Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückg abe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr rbis Abends 8 Uhr offen. Lesepreis. Bei Rückſlabe eines geliehenen Buches wird von jedan Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. .3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich ZBücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 6———— auf 1 Monat: 1 Mk.—— Pf 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 4 4 2. —y der Bücher auf e eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Achtes Capitel. Neuntes Capitel Seite 1 . 33 . 53 80 . 105 .132 .165 . 198 . 133 Erſtes Capitel. Ueber dem dichten unwegſamen Walde, der im Weſten die Grenze zwiſchen dem preußiſchen Ordens lande und dem Gebiete des Königs von Polen bildete, lag brütend eine Gewitter ſchwüle Sommernacht. Die Luft war ſtill, ſo daß kein Zweig, kein Blätt chen ſich regte, und der Himmel, von dichten Gewitter wolken bedeckt, ließ kein Sternchen erſchimmern.— Auf dem Boden aber regte ſich menſchliches Leben.— Ein Reitertrupp hatte ſich hier gelagert. Die Pferde, an Baumſtämme gebunden, fraſſen aus den vorgebundenen Futterbeuteln. Es waren zum Theil kleine Thiere mit ſtruppigem Haar und wild flammenden Augen, denen man es anſah, daß ſie, an jede Strapatze gewöhnt, zum Ertragen von Hunger und Durſt, zu weitem und ſchnel⸗ lem Ritt abgerichtet, aber auch nur von ihrem Herrn zu bändigen ſeien. Dieſe, welche ihre Thiere ſchon vor länger als einer Stunde mit allem Nothwendigen ver⸗ Cin Bürgerneiſter. II 1 ſehen hatten, lagen bis auf wenige ausgeſtellte Wachen die in tiefem Schlafe, ihre Waffen, Dolch, Säbel und das Kö kurze mit dem Radſchloß verſehene Feuergewehr neben dul ſich im Bereiche der Hand. Es war ein Trupp von we⸗ Sa nig mehr als 800 Mann. Wo aber das langſam nieder⸗ De ſinkende Wachtfeuer die hingeſtreckten Schläfer beſchien, Hu da zeigte es Geſichter, trotzig und wild, und Sehnen und Her Fäuſte, die von Eiſen zu ſein ſchienen. ten Dicht neben dem Feuer, und ganz von demſelben 2 überſtrahlt, lag hingeſtreckt auf einem Wolfsfelle ein nich ſchlanker junger Mann mit auffallend ſchönem Geſichte. Rie Er ſchlief nicht, ſondern ſtarrte mit großen dunklen mich Augen in die ſinkende Gluth, und ſeine Hand, blendend ſind weiß wie die einer Frau, ſpielte in dem langen Haar meir eines ſchönen ſchneeweißen Hundes, der ſich dicht an ihn ſchlä geſchmiegt hatte.— Neben ihm, gehüllt in einen weiten Mantel von grobem Gewebe, ſaß auf einem ungeſunke⸗ der nen Baumſtumpf eine jener rieſigen Geſtalten, wie ſie fern die alten Sagen ſchildern; Beide ſchwiegen, dem An⸗ fahr ſcheine nach ſich der nach den Strapatzen des Tages ſo das nöthigen nächtlichen Ruhe hingebend, in der That aber mit nur über ihren verſchiedenen Gedanken brütend. gen Plötzlich erhob ſich der ſchlanke Jüngling von ſeiner Gehl Lagerſtätte, und das Geſicht voll auf den Rieſen rich⸗ Sch tend, ſagte er lächelnd:„Was Dich bewogenhat, Chwal, Wachen und das r neben von we⸗ nieder⸗ beſchien, nen und emſelben felle ein Geſichte. dunklen blendend en Haar ht an ihn n weiten igeſunke⸗ wie ſie dem An⸗ Tages ſo hat aber on ſeiner ſen rich⸗ „ Chwal, 3 dieſen Zug mitzumachen, möchte ich wahrlich wiſſen. König Wenzel iſt Dir gewogen, ja er vertraut Dir und duldet Dich um ſeine Perſon. Du biſt begütert und die Sache dieſes deutſchen Ordens iſt in keiner Weiſe die Deine, denn Du, der Freund und Schüler des Johannes Huß, wirſt ſchwerlich dafür Dein Schwert ziehen, die Herrſchaft dieſer Mönchsritter in einem Lande zu erhal⸗ ten, das Dich überhaupt nichts angeht.“ „Und was geht's Dich an, ob ich Gründe habe oder nicht mich Deinem Zuge anzuſchließen?“ antwortete der Rieſe,„für Dich denke ich, kann's ausreichen, daß Du mich haſt. Arm und Schwert des Chwal von Trocznow ſind für jede Freibeuterſchaar eine gute Sache, ſollt' ich meinen, und das Forſchen, warum dieſer oder jener zu⸗ ſchlägt, gehört nicht zum Handwerke.“ „Darin denkt Jeder, wie er Luſt hat,“ entgegnete der Andere.„Warum ich mit meiner Schaar in dies ferne Land gezogen, weißt Du. Ich gehe als ein echter fahrender Ritter der Spur eines ſchönen Fräuleins nach, das ich hier herum irgendwo zu finden hoffe, und das mir mit ſeiner Hand erſt den vollen Beſitz meines rechtmäßi⸗ gen Erbes ſichert. Dieſe Vlaſta hat den Teufel im Leibe! Geht auf und davon, zu den deutſchen Herren, den Schutz König Wenzel's verſchmähend, den er ihr ſo liebe voll angeboten. Ha! ha! ha! er mag einen Schreck 1* 4 bekommen haben als er die Nachricht erhielt, daß in Krummau das Neſt leer, und der Vogel, den er fangen wollte, ausgeflogen ſei.“ „König Wenzel iſt ein alter Freund des Ordeus,“ ſagte Chwal, ohne auf die Rede des Andern beſonders einzugehen, er wird es gern ſehen, daß wir unſere Schweſter demſelben zu Gebote ſtellen. Er haßt die Po⸗ len und Ihr denkt ſeine Gunſt zu erwerben, indem Ihr gegen ſie kämpft, um ſo Euer zweifelhaftes Recht auf einen Theil des großen Roſenberg'ſchen Lehens zu ſichern.“ „König Wenzel haßt die Roſenberge mehr als alle Polen in der Welt,“ ſagte der Andere, von Neuem la⸗ chend,„ſeit die böhmiſchen Stände ihn gefangen nahmen, und der letzte Roſenberg ſein Kerkermeiſter in Krummau an 2 würd ſeinen des E Fräu nicht ſtreich kunde Dam Nam erri wollt Ande war. Nein, Chwal von Trocznow, Wenzel's Gunſt zu erlangen, bin ich nicht in dieſen Krieg gezogen, ſondern einzig und allein wegen meiner Baſe. Ich will und ich werde ſie hier unter dem Schutze Ulrich's von Jungingen finden. Ich werde ihm dann vorſtellen, wie es für beide Theile am beſten ſei, wenn ſich die Intereſſen vereinen. Als Vlaſta's Gatte habe ich doppelt begründetes Recht auf den Vermögensantheil des Kunkellehens, und bin dann, trotz der Anſprüche meiner Vettern, doch ein aller gegne ſager mit d Euch von 2 Träger des größten Namens in Böhmen, an Vermögen, wirſt daß in fangen rdeus,“ eſonders unſere die Po⸗ dem Ihr echt auf hens zu r als alle teuem la⸗ nahmen, rummau Hunſt zu „ſondern L und ich Pungingen für beide vereinen. etes Recht und bin doch ein ermögen, 5 an Rang und Ruhm meiner Vorgänger nicht un⸗ würdig.“ „Hört!“ ſagte der Andere, aufſtehend und ſich zu ſeiner ganzen Höhe vor dem Feuer anfrichtend,„ſeid Ihr des Erfolgs all' dieſer Pläne ſo gewiß. Wie, wenn das Fräulein Euch trotz der Vermittlung des Hochmeiſters nicht wollte? Wie, wenn der erſte polniſche Schwert⸗ ſtreich Euch den Kopf zerſpaltete? Wie, wenn die Ur⸗ kunden ſich nirgend vorfänden, welche die Rechte der Dame ſicherten?— Ihr ſeid ausgezogen, den erſten Namen Böhmens Euch zu ſichern, ich werde ihn mir erringen.“ „Ihr, Chwal von Trocznow auf Machowecz, Ihr wollt Euch den Namen Roſenberg erringen?“ fragte der Andere mit verächtlichem Ausdruck. „Es darf der Name Roſenberg nicht immer und zu aller Zeit gerade der erſte Name Böhmens bleiben,“ ent⸗ gegnete Jener.„Kennt Ihr den blinden Pfeifer, Wahr⸗ ſager und Propheten auf Machowecz?“ „Ja;“ ſagte der Andere aufhorchend,„und was iſt’s mit dem?“ „Wißt! er ſagte mir, als ich ihn befragte, ob ich Euch auf dieſem Zuge begleiten ſolle: Gehe hin, Chwal von Trocznow, aus dem Streite in jenem fernen Lande wirſt Du Dir einen Namen holen, den noch nach Jahr⸗ ben j hunderten alle Welt mit Ruhm nennen wird. Weit über Böhmens Grenze, weit über die Grenzen der Zeit Dei⸗ man nes und meines Lebens hinaus wird dieſer Name der vetter Welt Furcht und Ehrfurcht einflößen, und wenn die größ⸗ die ten Namen Böhmens nur noch den Gelehrten und Wei⸗ Recht ſen bekannt ſind, werden die Kinder an den Straßen den Preu Deinen kennen und fürchten.— So bin ich denn mit Nien Euch gezogen, was feſſelt mich an die Heimat? Hab' ich doch nicht Weib noch Kind, und iſt mir auch heute Kö⸗ wohl, nig Wenzel günſtig, morgen kann es anders ſein, denn das C ſeine Gedanken wechſeln ſo oft, aber nicht ſo regelmäßig noch wie der Mond.“ ſtörer „Er haßte den Roſenberg,“ entgegnete der Andere, Himn „haßte ihn nachhaltig und unwandelbar, und würde ihn Ihr r getödtet haben, wie er den Johann von Nepomuk töd⸗ mich tete, wie er den Schwanberg und ſo viele andere Edle Früh Böhmens tödtete, aber Roſenberg kam ihm zuvor und es ben ſtarb, ehe der rachſüchtige König ſeine Hand gegen ihn Gren erhob.“ nen S Chwal von Troczow warf einen langen düſtern Blick wilde auf den jugendlichen Sprecher, und ſagte dann:„Ja, der Roſenberg ſtarb Vielen zur gelegenen Zeit. Habt Chwa Ihr vielleicht ſchon Etwas gehört von dem Gifte der Viss fehlsh conti Galeas in Italien?— Man ſagt, Heinrich von Man Roſenberg ſei an etwas Aehnlichem geſtorben. Es ſter⸗ unbek über Dei e der gröͤß⸗ Wei⸗ n den n mit ab' ich e Kö⸗ denn mäßig ndere, e ihn k töd⸗ e Edle r und n ihn Blick „Ja, Habt er Vis⸗ ſch von s ſter⸗ 7 ben jetzt in Böhmen viele Leute ſo plötzlich, von denen man das ſagt. Auch meinen die Klätſcher, die Lehens⸗ vettern Heinrich's von Roſenberg wüßten gar wohl, wo die Schriftſtücke zu finden ſeien, die das ſonnenklare Recht des jungen Fräuleins bewieſen, das jetzt hier in Preußen umher irrt. Ihr wißt, der Verleumdung entgeht Niemand.“ „Aber horcht, Zawiſch!— denn ſo heißt Ihr ja wohl, wie der große Roſenberg, Euer Ahnherr, ich glaube, das Gewitter, das ſeit der Abenddämmerung droht, wird noch ehe der Morgen graut, dieſe Schläfer hier Alle ſtören.— Ich ſelbſt werde nicht ſchlafen, auch wenn der Himmel heiter wird, ich bedarf des Schlafes nur wenig, Ihr wißt das, und ſo meine ich, es wäre gut, Ihrſchicktet mich noch in dieſer Nacht ab, dann erreiche ich in der Frühſtunde die erſten Poſten der Deutſchherren und kann es bewirken, daß Ihr und dieſe Leute noch vor Abend die Grenzen überſchreiten und in einem Dorf oder einer offe⸗ nen Stadt eine beſſere Herberge finden könnt, als der wilde Wald hier ſie uns bieten kann.“ „Thut, was Euch in dieſer Beziehung gut dünkt, Chwal,“ entgegnete der Jüngling, offenbar der erſte Be⸗ fehlshaber des Reiterzuges.„Ich weiß, Ihr ſeid der Mann darnach Euch bei Nacht und Gewitter auf den unbekannteſten Pfaden zurecht zu finden,“ „Zudem fehlt es mir ja auch an einem Führer nicht, und ich bin des Deutſchen mächtig genug, um mit dem Kaiſer ſelbſt zu ſprechen, ſo werde ich mich ja wohl auch mit dieſen Grenzwächtern verſtändigen können.— He da! Wachtpoſten hier, weckt den Bauern, der am Fuße der alten Fichte ſchläft und weckt ihn munter, in⸗ deß ich mein Pferd ſattle.“ Damit erhob ſich der rieſige Mann von ſeinem Sitze, ſchüttelte die mächtigen Glieder und trat an die Birke, an deren weiß ſchimmernden Stamm die Zügel eines Pferdes geſchlungen waren, das ſtark genng ſchien, die Geſtalt ſeines Herrn zu tragen. Er nahm ihm den Futterbeutel ab, und das Thier begrüßte nun ſeinen Herrn mit freudigem Wiehern!— „Ja! Krok! Ja! mein Hengſt!“ ſagte Chwal von Machowecz, des Thieres ſchlanken Hals ſtreichelnd.„Du fürchteſt einen Nachtritt ſo wenig als Dein Herr! Wir Beide eilen mit dem Winde um die Wette, und ſind viel⸗ leicht unter Dach und Fach, ehe das Unwetter, das dort brauſt, uns einholen kann.“ Er ſchwang ſich leicht auf des Thieres Rücken und wartete bis der Wachtpoſten den Mann ermuntert hatte, der als Führer dienen ſollte. „Ihr wißt Beſched in dieſen Wäldern, Freund?“ redete der böhmiſche Offizier dieſen an. wen ieff grof gleie Uny eine kam über zufi vern find Eut her zu! zu! auf lach lein mei der an hrer mit wohl am in inem n die Zügel chien, n und hatte, lnd?“ 9 „Genug, Herr,“ entgegnete Jener,„um Euch, wenn ich Euch als Spion und Verräther erkenne, in den tiefſten Sumpf zu führen, aus welchem Ihr und Euer großes Pferd nur als Irrwiſche auferſtehen ſolltet, ob gleich ich ſelbſt in dieſer Gegend fremd bin.“ „Aber doch auch genug, um mich trotz Sturm und Unwetter zum nächſten Grenzpoſten zu führen? wo ich einen Befehlshaber ſinde, der uns die Erlaubniß geben kann, die Grenze mit dieſem unſeren Commando zu überſchreiten und es Seiner Ehren, dem Hochmeiſter zu⸗ zuführen, damit er uns und unſere Leute in dieſem Kriege verwende nach ſeinem Gefallen.“ „Auch dazu weiß ich genug, Herr! ein guter Hund findet ſeine eigene Fährte wieder und ich wurde von Euren Leuten geſtern Nachmittag nicht mit Gewalt hier⸗ her gebracht, ohne mir einige Zeichen zu machen, andere zu merken, die mir's möglich machen ſollten, mich ſelbſt zu ranzioniren. Hal was iſt das!“ „Nur ein Bändchen, Camerad, das mich und Dich auf dieſem Wege verbinden ſoll,“ entgegnete der Böhme lachend.„Merk' auf! ich habe Dir eine gute feſte Fang⸗ leine um den Leib geworfen, deren Enden ich hier in meiner Hand halte, ſie wird Dich nicht im Gehen hin⸗ dern, obgleich ihre Schlinge, Dir jetzt die Arme ein wenig an den Leib ſchließt. Geh' ruhig den rechten Weg und — wir müſſen in einer Stunde die Vorpoſten Euerer Leute erreichen. Sind wir dort glücklich angelangt, ſo wirſt Du nicht nur Deiner Bande ledig, ſondern erhältſt auch von dem Chwal von Machowecz ein gutes böhmiſches Goldſtück. Verſuchſt Du dagegen Streiche zu machen, ſo— merk's, Camerad!— ſo ziehe ich dieſe Schlinge hier ein wenig feſter und—“ „Der Teufel hol Euch!“ ſchrie der Bauer,„Ihr ſchneidet mir die Sehnen durch mit Euerem verfluchten Strick. Laßt mich nicht glauben, Ihr ſeid Pollaken oder Tartaren, ſonſt ſollte es Euch trotz des Strickes leid werden. Hal fühlt Ihr, daß ich mich rächen kann, Camerad?“ Der Boden unter den Füßen des Pferdes begann zu wanken, und das edle Thier mußte alle ſeine Kräfte anſtrengen, um ſeine Hufe aus dem tiefen, weichen Moorgrunde zu erheben, in welchem ſie bei jedem Schritte verſanken. Die Reihe des Fluchens war jetzt an dem Böhmen, der preußiſche Führer aber wendete ſich ruhig nach ihm um und ſagte:„Ihr merkt's nun, daß wir einander trotz des Strickes hier noch gleich ſind. Einen Fußgänger tra⸗ gen dieſe Sumpfmoore allenfalls, aber Euer Pferd müßte elendiglich umkommen, wenn ich Euch nicht den richtigen Weg zeigte. Haltet Euch aber jetzt ruhig, macht Eure Schl jetzt will wenn beha trete mich den nen, dumt Witl und gefal iſt, C ſchaf ſelbſ Ich Bau Leher muß und eute virſt auch ches hen, inge Ihr hten oder leid ann, ſaann 11 Schlinge loſer und folgt mir hart auf dem Fuße, ſo! jetzt ſind wir auf feſtem Grund und Boden und nun will ich neben dem Ko) pfe Eures Pferdes gehen, und B Ihr wohl⸗ 1 wenn nicht Gottes Blitz Euch erſchlägt, ſollt behalten vor den nächſten Fähnrich oder Hauptmann treten.“ „Wer ſteht hier zunächſt und zu wem denkt Ihr mich zu führen?“ fragte der Böhme. „Das, Camerad, werd' ich Euch ſagen, wenn wir den Grenzpoſten ſo nahe ſind, daß ſie Euch packen kön⸗ nen, dafern Ihr etwa Luſt hättet, das was Ihr einem dummen Var abgefragt, hinüber in das Lager Withold's oder des Tartaren Toktamiſch zu tragen.“ Chwal lachte! Ihr ſeid ein ſchlauer Kunde, Preuße, und ein ganzer Soldat,“ ſagte er„und Ihr gefallt mir!“ „Viele Ehre,“ entgegnete der Andere,„ob Ihr mir gefallt kann ich noch nicht ſagen, da die Nacht zu düſter iſt, Euer Strick aber, mit dem ich ſchon nahe Bekannt⸗ ſchaft gemacht, gefällt mir ganz und gar nicht. Was ich ſelbſt bin iſt kein Geheimniß, daher ſollt Ihr's erfahren. Ich bin ganz und gar kein Soldat, ſondern ein armer Bauer aus dem Marienburger Werder, der nach ſeiner Lehenspflicht dem Heerbanne Seiner Gnaden folgen mußte, habe daheim Weib und Kind, auch ein Häuslein und ein wenig Land.“ 12 „Da iſt's Euch denn wohl auch eine große Plage, daß Ihr hinausmüßt von den Eurigen?“ „Hm! ja und nein! wenn erſt eine Zeit kommen ſollte, wo der Bauer ſein Land in ſtetem Frieden bauen könnte, wo es keine Kriege gäbe, und überall Recht und Gerechtigkeit regierte, das wäre ſchön, und es ſollte mich gar nicht verlangen, in einer Nacht wie die heutige mein warmes Bett und mein hübſches Weib zu verlaſſen und mit einem Strick um den Hals durch Sumpf und Moor zu laufen. Wie aber die Welt nun einmal beſchaffen iſt, ſo muß ein jeder Mann das was er hat und erwirbt, auch vertheidigen können, und dazu bin ich denn auch nicht faul. Ihr wißt, Herr, ich hatte mich geſtern am weiteſten vorgewagt, die Gegend hier herum zu erkund⸗ ſchaften, ſo daß ich Eueren Leuten in die Hände fiel. Unſer Einer, Herr! iſt kein Bär, kein Wolf, kein Adler oder Geier, deren Art und Natur es iſt, auf Raub aus⸗ zugehen, das iſt Sache der Ritter und Edein, die der⸗ gleichen vornehmes Gethier in ihren Wappenſchildern führen. Wir Bauern ſind wie unſere Ochſen, wir lieben unſeren warmen Stall, unſere fetten Weiden, wir laſſen uns auch geduldig einjochen, und arbeiten wie es noth⸗ wendig iſt; wenn aber die Wölfe aus Polen kommen und die Luchſe und Füchſe aus Lithauen und Samaiten, da ſtellen wir uns in einen Kreis und zeigen den Beſtien ge, nen uen und nich nein und door Liſt, irbt, auch am der⸗ 13 die Hörner.— Aber ſchaut, Herr, ſeht Ihr dort, das ſind die Feuer unſerer Leute. Der Wind, der ſich jetzt erhebt, läßt ſie loh auflodern. Seht Euch vor, daß die Wachen nicht auf Euch ſchießen. Der beſte Schütze mit der Arm⸗ bruſt iſt freilich nicht bei ihnen, aber die Arkebuſen ſind auch Dinge, mit deuen nicht zu ſpaſſen iſt.“ „Wer da?“ tönte jetzt die Stimme eines Wacht poſtens durch das Dunkel der Sturmnacht. In dieſem Augenblicke fühlte Chwal die Fangleine, an der er den Preußen führte, loſe werden und zu Boden ſinken. Der gewandte Mann hatte ſich aus der Schlinge befreit und ſprang in das helle Licht der Wachtfeuer, wo er mit lautem Jubel empfangen wurde. Eine Se cunde darauf umringten zehn bis zwölf Preußen mit trotzigen Geſichtern den böhmiſchen Edelmann,— ſein Weiterreiten hindernd, und nach wenigen Minuten er ſchien, den Federhut auf die Seite gerückt, der Führer des Poſtens, ein hübſcher ſtattlicher Mann, in der rothen Kleidung der Danziger Stadtſoldaten. „Wer ſeid Ihr?“ fragte er mit ganz militäriſchem Anſtande. „Johannes Chwal von Trocznow auf Machowecz und Borowa, böhmiſcher Edelmann,“ war die ruhige Antwort. „Woher kommt Ihr?“ 14 „Von der jenſeitigen Grenze, wo das Picket meines Feldobriſten, des edlen Zawiſch von Roſenberg ſeit geſtern Abend lagert.“ „Was iſt Euer Begehr!“ „Wir wollen die Grenze paſſiren und Obdach und Nahrung gegen gutes Geld in Preußen für unſere Leute ſuchen, bis unſer Feldobriſt ſich Seiner Ehren dem Hoch⸗ meiſter vorgeſtellt, und ſich und uns Alle zu deſſen Dien⸗ ſten geſtellt hat.“ „Soll rapportirt werden,“ entgegnete der wackere Danziger Fähnrich, Herr Andreas Fechter,— denn die⸗ ſer war es, vor welchen der Böhme geführt wurde— „indeß müßt Ihr Euch gefallen laſſen, daß man Euch nach Kriegsgebrauch die Augen verbindet, während Ihr durch unſer Lager geführt werdet.“ Chwal ſchwang ſich vom Pferde, das einer der Danziger Soldaten am Zügel vorwärts führte, nahm den Mantel, der ſeine ſtattliche Geſtalt verhüllt hatte, von der Schulter und zeigte ſich in ſeiner glänzenden Rü⸗ ſtung, über welcher die weiße Feldbinde, das Zeichen des feindlichen Parlamentärs, geworfen war, die Pickelhaube auf dem hochgetragenen Haupte, deren rothe Feder ein ſonnenverbranntes, kühnes Antlitz beſchattete, als eine ge⸗ waltige, ritterliche Erſcheinung. Er mußte ſich tief niederbeugen, als man ihm die neines ſeit ) und Leute Hoch Dien backere n die⸗ e Euch d Ihr der nahm hatte, n Rü⸗ en des haube er ein nege m die 1⁵ Binde um die Augen legte, denn wie König Saul das Volk Iſrael, überragte der rieſige Böhme die anweſen⸗ den Danziger Milizen ſchier um eines Kopfes Länge. „Nun gebt mir die Hand, Herr“, ſagte die Stimme ſeines Führers,„und verlaßt Euch auf mich, hier und jetzt ſoll Euch der Strick, an dem Ihr mich feſtgehalten, noch nicht angerechnet werden. Kommt, in zwei Minuten ſtehen wir vor dem Hauptmanne.“ Herr Albrecht Mantell, der Hauptmann der Dan ziger Stadtmiliz, hieß den böhmiſchen Officier in ſeinem Zelte mit Artigkeit willkommen, und da jetzt der Regen draußen in Strömen niederrauſchte, ſo bot er ihm an, dort den Morgen abzuwarten, wo er ihn zu dem den Grenzpoſten commandirenden Ordens⸗Ritter führen wolle. „Wie, Herr, nanntet Ihr den Feldobriſten, unter dem Ihr dient?“ fragte nach einer Weile der Danziger Haupt⸗ mann den Böhmen, als Beide im grauen Morgenlichte beiſammen auf einem feuchten Strohbunde ſaßen. „Zawiſch von Roſenberg.“ „Hm! Ei! Der Name iſt in letzter Zeit viel in un⸗ ſerer Stadt Danzig genannt worden, d. h. verſteht mich wohl, nicht der Eures Feldobriſten, ſondern der Name von Roſenberg, denn ein ſchönes Fräulein, das ſich alſo nennt, befindet ſich in unſeren Mauern und mancherlei 16 Gerede geht über ſie herum. Kennt Ihr ſie vielleicht? oder kennt Sie Euer Obriſt?“ „Ich nicht“, entgegnete Chwal,„ich habe nicht viel zu thun mit ſchönen Fräuleins und dergleichen, aber mein Feldobriſt möchte ſie ſicherlich kennen.“ „Da will ich denn doch mit ihm reden, wenn ich die Ehre habe, mit ihm zuſammenzutreffen“, meinte Herr Mantell. Es iſt eine gewaltig ſchöne Dame und allerdings von vornehmem Ausſehen. Aber Herr! Sie wohnt in ei⸗ nem ſchlimm verrufenen Hauſe und bei einem ſchlimm verrufenen Weibe. Das Haus, müßt Ihr wiſſen, hat ei⸗ nen geheimen Ausgang, der nach dem Burghof führt, und ſeit langer Zeit haben in demſelben die Ritter ihre Schätz⸗ chen gehabt. Es ſind da früher ſchon viel ſchlimme Dinge vorgefallen. Ja! ja! ſchreckliche Dinge, von denen man in Danzig gar nicht ſprechen darf, wenn man nicht die Herren von den Geſchlechtern alsbald zu Feinden haben will.“ Der Böhme blickte mit den dunkeln ſtrengen Au⸗ gen fragend in das Geſicht des Schwätzers. „Meint Ihr, daß dieſe Gottesſtreiter, dieſe ritterli⸗ chen Mönche Ihre Gelübde in jenem Hauſe mit Weibern brechen?“ ſagte er endlich und ſeine tiefe Stimme klang wie Donnergrollen. „Gewiß Herr! was ſonſt,“ entgegnete Herr Albrecht Mante iſt unſ großer Kaufm nach 5 zogen, im Jal große Danzig wie me durch er die! 1359 aber w böhmiſt eben ke alsbald geſagt, den Sc Schätzc liche S Chwal, Ein B. Ueicht? ht viel er mein enn ich te Herr erdings t in ei ſchlimm hat ei⸗ drt, und Schätz⸗ e Dinge en man nicht die in haben gen Au ritterli Weibern ne klang Albrecht 17 Mantell, eifrig mit dem Kopfe nickend.„Seht, Herr! da iſt unſer erſter Herr Bürgermeiſter, Conrad Letzkau, ein großer Mann, ein geſcheidter Mann, ein gewaltiger Kaufmann, deſſen Schiffe nach der Levante gehen und nach Frankreich und England. Die Ritter haben ihn er⸗ zogen, der edle Meiſter Winrich von Knipprode, als er im Jahre des Herrn, wann war's nur gleich? als die große Peſt im ganzen Lande herrſchte, auch bei uns in Danzig wüthete ſie gar arg, und Meiſter Winrich machte, wie meine Frau Mutter ſelig mir erzählte, einen Umzug durch alle ſeine Lande und kam auch gar nach Oliva, wo er die heiligen Reliquien anbetete. Ja, das war Anno 1359 oder 60.“ „Da that er als ein Chriſt, Hauptmann Mantell, aber wie hängt das zuſammen mit dem Hauſe, in dem die böhmiſche Dame wohnt?“ „Ei, ſo! Dies könnt Ihr nicht verſteh'n, da Ihr eben kein Danziger ſeid, denn ein Danziger würde es alsbald verſtehen, ſchon wegen der Oertlichkeit, denn, wie geſagt, jenes Haus hat einen geheimen Eingang, der auf den Schloßhof führt, ſo daß die Ritter alle Zeit zu ihren Schätzchen dort gelangen konnten, ohne daß eine menſch liche Seele ſie ſah.“ „Da ſei Gott vor, daß ich ſolches verſtehe“, ſagte Chwal, der von ſeinem Sitze aufgeſprungen war und leb⸗ Ein Bürgermeiſter. II. 2 2 18 haft im engen Raume des Zeltes auf und abſchritt.„O Johannes Huß! Mann Gottes! hörteſt Du dies, wie ſehr würdeſt Du jammern über die Unzucht und Sünde, welche die Ehrloſigkeit der Prieſter, Mönche und Ritter in ihrem Gefolge hat.“ „Nun, was wollt Ihr, Herr!“ ſagte der Danziger beruhigend,„dafür haben ſie auch Abläſſe genug vom heiligen Vater und ſchlachten die Heiden und brennen ihre Burgen nieder zur Ehre Gottes.“ „Ja!“ ſagte der Böhme und ſein Auge begann in wunderbarer Weiſe zu leuchten,„ja, es iſt Zeit, daß eine neue Lehre dem Menſchengeſchlecht gepredigt werde. Es iſt Zeit, daß Diejenigen, welche erwählt wurden, das Wort des Erlöſers zu verſtehen, es laut und in allen Straßen verkündigen. Gott erbarme ſich über die Welt; wenn nicht ein neues Regiment eingeführt und ein neuer Glaube gelehrt wird, ſo muß das Feuer des Himmels herabfallen und dieſen ganzen verruchten Sündenpfuhl wie einſt Sodoma und Gomorrha verzehren.“ „Ja, das ſagt der Herr Abt Jacobus von Oliva auch und ebenſo der Herr Biſchof von Gneſen. Sie hal⸗ ten nicht ſo viel auf das Regiment der Ritter und haben auch recht, denn in andern Ländern gibt es viel mehr Hei⸗ ligkeit als bei uns, viel mehr Kirchen und Klöſter und Geiſtliche, die Gott darin dienen. In andern Ländern ma⸗ chen und f die C Fürſt nug n Edeln längſt edle H denn dentli rad L meine Herrn dem C fem E treue ſchauen fährten Walde damit das La Dorf können O „ wie inde, titter ziger vom ihre egann , daß verde. das allen Welt; neuer umels pfuhl 7 Oliva ſie hal⸗ haben r Hei⸗ er und rn ma⸗ 19 chen fromme Fürſten Stiftungen für Kirchen und Klöſter und fromme Seelen vermachen ihre weltlichen Schätze an die Geiſtlichkeit, aber bei uns— proſit! Unſere Herren Fürſten, die Herren Ritter ſind ſich ſelbſt Geiſtliche ge nug und laſſen ſich lieber ſelbſt was vermachen von Fürſt, Edelmann und Bürger. Wir in Danzig wünſchen auch längſt das Ritterregiment zum Teufel, und für unſere edle Hanſeſtadt, die ſich ſelbſt zu regieren verſteht,— denn wofür wären denn die Geſchlechter?— einen or⸗ dentlichen König als Schutzherrn.— Ja, wäre der Con⸗ rad Letzkau nicht, ich läge vielleicht auch nicht hier mit meinem wackeren Regiment, ſondern drüben, bei dem Herrn Könige Wladislav Jagello.“ Des Böhmen dunkles Auge hing nachdenklich an dem Geſichte des Schwätzers. „Ja der jüngſte Tag rückt heran“, ſagte er mit tie⸗ fem Ernſte.„Ueberall, bei Herrn und Knecht, gleiche Un⸗ treue und Uebertretung.“ Dann aber aus dem Zelte ſchauend, ſetzte er hinzu:„Es iſt Morgen, meine Ge⸗ fährten warten in dieſer Sturmnacht draußen im wilden Walde, führt mich zu dem Gebieter dieſer Grenzmacht, damit ich ihnen bald die Nachricht bringen kann, daß ſie das Land des Meiſters betreten und ſich in dem nächſten Dorf oder Städtchen Nahrung und Obdach ſchaffen können.“ 2* 20 „Euer Führer ſteht ſchon bereit, mein werther Herr von Machowecz,“ entgegnete der Danziger Hauptmann, „aber bevor Ihr mit ihm aufbrecht,— denn ich als Com⸗ mandirender kann meinen Poſten hier nicht verlaſſen,— trinkt zuvor einen Becher Würzwein, das iſt gut nach ei⸗ ner durchwachten Nacht und Ihr könnt mir's glauben, der wackere Mann, Euer Führer, verſteht den edlen Trank ſehr wohl zu bereiten.“ Der Führer zur Hauptſtation des Poſtens war derſelbe ſchlanke, gut ausſehende Mann, der den Böh⸗ men in der vergangenen Nacht durch die Sümpfe der Wildniß geleitet hatte. Er brachte eine mächtige Kanne, mit dem beſpro⸗ chenen guten Getränk gefüllt, nebſt vier Bechern von Horn in das Zelt getragen, der Herr Fähnrich Fechter folgte ihm, um ſeinen Antheil an der Gottesgabe mit⸗ zugenießen, und Chwal betrachtete ſich jetzt den Bauer beim Lichte des immer freundlicher werdenden Tages. Es war ein hübſcher, kräftiger, blonder Mann. „Wenn alle Eure Leute ſo ſtattlich ſind wie dieſer, Herr Hauptmann“, ſagte er endlich zu Mantell, „ſo iſt das Danziger Fähnlein wahrlich nicht zu ver⸗ achten!“ „Das iſt es auch nicht, ſicherlich nicht,“ entgeg⸗ nete Mantell, ſich in die Bruſt werfend.„Unſer edler der einen vorn Ihr gleich zehn das! Herr inn, om⸗ 7 h ei ben, edlen war Böh⸗ e der 21 Rath gibt ein gutes Handgeld und einen ſchönen Sold, ich darf aber auc nur ſtattliche Leute anwerben, die dem edeln Danzig Ehre machen. Dieſer, Herr Böhme, iſt aber kein Danziger Soldat, ſondern ein Lehnsmann des Ordens aus der Niederung von Marienburg, der von ſeinem großen Bauernhofe zehn Lanzen zum Heer⸗ bann des Meiſters zu führen verpflichtet iſt. Der Sigmund aus Groß⸗Lichtenau iſt in unſerer Gegend faſt ſo bekannt und angeſehen wie ein Bürger unſerer eigenen Stadt.“ „Dank ſchön! will's indeß doch nicht hoffen,“ ſagte der junge Lehnsmann,„Ihr Stadtleute, die Ihr in einem Stübchen im Keller wohnt, ſeid zwar um Vieles vornehmer als wir, da wir aber das Brot bauen, das Ihr eßt, ſo haben wir auch unſern Stolz, und ob⸗ gleich Ihr, Herr Hauptmann, jetzt über mich und meine zehn Lanzen den Befehl habt, ſo bleib' ich doch ſchon das was ich bin, und tauſche nicht mit Ew. Geſtrengen. Zudem ſeid Ihr ein ganz' Stück dicker als ich, und einer polniſchen Kugel oder Lanze daher eine ſicherere Zielſcheibe.— Vorwärts indeß, Herr Böhme, da ich Euch auf der richtigen Seite treffe, ſo mag Euer Strick von dieſer Nacht einſtweilen vergeſſen ſein; doch wünſche ich zu Euerm Heil, daß Ihr dem Sigmund niemals als Feind entgegen tretet.“ 22 Es lag bei dieſen Worten in den blauen Augen des jungen reichen Lehnsmannes ein ſolcher wilder, herausfordernder Trotz, daß ein weniger muthvolles Herz als das des Chwal von Trocznow und Macho⸗ wecz ſicherlich ein leiſes Beben empfunden hätte, ſo aber ſchien es, als obſſch ihre Blicke nur eben wie die Klingen zweier Fechter kreuzten Indeß wanderten die Beiden, nachdem fie höflich von dem Fähnrich und Hauptmann der Danziger Ab⸗ ſchied genommen, guten Muthes und in altem Frieden mit einander fort. Der Böhme, an der Hand geführt von dem preußiſchen Lehnsmann, da ihm die Augen mit einem Tuch dicht verbunden waren.— Er hörte neben ſich zur Linken das Rauſchen eines Flüßchens, merkte, daß er eine Brücke überſchritt und ſich einer Mühle näherte.— Noch führte ihn der Bauer über eine Thürſchwelle, ſprach leiſe mit einem Mann, wahr⸗ ſcheinlich dem Wachtpoſten des Ortes, und dann ſank ſeine Binde. Er befand ſich in dem tiefliegenden Wohngemach einer ſtattlichen Mühle. Ein lieblicher Sonnentag, der nach der Gewitternacht doppelt ſchön erſchien, beleuchtete draußen luſtig grüne Kornfelder und einen Baumgarten. Im Zimmer ſelbſt war der von Lehm geſtampfte Fuß⸗ boden mit Binſen, klein geſchnittenen Kalmus und den dufte gen Ecke Es ſeine Ste ſich weiſ wen ſtatt war glich rech Kre⸗ wan Chn ein keit. hefti Höf auch Wei Augen dilder, volles dacho⸗ e, ſo n wie höflich r Ab⸗ rieden geführt Augen hörte zchens, einer r über wahr⸗ 1 ſank gemach lig, der uchtete garten. ſe Fuß⸗ nd den 23 duftenden Zweigen der Birken beſtreut, auf dem niedri⸗ gen Ofen lagen mächtig große Brotlaibe und in einer Ecke ſtand ein Webeſtuhl mit einer angefangenen Arbeit. Es ſah ſo ruhig und friedlich aus, als ob der Krieg mit ſeinen Unwettern tauſend Meilen weit von der heitern Stelle entfernt ſei. Mit einem Seufzer der Ermüdung warf der Böhme ſich auf die hölzerne Bank, welche längs der hübſch ge⸗ weißten Wand des Zimmers hinlief, aber er ruhte erſt wenige Augenblicke, als der Eintritt zweier Männer von ſtattlichem Ausſehen ihn aufzuſtehen verpflichtete. Sie waren im Alter ziemlich verſchieden und ihre Geſichter glichen ſich ſo ſehr, daß ſie dieſen beiden Zeichen nach recht gut hätten Vater und Sohn ſein können. Da aber Beide den weißen Mantel mit ſchwarzem Kreuz über der Stahlrüſtung trugen, ſo war dieſer Ver⸗ wandtſchaftsgrad zwiſchen ihnen nicht wohl anzunehmen. Chwal von Trocznow war ein Edelmann von Rang, ein Mann von Geiſt und ſogar von einiger Gelehrſam⸗ keit. Er hatte in der nächſten Umgebung des ſtolzen und heftigen König Wenzel gelebt und die Formen der Höflichkeit waren ihm wohlbekannt, wenn gleich er es auch verſtand, ſich mit dem gemeinen Mann in ſeiner Weiſe zu beſprechen. Er verbeugte ſich mit ritterlicher Artigkeit vor den . beiden Herren und fragte, ſich an den ältern wendend, in ſeinem geläufigen Deutſch, ob er die Ehre habe vor dem Befehlshaber des Poſtens zu ſtehen? „Ich bin Heinreich Reuß von Plauen, Comthur zu Schwetz und dermalen von meinem Freunde und Herrn, dem geſtrengen Hochmeiſter Ulrich von Jungingen, an dieſen wenig bedrohten Platz geſtellt, um ſeinem größeren Heerzuge den Rücken zu decken. Dies hier iſt mein Neffe Heinrich von Plauen, der für einige Tage bei mir weilt und den ich zu Euch brachte, weil er als Geſandter am Hofe König Wenzel's die böhmiſche Sprache erlernte.“ Die Augen des Böhmen muſterten mit einem raſchen Blicke die Geſtalt des jungen Ritters. „Ich bin des Deutſchen vollkommen mächtig,“ ſagte er,„denn am Hofe Wenzel's wird es, wie Ihr wißt, mehr als das Böhmiſche gebraucht, die Anwe⸗ ſenheit des edlen Ritters, Eures Neffen, iſt mir aber den⸗ noch ſehr erwünſcht, da ich bereits die Ehre hatte, ihm am Hofe zu Prag kennen zu lernen.“ Der jüngere Heinrich von Plauen verbeugte ſich zum Zeichen des Wiedererkennens, der Böhme trug nun ſein Anliegen in wenigen Worten vor, und der Comthur von Schwetz gab oh eihers ſeine Zuſtimmung zu demſelben. ͤ „Es haben öfter ſchon edle Böhmen unter den Fah⸗ nen Ehre die H men kann. Gren der D ſich la Herr und v Danzi Euch, Leute 3 ſich C aber ſ Eſche, eines? ſtille, friedlic Heerbe E und be mit ſick ndend, be vor hur zu Herrn, n, an ößeren Neffe weilt r den⸗ 25 nen unſeres heiligen Ordens gefochten und ſich zeitliche Ehre und ewige Seligkeit in ſolchen Kämpfen erworben.“ „Ich bin daher feſt überzeugt, daß der Meiſter Ulrich die Hilfe böhmiſcher Schwerter auch jetzt freudig anneh men werde, obgleich ich dies natürlich nicht feſt zuſichern kann. Mögen denn Eure Leute in Gottes Namen die Grenze des Ordenslandes überſchreiten, das Fähnlein der Danziger ſoll ſie empfangen und bei ihnen mögen ſie ſich lagern und Cameradſchaft machen bis Euer Führer Herr Zawiſch von Roſenberg mit dem Meiſter capitulirt und von ihm Handgeld empfangen hat. Drei Mann der Danziger Stadtmiliz nebſt Trommler und Pfeifer ſollen Euch, Herr Parlamentär, zurückführen und ſpäter Eure Leute über die Grenze geleiten,“ ſagte er. Wenige Minuten nach dieſer Verhandlung befand ſich Chwal auf dem Rückwege, die beiden Ordensritter aber ſaßen vor der Thüre im Schatten einer ſchönen Eſche, die ihre duftenden Wurzeln in den kühlen Tiefen eines Mühlbaches badete. Zwar ſtand das Mühlrad jetzt ſtille, die Mühlknappen und der Müller hatten ihre friedliche Beſchäftigung verlaſſen müſſen, um ſich dem Heerbanne des Meiſters anzuſchließen. Die Gegend hatte aber'auch ſetzt den friedlichen und behaglichen Charakter, den die Lage aller Mühlen mit ſich zu bringen ſcheint. 26 Das Gebäude, obgleich nur von Holz und Lehm aufgeführt, mit Schindeln gedeckt und ohne Glasſcheiben in den Fenſteröffnungen, ſah freundlich aus, der Schorn⸗ ſtein ſendete eine kerzengerade Rauchſäule zum tiefblauen Somuerhimmel empor, in den Zweigen der Eſche flü⸗ ſterte ein Sommerlüftchen und der Mühlbach rauſchte geſchwätzig neben dem ſtillſtehenden Rade und ſchlang ſich in Krümmungen, die im Sonnenſchein glitzerten, durch Felder und Wieſen, bis er ſich in den Tiefen jener nahen Waldungen verlor, die, unter dem Namen Wild⸗ niß bekannt, nur von Wölfen, Bären und den einſam lebenden Grenzwächtern bewohnt, durch ihre Moorgründe eine Schutzmauer der Grenzen des Ordenslandes bil⸗ deten. Gedankenvoll ſaßen die beiden Ritter auf der Holz⸗ bank vor der Hausthür; ſie ſchauten in die Landſchaft aber nicht eben mit dem Gefühl, das auch ſie vielleicht in friedlicheren Zeiten gehabt hatten, ſich an der Schönheit derſelben erfreuend. Der Comthur von Schwetz entwarf den Plan einer hier möglichen Heeres⸗ aufſtellung. Hier auf dem Hügel drei Feuerrohre der größten Art; dort Reiterei, das Fußvolk auf jenem Wieſenplane—— der Jüngere aber beſchäftigte ſich mit dem böhmiſchen Abgeordneten. Er hatte dieſen Mann in Prag getroffen, dor war e Huß! durch men e gerade chenre anſchl. ſteht, Jahre eine † Bunde worder denshe Heiden die Er winkel verjag 1 ſteht,“ das ei manne Gegen Freilel Lehm cheiben Schorn⸗ blauen he flü⸗ auſchte ſchlang tzerten, n jener Wild einſam er Holz ndſchaft wielleicht an der ur von Heeres⸗ uerrohre euf jenem tigte ſich en, dort 27 war er bekannt als ein eifriger Anhänger des Johannes Huß und zugleich als ein Schützling des launenhaften, durch die ſteten Kämpfe mit den rebelliſchen Böh⸗ men erbitterten Kaiſer Wenzel. „Es iſt ſeltſam,“ dachte der junge Plauen,„daß gerade dieſe Böhmen, welche eine Erneuerung des Kir chenregiments ſo ſehr wünſchen, ſich an unſere Fahnen anſchließen. Freilich, der Kamp, welcher jetzt bevor ſteht, iſt kein ſolcher wie der Orden ihn vor hundert Jahren focht. Hier ſtehen Chriſten gegen Ehriſion und eine Partei hat ſich Heiden, die andere Ketzer zu ihren Bundesgenoſſen erwählt. Aber die Welt iſt döders ge worden als zur Zeit, da Hermann von Salza das Or denshaupthaus in Akon bewohnte, und weil er nicht die Heiden vom Grabe des Er'öſers vertreiben konnte, ſich die Erlaubniß erbat, die Heiden dieſes entlegenen Erd winkels von ihren Opferaltären in die wilden Wälder zu verjagen——“ e B „Oheim, hier auf dieſem Flecke wo die Mühle ſteht,“ ſagte er dann plötzlich,„würde ein Herrenhaus, das eine Grenzveſte und der Sitz eines wackeren Edel⸗ mannes wäre, wohl am Platze ſein. Es ſind in dieſer Gegend der Ordensburgen noch ſo wenige, da müßten Freilehensmänner ſich in größerer Zahl anſiedeln, ſolche 28 Leute, die für Weib und Kind, für Haus und Herd käm⸗ pfen, ſind beſſere Grenzwächter als bloße Söldlinge.“ Der Comthur erhob ſeine dunklen ernſten Augen zu ſeinem Neffen.„Höre,“ ſagte er eruſt, jedoch mit großer Milde,„was mein edler Freund beſchloſſen hat, und möge es Dein jugendliches Herz mit Dankbarkeit füllen und Dich zu einem Helden, einem echten Gottes⸗ füriter machen in dieſem Keunpfet— Er will ſich beim heil igen Vater für Deine? Dispens ſelbſt verwenden und hat in meine Hände die nöthigen Schriftſtücke dieſerhalb niedergelegt, für den Fall ſeines Todes, den er ſo zu ſagen als eine Gewißheit betrachtet; wenn das Fräulein von Roſenberg die Erbanſprüche durchſetzen kann, ſo ſollſt Du ihr Vermögen einzuziehen ſuchen, Dich über den Ertrag der Herrſchaft Krummau, die als Kunkel⸗ lehen; zufallen würde, mit den Lehensrittern einigen, und im Preußenlande ein Herrenhaus, eine Meile von der Burg Ranngit erbauen. Er ſelbſ— der edle Freund, hat Dir die Stelle dazu ausgeſucht, hoch auf dem Memel⸗ Ufer, wo das Auge weit ſchaut in b8 gegenüber liegende flachere Land. Wenn aber das Fräulein erblos und folg⸗ lich auch namenlos wird, indem ſich die Beglaubigung über die Trauung ihrer Eltern nicht auffindet, ſollſt Du ein Stück Landes neben dem des Withing Gedete als Freilehen erhalten, zum Lohne für die Dienſte, welche ich und Hauſe d geleiſtet eigenthi⸗ teren ein den edle mit der berg?“ * mußt D gend Ri der Lieb die es ke anderen Herz ein Geliebte ſchützen Jedenfa licher Fr gen Da⸗ ſchuldig. pfes kan Wille, möge da d käm⸗ linge.“ Augen dch mit en hat, kbarkeit Hottes⸗ ch beim den und Lſerhalb r ſo zu fräulein ann, ſo h über Kunkel en, und von der Freund, Memel⸗ liegende nd folg lbigung llſt Du bete als welche 29 ich und Du und vor uns noch viele Andere aus dem Hauſe derer von Plauen dem Orden ſeit langen Jahren geleiſtet.“ Die Augen des jüngeren Ritters erſchimmerten in eigenthümlichem Glanze,„und ſeid Ihr mit dieſem Letz⸗ teren einverſtanden, mein Oheim,“ fragte er,„darf ich den edlen und unbefleckten Namen der Plauen verbinden mit dem der unehelichen Tochter des Hauſes Roſen⸗ berg?“ „Mein Sohn,“ entgegnete der Comthur,„dieſes mußt Du ſelbſt entſcheiden, ich, ſeit meiner früheſten Ju⸗ gend Ritter dieſes heiligen Ordens, kenne das Gefühl der Liebe nicht aus eigener Erfahrung, würdige Männer die es kennen gelernt, ſagen aber, daß vor demſelben alle anderen Rückſichten verſchwinden, und daß das liebende Herz eines Mannes deſto mehr darnach verlange, die Geliebte zu beſitzen, um ſie vor dem Unbill der Welt zu ſchützen, je ſchutzloſer, ärmer und unglücklicher ſie ſei. Jedenfalls hat Meiſter Ulrich von Jungingen, mein treff⸗ licher Freund, Dein Glück und das der verwaiſten jun gen Dame ſichern wollen, und hiefür biſt Du ihm Dank ſchuldig. Während des nächſten uns bevorſtehenden Kam⸗ pfes kannſt Du ihn nicht abtragen, weil ſein entſchiedener Wille, ſo Dich als mich von dem Kampfplatze entfernt, möge daher Dein Streben in Zukunft dahin gehen, Dich 1 30 der Güte, die er Dir bewieſen, würdig zu zeigen, ich ſollte dwih meinen, daß ein großes Glück in dem liegt, was er Dir bietet et, die Möglichkeit, auf eigenem Grund und Bo⸗ den als ein freier Mann in friedlichem Familienverein an der Seite eines geliebten Weibes und umgeben von aufblühenden Kindern leben zu können. Es ſterben ſo viele Hundert braver Männer, die das Glück nie kennen gelernt, und die, wie fromm ſie auch ſein mögen, wie muthig ſie auch um des Heilands velhe, die drei großen Gelübde auf ſich nehmen und in ernſtem Kampfe mit ſich ſelbſt ihr Leben lang erfüllten, doch mit großem Weh' viele Stunden fühlten, daß ſie die Vunden der Erde alle⸗ ſammt entbehren mußten.“ „Ich ſpreche auch nicht von der Freude, mein Oheim,“ entgegnete der Andere,„ſondern von der Ehre. Für die Freuden des Erdenlebens erwartet der Streiter Chriſti Erſatz im Himmel, für die Ehre des Edelmannes, wenn er ſie aufgibt, ſindet ſich weder im Himmel noch auf Erden eine Ausgleichung.“ „Vlaſta gegenüber möchte ich ſchwerlich im Stande ſein zu handeln wie ich ſpreche, aber ich will Alles auf⸗ bieten, ihr wenigſtens ihren Namen zu ſichern, möchte ich auch dem Zawiſch von Roſenberg, dem Lehnsritter, der jetzt mit einem Söldnerhaufen hierher kommt, vielleicht um ſich Geld un D däucht, ſagte er edlen M Ordensr ausſprac haben, u chen, Fe fühle He dern aue De Gelübde ſind beſie bedarf ei menſchlic Regierun die Zeit eine Sch er ſelbſt, lichen Ar und Bau iſt, darf ſollte as er Bo erein von en ſo unen wie roßen it ſich Weh' alle mein Ehre. reiter nnes, noch tande auf⸗ te ich der lleicht 31 um ſich die Gunſt des Hochmeiſters zu erkämpfen, Geld und Gut des Fräuleins als Eigenthum laſſen.“ Der Comthur reichte ſeinem Neffen die Hand,„das däucht' mich iſt geſprochen wie ein deutſcher Edelmann“, ſagte er herzlich.„Vor 50 Jahren, ja noch zur Zeit des edlen Meiſters Conrad von Jungingen, hätte wohl kein Ordensritter es gewagt, auszuſprechen, was ich zu Dir ausſprach, obſchon zu allen Zeiten viele ähnlich gefühlt haben, und ſie es nur durch ſtrenge Disciplin, durch Wa⸗ chen, Faſten und Geißelung dahin brachten, ihrer Ge fühle Herr zu werden, aber andere Verhältniſſe verän dern auch Sitten und Anſichten.“ Der Orden hat hier in Preußen gethan, wozu ſein Gelübde ihn verpflichtete. Die Heiden an allen Grenzen ſind beſiegt und bekehrt, das allmälig aufblühende Land bedarf eines Fürſten, der die menſchlichen Freuden und menſchlichen Bedürfniſſe menſchlich theilt, es bedarf einer Regierung, wie ſie die anderen Länder Europas haben, die Zeit iſt gekommen, wo der edle Hochmeiſter nicht mehr eine Schaar Mönchsritter neben ſich haben, ſondern wo er ſelbſt, ein weiſer König, der Erſte eines kühnen, ritter⸗ lichen Adels und der Herr und Schützer wackerer Bürger und Bauern ſein ſollte. Doch ehe dieſer Krieg beendet iſt, darf Niemand von uns an etwas Anderes als an die Vertheidigung des Landes gegen dieſe räuberiſchen Polla⸗ ken, Tartaren und Lithauer denken, geh' denn, mein Sohn, und muſtere die Schaar, mit der Du mich nach Schwetz begleiten ſollſt, ich will noch einen Brief an den Meiſter ſchreiben.“ am F ſtem das h aufſän zen ſe 80,00 ſelbſt Kind Söldr waren verkar einma Hyän keinen viele Ein; Polla⸗ ,mein ) nach an den Zweites Capitel. Der Hochmeiſter Herr Ulrich von Jungingen ſtand am Fenſter ſeiner Burg; zu Kauernick und blickte mit ern⸗ ſtem Auge auf das Blachfeld, wo das Ordensheer,— das heißt, ſo viel davon als nicht zur Bewachung der aufſätzigen Edlen in dem Grenzlande und an den Gren⸗ zen ſelbſt beſchäftigt war,— lagerte. Ein ſtattliches Heer freilich, Alles in Allem über 80,000 wackere Männer, wovon 50,000, dem Lande ſelbſt angehörig, für den eigenen Herd, für Weib und Kind kämpften, während die Andern, 30,000 tapfere Söldner aus Ungarn, Schleſien, Mähren und Böhmen waren. Leute, die ihren Arm und ihr Schwert dem verkauften, der ihnen am meiſten bot, aber, wenn ſie ſich einmal verpfändet hatten, wie die Löwen fochten und wie Hyänen raubten. Es fehlten dieſe käuflichen Krieger zu jener Zeit in keinem Kampfe, und auch der König von Polen hatte viele Tauſende derſelben in ſeinem Solde und ließ jeden 3 Ein Bürgermeiſter. II. 3 37 54 Tag noch neue werben, ſein Heer zu vergrößern, das an und für ſich ſchon die doppelte Stärke des Ordensheeres hatte, und aus 60,000 Polen, 42,000 Lithauern und Samaiten unter Withold, 40,000 Tartaren unter dem wilden Toktamiſch, und 22,000 geworbenen Söldnern beſtand, wie der Hochmeiſter durch ſeine Kundſchafter auf das Genaueſte wußte. Ulrich's ſchönes ernſtes Auge blickte traurig auf das rege Gewühl des Lagers, das in hellem Lichte der Juli⸗ ſonne einen gar belebten Anblick bot.„ Hinter ihm, den Rücken an einen der Wandpfeiler gelehnt, ſtand Ralph, der Mohr, der treueſte ſeiner Die⸗ ner und von den Leuten gewöhnlich der Hofnarr des Meiſters genannt, weil er ſich mehr als jeder andere Diener, ja mehr als die Ordensgebietiger und Freunde Ulrich's erlauben durfte ernſte Wahrheiten im Gewande der oft rohen Scherze des Zeitalters ſeinem Gebieter zu ſagen. „Wie viele von den unſterblichen Seelen, die dort unten noch ſo fröhlich und ſo kräftig ſich ihres Erden⸗ lebens freuen, werden in wenigen Tagen hingeſtreckt lie⸗ gen?“ ſagte Ulrich, und ſein Geſicht ſah noch trüber, noch bleicher aus als zuvor, da er dieſen niederdrückenden Ge⸗ danken ausſprach. „Herr!