in hellen Haufen verſammelt und forderten mit lautem Geſchrei die Freilaſſung ihrer allge⸗ mein geachteten Oberhäupter. Der alte Herr Tiedemann Huxter befand ſch wohlbewehrt an der Spitze dieſer Volkshaufen, und ſein Stimme war nicht die letzte, die laut die Befreiung ſeiner Collegen forderte. Ralph, der Elbinger Scharfrichter und noch einige itternde Diener hatten die Leichen indeß aufgehoben und chleppten ſie in die Kellergewölbe Der Erſte fühlte, daß noch Leben in dem Körper des Letzkau's zuckte und öffnete die Verbindungsthür, die durch den bekannten unterirbiſch en Gang zu Urſula's Hauſe führte. Er glaubte, d daß das andrängende Volk das Haus der alten Frau ſtürmen, dieſen Verbindungsweg aufſuchen und ſo vielleicht dem Verwundeten noch Ret⸗ tung bringen werde. Doch blieb es bei dem Geſchrei, da kein muthiger Mann ſich fand, der der Menge als paſſen⸗ 302 der Anführer bei einem Sturm auf das feſte Schloß und einem Kampf mit den in Stahl gehüllten Rittern er⸗ ſchienen wäre. Zudem trat der Withing Gedete und ſein ritter⸗ licher Pflegeſohn mit beſchwichtigenden Worten unter die tobenden Bürger. „Was kann Euern Rathsherren geſchehen, Ihr Bürger von Danzig?“ ſagte Gedete,„ſind ſie nicht dort im Schloſſe ſo gut wie in ihren friedlichen Häuſern unter dem Schutze des Geſetzes? Vielleicht ſind ſie ſelbſt nicht ganz frei von Schuld, Ihr Alle wißt, wie wir, welche Schmach der Magiſtrat von Danzig dem edeln jungen Fräulein angethan, das unter dem Schutze des Ordens aus dem fernen Böhmen hier in's Preußenland gereiſet war; wenn dieſe ſtolzen Rathsherren für ſolchen Hohn gegen Recht, Geſetz und Sitte eine Strafe erdul⸗ den müſſen, ſo iſt dies wohl ganz und gar in der Ord⸗ nung. Geht heim, Ihr Bürger, ſchlaft ruhig und kommt morgen wieder, um die Freilaſſung der drei Ge⸗ fangenen zu bitten.“ So zerſtreute ſich denn mit dem ſinkenden Abende das Volk.— Plauen, Sefeln und ſeine drei Gefährten, deren Namen die Chronik nicht aufbewahrt hat, ſetzten ſich in dem Zimmer, wo der alte Comthur Schönfeld zu wohnen pflegte, nieder, um die Gedanken an das ver⸗ goßene Blut im Weine zu ertränken. ſie end ſtehen, terhau⸗ auf de C erſtarte die Ku. richt, Hand ſelbez die ſie litt nos ſprang 303 Urſula wurde als der Abend hereinbrach, von Un⸗ ruhe in den Gemächern ihres Hauſes hin und her getrie⸗ ben. Ihr Herz ſchlug heftig bei dem Gedanken, daß Ihr Todfeind Letzkau ſich wahrſcheinlich jetzt in der Macht ſeiner Feinde, gefangen in den Verließen des Schloſſes befände, und von einem Gefühl getrieben, das ſie nicht beherrſchen konnte, ſtieg ſie, eine Lampe vor ſich hertragend, in den Keller ihres Hauſes hinab, ob ſie dort vielleicht etwas von dem, was ſich mit Letzkau zugetragen, hören und erforſchen könne. Aus einem Gewölbe in das andere ſchreitend, betrat ſie endlich auch den Gang und blieb zögernd und zitternd ſtehen, als ſie den Leichnam erblickte, der, mit dem Hin⸗ terhaupte an die feuchte Mauer gelehnt, lang ausgeſtreckt auf dem kalten Boden lag. Endlich näher tretend, erkannte ſie die bleichen, erſtarten Züge Letzkau's und warf ſich neben ihm auf die Kniee nieder. „So biſt auch Du geſtorben durch ungerechtes Ge⸗ richt, harter, unerbittlicher Mann!