———— ——— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliotkek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zuruückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Büe her. ————— auf 1 Monat: 1 Mr. Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mk.. 2 3„ 5 4 würtige Whonnenten haben für Hin und Zuri ckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersat?. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlörene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werven.— Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte, ver lorene oder def Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Lra des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die ſelben von mir 8ien auch dafür zu ſtehen haben. umme ſtattet un eP: — ndung orgen. e und uß der ,ver wird rleihen he die E. L. Pulwer's ſãmmtliche Romane. Aus dem Engliſchen. Dreiundzwanzigſter Band. Alice. I. Stuttgart: Scheible, Rieger& Gattler. 1815. Aliee, oder die Geheimniſſe. (Fortſetzung von Ernſt Maltrqvers.) Ein Roman von Ednard Lytton Pulwer. neberſetzt von Dr. Franz Kottenkamp. Grſter Vand. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. De Mang gen, d ren Th — ich fols 12 Erzählt S allein ich den führen dig laf X. ich übe Leſers ner W fall ert Alle ohne Q ler im wäre t Bult VPorrede. Den zahlreichen Kritikern, welche ſich über den Mangel an Vollſtändigkeit in dieſem Werke bekla⸗ gen, den Wenigen, welche die Moral des erſte⸗ ren Theiles meines Werkes in Zweifel zogen, gebe ich folgende Antwort: Ich bedaure die Lä e Erzählung und bitte deßhalb um Entſch allein größere Kürze war mir nicht möglich ich den zum Grunde liegenden Gedanken durch⸗ führen und nicht manche Abtheilungen unvollſ dig laſſen wollte. Meine Arbeit iſt jetzt beent ich übergebe dem endlichen Urtheil des gt Leſers das gereifteſte und umfaſſendſte aller mei⸗ ner Werke, dem er bis jetzt ermuthigenden Bei⸗ fall ertheilt hat. Allerdings iſt der Held der Erzählung nicht ohne Mängel. Wären ſeine hauptſächlichſten Feh⸗ ler im vorhergehenden Theil gebeſſert worden, ſo wäre dem Leſer die Fortſetzung erſpart. Weil Bulwer, Alice. 1. 4 ſeine Fehler des Urtheils und des Handelns noch nicht ausgeglichen und entfernt— weil ſeine Mei⸗ nungen oft krankhaft und nicht gründlich waren, weil ſeine Gefühle größeren Adel wie ſeine Hand⸗ lungen, ſein Stolz ſich zu hoch für ſeine Tugend erwies— find dieſe Bände zur Vervollſtändigung ſeiner Prüfungen und meines Planes erforderlich. Der Verfaſſer bittet noch einmal das Publi⸗ kum, an welches er ſtets gegen die Herunterſe⸗ tzung literariſchen Neides und politiſcher Feindſchaft appellirte, nicht um Gunſt und Nachſicht, ſondern um aufrichtiges unparteiiſches Urtheil. London, 23. Febr. 4838. Kräut 7 dem fr 1 ſchmüe und rr Bäum ſatz zu Der§ Vergn eignete Eigent fitzend vermu gchtun noch Mei⸗ aren, and⸗ ugend igung rlich. ubli⸗ terſe⸗ ſchaft ndern Erſtes Buch. Dich, die in Wohnung weilt unter laubigem Dach ————— ruf ich an. Eurip. Hel. Erſtes Kapitel. Wer biſt Du, Schöne, die den Platz genommen Ihr, der ein namenloſer Reiz entglommen. Lamb. Am Abend eines Apriltages ſaßen zwei Damen an den offenen Fenſtern eines kleinen Landhauſes in Devon⸗ ſhire. Der freie Platz vor ihnen war mit immergrünen Kräutern bepflanzt und mit den erſten Blumen und dem friſchen Raſen des wieder belebten Frühlings ge⸗ ſchmückt; in einiger Entfernung beſchloß die See, blau und ruhig, welche man durch eine Oeffnung in den Bäumen erblickte, die Ausſicht, und bot einen Gegen⸗ ſatz zu den beſchränkten und länblichen Zügen der Seene. Der Platz lag abgeſondert, von dem Lärm und dem Vergnügen der Welt entfernt und gbgeſchloſſen; er eignete ſich für den Geſchmack und den Charakter der Eigenthümerin. Dieſe war die jüngere der am Fenſter ſitzenden Damen. Man hätte nach ihrem ußeren kaum vermuthen können, daß ſie etwas älter wie ſieben oder achtundzwanzig Jahre wäre, obgleich ſie um vier oder fünf Jahre dieſe kritiſche Grenze im Leben ver Schön⸗ heit ſchon überſchritten hatte. Ihre Geſtalt war leicht und zart in den Verhältniſſen, und ihr Antlitz nicht weniger liebenswürdig; nur rauhe und munkere Män⸗ ner würden wegen ſeiner, mit einem gewiſſen Trübſinn gemiſchten, Sanftmuth und Ruhe geurtheilt haben, daß es des Ausdrucks ermangle. Es iegt im Antlitze De⸗ rer, welche tiefe Empfindungen gehegt haben, eine Stille, die das gewöhnliche Auge täuſcht— ſo find die Flüſſe oſt zugleich ruhig und tief im Verhältniß wie ſie ſich von den Quellen entfernten, die den Be⸗ ginn ihres Laufes antrieben und an ſchwollen, und von denen der Fluß auch noch jetzt ſein Waſſer, obgleich ungeſehen erhält. Die ältere Frau, der Gaſt der Anderen, war älter wie fiebenzig; ihr graues Haar war von der Stirn ge⸗ zogen und unter einer ſteifen Haube von quäkerartiger Einfachheit geborgen; ihre Kleidung, koſtbar aber ein⸗ fach und nach älterer Mobe, er höhte das ehrwürdige Anſehen der Dame, die ſich ihrer Jahre nicht zu ſchä⸗ men ſchien. „Meine theure Frau Leslie, ſprach die Dame des Hauſes nach einer nachdenklichen Pauſe im Geſpräch, welches etwa eine Stunde lang ſchon geführt war,„ſie haben Recht, vielleicht bin ich zu tadeln, daß ich an dieſen Ort zog; ich hätte nicht ſo ſelbßſüchtig ſein ſollen.“ „Nein, meine tbeure Freundin,“ erwiterte Frau Leslie ſanft„ſelbſtſüchtig iſt ein Wort, das ſich nicht auf Sſe gnwenden läßt; Sie handelten wie es Ihnen Verlafſt Obdach ſen war Armuth beſſer ſi ſagen, h oh ſie L aber kat chen? ſagen iſ gend ül ſorgt ſo ſten eigt „ De r Schön⸗ var leicht litz nicht re Män⸗ Trübſinn aben, daß litze De⸗ ben, eine ſo find erhältniß den Be⸗ und von obgleich war älter Stirn ge⸗ kerartiger aber ein⸗ würdige t zu ſchã⸗ dame des Heſpräch, war,„ſie aß ich an chtig ſein erte Frau ſich nicht es Ihnen 5 gezlemt— Ihrem eigenen Gefühl desjenigen, was in Ihrem Alter das Beſte iſt, gemäß— unabhängig in Vermögen und Rang und noch ſo liebenswürdig:— Sie verzichteten auf Alles was Anbere anziehen konnte und weihten ſich in Zurückgezogenheit einem Leben der Ruhe und unbekannten Wohlwollens. Sie befinden ſich in dieſem Dorfe, ſo klein es auch iſt, in Ihrer Sphäre— Sie tröſten erleichtern, heilen die Unglücklichen, Ver⸗ laſſenen, Kranken und lehren Ihre Eveline, Ihre be⸗ ſcheidenen und chriſtlichen Tugenben nachzuahmen.“ Die gute, alte Dame ſprach mit Wärme und mit Thränen in den Augen, ihre Gefährtin legte ihre Hand in die der Frau Leslie. „Sie können mich nicht eitel machen,“ ſprach ſie mit ſüßem, ſchwermüthigem Lächeln;„ich erinnere mich noch wohl, was ich war„als Sie zuerſt der Armen, Verlaſſenen, Wandernden und bem vaterloſen Kinde ein Obdach gaben; ich, die ich damals ſo arm und verlaſ⸗ ſen war, was würbe ich ſein, bliebe ich tauh bei der Armuth und dem Kummer der Anderen, die noch vazu beſſer find wie ich? Jetzt aber wächst Eveline, wie Sie ſagen, heran; die Zeit naht, wo ſie ſich entſchließen muß, oh ſie Lord Vargrave annehmen will vder nicht. Wie aber kann ſie ihn in dieſem Dorfe mit Andern verglei⸗ chen? Wie kann ſie eine Wahl ſich bilden? Was Sie ſagen iſt ſehr wahr, ich habe es aber noch nicht genü⸗ gend überlegt. Was ſoll ich thun? Ich bin allein be⸗ ſorgt ſo zu handeln, wie es ſich für ihr Glück am be⸗ ſten eignet.“ „Davon bin ich überzengt,“ erwiberte Miſtreß Leslie,„und dennoch weiß ich nicht, wie ich Ihnen rathen ſoll. Einerſeits iſt man dem Verlangen Ihres verſtorbenen Gatten in jeder Hinſicht ſo viel ſchuldig, daß es ſehr wünſchenswerth erſcheint, Eveline möge Lord Vargrave Allen Andern vorziehen, wenn er ihrer Achtung und Liebe würdig iſt. Iſt er aber,— und ich höre, daß man ihn in der Welt vafür ausgibt— ein li⸗ ſtiger, intriguirender, beinahe herzloſer Mann, mit ehr⸗ geizigen und harten Beſtrebungen: ſo zittre ich bei dem Gedanken, wie Evelinens ganzes Lebensglück hin⸗ weggeworfen werden kann. Sie iſt ſicherlich nicht in ihn verliebt und ich beſorge, vaß ſie ihrem Charakter nach zu viel Empfänglichkett für zarte Neigungen be⸗ ſitzt. Sie ſollte jetzt Andere ſehen, ihr eigenes Herz erkennen und nicht blindlings und unerfuhren zu einem Schritt, der über ihr ganzes Daſein entſcheidet, be⸗ ſtimmt werden. Dieſe Pflicht find wir ihr ſchuldig⸗ ſogar dem verſtorbenen Lord Vargrave, wie ſehr er auch jene Ehe wünſchte. Sein Zweck war offenbar ihr Glück und er wäre nicht auf etnem Verfahren be⸗ ſtanden, das durch Zeit und umſtände zu dem ganz ent⸗ gegengeſetzten Ziele führen könnte.“ „Sie haben Recht,“ erwiderte Lady Vargrave, „als mein armer Gatte auf ſeinem Todenbette lag, ge⸗ rade ehe er ſeinen Neffen herbeirief, um ſeinen letzten Segen zu erhalten, ſogte er mir: die Vorſehung kann alle unſere Pläne vereiteln. Wird es je zum wirkli⸗ chen Glück ver Eveline gereichen, vaß ihre Vermählunz mit Lumley Ferrers nicht erfüllt werde, ſo muß ich Ih nen das Recht der Entſcheidung in dem, was ſch nicht vorher kein„ Kind! zukünf pieren ben 3 andere warter oft un Liebe jetzt n „ wäre, ſcheint Schme den ſo vernah ger Er ges M den R über ſt Es Ruhe der R einen, den Zü lachent ch Ihnen gen Ihres lſchuldig, in möge n er ihrer — und ich — ein li⸗ mit ehr⸗ re ich bei sglück hin⸗ ch nicht in Charakter ungen be⸗ genes Herz nzu einem heidet, be⸗ r ſchuldig, vie ſehr er ar offenbar rfahren be⸗ n ganz ent⸗ Vargrae, tte lag, ge⸗ einen letzten ſehung kann zum wirkli⸗ Vermählunz muß ich Ih⸗ vas ſch nicht vorherſehen kaun, überlaſſen. Ich verlange allein, daß kein Hinderniß meinen Wünſchen erſchaffen und dies Kind bei der Erziehung gewöhnt wird, Lumley als den zukünftigen Gatten zu betrachten. Unter ſeinen Pa⸗ pieren befand ſich ein an mich gerichteter Brief deſſel⸗ ben Inhalts, und wirklich überließ dieſer Brief in anderer Hinſicht mehr meinem Urtheil, wie ich zu er⸗ warten ein Recht beſaß. Ach, der Gevanke macht mich oft unglücklich, daß er keine Andere heirathete, die ſeine Liebe verdient haben würde und— allein Kummer iſt jetzt nutzlos.“ „Ich wünſche, daß dies Ihr wirkliches Gefühl wäre,“ ſagte Frau Leslie,„denn Kummer anderer Art ſcheint Ste zu quälen. Ich glaube nicht, daß Sie die Schmerzen Ihrer Jugend vergeſſen haben.“ „Ach, wie iſt das möglich!“ ſprach Lady Vargrave mit bebender Lippe. In dem Augenblick verdunkelte ein leichter Schatten den ſonnigen grünen Platz vor dem Fenſter, und man vernahm, wie eine liebliche, muntere Stimme in eini⸗ ger Entfernung ſang. Gleich darauf hüpfte ein jun⸗ ges Mädchen in der erſten Blüte der Jugend über den Raſen und ſtand den beiden Freundinnen gegen⸗ über ſtill. Es bot ſich ein auffallender Gegenſatz zwiſchen der Ruhe und Stille der beiden beſchriebenen Perſonen, der Ruhe— dem Alter und dem grauen Haare der einen, der ſchwermüthigen und ſanften Ergebung auf den Zügen der Andern, zu dem hüpfenden Schritt, dem lachenden Auge und der ſtrahlenden Blüte der nenen Erſcheinung. Die untergehende Sonne glühte auf ihr üppiges ſchönes Haar, ihr liebliches Geſicht, ihre ela⸗ ſtiſche Form— die Viſion war beinahe zu glänzend für dieſe plumpe Erde— ein Weſen von Licht und Heil, welches die heiteren Griechen unter die Formen des Olymps verſetzt und als Anrora oder Hebe verehrt haben würden. „Wie können Sie an bieſem ſchönen Abende zu Hauſe bleiben? Kommen Sie, theuerſte Frau Leslie, kommen Sie, Mutter, theure Mutter, Sie haben es mir verſprochen. Sie ſagten, ich ſollte Sie abrufen. Sehen Sie, es wird nicht mehr regnen und das Schauer hat die Myrten und vas Veilchenbett ſo erfriſcht.“ „Meine theuere Eveline,“ ſprach Frau Leslie mit einem Lächeln,„ich bin nicht ſo jung wie Du.“ „Nein, aber eben ſo munter, wenn Sie guter Laune find— wer wird bei ſolchem Wetter nicht heiter ſein? Ich will Ihren Rollſtuhl holen laſſen, ich will Ste umherrollen, ich kann es gewiß— ſtill Sultan, haſt Du mich ausgefunden, ſtill!“ Dieſe letzte Ermahnung war an einen ſchönen Hund der Newfoundland⸗Race gerichtet, dem es jetzt ge⸗ lang, Evelinens Aufmerkſamkeit gänzlich in Anſpruch zu nehmen. Die beiden Freundinuen blickten auf vas ſchöne Mädchen, als ſie vie ausgelaſſene Heiterkeit ihres roßen Geſpielen theilte, obgleich ſie dieſelbe ſchalt; le ättere der Beiden ſchien am meiſten in ihre Heiter⸗ keit einzuſt mmen. Beide blickten mit ſanfter Zärt⸗ lichkeit auf ein ſo geliebtes Weſen, allein eine Erinne⸗ hte auf ihr ihre ela⸗ glänzend Licht und ie Formen be verehrt Abende zu rau Leslie, e haben es eabrufen. s Schauer ſcht.“ Leslie mit * Sie guter icht heiter „eich will U Sultan, nen Hund jetzt ge⸗ Anſpruch as ſchöne keit ihres be ſchalt; re Heiter⸗ ter Zärt⸗ e Erinne⸗ 9 rung ober Ibeenverbindung berührte Lady Vargrave und ſie ſeufzte, als ſie hinſchante. Zweites Kapitel. Läßt je des Lebens Sturm ſich hier vergleichen Der Heiterkeit? Young. Die Fenſter waren geſchloſſen; die Nacht war auf den Abend gefolgt und die kleine Geſellſchoft ſaß in dem Landhauſe zuſommen. Frau Leslie ſaß ruhig im Lehn⸗ ſtuhl; Lady Vargrave kützte dos Haupt und ſchien in ein Buch verſunken, allein ihre Augen ruhten nicht auf der Seite; Eveline war beſchäftigt, den Inhalt eines Pakets von Büchern und Noten auseinander zu legen, welches gerade aus dem Hauſe des Parkhüters ange⸗ kommen war, wo die Londoner Poſt es zurückgelaſſen hatte. „O theure Mama!“ ſagte Eveline,„hier iſt etwas, was Sie ſo gern ſehen, einige der Gedichte, wovon Sie ſo gerührt waren, in Muſik geſetzt.“ Eveline brachte die Gedichte ihrer Mutter, die ihre Träumerei verſcheuchte und mit großem Intereſſe in demſelben las. „Sonderbar,“ ſagte ſie,„daß mich Alles ſo rührt, was dieſer Munn ſchreibt; obgleich,“ fügte ſie hinzu, indem ſie Evelinens üppige Locken aus dem Geſicht ſtrich,„ich nicht ſo gern leſe wie Du.“ „Sie leſen in einem ſeiner Bücher,“ ſagte Eveline, indem ſie auf die aufgeſchlagene Seite blickte.„Das iſt die ſchöne Stelle üher unſere erſten Einbrücke. Doch ſehe ich nicht gern, theure Mutter, bvaß Sie in ſeinen Büchern leſen, Sie ſcheinen immer dadurch ſo traurig zu werden.“ „Es liegt in den Gedanken, in der Art des Aus⸗ drucks ein Reiz, der mich an einen Jugendfreund erin⸗ nert, ſo daß ich beim Leſen ihn glaube ſprechen zu hören. Mir ging es ſchon ſo das erſtemal, als ich vor Jahren eines ſeiner Bächer aufſchlug.“ „Wer iſt denn der Schriftſteller, welcher Ihnen ſo ſehr gefällt?“ ſragte Frau Leslie mit einiger über⸗ raſchung, denn Lady Vargrave fand gewöhnlich nur wenig Vergnügen an den größten und verbreitetſten Meiſterwerken neueſter Schriftſteller. „Maltravers,“antwortete Eveline,„und ich glaube beinah die Begeiſterung meiner Mutter zu theilen.“ „Maltravers,“ wiederholte Frau Leslie,„der iſt vielleicht ein ſehr gefährlicher Schriftſteller für ein ſo junges Mädchen. In Deinem Alter, liebes Kind, hat man ſelbſt natürliche Romantik und Gefühl genug, ſo daß man ſie in Büchern nicht zu ſuchen braucht.“ „Aber, theure Madame,“ ſprach Eveline, indem ſie ihren Günſtling vertrat,„ſeine Schriften beſtehen nicht allein aus Romantik und Gefühl; es herrſcht darin keine übertreibung, ſie ſind ſo einfach und wahr.“ „Haben Sie ihn je geſehn?“ fragte Lady Vargrave. „Ja,“ erwiderte Frau Leslie;„einmal, als er noch ein ſchöner, lockiger Knabe war. Sein Vater wohnte in der nächſten Grafſchaft und wir trafen uns auf einem Landhanſe. Herr Maltravers ſelbſt hat ein Gut neben e. Doch in ſeinen o traurig des Aus⸗ und erin⸗ zu hören. r Jahren r Ihnen er über⸗ lich nur reitetſten ch glaube ilen.“ 11 dem meiner Tochter in B— ſhire, lallein er wohnt vort nicht. Er iſt mehre Jahre auf Reiſen geweſen. Ein ſonderharer Charakter!“ „Warum ſchreibt er nicht mehr?“ ſagte Eveline, „ich habe ſeine Werke ſo oft geleſen und weiß ſeine Poeſie ſo auswendig, daß ich etwas Neues von ihm als ein Er⸗ eigniß betrachten würde.“ „Wie ich gehört habe, meine Liebe, ſo hat er ſich von der Welt und ihren Zwecken zurückgezogen und iſt lange im Orient geweſen. Der Tod einer Dame, die er heirathen wollte, ſoll ſeinen Charakter verſtört und ge⸗ ändert haben. Seit der Zeit iſt er nicht wieder nach Enzland zurückgekehrt. Lord Vargrave kann Ihnen mehr ſagen wie ich.“ „Lord Vargrave denkt an Nichts, was ſich nicht in ver großen Welt befindet,“ ſagte Eveline. „Gewiß, Sie thun ihm Unrecht,“ ſprach Frau Leslie, indem ſie aufblickte und ihre Augen auf Evelinens Antlitz heftete;„Sie wenigſtens ſind nicht in der großen Welt.“ Eveline ſchmollte leicht mit ihrer hübſchen Lippe und ſchwieg; ſie nahm die Noten, ſetzte ſich an das Fortepiano und verſuchte die Melodien; Lady Vargrave hörte mit Rührung, und als Eveline in einer ausge⸗ zeichnet ſanften, obgleich nicht kräftigen, Stimme die Worte ſang, wandte ihre Mutter ihr Geſicht fort und ließ halb unbewußt einige Thränen über ihre Wangen fallen. Als Eveline ſchwieg— ſie ſelbſt war ergriffen, denn die Worte boten eine wilde und tiefe Melancholie— kam ſie zu ihrer Mutter und küßte, als ſie deren Erre⸗ 12 gung ſah, die Thränen aus den nachdenklichen Blicken. Ihre Heiterkeit hatte ſie verlaſſen; ſie rückte ihren Schemel zu den Füßen ihrer Mutter, hing ſich an ſie, drückte ihr die Hand und verließ ſie nicht eher, als bis ſie alle zu Bett gingen. Lady Vargrave ſegnete Eveline und fühlte, daß, wenn auch heranbt, ſie nicht allein war. Drittes Kapitel. Komm Göttin, daß uns ſchön und frei Des Himmels Euphroſyne ſei. Zu ſchoun die Lrche, wie ſie fleucht, Wenn ſingend ſie die Nacht verſcheucht. Komm Göttin, der ſich Weieheit lieh, Du himmliſche Melancholie, In heil'ger Leidenſchaſt befangen, Vergiß dich ſelbſt, bis du venſteint. Milton, LAllegro a il Penseroso. Ein Worgen im Frübling— welche Ideenverbin⸗ dung von Friſche und Hoffaung liegt in dieſen wenigen Worten! Dort hüpfte Eveline, bald nach Sonnenauf⸗ gang, friſch und hoffnungsvoll wie der Morgen, mit dem leichten Schritt eines Rehes über den Raſen. Sie war allein, keine Gouvernante mit gerümpfter Naſe und ſcharfer Ctimme zügelte ihre anmuthigen Bewe⸗ gungen und ſagte ihr, wie junge Damen gehen müſſen. Wie ſchweigend erhob ſich der Morgen der Erde! Es war, als ob die Jugend den Dag und die Welt ſelbſt beſitze. Die Läden des Landhauſes waren noch verſchloſ⸗ ſen; Eveline warf einen Blick aufwärts, um ſich zu überzen ſtand, 1 aus He ſichern: blicken ſ Stufen Meerſa Herzen ken. In in dem unterbre der früh tiefen u der Nat denkliche Wie ver die mit tragen Erde, Eveline die Que ſichtbare Diet wie wen ſich dart Daſein die Stur Beiſpiel und Sch licken. ihren an ſie, ls bis veline nwar. frei cht. eh, Seroso. erbin⸗ 13 überzeugen, vaß ihre Mutter, vie ebenfalls früh auf⸗ ſtand, noch nicht erwacht war, alsbann hüpfte ſie fort, aus Heiterkeit fingend, um ſich einen Geſellſchofter zu ſichern und Sultan herauszulaſſen; nach wenigen Augen⸗ blicken ſtreiften beide über das Gras und eilten die rauhen Stufen hinab, die von einer Klippe ſich zum weichen Meerſande wandten. Eveline war noch ein Kind im Herzen, ob auch noch etwas mehr wie ein Kind im Den⸗ ken. In der Majeſtät der hohlen Flut geheimnißvollen Schalles in dem Schweigen, welches das Gemurmel der Wellen unterbrach— in der Einſamkeit, welche nur die Boote der früh ausgefahrnen Schiffer ſtörte, empfand ſie den tiefen und bernhigenden Einfluß, welchen die Religion der Natur übt. Unbewußt nahm ihr Antlitz einen nach⸗ denklichen Ausdruck an und ihr Schritt wurbe langſamer. Wie verwickelt iſt die Erziehung! Wie viele Umſtände, die mit Büchern und Lehrern nicht in Verbindung ſtehen, tragen dazu bei, die menſchliche Seele auszubilden— Erde, Himmel und Oeean gehörten zu den Lehrern der Eveline Cameron; in der Einfachheit ihres Denkens war die Quelle dichteriſchen Gefühls, täglich aus Urnen un⸗ ſichtbarer Geiſter gefüllt. Dies war die Stunde, als Eveline deutlich empfand, wie wenig unſer wirkliches Lehen in äußern Ereigniſſen ſich darſtellen läßt, wie wir ein zweites und höheres Daſein im Sinnen und Träumen durchleben. Dies war die Stunde, worin ſie, nicht mehr durch Lehre wie durch Beiſpiel in dem Glauben auferzogen, welcher Kreaturen und Schöpfer vereint, ſich erhoben fühlte, ſo daß ihr Gebanke ſelbſt etwas von der Heiligkeit des Gebetes empfing; und dies war die Stunde(wenden wir uns vom Traum des Göttlichen zu Gebilden der Erde), worin das Herz ſeine eigene Feenwelt ſich malte und bevölkerte — unter den beiden idealen Welten, die ſich jenſeits des Zolles Zeit, worauf wir ſtehen, ausdehnen, iſt die Phan⸗ tafie vielleicht heiliger wie die Erinnerung. Als nun der Tag vorrückte, kehrte Eveline zur nüch⸗ ternen Stimmung zurück und ſchloß ſich ihrer Mutter und Frau Leslie beim Frühſtück an; alsdann kamen bie Sorgen der Haushaltung, wie ſie waren, denn dieſe fielen ihr, mochte ſie auch eine reiche Erbin ſein, anheim. Nach Vollhringung dieſer Pflicht ward der Strohhut und Sultan wieder in Anſpruch genommen; ſie öffnete ein kleines Thor an der hintern Seite des Landhauſes und ſchlug einen Pfad am Kirchhofe des Dorfes ein, der zum Hauſe des alten Pfarrers führte. Der Begräb⸗ nißort ſelbſt war mit einem Gurt von Bäumen umringt und geſchloſſen. Außer der kleinen, durch die Zeit ge⸗ bräunten Kirche, außer dem Dach ves Lanbhauſes und dem Haus des Pfarrers war kein Gebände, nicht einmal die Hütte eines Häuslers dort ſichthar. Unter einem dunklen und einſam ſtehenden Eibenbaum auf der Mitte des Platzes befand ſich ein roher Sitz; demſelben gegen⸗ über ſtand ein Grab, vor den übrigen durch eine leichte Uumzäunung bemerkbar. Als die junge Eveline langſam bei dieſem Orte vorüberging, bemerkte ihr Blick einen Handſchuh auf dem langen, naſſen Gras am Eiben⸗ baume. Sie nahm ihn auf und ſeufzte; er war der ihrer Mutter. Sie ſeufzte, denn ſie dachte an die ſanfte Me⸗ lanchol Liebkoſt konnte. muth ſi ſich ſet Jet ſtand a lichen Garten ſah, un leicht er 3„S Lektivn „Je „V nein,„ heute 1 ſorge,1 „V amöglich „N neuen 2 werden Er iſt i ihn doc Ihnen lange ic Eve das Her und hän ebetes ir uns worin ölkerte its des Phan⸗ r nüch⸗ Mutter nen die n dieſe nheim. rohhut öffnete dhauſes es ein, ſes und einmal gegen⸗ leichte 15 lancholie auf dem Antlitze ihrer Mutter, welche ihre Liebkoſung und Heiterkeit niemals gänzlich verſcheuchen konnte. Sie wunderte ſich, weßhalb dieſer die Schwer⸗ muth ſo zur Gewohnheit war, denn die Jugend wundert ſich ſtets, weßhalb das erfahrene Alter traurig ſein ſollte. Jetzt war Eoeline über den Kirchhof geſchritten und ſtand auf dem Raſen vor dem altmodiſchen und nied⸗ lichen Pfarrhauſe. Der alte Pfarrer arbeitete in ſeinem Garten; er warf jevoch die Hacke fort als er Eveline ſah, und kam vergnügt, ſie zu grüten. Man konnte leicht erkennen, daß ſie ihm theuer war. „Sie kommen heute ſehr früh zu ihrer täglichen Lektivn, meine junge Schülerin.