. u Leihbibliot ek deutſcher, engliſcher und franzöſtſcher Literatur Eduard Öttmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. eih- und Sfeſebedingungen. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur, Em⸗ pfungnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Mörgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines Feliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurüctgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt:. 1 für wöchentlich 2 ½ Bücher: 4 Bücher: 5 Bi Bücher: —————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk. 3— Pf. 2 2 2 3——— 3 2„„ 3„ 9 4 7 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zuruckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und deferte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, Peensger ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. Ausleihezeit. eſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſondens darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bucher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ————— 8 „ J — ————y——i ——õ—— E. J. Vulwer's ſämmtliche RNomane. Aus dem Engliſchen. Siebenundzwanzigſter Band. Der Letzte der Zarone. II. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1846. Der Jetzte der Darone. Ein hiſtoriſcher Roman von Eduard Iytton Vulwer. Ueberſetzt von Dr. Ernſt Suſemihl. — Zweiter Band. — Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1846. Die 3 mit H. U an K von 2 des C baren den 2 ander Fünftes Kapitel. Die Intrigue der Woodvilles gelingt— Montagu unterredet ſich mit Haſtings, beſucht den Erzbiſchof von York und trifft unter⸗ wegs eine ſeltſame Perſon. Und nun war der einzige Gegenſtand der Unterredung an Koͤnig Eduards Hofe die erwartete Ankunft Antons von Burgund, des Grafen de la Roche, Baſtardbruders des Grafen von Charolois. Wenige außer der unmittel⸗ baren Umgebung der Herzogin von Bedford betrachteten den Beſuch dieſes beruͤhmten Fremden als mit einem anderen Zwecke verbunden, außer dem vorgeblichen ritter⸗ lichen Zuſammentreffen mit Anton Woodville— als die Erfüllung einer Forberung, die von dem Letzteren vor zwei Jahren bei der Krönung der Königin ausgeſprochen worden. Die Veranlaſſung zu dieſer Forderung hat Anton Woodville, Lord Seales, ſelber in einem Briefe an den Baſtard erklärt, der noch vorhanden iſt, und wovon ſich ein Auszug in den Lebensbeſchreibungen der Königin⸗ nen Englands von Miß Strickland findet. Am Mittwoch vor Oſtern im Jahr 1465, als Sir Anton„auf den Knieen“ mit ſeiner königlichen Tochter ſprach, verſammelten ſich alle Damen des Hofes um ihn und banden um ſein linkes Knie ein goldenes Band, mit Steinen geſchmückt, welche die Buchſtaben S. S. (Souvenance, Erinnerung) bildeten, und an dieſem Bande hing ein emalllirtes Vergißmeinnicht.„Und eine von den Damen ſagte, ich müſſe einen Schritt thun, der für die Zeit paſſe.“ Dieſer Schritt war in einem Briefe auf Pergament, mit Golbfäden gebunden und in ſein Baret gelegt, bezeichnet, und nachdem er die Erlaubniß des Königs erhalten, das Abenteuer mit der Blume der Erinnerung zum Schluß zu bringen, überreichte der tapfere Anton die Artikel und die emaillirte Blume dem Baſtard von Burgund und bat ihn, die letztere mit ſeiner ritterlichen Hand zu berühren, zum Zeichen, daß er ſeine Forderung annehme. Der Graf de la Roche that es, befand ſich aber nicht unter den Rittern, die Charolois nach England ſchickte, und der Kampf war bis zur ge⸗ genwärtigen Zeit aufgeſchoben worden. Aber Rivers und ſeine ränkevolle Herzogin benützten freilich einen ſo guten Vorwand, den gewandten Bruder von Warwicks Feinde und des Nebenbuhlers des franzöſiſchen Prinzen bei Eduard einzuführen, und Anton Woodyille, eine zu edle und ritterliche Perſon, um ihre liſtigen Anſchläge auf eine weniger ritterliche Weiſe zu vereiteln, willigte gern ein, eine Forderung zur Ehre der Damen Eng⸗ lands zu erneuern. Der Einzige unter den Hofleuten, welcher mit dem beabſichtigten Beſuche des ritterlichen Burgunders unzu⸗ frieden ſchien, war der Lord Montagu. Dieſer ſcharfſich⸗ tige und erfahrene Mann ließ ſich nicht durch die Affek⸗ tation jener Ritterlichkeit täuſchen, die zwar am Hofe Eduards des Dritten natürlich geweſen, aber mit den ehrgeizigeren und ränkeſüchtigeren Zeiten, über welche der üppige Gemahl Eliſabeth Woobyille's herrſchte, nicht — mehr in Un er mit Arg mit der G ausgeſchlo Geſellſchat Entfremdr lockende T ford, die große Fa ſo offene Marmadt trieb und Lord Mo raſchem E iber. De hatte ſor daß er ſie auf dem wenn er einem K junger V auf Mar Hofmant traulichen ſich, zog Neihe der koſend: —„M „Lie Euch un I 7 mehr in Uebereinßimmung war. In der letzten Zeit hatte er mit Argwohn bemerkt, daß Eduard mehre Berathungen mit der Gegenpartei der Neviles hielt, wovon er ſelber ausgeſchloſſen war. Der König, der ſich bisher an ſeiner Geſellſchaft ergötzt, hatte ihm Zeichen der Kälte und Entfremdung zu erkennen gegeben, und es lag eine froh⸗ lockende Bosheit in den Blicken der Herzogin von Beb⸗ ſord, die einen nahe bevorſtehenden Triumph über die große Familie verkündete, welche die Woodvilles auf ſo offene Weiſe zu ſtürzen ſuchten. Eines Tages, als Marmaduke ſich auf dem Hofplatze des Tower umher⸗ trieb und mit ſeinen Freunden lachte und ſcherzte, kam Lord Montagu aus des Koͤnigs Kabinet und ging mit raſchem Schritte und gedankenvoller Stirn an ihm vor⸗ iber. Dieſer ſtolze Bruder des Grafen von Warwick hatte ſo weit auf die Empfehlung des Letzteren geachtet, daß er ſich mit einiger Höflichkeit wegen ſeiner Sprache auf dem Schützenplatze entſchuldigt, und ihn ſpäter, wenn er ihn in der Umgebung des Königs geſehen, mit einem Kopfnicken und einem kurzen„guten Morgen, junger Vetter!“ beehrt hatte. Doch als ſein Auge jetzt auf Marmaduke fiel, während Alle vor dem mächtigen Hofmann ihre Mützen abnahmen, rief er ihn mit ver⸗ traulichem Lächeln, welches er nie gegen ihn gezeigt, zu ſich, zog ihn auf die Seite, lehnte ſich zum großen Neide der Umſtehenden auf ſeine Schulter und ſagte lieb⸗ koſend:„Lieber Vetter Guy— ⸗ „Marmaduke, Euch zu Beſehl, Mylord!⸗ „Lieber Vetter Marmaduke, mein Bruber ſchätzt Euch um Eures Vaters willen. Und um die Wahrheit zu ſagen, die Neviles find nicht ſo zahlreich bei Hofe wie früher. Geſchäfte und Staatsangelegenheiten haben mich verhindert, die oft zu ſehen, welche ich ſonſt am meiſten begünſtigen würde. Wollt Ihr mit mir nach More⸗Park reiten? Ich moͤchte Euch meinem Bruder, dem Erzbiſchof, vorſtellen.“ „Wenn der König mich gnädigſt beurlauben wollte.“ „Der Köͤnig, Herr! wenn ich— ich vergaß,“ ſagte Montagu, ſich unterbrechend—„o, was das betrifft, der König kommt heute nicht aus! Er hat einige Dutzend Schneider und Waffenſchmiede bei ſich und hält hohen Rath wegen der bevorſtehenden Feſtlichkeiten. Ich ſtehe für Euren Urlaub ein, und hier kommt Haſtings, der es beſtätigen wird.“ „Mylord,“ ſagte Montagu, als Haſtings in dem Augenblick aus dem kleinen Pförtchen hervorkam, wel⸗ ches zu den Gemächern des Alchymiſten der Herzogin von Bedford führte—„wollt Ihr in Enrer Eigenſchaft als Kämmerer die Abweſenheit meines Vetters auf einen Tag geſtatten? Ich mochte mich mit ihm über Familien⸗ angelegenheiten unterreden. 4 „Gewiß, eine geringe Gunſt für einen ſo verdienſt⸗ lichen Jüngling. Ich will einen Stellvertreter für ihn ſtellen.“ „Ein Wort mit Euch, Haſtings,“ ſagte Montagu gedankenvoll und zog den andern Hofmann auf die Seite; „was haltet Ihr von dem Beſuche dieſes burgundiſchen Baſtards?“ „Daß er dem Grünſpecht Anton Wooboille den Schritt eines Pfau gegeben hat.* „Ja tagu.„ Ludwig von Höf von Cha „Ne vertreib. „Haf Freund r Herz eine Lord We jung, ſte land, mi flecktem habe eine Freuden bunten P mein glü Stunde a Erde in Weib, w geopfert; Groß beglückten Stimme „Stil ſind nur d Bulwe Bruder, t wollte.“ ß,“ ſagte s betrifft, e Dutzend ält hohen Ich ſtehe lings, der gs in dem kam, wel⸗ Herzogin Figenſchaft 3 auf einen Familien⸗ verdienſt⸗ er für ihn Montagu die Seite; egundiſchen obville den 9 „Ich wollte, das wäre Alles,“ entgegnete Mon⸗ tagu.„Aber in bemſelben Augenblick, wo Warwick mit Ludwig von Frankreich unterhandelt, iſt dieſer Austauſch von Höflichkeiten mit Ludwigs Todfeinde, dem Grafen von Charolois, durchaus nicht angemeſſen.“ „Nein, nehmt es nicht ſo ernſt— ein bloßer Zeit⸗ vertreib.“ „Haſtings, Ihr wißt es beſſer. Aber Ihr ſeid kein Freund von meinem großen Bruder.“ „Ich habe auch wenig Urſache dazu,“ antwortete Haſtings mit bebender Lippe.„Ihm und Eurem Vater bin ich den ſchwerſten Fluch ſchuldig, der je auf das Herz eines Mannes fiel. Ich habe es erlebt, ſelbſt uͤber Lord Warwicks Beleidigungen erhaben zu ſein. Noch jung, ſtehe ich unter den Kriegern und Pairs von Eng⸗ land, mit ſo hochgetragenem Helmbuſch und ſo unbe⸗ flecktem Wappenſchilde, wie der Beſte von ihnen. Ich habe einen tiefen Zug aus dem Becher der weltlichen Freuden gethan. Ich gebiete nach Gefallen über den bunten Pomp der Welt, und ich ſage Euch, daß all mein glücklicher Erfolg im Leben nicht die Qual der Stunde aufwiegt, wo alle Blüte und Lieblichkeit der Erde in einen öͤben Winter überging und das einzige Weib, welches ich je liebte, dem Stolze ihres Bruders geopfert wurde.“ Große Tropfen ſtanden auf der bleichen Stirn des beglückten Edelmanns, als er ſo ſprach, und ſeine dumpfe Stimme rührte ſelbſt den weltlichen Montagu. „Still, Haſtings!“ ſagte Montagu freundlich; dies ſind nur die müßigen Erinnerungen eines jungen Mannes. Bulwer, Barone. II, 2 Sind wir nicht Alle beſtimmt, in unſern frühern Jahren vergebens zu lieben?— Selbſt ich heirathete nicht das Mädchen, welches ich für das ſchönſte hielt, und welches mir das Theuerſte war. Übrigens bedenkt— Ihr waret hamals nur ein einfacher Knappe.“ „Doch von ſo altem und reinem Blut, wie je feurig durch die Adern eines Normanns rollte.“ „Es mag ſein; aber alte Häuſer, wenn ſie verarmt ſind, werden nicht hoch angeſchlagen. Und Ihr müßt bekennen, daß Ihr damals keine Partie für Katharina waret. Jetzt freilich iſt es anders; jetzt koͤnnte ein Ne⸗ vile ſtolz ſein, ſich Haſtings Bruder zu nennen.“ „Ich weiß es,“ ſagte Haſtings ſtolz—„ich weiß es, Mylord, und warum? Weil ich Gold und Land habe und des Königs Liebe, und zu meinen Mitmenſchen ſagen kann gleich jenem Haupimann:„„Thue dies, ſo thut ers,““ und doch ſage ich Euch, Lord Montagu, daß ich jetzt weniger der Liebe der Schönheit und der rechten Hand der Brüderſchaft eines edlen Geiſtes würdig bin, als ich damals war, wo ich als einfacher Knappe — mein Herz voll Wahrheit und Treue, mit Lippen, die nie gelogen hatten, mit einer Seele, nie befleckt von unwürdigen Vergnügungen oder niedrigen Intriguen— fühlte, daß Katharina Nevile nimmer erröthen ſollte, William von Haſtings als ihren Geliebten und als ihren Gatten anzuerkennen. Doch laſſen wir dies. Ihr ſagt, ich bin kein Freund von Warwick. Wahr! aber ich bin ein Freund des Königs, dem er gedient hat, und meines Vaterlandes, dem er Frieden gegeben hat, und daher will ich mich nicht eher, als bis Warwick Ehuarh ver⸗ läßt, a aufregt Sturz und Ra turniers ehre ich ich mich ein bun Zwecke Euch m „ E dargere wie des Tyranr Frager er mit da wend fragte: J der Ner ſtings, und bele und An Mi ſtings u geſtützt, Jahren cht das velches waret feurig verarmt r müßt tharina in Ne⸗ 64 ich weiß nd Land nenſchen dies, ſo kontagu, und der 3 würdig Knappe Lippen, fleckt von iguen— en ſollte, als ihren Ihr ſagt, er ich bin d meines nd daher uard ver⸗ und wählt eines unter den Pferden, denn wir werden 11 läßt, als bis er das Land wieder zu Fehden und Kampf aufregt, in die Complotte derjenigen miſchen, die ſeinen Sturz ſuchen. Wenn ich in meinem beſtimmten Amte und Rang genöthigt bin, die Schauſtellung dieſes Schein⸗ turniers zu begünſtigen und den Schein anzunehmen, als ehre ich die Ankunft des Grafen de la Roche, ſo will ich mich doch wenigſtens frei von jedem Verſuch halten, ein buntes Schauſpiel zu einem gefährlichen politiſchen Zwecke anzuwenden, und darauf, Montagu, gebe ich Euch meine ritterliche Hand.“ „Es iſt hinreichend,“ antwortete Montagu, die ihm dargereichte Hand drückend.„Aber kürzlich hörte ich, wie des Königs Erzäͤhler ihm eine Geſchichte von einem Tyrannen erzählte, der ſchweigend einem neugierigen Frager zeigte, wie man ein Land regieren müſſe, indem er mit ſeinem Stabe die höchſten Mohnköpfe abſchlug; da wendete ſich die Herzogin von Bedford zu mir und fragte:„„Was ſagt ein Nevile zu der Anwendung?“* —„„Wahrlich, Dame,““ ſagte ich,„„die Mohnköpfe der Neviles haben Eichenſtämme.““ Glaubt mir, Ha⸗ ſtings, dieſe Woodvilles mögen Lord Warwick kränken und beleidigen, aber wehe allen den winzigen Treibern und Anreizern, wenn der Löwe ſich zur Wehr ſetzt.“ Mit dieſer feierlichen Drohung verließ Montagu Ha⸗ ſtings und ging mit finſterer Stirn, auf Marmaduke geſtützt, weiter. Am Thor des Palaſtes wartete Lord Montagu’s Pferd, ſowie ſein Gefolge von zwanzig Knappen und dreißig Dienſtmannen.,„Sitzt auf, Junker Marmaduke, 12 allein reiten. Es iſt kein Nevile unter dieſen Herren.“ Marmaduke gehorchte. Der Graf entließ ſein Gefolge, und in weniger als zehn Minuten— ſo viel geringer war damals der Umfang der Hauptſtadt— befanden ſich der große Edelmann und der Knappe auf dem freien Felde. Schon waren ſie mehre Mellen in raſchem Trabe fortgeritten, ehe der Graf ſeine Lippen offnete; jetzt aber ritt er langſamer und ſagte plötzlich:„Wie gefällt Euch der König? Sprecht frei heraus, Jüngling; hier ſind keine Horcher.“ „Er iſt ein ſehr gnädiger Herr und ein ſehr einneh⸗ mender Cavalier.“ „Er iſt beides,“ ſagte Montagu mit einer Rührung, die Marmaduke in Erſtaunen ſetzte,„und Niemand kann in ſeine Nähe kommen, ohne ihn zu lieben. Und doch, Marmaduke— iſt das der rechte Name?— doch, ob es Schwäche oder Falſchheit iſt, Niemand kann von einem Tage zum andern der Gunſt ſeines Königs gewiß ſein! Wir Neviles müſſen feſt an einander halten. Kein Stecken muß verloren gehen, wenn das Bündel unzer⸗ brochen bleiben ſoll. Was ſagt Ihr dazu?“ Und des Grafen ſcharfes Auge richtete ſich prüfend auf den jun⸗ gen Mann. „Ich ſage, Mylord, daß der Graf von Warwick mir Vater und Beſchützer war, da ich als freundloſe Waiſe in jene Stadt eintrat; und obgleich ich nach Auszeich⸗ nung ſtrebe und das Vergnägen liebe und keinen Fin⸗ ger erheben oder ein Wort reden würde gegen König Ehuard, ſo würde ich doch, wäͤre jener fürſtliche Lord — das und eir für ihn „ an ſteh! Bettler Ungew aber de Worter ſeinem Ge des Erꝛ beſſere Läͤndere voraus geiſtlich hatten, ſamkeit ſungen! beſtand ungeheu heerden lieblich grunde Zeit de Wegen, Wohnur auch vor Brombe ſchmaler derren.“* Hefolge, geringer hefanden m freien Trabe jetzt aber illt Euch hier find einneh⸗ Kührung, and kann ind doch, doch, ob on einem viß ſein! n. Kein el unzer⸗ Und des den jun⸗ rwick mir ſe Waiſe Auszeich⸗ inen Fin⸗ en König liche Lord 13 — das Oberhaupt meines Hauſes— ein Ausgeſtoßener und ein Bettler, an ſeiner Seite wandeln und ſein Brod für ihn betteln!“ „Junger Mann,“ rief Montagu,„von dieſer Zeit an ſteht Ihr meinem Herzen nahe! Gebt mir Eure Hand, Bettler und Ausgeſtoßener?— Nein!— Wenn das Ungewitter kommt, ſuchen die kleineren Vögel Schutz, aber der Adler blickt einſam gen Himmel!“ Nach dieſen Worten verſank er wieder in tiefes Schweigen und gab ſeinem Pferde die Sporen. Gegen Abend näherten ſie ſich dem Lieblingspalaſte des Erzbiſchofs von York. Dort zeigte das Land eine beſſere Cultur, als bisher; denn in jener Zeit waren die Ländereien der Geiſtlichen denen der Laien unendlich voraus in Betreff der Lanbwirthſchaft, theils weil die geiſtlichen Beſltzer über ein größeres Kapital zu verfügen hatten, theils weil fie vermöge ihrer größeren Gelehr⸗ ſamkeit einigermaßen im Stande waren, die Unterwei⸗ ſungen der lateiniſchen Schriftſteller zu benutzen. Dennoch beſtand der größte Theil der Ländereien in Weiden— auf ungeheuren Strecken unbebauten Landes weilten Schaf⸗ heerden, und der Duft von friſchgemähtem Heu wehte lieblich von manchem ſonnigen Felde her. Im Hinter⸗ grunde erſtreckten ſich alte Wäͤlder, die noch aus der Zeit der Druiden herſtammten, und auf den ſchmalen Wegen, die zu zerſtreuten Pachthöfen und einzelnen Wohnungen führten, die faſt gänzlich von Holz oder auch von Lehm erbaut waren, und verbargen Unkraut, Brombeerſtauden und wilde Blumen faſt gänzlich den ſchmalen Fußweg, der nicht für Karren oder Wagen beſtimmt war, und hielten im langſamen Schritt des Ach, ermüdeten Pferdes aus, welches den ſpärlichen Ertrag der eigene Acker auf die Tenne oder zur Mühle brachte. Aber obgleich hier d das ſchöne England jetzt für die Augen eines Okonomen gerkrie oder Philantropen, mit ſeiner abwechſelnden Cultur, ſei⸗ zwiſch nen breiten Wegen, ſeinen weiß abgeputzten Villen und Hofe ſeinen zahlreichen Dörfern vielleicht ein lächelnderes ten E Antlitz zeigt— ſo hatte doch für den Liebhaber der Na⸗ K tur, der friſch von dem kindlichen Zeitalter der Poeſie plötzli⸗ und Romantik herkam, das reiche und liebliche Grün, auf ei welches unſerm Mutterlande den Namen des grünen Eng⸗ Kleidꝛ lands gab, ſeine wilden Wälder und bedeckten Baum⸗ grüner gänge, die der Einbildung phantaſtiſche Aheuteuer darbo⸗ von be 6 ten; ſeiner ruhigen Weideplätze, mit friedlichen Heerden litäriſe 4 überſäet, und von Zeit zu Zeit von der rauhen und tigen ſchnarrenden Stimme des Schäfers belebt— einen Reiz, Eine den wir nur beim Leſen unſerer ältern Schriftſteller be⸗ in zwe greifen können. Denn das Land ſelber diente jener berühr gemiſchten Phantaſte und Betrachtung, welche das auf⸗ einem regende und ehrgeizige Leben der Städte und der Civili⸗ einigu ſation größtentheils aus unſerer ſpäͤteren Literatur ver⸗ vor der bannt hat. ritt au Selbſt die Stirn des gedankenvollen Montagu er⸗ kürzere heiterte ſich, als er ſich umſah, und er ſagte zu Mar⸗ ſtalt, maduke mit ſanfter und gedämpfter Stimme:„Mich zugebu dänkt, junger Vetter, daß in ſolchen Scenen wie dieſe, über ſe die thörichten Reime, die man uns in unſerer Kind⸗ d heit gelehrt, von den berühmten Wäldern und dem ihe ar aagte n Kukuk des Sommers, von dem kühnen Robin und dem Mähchen Marian, wieder in unſern Ohren klingen. hritt des rtrag der obgleich bkonomen ltur, ſei⸗ illen und helnderes der Na⸗ er Poeſie he Grün, nen Eng⸗ n Baum⸗ er darbo⸗ Heerden uhen und nen Reiz, ſteller be⸗ nte jener das auf⸗ er Ciolli⸗ katur ver⸗ ntagu er⸗ zu Mar⸗ :„Mich wie dieſe, ter Kind⸗ und dem nund dem n klingen. 1⁵ Ach, daß dieſes ſchöne Laud ſo oft mit dem Blut ſeiner eigenen Kinder gefärbt werden muß! Wie ſehr bebt hier der Gedanke vor Fehden und Kriegen— vor Bür⸗ gerkrieg— vor Krieg zwiſchen Bruder und Bruder, zwiſchen Sohn und Vater zurück! In der Stadt und am Hofe vergeſſen wir Andere zu ſehr wegen der zu lebhaf⸗ ten Erinnerung an uns ſelber.“ Kaum hatte Montagu dieſe Worte geſprochen, als plötzlich aus einem buſchigen Wege zur Rechten ein Mann auf einem kräftigen Rothſchimmel hervorkam. Seine Kleidung war die eines wohlhabenden Freiſaſſen; ein grüner Oberrock üͤber einem eng anſchließenden Wamms von derſelben Farbe, zeigte der Bewunderung eines mi⸗ litäriſchen Auges eine ſo breite Bruſt, die mit der mäch⸗ tigen Stärke Warwicks ſelber häͤtte wetteifern können. Eine Kappe, die einigermaßen einem Turban glich, fiel in zwei Enden über die linke Wange, bis ſie die Schulter berührten, und der obere Theil des Geſichts war mit einem halben Viſir bedeckt, welches nicht ſelten in Ver⸗ einigung mit einer ſolchen Kopfbedeckung zum Schutz vor der Sonne getragen wurde. Hinter dieſer Perſon ritt auf einem ebenſo kräftigen Pferde ein Mann von. kürzerer Statur, aber von kaum weniger muskulöſer Ge⸗ ſtalt, mit einer ledernen Jacke bekleidet, die mit Riemen zugebunden war, und mit einer Stahlhaube, die weit über ſein Geſicht hinausragte. Der vorderſte von dieſen Fremden, die ſo unvermu⸗ thet auf die Höflinge loskamen, zog ſein Pferd an und ſagte mit klarer und voller Stimme:„Guten Abend, 46 meine Herren. Man ſieht nicht oft Reiter in Seide und Sammet auf dieſen Wegen.“ „Freund,“ ſagte Montagu,„möge der Friede, den wir unter der weißen Roſe genießen, die Anzahl aller Reiſenden durch unſer Land vermehren, mögen ſie nun Sammet oder Wollenzeug tragen!“ „Friede, Herr,“ entgegnete der Reiter in rauhem Tone—„Friede iſt kein Segen für arme Leute, wenn er nicht noch etwas mehr bringt als das bloße Leben— nämlich die Mittel, in Sicherheit und Ruhe zu leben. Der Friede hat nichts gethan für die Armen Englands. Warum ſeht Ihr nach jenem grauen Thurme hin? Der Beſitzer iſt gewiß ein Ebelmann und Ritter; aber geſtern brach er mit ſeinen Leuten in das Haus eines Pächters, entführte ſein Weib und ſeine Töoͤchter in jenen Thurm, und weigert ſich, ſie herauszugeben, bis der Land⸗ mann ſte mit dem halbjährigen Ertrage ſeines Gutes ausloͤst.“ „Eine gemeine und ungeſetzliche Handlung,“ ſagte Montagu. „Ungeſetzlich! Aber das Geſetz will keine Notiz da⸗ von nehmen— warum ſollte es auch? Iſt es nicht unge⸗ recht, wenn es den Ritter beſtraft und des Koͤnigs Bruder nicht anzuruͤhren wagt?“ „Wie ſo, Herr?“ „Ich ſage, des Königs Bruder. Kaum iſt es einen Monat her, als vierundzwanzig Perſonen unter Anfüh⸗ rung des Herzogs Clarence mit Gewalt in das Haus einer Dame eintraten und ſich ihrer Iuwelen und ihres Geldes bemächtigten, unter irgend einem Vorwande, daß f Werde Verwe Beamt Raͤube wegen dieſem „T „J der Ein an, M kommen ſagt. Sturme Eduard Charole Jahr ut die Gat ders ſein „Ur indem e kühnen „Ei ſchworer dieſer S wick, we liſches H Mit den Züg beide und iede, den zahl aller n ſie nun n rauhem te, wenn Leben— zu leben. Englands. din? Der er geſtern Pächters, Thurm, her Land⸗ es Gutes 3,“ ſagte Notiz da⸗ icht unge⸗ gs Bruder t es einen er Anfüh⸗ das Haus und ihres PZorwande, 17 daß ſie gegen den jungen Herzog Unheil angeſtiftet. Werden nicht die Gemeinen durch Auflagen von den Verwandten her Königin gedrückt 2 Sind nicht die Beamten und Oberaufſeher des Königs privilegirte Räuber und Plünderer? Wirh nicht die alte Ritterſchaft wegen neuer Emporkömmlinge verbannt? Und iſt in dieſem Allen der Friede beſſer als der Krieg?“ „Wißt Ihr nicht, Mann, daß dieſe Worte Euch den Tod bringen?“ „Ja, in der Stadt! Aber auf den Felbdern und in der Einode iſt der Gedanke frei. Seht mich nicht finſter an, Mylord. Ah! Ich kenne Each, und die Zeit wird kommen, wo der Baron thun wird, was der Freiſaſſe ſagt. Was, glaubt Ihr, ich ſehe nicht die Zeichen des Sturmes? Sind Warwick und Montagu ſicherer bei Eduard, als ſie bei Heinrich waren? Seht Euch vor! Charolois wird König Ludwig überliſten, und ehe ein Jahr um iſt, wird die junge Margaretha von England die Gattin des bitterſten Feindes Eures tapfern Bru⸗ ders ſein.“. „Und wer biſt Du, Kerl?“ rief Montagu erſchrocken, indem er mit ſeiner behanhſchuhten Hand den Zügel des kühnen Propheten faßte. „Einer, der dem Hauſe York den Untergang ge⸗ ſchworen hat und es vielleicht noch erleben wird, in eben dieſer Sache an Warwick's Seite zu fechten; denn War⸗ wick, welches auch ſeine Fehler ſein mögen, hat ein eng⸗ liſches Herz und liebt die Gemeinen.“ Mit einem Ausruf des Erſtaunens ließ Montagu den Zügel des Freiſaſſen los. Der Letztere machte eine 18 Bewegung mit der Hand, ſpornte ſein Pferd über den wilden Weideplatz und verſchwand mit ſeinem Begleiter. „Eim trotziger Verräther!“ murmelte der Graf, ihm mit dem Auge folgend.„Vielleicht einer von den ver⸗ bannten laneaſtriſchen Lords. Seltſam, wie ſie in unſere Geheimuiſſe eindringen! Hörtet Ihr jenen Kerl, Mar⸗ maduke?“ „Nur wenige Worte und die brachten meine Hand an meinen Dolch. Doch da Ihr kein Zeichen gabt, ſo glaubte ich, Seine Majeſtät der König könne durch leere Worte nicht ſehr beleidigt werden.“ „Wahr! Und das Unglück hat ſtets eine ſcharfe Zunge.“ „Ich habe dieſen Mann ſchon früher geſehen, My⸗ lord,“ ſagte Marmaduke,„und es ſcheint mir, als ube er große Macht über den Pöbel aus.“ Und hier erzählte Marmaduke den Angriff auf Warners Haus, und wie derſelbe durch die Dazwiſchenkunft Robin von Redesdale vereitelt worden. „Seid Ihr gewiß, daß es derſelbe Mann iſt— ſein Geficht war ja maskirt?“ „Mylord, im Norden, wie Ihr wißt, erkennen wir die Menſchen an ihrer Körperform und nicht an ihren Geſichtern, wie es auch ganz recht iſt, da es die Knochen und Muskeln, und nicht die Naſe und Lippen find, die einen Menſchen zu einem nutzlichen Freunde oder eineni gefährlichen Feinde machen.“ Montagu lächelte über die Einfalt des jungen Mannes. „Und hörtet Ihr den Namen, den die Schurken riefen?“ 4 gewöht Haush über den Begleiter. Graf, ihm n den ver⸗ in unſere erl, Mar⸗ reine Hand n gabt, ſo durch leere ine ſcharfe ihen, My⸗ ir, als übe ier erzählte , und wie Redesdale iſt— ſein rkennen wir ht an ihren die Knochen en find, die eoder einem gen Mannes. ie Schurken 19 „Robin Mylorb. Sie riefen„Robin,“ als hätten ſte Montagu ober Warwick gerufen.“ „Robin! Ah, dann errathe ich den Mann— ein höchſt gefährlicher und trotziger Lancaſtrier. Er hat mehr Einfluß bei den Armen, als der Rebell Cade hatte, und man ſagt, Margaretha vertraue ihm eben oviel, wie ſie einem Exeter und einem Somerſet vertraut. Es wundert mich, daß er ſich ſo nahe vor den Thoren von London zeigt. Wir müſſen darauf ſehen. Aber kommt Vetter. Unſre Pferde haben ſich ausgeruht.— Laßt uns weiter reiten!“ Als ſie in More Park ankamen, wurde Marmaduke von der ſtattlichen Architektur geblenbet, denn der Prä⸗ lat hatte das Haus mit einer Fagade von doppelten Bogen verſchoͤnern und nach Art gewiſſer italieniſcher Häuſer bemalen laſſen. Der Glanz des Gefolges des Biſchofs— feeilich weniger kriegeriſch als das des Grafen von Warwick— war noch impoſanter für das gewöhnliche Auge. Jedes Amt, welches der Pomp eines königlichen Hofes nur ausdenken konnte, fand ſich in dem Haushalt dieſes prachtliebenden Prälaten— ein Auf⸗ ſeher der Pferde und der Hunde— ein Kämmerer, ein Schatzmeiſter, ein Herold, ein Unterherold, ein Haus⸗ hofmeiſter, ein Haupimann der Leibgarde u. ſ. w.— und alle mit Herren vom beſten Blut und von der vor⸗ nehmſten Geburt beſetzt. Seine Wohnung war zugleich ein Hof für das mittlere Alter, eine Schule für die Jugend, eine Zuflucht fuͤr das Greiſenalter; und dort⸗ hin, wie zu einem Mehici, flüchteten ſich die Wiſſen⸗ ſchaften und Künſte. Durch Corridor und Halle, mit Pagen und Knappen beſetzt, gingen Montagn und Marmaduke, bis ſie einen zierlichen Garten, das Wunder und der Neid jener Zeit, erreichten, der von einem Italiener aus Mantua ange⸗ legt worden und vielleicht der ſtattlichſte in ganz Eng⸗ land war. Gerade Wege, Terraſſen und Springbrunnen, beſchnittene Bäume, grüne Laubgänge und ebene Roſen⸗ plätze waren reichlich vorhanden, doch der Blumen waren es nur wenige und von gewöhnlicher Art; und wenn ſich hie und da eine Statue fand, ſo beſaß ſie nichts von der Kunſt, die in unſerer früheſten kirchlichen Architektur ſo bewundernswürdig war, ſondern die plumpen Verhält⸗ niſſe wurden noch plumper durch ein übermaß von har⸗ bariſcher Malerei und Vergoldung. Die Fontainen aber waren beſonders kuͤnglich und verſchieden gebildet: einige ſchoſſen wie Pyramiden empor, andere floſſen in wellen⸗ förmigen Strömen und andere verzweigten ſich in die Geſtalt von Bäͤumen, während Vögel, die auf bleiernen Zweigen ſaßen, Waſſer aus ihren Schnäbeln ſchütteten. Sehr erſtaunt und verwirrt betete Marmaduke haſtig ein Vaterunſer; und ſelbſt der hohe geiſtliche Rang des Prälaten bewahrte den Jüngling nicht vor dem Verdacht, daß hier ein Zauber vorgehe. Entfernt von ſeinem ganzen Gefolge, in einer kleinen mit Geisblatt und weißen Roſen überwachſenen Laube, einen kleinen Tiſch vor ſich mit Früchten, Confect und gewürzten Weinen, denn der Prälat, obgleich noch in der Blüte ſeiner Jugend, war ein ausgezeichneter Epi⸗ kuräer, fanden ſie Georg Nevile, ſchläͤfrig in einer lateiniſchen Handſchrift leſend. „ Mont Schul tapfer ſein, bitte E porkom Landm liſtiger ſagt,“ Sünde Hi Bruder bleich: und das ich nur dieſen „Knappen 3 fie einen jener Zeit, ntug ange⸗ ganz Eng⸗ ngbrunnen, eene Roſen⸗ men waren d wenn ſich his von der rcchitektur ſo en Verhält⸗ aß von bar⸗ ntainen aber ildet: einige n in wellen⸗ ſich in die auf bleiernen n ſchütteten. ake haſtig ein he Rang des em Verdacht, einer kleinen hſenen Laube, Confect und gleich noch in eichneter Epi⸗ frig in einer 21 „Nun, mein theurer Lord und Beuder,“ ſagte Montagu, indem er ſeinen Arm auf des Prälaten Schulter legte—„zuerſt laß Deiner Gunſt einen tapfern Jüngling Namens Marmaduke Nevile empfohlen ſein, der ſeines Namens und Deiner Llebe würdig iſt.* „Er iſt willkommen in unſerem armen Hauſe, Mon⸗ tagn,“ ſagte der Erzbiſchof aufſtehenb und wohlgefällig auf ſeinen Palaſt hinblickend, der glänzend durch das Gitterwerk zu ſehen war,„puer ingenui vultus. Ihr ſeid ohne Zweifel mit den Schulwiſſenſchaften bekannt, junger Herr?⸗* „Wahrlich, Mylord, meine Erziehung wurde in der Provinz etwas vernachläſſigt,“ ſagte Marmaduke ver⸗ legen und hoch erröthend, und erſt ſeit der letzten Zeit habe ich eingeſehen, daß die Sprachen auch ein paſſendes Studium für die ſind, welche nicht für die Kirche er⸗ zogen werden. „Pfui, Herr, pfui! verbeſſert dieſen Irrthum, ich bitte Euch. Das Latein lehrt der Hofmann, wie er em⸗ porkommen, den Soldaten, wie er manöpriren, den Landmann, wie er ſäen ſoll; und wenn wir Geiſtlichen liſtiger ſind, als Ihr Laien, wie das gemeine Volk ſagt,“ und der Prälat lächelte,„ſo muß das Latein die Sünden unſerer Gelehrſamkeit verantworten.“ Hierauf faßte der Erzbiſchof zärtlich den Arm ſeines Bruders und ſagte:„Wahrlich, Montagu, Du ſiehſt bleich und ermüdet aus. Du bedarfſt der Erfriſchung, und das Abendeſſen ſoll bald bereit ſein. Selbſt ich, der ich nur einen geringen Appetit habe, werde hungrig in dieſen kühlen Stunden der Dämmerung.“ „Entlaß meinen Begleiter, Georg— ich möchte gern mit Dir reben,“ flüſterte Mantagu. „Ihr verſteht kein Latein?“ ſagte der Erzbiſchof, ſich mit mitleidigem Blicke an Neyile wendend, deſſen Augen mit verliebten Blicken auf die delikaten Lecker⸗ biſſen gerichtet waren,„es iſt nie zu ſpät zum Lernen. Halt, hier iſt eine Grammatik der Zeitwörter, die ich mit eigener Hand für die Jugend aufgeſetzt habe. Stu⸗ dirt Euer amo und Euer monéo, während ich mit dem hochſtrebenden Montagu über Angelegenheiten der Kirche verhandle. Ich erwarte, daß Ihr vor dem Abendeſſen noch von beiden das erſte Tempus mißt.“ „Aber— ⁴ „O nein, kein Aber. Ich fürchte, Ihr ſeid zu zähe für die Pritſche, welche die zarte Jugend ſehr beim Lernen unterſtützt.“ Der Prälat nöthigte ſeine Grammatik Mar⸗ maduke's widerſtrebenden Händen auf und ſchlenderte mit ſeinem Bruder einen von den einſamen Gäͤngen hinunter. Lang und lebhaft war ihre Unterrehung und zu einer Zeit auch ihr Streit heftig. Der Erzbiſchof beſaß ſehr wenig von der Energie Montagu's oder dem ungeſtümen Weſen Warwicks, doch beſaß er weit mehr von dem, was wir jetzt Geiſt nennen und was vom Talente verſchieden iſt, als einer von Beiden; das heißt er beſaß nicht ihre Fähigkeiten zur Handlung, doch beſaß er ein Urtheil und einen Scharf⸗ ſinn, welche machten, daß man ihn für einen weiſen und verſtändigen Rathgeber hielt. Dies ſind wir beſonders wegen des Geiſtlichen Liehe zur Gemächlichkeit zu ſagen genöthigt, und wegen ſeiner Freiheit von den aufgeregten Leiden den H großer einem Diplon der un willigt jenem erhabe Obglei gunger kein m — aue in hoht zen de Hingel den La fremde Gelehr Verach theil, Er vere h möchte Erzbiſchof, ad, deſſen en Lecker⸗ m Lernen. r, die ich abe. Stu⸗ h mit dem der Kirche Abendeſſen ſeid zu zähe eim Lernen natik Mar⸗ lenderte mit en hinunter. und zu einer der Energie twicks, doch Geiſt nennen 3 einer von bigkeiten zur nen Scharf⸗ n weiſen und vir beſonders keit zu ſagen naufgeregten 23 Leidenſchaften des großen Miniſters und des aufſtreben⸗ den Hofmannes; ſein natürlicher Verſtand war auch von großer Gelehrſamkeit genährt. Georg Nevile war von einem italieniſchen Geiſtlichen in all der ſcharfſinnigen Diplomatik der Kirche auferzogen; und ſein Ehrgeiz, der unkirchliche Gegenſtände verachtete, obgleich er ein⸗ willigte, die Stelle des Kanzlers zu bekleiden, war in jenem Königreich über Könige concentrirt, welches die erhabenen Beherrſcher des religiöſen Rom belebt hatte. Obgleich, wie geſagt, noch in dem Alter, wo die Nei⸗ gungen gewöhnlich lebhaft ſind, liebte Georg Nevile kein menſchliches Geſchöpf— ſelbſt nicht ſeine Brüder — auch nicht Koͤnig Eduard, der bei allen ſeinen Laſtern in hohem Grade das Geheimniß beſaß, welches die Her⸗ zen der Menſchen gewinnt. Seine frühe und gänzliche Hingebung an die große religiöſe Gemeinſchaft, die von den Laien getrennt war, um ſie im Zügel zu halten, ent⸗ fremdete ihn ſeinen Verwandten; und ſeine überlegene Gelehrſamkeit diente nur dazu, ihm eine ruhige und eifige Verachtung gegen Alle einzuflößen, welche das Vorur⸗ theil, wie er es nannte, für theuer und koſthar hielten. Er verachtete des Ritters haltloſen Ehrgeiz— des Bür⸗ gers verſchlagene Redlichkeit. Für ihn exiſtirte nichts, was man einen Grundſatz nennen konnte, und das Ge⸗ wiſſen ſelber lag todt da in den Falten einer eingebildeten Ausnahme von aller Verantwortlichkeit gegen die un⸗ verſtändige Heerde, die nur Wolle und Fleiſch für den geiſtlichen Hirten war. Doch wenn gleich ein wenig pedantiſch, hatte er in ſeinem Weſen eine Lieblichkeit, eine Eleganz und Politur, die wohl für ſeinen hohen Rang paßte und ſeinen Rathſchlägen Überzeugung ge⸗ währte. In ſeinem Außern war er ſo wenig einem Prieſter ähnlich, wie Prälaten von vornehmer Geburt es in jenen Tagen gewöhnlich waren. In der Kleidung rivali⸗ ſirte er mit der Putzſucht der königlichen Brüder. Auf der Jagd war er eifriger, als es ſelbſt Warwick in ſeiner frühen Jugend geweſen war, und eine trockene, ſar⸗ kaſtiſche Laune, zuweilen zum Witz erhoben, verlieh ſeiner ſcharffinnigen Unterhaltung Lebhaftigkeit. Montagu wünſchte, daß der Erzbiſchof und er eine feierliche Audienz bei Eduard verlangen und dem Könige ernſte Vorſtellungen machen wollten über die Unſchick⸗ lichkeit, den Bruder eines Nebenbuhlers zu empfangen, während Warwick wegen der Vermählung Margarethens mit dem Prinzen von Frankreich verhandelte. „Nein,“ ſagte der Erzbiſchof mit einſchmeichelndem Lächeln, welches Montagu ſehr aufbrachte,„gewiß, ſelbſt ein Baron, ein Ritter, ein Freiſaſſe— ein armer Prie⸗ ſter wie ich würde ſich gegen den Mann erheben, der ſeiner Gaſtfreiheit Vorſchriften machen wollte. Iſt ein König weniger reizbar als ein Baron, ein Ritter, ein Freiſaſſe und ein Prieſter?— Oder vielmehr, da er gleichſam durch das Geſetz Herr von Allen iſt, hat er nicht Reizbarkeit genug für alle vier? Ja— ſchüttle nur den Kopf, John— aber Dein Verſtand muß meinen Rath doch endlich billigen. Ich kenne Eduarb gut; er hat etwas von meinem trägen und gemächlichen Tem⸗ perament, aber mehr von dem ſchlummernden Löwen, als die Prieſter— ſiehſt Du— die Milde der Tauben an ſich haben. Faſſe höheren Muth nicht durch heftige agung ge⸗ em Prieſter urt es in ung rivali⸗ rüder. Auf ick in ſeiner ckene, ſar⸗ erlieh ſeiner und er eine dem Könige ie Unſchick⸗ empfangen, argarethens meichelndem gewiß, ſelbſt armer Prie⸗ erheben, der Ilte. Iſt ein Ritter, ein mehr, da er n iſt, hat er ſchüttle nur muß meinen uard gut; er hlichen Tem⸗ rnden Löwen, e der Tauben durch heftige 2⁵ Vorſtellungen, ſondern durch ſcheinbares Vertrauen. Sage ihm mit Deinem heitern, ſorgloſen Lachen— welches Du, wie es ſcheint, in der letzten Zeit verloren haſt— daß bei einem andern Fürſten Warwick eine Schlinge argwöhnen könnte— irgend eine erniedrigende Vereitlung ſeiner Geſandtſchaft— aber alle Menſchen wüßten, wie ſtandhaft Eduard der Vierte in ſeinem Wort und ſeiner Ehre ſei.“ 2* „Wahrlich,“ ſagte Montagu mit erzwungenem Lä⸗ cheln,„Du kennſt die Menſchen— bedenke, wenn dies fehlſchlüge und Warwick kehrte nach England zurück, um zu hören, daß man ihn zum Beſten gehabt, daß Mar⸗ garetha, um herentwillen er über die See gefahren, um ſte mit Ludwigs Bruder zu verloben, dem Grafen von Charolois verſprochen iſt— bedenke, ſage ich, welches Herz unter unſers Bruders Panzer ſchlägt.* „Impiger, iracundus,“ ſagte der Erzbiſchof;„ein wahrer Achilles, gegen den unſer engliſcher Agamemnon, wenn er ihm in den Weg tritt, nur ein Kind iſt. Alles dies iſt eine traurige Zuverſicht; unſere Eltern verzogen ihn in ſeiner Kindheit, der Ruhm in ſeiner Jugend und Reichthum, Macht und glücklicher Erfolg in ſeinem Mannesalter. Ja! wenn Warwick gereizt iſt, ſo iſt es, als wenn ſich die Meerſchlange regt, die, nach dem Glauben der Isländer, eine Welt bewegt. Die beſte Art, die Gefahr zu verhindern, iſt, die Ehre des Koͤnigs für ihn zum Kampfe zu rufen— zu zeigen, daß unſere Augen offen find, aber daß wirs verachten, Zweifel zu hegen, und freimüthig genug ſind, um zu vertrauen. Bulwer, Barone. II. 3 Inzwiſchen ſchicke insgeheim Boten und Warnungen an Warwick.“ Dieſe Gründe überzeußten Montagu endlich und die Brüder kehrten einſtimmig nach Hauſe zurück. Nachdem ſie ſich gewaſchen, ſetzten ſie ſich zum Abendeſſen nieder, als der Erzbiſchof ſich des armen Marmazdute erinnerte und einen von den dreißig Kaplanen ſeines Haushalts zu ihm ſchickte. Marmaduke war bei dem zweiten Tem⸗ pus des Zeitworts amo feſt eingeſchlafen. Sechstes Kapitel. Die Ankunſt des Graſen de la Roche, und die verſchiedenen Eindrücke, die dadurch bei vielen Perſonen hervorgebracht werden. Die Klugheit des Rathes, den der Erzbiſchof ge⸗ geben, beſtätigte ſich, denn Montagn fand am folgenden Tage, daß alle Gegenvorſtellung zu ſpät geweſen wäre. Der Graf de la Roche war ſchon gelandet und auf ſeinem Wege nach London. Die Bürger, die von Rivers theil⸗ weiſe zu der Vermuthung des Zweckes des Beſuchs ge⸗ führt worden, waren nicht nur entzückt über die Aus⸗ ſicht auf eine brillante Feſtlichkeit, ſondern auch über das Verſprechen eines beſtändigen Friebens mit ihren burgundiſchen Handelsgenoſſen, welches ein ſolcher Be⸗ ſuch gewährte, und die Vorbereitungen, welche die reichen Kaufleute machten, erhöhten nur Montagu’s Bitterkeit und Unzufriedenheit. Endlich zog der Graf de la Roche an der Spitze eines ritterlichen und kürſtlichen Gefolges in London ein. Obgleich Haſtings ſeinen Wider⸗ willen gegen den Beſuch des Grafen de la Roche nicht verba merer und zu beg 3 des A die un auf de gothiſe ſtreckte gruppi Lords: John, des Zi Heraus rnungen an lcch und die k. Nachdem eſſen nieder, ke erinnerte 3Haushalts beiten Tem⸗ verſchiedenen ebracht werden. rzbiſchof ge⸗ im folgenden eweſen wäre. d auf ſeinem Rivers theil⸗ Beſuchs ge⸗ ber die Aus⸗ ern auch über ns mit ihren i ſolcher Be⸗ , welche die r Montagu’s g der Graf de id fürſtlichen ſeinen Wider⸗ la Roche nicht 27 verbarg, ſo war es doch ſeine Pflicht, als Lorb Käm⸗ merer, den Grafen zu Blackwell zu empfangen und ihn und ſein Gefolge in vergoldeten Barken in den Palaſt zu begleiten. In der großen Halle des Tower, wo die Geſchichte des Antiochus von den großen Künſtlern gemalt war, die unter Heinrich dem Dritten beſchäftigt wurden, und auf der Erhöhung des Baldachins, hinter welchem an gothiſchen Säulen hin ſich Draperien von Goldſtoff er⸗ ſtreckten, ſtand Eduards Staatsſeſſel. Um ihn waren gruppirt die Herzoge von Clarence und Glouceſter, die Lords Worceſter, Montagu, Rivers, d'Eymcourt, St. John, Raoul de Furke und Andere. Aber auf der Schwelle des Zimmers ſtand Anton Woohoille, der ritterliche Herausforderer, ſein Knie mit dem goldenen Bande umwunden und ſeine ſchöne Geſtalt in weißgeblümten Sammt von Genna gerleidet und mit Perlen verziert. Vortretend, als der Graf erſchien, beugte der tapfere Engländer ſein Knie bis halb auf den Boden, erhob des Grafen Hand zu ſeiner Lippe und ſagte in franzöſi⸗ ſcher Sprache:„Geneigt, edler Herr, die Dankbarkeit eines Mannes anzunehmen, der des Kampfes mit einer ſo unvergleichlichen Hand nicht würdig wäre, hätte ihn die Gunſt der Damen Englands nicht dazu auserleſen, und Eure eigene Höflichkeit, welche den adelt, zu wel⸗ chem ſie ſich herabläßt.“ Mit dieſen Worten führte er den Grafen zum Könige. De la Roche, ein erfahrener und gewandter Hof⸗ mann, und welcher mit Recht Halls Lob als ein Mann von großem Witz, Muth, Tapferkeit und Freigebigkeit 28 verdiente, verbarg die Bewunderung nicht, welche die ausgezeichnete Perſon Eduards nie zu erregen verfehlte; er erhob ſeine Hand zu den Angen, als wollte er ſie vor einem plötzllichen Lichtſchimmer beſchirmen, und würde auf beide Knie niedergefallen ſein, hätte ihn nicht Eduard raſch erhoben und in heiterem Tone geſagt:„Nein, Graf de la Roche, tapferer und mächtiger Ritter, der Ihr zu Ehren der Ritterſchaft und der Damen über die See gekommen ſeid— wir wünſchten in der That, daß unſer Königreich ſich eines Lords wie Ihr ſeid rühmen könnte, von dem wir ſolche Huldigung fordern koͤnnten. Aber da Ihr nicht unſer Unterthan ſeid, ſo tröſtet es uns wenigſtens, daß Ihr unſer Gaſt ſeid. Bei der hei⸗ ligen Jungfrau, Lord Seales, Ihr müßt wohl nach Eurer Lanze und dem Sattelgurt Eures Roſſes ſehen denn ich ſtehe dafür, Ihr ſeid nie einem Kämpen von größerer Stärke und ſo ritterlichem Muthe begegnet.“ „Gnädigſter Koͤnig,“ antwortete der Graf, vich fürchte in der That, daß ein Ritter wie Sir Anton, der unter den Augen eines ſolchen Köͤnigs ſicht, unbeſiegbar ſein wird. Wenn Könige mit Königen in die Schranken treten wollten, wo würdet Ihr in der ganzen Chriſten⸗ heit Euresgleichen finden?“ „Euer Bruder, Herr Graf, iſt, wenn der Ruf nicht lügt,“ entgegnete Eduard, leicht lachend und die Schulter des Baſtards berührend,„eine Lanze, die ſchwer zu überwinden iſt, ſelbſt wenn Karl der Große wieder auf⸗ lebte mit ſeinen zwölf Paladinen hinter dem Rücken, Sagt uns, Herr Graf,“ fügte der König hinzu, indem er ſich emporrichtete,„ſagt uns, denn wir Soldaten find ne⸗ von Ch vor All „S Bruder mit der halben. obgleich Gottes Edu deſſen V zu erreg Anmuth Herr Gr. ten zu b rolois ſe ſehen ha welche die n verfehlte; te er ſie vor und würde nicht Eduard gt:„Nein, Ritter, der nen über die er That, daß ſeid rühmen ern koͤnnten. ſo tröſtet es Bei der hei⸗ t wohl nach Roſſes ſehen Kämpen von he begegnet.“ Graf, nich r Anton, der , unbefiegbar die Schranken zen Chriſten⸗ der Ruf nicht d die Schulter die ſchwer i ze wieder auf⸗ dem Rücken. hinzu, indem wir Soldaten 29 find neugierig in ſolchen Dingen, hat nicht der Graf von Charolois in Betreff der Muskeln und der Statur vor Allen den Vorzug?“ „Sire,“ entgegnete de la Roche,„mein fürſtlicher Bruder iſt in der That mächtig mit dem Schwert und mit der Streitaxt, aber Eure Majeſtät iſt um einen halben Kopf größer und vielleicht auch von feſterem Bau, obgleich die bloße Stärke Eurer Majeſtät nicht die Gabe Gottes iſt, die dem Veſchauer am meiſten auffällt.“ Eduard lächelte gutmüthig über das Compliment, deſſen Wahrheit zu einleuchtend war, um viel Eitelkeit zu erregen, und ſagte mit königlicher und ritterlicher Anmuth:„In unſerem Hauſe York wird man gelehrt, Herr Graf, die Schönheit der Männer nach ihren Tha⸗ ten zu beurtheilen, und daher iſt uns der Graf von Cha⸗ rolois ſchon lange— obgleich wir ihn leider nicht ge⸗ ſehen haben— als der ſchönſte Herr in Europa bekannt geweſen. Lord Seales, wir müſſen Euch hier öffentlich um Verzeihung bitten. Unſer Schwager, Herr Graf, hätte gern das Recht in Anſpruch genommen, Euch als ſeinen Gaſt zu behalten und ſich durch die ausſchließliche Bewirthung Eurer Perſon zu ehren. Wir haben ihm ſein geſetzliches Amt abgenommen, denn wir Könige find eiferſüchtig und wünſchen nicht, daß unſere Unterthanen mehr geehrt werden als wir.“ Eduard wendete ſich zu ſeinen Hofleuten um, während er ſo ſprach und bemerkte, daß ſeine letzten Worte einen hochmüthigen und zornigen Ausdruck in dem wachſamen Geſichte Montagu's hervor⸗ gebracht hatten.„Lord Haſtings,“ fuhr er fort,„Euch, als unſerem Stellvertreter, vertrauen wir dieſen Herrn an. Er wird der Erfriſchung bedürfen, ehe wir ihn der Königin vorſtellen.“ Der Graf verbeugte und entfernte ſich ehrerbietig, von Haſtings begleitet, aus dem Audienzſaale. Eduard winkte Anton Woodville und Anton Rivers, beendete die Audienz und verließ, von dieſen beiden Herren be⸗ gleitet, die Halle. Montagn, deſſen Geſicht ſeine gewohnte würdevolle und edle Ruhe wieder angenommen hatte, wendete ſich zu dem Herzog von Clarenee und ſagte gleichgültig:„Der Graf de la Roche hat eine huͤbſche Miene und eine glatte Zunge.“ .„Die Peſt über dieſe Burgunder!“ antwortete Cla⸗ rence in leiſem Tone, indem er Montagu auf die Seite zog, eich wollte meinen beſten Jagdhund gegen einen räudigen Köter wetten, daß unſere engliſchen Ritter ihre Helmbüſche ſenken werden.“ „Nein, Herr, es iſt ein eitles Feſttagsſchauſpiel, und was liegt daran, weſſen Lanze bricht oder weſſen Roß ſtolpert? „Wollt Ihr ſelber, Vetter Montagu, Ihr, der Ihr im Lanzenrennen ſo unvergleichlich ſeid, nicht auch Theil an dem Kampfe nehmen?“ „Ich, Hoheit— ich, der Bruder des Grafen von Warwick, zu deſſen Kränkung und Erniedrigung die Woodoilles dieſes Schauſpiel angeordnet haben, wäh⸗ rend er als Geſandter bei dem mächtigſten Feinde Bur⸗ gunds verweilt— ich?“ „In Wahrheit,“ ſagte der junge Prinz verlegen, „es thut mir ſehr leid, Euch ſo reden zu hören, als würde Denn gegen der Gr die Wo ladins „ℳ Ausbri er ſog der unt wich bi Heftigt Demut Hoheit ausgeze armen wenn e den He ir ihn der hrerbietig, Eduard beendete herren be⸗ würdevolle endete ſich ltig:„Der eine glatte ortete Cla⸗ f die Seite egen einen hen Ritter sſchauſpiel, dder weſſen hr, der Ihr auch Theil Grafen von drigung die aben, wäh⸗ Feinde Bur⸗ nz verlegen, hören, als 31 würde ſich Warwick über ſolchen Zeitvertreib ärgern. Denn ſeht, Montagu, ich dachte nur an meinen Haß gegen Burgund und an die Ehre Englands, als ich, als der Großconſtable, und ungeachtet meines Grolles gegen die Woodoilles, einwilligte, den Helm unſers eigenen Pa⸗ ladins zu tragen—“ „Heilige des Himmels!“ rief Montagu mit einem Ausbruch des heftigen Temperament ſeines Bruders, den er ſogleich unterdrückte und in einen Ton verwandelte, der unter außerlichem Reſpekt die feinſte Ironie verbarg; vich bitte Euch demüthig um Verzeihung wegen meiner Heftigkeit, Prinz Clarence! Plötzlich fällt mir ein, daß Demuth die eigentliche Tugend des Ritters iſt. Eure Hoheit gibt den Pairs von England in der That ein ausgezeichnetes Beiſpiel von dieſer Tugend, und meines armen Bruders Stolz wird auf immer vernichtet ſein, wenn er hört, daß Georg Plantagenet Anton Woodville den Helm getragen.“ „Aber es geſchieht zur Ehre der Damen,“ ſagte Cla⸗ renee ſtotternd,„zur Ehre des ſchönſten Mädchens von allen— der Blume der engliſchen Schönheit— der Lady Iſabella— daß ich—* „Verzeiht mir, Hoheit,“ fiel Montagu ein,„aber ich hege das Vertrauen zu Eurer Achtung vor unſerm armen und beleidigten Hauſe Nevile, daß Ihr den Na⸗ men meiner Nichte Iſabella nicht den übermüthigen Be⸗ merkungen eines Burgunders von verworfener Geburt preisgeben werdet.“ „Dann will ich keine Lanze in den Schranken bre⸗ chen! „Wie es Eunch beliebt, Prinz,“ verſetzte Montagu kurz, und mit tiefer Verbeugung verließ er das Zimmer und ſchritt auf das aͤußere Thor des Tower zu, als eine liebliche und klare Stimme hinter ihm ſeinen Namen rief. Er wendete ſich plötzlich um und begegnete dem dunklen Auge und dem Alles beherrſchenden Lächeln des jungen Herzogs von Gloueceſter. „Ein Wort mit Euch, Montagu— nebſt Euren fürſtlichen Brüdern der edelſte und geprieſenſte Paladin unſers Hauſes— ich hörte Euren edlen Unwillen über unſern armen Clarence. Ja, Herr!— ja— es war eine Schwäche von ihm, die ſelbſt mich aufregte. Aber Ihr dürft nicht erſt jetzt lernen, daß ſeine Natur, ſo ver⸗ käuflich ſie auch ſein mag, etwas unbeſtimmt iſt. Sei⸗ nem Urtheil allein fehlt es an Gewicht und Gehalt— er wird ſtets gegen ſeine Überzeugung zu handeln von Denen überredet, die ihn bei ſeiner ſchwachen Seite faſſen. Aber wenn es wahr iſt, daß unſer Vetter War⸗ wick für ihn die Hand der unvergleichlichen Iſabella beſtimmt, ſo werden weiſere Köpfe ſeine Handlungen leiten.⸗ „Mein Bruder,“ ſagte Montagu ſehr beſänftigt, „iſt Eurer Hoheit ſehr verbunden wegen einer beſtändi⸗ gen Begünſtigung und Freundſchaft, wofür ich Euch, glaubt mir, und die Familien Veauchamp, Montagu und Nevile ſchuldigermaßen dankbar find. Aber um offen zu reden, was Eurer Hoheit jugendliche Offenheit, die ſo allgemein anerkannt iſt, mir geſtatten wird, die Ver⸗ wandten der Koͤnigin ſtreben jetzt ſo ſehr nach der Herr⸗ ſchaft in dieſem Lanhe, zu verheirathen oder Heirathen zu verbi dern au ſchieht, die ausg ein Kön fachen( noch mel mich noc lichen H⸗ Meinen kennt ihn „Mo und beru Liebe zu: ausſpreche Mylord! „Ich v kontagu Zimmer als eine Namen iete dem heln des t Euren Paladin llen über Hes war e. Aber ſo ver⸗ iſt. Sei⸗ ehalt— deln von en Seite ter War⸗ Iſabella ndlungen eſänftigt, beſtändi⸗ ich Euch, Montagu um offen heit, die die Ver⸗ der Herr⸗ Heirathen zu verbieten, was nicht nur mit unſern Kindern, ſon⸗ dern auch mit den Kindern Eures erhabenen Vaters ge⸗ ſchieht, ſo daß ich in dieſem Beſuch des Baſtard Anton die ausgezeichnetſte Schande für Warwick ſehe, die je ein König einem Geſandten oder ſelbſt nur einem ein⸗ fachen Edelmann auferlegte. Und dies bewegt mich noch mehr— ja, ich verſichere es bei Gott, es bewegt mich noch mehr, wenn ich an die Gefahr Eures könig⸗ lichen Hauſes denke, als an die Beleidigung, die den Meinen zugefügt wird; denn Warwick— doch Ihr kennt ihn.“ „Montagu, Ihr müßt Earen Bruder beſänftigen und beruhigen, wenn er ärgerlich iſt. Ich gebe Eurer Liebe zu uns dieſen Auftrag. Ach, ich wollte, Ednard hörte mehr auf mich und weniger auf die Verwandten der Königin. Dieſe Woodvilles!— und doch, mögen ſie die Zeit erleben, wo ſie nicht Neid, ſondern Mitleid erregen werden. Wenn Eduards Lebensfaden abgeſchnit⸗ ten würde, was der heilige Paulus verhüten wolle! was würde aus Eliſabeth— aus ihren Brüdern und Kindern werden?“ „Ihre Kinder würden den Thron beßteigen, den unſere rechte Hand gegründet hat,“ ſagte Montagu düſter. „Ei! denkt Ihr das?— Ihr erfreut mich! Ich habe gefürchtet, die Barone könnten, die Gemeinen würden und die Kirche müßte dle unglückliche Wahrheit ausſprechen, daß— aber Ihr ſeht mich erſtaunt an, Mylord! Ach! Ich bin zu jung und zu geſchwätzig!“ „Ich verſtehe die Meinung Eurer Hoheit nicht.“ 34 „Pah! beim heiligen Paulus! Eure ſcheinbare Un⸗ verſtändigkeit beweist Eure Loyalität; aber gegen mich, des Königs Bruder, könnet Ihr wohl offen reden. Ihr wißt ja wohl, daß der König vorher mit der Lady Eleo⸗ nore Talbot verlobt war, daß dieſes vom Papſte nicht aufgehobene Verlöbniß ſeine Vermählung mit Eliſabeth geſetzwidrig macht, daß ſeine Kinder, wollte der Himmel, es wäre nicht ſo! als Baſtarde können übergangen wer⸗ den, wenn Eduards Leben fie nicht mehr vor den ſcharfen Augen der Menſchen ſchützt.“ „Ah!“ ſagte Montagu gehankenvoll,„und in dieſem Falle würde Georg von Clarence die Krone tragen und ſeine Kinder über England regieren.“ „Verhüte Gott,“ ſagte Richard,„daß ich behaupten ſollte, Warwick habe daran gedacht, als er Georg der Hand Iſabellens für würdig hielt. Nein, es könnte nicht ſo ſein; denn ſo klar auch der Anſpruch ſein mag, ſo wären doch die ſtark und mächtig, die ſich demſelben widerſetzen würden, und wie Ihr ſehen werdet, iſt Cla⸗ renee nicht der Mann, um kühn zu ringen, ſelbſt nicht nach einem Throne. Überdies iſt er zu ſehr dem Wein und Vergnäügen ergeben, als daß man vermuthen ſollie, er werde den König überleben.“ Montagu richtete ſeine durchbringenden Augen auf Richard, ſenkte ſie aber beſchämt vor jenem feſten, tie⸗ fen und unergründlichen Blicke, der die Herzen Anderet zu durchdringen ſchien, ohne jedoch etwas von dem eige⸗ nen Herzen zu verrathen. „Glücklicher Glarenee!“ fuhr der Prinz mit tiefem Seufzer und nach einer kurzen Pauſe fort—„der Gatt einer 9 können müßt ſ Bruder Monta ſchaft z zu erha ſchoͤner anderer rence. Welt, ungleich ſcheine, zutreten inbare Un⸗ gegen mich, reben. Ihr Lady Eleo⸗ Papſte nicht it Eliſabeth der Himmel, gangen wer⸗ den ſcharfen ind in dieſem tragen und ch behaupten er Georg der könnte nicht ein mag, ſo ich demſelben edet, iſt Cla⸗ —, ſelbſt nicht or dem Wein nuthen ſollte, en Augen auf m feſten, tie⸗ erzen Anderet von dem eige⸗ inz mit tiefen —„der Gatt 35 einer Nevile und der Sohn eines Warwick!— Was können die Heiligen mehr für einen Mann thun? Ihr müßt ſeine Fehler— alle unſere Fehler— bei Eurem Bruder entſchuldigen. Vielleicht wißt Ihr nicht, lieber Montagu, wie ein großes Intereſſe ich habe, die Freund⸗ ſchaft zwiſchen Lord Warwick und dem Könige aufrecht zu erhalten. Denn mir erſcheint ein anderes Geſicht noch ſchöner, als das der ſchönen Iſabella, und als ſei ein anderer Mann noch mehr zu beneiden, als ſelbſt Gla⸗ rence. Das ſchönſte Geſicht für mich auf der weiten Welt, iſt das der Lahy Anna— der glücklichſte Mann zwiſchen der Wiege und dem Grabe iſt der, den Lahy Anna ihren Gemahl nennen wird! Und wenn ich— o Montagu, laßt keinen Bruch zwiſchen Warwick und bem Könige ſtattſinden! Lebt wohl, theurer Lord und Vetter — ich gehe nach Baynards Schloß, his dieſe Feſtlichkei⸗ ten vorüber find.“ „Will nicht Eure Hoheit,“ ſagte Montagu, der ſich von dem Erſtaunen erholte, worein ihn ein Theil von Gloueeſters Anrede verſetzt hatte—„will nicht Eure Hoheit— ſo geſchickt im Reiten und Lanzenbrechen— ſich in den Schranken auszeichnen?“ „Montagn, ich liebe Euren Bruder hinlänglich, um meinem Könige zu mißfallen. Er ſoll wenigſtens nicht ſagen, daß Richarb Plantagenet in ſeiner Abweſenheit die Ehrerbietung vergeſſen, die er der Loyalität und dem Verdienſte ſchuldig iſt. Sagt ihm das; und wenn ich, ungleich meinem Bruher Clarence, mich zurückzuhalten ſcheine, der Königin und ihrer Verwandtſchaft entgegen⸗ zutreten, ſo geſchieht es nur darum, weil die Ingend ſich keine Feinde machen ſollte— und um ſo weniger ſollten Fuͤrßen ihre Freunde vergeſſen.“ Richard ſprach dies in einem Tone tiefen Gefühls, indem er ſeine Arme über ſein mit Pelz beſetztes Ober⸗ gewand faltete, und ging langſam auf die kleine Pforte zu, die zum Schloſſe führte; dort blieb er bei einem Stre⸗ bepfeiler ſtehen, der ihn verbarg, bis Montagu den Hofplatz verlaſſen hatte, und anſtatt in ſeine Barke zu ſteigen, kehrte er in den königlichen Garten zurück. Dort waren Mehre vom Hofe, ſowohl männlichen als weib⸗ lichen Geſchlechts verſammelt, die ſich über das Ereigniß des Tages unterredeten. Richard blieb in der Ferne ſtehen und betrachtete ihre bunten Kleider und belebten Geſichter mit Schwermuth und Verachtung auf ſeiner jungen Stirn. Eine der ausgezeichnetſten geſelligen Eigenthümlichkeiten des Mittelalters iſt die Frühreife des männlichen Geſchlechts, wo die, welche faſt noch Knaben waren, ſchon den Ehrgeiz und die Leidenſchaften des Mannesalters theilten. Unter den zahlreichen Bei⸗ ſpielen unſers und anderer Länder, die aus der Ge⸗ ſchichte könnten ausgewählt werden, find wenige auf⸗ fallender, als das dieſes Herzogs von Glouceſter, der ſich in einem Alter befand, wo heutigentags ein Jüng⸗ ling kaum auf die Univerfität geſchickt wird, im Lager und im Rathe groß war. Seine ganze furchtbare Lauf⸗ bahn war in der That geendet, ehe das öffentliche Leben des modernen Ehrgeizes gewöhnlich beginnt. Die, welche gewohnt ſind, auf unſrer Bühne den ältlichen Schurken zu ſehen, den unſre Schauſpieler darſtellen, würden ſich ſchwerlich denken können, daß beim Beginn von Shakf erſt in jugent ſcheint und fa im drei Alter, felde v⸗ der mod unter je denn ſie Kriege im Frie deutend italieniſe die des N und die veniger Befühls, Ober⸗ Pſorte m Stre⸗ agu den Barke zu k. Dort Is weib⸗ Ereigniß er Ferne belebten zuf ſeiner geſelligen Fruhreife faſt noch enſchaften chen Bei⸗ der Ge⸗ enige auf⸗ eſter, der ein Jüng⸗ im Lager bare Lauf⸗ liche Leben Die, welche a Schurken n, würden Beginn von 37 Shakſpeare's Schauſpiel, Richard der Dritte, der Held erſt in ſeinem neunzehnten Jahre war; doch in dem noch jugendlicheren Alter, worin er in dieſer Erzählung er⸗ ſcheint, war Richard von Gloueeſter älter an Verſtand und faſt auch an Erfahrung, als mancher weiſe Mann im dreiunddreißigſten Jahre— in jenem verhaͤngnißvollen Alter, wo ſeine Sonne auf immer auf dem Schlacht⸗ felde von Bosworth unterging! Damals ſah der junge Prinz die geputzte, aufgeregte und plappernde Geſellſchaft mit gemiſchter Schwermuth und Verachtung an. Nicht als habe er mit der Schärfe der modernen Empfindlichkeit ſeine körperlichen Mängel unter jenem Kreiſe der Stattlichen und Schoͤnen gefühlt, denn ſie waren nicht von der Art, um ſeinen Arm im Kriege zu ſchwächen, oder ſeinen überredenden Einfluß im Frieden zu verringern; ſondern es war vielmehr jene Traurigkeit, die ſo oft einen thätigen und ehrgeizigen Geiſt in der frühen Jugend überſchattet, wenn er bei der Frage verweilt, was ſeine Pläne und Entwürfe, ſeine Ruhelofigkeit und ſein Kampf wirklich werth find. Vor ihm lag eine Scene des Vergnügens— aber am Vergnügen fand weder die Jugend noch das Mannes⸗ alter Richards III. Geſchmack; obgleich nicht durchaus von der großen Strenge eines Amadis oder unſers angel⸗ ſächſiſchen Eduard, war er frei von den Ausſchwei⸗ fungen ſeiner Zeit. Seine Leidenſchaften waren zu be⸗ deutend zu leichtfertigen Aufregungen. Schon war die italieniſche Polttik, oder, wie ſie fälſchlich genannt wird, die des Macchiavell, in die Geiſter Europa's eingedrungen, und die Wirkungen der gewiſſenloſen, großartigen und bedächtigen Staatskunſt ſind von der Thronbeſteigung Eduards IV. bis zu dem Schluſſe von Eliſabeths Regie⸗ rung ſichtbar. Mit dieſer Politik, die ſich mit dem Verbrechen, wie mit einer Nothwendigkeit der Weisheit ausſöhnte, war oft eine Verfeinerung des Charakters vereint, die ſich nicht gemeinen Laſtern hingab. Nicht allein in jenen ritterlichen übungen erfahren, welche Caxton bewogen, Richard das Buch über den Orden der Ritterſchaft zuzueignen, waren die friedlicheren Unter⸗ haltungen des Herzogs von Glouceſter von ſtrengerer Anmuth begleitet, als dem Geſchmack ſeiner königlichen Brüder zuſagte. Er liebte die Künſte bis zur Leiden⸗ ſchaft— beſonders von kriegeriſcher Art— die Malerei und die Baukunſt— er war ein Leſer von Büchern wie von Menſchen— von ſolchen Büchern, wie ſie für Prinzen paßten— und daher ſeine überlegene Kenniniß der Prinzipien der Geſetze und des Handels, welche ſeine kurze Regierung zeigt. In allen Dingen mehr einem Italiener, als einem nachläſſigen Normann oder einem einfachen Sachſen ähnlich, hätte Macchiavell aus ſeinem Charakter ein contraſtirendes Seitenſtück zu dem des Caſtruccio Caſtrucani machen können. Die Menge murmelte und rauſchte in der Ferne, und noch immer blickte Richard mit über einander geſchla⸗ genen Armen aufwärts, als eine Dame, die vom Pa⸗ laſte her in den Garten trat, ſo haſtig an ihm vor⸗ überging, daß ſie ſein Obergewand berührte. Er wendete ſich erſtaunt und mit einer tiefen Verbeugung um, als ſie rief:„Prinz Richard! Ihr allein unter ſo Vielen!“ „Mylahy,“ ſagte der Herzog,⸗ eine plötzliche Hoff⸗ nung führ Hoffnung zu ſehen.“ „Eur gleich ihr keine ſo als ihre 2 „Ladt ihren Arr meinen C „Ich Plantager lichkeit iſt „Es Athemzug nicht vert beſchauen. dem Erzb dern; de Umriſſe ſteigung Regie⸗ nit dem Weisheit harakters 6. Nicht , welche orden der n Unter⸗ ſtrengerer öniglichen ir Leiden⸗ e Malerei ichern wie ie ſie für Kenniniß helche ſeine tehr einem oder einem aus ſeinem dem des Ferne, und der geſchla⸗ ie vom Pa⸗ n ihm vor⸗ Er wendete ng um, als ſo Vielen!“ bliche Hoff⸗ 39 nung führte mich in dieſen Garten— und das war die Hoffnung, Euer ſchönes Geſicht alle andern verdunkeln zu ſehen.“ „Eure Hoheit ſcherzt,“ entgegnete die Dame, ob⸗ gleich ihr herrliches Geſicht und ihr hochmüthiges Weſen keine ſo demüthige Meinung von ſich ſelber andeutete, als ihre Worte ausſprachen. „Lady Bonville,“ ſagte der junge Herzog, indem er ihren Arm faßte,„in dieſer Stunde iſt kein Scherz in meinen Gedanken.“* „Ich glaube Eurer Hoheit, denn der Lord Richard Plantagenet iſt keiner von den Woodvilles. Die Fröh⸗ lichkeit iſt heute auf ihrer Seite.“ „Es mag fröhlich ſein wer will— es iſt nur der Athemzug eines Angenblicks. Fröhlichkeit kann den Ruhm nicht verdunkeln— den Spiegel, worin die Götter ſich beſchauen.“ „Ich verſtehe, Mylord,“ ſagte die ſtolze Dame und ihr früher firenges und ſtolzes Geſicht erhellte ſich zu einem lieblichen Ausdruck, zu einem ſo ſanften und ein⸗ nehmenden Lächeln, daß Gloueeſter ſich nicht mehr wun⸗ derte, wie jenes Lächeln einen ſo bedeutenden Einfluß auf das Schickſal and das Herz ſeines Lieblings, des Lord Haſtings ausgeübt habe. Die Schönheit dieſes edlen Weibes war in der That von bemerkenswerthem und eigenthuͤmlichem Charakter. Sie hatte eine größere Ähnlichkeit in ihren Zügen mit dem Erzbiſchof, als irgend einer von ihren andern Brü⸗ dern; denn der Prälat hatte die geraden und glatten Umiſſe der Griechen— nicht gleich Montagu und Warwick, vornehmere und männlichere Adlerzüge des normänniſchen Geſchlechts— und ſeine Geſichtsfarbe war weiblich in ihrer bleichen Klarheit. Aber obgleich ſie hierin dem ſchlauſten der Brüder glich, theilte die ſchöne Schweſter mit Warwick einen Ausdruck, wenn gleich hochmüthig, voch auffallend offen und aufrichtig in ſeiner gebieteriſchen Majeſtät; es war ihr daſſelhe Beben der Lippe eigen und ſie ſprach mit nervöſer Em⸗ pfindlichkeit und Haſtigkeit. Die verhaßte Sitte jener Tage, die ſich über alle Stände von dem höchſten bis zum niederſten verbreitete, war die verſchwenderiſche Anwendung von Schminke und Schönheitsmitteln. Dies erſtreckte ſich oft ſelbſt auf die Männer, und der rüſtigſte Krieger hielt es fuͤr keine Schande, zu ſolchen Hülfs⸗ mitteln der Toilette ſeine Zuflucht zu nehmen, wie der eitelſte Stutzer in unſern Tagen nimmer zu bekennen wagen würde. Aber Lady Vonville, ſtolz auf ihre Schön⸗ heit und von einer Reinheit des Geiſtes, die ſich gegen die Kleinheit der gewöhnlichen Bewunderung empörte, wich darin anffallend von den Damen des Hoſes ab. Ihrt Wange war von einer marmornen Weiße, obgleich ein aufſteigendes Erröthen, welches ſich von Zeit zu Zeit über ihre klare und durchſichtige Haut verbreitete, zeigte, daß in ihrer früheren Jugend das jungfräuliche Blut von der Oberfläche nicht fern geweſen. In ihren rüh⸗ renden Zügen lag eine Spur des Leidens— des Kampfet — zwar vergangen, aber noch nicht vergeſſen. Aber wem ſie ſprach, erhellten ſich dieſe Züge und nahmen einen ſo verſchiedenen und wellenförmigen Ausdruck der Leben⸗ digkeit an, daß ſie den Beſchauer blendeten, ihn bezauberten oder ih blicklich dung p Heinri⸗ ronena verziert einem waren Adern d. braunen erwähnt herührte! geſchlund ſehen, n haͤtte neb jungen die Ehre Sitte jener höchſten bis henderiſche tteln. Dies der rüſtigſte chen Hülſs⸗ en, wie der zu bekennen ihre Schön⸗ ſch gegen die npörte, wich fes ab. Ihte obgleich ein Zeit zu Zet reitete, zeigte räuliche Blut In ihren ruͤh⸗ des Kampfet en. Aber wenn nahmen einen uck der Leben⸗ hn bezauberten 41 ober ihm Ehrerbietung einflößten, je nachdem die augen⸗ blickliche Stimmung den Ausdruck geſtaltete. Ihre Klei⸗ dung paßte zu ihrem erhahenen und fleckenloſen Charakter. Heinrich VI. hätte mit heiligem Vergnügen ihren ma⸗ ronenartigen Anſtand betrachten köͤnnen; der mit Juwelen verzierte Halskragen ging bis zu dem abgerundeten mit einem Grübchen verſehenen Kinn hinauf; die Arme waren nur an den Handgelenken bloß, wo man die Adern durch eine ſchneeweiße Haut bemerkte; die dunkel⸗ braunen Locken, die, wie ihre Kammerfrau rühmend erwähnte, wenn ſie losgebunden waren, den Boden berührten, waren in einfachen Flechten um den Kopf geſchlungen und oben mit dem zierlichen Diadem ver⸗ ſehen, welches ihren Rang andeutete. Lady Bonville hätte neben Cornelia ſtehen können, als das Modell einer jungen und hochgebornen Matrone, deren Tugend ſich die Ehre der Maͤnner ſicher anvertrauen konnte. „Ich verſtehe Euch, Mylord,“ ſagte ſie mit ihrem glänzenden und dankbaren Lächeln,„und als Lord War⸗ wicks Schweſter bin ich Euch dankbar.“ „Eure Liede zu dem Grafen beweist, daß Ihr edel genug ſeid, um zu verzeihen,“ ſagte Nichard bedeutungs⸗ voll.„Nein, ſcheltet mich nicht mit jenem erhabenen Blick; Ihr wißt, daß zwiſchen Haſtings und Gloueeſter keine Geheimniſſe find.“ „Gnädiger Herzog, das Oberhaupt eines edlen Hauſes hat das Recht, über die Hand der Töchter zu verfügen. Ich weiß nichts, was ich Lord Warwick zu verzeihen hätte.“ Bulwer, Barone II. 4 4² Aber ſie wendete ihren Kopf um, während ſie ſprach, und es zitterte eine Thräne in jenem ſtolzen Auge. „Mylady,“ ſagte Richard, von Bewunderung er⸗ griffen,„erlaubt mir, Euch mein Geheimniß zu ver⸗ trauen. Ich möchte gern Euer Neffe ſein. Obgleich ich an Jahren noch Knabe bin, ſchlägt mein Herd doch ſo laut wie das eines Mannes, und dieſes Herz ſchlägt für Anna.“ „Es wäre eine glänzende Verbindung, ſelbſt für Warwicks Tochter!“ „Glaubt Ihr das? So handelt denn als meine Freundin und ſprecht für mich bei Warwick, wenn er ſich über dieſes thörichte Schauſpiel ärgert, welches die Woodvilles zu Stande gebracht haben.“ „Ach, Herr! Ihr wißt, daß Warwick auf keine Mittelsperſon hört, die zwiſchen ihn und ſeine Leiden⸗ ſchaften tritt. Aber was weiter? Geſetzt, er fühlt ſich beleidigt, gekränkt und verſpottet— was dann? Kann er das Haus York beleidigen?“ Richard ſah die ſchöne Rednerin mit einigem Er⸗ ſtaunen an. „Kann er das Haus York beleidigen?— Ei, gewiß,“ verſetzte er geradezu. „Aber zu welchem Zweck? Wen ſollte er ſonſt auf den Thron ſetzen?“ „Wie, wenn er den Lancaſtrlern verziehe? Wie, wenn—* „Sprecht den Gedanken nicht aus, Prinz,“ rief Lady Bonville faß heftig⸗„Ich liebe und ehre meinen Laune de kaliſcher, und Pag Ankunft. ſie zu ſeit einſt erla den zu be beugung, und ließ ungeheure war, abe wo er zu unverglei Lady dieſem 2 wieder. ſelbſt füͤr als meine , wenn er welches die f auf keine eeiine Leiden⸗ er fühlt ſich ann? Kann einigem Er⸗ Ei, gewiß,“ er ſonſt auf jiehe? Wie, Prinz,“ rief ehre meinen 43 tapfern Bruder ungeachtet— ungeachtet— a ſie ſchwieg einen Augenblick, etröthete und fuhr dann raſch ſort, ohne den Satz zu beenden:„Ich liebe ihn, wie ein Weib ſeines Hauſes den Helden lieben muß, auf den ſie am ſtolzeſten ſein kann. Aber wenn aus irgend einem perſönlichen Zwiſt, aus niedrigem Ehrgeiz oder raſcher Laune der Sohn meines Vaters Salisbury vergeſſen koͤnnte, daß Margaretha von Anjon das blutige Haupt dieſes alten Mannes auf dem Thor von York aufpflanzte, und durch Wort oder That ſich der Sache des unrecht⸗ mäßigen und blutigen Lancaſter annähme— ich würde — ich würde!— Pfui über mein Geſchlecht! Ich könnte nichts weiter thun als weinen, daß der Ruhm Nevile's und Monthermers auf immer dahin iſt.“ Ehe Richard antworten konnte, kam der Ton muſt⸗ kaliſcher Inſtrumente und eine Prozeſſion von Herolden und Pagen vom Palaſte her und verkündeten Ebuards Ankanft. Er faßte die Hand der Lady Bonville, erhob ſie zu ſeinen Lippen und ſagte:„Möge mir das Glück einſt erlauben, als des Grafen Sohn des Grafen Fein⸗ den zu begegnen. Dann machte er eine anmuthige Ver⸗ beugung, ſchlüpfte aus dem Garten, erreichte ſeine Barke und ließ ſich nach Baynards Schloß hinrudern— einem ungeheuren Gebäude, welches erſt kürzlich neu aufgebaut war, aber in einem finſtern und barbariſchen Geſchmack, wo er zu jener Zeit größtentheils mit ſeiner Mutter, der unvergleichlichen Roſe von Raby, wohnte. Lady Bonville blieb einen Augenblick ſtehen, und in dieſem Augenblick erlangte ihr Geſicht ſeine Faſſung wieder. Dann ging ſie mit ſtattlichem Schritte auf eine Gruppe der Damen des Hofes zu, und ihr Auge be⸗ merkte mit ſtolzem Vergnügen, daß die höchſten Namen der engliſchen Ritterſchaft und des Abels, die zahlreichen Verwandten ihres Hauſes mit inbegriffen, einen von den übrigen getrennten mißmuthigen Cirkel bildeten, die durch ihre ernſten Geſichter und ihr mürriſches Flüſtern bezeichneten, wie lebhaft ſie den Beſuch des Grafen de la Roche als eine Beleidigung für Warwicks Geſandt⸗ ſchaft betrachteten, und wie wenig ſie geneigt waren, ſich vor der aufgehenden Sonne der Woodvilles kriechend zu beugen. Als eine verſammelte Macht, deren Miß⸗ vergnügen hingereicht hätte, einen feſteren Thron zu erſchüttern, der junge Raoul de Fulke, der lebhafte Ver⸗ ehrer Warwicks, die Perſonifikation des alten normänni⸗ ſchen Adels in ihrer Mitte, ſtanden mit über einander geſchlagenen Armen und düſteren Augenbraunen des Gra⸗ fen Vettern, die Lords Fitzhugh und Fauconberg, außer⸗ dem Thomas Lord Stanley, ein kluger Mann, der ſich ſelten den Mißvergnügten anſchloß, und der Lord St. John, und der Erbe der alten Bergavennys und man⸗ cher andere Anführer, unter deſſen Banner eine Arme⸗ marſchirte! Richard von Glouteſter hatte ſeine Klugheit gezeigt, indem er ſich weigerte, ſich unter Intriguen zu miſchen, die den Zorn jener kriegeriſchen Schaar erreg⸗ ten. Als Lady Bonville an dieſen Herrn vorüberging bildete ihr Gemurmel reſpektvoller Huldigung, ihre tief Begrüßung und ihre entblößten Häupter einen ſtarken Gegenſatz zu der leichten und ernſten, wenn nicht ver⸗ ächtlichen Verbeugung, die eben einer von den Schwe⸗ ſtern der Königin zu Theil geworhen war, welche einn Augenbl war. Di in den W kam. Ih ſelten di „So „wie ich ſondern „Eit kann, u „Eit verlangt ſte als e „Er finſterer tagu no mich an kommen begünſti einen ta burt, i zu verſe Mauer legt hab ſtings g Auge be⸗ ten Namen zahlreichen einen von hlldeten, die zes Flüſtern Grafen de ks Geſandt⸗ eeigt waren, les kriechend deren Miß⸗ n Thron zu ebhafte Ver⸗ n normänni⸗ ber einander nen des Gra⸗ berg, außer⸗ ann, der ſich der Lord St. )s und man⸗ r eine Armer eine Klugheit Intriguen zu Schaar erreg⸗ vorüberging ing, ihre tief einen ſtarka enn nicht ver⸗ n den Schwe⸗ , welche eina 45⁵ Augenblick vorher nach derſelben Richtung gegangen war. Die Dame ging weiter und kam ploͤtzlich Haſtings in den Weg, der in ſeiner Galakleidung aus dem Palaſte kam. Ihre Augen begegneten einander und Beide wech⸗ ſelten die Farbe. „So, Lord Kämmerer,“ ſagte die Dame ſarkaſtiſch, „wie ich höre, iſt alſo der Graf de la Roche Eurer be⸗ ſondern Obhut übergeben worden.“ „Ein Auftrag, den der Kämmerer nicht behauern kann, und den William Haſtings nicht liebt.“ „Ein König hätte nie von Montagu und Warwick verlangt, einen Auftrag ſür ihre Pflicht zu halten, den ſte als entehrend betrachten.“ „Entehrend, Lady Bonville!“ rief Haſtings mit finſterer Stirne und glühender Wange—„weder Mon⸗ tagu noch Warwick hätte mit Sicherheit das Wort gegen mich angewendet, welches eben über Eure Lippen ge⸗ kommen.“* „Ich bitte um Verzeihung,“ antwortete Katharina mit Bitterkeit.„Meine Glaubensartikel in Betreff der Ehre der Männer find veraltet oder ketzeriſch. Ich würbe es für entehrend gehalten haben für eine edle Natur, eine Beleidigung gegen einen abweſenden edlen Feind zu begünſtigen. Ich hätte es für entehrend gehalten für einen tapfern Soldaten, einen Cavalier von guter Ge⸗ burt, in jenes lakaienmäßige und hedientenartige Weſen zu verſenken, welches Falſchheit und Kriecherei in dieſen Mauern eingeführt und welches ſie den Hofleuten beige⸗ legt haben. Höher würde Katharina Bonville Lord Ha⸗ ſtings geachtet haben, hätte er ſich lieber das Mißfallen eines Königs zugezogen, als ſein beſſeres Selbſt zu der gemeinen Planmacherei eines Woohville herabgewürdigt.“ „Ihr ſeid grauſam und ungerecht, gleich Allen Eures ſtolzen Geſchlechts. Und thöricht wäre es, einer Perſon zu antworten, die vor allen Andern mich beſſer hätte beurtheilen ſollen. Wenn dieſe Mummerei übrigens Lord Warwick erniedrigt, ſo iſt nichts in meinem Gedächt⸗ niß, weßhalb mein Antheil daran mein Gewiſſen be⸗ läſtigen ſollte; auch bin ich den Neviles keine ſo große Dankbarkeit ſchuldig, daß ich, um nicht das Gebäude ihres Stolzes zu untergraben, lieber das Gerüſte nie⸗ derwerfen ſollte, auf welchem mein furchtloſer Schritt zu einer ſolchen Höhe emporgeglommen iſt, von wo ich vielleicht eine ſo lange Nachkommenſchaft überſchauen kann als der beſte Baron, der je den Rabenadler und den braunen Stier im Wappen führte. Aber,“ fuhr Haſtings mit bitterem Sarkasmus fort,„ohne Zweifel hewundert Lady Bonville den glücklichen Lord mehr, der ſich vermöge ſeines Stammbaums Allem überlegen glaubt, was den Staatsmann weiſe, den Gelehrten ge⸗ lehrt und den Soldaten berühmt macht. Platz dort— zurück, Ihr Herren—“ und Haſtings wendete ſich zu der Menge im Hintergrunde—„Platz da für Lord Har⸗ rington und Bonville!“ Die Umſtehenden lächelten einander zu, indem ſie gehorchten, und ein ſchwerfälliger, ſich ſchleppender, ungraziöſer Mann, nach der übertriebenſten Mode des Tages gekleidet, aber mit einem Geſicht, welches ſelbſt Kränklichkeit, die alle Geſichter verfeinert, nicht von der leerſten Einfalt befreien konnte, und mit einer wirrung Blick ih majeſtät rigens Lord in Gedächt⸗ ewiſſen be⸗ oſer Schritt von wo ich überſchauen ſenadler und hne Zweifel Lord mehr, überlegen ſelehrten ge⸗ indem ſie chleppender, Mode des elches ſelbſt nicht von mit einer 47 Miene, einem Weſen und einem Gange, dem kein Anzug Würde verleihen konnte, ging mit linkiſchen Verbeu⸗ gungen zur Rechten und Linken durch die Gruppe und ſagte mit rauher und widerwärtiger Stimme:„Ihr ſeid zu gütig, meine Herren— zu gütig. Ich darf mir meines Ranges wegen nicht zu viel herausnehmen. Der König wollte mich aufhalten— ja, in der That, meine Herren! Hm, Katharina— Frau— Dein ſteifer Hals⸗ kragen macht, daß ich mich Deiner ſchäme. Ihr ſolltet nicht denken, Lord Haſtings, daß Katharina eine ſo weiße Haut hätte— eine ſchrecklich weiße Haut. Und nun, pfui über dieſe Halsumhüllung!“ Die Hofleute lächelten höhniſch und Haſtings ſah Lady Bonville mit einem Bſicke boshaften und mitleids⸗ loſen Triumphes an. Einen Augenblick wechſelte die Farbe auf ihrer durchſichtigen Wange; doch die Ver⸗ wirrung ging vorüber, und indem ſie den beleidigenden Blick ihres ehemaligen Liebhabers mit unausſprechlich majeſtätiſchem Auge erwiderte, faßte ſie den Arm ihres Gemahls und ſagte ruhig:„Eine engliſche Matrone will nur ſchön ſein in den Augen ihres Gatten!“ Dann zog ſie ihn fort, und die Worte der Dame waren ſo würdevoll und einfach, daß die Hofleute zu lachen auf⸗ hörten und für den Augenblick der Gemahl eines ſolchen Weibes nicht nur beneidet, ſondern auch geachtet wurhe. Während dieſe Scene vorfiel, war die Prozeſſion, welche Eduard voranging, in langer und ſtattlicher Reihe in den Garten gekommen. Von dem andern Eingange her waren Eliſabeth, die Prinzeſſin Margaretha und die Herzogin von Bedford mit ihrer Begleitung eingetreten und wurden jetzt auf die marmornen Stufſen geführt, hinter welchen ſich ein durch einen ſammetnen Vorhang mit den königlichen Farben getrennter Säulengang be⸗ fand, während die Treppe ſelber mit ledernen Teppi⸗ chen, mit weißen Roſen und Lilien überſäet, bedeckt war. Beide Seiten waren von den Trägern der vielen Fahnen Eduards beſetzt, welche den weißen Löwen von March, den ſchwarzen Stier von Clare, das Kreuz von Jeruſalem, den Drachen von Arragonien und die aufge⸗ hende Sonne zeigten, welche letztere er bei der Schlacht bei Mortimers Croß als eine beſondere Kriegsfahne angenommen hatte. Lauter und lauter wurde die Muſik, und das auf ein Gemurmel unter der Menge folgende tiefe Schweigen kündigte den Eintritt des Königs an. Er erſchien, führte an der Hand den Grafen de la Roche, und hinter ihm folgten die Lords Seales, Rivers, Dorſet und der Herzog von Clarence. Aller Augen waren auf den Grafen gerichtet, und obgleich er neben dem ſchön⸗ ſten und ſtattlichſten und am prächtigſten geputzten Für⸗ ſten in der Chriſtenheit zu ſeinem Nachtheile erſchien, ſo täuſchte doch ſeine hohe Stirn, ſein klares und kluges Auge und ſeine kräftige Geſtalt die Erwartung nicht, die auf den Ruhm eines Mannes gegründet war, der gleich ſcharffinnig im Rath und gefürchtet im Kriege ſein ſollte. Der königliche Wirth und der fürſtliche Gaſt nahmen zu der Stelle ihren Weg, wo Eliſabeth, von Juwelen und Gold ſtrahlend, von den Damen ihres brillanten Hoſes umgeben, in wahrhaft königlicher Pracht erſchien. Zu ihrer Graf gala die ſchöne ſtand er a⸗ zeſſin Mar zu oft das zu wiſſen, „Ihr wußten nic „Verze „Und „Am. lois!“ ant Marga der liſtige gehörige W der heitern Königin un Nachde plimenten Menagerie, bot der Kör geführt, Vorhang agang be⸗ en Teppi⸗ t, bedeckt der vielen eöwen von Kreuz von die aufge⸗ r Schlacht riegsfahne die Muſik, e folgende Königs an. e la Roche, ars, Dorſet waren auf bem ſchön⸗ tzten Für⸗ e erſchien, (und kluges ung nicht, ſt nahmen Juwelen brillanten ht erſchien. 49 Zu ihrer Rechten ſtand ihre Mutter, zu ihrer Linken die Prinzeſſin Margaretha. „Ich ſtelle Euch, meine Eliſabeth,“ ſagte Ebuard, „einen fürſtlichen Herrn vor, dem wir dennoch alles Un⸗ glück wünſchen— denn wir könnten es nicht mit Wohl⸗ gefallen anſehen, wenn er unſere Ritter überwände, und wir moͤchten gerne hoffen, daß er von unſern Damen befiegt würde!“ „Die letzte Hoffnung iſt bereits erfüllt,“ ſagte der Graf galant, indem er ſich auf ein Knie niederließ und die ſchöne Hand küßte, die ihm dargereicht wurde. Dann ſtand er auf, blickte voll und ſelbſt kühn die junge Prin⸗ zeſſin Margaretha an, indem er hinzuſetzte:„Ich habe zu oft das Bild der Lahy Margaretha geſehen, um nicht zu wiſſen, daß ich vor dieſer hohen Perſon ſtehe.“ „Ihr Bild, Herr Graf,“ ſagte die Königin,„wir wußten nicht, daß ſte je gemalt worden.“ „Verzeihet mir, es iſt insgeheim geſchehen.“ „Und wo habt Ihr es geſehen?“ „Am Herzen meines Bruders, des Grafen Charo⸗ lois!“ antwortete de la Roche in leiſem Tone. Margaretha erröthete mit Stolz und Entzücken, und der liſtige Geſandte, der es ſeinen Worten überließ, die gehörige Wirkung hervorzubringen, wendete ſich mit all der heitern Lebhaftigkeit, die er beſaß, zu der ſchunen Königin und ihrer ſtolzen Mutter. Nachdem man eine kurze Zeit mit ähnlichen Com⸗ plimenten zugebracht hatte, begab ſich der Hof in die Menagerie, worauf der König ſehr ſtolz war. Eduard bot der Königin die Hand und ging voran; die Herzogin von Beßford lenkte den Grafen durch einen ſchlauen und ſchweigenden Blick ihres Auges zu Margaretha und über⸗ wand ihren Widerwillen gegen Clarence ſo weit, daß ſie Seine Hoheit bat, ſie zu begleiten. „Ach, Prinzeſſin,“ flüſterte der Graf, als die Pro⸗ zeſſion weiterging,„welche Throne würde nicht Charolois für die Hand aufgeben, welche ſein unwuͤrdiger Abge⸗ ſandter berühren darf! „Herr,“ ſagte Margaretha, ſchüchtern vor ſich nie⸗ derblickend,„wenn das Gerücht die Wahrheit ſpricht, ſo iſt der Graf von Charolois ein Herr, der den Krieg zu ſeiner einzigen Geliebten macht.“ „Weil die einzige lebende Geliebte, die ſein großes Herz wählen könnte, ſeiner Liebe verweigert iſt! Ach, armer Herr und Bruder, welche neue Gründe zum ewi⸗ gen Kriege, wenn Frankreich nicht nur ſein Feind, ſon⸗ dern auch ſein Nebenbuhler wird.“ Margaretha ſeufzte und der Graf fuhr fort, und nach und nach brachte er das königliche Mädchen von ſeiner Zu⸗ rückhaltung ab; und ſein Auge wurde heller und ein tri⸗ umphirendes Lächeln umſchwebte ſeine Lippen, als die Prozeſſion nach dem Beſuche der Menagerie wieder in den Palaſt trat und Lord Haſtings den Grafen zu dem für ihn hereiteten Bade führte, ehe das Banket für den Abend bigann. Und viel luxuriöſer und glaͤnzender als Diejenigen glauben mögen, welche nur die allgemeinen Geſchichtswerke über jene blutige Zeit, oder die Ver⸗ zeichniſſe des Mobiliars in den Häuſern der großen Barone leſen, war die Bequemlichkeit, welche Eduat ſeinem Gaſte gewährte. Seine Gemächer waren mit weißer S reich gew von Gol tiſche ſchi und über filbernen Nach Grafen be ſchaft zu in dem an „Ich Vorhang Kopf hera unterricht gern kenn der Glanz was ich e Monarch York beſtr „Herr ſeinen Ko⸗ reichſte G nahme des einen Auft „Mit holte der Dampf de Haar erho meiſten Lä Koͤnig. 3 chlauen und a und über⸗ heit, daß ſie s die Pro⸗ zt Charolois diger Abge⸗ vor ſich nie⸗ t ſpricht, ſo en Krieg zu ſein großes t iſt! Ach, de zum ewi⸗ Feind, ſon⸗ rt, und nach n ſeiner Zu⸗ und ein tri⸗ en, als die e wieder in afen zu dem nket für den änzender alt allgemeinen der die Ver⸗ der großen lche Eduard waren mit 541 weißer Seide und Leinwand behangen, die Fußböden mit reich gewebten Teppichen bedeckt; ſeine Bettdecke war von Goldſtoff mit Hermelin beſetzt und die Seiten⸗ tiſche ſchimmerten von ſilbernen und goldenen Gefäͤßen, und über zwei Bäder waren Zelte von weißem Tuch mit filbernen Franzen ausgeſpannt. Nach den Sitten jener Zeit half Lord Haſtings dem Grafen beim Auskleiden; und dann, um ihm Geſell⸗ ſchaft zu leiſten, kleidete er ſich auch aus und badete ſich in dem andern Bade. „Ich bitte Euch,“ ſagte de la Roche, indem er den Vorhang ſeines Zeltes auf die Seite ſchob und ſeinen Kopf herausſtreckte—„ich bitte Euch, Lord Haſtings, unterrichtet meine Unwiſſenheit über einen Hof, den ich gern kennen lernen möchte, und laßt mich wiſſen, ob der Glanz Eures Königs, der bei weitem das übertrifft, was ich erwarten konnte, von ſeinen Einkünften als Monarch von England, oder als Oberhaupt des Hauſes York beſtritten wird?“* „Herr,“ entgegnete Haſtings ernſt, indem er auch ſeinen Kopf herausſtreckte,„Eduard hat das Glück, der reichſte Grundbeſitzer in England zu ſein, mit Aus⸗ nahme des Grafen von Warwick, und ſo iſt er im Stande, einen Aufwand zu machen, der ſein Volk nicht drückt.“ „Mit Ausnahme des Grafen von Warwick, wieder⸗ holte der Graf nachdenkend, als der wohlriechende Dampf des Bades ſich in einer Wolke über ſein langes Haar erhob;„ſchlecht würde es dem Unterthanen in den meiſten Ländern ergehen, der ſo reich wäre, wie ſein König. Ihr habt gehört, daß Warwick König Ludwig in Rouen getroffen hat, und daß ſie unzertrennlich ſind?“ „Es kommt einem Geſandten zu, die Neigung Deſſen zu gewinnen, welchem er gefallen ſoll.“ „Doch Keiner gewinnt Ludwigs Gnade, den Ludwig 5 nicht hintergeht.“ „Ihr kennt Lord Warwick nicht, Herr Graf. Sein Geiſt iſt ſo ſtark und ſo offen, daß es ſchwer iſt, ihn zu täuſchen.“.. „Die Zeit wird es zeigen,“ ſagte der Graf ärgerlich N und zog ſeinen Kopf in das Zelt zurück. Jetzt erſchienen die Diener mit Glühwein, Syrup 81 und Confituren, um ihm Appetit zum Abendeſſen zu machen, ſo daß die beiden Herren keine weitere Gele⸗ genheit zu einer beſondern Unterredung hatten. Während der Graf ſich ankleidete, trat Lord Seales herein mit einem präͤchtigen Gewande, mit einer Schnalle von Ju⸗ welen und mit Hermelin beſetzt, welches er im Auftrage Eduards dem Baſtard ſchenkte. Lord Seales beſtand dai⸗ 6 auf, ſeinen Gegner eigenhändig damit bekleiden zu wol⸗ len, und dann begaben ſich die drei Ritter zu dem Banket. An der Tafel des Koͤnigs ſaß keine männliche Perſon, die nicht der koniglichen Familie angehörte, außer Lorz Rivers, als Eliſabeths Vater— und der Graf he la Roche zwiſchen Margaretha und der Herzogin von Bedforb. An einem andern Tiſche ſpeisten die großen Pairt des Königreichs unter Anton Woodville's Vorſitz, wäh⸗ rend die Damen des Hofes an einem beſonderen Tiſche ſaßen. Als da bewunderu Roche, als nur durch licheren Se das leichtef Feſtlichkeit Ehrgeiz als Triumphe Mehr ihre Verac daß keine n die Wurde Erinnerung der Mahlze Fähigkeit, Zeitalter, wurden, ih trennlich g Deſſen Ludwig af. Sein t, ihn zu ärgerlich 1, Syruy ndeſſen zu ere Gele⸗ Während zerein mit e von Iun⸗ Auftrage ſtand da⸗ en zu wol⸗ em Banket. de Perſon, außer Lorz r Graf de zogin von oßen Pairz rſitz, wäh⸗ eren Tiſche .- 53 Als das Mahl beendet war, begann der Tanz. Die bewunderungswürdige Gewandtheit des Grafen de la Roche, als er mit der Lady Margaretha tanzte, wurde nur durch Eduards majeſtätiſchere Anmuth und die zier⸗ licheren Schritte Anton Woodville's übertroffen. Doch das leichteſte und glücklichſte Herz, welches bei jener Feſtlichkeit ſchlug, war eines, worin kein Plan und kein Ehrgeiz als die der Liebe die Hoffnung nährten und vom Triumphe träumten. Mehr durch Lady Bonville's Kälte, als ſelbſt durch ihre Verachtung verletzt, und aufgebracht, zu finden, daß keine noch ſo kränkende Schmähung von ſeiner Seite die Würde aufheben konnte, die eine Beleidigung für die Erinnerung und die Selbſtliebe war, hatte Haſtings bei der Mahlzeit und dem Ball mehr als gewöhnlich jene Fähigkeit, zu gefallen, angewendet, die ſelbſt in einem Zeitalter, wo perſönliche Eigenſchaften ſo hoch geſchätzt wurden, ihn nicht weniger berühmt gemacht hatten we⸗ gen des Erfolges in ber Galanterie, als den ſchönen und jugendlichen Koͤnig. Alles an dieſem Manne bezeugte den Triumph des Geiſtes über die Hinderniſſe, die ihn umlagerten— ſein Steigen ohne Neid— ſeine Sicher⸗ heit unter Feinden, die glückliche Nuhe, womit er durch die Schlingen und an den Gruben der ewigen Ränke und allgemeinen Intriguen ſich fortbewegte! Ihn allein konnten die Ränke der Woodoille's nicht aus Eduards Vertrauen und Liebe verdrängen— ihm allein beugte ſich Glouceſters hochmüthige Seele; ihn allein behandelte Warwick, der eine Verbindung mit ihm verſchmäht hatte und den geheimen Groll kannte, den dieſe Zurückſetzung 54 hinterlaſſen hatte— ihn allein unter den neuen Män⸗ nern behandelte Warwick ſtets mit edlem Reſpekt, wie einen weiſen Patrioten und einen furchtloſen Krieger; und in den ausſchweifenderen Scenen des Hoflebens er⸗ hob derſelbe Geiſt einen Mann, der nicht mehr in der Blüte der Jugend war, ohne auffallende Vortheile der Perſon, und gefliſſentlich alle Eitelkeiten der Zeit ver⸗ achtend, zu einer Gleichheit mit dem jüngſten, dem ſchönſten, mit dem heiterſten Hofmann in jener Neben⸗ buhlerſchaft, welche Vergnügen zu ihrem Zweck und Liebe zu ihrer Belohnung hat. Manches Herz ſchlug raſcher, als der anmuthige Hofmann mit jenem nach⸗ läſſigen Witze, der die tiefe Schwermuth ſeines Geiſtes verhüllte, oder mit jener delikaten Schmeichelei, die ſeine Verachtung gegen die menſchliche Natur ihn gelehrt, ſich von einer Dame zur andern bewegte— bis endlich, ſo daß Lady Bonville es ſehen und hören konnte, als ſie dem Anſcheine nach unbekümmert um ſeine Rache unter einer Gruppe älterer Matronen ſaß, ein Gemurmel der Bewunderung ihn bewog, ſich raſch umzuwenden, und ſein Auge, welches den Blicken der Umſtehenden folgte, auf Sibylla's lieblichem und belebtem Geſichte ruhte, über welches ſich bei der Beachtung, die ſte erregte, eine zarte Röthe verbreitete. Als er ſich dem Mädchen nä⸗ herte, ſagte ihm ſein raſcher Blick, den er auf das Weib richtete, welches er zuerſt geliebt, daß er endlich das Geheimniß entdeckt habe, wie er ſie verwunden könne. Ein unwillkürliches Zuſammendrücken der ſtolzen Lippen Katharina's, ein haſtiges Erheben und Senken des ſtatt⸗ lichen Halſes, ein ruheloſes, unbeſchreibliches Schwanken der ganz daß dies Er trat iſt es zu Herz der der Umg parfümir ſprüͤche h mann geg iſt es zu Mädchen geſuchter Schätzen dige Galt Es w der Herze Sibylla f ſelbſt bei Pflicht. S er war no war in v Stirn, ab Herzen. währenb d Leben im ten Män⸗ eſpekt, wie Krieger; flebens er⸗ nehr in der ortheile der r Zeit ver⸗ gſten, dem ner Neben⸗ Zweck und Herz ſchlug enem nach⸗ nes Geiſtes ei, die ſeine gelehrt, ſich endlich, ſo nte, als ſie ſache unter murmel der enden, und nden folgte, ichte ruhte, erregte, eine Nädchen nä⸗ uf das Weib endlich das inden könne. lzen Lippen en des ſtatt⸗ Schwanken 5⁵ der ganzen Geſtalt ſagte dem erfahrenen Weiberkenner, daß dies die Zeichen der Eiferſucht und der Furcht ſeien. Er trat ſogleich an des jungen Mädchens Seite. Ach! iſt es zu verwundern, daß Sibylla an jenem Abend ihr Herz den glücklichſten Träumen hingah! Als ſie ſich in der Umgebung eines Hofes ſah— berauſcht von der parfümirten Luft— von allen Seiten die leiſen Lob⸗ ſprüche hörte, welche den ihr von dem mächtigen Edel⸗ mann gegebenen Vorzug bhilligten und rechtfertigten— iſt es zu verwundern, daß ſie glaubte, das beſcheidene Mädchen mit ihrer Mitgift glänzender Jugend und aus⸗ geſuchter Schönheit und der friſchen und zahlloſen Schätzen der jungfräulichen Liebe, würde keine unwür⸗ dige Gattin für den neuen Lord ſein! Es war Morgen, ehe der Ball endete, und ſie von der Herzogin von Bedford entlaſſen wurde; und als Sibylla ſich ſelbſt überlaſſen war, vergaß die Tochter ſelbſt bei ihren glücklichen Träumen nicht ihre kindliche Pflicht. Sie ſchlich ſich in ihres Vaters Zimmer. Auch er war noch auf und beſchäftigt, die unermüdliche Eſſe war in vollem Gange, der Schweiß ſtand auf ſeiner Stirn, aber die volle Kraft der Hoffnung war in ſeinem Herzen. So, während das Vergnügen geſchäftig iſt, während die Jugend ſich beluſtigt, die Liebe ſich täuſcht und der Ehrgeiz ſeine Schatten vor ſich hertreiht und ſelbſt vom Tode getrieben wird— ſo arbeitet die welt⸗ verändernde und weltverachtende Wiſſenſchaft, das Leben im Leben, für Alle lebend— und für Alle toht! Siebentes Kapitel. Der berühmte Zweikampf zwiſchen Sir Anton Woodville und dem Baſtard von Burgund. Und nun kam der Tag zu dem denkwürdigen Turnier zwiſchen dem Bruder der Königin und dem Grafen de la Roche. Von einem feierlichen Kapitel, welchen man in der St. Paulskirche hielt, wurden die vorläufigen Beſtimmungen feſtgeſetzt— und das Bauholz zum Be⸗ decken der Schranken koſtete ſo viel, als König Eduarte halbjähriger Ertrag aller Forſten in ſeinem Herzogthum York. Auf dem weiten Raum von Smithfield, der ſpäte von der intoleranten Bigotterie mit Scheiterhaufen an⸗ gefüllt wurde, verſammelte ſich die Bevölkerung Londont im Sonntagsſtaat; und doch, obgleich alle Form und aller Prunk der Ritterſchaft da war— obgleich auf den offenen Balkons nie ein ſo tapferer König oder eine ſo ſchöne Königin präſtdirte— obgleich nie ein vollendeteren Cavalier als Sir Anton Lord Scales, noch ein gefürch⸗ teterer Ritter als der Bruder Karls des Kühnen ihre Lanzen mit einander brechen wollten— ſo war es doch den älteren und ſchärfer beobachtenden Zuſchauern klar daß der wahre Geiſt der Turniere unter den Einflüſſen des Zeitalters raſch verſchwinde; daß der Gentleman auf den Ritter folge, daß ein geputzteres und ränke⸗ volleres Geſchlecht die Erbſchaft der eiſernen Männen erhalten, die unter Eduard III. die fabelhaften Paladin Karls des Großen und Arthur's verwirklicht hatten Aber die handelnden Perſonen waren weniger veränden als die Zuſchauer— die Vornehmen weniger als dal Volk. 2 Kampfe, Kämpfer niß für d welche ein mal würd Umſtehen daß es nn keit bei angewende Bauern j Ritters n zu beſtreich „Wah dem Ehre: dung; und lange Ker ſind, mit losſtoßen? „Dal Metzger un dieſe Thor Die ki ſtanden ur vorderen ihrem lang ten den E gerten die ihre lauten Zeit. Nicht Bulwer. zoodville und gen Turnier dem Grafen tel, welchen vorläufigen olz zum Be⸗ nig Eduarde Herzogthum ), der ſpäter erhaufen au⸗ ung Londonz 2 Form und leich auf den oder eine ſo vollendeteren ein gefürch⸗ Kühnen ihr war es doch Hauern klar, en Einflüſſen Gentleman und ränke nen Männe ten Paladin⸗ licht hatten er veränder iger als da 57 Volk. Anſtalt jeuer herzlichen Theilnahme an dem Kampfe, anſtatt jenes ehrfurchtsvollen Reſpekts für die Kämpfer, anſtatt jener lebhaften und ängſtlichen Beſorg⸗ niß für die Ehre der Lanze, weiche die Nation vertrat, welche ein Jahrhundert früher die ganze Menge mal würde bewegt haben, zeigten die Bemerkungen Umſtehenden mehr Spott und Hohn, mehr das Gef daß es nur ein Scheinkampf ſel und d ie Ritte keit bei der praktiſchen Rich der angewendet ſet. Auf dem gr — Bauern jetzt ſo aufgeſtellt, daß 1 es Ritters nicht mehr im Stande waren, das ganze Bretz zu beſtreichen und Schloß und König im Zaum zu halten. „Wahrhaftig!“ ſagte Stokton, der als S ff an dem Ehrenplatze ſaß,„dies iſt eine traurige Verſchwen dung; und worin liegt am Ende der Ruhm, wenn 3 lange Kerle, die eine Elle dick in eine Rüſtang geh ſind, mit Stäben von bemaltem Holze auf ein losſtoßen? „Da liehe ich mir ein Stierhetzen,“ ſagte ein ri Kiger Metzger unter der Menge—„das iſt mehr engliſch als dieſe Thorheiten.“ Die kühnen Lehrlinge von London, die frͤh aufge⸗ ſtanden und ausgegangen waren, batien ſich an einen vorderen Platz gedrängt mit ihren flachen Mützen, mit ihrem langen Haar, mit ihren dicken Stöcken; ſie dien⸗ ten den Edelleuten zur großen Unzufriedenheit und är⸗ gerten die Herolde durch ihr ſtürmiſches Betragen und ihre lauten Ausrufungen. Auch dies war ein Zeichen der Zeit. Nicht weniger zeigte es das Wachsthum des Han⸗ Bulwer, Barone II. 5 58 dels, daß der Mayor(welcher ein Gewürzhändler war) und die Aldermen der Stadt auf Galerien ſaßen, die nur ſehr wenig unter denen des königlichen Balkons waren, und an ausgezeichneteren Plätzen als die der Grafen und Barone. Ein Gemurmel, welches ſich nach und nach zu einem allgemeinen Zuruf vermehrte, erregte die Bewunderung und überraſchung der Menge, als Anton Woodville Lord Scales, mit bloßem Kopfe am Eingange der Schranken erſchien— ſo ſchön und ſo kühn war ſein Geſicht, ſo ſtrahlend ſeine Rüſtung und ſo reich gezäumt ſein graues Roß mit den prächtigen Decken, die faſt den Boden be⸗ rührten, und ihn umgab ein ſolches Gefolge von Rittern und Pairs, wie es ſelten einem Unterthan folgte, und zu ſeiner Rechten befand ſich der Herzog von Clarence, der ſeinen Helm trug. Aber Antons Pagen, die ſein Banner trugen, theilten wenigſtens die allgemeine Bewunderung mit ihrem tapfern Lord. Sie waren nach der alten Sitte, die wahrſchein⸗ lich unter den Tudors außer Gebrauch kam, wie die heraldiſchen Thiere verkleidet, welche ſein Wappen hil⸗ deten; und ſchrecklich und häßlich ſahen ſie aus in der Verkleidung von Greifen mit künſtlichen Schuppen von dünnem Stahl und grün bemalt, mit rothen, gabelför⸗ migen Zungen. Sie faßten das Bauner mit einer un⸗ geheuern Klaue, während fie zur Bewunderung der Umſtehenden ſehr ſtattlich auf der andern daher gingen. „O, die wackern Ungeheuer!“ rief der Metzger,„zum Henker! dies geht über alles Andere!“ Aber als die Trompeten der Herolde ſchwiegen und das Wor Lanzen er dieſe aung höhnung wurde. einer St wo man unterſche tapfern2 und in de ſehr ſchw erſchreckt macht, ſe ſein Herr Weges f ungeachte trug den welche ra rück, von Der achtete nit feierlichen wüthenden woran de als der unfreiwill ſogleich d Pferd, oß Schranken gegeben ndler war) aßen, die Balkons s die der h zu einem wunderung dville Lord Schranken Geſicht, ſo ſein graues Boden be⸗ don Rittern olgte, und n Clarence, en, theilten em tapfern wahrſchein⸗ n, wie die Zappen bil⸗ aus in der „gabelför⸗ t einer un⸗ 59 das Wort„los!