“ flüſterte ſie, die Hand auf ſeine Stirn legend, aber entſetzt zog ſie die⸗ ſelbe zurück, denn es war nicht die Stirn eines Todten, die ſie berührt hatte. Der ſchwer Verwundete lebte und litt noch, und ohne an irgend etwas Anderes zu denken, ſprang Urſula auf, zog Balſam, Riechſalz und eine 304 kleine Flaſche mit altem Wein aus den geräumigen Taſchen ihres Rockes, wo ſie dieſe Stärkungsmittel ſtets aufzuheben pflegte, und begann ihre Belebungsverſuche mit dem Mann, den ihre Lippen ſo tauſendmal ver⸗ flucht hatten. Letzkau ſchlug nach kurzer Zeit die Augen auf und wendete ſich erſchüttert ab, als er in das Geſicht der alten Frau blickte, die ſich über ihn gebeugt hatte. „O, ich erkenne Dich, unglückliches Weib,“ ſtöhnte er„im Augenblick des Todes erwacht mit furchtbarer Klarheit die Erinnerung an begangene Sünden.“ „Schweigt, Conrad Letzkau,“ entgegnete die Alte, „ſchweigt und trinkt noch einen Schluck von dieſem Wein. Euer Tod, das weiß ich nur zu wohl, kann den Gemordeten nicht lebendig machen, aber hier in meinem Herzen fühle ich, daß der nagende Wurm desſelben ſter⸗ ben wird, wenn es mir gelingt Euch zu retten und Euerm armen Weibe zu erhalten.“— Letzkau's Bruſt röchelte, als er den Verſuch machte ſein bleiches Haupt auf Urſel's Schulter zu legen.„Ich dank' Euch,“ flüſterte er,„grüßt mein Weib und Kind, und ſagt ihnen, daß Ihr mir vergeben habt.“ Es war das letzte Wort des kräftigen mannhaften Bürgermeiſters von Danzig, der wenige I Minuten darauf ſeinen letzten Athemzug an der Bruſt Derjenigen that, die fri lebhaf Alles ſein L derun konnte lich 2 dber e auf de 2 ſchon zornig und m Oſterr rie G gen, durch nigen ſtets ſuche ver⸗ und der hnte varer Alte, eſem den nem ſter⸗ term achte Ich „Ich eind, fften rauf that, Tode die Erfüllung ihres unſches n hätte, während ſie jetzt, hren i ſtand, mit Eifer that, um ſein Leben zu verls ängern u und ihm in ſeinen Leiden Lin derung zu fcha affen.— Als indeß über Letzkau's Tod kein Zweifel obwal konnte, verließ Urſula das Gewölbe, worin die Leiche lag und begab ſich zu ihrer Familie und ihrem Sohne und Gedete, den ſchrecklichen Vorfall u titzuthezlen. „Die heilige Jungfrau ſei uns gnädig, ſagte der hing voll Entſetz zen,„wie entartet ſind dieſe Or⸗ itter, daß ſie eine ſolche That wagen können Frei⸗ lich hat dieſer Letzkau ſchwer geſündigt durch ſeine ſchänd⸗ liched erurtheilung eines ſchutz⸗ und freund loſen Ma idchens, aber ein ſolcher gräßlicher Mord muß alle Rachegeiſter auf des Comthurs ſchuldbeladenes Haupt rufen.“ Am Montag Morgen verſammelte ſich das Volk ſchon früh vor den Mauern des Schloſſes und begehrte zornig die Herausgabe der Gefangenen. Der Comthur erſchien am Fenſter, leichenbleich und mit glühenden Augen, und ſagte, daß dieſelbe am Oſtermittwoch ſtattfinden würde, und nun erſchien Ma⸗ rie Große und GertrudL Letzkau, die Speiſen, Erquickun⸗ gen, warme Decken und weiche Kiſſen für ihren Gatten durch ihre Dienſtboten herbeitragen leßen und dieſe 20 Dinge an Ralph ablieferten, der für ihre richtige Ab⸗ gabe Sorge zu tragen verſprach. Am Oſtermittwoch in der Nachmittagsſtunde ſtan⸗ den die beiden Frauen auch wartend unter der Volks⸗ menge, als ſich plötzlich die Fenſter oberhalb der Schloß⸗ mauer öffneten, aus welchen mehrere Diener ſchwere, in Matten gehüllte Gegenſtände hinabwarfen. Die Menge