“ „Ja, aber Taſſo kann warten, wenn der—“ „Wenn der Lehrer den Müßiggänger ſpielen will; nein, mein Kind; und wirklich, der Unterricht muß heute länger dauern als gewöhnlich, denn wie ich be⸗ ſorge, muß ich Sie morgen auf einige Tage verlaſſen.“ „Verlaſſen, weßhalb? Brvok⸗Green verlaſſen, un⸗ möglich!“ „Nicht ganz unmöglich, denn wir bekommen einen neuen Vikar; ich muß Höfling in meinen alten Tagen werden und ihn bitten, mich bei meiner Heerde zu laſſen. Er iſt in Weymouth und hat mir geſchrieben, ich möchte ihn doch beſuchen. Deßhalb, Miß Eveline, muß ich Ihnen eine Feiertagsaufgabe zu lernen aufgeben, ſo lange ich fort bin.“ Eveline wiſchte ſich die Thränen aus den Augen— iſt vas Herz voll von Liebe, ſo laufen die Augen leicht über— und hängte ſich traurig an den alten Mann, als ſie ihren halb kindlichen, halb weiblichen Gram, beim Gedanken, ſo bald von ihm zu ſcheiden, ſich hingab. Und was konnte ihre Mutter ohne ihn anfangen; und weßhalb konnte er dem Vikar nicht ſchreiben, anſtatt ſelbſt fortzureiſen? Der Pfarrer, welcher kinderlos und Junggeſell war, blieb nicht unempfindlich bei der Zärtlichkeit ſeiner ſchö⸗ nen Schülerin; vielleicht war er ſelbſt den Morgen ein wenig mehr wie gewöhnlich zerſtreut, vder Eveline war beſonders unaufmerkſam; denn ſicherlich lernte ſie Nichts in dem heutigen Unterricht. Der alte Mann war ein trefflicher Lehrer. Da er Evelinens ſchnelle, empfängliche und an Phantafie reiche Seele erkannte ſuchte er ihre Einhildungskraft weniger zu zügeln, als zu verfeinern und zu erhößen. Er ſelbſt beſaß ungewöhnliche Fähigkeiten, welche auszubilden ihm die Muße erlaubt hatte; ſeine Frömmigkett war zu groß und heiter, um die Literatur, des Himmels ſchönſte Gabe, von der Sphäre der Religion auszuſchließen. Durch ſeine Sorgfalt war Evelinens Seele mit den Schätzen neuerer Geiſter zur Genüge gefullt und ihr Urtheil durch die Kritik eines anmuthigen und edel⸗ müthigen Geſchmacks geſtärkt. In dem einſam liegenden Dorfe war die junge Erbin erzogen worden, ihrer ſpä⸗ teren Stellung zur Zierde zu gereichen, die Kunſt und Eleganz zu ſchätzen, welche den Höheren vom Niedrigen ohne Anſehen auf Rang unterſcheidet,— für ſie ein größe⸗ res Glück, als wenn ſie vom hunderthändigen Briareus modiſcher Drefſur erzogen wäre. Lidy Vargrave war wie alle Perſonen von beſcheidenen Anſprüchen und un⸗ volltommener Geiſtesbildung etwas geneigt, die Vortheile der Bü vergnügt aus Lond ſah, die? unerſchöp An e die golde Mufik; d ihr ein k ſeiner Ab ſtrebende lang aus auf, um und die ſchen mit „Sei ſorgen, mögen u wiſſen la „The zu verzie „Unt nicht,“ e zurückſcht Sie mir damit m Evel ſprach; „Liel Was wo! Bulw konnte ureiſen? ſell war, ner ſchö⸗ weniger Er ſelbſt szubilden it war zu s ſchönſte ſchließen. mit den und ihr und edel⸗ liegenden hrer ſpä⸗ dunſt und Niedrigen ein größe⸗ Briareus rave war ud n⸗ Vortheile 17 der Büchererziehung zu überſchätzen, und deßhalb nie vergnügter, als wenn ſie Eveline das monatliche Paket aus London öffnen und entzückt die Bücher unterſuchen ſah, die Lady Vargrave in ihrer Unſchuld für Behälter unerſchöpflicher Weisheit hielt. An jenem Tage aber wollte Eveline nicht leſen und die goldenen Verſe Taſſo's verloren in ihrem Ohre die Muſik; deßhalb gab der Pfarrer das Leſen auf und gab ihr ein kleines Programm von Studien, die während ſeiner Abweſenheit durchzumachen waren, in die wider⸗ ſtrebende Hand; Sultan, der ſchon eine halbe Stunde lang ausdrucksvoll ſich die Pfoten geleckt hatte, ſprang auf, um in den Garten zu hüpfen, und der alte Pfarrer und die junge Dame vertauſchten die Werke des Men⸗ ſchen mit denen der Natur. „Sein Sie unbeſorgt, ich will Ihren Garten be⸗ ſorgen, während ſie fort ſind,“ ſagte Eveline;„Sie mögen uns ſchreiben und den Tag Ihrer Rückkehr uns wiſſen laſſen.“ „Theure Eveline, Sie ſind geſchaffen, einen Jeden zu verziehen, vom ESultan bis zu Aubrey.“ „Und auch verzogen zu werben, vergeſſen Sie das nicht,“ erwiberte Eveline lachend, indem ſie ihre Locken zurückſchüttelte.„Und jetzt, bevor Sie gehen, müſſen Sie mir ſagen, da Sie ſo klug find, was ich thun kann, damit meine Mutter mich liebt.“ Evelinens Stimme ſtockte, als ſie die letzten Worte ſprach; Aubrey war überraſcht und gerührt. „Liebt Sie Ihre Mutter nicht, theure Cveline? Was wollen Sie damit ſagen?“ Bulwer, Alice. I. 2 „Ach, nicht wie ich ſie liebe! Sie iſt gütig und ſanft; das weiß ich; ſie iſt ſo gegen Alle; aber ſie ver⸗ traut mir nicht; es nagt ihr ein Kummer am Herzen, den ich niemals erfahren und beſänftigen darf. Warum vermeidet ſie jede Erwähnung ihrer Jugendtage. Sie ſpricht niemals zu mir, als ob fie eine Mutter gehabt habe: warum darf ich ihr nie von ihrer erſten Ehe, von meinem Vater reden? Weßhalb blickt ſie alsdann, als ob ſie mir Vorwürfe machen wollte und vermeidet mich oft mehrere Tage, wenn ich verſuche, ſie auf die Ver⸗ gangenheit zu wenden? Liegt dort ein Geheimniß im Hinterhalt? Iſt dies der Fall, bin ich noch nicht alt genug, um es zu vernehmen?“ Eveline ſprach dies ſchnell und aufgeregt und mit bebender Lippe. Aubrey ergriff ihre Hand, drückte die⸗ ſelbe und ſprach nach einer kleinen Pauſe: „Eveline, dies iſt das erſtemal, daß Sie ſo zu mir reden. Erregte ein beſonderer Vorfall Ihre— ſoll ich Neugier ſagen, oder ſoll ich es den gekränkten Stolz der Liebe nennen?“ „Auch Sie finb hart, Sie tadeln nich! Allerdings habe ich früher nicht ſo zu Ihnen geredet, lange aber hab' ich mit Gram bedacht, daß ich für das Glück mei⸗ ner Mutter nicht genügte, ob ich ſie gleich ſo ſehr liebe; und jetzt, ſeit Fran Leslie hier iſt, ſehe ich ſie oft mit dieſer verkehren, die doch gewiſſermaßen nur eine Freind iſt, und zwar weit vertraulicher als mit mir; trete ich nnerwartet ein, ſo unterbrechen ſie ihr Geſpräch, als ſei ich nicht werth, daſſelbe zu theilen. Ach, ich möcht⸗ Ihnen nur meinen einzigen Wunſch ausſprechen, vaß großen Meine Kind; vielleich lichkeit unbekar dies ſel in ihrer Sie gli nicht vr keine ge Eveline haben, innerun „Y vergebe Vater, Gefühl gekannt gütig und ber ſie ver⸗ m Herzen, f. Warum dtage. Sie tter gehabt Ehe, von sdann, als neidet mich if die Ver⸗ heimniß im h nicht all t mit vrückte die⸗ ſo zu mir Allerdings lange aber Glück mei⸗ ſehr liebe; ſie oft mit ine Freide ; trete ich präch, als ich möcht chen, daß 19 meine Muiter mich lieben und kennen und mir vertrauen würde.“ „Eveline,“ ſprach der Pfarrer kalt,„Sie liehen Ihre Mutter mit Recht; ein ſanfteres und gütigeres Herz als das ihre, ſchlägt nicht in einer Menſchenbruſt; warum glauben Sie nicht, daß jſie durch die beſten und zärtlichſten Beweggründe beſtimmt wird? Warum wollen Sie es ihrer Klugheit nicht überlaſſen, einen geheimen, an ihr nagenden Kummer, wenn ein ſolcher vorhanden iſt, Ihnen zu enthüllen? warum wollen Sie dieſen Kummer dadurch ſteigern, daß Sie einer zu großen und ſelbſtſüchtigen Empfänglichkeit ſich hingeben? Meine theure Schülerin, Sie ſind ja beinahe noch ein Kind; Diejenigen, welche Kummer erlitten, hegen vielleicht Widerwillen, mit ſchwermüthiger Vertrau⸗ lichkeit Diejenigen zu betrüben, denen de Kummer noch unbekannt iſt. Nur ſoviel darf ich Ihnen ſagen, da ſie dies ſelbſt nicht zu verhehlen ſucht, daß Laby Vargrave in ihrer Jugend Prüfungen erfahren mußte, von denen Sie glücklicher verſchont blieben. Sie ſpricht Ihnen nicht von ihren Verwandten, denn auf Erden find ihr keine geblieben. Nach ihrer Ehe mit ihrem Wohlthäter, Eveline, ſcheint ſie es ſich zum Grundſatz gemacht zu haben, jeden eitlen Kummer und wo möglich jede Er⸗ innerung an ein fröheres Band zu verbannen.“ „Meine arme Mutter! O ja, Sie haben Recht, vergeben Sie mir; ſie betrauert vielleicht jetzt meinen Vater, den ich niemals ſah und den zu nennen mir ein Gefühl gleichſam ſchweigend verbietet. Haben Sie ihn gekannt?“ „Wen?“ „Meinen Vater, den erſten Gatten meiner Mutter.“ „Nein.“ „Gewiß hätte ich ihn nicht ſo lieben können, als meinen Wohlthäter, meinen wirklichen und zweiten Vater, der jetzt verſtorben iſt. Oh, wie gut erinnere ich mich noch ſeiner, wie zärtlich!“ Hier ſchwieg Eveline und brach in Thränen aus. „Sie haben Recht, ſein Andenken zu lieben und zu ehren, denn wahrlich, er war Ihnen ein Vater. Jetzt aber hören Sie mich, Eveline, mein theures Kind. Achten Sie das ſchweigende Herz Ihrer Mutter— erwecken Sie ihr nicht den Gevanken, daß ihr Unglück, von welcher Art daſſelbe auch ſein mag, einen Schattrn auf Sie werfen kann— auf Sie, ihre beſte Hoffnung und ihr Glück. Statt daß Sie alte Wunden aufreißen, laſſen Sie die⸗ ſelben heilen, wie es geſchehen muß, durch den Einfluß der Religion und der Zeit, und warten Sie auf die Stunde, wenn Ihre Mutter, vielleicht ohne zu ſcharfen Kummer, mit Ihnen in die Vergangenheit zurückkeh⸗ ren kann.“ „Das will ich! Oh, wie abſcheulich bin ich geweſen; aber glauben Sie mir, theurer Herr Aubrey, ich war es nur aus übermaß von Liebe.“ „Ich glaube Ihnen, arme Eveline; jetzt weiß ich, daß ich Ihnen vertrauen darf. Trocknen Sie dieſe glän⸗ zenden Augen, oder dieſe ſollten ſonſt glauben, ich ſei ein harter Lehrer geweſen; dann laſſen Sie uns zum Landhauſe gehen.“ Sie gingen langſam und ſchweigend durch den ein⸗ Sorgfal ſänftige obgleich die Ged war der haftigke Sie die Auk Antlitz, hier Ebe rMutter.“ önnen, als d zweiten erinnere ich eg Eveline ben und zu Jetzt aber Achten Sie ken Sie ihr velcher Art Sie werfen ihr Glück. en Sie die⸗ en Einfluß ie auf die zu ſcharfen zurückteh⸗ ch geweſen; , ich war weiß ich, dieſe glän⸗ ben, ich ſei e uns zum ch den ein⸗ 21 fachen Garten auf ben Kirchhof; an dem Eibenbaum ſahen ſie Lady Vargrave. Eveline beſorgte, daß die Spuren ihrer Thränen noch ſichtbar waren und ent⸗ fernte ſich; Aubrey, als er bemerkte, was in ihr vor⸗ ging, ſagte:„Soll ich zu Ihrer Mutter gehen, und dieſer meine nahe Abreiſe verkünden? Mittlerweile werden Sie ſich wohl zu unſeren armen Penfionären im Dorfe begeben. Frau Newmann war ſo beſorgt, Sie nicht zu ſehen. Wir werden hei ihr uns bald wieder treffen.“ Eveline lächelte ihren Dank, küßte ihrer Mutter mit ſcheinbarer Heiterkeit die Hond, wandte ſich um und ging durch das Feld in das kleine Dorf. Aubrey ſchloß ſich Lady Vargrave an, und ſchlang den Arm in den ihren. Mittlerweile verfolgte Eveline nachbenklich ihren Weg; ihr Herz war voll und von Selbſtvorwurf bewegt. Ihre Mutter alſo hatte Urſache zum Kummer gekannt, ihre Zurückhaltung war vielleicht allein durch Wider⸗ ſtreben, ihr Kind zu betrüben, veranlaßt. Mit doppelter Sorgfalt wollte Eveline zukünftig die theure Mutter be⸗ ſänftigen, tröden und ſie der Vergangenheit entwöhnen, obgleich der Charakter des Mädchens den Ungeſtüm und die Gedankenlofigkeit ihrer Jahre gewiſſermaßen zeigte, war derſelbe ſowohl edel wie ſanft; die weihliche Wahr⸗ haftigkeit überwand tie weibliche Eitelkeit. Sie trat in die Hütte der alten bettlägerigen Frau, die Aubrey genannt hatte. Ihr liebliches, tröſtendes Antlitz, glich einem Sonnenſtrahl; Laby Vargrave traf hier Ebeline, als ſie bei der alten Frau, mit einem Er⸗ bauungsbuch für Arme auf dem Schvoße, ſaß. Merl⸗ würdig war die Bevbachtung des verſchiedenen Ein⸗ vrucks, den Mutter und Tochter auf die Hüttenbewohner machten. Beide waren mit beinahe gleicher Begeiſterung geliebt, jevoch bei ver erſteren fühlte ſich der Arme mehr zu Hauſe, er konnte mehr mit ihr behaglich ſpre⸗ chen; ſie verſtand ihn bei weitem ſchneller; der Arme brauchte nicht auf den Buſch zu klopfen, um die klein⸗ lichen, linkiſchen Klagen vorzubringen, die er ſich bei⸗ nahe ſchämte, vor Eveline auszuſprechen. Bei Allem, was der jungen, heitern Schönheit als leicht erſchien, horchte die Mutter mit ſo ernſter und ſüßer Geduld. Wenn Alles gut ging, ſo freute fich der Arme Eveline zu ſehen; in ſeinen kleinen Verlegenheiten und Beküm⸗ merniſſen, glich aber Niemand„der guten Lady“. Frau Newmann ſtieß einen Freuderuf aus, ſobald ſie das blaſſe Antlitz und die anmuthige Form der Lady Vargrave auf der Schwelle erblickte. Jetzt konnte ſit Alles offenbaren, womit ſie die junge Dame nicht be⸗ unruhigen wollte; jetzt konnte ſie über Oſtwind, Rheu⸗ matismus, die Gemeindebeamten und über den ſchlechten Thee klagen, den man den Armen in Herrn Harts Le⸗ den verkaufe; auch über den undankbaren Enkel, der ſo gut daran war, und welcher vergaß, daß ſeine Groß⸗ mutter noch lebte. zum L verſchi einfluß nung n vertau De tur, a wie un grave verhin! als leb knüpft men ſe „2 Neuigt wall i daß ſie ſaß. Merk⸗ enen Ein⸗ enbewohner gegeiſterung er Arme aglich ſpre⸗ ; der Arme m die klein⸗ er ſich bei⸗ Bei Allem, icht er ſchien, ßer Geduld. rme Evelin und Beküm⸗ Lady“. aus, ſobald rm der Ladh tzt konnte ſie me nicht be⸗ wind, Rheu⸗ den ſchlechten n Harts L⸗ Enkel, de ſeine Groß⸗ Viertes Kapitel. Gegen Ende der Woche erhlelten wir eine Karte von den Damen aus der Stadt. Landprediger von Wakefield. Der Pfarrer war abgereist und der Unterricht un⸗ terbrochen; ſonſt folgte Tag auf Tag in der ſtillen Zurückgezogenheit von Bryok⸗Green, wobei der eine bem andern ſo glich, wie Regen und Sonnenſchein es erlauß⸗ ten; eines Morgens aber kam Frau Leslie mit einem Brief in der Hand zu Lady Vargrave, die gerade Blu⸗ men in einem kleinen Gewächshauſe begoß, welches ſie zum Landhauſe hinzugefügt hatte, als ſie daſſelhe aus verſchiedenen Beweggründen, und beſonders wegen eines einflußreichen und geheimnißvollen, als abgelegene Woh⸗ nung mit der üppigen, von ihrem Gatten ererbten Villa vertauſcht hatte. Den Blumen— den entzückenden Kindern der Na⸗ tur, an denen unſer Alter daſſelbe ruhige Vergnügen wie unſere Jugend empfinden kann— weihte Laby Var⸗ grave einen großen Theil ihrer einförmigen und nie verhinverten Beſchäftigung; ſie ſchien dieſelben heinahe als lebendige Weſen zu lieben; ihre Erinnerung ver⸗ knüpfte ſie mit ſo glänzenden Stunden, wie die Blu⸗ men ſelbſt. „Theure Freundin,“ ſprach Frau Leslie,„ich habe Neuigkeiten für Sie. Meine Tochter, welche in Corn⸗ wall ihre Schwiegermutter beſucht hat, ſchreibt mir, daß ſie auf ihrer Rückkehr zur Pfarrei in B— ſhire bei uns einſprechen wird. Sie wird Sie nicht beſonderz ſtören,“ fügte Fran Leslie lächelnd hinzu,„denn Hert Merton begleltet ſie nicht; ſie bringt allein ihre Tochter Caroline mit, ein lebhaſtes, hübſches, verſtän⸗ diges Mädchen, das über Eveline entzückt ſein wird. Für Sie wird die einzige Urſache zum Bedauern darin liegen, daß meine Tochter meinen Beſuch beendigen und mich mitnehmen wird. Können Sie die Beleidigung vergeſſen, ſo werden Sie ihr nichts zu verzeihen haben.“ Lady Vargrave erwiderte mit ihrer gewöhnlichen einfachen Güte; ſie war aber offenbar beſorgt über den Beſuch einer Fremden(denn ſie hatte Frau Merton noch nicht geſehen) und noch mehr bei dem Gedanken betrübt, Frau Leslie eine oder zwei Wochen früher, wie ſie ver⸗ muthet hatte, zu verlieren. Indeß F au Leslie beruhigte ſie ſchnell. Frau Merton war ſo ruhig und autmüthig, die Frau eines Landgeiſtlichen von einfachen Gewohnheiten; und dann auch könne Frau Leslie's Beſuch ja eben ſo lange dauern, wenn Lady Vargrave zufrteden ſein würde, ihre Gaſtfreundſchaft auf Frau Merton und Caroline auszudehnen. Als der Beſuch Eveline angekündigt wurbe, war ihr junges Herz allein für Vergnügen und Neugier em⸗ pfänglich. Sie beſaß keine Freundin ihres Alters; auch war ſie feſt überzengt, daß ſie die Enkelin ihrer thenern Frau Leslie lieben würde. Eveline, welche bei Zeiten von der liebevollen Emſig⸗ keit ihrer Natur die Sorgfalt erlernt hatte, ihrer Mutter die wenigen häuslichen Sorgen ebzunehmen, die ein ſo ruhige Wohnung mit einer ſo regelmäßigen Haushal würden und die De dreimal und die aufaeße t beſonders „denn Hert allein ihre es, verſtän⸗ ſein wirh. aern darin h beendigen Beleidigung hen haben.“ wöhnlichen gt über eden Merton noch wen betrübt, wie ſie ver⸗ lie beruhigte müthig, die wohnheiten; ja eben ſo frteden ſein Merton und rbe, war ihr Reugier em⸗ Alters; auch hrer theuern ollen Emſig⸗ hrer Mutter en, die eine en Haushal⸗ 25 tung varbieten konnte, war heiter geſchäftig bei ven tau⸗ ſend kleinen Vorbereitungeu. Sie füllte die Zimmer der Beſachenden mit Blumen, ohne Beſorgniß, daß irgend Jemand dieſe für ungeſund halten könnte, legte auf die Tiſche ihre eigenen Lieblingsbücher, ließ ihr kleines Pianoforte in ihrem eigenen Zimmer auf das der Carv⸗ line bringen, denn Caroline liebte gewiß ſehr die Muſis; fie bedachte ſich auch, ob ſie einen Käfig mit zwei Kana⸗ rienvögeln ebenfalls in Carvlino's Zimmer bringen ſollte; als ſie demſelben aber mit dieſer Aſicht näher trat, zwit⸗ ſcherten die Vögel ſo munter, ſchienen ſo vergnügt, ſie zu ſehen und Zucker zu erwarten, doß ihr Herz über die be⸗ abſichtigte Aufgebung und Undankbarkeit ihr Vorwürſe machte. Nein, ſie konnte die Kanarienvönel nicht fortge⸗ ben; aber die G askugeln mit den Gol fiſchen— dieſe würden ſich eben ſo ſchön gerade beim Fenſter ausnehmen, und die dummen Fiſche würden ſie nicht vermiſſen Der Morgen, der Mittag die wahrſcheinliche Stunde der wichtigen Ankunft nohte zuletzt; Eveline, nachdem ſie dreimal in der letzten halben Stunde das Zimmer beſucht und die in der früheren Anordnung hergerichteten Dinge aufgeßellt und wieder fortgenommen und dann wieder aufgeſtellt hatte, begab ſich auf ibr Zimmer, um ihre Garderobe und Margarethe um Rath zu fragen, letztere früher ihre Amme, jetzt ihre Kammerjungfer. Ach, die Garperobe der einſtigen Lady Vargrave, der Verlobten eines aufſteigenden Staatsmannes, der Erbin des reichen Templeton, war von ſolcher Art, daß die Tochter man⸗ ches Gewerbtreibenden ſie verachtet haben würde. Eve⸗ line machte ſo wenig Beſuche; der Geiſtliche des Ortes undzwei alte Jungfern, die auf hohem Fuße von 180 Pft jährlich in einer Hütte, mit einer Magd, zwei Katze und einem Ansläufer lebten, begrenzten den Kreis ihre i Bekanntſchaft. Ihre Mutter kümmerte ſich ſo wenig un ihre Kleidung, ſie ſelbſt hatte ſo viel andere Gelegen heit Geld auszugeben! Eveline war auch nachbenkliche wie andere ihres Alters; ſie wandte ſich von einen Mvouſſelin zum Andern, von dem bunten zum weißen, vom weißen zum bunten mit nieblicher Angſtlichkei und kummervollem Zweifel. Zuletzt entſchied ſie ſich für den neueſten, und als er angelegt und die einzige Roſe in dem üppigen und ſchönen Haar angebracht war, hätte Caron ſelbſt keinen Reiz hinzufügen können. Glüc⸗ liches Alter! Wer bedarf der Künſte der Putzmacherin bei ſiebzehn Jahren? „Hier iſt das ſchöne Halshand, vas Lord Vargraye brachte, als Mylord zuletzt hieher kam, es wird ſo prächtig ausſehen.“ Die Smaragden glänzten im Käſtchen; während ſie hinblickte, fuhr ein Schatten über ihre Stirne, ſie ſeufzte und ſchloß das Augenlid. „Nein, Margarethe, ich will es nicht, nimm es fort.“ „O Gott, Miß! was wird Mylord ſagen, wenn er wieder hieher kömmt? Die Steine find ſo ſchön! Sie werden ſo ſchön ausſehen! Wie ſie funkeln! Sie wer⸗ den aber noch ſchönere tragen, wenn ſie Mylady ſind!“ „Ich höre meine Mutter ee geh, Margarethe, ſie braucht Dich.“ Alleingelaſſen verſank die junge Schönheit in Zer⸗ ſtreuung und obgleich ver Spiegel ihr gegenüberſtand, Eveline Rädern nen aus erwartet Frat der Mi Seiten ruhigen noch hi Gaben Gutmi von 180 Pft zwei Katze Kreis ihre ſo wenig un ere Gelegen⸗ achbenkliche von einen um weißen, Angſtlichte hied ſie ſich die einzig⸗ ebracht war, nen. Glück⸗ zutzmacherin d Vargraye es wird ſy während Stirne, ſie m es fort.“ n, wenn er chön! Sie Sie wer⸗ ady find!“ argarethe, eit in Zer⸗ überſtand, 27 hielt er ihr Auge nicht auf; ſie vergaß ihre Garderobe ihr Muſſelinkleid, ihre Beſorgniß und ihre Gäſte. „Ach,“ dachte ſie,„wie große Zurcht empfinde ich hier, wenn ich an Lord Vargrave und dieſe verhängniß⸗ volle Beſtimmung denke; dies fühle ich jeden Tag mehr und mehr. Nie werde ich meine theure Mutter, die theure Hütte verlaſſen können; ich konnte ihn wohl leiden, als ich noch ein Kind war, jetzt ſchaudre ich bei ſeinem Namen. Weßhalb geſchieht dies? Er iſt gütig, er läßt ſich herab, daß er mir zu gefallen ſucht. Es war der Wunſch meines armen Vaters denn er war mir wirklich ein Vater; und dennoch, v hätte er mich nur arm und frei gelaſſen! Bei dieſem Theile des Nachdenkens von Eveline vernahm man den ungewöhnlichen Schall von Rädern auf dem Kieſe; ſie fuhr auf, wiſchte die Thrã⸗ nen aus den Augen und eilte die Treppe hinab, um die erwarteten Gäſte zu bewillkommnen. Fünftes Kapitel. Sage mir, Sophie, meine Liebe, was häliſt Du von unſern neuen Beſuchern Landprediger von Wakefield. Frau Merton und ihre Tochter befanden ſich ſchon in der Mitte des Beſuchszimmers; Beide ſaßen an den Seiten der Frau Leslie. Erſtere war eine Frau von ruhigem und angenehmem Uußern: ihr Geſicht war noch hübſch, und zeigte, wenn es auch nicht höhere Gaben verkündete, wenigſtens den Ausdruck nüchterner Gutmüthigkeit und angewöhnter Zufriedenheit. Letztere „O wi war ein ſchönes, ſchwarzäugiges Mäbchen mit beſtimn ſagte die G ten Zügen und demjenigen, was man eine prunkenz pie Andere Schönheit nennt. Schlank, mit dem Ansvruck de— Carvlin Selbübeherrſchung, allerdings einfach, aber nach nen Taſten. C ſter Mobe gekleidet. Die geſchmückte Haube von groſe Darauf erl Form, wie man ſie damalz trug, der Chantilly Kammerju Schleier, der bunte franzöſiſche Caſhemir, die ge ſie machen ſchwellten Armel, damals eine unnatürliche Liebhaßere,„Und! die koſtbare und dennoch anſpruchsloſe Robe de Soie Caroline, die vollkommene Chaussure, die Miene der Geſell mit den ve: ſchaft, dos leichte Weſen, der rnhige aber forſchenPſyche; ir Blick, Alles vas erweckte bei Eveline Stutzen, brachte gethan.