“ ausgeſprochen wurde, als man die Lanzen einlegte und den Angriff begann, verwandelte ſich dieſe angenblickliche Bewunderung in einen Ruf der Ver⸗ höhnung, als das Pferd des Burgundiers plötzlich ſtätiſch wurde. Dieſes Thier, von reiner flandriſcher Race, von einer Stärke, die ſich der Unförmlichkeit näherte und wo man wegen der Decken und der Rüſtung die Farbe unterſcheiden konnte, von reichem Braun, hatte den tapfern Baſtard durch manche blutige Schlacht getragen und in der letzten eine Wunde erhalten, die ſein Geſicht ſehr ſchwächte. Und nun, entweder durch den Zuruf erſchreckt oder durch ſein mangelhaftes Geſicht ſcheu ge⸗ macht, ſowie durch die Erinnerung an die Wunde, als ſein Herr es zuletzt geritten, blieb es in der Mitte des Weges ſtehen, richtete ſich gerade empor, drehte ſich ungeachtet der Sporen und des Gebiſſes völlig um und trug den Baſtard, welcher ſeltſame Flüche brummte, welche rauh durch ſein Viſir tönten, zu dem Platze zu⸗ rück, von wo er ausgeritten war. Der unhöfliche Pöbel ſchrie, frohlockte und lachte, achtete nicht auf die aufgehobenen Stäbe, übertäubte die feierlichen Ermahnungen der Herolde und überhäufte den wüthenden Burgundier mit allen lächerlichen Ausdrücken, woran der Witz der alten Londoner ſo reich war. Aber als der höfliche Anton von England die ſeltſame und unfreiwillige Flucht ſeines berühmten Feindes ſah, zog er ſogleich den Zügel an, ſenkte ſeine Lanze und ließ ſein Pferd, ohne umzuwenden, in zierlichen Saͤtzen um die Schranken galoppiren. Noch einmal wurde das Signal gegeben und diesmal ließ der tapfere Braune ſeinen 60 Reiter nicht im Stich— ohne Zweifel beſchämt über ſein vorheriges ſchlechtes Benehmen trug es ſeinen Kopf ſo tief, bis er faſt die Beuſt berührte, legte ſeine Ohren platt auf den Nacken und galoppirte mit einem Schnarchen des Zorns und der Verachtung auf ſeinen Gegner los. Die Lanze des Baſtards zerſplitterte au dem kleinen Schilde des Engländers, doch odville’s Waffe, die eine tödtlichere Richtung hatte, f des Grafen Helm, und in demſelhen Au Zbohrte die Spitze, die von der Bruſtplatte des grauen Roſſes hervorragte, die Naſenlöcher des unglücklichen Braunen, den Wuth und Scham mehr als je geblendet hatten. Das edle Thier, von dem unerwarteten Schmerze aufgeregt, und von dem Reiter heftig gezügelt, der durch ſeinen Stoß an ſeinen Helm ſehr in ſeinem Sitze erſchüttert war, bäumte ſich wieder, ſtand einen Augenblick völlig aufrecht da— ſiel dann rücklings zu Boden und warf ſeine erhabene Laſt von ſich. Der gelante Sir Anton von England warf ſeine Lanze nieder, zog ſein Schwert, ließ ſeinen Renner in engeren Kreiſen um den gefallenen Baſtard eurbettiren und ſenkte höflich gegen ihn die geſchwungene Waffe, führte aber keinen Schlag auf ihn. „Hel Marſchall!“ rief Köntg Eduard,„helft dem wackern Grafen wieder auf die Beine.“ Der Marſchall eilte zu gehorchen.„Zum Henker!“ ſagte der Baſtard, als er von der Laſt ſeines Pferdes befreit war,„ich kann mich nicht an den Wolken halten, aber wenn mein Pferd mich nicht im Stiche laͤßt, werde ich gewiß nicht hinier meinem Kameraden zurückbleiben Und währenh er ſprach, nahm er eine ſo kriegeriſche und tapfere S ſchrei zum die Nieden merkte, d anmuthig „Herr Reiter bef art oder d „Ich! „laßt den Ruhe—* „Rede Recht!“ „Verh ſeine Hand den ſchöne Aber ſeid letzten wah ſein Viſir vorderen 2 Zeugen, d geweſen iſt redet die gundier. „Und, Galerien befanden Glanz jen⸗ hämt über nen Kopf ne Ohren in kleinen Zaffe, die fen Helm, pitze„ die ragte, die Wuth und dle Thier, ad von dem an ſeinen baͤumte ſich da— fiel ahene Laſt Gland warf ließ ſeinen en Baſtard ſchwungene „helft dem Henker!“ ies Pferdes kken halten, laͤßt, werde ickbleiben!“ geriſche und 61 tapfere Stellung an, daß er das ungaſtfreundliche Ge⸗ ſchrei zum Schweigen brachte, welches die Freude über die Niederlage des Fremden ausdrückte. Als er dann be⸗ merkte, daß der eble Anton abgeſtiegen war und ſich anmuthig an ſein Roß lehnte, da rief der Burgundier: „Herr Ritter, Ihr habt das Pferd und nicht den Reiter befiegt. Wir ſind jetzt beide zu Fuß; die Streit⸗ art oder das Schwert— wählt!“ „Ich bitte Euch, edler Herr,“ ſagte Woodville milde, „laßt den Kampf für heute geendet ſein, und wenn die Ruhe—* „Redet mit Knaben von Ruhe— ich fordere mein Recht!“ „Verhuͤte der Himmel,“ ſagte Anton Woobyille, ſeine Hand erhebenb,„daß ich, ſo hoch begünſtigt von den ſchönen Damen Englands, Ruhe verlangen ſollte. Aber ſeid Zeugen—“ ſagte er mit dem Edelmuth des letzten wahren Ritters ſeines Zeitalters, indem er zugleich ſein Viſtr erhob, damit ihn der König und ſelbſt die vorderen Reihen der Menge hören möchten—„ſeid Zeugen, daß in dieſem Kampfe mein Glück mir günſtig geweſen iſt und nicht mein Arm. Der Graf de la Roche redet die Wahrheit, ſein Pferd allein iſt an ſeinem Un⸗ falle ſchuld.“ „Es iſt ein blindes Thier!“ murmelte der Bur⸗ gundier. „Und,“ fügte Anion hinzu, indem er ſich gegen die Galerien verneigte, wo ſich vie Schönbeiten des Hofes befanden—„und der Graf verſichert ſelber, daß der Glanz jener Angen ſein gutes Roß geblendet habe.“ Nachdem er dieſes galante Compliment ausgeſprochen, welches ſo ſehr in Übereinſtimmung mit dem Geſchmack jener Tage ſtand, näherte ſich der Engländer dem Bal⸗ kon des Königs und bat um die Erlaubniß, den Kampf mit der Streitaxt oder dem Schwerte beenden zu dürfen. „Erlaubt mir lieber mit der erſteren zu kämpfen⸗ denn die Krieger Burgunds find in jener kriegeriſchen Waffe ſtets für unüberwindlich gehalten worden.“ Eduard, deſſen warmes Blut ſich bei dem Klirren des Stahls erwärmte, gab durch ein gnädiges Nicken ſeine Zuſtimmung zu erkennen, und dann wurden zwei Streitärte in den Kreis gehracht. Jetzt zeigte die Menge eine ernſtere und reſpektvollere Aufmerkſamkeit als bis⸗ her, denn die Streitaxt in ſo kräftigen Händen war kein Kinderſpiel.„Hm,“ ſagte Stokton,„jetzt kann es doch noch intereſſant werden— dies iſt eine andere Sache als mit den dummen Stangen!— Mit einer ſolchen Art kann man wohl auf einen Schlag einen Arm oder Fuß abhacken.* Die Ritter ſelber ſchienen ſich der größeren Wichtig⸗ keit des gegenwärtigen Kampfes bewußt zu ſein. Jeder ſah nach ſeinem Viſir— und indem ſie ſorgfältig ihre Waffen in den Händen wogen, ſtanden ſie einige Augen⸗ blicke abgeſondert da und ſahen einander feſt an— wie es junge Fechter mit ihren kleinen Schwertern noch heu⸗ tiges Tags zu thun pflegen. Endlich ſtürzte der Burgundier vorwärts und führte einen mächtigen Schlag auf Lord Seales, der, obgleich er raſch parirt wurde, dennoch ſo heftig ſeine Schulter traf, daß, haͤtte der erprobte mailändiſche Stahl es nicht verl Stokton Lord Se oder Sch beiden H Burguntd niederſiel von ung wie mit ausgethe mit beide der recht daß die andern 0 waren ſi wöhnt, ja die ne keit und End ſchickten eſprochen, Geſchmack dem Bal⸗ en Kampf zu dürfen. kämpfen⸗ iegeriſchen en.* m Klirren ges Nicken urden zwei die Menge it als bis⸗ n war kein unn es doch dere Sache ner ſolchen a Arm oder en Wichtig⸗ ſein. Jeder gfältig ihre nige Augen⸗ an— wie n noch heu⸗ und führte er, obgleich ne Schulter e Stahl es 63 nicht verhinbert, die wohlwollende Erwartung des Herrn Stokton in glückliche Erfüllung gegangen wäre. So ſtieß Lord Seales einen leichten Schrei aus, der von Zorn oder Schmerz herrühren konnte, erhob ſeine Axt mit beiden Händen und führte einen Schlag auf den Helm des Burgundiers, welcher machte, daß er beinahe aufs Knie niederfiel. Und nun ſah die Menge in einem Zeitraum von ungefähr zehn Minuten mit bezauberter Erwartung, wie mit faſt athemloſer Schnelligkeit Streich auf Streich ausgetheilt und parirt wurde. Bald faßten ſie die Art mit beiden Händen— bald mit der linken— hald mit der rechten, und der Kampf ſchwankte hin und her, ſo daß die Streiter ſich bald an dem einen, bald an dem andern Ende der Schranken befanden, und ſo vollkommen waren ſie von Kindheit auf an die Laſt des Panzers ge⸗ wöhnt, daß die Ringer auf dem Raſenplatze des Dorfes, ja die nackten Gladiatoren des Alterthums die Behendig⸗ keit und gewandte Schnelligkeit hätten beneiden können. Endlich trieb Anton Woodville durch einen ſehr ge⸗ ſchickten Schlag die Spitze ſeiner Axt in das Vifir des Burgundiers, und dort blieb ſie ſo feſt ſtecken, daß er im Stande war, ſeinen Gegner hin und her zu ziehen, während der Baſtard, bei der Verdunklung der Offnun⸗ gen des Viſirs eben ſo blind wie ſein Pferd, ſeine Schläge auſs Gerathewohl austheilte und völlig in der Gewalt des Engländers war. So großmüthig der ſanfte Sir Anton auch war, ſo ſchmerzte ihn doch manche Quet⸗ ſchung, die er unter ſeinem ſtarken Panzer fühlte, ſo daß der Baſtard wohl wenig Gnabe gefunden hätte, denn Wood⸗ vllle's linke Hand war an ſeines Feindes Kehle, und die 64 rechte ſchien im Begriff, die Spitze behächtig in das Ge⸗ hirn zu treiben, als Ebuard von ſeinem Entzücken über das angenehme Schanſpiel durch einen lauten Schrei von ſeiner Schweſter Margaretha erweckt, der von der Herzogin von Bedford wießerholt wurde, welche keines⸗ wegs wünſchte, daß ihres Sohnes Axt an die Wurzel aller ihrer Pläne ſolle gelegt werden, aufſtand, mit jener lauten Stimme„Halt!“ rief, die oft über ein mäch⸗ tigeres Schlachtfeld dahintönte, und ſeinen Commando⸗ ſtab hinunterwarf. Augenblicklich wurden die Schranken geöffnet, die Marſchälle traten vor— trennten die Kämpfer und ſchuallten bes Grafen Helm los. Aber der kriegeriſche Geiſt des Baſtarts, der ſehr unzufrieden über die un⸗ freundliche Unterbrechung war, belohnte die Aufmerkſam⸗ keit der Marſchaͤlle mit einem Fluch, der ſeiner Verwandt⸗ ſchaft mit Karl dem Kühnen würdig war. Mit vor Wuth glühendem Geſicht und feuerſprühenden Augen eilte er gerade auf den Koͤnig zu. „Edler Herr und König,“ rief er,„thut mir nicht dieſes Unrecht an! Ih bin nicht geſtürzt, nicht ver⸗ wundet, nicht überwunden— ich ergebe mich nicht. Nach jedem ritterlichen Geſetz kann jeder Kämpfer, bis ſich Einer ergibt, den Andern auffordern, fortzufahren und ſein Argſtes zu thun.“ Eduard ſchwieg und war ſehr verlegen und über⸗ raſcht, daß ſein Einſchreiten ſo übel aufgenommen wurde. Er ſah zuerſt den Lord Rivers an, der ein wenig weiter unten ſaß, und deſſen Wange bleich wurde bei der Aus⸗ ficht auf ſeines Sohnes ernenerten Kampf— dann das unbeweglie beth— da dann die fl Anſtrengun den Herzot Herzog vo ſagte:„W uns üͤber di Graf verne teten ein er vor der Ga man die Be Minuten n von Norfoll blauen Aug ernſthaft: recht. Nach fordern, do „Wohl Wir wollen „ Ja, 4 her. Nach d langen fort mandoſtabn jenen Geſet ſagte Kamp ginnen, wo Helm wieder Lord Scales an derſelben das Ge⸗ cken über a Schrei von der e keines⸗ 2 Wurzel mit jener n mäch⸗ nmando⸗ fnet, die pfer und egeriſche die un⸗ merkſam⸗ erwandt⸗ Mit vor n Augen mir nicht icht ver⸗ ht. Nach bis ſich hren und ib über⸗ nwurde. ig weiter der Aus⸗ dann das 65 unbewegliche Autlitz der milben und gefuͤhlloſen Eliſa⸗ beth— dann das aufgeregte Geſicht der Herzogin— dann die flehenden Augen Margarethens, die mit großer Anſtrengung eine Ohnmacht überwand, winkte endlich den Herzog von Clarence als Lord Conſtable und den Herzog von Norfolk als Graf Marſchall zu ſich und ſagte:„Wartet einen Augenblick, Herr Graf, bis wir uns über dieſe ernſte Gelegenheit berathen haben.“ Der Graf verneigte fich mürriſch— die Zuſchauer behaup⸗ teten ein erwartungsvolles Schweigen und der Vorhang vor der Galerie des Königs wurde geſchloſſen, während man die Berathung hielt. Nach Verlauf von etwa drei Minuten wurde der Vorhang wieder von dem Herzog von Norfolk auf die Seite gezogen; Eduard richtete ſeine blauen Augen auf den feurigen Burgundier und ſagte ernſthaft:„Graf de la Roche, Eure Forderung iſt ge⸗ recht. Nach den Turniergeſetzen koͤnnt Ihr mit Recht fordern, vaß der Kampf ſeinen Fortgang nepme.“ „Wohl geſprochen, ritterlicher Fürſt. Meinen Dank!⸗ Wir wollen keine Zeit verlieren; Knappen, meinen Helm!“ „Ja,“4 fuhr Eduard fort,„bringt des Grafen Helm her. Nach den Geſetzen kann der Kampf auf Euer Ver⸗ langen fortgeſetzt werden— ich nehme meinen Com⸗ mandoſtab wieder zurück. Aber Graf de la Roche, nach jenen Geſetzen, auf die Ihr Euch beruft, muß der be⸗ ſagte Kampf gerade auf demſelben Punkte wieder be⸗ ginnen, wo er unterbrochen wurde. Daher legt Earen Helm wieder an, Graf de la Roche, und Ihr, Anton Lorh Scales, ſteckt die Spitze Eurer Streitaxt wieder an derſelben Stelle ein, wo, wie ich jetzt bemerke, ſein rechtes Auge ſich beſindet, und wo die Art leicht in das Gehirn eindringen kann. So erneuert den Kampf, und Gott ſei Eurer Seele gnädig, Graf de la Roche!“ Bei dieſem auffallenden und gänzlich unerwarteten Ausſpruche, der aber doch völlig in Üübereinſtimmung 56 mit jenen Geſetzen ſtand, woruͤber Eduard ein ſo ge⸗ lehrter Richter war, verlängerte ſich des Baſtards Ge⸗ ſicht. Mit offenem Munde und aufgeriſſenen Augen ſtand er da und ſtarrte den König an, der ſich majeſtätiſch wieder ſetzte und ſeinen Herolden winkte. 5„Iſt das Geſetz, Sire?“ ſtotterte enblich der Baſtard. „Koͤnnt Ihr es beſtreiten? Kann irgend ein Ritter oder Cavalier etwas dagegen einwenden?“ „Dann, bei allen Heiligen im Kalender! habe ich genug,“ ſagte der Baſtard mürriſch, indem er ſeine Streitaxt auf den Boden warf.„Ich kam hieher, um 5. Allem zu trotzen, was einem Cavalier geziemt; aber ſtill zu ſtehen, während Sir Anton Woodoille bedächtig mein rechtes Auge herausbohrt, das wäre eine Handlung, der ſich nur Wenige unterziehen würden. Und ſo, Lord Seales, reiche ich Euch meine rechte Hand und wünſche Euch Glück zu Eurem Triumph und zu dem goldenen Halt⸗ ö band.“ „Kein Triumph,“ verſetzte Woodville beſcheiden, „denn Ihr ſeid nur, wie tapfere Ritter es ſollten, durch die Reize der Damen überwunden, was keine noch ſo tapfere Bruſt ungeſtraft beſtreiten kann.“** Mit dieſen Worten führte Lord Scales den Grafen * Der Preis war ein goldenes Halsband, worauf ſich die emailirte Blume der Erinnerung befand. zu einem die handel der folgen ſchen den mittags fo Kämpfer meinen C den, zeie Nevile nie Wie es der mit ſeiner Somn Einig dem Baſtc Palaſte zu Noche bei Prinzeſſin ſchicklichke Gegenthei Diplomat ken troͤſten Inzwe von ausge Die Vera Sache na⸗ noch zu R icht in das zmpf, und bche!“ erwarteten nſtimmung ein ſo ge⸗ ſtards Ge⸗ ugen ſtand najeſtätiſch er Baſtard. ein Ritter ! habe ich n er ſeine hieher, um ; aber ſtill ichtig mein ndlung, der ord Seales, nſche Euch enen Halt⸗ beſcheiden, lten, durch ne noch ſo en Grafen drauf ſich die 67 zu einem Ehrenſitze in der Nähe des Lord Rivers, und die handelnde Perſon mußte ſich begnügen, ein Zuſchauer der folgenden Kämpfe zu werden. Dieſe wurden zwi⸗ ſchen den Burgundiern und den Engländern bis Nach⸗ mittags fortgeſetzt, wobei die Letzteren gleich ihrem erſten Kämpfer den Vorrang behaupteten, und in dem allge⸗ meinen Gefechte, wobei auch Knappen zugelaſſen wur⸗ den, zeichnete ſich unſer junger Freund Marmaduke Nevile nicht wenig aus. Achtes Kapitel. Wie es dem Baſtard von Burgund beſſer mit ſeiner Politik als mit ſeiner Streitaxt glückte— und wie König Eduard ſeine Sommerjagd in dem ſchönen Haine von Shene hielt. Einige Tage nech dem berühmten Turnier zwiſchen dem Baſtard und Lord Secales hatte ſich der Hof zu dem Palaſte zu Shene begeben. Die Gunſt des Grafen de la Noche bei der Herzogin von Bedford und der jungen Prinzeſſin hatte nicht auf ſeinem Rufe wegen der Ge⸗ ſchicklichkeit in der Führung der Streitaxt beruht; im Gegentheil war dieſelbe zu einer Höhe geſtiegen, die den Diplomaten wohl wegen ſeiner Niederlage in den Schran⸗ ken troͤſten konnte. Inzwiſchen waren die Pläne der Feinde Warwicks von ausgezeichnet glücklichem Erfolge begleitet geweſen. Die Verabredungen zu der Verbindung, die jetzt der Sache nach freilich beendet waren, hielten den Grafen noch zu Rouen auf, und neue Berichte über die Vertrau⸗ lichkeit des Königs von Frankreich mit dem Geſandten wurden Rivers ſorgfältig überſendet und Eduard mitge⸗ theilt. Nach Eduards eigener Ausſage entſtand ſein erſter Groll gegen Warwick aus dieſer mißfälligen Vertraulich⸗ keit, und doch war der engliſche König zu ſcharffichtig, um dieſe Höflichkeiten ſo zu erklären, wie Rivers ſie dar⸗ ſtellte. Er ließ ſich keinen Augenblick träumen, daß Lord Warwick ſich zu einer ausdrücklichen Verbindung mit Ludwig verleiten laſſe, die ihn mit den Laneaſtriern ver⸗ einen könne, denn dies war gegen den geſunden Men⸗ ſchenverſtand; aber Eduard war bei aller ſeiner Gut⸗ müthigkeit nnerbittlich und rachſüchtig, und er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß Warwick die Freund⸗ ſcaft eines Mannes gewinnen ſolle, ven er für ſeinen Feind hielt. Indem er die Veranlaſſungen zum Haß gegen Ludwig wegen der Unterſtützung, welche dieſer früher den laneaſtriſchen Flüchtlingen gewährt hatte, bei Seite ſetzte, empfand Eduards Stolz als Monarch leb⸗ haft die Verachtung, womit der franzöſtſche König bis⸗ her ſeine Königswürde und ſeine Geburt behandelt hatte, Der gewöhnliche Beiname, der ihm in Paris beigelegt wurde, war„der Sohn des Bogenſchützen“— elne Schmähung des guten Rufes ſeiner Muiter, welche die Läſterer nicht allzu ſtrenger Treue gegen den Herzog von York beſchuldigten. Überdies empfand Eduard etwas von der Eiferſucht, die einem geiſtreichen und fähigen Könige eigen iſt, über den Ruf der tiefen Politik und Staats⸗ kunſt, der Ludwig dem Elften an allen Höfen Europa’s beigelegt wurde. Und aus der Rache und der Eiferſucht war in ſeinem kriegeriſchen Herzen der geheime Wunſch entſtanden Thron wie rich dem! Sechsten Bei dieſen in der V ſeinen Hat Graf von ſchaft geſc jeden Ben Frankreich dieſen krie⸗ reits oft ſriedlichere nicht ſo w der Graf rakter und auferlegt, ſeines gro ungeachtet dung mit daß Warn Politik ge Dynaſtie daß man! raube, we 2 ſo war do innerlich ſein Geiſt die Feinde eſandten Hmitge⸗ in erſter traulich⸗ btig, um ſle dar⸗ aß Lord ung mit ern ver⸗ u Men⸗ er Gut⸗ r konnte Freund⸗ r ſeinen am Haß he dieſer atte, bei arch leb⸗ nig bis⸗ lt hatte, beigelegt — eine elche die rzog von was von Köoͤnige Staats⸗ Furopa's kEiferſucht Wunſch 69 entſtauden, die Anſprüche Englands an den franzöflſchen Thron wieder geltend zu machen, und die von Hein⸗ rich dem Fünften gewonnene und unter Heinrich dem Sechsten verlorenen Exroberungen wieder zu erlangen. Bei dieſen Gefühlen und Anſichten ſah Edugrd natürlich in der Verbindung mit Burgund Alles, was ſowohl ſeinen Haß als ſeinen Ehrgeiz be friedi gen konnte. Der Graf von Charolois hatte Ludwig die tödtlichſte Feind⸗ ſchaft geſch s Rache oder Intereſſe jeden B ſich bei einem Einfalle in Frankreic den A Waffe n es anzuſchließen, und zu dieſen kriegeriſchen Zwecken e Eduard, wie wir be⸗ reits oft zu bemerken Gelegenheit gehabt haben, die friedlicheren Vortheile bes Handels. Und obgleich er ſich nicht ſo weit von dem Einflaſſe frei machen konnte, den der Graf von Warwick durch ſenen bedeutenden Cha⸗ rakter und durch die Schuld der Dankbarkeit, die er ihm auferlegt, über ihn ausübie, um ſich der Geſandtſchaft ſeines großen Miniſters zu widerſetzen, und oögleich ungeachtet all dieſer Gründe zu Gunſten einer Verbin⸗ dung mit Burgund er nnr widerſtrebend zuhören konnte, daß Warwick die einer weiter blickenderen und weiſeren Politik geltend mache, indem er zeigte, daß die junge Dynaſtie von York nur dadurch könne geſichert werden, daß man Margaretha des einzigen Bundesgenoſſen be⸗ raube, welcher wagen könne, ihre Sache zu unterſlützen, „ ſo war doch Warwick kaum abgereist, als er ſich ſchon innerlich über das gemachte Zugeſtändniß ärgerte, und ſein Geiſt allen den Einbrücken geöffnet war, welche die Feinde des Grafen ihm zu geben ſuchten. Ebuard war ſo furchtlos und verachtete die Gefahr ſo gänzlich, daß er die Gründe vergaß, welche Warwicks zärtlicher Eiſer für die Verbinhung mit Ludwig angeſührt hatte— und ſo gab er nur den Vorſtellungen ſeiner Leidenſchaften, ſeines Stolzes und ſeiner kaufmänniſchen Vortheile Gehör. Die Herzogin von Bedford, die Königin und die ganze Familie der Woodvilles, die nur einen Zweck im Auge hatten, nämlich den Sturz Warwicks und ſeines Hauſes — kannten die ſtolze Natur des Grafen genug, um zu wiſſen, daß er die Zügel der Herrſchaft von ſich werfen würde, ſobald er wüßte, daß Eduard ſeine Geſandt⸗ ſchaft verachtet habe, und ungeachtet des Argwohns, den ſie ihrem Könige einzuflößen ſuchten, rechneten ſie auf des Grafen Liebe und nahe Verwandtſchaft zu Eduard — auf ſeinen voͤlligen und wie es ſchien unverſöhnlichen Bruch mit dem Hauſe Laneaſter, um ſeine Wuth ohn⸗ mächtig zu machen, ſo daß er nur ein gefallener Miniſter und kein mächtiger Rebell werden konnte. Eduard hatte ſich leicht bewegen laſſen, den Beſuch des Graſen de la. Roche zu geſtatten, obgleich er damals noch keineswegs über ſeine Handlungsweiſe entſchloſſen war. Auch wenn die Verbindung mit Ludwig ſtattfinden ſollte, ſo war es doch immer der Mühe werth, die Freund⸗ ſchaft Burgunds aufrecht zu erhalten. Aber da de la Roche von der Herzogin von Bedford bald in Kenntniß geſetzt wurde, wie die Sache ſtehe, und von ſeinem Bru⸗ der inſtruirt worden war, keine Mühe zu ſparen und kein Bedenken zu tragen, jedes Verſprechen zu leiſten, welches dazu dienen konnte, Eduard von Ludwig zu entfremden und die Hand und Mitgift Margarethens zu gewinnen, günſtigte, den Weg den Grafe mächtigen der Koͤnig dabei gewe Eduard die Süßigkeit ich, daß her Eifer — und ſchaften, le Gehör. die ganze im Auge 3 Hauſes , um zu ch werfen Geſandt⸗ öhns, den en ſie auf Eduard öhnlichen uth ohn⸗ Miniſter und kein u, welches itfremden 71 ſo fand er es viel leichter, als er es ſich in ſeinen kühn⸗ ſten Hoffnungen geträumt, auf die Leidenſchaften und Beweggründe zu wirken, die den Koͤnig für die Anſprüche des Erben von Burgund günſtig ſtimmten. Und was mehr als alles Andere das Geſchäft des Abgeſandten be⸗ günſtigte, war derſelbe Umſtand, der demſelben hätte in den Weg treten ſollen— nämlich die Erinnerung an den Grafen von Warwick; denn in der Abweſenheit jenes mächtigen Barons und unumſchränkten Miniſters ſchien der König freier zu athmen. In ſeiner Abweſenheit ver⸗ gaß er ſeine Macht. Zu ſeinem eigenen Erſtaunen ſchien die Maſchine der Regierung eben ſo gut fortzugehen, die Gemeinen waren eben ſo unterwürfig, der Pöbel ſo lärmend in ſeinem freudigen Zuruf, als wenn der Graf dabei geweſen wäre. Es war Niemand mehr da, mit Eduard die Freuden der Beliebtheit beim Volke und die Süßigkeit der Macht zu theilen. Oögleich Eduard kein Diogenes war, ſo liebte er doch den Sonnenſchein der Popularität, und kein Alexander ſtand zwiſchen ihm und den Strahlen derſelben. Getäuſcht durch die Darſtellun⸗ gen ſeiner Hofleute und nichts als Schmähungen über Warwick und ſeine Größe hörend, begann er zu denken, die Stunde ſei gekommen, wo er allein regieren könne, und ſo ging er ſchweigend, und ohne es ſich ſelber zu be⸗ kennen, auf den Zweck der ihn umgebenden Weiber ein — nämlich auf die Entlaſſung ſeines Miniſters. Die natürliche Sorgloſigkeit und luxuriöſe Trägheit von Eduards Charakter erlaubte ihm indeſſen nicht, die volle Undankbarkeit der Handlungsweiſe einzuſehen, die er zu wählen im Begriff war. Der Egoismus, den ein König nur zu oft erlangt und kein Koͤnig ſo leicht wie einer, der, gleich Eduard dem Vierten, nicht für den Thron geboren war, machte, daß er ſich allein zum Stolz berechtigt hielt. Konnte er nicht, als Monarch und Bruder, Margarethens Hand geben, wem er wollte? Wenn Warwick es übel nahm— die Peſt über ſeinen Mangel an Loyalität und ſeine Anmaßung! Und indem er ſo bei ſich ſelber dachte, entfernte er jeden Gedanken an den abweſenden Grafen von ſich; doch ungeachtet dieſer Anſichten und Stimmungen hätte Eduard den Bruch mit ſeinem großen Miniſter wenigſteus bis zur Rückkehr des Letztern aufgeſchoben und dann mit der Delikateſſe und Vorſicht gehandelt, die für einen König paßten, der durch die Bande der Dankharkeit und Bluts⸗ verwandtſchaft an den Staatsmann gebunden war, den er nur wegen einer Gewohnheit— der Gewohnheit der Unmäͤßigkeit— von ſich zu entfernen wünſchte. Ohne Zweiſel ſind vieſer Gewohnheit viele von den unverſtän⸗ digen und leichtfertigen Handlungen zuzuſchreiben; und bei ſeinem Becher mit dem ränkevollen und liſtigen de la Roche vereint, verwickelte ſich Gduard mehr, als er in kälteren Augenblicken würde gethan haben. Nachdem wir unſere Leſer in die tieſſten Winkel des königlichen Herzens haben ſchauen laſſen, rufen wir ſie zu einer Scene, die zu den Zeitvertreiben des prunk⸗ ſüchtigen Ebuard gehörten. Unter dem Schatten des un⸗ geheuren Parks, der damals zu dem Palaſte Fhene ge⸗ hörte, ſchien die mittägliche Sonne, wie ſie Armida füt den überwundenen Rinaldo möchte erwählt haben. Ein Raum war von Bäumen und Unterholz befreit und ſo eben gema Raum wa Gitterwer Geisblatt ihnen Bog ſah man w in die kühl dieſer Gän Lauben geb Blumen a⸗ war ein kle jetzt mit ei ziert, welch ſchienen. 2 ſich ſeidene man von d Offnung ei mit dem B am beſten welches die über die Ge jagd des E Schauſpiel darſtellen, zen Zwiſch modernen 3 heit des 2 erſten Sont Hunde— duftige We Bulwer, leicht wie für den llein zum narch und wollte? ber ſeinen und indem Gedanken ungeachtet uard den 8 bis zur n mit der nen König nd Bluts⸗ war, den hnheit der e. Ohne anverſtän⸗ ben; und igen de la als er in ees prunk⸗ n des un⸗ 73 eben gemacht, wie ein Raſenplatz im Garten. Um dieſen Raum waren dlie ungeheuren Eichen und Buchen mit Gitterwerk behängt und mit Guirlanden von Jasmin, Geisblatt und weißen Roſen umwunden, und zwiſchen ihnen Bogen von denſelben gebildet. Durch dieſe Bogen ſah man weite Gänge oder Lichtungen, die ſich allmählig in die kühle Tiefe des Laubwerks verloren. In der Mitte dieſer Gänge und um dieſen Raum herum waren zahlloſe Lauben gebildet und mit allen damals in England bekannten Blumen ausgeſchmückt. In der Mitte des Raſenplatzes war ein kleiner künſtlicher See, längſt ausgetrocknet und jetzt mit einer großen Menge von Springbrunnen ver⸗ ziert, welche Kuͤhle in der glühenden Luft zu verbreiten ſchienen. An verſchiedenen geeigneten Stellen befanden ſich ſeidene Zelte, und jedes Zelt war ſo angebracht, daß man von dort eine Allee überſehen konnte; und in der Hffnung eines jeden ſtand ein Cavalier oder eine Dame mit dem Bogen oder der Armbruſt, worauf ſie ſich gerade am beſten verſtanden, und ſah ſich nach dem Wilde um, weelches die Hörner und die Hunde ſchnell und häufig über die Gänge trieben. Dies war die luxuriöͤſe Sommer⸗ jagd des Sardanapal des Nordens. Auch konnte kein Schauſpiel jenen poetiſchen oder weibiſchen Geſchmack darſtellen, der, von den Italienern entlehnt, einen kur⸗ zen Zwiſchenraum zwiſchen dem ritterlichen und dem modernen Zeitalter bildete! Die außerorbentliche Schön⸗ heit des Wetters— die Fülle des Laubwerks bei der erſten Sonne des glänzenden Julius— das Bellen der Hunde— der Ton der Hoͤrner aus der Ferne— der duftige Wohlgeruch der Luft— die geſchmückten Zelte Bulwer, Barone. II. 6 — die reichen Kleidungen— die ſchönen Geſichter und das muntere Lachen der Damen vereinten ſich, jeden Sinn gefangen zu nehmen und den Ehrgeiz ſelber, jenen ewigen Wanderer durch die Zukunft, mit dem Genuſſe der üppigen Stunde auszuſöhnen. Aber es waren glor⸗ reiche Ausnahmen von dem allgemeinen Vergnügen der Geſellſchaft. Es war an dem Morgen ein Courier angekommen, welcher Eduard von der unerwarteten Einſchiffung des Grafen von Warwick mit dem Erzbiſchof von Narbonne und dem Baſtard von Bourbon in Kenntniß ſetzte— welche Geſandte von Ludwig beauftragt waren, die vor⸗ läufigen Verabredungen wegen der Vermählung zwi⸗ ſchen Margaretha und ſeinem Bruder zu treffen. Dieſe unwillkommene Nachricht erreichte Eduard gerade in dem Augenblick, als er aus ſeinem Palaſte trat, um ſich zu ſeinen angenehmeren Beluſtigungen zu begeben. Er führte Lord Haſtings auf die Seite und theilte ihm als dem verſtändigſten ſeiner Günſtlinge die Nachricht mit. „Gebt Eurem Pferde die Sporen und eilt nach Baynard's Schloß. Bringt Gloueeſter zurück. In dieſen ſchwierigen Dingen iſt des Knaben Kopf beſſer als ein ganzer Rath.“ „Eurer Majeſtät Befehl ſoll befolgt werden„“ ſagte Haſtings, indem er mit der einen Hand ſeinen Gürtel anzog und mit der andern die Steigbügel kürzer ſchnallte. „Ich ſehe voraus, Sire, daß dieſe Ankunft Vieles her⸗ beiführen wird, was Lord Rivers und Lord Woreeſter überſehen haben. Es freut mich, haß Ihr Prinz Richard bringen kan „Und ſt dieſer ganz ſo mehr iſt das Geſchaͤ Haſtin daß jede we viel von Gl die Sporen blick nach: Wechſel ſer ihrer Dam ihre Angen that, went Königin ſa Leben mein „Ei ja ich, um D Wahrheit denn es gef von Burgu „O fü ganzes Gef hter und ), jeden r, jenen Genuſſe en glor⸗ ügen der kommen, fung des arbonne etzte— die vor⸗ ng zwi⸗ u dieſen 75 ruſen laßt, der ſich weislich gehütet hat, den burgundi⸗ ſchen Abgeſandten im geringſten zu begünſtigen. Aber iſt dies Alles, Sire? Waͤre es nicht gut, auch Eure zu⸗ verläſſigſten Lords und gelehrteſten Prälaten zu verſam⸗ meln, wenn nicht um Lord Warwicks Zorn abzulenken, doch wenigſtens um paſſende Eniſchuldigungen zu er⸗ denken, die man bei Koͤnig Ludwigs Geſandten vor⸗ bringen kann?“ „Und ſo ſollten wir den ſchoͤnſten Tag verlieren, den dieſer ganze Sommer uns gewährt hat? Still!— Um ſo mehr iſt es heute nöthig, ſich zu ergötzen, da morgen das Geſchäft kommen wird. Fort mit Dir, lieber Will!“* Haſtings nahm ein ernſtes Geſicht an, doch ſah er, daß jede weitere Vorſtellung vergebens ſein würde; erhoffte viel von Glouceſters Dazwiſchenkunft, gab ſeinem Pferde die Sporen und verſchwand. Eduard dachte einen Augen⸗ blick nach und Eliſabeth, die jeden Ausbruck und jeden Wechſel ſeines Geſichtes kannte, trat aus dem Kreiſe ihrer Damen und näherte ſich ihm ſchüchtern. Indem ſie ihre Augen niederſchlug, was ſte ſtets aus Verſtellung that, wenn ſie mit ihrem Gemahl ſprach, ſagte die Königin ſanft:„Elwas hat meinen Lehensherr und das Leben meines Lebens in Unruhe verſetzt.“* „Ei ja, liebe Eliſäbeth. Geſtern Abend verſprach ich, um Deinen Verwandten zu gefallen(und um die Wahrheit zu ſagen, ſeid Ihr mir wenig Dank ſchuldig, denn es geſiel mir auch) Margarethens Hand dem Erben von Burgund.“ „O fürſtliches Herz!“ rief Eliſabeth, indem ſich ihr ganzes Geſicht triumphirend auftlärte—„welches ſtets — 76 die, welche es liebt, glücklich zu machen ſucht. Aber iſt wieder ſ es das, was Euch beunruhigt— das, was Ihr be⸗ aber beg reuet?“ „Nein, liebes Herz— nein. Doch wäre der Noth⸗ wein nicht ſo ſtark geweſen, ſo hätte ich den Baſtard noch laͤnger hingehalten. Aber was geſchehen iſt, iſt ge⸗ ſchehen. Laß nicht Deine Roſen verwelken, wenn Du höreſt, daß Warwick in England iſt— nein, mein Kind, ſieh nicht ſo erſchrocken aus, ein Eduard iſt kein Kind, den Wehrwolf und Kobold erſchrecken; und wenn der 1 Kampf zwiſchen Eduard von England und ſeinen Unter⸗ 4 thanen kommen ſoll, ſo iſt keine Stunde geeigneter als dieſe— mein Thron iſt geſichert— der neue Adel, den ich ernannt, hat ſich um denſelben verſammelt— Lon⸗ don iſt frei— die Provinzen find friedlich— die Schiffe volleren K und Krieger Burgunds find meine Bundesgenoſſen! die Pfeit Mag der weiße Bär brummen wie er will, der Löwe Tage we von March iſt Herr des Waldes. Und nun, meine Eliſa⸗ Unte beth,“ fügte der König hinzu, indem ſein ſtolzer Ton liche und in ein heiteres und ſorgloſes Lachen überging,„nun ſam und laß den Löwen ſich ſeiner Jagd erfreuen.“ gezwung 1 Er küßte die behandſchuhte Hand ſeiner Königin, Blicke de verneigte ſich galant und war im nächſten Augenblick an dem Wi der Seite einer jüngeren, wenn auch nicht ſchöneren gefaltet Dame, welcher er die augenblickliche Huldigung ſeines Perſone unbeſtändigen Herzens widmete. Eliſabeths Augen ſpräh⸗ vorſtehe ten vor Zorn, als ſte ihren treuloſen Gemahl ſo beſchaͤf⸗ er ſich ſt tigt ſah; aber gewoͤhnt, ihre natürliche Eiferſucht ſo u die ihm verbergen und im Zaum zu halten, daß ſie ſich nie dem von Zel Hofe oher ihrem Gemahl verrieth, nahm ihr Geſicht bah lichkeit .Aber iſt 6 Ihr be⸗ der Roth⸗ n Baſtard iſt, iſt ge⸗ wenn Du nein Kind, kein Kind, wenn der nen Unter⸗ igneter als Adel, den lt— Lon⸗ die Schiffe sgenoſſen! der Löwe eine Eliſa⸗ ſtolzer Ton ling,„nun Köͤntgin, genblick an ſchöneren (ung ſeines igen ſprüh⸗ ſo beſchäͤf⸗ ſucht ſo zu ch nie dem Geſicht bald 4 77 wieder ſein gewöhnliches, künſtliches Lächeln an; dann aber begab ſie ſich zu ihrer Mutter und theilte ihr das Geſchehene mit. Der ſtolze und männliche Geiſt der Herzogin empfand nur Freude hei dieſer Nachricht. Bei der erwarteten Erniedrigung Warwick's vergaß ſie alle Urſache zur Furcht— nicht ſo ihr Gemahl und ihr Sohn, die Lords Rivers und Seales, zu welchen die Nachricht bald gelangte. „Anton,“ flüſterte der Vater,„bei dieſem Spiel haben wir unſere Köpfe eingeſetzt.“ „Aber nnſere rechten Häͤnde können ſie wohl ſchützen, Vater,“ antwortete Anton;„und ſo Gott und die Da⸗ men für unſer Recht!“ Doch dieſe kühne Antwort genügte dem gedanken⸗ volleren Urtheil des Lord Schatzmeiſters nicht, und ſelbſt die Pfeile des tapferen Anton entfernten ſich an dem Tage weit von ihrem Ziele. Unter dieſer heitern Scene alſo gab es ſehr ängſt⸗ liche und gedankenvolle Herzen. Lord Rivers war ſchweig⸗ ſam und zerſtreut; ſeines Sohnes Lachen war hohl und gezwungen; die Königin warf unruhige und ſpähende Blicke den grünen Laubgang hinunter, welche nicht allein dem Wilde galten; ihrer Mutter Stirn war zuſammen⸗ gefaltet und geröthet— und ſcharf wurden dieſe hohen Perſonen von einem Manne beobachtet, der bei den he⸗ vorſtehenden Ereigniſſen lebhaft intereſſirt war. Indem er ſich ſtellte, als entledige er ſich der angenehmen Pflicht, die ihm der Koͤnig angewieſen, ſchlüͤpfte Lord Montagu von Zelt zu Zelt und fragte höflich nach der Bequem⸗ lichkeit jeder Gruppe, verweilte, lächelte, machte Com⸗ plimente, beobachtete und ſtudirte Alle, die er anredete. Zum erſtenmal ſeit dem Beſuche des Baſtards hatte er ſich den ihm zu Ehren angeordneten Luſtbarkeiten ange⸗ ſchloſſen und doch ſpielte Montagu ſeine Rolle bei Hofe ſo gut, daß er bei den Verwandten der Königin keine ſo feindliche Gefühle erregte, wie man gegen ſeinen Bruder hegte. Kein Mann außer Haſtings war ſo vollkommen bei Ehuard beliebt; und Montagu, ſo weltlich er war und ſo aufgebracht er in dem Augenblick gegen den König ſein mußte, erwiderte in ſo weit die Neigung, daß ſeine aufrichtigſte Furcht in dem Augenblick nicht Warwick, ſondern Eouard galt. Er allein von allen Gegenwärtigen wußte um die Urſache von Warwicks haſtiger Rückkehr, denn er hatte ihm insgeheim die Nachricht von dem Be⸗ 9 ſuch des Baſtards, den eigentlichen Zweck deſſelben und das unvermeidliche Gelingen der Intriguen, welche im Werk waren, mitgetheilt, wenn nicht der Graf ſogleich zurückkehren, ſeinen Auftrag abſchließen und die fran⸗ zöfiſchen Geſandten mitbringen könne; und noch ehe der an den König abgeſchickte Courier in Shene ankam, hatte eine Prioatperſon Montagu die Nachricht gebracht, daß Warwick, mit Recht beunruhigt und aufgeregt, die ihn begleitende Prozeſſion in Dover zurückgelaſſen habe und ſo ſchnell, als ihn die Pferde und ſein ungeſtümer Geiſt nur tragen wollten, zu ſeinem undankbaren König eile. Inzwiſchen kam der Abend heran, das Spiel wurde nachläſſiger betrieben und der Ton der Trompete aus dem königlichen Pavillon verkündete, daß der müßige Zeitvertreib einem üppigen Banket Platz machen ſolle. In dieſem Auzenblick näherte ſich Montazu einem anredete. s hatte er ten ange⸗ bei Hofe n keine ſo en Bruder llkommen h er war den König daß ſeine Warwick, nwärtigen Rückkehr, dem Be⸗ elben und welche im 79 entfernten Zelte, und als ſein geräuſchloſer Schritt das Gras niedertrat, hörte er Stimmen, die wenig mit den weltlichen Gedanken in übereinſtimmung ſtanden, die ſeine Bruſt erfüllten. „Nein, nein, liebes Fräulein,“ ſagte die Stimme eines jungen Mannes in lebhaft bewegtem Tone— „verkennt mich nicht— haltet mich nicht für kuͤhn und anmaßend. Ich habe meine Liebe zu überwinden geſucht und den Stolz zu Hülfe gerufen, aber vergebens; nun mögt Ihr mich zurückweiſen oder nicht, Sibylla; ich er⸗ innere mich der Tage, wo wir uns mit einander unter⸗ redeten, und als Bruder, en e unter einem theurern Namen, bitte ich Eu wohl zu bedenken, welchen Ruf dieſer Lord Haſtings hat.“ „Junker Nevile, iſt dies großm trübt Ihr mich ſo? Warum vereint ? Warum be⸗ hr meinen Namen mit dem eines ſo großen Lords?⸗ lam, haite acht, daß , die ihn habe und er Geiſt Snig eile. „Weil— hütet Euch— weil die jungen Herren ihn ſchon mit demſelben vereinen und ihre Prophezei⸗ hungen nicht zu Eurer Ehre gereichen, Sibylla. Nein, ſeht mich nicht finſter an. Ich weiß, daß Ihr ſchoͤn und einnehmend ſeid und mit vielen Vorzügen begabt, und ſo viel ich weiß, mag Euer Vater im Stande ſein, Euch mit ſeinen ſchrecklichen Maſchinen die Mitgift einer Köni⸗ gin zu prägen. Aber Haſtings wird Euch nicht heirathen, und ſeine Bewerbung bringt daher nur Eurem guten Ruf Schaden, während ich—“* „Ihr!“ ſagte Montagu, plötzlich eintretend—„Ihr, Vetter, könntet eine beſſere Partie erwarten, als die Dienerin der Herzogin von Bedford. Nun, Fräulein, 8⁰ redet, wollt Ihr dieſen jungen Herrn als Geliebten oder Verlobten annehmen? Wenn das iſt, ſo ſoll er Euch ein Herrenhaus als Mitgift geben und Ihr ſollt Sammeikleider und goldene Ketten tragen, wie eines Ritters Weib.“ Dieſe unerwartete Dazwiſchenkunft, die vollkommen nach der Art der großen Lords war, die oft in ſehr be⸗ ſtimmten Ausdruücken für ihre Klienten und Verwandten warben, vollendete den Widerwillen, den der derbe Mar⸗ maduke bereits in Sibylla's ſanfter, aber ſtolzer Natur erregt hatte.„Redet, Mädchen, ja oder nein?“ fuhr Montagu fort, unt und erzürnt über das hoch⸗ müthige Schwei nner Perſon, die er ſo eben von Anſehen und Namen kannte, obgleich er ſie nie vorher angere atte. 1. „Nein, antwortète Sibylla, indem ſie ihren Unwillen über ſeinen Ton unterdrückte, vbgleich ſich derſelbe in ihren glühenden Wangen, in ihrem ſprü⸗ henden Auge und ihrem gehvhenen Buſen zu erke gab.„Nein! und Euer Vetter hätte es ſich erſpar konnen, eine Perſon zu beleidigen, die— aber es li nichts daran.“ Während ſle dieſe Worte ſprach, gi ſie raſch aus dem Zelt, den Gang hinauf und trat in d der Mutter der Königin. „Es iſt am beſten ſo Ihr ſeid noch zu jung zu Helrathen, Marmahnke,“ ſagte Montagu kalt.„Wir wollen Euch bald eine reichete Braut ansſuchen. Da iſt z. B. Maria von Winstown, des Erzbiſchofs Mündel! — mit zwei Schlöͤſſefn und mit den Einkünften von ſieben Rittenn,* 4 81 Heliebten„Aber ſo außerordentlich häßlich, Mylord,“ ſagte o ſoll er der arme Marmaduke ſeufzend. Ihr ſollt Montagu ſah ihn erſtaunt an.„Weiber ſind nicht vie eines zum Angucken da, Herr,“ ſagte er,„wenn es nicht vielleicht die Weiber von gndern Männern ſind. Aber lkommen fort mit dieſen Thorheiten. Geht an Euren Poſten an ſehr be⸗ des Königs Zelt; bittet Lord Fauconberg und Aymer wandten Nevile, die Ihr Beide in jener Laube treffen werdet— be Mar⸗ bittet ſie in meinem Namen, ſich in her Nähe des Zelts er Natur aufzuhalten, wenn der Khnig zu Abeiid ſpeist. Ein Wort 2s fuhr in Euer Ohr— ehe die Gonne die Gipfel jener gränen as hoch⸗ Eichen vergoldet, wird der Graf von Warwick hei Eduard eben von dem Vierten ſein; es mag geſchehen was will, ſo wird rſie nie a es gut ſein, wenn einige wackere Herzen da find, um 1 aleinnenezn heißen. Geht! 1 Zeit zur Antwort zu laſſen, trat Mon⸗ undem ſie vbgleich ſem ſprü⸗ erkennen erſparen von den Zelten, wo Raoul de Fulke und John ſich unterredeten, ohne auf Hirſch ten, und Marmaduke, ſehr verwirrt und Mündel ten von bne 1— Beim Himmel 8² da fah man die Geſtalten einer Dame und eines Ritters, die ſich, von den Übrigen abgeſondert, die Baumgänge hinunterſchlichen, bis ſie ſich im Schatten verloren— denn unter jener Regierung war die Galanterie allge⸗ mein. Vor dem königlichen Pavillon ſtand eine Bande von luſtigen Jongleurs, in welche die alten und geehrten Minſtrels nach und nach entarteten, und warteten auf das Signal, ihre Spiele zu beginnen, und horchten auf das Gelächter, welches aus dem königlichen Zelte drang. In demſelben ſpeitten Eduard, der Graf de la Roche und Lord Rivers, während in einem größeren und glän⸗ zenderen Pavillon, in geringer Entfernung, die Königin, ihre Mutter und die großen Damen des Hofes ihre fru⸗ galere und weniger lärmende Mahlzeit einnahmen. 1 „Und hiemit,“ ſagte Eduard, indem er einen denen, mit Edelſteinen beſetzten Becher an ſeine v ſetzte und ihn dem Baſtard Anton reichte,„hier, Herr Graf, wollen wir zuerſt auf die Liebe Eharolbis, Margarethens trinken!“ 2 Der Graf leerte den Becher und— Wein ab 8 neues Feuer „Und mit bieſer Liebe, Körig, binden wir auf immer Burgund nd 0 Frankreich!“ „Ja, wehe Fran 13 d 3 duard) deſſen Ge⸗ ſicht ſich mit jeller kieerlſchen e erhellte, die e ſtets bei Gedanke 85 empfand—„denn wir wof leſem Sch 1eun Lühwig, die Länder wieder erde nicht eher „ was Lancaſter ruhen, als bis York wieder verloren ich Engl Burgund Königre finſter an Graf An würde er: „Do⸗ niſch,„r Königs e „Ein ſolcher U Normand Indeſſen — wir be ſern neuer Graf, ei als einen ihn komm Währ ebenen R ein Auger des fröhln erhob ſich und nähe ſtill.„De Solhaten es Ritters, Zaumgänge perloren— erie allge⸗ ine Bande ad geehrten arteten auf orchten auf zelte drang. e la Roche und glän⸗ ie Königin, s ihre fru⸗ hmen. einen gol ine Lippen b—„denn nicht eher Lancaſter llte, die 8 8³ verloren hat, und von den Abſchnitzeln des Reiches, die ich England hinzufügen werde, ſoll Euer Bruder von Burgund genug haben, um ſein Herzogthum in ein Königreich zu verwandeln. Wie nun, Rivers? Ihr ſeht finſter aus, guter Vater.“ „Mein Lehensherr,“ ſagte Rivers, ſich aufraffend, „ich dachte nur, wenn der Graf von Warwick—* „Ha, ich vergaß,“ fiel Eduard ein,„und wahrlich, Graf Anton, ich denke, wenn der Graf dabei wäre, ſo würde er unſere gute Kameradſchaft nicht ſehr verbeſſern!“ „Doch ein guter Unterthan,“ ſagté de la Roche höh⸗ niſch,„richtet ſein Geſicht gewöhnlich nach dem ſeines Koͤnigs ein.“* „Ein Unterthan! ja, aber Warwick iß etwa ein ſolcher Unterthan für England, wie Wilhelm von der Normandie, oder Herzog Rollo für Frankreich waren,⸗ Indeſſen laßt ihn kommen— unſer Reich iſt im Frieden — wir bedürfen ſeiner Streitaxt nicht mehr, und bei un⸗ ſern neuen Plänen mit Frankreich iſt Euer Bruder, kühner Graf, ein Verbündeter, der für einen größeren Verluſt als einen mürriſchen Miniſter entſchähigen kann. Laßt ihn kommen!“ Während der König ſprach, hörte man auf dem ebenen Raſen die leiſen Hufſchläge von Pferden. Noch ein Augenblick, und von der äußern Grenze der Scene des fröhlichen Geloges, wo die königliche Wache ſtand, erhob ſich ein lang gehaltener und lauter Zuruf. Näher und näher kamen die Hufſchläge, und dann war Alles ſtill., Dem Rufe nach iſt es Richard von Gloneeſter! die Solbaten liehen jenen wackern Jungen,“ ſagte der König. 84 Marmaduke Nevile zog als aufwartender Cavalier den Vorhang des Pavillons auf die Seite, und als er einen Namen ausſprach, wobei alle Wangen erblichen, die ihn hörten, trat der Graf von Warwick in die könig⸗ liche Nähe. Des Grafen Kleidung war unordentlich und von der Reiſe beſchmutzt; die ſchwarze Feder an ſeinem Baret war eingeknickt und hing dunkel über ſein Geſicht; ſeine Reiterſtiefel, die bis halb über ſeine Schenkel herauf⸗ gingen, waren mit Staub bedeckt, und doch, als er ein⸗ trat, ſchrumpften de la Roche, Rivers und ſelbſt der prächtig geputzte Eduard vor der Majeſtät ſeiner Hal⸗ tung und der Größe ſeiner Statur zu gewoͤhnlichen Men⸗ ſchen zuſammen! In dem Manne— in ſeiner Miene ſeinem Auge, ſeiner Geſtalt, ſeiner Stellung— lag etwas, was in früheren Zeiten durch den Zuruf der Menge Könige hervorbrachte— eine unverkennbare Herrſchaft, wie die eines Mannes, den die Natur ſelber zur Macht und Herrſchaft gebildet und geſtempelt hat. Alle drei waren aufgeſtanden, als er eintrat, und auf ein tieſes Schweigen folgte ein Ausruf von Eduard, und dann war wieder Alles ſiill. Der Graf ſtand eine oder zwei Sekunden da und be⸗ trachtete ruhig die Wirkung, die er hervorgebracht hatte. Nachdem ſein dunkles Auge von dem Einen zum Andern gewandert war, ruhte daſſelbe voll auf de la Roche, welcher vergebens verſuchte, vor den Blicken nicht zu erbeben, endlich aber mit verſtellter Verachtung lächelte, ſeine Hand auf ſeinem Dolche ruhen ließ und auf ſeinen Stuhl zurüuͤckſank. „Mei er ſein Ba Reſpekt naͤ Eurer Mo aber ich meinen W die mir Er gelungen, biſchof vor Hauptſtad⸗ Monarcher die das W ſichern. En will Koͤnig Papſtes u jährlichen Eure Maj alſo erlang „Freuben di „Vette gefaßt hatt nehmen, 1 Nachrichte ſo gewandt den Staat und vor de die Adern Geſicht ſie Tavalier d als er eblichen, e könig⸗ von der n Baret öt; ſeine herauf⸗ 3 er ein⸗ elbſt der ier Hal⸗ en Men⸗ Miene — lag truf der kennbare ur ſelber pelt hat. und auf ard, und und be⸗ ht hatte. Andern a Roche, nicht zu lächelte, nf ſeinen 8⁵ „Mein Lehensherr,“ ſagte Warwick dann, indem er ſein Baret abnahm und ſich dem Könige mit ernſtem Reſpekt näherte,„ich bitte um Verzeihung, daß ich mich Eurer Majeſtät in ſo beſchmutzten Reiſerleidern nähere, aber ich habe Euch Nachrichten zu bringen, die mir meinen Willkommen ſichern. Die feierliche Geſandtſchaft, die mir Eure Majeſtät übertragen, iſt mit Gottes Segen gelungen, und der Sohn von Bourbon und der Erz⸗ biſchof von Narbonne find auf ihrem Wege zu Eurer Hauptſtadt. Die Verbindung zwiſchen den beiden großen Monarchen Europa's iſt unter Bedingungen geſchloſſen, die das Wohl Englands und den Glanz Eurer Krone fichern. Euren Anſpruch an die Normandie und Guienne will Koͤnig Ludwig dem ſchiedsrichterlichen Urtheil des Papſtes unterwerfen und Eurer Schatzkammer einen jährlichen Tribut zahlen; dieſe Vortheile, größer als Eure Majeßät mich bevollmächtigt, ſte zu fordern, ſind alſo erlangt, und ſein königlicher Bruder erwartet mit „Freuden die Hand der Lady Margaretha.“ „Vetter,“ ſagte Eduard, der ſich vollkommen wieder gefaßt hatte und dem Grafen winkte, einen Sitz einzu⸗ nehmen,„Ihr ſeid ſtets willkommen, welches auch Eure Nachrichten ſein mögen; aber es wundert mich, daß ein ſo gewandter Staatsmann dieſe Angelegenheiten, die vor den Staatsrath gehören, zu dieſer unpaſſenden Stunde und vor den heitern Kameraden eines fröhlichen Gelages beginnt.“ „Ich rede, Sire,“ ſagte Warwick ruhig, obgleich die Adern ſeiner Stirn aufſchwollen und ſein dunkles Geſicht ſich ſehr röthete—„ich rede offen von dem, was auf edle Weiſe geſchehen iſt, und dieſe Wahrheit hat aufgehört, eine Sache des Staatsrathes zu ſein, da der gemeinſte Bürger, der Ohren und Augen hat, wiſſen muß, zu welchem Zwecke die Geſandten König Ludwigs mit dem Repräſentanten Eurer Majeſtät in England ankommen.“* Eduard, der bei dieſem Tone verlegener wurde, als er hatte vorherſehen können, ſchwieg; aber de la Roche, welcher begierig war, ſeines Bruders Feind zu demüthigen und es auch für gerathen hielt, den König aufzuregen, ſagte nachläſſig:„Es iſt Schade, Herr Graf, daß die Bürger, die Ihr mit den Gedanken der Könige bekannt haltet, den Erzbiſchof von Narbonne nicht benachrich⸗ tigt haben, daß, wenn er ein ſchöneres Schauſpiel als ſelbſt die Paläſte von Weſtminſter und den Tower ſehen wolle, er zurückeilen ſolle, um die Fahnen von Burgund und England von den Thürmen von Notre⸗Dame wehen zu ſehen.“ Ehe der Baſtard noch geendet hatte, lehnte ſich Rivers zurück und flüſterte dem König zu:„Um Gottes Willen, Sire, wählt einen paſſenderen Schauplatz zu dem, was folgen muß! Bringt Euren Gaſt zur Ruhe!“ Aber Eduard, dem es geſiel, daß de la Roche das Eis brach, und welcher hoffte, daß ein Ausbruch von Warwick ihm eine beſſere Entſchuldigung zu einem Bruche geben werde, ſagte finſter:„Still, Graf, miſcht Euch nicht in die Sache!“ „Wenn ich nicht irre,“ ſagte Warwick kalt,„ſo iſt der, welcher mich anrehet, der Graf de la Roche— ein Fremder.“ „Und la Roche von Engl „Lüg einen Au Der ihm, ſich die ihn ſel verletzt di Eurer Ab bei einer unſere Ab unſere Sch Charolois heit hat „da der , wiſſen Ludwigs England urde, als la Roche, müuͤthigen ffzuregen, , daß die ge bekannt enachrich⸗ auſpiel als pwer ſehen Burgund ame wehen lehnte ſich Um Goites hauplatz zu zur Ruhe!“ Roche das sbruch von nem Bruche miſcht Euch kalt,„ſo iſt poche— ein 87 „Und der Bruder des Erben von Burgund,“ ſiel be la Roche ein—„Bruder des Verlobten Margarethens von England.* „Lügt dieſer Mann?“ fragte Warwick, der ſich auf einen Augenblick geſetzt hatte und jetzt wieder aufßand. Der Baſtard ſprang auch auf, aber Eduard winkte ihm, ſich zurückzuhalten, nahm die äußere Würde an, die ihn ſelten verließ und erwiderte:„Vetter, Eure Frage verletzt die Höflichkeit gegen unſern edlen Gaſt. Seit Eurer Abreiſe haben Staatsrückſichten, die wir Euch bei einer paſſenderen Gelegenheit mittheilen werden, unſere Abſicht verändert, und wir wollen jetzt, daß unſere Schweſter Margaretha ſich mit vem Grafen von Charolois vermähle.“ „Und dies zu mir, König,“ rief der Graf, deſſen Leidenſchaften auf einmal losbrachen—„dies zu mir! — Nein, hlickt nicht finſter, Eduard— ich bin von dem Geſchlechte derjenigen, die, größer als Könige, Throne erbaut und ſie wieder umgeſtürzt haben! Ich ſage Euch, Ihr habt meine Ehre gemißbraucht und Eure eigene belogen— Ihr habt Euch ſelber erniedrigt, indem Ihr Euer Spiel mit mir triebt, dem Repräſentanten Enrer königlichen Würde!— Lord Rivers, tretet zurück — es ſind Schranken genug zwiſchen der Wahrheit und einem Könige!“ „Beim heiligen Georg und meines Vaters Haupt!* rief Eduard mit einer Wuth, nicht weniger heftig als die des Grafen von Warwick—„Ihr m ßbraucht, fal⸗ ſcher Lord, meine Gnade und unſer verwandtes Blut. Noch ein Wort und Ihr vertauſcht dieſen Pavillon mit dem Tower!“ „König!“ verſetzte Warwick verächtlich, indem er ſeine Arme über ſeine breite Bruſt zuſammenfaltete— „es iſt kein Haar auf dieſem Haupte, welches Euer ganzes Haus, Eure Wachen und Eure Armeen anzu⸗ rühren wagen würden. Mich in den Tower! Schickt mich dorthin— und wenn die dritte Sonne das Dach des Gefängniſſes und Palaſtes röthet— ſo ſeht Euch im weiten England um, und Ihr werdet Euren Thron ver⸗ miſſen!“ „Heda, draußen!“ rief Eduard mit dem Fuße ſtampfend, und in dem Augenblick wurde der Vorhang des Zeltes haßtig geöffnet und Richard von Gloueeſter trat ein, welchem Lord Haſtings, der Herzog von Cla⸗ rence und Anton Woodville folgten. „Ha!“ fuhr der König fort,„Ihr kommt zur rechten Zeit. Georg von Clarence, Lord Conſtable von England — arretire jenen hochmüthigen Mann, der es wagt, ſeinem Lehensherrn zu drohen!“ Sich zwiſchen Clarence, der ſtumm und wie von Donner getroffen da ſtand, und den Grafen von War⸗ wick ſtellend, ſagte Prinz Richard mit einer Stimme, die zwar ſanfter als gewöhnlich war, aber mehr Gewalt über die, welche ſie hörten, ausübte, als da ſie im Donner an den Gliedern ſeiner Krieger zu Barnet oder Bot⸗ worth dahin rollte:„Eduard, mein Bruder, erinnen Euch an Touton und haltet ein— Warwick, mein Vette, vergeßt nicht Euren König noch ſeinen todten Vater! Bei dieſen letzten Worten veräͤnderte ſich des Grafae Geſicht; wolle ſei geſunder und zeig Vortheil⸗ Eouard war der erhobener umzuſtür führen, ihm zuflüf menge, d ſcheint, i kann kaur haft iſt ih Richard r den Vork koͤnigliche aber unge als ſollte ner, Wei murmelte und die villon mit indem er rfaltete— lches Euer neen anzu⸗ rl Schickt das Dach ht Euch im Thron ver⸗ dem Fuße er Vorhang Gloueeſter og von Cla⸗ it zur rechte von England her es wagt, und wie von en von War⸗ Stimme, die nehr Gewalt ie im Donner et oder Bot⸗ der, erinnen mein Vetten dten Vater! ich des Grafen 89 Geficht; denn dieſem Vater hatte er geſchworen, er wolle ſeine Söhne unterſtützen und vertheidigen; ſein geſunder Verſtand wendete ſich von ſeinem Stolze ab und zeigie ihm, wie ſehr ſein ungemäßigter Zorn ſeine Vortheile vergeſſen habe, die er durch das ihm von Eouard widerfahrene Unrecht erlangt hatte. Inzwiſchen war der König mit flammenden Augen und eben ſo hoch erhobenem Haupte im Begriff, vielleicht ſeinen Thron umzuſtürzen durch den Verſuch, ſeine Drohung auszu⸗ führen, als Anton Woobville, welcher Clarence folgte, ihm zuflüſterte:„Haltet ein, Sire! Eine zahlloſe Volks⸗ menge, die den Schritten des Grafen gefolgt zu ſein ſcheint, iſt bereits in das Jagdrevier eingedrungen und kann kaum von der Stelle zurückgehalten werden, ſo leb⸗ haft iſt ihr Wunſch, ihn zu ſehen. Seht Euch vor!“— Richard vernahm dieſe leiſen Worte und öffnete plötzlich den Vorhang des Zeltes. Auf dem Raſen wurhe die königliche Leibwache, die man von ihrem benachbarten aber ungeſehenen Poſten herbeigerufen hatte, aufgeſtellt, als ſollte ſie die ungeheure Menge zurückhalten— Män⸗ ner, Weiber, Kinder, die im Hintergrunde lärmten und murmelten. Aber ſobald der Vorhang weggezogen war, und die Leibwache die königlichen Prinzen erblickte und den großen Grafen mitten unter ihnen, da meinten ſie in ihrer Unwiſſenheit, dieſe Scene ſollte zu ihrer Beluſti⸗ gung dienen, und die alten Krieger von Touton erhoben ein lautes und langgehaltenes:„Hurrah— es lebe War⸗ wick und der König— der Koͤnig und der wackere Graf!. Die Menge im Hintergrunde wiederholte das Geſchrei, Bulwer, Barone, II. 7 drängie ſich vorwärts und miſchte ſich unter die Soldaten, die ſie nicht mehr zurückzuhalten ſuchten. „Warwick, Warwick!“ riefen fie,„Gott ſegne den Freund des Volkes!“ Erſchrocken und mit finſterem Blicke zog ſich Eduard in den Hintergrund des Zeltes zurück. De la Roche wurde blaß, aber mit der Geiſtesgegen⸗ wart eines erfahrenen Staatsmannes trat er haſtig vor und zog den Vorhang zu. „Soll der Pöbel den Streit ſeiner Herren angaffen,“ ſagte er in franzöſiſcher Sprache zu Richard. „Ihr habt Recht, Herr Graf,“ fluſterte Richard milde; ſein Zweck war erreicht, und indem er ſich auf ſeine Reitpeitſche ſtützte, erwartete er, was da kommen ſollte. Ein ſanfterer Schatten hatte ſich über des Grafen Geſicht verbreitet, bei dem Beweiſe der Liebe, die man für ſeinen Namen hegte; es ſchien ſeiner edlen, obgleich hochmüthigen und ungeduldigen Natur faſt, als habe ihn die Zärtlichkeit des Volkes mit der Undanlbarkeit des Königs ausgeſöhnt. Eine Thräne trat in ſein ſlolzes Auge, doch er blinzelte ſte weg und näherte ſich Eduard, der aufrecht ſtehen blied, mit allem Zorn eines Monarchen auf ſeiner Stirn, und ſagte in einem Tone unterdrückter Bewegung:„Eire, es iſt nicht meine Sache, einen le⸗ benden Menſchen um Verzeihung zu bitten; aber bie ſchreckliche Beleidigung, die man meinem Range und meiner Ehre angethan, hat meine Worte zu einem Uber⸗ maß geführt, welches mein Herz bereut. Es thut mir leid, daß Eure Majeſtät dieſe Verhindung gewählt haben; ſp fahren, w verächtliche meine Amt wie es Eue ſchaft abzu rechtfertigen Middleham allein, unbe begleitet hi oder Ritter ausführen u königlichen gleiten.“ S erhob es da warte den I freien Platz 3 Grafen die man obgleich habe ihn arkeit des in ſlolzes „Eduard, Nonarchen teerdrückter einen le⸗ aber bie tange und nem Über⸗ thut mir g gewäͤhſt 91 haben; ſpäter werdet Ihr in der Noth vielleicht er⸗ fahren, welches Vertrauen auf Burgund zu ſetzen iſt.* „Wagt Ihr daran zu zweifeln?“ rief de la Roche. „Unterbrecht mich nicht, Herr!“ fuhr Warwick mit verächtlicher Geberde vor.„Mein Lehnsherr, ich lege meine Ämter nieder und überlaſſe es Eurer Majeſtät, wie es Euch beliebt, den Geſandten Frankreichs Rechen⸗ ſchaft abzulegen— ich werde mich gegen ihren König rechtfertigen. Und nun, ehe ich zu meinem Schloſſe Middleham abreiſe, ſage ich, Richard Nevile, der ich allein, unbewaffnet und nur von einem einzigen Knappen begleitet hier ſtehe, wenn ſich irgend ein Mann, Pair oder Ritter, findet, der die Drohung Eurer Majeſtät ausführen und mich arretiren will, ſo werde ich Eurem königlichen Willen gehorchen und ihn in den Tower be⸗ gleiten.“ Stolz neigte er ſein Haupt, während er ſprach, erhob es dann wieder, ſah ſich um und ſagte:„Ich er⸗ warte den Willen Eurer Majeſtät.“ „Geht, wohin Ihr wollt, Graf. Von dieſem Tage an regiert König Eduard der Vierte allein,“ ſagte der König. Warwick wendete ſich um:„Mylord Seales,“ ſagte er,„erhebt den Vorhang; nein, Herr, es entehrt Euch nicht. Ihr ſeid noch immer der Sohn des Wood⸗ ville und ich der Nachkomme Johanns von Gaunt.“ „Nicht für den todten Vorfahren, ſondern für den lebenden Krieger,“ ſagte Lord Seales, den Vorhang er⸗ hebend und ſich mit ritterlicher Anmuth verneigend, als der Graf vorüber ging. Kaum war Warwick auf dem freien Platz, als das Volk alle Schranken durchbrach und das Geſchrei ſeiner Freude mit ſeinem verhaßten Donner das königliche Zelt erfüllte. „Eduard,“ ſagte Richard leiſe, indem er den Arm ſeines Bruders mit ſeinem Finger berührte—„verzeiht mir, wenn ich fehlte, aber hättet Ihr Euch zu einer ſolchen Zeit zur Gewaltthätigkeit entſchloſſen—“ „Ich ſehe jetzt Alles ein— Du hatteſt Recht. Aber ſoll ich denn dies auf immer dulden?“ „Sire,“ entgegnete Richard mit ſeinem düſtern Lächeln,„bleiht ruhig; das Zeitalter iſt Euer beſter Verbündeter und das Zeitalter wächst aus dem Helm und Panzer heraus. Eine kurze Weile und—* „Und was—“* „Und— ah, Sire, ich will dieſe Frage beantworten, wenn unſer Bruder Georg entweder das Horchen ein⸗ ſtellt oder mit Iſabella Nevile verheirathet iſt und einen Streit mit ihrem Vater hat wegen der Mitgift.— He da! laßt die Jongleurs ſpielen!“ „Die Jongleurs!“ rief der König;„ei Richard, Du biſt leichtſinniger als ich!“ „Verzeiht mir! Laßt die Jongleurs ſpielen und das Volk da bleiben. Durch das Lachen über die Poſſenreißer könnt Ihr das Volk am beſten dahin bringen, ihren Warwick zu vergeſſen!“ Zehntes Kapitel. Wie die großen Lords zu dem Königmacher kommen, und mit welchen Anerbietungen. Die Aufregung bemelſternd, die in ihm tobte, er⸗ widerte Höflichke Begrüßu endlich ſe der ihm Gänge d die unw ſein ſtolz Knappe, ſich ausge habe, rit Geſicht ſagte:„ und wir Horch! friſches T erhaßten den Arm „verzeiht zu einer ſt und einen ift.— He dichard, Du Aen und das Poſſenreißer ugen, ihren nen, und mit ntobte, er⸗ 9³ widerte Lord Warwick mit ſeiner gewohnten heitern Höflichkeit den Zuruf der Menge, ſowie die begeiſterten Begrüßungen der königlichen Leibwache; aber als er endlich ſein Roß beſtieg und von dem Knappen begleitet, der ihm von Dover gefolgt war, durch die einſame Gänge des Jagdreviers ritt, regte die Erinnerung an die unwürdige Behandlung, die ihm widerfahren war, ſein ſolzes Herz ſo heftig auf, daß er laut ſeufzte. Sein Knappe, welcher fürchtete, daß die Anſtrengung, der er ſich ausgeſetzt, ſelbſt ſeine eiſerne Geſundheit überwunden habe, ritt bei dem Seufzer zu ihm hin und Warwicks Geſicht war farblos, als er mit erzwungenem Lächeln ſagte:„Es iſt nichts, Walter. Aber dieſe Hitze iſt drückend und wir haben unſern Morgentrunk vergeſſen, Freund. Horch! ich höre einen Bach plätſchern, und ein Trunk friſches Waſſer wäͤre mir jetzt angenehmer, als der ſchmack⸗ hafteſte Gewürzwein!“ Mit dieſen Worten warf er ſich von ſeinem Pferde, folgte dem Rauſchen des Baches, erreichte ſeine Ufer, und nachdem er aus ſeiner hohlen Hand ſeinen Durſt gelöſcht, legte er ſich auf das lange Gras nieder, welches kühl über den Rand hinwehte. Aus dieſer Träumerei wurde er durch einen raſchen Fußtritt erweckt, und als er ſeinen düſtern Blick erhob, ſah er Marmaduke Nevile an ſeiner Sette. „Nun, janger Mann,“ ſagte er finſter,„mit welcher Botſchaft ſeid Ihr beauftragt?“ „Mit keiner, Herr Graf. Ich erwarte keinen andern Befehl, als den Eurigen.“ „Ihr wißt nicht, armer Juͤngling, daß ich Euch nicht mehr dienen kann; kehrt an den Hof zurück.“ „O Warwick,“ ſagte Marmaduke, mit einfacher Be⸗ redſamkeit,„ſchickt mich nicht von Eurer Seite! Heute bin ich von dem Mädchen verworfen worden, welches ich liebte. Ich liebte ſie innig und mein Herz blutete in mir; aber jetzt tröſtet es mich, ſo zurückgewieſen zu ſein — keine Treue, keine Liebe ſchuldig zu ſein, als die beſte von allen— nämlich einem tapfern Manne— Liebe und Treue einem Heldenanführer! Wo Euer Glück iſt, da iſt auch mein beſcheidenes Schickſal— mit Euch zu ſtei⸗ gen oder zu fallen!“ Warwick ſah ſeinem jungen Vetter aufmerkſam ins Geſicht und ſagte wie bei ſich ſelber:„Et, dies iſt ſelt⸗ ſam! Ich gab dieſem Manne keine Krone und er verläßt mich nicht. Mein Freund,“ fügte er laut hinzu,„hat man Euch ſchon geſagt, daß ich geſtürzt bin?“ „Ich hörte Lord Seales zu dem jungen Lovell ſagen, daß Ihr von allen Euren Amtern entlaſſen wäret, und ich kam hieher, denn ich will nicht länger einem Könige dienen, der den Arm und das Herz vergißt, denen er ein Königreich verdankt.“ „Mann, ich nehme Euer Anerbieten an!“ rief War⸗ wick aufſpringend;„und wißt, daß Ihr mehr gethan habt, meinen Geiſt zu ſchmelzen und doch zu ſtärken, als — aber Klagen ſind thöricht für mich, und das Lob wäre keine Belohnung für Euch.“ „Aber ſeht, Mylord, wenn ich auch zuerſt zu Euch komme, ſo bin ich voch nicht der Einzige. Seht, der wackere Raoul de Fulke, der Lord St. John, Berga⸗ venny und Fitzhugh, ja und noch fünfzig Andere von dem beſten engliſchen Blut ſind auf Eurer Spur.“* Und wänder! Augenbli die Blüte aufhielt, „ Iſt recht gel Vierte di des Köni „Rit Lächeln, ner im 7 laſſen? unter der Middlehe „Keh „ und Ed oder wir mächtiger edler, als „ Me Hand auf gerechten Er iſt ger Armer E welche K von der des Elfte er Eurer ich mein in zu ſein hell ſagen, äret, und n Könige nen er ein rief War⸗ r gethan irken, als Lob wäre zu Euch Seht, der „Berga⸗ ndere von zur.* 9⁵ Und während er ſprach, ſah man Federn und Ge⸗ wänder den Waldweg daher ſchimmern, und im nächſten Augenblick kam ein Trupp von Rittern und Herren, der die Blüte des alten Adels bildete, der ſich noch am Hofe aufhielt, mit entblößten Hänptern auf Warwick zu. „Iſt es möglich,“ rief Raoul de Fulke,„daß wir recht gehört haben, edler Graf? Und hat Eduard der Vierte die verworfenen Woodvilles über das Bollwerk des Königreichs triumphiren laſſen?“ „Ritter und Herren,“ ſagte Warwick mit bitterem Lächeln,„iſt es etwas ſo Ungewöhnliches, daß die Män⸗ ner im Frieden die Streitaxt und das Schwert roſten laſſen? Ich bin nur eine nutzloſe Waffe, die in Ruhe unter den Trophäen von Touton in meiner Halle zu Middleham aufgeſtellt werden ſoll.“ „Kehrt mit uns zurück,“ ſagte Lord St. John, „und Eduard ſoll Euch Gerechtigkeit widerfahren laſſen, oder wir wollen Alle einen Hof verlaſſen, wo Schurken mächtiger geworden find, als engliſche Tapferkeit und edler, als normänniſche Geburt.“ „Meine Freunde,“ ſagte der Graf, indem er ſeine Hand auf St. Johns Schulter legte,„nicht einmal im gerechten Zorn will ich meinem Könige Unrecht thun. Er iſt genug beftraft durch die Wahl, die er getroffen hat. Armer Eduard und armes England! Welches Wehe und welche Kriege erwarten euch Beide von dem Golde, von der Liſt und dem ſchonungsloſen Haſſe Ludwigs des Elften! Nein, wenn ich Eduard verlaſſe, ſo bedarf er Eurer um ſo mehr. Aus eigenem freien Willen habe ich mein Amt niedergelegt.“ „Warwick,“ fiel Raoul de Fulke ein,„bies täuſcht uns nicht, und in der Euch zugefügten Schande ſehen die alten Barone Englands den erſten Schlag, der auf ißren ganzen Stand geführt wird. Wir haben ſchwei⸗ gend Unrecht geduldet, während Ihr des Schild und das Schwert jenes ſchachernden Königs waret. Wir haben die alten Pairs von England wegen der Leute von geſtern verächtlich übergehen ſehen; wir haben unſere Töchter, Schweſtern— ja ſelbtt unſere Mütter, wenn ſie verwittwet und reich waren— zu gemeinen und verächt⸗ lichen Eheverbindungen mit Geſchöpfen gezwungen ge⸗ ſehen, die in Titel gekleidet und mit Reichthum vergoldet waren, den man uns geſtohlen hatte. Kaufleute und Handwerker treten auf unſere ritterlichen Ferſen, und die Habſucht des Handels verſchlingt unſer Ritterthum wie ein Roſt. Wir Edellente aus einer größeren Zeit haben die Krone zu unſerer Verfügung gehabt, und Wilhelm der Normanne wagte nicht zu denken, was Eduard, Graf von March, ungeſtraft thun durfte. Wir, Herr Graf— wir Ritter und Barone— möchten einen König, der Mann genug wäre, um zu machen, daß Männer ihn achten, Fürſt genng, um zu machen, daß Pairs ihm ver⸗ trauen. Rlcharb, Graf von Warwick, Ihr ſeid von königlichem Blut— der Nachkomme des alten Johann von Gaunt. Ja Euch ſehen wir die wahre, die lebendige Ahnlichkeit mit Eduard dem Dritten und dem Helden⸗ prinzen von Creſſy. Redet nur ein Wort, und wir machen Euch zum Könige!“ Der Abkömmling des No mannen, der Repräſentant der mächtigen Partei, die keinem engliſchen Monarchen je vergebe Worte ſp unter der zum Könn „Rich das Wort „Ich „auch ſol Fulke. A als er ſich helebt war moniren u glaubt Ih einer Keo unſerer me wie wir fi Was! we Runnymet dieſe Vät Mylords, Köͤnig zuf und Prunk Menge, de wie ihre L. Wicht für Gold ringt * In m tagenet ſtan Gaunt ab, vierten Glie täuſcht de ſehen der auf ſchwei⸗ ild und t. Wir eute von unſere wenn ſie verächt⸗ igen ge⸗ dergoldet eute und und die hum wie eit haben Wilhelm Eduard, 97 je vergebens getrotzt hatte, ſah ſich um, als er dieſe letzten Worte ſprach, und ein einſtimmiges Gemurmel wurde unter der erhabenen Gruppe laut:„Wir machen Cuch zum König!“ „Richard, Nachkomme der Plantagenet,“ ſprecht das Wort,“ wiederholte Raoul de Fulke. „Ich ſpreche es aber nicht aus,“ fiel Warwick ein; „auch ſollt Ihr nicht fortfahren, wackerer Raoul de Fulke. Was, Mylords und Herren,“ fügte er hinzu, als er ſich aufrichtete und ſein Geſicht von Gefühlen belebt war, mit welchen wir in unſerer Zeit kaum har⸗ moniren und ſie ſchwerlich klar machen können—„was! glaubt Ihr, daß der Ehrgeiz ſich auf den engen Kreis einer Krone beſchränkt? Größer und mehr im Geiſte unſerer mächtigen Väter iſt die Stellung von Männern wie wir find, der Barone, die Koͤnige ein⸗ und abſetzen. Was! wer wäre nicht lieber einer unſerer Väter zu Runnymede geweſen, als der verworfene Monarch, den dieſe Väter tadelten und ſchalten? Beim Himmel, Mylords, Richard Nevile hat eine zu ſtolze Seele, um Köͤnig zu ſein! Ein König— eine Puppe zum Staat und Prunk! Ein König— ein Feſttagsſchauſpiel für die Menge, den ſie ausziſchen, oder dem ſte Hurrah zurufen, wie ihre Laune es ihnen eingibt! Ein König, ein armer Wicht für die Nation, der mit ſeinem Parlament um Gold ringt! Ein König!— Richard der Zweite war * In weiblicher Linie durch Johanna Beaufort oder Plan⸗ tagenet ſtammte Warwick im dritten Gliede von Johann von Gaunt ab, wie Heinrich der Siebente in männlicher Linie im vierten Gliede. ein König und Lancaſter entthronte ihn. Ihr würdet mich zu einem Heinrich von Lancaſter erniedrigen. Ich danke Euch! die Gemeinen und die Lords erhoben ihn — für was? Um ihn als das Geſchöpf zu halten, wel⸗ ches ſie gemacht, ihn zu ſchelten, zu ärgern, ſich ſelbſt in ſeinen Haushalt zu miſchen und mit den Kammer⸗ mädchen und den Wäſcherinnen ſeiner Gemahlin zu zanken. Was] lieber Raoul de Fulke, iſt Euer Freund ſo tief gefallen, doß er— Graf von Salisbury und Warwick, das Oberhaupt des dreifachen Geſchlechts der Montagu, Monthermer und Nevile, der Herr von hun⸗ dert Baronſen, der Anführer von 60,000 Mann— nicht größer ſein ſollte, als Eduard von March, dem wir mit Eurer Erlaubniß noch den Namen und den Prunk eines Königs gönnen wollen?“ Dieſe außerordentliche Anrede drückte ſeltſam genug ſo vollkommen den eigenthümlichen Stolz der alten Barone aus, daß, als ſie geendet war, Toͤne der Be⸗ wunderung und des Beifalls unter jenen ſtolzen Zuhörern gehört wurden, und Raoul de Fulle plötzlich nieder⸗ kaicend des Grafen Hand küßte.„O edler Graf,“ ſagte er,„lebt immer, wie einer von uns, um unſern Rang aufrecht zu erhalten und Köͤnige und Nationen zu lehren, wer wir find.“ „Fürchtet es nicht, Raoul! Fürchtet es nicht— wir wollen dennoch unſere Rechte haben. Kehrt zurück, ich bitte Euch. Laßt mich fühlen, daß ich ſolche Freunde in der Nähe des Königs habe. Selbſt zu Middleham ſoll mein Auge unſere gemeinſchaftliche Sache überwachen; und bis ſleben Fuß Erde mir genugen, iſt Richard Nevile nicht ein viel wen iſt in Eu Armeen untergro Bei mit der Pferden hatte höt und ritt gemacht, war, und folgen. Dinge zu ihren Zor Middleha Die zurück. U geſchmück ſchimmer! Shakſpea ſich laut ver ſamme geſehen, Verehrung jr würdet igen. Ich poben ihn tten, wel⸗ ſich ſelbſt Kammer⸗ nahlin zu er Freund bury und lechts der von hun⸗ Mann— arch, dem und den ſam genug der alten ſe der Be⸗ Zuhörern ch nieder⸗ ſaf,“ ſagte 99 nicht ein Mann, den Koͤnige und Höͤfe vergeſſen, noch viel weniger entehren koͤnnen. Ihr Herren, Eure Ehre iſt in Euren Herzen und dort iſt der einzige Thron, den Armeen nicht erſchüttern, noch liſtige Ränkemacher untergraben koͤnnen.“ Bei dieſen Worten machte er eine ſanfte Bewegung mit der Hand, winkte ſeinem Knappen, der mit den Pferden ſo weit entfernt ſtand, daß er die Unterredung nicht hatte hören können, ſich zu nähern, beſtieg ſein Pferd und ritt ernſt weiter. Er hatte noch nicht viele Schritte gemacht, als er Marmaduke zu ſich rief, der zu Fuß war, und ihn bat, ihm an jenem Abend nach London zu folgen.„Ich habe den franzöfiſchen Geſandten ſeltſame Dinge zu erzählen, und um Eaglands willen muß ich ihren Zorn beſänftigen, wenn ich kann— und dann nach Middleham.“ Die Cavaliere kehrten langſam in ihre Pavillons zurück. Und als fie den offenen Platz erreichten, wo die geſchmückten Zelte noch in der untergehenden Sonne ſchimmerten, erblickten ſie den Pöbel jener Zeit, den Shakſpeare mit ſolcher Verachtung geſchildert hat, der ſich laut lachend um den Poſſenreißer und Beſchwörer ver ſammelt hatte, und welcher, wie Gloneeſter vorher⸗ geſehen, in ihren Gedanken bereits das Heldenidol ihrer Verehrung erſetzt hatte. Fünftes Buch. Der letzte der Barone in den Hallen ſeiner Väter. Erſtes Kapitel⸗ Das ländliche England im Mittelalter— Edle Gäſte beſuchen das Schloß Middleham. Der Herbſt war auf den Sommer gefolgt— der Winter auf den Herbſt— und der Frühling des Jahres 1468 war grün in England, als man einen tapfern Reitertrupp langſam einen langen Hügel gegen Ende des Tages hinaufreiten ſah. Verſchieden war der Anblick jenes Theils des Landes von dem, welchen die Landſchaft jetzt darſtellt, als ſte um ſie her da lag, in das Läch eln der weſtlichen Sonne gekleidet. In einem Thal zur Linken, in welches der hohe Weg eine volle Ausſicht gewährte und wo jetzt das Geräufch des Verkehrs in tauſend Fa⸗) briken ſich hören läßt, lag ein langes und einſames Dorf. Die Häuſer, wenn man ſie ſo nennen konnte, waren gänzlich von Holz erbaut, und noch dazu von der ver⸗ gänglichſten Art— von Weiden⸗, Ulmen⸗ und Pflaum⸗ baumholz. In keinem derſelben war ein Schornſtein, ſondern der Rauch von dem einzelnen Feuer, nachdem er die Att das Überf Offnung Provinzen Der Nau den Bewo er das er vor Rheun hewahre. ein gläſer: ſelbſt in d Scheunen dern erhob dieſe Mär arbeitenden beiter beſch Der Lohn dagegen d Vaterland Auf de ſchmutzigen der Handel Beweger verſammel der grimme das SGeſicht Jacken ode wetteiferten im Ringen der Mäͤdch Väter. e beſuchen t— der 8 Jahres tapfern gen Ende r Anblick der ver⸗ Pflaum⸗ hornſtein, nachdem 101 er die Atmoſphäre im Innern gehörig verdunkelt, ſchickte das Überflüſſige träge und ſtoßweiße durch eine runde Offnung im Dache. In der That hegte man in den Provinzen lange ein Vorurtheil gegen die Schornſteine. Der Rauch wurde ſowohl für das Haus, als auch für den Bewohner zut gehalten, man glaubte nämlich, daß er das erſtere ſtärker und feſter mache und den letzteren vor Rheumatismus, Katarrh und vor dem Stockſchnupfen hewahre. Auch befand ſich in keiner dieſer Wohnungen ein gläſernes Fenſter und anſtatt deſſen diente ein Gitter, ſelbſt in dem Hauſe des Freiſaſſen, welches ſich, von Scheunen und Schuppen umgeben, ſtattlich über die an⸗ dern erhob. Und doch würden wir ſehr irren, wenn wir dieſe Mängel als ein Zeichen der allgemeinen Lage der arbeitenden Klaſſen betrachten wollten. Wenn der Ar⸗ beiter beſchäftigt war, ſo ſtand er ſich viel beſſer als jetzt. Der Lohn war ungeheuer hoch und die Nahrungsmittel dagegen außerordentlich wohlfeil, und unſer gütiges Vaterland ernährte ſeine Kinder. Auf dem Raſenplatze vor dem Dorfe(jetzt mit einer ſchmutzigen und ſtinkenden Bevölkerung angefüllt, die der Handel hervorbringt— die Schlachtopfer, ſowie die Beweger der modernen Welt) waren Jugend und Alter verſammelt; denn es war der Abend eines Feſttages, und der grimmige Puritaner hatte ſich noch nicht erhoben, um das Geſicht der Fröhlichkeit ſauer zu machen. In lederne Jacken oder ſelbſt in Wämmſer von Tuch gekleidet, wetteiferten die jungen Bauern im Scheibenwurf und im Ringen mit einander, während das heitere Gelächter der Mädchen in ihren grauen Miedern und ihrem mit 1⁰² Band durchflochtenem Haar häufig und luſtig in die Ohren der Reiterſchaar drang. Auf einer ſanften An⸗ hohe jenſeits des Dorfes und halb bebeckt von Bäumen, an welchen bas erſte Grün des Frühlings zu ſehen war, wo ſich jetzt um den Branntweinladen die trotzigen und kränklichen Kinder der Mühſeligkeit und Unzufriedenheit verſammeln, erhoben ſich die ehrwürdigen Mauern eines Kloſters und die ſchwere Glocke ertönte weit und lieb⸗ lich über die idylliſche Landſchaft. Zur Rechten des Weges, wo jetzt das nüchterne Verſammlungshaus ſteht, befand ſich eines von jenen kleinen Heiligthümern, die in Italien ſo häufig ſind, mit einem bunt bemalten Bilde der heiligen Jungfrau, und vor demſelben hielt Einer nach dem Andern an, um ſich zu bekreuzen und ein Ave zu murmeln. Jenſeits zur Rechten erſtreckten ſich unge⸗ heure Wälder, mit Streifen von Weideplätzen unter⸗ miſcht, wo zahlreiche Schafheerden weideten, ſo wie auch noch nicht zugerittene Pferde, welche wieherten und ſchnoben, als ſie ihre cioilifirteren Brüder auf dem Wege gewahr wurden.. Voran ritten zwei, die offenbar von hoͤherm Range waren als die Übrigen. Der Eine war klein und ſchlank und trug langes Haar, welches ihm über die Schulter niederfiel, und der Andere, obgleich noch jung, war doch mehre Jahre älter; dieſer deutete ſeinen geiſtlichen Stand durch die Abweſenheit der Liebeslocken an, wofür aber ein gekräuſelter und glänzender Bart, der mit der größten Sorgfalt geſchnitten war, Erſatz leiſtete. Aber die Kleidung des Geiſtlichen ſtand ſo wenig als möglich mit unſern modernen Anſichten von dem, was ſich füt bie Kirche von reichen zu ſeiner k belſchuhe e ſeiner Kle die Decken Thier war Pferde lief Zeit zärtlich deren golde dann folgt reich geklei⸗ das Wappe dem Gefolg bemerkte, d zogthums a „Nein, Euch zu be Edelmann des Hunden doch zarte L lebhaftes A „Dies Freund. W unſer Bulle⸗ Edelmannes aller Gefahr daher behau dem ganzen. Fell und eit in die en An⸗ iumen, en war, gen und denheit n eines no lieb⸗ ten des us ſteht, die in en Bilde 10³ die Kirche ſchickt, in Übereinſtimmung; ſeine Tunika von reichem Braun bildete einen vortrefflichen Gegenſatz zu ſeiner klaren und dunklen Geſichtsfarbe; ſeine Schna⸗ belſchuhe erhoben ſich halb zum Knie hinauf; die Schnallen ſeiner Kleidung waren von Gold und Edelſteinen und die Decken ſeines Pferdes, welches ein ſehr keäftiges Thier war, mit goldenen Franzen beſetzt; neben ſeinem Pferde lief ein großer Jagdhund, den er von Zeit zu Zeit zärtlich anblickte. Hinter dieſem ritten zwei Herren, deren goldene Sporen ihre Ritterwürde bezeichneten und dann folgte ein langer Zug von Knappen und Pagen, reich gekleidet und gerüſtet, die groͤßtentheils den Stier, das Wappen der Neviles, trugen, obgleich man unter dem Gefolge auch hie und da den grimmigen Eberkopf bemerkte, den Richard von Glouceſter wegen ſeines Her⸗ zogthums als Erkennungszeichen angenommen hatte. „Nein, lieber Prinz,“ ſagte der Geiſtliche,„ich bitte Euch zu bedenken, daß ein Jagdhund viel mehr vom Edelmann an ſich hat, als irgend eine andere Species des Hundegeſchlechts. Beachtet nur ſeine ſtattliche und doch zarte Länge der Glieder— ſein glattes Fell— ſein lebhaftes Auge— ſeinen ſtolzen Hals.“ „Dies ſind nur die Außerlichkeiten, mein edler Freund. Wird der Jagdhund den Löwen angreifen, wie unſer Bullenbeißer es thut? Der wahre Charakter des Edelmannes iſt, keine Furcht zu kennen und ungeachtet aller Gefahr ſeinem Feinde an die Kehle zu ſpringen; daher behaupte ich die Würde des Bullenbeißers vor dem ganzen Hundegeſchlecht, obgleich andere ein glatteres Fell und einen ſtattlicheren Kopf haben. Genug von 104 ſolchen Dingen, Erzbiſchof, wir nähern uns Middle⸗ ham.“ „Gott ſei geprieſen! Denn ich din auch ſehr hung⸗ rig,“ entgegnete der fromme Erzbiſchof;„aber um die Wahrheit zu ſagen, mein Koch zu Hauſe übertrifft bei weitem den meines Bruders. Er hat einige Fehler unſer Warwick! Haſtig und ſorgſos, denkt er nicht genug an die Segnungen, die er genteßen könnte, und mancher arme Abt hat ſchmackhaftere Speiſen auf ſeinem demü⸗ thigen Tiſche.“ „O Georg Nevile! Wer, der Euch ſo von Hunden und Speiſen reden hörte, würde den Lord Kanzler von England— den gelehrteſten Wurdeträger— den feinſten Staatsmann in Euch erkennen?“ „Und o Richard Plantagenet,“ entgegnete der Erzbiſchof, den affektirten Ton aufgebend, den er in Gemeinſchaft mit den Stutzern jener Tage gewöhnlich annahm,„wer würde, wenn Ihr von Demuth und Unterwürfigkeit redet, das entſchloſſenſte Herz und den kühnſten Ehrgeiz in Euch erkennen, den Gott je einem Prinzen gab?“ Richard ſtutzte bei dieſen Worten und ſein Auge ſprühte Feuer, als es dem ſcharfen und ruhigen Blicke des Prälaten begegnete. „Nein, Ihr thut mir Unrecht, Hochwürbigſter,“ ſagte er an ſeiner Lippe nagend,„oder vielmehr ſollte ich nicht ſagen, daß Ihr mir Unrecht thut, ſondern daß Ihr mir ſchmeichelt; denn Entſchloſſenheit und Ehrgeiz ſind keine Laſter in eines Nevile’s Augen. „Ehrlich geantwortet, königlicher Sohn,“ ſagte der Erzbiſchof ſein. Ihr Lord War ſind unrul ſind ruhelo Frankreich ſind die 2 Werk gege trotzig und Eduard, iſ Graf von? erſte feindle blaſen kann iſt mit dem meine Loya richtig geg⸗ bei dieſer B liche Wohl „Ihr ve lich geliebt ſeitigt ſehen gegenſtellen. Mihdleham. ten! Und bei einer Armee Währen! einander unte denkend und ſich auf den; Vergebens he Bulwer, 2 Middle⸗ —r hung⸗ um die trifft bei ler unſer genug an mancher n demuͤ⸗ Hunden nzler von n feinſten ſagte der 10⁵ Erzbiſchof lachend;„aber laßt uns offen gegen einander ſein. Ihr habt mich überredet, Euch als Vermittler zu Lord Warwick zu begleiten; die nördlichen Provinzen ſind unruhig; die Intriguen Margarethens von Anjon ſind ruhelos; der König erntet, was er am Hofe von Frankreich geſäet hat, und wie Warwick vorherſagte, find die Abgeſandten und das Gold Ludwigs ſtets im Werk gegen ſeinen Thron; die großen Barone ſind trotzig und mißvergnügt, und unſer Lehnsherr, König Eduard, iſt endlich gewahr geworden, daß, wenn der Graf von Warwick nicht in ſeinen Rath zurückkehrt, der erſte feindliche Trompetenſtoß ihn von ſeinem Throne blaſen kann. Wohlan, ich begleite Euch; mein Glück iſt mit dem von York verwebt, und mein Intereſſe und meine Loyalität gehen Hand in Hand. Seid eben ſo auf⸗ richtig gegen mich. Habt Ihr kein Intereſſe, dem Ihr bei dieſer Botſchaft dient, Lord Richard, als das öffent⸗ liche Wohl?“* 4 „Ihr vergeßt, daß Lady Iſabella von Clarence zart⸗ lich geliebt wird und daß ich gern alle Hinderniſſe he⸗ ſeitigt ſehen möchte, die ſich ſeinem ehelichen Glück ent⸗ gegenſtellen. Aber dort erheben ſich die Thürme von Middleham. Geliebte Mauern, die meine Kindheit ſchütz⸗ ten! Und beim heiligen Paul ein edles Gebäude, welches einer Armee widerſtehen oder eine aufnehmen könnte.* Während der Prinz und der Erzbiſchof ſich ſo mit⸗ einander unterredeten, ging der Graf von Warwich nach⸗ denkend und allein auf der hohen Terraſſe auf und ab, die ſich auf den Zinnen ſeiner äͤußern Feſtungswerke befand. Vergebens hatte jener ruheloſe und mächtige Geiſt Zu⸗ Bulwer, Barone. I. 8 106⁶ friedenheit in der Zurückgezogenheit geſucht. Von ſeiner Kindheit auf an das thätige Leben gewöhnt, diente dieſer einzige und plötzliche Zwiſchenraum der Ruhe in der Blüte ſeines Daſeins und auf dem Gipfel ſeines Ruhmes nur dazu, die ſtürmiſchen und gefährlichen Leidenſchaſten zu verſtärken, die er nicht auslaſſen konnte. Der Staatsmann in unſern Tagen hat wenigſtens in den Wiſſenſchaften Nahrung für den Geiſt, wenn er von der Handlung abgeſchnitten iſt; aber bei allen ſeinen Talenten, und ſo vollkommen ſich ſein Geiſt im Lager und im Rathe gebildet hatte, kannte der große Graf nichts aus Büchern, als etwa eine rohe Ballade, die von Karl dem Großen ober Rollo erzählte. Die Splele, womit er ſich in ſeiner früheren Jugend in ſeinen Muße⸗ ſtunden unterhalten hatte, waren fade und langweilig für einen Mann, der aus einer ſo mächtigen Laufbahn geriſſen war. Sein Jagdhund lag müßig zu ſeinen Füßen, ſein Falke feierte auf ſeiner Stange, ſein Poſſenreißer war an den Pagentiſch verbannt— dies war die Ruhe des großen und ungelehrten Geiſtes! Aber während ſein Geiſt ſo von ſeiner angeborenen Sphäre ausgeſchloſſen war, diente Alles dazu, Lord Warwicks Stolz zu näh⸗ ren. Der undankbare Ebuard konnte ihn vergeſſen; aber ver Koͤnig ſchien bei dieſer Vergeſſenheit allein zu ſtehen. Die maͤchtigſten Pairs, die berühmteſten Ritter ver⸗ ſammelten ſich in ſeiner Halle. In Middleham, nicht in Windſor oder Shene, nicht in Weſtminßter oder im Tower ſchien der Hof von England zu ſein. Als der Letzte der Barone auf ſeiner Terraſſe auf⸗ und abging, hreiteten ſich, ſo weit ſein Auge reichte, ſeine Beſitzunget aus, mit die mit ſe Land ſchiet Name Wo keinem M ſich eine G Lobe des hingeriſſen „Und ſtehenden P lich iſt der — ihn zu eine Hölle Bei die leichten Sc Arm ihn u liebliches 2 der Jugend aufblickte. „Mein „warum ſch Ach! iſt die hältſt, Dein zu beſänftig „Nein, noch ſchlank Bruſt drückt treues und! Kind an un nur ein bar on ſeiner te dieſer 2 in der Ruhmes nſchaften henigſtens wenn er gen ſeinen im Lager oße Graf llade, die ie Spiele, en Muße⸗ langweilig Laufbahn een Füßen, ſſenreißer die Ruhe hrend ſein geſchloſſen z zu näͤh⸗ zu ſtehen. itter ver⸗ pam, nicht er oder im 107 aus, mit Dörfern, Städten und Schlöſſern überſaͤet, die mit ſeinen Anhängern angefüllt waren. Das ganze Land ſchien wegen ſeiner Abweſenheit zu trauern. Der Name Warwick war im Munde aller Männer, und auf keinem Marktplatze und in keiner Herberge verſammelte ſich eine Gruppe, wo der Minſtrel nicht ein Lied zum Lobe des wackeren Grafen ſang und eine entzückte und hingeriſſene Zuhörerſchaft fand. „Und hat ſich der Strom meines Lebens in dieſen ſtehenden Pfuhl verwandelt!“ murmelte Warwick.„Glück⸗ lich iſt der Mann, der niemals den Ruhm gekoſtet hat — ihn zu haben, iſt ein Fegfeuer, ihn nicht zu haben, eine Hölle!“ Bei dieſem düſtern Selbſtgeſpräch hörte er nicht den leichten Schritt, der ſich ihm näherte, bis ein zärtlicher Arm ihn umſchlang und ein Geſicht, in welchem ein liebliches Temperament und reine Gedanken die Blüte der Jugend bewahrt hatten, lächelnd zu dem ſeinigen aufblickte. „Mein Lord— mein Richard,“ ſagte die Gräfin, „warum ſchlichſt Du Dich ſo unhöflich von mir weg? Ach! iſt die Zeit gekommen, wo Du mich für unwürdig hältſt, Deine Gedanken zu theilen oder Deine Unruhe zu beſänftigen?“ „Nein, liebes Weib!“ ſagte Warwick, indem er die noch ſchlanke aber abgerundete Geſtalt feſter an ſeine Bruſt drückte.„Seit neunzehn Jahren biſt Du mir ein treues und liebendes Weib geweſen. Du warſt noch ein Kind an unſerem Hochzeitstage, meine Liehe, und ich nur ein bartloſer Jüngling; aber klug genng war ich 108 ſchon damals, um beim erſten Blicke Deines blauen Auges zu ſehen, daß ein größerer Schatz in Deinem Herzen liege als in allen Beſitzungen, die Deine Hand mir gewährte. „Mein Richard!“ flüſterte die Gräfin, und Thraͤnen dankbarer Freude fielen auf die Hand, die ſie küßte. „Ja, wir wollen uns dieſer frühen und lieblichen Tage erinnern,“ fuhr Warwick mit einer Zärtlichkeit in ſeiner Stimme und ſeinem Benehmen fort, worüher ſich ein Fremder hätte wundern können, welcher ver⸗ geſſen, daß Zärtlichkeit faſt immer einen Theil eines ſo beſonders männlichen Charakters bildet—„ja, wir wollen hier unter dieſer alten Ulme ſitzen und uns vor⸗ ſtellen, als wäre unſere Jugend zurückgekehrt. Deun wahrlich, meine Liebe, nichts im Leben iſt ja ſo ſchön für mich geweſen als jene Tage, wo wir Hand in Hand an der Schwelle des Lebens ſtanden und von dem künf⸗ tigen Morgen redeten.“ „Ach, Richard, ſelbſt in jenen Tagen verletzte Dein Ehrgeiz zuweilen meinen weidlichen Stolz und zeigte mir, daß ich einem ſo großen Herzen nie Alles in Allem ſein könne!“ „Ehrgeiz! Nein, Du irrſt— Montagn iſt ehr⸗ geizig, ich bin nur ſtolz. Montagu ſucht ſtets höher zu ſein als er iſt— ich behaupte nur das Recht, zu ſein, was ich bin und geweſen bin, und mein Stolz, liebes Weib, iſt ein Theil meiner Liebe zu Dir. Deinen Titel, Erbin von Warwick, führe ich, und nicht den meines Vaters; Dein Wappen und nicht das der Neviles habe ich zum Symbol meiner Macht erhoben. Schande meiner Ritterwür meinen S din, warn „Viel ſchlauem 1 Stolz oder ſchuldigſt, wenn Du und viellei breiten un unſeres V iſt— daß neue Hänu ein ewige daß alle 2 die Mitgit „Wen Töchter,“ mich ſelbe doch wenn übergehen Adern flief dann mit renee wäre „Nun ſie es verde gelehrt.“ „Die Geiſter der wick in der 3 blauen Deinem ine Hand Thraͤnen küßte. lieblichen ärtlichkeit worüber cher ver⸗ leines ſo „ja, wir uns vor⸗ rt. Denn ſo ſchön din Hand dem künf⸗ etzte Dein und zeigte in Allem u iſt ehr⸗ Z höher zu , zu ſein, ”lz, liebes nen Titel, en meines viles habe nde meiner 1⁰⁹ Ritterwürde, wenn die ſchönſte Dame in England nicht meinen Stolz rechtfertigen könnte! Ach! ſchoͤne Freun⸗ din, warum haben wir nicht einen Sohn? „Vielleicht, ſchöner Lord,“ ſagte die Gräfin mit ſchlauem und halb melancholiſchem Lächeln,„weil jener Stolz oder Ehrgeiz, den Du auf ſe galante Weiſe ent⸗ ſchuldigſt, zu unerſättlich und unbegrenzt werden würde, wenn Du einen männlichen Erben Deiner Größe hätteſt, und vielleicht warnt Dich Gott— Du magſt Dich aus⸗ breiten und erheben wie Du willſt, ja bis die Hälfte unſeres Vaterlandes die Beſitzung eines einzigen Mannes iſt— daß Alles von den Beauchamps und Neviles in neue Häuſer übergehen muß— Dein Ruhm, freilich ein ewiges Erbtheil, aber nur für Dein Land— und daß alle Deine Beſitzungen und Dein Reichthum nur die Mitgift einer Tochter werden.“ „Wenigſtens hat kein Koͤnig ſo reich ausgeſtattete Töchter,“ antwortete Warwick,„und ſo verachte ich für mich ſelber die harte Abhängigkeit von einem Thron; doch wenn der Kanal unſeres Bluts in andere Ströme übergehen muß— ſo ſoll er wenigſtens in königlichen Adern fließen.“ Er ſchwieg einen Augenblick und ſetzte dann mit einem Seufzer hinzu:„Wollte Gott, Cla⸗ rence wäre Iſabellens würdiger!“ „Nun,“ ſagte die Gräfin ſanft,„er liebt ſie, wie ſie es verdient. Er iſt ſchön, tapfer, großmüthig und gelehrt.“ „Die Peſt über dieſe Gelehrſamkeit— ſie macht die Geiſter der Männer kränklich und weibiſch!“ rief War⸗ wick in derbem Tone.„Vielleicht habe ich ſeiner Gelehr⸗ 11⁰ ſamkeit ſeine Furcht und Zweifel, ſeine Berechnungen und Bedenklichkeiten zu danken. Sein Bruder verbietet ſeine Vermählung mit einer engliſchen Dame, denn Eduard wagt nicht, das deutlich auszuſprechen, was er allein fürchtet. Seine Briefe glühen vor Liebe und ſeine Handlungen ſtarren vor Zweifel. Nicht ſo liebte ich Dich, liebes Kind. Bei allen Heiligen im Kalender, wäre Heinrich der Fuͤnfte oder der löwenherzige Richard aus dem Grabe aufgeſtanden, um mir Deine Hand zu verbieten, ſo würde ich nur ein um ſo gluhenderer Lieb⸗ haber geweſen ſein! Indeſſen ſoll ſich Clarence ent⸗ ſcheiden, ehe der Mond abnimmt, und wären nicht Iſa⸗ bellens Thränen und Bitten, ſo hätte meines Vaters Enkelin nicht ſo lange auf die Ankunft eines ſo unent⸗ ſchloſſenen Werbers warten ſollen. Aber ſieh, unſere Lieblinge! Anna hat Deine Augen, meine Liebe, und ſte wird mir täglich theurer, da ſie Dir täglich äͤhn⸗ licher wird.“ Während er ſo ſprach, kamen die ſchönen Schwe⸗ ſtern leicht und heiter die Terraſſe herauf; die ſtattlichere Iſabella hatte ihren Arm um Anna's ſchlanke Tallle geſchlungen, und als ſie ſo mit leichtem und hüpfendem Schritte näher kamen, konnte man keine glücklichere Vereinigung verſchiedener Schönheiten ſehen. Die Mo⸗ nate, welche vergangen waren, ſeit wir die Schweſtern zuerſt dem Leſer vorgeſtellt, hatten die ſtolze und ſtrah⸗ lende Liebenswürdigkeit Iſabellens wenig verändert, doch hatten ſie Anna's Reize auf überraſchende Weiſe erhöht. Ihre Geſtalt war mehr abgerundet, ihre Röthe ver⸗ mehrt, und obgleich in ihren Bewegungen und dem Bllcke ihr heit und doch die ihrem Ge jenen göt Beſcheide und das und kam, eine Perf Bewegun ſchien zu ſie anbli Zukunft! „Und gängerint verließ u war ſtets wäͤhrend nungen berbietet e, denn was er ſo unent⸗ ih, unſere eiebe, und glich ähn⸗ n Schwe⸗ ſtattlichere ake Tallle hüpfendem glüͤcklichere Die Mo⸗ Schweſtern und ſtrah⸗ indert, doch eiſe erhöht. Röthe ver⸗ und dem 111 Blicke ihres taubenartigen Anges noch einige Schüchtern⸗ heit und Verſchämtheit zurückgeblieben war, ſo verliehen doch die ernſteren Gedanken des erwachſenen Weibes ihrem Geſichte eine liebenswürdige Verſtändigkeit und jenen göttlichſten aller Reize, die rührende, unbewußte Beſcheidenheit des ſcheuen, aber zärtlichen Lächelns— und das Erröthen, welches ſo kam und ging und ging und kam, daß es eine Art von wonnevollem Mitleid für eine Perſon einflößte, die ſo empfänglich war für jede Bewezgung der Freude und des Kummers. Das Leben ſchien zu rauh für eine ſo ſanſte Natur, und wenn man ſie anblickte, mußte man ſeufzen, wenn man an ihre Zukunft dachte. „Und was führt euch hieher, ihr jungen Müßig⸗ gängerinnen?“ ſagte der Graf, als Anna ihre Schweſter verließ und ſich zärtlich an ſeine Seite hing, denn es war ſtets ihre Gewohnheit, ſich an Jemand anzuhängen, während Iſabella die Hand ihrer Mutter küßte und dann hocherröthend und mit niedergeſchlagenen Augen vor ihren Eltern daſtand.„Was führt euch hieher, da ich euch doch erſt eben am Webſtuhl beſchäftigt verließ, und ihr meinen Helm zum Muſter für den des Goliath gebrauchtet? Weib, Du biſt zu tadeln— unſere Staatszimmer wer⸗ den in den nächſten drei Generationen ohne Tapeten ſein, wenn es dieſen rofigen Fingern erlaubt iſt, die Müßig⸗ gänger zu ſpielen.“ „Vater,“ flüſterte Anna,„es ſind Gäſte hieher unterwegs— ein edler Reitertrupp; Ihr ſeht ihn nicht von dieſem Theile der Feſtungswerke; aber von unſerem Thurme aus war es ſchön anzuſehen, wie ihre Fedei⸗ 112 büſche und Fahnen in der untergehenden Sonne ſchim⸗ merten.“ „Gäͤſte!“ wiederholte der Graf;„iſt das eine ſo ſel⸗ tene Ehre, daß Eure Herzen wie das eines Landmäd⸗ chens an einem Feiertage ſchlagen? Ei, Iſabella! man ſehe nur ihr Erröthen. Iſt es Georg von Clarence end⸗ lich? Iſt er's?“ „Wir ſehen das Wappen des Herzogs von Glou⸗ eeſter,“ flüſterte Anna,„und unſern eigenen Stier. Vielleicht iſt unſer Oheim Georg auch— 4 Hier wurde ſie durch das Horn des Wächters unter⸗ brochen, worauf im nächſten Augenblick das Brüllen einer Bombarhe auf der Mauer folgte. „Dieſes Signal deutet wenigſtens an,“ ſagte War⸗ wick, indem ſein Geſicht ſich aufklärte,„daß Jemand voon königlichem Blut kommt. Wir müſſen es ehren, denn es iſt unſer eigenes. Wir wollen unſern Gäſten entgegen⸗ gehen, Deine Hand, Gräfin.“ Ernſt und ſchweigend und in tiefem, aber nicht mehr düſterem Nachdenken ging Warwick zu ſeiner Halle vor⸗ an, indem die beiden ſchönen Schweſtern ihm folgten, und wer, der dieſes fürſtliche Paar und jene liebens⸗ würdigen und blühenden Kinder betrachtete, konnte vor⸗ ausſehen, daß das Schickſal, welches den Grafen wieder zur Handlung verlockte, in der Stunde an ihrem Per⸗ derben arbeitete! Die der Mitte und der ſeinen G durch der der Barr mit War geſagt ha jener Zei dem Tite Biſchofs des Dritt was ihn Staaten klar und wick und Stellung weſentli Abſicht b nicht we ders Heir Brüllen te War⸗ Jemand en, denn entgegen⸗ icht mehr Halle vor⸗ folgten, liebens⸗ unte vor⸗ fen wieder rem Per⸗ 113 Zweites Kapitel. Berathungen und träumeriſches Sinnen. Die Lampe ſchimmerte zu einer ungewohnten Stunde der Mitternacht durch das Fenſter von Warwicks Zimmer, und der Graf war noch in lebhafter Unterrebung mit ſeinen Gaͤſten. Der Erzbiſchof, den Eduard, beunruhigt durch den Zuſtand des Landes und das Mißvergnügen der Barone, mit Widerſtreben abgeſendet hatte, um mit Warwick zu unterhandeln, war, wie wir ſchon oben geſagt haben, einer von jenen Geiſtlichen, wie ſie in jener Zeit nicht ſelten vorkamen. Es lag nichts mehr in dem Titel des Erzbiſchofs von York als in dem des Biſchofs von Osnabruͤck(den der königliche Sohn Georg des Dritten, der verſtorbene Herzog von York, führte), was ihn verhindert hätte, Armeen zu commandiren und Staaten zu regieren, und ſich dem Genuſſe hinzugeben. Aber unter der Putzſucht Georg Nevile's, die ihm mit den meiſten Hofleuten gemein war, verbarg ſich eine wahrhaft geiſtliche Gefinnung. In ſpäteren Zeiten würde er einen bewundernswerthen Jeſuiten abgegeben haben, und zu ſeiner Zeit ohne Zweifel einen ſehr ausgezeich⸗ neten Papſt. Der Zweck ſeiner gegenwärtigen Reiſe war klar und einleuchtend, denn jeder Bruch zwiſchen War⸗ wick und dem Könige mußte nothwenbig ſeine eigene Stellung ſchwächen, und die Macht ſeines Hauſes war weſentlich nothwendig für alle ſeine Zwecke. Gloueeſters Abſicht bei dieſer Vermittlung war weniger beſtimmt, aber nicht weniger perſönlich; wenn er den Weg zu ſeines Bru⸗ ders Heirath mit Iſabella bahnte, entfernte er jedes ſchein⸗ 11⁴ bare Hinderniß, welches ſeiner Verbindung mit Anna im Wege ſtand. Und es iſt wahrſcheinlich, daß Richard, der ungeachtet ſeiner Verbrechen durchaus nicht unzugänglich für die Zärtlichkeit war, ſeine frühere Spielgenoſſin wirklich geliebt hätte, ſelbſt während ſein Ehrgeiz die Baronien berechnete, welche die Mitgift der Erbin aus⸗ machten und die unfeuchtbare Krone ſeines Herzogthums vergolden würden. „Wahrlich,“ ſagte Warwſck, indem er ſeine Augen von dem Briefe mit der Handſchrift des Königs erhob, „Ihr wißt ſehr wohl, fürſtlicher Vetter und Du, mein Bruder, Ihr wißt ſehr wohl, wie aufrichtig ich König Eduard geliebt habe, und die Muttermilch überfließt mein Herz, wenn ich die ſanften und zärtlichen Worte leſe, die er ſeinem Diener beizulegen ſich herabläßt. Mein Blut iſt haſtig und allzu heiß, aber ein freund⸗ licher Gedanke von Denen, die ich liebe, löſcht viel von dem Feuer aus. Da er mich ſo bittet, in ſeinen Rath zurückzukehren, ſo will ich nicht trotzig ſein und mich zurück⸗ halten; aber, o Prinz Richardl iſt es in der That eine unwiderrufliche Sache, daß Eure Schweſter, die Lady Margaretha, den Herzog von Burgund heirathen ſoll.“ „Warwick,“ verſetzte der Prinz,„Ihr werdet wiſſen, daß ich dieſe Verbindung nie mit günſtigen Augen an⸗ geſehen, und daß, als Clarence den Helm des Baſtards trug, ich mich von dem Grafen fern hielt. Ich erregte Eduards Zorn, indem ich mich weigerte, mich ſeinem Hofe arzuſchließen, während der Graf de la Roche ſein Gaſt war. Und daher könnt Ihr mir vertranen, wenn ich Each jetzt ſage, daß Eduard auf immer entehrt iſt wenn er gen, ſo⸗ bricht. 3 nicht nur Durch de Burgund mung, 1 England Ihr doch könnten, verbünde an, groß Zuſichern nur an denken.“ „Dar indem er ſäuftigt r zurückkeht laubte, d die ſein g ſolleſt, d Fürſten, Andere g größte O begreifen unterdrü Eduard nna im rd, der änglich genoſſin geiß die lin aus⸗ dgthums 2 Augen s erhob, u, mein 9 König berfließt n Worte erablaͤßt. freund⸗ t viel von nen Rath ch zurück⸗ Chat eine die Lady hen ſoll.“ bet wiſſen, Baſtards ugen an⸗ 115 wenn er nach ſo feierlichen und bindenden Verſprechun⸗ gen, ſo übereilt ſie auch ſein mögen, den Contrakt ab⸗ bricht. Auch haben ſich neue Umſtände gezeigt, welche nicht nur Schande, ſondern auch Gefahr bringen würden. Durch den Tod ſeines Vaters iſt Charolois Herzog von Burgund geworden. Ihr kennt ſeine kriegeriſche Stim⸗ mung, und obgleich wir in einem Kampfe, den ganz England theilt, keinen Feind fürchten dürfen, ſo wißt Ihr doch auch, daß keine Hülfsgelder erhoben werden könnten, um gegen unſern vortheilhafteſten Handels⸗ verbündeten zu kämpfen. Daher flehen wir Each ernſtlich an, großmüthig vas Vergangene zu vergeſſen, Eduards Zuſicherung und Treue anzunehmen und wie ſonſt immer nur an das Wohl des allgemeinen Vaterlandes zu denken.