“ entgegnete Ralph raſch hervortretend und ſich die, anſt Eue zähl ihne bleil lebte mein Ral keine Com Plau die b mein des Toch nahn wöhn einen noch s an eeres und dem duern er auf ff das Juli ffeiler Die rr des andere eunde wande lebieter e dort Erden⸗ ſckt lie⸗ r, noch een Ge⸗ lid und 2 35 ſich vor die Augen ſeines Gebieters ſtellend,„zählt nicht die, welche ſterben, ſondern die, welche das Te Deum anſtimmen werden nach gewonnener Schlacht, das wird Euer Herz erquicken.“ Der Meiſter ſchüttelte das Haupt.„Auch die zu zählen wäre mir keine Freude, denn wer weiß wie viele von ihnen, die mir und dem heiligen Orden treu ergeben ſind, bleiben, ſelbſt wenn wir ſiegten und ich dieſen Sieg er lebte, was nicht der Fall ſein wird, wie mir die Stimme meines Herzens ſagt. Deßhalb auch ließ ich Dich rufen, Ralph, denn ich habe Dir Aufträge zu geben, die ich in keine anderen als Deine Hände legen kann.“ „Bring' dieſen Brief, wenn ich gefallen bin, dem Comthur von Schwetz, Herrn Heinrich Reuß von Plauen, empfiehl ihm und ſeinem Neffen noch einmal die böhmiſche Dame, und ſag' auch dem Conrad Letzkau, meinem dankbaren und ergebenen Diener, daß er ſich des Fräuleins annehmen möge, als wäre ſie ſeine Tochter.“ „Herr!“ ſagte Ralph, und ſein dunkles Geſicht nahm den Ausdruck eines Ernſtes an, der demſelben ge⸗ wöhnlich fremd blieb,„Ihr glaubt mir nicht und vertraut einem Manne, deſſen Gemüthsart Ihr gar nicht kennt, noch beurtheilen könnt.“ „Coarad Letzkau iſt Euch nur ein treuer Diener, 3* —— ſo lange Ihr nach ſeiner Meinung ein gerechter und gü⸗ tiger Herr ſeid.“ „Und bin ich ihm das nicht immer geweſen?“ fragte Ulrich mit Milde,„war nicht mein ganzes Streben wie das meines Ohms und würdigen Vorgängers eine Kette von Wohlthaten, dieſem Manne erwieſen? Warum ſollte ich ihm alſo nicht vertrauen; er iſt ſicherlich kein Undank⸗ barer und kein Verräther.“ „Ihr kennt dieſe Bürger überhaupt nicht, Herr!“ entgegnete Ralph,„lernt ſie kennen, bevor es zu ſpät iſt. Sie ſind reich geworden unter dem Schutze des Ordens, und der Reichthum macht ſie ſtolz. Sie meinen, es ſei Ihr gutes Recht, ſich ſelbſt zu regieren und ihren eigenen Vortheil durch ſelbſt gegebene Geſetze zu wahren.“ „Darin mögen ſie nicht irren,“ ſprach der Meiſter ruhig,„und unſer Nachfolger wird das Möglichſte thun, ihren billigen Forderungen entgegen zu kommen.“ „Die Herrſchaft des Ordens iſt ihnen ein Gräuel an und für ſich,“ fügte der Mohr mit Nachdruck hinzu, „und dieſem Letzkau am meiſten.“ „Ihm, der dem Orden Alles dankt? unmöglich!“ entgegnete der Meiſter. „Herr! weil er dem Orden ſeine Erziehung dankt und ſein Ehrenamt, darum wird er ſich nicht gegen denſelben empören und ſich auf die Seite des Po Zei biet von wie ſchn ſchu iſt, chen gut' Har bitte ohne die verf Krö trete Hab ſich welc von laut etw gern bü⸗ agte wie dette ollte ank⸗ Irl“ t iſt. dens, es ſei genen ehung nicht te des 37 Polenkönigs ſchlagen, der den Danzigern ſeit langer Zeit ſchon alle möglichen Freiheiten und Privilegien bietet, und zum Ueberfluß noch von den alten Fürſten von Pommerellen abſtammt, aber er haßt den Orden, wie kein Anderer, weil— in der Familie ſeines Vaters ſchwere Thaten geſchahen— die Ordensritter ver⸗ ſchuldet.“ „So ſehr er die ehrt, deren Lebenswandel rein iſt, ſo furchtbar haßt er die, welche, ihr Gelübde bre⸗ chend, Unruhe in bürgerliche Familien bringen. Ein gut' Regiment in der Stadt und Zucht und Ehre im Hauſe, das iſt's, was dieſer Mann fordert und mit bitterem Ernſt einzuführen ſtrebt, und ein Weib, das ohne andern Schutz als den der Ordensritter durch die Welt zieht, hält er für eine fahrende Dirne, und verfolgt ſie wie man Schmeißfliegen, Ottern und Kröten verfolgt, als ein bloßes Ungeziefer, das zer⸗ treten werden muß, um das Haus rein zu halten. Habt Ihr es vergeſſen, wie ſchnöde er es ablehnte, ſich der Dame anzunehmen? Habt Ihr es vergeſſen, welche Worte er bei jeder Gelegenheit ausſpricht, wenn von den jüngeren Ordensherren hin und wieder etwas laut wird? Traut dem Letzkau nicht, wo es ſich um etwas Andeves als die Amtspflichten des erſten Bür⸗ germeiſters von Danzig handelt.“ 38 „Du magſt Recht haben, Ralph,“ ſagte der Meiſter Herr G mit leiſem Kopfneigen,„dennoch kann ich ja niemand keit Anderem als ihm vertrauen, bring' ihm, wenn ich todt 6 ſein werde, den Brief hier und— halt! was iſt dort maite 9 für ein Auflauf im Lager, Hunderte von Leuten drän⸗- vorge gen ſich in wildem Tumulte durch einander, ſieh' nach ſiche Ralph, was es gibt, und bring' mir Beſcheid ſo ſchnell nang als möglich.“ winke Es war indeß unnöthig, daß der Mohr dem Be⸗ von d fehle ſeines Herrn Folge leiſtete, der Menſchenknäuel, der tigen ſich am Blachfelde aſanuicnaebalü hatte und ſich in je⸗ 39 b dem Momente vergrößerte, wälzte ſich der Veſte näher g und näher, bald konnte Meiſter Ulrich die einzelnen ſagte Köpfe unterſcheiden und die lauten Wehrufe, das wilde und ſ Geheul der Wuth vernehmen, das gräßlich zum blauen ein, d Sonnenhimmel hinauf ſchallte. b erg Jetzt machte der Haufe einen Augenblick Halt, an maun 3 der Stelle, wo das große in Marienburg gegoſſene Felss Fuß ſtück, der„eiſerne Mann“ genannt, aufgeſtellt war. Es 5 befanden ſich dort ſeit der Morgenfrühe verſammelt Herr mehrere Ordensritter, die am vergangenen Tage erſt ii und Ranernic angekommen waren, um Befehle von dem ſchwa Meiſter noch vor dem Treffen zu empfangen. Sie hatten Geſic das mächtige Geſchütz betrachtet und den Büchſenmeiſter Zug Heinrich Wolf aus Marienburg, der es von dort demn ges, 6 auen , an Fels⸗ Es melt iſt in dem atten eiſter dem 39 Herrn nachgeführt hatte, über die Ladung die Zielfähig⸗ keit und die mögliche Wirkung desſelben befragt. Einer von dieſen Herren, der edle Vogt von Sa⸗ maiten, Herr Michael Küchenmeiſter von Sternberg, war vorgetreten und hatte Jemanden aus dem Gewühle an ſich gerufen ſich von ihm Bericht erſtatten zu laſſen, und nach wenigen Augenblicken ſah man ihn, den Leuten zu⸗ winkend, daß ſie zurückbleiben ſollten, mit einem Manne von verwildertem Ausſehen, deſſen Stirn mit einem blu⸗ tigen Tuche umwunden war, über die niedergelaſſene Zugbrücke in die Burg ſchreiten. „Ein Bote, der Nachricht von dem Feinde bringt,“ ſagte Ralph, der noch immer neben ſeinem Herrn ſtand, und ſchon trat auch einer der ſogenannten Jungen ein, den edlen Meiſter und Bruder Michael von Stern⸗ berg und einen Bürger der Stadt Gilgenburg, den Raths⸗ mann Hans Weinecke, meldend, die ihm Beide auf den Fuß folgten. Der Vogt von Samaiten war ein großer ſtattlicher Herr von noch nicht 50 Jahren, zu deſſen gebräunten und regelmäßig ſchönem Geſicht der weiße Mantel mit ſchwarzem Kreuze gar wohl ſtand. Doch lag in dieſem Geſichte etwas, daß nicht für ihn einnahm, ein lauernder Zug um den Mund, ein unſteter Blick des dunklen Au ges, etwas, das mehr pfäffiſch als ritterlich ſchien. 40 „Helfe uns Gott, edler Meiſter!“ ſagte er gleich beim Eintreten,„dieſer Mann bringt ſchlimme Nachrich⸗ ten und ſolche, die mich wohl augenblicklich von hier ab⸗ rufen.“ „Der Mann ſieht elend und erſchöpft aus,“ ſagte der Hochmeiſter,„und ſeine Stirnwunde blutet, gib ihm ein Glas mit Waſſer gemiſchten Weines und laß den Jo⸗ hannes Lindenblatt eiligſt herkommen ihm einen beſſern Verband anzulegen.“ Der Mohr entfernte ſich eiligſt und Herr Johannes Lindenblatt trat bald darauf, mit Verbindezeug und dem gewünſchten Trank verſehen, in das Zimmer. Dort hatte auf Befehl des Hochmeiſters der Gil⸗ genburger Bürger ſich bereits niedergeſetzt, und verſuchte ſich zu faſſen und Athem zum Sprechen zu finden. Es war ein nicht mehr junger Mann und er mochte kräftig genug ausgeſehen haben, ehe Verwundungen und Seelenqualen ihn entſtellt hatten. Er trank mit brennendem Fieberdurſt und ſeine blutunterlaufenen Augen hingen dankbar an dem Geſichte des Meiſters, bis zwei große Thränen langſam über ſeine Wangen rieſelten.. „Was bringt Ihr uns, armer Mann?“ fragte Ulrich endlich wohlwollend, und der Gilgenburger, ſeine Arme emporhebend, rief mit bebender hohler Stimme:„Ja wohl, ja wo ich vo gnadi⸗ ſchänd ihrer möge meine über ſanft Heilan gab, u ſtarb er hat er riß klaffen umher Himn der G ſchlin dann Auge todt! gleich hrich⸗ er ab⸗ te der m ein n Jo⸗ deſſern annes d dem Gil rſuchte mochte en und ſeine zeſichte r ſeine Ulrich Arme gwohl, 41 ja wohl! ich bin ein armer Mann, edler Meiſter, ich der ich vor zwei Tagen noch glücklich, reich und von Gott be⸗ gnadigt war.— Aber Fluch dieſen Polen! Fluch ihrem ſchändlichen Könige, Fluch ihren Kindern und Enkeln! ihrer Nachkommenſchaft bis in's hundertſte Glied, und möge jedes Herz unter ihnen den Jammer koſten, der das meine zerbricht.“ Johannes Lindenblatt, der Hauskaplan, beugte ſich über ihn, deſſen Wunde er eben pflegte, und ſagte ſanft: „Ihr ſeid ein Chriſt, Mann! Denket an den Heiland, der, am Kreuze ſterbend, ſeinen Peinigern ver⸗ gab, und folgt ihm nach.“— „O!“ ſchrie der Verwundete wild,„der Heiland ſtarb allein! was mir ſelbſt geſchieht kann ich vergeben, er hatte nicht Weib und Kind, die vor ſeinen Augen—“ er riß mit wilder Geberde den Verband von ſeiner klaffenden Stirnwunde, und ſtarrte mit großem Blick umher.—„Erlöſer! Heiland! o all' Ihr Heiligen des Himmels! das könnt Ihr ſehen und nicht den Mund der Erde öffnen, daß ſie den ſchändlichen Frevler ver⸗ ſchlinge!“ ſagte er endlich mit murmelnder Stimme, und dann ſank ſein blutiges Haupt auf die Bruſt, ſeine Augen ſchloſſen ſich, er war ohnmächtig, wo nicht todt!— — 42 „Dieſer Mann iſt für jetzt nicht fähig, irgend einen zuſammenhängenden Bericht zu erſtatten und wird es wahrſcheinlich nie mehr werden, denn der Schwerthieb, der ſeine Stirn ſpaltete, iſt bis auf ſein Hirn gedrungen, d'raußen aber hat er ſchon erzählt, was geſchehen,“ ſagte der Ritter von Sternberg,„ich will Euch aber Meiſter, wiederholen, was ich gehört.“ „Thut das, mein Bruder! und Ihr, mein wackerer Freund Johannes, ſorgt dafür, daß der arme Mann in den Krankenſaal gebracht werde, alle körperliche Pflege und die geiſtlichen Gnadenmittel empfange, bevor er vor Gott tritt, dann aber kommt wieder zu mir und berich⸗ tet mir, wie es mit ihm ſteht.“ Eine Minute darauf lag der Ohumächtige auf einer Bahre, welche zwei Ordensritter herbeigetragen hatten, die ihn nun, wie dies ihre Pflicht als Kranken⸗ pfleger mit ſich brachte, auf ihren Schultern nach dem Krankenſaale trugen, der ſich, wie in jeder Deutſchher⸗ renburg auch in Kauernick befand. In Friedenszeiten fanden kranke Reiſende und die ärmeren Einwohner der Städte nach den Ordensgeſetzen Unterkunft und Pflege indieſem Saale, denn jeder Ritter, der das ſchwarze Kreuz auf weißem Mantel trug, hatte neben den drei geiſtlichen Gelübden auch noch das Ge⸗ lübde abgelegt, ſein Leben dem ſteten Kampfe gegen die 7 Heiden men. 2 ger, do ſei, und waren, M mit dem ſeinen 2 „C in hellen Neidenbe „ nigen T ſendete, überſchre men, wo rode und konnte, noch ka Soldau Brand v wärts v ließen ſi Ortes, Der Or einen rd es thieb, ngen, hen,“ aber, ckerer in in Pflege r vor erich auf ragen unken⸗ dem chher⸗ d die eſetzen Ritter, hatte s Ge⸗ en die 43 Heiden und der Pflege der erkrankten Pilgrime zu wid⸗ men. In Preußen gab es nun wohl eigentlich keine Pil⸗ ger, doch nahm man an, daß jeder Reiſende ein ſolcher ſei, und daß auch die Anſäſſigen, wenn ſie mittellos waren, als Reiſende betrachtet werden konnten. Michael Küchenmeiſter von Sternberg, ließ den Zug mit dem Verwundeten erſt das Zimmer verlaſſen, ehe er ſeinen Bericht begann. „Edler Meiſter,“ ſagte er dann,„die Polen haben in hellen Haufen die Grenze unſeres Gebietes zwiſchen Neidenburg und Soldau überſchritten.“ „Herzog Samovit von Meſurien, der Euch vor we⸗ nigen Tagen ſeinen Entſagebrief aus dem Lager von Ploczk ſendete, hat es dem Jagel gerathen, nicht die Drewenz zu überſchreiten, ſondern mit ſeinem Heere dieſen Weg zu neh⸗ men, wo die kleine Streitmacht des Comthurs von Oſte⸗ rode und Straßburg ihm nur geringen Widerſtand leiſten konnte, und ſchon am 8. Juli, wo der Waffenſtillſtand noch kaum zu Ende ging, haben die Polen die Städte Soldau und Neidenburg erſtürmt und mit Mord und Brand verwüſtet.— Wenige Tage darauf ſind ſie vor wärts vor Gilgenburg gezogen. Die Bürger dort ver ließen ſich auf ihre Wehrhaftigkeit und die gute Lage des Ortes, den zwei Seen vor feindlichem Ueberfall ſchützen. Der Ort iſt auch ſonſt ſtark befeſtiget, gut mit Geſchütz 44 verſehen, und mit Männern überfüllt, die auf den Mauern für ihre Weiber und Kinder kämpften, da auch vom flachen Lande ſich Viele in dieſen feſten Platz ge⸗ flüchtet hatten.“ „Sie haben des Königs Aufforderung, ſich zu er⸗ geben, zurückgewieſen, da hat der wilde Withold ſie mit ſeinen Schaaren und den Tartarenhaufen des Heiden Toktamiſch angegriffen. Nach raſender Gegenwehr iſt die Stadt in die Hände dieſer Unmenſchen gefallen— Herr, hier iſt noch ein Bote aus Gilgenburg, mag der Euch ſagen, was dort geſchehen.“ Es war während des Berichtes des Ritters der Ka⸗ plan Herr Johannes Lindenblatt wieder eingetreten, be⸗ gleitet von einer bejahrten Frau, in deren Zügen ſich Ver⸗ zweiflung malte. Als der Hochmeiſter ſie näher treten hieß, warf ſie ſich ſchluchzend auf die Knie und verbarg ihr Geſicht in die Hände. Ulrich von Jungingen's männlich ſchönes Antlitz hatte jene Starrheit angenommen, die es allein einem gefühlvollen Menſchen möglich macht, ohne Klagen und laute Ausrufungen große Seelenaufregungen zu ertragen. „Steht auf, gute Frau“, ſagte er ruhig,„was ich thun kann um Euer Leid zu mildern und die Unbil,, welche Ihr erlitten, zu vergüten oder zu rächen, das wird geſchehe aber jetz erleichte „5 Zunge! Gottes dieſer T gleich in den, und werth ir vom Lan trugens „S Männer das Blu ſen.— fromme gäßchen den tra ihm in di der arm der noch dem Ge Mord in A₰ an die K if den a auch t ge⸗ zu er⸗ ſie mit Heiden ehr iſt len— ag der der Ka⸗ en, be⸗ ch Ver⸗ varf ſie ſicht in Antlitz einem gen und rtragen. was ich Unbill, as wird 45 geſchehen auch ohne daß Ihr darum bittet. Erzählt mir aber jetzt was Euch oder den Eurigen begegnet iſt und erleichtert ſo Euer Herz durch Klagen.“— „Herr,“ ſagte die Frau,„was wir erlebt, kann die Zunge nicht ausſprechen ohne zu erlahmen. Die Sonne Gottes muß ihr Angeſicht verhüllen, ſeit ſie die Gräuel dieſer Tage geſeh'n. Tartaren ſind mit den Lithauern zu⸗ gleich in unſere arme Stadt eingedrungen, teufliſche Hei⸗ den, und ſie raubten Alles, was ſich an Geld und Geldes⸗ werth im Beſitze der Bürger und der geflüchteten Leute vom Lande befand. Das iſt Kriegsgebrauch, Herr, wir er trugens ohne Murren. „Sie ließen über die Klinge ſpringen, was von Männern der Kampf übrig gelaſſen, Jüngling und Greis, das Blut floß in Strömen in Häuſern und auf den Gaſ ſen.— Als das Gemetzel am ärgſten war, hielt unſer frommer Oberpfarrherr einen Umzug durch alle Hinter⸗ gäßchen der Stadt, den Leib des Herrn in ſeinen Hän⸗ den tragend, und forderte Frauen und Jungfrauen auf, ihm in die Pfarrkirche zu folgen, auch erreichte die Schaar der armen zitternden Weiber die Seitenthür derſelben, an der noch immer einige tapfere Männer den Eingang vor dem Geſindel geſichert hatten, das auch mit Raub und Mord in den Häuſern zu ſehr beſchäftigt war, um vorerſt an die Kirche zu denken. Aber das Gerücht, daß Weiber 46 in derſelben verborgen ſeien, muß das Ohr dieſer Unge⸗ heuer erreicht haben, plötzlich drängten ſie ſich in Schaa⸗ ren um das Gotteshaus, die wenigen Vertheidiger der Eingänge wurden erdrückt, mit den Händen erwürgt, mit Füßen getreten, und bald ſtrömten die Teufel in den heili⸗ gen Raum. Erſt riſſen ſie die goldenen und ſilbernen Kirchengeräthe aus den geſchloſſenen Schreinen, tranken unter lautem Gebrüll aus den Kelchen den heiligen Wein, zerſtreuten die Hoſtien auf dem Boden und zerfetzten die Gewänder der heiligen Bilder unter frechem Gelächter, bis ſie endlich die Capelle fanden, in welcher die Töchter und Frauen hinter dem würdigen alten Prieſter knieten. Herrl ich war auch darunter! ich kniete mit den Töchtern des Wernecke, meines armen Bruders, in der fernſten Ecke. Ach! die Teufel fanden auch uns! Ich ſah, was kein Menſchenauge ſehen kann, ohne daß das Herz in Tieger⸗ wuth entbrennt. Ich ſtürzte mich auf das nächſte der Un⸗ geheuer, welche ſich um die zarten Töchter meines Bru⸗ ders wie Wölfe um Lämmer würgten. Ich biß mit mei⸗ nen Zähnen in den Arm deſſen, der das Gewand des ei⸗ nen unſchuldigen Kindes von dem jungfräulichen Nacken riß, ich bohrte meine Nägel in die Augen deſſen, der nach der zweiten mit ſeinen Geierkrallen griff; aber was iſt die Kraft eines Weibes, ſie hielten mich feſt, banden mich an die Stange des Grabgitters neben mir, und ich ſah! ich ſa Kinde Mutte Gebur wie ſie mernd ten; do ckeln in Mauer die höl durch e ſelbſt n den Kir retten! „( ten, ſte dann d und zerf ſuchte n heben „2 dafür, d in ſeine 7 Unge Schaa ger der gt, mit heili⸗ bernen ranken Wein, ten die ächter, Töchter nieten. öchtern ernſten as kein Tieger⸗ Nacken er nach 47 ich ſah, Herr! wie ſie ihre viehiſche Luſt ſtillten an den Kindern, die ich auf meinem Arm getragen und wie eine Mutter geliebt hatte, denn ihre Mutter war ja bei der Geburt der Zwillingſchweſtern geſtorben. Herr! ich ſah, wie ſie dann den nackten Buſen der Mädchen, die wim mernd auf den Boden lagen, mit ihren Meſſern zerfleiſch ten; das Alles ſah ich, und ſah auch wie ſie die Pechfa ckeln in das Getäfel warfen, und wie die Gluth an dem Mauerwerk zu lecken begann, und die geweihten Fahnen, die hölzernen Verzierungen und Sitze ergriff. „Dann ſah ich meinen Bruder! Er war todtwund durch einen Eingang, den er kannte, denn er hatte ihn ſelbſt mauern helfen, in das Gruftgewölbe der brennen den Kirche gedrungen, die Seinigen zu ſuchen und ſie zu retten oder mit ihnen zu ſterben. „Er warf ſich bei ſeinen geſchändeten, verſtümmel ten, ſterbenden Kindern auf den blutigen Boden, ergriff dann das eine und wollte es forttragen. Da ſah er mich und zerſchnitt mit ſeinem Dolch meine Bande; ich ver ſuchte nun das andere noch zuckende Mägdlein empor zu heben und mitzunehmen. „Ach, es war zu ſpät für Beide. Gelobt ſei Gott dafür, der ſie von allem Erdenleid erlöſte und als Engel in ſeinem Himmel aufgenommen hatte. „Da warf mein Bruder mit eigener Hand die Lei⸗ —— t ¹ 8 48 chen ſeiner Kinder in die lohenden Flammen, in denen ſchon viele der noch lebenden, verwundeten, verſtümmel⸗ ten Mädchen unſerer aͤrmen Stadt kreiſchten, und ſagte: Folg' mir, ich werde leben, um meine Kinder zu rächen! So zog er mich fort, durch das Grabgewölbe in einen unterirdiſchen Gang, der uns wenige Schritte vom Stadt⸗ thor in's freie Feld führte. „Die Flammen unſerer Heimat erleuchteten unſern Weg; mein Bruder fühlte nicht ſeine Wunden, wir gin⸗ gen, als ob der Sturmwind uns auf ſeine Flügel genom⸗ men hätte; hier ſind wir nun, edler Meiſter! räche das unſchuldig vergoſſene Blut, und gönne uns ein Plätzchen wo wir ſterben können.“ „Dies Blut komme über Dich, Jagello, länderſüch⸗ tiger Tirann, und über Dich, Withold, undankbarer und wortbrüchiger Schelm!“ ſagte der Hochmeiſter, ſein Ge⸗ ſicht in ſeine Hände bergend.„O, Du Gott und Vater der Welt, Du weißt es, ich bin nicht Schuld an den Gräueln dieſes furchtbaren Krieges!“ „Herr!“ flüſterte Johannes Lindenblatt, der neben des Meiſters Stuhl getreten war,„faßt Euch! Aller Augen ſchauen hier auf Euch, und die Ruhe auf Eurer edlen Stirne ſoll die Tauſende, die Euch folgen, ſtärken und kräftigen.“ Ulrich von Jungingen erhob ſich von dem Stuhle, 1 auf den Geſchw zen Höl Scheide beide H Knie un 2 bei dem tere) re! gegenwä müßte ich blutes ve No ner Bru dem arm geſtatten Bruders Lindenbl einem an Br Inhalts. ſchen Ur gen, ihr Fahnen rechtmäß Ein Bün 4 benen mel⸗ agte: chen! einen btadt⸗ nſern gin⸗ nom⸗ ſe das tzchen rſüch⸗ er und n Ge⸗ Vater räueln neben Aller Eurer ſtärken Stuhle, 49 auf dem er während der Schaudererzählung der beiden Geſchwiſter aus Gilgenburg geſeſſen hatte, zu ſeiner gan⸗ zen Höhe. Sein Schwert mit dem Kreuzgriff aus der Scheide ziehend, faßte er es faſt am Ende der Klinge in beide Hände und, es hoch emporhebend, ſank er auf ſeine Knie und ſagte: „Bei dieſem Zeichen unſerer heiligen Erlöſung, bei dem Blute des gekreuzigten Erlöſers, bei meiner Rit⸗ tere)re und bei meinem Schwerte ſchwöre ich Dir, o all⸗ gegenwärtiger Gott! daß ich dieſe Gräuel rächen will, müßte ich dabei auch den letzten Tropfen meines Herz⸗ blutes vergießen.“ Nach dieſem Gelübde ſchien ſich der Aufruhr in ſei⸗ ner Bruſt einigermaßen zu legen. Er ſtand auf, befahl dem armen Weibe eine Erquickung zu ſchaffen, und ihr zu geſtatten, ſo viel als möglich am Lager ihres ſterbenden Bruders zu bleiben, und verließ endlich, von Johannes Lindenblatt und Ralph gefolgt, das Zimmer, um in einem andern Gemache noch einige Stunden zu arbeiten. Briefe waren an ihn eingelaufen, wenig tröſtlichen Inhalts. Die Edlen, und damals ſelbſt mehrere deut⸗ ſchen Urſprungs, die dem Orden ihr Land, ihr Vermö gen, ihre ganze Stellung dankten, ſchaarten ſich unter die Fahnen Jagello's und ſendeten dem Hochmeiſter, ihrem rechtmäßigen Lehensherrn, Abſagebriefe. Ein Bürgermeiſter. II. 4 50 Er las ſie mit gefalteter Stirne und funkelnden Augen. „Es iſt nicht anders, und es muß ertragen werden,“ kränkt, ſagte er, ſich an Lindenblatt wendend, und ihm einen der tritt 27 böſen Briefe nach dem andern zureichend. und u „Schau, Johannes, hätteſt du das vor einem Jahre Ich d noch gedacht, als dieſer Mathes Unruh auf der Marien⸗ ſem Kr burg war und uns bat, ihm ein Fähnlein Grenzleute in Herr er ſein ſtattliches Schloß zu legen, damit er einen Schutz zeuge— hätte gegen die umher ſchwärmenden Lithauer und diebe— Tartaren?“ tung jed „Herr!“ entgegnete der Caplan theilnehmend,„laßt Ordeſ das Euer großes Herz nicht niederdrücken, vergebt oder ſchen 5 beſtraft die Treuloſen und gedenkt der vielen Getreuen, ſietzt i die willig ihr beſtes Herzblut für Euch hergeben möchten. Nächſte Seht, der wackere Preuße Gedete ſendete Euch geſtern brin n ein Fähnlein von zwanzig Reitern, er ſelbſt ſteht mit dem düer di Reſt ſeiner Leute an der Sirgune, bereit, den Polen den pr ach 1 Uebergang ſtreitig zu machen. Die Städte zeigen ſich 9. treuer und beſſer als wir es erwarten konnten nach den ſem 5 Unmtrieben und Wühlereien des Polenkönigs, der kein Kreide Mittel unverſucht gelaſſen, ſie abtrünnig zu machen, und Nuhe 11 von allen Seiten ziehen Euren Fahnen noch wackere d8 Truppen aus den Preußenlanden, von den deutſchen, regun ungariſchen und böhmiſchen Balleien, ſo wie auch Lohn⸗ 4 8. ſöldner zu.“ ſeiner Augen. rden,“ ten der iJahre karien⸗ eute in Schutz er und ,„laßt bt oder etreuen, nöchten. geſtern mit dem dlen den gen ſich lach den der kein jen, und wackere eutſchen, ch Lohn⸗ 51 „Es iſt nicht für mich, Johannes, daß mich's tief kränkt, wenn Untreue und Undank mir jetzt entgegen⸗ tritt,“ ſagte der Meiſter ſchmerzlich.„Es iſt für die große und gute Reſorm, an die ich denke, mein alter Freund! Ich werde ſie nicht ausführen, ſelbſt wenn ich aus die⸗ ſem Kriege als Sieger hervorgehen ſollte, denn— der Herr erwählt ſich zu ſeinen Werken die reinſten Rüſt⸗ zeuge— aber der Beſſere, der nach mir folgt, muß der Liebe und Treue des Landes, muß wo möglich der Ach⸗ tung jedes preußiſchen Herzens gewiß ſein, wenn er, die Ordensgelübde löſend, Kaiſer, Papſt und alle katholi⸗ ſchen Fürſten zu ſeinen Widerſachern macht.— Doch ſietzt iſt's nicht Zeit an dieſe hohen Pläne zu denken, das Nächſte immer zuerſt, und ſo, mein lieber Johannes, bring' uns den Kundſchafter, welcher uns noch Bericht über die Stellung des feindlichen Heeres zu geben ver⸗ pr ach.“ Lange unterhielt fich der Hochmeiſter noch mit die⸗ ſem, zeichnete dann auf den Tiſch verſchiedene Pläne mit Kreide, betete und legte ſich auf wenige Stunden zur Ruhe nieder. Draußen im Lager herrſchte indeß wilde Auf⸗ regung. Nach dem todtwunden Rathsmaurer Wernecke und ſeiner Schweſter waren noch mehrere flüchtige Bürger 4* 52 der niedergebrannten Stadt Gilgenburg, auch Leute aus Soldau und Neidenburg in Kauernick angekommen, gro⸗ ßen Theils verwundet, Alle verzweifelt ob der Gräuel, die ſie geſehen und zum Theil ſelbſt ertragen hatten. An den Wachtfeuern lagerten die Lehensleute und Krieger des Ordensheeres und horchten den ſchauder⸗ vollen Erzählungen, die unter Thränen mit gerungenen Händen, mit Flüchen untermiſcht, die Gräuel eines Krieges aufdeckten, der möglicherweiſe auch ihre eigenen fernen Lieben und den eigenen Herd treffen konnte. Mord und Brand, geſchändete Jungfrauen, geſpießte Kindlein, zu Tode gemarterte Greiſe, denen die Tartaren das Geſtändniß abquälen wollten, wo ſie ihre Schätze oder ihre Töchter verborgen, bildeten das entſetzliche Thema, um das ſich die Gedanken Aller drehten, und manches Rachegelübde ward geleiſtet, mancher Schwur zu fechten bis zum letzten Blutstropfen gegen die Unge⸗ heuer, die ſolche Schandthaten verübt, ſtieg empor zu dem tiefblauen, mit tauſend glänzenden Sternen ge⸗ ſchmückten Nachthimmel, der die einzige Decke des Heeres, das Ulrich von Jungingen dem Polenkönig und ſeinen Verbündeten entgegenführte, in der Nacht vom 13. zum 14. Juli des Jahres 1410 bildete. I. jede ru konnte, Klauſe dardus beſäeten engen 5 doch der daß ma lateiniſe ſonſt zu fängniß freilich A aber ſtu rannen aus gro⸗ äuel, und uder⸗ genen eines genen pießte rtaren Schätze etzliche , und Schwur Unge⸗ por zu en ge— Heeres, ſeinen 3. zum Drittes Capitel. In derſelben Nacht, deren Schönheit und Klarheit jede ruhige Menſchenſeele mit reiner Freude erfüllen konnte, ſaß an dem Bogenfenſter einer hochgelegenen Klauſe des Olivaer Kloſtergebäudes der alte Pater Me⸗ dardus und ſein Auge hing mit Entzücken an dem ſtern⸗ beſäeten Himmelsbogen. Es hinderte den Greis nicht, daß die Thür ſeines engen Zimmers ſeit Wochen feſt verſchloſſen war, hatte doch der Abt Jacobus auf ſein Bitten darein gewilligt, daß man ihm ſein Schreibgeräth, ſeine griechiſchen und lateiniſchen Schriften, ja ſeine Deſtilirkolben und was ſonſt zu ſeinen Studien erforderlich war, in ſein Ge⸗ fängniß gebracht, welches für ſeine ſtille und freie Seele freilich keine Schrecken hatte! Auch ſeine Harfe war in ſeinen Händen, lag jetzt aber ſtumm in ſeinen Schoß geſunken und zwei Thränen rannen über die eingefallenen Wangen des Greiſes. 54 „O wie groß biſt Du, mein Gott! Du Schöpfer und Erhalter dieſer unendlichen Welt, von dem der unendliche Erdball mit allen ſeinen Schönheiten nur ein ſo kleiner Theil iſt,“ flüſterte er,„und wie ſelig bin ich, daß Du mich gewürdigt, Deine Größe zu ahnen.“ Dann erhob er von Neuem ſeinen Blick zu dem ſchönen Nachthimmel, und Gedanken, ſein eigenes Ich be⸗ treffend, zogen wie Schatten an ihm vorüber. Er, der Sohn eines der letzten Heidenprieſter Sa⸗ maitens, hatte ſeinen Vater noch auf den tief in den heili⸗ gen Wäldern verborgenen Altären, die kein Ungeweihter jemals zu erblicken gewürdigt ward, den alten Göttern ſeines Volkes Opfer bringen ſehen. An dieſe Zeit dachte er zurück und an die Lehren und Erklärungen ſeines Vaters, welche den Ceremonien, die das Chriſtenthum ſo ſehr verdammte, einen tiefen und menſchlich ſchönen Sinn unterlegte. Die Schriften der griechiſchen Waiſen, die erhabe⸗ nen Ausſprüche des Socrates und Plato waren ihm be⸗ kannt, und es war das Wort desGriechen Hipparch geweſen, das ſeinen ſinnenden ahnungsvollen Geiſt zuerſt auf die Idee der Bewegung des Erdkörpers gebracht hatte An der ſchmuckloſen Wand ſeines Zimmers, ſeines Kerkers hing aus Holz geſchnitzt, ein Bild des ſterbenden Erlöſers von beſonderer Schönheit, das Werk eines kunſtgeüd lichen Z ſtrahl, de und ein: „A Heiland, verſtehen, was Du res als allen Län „D Deinen g ſei, und d Bande zu tödten ve Welt in i thum ſei, irdiſches Werk an daß glückſ ſei, daß a ben könn Werken durch ſchü pfer der ein ich, dem be⸗ Sa⸗ eili ihter ttern hren nien, iefen jabe n be⸗ heſen, f die eines euden eines kunſtgeübten Mönchs, der es vor Jahren in dieſer näm⸗ lichen Zelle angefertigt hatte. Pater Medardus blickte auf dasſelbe, dem ein Mond⸗ ſtrahl, der darauf fiel, ein geiſterhaftes Leben verlieh, und ein mildes Lächeln verſchönerte ſeine edlen Züge. „Am Kreuze Geſtorbener,“ ſagte er für ſich,„Du Heiland, den dieſe Chriſten anbeten ohne ſeine Lehre zu verſtehen, oder den Willen ſie zu befolgen, iſt denn das, was Du im fernen Morgenlande predigteſt, etwas Ande res als was alle großen und guten Menſchenſeelen in allen Ländern ahnten?“ „Du ſprachſt es deutlich aus und bewieſeſt es durch Deinen geduldigen Tod am Kreuze, daß der Menſch frei ſei, und daß die Tirannen nur den Leib von Erde in Bande zu legen, nur ihn, den ohnehin vergänglichen, zu tödten vermögen.— Du ſprachſt es deutlich aus, daß die Welt in ihrer Schönheit des Menſchen geiſtiges Eigen⸗ thum ſei, auch wenn er kein Streifchen des Bodens als irdiſches Eigenthum beſitzt, denn er iſt befähigt Gottes Werk an ihr zu erkennen. Du ſprachſt es deutlich aus, daß glückſeligſein des Menſchen Beſtimmung und Pflicht ſei, daß aber Glückſeligkeit ſich Jeder nur ſelbſt erwer⸗ ben könne, durch Streben Gott zu erkennen in ſeinen Werken und ihm ähnlich zu ſein, in beſchränkter Weiſe durch ſchöpferiſchen Fleiß, durch weltbeglückende Liebe, 56 durch Beharren im Einklang mit dem höchſten Willen.— Nichts Anderes lehrten auch, wenn man den Kern von der Schale ſondert, die Prieſter meines Volkes und die Weiſen Griechenlands. Der Welt unſerer Tage biſt Du freilich ein ſchlimmerer Götze als Plato, als Zernebog oder Potrimpos und mehr Blut iſt Deinetwegen gefloſſen, als an allen Opferaltären der Bilder, die nur Jene, welche ſie nicht anbeten, Götzen nennen.— Es iſt die Verkehrtheit des menſchlichen Herzens, welche zum Blut⸗ vergießen treibt, nicht die Lehre des Evangeliums, und es wird eine Zeit kommen, wo man Deine Lehre beſſer ver⸗ ſtehen, Dein Bild nicht mehr anbeten, ſondern Deine Liebe nachzuahmen ſtreben wird.“ Er war von ſeinem harten Sitze aufgeſtanden und durchſchritt langſam den engen Raum ſeiner Zelle. Dann hafteten ſeine Gedanken auf andern Gegen⸗ ſtänden, mehr der Erde angehörig.—„Abt Jacobus hält mich gefangen,“ ſagte er, laut mit ſich ſelbſt ſprechend, „ſeit jener Nacht, da ich den Biſchof von Gneſen das Geheimniß des Weltbaues offenbart, das zu finden der allmächtige Gott mich einfachen Greis gewürdigt hat. Er nennt mich einen Wahnſinnigen und doch kommt er faſt täglich hieher zu mir, mich über tauſend Dinge, die bald unſer Kloſter, bald weltliche Angelegenheiten be⸗ len.— rn von und die diſt Du ernebog floſſen, r Jene, iſt die Blut⸗ und es ſer ver⸗ n Deine en und le. Gegen⸗ bus hält rechend, ſen das iden der digt hat. ommt er inge, die eiten be⸗ 57 treffen und die meine Erinnerung getreulich aufbewahrt, um Auskunft oder Rath zu befragen.“ „Ich fürchte dieſer Mann mit ſeiner weltlichen Klug heit und ſeinem geiſtlichen Hochmuth macht oft ſchlechten Gebrauch von den Aufſchlüſſen, die ich ihm geben kann, und es iſt daher wohl meine Pflicht, ihm nichts zu ſagen, womit er der Welt oder ſchuldloſen Einzelnen ſchaden könnte. Was vor Allem intereſſirt ihn ſeit einiger Zeit ſo lebhaft an den alten Kirchenbüchern, die ich nun ſchon ſeit ſo langen Jahren in meinem Gewahrſam habe und was iſt's mit dem Trauzeugniß, daß Heinrich Pesko Wock von Roſenberg, der ſich auf ſeinem Zuge mit dem Hochmeiſter Conrad von Rothenſtein, Junker von Roſen⸗ burg nannte?“ „Könnte ich ein Mitglied dieſer großen und be rühmten Familie ſelbſt ſprechen, gern würde ich dieſem Alles mittheilen, was zur Beſtätigung der Thatſache jener Vermälung dient und vielleicht das Erbe irgend eines verwaiſten Kindes ſichern kann, aber ich traue dem Abt nicht, er iſt falſch und geizig und von pfäffiſchen Ge⸗ ſinnungen.“ In dieſem Augenblicke ließ ſich ein ſchwerer ſchlür⸗ fender Schritt auf der Thurmtreppe, die zum Gefäng⸗ niß des Pater Medardus führte, hören, der Schlüſſel drehte ſich von Außen im Schloß, und das Vollmonds⸗ —————:;⸗⸗ꝛ— 58 geſicht des Pater Küchenmeiſter, durch eine Kerze, die er in der Hand trug, von einer Seite grell beleuchtet, ſchaute behutſam durch die Thürſpalte. „Seid Ihr jetzt ruhig, mein lieber Bruder Medar⸗ dus? fragte er mit etwas unſicherer Stimme„undbegehrt Ihr ein wenig Herzſtärkung an Speiſe und Trank?“— „Ich bin ruhig, mein guter Bruder Euſebius,“ ent⸗ gegnete der Gefangene lächelnd,„und ich bin Euch ſehr dankbar für die guten Dinge, die ihr mir zukommen laſſet.“— „Das iſt denn doch ganz und gar wie ein vernünf⸗ tiger Menſch geſprochen,“ ſagte Euſebius, ſeine breite Geſtalt jetzt in die Zelle ſchiebend,„mit mir wahrhaftig, iſt er ſo ruhig, wie ein neugebornes Kind und ſo vernünf⸗ tig wie ein Kind es nur ſein kann, dem man nur einmal in 24 Stunden ordentlich warmes Eſſen zukommen läßt.“— „Da, mein ſehr lieber Bruder Medardus, eſſet und trinket und erquickt Euer krankes Herz. Unſer Hochwür⸗ digſter hat zwar befohlen, daß man Euch Eures Geſund⸗ heitszuſtandes wegen nur ſolche Speiſen geben ſoll, die das Blut nicht erhitzen, Milch⸗, Mehl⸗ und Eierſpeiſen, höchſtens an Fleiſchtagen ein wenig Brühe, aber ich kann das nicht über mein Herz bringen, ich hab' Euch ein gut gebratenes Hühnchen in den Korb gethan, werft die Knöch⸗ lein zehrt ren † richti⸗ Euch gar n rend e gelaſſt ſtehen der! ich me frau! ten J werth Maue lebt z1 ſchon Leiden Euch kaum 8 er aute dar⸗ ehrt ent ſehr men ünf⸗ reite fftig, ünf⸗ nmal men und wür⸗ ſund⸗ die iſen, kann gut töch⸗ 59 59 lein aus dem Fenſter, wenn Ihr das Bischen Fleiſch ver zehrt habt, auch iſt da noch ein hübſches Stück einer lecke ren Paſtete, das ich Euch aufgehoben, denn ich habe auf richtiges Mitleid mit einen kranken Bruder und ein Fläſchchen guten Weines habe ich auch zugefügt, es wird Euch nicht ſchaden hier in dem zugigen Neſt! ganz und gar nicht!“ Der gutmüthige Pater Küchenmeiſter hatte ſich wäh rend er ſprach, auf den Rand des harten Bettes nieder gelaſſen und packte ſeine Herrlichkeiten auf den daneben ſtehenden ſchlechten Tiſch. „Eßt und wohl bekomm's Euch, mein lieber Bru der! bei Gott, ich könnt' Euch faſt Vater nennen, denn ich meine, Ihr ſeid der Aelteſte im Kloſter. Heilige Jung frau! und ſolches Unglück muß Euch noch in Euren ſpä ten Jahren treffen, wie alt ſeid Ihr denn eigentlich, mein werther Freund Medardus?“ „Ich kann mich gewiß erinnern ſchon ſechzigmal in den Mauern dieſes Kloſters den Tag der Sonnenwende er lebt zu haben, und als ich mein Noviziat antrat, war ich ſchon ein reifer Jüngling und hatte der Schmerzen und Leiden ſchon mancherlei erfahren,“ entgegnete Jener. „Ja, ja! man erzählt davon! da bin ich auch gegen Euch noch ein wahrer Bube in der Welt, ein Junge von kaum 56 Jahren,“ ſagte der Küchenmeiſter, ſeinen eige⸗ 4 60 nen Scherz belachend,„aber eßt! eßt, lieber Bruder! Ihr müßt hungrig ſein und ich bin müde, denn in dieſem Klo⸗ ſter iſt wieder ein Leben und Treiben, als ob's eigends darauf abgeſehen wäre, mich vor der Zeit durch allerlei Scherereien und Laufereien in die Grube zu bringen. Der Biſchof von Gneſen iſt wieder hier, und da muß es hoch hergeh'n bei der Tafel. Der Teufel hole den Judas, hätte ich bald geflucht, die heilige Dorothea beſchütz' uns, aber ich erleb's noch, daß der Elend über unſer heiliges Haus bringt.“ „Und was iſt's denn, das Ihr ihm ſo übel nehmt, mein guter Bruder?“ fragte Medardus theil⸗ nehmend. „Ja ſeht! unſer Abt, freilich der würdige Herr Ja⸗ cobus, iſt auch juſtament keine ganz treue, redliche Seele, er trägt den Mantel nach dem Winde und hält gute Freundſchaft mit dem Hochmeiſter und dem König von Polen zugleich. Dieſer Johannes von Gneſen aber, der doch auch aus deutſchem Blute iſt, ſeine Eltern waren Sachſen und er rühmt ſich, daß ſie von Wittekind ſtamm⸗ ten und zur Zeit Carl des Großen mit jenen alten Hei⸗ den ſchon bekehrt wurden, der iſt ganz toll in ſeinem Ge⸗ bahren gegen den Wladislav. Er hat ihm einen Brief ge⸗ ſchrieben und ihm aus einander geſetzt, daß er heraus ge⸗ bracht, wie Wladislav Jagello der Erzengel ſei, von wel⸗ chem es ſo zu n gime nes Wor chen theue Gne komn arme geiſt! und es g Ord ren Gei daru irge Lan nich mei licht ihn Ihr Klo gends lerlei Der hoch tte ich er ich Haus übel theil⸗ r Ja⸗ Seele, gute ig von t, der waren amm⸗ Hei⸗ n Ge⸗ ief ge⸗ us ge⸗ n wel⸗ 61 chem in der Offenbarung Johannes die Rede iſt, und wie es ſeine Pflicht und Berufung wäre, dies Land hier frei zu machen von der Ordensherrſchaft und ein neues Re⸗ giment einzuführen, ganz wie es in der Offenbarung Johan⸗ nes geſchrieben ſteht.“ „Das ließe ich mir nun Alles gefallen meinetwegen, Worte ſind Wind und koſten nichts, wenn ſie ausgeſpro⸗ chen werden, wenn man ſie auch ſpäterhin manchmal theuer bezahlen muß, aber er hat aus ſeinem Bisthum Gneſen ſchon Geld über Geld an den Königgeſchickt und kommt nun auch immer daher, dergleichen von unſerem armen Kloſter zu fordern.— Iſt das recht? iſt dus geiſtlich?— Könige und Fürſten ſollen den Klöſtern und Stiften, den Mönchen und Prieſtern geben, ſo ſteht es geſchrieben! und weßhalb ärgern wir uns an dieſen Ordensrittern, als nur weil die letzten Meiſter ſo toll wa⸗ ren, Steuern und Abgaben von uns zu fordern! Die Geiſtlichkeit muß frei ſein von ſolchen weltlichen Laſten, darum iſt ſie ja eben geiſtlich? iſt es klar? kann daran irgend ein Zweifel ſein? wenn der König von Polen das Land als Erbeling von Pommerellen beanſprucht. Ich habe nichts dagegen! ich bin ein ſchlichter Mönch und Küchen meiſter dieſes Kloſters, aber dann muß er doch der Geiſt lichkeit, wie es recht iſt, Gaben darbringen, damit ſie für ihn bete. Die Ritter ſind doch wenigſtens halb geiſtliche 62 Herren, da dürfen ſie natürlich ſo viele Opfer nicht brin⸗ gen als es ein weltlicher König müßte. Aber was habt Ihr mein guter Bruder Medardus, warum eſſet Ihr nicht, und da habt Ihr meinen eiſernen Korkzieher, öffnet die Flaſche, ich trinke dann nach Euch auch ein Tröpfchen von dem guten Gewächſe.“ „Ich danke Euch, mein gütiger Bruder,“ ſagte Me⸗ dardus, die Speiſen, von denen er nur etwas Brot und einige Biſſen Fleiſch genoſſen hatte, und den Wein, den er gar nicht berührt, zurück in den Korb legend,„ich danke Euch von ganzem Herzen, aber Ihr wißt, ich ge⸗ nieße als ein alter Mann, der wenig zur Ernährung ſei⸗ nes Leibes bedarf, auch nur wenig, und der Wein widert mich ſeit meiner Jugendzeit an.— Ich bin geboren in einer Gegend, wo der Weinſtock nicht gedeiht, und in meiner Heimat kannte man zu meiner Zeit nicht die Seg⸗ nungen des Handels. Mein Vater trank den Meth, den meine Mutter zu brauen verſtand, ich aber habe von Kindheit an nur Waſſer getrunken.“ Pater Euſebius ſchüttelte das vollwangige Haupt, „das iſt allerdings verwunderlich, und eigentlich ſo zu ſagen ganz unnatürlich, mein ſehr lieber Bruder Medar⸗ dus,“ ſagte er.„Der Wein erfreut des Menſchen Herz, und es iſt kein kleines Verdienſt der Meiſter des deutſchen Ordens, daß ſie ſich befleißigt haben, die edle Rebe hier brin⸗ Z habt nicht, iet die n von te Me ot und i, den „„ich ich ge ng ſei widert ren in and in e Seg⸗ ), den be von Haupt, ſo zu Nedar⸗ Herz, gtſchen be hier an den Ufern der Weichſel und Nogat heimiſch zu ma⸗ chen. Freilich liefern die Trauben hier kein ſo köſtliches Getränk wie die vom Rhein, welche der große Kaiſer Carl dorthin pflanzen ließ. Vielleicht aber wird das mit der Zeit auch beſſer; der Wein am Rhein ſoll auch nicht gleich ſo gut geweſen ſein wie heut zu Tage.— Aber, mein Bruder, es iſt ſpät und Ihr werdet ruhen wollen; ich bin heute von der None dispenſirt, wegen der Arbeit, die ich durch die Gäſte im Kloſter habe. Darum konnte ich ſo lange mit Euch plaudern. Schlaft unter Gottes Schutz geſund, und erwacht mit guten Gedanken, mein lieber Bruder. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! und gute Nacht!“ „In Ewigkeit!“ entgegnet Medardus nun, die erſte Hälfte des Grußes erwidernd, und Pater Euſebius, der wackere Küchenmeiſter, ging, um ſich zur Ruhe zu begeben. Medardus aber zündete ſeine Kerze an und ſetzte ſich nieder, um noch zu ſchreiben. Es war die Geſchichte ſeines eigenen Lebens, die er in einfacher Wahrheit erzählte, und er hatte beſchloſſen, in derſelben auch ſeine Gedanken über das Weltall nie derzulegen, die er für wichtig genug hielt, ſie einer ſpä teren Zeit aufzubewahren. Die heilige tiefe Nachtſtille, welche den Greis um⸗ 64 gab, unterbrach nur von Stunde zu Stunde der helle Schlag der ſeiner Zelle ſo nahen Thurmuhr. Seit we⸗ nigen Jahren erſt zierte das Kunſtwerk die ſchöne Klo⸗ ſterkirche zu Oliva, und immer noch bewunderte Jeder⸗ mann dieſes als das höchſte, was menſchliches Nachden⸗ ken und Kunſtfertigkeit im Verein mit gelehrter mathe⸗ matiſcher Kenntniß zu ſchaffen fähig ſei. Während indeß Pater Medardus mit der Schlaf⸗ loſigkeit ſeiner Jahre die Nacht in Thätigkeit zubrachte, lag der geehrte Gaſt des Kloſters, der Biſchof Johannes von Gneſen auf ſeinem weichen Bette, und konnte auch die Segnung des Schlummers nicht finden. Er wälzte ſich voll Unruhe von einer Seite zur andern und zündete endlich die Kerze wieder an, die er ſchon vor Stunden, um den Schlummer zu ſuchen, ausgelöſcht hatte. „Es iſt der Wille der heiligen Jungfrau, es iſt Gottes Geheiß,“ dachte er, unter dem fieberhaften Klo⸗ pfen ſeines Gehirns,„daß hier in dieſen Gegenden wie⸗ der ein Fürſt aus dem alten Geſchlecht der Herzoge von Pommerellen herrſche.“ „Sie bauten die heiligen Hallen dieſes Kloſters und dieſer ſchönen Kirche, ihr Eigenthum war die reiche Stadt Danzig und ihre weite ſchöne Umgegend, und Wladislav Jagello iſt ihres Blutes, denn ſeine Mutter Marie, Tochter des Herzogs von Twer, war die Enkelin Subis⸗ lav's dieſe den! gen, auch gehör Orde gewa rückt ſitzern Werk wie d und d fließen die T graue des Lu mehr dienſte Oliva dem J Ein helle we⸗ Klo⸗ eder⸗ jden⸗ athe⸗ chlaf⸗ achte, annes auch välzte indete nden, es iſt Klo⸗ i wie⸗ ſe von es und Stadt dislav MNarie, HSubis⸗ 65 lav's, und ſo iſt der Polenkönig der geborne Herrſcher dieſes Landes.— Was wollen dieſe Deutſchen hier an den Ufern unſerer Weichſel? Sie entſpringt auf den Ber⸗ gen, an deren Fuß Völker polniſcher Zunge wohnen; auch an ihrem Ausfluß ſoll die deutſche Sprache nicht mehr gehört werden, ſo will es Gott, der die Sünden dieſer Ordensritter ſtrafen, den Geldſtolz dieſer als Bettler ein⸗ gewanderten deutſchen Kaufleute zähmen wird. Die Zeit rückt heran, da dies ſchöne Land ſeinen eigentlichen Be⸗ ſitzern zurückgegeben werden ſoll, und ich, ich werde das Werkzeug dazu ſein!“ Er trat an's Fenſter bei dieſen Gedanken und ſah wie der Tag anbrach und die Morgenröthe das Meer und den Horizont, die das Dunkel der Nacht zuſammen⸗ fließen ließ, durch ihren Purpurſtreifen ſchied, er ſah wie die Thüre des Kloſters ſich öffnete, und die Mönche im grauen Morgenlichte hinüber wallten nach der ſchönen Kirche zur Prime. Einige Minuten darauf klangen auch die Klänge des Lobgeſanges zu ihm hinüber, und da er doch nicht mehr ſchlafen konnte, ſo entſchloß er ſich, dem Gottes⸗ dienſte beizuwohnen und der geiſtlichen Brüderſchaft in Oliva ein Beiſpiel ſeiner Frömmigkeit zu geben.— In der nämlichen frühen Morgenſtunde ritten aus dem Thore am Kunſtwaſſer in Danzig drei ſtattliche Ein Bürgermeiſter. II. 5 — —— — — — 66 Herren, begleitet von drei rothgekleideten Rathsdienern, die es Alle wohl verſtanden, ihre Pferde zu leiten und zu zügeln. 4 Die Herren waren Conrad Letzkau, Danzigs erſter Bürgermeiſter, ſein Schwiegerſohn, der Rathsherr Große, und ſein College, Herr Arnold Hecht. „Verwahrt iſt ſtets beſſer als beklagt, mein geehrter Schwiegervater,“ ſagte Große, während die Pferde die Zugbrücke am Thore überſchritten, welche die Stadtſol⸗ daten auf den Befehl Letzkau's für ſie niedergelaſſen. „Müſſen wir— was doch immer eine Möglichkeit iſt, die Stadt verlaſſen wegen der Kriegsläufe, ſo iſt es auf alle Wege gut unſere Frauen dem Schutze der heili⸗ gen Mauern des Brigittenkloſters anzuvertrauen, und da wir einmal doch mit dem Herrn Abt Jacobus ſprechen müſſen, ſo können wir ſeine Erlaubniß dazu auch gleich einholen. Das iſt ja eben der Unterſchied unſerer jetzigen aufgeklärten Zeit und der früherer Jahre, daß die heiligen Kloſtermauern, daß Kirchen und Freiſtätten jetzt vollkommen ſicher ſind, da Chriſten gegen Chriſten käm⸗ eun, und ſelbſt die erbittertſten Krieger das Gotteshaus ehren.“ „Thut Ihr, mein lieber Große, was Euch für Marie das Beſte däucht,“ entgegnete Letzkau,„meine Hausfrau würde, das weiß ich gewiß, ihr Haus auch im Krieg durch ſen w Mari mit ih chem j Gattin 4 ſchlank hernd, ſehr he Hauſes zweifle ihre H ſcheint und es ſchauen genieße reichte herzhaft H Sprech Raths! enern, ind zu erſter hsherr eehrter de die adtſol en. glichkeit hiſt es r heili⸗ und da prechen h gleich jetzigen daß die ten jetzt en käm tteshaus uch für „meine auch im 67 Kriegsſturm ungern verlaſſen. Auch iſt ſie eine Matrone, durch ihre Jahre wohl geſchützt vor Vielem was in die⸗ ſen wilden Kriegszeiten ein ſo junges Kind wie unſere Marie betreffen könnte, dieſe kann auch noch nicht ſo feſt mit ihrem Herzen an das Haus gewachſen ſein, in wel⸗ chem ſie noch lange nicht ſo viel Tage waltet, als meine Gattin Jahre in dem ihrigen.“ Herr Große ſtreichelte mit zufriedener Miene den ſchlanken Hals ſeines hübſchen Rößleins, das, luſtig wie⸗ hernd, ihm die Liebkoſung dankte „Ei was, mein ehrter Schwiegervater,“ ſagte er ſehr heitern Tones,„die liebe Marie nimmt ſich ihres Hauſes mit ſo vielem Ernſte und Eifer an, daß ich nicht zweifle, ſie liebt es auch bereits als ihr Eigenthun und ihre Heimat. Weit über mein Hoffen und Erwarten ſcheint ihr die Geſchäftigkeit der Hausfrau zu gefallen, und es iſt eine Freude für mein altes Herz, ihr zuzu⸗ ſchauen.