“ ſie aus der Faſſung und verſetzte ſie beinahe in Schrecken.„Eine Frau Merton ſelbſt war zwar ruhiger, wurde je⸗ Frau Mer doch durch die Schönheit und Anmuth der jungen, vor ſo jung.“ ihr ſtehenden Fee überraſcht und ſtand auf, um fie mit„Keine der Herzlichkeit der guten Erzlehung zu begrüßen, wel⸗ Pelt!“ ſa che Evelinens Herz plötzlich eroberte.„Nein Fran Merton küßte ihr dle Wange und lächelte„Hm, gütig, aber ſprach wenig; man ſoh leicht, daß ſie we⸗„Eole niger zur Converſation wie zur Vertraulichkeit geeig⸗ ſiehlich! 1 net war. line, eine Als Eveline ſie auf ihr Zimmer führte, entbeckte„Ja, Mutter und Tochter mit einem Blick die Sorgfalt, die Vargrave auf ihre Behaglichkeit verwandt worten war; ein lante Par etwas eifriger und erwartender Blick in Evelinens Au⸗ Vargrave gen belehrte die Gutmüthigkeit der Einen und die gute„Ich ſ Erziehung der Andern, ihre junge Wirthin durch ver⸗„Sie ſchtedene kleine Ausrufungen des Vergnügens zu he⸗ Seufzer. lohnen. 29 „O wie niedlich! Welch ein hübſches Schreibpult,“ mit beſtiun ſagte die Eine—„und der hübſche Golbfiſch!“ ſagte ne prunkenh pie Andere—„Und das Piano iſt ſo ſchön geſtellt!“ insdruck d— Carvlinens ſchöne Finger fuhren ſchnell über die er nach ne Taſten. Eveline entfernte ſich lächelnd und erröthend. e von grohe Darauf erlaubte ſich Frau Merton, der wohlgekleideten Chantilh, Kammerjungfer zu ſagen:„Nimm die Blumen fort, ur, die ge fie machen mich krank.“ Liebhabere„Und wie niebrig das Zimmer iſt, ſo eng,“ ſagte e de Soie Caroline, als die Dienerin der Dame vom Hauſe ſich der Geſell mit den verurtheilten Blumen entfernte. Ich ſehe keine er forſchenPſyche; indeß die armen Leute haben ihr Möglichſtes en, brachie ethan.“ n Schrecken„Eine liehe Perſon iſt die Lady Vargrave,“ ſagte „wurde jeFran Merton,„ſo intereſſant, ſo ſchön und ſcheinbar jungen, vor ſo jung.“ um fie mit„Keine Tournure, nichts von den Sitten der großen üßen, wel⸗Welt!“ ſagte Carvline. „Nein, etwas Beſfſeres.“ ind lächelt.„Hm, das Mädchen iſt ſehr hübſch, obgleich zu klein.“ daß fie we⸗„Solch ein Lächeln, ſolche Augen, ſie iſt unwider⸗ hreit geeig⸗ ſehlich! Und welch Vermögen! Sie wird Dir, Caro⸗ line, eine angenehme Freundin ſein.“ *entbeckte„Ja, ſie kann mir ſehr nützlich ſein, wenn ſie Lord orgfalt, die Vargrave heirathet, vder überhaupt wenn ſie eine bril⸗ war; ein lante Partie macht. Was für ein Mann iſt Lord linens Au⸗ Vargrave?“ id die gute„Ich ſah ihn nie, man ſagt er ſei bezaubernb.“ durch ver⸗„Sie iſt ſehr glücklich,“ ſagte Caroline mit einem ens zu he⸗ Seufzer. ———— Sechstes Kapitel.„Sok Zwei holde Damen auch erfreun mich dort„Ja, Wenn ich auf einſam ſtillem Pn gei kaufte dae homſon. ters(ich Nach dem Eſſen war es noch hell genug für di grave me jungen Leute, um durch den Garten zu ſtreifen. Fral regelmäßi Merton fürchtete die Abendfeuchtigkeit und blieb deß⸗ zurückkehrt halb im Hauſe. Sie war ſo ruhig und fand ſich ſi ſchwermüt behaglich, daß Lady Vargrave, wie Frau Leslie geſah„Wor hatte, nicht im geringſten durch ſie geſtört wurde Vargrave außerdem ſprach ſie von Eveline und dieſer Stoff wi„Ich der Lady Vargrave ſehr angenehm, welche Evelin oder in e eben ſo liebte, wie ſie ſtolz auf dieſelbe war. beſteht.“ „Das iſt wahrlich ſehr hübſch, die Anſicht de„Wer Meeres iſt liebenswürdig,“ ſagte Caroline;„zeich„Hert nen Sie?“ er auf kur „Ja, ein wenig,“ ſtellen, w der Natur?“ digſte alte „Ja. hardin de „In chinefiſche Tuſche?“„Sich „Ja, und in Waſſerfarben.“ Pfarrer g „Wie? Wer kann Sie dies in dieſem kleinen Dor„Lan⸗ oder wirklich in vieſer Grafſchaft gelehrt haben, h zum Mut noch den erſten Stand der Menſchen zu zeigen ſcheint) lich der B „Wir zogen nicht nach Brvok⸗Green bevor ich bö habe viel nahe 15 Jahre alt war. Meine theure Mutter woll„Gen zwar unſere Villa in Fulham verlaſſen, zog aber weg über Pret meiner nicht fort, ſo lange noch Lehrer mir von Nutz„Her ſein konnten. Da ich wußte, daß hier dieſer Ort ihr Ernſt;„ genehm war, habe ich mich doppelt angeſtrengt.“ ratur; w 31 „So kannte ſie alſo dieſen Ort ſchon zuvor?“ h dort„Ja, ſie war hier vor vielen Jahren geweſen und ewandelt. xaufte das Landgut nach dem Tode meines armen Va⸗ w ters(ich nannte immer den verſtorbeuen Lord Var⸗ nug für i grave meinen Vater). Sie pflegte einmal jährlich eifen. Fra regelmäßig vhne mich hierherzukommen und wann ſie id blieb deß zurückkehrte, vachte ich immer, ſie ſei noch einmal ſo fand ſichſt ſchwermüthig als vorher.“ Leslie geſeh„Worin beſteht der Zauber dieſes Ortes für Lady tört wurde Pargrave?“ fragte Caroline mit einigem Intereſſe. er Stoff wy„Ich weiß nicht; wenn er nicht in der großen Stille lche Evelin oder in einer Ideenverbindung von Jugendereigniſſen k⸗ beſteht.“ Anſicht d.„Wer iſt Ihr nächſter Nachbar?“ ine;„zeih„Herr Aubrey, der Pfarrer. Unglücklicherweiſe iſt er auf kurze Zeit verreist. Sie können ſich nicht vor⸗ ſtellen, wie gütig und angenehm er iſt, der liebenswür⸗ digſte alte Mann in der Welt; gerade ſo wie ihn Bern⸗ hardin de Saint Pierre hätte beſchreiben mögen.“ „Sicherlich angenehm aber langweilig, wie gute Pfarrer gewöhnlich ſind.“ kleinen Dor„Langweilig? Nicht im geringſten; heiter ſogar bis t haben, zum Muthwillen und doch ſehr gelehrt. Er iſt hinſicht⸗ gen ſcheint! lich der Bücher ſehr gutmüthig gegen mich geweſen; ich bevor ich bö habe viel von ihm gelernt.“ Nutter woll„Gewiß iſt er ein bewunderungswürdiger Kritiker g aer weg über Predigten.“ ir von Nutz„Herr Aubrey iſt nicht ſtreng,“ ſagte Eveline mit er Ort ihr Ernſt;„er liebt zum Beiſpiel ſehr die italieniſche Lite⸗ ſtrengt.“ ratur; wir haben den Dante zuſammen geleſen.“ „O Schade, daß er alt iſt— ich dachte, Sie ſag⸗ ten er ſei alt. Vielleicht hat er einen Sohn, das Bilbd ſeines Ahnen?“ „O nein,“ ſagte Eveline unſchulbig lachend;„Herr Aubrey war nie verheirathet.“ „Wo wohnt der alte Herr?“ „Gehen Sie etwas auf dieſem Wege, vort können Sie das Dach ſeines Hauſes, dicht bei der Kirche, ſehen.“ „Ich ſeh es; es iſt tant soit peu triste, die Kirche ſo in der Nähe zu ſehen.“ „Meinen Sie? Sie haben ſie nicht geſehen; es iſt die ſchönſte Kirche der Grafſchaft; und der kleine Kirch⸗ hof ſo ruhig, ſo eingeſchloſſen; ich fühle mich gebeſſert, ſo oft ich über ihn ſchreite. Einige Orte hauchen gleich⸗ ſam Religion.“ „Sie ſind pvetiſch, meine kleine Freundin.“ Eveline, welche Poeſie in ihrer Natur beſaß, ſo daß dieſelbe bisweilen in ihrer einfachen Sprache her⸗ vorbrach, erröthete und empfand beinah Scham. „Meine Mutter liebt dieſen Spaziergang,“ ſagte ſie, um ſich zu entſchuldigen;„ſie bringt dort oft Stunden lang allein zu; ſo glaube ich denn auch, der Ort ſei hübſcher wie Andere. Es ſcheint kein Dunkel auf ihm zu ruhen; wenn ich ſterbe, möchte ich hier hegraben werden.“ Caroline lachte leicht hin.„Der Wunſch iſt ſon⸗ derbar, vielleicht aber haben Sie in der Liebe Ihr Krei gehabt?“ „Ich 7 Sie lachen mich aus!“ r Kirche, iste, die hen; es iſt eine Kirch⸗ 5 gebeſſert, chen gleich⸗ ß.* beſaß, ſo prache her⸗ cham. ang,“ ſagte gt dort oft m auch, der kein Dunkel chte ich hier unſch iſt ſon⸗ be Ihr Krenz 33 „Sie erinnern ſich nicht Herrn Camerons, Ihres würdigen Vaters, wie ich glaube?“ „Nein, ich glaube er ſtarb, ehe ich geboren wurhe.“ „Camervn iſt ein ſchottiſcher Name, zu welchem Stamm der Camerons gehören Sie?“ „Ich weiß nicht,“ ſagte Eveline etwas verlegen; „ich weiß wirklich nichts von der Familie meines Va⸗ ters oder meiner Mutter. Sonderbarerweiſe haben wir auch, wie ich glaube, keine Verwandten. Wenn ich großjährig bin, werde ich den Namen Templeton annehmen.“ „So, der Name geht mit dem Vermögen, ich ver⸗ ſtehe. Theure Eveline, wie reich werden Sie ſein, ich möchte ſo reich ſein!“ „Und ich möchte arm ſein,“ ſagte Eveline mit ver⸗ änderiem Tone und verändertem Ansdruck der Ge⸗ ſichtszüge. „Sonderbares Mädchen, was wollen Sie damit ſagen?“ Eveline gab keine Antwort, und Caroline durch⸗ forſchte ſie mit neugierigen Blicken. „Dergleichen Begriffe finden ſich allein bei Leben⸗ digen, die ſo allein und abgeſchieden von aller Welt leben. Theure Eveline, wie werben Sie ſich ſehnen, mehr vom Leben zu ſehen.“ „Nicht im geringſten, ich möchte dieſen Ort gar nicht verlaſſen, ich möchte hier leben und ſterben.“ „Sie werden andere Gedanken hegen, wenn ſie erſt Lady Vargrave ſind— warum ſehen Sie ſo ernſt aus, können Sie Lord Vargrave nicht leiden?“ Pulwer, Alite, 1. 3 34 „Welch eine Frage,“ ſagte Eveline, indem ſie ihren Kopf fortwandte, und ſich zum Lachen zwang. „Es iſt einerlei, ob Sie ihn lieben vober nicht; er vefindet ſich in glänzender Stellung; er heſitzt Rang, Ruf und hohes Amt; er braucht nichts wie Geld, und das werden Sie ihm geben. Ich Arme! Ich habe keine ſo glänzenden Ausſichten. Ich habe kein Vermögen und ich beſorge, mein Geſi d mir nie einen Titel, eine Opernloge und ein Haus in Grosvenor⸗Square ver⸗ ſchaffen. Ich möchte die zukünftige Lady Vargraveſein.“ „Ich möchte es Ihnen wünſchen,“ ſagte Eveline ſich für Lord Var⸗ mit großer Naivetät; Sie würden grave beſſer wie ich paſſen.“ Caroline lachte. „Weßhalb glauben Sie bies?“ „Seine Weiſe zu denken gleicht der Ihrigen; er ſagt niemals ein Wort, womit ich ſympathiſiren kanu.“ „Ein hübſches Compliment für mich! Verlaſſen Sie ſich darauf; meine Theure, Sie werden mit mir ſympathiſiren, wenn Sie eben ſö' viel von ver großen Welt geſehen haben. Iſt aber Lord Vargrave nicht zu alt?“ „Ich habe an ſein Alter nicht gevacht; wirklich ſieht er auch jünger aus, wie er es iſt.“ „Iſt er hübſch?“ „Er iſt was man hübſch nennen kann, Sie würden wenigſtens der Meinung ſein.“ „Gut, wenn er hierherkommt, will ich mein Mög⸗ lichſtes thun, Lord Vargrave Ihnen abwendig zu ma⸗ chen; deßhalb ſein Sie auf Ihrer Hut.“ „Jt würde i ben ſoll 5e nach eit ſehen he „ glied fü terlicher beſitzt, wenſitz jeder S Sie iſte grande und nich dem G ihren er Rang, „und keine nund l, eine e ver⸗ eſein.“ Eveline d Var⸗ en; er kann.“ zerlaſſen mit mir rgroßen nicht zu ich ſieht würden in Mög⸗ zzn ma⸗ 35 „In vem Fall würde ich Ihnen dankbar ſein, ich würde ihn ſehr gern haben, wenn er ſich in Sie verlie⸗ ben ſollte.“ „Ich beſorge, dazu iſt keine Ausſicht vorhanden.“ „Wie kömmt es aber,“ fragte Eveline etwas ſockend nuch einer Pauſe,„daß Sie mehr von der Welt ge⸗ ſehen haben wie ich.“ „Mein Onkel, Sir John Merton, iſt Parlaments⸗ glied für die Grafſchaft, meine Großmutter von vä⸗ terlicher Seite— Lady Eliſabeth, die Drekony⸗Caßtle beſitzt, das ſie ſo eben verlaſſen hat, um ihren Witt⸗ wenſitz zu beziehen— kömmt nach London faſt in jeder Saiſon, und ich habe drei bei ihr zugebracht. Sie iſt eine liebenswürdige alte Frau— durchaus die grande Dame. Es thut mir leid, daß ſie dies Jahr in Cornwall bleibt; ſie iſt kränklich geweſen; die Arzte ver⸗ bieten ihr das ſpäte Aufbleiben in Lyndon; aber ſogar auf dem Lande leben wir ſehr munter. Mein Onkel wohnt in der Nähe, und obgleich er Wittwer, hat er ſein Haus immer voll Gäſte, ſobald er ſich in Merton⸗Park befindet; auch der Papa iſt reich, ſehr gaſtfrei und beliebt; ich hoffe, er wird einſt ein Biſchof werden und nicht ein bloßer Landpfarrer bleiben So habe ich in der einen oder andern Weiſe ehrgeizig zu ſein gelernt; meine Familie von väterlicher Seite beſitzt Ehrgeiz. Aber ach! ich habe keine Karten wie Sie. Jung ſchön und eine Erbin! Welche Ausſichten! Sie ſollten Ihre Mutter veranlaſſen, Sie mit nach London zu nehmen.“ „Nach London! Meine Mutter würde ſchon bei vem Gevanken unglücklich; Sie kennen uns nicht.“ „Ich kann den Gedanken nicht vermeiben, Miß Eveline,“ ſagte Carvline mit ſchlauem Lächeln,„baß Sie hinſichtlich der Vorzüge Lord Vargrave's nicht ſo blind, und hinſichtlich Londons nicht allein wegen der nievlichen Denkungsweiſe ſo gleichgüliig find, die Sie ſo artig und unſchuldig ausſprechen. Wird die Wahrheit be⸗ kannt, ſo iſt ficherlich hier neben vem alten Pfarrer auch ein huͤbſcher junger, welcher vie Flöte ſpielt und in weißen Glacehandſchuhen ſentimentale Prebigten hält.“ Eveline lachte ſo munter, daß Carolinens Argwohn verſchwand. Beide ſetzten ihren Spazlergang und ihr Geſpräch fort, bis die Nacht einbrach, worauf ſie ins Haus gingen; Eveline zeigte hierauf Carolinen ihre Zeichnungen, welche die junge Dame in Erſtaunen ſetz⸗ ten, die ein vortreffliches Urtheil hinſichtlich der Aus⸗ führung beſaß. Evelinens Spiel auf dem Pianoforte ſetzte ſie noch mehr in Erſtaunen; aber Caroline tröſtete ſich in dieſer Hinficht, denn ihre Stimme war kräftiger und ſie ſang franzöfiſche Lieber mit weit größerem Aus⸗ vruck. Caroline zeigte Talent in Allem, was ſie unter⸗ nahm, aber Eveline beſaß ungeachtet ihrer Einfalt einen höheren Geiſt, obgleich ſich dieſer kaum noch entwickelt hatte; ſie beſaß ſchnelle Auffaſſung⸗Aufregung, Empfäng⸗ lichkeit und Einbildungskraft. Der Unterſchied zwiſchen Talent und Genie liegt eher im Herzen wie im Kopfe. Bei⸗ de junge Damen zeigten keine Charakterverwandtſchaft; allein ſie waren durch Zufall zuſammengeworfen und die Freundſchaft war dadurch Beiden aufgezwungen. Eveline, ohne Argwohn und ſanguiniſch, war natürlicherweiſe zur Bewunderung geneigt; für Caroline war ihre Unerfah⸗ renheit rung. Gebank hatte ei es ihr r laſſe fie ſaß ſie Leute, t hen und nungen der Fra pflegen. auch ſei und für ſchickt, lichen ü welches Pfarrer lt und in nhält.“ Argwohn und ihr fſſie ins inen ihre nen ſetz⸗ der Aus⸗ ianoforte re tröflete kräftiger rem Aus⸗ ſie unter⸗ falt einen entwickelt Empfäng⸗ zwiſchen opfe. Bei⸗ dtſchaft; en und die . Eveline, rweiſe zur Unerfah⸗ renhelt eine glänzende und aszuſtaunende nene Erfah⸗ rung. Bisweilen fiutzte Eveline hei der eigennützigen Gebankenrichtung der Miß Merton; allein Caroline hatte eine Darſtellungsweiſe in ihrer Gewalt, als ſei es ihr nicht Ernſt mit vem, was ſie ſage— als über⸗ laſſe ſie ſich allein ihrer Neigung zur Ironie; auch be⸗ ſaß ſie eine gewiſſe Art von Sentimentalität, wie ſie Lente, die ſich ein wenig in der Welt umzetrieben ha⸗ ben und junge Damen, welche ein wenig in ihren Hoff⸗ nungen getäuſcht ſind, da ſie ſich als Mädchen anſtatt der Frauen vorfinden, ſich dieſelbe leicht anzueignen pflegen. Co abgetreten dieſe Art von Sentimentalität auch ſein mochte, hielt die arme Eveline ſie für ſchön und für höchſt gefühlvoll. Ferner war Caroline ge⸗ ſchickt, unterhaltend, herzlich, mit all der oberfläch⸗ lichen überlegenheit, die ein Mäpchen von 23 Jahren, welches mit London bekannt iß, ſehr leicht einem Land⸗ mäbchen von 17 Jahren gegenüber zeigen kann. An⸗ dererſeits war ſie gütig und liebevoll gegen Eveline. Die Tochter des Geiſtlichen empfand ſehr wohl, daß fle nicht immer, nicht einmal hinſichtlich der Mode ver rei⸗ chen Erbin überlegen ſein könne. Eines Abends, als Frau Leslie und Frau Merton unier dem bedeckten Gange ver Hütte ohne ihre Wir⸗ thin ſaßen, die allein in das Dorf gegangen war, während die beiden jungen Mäbchen im vertranlichen Geſpräch auf dem Raſenplatze umherwanbelten, fragte Fran Leslie etwas abgehrochen:„Iſt nicht Eveline ein entzückendes Geſchöpf? Wie unbewußt iſt ſie ihrer Schönheit, wie einfach und doch mie natürſich begabt.“ „Ich habe noch Niemand geſehen, der mich ſo intereſſirte,“ erwiderte Fran Merton, indem ſie ihre Pelerine ablegte.„Sie iſt außerordentlich hübſch.“ „Ich bin wegen ihr ſehr beſorgt,“ begann Frau Leslie aufs Neue mit nachdenklicher Miene. Sie kennen ven Wunſch des verſtorbenen Lord Vargrave, daß ſie den gegenwärtigen Lord heirathet, ſobald ſie das Alter von achtzehu Jahren erreicht hat. Ihr fehlen nur noch neun oder zehu Monat bis zu ver Zeit; ſie hat noch nichts von der Welt geſehen; ſie iſt noch nicht im Stand über ſich zu entſcheiden; und Lady Vargrave, die beſte aller Frauen, iſt ſelbſt noch in der Welt zu unerfahren, um zu Führerin einer ſo jungen Dome unter ſo beſonderen umſtänden und von ſo glänzender Ausſicht zu dienen. Lady Vargrave iſt im Herzen noch ein Kind, und wird vies hleiben ſogar noch in meinem Alter.“ „Allerdings,“ ſagte Frau Merton;„ſind Sie nicht beſorgt, daß die Mädchen ſich erkälten? Der Thau fällt und das Gras muß naß ſein.“ „Ich vachte“ fuhr Frau Leslie fort, ohne den letzten Theil der Antwort der Frau Merton zu beachten,„daß es ſehr gütig von Ihnen ſein würde, wenn Sie Evelin auf einige Monate in Ihr Haus einlüden. Sicherlich iſt daſſelbe nicht wie London, allein zu Ihnen kommen Viele aus der großen Welt, die Geſellſchaft dort iſ ausgewählt und zu Zeiten ſogar glänzend; Eoeline wir vort junge Leute ihres Alters treffen und junge Leul bilden ſich gegenſeitig nach einander aus.“ „Ich ſelbſt,“ſagte Frau Merton,„möchte ſie gert einladen, ich will Caroline um Rath fragen.“ * rigke „ zum Meri 5 ſchlofſ „ uns ei ihr Vor liebte wenige 39 „Carvline wird ſicherlich entzückt ſein, die Schwie⸗ rigkeit liegt bei Eveline ſelbſt.“ „Sie ſetzen mich in Erſtaunen; ſie muß hier bis zum Tode abgeſtumpft werben.“ „Wird ſie aher ihre Mutter verlaſſen wollen?“ „Nun, Caroline verläßt mich oft,“ ſagte Frau Merton. Fran Leslie ſchwieg; Eveline und ihre neue Frenndin ſchloſſen ſich der Mutter und Tochter an. „Ich habe verſucht, Evelinen zu überreden, daß ſie uns einen Beſuch abſtattet,“ ſagte Caroline,„es wäre ſo hübſch, wenn ſie uns begleitete. Iſt ſle uns noch zu fremd, e liebe Großmutter mit uns. Sicher⸗ lich können wir es ihr behaglich machen.“ Wie ſonderbar,“ ſagte Frau Merton, wir ſpra⸗ hen gerade über dieſelbe Sache. Meine theure Miß Ca⸗ meron, wir würden ſehr glücklich ſein, Sie auf einige Alter von och neun ch nichts tand über beſte aller ahren, um beſonderen zu dienen. und wird d S Zeit bei uns zu ſehen.“ Der Tha„Auch ich würde ſehr glücklich ſein, Sie zu beſuchen, tetzte wenn Mama ebenfalls mitreiſen würde.“ e den le Bei den Worten zeigte der gerade aufgehende Mond die Geſtalt der Lady Vargrave, welche langſam auf pas Haus zukam. In dem Mondlicht ſchienen ihre Züge Sicherlih noch hläſſer wie gewöhnlich, ihre leichte und ztrte Ge⸗ hnen komm ſtalt, als fie mit geränſchloſen Schritten vringlt ſchien dort i gleichſam ätheriſch und überirviſch. Eoeline ni Eveline wandte ſich um und erblickte ſie; ihr Herz inachte junge Leu ihr Vorwürfe. Ihre Mutter, welche die theure Hütte ſo liebte— hätte dieſe muntere Fremde dieſelbe nur nicht 3 ½ ſie gen weniger anziehend gemacht!— ihre Mutter hatte ja ge⸗ en.“ chten,„daß ſagt, ſie möchte in deren unſcheinbarem Bereich leben und ſterben. Plötzlich verließ Eveline ihre neue Freun⸗ din, eilte zu ihrer Mutter und umſchlang ſie mit ihrem Arm. „Sie ſind blaß, Sie haben ſich zu ſehr ermübet; wo find Sie geweſen? Weßhalb hahen Sie mich nicht mitgenommen?“ Lady Vargrave drückte liebevoll Evelinens Hand mit den Worten:„Du erweiſeſt mir zu viel Sorgfalt, ich bin für Dich eine langweilige Gefährtin; es freute mich, Dich ſo glücklich bei einer Andern zu ſehen, die ſich beſſer für Deinen munteren Geiſt eignete. Was können wir anfangen, wenn ſie uns verläßt 74 „Ich brauche keine Gefährtin als meine Mutter. Habe ich nicht auch den Sultan?“ fügte Eveline hinzu, indem ſie die Thräne, welche aus ihren Augen drang, hinweglächelte. Siebentes Kapitel. Es ſcheldet dir ſo mancher Freund? Wem ward kein Freund verloren; Dem Band, das Herzen je vereint? Iſt ſteis ein End' erkoren. Montgomery. An jenem Abend ging Fran Leslie zu Lady Var⸗ grave auf deren Zimmer. Als ſie ſanft eintrat, bemerkte ſie, vaß Lady Vargrave, obgleich es ſchon ſpät war, am offenen Fenſter and und aufmerkſam auf die Ausſicht zu hlichen ſchien Frau Leslie ging unbemerkt zu ihr hin. Das Mondlicht war außerordentlich hell; jenſelts des Gar⸗ tens, der eit des he erleuch Lady darauf ſtören Zi Züge! verbre Welt! Herz a was ſi weiter den Un geſetzt ſetzten Freun⸗ t ihrem müdet; Mutter. e hinzu, ndrang, und? eren reint? . nery. ady Var⸗ bemerkte war, am usſicht zu hin. Das des Gar⸗ 41 tens, nur durch eine kleine Umzäunung getrennt, lag der einſame Kirchhof des Dorfes; ver ſchlanke Thurm des heiligen Gebäudes erhob ſich hoch und ſpitz in die erleuchtete Luft. Die Seene war ſtill und beruhigend; Lady Vargrave's zerſtreuter Blick war ſo aufmerkſam varauf gerichtet, daß Frau Leslie ihre Träumerei nicht ſtören wollte. Zuletzt wandte ſich Lady Vargrave um; über ihre Züge hatte ſich vie gebuldige und rührende Ergebung verbreitet, welche nur Menſchen eigen iſt, die in dieſer Welt keine Täuſchung mehr finden können, und die ihr Herz auf das Leben jenſeits gerichtet haben. Frau Leslie, was ſie auch denken ober fühlen mochte, ſagte nichts weiter, als daß ſie ihr einige gütige Vorſtellungen über den Unbedacht machte, womit ſie ſich der Nachtluft aus⸗ geſetzt hatte. Das Fenſter ward geſchloſſen und Beide ſetzten ſich, um ſich mit einander zu unterhalten. Frau Leslie wiederholte die Einladung hinſichtlich Evelinens, und legte vie Gründe dar, weßhalb die An⸗ nahme derſelben rathſam ſei.„Allerdings,“ ſagte ſie, „iſt es grauſam Sie Beite zu trennen; ich fühle dies ſcharf und ſchmerzhaft. Weßhalb wollen Sie alſo nicht mit Eveline kommen? Sie ſchütteln den Kopf— weß⸗ halb wollen Sie die Geſellſchaft immer vermeiden. Sie ſind noch ſo jung, und überlaſſen ſich gänzlich dem Schmerz der Vergangenheit!“ Lady Vargrave ſtand auf, trat zu einem Schrank am Enbe des Zimmers, ſchloß denſelben auf und bat Fran Leslie hinzukommen. In einer Schnblade lagen ſorgfältig zuſammengefaltet, Theile einer weihlichen 42 Kleibung— grob, einfach und zerlumpt. Es war die Kleipung eines Bauernmädchens. „Erinnern Sie ſich hiebei ihrer erſten mir erwie⸗ ſenen Mildthätigkeit?“ fragte Lady Vargrave mit rührendem Ton.„Dieſe Kleider verkünden mir, daß ich nichts mit der Welt zu ſchaffen habe, worin Sie und die Ihrigen und Eveline ſelbſt ſich bewegen ſollen.