“ „Darf ich auch hinzufügen,“ ſagte der Erzbiſchof, indem er bemerkte, wie ſehr Warwick gerührt und be⸗ ſänftigt war—„daß, indem Du zu dem Staaitsruder zurückkehrſt, unſer gnädigſter König mir zu ſagen er⸗ laubte, daß mit Ausnahme der Verbindung mit Burgund, die ſein gegebenes Wort berührt, Du volle Freiheit haben ſolleſt, die Bedingungen zu beſtimmen, und jede Gnade oder Macht zu fordern, die ein Monarch gewähren kann.“ „Ich will nichts weiter, als das Vertrauen meines Fürſten,“ ſagte Warwick großmüthig,„darin iſt alles Andere gegeben, und als Erwidernng dafür will ich das größte Opfer bringen, welches meine Natur kennt oder begreifen kann— ich will meinen angebornen Dämon unterdrücken— meinen Stolz überwinden. Wenn Eduarh mich überzeugen kann, daß es zum Beſten Eng⸗ 116 lands dient, wenn ſeine Schweſter ſich mit meinem bit⸗ terſten Feinde vermählt, ſo will ich ſelbſt ſeine Wahl ehren. Doch davon ſpäter. Genug jetzt, daß ich ver⸗ gangenes Unrecht wegen gegenwärtiger Gunſt vergeſſe, und daß ich für Frieden oder Krieg an die Seite des Mannes zurückkehre, den ich wie einen Sohn liebte, ehe ich ihm als meinem Könige diente.“* Weder Richard noch der Erzbiſchof waren auf eine ſo leichte Ausſöhnung vorbereitet, denn keiner von Beiden begriff jene eigenthümliche Großmuth, welche oft einem ſo heftigen und haſtigen Temperament eigen iſt, und die eben ſo begierig iſt, zu verzeihen, als geneigt, etwas übel zu nehmen.— So alſo, nach einiger weiterer Unterredung über den Zuſtand des Landes, leuchtete der Graf Glouceſter zu ſeinem Zimmer und der junge Prinz ſagte nachdenkend zu ſich ſelber: „Blendet denn der Ehrgeiz die Menſchen?— oder kann Warwick denken, daß Eduard ihn je anders als für einen Mann anſehen kann, der vernichtet werden muß, wenn die Stunde reif iſt?“ Catesby, der des Herzogs Kaͤmmerling war, half dem Prinzen beim Auskleiden.„Ein edles Schloß iſt dies,“ ſagte der Herzog,„und liegt in der Mitte einer kriegeriſchen Bevölkerung— unſerer eigenen Landsleute von York.“ „Es würde keine üble Zugabe zu ber Mitgiſt der Lady Iſabella ſein,“ ſagte Catesby mit ſeinem einſchmei⸗ chelnden und falſchen Laͤcheln. „Mich dünkt vielmehr, daß die Beſitzungen von Salisbury, und dies iſt die vorzüglichſte, auf die Laty Anna übe „Nein, e Burg auf ließe. Be iñ höchſ „Wa Argwohu ſtattlicher „Wen Schönheit würde La Richard Fenſter. Am n tigen Sch finken, un Terraſſe u Tage zuvo einer rauh welcher ſi Bruſtwehr können, d Sand und des Bezirz Ritter un m bit⸗ Wahl ch ver⸗ ergeſſe, eite des bte, ehe auf eine eer von elche oft igen iſt, geneigt, weiterer A △ ᷣ — —₰ = — gift der nſchmei⸗ gen von die Lady 117 Anna übergehen werden,“ ſagte Richard nachdenkend. „Nein, es wäre unverſtändig von Eduard, wenn er dieſe Burg auf den nächſten Erden ſeines Thrones übergehen ließe. Bemerktet Ihr die Lady Anna— ihre Schönheit iſt höchſt ausgezeichnet.“ „Wahrlich, Hoheit,“ antwortete Catesby ohne Argwohu,„die Lady Iſabella ſcheint mir die größere und ſtattlichere von Beiden.“ „Wenn des Mannes Verdienſt und des Weibes Schönheit mit der Elle gemeſſen würde, Catesby, ſo würde Lady Anna weniger ſchön ſein als Iſabella, und Richard ein Dummkopf gegen Clarence. Offnet das Fenſter.— Meinen Schlafrock— gute Nacht!“ Zweites Kapitel. — Die Schweſtern. Am nächſten Morgen, zu der Stunde, wo bie heu⸗ tigen Schönen in ihren erſten kränklichen Schlummer finken, unterhielten ſich Iſabella und Anna auf derſelben Terraſſe und faſt auf derſelben Stelle, wo ihr Vater am Tage zuvor ſeine Betrachtungen anſtellte. Sie ſaßen auf einer rauhen Bank in einem Winkel der Mauer, neben welcher ſich eine niedrige Baſtion befand. Und von der Bruſtwehr aus hätten ſie eine weite Landſchaft überſehen können, denn auf einem weiten Raume, welcher mit Sand und Sägeſpänen bedeckt war und ſich innerhalb des Bezirkes des Schloſſes befand, waren die zahlreichen Ritter und Jünglinge, die ſich unter der Leitung des 118 Grafen in den Waffen zu unterrichten wünſchten, mit jenen kriegeriſchen Spielen beſchäftigt, die anderswo ſchon aus der Mode gekommen waren, aber von dem Letzten der Barone noch aufrecht gehalten wurden. Dort rannten Knaben von vierzehn Jahren auf ihren kleinen Pferden mit abgeſtumpften Lanzen auf einander los. Dort ſtachen erwachſenere JZünglinge nach dem Ringe und folgten einander im Kreiſe und ſprangen zuweilen auf den Commandoruf eines alten Ritters, der bei Agin⸗ court mitgefochten und der Lehrer in dieſen ritterlichen Uebungen war, in vollem Galopp von ihren Pferden und ſchwangen ſich dann wieder in ihren Sattel. Einige grimmig ausſehende alte Krieger ſaßen dabei, um zu tadeln oder zu loben. Der geſchickteſte unter den Jüngeren war der Sohn des Lords Montagu, und unter den Alte⸗ ren wurde der Name Marmaduke Nevile am häufigſten ausgerufen. Wenn man die Augen zur Linken durch die Thoröffnung wendete, ſah man eine Heerde von Ochſen hereintreiben, um die mächtigen Vorrathskammern zu verſehen, und an einem kleinen Hinterpförtchen wartete eine dunkle Schaar von Bettelmönchen und von den Ar⸗ men aus der Umgegend auf die Broſamen, die von des reichen Mannes Tiſche fielen! Wozu bedurfte man da⸗ mals eines Armengeſetzes? Der Baron und der Abt bilbeten die Gemeinde. Doch nicht auf dieſe Zeichen des Reichthums und der Pracht richteten ſich die Angen der jungen Mädchen, denn ſte waren ſo bekannt mit ihnen, daß ſie weder Eitelkeit erweckten, noch Stolz erregten. Mit niedergeſchlagenen Blicken und aufgeworfener Lippe hörte Iſabella der Silberſtimme ihrer Schweſter Anna zu: Er kann bieten, G begleitet h lung ohne willkomme „Aber „Biſt Beſuch der „Wie „Der Abend, da „Spre als er in d „Gew wie ein B nem Raſer „Nim Gloueeſter ſelbſt ohne bella raſch Bei d. Richards g ſeinen eige er hinter; barg. „Nein Richard a ziemt?“ „Ich n, mit derswo on dem . Dort kleinen her los. Ringe uweilen i Agin⸗ erlichen den und Einige um zu üngeren en Alte⸗ zufigſten urch die Ochſen nern zu wartete den Ar⸗ von des man da⸗ der Abt ichen des ugen der it ihnen, erregten. worfener Schweſter 119 Anna zu:„Liebe Schweſter, ſei gerecht gegen Clarence. Er kann nicht offen ſeinem Könige und Bruder Trotz bieten, Glaube mir, er würde unſern Oheim und Vetter begleitet haben, hätte er nicht geglaubt, daß ihre Vermitte⸗ lung ohne ſeine Gegenwart wenigſtens dem König Eduard willkommen ſein würde.“* „Aber keinen Brief— keine Zeile!“ „Biſt Du gewiß, Iſabella, daß er auch nur um den Beſuch des Erzbiſchofs und ſeines Bruders wußte?“ „Wie ſollte er es nicht wiſſen?“ „Der Herzog von Glouceſter ſagte mir geſtern Abend, daß der Koͤnig ihn ſüdwärts geſchickt habe.“ „Sprach der Herzog von ſeinem Bruder Clarence, als er in der Fenſtervertiefung ſo leiſe mit Dir flüſterte?“ „Gewiß, ja!“ ſagte Anna einfach.„War nicht Richard wie ein Bruder gegen uns, wie wir als Kinder auf je⸗ nem Raſen ſpielten?4 „Nimmer als Bruder gegen mich— nimmer war Glouceſter ein Menſch, an den ich ohne Furcht und ſelbſt ohne Wiherwillen denken konnte,“ antwortete Iſa⸗ bella raſch. Bei dieſer Wendung der Unterredung näherte ſich Richards geräuſchvoller Schritt der Stelle, und als er ſeinen eigenen Namen ſo unhöflich erwähnen hörte, blieb er hinter der Baſtion ſtehen, die ihn ihren Augen ver⸗ barg. „Nein, nein, Schweſter,“ ſagte Anna;„was hat Nichard an ſich, das ſeiner fürſtlichen Geburt nicht ziemt?“ „Ich weiß nicht, aber es iſt keine Jugend in ſeinem 120 Auge und in ſeinem Herzen. Selbſt als Kind hatte er den feſten Willen und die kalte Berechnung des Alters. Verhüte Gott, daß Du mir nicht Glonceſter zum Bruder gebeſt!* Anna ſeufzte und lächelte.„O nein,“ ſagte ſie nach einer kurzen Pauſe—„wenn Du Prinzeſſin von Cla⸗ renee biſt, ſo kann ich—4 „Was kannſt Du?“ „Im Gotteshauſe für Dich und die Deinen beten! Ach, Du weißt nicht, liebe Iſabella, wie oft ſich Mor⸗ gens und Abends meine Augen und mein Herz zu den Thürmen jenes Kloſters wenden! Sie ſtand auf, während ſie dies ſagte, ihre Lippe bebte und ſie ging nach der ent⸗ gegengeſetzten Richtung hin, wo Richard noch ungeſehen ſtand, ſie aber nicht mehr hören konnte. Iſabella ſtand auch auf, eilte ihr nach, umſchlang Anna's Hals und küßte die Thränen weg, die in ihren ſauften Augen ſanden. „Meine Schweſter— meine Anna! O! vertraue mir, Du haſt ein Geheimniß, ich weiß es wohl— ich habe es längſt geſehen. Iſt es möglich, daß Du Dein Herz, Deine reine Liebe— Du errötheſt! Ach! Anna, Anna! Du kannſt nicht unter Deinem Stande geliebt haben!“ ihrer Ahnen ihre Augen durch ihre Thränen erhellte, „nicht unter, ſondern über meinem Stande. Was ſagſt Du, Iſabella! Frage mich nicht weiter. Genug, daß es eine Thorheit— ein Traum iſt— und daß ich mitlei⸗ dig über mich ſelber lächeln könnte, wenn ich daran „Nein,“ ſagte Anna, indem ein Funke des Feuers denke, ar Kummer „Übe ſtaunt,„ Grafen 2 das iſt, ſ „Nei ihn gefim wenn ich weiter.“ „O, ſo elend. Ja, es m „Kan halten? E „Abe noch imm willſt, ſo atte er Alters. Bruder ſie nach on Cla⸗ beten! h Mor⸗ zu den vwährend der ent⸗ neſehen Aa ſtand dals und Augen vertraue 1— ic Du Dein 1 Anna, e geliebt 8 Feuers erhellte, Vas ſagſt g, daß es h mitlei⸗ ich daran 121 denke, aus welchen unbedeutenhen Urſachen Liebe und Kummer entſpringen können.“ „Über Deinem Stande!“ wieverholte Iſabella er⸗ ſtaunt,„und wer in England iſt über der Tochter des Grafen Warwick? Nicht Richard von Glouceſter— wenn das iſt, ſo verzeihe mir meine thörichten Worte.“ „Nein, nicht Richard— obgleich ich freundlich gegen ihn geſinnt bin und ſeine ſanfte Stimme mich beſänftigt, wenn ich ihn anhöre— nein, nicht Richard. Frage nicht weiter.“. „O, Anna— rede— rede! Wir ſind nicht Beide ſo elead. Du liebſt doch nicht Clarence? Iſt es ſo?— Ja, es muß ſo ſein!“ „Kannſt Du mich für ſo falſch und verrätheriſch halten? Ein Herz, das Dir gehört! Clarence— o nein!“ „Aber wen denn— wen denn?“ ſagte Iſabella, noch immer argwöhniſch;„nun, wenn Du nicht reden willſt, ſo iſt es Deine eigene Schuld, wenn ich Dir noch immer Unrecht thue.“ So gedrängt und durch Iſabella's Ton und Blick verwundet, unterdrückte Anna endlich mit einer heftigen Anſtrengung ihre Thränen, faßte ihrer Schweſter Hand und ſagte mit rührender Feierlichkelt:„Verſprich mir alſo, daß Du das Geheimniß ſteis heilig bewahren willſt; und da ich weiß, daß es Deinen Zorn— vielleicht Deine Verachtung erregen wird— ſo mußt Du Dich bemühen, zu vergeſſen, was ich Dir anvertrauen will.“ Statt der Amtwort drückte Iſabella ihre Lippen auf die Hand, die ſie in der ihrigen hielt, und indem ſich die Schweſtern unter dem Schalten einer langen Reihe Bulwer, Baronk. II. 9 12² ehrwürdiger Eichen begaben, ſetzten ſie ſich auf eine kleine Erhöhung, die von den Veilchen des Fruühlings duftete. Jetzt zeigte ſich ein verſchiedener Theil der Land⸗ ſchaft— ruhig ſchlummerten im Thal die Dächer des zu Middleham gehörigen Dorfes— ruhig floſſen durch die Wieſen die geräuſchloſen Wellen des Ure. An Iſabella's Bruſt gelehnt, ſprach Anna ſo:„Erinnere Dich, liebe Schweſter jener kurzen Pauſe in dem Schrecken des Bür⸗ gerkrieges, als ein kurzer Friede zwiſchen unſerm Vater und der Königin Margaretha geſchloſſen wurde. Wir wurden im Palaſte gelaſſen— Kinder wie wir waren — um mit dem jungen Prinzen und den Kindern an Margarethens Hoſe zu ſpielen.“ „Ich erinnere mich deſſen“ „Und ich war unwohl und ſchüchtern und hielt mich fern von den Spielen mit einem Mädchen von meinen Jahren, die, glaube ich— ſieh, wie treu mein Gedächt⸗ niß iſt— Sibylla hieß. Und Prinz Eduard, Heinrichs Sohn ſtahl ſich von den Übrigen weg und ſuchte mich auf, und wir ſaßen bei einander, getrennt von Allen, oder gingen allein umher, während der wenigen Tage, wo wir die Gäße ſeiner Mutter waren. Ohl wenn Du ihn damals geſehen und gehört hätteſt— ſo ſchön, ſo ſanft, ſo weiſe über ſeine Jahre und doch ſo lieblich traurig! und als wir uns trennten, bat er mich, ihn immer zu lieben und ſieckte ſeinen Ring an meinen Finger und weinte— als wir einander küßten, wie Kinder es thun.“ „Kinder!— Ihr waret ja faſt noch Sänuglinge!“ rief Iſabella, deren Verwunderung bei hieſer einfachen Erzählung zuzunehmen ſchien. G „So doch, al⸗ und dann krank ich triumphit eine freun Stunde r willſt, üt fühlen of „Me kürliche 0 dieſer ju Namen v „Nic raſch,„u wunden, weiß ich faſt zu d uf eine uͤhlings Land⸗ des zu urch die abella's h, liebe es Bür⸗ Vater de. Wir r waren dern an elt mich meinen Bedächt⸗ beinrichs hte mich n Allen, en Tage, venn Du hön, ſo lieblich ich, ihn n Tinger es thun.“¹ glinge!“ einfachen & 123 „So ſehr ich noch ein Kind war, ſo war es mir doch, als ſollte mein Herz brechen, da ich ihn verließ und dann folgte der Krieg; und erinnerſt Du Dich, wie krank ich war und dem Sterben nahe, als unſer Haus triumphirte und der Prinz und Erbe von Laneaſter in eine freundloſe Verbannung getrieben wurde? Von dieſer Stunde war mein Schickſal beflegelt. Lächle, wenn Du willſt, über eine ſolche kindliche Thorheit, aber Kinder fühlen oft tiefer, als erwachſene Menſchen es vermögen.“ „Meine Schyweſter, dies iſt in der That eine will⸗ kürliche Erfindung zu Deiner eigenen Qual. Glaube mir, dieſer junge Prinz hat Dich längſt hbis auf Deinen Namen vergeſſen.“ „Nicht ſo, Iſabella,“ ſagte die errothende Anna raſch,„und vlelleicht hätte ich meine Schwachheit über⸗ wunden, wenn es damit zu Ende geweſen wäre. Aber im letzten Jahre, als wir mit meinem Vater in Rouen waren—* „Nun?* „Eines Abends, als ich in mein Zimmer trat, fand ich ein kleines Paket— wie es dorthin gekommen war, weiß ich nicht, aber der franzöſiſche König und ſein Gefolge machten, wie Du Dich erinnerſt, unſer Haus faſt zu dem ihrigen— und in dieſem Paket war ein Bild und auf der Rückſeite anden die Worte:„Ver⸗ giß nicht den Verbannten, der ſich Deiner erinnert.“ „Und dies war das Bild des Prinzen Eduard?“ Anna erröthete und ihr Buſen hob ſich. Nach einer Pauſe ſah ſie ſich um, zog ein kleines Miniaturbild her⸗ 12⁴4 vor, welches an dem Herzen lag, bas ſo traurig ſchlug, und gab es ihrer Schweſter in die Hand. „Du ſiehſt, ich täuſche Dich nicht, Iſabella. Und iſt dies nicht eine gute Entſchuldigung für—“ Sie hielt inne und ihrer beſcheidenen Natur wider⸗ ſtrebte es, eine Bemerkung über die Schönheit zu machen, die das Herz hätte gewinnen können. Und ſchön in der That war, ungeachtet der ſteifen und rohen Kunſt des Malers, das Geſicht, welches Iſa⸗ bella mit Bewunderung anblickte; voll vdn dem Feuer und der Energie, die das Geſicht der Mutter auszeich⸗ neten, doch mit einem Anflug von derſelben tiefen und unausſprechlichen Melancholie, die den gedankenvollen Zügen Heinrichs des Sechsten ihren Zauber verlieh— ein Geſicht in der That, um ein janges Auge zu bezan⸗ bern, ſelbſt wenn es nicht mit ſolchen Erinnerungen der Romantik und des Mitleids vereint war. Ohne ein Wort zu reden, gab Iſabella das Bild zurück, doch drückte ſie die Hand, die es ihr abnahm, und Anna war zufrieden, das Schweigen als Mitgefühl zu erklären. „Und nun weißt Du, warum ich mir ſo oft Deinen Zorn zugezogen habe durch mein Mitleid mit den An⸗ hängern von Lancaßter; und darum iſt mir auch Richard von Gloueeſter theurer geworden; denn ſo ſtrenge und heftig man ihn auch ſchildert, iſt er doch ſtets milde in ſeiner Fürſprache fuͤr jenes ungluckliche Haus geweſen.“ „Weil es ſeine Politik iſt, mit allen Parteien gut zu ſein. Meine arme Anna, ich kann Dir nicht viel Hoffnung machen; und hoch, ſollte ich je Clarenee hei⸗ Koͤnig Aublick worden der Bau und der baret ſe ſelben? riig ſchlug, bella. Und 4 tur wider⸗ zu machen, der ſteifen elches Iſa⸗ dem Feuer r auszeich⸗ tiefen und ankenvollen verlieh— zu bezau⸗ rungen der a das Bild ör abnahm, Mitgefuͤhl oft Deinen lit den An⸗ ich Richard Frenge und ts milde in geweſen.* arteien gut nicht viel arenee hei⸗ 125 rathen, ſo iſt es möglich, daß— daß— aber Du wirſt mich wegen meines Ehrgeizes ſchelten.“ „Wie?“ „Clarence iſt Erbe des Thrones von England, denn König Eduard hat keine männlichen Kinder; und die Stunde kann noch kommen, wo der Sohn Heinrichs von Windſor in ſein Geburtsland zurückkehrt, nicht als Monarch, ſondern als Herzog von Lancaſter, und Deine Hand kann ihn fuͤr den Verluft einer Krone entſchädigen.“ „Würde Dich die Liebe für einen ſolchen Verluſt entſchädigen,“ ſagte Anna, traurig lächelnd und den Kopf ſchüttelnd. „Nein,“ antwortete Iſabella mit Nachdruck. „Und ſind die Männer weniger hochſtrebend, als wir?“ ſagte Anna.„Achl ich weiß nicht, ob ich ihn ſo ſehr lieben könnte, wenn er im Stande wäre, ſeine Rechte aufzugeben, oder ſelbſt wenn er ſie wieder er⸗ langen könnte. Seine Stellung iſt es, die ihm in meinen Augen eine Heiligkeit verleiht. Und dieſe Liebe, welche hoffnungslos ſein muß, iſt halb Mitleid und halb Ach⸗ tung.“ In dieſem Augenblick erhoben die Jünglinge auf dem Hofplatze einen lanten Ruf; die Schweſtern ſtutzten, und als ſie aufblickten, ſahen ſie, daß der Zuruf durch den Anblick des jungen Herzogs von Gloueeſter veranlaßt worden war, der an der Bruſtwehr ſtand, in der Nähe der Bank, welche die jungen Mäͤdchen ſo eben verlaſſen und der den Gruß dadurch erwiderte, daß er ſein Feder⸗ baret ſchwang und ſeinen Kopf tief verneigte; in dem⸗ ſelben Augenblick zeigten ſich Warwick und ter Erzbiſchof, dem Anſcheine nach in lebhaftem Geſpräch, am Ende der Terraſſe. Die Schweſtern ſtanden haſtig auf und woll⸗ ten ſich fortſchleichen, doch der Erzbiſchof bemerkte ſie und rief ihnen laut zu. Der ehrerbietige Gehorſam jener Zeit, den die Jugend den Verwandten zollte, ließ den Schweſtern keine andere Wahl, als ſich ihrem Oheim zu) nähern, was ſie mit unterwürfigem Widerſtreben thaten. „Lieber Bruder,“ ſagte der Erzbiſchoß,„ich wollte liober, Glouceſter bekäme meine ſtattliche Nichte anſtatt des prunkſüchtigen Clarence.“ „Warum?“ „Weil er die beſchützen kann, die er liebt, und Cla⸗ rence ſtets eines Beſchützers bedürfen wird.“ „Ich liebe Georg darum nicht weniger,“ ſagte War⸗ wick,„denn ich möchte nicht meinen Schwiegerſohn zum Herrn haben.“ „Herr!“ wiederholte der Erzbiſchof lachend,„der Sultan von Babylon ſelber, wenn er Dein Schwieger⸗ ſohn wäre, würde in Lord Warwick einen ziemlich hals⸗ ſtarrigen Diener ſinden.“ „Und doch,“ ſagte Warwick, auch lachend, aber in freimüthigerem Tone,„ſo ſehr mir auch der junge Glou⸗ ceſter gefällt, und ich ihn für die Hoffnung des Hauſes York halte, ſo bin ich doch niemals gewiß, wenn wir„ derſelben Meinung find, ob ich mit ihm übereinſtimme, oder ob er mich leitet. Ah, Georg! Jſabella hätte der König heirathen ſollen und dann hätten Eduard und ich eine liebenswürdige Vermittlerin bei allen unſeren Strei⸗ tigkeiten gehabt. Aber ſo hat es das Schickſal nicht gewollt.“ 1 n Ende der und woll⸗ emerkte ſie rſam jener , ließ den Oheim zu ben thaten. „ich wollte chte anſtatt 5 , und Cla⸗ ſagte War⸗ gerſohn zum- hend,„der Schwieger⸗ emlich hals⸗ nd, aber in unge Glou⸗ des Hauſes , wenn wir ereinſtimme, la haͤtte der nard und ich ſeren Strei⸗ hickſal nicht. 12⁷ Hier trat eine Pauſe ein. „Sieh, wie Gloueeſter ſich an Anna's Seite ſchleicht. Du könnteſt ihn dennoch zum Schwiegerſohn bekommen, ohne Clarence's Nebenbuhler zu ſein. Montagu hat mir den Wink gegeben, daß der Herzog dieſen Wunſch hegt.“* „Er hat ſeines Vaters Geſicht— gut,“ ſagte der Graf milde.„Aber doch,“ fügte er in verändertem und nachdenkendem Tone hinzu;„der Knabe iſt mir ein Räthſel. Daß er kuͤhn in der Schlacht und weiſe im Rath ſein wird, ſehe ich voraus; aber ich wollte, er hätte mehr von den reblichen Thorheiten eines jungen Mannes! Es gibt eine Mitte zwiſchen Eduards Leichtſinn und Richards Hetligkeit, und wer in der Jugend gleich finſter blickt beim funkelnden Wein und bei lächelnden Weibern, hirgt vielleicht noch ſchwärzere und ſündigere Gedanken in ſeinem Herzen. Aber pfui! Ich will nicht mit Un⸗ recht ſeines Vaters Sohn mißtrauen. Du ſprichſt von Montagu, er ſcheint ſehr kalt bei dem ſeinem Bruder widerfahrenen Unrecht geweſen zu ſein— ſtets bei Hofe — ſtets gut Freund mit Woodville und Conſorten.“ „Nur um beſſer Deinen Vortheil wahrzunehmen— ich rieth es ihm.“ „Eines Prieſters Rath! Haſſe frei oder liebe frei, iſt eines Ritters und Kriegers Wahlſpruch. Zum Henker mit bieſer Achſelträgerei!“ Der Erzbiſchof zuckte die Schulter und hielt eine kleine Flaſche mit wohlriechenden Eſſenzen an ſeine Naſe. „Komm hierher, meine ſtolze Iſabella,“ ſagte der Prälat, als die Mädchen ſich jetzt näherten. Er zog den Arm ſeiner Nichte durch den ſeinigen und führte ſie 128 auf hie Seite, um von Clarence zu reben. Richard blieb hei Anna, und Warwick kam zu den beiden jungen Ver⸗ wandten. Der Graf beobachtete ſchweigend die ſanfte Aurede des beredten Prinzen und ſein unverkennbares Verlangen, Anna zu gefallen. Und ſo ſeltſam es auch ſcheinen mag, obgleich er Richard bisher mit Bewunde⸗ rung und Zärtlichkeit betrachtet und ſein Stolz, für ſeine beiden Töchter keine geringere als eine königliche Verbin⸗ dung gewünſcht hatte, ſo ſchärfte doch, als er Glouceſter zum erſtenmal als den wahrſcheinlichen Bewerber um ſeine Tochter und noch dazu um ſeine Lieblingstochter betrachtete, die Angſtlichkeit des Vaters ſeinen Blick und ſellte ihm Richards Charakter in einem verſchiedenen Lichte vor Augen, als worin er bisher das furchtloſe Herz und den vollendeten Verſtand ſeines mnuigliche Pathen betrachtet hatte. Sechstes Kapitel. Das Schlachtroß, Drei Tage ſpäter, als der Sitte nach Anna vor dem Grafen niederkniete und in ſeinem Betzimmer um ſeinen Segen bat, wo die chriſtlichen Barone Morgens und Abends ihre Andacht hielten, nahm er ſie mit ſich ins Freie und ſagte dann plötzlich: „Würdeſt Du glücklich ſein, wenn Richard von Glou⸗ ceſter Dein Verlobter wäre?“ Anna ſtutzte und rief mit mehr Lebhaftigkeit, als ihr gewöhnlich eigen war:„O nein, mein Vater!“ Herz e glücklie renee Iſabel Glück: ihres 2 ehe ihr Iſabel „2 verſpro zu zeig um der Grenze von de nerkeil hard blieb igen Ver⸗ die ſanfte kennbares m es auch Bewunde⸗ für ſeine eVerbin⸗ Blouceſter eerber um agstochter Blick und ſchiedenen furchtloſe zniglichen Anna vor mmer um Morgens mit ſich don Glou⸗ t, als ihr. 129 „Iſt dies keine mädchenhafte Schüchternheit, Anna? Ich fordere ein einfaches Ja oder Nein von Dir!“ „Nein alſo,“ antwortete Anna, durch ihres Vaters Ton ermuthigt,„nein, wenn es Euch ſo gefällt.“ „Es gefällt mir,“ ſagte der Graf kurz, und nach einer Pauſe fügte er hinzu:„Ja, es gefällt mir ſehr wohl. Richard verſpricht, ein rnhmvolles Mannesalter; doch Anna, Du weißt gleich Deiner Mutter, daß immer, wenn mein Stolz Dich groß zu ſehen wünſcht, mein Herz einſchreitet und nur darum bittet, daß es Dich glücklich ſehen möge!— Auch dem Herzog von Cla⸗ renee hätte ich Dich nicht gegeben, mit welchem ich Iſabella gern verlobt ſehe, denn für ſie iſ Größe und Glück daſſelbe; ſie iſt von feſter Gemüthsart und kann in ihrem eigenen Hauſe regieren; aber wo kann ich, außer in den Romanen, einen Herrn finden, der Dich zart und innig genug liebt, mein ſanftes Kind?“ Unausſprechlich gerührt warf ſich Anna an die Bruſt ihres Vaters und weinte. Er liebkoste ſie zärtlich und ehe ihre Bewegung vorüber war, kamen Glouceſter und Iſabella zu ihnen. „Meine ſchöne Coufine,“ ſagte der Herzog,„hat verſprochen, mir Euer berühmtes Schlachtroß Saladin zu zeigen; und da ich, wenn ich Eure Hallen verlaſſe, um den Krieg zu lernen, an die unruhige ſchottiſche Grenze gehe, ſo moͤchte ich Euch um ein Schlachtroß von derſelben Race bitten, wie das, welches den Don⸗ nerkeil von Warwick's Wuth durch den Sturm der Schlacht trägt.“ „Ein Schlachtroß von Salabins Raee,“ antwortete 13³⁰ der Graf, indem er Glouceſter zu dem Stalle des Schlachtroſſes führte, welches von allen andern Pferden getrennt war, und das mehr ein Zimmer des Schloſſes als einen Stall bewohnte,„ein Schlachtroß von Saladins Race wäre in der That würdig, daß ein Krieger es ſchenkte und ein Prinz darum häte. Aber leider hat Sa⸗ ladin gleich mir keine Söhne und iſt der Letzte einer langen Linie.“ „Mich dünkt, ſein Vater fiel für uns auf dem Schlacht⸗ felde bei Tonton. War es nicht ſo? Ich habe Eduard erzählen hören, daß, als die Bogenſchützen wichen und der Sieg mehr als ſchwankend war, Ihr abſtieget, mit eigener Hand Euer Pferd tödtetet, das Kreuz Eures Schwertes küßtet und auf der Stelle ſchwuret, den An⸗ drang des Feindes zu hemmen und für Eduard die Krone oder fuͤr Warwick das Grab zu gewinnen.“ „So war es, und der Zuruf meiner wackern Leute, als ſte mich zu Fuß unter ihren Reihen ſahen und ſo⸗ gleich die Flucht einſtellten— war Malechs Grablied! Es iſt eine wunderbare Race, die des Malech und ſeines Sohnes Saladin,“ fuhr der Graf lächelnd fort.„Als mein Ahne, Aymer von Nevile, ſeinen Trupp unter Richard Löwenherz in das heilige Land führte, nahm er eine Dame gefangen, die der mächtige Saladin liebte. Aymer geleitete ſie mit einer Friedensflagge, ohne ihren Schleier je von ihrem Geſicht erhoben zu haben, und ohne Löſegeld zu fordern, zu dem Zelt des Sarazenen⸗ königs. Saladin, zu gnädig für einen Unglaͤnbigen, behielt ihn als ſeinen Gaſt eine Zeitlang bei ſich, und Aymers ritterliche Treue wurde auf eine ſchwere Probe Stalle des rn Pferden chloſſes als a Saladins Krieger es er hat Sa⸗ detzte einer n Schlacht⸗ abe Eduard wichen und tieget, mit reuz Eures t, den An⸗ die Krone Grablied! und ſeines fort.„Als upp unter k, nahm er ohne ihren haben, und arazenen⸗ niglaͤubigen, ſich, und vere Prohe din liebte. 5 131 geſtellt, denn die Dame, die er befreit hatte, liebte ihn und ſachte ihn zu verführen; aber der gute Ritter betete und faſtete und trotzte dem Satan und allen ſeinen Werken. Die Dame, ſo geht die Sage, wurde zornig über die verächtliche Kälte des frommen Kreuzfahrers, und als Aymer zu ſeinen Kameraden zurückkehrte, ſchickte ſie unter den Geſchenken des Sultan zwei kohlſchwarze Schlachtroſſe, einen Hengſt und eine Stute, über die man böſe Zauberformeln ausgeſprochen. Ihre Schön⸗ heit, Schnelligkeit, Gewandtheit und Muth dienten zur allgemeinen Bewunderung. Ohne Argwohn zu hegen, rühmte Aymer das Geſchenk und wählte den Hengſt zu ſeinem Schlachtroſſe. Große Waffenthaten fuͤhrte mein Ahne aus, wenn er ſein ſchwarzes Roß ritt. Aber an einem ungläcklichen Morgen, als der ploͤtzliche Schall der Kriegstrompete machte, daß er ſein Ave vergaß, hatte das Thier Gewalt über den Chriſten und trug ihn trotz dem Gebiß und den Sporen in das dichteſte Ge⸗ bränge des Feindes. Er that Alles, was ein Ritter gegen Viele thun kann— verzeiht die Ruhmſucht eines Nach⸗ kommen, doch ſo geht die Sage— und die Chriſten ſahen ihn eine Weile allein in dem Gedränge, wie er Halbmond und Turban niebermähte; dann ſchloß ſich das Gedränge und man verlor den guten Ritter aus dem Geſichte.„„Zu Hülfe!““ rief der küͤhne König Richard, und vorwärts eilten die Kreuzfahrer, Aymer zu Hülfe, als ſich plötzlich die Glieder trennten und das ſchwarze Roß hervorkam! Aymer war noch im Sattel, aber bewegungslos, und ſein Helm zerhackt und ohne Federn— ſein Schwert zerbrochen— ſein Arm nieder⸗ hängend. Mann und Pferd kamen baher und ſtürmten nicht gegen Ungläubige, ſondern gegen Chriſten an. Vor⸗ wärts eilte das Roß— Feuer ſprühte aus ſeinen Augen und ſeinen Naſenlöchern, und die Spitze ſeiner Bruſt⸗ platte war wie eine Lanze gegen die Kreuzfahrer ge⸗ richtet. Der böſe Feind ſchien ſich in der Wuth und Gewalt des Schlachtroſſes zu zeigen. Es ſtürmte gerade auf Richards Fahnenträger los, und nieder lag der Löwe und das Kreuz. Es griff den König ſelber an, und Richard, der ſeinem eigenen theuren Krieger Aymer nichts zu Leide thun wollte, hielt verwundert an, bis die Pike des Roſſes die Seite ſeines eigenen Pferdes durchbohrte und der König ſich im Staube wälzte. Ein paniſcher⸗Schrecken ergriff die Kreuzfahrer— fie flohen — die Sarazenen verfolgten ſie— und mit den Sara⸗ zenen kam das ſchwarze Roß und der kraftloſe Reiter. Endlich, als die Kreuzfahrer das Lager erreichten und die Flucht authörte, hielt auch Aymer an. Keiner wagte ſich in ſeine Nähe. Er ſprach nicht— Niemand ſprach mit ihm— bis ein heiliger Prieſter und Pilger ſich näherte, den guten Ritter und das ſchwarze Roß mit heiligem Waſſer beſprengte und den böſen Geiſt aus⸗ trieb— der Zauber war gebrochen und Aymer ſank zur Erde. Man öffnete ſeinen Helm— er war kalt und er⸗ flarrt. Das wüthende Noß hatte einen Todten getragen.“ „Heiliger Paulus!“ rief Glonceſter mit ſcheinbarer Andacht, obgleich ein faſt unmerkliches Hohnlächeln um ſeine bleichen und ſchönen Lippen ſpielte—„eine merk⸗ würdige Geſchichte, welche viel von der heiligen Wahr⸗ heit beweist, die jetzt gering geachtet wird. Aber wahr⸗ 1 ihm ri Erbſc ſein e einzig hroch Geſch vder Hauſe Weibe geweb Liebe d ſtürmten an. Vor⸗ nen Augen ner Bruſt⸗ fahrer ge⸗ Wuth und ite gerade der Löwe an, und er Aymer t an, bis n Pferdes älzte. Ein fie flohen den Sara⸗ ſſe Reiter. chten und iner wagte and ſprach zilger ſich Roß mit Heiſt aus⸗ er ſank zur lt und er⸗ getragen.“* cheinbarer ächeln um eine merk⸗ en Wahr⸗ ber wahr⸗ 1 133 lich, Herr Graf, ich würde ein Pferh von einer folchen Abkunft nicht ſehr geliebt haben!“ „Hört das Übrige,“ ſagte Iſabella—„König Richard befahl ſogleich das Schlachtroß zu tödten; doch der heilige Pilger, der den Teufel ausgetrieben hatte, verbot das Opfer. Maͤchtig werden die Dienſte ſein, ſagte der ehrwürdige Mann, welche die Nachkommen dieſes Roſſes Deinem königlichen Geſchlechte leiſten werden, und großen Ruhm werden ſie den Söhnen der Neviles gewähren. Möge das Schlachtroß, welches jetzt vollkommen von dem Zauber der Ungläubigen befreit iſt, lange leben, um einen chrißlichen Krieger zu tragen!“ „Und ſo,“ fuhr der Graf fort,„wurden beide Pferde von Aymers Knappen zu ſeiner engliſchen Halle gebracht, und Aymers Sohn, Sir Reginald, trug das Kreuz und ritt das unheilvolle Roß ohne Furcht und Nachtheil. Von der Stunde an ſtieg das Haus Nevile ſehr an Ruhm und Macht, und die Sage berichtet weiter, daß derſelbe Pilger Sir Reginald zu Joppe begegnete und ihm rieth, jene Race von Schlachtroſſen als ſeine theuerſte Erbſchaft zu betrachten, denn mit dieſer Race würde ſein eigenes Geſchlecht blühen und untergehen, und der einzige Zauber der Ungläubigen, der nicht köͤnne ge⸗ brochen werden, ſei der, welcher das Geſchenk— von Geſchlecht zu Geſchlecht, in Glück und Weh, in Ehre oder Unglück— mit dem Schickſal Aymers und ſeines Hauſes vereine. Und, fügte der Pilger hinzu, da durch Weibes Liehe und Weiberkunſt der unauflösliche Zauber gewebt wurde, ſo ſollen Weiber durch Kunſt oder durch Liebe ſiets Dein und der Deinigen Glück geſtalten.“ G „Uud noch bis jetzt,“ ſagte der Prinz,„iſt die Pro⸗ phezeihung im goldenen Sinne erfüllt, denn faſt alle Eure großen Befitzungen kommen von der weiblichen Linie her. Die Hand eines Weibes brachte Nevile dieſes Schloß und die Beſitzungen. Von einem Weibe kam die Erbſchaft von Monthermer und Montagu, und die be⸗ rühmte Grafſchaft Salisbury— und die Mitgift Eurer vortrefflichen Gräfin waren die weiten Beſitzungen von Beauchamps.“ „Und eines Weibes Kunſt, junger Prinz, brachte meines Königs Mißfallen hervor! Aber genug von dieſen Geſchichten. Seht den Sohn des armen Malech, den ich, all dieſe Sagen vergeſſend, bei Touton tödtete. Ha! Saladin— begrüße Deinen Herrn!“ Sie ſtanden jetzt in dem Stalle des ſchwarzen Roſſes — einem weiten und hochgewölbten Raume, denn eine Halfter entweihte nie den mächtigen Hals des muthigen Roſſes. Ein marmornes Gefäß enthielt ſein klares Ge⸗ tränk, und in einer vergoldeten Krippe wurde das feinſte Weizenbrod mit niederländiſchem Hafer gemiſcht. Als ſie eintraten, fanden ſie den jungen Georg, Montagu’s Sohn, nebſt zwei oder drei Knaben, welche vertraulich mit dem edlen Thier ſpielten, welches alle anhängliche Gelehrigkeit von ſeinem arabiſchen Stamme geerbt hatte. Aber als es Warwicks Stimme hörte, erhoben ſich ſeine Ohren, ſeine Mähne richtete ſich auf, und mit einem kurzen Wiehern ſtellte es ſich auf die Füße, kniete dann nieder und leckte langſam und mit ſtattlicher Aumuth die Hand ſeines Herrn. Ein ſo vollkommenes und ſo unvergleichliches Roß hatte nie ein Ritter beſeſſen! Sein ſt die Pro⸗ n faſt alle weiblichen evile dieſes be kam die und die be⸗ tgift Eurer ungen von 3, brachte von dieſen kalech, den dtete. Ha! rzen Roſſes , denn eine s muthigen klares Ge⸗ das feinſte niſcht. Als Montagu’'s vertraulich unhängliche eerbt hatte. en ſich ſeine mit einem kniete dann er Aumuth nes und ſo eſſen! Sein Fell war ohne ein elnziges weißes Haar und glänzend wie der feinſte Atlas; die Locken einer Dame waren kaum feiner als das Haar ſeiner edlen Mähne; der außer⸗ ordentlich kleine Kopf, die breite Stirn, der ausgezeich⸗ nete und faſt menſchliche Verſtand, der aus ſeinem Auge ſprach, ſchien ſeine Bildung über die ſeiner Gattung zu erheben. Obgleich die Race von Geſchlecht zu Geſchlecht an Größe und Stärke zugenommen hatte, ſo wunderte ſich Prinz Richarh doch— als das Roß auf ein Zeichen Warwicks aufſtand und ſeinen Kopf mit ſchwermüthiger und ruhiger Zärtlichkeit an des Grafen Schulter lehnte — daß ein Pferd von kleinerem Umfang und Höͤhe als ein gewöhnliches Schlachtroß das ungeheure Gewicht des rieſenhaften Grafen in ſeiner ſchweren Rüſtung tragen könne. Doch ſein Erſtaunen verſchwand, als der Graf ihn auf die ungeheure Stärke der Schenkel des Pferdes, auf die eiſernen Muskeln, die hirſchartigen Beine, die ſtierartige Breite der Bruſt und die ſchwellende Kraft des ſchimmernden Halſes aufmerkſam machte. „Und am Ende,“ fügte der Graf hinzu,„bringen bei Menſchen und Thieren der Muth und die Race, nicht die Statur und der Umfang den Preis. Wahrlich, Richard! Ich ſchäme mich oft meiner Muskeln und meiner breiten Bruſt— ich würde eitler auf Lorbeeren ſein, wäre ich um einen Kopf kleiner!“ „Dennoch,“ ſagte der junge Georg von Montagn mit der Dreiſtigkeit eines Pagen,„möchte ich lieber Deine Größe haben als die des Prinzen Richard, und lieber Deine breite Bruſt als Seiner Hoheit kurzen Hals.* Der Herzog von Gloneeſter wendete ſich um, als denden nur einen Blick zu, doch dieſer Blick lebte auf immer in des Knaben Erinnerung, und der junge Mon⸗ tagu wendete ſich bleich und zitternd um, noch ehe er des Grafen ſtrengen Tadel hörte. „Junge Elſtern plappern— junge Adler meſſen ſchweigend den Raum zwiſchen ihrem Horſt und der Sonne!* Der Knabe ließ den Kopf hängen und wollte ſich fortſchleichen, doch Richard hielt ihn mit ſanfter Hand zurück.„Mein ſchöner junger Vetter,“ ſagte er,„Deine Worte verletzen mich nicht, und wenn wir je neben ein⸗ ander auf die feindlichen Reihen losſtürmen, ſo ſollſt Du begreifen, was Dein Oheim ſagen wollte— wie wir in der Stunde der Noth und Bedrängniß die Statur eines Mannes nicht nach dem Körper, ſondern nach der Seele meſſen!“ „Eine edle Antwort,“ flüſterte Anna mit faſt ſchwe⸗ ſterlicher Bewunderung. „Zu edel,“ ſagte die ehrgeizigere Iſabella in dem⸗ ſelben Tone,„als daß Clarenee's künftige Gattin nicht Clarence's unerſchrockenen Bruder fürchten ſollte.“ „Alſo hat Saladin keinen Sohn,“ ſagte der Pring, indem er mit Warwick den Stall verließ und die Mäd⸗ chen noch zurückblieben;„konntet Ihr ihm keine Ge⸗ noſſin geben?* „Wahrlich,“ antwortete der Graf,„die Stuten ſeiner Race ſchlafen in jener Schlucht, ihrem Begräb⸗ hätte eine Schlange ihn geſtochen. Er warf dem Re⸗ A nißplatze, und das ſtolze Thier verſchmäht jede gemeinere Verbindung Überdies wäre die Race nur verherbtworden.“ ſchein terner ſeine ſein E im Gl zu Go „ eine g „. wird ſchaft Clarer er der endlich Bu rf dem Re⸗ lick lebte auf junge Mon⸗ noch ehe er Adler meſſen rſt und der wollte ſich anfter Hand er,„Deine e neben ein⸗ ſo ſollſt Du — wie wir die Statur ern nach der t faſt ſchwe⸗ ella in dem⸗ Gattin nicht llte.“ der Prinz, d die Mäh⸗ keine Ge⸗ m Begräh⸗ le gemeinere 137 „Iör kümmert Euch wenig um die Sage, wie es ſcheint.¹ „Wahrlich! zu Zeiten nur zu vlel; aber in nüch⸗ ternen Augenblicken denke ich, der wackere Mann, der ſeine Pflicht thut, bedarf keines Unglückspropheten, um ſein Schickſal zu erfüllen, und im Gebet oder im Tode, im Glück oder in der Niederlage, geht ſeine Seele gerade zu Gott.“ „Hm,“ ſagte Richard nachdenkend, und hier trat eine Pauſe ein. „Warwick,“ fuhr der Prinz fort,„ohne Zweifel wird ſelbſt bei Eurer Rücktehr nach London die Feind⸗ ſchaft der Königin und ihrer Mutter nicht aufhören. Clarence liebt Iſabella, aber Clarence weiß nicht, wie er den König überreden und die Weiber in ſeiner Um⸗ gebung lenken ſoll. Ihr wißt, wie ich mich von allen Parteien des Hofes fern gehalten habe. Zum Ungluͤck gehe ich an die ſchottiſche Grenze und kann Euch nur wenig dienen. Aber—“ hier hielt er inne und ſeufzte tief. „Redet, Prinz.“ „Mit einem Wort alſo, wenn ich Euer Sohn und Anna's Gatte wäre— da ſehe ich— da ſehe ich— da ſehe ich—“ dreimal wiederholte der Prinz mit unbe⸗ ſtimmtem und traumähnlichem Blicke dieſe Worte und ſtreckte ſeine Hand aus—„da ſehe ich eine Zukunft für Euch und mich ſich eröffnen, wo wir allen Feinden trotzen könnten!“ Warwick zögerte verlegen mit der Antwort. „Mein gnädiger und fürſtlicher Vetter,“ ſagte er endlich,„dieſes Anerbieten iſt in der That ein lieblicher Bulwer, Barone, II. 10 Weihrauch für den Stolz eines Voters. Aber verzeiht mir, edler Richard, bis jetzt ſeid Ihr noch zu jung, ſo daß der König und die Welt mich tadeln würden, wenn mein Ehrgeiz ſich einer ſolchen Verſuchung hingaͤbe. Genug für jetzt, wenn alle Streitigkeiten zwiſchen unſerem Hauſe und dem Koͤnige beſeitigt werden können, ohne neue hervorzubringen— ja, verzeiht mir, Prinz, laßt die Sache ruhen, wenigſtens bis zu Eurer Rückkehr von der Grenze.“ „Kann ich Hoffnung mit mir nehmen?“ „Nun,“ ſagte Warwick,„Ihr wißt, daß ich ein gerader Mann bin; wollte ich Euch Hoffnung machen, ſo wäre es eben ſo viel, als wenn ich mein Wort ver⸗ pfändete, und,“ fügte er ernſthaft hinzu,„es gibt ſehr gewichtige Gründe, die wohl zu überlegen ſind, warum nicht beide Töchter eines Unterthans an die Brüder ihres Königs ſollten verheirathet werden. Laſſen wir das jetzt, ich bitte Euch, lieber Herr.“ Hier kamen die Mädchen wieder zu ihrem Vater, und die Unterredung war zu Ende; aber als Richard eine Stunde ſpäter nachdenkend und allein auf den Zinnen ſtand, murmelte er bei ſich ſelber:„Du biſt ein Thor, alter Graf, daß du nicht die Verbindung zwiſchen deiner Macht und meinem Verſtande begünſtigt haft. Du gehſt an einen Hof, wo ohne Verſtand die Macht nichts iſt. Wer kann die Zukunft vorherſehen? Wahrlich, es war eine weiſe alte Fabel, daß der, welcher den Protens ergreife und binde, von dem veränderlichen Gotte Pro⸗ phezeihung der künftigen Tage herausbringen könne. Jal der Mann, der das Schickſal zu feſſeln vermag, kann auch mein fahre in ei und den 2 weher ſitzun ſchaue Aber verzeiht zu jung, ſo ürden, wenn gaͤbe. Genug hen unſerem önnen, ohne Prinz, laßt Rückkehr von 6 daß ich ein ung machen, in Wort ver⸗ „es gibt ſehr ſind, warum die Brüder aſſen wir das ihrem Vater, als Richard uf den Zinnen iſt ein Thor, viſchen deiner aſt. Du gehſt cht nichts iſt. ‚lich, es war den Proteus ( Gotte Pro⸗ en könne. Ja! ermag, kann 139 auch die Prophezeihung deſſelben hören. Und vermöge meines eigenen Herzens und Gehirns, welches noch nie fahren ließ, wornach die Neigung ſirebte, leſe ich wie in einem Buche, daß du die Meine ſein ſollſt, Anna, und daß dort, wo auf jenen Zinnen die Fahnen mit den Wappen von Beauchamp, Monthermer und Nevile wehen, der Eber von Glonceſter über die weiten Be⸗ ſitzungen und die hartnäckigen Vaſallen gebieteriſch hin⸗ ſchauen wird. Sechstes Buch. Das Schickſal Derjenigen, welche beſſer ſind als Andere, und Derjenigen, welche Andere beſſer machen wollen. Liebe, Demagogie und Wiſſenſchaft, alle entſpringen aus derſelben fruchtbaren Täuſchung— nämlich, daß gemeine Seelen(die große Mehrzahl) der Hoffnung und der Qual edler Seelen, des ewigen Leidens und Strebens Weniger würdig ſind. Erſtes Kapitel. Neue Uneinigkeiten. Wir müſſen einige Monate übergehen. Warwick und ſeine Familie waren nach London zurückgekehrt und das Wiederſehen zwiſchen Eduard und dem Grafen war herzlich und zärtlich geweſen. Warwick wurhe in die Amter wieder eingeſetzt, die ihm dem Anſcheine nach die höchſte Herrſchaft in England verliehen. Die Prin⸗ zeſſin Margaretha hatte als die Gattin Karls des Kühnen England verlaſſen und der Graf hatte an der Prozeſſion zu Ehren ihrer Vermählung Antheil genommen. In Folge der keiegeriſchen Abſichten, die der Koͤnig ſo lange gehegt, hatte er Ludwig dem Elften jetzt Krieg ange⸗ kündigt; es wurden Parlamentsſitzungen gehalten und zu bie Dieſe größt ſam, aus C Anhäͤ würde erheb ſtändi Herzo Lage! ſinn: wickel oberu des F heit, ſchen der ſ fahren ſein geſuch Verm Edua ſeiner Sein Zwar aus d hätte Edua nicht .* ſſer ſind als beſſer machen nſchaft, alle Täuſchung— be Mehrzahl) „des ewigen dig ſind. n. Warwick ickgekehrt und Grafen war zurde in die ſcheine nach t. Die Prin⸗ des Kühnen er Prozeſſion pömmen. In nig ſo lange Krieg ange⸗ ehalten und 141 zu dieſem unpolitiſchen Vorhaben Truppen ausgehohen. Dieſem Kriege aber widerſetzte ſich Warwick mit der größten Feſtigkeit. Er machte auf den Wahnſinn aufmerk⸗ ſam, die am beſten gefinnte Ritterſchaft zu einer Zeit aus England zu entfernen, wo die noch immer mächtigen Anhänger von Laneaſter keine günſtigere Gelegenheit würden finden können, das Banner der rothen Roſe zu erheben. Er zeigte, wie leer die Hoffnung auf eine be⸗ ſtändige Hülfe von dem hitzigen, aber rückſichtsloſen Herzog von Burgund ſei, und wie verſchieden jetzt die Lage Frankreichs unter einem Könige von großem Scharf⸗ ſinn und mit einer reichen Schatzkammer gegen den ver⸗ wickelten Zuſtand, während der früheren engliſchen Er⸗ oberungen ſei. Dieſer Widerſpruch gegen den Willen des Königs gab den Feinden Warwick' jede Gelegen⸗ heit, ihre alten Anklagen der geheimen und verrätheri⸗ ſchen Freundſchaft mit Ludwig zu erneuern. Obgleich der ſtolze und haſtige Graf die ihm von Eduard wider⸗ fahrene Beleidigung nicht nur zu verzeihen, ſondern auch ſein trotziges Benehmen dadurch wieder gut zu machen geſucht hatte, daß er öffentlich den Feierlichkeiten der Vermählung der Prinzeſſin beigewohnt, ſo war es doch Eduard unmöglich, den Miniſter wieder zu lieben, der ſeiner Macht getrotzt und ſeiner Krone gedroht hatte. Sein Arger und ſein Argwohn brachen ungeachtet des Zwanges hervor, den die Klugheit ihm vorſchrieb; und aus den Streitigkeiten bei dem Einfalle in Frankreich hätte ein zweiter und noch tödtlicherer Bruch zwiſchen Eduard und ſeinem Miniſter entſtehen müſſen, hätten nicht die Ereigniſſe plötzlich und unerwartet die Weis⸗ 142 heit von Warwick's Mißtrauen gegen Burgund bewieſen. Ludwig der Elfte brachte durch Geld den Herzog von Bretagne auf ſeine Seite, ſchloß raſch Frieden mit Karl dem Kühnen und vereitelte ſo alle Pläne und brach alle Verbindungen Eduards in demſelhen Augenblick ab, wo ſeine militäriſchen Vorbereitungen zur Reife gediehen waren. Noch immer waren die zornigen Gefühle, welche der Streit zwiſchen Eduard und dem Grafen veranlaßt hatte, nicht mit der Urſache entfernt; und unter dem Vorwande, ſich gegen Ludwigs Feindſeligkeiten zu ſchützen, bat der König Warwick zu ſeinem Gouvernement Calais abzu⸗ reiſen, welches freilich der wichtigſte und ehrenvollſte Poſten war, den ein Unterthan bekleiden konnte; aber Warwick betrachtete die Bitte als einen Vorwand, ihn vom Hofe zu entfernen. Eine noch größere Beleidigung fand man darin, daß Eduard ſeine Zuſtimmung zu der oft erbetenen Erlaubniß zu der Vermählung Clarence's mit der Lady Iſabella zurückhielt. Freilich wurde dieſe Weigerung mit den höflichſten Betheuerungen der Ach⸗ tung vor dem Grafen vereint und auf den Grund der Staatspolitik zurückgeführt. „Mein lieber Georg,“ pflegte Eduard zu ſagen, „Lord Warwick's Tochter iſt gewiß keine Mißheirath für den Bruder eines Königs; aber die Sicherheit des Thrones fordert gebieteriſch, daß meine Brüder meine Herrſchaft durch Verbindungen mit fremden Potentaten verſtärken. Ich vermählte mich freilich mit der Tochter eines Unterthanen, und Du ſiehſt alle Unruhe, die aus meiner knahenhaften Leidenſchaft entſtanden iſt! Nein, nein! Tochter entſchät Wille Ab den Kö genug, ſeiner. dieſe K nehmen und oh war dr Spiel der bei ſaß, d heiter nicht p ur d bewieſen. Herzog von en mit Karl d brach alle lick ab, wo ife gediehen welche der enlaßt hatte, Vorwande, en, bat der Lalais abzu⸗ ehrenvollſte nnte; aber wand, ihn Beleidigung nung zu der Clarence's vurde dieſe n der Ach⸗ Grund der zu ſagen, heirath für⸗ herheit des üder meine Potentaten er Tochter e, die aus iſt! Nein, 14⁴³ nein! Geh nach Bretagne. Der Herzog hat eine ſchöne Tochter, und wir wollen Dich fuͤr die geringe Mitgift entſchädigen. Beläſtige mich nicht mehr, Georg. Mein Wille geſchehe!“ Aber die angegebenen Gründe waren nicht die, welche den König zu dieſer Weigerung beſtimmten. Vernünftig genug, wünſchte er nicht, daß der nächſte männliche Erbe ſeiner Krone die Tochter eines Unterthanen heirathe, der dieſe Krone ihm gegeben und ſie zu jeder Zeit wieder nehmen könne. Er wußte, daß Clarence flatterhaft, eitel und ohne Grundſätze ſei. Eduards Vertrauen zu Warwick war durch die beſtändigen und künſtlichen Vorſtellungen der Königin und ihrer Familie erſchüttert. Er fühlte, daß die Verbindung zwiſchen Clarence und dem Grafen die Vereinigung zweier Intereſſen ſei, denen er nicht würde widerſtehen können, wenn ſie einmal den ſeinigen ſich entgegenſtellen ſollten. Aber Warwick, der die wahren Gründe von Eduards Weigerung durchſchaute, war noch erbitierter über die Gründe, als über die Weigerung ſelbſt. Die er⸗ ſteren verwundeten ihn vermöge ſeiner Zärtlichkeit und die andere vermöge ſeines Stolzes; und die erſtere war ebenſo lebhaft, als der andere empfindlich war. Er wurde noch ärgerlicher, da ſeine Beſorgniß als Vater mit ins Spiel kam. Iſabella war Clarence wahrhaft zugethan, der bei allen ſeinen Fehlern alle oberflächlichen Reize bi⸗ ſaß, die ſeine Famille ſchmückten: galant und ſchön, heiter und freudig und mit einem Weſen, welches ihn nicht weniger beliebt machte, als Eduard ſelber. Und wenn Iſabellens Neigung auch nicht tief, un⸗ 144 eigennützig und zart war, wie die Anna's, ſo wurde ſie doch durch Stolz verſtärkt, den ſie von ihrem Vater ge⸗ erbt hatte, und durch Eitelkeit, die ihrem Geſchlechte eigen war. Höͤchſt ärgerlich war es, daß die Liebe zwi⸗ ſchen ihr und Clarence zum Gegenſtande des Hofge⸗ ſchwätzes und des Königs Weigerung zum Spott des und Stolz und Liebe nagten an ihrem Herzen. Zum Unglück für den König und Warwick war Glouceſter, deſſen frühzeitige Scharfficht und Klugheit Beiden würde genützt haben, um ſo mehr, da ſeine Ab⸗ ſichten in Betreff Anna's ſein Intereſſe einigermaßen mit denen des Herzogs von Clarence, und gewiß mit dem Zweck der Ausſöͤhnung zwiſchen Eduard und ſeinem Miniſter, würden vereint haben— zum Unglück, ſage ich, war Glonuceſter noch immer mit den Truppen an der ſchottiſchen Grenze anweſend, wohin er ſich begeben, als er Middleham verlaſſen hatte, und wo ſeine außer⸗ ordentlichen militäriſchen Talente einen höchſt brillanten Schauplatz fanden— und daher war er währenh all der Abneigung, die er hätte beſeitigen und der Intriguen, die er hätte vereiteln lönnen, von London abweſend. Aber die Intereſſen des Hauſes Warwick während ſeines mürriſchen und unwilligen Aufenthalts in Calais waren keinen ungeſchickten Händen anvertraut, und Montagn und der Erzbiſchof waren wohl geeignet, Lord Rivers und der Herzogin von Bedford die Stange zu halten. Zwiſchen dieſen beiden ſcharffinnigen Brüdern fand eines Tages in More Park eine wichtige Unterrebung ſtatt. Hofes gemacht wurde. Ihre Geſunbheit ſchwand dahin nie eine da gelin⸗ ſich aus ernſter E um Pläͤt muß der ich in d einen H daß die die Wef nenne ie Weſpe. tapfer Ich mei vwurde ſie Vater ge⸗ Geſchlechte Liebe zwi⸗ es Hofge⸗ Spott des vand dahin n. rwick war d Klugheit ſeine Ab⸗ igermaßen gewiß mit ind ſeinem lück, ſage ne außer⸗ während in Calais ut, und net, Lord tange zu 145 „Ich habe Dich aufgeſucht,“ ſagte Montagu mit mehr Sorge als gewöhnlich auf ſeiner Stien—„ich habe Dich aufgeſucht in Folge eines Ereigniſſes, welches zu einem nicht unbedeutenden Ausgange führen kann, mag er nun gut oder übel ſein. Clarence hat plötzlich England verlaſſen und iſt nach Calais gegangen.“ „Ich weiß es, Montagu; der Herzog vertraute mir ſeinen Entſchluß, ſich für alt genug zu erklären, um zu heirathen— undfür geſcheit genug, um ſelbſt zu wählen.“ „Und Du billigteſt das?⸗ „Gewiß, und um die Wahrheit zu ſagen, brachte ich ihn zu dieſer beſcheidenen Meinung, von ſeinen eigenen Fähigkeiten. Was noch mehr ſagen will, ich beabſichtige zu ihm nach Calais zu gehen!“ „Georg!“ „Sieh nicht ſo heilig aus, o tapferer Anführer, der nie eine Schlacht verlor— wo die Kirche ſich einmiſcht, da gelingt Alles. Höre!“ Und der junge Prälat erhob ſich aus ſeiner nachläſſigen Stellung und ſprach mit ernſter Salbung—„Du weißt, daß ich mich nicht viel um Pläne der Laien bekümmere— wenn ich es thue, ſo muß der Zweck ein großer ſein. Nun, Montagu, habe ich in der letzten Zeit das Spinngewebe, welches ihr einen Hof nennt, genau und ſcharf beobachtet und ſehe, daß die Spinne die Weſpe verſchlingen wird, wenn nicht die Weſpe kühn das Gewebe zerreißt, denn Weiberliſt nenne ich die Spinne und Kriegerſtolz nenne ich die Weſpe. Um offen zu reden, dieſen Woodvilles muß man tapfer entgegentreten und ſie entſchloſſen demüthigen. Ich meine nicht, daß wir mit des Königs Frau und ihrer Familie wie mit andern Feinden verfahren können; aber wir müſſen ihnen nur zeigen, daß ſie uns nicht die Stange halten können und daß ihr Intereſſe erfordert, ſich in jene Lage der Dinge zu fügen, welche die Herrſchaft von England in die Hände der Neviles legt.“ „Das iſt auch mein Gehanke, wenn ich nur ſähe, wie es zu machen wäre.“ „Ich ſehe das Mittel in dieſer Verbindung; die Häuſer York und Warwick müſſen ſo unzertrennlich ver⸗ bunden werden, daß das Unternehmen, dem einen Leid zuzufügen, Beide zu Grunde richten muß. Die Königin und die Woodvilles machen Complot gegen uns; wir mäſſen in der Familie des Königs ein Gegengewicht für ihre Machinationen haben. Es bringt der Königin keine üble Nachrede, gegen Warwick zu conſpiriren, doch würde es ſie in den Augen Englands zu Grunde richten, wollte ſie gegen des Königs Bruder conſpiriren, und Clarence und Warwick müſſen eins ſeln. Dies iſt noch nicht Alles! Beſtände unſer einziger Beiſtand in dem flatterhaften Georg, ſo wäre es, als wollten wir unſer Haus mit einem Wetterhahn ſtützen. Dieſe Verbindung iſt nur ein Theil des großartigen Planes, den ich mir in den Kopf geſetzt hahe— Clarenee ſoll Iſabella heirathen, Glouceſter Anna und, laß Dein ehrgeiziges Herz hoch, ſchlagen, Montagu, des Königs älteſte Tochter ſoll Deinen Sohn heirathen— den männlichen Repräſen⸗ tanten unſers dreifachen Titels. Ah, jetzt funkeln Deine Angen! So ſoll ſich die ganze Königswürde Englande in den Häuſern Nevile und York vereinen und die Wood⸗ villes in ihrem eigenen Netze gefangen und ihre Rache ohnmãͤt etwas dem Soe iſt. Cl liebt; E angebet Anführe führt er Ich mö ich mög nien un die St lenken; ſehr ber tochter Königs würdige machen Königre ich mor Clarene⸗ en können; s nicht die ordert, ſich Herrſchaft nur ſähe, dung; die unlich ver⸗ einen Leid ie Königin uns; wir gengewicht er Koͤnigin riren, doch de richten, irreen, und ies iſt noch d in dem wir unſer heirathen, Herz hoch ochter ſoll Repräſen⸗ kkeln Deine Englande die Wood⸗ ſihre Rache 147 ohnmächtig gemacht werden; denn wie kann Eliſabeth etwas gegen uns unternehmen, wenn ihre Tochter mit dem Sohne Montagu's, dem Neffen Warwicks verlobt iſt. Clarence iſt bei den flachköpfigen Gemeinen be⸗ liebt; Glouceſter wirb von der Armee und von der Kirche angebetet, und Montagu und Warwick, die beiden großen Anführer unſers Zeitalters— iſt dies nicht eine Ver⸗ einigung der Macht, die dem Schickſal trotzen kann!“ „O Georg!“ ſagte Montagu bewundernd,„wie Schade, daß die Kirche einen ſolchen Staatsmann ver⸗ dirbt!“ „Du ſprichſt eine Läſterung aus, Montagn; die Kirche verdirbt keinen Mann— die Kirche leitet und führt euch Alle; und bemerke wohl, ich ſehe noch weiter. Ich möchte eine veriraute Verbindung mit Frankreich; ich möchte unſer freundſchaftliches Verhältniß mit Spa⸗ nien und dem deutſchen Kaiſer verſtärken; ich möchte die Stimmen des heiligen Collegiums erkaufen oder lenken; ich möchte Deinen armen Bruder, den Du ſo ſehr bemitleideſt, weil er keinen Sohn hat, eine Königs⸗ tochter zu heirathen— keine Tochter, um ſie an einen Königsſohn zu verheirathen— ich möchte Deinen un⸗ würdigen Bruder zum Vater der ganzen chriſtlichen Welt machen, um vom Stuhl im Vatikan das Wohl der Königreiche zu überwachen. Und ſiehſt Du nun, warum ich morgen mit Sonnenaufgang nach Calais abreiſe und Clarenee mit meiner Stimme unterſtütze, um den erſten Knoten dieſes verwickelten Bandes zu knüpfen?“ „Aber wird Warwick einwilligen, ſo lange der König ſich widerſetzt? Wird ſein Stolz—* 148 „Sein Stolz iſt uns hier nützlich; denn ſo lange Clarence dem Könige nicht zu widerſprechen wagte, mochte es wohl unter Warwicks Würde ſein, die Hand ſeiner Tochter einem lebenden Menſchen aufzudringen. Der König widerſetzt ſich, aber mit welchem Recht? Warwick's Stolz wird ihn nur dahin führen, wenn er richtig geleitet wird, der Beleidigung zu trotzen und ſich dem Befehl zu widerſetzen; überdies hat unſer Bruder das Herz eines Weibes gegen ſeine Kinder, und Iſa⸗ bellas Geſicht iſt bleich und das wird mehr dafür ſprechen als alle meine Beredſamkeit.“ „Aber kann der Koͤnig Deine Vermittlung und War⸗ wick's Trotz verzeihen?“ „Verzeihen!— Wenn bie Trauung einmal vorüber iſt, was bleibt ihm da zu thun übrig. Er iſt dann Einer von uns, und wenn Glonueeſter zurückkehrt, ſo iſt Alles wieder auszeglichen und der Weg gebahnt zu der zweiten wichtigeren Vermählung— und auf die zweite ſoll die dritte folgen. Inzwiſchen kehrſt Du an den Hof zurück. Bei dieſen Geremonien brauchſt Du nicht zu⸗ gegen zu ſein; habe nur Acht, daß Dein hübſcher Sohn ſich nicht den Hals bricht, wenn er ſein Steckenpferd überreitet, und warte Deine Zeit ab!“ Von dieſer eigennützigen aber ſchlauen Politik er⸗ füllt, reiste der Prälat am nächſten Tage nach Calais ab, wo Clarence bereits ſeine Bewerbung mit der glü⸗ henden Ungeduld eines verliebten Jünglings vorbrachte. Der Erzbiſchof fand indeß Warwick wiherſtrebender, als er vermuthet hatte, ſeine Tochter in ein Haus ohne die Bewilligung des Oberhauptes eintreten zu laſſen; auch willigun Vorbede in Calai war erre Wäͤl teten ſic weſenhei über do Lebensm Leitung er außer Adminif Lord W Rathſchl Erfahrn ſo lange en wagte, die Hand zudringen. m Recht? „wenn er n und ſich er Bruder und Iſa⸗ ir ſprechen und War⸗ al vorüber ann Einer oo iſt Alles t zu der die zweite ohne die en; auch 149 würde ſich der Graf wahrſcheinlich nicht den Bitten des fürſtlichen Bewerbers gefügt haben, hätte nicht Eduard, aufgebracht über Clarence's Flucht, und von der liſtigen Königin bearbeitet, die Unbeſonnenheit begangen, einen ungemäßigten und drohenden Brief an den Grafen zu ſchreiben, welcher alle Leidenſchaften des hochmüthigen Warwick aufregte. „Was!“ rief er,„will dieſer undankbare Mann mich nicht nur durch die Art entehren, wie er ſeine Schweſtern verheirathet, ſondern auch bei der Verfügung über meine eigene Tochter den Tyr annen ſpielen! Er droht mir! — Er!— Genug. Es iſt an mir, zu zeigen, daß kein Menſch lebt, deſſen Drohungen zu trotzen ich nicht das Herz habe!“ Und da der Prälat ihn in dieſer Stim⸗ mung traf, fand er keine Schwierigkeit mehr, ſeine Ein⸗ willigung zu gewinnen. Dieſe Vermählung von ſo übler Vorbedeutung wurhe demnach mit königlichem Prunke in Calais gefeiert und der erſte Schritt des Erzbiſchofs war erreicht. Während ſo die Angelegenheiten ſtanden, verbrei⸗ teten ſich die Uneinigkeiten, die während Warwicks An⸗ weſenheit bei Hofe eine Weile geruht hatten, wieder über das ganze Land. Eduards luxuriöſe und träge Lebensweiſe gab ihn in gewöhnlichen Zeiten ſtets der Leitung Anderer hin. Zu Anfang ſeiner Regierung war er außerordentlich beliebt und ſeine, wenn gleich ſtrenge Adminißration paßte für die Zeit, denn damals übte Lord Warwick den vorherrſchenden Einfluß. Als die Raihſchläge der Königin das Uebergewicht über die reiche Erfahrung und die männliche Kraft des Grafen erhiel⸗ 15⁵⁰ ten, verlor des Königs Regierung die Beliebtheit und Achtung, nur mit Ausnahme der Hauptſtadt; und wenn ſte gegen Ende ſeiner Herrſchaft alle frühere Gunſt bei dem Volke wieder erlangte, ſo muß dies beſonders dem Genie des Lord Haſtings zugeſchrieben werden, der da⸗ mals Englands mächtigſter Unterthan war, und deſſen Geiſt ruhig alle Federn der Handlung bewegte. Aber jetzt war überall das konigliche Anſehen geſchwächt, und während Eduard in Shene ſchwelgte und Warwick ſich in Calais aufhielt, waren die Provinzen allen Miß⸗ bräuchen ausgeſetzt, welche das Volk am tiefſten ver⸗ wunden. Die Armen beklagten ſich, daß die Hoſpitäler, Abteien und Barone zu übertriebene Auflagen machten; die Kirche klagte, daß die Verwandten der Königin ſich der Kirchengelder bemächtigt und ſie ausgegeben hätten; die Leute von Geburt und Verdienſt beklagten ſich über das Emporkommen neuer Männer, die gar keine Dienſte geleiſtet; und alle dieſe verſchiedenen Uneinigkeiten wur⸗ den als der Urſache von allen den verhaßten Woodvilles zugeſchrieben. Der jetzt bekannt gewordene zweite Bruch zwiſchen dem Könige und dem allbeliebten Warwick war eine neue Vermehrung des Volkshaſſes gegen die Fa⸗ milie der Königin, und ſchien den Mißvergnügten Ge⸗ legenheit zu geben, ſich ungeſtraft zu zeigen, wenigſtens ſo weit der Graf im Spiel war. Zu dieſer kritiſchen Zeit nun geſchahen die Ereigniſſe, welche wir zu berich⸗ ten im Begriff find. ebtheit und und wenn Gunſt bei onders dem n, der da⸗ und deſſen gte. Aber vächt, und arwick ſich llen Miß⸗ efſten ver⸗ Hoſpitäler, n machten; Lönigin ſich ben hätten; n ſich über ine Dienſte keiten wur⸗ Woodvilles veite Bruch garwick war en die Fa⸗ nügten Ge⸗ wenigſtens r kritiſchen zu berich⸗ Zweites Kapitel. Die Weltverbeſſerer— Der traurige Vater und das traurige Kind— Die ſchönen Nebenbuhlerinnen. Adam Warner war mit ſeinem Schmelztigel be⸗ ſchäftigt, als der mit ſeiner Aufwartung beauftragte Diener die Thür des Zimmers öffnete und ein Mann in dem ſchwarzen Gewande eines Gelehrten eintrat. Er näherte ſich dem Alchymiſten und nachdem er ihn einen Augenblick mit einem Schweigen angeſehen hatte, welches nicht ohne Verachtung zu ſein ſchien, ſagte er: „Ei, Herr Warner, ſeid Ihr ſo ſehr in Eure neuen Studien vertieft, daß Ihr kein Wort für einen alten Freund übrig habt?⸗ Adam wendete ſich ärgerlich um, und als er den Eindringling einige Augenblicke angeſehen hatte, zeigte ſein Geſicht das Zeichen des Wiedererkennens. „Ei!“ ſagte er,„der kühne Robin Hilyard in der Kleidung eines Gelehrten. Ohne Zweifel haſt Du ſchon gelernt, daß friedliche Studien des Menſchen Wohl hienieden am beſten ſichern, und kommſt, um Dich mit mir mit Geiſtesarbeiten zu beſchäftigen!“ „Adam,“ ſagte Hilyard,„ehe ich antworte, ſage mir, Du, der Du mit Deiner Wiſſenſchaft die Welt verändern wollteſt, biſt Du dem Ziel um einen Zoll näher? „Wahtlich,“ ſagte der arme Adam,„Du weißt nicht, was ich erlitten habe, um von der Gefahr der Folter und des Galgens zu ſchweigen, Der menſchliche Körper iſt eine Beute für die Grauſamkeit, und was — — 15²2 ein König heute verſchont, das wird morgen der Wurm zernagen. Aber meine Erfindung— meine Eureka— ſiehe!“ Bei dieſen Worten trat er auf die Seite, erhob ein Tuch und zeigte die verſtuͤmmelten Ueberbleibſel des unglücklichen Modells. „Ich bin nicht im Stande, es wiederherzuftellen,“ fuhr Adam in kläglichem Tone fort,„ich muß Tag und Nacht arbeiten, um Gold zu machen, und das Gold will eben nicht kommen, und die einzige Abwechſelung meiner anſtrengenden Arbeit iſt, wenn die Königin mir befiehlt, kleine Puppenſchachteln für ihre Kinder zu verfertigen! Wie kann ich da die Welt verändern? Und Du,“ fägte er lebhaft und zweifelnd hinzu—„Du, mit Deinen Plänen und Liſten und Deiner thäͤtigen Demagogie, glaubſt Du, die Welt verändert oder einen Tropfen des Uebels aus der Miſchung von Galle und Yſop entfernt zu haben, die der Menſch zu trinken beſtimmt iſt?“ Hilyard ſchwieg, und die beiden Weltverbeſſerer— der Philoſoph und der Demagog— ſahen einander halb theilnehmend und halb verächtlich an. Endlich ſagte Robin:„Mein alter Freund, die Hoffaung hält uns Beide aufrecht und in der Wildniß ſehen wir doch Beide unſer Ziel! Aber zu meinem Geſchäft. Ohne Zweifel iſt es Dir erlaubt, Heinrich in ſeinem Gefängniß zu beſnchen.“ „Nicht ſo,“ verſetzte Adam;„und übrigens, da ich König Eduards Brod eſſe und mich ſeines Schutzes erfreue, wie ſie es nennen, würde es ſich ſchlecht für mich ſchicken, mich zu Complotten gegen ſeinen Thron herzugeben.“ „Ah mit Bit oder Kr. beſticht Volks al Ehe dem Täf Mönchs ſagte de um Eur mit dieſe Mit Adam di bekreuzte „Iſt da Zauberer „Za unausſp⸗ einem ſeh ter, daß mit dieſe Adam it hewohnte „Hn daß dieſe zogin, m ſchäftigt dem Vol Sob hatte, ſu Buln der Wurm Eureka— eite, erhob gbleibſel des zuſtellen,“ ß Tag und Gold will ung meiner nir befiehlt, erfertigen! du,“ fägte ait Deinen demagogie, ropfen des vp entfernt t iſt?“ beſſerer— nander halb dlich ſagte g hält uns doch Beide oue Zweifel efängniß zu ens, da ich 6 Schutzes ſchlecht für inen Thron 153 „Ah! Mann— Mann— Mann,“ rief Hilyard mit Bitterkeit,„Du gleichſt allen Uebrigen— Gelehrter oder Knecht, derſelbe Sklave; eines Königs Lächeln beſticht Dich und macht Dich von dem Dienſte des Volks abwendig.“ Ehe Adam antworten konnte, wurde eine Panele in dem Täfelwerk zurückgeſchoben und der kahſe Kopf eines Mönchs ſtreckte ſich ins Zimmer herein.„Sohn Adam,“ ſagte der heilige Mann,„ich bitte auf einen Augenblick um Eure Geſellſchaft, oro vestrem aurem!“ Und mit dieſem ſchrecklichen Latein verſchwand der Mönch. Mit reſignirtem und traurigem Rchſelzucken ging Adam durch das Zimmer, als Hilyard ihn aufhielt, ſich bekreuzte und mit leiſem und furchtſamen Flüſtern ſagte: „Iſt das nicht der Mönch Bungey, der berüchtigte Zauberer?“ „Zauberer oder nicht,“ antwortete Warner, mit unausſprechlicher Verachtung in ſeinem Ausdruck und einem ſchweren Seufzer:„Gott verzeihe ſeiner Mut⸗ ter, daß ſie einen ſolchen Dummkopf geboren hat.“ Und mit dieſem frommen und chriſtlichen Ausruf verſchwand Adam in das anſtoßende Zimmer, welches der Mönch hewohnte. „Hm,“ ſagte Hilyard bei ſich ſelber,„man ſagt, daß dieſer Mönch Bungey von der alten Hexe, der Her⸗ zogin, mit beſtändigen Teufeleien gegen ihre Feinde be⸗ ſchäftigt iſt. Ein Blick in ſeine Höhle würde genügen, dem Volke eine intereſſante Geſchichte zu erzählen.“ Sobald der entſchloſſene Robin dieſe Abſicht gefaßt hatte, ſuchte er ſie auch auszuführen, ſchlich ſich di den Bulwer, Barone, Il. Zehen an der Wand hin und blickle vorſichtig durch die Offaung in dem Täſelwerk. Ein ungeheures ausgeſtopf⸗ tes Krokodil hing an der Decke und verſchiedene getrocknete Schlangen, die umher angebracht waren, ſtarrten den Späher mit ihren grünen Glasaugen an. Ein unge⸗ heures Buch lag auf einem dreifuͤßigen Pult und ein Keſſel ſiehete über einem langſamen und düſtern Feuer. Ein noch ſchrecklicherer Anblick wartete des unbeſonnenen Zuſchauers. „Adam,“ ſagte der Mönch, indem er ſeine breite Hand auf des Gelehe ten widerſtrebende Schulter legte, „inter sapentes— „Sapientes, Bruder,“ ſeufzte Abam. „Das iſt die alte Form, Adam,“ ſagte der Möuch hochmüthig—„sapentes iſt die neueſte Verbeſſerung. Ich ſage unter weiſen Männern herrſcht kein Neid. Unſere edle und mächtige Patronin, die Herzogin von Bedford, hat mir eine Aufgabe vorgelegt, die großen Vortheil verſpricht. Ich habe Tag und Nacht slolis ſilibus daran gearbeitet.“ „O Mann, welch ein Kanderwelſch ſprecht Ihr?— stotis filibus!“ „Still, wenn es auch kein guſes Latein iſt, ſo thut es doch dieſelben Dienſte, Sohn Adam. Ich ſage, ich habe Tag und Nacht gearbeitet, und es iſt jetzt weit genug vorgerückt, um ein Experiment zu machen. Aber Ihr ſeid im Begriff, Ench zur Ruhe zu begeben.“ „Beeilt Euch— redet— redet!“ ſagte Adam ver⸗ zweiflungsvoll—„welches iſt Eure Erfindung?“ „Seht!“ antwortete der Mönch majeſtätiſch; und kleinen rikatur d hildeten. wußte n verſtänd aus.“ „Ho von ſcha his zum htig durch die es ausgeſtopf⸗ ene geirocknete „ſtarrten den . Ein unge⸗ Pult und ein düſtern Feuer. unbeſonnenen r ſeine breite ſchulter legte, te ber Mönch Verbeſſerung. t kein Neid. Herzogin von „die großen Nacht slolis echt Ihr?— miſt, ſo thut Ich ſage, ich iſt jetzt weit nachen. Aber eben.“ e Adam ver⸗ ung?“ lätiſch; und 15⁵ indem er ein ſchwarzes Tuch aufzeckte, zeigte er Adams Augen und den noch mehr erſchrockenen Blicken Robin Hilyards ein bleiches und leichenähnliches Bild von kleinen Verhältniſſen, deſſen Züge aber eine rohe Kar⸗ rikatur des fürſtlichen Geſichts des Grafen von Warwick hildeten. „Da,“ ſagte der Moͤnch, wohlgefällig ſeine Hände reibend,„das iſt keine Pfuſcherarbeit, he! ſo ähnlich dem ſtolzen Grafen, wie eine Erbſe der andern.“ „Und zu welchem Zweck habt Ihr all dies viele Wachs verſchwendet?“ fragte Adam.„Wahrlich, ich wußte nicht, daß Ihr ſo viel von der bildenden Kunſt verſtändet; übrigens ſleht das Ding etwas geiſterhaft aus.“ „Hoho!“ lachte der Moͤnch, ſo daß er ein Gebiß von ſchadhaften und entfärbten Zähnen von einem Ohr his zum andern zeigte,„gewiß wißt Ihr doch, da Ihr ein ſo berühmter Zauberer und Gelehrier ſeid, zu welchem Zweck wir unſere Feinde nachbilden. Was die Herzogin dieſer Figur anthut, das wird der Graf von Warwick, den ſte vorſtellt, durch Knochen und Mark fühlen. Und Ihr ſagt, ich habe Wachs verſchwendet, Mann!“ „Ihr ſeid ein Teufel, dies zu thun, und ein Dumm⸗ kopf, daran zu glauben, o elender Mönch!“ rief Adam, deſſen Sanftmuth ihn gänzlich verließ. „Ha!“ rief der Mönch, nicht weniger heftig, indem ſich ſein Geſicht vor Leidenſchaft röthete,„wollt Ihr Worte mit mir wechſeln? Elender Wicht! ich will Dir Kobolde ſchicken, die Dich ſchwarz und blau kneipen ſollen. Ich will Dich Nachts über alle Klippen des Berges Pepanon an dem Schweif einer tollen Nacht⸗ mähre ſchleifen. Alle Knochen ſollen Dich ſchmerzen und das Blut in Deinen Adern ſoll ſich in Geſchwüre und Ausfatz verwandeln. Bin ich nicht der Moͤnch Bungey? Und was biſt Du?“* Bei dieſer ſchrecklichen Verwünſchung zitterte der rüſtige Robin, obgleich viel weniger abergläubiſch als die meiſten ſeiner Zeitgenoſſen, vom Kopf bis zu den Fäßen und erwartete, Zwerge und Kobolde aus den Wänden hervorſpringen zu ſehen, zog ſich haſtig aus ſeinem Verſteck zurück, öffnete leiſe die Thür, ohne auf eine weitere Unterredung mit Warner zu warten, und ſchlich ſich die Treppe hinunter. Adam ertrug indeß den Sturm ohne Beben, und als der heilige Mann ſchwieg, um Athem zu ſchöpfen, ſagte er ruhig:„Wahrlich, wenn Du das vermagſt, ſo müſſen mehr Geheimniſſſe in der Natur verborgen liegen, als ich bisher entdeckt habe. Obgleich Euch freiſteht, Alles was Ihr könnt, gegen mich zu verſuchen, ſo machen es doch Eure Drohungen nothwendig, daß die ffnung zwiſchen unſern Zimmern zugenagelt werde, und ſo will ich es anordnen.“ Der Moͤnch, der ſtets Adams Hülfe bedurfte, ent⸗ weder um ein wenig Latein zuſammenzuſtoppeln, oder ihm bei einer chemiſchen Täuſchung zu helfen, war mit dieſer ruhigen Erwiderung keineswegs zufrieden, und indem er Adam ſeine ungeheure Hand hinreichte, ſagte er mit affektirter Herzlichkeit:„Pah! wir ſind Bruͤder und dürfen nicht mit einander zanken. Ich war zu hitzig und Ihr zu beleidigend; aber ich liebe und ehre Euch, Mann— laßt es gut ſein. Was hieſe Figur anbetrifft, im menf Ada „G. Lungen kollen Nacht⸗ ſchmerzen und Geſchwüre und onch Bungey? ig zitterte der ergläubiſch als pf bis zu den bolde aus den ich haſtig aus hür, ohne auf warten, und trug indeß den Nann ſchwieg, Lahrlich, wenn imniſſe in der entdeckt habe. könnt, gegen re Drohungen ſern Zimmern dnen.“ bedurfte, ent⸗ oppeln, oder fen, war mit frieden, und reichte, ſagte ſind Bruder war zu hitzig id ehre Euch, r anbetrifft, 157 ſo konnten wir ſie ohne Zweifel rolh anſtreichen, und das würde dem Grafen durchaus nichts ſchaden. Aber wenn unſere Patrone dergleichen Dinge beſtellen und dafür zahlen, ſo benützen wir liſtigen Leute die Thoren!* „Leute wie Ihr ſeid, bringen Schande über die Wiſſenſchaft,“ antwortete Adam finſter,„und ich will Euch nicht länger zuhören.“ „Ihr müßt aber,“ ſagte der Mönch, indem er Adams Gewand ergriff und ſeinen Zorn unter einem affektirten Grinſen verbarg.„Ihr haltet mich für einen Dumm⸗ kopf— ha! ha!— ich denke daſſelbe von Euch. Ei, Mann, Ihr habt gewiß nie die Theile des menſchlichen Körpers ſtudirt, das will ich beſchwören.“ „Ich bin kein Wundarzt,“ ſagte Adam.„Laßt mich gehen.“ „Nein— noch nicht. Ich will Euch von Eurer Un⸗ wiſſenheit ͤberzeugen. Ihr wißt vielleicht nicht einmal wo die Leber liegt.“ „Ich weiß es,“ antwortete Adam kurz,„aber was weiter?“ „Ihr wißt es?— Ich läugne es. Hier iſt eine Nadel, ſteckt ſie in dieſes Wachs, wo Ihr meint, daß im menſchlichen Körper die Leber liegt.“ Adam gehorchte, ohne etwas Arges zu denken. „Gut!— Die Leber iſt da, he? Aber wo find die Lungen?* „Nun, hier.“ „Und das Zwerchfell?⸗ „Nun, hier.“ „Richtig!— Jetzt könnt Ihr gehen,“ ſagte der 158 Mönch trocken. Adam verſchwand durch die Sffaung und ſchloß die Panele.„Nun weiß ich, wo die Lungen, das Zwerchſell und die Leber liegen,“ ſagte der Mönch bei ſich ſelber;„jetzt wird es vortrefflich gelingen. Dies iſt ein nützlicher Kerl da, ſonſt wäre ich ſchon läͤngſt ge⸗ hängt worden!“ Bei ſeiner Rückkehr bemerkte Abam nicht, daß ſein Gaſt Hilyard verſchwunden war, und bald verſenkle er ſich wieder mit glühendem Intereſſe in ſeine undankbaren Arbeiten. Etwa eine Stunde ſpäter war es, als er ſich, von be⸗ ſtändiger Hoffnung und beſtändiger Täuſchung ermüdet, auf ſeinen Stuhl warf und jene tiefe Traurigkeit, welche nur die kennen können, die ſich in dieſer geräuſchvollen Welt der Welsheit und Wahrheit widmen, übergoß ſeine Gedanken und murmelte von ſeinen fieberhaften Lippen. „O harte Lage meines Lebens!“ ſtöhnte der Weiſe —„ſtets zu ſtreben und nimmer zu vollenden. Die Sonne geht auf und unter bei meinen ewigen Anſtren⸗ gungen, und mein Alter iſt noch ebenſo fern von dem Ziel, als es meine Jugend war! Schnell, ſchnell ſchwindet der Geiſt aus dem Körper dahin, und meine Pläne haben nur Stricke von Sand gedreht, und mein Name wird ſein wie ins Waſſer geſchrieben. Goldene Traͤume meiner jungen Hoffnung, wo ſeid ihr? Einſt meinte ich, wenn ich nur die Gnade der Großen, das Ohr der Macht und die Unterſtützung des Reichthums erlangen könnte, ſo ſei mein Pfad zum Ruhm oben und ſicher— ich würde der große Erfinder meiner Zeit und meines Landes ſein; ich wüt Segen runden nung ei geben hemmt der Be wozu ie ſteht da Erz, u iſt meh nimmern Schöpf bereiche Betrüg ſtärke 1 meinen ie Hffaung die Lungen, der Mönch ngen. Dies mlaͤngſt ge⸗ öt, daß ſein verſenkte er undankbaren fich, von be⸗ ug ermüdet, gkeit, welche eräuſchvollen en, übergoß fieberhaften e der Weiſe lenden. Die en Anſtren⸗ rn von dem ell ſchwindet Pläue haben Name wird ume meiner e ich, wenn Macht und könnte, ſo ich würde andes ſein; 159 ich würde meine Lehre als eine Eebſchaft und einen Segen hinterlaſſen, wo die Arbeit ſich abmüht, den runden Erdball zu eiviliftren. Und nun iſt meine Woh⸗ nung ein Palaſt— Fürſten ſind meine Patrone— ſie geben mir Gold auf meinen Wunſch— der Mangel hemmt mich nicht mehr. Gut, und für was? Unter der Bedingung, daß ich den einzigen Zweck aufgebe, wozu ich Schutz, Reichthum und Muße wünſchte! Dort ſteht das zerbrochene Eiſen— und dort glimmert das Erz, welches ich in Gold verwandeln ſoll— das Eiſen iſt mehr werth als alles Gold— und das Gold iſt nimmer zu gewinnen! Arm war ich ein Erfinder, ein Schöpfer, der wahre Zanberer— beſchützt, begünſtigt, bereichert, bin ich nur der Alchymiſt, das Unding. der Betrüger oder der Betrogene, des Thoren Thor. Gott, ſtärke meine Glieder! Laß mich entfliehen— gib mir meinen alten Traum zurück, daß ich wenigſtens, wenn ich auch nichtsvollende, in der Fülle der Hoffaung ſterbe!“ Er ſtand auf während er ſprach und ging mit maſe⸗ ſtätiſchem Schritte, Entſchloſſenheit auf ſeiner Stirne, durchs Zimmer. Er blieb ſtehen, ein mächtiger Schmerz zuckte durch ſein Herz. Frühzeitiges Alter und die Unruhe, welche die Arbeit bringt, waren im Innern mit ihrem Zerſtörungswerk beſchäftigt. Die Aufregung des Geiſtes wich der koͤrperlichen Schwäche, und er ſank wieder auf ſeinen Sitz zurück, athmete ſchwer, ſchnappte nach Luft, und der eiſige Schweiß ſtand auf ſeiner bleichen Stirn. Siedend bewegten ſich die geſchmolzenen Metalle, röth⸗ lich glühte die giftige Steinkohle, die Luft des Todes war in dem Zimmer, wo das Opfer des königlichen Willens bei dem Streben nach Golb verſchmachtete. Schreckliche und ewige Moral für die Weisheit und für den Geiz, für den Weiſen und für die Könige— ſtets ſoll der, welcher Gold machen will, die Luft des Todes athmen. „Vater,“ ſagte Sibylla leiſe und mit ruͤhrender Stimme, welche unbemerkt eingetreten war und jetzt ihre Arme um Arams Hals ſchlang,„Vater, Du biſt krank und leideſt ſehr—⸗ „Im Herzen— ja, Sibylla. Reiche mir Deinen Arm, laß uns hinausgehen und die friſchere Luft ge⸗ nießen.“ Es war ſo ſelten, daß Abam ſich bewegen ließ, ſein Zimmer zu verlaſſen, ſo daß dieſe Worte Sibylla faſt erſchreckten, und ſie ſah ihm ängſtlich ins Geſicht, als ſte den Schwelß von ſeiner Stirne trocknete. „Ja— Luft— Luft!“ wiederholte Adam, auf⸗ gehend, zog ſein Gewand feſter um ſich zu, und dann verließen ſte langſam und ſchweigend das Zimmer und nahmen ihren Weg über den Hoſplatz zu den Feſtungs⸗ werken. Das Wetter war ruhig und milde, und ein leichter aber friſcher Wind verminderte die Hitze des Mittags. Vater und Kind ſetzten fich auf die Bruſtwehr und ſahen unten die zahlreichen Fahrzeuge, die über den ſchim⸗ mernden Fluß dahinglitten, während die dunkeln Mauern von Baynards Schloß, die nahen Zinnen und Bollwerke von Montſichet und der hohe Wachthurm von Warwicks maͤchtigem Hauſe in der Ferne düſter gegen den ſanften, blauen Himmel abſtachen.. 4 „D Schlöſſe heben— das Ge jetzt an aber der Schloß und erſe vielleicht die fern geſehen: Fluß? Es! woͤhnlich Art, zu mußte t ſchmachtete. heit und für igge— ſtets des Todes rührender no jetzt ihre u biſt krank nir Deinen re Luft ge⸗ begen ließ, tte Sibylla ns Geſicht, ete. dam, auf⸗ und dann ſimmer und Feſtungs⸗ ein leichter Mittags. und ſahen ben ſchim⸗ n Mauern Bollwerke Warwicks in ſanften, 161 „Dort,“ ſagte Adam ruhig, indem er auf die Schlöſſer deutete,„dort ſcheint ſich die Macht zu er⸗ heben— und dort“— auf den Fluß deutend—„ſcheint das Genie dahinzufließen! In einem Jahrhundert von jetzt an werden die Mauern ſich verändern und verfallen, aber der Fluß wird fortrollen. Der Menſch baut das Schloß und gründet die Macht— Gott bildet den Fluß und erſchafft das Genie. Und doch, Sibylla, gibt es vielleicht Ströme, ſo breit und ſtattlich wie jene Themſe, die fern in der Wüſte fließen, und die kein Menſch je geſehen noch davon gehört hat. Was nützt der unbekannte Fluß?— was das Genie, von dem Niemand weiß 2* Es war nicht häufig, daß Adam ſo beredt war. Ge⸗ woͤhnlich ſchweigſam und abweſend, war es nicht ſeine Art, zu moraliſtren oder zu deklamiren. Seine Seele mußte tief bewegt ſein, ebe die tiefe und begrabene Empfindung in ihm ſich in Worten Luft machen konnte. Sibylla drückte ihres Vaters Hand, und obgleich ihr eigenes Herz ſehr ſchwer war, ſo zwang ſie doch ihre Lippen, zu lächeln, und ihre Stimme, ihn zu beſänf⸗ tigen. Adam unterbrach fie. „Kind, Kind, ihr Weider wißt nicht, was den Geiſt des Mannes am ſchwerſten und bitterſten drückt. Ihr wißt nicht, was es heißt, aus immateriellen Dingen einen abſtrakten, aber ruhmvollen Gegenſtand zu bilden — ihn zu verehren— ihm zu dienen— ihm wie auf einem Altar Jugend, Geſundheit und Leben zu opfern — und plötzlich im Alter zu ſehen, daß das Idol ein Phantom, ein Schatten war, der uns verſpottet, weil wir ihn zu haſſen ſuchten.“ 162 „O ja, Vater, die Weiber erfahren jene Täu⸗ ſchung auch.“ „Was! ſtudiren ſie auch?* „Nein, Vater, aber ſie fühlen!4 „Fühlen! ich verſtehe Dich nicht.“ „Was das Genie für den Mann iſt, iſt das Herz für das Weib,“ antwortete Sibylla, indem ihre dunklen und tiefen Augen ſich mit Thränen füllten.„Erſchafft und erfindet nicht das Herz? Träumt es nicht? Bildet es nicht ſein Idol aus Luft? Geht es nicht fort in die Zukunft, um ſich ſelber zu prophezeihen? Und erwacht es nicht früher ober ſpäter, im Alter oder in der Jugend, um zu ſehen, wie es ſein Alles an Thorheiten ver⸗ ſchwendet hat? Ja, Vater, mein Herz kann mitem⸗ pfinden, wenn Dein Genie ſich beklagt.“ „Sibylla, die Zeit vergeht,“ ſagte Warner er⸗ wachend und ſie überraſcht und aufmerkſam anſehend. „Bis zu dieſer Stunde dachte ich nur an Dich wie an ein kleines Kind. Deine Worte beunruhigen mich jetzt.“ „So denke nicht weiter daran. Laß mich nimmer Deinen Kummer vermehren.“ „Du hiſt ſchön in dieſem ſeldenen Glanz,“ ſagte Adam, ſie neugierig anſehend und den reichen glatten Stoff ihrer Tunika ſtreichelnd;„Ihre Hoheit, die Her⸗ zogin, iſt großmüthig gegen uns. Fühlſt Du Dich auch wirklich glücklich hier?“ „Glücklich!“ „Nicht gluͤcklich!“ rief Adam faſt erfreut,„wollteſt Du, wir wären wieder in unſerem verlaſſenen, halb verfallenen Hauſe?⸗ „J ſtillen laſſene Alter.“ „3 Adam! Liſt in Palaſt Haſting Mann. „N blaß we vorhabe „K ſo oft be jene Täu⸗ t das Herz hre dunklen „Erſchafft ht? Bildet fort in die nd erwacht eer Jugend, geiten ver⸗ un mitem⸗ Zarner er⸗ manſehend. dich wie an mich jetzt.“ cch nimmer 33,“ ſagte hen glatten , die Her⸗ Dich auch „„wollteſt enen, halb 163 „Ja, o ja!— Aber lieber fort, weit ſort in einem ſtillen Dorfe in irgend einem Winkel; denn das ver⸗ laſſene und verfallene Haus war nicht ſicher für Dein Alter.⸗ „Ich wollte, wir könnten entfliehen, Sibylla,“ ſagte Adam leiſe und lebhaft und mit einer Art unſchuldiger Liſt in ſeinem Blicke,„wir und die arme Eureka! Der Palaſt iſt ein Gefängniß für mich. Ich will mit Lord Haſtings reden; er iſt ein ſehr vortrefflicher und ſanfter Mann. Er iſt ſtets gütig gegen uns.⸗ „Nein, nein, Vater, nicht mit ihm,“ rief Sibylla, blaß werdend—„ſage ihm kein Wort von dem was wir vorhaben, noch wohin wir fliehen möchten.“ „Kind, er liebt mich, warum ſollte er mich ſonſt ſo oft beſuchen, da ſitzen und nicht reden?“ Sibylla drückte ihre gefalteten Hände feſt auf ihren Buſen, aber antwortete nicht, und während fie ihren Muth ſammelte, um etwas auszuſprechen, was ihre Gedanken mit einer unerträglichen Laſt niederzudrücken ſchien, kam ein leiſer Fußtritt in ihre Nähe, und Lady Bonville, die damals zum Beſuch bei der Königin war, näherte ſich, von Beiden ungeſehen und ungehört, der Stelle. Sie blieb ſtehen und ſah Sibylla anfangs hoch⸗ müthig an, und dann, als die tiefe Traurigkeit jenes jungen Geſichts ihre ſanfteren Gefühle erregte, und das Bilh des Vaters und Kindes, die ſo allein da ſaßen, eine rührende Wirkung hervorbrachten, da ging der Blick von Stolz in Mitleid über und die Dame ſagte höflich: „Schönes Mädchen, könnt Ihr dieſe einſame Seene der heitern Geſellſchaft vorziehen, die eben in Ihrer Hoheit vergoldeter Barke ausfahren will?“ Sibylla blickte erſtaunt und nicht ohne Furcht auf. Noch nie vorher hatte die große Dame ſo ſanft mit ihr geſprochen. Adam, der auf eine Weile zum wirklichen Leben erwacht ſchien, begrüßte Katharina mit einfacher Würde und nahm das Wort:„Edle Dame, wer Ihr auch ſeid, möget in Eurem Alter und in der Sinnde der Sorge Euer Kind gleich dieſem armen Mädchen alle heiteren Geſellſchaften verlaſſen und ſich an die Seite ihrer Mutter wenden ſehen!“ Die Antwort rührte Lady Bonville und unwillkürlich reichte ſie Sibylla ihre Hand. Mit ſchwellendem Herzen, eben ſo ſtolz wie ſle, neigte ſich Sibylla ſchweigend über die Hand ihrer Nebenbuhlerin. Katharinens marmorne Wange röthete ſich, indem ſie das Schweigen des Mäd⸗ chens deutete. „Edler Herr,“ ſagte ſie nach einer kurzen Pauſe, „wollt Ihr mir einige Worte mit Eurer ſchönen Tochter erlauben? Und wenn, da Ihr von Sorge redet, Lord Warwicks Schweſtev Euch in etwas dienen kann, ſo bitte ich, laßt Euer junges Mädchen es mir wie einer Frenn⸗ din mittheilen.“ „So ſage ihr denn, meine Sibylla— ſage Lord Warwicks Schweſter, ſie möge den König bitten, daß er Abam Warner ſeine Armuth, ſeine Arbeit und ſeine Hoffnung zurückgebe,“ ſagte der Gelehrte und ſein edles Haupt ſank ſchwermüthig auf ſeine Bruſt nieder. Lady Bonville, die noch Sibylla’s Hanbd in der ihrigen hielt, zog ſie einige Schritte den Gang hinauf und ſag ihrem g trauen; „V Kat kleine H M dern un Jahre z viele Se könnte. von Haf die viell — nein gehört, vile ben wurden. ob wir nicht liel Lord Bo los geger mir— meine u ihn, daſ eine gro dem Ger eines Ri Lord Ha ich mit d ſeit den n in Ihrer Furcht auf. nft mit ihr wirklichen t einfacher „wer Ihr Siunde der idchen alle die Seite willkürlich m Herzen, igend über marmorne des Mäͤh⸗ en Pauſe, en Tochter det, Lord n, ſo bitte er Frenn⸗ ſage Lord tten, daß und ſeine ſein edles er. ab in der g hinauf 165 und ſagte dann plötzlich mit der biedern Offenheit, die ihrem großen Bruter eigen war:„Mädchen, kann Ver⸗ trauen zwiſchen Euch und mir ſein?⸗ „Von welcher Art, Mylaby?“ Katharina erröthete wieder; aber ſie fühlte, wie die kleine Hand in der ihrigen zitterte, und ſie wurde kühner. „Mädchen, Ihr mögt Euch über meine Worte wun⸗ dern und ſie übel nehmen; aber als ich noch wenigere Jahre zählte als Ihr, da ſagte mein Vater:„Es gibt viele Sorgen im Leben, die ein wenig Wahrheit enden könnte. Nun möchte ich ſeine Lehre befolgen. William von Haſtings hat Euch mit einer Huldigung verfolgt, die vielleicht manches eben ſo reine Herz gebrochen hat — nein, nein, ſchönes Kind, hört mich an. Ihr habt gehört, daß er ſich in ſeiner Jugend um Katharina Ne⸗ vile bewarb— daß wir einander liebten und getrennt wurden. Wer uns jetzt ſieht, weiß nicht zu unterſcheiben, ob wir einander haſſen oder lieben— lieben— nein, nicht lieben— dieſe Frage wäre eine Beleidigung für Lord Bonville's Gattin!— Oft ſcheinen wir erbarmungs⸗ los gegen einander— warum? Lord Haftings möchte mir— einer engliſchen Matrone den Hof machen und meine und meines Hauſes Ehre vergeſſen. Es ärgert ihn, daß er mich nicht rühren kann. Ich ſehe, wie er eine große Natur entweiht zu unwürdigem Spiel mit dem Gewiſſen eines Mannes nnd der unbefleckten Treue eines Ritters. Aber hört mich an!— das Herz des Lord Haſtings iſt ewig mein und mein allein! Was will ich mit dieſem Vertrauen? Euch warnen. Warum? Weil ſeit bven Monaten, die Ihr unter den Laſtern dieſer ver⸗ 166 vorbeuen Hofluft zugebracht— unter den Schmeicheleien der ſanfteſten Stimme, die je in eines Weibes Ohr tönte— bei den Überredungen Eurer eigenen jungen und argloſen Liebe— Eure Unſchuld makellos blieb. Daher kann Katharina von Bonville Sibylla Warners Freundin ſein.“ So großmüthig auch die wahre Meinung dieſer Worte war, ſo mußten ſie doch die junge und geſchmei⸗ chelte Schöne, an die ſie gerichtet waren, verletzen und erniedrigen. Sie vernichteten ſo gänzlich allen Glauben an die Neigung des Lord Haſtings zu Sibylla; ſte maßten ſich mit ſolchem Stolze die Herrſchaft über ſein Herz an; ſie ſprachen ſo deutlich aus, daß ſeine Bewerbung um das arme Mädchen nur ein Spott oder eine Schande ſei, ſo daß ſie ſelbſt das Lob der Tugend zu einer Beleidigung für das zarte und keuſche Ohr machten, in welches ſie fielen. Und daher wird der Leſer nicht erſtaunen, obgleich Lady Bonville freilich erſtaunte, daß Sibylla ihre Hand aus Katharinens Hand zurüͤckzog, zurücktrat, ruhig ihre Arme über ihren Buſen faltete und ſagte: „Wozu dies führen ſoll, weiß ich nicht, Mylady. Lord Haſtings iſt frei, ſeine Huldigung darzubringen, wo er will. Er hat mich aufgeſucht— nicht ich Lord Haſtings. Und wenn er mir morgen ſeine Hand anböte, ſo würde ich ſie ausſchlagen, wenn ich nicht üderzeugt wäre, daß das Herz—* „Mädchen,“ fiel Lady Bonville mit Erſtaunen und Verachtung ein,„die Hand des Lord Haſtings! Blickt Ihr in der That ſo hoch hinauf, oder hat er ſo weit mit Eurer leichtgläubigen Jugend ſein Spiel getrieben, daß er mit C geſproch in Acht! „Ich „baß Si Haſtings Lady Ka „Eu antworte leid und her empf in Eurer werdet ir Sie Worte ſ fernte fic Als eher ſtill Warwich Dieſ leſen, or Courier war vom Briefen der guf eicheleien bes Ohr jungen 8s blieb. Warners g dieſer geſchmei⸗ etzen und Glauben emaßten Herz an; g um das e ſei, ſo eidigung elches fie obgleich pre Hand uhig ihre ndy. Lord t, wo er Haſtings. ſo würde äre, daß unen und 1 Blickt weit mit den, daß 167. er mit Euch, der Tochter des Alchymiſten, von der Ehe geſprochen? Wenn das iſt, armes Kind, ſo nehmt Euch in Acht!“ „Ich wußte nicht,“ verſetzte Sibylla mit Bitterkeit, „daß Sibylla Warner tiefer unter dem Range des Lord Haſtings ſtehe, als Herr Haſtings einſt unter dem der Lady Katharina Nevile ſtand.“ „Eure Einbildung hat Euch den Kopf verdreht,“ antwortete die Dame verächtlich, indem ſie alles Mit⸗ leid und alle freunbliche Theilnahme vergaß, die fle vor⸗ her empfunden hatte,„ich habe ausgeredet— verwerft in Eurem Stolze meinen Rath, wenn Ihr wollt. Ihr werdet in Schande Eure Thorheit bereuen.“ Sie zog ihren Schleier um ihr Geſicht, als ſie dieſe Worte ſprach, nahm ihr langes Gewand auf und ent⸗ fernte ſich langſam. Drittes Kapitel. Der Demagog beſucht den Hofmann. Als Hilyard Aham s Zimmer verließ, ſtand er nicht eher ſtill, als bis er ein ſtattliches Haus nicht weit von Warwick Lane erreichte, wo Lord Montagu wohnte. Dieſer Edelmann war beſchäftigt, zwei Briefe zu leſen, oder vielmehr darüber nachzudenken, womit ein Courier ſo eben von Calais angekommen war. Der eine war vom Erzbiſchof, der andere von Warwick. In dieſen Briefen waren zwei Stellen, die in ihrem Rath einan⸗ der auf ſeltſame Weiſe wiherſprachen. Eine Stelle in 168 Warwicks Briefe lautete ſo:„Ich erfahre, daß gewiſſe mißvergnügte Männer einen Aufſtand gegen den König vorhaben, unter dem Vorwande, daß ihnen von den Verwandten der Königin Unrecht geſchehe. Man ſagt ſogar, daß unſere Veitern Coniers und Fitzhugh darin verwickelt find. Ich darf Dich nicht erſt warnen, Dich wohl vorzuſehen, daß fie keine Schande oder keinen Makel über unſern Namen bringen. Wir bedürfen keiner Hülfe, um uns ſelber gegen Unrecht zu ſchützen; und wenn die ver⸗ leiteten Männer ſich empören, ſo wird Warwick Eduard am beſten dadurch beſtrafen, indem er ihm beweist, daß er ihm noch von Nutzen iſt.“* Der Prälat dagegen ſchrieb:„Der König, aufge⸗ hracht über meinen Beſuch in Calais, hat mir das Siegel des Kanzlers abgenommen. Ich danke ihm demüthigſt und werde um ſo ruhiger ſchlafen nach dem Verluſt einer ſolchen Laſt. Nun höre mich an, Montagu: ⸗Unſer Vetter, der Sohn des Lord Fitzhugh und der junge Heinrich Nevile, von dem alten Sir John Coniers unterſtützt, beabſichtigen einen heftigen und paſſenden Angriff auf die Woodvilles. Halte Du Dich neutral— hilf nicht und vereitle nichts. Wie es auch enden mag, ſo wird es unſern Abſichten entſprechen und unſern Feinden ſchaden.“ Montagn dachte noch über dieſe Berichte nach und wunderte ſich, daß er in England weniger von ſo wich⸗ tigen Ereigniſſen wiſſe als ſeine Brüder in Calais, als ſein Page ihn benachrichtigte, daß ein Fremder, der eine wichtige Botſchaft aus dem Norden bringe, Audienz bei ihm erbitte. Indem er glaubte, daß dieſe Botſchaft dazu die aufzuklä ſchient J Galgen; aß gewiſſe den König von den Man ſagt ugh darin Dich wohl Nakel über Hulfe, um n die ver⸗ ick Eduard veist, daß ig, aufge⸗ das Siegel bemüthigſt luſt einer :» Unſer ber junge Coniers paſſenden ſeutral— hden mag, d unſern nach und ſo wich⸗ lais, als der eine dienz bei Botſchaft 169 bazu dienen würden, die eben erhaltenen Mittheilungen aufzuklären, befahl er, den Fremden einzulaſſen. Er ſah Hilyard kaum an, als er eintrat und ſagte plötzlich:„Redet kurz, Frennd— ich habe nur wenig Zeit.“ „Und doch, Lord Montagu, dürfte mein Geſchäft für Euch wichtig ſein.“ Montagu war überraſcht und ſah den Fremden auf⸗ merkſamer an:„Wahrlich, Freund, ich kenne Ener Geſicht— wir haben uns ſchon früher geſehen,“ „Es iſt wahr, Ihr waret damals auf dem Wege nach More⸗Park.“ „Ich erinnere mich; und nach Euren kühnen Worten ſchient Ihr damals auf einem noch kürzeren Weg zum Galgen zu ſein.“ „Der Baum iſt noch nicht gepflanzt, der zu meinem Galgen dienen wird,“ ſagte Robin nachläſſig.„Aber ſprach ich keine Worte aus, die Ihr nicht mißbilligen konntet? Ich ſprach von geſetzloſen Unordnungen— von ſchamloſen Uebelthaten im ganzen Lande, welche die Woodvilles unter einem liederlichen Tyrannen leiden—“ „Verräther, haltet ein!“ „Ein Tyrann,“ fuͤhr Robin fort, ohne auf die Un⸗ terbrechung oder die zornige Geberde Montagu's zu achten,„ein Tyrann, der in dieſem Augenblick auf den Untergang des Hauſes Neoile denkt. Und nicht zufrie⸗ den mit den Waffen dieſer Welt, macht er ſich mit dem Böſen zu ſchaffen, der ihn mit den Schlingen und Teufeleien der Zauberei unterſtützt.“ Bulwer, Barone. II. 12 170 „Still, Mann! nicht ſo laut,“ ſagte Montagu mit veränderter Stimme.„Kommt näher. Wer von einem gekeönten König redet— deſſen rechte Hand Armeen herbeiſchafft und deſſen linke Hand auf dem Block ruht— ſoll ſich hüten, laut zu rehen. Zauberei, ſagtet Ihr? Erklärt Euch deutlicher.“ Hier erzählte Robin mit geringer Uebertreibung bie Seene, die er in dem Zimmer des Mönches Bungey angeſehen— von dem Wachsbilde, den Drohungen gegen den Grafen von Warwick und von den Worten des Mönchs, welcher geſagt, daß die Herzogin von Bed⸗ ford ihn angeſtiftet. Obgleich nicht vollkommen frei von der Leichtgläubigkeit jener Zeit, welche ſelbſt das mu⸗ thige Herz Eduards und der ſcharfe Verſtand Gloueeſters theilte, war er doch noch mehr beunruhigt von ſolchen Beweiſen entſchloſſener und tödtlicher Feindſchaft einer Perſon, die dem Throne ſo nahe ſtand, wie die Her⸗ zogin von Bedford, als vor allen den Nadeln, die man in das Wachsbild des Grafen ſtecken konnte. „Eine teufliſche Bosheit in der That,“ ſagte er, als Hilhard ausgeredet hatte:„und doch kann uns dieſe Geſchichte im Nothfall nützlich ſein, wenn Ihr habei blei⸗ ben wollt. Ich danke Euch, treuer Freund, für Euer Ver⸗ trauen und bitte Euch ſogleich mit mir zum Koͤnige zu kommen. Dort will ich unſere Feindin anklagen und nach Eurem Zeugniß wollen wir ihre Verbannung fordern.“ „Mit Eurer Erlaubniß, Lord Montagu,“ ſagte Robin kurz und derb,„ich thue keinen Schritt in dieſer Sache. Ich weiß, wie dergleichen Dinge bei Hofe ge⸗ handhabt werden. Der Koͤnig wird zwiſchen der Her⸗ zogin i Lügner Naſe al die Woo des Tor ſhire mi „He zu welch ſondern erſten U ſtecken ki „Un „Je davon ab mit bitt Nutzen nen zeig ſich zur ſeinen 9 und aus ſte in Kriege; Freibrief bin in( Ihr koͤm ſeid des tagu mit on einem Armeen ruht— tet Ihr? bung die Bungey rohungen Worten von Bed⸗ frei von das mu⸗ ouceſters n ſolchen ft einer bie Her⸗ die man ſe er, als ns dieſe bei blei⸗ er Ver⸗ önige zu und nach prdern. 4 ¹ ſagte n dieſer pofe ge⸗ er Her⸗ 171 zogin und Euch Frieden ſchließen und mir als einem Lügner und gemeinen Scandalmacher die Ohren und die Naſe abſchneiden laſſen. Nein, nein; die Herzogin und die Woodyilles anklagen will ich— abernicht in den Hallen des Tower, ſondern auf den weiten Ebenen von York⸗ ſhire mit zwanzigtauſend Mann hinter meinem Rücken.* „Ha! Ihr ſeid ein Anfuͤhrer von Armeen! Und zu welchem Zweck? Um den König zu entthronen 2⁴ „Das wird ſich entſcheiden— aber zuerſt will ich Gerechtigkeit für das Volk, den Aufſtand des Volks will ich anführen und nicht den einer Partei. Weder eine weiße noch eine rothe Roſe ſoll auf meinem Banner ſein, ſondern unſere Standarte ſoll das blutige Haupt des erſten Unterbrückers ſein, welches wir auf eine Stange ſtecken können.“ „Und was fordert denn das Volk, wie Ihr es nennt?“ „Ich weiß noch kaum, was wir fordern— das muß davon abhängen, wie es uns gelingt,“ entgegnete Hilyard mit bitterem Lachen;„aber der Aufſtand wird einigen Nutzen haben, wenn er nur Euch Lords und Norman⸗ nen zeigt, daß ein angelſächſiſches Volk exiſtirt, welches ſich zur Wehre ſetzt, wenn man die eiſerne Ferſe auf ſeinen Nacken ſetzt. Wir werden beſteuert, gedrückt und ausgeplündert— als Schafe, die man hält, um ſte in Eurem Frieden zu ſcheeren oder in Eurem Kriege zu ſchlachten. Und nun wollen wir einen eigenen Freibrief haben, Lord Montagu. Ich rede offen— ich bin in Eurer Macht— Ihr koͤnnt mich arretiren— Ihr koͤnnt das Haupt dieſer Empörung abſchlagen. Ihr ſeid des Königs Freund— wollt Ihr es thun? Nein, 172 Ihr und Euer Haus leidet ebenſowohl Unrecht, als wir, das Volk. Und ein Theil unſerer Abfichten iſt auch für Euch.“ „Welcher Theil, kuͤhner Mann? „Dieſer: Wir werden zuerſt über die ſchäbliche Herr⸗ ſchaft der Familie der Königin klagen und die Verban⸗ nung der Wovdvilles mit Wurzel und Stamm fordern.“ „Hm!“ ſagte Montagn, unwillkürlich den Brief des Erzbiſchofs überblickend—„hm, aber ohne Belei⸗ digung des Nanges und der Perſon des Königs?* „Oh, glaubt mir, Mylord, der Kopf eines Frei⸗ ſaſſen aus dem Norden enthält eben ſo viel Liſt, wie der eines Edelmannes. Wem es gelingen ſoll, der muß vor⸗ ſichtig ſeinen Weg ſuchen.“ „Zwanzigtauſend Mann— unmöglich! Wer ſeid Ihr, der ſie zuſammenbringt und anfuͤhrt?* „Der einfache Robin von Redesdale.“ „Ha!“ rief Montagu,„iſt es in her That ſo, wie man mir geſagt? Seid Ihr der kuͤhne, ſeltſame tolle Kerl, den ich bei der Pike und dem Schwert— eines Soldaten Fluch, und ich bin ein Soldat— oft zu ſehen gewünſcht habe. Laßt Euch anſehen. Bei Gott, ein großer und wohlgebauter Mann mit einer kühnen Stirn. Wahrlich, man erzählt ebenſo viel Geſchichten von Euch im Norden, wie von meinem Bruder, dem Grafen. Einige ſagen, Ihr ſeid ein Lord von Rang und Geburt, Andere, Ihr ſeid der Näuber von Hexam, dem Mar⸗ garetha von Anjou ihr und ihres Sohnes Leben an⸗ vertraute.“* „Was ſie auch von mir ſagen mögen,“ entgegnete Robin,„ſo ſtimmen doch Alle darin überein, daß ich mäßige ſeid nie wir, das r Euch.“ de Herr⸗ Verban⸗ ordern.“ in Brief ie Belei⸗ 2⁴ ies Frei⸗ „wie der nuß vor⸗ Wer ſeid ſo, wie me tolle — eines zu ſehen ott, ein in Stirn. on Euch Grafen. Geburt, k Mar⸗ ben an⸗ tgegnete daß ich 473 ein Mann von redlichem Wort und kühner That bin— daß ich die Herzen ber Menſchen aufregen kann, wie der Wind das Feuer aufregt, daß ich als unbekannter Fremd⸗ ling in die Gegend kam, wo ich wohne, und daß kein Pair in dieſem Königreich, außer Warwick, mehr thun kann, eine Armee zuſammenzubringen, oder einen Thron zu erſchüttern.“ „Aber durch welchen Zauber?“ „Durch das Unrecht, welches das Volk erlitten hat, Mylord,“ antwortete Robin mit tiefer Stimme,—„und nun, ehe dieſer Mond ſich wandelt, iſt Redesdale ein Lager!“ „Welches iſt die unmittelbare Urſache zur Klage?“ „Das Hoſpital von St. Leonard hat uns unrecht⸗ mäßigerweiſe gezwungen, ihm zwei Dutzend Korngarben zu liefern.“ „Ihr ſeid ein liſtiger Kerl! der Hunger treibt gewiß die Engländer zum Aufſtande!“ „Es iſt wahr,“ ſagte Robin, grimmig lächelnd— „und nun— was ſagt Ihr— wollt Ihr uns anführen?“ „Euch anführen? Nein!“ „Wollt Ihr uns verrathen?“ „Es iſt nicht leicht, zwanzigtauſend Mann zu ver⸗ rathen; wenn Ihr nur einen Aufſtand macht, um Euch von einer Korntaxe und England von den Woobvilles zu befreien, ſo ſehe ich keine Verrätherei in Eurem Aufſtande. 