“ „Gott laſſe Euch dieſe Freude lange und in Frieden genießen, mein theurer Freund,“ entgegnete Letzkau, und reichte ſeinem Schwiegerſohn die Hand, in welche dieſer herzhaft einſchlug. Herr Arnold Hecht hatte ſich indeß auch den beiden Sprechern genähert.„Ja! Ihr ſeid ein glücklicher Mann, Rathsherr Große,“ ſagte er herzlich„und das freut mich 5* 68 in der Seele, denn ſpät habt Ihr es Euch errungen. Ich fürchte auch wahrlich nicht, daß der Krieg Euch Euer Glück ſtören werde und könne, unſere Stadt liegt ein Bischen weit ab von dem Wege des Heeres Königs Wladislav und ſollte er doch in ihre Nähe kommen, ſo achtet er die Danziger und wird ihrer guten Stadt, die er ſo halb und halb als die ſeine anſieht, kein Leides thun.“ „Ihr ſprecht wie Huxter und mein Schwieger⸗ ſohn, werther College,“ ſagte Letzkau ernſt,„und ich wundere mich oft darüber. Könnt Ihr es wünſchen, daß unſere Stadt polniſches Eigenthum werde, Ihr, ein deutſcher Mann? Könnt Ihr es wünſchen, daß dieſe unſere ritterlichen Landesherren im Gefecht gegen Polen und Tartaren den Kürzeren ziehen und daß der Strom dieſes ganzen Volkes wie ein Heuſchreckenſchwarm über das geſegnete Land fiele?“ „Wir könnten eine ſolche Möglichkeit gar ſehr zu unſerem Vortheile benützen, Herr College Letzkau,“ ent⸗ gegnete Hecht mit Nachdruck,„wenn wir mit Wladis⸗ lav capituliren. Er iſt der geborne Erbe Pommerelleu’s, dagegen könnt ſelbſt Ihr nicht ſtreiten, und er würde, um de facto zu werden was er de jure bereits iſt, uns Vieles bewilligen, wozu all' unſere Vorſtellungen den Hochmeiſter nicht bewegen. Die Vergrößerung der Mühle zum Mott ſtadt Stein würde wenn einem ther G was mit ei Männ Danzi Orden 7 ter, we den Le ſelben die Häö Vereh wäre niſſen ingen. Euch t liegt dönigs hen, ſo dt, die Leides wieger⸗ und ich nſchen, „ Ihr, n, daß ht gegen daß der ſchwarm ſehr zu au,“ ent⸗ Wladis⸗ erellen's, r würde, iſt, uns ingen den her Mühle 69 zum Beiſpiel, die Verbeſſerung der Bollwerke an der Mottlau, den Bau eines eigenen maſſiven Krahns.“ „Wladislav würde auch die Privilegien der Jung⸗ ſtadt beſchränken, die uns der Orden gleichſam als einen Stein auf das Herz gelegt hat, und wie viel leichter würde ſich der Handel auf dem Weichſelſtrome machen, wenn er von ſeinem Urſprung bis zu ſeinem Ausfluß einem Herrn gehörte.“ „Ihr ſchlagt dieſe Vortheile zu hoch an, mein wer⸗ ther College,“ meinte Letzkau„und bedenkt Eines nicht, was doch beſonders zu bedenken iſt: Wir müßten ſie mit einer Felonie erkaufen und ſolche werden deutſche Männer für keinerlei Vortheil bezahlen.“ „Der Herzog von Pommerellen entband die Bürger Danzigs von ihrem Lehenseid, als er die Stadt an den Orden verpfändete.“ „Und war es nicht auch eine Felonie, daß die Rit⸗ ter, welche die Burg nur zur Hälfte und in Gemeinſchaft mit den Leuten des Herzogs beſetzen durften, dieſe aus der⸗ ſelben verjagten und ſich das Ganze anmaßten, wo ihnen die Hälfte kaum gehörte.“ Letzkau zuckte die Schultern.„Ich bin kein großer Verehrer aller Thaten des Ordens,“ ſagte er,„wo wäre aber in menſchlichen Verbindungen und Verhält⸗ niſſen nicht gefehlt und geſündigt worden? Meine 70 Sache iſt nur in meinem Kreiſe das Rechte zu thun, nicht darunter, noch darüber. Männer, die wie wir einem großen Gemeinweſen vorſtehen, dürfen we der rechts noch links ſchauen, ſondern müſſen den ge raden Weg wandeln, aufrichtigen Herzens und vor den Augen Gottes.“ „Ihr wißt, ich ſtreite gegen den Orden ſo eifrig, wo es die Rechte und Privilegien meiner lieben Vater⸗ ſtadt gilt, als ich für ihn gegen Diejenigen ſtreite, die ſeine Rechte ſchmälern und antaſten möchten, und zu Beiden bin ich wohl befugt. Aber ſeht, meine werthen Freunde, wie ſchön hier in der Morgenſonne das Schottland und die Jungſtadt vor uns liegen, vor dreißig Jahren waren da noch knietiefe Moräſte, wo jetzt der Roggen bereits ſchöne Aehren geſetzt hat, und ſtatt der Häuſer und Gärten ſah man vermorſchte Baumſtämme, die ihre kahlen Aeſte kläglich gegen den Himmel ſtreckten. Das iſt Alles auch das Werk des Ordens, der die fleißigen Schotten, die klugen Hol⸗ länder hierher zog und die Geldmittel hergab, durch die der Boden urbar ward. Liebe Herren! der Orden hat dies Land ſo zu ſagen gemacht, es gehört ihm als ſein Werk ſowohl als durch die Kraft ſeines Schwertes.“ „Für uns ſind dieſe Holländer und Schotten eben keine „und ſtadt h als El auf die College die M urbar berührt zu gro * Letzkau paarme erlebt Bedürf daß du Summ verlor. wohnen in der Doppel gewinne ſchlechte te zu wie we n ge d vor eifrig, zater⸗ e, die nd zu erthen das „ vor , wo , und -rſchte n den k des Hol⸗ durch Orden tt ihm ſeines neben 71 keine Freude und Hülfe,“ meinte Hecht verdrießlich, „und ich glaube, wir Kaufleute der Danziger Recht⸗ ſtadt hätten Grund, dem Einen Goldgulden oder mehr als Ehrenpſennig zu überreichen, der den rothen Hahn auf dieſe hübſchen rothen Dächer ſetzte. Mein lieber College, ich dächte, im kaufmänniſchen Geſchäft fängt die Menſchenliebe am eigenen Comptoirtiſche an.“ „Es iſt ein Vortheil für Jedermann, wenn das Land urbar gemacht wird, das früher die Pflugſchaar nicht berührte,“ entgegnete Große,„dieſes räume ich ein, aber zu große Concurrenz iſt ein Nachtheil für den Handel.“ „Für den Verkäufer, nicht für die Käufer,“ ſagte Letzkau,„und glaubt mir dies, was ich nun ſchon ein paarmal während meiner Laufbahn als Kaufmann erlebt habe; die Wohlfeilheit einer Waare erzeugt das Bedürfniß nach derſelben oder vergrößert es ſo ſehr, daß durch die Menge des kleinen Gewinnſtes bald die Summe gedeckt wird, die man beim Sinken der Preiſe verlor.— Seit hier herum die vielen Tuchweber wohnen, wird noch einmal ſo viel Tuch, ja auch mehr in der Gegend verbraucht als in der Zeit, da es das Doppelte koſtete, da g⸗winnt dann der Fabrikant, es gewinnt der Kaufmann und der arme Mann; der ſonſt ſchlechten Wadmol für ſein ſchwer verdientes Geld kaufen 72 mußte, kann jetzt auch mit einem guten Tuchrocke am Sonntage zur Kirche gehen.“ Unter ſolchem Geſpräche trabten die drei Häupter der alten Stadt Danzig wohlgemuth durch den grünen Wald, und bald ſchimmerten die Zinnen der Kloſter⸗ kirche von Oliva ihnen aus dem Baumgrün entgegen. Sie machten den heutigen Ritt von Amtswegen und in Geſchäften des ſtädtiſchen Gemeinweſens, denn es ſollte mit dem Herrn Abt Jacobus unter Zuſtim⸗ mung der zwei älteſten Conventsglieder ein Vertrag abgeſchloſſen werden behufs der Abholzung eines Theiles des der Stadt zunächſt gelegenen, aber dem Kloſter ge⸗ hörigen Forſtes. Jeder der drei Abgeordneten hatte indeß noch ſeinen beſondern Zweck, um deſſenwillen er mit dem Herrn Abt unter vier Augen zu verhan⸗ deln wünſchte. Als ſie daher an der Außenthür des Kloſter⸗ gebäudes ihre Pferde den Amtsdienern übergaben, ſie in der nahen Schenke zu füttern und verſchnaufen zu laſſen, war es ihnen gar nicht beſonders angenehm, von dem Bruder Pförtner, der ihnen öffnete, zu er⸗ fahren, daß der Biſchof von Gneſen, Herr Johannes, daſelbſt anweſend ſei. Die zu der Verhandlung feſtgeſetzte Stunde war noch nicht erſchienen, und der jüngſte Bruder, der Pater Amad Arnol in das wo m kleiner Küche würdig Mönch Abt zu Augen Andern geendet Brude ſters? T Brüde krankte ſelbſt nen I. ten des ſeit W pflegen ohne ſc am upter künen oſter⸗ gegen. vegen denn iſtim⸗ ertrag heiles er ge⸗ hatte willen erhan⸗ loſter⸗ en, ſie fen zu enehm, zu er⸗ annes, de war Pater 73 Amadeus, ein Danziger Stadtkind und Sippe des Herrn Arnold Hecht, führte die Herren vom Danziger Rath in das neben dem Refectorium befindliche Gaſtzimmer, wo man ihnen einen Imbiß vorſetzte. Auch Biſchof Johannes erſchien dort nach einer kleinen Weile, ſo wie auch Pater Euſebius, der Küchenmeiſter, und zuletzt der gnädigſte und hochehr⸗ würdige Abt Jacobus. Der Verhandlung wohnten außer dem Abt zwei alte Mönche bei, die pflichtſchuldig in Alles, was der würdige Abt zu ſagen für gut fand, einſtimmten. Conrad Letzkau's Augen ruhten gedankenvoll bald auf Einem, bald auf dem Andern, und als Alles zur Zufriedenheit beider Parteien geendet war, ſagte er, ſich an dieſe Beiden wendend: „Welcher von Euch, meine ehrwürdigen Väter, iſt Bruder Medardus, der Aelteſte dieſes heiligen Klo⸗ ſters?“ Der Abt Jacobus antwortete, daß dieſe würdigen Brüder Anaſtaſius und Adalbertus die an Alter dem er⸗ krankten Medardus am nächſten ſtehenden wären, dieſer ſelbſt aber ſei durch Geiſtesſchwäche, die vielleicht in ſei⸗ nen Jahren liege, behindert an irgend welchen Geſchäf⸗ ten des Kloſters Theil zu nehmen, und befindet ſich ſchon ſeit Wochen in ſeiner einſamen Zelle, wo er ſeines Leibes pflegen und ſeinen verwirrten Gedanken nachhängen könne, ohne ſchädlich zu werden oder läſtig zu fallen. 74 „Er leidet, mein lieber Sohn,“ ſetzte er zu Letzkau gewendet ſalbungsvoll hinzu,„an einer ſeltſamen fixen Idee, die er als eine beſondere Weisheit Jedermann mit vielen Worten aufdrängt; er bildet ſich nämlich ein, die Erde bewege ſich, und glaubt das ſo ſteif und feſt, daß ſelbſt der Augen nſchein ihn davon nicht abbringt. Wir kön⸗ nen ihn dafür nicht ſtrafen, obſchon ſolcher Gedanke ge⸗ radezu eine Gottesläſterung und Widerſpruch gegen die heiligen Schriften iſt, aber wir ſehen uns genöthigt, ihn fern von den Andern zu halten, denen er mit ſeinem Wahnſinn läſtig fallen würde, obgleich er ſonſt unſchädlich iſt. Hat er doch den ehrwürdigen Biſchof Herrn Johan⸗ nes unter dem Vorwande, ihm etwas höchſt Wich htiges und Wunderbares zeigen zu wollen, meilenweit in die Nacht hinaus bis auf den Weichſelſtrom gelockt, um ihm ſeine hirnverbrannten Reden zu halten.“ Conrad Letzkau ſchüttelte das Haupt.„Was iſt menſchliche Weisheit!“ ſagte er theilnehmend,„galt doch dieſer Pater Medardus als ich noch ein Knabe war für den gelehrteſten Mann im ganzen Lande, ja vielleicht im ganzen deutſchen Reich.. Er hat als Knabe eine Zeit lang in dem Hauſe meines Großvaters ſelig gelebt und ſoll damals ſchon Beweiſe einer wunderbaren Kl ugheit gegeben haben. Da ich ihn, an den man mich gewieſen, nun nicht ſprechen kann, ſo muß ich ſchon Euer Hoch⸗ würden geben, tig iſt.“ C und der in dem Wald i dem D 7 gem Lä⸗ verpflich Mitmen auch keit böhmiſe nem Ge vornehn. treten h ſeres he glücklich ihre jun kloſter g Beides im Or Hochme jetzt in tzkau fixen mit die daß kön⸗ e ge n die „ ihn einem ädlich ohan⸗ s und Nacht ſeine as iſt t doch nr für ſcht im e Zeit bt und -ugheit pieſen, Hoch⸗ 7⁵ würden Gnaden bemühen, mir Auskunft über etwas zu geben, das zu wiſſen für meine Amtspflichten wich⸗ tig iſt.“ Er erkundigte ſich nun genau nach dem Herkommen und den Verhältniſſen des böhmiſchen Mägdleins, das, in dem verrufenen Hauſe der berüchtigten Hexe Urſula Wald wohnend von Sr. Ehren dem Hochmeiſter ſelbſt dem Danziger Magiſtrate empfohlen ſei. „Mein lieber Sohn,“ ſagte der Abt mit zweideuti gem Lächeln,„ich für meine Perſon bin als ein Chriſt verpflichtet Alles zum Guten zu kehren und von meinen Mitmenſchen das Beſte zu glauben. So zweifle ich denn auch keinen Augenblick an der Sitte und Würdigkeit der böhmiſchen Reiſenden, zweierlei muß ich indeß nach mei nem Gewiſſen bemerken: Die Beweiſe ihrer ehelichen und vornehmen Geburt, um derentwillen ſie ihre Reiſe ange treten haben ſoll, finden ſich in den Kirchenregiſtern un⸗ ſeres heiligen Gotteshauſes nicht. Dies könnte ein un glücklicher Zufall ſein; ein Zweitesaber ſpricht ſehr gegen ihre jungfräuliche Sitte, ſie ſchlug es ab, im Brigitten kloſter Schutz und Unterkunft zu nehmen, obſchon ich ihr Beides ſelbſt anbot. Sie ſprach ferner davon, daß ſie im Ordenshauſe zu Marienburg in der Nähe des Hochmeiſters ihren Aufenthalt gehabt habe, und ſie wohnt jetzt in einem Hauſe, das ſeit Jahren verrufen iſt,— 76 richtet nicht, ſo ſollt ihr nicht gerichtet werden! aber das Haus hat einen geheimen Zuſammenhang mit der Burg. Der Herr verzeihe Denen, die gegen ihre Gelübde ſündi⸗ gen! und endlich, es gibt auch andere als Fleiſchesſün⸗ den! iſt doch die alte Frau, mit welcher jene übel be⸗ rüchtigte böhmiſche Reiſende ſo ſehr zuſammenhält, bekannt wegen allerlei verbotenen Künſten. Sage mir, mit wem Du umgehſt und ich ſage Dir, wer Du biſt.— Die Rit⸗ terbrüder ſind in dieſem Fall vielleicht minder ſchuldig als bedauernswerth, und wer weiß, ob dieſe Vlaſta nicht zu den abſcheulichen verruchten Weibern gehört, die es verſtehen durch teufliſche Künſte das Blut der Männer zu entzünden. Immer thut ein frommer Chriſt gut, mit dergleichen keine Gemeinſchaft zu haben.“ „Der Meinung bin auch ich,“ ſagte Conrad Letz⸗ kau,„und finde ich Etwas in ihrem Thun und Treiben, das mich dazu nach meinem Geviſſen berechtigt, ſo laſſe ich dieſe böhmiſche Dirne ausweiſen und ſtreng be⸗ ſtrafen, als erſter Bürgermeiſter Danzigs von Amts⸗ wegen.“ „Daran thut Ihr wohl, mein Sohn!“ entgegnete der Abt, das Haupt neigend.„Wehe dem, durch welchen Aergerniß kommt, und wer bringt mehr Aergerniß in die Chriſtenheit als Hexen und fahrende Dirnen.“ „Ihr, mein werther Herr Sohn, Rathmann Große, wollt Euer j vertrar ſchreckl gende fürchte lichſten flamm men ſ ſchiene einzige der He von de kommt und be Söhne meiſter liegen dieſer hochw insgeh Ihr m das urg. ndi ſün lͤbe⸗ annt wem Rit⸗ uldig nicht die es inner „ mit Letz⸗ eiben, laſſe g be Umts egnete elchen miß in Proße, 77 wollt alſo, dafern Ihr dem Heerbann folgen müßtet, Euer junges Weib di Schutze des Brigittenkloſters an⸗ vertrauen? Ihr thut wohl daran! Die Zeiten ſind gar ſchrecklich, und am Pene ſelbſt zeigen ſich beängſti⸗ gende Zeichen. In der vorigen Nacht hat ein rothes fürchterliches Licht, wie es ſich nur bei Rden außerordent⸗ lichſten Begebenheſten zu zeigen pflegt, im Norden ge⸗ fuhnunt Blitze und Strahlen, grüne und gelbe Flam⸗ men ſind daraus hervorgeſchoſſen, und oft hat es ge⸗ ſchienen als ob das ganze große Himmel sgewölbe eine einzige Gluth und Lohe ſei.“ „Der pochwürdgſte Biſchof, Herr Johannes von Gneſen, deutet dies auf eine vollſtändige Veränderung der Herrſchaft in dieſem Lande; alle Zeichen treffen zu, von denen die Offenbarung Johannis ſpricht: Der Herr kommt, welchen Cheſtis ſelbſt ſendet! Wachet darum und betet, domit Ihr nicht in Anfechtung fallet, meine Söhne. Was wünſcht Ihr, mein Sohn, Herr Bürger⸗ heſter Arnold Hecht, mir iſt als hätte ich Euer An⸗ liegen ſchon gehört, aber es iſt mir eutfall en, ich habe in dieſer Zeit gar Mancherlei zu bedenken.“ „O, es iſt eine Kleinigkeit, mein gnädiger und hochwürdiger Herr Bruder, ich möchte ein Stündchen insgeheim mit dem Bruder Amdens ſprechen, der, wie Ihr wißt, mein Anverwandter iſt.“ 78 deus hat erſt ſeit ſechs Wochen Prämiz gethan und darf ſich jetzt um weltliche Angele enheiten nicht kümmern, mindeſtens in zwei Jahren nicht, wollt Ihr mir anver⸗ trauen, was Ihr mit ihm zu ſprechen habt, ſo will ich erſt prüfen.“ „Mir bleibt keine Wahl!“ entgegnete Arnold Hecht, „und obſchon es mir ſehr ſchwer wird, ſo will ich Euch vertrauen, doch Hochwürdigſter, nur unter dem Siegel der Beichte.“ Die Beiden entfernten ſich mit einander, und nach einer kurzen Zeit kam Arnold Hecht wieder, den jungen Bruder Amadens, der ſehr bleich ausſah, mit ſich führend. Amadeus hatte ſeine Kutte wie zu einer weiteren Wanderung geſchürzt, trug auf ſeinem braunen lockigen Haar einen breitkrempigen Hut, der ſein ſchönes kna benhaftes Geſicht faſt verdeckte, und in der Hand einen mächtigen Eſchenſtock. „Geh' mit Gott! und bring' der Unglückſeligen Frieden, wenn's möglich iſt!“ flüſterte Herr Hecht, noch in der Thür des Kloſters, in das Ohr des jungen Men⸗ „Nicht die Mäglichkeit, mein Lieber! Bruder Ama⸗ teten, ſchon Ama⸗ d darf mern, anver⸗ ill ich Hecht, h Euch gel der id nach jungen it ſich eiteren lockigen es kna d einen kkſeligen ht, noch (n Men⸗ 79 ſchen, der mit großen Schritten dem Walde entgegeneilte, in deſſen Schatten er alsbald verſchwand. Als die Glocken der Kloſterkirche zur Vesper läu⸗ teten, befanden ſich di drei Herren vom Danziger Rath. ſchon auf der Rückkehr in die Stadt. Viertes Capitel. Der edle Meiſter Ulrich hatte früh ſein hartes Bett zu Kauernick verlaſſen, und wanderte, begleitet von ſei⸗ nem Caplan Johannes Lindenblatt und ſeinen beiden Companen, den Rittern Sigmund Brendel und Wilhelm von Steinheim, hinaus in das Lager, wo ſeine Solda- ten in einer Aufregung, welche die Nachtruhe nicht be⸗ ſiegt hatte, von den Schandthaten ſprachen, die das Gott vergeſſene Volk des Polenkönigs in der unglücklichen Stadt Gilgenburg verübt. Es war eine Wuth unter den Leuten, die noch ge⸗ ſteigert wurde durch die immer neue Ankunft verwun⸗ deter, verſtümmelter, oft nackter Flüchtlinge aus den drei Städten, welche das polniſche Heer in ſeine Gewalt bekommen, Gilgenburg, Neidenburg und Soldau. Kriegerhaufen, die bei den Wachtfeuern lagerten und ſich ihr einfaches Frühmahl bereiteten, ſprangen auf, wenn der Hochmeiſter mit ſeinem Gefolge ſich ihnen nä⸗ herte, und beſchworen ihn mit eifrigen Worten, ſie dem ſchändl vor der Cruciſi und da können, den die gen, ur Grimm Feinde E demſelb Jungin, deutſche theilung comman der Gra ſtellunge den Bef der“, ſa⸗ „erſt ab genau ie Nuhe g. dies iſt's mit dem Ein Bür es Bett on ſei⸗ beiden Vilhelm Solda⸗ icht be⸗ as Gott lcklichen och ge⸗ erwun⸗ us den Gewalt du. lagerten gen auf, Inen nä⸗ ſie dem 81 ſchändlichen Feinde entgegen zu führen. Andere knieten vor den in der Nähe befindlichen heiligen Bildern und Cruciſixen und leiſteten murmelnd Gelübde, die Schmach und das Elend zu rächen, das ſie nicht hätten verhüten können, und Andere riefen, ſie wollten mit ihren Hän⸗ den die Jungfrauenſchänder, die Menſchenſchinder erwür⸗ gen, und ſelbſt die Anführer flehten den Meiſter an, dem Grimm der Krieger Abfluß zu geben, indem er ſie dem Feinde entgegen führe. Es lag ein ſo ſchnelles Zuſammentreffen mit demſelben nicht eigentlich in dem Plane Ulrich's von Jungingen. Er erwartete noch einige Truppen aus den deutſchen Balleien, ſo wie auch den Zuzug der Ab theilung, welche Michael Küchenmeiſter von Sternberg, commandirte. Doch auch ſein Herz war empört von der Grauſamkeit des Feindes, und ſo lieh er den Vor⸗ ſtellungen ſeiner Compane, welche eifrig in ihn drangen, den Befehl zum⸗Aufbruch zu geben, ein williges Ohr. „Wir wollen ſeh'n, wir wollen ſeh'n, meine Brü⸗ der“, ſagte er, ſich zu Wilhelm von Steinheim wendend, „erſt aber laßt uns noch den Zuſtand unſerer Truppen genau in Augenſchein nehmen, auch möchten wir ihnen Ruhe gönnen ſich durch Speiſe zu ſtärken, und über⸗ dies iſt's nothwendig, daß ich noch Rückſprache nehme mit dem wackeren Withing Gedete, der mit ſeinem Ein Bürgermeiſter. II. 6 82 Häuflein dort am Fuße jenes Hügels unter den drei Linden lagert.“ Dahin ichieten ſich denn auch die Schritte des Hochmeiſters und der ihn begleitenden Ritter, deren Zaul ſich mehrte, je weiter der ſtattliche Zug im Lager vorging. Der Sommerwind, der am Himmel ſilberne ſchimmer nde Wolken zuſ ſammentrieb, wehte oft die Zipfel der weißen Mäntel zurück und zeigte jetzt ſtatt der ſonſtigen oft den Geſetzen des Ordens widerſprechenden luxuriöſen und weichlichen Kleidung die ſtählernen und ſllbs ruen Beinſchienen und die Kettenpanzer, deren feſtes Gewebe freilich gegen die Pfeilſpitze, meiſtens auch ge gen den Schwert ſie wenn er nicht von einer Eiſen⸗ fauſt geführt ward, keineswegs aber gegen die fernhin treffende Kugel der Feuerwaffe ſchützte. Wie ſie ſo dahin ſchritten die hohen Geſtalten, ernſt und ſtill, aber mit dem Ausdruck ruhiger Ent⸗ ſchloſſenheit in den gebräunten Angeſichtern, da konnte man erkennen, daß in dieſer Männerſchaar das edelſte Blut des weiten deutſchen Landes ſtrömte. Franken und Shwaben und Sachſen und die edeln Geſchlechter aus den Marken hatten die Vertreter ihrer langen und ehren⸗ voll bekannten Namen unter den Rittern die, ſobald ſie ihr Gelübde geleiſtet hatten, kein anderes Vaterland, keine hatten Grün wohl Geger ligt und n edler, ſchen als cir deſſen alten ihren heiligt den ü aufgez! den A die O und je Ackerb Kriegsl heiten rei 83 keine andere Heimat, keine andere Verwandtſchaft mehr hatten, als die Ordensverbrüderung. Große Thaten hatte dieſe Verbindung ſeit ihrer Gründung vor Akkon im Jahre des Herrn 1190 ſo⸗ wohl in ihren Kennpfen gegen die Saracenen in jenen Gegenden, deren Boden der Fuß des Erlöſers gehei⸗ ligt hatte, als ſpäter auch im Preußenlande gethan, und nicht blos Thaten des Bluts, ſondern auch echter, edler, chriſtlicher Liebe; Anfangs, als Pfleger der deut⸗ ſchen erkrankten Pilger und Krieger in Aſien und ſpäter als iviliſirende Herrſcher des wilden nördlichen Landes, deſſen Boden durch die Weisheit der Hochmreiſter dem alten Sumpf entriſſen wurde, während die Axt auf ihren Befehl die dichten, den Göttern des Landes ge⸗ heiligten Wälder lichtete. Mit dem Chriſtenthume, das den übrig gebliebenen Ureinwohnern des Preußenlandes aufgezwungen wurde, bekamen ſie aber auch zugleich den Ackerbau und die ganze Cultur ihrer Zeit, indem die Ordensritter deutſche Anſiedler in das Land zogen und jeden Fortſchritt, den die bekehrten Preußen in Ackerbau und Gewerbe, ſo wie auch in der höheren Kriegskunſt machten, durch Landvertheilungen und Frei⸗ heiten und Privilegien mancherlei Art belohnten. Aber der deutſche Ritterorden war nicht mehr das, was der Geiſt ſeiner Stifter gewollt hatte. Aus einer 6* 84 Verbindung demüthiger Chriſten, die ihre erkrankten Brü⸗ der in einem fremden fernen Lande in Liebe pflegen und mit ihrer ganzen Kraft gegen die Unbill der heidniſchen Feinde auf der Wallfahrt nach dem heiligen Grabe be⸗ ſchützen wollte, aus einer Verbindung, die zuerſt ein ar⸗ mer, demüthiger Deutſcher in Jeruſalem ſtiftete, und an welcher erſt ſpäter vor Akkon ſich auch Edelleute an⸗ ſchloſſen, waͤr ein ſtolzer Verein geworden, der das Land Preußen, das er erobert hatte, mit königlicher Macht be⸗ herrſchte. Der Adel des ganzen deutſchen Reiches betrach⸗ tete dieſe Stiftung, die viele ſeiner Mitglieder reich be⸗ ſchenkt und mit Legaten bedacht hatten, als eine Verſor⸗ gungsanſtalt für ſeine jüngeren Söhne. Die demüthigen Krankenpfleger waren jetzt ſtolze Gebieter, deren jeder Einzelne ſich zu der höchſten Würde im Lande, der des Hochmeiſters, berechtigt glauben durfte, während ſeine adelige Geburt ihn ſchon beim Eintritt in den Orden weit über den Bauern und eben ſo weit über den allmälig zu Macht und Anſehen gelangenden Bürger⸗ ſtand erhob. Je mehr aber die Herrſchaft des deutſchen Ordens ſich ausdehnte und gegen äußere Feinde befe⸗ ſtigte, je mehr der eigentliche Krieg, das Handwerk der Ritter, ſich, vom Innern des Landes entfernend, nur zur Vertheidigung oder Vergrößerung ſeiner Grenzen geführt war, deſto mehr erblühte auf dem vom Frieden geſegne⸗ ten aus gere Pre⸗ Ma⸗ den Die leute führt Höfe ſchien trotzi⸗ zelne Stre ment bei de den 9 laſſen Fahne er na und fo ſollen, Grün olze irde cfte, t in liber ger⸗ chen efe⸗ der zur ührt gne⸗ 8⁵ ten Felde der Ackerbau, deſto lebhafter wurden in den ſich ausbreitenden Städten Handel und Gewerbe. Gut macht Muth! Dieſer Spruch hatte ſich bei län⸗ gerer Dauer der Ritterherrſchaft auch an den Bewohnern Preußens bewährt. Die reichen Bauern der geſegneten Marſchen des Landes hingen freilich wie an den Boden, den ſie bebaut, auch an den Herrſchern, die ſie regierten. Die Bürger dagegen, und beſonders jene reichen Kauf⸗ leute, die durch ihr Geſchäft oft in ferne Gegenden ge⸗ führt wurden, ja als Geſandte des Hochmeiſters an den Höfen Englands, Dänemarks und anderer Länder er⸗ ſchienen, ſetzten dem Stolze der Ritter ſehr bald ihren trotzigen Bürgerſtolz entgegen, und der Uebermuth ein⸗ zelner Ritter vereinte ſich mit der im Allgemeinen an Strenge nachlaſſenden Zucht des Ordens, um ein Ele⸗ ment der Gährung im Lande hervorzubringen, das ſich bei der Vorbereitung zum letzten Feldzuge dem ſorgen⸗ den Meiſter Ulrich auf ſehr merkbare Weiſe hatte fühlen laſſen. Der Zuzug, den die Städte des Landes zu den Fahnen des Heeres geſandt, war nur genau ſo groß als er nach den beſtehenden ſchriftlichen Verträgen ſein mußte, und folglich weit geringer als er hätte ſein können und ſollen, denn jene Verträge waren geſchloſſen zur Zeit der Gründung oder Eroberung der Städte durch den Orden; 86 da ſich aber unter der Regierung desſelben die Macht und Kopfzahl aller Städte des Gebiets ſtets um das Doppelte, oft um das Acht⸗und Zehnfache gemehrt hatte, ſo war die Verminderung des guten Willens und der An⸗ hänglichkeit der Städte an den Orden den Augen des Hochmeiſters auf's Deutlichſte dargelegt. Als Ulrich von Jungingen ſich dem Platze näherte, den der Withing Gedete mit ſeinen Leuten einnahm, be⸗ merkte er unter der Zahl derſelben einen rieſigen Mann von ſtolzer Haltung. Auch Herr Johannes Lindenblatt erblickte denſelben, und ein Lächeln flog über ſeine ernſten Züge. „Schaut einmal hin wie Kleider Leute machen, hochedler Meiſter,“ ſagte er,„wahrlich, ſtünde nicht der mächtige, gelbhaarige Wolfshund neben ihm, ich würde in dem ſtattlichen Krieger, der ſich ſo anmuthig auf den Knauf ſeines zweihändigen Schwertes ſtützt, den leibeige⸗ nen Mann Bruno, den Brückenwächter, ſchwerlich wieder erkennen.“ „Er iſt es wirklich, und ſein Hund erkennt mich, ſeht wie er uns freudig und wedelnd entgegen läuft,“ ſagte der Hochmeiſter, und den großen Kopf des ſchönen Thie⸗ res, das bellend an ſeinem weißen Mantel aufſprang, mit der Hand tätſchelnd, ſagte er gutmüthig: „Schau, Toktamiſch! Du vergiſſeſt, da Du mit Der nich lich ten jetzt Ehr dem Mei jetzt erfül pen und unſe und jetzt voll nicht Herz deutſ nahn tren ſieht acht das atte, An⸗ des erte, be dann blatt nſten chen, t der würde f den beige pieder ,ſeht ſagte Thie prang, 1 mit 87 Deinem Herrn vornehm gewordenbiſt, Deine alten Freunde nicht, und das iſt bei Hunden gewöhnlich und verwunder lich nur bei Menſchen.“ Der Withing Gedete, der aus ſeinem Zelte getre ten und dem Zuge der Ritter entgegen geeilt war, ſtand jetzt vor dem Hochmeiſter, ihn und ſeine Begleiter mit Ehrerbietung grüßend. „Nun Gedete, mein lieber Freund,“ ſagte Ulrich, dem Preußen die Hand reichend,„was iſt denn Eure Meinung imdieſer wichtigen Sache, ſollen wir ausrücken jetzt gleich, da der Zorn die Herzen all' unſerer Krieger erfüllt, oder ſollen wir auf den Zuzug unſerer Hilfstrup pen warten. Ihr ſeid der beſte Kenner der Stimmung und des guten oder böſen Willens jenes großen Theiles unſerer Unterthanen, der aus gebornen Preußen beſteht, und daß Ihr es treu mit uns meint, habt Ihr ja auch jetzt wieder von Neuem gezeigt. „Mein edler Fürſt,“ entgegnete Ged te, ſich würde⸗ voll vor dem Hochmeiſter neigend,„ich meine es treu, nicht nur mit Euch, den ich perſönlich und aufrichtigen Herzens liebe, auch nicht nur mit dem Meiſter des deutſchen Ordens, dem ich, als ich mein Vatererbe über nahm, Gehorſam geſchworen, ſondern ich meine es auch tren mit dem Lande meiner Väter. Alles was Preuße iſt ſieht auf den Gedete, als auf einen Abkömmling des 88 edelſten Hauſes des alten Preußens, und ich bin der Letzte meines Stammes.— Muß ich da nicht ſo handeln, daß, wenn man einſt meinen Schild aufhängt über meiner Gruft in der Kirche der Marienburg kein Makel darauf haftet?— Ich weiß aus den Erzählungen meines Va⸗ ters und Großvaters, daß der Theil des preußiſchen Volkes, der ſich der Herrſchaft der Ritter unterwarf und den Segen des Chriſtenthums annahm, ſich wohlbefand und zunahm an Geſchicklichkeit aller Art, an Weisheit und Wohlhabenheit, ja daß ſelbſt Diejenigen, die als Kriegsgefangene in die Hände des Ordens fielen, nicht gequält und gemartert wurden, daß ſie Land erhielten, es zu bebauen und Anleitung, ſich Wohnungen zu ſchaf⸗ fen und Unterricht in den heiligen Lehren des Chriſten⸗ thums und in den Künſten des Leſens und Schreibens. Darum, edler Meiſter, bin ich, obſchon Preuße mit Herz und Seele, doch Euer getreueſter und dankbarſter Unter⸗ than.— Was ich Euch rathen ſoll wegen des Aufbruches zur Schlacht, weiß ich kaum. Das Heer der verbündeten Polen und Lithauer iſt dem unſerigen weit überlegen, Fürſt Withold hat in Eurer Schule als Euer Freund und Bundesgenoſſe den Krieg führen gelernt und dieſer Tartarenhäuptling Toktamiſch iſt ein großer Krieger.“ Bei der Nennung ſeines Namens war der ſchöne große Wolfshund des Bruno gravitätiſch zu dem Wi⸗ Letzte daß, einer arauf Va⸗ ſſchen und defand eisheit ie als nicht jelten, ſchaf⸗ riſten⸗ eibens. t Herz Unter⸗ pruches indeten rlegen, Freund dieſer er. ſchöne m Wi⸗ thing hingetreten und ſtand, mit ſeinem klugen Auge den Blick des Sprechers ſuch end, vor ihm, während dieſer in ſeiner Rede fortfuhr:„Es wäre wohl weiſe, den Zuzug aller Hülfstruppen zu erwarten, müßten wir nicht fürchten, daß dieſe unbeſchäftigt umherſtreifenden Horden den vndeaßn Städten des Maſurenlandes, in dem fie jetzt hauſen, gleiche Unbill zufügten, als den dreien, die ſie bereits ſo ſchrecklich zugerichtet.“ „Wenn wir jetzt gleich kämpfen auf Tod und Leben, ſo thun wir als Männer nicht blos das Möglichſte, die Schmach zu rächen, ſondern auch neue zu verhüten.“ „Das iſt auch meine Meinung, bei der heiligen Jungfrau,“ ſagte Wilhelm von Steinheim und Caplan Johannes Lindenblatt nickte ſchweigend Beifall. Ulrich von Jungingen warf einen fragenden Blick auf die Schaar der um ihn verſammelten Ritter und aus Aller Augen blitzte die volle Zuſtimmung. „Wohlan, meine werthen Brüder,“ ſagte der Meiſter, „ſo laßt uns denn jetzt nun hinaufgehen zu der Stelle, wo unſer„eiſerner Mann“ ſteht, und dem Geſchützmeiſter Wolf den Befehl geben, daß er Sorge trage für die Be⸗ ſpannung des mächtigen Feldſtückes, von deſſen Kraft ich mir große Wirkung verſpreche; auch ſoll er die Befehle zum Aufbruch ſogleich an ſeine Unhrgebenen ertheilen, ————— ———— 90 denn Fußvolk und Reiterei kann in weit kürzerer Zeit fertig werden als das Feldgeſchütz.“ Dann ſich zu dem Manne wendend, deſſen Geſchich ſeit einiger Zeit eine ſo beſonders günſtige Wendung ge⸗ nommen hatte, und der, verſehen mit Harniſch, Beinſchie nen, Helm und Schild, jetzt nicht mehr wie ein Wilder, ſondern wie ein mächtiger und edler Krieger ſeiner Zeit ausſah, ſagte er lächelnd:„Ei, Bruno, mein Sohn! wir freuen uns von ganzem Herzen Dich hier ſo ſchön und ſo ſtattlich zu erblicken, aber ſprich einmal, Mann, wie kommt dieſer Dein Hund zu dem Namen unſeres gewal⸗ tigen Feindes.“ Der frühere Brückenwärter verbeugte ſich vor dem edlen Haupt des Preußenlandes mit einer gewiſſen Schüchternheit, ja ſeine gebräunten Wangen errötheten ſichtlich als er dem Meiſter antwortete: „Edler Herr,“ ſagte er,„und das leichte Stocken ſeiner Stimme ſtand dem Rieſen eigenthümlich wohl, das Euch genau zu ſagen, müßte ich Euch von meiner Kindheit, von dem Verluſte meiner Eltern und vielen an⸗ deren Dingen erzählen, die in meiner eigenen Erinnerung nur wie ein Nebel liegen. Eines nur iſt gewiß, ein Menſch, der dieſen Namen trug, und dem Heereszuge, der mich fortſchleppte, ſeit Tagen folgte, rettete mich vom Ver⸗ ſchmachten, da ich am wilden Wege, ein einſamer ver⸗ laſſe letzte dieſer willſ die 7 ich b Wor Bitte ſe ri Meijf arme beizi Gott ſpru mein rung zum r Zeit zeſchick ng ge⸗ nſchie Vilder, er Zeit i! wir oͤn und n, wie gewal ſor dem gewiſſen roͤtheten (Stocken wohl, meiner elen an⸗ nnerung Menſch, er mich m Ver⸗ ner ver⸗ 91 laſſener Knabe, liegen geblieben war. Es war dies die letzte That der Liebe, die ein Menſch mir erwies, bis dieſer edle Withing Gedete zu mir trat, und mir ſagte, willſt du mein Sohn und Erbe ſein, Bruno? Du trägſt die Züge von Einem, der mir viel Gutes erwies, und ich bin kinderlos und einſam.“ Ulrich von Jungingen's Ange nahm bei dieſen Worten einen eigenthümlichen Ausdruck an. „Die heilige Jungfrau weiß es, daß ich die Bitterkeit der Anklage fühle, die dieſer junge Menſch ſe ruhig ausſpricht,“ ſagte er milde,„aber auch der Meiſter des deutſchen Ordens iſt nur ein einzelner armer Mann, dem der gute Wille, ſeinen Unterthanen beizuſtehen, weder die Allwiſſenheit noch die Allmacht Gottes gibt, der aus der Fülle ſeiner Gnade Allen Gutes thun kann. Warum haſt Du Dich nicht an mich gewen det, Mann, und an die Pflege des Hauſes Marienburg, wenn es Dir an etwas fehlte.“ „Es fehlte mir aber an nichts, hochwürdiger Meiſter, worauf ich, ein armer, mit einem Haufen ſamaitiſcher Geißeln kriegsgeſangener Knabe, hätte An ſpruch machen können.— Ich hatte ein Dach über meinem Haupte, Kleidung, meine Blöße zu decken, Nah rung ſo viel ich bedurfte meinen Hunger zu ſtillen und zum Gefährten dieſen Hund, der mich liebte; auch kam 92 bisweilen Ralph, Euer brauner Diener, den ſie des Meiſters Narren nennen, und ſprach mit mir, auch die Leute thaten das, welche den Brückenzoll entrichteten. Wenn ich mehr verlangte, ſo war das meine Thorheit, denn unter den ſamaitiſchen Geißeln waren viele Kinder großer Fürſten und Bojaren, die wie ich Knechtsdienſte leiſten mußten und wie Leibeigene gehalten wurden und nicht einmal des Leibes Nahrung und Nothdurft hatten.“ Der Meiſter warf einen trüben Blick auf die um ihn herſtehenden Ritter. Dieſes iſt wahr, meine Brüder, und wird uns vor dem Throne Gottes anklagen. O die Samaiter ſind nicht ritterlich behandelt worden, und ſie vertrauten doch unſerer Ritterehre, da ſie uns ihre Kinder und jungen Brüder als Geißeln übergaben. Freilich iſt das Elend der ſamaitiſchen Geißeln nur ein Vorwand für dieſen Wladislav und ſeinen falſchen Vetter Withold, uns mit Krieg zu überziehen, aber daß ſie die⸗ ſen Vorwand haben iſt ein Fleck in unſerem ritter⸗ lichen Wappenſchilde, und wenn uns Gott das Leben ſchenkt, ſo wollen wir das Mögliche thun, dieſer armen Leute Noth und Jammer zu lindern, nicht blos um un⸗ ſerer Ritterehre willen, ſondern aus fürſtlicher Gerech⸗ tigkeit und chriſtlicher Milde. Behüte Euch Gott, mein edler Gedete, und Ihr, Bruno, macht Euch des Glückes das E dankba brüder in Ma auf ſeit 2 lich al— grauha bei der Weite U handſch laut da ausſpr 5 ohne zu als Err Fluch, „„4 Alter“, Manne mit ein heut’ A Deinen ie des uch die hteten. orheit, Kinder dienſte en und thdurft die um Zrüder, O die nund ſie 8 ihre rgaben. nur ein Vetter ſie die⸗ ritter⸗ Leben armen im un⸗ Gerech⸗ t, mein Hlückes 93 das Euch zu Theil geworden, durch Tapferkeit und ein dankbares Herz würdig.“ Der Meiſter entfernte ſich und der Zug der Ritter⸗ brüder folgte ihm nach, bis zu der Stelle, wo jenes große in Marienburg gegoſſene Geſchütz, der„eiſerne Mann,“ auf ſeiner Lavette lag. Dieſe zur Zeit für eben ſo wirkungsreich und künſt⸗ lich als koſtbar gehaltene Waffe war das Werk eines grauhaarigen Mannes, der, auf das lange Rohr gelehnt, bei der Annäherung des Meiſters gedankenvoll in die Weite ſchaute. Ulrich von Jungingen lehnte ſeine Hand mit Stahl⸗ handſchuh auf die Schulter des Träumers, indem er ſehr laut das gebräuchliche:„Gelobt ſei Jeſus Chriſtus!“ ausſprach. Der Geſchützmeiſter Heinrich Wolf wendete ſich, ohne zu erſchrecken, langſam um, doch das Wort, das er als Erwiderung des Grußes murmelte, klang wie ein Fluch, nicht wie:„In Ewigkeit Amen.“ „Rüſte Dich mit Deinen Leuten zum Aufbruch, Alter“, ſagte der Meiſter, auf die finſtere Laune des Mannes nicht im mindeſten achtend,„wir müſſen Alle mit einander, den„eiſernen Mann“ mit eingerechnet, heut' Abend noch in Löbau ſein.— Du Wolf mit Deinen Geſchützen ſollſt Pferde und Menſchen einige ——— —p 94 Stunden in der Burg Brathe anraſten laſſen und auch von dort ſollt Ihr zwei der größeren Geſchütze mit⸗ nehmen. Dieſe eiſernen Männer, die ihre Stimmen ſo laut im Krieg und Streit ertönen laſſen, ſind das Ein⸗ zige, worin wir dem mächtigen Feinde überlegen.“ „Rechnet Ihr unſere gute Sache, rechnet Ihr die Disciplin für nichts, edler Meiſter?“ fragte Johannes Lindenblatt. „Ohne ſie, mein werther Freund, wäre der Krieg gegen eine ſolche Ueberzahl eine Unmöglichkeit,“ ent⸗ gegnete der Hochmeiſter ernſt,„mit Ihnen hoffe ich unter dem Schutze Gottes und dem Beiſtande St. Georg's und der gebenedeiten Jungfrau dieſen Polen, Lithauern und Tartaren den Weg in ihre Heimat zu zeigen ehe der Mond voll wird.— Geſchützmeiſter Wolf, rüſtet Eure Stücke auf's Beſte, und Ihr, meine theuren Brüder, thut Jeder was Eures Amtes iſt, den Aufbruch Eurer Fähnlein zu ordnen und zu ſondern, wir werden auf dem freiem Platze dort bei den Linden noch der heiligen Meſſe beiwohnen, die der würdige Prieſter, Bruder Johannes Lindenblatt zur Zeit der Sexte conſecriren wird, und eine Stunde darauf bricht das Heer auf, damit wir heute Abend noch Löbau erreichen.“ Die um den Hochmeiſter verſammelten Ritter Augen ſich ö welche Orden terten rich vo⸗ theil al meiſter der alte ſeine G rienbur und ſei den ſtet D in das Meiſter eingerich Ritter weiht D kunſt, tragen k auch mit ien ſo Ein hr die annes Krieg ent⸗ ffe ich e. St. Polen, at zu neiſter meine es iſt, nd zu prt bei len, die enblatt Stunde Abend Ritter 95 zerſtreuten ſich jetzt nach verſchiedenen Punkten, wo ihre Fähnlein lagerten, er ſelbſt aber blieb noch einige Augenblicke neben dem Geſchützmeiſter Wolf und ließ ſich von dieſem die ungeheuren Steinkugeln zeigen, welche der„eiſerne Mann,“ das größte Geſchütz, das der Orden beſaß, in die Schaaren der Feinde ſchleudern ſollte. Die finſteren Züge des bejahrten Untergebenen hei terten ſich nicht auf bei den freundlichen Worten, die Ul⸗ rich von Junginge zu ihm ſprach. Es ſchien im Gegen⸗ theil als ob ſie finſterer und finſterer würden. Der Hoch meiſter aber achtete nicht darauf, ihm war bekannt, daß der alte Mann, ein Halbbruder des Ordens und durch ſeine Geburt dem höheren Bürgerſtande der Stadt Ma rienburg angehörend, ſchweres Familienleid erlebt hatte, und ſein großes und gutes Herz fühlte Mitleiden mit den ſtets fortblutenden Wunden des Armen. Der Caplan Johannes Lindeablatt war unterdeſſen in das Zimmer zu Kauernick gegangen, das, neben des Meiſters Schlafgemach gelegen und zu einer Capelle eingerichtet, den tragbaren Altar enthielt, welchen die Ritter mit Erlaubniß des Papſtes und von dieſem ge⸗ weiht auf ihren Kriegszügen mit ſich führten. Dieſer Altar, ein Meiſterwerk der Goldſchmiede kunſt, war ſo klein, daß ihn ein Mann in den Händen rragen konnte, aber das feine Gitterwerk, hinter dem ſich —— 96 die Geſtalten der Dreieinigkeit befanden, war wie dieſe ſelbſt von reinem Golde und ſchon durch die wunderbare Arbeit von ungeheurem Werthe. Während Johannes Lindenblatt in der Kapelle be⸗ ſchäftigt war Alles zur Meſſe auf freiem Felde vorzu⸗ bereiten, ging Ralph, der arabiſche Leibdiener des Hoch⸗ meiſters, geſchäftig in den Zimmern von Kauernick hin und her, das wenige Gepäck ſeines Herrn zu rüſten. Es war, wie es die Ordensregel gebot, nur das Allernoth⸗ wendigſte, was der Ritter mitnahm, wenn er gegen den Feind zog. Ein wenig Wäſche zum Wechſeln, ein einfaches Barchentwams und die ſeltſam geſtaltete Mütze, Mortier genannt, welche den Helm erſetzen ſollte, wenn dieſer nicht für nothwendig erachtet wurde. Ulrich von Jungingen, ſonſt ein prachtliebender Mann, war viel zu ſehr Heerführer, als daß er nicht die Weisheit begriffen hätte, die in den Ordensregeln lag, wenn es galt tüchtige Krieger zu bilden, auch wußte er ſehr wohl, daß der Geſetzvollſtrecker am beſten und ſicherſten durch gutes Beiſpiel wirkt.— So war denn er, der es als Hochmeiſter des deutſchen Herren⸗Ordens und Regent des ſchönen und geſegneten Preußenlandes ſo wohl verſtand fürſtlichen Glanz zu zeigen, im Felde der Einfachſte der Krieger. Sein Mahl ſo gering, ſein Bett ſo hart, ſeine Kleidung ſo ſchlicht wie es die ſtrengſte Ord daß rung Erm wohn kenſae im Pr bei de weſen men, auft; Luftz! Clim faches ortier dieſer regeln wußte Ordensregel gebot, während er mit Eifer darüber wachte, daß auch dem geringſten Söldner die möglichſt beſte Nah⸗ rung und Pflege zu Theil wurde, damit nicht Hunger und Ermüdung die Kraft ſeiner Mannen verringere. Ehe er ſich hinaus begab, dem Gottesdienſte beizu⸗ wohnen, ging er noch hinab in die Firmarie, den Kran⸗ kenſaal des Ordenshauſes zu Kauernick. Die Einrichtung desſelben war die aller übrigen im Preußenlande, wich jedoch ein wenig von der ab, welche bei der Stiftung des Ordens im Orient nothwendig ge⸗ weſen. Dort hatte man beſonders darauf Bedacht genom⸗ men, den armen Kranken Schatten, Kühle und friſchen Luftzug zu verſchaffen, während in Preußen das rauhe Clima Schutz vor der Witterung zur erſten Bedingniß machte. So war denn auch in Kauernick die Firmarie ſo ge⸗ legen, daß die Strahlen der Morgenſonne in der Früh⸗ ſtunde die Kranken beſuchen konnten, während durch lei nerne Gardinen dafür geſorgt war, daß ſie in den heißen Sommermonaten auch ausgeſchloſſen werden konnten. Den Ordensgeſetzen gemäß befand ſich kein Ofen noch Kamin in dem Privatzimmer eines Ritters, die gro⸗ ßen Conventſäle aber, die Firmarien, die Remter, wo die Ritter gemeinſam ſpeiſten und ſich in heiteren Ge⸗ ſprächen und erlaubten Spielen vergnügten, ſo wie auch Ein Bürgermeiſter. II 7 98 die Privatwohnung des Hochmeiſters und der Comthure wurden durch Röhren erwärmt, die aus einer in den Kel⸗ lerräumen beſindlichen Heizung heiße Luft in alle jene Räume fuhrten. Jetzt ziemlich in der Mitte des Juli⸗Monats und aneinem ſchwülen, aber bewölkten Morgen waren die Fen⸗ ſter der Firmarie geöffnet und die Gardinen zuge⸗ zogen. In dem ſchön gewölbten Saale waren nicht blos die zwölf dort ſtets befindlichen Betten mit Kranken ge⸗ füllt, ſondern man hatte Alles, was an Bettwerk aufzu⸗ ſtellen möglich geweſen, hier zuſammen getragen und auf jedem Lager befand ſich ein Leidender, meiſtens Flüchtige aus Gilgenburg, Soldau und Neidenburg. Der Bruder Spittler aus Kauernick, ein noch junger Mann, Herr Hans von Dohna, hatte, wie es ſeines Am⸗ tes war, die Nacht hier zugebracht und ſtand jetzt mit geſchurztem Mantel neben dem großen, mit einer Stein⸗ platte verſehenen Tiſch beſchäftigt, Pflaſter zu ſchmieren für die ſeufzenden Verwundeten, während zwei faſt noch knabenhafte Jünglinge, Aſpiranten der Ritterwürde und im Orden ſelbſt die Jungen genannt, an einem anderen Tiſche unter Anleitung eines Greiſes, der noch überdies durch einen Stelzfuß ſeit vielen Jahren kampfunfähig war, nenze der e mit d in ihr Bette liches meiſte ſtorbe der 2 chern, ſtern ſchiede widm ler S Brude würde von de I Brude Deine 1 ſo wol omthure een Kel llle jene ats und die Fen⸗ u zuge⸗ cht blos nken ge⸗ k aufzu⸗ und auf Flüchtige ch junger ines Am⸗ jetzt mit Stein⸗ chmieren faſt noch kürde und anderen überdies funfähig 99 war, des würdigen Bruders Kurt von Oſten, das Lei⸗ nenzeug zu den neuen Verbänden herrichteten. „Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! meine Brüder,“ ſagte der eintretende Hochmeiſter, Alle erwiderten ſeinen Gruß mit demüblichen:„In Ewigkeit Amen!“ und fuhren dann in ihrem Werke der Liebe fort, während Ulrich, von einem Bette zum andern gehend, jedem der Kranken ein freund⸗ liches tröſtendes Wort ſagte.— Wernecke, der Maurer⸗ meiſter aus Gilgenburg, war vor wenigen Minuten ge⸗ ſtorben, ſeine Schweſter weinte an der Leiche und als der Meiſter ſich zu ihr wendete, ihr ſeinen Schutz zuzuſi⸗ chern, bat ſie mit Faſſung unter die Zahl der Halbſchwe⸗ ſtern des Ordens aufgenommen zu werden, welche, in ver⸗ ſchiedenen Conventen vertheilt, ihr Leben der Krankenpflege widmeten. Ulrich ſagte ihr das zu, und beauftragte den Spitt⸗ ler Sorge zu tragen, daß ſie nach der Beerdigung ihres Bruders nach dem Convent, den ſie ſich ſelbſt wählen würde, gebracht werde, und trat dann zu dem alten Kurt von der Oſten, dem er herzlich die Hand ſchüttelte. „Du biſt noch ſo wohl auf und thätig, mein lieber Bruder Oſten,“ ſagte Ulrich voll Freundlichkeit,„daß man Deinem Dienſte Deine 80 Jahre nicht ankennt.“ „Ja Herr!“ entgegnete der Greis heiter,„ich bin ſo wohl auf, daß ich mir getraue den Dienſt in dieſem 7* —— 100 Spital mit Hülfe von drei bis vier Halbbrüdern aus dem Bürgerſtande des Oertchens, die gern dazu bereit ſind, allein zu verrichten.— Nehmt daher, ich bitt⸗ Euch, den Bruder Spittler, der ſich ſehr darnach ſehnt, und dieſe tüchtigen Jungen mit Euch gegen die Heiden, die in hellen Haufen heranziehen. Das junge Blut unter uns ſoll Wunden ſchlagen, die Alten ſind gut genug ſie zu verbinden.“ „Es hat mich immer gedäucht,“ ſagte Ulrich von Jungingen mit Milde,„daß der Theil unſeres Gelübdes, der uns verpflichtet, die Kranken zu pflegen, uns dem heiligſten Erlöſer ähnlicher macht als der Kampf mit dem Schwerte.“ „Sei es indeß ſo wie Du, mein wackerer Bruder von Oſten es wünſcheſt, übernimm Du das Amt des Spittlers, und laß was Waffen tragen kann ſich dem Heerbanne anſchließen. Unſer Bruder Tann, der Pferde⸗ meiſter aus der Marienburg, wird Sorge tragen, die Jungen, welche noch kein Pferd zu ihrem ſteten Gebrauch haben, gut beritten zu machen, mögen ſie in dieſem ge⸗ rechten Kampfe ſich die Sporen erwerben!“ „Der Herr ſei mit Dir, mein Bruder Oſten.“ „Euch, Cameraden, hoffe ich Alle im Heereszug zu ſehen.