drängte ſich geſchäftig hinzu die Ver⸗ hüllungen abzuſtreifen und aus allen Kehlen ſchallte ein einſtimmiger furchtbarer Schrei zum blauen Frühlings⸗ himmel empor, als man die blutigen, von Wunden ent⸗ ſtellten Leichen, die drei von allen ihren Mitbürgern geſchätzten und geachteten Häupter des Magiſtrats, in denſelben fand. Letzkau'e Gattin und Tochter waren ohnmächtig niedergeſunken und fanden ihre Beſinnung erſt in einem ſaubern und freundlichen Zimmer wieder, wo eine junge und zwei ältere Frauen ſich liebevoll um ſie bemühten. Sie hatten nicht die Kraft, nach ihrer eigenen Be⸗ hauſung heimzukehren, und verfielen Beide in gefährliche Krankheiten, die ihnen alle Erinnerung an die erlebten Schreckniſſe raubten.— Urſula, Nomeda und Vlaſta pflegten die Leidenden mit ſchweſterlicher Treue und chriſtlicher Barmherzigkeit, und als ſie ſich nach langer Zeit erholten, ſchliefen die Leiber ihrer Gatten ſchon in der( über dieſer fremt hatte Vlaſt dardr erſter zweit die a⸗ ausm. zurück kleine Leben ging Schü dem g nauer wendi Geſcht 307 der Erde und der Sommer hatte ſein goldenes Gewand über die Welt gebreitet. Ein Band der treueſten Freundſchaft vereinte feit dieſer Zeit Letzkau's Witwe und Tochter mit den beiden fremden Frauen, die ſie früher für Ausgeſtoßene gehalten hatten. Mit dem edeln Zindram, ihrem Oheim, blieben Vlaſta und Urſula, ſo wie auch Sungalo und Pater Me⸗ dardus in ſteter freundſchaftlicher Verbindung. Vlaſtas erſter Sohn empfing in der Taufe ſeinen Namen, erſt den zweiten nannte man nach dem Großvater Gedete. Urſulo erlebte noch das Erblühen lieblicher Enkel, die auch Nomeda's und des würdigen Gedete Lebensglück ausmachten. Vlaſta kehrte nie mehr nach ihrer Heimat zurück, ſondern lebte ſpäter mit ihrem Gatten in dem kleinen Hauſe Gedete's, das ihre Kinder mit heiterem Leben erfüllten. Pater Medardus, ihr trefflicher Freund und Lehrer, ging in den letzten Jahren ſeines Lebens mit ſeinem Schüler Amadeus nach Thorn, wo ſeine Lehren vielleicht dem großen Copernicus den erſten Antrieb zu einer ge⸗ nauern Erforſchung der Natur gaben. Was zur weitern Ergänzung dieſer Erzählung noth⸗ wendig ſein dürfte, gehört ganz und gar in den Kreis der Geſchichte jener dunkeln und blutigen Zeit. Die grauſame Ermordung Letzkau's und ſeiner Amtsgenoſſen regte den Haß der Danziger gegen den Ritterorden im höchſten Grade auf, beſonders da der Hochmeiſter Herr Heinrich Reuß von Plauen die ver⸗ ruchte That ſeines Neffen nicht beſtrafte. Da er ſelbſt an dem klugen Marſchall Michael Kü⸗ chenmeiſter von Sternberg einen geführlichen Feind hatte, der all ſein Thun und Laſſen genau beobachtete und auf's Schlimmſte deutete, ſo war der tapfere Vertheidiger der Marienburg ſchon im vierten Jahre ſeiner Meiſterwürde vor ein Gericht ſeiner Ritterbrüder geſtellt, und als Ketzer ſeines Amtes entſetzt und beſchloß ſeine Tage in der einſamen Comthurei von Engelsburg an der Grenze Lithauens. Der Orden aber beſtand noch über ein Jahr⸗ hundert, bis ein Fürſt aus dem Hauſe der Hohenzollern, die Gedanken jenes Mannes zum Theile ausführend, das beſiegte Preußenland aus den Händen des Polenkönigs zum Lehn empfing. Seine Nachfolger und Nachkommen machten es zu dem, was es jetzt iſt. End e. Druck von F. d 8 —— 3 4 8* 82 — — — ʒ˖—O—