4 „Ich verſtehe Euch, Lord Montagu,“ ſagte Robin, mit finſterem und halb verächtlichem Lächeln—„Ihr ſeid nicht darüber erhaben, aus unſerer Gefahr Vortheil zu ziehen; aber wir bedürfen jetzt keines Lords und Ba⸗ rons— wir werden uns ſelber genug ſein. Und glaubt mir, die Stunde wird kommen, wo Lord Warwick, von dem König verfolgt, zu den Gemeinen fliehen muß. Denkt wohl über dieſe Dinge und dieſe Prophezeihung nach, wenn dieſe Nachricht aus dem Norden Eduard von March aus dem Schooße ſeiner Buhlerinnen auf⸗ ſchreckt.“ Ohne weiter ein Wort zu reden, wendete er ſich um und verließ das Zimmer, eben ſo plötzlich, als er eingetreten war. Lord Montagu war für ſein Zeitalter kein böſer Mann; obgleich weltlich, ſchlau und ränkevoll, vereinte er mit der Liſt ſeines Bruders, des Prälaten, etwas von der erhabenen Seele ſeines kriegeriſchen Bruders. Aber jenes Zeitalter beſaß nicht die Tugend ſpäterer Zeiten und kann nicht darnach beurtheilt werden. Er hörte dieſen kühnen Mann ſein Vaterland aus nicht klar an⸗ gegebenen und nicht klar verſtandenen Gründen mit Bürgerkrieg bedrohen— er half ihm nicht, aber er ſtimmte ihm bei:„Zwanzigtauſend Mann in Waffen,“ murmelte er bei ſich ſelber—„nehmen wir die Hälfte an— zehntauſend— nicht gegen Eduard, ſondern die Woodvilles, das muß den König zum Verſtande bringen — muß ihm beweiſen, wie verhaßt das pilzartige Ge⸗ ſchlecht der Woodvilles iſt und ihn treiben, Sicherheit und Zuflucht bei Montagu und Warwick zu ſuchen, wenn die Schurken zu weit gehen— und Montagu läͤchelte — was iſt eine undisciplinirte Menge für einen er⸗ fahrenen Anführer? Mag der Sturm brauſen, wir s und Ba⸗ Und glaubt rwick, von ehen muß. phezeihung en Eduard innen auf⸗ ette er ſich ich, als er kein böſer II, vereinte etwas von ers. Aber rer Zeiten Er hörte t klar an⸗ lünden mit „aber er Waffen,“ die Halfte pndern die de bringen rtige Ge⸗ Sicherheit hen, wenn u läͤchelte einen er⸗ ſen, wir 475 wollen ſeine Richtung leiten. In dieſer Welt muß der Menſch den Menſchen benützen.“ * Viertes Kapitel. Sibylla. Während Montagu mit äͤngſtlichem Vorbedacht den Aufruhr erwartete, den Robin von Redesdale vorherge⸗ ſagt hatte— während Eduard mit ſeinen Hofleuten ſchwelgte und lachte und ſeine guten Bürger von London in ihren ehelichen Pflichten unterſtützte— während die Königin und ihr Vater, der Lord Rivers, in Warwicks Abweſenheit mehr und mehr Eingriffe in die guten Dinge machten, welche die Macht gewähren und deren ſich die Habſucht bemächtigen kann— während die Herzogin von Bedford und der Mönch Bungey mit dem Wachs⸗ bilde des großen Grafen beſchäftigt waren, der ſeinen königlichen Schwiegerſohn noch an ſeinem Hofe zu Ca⸗ lais behielt— wendet ſich der Strom unſerer Erzählung von ſeinen geräuſchvolleren Kanälen fort und verweilt mit ruhigen Wellen um den Tempel eines jungfräͤuli⸗ chen Herzens. Warum iſt Sibylla traurig? Noch vor einigen kurzen Monaten fanden wir ſie von Hoffnung belebt in der ſonnigen Atmoſphäre des Vergnügens und der Liebe. Der Geiſt dieſes Mädchens war eine ſelt⸗ ſame Vereinigung von Zärtlichkeit und Stolz— die erſtere war durchaus natürlich und der letztere die Folge ihrer Lage und ihrer Verhältniſſe. Sie war ſich ihrer ehlen Geburt und ihrer früheren Ausſichten an Marga⸗ rethens Hofe lehhaft bewußt; die Armuth, der Kummer und die Einſamkeit, worin ſie vom Kinde zur Jungfrau herangewachſen, hatte nur dazu gedient, das zu ver⸗ ſtärken, was in ihrer Natur bereits ſark war, und ihren Stolz noch zu erhöhen. Selbſt in ihren günſtigen Träu⸗ men von der Zukunft hatte ſich der Ehrgeiz ſichtbar mit den unbeſtimmten Ideen von Liebe vereint. Der einge⸗ bildete Liebhaber ſollte weniger jung und ſchön als be⸗ rühmt und ſtattlich ſein. Sie ſah ihn durch den Nebel der Zukunft als den Beſchützer ihres verfolgten Vaters — als den Wiederherſteller ſeines geſunkenen Hauſes — als den Veredler eines gedemüthigten Namens. Und von dem Augenblick an, wo ihr mäͤdchenhaftes Herz bei der Stimme des Lord Haſtings ſchlug, ſchien ſie das Ideal ihrer Seele gefunden zu haben. Und als ſie an den Hof verpflanzt war, lernte ſie ihre angeborene An⸗ muth und Liebenswürdigkeit nach der allgemeinen Be⸗ wunderung beurtheilen, die fie erregte, und ihre Hoff⸗ nungen wurden vor ihrem unerfahrenen Verſtande ge⸗ rechtfertigt. Oft tönten ihr Lord Haſtings Worte im Hauſe der Lady Longueville in die Ohren und durch⸗ hebten die Einſamkeit der Nacht: jedes ſchöne und keuſche, jedes ſanfte und liebende Weib iſt in den Augen Sir William von Haſtings einer Königin ebenbürtig. Bei den Beſuchen, die ſie von Zeit zu Zeit bei Lady Lon⸗ gueville abſtattete, wurden dieſe Hoffnungen gehöriger⸗ maßen genährt, denn die alte Lancaſtrierin verabſcheute Lady Bonville als Lord Warwicks Schweſter, und ſie hätte mit Freuden ſeine Verbindung mit der Tochter des Alchymiſten angeſehen, hätte dies zu der Entfremdung eingenom zugeben, dung ſei Lady Lon und unau lichen Ei eigentlich jedes Flüf ihr als m ſondern natürliche ſlimmten das Genit Schönen er nun e Vergnüge benswuͤrd für würd ihr von; r Kummer Jungfrau as zu ver⸗ und ihren gen Träu⸗ ichtbar mit der einge⸗ in als be⸗ den Nebel en Vaters n Hauſes nens. Und 3 Herz bei en ſie das als fie an prene An⸗ einen Be⸗ re Hoff⸗ ſtande ge⸗ Porte im b durch⸗ d keuſche, gen Sir tig. Bei hdy Lon⸗ horiger⸗ bſcheute und ſie hter des emdung 177 von dem Andenken an ſeine erſte Liebe geführt, und als ihr ſcharfes Auge daher das Geheimniß in Sibylla's Herzen durchbrang, und wenn ſie die unverhinderte Bewunderung bemerkte, die Sibylla zu ihrer hohen Nei⸗ gung berechtigte— denn Haſtings traf das junge Mäd⸗ chen oft in Lady Longneville’s Hauſe und ſchien dieſe Begegnung aufzuſuchen— trug ſie kein Bedenken, das erröthende Mädchen durch Prophezeihungen zu ermuthi⸗ gen, woran ſie ihr eigenes beſſeres Urtheil zu glauben zwang. Auch als ſie Sibylla's Abkunft von einer Familie erfuhr, die einſt wenigſtens einen eben ſo hohen Rang eingenommen, als die des Lord Haſtings, wollte ſie nicht zugeben, daß irgend eine Ungleichheit in der Verbin⸗ dung ſei, die ſie weiſſagte. Aber mehr, viel mehr als Lady Longueville's Verſicherungen, ſchmeichelte die zarte und unausgeſetzte Galanterie des Lord Haſtings der zärt⸗ lichen Einbildung Sibylla's. Freilich ſprach er nicht eigentlich von Liehe, aber jeder Blick deutete darauf hin, jedes Flüͤſtern ſchien ſie zu verrathen. Auch ſprach er mit ihr als mit einer Seinesgleichen, nicht nur an Geburt ſondern auch an Geiſt; ſo weit war ſie in Cultur, in natürlichen Anlagen und vor Allem in jenen hochge⸗ ſimmten Gedanken und jenen erhabenen Gefühlen, worin das Genie ſtets eine Sympathie findet, den flatterhaften Schönen des Hofes überlegen, ſo daß Haſtings, mochte er nun ein wärmeres Gefühl hegen oder nicht, wohl Vergnügen an ihrer Unterhaltung finden und das lie⸗ benswürdige Kind des Vertrauens des weiſen Mannes für würdig halten konnte. Er ſprach ohne Rückhalt mit ihr von Lady Bonville, und er ſprach mit Bitterkeit. „Ich liebte ſie,“ ſagte er,„wie ein Weib ſelten gelieht wird. Sie verließ mich wegen eines Anhern— eher hätte ſie ins Kloſter als zum Altar gehen ſollen, und nun glaubt ſie fürwahr, ein Recht zu haben, mir zu trotzen, mir zu drohen und mich zu ſchelten, mir den Weg vor⸗ zuſchreiben, den ich gehen ſoll, und ſich mit der Ehr⸗ zu brüſten, die ich gewonnen habe.“ „Sollte das nicht ein Zeichen eines noch immer zärt⸗ lichen Intereſſes ſein?“ ſagte Sibylla ſchüchtern. Die Augen des Lord Haſtings fankelten auf einen Augenblick, doch der Schimmer verſchwand.„Nein, Ihr kennt ſie nicht. Ihr Herz iſt von Marmor, ſo hart und ſo kalt. Ihre Tugend ſelbſt iſt nur die Abweſenheit der Bewegung— ich wollte ſagen, der ſanfteren Be⸗ wegung— denn Gott weiß ſolche Bewegungen, die auß Zorn, Stolz und Verachtung hervorgehen, wachſen täg⸗ lich aus jenem ſtrengen Boden auf. Oh, glücklich, daß. ich ihr entkam!— Glüͤcklich, daß ſie mich verließ, was meine junge Thorheit für einen Fluch hielt. Nein! fügte er mit ſarkaſtiſchem Behen der Lippe hinzu— nein, was die Lady Harrington und Bonville verletzt und ver⸗ wundet— was macht, daß ſie in meiner Gegenwart ihr Geſicht verändert und daß ihre Stimme heftiger wird, wenn ich ſie anrede, iſt nur dies: Indem ſie ihren ſchwachköpfigen Lord heirathete und mich ausſchlug, glaubte Katharina Nevile Macht, Rang und hohe Stellung er⸗ langt zu haben, und nun, während wir Beide noch jung find, wie fällt ihre Wahl aus? Der Lord von Harring⸗ ton und Bonville iſt ein ſo ausgezeichneter Dummkopf, daß ſelbſt die Neviles ihm nicht emporhelfen können— die unben von dem ihre Flug von Har ſchuldiger ſpiel des den ſeine ville lache Haſtings ſchiren w es, was angenom als die C Und ſolche W von der ſelten gelieht — eher haͤtte n, und nu ir zu trotzen, en Weg vor⸗ mit der Ehr⸗ immer zärt⸗ chtern. en auf einen nd.„Nein, nor, ſo hart Abweſenhent unfteren Be⸗ gen, die aut wachſen täͤg⸗ lücklich, daß verließ, was Nein! fügte azu— nein, letzt und ver⸗ Gegenwart nme heftiger dem fle ihren hlug, glaubte Stellung er⸗ de noch jung on Harring⸗ Dummkopf, n können— 479 die unbedeutendſte Stelle geht über ſeine Begriffe, und von dem ſchweren Erdklumpen niedergezogen, mit dem ihre Flügel zuſammengejocht ſind, iſt Katharina, Lady von Harrington und Bonville— oh, man gebe ihr ihren ſchuldigen Titel!— nur eine Jigur in einem Puppen⸗ ſpiel des Hofes. Wenn die Kriegstrompete blieſe, wür⸗ den ſeine eigenen Vaſallen uber das Banner eines Bon⸗ oille lachen, während unter der Fahne des armen William Haſtings freudig die beſte Ritterſchaft des Landes mar⸗ ſchiren würde. Beſtändig iſt ſie gezwungen— dies iſt es, was ſie kränkt— ihre Stellung als die Gattin des angenommenen Bonoille mit der zu vergleichen, die fie als die Gattin des zurückgewieſenen Haſtings verloren.“ Und wenn in der Hitze und Leidenſchaft, welche ſolche Worte verriethen, Sibylla ſeufzte, daß noch etwas von der alten Erinnerung in ihm glühte, ſo zeigten ſie ihr doch um ſo mehr den Werth eines Herzens, worin die einmal geſchriebenen Schriftzüge ſo lange dauerten, und ſie zu einem zärtlichen Ehrgeit, zu heilen und zu tröſten, aufregten. Wenn Sibyllla dann in ihre eigene tiefe Seele blickte, ſo bemerkte ſie dort einen Schatz ſo edler, reiner und hochherziger Zärtlichkeit— eine ſolche Verehrung des Ruhmes— eine ſolche Liebe zu dem Manne, daß ſie ſich mit Stolz des edlen Haſtings würdiger fuͤhlte als die hochmüthige Katharina. Dann trat ſie gleichſam mit dieſer Nebenbuhlerin in die Schranken— die ſie mehr für eine Erinnerung als für ein koͤrperliches Weſen hielt, und ihr Auge wurde heller, ihr Schritt ſtattlicher bei der Aufregung des Streites und bei der Erwartung des Triumphes. Denn welcher Diamant iſt ohne Fehler! Welche Roſe ohne Dorn? Und tief in jener vortreff⸗ lichen und reizenden Natur lag die gefährliche und un⸗ heilvolle Schwäche, die ſo manche Opfer gefordert, ſe manches Herz gebrochen— die Eitelkeit des weiblichen Geſchlechts. Wir können uns jetzt leicht denken, wie wenig Sibylla für die trotzige Annäherung und die un⸗ angenehmen Warnungen der Lady Bonville geſtimmt war, und noch mehr in der Zeit, wo dieſelben geſchahen; denn hier kommt die Antwort auf die Frage: Warum war Sibylla traurig? Der Leſer kann ſelber errathen, welches bie vor⸗ herrſchenden Beweggründe waren, warum Lord Haſtings Sibylla den Hof machte. Sei es nun, um Lady Bon⸗ ville zu ärgern und ihr den eiferſüchtigen Schmerz auf⸗ zudringen, den er ihr unabläſſig zuzufügen ſuchte— ſe es nun wegen der Gewohnheit ſeines ſorgloſen Lehens, indem er das Vergnügen des Augenblicks ſuchte, mit geringerer Erwartung von der Zukunft, und indem er ſich mit der Grauſamkeit durch jeue tiefe Verachtung vor allen menſchlichen Weſen, vor Männern und mehr noch vor Weibern, welche die traurige Erfahrung oſt dem ſcharfen Verſtande verleiht— oder ſei es aus jener reineren oder heiligeren Selbſtgefälligkeit, womit ſich ein Mann, deſſen Jugend bei edlerem Streben hingebracht wurde, als die ſpaͤteren Jahre es gewöhnlich verfolgen, ſich zu ſeinem frͤheren Glanze in der Gegenwart und Unterhaltung einer jungen reinen Seele zurück zu ver⸗ ſetzen ſucht— kurz, wodurch auch die früheren Beweg⸗ gründe der einmal hegonnenen Galanterien gegen Sihylla beſtändige nach die u gungen in haber das und leiden zu ſagen: einmal die die Reinhe Leeblichkeit Und er Katharina in den Gt Haſtings v Füßen— Hand an ſe Gelübbe a⸗ erfuhr ſie, chens Liebe Genie und thum und⸗ lich, daß de betrachtet ſuchte. Die Q und ſie ſpe entweihend entfloh, we ſo vorwurf Liebe und der ewigen hne Fehler? ner vortreff⸗ iche und un⸗ eefordert, ſo s weiblichen denken, wie und die un⸗ lle geſtimmt n geſchahen; ge: Warum es die vor⸗ —rd Haſtings Lady Bon⸗ ſchmerz auf⸗ ſuchte— ſei oſen Lebens, ſuchte, mit d indem er Verachtung n und mehr fahrung oſt es aus jener omit ſich ein hingebracht h verfolgen, enwart und rück zu ver⸗ ren Beweg⸗ gen Sibylla 181 beſtändig erneuert wurden— ſo erweckten doch nach und nach die milderen, wärmeren und ſchuldigeren Bewe⸗ gungen in dem univerſellen und Alles beſtegenden Lieb⸗ haber das Laſter ſeiner ſanfteren Natur. Wenn er ruhig und leidenſchaftlos war, pflegte ſein Gewiſſen zu ihm zu ſagen: Du ſollſt dieſe Blume verſchonen. Aber wenn einmal die Leidenſchaft in ihm angeregt war, wurde die Reinheit der Blume bei dem Hauch ihrer wollüſtigen Lieblichkeit vergeſſen. Und erſt drei Tage vor der geſchilderten Seene mit Katharina war das Gebäude von Sibylla's Hoffnung in den Staub geſunken; denn zum erſtenmal ſprach Haſtings von Liebe— zum erſtenmal kniete er zu ihren Füͤßen— zum erſtenmal drückte er dieſe jungfraͤuliche Hand an ſein Herz und ſprach die Betheurung und das Gelübbe aus. Und oh! wehe— wehe! zum erſtenmal erfuhr ſie, wie gering der große Mann des armen Mäh⸗ chens Liebe ſchätzte, wie wenig er jene Reinheit, das Genie und die Zaͤrtlichkeit dem Beſitzer von Ruhm, Reich⸗ thum und Macht für ebenbürtig hielt; denn ſie ſah deut⸗ lich, daß die Liebe, die ſie als einen Ruhm vom Himmel betrachtet hatte, ſte nur bis in den Staub zu erniedrigen ſuchte. Die Qual jenes Augenblicks war unansſprechlich— und ſie ſprach ſie nicht aus. Aber als ſie ſich aus der entweihenden Umarmung losriß, als ſie zur Schwelle entfloh, warf ſie dem unwürdigen Bewerber einen Blick ſo vorwurfsvollen Kummers zu, der zugleich all ihre Liebe und all ihr Entſetzen ausſpkach— der erſte Akt der ewigen Tragödie des Unrechts, welches der Mann 182 thut, und bes Kummers, den das Weib empfindet, war geendet. Unh daher war Sibylla traurig! Fünftes Kapitel. Katharina. Mehre Tage vermied Haſtings Sibylla; in Wahr⸗ heit empfand er Reue wegen ſeiner Abſicht, und in ſeinem wechſelnden, thätigen und glänzenden Leben hatte er nicht Muße zu der beharrlichen und ſyſtematiſchen Be⸗ lagerung einer einzelnen Tugend, oder er war auch viel⸗ leicht einer tiefen und dauernden Leidenſchaft nicht mehr fähig; gleich manchem Cavalier in früherer Zeit, hatte er ſein Herz an einen einzigen Gegenſtand verſchwendet und den düſtern Trübfinn im Bebauern und Träumen, in vergeblichem Zorn und eitler Verachtung jene Em⸗ pfindungen erſchöpft, welche die Summe der wahren Liebe ausmachen. Und ſo, gleich Petrarca, den ſein Ge⸗ ſchmack und ſeine Phantaſie verehrten, und gleich man⸗ chen andern Anhängern des ſanften Gottes, wendeten ſich, während ſeine Phantaſie ſich beſtändig mit dem keuſchen und entfernten Ideal, mit der geiſtigen Laura, beſchäftigte, ſeine ſtets frei umherſchweifenden Sinne ohne Bedenken bei den tauſend Cynthias und Nymphen. Aber damals waren jene Cynthias, und beſonders in den letzten Jahren, größtentheils fügſame und leicht gewon⸗ nene Nymphen— ſelbſt die ſprödeſten von ihnen waren von anderem Stoff als die zärtliche und hochgeſtimmte Sibylla. Haſtings bebte vor der kaltblütigen und über⸗ legten Ver rend er ſich entſchließer währen ve Widerſtreb wich. In Bonville i wagte er n ſtellen. Lo⸗ und ſchon: bei jeder fo kärzte, ert durchzuckte, liebte deine dann erhob jetzt mit ho achtlicher L wie ſie in Temperam mit ihm in dem verabr den goldene Bruſt gewe Und de legten Abw ſeltſame N gegen Weil ihm viel the lich gehalte zu der letzt findet, war in Wahr⸗ cht, und in Leben hatte ztiſchen Be⸗ r auch viel⸗ nicht mehr Zeit, hatte eerſchwendet Träumen, Jjene Em⸗ der wahren en ſein Ge⸗ gleich man⸗ , wendeten g mit dem igen Laura, lden Sinne Nymphen. ders in den cht gewon⸗ ynen waren hgeſtimmte und über⸗ 183 legten Verfuͤhrung eines ſo reinen Weſens zurück, wäh⸗ rend er ſich nicht zur Verheirathung mit einem Mädchen entſchließen konnte, die ſeinem Ehrgeiz nichts zu ge⸗ währen vermochte, und doch war es bei dieſem letzteren Widerſtreben nur ſein Ehrgetz, welcher ſtutzte und zurück⸗ wich. In jener ſeltſamen Tyrannei, welche Katharina Bonville insgeheim über ſeine ganze Seele ausübte, wagte er nicht, noch eine neue Schranke zwiſchen fie zu ſtellen. Lord Bonville war von ſchwacher Geſundheit und ſchon mehr als einmal dem Tode nahe geweſen, und bei jeder folgenden Liebesthorheit, die ihm die Stunden kärzte, erinnerte er ſich, welches Gefühl ſein Herz durchzuckte, als es ihm zugeflüſtert: Katharina, die Ge⸗ liebte deiner Jugend kann noch die Deine werden! Und dann erhob ſich dieſe Katharina vor ihm, nicht wie fie jetzt mit hochmüthigem Schritte, kaltem Auge und ver⸗ ächtlicher Lippe über die Erde dahin ſchreitet, ſondern wie ſie in der Blüte mädchenhafter Schönheit, ehe ihr Temperament verbittert oder ihr Stolz erregt worden, mit ihm in der Daͤmmerung der Sommerabende unter dem verabredeten Baume zuſammengekommen, mit ihm den goldenen Ring der Treue zerbrochen und an ſeiner Bruſt geweint hatte. Und doch, während dieſer kurzen und ſelbſtaufer⸗ legten Abweſenheit von Sibylla, fühlte dieſer unſtete und ſeltſame Mann, der niemals anders ſchwach war als gegen Weiber, aber auch ſtets ſchwach gegen ſie, daß ſie ihm viel theurer geworden ſei, als er anfangs für mög⸗ lich gehalten. Er vermißte jenes Geſicht, welches bis zu der letzten Unterredung ſo vertrauensvoll in ihrer unbewußt verrathenen Neigung ſich gezeigt hatte. Er fühlte, wie unendlich höher an Lieblichkeit und zugleich an Geiſt Sibylla ſtand als Katharina; in allen Dingen, nur ein einziges ausgenommen, war mehr zwiſchen ihrem und ſeinem Geiſte gemein. Aber oh, dieſe einzige Aus⸗ nahme!— welche eine Welt liegt darin— waren bie Erinnerungen des Frühlings des Lebens! In der That, obgleich Haſtings es nicht wußte, liebte er zwei Gegen⸗ ſtände zugleich: der eine eine Chimäre, eine Phantaſie, ein Ideal, ein Traumbild unter dem Namen Katharina, der andere Jugend und Friſche und Geiſt und Herz und lebendige Geſtalt der Schönheit unter dem Namen Si⸗ bylla. Oft zeigt ſich dieſe doppelte Liebe bei Männern; aber wenn es geſchieht, wehe dem menſchlichen Gegen⸗ ſtande! denn das geiſtige Schattenbild iſt unſterblich— das heißt, ſo lange als man es nicht beſitzt. Vielleicht geſchah es mit dem entſchloſſenen Wunſche, die neue Liebe zu überwinden und die alte zu verſtärken, daß Haſtings eines Morgens in das Haus der Lahy Bonville ging, deun ihr Beſuch hei Hofe war zu Enbe. Es war ein großes Haus außerhalb Ludgat. Er fand die Dame in einem hübſchen Zimmer, auf dem einzigen Stuhle ſitzend, den das Zimmer enthielt und woran ein Fußbrett befeſtigt war, welches ſtatt der gewöhnlichen Erhöhung diente, während um ſie her auf niedrigen Seſſeln— einige ſpinnend, andere ſtickend— zehn oder zwoͤlf junge Mädchen von guter Familie ſaßen, die zu der hochgeborenen Katharina geſchickt worden waren, um ihren Unterricht zu empfangen,“ während * So ſeltſam es uns auch jetzt erſcheint, ſo nahm doch die zwei and trennt, ſich in de das Kart der Mod eine der jungen T das feier wenig in Gaſtes. tritt und Entfernu „ Mi ſtings,„ bannung rückte de vorſitzend Kath „Ein nenden ei Haſt blühender ihrem Er wetten, t den Heln Euer Zit gewinnen tern zu ſ vornehmſte tung für! Bulw hatte. Er und zugleich tlen Dingen, ſchen ihrem inzige Aus⸗ waren die n der That, wei Gegen⸗ Phantaſie, Katharina, d Herz und Namen Si⸗ Männern; hen Gegen⸗ ſterblich— n Wunſche, verſtärken, 3 der Lady r zu Ende. nmer, auf ner enthielt es ſtatt der ſie her auf ſtickend— nilie ſaßen, ckt worden * während ihhm doch die 18⁵ zwei andere und etwas ältere Jungfrauen ein wenig ge⸗ trennt, aber dicht vor den Augen der Dame ſaßen und ſich in dem bei Hofe beliebten Primäroſpiel übten, denn das Kartenſpiel war unter Eduard dem Vierten ſehr in der Mode und wurde ſelbſt ein Jahrhundert ſpäter als eine der weſentlichen Eigenſchaften einer gut erzogenen jungen Dame betrachtet. Die außerordentliche Steiſheit, das feierliche Schweigen dieſes weiblichen Zirkels ſtand wenig im Einklang mit der Stimmung des graziöſen Gaſtes. Die Mädchen regten ſich nicht bei ſeinem Ein⸗ tritt und Katharina winkte ihm, ruhig einen Sitz in einiger Entfernung einzunehmen. „Mit Eurer Erlaubniß, ſchöne Dame,“ ſagte Ha⸗ ſtings,„empöre ich mich gegen eine ſo entfernte Ver⸗ bannung aus ſo liehenswürdiger Geſellſchaft!“ Und er rückte den Seſſel dicht zu dem gewaltigen Stuhle der vorfitzenden Dame hin. Katharina lächelte matt, doch nicht mit Mißfallen. „Ein ſo heiterer Gaſt, fürchte ich, wird dieſe Ler⸗ nenden ein wenig ſtören.“ Haſtings ſah das gezierte Weſen an, welches dieſe blühenden Geſichter zeigten und erwiderte:„Ihr thut ihrem Eifer bei ſo edlen Studien Unrecht. Ich wollte wetten, daß nichts Geringeres, als wenn ich zu Pferde, den Helm auf dem Kopf und mit eingelegter Lanze in Euer Zimmer träte, ein Lächeln von ſo rofigen Lippen gewinnen könnte, um welche ich Cupido vergebens flat⸗ tern zu ſehen glaube!“ vornehmſte Dame für ihre Zöglinge eine angemeſſene Vergü⸗ kung für Tiſch und Unterricht an, Bulwer, Barone. II⸗ 13 186 Die Baroneſſe zog ihre ſtattlichen Brauen zuſam⸗ men und die zwanzig roſigen Lippen waren alle dicht geſchloſſen, um das für unſchicklich gehaltene Lächeln zu verhindern, welches der boshafte Hofmann zu erregen wünſchte. Doch es half nichts, alle zwanzig Lippen gingen in ein Lächeln über— aber in ein ſo gequältes und gezwungenes Lächeln, ſo daß es den Zügen, die es erheitern ſollte, nur einen Ausdruck des Schmerzes verlieh. „Und was führt Lord Haſtings hieher?“ fragte die Baroneſſe in förmlichem Tone. „Wollt Ihr das Streben nach Vergnügen, nicht als einen Beweggrund anerkennen, ſchöne Dame?“ Das eigenthümliche und ausnehmend ſchöne Er⸗ röthen, welches in einigen Augenblicken die ganze Phy⸗ ſiognomie Katharinens veränderte, flatterte über ihre glatte Wange und verſchwand. Sie ſagte ernſthaft:„So ſehr geſtatte ich es Euch, daß daher meine Frage rührt.“ „Katharina!“ rief Haſtings im Tone zärtlichen Vor⸗ wurfs und verſuchte ihre Hand zu ergreifen, indem er die Gegenwart aller Andern außer Derjenigen vergeß, welcher das Erröthen, das von alten Zeiten ſprach, den früheren Reiz zurückgab. Katharina warf einen erſchrockenen und eiligen Blick über die Mädchengruppe und ihr Auge entdeckte in den Automatengeſichtern einen gemeinſchaftlichen Ausdruck des Erſtaunens. Gedemüthigt und tief gekränkt erhob ſie ſich von ihrem gebieteriſchen Stuhle, und indem ſie ſich eben ſo plötzlich wieder ſetzte, ſagte ſie mit der ſchneidend⸗ ſten Ironie in ihrer Stimme und in ihrer Lippe:„Der Lord Kät ſeinen K als Laka⸗ reſpektvo von guten Haftt ſprähte: Bonville Gründe! hat, ſtol Aber ich Mein Ge Frieden ſtab im „Es welche d Lord Bo⸗ melte§ Dame ne Worte r erreichten Halskrag Haſtings ſammen „M. ſagte Lat zum Fen heute ſeh en zuſam⸗ alle dicht Lächeln zu u erregen ig Lippen gequältes ügen, die Schmerzes fragte die nicht als 4ℳ höne Er⸗ unze Phy⸗ über ihre haft:„So ge rührt.“ ichen Vor⸗ indem er n vergeß, prach, den igen Blick kte in den Ausdruck erhob ſie em ſie ſich chneidend⸗ pe:„Der 187. Lord Kämmerer ſcheint zu ſehr daran gewöhnt zu ſein, ſeinen König zu den Goldſchmieden und Gewürzkrämern als Lakai zu begleiten, daß er die Redeform und das reſpektvolle Benehmen vergißt, welches eine Edelfrau von gutem Ruf als ſchicklich zu betrachten gewohnt iſt.“ Haſtings biß ſich in die Lippe und ſein Falkenauge ſprähte von unwilligem Feuer.„Verzeiht, Mylaby von Bonville und Harrington, ich vergaß in der That, welche Gründe die Gattin eines ſo weiſen und berühmten Lords hat, ſtolz auf die Titel zu ſein, die ſie gewonnen hat. Aber ich ſehe, daß mein Beſuch Euch ungelegen kommt. Mein Geſchäft betraf eigentlich Mylord, deſſen Rath im Frieden eben ſo ausgezeichnet iſt, wie ſein Commando⸗ ſtab im Kriege!“ „Es iſt genug,“ ſagte Katharina mit einer Würhe, welche dieſen beleidigenhen Angriff zurückſchlug,„daß Lord Bonville den Namen eines redlichen Mannes hat — der nie durch Hofgunſt geſtiegen iſt.“ „Weib ohne ein ſanftes weibliches Gefühl!“ mur⸗ melte Haſtings zwiſchen den Zähnen, als er ſich der Dame näherte und ſeine tiefe Verbeugung machte. Die Worte waren nur für Katharinens Ohr beſtimmt und erreichten daſſelbe. Ihr Buſen hob ſich unter ihrem Halskragen von Brocat, und als die Thür ſich hinter Haſtings ſchloß, drückte fie ihre Hände krampfhaft zu⸗ ſammen und ihre Augen waren aufwärts gerichtet. „Mein Kind, Du haſt Dein Garn verwickelt,“ ſagte Lady Bonville, als ſie an einem von den Mädchen zum Fenſter ging, welches ſie ſhei—„die Luft iſt heute ſehr druͤckend!“ Sechstes Kapitel. Freude für Adam und Hoffnung für Sibylla— und der be⸗ liebte Mönch Bungey. Haſtings ſchwang ſich auf ſein Pferd und ritt in den Tower zurück, ſtieg am Thor ab— ging zu dem kleinen Pförtchen im innern Hofe und ruhte nicht eher, als his er ſich in Warners Zimmer hefand. 1 „Nun, Freund Adam, Ihr ſeid müßig?“ „Lord Haſtings, ich bin krauk.⸗ „Und Euer Kind nicht bei Euch?* „Sie iſt zu Ihrer Hoheit, der Herzogin gegangen, um ſie zu bitten, mir zu erlauben, nach Hauſe zu gehen und nicht mehr von meinem Leben an das Goldmachen verſchwenden zu dürfen. „Nach Hauſe! Fort von hier? Wir koͤnnen es nicht geſtatten! Die Herzogin muß nicht zugeben, daß der König einen ſo gelehrten Philoſophen fortlaſſe“ „Dann bittet den König, daß er den Philoſophen das vollenden laſſe, was er möglicherweiſe zu Stande bringen kann.“ Er deutete auf die Eureka.„Verſchafft mir im Rathe des Königs Gehör, damit ich verſtändigen Richtern beweiſen kann, was dieſes Eiſen für England thun kann.“ „Iſt das Alles? So ſei es. Ich will ſogleich mit Seiner Majeſtät reden, aber Ihr müßt verſprechen, daß Ihr nicht mehr daran denken wollt, den Palaſt des Königs zu verlaſſen.“ „O nein, nein! Wenn ich wieder in meinen eigenen Palaſt— in mein eigenes Königreich der Kunſt und Hoffnun einerlei! „Va Herzogir dennoch Sie Er näher ernſtem nicht das er zu ſei „Ne verlaßt: beer, oh rauch de ind der be⸗ itt in den im kleinen c, als bis gegangen, ezu gehen oldmachen en es nicht „daß der e4 hiloſophen zu Stande „Verſchafft rſtändigen r England ogleich mit echen, daß Palaſt des een eigenen Kunſt und 189 Hoffnung eintreten kann, ſo iſt mir Hof ober Gefängniß einerlei!“ „Vater,“ ſagte Sitylla eintretend,„tröſte Dich, die Herzogin verbietet Deine Entfernung, aber wir wollen dennoch entfliehen—“ Sie hielt plötzlich inne, als ſie Haſtings erblickte. Er näherte ſich ihr furcheſam und mit ſo reuevollem, ſo ernſtem Reſpekt in ſeiner Miene und Geberde, daß ſie. nicht das Herz hatte, die ſchöne Hand zuruckzuziehen, die er zu ſeinen Lippen erhob. „Nein, entfliehet nicht, liebenswürdiges Fräulein; verlaßt nicht den Hof, der ohne die Blume und den Lor⸗ beer, ohne die Schönheit und die Weisheit, jenen Weih⸗ rauch der Stunde und jenes Vorbild der Ewigkeit ver⸗ odet iſt. Ich habe mit Eurem Vater geredet— ich will die Erfüllung ſeiner Bitte vom Könige erlangen. Sein Geiſt ſoll die Freiheit haben, ſeinem eigenen Antriebe zu folgen und Ihr, fluͤſterte er, verzeiht— verzeiht ein Vergehen aus zu großer Liebe. Niemals ſoll es wieder geſchehen.⸗ Ihre Augen, die in köſtlichen Thränen ſchwammen, waren auf den Boden gerichtet. Armes Kind! Wie konnte ſie bei ſo viel Liebe Zorn hegen? wie ſich ſelber mißtrauen bei ſo viel Reinheit? Und wenigſtens ſo lange er ſprach, meinte es der gefährliche Liebhaber aufrichtig. Von dieſer Stunde an war der Friede zwiſchen Sibylla und Lord Haſtings erneuert— unheilvoller Friede! Wehe dem Mädchen, welches liebt und keine Mutter hat 4 Seinem Worte getren, trotzte der Hofmann dem 190 Mißfallen der, Herzogin von Bedford, indem er den König bewog, zu überlegen, ob es nicht rath ſamer ſei, Adam zu erlaubeun, die Alchymie aufzugeben und ſein Modell wieder herzuſtellen. Eduard rief eine Deputa⸗ tion von Londoner Kaufleuten und Künſtlern zu ſich, vor welcher Adam erſchien und ſeine Erfindung erklärte. Aber dieſe praktiſchen Männer verwarfen die Sache Anfangs als den Einfall eines Wahnſinnigen, und Ha⸗ ſtings bedurfte aller ſeiner Schlauheit, um ihre Verach⸗ tung zu überwinden, und ſich an den angebornen Scharf⸗ finn des Königs zu wenden. Eduard faßte den einen Gedanken auf, als Adam die Anwendung ſeiner Erfin⸗ dung bei Schiffen erwähnte. Der kaufmänniſche König wurde plötzlich aufmerkſam, als ihm verheißen wurde, daß ſeine Galeeren ohne Segel und ohne Wind und Flut über die Meere ſollten fahren können. „Beim heiligen Georg!“ ſagte er dann,„laßt den ehrlichen Mann ſeine Grille ausführen. Beſſert Euer Modell wieder aus und Gott gebe Ench Gelingen! Meiſter Heyford, ſagt Eurer hübſchen Frau, daß ich und Haſtings morgen bei Euch zu Abend ſpeiſen werden, denn ihr Gewürzwein iſt ſehr ſchmackhaft. Ich wünſche Euch einen guten Tag, meine würdige Herren. Haſtings, kommt hieher— genug von dieſen Kleinigkeiten— ich muß mich über wahrhaft dringende Gegenſtände mit Euch berathen, über dieſe verbammte Heirath des edlen Georg!“ Nun wurde Adam Warner wleder zu dem urſprüng⸗ lichen Elemente ſeiner Gedanken zurückgeführt; der Schmelztiegel ruhte und die Eureka begann ſich aus ihren Ruinen zu erheben. Er kannte nicht den Haß, den er ſich d als die; ſprachen von der erwieſen beſchwö erfinden los mas werker Mann jungen Schlag teufelte Adam? Abſcher ſtarken willen em er den hſamer ſei, n und ſein e Deputa⸗ en zu ſich, ng erklärte. die Sache , und Ha⸗ Ore Verach⸗ den Scharf⸗ den einen iner Erfin⸗ ſſche König ßen wurde, Wind und „laßt den eſſert Euer Gelingen! 1, daß ich ſen werden, ſch wunſche Haſtings, iten— ich de mit Euch en Georg!“ urſprüng⸗ führt; der in ſich aus Haß, den 191 er ſich durch die erhaltene Erlaubniß zugezogen; denn als die Londoner Deputirten nach Hauſe zurückkehrten, ſprachen ſie eine ganze Woche von weiter nichts, als von der Gunſt, die der König einem ſeltſamen Manne erwieſen habe, der halb Wahnſinniger und halb Geiſter⸗ beſchwörer ſei, und der es unternommen, ein Ding zu erfinden, welches alle Künſtler und Handwerker arbeits⸗ los machen würde! Vom Kaufmann bis zum Hand⸗ werker verbreitete ſich die Nachricht und mancher redliche Mann verwünſchte den großen Gelehrten, wenn er ſeine jungen Kinder anſah, und wünſchte nur einen guten Schlag auf den Kopf führen zu können, der eine ſo ver⸗ teufelte Bosheit gegen die Armen aushecke! Der Name Adam Warner wurde ein Wort der Verachtung und des Abſcheus. Nichts anderes als der tiefe Graben und die ſtarken Mauern des Towers hätten ihn vor dem Un⸗ willen des Volks ſchützen koͤnnen, und dieſe Vorurtheile wurden geſchickt genährt durch die eiferſüchtige Feind⸗ ſchaft des ſchrecklichen Mönchs Bungey. Dieſer Mann, obgleich in allen Dingen der wahren Gelehrſamkeit und Wiſſenſchaft der äußerſten Verachtung würdig, womit Abam ihn nur überhäufen konnte, war in der Kunſt, die Menſchen zu täuſchen, keineswegs ohne Fähigkeiten. In ſeiner Jugend war er ein herumziehender Gaukler ge⸗ weſen. Er kannte ſehr gut alle Taſchenſpielerkünſte, die damals das Volk in Erſtaunen ſetzten, und die, wie wir fürchten, in der neuern Zeit verloren gegangen find. Er konnte eine Wand mit ſcheinbaren Weinreben be⸗ kleiden, die bei der Annäherung verſchwanden; er konnte ſeine ruhige Zelle in ein mit Soldaten bemanntes Schloß 192 oder in einen von Wild bewohnten Wald verwanbeln. Außer dieſen Täuſchungen, die wahrſcheinlich durch ſtär⸗ kere magiſche Laternen hervorgebracht wurden, als man jetzt anwendet, war der Mönch auf die wunderbaren Wirkungen des thieriſchen Magnetismus gekommen, der damals unbewußt von den Alchymiſten und den in der weißen und geheiligten Magie Erfahrenen ausgeübt wurde. Er verſtand ſich auf die Kunſt des Wahrſagens, und ſeine genaue Bekanntſchaft mit allen ausgezeichne⸗ ten Charakteren der Hauptſtadt, mit ihrer früheren Ge⸗ ſchichte und ihrer gegenwärtigen Lage ſetzte ſeine natür⸗ liche Schlauheit in den Stand, wenigſtens zuweilen bel ſeinen Prophezeihungen das Ziel zu treffen. Um ſich Sicherheit und Lebensunterhalt zu verſchaffen, hatte er bie Klelhung eines Mönchs angenommen und ſeit langer Zeit das Vertrauen der Herzogin von Bedford genoſſen, welche der Sage nach von der Schlangenhexe Meluſina abſtammte. Ueberdies, und deſſen rühmte ſich der Mönch beſonders, hatte er bei ſeinem früheren umherſchweifen⸗ den Leben, wie es die Schäfer und Seefahrer jetzt zu thun pflegen, die Zeichen des Wetters ſtudirt, und da Wettergläſer damals unbekannt waren, ſo konnte den Anordnern einer Sommerjagd oder einer Falkenbeize nichts bequemer ſein, als die Naͤhe eines geſchickten Verkündigers von Ungewitter und Sonnenſchein. In der That gab es keinen Theil in der Magie, welchen die Wahrſager ſo nützlich fanden und ſo ſehr ſtudirten, als denjenigen, welcher ſie in den Stand ſetzte, die Launen des Himmels vorher zu verkündigen, zu einer Zelt, wo alle Menſcher Luft zubr Der drungen, entfernten dem Nork hörern di fͤrchteten Und Schurke: doch keine denn er n Er wagte und Verſ Bewunde nige ein, — nicht war ſo konnte, Geld in ſ Menſch iſ Überbies war, ſich eigenen, beſaß die men könn moͤchten auf ſeiner als liebe gab ihner rwandeln. urch ſtär⸗ als man nderbaren amen, der den in der ausgeübt hrſagens, gezeichne⸗ eren Ge⸗ ne natuͤr⸗ veilen bei Um ſich hatte er eit langer genoſſen, Meluſina er Mönch ſchweifen⸗ wjetzt zu „ und da onnte den alkenbeize eeſchickten . In der lchen die rten, als nunen des wo alle 193 Menſchen den größten Theil ihres Lebens in der freien Luft zubrachten. Der Ruf des Mönches Bungey war viel weiter ge⸗ drungen, als der Adam Warners; er war ſelbſt in den entfernten Provinzen bekannt, und mancher Bauer aus dem Norden wurde bleich, wenn er ſeinen gaffenden Zu⸗ hörern die Erzählungen mittheilte, die er von der ge⸗ fuͤrchteten Zauberin, der Herzogin Jacquetta, gehört. Und doch, obgleich der Mönch ein ſchrecklicher Schurke und ein lächerlicher Betrüger war, ſo war er doch keineswegs ſo nnbeliebt, beſonders in der Hauptſtadt, denn er war von Natur ein lußiiger, geſelliger Kerl. Er wagte ſich oft kühn in die verſchiedenen Gaſthäuſer und Verſammlungshäuſer des Volks, erfreuete ſich der Bewunderung, die er dort erregte, und ſteckte die Pfen⸗ nige ein, die er dort einſammelte. Er beſaß keinen Stolz — nicht den geringſten, dieſer Mönch Bungey!— und war ſo unterwürſig, wie ein Zauberer es nur ſein konnte, gegen den niedrigſten Handwerker, der ihm Geld in ſeine breite, hornartige Hand gab. Ein gemeiner Menſch iſt niemals unbeliebt bei dem gemeinen Volke. überbies wünſchte der Moͤnch, der ein ſehr liſtiger Kerl war, ſich gut mit dem Volke zu ſtellen. Er liebte ſeinen eigenen, unverſchämten, ſchwerfälligen Leichnam und beſaß die Klugheit, vorherzuſehen, daß eine Zeit kom⸗ men könne, wo ſeine königlichen Beſchuͤtzer ihn veslaſſen moͤchten und wo der Pöbel ein ſchreckliches Ungeheuer auf ſeinem Wege ſein würde; daher ſtellte er ſich ſtets, als liebe er die Armen, wahrſagte ihnen oft umſonſt, gab ihnen zuweilen etwas zu trinken und wurde für einen 194 außerordentlich gutmüthigen Mann gehalten, weil er nicht immer den Teufel im Rücken hatte. Nun hatte der Mönch Bungey natürlich von Anfang an einen großen Widerwillen und Eiferſucht gegen Adam Warner gezeigt; da er aber gelegentlich die Wiſſenſchaft des Letzteren be⸗ nutzte, ſo ließ er ſeine Rache ſchlummern, bis ſie zur Wuth angefacht wurde, als er von der Gunſt erfuhr, die der König Adam erwieſen und von den wunderbaren Erfolgen, die man von ſeiner Erfindung erwartete. Sein Neih verhinderte alle Duldung und Gnade; die Welt war nicht groß genug, um zwei ſolche Rieſen faſſen zu können— Bungey und Warner— das Genie und der Gaukler. So viel wie wiſſen, haben die Gaukler noch heutiges Tages denſelben Glauben. Er gelobte ſeinem Genoſſen bitterſte Rache und ſparte keine Mühe, den Haß des Volkes gegen ihn zu nähren.— Der Mönch Bungey wäre in unſern Tagen ein großer Kriktiker ge⸗ weſen! Aber außer ſeiner Eiferſucht hatte der fette Mönch noch einen Beweggrund, den Untergang des armen Abam zu wünſchen— er ſtrebte nach dem Beſitze ſeines Mo⸗ dells! Freilich ſpottete er über das Modell und doch ver⸗ langte ſein Herz glühend darnach. Er glaubte, wenn dieſes Modell einmal hergeſtellt und in ſeinem Beſitze waͤre, ſo könne er thuu— was, wußte er ſelber nicht— aber gewiß Alles, was noch fehlte, um ſeinen Ruhm zu vollenden und das Publikum zu täuſchen. Alles deſſen unbewußt, was gegen ihn im Werke war, arbeitete Adam mit ganzem Herzen und ganzer Seele, und glüͤcklich in ſeinem Glück, lächelte Sibylla Haſtings kam. Meh Haſtings bylla's E geſtellt w und um wurde, d die fie v Es g vonl einer die Anſt zu glänze abgedroſ trennlich liche Re Mirande geſunden war keit Seufzert Phantaf Einbildu lieblichen aufregte ſtarke, f 1, weil er in hatte der nen großen ner gezeigt; etzteren be⸗ bis fie zur erfuhr, die underbaren rtete. Sein die Welt en faſſen zu nie und der aukler noch bte ſeinem Mühe, den Der Mönch riktiker ge⸗ ette Mönch men Adam ſeines Mo⸗ ad doch ver⸗ ubte, wenn nem Beſtitze ber nicht— n Ruhm zu im Werke und ganzer lte Sibylla 195 Haſtings wieder dankbar zu, von dem das Entzücken kam. Siebentes Kapitel. Eine Liebesſeene. Mehr als je gegen Katharina aufgebracht, gab ſich Haſtings ohne Rückhalt dem Reize hin, den er in Si⸗ bylla's Geſellſchaft fand. Als ihr Vertrauen wieder her⸗ geſtellt war, zeigte ſich ihr Geiſt wieder vortheilhaft, und um ſo mehr, weil ihr Stolz noch weiter aufgeregt wurde, die Gleichheit mit Rang und Gold zu behaupten, die ſie von der Natur und von Gott empfangen hatte. Es geſchieht ſo oft, daß die erſte Liebe des Weibes von einer verſchämten Schüchternheit begleitet iſt, welche die Anſtrengung überwindet, während ſie den Wunſch, zu glänzen, erhöht, ſo daß man die Verbindung in der abgedroſchenen Sprache jeder Liebesgeſchichte unzer⸗ trennlich genannt hat. Aber dies iſt keine unabänder⸗ liche Regel, die Shakſpeare uns in der kunſtloſen Miranda, in der beredten Inlia, in der offenen und geſunden Roſalinde gezeigt hat— und Sibylla's Liebe war kein gewöhnliches mädchenhaftes Liebesſieber von Seuftern und Erröthen. Sie lag im Gemüthe, in der Phantafte, im Verſtande, ſowie im Herzen und in der Einbildung. Es war ein ſanfter Lufthauch, der den lieblichen Duft aus den beſcheidenen Blättern der Roſe aufregte. Es war nicht anders möglich, als daß dieſe ſtarke, friſche, junge Natur mit ihrer freien Heiterkeit, 196 wenn ſie gluͤcklich war— mit ihrem lebhaften Pathos, wenn ſie traurig war— mit ihren verſchiedenen Fähig⸗ keiten des Urtheils und tiefen Gefühls, und ihrem ver⸗ ſteckten Spiel des unſchuldigen Witzes— nicht einen mächtigen Gegenſatz in dem Geiſte eines Mannes, der das Bedürfniß fühlte, ſich zu unterhalten und zu inter⸗ eſſiren— zu dem kalten Stolze Katharinens, zu der dumpfen Atmoſphäre bildete, worin ihre ſteife unbeng⸗ ſame Tugend die geißloſe Luft athmete, und noch mehr zu den gezierten Puppen mit bemalten Wangen und geiſt⸗ loſem Geſpräch, welche unter dem Namen Weib die Alltagswelt erfüllten. Seine Gefühle für Sibylla nahmen daher eine ern⸗ ſtere und reſpektvollere Färbung an, und ſeine Aufmerk⸗ ſamkeiten, wenn gleich immer galant, waren die eines Mannes, der um ein Weib warb, die er zu ſeiner Gattin machen wollte, und die Eigenſchaften ſtudirte, welchen er ſein Glück anzuvertrauen geneigt war, und ſo rein war Sibylla's Zärtlichkeit, daß ſie ſich hätte be⸗ gnügen können, ſtets ſo zu leben— ihn täglich zu ſehen und zu hoͤren— nur die Worte der Freundſchaft, oh⸗ gleich mit dem Gedanken der Liehe zu reden; denn einige Leidenſchaften verfeinern ſich durch das Feuer der Phan⸗ tafte, in welches die Sinne uͤbergehen, indem ſie durch die ideale Reinigung zum Geiſt erhoben werden. In dem wonnevollen Glück, welches ſie jetzt genoß, bemerkte Sibylla nicht, oder beachtete es kaum, wenn ſie es auch bemerkte, daß die Bewunderer, die ſie vorher umflattert hatten, nach und nach zurücktraten— daß die Damen des Hofes und die jungen Maͤdchen, die ihre leichten Pflichten und ſchwe gerichtet r geſehen u Frommen Die 2 gegangen. die Fähigt Schönhei ſchrieben. Damen, jetzt verla trachtet! Eines auf dem führte. E ſchlagenen erblickte. „Und „Die die vort d richten er Ich Geſicht n verglich, — und i Siby zu ſehr di denheit i Pathos, nen Fähig⸗ ihrem ver⸗ nicht einen annes, der d zu inter⸗ as, zu der fe unbeng⸗ noch mehr und geiſt⸗ Weib die r eine ern⸗ 2 Aufmerk⸗ die eines zu ſeiner n ſtudirte, war, und h hätte be⸗ ch zu ſehen chaft, oh⸗ denn einige der Phan⸗ n ſie durch n. In dem „bemerkte ſie es auch umflattert die Damen re leichten 197 Pflichten theilten, bei ihrer Annäherung zurückhaltend und ſchweigſam wurden— daß ſeltſame Blicke auf ſte gerichtet wurden— daß zuweilen, wenn ſie mit Haſtings geſehen wurde, die Strengen finſter blickten und die Frommen ſich bekreuzten. Die Vorurtheile des Volks waren auf den Hof über⸗ gegangen. Man glaubte, daß die Tochter des Zanberers die Fähigkeiten ihres Vaters theile, und der Zauber der Schönheit wurde den Einflüſſen des boſen Geiſtes zuge⸗ ſchrieben. Lord Haſtings wurde— beſonders von allen Damen, denen er früher den Hof gemacht und die er jetzt verlaſſen hatte— als ein bezauberter Mann be⸗ trachtet! Eines Tages begegnete Sibylla Haſtings zufällig auf dem Gange, der um die Feſtungswerke des Tower führte. Er ging nachdenkend und mit über einander ge⸗ ſchlagenen Armen, als er ſeine Augen erhob und ſie erblickte. „Und wohin geht Ihr ſo allein, ſchönes Fräulein?“ „Die Herzogin befahl mir die Königin aufzuſuchen, die vort drüben ſpazieren geht. Meine Herrin hat Nach⸗ richten erhalten, die ſie Ihrer Majeſtät mittheilen möchte.“ „Ich dachte an Euch, ſchönes Mädchen, als Euer Geſicht mir vor Augen trat und ich Euch mit Anderen verglich, die einen hohen Rang in der Welt einnehmen — und ich wunderte mich über die Launen des Schickſals.“ Stbylla lächelte matt und antwortete:„Reizt nicht zu ſehr die aufſtrebende Thorheit meiner Natur. Zufrie⸗ denheit iſt beſſer als Ehrgeiz.“ — *‿ 198 „Ihr geſteht Euren Ehrgeiz ein?“ fragte Haſtings neugierig. „Ach, Herr, wer beſäße den nicht?“ „Aber für Euer ſanftes Geſchlecht hat der Ehrgeiz ein ſo enges und beſchränktes Feld.“ „Nicht ſo, denn er lebt in Andern. Ich will damit ſagen,“ fuhr Sibylla erröthend fort, indem ſie fürch⸗ tete, ſich verrathen zu haben,„daß z. B. ſo lange mein Vater nach Ruhm ſtrebt, ich in ſeiner Hoffnung athme und ehrgeizig bin wegen ſeiner Ehre.“ „Und wenn Ihr einen Mann heirathetet, der Eurer würdig wäre, ſo würdet Ihr ſeinen Ehrgeiz theilen?“ „Vielleicht,“ antwortete Sibylla ſchüchtern. „Aber wenn Ihr mit dem Kummer, mit der Armuth und der ruheloſen Sorge vermählt wäret, da würde wohl Euer getödteter Ehrgeiz auch Eure Liebe tödten 74 „Nein, edler Herr— könnt Ihr meiner Weiblich⸗ keit ſo großes Unrecht thun? denn der wahre Ehrgeiz lebt doch gewiß nicht nur im Reichthum und Glück. Giht es keinen edleren Ehrgeiz als den der Eitelkeit? Gibt es keinen Ehrgeiz des Herzens?— einen Ehrgeiz, der tröſtet und den Kummer Derjenigen erheitert, die uns lieben und vertrauen?— einen Ehrgeiz, der ein Glück erbaut, welches außer dem Bereiche des Schickſals liegt? — einen Ehrgeiz, der eine erhabene Seele im Kampfe mit der gemeinen Welt aufrecht hält— der ihren Schmerz in den Schlaf lullt und ihre Sorgen durch Lächeln erheitert? O, mich dünkt, der wahre Ehrgeiz eines Weibes ſollte den Tapferſten erheben, wenn im Angeſichte des Todes ſelbſt die Stimme deſſen, in deſſen Ruhm ſie Seite zum Lieblie dieſe Wor⸗ lich der au ſchloſſen. Und d ſprünglich ehe derſell Weisheit Haſtings rie ſeiner „O C dem Eind. für mich: würden! welches di einen Trit in einem Sibyl flumm vor mit Küſſe deuten wo rede!* Mit Mädchens wieder u hervor. „Wa ſprochen, Haſtings er Ehrgeiz will damit ſie fürch⸗ ange mein ung athme der Eurer theilen?“ rn. er Armuth da würde tödten?4 Weiblich⸗ re Ehrgeiz Zluͤck. Gibt beit? Gibt zrgeiz, der t, die uns ein Gllück kſals liegt? m Kampfe der ihren rgen durch re Ehrgeiz wenn im , in deſſen 199 Ruhm ſie gelebt, ſagte: Du fürchteſt nicht an meiner Seite zum Grabe und zum Himmel zu gehen!“ Lieblich und eindringlich waren die Toͤne, womit dieſe Worte ausgeſprochen wurden— erhaben und feier⸗ lich der aufgerichtete und thränenvolle Blick, womit ſie ſchloſſen. Und die Antwort erregte den angeborenen und ur⸗ ſprünglichen Hervismus in der Natur des Zuhörers, ehe derſelbe durch die eyniſche Bitterkeit der weltlichen Weisheit entweiht wurde. Nie hatte Katharina ſelbſt Haſtings ſo mächtig an die reine und urſprüngliche Glo⸗ rie ſeiner Iugend erinnert. „O Sibylla“ rief er leidenſchaftlich, indem er ſich dem Eindruck des Augenblicks hingab—„o, wenn doch für mich und zu mir ſo erhabene Worte ausgeſprochen würden! O, wenn doch die Triumphe eines Lebens, welches die Menſchen ein glückliches nennen, durch den einen Triumph übertroffen würden, ſolch einen Ehrgeiz in einem ſolchen Herzen zu erwecken!“ Sibylla ſland verwandelt— bleich, zitternd und ſtumm vor ihm. Haſtings faßte ihre Hand, bedeckte ſie mit Küſſen und ſagte:„Darf ich Dein Schweigen zu deuten wagen? Sibylla, Du liebſt mich!— O Sibylla rede!* Mit krampfhafter Anſtrengung bewegten ſich des Mädchens Lippen, ſchloſſen ſich dann, bewegten ſich wieder und brachten nur leiſe und gebrochene Worte hervor. „Warum dies— warum dies? Ihr habt mir ver⸗ ſprochen, nicht— nicht—⸗ 200 „Dich nicht durch unwürbige Gelübde zu beleidigen! Auch thue ich es nicht! Aber als meine Gattin— 4 er ſchwieg plötzlich, erſchrocken über ſeine eigenen unge⸗ ſtümen Worte, indem ſich das Phantom der Welt gleich einem körperlichen Weſen vor ſeinem edlen Antriebe er⸗ hob und verächtlich über ſeine Thorheit lächelte. Aber Sibylla hörte nur das eine heilige Wort Gattin, und ſo plötzlich und mächtig war das Entzücken, welches dadurch hervorgebracht wurde, daß ſie matt und ſchwind⸗ licht wurde und hingefallen wäre, hätten ſeine Arme ſie nicht umſchlungen und ſie ſich an ſeine Bruſt gelehnt, wo jetzt die Jungfrau das Erröthen bergen konnte, wel⸗ ches keine Scham ausſprach. Mit verſchiedenen Gefühlen ſchwiegen Beide einen Augenblick. Aber o, jener Augenblick! welche Jahr⸗ hunderte der Wonne lagen darin für das ſchönere und edlere Weſen. Endlich machte ſie ſich ſauft von ihm los, bedeckte ihre Augen mit der Hand, als wollte ſie ſich über⸗ zeugen, ob ſie wache, wendete dann ihr liebliches Ge⸗ ſicht voll zu ihrem Geliebten und ſagte unbefangen:„O Mylord— o Haſtings! Wenn Eure ruhigere Vernunſt dieſe Worte nicht bereut— wenn Ihr an mir billigen könnt, was Ihr an der Königin Eliſabeth bewundert — wenn Ihr eine Perſon, die keine andere Mitgift hat als ihr Herz, zu dem Range Eurer Gattin erheben könnt — ſo verſpreche ich Euch bei dieſer Hand, die ich furcht⸗ los in die Eurige lege, eine ſolche Liebe, wovon nie ein Minſtrel geſungen. Nein!“ fuhr ſie fort, indem ſie ihre leichte Geſtalt ſtolz erhob—„nein, Ihr ſollt mich Eures Namens und ſo vi einen Ge einen St Eure Ge ſie hielt darüber, Dies iſt! „Und ſagte Ha ſchaftlich Ländereie ſo manch der Gun einer Na⸗ ſo weit u dem arme bereute, Herzen er „Hor über dieſe wohl auf ſehen“ Zu di werke, w chem auf Raum ſit Bulwe beleidigen! ttin— u er enen unge⸗ Welt gleich Intriebe er⸗ lte.— vort Gattin, een, welches nd ſchwind⸗ ie Arme ſie uſt gelehnt, onnte, wel⸗ Beide einen elche Jahr⸗ hönere und s, bedeckie ſich über⸗ bliches Ge⸗ angen:„O e Vernunft nir billigen bewundert Mitgift hat heben könnt ich furcht⸗ von nie ein dem ſie ihre mich Eurez 201 Namens nicht unwürdig finden— ſo mächtig er auch iſt, und ſo viel mächtiger er auch werden wird! Ich habe einen Geiſt, der Eure Zwecke theilen kann, ich beſitze einen Stolz, der in Eurer Macht frohlocken kann, Muth, Eure Gefahren und Eure Anhänglichkeit zu theilen⸗— ſie hielt mit dem reizendſten Erröthen inne—„aber darüber, lieber Lord, ſollt Ihr ſpäter urtheilen!— Dies iſt meine Mitgift!— Es iſt Alles.“ „Und Alles, was ich fordere und wornach ich ſtrebe,“ ſagte Haſtings. Aber ſeine Wange hatte die erſte leiden⸗ ſchaftliche Glut verloren. Als Beſitzer ſo mancher großen Ländereien und Baronien, als ſiegreicher Anführer in ſo mancher Schlacht, als weiſer Staatsmann, hoch in der Gunſt des Königs und vereint mit der Geſchichte einer Nation, ſtand William von Haſtings in der Stunde, ſo weit wie die Erde von dem Himmel entfernt iſt, unter dem armen Mädchen, welches ſo geehrt zu haben er ſchon bereute, und deren erhabene Antwort kein Echo in ſeinem Herzen erweckte. In dem Augenblick hielt er es für ein Glück, daß ſich raſch viele Fußtritte näherten und des Königs Leib⸗ knappe laut ſeinen Namen rief. „Horch, Eduard laͤßt mich rufen,“ ſagte er, froh über dieſen Aufſchub.„Lebe wohl, theure Sibylla, lebe wohl auf eine kurze Weile— wir werden uns balh wieder ſehen“. Zu dieſer Zeit ſtanden ſie an jenem Theile der Feſtungs⸗ werke, wo ſich jetzt eine Kaſerne befindet und vor wel⸗ chem auf der andern Seite des Feſtungsgrabens ein Raum ſich befand, welcher einſam und verlaſſen ge⸗ Bulwer, Barone, II. 44 58 202 4 ſchienen; aber als Haſtings Sibylla Lebewohl ſagte und eilig ſeine Lippen auf ihre Stirn drückte, kam aus einer Herberge außerbalb der Feſtung und der Stelle gegen⸗ äber, wo ſie ſtanden, plötzlich ein ungeordneter Trupp halb betrunkener Soldaten, mit einer Gruppe verwor⸗ fener Frauenzimmer hervor, und kaum hatte Haſtings ſeine letzten Worte ausgeſprochen, als beide ein lautes Lachen hörten und Sibylla mit einem Schauder den bun⸗ ten Anzug der Trommelmädchen in der Sonne ſchim⸗ mern und die Anführerin derſelben, als ſie ſich aus den Armen eines betrunkenen Soldaten losriß, ſingen hörte: Ha! Tod für die Taube Iſt des Falken Lieb'— Ohl ſcharf iſt der Kuß von des Falken Schnabel! von wel Hinricht beim E lſagte und raus einer elle gegen⸗ ter Trupp de verwor⸗ Haſtings ein lautes r den bun⸗ une ſchim⸗ ich aus den gen hoͤrte: abel! Siebentes Buch. Die Rebellion. Erſtes Kapitel. Der weiße Löwe von March ſchüttelt ſeine Mähne. „Und was gibts Neues?“ fragte Haſtings, als er ſich unter den Knappen des Königs befand, während man noch das Lachen der Trommelmädchen hoͤren und die ſich entfernende Geſtalt Sibylla's unter den Bäumen ſehen konnte. „Seine Majeſtät fordert Eure augenblickliche Gegen⸗ wart, Mylord; es iſt ein Courier aus dem Norden ange⸗ kommen. Die Lords St. John, Rivers, de Fulke und Secales ſind bereits bei Seiner Majeſtät.“ „Wo?* „In dem großen Rathszimmer.* In dieſes denkwürdige Zimmer im weißen Thurme, von welchem aus Haſtings am 13. Junius 1483 zur Hinrichtung geführt wurde, und wo der Beſucher gleich beim Eintritt an den Namen und das Schickſal des Lord Haſtings erinnert wird, ſchritt der ahnungsloſe Lord. Er fand Ebuard nicht auf Kiſſen und Teppichen ruhend— nicht in weiten weibiſchen Kleidern— nicht 204 mit dem gewohnten nachlaͤſſigen Laͤcheln in ſeinem ſchoͤnen Geſichte. Der König hatte ſein langes Gewand abge⸗ worfen und ſtand in ſeiner eng anſchließenden Tunika da, welche die ſchönen Verhältniſſe ſeiner ſtarken Geſtalt vollkommen zeigte. Vor ihm, auf einem langen Tiſche, lagen zwei oder drei offene Briefe neben dem Dolch, womit Eduard dieſelben aufgeſchnitten hatte. Ernſthaft um ihn her ſaßen Lord Rivers, Anton Woodoille, Lord St. John, Raoul de Fulke, der junge und tapfere Eyn⸗ court und viele Andere von den vornehmſten Lords. Haſtings ſah ſogleich, daß etwas Wichtiges geſchehen ſei, und in dem Feuer, welches aus den Augen des Königs ſprühte, in der Erweiterung ſeiner Naſenflügel, in dem heitern und faſt freudigen Stolze ſeiner Stirn und Miene erkannte der erfahrene Hofmann die Zeichen des Krieges. „Willkommen, wackerer Haſtings,“ ſagte Eduard mit einer Stimme, die von ſeiner gewohnten ſanften Affektation gänzlich verſchieden war— laut, klar und durchdringend, wie ſie das Mark und die Herzen Aller erſchütterte, die ihren aufregenden Trompetenton ver⸗ nahmen—„willkommen jetzt im Felde, wie früher beim Banket! Wir haben Nachrichten aus dem Norden, die uns gebieten, den Helm anzulegen und das Schwert um⸗ zuſchnallen— eine Empörung, die den Arm eines Königs fordert, um ſie zu unterdrücken. In Yorkſhire ſind 15,000 Mann unter Waffen, unter einem Anführer, den ſie Robin von Redesdale nennen— der Vorwand iſt, daß das Hoſpital von St. Leonard zwei Dutzend Korngarben gefordert— die wahre Ahſicht, Verrätherei gegen 1 unſerm befindet hoben h Armeen man ſa Vortral Jagd de warum „Si Englank n ſchoͤnen nd abge⸗ n Tunika i Geſtalt en Tiſche, m Dolch, Ernſthaft ille, Lord fere Eyn⸗ en Lords. geſchehen lugen des aſenflügel, ner Stirn ie Zeichen te Eduard en ſanften „klar und rzen Aller enton ver⸗ rüher beim korden, die hwert um⸗ Arm eines Yorkſhire Anführer, r Vorwand ſei Dutzend Verrätherei 20⁵ gegen unſer Königreich. Zu gleicher Zeit hören wir von unſerm Bruder Glouceſter, der ſich jetzt an der Grenze befindet, daß die Schotten die Roſe von Lancaſter er⸗ hoben haben. Es ſteht Gefahr bevor, wenn dieſe beiden Armeen zuſammentreffen— keine Zeit iſt zu verlieren— man ſattelt ſchon unſere Schlachtroſſe— wir eilen zum Vortrabe unſerer königlichen Macht. Wir werden heißes Werk haben, Mylords. Aber iſt der des Thrones wür⸗ dig, der ihn nicht ſchützen kann?“ „Dies iſt in der That eine traurige Nachricht,“ ſagte Haſtings ernſt. „Traurig! redet nicht ſo, Haſtings! Krieg iſt die Jagd der Ritter und Edeln! Sir Raoul de Fulke— warum ſeht Ihr ſo brütend und ſorgenvoll aus?“ „Sire, ich dachte nur, wenn Graf Warwick in England geweſen wäre, ſo—* „Ha!“ fiel Ednard haſtig und hochmüthig ein— „und iſt Warwick die Sonne des Himmels, die keine Wolke verdunkeln kann, wohin ſein Geſicht ſcheint? Den Rebellen ſoll es nicht an einem Feinde, meinem Reiche nicht an einem Regenten ſehlen, ſo lange ich, der Erbe der Plantagenet, das Schwert für die Einen und das Scepter für die Andern habe. Wir marſchiren dieſen Abend ab, ehe die Sonne untergeht.“ „Mein Lehensherr,“ ſagte Lord St. John ernſt— „mit welchen Truppen denkt Ihr einer ſo furchtbaren Armee zu begegnen? „Mit ganz England, Lord St. John!“ „Ach! mein Lehensherr, möchtet Ihr Euch nicht täuſchen! Aber bei dieſer Kriſis iſt es recht, daß Eure 206 wahren und zuverläͤſſigen Unterthanen offen und frei herausreden. Es ſcheint, als ſchreien dieſe Inſurgenten nicht gegen Euch, ſondern gegen die Verwandten der Königin— ja Lord Rivers, gegen Euch und Euer Haus, und ich fürchte, daß die Herzen von England ihnen hierin beiſtimmen!⸗ „Es iſt wahr, Sire,“ fiel Raoul de Fulke mit Kühn⸗ heit ein—„und wenn dieſe neuen Männer Eure Armeen anführen ſollen, ſo werden ſich die Krieger von Touton fern halten— Raoul de Fulle dient nicht Woodvilles Banner. Blickt nicht finſter, Lord Seales! Eure und Eures Hauſes unerſättliche Habgier hat dieſes Unheil über den Koͤnig gebracht. Um Euretwillen ſind die Ge⸗ meinen geplündert worden— um Euretwillen ſind die Tdöͤchter unſrer Pairs zu unerhörten Heirathen gezwungen worden, die der Geburt und der Natur ſelbſt wider⸗ ſtreben. Durch Euch iſt der fürſtliche Warwick, der dem Throne durch Blutsverwandtſchoft nahe ſteht und der Pfeiler unſerer Ritterſchaft iſt, aus der Gunſt unſers Monarchen verſtoßen worden. Und wenn Ihr jetzt zum Kriege marſchirt, um die Rächer eines Kampfes zu ſein, welchen Ihr veranlaßt habt, ſo ſage ich, daß es den Soldaten an Muth fehlen wied und die Provinzen, durch die Ihr kommt, dem feindlichen Lande gleichen werden!“ „Eitler Mann,“ begann Anton Woodollle, als Ha⸗ ſtings ſeinen Arm faßte, während Eduard, erſtaunt über dieſen Ausbruch von zwei Männern, auf die er vorzüg⸗ lich gerechnet, klug genug war, zu ſchweigen, doch mit dem Ausdruck eines Mannes, der entſchloſſen iſt, Ge⸗ horſam z ſchreiten. „Hal ſobald er Geiſte ur Namen l das Wort klagen ſie richtet, d von Geb⸗ ſelben Ur ich meine dem Gluͤ⸗ und hier liebteſte e ſein, daß tragen, ſtehenden machen. Gebt mi Krieger Beiſpiel unſere und de Krieger es thun d frei genten en der Ener ingland Kühn⸗ Armeen Touton odvilles rre und Unheil die Ge⸗ ſind die wungen wider⸗ der dem und der unſers etzt zum apfes zu ß es den n, durch verden!* als Ha⸗ unt üͤber vorzüg⸗ doch mit iſt, Ge⸗ 207 horſam zu gebieten, ſobald er es für recht hält, einzu⸗ ſchreiten. „Haltet ein! Sir Anton!“ ſagte Haſtings, der, ſobald er ſich unter Männern hefand, zu dem männlichen Geiſte und der tiefen Weisheit erwachte, die ſeinen Namen berühmt gemacht—„haltet ein und laßt mir das Wort! Mylords St. John und de Fulke, Eure An⸗ klagen ſind mehr gegen mich als gegen dieſe Herren ge⸗ richtet, denn ich bin ein neuer Mann— ein Knappe von Geburt und ſtolz darauf, meinen Rang aus dem⸗ ſelben Urſprung herzuleiten, wie jeder wahre Adel— ich meine von der Gnade eines edlen Herrſchers und von dem Glück des Schwertes eines Kriegers. Es mag ſein, und hier verneigte ſich der liſtige Günſtling, der Be⸗ liebteſte am ganzen Hoſe, mit ſanfter Miene— es mag ſein, daß ich jene Ehre nicht mit ſolcher Demuth ge⸗ tragen, um den Tadel zu entwaffnen. In dem bevor⸗ ſtehenden Kriege will ich verſuchen, es wieder gut zu machen. Mein Lehensherr, hört Euren Diener an: Gebt mir kein Commando— laßt mich als einfachen Krieger an Eurer Seite fechten. Wer wird meinem Beiſpiel nicht folgen— ſtolz ſein als ein Reiſiger auf der Spur fortzureiten, die das Schwert ſeines Monarchen durch die Glieder der Schlacht hahnen wird? Und Ihr, Lord Seales, furchtbar und unüberwindlich mit Lanze und Streitaxt, laßt uns neue Männer den Neid durch unſere Thaten aufheben; und Ihr, Mylords St. John und de Fulke— Ihr ſollt uns lehren, wie Eure Väter Krieger anführten, die nicht tapferer fochten, als wir es thun werden. Und wenn die Rebellion beruhigt iſt, 208 und wir uns in der Halle unſeres Lehensherren treffen, ſo klagt uns neue Männer an, wenn Ihr uns ſchuldig finden könnt, und wir wollen Euch antworten, wie wir es vermögen!“ Dieſe Rede, welche von keinem anderen Manne, als von Haſtings mit ſolcher Wirkung hätte ausgeſprochen werden können, rührte alle Gegenwärtigen. Und obgleich die Woodvilles, Vater und Sohn, darin Vieles ſahen, was ihren Stolz kränkte und ſie halb glaubten, daß es eine Schlinge zu ihrer Erniedrigung ſei, ſo widerſetzten ſie ſich doch nicht. Raoul de Fulke, ſtets ebenſo edel als feurig, ſtreckte ſeine Hand ans und ſagte:„Lord Haſtings, „Ihr habt wohl geſprochen. Es ſei, wie der König will.“ „Mylords, entgegnete Eduard heiter, mein Wille iſt, daß Ihr Freunde ſeid, ſo lange ein Feind im Felde ſteht. Eilt alſo alle zuſammen, ich bitte Euch, Eure Va⸗ ſallen zuſammen zu bringen und Euch zu Fotheringay unſerer Standarte anzuſchließen. Wir wollen Poſten fuͤr Euch finden, die den Tapferſten genügen ſollen.“* Der König gab ein Zeichen, die Berathung aufzu⸗ heben, und indem er ſelbſt die Woodoilles entließ, blieb er mit Haſtings allein.“ „Ihr habt mir in der Noth gedient, Will, ſagte der König. Aber,“ füßte er hinzu, indem ſcin Auge wie das eines Tigers ſprühte,„ich werde die Reden dieſer Leute nicht vergeſſen, welche eine Schmach fär die Lords von Runnymede ſind. Ich bin kein Johann, der ſich von ſeinen Vaſallen trotzen läßt. Genug, jetzt von ihnen. Meint Ihr, daß Warwick dieſen Aufruhr könnte unter⸗ ſtützt haben?“ „Eine Sire. We Liebe geſch „Hm! Tag nach gung hörte es komme, an dem Pe Kuß von Kanarienſe die weiße? die man in konnte, au York geſ Anführer heit wurd angefacht. treffen, ſchuldig wie wir nne, als ſprochen obgleich es ſahen, aß es eine ezten ſie edel als Haſtings, ig will.“ in Wille im Felde kure Va⸗ heringay oſten fuͤr 4 g aufzu⸗ eß, blieh lI, ſagte Auge wie en dieſer die Lords ſich von n ihnen. te unter⸗ 209 „Eine Empörung von Bauern und Pächtern! Nein, Sire. Wenn er es gethan, ſo iſt es für immer um die Liebe geſchehen, welche die Barons zu ihm hegen.“ „Hm! und doch hat Montagu, den ich vor zehn Tag nach der Grenze abſchickte, als er von der Abnei⸗ gung hörte, nichts gethan, um ſie zu beſeitigen. Aber es komme, was will, das muß eine kühne Lanze ſein, die an dem Panzer eines Königs zerſplittert. Und nun einen Kuß von meiner Eliſabeth, einen Becher funkelnden Kanarienſekts, und dann Gott und der heilige Georg für die weiße Roſe.“ Zweites Kapitel. Das Lager zu Olney. Einige Wochen waren vergangen, ſeit die Bürger von London ihren ſtattlichen König an der Spitze der Truppen, die man in der Haſt in der Hauptſtadt zuſammenbringen konnte, aus ihren Mauern abmarſchiren ſahen, um den Rebellen zu begegnen. Überraſchend und unheilvoll waren inzwiſchen die Nachrichten geweſen. Anfangs freilich hoffte man, daß Montagu den Aufſtend unterdrücken werde, der Robin von Redesdale's Truppen in der Nähe der Stadt York geſchlagen und von dem man ſagte, daß er ihren Anführer enthauptet. Aber der Geiſt der Unzufrieden⸗ heit wurde durch einen ungünſtigen Wind nur noch mehr angefacht. Der Haß des Volks gegen die Woodvilles war ſo groß, daß, ſowie Eduard zu dem Schauplatz der Handlung vorrückte, das Land ſich in Waffen erhob, wie Raoul de Fulke es vorhergeſagt hatte. Lords führten 210 jetzt die Rebellion an; die Soͤhne der Lords Latimer und Fitzhugh, nahe Verwandte des Hauſes Nevile, gaben ihre Namen zu der Sache her und Sir John Coniers, ein erfahrener Krieger, deſſen Anſprüche Eduard unbeachtet gelaſſen, verlieh den Inſurgenten den Beiſtand einer großen Kriegserfahrung. Die Geſchichte von der Zau⸗ berei der Herzogin von Bedford war in jedem Munde, und das Wachsbild des Grafen that mehr, das Volk auf⸗ zuregen, als der Graf vielleicht in Perſon vermocht hätte. Und dech, ſo ſehr die Sprache der Inſurgenten auch perſönliche Achtung gegen den König ausdrückte, erklärten ſte in ihren Manifeſten, daß ſie nur die Verbannung der Woodvilles und die Zurückberufung Warwickz wünſchten, deſſen Namen ſie ohne Bedenken anwendeten und behaupteten, ſie ſeien auf dem Wege, mit ihm zuſam⸗ men zu treffen. Sobald es bekannt war, daß die Ver⸗ wandten des beliebten Grafen in den Aufruhr verwickelt waren, und man natürlich annahm, daß der Graf ſelber die Unternehmung begünſtigen würde, vergrößerte ſich das aufrühreriſche Lager jede Stunde, während ein Ritter nach dem andern, ein General nach dem andern die koͤ⸗ nigliche Fahne verließen. Lord Eyncourt, einer von den wenigen Lords von der höchſten Geburt und dem größten Gefolge, über den die Neviles keinen Einfluß übten und der keinen Groll gegen die Woodvilles hegte, war auf ſeinem Wege nach Lincolnſhire, wo ſeine perſönliche Hülfe nöthig war, um ſeine Vaſallen aufzuregen, die von dem allgemeinen Aufruhr angeſteckt waren, von einem Trupp Marodeurs angegriffen und verwundet worden, und ſo verlor Ehnards Lager einen ſeiner größten Anf den Räthen der Hexe Jae in das königl Fulke, St. ergriffen, an legen und ſie die Woodvill König den beriefe. Die erbötig, mit Fotheringay friedenheit, konnten, ver gezeichneter zurück und ſe Erzbiſchof u rend:„Wir ſein könnt, Vertrauen imer und aben ihre jers, ein abeachtet ud einer der Zau⸗ Munde, Volk auf⸗ cht hätte. tten auch erklärten bannung Warwicks wendeten m zuſam⸗ die Ver⸗ verwickelt raf ſelber ßerte ſich ein Ritter rn die koͤ⸗ r von den n größten übten und war auf verſönliche regen, die aren, von verwundet ien ſeiner 211 größten Anfährer. Ein heftiger Streit brach aus unter den Räthen des Königs, und als die teufliſchen Ränke der Hexe Jaequetta gegen den Grafen von dem feindlichen in das königliche Lager wanderte, da erklärten Raoul de Fulke, St. John und Andere, von frommem Entſetzen ergriffen, ausdrücklich, ſie wollten ihre Waffen nieder⸗ legen und ſich in ihre Schlöſſer zurückziehen, wenn nicht die Woodvilles aus dem Lager entlaſſen würden und der König den Grafen von Warwick nach England zurück⸗ beriefe. Die erſte Forderung war der König zu erfüllen erbötig, mit der zweiten zauderte er. Er marſchirte von Fotheringay nach Newark; aber die Zeichen der Unzu⸗ friedenheit, obgleich ſie ihn als Krieger nicht erſchrecken konnten, veränderten ſeine Pläne als Anführer von aus⸗ gezeichneter Scharfficht; er zog ſich gegen Nottingham hin zurück und ſchrieb eigenhändige Briefe an Clarence, den Erzbiſchof und Warwick. An den Letzten ſchrieb er rüh⸗ rend:„Wir glauben nicht, daß Ihr ſo gegen uns geſtimmt ſein könnt, wie das Gerücht hier geht, indem wir das Vertrauen und die Neigung bedenken, die wir zu Euch hegen— und Vetter, Ihr ſollt uns willkommen ſein.“ Aber ehe dieſe Briefe ihre Beſtimmung erreichten, ſchien die Krone beinahe verloren zu ſein. Bei Edgecoth wurde der Graf von Pembroke geſchlagen und ſelbſt getödtet und fünftauſend Royaliſten blieben auf dem Schlacht⸗ felde, Graf Rivers und ſein Sohn Sir John Woodollle, welcher Letztere aus Habſucht die alte Herzogin von Norfolk geheirathet hatte, und die ſich auf den könig⸗ lichen Befehl nach des Grafen Landſitz Grafton zu⸗ rückgezogen hatten, wurden gefangen genommen und 212 von den rachſüchtigen Inſurgenten enthauptet. Daſſelbe klägliche Schickſal traf den Lord Strafford, auf den ſich Eduard, als einen ſeiner mächtigſten Anführer verließ, und London hörte mit Schrecken, daß der König mit einer Handvoll Soldaten, die noch dazu lau und abge⸗ neigt waren, auf allen Seiten von feindlichen Tauſenden eingeſchloſſen war. Von Nottingham gelang es Eduard indeßz, ſich zu einem Dorfe, Namens Olney, zurückzuziehen, welches zu der Zeit mit einer Mauer und einem ſtarken Thor befeſtigt war. Hier verſolgten ihn die Rebellen, und als Eduard hörte, daß Sir Anton Woodville, welcher durch das Schickſal ſeines Vaters und Bruders jeden Beweg⸗ grund aufgehoben glaubte, ſich noch länger des Kam⸗ pfes zu enthalten, beſchäͤftigt ſei, in der Nachbarſchaft von Coventy eine Macht zuſammen zu bringen, wäh⸗ rend man täglich anderen Beiſtand von London erwarten könne, verßärkte er die Befeſtigung ſo gut als es die Zeit geſtattete und erwartete den Angriff der Inſurgenten. In dieſer Kriſis, und während in ganz England Schrecken und Aufregung herrſchte, ſah man eines Tags, gegen Ende des Julius, einen Trupp auf Olney zu⸗ reiten. Als Oiney dem Trupp zu Geſicht kam mit ſeinem Kirchthurm und ſeinem grauen ſteinernen Thorwege, da ſahen ſie auch auf den Weiden, die ſich weit umher er⸗ ſtreckten, einen wandelnden Wald von Piken und Feder⸗ hüſchen. „Heilige Mutter!“ ſagte einer von den vorderſten Reitern,„ein ſo guter und farker Ritter auch Eduard ſein mag, ſo möchte es doch ein ſchweres Werk ſein, ſich von dieſem W wir wären n Bogen in un „Erzbiſe Mann,„wi ſammenbring ein Volk ehr wege neben Armee wie d „Gott g Clarence; hat, ſo ärg Prinz, zu ſ einſchließen. „Bauerr ſpiel, Vette und Biſchof Angriff vor ſcheint ſelbe der Prälat „während Löwenherz zugreifen, Daſſelbe f den ſich r verließ, önig mit ind abge⸗ Lauſenden i, ſich zu , welches ken Thor , und als cher durch n Beweg⸗ des Kam⸗ hbarſchaft en, wäh⸗ erwarten z die Zeit genten. England nes Tags, Alney zu⸗ nit ſeinem rwege, da umher er⸗ nd Feder⸗ vorderſten h Eduard ſein, ſich 213 von dieſem Weiler durch jene Felber zu ſchlagen! Bruder, wir wären willkommener, hätten wir mehr Lanzen und Bogen in unſerem Rücken!“ „Erzbiſchof,“ antwortete der ſo angeredete ſtattliche Mann,„wir bringen mit uns, was allein Armeen zu⸗ ſammenbringt und wieder auflöst— einen Namen, den ein Volk ehrt! Sobald der weiße Bär auf jenem Thor⸗ wege neben des Königs Banner zu ſehen iſt, wird jene Armee wie Rauch vor dem Winde verſchwinden.“ „Gott gebe es, Warwick!“ ſagte der Herzog von Elarence;„denn obgleich Eduard uns ſchwer gekränkt hat, ſo ärgert es mich doch als Plantagenet und als Prinz, zu ſehen, wie Bauern und Knechte den König einſchließen.* „Bauern und Knechte gleichen den Bauern im Schach⸗ ſpiel, Vetter Georg,“ ſagte der Prälat,„und Ritter und Biſchof ſinden ſie ſehr nützlich, um ſie bei einem Angriff voranzuſchieben. Kein Ritter oder Biſchof er⸗ ſcheint ſelber und beginnt das Spiel. Warwick,“ fügte der Prälat leiſe hinzu, ſo daß es Clarenee nicht hörte, „während Du dieſe Rebellion beruhigſt, vergiß nicht, daß der König in Deiner Macht iſt!“ „Pfui, Georg! Ich denke jetzt nicht an den un⸗ freundlichen König; ich denke nur an den tapfern Kna⸗ ben, den ich auf meinen Knien ſchaukelte und dem ich bei Touton das Schwert umſchnallte. Wie muß es ſein Löwenherz verletzen, einen Feind zu ſehen, welchen an⸗ zugreifen, wie ſein Feldherrntalent ihm ſagt, Wahn⸗ finn ſein würde.“ „Ja, Richard Nevile!— Ja,“ ſagte der Prälat mit 214 ſpöttiſchem Lächeln,„ſpiele den Palabin und laß Dich betrügen— laß ten Prinzen los und verrathe das Volkl „Nein! ich kann Beiden treu ſein. Still, Bruder, Deine Liſt iſt eine Beleidigung für die einfache Weit⸗ heit der kühnen Redlichkeit. Ihr reitet langſamer, Ihr Herren— vorwärts— vorwärts— ſeht den Marſch der Rehellen! Vorwärts für Eduard und Warwick!« Und ihre Pferde anſpornend, erreichte die kleine Geſell⸗ ſchaft die Thore. Das laute Blaſen des Hornes der An⸗ kommenden wurde von dem freudigen Wächter mit hei⸗ teren Toͤnen beantwortet— während dunkel, langſam und feierlich über die Wieſen die mächtige Wolle her rebelliſchen Armee anrückte!“ „Wir ſind den Inſurgenten zuvorgekommen,“ ſagte der Graf, indem er von ſeinem ſchwarzen Roſſe ſprang. „Marmaduke Nevile, rückt mit unſerem Banner vor; Herolde, meldet den Herzog von Clarence, den Erz⸗ biſchof von York und den Grafen von Salisbury und Warwick an.“ Durch das ängſtliche Dorf, über die mit Kriegern beſetzte Mauern und Giebel der Häuſer bis zu der Halle eines alten Hauſes, welches damals in der Naͤhe der Kirche lag, wo der Koͤnig in voller Rüſtung ſtand und ſeinen trotzigen und mißvergnügten Offizieren Trotz hot, rollte der donnernde Ruf:„Warwick— Warwick! wir ſind Alle gerettet! Warwick!“ Als der König dieſen Ruf hörte, wendete er ſich haſtig zu dem überraſchten Kriegsrath.„Lords und Herren!“ ſagte er mit jener unausſprechlichen Majeſtät, die ihm in ſeinen glücklicheren Stunden zu Gebote ſtand, „Gott und einzigen M fünfzig von Königs Se ſchaft!⸗ „Und n „daß wir, Leben für u gerechten E wollen unſe eigenen Klo daß eine ha Macht erho und Eure C der Graf vr „Und ic nun Warw oder als F Thorweg den Reiher die Spielp ihrem Will ſein, ſo la Haſtings! d laß Dich das Volkl⸗ amer, Ihr den Marſch Warwick!⸗ ſeine Geſell⸗ ees der An⸗ ter mit hei⸗ I, langſam Wolke der nen,“ ſagte bſſe ſprang. anner vor; den Erz⸗ isbury und it Kriegern u der Halle Näͤhe der g ſtand und Trotz bot, rwick! wir dete er ſich Lords und Majeſtät, bote ſtand, 215 „Gott und unſer Schutzpatron haben uns endlich einen einzigen Mann geſchickt, der Muth genug hat, gegen fünfzig von jenem verworfenen Pöbel zu fechten an ſeines Königs Seite und zur Ehre der Loyalität und Ritter⸗ ſchaft!⸗ „Und wer ſagt, Sire,“ antwortete Raoul de Fulke, „daß wir, Eure Lords und Anführer, nicht Blut und Leben für unſern König und unſere Ritterſchaft in einer gerechten Sache aufs Spiel ſetzen würden! Aber wir wollen unſere Landsleute nicht ſchlachten, weil ſie unſere eigenen Klagen wiederholen und Eure Majeſtät bitten, daß eine habgierige und ehrſüchtige Familie, die Ihr zur Macht erhoben habt, nicht mehr Eure Edlen entweihe und Eure Gemeinen unterdrücke. Wir werden ſehen, ob der Graf von Warwick uns tadelt oder lobt!“ „Und ich antworte,“ ſagte Eduard ſtolz,„daß, mag nun Warwick Euch loben oder tadeln, mag er als Freund oder als Feind kommen, ich lieber allein durch jenen Thorweg reiten und mir das Grab eines Kriegers in den Reihen jener rebelliſchen Schaar ſuchen will, als die Spielpuppe meiner Unterthanen ſein und gezwungen ihrem Willen dienen. Frei bin ich— frei will ich ſtets ſein, ſo lange die Krone der Plantagenet mein iſt— die zu erheben, die ich liebe, und den Drohungen der⸗ jenigen zu trotzen, welche geſchworen haben, mir zu trotzen. Und wäre ich nur der Graf von March, anſtatt König von England, ſo hätte dieſe Halle im Blute der⸗ jenigen geſchwommen, welche die Freunde meiner Jugend — das Weib meines Herzens beleidigt haben. Hinweg, Haſtings!— Ich bedarf keines Vermittlers zwiſchen 216 mir und melnen Dienern. Weder hier noch anderswo im weiten England habe ich Meinesgleichen, und der König verzeiht oder behandelt mit Verachtung— nehmt es wie Ihr wollt, Mylords— was der einfache Edelmann rächen würde.“ Es dürfte vergebens ſein, die Senſation zu beſchrei⸗ ben, welche dieſe Rede hervorbrachte. Es liegt immer etwas in dem Muthe und in dem Willen, welches der Menge Ehrerbietung einfloͤßt, wenn ſie gleich ſelber tapfer iſt. Die unbeſtrittene Tapferkeit Ehuards— der glän⸗ zende Eindruck, den ſeine Perſon hervorbrachte, die alle Gegenwärtigen um Kopfeslänge überragte und ſich ohne Zwang unter dem ſchweren Panzer bewegte, den Wenige von den Gegenwärtigen hälten tragen können, ohne zu ſinken— dieſe Behauptung der unumſchränkten Gewalt in der Mitte eines Volksaufſtandes, während eine Armee vor den Thoren ſtand— noͤthigte der Ver⸗ ſammlung eine unwillige Ehrerbietung und ein dumpfes Schweigen ab, welches mit Zorn gemiſcht war, doch während ſie ſich ärgerten, mußten ſie bewundern. Die, welche im Frieden den üppigen Monarchen verachtet hatten, der in ſeinem Palaſte ſchwelgte und auf dem Schooße ſeiner Buhlerinnen ruhte, fühlten, daß im Kriege der Kriegsgott in ſeiner Perſon zu leben ſchien. Da war er in der That Köoͤnig, und wäre der Feind, der jetzt die Landſchaft verbunkelte, die edelſte Ritterſchaft Frankreichs geweſen, ſo hätte ſich kein Mann unter Allen gefunden, der nicht fuͤr ein Lächeln von jener ſtolzen Lippe geſtorben wäre. Doch die Barone ſtimmten mit dem 2 ſelben, ſo ſ villes wied gebrochen, Haſtings ir er den mäch — als ein und mit bla ſtenheit, gr in die Halle Eduard Warwick w Aufruhr, d Verwandten gung geſche Graf beſon Alles verlo kläre, gab ſtützte fich ſolche Entſ⸗ liere ſie faf beobachtete Verwandter die aufrühre Ihr ſeid wi etwas zu kl blick der G auch geſcheh der Ton der auf und ſch Bulwer, derswo im der Koͤnig mt es wie Edelmann beſchrei⸗ der glän⸗ achte, die ſtte und ſich pegte, den en können, ſchränkten „während e der Ver⸗ n dumpfes war, doch dern. Die, verachtet d auf dem n, daß im eben ſchien. Feind, der Ritterſchaft kann unter von jener ne ſtimmten 217 mit dem Aufruhr überein, und untertrückte man den⸗ ſelben, ſo ſchien es ihnen, als würden dadurch die Wood⸗ villes wieder erhoben. Das Schweigen war noch nicht gebrochen, außer wo das überredende Gefläſter des Lord Haſtings in matter Gegenvorſtellung gehört wurde, die er den mächtigeren und hartnäckigeren Anführern machte — als ein Fußtritt draußen ertönte und unbewaffnet und mit bloßem Haupte die einzige Geſtalt in der Chri⸗ ſtenheit, großartiger und ſtattlicher als die des Königs, in die Halle trat. Eduard, der nicht wußte, welche Handlungsweiſe Warwick wählen würde und halb zweifelhaft, ob ein Aufruhr, der ſeinen Namen erborgte und von feinen Verwandten angeführt wurde, nicht mit ſeiner Einwilli⸗ gung geſchehen ſei, von Denen umgeben, welchen der Graf beſonders theuer war, und wohl einſehend, daß Alles verloren ſei, wenn Warwick ſich gegen ihn er⸗ kläre, gab ſeine würdevolle Haltung noch nicht auf, ſtützte ſich auf ſein breites Schwert und faßte innerlich ſolche Entſchluͤſſe, wie wackere Ritter und tapfere Cava⸗ liere ſie faſſen, wenn ihn das Schlimmſte treffen ſollte, beobachtete die majeſtätiſchen Schritte ſeines großen Verwandten und ſagte, als der Graf ſich näherte und die aufrühreriſchen Anführer ſich tief verbengten:„Vetter, Ihr ſeid willkommen! denn ich weiß gewiß, wenn Ihr etwas zu klagen habt, ſo werdet Ihr nicht den Augen⸗ blick der Gefahr und des Mißgeſchicks wählen. Und was auch geſchehen iſt, um Euer Herz von mir zu enifremden, der Ton der rebelliſchen Trompete hebt alle Uneinigkeit auf und ſchließt Euch mir an.“ Bulwer, Barone. II. 218 „O Eduard, mein König, warum verkanntet Ihr mich ſo ſehr in der glücklichen Stunde,“ ſagte Warwick einfach, aber mit rührendem Ernſt,„da Ihr mich doch in der Stunde des Unglücks richtig beurtheilt!“ Während er ſprach, neigte er ſein Haupt, beugte ſein Knie und küßte die ihm hingereichte Hand. Eduards Geſicht klärte ſich auf, und indem er den Grafen aufhob, ſah er ſtolz die Barone an, die erſtaunt und ſtumm um ihn her ſtanden. „Ja, Mylords und Herren, ſeht, es iſt nicht der Graf von Warwick, der unſern königlichen Brüdern zunächſt ſteht, der nächſte Unterthan am Throne, der mich am Tage der Gefahr verlaſſen wird!“ „Auch wir nicht, Sire,“ entgegnete Raoul de Fulke; „Ihr beleidigt uns vor unſerm mächtigen Kameraden, wenn Ihr uns ſo verkennt. Wir wollen für den König fechten, aber nicht für die Verwandtſchaft der Königin, und dies allein zieht uns Euren Zorn zu.“ „Die Thore ſollen Euch geöffnet werden— geht! Warwick und ich ſind genug für den Pöbel dort.“ Des Grafen raſches Auge und tiefe Erfahrung in den Angelegenheiten jener Zeit erkannten ſogleich den Streit und ſeine Urſache. Auch war er nicht willens, ſo großmüthig er auch war, die gegenwärtige Gelegenheit aufzugeben, auf die Dauer einen Einfluß zu zerſtören, von dem er wußte, daß er ihm ſelber feindlich war und ſchädlich für das Reich. Er beſaß nicht die Großmuth eines Knaben, ſondern die eines Staatsmannes, und daher nahm er das Wort, ſobald Raoul de Fulke ſchwieg. „Mein Lehnsherr, wir haben noch eine Stunhe Zeit, und dem Pr legte liebkoſ faßte des C Zinnen zu. „Nun, Ländereien nicht ſchon nicht, daß dies nicht g Leben gege müſſen.“ ntet Ihr Warwick nich doch t, beugte n er den erſtaunt der Graf zunächſt mich am de Fulke, mmeraden, den König Königin, — geht! rt.“ ahrung in gleich den dillens, ſo elegenheit zerſtören, war und Broßmuth anes, und ke ſchwieg. unde Zeit, 219 ehe der Feind die Thore erreichen kann. Euer Bruder und der meinige begleiten mich. Seht, ſie treten ein! Wollt Ihr geneigen, Euch einige Minuten mit ihnen zu unterreden, und mir inzwiſchen geſtatten, mit dieſen edlen Anführern über unſere Lage zu reden?“ Eduard ſchwieg, aber vor der offenen Stirn des Grafen floh jeder Verdacht, der dem Könige hätte in den Sinn kommen können. „So ſei es, Vetter; aber bedenkt, den Rathgebern, die mir in einer ſolchen Stunde drohen können, mich zu verlaſſen, mache ich keine Zugeſtändniſſe.“ Hierauf wendete er ſich haſtig ab, und ging Clarence und dem Prälaten bis in die Mitte der Halle entgegen, legte liebkoſend ſeinen Arm auf ſeines Bruders Schulter, faßte des Erzbiſchofs Hand und ging mit ihnen auf die Zinnen zu. „Nun, meine Freunde,“ ſagte Warwick,„was wolltet Ihr von dem König?“ „Die Entlaſſung aller Woodvilles, mit Ausnahme der Königin— die Zurücknahme aller ihnen geſchenkten Ländereien zum Nachtheil des alten Adels und wäret Ihr nicht ſchon da, ſo würden wir Eure Zurückberufung ge⸗ fordert haben.“ „Und wenn dies fehlſchlug, was war Euer Beſchluß?“ „Abzuziehen und Eduard ſeinem Schickſal zu uͤber⸗ laſſen. Wenn dies zugeſtanden wird, ſo zweifeln wir nicht, daß die Inſurgenten ſich aufloͤſen werden. Wenn dies nicht gewährt wird, ſo verſchwenden wir nur unſer Leben gegen eine Menge, deren Sache wir hilligen müſſen.“¹ 220 „Die Sache! Aber Ihr kennt nicht die wahre Sache,“ antwortete Warwick.„Ich kenne ſie, denn die Söhne uns Nordens ſind mir bekannt, und ihr Aafſtand hat eine tiefere Bedentung als Ihr meint. Was! Haben ſie nicht ſelbſt unſere Verwandten, die Söhne von Latimers und Fitzhugh und den kühnen Coniers, deſſen Stahlhaube ein weiſeres Gehirn hätte bedecken ſollen, an ihre Spltze gelockt? Haben ſie nicht meinen Namen als Feldgeſchrei gebraucht? Und glaubt Ihr denn, daß dieſe Lüge nichts weiter bedecken ſoll, als die einfache Wahrheit einer ge⸗ rechten Klage?“ „So war alſo ihr Aufſtand gänzlich ohne⸗Eure Mit⸗ wirkung geſchehen?“ fragte St. John in offenbarem Erſtaunen. „So wahr mir der Himmel helfe! Wenn ich zu den Waffen greifen wollte, um ein Unrecht wieder gut zu machen, ſo glaubt nicht, daß ich ſelber vom Schlacht⸗ feld entfernt ſein würde. Nein, Mylords, Freunde und Anführer— die Zeit drängt; wenige Worte müſſen hinreichen, um das zu erklären, was Euch vielleicht noch dunkel iſt. Ich habe Briefe von Montagu und An⸗ deren, die an demſelben Tage mit dem des Königs an mich gelangten und welche die Abſichten unſerer verleiteten Landsleute aufklären Ihr wißt wohl, daß beſonders ſeit der Regierung Eduards des Dritten ſeltſame und wilde Anſichten von einer Art von Freiheit, anders als die, welche wir genießen, ſich über England verbreitet haben. Eine halb bewußte Erinnerung, daß die Edlen ein verſchiedenes Geſchlecht von ihnen ſind, nährt bei den Gemſäg einen geheimen Groll und Wiherwillen, die ſich bei j und gewiſſe ſtande Cade“ ſchlägt oder ten, welche oder Staats das wahre C „Redet; ſſt?“ fragte „Er iſt Gerücht ſich geſchlagen ur poch er iſt e zu dem Auff kriegeriſchen Robin von die Vernicht Rorenz aus zu berauben zahlung zu „Und w wollen!“ ri „Unter Menſchenm Armee zu ſe den, daß, zureißen od Hände gefa e Sache,“ Söhne des d hat eine n ſie nicht imers und Zhaube ein re Spitze eldgeſchrei üge nichts einer ge⸗ Eure Mit⸗ ffenbarem ich zu den der gut zu Schlacht⸗ eunde und te müͤſſen leicht noch und An⸗ Königs an verleiteten beſonders ſame und t, anders verbreitet die Edlen nährt bei derwillen, 221 die ſich bei jeder Gelegenheit zu einem Exeeß auf bittere und gewiſſenloſe Weiſe zeigen— ſo wie bei dem Auf⸗ ſtande Cade's und Anderer. Und wenn eine Ernte fehl⸗ ſchlägt oder eine Auflage drückt, ſo fehlt es nie an Leu⸗ ten, welche das Unglück des Volks zu Privatzwecken oder Staatsabſichten benützen. Ein ſolcher Mann iſt das wahre Oberhaupt dieſer Volksbewegung geweſen.“ „Redet Ihr von Robin von Redesdale, der jetzt todt ſſt?“ fragte einer von den Anführern. „Er iſt nicht todt. Montagu ſchreibt mir, daß das Gerücht ſich nicht beſtätigt. Er wurde von Yor! zurück⸗ geſchlagen und zog ſich einige Tage in die Waͤlder zurück; poch er iſt es, der die Söhne Latimers und Fitzhughs zu dem Aufſtande verlockt hat und ſeinen Oberbefehl der kriegeriſchen Liſt des Sir John Coniers übergab. Dieſer Robin von Redesdale iſt kein gewöhnlicher Mann; er hat eine gelehrte Erziehung gehabt— er hat die freien tädte Italtens bereist, und zu ſeinen Plänen gehört die Vernichtung des Adels in England, wie ſie einſt in Norenz ausgeführt wurde— uns aller Amter und Stellen zu berauben, nebſt anderen Veränderungen, deren Auf⸗ zaͤhlung zu lange Zeit koſten würde.“ „Und wir haben dieſem Manne zum Siege verhelfen wollen!“ rief de Fulke;„wir waten zu tadeln.“ „Unter einleuchtendem Vorwande hat er große Menſchenmaſſen zuſammengebracht und hat jetzt eine Armee zu ſeiner Verfügung. Ich weiß aus guten Grün⸗ den, daß, wäre es ihm gelungen, Euch von Eduard los⸗ zureißen oder wäre der König todt oder lebendig in ſeine Hände gefallen, ſo wäre ſein Zweck geweſeng Heinrich 222 von Windſor wieder einzuſetzen, doch unter Bedingungen, wo Koͤnig und Baron wenig mehr als Puppen geweſen wären. Ich kenne dieſen Mann ſeit Jahren. Ich habe ihn ſeithem beobachtet; und ſeltſam genug, er hat Vieles an ſich, was ich als Unterthan bewundere, und was ich fürchten wurde, wenn ich ein König wäre. Mein Rath iſt daher kurz folgender: Um unſerer ſelbſt und um der Wohlfahrt des Reiches willen, müſſen wir zu bewirken ſuchen, daß dieſe bewaffnete Menge aufgelöst wird— wenn dies geſchehen iſt, müſſen wir darauf ſehen, daß ihre gerechten Klagen berückfichtigt werden. Glaubt nicht, Mylords, daß ich allein das mir widerfahrene Unrecht räche, wenn ich mit Eurem Entſchluſſe über⸗ einſtimme, aus dem Staatsrath des Königs den verderb⸗ lichen Einfluß der Verwandtſchaft der Königin zu ver⸗ bannen. Ehe das geſchehen iſt, gibt es keinen Frieden in England. Gleich dem Ausſatz verbreitet ſich ihre Hah⸗ ſucht über die edleren Theile des Staats und verſchlingt, wen ſie verunreinigt. ü berlaßt dies mir; und ohgleich wir uns ſelber Recht verſchaffen wollen, laßt uns jetzt unſerm Könige beiſtehen!“ Einſtimmig ſprachen die unruhigen Offiziere ihren Beifall bei Allem aus, was der Graf vorſchlug, und zeigten ſich bereit, ſogleich einen Ausfall zu machen und die Rebellen anzugreifen. „Aber,“ ſagte ein alter Krieger,„was ſind wir gegen ſo Viele? Hier eine Hand voll— hort eine Armee!“ „Fürchtet nichts, würdiger Herr,“ antwortete War⸗ wick mit zuverſichtlichem Lächeln;„iſt nicht dieſe Armer zum großen Theil aus meiner eigenen Provinz Yorkſhire zuſammeng mein Brod Ich will de die Mauer Warwick Poſten— Die A ſchwache ligen Korz Verzweifl Beim Anb flatterte, zurückgeke wieder zur vorher der ſeine ſpä Kinder— Feſtungs ten Anfü ingungen, n geweſen Ich habe hat Vieles id was ich Nein Rath nd um der bewirken t wird— ehen, daß . Glauht derfahrene uſſe uber⸗ n verderb⸗ in zu ver⸗ Frieden in ihre Hah⸗ verſchlingt, nd obgleich uns jett ziere ihren chlug, und nachen und s ſind wit te Armee!“ rtete War⸗ hieſe Armee Yorkſbhire 223 zuſammengebracht? Beſteht ſie nicht aus Männern, die mein Brod gegeſſen und aus meinem Becher getrunken? Ich will den Mann ſehen, der einen einzigen Pfeil auf die Mauern abſchießt, warin ſich Richard Nevile von Warwick befindet. Nun, Jeder von Euch an ſeinen Poſten— ich bleibe beim Könige.“ Die Ankunft des Grafen von Warwick war für die ſchwache Garniſon, als ob neues Blut in einen hinfäl⸗ ligen Körper gegoſſen würde. Jedes Herz ging von der Verzweiflung zu der Gewißheit des Triumphes über. Beim Anblick ſeiner Fahne, die neben der des Koͤnigs flatterte, war der Conſtable wieder zu ſeiner Kanone zurückgekehrt— der Bogenſchütze hatte ſeinen Bogen wieder zur Hand genommen— das Dorf ſelber, welches vorher der Sache des Königs abgeneigt war, ſendete ſeine ſpärliche Bevölkerung— Weiber, Greiſe und Kinder— auf die Mauern. Und als der Graf auf den Feſtungswerken zum Könige kam, traf er dieſen geſchick⸗ ten Anführer erbeitert und hoffuungsvoll, wie er Cla⸗ rence auf die natürlichen Vertheidigungsmittel des Ortes aufmerkſam machte. Inzwiſchen machten die Rebellen, die ohne Zweifel von ihren Spionen von der neuen Unterſtützung gehört hatten, bereits Halt und man konnte den dunklen Schwarm ſich wellenförmig bewegen ſehen, wie Bienen, ehe ſte ſich auf dem Grün der Ebene niederlaſſen. „Nun, Vetter,“ ſagte der König,„habt Ihr dieſe Hitzköpfe zu ihrer Pflicht zurückgebracht?“ „Ja, Sire,“ ſagte Warwick ernſt,„aber wir haben hier keine Macht, um jener Armee zu widerſtehen.“ 224 „Bringt Ihr keinen Succurs?“ fragte der Koͤnig erſtaunt.„Ihr müßt durch London gekommen ſein. Habt Ihr unterwegs keine Truppen zurückgelaſſen?“ „Ich hatte keine Zeit dazu, Sire; und London iſt beinahe vor Schrecken gelahmt. Hätte ich gewartet, um Truppen zu ſammeln, ſo hätte ich leicht den Kopf eines Königs auf jenem Thore erblicken können.“ „Nun,“ entgegnete Eduard nachläſſig,„wenig oder viel, ein Cavalier iſt mehr werth als hundert Bauern. „„Wir find genng zum Ruhm,““ ſagte Heimrich zu Agincourt.“ „Nein, Sire; Ihr ſeid zu erfahren und zu weiſe, um an Eure eigene Prahlerei zu glauben. Wir können dieſe Männer nicht überwinden— wir müſſen ſie zerſtreuen.“ „Durch welchen Zauber?“ „Durch ihres Koͤnigs Wort, ihre Klagen zu berück⸗ ſichtigen.“ „Und meine Königin zu verbannen!“ „Verhüte der Himmel, daß der Menſch trennen ſollte, was Gott vereinigt hat,“ entgegnete Warwick. „Nicht Eure Königin, ſondern nur ihre Verwandt⸗ ſchaft.⸗ „Rivers und der tapfere John find todt,“ ſagte Eduard traurig—„iſt das Opfer nicht groß genug für die Rache?“ „Nicht Rache iſt es, was wir fordern, ſondern Ver⸗ ſprechen für die Sicherheit des Lanbes,“ antwortete Warwick.„Und um offen zu ſein, ohne ein ſolches Ver⸗ ſprechen können dieſe Mauern Euer Grab ſein.* Esuard ging allein auf und ah und kämpfte mächtig mit ſich ſell ſätze. Kein — kein M — kein Me oder feſtere Herz eingen bar für gel ſchützer ber entſchloſſen einem kurz Krone und dem Wider widerſetzlick heit unter „War! Grafen zu was meine ich in die Hände. J widerrufen in meinen ſprechen fi meine Ehr nicht fort eines Kön Druck Eu Unfreundli bieſer Han warm iſt, Königs zu Koͤnig n ſein. en?“ ndon iſt tet, um pf eines ig oder Zauern. rich zu iſe, um n dieſe reuen.“ berück⸗ rennen arwick. vandt⸗ ſagte ug für Ver⸗ vortete 3 Ver⸗ dächtig 225 mit ſich ſelber. In ſeinem Charakter waren große Gegen⸗ ſätze. Kein Menſch war im gewoͤhnlichen Leben offener — kein Menſch falſcher, wenn es ihm paſſend erſchien — kein Menſch beſaß mehr Flatterhaftigkeit in der Liebe oder feſtere Neigung für die, welche er einmal in ſein Herz eingeſchloſſen haite. Er war durchaus nicht dank⸗ har ſür geleiſtete Dienſte, doch war er ein warmer Be⸗ ſchützer verjenigen, welchen er Dienſte erwies. Er war entſchloſſen, die Woodvilles nicht aufzugeben und nach einem kurzen Selbſtgeſpräch beſchloß er gleichfalls, ſeine Krone und ſein Leben nicht aufzugeben, indem er bei dem Widerſtande gegen ihren Fall beharrte. Innerlich widerſetzlich, äußerlich nachgebend, verbarg er ſeine Falſch⸗ heit unter ſeiner gewohnten kriegeriſchen Anmuth. „Warwick,“ ſagte er, indem er an die Seite des Grafen zurückkehrte,„Ihr könnt mir zu nichts rathen, was meiner Würde nicht angemeſſen iſt, und daher lege ich in dieſer Verlegenheit meine Handlungen in Eure Hände. Ich will nicht gegen jene rebelliſchen Herren widerrufen, was ich berelts geſagt habe; doch was Ihr in meinem Namen ihnen oder den Inſurgenten zu ver⸗ ſprechen für recht halten werdet, das wird, denke ich, meine Ehre ſich nicht weigern, zu bewilligen. Aber geht nicht fort von hier, edelſter Freund, der je am Throne eines Königs ſtand— geht nicht fort von hier, bis der Druck Eurer Hand mich verſichert, daß alle frühere Unfreundlichkeit dahin und begraben iſt; ja, und bei dieſer Hand, und während ihr Druck in der meinen noch warm iſt, verfahrt nicht zu hart mit der Neigung Eures Königs zu der Verwandtſchaft ſeiner Gemahlin.“ 226 „Sire,“ ſagte Warwick, obgleich ſeine großmüthige Natur faſt in Schwäche überging und er nur mit An⸗ ſtrengung ſeinen Vorſatz durchführte—„Sire, wenn auch auf eine Welle entlaſſen, ſollen ſie doch nicht für ehrlos erklärt werden. Und wenn es bei gehöriger Über⸗ legung weiſe iſt, der Familie Woodville die ihnen ge⸗ währten Ländereien und Beſitzungen wieher abzunehmen, ſo nehmt von Eurem Warwick— der, reich in ſeines Königs Liebe, genug übrig hat— nehmt das Doppelte von dem, was die Woodvtlles herausgeben ſollen. O, ſeid offen gegen mich— ſeid wahr und ſtandhaft, Edugrd, und verfügt über meine Länder, wenn Ihr einen Günſt⸗ ling zufrieden ſtellen wollt.“* „Nicht um Euch arm zu machen, mein Warwick,“ antwortete Esuard lächelnd,„rief ich Euch zu Hülfe; übrigens kann ich wenigſtens über meine Einkünfte als Herzog von York verfügen. Geht jetzt in das feindliche Lager— geht als einziger Miniſter und Oberbefehls⸗ haber in dieſem Reiche— geht mit aller Macht und Ehre, die ein König gewähren kann, und wenn dieſe Diſtrikte beruhigt ſind, ſo reist in unſere waliſchen Provinzen als Oberrichter jener Herrſchaft. Pembroke's beklagenswerther Tod ſtellt dieſen hohen Poſten zu meiner Verfügung. Er kann Eure Größe nicht vermehren, aber er beweist England das Vertrauen Eures Monarchen.“ „Und während dieſes Vertrauen gegeben wird,“ ſagte Warwick mit Thränen in den Augen,„möge der Him⸗ mel meinen Arm in der Schlacht ſtärken und meinen Verſtand im Rath ſchärfen. Aber ich halte mich zu lange auf. Die Sonne neigt ſich nach Weſten; ſie darf nicht untergeher Richards Der wo ſeine „Trompe maduke, reiten in Die Dorfe H mende, a Coniers darin, d woͤhnen, beherrſch Robins: ſtreitende That de zollte. hätte er Neuerer bekannt art mac edler H einem F der Sol ſchätzte müthige mit An⸗ , wenn nicht für er über⸗ ſnen ge⸗ nehmen, in ſeines Doppelte len. O, Edugrd, 1 Günſt⸗ arwick,“ r Hülfe; infte als feindliche befehls⸗ icht und un dieſe valiſchen nbroke's u meiner en, aber archen.* d,“ ſagte er Him⸗ meinen zu lange arf nicht 227 untergehen, ſo lange eine feinbliche Armee den Sohn Richards von York bedroht.“ Der Graf ſchritt raſch fort und erreichte den Platz, wo ſeine Begleiter noch neben ihren Pferden ſtanden: „Trompeter voraus— Herolde vor uns her— Mar⸗ maduke, ſitzt auf! Die Übrigen brauche ich nicht. Wir reiten in das Lager der Rebellen.