“ auch geben Mefß Spit in de beritt blitzte den C golde als 2 wärts die er den ſchnes gethau ſchwa terſchi Abzei kreuz, nen L der lin s dem ſind, „ den „ und u, die unter ſie zu h von lübdes, us dem pf mit Bruder unt des ich dem Pferde⸗ en, die ebrauch ſſem ge⸗ 44 n. kereszug Er ging, und wenige Minuten nach ihm verließen auch die, welchen ſo ſchnell eine andere Beſtimmung ge⸗ geden worden war, den Saal, und als nach vollendetem Meßopfer das Heer ſich zum Abzuge ordnete, ſtand der Spittler von Dohna und jene beiden Aſpiranten ſchon in den Reihen desſelben in voller Waffenrüſtung, wohl beritten und mit Augen in denen die Kampfesfreudigkeit blitzte. Die letzte Hymne, welche die Ritter, geſchaart um den Steinhaufen, auf dem Johannes Lindenblatt den goldenen Feldaltar aufgerichtet, ſangen, war verklungen, als Alles ſich auf des Meiſters weit ſchallendes: Vor⸗ wärts unter dem Schutze Gottes und St. Georg's um die entfalteten und in der warmen Sommerluft flattern⸗ den Banner ſammelte. Voraus ritt der edle Meiſter Ulrich auf ſeinem ſchneeweißen Roſſe mit roſig ſchimmernden Hufen, an⸗ gethan mit dem weißen Mantel, den das einfache ſchwarze Kreuz in nichts von dem geringſten Bruder un⸗ terſchied, als eben ſeine fürſtliche Haltung; denn das Abzeichen ſeiner hohen Würde, das ſchwarze Meiſter⸗ kreuz, auf welchem ein kleineres goldenes in vier golde⸗ nen Lilien auslief, trug er, vom Mantel verdeckt, auf der linken Bruſtſeite ſeines ſchwarzen Waffenrockes, und 10² kaum konnte man es durch die dichten Maſchen des Panzerhemdes ſchimmern ſehen, wenn der Wind den Mantel lüftete. Ihm zur Rechten und Linken ritten ſeine beiden Compane Sigmund Brendel und Wilhelm von Stein⸗ heim, welch' Letzterer das große Ordensbanner trug. Das hochmeiſterliche Kreuz, Schwarz und Gold, in der Mitte ein goldener Schild mit dem ſchwarzen Ad⸗ ler, befand ſich auf dieſem, und ihm folgten in großer Schaar die ausgezeichnetſten Ritter, ſo wie das ganze Hofgeſinde des Meiſters; auch der Preuße Gedete und ſein auserleſenes Häuflein war darunter. In der letzten Reihe der blonden ſtattlichen Altpreußen ritt der ſchlanke Leibdiener Ralph, ein Handpferd des Meiſters mit deſſen wenigem Gepäcke mit ſich führend. Dem kleineren hochmeiſterlichen Banner folgten viele Landesedle mit ihren Leuten, auch die Soldritter aus Deutſchland und ihr Gefolge. Unter dem Banner des Ordensmarſchalls mit dem ſchwarzen Kreuze ritten die Franken, da der Marſchall ſelbſt ein Franke war, und unter dem des Herzogs Con⸗ rad von Oels mit dem ſchwarzen Adler, die Schleſier, ſeine eigene Schaar. Kreu⸗ von( ſten 9 ſchwa⸗ Nicole des, z den de Ohein — 4 2 ner der paniere nen be dem Z 1410, vielen hingen nieder. A dem Ze pfesluſt rächen, n des bden eeden Stein⸗ g. Gold, en Ad⸗ großer ganze 2 und letzten hlanke deſſen olgten dritter it dem grſchall s Con⸗ hleſier, 103 Das Panier des heiligen Georg's mit dem weißen Kreuze im rothen Felde trug der tapfere Ritter Georg von Gersdorf, ihm folgten die berühmteſten und wacker ſten Ritter aus allen deutſchen Landen. Das nächſte Banner, weiß und roth geflammt, mit ſchwarzem Kreuz, war das culmiſche, und ſein Träger Nicolaus von Renys, das Haupt des Eidechſenbun⸗ des, zu welchem auch der Jüngere von Plauen gehörte, den der ſtreng ausgeſprochene Wille Ulrich's an ſeines Oheims Seite in Schwetz feſthielt. Die Heerfahnen der einzelnen Comthure, die Ban⸗ ner der Bisthümer, die Feldzeichen der Städte, die Feld⸗ paniere der gedungenen Söldnerhaufen, jedes mit ſei⸗ nen beſonderen Farben und Zeichen, reihten ſich nun dem Zuge an, der unter Trompetengeſchmetter aufbrach. Es war ein heißer und ſchwüler Tag, der 14. Juli 1410, und nur ſelten erhob ſich ein Windhauch, der die vielen Banner zum luftigen Flattern brachte, meiſtens hingen dieſelben ſchwer an den gewichtigen Standarten nieder. Aber ſelbſt die drückende Hitze konnte dem von wil⸗ dem Zorn entflammten Heere nichts von ſeiner Kam⸗ pfesluſt rauben. Eine tiefe Sehnſucht, die Schmach zu rächen, welche der übermüthige Feind den Städten Gil⸗ ——-———õ 104 genburg, Neidenburg und Soldau angethan, lag in je⸗ dem Herzen, und ſo führte der Meiſter ſeine wackere Schaar noch an dieſem Tage über Löbau, ja bis über das Dorf Marbach hinaus nach Swögenau, wo man in ſpäter Abendſtunde das Lager aufſchlug. äſche da U verli des des d weite und buſch Sta punk ben; welch Wei lage dem in je⸗ ackere über man Fünſtes Capitel. Kaum tauſend Schritte entfernt von der einge⸗ äſcherten Stadt Gilgenburg befand ſich an dem Tage, da Ulrich von Jungingen mit ſeinem Herrn Kauernick verließ, das Lager des Polenkönigs Wladislav Jagello, des erbittertſten Feindes der Deutſchen und beſonders des deutſchen Ritterordens. Es bedeckte mit ſeinen Zelten und Erdhütten eine weite Strecke Land und das Zelt des Königs von roth und weißer Seide, geſchmückt mit einem wehenden Feder⸗ buſch, aus dem ſich der ſchlanke Schaft der polniſchen Standarte noch hoch in die Luft erhob, war der Mittel⸗ punkt desſelben. 1 Im Lager herrſchte ein wildes und luſtiges Trei⸗ ben; an vielen Orten waren Buden aufgeſchlagen, in welchen Weiber von frechem Ausſehen Meth, Bier und Wein aus Böhmen und Ungarn feilboten, anderwärts lagen Soldatenhaufen, Würfel ſpielend und trinkend auf dem zerſtampften Boden. Ueberall ſah man Weiber in 106 grell rothen oder blauen Röcken, mit bunten Miedern und geſchmückt mit allerlei glänzenden Behängen ſich unter die Soldaten miſchen, mit ihnen lachen und trinken und ihnen von der Beute, die ſie in den zerſtörten Städ⸗ ten geraubt, abſchwatzten was nur irgend bunt und glän⸗ zend ausſah. Die Tartaren, kleine breitſchultrige Geſellen, mit Stülpnaſen und ſchräg ſtehenden Augen, lagerten mit ab von den Polen. Ihre zottigen Pferde mit dem wilden falſchen Blick waren an Pflöcke gebunden, und fraßen das verkohlte Getreide, das man in Gilgenburg unter den Trümmern der Gebäude vorfand. Die Männer ſahen faſt eben ſo rauh und zottig aus als ihre Pferde, denn ihre Kleidung beſtand theils aus Jacken von Schaffell, theils aus Mänteln von demfelben groben Filz, womit ihre Zelte gedeckt waren. Selbſt der Putz ihres Heerfüh⸗ rers, des kriegeriſchen Toktamiſch, unterſchied ſich von dem der Anderen nur durch eine Schärpe von Purpur, die er über die Schulter geworfen, und durch die Reiher⸗ feder, die er an ſeiner rohen Filzkappe mit einem funkeln⸗ den Rubin angeheftet trug. Er ſtand vor dem Eingang ſeines ſchwarzen Filz⸗ zeltes, der krumme Säbel hing in einer Scheide, die reich mit Edelſteinen beſetzt war, an ſeiner Seite nieder und Perlen von hohem Werthe ſchmückten ſein ledernes Wehrgehänge. offenb großer er läch regeln ſein ſe Geſich für ei unſcher mehr l Züge dern d gewiſſe hatte. ſicherli dämon und du gen Li ſchung dern ſich nken täd⸗ glän⸗ llen, mit ilden das rden ahen denn affell, vomit rfüh⸗ h von rpur, eiher⸗ nkeln⸗ , die nieder ernes 107 Neben ihm ſtand eine ſel ljeme Geſtalt, ein kleiner offenbar etwas verkrüppelter Mann, deſſen auffallend großer Kopf zwiſchen unförmlich breiten Schultern ſaß. Erblickte man dieſen Mann von hinten, ſo erſchien er läck cherlich durch den koſtbaren Anzug, der auf ſo un⸗ regelmäßigem Körper ſicherlich nicht am rechten Orte zu ſein ſchien, wandte er ſich aber und man ſah ihm in das Geſicht, ſo ſchien der Schmuck eines Königs wohl paſſend für ein ſo edles Antlitz, und faſt war es nun als ob die unſcheinbare Geſtalt die Schönheit des Angeſichts noch mehr hervorhöbe. Es war nicht die Regel mäßigkeit und Reinheit der Züge was dies Geſicht ſo ungemein aus zeichnete, ſon dern der Ausdruck hoher Willenskraft, gepaart mit einer gewiſſen Weichheit, die doch nichts Weichliches an ſich hatte.— Wer dieſen Mann einmal ſah, vergaß ihn ſicherlich nie wieder. Man hätte dieſs ganze Eiſcheinung dämoniſch nennen können, und ſelbſt der verwachſene Körper trug dazu bei, ſie zu etwas Anßerordentlichen zu machen. „Sind Euere Kundſchaſter heimgekehrt, werther Bundesgenoſſe?“ fragte er und ſeine mandelförmigen und dunkelbraunen Augen blickten ſo feſt auf die wulſti⸗ gen Lippen des Tartaren, als wollten ſie jede Verfäl ſchung der Wahrheit ſogleich erkennen. 108 „Noch nicht, Herr,“ entgegnete dieſer,„aber die Mäuſe regen ſich in ihren Löchern, ich ſage es Euch, Zindram, in Kurzem werden wir ſie pfeifen hören.“ „Ihr ſprecht ſehr geringſchätzend von einem Feinde, deſſen Macht Ihr noch nicht erprobt habt, edler Tokta⸗ miſch, glaubt aber mir, der ich dieſen Weißmäntlern ſchon oft im Kampfe gegenüberſtand, ſie ſind tüchtige Krieger und verſtehen gerade das in der Kriegskunſt was uns fehlt, ſie verſtehen ihr Heer an Gehorſam und rechte Mannszucht zu gewöhnen.“ „Das ſoll wohl, Meiſter Zindram, ein Stich für mich ſein,“ meinte der Tartarenhäuptling lachend,„aber es triſſt mich nicht. Ihr nehmt den Krieg anders als ich und Jeder von uns hat in ſeiner Weiſe recht. Ihr betrach⸗ tet das Ganze hier wie eine Art Würfelſpiel, wo es ſich darum handelt, den Gegner mit aller Klugheit und Artig⸗ keit zu beſiegen, keine Spielregel zu verletzen, um zierlich und höflich hernach ſagen zu können: Ich habe ge⸗ wonnen, mein werther Herr, und ziehe nun den Preis, um welchen wir ſpielten, mit allem Fug und Rechte ein. Mit mir iſt das etwas Anderes. Ich kämpfe mit meinen Tartaren nicht um den Beſitz dieſes Landes.— Was wäre der uns werth, da wir das Feld nicht bauen und uns in Eueren feſten Städten als Gefangene fühlen würden!— Wir kämpfen aus Luſt am Kampfe und zie⸗ Oſte geſch Daſ Auge heim dram chen berüh gend über währ men 7 die kuch, inde, okta⸗ ſchon ieger uns rechte für „aber ls ich trach⸗ s ſich rtig⸗ erlich ſe ge⸗ Preis, e ein. einen Was n und ühlen d zie⸗ 109 hen mit unſeren Pferden und unſeren Filzzelten weiter, wie der Bergſtrom weiter zieht, Alles mit ſich reißend, was ihm in den Weg kommt. Es iſt unſere Sendung, dies ſtolze Land zu demüthigen. Allah iſt Gott, und un⸗ ſere Schwerter ſind ſeine Diener. Einſt kämpften dieſe Chriſten gegen den Halbmond im Oſten, ſie kämpften um den Beſitz eines leeren Grabes, die, welche heimkehr ten, brachten die Weisheit und Wiſſenſchaft des Orients in ihre Heimat. Jetzt ſucht, von uäere krummen Sä⸗ beln getragen, der Halbmond das Chriſtenthum hier im Oſten auf, macht, daß wir heimkehren müſſen wie Ihr, geſchlagen zwar, aber bereichert durch Weisheit— halt! Da ſchaut um Euch, edler Zindram, wenn mich mein Auge nicht täuſcht, ſo kehren dort meine Kundſchafter heim und bringen uns Nachricht von dem Feinde.“ In der That zeigten ſich dem ſcharfen Auge Zin⸗ dram's zwei tartariſche Reiter, deren kleine zottige Pferd chen in ihrer Eil fuſ den Erdboden mit ihrem Bauche berührten. Wenige Schritte vor des Häuptlings Zelt abſprin gend, warfen die Reiter den T hieren die Zügel über und überließen ſie ohne Anſtand dem eigenen ſichern Inſtinkte, während ſie ſelbſt, ſich mit über der Bruſt gekreuzten Ar men verbe ugend, ihren Bericht an Toktamiſch abſtatteten. „Das Heer des Hochmeiſters nähert ſich in Eile; zu 110 Anfang des Marſches war der Befehl gegeben, daß in der Stadt Löbau Abends Halt gemacht werden ſollte, aber das iſt abgeände ert, und erſt bei Frögenau werden dieſe Deu lſchen ſich zur Nacht lagern,“ ſagte der T Tartaren⸗ anführer, den Beric cht ſeiner Kundſchafter dem polniſchen Feldherrn in ſeine Sprache überſetzend. „So wird es denn Ernſt werden mit dem Kampfe,“ entgegnete Zindram, und ſein Auge blitzte;„wenn der Sieg unſere S Schwerter begünſtigt, ſo iſt in einem Jahre, ja früher, dies Preußenland wieder Eigenthum ſeines rechten Herrn, des Erben von Pommerellen, der auch König von Polen iſt, und die deutſche Sprache ſoll in zwanzig Jahren nicht mehr gehört werden von den Ufern des Niemen bis zu denen der Elbe, wo die letzten Abkömm⸗ linge ſlaviſchen Stammes hauſen. Lebt wohl, edler Tok⸗ tamiſch, ich eile, dem Könige die Nachricht zu bringen, damit auch er den Befehl zum Aufbruche gibt.“ Er warf ſich auf ſe ein Pferd, das ein polniſcher Lan⸗ zenknecht bis dahin gehalten, und ſprengte im Nu nach dem Zelte Wladislav's, hinter deſſen ſeidenen Wänden di unſcheinbare Geſtalt al bald verſchwand. Das Zelt des Polenkönigs enthielt alle Gegenſtände des Luxus ſeiner Zeit, ſogar einen aus Nußbaumholz in feinſter Arbeit geſchnitzten Betſtuhl, und Wladislav Ja⸗ gello, der Stammvater einer Reihe von Königen des Po⸗ lent nes Spe ſicht Erbi ſtoch grau um nete nie b daß aus Wlad unden tend komn disla ſchen mer Schö ein kö kau, denn in ſollte, erden aren iſchen pfe,“ in der Jahre, ſeines r auch ſoll in on des kömm⸗ r Tok⸗ ringen, er Lan⸗ u nach en die iſtände holz in dav Ja⸗ s Po⸗ lenvolkes, ſaß in der reichen und maleriſe chen Tracht ſei nes Volkes auf einem koſtbe aren, mit reicher Vergoldung ig verziertem Stuhl vor einem Tiſch, auf welchem Wein und Speiſen ſtanden; noch in ſeinem Alter in Geſtaltund Ang ge ſichtdie Spuren der Schönheit zeigend, die ei nſt das Herz der Erbin des Polenlandes, der jungen Königin Hedwiga t be ſtochen hatte.— Sein braunes Haar, ſchon reichlich mit grau gemiſcht, ringelte ſich noch immer voll und weich um eine nicht hohe, aber breite Stirn, ſeine fein gezeich nete Naſe, mit der Stirn genau in einer ſenkrechten L Li nie bis zu ihrer Spitze verlaufend, beſtätigte die Sage, daß die edeln Geſchlechter Lithauens, vor Allem aber das, aus welchem Gedemin, der ſtolze Großherzog, der Ahn Wladislav's und ſeines Vetters Withold entſproſſen, vor undenklichen Zeiten aus dem fernen Griechenland flüch tend vor römiſchen Eroberern, in das nordiſche Land ge kommen, das ſie jetzt beherrſchten.— Das Profil Wla dislav Jagello s war das der delſten en Natur des griechi ſchen Alterthums und ſeine feinen Lippen, ſeine noch im mer ſchönen, blendend weißen Zähne vermehrten noch die Schönh eit eines Angeſichtes, das man mit Fug und Recht ein königliches nennen könnte. Zindram, ſein Feldherr, Schwertträger von Kra kau, gehörte auch zu den Verwandten des Polenkönigs, denn auch er war ein Nachkomme Gedemin's, der Enkel ————— —— einer Tochter des berühmten Großh thauiſche Reich von den Ufern des Niemens bis zu denen des Don ausbreitete, und die Familienähnlichkeit zwiſchen Beiden unverkennbar, doch hatte das ältere Geſicht Wla⸗ dislav's nicht den Ausdruck hoher Kraft und Klugheit, welcher die Züge des Schwertträgers von Krakau adelte. Der Polenkönig hatte einen ſchlauen und ſcheuen Blick und um ſeinen Mund zuckte etwas, zu dem man nicht wohl Vertrauen faſſen konnte. „Was für Nachricht vom Heere Ulrich's,“ fragte Wladislav den Eintretenden, bevor dieſer noch ſein Knie vor ihm gebeugt hatte, und während Zindram den Bericht der tartariſchen Kundſchafter wiederholte, ſagte Wladis⸗ lav eifrig: „Wohlan! ſo gebt auch unſern Truppen ſogleich Befehl zum Aufbruch, wir wollen uns jenſeits der Ma⸗ ranſa am Luwen⸗See lagern, dort iſt das Terrain der Entfaltung unſerer Streitkräfte günſtig, und Gott und die heilige Jungfrau werden uns beiſtehen im Kampfe gegen dieſe falſchen deutſchen Schufte.“ Die Worte des Polenkönigs waren unſicher und aufgeregt, ſeine Augen hatten einen unruhigen Blick und als der Schwertträger von Krakau das Zelt verließ um den Befehl zum Aufbruch zu geben, ging er haſtig zwi⸗ ßherzogs, der das li⸗ ſchen rend theile Litha legt. Punkt tern l der K Tran⸗ ten A rerinn und n und L ten, P und ſe und N Töne G töſe, 1 Brülle nern d thende Menſch Ein B das li⸗ denen viſchen t Wla⸗ lugheit, Krakau ſcheuen m man „ fragte in Knie Bericht Wladis⸗ ſogleich der Ma⸗ rrain der Hott und Kampfe cher und Blick und trließ um laſtig zwi⸗ ſchen den ſeidenen Wänd 3 auf und ab, zuſammenfah⸗ rend bei jedem Signal, das die verſchiedenen Truppen theile zu ihren Sannmelpläten rief. Regeſtes Leben erfüllte jetzt die Lager der Polen, Lithauer und Tartaren. Zelte wurden abgebrochen und Pa ckpferden aufge legt. Reiterſchaaren ſammelten ſich auf verſchiedenen Punkten, Fußvolk, mit Luntenflinten und langen Schwer tern bewaffnet, auf andern. Die großen Kanonen, welche der König von Polen in's Feld führte, wurden zum Transporte hergerichtet. Die Weiber in ihren grell bun⸗ ten Anzügen ſchaarten ſich theilweiſe um gewiſſe Anfüh rerinnen, die zu den verſchiedenen Heerzügen gehörten und miſchten ſich keck unter die Soldaten, ihren Männern und Liebſten ſo nahe als möglich bleibend. Rinder brüll ten, Pferde wieherten, Tauſende von Menſchen ſprachen und ſchrieen durch einander in den verſchiede nſten Ton und Mundarten, und dazwiſchen erklangen die grellen Töne der Trompeten, der ſchrille Laut der Zinken Es war ein furchtbares, Mark erſchütterndes Ge⸗ töſe, mit nichts zu vergleichen, als vielleicht mit dem Brüllen des Vulkans, der im Begriff iſt, aus dem In⸗ nern der Erde Zerſtörung alles Menſchenglückes in wü⸗ thenden Feuerſtrömen zu ergießen. Und als ſich die Menſchenfluth nun langſam entrollte und in verſchiedenen 8 Ein Bürgermeiſter. II. 114 Zügen über die ſommerliche Flur vorrückte, da wurde die ſchreckliche Aehnlichkeit noch bedeutender, denn wie glühende Lava wälzten ſich die Heere über Felder und Auen und ließen, vorwärts ziehend nur zurück den vonihren Füßen zerſtampften kahlen Boden. Der Tag war heiß und ſchwül, Gewitterwolken braueten am Horizonte, kein Lüftchen regte ſich und der Luwen⸗See, den das Heer in der ſechſten Abendſtunde er⸗ reichte, lag wie eine Bleiplatte grau und dunſtig im Thale. Kaum konnte man die waldigen Höhen ſeines jenſeitigen Ufers erkennen. Die ganze Armee des Fürſten Wladislav und Withold's überſchritt den Maranſe⸗Fluß, die Tartaren folgten ihnen und zwiſchen den Ufern des Luwen⸗ Sees und dem Dorfe Lo agdan ward für die Nacht das Lager aufgeſchlagen. Das Dorf Saulen blieb im Rücken des Heeres, aber furchtbare Gäſte ſuchten ſeine Häuſer und Hütten heim und nahmen mit ſich alles Brauchbare und Werthvolle, das der Fleiß ſeiner deutſchen Bewohner bis dahin erworben; weder das friſchgelegte Ei, noch den alten erſparten Goldgroſchen, nicht das Bett und nicht das Strohbund, kurz nichts, nichts zurücklaſſend was die Nothdurft gebrauchen oder der Uebermuth zerſtören konnte. Bald aununten die Wachtfeuer empor zu dem von dicken, ſchweren Wolken umzogenen Himmel, das wil in ein ſchl reg Wi von felb gro wurde in wie der und onihren rwolken und der unde er⸗ Thale. ſſeitigen av und Tartaren en⸗Sees as Lager ſicken des uſer und pare und ewohner mnoch den und nicht nd was zerſtören zu dem mel, das 115 wilde Gewühl des Heeres vertheilte ſich um dieſelben, und in das Zelt Königs Wladislav's, das in der Eile auf einem ſchönen grünen Hügel am Ufer des Sees aufge⸗ ſchlagen worden war, begaben ſich die Führer der wilden regelloſen Maſſen, Toktamiſch, der Tartarenhäuptling, Withold, Herzog von Lithauen, Zindram, Schwerträger von Krakau, erſter Feldherr des Polenkönigs, und dieſer ſelbſt, der ſtolze Wladislav, der, nicht zufrieden mit dem großen Reich, das ſeine erſte Gemalin Hedwiga ihm zugebracht, darnach trachtete, die Grenzen desſelben an das Ufer des blauen Meeres zu verlegen. Während jene Fürſten ihren ungeheuren, aber zügel⸗ loſen Schaaren die Zeit gönnten, Speiſe zu ſuchen und zu bereiten und die möglichen Anſtalten zur Nachtruhe zu treffen, war auch das kleine, aber trefflich geordnete Heer des Ordens auf dem Platze angelangt, den die Führer als den paſſendſten zum Lager beſtimmt hatten. Mit kundiger Benützung der um das Dorf Frö⸗ genau befindlichen Höhen war bereits in Eile eine leichte Verſchanzung gemacht worden, bei welcher rüſtige Män⸗ ner Wache hielten, während in verſchiedenen Abtheilungen Speiſen bereitet wurden für die Hungrigen, welches Ge⸗ ſchäft einige junge Ordensritter pflichtmäßig mit aller Aufmerkſamkeit bewachten.— Einer derſelben, Herr Huldrich von Sefeln iſt uns bereits bekannt, er wan⸗ 8* 116 delte, feſt in ſeinen weißen Mantel gehüllt, von einem Wachtfeuer zum andern, und in ſeinem ernſten Weſen war jetzt keine Spur der eitlen Geckenhaftigkeit zu finden, die ihm ſonſt nicht zur Zierde gereichte. Neben ihm ging ein Mann in Lederkoller und Hoſe, der tüchtigen Tracht der Freilehnsleute des Or⸗ dens, und ſie ſtand dem Sigmund von Groß⸗Lichtenau gar nicht übel zu dem runden friſchen Geſicht, deſſen volles blondes Haupthaar jetzt von einem Helm bedeckt war, der ihm ein ganz martialiſches Anſehen gab. „Wie ich Euch verſichern kann, Herr Ritter, es ſind wackere Soldaten dieſe Böhmen,“ ſagte er,„und ihr An⸗ führer ſo wie deſſen nächſter Begleiter ſind ein paar echte und gerechte Ritter.“ „Der Herr Comthur von Plauen ſandte ſie hieher, oder vielmehr gegen Kauernick, und ich mußte ihr Führer ſein zu Sr. Ehren, dem Herrn Meiſter Ulrich.“ „Schaffet mir nur die Erlaubniß die Beiden vor ſein Augeſicht zu bringen, ich meine ſo 6— 800 Lanzen, welche der Böhme mitbringt, ſind eine gute Verſtärkung die Sr. Ehren gegen dieſes Polengeſchmeiß, das wie ein Horniſſen⸗Schwarm daher gekommen iſt, mit Summen und Brummen wohl wird brauchen können.“ „Ich darf heute Sr. Ehren nicht mehr nahen,“ entgegnete Herr von Sefeln.— Es ſind Boten gekom⸗ nem eſen den, und Or⸗ enau olles war, ſind Anu⸗ paar eher, hrer vor nzen, kkung e ein imen hen,“ kkom⸗ 117 men, welche Abſagebriefe gebracht haben von allen an⸗ ſäſſigen Edeln und Rittern im Maſuren⸗ und Samaiten⸗ lande. Dieſe ungetreuen Deutſchen ſchließen ſich ohne Schwertſchlag dem falſchen Withold und dem abſcheu⸗ lichen Heiden Jagello an, und meinen ihre Ehre gar ſehr zu wahren, indem ſie Fehdebriefe ſchreiben an ihren Le⸗ hensherrn und treuen Beſchützer.“ „Ja! ja! die Welt liegt im Argen,“ ſagte der Bauersmann mit ziemlich traurigem Tone.„Auf hohen Bergen weht ſchneidender Wind, pflegte mein Vater ſelig zu ſagen, und er hatte wohl recht! Ich möchte nicht Hochmeiſter und Herr dieſes aufſätzigen Landes und dieſer— er wollte ſagen, widerſpänſtigen Ritter ſein, aber er beſann ſich noch rechtzeitig auf die Perſön⸗ lichkeit ſeines Zuhörers und verwandelte den Satz in— dieſen rebelliſchen Städten ſein.“ „Vom alten Comthur von Danzig ſind auchſchlechte Berichte eingegangen, die Bürger dort ſind ganz aber⸗ witzig geworden, und hielte ſie der Conrad Letzkau nicht in Ordnung, würden ſie eilen, ſich dem Wladislav zu ergeben, bevor er noch der Stadt ſo nahe gekommen, daß er den Schlüſſel ihrer Stadtthore erreichen könnte.“ „Die hetzenden Pfaffen, Herr,“ ſagte der Bauer, „zumal der Biſchof von Gneſen, Herr Johannes, der Abt von Oliva, iſt auch nicht recht treu, aber er wagt es noch nicht mit der Farbe herauszurücken, er wartet auf den Sieger, und hofft, daß es der Polenkönig ſein werde, verdammt ſei er! Nur der Bauer iſt dem Orden von Herzen ergeben, denn er weiß, wie es ihm ergehen würde, wenn der Polacke Herr dieſes Landes würde. Gott behüt' uns davor! Drüben in Polen bebauen eigene Leute das Feld und gehören zu demſelben wie das Rindvieh und die Pferde, werden wie dieſe mit dem Grund und Boden von den Bojaren verkauft, verſchenkt, verſpielt. Pfui! über die Heiden, die Abſcheulichen! Aber Herr Ritter, da wir nun unſeren Gang vollendet haben und hier eben vor dem Hauſe ſtehen wo Se. Ehren arbeiten, wie wär's, wenn Ihr doch einmal bei dem Meiſter anfragtet, wäh⸗ rend ich den Lagerplatz an dieſem Ausgange verlaſſe und die beiden böhmiſchen Herren, die draußen warten, her⸗ einführe. Es iſt eine gute Nachricht, die Ihr zu bringen habt, und die kommt ja doch wohl nie zu frühe.“ „Gutl ſei es d'rum,“ entgegnete Herr von Sefeln, „ich will es verſuchen, ob ich durch die Vermittlung des Compans noch zu Sr. Chren gelangen kann. Ihr wißt die Loſung, geht und bringt die Böhmen in das Lager.— Damit trennten ſich die Beiden und Sigmund ging lang⸗ ſamen Schrittes nach dem Ausgange, den der alte Ge⸗ ſchützmeiſter Wolf, gelehnt auf ſeinen„eiſernen Mann,“ mit ſeinen Untergebenen bewachte.“ auf rde, von rde, hüt' das und dden fui! tter, eben är's, wäh⸗ und her⸗ ngen feln, des wißt r.— ang⸗ Ge⸗ un,“ Sefeln trat indeß in das kleine Bauernhaus, in dem Ulrich von Jungingen die letzte Nacht vor dem Zu⸗ ſammentreffen mit dem Feinde zubringen wollte. Der Compan des Meiſters, Herr Sigmund Brendel, ein bejahrter Mann von ehrwürdigem Ausſehen, der dies Ehrenamt ſchon bei Conrad von Jungingen bekleidet hatte, ſaß in dem Hausflur, der den Bewohnern auch zur Küche dienen mußte, auf einem hölzernen Schemel. Der von Feldſteinen gemauerte Herd diente ihm als lammender Kienſpan, der in einem eiſer⸗ Tiſch und ein f nen an der Wand befeſtigten Ringe ſtak, als Leuchte. Er hatte ſein Brevier vor ſich hingelegt, und um das koſtbare Eigenthum nicht zu beſchmutzen, den Zipfel ſeines weißen Rittermantels auf die Herdſteine unter⸗ gebreitet, ein kleines ſilbernes Crucifix von ſchöner Arbeit lag neben ihm, und ſein Arm, in Stahl gekleidet, ſtützte ſich auf das Kreuz ſeines langen Schwertes, das, im ſchlechteſten ledernen Wehrgehenke an ſeiner Seite hing. Der alte Ritter erhob beim Eintritt ſeines jün geren Ordensbruders die Augen nicht gleich von ſeinem Gebetbuch, ſondern endete erſt laut betend den engli⸗ ſchen Gruß. Huldrich von Seſeln ſtand indeß, wie es die 120 Ordensregel gebot, ſchweigend und wartend ſeinem Vorgeſetzten gegenüber. Es waren ein paar gar verſchiedene Geſtalten der ältere und der jüngere Ritter des deutſchen Ordens, obgleich ihre Tracht genau dieſelbe. „Was iſt Euer Begehr, mein Bruder,“ fragte Bren⸗ del, das Auge, welchem die Jahre den Glanz nicht ge nommen, auf den jungen Mann heftend. Dieſes Auge hatte um ſo mehr etwas Wunderbares, als das Antlitz des Compan Brendel, von tauſend Furchen durchzogen, hager und erdfarbig war. Eisgraue Locken ringelten ſich immer noch voll um die pergamentartige Stirn und miſchten ſich mit dem Bart, der ſich etwas dunkler erhalten hatte. Der Ausdruck des Geſichts war ſtreng und die tiefe Gluth in den Augen, eine Gluth, die die Jahre eher vermehrt als gedämpft hatten, bezeichnete den Mann als einen jener frommen Enthuſiaſten, die der Orden in ſei⸗ nen beſſeren Zeiten ſo viele unter ſeinen Mitgliedern zählte. „Ich wünſche noch einmal Se. Ehren den Meiſter zu ſprechen,“ entgegnete Sefeln. „Draußen ſteht ein Piquet Böhmen, mindeſtens ſechshundert Mann ſtark, von einem tüchtigen Herrn aus dem böhmiſchen Adel geführt, die ihre Dienſte an⸗ biete wär⸗ Nach ſchau Stin iſt be unve Zeit vorzl ſind, ihnen er ſei einem der dens, Bren⸗ ht ge Hares, irchen Locken artige etwas d die e eher i als in ſei⸗ edern ſeiſter leſtens Herrn e an⸗ bieten. Es iſt ein ſchweres Wetter im Anzuge und ſo wäre es denn wohl gut, wenn man den Leuten für die Nacht den geringen Schutz ſichern könnte, den die Ver ſchanzung des Lagers bietet.“ „Der Meiſter betet,“ ſagte Brendel mit milder Stimme,„ſein? Beichivater Herr Johannes Lindenblatt iſt bei ihm, wenn der ihn verläßt, mein Bruder, ſollt Ihr unverweilt Eure Mel ldung machen. Benützet mit mir dieſe Zeit Euch ſelbſt noch einmal chriſtlich für die Schlacht vorzubereiten, ſpricht doch der Erlöſer, wo ſie zuſammen ſind, in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Herr Huldrich von Sefeln mußte bekennen, daß er ſein Brevier nicht bei ſich t rage, ſei modiſch geſchnit⸗ tenes Wams hatte die große Taſche nicht, welche die Ordensregel zu jenem Zwecke anbefahl. Compan Brendel ſchüttelte ernſt ſein weißes Haupt. „Nehmt hier das meinige, mein Bruder,“ ſagte er ohne einen andern Tadel auszuſprechen,„ich bin alt und habe die Gebete aller Zeiten ſchon ſo oft gebetet, daß ſie eben ſo klar und deutlich in meinem Gedächtniß als in dieſem ſchönen Buche ſtehen, das noch ein theures An⸗ denken meines edlen Freundes, des in Gott ruhenden Meiſters Conrad iſt. Ich bin aber daran, die None zu — 122 halten, hier habt Ihr das betreffende Gebet, vereinigt Eure Andacht mit der meinen.“ So ſprechend ließ der Greis ſich vor dem Herde auf die Kniee nieder, ſein Silberhaar, der feierliche Aus⸗ druck ſeines Geſichtes, und das nach oben gerichtete Auge gaben ihm ein Anſehen, das eines Heiligen würdig gewe⸗ ſen wäre. Er ſah nicht bei ſeinem Gebet die rußige Decke der kleinen Bauernküche, er ſah den Himmel offen, den ſein gläubiges Herz mit Engeln und Heiligen bevölkerte. Mit Heiligen, die vor ihm die Kämpfe des Erdenlebens ge⸗ kämpft, wie er die Leiden und Entbehrungen desſelben mit Feſtigkeit getragen, um Gott wohlgefällig zu ſein, die allen Freuden der Erde wie er freiwillig entſagt, um dem Erlöſer nachzufolgen, der am Kreuze ſtarb, obwohl er hätte ein König der Erde ſein können. Tief und wahr war die Andacht des alten Ritters und obgleich ſie, ſeiner Zeit und ſeinem Erkenntnißvermö⸗ gen angemeſſen, ſicherlich auf einer ſehr unvollſtändigen Kenntniß des höchſten Gutes, das wir Gott nennen, be⸗ ruhte, ſo hatte ſie doch wie alle wahre Andacht Freu⸗ digkeit des Herzens und Muth zur Erfüllung jeder Pflicht, ſo wie zum Ertragen jeder irdiſchen Laſt zur natürlichen Folge. Anders war dies mit dem Gebet des jüngeren Rit⸗ ters. war be Theil wünſch profan als da pen ge den Ku zu thun T aus der beſchrie bete en Brende worfen Ketzer Albans aufgehe geliebt. chen O des M melden. U der Ba der mi reinigt Herde e Aus te Auge gewe ecke der den ſein te. Mit ens ge esſelben zu ſein, aagt, um obwohl Ritters Bvermö⸗ ändigen nen, be t Freu⸗ Pflich, ürlichen ten Rit⸗ ters. Er ſprach die Worte mit den Lippen, ſein Herz war bei dem bevorſtehenden Kampf, ſeine Gedanken zum Theil im Zimmer des Meiſters, denn er zu ſprechen wünſchte. Er ſah ſeine Umgebung und ſie erſchien ihm profan und unpaſſend. So war es ihm denn recht lieb, als das letzte der vorgeſch riebenen Worte über ſeine Lip pen geflohen war und ſein älterer Vorgeſetzter, ſich von den Knieen erhebend, ihm die Erlaubniß gab, das Gleiche zu thun. Wenige Minuten darauf trat auch Herr Lindenblatt aus dem Zimmer des Meiſters. Der Caplan trug eine beſchriebene Rolle in der Hand, die allerdings auch Ge bete enthielt, wie aber würde ſich der ſtrenggläubige Brendel entſetzt haben, hätte er gewußt, daß dieſelben ent⸗ worfen waren von Einem, den die römiſche Kirche als Ketzer verdammte, von dem aus Frankreich verbannten Albans, der Monate lang ſich in Marienburg bei Ulrich aufgehalten hatte, von vielen Rittern hochgeſchätzt und geliebt. Der alte Brendel grüßte freundlich den geiſtli chen Ordensbruder und begab ſich dann in die Zimmer des Meiſters, das Anliegen des Ritters von Sefeln zu melden. Ulrich von Jungingen ſaß in voller Rüſtung auf der Bank an der Wand. Vor ihm auf einem Holztiſche, der mit einem Teppich bedeckt war, ſtand der tragbare 124 goldene Altar, und neben dem Meiſter auf der Bank la ſein Helm mit der wehenden Feder. Der ſtattliche Mann ſah bei der Beleuchtung z weier dampfenden Kienfackeln bleich aus, aber ſein Auge blickte ruhig und klar, und er hielt in der Hand, die das Schwert ſo wohl zu führen wußte, einen Stengel, an dem ſich d drei voll le Roſenknospen wiegten. Als Brendel ihm von dem Söldnert trupp erzählte, der, außerhalb des Lagers haltend, ihm ſeine Dienſte an⸗ bieten ließ, nickte er freundlich und ſagte:„Gut! ſehr gut! möge unſer Bruder Sefeln, der ſie, wie Ihr ſagt, meldet, die Führer ſogleich zu uns bringen, damit wir über die Bedingungen alsbald einig werden.“ Es dauerte in der That auch nur weuige Minuten bis Sefeln, den Chwal von Machowecz mit ſich führend, in das Zimmer den Hochmeiſters trat; und ſchnell einig⸗ ten ſich Beide über Löhnung und alles ſonſt Nöthige. Der Böhme verließ nun das Zimmer, den eigentlichen Hauptmann des Freikorps herein zu führen, der im Namen aller ſeiner Untergebenen den Contract unter⸗ zeichnen ſollte, welchen der Hochmeiſter mit ihnen ge⸗ ſchloſſen. Ulrich war wieder allein. „Gott ſendet mir Hülfe, auf die ich nicht gerechnet habe,“ f flüſterte er leiſe vor ſich hin,„ Hulfe, die ich nicht verdiene ſein, der — Jahr gebüßt, tritt mir dete, des lich verri Er manne, d Stübchen druck des Mann in Da raffend, hielt, die und ſein feine ble einer S Spreche empfand 8' „D ſenberg? 8 „2 dens,“ Dir füh Zank lag e Mann enfackeln und er u führen kknospen erzählte, enſte an⸗ it! ſehr Ihr ſagt, mit wir Minuten führend, ell einig⸗ Nöthige. gentlichen der im ct unter⸗ ihnen ge⸗ gerechnet ich nicht verdiene.— Böhmen! o möge es nicht der böſe Feind ſein, der in ihnen mir die Rächer meiner Unthat ſchickt! — Jahre ſind vergangen! ich habe gebeichtet, ich habe gebüßt, aber wo ich auch hinblicke, herte, gerade heute tritt mir die Geſtalt des Weibes, das ich liebte und mor⸗ dete, des Freundes, der mir vertraute und den ich ſchänd lich verrieth, vor die Augen.“ Er wandte ſich um nach dem böhmiſchen Hau - pt⸗ manne, der in dieſem Momente in die niedere Thür des Stübchens getreten war, und taumelte mit dem Aus⸗ druck des Entſetzens zurück, als er den jungen ſchönen Mann in reicher Rüſtung erblickte. Dann, die ganze Kraft ſeiner Seele zuſammen⸗ raffend, trat er dem Weſen, das er für eine Erſcheinung hielt, die längſt der Erde nicht mehr angehört, entgegen, und ſeine blauen, Funken ſprühenden Augen feſt auf das feine bleiche Geſicht des Böhmen geheftet, ſagte er mit einer Stimme, die nicht zitterte, obgleich das Herz des Sprechenden einen Vorgeſchmack der Schrecken der Hölle „Was führt Dich zu mir, Heinrich Wock von Ro ſenberg?“ „Das iſt mein Name, Meiſter des deutſchen Or⸗ dens,“ entgegnete der Hauptmann, und was mich zu Dir führt iſt Dir bewußt, ich biete Dir meine Hülfe an, 126 in dem Kampfe, der für Deine Macht zu ſchwer ſein dürfte.“ Bei dem Tone dieſer Stimme erbebten die Kniee des Hochmeiſters. Es war nicht blos das Antlitz deſſen, den er einſt verrothen, es war auch ſeine Stimme, und er kam, wehe! er kam, ihm zu ſagen, daß ohne ſeine Hülfe der Kampf, der ihm bevorſtand, für ſeine Macht zu ſchwer ſei. Mit dem Ausdruck des tiefſten Entſetzens erhob Ulrich von Jungingen den gepanzerten Arm bis zur Höhe ſeiner Augen, als wolle er ſie ſchirmen vor dem Anblick des Entſetzlichen.„Hinweg! hinweg!“ ſchrie er,„im Na⸗ men des dreieinigen Gottes, hinweg! Ich bedarf keiner Hilfe, die mir die Hölle ſendet zur Strafe meines Ver⸗ brechens;— ich will nrergehen. für meine Schuld bü⸗ ßend und dem Herrn meine Seele empfehlend! hinweg, Phantom! im Namen des Erlöſers, ich will nicht die Hülfe des Verräthers und Feindes der Menſchheit.“ Herr von Reſenders antwortete nur durch einen Blick, aber es lag allerdings etwas Dämoniſches in dem⸗ ſelben, und als er zwiſchen den Zähnen in böhmiſcher Sprache hervorziſchte:„So werden muih uns in der Schlacht wiederſehen!“ da klang es dem Ohre Ulrrichs wie die Stimme des Feindes der Menſe vne— Er ſah wie der Böhme ſich entfernte, blaue Flammen ſchienen ſeine Ulrich inner zeugu Schlo ſein n und d an ſich zu ent ( weſen Heere ckelte wichtig den T ver ſein e Kniee deſſen, ne, und ne ſeine »Macht 8 erhob ur Höhe Anblick „im Na⸗ rf keiner ies Ver⸗ zuld bü⸗ hinweg, nicht die tt. ch einen in dem⸗ hmiſcher 8 in der Ulrich's Er ſah ſchienen ſ 127 ſeine Geſtalt t zu umgeben, und zuſammenſinkend, fühlte Ulrich einen Moment lang nichts als die quälende Er innerung an das Verbrechen ſe einer Jugend und die Ueber eng gung, daß der morgende! Tag, der die entſcheidende hlacht bringen mußte, der Tag der Rache für dasſelbe fein werde. Draußen hatte indeß der Sturm ſich) aufgemacht und die Gewitterwolken, die er vor ſich herjagte, fingen an ſich in grellen Blitzen und furchtbaren Dan neefälanen zu entladen. Ein Wetter wie es ſeit Menſchengedenken nicht ge⸗ weſen wüthete über der Gegend, wo die zwei feindlichen Heere ſich gerüſtet gegenüberlagen.— Der Sturm wi ckelte die Zelte zuſammen und zerknickte wie Rohr die ge wichtigen Zelt ſtangen. Er riß mit allgewaltigem Brauſen den Thurm von dem Kirchendach des Dorfes Frögenau. Er zerbrach die ſtattlichen Bäume, womit die Höhen um das Dorf geſchmückt waren, und wälzte die Fluthen des nahen Damerau⸗Sees mit Gebrüll über ſeine Ufer.— Dazu rollte der Donner ohne Aufhören, Bl lie ziſchten an den entgegengeſetzten Punkten des Himmelsgewölbes aus den bleifarbigen Wolken, die, zerriſſenen Fahnen gleichend, tief herab hingen zur Erde.— Kein Schlaf kam in die Augen der Krieger, von denen ſo viele in kürzeſter Zeit ſich zum ewigen Schlafe ſchließen ſollten, aber in wildem 128 Aufruhr der Natur legte ſich der wildere Aufruhr, den der Anblick des Pmaan Böhmen, der freilich ſeinem todten Vetter ſo ähnlich als wäre er ſein Sohn, in der Bruſt des Hach düh erweckt hatte! Obgleich in mancher Beziehung wohl über ſeiner Zeit ſtehend, theilte Ulrich doch den Glauben derſelben an übernatürliche Erſcheinungen. Das Chriſtenthum ſei⸗ nes Jahrhunderts gebot denſelben überdies auf das Strengſte, und es wäre eine Ketzerei geweſen den Ein⸗ fluß des Teufels auf die Thaten und Geſchicke des Men⸗ ſchen läugnen zu wollen. So war denn Ulrich feſt davon überzeugt, daß der böſe Feind die Geſtalt angenommen, die ſeiner Seele die ſchrecklichſte war, und ihm ſeine Hilfe angeboten.— Er hatte ſie zurückgewieſen unter Gottes Beiſtand, aber er wußte nun auch, daß der Sieg ihm nicht werden, daß er ihn nuindeſtens nicht erleben werde. Gott ſeine Seele empfehlend, lag er lange, nach⸗ dem die Böhmen ſich zornig entfernt hatten, knieend auf dem harten Eſtrich im heißeſten Gebet vor dem kleinen oldelen Altare.— Er hörte das Toben des Wetters, das ihm der Nachklang von der ſichtbaren Anweſenheit des ewigen Feindes der Menſchheit ſchien, und erſt als der Tag im Oſten zu grauen begann, ſenkte ſich der Schlaf auf ſeine müden Augenlider. — dem Trau könig ſchaut er wo wie in in ſeit Angeſ beleidi ter Vl auch a zu der Barml Tod n der hei geht. G die auf und fal Blüthe ſchlanke Ein Bi den odten n der einer elben n ſei⸗ f das Ein⸗ Men⸗ aß der ele die Er per er , daß nach⸗ ad auf kleinen etters, ſenheit eſt als ch der 129 Sinnend die Stirn auf den Teppich geſtützt, der dem Altar zur Unterlage diente, entſchlief er, und der Traum, der ſeine Seele umfing, zeigte ihm die Himmels⸗ königin, thronend auf den zerriſſenen Wetterwolken. Sie ſchaute ihn an, liebend und vergebend, mit Augen, die er wohl kannte, in die er in ſeiner ſchuldloſen Jugend wie in die Tiefe des Himmels geblickt hatte, uad die er in ſeinen Mannesjahren wieder geſehen, im lieblichen Angeſichte der Tochter der einſt geliebten und ſo ſchwer beleidigten Frau. 1 Die Mutter des Erlöſers trug die Züge der Mut⸗ ter Vlaſta's, deren Wohl die Gedanken des Hochmeiſters auch an dieſem Tage noch beſchäftigt hatte. Ulrich von Jungingen blickte mit Entzücken empor zu der himmliſchen Erſcheinung, die ſich voll unſäglicher Barmherzigkeit zu ihm niederbeugte. „Fürchte Dich nicht,“ ſprach ſie,„wenn auch Dein Tod naht; erzittere nicht bei dem Gedanken, daß mit ihm der heilige Orden, dem Du Dein Leben geweiht, unter⸗ geht. Siehe den edelſten Baum dieſes Landes, die Tanne, die auf dem Berge prangt; ihre unteren Zweige welken und fallen ab, wenn die oberen grünen und die roſige Blüthe tragen; aber dadurch nur eutwickelt ſich der ſchlanke zum Himmel anſtrebende Stamm. Sei getroſt, Ein Bürgermeiſter. II. 9 2 — 130 es vergeht nur, was gereift iſt! Auch Deine Zeit iſt reif! Schau um Dich!“ Er that, wie ihm geheißen; da ſah er ein Feld voll reifer, wie Silber ſchimmernder Aehren, aber wie er ſie recht betrachtete, war es die Schaar ſeiner ritterlichen Brüder in ihren weißen Mänteln. Sie ſanken zuſammen, Einer neben dem Andern, aber ehe er noch erkennen konnte, welche Hand ſie nie⸗ dermähte, keimte ſchon junges Grün von Neuem empor, und bedeckte weit und breit alles Land. „Alles Gute trägt gute Frucht,“ flüſterte die ſanfte Stimme der Gottesmutter,„und das, was Ihr Böſes nennt, iſt die Triebkraft des Lebens, die, von der Erde ſtammend, irdiſches Leben dem himmliſchen Saatkorn gibt.— Stirb getroſt, wenn auch beſiegt und erniedrigt, ſtarb doch mein göttlicher Sohn ohne Murren den nied⸗ rigſten Tod, den des Verbrechers, eine neue Zeit er⸗ wächſt aus Deinem Blut.“ Er hörte dieſe Worte ſo deutlich, daß er darüber erwachte! Das Gewitter war vorübergezogen; ein ganz gol⸗ dener Morgen lag über der mit glänzenden Tropfen be⸗ deckten Erde. Draußen aber im Lager ertönten die Signale, welche jeden Einzelnen zu ſeiner Fahne riefen. „Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des zen ſeit gen feh⸗ eit iſt d voll er ſie rlichen ndern, ie nie⸗ empor, e ſanfte Böſes ſer Erde aatkorn riedrigt, darüber ſanz gol⸗ pfen be⸗ naten die e riefen. hnes und des h. Geiſtes,“ te de 38 3 · ,“ ſagte der Meiſter, ſich fromm helreie 3 ud dann trat er hinaus in die niedere Küche, ſein alter Compan Sigmund Brendel ſo eben ſein Mor⸗ genge bet geendet hatte und ihm entgegen kam, ſeine B fehle zu empfangen. 3 4 Sechſtes Capitel. Das wilde Wetter, das während der Nacht getobt, hatte auch das Lager des Polenkönigs nicht verſchont. Wladislav's koſtbares Zelt war niedergeriſſen und jetzt beſchäftigten ſich im glänzenden Morgenlicht verſchie dene Trabanten, es wieder aufzurichten. Der König ſelbſt ſtand, gehüllt in einen Marderpelz und umgeben von verſchiedenen Rittern und Bojaren, unter denen auch Zindram ſich befand; und auch Withold, ſein Vetter, der trotz aller Falſchheit, die Wladislav in früheren Zeiten gegen ihn bewieſen, jetzt ſein Verbün⸗ deter, ſtand neben ihm. Beide Fürſten ſprachen eifrig über die Aufſtellung des Heeres. Je näher der Augenblick einer entſcheidenden Schlacht kam, deſto weniger ſchien Wladislav dieſelbe zu wünſchen. Doch beſtätigte er die Anordnungen Zin⸗ dram's und Withold's, die ſich beeilten mit der Aufſtel⸗ lung ihrer großen Truppenmaſſen, da das Heer des Hochmeiſters bereits in Schlachtordnung ſtand. eetobt, nt. n und rſchie derpelz djaren, ithold, lav in erbün⸗ eifrig denden dieſelbe n Zin⸗ Aufſtel⸗ eer des 133 Es lehnte ſich mit dem linken Flügel an das Dorf Tanneberg, mit dem rechten an ein Gehölz unfern des Dorfes Schönwäldchen, und beſtand aus zwei Heerhau⸗ fen, von denen der zweite, noch etwas ſüdlich vom Dorfe Grunwalde, ſich wie der erſte zwiſchen Tanneberg und Schönwäldchen ausbreitete. Die Reſerven waren in Grunwalde aufgeſtellt. Ulrich von Jungingen, begleitet von zwanzig Rit⸗ tern, die die höchſten Aemter im Orden bekleideten, hielt hoch zu Roß auf einer Anhöhe in der Nähe von Tanneberg und blickte in die Ferne, wo das Heer ſeiner Feinde noch ungeordnet, ein wüſter Menſchenknäuel, ſichtbar wurde. Die Herolde waren eben abgeſandt, welche nach ritterlichem Brauch den Fürſten Wladislav und Withold den Beginn der Schlacht verkünden ſollten, und man konnte die beiden ſtattlichen Reiter wie zwei Figuren auf einem Schachbrett über die Ebene dahin ziehen ſehen. Langſam entwickelte ſich nun auch unter Zin⸗ dram's und Withold's Befehl das Heer des Polen⸗ königs. Es bildete eine dreifache Schlachtlinie, Withold und die Tartaren den rechten Flügel und die polniſche Armee unter Zindram's Anführung den linken Flügel einnehmend. zwei Abtheilungen unfern 134 Wladislav ſelbſt ſchien in dieſem Augenblick den kriegeriſchen Sinn ganz verloren zu haben.— Er zog ſich in ſein Zelt zurück um zu beten, und als man ihm die Herolde meldete, richtete er ſich zitternd von den Knieen empor und ging ihnen mit gebeugtem Haupte entgegen. Der eine der Herolde, im Wappenzier des Kö⸗ nigs Sigmund von Ungarn, den ſchwarzen Adler im goldenen Felde, der andere die des Herzogs von Stet in, den rothen Greif im weißen Felde auf der Bruſt tra⸗ gend, erſchienen vor dem Polenkönig; ſich tief ver⸗ neigend, reichten ſie deniſelben zwei entblößte Schwerter und ſprachen:„Nehmt dieſe Schwerter, wir übergeben ſie Euch im Namen des Meiſters, des Marſchalls, der Gebietiger und aller Ritterbrüder des Ordens un⸗ ſerer lieben Frau von Jeruſalem. Gebraucht ſie Euch zu ſchützen im Kampfe, zu dem Ihr ſelbſt den Platz wählen möget, den Ihr aber nicht mehr vermeiden, könnt.“ Der König ergriff die Schwerter und antwortete: „Wir haben nie einen andern Schutz erbeten als den von Gott! in ſeinem Namen nehmen wir dieſe Schwerter an, den Kampſplatz zu wählen geziemt uns aber nicht, wo Gott ihn uns anweiſt, werden wir kämpfen in ſeinem Namen!“ ruft Pfl gen er Zir eint ord⸗ bele heer ordr tend dieſ digt Unt den Ta ſohr ich 3 lig und daß f den r zog man d von Haupte ler im Stet in, ſt tra⸗ ef ver⸗ zwerter ergeben ſchalls, ins un⸗ e Euch n Platz rmeiden wortete: dals den chwerter ler nicht, pfen in 13⁵ So war denn von Ulrich's Seite jede ritterliche Pflicht gegen den Feind erfüllt, aber auch die Gele⸗ genheit vergangen ihn in die Flucht zu ſchlagen, ſo lange er ſich noch in Verwirrung und Unordnung befand. Zindram und Withold hatten die Streitmacht der ver⸗ einten Polen, Lithauer und Tartaren ſo ſchnell ge⸗ ordnet, als dies bei einem ſolchen mit vielem Troß beladenen Heere möglich ſein konnte.— Das Ordens⸗ heer hatte indeß drei Stunden in völliger Schlacht⸗ ordnung geſtanden, das Signal zum Angriff erwar⸗ tend. Wohl ſchlugen auch die tapferſten Herzen während dieſer Zeit ungeſtümer, aber die ſtrenge Discip'in bän⸗ digte jedes ängſtliche Zeichen des. Gefühls. Dicht neben einander und umgeben von ihren Untergebenen ſtanden auf dem linken Flügel des Or⸗ densheeres nahe an den letzten Häuſern des Dorfes Tanneberg, der edle Withing Gedete und ſein Adoptiv⸗ ſohn Bruno Sungalo. „Wenn der Herr über Leben und Tod mich zu ſich ruft in dieſer Schlacht,“ ſagte der Erſtere,„ſo übergebe ich Dir den Schutz meiner Gattin. Sei ihr, die freiwil⸗ lig Deine Mutter ward, ein wahrer und echter Sohn, und tröſte und ſtütze ſie, wie es eines Sohnes Pflicht iſt.“ „Edler Heir,“entgegnete der Andere,„ich denke nicht, daß Gott mich ſo erniedrigen könnte, mich Euern Tod überleben zu laſſen. Wenn ein Sohn ſeinen Vater nicht retten kann, ſo ſtirbt er ihn rächend, alſo will es Pflicht und Ehre, und aus dem Munde meines eigenen Vaters, der längſt todt und dahin iſt, kann ich mich wohl erinnern, dieſe Lehre gehört zu haben.“ „Dein Vater war einer von den ſamaitiſchen Gei⸗ ßeln, die zur Zeit des Meiſters Conrad Zöllner von Ro⸗ thenſtein im Lande vertheilt wurden.