“ „Ein zu zartes Gewiſſen! Ihre Fehlſchritte waren die der Umſtände und der Jugend; wie haben Sie dieſelben wieder ausgeglichen? Niemand hat Sie in Verdacht. Ihre frühere Geſchichte iſt allein dem guten alten Aubrey und mir bekannt. Nicht einmal der Hauch eines Gerüchtes verdunkelt den Namen der Lady Var⸗ grave.“ „Fran Leslie,“ ſagte Lady Vargrave, indem ſie den Schrank wieder verſchloß und ſich ſetzte,„meine Welt liegt hier in meiner Umgebung, ich kann ſie nicht ver⸗ laſſen. Könnte ich Evelinen von Nutzen ſein, ſo würde ich Alles vpfern und Allem trotzen; ich verdunkle aber allein ihre Heiterkeit; ich kann ihr keinen Rath geben, keine Belehrung ertheilen. Als ſie noch ein Kind war, konnte ich ſie überwachen; jetzt aber erheiſcht ſie eine Rathgeberin, eine Führerin, und ich hege ein zu be⸗ ſtimmtes Gefühl, daß ich dieſer Aufgabe nicht gewachſen bin. Ich eine Führerin der Unſchuld! ich! Nein, ich kann ihr nichts mehr darbringen, dem theuren Kinde, als meine Liebe und mein Gebet. Ihre Tochter mag ſie übernehmen, ſie überwachen, führen und ihr rathen. Was mich hetrifft, ſo ungütig und undankbar es auch ſchein wenn Tren E zweck ſanft Tren Da J ihn: mirm jenen ich be zu nei den n erkann war die ſcheinen mag, würde ich allein zu leben ertragen können, erwie⸗ wenn ſie nur glücklich würde.“ ve mit„Aber wird Eveline, welche Sie ſo liebt, ſich dieſer ir, daß Trennung ausſetzen wollen?“ worin„Dieſe wird nicht lang dauern, und es wäre bewegen zweckmäßig,“ fügte Lady Vargrave mit ernſtem aber ſanftem Lächeln hinzu,„daß ſie ſich auch für diejenige e waren Trennung vorbereitet, welche zuletzt eintreffen muß. ben Sie Da Jahr um Jahr meine letzte Hoffnung verſchwinvet, Sie in ihn noch einmal wieder zu ſehen, ſo empfinde ich, daß m guten mir mein Leben immer ſchwächer wird, und ich betrachte er Hauch jenen ruhigen Kuchhof als eine Heimath, zu welcher dy Var⸗ ich bald zurückkehren werde. Jedenfalls wird Eoeline zu neuen Banden berufen werden, die mich ihr entfrem⸗ n ſie den den müſſen; ſie muß ſich jetzt und allmählig meiner ine Welt entwöhnen, die ich ihr ſo nutzlos ſein werde, wie ich es cht ver⸗ der ganzen Welt bin.“ o würde„Reden Sie nicht ſo,“ ſagte Miſtreß Leslie gerührt, le aber„noch manche Jahre des Glücks find Ihnen aufbewahrt; geben, je mehr Sie ſich von der Jugend entfernen, deſto ſchö⸗ ner wird Ihnen das Leben werden.“ „Gottiſt gütig gegen mich,“ ſprach die ſanfte Lady, indem ſie ihre ſanften Augen erhob;„ich habe dies ſchon erkannt, ich hin zufrieden.“. ind war, ſie eine Achtes Kapitel. Die Meiſten der Geſellſchaſt ſchienen über ſeine Gegenwart entzückt. Mackenzie. Mit ver größten Schwierigkeit ließ ſich Eveline zu⸗ letzt zu der Einwilligung überreden, daß ſie ſich von ihrer Mutter trennte; ſie weinte bitterlich bei dem Ge⸗ vanken. Allein Lady Vargrave, obgleich gerührt, war feſt, und ihre Feſtigkeit war von der ſan ten, flehenden Art, welcher Eveline niemals widerſtehen konnte. Aller⸗ vings ſollte dieſer Beſuch einige Monate dauern, allein ſie konnte ja zur Hütte zurückkehren, ſie konnte ja auch — und hierdurch ward ſie unbewußt vielleicht mehr als vurch irgend ſonſt etwas mit der Reiſe ausgeſöhnt— den periodiſchen Beſuchen des Lord Vargrave ſo ent⸗ gehen. Gegen Ende Juli, wann die Parlamentsſeſſion in jener Zeit vor der Reſorm beendigt war, kam Lord Vargrave gewöhnlich nach Brvok⸗Green auf einen Mo⸗ nat. Sein letzter Beſuch war Evelinen ſehr unwillkom⸗ men geweſen, und ſeinen nächſten fürchtete ſie mehr wie irgend einen der früheren. Sonderbarerweiſe be⸗ trachtete ſie die Bewerbungen ihres Verlobten mit dem höchſten Widerwillen, ſie, veren Herz noch ſo jungfrän⸗ lich war, ſie, welche niemals einen Mann geſehen hatte, der in Geſtalt, Weſen und Macht zu gefallen ſich mit dem muniteren Lord Vargrave vergleichen ließ. Dennoch bekämpfte ein Gefühl der Ehre, und deſſen was ſie ihrem verſtorbenen Wohlthäter ſchuldig ſei, welcher ihr mehr als Vater geweſen war, jenen ihren Widerwillen und ließ ſie in Ungewißheit, welches Verfahren ſie einſchla⸗ gen glůck lofigl die A nicht erfüll Geda und b der F reiſe f Lord 2 „3 unſerer ſo ſchör zu gen ebenſo] Die line wi einen B ihm kan über e zu⸗ h von nGe⸗ „war enen Aller⸗ allein ja auch ehr als — ſo ent⸗ sſeſſion m Lord en Mo⸗ villkom⸗ ſie mehr veiſe be⸗ mit dem ungfräu⸗ en hatte, ſich mit Dennoch ſie ihrem ihr mehr villen und e einſchla⸗ gen ſollte, ohne daß ſie an die Zukuuft dachte. In der glücklichen Elaſtieität ihrer Stimmung, bei einer Sorg⸗ lofigkeit die beinah an Leichtfinn ſtreifte, welche, um die Wahrheit zu ſagen, ihr natürlich war, dachte ſie nicht oft an die feierliche Verpflichtung, welche halb erfüllt oder vernichtet werben mußte. Kam ihr aber der Gevanke in den Sinn, ſo ward ſie ſtundenlang betrübt und blieb gedankenlos und niebergeſchlagen. Der Beſuch der Frau Merton ward angeordnet, der Tag der Ab⸗ reiſe feſtgeſetzt, als eines Morgens folgender Brief von Lord Vargrave anlaugte: „Meine theure Freundin! „Ich finve jetzt, daß wir eine Woche Feiertag in unſerer nichtsthuenden Kammer haben: das Wetter iſt ſo ſchön, daß ich es mit denen, die ich am meiſten liebe, zu genießen gedenke. Sie werden mich deßhalb heinahe ebenſo bald ſehen, als Sie dieſen Brief empfangen; das heißt, ich werde mit Ihnen an demſelben Tag zu Mittag ſpeiſen. Was kann ich der Eveline ſagen? Wollen Sie, theuerſte Lady Vargrave, ſie veranlaſſen, alle die Hul⸗ digungen anzunehmen, die Sie zu verwerfen halb ge⸗ neigt ſcheint, ſobald ich dieſelben ſelbſt vorbringe? In Eile geſchrieben von Ihrem mit großer Wärme Sie ſchätzenben Hamilton⸗Place, 30. April 18—. Vargrave.“ Dieſer Brief war weder ber Fran Leslie noch Eve⸗ line willkommen. Erſtere beſorgte, daß Lord Vargrave einen Beſuch nicht billigen würde, deſſen wahrer Zweck ihm kaum eingeſtanden werden durfte; letztere ward an 46 Alles wieder eriunert, was ſie zu vergeſſen wünſchte. Indeß Lady Vargrave ſelbſt wer eher erfreut über den Gedanken an Lumley's Ankunft. Bls dahin hatte ſie im Geiſte ihres dulbenden und ſanften Charakters das Ver⸗ löbniß zwiſchen Eveline und Lord Vargrave beinah als eine Sache, die ſich von ſelbſt verſtand, betrachtet. Der Wille und der Wunſch ihres verſtorbenen Gatten übte auf ihre Seele den bedeutendſten E nfluß ſo lange Eveline noch Kind war, wurde Lumley's Beſuch immer gern geſehen und das gern ſpielende Mädchen ſah den heiteren, gut gelaunten Lord immer mit Vergnügen, der ihr alle Arten von Geſchenken brachte und ſie ebenſo wie ihre Hunde zu lehen ſchien. Jedoch der kürzliche Wechſel im Benehmen der Eveline, ihre häufige nieder⸗ geſchlagene und nachdenkliche Stimmung, worauf Lady Vargrave von Frau Leslie aufmerkſam gemacht worden erweckte alle liebevolle und mütterliche Angſtlich⸗ Sie war entſchloſſen, zu überwachen, zu forſchen, nicht ellein die Art, wie Eveline Vargrave aufnahm, ſondern⸗ ſoweit es ihr mög⸗ lich ſei, auch das Weſen und die Stimmung von Var⸗ grave ſelbſt. Sie empfand, welch eine feierliche Pflicht hinſichtlich des Glückes eines ganzen Lebens ihr übertra⸗ gen war; ſie hatte die Romantik des Herzen von der Natur, nicht von Büchern gelernt, und glaubte, es könne kein Glück in einer Ehe ohne Lebe ſich vorfinden. Die ganze Familie befand ſich auf dem Raſeu⸗ platz, als der Reiſewagen von Lord Vargrave eine Stunde früher wie man erwartet haite, den engel Gang herabrollte, der von der Hütte des Parkhüters war, keit der erſteren. unterſuchen und zu er zum Wr ſchaft ſa Wagenf Hausein zu ſehen, Ah dor fle iſt. ſeine St „Gä erwähne „Un „ Ih „Es grave lä einnehm rers ohn ſeiner S ſo kunſtli guter La dem ſteig ling ſein Frau ihn beim den ſie j vorſichtie Weiſe be wenn ſei natürlich ügen, ebenſo ärzliche nieder⸗ f Lady worden chen, zu lrt, wie hr mög⸗ on Var⸗ ePflicht übertra⸗ von der es könne den. Raſeu⸗ rave eine en engen zarkhüters zum Wohnhauſe führte. Vargrave, als er vie Geſell⸗ ſchaft ſah, warf mit der Hand einen Kuß aus dem Wagenfenſter ihr zu, ſprang aus dem Wagen als er am Hauseingange hielt, und eilte zur Wirthin. „Meine theure Lady Vargrave, ich bin erfreut, Sie zu ſehen, Ihr Ausſehen iſt entzückend. Wo iſt Eveltne? Ah, dort iſt ſie, die theure Kokette, wie liebenswürpig ſie iſt. e iſt ſie verſchönert! er wer,“ indem er ſeine Stimie ſenkte,„wer find die Damen dort?“ „Gäſte von uns, Frau Leslie, die Sie oft haben erwähnen hören, aber noch niemals trafen.“ „Und die Andern?“ „Ihre Tochter und Enkelin.“ „Es wird mir lieb ſein ſie kennen zu lernen.“ Ein einehmenderes Weſen, wie des von Lord Var⸗ grave läßt ſich kaum denken. Schon ſo freimüthig und einnehmend bei dem armen unb ſorgloſen Herrn Fer⸗ rers ohne Rang und Namen, war ſein Lächeln, der Ton ſeiner Stimme, ſeine vertrauliche Höflichkeit offenbar ſo kunſtlos und ſich beinah der knabenartigen Offenheit guter Laune nähernd, daß dies Alles unwiderſtehlich bei dem ſteigenden Staatsmann und dem begünſtigten Höf⸗ ling ſein mußte. Frau Merton war über ihn entzückt; Caroline hielt ihn beim erſten Bhck für den einnehmendſten Mann, den ſie jemals geſehen habe; ſogar Frau Leslie, ernſter, vorſichtiger und durchdringender, war beinah auf gleiche Weiſe beim erſten Einbruck von ihm eingenommen; erſt wenn ſeine Züge hei gelegentlichem Schweigen ihren natürlichen Ansdruck annahmen, glaubte ſie in dem ſchnellen, argwöhniſchen Blick und in dem engen Zu⸗ ſammendrücken der Lippen das Zeichen des liſtigen, ſchlauen und ſelbſtfüchtigen Charakters zu ſehen, den ſogar ſeine eigene Partei einem ihrer ausgezeichnetſten Führer mit Widerſtreben und gewiſſermaßen heimlich zugeſtand, im Verhältniß, wie derſelbe in ſeiner Lauf⸗ bahn geſtiegen war. Als Vargrave Evelinens Hand ergriff und dieſelbe mit ſcheinbarer Galanterie zu ſeinen Lippen erhob, er⸗ röthete das Mädchen zuerſt und wurde als dann blaß wie der Tod; auch kehrte ihre ſo verſcheuchte natürliche Farbe nicht ſobald zu der ſchönen Wange zurück. Lumley gab auf die Zeichen nicht Acht, die ſich zwiefach auslegen ließen, ſchien in beſier Laune, ſchwatzte über tauſend Dinge, pries die Ausſicht, das Wetter, die Reiſe, brachte hier einen Scherz, vort ein Compliment an und vollendete ſeine Eroberung der Frau Merton und Carolinen. „Sie haben London in der munterſten Zeit verlaſſen, Lorb Vargrave,“ ſagte Carvline, als ſie ſich nach Tiſch miteinander unterhielten. „Allerdings, Miß Merton, aber das Land beſindet ſich ebenfalls in ſeiner munterſten Zeit.“ „Lieben Sie denn das Land?“ „Hin und wieder, gleichſum mit Liebesanfällen; meine Leidenſchaft beginnt bei den erſten Stachelbeeren und verſchwindet mit den Moſchuserdbeeren. Ich führe ein künflliches Leben, jedoch ich hoffe, es iſt ein nätz⸗ liches; ich brauche nur Häuslichkeit, um es zum glück⸗ lichen zu machen.“ mutter ſomit Wird „— Neuigl Ja, ſie So lan ſchlecht Häßlic Hausfr „E beſindet eeeen nfällen; „Was ſind die letzten Neuigkeiten? Das theure London! Ich habe Urſache zur Betrübniß; meine Groß⸗ mutter, Lady Eliſabeth kommt dies Jahr nicht hin; ſomit bin ich gezwungen, auf dem Lande zu leben. Wird Lady D' ſich endlich verheirathen?“ „Wahrhaftig, die Ideen einer jungen Dame von Neuigkeiten betreffen immer Heirathen. Lady D“** Ja, ſie wird ſich, wie Sie ſagten, endlich verhetrathen. So lange fie eine Schönheit war, war unſer kaltes Ge⸗ ſchlecht zu blöde hinfichtlich ihrer; aber jetzt iſt ſie zur Häßlichkeit verwelkt, zum paſſenden Colorit einer Hausfrau.“ „Ein ſchönes Compliment!“ „So iſt es. Euch ſchöne Frauen lieben wir zu ſehr für unſer eigenes Glück. Eine klug eingegangene Hei⸗ rath erheiſcht freundſchaftliche Gleichgültigkeit, keine Entzückung und Verzweiflung. Aber gebt mir Schön⸗ heit und Liebe; ich war nie beſonders klug; das iſt nicht meine Schwäche.“ Obgleich Caroline ſich allein mit Lord Vargrave unterhielt, verſuchten ſeine Blicke mit Eveline zu ver⸗ kehren, die ungewöhnlich ſchweigend und zerſtreut daſaß. Plötzlich ſchien Lord Vargrave zu bemerken, daß er für ſeine Zuhörer ein nicht genug allgemeines Geſprächführte. Er wandte ſich deßhalb an Frau Leslie und ſchlüpfte gleichſam in eine frühere Generation zurück. Er ſprach von verſtorbenen Perſonen und vergeſſenen Dingen; er machte den Gegenſtand auch den Jüngeren durch eine Folge von mannigfachen und witzigen Anekdoten anziehenb. Vulwer, Alice. 1. 4 jetzt mit Vergnügen, denn Witz und Verſtand iz für alle Weiber. Indeß lag im Tone des großen Welt eine kalte und ſcharfe Leicht⸗ welche verhinderte, daß der Zauber auch unter die Oberfläche ſank. Der Frau Leslie ſchien er unbe⸗ wußt lockere Grundſätze zu verrathen, der Eveline an Gefühl und Herz. Lady Vargrave, die keinen Charakter dieſer Art verſtand, horchte aufmerk⸗ ſam und ſagte zu ſich ſelbſt: Eveline mag ihn bewun⸗ t ging ſchnell in Lumley's Gegenwart vorüber und Caroline dachte, ſie habe nie einen ſo angenehmen Abend zugebracht. Als Lord Vargrave ſich auf ſein Zimmer zurückge⸗ zogen hatte, warf er ſich in einen Lehnſtuhl und gähnte mit geoßem Eifer. Sein Kammerdviener brachte ſeinen Schlafrock in Orbdnung und legte ſeine Brieftaſchen und Kiſten auf den Tiſch. „Was iſt die Uhr?“ fragte Lumley. „Sehr früh, Mylord, erſt elf.“ „Der Teufel! Die Landluft iſt wunderbar erſchö⸗ pfend, ich bin ſchläfrig, Ihr könnt gehen.“ „Dies kleine Mädchen,“ dachte Lumley, als er ſich anstreckte, iſt ungewöhnlich blöde; doch iſt noch alles in Sicherheit. Sie iſt außerordentlich hübſch geworden. Das andere Mädchen aber iſt amüſanter, mehr nach meinem Geſchmack und wie ich glaube, auch leichter zu erohern. Ihre großen, dunklen Augen ſchienen voll Be⸗ wunderung meiner Lordſchaft.— Die kluge, jung ch fürchte, ſie kann ihn nicht lieben.“ Jeboch W orchte rſtand e des eicht⸗ unter unbe⸗ veline e, die fmerk⸗ ewn⸗ Jedoch, orüber ehmen rückge⸗ gähnte ſeinen — Dame! Sie kann mir von Nutzen ſein, Eveline an⸗ zuſpornen.“ Neuntes Kapitel. Julio; Willſt du ihn haben? Das Müllermädchen. Lord Vargrave hörte am nächſten Morgen mit ge⸗ heimem Arger und Mißvergnügen Cvelinens beabſich⸗ tigten Beſuch bei den Mertons. Er konnte nichts offen dagegen einwenden, aber einige Winke über deſſen Un⸗ zweckmäßigkeit nicht unterdrücken. „Meine theure Freundin!“ ſagte er zur Lady Var⸗ grave,„Sie haben varin kaum recht gehandelt, ver⸗ zeihen Sie mir, daß ich es ſage, als Sie Evelinen der Sorgfalt von Leuten überließen, vie gewiſſermaßen fremd ſind. Sie kennen allerdings Frau Leslie, allein Frau Merton, wie Sie ſelbſt zugeſtehen, haben Sie zum erſtenmal geſehen. Dieſe iſt ohne Zweifel eine ſehr acht⸗ bare Perſon; bedenken Sie aber, wie jung Eveline iſt, wie reich, welch eine Priſe für jüngere Söhne aus der Merton'ſchen Familie, wenn es deren gibt. Miß Merton ſelbſt iſt ein ſchlaues, eigennütziges Mädchen; wäre ſie von unſerem Geſchlecht, ſo würde ſie einen ausgezeich⸗ neten Glücksjäger abgeben. Halten Sie meine Furcht nicht für ſelbßſüchtig, ich ſpreche nicht für mich; wäre ich Evelinens Bruber, ſo würde ich in meinen Vorſtel⸗ lungen nicht eifriger ſein.“ „Aber, Mylord, vie arme Eveline wird hier trüb⸗ ſinnig; meine Stimmung wirkt auf ſie als anſteckende Krankheit. Sie ſollte mehr mit Leuten ihres eigenen Alters verkehren, um mehr von der Welt zu ſehen, beyor—“ „Bevor ſie mich heirathet. Vergeben Sie mir, iſt das nicht meine Angelegenheit? Wenn ich mit ihrer Un⸗ ſchuld zufrieden, ſogar wenn ich darber entzückt bin, wenn ich dies allen Künſten vorziehe, die ſie in der Geſellſchaft lernen könnte, ſo würde Sie ſicherlich kein Vorwurf treffen, daß Sie Eveline in jener ſchönen Ein⸗ falt laſſen, welche ihren hauptſächlichſten Zauber bildet. Sie wird als Lady Vargrave genug von der Welt ſehen.“ „Wenn ſie aber niemals Lady Vargrave werden Lumley ſtutzte, biß ſich auf die Lippe und blickte finſter. Lady Vargrave hatte niemals zuvor auf ſeinem Antlitz den finſteren Ausdruck geſehen, den es gegen⸗ wärtig zeigte. Er faßte ſich jedoch, als er beobachtete, daß ihr Auge auf ihn gerichtet war, und ſprach mit er⸗ zwungenem Lächeln:„Können Sie ein für mein Glück ſo verhängnißvolles Ereigniß als wirklich vvrausſetzen, ein ſo unvorhergeſehenes, allen Wünſchen meines armen Onkels entgegengeſetztes Ereigniß, wie Evelinens Ver⸗ werfung einer mehre Jahre lang fortgeſetzten Bewer⸗ bung ſein würde, welche ſo feierlich ſelbſt in ihrer Kind⸗ heit bekräftigt wurde?“ „Sie muß für ſich ſelbſt eniſcheiden,“ ſagte Lady Vargrave;„ihr Oheim unterſchied zwiſchen Wunſch und Befehl. Evelinens Herz iſt noch nicht durch Sie gerührt worden; mögen Sie ihrer Liebe würdig ſein, wenn Eyeline Sie lieben kann.“ 6 Abrei uns 5 trenne *. ſie ſich Sie fi der Ar aus ei viellei und v aus ſöh V Beide ſein B Munt Al ihm, zuſöhn ſchaft Freun die neu natürl war Lr er kom um ſeit barſcha überfl vieſer einer e enn „Dies werde ich ſteis erſtreben; weßhalb aber dieſe Abreiſe aus Ihrem Hauſe gerade zu einer Zeit, wo wir uns öfter ſehen ſollten? Sie wollen uns doch etwa nicht trennen?“ „Ich beſorge, Mylord, daß wenn Eveline hier bleibt, ſie ſich gegen Sie entſcheiden wird; ich beſorge, wenn Sie ſie jetzt bedrängen, wird ihr voreiliger Entſchluß in der Art ausfallen. Vielleicht entſteht vieſe ihre Stimmung aus einer zu großen Anhänglichkeit an ihre Heimath; vielleicht wird ſogar eine kurze Abweſenheit von derſelben und von mir ſie mit einer bleihenden Trennung mehr ausſöhnen.“ Vargrave konnte nicht mehr ſagen, denn hier wurden Beide von Carolinen und Frau Merton unterbrochen; ſein Benehmen aber war verändert und er konnte die Munterkeit des vorigen Abends nicht wieder erlangen. Als er jedoch Zeit zur überlegung fand, gelang es ihm, ſich mit dem beabſichtigten Beſuche wieder aus⸗ zuſöhnen. Er erkannte, wie leicht es ſei, ſich die Freund⸗ ſchaft der ganzen Familie Merton zu verſchaffen; dieſe Freundſchaft konnte ihm von größerem Nutzen ſein als die neutrale Rolle, die Lady Vargrave ſpielte. Er würde natürlich auf den Pfarrſitz eingeladen werden, dieſer war London näher als Lady Vargrave's kleiner Landſitz; er konnte ſich ſeinen öffentlichen Sorgen öfter entziehen, um ſeine Privatintereſſen zu beaufſichtigen. Die Nach⸗ barſchaft auf dem Lande konnte wahrſcheinlich keinen überfluß an gefährlichen Nebenbuhlern, beſonders zu vieſer Jahrszeit, bieten. Eveline, dachte er, würde vvn einer eigennützig geſinnten Familie umringt ſein, und hierin biete ſich ihm ein Vortheil. Dies könnte vielleicht vazu dienen, Evelinens romantiſche Neigung zu zer⸗ theilen, ihr die Vergnügungen des Londoner Lebens, ves off eiellen Ranges, der munteren Geſellſchaft fühl⸗ bar zu machen, die eine Verbindung mit ihm als Erſatz für ihr Vermögen varbieten könne. Kurzum, nach ſeiner gewöbnlichen Handlungsweiſe ſtrebte er der neuen Wen⸗ dung der Angelegenheit die beue Richtung zu geben. Obgleich Vormund der Miß Cameron und einer der Curatvren für das Vermögen, welches ſie bei ihrer Großjährigkeit erhalten konnte, beſaß er kein Recht, hin⸗ ſichtlich ihres Wohnortes ihr Vorſchriften zu geben. Das Teſtament des verſtorbenen Loros hatte ausdrück⸗ lich und beſtimmt die natürliche und geſetzmäßtge Ge⸗ walt feſtgeſetzt, welche Lady Vargrave in allen, mit Evelinens häuslicher Erziehang zuſammenhängenden An⸗ gelegenheiten ertheilt war. Hier mag auch noch hinzu⸗ gefügt werden, daß der Teſtator Vargrave und ſeinem Mitcurotor, Herrn Guſtav Douce, einem Bankier von Namen und Anſeben, große Gewalt in der Anlegung des Vermögens gelaſſen hatte. Er hatte es als ſeinen Wunſch ausgeſprochen, daß von 120 bis 130,000 Pfd. auf den Ankauf eines Landguts verwandt werden ſollten; er hatte es jedoch dem eigenen Urtheil der Caratoren freigeßtellt, dieſe Summe ſogar bis zum Betrag des ganzen Kapi⸗ tals zu vermehren, ſollte ein Gat von verhältnißmäßiger Wichtigkent feil werden. Die Auswahl der Zeit und des Ankaufes war ohne Rückhalt den Curatoren überlaſſen. Vargrave hatte bis dahin gegen jeden Ankauf Einwen⸗ dungen gemacht; er war zwar durchaus nicht unempfind⸗ — in⸗ einem r von ag des unſch uf den rhatte eſtelit, Kapi⸗ äßiger nd des laſſen. nwen⸗ pfind⸗ lich hinſichtlich der Wichtigkeit und bes Anſehens von Grundeigenthum; er hielt es aber bis hu der Zeit, wo er ſelbſt der rechtmäßige Empfänger des Einkommens ſein würde, für hequemer, das Geld in den Staats⸗ papieren zu laſſen als ſich alle die läſtigen Einzelheiten der Verwaltung eines Gutes aufzubürden, welches viel⸗ leicht niemals das ſeine werden könnte Er blickte jedoch mit nicht geringerem Eifer wie ſein verſorbener Oheim auf die kommende Zeit, worin der Titel Vargrave auf der ehrwürdigen Grundlage lehensherrlicher Güter er⸗ haut ſein würde. „Werum ſagten Sie mir nicht, daß Lord Vargrave ſo entzückend ſei?“ fragte Caroline ihre neue Freundin, als die beiden Mäochen in vertraulicher Unterredung durch den Garten ſt eiften;„Sie werden mit elnem ſolchen Lebensgefährten ſehr glücklich ſein.“ Eveline gab einige Augenblicke lang keine Antwort, wandte ſich dann plötzlich zu Caroline, hielt den Schritt an und ſprach mit einer Art betrübter Heftigkeit:„Theure Caroline, Sie, die ſo klug und ſo gütig find, rath Sie mir; ſagen Sie mir was das Beſie iſt; ich bin ſel unglücklich.“ Miß Merton war durch Evelinens Ernſt gerührt und überraſcht. „Was iſt das, theure Eveline,“ ſagte ſie,„weß⸗ halb ſind Sie unglücklich, Ste, deren Schickſal mir ſo beneidenswerth ſcheint.“ „Ich kann Lord Vargrave nicht liehen; ich ſchau⸗ dere bei der Idee, ihn zu heirathen. Soll ich es ihm nicht vffen ſagen, ſoll ich ihm nicht ſagen, daß ich den Wunſch nicht erfüllen kann, welchen(dieſer Gedanke erweckt meine Unentſchloſſenheit) ſein Oheim mir hin⸗ terließ, mir, die ich keinen Anſpruch auf Verwandt⸗ ſchaft habe, zugleich mit dem Vermögen, welches Lord Vargrave erhalten haben würde. Sein Oheim hinter⸗ ließ mir daſſelbe in dem Glauben, daß meine Hand es ihm wieder zurückgebe; es iſt beinahe ein Betrug, ihm Letztere zu verweigern. Bin ich nicht zu bemitlei⸗ den?