“* Drittes Kapitel. Das Lager der Rebellen. Die Rebellen hatten etwa eine Meile von dem Dorfe Halt gemacht. Es war eine ſtürmiſche und lär⸗ mende, aber nicht durchaus indiselplinirte Schaar; denn Coniers hatte als Anführer beſonders gute Erfahrung darin, die Leute zu der Maſchinerie des Krieges zu ge⸗ wöͤhnen, und wo ſeine Geſchicklichkeit nicht ausreichte, beherrſchte der ungeheure Einfluß und die Thätigkeit Robins von Redesdale die Leidenſchaften und vereinte die ſtreitenden Elemente. Dieſer Letztere verdiente in der That den Reſpekt, welchen Warwick ſeinem Namen zollte. Wäre die Zeit weiter vorgeſchritten geweſen, ſo hätte er ein mächtiger Demagog und ein erfolgreicher Neuerer ſein koͤnnen. Seine Geburt war nur Wenigen bekannt; ſeine Erziehung und ſeine gebieteriſche Gemuths⸗ art machten, daß man allgemein glaubte, er ſei von edler Herkunft; aber hätte er auch ſeine Abkunft von einem Könige hergeleitet, ſo wäre Robin Hilyard doch der Sohn des ſächſiſchen Volks geweſen. Warwick über⸗ ſchätzte vielleicht Hilyards Weisheit; denn ungeachtet 228 ſeiner in Italien geſammelten Erfahrung waren ſeine Ideen weit entfernt, ein klares und beſtimmtes Syſtem der Demokratie zu umfaſſen. Gleich den Anhängern der Jaequerie wünſchte er Alles gleich zu machen, häͤtte ſich aber wahrſcheinlich nicht von allen Veränderungen Rechenſchaft ablegen können, die er zu bewirken ſtrebte; aber mit ſeinem Haſſe gegen die Adeligen, mit ſeinem tiefen und leidenſchaftlichen Mitgefuͤhl für die Armen, hatten ſeine erhitzten und fanatiſchen Chimären von einer Republik, die halb politiſch, Palb religtös waren, mit nicht ungewöhnlicher Unbeſtändigkeit die Sache eines entthronten Königs vereint. Denn ſo wie ſich die Ver⸗ bändeten mit den Stuarts gegen die folgende und toleran⸗ tere Dynaftiie vereinten und nie ihre antimonarchiſchen Theorien aufgaben; ſo wie in unſrer Zeit die äußerſte Volkspartei ſich mit dem Extrem der griſtokratiſchen ver⸗ einte, um die Politik des Mediums als einen gemein⸗ ſchaftlichen Feind zu unterdrücken: ſo pereinte der kühne Neuerer mit ſeinem Eifer für Margaretha eben bie Sache, welche das Haus Lancaſter am wenigſten zu be⸗ günſtigen ſchien. Er erwartete von einem Monarchen, der einer volksmäßigen Reaktion ſeine Wiedereinſetzung verdankte, große Privilegien für bas Volk zu erlangen. Und da die Kirche die rothe Roſe mit der weißen ver⸗ tauſcht hatte, ſo ſuchte er viele von den Ketzern, die ſtets bereit waren, ihr Mißvergnügen zu zeigen, zu über⸗ reden, daß Margaretha, aus Nache gegen die Hierarchie, den Schutz, den ſie nie unter der früheren Herrſchaft ihres Gemahls und Heinrich des Fünften gefunden hat⸗ ten, auf ſie erſtrecken werze. Mit außerordentlicher Geſchicklic guen begal und vor a Künſten be entflamme in der The Aufruhrs ſcheinbarer militäriſch aufruhr zu dem Aufſte welche Vo Huͤlfe erla In de Anführer Da we viles, die heirathet, bindung n Verdienſte hitzigen G ſeine Anſp rühmte R eiſerne Ge nen. Da hugh in zi nen Mäͤnt Feuer geg untern G hedeckt, ſt n ſeine Syſtem ern der tte ſich ungen rebte; ſeinem lrmen, n von varen, eeines Ver⸗ leran⸗ diſchen aßerſte n ver⸗ mein⸗ kühne n die zu be⸗ rchen, etzung ngen. ver⸗ tets über⸗ rchie, ſchaft hat⸗ licher 909 22 Geſchicklichkeit und Verſchlagenheit in weltlichen Intri⸗ guen begabt— kräftig, gewandt, kühn, unermüdlich, und vor allen Hingen auf wunderbare Weiſe mit den Künſten begabt, welche die phyſiſche Kraft der Maſſen entflammen, aufregen und leiten, war Robert Hilyard in der That die Seele und bas Leben des gegenwärtigen Aufruhrs geweſen; und ſeine kluge Mäßigung, den ſcheinbaren Oberbefehl Denjenigen zu uͤberlaſſen, deren militäriſche Geſchicklichkeit und hohe Geburt einen Volks⸗ aufruhr zu der Würde einer Rebellion erhoben, hatte dem Aufſtande jene Feſtigkeit und Methode verliehen, welche Volksbewegungen niemals ohne ariſßtokratiſche Hülfe erlangen. In dem vorzüglichſten Zelte des Lagers waren die Anführer der Inſurrektion verſammelt. Da war Sir Jahn Coniers, der eine von den Ne⸗ viles, die Tochter des Lord Admirals Fauconberg, ge⸗ heirathet, aber wenig Vortheil aus der entfernten Ver⸗ bindung mit Warwick gezogen hatte; denn bei all ſeinem Verdienſte war er ein habgieriger Mann und hatte den hitzigen Grafen dadurch geärgert, daß er zu gebieteriſch ſeine Anſprüche geltend zu machen ſuchte. Dieſer be⸗ rühmte Ritter war ein großer hagerer Mann, deſſen eiſerne Geſtalt ſechszig Winter nicht hatten beugen köͤn⸗ nen. Da waren die jungen Erben von Latimer und Fitz⸗ hugh in zierlichen, vergoldeten Rüſtungen und ſcharlach⸗ nen Maͤnteln, und da in einfachem Küraß, dreimal im Feuer geglüht und von ungeheurem Gewicht, aber ſeine untern Glieder nur mit dicken, ledernen Beinkleidern hedeckt, ſtanh Robin von Redesdale. Noch audere An⸗ 2³⁰ führer waren da, welche verſchiebene Beweggründe zu dem allgemeinen Bündniſſe verleitet hatten. Da ſah man den ſtrengen, geheimen Ketzer, der beide Roſen haßte und keinen andern Anführer als Hilyard aner⸗ kannte, von dem er wußte, daß er der Sohn eines Ketzers war; da ſah man den ruinirten Verſchwender, der ſich mit dem Glück entzweit hatte und den Bürgerkrieg als ein Würfelſpiel betrachtete; da ſah man den rüſtigen Angelſachſen, der von dem kleinen Barone ſeiner Pro⸗ vinz gebrückt worden und der mehr hoffte, einen Nachbar zu demüthigen, als einen Koͤnig zu entthronen, von dem er wenig wußte und um den er ſich noch weniger küm⸗ merte; und dort ſah man auch, vorzüglich ausgezeichnet vor den Übrigen durch einen grauen Bart, aufwärts ge⸗ drehten Schnurrbart, aufrechte Haltung und ernſtes, Jaber nicht gedankenvolles Ausſehen, die Männer einer früheren Periode— Soldaten, die gegen die Jungfrau von Orleans gefochten hatten— jetzt ohne Anſtellung, Rang oder Hoffnung, in Friedenszeiten halb Räuber von Profeſſion und zu jeder Fahne willig, welche Hand⸗ lung, Sold oder Beute verſprach. Der Kriegsrath war in lebhafter Verhandlung be⸗ griffen. „Wenn dies wahr iſt,“ ſagte Coniers, der am obern Ende des Tiſches ſtand, ſeinen Helm, ſeine Streitaxt, ſeinen Commandoſtab und eine rohe Karte von den Mauern von Olney vor ſich—„wenn dies wahr iſt— wenn unſere Spione ſich nicht getäuſcht haben— wenn der Graf von Warwick im Dorfe iſt und ſein Banner nehen dem des Königs Ehuard flattert— ſo ſage ich offen und daß ich get „Und der Erbe v „Von mäuligen 2 ſichertet m er hillige d men— er gegen die I zuſammeng ſtellen; und Ihr dieſe g „»Und r John Coni Robin in re dem liederli Ihr waret Sichel, Si in Eurem? Verwandte Ihr der Ar und Tod, dies fur En „Und, lyards Kül zu glauben wick, unſer Mann“(a er mit eig ünde zu Da ſah e Roſen id aner⸗ Ketzers der ſich rieg als rüſtigen ter Pro⸗ Nachbar von dem ger küm⸗ ezeichnet ärts ge⸗ ernſtes, ier einer hungfrau ſtellung, Räuber e Hand⸗ lung be⸗ m obern treitart, von den Or iſt— — wenn Banner ſage ich 231 offen und gerade heraus, wie Soldaten ſprechen ſollten, daß ich getäuſcht und hintergangen worden bin!* „Und von wem, Herr Ritter und Vetter?“ ſagte der Erbe von Fitzhugh, roth werdend. „Von Euch, junger Vetter, und von dieſem heiß⸗ mäuligen Wagehals, Robin von Rebesdale! Ihr ver⸗ ſichertet mir Beide, der Graf billige den Aufſtand— er billige die Aushebung jener Truppen in ſeinem Na⸗ men— er wiſſe wohl, daß die Zeit kommen werde, ſich gegen die Woodwilles zu erklären, und ſobald eine Armee zuſammengebracht ſei, werde er ſich an unſere Spitze ſtellen; und ich ſage, wenn dies nicht wahr iſt, ſo habt Ihr dieſe granen Haare in Schande gebracht!“ „Und welche Ehre hatten Eure grauen Haare, Sir John Coniers, bis die Stahlhaube ſie bedeckte?“ rief Robin in rauhem Tone.„Welche Ehre, ſage ich, unter dem liederlichen Ehnard und ſeinen luſtigen Zechgenoſſen? Ihr waret auf die Seite geworfen, wie eine zerbrochene Sichel, Sir John Coniers! Man hat Euch verlaſſen in Eurem Roſt! Warwick ſelber, Eures Weibes großer Verwandter, konnte nichts für Euch thun! Jetzt ſeld Ihr der Anführer von Tauſenden, Gebieter über Leben und Tod, Herr Eduards und des Thrones! Wir haben dies für Euch gethan und Ihr macht uns Vorwürfe!“ „Und,“ begann der Erbe von Fitzhugh, durch Hi⸗ lyards Kühnheit ermuthigt,„wir hatten allen Grund, zu glauben, daß mein edler Oheim, der Graf von War⸗ wick, unſere Unternehmung billige. Als dieſer tapfere Mann“(auf Robin deutend)„mich benachrichtigte, wie er mit eigenen Augen das Wachsbild meines großen 232 Verwandten(bie hölliſche Unthat der Hexenmutter der Königin) geſehen, da begab ich mich zu Lord Montagu, und obgleich jener kiuge Hofmann ſich nicht offen erilä⸗ ren wollte, ſo gab er doch zu erkennen, daß ein Krieg mit den Woodvilles ihm nicht unwillkommen ſei.“ „Doch eben dieſer Montagu,“ ſagte einer von den Anführern,„machte, als Hilyard dicht vor den Thoren von York war, einen Ausfall und ſchlug ihn ohne Gnade!“ „Ja, aber er ſchonte meines Lebens und ließ anſtatt meiner, die Leiche des armen Hugo Withers enthaupten; denn John Neyile iſt liſtig und verſteht die Kaſtanien aus dem Feuer zu langen, ohne ſich die Pfoten zu verbrennen. Seine Stunde, ſich uns anzuſchließen, war noch nicht gekommen, und ſo ſchlug er uns ganz höflich und mit aller Vorſicht. Aber was hat er ſeitdem gethan? Er hält ſich fern, während unſere Armee ſich vergrößert— während der Stier der Neviles und der rauhe Stah des Grafen die Fahnen unſers Krieges find— und während Eduard in jenen Mauern von Olney ſein wüthendes Herz verzehrt. Woher wißt Ihr denn, daß Warwick, ſelbſt wenn er jetzt in Perſon beim Könige iſt, im Herzen gegen uns iſt? Er kann ja in Olney eingetreten ſein, um den Tyrannen gefongen zu nehmen.“ „Wenn das iſt,“ ſagte Coniers,„ſo iſt Alles, wie es ſein ſollte; aber wenn der Graf Warwick, der, ob⸗ gleich er mich übel behandelt hat, ein wackerer Kerl iſt, den man fürchten muß, wenn man ihn nicht liebt, ſich mit dem Könige vereinen ſollte, ſo zerbreche ich dieſen Stab und Ihr müßt Euch einen andern Anführer ſuchen.“ „Und ein Anführer wird ſich ſinden!“ rief Robin. „Sind wit uns verläͤf Warwick 1 keine Trup ſollten wir ſerer Land „Eut! den Augen —„nicht Bullſtock b „Nein wir das. haben—: Rücken die fürchtigen peitſchten.“ „Nicht Armen ihr bis wir der Schaffot ge „Dies tes, der Ar aber ein ge meine wach Bei die meines Ziſ „Denn —„ſo lan der reiche C Bulwer, utter der Nontagu, fen erilä⸗ in Krieg ei.“ von hen Thoren Gnade!“ ß anſtatt haupten; nnien aus brennen. och nicht und mit an? Er ößert— Stab des während ides Herz ck, ſelbſt Herzen eten ſein, lles, wie der, ob⸗ Kerl iſt, iebt, ſich ich dieſen ſuchen.“* f Robin. 23³3 „Sind wir denn ſo arm an Muth, daß, wenn ein Mann uns verläßt, wir kopflos und verloren find? Wenn Warwick uns und ſich ſelber verräth, ſo bringt er doch keine Truppen mit. Bei Gottes Segen! nimmermehr ſollten wir uns trennen, bis wir der Unterdrückung un⸗ ſerer Landsleute abgeholfen haben!* „Gut!“ ſagte der augelſächfiſche Gutsbeſitzer, mit den Augen blinzelnd und einen weiſen Blick annehmend —„nicht eher als bis wir das Schloß des Barons von Bullſtock bis auf den Grund niedergebrannt haben.“ „Nein,“ ſagte ein Ketzer ſtrenge,„nicht eher als bis wir das Purpurgewand der Geiſtlichen kürzer gemacht haben— nicht eher als bis Abt und Biſchof auf ihren Rücken die Peitſche gefühlt haben, womit ſie den gottes⸗ fürchtigen Gläubigen und den demüthigen Heiligen peitſchten.“* „Nicht eher,“ fügte Robin hinzu,„als bis wir den Armen ihr Brod geſichert und ihren Fleiſchtopf gefüllt, bis wir dem Schwachen Recht unh dem Ubelthäter das Schaffot gegeben haben.“ „Dies iſt Alles ſehr gut,“ ſagte Sir Geoffrey Ga⸗ tes, der Anführer der Söldlinge, ein geſchickter Solhat, aber ein geſetzloſer Räuber—„doch wer wird mich und meine wackern Kameraden bezahlen?⸗ Bei dieſer impertinenten Frage entſtand ein allge⸗ meines Ziſchen des Mißfallens und Abſcheues. „Denn ſeht, meine Herren,“ fuhr Sir Geoffrey fort —„ſo lange ich und meine Kameraden glaubten, daß der reiche Graf, dem halb England gehört, an der Spitze Bulwer, Barone. II. 16 234 der Sache ſtehe, waren wir zufrieben, eine Weile zu warten; aber es iſt noch kein Pfennig in meine Taſche gekommen, und was iſt in einem Pachthauſe oder auf einem Bauerngut zu plündern? Wäre es eine Kirche oder ein Schloß, ſo wäre es etwas Anderes.“ „Es iſt viel Silberzeug und ein Sack mit Gold⸗ ſtücken auf dem Schloſſe des Barons von Bullſtock,“ ſagte der angelſächſiſche Gutsbeſitzer, der ſeine Rache nicht vergaß. „Ihr ſeht, meine Freunde,“ ſagte Coniers lächelnd und die Achſeln zuckend,„daß man ein Köoͤnigreich nicht mit Stricken von Sand umgürten kann. Geſetzt, wir ſiegen und machen Gefangene— ja, wir todten König Eduard— was dann?“ „Der Herzog von Clarence,“ ſagte der Erbe von Latimer,„iſt Lord Warwicks Schwiegerſohn und daher mit Euch verwandt, Sir John.“ „Das iſt wahr!“ ſagte Coniers nachdenkend. „Kein übler Einfall, Herr,“ ſagte Sir Geoffrey Gates—„und mein Rath iſt, Clarenee zum König und Warwick zum Lord Protektor zu erklären. Dann haben wir einige Hoffnung, zu unſerem Gelde zu kommen.“ „Überdies,“ ſagte der Erbe von Fitzhugh,„wenn unſere Abſicht einmal erklärt iſt, ſo wird es ſchwer ſein für Warwick oder Clarenee, gegen uns zu handeln— noch ſchwerer für das Land, nicht zu glauben, daß ſie auf unſerer Seite ſind. Kühne Maßregeln ſind unſere beſten Rathgeber.“ „Hm!“ ſagte der Ketzer,„Lord Warwick iſt ein guter Mann und hat nie die Tyrannei der Kirche begün⸗ ſtigt, obg Georg vor „Was mit Schre⸗ zu gelegen anzuwende des Hauſes wolle—, Laſter ohne ſah, daß d führte ihn „Nein 14 Bruſt zuſa⸗ Verſamml ſchaute— entſcheiden an. Nicht rechtmäßig Ebuard bef zu einem T unſer wahr wird. Hör Eine Arme hält, hat Wenn wir; dorthin ma Margarethe zuſchiffen. angreifen u Coniers, Veile zu e Taſche oder auf Kirche it Gold⸗ lſtock,“ e Rache lächelnd eich nicht etzt, wir en König Erbe von inh daher d. Geoffrey m Köͤnig n. Dann ommen.“ d,„wenn hwer ſein indeln— , daß ſie nd unſere ick iſt ein he begun⸗ ſtigt, obgleich ſein Bruder ein Biſchof iſt. Aber was Georg von Clarenee betrifft— 4 „Was Clarence betrifft,“ ſagte Hllyard, welcher mit Schrecken und Unruhe ſah, daß die Rebellion, die er zu gelegener Stunde zum Dienſte des Hauſes Lancaſter anzuwenden beabſichtigte, jetzt nur die verhaßte Dynaſtie des Hauſes York von einer Schulter auf die andere laden wolle—„was Clarence betrifft, der hat nur Ebuards Laſter ohne ſeine Maͤnnlichkeit.“ Er ſchwieg, und da er ſah, daß die Stunde gekommen ſei, ſich zu erklären, ſo führte ihn ſein kühnes Temperament ſogleich zum Ziel. „Nein!“ fuhr er fort, indem er ſeine Arme über die Braſt zuſammenſchlug, ſeinen Kopf erhob und die ganze Verſammlung mit ſeinem ſcharfen und feſten Blicke über⸗ ſchaute—„nein! Lords und Herren— da ich in dieſem entſcheidenden Augenblick reden muß, ſo hört mich ruhig an. Nichts iſt in England geglückt, ſeit wir unſern rechtmäßigen König verlaſſen haben. Wenn wir uns von Cduard befreien, ſo laßt uns nicht von einem Wollüſtling zu einem Trunkenbold übergehen. Im Tower ſchmachtet unſer wahrer Fürſt, der bereits als Heiliger verehrt wird. Hört mich an, ſage ich— höoͤrt mich zu Ende! Eine Armee an der Greuze, welche Gloueeſter im Zaum hält, hat ſich fur Heinrich und Margaretha erklärt. Wenn wir Olney eingenommen haben, ſo laßt uns gleich dorthin marſchiren und unſere Streitkräfte vereinigen. Margaretha iſt ſchon vorbereitet, ſich nach England ein⸗ zuſchiffen. Ich habe Freunde in London, die den Tower angreifen und Heinrich befreien werden. Euch, Sir John Coniers, verſpreche ich im Namen der Königin eine 236 Grafſchaft und den Hoſenbandorden. Euch, den Erben von Latimer und Fitzhugh, die hohen Poſten, die Eurer Geburt ziemen; Euch Allen, Ritter und Anführer, ge⸗ rechten Antheil an den confiseirten Beſitzungen der Wood⸗ villes und der Anhänger von York. Euch, meine Brüder,“ indem er die Ketzer anredete und in ſanfterem Tone ſprach —„Schutz vor Euren Feinden und milde Geſetze, und Euch, Solbaten, den Sold, welchen die Schatzkammer eines Königs allein gewähren kann. Daher ſage ich, nieder mit allen Fahnen der Unterthanen! Auf mit der rothen Roſe und der Antilope, und lange lebe Heinrich der Sechste!“ Dieſe Anrede, ſo geſchickt ſie auch die verſchiedenen Leidenſchaften der Verſammelten berückſichtigte, ſo ſehr ſte auch von der Stimme, dem Geiſte und der Energie des Redners unterßützt wurde, überraſchte doch die Ge⸗ genwärtigen zu ſehr, um ſogleich ihre Wirkung hervor⸗ zubringen. Die Ketzer erinnerten ſich der Scheiterhaufen ihrer Märtyrer, die das Haus Laneaſter angezündet, und oh⸗ gleich ſie Hilyard blind vertrauten, ſo waren ſie doch nicht vorbereitet, ſeinem Rufe zu folgen. Der junge Erbe von Fitzhugh, der in der That nur die Waffen ergriffen hatte, um das vermeintliche Unrecht zu rächen, welches an Warwick geſchah, den er verehrte, ſah ſeinen Zweck durch die Erhebung der Königin Margaretha, der Fein⸗ din Warwicks, nicht erfüllt. Die Söldlinge erinnerten ſich aus früheren Zeiten des kläglichen Zuſtandes von Heinrichs Schatzkammer. Der angelſächſiſche Gutsbe⸗ ſitzer murmelte bei ſich ſelber:„Was, zum Teufell ſoll aus dem Henry Ne ſeines Ha angeſchlof Hilyard n übertreibt kämpft, Anhänger John Con unternehm botenen B ſam im H Vorſicht d „Eine der Stärk marſchirt; in jenen fand, hör waren kei ausgeſpro große Me mit dem und zum herzlicher Bruſt zu Himmel e Anführer auf dem en Erben ie Eurer hrer, ge⸗ er Wood⸗ Brüder,“ ne ſprach etze, und tzkammer ſage ich, f mit der Heinrich ſchiedenen , ſo ſehr e Energie h die Ge⸗ g hervor⸗ ufen ihrer , und oh⸗ ſie doch unge Erbe ergriffen ,, welches nen Zweck der Fein⸗ erinnerten andes von 2 Gutsbe⸗ eeufel! ſoll 237 aus dem Schloſſe Bullſtock werden?“— Aber Sir Henry Nevile, Lord Latimers Sohn, der jenem Zweige ſeines Hauſes angehörte, der ſich der Sache Lancaſters angeſchloſſen, und der im geheimen Einverſtändniß mit Hilyard war, wiederholte den Ruf und ſagte:„Hilyard übertreibt nicht ſeine Macht, und wer für die rothe Roſe kämpft, ſoll ſeine Befitzung unter den Gütern jedes Anhängers von York, den er tödtet, auswählen!“ Sir John Coniers zauderte; arm, lange vernachläſſigt, ſtets unternehmend und ehrgeizig, wurde er von der ange⸗ botenen Beſtechung geblendet— aber das Alter iſt lang⸗ ſam im Handeln und er ſprach ſich mit der gemeſſenen Vorſicht der grauen Haare aus. „Eines Königs Name,“ ſagte er,„iſt ein Thurm der Stärke, beſonders wenn man gegen einen König marſchirt; aber dies iſt eine Sache, die der allgemeinen Zuſtimmung und des ernſten Nachdenkens bedarf.“ Ehe noch ein Anderer— denn die Gedanken wurden in jenen Tagen nicht ſo ſchnell zu Worten— eine Zunge fand, hörte man draußen einen mächtigen Aufruhr. Es waren keine deutlichen Worte; es wurde kein Name ausgeſprochen— es war ein ſolcher Zuruf, wie eine große Menge ihn allein erheben konnte— ein Ausruf, mit dem ein kriegeriſcher Anführer gern zur Schlacht und zum Angriff geeilt wäre, ſo voll inniger Glut und herzlicher Begeiſterung ſchien er zu ſein, wie er von Bruſt zu Bruſt, von Reihe zu Reihe, von der Erde zum Himmel ertönte. Wie verabredet, eilten die beſtürzten Anführer zum Ausgange des Zeltes, und dort ſahen ſie auf dem weiten, von Zelten eingeſchloſſenen Raume— 238 denn die große Maſſe der abgehärteten Rebellen ſchlief unter freiem Himmel, und die Zelte waren nur für die Anführer— ſie ſahen, ſage ich, auf jenem weiten Raume eine kniende Menge und in der Mitte, auf ſei⸗ nem guten Roſſe Salabin ſich gnädig verbengend, das kriegeriſche Geſicht und die erhabene Geſtalt des Grafen von Warwick. Diejenigen von den Anführern, welche ihn nicht perſönlich kannten, erkannten ihn nach der Be⸗ ſchreibung— an dem ſchwarzen Schlachtroſſe, deſſen ſagenhafter Ruhm von jedem Minſtrel war beſungen worden, an dem Aufſehen, welches ſein Erſcheinen erregt hatte, und an den Wappenſchildern ſeiner Herolde, die ſich hinter ihm aufgeßzellt hatten, und deren prächtige Wappenröcke von ſeinem Wappen in Azurblau, Gold und Silber ſchimmerten. Die Sonne ging eben unter, warf ihre Strahlen auf das unbedeckte Haupt des mäch⸗ tigen Edlen und bildete eine nebelartige Atmoſphäre um daſſelbe, gleich einem Nimbus. Die Verehrung der Menge dieſer einzelnen, unbewoffneten Geſtalt, war ein Sterbe⸗ geläute für Hilyards Hoffaungen und erfüllte alle ſeine Kameraden mit Schrecken! Die Gegenwart jenes einen Mannes ſchien ihnen wie durch Zauber eine ungeheure Armee zu entreißen; Macht und Rang und Commando war plötzlich auf ihn übergegangen! Die Anführer waren ohne Truppen— der Beweger der menſchlichen Herzen war unter ihnen, und von ſeinem Roſſe herab begann er ſeine Herrſchaft wie von einem Throne! „Bei meinem Leben!“ ſagte Coniers, ſich zu ſeinen Kameraden wendend, wir haben jetzt freilich den Grafen unter uns Aber wenn er nicht kommt, uns nach Olney zu führen, hätte mich „Die; der Erbe vr „Nicht führer dieſt die Belage „Richt entſtehen ſ Die A teten in er währte die Hintergrur aus dem L. dienen, kar rath gelaſſ Die A bengten ſic „Will wandter!“ weiſe eniſe Commandt übernehme Commande „Ich tete Warw „und da J ſo ſchreite kommt es, in meiner ſchlief fur die weiten auf ſei⸗ 1d, das Grafen welche der Be⸗ deſſen eſungen nerregt de, die rächtige „Gold t unter, 3 mäch⸗ häre um Menge Sterbe⸗ Ile ſeine einen igeheure nmando r waren Herzen begann u ſeinen Grafen „ Olney 239 zu führen, ſo wollte ich ebenſo lieb, des Königs Profos hätte mich an der Schulter!“ „Die Menge trennt ſich— er reitet hieher!“ ſagte der Erbe von Fitzhugh.„Sollen wir ihm entgegen gehen?“ „Nicht ſo!“ rief Hilyard,„wir find noch die An⸗ führer dieſer Armee; er ſoll uns in der Berathung über die Belagerung von Olney finden!“ „Richtig,“ ſagte Coniers,„und wenn ein Streit entſtehen ſollte, ſo laßt den Pöbel ihn nicht hören.“ Die Anführer traten wieder in das Zelt und erwar⸗ teten in ernſtem Schweigen des Grafen Ankunft; auch währte dies nicht lange. Warwick verließ die Menge im Hintergrunde und nahm nur einen von den Subalternen aus dem Lager der Rebellen mit, um ihm als Führer zu dienen, kam vor dem Zelte an und wurde zu dem Kriegs⸗ rath gelaſſen. Die Anführer, Hilyard allein ausgenommen, ver⸗ beugten ſich mit großer Ehrerbietung, als der Grafeintrat. „Willkommen, mächtiger Herr und ruhmreicher Ver⸗ wandter!“ ſagte Coniers, der ſich zu ſeiner Handlungs⸗ weiſe entſchloſſen hatte—„Ihr kommt endlich, um das Commando der in Eurem Namen erhobenen Truppen zu übernehmen, und Euren Händen übergebe ich dieſen Commandoſtab.“ „Ich nehme ihn an, Sir John Coniers,“ antwor⸗ tete Warwick, indem er ſogleich den Ehrenplatz einnahm, „und da Ihr mich ſo zu Eurem Commandeur beſtimmt, ſo ſchreite ich ſogleich zu meinen ernſten Pflichten. Wie kommt es, Ritter und Herren, daß Ihr gewagt habt, in meiner Abweſenheit meinen Namen zum Vorwande 240 der Rebellion zu gebrauchen? Rede Du, meiner Schwe⸗ ſter Sohn!“ „Oheim und Lord,“ ſagte der Erbe von Fitzhugh, roth, aber nicht verlegen werdend,„wir konnten nicht anders glauben, als daß Ihr die begünſtigen würdet, die ſich erhoben haben, das Euch widerfahrene Unrecht zu beſtrafen und Euer Leben zu vertheidigen.“ Und dann erzählte er kurz die Geſchichte von dem Wachsbilde der Herzogin von Bedford und berief ſich auf Hilyard, als auf einen Augenzengen. „Und inzwiſchen,“ begann Sir Henry Nevile,„wurdet Ihr dem Anſcheine nach vom Hofe des Königs verbannt; die Uneinigkeiten zwiſchen Euch und Eduard waren zum Geſpräch des Landes— des Königs Laſter zur Schande des Landes geworden.“ „Auch handelten wir nicht, ohne unſere Abſichten meinem Oheim und Eurem Bruder, dem Lord Montagu, mitzutheilen,“ fügte der Erbe von Fitzhugh hinzu. „Inzwiſchen,“ ſagte Robin von Redesdale,„wurden die Gemeinen gedrückt, das Voll unzufrieden gemacht; die Woodvilles plünderten uns und der König verſchwen⸗ dete unſer Eigenthum an Buhlerinnen und Günſtlinge. Wir haben Grund genng zu unſerem Aufſtande gehabt!“ Der Graf hoͤrte jeden Redner mit finſterem Schwei⸗ gen an. „Und deßwegen,“ ſagte er endlich,„habt Ihr ohne meine Erlaubniß oder Zuſtimmung bewaffnete Männer in meinem Namen ausgehoben und würdet Richard Ne⸗ vile vor ganz Europa als einen Verräther haben er⸗ ſcheinen laſſen, ohne den Math zu haben, ein Rebell zu ſein! C ſetzen verfa „Wenr Euch Euer des Lord F unſer Leber Edelmann den Tiſch. „Aber, leit ſeines von Engla⸗ ment ſeine haber und welche Ber Männer vi haben, daß mals in 2 Irrthum zu indem Ihr bei Seite ſ Es txo Herren wi Ketzer wol führen, un ungebildet, ſich die und geltend, un mieden ha⸗ Beſtimmth Beredſamk Schwe⸗ ithugh, en nicht det, die recht zu nd dann ilde der ard, als wurdet rbannt; ren zum Schande lbſichten kontagu, u. „wurden gemacht; rſchwen⸗ nſtlinge. gehabt!“ Schwei⸗ Ihr ohne Männer dard Ne⸗ aben er⸗ n Rehell 241 zu ſein! Euer Leben iſt in meiner Gewalt und den Ge⸗ ſetzen verfallen.“ „Wenn wir uns wegen unſeres zu großen Eifers für Euch Euer Mißfallen zugezogen haben,“ ſagte der Sohn des Lord Fitzhugh mit rührendem Ausdruck,„ſo nehmt unſer Leben, denn es iſt wenig werth.“ Und der junge Edelmann ſchnallte ſein Schwert ab und legte es auf den Tiſch. „Aber,“ fuhr Warwick fort, ohne die Unterwürſig⸗ keit ſeines Neffen zu beachten,„ich, der ich das Volk von England ſtets geliebt und vor König und Parla⸗ ment ſeine Sache vertreten habe— ich als Oberbefehls⸗ haber und erſter Beamter in dieſem Reiche, erkläre hier, welche Beweggründe des Ehrgeizes oder Vortheils auch Männer von Auszeichnung und Geburt mögen verleitet haben, daß ich glaube, die Gemeinen erheben ſich nie⸗ mals in Waffen, ohne eine Entſchuldigung für ihren Irrthum zu haben. So redet denn, Ihr Anführer, und indem Ihr Alles, was mich als einen Einzelnen betrifft, bei Seite ſetzt, berichtet die Klagen der Menge.“ Es trat ein Schweigen ein, denn die Ritter und Herren wußten wenig von den Klagen des Volks; die Ketzer wollten ihren unterdrückten Glauden nicht an⸗ führen, und die Gutsbeſitzer und Freiſaſſen waren zu ungebildet, um ihre Klagen vorzutragen. Jetzt aber machte ſich die ungeheure Überlegenheit des Maunes des Volks geltend, und Hilyard, deſſen Auge der Graf bisher ver⸗ mieden hatte, erhob ſeine tiefe Stimme. Mit klarer Beſtimmtheit, in unwilliger, aber nicht deklamatoriſcher Beredſamkeit ſchilderte er die Unordnungen der Zeit— 242 die unverſchämten Forderungen der Hoſpitäler und Ab⸗ teien— die geſetzloſe Gewaltthätigkeit jedes unbedeu⸗ tenhen Barons— die Schwäche des königlichen An⸗ ſehens, den Druck zu verhindern— die ſchreckliche Macht deſſelben, den Unterdrücker zu unterſtützen. Er haͤufte Beiſpiele auf Beiſpiele von der ſchlechten Verwaltung; er zeigte die Unſicherheit des Eigenthums; die Verfäl⸗ ſchung der Münzen; die Laſt der Auflagen; er ſprach von Gewalt, die man Frauen und Mädchen angethan— von Defraudationen— von gewaltſam erbrochenen Häu⸗ ſern— von beraubten Scheunen und Kornböden— von der Strafloſigkeit aller Verbrecher, wenn ſie den hoͤhern Ständen angehörten— von der Beſtrafung aller Kläger, wenn ſie arm und niedrig ſeien.„Sagt uns nicht,“ fuhr er fort,„daß dies das nothwendige Üübel der Zeiten iſt, die harte Lage des Menſchengeſchlechts. Es war anders, Lord Warwick, als Eduard zuerſt zur Regierung kam, denn Ihr machtet Euch damals dem Volke durch Eure Gerechtigkeit thener. Noch reden die Leute hier in der Gegend von der goldenen Zeit, wo Lord Warwick regierte; aber ſeitdem Ihr, obgleich in hohem Amte, im Han⸗ deln kraftlos ſeid, abweſend in Calais oder müßig zu Middleham, iſt England nur das Spielzeng der Wood⸗ villes geweſen, und des Königs Ohren find mit Schmei⸗ chelei wie mit Wolle zugeſopft worden. Und,“ fuhr Hilyard fort, indem ſein Gegenſtand ihn erwärmte und er zum Erſtaunen der Ketzer auf ihre vorzüglichſten Kla⸗ gen einging—„und dies iſt noch nicht Alles. Als Eduard den Thron beſtieg, war, wenn auch nicht Gerechtigkeit, doch wenigſtens Ruhe für die verfolgten Gläubigen, welche dafuͤr halte geben wur! gottſelige 2 rede von de bury und deſſen Anhe Druck mehr Englands der letzten; angemaßt, fendſten K Fürſt erzeut altete Geſe das Gewif ſitzen vor 1 lanbe, ſon⸗ dieſer Ding Ihr jetzt a Englands die Scheide und fürſtlis welches ich der Redner auf das ſto! ohne Bewen das Volk Eurer Not! werk eines beraubt, a Ihr vergeb und Ab⸗ unbedeu⸗ hen An⸗ de Macht er haͤufte valtung; Verfäl⸗ er ſprach gethan— ien Häu⸗ n— von n hoͤhern r Kläger, öt,“ fuhr Zeiten iſt, r anders, ung kam, irch Eure er in der regierte; im Han⸗ nüßig zu r Wood⸗ Schmei⸗ d,“ fuhr rmte und zoſten Kla⸗ Is Eduard echtigkeit, en, welche 243 dafür halten, daß Gottes Wort den Menſchen dazu ge⸗ geben wurde, um es zu leſen, zu ſtudiren und es in gottſelige Thaten zu verwandeln. Ich rede offen. Ich rede von dem Glauben, den Ener großer Vater Salis⸗ bury und viele von dem Hauſe York begünſtigten— deſſen Anhänger Lollards genannt werden, und deren Druck mehr als alles Andere dazu beitrug, die Herzen Englands von Lancaſter abwendig zu machen. Aber in der letzten Zeit hat die Kirche, indem ſie ſich die Macht angemaßt, deren ſie ſich am meiſten unter den ausſchwei⸗ fendſten Königen bemächtigt— denn der laſterhafte Fürſt erzeugt immer den tyranniſchen Prieſter— ver⸗ altete Geſetze wieder eingeführt, um den Gedanken und das Gewiſſen der Menſchen zu beſchränken, und wir ſitzen vor unſern Thüren nicht im Schatten der Wein⸗ lanbe, ſondern im Schatten des Galgens. Wegen all dieſer Dinge haben wir das Schwert gezogen, und wenn Ihr jetzt aus der Liebe Vortheil zieht, welche die Söhne Englands für Euch hegen und jenes Schwert wieder in die Scheide ſteckt, ſo verdient Ihr, ſo edelmüthig, groß und fürſtlich Ihr auch ſein mögt, wohl das Schickſal, welches ich vorherſehe und vorherſagen kann. Ja!“ rief der Redner, indem er ſeine Arme ausbreitete und feſt auf das ſtolze Geſicht des Grafen blickte, welches nicht ohne Bewegung war—„jal ich ſehe Euch, nachdem Ihr das Volk verlaſſen, auch von dem Volke verlaſſen in Eurer Noth— ich ſehe Euch, den Haß und das Spiel⸗ werk eines undankbaren Königs, der Macht und Ehre beraubt, als Verhannten und Geächteten, und wenn Ihr vergebens das Volk aufruft, in deſſen Herzen Ihr 244 jetzt herrſcht, ſo erinnert Euch, o gefallener Stern, Sohn des Morgens! daß in der Stunde ſeiner Macht Ihr des Volkes rechten Arm niederſchluget und ſeine Kraft lähmtet. Und nun, wenn Ihr wollt, laßt Eure Freunde und Englands tapfere Kämpfer die Schaffote Eures Weiberkönigs angaffen!“ Er ſchwieg, ein Gemurmel verbreitete ſich unter dem Kriegsrath; jede Beuſt athmete ſchwer— jedes Auge wendete ſich zu Warwick. Dieſer mächtige Staatsmann überwand den Eindrnck, den die aufregende Stimme des Volksredners auf ihn hervorgebracht hatte; doch in dem Augenblick bedurfte er aller ſeiner ehlen und ehrenvollen Loyalität, um ſich zu erinnern, daß er nur da ſei, um ein Verſprechen zu erfüllen und ſich eines Auftrages zu entledigen— daß er des Königs Abgeſandter und nicht des Königs Richter ſei. „Ihr habt geſprochen, kühner Mann,“ ſagte er, „wie in einer Stunde, wo die Rechte der Fürſten in der einen Schale und die Schwerter der Unterthanen in der andern gewogen werden, wie ich, wäre ich König, wünſchen würde, daß freie Männer ſprächen. Und nun, Ihr, Robert Hilyard, und Ihr meine Herren, hört mich an, als den Abgeſandten König Eduards des Vierten. Euch Allen verſpreche ich vollſtändige Vergebung und Ver⸗ geſſenheit des Vergangenen. Seine Majeſtät hält Euch für Verleitete, nicht für Verräther, und Eurer letzten Handlungen wird man ſich bei Euren künftigen Dienſten nicht erinnern. So viel, was die Anführer betrifft— nun von den Gemeinen. Mein Lehnsherr, der König, beabſichtigt mich in die hohe Macht wieder einzuſetzen, bie ich einſt zu verringe bindlich, a gebracht h⸗ der Abſich Auch iſt die aufgibt, n weniger Au werden ver jeſtät, ſtet⸗ digſt ermäs Verwandte ſie nicht I. ſollen. D wittweten zurückzieher am ſpaniſc nünftigen Klagen zu zeihung an und Volk. vollen Wu dem Seger Namen E und Frank⸗ löſe dieſe? Dieſe Anweſende des Grafe Hoffnung Stern, r Macht ind ſeine ißt Eure Schaffote enter dem des Auge atsmann mme des h in dem renvollen ſei, um trages zu und nicht ſagte er, ten in der hen in der wünſchen un, Ihr, mich an, ten. Euch und Ver⸗ hält Euch rer letzten Dienſten zetrifft— er Köoͤnig, inzuſetzen, 245 die ich einſt ausuͤbte und dieſelbe eher zu vermehren, als zu verringern. In ſeinem Namen mache ich mich ver⸗ bindlich, alle Klagen, welche Robin von Redesdale vor⸗ gebracht hat, vollſtändig und genau zu unterſuchen, mit der Abſicht einer ſchnellen und vollſtändigen Abhülfe. Auch iſt dies nicht Alles: Da Seine Majeſtät die Abſicht aufgibt, mit Frankreich Krieg zu führen, ſo werden weniger Auflagen nöthig ſein, und die Laſten und Taxen werden verringert werden. Endlich hat mich Seine Ma⸗ jeſtät, ſtets begierig, ſein Volk zufrieden zu ſtellen, gnaͤ⸗ digſt ermächtigt, zu verſprechen, daß, mögt Ihr nun die Verwandten der Königin richtig beurtheilen oder nicht, ſie nicht länger Einfluß im Rathe des Königs haben ſollen. Die Herzogin von Bedford, wie es einer ver⸗ wittweten Dame geziemt, wird ſich auf ihr Landhaus zurückziehen und Lord Seales einen Geſandſchaftspoſten am ſpaniſchen Hofe erhalten. So, indem ich allen ver⸗ nünftigen Forderungen beiſtimme— alle begründeten Klagen zu beſeitigen verſpreche und Euch gnaͤdige Ver⸗ zeihung anbiete,— erfülle ich meine Pflicht gegen Koͤnig und Volk. Mein Gebet geht dahin, daß dieſe unheil⸗ vollen Wunden auf immer geheilt werden mögen unter dem Segen Gottes und unſeres Schutzheiligen; und im Namen Eduards des Vierten, Lehnsherrn von England und Frankreich, zerbreche ich dieſen Commandoſtab und löſe dieſe Armee auf!“ Dieſe gemäßigte und weiſe Anrede brachte unter den Anweſenden ein Gefühl der Beruhigung hervor; denn des Grafen Verläugnung der Rebellion entfernte alle Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg. Nur Hilyard 246 theilte die allgemeine Billigung nicht. Er ſprang auf den Tiſch, ergriff die zerbrochenen Stücke des Com⸗ „ mandoßabes, den Warwick wie eine Weidenruthe zer⸗ knickt hatte, und rief:„Und ſo übernehme ich im Namen des Volks das Commando, welches Ihr auf ſo unwürdige Weiſe aufgebt! O ja, welche Thoren waren jene armen Wichte mit den harten Händen und der beſchmutzten Stirn und in der ledernen Jacke, Hülſe von Rittern und Edeln zu erwarten!“ Mit dieſen Worten ſprang er aus dem Zelt und eilte auf die Menge zu, die ſich in der Entfernung befand. „Ihr Ritter und Lords, Männer von edlem Blute und Geburt, waret nur die Werkzeuge eines männlicheren und weiſeren Cade!“ ſagte Warwick ruhig.„Folgt mir!“ Der Graf ſchritt aus dem Zelt, ſchwang ſich auf ſein Roß und war mit den Herolden an ſeiner Seite in der Mitte des Trupps, ehe Hilyard im Stande war, die beabſichtigte Anrede zu beginnen. Warwicks Trompeten geboten Schweigen und der Graf ſelber redete mit ſeiner lauten und klaren Stimme kurz die ungeheure Verſamm⸗ lung an. Kaum weniger, als Hilyard, jener volksmäßigen Beredſamkeit fähig, die— kurz, klar, edel und einfach— geradezu ihren Weg durch die Gefuͤhle zur Politik bahnt, wiederholte Warwick kurz aber kräftig den Gemeinen die Verſprechungen, die er den Anführern gemacht, und ſobald ſie hörten, daß die Taxen aufgehoben, die Mün⸗ zenverfälſchung eingeſtellt werden und die Kornabgabe abgeſchafft, die Woodvilles entlaſſen und der Graf wieder in ſeine Macht eingeſetzt werden ſolle, war die Rebel⸗ lion zu Ende. Sie beantworteten mit freudigem Zuruf ſeinen Befe math zurü beſtieg eine rede. Der ſchwungene drängte, un tur, um d Stelle hin, lauter Sti Mann in d Marm ſeine Hand Menge rü Wie die E alle kleiner men Warr und ſetzte den Schrech bels ſah, v achtung üb „Leidet der ich Eue zum Tode „Der: ſagte eine holte das 2 „Herr, Freiheit dar „Ein wick lachen rang auf es Com⸗ athe zer⸗ Namen nwürdige ne armen hmutzten ttern und und eilte hefand. em Blute malicheren Igt mir!« auf ſein ite in der war, die rompeten nit ſeiner ger ſamm⸗ smäßigen einfach— tik bahnt, Gemeinen tacht, und die Mün⸗ ornabgabe raf wieder die Rebel⸗ em Zuruf 247 ſeinen Befehl, ſich zu zerſtreuen und ſogleich in ihre Hei⸗ math zurückzukehren. Aber der unbeugſame Hilyard beſtieg eine kleine Erhöhung und begann ſeine Gegen⸗ rede. Der Graf ſah ſeine kräftige Geſtalt und ſeine ge⸗ ſchwungene Hand— er ſah, wie die Menge ſich zu ihm drängte, und zu wohl bekannt mit der menſchlichen Na⸗ tur, um die Anrede zu dulden, galoppirte er zu der Stelle hin, wendete ſich zu Marmaduke und ſagte mit lauter Stimme:„Marmaduke Nevile, arretirt jenen Mann in des Königs Namen!“ Marmaduke ſprang von ſeinem Pferde und legte ſeine Hand auf Hilyards Schulter. Keiner von der Menge rührte ſich, um dem Demagpogen beizuſtehen. Wie die Sterne vor der Sonne zurückweichen, waren alle kleineren Lichter in dem Glanze des geliebten Na⸗ men Warwick erloſchen. Hilyard ergriff ſeinen Dolch und ſetzte ſich einen Augenblick zur Wehr; als er aber den Schrecken und die Fuͤhllofigkeit des bewaffneten Pö⸗ bels ſah, verbreitete ſich ein Ausdruck der tiefſten Ver⸗ achtung über ſein trotziges Geſicht. „Leidet Ihr dies?“ ſagte er.„Gebt Ihr zu, daß ich, der ich Euch Schwerter in die Hände gegeben, gefeſſelt zum Tode geführt werde?“ „Der wackere Graf thut keinem Menſchen Unrecht,“ ſagte eine einzelne Stimme und die Volksmenge wieder⸗ holte das Wort. „Herr, dann liegt mir nichts am Leben, da die Freiheit dahin iſt. Ich gebe mich gefangen.“ „Ein Pferd für meinen Gefangenen!“ ſagte War⸗ wick lachend—„und hört mein Verſprechen, daß er 248 weder an Gut noch Leben ſoll geſtraft werden. Gott weiß, wenn Warwick und das Volk zuſammenkommen, ſollte kein Menſch geopfert werden! Hurrah für König Eduard und das ſchöne England!“ Er ſchwang ſein Federbarret, wäͤhrend er ſprach und innerhalb der Mauern von Olney hörte man den Zuruf⸗ der ihm antwortete. Langſam kehrte der Graf mit ſeiner geringen Beglei⸗ tung zurück; die Menge brach ſogleich auf, und als der Mond aufging, war das ganze Lager verlaſſen! So iſt die Macht des Menſchen über das Menſchen⸗ geſchlecht ſtets größer in dem Einzelnen als in der Maſſe! Viertes Kapitel. Unterredung zwiſchen dem normänniſchen Grafen und dem an⸗ b gelſächſiſchen Demagogen. Als Warwick das Lager verließ, ritt er ſeiner Be⸗ gleitung voraus und ſein Geſicht war ernſt und gedanken⸗ voll. Endlich, als eine Wendung des Weges den kleinen Trupp vor den Nebellen verbarg, winkte der Graf Mar⸗ maduke, ſich mit ſeinen Gefangenen zu nähern. Der junge Nevile zog ſich dann zurück und Robin und War⸗ wick ritten neben einander, doch ſo, daß die Übrigen ihre Unterredung nicht hören konnten. „Herr Hilyard, ich bin wohl zufrieden, daß mein Bruder, als Ihr in ſeine Hände fielet, Euer Leben ver⸗ ſchonte, aus Dankbarkeit, daß Ihr einſt mein Leben ge⸗ rettet.* 4 „Euer trocken,„ ich Euch e verſchonte Kuoſpe w vom Thro⸗ gegeben he „Es th zu hören. als ſich m richtigen 5 und ſeine Hilyard, nate nach eine umher der Ihr ſie huſch und gleiter aus die ich Eu von repub an habe i beſſern. J wieſen un Sache Lan oft hätte i Dankbarke um die W perſönliche herzuſtellen Übertretun Bulwer n. Gott kkommen, ür König prach und en Zuruf⸗ n Beglei⸗ ad als der T Nenſchen⸗ er Maſſe! id dem an⸗ einer Be⸗ gedanken⸗ den kleinen Braf Mar⸗ dern. Der und War⸗ brigen ihre daß mein Leben ver⸗ Leben ge⸗ 249 „Euer edler Bruder, Mylord,“ antwortete Robin trocken,„weiß vielleicht gar nicht um den Dienſt, den ich Euch einſt leiſtete. Ich glaube vielmehr, daß er mich verſchonte, weil ohne mich ein Unternehmen in der Kuoſpe wäre erſtickt worden, welches die Woodvilles vom Throne entfernt und England den Neviles zurück⸗ gegeben hat!— Euer Bruder iſt ein tiefer Denker!“ „Es thut mir leid, Euch ſo von Lord Montagu reden zu hören. Ich weiß, daß er ränkevollere Abſichten hat, als ſich meiner Anſicht nach für einen Ritter und auf⸗ richtigen Mann geziemen; aber er liebt ſeinen König und ſeine Zwecke ſind gerechter als ſeine Mittel. Herr Hilyard, genug von dem vergangenen Übel. Einige Mo⸗ nate nach der Schlacht bei Hexhem fiel ich allein unter eine umherſchweifende Bande geächteter Lancaſtrier. Ihr, der Ihr ſie anführtet, erkanntel mich an meinem Helm⸗ buſch und rettetet mich von den Schwertern Eurer Be⸗ gleiter aus Dankbarkeit wegen einer geringen Nachſicht, die ich Euch einſt in Betreff Eurer ſeltſamen Anſichten von republlikaniſcher Freiheit erwieſen. Von jener Zeit an habe ich vergebens geſucht, Eure Umſtände zu ver⸗ beſſern. Ihr habt alle meine Anerbietungen zurückge⸗ wieſen und ich weiß wohl, daß Ihr der unglücklichen Sache Laneaſters Eure Dienſte gewidmet habt. Schon oft hätte ich Euch dem Geſetz überli fern können, aber Dankbarkeit für die mir in der Nothageleiſtete Hülfe und, um die Wahrheit zu ſagen, meine Verachtung vor allen perſönlichen Bemühungen, ein gefallenes Haus wieder herzuſtellen, machten, daß ich meine Augen von Euren Übertretungen abwendete, die, wären ſie dem Könige Bulwer, Barone. II. 47 250 bekannt geworden, jede Wahrſcheinlichkeit der Begnadi⸗ gung aufgehoben hätten. Ich ſehe jetzt, daß Ihr ein Mann ſeid, deſſen Kopf und Arm große Gefahr über Nationen bringen kann; und obgleich Warwick Euch b diesmal Freiheit und Leben ſchenkt, ſo muß ich Ench doch ſagen, daß, wenn Ihr noch einmal fehlt, Ihr nur desz Köͤnigs Miniſter in mir finden werdet. Die Schuld zwiſchen uns iſt ausgeglichen. Dort iſt der Weg, der in den Wald führt. Lebt wohl! Doch vielleicht hat Euch die Armuth zur Verrätherei verleitet.“ „Armuth,“ fiel Hilyard ein—„Armuth, Lord Warwick, führt die Menſchen zum Mitleid mit den Armen und daher habe ich nichts mit Reichthümern zu thun.“ Er ſchwieg und ſeine Bruſt hob ſich.„Doch jetzt,“ fügte er traurig hinzu,„jetzt, da ich die Feigheit und Undank⸗ barkeit der Menſchen geſehen habe, ſcheint mein Beruf zu Ende und mein Geiſt darnieber gedrückt zu ſein.“ „Ach!“ ſagte Warwick,„mag der Menſch reich ober arm ſein, die Undankbarkeit iſt das Laſter der Menſchen; und Ihr, der Ihr ſie von dem Pöbel erfahren habt, droht mir mit der Undankbarkeit eines Königs! Aber Jeder muß ſeinen Weg durch dieſe Erde finden, ohne ſich um Beifall oder Tadel zu kümmern und das Grah iſt der einzige Richter der ſterblichen Erinnerung.“ Robin ſah dem Grafen aufmerkſam ins Geſicht, welches traurig und düßter war, während er ſprach, näherte ſich ihm noch weiter und ſagte:„Lord Warwich, ich nehme Freiheit und Leben um ſo williger an, weil eine Stimme, die ich nicht verkennen kann, mir ſagt, und mir ſchon längſt geſagt hat, daß früher oher ſpäter die Zeit u Edelleuten Beſitzunge als der Lie allein— allein hab allein, kre Eure Lanz nern von Vernichtet allein in G gerechtes Schloß ho Schutz für getrotzt un Schmähun — Sohn Namen, u des Volkes Hütet Euc vor Claren Glonceſter unter! U⸗ Wolke übe Er de ſchien ein deutungsvr Grafen An ſeines Pfer dahin und Beguadi⸗ Ihr ein ahr über ick Euch Luch doch nur des e Schuld g, der in hat Ench th, Lord en Armen zu thun.“ tt,“ fügte · Undank⸗ ein Beruf ſein.* reich oder Menſchen; ren habt, ss! Aber den, ohne das Grab ng.* Geſccht, er ſprach, Warwick, an, weil mir ſagt, der ſpäter dahin und verſchwand im Walde. 251 die Zeit uns an einander binden wird. Ungleich anderen Edelleuten, verdankt Ihr Eure Macht nicht ſo ſehr Euren Beſitzungen, edler Geburt und dem Lächeln eines Königs, als der Liebe, die Ihr auf ſo edle Weiſe gewonnen; Ihr allein— wahrer Ritter und fürſtlicher Chriſt— Ihr allein habt im Kriege die Niedrigen verſchont— Ihr allein, kräftiger und unwiderſtehlicher Krieger, habt Eure Lanze gegen Euresgleichen gerichtet und den Män⸗ nern von unerbittlichem Herzen den Befehl ertheilt: Vernichtet nimmer die Gemeinen! Im Frieden ſeid Ihr allein in Eurem ſtolzen Parlament aufgeſtanden, um uns gerechtes Geſetz oder milde Gnade zu verſchaffen; Euer Schloß hat einen Tiſch gehabt für die Hungrigen und Schutz für die Obdachloſen; Euer Stolz, der Königen getrotzt und Emporkömmlinge gedemüthigt, hat nie eine Schmähung gegen die Niedrigen ausgeſprochen; und ich — Sohn des Volks— ſegne Euch daher in des Volkes Namen, während Ihr lebt, und frage mit Seufzen, ob des Volkes Dankbarkeit Euch im Tode betrauern wird! Hütet Euch vor Eduards falſchem Lächeln— hütet Euch vor Clarence's unzuverläſſigem Wort— hütet Euch vor Gloneeſters unerforſchlicher Liſt. Seht, die Sonne geht unter! Und während wir reden, zieht ſich jene dunkle Wolke über Eurem befiederten Haupte zuſammen.“ Er deutete auf den Himmel und als er ſchwieg, ſchien ein leiſes Rollen des Donners auf ſeine vorbe⸗ deutungsvolle Warnung zu antworten. Ohne auf des Grafen Antwort zu warten, ſchüttelte Hilyard den Zügel ſeines Pferdes, galoppirte auf dem gewundenen Wege 25² Fünftes Kapitel. Auf welche Weiſe Eduard dem Grafen und dem Volke Wort zu halten beabſichtigt. Eduard empfing ſeinen iriumphirenden Abgeſandten mit offenen Armen und reichlichen Betheurungen der Dankbarkeit. Bei dem folgenden Banket, womit der Tag beſchloſſen wurde, bemühte er ſich aufs Aeußerſte, nicht nur die berühmten Ankömmlinge zu verſoͤhnen, ſondern auch aus den Gemüthern Raouls de Fulke und ſeiner Offiziere alle Erinnerung an ihr frͤheres Miß⸗ vergnügen zu entfernen. Keine Gabe iſt ſeltener und erfolgreicher in den Intriguen des Lebens als die, welche Eduard im höchſten Grade beſaß— nämlich die Heuche⸗ lei der Aufrichtigkeit. Die Verſtellung iſt oft demüthig — oft verfeinert— oft ernſt, glatt und anſtändig; doch iſt ſte ſelten heiter und jovial und zeigt ſich ſelten in dem herzlichen Lachen eines muntern und cordialen Geſell⸗ ſchafters. Dies aber war die glückliche Liſt Ebuard des Vierten; und in der That war ſeine gute Laune ſo na⸗ türlich und ungezwungen, daß ſeine heitere Heuchelei ihn keine Anſtrengung koſtete. Erfreut über die Zer⸗ ſtreuung ſeiner Jeinde— über die Ausſicht ſeiner Rück⸗ kehr zu ſeinem gewohnten vergnügungsſüchtigen Leben— lag etwas ſo Freundliches und ſo Einnehmendes in ſeiner Fröhlichkeit, daß er üder das feurige Temperament Raouls de Fulke und über den Verdacht des gedanken⸗ volleren St. John einen vollkommenen Sieg davon trug. Clarence, der ſich gänzlich mit Eduard ausgeſöhnt hatte, ſah ihn mit Augen an, die in Zärtlichkeit ſchwammen, und erlan Heiterkeit. belebte die epigramm ſinnigen C gebens, ſe keit abzuſch Eduard de vermied, gegebene Geiſt betr rem Argw Lage für Das 2 folge entla mer, der des König Das L ging mit öffnete da Landſchaft dalag. „Haſti den ſtarrte die Landſch „Sor „Ja, oder durch Befehl ein ſo lange: olke Wort geſandten ngen der vomit der leußerſte, erſoͤhnen, Fulke und res Miß⸗ tener und ie, welche e Heuche⸗ demüthig ndig; doch en in dem en Geſell⸗ buard des une ſo na⸗ Heuchelei die Zer⸗ ner Rück⸗ Leben— 3 in ſeiner nperament gedanken⸗ avon trug. hnt hatte, hwammen, 253 und erlangte bald durch ſein Trinken eine ſtürmiſche Heiterkeit. Der Erzbiſchof, welcher zuruͤckhaltender war, belebte die Geſellſchaft beſtändig durch den trockenen und epigrammatiſchen Witz, der ſeinem gelehrten und ſcharf⸗ ſinnigen Geiſte eigen war; aber Warwick verſuchte ver⸗ gebens, ſeine unruhige und vorbedeutungsvolle Düſter⸗ keit abzuſchütteln. Er war nicht damit zufrieden, daß Eduard die Verhandlung über die ernſten Gegenſtaͤnde vermied, welche das von dem Grafen den Inſurgenten gegebene Verſprechen betrafen, und ſein männlicher Geiſt betrachtete mit einiger Verachtung und noch größe⸗ rem Argwohn einen Leichtfinn, den er in dieſer kritiſchen Lage fuͤr ſehr ungeeignet hielt. Das Banket war beendet, und als Eduard ſein Ge⸗ folge entlaſſen hatte, war er mit Lord Haſtings im Zim⸗ mer, der vermöge ſeines Amtes beſtändig in der Nähe des Königs war. Das Lächeln hatte jetzt Ebuards Lippe verlaſſen; er ging mit haßigen Schritten im Zimmer auf und ab, öffnete dann plötzlich das Fenſter und deutete auf die Landſchaft, welche ruhig und vom Mondlicht übergoſſen dalag. „Haſtings,“ ſagte er plötzlich,„vor wenigen Stun⸗ den ſtartte die ganze Gegend von Speeren! Seht jetzt die Landſchaft an!“ „So verſchwinden alle Feinde des Königs!“ „Ja, Mann, ja— wäre es auf des Koͤnigs Wort oder durch des Königs Streitaxt geſchehen; aber auf den Beſehl eines Unterthanen— nein, ich bin kein König, ſo lange noch ein Anderer durch ſeinen bloßen Willen 254 in meinem Reiche Armeen auseinander treibt. Beim Himmel, dies ſoll nicht lange währen!“ Haſtings ſah Eduards Geſicht an, welches von leut⸗ ſeliger Schönheit in ſchreckliche Wuth überging, und es drängten ſich ſeinem Geiſte traurige Betrachtungen auf. „Wie wenig nützt einem Manne ſeine Tugend in den Augen der Menſchen!“ dachte er.„Der Unterthan rettet die Krone und der Träger der Krone verzeiht ihm nimmer ſeine Macht!“* „Ihr redet nicht, Herr!“ rief Eduard aufgeregt und ungeduldig,„warum ſeht Ihr mich ſo an?“ „Sire,“ entgegnete der Günſtling ruhig,„ich ſuchte zu entdecken, ob Euer Stolz redet oder Eure ehlere Natur.“ „Still!“ ſagte der König ärgerlich—„der edelſte Theil der Natur eines Königs iſt ſein Stolz als König!“ Wieder ſchritt er durchs Zimmer und blieb wieder ſtehen. „Aber der Graf iſt in ſeine eigene Schlinge gefallen— er hat in meinem Namen verſprochen, was ich nicht halten will. Das Voll ſoll erfahren, daß es von ſeinem Ibol getäuſcht worden iſt. Er verlangt von mir, daß ich die Mutter und die Verwandten der Königin vom Hofe entlaſſen ſoll!“ Haſtings, der hierin dem Grafen und den Anſichten des Volks vollkommen beiſtimmte und deſſen einzige Feinde in England die Woobvilles waren, erwiderte ruhig:„Dies find billige Bedingungen, Sire, für eines Köͤnigs Leben und die Krone von England.“ Eduard ſtutzte und aus ſeinen Augen flammie jenes kalte und grauſame Feuer, welches macht, daß ſich in hellfarbi ausdrück hender fi wer die nes Kör Haſtings aber beſſ Gehirn einen G Warwich Haſt welche E. und der, außer in unter jen vollen B Zorn bei . Beim von leut⸗ „, und es ngen auf. nd in den zan rettet nimmer aufgeregt 2* ich ſuchte are edlere der edelſte König!“ der ſtehen. efallen— ich nicht von ſeinem ir, daß ich vom Hofe Anſichten en einzige erwiderte „ für eines nmie jenes daß ſich in 2955 hellfarbigen Augen ſo viel ſchrecklichere Leidenſchaften ausdrücken, als in den dunklen, welche raſcher und glü⸗ hender find.„Meint Ihr das, Herr? Bei Gottes Blut, wer die Bedingungen machte, ſoll ſie in jeder Ader ſei⸗ nes Körpers bereuen! Hört, William Haſtings von Haſtings, ich weiß, daß Ihr ein ehrgeiziger Mann ſeid, aber beſſer wäre es geweſen, Ihr hättet Euer gelehrtes Gehirn mit der Kutte eines Bettelmonchs bedeckt, als einen Gedanken an die Rathſchläge des Graſen von Warwick zu verſchwenden.“ Haſtings, der bis zur Zärtlichkeit die Neigung fühlte, welche Esuard im Allgemeinen ſeiner Umgebung einflößte, und der, weit entfernt, mit dem Grafen zu ſympathiſiren, außer in dem Haſſe gegen die Woodyilles, einſah, daß unter jenem mächtigen Baume keine neuen Pflanzen zur vollen Blütenpracht gelangen konnten, wurde roth vor Zorn bei dieſer gebieteriſchen Drohung. „Mein Lehensherr,“ ſagte er mit würdevollem Muthe,„wenn Ihr ſo Euren erprobteſten Vertrauten, Euren getreuſten Freund anreden könnt, ſo ſeid Ihr ſelber Euer gefährlichſter Feind.“„ „Haltet ein, Mann,“ ſagte der Koͤnig beſänftigt, „ich war ſtets hitzig, aber jetzt iſt das wilde Thier in mir aufgeregt, ich wollte, Glouceſter wäre hier!“ „Ich kann Euch ſagen, welches der Rath /es weilen jungen Prinzen ſein würde, denn ich ceune ſeine Gefin⸗ nung,“ antwortete Haſtings. „Ja, Ihr Bäde liebt einander ſehr. Redet!“. 1 „Prinz Richerd iſt ſehr beleſen in italieniſchen Bu⸗ chern. Er ſagt, jene kleinen Staaten ſind Schatkammern 256 der Erfahrung. Demnach wuͤrde Prinz Richard zu Euch ſagen: Wo ein Unterthan ſo groß iſt, daß man ihn fürchten muß, und zu ſehr beliebt, um zu Grund gerich⸗ tet zu werden, da muß ſich der Koͤnig erinnern, wie Tarpeja umkam.“* 1 „Ich weiß nichts von Tarpeja und verabſcheue die Gleichniſſe.“ „Tarpeja, Sire— es iſt eine Geſchichte vom alten Rom— wurde unter der Laſt von Geſchenken erdrückt. O, mein Lehensherr,“ fuhr Haſtings fort, indem er ſich durch das Intereſſe erwärmte, welches ein geiſtreicher Mann fuͤr ſeinen eigenen überlegenen Geiſt empfindet, „wäre ich nur auf ein Jahr Koͤnig, ſo ſollte Warwick am Ende deſſelben der unbeliebteſte und daher der ſchwächſte Lord in England ſein!⸗ „Und wie, weiſeſter Mann in Eurer eigenen Ein⸗ bildung?“ „Sire,“ entgegnete Haſtings, ohne auf den Vor⸗ vurf zu achten— und ſeltſam genug gab er, um den Finfluß des Grafen zu zerſtören, daſſelbe Mittel an, velches der Erzbiſchof Montagu als das bezeichnet hatte, velches den Einfluß unwiderſtehlich und dauernd machen vürde—„Lord Warwick iſt bei dem Volke beliebt, weil mn alaubt, daß er über jede Beſtechung erhaben iſt; er wird vom golke verehrt, weil man glaubt, daß er bei all ihren Klagen und Kämpfen allein vom König unab⸗ hängig iſt. Anſtatt der Liebe würde ich Neid erregen; und anßatt der kalten Billigung würde ich ihn mit Gnade überhäufen. Anſtatt der Achtung und Verehrung würde ich Verdacht erregen, denn ich würde ihn ſo mit Eurem ſpruch nim ſeinen Be vertreter er das Volk „Alles denkenb;„ zu Euch an ihn gerich⸗ n, wie heue die m alten erdruckt. ner ſich ſtreicher pfindet, wick am wächſte en Ein⸗ 2n Vor⸗ um den ttel an, et hatte, machen bt, weil n iſt; er iß er bei ig unab⸗ erregen; it Gnade g würde t Eurem 257 Hauſe verbinden, daß er nicht Hand oder Fuß gegen Euch regen könnte; ich würde Eure Brüder zu ſeinen Erben machen. Der Herzog von Clarence hat die eine Tochter geheirathet— verheirathet die andere mit dem Prinzen Richard. Verlobt Eure junge Prinzeſſin mit Montagn's Sohn, dem Repräſentanten aller Neviles. So müſſen des Grafen ungeheure Beſitzungen endlich auf Eure eigenen Verwandten übergehen. Der Graf ſelber wird dann nicht mehr eine vom Throne getrennte Macht, ſondern ein Theil davon ſein. Die Barone werden gegen einen Mann erbittert ſein, der halb aufgehört hat, ihrer Klaſſe anzugehören und doch ihre Würden allein in An⸗ ſpruch nimmt; das Volk wird nicht mehr in dem Grafen ſeinen Beſchützer, ſondern den Gänſtling und Stell⸗ vertreter eines Königs ſehen. Weder die Barone noch das Volk werden ſich zu ſeiner Fahne drängen.“ „Alles dies iſt gut und weiſe,“ ſagte Eduard nach⸗ denkenb;„aber was ſoll inzwiſchen aus den Verwandten der Königin werden— ſoll ich in der Einſamkeit regie⸗ ren? Denn ſeht, Haſtings, Ihr wißt wohl, ſo ſehr auch die Thoren glaubten, daß ich den Weibern ergeben ſei, ſo hatte ich doch meine Abſichten bei der Erhebung neuer Familien— ich wünſchte einen neuen Adel zu er⸗ heben, um dem Stolze des alten entgegen zu wirken, und nur auf einen neuen Adel kann ſich eine neue Dynaſtie verlaſſen.“ „Mein Köͤnig, ich will Euch nicht nochmals ärgern; aber dennoch wird es gut ſein, wenn die Verwandten der Königin auf eine Weile den Hof verlaſſen.“ „Onte Nacht, Haſtings,“ ſiel Eduard plötzlich ein, 258 „mein Kopfllſſen ſoll in bieſer Sache mein Rathgeber ſein.“ Welches auch der Entſchluß ſein mochte, den Ein⸗ ſamkeit und Nachdenken in dem Geiſte des Königs zur Reife brachten, ſo wurde ihm die unmittelbare Entſchei⸗ bung durch Nachrichten von neuen Empörungen erſpart, die er am nächſten Morgen erhielt. Die Gemeinen wa⸗ ren in Lincolnſhire und in der Grafſchaft Warwick auf⸗ geſtanden, und Anton Woodville ſchrieb ihm die Nach⸗ richt, wenn ſich der Koͤnig nur unter den Truppen zei⸗ gen wolle, die er in der Nähe von Coventry ausgehoben, ſo würde der ſämmtliche Adel der Umgegend gegen den rebelliſchen Pöbel kämpfen. Dieſen Vortheil benützend und begierig, dem unzuverläſſigen Militär zu entkommen, welches in Olney einquartirt lag, ſchwang ſich Eduard auf ſein Pferd, ohne ſich auch nur mit dem Grafen zu berathen, und ſeine Trompeten waren das erſte Signal von dem Abmarſche, welches er überhaupt zu geben für gut hielt. Dieſer Mangel an Höflichkeit kränkte Warwicks Stolz; doch beklagte er ſich nicht und nahm ſeinen Platz an des Koͤnigs Seite ein, als Eduard kurz, aber mit der gewohnten äußern Freimüthigkeit ſagte, womit er ſeine Falſchheit verbarg:„Lieber Vetter, dies iſt eine Zeit, die alle unſere Energie in Anſpruch nimmt. Ich reite nach Conventry, um den ungeübten Rekruten, die ich dort finden werde, Kopf und Herz zu geben; aber ich bitte Euch und den Erzbiſchof, alle Mittel anzuwen⸗ den, in dieſem Diſtrikt neue Truppen aufzubringen: denn bei Eurem Namen ſpringen ja bewaffnete Männer, aus Weid Hecken her zuſammenl! nach Cover wird, ſoll Heda, Ihr Ohne wünſchte entdecken! — gab de rend ſeine weiter un entfernt, Truppen Command „Ich „aber ich ſoll gehalt „Eine wenn ſein „geſtern; Du wiede Warn Nachdenke „Vett kleinen Ct ob einer „Wol „In! Marr tathgeber den Ein⸗ nigs zur Entſchei⸗ n erſpart, einen wa⸗ wick auf⸗ die Nach⸗ uppen zei⸗ sgehoben, gegen den benützend ntkommen, ch Eduard Grafen zu ſte Signal geben für Warwicks einen Platz aber mit womit er ies iſt eine mmt. Ich kruten, die eben; aber e anzuwen⸗ fzubringen: te Männer, 259 aus Weideplätzen und Erdſchollen, aus Gräben und Hecken hervor. Marſchirt mit allen Truppen, die Ihr zuſammenbringen könnt, in drei Tagen zu den Meinigen nach Coventry, und ehe die Sichel zur Ernte angeſetzt wird, ſoll England Frieden haben. Gott geleite Euch! Heda, Ihr Herren, vorwärts!“ Ohne auf eine Antwort zu warten— denn er wunſchte alle Fragen zu vermeiden, damit Warwick nicht entdecken möchte, daß er zu einem Woodoille marſchire — gab der König ſeinem Pferde die Sporen, und wäh⸗ rend ſeine Leute hin⸗ und hereilten, ritt er faſt allein weiter und war ſchon eine gute Meile von dem Dorſe entfernt, ehe ihn St. John und Raoul de Fulke mit den Truppen einholten, welchen Haſtings folgte, der kein Commando hatte. „Ich mißtraue dem Könige,“ ſagte Warwick finſter, „aber ich habe dem Volke mein Wort gegeben und es ſoll gehalten werden.“ „Eines Mannes Wort wird am beſten gehalten, wenn ſein Arm der ſtärkſte iſt,“ ſagte der Erzbiſchof; „geſtern zerſtreuteſt Du eine Armee und heute bringſt Du wieder eine zuſammen.“ Warwick antwortete nicht, aber nach augenblicklichem Nachdenken winkte er Marmaduke. „Vetter,“ ſagte er,„eilt mit zehn Mann von meiner kleinen Compagnie zum Könige. Erſtattet mir Bericht, ob einer von den Woodvilles im Lager bei Coventry iſt.“ „Wohin ſoll ich Euch Bericht ſenden?* „In mein Schloß Warwick!“* Marmaduke verbeugte ſich, und an die Kürze der 260 Rede bes Grafen gewoͤhnt, ging er an die Ausfüͤhrung des erhaltenen Auftrags. Dann rief Warwick ſeinen zweiten Knappen zu ſich. „Meine Frau iſt mit ihren Kindern auf dem Wege nach Middleham,“ ſagte er.„Dieſes Papier wird Euch von ihrer Reiſeroute in Kenntniß ſetzen. Geht mit mei⸗ nem ganzen übrigen Trupp zu ihnen, mit Ausnahme meiner Herolde und Trompeter und ſagt, ich werde bald nach Middleham zu ihnen kommen.“ V „Es iſt eine ſeltſame Art, eine Armee zuſammen zu bringen,“ ſagte der Erzbiſchof trocken,„wenn man damit beginnt, alle Truppen zu entlaſſen, die man bei ſich hat!“ „Bruder,“ antwortete der Graf,„ich mochte gern meinem Schwiegerſohn zeigen, der vielleicht einſt hülflos an der Spitze von Tauſenden ſteht, daß ein Mann wohl allein ſtehen darf, der die Liebe einer Nation beſitzt.“ „Möge Clarence dieſe Lehre benutzen! Wo iſt er dieſe ganze Zeit über?“ „Im Bette,“ ſagte der wackere Graf mit einiger Ver⸗ achtung und fügte dann mit ſanfterer Stimme hinzu: „Die Jugend iſt ſteis üppig. Beſſer ein träger Mann, als ein falſcher.“ Indem wir es Warwick uͤberlaſſen, die ihm aufge⸗ tragene Pflicht zu erfüllen, folgen wir dem heuchleriſchen Koͤnige. Was de Sobal ſehen konn ſeine Seit „Liebe Euren Ra einen Ver werdet mit beſten vor Armee hat ich wenige an, ich ge der Haſt bracht wor den nördlit zu mir T Glouceſter Schotten marſchiren laſſen kann ſchicken, al ſo bringt Ihr auffit Montagu auf jeden? ſo ſagt ihn rathen un sfuͤhrung ck ſeinen :m Wege dird Euch mit mei⸗ lusnahme erde bald immen zu enn man man bei öchte gern aſt hülflos tann wohl beſitzt.“ Wo iſt er niger Ver⸗ ne hinzu: er Mann, zm aufge⸗ chleriſchen 261 Sechstes Kapitel. Was dem König bei ſeiner Flucht von Olney begegnete. Sobald der Koͤnig den Thurm von Olney nicht mehr ſehen konnte, ritt er langſamer und winkte Haſtings an ſeine Seite.. „Lieber Will,“ ſagte der Koͤnig,„ich habe über Euren Rath nachgedacht und werde Gelegenheit finden, einen Verſuch damit zu machen. Aber ich denke, Ihr werdet mit mir übereinſtimmen, daß Zugeſtändniſſe am beſten von einem Könige ausgehen, der eine eigene Armee hat. Beim Himmel! Im Lager Warwicks habe ich weniger Macht als ein Lieutenant! Nun höͤrt mich au, ich gehe, um einige Rekruten anzuführen, die in der Haſt in der Nähe von Coventty ſind zuſammenge⸗ bracht worden. Der Schauplatz des Kampfes muß in den nördlichen Grafſchaften ſein. Wollt Ihr aus Liebe zu mir Tag und Nacht durch Sumpf und Gehüſch zu Glouceſter an die Grenze reiten? Sagt ihm, wenn die Schotten es geſtatten, ſo möge er nach York zurück⸗ marſchiren; und wenn er die Grenze ſelber nicht ver⸗ laſſen kann, ſo mag er ſo viel Leute unter Eurem Banner ſchicken, als er entbehren kann. Sollte dies fehlſchlagen, ſo bringt in Yorkſhire ſo viel Reiſige zuſammen, als Ihr auffinden könnt. Aber vor allen Dingen ſucht Montagu auf. Seiner und ſeiner Armee müßt Ihr Euch auf jeden Fall verſichern, und wenn er ſich weigern ſollte, ſo ſagt ihm, ſein Sohn ſolle ſeines Königs Tochter hei⸗ rathen und hie Herzogskrone tragen! Ha! ha! Ein 262 iſt kein zufälliger Ausbruch, ſonheru eine allgemeine Convulſton des Königreichs und der Graf von Warwick darf nicht der einzige Mann ſein, der durch Lächeln oder finſtere Blicke die erzürnten Elemente bändigt.“ „Darin, Sire,“ antwortete Haſtings,„redet Ihr wie ein König und Krieger es ſollte, und ich will mein Möglichſtes thun, Euer königliches Motto: modus et ordo! zu behaupten. Wenn ich nur verſprechen kann, daß Eure Majeſtät auf eine Weile die Woodvilles ent⸗ laſſen hat, ſo verlaßt Euch darauf, daß ich, ehe zwei Monate um find, eine Armee unter Euer Commando ſtellen will, die des Lehnsherrn von England würdig iſt.⸗ „Geht, lieber Haſtings, ich vertraue Euch Alles an,“ antwortete der König. Der Edelmann küßte ſeines Monarchen ausgeſtreckte Hand, ſchloß ſein Vifir und winkte ſeinem Leibknappen, ihm zu folgen, ritt einen Baumgang hinunter und ver⸗ mied die breiteren Wege, die ihn mit den in Olney zu⸗ rückgelaſſenen Offizieren hätten in Berührung bringen können. In einem kleinen Dorfe in der Nähe von Coventry hatte Sir Anton Woodville eiwa zweitauſend Mann zuſammengebracht, die hauptſächlich aus den Paͤchtern und Vaſallen des neuen Adels beſtanden, die den bril⸗ lanten Anton als ihr Oberhaupt hetrachteten. Die An⸗ führer waren tapfere und ehrgeizige Cavaliere, wie die es gewöhnlich ſind, welche zu einem höheren Range ge⸗ langen, als wozu ihre Geburt fie berechtigt— aber ihre Vaſallen waren nicht ſehr zuverläſſig; denn in jenen großer Koͤder für einen ſo großen Fiſch! Ich ſehe, dies Tagen g waren in erzogen, des Hauf Königs u über einen niger heite vor dem H Die 2 barbariſch getrübtes zuheitern. Aber Königin ü ta's Unwi Bericht ü Mund leg theuer zu mäßigerw Er un ihm, daß als ein Ca die Lords ſehe, dies llgemeine Warwick cheln oder 4 redet Ihr will mein modus et chen kann, villes ent⸗ „ehe zwei Lommando ürdig iſt.“ kuch Alles usgeſtreckte ibknappen, r und ver⸗ Olney zu⸗ ng bringen Coventry end Mann n Päͤchtern e den bril⸗ . Die An⸗ ee, wie die Range ge⸗ aber ihre in in jenen 263 Tagen galt noch die Leibeigenſchaft, und dieſe Leute waren in der Anhänglichkeit an die Lancaſtriſchen Lords erzogen, deren confiseirte Beſitzungen an die Günſtlinge des Hauſes York übergegangen waren. Die Ankunft des Königs wurde daher mit mattem Zurufe begrüßt— und über einen ſo kalten Empfang betroffen, ſtieg er in we⸗ niger heiterer Stimmung, als womit er Olney verlaſſen, vor dem Zelte ſeines Schwagers ab. Die Trauerkleidung Antons und ſein in Folge der barbariſchen Hinrichtung ſeines Vaters und Bruhers getrübtes Geſicht, dienten nicht dazu, den König auf⸗ zuheitern. Aber Woodville's Bericht von dem Kummer der Königin über die Leiden ihres Hauſes und von Jacquet⸗ ta's Unwillen über die beleidigenbe Sprache, die der Bericht über ihr ſeltſames Treihen dem Volke in den Mund legte, diente nur dazu, dem Könige eine Familie theuer zu machen, von der er glanbte, daß ſie unrecht⸗ mäßigerweiſe verfolgt werde. Er unterredete ſich noch mit Woodville und verficherte ihm, daß ihm ſtets ſein Intereſſe am Herzen liegen werde, als ein Cavalier erſchrocken eintrat und berichtete, daß die Lorts St. John und de Fulke, als ſie gehört, daß Sir Anton Woodville die Truppen commandire, ohne abzuſteigen das Lager verlaſſen und ihre Begleiter mit⸗ genommen hätten, die mehr als die Hälfte des kleinen Trupps betragen, die von Olney abmarſchirt ſeien. „Laßt ſie gehen,“ ſagte Eduard mit finſterem Blicke, veinſt wird noch die Sonne auf ihren kopfloſen Rumpf ſcheinen!⸗ 264 „O mein König,“ ſagte Anton, jetzt Graf von Rivers, der am wenigſten Eigennützige ſeines Hauſes und der über das Opfer betroffen war, welches Eduard ſeiner Vermählung aus Liebe brachte—„nun, da mich Eure Majeſtät von meinem Commando entlaſſen kann, erlaubt mir, mich aus dem Lager zu entfernen. Ich möchte gern zu dem Altar von Compoſtella wallfahrten, um für die Sünden meines Vaters und das Wohl meines Monarchen zu beten.“ „Laßt mich erſt ſehen, welche Truppen von London kommen,“ antwortete der König.„Richard wird bald von der Grenze abmarſchiren, und was Warwick auch beſchließen mag, ſo wird doch Montagu, deſſen Herz ich in meiner Hand halte, ſeine Armee an meine Seite bringen. Laß uns warten.“ Aber der folgende Tag brachte keine Verſtärkungen, noch auch der nächſte, und der König zog ſich in großer Verwirrung und Unruhe bei Zeiten in ſein Zelt zurück. Um Mitternacht wurde er durch den Huſſchlag von Pferden, durch das Blaſen der Hörner und das Anrufen der Schild⸗ wachen aus ſeinem Schlummer aufgeſchreckt, und als er von ſeinem Lager aufſprang und in großer Beſtürzung haſtig ſeine Rüſtung anlegte, trat Lord Warwick raſch in ſein Gemach. Des Grafen Geſicht war ſtrenge, aber ruhig und traurig, und Eduards tapferes Herz ſchlug laut, als er ſeinen gefürchteten Unterthan anblickte. „König Ednard,“ ſagte Warwick langſam und trauervoll;„Ihr habt mich getäuſcht! Ich verſprach den Gemeinen die Verbannung der Woodvyilles und Ihr ſeid zu einem Woohville geflohen.“ zu reiten Vortheil zuruckget aufgeſtan der Norn henden S „Ich freut mich Bisher ſeh folgt. Je hoffen.“ Graf von 8 Hauſes 8 Eduard , da mich ſſen kann, nen. Ich allfahrten, ohl meines on London wird bald rrwick auch en Herz ich eine Seite ſtärkungen, Hin großer zurück. Um on Pferden, der Schild⸗ und als er Beſtuͤrzung rwick raſch renge, aber Herz ſchlug nblickte. ngſam und erſprach den nd Ihr ſeid — 265 „Euer Verſprechen wurde Rebellen gegeben, denen man nicht Wort zu halten braucht, und ich ging von einer Schaar von Meuterern in das Lager eines loyalen Kriegers über.“ „Wir wollen jetzt keine Worte verſchwenden, König,“ antwortete Warwick.„Geruht aufzuſitzen und nordwärts zu reiten. Die Schotten haben an der Grenze große Vortheile gewonnen. Der Herzog von Gloueeſter iſt zurückgetrieben worden. Alle Laneaſtrier im Norhen ſind aufgeſtanden. Margaretha von Anjou iſt an den Küſten. der Normandie, und bereit, bei dem erſten entſchei⸗ denden Siege ihrer Anhänger abzuſegeln.⸗ „Ich bin bei Euch,“ antwortete Eduard,„und es freut mich, daß ich endlich einem Feinde begegnen kann. Bisher ſchien es, als würde ich nur von Schatten ver⸗ folgt. Jetzt kann ich auf wirkliche Gefahr und Schlacht hoffen.“ 3 „Ein Roß ſteht für Eure Majeſtät bereit.“ „Wohin reiten wir zuerſt? „In mein Schloß Warwick, welches hier in der Nähe liegt. Morgen um Mittag wird Alles zu unferm Marſche nach dem Norden bereit ſein.“. Eduard, der ſich jetzt gerüſtet hatte, ſchritt aus dem Zelt in die freie Luft. Es war eine auffallende Scene — der Mond ſchien außerordentlich hell und der Himmel war heiter, aber um das Zelt ſtand ein Trupp von Fackel⸗ trägern, und der dunkelrothe Schein fiel auf die Rüſtun⸗ gen der Reiter und die Fahnen des Grafen, auf welchen man den grimmigen weißen Bären auf ſchwarzem Grunde Bulwer, Barone, II. 18 ſah, und auf einem andern Felbe den braunen Stier nebſt dem goldenen Adler der Monthermer. So weit des Koͤnigs Auge reichen konnte, ſah er nur Warwicks Lan⸗ zen, während ein verwirrtes Geräuſch in ſeinem Lager ihm ſagte, daß die Truppen, welche Anton Woohyille zuſammengebracht hatte, noch nicht in Ordnung waren. Evuard trat zurück. „Und Lord Anton von Seales und Rivers?⸗ ſagte er zaudernd. „Wählt zwiſchen dem Lord Anton von Seales und Rivers und Richard Nevile, König,“ antwortete War⸗ wick in leiſem und ſtrengem Tone. Ebuard ſchwieg, und in demſelben Augenblick kam Anton ſelber aus ſeinem, neben hem des Königs befind⸗ lichen Zelt mit dem Erzbiſchof von York, der in War⸗ wicks Begleitung dorthin geritten war. „Mein Lehnsherr,“ ſagte dieſer tapfere Ritter, vor dem Könige niederkniend,„ich habe von dem Erzbiſchof die neuen Gefahren gehört, die Eure Majeſtät erwarten, und es thut mir ſehr leid, daß Eure Rathgeber es für paſſend halten, mir den Ruhm zu verbieten, an Eurer Seite zu fechten oder zu fallen! Ich kenne nur zu gut ben unglücklichen Haß, den man in den nördlichen Län⸗ dern mit meinem Hauſe und Namen vereint, um die Klugheit zu beſtreiten, die meine Abweſenheit von Eurer Armee beſtimmt. Ich bitte um Eure königliche Erlaub⸗ niß, England verlaſſen zu dürfen, bis dieſe Fehden vor⸗ über ſind, um meine Wallfahrt zu dem geheiligten Altar von Compoſtella zu vollenden.“ Ein glühendes Roth verbreitete ſich üͤber des Königs reißen kö Lord Wa mehr als Warr Roß und Hand. D ertönten u von heider Unterthan Am ne nie einen machen! 1 Thron übe Baron da nen Stier Hweit des wicks Lan⸗ nem Lager Woodville ng waren. 32“ ſagte Seales und ttete War⸗ nblick kam igs befind⸗ r in War⸗ ditter, vor Erzbiſchof erwarten, ber es für an Eunrer nur zu gut ichen Län⸗ tt, um die von Eurer de Erlaub⸗ ehden vor⸗ igten Altar des Königs 267 Geſicht, als er ſeinen Schwager erhob und ihn an ſeine Beuſt drückte. „Geht oder bleibt, wie Ihr wollt, Anton!“ ſagte er,„aber laßt dieſe ſtolzen Maͤnner wiſſen, daß weder Zeit noch Abweſenheit Guch von Eures Koͤnigs Herzen reißen können. Aber der Neid muß ſeine Stunde haben. Lord Warwick, ich begleite Euch, aber wie es ſcheint, mehr als Euer Gefangener, denn als Euer Lehnsherr.“ Warwick antwortete nicht; der König beſtieg ſein Roß und machte gegen Anton eine Bewegung mit der Hand. Die Fackeln ſchwankten hin und her, die Hörner ertönten und in mißmuthigem und trotzigem Schweigen von beiden Seiten ritten Ehuard und ſein gefürchteter Unterthan auf die Thürme von Warwick zu. Am nächſten Tage erblickte der König mit Erſtaunen die ungeheure Truppenmaſſe, die der Graf in ſo kurzer Zeit um ſeine Fahne geſammelt hatte. Von ſeinem Fenſter aus, welches die Ausſicht über einen lieblichen Hügel gewährte, von welchem ſo man⸗ cher Reiſende jetzt mit Augen um ſich blickt, welche die ſtürmiſche und ritterliche Vergangenhelt zurückzurufen ſachen, erblickte Epuard den Grafen auf ſeinem berühm⸗ ten ſchwarzen Schlachtroſſe, wie er die Tauſende muſterte, die in langen Reihen Pike und Lanze zu der wolkenloſen Sonne erhoben. „Bei alledem,“ murmelte der König,„kann ich doch nie einen neuen Edelmann zu einem großen Baron machen! Und wenn im Frieden ein großer Baron den Thron überſchattet, ſo iſt in Kriegszeiten ein großer Baron das Bollwerk des Thrones! Wahrlich, ich waͤre 1 268 toll geweſen, hätte ich eine ſolche Armee von mir ge⸗ ſtoßen— eine Armee, die eines Königs würdig iſt! Sie dienen Warwick jetzt— aber Warwick iſt weniger geſchickt in der Kriegskunſt als ich— und Krieger, gleich den Hunden, lieben den geſchickteſten Jäger am meiſten!“ Siebentes Kapitel. König Eduard kommt im Schloſſe Middleham an. Auf den Mauern des Schloſſes Middleham, auf demſelben Platze, wo Anna Iſabella den Roman ihrer rindiſchen Liebe mitgetheilt hatte, ſtanden die Schwe⸗ ſtern wieder und erwarteten die Ankunft ihres Vaters und des Koͤnigs. Sie waren erſt vor zwei Tagen mit ihrer Mutter in Mihdleham angekommen, und am ver⸗ gangenen Abend war eine Avantgarde im Schloſſe ein⸗ getroffen, um die Ankunft hes Grafen mit ſeinem könig⸗ lichen Kriegsgefährten und Gaſte anzumelden. Von der Höhe ſahen ſie ſchon eine große Schaar in vortrefflicher Ordnung auf das mächtige Gebäude zumarſchiren. „Sieh!“ rief Iſabella,„ſieh! ſchon glaube ich Cla⸗ rence's weißes Roß zu bemerken. Ja! er iſt es! Es iſt mein Georg— mein Gemahl! Die Fahne, die ihm vorausgetragen wird, zeigt ſeine Deviſe.“ „Ach! glückliche Iſabella!“ ſagte Anna ſeufzend, warten!“* ſchlanke Taille ihrer Schweſter umſchlingend,„wenn „welches Entzücken, die Ankunft des Geliebten zu er⸗ „Liebe Anna,“ entgegnete Iſabella, zärtlich die Du die e wirſt Du doch,“ f er das E Herz ſeir Georgs! Stirn. 2 meinem? die der T weil ich aber Du, nen Gem haben un von der „Im „Sie „Die fürchtet it den Graf Meines wurde, en raubte.“ „Ha vertraut „Nei „Edu ſagte Iſa fordern, Anna— nicht zu on mir ge⸗ bürdig iſt! iſt weniger d Krieger, Jäger am m an. leham, auf oman ihrer die Schwe⸗ res Vaters Tagen mit nd am ver⸗ ſochloſſe ein⸗ inem könig⸗ n. Von der ortrefflicher ſchiren. be ich Cla⸗ es! Es iſt e, die ihm a ſeufzend, bten zu er⸗ zärtlich die nd,„wenn 269 Du die eitle Thorheit Deiner Kindheit überwunden haſt, wirſt Du ſelber Deinen eigenen Clarenee finden. Und doch,“ fügte die junge Herzogin lächelnd hinzu,„muß er das Gegentheil von Clarence ſein, wenn er für Dein Herz ſein ſoll, was Clarenee für das meine iſt. Ich liebe Georgs heitere Laune— Du liebſt eine ſchwermüthige Stirn. Ich liebe jene reizende Schwäche, die ſich nach meinem Weiberwillen fügt— Du liebſt eine ſtolze Natur, die der Deinen gebietet. Ich achte Georg nicht weniger, weil ich weiß, daß mein Geiſt ſtärker iſt als der ſeine; aber Du, gleich unſerer ſanften Mutter, möchteſt Dei⸗ nen Gemahl zum Herrn und Gebieter in allen Dingen haben und von ſeinem Leben leben, wie der Schatten von der Sonne. Aber wo ließeſt Du unſere Mutter?“ „Im Betzimmer, beim Gebet!“ „Sie iſt in der letzten Zeit traurig geweſen.“ „Die ſchweren Zeiten ſtimmen fie düſter, und ſie fürchtet immer, des Könizs Falſchheit oder Laune werde den Grafen zu einer uͤbereilten Unternehmung aufregen. Meines Vaters Brief, der ihr geſtern Abend überbracht wurde, enthält etwas, was ihr dieſe Nacht den Schlummer raubte.“ „Ha!“ rief die Herzogin lebhaft,„meine Mutter vertraut Dir mehr als mir! Sahſt Du den Brief?“ „Nein.“ „Eduard wird ſich ſelbſt unfähig machen, zu regieren,“ ſagte Iſabella plötzlich.„Die Barone werden ihn auf⸗ fordern, der Krone zu entſagen, und dann— und dann Anna— Schweſter Anna— Warwicks Töchter können nicht zu einfachen Unterthanen geboren ſein!“ 270 „Iſabella, Gott mäßige Deinen Ehrgeiz! O bän⸗ dige ihn— drücke ihn nieder! Mißbrauche nicht Deinen Einfluß über Clarence. Laß nicht den Bruder nach des Bruders Krone ſtreben.“ „Schweſter, das Diadem eines Königs bedeckt alle Sünden, die in dem Kopfe erdacht wurden, welcher es gewinnt!“ Während die Herzogin ſprach, ſprühten ihre Augen und ihre Geſtalt erhob ſich. Ihre Schöͤnheit erſchien faſt ſchrecklich. Die ſanfte Anna ſah ſite mit einem Schaubder an, aber ehe ſie Worte des Tadels fand, ſahen ſie die Gräfin, ihre Mutter, langſam auf ſie zukommen. Sie trug ihr Prachtgewand, um ihren königlichen Gaſt zu empfangen; das Kleid ging bis zum Halſe hinauf, war mit Her⸗ melin beſetzt und dicht mit Juwelen beſäet; die Armel waren eng, und darüber trug ſie noch ein zweites Paar Armel, die ſo weit und lang waren, daß ſie bis auf den Boden niederhingen. Das Gewand von carmeſinrothem Sammet, mit Hermelin beſetzt, hildete ein nicht weniger anmuthiges als prächtiges Koſtüm; da, wo es eng war, zeigte es die außerordentliche Symmetrie einer noch jugendlichen Geſtalt, und wo es weit und flatternd war, erhöhte es die Majeſtät einer von Natur mehr ſanften und weiblichen, als ſtolzen und ſtattlichen Schönheit. Als ſte ſich ihren Kinvern näherte, hätte man ſie eher für ihre Schweſter als für ihre Mutter halten ſollen, und es ſchien, als ob die Zeit ſich ſchene, eine Perſon rauh zu berühren, für welche ſo großer Kummer aufbewahrt war! Das Geſicht der Gräſin war ſo traurig in ſeiner kehren, l ſo, Ifab den morg Die Tro⸗ in die H Ehe einen dur Das Fal von Clar tigams a die ſein E wehr, ſti Hand. C und drüch oder die Jſabe 81 Obän⸗ icht Deinen er nach des bedeckt alle welcher es ihre Augen erſchien faſt Hauber an, die Graͤfin, die trug ihr mpfangen; mit Her⸗ die ÄArmel beites Paar bis auf den neſinrothem cht weniger es eng war, einer noch tternd war, ehr ſanften nheit. Als ie eher für ollen, und ſon rauh zu vahrt war! in ſeiner 274 ruhigen und lieblichen Reſignation, daß ſelbſt die ſtolze Iſabella gerührt wurde, und indem ſie ihrer Mutter Hand küßte, fragte ſte, ob traurige Nachrichten der Ankunft ihres Vaters vorhergegangen ſeien? „Ach, meine Iſabella! die Zeiten ſelber ſind trau⸗ rige Nachrichten! Deine Jugend erinnert ſich kaum der Tage, wo Bruder gegen Bruder focht und des Sohnes Schwert ſich gegen des Vaters Bruſt erhob. Aber ich, die ich mich ihrer erinnere, zittere bei dem unbedeutend⸗ ſten Gerücht, welches mit einem Bürgerkriege droht.“ Sie ſchwieg, und indem ſie ein Lächeln erzwang, fügte ſie hinzu:„Unſere Weiberfurcht darf indeß unſere Herren nicht durch ein unwillkommenes Geſicht verſtimmen; denn Männer, die an ihren heimiſchen Heerd zurück⸗ kehren, haben ein Recht an des Weibes Lächeln, und ſo, Iſabella, müſſen wir, die wir Beide Weiber ſind, den morgenden Tag über den heutigen vergeſſen! Horch! Die Trompeten ertönen näher und näher— laßt uns in die Halle gehen.“ Ehe ſie aber noch das Schloß erreichten, hörten fie einen durchdringenden Trompetenton am äußern Thor. Das Fallgatter wurde erhoben und der junge Herzog von Clarence galoppirte mit der Ungeduld eines Bräu⸗ tigams allein durch den düſtern Thorweg, und Jſabella, die ſein Geſicht gewahr wurde erhob ſich über die Bruſt⸗ wehr, ſtieß ein Freudengeſchrei aus und winkte mit der Hand. Clarence hörte und ſah es, ſprang vom Pferde und drückte Iſabella an ſeine Bruſt, faſt noch ehe Anna oder die Gräfin den Ankommenden erkannten. Jſabella aber, die ſtets ſtattlich und geſetzt war, er⸗ V 272 holte ſich im Augenblick von der Freude, die ſie über die Rückkehr ihres Gemahls empfand, machte ſich ſanft aus ſeiner Umarmung los und ſah mit einem Erröthen zu den Zinnen hinauf, die mit dem Gefolge des Grafen angefüllt waren; Clarenee bemerkte und deutete den Blick. „Verehrte Schwiegermutter,“ ſagte er, ſich zur Gräfin wendend—, und wenn jene getreuen Begleiter auch wirklich die Freude ſehen, welche die Rückkehr des Bräutigams der ſchönen Braut einflößt— iſt das eine Urſache, daß dieſe zarte Wange vor Scham erröthe?“ „Iſt der König noch bei meinem Vater?“ fragte Iſa⸗ bella haſtig, indem ſie die Antwort der Gräfin unterbrach. „Ja gewiß, und ganz in der Nähe. Und verzeiht mir, theure Lady, ich vergaß zu ſagen, daß mein königlicher Bruder ſeine Abſicht angekündigt hat, die vorzüglichſten Offiziere der Armee in Middleham Hall anzureden. Dieſe Botſchaft gewährte mir eine gute Entſchuldigung, zu Euch und Iſabella zu eilen.“ „Alles iſt für Seine Majeſtät in Bereitſchaſt,“ ſagte die Gräſtn,„anßer unſerer eigenen Huldigung. Wir müſſen unſere Schritte beſchleunigen— komm Anna.“ Die Gräfin nahm den Arm der jüngeren Schweſter, während die Herzogin Clarenee ein Zeichen gab— er blieb zurück, Iſabella zog ihn auf die Seite und fragte: „Iſt mein Vater mit Eduard ausgeſöhnt?“ „Nein— auch Eduard nicht mit ihm.“ „Gut! der König hat keine eigenen Soldaten unter jenem bewaffneten Zuge?“ „Keine, außer einigen Wenigen von Anton Wood⸗ ville’s Rekruten. Raoul de Falke und St. John haben meine re Du glau Mordged Dir ſchei ſchen? T Vaters a außer in Gemeiner andere W Georg vr „Wä ternd— Veränder „Die wortete s nieder fü ie über die hſanft aus rröthen zu des Grafen e den Blick. „ſich zur Begleiter ückkehr des iſt das eine erröthe?* fragte Iſa⸗ unterbrach. erzeiht mir, königlicher züglichſten anzureden. huldigung, aft,“ ſagte ung. Wir im Anna.“ Schweſter, gab— er nd fragte: aten unter don Wood⸗ ohn haben 273 ſich in mürriſchem Zorne auf ihre Schlöſſer zurückge⸗ zogen. Aber haſt Du keine ſanfteren Fragen bei meiner Rückkehr, meine Schöne?“ „Verzeihe mir— viele— mein König.“* „König!“ „Welchen andern Namen ſollte der Nachfolger Eduard des Vierten führen?“ „Iſabella,“ ſagte Clarence in großer Aufregung, „wozu willſt Du mich verlocken? Eouard der Vierte verſchont Heinrich des Sechsten Leben, und ſoll Eduard des Vierten Bruder gegen ſein eigenes conſpiriren?“ „Verhüte Gott!“ rief Iſabella—„kannſt Du ſo meine redliche Meinung verkennen? O Georg, kannſt Du glauben, daß Dein Weib— Warwicks Tochter— Mordgebanken hegen ſollte? Nein! Die Laufbahn vor Dir ſcheint einfach und fleckenlos! Kann Eduard herr⸗ ſchen? Verlaſſen von ſeinen Baronen und ſelbſt meines Vaters ausdauernde leichtgläubige Liebe verſcherzend— außer in dem üppigen und unkriegeriſchen London allen Gemeinen verhaßt— wie kann er herrſchen? Welche andere Wahl iſt übrig, als Heinrich von Laneaſter oder Georg von York?“ „Wäre es auch ſo,“ ſagte der ſchwache Herzog ſtot⸗ ternd—„ſo glaube mir doch, daß Warwick keine ſolche Veränderung zu meiner Gunſt beabſichtigt.“ „Die Zeit bringt Manches raſch zur Reife,“ ant⸗ wortete Iſabella—„aber höre, man läßt die Zugbrücken nieder für unſere Gäſte.“ 274 Achtes Kapitel. Die Alten gaben mit Recht der Göttin der Beredſamkeit eine Krone. Die Gräfin von Warwick ſtand auf der Schwelle des Einganges, der zu den gewöhnlich von der Familie bewohnten Gemächern führte; und den mächtigen Zug anführend, der langſam durch den düſtern Bogen des Thorweges hereinmarſchirte, kam der Graf auf ſeinem ſchwarzen Streitroß und der junge König. Selbſt die ängſtliche Schloßfrau ſah von der Stelle aus, wo ſie ſtand, die mißmuthige und düſtere Miene, womit Eduard die ſtarken Mauern der Feſtung anſah und zu den Zinnen hinaufblickte die von den Pitken und Lanzen der Bewaffneten ſtarrten. „O Anna!“ flüſterte ſie ihrer jüngern Tochter zu, die neben ihr ſtand—„was find Weiber im Streite der Männer werth? Ich wollie, unſer Lächeln könnte die Wunzen heilen, die eine trotzige Rede in eines ſtolzen Mannes Herzen hervorbingt!“ Gerührt und neugierig gemacht durch die Worte ihrer Mutter, wollte Anna den Mann ſehen, der auf dem Throne des Prinzen ſaß, den ſie lie bte, trat weiter vor und plötzlich als der König ſeinen Kopf umwendete, fiel ſein Blick auf ihre lebhaften Augen und ihr blühendes Geſicht. „Wer iſt jenes ſchöne Fräulein, Vetter von War⸗ wick? fragte er. „Meine Tochter, Sire.“ „Ah! Eure jüngſte!— Ich habe ſie nicht geſehen, 86 ſeit ſie ein Kind war.“ Edu dem Sa ſteigen. ohne zu! er mit e laſſung o in Midd „Und mit nich er ſeine er langſa erhebend ſchönes welches v er mit ki traten in ihren ſtün Der dem Kön zu:„Wa beſſer für mützen zu „Du ſein Gefo „Eher Sterne vo dſamkeit eine r Schwelle der Familie htigen Zug Bogen des auf ſeinem der Stelle ere Miene, lung anſah Piken und Tochter zu, Streite der könnte die nes ſtolzen Vorte ihrer r auf dem weiter vor endete, fiel blühendes von War⸗ öt geſehen, 275 Eduard hielt ſein Pferd an; der Graf ſprang aus dem Saitel und hielt des Königs Steigbügel beim Ab⸗ ſteigen. Doch that er es mit hochmüthigem Geſichte und ohne zu lächeln.„Ich wollte der Erſte ſein, Sire,“ ſagte er mit einigem Nachdruck und als wollte er ſeine Herab⸗ laſſung entſchuldigen—„den Sohn des Herzog Richarb in Middleham willkommen zu heißen.“ „Und Eunren Lehnsherrn, Herr Graf,“ fügte Eduard mit nicht weniger ſtolzer Bedeutung hinzu, und indem er ſeine Hand leicht auf Warwicks Schulter ſtützte, ſtieg er langſam ab.„Steht auf, Lady,“ ſagte er, die Gräfin erhebend, die am Eingange kniete—„und auch Ihr, ſchönes Fraͤulein. Wahrlich— wir beneiden das Knie, welches vor Euch gekniet hat.“ Mit dieſen Worten faßte er mit königlicher Grazie die Hand der Gräfin und ſie traten in die Halle, als die Muſtkanten auf der Galerie ihren ſtürmiſchen Willkommenruf ertönen ließen. Der Erzbiſchof, welcher dicht hinter Warwick und tem Könige gefolgt war, flüſterte jetzt ſeinem Bruder zu:„Warum will Eduard die Offiziere anreden?“ „Ich weiß nicht.“ „Er hat ſich mit Vielen auf dem Marſche vertraut gemacht.* „Vertraulichkeit mit einer Stahlhaube ſchickt ſich beſſer für einen König, als mit den ſchmutzigen Flach⸗ mützen zu zechen.“ „Du fürchteſt doch nicht, daß er dem weißen Baͤren ſein Gefolge abwendig mache?“ „Eben ſo leicht könnte ich fürchten, er werde die Sterne von ihrem Umgange um die Sonne abrufen.“ 276 Während dieſe Worte gewechſelt wurden, führte die Gräfin den König zu dem erhöhten Thronſeſſel, neben welchem noch zwei Stühle ſtanden, und zu gleicher Zeit traten ihm der Herzog und die Herzogin von Clarenee entgegen. Der König verhinderte ihr Niederknieen und küßte Iſabella leicht und ernſt auf die Stirn.„So, edle Dame, begrüße ich den Eintritt der Herzogin von Cla⸗ renee in die königliche Familie von England.“ Ohne Zeit zur Antwort zu laſſen, ging er weiter und ſetzte ſich auf den Thron, während Iſahella und ihr Gemahl auf den Stuͤhlen zu beiden Seiten Platz nahmen. Auf einen Wink des Königs ſetzten ſich die Gräfin und Auna auf weniger hohe Stühle, die aber noch auf der Erhöhung ſtanden. Während Eduard da ſaß, füllte ſich die Halle nach und nach mit den Lords und Rittern, die in Warwicks Armee commandirten, während der Graf und der Erzbiſchof, der Eine vom Kopf bis zu den Füßen gerüſtet, auf ſein Schwert geſtützt, und der Andere mit übereinander geſchlagenen Armen in ſeinen langen Ge⸗ wändern, ſtumm in der Mitte da ſtanden. Des Königs Auge überſchaute klar, feſt und maje⸗ ſtätiſch die kriegeriſche Verſammlung, die des Kriegs⸗ raths elnes Monarchen würdig war und wovon nicht Einer unter dem Banner eines Monarchen marſchirte! Ihr Schweigen, ihre Diseiplin, der Glanz ihrer Waffen, der noch größere Glanz ihrer edlen Namen— Alles dies bildete einen ſchmerzlichen Gegenſatz zu dem kleinen auf⸗ rühreriſchen Lager zu Olney, ſowie zu den mürriſchen und ungeübten Rekruten Anton Woodyllle's. Aber Ebuard, deſſen Schritt, deſſen Geſtalt und deſſen Anblidh den Ma der Hert nicht der der ſein linke Ha mit her: „Lor wie eine maßte, gebeten, Worte, die füͤr d ſein könn lung des Damen, raden! entgegen ein Pfeil wie es ei führte die ſel, neben eicher Zeit n Clarenee kknieen und „So, edle n von Cla⸗ 4 Per weiter ella und ihr atz nahmen. Gräfin und noch auf der , füllte ſich Rittern, die d der Graf den Fußen Andere mit langen Ge⸗ t und maje⸗ marſchirte! rer Waffen, Alles dies keleinen auf⸗ mürriſchen e's. Aber ſſen Anblick 7 27 den Mann verkündete, der ſich ſeiner Rechte bewußt iſt, der Herr von Allen zu ſein, verrieth ſeiner Umgebung nicht den königlichen Stolz, den erhabenen Kummer, der ſein Herz erfüllte. Sitzen bleibend erhob er ſeine linke Hand, um Schweigen zu gebieken, während er mit der rechten ſein Federbaret wieder aufſetzte. „Lords und Herren,“ ſagte er, indem er ſich zugleich wie eine natürliche Sache das prächtige Gefolge an⸗ maßte,„wir haben unſern Wirih um die Erlaubniß gebeten, einige Worte an Euch richten zu dürfen— Worte, die es einem Koͤnige auszuſprechen beliebt und die für die Ohren eines loyalen Unterthanen nicht hart ſein können. Auch wollen wir bei dieſer großen Wand⸗ lung des unbeſtändigen Glücks Uns nicht bei Euch, edle Damen, entſchuldigen, daß Wir in Eurer Gegenwart vom Kriege zu der Ritterſchaft reden, welche ſtets die ge⸗ ſchwornen Vertheidiger der Tochter und der Gattin ſind — denn die Töchter und die Gattin unſers Vetters Warwick haben zu viel Heldenblut in ihren blauen Abern, um beim Anblick der Helden zu erbleichen. Kriegskame⸗ rahen! So weit ſind wir unſerm Feinde auf der Grenze entgegenmarſchirt, ohne daß ein Schwert gezogen oder ein Pfeil vom Bogen abgeſchoſſen iſt. Wir glauben, daß ein Segen auf dem Haupte eines wahren Koͤnigs ruht und daß die Kriegstrompete eines guten Engels ſeinem Pfade vorhergeht, der den Sieg verkändet, der ſeiner wartet. Hier in der Halle des Grafen von Warwick und des Oberbefehlshabers danken wir Euch für Euer wil⸗ liges Erſcheinen und Euren loyalen Dienſt, und hier, wie es einem König ziemt, verſprechen wir Euch die Ehre, die ein König allein auf wuͤrdige Weiſe gewähren kann.“ Er hielt inne und ſein lebhaftes Auge wanderte von einem Anfüͤhrer zum andern, indem er fortfuhr: „Man hat uns benachrichtigt, daß gewiſſe verleitete und verrätheriſche Lords ſich der Roſe von Lancaſter ange⸗ ſchloſſen haben. Wer dies thut, iſt auf immerdar mit Leben und Familie der Acht verfallen! Seine Beſitzungen und Würden ſollen die Männer bereichern und adeln, die für mich kämpfen. Gebe der Himmel, daß ich Feinde genug habe, um alle meine Freunde zu belohnen! Je⸗ dem Baron, der Eouard den Vierten als Koͤnig auer⸗ kennt— nicht nur als König dem Namen nach, als König beim Banket und im Prunkgemach, ſondern alt Auführer und Befehlshaber im Kriege— dem hoffe ich eine neue Baronie zu geben, jedem Ritter ein neues Rittergut, jedem Freiſaſſen ein neues Freigut und jedem Soldaten einen jährlichen Sold. Was ich noch mehr thun kann, das ſteht Jedem frei von mir zu fordern— denn meine Beſitzungen von York ſind groß und mein Herz iſt noch größer!* Ein Gemurmel des Beifalls und der Verehrung verbreitete ſich unter der Verſammlung. So ſehr auch die Krieger dem Grafen zugethan waren, ſo fühlten ſie voch, daß ein Monarch unter ihnen ſei. „Was ſagt Ihr alſo? Wir find reif zum Ruhm. Drei Tage wollen wir als Gaſt unſers ehlen Unterthans in Middleham verweilen.“ „Drei Tage, Sire!“ wieherholte Warwick im Tone der Üüberraſchung. „Ja; und dies, edler Vetter und Ihr Lorhs und Herren, William mit dem einen“— Ausſehen Grafen 1 Grafſchaf Strömen, dreifache? Selbſt ni Herren, r ſeinen Ru Namen un wurdet— Freunde; meinen en genet um ſ zur Ruhe e wenn irgen reich einen eaſter an, commandir ich zu dieſ verlaß uns benden Die die Herzen umgeben, l. laßt mich mich begün Und als e gewähren ee wanderte r fortfuhr: rleitete und aſter ange⸗ merdar mit Beſitzungen und adeln, Pich Feinde ohnen! Je⸗ doͤnig auer⸗ nach, als ſondern alt em hoffe ich ein neues t und jedem fordern— ß und mein Verehrung bo ſehr auch fühlten ſie noch mehr Lords und Herren, iſt mein Grund zu der Zögerung. Ich habe Sir William Lord Haſtings an den Herzog von Gloueeſter mit dem Befehl abgeſchickt, ſich hier mit uns zu ver⸗ einen“— der Erzbiſchof ſtutzte, nahm aber ſein ruhiges Ausſehen gleich wieder an—„an Lord Montagu, Grafen von Northumberland, alle Vaſallen unſerer Grafſchaft York zu den Waffen zu rufen. Gleich drei Strömen, die ſich in den Ozean ergießen, ſoll unſere dreifache Armee zuſammentreffen und zum Kriege eilen. Selbſt nicht dem großen Grafen von Warwick, Ihr Herren, will Eduard der Vierte ſein Königreich und ſeinen Ruhm ſchuldig ſein. Wenn Ihr in Warwick's Namen und nicht in meinem Namen zuſammengerufen wurdet— ſo mag es ſein! Ich beneide ihn um ſolche Freunde; aber ich will eine eigene Armee haben, um meinen engliſchen Soldaten zu zeigen, wie ein Planta⸗ genet um ſeine Krone kämpft. Meine Herren, Ihr ſeid zur Ruhe entlaſſen. In drei Tagen marſchiren wir! Und wenn irgend einer von Euch in dieſem ſchönen Koͤnig⸗ reich einen Mann weiß, gehöre er nun York oder Lan⸗ eaſter an, der mehr geeignet iſt, tapfere Unterthanen zu commandiren, als der, welcher Euch jetzt anredet, ſo ſage ich zu dieſem Manne: Lenke Dein Pferd um und verlaß uns! Tyrannen und Feiglinge mögen widerſtre⸗ benden Dienſt erzwingen, meine Krone wurde durch die Herzen meines Volkes gewonnen! Von jenen Herzen umgeben, laßt mich herrſchen— oder von ihnen betrauert, laßt mich fallen! Gott und der heilige Georg mögen mich begünſtigen, ſo wahr ich die Wahrheit rede!“ Und als der König ſchwieg, entbloͤßte er das Haupt 280 und küßte das Kreuz ſeines Schwertes. Eine lebhafte Bewegung durchzuckte die Verſammlung. Viele waren zugegen, die ihm perſönlich abgeneigt waren, und die Warwicks Einfluß allein hätte zu den Waffen rufen können; aber am Schluſſe dieſer begeiſterten und könig⸗ lichen Anrede, die ihre tauſendfache Wirkung von der Stimme und der Miene des Rehners entlehnte, war kein anderes Gefühl als das der begeiſterten Loyalität, welches faſt an thränenvolle Bewunderung grenzte, in den Herzen der ſtahlgerüſteten Menge. Als der Koͤnig das Kreuz ſeines Schwertes erhob, ſprang jede Klinge aus der Scheide und ſchimmerte in der Luft. Die beſtäubten Fahnen in der Halle wehten wie von einem mächtigen Windſtoße bewegt, als ſich unter dem Raſſeln der Rüſtungen der allgemeine Ruf erhob:„Es lebe Eduard der Vierte! Es lebe der König!“ Selbſt während dieſer Aufregung richtete die ſanfie Gräfin ihre Blicke ängſtlich auf Warwick, deſſen Geſicht, obgleich das Vifir erhoben war, nichts verrieth, was in ſeinem Geiſte vorging. Ihre Töchter waren mächtig er⸗ griffen; denn Iſabellens Verſtand war nicht ſo ſehr durch ihren Ehrgeiz geblendet, daß ſich Eduards königliches Weſen ihr nicht mit ſolcher Macht aufdrängte, daß ihre aufſtrebenden Hoffnungen ſelbſt auf einen Augenblick unterdrückt wurden. War dies der Mann, der unfähig war, zu regieren? Dies der Mann, der freiwillig die Krone niederlegen ſollte? Dies der Mann, dem Georg von Clarenee ohne Brudermord nachfolgen konnte?— Nein!— Da ſprach die Seele des erſten und dritten Ebuard des ung Und die heiligere ſah zum mit dem Thron k in der 2 Stärke, Geſtalt! in ſeinen Das Bil los ſtand dem Sch ben, ſah von Lan Schrecker ihre Phe letzte Hu dete, ſat zu Bohen Der. Gegenwa geſtattet. unbekannt nete, wel wieſen, vn auf ihren einer ſolc Fragen zu Bulwer ne lebhafte Viele waren en, und die affen rufen und könig⸗ ing von der te, war kein Loyalität, enzte, in den ertes erhob, himmerte in dalle wehten gt, als ſich emeine Ruf Es lebe der ſieth, was in mächtig er⸗ ſo ſehr durch königliches gte, daß ihre Augenblick der unfähig eiwillig die dem Georg konnte?— und dritten Ebuarb! Da ſchüttelte die Mäͤhne, da glühte bas Auge des ungebändigten Löwen der erhabenen Plantagenets! Und dieſelbe überzeugung, welche einen ſanfteren und heiligeren Kummer erweckte, erfüllte Anna's Herz: ſie ſah zum erſtenmal den ſchrecklichen Feind klar vor Augen, mit dem ihr unglücklicher und geliebter Prinz um den Thron kämpfen mußte. Im Gegenſatz zu jener Geſtalt in der Blüte der männlichen Jugend— ein Rieſe an Stärke, ein Gott an Schönheit— erhob ſich die zarte Geſtalt des ſchwermüthigen Knaben, der in fernem Exil in ſeinen Träumen das Seepter und die Braut vereinte! Das Bild ihres jungen Prinzen, gebunden und freund⸗ los ſtand es vor dem Throne jenes Kriegerkönigs. In dem Schimmer der zahlloſen Schwerter, die ſich erho⸗ ben, ſah ſie die mörderiſche Klinge auf den jungen Erben von Lancaſter niederfallen! Ihre Leidenſchaft, ihr Schrecken überwältigten ſie bei dem Traumbild, welches ihre Phantaſie heraufbeſchworen hatte, und ehe das letzte Hurrah ſein hohles Echo zu der Deche hinauſſen⸗ dete, ſank ſie bleich und bewußtlos von ihrem Stuhle zu Bohen. Der König hatte nicht ohne Abſicht die ungewohnte Gegenwart der Frauen bei dieſer kriegeriſchen Andienz geſtattet. Theils, weil ihm Iſabella’s Ehrgeiz nicht unbekannt war, iheils weil er auf die Zärtlichkeit rech⸗ nete, welche die Gräfin ihm in ſeinen Knabenjahren er⸗ wieſen, von der man ſagte, daß ſie ſehr großen Einfluß auf ihren Gemahl habe. Aber vorzüglich, weil er in einer ſolchen Gegenwart alle Verhandlung und alles Fragen zu vermeiden und die Wirkung ſeiner Beredſam⸗ Bulwer, Barone. H. 19 282 keit, worin er, Glonceſter allein ausgenommen, alle ſeine Zeitgenoſſen übertraf, ungeſchwächt zu erhalten hoffte; und als er aufſtand und mit majeſtätiſcher Ver⸗ beugung den Zuruf der Krieger erwiderte, richtete ſich ſein Auge zu den Stühlen, wo die Damen ſaßen, und er bemerkte zuerſt die Ohnmacht der ſchönen Anna. Mit der zarten Anmuth, die ſtets ſein Benehmen gegen die Damen auszeichnete, ſtieg er ſogleich von ſei⸗ nem Thron und erhob die lebloſe Geſtalt in ſeinen ſtarken Armen; und als er ſich über ſie neigte, erſchien Anna ſo außerordentlich liebenswürdig in ihrer marmornen Stille, daß ſelbſt in jener Stunde ein lebhaftes Gefühl ſein Herz durchzuckte, welches ſtets ebenſo empfänglich war für die Schönheit, wie die Harfenſaite für des Windes leiſen Hauch. „Es iſt nur von der Hitze, Mylady,“ ſagte er zu der beſtürzten Gräfin,„und laßt mich hoffen, daß das Intereſſe, welches meine ſchöne Verwandte an dem bis⸗ her vereinten Schickſal Warwicks und Yorks nimmt—⸗ „Mögen ſte ſtets vereint ſein!“ ſagte Warwick, der, als er den Zuſtand ſeiner Tochter ſah, ſich raſch dem Dais näherte. Gerührt durch des Königs Rede, durch die Gefahren, die ſeinen Thron umgaben, und die Milhe, die er gegen die geliebte Anna zeigte, vergaß er ſeine Rache und die Ceremonie und reichte ihm ſeine mit dem Panzerhandſchuh bedeckte Hand hin. Als der Koͤnig Anna den Armen ihrer Mutter übergeben hatte, ergriff er mit kriegeriſcher Freimüthigkeit und mit der Geiſtes⸗ gegenwart, die ſich unter dem warmen Außern harg, die ihm dargereichte Hand, und indem er noch den eiſernen Hanbſch ten Ha zu welch Verwir und rief Hand, zum An⸗ Ambos trennen In Eduard an den 6 brachte Eheliches Der Präl⸗ burt eines Wäͤßh die tägli Bade vot erholte, ders auf. „Bru Muthwil glänzend verließeſt ſachen, un mmen, alle zu erhalten ttiſcher Ver⸗ richtete ſich ſaßen, und n Anna. n Benehmen leich von ſei⸗ ſeinen ſtarken rſchien Anna marmornen haftes Gefühl empfänglich ſaite für des a ſagte er zu ffen, daß das an dem bis⸗ s nimmt—* Warwick, der, ſich raſch dem Rede, durch ind die Milde, gaß er ſeine eine mit dem s der Koͤnig mhhatte, ergriff t der Geiſtes⸗ pern barg, die h den eiſernen Handſchuh mit ſeiner bloßen mit Diamantringen bedeck⸗ ten Hand feſthielt, ging er bis an den Rand des Dais, zu welchem ſich in der durch Anna's Ohnmacht erregten Verwirrung die vornehmſten Officiere gedrängt hatten, und rief laut:„Seht! Warwick und Eduard Hand in Hand, wie ſie ſtanden, als die Trompeten bei Touton zum Angriff blieſen! Und welche Schwerter, auf dem Ambos eines Sterblichen geſchmiedet, können ſie trennen?