“ Der Rieſe legte die Hand an die weiße Stirn, „Herr,“ entgegnete er und der Ton ſeiner Stimme zitterte ſeliſam,„ein Samaite war mein Vater nicht!“ In dem Leben des Elendes, der Erniedrigung, der Knechtſchaft, das ich ſeit meiner Kind eit führe, iſt mir die Erinne⸗ rung an ſie zu einem Traumbild geworden, aber wenn es vor meine Seele tritt, iſt es glänzend wie das Sonnenlicht. O Herr! ich ſehe dann wie durch einen Nebel eine ſchöne Frau, hoch und ſchlank, die mich lieb⸗ koſ't und einen ſtattlichen Mann, der ſich zu mir nieder⸗ beugt und mich lehrt einen Bogen zu ſpannen, der mei⸗ ner Größe angemeſſen. Ich ſehe ein wohlgebautes Haus, in deſſen reich geſchmückten Räumen, Widder⸗ und Bä⸗ renfelle, befeſtigt an den Hörnern des Ur und an dem Geweihe des Elens, an den Wänden niederhängen. Da lecken in großen Kaminen die Flammen um mächtige Tannenblöcke, und ich, ein fröhliches Kind, ſchaue lachend in in me ein des tin, viel wie nah derj ihr mit der Glü brech wied Wo Ge⸗ Wo ſchw war Bru horc ſetzt nicht Pflicht us, der nnern, 1 Gei⸗ n Ro⸗ Stirn, zitterte in dem iſchaft, Erinne⸗ rwenn ie das einen h lieb⸗ nieder⸗ r mei⸗ Haus, d Bä⸗ an dem n. Da üchtige lachend 137 in die Gluth. Viele Bilder von Männern und Frauen in ſtattlichen Kleidern ſehe ich Nachts in meinen Träu⸗ men, aber eines zeigt ſich mir am häufigſten, das Bild einer Jungfrau, ſo ſchön und holdſelig wie die Mutter des Erlöſers. Sie iſt meine Freundin, meine S pielgefähr⸗ tin, vielleicht— ich weiß es nicht, eine ältere Schwe ſter, vielleicht auch mein Schutzge iſt, denn, Herr, ich ſah' ſie wecder, wenige Zeit vorher ehe Ihr Euch meiner an⸗ nahmt, eben ſo jung und ſo ſchön als in meinen Kin⸗ derjahren, und faſt in jeder Nacht erſcheint mir ſeitdem ihr Bild, mich warnend, mir rathend, auch wohl Tadel mit ernſter Miene über mein Thun ausſprechend. In der Nacht nach jenem Abende, da die Heiligen mir das Glück gewäheten, C Euch und Eure edle Gattin über das brechende Eis der Nogat zu führen, erſchien ſie mir wieder, und ihr Mund verkündete mir in prophetiſchen Worten das Glück was mir bevorſtand.— Sie trug ein Gewand, das wie Gold glänzte, und ſtand auf einer Wolke, die ſilbern über dem flammenden Abendroth ſchwebte; und ſich zu mir beugend, der ich niedergekniet war die Erſcheinung anzubeten, ſagte ſie: Steh' auf, Bruno und folge mir, den der Tag bricht an.— Aber horcht, Herr! Die Sackpſeifer dort blaſen, die Vorhuth ſetzt ſich in Bewegung— He rl die Schlacht beginnt!“ Es war ein Moment, in dem wohl auch das tapferſte 138 Männerherz an die Rippen pochen durfte in wilder Er⸗ regung. Drüben, jedem Auge ſichtbar und nur durch ein hügliges Terrain bisweilen etwas verdeckt, ſtanden die Schlachtlinien des Feindes. Ein ſcharfer Blick konnte die Köpfe erkennen, zahllos wie Sand am Meere. Der Sturm und Regen der Nacht war vorüberge⸗ gangen, ie heitere Juniſonne ließ die an allen Zweigen hängenden Tropfen im Brillantglanze erſchimmern und ein Buchweizenfeld, das zwiſchen den feindlichen Armeen ſich in ſeiner roſigen Blüthe ausbreitete, funkelte im Sonnenſchein, wenn der leiſe Windhauch die Blüthen⸗ ſtengel regte. Rechts, wenige Schritte von dem Standpunkte des Withing Gedete und ſeiner Mannen, hielten hundert Ritter hoch zu Roß, in ihren weißen Mänteln regungslos, wie aus Stein gehauen, nur daß der Morgenwind in den Federn ihrer Helmbuſche ſpielte, an ihrer Spiitze der edle Meiſter Ulrich von Jungingen. Sein ſchnee⸗ weißes Roß trug die Heldengeſtalt des Reiters wie im gerechten Stolze, das Abzeichen ſeiner hohen Würde; das göldene Kreuz in das ſchwarze eingefügt, war auf ſeiner Bruſt ſichtbar, da er den geharniſchten linken Arm, an dem er den Schild hielt, unter dem Mantel hervor ge⸗ ſtreckt. 3 der umg gew ßen Reit ßen ſer unte ſetzte nahe Ged neig woll Nac Man ben Euch Sch mög wend Soh Kell iſt. verge⸗ veigen nund rmeen te im ithen⸗ ſte des undert gslos, ind in Spitze chnee⸗ wie im ſe; das ſeiner i, an or ge⸗ ßen und gab einem wenige Schritte hinter ihm haltenden Reiter, der über ſeiner glänzenden Stahlrüſtung den wei ſetzte er nun ſein Roß in Galopp und ſ nahe ſtehenden Häuflein des Gedete. Es war Ralph, der braune Leibdiener, und vor Gedete ſich nach ſeiner Weiſe mit gekreuzten Armen ver⸗ neigend, ſagte er:„Edler Withing, der Zufall hat esge⸗ wollt, daß Se. Ehren der Hochmeiſter in dieſer letzten Nacht einige Nachricht über die Herkunft des jungen Mannes empfangen, den Ihr zu Eurem Sohne und Er⸗ ben erwählt! Dieſe Nachrichten ſind der Art, daß ſie Euch in Euerm Entſchluſſe befeſtigen werden. Nach der Schlacht, die uns bevorſteht, ſollt Ihr Euch, Se. Ehren möge leben oder ſterben, an den Geſchützmeiſter Wolf wenden, wo Ihr erfahren werdet, was Euch und Eurem Sohne lieb ſein kann, auch ſendet Euch der Meiſter dieſe Kelle, die ein Eigenthum und das Erbe Eures Sohnes iſt. Ihr ſollt ſie dem Geſchützmeiſter zeigen und er wird 8 140 nicht zögern, Euch Alles zu ſagen was er weiß.— Er ſorene fort. Die Sonne ſtieg höher und höher am Himmel, ſchon nahte die Mittagsſtunde mit ihrer Gluth, und immer noch ſtanden die Heere ſich ohne Kampf ge⸗ genüber. Im Winde flatterten die vielfarbigen Banner auf beiden Seiten, die Pferde ſchauerten und ſchüttelten die Mähnen, ein tiefes banges Schweigen lag über den Tau⸗ ſenden von Menſchen. Da harrte auf den Hügeln, we ſche an der Seite, wo das polniſche Ger ſein Lager aufgeſchlagen, das Ufer des Maranſefluſſes deckten, ein Reiterfähnlein, etwa 400 Mann ſtark. Weiße Fäh ynlein an den Lanßen zeigten den vexeinten Lithauern und Polen die friedl ichen Abſichten desſelben an, und die Anführer, zwei ſtattliche ritter liche Männer in ſtolzen Rüſtungen, forderten, bei den erſten Wachtpoſten angel angt, vor den König Wladislav ge⸗ führt zu werden, dem ſie ihre Hülfe zu bringen im Be⸗ griff ſtünden. In dieſem Augenblicke lag Wladislav Jagell in ſeinem goldenen Zelte betend auf den Knieen. Der Muth war im Momente der Entſcheidung aus de Seele Ordens ſo groß erſchienen als jetzt. des ſtolzen Mannes gewichen.— Nie war ihm die M acht 3 3 G an M der ih Zagen Strecke ihn zu Gunſt 3 Schwer kniend. die uns lebhaft. 1 ren bie Jungin den nic ungarij dens z1 daß Eu ſchwieg Euch de E Zawiſch Er mmel, „ und sf ge⸗ er auf ten die Tau⸗ eite, Ufer ba 400 en den ſichten erliche erſten aav ge⸗ Be⸗ & 6) lello in Seele Macht Der 141 Er zweifelte an der Möglichkeit, mit ſeinem nicht an Mannszucht gewohnten Volkstroß: dem eiſernen Koloß, der ihm gegenüber ſtand, die Stirn bieten zu können. Zagend hatte er den Befehl gegeben, auf einer weiten Strecke nach der Grenze ſeines Reiches hin Pferde für ihn zur Flucht bereit zu halten, wenn die Schlacht ſich zu Gunſten der Ritter entſcheiden ſollte. Der raſch eintretende Zindram, der berühmte Schwertträger von Krakau, fand den Fürſten noch kniend. „Gute Nachricht, Herr! ſehr günſtige Nachricht, die uns auch zugleich ein gutes Vorzeichen iſt,“ ſagte er lebhaft. „Ein Haufe böhmiſcher Söldner, böhmiſcher Her ren bietet uns ſeine Dienſte an gegen dieſen Ulrich von Jungingen, ſo mag d doch wohl König Wenzel dem Or den nicht günſtig ſein und wir können der Erklärung des ungariſchen Königs Sigmund, daß er die Sache des O dens zu der ſeinen machen wolle, belachen. Wohl uns, daß Eure Weisheit dies Letztere bisher dem Heere ver ſchwieg. Hier kommen ſchon die edlen böhmiſchen Herren, Euch den Eid zu leiſten.“ Er hob bei dieſen Worten den Zeltvorhang auf und Zawiſch Wock von Roſenberg und ſein Begleiter Chwal 142 von Machowechz ließen ſich auf die Kniee nieder, dem Po⸗ lenkönig ihre Ehrfurcht zu bezeigen. Im gleichen Augenblicke ſchmetterten vom linken Flügel, wo Withold mit ſeinen Lithauern ſtand, die Fan⸗ faren zum Angriff. Staubwolken wirbelten empor in die blaue Sommerluft, und ein ungeheures Kriegsgeſchrei, von beiden Seiten ertönend, hallte über die heitern ſon⸗ nenbeglänzten Fluren. Das Ordensheer hatte die anrückenden Schaaren der Tartaren und Lithauer, an deren Spitze Fürſt Withold auf ſchwarzem Roß, wie der Kriegsgott ſelbſtheranſprengte, mit ruhiger Feſtigkeit empfangen. Die Geſchütze, von denen der Meiſter ſich eine beſonders große Wirkung verſprach, ſtanden auf Anhöhen, welche die Gegend beherrſchten, aber ihr Feuer war beinahe ohnmächtig durch eben dieſen Umſtand. Die ſchweren Steine und Eiſenkugeln flogen über den Häuptern des feindlichen Kriegsvolkes hinweg und vergebens befahl Ulrich dem alten Geſchützmeiſter Wolf das Feuer niedriger zu richten; es ſei dies unmög⸗ lich war die Antwort des finſteren Greiſes, und ſo gab denn der Hochmeiſter den Befehl, es gänzlich ſchweigen zu laſſen, während die beiden Reihen des Ordensheeres un⸗ ter erneuertem Kriegsgeſchrei in das Brachfeld hinab rückten, wo der eigentliche Kampf, der jener Zeit eigen, der wilde Einzelkampf Mann gegen Mann, mit furchtbarer Hefti wilde durch Krie thaue With gunge ſeine die F die ge Theil eigen ſeines Bann chentö wird derer dort e ſich, reichte Po⸗ inken Fan⸗ in die ſchrei, ſon⸗ jaaren rithold rengte, denen ſprach, ſchten, dieſen flogen hinweg neiſter nmög⸗ ſo gab gen zu es un⸗ hinab eigen, hibarer ——— 143 Heftigkeit wüthete. Stunden lang wogte derſelbe unter wildem Geſchrei, das meilenweit die ſommerliche Flur durchhallte, auf und nieder. Leib gegen Leib rangen die Krieger des Ordensheeres gegen die Tartaren und Li⸗ thauer, bis endlich auf dem rechten Flügel die Macht Withold's trotz ſeiner eigenen heldenmüthigen Anſtren⸗ gungen wankte. Mit kriegeriſcher Umſicht verſtärkte nun Ulrich hier ſeine Streiter, und bald ſinkt in den Reihen der Feinde die Fahne. Wilde Verwirrung wird zur wilden Flucht; die geſchlagenen Lithauer und Tartaren reißen auch einen Theil der Polen mit ſich fort. Vergebens ergreift der tapfere Lithauer Fürſt mit eigener Hand die Fahne, welche den erkaltenden Händen ſeines Trägers entfallen iſt. Vergebens ſtrengt er ſich an ſeine Krieger an den Banner, auf welchem das Bildniß Georg's des Dra⸗ chentödters prangt, zu ſammeln. Gedrängt von dem nachſtürmenden Ordensheere, wird ein großer Theil dieſer Lithauer gefangen, ein an⸗ derer in die Sümpfe des Maranſe⸗Fluſſes getrieben, der dort einen ſchmählichen Tod findet. Nur wenige retteten ſich, indem ſie die Brücke der Maranſe bei Seewald er⸗ reichten oder, ſüdwärts über Lauten nach Neidenburg flie⸗ 144 hend, von dort nach ihrer Heimat eilten, wo ſie die Nach⸗ richt der verlornen Schlacht verbreiteten. Von Wilholds urtomacht wauen nur drei Fähn⸗ lein Ruſſen aus nioltuh ſtandhaft geblieben, ſie ver⸗ banden ſich ſchnell mit den hinter ihnen aufgeſtellten Re⸗ ſerven, und ſo ſich an das Heer der Polen lehnend, hiel⸗ ten ſie mit hohem Muthe jeden Angriff aus. Auch auf der Seite, wo die Armee des Polenkönigs unter der Anführung des tapferen Zindram kämpfte, hatte das Ordensheer bereits große Vortheile errungen. In der Nähe des großen polniſchen Reichspaniers mit dem weißen Adler ſtritt der tapfere Preuße Gedete neben ſeinem Adoptivſohn Bruno unter der Anführung des jungen Ordensritters Huldrich von Sefeln. Die Rieſengeſtalt Bruno's, der die ihn umwogende Maſſe faſt um eine Kopfeslänge überragte, war das Ziel ſo manches aus der Nähe und Ferne entſandten Pfeiles, aber ſie prallten ab an der anſcheinend nur leichten Rü⸗ ſtung des Kriegers, und wie ein Leuchtthurm über bran⸗ dende Wogen ragte ſein Helm fort und fort über den wil⸗ den Kämpfern empor. Er hatte ſich ein Ziel geſetzt, nach dem er unab⸗ läſſig mit Anſtrengung all' ſeiner Kräfte hinſtrebte. Es war der weiße Adler, dem er im ſteten Ringen näher und näher kam. Jetzt hatte er ihn erreicht. Das Panier regte ſich ſelbe ſeine ſchen gers Plat Aug⸗ ſtützt geſch ſeine und fen, Bru tzend Rieſ dene ſam ges ergri wide hoben lärm Lippe dete Ein da ch ⸗ ähn⸗ ver⸗ Re hiel dnigs apfte, igen. mit neben des gende Ziel eiles, Rü⸗ vran⸗ wil⸗ nab⸗ Es und regte 145 ſich kaum in der milden Sommerluft, und der Träger des⸗ ſelben, ein kräftiger Mann, ſtand eingekeilt in eine Schaar ſeiner Gefährten, dicht hinter den Roſſeshufen des polni⸗ ſchen Kronfeldherrn Zindram, des kühnen Schwertträ⸗ gers von Krakau. Ein wildes Ringen entſpann ſich jetzt auf dieſem Platze. Hundert polniſche Schwertklingen blitzten vor den Augen Bruno's, aber wacker von ſeinen Gefährten unter⸗ ſtützt, den tapfern Gedete, deſſen weiße Tunika von Staub geſchwärzt und mit Blut befleckt war, faſt immer dicht an ſeiner Seite, entfaltete er ſeine ganze ungeheure Kraft und es gelingt ihm;— ſchon hat er die Standarte ergrif⸗ fen, ſchon wankt der Träger derſelben unter dem Angriff Bruno's, da wendet Zindram ſein Roß, erhebt ſein bli⸗ tzendes Schwert und ſchwingt es über dem Haupte des Rieſen. Der Helm entſinkt demſelben, das röthlich gol dene Haar umflattert in wilden Locken ſein kühnes, ſelt ſam ſchönes Geſicht, ein Blitz ſeines dunkelbrannen Au⸗ ges trifft das Auge Zindram's und von einer Bewegung ergriffen, der auch das ſtarke Herz des kühnen Polen nicht widerſtehen kann, ſinkt ſein zu Bruno's Todesſtreich er hobener Arm. Ein Ausruf, der in dem wilden Krieges⸗ lärm unverſtanden verhallt, entflieht ſeinen erbleichenden Lippen und in dieſem entſcheidenden Moment ſindet Ge⸗ dete Zeit zum Schutze Bruno's vorzudringen. Ein Zürgermeiſter. II 3 10 146 Der daldiſchederichsadler iſt erobert, aber der, wel⸗ cher ihn ſeinem Träger entriſſen, der rieſige Kümſer Bruund, ſieht ſ einen eoblih er unter dem Schwerte Zin⸗ dram's zuſammenſink ken, ſein heißer r Wunſch, ihn zu ret⸗ ten, iſt vergeblich, das eroberte Panier in der einen Hand, mit dem anderen Arme den Freund an ſich ziehend, ſinken Beide zu Boden, mit ihnen das Heiligthum des Polenlan⸗ des, das Bruno wie mit Eiſenz zangen umklammert hält. Roß und Reiter ſtürmten ü über ſie hinweg. Leichenhaufen thürmten ſich um ſie her. Die Nacht des Todes liegt über Beider Herzen und fort tobt ringsumher der wilde Kampf. Das Sinken des polniſchen Reichspaniers erſchien dem nachdrängenden Ordensheere als Zeichen eines ge⸗ wiſſen Sieges. Mit dem lauten Geſange:„Chriſt iſt erſtanden!“ dringt der Kern desſelben, jene 100 Ordensritter, den Hochmeiſter an ihrer Spitze, in den geworfenen Feind. Der Boden bebt unter den Hufen ihrer Roſſe. Da erſcheint auf heftiges Zureden Withold's der Po⸗ lenkönig ſelbſt mit ſeinen Haustruppen und der ungeheu⸗ ren Reſerve auf dem Kampfplatze. Einer der nächſten Be⸗ gleiter des Hochmeiſters, der tapfere Ritter von Kökeritz ſtürzt ihm entgegen, um mit einem Schwertſtreich auf Wladislav's Haupt dem Kampfe ein Ende zu machen. Abe ſchüt dem fen, Beg ken, Maſ ſamn zurüc nachz der 2 der den neben Die ten a pfen tur ri res, ginn ten i ter vi wel⸗ npfer Zin⸗ ret⸗ Hand, inken nlan⸗ hält. aufen über wilde ſchien den!“ „ den Feind. er Po⸗ eheu⸗ n Be⸗ ökeritz ch auf achen. 147 Aber des Königs Schreiber Sbizneus von Oelsnitz ſchützt mit ſeiner Bruſt den Leib ſeines Fürſten, und in⸗ dem es ihm gelingt den Ritter von ſeinem Roſſe zu wer⸗ fen, findet dieſer ſeinen Tod unter den Schwertern der Begleiter des Königs. Jetzt beginnt das Kriegsglück von Neuem zu ſchwan ken, an drei verſchiedenen Stellen drängen die vereinten Maſſen der Polen und Tartaren und die ſich abermals ſammelnden Lithauer die tief ermatteten Ordensſtreiter zurück. Schon beginnt die Hitze des langen Sommertages nachzulaſſen, der laue Abendwind ſpielt mit den Zweigen der Bäume, aus denzerſtampften Buchweizenfeldern dringt der ſüße Duft der abſterbenden Blüthen und macht ſich den Sinnen der Kämpfenden neben dem Pulverdampf, neben dem Blutgeruche wie ein Opferrauch bemerkbar. Die Strahlen der ſinkenden Sonne heften lange Schat⸗ ten an jeden Baumſtamm, aber die heiß und wild Käm⸗ pfenden achten nicht auf die Mahnungzur Ruhe, die die Na⸗ turrings leiſe erklingen läßt. Die Streiter des Ordenshee⸗ res, gegen immer neu nachrückende Feinde kämpfend, be⸗ ginnen tödtliche Ermattung zu fühlen. Sie alle, alle hat⸗ ten ihre Kräfte auf's Aeußerſte angeſtrengt. Der weite Marſch, die durch Sturm und Unwet⸗ ter völlig vernichtete Nachtruhe, das Stunden lange Ste⸗ 10* 148 hen in der eiſernen Schlachtordnung, der wüthende Kampf gegen eine ſo ungeheure Uebermacht, auch die ſtärkſte Menſchennatur mußte dieſem Allen unterliegen. Beide Flügel des Ordensheeres waren bereits von dem Feinde umgangen. Das Dorf Tanneberg ſtand in Flammen und dichte Rauchwolken ſtiegen aus demſelben zum goldenen klaren Himmel empor. Da drang wie ein eiſerner Keil, angeführt von Zindram und unterſtützt von den böhmiſchen Soldrittern und ihrem Kriegerhaufen, der Kern der polniſchen Armee auch in das Miteeltreffen des Ordensheeres, wo Ulrich, umgeben von ſeinen Getreuen, ſein Schwert gleich dem des Engels an der Pforte Edens flammen ließ.— Sein Geſicht, von dem weißen Helmbuſch über⸗ ſchattet, war bleich, aber aus ſeinen dunklen blauen Au⸗ gen flammten die Blitze ſeines kühnen Muthes, ſeines feſten Willens. Schon begann auch rings um ihn her ſich Alles in wilde Flucht zu ſtürzen. Der Anführer des Eidechſenbundes, Bannerführer des Kulmerlandes, hatte zuerſt das goldgeflammte Pa⸗ nier ſeiner ſtolzen Bruderſchaft zu Boden ſinken laſſen und war, gefolgt von vielen ſeiner Anhänger, hinweg geeilt von dem Schauplatze, auf dem die Nacht ſo bald alle Schrecken des Todes bedecken ſollte. Fliehend in un⸗ hende ſch die gen. von ud in ſelben ie ein zt von en, der en des reuen, Edens über⸗ u Au⸗ ſeines lles in rführer te Pa⸗ laſſen hinweg ſo bald in un⸗ da ſpringt der Böhme Zawiſch Wock von Roſenberg 149 zähmbarem Entſetzen, riſſen ſie noch andere Banner zu Boden. „Meiſter, mein edler Freund,“ ſagte der alte wür⸗ dige Compan Sigmund Brendel,„es iſt keine Schande, der Ueberzahl zu weichen. Laßt mich hier noch eine Weile Eueren Rückzug decken und rettet Euer edles Leben für unſeren heiligen Orden.“ Ulrich wandte dem alten Freunde ſein Geſicht zu, um deſſen edle Züge die Abendſonne ihren Goldſchim⸗ mer zog. „Da ſei Gott vor,“ entgegnete er mit voller ruhi⸗ ger Stimme,„daß ich da wo ſo mancher edle Ritter ge⸗ fallen, feig aus dem Felde reite;“ und ſich eilig an die Spitze der letzten Fähnlein ſein r Reſerve ſtellend, ſtürzte er ſich dem neuen Andringen Zindram's entgegen. Einen Augenblick lang hielten die Polen und Böh⸗ men dieſe neu zuſtürmende Se aar für Litthauer, die ihnen zu Hülfe eilten, aber nur einen Augenblick! dann entſpann ſich ein furchtbarer Kampf. Ulrich's Heldenge⸗ ſtalt, ſich hoch im Bügel erhebend, ringt mit dem ver⸗ wachſenen zwerghaften Zindram, deſſen Augen Feuer ſprüh⸗ ten, deſſen Haare ſich ſträubten; ſchon naht der Moment der Entſcheidung, denn der Schwertträger von Krakau wankt auf ſeinem Pferde, das Schwert entſinkt ſeiner Hand— 150 herbei.— Ulrich erblickte ihn, deſſen Angeſicht der Kampf geröthet, deſſen Augen vor Aufregung blitzten.— „Du biſt's! Du biſt's! Du bringſt die Strafe des höchſten Gottes über mein ſündiges Haupt, verrathener Freund!“ auft er und in gleichem Moment ſtürzt er, von zwei Geſchoſſen zugleich in Stirn und Bruſt ge⸗ troffen, vom Roſſe, noch durch eine Biegung des Haup⸗ tes im Fallen den Helmſturz über ſein Geſicht ſinken laſſend.—— Auch nach des Meiſters Tode tobte der Kampf fort! Leichen häuften ſich auf Leichen an der Stelle, wo er gefallen. Der Träger des großen Ordens⸗Banners, Herr Georg von Gersdorf, hält unweit dieſes geheiligten Platzes dem Andrang der Feinde Stand, bis er, von hun⸗ dert Schwertern durchbohrt, zuſammenſtürzte, die ihm anvertraute Fahne in ſterbender Hand feſthaltend. Ach! ſo viele der Edelſten unter den Rittern: der Comthur von Althaus, von Grunden, von Engelsburg, von Naſſau, Preßburg, Meran und Thorn, die Vögte von Roggenhauſen und Dirſchau, der Treßler und Tra⸗ pier des Ordens und noch viele andere Gebietiger, 200 Ordensritter, 400 Soldritter und 40,000 Krieger des Ordensheeres waren gefallen.— Die Herzoge Conrad von Oels und Caſimir von Stettin in den Händen der Polen und in finſtere Kerker geworfen, die ebenfalls ge⸗ ht der zten.— afe des athener ürzt er, euſt ge⸗ Haup⸗ ſinken Kampf lle, wo anners, eiligten in hun⸗ ie ihm n: der lsburg, e Vögte id Tra⸗ r, 200 ger des Conrad den der alls ge⸗ 151 fangenen Ritter Heinrich von Schwelborn, Comthur zu Tuchel und Marquard von Salzbach, Comthur zu Bran⸗ denburg ließen die rachſüchtigen Fürſten Wladislav und Withold auf dem Schlachtfelde durch Henkershand tödten. Und die Sonne ging unter und die Nacht brach her⸗ ein und legte ihren braunen Mantel über die Stätte des Mordes und Blutes, und die Sterne, ſtill hernieder⸗ ſchauend auf die Erde, warfen ihr mildes Licht auf die zerſtampften Felder, überdeckt mit Leichen, unter deren zuſammengeſunkenen kalten Leibern noch hie und da ein Lebender ſich krümmte!— Furchtbare Geſpenſter jagten über die dunkle Ebene und wühlten den Sand auf, und traten an Blutlachen und ſtießen Töne aus, die der Hölle anzugehören ſchienen. Es waren verwundete Pferde, nicht ſelten ihre Eingeweide wie eine entſetzliche Kette hinter ſich herſchleppend. Sterbende wanden ſich in ihrem Blute und Verwundete ſlehten in den verſchiedenſten Sprachen um die Erquickung eines Trunkes. Die ſiegenden Heerhaufen der Polen, Lithauer und Tartaren hatten nicht weniger gelitten als das ge⸗ ſchlagene Ordensheer; 60,000 Krieger waren gefallen, darunter zwölf der ausgezeichnetſten Heerführer, zum Theil Verwandte und Vettern Withold's und Wladislav's. An eine Verfolgung des fliehenden Reſtes der am 152 Morgen noch ſo ſchön geordneten Schaaren, der unter dem Orden kämpfenden Bewohner Preußens, war nicht zu denken. Tödtlich ermüdet lagen die Sieger am Boden, in einem Schlafe, der ſie Denen, die ſo nahe bei ihnen den ewigen Schlaf ſchliefen, an Wehrloſigkeit gleich machte. Auch Wladislav lag auf ſeinem weichen Lager. Das Gefühl des Triumpfes ſchwellte ſein ſtolzes Herz und ließ es raſcher ſchlagen. In ſeiner Hand hielt er ein Schreiben ſeines Anhängers des Biſchofes Johannes von Guneſen, das noch während der Schlacht ein vertrau⸗ ter Bote gebracht hatte. „Kommt, mein Herr und König,“ hieß es darin, „kommt eilig in das Land, das der Herr Euch gegeben. Wie einſt die Mauern von Jericho von den Trompeten Joſuas, werden die Mauern aller Städte Preußens, die in Euch ihren Retter erwarten, vor dem Hauche Eures Mundes niederſinken. Beeilet Euch, mein edler Fürſt! denn die Stunde iſt gekommen, von der der Herr ſpricht im zweiten Capitel der Offenbarung im 23. Vers: Und ihre Kinder will ich zu Tode ſchlagen und ſollen erkennen alle Gemeinen, daß ich bin, der Herzen und Nieren prüfet.“ „Er hat gut ſagen: Kommt Herr, eilet Euch, denn die Stunde iſt gekommen,“ ſagte Wladislav, den Brief in Zin ſtand voll dieſe laß berei auch Dan er hi ſagte ſeine mit i eilig ſelbſt freue auch ſei f auf? Köni — Le Verp unter nicht n, in en den tachte. Das rz und er ein hannes rtrau⸗ darin, geben. unpeten S, die Eures Fürſt! ſpricht Und kennen Nieren „denn rief in 153 Zindram's Hand legend, der noch an ſeinem Lager ſtand. „Erſt muß ich ſelbſt mich ausruhen von dieſen Tagen voll Gräue’ und dieſen Nächten ohne Schlaf, bevor ich dieſe Handvoll ermüdeter Menſchen weiter führe. „Morgen, wenn ſie ausgeſchlafen haben, Zindram, laß ihnen ein Mahl auf dieſem Felde unſeres Triumpfes bereiten, laß ſie fröhlich ſein und den Sieg feiern, und auch unſer königliches Herz. ſoll der Freude geöffnet ſein. Dann ſeine Augen auf ſeinen Feldherrn richtend, ſetzte er hinzu: „Du ſagſt Ulrich ſei vor Deinen Augen gefallen, ſagteſt Du nicht ſo, mein werther Vetter?— auf, laß ſeine Leiche ſuchen, laß ſie hier vor mein Zelt legen, da⸗ mit ich mich ergötze am Anblick des todten Feindes. Gib eilig Befeh le dieſerhalb, laß Fackeln anzünden und geh' ſelbſt mit, das zu ſuchen was das Auge Deines Königs freuen wird, wenn der lichte Morgen aubricht.— Trag' auch Sorge, daß Trank und Speiſe morgen genug da ſei für dieſe meine wackeren Krieger. Ich verlaſſe mich auf Dich, mein Feldherr, eile und ſchütze die Ruhe Deines Königs und Vetters.“ Der Schwertträger von Krakauentfernte ſich ſchweigend. Lange ſchon hatte er die nöthige Vorſorge für die Verproviantirung des Heeres getroffen, er durfte nur die Befehle zur Vertheilung der Speiſen am nächſten Mor⸗ gen geben. Schwerer ward ihm die Erfüllung des erſten Be⸗ fehles ſeines königlichen Verwandten. Sein Herz ſträubte ſich dagegen die Leiche des Feindes, den er achtete, viel⸗ leicht dr Mißhandlung, dem Spotte des rohen Kriegs⸗ haufens preiszugeben, aber ein anderer Wunſch, der ſeine kühne Seele erfüllte, machte ihm die Durchſuchung des Schlachtfeldes zur Pflicht. So ließ er denn Fackeln anzünden und, begleitet von dreißig Kriegern ſeiner eigenen Fahne, begab er ſich um die Stunde der Mitternacht hin nach dem Felde des Todes. Es war eine dunkle, ſüße Sommernacht, der Mond bereits untergegangen; das Gewölke, das ſich am ſüdlichen Horizontrande lagerte, verdeckte das Abendroth, das in unſeren nördlichen Breiten um dieſe Zeit ſchon faſt ſo lange den Himmel erhellt bis es, allmälig weiter und weiter vorrückend und heller und heller werdend, ſich in Morgenroth verwandelt. Im Zenithaber verſchleierte kein Wöllchen die glänzenden Sterne, mit denen Gottes Hand das Himmelsgewölbe ſchmückte, nur der Qualm der Fa⸗ ckeln wob eine düſtere Decke über den Häuptern der Män⸗ ner, die, langſam vorwärts ſchreitend, ſich mehr und mehr von Schrecken umgaben ſahen, die das Licht auf einem Unkreiſe von einigen Schritten grell erleuchtete, um hin⸗ ter d zu la ten, Geſch miſch den? geſche ligthe Zind deckt konnt funde Leiche dem, Blüt ſcharf von gen u ſchlie Fuß die F mes ſten Mor⸗ erſten Be⸗ 3z ſträubte ztete, viel⸗ n Kriegs⸗ , der ſeine chung des nanzünden hen Fahne, t hin nach der Mond m ſüdlichen hh, das in chon faſt ſo weiter und eend, ſich in Zleierte kein vottes Hand lm der Fa⸗ n der Män⸗ yr und mehr auf einem te, um hin⸗ 155 ter demſelben neues Grauen und neue Schrecken ahnen zu laſſen.— Der Nachtwind trug auf ſeinen feuchten Flügeln den Blutgeruch, das Gewimmer der Verwunde⸗ ten, das Stöhnen der Sterbenden, das weithin ſchallende Geſchrei der Pferde, mit Fluchen und Gebeten unter⸗ miſcht, den Sinnen der wenigen pejunden, aber bis auf den Tod ermüdeten Kri irge zu, die unter L Leitung ihres geſchätzteſten Führers hieher kamen, um das große Hei⸗ ligthum Polens, das große Reichsbanner zu ſuchen, das Zindram niederſinken und von einem Leichenhaufen be⸗ deckt werden geſehen hat. Gelang es dem Polenfeldherrn dieſes zu finden, ſo konnte auch die Leiche des Hochmeiſters mit Leichtigkeit ge⸗ funden werden, denn wenige Schritte trennten nur den Leichenhügel, wo jener rieſige Preuße gefallen war, von dem, wo Ulrich von Jungingen den Heldentod geſtorben. Ein alter Eibenbaum voll ſtark duftender weißer Blüthen war das Wahrzeichen, nach welchem Zindram's ſcharfe Augen die Nacht durchſpähten. Kaum drei Ellen von demſelben entfernt, mußte das Banner am Boden lie⸗ gen und, langſam vorwärts gehend, Aug und Ohr ver⸗ ſchließend gegen die Schrecken und den Jammer, die ſein Fuß überſchritt, befahl der Schwertträger von Krakau die Fackeln hoch zu tragen, damit ſie die Krone des Bau mes erhellten, wenn man in der Nähe desſelben kam. 156 Aber die Dryade ſchien einen Nebelſchleier um ihre entheiligte Wohnung gezogen zu haben; vergebens durch⸗ ging das Piquet die weite, furchtbare Stätte des Schlacht⸗ feldes nach verſchiedenen Richtungen, der Baum mit den weißen Blüthendolden war verſchwunden und der Blut⸗ geruch übertäubte den ſonſt ſo ſtrengen Duft des Flie⸗ ders. Hin und wieder ward die Aufmerkſamkeit Zindram's getäuſcht, wenn er etwas Weißes am Boden ſchimmernd erblickte und, dann ſich bückend, nicht das Tuch des Ban⸗ ners, ſondern den weißen Wadmolmantel eines Ordens⸗ ritters erkannte. Da lagen ſie, die kühnen Streiter, zuſammengekom⸗ men aus allen Gauen des deutſchen Landes, um eine große Idee zu verwirklichen; da lagen ſie, ſtarr und kalt! Hier ein Greiſenantlitz von ſilberweißem T Bart umrahnt, deſſen Züge noch vor dem Tode durch ein Leben voller Anſtrengung und Selbſtverleugnung ſchon erſtarrt wa⸗ ren; die Vennen Züge drückten noch ſterbend ſtolzes Selbſtbewußtſein, eiſerne Willenskraft aus. Dort ein lieblicher Jüngl ing, von deſſen goldig blondem Haare der Helm gefallen, als er ſelbſt ſterbend zu Boden ſank. Eine Mutter, liebevolle Schweſter, mochten i im fernen Sach⸗ ſenlande für den Krieger Gottes beten, der ſo frühe hier allen Kämpfen der Erde enthoben worden. Das Herz des wackeren Schwertträgers von Kra⸗ kau, Bruſt nicht muth und d eigene ſam der C fürſtli Adern Wie der E von L ſelben Chriſt vielen ſo den Nebel Vater der J gend, dann m ihre s durch⸗ ſschlacht⸗ mit den er Blut⸗ des Flie⸗ indram's immernd des Ban⸗ Ordens⸗ engekom⸗ um eine und kalt! umrahmt, pen voller ſtarrt wa⸗ d ſtolzes Dort ein Haare der ank. Eine en Sach⸗ frühe hier von Kra⸗ 1⁵57 kau, wie feſt und männlich es auch in der verbildeten Bruſt ſchlug, konnte den Eindrücken, die es beſtürmten, nicht ſo vollſtändig widerſtehen, daß nicht eine tiefe Weh muth ſich ſeiner bemächtigt hätte. Das Leben des Menſchen ſchien ihm ſo werthvoll, und der Tod doch ſo ſchmerzvoll und ſchrecklich. Seine eigene Vergangenheit ſtieg in ſeiner Seele empor, gleich— ſam einen Schleier von Nebelbildern über die Schrecken der Gegenwart ziehend. Er ſah ſich ſelbſt als Kind in dem Pallaſt ſeiner fürſtlichen Eltern, denn fürſtliches Blut floß in ſeinen Adern ſo gut als in denen Wladislav's und Withold's. Wie dieſe Beiden Regenten großer Länder, war auch er der Enkel Gedemin's, des weit gefürchteten Großfürſten von Lithauen, nur war er der Sohn einer Tochter des ſelben. Er ſah ſeine Mutter, die ſchöne, edle, frühe zum Chriſtenthume bekehrte Frau, die ihn, das einzig ihr von vielen übrig gebliebene Kind, mit ſo heißer Liebe umfaßte, ſo deutlich vor den Augen ſeiner Seele, als wären die Nebel der Nacht ihre weißen Gewänder, er ſah ſeinen Vater, den ſtolzen Bojaren von Maſchkowyez, wie er von der Jagd heimkehrte, von ſeinem ſchwarzen Roß ſprin⸗ gend, die fürſtliche Gattin in ſeine Arme ſchloß, und ſich dann zu ihm, dem einzigen immer kränkelnden Kinde, n 158 der beugte, und dann ſtand noch eine Geſtalt lebhaft, wie eine Viſion vor ſeiner Seele, ein kleines ſchönes Mäd⸗ chen, nicht ſeine Schweſter, aber ihm nahe verwandt und ſeine beſtändige, heißgeliebte Geſpielin und durch den Willen ihrer beiden Mütter ihm zur Gattin beſtimmt. Ach, ſie hatte ſein Herz getäuſcht und war einem fremden Gatten in die Fernegefolgt, und ſeitdem war das Schwert ſeine Braut und der Ruhm ſeine Liebe geweſen, und er, der ſtolze Diener ſeines königl. Vetters, der Erſte im Rath, der Erſte in der Schlacht, kannte ſich ſelbſt zu wohl, um jemals nach Frauenliebe zu ſuchen. Er war durch ſein Geſchick, das ihm in ſeiner verkrüppelten Geſtalt einen Fluch angeheftet, gleichſam vorher beſtimmt ein Glied jenes mächtigen Ordens zu werden, gegen den er jetzt ſchon ſeit Jahren mit ſolcher Erbitterung focht, aber der Hochmeiſter Conrad Zollner von Rothenſtein, bei dem er ſchon länger als zwanzig Jahre um dieſe Ehre ge⸗ worben, hatte ihn ſchnöde zurückgewieſen. Nur deutſchen Edeln ſei der Eintritt in den Orden geſtattet, Lithauer und Polen davon für ewige Zeiten ausgeſchloſſen, lautete die Antwort, die man ihm gab, und nur zu wohl wußte er, daß die Ordensritter und die deutſchen Edelleute im Allgemeinen den Adel Polens und beſonders Lithauens als nicht ebenbürtig betrachteten. Er haßte ſie darum und haßte ihm Er ha einzelr ſchen, teten 1 ziemlie ckeln e wohl; nen ſo ſten D Boden mit ihr Waffer gewühl in Kro pflegte W und ſe ihr Fu S det, d zerſtam aft, wie 8 Mäd⸗ indt und urch den heſtimmt. fremden Schwert und er, im Rath, vohl, um durch ſein talt einen Glied en er jetzt aber der bei dem Ehre ge⸗ deutſchen Lithauer , lautete dohl wußte elleute im Lithauens arum und 159 haßte d den Orden, und der Kampf gegen denſelben war ihm Sache des ſtolzen, gekränkten Herzens. Mit ſolchen Gedanken ſchritt er hin durch die Nacht. Er hatte dem Haufen befohlen ſich zu zerſtreuen und in einzelnen Poſten je fünf zu fünf nach dem Baume zu for⸗ ſchen, den er ihnen genau b zeichnet. Ihn ſelbſt beglei⸗ teten nur zwei Fackelträger, drei hatte er auf einer Anhöl he ziemlich trͤnitten des Schlachtfeldes poſtirt, wo ihre Fa⸗ ckeln einen feſten Punkt bildeten, der den Zerſtreuten ſo⸗ wohl zur Richtſchnur als ſpäter zum Sammelplatz die⸗⸗ nen ſollte. Zindram's beide Begleiter waren zwei ſeiner treue⸗ ſten Diener. Faſt zugleich mit ihm auf dem Grund und Boden ſeines Vaters geboren, als ſeine Spielgefährten mit ihm erwachſen, waren ſie immer neben ihm, ſeine Waffenträger und ſeine Roſſebändiger ſowohl l im Kriegs⸗ gewühle als auch in den kurzen Friedensz eiten, die er bald in Krakau, bald in Willna, bald in Kauen zuzubringen pflegte. Beide gingen ſtumm und ſchweigend wie ihr Herr und ſchüttelten ſich bisweilen im leiſen Grauen, wenn ihr Fuß in eine Blutlache trat, oder eine Leiche ſtreifte. Sie hatten ſich eben um eine kleine Anh. 89 e gewen⸗ det, deren niedriges Wachholdergeſtrüpp ganz und gar zerſtampft und zertreten war, als ſie alle drei im gleichen 160 Moment den blühenden Eibenbaum erblickten, an deſſen Zweigen ein weißes Roß nagte, das, durch die Annähe⸗ rung des Lichtes erſchreckt, mit markerſchütterndem Schrei davonjagte. „Hierl⸗ ſagte Zindram, und der einfache Laut klang ſeltſam und ſchauerlich durch die Nacht,„links hier, folgt mir, dies iſt der Ort!“ Wahuhi lich, es war ein Ort des Grauſens, denn Hun⸗ derte von Leichen: Polen, Tartaren, Deutſche lagen ne⸗ ben und über Anarder in Stellungen, wie ſie der Todes⸗ kampf nur möglich machen kann. Mit jeder Hand eine der Fackeln ſeiner Begleiter ergreifend, lehnte Zindram ſich an den Stamm den Eibe, deren zackige Blätter und weiße Blüthen vom röthlichen Lichte angeſtrahlt wurden, während die beiden Andelen mit ſchrecklicher Geſchäft gkeit eine Leiche nach der ande⸗ ren hinweg hoben und an eine andere Stelle trugen. Nicht ſelten ward dann ein Seufzer, ward ein Schmerzſchrei laut, Blut ergoß ſich von Neuem aus den klaffenden Wunden, aber endlich ſah man einen Theil des Fahnenſchaftes, er ragte unter un Halſe des polniſchen Bannerträgers hervor, der, mit dem Auulite zur Erde ge⸗ ſunken, hier ſtarr und kalt noch im Tode ſein Anrecht auf die Standarte, die ihm anvertraut worden, zu behaupten ſchien. haue von The brock er da zu n in w Sto Geſi Blut der o umk wach und einen das beug Ein n deſſen Annähe⸗ mSchrei aut klang ier, folgt inn Hun lagen ne⸗ r Todes⸗ Begleiter der Eibe, —röthlichen Anderen der ande ugen. ward ein in aus den Theil des polniſchen Erde ge⸗ nrecht auf behaupten 161 Als man ihn aufhob, warf Zindram einen Blick der Theilnahme auf das bleiche Geſicht mit den dunkeln, ge⸗ brochenen Augen, und ein Seufzer hob ſeine Bruſt, ehe er durch ein„weiter! weiter!“ ſeine erſchöpften Begleiter zu neuer Thätigkeit anſpornte. Das ſtolze Banner Poleus lag mit Blut getränkt in weiten Falten über zwei menſchlichen Körpern. „Ha!“ ſagte Zindram, als die Wogen des blutigen Stoffes zuſammengerollt jetzt das bleiche regelmäßige Geſicht Bruno's enthüllten, der, den ſchmächtigen von Blut überſtrömten Gedete in ſeinem Arme haltend, mit der andern Hand noch immer den Schaft der Standarte umklammerte. „Wir müſſen die Hand dieſes todten Mannes ab hauen,“ ſagte der eine der Gefä wachſen.“ Im nämlichen Moment aber öffnete ſich dieſe Hand, und das leichenbleiche Haupt emporhebend, that Bruno einen tiefen Athemzug und öffnete die Augen, ſtarr in das Geſicht Zindram's blickend, das ſich über ihn ge⸗ beugt hatte. „Ihr ſeid's, mein Oheim!“ ſagte er in der ſüß⸗ Ein Bürgermeiſter II 11 18 162 klingenden, dem Griechiſchen ſo nahe verwandten Sprache ſeiner Kindheit,„o ich habe ſchwer geträumt, ſeit ich Euch nicht geſeh'n.“ Ein Schauder erſchütterte die Glieder des kühnen Schwertträgers von Krakau.„Stehen die Todten auf, und biſt Du es wirklich, Sungalo, Freund meiner Jugend!?“ Die Luft, welche, weich um die Schläfen Bruno's wehend, ihn aus ſeiner tiefen Ohnmacht jetzt allmälig zur vollen Beſinnung brachte, verwehte gleichſam die Er⸗ innerung aus ſeiner längſt vergeſſenen Kindheit, die ſich ihm beim Aublick Zindram's aufgedrängt hatte. „Herr!“ ſagte er, ſich jetzt der deutſchen Sprache bedienend, die ihm in der Regel geläufiger als ſeine li⸗ thauiſche Mutterſprache war,„ich bin Bruno, den man in ſeiner Kindheit Sungalo nannte, Lithauer von Geburt, aber mit ſamaitiſchen Geißeln vor Jahren ſchon dem Orden übergeben, ſeit acht Monaten an Sohnes Statt angenommen von dieſem braven Manne, deſſen Leben ich nicht retten konnte, und jetzt Euer Gefangener.“ „Lege die Leiche nieder undfolge mir in mein Zelt,“ entgegnete Zindram mit einer Stimme, der man das Beben anhören konnte. Wol ſteht nicht Pfei ande und Part fahl d dieſen geret zurüc Ulrich hier, das 2 ſetzen Arme kämp fange Sprache V ich Euch 3 kühnen dten auf, d meiner Bruno's allmälig n die Er⸗ t, die ſich 1 Sprache s ſeine li⸗ den man pn Geburt, ſchon dem nes Statt Leben ich 1 nein Zelt,“ man das 163 „Ich habe ein Gelübde gethan, dieſen meinen Wohlthäter nicht zu verlaſſen, tödtet mich neben ihm, das ſteht in Eurer Gewalt, Herr, folgen kann ich Euch nicht!“ Zindram zog aus ſeinem Buſen eine kleine ſilberne Pfeife, der er zwei ſchrille weitſchallende Töne entlockte, andere ähnliche antworteten denſelben näher und ferner, und wenige Minuten darauf kamen zwei der abgeſendeten Parteien mit Fackeln und einer Bahre. „Legt dieſe Leiche auf Euere Bahre, Ihr da,“ be⸗ fahl der Schwertträger von Krakau,„Ihr Anderen nehmt dieſen Gefangenen in Eure Mitte, ich ſelbſt trage den geretteten Adler Polens, ehe wir aber noch in's Lager zurückkehren, folgt mir Alle, die Leiche des edlen Meiſters Ulrich aufzuſuchen.“ „Sie iſt bereits gefunden, wenige Schritte von hier, dort bringen ſie unſere Gefährten.“ „Vorwärts denn!“ commandirte Zindram, ſich das Banner im Arm nach der Richtung in Bewegung ſetzend, wo die Wachtfeuer des Reſtes der polniſchen Armee ſchon mit dem Grau des anbrechenden Tages kämpften.„Vorwärts, und gebt wohl Acht auf den Ge⸗ fangenen. 11* 164 Mit geſenktem Haupte und gefalteten Händen folgte Bruno der Leiche Gedete's, während Zindram, feſten Schrittes vorausgehend, das gerettete Panier Polens zer⸗ riſſen und Blut befleckt wie es war im kühlen Morgen⸗ winde flattern ließ. Knau die Fe lichen von P ſeines 16. 8 durch letztve gekühlt Auen, und di ſich un 2 theuere thur ſie geben, en folgte n, feſten lens zer⸗ Morgen⸗ Siebentes Capitel. Feſt in ſeinen Mantel gehüllt, die Hand auf den Kuauf des Schwertes ſtützend und den hellen Blick in die Ferne ſendend, die grün und lachend in vollem ſommer⸗ lichen Schmuck vor ihm lag, ſtand Herr Heinrich Reuß von Plauen, der Comthur von Schwetz, auf der Zinne ſeines Ordenshauſes. Es war die Mittagsſtunde des 16. Juli 1410, und ein herrlicher Sommertag war es, durch das Gewitter und die Stürme der Nacht, die dem letztverfloſſenen Tage vorhergegangen, erfriſcht und gekühlt. Der Weichſelſtrom floß ſo ruhig durch die grünen Auen, das Getreide auf den Hügeln ſtand ſchon goldig und die Fruchtbäume hie und da in den Gärten bogen ſich unter der Laſt des reifenden Obſtes. Auf den ausdrücklichen Befehl des Meiſters, ſeines theueren Freundes Ulrich von Jungingen, hatte der Com⸗ thur ſich erſt vor wenigen Tagen in ſeinen Amtsſitz be⸗ geben, ſein junger Vetter und Namensgefährte war auch 166 dort, und Beide empfanden es ſchwer, daß ſie ausge⸗ ſchloſſen ſein ſollten von dem Kampfe, deſſen Unvermeid⸗ lichkeit ſie wie jeder andere Ordensritter einſahen.— Die Straßen, die das Land durchzogen, waren ſtill, kein Frachtwagen, keine Züge zur Arbeit eilender Landleute bewegten ſich auf derſelben. Zwar lag die Comthurei Schwetz von dem Theile des Landes, auf dem der Kampf ſtattfinden mußte, um manche Meile entfernt, doch merkte man eben an der Stille der Gegend, daß das Ungeheuer des Krieges im Lande tobte. Alle wehrhaften und wehr⸗ pflichtigen Männer waren mit dem Meiſter dem Feinde entgegen gezogen. Wie mag es Dirjetzt ergehen, Ulrich, mein edelher⸗ ziger Freund?— dachte der Comthur; während ſeine Blicke über der ſtillen Landſchaft ſchweiften. Um Dich tobt wohl jetzt das Gewühl des Kampfes, oder Du bereiteſt Dich zu demſelben vor durch Gebet, oder Du ſorgſt für das Wohl Anderer, Dich ſelbſt, Deine Freude und Be⸗ quemlichkeit vergeſſend. „Nachricht vom Kriegsſchauplatz mein Oheim,“ rief jetzt der jüngere Planen, der eiligſt die Treppen hin⸗ auf nach den Zinnen geſtiegen war, drei Männer reiten eben durch unſer Thor und einer davon iſt Ralph, der Narr des Hochmeiſters. Der Comthur richtete ſich kräftig zu ſeiner ganzen Größe Boten 3 auf ein er die Mante Unglüc 8 ſich al Conver Poſten tig mac T Hochme welche verlore der letz ziehend Verſuch worden thur vo tigen. Traue die ſie felde h ausge⸗ ermeid⸗ en.— ll, kein undleute mthurei Kampf ) merkte eheuer d wehr⸗ 1 Feinde edelher⸗ id ſeine HDich tobt bereiteſt orgſt für und Be⸗ Oheim,“ ſppen hin⸗ ier reiten alph, der r ganzen 167 Größe empor.„Mit Gott denn,“ ſagte er,„laßt uns den Boten empfangen.“ Im nämlichen Augenblick erſcholl von unten her⸗ auf ein Wehgeſchrei, ſo laut, ſo markerſchütternd, daß er die Hand auf das Herz legte, das unter dem weißen Mantel hoch aufklopfte, in der Gewißheit, daß großes Unglück geſchehen ſein mußte. In dem Conventsſaale der Schwetzerburg befanden ſich als der Comthur eintrat bereits die Brüder des Convents verſammelt, acht Greiſe, die man auf dieſen Poſten geſtellt, weil ihre Jahre ſie zum Kampfe untüch⸗ tig machten, und zwei Prieſter⸗Brüder. Die drei Ankömmlinge, die man für Boten des Hochmeiſters gehalten, waren die erſten Flüchtlinge, welche von der Tanneberger Schlacht, als ſchon Alles verloren und der Kampf bei der Feldmark Grünfeld, wo der letzte Reſt des ſich nach Ulrich's Tode langſam zurück ziehenden Ordensheeres noch einmal einen verzweifelten Verſuch zum Widerſtande gemacht, der unmöglich ge⸗ worden, in fliegender Haſt hieher geeilt waren, den Com⸗ thur von Schwetz von dem was geſchehen zu benachrich⸗ tigen. Ihre zerriſſenen blutbefleckten Kleider, die tiefe Trauer, die in allen ihren Zügen lag und die Wunden, die ſie ſelbſt, wenigſtens zwei von ihnen, vom Schlacht⸗ felde heimbrachten, zeigten, daß ſie nicht als Memmen 168 ge eflohen, ſondern ihre Mannespflicht bis zum letzten Augeuai licke erfüllt hatten. Der einzige Unverwundete war durch ſein Amt vom Kannpir dansgeſchloſſen, der Caplan, Beichtvater des Hochmeiſters, der Prieſter⸗Bruder Johannes Lin⸗ denblatt.— Mit einem Schmerz, deſſen veftigkeit er nicht mehr gebieten konnte, warf der würdinen Mann ſich in die aus⸗ gebreiteten Arme des Comthurs, und ſein bleiches Geſicht an der Schulier dieſes Freundes bergend, ſagte er, den 6 Thränen freien Lauf laſſend:„Er iſt nicht mehr! unſer Freund, der edle Meiſter Ulrich ſtarb den Heldentod als er Schlacht verloren ſah.“ „Fri iede feiner Aſche!“ entgegnete der Comthur— „aber nicht Friede f für uns, denn, wenn wir eine Schlacht verloren, au der unſere ganze Macht theilnahm, ſo legt das Herz des Landes dem Feinde offen und wir haben keine Stütze zu erwarten, weder von den übermüthigen Bürgern noch von der falſchen Geiſtlichkeit.“ „Das Land aber und das Landvolk iſt treu, edler Herr,“ ſagte der zweite der Flüchtlinge, die blutige Binde weiter aus der Stirn hiebend und das jetzt bleiche Ge⸗ ſicht des noch vor Kurzem ſo friſchen und muthigen Sigmund von Groß⸗L Lie ichtenau zeigend, dann aber plötz⸗ lich von einem Schwindel befallen, flüſterte er zuſammen⸗ die Dle Wein, ſinken ſterbe kenwoͤ Dritt labte, marie „ thur 4 für E Mari wenn ben, Ein als ich fallen von ſe von f mag, geſchm nete d ſer H marie letzten Amt gtvater s Lin t mehr ee aus Geſicht r, den unſer ldentod hur— chlacht ſo liegt †haben üthigen t, edler Binde he Ge⸗ —uthigen r plötz⸗ emmen 169 ſinkend:„Waſſer! einen Trunk, Herr, ich glaube, ich ſterbe.“ Zwei der alten Ritter, geübte und liebreiche Kran⸗ kenwärter, unterſtützten den Verwundeten, während ein Dritter durch einen ſchnell herbeigebrachten Trunk ihn labte, worauf er denn zur Pflege ſogleich nach der Fir marie geſchafft wurde. „Herr,“ ſagte jetzt Ralph, der ſich jetzt erſt dem Com⸗ thur genähert hatte,„dieſen Brief gab mir der Meiſter für Euch. Er ſchrieb ihn in der letzten Nacht ehe er die Marienburg verließ, und befahl mir, ihn Euch zu bringen wenn er todt ſein würde, denn er hatte den feſten Glau ben, daß dieſer Kampf ſein letzter irdiſcher ſein müſſe. Ein Tartar hätte mir das theure Pferd bald entriſſen, als ich vom Schlachtfelde, wo ich meinen edlen Herrn fallen ſah, hierher reiten wollte.— Ich habe den Hund von ſeinem Pferde geſtochen, aber mein linker Arm hat von ſeinemn Pfeile eine Wunde, die wohl vergiftet ſein mag, denn der kleine Ritz iſt ſchmerzhaft und der Arm geſchwollen und unbrauchbar.“ „Darüber ſei ruhig, mein alter Freund,“ entgeg⸗ nete der Comthur,„wir haben die Mittel, das Gift die ſer Heiden unſchädlich zu machen, trink jetzt den Becher Wein, den man Dir bringt und laß Dich in unſerer Fir⸗ marie pflegen. So lange noch dies Ordenshaus in der 7 1 170 Hand unſeres chriſtlichen Ordens iſt, wollen wir Brüder unſere Pflicht als Krieger und Krankenwärter erfüllen; und ſollten die Flammen, von den verrätheriſchen Heiden entzündet, aus ſeinem Dache ſchlagen, ſo wollen wir un⸗ ſere Pfleglinge retten oder mit ihnen zu Grunde gehen.