“ „Aber weßhalb können Sie Lord Vargrave nicht lieben? Er iſt über die erſte Jugend hinaus, aber noch immer hübſch; er iſt noch mehr wie hübſch. Er heſitzt die Miene des Ranges— ein Auge, welches bezaubert, ein Lächeln, welches gewinnt— ein Benehmen, welches gefällt, Fähigkeiten, welche herrſchen! Hübſch, ver⸗ ſtändig, bewundert, ausgezeichnet— was kann ein Welb mehr in ihrem Liebhaber, ihrem Gatten wünſchen? Haben Sie ſich in Ihrer Phantafie ein Ideal Desjenigen, den Sie lieben könnten, gebildet, und ſcheint Ihnen Lord Vargrave von dieſem Luftgebild abweichend?“ „Ob ich mir ein Ideal gebildet habe? Gewiß,“ antwortete Eveline, mit einer ſchönen Begeiſterung, welche in ihren Augen ſtrahlte, ihre Wangen röthete und ihren Buſen unter dem Kleide hob—„Jemand, den ich auch liebend verehren könnte; eine Seele, welche die meinige erheben, ein Herz, welches mit meiner Schwäche, meinen Thorheiten, meiner Romantik, wenn Sie wollen, Mitgefühle empfinden würde, worin ich meine ganze Seele als einen Schatz bergen könnte.“ „Sie malen da einen Schulmeiſter, nicht einen Lieb⸗ haber ob J dig, kindli „ich n daß i 5 kennt neiner wenn in ich .. Lieb⸗ haber,“ ſagte Carvline;„Sie kümmern ſich alſo nicht, ob Iör Held hübſch oder jung ſein ſollte?“ „O ja, er ſollte Beibes ſein,“ ſagte Eveline unſchul⸗ dig,„und dennoch,“ fügte ſie nach einer Pauſe mit kindlicher Spielerei im Benehmen und Zügen hinzu— „ich weiß, daß Sie mich auslachen werden, aber ich glaube, vaß ich zu gleicher Zeit mehr als Einen lieben könnte.“ „Ein gewöhnlicher Fall, aber ein ſeltenes Be⸗ kenntniß.“ „Ja, wenn ich die Jugend und äußere Vortheile, die dem Auge gefallen, mir verlangen möchte, ſo könnte ich noch tiefere Liebe Demjenigen, welcher meine Phan⸗ taſie anſpricht, weihen! Verſtand, Genie, Ruhm— dieſe beſitzen unſterbliche Jugend und unvergängliche Schönheit als eigen.“ „Sie find ein ſonderbares Mädbchen.“ „Wir ſprechen über einen ſehr ſonderbaren Gegen⸗ ſtand. Mir iſt es ein Räthſel,“ ſagte Eveline, indem ſie ihr kleines Haupt mit niedlichem, halb verſtelltem, halb wirklichem Ernſte ſchüttelte;„ach, wenn doch Lord Vargrave Sie lieben würde! Sie würden ihn lieben; ich wäre frei und glücklich.“ Beide ſtanden auf dem Platze vor den Fenſtern des kleinen Landhauſes; Lumley erhob ſein Auge von der Zeitung, die gerade angekommen war und die er mit der Begier eines Politikers ergriffen hatte. Er warf die Zeitung fort, ſann einige Augenblicke nach, nahm ſeinen Hut und ſchloß ſich ihnen an; ehe er aber Letzteres aus⸗ führte, hatte er ſich im Spiegel beſehen und gedacht: „Ich glaube, ich ſehe noch jung genug aus.“ —— — „Zwei Kirſchen an einem Stengel,“ ſagte Lumley munter;„beiläufig geſagt, das Gleichniß iſt kein Com⸗ pliment. Welche junge Dame möchte eine Kirſche ſein? Solch eine unintereſſante, gemeine Frucht für Bettel⸗ knaben— was mich betrifft, ſo verbinden meine Ideen die Kirſchen immer mit dem Bilde eines jungen Herrn in baumwollenen Beinkleidern und in einer Skeletjacke, mit einer Taſche voll von Marmorkugeln und mit der andern voll von Würmern zum Fiſchen, mit drei Halb⸗ pfennigſtücken in der linken Pfote und zwei Kirſchen an einem Stengel(Helena und Hermia) in der rechten.“ „Wie drollig iſt Ihr Witz,“ ſagte Caroline lachend; „ich bin Ihnen ſehr verbunden und beneide nicht Ihr urtheil.“ „Die Schwermuth hat ſich mir als eigen auserwählt. Ihr Damen führt ein Leben mit heiterer Laune und leichtem Herzen, uns bleibt Geſchäft und Politik. Juris⸗ prudenz, Medicin und Mord durch ein Geſchäft, Schmä⸗ hung, Ruhm mit Spottnamen, das Vorrecht allgemeiner Bücklinge bei Großen und Mächtigen, Letzteres allein das angenehme Laſter— Bettelei. Dieſes Vorrecht führi den ſtolzen Titel„„Beſchützung und Macht.““ Sind wir munter und drollig, wie Sie ſagen? O nein, alle un⸗ ſere gute Laune iſt erzwungen, glauben Sie mir das. Miß Cameron, haben Sie niemals jene unglückliche Art hiſteriſcher Neigung, die man erzwungen gute Laune nennt, gekannt? Gewiß nicht, Ihr heiteres Lächeln, Bhre lachenden Augen bilden das Verzeichniß eines glück⸗ lichen und ſanguiniſchen Herzens.“ hinweg Lumler Eyelin „2 er,„m find S Sie w michz „2 theil 1 Zitter „C und b Evelir mag d E Carol danker umley Com⸗ ſein? ettel⸗ Ideen Herrn tjacke, it der Halb⸗ en n en.“ hend; t Ihr wählt. e und Juris⸗ chmä⸗ neiner in das ri den d wir le un⸗ das. e Art Laune cheln, „Und ich?“ fragte Caroline Merton mit leichiem Erröthen. „Ste, Miß Merton? Ach, ich habe ihren Charakter noch nicht geleſen, die Seite iſt ſchön, aber der Buch⸗ ſtabe unbekannt. Sie haben jedoch die Welt geſehen und wiſſen, vaß man gelezentlich eine Maske tragen muß.“ Lord Vargrave ſeufzte als er dies ſagte und verſank in plötzliches Schweigen; als er aufblickte, begegneten ſeine Augen denen der Crol'ne die auf ihn geheftet waren; ihr Ausvruck ſcmeichelte ihm; Caroline wandte ſich hinweg und machte ſich bei einem Roſenſtrauch zu thun. Lumley pſflückte eine der Blumen und reichte ihr dieſelbe; Eveline war wen'ae Schritte vorangegangen. „An vieſer Roſe befindet ſich kein Dorn,“ ſagte er,„mag die Gabe von guter Vorbedeutung ſein; jetzt ſind Sie Evelinens Freundin; ſein Sie auch die meinige. Sie wird Ihr Gaſt ſein, verſchmähen Sie es nicht, für mich zu meinem Vortbeil zu reden.“ „Bedürfen Sie Jemand, der für Sie zu Ihrem Vor⸗ theil reden ſollte?“ ſprach Caroline mit einem leichten Zittern ihrer Stimme. „Entzückende Mß Merton, die Liebe iſt mißtrauiſch und beſorgt; ſie muß jetzt eine Stimme finden, worauf EGveline vielletcht freunblich hört. Was ich nicht ſage, mag die Beredſamkeit meiner neuen Freundin erſetzen.“ Er verbeugte ſich leicht und ſchloß ſich Eveline an. Caroline verſtand ven Wink und kehrte allein und ge⸗ dankenvoll zum Hauſe zurück. „Miß Cameron— Ereline, erlauben Sie, daß ich Sie ſo nenne, wie in den glücklichen und vertraulichen Tagen Ihrer Kinbheit. Ich wünſchte, Sie könnten in dieſem Augenblick in meinem Herzen leſen. Sie find im Begriff, Ihre Heimath zu verlaſſen; neue Scenen wer⸗ den Sie umringen, neue Geſichter Ihnen zulächeln; darf ich hoffen, daß Sie ſich meiner erinnern werden?“ Er verſuchte bei den Worten ihre Hand zu ergreifen. „Mylord,“ ſprach ſie in ſehr leiſer Stimme,„wenn Erinnerung Alles wäre, was Sie von mir verlangen...“ „Ich verlange nicht mehr— günſtige Erinnerung, Erinnerung der Liebe der Vergangenheit, Erinnerung des zukünftigen Bandes.“ Eveline ſchauderte.„Es iſt beſſer, daß wir offen ſprechen,“ ſagte ſie;„ich gebe mich Ihrer Großmuth anheim. Ich bin nicht unempfindlich hinſichtlich Ihrer glänzenden Eigenſchaften, ich erkenne die Ehre Ihrer Zuneigung— aber, da jetzt die Zeit naht, worin Sie von mir die Entſcheidung fordern werden, ſo laſſen Sie mich Ihnen jetzt ſagen, daß ich für Sie nicht diejenigen Empfindungen hegen kann, ohne welche Sie unſere Ver⸗ einigung nicht wünſchen werden, ohne welche wir Beide ein Unrecht begehen würden, dieſelbe einzugehen. Nein⸗ hören Sie mich an. Ich beklage bitterlich den Inhalt des Teſtamentes von Ihrem zu großmüthigen Oheim; kann ich Ihnen keinen Erſatz gewähren? Gern möchte ich das Vermögen vpfern, welches in der That das Ihrige ſein müßte. Nehmen Sie es an und bleiben Sie mein Freund.“ „Grauſame Eveline! Können Sie vermuthen, daß ich Ihr Vermögen zu erlangen ſtrebe? Sie allein find mein Ziel. Der Himmel iſt mein Zeuge, daß Ihr Herz dieſe H Var Worte allein d Ernſtes Mangel dere im nten in find im en wer⸗ n; darf 7 greifen. „wenn gen nerung, merung ir offen oßmuth Ihrer Ihrer in Sie en Sie ienigen re Ver⸗ 6¹ und Ihre Hand, wenn Sie keine andere Mitgift hätten, ein genügender Schatz für mich ſein würde. Sie glauben, daß Sie mich nicht lieben können. Eveline, Sie kennen ſich noch nicht. Ach, Ihre Zurückgezogenheit in dieſem entfernten Dorfe, mein eigener, unaufhörlicher Beruf, welcher mich wie einen Sklaven an die Galeere der Po⸗ litik und Macht kettet, halten uns von einander getrennt. Sie kennen mich nicht. Ich bin Willens, den Verſuch dieſer Kenntniß zu wagen, Ihnen mein Leben zu weihen, Sie zur Theilnehmerin meines Ehrgeizes meiner Lauf⸗ bahn zu machen, Sie zu der höchſten Stelle der Damen von England zu erheben, meinen Stolz auf Sie zu über⸗ tragen, Sie zu lieben, zu ehren und zu ſchätzen: Alles dies wird mein höchſter Ruhm ſein, und alles dies wird mir zuletzt Liebe gewinnen. Hegen Sie keine Beſorgniß, Eveline für Ihr Glück. Bei mir ſollen Sie niemals Kummer erfahren. Es erwartet Sie Liebe zu Haus und Glanz in der Welt. Ich habe den rauhen und ſteilen Theil meiner Laufbahn überſchritten; der Gipfel, zu dem ich emporklimme, iſt mit Sonnenſchein umringt, keine Stellung in England iſt zu hoch, die ich nicht hoffen dürfte! Wie glänzend iſt die Ausſicht mit Ihnen, wie dunkel ohne Sie! Ach, Eveline, ſchenken Sie mir dieſe Hand, das Herz wird bald folgen!“ Vargrave's Worte waren kiſtig und beredt; die Worte waren darauf berechnet, ihr Ziel zu erreichen; allein das Weſen, der Ton der Stimme entbehrte des Ernſtes und der Wahrheit. Dies war Lord Vargrave's Mangel— dies charakteriſirte alle ſeine Verſuche, An⸗ dere im öffentlichen oder Privatleben zu leiten. Er be⸗ ſaß kein Herz, keine Tiefe der Leidenſchaft in Allem, was er unternahm. Er konnte die überzengung ſeiner Fähigkeit erwecken, ließ aber ſtets die Uberzeugung un⸗ vollkommen, weil er ven Glauben an ſeine Aufrichtigkeit nicht hervorzurufen vermochte. Die beſte Gabe der Geiſtesgewalt, die Aufrichtigkeit, fehlte ihm; der Man⸗ gel an Herz bei Lord Vargrave war die wahre Ur ſache, weßhalb er kein großer Mann war. Eveline ward jedoch von ſeinen Worten ergriffen und ſagte ſchüchtern: „Da Sie ſo evelmüthige und vertrauungsvolle Ge⸗ fühle hegen, warum lieben Sie mich, da ich Ihre Nei⸗ gung doch nicht auf würvige Weiſe erwidern kann? Nein, Lord Vargrave, es gibt Viele, die Sie mit gerechteren Augen wie ich betrachten, Schönere und ſogar Reichere. Wirklich, es kann nicht ſein; werden Sie nicht durch den Gedanken beleidigt, das mir hinterlaſſene Vermögen ſei an eine Bedingung geknüpft, die ich nicht erfüllen kann und darf. Wird die Bedingung nicht erfüllt, ſo fällt es nach Billigkeit und Ehre Ihnen anheim.“ „Reden Sie nicht ſo, ich bitte Sie, Eveline; halten Sie mich nicht für den eigennützigen Rechner, wofür mich meine Feinde ausgeben. Um jedoch auf einmal den Gedanken an die Möglichkeit zwiſchen Ihrer Ehre und Ihrem Widerwillen zu entfernen(ach, daß ich leben mußte, ein ſolches Wort, wie Widerwillen, auszuſpre⸗ chen l) ſo erfahren Sie, daß Ihr Vermögen Ihnen nicht zur Verfügung ſteht. Außer der kleinen Verwirkung, welche die Folge Ihrer Nichterfüllung des Gebotes von meinem ſterbenden Onkel iſt, wurde das Ganze Ihnen und Jh⸗ ren Kindern unbevingt verſchrieben. Es iſt Fidekommiß, Lo theil b antwor Er war und ſal Die G ſich um und hi entgege * De 63 Allem, Sie vürfen es nicht veräußern. Somit kann ſich Ihre gſeiner Großmuth nur Demjenigen äußern, dem ſie Ihre Hand ng un⸗ ſchenken. Ach, laſſen Sie mich jene ſchwermüthige Scene chtigkeit ins Gedächtniß zurückrufen, wie Ihr Wohlthäter auf abe der ſeinem Todtenbett lag, wie Ihre Mutter an ſeiner Seite rMan⸗) kniete, wie Ihre Hand die meinige umſchloß, wie jene Urſache, Lippen zugleich mit ihrem letzten Hauch einen Segen d jedoch und einen Befehl ausſprachen!“ ichtern:„O ſchweigen Sie, Mylord!“ ſprach Eveline ſchluch⸗ olle Ge⸗ zend. re Nei⸗„Nein, heißen Sie mich nicht ſchweigen, bevor Sie 7 Nein, mir ſagen, daß Sie mein ſein wollen. Geliebte Eveline! echteren Ich darf hoffen, daß Sie nicht gegen mich entſcheiven Keichere. werben?“ durch 1„Nein,“ ſprach Eveline, indem ſie ihren Blick er⸗ rmögen hob und im Innern Faſſung zu erkämpfen ſuchte. Ich erfüllen fühle wohl, daß dies meine Pflicht ſein ſollte, ich will üllt, ſo mich bemühen, Sie zu vollbringen; bitten Sie mich nicht . mehr; ich will mit mir kämpfen, um Ihnen zu antwor⸗ ʒhalten ten, wie Sie es ſpäter wünſchen werden.“ wofür Lord Vargrave, entſchloſſen, den gewonnenen Vor⸗ mal den theil bis zum Außerſten zu treiben, war im Begriff zu re und antworten, als er einen Schritt hinter ſich vernahm. b leben„ Er wandte ſich ſchnell und außer Faſſung gebracht um zuſpre⸗ und ſah, wie eine ehrwürdige Geſtalt ſich ihnen näherte. icht zur Die Gelegenheit ging verloren; auch Eveline wenbete welche ſich um, erkannte Denjenigen, der ſich eingedrängt hatte einem und hüpfte demſelben beinah mit einem Freudenrufe nd Ih⸗ entgegen. Der neue Ankömmling war ein Mann, der beinahe ℳ ſein ſiebenzigſtes Jahr zurückgelegt hatte; indeß ſein Alter war friſch, ſein Schritt leicht und auf ſeinem geſunden und gütigen Antlitz hatte die Zeit nur wenig Runzeln gezogen. Er war ſchwarz gekleidet, und ſeine Locken, weiß wie Schnee, drangen aus dem hreiten Hute hervor und berührten beinahe ſeine Schultern. Der alte Mann lächelte Evelinen zu und küßte zärt⸗ lich Ihre Stirn. Alsdann wandte er ſich an Lord Var⸗ grave, der ſeine gewöhnliche Selbſtbeherrſchung wie⸗ dererlangt hatte, und mit ausgeſtreckter Hand zu ihm hintrat. „Mein theurer Herr Aubrey, dies iſt eine angenehme überraſchung. Ich hörte, Sie wären nicht in der Pfar⸗ rei, ſonſt würde ich Sie beſucht haben.“ „Euer Lordſchaft erweist mir viel Ehre,“ erwiderte der Pfarrer;„es iſt das erſtemal ſeit dreißig Jahren; daß ich länger von meiner Pfarre abweſend war; jetzt aber hoffe ich zurückgekehrt zu ſein, um meine Tage unter meiner Heerde zu beſchließen.“ „Und was,“ fragte Lord Vargrave,„wenn die Frage nicht anmaßend iſt, verurſachte Ihre Anweſenheit wider Willen?“ „Mylord,“ erwiberte der alte Mann mit ſanftem Lachen;„ein neuer Vikar iſt eingeſetzt worden. Ich ging zu ihm, um eine demüthige Bitte anzubringen, daß ich unter denen bleiben möge, die ich als meine Kinder be⸗ trachte. Ich habe eine Generation begraben, eine zweite verheirathet und eine dritte getauft.“ „Sie hätten die Vikarei ſelbſt bekommen ſollen; man hätte werde E Verſp vie ihr „ und n mehr? geweſe Mein Eyelit ſehen E ſo ver den V D Weſer lag et den H mit E weiſez die n unter auf, ſich a Ihr offenb Varg Eveli Stickt B ſein Alter geſunden Runzeln cken, weiß ervor und üßte zärt⸗ ord Var⸗ ung wie⸗ dzu ihm ngenehme der Pfar⸗ erwiderte g Jahren; var; jetzt age unter die Frage eit wider t ſanftem Ich ging 1, daß ich dinder be⸗ ine zweite llen; man 65 hätte beſſer für Sie ſorgen ſollen, Herr Aubrey; ich werde mit dem Lordkanzler reben.“ n fünfmal früher hatte Lord Vargrave daſſelbe rechen geänßert und der Pfarrer lächelte, als er die ihm bekannten Worte vernahm. „Die Vikarei, Mylord, iſt eine Familienpfründe und wird jetzt von einem jungen Manne bekleidet, der mehr Reichthum braucht wie ich. Er iſt gütig gegen mich geweſen und hat mich in meine Heerde wieder eingeſetzt. Mein Kind,“ fuhr der Pfarrer fort, indem er ſich zu Evelinen wandte,„Sie find gewiß nicht wohl, Ste ſehen blaſſer aus wie damals, als ich Sie verließ.“ Eveline umſchlang zärtlich ſeinen Arm und lächelt ſo vergnügt, wie ſonſt bei der Antwort. Sie ſchlugen den Weg nach Hauſe ein. Der Pfarrer blieb ungefähr eine Stunde. In ſeinem Weſen war Sanftmuth und Würde gemiſcht; in jenem lag etwas von dem urſprünglichen Charakter, den wir den Hirten der Kirche zuſchreiben. Lady Vargrave ſchien mit Eveline zu wetteifern, wer ihm die meiſte Liebe er⸗ weiſen ſollte. Als er ſich in ſeine Wohnung zurückzog, die nicht weit von dem Landhauſe lag, ſuchte Eveline, unter dem Vorwande von Kopfſchmerz, ihre Kammer auf, und Lumley, ſeine Kränkung zu verſüßen, wandte ſich an Caroline, die ſich an ſeine Seite geſetzt hatte Ihr Geſpräch machte ihm Vergnügen, während ihre offenbare Bewunderung ihm ſchmeichelte. Während Lady Vargrave in mütterlicher Zärtlichkeit ſich entfernte, um Evelinen zu warten— während Frau Leslie ſich an einem Stickrahmen beſchäftigte— während Frau die Bulwer, Alice. 1 66 alte Dame anblickte und ihr ſchläfrig von Rheumatis⸗ mus undPredigten, von Kinderkrankheiten und Mägde⸗ gehen erzählte, wurde vie Unterhaltung zwiſchen Lord Vargrave und Caroline zuerſt munter und lebhaft, all⸗ mählig empfindſam und gedämpft, ihre Stimmen nah⸗ men einen lelſeren Ton an und Caroline wandte ihr Haupt bisweilen ab und erröthete. — Zehntes Kapitel. Dort ſteht der Wahrheit Bote, der Geſandte des Himmels. Cvoper. Seit jenem Abend fand Lumley keine andere Gele⸗ genheit, ſich mit Eveline allein zu unterhalten. Sie ver⸗ mied es offenbar, ihm allein zu begegnen; ſie war ſtets von jhrer Mutter vder Frau Leslie, vder von vem guten Pfarrer begleitet, welcher einen großen Theil ſeiter Zeit in vem Landhauſe zubrachte. Der alte Mann hatte weber Frau noch Kinder; zu Haus war er allein, hatte es aber gelernt, ſich bei ber Wittwe und der Tochter ein häusliches Leben zu bilden. Bei denſelben war er der Gegenſtand der zärtlichſten Neigung und der tiefſten Verehrung. Ihre Liebe entzückte ihn; er gab ſie zurück mit der Zärtlichkeit eines Vaters und dem Wohlwollen eines Seelenhirten. Dieſer Dorfprieſter war ein ſeltener Charakter! Aus niederem Stande geboren, hatte er in ver Jugend Fähigkeiten entwickelt, welche die Aufmerk⸗ ſamkeit eines reichen Grundeigenthümers erweckten. Dieſe junge Unive Preiſc nicht gend; die W Verge und Li zwiſch ter erk bettläg Dies hrey h⸗ lichkeit er ihr der ger ters, 1 nicht v Jugen fähige lente. lebens Frömr zur G Kirche in ſeit ergebe heit re den ih umatis⸗ Mägbe⸗ hen Lord aft, all⸗ ten nah⸗ ndte ihr Geſandte per. ere Gele⸗ Sie ver⸗ war ſtets em guten eil ſeiner mn hatte in, hatte Tochter n war er r tiefſten ſie zurück ohlwollen n ſeltener atte er in Aufmerk⸗ rweckten. 67 Dieſer war nicht abgeneigt, den Patron zu ſpielen; ber junge Aubrey wurde auf die Schule und dann auf die Univerſität als Famulus geſchickt; er erhielt verſchiedene Preiſe und erlangte einen höheren Grad. Aubrey war nicht ohne den Ehrgeiz und die Leidenſchaften der Ju⸗ gend; er trat glühend, unerfahren und ohne Führer in die Welt; er zog ſich zurück, bevor ſeine Irrthümer zum Vergehen und Thorheit zur Gewohnheit wurden. Natur und Liebe lockten ihn zurück und retteten ihn von der Wahl zwiſchen Ruhm und Untergang. Seine verwittwete Mut⸗ ter erkrankte plötzlich; ihre Exiſtenz war, da ſie blind und bettlägerig wurde, allein von ihrem Sohne abhängig. Dies Unglück rief einen neuen Charakter in Ehuard Au⸗ brey hervor. Seine Mutter hatte ſich ſo manche Bequem⸗ lichkeiten entzogen, um für ihn zu ſorgen; dafür wibmete er ihr ſeine Jugend. Sie war jetzt alt und ſchwach; mit der gemiſchten Selbſiſucht und Empfindſamkeit des Al⸗ ters, wollte ſie nicht nach London; ſie wollte das Dorf nicht verlaſſen, wo ihr Mann begraben lag, wo ſie ihre Jugend zugebracht hatte. In dieſem Dorfe begrub der fähige und ehrgeizige Mann ſeine Hoffnungen und Ta⸗ lente. Allmählig war ihm die Ruhe und Stille des Land⸗ lebens theuer. Wie Sproſſen auf einer Leiter, führt die Frömmigkeit immer höher; religiöſes Leben ward ihm zur Gewohnheit; er ließ ſich ordiniren und trat in die Kirche. Dann folgte Tänſchung in der Liebe; dieſe ließ in ſeiner Seele und in ſeinem Herzen eine ruhige und ergebene Schwermuth zurück, die zuletzt zur Zufrieden⸗ heit reifte. Sein Stand und deſſen ſüße Pflichten wur⸗ den ihm immer theurer; bei den Hoffnungen der näch⸗ ſten Welt vergaß er den Ehrgeiz der jetzigen. Er ſuchte nicht zu glänzen, „Gewandter Das Unglück aus der Liefe zu erheben, Wie ſich zu heben: ſeine eigene Geburt machte die Armen zu ſeinen Brü⸗ vern und ihn ſelbſt vertraut mit deren Charakteren und Bedürfniſſen; ſeine eigene Jerthümer machten ihn vuldſam gegen die Fehler Anderer; wenig Menſchen ſind harmherzig, welche ſich nicht erinnern, daß auch der Ir ſie geſündigt haben. In unſern Fehlern liegt der Keim von Tugenden. So ging ſein Leben allmählig und hei⸗ ter vorüber— unbemerkt aber nützlich, ruhig aber den⸗ noch thätig. Er war ein Mann, den die großen Amter der Kirche zum ehrgeizigen Intriguanten gemacht haben würden, vem aber ein beſcheidenes Einkommen die wahre Hirtengewalt eriheilte, die Welt im eigenen Herzen die Un 1 zu beſiegen und mit dem Mangel Anderer Mitgefühl e Ber zu hegen. So war der Dorſprieſter zum ſeltenen Cha⸗ rakter geworden. Wäre es beſſer für Chriſtenheit vder Staat geweſen, hätte män ihn zum Biſchof erhoben? ſWlat Und dennoch vermiſchen wir geiſtliche und weltliche Dinge a in ſolcher Weiſe, daß neun Leſer von zehn es gerne ſehen würden, wenn ver arme Pfarrer am Schluß ehenſo dieſer Erzählung für ſeine Verdienſte gehörig belohnt ſich hi würde. Macht das Biſchofskleid, eine gepuberte Pe⸗ In rüke und der Titel„Mylord Biſchof“ auf den Berges⸗ höhen den Fuß beſſen ſchöner, welcher die fröhliche Zei⸗. 