“ In einem Augenblick beugte ſich jedes Knie, und Eduard ſah frohlockend, daß, was vorher Anhänglichkeit an den Grafen geweſen war, jetzt dem Könige darge⸗ brachte Huldigung war! Neuntes Kapitel. Eheliches Vertrauen und Liebe— Der Graf und der Prälat— Der Prälat und der König— Pläne— Ränke— und die Ge⸗ burt eines ſchwarzen Qedansens„Walcher die Sonne verfinſtern Waͤhrend Eduard vor dem Banket, wie es damals die tägliche claſſiſche Sitte war, ſich in dem gaſtlichen Bade von den koͤrperlichen und geiſtigen Anſtrengungen erholte, ſuchte der Erzbiſchof das Kabinet ſeines Bru⸗ ders auf. „Bruder,“ ſagte er, indem er ſich mit einigem Muthwillen auf den einzigen Stuhl warf, den das ſonſt glänzend ausgeſtattete Zimmer enthielt—„als Du mich verließeſt, um Eduard in Anton Woodville's Lager zu be⸗ . ſuchen, welches war da die Verabredung zwiſchen uns?“ 284 „Ich weiß von keiner,“ antwortete ber Graf, der ſeine Rüſtung abgelegt, ſeine Knappen entlaſſen und ſich zum Banket angekleidet hatte, mit Ausnahme des kurzen Oberkleides, welches ſchimmernd auf dem Seſſel ohne Lehne lag, und ſich gedankenvoll an die Wand lehnte, „Du weißt von keiner? Bedenke Dich, haſt Du Eduard als Gaſt oder als Gefangenen hiehergebracht?“ Der Graf faltete ſeine Angenbrauen.„Als Gefan⸗ genen, Erzbiſchof?“ Der Prälat betrachtete ihn mit kaltem Lächeln. „Warwick, Du, der Du keinen andern Menſchen täuſchen würdeſt, ſuchſt Dich jetzt ſelbſt zu täuſchen.“ Der Graf trat zurück und ſein kühnes Geſicht wurde ein wenig bläſſer. Der Prälat fuhr fort:„Du, der Du Eduard vom Lager entfernteſt und ihn von ſeinen Trup⸗ pen trennteſt— Du haſt ihn in die Mitte Deiner eige⸗ nen Anhänger geſtellt— Du haſt ihn, den ganzen Weg her von Rache und Wuth glühend, zu dieſer unbeſieg⸗ baren Feſte gefuͤhrt— und Du hältſt jetzt inne, erſtaunt über die Größe Deines Gefangenen; gleich einem Manne, der einen Tiger in ſein Haus führt— gleich einer Spinne, die eine Horniß in ihrem Netze gefangen hat!“ „Nein, ehrwürdiger Bruder,“ ſagte der Graf ruhig, „Ihr Geiſtlichen wißt nie, was in den Herzen Derje⸗ nigen vorgeht, welche fühlen und keine Complotte ent⸗ werfen. Als ich erfuhr, daß der König zu den Wooh⸗ villes geflohen ſei— daß er geſonnen ſel, das Wort zu brechen, welches ich in ſeinem Namen den Inſurgenten gegeben, da gelobte ich, er ſolle meine und ſeine Eht auslöſen oder ich wolle auf immer ſeinen Dienſt verlaſſen. Graf, der ntlaſſen und asnahme des dem Seſſel Wand lehnte, ch, haſt Du ergebracht?“ „Als Gefan⸗ Lächeln. ern Menſchen zu täuſchen.“ cht wurde ein Du, der Du ſeinen Trup⸗ Deiner eige⸗ t ganzen Weg eeſſer unbeſieg⸗ inne, erſtaunt ſeinem Manne, gleich einer ſefangen hat!“ er Graf ruhig, Herzen Derje⸗ fomplotte ent⸗ zu den Wooh⸗ das Wort zi Inſurgenten nd ſeine Ehrn jenſt verlaſſen, 287 gegen ſeine Krone, ſondern ihn ſeinem Schickſal zu über⸗ laſſen und in dieſen Hallen mein Amt niederzulegen. Aber waͤhrend er ſprach, und während er mich anſah, glaubte ich ſeiner Mutter Geſicht zu ſehen, ſeines Vaters theure Stimme zu hören— die Vergangenheit über⸗ wältigte mich und aller Zorn war verſchwunden. Da ich ſelber keinen Sohn habe, warum ſollte er nicht mein Sohn ſein?“ des Grafen Stimme bebte und Thränen ſtanden in ſeinen dunkeln Augen. „Rede ſo zu Iſabella, lieber Lord, denn ich fürchte, ihr hochſtrebender Geiſt—“ „Ah— wäre Iſabella ſein Weib geweſen!“ Er ſchwieg und wendete ſich ab. Dann, als wünſche er einer unangenehmen Erinnerung zu entgehen, fügte er hinzu:„Und nun, liebes Kind— dieſe zarten Finger haben oft meinen Panzer umgeſchnallt, laß ſie mir das Halsband des heiligen Georg umhängen; und wenn zornige Gedanken zurückkehren, ſo ſoll es mich erinnern, daß an dem Tage, wo ich es zuerſt trug, Richard von Nork zu ſeinem jungen Sohne Eduard ſagte:„Sieh jenen Stern an, Knabe, wenn Du in Stürmen und Ungewittern lernen willſt, welche Sicherheit in dem Herzen wohnt, welches keine Täuſchung kennt!“ Während des Mahles war der König, an deſſen Tiſche nur der Herzog von Clarenee und die Familie des Grafen ſaß, gegen Alle ſo gnädig, wie das Sonnen⸗ licht, beſonders aber gegen die Lady Anna; indem er ihr plötzliches Unwohlſein einer Urſache zuſchrieb, die nicht unſchmeichelhaft für ihn war, ſchien ihm ihre Schönheit, die einigenmaßen der der Koͤnigin glich, nur 1 288 daß ſie den Voriheil des edleren Ausdrucks und der Iugend hatte, gerade von dem Charakter zu ſein, den er am meiſten bewunderte. Selbſt ihre Schüchternheit und die Zurückhaltung, womit ſie ihm antwortete, hatten ihren Reiz, denn gleich vielen Männern, die ſelber von gebieteriſcher Natur und freien Willen ſind, zog er ſelöſt Geiſtesſchwäche bei einem Frauenzimmer der kräftigen Entſchloſſenheit vor; und daher kam vielleicht ſeine Gleichgültigkeit gegen Iſabella's glänzendere Schönheit. Nach der Mahlzeit waren die zahlreichen ſchönen und hochgebornen Fräulein, die das mehr als königliche Ge⸗ folge der Gräfin ausmachten, in der langen Galerie verſammelt, die ſich im dritten Stockwerk des Schloſſes befand und als das vorzüglichſte Prunkgemach diente. Der Tanz begann; aber Iſabella lehnte den Pavon ab und der König forderte die widerſtrebende und ſchwer⸗ müthige Anna dazu auf. Die ſtolze Iſabella, die Eduard niemals die ihr zu⸗ gefuͤgte Beleidigung verziehen hatte, empfand tief die ihrer Schweſter gezollte Bewunderung und unterhielt ſich abgeſondert mit dem Erzbiſchof, deſſen Liſt ihren Lippen leicht das Bekenntniß entlockte, daß ſie einen noch höhern Ehrgeiz hege als er ſelber. Er ermuthigte ſie nicht und redete ihr nicht ab; er dachte, es gäbe noch unmoͤglichere Dinge als die Thronbeſteigung Clarenee's; aber er war ein Mann, der niemals Plaͤne entwarf— außer für ſich ſelber und für die Kirche. Als der Ball ſich ſeinem Ende näherte, kam der Prälat auf den Grafen zu, der mit jener ausgezeichneten Höflichkeit, welche die unter ſeinem Range Stehenden bezaub übrige Wirth „Edua Gelege laſſen, nur zu hartnaͤ iſt nur Worts Königt „2 umwen Streit Db zu ſein gereich Lächeln abzuſch oder m „L Vetter „denn Gott 1 ſamme könnte He 3 und der ſein, den ächternheit ete, hatten ſelber von 8g er ſelöſt r kräftigen leicht ſeine Schönheit. chönen und igliche Ge⸗ en Galerie 3 Schloſſes ach diente. Pavon ab nd ſchwer⸗ die ihr zu⸗ nd tief die unterhielt Liſt ihren Clarence's; 289 bezauberte und im Gegenſatz zu dem Hochmuthe der übrigen Lords ſtand, unter ſeinen Rittern die Rolle des Wirths geſpielt hatte, und ſagte in leiſem Geflüſter: „Ebuard iſt in glücklicher Stimmung— laß uns die Gelegenheit nicht verſäumen. Willſt Du es mir über⸗ laſſen, alle Uneinigkeit zu beſeitigen, ehe er ſich zur Nuhe legt? Zwei ſtolze Männer können nie übereiu kommen, ohne einen Dritten von ſanfterer Gemüihsart.“* „Du haſt Recht,“ ſagte Warwick lächelnd,„doch iſt nur zu beſorgen, daß er Dir eher zu viel zugeſtehen, als hartnäckig ſein werde. Aber ſteh, Alles, was ich fordere, iſt nur Genugthuung für meine Ehre und Erfüllung des Worts, welches ich der Armee gegeben, die ich in des Königs Namen aufgelöst.“ „Alles!“ murmelte der Erzbiſchof, indem er ſich umwendete;„aber dieſes Alles iſt genug, um Dir einen Streit zuzuziehen, ohne Dir jedoch Macht zu bringen!“ Der Graf und der Erzbiſchof begleiteten den König zu ſeinem Zimmer und als man Eduard den Nachttrunk gereicht hatte, ſagte der Graf mit ſeinem freimüthigen Lächeln:„Sire, es ſind noch Geſchäfte zwiſchen uns abzuſchließen; mit wem wollt Ihr verhandeln— mit mir oder mit dem Erzbiſchof?“ „Ohl auf jeden Fall mit dem Erzbiſchof, lieber Vetter,“ rief der König, nicht weniger freimüthig, „denn, wenn wir Beide allein gelaſſen werden, ſo helfe Gott uns Beiden!— Wenn Feuerſtein und Stahl zu⸗ ſammentreffen, ſo fliegt das Feuer umher und das Haus könnte verbrennen.“ Halb lächelnd über die Aufrichtigkeit, halb ſeufzend 290 8 über den Leichtfiun der königlichen Antwort, verließ der Graf ſchweigend das Zimmer. Der König zog den weiten Schlafrock um ſich her, warf ſich auf die präch⸗ tige Bettdecke, ſtreckte ſich der Länge nach aus und winkte dem Erzbiſchof, ſich zu ſeinen Fuͤßen niederzuſetzen. Der Erzbiſchof gehorchte. Eduard erhob ſich auf ſeinen Ellbogen, und bei dem Lichte von ſieben ungeheuren Wachskerzen, die auf Wandleuchtern von maſſivem Silber ſtanden, ſahen der Prieſter und der König einander ernſt⸗ haft an, ohne zu reden. Endlich brach Eduard in ein lautes und helles Ge⸗ laͤchter aus und ſagte:„Bekennt, lieber Herr und Vetter, daß wir zwei geſchickten italieniſchen Fechtmeiſtern gleichen, wovon Jeder ſich durch den erſten Angriff eine Bloͤße zu geben fürchtet.“ „Gewiß!“ ſagte der Erzbiſchof,„Eure Majeſtät überſchätzt meine Eitelkeit, daß ich mich fähig halten könnte, ein ſo großartiges Duell zu beginnen. Wenn ein Streit zwiſchen uns wäre, ſo würde ich nur dadurch gewinnen, daß ich meine Bruſt entblößte. Des Königs Lippe verzog ſich zu einem ſpöttiſchen Lächeln, worauf ſogleich ein ernſter Ausdruck ſolgte. „Wir wollen viele Worte vermeiden und zur Sache kommen, Georg. Warwick iſt unwillig, weil ich die Ver⸗ wandten meiner Gattin nicht verlaſſen will— Ihr, weil ich Euch mit einigem Grunde das große Siegel des Kanzlers abgenommen habe—“ „Was mich betrifft, ſo antworte ich in aller Demuth, daß Eure Majeſtät irrt. Ich ſtrebte nie nach andern Ehren als nach deuen der Kirche.“ ungere reinige gegen aufger ein rul mir do nehme meiner Haus Tochte ſchaft rem I. loben. unpaff verließ der lig zog den fdie präch⸗ ch aus und lederzuſetzen. hauf ſeinen ungeheuren ſivem Silber nander ernſt⸗ Hhelles Ge⸗ und Vetter, tern gleichen, ne Bloͤße zu re Majeſtät fähig halten nen. Wenn nur dadurch ſpöttiſchen druck folgte. d zur Sache ich die Ver⸗ Ihr, weil Siegel des ler Demuth, nach andern 291 „Ei, iſt es ſo?“ ſagte Eduard, das glatte Geſicht des jungen Prälaten prüfend.„Ja, jetzt beginne ich Euch zu verſtehen. Wodurch habe ich die Kirche beleidigt? Habe ich das Geſetz zu lange gegen die Ketzer ſchlum⸗ mern laſſen? Wenn das iſt, müßt Ihr Warwick deßhalb tadeln.“*— „Im Gegentheil, Sire, ungleich andern Prieſtern, bin ich ſtets der Meinung geweſen, daß Verfolgung keine Trennung heilt. Blast keine erlöſchenden Kohlen an. Vielmehr denke ich, daß zu große Strenge den letzten Aufſtand herbeigeführt hat. Die Mutter der Königin, ungerechter Weiſe der Zauberei angeklagt, hat ſich zu reinigen geſucht, und Eure Majeſtät vielleicht zu eifrig gegen jenen unüberwindlichen Rieſen, Ketzerei genannt, aufgeregt.“ „Weiter,“ ſagte Eduard.„Es iſt alſo nicht Gleich⸗ gültigkeit gegen die Kirche, worüber Ihr Euch beklagt. I es Vernachlaͤſſigung gegen die Geiſtlichen? Ha! ha! Ihr und ich, obgleich noch jung, kennen die Farben, die das Fliiterwerk der Welt bilden. Erzbiſchof, ich liebe ein ruhiges Leben, wenn Euer Bruder und ſeine Freunde mir das nur geſtatten wollen, ſo mögen ſie alles Andere nehmen. Ich ſage noch einmal, ich kann die Verwandten meiner Gemahlin nicht verbannen, aber ich will Euer Haus noch feſter an das meinige binden. Ich habe eine Tochter, die in Ermanglung männlicher Nachkommen⸗ ſchaft die Erbin meiner Krone iſt. Ich will ſie mit Eu⸗ rem Neffen, dem Sohne meines geliebten Montagu, ver⸗ loben. Sie ſind noch Kinder, doch iſt ihr Alter nicht unpaſſend. Und wenn ich nach London zurückkehre, ſo 292 ſoll der junge Neoile Herzog von Bedſord werden, ein Titel, der hisher nur der königlichen Familie vorbehalten war. Dies ſei ein Band des Friedens zwiſchen der Mutter der Königin, die mit dem Hauſe Nevile denſelben Rang hat, auf welches er übergeht.“ Die Wange des Erzbiſchofs röthete ſich mit ſtolzer Freude; er neigte ſein Haupt und ehe er antworten konnte, fuhr Eduard fort:„Warwick ſteht ſchon ſo hoch, daß ich ihm keinen andern Rang geben könnte, als meinen Thron ſelbſt; und bei Gott, ich möchte lieber Lord War⸗ wick als König von England ſein! Aber hört, unſer ein⸗ ziger engliſcher Cardinal iſt alt und kränklich— wenn er in Abrahams Schooß übergeht, wen als Euch ſollte das heilige Collegium wählen? Ihr wißt, daß ich bei dem heiligen Vater in einiger Gunſt ſtehe. Gebietet über meinen Einfluß. Nun, Georg, ſind wir Freunde?“ Der Erzbiſchof küßte die ihm gnädig hingereichte Hand, und überraſcht, alle ſeine Pläne durch die ploͤh⸗ liche Bewilligung derſelben vereitelt zu ſehen, ſtockte ſeine Stimme vor aufrichtiger Bewegung, als er ſeine Dankbarkeit ausſprach. Aber plötzlich hielt er inne, ſeine Stirn verdüſterte ſich, und er ſagte mit einer bitteren Erinnerung an das einfache und biedere Ehrgefühl ſeines Bruders:„Aber ach, mein Lehensherr, in dieſem Allem liegt nichts, was unſern hartnäckigen Wirth befriedigen kann.* „Beim heiligen Georg und meines Vaters Haupt!“ rief Eduarh roth werdend und aufſpringend,„was for⸗ dert denn der Mann?“ „Ihr wißt,“ antwortete der Erzbiſchof,„daß War⸗ —— Friede dieſe v ſchlaͤff derden, ein vorbehalten der Mutter ‚elben Rang — mit ſtolzer antworten pon ſo hoch, als meinen Lord War⸗ , unſer ein⸗ ich— wenn Euch ſollte daß ich bei he. Gebietet c Freunde?“ hingereichte ch die ploͤt⸗ ehen, ſtockte als er ſeine er inne, ſeine iner bitteren gefühl ſeines h befriedigen ers Haupt!“ „„was for⸗ „daß War⸗ dieſem Allemn 293 wicks Stoltz nur aufgeregt wird, weun er ſeine Ehre verletzt glaubt. Unglücklicherweiſe machte er ſich, wie er meint, mit der vollen Zuſtimmung Eurer Majeſtät gegen die Jaſurgenten bei Oluey für die ehrenvolle Enilaffung der Lords von dem Geſchlechte der Woodvilles verbind⸗ lich. Und wenn dies nicht bewilligt wird, ſo fürchte ich, daß er alles Andere verwerfen wird und die Liebe zwi⸗ ſchen Euch nur hohl ſein kann!“ Eduard that nur drei Schritte durchs Zimmer, blieb dann dem Erzbiſchof gegenüber ſtehen, legte beide Hände auf ſeine Schultern, indem er ihm voll ins Geſicht blickte und ſagte:„Antwortet mir aufrichtig, bin ich Gefan⸗ gener in dieſem Schloſſe oder nicht?“ „Nein, Sire.“ „Ihr ſcherzt mit mir, Prieſter. Ich bin gegen meinen Willen hieher geführt worden. Ich bin faſt ganz ohne bewaffnetes Gefolge. Ich bin in der Macht des Grafen. Dieſes Zimmer kann mein Grab, und dieſes Lager mein Sterbebette ſein.“ „Heilige Mutter! Koͤnnt Ihr ſo von Warwick den⸗ ken? Sire, Ihr macht, daß mein Blut erſtarrt.“ „Nun alſo, wenn ich mich weigere, Warwicks Stolz zu befriedigen und es verſchmähe, loyale Diener der re⸗ belliſchen Unverſchämtheit preis zu geben, was wird Warwick thun? Redet frei heraus, Erzbiſchof.“ „Ich fürchte, Sire, er wird alle Amter, ſowohl des Friedens als des Krieges niederlegen. Ich fürchte, daß dieſe vortreffliche Armee, die jetzt in und um dieſe Mauern ſchläft, in Luft ſich auflöͤſen wird und daß Eure Maje⸗ 294 ſtät unter neuen Männern und der Abneigung des ganzen Landes gegenüber da ſtehen wird!“ Eduards feſte Hand zitterte. Der Prälat fuhr in trockenem und bitterem Lächeln ſort:„Sire, Sir Anton Woodville, jetzt Lord Rivers, hat Euch von aller Ver⸗ legenheit befreit; ohne Zweifel werden Lord Dorſet und ſeine Verwandten ritterlich genug denken, um daſſelbe zu thun. Die Herzogin von Bedford wird der anſtändi⸗ gen Sitte folgen und ſich auf eine Weile in die Einſam⸗ keit zurückziehen, um ihren verſtorbenen Gemahl zu be⸗ trauern. Und wenn ein Jahr vorüber iſt, und dieſe edlen Perſonen wieder bei Hofe erſcheinen, ſo habt Ihr und der Graf wenigſtens Euer Wort gehalten.“ „Ich verſtehe Euch,“ ſagte der König halb lachend; „aber ich habe auch meinen Stolz, eben ſo gut wie Warwick. Dies zu bewilligen, hieße den Bewilliger erniedrigen.“ „Ich habe darüher nachgedacht, wie Alle zu beru⸗ higen find, ohne einen Theil zu demüthigen. Die Mutter Eurer Majeſtät wird von Warwick aufrichtig geliebt und von Allen verehrt. Seit Eurer Vermählung hat ſie von allen Staatsgeſchäften zurückgezogen in der Ein⸗ ſamkeit gelebt. So nahe mit Warwick verwandt— ſo lebhaft für Eure Majeſtät intereſſirt, iſt ſie eine paſſende Mittelsperſon bei allen Streitigkeiten. Überlaßt ſie alle ihrer Entſcheidung.“ „Ah, liſtiger Prälat, Ihr wißt, wie ſehr meine ſtolze Mutter die Woodvilles haßt— Ihr wißt, wie Ihr Ur⸗ theil ausfallen wird.“ „Vielleicht; aber wenigſtens wird Eurer Majeſtät dadurch jeder Schmerz und jede Erniedrigung erſpart.“ des ganzen lat fuhr in Sir Anton n aller Ver⸗ Dorſet und um daſſelbe der anſtändi⸗ die Einſam⸗ mahl zu be⸗ d dieſe edlen habt Ihr und 4 halb lachend; wie Warwick. erniedrigen.“ Die Mutter ichtig geliebt hlung hat ſie in der Ein⸗ wandt— ſo eine paſſende erlaßt ſie alle wie Ihr Ur⸗ hr meine ſtolze 295 „Wird Warwick darein willigen?“ „Ich hoffe es.“ „Erkundigt Euch und erſtattet mir Bericht. Genug der Unterredung für heute.“* Als Eduard allein war,“ überlief ſein Geiſt raſch das vor ihm liegende Feld der Handlung. „Ich habe des Grafen Armee halb gewonnen,“ dachte er,„aber ich würde ſte wieder verlieren, wenn man wüßte, daß dieſe unglücklichen Woodvilles die Ver⸗ anlaſſung eines zweiten Bruches zwiſchen uns waren. Gewiß, die Lancaſtrier werden ſtark! Das Land muß beruhigt und beſänftigt werden! Und doch lieben mich dieſe armen Herren nach ihrer eigenen Art und nicht mit dem Schütteln der Bärentatze dieſes unerträglichen Gra⸗ fen. Wie kam der grimmige Mann zu einer ſo ſchönen Tochter? Die liebenswürdige Anna! Ich bemerkte wohl, wie ihr Auge oft auf mich gerichtet war, und mit ſo ſanfter Furcht, die mein Herz kaum zu deuten wagte. Wahrlich, dies iſt die vierte Woche, die ich zugebracht habe, ohne den Seufzer eines Weibes zu hören. Was Wunder, daß ein ſo ſchönes Geſicht mich verliebt macht! Ich wollte Warwick ſchickte ſie als ſeine Abgeſandtin, und doch wäre es dann ganz zu Ende mit den Wond⸗ villes, wenn er es thäte. Dieſe Leute wiſſen nicht, wie ſie mit mir umgehen ſollen, und wahrlich dieſe Auf⸗ gabe iſt leicht genug für Weiber!“ Er lachte heiter, während er dieſes Selbſtgeſpräch ſchloß und die Wachskerzen löſchte. Aber der Schlummer beſuchte ſein Kiſſen nicht, und nachdem er ſich einige Zeit vergebens hin und her geworfen, ſtand er auf und 296 öffnete ſein Fenſter, um die Luft abzukühlen, welche die Kerzen zu ſehr erhitzt atten. In einem einzelnen Fenſter in einem breiten Thurme, der an einem Winkel des Gebäudes vorragte, und unter dem Thurme, worin ſein Zimmer ſich befand, ſah der König ein Licht brennen. Ein ſo ungewohnter Anblick zu einer ſolchen Stunde überraſchte ihn„Vielleicht der ränkevolle Prälat,“ dachte er;„Liſt ſchlummert nie.“ Doch ein zweiter Blick zeigte ihm dieſelbe Geſtalt, die ſeinen Schlummer ſtörte. An dem Fenſter, welches halb offen war, ſah er das ſanſte Profil der Lady Anna; es war niederwärts gebeugt, und bei dem hellen Mondlicht und der Lampe in ihrem Zimmer konnte er deutlich ſehen, daß ſie weinte.„Ach! Anna,“ murmelte der verliebte König,„ich wollte, ich wäre bei Dir, um dieſe Thränen wegzuküßen.“ Wäh⸗ rend dieſer unheilige Wunſch noch ſeine Lippen bewegte, erhob ſich die Dame. Die ſchöne Hand, die im Monz⸗ licht faſt durchſichtig erſchien, ſchloß das Fenſter, und obgleich das Licht noch einige Minuten das Fenſter er⸗ hellte, ſo war Anna doch nicht mehr ſichtbar. „Wahnfinn!“ murmelte der König wieder. Dieſe Neviles ſind auf jede Weiſe unheilvoll für mich— im Haß wie in der Liebe!“ E eigniff Geſch en, welche die zelnen Fenſter Winkel des ne, worin ſein Licht brennen. olchen Stunde grälat,“ dachte ter Blick zeigte ner ſtörte. An Her das ſanſte värts gebeugt, ampe in ihrem weinte.„Ach! „ich wollte, ich küßen.“ Wäh⸗ ſippen bewegte, die im Mond⸗ 3 Fenſter, und das Fenſter er⸗ wieder. Dieſe ür mich— in Achtes Buch. Worin das letzte Band zwiſchen dem Königmacher und dem Könige zerreißt. Erſtes Kapitel. Lady Anna beſucht den Hof. Es war einige Wochen nach den zuletzt erzählten Er⸗ eigniſſen. Das Ungewitter, welches über König Eduards Geſchick hing, war für die Stunde zerſtreut, obgleich die vereinzelten Wolken noch den Horizont verdunkelten. Der Graf von Warwick hatte die Lancaſtrier en der Grenze geſchlagen, und ihr Anführer war auf dem Schaffot gefallen; doch Eduards mächtiges Schwert hatte nicht in der Schlacht geglänzt. Durch einen noch mäch⸗. tigeren Zauber als den des Blutbades gefeſſelt, ver⸗ weilte er zu Middleham, während Warwick ſeine Armee nach York führte, und als der Graf in der Hauptſtadt des angeſtammten Herrſcherthums König Eduards an⸗ kam, erfuhr er, daß der thätige und gewandte Haſtings in York Halt gemacht und in der Eile ſo viele Ritter und Barone zur Berathung verſammelt hatte, als die Liebe zum Könige oder der Neid gegen Warwick vereinen konnten. Das Gerücht war allgemein, daß Bulwer, Barone. II. 20 298 Eduard gegen ſeinen Willen in Middleham zurückgehal⸗ ten werde, und bei Warwicks Ankunft in York forderte Haſtings den Grafen ernſthaft auf, dieſes Gerücht zu widerlegen. Um ſich von einem Verdacht zu befreien, der alle ſeine militäriſchen Bewegungen hemmte, ſchickte der Graf Lord Montagu nach Middleham, der nicht nur mit dem Könige, ſondern auch mit der Gräfin und ihren Töchtern zurücklehrte, die Ebuard unter dem Vorwande, das ſreundſchaftliche Verhältniß zu beweiſen, welches zwiſchen Warwick und ihm herrſchte, in ſeinem Gefolge mitnahm. Des Königs Erſcheinen in York beſeitigte alle uneinigkeiten. Aber er ließ Warwick allein gegen den Feind marſchiren, und erſt nach dem entſcheidenden Siege, nach welchem ſeine Herrſchaft eine Weile ohne einen offenen Feind war, kehrte er nach London zurück. Darthin begab ſich auch der Graf auf den Rath ſeiner Freunde und ließ ſich herab, vor einem zu dem Zwecke zuſammenberufenen Pairsgerichte das noch immer unter ſeinen Feinden unh dem Volke verbreitete Gerücht zu widerlegen, als habe er bei dem Volksaufſtande mit⸗ gewirkt und den Köͤnig mit Gewalt in Middleham zurück⸗ gehalten. Darauf erfolgte nach dem Rath des Erzbiſchoſs eine feierliche Verſammlung der Oberhäupter der Häͤuſer York und Warwick, wobei die einſt ſo ſchöne Roſe von Raby, des Königs Mutter, als Vermittlerin und Schieds⸗ richterin auftrat. Das von dem Grafen den Gemeinen zu Olney gegebene Wort wurde beſtätigt. Eduard wil⸗ ligte in die temporäre Entfernung der Woodvilles, oh⸗ gleich der tapfere Anton ſeine Wallfahrt nach Compo⸗ ſtella noch aufſchob. Clarence's Eitelkeit war durch die zurückgehal⸗ dork forderte Gerücht zu zu befreien, imte, ſchickte der nicht nur in und ihren n Vorwande, ſen, welches nem Gefolge beſeitigte alle in gegen den entſcheidenden de Weile ohne kondon zurück. af den Rath as noch immer ſittete Gerücht öne Roſe von und Schieds⸗ ben Gemeinen Eduard wil⸗ podvilles, ob⸗ nach Compo⸗ war durch die 299 Statthalterſchaft von Irland befriedigt, doch unter ver⸗ ſchiedenen Vorwänden verzögerte Eduard ſeines Bruders Abreiſe zu dieſem wichtigen Poſten. Eine allgemeine Amneſtie wurde erklärt, ein Parlament zuſammenbe⸗ rufen, um den Klagen des Volks abzuhelfen und das Verlöbniß der Tochter des Königs mit Montagu's Erben proklamirt, wobei der Letztere den Titel Herzog von Bedford erhielt, und das ganze Land freute ſich über den erneuerten Frieden des Reichs, über die Entfer⸗ nung der Woodvilles und die Ausſöhnung des jungen Königs mit ſeinem allgemein beliebten Unterthan. Nie ſchien die Macht der Neviles geſicherter— nie ſchien Eduards Thron feßer gegründet. Zu dieſer Zeit überredete der König den Grafen und die Gräfin, der Lady Anna zu erlauben, die Herzogin von Clarenee bei einem Beſuche im Palaſte des Tower begleiten zu dürfen. Die Königin hatte ſich mit ſo guter Manier der Demüthigung ihrer Familie unterzogen, daß ſelbſt der hochmüthige Warwick gerührt und beſänf⸗ tigt wurde, und der Beſuch ſeiner Tochter zu einer ſol⸗ chen Zeit war eine Huldigung für Eliſabeth, die er gern gewährte. Das Publikum ſah in dieſem Beſuche, der mit großem Prunk und Aufwande geſchah, die Wahr⸗ ſcheinlichkeit einer neuen und erwünſchten Verbindung. Der Erzbiſchof hatte das Gerücht von Glouceſters Nei⸗ gung zu Lady Anna laut werden laſſen, und die Rück⸗ kehr des jungen Prinzen aus dem Norden wurde von den Neuigkeitskrämern jener Zeit begierig erwartet. Bei dieſer Gelegenheit bewies Warwick dem jungen Marmabuke Nevile ſeine Dankharkeit für ſeine Ergeben⸗ 300 heit.„Mein lieber und tapferer Vetter,“ ſagte er, ich vergeſſe nicht, daß, als Ihr den König und ſeinen Hof mit ſeinem verabſchiedeten Miniſter und ſeiner duͤſtern Halle vertauſchtet, Ihr mir von der Liebe zu einem ſchönen Mädchen ſagtet, wobei es Euch nicht nach Euren Verdienſten gelungen. Wenigſtens ſoll es nicht aus Mangel an Land oder an den goldenen Sporen, die dem Träger erlauben, an der Seite eines Königs oder Kai⸗ ſers zu reiten, geſchehen, daß Ihr nicht Eure Braut wählen könnt, wie es Euch Euer Herz gebietet. Ich bitte Euch, lieber Vetter, meine Tochter Anna an den Hof zu begleiten, wo der Köͤnig Euch nicht ungnädig aufnehmen wird; doch geſchieht es nur, um Euch für den Verluſt Eures Poſtens in der Nähe Seiner Maje⸗ ſtät zu entſchädigen. Ich habe die königliche Vollmacht, ſolche zu Rittern zu machen, welche die herkömmliche Abgabe zahlen konnen, und Euer Grundbeſitz ſoll Eurer Würde angemeſſen ſein. Kniet nieder und ſteht auf, Sir Marmaduke Nevile, Beſitzer von Borodalle nebſt den Wäldern und Pachtungen, und möge Gott und die heilige Jungfrau Ench mäͤchtig im Kriege und glücklich in der Liebe machen!“ Seinem neuen Range zufolge berechtigt, dem Tapfer⸗ ſten an die Seite zu treten, begleitete Sir Marmaduke Nevile den Grafen und die Lady Anna zu dem Palaſte im Tower. Als Warwick ſeine Tochter in dem glänzenden Kreiſe verließ, der Eliſabeth umgab, wendete er ſich zum Könige und ſagte mit einfachem und rührendem Abdel:„Mein Lehensherr, wenn Ihr eines Pfandes meiner Treue be⸗ gie er,„ich ſeinen Hof ner duͤſtern e zu einem nach Euren s nicht aus ren, die dem as oder Kai⸗ Eure Braut ebietet. Ich Anna an den hht ungnädig um Euch für heiner Maje⸗ e Vollmacht, herkömmliche fitz ſoll Eurer iad ſteht auf, rodaile nebſt Gott und die und glücklich dem Tapfer⸗ Marmaduke dem Palaſte zenden Kreiſe zum Könige del:„Mein er Treue be⸗ 301 dürftet, ſo denkt, daß mein Herz hier iſt, denn wahr⸗ lich, ſein beſtes Blut iſt mir nicht ſo theuer als dieſes liehe Mädchen— das Ebenbild ihrer Mutter, als ihre Lippen zuerſt die Berührung der meinen fühlten!“ Eduards kühne Stirn ſenkte ſich und er erröthete, als er antwortete:„Meine Eliſabeth wird ſie wie eine Schweſter behandeln. Aber Vetter, marſchirt Ihr nicht jetzt in die vördlichen Provinzen? „Mit Eurer Erlaubniß gehe ich zuerſt nach Warwick.“ „Ach! Ihr wollt meine ſcheinbaren Rüſtungen gegen Frankreich nicht billigen?“ „Nein, Euer Majeſtät redet nicht im Ernſt. Ich verſprach den Gemeinen, Ihr würdet keine Zuſchüſſe zu einem ſo erfolgloſen Kriege bedürfen.“ „Ihr wißt, daß ich alle Eare gemachten Verſpre⸗ chungen zu erfüllen beabfichtige. Aber das Land iſt ſo voll von dienſtloſen Soldaten, daß es politiſch iſt, ihnen Hoffnung auf Beſchäftigung zu machen und ſo die Wol⸗ ken nach und nach vorüberziehen zu laſſen.“ „Ach, mein Lehnsherr!“ ſagte Warwick ernſt,„ich glaube, daß eine Krone den Kopf im Plänemachen un⸗ terrichtet; aber herzlicher Friede oder offener Krieg ſcheinen mir ſtets das Beſte zu ſein.“ Eduard lächelte und wendete ſich ab. Warwick ſah ſeine Tochter an, die Eliſabeth ſchmeichelnd liebkoste, unterdrückte einen Seufzer, und die Luft ſchien den In⸗ ſekten des Hofes leichter, als ſein ſtolzer Helmbuſch ſich unter dem Eingange beugte und er mit ſeinem langen Gefolge von dem Schauplatze verſchwand. „Und wählt, ſchöne Anna,“ ſagte die Koͤnigin, 30²2 „wählt unter meinen Damen aus, die Ihr in Eurer be⸗ ſondern Begleitung zu haben wünſcht. Wir wollen nicht, daß Euer Gefolge weniger als königlich ſei.“ Die ſanfte Anna ſuchte vergebens eine Ehre abzu⸗ lehnen, die zugleich anmaßend und neiderregend war; obgleich zu unſchuldig, um die Liſt zu bemerken, die der Königin ſo eigenthümlich war, damals ein beſonderes Compliment, hatte Anna die königliche Aufforderung angenommen, ihr weibliches Gefolge vom Hofe auszu⸗ wählen, und Eliſabeth wünſchte ſie jetzt zu einer Wahl zu nöthigen, die nicht umhin konnte, die nicht Vorge⸗ zogenen zu kränken. Als ſie ſich ſchüchtern im Kreiſe umſah, ſiel das Auge des edlen Mädchens auf ein ſchönes Geſicht, und in dieſem Geſichte lag ſo viel, was ihr Intereſſe erregte und eine zärtliche und traurige Er⸗ innerung erweckte, ſo daß ſie unwillkürlich an die Seite der Fremden trat und unbefangen ihre Hand ergriff. Die vornehmen Mädchen, welche umher ſtanden, ſahen einander ſpöttiſch an und zogen ſich zurück. Selbſt die Königin ſah erſtaunt aus, faßte ſich aber, nickte gnädig mit dem Kopfe und ſagte:„Verſtehen wir Euch recht, Lady Anna, und wünſcht Ihr dieſes Fräulein Sibylla Warner in Eurer Begleitung zu haben?“ „Sibylla! ach! ich wußte, daß mein Gehächtniß mich nicht täuſchen konnte,“ murmelte Anna, und nach⸗ dem ſie der Königin ihre Zuſtimmung zugenickt, ſagte ſte:„Erinnert Ihr Euch nicht auch, ſchönes Fräulein, unſeres Zuſammenlebens vor langen Jahren, als wir noch Kinder waren? 4 „Gewiß, edle Dame,“ antwortete Sibylla. Und als Anna f Gewan dete, u ſrühere! die Sti Anſpru natürlie Schweft merkſam nichts D koſender über ge⸗ für die Abe deutung in unert Schönhe die Erit — ja, noch ab richs vo muthige hegrüßte gefuͤhrt gegebene dem jun dern De „Un bylla?⸗ chelnden Eurer be⸗ Ueen nicht, ihre abzu⸗ gend war; n, die der beſonderes forderung ofe auszu⸗ iner Wahl ht Vorge⸗ im Kreiſe s auf ein viel, was aurige Er⸗ die Seite d ergriff. den, ſahen Selbſt die ſickt, ſagte Fräulein, , als wir 303 Anna ſich mit beſcheidener Sanftmuth, doch mit der Gewandtheit der hohen Geburt und Erziehung umwen⸗ dete, um der Königin zu erklären, daß ſie Sibylla von früheren Jahren her kenne, naͤherte ſich der König, um die Stimme und das Ohr der jungen Dame allein in Anſpruch zu nehmen. Es erſchien allen Anweſenden natürlich, daß Eduard der Tochter Warwicks und der Schweſter der Herzogin von Clarence beſondere Auf⸗ merkſamkeit widmete, und ſelbſt Eliſabeth argwöhnte nichts Böſes bei der gedämpften Stimme und hem lieb⸗ koſenden Weſen, welches ihr Gemahl den ganzen Tag über gegen eine Dame annahm, welche zu hoch ſchien für die Huldigung eines Wüſtlings.. Aber Anna ſelbſt, obgleich zu ſchuldlos, um die Be⸗ deutung von Eduards Huldigung zu argwöhnen, wich in unerklärlichem Schrecken vor ihm zurück. Alle ſeine Schönheit, all ſein Zauber konnte aus ihrem Geiſte nicht die Erinnerung an den verbannten Prinzen entfernen — ja, ſeine glänzenden Eigenſchaften machten ſie ihm noch abgeneigter. Es verdunkelte die Ausſichten Hein⸗ richs von Lancaſter, daß Eduard von York eine ſo an⸗ muthige und ſo allgemein beliebte Geſtalt hatte. Sie begrußte mit Entzuͤcken die Stunde, als ſie in ihr Zimmer geführt wurde, und nachdem ſie mit Milde das ihr bei⸗ gegebene pomphafte Gefolge entlaſſen, ſich allein mit dem jungen Mädchen ſah, welches ſie zu ihrem beſon⸗ dern Dienſte auserwählt hatte. „Und Ihr erinnert Euch meiner auch, ſchöne Si⸗ bylla?“⸗ fragte Anna mit ihrer ſanften und einſchmei⸗ chelnden Stimme. 304 „Gewiß, wer würde es nicht? Denn als Ihr da⸗ mals, edle Dame, von den andern Kindern abgeſondert, Hand in Hand mit dem jungen Prinzen ginget, in dem Alle ihren künftigen Konig zu ſehen glaubten— da hörte ich das allgemeine Geflüſter einer falſchen Prophezeihung.“ „Ach! und was war es denn?“ fragte Anna. „Daß in der Hand, die der Prinz mit ſeinen kleinen roſigen Fingern umfaßte— in der Hand der Tochter des großen Warwick die beſte Vertheihigung des Thro⸗ nes ſeines Vaters liege.“ Anna's Bruſt hob ſich und ihr kleiner Fuß begann ſaltſame Schriftzüge auf den Fußboden zu zeichnen. „So, ſo,“ ſagte ſie nachdenkend,„ſelbſt hier unter einem neuen Hofe vergeßt Ihr nicht Prinz Eduard von Lancaſter. Oh, wir werden ſchon Stunden finden, um von vergangenen Tagen zu reden. Aber da Ihr Eure Kindheit an Margarethens Hofe zugedracht, wie kam es, daß Ihr von Eliſabeth aufgenommen wurdet?“ „Geiz und Macht bedurften der Wiſſenſchaft meines Vaters. Er iſt ein Gelehrter von guter Geburt, aber geſunkenem Vermögen— ſelbſt jetzt arbeitet er ganze Nächte durch. Ich gehörte dem Gefolge der Herzogin von Bedford an, doch als die Herzogin den Hof verließ und der König meinen Vater in ſeinem eigenen königlichen Dienſte behielt, hatte Ihre Majeſtät die Königin die Gnade, mich unter ihre Maͤdchen aufzunehmen. Es iſt ein Glück, daß ich in der Nähe meines Vaters bin,— wer könnte ſonſt für ihn ſorgen?“ „Ihr ſeid ſein einziges Kind?— Dann muß er Euch ſehr lieben?“ „Do abgeſond ſůßer zu Ann wurde vo Sibylla, und küßt „So Mädchen auch liebe „Ach Vater, Sonne ſe „Nei Anſpruch ren genei Du frei! was, ich Weiſe zu einzige S denn ſeit verändert Soll ich reiſe? A” lieben. D met, muß Freun ſchlechte: Zeit frem eine unent s Ihr da⸗ Sgeſondert, et, in dem — da horte ezeihung.“ Inna. ien kleinen er Tochter des Thro⸗ uß begann chnen. hier unter duard von nden, um Ihr Eure „wie kam det?“ ift meines zurt, aber er ganze Herzogin dof verließ öͤniglichen nigin die en. Es iſt s bin,— muß er 30⁵ „Doch nicht ſo wie ich ihn liebe— er führt ein ganz abgeſondertes Leben. Aber am Ende glaube ich, es iſt ſüßer zu lieben, als geliebt zu werden.“ Anna, deren Natur beſonders zart und weiblich war, wurde von dieſer Antwort ſehr gerührt; ſie näherte ſich Sibylla, ſchlaug ihren Arm um ihre ſchlanke Geſtalt und küßte ihre Stirn. „Soll ich Dich lieben, Sibylla?“ ſagte ſie mit eines Mädchens aufrichtiger Einfalt,„und willſt Du mich auch lieben?“ „Ach, Dame! es ſind ſo Viele, die Euch lieben— Vater, Mutter, Schweſter— alle Welt; ſelbſt die Sonne ſcheint freundlicher auf die Großen!“ „Nein!“ ſagte Anna mit jener Eiferſucht, einen Anſpruch an das Leiden zu haben, wozu ſanftere Natu⸗ ren geneigt find,„vielleicht habe ich Sorgen, von denen Du frei biſt. Ich bekenne Dir, Sibylla, daß mich Et⸗ was, ich weiß es ſelbſt nicht zu erklären, auf ſeltſame Weiſe zu Deinem lieblichen Geſichte hinzieht. Meine einzige Schweſter habe ich durch die Hetrath verloren— denn ſeit Iſabella ſich verheirathet hat, iſt ſie für mich verändert— ich wollte, daß Du ihren Platz erſetzteſt! Soll ich Dich der Königin wegſtehlen, wenn ich ab⸗ reiſe? Ach! meine Mutter— die wenigſtens wirſt Du lieben. Denn wer dieſelbe Luft mit meiner Mutter ath⸗ met, muß ſie lieben. Küſſe mich, Sibylla!“ Freundlichkeit, beſonders von ihrem elgenen Ge⸗ ſchlechte und ihrem Alter, war Sibylla in der letzten Zeit fremd geworden; ſie ſchien wie der Morgen auf eine unentfaltete Blume. Sie umſchlang die neue Freun⸗ f 3 306 din mit ihren Armen, die ihr vom Himmel geſendet zu ſein ſchien; ſie küßte Anna's Geſicht und Hände mit daukbaren Thränen. „Ach!“ ſagte ſie endlich, als ſie eine Stimme fand, die noch von Aufregung unterbrochen war—„wenn ich Euch je dienen— Euch je vergelten könnte— und wä⸗ ren dieſe gnädigen Worte die letzten, die Eure Lippen je wieder an mich richteten!“ Anna war entzückt; ſie hatte noch nie ein Weſen gefunden, welches ſie beſchützen— ſie hatte noch nie eines gefunden, dem fie ſich gaͤnzlich anvertrauen konnte. So ſanft auch ihre Mutter ſein mochte, ſo war doch die Kluft zwiſchen Kind und Mutter ſelbſt in der zärt⸗ lichen Familie, der ſie angehörte, in jenen Tagen ſo groß, daß ſie der Gräfin die romantiſche Schwäche ihret jungen Herzens nie hätte verrathen können. Der Wunſch der Mittheilung iſt der Jugend ſo na⸗ türlich, und bei Anna war dieſe Neigung ſo erhöht durch eine Natur, die zugleich offen und geneigt war, ſich auf Andere zu flützen, ſo daß ſie, wie wir gefehen haben, Iſabella zu ihrer Vertrauten machte; doch bei ihr fand ſie ſelbſt anfangs nur das halb verächtliche Mitleid eines ſtarken und harten Geiſtes, und in der letzten Zeit, ſeit Eduards Beſuch in Middleham, war die Herzogin von Clarenee ſo in ihren gebieteriſchen Egoismus und ihren vereitelten Ehrgeiz eingehüllt geweſen, daß die furcht⸗ ſame Anna ſich ihr nicht einmal mit ihrem Geheimniß in ihre Nähe gewagt, bei deren Erinnerung ihre Wange erröthen mußte. Und dieſer Beſuch bei Hofe— dieſe neue ungewohnte Seene— dieſe Entfrembung von allen alten un Gefuͤhl d drückend Lebens u wendete lichen En plötzliche muthigen Eine, die und Auge heit nich Prinzen; Erinneru Dinge vo Knabe de gen und neuen K war halb gewinnt⸗ Spielgenn „Ach, Nacht nic diguren a ſterartig alten Ton Und E geſendet zu Hände mit imme fand, „wenn ich — und waͤ⸗ kure Lippen ein Weſen tte noch nie auen konnte. ſo war doch in der zärt⸗ n Tagen ſo zwäche ihret gend ſo na⸗ die furcht⸗ Geheimniß 307 alten und gewohnten Neigungen— dies Alles hatte ein Gefühl der Einſamkeit in ihr hervorgebracht, welches ſo drückend iſt, bis die ernſte Erfahrung des wirklichen Lebens uns an das allgemeine Loos gewöhnt hat. So wendete ſie ſich mit der übertriebenen und etwas kränk⸗ lichen Empfindſamkeit, die ihr eigen war, wie mit einem plötzlichen Antriebe zu dieſer auffallenden und doch an⸗ muthigen Freundſchaft. Hier war Eine ihres Alters, Eine, die Kummer erfahren hatte, Eine, deren Stimme und Augen ſie bezauberten, Eine, die ſelbſt ihre Thor⸗ heit nicht ſchalt, Eine vor allen, die ihren geliebten Prinzen geſehen hatte, Eine, die mit ihren zärtlichſten Erinnerungen verſchlungen war, Eine, die ihr tauſend Dinge von dem Tage erzählen konnte, wo der verbannte Knabe der Erbe eines Monarchen war. Bei ihrem jun⸗ gen und kindlichen Gefühl weinte ſie beinahe über einen neuen Kanal für ſo viele natürliche Zärtlichkeit. Sie war halb ein Weib, welches eine erwachſene Freundin gewinnt— halb ein Kind, welches ſich an einen neuen Spielgenoſſen anſchließt. „Ach, Sibylla!“ flüſterte ſie,„verlaß mich heute Nacht nicht— dieſer fremde Ort erſchreckt mich und die Figuren an den Tapeten erſcheinen ſo groß und geſpen⸗ ſterartig— und man ſagt, es gehen Geiſter um in dem alten Tower.— Bleib da, Sibylla!“ uUnd Sibylla blieb da. 308 Zweites Kapitel. Die ſchlafende Unſchuld— Das wachſame Verbrechen. Während dieſe reizenden Mädchen ſich ſo unſchuldig unterhielten, während Anna's liebliche Stimme ihre kunſtloſen Phantaſieen mittheilte, halfen ſie einander beim Auskleiden; während ſie Hand in Hand in dem düſtern Winkel betend vor dem Cruetfix niederknieten— während ſle furchtſam das Licht löſchten und ſich zu dem Lager ſchlichen— während ſie ſich leiſe unterredeten, wobei ihre Stimme nach und nach immer matter und leiſer wurde, und ſie endlich in ſchuldloſen Schlummer ſanken— ging der unheilige König in ſeinem einſamen Zimmer auf und ab, gluͤhend von dem Fieber einer ploͤt⸗ lichen und wahnſinnigen Leidenſchaft, die aus einem Herzen, in dem jeder Impuls ein Rieſe war, alle Er⸗ innerung an Ehre, Dankbarkeit und Geſetz entfernte. Der Mechanismus der Natur dieſes ſtarken Mannes war ein ſolcher, wie er in neuern Zeiten faſt unbekannt iſt; er gehörte jenen früheren Tagen an, welche Griechen⸗ land die ſchrecklichen Sagen geliefert haben, die Ooid in düſteres Feuer kleidete, die eine ähnliche Civiliſation im Mittelalter, ſowohl in Italien als im Norden, her⸗ vorbrachte— jene Periode, wo das Verbrechen von ſei⸗ nem Übermaß etwas Großartiges annahm— wo die Macht ſo groß und unumſchränkt war, daß ſie die Bande des Gewiſſens ſprengte— wo ein Deſpot nur die Ver⸗ körperung des Willens war— wo die Ehre frellich eine Religion, aber ihr Glaube Tapferkeit war, die ihre zehn Gebote mit der Spitze eines furchtloſen Schwertes ſchrieb. Die eines alt durch ſer zehrende peramen ſelbſt ſeit ſein Mu Verſtand tete jede⸗ fland. S war dem des Pom Unheilige dert Dar doch dieſt Keine ſch begleitete reizten f mächtiger nes, beſſ Armee ze nunft ihr ſo mehr! Glei⸗ müthsart Liebe völ glich am man fie g denen Ge die nicht erbrechen. o unſchuldig btimme ihre ſie einander dand in dem derknieten— ſich zu dem interredeten, matter und Schlummer em einſamen r einer plötz⸗ e aus einem lar, alle Er⸗ entfernte. che Griechen⸗ , die Ooid Eiviliſation fie die Bande ur die Ver⸗ freilich eine die ihre zehn rtes ſchrieb. 309 Die Jugend Eduard des Vierten glich der Jugend eines alten Titanen— eines italieniſchen Borgia, und durch ſeine Adern floß das haſtige Blut gleich einer ver⸗ zehrenden Flamme Dieſes ungeſtüme und feurige Tem⸗ perament wurde durch Unmäßigkeit noch furchtbarer; ſelbſt ſeine Tugenden verliehen ſeinen Laſtern Stärke— ſein Muth erſtickte jedes Flüſtern mit Klugheit— ſein Verſtand, der an keine Diseiplin gewöhnt war, verach⸗ tete jedes Hinderniß, welches ſeinen Wünſchen im Wege ftand. Seine ganze Natur ſtrebte nach Aufregung, nichts war dem ſchönen und üppigen Eduard übrig, der ſchon des Pomps und Vergnügens überdrüſſig war, als das Unheilige und Verbotene. An ſeinem Hofe waren hun⸗ dert Damen, vielleicht nicht weniger ſchön als Anna, doch dieſe durfte er nur anlaͤcheln, um ſie zu gewinnen. Keine ſchreckliche Gefahr, keine nicht zu ſühnende Schuld begleiteten dieſe gemeinen Schwachheiten und daher reizten ſie ihn nicht mehr. Aber die Tochter ſeines mächtigen Unterthanen, der geliebte Schatz des Man⸗ nes, beſſen Hand einen Thron erbaut, deſſen Wort eine Armee zerſtreut hatte— hier wurde, je mehr die Ver⸗ nunft ihn warnte und das Gewiſſen ihn erſchreckte, um ſo mehr die hölliſche Leidenſchaft erweckt! Gleich Männern von ſeiner eigenthümlichen Ge⸗ müthsart war Eduard einer reinen und beſtändigen Liebe völlig unfähig. Seine Neigung zu der Königin glich am meiſten einer erhabenen Neigung; doch wenn man fie genau prüfte, beſtand ſie aus unendlich verſchie⸗ denen Gefühlen. Dieſer ſeiner plötzlichen Leidenſchaft, die nicht anders zu befriedigen war, hatte er für eine 310 ungleiche Heirath die unbeſonnenſten Opfer gebracht, Seine Eitelkeit und eine gewiſſe urſprüngliche Großmuth trieb ihn an, das zu beſchützen, was er ſelbſt erhoben hatte— die Ehre des Unterthanen zu ſichern, der von dem Könige geehrt wurde. In übereinſtimmung mit den meiſten rohen und kräftigen Naturen war er ſehr em⸗ pfindlich für die Zaͤrtlichkelt eines Vaters, und die Ge⸗ ſichter ſeiner Kinder halfen dazu, den Einfluß der Mutter aufrecht zu erhalten. Aber wir dürfen kaum es ſagen, daß in dem Allen nicht jene wahre Liebe exiſtirte, die zugleich eine Leidenſchaft und eine Aufopferung iſt. Seine Liehe kümmerte ſich nicht um die geliebte Perſon, ſondern allein um ſeine eigene Befriedigung; ſogar das Strehen nach dem Beſitze— nichts weiter. Aber dieſes Streben war der Wille eines Königs, der weder Furcht noch Be⸗ denklichkeit kannte. Doch als er in der Einſamkeit der Nacht in ſeinem Zimmer auf⸗ und abging, erſchreckte der Schatten des großen Verbrechens ſelbſt ſein furcht⸗ loſes Gewiſſen. Er ſchnappte nach Luft— ſeine Wange wurde roth und im nächſten Augenblick todt und blaß. Er hoͤrte das laute Klopfen ſeines Herzens. Er blieb ſtehen, er warf ſich auf einen Stuhl, beßeckte ſein Ge⸗ ſicht mit den Händen, ſprang dann auf und rief:„Nein — nein! Ich kann dieſes liebliche Geſicht, dieſe blauen Augen nicht von meinem Blicke ausſchließen. Sie ver⸗ folgen mich zu meinem und ihrem eigenen Untergang. Doch warum Untergang? Wenn ſie mich liebt, wer wind die That erfahren, wenn ſie mich nicht liebt, wird ſie wagen, ihre eigene Schande zu entdecken? Schande!— Nein, eines Koͤnigs Umarmung entehrt nie. Gines König Baſtard Mond Binſen Pfui üb den.“ E. dern öff! dahin.( ſelber be dem Gaꝛ heimen T die Nebe bei ihren er erhob Dankbar einem H als er eit hervor, Wolke ve das gegen mer mit Die das tadel Überirdiſ Schuld z ſein Sch ſchweren, das ſchlur ſchien ble und das? als beim pfer gebracht, che Großmuth ſelbſt erhoben dern, der von mung mit den r er ſehr em⸗ , und die Ge⸗ uß der Mutter um es ſagen, exiſtirte, die rung iſt. Seine erſon, ſondern r das Streben dieſes Streben urcht noch Be⸗ Einſamkeit der g, erſchreckte bſt ſein furcht⸗ ſeine Wange odt und blaß. Er blieh heckte ſein Ge⸗ d rief:„Nein , dieſe blauen 8 Schande!— Eines Koͤnigs 311 Baſtard iſt eines Hauſes Stolz. Alles iſt ſtill— ſelbſt der Mond verſchwindet vom Himmel. Die geräuſchloſen Binſen in der Galerie verleihen den Fußtritten kein Echo. Pfui über mich! Kann ein Plantagenet Furcht empfin⸗ den.“ Er nahm ſich nicht mehr Zeit zum Nachdenken, ſon⸗ dern öffnete leiſe die Thür und ſchlich auf der Galerie dahin. Er kannte das Zimmer wohl, denn er hatte es ſelber beſtimmt, und außer der gewöhnlichen Thüre von dem Gange aus, führte ein kleines Kabinet zu einer ge⸗ heimen Thür hinter der Tapete. Dieſes Zimmer bewohnte die Nebenbuhlerin der Königin, die Lady Eliſabeth Lucy, bei ihren Beſuchen am Hofe. Er trat in das Kabinet— er erhob die Tapete— er ſtand in dem Zimmer, welches Dankbarkeit, Ritterlichkeit und gaſtfreies Vertrauen zu einem Heiligthume hätten machen ſollen. Und plötzlich, als er eintrat, brach der Mond in feierlichem Glanze hervor, der ſich vorher hinter einer ſchwermüthigen Wolke verborgen hatte, das Licht verbreitete ſich durch das gegenüber befindliche Fenſter und erfüllte das Zim⸗ mer mit einer Tageshelle von geiſterhafter Art. Die plötzliche feierliche Glorie erſchreckte ihn, wie das tadelnde Geſicht eines lebendigen Weſens; etwas überirdiſches ſchien ſich zwiſchen das Opfer und die Schuld zu ſtellen. Doch nur auf einen Augenblick hielt ſein Schritt an. Er trat vor, zog die Falten des ſchweren, mit Gold bordirten Vorhanges zurück und das ſchlummernde Geſicht Anna's lag vor ihm. Es er⸗ ſchien bleich im Mondlicht, doch unausſprechlich heiter und das Lächeln auf ihrer Lippe ſchien noch lieblicher als beim Wachen. So ſtarr war ſein Blick— ſo glühend 312 war ſein ganzes Herz mit dem köſtlichen Bilbe der Unſchulh und Jugend beſchäftigt, daß er in den erſten Augenblicken nicht bemerkte, daß die Schläferin nicht allein war. Plötzlich ſtieß er einen Ausruf aus— er ballte die Fauſt in eiferſüchtiger Wuth— er näherte ſich— er beugte ſich über ſte— er hörte den regelmäßigen Athemzug, den die Träume der Schuld nimmer kennen; und dann, als er die reine verſchlungene Umarmung bemerkte— das heitere und doch etwas ſchwermüthige Geſicht Si⸗ bylla's, welches im Mondlicht farblos wie Marmor erſchien und halb über Anna's Geſicht geneigt war, als wollte fie dieſelbe ſelbſt im Schlummer überwachen— beide reizende Geſtalten ſo verſchlungen, daß ſie nur ein Weſen zu ſein ſchienen, der Athemzug Beider gleich⸗ mäßig ſteigend und fallend, Sibylla's dunkle Locken mit Anna's goldenem Haar gemiſcht— als er dieſe zwie⸗ fache Llebenswürdigkeit erblickte, fuhr die Empfindung, die Überzeugung von jenem geheimnißvollen Schutze, der in der Reinheit liegt, wie Eis durch ſeine gluͤhenden Adern. Bei all ſeiner Macht als Monarch und als Mann fühlte er den gebieteriſchen Eindruck jenes uner⸗ warteten Schutzes, wo die Unſchuld die Unſchuld ver⸗ theidigt. Die zwiefache Tugend erſchreckte und lähmte ihn und jener ſchlanke Arm, der den Hals umſchlang, für deſſen Umarmung er ſein Reich aufs Spiel geſetzt hätte, ſchützte ſein Opfer wirkſamer, als die Schilde aller Krieger, die ſich je um das Banner des erhabenen Warwick ſammelten. Nacht und Gelegenheit begünſtig⸗ ten ihn; aber vergebens. Während Sibylla da war, war Anna gerettet. Er knirſchte mit den Zähnen, und mur⸗ melte b Anna u ten Sch lich, do Hohnes Vorhang der ſpät wenn die vernichte brecher a und herſe ſcher Leit — ſeine muͤthigt, ſchauer f⸗ harmloſen tigen Tr ſchlagen und daß! Geſtalten Neue Gefa verbindet Oh! und rühren und ſchön Bulwer der Unſchulh Augenblicken allein war. llte die Fauſt — er beugte i Athemzug, a; und dann, bemerkte— Geſicht Si⸗ wie Marmor eigt war, alt berwachen— daß ſie nur Beider gleich⸗ kle Locken mit r dieſe zwie⸗ Empfindung, Ilen Schutze, ine glühenden arch und als k jenes uner⸗ uſchuld ver⸗ Spiel geſetzt die Schilde bes erhabenen eit begünſtig⸗ k da war, war n, und mur⸗ 313 melte bei ſich ſelber. In dieſem Augenblick wendete ſich Anna unruhig um und dieſe Bewegung ſtörte den lei ch⸗ ten Schlaf ihrer Genoſſin. Sie ſprach halb unverßtänd lich, doch der Ton der Angſt drang wie das Ziſe Hohnes in des Königs ſchuldiges Ohr. Er li Vorhang fallen und war verſchwunden. Und wenn Einer, der ſpäter gelebt und von der Mordthat gehört, b wenn die Geſchichte nicht lügt, Eduarbs männliche Linie vernichtete, den König geſehen hätte, gleich einem Ver⸗ brecher aus dem Zimmer ſchleichend, auf der Galerie hin⸗ und herſchwankend— ſein Geſicht entſtellt von ſtürmi⸗ ſcher Leibenſchaft— ſeine Lippen bleich und murmelnd — ſeine Schönheit und ſeine Glorie gedrückt und gede⸗ müthigt, getrübt und erniedrigt— ſo hätte der Zu⸗ ſchauer faſt glauben können, daß, während Eduard diele harmloſen Schläfer angeblickt, im Vorgefühl der zukünf⸗ tigen Tragödie ſeinen ſchuldigen Gedanken niederge⸗ ſchlagen und die Stelle deſſelben mit Entſetzen erfüllt und daß die Sünden des Vaters in grimmige körperliche Geſtalten verwandelt, die Henker ſeiner Söhne geworden. Drittes Kapitel. Neue Gefahren für das Haus York— Des Königs Herz verbindet ſich mit der Rebellion gegen des Königs Thron. Oh! ſchön iſt die Liebe der Jugend zur Jugend, und rührend die Zärtlichkeit des Weibes für das Weib, und ſchön in den Augen der glücklichen Sonne iſt das Bulwer, Barone. II. 21 314 Erwachen aus dem heiligen Schlummer und der jung⸗ fräuliche Kuß auf die jungfräulichen Lippen, die ein⸗ ander einen lieblichen guten Morgen zulächeln und zu⸗ murmeln. Anna erwachte zuerſt, und als der helle Winier⸗ morgen mit froſtigen Sonnenſtrahlen heiter auf Si⸗ bylla's Geſicht ſchien, da war fie betroffen von einer Schoͤnheit, die ſie am Tage zuvor noch nicht bemerkt hatte, und im Schlummer der Jugend verſchwinden die Spuren des Nachdenkens und der Sorge, das ſchmer⸗ zende Herz wird eingelullt bei der Ruhe des Körpers, die harten Züge gehen in biegſame Ruhe über, eine ſanf⸗ tere, wärmere Blüte ſchleicht ſich über die Wange und von dem ſteifen Zwange der Kleidung befreit, ruhen die abgerundeten Glieder in locken derer Anmuth! Die In⸗ gend ſcheint jünger in ihrem Schlummer, die Schönheit ſchöner und die Reinheit reiner. Die langen und dunkeln Augenwimpern ruhten auf den weißen Augenlidern und die friſchen halb geöffneten Lippen luden ein zu dem Schweſterkuß, der die Schläferin weckte. „Ach! Lady,“ ſagte Sibylla, ihre Locken von ihren dunkelblauen Augen entfernend,„Ihr ſeid hier— Ihr ſeid gerettet!— Geſegnet ſeien die Heiligen und unſere heilige Jungfrau— denn ich hatte in der Nacht einen Traum, der mir Schrecken und Entſetzen verurſachte.“ „Und meine Träume waren alle golden und lieblich,“ ſagte Anna.„Welches war der Deine?⸗ „Es war mir, als ſchliefet Ihr in dieſem Zimmer und ich nicht an Eurer Seite, ſondern wachte bei Euch in geringer Entfernung. Und ſiehe! eine ſcheußliche Schlat Euren zu Hü meine wieder meiner Fußtrit „C währte ja ſelb einem entfern denn ic daß es Dein 2 „ ſchaͤft,: leiſe. „D Stunde Mittag Der der Kör das Ket von Cla laſſen,: ud der jung⸗ ven, die ein⸗ heln und zu⸗ elle Winter⸗ gter auf Si⸗ en von einer nicht bemerkt ſchwinden die „das ſchmer⸗ des Körpers, der, eine ſanf⸗ e Wange und eeit, ruhen die uth! Die Ju⸗ die Schönheit Nacht einen verurſachte.“ und lieblich,“ 315 Schlange blickte aus jenem Winkel hervor und ſchlich zu Eurem Kiſſen— ich hörte ihr Ziſchen und ſuchte Euch zu Hülfe zu kommen, aber vergebens, ein Zauber ſchien meine Glieder zu feſſeln. Endlich fand ich meine Stimme wieder— ich ſchrie laut— ich erwachte; und ſpottet meiner nicht, aber gewiß hörte ich einen ſich entfernenden Fußtritt und das Knarren einer geheimen Thür. „Es war die Wirkung des Traumes, der länger währte als der Traum. Es iſt mir auch oft ſo geweſen— ja ſelbſt in dieſer Nacht: denn auch ich träumte von einem Andern, träumte, daß ich mit Einem, der weit entfernt iſt, am Altar ſtand, und als ich erwachte— denn ich erwachte auch— konnte ich lange nicht glauben, daß es Deine Hand ſei, die ich in der meinen hielt, und Dein Arm, der mich umfaßte.“ Die jungen Freundinnen ſtanden auf und kaum war ihre Toilette beendet, als das für die Lady Anna be⸗ ſlimmte Gefolge in dem Zimmer erſchien. Sibylla wollte ſich entfernen.„Und wohin gehſt Du?“ fragte Anna. „Meinen Vater zu beſuchen; es iſt mein erſtes Ge⸗ ſchäft, nachdem ich aufgeſtanden bin,“ entgegnete Sibylla leiſe. „Du mußt mir erlauben, ihn zu einer ſpäteren Stunde auch zu beſuchen. Hole mich eine Stunde vor Mittag hier ab, Sibylla.“ Den frühen Morgen brachte Anna in Geſellſchaft der Koͤnigin zu. Das Frühſtück, der Stickrahmen und das Kegelſpiel füllten die Stunden aus. Die Herzogin von Clarence hatte mit ihrem Gemahl den Palaſt ver⸗ laſſen, um die Mutter der Königin in Baynards Schloß 316 zu beſuchen und Anna's ſchüchterner Geiſt wurde durch die vielen fremden Geſichter und Elifabeths gewohntes Schweigen niedergedrückt. Es lag etwas in dem Weſen der ſchwachen und unglücklichen Königin, was ſteis ver⸗ fehlte, ihr Freunde zu verſchaffen. Beſtändig bemüht, einer Partei zu dienen, gelang es ihr doch nie, Vertrauen oder Achtung zu gewinnen und Keine, die ſo hoch ſtand, war je ſo freundlos wie Eliſabeih, als ſie ſich auf ihrem Wittwenſitze allein ſah. Alle ihre Macht war nur der Schatten der königlichen Sonne ihres Gemahls und ver⸗ ſchwand, als dieſer Stern frühzeitig unterging; doch fie beſaß viel perſönliche Gaben und ein glattes Weſen, welches den Oberflächlichen geeignet ſchien, die Herzen zu gewinnen; aber die Stimme war künſtlich und das Auge kalt und hatte einen verſtohlenen Blick. In ihrem gemeſſenen Weſen lag ein beſtändiges Bewußtſein ihrer ſelbſt— ein unbeſiegbarer Egoismus. Ihr Lachen war unangenehm und niemals heiter; ſie beſaß nicht jenes Selbſtvergeſſen, jene Wärme bei der Heiterkeit, jenen Ernſt bei der Traurigkeit, welche Mitgefühl erwecken. Ihre Schönheit war ohne Liebenswürdigkeit— ihr Charakter ohne Reiz; die Verhältniſſe ihrer Geſtalt konnten den finnlichen Menſchen anlocken, aber ha war der Zauber zu Ende. Der Geiſt war gewöhnlichz. ob⸗ gleich liſtig und zur Verſtellung fähig; und ſelbſt dle Gleichmäßigkeit ihres Temperaments ſchien nur das Uhrwerk eines gefühlloſen Herzens zu ſein. Da ſie eitel im Glück war, konnte man ſich über ihre Niedergeſchla⸗ genheit im Unglück wundern? War es zu verwundern, daß, waͤhrend ſie in ſpäteren und traurigeren Jahren Richar Söhne der ihre ſeinem unrecht anerkar In geritter Maͤnne mädche eigenes Leitung „Ehe w mich de gefange Sil nannten tief in hing, de Anna b der zärt! ſtets in und ſcha erblickte mit dem bewegter Augenbl Waffen Mädchet die Trep wurde durch s gewohntes dem Weſen as ſtets ver⸗ ndig bemüht, „Vertrauen Hhoch ſtand, ch auf ihrem war nur der hls und ver⸗ ing; doch fle attes Weſen, „die Herzen tlich und das 8. In ihrem -ußtſein ihrer Lachen war nicht jenes erkeit, jenen ihl erwecken. beit— ihr hrer Geſtalt die Treppe hinauf, die zu demſelhen damals unbewohnten 317 Richard den Dritten der Ermordung ihrer königlichen Söhne anklagie und wenigſtens wußte, daß er der Mör⸗ der ihres Beuders ſei, daß ſie einwilligte, ihre Töchter ſeinem Schutze anzuvertrauen, obgleich dieſelben für unrechtmäßig erklärt und ſie ſelber nur als eine Bahlerin anerkannt wurde? Inzwiſchen war der König in der Frühe allein aus⸗ geritten und in ſeiner Abweſenheit wagte Keiner von den Männern in den weiblichen Kreis einzutreten. Mit mädchenhaftem Entzücken entfloh Anna endlich auf ihr eigenes Zimmer, wo ſie Sibylla fand, und unter ihrer Leitung ging ſie durch die düſtern Irrgaͤnge des Tower. „Ehe wir Deinen Vater beſuchen,“ flüſterte ſie,„laß mich den Thurm ſehen, wo der unglückliche Heinrich gefangen iſt.“ Sibylla fuͤhrte ſie durch den Bogen des jetzt ſo ge⸗ nannten Blutthurmes und zeigte ihr das ſchmale Fenſter tief in der Mauer, vor welchem der Staar im Käfig hing, der ſein Gefieder in der winterlichen Sonne wärmte. Anna blickte dorthin mit der innigen Theilnahme und der zärtlichen Verehrung, welche der Vater des Geliebten giets in einem Weibe erregt; und während ſie trauervoll und ſchweigend daſtand, öffnete ſich das Fenſter und ſie erblickte das milde Geſicht des Gefangenen— er ſchien mit dem Vogel zu reden, der in lauten Tönen und mit bewegten Flügeln auf ſeine Anrede antwortete. In dem Augenblick ertönte ein Horn in geringer Entfernung, Waffen klirrten, indem die Schildwachen ſalutirten; die Mädchen zogen ſich unter den Bogen zurück und ſtiegen 1l 318 Zimmer führte, wo der Sage nach Richard der Dritte ſeine Neffen ermordete; und kaum hatten ſie dieſen Zu⸗ fluchtsort erreicht, als der König, der den Thron des Gefangenen beſtiegen hatte, an dem Gefängniſſe vorüber zu dem Blutthore ritt. Sein prächtig geſchmücktes Roß — ſeine glänzende Kleidung— die Ritter und Knap⸗ pen, die aus jedem Winkel hervorſprangen, um ſeinen vergoldeten Steigbügel zu halten— ſeine kräftige Ju⸗ gend, ſo blühend und ſtrahlend— Alles bildete einen mächtigen Gegenſatz zu dem ſorgenvollen Geſichte, welches ihn milde durch das kleine Fenſter des Wagh⸗ fieldthurmes beobachtete. Ebuards großes blaues Auge erblickte plötzlich die ihm einſt ſo bekannten Züge. Er ſah feſt hinauf und ſein Blick begegnete dem des gefal⸗ lenen Königs. Er veränderte ſein Geſicht; doch mit der äußeren Ritterlichkeit, welche die Oberflaͤche ſeines hoh⸗ len, obgleich brillanten Charakters bildete, verbeugte er ſich tief, als er ſeinen Gefangenen ſah und nahm ſein Federbaret von ſeiner hohen Stirn. Heinrich lächelte traurig und ſchüttelte ſein ehrwur⸗ diges Haupt in mildem Tadel wegen des Spottes; dann ſchloß er das Fenſter und Eduard ritt auf den Hofplatz. „Wie kann der König hier einen Hof und hier ein Gefängniß haben? O hartes Herz!“ murmelte Anna, als Eduard verſchwunden war, und dann nahmen die Mädchen ihren Weg zu Adams Zimmer. „Würde Graf Warwick Euer Mitleid billigen, liebe Lady Anna?“ fragte Sibylla. „Meines Vaters Herz iſt zu edel, um es zu ver⸗ dammen,“ entgegnete Anna, die Thränen aus ihren ſtand m Ganges und ei dieſes ridor fi andere in Ver Zimme ſanften wir der theilen der Dritte dieſen Zu⸗ Thron des ſſe vorüber ücktes Roß und Knap⸗ um ſeinen räftige Ju⸗ ildete einen n Geſichte, des Wagh⸗ laues Auge Züge. Er n des gefal⸗ doch mit der ſeines hoh⸗ d nahm ſein en Hofplatz. (und hier ein mmelte Anna, nahmen die ſlligen, liebe es zu ver⸗ aus ihren perbeugte er 319 Augen trocknend;„wie oft werde ich bei den nächtlichen Luſtbarkeiten jenes Geſicht ſehen?“ Der Thurm, worin ſich Warners Zimmer befand, ſtand neben dem Flügel, der von der königlichen Familie und ihren ausgezeichneten Gäſten bewohnt wurde und ſland mit der königlichen Wohnung vermöge eines langen Ganges in Verbindung, unter dem ſich Bogengänge und ein freier Hofplatz befanden. An dem einen Ende dieſes Ganges befand ſich eine Thüre, die zu dem Cor⸗ ridor führte, wo ſich Lady Anna's Zimmer befand; das andere Ende ſtand mit einer unebenen ſteinernen Treppe in Verbindung, die zu den von Warner bewohnten Zimmern führte. Indem wir es Sibylla überlaſſen, der ſanften Anna ihren gelehrten Vater vorzuſtellen, folgen wir dem Koͤnige in den Garten, wohin er ſich begab, ſobald er abgeſtiegen war. Dort fand er den Erzbiſchof von York, der in ſeiner Barke zum Palaſte gekommen war und ſich jetzt leiſe mit Haſtings unterredete. Der König, welcher gedankenvoll und ermüdet zu ſein ſchien, näherte ſich den Beiden mit erzwungenem Lächeln und ſagte:„Welcher gelehrte Gegenſtand be⸗ ſchäftigt Euch Beide?“ „Eure Majeſtät,“ ſagte der Erzbiſchof,„Minerva war nicht gerade die Göttin, die in dieſem Augenblick unſere Gedanken am mächtigſten beherrſchte. Ich erhielt am letzten Abend einen Brief von dem Herzog von Gloueeſter, und da ich weiß, wie ſehr der Prinz Lord Haſtings liebt, ſo fragte ich Euren Kämmerer, in wie weit er mit der Nachricht bekannt ſei, die ich ihm mitzu⸗ theilen hatte.“ 320 „Und welches mag dieſe Nachricht ſein?« fragte ber König zerſtreut. Der Praͤlat zauderte. „Sire,“ ſagte er ernſt,„das beſondere Vertrauen, womit ſowohl Eure Majeſtät als auch der Herzog von Gloueeſter den Kämmerer beehren, erlaubt mir, den Jahalt des Briefes in ſeiner Gegenwart mitzutheilen. Der junge Herzog benachrichtigt mich, daß er lange eine Neigung gehegt, die er in eine Vermählung zu verwan⸗ deln wünſche, ehe er ſich aber an die Dame oder ihren Vater wendet, bittet er mich, mit Eurer Majeſtät zu unterhandeln, deſſen Wille hierin wie in allen Dingen ſein höchſtes Geſetz ſein werde.“ „Ja, Richard liebt mich aufrichtiger als Georg von Clarence! Aber welche Dame kann er an ber Grenze geſehen haben, welche würdig iſt, die Gattin eines Prin⸗ zen zu werden?“ „Es iſt keine plötliche Leidenſchaft, Sire, wie ich ſchon vorher andeutete; ja ſie iſt ſchon ſeit einiger Zeit ſeinen Freunden und Vielen am Hofe bekannt— es iſt eine Dame, die er ſchon von ſeiner Kindheit her kennt, und die mit ihm verwandt iſt— kurz, es iſt meine Nichte, Anna Nevile!“ Als haͤtte ihn ein Scorpion geſtochen, ſtieß Eduard den Arm des Praͤlaten von ſich, auf den er ſich gewöhn⸗ lich mit liebkoſender Höflichkeit ſtützte. 3 „Dies iſt zuviel!“ ſagte er raſch, indem ſein vorher etwas bleiches Geſicht plötzlich ſehr roth wurde—„ſoll die ganze Königsfamilie von Englanb eine Familie Ne⸗ vile werden? Habe ich die Grundlagen meines Thronen nicht ſch mit eine von S jungen und nun willigen Der vorberei des Kör unbeſont ging in Haſting ſeinem k „M ſuchte ic daß ich Laneaſtre dem krie⸗ Dymoke Dies iſt viles auf „O 3 leidenſche wo das n deſſen iſ dürfen di Er r dem Eczl fragte der Vertrauen, Herzog von mir, den itzutheilen. lange eine zu verwan⸗ eoder ihren Majeſtät zu len Dingen Georg von her Grenze eines Prin⸗ ere, wie ich her kennt, s iſt meine 321 nicht ſchon hinlänglich beſchränkt? Anſtatt meine Tochter mit einem fremden Prinzen zu vermählen— mit einem von Spanien oder von Bretagne— iſt ſte mit dem jungen Montagu verlobt! Clarence heirathet Iſabella und nun Gloueeſter— nein, Prälat, ich will nicht ein⸗ willigen!“ Der Erzbiſchof war ſo wenig auf dieſen Ausbruch vorbereitet, daß er ſprachlos blieb; Haſtings drückte des Königs Arm, als wollte er ihn warnen, nicht zu unbeſonnen ſein Rachegefühl zu zeigen. Aber der König ging in großer Unruhe weiter, ohne auf ihn zu achten. Haſtings wechſelte Blicke mit dem Erzbiſchof und folgte ſeinem königlichen Herrn. „Mein König,“ ſagte er ernſt und leiſe,„wie Ihr auch entſcheiben möget, erneuert nicht die unglücklichen Fehden, die jetzt beruhigt find! Schon dieſen Morgen ſuchte ich Euch in Eurem Zimmer auf, Euch zu ſagen, daß ich die Nachricht von einem neuen Aufſtande der Lancaſtrier in Lineolnſhire unter Sir Robert Welles und dem kriegeriſchen Ritter von Scrivelsby, Sir Thomas Dymoke, erhalten habe, doch Ihr waret ausgeritten. Dies iſt nicht die geeignete Stunde, den Stolz der Ne⸗ viles aufzuregen.* „O Haſtings! Haſtings!“ ſagte der König im Tone leidenſchaftlicher Bewegung—„es gibt Augenblicke, wo das menſchliche Herz ſich nicht verſtellen kann! In⸗ deſſen iſt Euer Raih redlich und weiſe! Nein! wir dürfen die Neviles nicht erzürnen!“ Er wendete ſich plötzlich wieder um und ging zu dem Erzbiſchof, der auf derſelben Stelle ſtand, wo der 322 König ihn verlaſſen hatte; ſeine Arme hatte er uͤber die Bruſt zuſammengeſchlagen, und ſein Geſicht war ruhig, aber ſtolz. „Mein verehrteſter Vetter,“ ſagte Eduard,„ver⸗ zeihet die wohlbekannte Hitze meiner haſtigen Stimmung! Ich hatte gehofft, Richard würde durch eine fremde Verbindung die von Clarence verſäumte Gelegenheit, meine Dynaſtie nach außen hin zu verſtärken, wieder gut machen. Aber es thut nichts! Wir wollen bald mehr von dieſen Dingen reden. Sagt nichts zu Richard, bis die Zeit geeignetere Entſchlüſſe zur Reife bringt; er iſt noch ein Bube. Was ſind das für ſeltſame Nachrichten von Lincolnſhire?“ „Das Haus Eures Oberaufſehers Sir Robert de Burgh iſt niedergebrannt und ſeine Ländereien ſind ver⸗ wüſtet worden. Die Rebellen werden von Lords und Rittern angeführt. Robin von Redesdale, der, wie es ſcheint, nicht zu tödten iſt, hat ſogar gewagt, die Miß⸗ vergnügten in meines Bruders eigener Grafſchaft War⸗ wick aufzuregen.“ „O Heinrich!“ rief der König, ſeine Augen auf den Thurm richtend, worin der Gefangene ſich befand, „wohl mochteſt Du die Königskrone eine Dornenkrone nennen!“ „Ich habe bereits Couriere an meinen Bruder ah⸗ geſchickt,“ ſagte der Erzbiſchof,„um ihn von Warwich herbeizurufen, wohin er ſich begab, als er Eure Maje⸗ ſtät verließ. Ich habe noch mehr gethan— von dem Eifer geleitet, der mich von der Sorge für die Kirche zu der für den Staat hinwendet, habe ich die Lords St. Joh geladen. ſich mit Lächeln gewinne einem A in Anſpt von ihre kann nie „Ac ſeine Zu lichen U günſtig Eure Ar zeit nich zubringe werben Redesde Vollma beſorgt führe di Vater, terner Vaters Verzeihe dieſe G unſere bei uns er uͤber die war ruhig, uard,„ver⸗ Stimmung! eine fremde Gelegenheit, kken, wieder en bald mehr Richard, bis ringt; er iſt Nachrichten r Robert de ien find ver⸗ Lords und der, wie es in Bruder ab⸗ von Warwick Eure Maje⸗ — von dem üir die Kirche ch die Lords 323 St. John, de Fulke und Andere nach More Park ein⸗ geladen. Nun hitte ich Gure Majeſtät, ſich herabzulaſſen, ſich mit ihnen zu unterreden, und ich bin gewiß, daß ein Lächeln von Enren fürſtlichen Lippen ihre Herzen wieder gewinnen und ihre Unterthanentreue beſtätigen wird, in einem Augenblick, wo nene Gefahren alle ſtarken Arme in Anſpruch nehmen.“ „Ihr habt ſehr weiſe gehandelt; ich will in Euren Palaſt kommen— beſtimmt ſelber den Tag.“ „Die Barone werden einige Tage gebrauchen, um von ihren Schlöſſern herbelzukommen. Ich fürchte, es kann nicht vor zehn Tagen von heute an geſchehen.“ „Ach!“ ſagte der Koͤnig mit einer Lebhaftigkeit, die ſeine Zuhörer in Erſtaunen ſetzte, welche ſeinen gewöhn⸗ lichen Ungeſtüm kannten,„der Aufſchub wird uns nur günſtig ſein; was Warwick betrifft, ſo erlaubt mir, Eure Anordnungen zu verändern; laßt ihn die Zwiſchen⸗ zeit nicht in London, wo er nutzlos iſt, ſondern damit zubringen, in der Naͤhe ſeines Schloſſes Soldaten anzu⸗ werben und den verrätheriſchen Plan dieſes Schurken Redesdale zu vernichten. Wir wollen ihm und Clarence Vollmacht ertheilen, Truppen auszuheben. Haſtings, beſorgt dies ſogleich. Ihr ſagt, Sir Robert Welles führe die Rebellen in Lincolnſhire an; ich kenne ſeinen Vater, den Lord Welles, der ein furchtſamer und ſchüch⸗ terner Mann iſt; ich will ihn kommen laſſen, und des Vaters Kopf ſoll mir für des Sohnes Treue ſtehen. Verzeihet mir, lieber Vetter, daß ich Euch verlaſſe, um dieſe Geſchäfte zu beſorgen. Ich bitte Euch, beſucht unſere Königin und bleibt inzwiſchen als unſer Gaſt bei uns.“ 324 „Eure Majeſtät wollen mich gnäbigſt entſchuldigen; ich habe auch Eure königlichen Intereſſen zu ſehr im Herzen, um eine Stunde dem Vergnügen zu widmen. Ich will nur die Freunde unſeres Hauſes beſuchen, die jetzt in London ſind, und dann nach More Park zurück⸗ kehren, um meine Pächter und Untergebenen zuſammen zu bringen.“ „Ihr habt ſtets Recht. Ich wünſche Euch glückliches Gelingen— mein künftiger Cardinal! Euren Arm, Haſtings.“ Der König und ſein Günſtling nahmen ihren Weg zu den Siaatsgemächern. „Unterſtützt Glouceſter bei dieſer Verbindung nicht — unterſtützt ihn nicht!“ ſagte der König feierlich. „Bedenkt, Sire! dieſe Verbindung gibt Warwick einen weiſen Rathgeber anſtatt des ruheloſen Herzogs von Clarence; dadurch wird die ungeheure Erbſchaft getheilt, die ſonſt dem Herzog und ſeigem Eeben allein zufiele. Bedenkt, welche Geſahr daraus entſtehen kann, wenn ein ehrgeiziger Herr, der mit Eurer Regierung 8 gierung unzufrieden iſt, die Hand der zweiten Erbin des großen Grafen und zugleich die Haͤlfte von hundert Baronien erhält, welche eine größere Armee aufbringen können als die der Krone.“ Obgleich dieſe Gründe in einer ruhigeren Zeit wohl ihre Wirkung auf Eduard möchten hervorgebracht haben, ſo achtete er doch in dieſem Augenblick nicht darauf. Er ſtampfte heftig mit dem Fuße auf den Boden und rief: „Haftings, ſchweigt, oder—“ er hielt inne, überwand ſeine Aufregung und fuhr fort:„Geht und verſammelt unſern nachzude Ver ſchaft di rungen g des Krie Wahnſin ihn über dem Beſ Ehre, d nunſt ge wiſſen zu ſeine Lei Anna's weiſe ſo tiger als ausübte, Als die g ſeine Arn ihrer Mt regung ſe vermöge derſelben hatte er k ſein Gehe ſelbſt. O. ſo konnte die ſie erſ Er fühlte erſten Ab atſchuldigen; zu ſehr im zu widmen. heſuchen, die Park zurück⸗ en zuſammen ch glückliches Euren Arm, n ihren Weg iindung nicht feierlich. libt Warwick oſen Herzogs re Eebſchaft Eeben allein iſtehen kann, in des großen ert Baronien e, überwand verſammelt er Negierung 325 unſern Staatsrath. Wir haben über wichtigere Dinge nachzudenken als über die Verheirathung eines Knaben.“ Vergebens ſuchte Eduard das Feuer ſeiner Leiden⸗ ſchaft durch Staatsgeſchäfte und die nöthigen Vorkeh⸗ rungen gegen die drohenden Geſahren, ſowie durch Pläne des Krieges und der Nache abzukühlen. Der unglückliche Wahnſinn, der ſich ſeiner bemächtigt hatte, verfolgte ihn überall, bei Tage und bei Nacht. Einige Tage nach dem Beſuche in Anna's Zimmer kämpfte die ritterliche Ehre, die religiöſe Bedenklichkeit und die geſunde Ver⸗ nunſt gegen ſeine Begierde an und erweckten ſein Ge⸗ wiſſen zu einem weniger ſchwachen Widerſtande gegen ſeine Leidenſchaft, als gewöhnlich der Fall war; aber Anna's Geſellſchaft, in welcher er ſich nothwendiger⸗ weiſe ſo viele Stunden des Tages befand, war mäch⸗ tiger als alle Vorſchriften einer Tugend, die er ſo ſelten ausübte, daß ſie nicht die Stärke der Gewohnheit hatte. Als die Zeit ſich näherte, wo er den Erzbiſchof beſuchen, ſeine Armee gegen die Rebellen anführen und Anna zu ihrer Mutter zurückſenden mußte, da wurde die Auf⸗ regung ſeines Geiſtes dem ganzen Hofe ſichthar; aber vermöge ſeiner natürlichen Liſt gelang es ihm, die Urſache derſelben zu verbergen. Zum erſtenmal in ſeinem Leben hatte er keinen Vertrauten— er wagte nicht, Haſtings ſein Geheimniß anzuvertrauen. Sein Herz verzehrte ſich ſelbſt. Obgleich er ſich beſtändig an Anna's Seite ſchlich, ſo konnte er doch nicht wagen, eine Sprache zu führen, die ſie erſchrecken und über ſeine Abſicht auftlären konnte. Er fühlte, daß er ſelbſt jene Aufmerkſamkeiten, die am erſten Abend ihrer Ankunft von den Hofleuten waren 326 bemerkt worden, nicht mit Sicherheit erneuern könne. Er war ernſt und gezwungen, ſelbſt wenn er an ihrer Seite war, und die Etikette des Hofes geſtattete ihm keine Gelegenheit zu einer Unterredung ohne Zeuhen. Bei dieſem unterdrückten und ungleichen Kampfe mit ſich ſelber verg ing die Zeit, bis nur noch ein Tag zu dem beſtimmten Beſuche in More Park übrig war. Und als er am Morgen von ſeinem ruheloſen Lager auf⸗ ſtand, war der Kampf vorüber und ſeine Seele ent⸗ ſchloſſen, das Verbrechen zu wagen. Sein erſter Ge⸗ danke war, Anna von Sibylla zu trennen. Er machte der Koͤnigin zum Schein Vorwürfe, daß ſie der hoch⸗ geborenen Dame eine Geſellſchafterin gegeben, die ſo weit unter ihrem Range ſei und im Rufe der Zauberei ſtehe, und als die Königin erwiderte, daß Lady Anna ſelber ſo gewählt, da beſuchte er Warner ſelber unter dem Vorwande, zu ſehen, welche Fortſchritte er ge⸗ macht— ſtellte ſich betroffen über das kränkliche Aus⸗ ſehen des Gelehrten, ließ Sibylla kommen und ſagte ihr mit einer Miene gnädiger Herablaſſung, ihre erſte Pflicht ſei, für ihren Vater zu ſorgen, die Königin entlaſſe ſie auf einige Tage ihrer Pflichten bei Hofe und er habe Befehl gegeben, das Zimmer neben dem des Herm Warner, welches der Mönch Bungey, der die Herzogin von Bedford begleitete, bewohnt, für ſie einzurichten. Sibylla wunderte ſich über dieſen neuen Beweis der Rückſicht von Seiten des ſorgloſen Königs, ſchrieb ihn aber dem hohen Werthe der Arbeiten ihres Vaters zu, dankte Eduard mit einfacher Lebhaftigkeit und entfernte ſich. Im Vorzimmer begegnete ihr Haſtings, der zum Könige griffen: Kabinen haite Le nommen der die welches Weiſe 1 und Tre mehr V wegzuſtr innerte, Gattin liebten Gegenm Darin, ungeacht Behford und ihn darin, d worden, euern könne. er an ihrer eſtattete ihm hne Zeugen. Kampfe mit och ein Tag k übrig war. en Lager auf⸗ e Seele ent⸗ in erſter Ge⸗ n. Er machte ſie der hoch⸗ geben, die ſo der Zauberei ß Lady Anna r ſelber unter chritte er ge⸗ änkliche Aus⸗ und ſagte ihr re erſte Pflicht nin entlaſſe ſie e und er habe des Herm die Herzogin einzurichten. en Beweis der s, ſchrieb ihn es Vaters zu, und entfernte ngs, der zum 327 Könige wollte. Er ſuutzte, von plötzlicher Eiferſucht er⸗ griffen:„Was, Du Sibylla! und aus des Königs Kabinet! Was führte Dich dorthin?“ „Seiner Majeſtät Befehl.“ Und zu edel zu dem Vergnügen, Mißtrauen zu erregen, welches leichtfer⸗ tigen Gemüthern als ein Beweis der Macht erſcheint, fügte Sibylla hinzu:„Der König iſt ſo gnädig ge⸗ weſen, von dem Befinden meines Vaters mit mir zu rehen.“ Die Stirn des Hofmannes klärte ſich wieder auf— er ſann einen Augenblick nach und ſagte leiſe: „Ich bitte Dich, mich in einer Stunde auf dem öſtlichen Walle zu treffen.“ Seit ſeiner Rückkehr in den Palaſt haite Lord Haſtings ein fremdes und kaltes Weſen ange⸗ nommen, welches ſich ſchlecht für einen Mann eignete, der die Rechte eines bevorzugten Bewerbers genoß und welches Sibylla's Zärtlichkeit und Stolz auf gleiche Weiſe verwundete; doch ihr Vertrauen zu ſeiner Liebe und Treue war vollkommen. Ihre Bewunderung war mehr Verehrung, und ſie ſuchte alle Gründe zur Unruhe wegzuſtreiten, indem ſie ſich an die Staatsſorgen er⸗ innerte, die ſchwer auf ihm laſteten, und das Wort Gattin bei ſich ſelber fluͤſterte, welches von jenen ge⸗ liehten Lippen gekommen und einen Nebel über die Gegenwart und eine Glorie über die Zukunft geworfen. Darin, daß der König Adam Warner bei ſich behalten, ungeachtet des lebhaften Wunſches der Herzogin von Bedford, ihn nebſt dem Mönch Bungey mitzunehmen und ihn wieder mit Alchymie zu beſchäftigen, ſowie auch darin, daß ſie ſelber zu dem Dienſte der Koͤnigin erhöht worden, konnte Sihylla nicht umhin, den Einfluß ihres 328 mächtigen Geliebten zu erkennen. Seine Toͤne waren jetzt zärtlich, obgleich ernſt. In der geforderten Unter⸗ redung wollte er gewiß Alles erklären, was ihr unver⸗ ſtändlich war. Und ſo ging ſie mit leichtem Herzen weiter. Haſtings ſeufzte, als ſein Auge ihr folgte, und er ſagte bei ſich ſelber:„Wäre ich der unbedentende Ebel⸗ mann, der ich einſt war, welches liebliche Loos würde mir die Liebe dieſes Maͤdchens bereiten! Aber ach! wenn wir Macht und Gröͤße koſten und die dunkle Weis⸗ heit der Welt beherrſchen, wozu ſchrumpft da die Liebe zuſammen?— Zu dem Glück einer Stunde, zu der Thorheit eines ganzen Lebens.“ Seine zierlichen Lippen verzogen ſich, und indem er ſein Selbſtgeſpräch abbrach, trat er in des Köͤnigs Kabinet. Eduards Geſicht ruhte auf ſeinen Händen und ſeine klaren Augen blickten in den leeren Raum, bis ſie ſich wieder belebten, als ſie auf den Günſtling fielen. „Lieber Will,“ ſagte der König,„wißt Ihr auch, daß die Leute ſagen, daß Ihr behext ſeid?“ „O Sire, wenn ein liebenswürdiges Geſicht Euer großes Herz gefangen genommen hatte, haben die Leute oft daſſelbe von Euch geſagt!“ „Es mag ſein, denn wahrlich die Liebe ſtammt vom Teufel ab.“ Der König ſtand auf und ging mit raſchen Schritten durchs Zimmer; endlich blieb er ſtehen und ſagte: „Haſtings, Ihr liebt alſo des Philoſophen hübſche Tochter. Sie hat mich ehen verlaſſen. Seid Ihr eifer⸗ ſüchtig?“ „Zum Glück findet Eure Majeſtät Locken, welche nein— ſondern ſchlauer „W Tone waren herten Unter⸗ s ihr unver⸗ erzen weiter. lgte, und er eutende Edel⸗ Loos würde Aber ach! dunkle Weis⸗ t da die Liebe inde, zu der lichen Lippen räch abbrach, Geſicht ruhte en blickten in ebten, als ſie ßt Ihr auch, Geſicht Euer ben die Leute ſtammt vom hen Schritten und ſagte: phen hübſche eid Ihr eifer⸗ ocken, welche 3²29 den Glanz des Raben, und Augen, welche die Farbe des Veilchens haben, nicht ſchön.“ „Nein, ich bin ein beſtändiger Mann— getreu einer Idee der Schönheit unter tauſend Geſtalten— Augen, wie der lichtblaue Sommerhimmel und Locken wie die goldenen Sonnenſtrahlen! Aber beruhigt Euch, Will, ich habe nur den kränklichen Geſundheitszuſtand des Gelehrten bemitleidet, den Ihr ſo hoch rühmt, und habe Eurer ſchoönen Sibylla ein Zimmer neben dom ihres Vaters angewieſen. Der junge Lovell ſagt, Ihr beab⸗ ſichtigt, die Tochter des Zauberers zu heirathen.“ „Und wenn es ſo wäre, Sire? u Chuard nahm ein ernſtes Geſicht an. „Wenn es ſo wäre, mein armer Will, ſo würdet Ihr allen Ruf wegen Eurer verſchlagenen Weisheit ver⸗ lieren, der Euer plötzliches Glück rechtfertigt. Nein— nein— Ihr ſeid die Blüte des neuen Adels— Ihr müßt Euch mit einem Namen und einer Baronie ver⸗ binden, die Eures Ruhmes und Eurer Ausſichten würdig ſind. Liebt die Schönheit, aber heirathet die Macht, Will! Vergebens würde Euch Euer König hinaufziehen, wenn ein verachtetes Weib Euch herunterzöge!“ Haſtings hörte dieſe Worte mit tiefer Aufmerkſam⸗ keit an. Der König wartetete nicht auf ſeine Antwort, ſondern fügte lachend hinzu:„Es iſt Eure eigene Schuld, ſchlauer Cavalier, wenn Ihr nicht all ihren Zauber endet.“ „Was endet den Zauber der Jugend und Schönheit, Sire?“ „Der Beſttz,“ verſetzte der König mit leiſer und hohler Stimme. Bulwer, Barone. II. 22 330 Haſtings war im Begriff zu antworten, als der Her⸗ zog von Clarence angemeldet wurbe. „Ha!“ ſagte Eduard,„Georg kommt, mich mit der Bitte zu beläſtigen, zu ſeiner Statthalterſchaft Irland abreiſen zu bürfen, und ich muß ihn wiſſen laſſen, daß ich Lord Woreeſter für einen ſicherern Vicekönig halte.“ „Eure Majeſtät wird mir verzeihen; doch obgleich ich die Beſtimmung für zu großmüthig hielt, würde es jetzt gefährlich ſein, ſie zurückzunehmen.“* „Gefährlicher noch, ſie zu beſtätigen. Eliſabeth hat min die Thorheit gezeigt, beim Malvaſter ein Zuge⸗ ſtändniß zu machen— im Wein, von dem der arme Georß beiläufig behauptet, er würde zufrieden ſein, ſich darin zu ertränken. Vicekönig von Irland! Mein Vater verwaltete jene Statthalterſchaft, und als er einmal die Süßigkeiten der Königswürde gekoſtet, hörte er auf, ein Unterthan zu ſein! Nein, nein, Clarence— „Kann niemals Verrätherei gegen eines Bruders Krone unternehmen. Hat er den Verſtand, die Kraft, oder das Genie zu einem ſo verzweifelten Ehrgeiz?“ „Nein, aber er beſitzt die Eitelkeit, und ich will tauſend Mark gegen einen Silberpfennig wetten, daß mein Hofnarr den ſchwindlichen Georg durch ſeine Re⸗ den dahin bringt, Anſpruch darauf zu machen, Sultan von Egypten oder Papſt von Rom zu werden.“ gänger goldene und nic von M üppigen Freude Thorwe eingetre haft zu 331 als der Her⸗ Viertes Kapitel. mich mit der. e e caft Irland Die Milchbrüder. n laſſen, daß Sir Marmaduke Nevile ſonnte ſeine Tapferkeit auf könig halte.“ dem Raſenplatze des Tower unter den andern Müßig⸗ doch obgleich gängern des Hofes, ſtolz auf die goldene Kette und die ellt, würde es goldenen Sporen, die ſeinen neuen Rang bezeichneten, und nicht übel damit zufrieden, die feierlichen Mauern Eliſabeth hat von Middleham mit den heitern Vergnügungen des ier ein Zuge⸗ üppigen Palaſtes vertauſcht zu haben, als er zu ſeiner em der arme Freude und Überraſchung ſeinen Milchbruder durch den eden ſein, ſich Thorweg eintreten ſah, und nicht ſo bald war Nikolaus Mein Vater eingetreten, als eine Schaar jüngerer Hofleute ſich leb⸗ er einmal die haſft zu ihm drängte. tte er auf, ein„Wahrlich!“ ſagte Sir Marmaduke zu einem der — umſtehenden,„was hat Nil Alwyn zu einem ſo berühm⸗ eines Bruhers ten Manne gemacht, daß ſo viele ſeidene Flügel um ihn d, die Kraft, her flattern wie Sperlinge um eine Eule, welcher, beim Ehrgeiz?“ heiligen Kreuz, ſein weißes Geſicht einigermaßen gleicht.“ und ich will„Wißt Ihr nicht, daß Herr Alwyn ſeitdem ein eige⸗ wetten, daß nes Geſchäft angefangen und ſich den Ruf des vortreff⸗ urch ſeine Re⸗ lichſten Goldſchmieds in London erworben hat? Keine chen, Sultan Dolchgriffe, keine Schnallen werden mehr getragen, als den.“ die er verfertigt hat; und wahrlich, wenn er am Leben hleibt und das Haus York die Herrſchaft behält, ſo wird Herr Alwyn in Kurzem der reichſte und beſte Mann in ganz London ſein.“ „Es iſt mir ſehr lieb dies zu hören,“ ſagte der red⸗ liche Marmaduke herzlich, näherte ſich Alwyn und er⸗ 3³² ſchreckte ben zierlichen Handelsmaun durch einen freund⸗ ſchaftlichen Schlag auf die Schulter. „Ei, Mann, biſt Du zu ſtolz, Dich Marmaduke Nevlle's zu erinnern? Komm in meine Wohnung und wir wollen bei des Königs Kanarienſekt von alten Tagen reden.“ „Ich bitte um Verzeihung, lieber Junker Nevile.“ „Junker— zum Henker! Sir Marmaduke— zum Ritter geſchlagen von der Hand des Lord Warwick— Sir Marmaduke Nevile, Beſitzer eines Ritterguts, wel⸗ ches er noch nie geſehen— mein nüchterner Alwyn.“ Seines Milchbruders Arm faſſend, führte Marma⸗ duke ihn in das Zimmer, wo er wohnte. Die jungen Männer brachten einige Minuten damit zu, einander zu ihren Fortſchritten im Leben Glück zu wünſchen. Der Cavalier hatte Rang und Wohlſtand bloß durch Anhänglichkeit an einen mächtigen Patron erlangt— der Geſchäftsmann hatte Ruf und die Aus⸗ ſicht auf Reichthum durch Redlichkeit und Fleiß gewon⸗ nen. Als die beiderſeitigen Complimente vorüber waren, ſagte Alwyn zaudernd:„Und findet Ihr Fräulein Si⸗ bylla jetzt ſanfter gegen Euch geſtimmt, als damals, wo Ihr über ihre Grauſamkeit klagtet?“ „Wahrlich, guter Nikolaus, ich will offen gegen Dich ſein. Als ich den Hof verließ, um Lord Warwick zu folgen, ging das Gerücht, daß Haſtings etwas zu galant gegen das Mädchen ſei, was mein Herz tief ver⸗ letzte. Ich ſprach auf offene und ehrenvolle Weiſe davon mit ihr und erhielt dagegen nur ſtolze Blicke und ver⸗ ächtliche Wonte. Guter Junge, ich danke Dir für dieſen Perſon zu Mein lieb außerorden So gelang bylla aus „Und „Nein fand ich fre ren in ihre neugierig z Billigung Mädchen u mit mir vr Erhebung der alten T Mädchen e Prinzeſſin, „Bei „Bei m Alwyn Bruſt niehe wahrlich, er in ſeinem: zu verwund an einem! täglich dam und nicht r „Und r en freund⸗ Narmadule hnung und lten Tagen Neyile.“ uke— zum Jarwick— guts, wel⸗ Alwyn.“ te Marma⸗ uten damit Glück zu Wohlſtand en Patron d die Aus⸗ eiß gewon⸗ ber waren, äulein Si⸗ amals, wo ffen gegen d Warwick etwas zu z tief ver⸗ Zeiſe davon e und ver⸗ für dieſen 3³³ Händedruck und dieſen kläglichen Seufzer. Bei meiner Abweſenheit in Middleham bemühte ich mich ſehr, eine Perſon zu vergeſſen, die ſich ſo wenig um mich kümmert. Mein lieber Alwyn, dieſe Mädchen in Yorkihire ſind außerordentlich hübſch und mächtig ſanft und hingebend. So gelang es mir, durch die Menge die grauſame Si⸗ bylla aus meinem Herzen zu vertreiben.“ „Und liebt Ihr ſte nicht mehr? „Nein, bei dieſem Becher! Bei meiner Rückkehr fand ich freilich Vergnügen daran, meine goldenen Spo⸗ ren in ihrer Gegenwart klirren zu laſſen, denn ich war neugierig zu ſehen, ob ein neues Glück ein Lächeln der Billigung hervorbringen würde; und wahrlich, das Mädchen war herzlich und freundlich und ſprach ſo heiter mit mir von dem Vergnügen, welches ſie über meine Erhebung empfinde, ſo daß ich wieder einige Worte von der alten Thorheit fallen ließ. Aber da richtete ſich das Mädchen empor und nahm eine Miene an, wie eine Prinzeſſin, und jetzt bin ich ein kurirter Mann.“ „Bei Eurem Wort?“ „Bei meinem Wort* Alwyns Kopf ſank in tiefem Schweigen auf ſeine Bruſt nieder. Sir Marmaduke leerte ſeinen Becher, und wahrlich, es ſah der junge Ritter ſo ſchön und zierlich aus in ſeinem neuen Gewande von Sammet, daß es nicht zu verwundern war, daß er genug Gelegenheit zum Troſte an einem Hofe fand, wo die Männer ſechs Stunden täglich damit zubrachten, den Damen den Hof zu machen, und nicht vergebens. „Und was ſagt man jetzt von Lord Haſtings?“ fragte 334 Alwyn, das Schweigen unterbrechend.„Hoffenilich nichts, was der Ehre dieſes armen Mädchens nachtheilig ſein könnte— wenn es auch Stoff zum Spott gewährt, daß ſie einem ſo eitlen und flatterhaften Mann vertraut. Die Zunge iſt nicht von Stahl, aber ſie ſchneidet doch, wie das Sprüchwort von den Verleumdern ſagt.“ „Nun, von ihrer weiblichen Tugend ſagt man nichtz Nachtheiliges, wohl aber, daß ſie eine Hexe iſt! Man ſagt, Haſtings habe nicht beſtritten, daß er bezaubert iſt. Beim heiligen Thomas, Marmaduke Nevile ſchätzt ſich glücklich, von einem Mädchen von ſolchem Rufe he⸗ freit zu ſein.“ „Sir Marmaduke,“ ſagte Alwyn in ernſtem und lebhaftem Tone,„als treuer, obgleich demüthiger Freund und als ehrlicher Mann muß ich Euch dagegen auch ein Geheimniß anvertrauen. Ich liebe dieſes Mädchen. Ja, ja! Ihr denkt, Liebe ſei ein fremdes Wort für die Lippen eines Geſchäftsmannes; aber der kalte Kieſelſtein enthäͤlt auch Feuer. Verhüte der Himmel, daß ich Euer Neben⸗ buhler geworden wäre, wenn Ihr noch eine Hoffnung gehegt hättet oder wenn Ihr jetzt meine Bewer bung ver⸗ bieten wollt; aber wenn Ihr jetzt nichts dagegen habt, ſo will ich verſuchen, eine reine Seele von einem ränke⸗ vollen Bewerber zu befreien.“ Marmaduke ſtarrte in großem Erſtaunen ſeinen Milchbruder an; und obgleich er ohne Zweifel die Wahr⸗ heit ſagte, als er behauptete, er ſei von ſeiner Liebe zu Sibylla geheilt, ſo empfand er doch eine gewiſſe Eifer⸗ ſucht bei Alwyns unerwartetem Bekenntniß und ſeine Eitelkeit fühlte ſich verletzt, daß der einfache Geſchäfts⸗ mann ein Cavalier; Natur üb letzten Ge ſagte er: Glück, we es zu Dei der Zaube an— ſo Nutzen br „Ach! Seite— glatten Zu fallen, we gleich die doch einen Dieſe haftigkeit Hoffentlich nachtheilig t gewährt, a vertraut. heidet doch, agt.“ man nichtz iſt! Man bezaubert ile ſchätzt n Rufe he⸗ enſtem und iger Freund en auch ein dchen. Jn, die Lippen tein enthält uer Neben⸗ Hoffnung rbung ver⸗ gegen habt, nem raͤnke⸗ nen ſeinen [die Wahr⸗ er Liebe zu viſſe Eifer⸗ und ſeine Geſchäfts⸗ 3³⁵ mann einen Verſuch machen wollte, der dem ſchönen Cavalier fehlgeſchlagen war. Seine eble und maͤnnliche Natur überwand aber nach kurzem Kampfe dieſe ver⸗ letzten Gefühle, und indem er Alwyn die Hand reichte, ſagte er:„Mein lieber Milchbruder, verſuche Dein Glück, wenn Du willſt. Gotte gebe Dir Gelingen, wenn es zu Deinem Beſten gereicht! Aber wenn ſie wirklich der Zauberei ergeben iſt— ſieh mich nicht ſo ſpöttiſch an— ſo kann ſolches Treiben für Bett und Herd wenig Nutzen bringen!“ „Ach!“ ſagte Alwyn,„die Zauberei iſt auf Haſtings Seite— die Zauberei des Ruhmes und Nanges, der glatten Zunge und der geübten Kunſt. Aber ſie ſoll nicht fallen, wenn ein treuer Arm ſie retten kann; und ob⸗ gleich die Hoffnung nur ein kleines Kind iſt, ſo kann ſie doch einen großen Angriff wagen!“ Dieſe Worte wurden mit ſolcher eindringlicher Leb⸗ haftigkeit geſprochen, daß ſie Marmaduke's Geiſte ein neues Licht eröffneten, und da ihm ſeine angeborne Großmuth anſtatt des Verſtandes diente, ſo begriff er die edlen Beweggründe, die den Sohn des Handels hiezu beſtimmten. „Mein armer Alwyn,“ ſagte er,„wenn Du hieſes junge Mädchen retten kannſt, die ich wahrhaft liebte und die mir ſagt, daß ſie mich als Schweſter liebt, ſo ſoll es mir ſehr lieb ſein. Doch Du ſetzeſt Deine eigene Gemüthsruhe für die ihrige aufs Spiel. Ich ſage noch einmal, ich wünſche Dir Glück und wenn Du es ver⸗ ſuchen willſt, ſo benutze den Augenblick, denn in der Liebe gleicht der Aufſchub dem Fegfeuer. Gerade ehe wir uns 336 trafen, ſah ich Sibylla allein auf den Wall gehen; zu dieſer Jahreszeit iſt der Ort ganz leer— geh!“ „Ja, dieſen Augenblick!“ ſagte Almyn aufſtehend und blaß werdend; aber als er die Thür erreicht hatte, blieb er ſtehen.„Ich vergaß, Sir Marmahuke, daß ich dem Könige dieſen neu gefaßten Siegelring bringe.“ „Man wird Dich drei Stunden im Vorzimmer auf⸗ halten. Der Herzog von Clarence iſt jetzt beim Könige. Vertrane mir den Ring an, ich werde Seine Majeſtät ſehen, ehe er zu Mittag ſpeist.“ Selbſt bei ſeiner Liebe vergaß Alwyn gicht ſeine angelſächſiſche Pünktlichkeit in Geſchäften und er war unentſchloſſen.„Könnte ich nicht dadurch des Königs Gunſt und Kundſchaft verlieren?“ ſagte her Geſchäfts⸗ mann. „Ol da kennſt Du König Eduard nicht; er kümmert fich nicht um Ceremonien; üherdies ſtehen die Neviles jetzt in großer Gunſt. Ich bin hier in der Begleitung der liebenswürdigen Lahy Aana, die der Koͤnig wie eine Tochter liebt, obgleich er zu jung iſt, um der Vater eines erwachſenen Mädchens zu ſein; und ein Wort von ihrer Lippe, wenn es nöthig ſein ſollte, wird Alles ſo glatt machen, wie dieſe Halskrauſe!“ Nach dieſer Verſicherung gab Alwyn ſeinem Freunde den Ring und nahm ſeinen Weg ſogleich zu dem Walle. Marmaduke blieb zuruͤck, um die Flaſche Kanarienſekt zu leeren und darüber nachzudenken, wie ſeltſam es ſei, daß ein ſo nüchterner Mann von einer ſo glühenden Leidenſchaft bewegt werde. Auch war er nicht wenig erſtaunt, zu bemerken, daß ſein Freund, obgleich er noch ſtark den 2 haltung mit untermiſcht auch ſeine „Wahrlich, murmelte I nahe ausſeh Bei die ter nicht la⸗ ſuchte ihn Graf auf d duke bei ſer ſtündlich err von dem S lichen Nach forderung ſe Siegelring, Wohnung k ſagte er phit nug an ſeine Stunden en dern damit in kaltes W werden.“ Der Liebe Alwyn reihen, gru gehen; zu 2 ufſtehend cht hatte, , daß ich inge.* imer auf⸗ Koͤnige. Majeſtät icht ſeine d er war 3 Koͤnigs heſchäfts⸗ kümmert e Neviles egleitung wie eine der Vater Wort von Alles ſo Freunde m Walle. narienſekt m es ſei, lühenden ht wenig h er noch 3³7 ſtark den Dialekt der Provinz ſprach und ſeine Unter⸗ haltung mit bäuriſchen Redensarten und Sprüchwörtern untermiſchte, bei ſeinen verbeſſerten Glücksumſtänden auch ſeine Sprache und ſein Weſen verbeſſert habe. „Wahrlich, wenn er ſo fortfaͤhrt und Lord Mayor wird,“ murmelte Marmaduke bei ſich ſelber,„ſo wird er bei⸗ nahe ausſehen, wie ein Cavalier!“ Bei dieſen Betrachtungen ließ man den jungen Rit⸗ ter nicht lange im Frieden. Ein Bote von Warwickhouſe ſuchte ihn auf und brachte ihm die Nachricht, daß der Graf auf dem Wege nach London ſei und Sir Marma⸗ zuke bei ſeiner Ankunft zu ſprechen wünſche, welche ſtändlich erwartet werde. Der junge Ritter, deſſen Kopf von dem Sekt, von Alwyns Geheimniß und der ploͤtz⸗ lichen Nachricht ein wenig ſchwindelte, eilte, der Auf⸗ forderung ſeines Anfuͤhrers zu gehorchen und vergaß den Siegelring, den ihm Alwyn anvertraut hatte bis er die Wohnung des Grafen erreichte.„Was liegt daran?“ ſagte er philoſophiſch—„der Konig hat der Ringe ge⸗ nug an ſeinen Fingern, ſo haß er dieſen nicht auf einige Stunden entbehren wird und ich wage nicht, einen An⸗ dern damit abzuſenden. Wahrlich, ich muß meinen Kopf in kaltes Waſſer tauchen, um den Weindampf los zu werden.“* Fünftes Kapitel. Der Liebende und der Galan— Des Maͤdchens Wohl. Alwyn ging auf den Theil des Walles, wo Baum⸗ reihen, grüne Raſen, ein gewundener Weg und Ruhe⸗ 338 ſitze angebracht waren. Während der Sommerabende war dieſer Ort ein Lieblingsaufenthalt der Hofleute; aber jetzt im Winter war er gewöhnlich verlaſſen, außer von den Schildwachen, die in gemeſſenen Entfernungen auf⸗ geſtellt waren. Der Geſchäftsmann war noch nicht weit gegangen, als er wenige Schritte vor ſich denſelben Mann bemerkte, den er am meiſten zu fürchten hatte; und als Lord Haſtings einen Fußtritt unter den dürren Blättern hörte, die den Weg beſäeten, wendete er ſich ploͤtzlich um, als Alwyn an ſeine Seite trat. Beim Anblick ſeines furchtbaren Nebenbuhlers hatte Alwyn einen von jenen Entſchlüſſen gefaßt, die nur Leuten von ſeinem entſchiedenen, offenen und kräftigen Charakter einfallen. Seine ausgezeichnete Scharfſicht hatte ihm eine beträchtliche Einſicht in die edleren, ſowie in die ſchwächeren Eigenſchaften des Lord Haſtings ver⸗ ſchafft; und ſeine Hoffnung auf die erſteren beſtimmte den Entſchluß, zu dem er kam. Haſtings Betrachtungen waren in dem Augenblick den Abſichten des demüthigeren Liebhabers günſtig; denn während der aufregenden Scenen, unter welchen er ſeine Abweſenheit von Sibylla zugebracht, hatte ſich Haſtings einigermaßen von ihrem Eiafluſſe befreit; und da er die Schwierigkeiten fühlte, ſeine Ehre und ſeine weltlichen Ausſichten mit dieſer Liebe auszuſöhnen, die er unbeſonnen ausgeſprochen, aber nicht tief empfunden hatte, ſo beſchloß er mit Auf⸗ richtigkeit, den gordiſchen Knoten zu zerhauen, den er nicht löſen konnte, und Sibylla zu benachrichtigen, daß eine Verbindung zwiſchen ihnen unmöglich ſei. In dieſer Abſicht hatte er dieſe Unterredung gewünſcht und has Geſpräch! beſtärkt. In die angeredet: wenige Au die Ihr für „So ſe „Ach, welche ich „Wie, thig—» was beküm „Hört ſagte Alwy hafter Stir hörers in? Edelmann der Mann ſagen pfleg Von dem Warner ſa aber hört Noth. Ich Geſichts— ten, weger lichen Lieb Brod zu ve Mädchen ich ſagte: die ein redt imerabende fleute; aber außer von ungen auf⸗ Nnicht weit denſelben hten hatte; den dürren neete er ſich ihlers hatte t, die nur id kräftigen Scharfſicht eren, ſowie aſtings ver⸗ beſtimmte trachtungen müthigeren aufregenden von Sibylla von ihrem iten fühlte, mit dieſer geſprochen, r mit Auf⸗ en, den er btigen, daß 1. In dieſer t und das 339 Geſpräch mit dem Könige hatte ihn nur in ſeiner Abſicht beſtärkt. In dieſem Gemüthszuſtande wurde er von Alwyn angeredet:„Mylord, darf ich ſo kühn ſein, Euch auf wenige Augenblicke zu einer Unterredung aufzufordern, die Ihr für zu voreilig halten werdet?“ „So ſeid kurz, Herr Alwyn— man erwartet mich.* „Ach, Mylord! ich kann errathen, wer— die Eine, welche ich ſelber ſuche— Sibylla Warner?“ „Wie, Herr Goldſchmied!“ ſagte Haſtings hochmü⸗ thig—„was wißt Ihr von meinen Handlungen und was bekümmere ich mich um die Eurigen?“ „Hört mich an, Lord Haſtings— hört mich an!* ſagte Alwyn, ſeinen Zorn unterdrückend und mit ſo leb⸗ hafter Stimme, daß er die volle Aufmerkſamkeit des Zu⸗ hoͤrers in Anſpruch nahm—„und urtheilt nicht wie der Edelmann den Geſchäftsmann beurtheilt, ſondern wie der Mann den Mann beurtheilen ſollte. Wie man zu ſagen pflegt, liegen wir Alle gleich in unſern Gräbern. Von dem erſten Augenblick an, wo ich dieſe Sibylla Warner ſah, liebte ich fie. Ja, lächelt nur verächtlich, aber hört mich dennoch an. Sie war unbekannt und in Noth. Ich liebte ſie nicht allein wegen ihres ſchönen Geſichts— ich liebte ſie wegen ihrer guten Eigenſchaf⸗ ten, wegen ihres geduldigen Fleißes, wegen ihrer kind⸗ lichen Liebe, wegen ihrer Anſtrengungen, ihrem Vater Brod zu verſchaffen. Ich ſagte nicht bei mir ſelber, dieſes Mädchen wird eine hübſche Geliebte abgeben! fondern ich ſagte: dieſe gute Tochter wird ein Weib abgeben, die ein redlicher Mann ſchätzen und liehen kann.“ Der 340 arme Alwyn hielt inne, Thränen traten in ſeine Augen, er kämpfte mit ſeiner Bewegung und fuhr fort:„Meine Verhältniſſe waren günſtiger als die ihrigen, es war keine Urſache vorhanden, warum ich nicht hoffen ſollte. Freilich hatte ich damals einen Nebenbuhler, jung wie ich ſelber, von beſſerer Geburt und ſchöner; aber ſie liebte ihn nicht. Ich ſah voraus, daß dieſe Liebe zu ihr — wenn es Liebe war— aufhören werde. Ich glaubte, ihr Geiſt werde den meinen verſtehen, da der meine nach dem ihren ſchmachtete! Ich konnte die Mädchen von meinem Range nicht anſehen, die mich umgaben, aber was—o nein, Mylord, ich ſage es noch einmal, nicht ihre Schönheit, ſondern Sibylla's Anlagen des Geiſtes und Herzens ſtellte ſte Alle in Schatten. Ihr werdet es für ſeltſam halten, daß ich, ein einfacher, ſorgſamer Ge⸗ ſchäftsmann alle dieſe Gefühle hade; aber ich will Euch ſagen, weßhalb Leute, wie ich bin, ſie oft mehr haben und nähren, als Ihr Lords und Herren mit allen Euren anmuthigen Künſten, zu gefallen. Wir kennen keine leicht⸗ fertige Liebe! keinen Abzug von jener einzelnen großen Leidenſchaft! Wir nüchternen Söhne der Bude und des Waarenlagers ſind keine galante Herren— wir lieben einfach— wir lieben nur einmal und lieben herzlich. Aber wer kennt nicht das Sprüchwort: Was iſt ein Cavalier ohne ſein Vergnügen?