“ „Folgt mir jetzt nicht, mein edler Bruder Johannes, ich gehe in mein Gemach, die letzten Befehle meines ſterben⸗ den Gebieters zu leſen; dann erſt will ich den näheren 8 Bericht über das große furchtbare Unglück aus Euerm Munde genauer hören.“ Als der Comthur ſich entfernt hatte, ſetzte Herr Lindenblatt ſich erſchöpft nieder und ſtützte den Arm auf die ſteinerne Fenſterbrüſtung. Vor ihm, die Arme gekreuzt, die Augen funkenſprü⸗ hend, ſtand der jüngere Plauen, und fragte eifrig nach dem Hergange der Schlacht. „Alles verloren! Alles, mein werther Bruder,“ ſagte der Caplan mit tiefer Trauer.„Der alte, würdige Compan, Herr Sigmund Brendel hat bis zum letzten Momente neben dem edlen Helden, der nun todt und dahin iſt, gefochten.— Ulrich ſtarb wie er gelebt, als ein echter Ritter, und er iſt nicht zu beklagen, denn ſeine Augen dürfen nicht ſehen was nun kommen wird, die Eroberung dieſes ſchönen Landes durch dieſe ſchnöden Polen, die Zertrümmerung des Ordens, der ein leuchten⸗ 1 der S Jung in der Plaue gen ſe wird bar d Brud „aber Einzi große übrig treuef Wün Plau Stirꝛ Schle Ehre den 6 kömn könnt rüder illen; eiden r un⸗ hen.“ , ich erben⸗ theren Euerm Herr imm auf aſprü⸗ nach uder,“ ürdige letzten dt und ſt, als ſeine d, die hnöden licchten⸗ 171 der Schild dem Chriſtenthume war.— Mit Ulrich von Jungingen ſank die Macht dieſer heiligen Verbrüderung in den Staub!“ „Sprecht nicht alſo,“ entgegnete der jüngere Plauen mit gerötheten Wangen,„mit Ulrich von Jungin⸗ gen ſank ein wackerer Ritter, aber der ritterliche Geiſt wird ihn überleben, wie er andere Meiſter überlebte.“ Herr Lindenblatt ſchüttelte leicht, aber wohl bemerk⸗ bar das Haupt.—„Der ritterliche Geiſt, mein junger Bruder, ſank leider ſchon vor Ulrich,“ ſagte er trübe, „aber Ulrich ſtarb als ein echter Ritter, und das iſt das Einzige und Letzte, was in dieſen Zeiten Jedem von der großen und edlen Benderſchaft, die ſich ſelbſt überlebt hat, übrig bleibt. Euch ſtarb in dieſem edlen Manne der treueſte Freund, der Schützer und Beförderer Eurer Wünſche und Hoffnungen.“ „Schweigt, o ſchweigt, mein Bruder,“ unterbrach Plauen den Caplan, und Schamröthe bedeckte ſeine Stirn und Wange,„jetzt denken an etwas Anderes als an Schlacht und Krieg und an die Rettung der ritterlichen Ehre unſeres Ordens iſt eine Schmach, deren Ihr mich, den Sohn des kaiferlichen Reichshofrichters, einen Ab⸗ kömmling des Geſchlechtes der Plauen, nicht fähig halten könnt.“ „Weiberliebe und Eheglück mögen ſchöne Dinge 172 ſein, wenn Frieden auf dem Lande ruht, wenn der Arm des Einzelnen leicht entbehrt werden kann, weil er doch müßig bleiben würde. Ehe das Schwert roſtet, mag es wohl zur Pflugſchaar umgeſchmiedet werden, aber wenn es geöraucht wid fliege es aus der Scheide und ſein Blitz blende wie der Blitz des Himmels den Feind, ehe es ihn zerſchmettert.“ Er wendete ſich zum Geh hen und ſtieß in der Thürt faſt an den Comthur, ſeinen Oheim, der, ſtill und gefaßt eintretend, ihm einen Wint ga ſich niederzuſe tzen, um mit ihm den ferneren Bericht Lindenblatt's anzuhören. „Alles verloren! Alles!“ ſeufzte von Neuem der Unglücksbote, auf die Frage des Comthurs nach genauer Nachricht über die Schlacht. „Sogar unſern ſchönen, kleinen goldenen Feldaltar haben dieſe Heiden erbeutet. Den koſtbaren Kriegsmantel des Meiſters hat ein Tartar davon getragen und wir hörten Wladislav habe ihn dieſem abkaufen laſſen, um ihn in Krakau als Siegestrophäe zu zeigen. Alle feſten Häuſer des Ordens ſind von Mannſchaften, von Feld⸗ ſtücken, ſelbſt von Proviant entblößt und müſſen ſich dem Polenkönig auf Gnade und Ungnade ergeben. Unſere koſtbaren Feldſtücke, die ich noch vor ſo kurzer Zeit in Marienburg gießen ſah, ſind bei Tanneberg in die Hände der Polen gefallen. Den„eiſernen Mann“ ſah ich ſelbſt noch ſie ſie ſtande es nit ſelbſt den H heerte — DT räther der F ſanker oder ten. ganze die B wünſt troſtle ſaale Bild theurt wird haus Arm doch ag es wenn ſein ehe Thüre gefaßt , um noch gegen die Reihen unſerer armen Leute richten, als ſie ſich bei Grünfelde zum letzten verzweifelten Wider⸗ ſtande ſammelten. Der alte Geſchützmeiſter Wolf muß es nicht verſtanden haben die edle Waffe, die er doch ſelbſt geſchaffen, recht zu richten und gut zu bedienen, in den Händen der Polen, und von ihnen gerichtet, ver⸗ heerte ſie die Reihen unſerer tapferen Krieger fürchterlich. — Das ganze Lager iſt mit Allem was darin an Vor⸗ räthen, Waffen und Geld enthalten war, in die Hände der Feinde gefallen, kein Ordenspanier weht mehr, ſie ſanken bei Tanneberg mit ihren Trägern in den Staub oder wurden in der wilden Flucht in den Schmutz getre⸗ ten.— Wladislav braucht nur zuzugreifen, um das ganze Land zu ſeinem Eigenthum zu machen, zumal da die Bürger aller Städte ihm offenkundig als einem ge⸗ wünſchten Schirmherrn entgegen jubeln.“ Heinrich Reuß von Plauen war während dieſes troſtloſen Berichtes langſam in dem ſchönen Convents⸗ ſaale auf und ab geſchritten. Seine Geſtalt ſchien ſich zu heben, je düſterer das Bild wurde, das der Pater entwarf. „Iſt das Alles ſo wie Ihr es uns ſchildert, mein theurer Bruder von der Puſilie,“ ſagte er endlich,„ſo wird es jetzt unſere nächſte Pflicht, das Ordenshaupt⸗ haus vor dem wilden Feinde zu ſchützen. Wir müſſen 1r4 nach Marienburg ſogleich, in dieſer Minute. Geht Ihr, gebt Befehl, daß auch die Kranken von hier dorthin ge⸗ ſchafft werden, damit kein Arm zurückbleibe, den wir dort zur Vertheidigung brauchen könnten.— Geh', Heinrich, und ordne an, daß alle Vorräthe an Brot, Mehl, Wein und Meth ebenfalls nach dem Ordenshaupthauſe ge⸗ ſchafft werden; ſende ſogleich Boten in allen Richtungen durch's Land, die Beſatzungen aller Burgen dorthin zu entbieten. In einer Viertelſtunde müſſen wir Alle auf⸗ brechen, denn iſt Wladislav nur halb ein Feldherr, ſo wird er nicht ſäumen, die ſtolze Marienburg zu belagern. — Sie erſt iſt der Schlüſſel zu dem Ausfluß der Weichſel, und ſo lange ſie noch von dem Schwerte eines Ritters vertheidigt wird, iſt der Orden nicht verloren.“ Er entfernte ſich und Johannes Lindenblatt, ge⸗ nannt von der Puſilie, blieb in dumpfem Sinnen allein, während ein geſchäftiges, aber ſtreng geregeltes Treiben in der Ordensburg Schwetz begann, den Abzug der Ritter aus derſelben vorzubereiten. Bald auch ſah man beladene Wagen und Karren aus dem Burgthore ziehen, ein paar ſchlechte Mörſer, die letzten Reſte der Schwetzer Feldſtücke, folgten ihnen, und endlich ritt hinter drei mit Kranken gefüllten Wagen der Zug der Ritter über die dröhnende Zugbrücke, an ihrer Spitze die Heldengeſtalt des Comthurs, der Letzte in ih Plaus auf ei Linder auf de des rienbr Stan lichen fenfäl Städ⸗ gen z führen der ar hauer entſch lorene faſt a gen er Polen um in den z1 Ihr, in ge⸗ er dort inrich, Wein ſe ge⸗ ungen hin zu le auf⸗ rr, ſo lagern. eichſel, Kitters tt, ge⸗ allein, Treiben Ritter Karren Rörſer, ihnen, Wagen ke, an r Letzte 175 in ihm, der jüngſte der Brüder, Herr Heinrich von Plauen, hoch zu Roß in voller Rüſtung, und neben ihm auf einem alten Maulthiere der bleiche Caplan Herr Lindenblatt. Heinrich Reuß von Plauen hatte nur eine Sorge auf dieſem traurigen Zuge, es war die, daß die Armee des Polenkönigs früher von Tanneberg vor die Ma⸗ rienburg rücken würde, als er dieſelbe zu erreichen im Stande war. Seine Boten durchzogen indeß in aller ihnen mög⸗ lichen Eile das Land nach allen Seiten, die letzten waf fenfähigen Männer, die Freilehensleute, die Bürger der Städte, die Withinge, die zur Beſetzung der Ordensbur⸗ gen zurückgebliebenen Ritter, kurz Alles, was das Schwert führen konnte, nach der Marienburg zu entbieten, wo er der andringenden ſiegreichen Armee der Polen und Lit⸗ hauer einen verzweifelten Widerſtand entgegen zu ſetzen entſchloſſen war. Wo ſie hinkamen erregte der Bericht von der ver lorenen Schlacht Angſt und Entſetzen, aber während in faſt allen Städten die Bürgerſchaft bei ihren Berathun⸗ gen entſchiedene Neigung zeigte, ſich dem herannahenden Polenkönig zu ergeben, rafften ſich die Landleute auf, um im Verzweiflungskampfe ihr letztes Blut für den Or⸗ den zu verſpritzen, dem ſie mit Treue anhingen. 176 Nach T Danzig hat tte der Comthur von Schwetz als Boten 9 alph den Orientalen geſendet, deſſen Liühts Ver⸗ wundung 5 die angewendeten Heilmittel alsbald faſt ſchmerzlos geworden war. Er erreichte die ſtolze Stadt am Morgen des 17. Juli undeilte, ohne ſich einen Augenblick Ruhe zu gön⸗ nen, ſogleich in das ſtattliche Wohn aus Conrad Letzkau's. Es war die Stunde, die der Oberbürgermeiſter alle Tage mit ſeiner dbimn beim Frühmahle zuzubringen pflegte, und auch heute ſaß das Ehepaar, von der gelieb⸗ ten Tochter ſprec gend, in Frieden und Liebe bei einander. Als der eintretende rothröckige Amtsdiener mit etwas zitternder Stimme einen Boten Seiner Ehren des Meiſters meldete, der Nachricht bringe über eine g große Schlacht, ſprang Letzkau auf den braunen Mann einzu⸗ laſfen, den er ſeit vielen Jahren als den Leibdiener Ulrich's kannte. Mit leiſem Winken bat dieſer ihn, die Hausfrau zu entfernen, bevor er ſeine Botſchaft ausrichte. „Habt Ihr an mich oder an den Rath von Danzig Befehle Seiner Ehren zu bringen?“ fragte endlich Letz⸗ kau mit leiſer Stimme. „Wenn Ihr den edlen Meiſter Ulrich meint,“ ent⸗ gegnete der Mohr bebend,„ſo wißt, daß dieſer Nieman⸗ den m Nacht fehl v den de von † Gott, ſem g gegnen kann und he dens, ſteht d Letzkar ſorger alle T Name die ſie lich ſe getreu alle K Ein: en des zu gön⸗ tzkau's. ter alle bringen gelieb⸗ be bei ner mit ren des e große einzu⸗ ibdiener ausfrau Danzig lich Letz⸗ „a ent⸗ Nieman⸗ 9 den mehr Befehle gibt auf dieſer Erde— ich bringe Euch Nachricht von einer verlorenen großen Schlacht und Be⸗ fehl von dem Stellvertreter des Meiſters, Seiner Gna⸗ den dem Comthur von Schwetz, Herrn Heinrich Reuß von Plauen.“ „Großer Gott!“ ſagte Conrad Letzkau,„großer Gott, was wird das Schickſal des Landes ſein, nach die ſem großen und entſetzlichen Unglück?“ „Was Gott verhängt kann ich nicht ändern,“ ent⸗ gegnete Ralph,„was aber die Pflicht des Landes erheiſcht, kann ich Euch genau ſagen, Jeder der eine Wehr tragen und heben kann, mache ſich auf, den letzten Hort des Or⸗ dens, das Haupthaus zu Marienburg, zu vertheidigen.“ „Heilige Mutter Gottes, iſt es ſo weit gekommen, ſteht der Feind bereits im Herzen des Landes?“ fragte Letzkau in höchſter Aufregung. Der Mohr ſtattete nun während Letzkau im Zimmer ſorgenvoll auf und ab ging, genauen Bericht ab über alle Vorgänge der unglücklichen Schlacht, er nannte die Namen der gefallenen Ritter, erzählte von den Wenigen, die ſich oft wie durch ein Wunder gerettet und ſchloß end lich ſeinen Bericht, indem er es dem Bürgermeiſter der getreuen Stadt Danzig noch einmal au's Herz legte, alle Kräfte aufzubieten zur Rettung der Marienburg. Sein Auftrag von dem Comthur von Schwetz war Ein Bürgermeiſter. II. 12 178 dadurch erlediget, aber es drängte ihn, an Letzkau noch die Beſtellungen auszurichten, die der edle Meiſter Ulrich ihm für denſelben aufgetragen, vergebens aber ſuchte er nach einem paſſenden Moment; der Bürgermeiſter, eifrig beſchäftigt mit dem Ordnen verſchiedener Papiere, er⸗ theilte Befehle an die Rathsdiener, den edlen Rath der rechten Stadt Danzig auf die Rathsſtube zu berufen, ließ Leute herbeikommen, von denen er glaubte, duß ſie möglicherweiſe vor Kurzem Nachricht von dem Haupt⸗ manne der Danziger Miliz, Herrn Mantell haben könn⸗ ten, und eilte dann hinweg, bevor noch Ralph den Be⸗ cher Wein geleert, den Frau Gertrud ihm geboten. So machte er ſich denn auf nach dem Schloß, um dem Comthur Herrn Johann von Schönfeld die Nach⸗ richt von der verlorenen Schlacht und die Befehle des Herrn Heinrich Reuß von Plauen zu überbringen. Der alte Herr ſaß in ſeiner warmen und weichen Hauskleidung wie es das Ordensgeſetz ſeit Jahren ge⸗ ſtattete, unter der Verdachung von zierlich geſchnitztem Eichenholz, mit welcher die von Außen nach den oberen Gemächern führende Freitreppe, die dort eine Art von Balcon bildete, vor Sonne und Wind geſchützt war. Das Danziger Schloß, nicht von den Ordensrittern erbaut, ſondern früher die Reſidenz der Herzoge von Pommerellen, war ganz anders eingerichtet als die übri⸗ gen O. von un trepper große oft ihr Fenſter ſtrom Alle B Hermel darſtell tenden befande hieß, g lei Zar worfen Augen laſſen Die 2 durchſch lich ver ligen K Schloß H 5 Mann, ſehr fur u noch Ulrich chte er eifrig re, er⸗ tth der rrufen, duß ſie Haupt⸗ könn⸗ en Be⸗ 3, um le des veichen ken ge⸗ nitztem oberen rt von T. rittern ge von übri⸗ 179 gen Ordensburgen. Es war ein wunderliches Gebäude, von unzähligen Ecken und Winkeln, Balcons und Frei⸗ treppen gleichſam zuſammengeſetzt. Innen wechſelten große Säle mit kleinen winkligen Zimmerchen ab, die oft ihr Licht von Oben erhielten, oft aus großen bunten Fenſtern ganz unerwartet eine Ausſicht über den Mottlau⸗ Pren oder nach den nahen grünen Wieſen eröffneten. Ale Wider, die Herzogevon Ponmmerellenn wundrlichen Hermelinmänteln und mit goldenen Kronen geſchmückt darſtellend, ſahen mit geſpenſtigen Augen den Eintre⸗ tenden oft aus den ſeltſamſten Winkeln an. Hie und da befanden ſich vermauerte Thüren, hinter welchen, wie es hieß, gräuliche Götzenbilder aus der Heidenzeit und aller⸗ lei Zaubergeräth, das der Flamme, in die man es ge⸗ worfen, getrotzt haben ſollte, für ewige Zeit aus den Augen geſchafft worden war. Sonſt hatte man Alles ge⸗ laſſen wie es zur Zeit der Ponmerherzpge geweſen war. Die Befeſtigung des ganzen von vielen grünen Höfen durchſchnittenen Gebäudes war durch die Ritter weſent⸗ lich verbeſſert worden, ſo daß ſie den Geſetzen der dama⸗ ligen Kriegskunſt vollſtändig entſprach, und das Danziger Schloß zu einem feſten Punkt machte. Herr Johann von Schönfeld war freilich kaum der Mann, deſſen Thatkraft einem anrückenden Feinde eben ſehr furchtbar erſchienen wäre. Es war ein alter freund⸗ 12* 180 licher Herr, der ſeine Lorbeern vor zwanzig Jahren ge⸗ pflückt hatte, und jetzt wenig mehr that, als auf denſelben in aller Herzensfreudigkeit auszuruhen. Der wackere Comthur war ſehr entſetzt über den Bericht von der verlorenen Schlacht, und zwei große Thränen traten in ſeine gutmüthigen blauen Augen als Ralph von dem Heldentode des Meiſters erzählte. Als er aber nun auch hinzuſetzte, daß es gar nicht unmöglich ſei, Polen, Lithauer und Tartarenſchwärme in Kurzem vor den Mauern Danzigs zu ſehen, da ward er ſehr unruhig und meinte, die Burg ſei weder genug verprovian⸗ tirt noch mit Waffen verſehen, um im Belagerungsfalle Widerſtand leiſten zu können. Ralph zog denn nun ein Brieflein hervor, das der jün⸗ gere Herr von Plauen auf Befehl ſeines Oheims ge⸗ ſchrieben, und da die Augen des würdigen Comthurs nicht mehr hell genug waren, die Schrift zu entziffern ſo rief man den jüngſten der Brüder des Convents, den ſechzigjährigen Arnold von Bodeck herbei, der denn auch Folgendes vorlas: „Mein würdiger Bruder von Schönfeld! „Mein Neffe hat dieſen Brief geſchrieben, da ich im Augenblick des Aufbruches von Schwetz keine Zeit dazu hatte, doch betrachtet ihn ganz und gar als von mir ſtammend, der ich zur Zeit Vertreter des in Gott entſchla⸗ fenen theidig eilen. Ihr ve det Eu komme Euch tapfer! Lanzen len mi ren D ten W densho Euch Wein. handlu ein Ve thurei Alexiu Krückſ ſchlimn er, mi Ich ſo ren ge⸗ nſelben ver den große gen als e. Als möglich Kurzem er ſehr rovian⸗ igsfalle der jün⸗ us ge⸗ mthurs tziffern es, den un auch da ich ne Zeit don mir ntſchla⸗ 18 fenen Hochmeiſters und eben im Begriff bin, zur Ver⸗ theidigung, des O Ordenshauptl hauſes nach Marienburg zu eilen.— Der Feind naht in Schaaren, ſendet daher was Ihr von ſtreitbaren Leuten habt rach Ririenbueg Wen⸗ det Euch, wenn Streifdarteien vor Euer O Ordenshaus kommen ſollten, an die Danziger Bürgerſchaft. Ich ſende Euch zu Eurem Beiſtand einen zwar verwundeten, aber tapfern Ordensbruder, Hul drich von Sefeln, mit zehn Lanzenkuechten, die in Eurer Firmarie ſich alle erſt erßo⸗ len müſſen, doch werden ſie, bis dieſe Heiden und Tarta⸗ ren Danzig erreicht haben können, wohl von ihren leich⸗ ten Wunden geneſen ſein. Scha afft Proviant; in Euer Or⸗ denshaus, das Kloſter Oliva möge Euch liefern was Euch am ꝛnothwendigſten iſt, Mehl, Graupen, Bier und Wein. Der Abt Jacobus hat, wie ich gewiß weiß, Ver⸗ handlungen mit dem Feinde gepflegt und iſt deßhalb als ein Verräther zu betrachten.— Gegeben in unſerer Com⸗ thurei Schwetz am 17. des Julius, dem Tage des heil. Alexius im Jahre des Herrn 1410. 3 Heinrich Reuß von Plauen.“ Herr Johann von Schönfeld ſtützte ſich auf ſeinen Krückſtock und erhob ſa von ſeinem Seſſel.„Das iſt ſchlimm, das iſt ſchrecklich, iſt ga r nicht auszuführen,“ ſagte er, mit der Hand durch ſeine eisgrauen Haare fahrend. Ich ſoll den Abt Jacobus dazubringen, mir Mehl, 182 Graupen, Bier und Wein zu geben! Da kennt mein wür⸗ diger Bruder, der Comthur von Schwetz, den Abt Jaco⸗ bus gewiß nicht, der gibt nichts, der würde lieber von un⸗ ſerem armen Ordenshauſe nehmen.— Ich ſoll mich bei der Vertheidigung der Burg an die Danziger Bürger wenden? Ei ja doch! Der Comthur von Schwetz ſoll ſelbſt herkommen und den Danzigern befehlen das Schloß zu vertheidigen, er wird ſehen was ſie für Antwort geben, und zur Hilfe ſchickt er mirzehn verwundete Lanzenknechte und einen verwundeten Ritter— ol ol und die Tarta⸗ ren ſind vielleicht gar nicht mehr ſo weit von uns ent⸗ fernt.— Heilige Mutter Gottes, wenn Du nicht ein Wunder thuſt, ſo wird in Kurzem das Ordenshaus eine Hofburg des Königs von Polen, oder ein Haufe Stein⸗ trümmer ſein.“ „Gebt Befehl, edler Herr,“ ſagte Ralph,„daß Alles ſo ausgerichtet werde, wie es in dieſem Schreiben geboten iſt.“ „Ihr habt gut reden, Meiſter Narr, Ihr Rauch⸗ ſchwalbe aus Akkon!“ ſchrie der Comthur, ſein lahmes Bein ganz vergeſſend und ohne Krückſtock im Zimmer her⸗ umhumpelnd, indem er ſich mehr und mehr in Zorn re⸗ dete.„Welches Ordenscapitel hat denn den Comthur von Schwetz zum Herrn über uns Alle gemacht?o meines Wiſſens hat ſeit dem Tode Ulrich's, Gott gebe ihm eine ſelige den, u⸗ fehle il ſteht d Briefe Hände 2 ich Eu⸗ weiß, bei Eu die nut ihre E Ulrich, Plauer werden mögen. wiſſen 7 „Waiſ will, n hof da nerinn Angele n wür⸗ t Jaco⸗ von un⸗ nich bei Bürger 8ll ſelbſt hloß zu t geben, nknechte Tarta⸗ ins ent⸗ nicht ein us eine Stein⸗ „daß chreiben Rauch⸗ lahmes mner her⸗ Born re⸗ LComthur meines hm eine ſelige Auferſtehung, noch kein Wahlkonvent ſtattgeſun den, und ich kann ebenſo gut befehlen als er, und ich be fehle ihm,— hm!— Freund Ral lph, ſeht doch ei mal, ſteht da nicht noch etwas auf der anderen Seite des Briefes?“ Der Gerufene nahm das Blatt aus Schönfeld's Händen. „Ja hier ſteht noch etwas und was es iſt werde ich Euch wohl ſagen können, ohne daß ich es leſe. Ich weiß, der edle Comthur von Schwetz wollte eine Bitte bei Euch einl legen wegen der jungen böh miſchen Dame, die nun ſchon ſeit vorigem Sommer hier in Danzig wohnt ihre Erbſchaftsangelegenheit en zu betreiben; der Meiſter Ulrich, der ihre Eltern kannte, hat ſie dem Herrn von Plauen empfohlen. Sie ſoll nicht in ein Kloſter, geſperrt werden, denn die Geſſtlichkeit iſt lüſtern nach ihrem Ver⸗ mögen, die Bürger aber wollen von der Fremden nichts wiſſen und finden Freude daran, ſie zu verunglimpfen.“ „Na! na!“ ſagte der Alte freundlicher werdend, „Waiſen zu ſchützen iſt wohl Pflicht jedes Ritters, ich will, wenn's hier herum unruhig werden ſollte, im Schloß⸗ hof das kleine Häuschen für die Jungfrau und ihre Die⸗ nerinnen herrichten laſſen, dort mag ſie bleiben bis ihre Angelegenheiten entſchieden ſind, und ich ſelbſt will zu ihr gehen, ihr die Nachricht zu bringen, daß ich ſie unter meinen Schutz genommen.“ Zur ſelben Zeit als der alte Herr dieſen Entſchluß gefaßt hatte, ſaß der Gegenſtand, den derſelbe betraf, ſtill den eigenen traurigen Gedanken nachhängend an dem großen Stick⸗Rahmen im Fenſterbogen ihres Wohn⸗ zimmers. Vlaſta von Roſenberg war noch bleicher und hage⸗ rer geworden ſeit den letzten Monaten, in denen ſie nichts gehört von dem einzigen Menſchen, an den ſie ſich in dieſer Welt gebunden fühlte. Die alte Urſula da⸗ gegen, die bei ihr war, ſah kräftiger, ruhiger und milder aus als früher. Die alte Anka lag auf einem gepolſterten Ruhebette, das an der Wand des Zimmers ſtand, und ihr Geſicht verrieth, daß ſie ſehr krank ſei. Die jüngere böhmiſche Dienerin ſah verdrießlich und gelangweilt aus und ſchien die Spindel, mit der ſie beſchäftigt war, nur mit ſehr großem Widerwillen zu drehen. Zwiſchen der alten ſeltſamen Frau, die wir unter dem Namen Urſel Wald kennen, und dem jungen böh⸗ miſchen Fräulein hatte ſich von Tag zu Tage mehr ein Verhältniß entwickelt, daß dem zwiſchen Mutter und Toch⸗ ter nicht unähnlich war. 6 — Urſula zeigte neben Vlaſta keine Spur ihres un⸗ heim rieth Sche Wiſſ Vlaſ ſchad Leute mach Hexe der 4 denz wohl geln, fehlt Unfu beſon dens nen allen Leben faſt Fräu unter ſchluß etraf, dem Vohn⸗ — hage⸗ en ſie en ſie la da⸗ milder eſicht miſche ſchien t ſehr unter i böh⸗ hr ein Toch⸗ s un⸗ 187 * heimlichen Weſens; ſie liebte, pflegte, warnte und be⸗ be ihre jugendliche Hausgenoſſin, die Tochter i ihrer Schweſter, mit mütterlicher Liebe und nach ihrem beſten Wiſſen, aber das Verhältniß, das den einzigen Troſt Vlaſta's in ihrer Einſamkeit und Verlaſſenheit ausmachte, ſchadete dieſer gar ſehr in der Meinung, welche ſich die Leute, in deren Mitte ſie jetzt lebte, über die Fremde machten. Urſel Wald galt nicht nur für eine Zauberin und Hexe, ſondern auch für eine Kupplerin, die den Sünden der Ordensritter Thür und Thor öffnete. Auch zu jener Zeit liebte es die Welt gewiſſe Sün⸗ den zu vergrößern, und da es unter den Ordensrittern wohl hie und da einen gab, der gegen die ſtrengen Re⸗ geln, unter welchen ſeine Jugend gebeugt worden war, ge⸗ fehlt, da es überdies ni icht zu leugnen war, daß mancher Unfug im Orden einriß, ſo galten die jüngeren Ritter, beſonders in den größeren und reichen Städten des Or⸗ denslandes, für lauter Verführer. Selbſt den alten Comthur von Schönfeld began⸗ nen die Jungfer Rohlederin und Ziegenhagerin, nebſt allen ihren Gevatterinnen ſehr in Verdacht eines ſchlechten Lebenswandels zu haben, als es bekannt wurde, daß er faſt jede Woche einmal hinüber zu dem böhmiſchen Fräulein ging, dort ein Stündchen neben ihrem Stick⸗ 186 rahmen ſaß und ſich mit Confect und Meth aufwarten ließ. Urſel Wald war dann meiſtens gegenwärtig und ſprach gar klug und geſcheidt mit dem Herrn von alten Zeiten und fernen Gegenden, das heißt Herr Schönfeld erzählte und Urſel hörte zu und warf bisweilen eine Frage dazwiſchen, deren ganzen Sinn nur ihr eigenes ſchweres Herz verſtand. Sie liebte das junge Mädchen mit verdoppelter Liebe und dieſe Liebe war es, die ſie in allen Beziehun⸗ gen ſanfter, nachgiebiger, verſöhnlicher, und ſomit auch ruhiger und glücklicher machte. „Sei heiter, meine liebe Tochter,“ ſagte Urſula, einen liebevollen Blick auf das bleiche Mädchen werfend, „ſei heiter, damit Du geſund bleibſt. Es iſt freilich nicht allen Menſchen gegeben die Laſten des Lebens mit Hei⸗ terkeit zu ertragen, aber große Seelen müſſen das können. Iſt doch dies ganze Leben ein wunderliches und ſchreck⸗ liches Gewebe von Elend und Jammer, ein Spinnennetz, in deſſen Mitte eine boshafte Mlacht lauert die Seele zu umſtricken; die, welche ſich fangen läßt, verfällt dem Ungeheuer zur Beute, düer die es mit Kraft durchreißt, entflieht ihm und darf frei ſchweben im ewigen goldenen Lichte. Ich ſelbſt, eingehüllt ſeit langer, langer Zeit in das Netz des Elends, dem Böſen verfallen ſeit vielen ſchrecklichen Jahren, bin in Deiner Nähe kräftiger gewor⸗ den. zu durch ich g zeihe ich ſ Toch nach an n dach⸗ auf kende in di Rab fen! Frau mein Tag ſund fen. ſehen und mit varten J und alten önfeld Frage weres ppelter iehun⸗ auch Irſula, erfend, nicht t Hei⸗ önnen. chreck⸗ ennetz, Seele lt dem hreißt, ldenen eit in vielen gewor⸗ den. Die Schwingen meiner Seele beginnen ſich wieder zu regen und die Ueberzeugung, daß Du mir angehörſt durch Bande des Blutes läßt mich nicht vergeſſen was ich gelitten und verloren, aber— verzeihen, Denen ver⸗ zeihen, die mich um Alles brachten.— Weißt Du, Blaſta, ich ſah heute die ſchöne Marie Große, Conrad Letzkau's Tuhſtr, ſie ſah blühend und ſtattlich aus und ſchaute nach der unden Seite als ſie am Arme ihres Eheherrn an mir vorüberging.— Ich ſluchte ihr nicht, Vlaſta! ich dachte ſie ſei jung, ſchön und unſchuldig wie Du.“ Die kranke Anka ſeufzte in dieſem Augenblicke ſchwer auf und das Fräulein trat an ihr Lager, ihr einen ſtär⸗ kenden Trank zu reichen, den Urſula für ſie bereitet. „Es iſt gar traurig,“ ſagte die Kranke,„daß hier in dieſem Lande keine Juden ſind. Wäre unſer gelehrter Rabbi Daniel aus Prag hier, da würde mir bald gehol⸗ fen werden, jetzt aber muß ich trotz dem guten Trank der Frau Urſula hier liegen und kann nichts thun, als Euch, meine holdſelige Gebieterin, beläſtigen. Ach, ich denke Tag und Nacht wie ich es anfangen möchte, wenn ich ge⸗ ſund wäre, Euch Nachricht von Euerm Liebſten zu ſchaf⸗ fen. Gebt Acht, er wird kommen ehe wir es uns ver⸗ ſehen und wird die Löſung ſeines Gelübdes mütbringen, und dann ziehen wir heim nach Böhmen, Frau Urſula mit uns, und ſie iſt Euch eine rene Mutter, wie Eure 188 würdige Tante Prichta es war., Blaſta lächelte und beugte den ſchönen Kopf nieder, einen Kuß auf die Stirn ihrer alten Dienerin zu drücken. „Ich glaube,“ ſagte Urſula in dieſem Moment, „Ihr ſeht in die Ferne, denn dort kommt Jemand, der uns gewiß und wahrhaftig Nachricht von dem bringt, deſſen Andenken Ihr in dem Herzen Eurer Gebieterin ſo oft durch Euer Wort auffriſcht. Ralph des Hochmeiſters Leibdiener, ich eile ihn einzulaſſen, möge ſeine Botſchaft eine gute ſein!“ Während der Mohr noch die Trauerkunde von der verlorenen Schlacht und dem Tode Ulrich's von Jungin⸗ gen den Frauen mittheilte, erſchien auch Herr Johannes von Schönfeld in ihrem ſtillen Zimmer, um ihnen das Anerbieten zu machen, hinter den Mauern des Schloſſes in einem Häuschen, das nicht in der Clauſur lag und zum Aufenthalt weiblicher Gäſte der Ritter beſtimmt war, bei der möglichen Belagerung der Stadt ihre Woh⸗ nung zu nehmen, denn die Ordensregel, ſo ſtreng ſonſt die Annäherung des Ritters an ein weibliches Weſen, und wäre es ſeine Schweſter oder Mutter, unterſagend, gebot doch Witwen und Waiſen zu ſchützen, zu unter⸗ ſtützen und ihnen Obdach und Nahrung zu verleihen, wenn es noth that.— Sehr ſelten freilich hatten Damen von dieſer Erlaubniß Gebrauch gemacht, und in den letzt gen Toch brech bogig zu tr dieſe dem vorü Uebla der wenn Lüge als e burge über licher rad v. chen d beugte ihrer Sment, d, der pringt, rin ſo eiſters tſchaft on der ungin⸗ annes n das loſſes g und timmt Woh⸗ ſonſt Veſen, agend, unter⸗ eihen, damen n den Sritter in den Au gen der Bürger ſo ſehr geſunken, würde es für B die Tochter einer ehrbaren Bürg gersfamilie geradezu ein Ver⸗ brechen geweſen ſein, wenn ſie es gewagt, durch das ſpitz⸗ bogige Schloßthor in den zierlich gepflaſterten S zu treten. hloßhof elbſt den M Rädche n, die ihre Augen gern durch dieſe verpönte Pforte blicken ließen, ja die nur oft auf dem Wege vom Ufer der Mottlau an dem Schloſſe vorüberſchritten, redete die Frau Baſe gern allerlei Uebles nach. Die derbe Sprache der Zeit nannte die Burgen der Ordensritter mit ſehr unerehrbiet tigen Namen und wenn auch Vieles was man über dieſelben ſagte, ſicherlich Lüge und Verleumdung war, ſo gab es doch auch mehr als eine Thatſache, die den üblen Leumund der Ritter burgen rechtfertigte. Dem Ordenshaupthauſe der Marienburg gegen⸗ über lag der verrufene Ketzerhain, ein Aufenthalt lieder⸗ licher fahrender Dirnen. Aus der Chriſtburg hatte Con rad von Jungingen ſelbſt mit t großem Scandal das Lieb chen des Comthurs und ihren S Säugl ing entfernt, und die Geſchichie von Conrad Letzkau's Schweſter, die ſich in den Mauern des Danziger Schloſſes den Tod gegeben, um der Schande zu entfliehen, war nicht die einzige, die 1 O 190 man ſich von dieſem Ordenshauſe in Danzig flüſternd erzählte. Die alte Urſula dachte freilich über alle dieſe Dinge weſentlich anders als die Bürgersfrauen Danzigs und ihre Gevatterinnen. Sie ſah hinter den Mauern des Schoſſes nichts als den ſicherſten Ort, wenn Brand und Mord in der Stadt wüthen würden, und obgleich von Geburt eine Tochter Lithauens, hatte ſie überdies ihr allein bekannte Gründe, die Annäherung Withold's zu fürchten. Vlaſta von Roſenberg hatte außer dieſer Freundin und ihren Dienerinnen ſo fern von ihrer Heimat nicht eine weibliche Magd, die ſie über alle dieſe beſonderen Ver⸗ hältniſſe, von denen ihre Jugend keine Ahnung hatte, auf⸗ klärte. Ralph, der Diener ihres Schützers, des verſtorbenen Hochmeiſters, fand es natürlich in der Ordnung, daß der Schützling ſeines Herrn da Zuflucht ſuchte, wo dieſer ſelbſt ſie ihm gegeben haben würde, und mit warmen Dank nahm daher Blaſta das ritterlich höfliche Erbieten Herrn Johannes von Schönfeld an, in das Schloß zu ziehen, ehe noch eine plötzliche Annäherung der wilden Schaaren der Polen, Lithauer oder Tartaren ihren ge⸗ genwärtigen Aufenthalt bedrohte. In der Stadt Danzig herrſchte, nachdem die Nach⸗ richt reges Bemi kau's Opfer trauri meiſte getreu durch Pfarr ſchöne denen treu a Mann denshe 6. neben Papſt berung desſelb zugeſpr ternd dieſe nzigs ern zrand benen ß der dieſer armen bieten oß zu pilden n ge⸗ Nach⸗ 191 richt von der verlorenen Schlacht ſich verbreitet hatte, ein reges, wiewohl ſorgenvolles Leben. Der Rath hatte ſich verſammelt, und den ernſten Bemühungen, den verſtändigen und treuen Worten Letz⸗ kau's war es gelungen, alle Mitglieder desſelben zu der Opferwilligkeit zu ſtimmen, die in ſchweren Zeiten eine traurige Bürgerpflicht wird. Des Guten gedenkend, das der verſtorbene Hoch⸗ meiſter dem ganzen Preußenlande und beſonders ſeiner getreuen Stadt Danzig gethan, ehrte man ſein Andenken durch einen Trauergottesdienſt, bei welchem der Herr Pfarrherr von St. Marien eine Meſſe hielt und in einer ſchönen Rede an die großen Verdienſte des Dahingeſchie⸗ denen erinnerte, auch Rath und Bürgerſchaft ermahnte, treu auszuharren bei ihrer Pflicht gegen den Orden. Es war dies um ſo verdienſtlicher von dem wackern Manne, als die Geiſtlichkeit nirgend im Lande der Or⸗ densherrſchaft eigentlich geneigt war. Die Biſchöfe hielten ſich für Herren des Landes neben den Rittern, da bei den erſten Statuten, welche Papſt und Kaiſer dem deutſchen Orden vor der Ero⸗ berung des Landes gegeben, ſtets ein beſtimmter Theil desſelben der Kirche und dem Regiment der Biſchöfe zugeſprochen war, und ſchon der Landmeiſter Meinhard 192 C von Querfurt hatte in Streitigkeiten mit den Biſchöfen gelebt. Jetzt aber, bei dem ſchrecklichen Unglück, das den Ordeu betroffen, erwachte die Theilnahme in den mei⸗ ſten Herzen, ſelbſt in denen der geiſtlichen Herren. In dieſem beſonderen Fall war es aber Conrad Letzkau, der in gewiſſer Beziehung den würdigen Pfarrer inſpirirt hatte, und der auch den Rath und die Bürgerſchaft Dan⸗ zigs zu energiſchem Handeln anſpornte. Als die Gemeinde in tief ernſter Stimmung das ſchöne noch immer nicht ganz vollendete Gotteshaus ver⸗ ließ, wandelte Letzkan neben ſeinem Schwiegerſohn Große noch eine Weile in der Straße auf und ab, ehe ſie ſich gemeinſchaftlich auf das Rathhaus begaben, vor deſſen Thüre ſich in einer halben Stunde die Mann⸗ ſchaften verſammeln ſollten, die er ſelbſt nach Marien⸗ burg zu führen beabſichtigte. Sie waren in ein ernſtes Geſpräch verwickelt. „Ich gehe ungern,“ ſagte Große, indem er mit dem Stocke auf den vor ihm liegenden Pflaſterſtein ſählug, „ſehr ungern, aber ich gehe! Meine Pflicht als Raths⸗ herr dieſer Stadt geht jeder andern vor, und ſo werde ich denn hinüber nach Lübeck ſegeln, dort noch Soͤldner zu werben zur Vertheidigung unſerer Stadt.“ „Ich hoffe bald zurückzukehren, und möchte Marie — am! fern Hau Will auch Jaco ganz’ von Land nicht Die ben ſo vie manch künfte kein g Krieg Mein komm Danz) ler, ſi da ma Haus ruft je nen, d Ein T höfen 3 den mei⸗ In u, der pirirt Dan⸗ g das s ver⸗ erſohn p, ehe , vor Nann⸗ tit dem ſchlug, Raths⸗ werde oldner Marie 193 am liebſten in das Brigittenkloſter thun, ſo lange ich fern bin, aber— einmal trennt ſie ſich ungern vom Hauſe, wo ſie ſich jetzt Alles nach ihrem Wunſch und Willen gar ſchön und zierlich eingerichtet hat; dann aber auch iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß der Abt Jacobus, angeſtiftet von dem Biſchof von Gneſen, die ganze Geiſtlichkeit anſteckt mit dem Wunſch, den König von Polen zum Lehensherrn Danzig's und des ganzen Landes zu machen. Wir vom Rath dürfen uns daher nicht in zu nahe Verbindung mit der Geiſtlichkeit ſetzen. Die Bürgerſchaft iſt ohnedies dem Orden nicht ſo erge⸗ ben als es zu wünſchen wäre. Die Jungſtadt, welche ſo viele Privilegien vom Orden erhalten hat, raubt ſo manchem unſerer Bürger einen guten Theil ſeiner Ein⸗ künſte und thut und leiſtet ſo wenig dafür. Das ſetzt kein gutes Blut. Nun ſei es drum! wenn es nach dieſem Kriege Frieden gibt, wird der Orden zahmer ſein.— Meine Frau aber bleibt im Hauſe mit ihren Mägden, kommen, was Gott verhüten mag, Feinde vor die Thore Danzig's, ehe ich heimkehre, ſo theilt ſie das Loos Al⸗ ler, ſie muß die Leiden einer Belagerung durchmachen, da mag ſie denn zu ihrer würdigen Mutter in Euer Hans gehen, mein werther Schwiegervater; auch Euch ruft ja die Pflicht vom eigenen Herde, Gott iſt bei De⸗ nen, die ihm vertrauen, und auch ein Kloſter kann bei Ein Bürgerreiſter. II. 13 194 einer Belagerung nicht für ein ſicheres Aſyl gelten, die Flammen verſchonen auch die heiligſten Gebäude nicht, und man ſagt, dieſe Tartaren bringen ein F uer mit ſich, das ſich überall an die Gebäude wie mit einem Zauber anheftet und das Waſſerfluthen, die man darauf ſchüttet, eher verſtärken als löſchen.“ Er hatte bei dieſen Worten faſt immer zu Boden geblickt, jetzt aber erhob er ſein Auge plötzlich. Die Jahre, die ſchon manchen Silberfaden in ſein dunkles Haupthaar gezogen, hatten dem Glanze desſelben keinen Abbruch thun können, und um den Mund des reifen Mannes zuckte etwas, das dem Zorn und der Trauer eines Jünglings glich. „Conrad! Conrad Letzkau,“ ſagte er plötzlich,„ich Euer Freund und Gefährte von Jugend an, ich, jetzt der Gatte Eurer jungen Tochter, die den Schlingen kaum entging, in welchen Eure einzige Schweſter ihren trau⸗ rigen Tod fand, ich frage Euch jetzt, da die Zeit der Rache gekommen iſt, wollt Ihr wirklich dem Orden treu bleiben?“ 3 Der Bürgermeiſter zuckte zuſammen, ſeine Lippen bebten.„Barthel Große, mein alter, mein theurer Freund, einſt mein Bruder, jetzt mein Sohn,“ ſagte er, und es lag eben ſowohl Feſtigkeit als Milde in dem Tone ſeiner Stimme,„wißt Ihr, was die Welt regiert, daß ſie Das mels Erd men nach Ang Wal von Got mein — 2 Sta loni Sach Zah Bar und theri ließ, zehn ner Gel ging „ die nicht, mit einem arauf Boden Die unkles keinen reifen Trauer h,„ich etzt der kaum n trau⸗ Zeit der Orden Lippen theurer ſagte er, em Tone ert, daß ſie nicht aus einander fällt in einen Trümmerhaufen? Das Geſetz Gottes iſt es, nach dem die Feſte des Him⸗ mels in immer gleicher Ferne bleibt von dieſer unſerer Erde, nach dem das Meer, in Ebbe und Fluth aufath⸗ mend, doch nicht die ihm geſteckten Grenzen überſchreitet, nach dem in immer gleichen Zeiträumen der Mond ſein Angeſicht ändert, nach dem auch wir Menſchen unſern Wandel richten ſollen.— Es iſt keine Obrigkeit ohne von Gott, wo aber eine Obrigkeit iſt, da iſt ſie von Gott verordnet, ſpricht der Apoſtel, und die Rache iſt mein. Ich will vergelten, iſt auch ein göttliches Wort. — Wollen wir, die Häupter und Vorbilder dieſer großen Stadt, unſerer Rache zu genügen, das Beiſpiel der Fe⸗ lonie geben? Wollen wir deutſche Männer die deutſche Sache verrathen, weil vor langen Jahren Einer aus der Zahl jener deutſchen Ordensherren uns beleidigte?— Barthel! und überdies war nicht ſie ſelbſt, deren Leid und Tod Ihr rächen wollt, durch Verrath eine Verrä⸗ therin, da ſie uns, die wir ſie liebten und ehrten, ver⸗ ließ, und ehrloſe Liebe der ehrenhaften vorzog?“ „Laßt die Vergangenheit ruhen, mein Sohn! Sech⸗ zehnmal iſt jetzt Gras gewachſen auf dem Grabe mei⸗ ner ſchuldigen Schweſter. Wir haben es an Gebeten und Gelübden, ihre Seele, die in Sünden von der Erde ging, aus den Qualen des Fegefeuers zu erlöſen, nicht 13* 196 fehlen laſſen. Gottes Gebot und unſere Mannes⸗ und Chriſtenpflicht iſt dmm Orden, als unſerem Landesober⸗ haupt und Lehensherrn, in Treue zu dienen, und jedem einzelnen dieſer Ritter entgegen zu treten, wenn wir mer⸗ ken oder wiſſen, daß er Luſt zum Böſen habe.“ Große ſenkte von Neuem das Haupt.„Ihr habt Recht, mein Freund und Vorgeſetzter,“ entgegnete er nach einer augenblicklichen Pauſe,„und ich ehre Euch darum nur noch mehr. Gehe denn Jeder von uns ſeiner Pflicht nach und Gott ſchütze das Recht!—“ Die beiden Männer ſtanden vor der ſtattlichen Frei⸗ treppe des Rathhauſes. Der lange Sommertag begann ſich zu neigen, und berufen durch die Befehle des Rathes, ſtanden auf dem langen Markte bereits die Schaaren verſammelt, welche Letzkau in eigener Perſon nach der Marienburg führen wollte. Es waren 300 Matroſen, Schiffkinder genannt, in der naiven Sprache des Zeitalters, wackere tüchtige Bur⸗ ſchen, denen alle Winde Gottes bereits um die jugend⸗ lichen Häupter geweht hatten, und 200 Soldknechte, ge⸗ worben unter der Menge von Pflaſtertretern, Packträ⸗ gern und geringen Arbeitern der Stadt Danzig. Lauter Jubel empfing Letzkau, als er von der Frei⸗ treppe hinab dieſen Allen verkündete, daß er ſelbſt ſie jetzt Hein Hut er p Meſ ſeine telte Hand Hecht führe der il nacht Korn ſchritt tiefer ſtund muthi durch Mari gen bar d Knits daß d quickt und ober⸗ ledem mer⸗ habt te er Euch ſeiner Frei⸗ egann athes, gaaren ch der int, in Bur⸗ agend⸗ te, ge⸗ ackträ⸗ Frei⸗ lbſt ſie quickt und unter Dach gewieſen wurden. jetzt gegen Marienburg führen und dem edlen Meiſter Heinrich Reuß von Plauen übergeben werde. Ein Rathsdiener ſtand mit Letzkau's Mantel und Hut ſchon bereit. Abſchied von Gattin und Tochter hatte er vor einer Stunde genommen, bevor er ſich in die Meſſe begab, für den verſtorbenen Hochmeiſter und für ſeine eigene glückliche Heimkehr zu beten. Jetzt ſchüt⸗ telte er ſeinem wackeren Schwiegerſohn noch einmal die Hand, ſprach noch einige leiſe Worte mit Herrn Arnold Hecht, der das oberſte Regiment in ſeiner Abweſenheit führen ſollte, und ſtellte ſich an die Spitze des Zuges, der ihm folgte über die Mottlaubrücke und die Sommer⸗ nacht hindurch auf den feuchten Wegen zwiſchen hohen Korn⸗ und Weizenfeldern des geſegneten Werders dahin⸗ ſchritt, manches friedliche Dorf, deſſen Bewohner in tiefer Ruhe lagen, hinter ſich laſſend. In der Mittags⸗ ſtunde des 19. Juli 1410 zogen die wackeren Danziger muthigen Herzens über die Nogatbrücke und betraten durch das Waſſerthor ſchreitend, den Schloßhof der Marienburg, wo Heinrich Reuß von Plauen dem würdi⸗ gen Bürgermeiſter Conrad Letzkau vor Aller Augen dank⸗ bar die Hand ſchüttelte, während Herr Johann von Knitsberg, Hauscomthur von Marienburg, Sorge trug, daß die neuen Ankömmlinge mit Speiſe und Trank er⸗ Achtes Capitel. Eine Stunde darauf ſaß Conrad Letzkau in des Meiſters Stübchen mit dem Mann, der jetzt factiſch die Würde des Hochmeiſters bekleidete, Heinrich Reuß von Plauen, an einem Tiſche, auf welchem ſich eine roh ge⸗ zeichnete Karte von Deutſchland befand. Alle Balleien, welche der Orden im Reich beſaß, waren auf derſelben mit rothen Punkten und die beſten und gangbarſten Stra⸗ ßen zu denſelben mit blauen Linien bezeichnet, neben welchen es angemerkt war, in wie viel Stunden, Tagen oder Wochen ein Reiter, in wie vielen ein Fußgänger von einer zur anderen kommen konnte.. Der Abend begann hernieder zu ſinken, und als er ganz hereinbrach, konnten die Beiden aus den Fenſtern mehr als einen Flammenpunkt ſehen, der die Annähe⸗ rung des polniſchen und lithauiſchen Heeres bezeichnte. — Es waren nicht Wachtfeuer, es waren brennende Dörfer und Meiereien, und trüben Auges ſah Heinrich auf dieſelben, die gewiſſermaßen einen Halbkreis um die Marienburg bildeten. in des ſch die ß von oh ge⸗ lleien, ſelben Stra⸗ neben Tagen gänger als er enſtern Innähe⸗ eichn te. ennende Heinrich um die „Es gilt nun kein Säumen mehr,“ ſagte er end⸗ lich mit einem tiefen Seufzer,„geſchehen muß, was un⸗ vermeidlich iſt.— Morgen, wenn der volle angebro⸗ chene Tag die Flammen verdeckt, muß die Stadt, deren Lichter jetzt noch ſo freundlich zu uns herüber leuchten, niedergebrannt, die Brücke über unſern Strom zerſtört werden.— Was lebt und athmet muß Schutz ſuchen in den Mauern des Schloſſes!“ „O Du großer Gott!“ entgegnete Letzkau ſchmerz⸗ lich,„und das Eigenthum der Bürger, ihr ſauer erwor⸗ benes Hab und Gut, ihre Häuſer und Güter, ihre—“ „Es kann und muß ihnen gleich viel ſein, ob die Hand ihres Lehensherrn oder Feindeshand dies Alles zerſtört,“ entgegnete der Meiſter.—„Jetzt ſchon haben unſere Boten ihnen das Unabänderliche verkündet. Hört Ihr das Geräuſch?— Das ſind die erſten Flüchtlinge, die mit ihrem geborgenen Hab und Gut Schutz ſuchen hinter dieſen ſtarken Mauern. Hört Ihr das Brüllen und Blöcken der Thiere?— man treibt die Rinder, Schafe und Schweine der Bürger in unſere Stallungen unter der Erde.— Der große Brunnen im Hofe wird den Menſchen, der Nogatſtrom, von dem, gottlob, kein Leid uns abſperren kann, dem Vieh das Trinkwaſſer lie⸗ fern, und für meinen, der Brüder und der Kranken Be⸗ darf gibt der tiefe Born hier am Gange vor meiner 200 Thür reichlich genug ſein kühles, erquickliches Maß. Wohl uns, daß wir ſo mit dem erſten Bedürfniß auch für die längſte Belagerung verſorgt ſind.— Aber, legt Euch jetzt zur Ruhe, werther Freund, und pfleget Euren Leib wenigſtens einige Stunden, damit Ihr morgen wohl gerüſtet ſeid für die Anſtrengungen, din Ihr über Euch genommen.“ „Ich danke Euch, mein edler Herr,“ entgegnete Letzkau,„ich bin kräſtig genug, allen Anſtrengungen zu trotzen, und oft ſcheint mir's meine Knochen und Sehnen ſeien von Eiſen, aber ſchaut einmal, Wrr aus dieſem Fenſter, was iſt das für ein Lichtlein, das ſo ſtill und ruhig brennt jenſeits des Stromes.“ „Es ſind da die Bleichen,“ entgegnete der Meiſter, „und eine einſame alte Frau wohnt in dem Häuschen, ſie ſoll, wie ich geſtern ſchon hörte, krank liegen. Es muß hinüber geſchickt werden, damit ſie und die Ihrigen auch Zuflucht im Ordenshauſe ſuchen, bevor dieſe heilloſen Heiden ſich um dasſelbe lagern.“ „Verzeiht, edler Herr, iſt dieſe Frau etwa die, welche man die Trude zu nennen pflegt, und von der die böſe Welt ſagt, daß ſie ſich auf allerlei verbotene Künſte verſteht?“— „Ich glaube faſt,“ meinte Herr Heinrich,„doch bin ich noch zu wenig bekannt mit Allem, was zur Stadt Ma geben war arm Krau bedü vielle nen i Freu die es ſei nicht lich z Waſſe dieſer Gefül gehör zerſtö Zeite Veſte und ſe Maß. auch legt Luren orgen über gnete en zu ehnen ieſem I und eiſter, schen, muß auch lloſen a die, er die Lünſte ch bin Stadt Marienburg gehört, um Euch darüber genauen Beſcheid geben zu können.“ „Herr,“ ſagte Conrad Letzkau und ſeine Stimme war feltſam bewegt,„laßt mich hinüber nach jenem armen Häuschen, den Leuten dort de Weiſung bringen, die Kranke hierher zu ſchaffen, ich bin nicht des Schlafes bedürftig und Wich möchte jene Frau ſhrechen, die mir vielleicht etwas ſagen kann was für mich und die Mei⸗ nen wicj htig iſt.“ „Nach Euerm Belieben, mein werther Herr und Freund,“entgegnete Herr Heinrich,„aber ehe Ihr über die Brücke geht, trinkt ein Glas guten Wein, man ſagt, es ſei ein bösartiges Fieber, an dem die Alte leidet, und nicht allen Menſchen iſt es gegeben, dagegen unempfind⸗ lch zu ſein.“ Einige Minuten ſpäter ließ der Wachtpoſten am Waſſerthore den Danziger Bürgermeiſter paſſiren und dieſer ſchritt, tief in ſeinen Mantel gehüllt, die Bruſt von Gef kühlen bewegt, die einer längſt entflohenen Zeit an⸗ gehörten, über die Brücke, welche in wenigen Stunden zerſtört werden ſollte. Die Nacht war nicht ſo ſtill als es in beſſeren Zeiten in ihrer Natur liegt. Das Brüllen des in die Veſte getriebenen Viehes, Menſchenſtimmen, oft ſchreiend und ſchluchzend, der Anruf der Wachen, das Knarren 202 von mancherlei Fuhrwerk miſchte ſich mit dem Rauſchen des Waſſers, mit dem Flüſtern des Windes, der in dem grauen Haare der Uferweiden ſpielte. Als Letzkau ſich dem Häuschen näherte, das verein⸗ zelt dicht neben dem Nogatdamme auf dem ſogenannten Vorlande, einem weiten Wieſenplane ſtand, den im Herbſt und Frühling die Wäſſer der Nogat überſtröm⸗ ten, während jetzt tauſend Blumen ihre ſüßen Düfte auf ihm in die Nachtluft hauchten, überraſchte es ihn ſehr, den Geſang einer weichen, ſchmelzenden Männerſtimme zu vernehmen, die ihm nicht fremd vorkam, und als er an dem kleinen erleuchteten Fenſter vorüber nach der Thüre ſchritt, ſah er, daß an dem einfachen Tiſche bei dem Scheine einer kupfernen Lampe ein Mönch ſaß. Letzkau konnte nur den Rücken des Mannes und die braune Kutte ſehen, dennoch glaubte er ſich nicht zu ir⸗ ren, wenn er die ſchlanke Geſtalt für die des jungen Pater Amadeus aus dem Olivaer Kloſter hielt. Raſch durch die unverſchloſſene Thür in das nie⸗ drige Gemach tretend, befand er ſich auch wirklich dieſem ſeinen Bekannten gegenüber. Der junge Kloſtergeiſtliche war allein bei der Kranken, von der auf dem Bette, das ihre Geſtalt dicht verhüllte, nichts als das wachsbleiche Geſicht zu ſehen war, um deſſen hohe Stirn ſich quer Locken ringelten, nach bren dieſe der uſchen n dem derein⸗ annten en im ſtröm⸗ fte auf ſehr, ſtimme als er ach der ſche bei cch ſaß. ud die ſt zu ir⸗ jungen as nie⸗ dieſem bei der fjalt dicht u ſehen ngelten, 203 die der Fieberſchweiß benetzt und zuſammengeklebt hatte. — Bei dem Geräuſch, das der Eintritt des Bürgermei ſters verurſachte, öffnete ſie ihre großen, braunen, hohlen Augen und ein leichter Schrei entrang ſich den bren⸗ nenden Lippen, die das Toben des Fiebers rauh und blutrünſtig gemacht hatte. Pater Amadeus aber ſtand auf, es ſchien als wolle er die Störung von dem Bette der Leidenden abwehren, aber dieſe zog die abgezehrte Hand unter der Decke her⸗ vor und gab ihm ein Zeichen, er möge ſich niederſetzen und winkte Letzkau, daß er ihr näher trete. „Gott hat mein heißes Flehen erhört,“ flüſterte ſie mit hohler Stimme:„Ich ſehe Euch, Conrad Letzkau, bevor ich ſterhe.