1 tung bringt? der ſ machte Er ſuchte nen Brü⸗ teren und hten ihn Menſchen daß auch der Keim nd hei⸗ aber den⸗ en Amter cht haben die wahre Herzen Mitgefühl nen Cha⸗ heit oder erhoben? ſche Dinge es gerne n Schluß belohnt derte Pe⸗ n Berges⸗ liche Zei⸗ Elftes Kapitel. Alle unſere Schlußfolge läßt ſich vahin zurück⸗ führen, daß wir dem Gefühle nachgeben. Pascal. Lord Vargrave, welcher keinen Wunſch hatte, bei der Wittwe allein zu bleiben, als die Gäſte fort waren, beſtimmte ſeine Abreiſe für denſelben Tag, der für die der Frau Merton feſtgeſetzt war. Da der Weg Beider auf einige Meilen derſelbe war, ſo wurde verabredet, daß man in*** zu Mittag ſpeiſen würde, von wo Lord Vargrave nach London fahren wollte. Da es Lord Vargrave mißlungen war, eine zweite, zufällige Unter⸗ rednug ſich zu verſchaffen, und da er eine Zuſammen⸗ kunft förmlich zu fordern ſich ſcheute(denn er erkannte die Unſicherheit ves Bobens, worauf er ſtand), ſo ſuchte er, gereizt und etwas gekränkt, wie dies flets ſeine Ge⸗ wohnheit war, jede Vergnügung auf, die in ſeinem Be⸗ reiche lag. Im Geſpräche mit Caroline Merton, einem ſchlauen, eigennützigen und ehrgeizigen Mädchen, fand er das Spielzeug, das er wünſchte. Beide trafen oft zuſammen; ihm wenigſtens ſchien keine Gefahr in dem Verkehr zu liegen; vielleicht war es ſein Hauptzweck, ebenſowohl Eveline zu reizen, wie ſeiner eigener Laune ſich hinzugeben. Am Abend vor Evelinens Abreiſe haite ſich die kleine Geſellſchaft in der letzten Stunde zerſtreut. Frau Merton befand ſich auf ihrem eigenen Zimmer, in⸗ dem fie ſich aus Liebhaberei die unnütze Beſchäftigung machte, daß ſie zuſah, wie ihre Kammerfrau einpackte. Dieſe Art Arbeit machte ihr beſonders Vergnügen. Saß ſie in einem großen Lehnſtuhl und ſah ſonſt Je⸗ mand arbeiten, um ſchläfrig ſagen zu können:„Zer⸗ knittre die Schärpe nicht— wo ſollen wir die große blaue Haube der Miß Caroline hinthun“— ſo er⸗ langte ſie dadurch einen ſehr behaglichen Begriff von ihrer eigenen Wichtigkeit und ihrer Gewohnheit ſich zu beſchäftigen, eine Art Anſpruch auf die Oberaufficht einer Familie und auf den Charakter der Fran eines be⸗ dentenderen Geiſtlichen. Caroline war verſchwunden, Lord Vargrave ebenfalls; man vermuthete jedoch die Erſtere bei Eveline und glaubte, der Andere ſchreibe Briefe; dies wenigſtens war der Fall, als man Beide zuletzt bemerkt hatte. Frau Leslie befand ſich allein in ihrem Beſuchzimmer und war in ängſtliches und wohl⸗ wollendes Sinnen über die kritiſche Lage ihres jungen Günſtlings verſunken, welcher im Begriff war, in ein Alter und in eine Welt zu treten, deren Gefahren Frau Leslie nicht vergeſſen hatte. um dieſe Zeit befand ſich Eveline, indem ſie Lord Vargrave und ſeine Bewerbung, Jedermann und Alles, mit Ausnahme des Grams ihrer nahen Abreiſe, vergaß, allein in einer kleinen Laube, die man auf der Klippe angelegt hatte, um von dort die Ausſicht auf das Meer genießen zu können. An jenem Tage war ſie raſtlos und verſtört geweſen; ſie hatte jeden, vurch jugendliche Erinnerungen geweihten Ort beſucht; ſie war mit zärt⸗ lichem Kummer an jedem Ort geweſen, wo ſie einſt ſüße Unterredungen mit ihrer Mutter gehabt hatte. Mit einem beſonders warmen und liebevollen Temperament Al Anbre ſie zuk ihre S nen, Sehne 5 men Stund werder „ um ſol mit m daß ic Fremd ergnügen. ſonſt Je⸗ „Zer⸗ die große — ſo er⸗ griff von eit ſich zu eraufſicht eines be⸗ hwunden, edoch die e ſchreibe an Beide allein in md wohl⸗ s jungen r, in ein ren Frau ſie Lord ind Alles, „vergaß, er Klippe das Meer ſte raſtlos ugendliche mit zärt⸗ ſie einſt atte. Mit perament 74 begabt, hatte ſie oft Sehnſucht nach einer heftigeren und mehr enthuſiaſtiſchen Liebe empfunden, wie der Charakter der Lady Vargrave ſie darreichen konnte. In der Liebe der letzteren, ſo ſanft und beſtändig ſie auch war, ſchien ihr irgend etwas zu fehlen, das ſie ſich nicht erklären konnte. Sie hatte dies geliebte Geſicht den ganzen Morgen überwacht. Sie hattegehofft, jener Angen zärtlich auf fich geheftet zu ſehen und von jener ſanften Stimme die Wonrte zu hören:„Ich kann mich von meinem Kinde nicht trennen.“ Alle heiteren Bilder, welche die muntere Caroline von den Stenen in die ſie nun gelangen ſollte, entworſen hatte, waren jetzt verſchwunden, da die Stunde näher kam, worin ihre Mutter allein bleiben ſollte. Warum ſollte ſie fort? Dies ſchien ihr nutzloſe Grauſamkeit. Als ſie dort ſaß, bemerkte ſie nicht, daß Herr Aubrey, welcher ſie von weitem geſehen hatte, jetzt auf ſie zukam; erſt als er in die Laube getreten war und ihre Hand ergriffen hatte, erwachte ſie aus dem Sin⸗ nen, welchem die Jugend, der Träumende und ber Sehnende ſich ſo krankhaft hinzugeben pflegt. „Thränen, mein Kind?“ ſagte der Pfarrer;„ſchä⸗ men Sie ſich ihrer nicht, ſie ziemen Ihnen in dieſer Stunde. Wie werden wir Sie vermiſſen, und Sie werden uns doch nicht vergeſſen!“ „Ich, Sle vergeſſen? Gewiß nicht! Aber war⸗ um ſoll ich Sie verlaſſen? Warum wollen Sie nicht mit meiner Mutter ſprechen? Bitten Sie dieſe doch, daß ich hier hleibe! Wir waren ſo glücklich, bis dieſe Fremden kamen. Wir glaubten nicht, vaß es eine 72 andere Welt gäbe; dieſe Welt hier iſt genng für mich!“ „Arme Eveline,“ ſagte Herr Aubrey ſanft;„ich habe mit Ihrer Mutter und mit Frau Leslie geſprochen. Beide haben mir alle Grünbe hinſichtlich Ihrer Abreiſe vertraut, und ich kann peren Gerechtigkeit nur aner⸗ kennen. In wenigen Monaten werden Sie das Alter erreicht haben, wo Sie ſich eniſchließen müſſen, ob Lord Vargrave Ihr Gatte ſein ſoll. Ihre Mutter er⸗ ſchrickt vor der Verantwortlichkeit, auf Ihre Eniſchei⸗ dung Einfluß zu üben. Wie können Sie, Kind, hier, wo Sie ſo wenig Andere ſehen, in Ihrer Unerfahrenheit Ihr eigenes Herz kennen?“ „Aber, Herr Aubrey,“ ſprach Eveline mit einem Ernſt, der ihre Verlegenheit überwand;„iſt mir eine Wahl geblieben? Darf ich unvankbar, ungehorſam gegen ihn ſein, der mir ein Vater war? Muß ich nicht mein eigenes Glück vpfern? Wie gern thät ich's, wenn meine Mutter billigend mir zulächeln würde.“ „Mein Kind,“ ſprach der Pfarrer ernſt;„ein alter Mann iſt ein ſchlechter Richter in den Angelegenheiten der Jugend, doch in dieſem Falle glaube ich, daß Ihre Pflicht Ihnen deutlich vorgezeichnet iſt. Widerſetzen Sie ſich nicht entſchloſſen den Anſprüchen Lord Vargrave's auf ihre Perſon; überreden Sie ſich nicht ſelbſt, daß Sie in einer Verbindung mit ihm unglücklich ſein werden. Faſ⸗ ſen Sie ſich; denken Sie mit Ernſt an die Ihnen vorlie⸗ gende Wahl; weiſen Sie jede beſtimmte Entſchließung im gegenwärtigen Augenblicke zurück— warten Sie bis die feſtgeſetzte Zeit da iſt, oder wenigſtens näher rückt. Mitt⸗ lerw ton! Geſe ter z mun achte thufi häus nüge ſeine Wen der des1 ſcheit einer Herz wiſſe unvo dem uns die 2 jetzt auf( denn bieſe Seel Ado] Die Din Var enng für ift;„ich ſprochen. rAbreiſe ur aner⸗ as Alter ſſen, ob utter er⸗ Entſchei⸗ hier, wo ahrenheit it einem mir eine gehorſam Muß ich hät ich's, ürde.“ ein alter genheiten daß Ihre ſetzen Sie rave's auf Sie in en. Faſ⸗ n vorlie⸗ eßung im ie bis die kt. Mitt⸗ 73 lerweile wird Lorb Vargrave, wie ich höre, bei Frau Mer⸗ ton häufigen Beſuch abſtatten. Dort werden Sie ihn in Geſellſchaft von Andern ſehen; dort wird ſich ſein Charak⸗ ter zeigen; erforſchen Sie ſeine Grundſätze, ſeine Stim⸗ mung; unterſuchen Sie, ob er ein Mann iſt, den Sie achten und glücklich machen können. Eine Liebe ohne En⸗ thufiasmus iſt wohl möglich und mag dennoch für das häusliche Glück und für die Erregung der Neigungen ge⸗ nügen. Unmerklich werden Sie auch von Anderen Theile ſeines Charakers kennen lernen, die er uns nicht zeigt. Wenn das Ergebniß der Zeit und Ihrer Unterſuchung in der Art ausfaͤllt, daß Sie freudig den letzten Wünſchen des verſtorbenen Lords gehorchen können, ſo éß dieſe Ent⸗ ſcheidung offenbar die glücklichere. Wenn Sie dagegen vor etnem Bündniſſe auch ferner ſchaudern, wogegen jetzt Ihr Herz ſich auflehnt, dann werben Sie mit beruhigtem Ge⸗ wiſſen ohne Zweifel frei. Auch die beſten Menſchen ſind unvollkommene Richter über das Glück Anberer. Bei dem Wohl und Wehe eines ganzen Lebens müſſen wir für uns ſelbſt entſcheiden. Ihr Wohlthäter konnte unmöglich die Abſicht hegen, daß Sie elend würden, und blickt er jetzt mit Augen, die von dem irbiſchen Nebel gereinigt ſind, auf Sie hernieber, ſo wird ſein Geiſt Ihre Wahl billigen, denn aller weltliche Ehrgeiz erſtirbt mit uns, ſobald wir vieſe Welt verlaſſen. Was gilt jetzt einer unſterblichen Seele der Titel und der Rang, den Ihr Wohlthäter ſeinem Adoptivkinde mit irdiſchen Wünſchen zu ſichern hoffte? Dies iſt mein Rath. BVetrachten Sie die helle Seite der Dinge, und erwarten Sie ruhig die Stunde, worin Lord Vargrave Ihre Entſcheidung Ihnen abfordern kann.“ Die Worte des Pfarrers, welche bie Pflicht her Eve⸗ line ſo genau beſtimmten, gewährten berſelben unausſprech⸗ liche Erleichterung und Troſt; auch der Rath über andere und höhere Dinge, den der gute Mann ihrer, zur Aufnahme religiöſer Eindrücke damals ſanft geſtimmten Seele gab, ward mit Dankbarkeit und Achtung angehört. Hierauf kam das Geſpräch auf Lady Vargrave, einen Stoff, der Beiden theuer war. Der alte Mann war burch bes armen Mädchens uneigennützige Beſorgniß um die Behaglich⸗ keit ihrer Mutter— durch ihre Furcht ſehr gerührt, daß man ſie in den kleineren Aufmerkſamkeiten vermiſſen würbe, welche die kindliche Liebe allein darzubieten vermag; er ward noch mehr gerührt, als Eveline mit uneigennützigem Gefühl traurig hinzufügte: „Warum aber ſoll ich mir überhaupt einbilden, baß ſie mich vermißt? Ach, ob ich gleich mich nicht darüber zu beklagen habe, empfinde ich doch, daß ſie mich ticht liebt, wie ich ſie liebe.“ „Eveline,“ ſprach der Pfarrer mit milbem votwlf „habe ich Ihnen nicht geſagt, daß Ihre Mutter Kumter empfunden hat? Obgleich der Kummer die Neigung nicht vernichtet, ſo unterdrückt er deren Außerung und mäßigt die äußeren Zeichen.“ Eveline ſeufzte und ſchwieg. Als der alte Mann und ſeine junge Freundin zum Landhauſezurückkehrten, näherten ſich ihnen Lorb Vargrave und Caroline, die aus dem entgegengeſetzte Theile des Parks hervorkamen. Erſterer eilte auf Eveline mit ſeiner gewöhnlichen Munterkeit und ſeinem freimüthigen Weſen zu; ein ſolcher Zauber lag in dem Weſen des Mannes, den! oder Pfa Evel bens So frůh zens mac klein und herſ ſtalt er Eve⸗ zſprech⸗ anbere fnahme le gab, Hierauf ff, der armen aglich⸗ rt, daß würbe, ag; er ützigem n, baß über zu nicht ſo würf; kummer ng nicht mäßigt in zum argrave eile des it ſeiner Weſen tannes, 75 ben die Welt und deren Sorgen ſcheinbar niemals liſtig oder zurückhaltend gemacht hatten, baß jene ſogar bei dem Pfarrer ſeinen Eindruck nicht verfehlte. Er glaubte, daß Eveline glücklich ſein könne mit einem Manne, ber lie⸗ benswürdig als Geſellſchafter und weiſe als Führer ſei. So alt aber der Pfarrer auch war, erinnerte er ſich ſeiner fräheren Liebe und wußte, vaß es einen Inſtinkt des Her⸗ zens gibt, welcher alle unſere Berechnungen zu nichte macht. Während Lumley das Geſpräch führte, knarrte die kleine Thür, welche die Verbindung zwiſchen dem Garten und dem nahen Kirchhof(dem nächſten Weg zum Dorfe) herſtellte, auf ihren Angeln und die ruhige und einſame Ge⸗ ſtalt der Lady Vargrave warf den Schatten üher das Grat. Zwölftes Kapitel. Wohl iſt dir noch mein Ohr gereicht, Ruh' ich auf grüner Flur, Bis mir die Phantaſie erneut Der goldnen Zeiten Spur. Wordsworth. Mitternacht war vorüber. Wirthin und Gäſte hatten ſich zur Ruhe begeben, als Lady Vargrave's Thür ſich leiſe öffnete. Die Dame ſelbſt kniete am Fuße ihres Bet⸗ tes. Das Monblicht fiel durch die halbgeſchloſſenen Vor⸗ hänge des Fenſters; bei deſſen Strahl ſchienen ihre blaſ⸗ ſen, ruhigen Züge noch bläſſer und auch beruhigter. Eveline, welche der Einbringling war, hielt an ber Schwelle, bis ihre Mutter von der Andacht ſich erhob; alsdann warf ſie ſich an die Bruſt der Lady Vargrave und ſchluchzte, als ſollte ihr Herz brechen; ſie war aufge⸗ regt durch die wilben, groſimüthigen, unwiberſtehlichen Regungen der Jugend. Lady Vargrave hatte dieſelben viel⸗ leicht einſt gekannt und konnte wenigſtens jetzt mit ihnen ſympathiflren. Sie drückte ihr Kind an den Buſen, ſtrich ihr bas Haar zurück, küßte es zärtlich und ſprach beſänftigend. „Mutter,“ ſchluchzte Eveline,„ich konnte nicht ſchla⸗ fen, ich konnte nicht ruhen. Segnen Sie mich wieder, küſſen Sie mich wieber, ſagen Sie mir, daß Sie mich lie⸗ ben! Sie können mich nicht lieben, wie ich Sie liebe, aber ſagen Sie mir, daß ich Ihnen thener bin; ſagen Sie mir, daß Sie mich behauern werden, aber nicht zu ſehr! ſagen Sie mir——“ hier ſchwieg Eveline und konnte nicht mehr reben. „Meine beſte, meine gütigſte Eveline,“ ſagte Lady Vargrave,„ich liebe Niemand auf Erben, wie Sie. Glau⸗ ben Sie nicht, vaß ich undankbar bin.“ „Warum ſagen Sie unhankbar?— Ihr eigen Kind, Ihr einzig Kind!“ Eveline bebeckte ihrer Mutter Geſicht und Hände mit leibenſchaftlichen Thränen und Küſſen. In dem Augenblicke machte Laby Vargrave's Herz ihr Vorwürfe, daß ſie dies liebliche Mädchen nicht nach Ver⸗ dienſt geliebt hatte. Gewiß war keine Mutter milder, pfle⸗ gender, aufmerkſamer, ängſtlicher für das Wohl ihrer Tochter; allein Eveline hatte Recht! Der Erguß der Zärtlichkeit, das geheimnißvolle Einhringen in alle kleine Gebanken und Gefühle, welche für die Liebe einer ſolchen Mutter zu einem ſolchen Kinde charakteriſtiſch hätte ſein vorh eine fühl fühlt gen, zeig mit ſie i lend Sch eine jene Lage durc Sch ſchlu und aufg Zim vork wun line abhe Die woh habe aufge⸗ ehlichen en viel⸗ t ihnen ihr das zenb. t ſchla⸗ wieder, nich lie⸗ e liebe, gen Sie ſehr! konnte e Lady Glau⸗ n Kind, nde mit Herz ihr ch Ver⸗ r, pfle⸗ hl ihrer guß der le kleine ſolchen itte ſein ſollen, war wenigſtens dem äußeren Anſchein nach nicht vorhanden. Sogar bei der jetzigen Trennung hatte ſich eine Klugheit, eine Erörterung ergeben, die eher das Ge⸗ fühl ver Pflicht wie der Liebe bezeugte. Lady Vargrave fühlte bies mit Selbſtvorwürfen; ſie überließ ſich Regun⸗ gen, die ihr neu waren, wenigſtens in ſo weit ſie dieſelben zeigte; ſie weinte mit Eveline und gab ihr bie Liebkoſungen mit beinahe gleicher Glut zurück. Vielleicht auch dachte ſie in jenem Augenblick, welcher Liebe eine ſo warmfüh⸗ lende Natur fähig ſei, und zitterte für ihr zukünftiges Schickſal. Jene betrübte Stunde bot eine vollkommene Ausſöhnung der Gefuhle von beipen Seiten, welche irgend eine geheime Macht früher gehinbert zu haben ſchien. In jener Nacht trennte ſich Mutter und Tochter nicht; daſſelbe Lager enthielt ſie und als Lady Vargrave, aufgerieben durch die Regungen, die ſie nicht verbergen konnte, in den Schlaf der Erſchöpfung fiel, hielt Evelinens Arm ſie um⸗ ſchlungen und Evelinens Auge überwachte ſie mit kindlicher und ängſtlicher Liebe, als der Morgen bämmerte. Sie verließ ihre Mutter noch ſchlafend, als die Sonne aufging, ging ſchweigend in das von ihr geliebte untere Zimmer und beſchäftigte ſich wieber mit tauſend kleinen vorkehrenden Sorgen, die ſie vorher vergeſſen zu haben ſich wunderte. Lady Vargrave's Gewohnheit war von Eve⸗ line in den kleinen Haushaltungsangelegenheiten butchaus abhängig, welche zur Behaglichkeit nothwendig, aber für Diejenigen ſo ermübend ſind, welche die krankhafte Ge⸗. wohnheit der nachdenklichen Träumerei ſich angeeignet haben. Die Wagen ſtanden vor der Thür, bevor die Geſell⸗ 78 ſchaft bei bem ſchwermüthigen Frühſtück ſich verſammelt hatte. Lord Vargrave kam zuletzt,„Ich bin,“ ſagte er ſich ſetzend,„wie alle Feiglinge geweſen; ich habe ein übel ſo lange als möglich verſchoben— eine ſchlechte Politik, benn ſie ſteigert die ſchlimmſie Pein von gllen, die der unſchlüſſigkeit.“ Frau Merton hatte die Pflichten üöernommen, welche die Bereitung des Thee's und Kaffee's hetrafen.„Sie wün⸗ ſchen Kaffee, Lord Vargrave? Caroline, meine Liebe—“ Caroline reichte Lord Vargrave die Taſſe, welcher auf ihre Hand blickte, als er jene empfing; an einem jener ſchlanken Finger befanb ſich ein Ring, welcher früher nicht pa geweſen war. Ihre Blicke begegneten ſich und Caroline erröthete. Lord Vargrave wandte ſich an Eveline, die blaß wie der Tod, aber thränen⸗ und ſprachlos bei ihrer Mutter ſaß. Er verſuchte vergeblich dieſelbe ins Geſpräch zu ziehen. Eveline, welche ihre Gefühle zu hemmen ſtrebte, wagte nicht zu reben. Frau Merton, ſtets unverſtört und gelaſſen, fuhr fort zu ſchwatzen, über das Wetter ſich Glück zu wünſchen— der Tag war ſo ſchön—„man würde zur rechten Zeit abfahren— Alles ſei ſo gut eingerichtet— man werde zur rechten Zeit in*** zu Mittag ſpeiſen— man werbe noch prei Stationen nach dem Mittageſſen halten— der Mond werde aufgegangen ſein—“ „Aber, ſagte Lord Vargrave, baich Sie bis***beglei⸗ ten werde, wo ſich unſere Wege trennen, ſo hoffe ich nicht zur Einſamkeit bei meinem Portefeuille, zwei alten Zei⸗ tungen und übler Laune verurtheilt zu ſein. Haben Sie Mitleid mit mir.“ ammelt eer ſich in übel Politik, die der „welche e wün⸗ be—6 cher auf n jener er nicht aroline ne, die ei ihrer eſpräch ſtrebte, uhr fort chen— en Zeit erde zur e noch Monh beglei⸗ ch nicht en Zei⸗ en Sie 79 „Vielleicht werden Sie die Großmutter in den Wagen nehmen,“flüſterte Caroline ſchlau. Lumley zuckte die Achſeln und erwiberte in demſel⸗ ben Ton:„Ja, vorausgeſetzt, daß Sie das Sprüchwort wahr machen: Les extrémes se touchent, und daß die liebenswürdige Enkelin die Großmutter begleitet.“ „Was würbe Eveline ſagen?“ erwiderte Caroline. Lumley ſeufzte und gab keine Antwort. Frau Merton, die hinterher kam, während ihre Tochter vies„Beiſeite“ durchführte, fiel jetzt ein:„Laſſen Sie mich und Carvline in Ihrer Kaleſche fahren, und fahren Eie in unſerer alten Kutſche mit Eveline und Frau Leslie.“ Lumley blickte vergnügt auf die Rednerin und alsbann auf Eveline; allein Frau Leslie ſagte ſehr ernſt:„Nein, wir werden zu traurige Gefühle haben, wenn wir bieſen theuren Ort verlaſſen, um muntere Gefährten für Lord Vargrave zu ſein, ober,“ fügte ſie nach einer Pauſe hinzu, „wenn dies unhöflich gegen Lord Vargrave iſt, ſo will ich mit Eveline in ſeinem Wagen fahren und er wird Sie begleiten.“ „Zugegeben,“ ſprach Frau Merton ruhig;„jetzt will ich gehen und nach den Stachelbeerpflanzen und Reiſern ſehen; es war ſehr gütig, Lady Vargrave, daß Sie mir dieſelben gegeben haben.“ Eine Stunde war vergangen und Eveline war abge⸗ reist; ſie hatte das Haus ihrer Jugend verlaſſen, und ihr letztes Lebewohl am Buſen ihrer Mutter geweint; der Schall der Wagenräber war erſtorben, noch aber weilte Laby Vargrave auf der Schwelle, noch ſchaute ſie auf den Ort, wo der letzte Blick der Eveline von ihr erhaſcht worhen 80 war. Ein Gefühl der Verlaſſenheit unb Elnſamkeit kam äber ihre Seele; ſelbſt das Sonnenlicht, der Frühling, der Geſang der Vögel, machten ihre Einſamkeit noch öder. Zuletzt ging ſie mechauiſch fort und ſchlug mit lang⸗ ſamen Schritten und geſenkten Angen ihren Lieblingsſpa⸗ ziergang ein, der zu dem ruhigen Kirchhof führte. Das Thor ſchloß ſich hinter ihr; jetzt waren ihr der Raſenplatz, der Garten, die Lieblingsorte ber Eveline, ſo einſam wie die Wüſte. Die Maaßliebe öffnete ſich ber Sonne und die Biene ſummte unter den Blumen, nicht weniger heiter, weil alles menſchliche Leben entfernt war.— Im Buſen der Natur ſchlägt kein Herz für den Menſchen. Wohl Die ihn Dort, a S Beſche kung r lieben den A der E Gabe die H keit kam Frühling, mit lang⸗ lingsſpa⸗ rie. Da Zweites Buch. aſenplatz, inſam wie Wohl auch nahte die Zeit, als die Jahre vorbeigerollet, onne und Die ihm die Götter gewährt, daß, zur Heimath heim er ſich wende; „nozt Dort, auch dort nicht vermocht' er dem ferneren Kampf zu entgehen. ger heiter, F Homer, Odyſſ. 4, 16. m Buſen Erſtes Kapitel. Dort wo bei Frühling ſich die Ernte findet; Sich ſiets begegnend in demſelben Reich, Daß, wenn den Baum der Blüte Prunk umwindet, An friſchen Farben und an Düften reich,— Wenn ſo ſich breitet der geſchmückte Zweig Er auch ſich biegt, von dichter Frucht belaſtet. Spencer. Des Guten Kraft Lag ſchon in ihrer Form. Terenz. Schönheit, dein Segen iſt boppelt! Du beglückſt ben Beſchauer und den Beſfitzer, oft biſt bu zugleich die Wir⸗ kung unb die Urſache der Güte! Ein ſanfter Charakter, eine liebenswürdige Seele, eine liebevolle Natur ſpricht aus den Augen, der Lippe und der Stirn und wird die Urſache der Schönheit. Andererſeits find Diejenigen, welche eine Gabe beſitzen, um Liebe zu erwecken, einen Schlüſſel, um die Herzen zu eröffnen, gewöhnlich geneigt, mit glückli⸗ chen Augen auf die Welt zu ſchauen, vergnügt und e Bylwer, Alice 1. 