— und was iſt ſein Ver⸗ gnügen, als der Wechſel? Als Sibylla in den Palaft kam, hörte ich bald ihren Namen mit dem Eurigen vereint; ich ſah ihre Wange erröthen, wenn Ihr ſprachet. Gut — gut! Bei alle dem, wie die alten Weiber uns ſagen, iſt das Erröthen die Livré der Tugend. Ich ſagte, fie iſt ein keuſche übergehen ber meinig Zeit gekom weiß, daß Fußtritten Ihr Sibyl heirathen Haſtings, Euren Füßf bitten, weg zu meiner ſchweigt! mann, laßt werbung er Namen ver warte ich a⸗ Die Ge ſeine Rede zuerſt ware „Mein ſo ein Mät dient, ſo zo kein unwür Rath an, um am Ho⸗ „Mylo nicht— wo „Es kar Edelmann ine Augen, :„Meine „es war ffen ſollte. jung wie ; aber ſie jebe zu ihr ch glaubte, neine nach dchen von ben, aber mal, nicht es Geiſtes werdet es ſamer Ge⸗ will Euch tehr haben len Euren eine leicht⸗ en großen de und des wir lieben n herzlich. as iſt ein ſein Ver⸗ alaſt kam, n vereint; het. Gut uns ſagen, gte, fie iſt 341 ein keuſches und hochherziges Mädchen. Dies wird vor⸗ übergehen und die Zeit kommen, wo ſie Eure Liebe mit ber meinigen vergleichen kann. Nun, Mylord, iſt die Zeit gekommen— ich weiß, daß Ihr ſie ſucht. Ja, ich weiß, daß in dieſem Augenblick ihr Herz nach Euren Fußtritten verlangt. Sagt nur ein Wort— ſagt, daß Ihr Sibylla Warner mit dem Gedanken liebt, ſie zu heirathen— verſichert mir dies bei Eurer Ehre, edler Haſtings, als Edelmann und Pair, und ich will zu Euren Füßen niederknieen und Euch um Verzeihung bitten, wegen meiner eitlen Thorheit und ohne Kummer zu meiner Arbeit zurückkehren. Sagt es!— Ihr ſchweigt! Dann flehe ich Euch an, als Pair und Edel⸗ mann, laßt die redliche Liebe das Mädchen von der Be⸗ werbung erretten, die ihren Frieden und ihren guten Namen vernichten wird! Und nun, Lord Haſtings, warte ich auf eine gnädige Antwort.“ Die Gefühle, welche Haſtings empfand, als Alwyn ſeine Rede ſchloß, waren vielfach und verwickelt; aber zuerſt waren Bewunderung und Mitleid am ſtärkſten. „Mein armer Freund,“ ſagte er gütig,„wenn Ihr ſo ein Mädchen liebt, welches alle meine Achtung ver⸗ dient, ſo zeigen Eure Worte und Gedanken, daß Ihr kein unwürdiger Bewerber ſeid; aber nehmt meinen Rath an, lieber Alwyn, kommt nicht aus der Stadt, um am Hofe ein Weib zu ſuchen. Vergeßt dieſe Liebe.⸗ „Mylord, es iſt unmöglich! Vergeſſen kann ich fie nicht— wohl aber ihren Verluſt verſchmerzen.“ „Es kann Euch nicht gelingen, Mann,“ fuhr der Edelmann kälter fort,„auch wenn William Haßtings 342 nie gelebt hätte. Die Augen der Weiber, die ſich ge⸗ wöhnt haben, die Pracht der Welt anzuſchauen, find blind für einfachen Werth, wie der Eure. Anders möchte es ſein, hätte das Mädchen nie in einem Palaſte ge⸗ wohnt, aber ſo wie die Sache ſteht, wackerer Mann, müßt Ihr lernen, wie dieſe Wunden des Herzens ver⸗ harrſchen und die Stelle immer härter und feſter wird. Wer ſeid Ihr, Meiſter Nikolaus Alwyn?“ fuhr Haſtings mit düſterem Lächeln fort,„wer ſeid Ihr, der Ihr einen Segen fordert, der mir und urs Allen verweigert iſt, den Segen, die Poeſie ins Leben zu tragen— die Jugend in des Mannes Alter, in dem man die erſte Liebe ge⸗ winnt? Aber glaubt nicht, Herr Liebhaber, daß ich dies aus Eiferſucht oder Herabwürdigung ſage. Seht dort bei der unbelaubten Ulme Sibylla Warners weißes Ge⸗ wand. Geht und ſprecht für Euch.“ „Verſtehe ich Euch recht, Mylord?“ ſagte Alwyn etwas verwirrt und verlegen bei dem Tone und Weſen, welches Haſtings annahm.„Irrt das Gerücht und liebt Ihr dieſes Mädchen nicht?“ 4 „Guter Herr,“ entgegnete Haſtings verächtlich, „Ihr habt kein Recht, ſo viel ich weiß, meine Gedanken und Geheimniſſe zu erforſchen; ich kann Euch nicht als Richter anerkennen, guter Juwelier und Goldſchmied— genug, daß ich Euch aus Höͤflichkeit den Vortritt erlaube. Bringt Eure Erzählung ſo rührend vor, wie Ihr wollt, ſo wie Ihr ſie mir vorgetragen habt, ſagt von mir Alles, was Ihr zu argwöhnen Grund habt; und, Herr Alwyn, wenn Ihr die Dame gewinnt, ſo verfehlt nicht, mſch zur Hochzeit einzuladen.“ In der jene ſtolze wußte Üüber Menſchen tung einflöf Leidenſchaft er zuhörte: Verzweiflur nern war v den Vorthe obgleich von ihrer Kleidt Merkmalen mals allgen das Oberge einfacheres Geſchäftsm Halskragen mächtige ur beiden Mäi erkannte, d fangen nim wenigſten z erhabene R Geſchichten Auge zu ret ſchlummern bleichen Sti in jener kur ſelber, verb ie ſich ge⸗ auen, find ers möchte Calaſte ge⸗ er Mann, rzens ver⸗ eſter wird. r Haſtingt Ihr einen veigert iſt, die Jugend Liebe ge⸗ daß ich dies Seht dort beißes Ge⸗ gte Alwyn nd Weſen, t und lieht verächtlich, Gedanken h nicht als ſchmied— itt erlaube. Ihr wollt, mir Alles, err Alwyn, nicht, mich 343 In der Rede und dem Benehmen des Redenden lag jene ſtolze Leichtigkeit, jene unausſprechliche und be⸗ wußte überlegenheit, jene kalte ironiſche Ruhe, welche die Menſchen mehr demüthigen und ihnen mehr Ehrerbie⸗ tung einflößen, als ernſte Verachtung oder gebieteriſche Leidenſchaft. Alwyn knirſchte mit den Zähnen, indem er zuhörte und ſah den ruhigen Lord mit ſchweigender Verzweiflung und Wuth an. Keiner von beiden Män⸗ nern war vollkommen ſchön zu nennen. Alwyn hatte den Vortheil, daß er jünger, größer und kräftiger war, obgleich von weniger ſchlanker und graziöſer Geſtalt. In ihrer Kleidung war wenig von jenen unterſcheidenden Merkmalen zwiſchen den verſchiedenen Klaſſen, die da⸗ mals allgemein herrſchten; denn die dunkle Tunika und das Obergewand des Lords Haſtings bildeten ein noch einfacheres Koſtüm, als die hellfarbige Kleidung des Geſchäftsmannes mit dem breiten Pelz beſetzt und dem Halskragen von den feinſten Spitzen. Wo lag denn der mächtige und unüberwindliche Unterſchied zwiſchen den beiden Männern, den Alwyn ſelber in dem Zauber an⸗ erkannte, der die Phantafte erregt und das Auge ge⸗ fangen nimmt? Ach! wie ſind die Unterſchiede, die am wenigſten zu erklären ſind, ſtets die ſtärkſten! Welche erhabene Ruhe in jener hochgebildeten Miene— welche Geſchichten des Triumphes ſchienen aus jenem ruhigen Auge zu reden und in ſeinem gebieteriſchen Glanze zu ſchlummern— welchen Zauber des Befehls in jener bleichen Stirn— welche unwiderſtehliche Beredſamkeit in jener kunſtvollen Lippe! Alwyn murmelte bei ſich ſelber, verbeugte ſich unwillkürlich und ging ſogleich von 344 Haſtings zu Sibylla, die jetzt in der Entfernung von einigen Schritten erſtaunt ſtehen blieb, als ſie die Unter⸗ redung zwiſchen dem Edelmanne und dem Bürger be⸗ merkte, Als der arme Alwyn ſich aber Sibylla näherte, fuhlie er, wie aller Muth und alle Feſtigkeit verſchwanden, die er gegen Haſtings gezeigt, und die Schüchternheit, die ſich bei Leuten ſeines Charakters findet, machte ſeine Bewegungen mehr als je gezwungen und linkiſch, als er ſich vor den Blicken des Mädchene beugte, welches er ſo wahrhaft liebte. „Sucht Ihr mich auf, Herr Alwyn?“ fragte Si⸗ bylla ſanft, als ſie bemerkte, daß er nicht ſprach, obgleich er an ihre Seite trat. „Ja,“ entgegnete Alwyn plötzlich und ſchwieg dann wieder. Endlich erhob er ſeine Augen und ſah ſich um— er erblickte Haſtings in der Entfernung, wie er ſich mit übereinander geſchlagenen Armen an die Mauer lehnte, und der Contraſt zwiſchen der kalten und ſtolzen Gleich⸗ gültigkeit ſeines Nebenbuhlers und ſeinen eigenen glühen⸗ den Adern und ſeinem blutenden Herzen, erweckte ſeinen männlichen Geiſt und gab ſeiner Zunge die Beredſam⸗ keit, welche die Aufregung gewinnt, wenn ſie einmal hie Feſſeln zerreißt, die ſie ſelber geſchmiedet hat. „Seht— ſeht, Sibylla,“ ſagte er, auf Haftings deutend—„ſeht jenen Mann, von dem Ihr glauht, daß er Euch liebt!— wenn er Euch liebte, würde er ſo daſtehen?— beobachtet ihn nur— wie ſtolz, verächtlich und unbek Seite bin Sibyl voll unſch fragten ſo warum nie Alwyn ſie es geſp und zahm Vergnügen ich empfin Jugend, d bylla, zwiſ derniß. Ol nicht finſten trieben dur feuert durch Segen ſein hängen mo Todesqual „O Al ſie ſanft— mir leid, d Herzen Sch „Nein, ich habe Eu Ich weiß, d bend ſeid— ſeid und me SGeht, ich Bulwer, ernung von edie Unter⸗ Bürger be⸗ erte, fuͤhlte rſchwanden, üchternheit, nachte ſeine eiſch, als er welches er fragte Ei⸗ ch, obgleich zwieg dam dHum— er er ſich mit uer lehnte, zen Gleich⸗ en glüͤhen⸗ eckte ſeinen Beredſam⸗ einmal die . f Haſtings hr glaubt, vürde er ſo veräͤchtlich 345 und unbekümmert— während er weiß, daß ich an Eurer Seite bin?“ Sibylla richtete ihre Augen auf den Golvſchmied, voll unſchuldiger Üüberraſchung— und dieſe Augen fragten ſo deutlich, wie Augen nur rehen können:„Und warum nicht, Herr Alwyn?⸗ Alwyn deutete den Blick ſo und erwiderte, als wenn ſie es geſprochen hätte:„Weil er wiſſen muß, wie arm und zahm jene ſchwache Phantaſte it, die aus einer von Vergnügen überſättigten Seele kam, gegen die, welche ich empfinde und Euch jetzt geſtehe— die Liebe der Jugend, die aus des Herzens erſter Kraſt entſteht. Si⸗ bylla, zwiſchen uns iſt keine Unglelchheit und kein Hin⸗ derniß. Oh, hört mich an, hört mich immer an! Blickt nicht finſer, wendet Euch nicht ab.“ Belebt und ange⸗ triehen durch den Anblick ſeines Nebenbuhlers, ange⸗ feuert durch die Aufregung eines Kampfes, wovon der Segen ſeines eigenen Lebens und Sibylla's Wohl ab⸗ hängen mochte, glich ſeine Stimme dem Schrei der Todesqual und rührte das Mädchen in tiefſter Seele. „O Alwyn, ich blicke Euch nicht finſter an!“ ſagte ſie ſauft—„v Alwyn, ich wende mich nicht ab! Es thut mir leid, daß ich einem ſo freundlichen und wackern Herzen Schmerz verurſachen muß, aber—“ „Nein, redet noch nicht. Ich habe Euch ſtudirt— ich habe Euch geleſen, wie ein Gelehrter ein Buch liest. Ich weiß, daß Ihr ſtolz— ich weiß, daß Ihr hochſtre⸗ bend ſeid— ich weiß, daß Ihr eitel auf Euer edles Blut ſeid und meine Herkunft von einem Freiſaſſen verachtet. Seht, ich bin nicht blind für Eure Fehler, aber ich Bulwer, Barone. II. 23 346 liebe Euch deſſenungeachtet; und um dieſen Fehlern ge⸗ fällig zu ſein, habe ich gearbeitet, Pläne entworfen, geträumt und bin emporgeſtiegen— ich biete Euch die Zukunft mit der Gewißheit eines Mannes an, der über ſie gebieten kann. Wünſcht Ihr Reichthum? Habt einige Jahre Geduld und Ihr ſollt mehr Gold haben, als der Gattin des Lord Haſtings zu Gebote ſtehen würde; Ihr ſollt prächtiger wohnen und ſpeiſen! Wünſcht Ihr Titel? — Ich will ſie gewinnen. Richard de la Poll, der das größte Herzogthum im Königreich gründete, war ärmer als ich, als er zuerſt in einem Kaufmannsladen diente. Mit Gold kauft man jetzt Alles. Wollte der Himmel, ich könnte Euch damit kaufen!* „Herr Alwyn, Gold kauft nicht Liebe. Beruhigt Euch. Was kann ich ſagen, um das harte Wort Nein zu mildern?“ „Ihr verwerft mich alſo, und zwar ſogleich! Ich fordere jetzt Eure Hand nicht. Ich will warten, harren, hoffen— es liegt mir nichts daran, wenn es auch Jahre währt— wartet, bis ich Alles erfüllen kann, was ich Euch verſpreche!“ Sibylla war bis zu Thränen gerührt, ſchüttelte traurig den Kopf und es trat ein langes, ſchmerzliches Schweigen ein. Nie wurde unter ſeltſameren Umſtänden geworben— der eine Liebhaber ſprach für ſich, waͤhrend der Andere zu ſehen war— der eine wüthend, leiden⸗ ſchaftlich; der Andere ruhig und ohne Theilnahme— und leiher hatte das Schweigen des Letzteren den ganzen Erfolg, der den Worten des Andern fehlte. Man könnte ſagen, daß Sibylla's Wahl ein Vorbild in der Wahl gew wird. Hie geehrte H⸗ idealen Ti Schrecken, unheilvolle geboren, u bedeutung, erfüllte ſei „Herr wendigen 2 hören, mic zu er innern Wohl zu be — mehr kar Von de griffen, unt büſter:„Ich zu meinem! ich Euch, m Worte hinz einſt die M dieſe Weiſe aufrichtigen wie ich für Schmerz, un gen wird. T ein großes, ſtings, der „Haltet hlern ge⸗ ntworfen, Euch die der über abt einige „als der rde; Ihr hr Titel? , der das dar aͤrmer en diente. Himmel, Beruhigt zort Nein eich! Ich , harren, uch Jahre was ich ſchüttelte nerzliches imſtänden waͤhrend , leiden⸗ nahme— n ganzen e. Man ld in der 347 Wahl geweſen, die ſtets dem Kinde des Genies gelaſſen wird. Hier ein ſicheres und friedliches Leben— eine geehrte Heimath— ein ruhiges Loos— freilich frei von idealen Träumen, aber auch frei von Zweifel und Schrecken, von den Stuͤrmen der Leidenſchaft; dort der unheilvolle Einfluß einer Neigung, aus der Phantafle geboren, unheimlich, zweideutig, von unheilvoller Vor⸗ bedeutung, aber unwiderſtehlich. Und das Kind des Genies erfuͤllte ſeine Beſtimmung! „Herr Alwyn,“ ſagte Sidylla, ſich zu der noth⸗ wendigen Anſtrengung erhebend,„ich werbe niemals auf⸗ hören, mich dankbar Eurer edelmüthigen Freundſchaft zu erinnern— niemals aufhören, inbrünſtig für Euer Wohl zu beten. Aber laßt Euch dies auf immer genügen — mehr kann ich nicht.“ Von dem ernſten und feierlichen Tone Sibylla's er⸗ griffen, unterdrückte Alwyn einen Seufzer und erwiderte büſter:„Ich gehorche Euch, ſchoͤnes Fräͤulein, und kehre zu meinem Alltagsleben zurück; aber ehe ich gehe, bitte ich Euch, mich nicht zu verkennen, wenn ich noch einige Worte hinzufüge: nicht allein weil ich hoffte, Euch einſt die Meine nennen zu dürfen, habe ich Euch auf dieſe Weiſe beläſtigt, ſondern nicht weniger aus dem aufrichtigen Wunſche, Euch von dem zu erretten, was, wie ich fürchte, Euch Weh und Elend, Gefahr und Schmerz, unerfreuliche Tage und ſchlafloſe Nächte brin⸗ gen wird. Beſſer ein kleines Feuer, welches wärmt, als ein großes, welches brennt. Denkt Ihr, daß Lord Ha⸗ ſtings, der eitle und ausſchweifende—“ „Haltet inne, Herr!“ ſagte Sibylla ſtolz;„tadelt 348 mich, wenn Ihr wollt, aber verwirkt nicht meine Ach⸗ tung durch Verleumbung eines Andern.“ „Was?“ ſagte Alwyn bitter,„ſelbſt ein Wort des Rathes bringt Euch auf? Ich ſage Euch, wenn Ihr Euch träumen laßt, Lord Haſtings liebe Sibylla Warner wie ein Mann das Mädchen liebt, welches er heirathen will— ſo täuſcht Ihr Euch zu Eurem eigenen Elend. Wenn Ihr Euch uͤberzeugen wollt, ſo gehet jetzt zu ihm — geht und ſagt: Willſt Du mir die friedliche Hei⸗ math und Ehre geben— jenen Schutz für meines Va⸗ ters Alter unter eines Sohnes Dach, den mir der Ge⸗ ſchäftsmann vergebens aubietet?“ „Wenn er es mir nun ſchon angeboten hätte?“ ſagte Sibylla leiſe und hocherröthend. Alwyn ſtutzte.„Dann that ich ihm Unrecht, und — und—“ fügte er großmüthig, aber mit zerriſſenem Herzen hinzu,„ich kann noch glücklich ſein, indem ich denke, daß Ihr es ſeid. Lebt wohl, Dame, mögen die Heiligen verhüten, daß Ihr mit Bedanern an das denkt, was zwiſchen uns vorgegangen!“* Er zog ſeine Mütze haſtig über ſeine Stirn und ent⸗ fernte ſich mit raſchen und ungleichen Schritten. Als er an der Stelle vorüberkam, wo Haßtings, ſeinen Arm an die Mauer geſtützt und ſein Geſicht auf die Hand ge⸗ lehnt, daſtand, blickte der Edelmann auf und ſagte: „Nun, Herr Goldſchmied, geſteht wenigſtens, daß Ihr ein freies Spiel gehabt habt!“ Von der Seelenqual betroffen, die auf Alwyns Ge⸗ ſicht geſchrieben ſtand, ging er zu ihm und legte in gut⸗ müthiger Schulter. „Alw jetzt fühlt nicht ſchlin leid mit E⸗ „Täuſ Euch! Ih ſagt es— Mäͤnner g entfernte ſ Haſtin zu. Ihre H gedient, ih vorgeſchlag chen, ſelbf bei der Wa einem unb werde. Se Letztere ſic ſelber, obg blick, zu ſe Und doch, leichtem S licher Freut niß zurück, voller Unſch „Ach, gütig von einen ſo le neine Ach⸗ Wort des wenn Ihr la Warner heirathen ten Elend. etzt zu ihm liche Hei⸗ heines Va⸗ r der Ge⸗ te?“ ſagte lecht, und zerriſſenem indem ich mögen die das denkt, n und ent⸗ en. Als er einen Arm Hand ge⸗ ind ſagte: ſtens, daß wyns Ge⸗ gte in gut⸗ 349 müthiger und mitleidiger Abſicht ſeine Hand auf ſeine Schulter. „Alwyn,“ ſagte er,„ich habe gefühlt, was Ihr jetzt fühlt— ich habe es überlebt und es iſt mir darum nicht ſchlimmer in der Welt ergangen! Nehmt ein Mit⸗ leid mit Euch, welches Ench achtet und nicht entwuürbigt.“ „Taͤuſcht ſie nicht, Mylord— ſie liebt und vertraut Euch! Ihr täuſcht nie einen Mann— die weite Welt ſagt es— täuſcht auch kein Weib! Durch Thaten werden Männer getödtet— Weiber durch Worte!“ Hierauf entfernte ſich Alwyn und verſchwand. Haſtings ging langſam und ſchweigend auf Sibylla zu. Ihre Zurückweiſung Alwyns hatte keineswegs dazu gedient, ihn mit der Heirath auszuſöhnen, die er ſelber vorgeſchlagen. Er konnte ſich wohl denken, daß das Mäd⸗ chen, ſelbſt ohne von Neigung geleitet zu werden, ſich bei der Wahl zwiſchen einem mächtigen Edelmann und einem unbekannten Goldſchmied nicht lange bedenken werde. Sein Stolz fühlte ſich tief verwundet, daß der Letztere ſich einer Perſon für ebenbürtig halte, die er ſelber, obgleich nur in einem leidenſchaftlichen Augen⸗ blick, zu ſeinem eigenen Range haite erheben wollen. Und doch, als er ſich Sibylla näherte und ſie ihm mit leichtem Schritte eutgegenſprang, ihre Augen voll lieb⸗ licher Freude und Vertrauen, wich er vor einem Bekennt⸗ niß zurück, welches ein Herz brechen mußte, das ihn in voller Unſchuld und Liebe begrüßte. „Ach, ebler Lord,“ ſagte das Mädchen,„war es gütig von Euch, dem armen Alwyn zu geſtatten, mir einen ſo lebhaften Schmerz zu verurſachen, indem Ihr 350 ruhig in der Ferne ſtandet? Wahrlich! wenn Euer vemuͤthiger Nebenbuhler mir eine Krone angeboten hätte, ſo wäre es für Sibylla daſſelbe geweſen! O, wie ſchmerzte mich der Kummer, den ich verurſachen mußte, und doch hatte ich bei Allem einen eigennützigen, ſchul⸗ digen Schimmer des Vergnügens— zu denken, daß ich nicht ſo innig geliebt worden wäre, wenn ich der ein⸗ zigen Liebe, nach der ich ſtrebe und die ich wünſche, ganz unwürdig wäre!“ „Und doch, Sibylla, kann dieſer junge Mann Dir außer dem Reichthum und einem hochtönenden Namen mehr geben als ich— ein Herz, nicht verdunkelt durch mißmuthige Erinnerungen— ein Temperament, nicht verſauert durch die gefürchtete und bittere Lehre der Welt, von der Schwäche des Menſchen und dem irdiſchen Kummer. Ihr ſeid nicht ſo ungleich an Jahren und könnt Hand in Hand zu einem gemeinſchaftlichen Grabe wandeln; aber ich, älter am Herzen als an Jahren, bin doch ſo viel älter als Du, daß dieſe Haare grau ſein werden und dieſe Geſtalt gebückt, waͤhrend Deine Schön⸗ heit noch in ihrer Blüte iſt und— aber Du weinſt!“* „Ic weine, weil Ihr einen Gedanken an die Zeit vorbringt, um meine Gedanken zu trüben, die der Ewig⸗ keit angehören. Die Liebe kennt kein Alter— ſie ſieht kein Grab voraus! Ihr Glück und ihr Vertrauen ſehen V nur eine Glorie auf der Erde, welche in die Farben des Himmels verſchmilzt, wo die, welche dauernd lieben, ruhig weiter gehen, um ewig zu leben! Seht, jetzt weine ich nicht!“ „Und ſagte dieſer redliche Bürger Dir nicht, Dn ſolleſt mi verlegen Vorſatz a lübhe ſeie „Mic ſo wurde „Nu⸗ wahr— der Abſic ches der haſtig au nicht heir ſcher Ber und lebhe teſt Du treuere u Ohr wied Siby dem uner mit aufm dann von würfig üu Euch je danke ein über das der Mach ab und fü zurücktret nicht der liebe ſegn nn Euer ten häͤtte, O, wie n mußte, a, ſchul⸗ „ daß ich der ein⸗ wünſche, Nann Dir n Namen kelt durch ent, nicht Lehre der irdiſchen 351 ſolleſt mir mißtrauen?“ fuhr Haſtings beſänftigt und verlegen fort, aber dennoch bemüht, ſeinen grauſamen Vorſatz auszuführen—„ſagte er Dir nicht, meine Ge⸗ lübde ſeien falſch?“. „Mich dänkt, wenn auch ein Engel es mir ſagte, ſo würde ich es dennoch nicht glauben!“ „Nun ſieh, Sibylla, geſetzt, dieſe Warnung wäre wahr— geſetzt, ich ſuchte Dich zu dieſer Stunde in der Abſicht auf, Dir zu ſagen, daß das Geſchick, wel⸗ ches der Ehrgeiz für ſich ſelber webt, mir verbiete, ein haſtig ausgeſprochenes Wort zu erfüllen? daß ich Dich nicht heirathen wolle? würde ich Dir nicht als ein fal⸗ ſcher Bewerber erſcheinen, der mit Deinem aufrichtigen und lebhaften Herzen ein Spiel getrieben— und könn⸗ teſt Du ſo nicht die Liebe deſſen zurückrufen, deſſen treuere und aufrichtigere Huldigung noch in Deinem Ohr wiederhallt, und mit ihm glücklich ſein?⸗ Sibylla erhob ihre dunklen und feuchten Augen zu dem unerforſchlichen Geſichte des Redenden und ſah ihn mit aufmerkſamer und forſchender Traurigkeit an, wich dann von ſeiner Seite zurück, kreuzte ihre Arme unter⸗ würfig über ihre Bruſt zuſammen und ſagte:„Wenn Euch je ſeit wir uns getrennt haben, ein ſolcher Ge⸗ danke eingefallen ſein ſollte— ein Gedanke der Reue über das Opfer des Stolzes oder an die Verringerung der Macht— welche—“ ſie ſtotterte, brach den Satz ab und fuhr daun fort—„mit einem Wort, wenn Ihr zurücktreten wollt, ſo ſagt es jetzt, dann will ich Euch nicht der Falſchheit anklagen, ſondern Eure Wahrheité⸗ liebe ſegnen.“ 352 „Du könnteſt Dich alſo durch Deinen weiblichen Stolz über den Verluſt eines unwürdigen Geliebten tröſten?“ „Mylord, find dieſe Fragen redlich?“ Haſtings ſchwieg. Der ſanftere Theil ſeiner Natur kämpfte gegen den härteren an. Sibylla's Stolz machte nicht wenizer Eindruck auf ihn als ihr Vertrauen, und die Liebe war in Beiden ſo klar— ſo tief und ſtand in ſo lebhaftem Widerſpruch zu den kalten und leichtfinnigen Naturen, unter die ſein Loos gefallen war— daß er vor dem Gedanken zurückbebte, auf immer ein Herz von ſich zu werfen, welches nie wieder zu erſetzen war. Da er auf jener Brücke des Lebens ſtand, das Alter vor ſich und die Jugend hinter ſich, fühlte er, daß er nie wieder ſo könne geliebt werden. Er nahm ihre Hand, und als ſie die Berührung derſelben fühlte, verließ ihre Feſtig⸗ keit ſie, ihr Kopf ſank auf ihren Buſen nieder und ſle brach in einen heftigen Thränenſtrom aus. „O Sibylla, verzeihe mir! lächle mich wieder an, Sibylla!“ rief Haſtings beſänftigt und überwältigt. Aber ach! das einmal verwundete und gekränkte Herz erholt ſich nur langſam, und es währte mehre Minuten, ehe die ſanfteſten Worte, die der beredte Liebhaber aus⸗ ſprechen konnte, hinreichten, jene glühenden Thraͤnen zu trocknen und das bezauberude Lächeln zurückzurufen — ja ſelbſt da war das Lächeln erzwungen und freude⸗ los. Beide gingen einige Augenblicke gedankenvoll weiter, bis Haſtings ſagte:„Du liebſt mich, Sibylla, und hiſt all der Liebe würdig, die ein Mann für ein Mädchen nur empfinden kann, und doch kannſt Du mir dieſe Frage bear ausſpreche der Welt u Ehre nenn zurückbeben der Welt ar über ihren Bewegung ſpricht? T Dich ärgerr Opfers gede es frei— f bringen kan⸗ wenn ſie ein Die Fra bei ſich ſelbe hervorbringe dem Erroͤth „Ach, J Dinge, abe Ihr ſolltet? Ehre und d Feigling zu lieben, und einem Weibe⸗ ſchlecht für was Feigling ihr Gewiſſen hört als von ſteht uns frei eiblichen heliebten r Natur z machte ien, und ſtand in tfinnigen — daß er Herz von war. Dda vor fich ie wieder und als r und ſle e Feſtig⸗ 353 Frage beantworten, ohne mich zu ſchelten, daß ich ſie ausſpreche: Liebſt Du nicht die Welt und das Urtheil der Welt mehr als mich? Was iſt das, was die Weiber Ehre nennen? Was macht, daß ſie vor jeder Liebe zurückbeben, die nicht die Form der hohlen Gebräuche der Welt annimmt? Hört die Liebe auf zu lieben, wenn über ihren Schatz des Vertrauens und ihrer inneren Bewegung der Prieſter nicht ſeinen leeren Segen aus⸗ ſpricht? Du in Deinem anmuthigen Stolze würdeſt Dich ärgern, wenn ich, indem ich Dich heirathete, des Opfers gedächte, welches Männer wie ich— ich geſtehe es frei— für ſo groß halten, wie ein Mann es nur bringen kann, und doch würdeſt Du meine Liebe fliehen, wenn ſie ein Opfer von Dir forderte?“ Die Frage war künſtlich geſtellt und Haſtings lächelte bei ſich ſelber, indem er an die Antwort dachte, die ſie hervorbringen mußte, und dann antwortete Sibylla mit dem Erröthen, welches der Gegenſtand hervorbrachte. „Ach, Mylord, ich verſtehe mich ſchlecht auf ſolche Dinge, aber ich fühle, wenn ich von Euch forderte, Ihr ſolltet Alles aufgeben, was die Männer achten— Ehre und Ruf der Tapferkeit— ein Verräther und Feigling zu werden, ſo könntet Ihr mich nicht mehr lieben, und wundert Ihr Euch, wenn ein Mann von einem Weibe forderte, Alles aufzugeben, was ihr Ge⸗ ſchlecht für das Höchſte hält— als Weib das zu ſein, was Feigling und Verräther bei dem Mann iſt— daß ſie ihr Gewiſſen und ihren Gott mit lauterer Stimme reben hört als von einer menſchlichen Lippe kommen kann? Es ſteht uns frei, die Guͤter und den Pomp der Welt aufzu⸗ 354 opfern, unh wahre Liebe achtet und rechnet ſie nicht, aber die wahre Liebe kann nicht das aufopfern, was die Liebe ausmacht— ſie kann nicht das Recht aufopfern, hienieden geliebt zu werden, die Hoffaung, noch ferner in dem Reiche droben zu lieben, die Fähigkeit, mit reiner Seele für das Glück zu beten, welches ſie her⸗ vorbringen will, für den Segen, ſtets gut und geehrt in den Angen deſſen zu erſcheinen, von dem ſie allein beurtheilt ſein möchte— und daher, mein lieber Lorz, denkt wahre Liebe nie an dieſes Opfer, und wenn ſi ſich einmal wahrhaft geliebt glaubt, ſo vertraut ſie mit furchtloſem Glauben auf die Liebe, auf die ſie ſich ſtützt. „Sibylla, wollte der Himmel, ich hätte Dich in meiner Jugend geſehen! wollte der Himmel, ich wän Deiner würdiger!“ Und bei dieſer Unterredung hatie Haſtings nicht das Herz, das auszuſprechen, wozu e ſich entſchloſſen hatte.„Sibylla, ich ſuchte Dich nm auf, um Dir Lebewohl zu ſagen.“ Sechstes Kapitel. Warwick kehrt zurück— befänftigt einen mißvergnügten Prinze — und unterredet ſich mit einem rachſüchtigen ͤ Erſt ſpät Abends kam Warwick in ſeinem ungehen⸗ ren Wohnhauſe in London an, wo er nicht nur Mar⸗ mabuke Nevile, ſondern auch Georg, Herzog von Cia⸗ renee, ſeiner wartend fand. Kaum war der Graf über die Schwelle geſchritten, als der Herzog ſeinen Am ergriff, ihn in das an die Halle ſtoßende Zimmer führt und ſagte: als je von um meine bella, ſowi nicht ertra ſauren Wo Ihr wißt mich vertru Sinn geän Irländer— zu verbann der Günſtli mir ſo heilt beths ſchlau Königs Bl. fortgehen? „Berul Könige rede zu erfüllen. Vieekönig ſich durch zurückbring verſprochen überdies iſt wahrhaftig Kopf und v ſeiner Grau eine neue R zufügen wir Iſabella?“ ſie nicht, n, was die aufopfern, noch ferner igkeit, mi es ſie her⸗ und geehrt n ſie allein lieber Lotd, d wenn ſi raut ſie mi ſich ſtützt. tte Dich in l, ich wär edung hatze n, wozu e ee Dich nm ügten Prinze Perſchwornen. 3⁵⁵ und ſagte:„Wahrlich, Ebuard läßt ſich nicht weniger als je von der Familie ſeines Weibes leiten. Ihr wißt um meine Beſtimmung zum Vieekönig von Irland; Iſa⸗ bella, ſowie ich, können die untergeordnete Knechtſchaft nicht ertragen, die wir bei den kalten Blicken und den ſauren Worten der Königin am Hofe erdulden müſſen. Ihr wißt auch, mit welchen eitlen Vorwänden Eduard mich vertröſtet hat, und heute ſagt er mir, er habe ſeinen Sinn geändert— ich ſei nicht ſtrenge genug für die Irländer— er liebe mich zu ſehr, um mich geradezu zu verbannen, und Woreeſter, der Schlächter des Volks, der Günſtling der Königin muß den Poſten haben, der mir ſo heilig zugeſtchert worden. Hierin ſehe ich Eliſa⸗ beths ſchlaue Bosheit. Soll dieſer Kampf zwiſchen des Königs Blut und der Sippſchaft der Königin immer fortgehen?“ „Beruhigt Euch, Georg; ich will morgen mit dem Könige reden und hoffe Euren nicht zu arroganten Wunſch zu erfüllen. Gewiß, des Königs Bruder iſt der paſſendſte Vieekönig für die unruhigen irländiſchen Bauern, die ſich durch Ceremonie und Prunk ſtets zum Gehorſam zurückbringen laſſen. Die Statthalterſchaft war Euch verſprochen— es kann Eduard wohl kaum Ernſt ſein. überdies iſt Woreeſter, obgleich ein ſehr gelehrter Mann, wahrhaftig! ich glaube, dieſe Gelehrſamkeit füllt den Kopf und vertrocknet das Herz— ſo verabſcheut wegen ſeiner Grauſamkeit, daß ſeine Landung in Irland noch eine neue Rebellion zu unſern Fehden und Unruhen hin⸗ zufügen wird. Beruhigt Euch, ſage ich. Wo ließet Ihr Iſabella?“ 356 „Bei meiner Mutter.“* „Und Anna?— Die Könſgin erkältet ihr junges Herz nicht durch ihr kaltes Benehmen?“ „Nein— die Königin wagt nicht, ihre Bosheit gegen Eduards Willen auszulaſſen; und um ihm Ge⸗ rechtigkeit widerfahren zu laſſen, er hat Lord Warwicke Tochter alle Ehre erwieſen.“ „Er iſt ein galanter Fürſt bei allen ſeinen Fehlern,“ ſagte der Vater herzlich,„und wir müſſen Geduld mit ihm haben, Georg; denn wahrlich, er hat Männer durch einen Zauber gebunden, ihn zu lieben. Bleibt da und theilt meine haſtige Mahlzeit, und beim Wein wollen wir von Euren Abſichten reden. Entſchuldigt mich jetzt auf einen Augenblick; ich habe genug vorzubereiten fär eine ſchlafloſe Nacht. Dieſe Rebellion von Lincolnſhire verſpricht viel Unrnhe. Lord Willoughby hat ſich der⸗ ſelben angeſchloſſen— mehr als zwanzigtauſend Mann find unter den Waffen. Ich habe ſchon zu den Rittern und Baronen geſchickt, auf die ſich der Koͤnig am meiſten verlaſſen kann, und ſie müſſen ſogleich zu ihren Schlöſſern reiſen, um Soldaten zuſammenzubringen und dem Feinde zu begegnen. Während Eduard ſchwelgt, muß ſein Mi⸗ niſter arbeiten. Wartet ein wenig, bis ich zurückkehre.“ Der Graf trat wieder in die Halle und winkte Mar⸗ madnke, der unter einer Gruppe von Knappen ſtand. „Folgt mir, vielleicht habe ich etwas für Euch zu thun.“ Warwick nahm einem von den Dienern eine Kerze ab und ging zu ſeinem Privatzimmer voran. Auf dem Abſatze der Treppe, vor einer kleinen Thür, ſtand ſein Leibknappe.„Iſt der Gefangene drinnen?“ „Ja,“ „Gut! der Knapp⸗ duke, drauf Der B friſchen Sp ſein Geſicht „Robin über nachg König mit Manne ſch. rettete. In ſchen Abfich mir gebrach auf eine Re mächtigen2 war wegen! König Ludm rothe Roſe Freunde des retten, jetz! der Kopf ge⸗ Hand, die den Flachs. daß es mein Füßen gebur — zur Folte entlocken, 1 ſchließen?⸗ „Ich bi hr junges Bozheit ihm Ge⸗ Warwicht Fehlern,“ eduld mit nner durch öt da und ein wollen mich jetzt ereiten für incolnſhire t ſich der⸗ end Mann ſen Rittern r Euch zu eine Kerſe Auf dem ſtand ſein 357 „Ja, Mylord.“ „Gut!“ Der Graf öffnete die Thür, vor welcher der Knappe als Wache geſtanden, und befahl Marma⸗ duke, draußen zu warten. Der Bewohner des Zimmers, deſſen Kleidung die friſchen Spuren der Reiſe an ſich hatte, erhob haſtig ſein Geſicht, als der Graf einirat. „Robin Hilyard,“ ſagte Warwick,„ich habe dar⸗ über nachgedacht, wie ich meine Pflicht gegen den König mit der Dankbarkeit vereinen ſoll, die ich einem Manne ſchuldig bin, der mich aus großer Gefahr er⸗ retteie. In der Mitte Eurer unglüͤcklichen und rebelli⸗ ſchen Abſichten wurdet Ihr gefangen genommen und zu mir gebracht; die bei Ench gefundenen Papiere deuten auf eine Rebellion zu Gunſten Laneaſters, die ſo einer mächtigen Verſammlung entgegenreifte und ſo furchtbar war wegen der Anhänger, die das Gold und die Intriguen König Ludwigs überredet haben, Land und Leben für die rothe Roſe aufs Spiel zu ſetzen, ſo daß Alles, was die Freunde des Königs thun können, um ſeinen Thron zu retten, jetzt vonnöthen iſt. In dieſer Revolte ſeid Ihr der Kopf geweſen, der die Pläne entworfen, die leitende Hand, die Lunte für die Bombarde, der Feuerbrand für den Flachs. Ihr lächelt, Nann! Ach! ſeht Ihr nicht, daß es meine ſtrenge Pflicht iſt, Euch an Händen und Füßen gebunden vor des Königs Staatsrath zu ſchicken — zur Folter, um Euch Enre ſchuldigen Geheimniſſe zu entlocken, und zum Galgen, um Eure Tage zu be⸗ ſchließen?* „Ich bin vorhereitet,“ ſagte Hilyard;„wenn die 358 Bombarhe losgeht, ſo iſt die Lunte nutzlos geworden— wenn die Flamme zum Himmel hinauflodert, ſo iſt der Feuerbrand verzehrt!“ „Kühner Mann! was ſeht Ihr in dieſer Rebellion, was Euch Vortheil bringen kann?“ „Ich ſehe durch die Spalten und Riſſe, die durch den Bürgerkrieg in dem Orden der Ritterſchaft gemacht worden find— das rieſenhafte Bild eines freien Volkes.“ „Und Ihr wolltet ein Märtyrer der Menge werden, die Euch zu Olney verließ?“ „Wie Ihr für den Koͤnig, der Euch zu Shene entſetztel⸗ Warwick blickte finſter und es trat eine augenblick⸗ liche Pauſe ein; endlich aber ſagte der Graf:„Seht, Robin, ich möoͤchte nicht gern an meinen Händen das Blut eines Mannes haben, der mir das Leben gerettet. Ich glaube, obgleich Ihr ein fanatiſcher und halb wahn⸗ ſinniger Mann ſeid— ich glaube, daß Ihr treu im Wort wie raſch in der That ſeid. Schwört mir auf das Kreuß dieſes Dolches, daß Ihr alle Pläne und Complotte für dieſe Rebellion auf die Seite legen und keine Hülfe leiſten wollt in Bürgerkriegen und Uneinigkeiten, und Euer Leben und Eure Freiheit ſind gerettet. In dieſer aal, den das Abſicht habe ich meinen eigenen Vetter, Marmadule Nevile, herbeigerufen. Er wartet vor der Thür— er ſoll Euch ſicher bis an die Seeküſte geleiten— Ihr ſollt im Frieden meine Statthalterſchaft Calais erreichen und mein Seneſchall dort ſoll Euch mit Allem verſehen, was Ihr bedürft— mit Speiſen, um Euren Hunger zu ſtillen, und mit Geld zu Eurem Zeitvertreib. Nehmt meine Gnahe an— leiſtet den Eid und geht.“* „Mylo: „tadelt Enc nährt— m — ich kann Frieden lebe für mich gen ſchwarze und zeuge in G. machten!“ mit bleichen ſtaunten W Warners M Der Gr⸗ häͤusliche Leb der Gelehrte „Unglück „von ganzem Ihr ſo viel v ihn jetzt auf „Wenn( hätte, wie 1 Eure Antwor Schrei eines Nache treiben den Galgen. Ehuards Seel „Ihr ſoll der Graf plöt Nachdem orden— ſo iſt der tebellion, die durch t gemacht Volkes.“ ewerden, entſetztel“ ugenblick⸗ :„Seht, nden das gerettet. 359 „Mylord,“ antwortete Hilyard ſehr gerührt— „tadelt Euch nicht, wenn dieſer Leichnam die Raben nährt— mein Blut komme über mein eigenes Haupt — ich kann dieſen Eid nicht leiſten; ich kann nicht im Frieden leben; Streit und Kampf ſind Speiſe und Trank für mich geworden. O Mylord! Ihr wißt nicht, welche ſchwarze und ſchreckliche Erinnerungen mich zum Werk⸗ zeuge in Gottes Hand gegen dieſen ruchloſen Eduard machten!“ Und dann erzählte Hilyard leidenſchaftlich, mit bleichen Lippen und krampfhaften Zügen, dem er⸗ ſtaunten Warwick dieſelbe Geſchichte, welche Adam Warners Mitgefühl erregt hatte. Der Graf, deſſen Neigungen ſo weſentlich an das häusliche Leben gefeſſelt waren, wurde noch mehr als der Gelehrte von der ſchrecklichen Erzählung ergriffen. „Unglücklicher Mann!“ ſagte er mit naſſen Augen, „von ganzem Herzen bemitleide ich Euch. Aber Ihr, der Ihr ſo viel vom Bürgerkriege gelitten habt, wollt Ihr ihn jetzt auf ſo furchtbare Weiſe wieder anfachen?“ „Wenn Eduard Euch, großer Graf, Unrecht gethan hätte, wie mir dem armen Freiſaſſen, welches würde Cure Antwort ſein? Vergebens predigt Ihr dem Mo⸗ ral, den das Geſpenſt eines gemordeten Kindes und der Schrei eines wahnſinnigen Weibes verfolgen und zur Nache treiben! So ſchickt mich auf die Folter und an den Galgen. Es komme noch ein Fluch mehr über Chuards Seele!“ „Ihr ſollt nicht durch mein Zeugniß ſterben,“ ſagte der Graf ploͤtzlich und verließ das Zimmer. Nachdem er die Thür vyn außen mit einem ſchweren 360 Niegel zugeriegelt hatte, befahl er dem wachehaltenden Knappen für die Bequemlichkeit des Gefangenen zu ſorgen; ging dann mit Marmaduke in ſein Kabinet und ſagte:„Ich ließ Euch kommen, junger Vetter, in der Abſicht, Euch mit der Begleitung eines Mannes zu be⸗ auftragen, deſſen Abweſenheit von England ich füͤr nöthig hielt— dieſe Abſtcht muß ich aufgeben. Kehrt in den Palaſt zurück und ſprecht, wenn es möglich iſt, mit dem Könige, ehe er ſich zur Ruhe begibt— ſagt, daß dieſer Aufſtand in Lincolnſhire mehr als ein bloßer Volksaufſtand— der erſte Ausbruch einer Revolution ſei! Daß ich dieſen Abend hier Rath halte und jede Grafſchaft vor morgen ihren beſtimmten Anführer haben ſolle. Ich will morgen mit dem Könige reden. Aher halt— ſeht, daß Ihr meine Tochter Anna zu Geſichte bekommt; ſie wird morgen den Hof verlaſſen. Ich will ſie abholen— ſagt, daß ihre Begleitung ſich fertig hält; ſie und die Gräfin müſſen nach Calais— England hat wieder aufgehört, eine ſichere Heimath für Weiber zu ſein! Was ſoll ich mit dieſem armen Rebellen anfan⸗ gen?“ murmelte der Graf als er allein war—„ihn freilaſſen kann ich nicht, ihn toͤdten will ich nicht. Hu! — es iſt Raum genug in dieſen Mauern, um einen Ge⸗ fangenen einzuſchließen.“ Siebentes Kapitel. Der Schrecken und die Flucht. König Eduard ſchwelgte beim Abendeſſen und Sibylla ſaß in ihres Vaters Zimmer— ſie ſchweigend wegen — ihrer Lieb beiten ſei vollendet: als vorher Gelehrte zu ſein— einſamen Der Al Eduards N in ſeinem Becher. C duke Nevile um Audien; merei verſt morgen auf „Bis t „Sir Marn fürchtet, die daß Lord W Ich fürchte, die Knapper Befehl, ſte: „Morge „gut, Herr, Lady Ant gütige Rückf eben Marma⸗ gehört, die Laneaſtrier n Liebe und geg Bulwer, 2 tenden nen zu net und in der zu be⸗ ich fur Kehrt lich iſt, — ſagt, nͤbloßer volution und jede er haben n. Aher 361 ihrer Liebesgedanken, Adam ſchweigend wegen der Ar⸗ beiten ſeiner Wiſſenſchaft. Die Eureka war beinahe vollendet und erhob ſich vollkommener und ausgearbeiteter als vorher aus ihren Ruinen. Das Mädchen und der Gelehrte glaubten Beide ihrem erwünſchten Ziele nahe zu ſein— die eine dem Altar der Liebe, der andere dem einſamen Heiligthum des Ruhmes. Der Abend rückte vor— die Nacht begann— König Eduards Mahl war beendet, aber noch immer ſchimmerte in ſeinem duftigen Zimmer der Wein in dem goldenen Becher. Es wurde ihm angemeldet, daß Sir Marma⸗ duke Nevile, der eben vom Hauſe des Grafen komme, um Audienz bitte. Der König, der in eine tiefe Träu⸗ merei verſunken war, ſagie, er wolle die Audienz bis morgen aufſchieben. „Bis morgen!“ ſagte der aufwartende Cavalier. „Sir Marmaduke trägt mir auf, zu ſagen, indem er fürchtet, die ſpäte Stunde werde ſeine Audienz verbieten, daß Lord Warwick Seine Majeſtät ſelber beſuchen wolle. Ich fürchte, Sire, daß die Unruhen ſehr groß find, denn die Knappen und Herren in Lady Anna's Gefolge haben Befehl, ſie morgen nach Calais zu begleiten.“ „Morgen, morgen!“ wiederholte der Koͤnig— „gut, Herr, Ihr ſeid entlaſſen.“ Lady Anna, welcher Sibylla ſchon früher des Königs gütige Rückſicht für Herrn Warner mitgetheilt, hatte eben Marmaduke geſprochen und von den neuen Gefahren gehört, die des Thrones und Reiches warteten. Die Lancaſtrier waren in den Waffen für den Prinzen ihrer Liebe und gegen ihren mächtigen Vater! Bulwer, Barone. II. 24 362 Lahy Anna ſaß eine Weile kummervoll und nach⸗ denkend da und kniete dann vor dem Crucifix nieder und betete. Sir Marmaduke Nevile ſteigt in den Hof hin⸗ unter und drei oder vier geſchäftige, neugierige Herren, die noch nicht zu Bette ſind, ergreiſen ſeinen Arm und bitten ihn zu ſagen, was im Werke iſt. Die Nacht rückt noch weiter vor— der Wein iſt ausgeleert in König Eduards Becher— König Eduard hat ſein Zimmer verlaſſen— Sibylla bittet ihren Vater vergebens, ſeine Arbeit einzuſtellen, kußt ſeine Stirn und iſt im Begriff, ſich in das benachbarte Zimmer zu⸗ rückzuziehen. Sie wendet ſich auf der Schwelle um, als, horch!— ein ferner matter Ruf, der Schrei eines Weibes, das Geräuſch einer zugeſchlagenen Thür! die Stimme— es iſt Anna's Stimme! Sibylla tritt über die Schwelle— ſie iſt im Gange— der winterliche Mond ſcheint durch die offenen Bogen— die Luft iſt weiß und kalt vor Froſt. Plötzlich wird die Thür am äußerſten Ende weit aufgeriſſen, eine Geſtalt ſtürzt in den Gang, geht an Sibylla vorbei, ſteht ſtill, wendet ſich um:„O Sibylla!“ ruft Lady Anna mit einer Stimme des Entſetzens,„rette mich— hilf mir! Gütiger Him⸗ mel, der König!“* Erſchrocken und zitiernd zog Sibylla die Lady Anna in das Zimmer, welches ſie eben verlaſſen hatte; und als fie dieſen Zufluchtsort erreichte— als Anna auf den Boden niederſank, ſchimmerte Goldßoff durch die trübe Atmoſphäre und Eduard ſtand in dem koͤniglichen Ge⸗ wande, womit er beim Mahl die Augen Aller geblenhet hatie, am Eingang des Zimmers. Sein ſchönes Geſicht war von L eintrat, ſta ner zu, der hatte und v Rauch raſe großer Sch „Herr, „Ihr ſeid ſchützt Lord Durch ſchlang der die ſich ſo und erwider Geſchlecht „Laßt d der König liebe Anna, kommt!“ fl turen keinen Schande bre Vetter zu ſanft ihre A⸗ ſchlang; ab einen Schre machte und den Namen ters, der in des verruchte Eduard! daß irgend ein iſt Fduard Vater Stirn ner zu⸗ m, als, 363 war von Leibenſchaft und vom Weine geröthet. Als er eintrat, ſtand Anna vom Boden auf und eilte auf War⸗ ner zu, der in ſtummer Beſtürzung ſeine Arbeit eingeſtellt hatte und vor der Eureka daſtand, aus welcher der dunkle Rauch raſch hervorſtroͤmte, während die Räder ſich mit großer Schnelligkeit drehten. „Herr,“ rief Anna, ſich krampfhaft an ihn hängend, „Ihr ſeid ein Vater— bei Eures Kindes Seele, he⸗ ſchützt Lord Warwick's Tochter!“ Durch dieſe Anrede aus ſeiner Zerſtreuung geweckt, ſchlang der arme Gelehrte ſeinen Arm um die Geſtalt, die ſich ſo an ihn hing, erhoh ſeinen Kopf mit Wuürde und erwiderte:„Euer Name, Eure Jugend und Euer Geſchlecht ſchützen Euch!* „Laßt die Dame los, verworfener Zauberer,“ rief der König—„ich bin ihr Beſchützer. Komm, Anna, liebe Anna, ſchöne Dame— Ihr verkennt mich— kommt!“ flüſterte er.„Gewährt dieſen gemeinen Na⸗ turen keinen Stoff zu Vermuthungen, die Euch nur Schande bringen. Laßt Euch von Eurem Könige und Vetier zu Eurer lieblichen Ruhe geleiten.“ Er ſuchte ſanft ihre Arme loszumachen, womit ſie den Greis um⸗ ſchlang; aber Anna, die nicht auf ihn hörte und die einen Schrecken empfand, der ihre ganze Geſtalt erbeben machte und ſelbſt ihre Vernunft bedrohte, fuhr fort, laut den Namen ihres Vaters zu rufen— ihres großen Va⸗ ters, der in dem Augenblick beſchäftigt war, den Thron des verruchten Verführers zu ſtützen! Eduard beſaß noch Verſtand genug, um zu fürchten, daß irgend ein Nachzügler oder eine Schildwache im 364 aͤußeren Hofe ihr Geſchrei hören könne, welches ſein Verſuch, ſie zu beſänftigen, nur noch verſtärkte. Er knirſchte mit den Zähnen, verlor ſeine Geduld und ſagte zu Adam:„Ihr kennt mich, Freund— ich bin Euer König. Da die Lady Anna in ihrer Verwirrung Eure Hülfe der meinigen vorzieht, ſo helft mir, fie in ihr Zimmer zurückzutragen; und Ihr, junges Mäbchen, legt auch mit Hand an. Die Höhle des Zauberers iſt kein paſſendes Gemach für unſern hochgebornen Gaſt.“* „Nein, nein, treibt mich nicht fort, Herr Warner, dieſer Mann— dieſer König— üͤberliefert mich nicht ſeinen— ſeinen—* „Hütet Euch!“ ſagte der Köͤnig. Erſt jetzt begriff Abams einfacher Verſtand die wahre Urſache von Anna's Schrecken, die Sibylla noch immer nicht errieth, ſondern zitternd neben ihrer Freun⸗ den und ihrem Vater daſtand. „Fürchtet nichts, Mädchen,“ ſagte Adam Warner, indem er ſeine Hand auf die aufgeloͤsten Locken legte, die über ſeine Bruſt nieberwallten,„denn obgleich ich alt und ſchwach bin, ſo ſind doch Gott und ſeine Engel an jedem Orte, wo die Tugend zittert und ſich widerſetzt. Mein königlicher Herr, Euer Seepter erſtreckt ſich nicht über eine menſchliche Seele!“ „Kindiſcher Alter, verſchont mich mit Eurem Ge⸗ ſchwätz,“ ſagte Eduard, die Hand an ſeinen Dolch legend. V Sibylla ſah die Bewegung und ſtellte ſich inſtink⸗ mäßig zwiſchen ihren Vater und den König. Jene ſchlanke Geſtalt, jene unſchuldigen aber unerſchrockenen Augen, jene zugleich edlen und zarten Züge erinnerten Eduarh an den Se brecheriſche ihn derſelb „Ich: faſt unterm Anna durch mich zuruc zu ſehen un ihr ſo gefe alter Man rend ich ein Mit di faßte ihre von Adam als ſie unt merkte, rie Eduards S füllt wurde „Ach!* ihr Geiſt in meiner bem verzeiht mir Adam 2 gebieteriſche ein geduldig „König Euch verzeil zugefügt he Ihr. ⸗ „Sie if chhes ſein kte. Er ind ſagte bin Euer ing Eure le in ihr hen, legt 3 iſt kein aſt.* Warner, nich nicht Warner, 36⁵ an den Schrecken, der ſich ſeiner bei ſeinem erſten ver⸗ brecheriſchen Verſuche bemächtigt hatte; und jetzt erfaßte ihn derſelbe Schrecken. Er zog ſich zurüͤck. „Ich will Niemand etwas zu Leide thun,“ ſagte er faſt unterwürfig;„und wenn ich ſo unglücklich bin, Lady Anna durch meine Gegenwart zu erſchrecken, ſo will ich mich zurückziehen und jenes Mädchen hitten, nach ihr zu ſehen und ſie in ihr Zimmer zurückzuführen, wenn es ihr ſo gefällt. Indem ich dies ſage, befehle ich Euch, alter Mann, und Euch, Madchen, zurückzutreten, wäh⸗ rend ich einige Worte an Lady Anna richte.“ Mit dieſen Worten ging er leiſe auf Anna zu und faßte ihre Hand; ſie riß ſie ihm aber weg, machte ſich von Adam los, ſtürzte auf das Fenſter zu, öffnete es und als ſie unten im Hofe undeutlich einige Geſtalten be⸗ merkte, rief ſte mit ſo qualvoller Stimme ihnen zu, daß Eduards Seele von Reue und ſelbſt von Schrecken er⸗ füllt wurde! „Ach!“ murmelte er,„ſie will mich nicht anhören, ihr Geiſt iſt zerrüttet! Welch ein Wahnſinn hatte ſich meiner bemächtigt. Verzeiht! Verzeiht, Anna— o verzeiht mir!“ Adam Waruer faßte des Königs Arm und zog den gebieteriſchen Deſpoten ſo leicht fort, wie eine Wäͤrterin ein geduldiges Kind leitet. „König!“ ſagte der wackere alte Mann,„möge Gott Euch verzeihen, denn wenn Ihr dieſer edlen Dame Leid zugefügt habt, ſo ſündigte David nicht ſchwerer als Ihr.“ „Sie iſt rein— unverletzt— ich beſchwöre es!“ 366 ſagte der Köͤnig demüthig.„Anna, ſagt nur ein Wort, daß Ihr mir verziehen habt.“ Aber Anna ſprach nicht; ihre Augen waren ſtarr— ihre Lippen niedergeſunken— ſie war gefühllos, wie eine Leiche— ſtumm und erſtarrt von dem unausſprech⸗ lichen Schreck. Plöͤtzlich hörte man Schrilte auf der Treppe, die Thüre wurde gelffnet und Marmaduke Nevile trat ein. „Gewiß, ich hörte Mylaby's Stimme!— Welch Wunder!— der König! Verzeiht, mein Lehnsherr!u und er bog ſein Knie. Marmaduke's Anblick löste den Zauber des Schreckens und der reufgen Demuth, der des Koͤnigs unerſchrockenes Herz gefeſſelt hatte. Seine gewohnte Liſt kehrte mit ſeiner Faſſung zurück. „Unſeres weiſen Philoſophen ſeltſame und zauber⸗ hafte Erfindung,“ ſagte Eduard, indem er auf die En⸗ reka deutete,„hat die Sinne unſerer ſchönen Coufine erſchreckt, wie es auch nicht anders ſein konnte! Tretet zurück, Sir Marmaduke, wir wollen Lady Anna auf einen Augenblick der Sorgfalt des Fräuleins Sibylla überlaſſen. Mädchen, erinnert Euch meines Befehls. Kemmt, Herr!“— Und er zog den verwunderten Mar⸗ maduke aus dem Zimmer, aber ſobald er den Ritter die Treppe hinunterſteigen und über den Hof hatte gehen ſehen, kehrte er in das Zimmer zurück und ſagte in leiſem und ſtrengem Tone:„Seht, Herr Warner, und Ihr, Mädchen, wenn eins von Euch ein Wort von dem ſagt, was anzuhören und anzuſehen Euer gefährliches Schickſal geweſen, ſo haben Könige nur ein Mittel, Verleumd — ſcherzt Dann Zimmer; den Schl machten 1 Duft. De danken zu die er her Schrecken ſeinem He und in Na Sein vorhe vorwurfsv. müthszuſta ſtets zu en finſter blick die Kränku auch war, len, welche dem Morge Ein ſo ſanf von der Rac überreden, verrathen, von Tauſendt und Blutver eines nicht ausgeführten Opfer ihm Wort, arr— 3, wie prech⸗ auf der maduke Welch zherr!“ hreckens vockenes tte mit 367 Verleumder zu beſtrafen und zum Schweigen zu bringen — ſcherzt nicht mit dem Tode!“ Dann machte er die Thüre zu und kehrte in ſein Zimmer zurück. Die orlentaliſchen Specereien, die in den Schlafgemächern der Großen verhrannt wurden, machten noch die Luft ſchwer von ihrem ſieberhaften Duft. Der König ſetzte ſich und war bemüht, ſeine Ge⸗ danken zu ſammeln und über die Gefahr nachzudenken, die er hervorgerufen hatte. Anna's Widerſtand und Schrecken hatten die ruchloſe Leidenſchaft gänzlich aus ſeinem Herzen verbannt; denn Aufregungen ſolcher Art und in Naturen, wie die ſeine, verändern ſich raſch. Sein vorherrſchendes Gefühl war das der Reue und ber vorwurfsvollen Scham. Aber als er aus ſeinem Ge⸗ müthszuſtande erwachte, dem leichtfinnige Charaktere ſtets zu entgehen ſachen, da erhob ſich das Bild des finſter blickenden Grafen vor ihm und Furcht folgte auf die Kränkung; aber auch dieſe, ſo wohl begründet ſie auch war, konnte nicht lange in einem Gemüthe verwei⸗ len, welches ſo gänzlich alle Gefahr verachtete. Vor dem Morgen mußte Anna zum Bewußtſein zurückkehren. Ein ſo ſanftes Geſchöpf ließ ſich gewiß durch Gründe von der Rache abbringen, oder wenigſtens durch Schrecken überreden, ihrem ſtrengen Vater ein Geheimniß nicht zu verrathen, welches den engliſchen Boden mit dem Blute von Tauſenden benetzen mußte. Welches Weib wird Krieg und Blutvergießen herbeiführen? und noch dazu wegen eines nicht angethanen Unrechts— wegen einer nicht ausgeführten Abſicht? Der König war dankbar, daß ſein Opfer ihm entgangen war. Er wollte vor der Ankunſt 368 des Grafen mit Anna rehen— ihren Zorn beſänftigen — ſie zum Schweigen bewegen! Warner und Sihylla konnten nicht wagen, die Sache zu entdecken; und wenn ſie es thaten, ſo waren die Lippen, die einen König be⸗ ſchuldigen, leicht Lügen zu ſtrafen, während die Folter die Wahrheit verdrehen kann und der Henker der einzige Richter iſt zwiſchen dem Unterthanen und dem Hanpte, welches eine Krone trägt!. Während er ſo mit ſich zu Rathe ging, trotzte ſeine Seele der Einſamkeit. Inzwiſchen erreichte Marma⸗ duke den Hof, wo er, wie wir bereits erwähnt, von einigen Herren zurückgehalten worden, die, als ſie ge⸗ hört, daß er wichtige Nachrichten vom Grafen bringe, ſich ſo lange der Ruhe enthielten, bis ſie erfahren, ob die neue Rebellion ihre Schwerter in Anſpruch nehmen werde. Marmaduke, dem es gefiel, als eine Perſon von Wichtigkeit angeſehen zu werden, hatte ihre Neu⸗ gierde gern befriedigt, ſo weit er hiezu im Stande ge⸗ weſen, und war eben im Begriff, ſich in ſein Zimmer zurückzuziehen, als Anna's Schrei ihn veranlaßt hatte, in das Pfoͤrtchen einzutreten, welches zu Adams Zimmer führte und zum Glück nicht verſchloſſen war; und jetzt bei ſeiner Rückkehr hatte er wieder eine neue Neugierde zu befriedigen. Nachdem er kurz geſagt, daß Herr Warner jene ungelegene Stunde gewählt habe, um die Frauenzimmer mit einer Maſchine zu erſchrecken, welche Rauch ausſtoße und kläglich heule, trennte ſich die Gruppe, um ſich zur Ruhe zu begeben und Marmaduke war im Begriff, daſſelbe zu thun, als er noch einmal zu dem F Mondlicht Der Treppe hi Lady türliche 9 ihre gewol ſtrengen u es irgend entfliehen. nete ihm 2 Arm und „Bei! zu meinen laſſen.“ Ohne großem E „Verle ſtrengem? „Verel bin Euer laſſen— geſchloſſen. Ihr in der „In k Stimme, liches Lach und ging a Gott und! Sibyll inftigen Sibylla d wenn znig be⸗ e Folter einzige Hanpte, bte ſeine Marma⸗ et, von 369 zu dem Fenſter hinaufblickte und eine Hand im froſtigen Mondlicht ſah, die ihm winkte. Der Ritter bekreuzte ſich, ſtieg widerſtrebend die Treppe hinauf und trat in das Gemach des Zauberers. Lady Anna hatte ſich ſo weit erholt, daß eine unna⸗ türliche Ruhe ſich ihres Geiſtes bemächtigt hatte, die ihre gewohnte milde und lenkſame Natur in den einen ſtrengen und hartnäckigen Entſchluß verwandelte, wenn es irgend möglich ſei, aus dem unheiligen Palaßte zu entfliehen. Sobald Marmaduke wieder eintrat, begeg⸗ nete ihm Anna auf der Schwelle, faßte krampfhaft ſeinen Arm und ſagte: „Bei dem Namen, den Ihr führt— bei Eurer Liebe zu meinem Vater— helft mir, dieſe Mauern zu ver⸗ laſſen.“ Ohne zu antworten, ſtarrte Marmaduke ſie mit großem Erſtaunen an. „Verläugnet Ihr mich, Herr?“ ſagte Anna mit ſtrengem Ausdruck. „Verehrte Herrin,“ antwortete Marmaduke,„ich bin Euer Diener in allen Dingen. Dieſe Mauern ver⸗ laſſen— dieſen Palaſt!— Wie?— Die Thore ſind geſchloſſen. Nein, und was würde Mylord ſagen, wenn Ihr in der Nacht—* „In der Nacht!“ wiederholte Anna mit hohler Stimme, hielt dann inne und brach in ein ſchreck⸗ liches Lachen aus. Dann faßte ſie ſich plötzlich wieder und ging auf die Thür zu.„Ich will allein gehen, und Gott und der heiligen Jungfrau vertrauen.“ Sibylla ſprang auf ſie zu, um ſie zurückzuhalten; 2 370 Marmaduke eilte zu Abam und flüſterte ihm zu:„Iſt der Verſtand der armen Dame zerrüttet! Habt Ihr ſte wirklich durch Eure Zaubereien erſchreckt?“ „Still!“ antwortete der Greis und flüſterte Nevile einige Worte ins Ohr. Kaum hatte der Ritter die Worte gehört, als ſeine Wange bleich wurde und ſeine Augen Feuer ſprühten.„Des großen Grafen Tochter!“ rief er— „Schande!— Entſetzen!— Sie hat Recht!“ Er riß ſich von dem Gelehrten los, näherte ſich Anna, die mit Sibylla rang, kniete vor ihr nieder und ſagte mit einer Stimme, die zugleich von heftigen und zarten Leiden⸗ ſchaften erbebte: „Dame, Ihr habt Recht. So unpaſſend es auch für eine Dame Eures Ranges ſein mag, dieſen Ort allein mit mir zu verlaſſen, ſo habe ich doch das Herz eines Mannes— die Ehre eines Ritters. Vertrauet mir Eure Sicherheit an, edles Mädchen, und ich will Euch einen Weg bahnen, ſelbſt durch das verruchte Herz jenes Köͤnigs, bis zu Eures Vaters Seite!“ Anna ſchien ſeine Worte nicht ganz zu verſtehen, aber ſie lächelte ihm zu, als er vor ihr kniete und reichte ihm ihre Hand. Die Verantwortlichkeit, die er über⸗ nommen, ſchärfte den Verſtand des jungen Ritters. Als er die ihm dargereichte Hand ergriff und küßte, fühlte er den Ring an ſeinem Finger— den Ring, den ihm Al⸗ wyn anvertraut— des Königs Siegelring, vor dem ſich jedes Thor öffnen mußte. Er ſtleß einen freudigen Aus⸗ ruf aus, legte ſeinen langen Mantel ab und bat Anna ſich in denſelhen einzuhüllen und zog den Kragen über ihr ren, als und von „Wa vorüber. ausruhen „Ni kennt Kö vor dem 2 Frau von bleiben ka mit Euch ſchaffen kö „Wac rung—, a — nein— Kleidung! „Das mit bogent den eingeh⸗ „Es if ſollten. Le zu:„Iſt t Ihr ſie te Nevile bört, als en Feuer rief er— Er riß , die mit mit einer n Leiden⸗ Kragen 371 über ihren Kopf. Er war im Begriff, ſie hinauszufüh⸗ ren, als er plötzlich ſtille ſtand. „Ach,“ ſagte er, indem er ſich zu Sibylla wendete, „wenn wir auch aus dem Tower entfliehen können, ſo wird ſich doch jetzt kein Bootsmann am Fluſſe finden. Der Weg durch die Straßen iſt dunkel und gefährlich und von Räubern umlagert,“ „Wahrlich,“ ſagte Warner,„die Gefahr iſt jetzt vorüber. Laßt das edle Fräulein bis zum Morgen hier ausruhen. Der König wird nicht wieder wagen—* „Nicht wagen!“ fiel Marmaduke ein.„Ach! Ihr kennt König Ednard nicht.“ Bei dieſem Namen ſchauderte Anna, öffnete die Thür und eilte die Treppe hinunter. Sibylla und Mar⸗ maduke folgten ihr. „Hört, Sir Marmaduke,“ ſagte Sibylla.„Dicht vor dem Tower iſt das Haus einer edlen Dame, der Frau von Longueville, wo Anna mit Sicherheit ſo lange bleiben kann, bis Ihr Lord Warwick aufſucht. Ich will mit Euch gehen, wenn Ihr uns Beiden Ausgang ver⸗ ſchaffen könnt.“ „Wackeres Mädchen!“ ſagte Marmaduke mit Rüh⸗ rung—, aber Eure eigene Sicherheit— des Königs Zorn — nein— überdies eine dritte Perſon— und Eure Kleidung würde Verdacht erregen. Beſchreibt das Haus!“ „Das dritte zur Linken an der Seite des Fluſſes, mit bogenförmigem Eingange und Lilien an den Wän⸗ den eingehauen.“ „Es iſt nicht ſo dunkel, daß wir es nicht finden ſollten. Lebt wohl, edles Fränlein.* 372 Wäͤhrend ſte noch ſprachen, hatten ſie die Laby Anna eingeholt. Sibylla beſtand noch darauf, ihre Freundin begleiten zu wollen; aber als Marmaduke ihr die Lebens⸗ gefahr ihres Vaters vorſtellte, wenn Eduard erfahre, daß ſie Anna zur Flucht behülflich geweſen, entſchloß ſie ſich endlich zum Dableiben. Der Ritter und die Dame erreichten das äußere Thor. „Beeilt Euch, Herr Wächter!“ rief er, mit ſeinem Dolche an die Thür ſchlagend, bis ſie ſich öffnete— „ich habe eine wichtige Botſchaft an Lord Warwick. Hier iſt des Königs Siegelring— öffnet!“ Der ſchläfrige Wächter ſah den Ring an— das Thor wurde geöffnet— ſie waren außerhalb der Feſtung — ſie eilten weiter. „Faßt Muth, edle Dame; Ihr ſeid gerettet und ſollt gerächt werden!“ ſagte Marmaduke, als er fühlte, daß die Schritte ſeiner Begleiterin ſchwankten. Aber jetzt kam die Gegenwirkung. Nach der An⸗ ſtrengung, die Anna zur Flucht angewendet, verließ ſie ihre Kraft, als der Zweck erreicht war.— Ihr Kopf ſank nieder— ſie murmelte einige unzuſammenhängenhe Worte und dann verließen ſie Leben und Bewußtſein. Marmaduke blieb in großer Verlegenheit und Unruhe ſtehen. Aber ſiehe, da war Licht in einem Hauſe vor ihm!— das dritte Haus an der Seite des Fluſſes— das einzige mit bogenförmigem Eingange, wie es Si⸗ hylla beſchrieben. Er erhob die leichte und heilige Laſt in ſeinen ſtarken Armen— er erreichte die Thur— zu ſeinem Erſtaunen war fie offen— ein Licht brannte auf der Treppe— im obern Zimmer hoͤrte er das Gefluͤſter von Sti hereilen. fährtin bei einer Obbach ſu Marn die als W erhob und chens rieb. grunde. T — eine K des Grabe Geſichte w keit, und i ſie ſagte: Anhängere fallenen ur „Schn dy Anna Freundin Lebens⸗ erfahre, ent ſchloß und die it ſeinem ffnete— Warwick. i— das er Feſtung rettet und er fühlte, der An⸗ 373 von Stimmen und raſche aber leiſe Fußtritte hin⸗ und hereilen. Indem er die bewußtloſe Geſtalt ſeiner Ge⸗ fährtin noch trug, trat er ſogleich in ein Zimmer, wo er bei einer trüben Lampe zwei oder drei Perſonen um ein Bett im Hintergrunde verſammelt ſah. Ein ernſter Mann kam auf ihn zu, als er auf der Schwelle ſtehen blieb und ſagte: „Wen ſucht Ihr?* „Die Frau von Longueville.“ „Still!“ „Wer fragt nach mir?“ ſagte eine matte Stimme hinter den Vorhängen des Bettes. „Mein Name iſt Nevile,“ antwortete Marmaduke kurz.„Fräulein Sibylla Warner nannte mir dies Haus, wo ich auf eine Stunde für meine Begleiterin, die Lady Anna, Tochter des Grafen von Warwick, Schutz und Obbach ſuche.“ Marmahuke übergab ſeine Laſt einer alten Frau, die als Wärterin im Krankenzimmer war, den Mantel erhob und die weißen kalten Hände des jungen Mäd⸗ chens rieb. Der Ritter näherte ſich dann dem Hinter⸗ grunde. Die Lahy Longueville lag auf dem Sterbebette — eine Krankheit von zwei Tagen hatte ſie an den Rand des Grabes gebracht— aber in ihrem Auge und ihrem Geſichte war eine ruheloſe und übernatürliche Lebhaftig⸗ keit, und ihre Stimme war klar und durchdringend, als ſie ſagte:„Warum ſucht die Tochter Warwicks, des Anhängers von York, Zuflucht in dem Hauſe der ge⸗ fallenen und kinderloſen Lancaſtrierin?“ „Schwört bei Eurer Hoffnung auf Chriſtus, daß 374 Ihr ſie beſchützen und fuͤr ſie ſorgen wollt, während ich den Grafen auſſuche, und ich will Euch antworten.* „Fremder, mein Name iſt Longueville— meine Geburt edel— die Pflichten der Gaſtfreundſchaft und der Treue find ſtärker als leere Eide. Redet!“ „Weil,“ flüſterte der Ritter, nachdem er den Um⸗ ſtehenden einen Wink gegeben, ſich von der Stelle zu entfernen—„weil des Grafen Tochter die Schande flieht in eines Königs Palaſt, und ihr Beleidiger der König iſtl!! Ehe die Sterbende antworten konnte, hatte ſich Anna durch die Bemühung der erfahrenen Wärterin er⸗ holt, ſprang plotzlich zu dem Winkel, kniete neben dem Bette nieder und rief mit wildem Ausdruck:„Rettet mich!— verbergt mich!— rettet mich!* „Geht und ſucht den Grafen auf, deſſen rechte Hand mein Haus und ſeines geſetzmäßigen Monarchen Thron vernichtete— geht! Ich werde leben, bis er kommt!* ſagte die kinderloſe Wittwe, und ein Ausdruck des Trium⸗ phes verbreitete ſich über ihre ſterbenden Züge. Achtes Kapitel. Die Gruppe um das Sterbebette der lancaſtriſchen Wittwe. Die Morgenſonne ſchimmerte durch die grauen Wol⸗ ken auf einen kleinen Trupp von Männern, die, in der Haſt bewaffnet, um eine bedeckte Sänfte vor der äußern Thür des Hauſes der Lady Longueville ſtanden, während der Graf von Warwick mit ebenſo bleichem Geſichte wie das der Sterbenden, neben bem Bette ſtand.— Anna ten, was den Ihr d ſamen Her loſen Weib Uſurpator „Scho Tone zwiſch aus dem Zit Mann, der die Sterben der faſt ber ſchrecklichen „Still, indem er fei zu heiligeren Die Dar ab, ergriff 2 ſchrumpften Stimme for ches ihren A wirſt dieſe u grend ich ten. 4 meine Haft und den Um⸗ Stelle zu nde flieht nig iſt!“ zatte ſich rerin er⸗ „Rettet chte Hand ſen Thron kommt!* s Trium⸗ Wittwe. eben dem wirſt dieſe Unwürdigkeit ertragen! Du, das Oberhaupt 375 lehnte ſich ruhig an ſeine Bruſt— ihre Augen waren geſchloſſen und ihre langen Wimpern noch von Thrä⸗ nen naß. „Ja— ja— ja!“ ſagte die laneaſtriſche Edelfrau, „Ihr Männer der Wuth und des Ungeſtüms ſolltet ern⸗ ten, was Ihr geſäet habt! Dies iſt der König, für den Ihr den geheiligten Heinrich entthrontet! dies der Mann, für den ihr das Blut der beſten Söhne Eng⸗ lands vergoſſen! Ha— ha— blickt nieder vom Himmel, mein Gemahl, und ihr, meine gefallenen Söhne! Die Tochter eures mächtigſten Feindes flieht zu dieſem ein⸗ ſamen Herde— flieht zu dem Sterbebette des macht⸗ loſen Weibes, um Zuſlucht zu ſuchen vor dem verruchten uſurpator, den jener Feind auf den Thron ſetzte!“ „Schonet meiner!“ murmelte Warwick mit leiſem Tone zwiſchen den Zähnen. Man hatte die Anweſenden aus dem Zimmer entfernt, und Doktor Godard, der ernſte Mann, der Marmaduke zuerſt angeredet hatte und den die Sterbende als Prieſter zu ſich gerufen, war, außer der faſt bewußtloſen Anna, der einzige Zeuge dieſer ſchrecklichen Unterredung. „Still, Tochter,“ ſagte der Mann des Friedens, indem er feierlich das Cruciſix erhob—„beruhigt Euch heiligeren Gedanken.“ Die Dame wendete ſich ungeduldig von dem Prieſter ab, ergriff Warwicks ſtarken rechten Arm mit ihren ver⸗ ſchrumpften und zitternden Fingern und fuhr mit einer Stimme fort, die mit dem Todesröcheln kämpfte, wel⸗ ches ihren Athemzug unterbrach:„Aber Du— o Du 376 von Englands Baronen, wirſt keine Schande ſehen in der ruchloſen Liebe des verruchteſten aller Könige von England! O ja, ihr Yorkiſten habt Herzen wie Knechte — nicht wie Männer und Väter!“ „Bei dem Symbol, von dem Du Dich abwendeſ, Weih!“ rief der Graf, indem er der Wuth freien Lauf ließ, die bisher die Gegenwart des Todes unterdrückt hatte—„bei dem, vor welchem ich Morgens und Abendt im inbrünſtigen Gebete für das zugendhafte Leben dieſes geliebten Kindes niederkniete, ich will ſolche Rache neh⸗ men an dem Verruchten, den ich zum König machte, die in den Geſchichtsbüchern von England bis zur Po⸗ ſaune des Weltgerichts dauern ſoll!⸗ „Vater,“ ſagte Anna, die durch ihres Vaters Heſ⸗ tigkeit aus ihrem halb ohnmächtigen, halb ſchlafenden Zuſtande aufgeſchreckt wurde—„Vater, denkt nicht mehr an die Vergangenheit— bringt mich zu meiner Mutter! Ich wünſche meine Matter zu umarmen!⸗ „Verlaßt uns— verlaßt die Sterbende, Herr Graf,“ ſagte Gohard.„Auch ich bin ein Lancaſtrier, auch ich würde mein Leben für den heiligen Heinrich aufopfern — aber mich ſchaudert, in der Stunde des Todes jene bleichen Lippen, die um Vergebung beten ſollten, die Rache predigen zu hören.“ „Rache!“ ſchrie die Frau von Longueville, immer ſchwächer werdend, als ſie dieſes Wort vernahm— „Rache! Du haſt Rache geſchworen Ebuard von York, Lord Warwick— geſchworen in dem Gemache des Tohes — vor deren Ohr, die das Wort zu den Heldentodten von hundert Schlachten tragen wird. Ha— die Sonne iſt aufge — unter Monarche Mit Lancaſtrier Grafen du bleiches un dieſer Wer gläſernen und plötzli Geſicht w Lehens röc dieſe gläſer gerichtet, ſend Leiden welches da Seele der Bulwer, 377 e ſehen in iſt aufgegangen! Prieſter— Godard— Deine Arme eönige von— unterſtütze— richte mich auf— trage mich zum ie Knechte Fenſter! Schnell— ſchnell! Ich möchte meinen König noch einmal ſehen! Schnell— ſchnell! und dann— abwendeſt, dann— will ich Dich beten hören!“ reien Lauf Halb ſcheltend, halb mitleidig, trug der Prieſter unterdruͤckt die Sterbende zum Fenſter hin. Sie winkte ihm, es zu ind Abendt öffnen, er gehorchte. Die eben über den Horizont ge⸗ eben dieſes tretene Sonne ſchien über die fürſtliche Themſe dahin, Rache neh⸗ vergoldete die düſtere Feſtung des Tower und ſchimmerte lig machte, an dem Fenſter von Heinrichs Gefängniß. is zur Po⸗„Dort— dort! Er iſt's— es iſt mein Koͤnig! dort— Lord, rebelliſcher Graf— dort. Seht Euren gaters Hef⸗ Monarchen! Bereut, rächt!“ ſchlafenden Mit ihrer ausgeſtreckten Todhtenhand deutete die denkt nicht Lancaſtrierin auf den ungeheuren Wakefieldthurm. Des zu meiner Grafen dunkles Auge erblickte in der trüben Ferne ein rmen!“ bleiches und ehrwürdiges Geſicht, welches er ſelbſt aus perr Graf,“ dieſer Weite erkannte. Das ſterbende Welb richtete ihre , auch ich gläſernen Augen auf den beleidigten mächtigen Baron, aufopfern und plötzlich ſank ihr Arm an ihrer Seite nieder, das Todes jene Geſicht wurde wie verſteinert, der letzte Hauch des ollten, die Lebens röchelte in ihr und entfloh— und noch waren dieſe gläſernen Augen auf des Grafen farbloſes Geſicht lle, immer gerichtet, und noch in ſein Ohr— wiederholt von tau⸗ ernahm— ſend Leidenſchaften ſeines Herzens— tönte das Wort, von Yotk, welches das Gebet verdrängt hatte und mit welchem die des Todes Seele der Sünderin entflohen war—„Rache!“ Bulwer, Barone. II. 25 6 Neuntes Buch. Die Wanderer und die Verbannten. Erſtes Kapitel⸗ Der große Baron wird ein großer Rebell. Hilyard ſchlief noch in dem Zimmer, welches ihm als Gefängniß war angewieſen worden, als er von einer rauhen Hand aus ſeinem Schlummer erweckt wurde und er den Grafen mit einem Geſichte vor ſich ſah, ſo ver⸗ ſchieden von ſeiner gewohnten offenen Majeſtät— ſo düſter und niedergeſchlagen, daß er unwillkürlich ſagte: „Ihr ſchickt mich zur Hinrichtung— ich bin bereit!⸗ „Still, Mann! Du haſſeſt Eduard von York?* „Und wäre es mein letztes Wort— ja!“ „Gib mir Deine Hand! wir find Freunde! Gaffe mich nicht ſo verwundert an— frage nicht nach dem Wie und Warum? Dieſe Nacht hat Eduarbd einen Re⸗ bellen mehr an Richard Nevile erhalten. Ein Pferd er⸗ wartet Dich an meinem Thor— reite ſchnell zu dem jungen Sir Robert Welles mit dieſem Briefe. Sage ihm, er ſoll unerſchrocken ſein und Stand halten, denn in wenigen Tagen werde Lord Warwick und vielleicht auch der Herzog von Clarence ihre Truppen mit hen ſeinigen vereinen. rich von zwiſchen und freute ſeit langer ſtieg die wo Marm ein ſtarkes dauer verhite „Sitzt ließ mir nie ander reite Meilen wei — ich nach „Und zu er ſich auf raſch weiter „Ja!“* „Lord 2 „ Endlich „Auf la „Bis zu „Gut= lches ihm von einer vurde und lich ſagte: ſeinigen 379 vereinen. Beachte wohl, ich ſage nicht, daß ich für Hein⸗ rich von Lancaſter bin— ich ſage nur, ich bin gegen Eduard von York. Lehe wohl, und wenn wir uns wieder⸗ ſehen, ſo ſei der Arm geſegnet, der zuerſt den Weg zu eines Tyrannen Herzen bahnt!* Ohne weiter ein Wort zu ſagen, verließ Warwick das Zimmer. Anfangs wollte Hilyard ſeinen Sinnen nicht trauen; aber als er ſich haſtig ankleidete, dachte er über alle jene Urſachen der Uneinigkeit nach, die längſt zwiſchen Eduard und dem Grafen vorhanden geweſen und freute ſich, daß die Prophezeihung, die er ſchon ſeit langer Zeit ausgeſprochen, endlich erfüllt ſei. Er ſtieg die Treppe hinunter und erreichte den Thorweg, wo Marmaduke ſeiner wartete, während ein Stallknecht ein ſtarkes Pferd hielt, welches Schnelligkeit und Aus⸗ dauer verhieß. „Sitzt auf, Herr Robin,“ ſagte Marmaduke;„ich ließ mir nicht träumen, daß wir je als Freunde mit ein⸗ ander reiten wüͤrden! fitzt auf— wir haben einige Meilen weit denſelben Weg. Ihr geht nach Lincolnſhire — ich nach Hertfordſhire.“ „Und zu demſelben Zwecke?“ fragte Hilyard, als er ſich auf ſein Pferd ſchwang und die beiden Männer raſch weiter ritten. „Ja 14 „Lord Warwick hat ſich endlich verändert.“⸗ „Endlich!“ „Auf lange Zeit?“ „Bis zum Tohe!“* „Gut— mehr will ich nicht fragen!“ 380 Das Geräuſch von Hufſchlägen machte, daß der Freiſaſſe ſich umſah, und er bemerkte einen wackern Trupp, der bis an die Zähne gerüſtet aus dem Hauſe des Grafen hervorkam und der Leitung Marmahuken folgte. Inzwiſchen war Warwick mit Montagueingeſchloſſen. So weltlich gefinnt und ſo ſehr Eduard ergeben der Letze tere auch war, ſo war er doch für Alles höchſt empfind⸗ lich, was die Ehre ſeines Hauſes betraf, und er ſprach ſeinen Unwillen über die ſeiner Nichte widerfahrene tödtliche Beleidigung faſt noch lauter aus als der feurige Graf. „Eliſabeth Woodville ſeines Thrones würdig zu halten,“ rief er,„und in Anna Nevile nur eine Perſon zu ſehen, die für ſeine Buhlerin taugt!“ „Ja! Du ſagſt es!“ ſagte der Graf mit wahrhaft ſchrecklicher Ruhe wegen des unnatürlichen Gegenſatzet zu ſeiner gewöhnlichen Hitze, wenn er nur wenig gereilt wurde—„aber ſei ruhig— kalt— kalt wie Eiſen und auch ſo hart! Wir müſſen jetzt Pläne entwerfen, nicht ſtürmen und drohen— ich entwarf noch nie Pläne! Dn haft Recht— Reblichkeit iſt die Klugheit eines Thoren Ich wollte, ich hätte dies nur eine Stunde früher ge⸗ wußt, ehe die Nachricht zu mir gelangte! Ich habe ſchon unſere Freunde in ihre verſchiedenen Diſtrikte entlaſſen um König Eduards Sache zu unterſtützen— er iſt noch König— ein wenig länger noch König! In der letzte Nacht entließ ich ſie— in der letzten Nacht, zu der⸗ ſelben Stunde, wo— o Gott, verleihe mir Gehuld! Er ſchwien und fügte mit leiſer Stimme hinzu:„Doh folger ſeit „Clar „Aber machen— „Da darüber n⸗ mein Geif Tagesanb ſein ſoll, ſtehen kön⸗ wenn Du unſern Fr haſſen— „Undi „ZBum thermer un e, daß der ten wackern dem Hauſe karmaduke“ ngeſchloſſen. ben der Letz⸗ hſt empfind⸗ nd er ſprach viderfahrene der feurige würdig zu eine Perſon rdit wahrhaft Gegenſatzes venig gereiſt te Eiſen und erfen, nicht Pläne! Dn res Thoren! 2 früher ge⸗ habe ſchon kte entlaſſen er iſt noch n der letzten cht, zu der⸗ er Geduld!“ nzu:„Doch 381 — doch— wie lang die Augenblicke ſind— wie lang! Ehe die Sonne untergeht wird Eduard hoffentlich in meiner Macht ſein!“ „Wie?“ „Er geht heute nach More⸗Park— er wird nicht weniger dorthin gehen wegen des Geſchehenen; er wird ſich auf den Erzbiſchof verlaſſen, mich mit ihm zu ver⸗ ſöhnen— Geiſtliche ſind keine Väter! Marmaduke Nevile hat meine Befehle— hundert bewaffnete Männer, die gegen den Teufel ſelbſt marſchiren würden, wenn ich den Befehl gäbe, werden More⸗Park umringen und den Gaſt ergreifen!“ „Aber was dann? Wer, wenn Eduarb— ich wage das Wort nicht auszuſprechen— wer ſoll der Nach⸗ folger ſein?“ „Clarence iſt der männliche Erbe!“ „Aber mit welchem Geſichte dem Volke hekannt machen—⸗* „Da— da liegts!“ fiel Warwick ein—„ich habe darüber nachgedacht— ich habe über Alles nachgedacht, mein Geiſt ſcheint Welten durchwandert zu haben ſeit Tagesanbruch! Wahr! jeder Aufruhr, der erfolgreich ſein ſoll, muß eine Urſache haben, welche die Leute ver⸗ ſtehen können. Dennoch wird es beſſer ſein, Montagn, wenn Du— Du haſt eine glattere Zunge als ich— zu unſern Freunden gehſt— zu denen, welche Eduard haſſen— ſie aufſuchſt und ausforſcheſt!* „Und ihnen ſoll ich Eduards Schandthat offenbaren?“ „Zum Henker, wo denkſt Du hin? Du, ein Mon⸗ thermer und Montagn! Vor England die ruchloſe Be⸗ 382 leidigung bekannt machen, die der Familie eines engli⸗ ſchen Edelmanns und Pairs widerfahren iſt! Daß jeder lumpige Minſtrel ſein Lied finge von Anna's Schande? wie König Eduard ſich in tiefer Nacht in ihr Zimmer geſchlichen, geworben, gebeten und geſchworen, und— Gott des Himmels, hätte ich nur dieſe Hand an ſeiner Kehle! Nein, Bruder, nein! es gibt ein Unrecht, welches wir nicht ſagen köͤnnen— es gibt Wunden und Geſchwülſte des Herzens, die nicht anders zu heilen ſind, als wenn Blut fließt!“ Während dieſer Unterredung zwiſchen den Brudern wurde Eduard in ſeinem Palaſte von Beſtürzung und Schrecken ergriffen, als er hörte, daß Lady Anna nicht in ihrem Zimmer zu finden ſei. Er ließ ſogleich Abam Warner zu ſich rufen und erfuhr von dem einfachen Manne, der keine Verſtellung kannte, die Art, wie Anna aus dem Tower entflohen ſei. Der König entließ Adam ſogleich nach einigen derben Flüchen und unbeſtimmten Drohungen; und indem er zu dem Bewußtſein der Noth⸗ wendigkeit erwachte, eine wahrſcheinliche Geſchichte zu erfinden, um das plötzliche Verſchwinden ſeines Gaſtes zu erklaͤren, ſah er ein, daß die Königin am beſten ge⸗ eignet ſei, eine ſolche Geſchichte zu erfinden und in Um⸗ lauf zu ſetzen. Er ſuchte ſie ſogleich mit dem Entſchluſſe auf, eine Vertraute in der Perſon zu ſuchen, die nur ſelten in äͤhnlichen Fällen mit Vertrauen beehrt wird. Er wußte die Erzählung aber ſo einzurichten, daß der Fehler ſehr verzeihlich erſchien. Er habe ſich etwas zu lange beim Weindecher aufgehalten— ſei im Corridor auf⸗ und abgegangen, um ſich in der kühlen Luft zu er⸗ friſchen nicht ge kaum er wen er Schrecke ſeine Ab eilt, wo Palaſte und lach der Gefa Vorwürf Gemahls ſcheinliche dert word nach den tigt, um und habe Hauſe zu zeigte ihr lichen Fl. ſich doch: eine Bele⸗ den Zung deln könn möge, de ſprechen u ines engli⸗ Daß jeder Schande? or Zimmer n, und— an ſeiner i Unrecht, unden und heilen ſind, n Bruͤdern rzung und Anna nicht leich Adam einfachen „wie Anna ließ Adam beſtimmten der Noth⸗ ſchichte zu nes Gaſtes beſten ge⸗ nd in Um⸗ Entſchluſſe 1, die nur ehrt wird. 1, daß der etwas zu Corridor euft zu er⸗ 383 friſchen— habe eine weibliche Geſtalt geſehen, die er nicht gekannt und einige galante Worte, deren er ſich kaum erinnere, ſeien mißdeutet worden. Als er bemerkt, wen er angeredet, habe er Lady Anna's Zorn oder Schrecken zu beſänftigen geſucht; doch da fie noch immer ſeine Abſicht verkannt, ſei ſie in Warners Zimmer ge⸗ eilt, wohin er ihr gefolgt— und jetzt ſei ſie aus dem Palaſte entflohen. Dies war die Geſchichte, die er leicht und lachend erzählte, aber mit einer ernſten Aufzählung der Gefahren endete, die er ſich durch ſeine Unbeſonnen⸗ heit zugezogen. Was Eliſabeth auch fühlte und wie ſie auch dieſes Geſtändniß erklären mochte, ſie handelte mit ihrer ge⸗ wohnten Beſonnenheit; ſtellte ſich nach einigen zärtlichen Vorwürfen, als glaube ſie vollkommen den Bericht ihres Gemahls und erbot ſich, allen Seandal durch die wahr⸗ ſcheinliche Geſchichte zu verhüten, der Graf ſei verhin⸗ dert worden, ſeine Tochter perſönlich abzuholen, wie er nach den neuen Nachrichten von der Rebellion beabſich⸗ tigt, um ſie bei ſeiner Abreiſe aus London mitzunehmen und habe ſeinen Vetter Marmaduke beauftragt, ſie nach Hauſe zu begleiten. Der Scharfblick ihres Geſchlechts zeigte ihr, welche Zudringlichkeit Anna auch zur plötz⸗ lichen Flucht möchte getrieben haben, der ſtolze Graf ſich doch nicht weniger als Eduard ſelber ſcheuen werde, eine Beleidigung bekannt zu machen, welche die läſtern⸗ den Zungen leicht in Schande für ſeine Tochter verwan⸗ deln könnten; und welchen Vorwand man auch erfinden möge, daß Warwick demſelben doch nimmer wider⸗ ſprechen werde. Und da Eliſabeth ungeachtet ihres Haſſes 384 gegen den Grafen und ihres Wunſches, daß der Bruch zwiſchen Eduard und ſeinem Miniſter dauernd ſein möge, als Königin, als Gattin und Weib nicht umhin konnte zu wünſchen, daß eine für Eduard ehrenvollere und für das Volk weniger verhaßte Urſache zu dem Streite an⸗ gegeben werde— ſo rieth ſie dem Könige dringend, ſich ſogleich nach More⸗Park zu begeben, wie es vorher he⸗ ſtimmt geweſen, keine Mühe zu ſparen und keine Aus⸗ drücke der Reue und der Demuth zu ſcheuen, um ſich die Vermittlung des Erzbiſchofs zu ſichern. Als des Koͤnigs Geiſt durch dieſen Rath ein wenig beruhigt war, käßte er Eliſabeth mit zärtlicher Dankbarkeit und kehrte in ſein Zimmer zurück, um ſich zu ſeiner Abreiſe zu dem Palaſte des Erzbiſchofs vorzubereiten. Dann aber erin⸗ nerte er ſich, daß Adam und Sibylla im Beſitze ſeines Geheimniſſes waren, und beſchloß ſogleich, ſie aus dem Tower zu verhannen. Im erſten Augenblick dachte er an die Kerker der Feſtung— an den Strick des Hen⸗ kers— doch zu jener Stunde war ſein Gewiſſen ver⸗ wundet und beunruhigt. Seine Heftigkeit wurde durch das Gefühl der Scham gemildert und er bebte vor einem neuen Verbrechen zurück; und überdies zeigte ihm ſein geſunder Verſtand, daß das Zeugniß eines gemiedenen und verabſcheuten Zauberers von dem Augenblick an des Einfluſſes beraubt ſei, den es von dem Schutze des Kö⸗ nigs entlehnt habe. Er gab Befehl, daß ein Boot am St. Thomasthor in Bereitſchaft ſein ſolle, rief Adam wieder vor ſich und ſagte kurz:„Herr Warner, die Londoner Handwerker ſchreien zu laut gegen Eure Er⸗ findung, daß dadurch die Arbeit verringert werde und bewaffnet Seht das Traum a er bekann oder verg Ohne einem von ertheilte i dem Betre zu ſehen. und erful Dame wif Ausleger! hergehen Wächter; weil er mi Eine Stu aber präch Der C ſeinem Pe Edelleuten auf ſie ger nur heiter er Bruch ein möge, din konnte e und für treite an⸗ gend, ſich vorher be⸗ eine Aus⸗ „ um ſich Als des ahigt war, und kehrie iiſe zu dem aber erin⸗ ſitze ſeines ſe aus dem dachte er des Hen⸗ 385 die Armen verhungern müßten, die Matroſen im Haſen ſind ſo aufrühriſch bei dem Gedanken an Schiffe ohne Ruderer, daß ich der Stimme des Vollks nachgebe, wie ein guter Koͤnig es zu thun verbunden iſt. Geht alſo ſogleich heim; die Königin entläßt Eure ſchöne Tochter aus ihrem Dienſte— das Maͤdchen begleitet Euch. Ein Boot erwartet Euch an der Landungstreppe und eine bewaffnete Begleitung ſoll Euch nach Hauſe bringen. Seht das, was in dieſen Mauern geſchehen iſt, als einen Traum an, als einen Traum, der todbringend iſt, wenn er bekannt gemacht wird; wenn er aber verſchwiegen oder vergeſſen wird, von keiner Bedeutung iſt.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, rief der Koͤnig einem von ſeinen Cavalieren aus dem Vorzimmer und ertheilte ihm den beſondern Befehl, nach der Abreiſe und dem Betragen des würdigen Gelehrten und ſeiner Tochter zu ſehen. Dann rief Eduard den Thorwächter zu ſich und erfuhr, daß er allein um die Flucht der jungen Dame wiſſe, und da er dies für das Beſte hielt, keinen Ausleger der Geſchichte, die er erfunden hatte, frei um⸗ hergehen zu laſſen, ſo verurtheilte er den erſtaunten Wächter zu dreimonatlicher einſamer Gefangenſchaft— weil er mit beſchmutzten Hoſen vor ihm erſchienen ſei! Eine Stunde ſpäter war der König mit einem kleinen aber prächtigen Gefolge auf dem Wege nach More Park. Der Erzbiſchof hatte ſeinem Verſprechen gemäß in ſeinem Palafte die mächtigeren von den unzufriedenen Edelleuten verſammelt, und ſeine Beredſamkeit hatte ſo auf ſie gewirkt, daß Eduard beim Eintreten in die Halle nur heitere und reſpektvolle Geſichter ſah. Nach den 386 erſten Begrüßungen führte der Prälat Eduard nach der Sitte jener Tage in ein Zimmer, um ſich dort durch eine kurze Ruhe und ein Bad vor der Mahlzeit zu erfriſchen. Eduard ergriff die Gelegenheit, ſeine Geſchichte zu erzählen; doch ſo ſehr er dieſelbe auch milderte, ſo blieb doch genug übrig, um den lebhafteſten Schrecken in den Zuhörern zu erregen. Das erhabene Gerüſte der Hoff⸗ nung, auf dem der ehrgeizige Prälat zu dem päpftlichen Throne hinaufſteigen wollte, ſchien in Staub zu zer⸗ bröckeln. Der König und der Graf waren gleich noth⸗ wendig für Georg Nevile's Pläne. Er ſchalt den könig⸗ lichen Laien mit mehr als prieſterlicher Salbung wegen ſeines Vergehens; aber Eduard bekannte ſo demüthig ſeinen Fehler, daß der Prälat endlich ſeine Stirn wieder glättete und verſprach, ſeine reuevollen Verſicherungen dem Grafen zu uberbringen. „Keine Stunde iſt zu verlieren,“ ſagte er;„die einzige Perſon, die ihn beſänftigen kann, iſt die Mutter Eurer Majeſtät, unſre edle Verwandtin. Erlaubt mir, einen Brief an Ihre Hoheit abzuſchicken, worin ich ſie bitte, den Grafen aufzuſuchen, während ich durch den⸗ ſelben Courier an ihn ſelber ſchreibe.“ „Es ſei wie Ihr wollt,“ ſagte Eduard, indem er ſein Obergewand ablegte und ſeine Hände in eine Schaale mit parfümirtem Waſchwaſſer tauchte,„ich werde keine Ruhe kennen, bis ich vor der Lady Anna gekniet und ihre Verzeihung erlangt habe.“ Der Prälat entfernte ſich, und kaum hatte er das Zim⸗ mer verlaſſen, als Sir John Rateliffe, Einer von dem Geſolge des Königs, bleich und zitternd ins Zimmer trat. „Me wartet E Bäumen ſehen. J nicht wen iſt Sir M von Wart „Ha! nahm den Grafen R „Und, maduke ſo wacht— Horch! S Der K näherte ſie war dicht: Schatten! „Ihr h „Dieſe auf dem i im innern. in Bereitſe meines Hu Der K Rateliff⸗s ſchwang ſic eine Menge pirte allein entdeckt, ab nach der rch eine friſchen. ichte zu ſo blieb n in den er Hoff⸗ pftlichen 9 zu zer⸗ 4 noth⸗ eun lönig⸗ ag wegen demüthig en wieder e Mutte 387 „Mein Lehnsherr,“ ſagte er leiſe,„ich fürchte, es wartet Eurer ein tödtlicher Verrath. Ich habe unter den Bäumen hier an dieſem Thurme Waffen ſchimmern ſehen. Ich ſchlich mich durch das Gebüſch und zählte nicht weniger als hundert Bewaffnete— ihr Anführer iſt Sir Marmaduke Nevile, der Verwandte des Grafen von Warwick!“ „Ha!“ murmelte der Koͤnig und ſein kühnes Geſicht nahm den Ausdruck des Schreckens an—„kommt des Grafen Rache ſchon ſo bald?“ „Und,“ fuhr Rateliffe fort,„ich hörte Sir Mar⸗ maduke ſagen: die Gartenthür des Thurmes iſt unbe⸗ wacht— erwartet das Signal! Flieht mein Lehnsherr! Horch! Selbſt jetzt höre ich das Geräuſch der Waffen.“ Der Köntg ſchlich ſich zum Fenſter hin— der Tag näherte ſich ſeinem Ende; das Gebüſch um die Mauer war dicht und dunkel: er ſah einen Bewaffneten aus dem Schatten hervorkommen— einen zweiten und dritten. „Ihr habt Recht, Rateliffe!— Flucht, aber wie?⸗ „Dieſen Weg, mein Lehnsherr. Von dem Gange, auf dem ich eintrat, führt eine Treppe zu einer Thür im innern Hofe; dort habe ich ſchon ein Pferd für Euch in Bereitſchaft. Der Vorſicht wegen geruht, Euch meines Hutes und Mantels zu bedienen.“ Der König nahm haſtig den Vorſchlag an, folgte Rateliff⸗s geräuſchloſen Schritten, erreichte die Thür, ſchwang ſich auf ſein Roß, ſpornte ſein Pferd durch eine Menge, die am Thor verſammelt war und galop⸗ pirte allein und ſchnell, von keinem menſchlichen Feinde entdeckt, aber von dem Feinde verfolgt, der dem Reiter 388 hinten aufſitzt, über Feld und Graben, durch Hecke und Wald, bis er endlich in tiefer Nacht vor den königlichen Thürmen von Windſor den Zügel anhielt. Zweites Kapitel. Viele Dinge kurz erzählt. Die Ereigniſſe, die auf des Koͤnigs Flucht folgten, waren raſch und auffallend. Die in Moore⸗Park verſam⸗ melten Barone, aufgebracht über Ebuards anſcheinendes Mißtrauen gegen ſie, trennten ſich in lautem Zorn. Der Erzbiſchof erfuhr die Urſache von einem ſeiner Diener, der Marmabuke's Hinterhalt entdeckt hatte, doch war er zu vorſichtig, einen Umſtand bekannt zu machen, der ihm ſelber verdächtig war. Er eilte nach London und verſchaffte ſich die Vermittlung der Herzogin von York, um ihn zu unterſtützen. Der Graf erwiderte auf ihr vereintes Zureden mit ſtrenger und bedentungsvoller Kälte, reiste plötzzlich nach Warwick ab und nahm Lady Anna mit ſich. Dorthin kamen an demſelben Tage der Herzog und die Herzogin von Clarence. Die Rebellion in Lineolnſhire nahm über⸗ hand. Eduard wendete die Liſt an, Clarence und War⸗ wick aufzufordern, gegen die Rebellen zu marſchiren; wenn ſie ſich weigerten, fiel dem Anſcheine nach die Schuld des erſten Angriffes auf ſie. Clarence, mehr durch perſönlichen Ehrgeiz, als durch Theilnahme an dem Warwick widerfahrenen Unrecht bewogen, aufgebracht durch die ihm kürzlich von ſeinem Bruder widerfahrene Zurückſetz Thronbef Stolz ein götterte, kein Lort hatte, beg den ander zu jung, Grafen u hätte; ab⸗ boten wur ſein— die Heinrich k Lorh 2 in Perſon mitzutheile ändert hat dern düſte Schweigen „Und Bewegung geregt war entſchließef Niederlage nem Ehrg⸗ meinen So meinſchaftl Dir, ich he bäte zu za daß wäͤhren icke und iglichen folgten, verſam⸗ heinendes n Zorn. n ſeiner atte, doch machen, blich nach nach die 389 Zurückſetzung, auf Eduards Entſagung und ſeine eigene Thronbeſteigung, und entflammt durch den Ehrgeiz und Stolz eines Weibes, die er zugleich fürchtete und ver⸗ götterte, ging Hand in Hand mit dem Grafen; aber kein Lord und Anführer, den Montagu ausgeforſcht hatte, begünſtigte die Abſetzung des einen Bruders, um den andern zu erheben. Clarence, obgleich beliebt, war zu jung, um geachtet zu werden; viele hätten lieber den Grafen unterſtützt, wenn er nach dem Throne geſtrebt hätte; aber da dieſe Wahl von dem Grafen ſelber ver⸗ boten wurde, ſo konnten nur zwei Parteien in England ſein— die eine für Eduard den Vierten, die Andere für Heinrich den Sechsten. Lord Montagu eilte nach dem Schloſſe Warwick, um in Perſon den Erfolg ſeines diplomatiſchen Auftrags mitzutheilen. Der Graf, deſſen Weſen ſich gänzlich ver⸗ ändert hatte und der nicht mehr offen und herzlich, ſon⸗ dern düſter und verſchloſſen war, hörte ihn in finſterm Schweigen an. „Und nun,“ ſagte Montagu mit der großmüthigen Bewegung eines Mannes, deſſen edlere Natur tief auf⸗ geregt war,„wenn Du Dich zum Kriege gegen Eduard entſchließeſt— obgleich noch nichts vorbereitet iſt und die Niederlage wahrſcheinlich ſcheint, ſo bin ich bereit, mei⸗ nem Ehrgeize, ſo wie der Hand einer Königstochter für meinen Sohn zu entſagen— um die Ehre unſers ge⸗ meinſchaftlichen Namens rächen zu können. Ich bekenne Dir, ich habe Eduard ſo ſehr geliebt, daß ich Dich gern bäte zu zaudern, wenn ich nicht mir ſelber mißtraute, daß während eines ſolchen Aufſchubes ſeine Liſt mich zu 390 der alten Neigung zurückbringen moͤchte. Dennoch ver⸗ danke ich Deinem Arm und Deiner großen Seele Alles, was ich beſitze, und wenn Du entſchloſſen biſt, den Schlag auszuführen, ſo bin ich bereit, die Gefahr zu theilen.“ Der Graf wenhete ſein Geſicht ab und drückte ſeines Bruders Hand. „Es iſt mir, als hoͤre unſer Vater Dich in ſeinem Grabe!“ ſagte er feierlich und fuhr dann nach einer langen Pauſe fort:„Kehre nach London zurück, nimm dem Anſcheine nach keinen Antheil an meinen Hand⸗ lungen, welche ſie auch ſein mögen; wenn es mir fehl⸗ ſchlägt, warum ſoll ich Dich mit in meinen Untergang ziehen?— und doch vertraue mir, ich bin nicht mehr heftig und unbeſonnen. Wer einen großen Gegenſtand verfolgt, wird plötzlich weiſe. Wenn ein Thron im Staube liegt, wenn von St. Pauls Croß eine Stimme bis Carlisle und Landsend ausgeht und erklärt, daß Eduard des Vierten Regierung zu Ende iſt— dann, Montagu, nehme ich Deine verſprochene Hülfe und Ge⸗ noſſenſchaft in Anſpruch— nicht früher!“ Der König, der ſeine Gedanken durch die Handlung vertreiben wollte, marſchirte in Perſon gegen die rebel⸗ liſchen Truppen. Durch Furcht zur Grauſamkeit ange⸗ reizt, enthauptete er gegen alles königliche Vertrauen ſeine Geiſeln, Lord Welles und Sir Thomas Dymoke, und forderte Sir Robert Welles, den Anführer der Em⸗ pörung auf, ſich zu ergeben, erhielt aber die Antwort, Sir Robert Welles wolle ſich der Treuloſigkeit eines Mannes nicht anvertrauen, der ſeinen Vater gemordet! Dann drang in einer an Sieg durch dem wüthen dem Metzger raſchen Thä Eduard ſtets Weg zu der gehoben hatt klärt war, Rebellen zu ab, um den E halb eines be⸗ Zeit ging vor Belohnungen So plötz! ſo raſch die B Zeit gehabt he Vaſallen zu bringen. Seit Eduard durch erwidert hatte angefüllt. Nu die in der He aus ſeinen eig ſchaft Warwie von den Grafſ ſonders beliebt Tauſend? Ländereien, zu ze 391 Dann drang er bis Erpingham vor, ſchlug die Rebellen in einer ausgezeichneten Schlacht und kroͤnte ſeinen Sieg durch eine Reihe gewiſſenloſer Grauſamkeiten, die dem wüthenden und gelehrten Grafen von Woreeſter, dem Metzger von England, übertragen wurden. Mit der raſchen Thätigkeit und geſchickten Führung, welche Eduard ſtets im Kriege zeigte, nahm er ſeinen blutigen Weg zu der Macht, welche Clarence und Warwick aus⸗ gehoben hatten, obgleich ihre Feindſchaft noch nicht er⸗ klärt war, in der Abſicht, ſich mit den geſchlagenen Rebellen zu vereinen. Er ſchickte ſeinen Wappenköͤnig ab, um den Grafen und den Herzog aufzufordern, inner⸗ halb eines beſtimmten Tages vor ihm zu erſcheinen. Die Zeit ging vorüber; er erklärte ſie für Verräther und bot Belohnungen für ihre Gefangennahme aus!* So plötzlich war Warwicks Niederlage geweſen— ſo raſch die Bewegungen des Königs— daß der Graf nicht Zeit gehabt hatte, ſeine Hülfsquellen zu ſammeln, ſeine Vaſallen zu vereinen und ſeine Pläne zur Reife zu hringen. Seine Vorbereitungen in derſelben Nacht, wo Eduard durch ſo ſcheußliche Undankbarkeit ſeine Dienſte erwidert hatte, hatten das Land mit Armeen gegen ihn angefüllt. Nur von unbedentenden Truppen umgeben, die in der Haſt zuſammengebracht waren und die nur aus ſeinen eigenen Anhängern aus der einzigen Graf⸗ ſchaft Warwick beſtanden, hatte Eduards Marſch ihn von den Grafſchaften abgeſchnitten, wo ſein Name be⸗ ſonders beliebt war und wo ſeine Trompete die Heere s Tauſend Pfund in Gold oder hundert Pfund jährlich in Ländereien, zu jener Zeit eine ungehenre Summe. 392 zuſammenbringen konnte. Er wurde getäuſcht, indem er von ſeinem mächtigen aber eigennützigen Schwager, dem Lord Stanley, Hülfe erwartete. Die Rache war ihm theurer geworden als das Leben: das Leben durfte aber nicht der Gefahr ausgeſetzt werden, damit nicht die Rache verloren gehe. Der König marſchirte noch immer weiter, und an dem Tage, wo ſeine Truppen in Exeter ein⸗ traten, ging Warwick mit den weiblichen Mitgliedern ſeiner Familie und Clarence, nebſt einem kleinen aber wohl bewaffaeten Gefolge bei Dartmouth zu Schiffe und ſegelte auf Calais zu(vor welcher Stadt Iſabella ihres erſtgebornen Kindes genaß)— wo zu dem Schrecken und der Wuth des Grafen, ſein Stellvertreter Vaueler⸗ auf ſeine Schiffe feuerte. Warwick ſegelte dann nach der Normandie, nahm unterwegs einige niederländiſche Schiffe weg, als Zeichen des Trotzes gegen ſeinen alten burgundiſchen Feind— und landete bei Harfleur, wo er und ſeine Begleiter von dem franzöſtſchen Abmiral mit königlichen Ehrenbezeigungen empfangen wurde, und nahmen endlich ihren Weg zu dem Hofe Ludwigs des Elften zu Amboiſe. „Die Gefahr iſt auf immer vorüber!“ ſagte Koͤnig Eduard, als der Wein in ſeinem Becher funkelte.„Die Rebellion hat ihr Oberhaupt verloren— und nun bin ich in der That zum erſtenmal Monarch und regiere allein!“ Das Compl Das Lo Heinrichs o Ausbruch, auch durch hungen ver bilden— al zählten Ere in der vor bunten Me⸗ Etwa ei koniglichen Tiſch, der Geſellſchaft und bunt gek alle jung; die Kinderja der Jugend grobe Schn Blüte; ſelb Stirn und ih und ſchlanke tentheils in d an gymuaſtiſ ihre Muskeln Rohes und ſchien widern Bulwer, 2 dem er er, dem ar ihm te aber e Rache weiter, ter ein⸗ gliedern nen aber hiffe und Ula ihres Schrecken Vauelerg nach der ländiſche nen alten 3983 Drittes Kapitel. Das Complot im Gaſthauſe— Das Mädchen und der. Ge⸗ lehrte in ihrer Heimath. Das Land war noch aufgeregt und die Anhänger Heinrichs oder des Grafen erhoben ſich noch in manchem Ausbruch, obgleich ſie nicht nur durch Eduards, ſondern auch durch Glouceſters und Haſtings kräftige Bemü⸗ hungen verhindert wurden, eine allgemeine Armee zu bilden— als eines Morgens, gerade nach den eben er⸗ zählten Ereigniſſen das Gaſthaus des Herrn Sancroft in der vorſtädtiſchen Gemeinde Marybone ſich einer bunten Menge von Gaͤſten und Zechern erfreute. Etwa ein Dutzend Soldaten, die im Triumphe vom königlichen Lager zurückgekehrt waren, ſaßen um einen Tiſch, der in der Fenſtervertiefung ſtand, und in ihrer Geſellſchaft befanden ſich faſt ebenſo viele fremdartig und bunt gekleidete Frauenzimmer. Dieſe Letzteren waren alle jung; eine oder zwei hatten in der That erſt eben die Kinderjahre überſchritten. Doch war kein Ausdruck der Jugend in ihren harten und widerwärtigen Zügen; grobe Schminke erſetzte die Stelle der jugendlichen Blüte; ſelbſt die jüngſte hatte eine Falte an ihrer Stirn und ihren Geſtalten fehlte es an der abgerundeten und ſchlanken Anmuth der frühen Jahre. Da ſie groͤß⸗ tentheils in der freien Luft lebten und von Kindheit auf an gymuaſtiſche übungen gewöhnt waren, ſo ſprangen ihre Muskeln ſcharf hervor und ihr Anblick hatte etwas Rohes und männlich Kühnes; ihre Geſundheit er⸗ ſchien widerwärtiger als ſelbſt die Krankheit. Auf ihre Bulwer, Barone. II. 26 394 gebräuuten Geſichter hatie das Laſter ſein unauslöͤſch⸗ liches und unverkennbares Siegel gedrückt. In dieſe Augen waren nie die Thränen des Mitleids oder des milden weiblichen Kummers getreten, auf dieſen Stir⸗ nen hatte nie die beſcheidene Scham geblühet; ſelbſt ihre Stimmen ſchienen nicht ihrem Geſchlechte anzugehören, denn ſie waren rauh, tief und heiſer— ihr Gelächter laut und mißtönend. Einigen von ihnen fehlte es nicht an einer gewiſſen Schönheit, aber es war eine Schön⸗ heit der Züge mit einer allgemeinen Häßlichkeit des Ausdrucks vereint, der zugleich verſchlagen, frech und ausſchweifend war. Entweiht durch die ſcheußlichſten Laſter des Weibes— leidenſchaftslos durch die früh⸗ zeitige Verſchwendung der Leidenſchaft— ſtanden ſie gleich garſtigen und monſtröſen Mißgeburten zwiſchen beiden Geſchlechtern und waren aus den verworfenen Eigenſchaften beider gebildet. Dieſe Geſchöpfe ſchienen erſt kürzlich von einer weiten Reiſe gekommen zu ſein — ihre Schuhe und die Säume ihrer Kleider waren mit Staub und Schmutz bedeckt— ihre Geſichter er⸗ hitzt und die Adern ihrer bloßen, muskulöſen und ſonn⸗ verbrannten Arme von Anſtrengung angeſchwollen. Jede hatte neben ſich am Boden eine kleine Trommel liegen; jede trug an ihrem Gürtel ein langes Meſſer in der Scheide— gut, daß die Scheiden die Klingen verbar⸗ gen, denn es war keine darunter(ſelbſt nicht das fünfzehnjährige Kind mit dem kalten Blicke), deren Stahl nicht mit Menſchenblut gefärbt war! Die Gegenwart der Soldaten, die eben von dem Schauplatze der Handlung kamen, hatte natürlich mehre von den M geführt und ihren große Soldaten ei abgeſondert Nachrichten mächtigen Zeit, wenn er einen lü mädchen. „Aber Soldaten, ſehen ſollen Eduard ſelb wie wenn e Es war leie ihnen war! Teufel!“ „Da we indem er ſe und der, hä hindert, bis „Ja— zu Rittern Tages gibt „Und we von den Um günſtigte. „Nun, der bei York slöſch⸗ n dieſe der des Stir⸗ lbſt ihre eehören, elächter es nicht Schön⸗ keit des tech und ßlichſten ie früh⸗ nden ſie zwiſchen worfenen ſchienen zu ſein el liegen; 395 von den Müßiggängern der Vorſtabt in das Gaſthaus geführt und dieſe ſtanden um den Tiſch und tranken mit ihren großen Ohren die prahleriſchen Erzählungen der Soldaten ein. An einem kleinen Tiſche, von den Zechern abgeſondert, aber offenbar mit Aufmerkſamkeit auf alle Nachrichten horchend, ſaß ein Moͤnch ernſthaft vor einem mächtigen Kruge mit ſtarkem Bier und von Zeit zu Zeit, wenn er ſeine Kaputze erhob um zu trinken, warf er einen lüſternen Blick auf eine von den Trommel⸗ mädchen. „Aber Ihr hättet ſehen ſollen,“ ſagte einer von den Soldaten, der fuͤr die Anderen ſprach—„Ihr hättet ſehen ſollen, wie die Feiglinge davon liefen, als König Eduard ſelber den Angriff anführte! Wahrlich, es war, wie wenn eine Katze in ein Kaninchengehege kommt! Es war leicht zu ſehen, daß Graf Warwick nicht unter ihnen war! Seine Leute wenigſtens fechten wie Teufel!“ „Da war aber ein großer Kerl,“ ſagte ein Soldat, indem er ſeinen Krug niederſetzte,„der tapfer focht, und der, hätten ich und meine Kameraden es nicht ver⸗ hindert, bis zum Könige vorgedrungen wäre.“ „Ja— jal wir retteten ſeine Majeſtät und hätten zu Rittern geſchlagen werden ſollen— aber heutiges Tages gibt es keine Daukbarkeit mehr!“ „Und wer war dieſer tapfere Krieger?“ fragte einer von den Umſtehenden, der insgeheim die Rebellion be⸗ günſtigte. „Nun, man ſagte, es wäre Robin von Redesdale, der bei York gegen Lord Montagu ſocht.“ 396 „Unſer Robin!“ riefen mehre Stimmen.„Ja, er war ſtets ein wackerer Kerl— der arme Robin!“ „Euer Robin und der arme Robin. Schurken!« rief der erſte Soldat.„Seht Euch vor! Was meint Ihr mit Eurem Robin?⸗ „Nun, Herr Soldat,“ ſagte ein Metzger, mit de⸗ müthiger Stimme, indem er ſeinen Kopf kratzte—„ich bitte Euch und den König um Verzeihung, dieſer Herr Robin hielt ſich eine kurze Zeit in dieſer Vorſtadt auf und war ein freundlicher Nachbar und ein trefflicher Redner. Erinnert Ihr Euch nicht, Nachbarn,“ fügte er raſch hinzu, um die Unterredung auf einen andern Gegenſtand zu richten,„wie er uns davon abbrachte, Adam Warner, den alten Teufelsbeſchwörer, in ſeiner Höhle dort zu verbrennen? Wer hätte es ſonſt thun können? Doch hätten wir gewußt, daß Robin ein Rebell gegen den lieben König Eduard ſei, ſo hätten wir ihn zugleich mit dem Zauberer geröſtet!“ Die Anführerin der Mädchen nahm ihren Arm von dem Halſe des Soldaten, blickte bei dieſen Worten auf und folgte mit ihrem Auge der Bewegung des Metzgers, als er durch das Fenſter auf die düſtere und verfallene Wohnung Adam Warners deutete. „War das das Haus, welches Ihr verbrennen woll⸗ tet?“ fragte ſie plötzlich. „Ja; aber Robin ſagte uns, der König werde die hängen laſſen, welche ſelber ſein geſegnetes Vorrecht an⸗ wendeten, die Teufelsbeſchwörer zu verbrennen, und in der That wurde der alte Adam Warner eine oder zwei Wochen ſpoͤ des Königs Als We Mönch eine ſeinem Stul Kaputze gan „Ja!