“ „Ja, Waltrude,“ entgegnete der ſo Angeredete,„wir ſeh'n uns wieder nach langen ſchweren Jahren, aber ich will nicht denken, daß dieſes Geſpräch unſer letztes ſein werde. Ihr ſeid noch jung genug, um lange zu leben, und ich bin alt genug um zu vergeben, was Ihr ja doch nicht verſchuldet und worunter wir Alle ſo ſchwer gelit ten. Laßt Euch nur von uns jetzt gleich hinüberſchaffen nach der Burg, die Polen und Lithauer ſind im Anzuge, brennende Dörfer beleuchten ihren Weg und morgen um dieſe Zeit lagern die Schaaren wohl ſchon um die Mauern der Marienburg, während in der Morgendämmerung, die 4 204 jetzt naht, der Meiſter die Brücke abbrechen läßt, die Euer Häuschen mit der Stadt verbindet.“ Die Kranke richtete ſich empor und winkte dem jungen Pater, der ihren Rücken mit Kiſſen unterſtützte, ſo daß es ihr möglich wurde, aufrecht zu ſitzen. „Meine Stunden ſind gezählt,“ ſagte ſie feierlich, „ja, vielleicht ehe der Sand in dieſer Sanduhr verronnen, ſtehe ich vor dem Richterſtuhle Gottes, und ich danke ihm aus tiefſter Seele, daß ich Euch, Conrad, mein Jugend⸗ freund und Spielgefährte, noch Alles, Alles ſagen, und ſo mein Herz erleichtern kann. Hinüber nach der Marien⸗ burg werde ich nicht mehr. Ich habe vergeben was an mir gethan wurde, aber ich mag nicht mehr durch die Thore einer Ordensburg ſchreiten, ich mag nicht mehr einen dieſer Geſellen ſehen, die mich einſt höhnend um⸗ ſtanden und es litten, daß man mich mit Schmach vor ihren Augen überhäufte, ob ſie ſich doch Ritter ſchelten ließen.“ „Waltrude,“ ſagte Letzkau, als die Kranke erſchöpft ſchwieg,„erholt Euch, armes Weib, dann aber ſagt mir, o ſagt mir Alles, was den Tod meiner armen Schweſter betrifft, ſagt mir——“ Die Kranke winkte abermals mit der bleichen Hand und Letzkau ſchwieg, denn er ſah, daß ſie ſprechen wollte. „Und warum kamt Ihr nicht früher zu mir, Con⸗ rad jenen Eure Oliv denn, nach dieſer dieſer mich dem i den hatte. dazu, hier zu neben manch nachge ſchmer Knabe namen in der Euer dem ſtützte, ierlich, onnen, ke ihm ugend⸗ I, und karien⸗ ſas an rch die mehr id um⸗ uch vor chelten ſchöpft gt mir, hweſter iHand Con⸗ wollte. 20⁵ rad Letzkau? Warum ſeh' ich Euch zum erſten Mal ſeit jenem Tage, da ich vor achtzehn Jahren mit Euch und Eurer Schweſter Dorothea auf den grünen Hügeln in Oliva im Buchenſchatten ſaß?“ „Ach, Waltrude!“ entgegnete Letzkau,„wußte ich denn, daß Ihr lebtet? ſagte man nicht, ihr hättet Euch nach dem—“ „Sprecht es aus, was nicht über Eure Lippen will, dieſer da, das Kind meines Elends, muß heute, muß in dieſer Nacht doch noch Alles erfahren:— nachdem man mich mit Schimpf und Hohn im Beiſein des Maanes, dem ich mein Leben und meine Seligkeit hingegeben, aus den Mauern der Chriſtburg durch den Henker verjagt hatte.— Laßt mich jetzt reden, Conrad, ich fühle Kraft dazu, es iſt die letzte des zerfallenden Körpers! ſetze Dich hier zu mir an mein Bett, mein Sohn, Ihr, Letzkau, bleibt neben ihm und nehmt den Binſenſtuhl, auf dem ich ſo manche Nacht ſinnend geſeſſen und den Erinnerungen nachgehangen habe, die ich Euch jetzt mittheilen will.“ „O, Waltrude, und meine Schweſter!“ ſagte Letzkau ſchmerzlich. „Ruhig, ruhig, Ihr werdet von ihr hören; dieſer Knabe, mein Kind! hört Ihr's, mein Kind, wenngleich namenlos, vaterlos, ehrlos, rechtlos, geht allem Andern in der Welt vor in meinem Herzen. Ich habe gekämpft, 206 ob ich ihm Alles ſagen ſollte, aber als ihr eintratet, als Euer Auge mein gealtertes von Leid und Schande zer⸗ wühltes Geſicht beim erſten Blick erkannte, da wußte ich, Gott will mein Bekenntniß, denn Ihr, Ihr, Conrad, könnt, wie kein anderer Menſch auf Erden, die Wahrheit jedes meiner Worte beſtätigen.“ Sie ſtreckte die Hand nach dem jungen Mönche aus, der ſich plötzlich an ihrem Bette auf die Kniee warf, und dieſe Hand mit Küßen und Thränen bedeckte. „Jetzt nicht, warte noch, armer Knabe, mit den Zei⸗ chen Deiner Liebe, bis Du Alles weißt; wenn Du dann noch die Mutterhand an Deine Lippen ziehſt, ſo wird mir das ein Zeichen ſein, daß Gott mir vergibt, durch den Mund meines Kindes.. „Du biſt noch nicht über die Brücke gegangen, welche dieſe Wieſen mit dem ſtolzen Ordenshauſe drüben und mit der Stadt verbindet, die allmälig um dasſelbe erbaut worden iſt. Hübſche Häuſer liegen dort um einen großen Marktplatz, vor allen Hausthüren ziehen ſich ſteinerne Lauben hin, die auch im Sturm und Unwetter einen trockenen Weg bilden, für Jeden, den ſein Geſchäft nach der Straße führt. Im ſtattlichſten jener Häuſer bin ich geboren. „Ich hatte keine Mutter; eine Verwandte meines Vaters, die Jungfer Ferberin aus Danzig, führte, ſo — lange Vater früha nach mers Moo⸗ meine einem von g Brud Herr, als C und 2 über rienbi von H daß er mich Mädc aller halt v ratet, als hande zer vußte ich, Conrad, Wahrheit aache aus, warf, und den Zei⸗ Du dann wird mir durch den en, welche küben und lbe erbaut een großen ſteinerne ter einen ſchäft nach er bin ich e meines ührte, ſo 3 207 lange ich denken kann, das Regiment im Hauſe meines Vaters, eine ehrbare ſtrenge Dame. Sie hielt mich von früh hauf zu al ler häusl ichen Arbeit an und ging Sonntags nach der Meſſe mit mir auf den Kirchhof, wo ich Som⸗ mers einen Kranz von bunten Blumen, Winters einen Mooskranz auf das Grab meiner Mutter legte, die bei meiner Geburt geſtorben. „Gäſte kamen nicht in meines Vaters Haus, außer einem Einzigen, den ich ſehr liebte. „Es war ein Ordensritter, nicht mehr jung, aber von gar freundlichen Zügen und ſanftem Gemüth. Der Bruder Sigmund Brendel. Es war ein gar trefflicher Herr, denn Herr war er meinem Vater gegenüber, der als Geſchützmeiſter und Stuckzieher dem Orden diente, und Bruder Sigmund Brendel hatte damals die Aufſicht über die Schießſtätten und Pulvermühlen der Ma⸗ rienburg. „Mich, das kleine mutterloſe Kind, hatte der Ritter von Herzen lieb, und er bewies dies nicht nur dadurch, daß er mit mir ſpielte; als ich heranwuchs, be gann er mich zu unterweiſen, und ich lernte bald was andere Mädchen nicht konnten, leſen und ſchreiben, die Gebete aller Zeiten in lateiniſcher Sprache beten und ihren In⸗ halt verſtehen. „Als ich zehn Jahre alt war, ſtarb die Schwägerin 208 meiner Auverwandten und Pflegemutter der Jungfer Ferberin, und ihr Bruder, der reiche Rathsherr Ferber in Danzig, bat ſie himmelhoch zu ihm zu kommen und ſeinen Haushalt zu führen. Mein Vater ſah ein, daß ſie dort in dem großen Anweſen gar nöthig ſei, ſo einigte man ſich, die Muhme Ferberin nahm nicch mit nach Danzig in das Haus ihres Bruders, mein Vater zog in das Ordenshaus, wo er als Halbbruder das Recht hatte zu wohnen und mit den anderen Halbbrüdern aus dem Bürgerſtande Speiſe, Kleidung, kurz Alles erhielt, was er bedurfte. Das war ihm bequem in ſeinem Amte als Stückgießer und Geſchützmeiſter, lagen doch die Räume, wo er arbeiten mußte, innerhalb der äußern Schloß⸗ mauern. „Im Hauſe des Vetter Ferber war Alles gar ſchön und prächtig, mir aber ward bange nach der Heimat, die erwachſenen Söhne erſetzten mir die Geſpielinnen nicht, mit denen ich mich in Marienburg in den Abend⸗ ſtunden auf der Straße getummelt und am Sonntag Nachmittag auf der Wieſe am Nogat⸗Ufer geſpielt hatte. — Ich ward ſtill und bleich und die Muhme Ferberin fürchtete ſich ich möchte erkranken. Da kam eines Tages Herr Sigmund Brendel zu uns, mein werther Freund, und nachdem er mich geſtreichelt und mir ſo viele liebe und gute Worte geſagt, daß mein Herz vor Freude hell auff der gar Spi brin nes Mu heiß bei keine Dier kanr lern ſanf ſicht lebte und ſie v fern den Tan roth⸗ konn Ein ungfer Ferber en und „ daß einigte it nach zog in ht hatte zus dem t, was mte als Räume, Schloß⸗ r ſchön Heimat, ſelinnen Abend⸗ onntag lt hatte. Ferberin s Tages Freund, ele liebe nide hell 209 aufſchlug, redete er lange und eifrig mit der Muhme und der Better Ferber kam auch dazu, und zuletzt riefen ſie gar mich von meinem Spinnrade im Erkerſtübchen. „Waltrude, ſagte der Ritter, ich meine ein Spielkamerädchen wäre gerade was Dir paßte, und ich bringe Dir eines; morgen um dieſe Zeit kommt ein klei⸗ nes Mädchen hierher, eine Waiſe, die weder Vater noch Mutter hat, die aber der edle Meiſter erziehen läßt. Sie heißt Dorothea Letzkau und iſt ein feines Kind, bislang bei einer Muhme geweſen, die nun auch geſtorben, ſie hat keinen Menſchen auf der Welt als einen Bruder, der im Dienſte des Ordens ſteht und nur ſelten bei ihr ſein kann. Habe ſie lieb, mein Mägdlein, und ſpielt und lernt vergnüglich mit einander. „Euere Schweſter Dorothea war wohl fromm und ſanft. Niemand auf der Welt hätte in dem zarten Ge⸗ ſicht leſen können, daß ein eiſerner Wille in ihrer Seele lebte. Wir wuchſen mit einander auf als Schweſtern und es begab ſich, daß die Söhne des Herrn Ferber als ſie von weiten Reiſen nach Lübeck, Dänemark und dem fernen England heimkehrten, großes Wohlgefallen an den beiden friſcherblühten Mädchen fanden, die ihre Tante erzogen. Der Vater aber wollte höher hinaus, Do⸗ rothea war ganz arm und das Vermögen meines Vaters konnte auch nicht ſehr in Anſchlag gebracht werden; ſo Ein Bürgermeiſter. II 14 2 210 hielt man es denn für gut, uns Beide aus dem Hauſe zu entfernen, und das war uns ſchon recht, wenn wir nur bei einander bleiben durften. So kamen wir Beide nach Marienburg in das Haus meines Vaters. Er ſtand in Ehre und Anſehen bei dem Orden und der Meiſter Conrad von Jungingen kam nicht ſelten in eigener Per⸗ ſon unter unſer Dach, ſich mit meinem Vater über das Gießen neuer Geſchütze, über Pulverbereitung und ſolche gelehrte Dinge zu unterhalten. Da ſprach er auch mit uns Beiden gar freundlich, nahm gern den Becher Wein, den wir ihm reichten, rühmte unſer Backwerk und unſere roſigen Wangen und beſchenkte uns mit Bändern von Seide für unſere Sonntagsgewänder, mit feinen Spitzen aus Mecheln und anderen ſchönen Dingen, es war eben ein gütiger, ritterlich geſinnter Herr, der, weil er ſelbſt nichts Böſes im tiefſten Herzen trug, auch nicht ſo leicht von ſeinen Nebenmenſchen Böſes glaubte. Herr Sigmund Brendel, mein alter Freund, war des edlen Meiſters Compan, er begleitete ihn oft, kam auch ohne ihn freund⸗ ſchaftlich in unſer Haus und ſpäter begleiteten ihn denn auch wohl jüngere Ritterbrüder. „Da kam auch einer mit ihm, ein Jüngling noch, voll ritterlicher und adeliger Sitte.— Er gefiel meinen Angen, ob er damals ſchon mich im Herzen trug,— ich weiß es nicht. Er war aus fürſtlichem Geblüte, ich ein arme Jaht ihm ſiche und zugl Soh Her; Neff hielt mein ſo ſe frau ſich unſe die o eina⸗ Han ling⸗ hina ſtille alten mals Hauſe n wir Beide ſtand Neiſter T Per⸗ der das ſolche h mit Wein, unſere Seide en aus ben ein nichts ht von ggmund eiſters reund⸗ n denn noch, neinen — ich ſch ein 211 armes Bürgermädchen, er war ſeit ſeinem fünfzehnten Jahre im Orden und hatte große Thaten gethan, die ihm bereits einen hohen Rang unter ſeinen Brüdern ſicherten. Er war ſtreng und ſtolz in all' ſeinem Thun und doch wieder ſanft und gut, ein Löwe und ein Lamm zugleich! Herr Sigmund Brendel liebte ihn wie einen Sohn, und der Meiſter hatte ihn in der Tiefe ſeines Herzens zu ſeinem Nachfolger beſtimmt, da er ſeinen Neffen Herrn Ulrich von Jungingen für zu kriegeriſch hielt für dieſes hohe Amt. „Wenn jener junge Ritter unſer Haus betrat mit meinem Vater Rückſprache zu nehmen über das und das, ſo ſaß er wohl einmal eine halbe Stunde bei uns Jung⸗ frauen nieder und ſprach freundlich mit uns. Es begab ſich auch, daß er mich einſt um einen Blumenſtrauß aus unſerem Gärtchen bat, und ich ihm die ſchönſten pflückte, die auf allen Beeten zu finden waren; nahe kamen wir einander nur mit Beben und noch nie hatte er meine Hand ergriffen, die Ordensregel verbot ihm dies. „Da kam die Zeit des Bleichens, die ſchöne Früh⸗ lingszeit. Wir Mädchen der Stadt trugen unſer Linnen hinaus auf die Wieſe am Nogatdamm und hier in dieſem ſtillen Häuschen blieb allnächtlich eine von uns bei dem alten Weiblein und ihrem verkrüppelten Knaben, die da⸗ mals hier wohnten.— Auch an mich kam die Reihe die 14* 12 1 5 d Bleiche zu bewachen! Ich ſaß in der ſtillen Abendſtunde unter dem Fliederbuſch, der jetzt verdorrt am Ufer ſteht. Mein Herz war voll und allerlei Gedanken gingen durch meinen jungen Kopf.— Ich dachte an den Waſſermann, der von Zeit zu Zeit aus den Fluthen der Nogat auf⸗ ſteigt, ſich ein Mägdlein zur Frau hinab in die Tiefe zu holen, und wie der wohl zu Muthe ſein müßte, die nicht Vater, nicht Geſchwiſter, nicht Heimat und Befreundete wiederſehen durfte, und vor der, als ſie einmal die Kirche zu betreten wagte, die Bilder an den Wänden ſich um⸗ drehten.— Da ſtand er plötzlich vor mir, nicht der Waſſermann, ſondern Der, an den ich eigentlich gedacht hatte, deß' Liebe mich wie die des Geiſtes der Tiefe von Allem ſcheiden mußte was mir werth und theuer war. „Ich wußte Euch hier, Waltrude, ſagte er, und da zog's mich auch an dieſen Platz. „Gott helfe mir, Jungfrau, ich will ja nichts als nur einmal eine Viertelſtunde neben Euch ſtehen und Euch ſingen und ſprechen hören. Ich will nicht Eure Hand neh⸗ men, nicht in Enre Augen ſehen, ich will ganz ferne ſteh'n und nur fühlen, daß ich bei Euch bin. „Ich konnte nichts antworten, meine Seele erbebte und mir war ſo ſelig zu Muthe, als ſei ich bereits in den Himmel eingezogen. flüſt Euch Ihr mun Dir ſeid, noch und Waſ wie! der i in m mich thun thun zen? ſtunde ſteht. durch mmann, t auf⸗ iefe zu e nicht eundete Kirche ch um— cht der gedacht fe von war. und da hts als d Euch id neh⸗ ſteh'n erbebte in den 213 „Seid Ihr erzürnt, Waltrude? fragte er leiſe flüſternd. „Nein, ſagte ich, aber ich fürchte mich. „Fürchtet Ihr Euch vor mir? fragte er weiter. „Nein, ſagte ich wieder, aber ich fürchte, daß man Euch hier ſähe und daß Euch das ſchaden könnte, denn Ihr ſeid Ordensritter, und— „Fürchteſt Du nicht für Dich, daß Dich böſer Leu⸗ mund treffe, wenn man mich in dieſer Nachtſtunde bei Dir wüßte? „Ich denke nicht viel an mich, wenn Ihr bei mir ſeid, ſagte ich und ich konnte nicht anders, ich mußte noch hinzuſetzen: „Ich denke auch nur an Euch, wenn Ihr fern ſeid, und ſo erzählte ich ihm die Geſchichte von Agathe und dem Waſſermann, die mir eben durch den Kopf gegangen, und wie der Waſſermann, um den Agathe Alles verlaſſen und der irdiſchen Ehre und der ewigen Seligkeit entſagt habe, in meinen Gedanken ausgeſeh'n habe. „Da ſchloß er mich feſt in ſeine Arme und drückte mich heiß an ſein Herz und fragte mich, ob ich für ihn thun könnte was Agathe für den Waſſermann that. „Jal ſagte ich und da verabredeten wir, was wir thun wollten, um Eines dem Andern anzugehören, der gan⸗ zen Welt zum Trotze. f 214 „Wenige Tage darauf war das Feſt Johannis des Täufers. Da fuhren die Burſchen und Mädchen aus der Stadt nach dem Werder zum Tanze. Der Meiſter Con⸗ rad gab dann ſeine ſchönen Schiffchen und die Stadt⸗ Zinkeniſten fuhren auch mit, und die Rückfahrt war be⸗ ſonders luſtig, wo in der Mitternacht auf allen Höhen am Ufer die Johannisfeuer glänzten. Der Meiſter pflegte ſelbſt wohl hinauszukommen, dem Tanze zuzuſchauen und rothen und blanken Wein den Tänzern auftiſchen zu laſ⸗ ſen. Dann wagten es wohl die Mädchen den Herrn mit ihren Gürteln zu binden, daß er ſich auslöſe mit einem Geſchenk, was er auch ſtets mit gar vieler Güte und Rit⸗ terlichkeit that. „Oft brachte er auch einen und den anderen der jün⸗ geren Brüder mit, der Luſtbarkeit zuzuſchauen, ja er ge⸗ ſtattete es, daß ſie ſich mit einem der Bürgermädchen im Tanze drehen durften. Diesmal war mein Liebſter der Begleiter des Meiſters und als er mich im Walzer ſchwenkte, flüſterte er mir zu: „Heute, wenn Du Muth haſt, Waltrude. „O, ichhatte Muth! als in der Nacht die luſtige Ge⸗ ſellſchaft heimkehrte und das bewimpelte Schiff hier an den Wieſen vorbei glitt, wo der Strom im tiefen Schat⸗ ten der Burg liegt, da trat ich auf den Rand des Fahr⸗ zeugs und neigte mich, wie wenn ich etwas Herabgefalle⸗ nes hine mei gen, das verl ſuch ich Bot ſpre dem Bro alle hüll von dere eine bur Co⸗ mit gen nis des aus der r Con⸗ Stadt⸗ war be⸗ Höhen pflegte nen und zu laſ⸗ rrn mit t einem ind Rit⸗ der jün⸗ mer ge⸗ chen im ter der Walzer ige Ge⸗ hier an Schat⸗ 8 Fahr⸗ ggefalle⸗ nes aus dem Maſſer nehmen wollte, aber ich ließ mich ſe lbſt hinabgleit en, und in der nächſten Minute ſchon, ehe nock meine Gedan te n vergingen, hielt er, der mir uachgefprun⸗ gen, mich in ſeinen Armen und ſchwamm mit mir bis an das Ufer, wo ich mich in dieſem einſamen Häuschen verbarg. „Er kehrte zurück ohne mich, und die ganze Nacht ſuchte man die Ertrunkene, mein alter Vater ſuchte mit, ich konnte ſein Geſicht, von den Fackeln beleuchtet, im Boote auf dem Strom erkennen. „Und ehe noch der frühe Sommertag wieder anbrach, ſprengte mein Liebſter über die Brücke. Alle ſuchten auf dem Strome noch nach meiner Leiche, der alte Sigmund Brendel, der Meiſter ſelbſt, mein Vater, alle Bürger und alle Ritter, ich aber ſaß, von des Liebſten Mantel um⸗ hüllt, vor ihm auf ſeinem Rappen und wir ſprengten da⸗ von bis Chriſtburg, da wohnte eine alte, blinde Frau; in deren Häuschen ließ er mich, und da legte ich die Kleider einer Magd an und zog eine Woche ſpäter in das Chriſt burger Ordenshaus als Scheuermagd, mein Liebſter war Comthur von Chriſtburg geworden, Die kranke Frau hatte faſt ohne Unterbrechung und mit klarer Stimme geſprochen. Jetzt begannen ihre Au⸗ gen in neuem Liebesgl anze zu ſchimmern. „Ich weiß wie es Agathen zu Muthe war, die bei dem Waſſermann als ſein Weib lebte.— Ich hatte Alles was ich nur träumen konnte. In den zwei kleinen Stübchen, die der armen Magd eingeräumt wurden, war's wie in einem Feenpalaſte, aber Niemand betrat ſie als eben Agathe und der Waſſermann; wenn ich hinauszuge⸗ hen wagte, dann drehten ſich nicht nur die Bilder in der Kirche, es drehten ſich auch die Menſchen vor mir um. „Mein Liebſter war gut! Ja er war es! Niemand kann ſagen, daß er etwas Anderes als Gutes und Liebes für mich that, aber ſeine Stirn war oft finſter und ernſt als er mich weinend fand, weil ich mich heiß ſehnte nach meinem alten Vater, ach, und nach der Heimat, nach den Geſpielen meiner Jugend; da ſagte er: Waltrude, Du klagſt, Du machſt mir Vorwürfe, bedenke was ich hin⸗ gab, um unſerer Liebe willen. Flüſtert nicht der Leumund ſchon längſt, daß ich hier in meiner Comthurei ein unehr⸗ bares Leben führe, kann ich den Brüdern hier mit Ernſt entgegentreten, wenn ſie meinen Befehlen keinen Gehor⸗ ſam zollen?— Zeige Du mir wenigſtens ein heiteres Geſicht, damit ich, wenn auch nur in den Minuten, da ich mein Haupt an Deinen Buſen lehne, vergeſſe, was ich unſerer jugendlichen Leidenſchaft zum Opfer brachte!— „Ich ward Mutter in meinen Sünden! die alte Frau, die mir beiſtand in meiner Todesangſt, ſchaffte ſtill das Knäblein, das ich geboren, hinweg, kaum hatte ich den bei man auf Ihr gefa ſehe den den mit Ich ren So Wi hatte inen ar's als uge⸗ t der um. nand ſiebes ernſt nach h den Du hin⸗ nund ꝛehr⸗ Ernſt hor⸗ teres „ da s ich — frau, das den Laut ſeiner Stimme gehört, kaum den Strahl ſeiner Augen geſehen. „Dann mußte ich plötzlich fort aus der Chriſtunrg — bei Nacht und Rebel brachte man mich nach Danzig und dort ward ich abermals auf dem Schloſſe verborgen.“ „Und meine Schweſter, um des barmherzigen Got⸗ tes Willen, meine Schweſter, fragte Letzkau.“ n, die ſah ich wieder, Ihr wißt es ja, ich war bei ihr, als Ihr ſie fundet Sie hatte auch den Waſſer mann gefunden und ſich ihm ergeben.“ „Um Gotteswillen, Waltrude, um Eurer Hoffnung auf die ewige Glückſeligkeit willen, ſagt mir Alles was Ihr von der armen Dorothea wißt,“ flüſterte Letzkau mit gefalteten Händen. „Nun, was wollt Ihr, habt Ihr ſie nicht todt ge⸗ ſehen?“ ſagte die Kranke,„nützt's Euch, wenn ich Euch den Namen des Schurken nenne, der ſie bethörte, daß ſie den Bruder und den Verlobten verließ, hoffend, er werde mit ihr weit hinweg ziehen nach dem Mohrenlande? Ich kenne ihn wohl, er lebt noch und lebt in Eh⸗ ren und iſt doch der falſcheſte Verräther, auf den die Sonne ſcheint.“— „Nennt ihn, nennt ihn um des Allmächtigen Willen,“ ſagte Letzkau. „Es iſt Michael von Sternberg,“ entgegnete ſie 218 deutlich und feſt,„und wenn Ihr Eurer Schweſter Tod rächet, ſo rächt⸗Ihr auch mein Elend und den ſchwarzen Verrath, den er an dem Unglücklichen geübt, der mich wirklich und mit aufrichtigem Herzen liebte. „Er hatte Eurer Schweſter vorgeſpiegelt, daß ſie in fremdem Lande ſein Weib werden ſollte. Er hatte um ſeinen eigenen Gelüſten freien Spielraum zu eröffnen, mei⸗ nen Liebſten unterſtützt, indem er ihm Pferd und Kleider beſorgt hatte, in jener Johannisnacht.— Als mein Va⸗ ter mich für todt hielt, brachte er Dorothea nach Danzig in Euer Haus, denn damals wart Ihr ſchon Stadt⸗ ſchreiber und habt Euch verheiratet. Ihr verlobtet die einzige Schweſter mit Große, aber Sternberg hatte ſchon in Marienburg ihr Herz und ſie floh zu ihm, hoffend, daß er ihr Wort halten möge. „In Granada, in dem Lande des Sonnenſcheins und der Roſen, wollte ſie ſein Weib werden und träumte goldene Träume von einer Zukunft der Liebe und Treue. Aber Sternberg hatte ſich das anders vorgeſtellt, er wähnte ein Liebchen in ihr zu finden wie es ſein Gefährte und Freund in mir Unglückſeligen gefunden. Als Do⸗ rothea hörte, daß ihr ſie ſuchtet, daß ihr mit Große in das Schloß gekommen, die Schweſter und Verlobte heim⸗ zuführen, da warf ſie ſich dem zu Füßen, für den ſie ihren Ruf geopfert, während ſie mit edler Kraft ihre er Tod warzen er mich aß ſie tte um n, mei⸗ Kleider in Va⸗ Danzig Stadt⸗ tet die e ſchon nd, daß ſſcheins räumte Treue. ellt, er defährte ls Do⸗ roße in e heim⸗ den ſie aft ihre Reinheit ihm gegenüber bewahrt hatte.— Sie beſchwor ihn, mit ihr zu fliehen, durch den geheimen ihm wohlbe⸗ kannten Ausgang und mit ihr zu ziehen in das ferne Land, wo ſie in Ehren ſein Weib ſein könne. „O, er wand ſich wie eine Schlange in mancherlei Ausflüchten und endlich ſagte er, ſie thäte am beſten mit Euch zu gehen und Große's Weib zu werden, der ihr ſicherlich vergeben würde. „Da ſah ſie ihn mit einem ſchrecklichen Blick an, ſagte kein Wort und wandte ſich hinweg und ſtieß ſich ein Meſſer, das ſie, ſo lange ſie im Schloſſe geweſen, ſtets bei ſich getragen, lautlos und mit feſter Hand in's Herz.— So fandet Ihr ſie.“ Letzkau deckte, von der Erinnerung ergriffen, die Hand über ſein Geſicht, und erſt als er wieder auf⸗ blickte, fuhr Waltrude fort: „Sternberg nannte ſich meines Liebſten treueſter Freund, und als ich wenige Tage in Danzig geweilt, wo ich meinen Knaben an mein Mutterherz gedrückt hatte, brachte er mich ſelbſt in ſtiller Nacht nach der Chriſtburg zurück. „Ach, ich wußte jetzt erſt, wie feſt die Bande wa⸗ ren, die mich an den Geliebten knüpften, während der Trennung hatte ich es gefühlt. „Aber am Morgen nach meiner Heimkehr erſchien plötzlich der Hochmeiſter, mein nſüigan Freund, und Per Sigmuns Brendel und noch zwei alte Ritter in der Chriſtburg. „Sie durchſchritten das ganze Ordenshaus und kamen endlich auch in die verſteckten Stübchen, wo ſie uitch fanden und meinen Knaben, den ich auf Stern⸗ berg's Nath mit mir genommen, mich auf wenige Tage an ihm zu letzen. „Sie erkannten mich, ſo der Meiſter als mein alter Freund,— und die 6 Erde öffnete ſich nicht mich zu verſchlingen, die Schamröthe meiner Wangen verbrannte nicht mein Hirn. „Ich ſah die Thränen meines alten Freundes,— Thränen, die er weinte, weil das Kind, das er geliebt und unterrichtet hatte, in Schande und Schmach ge⸗ fallen war. „Des Meiſters Geſicht, wie aus Eiſen geſchmie⸗ det, blickte feſt auf mich und mein Knäblein. Um mich ſtanden viele Perſonen, die mich anſtarrten wie ein Ge⸗ ſpenſt, und war ich es nicht auch, war ich nicht eine Todte?— „Thut Eure Pflicht! herrſcht e der Meiſter endlich einem Manne zu, der neben mir ſtand und mir fürchter⸗ lich bekannt erſchien.— Es war der Henker aus Ma⸗ rienb die fu zerrte mit? Stad in m zerrte ben d Flüg über ſamn Ruh Arm Auge ſtand nen Hun erlöſ und tder und ſie eern⸗ Tage mein ) zu nnte liebt ge⸗ mie⸗ mich Ge⸗ eine dlich fter⸗ Ma⸗ 221 rienburg, den ich oft in glücklichen Tagen geſehen hatte, die furchtbarſte Werſſ ei inung, d die ich damals kannte. „Er ergriff mich und führte mich in den Hof, dort Verrle er die Kleider von meinem Leibe und beſtrich ihn mit Theer, auf welchen die Mägde und Knechte aus der Stadt alsbald Hände voll Federn warfen. „Dann brachte er mir meinen Knaben, legte ihn in meine Arme, band einen Strick um meinen Hals und zerrte mich hinaus aus dem Thore der Burg; die Bu⸗ ben des Städtchens rannten ſchreiend hinter mir her. „Ich floh! Mir ſchien's meine Sohlen hätten Flügel. Ich rannte, mein Kind an mein Herz drückend, über Feld und Flur, bis ich in einem Walde zu⸗ ſammenſank. „Ich dachte an den Tod; Dorothea Letzkau hatte Ruhe im Grabe geſucht und gefunden, aber in meſtten Armen weinte mein Kind, es ſah mich an mit bittenden Augen— ach, ich konnte es nicht tödten. „So lag ich bis es Nacht wurde. Der Vollmond ſtand am Himmel, mein Knabe war nach langem Wei⸗ nen in meinen Armen entſchlummert.— Ich hoffte, der Hungertod würde mich und ihn vom Elende der Erde erlöſen; aber anders hatte es Gott beſchloſſen. „Eine Frau kam des Weges daher; ſie trug große 222 Kräuterbündel auf ihrem Rücken und murmelte Worte in einer fremden Sprache vor ſich hin. „Sie ſah mich und erbarmte ſich meiner.— Sie nahm mich mit ſich in ihr Häuschen am Waldesrand, gab mir Nahrung und Kleidung, pflegte mein Kind und tröſtete mich mit ſanften Worten, als ſie von all' mei⸗ nem Jammer hörte. „Geh' zu Deinem Vater, ſagte ſie endlich, als ich mehrere Tage bei ihr geweilt hatte, gib ihm die Tochter wieder, das iſt Deine nächſte Pflicht, dann gib Deinen Knaben in Freundeshände, daß ſie ihn in Ehren erzie⸗ hen; er darf die Schmach ſeiner Mutter nicht theilen, iſt er doch ſchuldlos und vielleicht von Gott zu hohen Dingen berufen. Dann lebe Du, je nachdem Du kannſt, der Rache oder der Vergebung. „Ich ſelbſt gehe in wenigen Tagen auch von hier fort, denn auch hier habe ich nicht gefunden, was ich geſucht. „Sie zeigte mir nun die Richtung des Weges zum nächſten Dorfe und ich bettelte mit meinem Knaben auf dem Arme mich bis nach Marienburg. „Mein Vater lebte noch und vergab mir.— Er brachte meinen Knaben nach Danzig zu unſerm Gefreun⸗ deten, Arnold Hecht. Dort ward er erzogen und trat früht in de Mutt nen 2 gerne ſind j denen nenne Oft Waſſe ſtrecke er kan ich r. jetzt2 nie ſe Du mauer Gebu zählu Frau des ti 6 orte Sie and, und mei⸗ ich chter einen rzie⸗ ilen, ohen unſt, hier 4 ich zum auf 81 den geiſtlichen Stand. Er kannte ſeine unglückliche Mutter nicht, noch ſein eigenes ſchreckliches Geſchick. „Ich lebte hier viele Jahre an dieſem Platze, mei⸗ nen Vater ſelten, meinen Sohn nie ſehend. Ich hätte gerne mögen in ein Kloſter eintreten, aber hier im Lande ſind ja ſolche heiligen Här 5 er, die auch die Schuldbela⸗ denen in ihren ſchützenden Mauern dufnehmen, nicht. „Ich hörte nie, nie uht den Namen des Mannes nennen, der einſt zu den höchſten E hren berufen ſchien. Oft ſtand ich am Stromesufer und ſah hinab, ob der Waſſermaun nicht ſeine kalte bleiche Hand zu mir hinauf ſtrecken wollte, mich in ſein Reich hinab zu ziehen, aber er kam nicht— ich lihe noch, und Du, mein Sohn, den h rufen ließ, mir die Augen zuzudrücken, Du weißt jetzt t Alles und weißt auch warum Deine Mutter Dich nie ſehen wollte, warum es ihr heißer Wunſch war, daß Du ein Gott wohlgefälliges Leben in ſtillen Kloſter⸗ mauern führen mögeſt, abzubüßen die Sünde Deiner Geburt.“ Der junge Mönch hatte dieſe ganze traurige Er⸗ zu hlung wie in einem Traum angehört; als die kranke Frau jetzt ſchwieg, betrachtete er ſie mit dem Ausdrucke des tiefſten Entſetzens. Waltruden's Augen hingen an ſeinen Lippen, ſie ſchien ein Wort der Liebe, der Vergebung aus dem Munde 224 ihres Sohnes zu erwarten, aber Amadeus ſchwieg und die Kranke ſank langſam in ihre Kiſſen zurück. „Die Zeit verrinnt,“ ſagte endlich Letzkau, das Schweigen endend,„ſchon graut der Morgen, der nächſte Tag bringt ſicherlich die wilden Horden der Feinde hier⸗ her, es iſt faſt als ein Wunder zu betrachten, daß die Marienburg nicht ſchon eingeſchloſſen iſt. Eilen wir da⸗ her, Bruder Amlalehs, Eure kranke Mutter in Sicher⸗ heit zu bringen.“ „Laßt mich,“ entgegnets Waltrude,„laßt mich hier ſterben, wo ich gelebt, verlaßt mich Beide! mein Leben kann nur noch wenig Stunden währen, und dann iſt es gleich, ob das Nagen der Krankheit oder der Säbel eines Polen ihm ein Ende macht.“ Da erhob ſich der junge Pater, eine ſtattliche, ſchöne Geſtalt, deren kräftige Umriſſe ſelbſt die Kutte nicht ver⸗ bergen konnte. Er beugte ſich nieder, und die abgezehrte Kranke in ihre Decken hüllend, hob er ſie mit kräftigen Armen empor und ſagte: „Nehmt Ihr, Herr Letzkau, das Nöthigſte was zur Pflege und zur Bequemlichkeit meiner Mutter gehört und ſuchen wir Schutz und Sicherheit hinter den Mauern der Marienburg.“ Langſam überſchritt Amadeus, ſeine Bürde tra⸗ gend Sch Men Bett eines trug, auf! fend. der? lang wurd Orde noch bende Ein 2 mit d der F. Habſ deus men 3 unterg Ein und das ichſte hier⸗ ß die r da⸗ ſcher⸗ ˖hier Leben iſt es eines gend, von Letzkau gefolgt, die Brücke und trat in das Schloßthor. Der große äußere Schloßhof war mit Vieh und Menſchen, mit Geräth aller Art, Kiſten und Kaſten, Betten und Schränken angefüllt, und die hohe eines Ordensritters, der den linken Arm in einer Bit de trug, gefolgt von Dienern, Bürgern und Arbeitern, ging auf und ab in dieſem Chaos, Ordnung und Ruhe ſchaf⸗ fend. Es war Werner von Tettingen, Obriſt⸗Spitter der Marienburg, und ſeiner Weisheit und Umſicht ge⸗ lang das unmöglich Scheinende. Thiere und Menſchen wurden untergebracht in den ungeheuren Räumen des Ordenshauſes. Als er den jungen Prieſter erblickte, der die Kranke noch immer in ſeinen Armen hielt, gab er den ihn umge⸗ benden Leuten ein Zeichen und einen leiſen Befehl. Ein Mann trat jetzt zu Amadeus und ſagte ihm, er ſolle mit der kranken Frau ihm folgen nach einem der Säle der Firmarie. Dort ward Raum geſchafft für ſie und ihre wenigen Habſeligkeiten und der Gehilfe des Spittlers befahl Ama⸗ deus ſich ſelbſt ein Plätzchen zur Nachtruhe in den Räu⸗ men zu ſuchen, wo die wehrhaften Männer der Stadt untergebracht waren, wenn er es nicht vorzöge, ſich Ein Bürgermeeiſter. II. 15 226 augenblicklich, ſo lange die Wege noch offen, zurück in ſein Kloſter zu begeben. Der junge Pater beſann ſich einen Moment lang, dann ſagte er mit leiſer Stimme: „Wenn es mir erlaubt wird, Dienſte auf der Mauer zu thun und in freien Stunden dieſe kranke Frau zu verpflegen, ſo bleibe ichlieber in der Burg. Ich habe Ur⸗ laub von meinem Vorgeſetzten und kann ſo lange von mei⸗ nem Kloſter fern bleiben als es für dieſe kranke Frau noth⸗ wendig iſt.“ „Gut,“ entgegnete der Gehilfe,„bleibt in der Burg und gebrauchet Eure jungen und tüchtigen Arme gegen den Feind, wir können hier jeden Mann nützen. Ihr könnt Beides, auf der Mauer und im Krankenſaale ar⸗ beiten, jetzt ſorgt für einen Platz, wo Ihr Euer Haupt hinlegen könnt, wenn Euch eine Stuude der Ruhe zu Theil würde 4 Waltrude folgte dem Weggehenden mit den Augen. Noch war kein liebender Blick des Sohnes auf ſie gefal⸗ len, ſein Mund hatte noch nicht einmal den Mutterna⸗ men ausgeſprochen, ſeit er ihr und ſein Schickſal kannte. Sie ſeufzte kii auf.— Ach, die Laſt ihrer Schuld und ihres Elends lag ſchwerer als die Laſt der Krankheit auf ihrer Seele. Conrad Letzkau hatte, als er von ſeinen Gefährten get in tete gel den von thu den ver! mer Abr tönt es ſein ſchen arm nen ſcho⸗ der kau Gef hatte ein ng, er zu Ur⸗ nei⸗ oth⸗ zurg egen Ihr 227 getrennt war, ſich aus dem Menſchenwuſt zurückgezogen in das Stübchen, wo der zeitweilige Meiſter ihn erwar⸗ tete, um ihn die letzten Inſtructionen für ſeine Reiſe zu geben. Heinrich Reuß von Plauen ſaß mit ſeinem Neffen, dem Caplan Lindenblatt und dem alten Spittler Werner von Tettingen im Morgengrauen noch in eifrigſter Bera⸗ thung. Aus dem Fenſter ſeines Stübchens ſah man auf den Nogatſtrom und das jenſeitige Werder. Es war hier verhältnißmäßig ſtille, und nur das Geräuſch der Häm mer und Beile, welche dicht unter der Schloßmauer beim Abnehmen des Brückenbelegs gebraucht wurden, über⸗ tönte zuweilen das ernſte Geſpräch der Anweſenden, ohne es zu unterbrechen. Briefe lagen bereit, die Letzkau mitnehmen ſollte, ſeine Beglaubigungsſchreiben an die Vögte der fernen deut⸗ ſchen Balleien. Seine Kleidung war zurecht gelegt, die armſeligen Gewänder eines ſamtitiſchen Bettlers, in de⸗ nen er ſich durch die polniſche Armee ſchleichen ſollte, die ſchon in einem weiten Bogen die Marienburg umſchloß. Es war ein ſchweres und gefahrvolles Amt, das der Danziger Bürgermeiſter übernahm, aber Conrad Letz⸗ kau war ein kriegserfahrener, muthiger Mann, den die Gefahr nicht ſchreckte, wenn er ſie als Pflicht erkannt hatte. 15* 228 Im Ordenshauſe zu Marienburg hatten ſich wäh⸗ rend der kurzen Zeit, daß Heinrich Reuß von Plauen ſie erreicht, noch viele andere Ritter, die ſich aus der Tanne⸗ berger Schlacht gerettet, mit den ihnen gebliebenen Rei⸗ ſigen und Fußknechten eingefunden. Viele Edle des Preu⸗ ßenlandes folgten dem Beiſpiele Conrad Letzkau's und führten was Waffen tragen konnte zur Vertheidigung des letzten Hortes, den der Orden in Preußen hatte, in die Marienburg. Heinrich hatte alle Vorräthe aus der Stadt und aus den Ordensſpeichern im Werder in die Burg ſchaf⸗ fen laſſen; die Bürger Marienburg's hatten, als ſie in das Ordenshaus flüchteten, Alles mit ſich gebracht, was ſie von werthvollem Beſitzthume nur irgend transportiren konnten. Es fehlte nicht an Waffen, nicht an kräftigen Armen zur Vertheidigung der Burg, es fehlte auch nicht an Speiſe und Trank für die große Menſchenzahl, welche alle, auch die kleinſten Räume der mächtigen ſtolzen Veſte mit Leben erfüllte. Es fehlte nicht an Futter für die Thiere, die dicht gedrängt in den ungeheuren unterirdi⸗ ſchen Stallräumen ſtanden. Es fehl te auch das Wich⸗ tigſte nicht, das Haupt, das dieſe belebte Maſſe mit einem einigen Willen beſeelen, das dieſe Maſſe von Kräften zu einer ſtark und feſt wirkenden Kraft vereinen konnte. nem tend den Ma anve behi Fir mitt eine Sta Ma der 4 Kör Näch 229 Am Morgen des 20. Juli 1410 verſammelten ſich die Ritter, welche der Niederlage bei Tanneberg frei und lebendig entgangen waren, im Capitelſaale der Marien⸗ burg und erwählten einſtimmig den edlen Heinrich Reuß von Plauen zum Statthalter des Ordens. In ſeiner neuen Würde übernahm er nun die Ver⸗ theidigung der Marienburg. Etwa 5000 ſtreitbare Männer ſtanden unter ſei⸗ nem Befehl, und ſich ſelbſt die oberſte Leitung vorbehal⸗ tend, übergab er das Commando der Vorburg den Hän⸗ den ſeines Neffen Heinrich von Plauen, dem er tauſend Mann aus den Werdern und der Stadt Marienburg anvertraute. Der alte würdige Spittler Werner von Tettingen behielt ſein Amt und die Beaufſichtigung der Krankenſäle (Firmarien). Den Befehl über die Vertheidigungsanſtalten der mittleren Burg erhielt der Ritter Kunz von Seiddlitz, einer der Letzten, die mit ihrem Fähnlein bei Tanneberg Stand gehalten, und ihm ſtellte der Statthalter 2000 Mann zu Gebote, während er ſelbſt die Vertheidigung der Hauptburg ebenfalls mit 2000 Mann unternahm. Unter Arbeiten, die alle Kräfte der Seele und des Körpers in Anſpruch nahmen, vergingen die Tage und Nächte. 230 Der furchtbare, aber unerläßliche Befehl, die Stadt Marienburg anzuzünden, wurde erſt am 24. Juli gege⸗ ben, und die Schaaren der in die Ordensburg geſlüchte⸗ ten Bürger ſtanden mit Frauen und Kindern auf den Zinnen und ſahen das wilde Element zerſtörend durch die friedlichen Häuſer raſen, die ſo lange ihre glückliche Heimat geweſen. Zum Himmel auf wirbelte während des Tages der ſchwarze Rauch, durchzuckt von den lohenden Flammen, während, als die Nacht herniederſank, die ganze Stadt ein Feuermeer zu ſein ſchien, von welchem aus die glü⸗ henden Zungen gegen den dunkeln Nachthimmel leckten. Zwei Tage währte der Brand, am dritten war das heitere gewerbfleißige Städtchen ein Aſchenhaufen, aus deſſen glühenden Trümmern nur die Johanniskirche und das Rathhaus, von Rauch geſchwärzt, mit zertrümmerten Fenſtern und verkohltem Holzwerk, aber ſonſt unverſehrt hervorragten. Noch in der ſpäten Abendſtunde dieſes Tages nahte ſich ein Häufchen bei Tanneberg Verſprengter den Tho⸗ ren der Marienburg.— An ihrer Spitze ſtand der alte Geſchützmeiſter Wolf. Er ritt auf einem ſtattlichen Roſſe eine Weile ne⸗ ben den äußeren Mauern der Burg hin, deren tiefe Gräben durch die Waſſerleitung geſpeiſt wurden, die der Lar Her dur an der hine Ma por gin! ziehe das ßen und mich ſtoh volle lich dank hier, an d ſign 231 Landmeiſter Mangold von Sternberg ſchon im Jahre des Herrn 1280 mit großer Kunſt über Berg und Thal und durch zwei Seen geführt hatte und hielt einen Augenblick an der Stelle, wo das Bild der heiligen Jungfrau, das der Burg den Namen gegeben, von den hohen Zinnen hinabſchaut. Sein dunkles tiefes Auge hing lange an den Mauern und Befeſtigungswerken, und blickte dann em⸗ por zu dem weit und breit verehrten Gnadenbilde. „Wirſt Du ſie noch ſchützen, Marie, Himmelsköni⸗ gin!“ flüſterte er leiſe, den Hut von dem weißen Haare ziehend,„noch! iſt Deine Langmuth noch nicht geendet, das Maß ihrer Sünden noch nicht gefüllt zum Ueberflie⸗ ßen?— Gebenedeite, die Du all' den Jammer kennſt und alle Verbrechen, die ihn hervorriefen, nimm mich, mich den ſchrecklich Beleidigten, den um ſein Alles Be⸗ ſtohlenen als Werkzeug an, das Werk der Zerſtörung zu vollenden. Hier in dieſen Mauern ſind ſie endlich, end⸗ lich Alle in meine Hand gegeben, und was als Rachege⸗ danke, Traum und Gedanke jahrelang neben mir ſtand, hier, jetzt ſoll es nun zur Wirklichkeit werden!“ Nach dieſem ſeltſamen Gebete ſprengte der Greis an das nördliche Hauptthor der Burg und ſein Horn⸗ ſignal verlangte Einlaß. Die Wache am Thore meldete die Ankunſt neuen Zuzuges, und in wenigen Minuten öffnete man von Innen Schloß und Riegel, ließ die Zugbrücken nieder und zog die Fallgatter empor. Der Letzte, der die in Vertheidigungsſtand geſetzte Veſte betrat, war— der Verräther. daß Nachr ſollte mache im Ge überm von S genſtu Polen im M Lager ſchöne 8 ner Fe aus d Neuntes Capitel. Den Feldherren aller Jahrhunderte iſt es bekannt, daß gewiſſe Siege den ſchwerſten Niederlagen in ihren Nachwirkungen gleichkommen und Wladislav Jagello ſollte dieſe Erfahrung nach dem Siege bei Tanneberg machen. Stolz und freudetrunken begab ſich der Polenkönig im Gefühl des Sieges in ſein Zelt. Mit Augen, die vor übermüthiger Freude funkelten, ſah er die Leiche Ulrich's von Jungingen nahe am Eingang desſelben in der Mor⸗ genſtunde des 16. Juli niederlegen, ſah das Banner Polens wieder aufgerichtet auf der Spitze der Zeltſtange im Morgenwinde flattern und legte ſich auf ſein weiches Lager in der feſten Ueberzeugung, jetzt Herr des ganzen ſchönen Preußenlandes zu ſein. Anders freilich dachte Zindram, ſein kriegserfahre⸗ ner Feldherr. Der rieſige Gefangene, dem er das Polenbanner aus der erſtarrten Hand genommen, ſtand neben ihm als 234 dasſelbe wieder an ſeine Stelle gebracht wurde, und ſeine dunklen Augen ſchauten bald auf die wehenden Falten jener Trophäe, die er ſchon für ſein Eigenthum gehalten, bald auf die ſtarre Leiche des entſchlafenen Meiſters, bald auf den lebloſen Körper Gedete's, auf dem noch immer ſeine linke Hand lag.— Zindram ſprach nur noch einige Worte mit dem Könige, der ihm Befehle für das Siegesfeſt ertheilte, deſſen Morgen eben glühend im Oſten hereinbrach, dann trat er zu Bruno, befahl den Soldaten den Körper des Withing's nach ſeinem Zelte zu tragen, und forderte ſeinen lebenden Gefangenen auf, ihn dahin zu begleiten. Schweigend gingen die beiden Männer neben ein⸗ ander. Die kleine etwas verkrüppelte Geſtalt des Schwert⸗ trägers von Krakau ſah unſcheinbar aus neben der präch⸗ tigen ſeines Gefangenen, beide Geſichter aber, von der rothen Glut der Fackeln angeſtrahlt, waren gleich ſchön und ſich ſogar ein wenigunter einander ähnlich. Das Zelt Zindram's lag nur wenige Schritte von dem des Polenkönigs entfernt. Dort angekommen, hieß der Feldherr den lebloſen Gedete auf eine am Boden ausgebreitete Strohmatte niederlegen, während er ſelbſt ſich auf die Kiſſen warf, die, mit Bären⸗ und Wolfs⸗ fellen überdeckt, an den aus Filz gefertigten Zeltwänden aufgeſtapelt waren. Hier mußte auch Bruno ſich zum Ausru Somn wände theiln Zindr bediene werthe funden Sohn währen gleich Male ſ mir un thun n ehren, zurückr' über 3 bei Eu als trä und a ſchöne, treten 5* eine lten ten, bald mer noch das im den Zelte auf, von hieß oden ſelbſt lfs⸗ uden zum 235⁵5 Ausruhen niederlaſſen und im erſten lieblichen Licht des Sommermorgens, das ſich durch die Ritzen der Zelt⸗ wände ſtahl, betrachteten die beiden Männer ſich mit theilnehmenden verwunderten Blicken. „Wenn es nicht unmöglich wäre,“ ſagte endlich Zindram, ſich der ſüßklingenden lithauiſchen Sprache bedienend,„ſo würde ich glauben, in Dir einen alten werthen Freund, Verwandten und Waffengenoſſen ge⸗ funden zu haben, aber der, den ich meine, Sungalo der Sohn Heributs, müßte jetzt ſchon weiße Locken haben, während Du jung, kräftig und ihm ſo gleich, ſo ganz gleich biſt,— wie er damals war als ich ihn zum letzten Male ſah vor zwanzig Sommern. Wer biſt Du, ſage es mir und ſei gewiß, daß ich Alles was ich kann für Dich thun werde, um an Dir das Andenken des Freundes zu ehren, deſſen Erinnerung mir Dein Anblick ſo lebhaft zurückruft.“ Bruno ſtrich ſich tief aufſeufzend mit der Hand über die Stirn. „Edler Herr!“ ſagte er,„es iſt mir als wäre ich bei Euerm Anblick aus langem tiefen Schlafe erwacht, als träte in Euch meine glückſelige Kindheit mir entgegen und als müſſe ich nun gleich hinter jener Wand eine ſchöne, ſchlanke Frau und ein junges Mädchen hervor⸗ treten ſehen, die mich herzen und lieben, mein weiches 236 Lager mit Blumen ſchmücken und mich mit ſo viel Glück umgeben, daß das Andenken daran ausreicht, ein ganzes trauriges Menſchenleben mit frohen Erinnerungen aus⸗ zufüllen. Als ich aus der Bewußtloſigkeit, die mich auf dem Schlachtfelde überfallen, erwachte, da war es mir, als ob Euer Angeſicht, das ſich über mich neigte, Euer Auge, Eure ganze Geſtalt auch neben mir geſtanden, da ich das Bewußtſein verlor, und doch weiß ich jetzt ſehr wohl, daß dies nicht der Fall geweſen, aber ich weiß auch, daß Ihr mir nicht fremd ſeid, daß ich in den Tagen meiner glücklichen Kindheit Euch gekannt und ſehr geliebt habe, ja ich weiß Euern Namen, Ihr ſeid Zindram, ein naher Better meiner Mutter. Ich aber heiße Sungalo und ward als der Meiſter Conrad Zollner von Rothen⸗ ſtein mich mit anderen ſamaitiſchen Geißeln taufen ließ, Bruno genannt.“ Der Schwertträger von Krakau ſaß wie im Traum befangen. „Haſt Du kein Abzeichen an Deinem Leibe, kein Andenken an Deine Eltern und Deine Jugend?“ fragte er endlich,„an dem Diejenigen, die Dir anverwandt ſind, einigermaßen die Beſtätigung deſſen finden könnten, daß Du der biſt, für den ich Dich jetzt halte.“ „Seht her,“ entgegnete Bruno, den Aermel ſeines Gewandes aufſtreifend,„hier auf meinem rechten Arm iſt in das Bi Haupt, nem ſch So ſeh den iſt Mißhaf Vater getödtet E Schnur ander te war, eit von Ro D Hand, I biſt ein Herzogs thauens Blut ein den Ade und des Arm, di erſten Le Hlück nzes aus⸗ auf mir, Euer „ da ſehr weiß agen eliebt ein tgalo then⸗ ließ, raum kein ragte ſind, daß ſeines Arm iſt in der Ellbogenbeuge mit blauen Punkten eingeätzt das Bild des Perkanus mit den Sonnenſtrahlen um ſein Haupt, und dann ſeht auch dieſen Ring, denn ich ſeit ei nem ſchrecklichen2 Augenblick meines Lebens bei mir trage So ſehr mein Sedüchiniſganch de rdunkelt und verſchwun den iſt durch das Elend vieljähriger Knechtſchaft und Mißhandlung, das Eine weiß ich dennoch gewiß, mein Vater gab mir ihn, als er von erbarmenloſen Menſchen getödtet wurde.“ Er zog bei dieſen Worten aus ſeinem Buſen eine Schnur, an der ein kleines Kißchen hing, das er aus ein⸗ ander trennte und zwiſchen der Wolle, mit der es gefüllt war, einen Ring hervor nahm, ganz wie der, den Vlaſta von Roſenberg beſaß. Der polniſche Feldherr nahm das Kleinod in ſeine 3 Hand, und betrachtete es mit ängſtlicher Aufmerkſamkeit. „Ja!