82 zu ſein, zu hoffen und zu vertrauen. In ber Bewunberung eines ſchönen Antlitzes liegt mehr Weisheit, wie der ge⸗ wöhnliche Menſch ſich träumen läßt. Eveline Cameron war ſchön; ihre Schönheit kam vom Herzen und ging zum Herzen— eine Schönheit, deren Geiſt die Liebe war! Liebe lächelte auf ihren mit Grüb⸗ chen umringten Lippen— ſie ruhte auf ihrer offenen Stirn— ſie ſpielte in den üppigen und ſorglos ſchwe⸗ henden Locken vom bunkelſten und glänzendſten Braun, das der Hauch eines Windes über zarte und jungfräuliche Wangen erheben konnte. Liebe in aller Zärtlichkeit mur⸗ melte in ihrer leiſen, melvdiſchen Stimme; mit all ihrer Güte, ihrer argloſen Wahrhaftigkeit färbte ſie jeden Ge⸗ danken; mit all ihrer Symmetrie und lieblichen Weiblich⸗ keit ſchw ellte ſie den ſchwanengleichen Nacken unb bildete has gerundete Glieb. Eveline war ein Geſchöpf, welches vas Urtheil mit Sturm einnimmt; mochte ſie heiter ober munter ſein, an ihr befand ſich eine entzückende und unwiberſtehliche An⸗ muth. Sie ſchien nicht allein geſchaffen, den Taumelnden zu fangen, ſondern ſelbſt den Kopf des Weiſen zu ver⸗ drehen. Roxolane war nichts gegen ſie. Wie ſie in dem einſamen Dorf Brool⸗Green alle Känſte des Gefallens erlernt hatte, läßt ſich unmöglich ſagen. Beiihrem ſchlauen Lächeln, in der artigen Haltung ihres Kopfes, in ihrem halb durch Blöbigkeit, halb durch freies Weſen gewin⸗ nenden Benehmen, ſchien ſie ein Mäbchen, welches die Natur erſchaffen habe, um ein Herz zu entzücken und alle anbern zu quälen. Ohne gerade gelehrt zu ſein, war Cveline gebilbel und u Verſt konnt Ihr genth ſchne! tiker Ein ſicher Wah 2 Alter die mütt opfet Antt Sie rede man beit ten And grav folg Wie den Mo Kin mar růh unberung e der ge⸗ kam vom it, deren offenen ſchwe⸗ aun, has fräuliche eit mur⸗ all ihrer eden Ge⸗ Weiblich⸗ bildete theil mit ſein, an iche An⸗ umelnden ze ver⸗ e in dem Hefallens ſchlauen in ihrem gewin⸗ lches die unb alle gebilbet und unterrichtet. Ihr Herz vielleicht half mit dabei ihren Verſtand zu belehren; durch eine Art innerer Anſchauung konnte ſie Alles würdigen, was ſchön und erhaben war. Ihr unverfülſchter und argloſer Geſchmack beſaß eine ei⸗ genthümliche Lotik; kein Gelehrter beſaß jemals einen ſchnelleren Blick, die Wahrheit zu durchdringen; kein Kri⸗ tiker entheckte ſcharfſinniger das Verfälſchte und Unwahre. Ein Buch, welches Eveline bewünbern konnte, beſaß ſicher den Stempel des Ehlen, Liebenswürdigen und Wahren. Allein Eveline hatte ihre Fehler— bie Fehler ihres Alters, oder vielmehr, ſie beſaß eine Charakterrichtung die zum Irrthum hätte führen können. Sie war ſo ebel⸗ müthig, daß ſchon der Gebanke, ſich für einen Andern zu opfern, Reiz für ſie beſaß. Sie handelte inuner durch Antrieb, reinen und guten, oft aber raſch und unbebacht. Sie gab ſich der Schwäche hin, ließ ſich zu Allem über⸗ reden, war ſo empfinblich, daß ein kalter Blick von Je⸗ mand, den ſie nur etwas gern ſah, ihr ins Herz drang; bei dem Mitgefühl, welches feinere Empfindung zu beglei⸗ ten pflegt, war ihr keine Pein ſo groß, wie diejenige, Andern Pein zu verſchaffen. Deßhalb durſte Lord Var⸗ grave vernünftige Hoffnungen über ſeinen endlichen Er⸗ folg hegen. Ihr Charakter war gefährlich für ihr Glück. Wie manche Ereigniſſe müſſen ſich vereinigen, um für den Mittag ſolcher Charaktere den Sonnenſchein des Morgens zu bewahren! Dem Schmetterlinge, welcher das ind des Sommers und der Blumen ſcheint, wird durch ſo manchen Wind die Heiterkeit erſtarrt— ſo manche Be⸗ rührung wird ſeine Farben hinwewiſchen. —— Zweites Kapitel. Dies iſt im Allgemeinen ſtets die Weiſe Der Kanzelredner, die ſehr wohl ſich eignet Für ihrer Hörer ungelehrten Sim. Polwhele. Frau Leslie war von ihrei Beſuche in der Pfarrei heimgekehrt und Eveline jetzt einige Wochen bei Frau Merton geweſen. Wie natürlich, war ſie einigermaßen mit dem Wechſel ihrer Wohnung wieder ausgeſöhnt und hatte ſich in denſelben ergeben; ſobald ſie Frau Mer⸗ tons Schwelle überſchritten hatte, ward ihr auch wirk⸗ lich zum erſtenmal hemerklich gemacht, welche Wichtig⸗ keit ſie im Leben beſaß. Der ſehr ehrwürdige Herr Merton war ein Mann, welcher auf alle Dinge, die mit weltlichem Anſehen in Berührung ſtanden, am genaueſten Acht gab. Der zweite Sohn eines ſehr reichen Baronets(des angeſehenſten Gemeinen in der Grafſchaft) und der Tochter eines reichen Pairs aus alter Familie, war Herr Merton zu ſehr in der Nähe des Ranges und der Macht aufge⸗ wachſen, um nicht alle Vortheile derſelben gehörig zu würdigen. In der Jugend war er eine Art munterer Geſell in der höchſten Geſellſchaft geweſen. Da jedoch ſein Verſtand gut und ſeine Leibenſchaften nicht ſehr ſtark waren, hatte er bald bemerkt, daß ſein gebrech⸗ liches Schiff mit mäßigem Vermögen nicht lange auf vemſelben Strom mit der Silberflotte der reichen Grafen und ausſchweifenden Stutzer ſegeln könne. Außerdem war er zur Kirche beſtimmt, weil die Familie eine der ſchönſten Pfründen in England heſaß. Deßhalh trat er mit heire und vom und wöh Flüe zeich Anſ Sei der lam ſehe verf Red er h nich dar ſein und bed ſche Fre gen wie ſei zu eiſe eignet zweite enſten eines ton zu ufge⸗ rig zu terer edoch ſehr rech⸗ e auf rafen rdem e der at er 85 mit ſechsunbzwanzig Jahren in den geiſtlichen Stand, heirathete Frau Leslie's Tochter, die 36,000 Pfd. beſaß, und ließ ſich auf ber Pfarre von Merton, eine Meile vom Familienſitz, nieder. Er wurde ein ſehr angeſehener und außerordentlich beliebter Mann. Er übte unge⸗ wöhnliche Gaſtfreiheit, baute zum Pfarrhauſe einen neuen Flügel, der ein großes Speiſezimmer und ſechs ausge⸗ zeichnete Schlafzimmer enthielt, ſo daß jenes eher den Anſchein eines Landſitzes wie einer Landpfarre erhielt. Sein Bruder, der das Gut erbte und hauptſächlich in der Nähe wohnte, wurde wie ſein Vater vor ihm Par⸗ lamentsglied für die Grafſchaft und war einer der ange⸗ ſehenſten Landebelleute im Hauſe der Gemeinen. Ein verſtändiger und häufiger, obgleich ein ſehr hausbackener Redner, unabhängig, wie es ſelten der Fall iſt(denn er hatte 14,000 Pfd. jährlichen Einkommens und ſtrebte nicht nach Amtern), that Sir John Merton ſich etwas darauf zu Gute, zu keiner Partei zu gehören, ſo daß ſeine Stimme bei kritiſchen Fragen oft ſehr zweifelhaft und deßhalb ſehr wichtig war. Somit ertheilte Sir John Merton auch dem ſehr ehrwürdigen Charles Merton bedeutende Wichtigkeit. Letzterer bewahrte die Bekannt⸗ ſchaft der ausgewählteſten ſeiner ehemaligen Londoner Freunde, und wenige Häuſer auf dem Lande waren zu gewiſſen Zeiten des Jahres mehr ariſtokratiſch gefüllt wie die angenehme Pfarrei. Herrn Merton gelang es, ſeine Wohnung gleichſam zum Behälter aller Pfarreien zu machen, welcher periodiſch die Auswahl der Be⸗ ſuchenden zu ſich anzog, damit ſie nur wenige Tage bei den Andern zubrächten. Dies konnte um ſo leichter ge⸗ ſchehen, da ſein Bruder ein Wittwer und deſſen Ge⸗ ſpräch ſtets ein und vaſſelbe war, nämlich ver Zuſtand der Nation und die Intereſſen des Ackerbaues. Herr Merton ſtand auf ſehr gutem Fuß mit ſeinem Bruder. Er ſah nach den Gütern, in Abweſenheit Sir Johns, nahm das Familienintereſſe wahr, war ausgezeichnet in Wahlumtrieben, kein übler Redner im Nothfall, ein geſchickter Friedensrichter, kurzum ein Mann, der der Grafſchaft ſehr nützlich war— ein Tory, wie es ſeinem Stande als Mitglied der Hochkirche gezlemte— ſo wenigſtens ſagte er mit ſelbſtgefälligem Lächeln— aber burchaus kein bigotter, und ſehr eifrig heſorgt, mit allen Parteien gut zu ſtehen. Im Allgemeinen war er beliebter wie ſein Bruder und wurde beinahe ebenſo ſehr geachtet, vielleicht weil er weniger Prahlerei trieb. Sein Geſchmack war ſehr gut; ſeine Tafel reich heſetzt, aber einfach; ſein Weſen herablaſſend gegen Niedere und angenehm ſchmeichelnd gegen Hohe. An ihm fand ſich nichts, welches jemals die Selbſtliebe verwunden konnle. Um die Reize ſeines Hauſes zu vermehren, konnte ſeine Frau, einfach und gutmüthig, mit Jedermann ſchwatzen, langweilige Menſchen an ſich ziehen und die Leute ſich ſelbſt überlaſſen, damit ſie es ſich in ihrer Weiſe behag⸗ lich machten. Ferner hatte Herr Merton eine Familie hübſcher Kinder von jedem Alter, die leichte und blei⸗ bende Entſchulvigung geboten hatten, unter dem Namen Kinbergeſellſchaft Tänze aus dem Stegreif und dergleichen anzuvrdnen— kurzum die Nachbarſchaft zu beleben. Caroline war ſein älteſtes Kind, dann kam ein Sohn, der hei einer fremden Geſandtſchaft attachirt, und ei alt, P war. Herrt ankni ton fi Entb kleine Jahr liebt ſhaf zog Mot wof war Dick Zäh Noe zeig ſchn dur einf ſein glä Stt zu alte für war er nſo ſehr b. Sein t, aber re und ind fich konnte. te ſeine watzen, ute ſich behag⸗ Familie d blei⸗ Namen if und aft zu m ein achirt, 87 und ein zweiter, welcher, obgleich erſt nennzehn Jahre alt, Privatſekretär hei einem unſerer indiſchen Satrapen war. Die Bekanntſchaft dieſer beiden ſo beſchäftigten Herrn konnte Eveline deßhalb unglücklicherweiſe nicht anknüpfen, ein Umſtand, der, wie Herr und Frau Mer⸗ ton ſie verſicherten, ſehr zu beklagen war. Um aber dieſe Entbehrung auszugleichen, waren zwei liebenswürdige kleine Mäbchen da, die eine zehn, die andere ſieben Jahre alt, die beim erſten Blick ſich in Eveline ver⸗ liebten. Caroline war eine der Schönheiten in der Graf⸗ ſchaft, geſchickt und gewandt in der Unterhaltung; ſie zog junge Männer herbei und gab jungen Damen die Mode an, beſonders wenn ſie aus London heimkehrie, wo ſie eine Saiſon bei Lady Eliſabeth zugebracht hatte. Die Familie war eine ſehr ergötzliche! Von Perſon war Herr Merton mittlerer Größe, hübſch und zum Dickwerden geneigt, mit kleinen Geſichtszügen, ſchönen Zähnen und großer Annehmlichkeit des Benehmens. Noch der Zeit gedenkend, wo er in London geweſen war, zeigte er viel Sorgfalt hinſichtlich ſeiner Kleidung; ſein ſchwarzer Rock, am Abend durch eine weiße Weſte und vurch ein bewunderungswürdig gebügeltes Hemd mit einfachen Knöpfen von ſchwarzem Email gehoben— ſeine ſchöngeſchnittenen Beinkleider und ſorgfällig ge⸗ glätteten Schuhe gewannen ihm das allgemeine Lob der Stutzer, die ihn gelegentlich heſuchten, um ſein Wild zu ſchießen und mit ſeinen Töchtern zu kokettiren:„Der alte Herr Merton ſei ſehr wie ein Gentleman, zu nett für einen Pfarrer.“ So war geiſtig, moraliſch und phyſiſch der ſehr ehrwürdige Charles Merton, Pfarrer von Merton, Bruder von Sir John und Beſitzer eines Einkommens, welches bei ſeiner reichen Pfarre, bei dem Vermögen ſeiner Frau und ſeinem eigenen, nicht unbeträchtlichen, ſich auf vier oder fünftauſend Pfund jährlich belief— ein Einkommen, welches, mit Verſtand und Freigebig⸗ keit beuützt, ihm alle guten Dinge dieſer Welt, unter Anderem auch die Achtung ſeiner Freunde ſichern mußte. Carvline hatte Recht, als ſie Eveltne ſagte, ihr Papa ſei ſehr verſchieden von einem bloßen Lanbpfarrer. Nun mußte dieſer Herr nothwendig alle die An⸗ ſprüche erkennen, die Eveline auf die Achtung, ſogar auf die Verehrung ſeiner Familie machen konnte. Eine junge Schönheit mit einem Vermögen von beinahe einer Viertelmillion war ein Phänomen, welches faſt himm⸗ liſch genannt werden konnte. Ihre Anſprüche wurden durch ihr Verlöbniß mit Lord Vargrave erhöht— ein Verlöbniß, welches gebrochen werden konnte, ſo daß, wie er es auslegte, das ſchlimmſte Ereigniß für die junge Dame nur eintreffen könnte, wenn ſie einen geſchickten und ſieigenden Staatsminiſter, einen Pair des Reichs heirathete; es war ihr ja aber die Freiheit gelaſſen, einen noch größeren Mann zu heirathen, wenn ſie einen ſolchen finden könnte, und wer weiß, vielleicht ſogar den Attaché, wenn er nur Urlaub erhalten würde. Herr Merton war aber zu verſtändig, um den Gedanken für den Augenblick weiter zu verfolgen. Der gute Mann ſtutzte über die zu vertrauliche Weiſe, womit Frau Merton von der Erbin mit glänzenden Ausſichten ſprach, vaß ferner Eveline ohne ihre eigene wurden — ein ſo daß, junge hickten Reichs laſſen, einen ſogar Herr n für Beiſe, enden igene 89 Magd mit ihrer länblichen Garderobe gereist ſei— das arme, ſchlecht behandelte Kind! Herr Merton war ein Kenner der Damenkleidung; es war ihm peinlich, zu ſehen, vas unglückliche Mädchen ſei ſo vernachläfſigt worden. Lady Vargrave mußte eine ſonderbare Perſon ſein. Er erkundigte ſich mitleidig, ob ſie auch Taſchen⸗ geld erhielte, und als er zu ſeiner Tröſtung erfuhr, daß Miß Cameron in dieſer Hinſicht auf die freigebigſte Weiſe ausgeſtattet war, ſprach er ſogleich ſeine Mei⸗ nung aus, daß gehörige Aufträge an Madame Devyy nach London mit einem von Evelinens Anzügen als Muſter für Länge und Breite geſchickt werden ſollte.— Er ſtampfte beinahe aus Arger mit dem Fuße, als er ver⸗ nahm, daß Eveline in einem der kleinen netten Zimmer logirt ſei, die gewöhnlich für junge beſuchende Damen beſtimmt waren. „Sie iſt durchaus zufrieden, mein theurer Herr Merton, ſie iſt ſo einfach, ſie iſt durchaus nicht in der Art aufgezogen, wie Sie glauben.“ „Frau Merton,“ ſprach der Pfarrer mit feierlicher Stimme;„Miß Cameron kennt vielleicht jetzt nichts Beſſeres, aber was ſoll fie nachher von uns denken? Es iſt mein Grundſatz, zu bedenken, was die Leute ſein werden, und ihnen diejenige Achtung zu zeigen, die angenehme Eindrücke zurücklaſſen kann, wenn ſie es in ihrer Gewalt haben, die Höflichkeit zurückzugeben.“ Mit manchen Entſchuldigungen, welche die arme Eveline gänzlich erdrückten, ward ſie aus der kleinen Kammer mit dem franzöſiſchen Bett und bambusfar⸗ benen Waſchtiſch in ein Zimmer mit einem Mahagoni⸗ 90 ſchrank und einem vierpfähligen Bett mit ſeibenen Vor⸗ hängen geführt, welches der vegelmäßigen Beſucherin um Weihnachten, ver verwittweten Gräfin Chibberton, ange⸗ wieſen wurbe; ein kleines Morgenzimmer ſtand mit dem Schlafzimmer in Verbinbung und eine beſonbere Treppe führte in den Garten. Der ganzen Familie ward die Wichtigkeit der Cveline fühlhar gemacht und bieſer Ein⸗ druck ſtets erneut. Keine Königin konnte mehr gefeiert werden. Eveline hielt dies Alles irrigerweiſe für bloße Artigkeit und erwiderte die Gaſtfreiheit mit einer Nei⸗ gung, die ſie auf die ganze Familie ausdehnte, heſon⸗ ders aber auf die beiden kleinen Mäbchen und einen ſchönen ſchwarzen Wachtelhund. Ihre Kleidung kam balb von London, ebenfalls ihre Kammerjungſer; ver Mahagoniſchrank ward gehörig angefüllt und Eveline lernte zuletzt die Annehmlichkeit des Reichthums. Ein Bericht von all dieſem Verfahren ward pflichtgemäß in einem langen und ſehr gefälligen Brief vom Pfarrer ſelbſt entſenbet. Die Antwort war kurz, aber ſie be⸗ friedigte den ausgezeichneten Geißlichen, denn ſie billigte Alles, was er gethan hatte, damit Miß Cameron Alles erhalten möchte, was ſich für ihre Stellung eignete. Zugleich kamen zwei Briefe an Eveline ſelbſt, einer von Laby Vargrave und einer vom Pfarrer. Beide ver⸗ ſetzten ſie vom ſchönen Zimmer und dem Mahagoni⸗ ſchrank in das einfache Landhaus mit ſeinem Raſenplatz; die hübſche Kammerjungfer, welche hereintrat, um das Haar ihrer jungen Gebieterin zu flechten, fand dieſelbe weinenb. Der Pfarrer bebauerte ſehr, daß es gerade die Jah⸗ zulächelt und die Spielere hrach, ſ und glé Schönh Abando ſchein d ren Au ten. C. hauſe; oft lau Famili drießlie kein F erweck Recher ms. Ein mäß in Pfarrer ſte be⸗ billigte n Alles nete. , einer de ver⸗ agni⸗ nplatz; im das ieſelbe eJah⸗ 91 reszeit war, wo Jedermann, deſſen Bekanntſchaft eiwas werth iſt, gerade ſo lange das Land die meiſte Annehm⸗ lichkeit darbietet, ſich in Lonbon befindet. Jedoch fanden gleichſam einige verirrte Gäſte auf einen oder zwei Tage ihren Weg zur Pfarrei, und in der Nachbarſchaft be⸗ fanden ſich einige alte ariſtokratiſche Familien, die nie nach London gingen, ſo daß der Wein des Pfarrers zwei Tage lang in der Woche floß, daß die Whiſttiſche zuge⸗ richtet und das Piano in Anſpruch genommen wurde. Eveline, der Gegenſtand allgemeiner Aufmerkſam⸗ keit und Bewunderung, war durch ihre Stellung ſelbſt in ein behagliches Verhältniß gebracht. Gutes Benehmen findet ſich inſtinktmäßig bei Denen, welchen die Welt zulächelt. Unbemerkbar erlangte ſie Selbſtbeherrſchung und vie Glätte der Gefellſchaft; wenn ihre kinbliche Spielerei den eonventionellen Zwang bisweilen durch⸗ brach, ſo ward die reiche Erbin dadurch nur entzückender und glänzender; ihre zarte und feengleiche Art der Schönheit ziemte ſich ſo trefflich für ihr anmuthiges Ahandon im Weſen; außerdem hatte ſie ganz den An⸗ ſchein der großen Dame in den Augen Derjenigen, de⸗ ren Augen auf Madame Devy's Spitzen und Atlas ruh⸗ ten. Caroline war nicht ſo munter wie auf dem Land⸗ hauſe; etwas ſchien auf ihrem Geiſte zu ruhen; ſie war oft launiſch und nachdenklich, und die Einzige in der Familie, die keine heitere Stimmung zeigte; die ver⸗ vrießlichen Antworten, die ſie ihren Eltern gab, wenn kein Fremder dem Familienkreiſe einen Zwang auflegte, erweckten der Eveline Pein, ohne daß Letztere ſich darüber Rechenſchaft geben konnte, und bot einen ſtarken Gegen⸗ — 2 92 ſatz zu dem muntern Fluß der Heiterkeit, wovurch ſie ſich ſonſt auszeichnete, wann ſie Jemand fand, der ihr zuzuhören würdig war. Eveline jedoch, welche, wen ſie einmal Jemand gern ſah, nur mit Schwierigkeit vemſelben ihre Neigung entzog, ſuchte Carolinens Ge⸗ brechen zu überſehen und ſich tauſend gute, unter der Oberfläche verborgene Eigenſchaften einzureden. Ihre edelmüthige Natur fand fortwährend Gelegenheit, in koſtbaren Geſchenken ſich zu äußern, die aus den Lon⸗ doner Waaren ausgewählt wurden, womit die dienſt⸗ fertige Frau Merton die Einförmigkeit des Pfarrhauſes unterbrach. Dieſe Gaben konnte Caroline nicht aus⸗ ſchlagen, ohne ihre junge Freundin zu kränken. Sie nahm fie mit Widerſtreben an, denn um ihr Gerechtig⸗ keit zu erweiſen, Caroline war, wenn gleich ehrgeizig, nicht gemein. So ging die Zeit in dem Pfarrhauſe unter heiterer Mannigfaltigkeit und fortwährender Unterhaltung vor⸗ über; Alles trug vazu bei, die Erbin zu verziehen, wenn Herzensgüte durch Artigkeit und Glück verzogen werden kann. Offnet die Blume ihre Blätter beim Froſte oder beim Eonnenſchein, ober reift die Frucht aus der Blüte? Eines Zimmer ſo ſtehend, d überhörte, war, rief alte Haus ſchen Thüt Ich habe l „Meir „das iſt Wie dumt gezeigt ha Gegend ut hört habet „Wir neutem J als der S ihn umge ſelbſt—“ „Iſt geſtern hi wird. E odurch ſie d, der ihr lche, wen wierigkeit inens Ge⸗ unter der erechtig⸗ ehrgeizig, er heiterer tung vor⸗ en, wenn en werden roſte oder erBlüte? 93 Drittes Kapitel. Rod. Wie lieblich dort iſt oft uns die Einſamkelt. Wie ſonderbare Löne Vernimmt man hier von fern. Curiv. Wir ſagten Dir ja, wer er iſt, wie wir Ihn oft beſucht, ſowie ſein Weſen auch Und ſeinen Namen. Beaumont und Fletcher. Eines Tages, als die Damen in Frau Mertons Zimmer ſaßen, und als Eveline, welche, am Fenſter ſtehend, der kleinen Cäcilie die franzöſiſchen Wörter überhörte, gerade mit dieſer angenehmen Arbeit fertig war, rief ſie aus:„O ſagen Sie mir, wem gehört jenes alte Haus mit dem maleriſchen Giebel und den gothi⸗ ſchen Thürmen— dort, wo man durch die Bäume fieht. Ich habe bis jetzt immer vergeſſen, Sie zu fragen.“ „Meine theure Miß Camervn,“ ſagte Frau Merton, „das iſt Burleigh. Sind Sie noch nicht da geweſen? Wie dumm iſt Caroline, daß ſie Ihnen dies noch nicht gezeigt hat. Es iſt eines der merkwürdigſten Orte ver Gegend und gehört einem Manne, von vem Sie oft ge⸗ hört haben werden— Heern Maltravers.“ „Wirklich,“ rief Eveline aus, und blickte mit er⸗ neutem Intereſſe auf den dunkeln, ſchwermüthigen Bau, als der Sonnenſchein eiuen Gegenſatz zu den dunklen, ihn umgebenden Fichten bot,„und Herr Maltravers ſelbſt—“ „Iſt noch auf Reiſen, wie ich glaube, ob ich gleich geſtern hörte, daß er bald in Burleigh zurückerwartet wird, Es iſt ein merkwürbiger, wenn auch etwas ver⸗ 4 nachläffigter alter Ban, obgleich ich glaube, baß er ſeit Karls I. Zeit nicht mehr mit Möbeln verſehen iſt(Cäeilie, meine Liebe, beuge ven Kopf nicht ſo). Nach meiner Meinung iſt er ſeht finſter; im Hauſe findet ſich kein ſchönes Zimmer, mit Ausnahme der Bibliothek, welche einſt eine Kapelle war. Inbeß kommen vie Leute meilen⸗ weit, um es zu ſehen.“ „Wollen Sie heute hin?“ fragte Caroline mit matter Stimme;„der Spaziergang iſt ſehr angenehm durch das Feld und durch den Wald, keine halbe Meile durch den Fußpfad.“ „Es wäre mir lieb.“ „Ja,“ ſagte Frau Merton,„Sie gehen am Beſten hin, bevor er zurückkommt; er iſt ein ſonderbarer Mann; wenn er bort iſt, erlaubt er nicht, es zu beſehen. Aber er iſt auch nur einmal in dem alten Hauſe geweſen ſeit⸗ dem er großjährig wurde(Sophie, Du wirſt Miß Ca⸗ merons Schärpe zerreißen, ſei rahig, Kind). Das war der Fall, bevor er berühmt wurde. Auch damals war er ſchon ſehr ſonderhar; er ſah keine Geſellſchaft, und aß nur einmal bei uns, obgleich Herr Merton ihm alle Aufmerkſamkeit erwies. Man zeigt noch das Zimmer, worin er ſeine Bücher ſchrieb.“ „Ich erinnere mich noch ſeiner ſehr wohl, obgleſch 3 ich noch ein Kind war,“ ſprach Caroline„ein hübſches, nachdenkliches Geſicht.“ „Glauben Sie, meine Theure, gewiß ſchöne Augen und Zähne, und eine befehlende Geſtalt, ſonſtaher nichts.“ „Gut,“ ſagte Caroline,„wenn Sie dorthin wolley, ſo ſtehe ich zu Ihren Dienſten.“ „Un ſprach 6 „Un iſt ein ſ „O in Acht „Je Eve die Kin her. S aus den „Co den Sie unb nie „O Carvlin langwei dies Ja „Y werden Lord V „H „N „S „E „N vas Zit De lichen ein lei meiner ſich kein en ſeit⸗ Piß Ca⸗ und aß hm alle immer, bgleſch bſches, — Augen ichts.“ vollen, k, welche 95 „Und ich, Eveline, Theure, ich mag auch hingehen,“ ſprach Cäcilie, indem ſie ſich an Eveline anklammerte. „Und ich auch,“ liſpelte Sophie, die jüngſte;„es iſt ein ſo ſchöner Pfau dort.“ „O ja, ſie dürfen hin, Frau Merton, ich will Beide in Acht nehmen.“ „Ja, meine Theure. Miß Cameron verzieht euch.⸗ Eveline trippelte fort, um ihre Haube aufzuſetzen; die Kinder liefen mit den Händen klatſchend hinter ihr her. Sie konnten es nicht ertragen, ſie einen Augenblick aus den Augen zu laſſen.“ „Carvline,“ ſprach Frau Merton liebevoll,„befin⸗ den Sie ſich nicht wohl? Seit Kurzem find Sie blaß und nicht in Ihrer gewöhnlichen heiteren Laune.“ „O ja, ich befinde mich ziewlich gut,“ erwiberte Caroline etwas mürriſch;„aber dieſer Ort iſt jetzt ſo langweilig; es iſt ſehr vervrießlich, daß Lady Eliſabeth dies Jahr nicht nach Lonbon geht.“ „Meine Theure, ich hoffe, es wird im Juli heiterer werden, wenn das Wettrennen in Knaresdean beginnt. Lord Vargrave hat verſprochen, zu kommen.“ „Hat Lorb Vargrave Ihnen kürzlich geſchrieben?“ „Nein, meine Theure.“ „Sonderbar.“ „Spricht Eveline viel von ihm?“ „Nein,“ erwiderte Caroline, indem ſie aufſtand und das Zimmer verließ. Der Tag war ſchön und heiter; der Schluß des lieb⸗ lichen Mai's. Die Hecken waren von Blüten hedeckt, ein leichter Wind rauſchte durch die jungen Blätter; 96 Schmetterlinge hatten ſich hervorgewagt und die Kinder jagten dieſelben auf dem Graſe, als Eveline und Caro⸗ line(wovon Letztere viel zu langſam für ihre Geſellſchaf⸗ terin ging, denn Eveline wünſchte zu laufen) mit ruhi⸗ gem Gange ihnen nach Burleigh folgten. Sie gingen durch die Kornfelder und eine kleine Brücke über einen rauſchenden Bach führte fie in ein Gehölz. „Dieſer Strom,“ ſagte Carvline,„bildet die Grenze zwiſchen den Gütern meines Onkels und denen des Herrn Maltravers. Es muß für einen ſo ſtolzen Mann, wie Herr Maltravers ſein ſoll, ſehr unangenehm ſein, das Gut eines andern Grundeigenthümers ſo nah an ſeinem Hauſe zu haben. Er konnte die Jagbflinte meines Oheims ſogar aus ſeinem Ankleidezimmer vernehmen. Indeß, Sir John vermeidet ſehr ſorgfältig, ihn zu beläſtigen. Nach der andern Seite zu dehnt ſich das Burleigh⸗Gut einige Stunden weit aus. Herr Maltravers iſt nach meinem Onkel der größte Grundbeſitzer in dieſem Theile der Grafſchaft. Sonderbar, daß er ſich nicht verhei⸗ rathet! Dort können Sie ſein Haus ſehen.“ Das Haus lag etwas niedrig; hinter ihm ſtanden Trauerweiven; die altmodiſchen Fiſchteiche glänzten im Sonnenſchein und erhöhten, von rieſenhaften Bäumen überſchattet, die ehrwürdige Stille des Anblicks. Epheu und unzählige Schlingpyflanzen beteckten die eine Seite des Hauſes; langes Unkraut füllte den verlaſſenen Weg. „Das Gut iſt traurig vernachläſſigt,“ ſagte Carv⸗ line,„und war es ſchon bei Lebzeiten des letzten Eigen⸗ thümers. Herr Maltravers erbte den Ort von ſeinem Oheim mütterlicher Seite. Wir müſſen durch eine Nebentht verſchloff Carr wundenel Dieſer n getrennt, auf den Seite e welche d führte. enger T zierliche ſtand eit Sonnen aber ſch Auf der gewalti Außern trachtu artiges. dem O jedoch ſowohl unbeſt gebote Kumn ves Se ſuchen. * Bu 97 Nebenthür ins Haus treten, der vordere Eingang iſt verſchloſſen.