* ſchuldige Urf fallenen Feß über wir in haben—„je fand er nicht der Armen- alle Arbeit i Cavalier eine bedurfte— wollte— we oder ſeiner 3 ſie nicht zur Schneider, zu ſchmied geher in Bewegung den wollenen Topf ganz ne gebraut. O. dem Seidenhe genug von de war einer vor ſich der alte ruͤhmte. 4 Ja, er 14 1!“ rief Ihr mit mit de⸗ —„ich er Herr auf und Redner. 397 Wochen ſpäter zum erſten Hexenmeiſter Seiner Majeſtaäͤt des Königs ernannt.“ Als Warners Name genannt wurde, machte der Mönch eine geringe Bewegung, näherte ſich jetzt mit ſeinem Stuhle der vorzüglichſten Gruppe und zog ſeine Kaputze ganz über ſein Geſicht. „Ja!“ rief der Handwerker, deſſen Sohn die un⸗ ſchuldige Urſache der denkwürdigen Belagerung der ver⸗ fallenen Feſtung des armen Adam geworden war, wor⸗ über wir im erſten Buche dieſer Erzählung berichtet haben—„ja, und was that er, als er dort war? Er⸗ fand er nicht eine ſcheußliche Maſchine zum Untergange der Armen— eine Maſchine, die mit des Teufels Hülfe alle Arbeit in England thun ſollte— ſo daß, wenn ein Cavalier eine Waffenrüſtung oder eine Tunika von Tuch bedurfte— wenn ſeine Dame einen wollenen Rock wollte— wenn einem Freiſaſſen ein Pflug oder Wagen, oder ſeiner Frau ein Topf oder Keſſel fehlte, ſo ſollten ſie nicht zum Waffenſchmied, zum Tuchmacher, zum Schneider, zum Weber, zum Wagner oder zum Keſſel⸗ ſchmied gehen— nein! Herr Warner ſetzt ſeine Kobolde in Bewegung und gibt Euch die Rüſtung und die Tunika, den wollenen Rock und den Wagen, den Keſſel und den Topf ganz neu von Dampf und Steinkohlen zuſammen⸗ gebraut. Oh, ich habe von meinem Bruder, der bei dem Seidenhändler, Herrn Stockton in Chape, arbeitet, genng von dem Zauberer gehört— und Herr Stockton war einer von den würdigen Deputirten, vor welchen ſich der alte Teufelsbeſchwörer ſeiner Erfindungen ruͤhmte.“ 398 „Es iſt wahr,“ ſagte der Moͤnch ploͤtzlich. „Ja, ehrwürdiger Vater; ja, es iſt wahr,“ ſagte b der Handwerker, ſeine Mütze abnehmend und ſein ge⸗ ſchwärztes Geſicht vor dem unerwarteten Zeugen ſeiner Wahrhaftigkeit verneigend. Ein Gemurmel der Wuth und des Haſſes wurde unter den Umſtehenden gehört. Die Soldaten wendeten ſich gleichgültig zu den Frauen⸗ zimmern. Es trat ein kurzes Schweigen ein und unwill⸗ kürlich neigten ſich die Gäſte über den Tiſch, um das erwähnte Haus zu ſehen, wo der teufliſche Unterdrücker b der Armuth wohnte. „Seht,“ ſagte der Bäcker,„der Rauch ſteigt noch jetzt oben aus dem Dache auf. Ich hoͤrte, er ſei zuruͤck⸗ gekommen. Die alte Madge, ſeine Dienerin, kaufte in der letzten Woche Kuchen bei mir; nur das feinſte Wetzenbrod iſt ihm jetzt gut genug. Doch Recht bleibt Recht und—* „Zuruͤckgekehrt!“ rief der zornige Handwerker,„die Enle hat ſich bisher immer in ihrem Neſte gehalten. Wäre es nicht wegen des Königs Gunſt, ſo moͤchte ich wohl die Feuer⸗ und Waſſerprobe mit dem Zauberer verſuchen!“ „Setze Dich nieder, mein Herzchen,“ flüſterte eine von den jungen Trommelmädchen dem Manne zu, der zuletzt geſprochen: „Komm, küß mich, mein Liebchen, Mit Küſſen ich handle—“ „Mach Dich fort!“ ſagte der Handwerker brummend und den verführeriſchen Arm des Mädchens von ſich ſchuͤttelnd noch einen uͤber Dich ende für? Freundes Des mäßig na hörſt das „Don ſo angere Schurke! den thörie weil die ꝛ wenn zwa ehrlichen Koͤnig C Liebchen. großer Ke von Loſec „Nur chen, inde einer jung Anführer. es war me Die 7 Blicke des werker fu weber mit bin ein ein Kinder zu „ ſagte ſein ge⸗ ghen ſeiner der Wuth n gehört. Frauen⸗ ad unwill⸗ „ um das terdrücker teigt noch ſei zuruͤck⸗ arker,„die gehalten. moͤchte ich Zauberer ſterte eine e zu, der kaufte in 399 ſchüttelnd—„mach Dich fort! Ich habe weder Liebe noch einen Pfennig für Dich und Deinesgleichen. Pfui über Dich— ein Kind von Deinen Jahren! Ein Tau⸗ ende für Deinen Rücken wäre die beſte Gefaͤlligkeit eines Freundes!“ Des Mädchens Augen funkelten, ſie griff inſtinkt⸗ mäßig nach dem Meſſer an ihrer Seite und ſagte:„Du hörſt das und ſitzeſt ſtill?“ „Donner und Wunden!“ brummte der Soldat, der ſo angeredet wurde—„mehr Reſpektvor dem Geſchlecht, Schurke! wenn ich Dir nicht mit meinem Schwertgriffe den thörichten Schädel zerſchlage, ſo geſchieht es nur, weil die rothe Grethe für ſich ſelber ſorgen kann, und wenn zwanzig ſolche Kerle kämen, wie Ihr ſeid. Dieſe ehrlichen Mädchen find mit uns im Kriege geweſen; Koͤnig Eduard mißgönnt keinem Manne ſein luſtiges Lebchen. Rede für Dich ſelber, Grethchen! Wie viel großer Kerle ſchaffteſt Du auf die Seite nach der Schlacht von Loſecote?* „Nur fünf, Heinz,“ verſetzte das kaltängige Mäd⸗ chen, indem ſie ihre glänzenden Zähne mit dem Grinſen einer jungen Tigerin zeigte—„aber der Eine war ein Anführer. Das Nächſtemal werde ich es beſſer machen; es war meine erſte Schlacht, wie Du weißt!“ Die Furchtſameren von den Umſtehenden wechſelten Blicke des Entſetzens und zogen ſich zurück. Der Hand⸗ werker fuhr mürriſch fort:„Ich ſuche keinen Streit weber mit dem Maͤdchen noch mit dem Geliebten. Ich bin ein einfacher, gerader Mann und habe Weib und Kinder zu Hauſe, die mir theuer find; und wenn ich 4⁰⁰ einen Groll auf den Teufelsbeſchwörer habe, ſo iſt es, weil er meinen armen Tim behexte. Seht!“ Und er faßte einen hübſchen blauäugigen Jungen an, der ſich an ſeine Seite gehängt hatte, entblößte des Knaben Arm und zeigte ihn den Zuſchauern; da war eine große Narbe und der ganze Arm war verſchrumpft und wie vertrocknet. „Es war meine eigene Schuld,“ ſagte der Kleine bittend. Der zärtliche Vater brachte den Leidenden durch eine Ohrfeige zur Ruhe und fahr fort:„Seht, Nachbarn, an demſelben Tage, wo der böſe Zauberer dieſen Jungen in ſeine Arme nahm— das heißt, gerade an dem Tage über drei Wochen— als er wie ein Lamm neben dem. Feuer ſtand, da fiebete meines guten Weibes Keſſel über ohne Grund oder Urſache und verbrannte ſeinen Arm, bis er zuſammenſchrumpfte gleich einem Blatt im Novem⸗ ber, und wenn das keine Hexerei iſt, warum haben wir denn Geſetze gegen die Zauberei?“ „Sehr wahr,“ ſeufzten die Umſtehenden. Der Knabe, der ſeines Vaters Schlag ohne Murren ertragen hatte, begann jetzt wieder Gegenvorſtellungen zu machen.„Das heiße Waſſer verbrühte auch die graue Katze, aber die hat Herr Warner doch nie bezauhert, Vater.“ „Er nimmt ſeine Partei!— Hört Ihr den Jungen? Er nimmt des alten Teufelskünſtlers Partei— ein ſicheres Zeichen von der Hexerei; aber ich will es aus Dir herausbläuen, ja, das will ich!“ Und der Hand⸗ werker erhob wieder ſeinen gewichtigen Arm. Diesmal erwartete Metzgers 6 „Und er le entfliehen! Die Na „O. A knirſchend melancholiſc wenn der K ſo wollte ich ehe ſein ſchu „Der K Herrn War ſagte eine ra um und ſah ſtehen.„Wiß den Elenden ſchickt hat, n Hoheit, den ſich auf unna eigenen Verw suos bonos Boͤſen prügel gweifel Alle! Kinder?⸗ ſagt, er habe und— 4 40¹ iſt es, erwartete das Kind den Schlag nicht, kroch unter des ind er Metzgers Schürze, erreichte die Thür und verſchwand. der ſich„und er lehrt unſere Kinder vor unſern Geſichtern zu enaben entfliehen!“ ſagte der Vater in kläglichem Tone. große Die Nachbarn ſeufzten aus Theilnahme mit. nd wie„O!“ rief er in heftigerem Tone, indem er zahne⸗ knirſchend ſeine geballte Fauſt gegen Adam Warners melancholiſches Haus erhob—„ich ſage noch einmal, wenn der König nicht den gemeinen Zauberer beſchützte, ſch eine ſo wollte ich das Land von ſeinen Teufeleien befreien, Kleine chbarn, ehe ſein ſchwarzer Herr ihm zu Hülfe kommen koͤnnte.“ Jungen„Der König kümmert ſich keinen Strohhalm um n Tage Herrn Warner oder ſeine Erfindung, mein Sohn,“ en dem ſagte eine rauhe und laute Stimme. Alle wendeten ſich ſel über um und ſahen den Mönch in der Mitte des Kreiſes Arm, ſihen.„Wißt Ihr nicht, meine Kinder, daß der König Novem⸗ den Elenden über Hals und Kopf aus dem Palaſte ge⸗ haben ſchickt hat, weil er den Grafen von Warwick und Seine Hoheit, den Herzog von Clarence, behexte, ſo daß fie ſich auf unnatürliche Weiſe gegen Seine Majeſtät, ihren MNurren eigenen Verwandten, erhoben. Aber manus malorum llungen suos bonos breaket— das heißt: Die Fäuſte der Böſen prügeln ihre eigenen Knochen. Ihr habt ohne Zweifel Alle von dem Mönch Bungey reden hören, meine Kinder?“ „Ja— ja!“ antworten zwei oder drei in einem Athem—„er iſt freilich ein mächtiger Zauberer; aber er that den Armen nie etwas zu Leide, obgleich man ſagt, er habe ein Wachsbild von dem Grafen gemacht und—* 4⁰² „Still— ſtill!“ ſiel der Moͤnch ein,„Alles, was Bungey that, war, Lord Warwick zu entzaubern, den jener Elende bezanbert hatte. Der arme Bungey! Er iſt ein Freund des Volks, und als er fand, daß Herr Adam eine Erfindung zu des Volkes Untergange machte, da ſparte er keine Muͤhe, die Schändlichkeit zu ver⸗ eiteln. O, wie wachte und faſtete er! O, wie oft kämpfte er mit Zähnen und Naͤgeln gegen den Teufel in Perſon, um die hölliſche Erfindung in ſeine Gewalt zu bekommen! denn wenn er die Erfindung einmal in Hän⸗ den hätte, ſo könnte er ſie zu guten Zwecken anwenden, das kann ich Euch verſichern, könnte Euch Regen für bas grüne Korn und Sonnenſchein für die reifen Ähren geben. Aber der böſe Feind behielt gleich anfangs die Oberhand, und König Eduard, der ſelber auf einen Augenblick bezaubert war, würde den Mönch Bungey haben hängen laſſen, weil er dem alten Adam in den Weg getreten, hätte er nicht dreimal mit lauter Stimme gernfer. presto pepranxenon! ſich in einen Vogel verwundelt und wäre zum Fenſter hinausgeflogen. So⸗ 5 o Adam Warner das Feld für ſich frei ſah, ſchickte er zeine Tochter ab, um Lord Haſtings zu behexen; er brachte Bruder gegen Bruder auf und machte, daß der König und der Herzog von Clarence in Feindſchaft ge⸗ riethen; er regte die Rebellion auf, und wo er inne gehalten hätte, weiß der böſe Feind allein, häͤtte nicht Ener Freund, der Mönch Bungey, der, obgleich ein Zauberer, wie Ihr ſagt, nur Euren Vortheil will und überdies ein heiliger Prieſter iſt— hätte er nicht mit Hülfe eines guten Geiſtes, den er von der Inſel Tar⸗ tarei herbe einem Tro gegen ſeine ſchickte Se⸗ in ihr altes Bungey ſe neigt ſeid, geſchick zu ans Werk: Erfindung einfallen la dem Mönc werdet, un nächſten zel ſein!“ Mi Rechnung: „Wenn indem er de „Ihr kü rerin der I Soldaten au ſelber!“ Es entf nens und S „Der M beleibte Bet geht jetzt ir ſprüche in F ſprüche, die Preis des B 3, was en, den ey! Er Herr machte, zu ver⸗ wie oft fkeufel in ewalt zu in Hän⸗ nwenden, egen für en Ähren fangs die zuf einen Bungey in den exen; er 40³ tarei herbeibeſchwor, den König entzaubert und ihn in einem Traume ſehen laſſen, was der boshafte Warner gegen ſeinen Thron und ſein Volk beabſichtigte— darauf ſchickte Seine Majeſtät Herrn Warner und ſeine Tochter in ihr altes Neſt zurück und ſchlug mit Hülfe des Mönchs Bungey ſeine Feinde aus dem Reich. Wenn ihr alſo ge⸗ neigt ſeid, eure Kinder von der Bosheit und dem Miß⸗ geſchick zu erretten, ſo könnt ihr euch mit gutem Herzen ans Werk machen, nur müßt ihr des alten Adams eiſerne Erfindung nicht berühren. Wehe euch, wenn ihr es euch einfallen laßt, dieſe zu zerſtören! Bringt ſie unverletzt dem Mönch Bungey, den ihr wieder im Palaſte ſinden werdet, und der Tagelohn für die Arbeiter ſoll in den nächſten zehn Jahren täglich um einen Pfennig höher ſein!“ Mit dieſen Worten bezahlte der Mönch ſeine Rechnung und ging majeßätiſch auf die Thüre zu. „Wenn ich Euch trauen könnte!“ ſagte Tims Vater, indem er das Gewand des Mönches faßte. „Ihr könnt es— Ihr könnt es!“ rief die Anfüh⸗ rerin der Trommelmädchen, von dem Schooße ihres Soldaten aufſpringend,„denn es iſt der Moͤnch Bungey ſelber!“ Es entſtand eine allgemeine Bewegung des Erſtau⸗ nens und Schreckens. „Der Mönch Bungey ſelber!“ wiederholte der wohl⸗ beleibte Betrüger.„Richtig, Mädchen, richtig, und er geht jetzt in den Palaſt des Tower, um gute Zauber⸗ ſprüche in Koͤnig Eduards Ohr zu murmeln— Zauber⸗ ſprüche, die boshaften Menſchen zu vernichten und den Preis des Biers herabzuſetzen. Wax Wobiscum!“ 4⁰⁴ Mit dieſem Gruß, der mehr wohlwollend als richtig war, verſchwand der Mönch aus dem Zimmer; die An⸗ führerin der Trommelmädchen ſprang gleich auf den Tiſch, ſetzte einen Fuß auf des Soldaten Schulter und ſprang durch das offene Fenſter. Sie fand den Moͤnch im Begriff, einen rüſtigen Mauleſel zu beſteigen, der an einen Pfahl vor der Thür gebunden da ſtand. „Pfui, Graul Skellet! pfut!“ ſagte der Zauberer. Habe Achtung vor meinem Moͤnchsgewande. Man darf uns nicht am hellen Tage zuſammen auf der Straße ſehen. Hier find drei Pfennige für Dich. Vade exe- crabilis— das heißt: Guten Tag, hübſcher Schelm!“ „Ein Wort, Mönch, ein Wort. Wollt Ihr, daß der alte Mann verbrannt, ertränkt oder in Stücke zer⸗ hackt werde? Er hat auch eine Tochter, die einſt unſer Handwerk zu verderben ſuchte mit ihrer Guitarre; eine Tochter, damals in einem Mieder, welches ich nicht von einer Hecke genommen hätte, die ich aber zuletzt in Sarſenet und feiner Leinwand ſah und die einen großen Lord zu ihrem Geliebten hat.“ Des Mädchens Auge erglänzte von boshaftem Neide, als ſie hinzuſetzte:„Graul Skellet ſieht nicht gern die, welche ſie in Wolle und Serge geſehen hat, in Sarſenet und feiner Leinwand einhergehen! Graul Skellet liebt nicht Mädchen, die Lords zu ihren Geliebten haben und doch vor Graul und ihren Schweſtern zurückheben wie der Geſunde vor dem Ausſätzigen.“ „Zum Henker,“ antwortete der Moͤnch ungehuldig, „ich weiß nichts gegen die Tochter zu ſagen, ein hüb⸗ ſches Mädchen, nur zu hoch für meine Küſſe, Und was lehren und Wand her „Bring noch mehr und den Za Dir das Ha bateſt. Hm! welches ein ffällt— aber und dann ſ Pudding!⸗ Das Me⸗ in die Luft, kehrte durch Dieſe ku bindung zum Zauberer un Trupp— vi der wir reden ſchäftigung a weſen, und! und in die N. kanntſchaft n denn dieſe Ki Straße exe- 4⁰⁵ den Vater betrifft, ſo will ich des Mannes Tod nicht — das heißt, nicht gerade ausdrücklich— ſonhern nur ſein Modell, ſeine Erfindung. Er kann frei ausgehen, wenn man die erlangen kann; wenn nicht— nun, das Modell auf jede Gefahr! Diene mir hierin.“ „Und wollt Ihr mir die neueſten Kartenkunſtſtücke lehren und Eure große Kuanſt, Schattenbilder an der Wand hervorzubringen?⸗ „Bringe das Modell unverſehrt und ich will Dir noch mehr lehren, Graul— des todten Mannes Licht und den Zauber des Molch— und obendrein will ich Dir das Haarnet geben, um das Du mich ſchon ſo lange bateſt. Hm!— Du haſt ein Mädchen in Deinem Trupp, welches ein glänzendes Auge hat, welches mir wohlge⸗ fällt— aber geh jetzt und gehorche mir. Erſt arbeiten und dann ſpielen— erſt das Gebet und dann der Pudding!“ Das Mädchen nickte ihm zu, ſchlug ein Schnippchen in die Luft, ſummte ein nicht allzu häuſiges Lied und kehrte durch die Thür ins Haus zurück. Dieſe kurze Unterredung zeigt dem Leſer die Ver⸗ bindung zum gegenſeitigen Vortheil, die zwiſchen dem Zauherer und dem Trommelmädchen herrſchte. Ihr Trupp— vielleicht die Mütter der Generation, von der wir reden— war dem Mönche in ſeiner alten Be⸗ ſchäftigung als Poſſenreißer und Gaukler bekannt ge⸗ weſen, und bei ſeiner Erhebung zum geiſtlichen Stande und in die Nähe des Hofes verachtete er eine alte Be⸗ kanntſchaft nicht, die ihm beim Volke nützlich war; deun dieſe Kinder des Laſters ſchienen an jedem Orte 406 gegenwärtig zu ſein, wo heiterer Zeitvertreib vorging oder wo der Kampf wüthete. Im Frieden zeigten ſie ſich bei Lußtbarkeiten und in Gaſthäuſern— im Kriege ſolgten ſie dem Lager und trieben ſich in der Nacht auf den Schlachtfeldern umher, um die Verwundeten vol⸗ lends zu tödten und die Getödteten auszuplündern. Bei Luſtbarkeiten, in Gaſthäuſern und im Lager konnten fie alſo den Ruhm des Mönchs Bungey verbreiten und ihn ſowohl wegen ſeiner ſchrecklichen Kunſt als auch wegen ſeiner herzlichen Liebe zu den Gemeinen rühmen. Auch war dies nicht Alles, ſowohl die Trommel⸗ mädchen als auch der Teufelsbeſchwörer waren Wahr⸗ ſager von Profeſſion. Sie konnten die Anekdoten aus⸗ wechſeln, die Jedes in ſeiner verſchiedenen Beſchäftigung erfuhr. Die Trommelſpielerin konnte ſo die Geheimniſſe. der Adeligen und Hofleute erfahren— der Teufelshe⸗ ſchwörer die der Bürger und Handwerker. Ohne um die furchtbaren Abſichten ihrer Nachbarn zu wiſſen, ſchöpften Sibylla und Warner in ihrem kleinen Garten die liebliche Luft des erſten Frühlingstages. Die Ungnade des Königs machte weniger Eindruck auf den Philoſophen, als man hätte vermuthen ſollen. Dieſer Verluſt der königlichen Gunſt verzögerte freilich jede praktiſche Anwendung ſeiner angebeteten Theorie unend⸗ lich und machte ſie vielleicht für ſeine Lebenszeit unmög⸗ lich, und doch tröſtete ihn gewiſſermaßen die Theorie ſelber. Im ſchlimmſten Falle konnte er einen Schüler, einen geiſtreichen Gelehrten finden, der glücklicher war als er, dem konnte er ſein Geheimniß als Erbſchaft hin⸗ terlaſſen und dieſer dagegen die Welt lehren, Ahams Namen zu und der Be und zerſtört nachzuhäͤnge auf und al weniger abr und Hoffnu ſchen Erfolg kenden Tribꝛ ſollte geprüf „Mein ſeit Jahren Jahreszeiten. Früͤhlingsluf zurück und ie wäre wieder Sihylla aber ſchwerer ſie fühlte der Vaters Wor ängſtliches N das Alter, ni getaͤuſchte We für die leiden Als ſie in das und kahlen, vernachläſſigte ſah, wurde S geſchüttelt. W niedergeſchlag orging ſie ſich Kriege cht auf en vol⸗ n. Bei nten ſie und ihn wegen ommel⸗ Wahr⸗ ten aus⸗ iftigung heimniſſe. ufelsbe⸗ 407 Namen zu verehren. Inzwiſchen war er Herr ſeiner Zeit und der Beſitzer eines Hauſes, mochte es auch verlaſſen und zerſtört ſein; es ſtand ihm frei, ſeinen Gedanken nachzuhängen, und als er daher in dem kleinen Garten auf und abging, war ſein Tritt leichter, ſein Geiſt weniger abweſend, als da ihn eine fieberhafte Furcht und Hoffnung erfüllte wegen des unmittelbaren prakti⸗ ſchen Erfolges eines Grundſatzes, der vor dem ſchwan⸗ kenden Tribunal des Vorurtheils und der Unwiſſenheit ſollte geprüft werden. „Mein Kind,“ ſagte der Weiſe,„zum erflenmal ſeit Jahren empfinde ich wieder den Unterſchied der Jahreszeiten. Ich fühle, daß wir in der angenehmen Frühlingsluft ſpazieren gehen; junge Tage kehren wieder zurück und ich könnte mir faſt einbilden, Deine Mutter wäre wieder an meiner Seite!“ Sibylla drückte ihres Vaters Hand und ein ſanfter, aber ſchwerer Seufzer bewegte ihre roſigen Lippen. Auch ſie fühlte den Balſam des jungen Jahres; doch ihres Vaters Worte unterbrachen bei ihr ein trauriges und ängſtliches Nachdenken. Nicht für die Jugend wie für das Alter, nicht für die liebende Phantaſie wie für die getäuſchte Weisheit hat die Abgeſchiedenheit Reize, die für die leidenſchaftliche und thätige Welt entſchädigen! Als ſie in das alte Hans zurückkehrte und die troſtloſen und kahlen, mit Moder überzogenen Wände und den vernachläſſigten, mit Unkraut überwachſenen Garten an⸗ ſah, wurde Sibylla von einem Schauder des Schreckens geſchüttelt. War ihr Ehrgeizwieder zu ſeinem ehemaligen niedergeſchlagenen Zuſtande herabgeſunken? Waren alle 408 ihre Hoffnungen, die Beſitzungen ihrer Vorfahren wieder herzuſtellen, den Ruhm ihres theuren Vaters zu recht⸗ fertigen, in dieſe ſchmutzige und widerwärtige Dürftig⸗ keit zuſammengeſchrumpft— die Schmetterlingsfluͤgel wieder zuſammengefaltet zu der Erſtarrung der Chryſa⸗ lide? Die ungeheure Kluft zwiſchen ihr und Haſtings war ihr am Hofe nicht ſo aufgefallen— hier in ihrem heimiſchen Hauſe ſprachen die Wände ſelbſt ſie deutlich aus. Als Eduard die unwillkommenen Zeugen ſeines beabſichtigten Verbrechens entlaſſen, hatte er Befehle gegeben, daß ſie auf den verborgenſten Wegen in ihre Wohnungzurückgeführt werden ſollen. Natürlich wünſchte er keine neugierigen Bemerkungen über ihre Entfernung zu veranlaſſen. Unbemerkt von ihren Nachbarn waren Sibylla und ihr Vater durch die Gartenpforte in ihr Haus gelangt. Die alte Madge empfing ſie mit Schrecken, denn ſie hatte Sibylla wöchentlich einmal im Palaſte beſucht und vermöge der Vertraulichkeit, die zwiſchen dem Mädchen und der alien Dienerin herrſchte, einige Einſicht in ihr Herz erlangt. Sie hatte die lieblichſten Hoffnungen wegen des Schickſals ihrer jungen Gehie⸗ terin gehegt— und jetzt war ſie zur Arbeit und Dürf⸗ tigkeit zurückgekehrt! Die Wache, die ihn begleitet hatte, ließ auf Eduards Befehl einige Goldſtücke zurück, die Adam zurückwies, die aber Magde heimlich annahm und auf verſtändige Weiſe ausgab. Und dies war all ihr Reichthum. Aber Sibylla dachte nicht an Arbeit oder Dürftigkeit; ſie dachte nur an Haſtings— unaufhoͤr⸗ lich, leidenſchaftlich und vertrauensvoll an den abwe⸗ ſenden Haſtings. O! er mußte ſie ja aufſuchen— er mußte kom noch theure bald, warn ſeinem Po⸗ Oh, m geliebte Br Mann von Zeit der Lie ſeufzte und hat ihre So Der Pf und breitete Und als Si Marmaduke und er von heiteren Ho ſchweigend n auch mir die Ehrgeiz und Und nun, m Mann bereich Gefahr oder! bahn weiter z Herz kühn wa das Weib, zz Verachtung un im Stande zu Überlegenheit dieſer Coutraf des Mannes, Bulwer, Bö wieder recht⸗ ürftig⸗ sfluͤgel Ihryſa⸗ aſtings ihrem deutlich ſeines Befehle in ihre vünſchte ffernung a waren e in ihr chrecken, 4⁰⁹ mußte kommen— ihre Zurückhaltung mußte ſie ihm nur noch theurer machen! Haſtings kam nicht. Sie erfuhr bald, warum. Krieg drohte dem Lande— er war an ſeinem Poſten an der Spitze der Armeen. Oh, mit welcher Rüſtung von Gebeten ſuchte ſie die geliebte Bruſt zu beſchirmen! Und nun ſprach der alte Mann von dem geſegneten Frühling, von der feſtlichen Zeit der Liebenden und der Liebe; das junge Mädchen ſeufzte und ſagte in ihrem traurigen Herzen:„Die Welt hat ihre Sonne— wo iſt die meine?“ Der Pfau ſchritt zu ſeiner armen Beſchützerin hin und breitete ſeine Federn in lieblichen Strahlen aus. Und als Sibylla ſich des Tages erinnerte, wo ſie mit Marmaduke an der Stelle auf und ab gegangen war und er von ſeiner Jugend, ſeinem Ehrgeize und ſeinen heiteren Hoffnungen geſprochen hatte, während ſie ſchweigend und zerſtreut bei ſich ſelber gedacht:„Wäre auch mir die Welt geöffnet wie ihm— auch ich beſitze Ehrgeiz und auch der meine ſollte ſein Ziel erreichen!“ uUnd nun, welcher Unterſchied zwiſchen ihnen— der Mann bereichert und geehrt, wenn anch einen Tag in Gefahr oder im Exil, morgen wieder frei in ſeiner Lauf⸗ hahn weiter zu gehen— die Welt ſein Vaterland, deſſen Herz kühn war und deſſen Name makellos! Und ſie— das Weib, zu ihrer einſamen Heimath zurückgebracht, Verachtung um ſie her, ohnmächtig zur Rache und nicht im Stande zu fliehen! Warum?— Sibylla fühlte die Überlegenheit ihres Geiſtes und ihrer Natur— warum dieſer Contraſt? Der glückliche Erfolg war auf Seite des Mannes, die Troſtlofigkeit auf Seiten des Weibes. Bulwer, Barone, II. 27 4¹⁰ Wehe dem Manne, der ſeinem Zeitalter vorauseilt; aber nie hat es ein Zeitalter gegeben, wo Genie und Ehrgeiz ſichere Fähigkeiten für das Weib ſind! Vater und Kind kehrten in ihr Haus zurück; der Tag neigte fich; Adam ſtieg zu ſeinem Stuhirzimmer hinauf und Sibylla ſuchte ihre Dienerin auf. „Welche Nachrichten, oh, welche Nachrichten! Der Krieg iſt zu Ende, ſagſt Du? Der große Graf mit ſei⸗ ner liebenswürdigen Tochter ſicher auf der See; aber Haſtings, o Haſtings! was weißt Du von ihm 7 „O meine liebe Dame, ich habe Euch nichts als gute Nachrichten zu bringen. Ich ſah und ſprach einen Sol⸗ daten, der unter Lord Haſiings ſelber diente; er iſt un⸗ verletzt in London; aber man ſagt, daß einer von ſeinen Truppen in der Vorſtadt einquar tirt iſt und daß das Gerücht von dem Aufſtande in Hertſordſhire ſich ver⸗ breitet hat.“ „Wann werden England und ich Frieden haben?“ ſeufzte Sibylla. Viertes Kapitel. Die Gerechtigkeit dieſer Welt und die Weisheit unſerer Vorfahren. Die Nacht hatte jetzt begonnen und Stbylla hörte noch mit unaufmerkſamem Ohr dem Geplauder der ehr⸗ würdigen Alten zu. Sie ſaßen Beide im kleinen Zimmer, welches an die Halle ſtieß und ihr einziges Licht fiel durch die Thür, die in den Garten füͤhrte— ein grauts der Nachti ſich auf de ſanft aus d und die Fri im ſanftem — es war nute zu Mi aus und deu ihrer Träun Zwergartige dieſe Erſchei Schrecken de einen kleinen der offenen 2 „He, Ki Du?“* „Still, iſt gut. Stil ins Zimmer. zu retten. Ir brochen und ben klatſchen Freudenfener. ſich bereit. H Die Tromme t; aber Ehrgeiz der Tag hinauf en! Der mit ſei⸗ e; aber 4 als gute nen Sol⸗ er iſt un⸗ on ſeinen daß das ſich ver⸗ Hhaben?“ mſerer llla hörte der ehr⸗ Zimmer, 411 undeutliches Zwielicht, welches durch einige der früheſten Sterne erhellt wurde. Der Pfau, ſeinen Kopf unter dem Flügel, ſtand auf der Bruſtwehr und der Geſang der Nachtigall aus dem benachbarten Wäldchen, welches ſich auf dem Jagdrevier von Marybone befand, drang ſanft aus der Ferne durch die heitere Luft. Der Balſam und die Friſche des Frühlings waren in dem Thau und im ſanftem Duft der Kräuter und Blätter zu bemerken — es war als könne man deutlich und ſichtbar von Mi⸗ nute zu Minute den ſegensreichen übergang des Aprils zum Mai bemerken. Plötzlich ſtieß Madge einen Schrei des Schreckens aus und deutete auf die Gartenmauer. Sibylla fuhr aus ihrer Träumerei auf, blickte empor und ſah etwas Zwergartiges auf der Höhe ſitzen. Gleich darauf ſprang dieſe Erſcheinung leicht in den Garten hinunter und der Schrecken der Frauenzimmer wurde verringert, als ſle einen kleinen Knaben durch das Gras ſchleichen und ſich der offenen Thüre nähern ſahen. „He, Kind!“ ſagte Madge aufſtehend.„Was willſt Du?“* „Still, gute Frau. Ach! das junge Fräͤulein? Das iſt gut. Still, ſage ich noch einmal.“ Der Knabe trat ins Zimmer.„Ich komme zur rechten Zeit, um Euch zu retten. In einer halben Stunde wird Euer Haus er⸗ brochen und vielleicht niedergebrannt werden. Die Kna⸗ ben klatſchen in die Hände bei dem Gedanken an das Frendenfener. Vater und die ganze Nachbarſchaft halten ſich bereit. Horch! Horch! Nein, es iſt nur der Wind! Die Trommelmädchen wollen has Zeichen geben. Wenn 412 Ihr ihre Schellen klingeln hört, da kommt das Volk zuſammen. Lauft ſo ſchnell Ihr könnt, Ihr und der alte Mann, und ſagt nicht, daß es der arme Tim war, der Euch dies ſagte, denn mein Vater würde mich zu Tode ſchlagen. Ihr könnt noch durch den Garten auf die Fel⸗ der entfliehen. Schnell!“ „Ich will zum Herrn gehen,“ rief Madge aus dem Zimmer eilend. Das Kind ergriff im Dunkeln Sibylla's kalte Hand. „Und ich ſage Ench, Fräulein, wenn Euer Vater wirk⸗ lich ein Zauberer iſt, ſo laßt ihn nicht meinen Vater und meine Mutter, den armen Tim ober meine kleine Schweſter beßrrafen, obgleich Tim einſt unartig war und den guten Herrn Warner ſchimpfte. Gar oft habe ich ſein freundliches, mildes Geſicht im Schlafe geſehen, gerade ſo wie er ſich über mich neigte als ich zappelte und ſchrie und der arme Herr ſagte:„Meinſt Du, ich würde Dir etwas zu Leide thun?4 Aber er wird mir jetzt verzeihen, nicht wahr? Und als ich mich mit dem ſiedenden Waſſer beſchüttete, und die Leute ſagten, es ſei von dem Zauberer, da ſchmerzte mein Herz mehr als mein Arm. Aber ſie ſchlagen mich und ſagen, der Teufel ſei in mir, wenn ich nicht ſage, der Keſſel habe ſich von ſelber umgekehrt! Oh, dieſe Trommelmädchen! Fräͤu⸗ lein, ſahet Ihr ſie je? Sie erſchreclen mich! Wenn Ihr nur hören könntet, wie ſie die ganze Nachbarſchaft gegen Euch aufbringen! Und ihr Lachen— es macht, daß mir das Haar zu Berge ſteht! Aber Ihr werdet da⸗ von kommen und Tim dafür danken. Oh, ich werde dann lachen, wenn ſie das alte Haus leer finden 1 hielt eine K der in der iſt dies?“ ſein? Kön habe ich get um dies zu v „Komm Thränen tro Mannes ſog wachend.„2 Haupt, denn Der Kue Mann mit de er aber dieſe verſchwand ſe dankhare Ehr Als der alte 2 gelbes Haar Jugend— G Gott gebe Di das Deine!* Kaum we Straße tromn und dann fiel wiederhallte ve 3 Volk eer alte ir, der Tode ie Fel⸗ us dem 2 Hand. er wirk⸗ a Vater ee kleine war und habe ich geſehen, zappelte Du, ich 2 B. = = 8S 5. 2= 413³ „Möge der gute Gott Dich ſegnen— Dich ſegnen, Kind,“ ſchluchzte Sibylla, indem ſie den Knaben in ihre Arme drückte und ihn kuͤßte, während ihre Thraͤnen ſeine Wangen benetzten. Ein Licht ſchimmerte auf der Schwelle— Madge hielt eine Kerze in der Hand und erſchien mit Warner, der in der Eile Hut und Mantel angelegt hatte.„Was iſt dies?“ ſagte der arme Gelehrte.„Kann es wahr ſein? Können die Menſchen ſo grauſam ſein? Was habe ich gethan? Wehe mir! Was habe ich gethan, um dies zu verdienen?“ „Kommt ſchnell, lieber Vater,“ ſagte Sibylla, ihre Thränen trocknend und bei der Gegenwart des alten Mannes ſogleich zum Muthe und zur Thätigkeit er⸗ wachend.„Aber lege Deine Hand auf dieſes Knaben Haupt, denn er iſt es, der uns gerettet hat.* Der Knabe zitterte im erſten Augenblick, als der Mann mit dem langen Barte ſich zu ihm wendete; als er aber dieſe ſanften Augen bemerkte und erkannte, da verſchwand ſein Aberglaube und es war eine heilige und dankbare Ehrfurcht, die ſein junges Blut durchbebte. Als der alte Mann ſeine verſchrumpften Hände auf ſein gelbes Haar legte und murmelte:„Gott ſchütze Deine Jugend— Gott mache Dein Mannesalter würdig— Gott gebe Dir Kinder in Deinem Alter mit Herzen wie das Deine!“ Kaum war das Gebet beendet, als man auf der Straße trommeln und ſchellen hörte. Einmal, zweimal und dann fiel der Chor mit wildem Geſchrei ein und wiederhallte von Winkel zu Winkel, von Haus zu Haus. 414 „Lauft— lauft!“ rief der Knabe, vor Schrecken erbleichend. „Aber meine Eureka— meine Hoffnung— meines Geiſtes Kind!“ rief Adam, ploͤtzlich an der Thür ſiill ſtehend. „Ei, die iſt zu ſchwer, um ſie von der Stelle zu be⸗ wegen,“ ſagte Madge, ihn vorwärts ſchiebend;„Ihr würdet ſte nicht heben koͤnnen. Denkt an Euer eigenes Fleiſch und Blut— an Enre Tochter— an ihre todte Mutter. Rettet ihr Lehen, wenn Euch an Eunrem eige⸗ nen nichts liegt!“ „Geh, Sibylla, geh— und Du, Madge— ich will dableiben. Was liegt an meinem Leben, es war nur der Diener eines Gedankens! Kommt der Herr um, ſo mag auch der Sklave umkommen!“ „Vater! wenn Du nicht mitkommſt, ſo gehe ich nicht von der Stelle. Fliehe oder komme um— Dein Schickſal iſt das meine! Noch eine Minute— o Him⸗ mel der Gnade, welch' ein Brüllen!— und wir find Beide verloren!“ „Geht, Herr, geht! Es liegt ihnen nichts an Eurem Eiſen— Eiſen kann nicht fühlen. Das werden ſie nicht anrühren! Habt Ihr nicht Eurer Tochter Leben auf Eurer Seele?“ „Sibylla— Sibylla, verzeihe mir! Komm!“ ſagte Warner, der durch dieſe Anrede gerührt wurde. Madge und der Knabe eilten voraus— die Alte ſchloß die Gartenpforte auf— Sibylla und ihr Vater gingen hinaus— das Feld erſtreckte ſich ruhig und ein⸗ ſam vor ihnen— der Knabe ſprang an Sibylla empor und küßle Goldſtücke, übrig ware trug und m ſie, ehe mar Es iſt lehrte. Die ede Vaters nicht Fußtritte, p blaue Luft e „Der 3 berer, der d gerufen und Adam ſi Seite. „)Der 3 zelne durcht melmädchen Adam m recken neines r ſtill zu be⸗ Ihr eigenes etodte n eige⸗ es war err um, 41⁵ und küßle ihre bleiche Wange, dann eilte er über das Gras dahin und verſchwand. „Bleibe nicht zurück, Madge, komm!“ rief Sibylla. „Nein,“ ſagte die Alte zuruͤckweichend, ſie hegen kelnen Groll gegen mich; ich bin zu alt und würde Euch nur beläſtigen. Ich will dableiben und vielleicht das Haus retten und die Sachen und meines armen Herrn vortreffliche Erfindung. Still! Ihr wißt, ſein Herz würde brechen, wenn Niemand da wäre, um ſie zu ſchützen.“* Mit dieſen Worten ſteckte die getreue Dienerin die Goldſtücke, die ihr noch von dem Geſchenke des Königs übrig waren, in die Taſche, welche Sibylla am Gürtel trug und machte dann die Thür wieder zu und verriegelte ſie, ehe man ſie zurückhalten konnte. „Es iſt Unrecht, fie zurückzulaſſen,“ ſagte der Ge⸗ lehrte. Die edle Sibylla konnte dieſen Ausſpruch ihres Vaters nicht widerlegen. In der Ferne hoͤrten ſie viele Fußtritte, plötzlich fuhr ein dunkelrothes Licht in die hlaue Luft empor, das Licht von vielen Fackeln. „Der Zauberer— der Zauberer! Tod dem Zau⸗ berer, der die Aemen aushungern wollte!“ wurde laut gerufen und von vielen Stimmen wiederholt. Adam ſtand bewegungslos da und Sibylla an ſeiner Seite. Der Zauberer und ſeine Tochter!“ ſchrie eine ein⸗ zelne durchdringende Stimme, die Stimme des Trom⸗ melmädchens Graul. Adam wendete ſich um.„Fliehe mein Kind— jetzt 4¹⁶ drohen ſte Dir. Komm— komm— komm!* Hierauf grünen Alleen faßte er ihre Hand und eilte über die Felder, indem ihre Schatten unregelmägig auf den vom Sternenlicht be⸗ ſchienenen Raſen ſpielten. Der Vater hatte alle andern Gebanken— alle andern Sorgen vergeſſen, als die für ſeiner Tochter Leben. Enblich blieben ſie außer Athem und erſchöpft ſtehen: die Töne waren nur leiſe und ge⸗ dämpft aus der Ferne zu hören. Sie ſahen nach der Rich⸗ tung des Hauſes hin, welches fle verlaſſen hatten, und er⸗ warteten den Himmel von den Flammen deſſelben gerothet zu ſehen; aber Alles war dunkel— oder vielmehr kein anderes Licht, als das der heiligen Sterne und des auf⸗ gehenden Mondes beleidigte den majeſtätiſchen Himmel. „Sie können dem armen alten Weibe nichts zu Leide thun, ſagte Warner: ſie hat keine Kenntniß von meiner Wiſſenſchaft. Auf ihr graues Haupt fällt nicht der Fluch des Haſſes!“ „Du haſt Recht, Vater; als die grauſamen Men⸗ ſchen fanden, daß wir entflohen waren, haben ſie ſich ohne Zweifel zerſtreut. Aber ſie könnten Dich dennoch aufſachen. Stütze Dich auf mich, ich bin ſtark und jung. Noch eine Anſtrengung und wir erreichen die ſichern Gebüſche des Jagdreviers.“ Kaum waren dieſe Worte ausgeſprochen, als ſie auf dem Wege, den ſie eben verlaſſen hatten, Fackellicht ſahen und hörten, wie der Pöbel ſte verfolgte. Aber das dichte Gebüſch mit ſeinem blaßgrünen Laube, welches eben hervorſproßte, war nahe. Sie flohen weiter: das Wild ſprang aus dem hohen Farnkraut auf, hlieb aber ſtehen und ſah ſie ohne Furcht an; die Hagſen in den —— bei den harn Dickicht am J niederſanken, als hießen fie kommen. Sie Aber in il dem dunklen F ſtarke Thür n und brach in d tete, verbreitet „Tod dem Za der Männer ſe wänder der Te Seene für dief und die Aufreg waren, jene en in den wilden Blutdurſt finde kennen, und w entweihen— nichtet iſt. Eine Thür der vereitelten? Treppe zu dem eine kleine vert Vater zerſchlug Menge ſtürzte ſamen und bun die trine Madg 417 grͤnen Alleen ſtellten ihre nächtlichen Spiele nicht ein bei den harmloſen Fußtritten; und als ſie endlich im be⸗ Dickicht am Fuß einer rieſenhaften Eiche auf das Moos dern V niederſanken, da ſangen die Nachtigallen über ihnen, für als hießen ſie ſie mit ihren melancholiſchen Tönen will⸗ ihem kommen. Sie waren gerettet! ge⸗ Aber in ihrem Hauſe waren wüthende Geſichter bei ſtarke Thür nicht erbrechen konnte, erſtieg die Mauer und brach in das Fenſter ein, welches die Halle erleuch⸗ kein tete, verbreitete ſich dann durch alle Zimmer und brüllte: „Tod dem Zauberer!“ Unter den ſchmutzigen Kleidern der Männer ſchimmerten die mit Flittern beſetzten Ge⸗ Leide wänder der Trommelmädchen. Dies war eine paſſende einer Seene für dieſe teufliſchen Geſchöpfe, welchen Bosheit luch nund die Aufregung der ſtürmiſchen Leidenſchaften theuer waren, jene ewigen Furien des Pöbels, die ihr Element MNen⸗ in den wilden Stimmen wahn ſinniger Männer und im ſich Blutdurſt finden— unter welchem Namen wir ſie auch noch kennen, und welche Zeit ſie auch durch ihre Gegenwart ng. entweihen— Weiber, in welchen die Weihlichkeit ver⸗ Hern nichtet iſt. Eine Thür nach der andern wurde mit dem Geſchrei auf der vereitelten Rache aufgeriſſen; endlich ſtiegen ſie die Treppe zu dem kleinen Thurme hinauf— ſie fanden das eine kleine verriegelte und verſchloſſene Thür. Tims ſches Vater zerſchlug die Thür mit einer ungeheuren Axt; die das Menge ſtürzte hinein— und da fanden ſie unter ſelt⸗ ber ſamen und bunten Kleidungsſtücken und Hausgeräthen die treue Madge. Die arme Alte hatte an dieſen Ort, Nich⸗ b dem dunklen Fackellichte zu ſehen; die Menge, welche die 8 — B — 448 der ihr als bie Feſte bes Hauſes erſchien, jeden tragbaren Gegenſtand gebracht, der entweder von Werth oder ihr wegen der damit verbundenen Erinnerung koſtbar ſein mochte. Sibylla's Guitarre, Marmaduke's Geſchenk, lag unter den Hausgeräthen und Werkzeugen— ein ver⸗ blichenes Kleid ihrer verſtorbenen Mutter, von Magde und Sibylla gleich ſehr geſchätzt als eine Reliquie der heiligen Liebe— einige zinnerne Teller und Becher, welche rein und blank zu erhalten der Stolz des Herzens der alten Madge war, alte Vorhänge und eine zerbrochene ſilberne Tuchnadel, ein Liebesgeſchenk, welches Madge in ihren jungen Tagen erhalten— dieſe und ähnliche Uberbleibſel des Putzes und Prunks, unſchätzbare Klei⸗ nodien der häuslichen Erinnerung und Zärtlichkeit lagen verwirrt aufgehäuft— und das ungeheure Modell, vor welchem ſtumm und ruhig die wackere Alte ſaß. Die Menge blieb ſtehen und ſah ſich in abergläubi⸗ ſchem Schrecken und ſtummer Verwunderung um. Die Anführerin der Trommelmädchen ſprang vor⸗ wärts:„Wo iſt Dein Herr, alte Hexe, und wo das hübſche Mätchen, welches Lords bezaubert und uns kühne Mädchen verachtet?⸗ „Ach! Der Herr und das Fräulein ſind ſchon ſeit Stunden fort! Ich bin nur allein im Hauſe; was iſß Euer Wille?“ „Die Alte ſieht verdammt hexenmäßig aus!“ ſagte Tims Vater ſich bekreuzend und vor ihren grauen un⸗ ruhigen Augen zurückweichend. Und in der That ſtimmle die alte Madge mit ihrem runzligen Geſichte, ihrer Knochengeſtalt und ihrer hohen Mütze weit mehr mit den Anſichten mit der ſcht mit ſeinem „Das Keſſelflicker Pferdeſchw „Fort: dieſem mend „Nein, Geſchöpf be kehrt. Es li wird— J „daß ich der als Robin: — verbrem Dieſe T hätte nicht hatte, um zu erfüllen, auf ihren l es von der 6 die andern ſchmack zuſa blichene Ki⸗ glücklichen? berne Tuchn die Guitarre Dieſe v. Alten: ihr Andern ſpra gbaren der ihr ar ſein enk, lag ein ver⸗ Magde qute der Becher, Herzens brochene Madge ähnliche re Klei⸗ eit lagen dell, vor 419 Anſichten des Volks von einer Perſon überein, die es mit der ſchwarzen Kunſt zu thun hat, als Adam Warner mit ſeinem ſchoͤnen Geſichte und ſeiner edlen Miene. „Das iſt in der That wahr,“ ſagte ein buckliger Keſſelflicker,„wenn wir verſuchten, ſie dort in die Pferdeſchwemme zu tauchen, ſo würde es nichts ſchaden.“ „Fort mit ihr! fort!“ riefen mehre Stimmen bei dieſem menſchlichen Vorſchlage. „Nein, nein,“ ſagte der Bäcker, oſie iſt ein ſanftes Geſchöpf bei alle dem und hat viele Jahre mit mir ver⸗ kehrt. Es liegt mir nichts daran, was aus dem Zauberer wird— Jebermann weiß,“ fügte er mit Stolz hinzu, „daß ich der erſte war, der ſein Haus anzünden wollte, als Robin mir widerſprach!— Aber Recht bleiht Recht — verbrennt den Herrn und nicht die Magd!“ Dieſe Vermittlung möchte berückfichtigt worden ſein, hätte nicht Graul Skellet, die zwei ſtarke Kerle gedungen hatte, um den gewünſchten Zweck des Mönchs Bungey zu erfüllen, ihre Hände an das Modell gelegt, während auf ihren lauten Befehl die Männer ſich näherten und es von der Stelle entfernten. Zu gleicher Zeit bemerkten die andern Mädchen die Gegenſtände, die ihrem Ge⸗ ſchmack zuſagten und warfen ſich, die eine über das ver⸗ blichene Kleid her, welches Sibylla's Mutter in ihrer glücklichen Jugend getragen— eine andere über die ſtl⸗ berne Tuchnadel der armen Magde und eine dritte uͤber die Guitarre. Dieſe verſchiedenen Angriffe erregten die Wuth der Alten: ihr Angſtgeſchrei, als ſie von der Einen zu der Andern ſprang, zur Rechten und zur Linken mit ihren 420 ſchwachen Armen um ſich ſchlug, während ihre Geſtalt vor Leidenſchaft zitterte, war zugleich lächerlich und kläglich anzuſehen. Die Mädchen antworteten mit lauten Ausrufen und erwiderten das Kratzen mit Kratzen und den Schlag mit einem Schlage. Die Zuſchauer wurden aufgeregt bei dem Anblick des Widerſtandes. Der bucklige Keſſelflicker, deſſen unreine Phantafle eine von den Trommelmädchen mächtig erwärmt hatte, eilte dieſer Heldin zu Hülfe; und wüthend gemacht, als er plötzlich zehn Nägel in ſeinem Geſichte fühlte, verſetzte er dem armen Geſchöpf einen Schlag, der ſie betäubte, er hob ſie dann auf ſeinen Armen— denn verwachſen und ſchwach, war die Alte ſo leicht, wie Haut und Knochen es nur ſein konnten— und trug ſte, von einem Dutzend ſeiner brüllenden und lachenden Kameraten begleitet, die Treppe hinunter. Tims Vater, der, ent⸗ weder aus väterlicher Zärtlichkeit oder wahrſcheinlicher aus eiferſüchtigem Haſſe und Vorurtheil, daß er der In⸗ duſtrie ſchaden werde, nach Adams Untergange ſtrebte, rief einige von ſeinen wüthenden Kameraden in den Garten, folgte den Fußtritten der Flüchtlinge und ſetzte die fruchtloſe Verſolgung fort. Mehr zum Scherz als aus Grauſamkeit eilte der Pöbel mit einer Schaar von betrunkenen Lehrlingen und lärmenden Knaben zu der Stelle, wohin der bucklige Keſſelflicker ſeine bewußtloſe Laſt trug. In dem ſchmutzigen grünen Pfuhl neben Sancroft's Gaſthauſe ſpiegelte ſich der Schein der Fackeln; ſechs von den Trommelmädchen tanzten zu ihrer mißtönenden Muſil und gaben mit einem Liede das Signal zu der Hexenprohe: Um Wa Iſt Tar Hel Liru Und währer Geſchrei un hörte man Decke der L und dann te „Der 2 einmal!“ ſa „Nein, verſucht es rief die roth „Zum. flicker, als Körper faßt „Todt! Unrecht geth kehrte manc Recht iſt Re „Aber d ſagte der bu war, warun garſtigen Ge Die Um aber auch ihr 421 Um den Teich ſich flugs geſchwenkt, Waſſer nicht die Hex' ertränkt. Iſt'ne Hex' ſie oder nicht? Taucht ins Waſſer ihr Geſicht! Hebt ſie, ſchwingt ſie, eins, zwei, drei, Hebt ſie, ſchwingt ſie über'n Rand, Lirum larum— eins, zwei, drei— Sink, ſo wirſt Du nicht verbrannt!— Und während die letzte Zeile bei dem lauten Lachen und Geſchrei und den klirrenden Trommeln geſungen wurde, hörte man etwas in das trübe Waſſer fallen; die grüne Decke der Oberflaͤche theilte ſich mit gurgelndem Tone und dann teat ein tiefes Schweigen ein. „Der Teufel hole die Hexe!— Sie regt ſich nicht einmal!“ ſagte der bucklige Keſſelflicker endlich. „Nein, nein! ſie kümmert ſich nicht ums Waſſer— verſucht es mit dem Feuer! Heraus mit ihr! heraus!“ rief die rothe Grethe. „Zum Hentker! ſie iſt halsſtarrig!“ ſagte der Keſſel⸗ ſlicker, als er mit ſeinen dürren Fingern den todten Körper faßte und ihn am Rande fallen ließ. „Todt!“ ſagte der Bäcker ſchaubernd,„wir haben Unrecht gethan— ich ſagte es Euch vorher! Sie ver⸗ kehrte manches Jahr mit mir. Die arme Madhge!— Recht iſt Recht. Sie war keine Hexe!“ „Aber dies war das einzige Mittel, es zu erkennen,“ ſagte der bucklige Keſſelflicker;„und wenn ſie keine Hexe war, warum ſah ſie denn ſo aus?— Ich kann keine garſtigen Geſichter leiden!“ Die Umſtehenden ſchüttelten die Köpfe. Wie groß aber auch ihre Reue war, ſie wurde durch ein zwiefaches 42² Geräuſch abgelenkt— erſtens durch ein lautes Hurrah von Einigen vom Pöbel, die der Beute wegen zurück⸗ geblieben waren, jetzt aus Adams Hauſe hervorkamen und die eroberte Eureka im Triumphe dahertrugen, während die ſchreckliche Graul, ihre Trommel ſchwingend, vor ihnen hertanzte— und zweitens durch den Ton einer Trompete aus der Ferne, während ein wackerer Trupp zu Fuß und zu Pferde, mit Lanzen und Bannern die Straße heraufmarſchirte. Lord Haßtngs führte in Perſon eine Abtheilung der königlichen Macht gegen einen neuen Ausbruch der Rebellen, keine zehn Meilen von der Stadt unter Sir Geoffrey Gates, der kürzlich von Lord Howard bei Southampton gefangen genom⸗ men— wieder entflohen war und einen ungeordneten Trupp ſolcher unruhigen Leute zuſammengebracht hatte, welche ſtets geneigt waren, an einem Aufſtande Theil zu nehmen, und jetzt London ſelbſt bedrohte. Bei dem Ton der Trompete zerſtreute ſich die Menge nach allen Richtungen, denn ſelbſt in jenen Tagen empfand der Poͤbel einen inſtinktmäßigen Schrecken bei der Annähe⸗ rung des Militaͤrs. Bei dem Tone der kriegeriſchen Muſik ließen dieſe 1 Trommelmädchen ihre Inſtrumente ſchweigen, und an⸗ ſtatt zu fliehen, eilten ſie durch die Menge, um ihre ganze Bande zuſammenzubringen und ſich zu berathen. Graul deutete auf Sanerofts Gaſthaus und flüſterte den Trä⸗ gern der Eureka zu, für jetzt dort Zuflucht zu ſuchen und ihre Beute in der Morgendämmrung zum Moͤnch Bungey in den Tower zu tragen; dann ſchlüpfte ſie gewandt durch die fl Kreiſes, de „Ihr u Anführerin. „Ja— „Aber r ich bin matt Das ro⸗ verſetzte ihre ermüdet, A ſind 14 Die Tro junge Schwe und da ſtand Hälſen— er Athem und und die rafſe die das Blutt chen von ihrer eine nahe Se Hütten niede vorüber— e Reiter und F ſie durch die Soldaten au ſchlichen ſich: folgten dem; ſtillen und ver Thiere, durch Löwen auf ſen 423 urrah durch die fliehende Menge und ſprang in die Mitte des urück⸗ Kreiſes, den ihre Geſellſchafterinnen bildeten. kamen„Ihr wittert die bevorſtehende Schlacht,“ ſagte die rugen, Anführerin. ngend,„Ja— ja— ja!“ antwortete die Schweſterſchaft. n Ton„Aber wir find ſeit Mittag meilenweit gegangen— ackerer ich bin matt und ermüdet,“ ſagte Eine unter ihnen. annern Das rothe Gretchen, die Jüngſte von der Bande, zrte in verſetzte ihrer Kameradin eine Ohrfeige.„Matt und gegen ermüdet, Weibsbild, da Blut und Beute zu erwarten Meilen ſind!“ kürzlich Die Trommelmädchen lächelten grimmig über ihre genom⸗ jange Schweſter; aber die Anführerin flüfterte:„Still!⸗ edneten und da ſtanden ſie einige Sekunden mit ausgeſtreckten thatte, Hälſen— erweiterten Naſenflügeln— mit angehaltenem ſe Theil Athem und horchten auf die Trompete und die Hufe Bei dem und die raſſelnde Rüſtung— dieſe menſchlichen Geier, ih allen die das Blutbad witterten; dann, gehorſam einem Zei⸗ nd der chen von ihrer Anführerin, ſchlichen ſie ſich leiſe und raſch in nnähe⸗ eine nahe Seitengaſſe, wo ſie ſich neben den ſchmutzigen Hütten niederbückten und verbargen. Der Trupp zog dieſe vorüber— eine tapfere und entſchloſſene Schaar— uh an⸗ Reiter und Fußvolk, etwa fünfzehnhundert Mann. Als e ganze ſie durch die Straße zogen und der Fußtritt der letzten Graul. Soldaten auf dem ſternbeſchienenen Boden ertönte, Trä⸗ ſchlichen ſich die Mädchen aus ihrem Verſteck hervor und len und ſolgten dem Zuge einige hundert Schritte mit weiten, punge) ſtillen und verſtohlenen Schritten— ſo wie die kleineren Kghiere, durch den Inſtinkt des Hungers geleitet, dem Löwen auf ſeinem Wege zur Beute folgen. —— 424 Fünftes Kapitel. Die Flüchtlinge werden gefangen genommen— Die Trommel⸗ mädchen erſcheinen wieder— Mondlicht bei dem Gelage der Lebenden— Mondlicht bei dem Schlummer der Todten. Vater und Tochter fanden einen Ruheplatz unter der Eiche. Sie wußten nicht, wo ſie einen Zufluchtsort finden ſollten— Tag und Nacht waren ihnen gleich— in der Nacht drohten ihnen die Räuber, am Tage der Pöbel. Wenn ihnen die Rückkehr in ihre heimiſche Woh⸗ nung verboten war, wo in der weiten Welt ſollte der Weltverbeſſerer ein Obhach finden? Doch ſie verzwei⸗ felten nicht, der Muth entſank ihnen nicht. Der maje⸗ flätiſche Glanz der Nacht, als ſie in ihrer feierlichen Ruhe vorrückte, als die Schatten der unbewegten Bäume größer und ſchärfer auf die ſilberhelle Erde ſchien— als der Himmel milder und heller wurde bei dem zunehmenden Sternenlicht, floͤßte er ihnen die Hei⸗ terkeit des Glaubens ein— denn die Nacht öffnet der gläubigen Seele die Bibel des Weltalls und auf den Blättern des Himmels ſteht geſchrieben:„Gott iſt überall!“ Ihre Haͤnde waren gefaltet— ihre bleichen Geſich⸗ ter aufwärts gerichtet; ſte ſprachen nicht, auch waren ſie ſich nicht bewußt, daß fie beteten, aber ihr Schwei⸗ gen war nachdenkend und ihr Nachdenken war Verehrung. Bei dem Kummer und der Einſamkeit der Reinen erſcheint zuweilen eine ſeltſame und verzückte Heiterkeit — ein wacher Schlummer— über den der Inſtinkt des Lebens jenſe bahin gleitet Seele verlar Menſchenher nach den hier dachte das Grauſamkeit gleichheiten die, welche n wieder gefun koſtete, und Vaters erhob „Und do verbreitet ſich Geiſt frei in fällt von jede der Allwiſſent Lebens ſelbſt nährt haben- der Erde nur zur Frucht her Und den 4 lächelten die E Verheißung zu Endlich un ſo daß der Sa ſetzte, ſchliefen Die Nacht langſam und gt Bulwer, Ba ommel⸗ ge der ten. unter chtsort eich— age der Woh⸗ Ute der erzwei⸗ maje⸗ erlichen wegten Erde 425 Lebens jenſeits des Grabes wie ein gekäuſchloſer Traum dahin gleitet; und ſtets iſt jener Himmel, nach dem die Seele verlangt, von den Phantaſten des zärtlichen Menſchenherzens belebt— indem Jedes das Jenſeits nach den hier unbefriedigten Wünſchen geſtaltet.„Dort,⸗ dachte das finnende Mädchen,„werden Streit und Grauſamkeit aufhören— dort werden die rauhen Un⸗ gleichheiten des Lebens verſchwinden— dort werden die, welche wir liebten und verloren, durch den Sohn wieder gefunden werden, der den ſterblichen Kummer koſtete, und wir werden zu der Heimath des ewigen Vaters erhoben!“ „Und dort,“ dachte der aufſtrebende Weiſe,„dort verbreitet ſich der hienieden eingekerkerte und gefeſſelte Geiſt frei in alle Reiche des Raumes— dort— dort fällt von jedem Geheimniß der Schleier— bort lächelt der Allwiſſende die an, welche durch die Dunkelheit des Lebens ſelbſt bis zum Grabe die Lampe der Seele ge⸗ nährt haben— dort bricht der Gedanke, der hier auf der Erde nur ausgeſäet wird, zur Blüte auf und reift zur Frucht heran!“ Und den Hoffnungen des Mädchens und des Weiſen lächelten die Engelsaugen der Sterne mit gemeinſamer Verheißung zu. Endlich unbewußt, und während ſie noch nachſannen, ſo daß der Schlummer die wache Träumerei nur fort⸗ ſetzte, ſchliefen Vater und Tochter ein. Die Nacht verging, die Morgendämmerung zog langſam und gran herauf, die Geweihe der Hirſche er⸗ Bulwer, Barone. II. 28 426 hoben ſich über das Farnkraut; der Geſang der Nach⸗ tigall war verſtummt, und gerade als der Morgenſtern verſchwand, wäͤhrend der geröthete Oſten die Sonne an⸗ kuͤndigte und Arbeit und Müheſeligkeit ihre Herrſchaft wieder begannen, blieb eine trotzige Bande vor dieſen ſchlafenden Perſonen ſtehen. Dieſe Leute waren laneaſtriſche Solhaten geweſen, hatten unter Sir Seoffrey Gates den rüſtigſten Theil der wilden und ungeordneten Macht gebildet, die Hilyard und Coniers bei Olney angefuͤhrt, und machten jetzt aus dem Plündern ein Gewerbe. Sie hatten von dem neuen Ausbruch gehört, deſſen Aufuͤhrer ihr alter Haupt⸗ mann, Sir Geoffeey, war, der, wie man vermuthete, von den lancaſtriſchen Anführern durch Gold und Ver⸗ ſprechungen zu dieſer Empoͤrung war bewogen worden, und ſte waren jetzt auf dem Wege ſich den Rebellen an⸗ zuſchließen; doch da der Krieg ihnen nur zum Vorwande der Plünderung diente, ſo empfanden ſie den gewohnten Jaſtinkt der Räuber, als ſie den alten Mann und das ſchöne Mädchen erblickten. Unglücklicherweiſe trugen Adam und ſeine Tochter die Kleider, in welchen ſie den Hof verlaſſen hatten, und welche einen gewiſſen Rang und Stand zu bezeichnen ſchienen. „Erwacht!“ ſagte der Anführer der Bande, rauh den Arm ſchüttelnd, der Sibylla's ſchlanke Taille um⸗ ſchlang. Adam ſprang auf, öffnete die Augen und ſah ſich von Geſtalten in roſtigen Harniſchen umgeben, wäh⸗ rend wilde Geſichter unter den Stahlhauben hervor⸗ blickten. Mann und Leute brach Nacht— u „Brach der Anfuͤhre In dieſe erſtaunt und Augen trat. einen ſtarken „Seid o Hauptmann wendig, daf behandeln, u welches Ihr Maulthier; Euch für jet das erſte P thier erſetzen Mäntel anſt „Aber m Sibylla— löͤſen.⸗ „Arm 1 Nach⸗ genſtern une an⸗ errſchaft dieſen geweſen, n Theil Hilyard ten jetzt von dem Haupt⸗ nuthete, nd Ver⸗ worden, Ilen an⸗ 427 „Wie kommt Ihr hieher? Jene Eiche läßt ſeltſame Eicheln fallen,“ ſagte der Anführer. „Tapferer Herr!“ erwiderte Adam, ſitzend bleibend und inſtinktmäßig ſein Gewand über Sibylla's Geſicht ziehend, die ſo tief ſchlummernd an ſeiner Bruſt lag, daß die rauhe Stimme ſie nicht erweckt hatte.„Tapferer Herr! Wir ſind unglücklich und obdachlos— ein alter Mann und ein einfaches Mädchen. Einige übel geſinnte Leute brachen in unſer Haus ein— wir ſlohen in der Nacht— und—* „Brachen in Euer Haus! Ha, es iſt klar,“ ſagte der Anführer.„Wir wiſſen das Übrige.“ In dieſem Augenblick erwachte Sibylla und ſprang erſtaunt und erſchrocken auf bei dem Anblick, der ihr vor Augen trat. Ihre außerordentliche Schönheit machte einen ſtarken Eindruck auf die Räuber. „Seid ohne Furcht, junges Fräulein,“ ſagte der Hauptmann mit faſt reſpektvoller Miene;„es iſt noth⸗ wendig, daß Ihr uns folgt; doch wir wollen Euch gut behandeln, und wir wollen ſpäter über das Löſegeld reden, welches Ihr uns zahlen ſollt. Jack, entlade jenes junge Maulthier; lege die Laſt auf das ſchwarze. Wir können Euch für jetzt nicht beſſer fortbringen, Dame— aber das erſte Pferd, welches wir finden, ſoll das Maul⸗ thier erſetzen, und inzwiſchen ſollen meine Leute ihre Mäntel anſtatt des Sattelkiſſens darauf legen.“ „Aber was meint Ihr— Ihr verkennt uns!“ rief Sibylla—„wir ſind arm; wir können uns nicht aus⸗ lſen.“ „Arm!— Pah!“ ſagte der Hauptmann, auf die 428 koſtbare Kleidung des Mädchens deutend—„überdies iſt der Reichthum des Ritters wohl bekannt. Sitzt ſchnell auf— wir haben Eile.“ Ohne auf die Vorſtellungen Sibylla's und des armen Gelehrten zu achten, ſetzte der Rebell ſeinen Trupp in Bewegung und marſchirte ſelber mit ſeinem Lieutenant an der Spitze. Sibylla fand die Subalternen ſtrenger als ihren Anführer; denn als Warner ſich widerſetzen wollte, er⸗ hob einer mit einem furchtbaren Fluche ſeine Streitart, und Sibylla überredete ihren Vater, Folge zu leiſten. Sie ſchlug indeß mit milden Worten das Maulthier aus, und die beiden Gefangenen gingen mit einander in der Mitte des Trupps. „Zum Henker!“ ſagte der Lientenant,„dieſe Re⸗ kruten werden Sir Geoffrey wenig Hülfe leiſten!“ „Thor!“ ſagte der Anführer verächtlich—„wenn die Rebellion fehlſchlägt, ſo können dieſe Gefangenen unſere Koͤpfe retten. Will Somers ſollte in der letzten Nacht in Sir John Bourchiers Haus einbrechen, um Waffen und Geld zu holen, wovon der Ritter einen guten Vorrath hat. Gewiß machte ſich Sir John bei der Belagerung davon, und dies iſt er und ſeine Tochter. Du weißt, er iſt einer von den größten Rittern, und der reichſte, deſſen ſich die Yorkiſten rühmen können— und wir dürfen unſer Löſegeld ſelber beſtimmen.“ „Aber wo ſollen wir ſie unterbringen, während wir in die Schlacht gehen?“ „Ned Porpuſtone hat ein Gaſthaus nicht weit vom Taſchen.“ „Wen ſo läßt er nehmen! ſuchen, a Benehmen, vornehmen Der Li Taſche zu: und eine Fe Anführer zu Der Ir ganz ungüng chier war in Anſicht, die die vornehn ihnen allen verträglich als ſie in ei ganz unbel’ war die Ma Diſtrikte, 1 einem kleine überdies t ſchnell es armen rrupp in eutenant ils ihren ollte, er⸗ Streitart, leiſten. Zhier aus, er in der 429 Lager, und Ned iſt ein guter Lancaſtrier und ein Mann, dem man trauen kann.“ „Wir haben die Gefangenen nicht durchſucht,“ ſagte der Lieutenant;„vielleicht haben ſie einiges Geld in ihren Taſchen.“ „Wenn Will Somers einen Bienenſtock erſtürmt, ſo laͤßt er den Bienen wenig Zeit, viel Honig mitzu⸗ nehmen! Dennoch kannſt Du den alten Ritter durch⸗ ſuchen, aber höflich und nach gehörigen Entſchuldi⸗ gungen.“ „Und das Mädchen?“ „Nein! das wäre unmanierlich, und je milder unſer Benehmen, deſto größer das Löſegeld, wenn wir mit vornehmen Leuten zu thun haben.“ Der Lieutenant blieb demnach zurück, um Adams Taſche zu unterſuchen, die nichts weiter als ein Buch und eine Feile enthielt, und dann kehrte er zu ſeinem Anführer zurück, ohne Sibylla zu beläſtigen. Der Irrthum des Anführers war in ſo weit nicht ganz ungünſtig für die Wanderer, denn Sir John Bour⸗ chier war in der That ein Mann von hohem Range, eine Anſicht, die durch das edle Ausſehen des Gelehrten und die vornehme Miene Sibylla's begünſtigt wurde, und ihnen allen Reſpekt verſchaffte, der mit den Umſtänden verträglich war. Sie waren noch nicht weit gegangen, als ſie in ein Dorf kamen, durch welches die Schurken ganz unbeläſtigt gingen; denn in jenen Bürgerkriegen war die Maſſe des Volks, mit Ausnahme der noͤrdlichen Diſtrikte, völlig neutral, und als die kleine Bande vor einem kleinen Wirthshauſe anhielt, um zu trinken, ver⸗ 43⁰0 ſammelten ſich die Müßiggänger mit derſelben nachläſſi⸗ gen Neugierde um ſie, wie man heutiges Tags beim Anhalten eines Omnibus in einem kleinen Dorfe wahr⸗ nimmt. Hier erhielt der Hauptmann indeß einige für ſeine Zwecke wichtige Nachrichten— nämlich von dem nächtlichen Marſche des Trupps unter Lord Haſtings Commando, und wie es wahrſcheinlich ſei, daß der Kampf bereits begonnen habe. „Wenn das iſt,“ murmelte der Rebell,„ſo können wir ſehen, wie die Flut ſich wendet, ehe wir uns ſelbſt in Gefahr begeben, und im ſchlimmſten Falle bringen uns unſere Gefangenen wenigſtens ein gutes Löͤſegeld ein.“ Während er ſo mit ſich ſelber redete, ſah er einen von den damals üblichen ſchweren Wagen auf dem Hoſe ſtehen, bemächtigte ſich beſſelben, ungeachtet des Ge⸗ ſchreis und der Gegenvorſtellungen des unglücklichen Wirths, befahl den Gefangenen, ſich hinein zu ſetzen und begann ſeinen Marſch wieder. Als die Bande weiter zog, ſtießen neue Truppen von derſelben Klaſſe zu ihr, und ſo ging es ganz munter weiter, bis ſie etwa um acht Uhr vor dem Gaſthauſe anhielten, wovon der Hauptmann geſprochen hatte. Es ſtand ein wenig von der Landſtraße entfernt, nicht ſehr weit von dem Dorfe Hadley und der Heide oder dem Jagdrevier Gladsmoor, wo einige Zeit ſpäter die Schlacht bei Barnet gefochten wurde. Es war ein Haus von gutem Ausſehen und be⸗ trächtlicher Größe, denn es wurde von allen Reiſenden beſucht, die vom Norden aus in die Hauptſtadt zogen. Der Wirth, der ein hartnäckiger Anhänger der lancaſtri⸗ ſchen Partei war, hatte in den franzöſiſchen Kriegen ge⸗ welches e doppelte Seite ent Übi dem von Schla treibe, n Seite wur zimmer e Wirths un Der Waje und ihren Worte m Porpuſton wohl ausn mit wiede ſicher ſeien zu entfliel „Ihr ſtone zu d nchläſſi⸗ s beim 2 wahr⸗ ige für von dem Haſtings daß der können ns ſelbſt bringen eld ein.“¹ er einen em Hoſe des Ge⸗ 43³1 dient, ſich während ſeines abenteuerlichen Lebens einiges Geld erſpart, Niemand wußte wie, und ſeinem Gaſt⸗ hauſe die Benennung Talbot gegeben, zur Erinnerung an den alten Helden dieſes Namens; auch hatte er ein Stück Land gepachtet und vereinte die Beſchäftigung des Landmanns mit der Würde des Wirths. Das Haus, welches ein geräumiges Viereck einſchloß, zeigte die doppelte Beſchäftigung des Beſitzers, denn die eine Seite enthielt Scheunen und eine beträchtliche Reihe von Ställen, während Kühe, Ochſen und junge Jüllen in der Mitte des Hofes friedlich zuſammen eingezännt varen. Auf der andern Seite lief eine große hölterne Treppe hin, mit einer offenen Galerie und von hölzernen Siulen unterſtützt, die zu zahlreichen Zimmern führte. Übi dem Thorweg am Eingange befand ſich eine Menge von Schlafgemächern für Fußreiſende und Maulthier⸗ treibe, und die dem Eingange gegenuber befindliche Seite wurde faſt gänzlich von einem ungeheuren Gaſt⸗ zimmer eingenommen, nebſt dem Privatzimmer des Wirths und zwei oder drei Kammern im zweiten Stock. Der Waen raſſelte auf dem Hofplatz. Man half Sibylla und ihren Vater vom Wagen, und nachdem ſie einige Worte me dem Wirthe gewechſelt, führte ſie Herr Porpuſtone ſelber auf ein geräumiges Zimmer, welches wohl ausmölirt und friſch mit Binſen beſtreut war, mit wiederhoten Verſicherungen, daß ſie dort ganz ſicher ſeien, vrausgeſetzt, daß ſie ſchwiegen und nicht zu entfliehen veſuchten. „Ihr kommt zur rechten Zeit,“ ſagte Ned Porpu⸗ ſtone zu dem Harptmann—„Lord Haſtings erließ bei 4³² Tagesanbruch eine Proklamation und gab den Rehellen zwei Stunden Zeit, ſich zu zerſtreuen.“ „Peſt! Ich liebe dieſe Proklamationen nicht. Und die Kerle behaupteten ihren Platz?“ „Nein, denn Sir Geoffrey verbeſſerte wie ein weiſer Soldat den Platz, indem er ſich eine Meile zur Linken zurückzog, ſo daß der Wald zwiſchen ihm und den Yorli⸗ ſten war. Haſtings muß jetzt ſeine Leute wieder aufge⸗ ſtellt haben. Aber es iſt eine ſchwere Arbeit, durch den Wald zu kommen, und Sir Geoffreys Bogenſchützen richten ohne Zweifel in dem Gebüſch große Verheerunger an. Kommt herein, während Eure Leute draußen einm Mund voll eſſen; fünf Minuten find nicht weggeworfm, um ihre Bäuche zu füllen.“ „Ich danke Dir, Ned— Du biſt ein guter Kerl! Und wenn alles Andere fehlſchlägt, ſo ſoll Sir Johns Löſegeld die Rechnung zahlen. Haſt Du Nachrichtm von dem kühnen Robin?“ „Ja! Er iſt mit heiler Haut davon gekomnen und nach dem Norden zurückgekehrt,“ antwortete da Wirth, indem er zu ſeinem Privatzimmer voranging wo eine Flaſche ſtarker Wein und einige kalte Speſen ſeines Gaſtes warteten. Wenn Sir Geoffrey Gates ie Truppen von York zurückſchlagen kann, ſo ſage ihm on mir, er ſoll ſich nicht nach London wagen, ſondert in die Nie⸗ derungen zurückkehren. Dort wird er wilkommen ſein, das kann ich vorherſagen, denn jeder Nopländer iſt ent⸗ weder für Warwick, oder für Lancaſter, und die Beiden müſſen ſich jetzt vereinen, hoffe ich.“ „Aber Warwick iſt entflohen!“ ſage der Hauptmann. ſchritt zu Gaſthauſe einige Aug „Haſtings erhielten n halten vom „Auf, um!“ donn Pauſe zwif haben bei ſ Bier und L2 mit dem An Sechste!“ Der Ri die dünnen eingeſchloſſe Abmarſch de puſtone ſell nicht widerr 43³³ „Still! Er iſt nur geflohen, wie der Falke flieht, wenn er mit einem Reiher zu kämpfen hat— er fliegt t. Und empor und umzieht ihn in Kreiſen. Wehe dem Reiher, wenn der Falke niederſchießt! Aber Du trinkſt nicht!“ weiſer„Nein, ich muß heute meinen Kopf kühl halten, Linken denn Haſtings iſt ein gefährlicher Anführer. Deine Fauſt, Yorki⸗ Freund!— Wenn ich falle, laſſe ich Dir Sir John und aufge⸗ ſein Mädchen, um alte Rechnungen abzuſchließen; weun arch den wir die Yorkiſten zurückſchlagen, ſo gelobe ich unſerer ſchützen lieben Frau von Walſingham ein Wachsbild, ſo ſchwer erunger wie Du ſelber.“ Der Marodeur ſprang jetzt auf und en einm ſchritt zu ſeinen Leuten, die auf dem Platze vor dem worfm, Gaſthauſe ein haſtiges Mahl einnahmen. Er ſchwieg einige Augenblicke, während ſein Wirth ihm zuflüſterte: r Kerl!„Haſtings war vor Tagesanbruch hier; aber ſeine Leute Johns erhielten nur vom ſauren Bier; doch die Deinigen er⸗ ten von halten vom beſten.“ „Auf, meine Leute!— zu Euren Piken! Rechis ſen und um!“ donnerte der Hauptmann, mit einer hinlänglichen Wirth, Pauſe zwiſchen jedem Satze.„Die Schurken von York po eine haben bei ſchaalem Bier gehungert— ſollen ſie ſtarkes ſeines Bier und Laneaſter ſchlagen! Friſch und muthig— auf uppen mit dem Antilopenbanner, und lange lebe Heinrich der ir, er Sechste!“ ½ Nie⸗ Der Ruf, der auf dieſe Anrede folgte, erſchütterte ſein, die dünnen Mauern des Zimmers, wo die Gefangenen ſt ent⸗ eeingeſchloſſen waren, und ſie horten mit Freuden den Beiden Abmarſch der Soldaten. In kurzer Zeit ſtieg Herr Por⸗ puſtone ſelber, ein korpulenter Mann, mit durchaus nicht widerwärtigem Geſichte, zu dem Zimmer hinauf, ebellen 434 von einer hübſchen Haushälterin begleitet, die, wie das Gerücht ſagte, durch weniger läſtige Bande als die des Hymen, mit ihm vereint war, und beide trugen reich⸗ liche Lebensmittel nebſt klarem Rothwein, den ſie mit großer Förmlichkeit auf einen eichenen Tiſch vor den un⸗ freiwilligen Gäſten niederſetzten. „Eßt, Euer Gnaden, eßt!“ rief der Wirth in herz⸗ lichem Tone.„Eßt, junge Dame! Nichts geht übers Eſſen, um die Zeit zu toͤdten und die Sorge zu ver⸗ bannen. Kriegsglück, Sir John— Kriegsglück— ſeid ohne Furcht— ſeid ohne Furcht! Heute hinauf— morgen herunter. Es komme was will— York oder Lancaſter— ein reicher Mann kommt immer wieder auf die Füße zu ſtehen. Fünfhundert Marl an den Haupt⸗ mann; ein oder zwei Goldſtücke aus bloßer Großmuth an Ned Porpuſtone(ich haſſe die Erpreſſung) und Ihr und die ſchöne junge Dame köͤnnt morgen zu Hauſe frühſtücken, wenn nicht der Hauptmann oder ſein begün⸗ ſtigter Lieutenant gefangen genommen werden, und dann, ſeht Ihr, wollen ſie ſich dadurch ihr Leben erkaufen, daß ſte Euch frei laſſen. Eßt, ſage ich— eßt!“ „Wahrlich,“ ſagte Adam, ſich feierlich niederſetzend und ſich anſchickend zu gehorchen,„ich bekenne, daß ich hungrig bin, und die Paſtete hat einen ſehr einladenden Geruch; aber ich bitte Euch, mir zu ſagen, warum ich Sir John genannt werde?— Adam iſt mein Taufname.“ „Hal ha! Gut— ſehr gut, Euer Gnaden— gewiß, und Eures Vaters Name auch. Wir find alle Söhne von Adam und jeder Sohn hat ein unbeſtrittenes Recht an den Namen ſeines Vater.“* Hierau hälterin be Geſtalt aus „Begre „Ja, Flüchtlinge den ſie uns „Es ſch gute Mam „wenn der tiges Ungli dem ungew Geſichte der — Und die „O Vo Schutz. Lor wir wollen grauſamen arme Mado denn ſie kör Weib— al Menſchen n „Laß ur „Sogle matt. Aber Lächle wiede That.— A Stärke und Die auf nigen Woch 43⁵ Hierauf rollte der ehrliche Wirth, von der Haus⸗ hälterin begleitet, herzlich lachend ſeine wohlbeleibte Geſtalt aus dem Zimmer, welches er ſorgfältig verſchloß. „Begreifſt Du dies, Sibylla?“ „Ja, lieber Vater— ſie halten uns für vornehme Flüchtlinge; und wenn ſie ihren Irrthum entdecken, wer⸗ den ſie uns ohne Zweifel frei laſſen. Muth, lieber Vater!“ „Es ſcheint mir,“ ſagte Adam faſt heiter, indem der gute Mann ſein Glas aus der Weinflaſche füllte— „wenn der Irrthum fortdauerte, ſo waͤre es kein mäch⸗ tiges Unglück— ha! ha!—“* Er hielt plötzlich inne bei dem ungewohnten Gelächter und ſetzte mit traurigem Geſichte den Becher nieder.„Ach Himmel, verzeihe mir! — Und die arme Eureka und die getreue Madge!“ „O Vater! fürchte nichts; wir find nicht ohne Schutz. Lord Haſtings iſt nach London zurückgekehrt— wir wollen ihn aufſuchen; er wird machen, daß unſere grauſamen Nachbarn Dich achten. Und Madge— die arme Madge wird ſo glücklich ſein bei unſerer Rückkehr, denn fle können ihr nichts zu Leide gethan haben; ein Weib— alt und allein; nein— nein, dazu ſind die Menſchen nicht boshaft genug!“ „Laß uns darum beten; aber Du iſſeſt nicht, Kind!“ „Sogleich, Vater— ſogleich; ich bin krank und matt. Aber nein— nein, jetzt iſt mir beſſer— beſſer. Lächle wieder, Vater. Ich bin auch hungrig; ja, in der That.— Ach, liebe heilige Maria, gib mir Leben und Stärke und Hoffnung und Geduld um ſeinetwillen!“ Die aufregenden Ereigniſſe, die in den letzten we⸗ nigen Wochen das ruhige Leben des Gelehrten verän⸗ 43⁶ derten, hatten ihn einigermaßen aus ſeiner gewohnten Zerſtreuung erweckt und die wirkliche Welt zu einem fühl⸗ bareren und lebendigern Gegenſtande gemacht, als ſte bisher ſeinem Geiſte erſchienen war; aber jetzt, da ſeine Mahlzeit geendet war, wirkte die Nuhe des Ortes, denn das Gaſthaus war ſtill und faſt ganz verlaſſen, nebſt dem Weine— ein Luxusartikel, den er ſelten koſtete— be⸗ ſänftigend auf ſeine Gedanken und ſeine Phantaßte, und verſenkten ihn in jene Träumereien, die dem Dichter und dem Mathematiker gleich theuer ſind. Dem Denker liefert oft der unbedeutendſte äußere Gegenſtand Gedan⸗ ken, bie ſich wie Homer's Kette von der Erde zum Him⸗ mel erſtrecken. Die ſonnigen Motten, die in glänzender Säͤule durch das Fenſter hereinkamen, riefen Warner von dem wirklichen Tage ab— von dem Tage des Kam⸗ pfes und Blutvergießens, wo Tauſende ganz in der Nähe einander in den Hades trieben— und führte ſeine Phan⸗ tafle zu dem idealen und abſtrakten Tage— ja ſelbſt zu der Theorie des Lichts; die Theorie führte ihn zum Me⸗ chanismus und der Mechanismus erinnerte ihn an ſein Orakel, den alten Roger Bacon; und dieſe Erinnerung belebte wieder des großen Mönches Andeutungen in ſei⸗ nem Werke— Andeutungen, welche die große Erfindung des Telescops vorbereiteten; und ſo wie ein Vogel ſich über einen Abgrund von einem hohen Zweige zum andern ſchwingt, ſpielte des Gelehrten Geiſt mit ſeiner bebenhen Phantaſie und entfaltete ſeine ruhigen Schwingen am Rande des Abgrunds. Mit ihren eigenen Träumen beſchäftigt, reſpektirte Sibylla die Träume ihres Vaters; und ſo in nicht ganz trauriger tag, und wirrter? wo ſie uͤl überſeher deren Rü⸗ Wein hit dem Wir Gates ha Die Trun wie ein J „Haf Hand!— Sibylla's „Und „Am ſort. No drüber geh In die nen nach hervor. T Orte gew ſchlafen un nahe Kam Verwunde ihre Trom ein gräßli denn die T der die W einen Sch ohnten n fühl⸗ als ſie a ſeine , denn ſt dem — be⸗ e, und Dichter Denker Gedan⸗ n Him⸗ nzender Warner 3 Kam⸗ 43³7 traurigem Schweigen verging ber Morgen und der Mit⸗ tag, und die Sonne neigte ſich weſtwärts, als ein ver⸗ wirrter Ton von unten Sibylla zu dem Feuſter rief, von wo ſie über die Galerie der Treppe den großen Hofplatz überſehen konnte. Sie ſah mehre bewaffnete Männer, deren Rüſtung zerhauen war, in der Haſt Bier oder Wein hinunter ſchütten und hörte einen von ihnen zu dem Wirthe ſagen:„Alles iſt verloren! Sir Geoffrey Gates hält ſich noch, aber es iſt ein wahres Metzgerwerk. Die Truppen des Lord Haſtings ſammeln ſich um ihn wie ein Netz um den Fiſch!“ „Haſtings!“— Dieſer Name!— Er war zur Hand!— Er war nahe!— Sie waren gerettet!— Sibylla's Herz ſchlug laut. „Und der Hauptmann?“ fragte Porpuſtone. „Am Leben, als ich ihn zuletzt ſah; aber wir müſſen fort. Noch eine Stunde und Alles wird drunter und drüber gehen und man nur Flucht und Verfolgung ſehen.“* In dieſem Augenblick kamen aus einer von den Scheu⸗ nen nach einander die weiblichen Geier der Schlacht hervor. Die Trommelmaͤdchen, die in der Nacht zu dem Orte gewandert waren, hatten während des Tages ge⸗ ſchlafen und erſchienen jetzt auf dem Schauplatze, als der nahe Kampf nachzulaſſen begann, und die Todten und Verwundeten den Boben bedeckten. Graul Skellet ſchwang ihre Trommel, eilte zu den Flüchtlingen hin und zeigte ein gräßliches Grinſen, als ſie die Nachricht hörte— denn die Trommelmädchen waren einem Koͤnige ergeben, der die Weiber liebte und ein freundliches Nicken und einen Scherz für jede umherſtreichende Dirne bereit 438 hatte. Die Soldaten ließen ſich indeß auf kein weiteres Geſpräch ein, ſondern eilten und raſſelten vom Hofe, nachdem ſie ihren Durſt befriedigt hatten. Beim Anblick dieſer ſchrecklichen Geſchöpfe zog ſich Sibylla zuruck, ohne zu wagen das Fenſter zu ſchließen, welches ſie geöffnet hatte, und die Frauenzimmer ſetzten ſich auf eine Bank und begannen ihr langes Haar zu ordnen und ihre Klei⸗ der von dem Stroh zu befreien, welches die Art ihres Ruheplatzes zeigte. „He, Mädchen!“ ſagte der fette Wirth,„ich hoffe, Ihr werdet mir für Eſſen und Lager mit einer Vorſtel⸗ lung Eurer Künſte zahlen. Ich habe dort zwei vornehme Gäſte, deren Fenſter auf den Hof hinausgeht, und die Ihr vielleicht unterhalten könnt.* Sibylla zitterte und ſchlich ſich an ihres Vaters Seite. „Und wenn ihnen der Klang Eurer Muſiè gefällt,“ fuhr der Wirth fort,„ſo kann es Euch einige Pfennige eintragen. Wohin geht Ihr, Mädchen?“ „Auf einen hübſchen, luſtigen Markt,“ antwortete Grauls unheimliche Stimme,„wo Ein großer Gaukler färbt Den grünen Raſen roth; Und auf einen Wink von ihm Liegt da das Närrchen todt— Wo er die Menge ſammelt Mit der Trompete Hall, Kommen Graul und die Schweſtern geſprungen Mit klirrendem, klingendem Schall.“ Als die beiden Schlußzeilen von den übrigen Mäd⸗ chen, die ihre Trommeln anſchlugen, wiederholt wurden, bildeten ſle einen Halbkreis und begannen ihren Tanz. locken, und Argers. „Wahr Lachen übe heiter zu ſei ſtarr daliege man lache, „Still! Ned? Soll im Käfig h wo Lord He durchkommt „Du h Thor!“ ant meine Gutm teres Hofe, ablick ohne ffnet Bank Klei⸗ ihres hoffe, oſtel⸗ nehme nd die 43³9 Ihre Bewegungeun, obgleich leichtfertig und phantaſtiſch, waren nicht ohne eine gewiſſe wilbe Grazie, und die Geſchicklichkeit, womit ſie von Zeit zu Zeit ihre Inſtru⸗ mente empor warfen und ſie beim Herabfallen wieder auffingen, vereint mit der überraſchenden Gewandtheit, womit die eine die andere bald zu jagen, bald zu fliehen ſchien, indem ſie durch die Reihen ihrer Gefährtinnen dahineilten, ſich hin und her wandten und herumſchwenk⸗ ten— indem die Kette jetzt in Unordnung aufgelöͤst zu ſein ſchien und ſich dann wieder Glied an Glied reihte, wenn die ganze Kraft der Inſtrumente im Chor ertoͤnte — Alles dies bildete eine unausſprechlich anziehende Vorſtellung für das Volk. Wie ſich wohl denken läßt, vermochten die Trommel⸗ mädchen Sibylla und Warner nicht ans Fenſter zu locken, und ſie wechſelten Blicke der Täuſchung und des Argers. „Wahrlich,“ ſagte der Wirth nach einem herzlichen Lachen über vie Unterhaltung,„ich thue Unrecht, ſo heiter zu ſein, da manche gute Freunde vielleicht kalt und ſtarr daliegen. Aber was denn? Das Leben iſt kurz— man lache, ſo lange man kann!“ „Still!“ flüſterte ſeine Haushälterin,„biſt Du toll, Neh? Soll man entdecken, daß Du ſo vornehme Vögel im Käfig haſt— ehle Yorkiſten— zu derſelben Zeit, wo Lord Haſtings ſelber vielleicht nach dem Siege hier durchkommt?“ „Du haſt ſtets Recht, Gretchen, und ich bin ein Thor!“ antwortete der Wirth in demſelben Tone.„Aber meine Gutmüthigkeit wird mir noch einſt den Tod bringen. 44⁰ Die armen Leute, es muß ihnen die Zeit dort ſehr lang werden!“ 4 „Wenn die Yorkiſten hieher kommen, was wir bald von den Spionen erfahren werden, ſo müſſen wir Sir John und die Dame in das Hinterzimmer über dem Schenkzimmer bringen.“ „Mach' es, wie Du willſt, Gretchen— aber Du fiehſt, ſie halten ſich ganz ſtill und verborgen. Ha! ha! ha! Das große Mädchen da macht ſolche Poſſen, daß fich ſelbſt eine Eule vor Lachen die Seiten halten müßte. He da, Mädchen— Ihr Teufelsbraten— herunter, herunter da!“ Der Wirth kam zu ſpät mit ſeinem Befehle. Mit einem plötzlichen Satze kletterte Graul, die längſt ihr Auge auf das offene Fenſter gerichtet hatte, an einem von den Pfeilern hinauf, der die Treppe ſtützte, und ſchwang ſich uͤber das Geländer— und mit mattem Schrei erblickte die erſchrockene Sibylla die wüthenden Angen des Trommelmädchens, die ſte durch das Fenſter anſtarrten, während ihr langer Arm die Trommel hin⸗ reichte, um ſich eine Gabe zu erbitten. Aber ſobald Si⸗ bylla ihr Geſicht erhoben hatte, wurde ſie auch erkannt. „Oho! Der Zauberer und des Zauberers Tochter! Oho! Das Mädchen, welches Lords bezaubert und Sar⸗ ſenet und feine Leinwand traͤgt! Oho! Der Teufels⸗ beſchwörer, der die Armen aushungern will!“ Bei dieſem Rufe ihrer Anführerin ſprangen die höl⸗ liſchen Schweſtern hinzu und kletterten hinauf! Eine nach der Andern ſprangen ſie durch das Fenſter ins Zimmer. vor Zorn Gaſthäuſer — ihre ed John! Wa „O Si jetzt auch ſ ſollen geper Block geleg gebrannt w „Halh edle Gäſte, und ſeine ihrer Hohle Beinhauſe: „Zaube der Wirth „Mein mit Würde Gelehrter u Bulwer, ehr lang wir bald wir Sir ber dem aber Du Ha! ha! ſen, daß müßte. herunter, le. Mit ngſt ihr in einem te, und mattem 441 „Die Wetterbirnen! Der böſe Feind hat ſie wahn⸗ ſinnig gemacht,“ ſeufzte der Wirth bewegungslos vor Erſtaunen. Aber die Haushälterin war beſonnener, fie rief die Knechte und Kuͤchenjungen herbei, welche die Trommelmädchen im Hofe verſammelt hatten, lief die Treppe hinauf, ſchloß die Thür auf und kam gerade zur rechten Zeit, um ſich zwiſchen die Gefangenen und die Furien zu werfen, welche Sibylla's ſchoͤnes Oberkleid und Adams koſtbares Gewand zur Habgier entflammt hatte. „Was wollt Ihr, Elende?“ rief die kühne Grete vor Zorn glühend.„Kommt Ihr in ehrlicher Leute Gaſthäuſer, um am hellen Tage ihre Gäſte zu berauben — ihre edlen, vornehmen Gäſte! O Sir John! Sir John! Was werdet Ihr von uns denken?“ „O Sir John! Sir John!“ ſeufzte der Wirth, der jetzt auch ſeine ſchwere Laſt ins Zimmer bewegte. Sie ſollen gepeitſcht werden, Sir John! Sie ſollen in den Block gelegt werden— ſie ſollen mit glühenden Eiſen gebrannt werden— ſie—“ „Ha! ha!“ fiel die ſchreckliche Graul ein,„vornehme edle Gäſte, meint Ihr! Adam Warner, der Zauberer und ſeine Tochter, die wir in der letzten Nacht aus ihrer Höhle trieben, wie wir oft die Ratten aus dem Beinhauſe und einer Höhle geteieben haben.“ „Zauberer, Adam! Blut meines Lebens!“ ſtammelte der Wirth—„iſt ſein Name dennoch Adam?“ „Mein Name iſt Adam Warner,“ ſagte der Greis mit Würde;„kein Zauberer, ſondern ein demüthiger Gelehrter und ein armer Ehelmann, der Niemand etwas Bulwer, Barone. II. 29 44²2 zu Leide gethan hat. Warum, Weiber— wenn Ihr Weiber ſeih— wollt Ihr mir und den Meinigen Leid zufügen?“ „Pah— Zauberer!“ entgegnete Graul, ihre Arme über einander faltend.„Schickteſt Du nicht Dein Mädchen da ab, um uns den Markt zu verderben mit ihrer Guitarre? Haſt Du ihr nicht die Zaubereien ge⸗ lehrt, wie ſie die Liebe der Jungen und Edlen gewinnen kann? Ha, wie zierlich ſich die junge Hexe kleidet! Ha! Spitzen und Seidenzeug! Und wir zittern vor Kälte und verſchmachten vor Hitze— und— herunter mit Deiner Tunika, Weib!“* Graul griff heftig nach dem Gewande, als der Wirth mit ſeinem ſtarken Arme dazwiſchen fuhr und ſie zurück⸗ hielt. „Sachte, mein Täͤubchen, ſachte! Räumt das Zim⸗ mer und macht Euch unſichtbar!“ „Sieh Dich vor, Mann. Wenn Du einen Zauberer gegen das Geſetz beherbergſt— einen Zauberer, den König Eduard dem Volke ausgeliefert hat— ſo ſteh nach Deinen Scheunen, ſie ſollen niederbrennen; ſieh nach Deinem Rindvieh— es ſoll vermodern; ſieh nach Deinen Geheimniſſen— ſie ſollen bekannt werden! Lancaſtrier, Du ſollſt hängen! Wir gehen— wir gehen! Wir haben Freunde unter den bewaffneten Männern von York. Wir gehen— wir werden wiederkommen! Wehe Dir, wenn Du den Zauberer und ſeine junge Brut beher⸗ bergſt!“ Hierauf ging Graul langſam zur Thür. Wirth und Haushälterin, Stallknecht und Küchenjunge machten beſonders kurz:„H das iſt ni⸗ für Alle: habt— b Euch Got „Wir aufſpringe Und ſie n mit die a welche die Der? etwas.„ fort,„ind ihr erſchrocken Platz, und noch immer, während ſte ſich entfernte, richtete ſte ihre Augen auf Sibylla, bis ihre Schweſtern, die ihr der Reihe nach folgten, den ſcheuß⸗ lichen Anblick verbargen und Gretchen die Gaffer fort⸗ ſchickte und die Thür zumachte. Der Wirth und die Haushälterin ſahen jetzt einander ernſthaft an. Sibylla lag in ihres Vaters Armen und athmete ſchwer und krampfhaft. Des alten Mannes Geſicht neigte ſich ſchweigend über ſie. Gretchen zog ihren Herrn auf die Seite.„Du mußt das Haus ſogleich von dieſen Leuten befreien. Ich habe von jenen Trommel⸗ mädchen reden hören; ſie ſind ſchrecklich in ihrem Zorn und in ihrer Bosheit. Jeder muß füͤr ſich ſorgen!“ „Aber der arme alte Herr, ſo milde— und das Mädchen ſo einnehmend!“ Die letzte Bemerkung gefiel der hübſchen Grete nicht beſonders. Sie ging ſogleich auf Adam zu und ſagte kurz:„Herr— mögt Ihr nun Zauberer ſein oder nicht, das iſt nicht die Sache armer Wirthsleute, deren Haus für Alle offen iſt; aber Ihr habt Speiſen und Wein ge⸗ habt— bezahlt gefällig Eure Rechnung, und dann möge Euch Gott geleiten— es ſteht Euch frei abzureiſen.“ „Wir können Euch bezahlen, Frau!“ rief Sibylla aufſpringend.„Wir haben noch Geld. Hier— hier!“ Und ſie nahm aus ihrer Geldtaſche die Goldſtücke, wo⸗ mit die arme Madge ſie aus Vorſicht verſehen, und welche die Räuber ihr zum Glück gelaſſen hatten. Der Anblick des Goldes beſänftigte die Haushälterin etwas.„Lord Haſtings iſt uns bekannt,“ fuhr Sibylla fort,„indem ſie den Eindruck bemerkte, den ſie hervor⸗ 444 gebracht hatte; laßt uns dablelben, bis er hier durch⸗ kommt und Ihr ſollt für Eure Freundlichkeit belohnt werden.“ „Meiner Treu,“ ſagte der Wirth,„es ſteht Euch gern Alles zu Gebote, was mein armes Haus gewähren kann, und was dieſe Trommelmädchen betrifft, ſo liegt mir kein Strohhalm an ihnen. Niemand kann ſagen, daß Ned Porpußtone ein böſer oder ungaſtlicher Mann iſt. Wer vernünftig zahlen kann, hat guten Wein und Höf⸗ lichkeit im Talbot zu erwarten.“ Mit dieſen und vielen ähnlichen Behauptungen und Verſicherungen, die weniger herzlich von der Haushäl⸗ terin erwidert wurden, bat der Wirth um die Erlaub⸗ niß, ſie ia ein Zimmer führen zu dürfen, wo ſie nicht der Beläſtigung ausgeſetzt waren, und nachdem er ſie die Haupttreppe hinunter, durch das Schenkzimmer und von dort eine ſchmale Treppe hinaufgeführt hatte, brachte er ſie in ein Zimmer im Hinterhauſe und zündete dort einen Wandleuchter an, denn jetzt hatte die Dämmerung begonnen. Dann beſtand er darauf, nach ihrem Abend⸗ eſſen zu ſehen und verſchwand mit ſeiner Begleiterin. Das würdige Paar war jetzt einſtimmig; denn dieſer Gäſte wegen, die mit Lord Haſtings bekannt waren, konnte man wohl den Trommelmädchen trotzen, beſonders da Lord Haſtings, wie es ſchien, eben die Laneaſtrier geſchlagen hatte. Aber ach! Während die thätige Grete mit dem Glühwein beſchäftigt war und der würdige Wirth bei den Operationen der Küche die Aufſicht führte, hörte man draußen einen ungeheuren Aufruhr. Ein Trupp Spießen auf den tobten: wäre di Sibylla hatte, i verlaſſen ſich abe That ei fürchtet durch⸗ helohnt t Euch währen egt mir n, daß aun iſt. d Höf⸗ gen und aushäl⸗ Erlaub⸗ ie nicht —ſie die ind von brachte tte dort 445 ungeordneter Soldaten von York, welche beſchäftigt ge⸗ weſen, die fliehenden Rebellen zu zerſtreuen, ſtürzten haſtig ins Haus und in das Gaſtzimmer und brachten die verhaßten Trommelmädchen mit, die ihnen unterwegs begegnet waren. Unter dieſen Soldaten waren auch einige von denen, die am Tag zuvor in Sanerofts Gaſt⸗ hauſe verſammelt geweſen, und ſie waren wohl vorbe⸗ reitet, die Sache ihrer widerwärtigen Geliebten zu un⸗ terſtützen. Lord Haſtings ſelber hatte ſich für die Nacht in ein Pachthaus zurückgezogen, welches dem Schlacht⸗ felde näher lag, als das Gaſthaus; und da die Dieiplin in jenen Tagen nach einem Siege durchaus nicht ſtrenge war, ſo hatten die Soldaten ein Recht zur Ausſchweifung. Porpuſtone ſah ſich völlig in der Macht dieſer tobenden und lärmenden Gäſte, die wegen der Erinnerung an das ſaure Bier, welches ſie am Morgen getrunken hatten, und wegen Graul Skellets Verſicherungen, daß Herr Porpuſtone ein hartnäckiger Lancaffr er ſei, nur noch um ſo roher und frecher waren. Sie bemächtigten ſich aller Vorräthe im Hauſe, riſſen die Braten von den Spießen und verſchlangen ſle halb roh, ließen die Fäſſer auf den Boben laufen, und waͤhrend ſie fluchten und tobten und den Ort mit einem Aufruhr erfüllten, als wäre die Hölle losgelaſſen, führte Graul Skellet, die Sibylla's reiche Kleider noch immer nicht vergeſſen hatte, ihre Begleiterinnen die Treppe hinauf zu dem verlaſſenen Zimmer. Der Wirih bemerkte dies, wagte ſich aber nicht offen zu widerſetzen; doch da er in der That ein gutmüthiger Kerl war und ſchlimme Folgen fürchtete, wenn die Freunde des Lord Haßtings in ſeinem 446 Hauſe beraubt, beleidigt oder vielleicht gar ermordet würden, ſo beſchloß er die Flucht ſeiner Gäſte zu be⸗ günſtigen. Als er nun die Trommelmädchen entfernt ſah, ſchlich er ſich von der ſtuͤrmiſchen Scene hinweg, die Hintertreppe hinauf und erreichte das Zimmer, wo⸗ hin er glücklicherweiſe ſeine verfolgten Gäſte gebracht hatte, machte ihnen in wenigen Worten begreiflich, daß er nicht mehr im Stande ſei, ſie zu ſchützen, und daß die Trommelmädchen mit einer bewaffneten Macht zu⸗ rückgekehrt ſeien, führte ſie zu einem weiten Fenſter, welches ſich nur drei oder vier Fuß über einem verlaſſenen Garten befand und bat ſie, zu entfliehen und ſich zu retten. „Das Pachthaus,“ fläſterte er ihnen zu,„wo Lord Haſtings einquartirt iſt, wie ſie ſagen, iſt kaum andert⸗ halb Meilen von hier entfernt; geht durch die Garten⸗ pforte— laßt Gladsmoorheide links liegen— ſchlagt den Weg zur Rechten ein durch den Wald und Ihr werdet das Dach durch die Apfelblüten ſehen. Unſere liebe Frau beſchütze Euch, und ſprecht ein Wort bei Mylord für den armen Ned.“ Kaum hatte er ſeine Gäͤſte in den Garten hinunter⸗ ſteigen ſehen, als er ſchon das Schreien der Trommel⸗ mädchen im entgegengeſetzten Theile des Hauſes hörte, wie ſie von Zimmer zu Zimmer eilten und ihre Beute verfolgten. Er eilte raſch in die Küche und zugleich ſtürzten die Mädchen athemlos herein und fragten nach ihrer Beute. „Ei,“ ſagte der Wirth mit der Geiſtesgegenwart eines liſtigen alten Soldaten,„glaubt Ihr, ich beläſtige mein Haus mit ſolchem Geſtndel, nachdem ſo hübſche ſcheußlie ihres K zogen 1 Kreiſe, Schein zitternd Fenſter ſeinen Mädchen, wie Ihr ſeid, mir einen Wink gegeben, wer ſte waren? Kein Zauberer ſoll mit dem Schilhe des Talbot davon fliegen, wenn ich es verhindern kann. Sie machten ſich davon, das kann ich Euch verſichern und wollten nicht einmal ein Paar Beſenſtiele beſteigen, die ich ihnen aus Höͤflichkeit zu ihrem Ritte nach London anbot.“ „Donner und Bombarden!“ rief ein halb betrunkener Soldat, indem er Graul in ſeine eiſerne Arme drückte — p„ſchlage Dir den Zauberer jetzt aus dem Sinn und küſſe mich, Graul— küſſe mich!“ Jetzt begann ein ſcheußliches Schauſpiel; die Soldaten, die dem Beiſpiel ihres Kameraden folgten, umarmten die Frauenzimmer, zogen und ſtießen ſie hin und her, dreheten ſie im Kreiſe, tanzten, jubelten, ſchrieen und heulten beim Scheine eines mächtigen Feuers— manches rauhe Ge⸗ ſicht, manche harte Hand, noch vom Blute naß, theilte die Spuren davon den Wangen und Kleidern dieſer ge⸗ meinen Weiber mit, und das ganze Gelag wurde ſo ſcheuß⸗ lich und widerwärtig, daß ſelbſt der erfahrene alte Wirth zitternd und ſich bekreuzend entfloh.— Und ſo über das Fenſter ſcheinend und die ſcheußliche Lußtbarkeit mit ſeinen Strahlen verſilbernd, ging der Mond auf. Aber als Ermüdung und Trunkenheit das ihre ge⸗ than und die Soldaten über einander auf den Boden, auf die Tiſche und Bänke hinfielen und feſt einſchliefen, da erhob ſich Graul plötzlich unter den daliegenden Körpern, und ſtill, wie Geiſter, die von einem Begräb⸗ nißplatze aufſteigen, kamen ihre Schweſtern auch aus ihren Ruheplätzen neben den Schläfern hervor. Das 448 hinſterhende Licht des Feuers kaͤmpfte nur matt mit ben ſilbernen Strahlen des Mondes und ſpielte phantaſtiſch über die ſchimmernden Gewänder der Trommelmädchen dahin. Sie ſtanden einen Augenblick horchend da, und Graul legte ihren Finger an ihre Lippen; dann ſchlüpf⸗ ten ſie zur Thüre hin, öffneten fie und ſchloſſen ſte wie⸗ der— eilten über den Hof und jagten die Thiere auf, die dort ſchliefen, der Kettenhund bellte, zog ſich aber mit geſträubtem Haar und ſeine Zähne zeigend zurück, als das rothe Gretchen ihm unerſchrocken ihr Meſſer vorhielt und Graul ihm ein Stück Fleiſch hinwarf. Sie ſtürzten ſich durch den offenen Eingang, erreichten den freien Platz und eilten auf das Schlachtfeld zu. Inzwiſchen waren Sibylla und ihr Vater noch unter freiem Himmel; kaum waren ſte aus dem Garten ge⸗ treten und befanden ſich auf den Feldern, als ſie nach allen Richtungen Reiter galoppiren ſahen. Sir Geoffrey Gates, der Anführer der Rebellen, war entflohen; es war eine Belohnung von dreſhundert Mark auf ſeinen Kopf geſetzt und die Reiter ſuchten jetzt den Flüchtling auf. Die menſchliche Geſtalt ſelbſt verurſachte den Flüchtlingen Schrecken; ſie ſchlichen ſich unter einer dichten Hecke fort, bis die Reiter verſchwunden waren, und ſetzten dann ihren Weg fort. Sie erreichten den Wald, hielten aber dort wieder an, als ſte Stimmen vernahmen und zogen ſich in den Schatten einiger dichten und verwickelten Buͤſche zurück. Diesmal war es nur eine Schaar von Bauern, welche die Neugierde zu dem Schlachtfelde gefuhrt hatte und die jetzt nach Hauſe zu⸗ rückkehrten. Bauern und Soldaten waren Menſchen und baher von ſelbſt auße ließen auc voͤllig Nac durch den und ein t niederzuſen aber noch: gen der hi der ruhigen feuer, wo waren zerf ſchaudernd ihre Füße entgegengen Apfelblüter weißer erſch die Todten Lebenden. Geſicht, ve gen; doch Hand; die Beleidigung Umgebung Schlachtfeld Leichen am d hörten, die antwortete! doch er bete Wanderer baher von denen zu vermeiden, welche das Zeitalter ſelbſt außer dem Bereich des Geſetzes ſtellte. Endlich ließen auch dieſe ihnen den Weg frei und jetzt war es voͤllig Nacht. Sie ſetzten ihren Weg ſort— gingen durch den Wald— und vor ihnen lag das Schlachtfeld; und ein tiefes Schweigen ſchien ſich über die Welt niederzuſenken! Die erſten Sterne waren aufgegangen, aber noch nicht der Mond. Der Schimmer der Rüſtun⸗ gen der hingeſtreckten Körper bildete den Widerſchein der ruhigen Strahlen; hier und da ſchimmerten Wacht⸗ fener, wo Schildwachen aufgeſtellt waren, doch ſie waren zerſtreut und entfernt. Die Flüchtlinge blieben ſchaudernd ſtehen; doch ſchien kein heiligerer Weg für ihre Füße da zu ſein, und das Pachthans lag auf der entgegengeſetzten Seite des Feldes unter den weißen Apfelblüten, die bei dem Schimmer der Sterne noch weißer erſchienen. Sie gingen Hand in Hand weiter— die Todten waren doch immer weniger ſchrecklich als die Lebenden. Zuweilen fiel ihnen ein aufwärts gerichtetes Geſicht, verzerrt von der letzten Todesqual, in die Au⸗ gen; doch die Waffe war machtlos in der erſtarrten Hand; die farbloſen Lippen ſtießen keine Drohung und Beleidigung aus— die Verfolgung ruhte endlich in der Umgebung der Todten. Sie waren mitten über das Schlachtfeld gegangen, als ſie von einer Stelle, wo die Leichen am dichteſten aufgehäuft lagen, eine matte Stimme hörten, die Gott um Vergebung anflehte, und plötzlich antwortete darauf ein Anverer in heftiger Tohesqual— doch er betete nicht, ſondern fluchte. Die gutherzigen Wanderer gingen ſchweigend auf die Stelle zu. Der 4⁵⁰ Leidende, welcher betete, war ein Jüngling, der kaum die Knabenjahre überſchritten hatte; ſein Helm war ge⸗ ſpalten, ſein Kopf unbedeckt und ſein langes mit Blut benetztes helles Haar fiel über ſeine Schultern nieder. Nehen ihm lag eine ſtark gebaute, kräftige Geſtalt, die ſich in Todesqual wand, unter dem Arm von dem Pfeil eines Anhängers von York durchbohrt, und deſſen Schaft noch aus der Wunde hervorragte— und des Mannes Fluch antwortete auf des Knaben Gebet. „Friede ſei mit Deiner ſcheidenden Seele, Bruder!“ ſagte Warner ſich über den Mann beugend. „Armer Leidender,“ ſagte Sibylla zu dem Knaben, „faſſe Muth; wir wollen Dir Hülfe ſenden; Du magſt vielleicht noch am Leben bleiben!“ „Waſſer! Waſſer!— Hölle und Folterqual!— Waſſer, ſage ich!“ ſtöhnte der Mann,„oh, nur einen Tropfen Waſſer!“ Es war der Hauptmann der Marodeurs, der die Wanderer gefangen genommen hatte. „Deinen Arm! Erhebe mich! Bringe mich fort! Jener höſe Mann hält meine Seele vom Himmel zurück!“ ſtöhnte der Knabe. Und Adam predigte Buße dem, der fluchte, und Si⸗ bylla kniete nieder und betete mit dem, der betete— und der Mond ging auf. Lord Haſtings ſaß mit ſeinen ſiegreichen Offizieren beim Meth und Wein in der demüthigen Halle des Pachthauſes. „So,“ ſagie er,„haben wir alſo die Rebellion bis auf den letzten Funken ausgelöſcht. Dieſer Sir Geoffrey Gates iſ daß er 1 Unheil a das emp gefallen neuen M Die trat plötz „M nicht zu Soldaten Verwund O Gott! „Ich einen So jebden M Unſere 2 Schildwa wachen!“ „ Sch ſie die P ſchleichen geſehen h Gebt mi Vollmach Sohn— mer alt— Der! „Seh gerne! U⸗ kaum dar ge⸗ t Blut nieder. alt, die Pfeil Schaft tannes auder!“ enaben, magſt ral!— einen der die Gates iſt ein ruheloſer und entſchloſſener Geiſt; Schade, daß er noch einmal enikommen iſt, um noch weiteres Unheil anzurichten. Aber das Haus Nevile, welches das emporkommende Geſchlecht überſchattete, iſt endlich gefallen— ein Glas, meine wackeren Herren, auf die neuen Männer!“ Die Thür wurde aufgeriſſen und ein alter Soldat trat plötzlich herein. „Mylord! Mylord! O mein armer Sohn! Er iſt nicht zu ſinden! Die Weiber, die ſtets dem Marſche der Soldaten folgen, werden auf dem Platze ſein, um die Verwundeten zu tödten und ihre Körper auszuplündern. O Gott! Wenn mein Sohn— mein einziger Sohn—* „Ich wußte nicht, mein tapferer Mervil, daß Du einen Sohn unter unſeren Truppen haſt; ich kenne doch jeden Mann mit Namen und von Anſehen. Muth! Unſere Verwundeten ſind weggebracht worden und Schildwachen aufgeſtellt, um das Schlachtfeld zu be⸗ wachen!“ „Schildwachen! O Mylord, wißt Ihr nicht, daß ſie die Plunderung der Todten unterſtützen? Übrigens ſchleichen dieſe Plünderer der Todten verſtohlen und un⸗ geſehen herbei, wie die rothen Erdwürmer zuden Leichen. Gebt mir einige von Euren Leuten mit— gebt mir Vollmacht, das Schlachtfeld zu durchſuchen. Mein Sohn— mein Sohn!— Noch nicht ſechszehn Som⸗ mer alt— und ſeine Mutter—* Der Mann hielt ſchluchzend inne. „Sehr gerne!“ ſagte der ſanfte Haſtings,„ſehr gerne! Und wehe den Schildwachen, wenn ſie thun, wie 4⁵² Du ſagſt! Ich will ſelber gehen und zuſehen!— Fackeln da! Der gute Anführer kümmert ſich ſelbſt um ſeine Tobten. Dein Sohn! Es wundert mich, daß ich ihn nicht kannte!— Unter wem diente er?“ „Mylord! Mylord, verzeiht ihm! Er iſt nur noch ein Knabe— ſie verleiteten ihn!— Er ſocht für die Rebellen. Er begegnete mir heute— mein Arm war erhoben— wir erkannten einander und er floh vor dem Schwerte ſeines Vaters!— Gerade als der Kampf zu Ende war, ſah ich ihn wieder— ich ſah ihn fallen! — O Gnade, Gnade! Laßt ihn nicht durch das Meſſer der Plünderer, oder an ſeinen Wunden ſterben, wenn er gleich ein Rebell iſt.“ „Ich bin ein Menſch,“ ſagte der edle Anführer, „und ſelbſt in dieſen blutigen Zeiten gebletet die Natur, wenn ſie mit der Stimme eines Vaters redet. Mervil, ich beobachtete Dich heute! Dn bitt ein wackerer Kerl. Ich hatte Dir Beförderung zugedacht— anſtatt deren gebe ich Dir Deines Sohnes Begnadigung, wenn er lebt, zehn Meſſen, wenn er geſtorben iſt, wie der Sohn eines Soldaten ſterben ſollte, einerlei, unter welcher Fahne— Antilope oder Löwe— nämlich die Brußt durchbohrt— ſeine Füße gegen den Feind! Komm, ich will Dir ſuchen helfen!“ Der Knabe gab ſeinen Geiſt auf, wäͤhrend Sibylla betete und ihre liebliche Stimme milderte die letzie Qual; und der Maan hörte auf zu fluchen, während Adam von Gottes Macht und Gnade ſprach, und ſein Athemzug wurde ſchwächer, bis er endlich ganz ſtille ſtand. Wäͤhrend die Wanderer ſo aufgehalten wurden, feldes, da Die rothe um deſſen ſchlungen, Stoß mit ſprang au zu der St tete Beut drohend; ſehen, die als plötzli Ruf wurde Bewaffnet Weiber ſt Schrei aus Leichen ur heit des W „Prof mir bei To 4⁵³ ſahen ſie nicht die bleichen Geſtalten, die über den Platz dahin ſchwebten und von einem Haufen der Erſchlage⸗ nen zum anhern eilten. Mit einem lauten, wilden Schrei ſprang der lancaſtriſche Reiter im letzten Todeskampfe halb auf und fiel dann als Leiche auf ſein Geſicht nieder. Der Schrei erreichte die Trommelmäaͤdchen und Graul erhob ſich von einer Leiche, der ſie einige mit Blut benetzte Geldſtücke abgenommen und eilte zu der Stelle; und als Adam ſein Geſicht von der Betrach⸗ tung des Todten erhob, deſſen letzte Augenblicke er zu beſänftigen geſucht hatte, ſtand die Furie des Schlacht⸗ feldes, das bloße Meſſer in der blutigen Hand vor ihm. Die rothe Grete, die eben den Koͤrper eines Soldaten, um deſſen Hals ſie noch am Tage zuvor ihren Arm ge⸗ ſchlungen, verlaſſen hatte, gab ihm in der Wuth einen Stoß mit dem Fuße, denn die Taſche war leer, und ſprang auf Sibylla zu. Auch die Übrigen drängten ſich zu der Stelle und lachten heiter, als ſie ihre unerwar⸗ tete Beute erblickten. Die Gefahr war ſchrecklich und drohend; kein Mitleib war in jenen wilden Augen zu ſehen, die Wanderer bereiteten ſich auf den Tod vor— als plötzlich Fackeln über den Platz ſchimmerten. Ein Ruf wurde gehört:„Seht die Plünderer der Todten!“* Bewaffnete Maͤnner eilten herbei; die erſchrockenen Weiber ſtießen einen durchdringenden, übernatürlichen Schrei aus, flohen von dem Platze, ſpraugen über die Leichen und liefen hin und her, bis ſie in der Dunkel⸗ heit des Waldes verſchwanden. „Profoß!“ ſagte eine gebieteriſche Stimme,„knüpft mir bei Tagesanbruch dieſe Schildwachen auf!“ 45⁵⁴ „Mein Sohn! Mein Sohn! Rede— Heinz, rede zu mir! Er iſt hier— er iſt gefunden!“ rief der alte Soldat, neben der Leiche zu Sibylla's Füßen nieder⸗ knieend. „Mein Lord! Mein Geliebter! Mein Haſtings!* Und Sibylla fiel bewußtlos vor dem Anführer nieher. ä3, rebe der alte nieder⸗ Rings!* leber. — 9.— —— 2— 4 1 4