“ ſagte er dann mit einem tiefen Seufzer,„Du biſt ein N kachkomme des großen Gedemin, des Lithauer Herzogs, wie ich, wie Withold, der jetzige Herrſcher Li⸗ thauens, wie Wladislav, der ſtolze Polenkönig. Das Blut eines großen, fürſtlichen Ahnherrn, fließt hier in den Adern, des Königs, des Herzogs, des Edelmannes, und des L Leibeigenen, das zeigt die Zeichnung auf Deinem Arm, die all' den Kindern männlichen Geſchlechts in den erſten Lebenstagen eingepreßt wird, die in der Nachkom⸗ 23 menſchaft Gedemin's geboren werden. Dieſer Ring aber läßt keinen Zweifel auffommen, daß Du Sungalo biſt, der Sohn Sungalo's, des Sohnes Heribut. Deine Mutter war eine Enkelin Gedemin's und hatte eine Schweſter, nicht ſo, und Du erinnerſt Dich ihrer?“ „Ich nannte ſie in der ſüßen Sprache meiner Mut⸗ ter: Saneita,“ entgegnete Bruno. Zindram blickte zum Himmel empor, deſſen lichtes Blau durch die Zeltdecke ſchimmerte. „Saneita!“ flüſterte er mit ſchmerzlichem Tone. „O Saneita! liebliches Geſchöpf, Du biſt hinübergegan⸗ gen und haſt Ruhe gefunden in der ewigen Heiniat.“ „Herr,“ ſagte Bruno, indem er dem polniſchen Feldherrn die Hand hinreichte, zi danke Euch für die Gnade, die Ihr mir erwieſen. Ihr habt mich mict blos zum Leben und Athmen im Licht von Neuem erwecket, ſondern Eure Worte geben mir auch die Hoffnung, daß die Räthſel meines traurigen Daſeins ſich endlich noch lö⸗ ſen werden. Nicht ich allein, Hunderte mit mir, als Gei ßeln oder Gefangene aus der Heimat geriſſen, da ſie noch Kinder waren, ſtehen in der Welt als Leibeigene ſtolzer Herren, die ſie mißhandeln, verachten und verderben laſ⸗ ſen, während doch ihren Seelen dunkle Erinnerungen an vergangene, beſſere⸗ glücklichere Tage vorſchweben, da liebevolle Eltern ſie pflegten und lehrten.“ Schme als wi ſich mi tragen werden den W kehrt. ich Euec der Err ſüße K dies Gl ein Wu ſen konn J tes, dur durch di mit leiſe einzutre Arzt,“ 1 keit, Ih ſteinerne den Laul aber biſt, utter eſter, Nut⸗ chtes Tone. egan 74 ſſchen ir die „O, es iſt ſchrecklich zu leben wie ich lebte, in Elend Schmach, harter Arbeit, verachtet und faſt nicht beſſer als wie ein unvernünftig' Thier, betrachtet von Jedem, der ſich mir näherte, und doch im Herzen die Erinnerung zu tragen an ein verlorenes Kinderglüch, die, immer blaſſer werdend, endlich nur ein Traum erſcheint neben der elen den Wirklichkeit, da ſie in Träumen oft und oft wieder kehrt. Ich kenne Euch, edler, werther Herr! jetzt erkenne ich Euch in jedem Augenblick mehr und mehr, und mit der Erinnerung an Euch wird die Erinnerung an meine füße Kindheit ſo wie an die furchtbaren Stunden, welche dies Glück endeten, ſo deutlich in meiner Seele, daß mir's ein Wunder ſcheint, wie ich dies Alles Jahre lang vergeſ⸗ ſen konnte.“ In dieſem Augenblick ward der Eingang des Zel⸗ tes, durch welchen die Morgenſonne geſchienen, verdunkelt ne die Geſtalt eines Mannes, der, ſich tief verneigend, mit leiſer und weicher Stimme fragte:„Iſt es erlaubt einzutreten, edler Zindram?“ „Näher, nur immer näher, Joel Ben Iſrael, mein Arzt,“ rief der polniſche Feldherr mit großer Freundlich⸗ keit,, Ihr ſeid mir immer willkommen, ſowohl unter dem ſteinernen D Dache meiner Heimat in Krakau, als unter den Lauben meines Landſitzes, am meiſten aber hier, wo 240 Eure Kunſt des Guten ſo viel wirkt, wo könnte der Arzt willkommener ſein als auf dem Schlachtfelde!“— „Ich danke Euch für Eure gute Meinung, würdiger Zindram,“ entgegnete der Jude, denn ein ſolcher war es, der jetzt zu den Beideu in das luftige Zelt trat, und einen würdigern Vertreter ſeines vielgeſchmähten Volkes, das unter der Herrſchaft des deutſchen Ordens in Preußen nicht geduldet wurde, hätte man vielleicht in allen Län⸗ dern der Erde, auf denen es zerſtreut, nicht finden können. Joel Ben Iſrael, ein berühmter Arzt aus Prag, wo er den König Wenzel ſelbſt zu ſeinen Patienten gezählt, war vor einigen Jahren au den Hof des alternden Wladislav gerufen worden und hatte ſich das Vertrauen und die Achtung des Polenkönigs in ſo hohem Grade zu erwerben gewußt, daß er ihn auf ſeinen Reiſen und Feldzügen begleiten mußte. Obgleich längſt über die Ju⸗ gend, ja wohl ſchon über die ſogenaunten beſten Jahre hinaus, war Joel Ben Iſrael in ſeinem ſechzigſten Jahre noch, nicht blos ein ſchöner, ſondern ein vollkräf⸗ tiger Mann, hoch und ſchlank mit dunkelbraunen Locken unter die ſich kaum hie und da ein Silberfädchen verirrt hatte, und die ſich mit einem eben ſo reichen Bart miſch⸗ ten. Sein Geſicht, obſchon ſeine orientaliſche Abkunft bezeugend, war nicht nur regelmäßig, ſondern auch belebt von d rothe ließen ſchein Jude, nicht einen den Ki Heer, an übe Boden vielen ewigen Heeres im Le wenn Peſt ü fragte 7 nen wu nothw nie hä gemach Ein B. der iger V es, nen das ißen Lan⸗ nden grag, uten nden uen e zu und Ju⸗ ahre gſten kräf⸗ bcken rirrt nſch⸗ kunft pelebt „Ich grüße Euch, mein edler Zidram,“ ſagte der Inde,„und auch Euch, werther Herr, aber ich ſtöre Euch nicht ſo früh, nach einem ſo harten Tage, um Euch blos einen guten Morgen zu ſagen.— Es iſt die Sorge für den König, meinen gnädigen Herrn, und für ſein tapferes Heer, die mich zu Euch führt.— Ein heißer Julitag bricht an über dieſem Schlachtfelde und die feuchte Wärme des Bodens im Verein mit den Sonnenſtrahlen werden dieſe vielen Tauſende, deren Seelen der geſtrige Tag vor den ewigen Richter rief, bald zu ſchlimmern Feinden dieſes Heeres machen, als ſie es mit dem Schwert in der Hand im Leben waren. Etwas muß geſchehen, dem vorzubeugen, wenn wir nicht in Kurzem den ſchwarzen Flügel der Peſt über uns ſchwebend fühlen wollen.“ „Und was können wir thun, dem vorzubeugen?“ fragte Zindram. „Die Leichen auf einander ſchichten und verbren⸗ nen wäre das Beſte, aber der König wird ſich zu dieſem nothwendigen Schritt, den er für eine heidniſche Ceremo⸗ nie hält, nicht entſchließen, ſo müßte denn der Verſuch gemacht werden, die Leichen zu begraben.— Selbſt hier Ein Bürgermeiſter. II. 16 242 in Eurem Zelte ſehe ich— aber nein! dieſer Mann lebt und kann gerettet werden.“ Bruno war bei dieſem Ausſpruch erzitternd von ſeinem Sitze aufgeſprungen und ſah nun, daß ſein Pfle⸗ gevater mit weit offenen Angen tief athmend um ſich ſchaute. Der jüdiſche Arzt bückte ſich über den Erwachenden, riß den Aermel ſeiner Tunika auf und zog erſt einen abgebrochenen Pfeilſtumpf aus dem Aermel, dann eine Lanzenſpitze aus ſeiner rechten Seite und verband die Wunden mit Binden, die er aus einer großen Ledertaſche zog, die an einem mit allerlei ſeltſamen Zeichen bemalten Riemen um ſeinen Nacken befeſtigt war. „Gebt ihm zu trinken, ſo friſches Waſſer als ihr erhalten könnt,“ ſagte er dann zu Bruno gewendet, „ſeine Wunden ſind nicht einmal ſehr gefährlich und ich ſehe an Eurer Miene, daß ihr dieſem Manue durch Bande der Liebe verbunden ſeid. Ihr aber, verehrter Zindram, helft mir das Nothwendigſte thun, damit Peſt und Seuchen von dem polniſchen Heere fern gehalten werden.“ „Ich will zum Könige gehen,“ ſagte Zindram,„von ihm muß der Befehl zu einer ſo ſchweren Arbeit als das Begraben dieſer Todten ſein würde, ausgehen.“ „Das Heer iſt ermüdet, es fehlt an Lebensmitteln 14 und u Pflege Befehl ich gla gende pflegt Hausn Euch l half d Wolfs⸗ hintern er noc ſchattig ner Ha⸗ den Ti der zu 2 himmel goldene auf den 2 ermüde am Bot vorging ſeln 243 und unzählige Verwundete bedürften der Wartung und Pflege, es wird ein großes Murren erregen, wenn der Befehl zum Begraben der Todten gegeben wird, aber ich glaube wohl, daß Ihr recht habt, dies als eine drin⸗ gende Nothwendigkeit zu empfehlen.— Ihr, Bruno, pflegt Euern Freund während ich abweſend bin, mein Hausmeier und Schildträger, der alte Mann hier, wird Euch beiſtehen und Euch Alles geben was Ihr bedürft.“ Er ging, der jüdiſche Arzt blieb noch zurück und half den Verwundeten auf ein Lager von Kiſſen und Wolfsfellen legen, das Zindram's Hausmeier in einer hintern Abtheilung des Zeltes hergerichtet, dann träufelte er noch einige Tropfen in den Waſſerkrug, der an die ſchattigſte Stelle des Zeltes geſtellt wurde, gab mit eige⸗ ner Hand dem Dürſtenden den erquickenden und beruhigen⸗ den Trank und ging endlich, in der Mittagsſtunde wie⸗ der zu kommen verſprechend. Die Sonne klomm indeß am wolkenloſen Sonnen⸗ himmel höher und höher empor und beleuchtete mit ihrem goldenen Strahl das Schauſpiel gräßlichſten Elendes auf dem Schlachtfelde, das der roheſten Luſt im Feldlager. Bruno ſah von Allem dieſem nichts. Bis zum Tode ermüdet, lag er neben dem Bette ſeines Wohlthäters am Boden und beide Augen waren für Alles was um ſie vorging durch tiefen und feſten Schlaf geſchloſſen. 16* 244 Die Eiſennatur des Schwertträgers von Krakau aber widerſtand immer noch den Anſtrengungen der Tage voll Kampf und Arbeit, der Nächte voll Sorge und Ruheloſigkeit. Er ſtand lange an dem weichen Ruhebette Wladis⸗ lav's und beſchwor ihn Befehl zum Begraben der Leichen geben zu laſſen. Der König aber antwortete ihm lachend: „Laß ſie nur liegen, wo ſie der Würgengel hinge⸗ ſtreut, die ſchaden uns nicht mehr, wofür wir der heiligen Jungfrau zu Dank verpflichtet ſind. Jetzt zuerſt muß das Heer den Sieg in Freude und Jubel feiern und dann werden wir hier nicht Wurzel ſchlagen wie die Tannen dort auf dem Hügel.— Vorwärts wollen wir, vorwärts bis wo das Meer uns ein donnerndes Halt! zuruft. In vier Tagen ſollſt du als mein Statthalter in der ſtolzen Marienburg hauſen, während ich am fünf⸗ ten unter Glockengeläut, aus den Händen der hochmü⸗ thigen Danziger Bürgermeiſter, den Schlüſſel der Stadt empfange, und in allem Glanze, der einem großen Kö⸗ nige ziemt, der echte Erb eling von Pommerellen und Pomeſanien, einziehe in die Burg Subislav's, die dieſe Ordensbrüder nun ſchon zu lange rechtswidrig mit ih⸗ ren Soldknechten beſetzt hielten.— Gib Befehl, wackerer Zindram, daß ein großes Siegesfeſt gefeiert werde im Lager. Laß von den Fahnen, die dieſe Ritter, vor unſeren b Schw. neben ſtellt Feinde Witho laſſen Heere V vergeb⸗ lungen mein e Wladis Aufreg der ger nige ſ und G. die So mit ich ſelbſt d A lautem ſeine be Speiſe er der T au der ge is⸗ jen id: ge gen nuß und die 245 Schwerternfliehend, im Stiche ließen, eine Trophäe bauen, neben der der Leichnam Ulrich von Jungingen ausge⸗ ſtellt werde, daß jeder Troßknecht ſehen kann wie die Feinde Wladislav's enden, und möge auch unſer Vetter Withold ſeine Lithauer und Tartaren Theil nehmen laſſen an dem Siegesfeſt, das der König von Polen dem Heere gibt.“ Vergebens ſchüttelte Zindram mißbilligend ſein Haupt, vergebens ſuchte er den ſiegestrunkenen König Vorſtel⸗ lungen zu machen.„Gönne mir jetzt ein wenig Ruhe, mein edler Zindram,“ war Alles, was er von den Lippen Wladislav's entlockte, ich bedarf nach dieſen Tagen der Aufregung und Anſtrengung der Ruhe eben ſo ſehr als der geringſte meiner Krieger, denn die Sehnen der Kö⸗ nige ſind auch nicht von Stahl. Du aber thue in Eil' und Gewiſſenhaftigkeit wie ich Dir befohlen, und wenn die Sonne am Mittag ſteht, ſoll man mich wecken, da⸗ mit ich durch meine Gegenwart das Feſt ehre und mich ſelbſt durch Speiſe und Wein erquicke.“ Als Zindram am Abend dieſes Tages, der unter lautem Jubel vergangen war, ſein Zelt betrat, fand er ſeine beiden Gefangenen, die ſich kurz vorher an etwas Speiſe gelabt hatten, von Neuem ſchlafend, und nachdem er der Wache einige Befehle zugeflüſtert, ſtreckte er ſelbſt 246 ſich nieder um den erſchöpften Körper die ſo dringend nöthig gewordene Ruhe zu gönnen. Noch aber war der frühe Tag kaum angebrochen, als er, ſich zu neuen Arbeiten und Anſtrengungen voll⸗ kommen gekräftigt fühlend, ſein Lager verließ. Auch Bruno war erwacht und ſtand mit wohlge⸗ ordneter Kleidung, eine ſchöne ſtattliche Geſtalt, vor dem Eingang des Zeltes, und ſeine Augen überblickten das noch vom Schlafe gefeſſelte Lager und das nahe Schlachtfeld. Jetzt war dort auch der letzte Schmerzſchrei ver⸗ ſtummt. Der Tod hatte den Leidenden, ſo Menſchen als Thieren, Ruhe gebracht und leiſe begann die Natur ihr Amt, die Leiber von Erde wieder in Erde zu verwan⸗ deln.— Der Morgenwind trug auf ſeinem kühlen Fit⸗ tig den Blut⸗ und Modergeruch von dem Lager der Tod⸗ ten zu dem der Schlafenden. Das ſcharfe Auge des gefangenen Ordenskriegers ſah die in der Ferne aufſteigenden Rauchwolken und er wußte, das waren die Reſte der Dörfer, welche in der letzten Nacht und am verwichenen Tage die abziehenden Tartaren angezündet hatten.— Mit dem vorrückenden Zuge jener rohen Hilfstruppen des Polenkönigs wälzte ſich auch Verwüſtung und Elend vorwärts über das vor Kurzem noch ſo reiche und blühende Land. errei eine die n hatte Seel des g hielt, eilen heil, lichen junge — dr ſein 4 füllte ſeinen Krieg Preuf ſehr dem⸗ nes H ſtolzer 247 Wie bald, ſo mußten dieſe Schaaren auch den Platz end erreicht haben, den er ſeit länger als einem Jahre wie eine glückliche Heimat liebte, den Platz, wo faſt ſch utzlos den, die würdige Nomeda waltete, die er Mutter genannt oll hatte und wie ein echter Sohn liebte. Ein Schauder des Schmerzes fuhr durch Bruno's lge⸗ Seele bei dieſem Gedanken und er fühlte elbſt die Nähe dn des gütigen Zindram als eine ſchwere Feſſel, die ihn ab⸗ hielt, zu der Gattin ſeines verwundeten Wohlthäters zu nahe eilen und ſie mit ſeinem Leben zu ſchützen, vor dem Un⸗ heil, das ihr drohte. der Seit langen Jahren von allem Glücke des häus⸗ als lichen Lebens und der danlirnlide entwöhnt, hatte der ihr junge Lithauer— und als ſolchen erkannte er ſich ſelbſt — doch in ſeiner trauernden Sele die Erinnerung an ſein Kinderglüch bewahrt und eine tiefe Dankbarkeit er⸗ füllte ſein Herz, ſeit Gedete ihn in ſein Haus und als ſeinen Sohn aufnahm. Solche Aufnahme eines Fremden, namentlich eines Kriegsgefangenen an Sohnes Statt, war bei den alten Preußen vor der Einführung des Chriſtenthumes etwas nden ſehr Gewöhnliches, und der Withing Gedete war nur dem Brauche ſeiner Väter gefolgt, als er dem Zuge ſei⸗ nes Herzens Gehör gab und den einſamen, ſtillen und ſtolzen Jüngling, der vor Jahren mit einem Zuge ſa⸗ — 248 maitiſcher Geißeln nach der Marienburg gebracht wor⸗ den war, in ſein Haus und zu ſeiner Gattin führte, damit er ihnen den Sohn erſetze, den Gott ihnen verſagt. 4 Der Hochmeiſter Ulrich von Jungingen hatte freu⸗ dig ſeine Einwilligung zu dieſer Adoption gegeben. Es war dem wackern Herzen desſelben ſtets ein tiefer Schmerz geweſen, zu ſehen, wie die ſamaitiſchen Gei⸗ ßeln, meiſtens Söhne und Brüder angeſehener Bojaren oder wackerer Landbeſitzer, als Kriegsgefangene behan⸗ delt und überaus ſchlecht, ganz gegen die eigentlichen Ver⸗ träge, gehalten wurden. Die Jünglinge des noch kaum beſiegten Volkes als Geißeln dem Orden übergeben bei den verſchiedenen Friedensverträgen, kamen im beſten Falle als Lanzen⸗ knechte in die ihrem Vaterlande am fernſten liegenden Ordensballeien, während die minder glücklichen, dem in Preußen anſäßigen Adel übergeben wurden. Aber dort machte man ſie nicht wie urſprüng⸗ lich verſprochen war, zu Pagen und Knappen, die im erſten Fall der Dame des Hauſes die Dienſte eines Sohnes, im andern dem Herrn die Dienſte eines adeli⸗ gen Söldners, der auf die Ritterwürde Anſpruch behält, zu leiſten hatten, ſondern man behandelte ſie als leib⸗ eigene Knechte, ließ ſie im Felde arbeiten, ja ſogar den Pflug die de — N terrich kam e von 9 Ausge ſten 9 ihn a Folge dem gr Lanzer Knabe besübt war. beigetr Mann Frauen ten un 5 trude d kannt, Krankl und Se. 249 Pflug ziehen und ihre Schlafſtätte war wenig beſſer als die der Hunde, ihre Kleidung Lumpen oder Thierfelle. — Niemals, oder doch nur in den ſeltenſten Fällen un⸗ terrichtete man ſie in adeliger Weiſe und Sitte, und ſo kam es denn, daß ſie, die als Jünglinge und Knaben von Rang das Preußenland betreten hatten, als elende Ausgeſtoßene dort lebten und ſtarben. Bruno, der Brückenwärter, war zwar in der näch⸗ ſten Nähe des höchſten Ordensgebietiger geblieben. Was ihn aber vor dem geiſtigen Verſinken der natürlichen Folge der Sclaverei gerettet, war der Umſtand, daß er dem greiſen Brückenwärter, einem ehemaligen deutſchen Lanzenknecht, übergeben wurde. Dieſer hatte den ſchönen Knaben lieb gewonnen und ihn unterrichtet in allen Lei⸗ besübungen und Waffenſpielen, deren er ſelbſt Meiſter war. Das Leben in der freien Natur hatte auch dazu beigetragen, den kräftigen Knaben zu einem kräftigen Mann zu entwickeln, und endlich hatte ſich auch ein Frauenherz ſeiner angenommen und den Verwaiſten be⸗ ten und lieben gelehrt. Die unglückliche Frau unter dem Namen Hexen⸗ trude den Bürgern und Rittern in Marienburg wohlbe⸗ kannt, hatte den heranwachſenden Knaben erſt in einer Krankheit gepflegt und war dann ſtets ſeine Freundin und Schützerin geblieben. Von ihr hatte er die deutſche 250 burg mit ihren Thürmen und Zinnen, auf einer andern den Nogatfluß, der ſich zwiſchen den grüne Ufern durch⸗ ſchlingt, belebt mit Schiffen und Kähnen maucherlei Art, auf der dritten die weite Fläche, grüne Werder, ge⸗ ſchmückt mit unzähligen Dörfern, deren rothe Ziegeldä⸗ cher luſtig aus dem dichten Grün ihrer Obſtgärten her⸗ vorragen.— Auf der vierten Seite endlich hatte Bruno verſucht, die Heimat ſeiner Kindheit nach ſeinem Ge⸗ dächtniß hervorzurufen, aber ſeine Bemühungen ha ten immer und immer nicht den rechten Erfolg. Es lag ein Nebel zwiſchen dem traurigen Jetzt und jener fernen glücklichen Vergangenheit und unvollendet blieb das Haus mit ſeinen ſtolzen Zinnen mit dem ſeltſam geſtalteten ſpitzen Dach, das er nur in ſeinen Träumen deutlich ſah. With gema längſ meda von willig zu we nem! Stern Stron ihm rufen. Bogen Roſe tet, ſt über, terſchit hältni Geſtal adelig und a ben nen anze ken⸗ lein mit hrt. mit es ien⸗ dern rch⸗ erlei ge⸗ ldä her⸗ uno Ge⸗ ten ein nen das ſam nen 251 Dieſe ſchöne Kunſt war es auch geweſen, die den Withing Gedete auf den lungen Le eibeigenen aufmerkſam gemacht, deſſen Züge und Geſtalt ihn an einen alten, längſt geſchiedenen Freund erinnerten. Gedete's Haus entbehrte des Sohnes, die edl 3 No⸗ meda vermißte ſchwer den Eheſegen und Meiſter Ulrich 1 1 2 t von Jungingen, der edle Schutzherr des wackern Withing, willigte gern in den Wunſch de sſelben, ſich einen Sohn zu wählen. An einem Sonntag ⸗Nachmittage, da Bruno mit ſei nem Toktamiſch auf der Brücke ſtand, und die gold'nen Sterne betrachtete, die auf den gluzenden Wellen des Stromes hüpften und tanzten, war Ralph athemlos zu ihm gekommen, ihn vor des Meiſters Angeſicht zu rufen. In des Meiſters ſchönem Remter, deſſen prächtige Bogenwölbung, von einem einzigen Pfeiler getragen, der moie gleicht, die ſich auf ihrem ſchlanken Stengel entfal ,ſtand der arme Leibeigene, dem hohen Herrn gegen⸗ über„aber nur die Kleidung bezeichnete den Standesun⸗ terſchied der beiden äußerſten Punkte menſchlicher Ver⸗ hältniſſe jener Zeit an jenen beiden Männern. Bruno's Geſtalt, Geſichtszüge und Körperhaltung waren eben ſo adelig und ſtattlich als die des erhabenen Ordenshauptes, und auf ſeinem Geſicht lag noch die friſche Kraft und 252 Blüthe männlicher Jugend, ſeine röthlich goldenen Lo⸗ cken umkräuſelten eine Stirn, der alle ausgeſtandenen Lei⸗ den und Demüthigungen nicht den Glanz der Reinheit oder den Ausdruck bewußter Kraft hatten rauben können. Ulrich von Jungingen war einen Moment betreten, als er in dies Antlitz blickte. Nicht ſo der Leibeigene! Schweigend, aber vollkom⸗ menruhig erwartete er den Befehl deshohen Herrn undalsihm Ulrich, auf den Withing Gedete zeigend, der ehrerbietig vor ſeinem Landesherrn ſtand, ſagte, daß dieſer Mann ihn an Sohnes Stelle3in ſein adeliges Haus aufnehmen und ſei⸗ nen Namen und ſein Erbe aufihn übertragen wolle, trat er zwar gerührt, aber nicht hingeriſſen zu dem Schützer, der ſchon ſeit längerer Zeit oft freundlich mit ihm geſprochen und ihm manche Gabe gebracht, die ihm weſentlich zu Gute ge⸗ kommen. Ihm dankbar die Hand reichend, ſagte er: „Edler Withing, ich will Euch, ſo Gott mir hilft, ein treuer Sohn ſein.“ Der Scheidende hatte von Niemanden Abſchied zu nehmen als von der Hexentrude, der Toktamiſch beglei⸗ tete ihn und ſollte mit den Wolfshunden des Withing künftig das Amt theilen, das Haus und die Heerden Ge⸗ dete's zu bewachen. Seit dieſer Zeit war nun ſchon mehr als ein Jahr verfloſſen. Bruno hatte ſich im Waffenwerk wacker geübt, er hatt Sohn glücklich zu retten jetzt unz heit ent, einmal! mat hi durfte? Un dämmer auf. Er und bete freundlie ihm zum maßloſe kommen Siege, uns lieg durch ein digt. We Wein, er hatte die Schlacht mit ihren Schrecken als ein echter Sohn Preußens überſtanden, es war ihm durch einen glücklichen Zufall gelungen, ſeinem Pflegevater das Leben zu retten und in der Perſon des edeln Zindram war ihm jetzt unzweifelhaft einer der Verwandten aus ſeiner Kind⸗ heit entgegetreten. Sollte es möglich ſein, daß er noch einmal von ſeiner Mutter, von Saneita, von ſeiner Hei⸗ mat hörte? daß er vielleicht zu ihnen zurückkehren durfte? Und ſein Vater!— Fürchterliche Erinnerungen dämmerten bei dem Gedanken an ſeinen Vater in ihm auf. Er drückte die Hand auf ſein heftig klopfendes Herz und betete leiſe ein Vater unſer, denn Zindram trat mit freundlicher Herzlichkeit zu ſeinem Gefangenen und reichte ihm zum Morgengruße die Hand. „Auch heute wird das Heer noch nicht aufbrechen,“ ſagte der polniſche Feldherr mit einem beſorgten Blicke. „Die Truppen ſind zum Theil ermattet, zum Theil in maßloſe Schwelgerei verſunken, der König meint, wir kommen auch einen Tag ſpäter noch zeitig genng zum Siege, und in der That ſcheint das, was jetzt noch vor uns liegt, nichts weiter als ein Triumphzug des Königs durch ein Land zu ſein, das ihm von allen Seiten hul⸗ digt. Während dieſer Nacht ſind große Sendungen von Wein, Meth und Bier, ganze Züge von Schlachtvieh 254 und eine Tonne voll Geld angekommen. Die Geiſtlichkeit Preußens unter der Leitung des Biſchof Johannes von Gneſen ſendet dies Alles dem Könige, der es an ſeine ge⸗ treuen Truppen vertheilen läßt. So wird denn heute wohl wieder geſchmauſt und gezecht werden, bis die Sonne ſinkt und die Nacht uns noch einmal neben die⸗ ſen Leichenfeldern findet; gebe Gott, daß Joel Ben Iſ⸗ rael zu ſchwarz ſieht, was die Ausdünſtungen des Schlachtfeldes betrifft.“ „Er prophezeit dem Könige alles erdenkliche Elend, weil die Truppen hier verpeſtete Luft athmen, und in der That, der Aufenthalt iſt ſchrecklich. Im Lager ſelbſt herrſcht Unordnung und Unreinlichkeit, trotz Allem, was ich dagegen thue, auf eine Grauen erregende Weiſe.— Ich komme zu Euch, Bruno, um mich zu erholen von den Anſtrengungen und dem Aerger dieſer Morgenſtunde. Hinaus iws Freie können wir nicht, wir müßten meilen⸗ weit wandern und über die See ſetzen, um der Verpe⸗ ſtung zu entrinnen, die hier vom Tode und dort vom Le⸗ ben ausgehaucht wird; ſetzen wir uns daher unter das Kameelhaar⸗Dach meines Zeltes, der König hat mich mit einem Geſchenke von edlem Wein beehrt, und bei ei⸗ nem Becher desſelben erzählt mir, was Ihr von Eurer Mutter, was Ihr von Sungalo, Euerm Vater, was Ihr vor Allem von Saneita, Eurer Muhme wißt.“ 1 junge daß in Saueit wange woh’, erwach⸗ ich, abe fort tri Zindra / mögen erinner als ich, Lithauen Oljerd Großen als das thauer⸗ ter und könig, e geherrſ 1 gello. 255 „Wenig genug, edler Zindram,“ entgegnete der junge Lithauer„und das Wenige iſt traurig. Ich weiß, daß in einer ſtillen Nachtſtunde ſich das ſchöne Angeſicht Saueita's über mein Bett beugte und meine Kinder⸗ wange mit Thränen und Küſſen benetzte. Leb wohl, leb woh’, Sungalo, mein ſüßer Kuabe, flüſterte ſie, als ich, erwacht, meine Arme um ihren Hals ſchlane. Dies weiß ich, aber wasſie, die wir Alle ſo innigſt liebten, von uns fort trieb, das weiß ich nicht!“ „Vielleicht kann ich es Cuch ſagen,“ entgegnete Zindram mit einem ſchmerzlichen Seufzer. „Hört mir wohl zu, Sungalo, mein Vetter, und möge meine traurige Erzühlung Eure traurigen Jugend⸗ erinnerungen ergänzen. Wißt, wir ſtammen, Ihr ſowohl als ich, aus dem Blute Gedemin's, Großherzogs von Lithauen, der ſein Reich unter ſeine Söhne Kynſtutte und Oljerd theilte, während er ſeine ſchönen Töchter an die Großen ſeines Landes vermälte. Nicht beſſeres Blut als das unſere ſließt in den Adern Withold's, des Li⸗ thauer⸗Herzogs, denn auch er iſt, wie ich, wie Eure Mut⸗ ter und Saneita, wie Wladislav, der allmächtige Polen⸗ könig, ein Enkel Gedemin's. „Von früheſter Jugend an hatte Streit und Neid geherrſcht unter den beiden Fürſten Withold und Ja⸗ gello. 2 56 „Der Lithauer Fürſt Withold, Sohn Kynſtutte's, Aleꝛ hielt fürſtlichen Hof in Kauen und Traken, währed. Jag Jagello, Oljerd's Sohn, in Wilna reſidirte, dorthin ge⸗ bei! lang es ſeiner Liſt, den mächtigen und beneideten Vctter mich zu locken, den er, ſeine Begle ter tödtend, in ſchmählicher er u Gefangenſchaft zurückhielt.— Euerem Vater allein ge⸗ liche lang es, von allen Edeln, die mit Withold nach Wilna Her. gezogen waren, ſein Leben durch die Flucht zu retten. auch Ein Knabe war ihm dabei behülflich, ein Verwandter Geſt ſowohl der feindlichen Fürſten als des flüchtenden Bo⸗ beiz jaren, und dieſer Knabe war ich!— Ich, der Sohn einer Schweſter Oljerd's und Kynſtutte's war, da meine beiden und Eltern früh geſtorben, am Hofe Jagello's erzogen wor⸗ tholt den. Ich öffnete dem verfolgten Sungalo ein Ausfalls⸗ die pförtchen der ſtreng geſchloſſenen und bewachten Burg laſſe und ſagte ihm die Richtung, die er nehmen, die Stellen Gatt die er vermeiden müſſe, wenn es ihm gelingen ſollte, den beide Graben durchſchwimmend, das ſichere Ufer zu erreichen, der i und ich ſtellte den Leuchter an das Fenſter eines Thur⸗ gewo mes, der dem Schwimmenden als Leitſtern dienen konnte. 1 ren, — Jagello, damals noch ein jähzorniger Jüngling, muth⸗ der; maßte mein Thun und ſchlug mich ſo heftig, daß eine zurü⸗ Rippe brach, die, übel geheilt, mich lebenslang zur Miß⸗ ſonde geſtalt machte.— Als ſpäter die Flucht Withold's ge⸗ lang, und an ſeiner Stelle ſeine Gemalin, die Fürſtin te’s, rend ge⸗ ctter icher ge⸗ ilna tten. ndter Bo⸗ einer eiden wor⸗ aalls⸗ 257 Alexandra zurückblieb in dem Gefängniß zu Wilna, hieß Jagello den verkrüppelten entſtellten Knaben Pagendienſte bei der edlen Frau thun.— Es ſollte ein Hohn ſein für mich und für ſie, aber es war die höchſte Wohlthat, die er uns Beiden erwies.— In der Geſellſchaft der treff⸗ lichen Fürſtin entwickelte ſich nicht nur mein verwaiſtes Herz wie die Pflanze im Sonnenlichte, ſie verſtand es auch den Geiſt des Knaben zu bilden, jede ritterliche Geſinnung in ihm zu pflegen und ihm die Kenntniſſe beizubringen, die ſie ſelbſt zierten. „Als durch die Vermittlung des deutſchen Kaiſers und des Hochmeiſters die Verſöhnung der Fürſten Wi⸗ thold und Jagello zu Stande kam und die edle Alexandra, die Tochter des Herzogs von Maſurien, der Haft ent⸗ laſſen wurde, die ſie in Liebe und Geduld für ihren Gatten ertragen, bat ſie ihren Vetter Jagello, ihr den beiden verwandten kränkelnden Knaben zu überlaſſen, der ihr in Stunden des Leidens ein liebevoller Gefährte geworden war.— So kam ich nach Kauen in den Jah⸗ ren, da der Knabe ſich zum Jüngling entwickelt.— Mit der Fürſtin kehrten auch diejenigen ihrer Begleiterinnen zurück, die nicht mit Withold von Wilna entflohen waren, ſondern die Gefangenſchaft ihrer Gebieterin getheilt hatten. Sungalo's Gattin, Eure Mutter, mein Vetter, war eine davon, ihre junge Schweſter Saneita war bei Ein Bürgermeiſter. II. 17 258 ihr.— Wir waren in gleichem Alter, Saneita und ich, und tauſend Vertraulichkeiten zwiſchen der Jungfrau und dem Knaben begünſtigte die Reiſe.— Laßt es mich nach langen Jahren heute Euch gegenüber ausſprechen, was Euch, wenn Ihr meine Geſtalt berrachtet, pielleicht ſelt⸗ ſam und anmaßend erſcheint, ich liebte Saneita! meine ganze Seele ging in dem einen Wunſche auf, mir die Gegenliebe und den Beſitz der Jungfrau durch Streben nach jeder ritterlichen Tugend zu erringen. Aber die Schönheit, Sanftmuth und Freundlichkeit Saneita's hatte nicht allein mein faſt noch knabenhaftes Herz ge⸗ rührt. Am Hofe Withold's war ein edler Böhme er⸗ ſchienen, der rühmlich gekämpft hatte unter dem Hoch⸗ meiſter Conrad Zollner von Rothenſtein und den dieſer kluge und tapfere Fürſt mit einer geheimen Geſandtſchaft an Withold beehrt hatte.— Er bewarb ſich um die treffliche Jungfrau, und Eure Eltern, ſo Vater als Mut⸗ ter, begünſtigten dieſe Werbung. Konnte meine Liebe in's Gewicht fallen bei ſolch' einem Nebenbuhler? Ich ver⸗ ſchloß was ich fühlte in mein tiefſtes Herz, aber meine durch die Liebe geſchärften Augen ſahen das Herannahen eines Unheils, das alle Anderen nicht ahnten. „Withold ſelbſt, der Gemal der trefflichſten Frau, die ihm ſo große Opfer gebracht hatte, und ſeiner Liebe und Dankbarkeit ſo ganz würdig war, hatte ſein Auge 1 9 ——2—X—j,——2—.,— —,, 259 auf ſeine junge Verwandte geworfen, und that Alles was in ſeiner Macht ſtand, die Verbindung des edlen Böhmen mit ihr zu hintertreiben. „Der Bewerber, dem Saneita ſich ohne große Leiden⸗ ſchaft zu zeigen, doch mit ſanftem Wohlwollen zuneigte, ge⸗ hörte einer Familie an, die dem Throne Böhmens nahe ſtand. Er war unter einem angenommenen Namen nach Preußen gezogen, ein ritterlich' Gelübde zu erfüllen, das er früh gethan, und das ihn verpflichtete, zwei Jahre ge⸗ gen die Heiden zu fechten. Herr Conrad von Jungingen, damals noch Comthur von Ragnit, hatte den Jüngling unter ſeine Fahne aufgenommen und ihm hatte er ſich anvertraut. Der kriegeriſche Muth, die ritterliche Ge⸗ ſtalt und das adeliche Weſen des Böhmen hatte die Auf⸗ merkſamkeit des Meiſters auf ſich gezogen, der ihn wür⸗ digte, an dem Ehrentiſch zu ſpeiſen, den er in Königsberg herrichtete, und ihn dann zu Withold nach Kauen ſen⸗ dete, gewiſſe Verabredungen mit dem Fürſten zu treffen, deren Zweck mir natürlich unbekannt blieb.— Dieſer Edelmann hieß Heinrich Wock von Roſenberg.—“ „Ha!“ ſagte Bruno und eine tiefe Röthe flammte auf ſeiner Wange empor, während er die Hand unwill⸗ kürlich auf Zindram's Arm legte: „Was iſt Euch, mein Vetter?“ fragte theilnehmend der Schwertträger von Krakau. 260 „Sprecht weiter, nur weiter,“ entgegnete Bruno mit bebender Lippe,„wenn Ihr geendet, werde ich Euch ſagen, was in dieſem Augenblick wie ein Pfeil durch mein Herz fuhr. Roſenberg ſagt Ihr, hieß der Bewerber um die Schweſter meiner Mutter?“ „Das war ſein eigentlicher Name, nur dem Hoch⸗ meiſter Zollner von Rothenſtein und dem edlen Conrad von Jungingen, nicht aber Euern Eltern, auch nicht der Braut bekannt, die er ſich erkoren. Am Hofe Withold's nannte er ſich wie unter den Fahnen und am Ehrentiſch des Hochmeiſters Roſenau und gab ſich für einen geringen Edelmann aus Böhmen aus. Das Geſchlecht der Roſenberge aber iſt das ſtolzeſte, reichſte der böhmiſchen Wladiken. Ein Roſenberg hatte die Witwe des Böhmenkönigs einſt zur Gattin und regierte an der Stelle ihres unmündigen Sohnes, den er lange gefangen hielt. „Der jetzige König Wenzel haßte Alle, welche dieſen Namen führten, und an Wenzel wendete ſich Withold, der das Geheimniß ſeines Gaſtes erfahren, da er als Botſchafter bei ihm erſchien, und entwarf wohl ein ſehr falſches Bild von der Gemalin, die ſich derſelbe erwählt. Dieſer Bericht endete in einem Befehl Wenzel's, daß kein adeliger Böhme im Auslande ſich vermälen, am wenig⸗ ſten aber eine Heidin ehelichen dürfe. „Withold hatte indeß auch verſucht, ſich der Jung⸗ — frau zu nähern, war aber mit ſtolzer Entrüſtung zurück gewieſen worden, und ſie uiad hm es als einen Fingerzeig von Gott an, daß die junge Prinzeß Hedwiga, die Toch⸗ ter König Ludwig's von? olen und Ungarn, ſie zu ihrer Geſellſchafterin erwähli 3 und nach Krakau berief.— Vergebens ſtrebte Withold, ſie in Kanen zurückzuhalten, die Fürſtin ler ndon welche die traurige Undankbarkeit und Treuloſigkeit ihres Gatten nur zu wohl erkannte, un⸗ terſtützte ihre junge Verwandte auf alle Weiſe und beför⸗ derte ihre Reiſe.— Ehe ſie dieſe indeß antrat, hatte Ro⸗ ſenberg Kauen verlaſſen, da ſeine Pflichten dort erfüllt waren.— Saneita's Abreiſe von Kauen, war der Flucht der Taube vor dem Geier ähnlich und Withold hatte alle Scheu von ſich geworfen und verfolgte offenkundig die Jungfrau mit ſeiner verbrecheriſchen Liebe. „Saneita verließ Kauen heimlich bei Nacht; ich, deſ⸗ ſen Liebe und Gram ſe nicht kannte, war ihr Begleiter auf ihrer Reiſe. Ich hatte uic) ſchriftlich durch einen ver⸗ trauten Boten an dn Meſſer des deutſchen Ordens ge⸗ wendet. Er geſtattete, daß wir an der nächſten Landes⸗ grenze uns unter ſeinen Schutz ſtellten, er gab uns ſiche⸗ res Geleit durch die Wildniß, und wohlgeborgen langte die Jungfrau im Kloſkers Oliva an, woſelbſt ihr Verlob⸗ ter, Herr Heinrich Wock von Roſenberg ſie heimlich er⸗ wartete. Dort empfing ſie noch einmal die Taufe und 262 ward Jedwiga, zu deutſch Hedwig genannt, gen Fürſtin, die In Oliva ward ſie der Trauung.“ Der Schwertträger von Krakau verſtummte und wiſchte hervorbrechende Schweißperlen von der bleichen Stirn. nach der jun⸗ ſie zu ihrer Pathin gewählt hatte.— auch getraut und ich— ich war Zeuge „Sprecht weiter, weiter! Zindram, mein edler Oheim,“ ſagte Bruno endlich leiſe. „Was weiter,“ entgegnete Zindram,„es gibt kein weiter nach ſolcher Stunde, das des Exzählens werth iſt, ich wollte Euch erklären, weßhalb Eure ſchöne holde Muhme bei Nacht heimlich von Euch, dem weinenden Knaben, Abſchied nahm, dies that ich, laßt Euch genügen, das Wei⸗ tere hab' ich Gott in der Beichte geſagt.“. „Und Ihr hörtet nichts mehr, nie mehr von Hed⸗ wig, meiner theuren Muhme, nichts von dem Geſchick das meine Eltern aus Kauen vertrieb? „Ah ſo,“ entgegnete Zindram,„ich meinte Ihr fragtet, was weiter aus mir geworden.“ „Dies zu fragen,“ verſetzte Bruno,„würde ich nicht gewagt haben, ſehe ich Euch doch vor mir als einen großmüthigen Verwandten, einen ritterlichen Krieger und ſiegreichen Feldherrn. So habt Ihr als ein edler und ge⸗ 263 rechter Mann die Schmer und für jede Jünglingsthräne eine große That gethan.“ 8 Zindram b jungen Verwandten. „Ich ſehe es an Euern feuchten Augen, an dem Zucken Eurer Lippen,“ ſagte er milde,„daß dieſe Worte nicht die eines Schmeichlers ſind, ſondern aus bewegtem Her⸗ zen fließen, auch fühle ich mich derſelben nicht ganz un⸗ werth.— So will ich Euch denn nun auch ſagen, was weiter aus mir ward. „Als Saneita mit ihrem Gatten abgereiſt war, fühlte ich meine Körperkräfte plötzlich brechen undſchwin⸗ den. Ich war ein Jüngling von kaum 18 Jahren, krüp⸗ pelhaft durch die ſchlecht geheilte Rippe. Ich hatte eine ſehr beſchwerliche Reiſe gemacht, deren Beſchwerden weit mehr mich, als meine Gefährtin getroffen, die ich mit al⸗ ler Anſtrengung geſchützt und behütet hatte. Ich hatte von meinen liebſten Träumen und Wünſchen Abſchied ge⸗ nommen und fühlte ein Leid in meiner Bruſt, das keine menſchliche Sprache zu ſchildern vermag. Verwaiſt, ver⸗ krüppelt, von Allem was mir theuer getrennt, ſtand ich einſam in der weiten Welt. „Ich ſaß am Tage nach Saneita's Abreiſe auf der Spitze eines ſchönen waldigen Hügels, an deſſen grünem Fuße die ſchöne Abtei Oliva liegt, und ſtarrte hinaus 264 auf das blaue Meer, auf den Wald, der die Ebene zu meinen Füßen in einen goldig grünen Mantel hüllte, auf den Strom, der auf ſeinem ſilberhellen Spiegel zahlloſe Schiffe trug. Der leiſe Herbſtwind kühlte meine Stirn und ich fragte mich ſelbſt: Was nun beginnen, da all' meine Arbeit in der Welt gethan iſt. „So wähnte ich damals wenigſtens, denn wenn man liebt, ſo glaubt man das ganze Erdenleben ſei nur etwas, ſo lange es Bezug auf die Geliebte hat. „Da hörte ich nicht weit von mir den ſüßen feierli⸗ chen Geſang einer wunderſchönen Männerſtimme. „Ich horchte! Die Weiſe, erhaben und feierlich wie Kirchenmuſik, konnte ich verſtehen, nicht ſo die Worte, fie ſchienen einer mir fremden Sprache anzugehören. Der Sänger kam näher und endlich trat der Prieſter aus dem Buchengebüſch hervor, der geſtern die Ehe Saneitg's ein⸗ geſegnet hatte. Es war ein ſchon bejahrter Mann, hoch und ſchlank, und was er ſang war ein Lied, das wohl kaum in den Mund eines Chriſtenprieſters paßte, denn es war eine altpreußiſche Hymne zu Ehren der Sonne. „Der Mönch trug auf ſeinem Rücken eine Taſche, ganz angefüllt mit mancherlei Kräutern, die einen erquickenden Duft aushauchten. Er ſetzte ſich zu mir und ſprach mit mir einfache Dinge vom Sonnenſchein, vom Brauſen des Meeres, und wie der Herr ſo groß in ſeiner Schöpfung —— und wie das Menſchenleben ſo ſchön und gut ſei. Ich weiß nicht, wie es gekommen, aber ehe noch die Sonne untergegangen, lag ich knieend vor dem frommen Prieſter und ergoß in der Beichte alle meine Schmerzen vor Gott in ſein warmes Menſchenherz. „Als er mir Abſolution und ſeinen Segen ertheilt, begann er mit ſanften Worten mich wie ein Vater zu tröſten. „Glaubſt Du, mein Sohn, ſagte er, daß Dein Weh und Leid einzig in ſeiner Art, oder doch ſehr ſelten und darum unerträglich ſei? Tauſende und aber Tauſende ſind in dieſen von Krieg zerriſſenen Landen verwaiſt wie Du, und die Mehrzahl aller lebenden Menſchen muß wie Du verzichten auf das Glück der Liebe.— Bring; dem Erlöſer Deinezerſtörten Hoffnungen, Deine unerfüll⸗ ten Wünſche als ein freudiges, freiwilliges Opfer dar. Nahm er doch alle Laſten des Erdenlebens auf ſich und zeigte uns wie wir Schmerzen, Erniedrigungen, Undank⸗ barkeit, Verrath, ja den Tod des Verbrechers tragen kön⸗ nen und ſollen. „Während der Worte des Greiſes war ein Gedanke hell in meiner Seele erwacht.— Ich, das fühlte ich, war wie kein Anderer berufen in jene große Gemein⸗ ſchaft zu treten, die für den Glauben kämpfte und in der Liebe wirkte. 266 „In dem Verein der Ordensritter fand ich Freunde, Familie, Beruf und Troſt für alles Leid, was ich getra⸗ gen, ja in Zukunft auch Ruhm und Lohn für die Kämpfe meines Lebens. „Ich nahm Abſchied von dem würdigen Pater Me⸗ dardus und beſtieg mein Roß und ſpornte es, ſo daß ich in der Frühe des nächſten Morgens an den Thoren der Marienburg ſtand. Dort meldete ich mich und bat um Aufnahme in den Orden. „Ich bat umſonſt! Ich ſtammte aus dem Blute Lithauens und nur der reine Adel Deutſchlands darf das ſchwarze Kreuz auf weißem Mantel tragen. „Aber Conrad von Jungingen, an den ich michge⸗ wendet, vermittelte es, daß ich zu Jagello, meinem Vet⸗ ter, zurückkehren durfte, der mich freundſchaftlich aufnahm und mir eine Stelle bei ſeinen Leibtrabanten gab. „Denn Withold's Zorn hatte ſich unterdeſſen über mich und die Familie Saneita's in wilden Strömen ergoſſen. „Sungalo hatte mit ſeiner Gattin und ſeinem Kna⸗ ben flüchten müſſen. Der wüthende Lithauer Herzog hatte ihn bezichtigt, im Einverſtändniß mit Jagello bei ſeiner früheren Gefangennahme in Wilna geweſen zu ſein, hatte ſeine damalige glückliche Flucht als das Er⸗ gebniß einer Verabredung mit Jagello bezeichnet und der — Tod wenn ihre Laut Hof hold gelle Ehr eber nigi von rüſt Hed der Zw Kö⸗ z0g die un wa fa 267 Tod Sungalo's und der Seinen wäre gewiß geweſen, wenn nicht wahrſcheinlich die Herzogin ſie gerettet und ihre ſchnelle Entfernung aus dem Lande bewirkt hätte. „Ich hörte das in Wilna durch einen wandernden Lautenſpieler aus Schwaben, der in der Marienburg am Hofe des Hochmeiſters, ſo wie in Kauen am Hofe Wit⸗ hold's, ſeine freie Kunſt ausgeübt hatte und auch zu Ja⸗ gello nach Wilna kam, wo er ebenfalls gute Aufnahme, Ehre und goldenen Lohn fand. Denn der Großfürſt war eben auf der Höhe ſeines Glückes, die Hand der zur Kö⸗ nigin von Polen gewählten Prinzeſſin Hedwiga war ihm von der polniſchen Nation angeboten worden, und er rüſtete ſich zur Reiſe nach Krakan, ob er dort Gnade vor Hedwiga's Angen fände. „Auch ich begleitete damals meinen Vetter und Herrn, der für den ſchönſten Mann ſeiner Zeit galt, dorthin. Zwar war die jugendliche kaum fünfzehn Jahre zählende Königin von Polen verlobt mit Wilhelm, dem Erzher⸗ zoge von Oeſterreich, aber Wladislav Jagello verſtand die Kunſt den Weibern zu ſchmeicheln, verſtand durch Lied und Wort ſowohl als durch Ritterſpiel und Körperge⸗ wandtheit Auge und Herz zu bethören. „Wilhelm von Oeſterreich befand ſich trotz der Ge⸗ fahr, die ihm von Seiten der Polen drohte, heimlich in Krakau, um die ihm verlobte, ja wie Einige ſagten, ſchon vermälte Hedwiga mit ſich zu nehmen, obgleich ſie dadurch den polniſchen Thron eingebüßt hätte und für ihren deutſchen Gemal nichts mehr geweſen wäre, als ein ſchönes aus fürſtlichem Geblüte ſtammendes Weib. „Das kühne Wageſtück, wozu den Prinzen die Liebe verleitete, mißlang.— Wladislav hatte im Herzen Hed⸗ wiga's geſiegt und ſie ſelbſt vereitelte den Plan ihres deutſchen Verlobten, indem ſie es geſtattete, daß eine ihrer treu ergebenen Kammerfrauen den Ort verrieth, wo ſie mit Wilhelm zuſammentreffen ſollte. „Es war das Haus Heinrich's von Roſenberg, des Gatten Saneita's. „Jagello's lithauiſche und polniſche Kammerherren und Hofleute, ich unter ihnen, drangen in die ihnen be⸗ zeichnete Wohnung ein und vertrieben halb mit höhnen⸗ den Worten, halb mit dem Schwert die deutſchen Freunde und Begleiter des Erzherzogs. „Damals ſah ich Saneita wieder, die junge ſchöne leidende Gattin Roſenberg's, der an Hedwiga's feinem Hof als ein geſchätzter böhmiſcher Cavalier lebte.— Ach, die ſüße Roſe war ſchnell gewelkt! „Hedwig, Gräfin von Roſenberg, die bleiche Dame, war kaum der Schatten mehr von der lieblichen Saneita, die mit dem Knaben Zindram und dem Kinde Sungalo in Kauen Kränze flocht und über den grünen Raſen ᷣ☛ 80 [*ᷣ 8 ſprang.— Ein tiefer Kummer ſchien an ihrem Herzen zu nagen, und wenige Monden nach der glänzenden Ver⸗ mälung der Prinzeß Hedwiga mit dem Fürſten Wla⸗ dislav Jagello, dem ſie die Krone Polens zum Braut⸗ geſchenke mitbrachte, ſtarb die junge Frau von Roſen⸗ berg, ihrem tiefbetrübten Gatten ein Töchterlein hinter⸗ laſſend, das er nach ſeinen großen Beſitzungen in Böh⸗ men mitnahm, als er gebeugten Herzens Krakau verließ. Bruno ſaß lange in Gedanken verſunken, ehe er ſeufzend das Haupt empor hob, und in das edle Geſicht des Schwertträgers von Krakau blickte. „O Zindram, mein ſehr ehrenwerther Oheim,“ ſagte er dann, die Hand des tief bewegten Mannes er⸗ greifend,„wohl habt Ihr mir die Räthſel meiner Kind⸗ heit gelöſet, aber Ihr habt noch mehr als dies gethan, Ihr machtet mir auch die Aufgabe meines künftigen männ⸗ lichen Lebens klar. „Wißt zuerſt, die Tochter Saneita's, die Tochter Heinrich's von Roſenberg lebt!— Lebt, als eine verlaſ⸗ ſene, ja von all' ihren Verwandten verrathene Waiſe.— Ich habe ſie geſehen, zweimal in meinem Leben und ihr Anblick hat meine entſchlafenen Jugenderinnerungen er⸗ weckt, hat aus dem verthierten Leibeigenen, wie mit einem Zauberſchlage einen fühlenden Menſchen gemacht.“ „Erzählet mir dies Alles, theurer Vetter,“ ſagte 270 Zindram liebreich.„Gottes Wille hat auf dem Schlacht⸗ felde, wo alle wilden Leidenſchaften der Menſchenſeele freien Spielraum haben, uns in Liebe zuſammengeführt. Die Fahne Polens, die in Kurzem ſiegreich über all' den Landen wehen wird, auf denen das Schickſal die Nach⸗ kommen der Töchter Gedemin's zerſtreute, war es, die uns vereinte. Möge dies mir und Euch ein Zeichen ſein. Unter dem Schutze des polniſchen Adlers wird den Enkeln des großen Fürſten Friede, Ehre und Heil erwachſen.“ „Meint Ihr dies, theurer Vetter,“ entgegnete Bruno,„mir ſcheint als ob Jeder von uns berufen ſei, in dem Lande zu wirken und zu nützen, das ihm zur Heimat ward nach den Irrfahrten ſeines Lebens. Ihr, der Kronfeldherr Polens, habt andere Intereſſen als ich, der Pflegeſohn des preußiſchen Withing's; aber Gott wolle es geben, daß die Völker, denen wir nach eigener Wahl angehören, in Friede und Eintracht neben einander leben. Ich bin jetzt Euer Gefangener, wie ich früher der Gefangene des deutſchen Ordens war, Ihr könnt mich in Feſſeln ſchlagen, könnt mich tödten, dem Unfreien iſt das Schwert und mit ihm das Recht der Vertheidigung genommen, im Augenblicke der Freiheit aber bin ich wie⸗ der Bruno, der Sohn Gedete's, des edlen Withing's, der ſich des verlaſſenen Knechtes väterlich annahm. Ein 3 271 Preuße, wenn auch nicht von Geburt, doch dem Herzen nach, wie Ihr, Herr, ein Pole ſeid und ſicherlich bis an Euer Lebensende bleiben werdet.“ Zindram ſagte kein Wort, ſondern neigte blos be⸗ jahend ſein Haupt. Nach einer Weile aber ſtand er von dem Ruhebette auf, drückte Bruno's Hand mit Herzlichkeit und ſagte: „Mein Gefangener, ich vertraue Eurer C Ehre, daß Ihr nicht flieht, Ihr werdet Euren Vater nicht verlaſſen und wie ich hoffe, auch mich nicht, Euern Verwandten und Freund Eurer Eltern. Jetzt muß ich für einige Stunden Cun allein laſſen, denn der König will, daß die Le iche es edlen Meiſters Ulrich von Jungingen nach L Oft erode gebracht werde, das wilde Kriegsvolk hat ſich jetzt genug an dem Anblick des todten Helden geweidet und Wla⸗ dislav den Triumph über ſeinen mächtigen und edlen Feind ausgekoſtet.“ Er ging;— Bruno ſtand lange noch am Eingang des Zeltes. Gedankenvoll und mit ſeinen eigenen Erin⸗ nerungen beſchäftigt, ſtörte ihn der Lärm des Lagers nicht, in dem der Uebermuth der wilden Sieger ſich ſelt⸗ ſam mit dem Klageſchrei der Verwundeten, mit dem Stöhnen der Kranken miſchte. Grüßend ſchritt Joel Ben Iſrael, der jüdiſche Arzt des Königs, an ihm verüber, zwei Knaben, beladen mit mancherlei Arzeneien und Räucherungen, folgten ihm und verſchwanden mit ihm in den Zeltgaſſen. Sie brachten den an Ruhr und Peſt Erkrankten ſo viele Linderung als ſie vermochten. Ein Tropfen Süßigkeit in dem Ocean des bitte⸗ ren Elendes, das über das Lager des ſtolzen Polenkönigs herein wogte. Ende des zweiten Bandes. Druck von F. Fridrich. 9 3. 5— 3 8*— 3* ˖&%