“ Caroline ging voran zum Gebäude auf einem ge⸗ wundenen Pfade, der durch einen Blumengarten führte. Dieſer war vom † durch eine niedrige Umzäunung getrennt, woran ein kleines Thor zwiſchen zwei Planken auf den Angeln roſtete. Das Haus zeigte von dieſer Seite eine große Fenſtervertieſung mit einer Thür, welche durch eine Treppe von vier Stufen in den Garten führte. Auf ver einen Seite erhob ſich ein viereckiger, enger Thurm mit einer vergoldeten Kuppel und einem zierlichen Wetterhahn. Unter dem Querbalken jener ſtand eine aus Stein gehauene Sonnenuhr; eine zweite Sonnenuhr befand ſich im Garten, mit der häufigen, aber ſchönen Inſchrift: „Non numero horas nisi serenas.“* Auf ver andern Seite der Fenſtervertiefung warf ein gewaltiger Strebepfeiler ſtarken Schatten. In dem Außern des ganzen Ortes lag etwas, welches zur Be⸗ trachtung und Ruhe aufforderte, beinahe etwos Kloſter⸗ artiges. Die Heiterkeit ves ſchaffenden Frühlings konnte dem Ort eine gewiſſe Düſterkeit nicht entziehen, welche jedoch durchans nicht unangenehm war, und welche ſowohl jungen Leuten gefallen mußte, denen durch das unbeſtmmte Gefühl der Melancholie eine Art Laxus geboten wird, wie auch Denjenigen, welche wirklichen Kummer erfuhren, und die ein Mittel zur Milderung des Schmerzes im Nachſinnen und in der Erinnerung ſuchen. Die niebrige, bleifarbene, tief in den Thurm * Ich zähle nur die heiteren Stunden. Bulwer, Alice. I. 58 gefügte Thür wor ve ſchloſſen und der Glockenzug vaneben abgerſſſen. Cvline wandte ſich ungetnldig hinweg. „Wir miſſen zur ondern Seite bin, und verſuchen, oh wir uns tem alten, tauben Manne hörbar machen können.“ O Caroline,“ rief Cäeilie,„tie große Fer nung mit ter Thür ßet lief ſie ti „Ds iſt ein Gl gen folgten der Cicilie. Eveline ſtand jetzt in dem Bibliothekzimmer, wovon Frau Merton geſprochen hatte. Des Zimmer war groß, ungefähr fünfzig Fuß lang und verhältnißmäßig weit; es war etwos finßer, venn des Licht ſiel allein durch die große Fenfterthür rurch welche ſie eingetreten waren. Obgleich das Fenſter ſich bis zum Karnies der getäfe ten Decke erhob und eine Seite des Zimmers einnahm war bes Togeslicht durch die Schwerfölligkeit ter Bildhauer⸗ arbeit, womt die ſchmalen Scheiben beſetzt waren, und durch des Gles verdunkelt, welches auf dem oberen Tiel des Fenſters mit Wappen bemalt war. Auch die Bächerſchränke waren von dem dunkeln Eicher ho'z ver⸗ fertigt, welces des Lcht ſo ſehr abſorbit; die Ver⸗ golrung, welche früher beſtimmt war, jenen ein hei⸗ teres Aßere zu ertheilen, war purch die Zeit entfernt. Ds Zimmer war unverhältnißmäß'g hoch. Dle Decke ſorg'ältig gewölbt und mit der Schnitzerei gro⸗“ ies'er Mesken geſchmuckt, bewahrte den gothiſchen Cha⸗ rakter jener Zeit, worin der Ban zu religtöſen Zwecken beſtimmt war. Zwei Kamine mit großen Geſimſen von ſeröff⸗ Eichenhr brachen Auf ein klötze; e daneben zu beteu üher wa die Zuſ darſtebt Seitend und der Mojeſtä Hälfte Königin Nol der einz eines P Alles d beſaß n bei ent! Außerd lichſten jenigen Hier a monie des Ei die ſche durch: ſich au verfaßt daneben hinweg. ben, ob machen wovon rgroß, gweit; n durch waren. täfe ten m war dhauer⸗ en, und oberen luch die o'z ver⸗ te Ver⸗ n hei⸗ tfernt. Die ei gro⸗ n Cha⸗ wecen en von 99 Cichenholz, worinzwei Porträts eingefögt waren, unter⸗ hrachen die Symmetrie der ſchlanken Bücherſchränke. Auf einem dieſer Kamine lagen hol lbverbrannte Holz⸗ klötze; ein großer Armſeſſel mit einem kleinen Leſepulte neben, ſchien die kürzliche Benutzuns des Zimmers zu bezeugen. Auf ter vierten Seite, dem Fenſter gegen⸗ üher war vie Wand mit vergilbter Topete bedeckt welche die Zuſammenkunft Salvmo's mit der Königin von Saba darſtelte. Das Gemebe war über der Thür auf beiden Seiten derſelben genagelt; d'e Spalten zwiſchen der Thür und der Meuer zerſchnitten in ter Mitte Seine weiſe Nojeſtät, die einen tiefen Bückling machte, und deren ölfte auf der andern Seite gerade unter der üppigen Königin ſtand, die aus ihrem Wagen ſtieg. Nohe am Feuſler befand ſich ein großes Pfanoforte, der einzige neuere Artikel im Zimmer, mit Arsnchme eines Porträts, weſches vochbeſchrieben werben ſoll. Auf Alles vies blickte Cveline ſchweigend und andächtig; ſie beſaß natürlich jene Achtung vor höherem Geiſte, welche bei enthuſiaßiſchen und jungen Leuten gewöhnlich iſt. Außerdem fintet ſich ſogar auch für den Unempfind⸗ lichſten ein gewiſſes Intereſſe in den Wohrungen Der⸗ jenigen, welche neue Gedanken in uns verpflanzten. Hier aber glanbte ſie eine ſeltene und auffallende Har⸗ monie zwiſchen tem Orie und dem geiſtigen Charakter des Eigenthümers zu erblicken. Sie glaubte jetzt beſſer die ſchattenhafte und metaphyſiſche Ruhe zu erkennen, durch welche die jugenblichen Schriſten des Maltrevers ſich auszeichnelen, Schriften, die er an dieſem ſtillen Orte verfaßt oder eniworfen hatte. 100 Beſonders aber ward ihre Aufmerkſamkeit durch eines der be den Porträts erregt, welche die Kamin⸗ geſimſe ſchmückſen. Das entferntere war mit der reichen und phantaſtiſchen Rüſtung aus den Zeiten der E beth angethan. Das Haupt war nackt, der Helm ſtand auf einem Tiſch, worauf die Hand ruhte. Es war ein ſchönes und auffallendes Geſicht; eine Inſchrift kündigte an, es ſei ein Digby, ein Vorfahr von Maltravers, der an ver Seite von Sidney aufd tfelde von Zütphen ſiel. Das andere Porträt war vas eines ſchönen Mäd⸗ cheus von ungefähr achtzehn Jahren, in der jetzt beinah veralteten Kleidung der Mode vor vier Jahrzehnten. Die Züge waren zart aber vie Farben etwas vergilbt, und es lag etwas Trauerndes im Ausdruck. Ein ſeidener Vorhang an einer Seite über daſſelbe gezogen, ſchien anzudeuten, wie ſehr ter Beſitzer es ſchätze. Eveline wandte ſich an ihre Fuhrerin, um die Ecklärung zu erhalten. „Es iſt des zweitemal, daß ich dieſes Bild geſehen habe,“ ſagte Caroline,„denn nur nach großem Bitten und als geheimnißyolle Gunſt zieht vie Haushälterin den chleier ſort. Irgend ein Anſtrich von Sentimentalität bei Maltravers bewirkt, daß er es als geheiligt betrachtet. Es iſt das Bild ſeiner Mutter vor ihrer Verheirathung; ſie ſtarb bei ſeiner Geburt.“ Edeline ſeufzte— wie wohl verſtand ſie bas Gefühl, das Cnolinen ſo excentriſch ſchien! Das Geſicht be⸗ zauberte ſie; das Auge ſchien ihr zu folgen als ſie ſich umwandte. „Als ein paſſender Anhang zu dieſem Gemälde,“ ſogte C Herrn Florene ſein Va macht i mit ein „A mit ein ſind ge ben. H Spleen Sie gl Sie w Haar Ec zogene weg, ſchönei lag kei und de annaht daß ei line er plimer . ſie der in die aber Mäd⸗ beinah n. Die und es rh orhang deuten, ſich an geſehen Bitten tin den talität achtet. hung Hefühl, cht be⸗ 401 ſogte Caroline,„ſollte er das S des Friegeriſchen Hertn und tieſes turch das Porträt der Lity Florence Lacelle„wegen deren Verluſt er ſein Vaterland, w ſſen hat; vielleicht aber zermögens Kummer.“ pfni!“ rief Eveline gen Unwillens. „Ach meine Seee en habt ein rvern ſtoweniger ckte Let i cht ſo empfindſum wie wir glau⸗ ben. Ha, dies mmer gibt mir, gleuhe ich, den Epleen.“ „Theuerſte Eveline,“ flüſterte Cäcilie,„ich glaube, Sie gleichen etwes jenem hübſchen Gemälde, nur ſind Sie weit ſchöner. Nehmen Sie e Mütze ab, Ihr Haar fällt nieder, gerade wie das ihrige.“ Eoeline ſchüttelte ernſt ihr Haupt; allein das ver⸗ zogene Kind löste ſchnell das Band, riß den Hut h weg, und Eoelinens ſonnige Locken wollten berab ſchöner Unorbnung. i unb dem Porträt lag keine andere Ahnlichkeit, als in der Farbe des Haars und der ſorgloſen Form,. es durch den Wechſel annahm. Eveline aber frente ſich bei dem Gedanken, daß eine Uhnlichkeit vorhanden war, obgleich Cero⸗ line erklärte, es ſei ein gar nicht ſchmeichelndes Com⸗ pliment. „Ich wuntere mich nicht,“ ſagte die letztere, indem ſie den Stoff wechſelte,„vaß Herr Maltravers ſo wenig in dieſem langweiligen Schloſſe wohnt; es ließe ſich aber ſehr verbeſſern, z. V. durch franzöſiſche Fenſter 102 und Spiegelſcheiben; auch wenn man bieſen Plunder von Bücherſchränken und von widerlichen, alten Ka⸗ mingeſimſen fortſchaffte, und die Decke weiß und gold⸗ farben aumalte, wie meines Onkels Salon; wenn man dieſe alte Tupete mit prächtigem, lebhaftem Papier er⸗ ſetzte, ſo würde wirklich ein ſehr ſchönes Ballzimmer daraus werden.“ „Wir wollen hler tanzen,“ rlef Cäcilie aus;„komm, Sophie.“ Die Kinder begannen darauf zu walzen, inbem ſie über einander fielen und in voller Heiterkeit lachten. „Still, ſt U,“ ſagte Eveline ſanft. Sie hatte noch nie zuvvor die Heiterkeit der Kinber verhintert, und ſie konnte nicht ſagen, weßhalb ſie jetzt ſo verfuhr. „Ich glauhe, der alte Kellermeiſter hat hier den Verwalter bewirthet,“ ſagte Caroline, indem ſie auf die überble bſel des Feuers zeigte. „Jü dies Zimmer, das er hauptſächlich bewohnte, welches man, wie Sie ſagten, als das ſeinige zeigt?“ „Nein, jene Tapetenthär zur Rechten führt in ein kleines Studirzimmer, worin er ſchrieb.“ Bei den Worten ſuchte Caroline die Thür zu üffeen, die aber innen ver⸗ ſchloſſen war. Hierauf öffnete ſie die andere Thür, welche einen langen, getäſelten Gang zeigte, worin ro⸗ ſtige Piken und einige Bruſtharniſche aus den Zeiten der Bürgerktiege hisgen.„Dieſer Gang führt zum Haupttheil des Hauſes,“ ſagte Caroline,„von welchem der Saal, worin wir uns jetzt befinden, und das keine Studir⸗ zimmer gänzlich getrennt ſind; dies war nämlich eine Kapelle in den päpßtlichen Zeiten. Wie ich hoͤrte, hat Eir Ken ſie zu de baute er Sir loſoph! Eveline können für ihr Dies f die Taf vernach gleich d „O aus, 1 hinzog „es wi Reiſez Evelin hebte, Abwef ihr ein für de ſchwie Fäßen Geſan verdor noch ſ Y Studi Eiger immer komm, Borten n ver⸗ Thür, ein ro⸗ en der pttheil Saal, tudir⸗ h eine e, hat 103 ir Kenelm Digby ein Ahn des gesenwärtigen Veſitzers, ſie zu dem gegenwärtigen Gebrauch eingerictet; rafür baute er die Dorftirche an der andern Scite res Parkes.“ Sir Keneim Diety, der alte Caviler und Ph loſoph! Emn nener Name, um d eſen Ort zu heiligen! Eveline hätte den ganzen Tog im Zimmer verwe len rönnen und ſie eilte vielleicht, um eine Enſſchaldigung für ihr längeres Bleiben zu haben zum Fortepianv. Dies ſtend offen; ſie ließ ihre feenhaften Finger üder die Taſten fahren und der S yall ves ungeßimmſen und vernachläſſigten Inſtrumenies, drang wild und be ſte⸗ gleich durch das ſc wermüthige Zimmer. „O fingen Sie uns etwes, Eveline,“ rief Cäcilie indem ſie zum Inſlrument lef und einen Stupl : it: 1 aus, hinzog;„thun Sie dos, Evetine,“ ſagte Cnoliner „es wird einen der Dieuer zu uns bringen und uns ene Reiſe zu dem Verwalter erſparen.“ Des ger de wünſchte Eveline. Einige Verſe, welche ihre Motter beſonde 6 liebte, Verſe von Maltravers kei ſeiner Rücktehr nach Abweſenheit von ſeiner Wohnung geſcrieden, ſielen ihr ein, als ſie die Saiten berührte. Dieſe eignelen ſich für den Ort und waren ſchön in Muſik geſetzt; ſomit ſchwiegen die Kinder und ſetzten ſich ſtill zu chren Füßen; nach einem kleinen Vorſpiel begann ſie den Geſang, indem ſie die Begleitung dämpfte, dimt das verdorbene Inſtrument die lieblicen Worte und die noch ſüßere Stimme nicht verderbe. Mittlerweile ſaß im Nebenzimmer(in dem kleinen Studirzimmer, welches Caroline erwähnt hatte) der Eigenthümer des Hauſes! Er war plötzlich und uner⸗ 104 wartet am vergangenen Abend zurückgekehrt. Der alte Verwalter war in dem Angenblick bei ihm und brachte eine Menge Eniſchuldigungen, Glückwünſchungen und Geſchichten an. Maltravers, der ein ſirenger und ſtolzer Mann geworden war, hatte ſich ſchon verdrieß⸗ lich fortgewandt, als er den plötzlichen Lärm des Ge⸗ lächters der Kinder und laute Stimmen im Nebenzim⸗ mer vernohm. Maltravers blickte finſter. „Was iſt das für eine Impertinenz?“ fragte er in einem Tone, welcher, obgleich ruhig, den Verwalter his auf die Zehen erzittern ließ. „Ich weiß es wirklich nicht, Ihro Gnaden; es kommen ſo viele vornehme Leute bei ſchönem Wetter, um das Haus zu beſehen, daß—“ „Und Sie erlauben, daß das Haus Ihres Herrn, wie eine Rarität gezeigt wird? Sie treiben mir ſchöne Dinge.“ „Wäre Euer Gnaben mehr unter uns, ſo würbe auch hier mehr Diseiplin herrſchen,“ erwiderte der Verwalter trotzig:„ſo lange ich aber hier bin, haben die Eigenthümer ſich am wenigſten um dieſen alten Ort bekümmert.“ „Sprechen Sie weniger,“ ſagte Maltravers ſtolz; „und jetzt gehen Sie und ſagen Sie den Leuten, daß ich zurückgekehrt bin und keine anberen Gäfte wünſche, als die ich ſelbſt mir einlade.“ „Herr!“ „Hören Sie mich nicht? Sagen Sie ben Leuten, doß dieſe alten Ruinen, wenn es ihnen gefällig ſei, mein Eigenthum find, und daß ich nicht für die Unver⸗ ſchämt Gehen ſelbſt a De den,“ f Leute a oft, we „WM Wort, Her in der E Ausdrue ſich lang von ſo k nen Sch von ſein Verwalt zögere u Seine ei er längſt anfangs den erſte Begeiſter Geiſter* ſeiner ve und dert er alte rachte en nd rund rieß⸗ Ge⸗ enzim⸗ er in ter bis mmen n das errn, ſchöne 105 ſchämtheit der öffentlichen Nengier darum ſchachere.. Gehen Sie, Herr.“ „Aber ich biete um Verzeihung, Euer Gnaden, aber wenn es vornehme Leute find?⸗ „Ach was, vornehme Lente, das iſt was rechtes. Nun, wenn es vornehme Leute ſind, ſo beſitzen Sie ſelbſt auch große Häuſer, Herr Juſtis.⸗ Der Verwalter blickte ſtarr. U den,“ fiel er mit fl li Stimme ein,„fſind die Leute aus Herr Mertons Familſe; dieſe kommen ſehr oft, wenn Herren aus London dort find.“ „Merton, ha! der kriechende Pfaff! Hört, noch ein Wort, Herr, und Sie verlaſſen morgen meinen Dienſt.“ Herr Juſtis hob Augen und Hände zum Himmel; in der Stimme und im Blicke ſeines Herrn lag aber ein Ausdruck, welcher alle Eewiderung hemmte; er wandte ſich langſam zur Thür, als man draußen eine Stimme von ſo himmliſcher Süße vernahm, doß er ſeinen eige⸗ nen Schritt anhielt, und daß der finſtere Maltravers von ſeinem Sitze auffahr. Er gab mit der Hond dem Verwalter ein Zeichen, daß dieſer die Botſchaft ver⸗ zösere und horchte entzückt und gleichſam bezaubert. Seine eigenen Worte trafen ſein Ohr, Worte, mit denen er längſt nicht mehr vertrant war, und an vie er ſich anfangs nur unvollkommen erinnerte; Worte, vie mit den erſten unb jungfräulichen Jahren der Poeſie und Begeiſterung verknüpft waren, Worte, welche wie die“ Geiſter von Gedanken jetzt eine zu große Lieblichkeit ſeiner veränderten Seele boten. Er beugte das Haupt und der bunkle Schatten ſchwand von ſeiner Stirn. Euer Gna⸗ = 106 Der Geſang war beendet. Maltravers ſtand auf mit einem Seufzer und ſeine Angen ruhten auf der Ge⸗ ſtalt des Verwalters, der die Thür in der Hand helt. „Soll ich Euer Ganaten Borſchaft überbringen?“ fragte Heer Juſtis ernßt. „Nein, tragen Sie nur ſür die Zukunft Sorge und verlaſſen Sie mich jetzt.“. Herr Inſtis machte einen Kratzfuß und ging ver⸗ gnügt fort.„Ha,“ dachte er,„wie doch die Reiſen einen Herrn verderben. Früher war er ſo mild; ich muß ie Rechnungen in Ordnung bringen; ich ſehe, der Gutsherr iſt ſcharf geworden.“ Als Eveline ihren Geſang beſchloß, ſie, deren Reiz beim Singen in dem Gefühl beſtand, ward ſie durch die Schwermuth ter Melodie und Worte ſo gerührt, daß ihre Stimme ſtockte, und daß der letzte Vers unhörbar auf ihren Lippen erſtarb. Die Kinder ſprangen auf und küßten ſie. „Oh!“ rief Cäcilie,„dort iſt der ſchöne Pfau!“ Auch ſtand wirklich vor den S uſen im Garten der ma⸗ leriſche Vogel, vielleicht durch die Muſik herbeigelockt. Die Kinder lefen hinaus, ihren alten Günſt ing zu be⸗ grüßen, der ſehr gezähmt war. Cäcilie kehrte aber ſogleich wieder zurück. „O Cnoline, ſehen Sie, welch prächtige Pferde dort den Park heraufkommen!“ Caroline, die als gute Reiterin Pferde gern ſah und deren Neugler durch Alles erregt wurde, wes mit Prunk und höherer Stellung zuſammenhing, erlaubte den kleinen Mädchen, fle in den Garten fortzuziehen. Z arabiſ mit W ſam de Anblic raſcht, um zn ſei. E war de Bilde, „T mehr d über ſ er, jen einſam verlaſſe Di verſank welches ſchöne( pigen worden Geſund der ver zurt un wandte fand eit Thür, und in nes in d d auf rGe⸗ helt. en e und g ver⸗ Reiſen h muß d n Reiz rch d'e t, vaß hörbar en auf ah und Prunk bte den Zwei Stallknechte, wovon jeder ein Pferb von reiner, arabiſcher Race ritt, und Jeder ein anderes führte, das mit Wickeln und Binden umwunden war, trabten lang⸗ ſam den Weg hinab; Crroline war turch den neuen Anblick der Thiere an einem ſo verlaſſenen Ort ſo öher⸗ raſcht, daß ſte, den Kintern folgend, auf jene zuging, um zn erfahren, wer der beneidenswerthe Eigenthümer ſei. Eveline, im Augenblick vergeſſen, blieb allein; ſie war darüher erfreut und wandte ſich noch einmal zu dem Bilde, weſches ſle früher ſo angezogen hatte. „Dies ſchöne Geſchöpf,“ dachte ſie,„erlebte nicht mehr den Ruhm ihres Sohnes, erfrente ſich nicht mehr über ſeinen Erfolg oter verſüßte ſeinen Gram. Und er, jener Sohn, lebt in ſeiner Hoffaung getäuſcht und einſam auf fernem Voden, während Fremde in ſeiner verlaſſenen Halle ſtehen!“ Die ſo beſchworenen Bilder regten ſich vor ihr; ſie verſank in Sinnen und blieh vor dem Gemälde ſlehen, welches ſie mit naſſen Augen anſchaute. So bot ſie eine ſchöne Erſcheinung, mit ihrer zarten Blüte, ihrem üp⸗ pigen Haar(der Hut war noch nicht wieder aufgeſetzt worden), ihren elaſtiſchen Formen, ſo voll Jugend, Geſundheit und Hoffnung— die lebende Geſtalt neben der verwelkten Leinwand der Todten, die einſt jang, zurt und liebenswürdig wie ſie ſelbſt war! Eveline wandte ſich mit einem Seufzer hinweg; der Seufzer fand einen noch tieferen Wiederhall. Sie ſtutzte, die Thür, welde in das Studirzimmer führte, ſtand offen und in ber Sffaung befand ſich die Geſtalt eines Man⸗ nes in der Kraft des Lebens. Sein Haar, noch ſo üppig 108 wie in ſeiner früheſten Jugend, obgleich durch die Sonne des Oſtens verdunkelt, fiel gelockt über eine Stirn von majeſtätiſcher Ausdehnung. Die hohen und ſtolzen Züge, die einem über dus gewöhnliche Maaß ſich erhebenden Wuchſe geziemten— die blaſſe, aber ge⸗ brännte Geſichtsfarbe, die großen Augen von tiefem Blau, von dunkeln Brauen und Wimpern. beſchattet, und vor Allem der Ausdruck ver Leidenſchaft und Ruhe, welcher die alten italieniſchen Porträts charakieriſirt, und die unerforſchliche Gewalt anzudeuten ſcheint, welche die Erfehrung dem Verſtande ertheilt:— Alles dies bot ein Ensemble, welches, wenn nicht fehlerios hübſch, außerordentlich auffollend und geeignet war, Intereſſe zu erwecken und Befehle zu ertheilen. Es war ein Ge⸗ ſicht, welches man nie wieder vergißt, ſobald man es einmal geſehen hat, ein Geſicht, welches lange Zeit den jungen Träumen Eyelinens vorgeſchwebt hatte⸗ obgleich ſie nur zur Hälfte ſich beſſen bewußt war; ein Geſicht, bas ſie einſt erblickt hute, obgleich es jünger, milder und ſtö⸗ ner, damals einen verſchiedenen Anblick darbot. Eveline ſtand an den Ort geheftet, indem ſie empfand⸗ wie ſie bis zu ihren Schläſen erröthete— ein bezauberndes Bild ſchamhafter Verwirrung und unſch uldiger Unruhe. „Loſſen Sie mich nicht meine Rückkehr bereuen,“ ſprach der Fremde näher tretend, nacheiner kurzen Peuſe, mitviel Sanftmuth in Lächeln und Stimme,„und erwecken Sie mir nicht den Glanben, daß der Eigenthümer ver⸗ urtheilt iſt, die ſchönen Geiſter zu verſcheuchen, weſche auf dem Orte während ſeiner Abweſenheit umgingen.“ „Der Eigenthümer?“ wiederholte Eveline beinahe unhörb der— „J ihre Ve ich bin kehr ni in Ihre ben do: ihrer H „N ich wei ſuchen. „B milie? „N ſie muſ Maltra Lächeln an die den mi Liebhak zu entk Me folgte Fenſer ten he zurückg X h die eine nund ß ſich erge⸗ tiefem attet, Ruhe, riſirt, welche s dies übſch, tereſſe n Ge⸗ nan es eit den bgleich ht, das euen,“ Peuſe, wecken r er⸗ welche ngen.“ einhe unhörbar unv in geſteigerter Verlegenhrit;„find Sie der—— Maltravers, und ich Sie über meine plötzliche Rü. chtigt habe, oder vaß ich jetzt mi re Sen eindränge. Sie ſehen jeboch meine digung„er zeigte aufs Inſtrument,„Sie ha⸗ ſogar die Schlange aus t allein?“ erton iſt bei mir; ;ich will ſie auſ⸗ ez Rein, al h n ich weiß ſuchen. „Miß Merton? Sie gehören alſo nicht zu der Fa⸗ milie?“ „Nein r Zuſt; h will ſie an fluchen; anbr ingen g⸗“ ſp rach Het⸗ „indem er über ihren Ezfer lächelte. Das Lächeln un 4 der Blick erinnerte ſie noch eindringlicher an die Zeit, als er ſie auf ſeinen Arment e Lei⸗ den milderte, ihren Muth rühmte und beinah wie ein Liebhaber ih Hand käßte. Bei dem Gedanken errö⸗ rund ſuchte mit noch größerem Eifer thete ſie noch tiefer und ſu zu entkommen. Maltravers ſuchte nicht ſie aufzuhalten, ſonbern folgte ſchweigend ihren Schritten. Sie hatte kaum die Fenſerthür als die kleine Cäcilie mit den Wor⸗ ten he einlief: Denken Sie ſich, Maltravers iſt ekehrt hat die ſchönen Pferde mitgehracht.“ 11⁰ Cäeilie hielt plötzlich an, als ſie ben Fremten ſah; im nächſten Augenblick erſchlen Caroline ſelbſt. Ihre Welterfahrung und ihr ſchneller Verſtand erkannte ſo⸗ g gleich, was vorgegangen war; ſie eite, ſich bei Wo vers zu entſchuldigen und ihm wegen ſeiner Rücktehr hen Glück zu wünſchen, mit einer Leichtigkeit, welche vie. arme Eveline in Erſtaunen verſetzte, und welche Mol⸗ Als m revers ſelbſt gar nicht zu würdigen ſchien. Er erwiterte rleine mit lu zer und ſtolzer Höflichkeit. ſr La „Mein Vater,“ fuhr Caroline fort,„wird mit der P Freuden vernehmen, vaß Sie zuückgekehrt find; er wird Einbr ſich beeilen, Ihnen ſeine Aufwartung zu macken und iſt. S ſeine Müßiggängerinnen entſchuldigen. Ich habe Sie n 1 jedoch noch nicht förmlich bei dieſer Dame eingeführt, welche mein Vergehen theilt. Meine Theure, laſſen Sie„ mich Ihnen einen Mamn vorſtellen, mit welchem der nicht Ruhm Sie ſchon bekonnt gemacht hat. Herr Mahra⸗ z e vers, dies ift Miß Cameron, Stieftochter,“ fügte fie willeo: in leiſerem Tone hinzu, des verſtorbenen Lorb Vargrave.“ ſein w Bei dem erſten Theil dieſer Einleitung bhckte Maltra⸗ 6 vers finker, beim zweiten vergoß er alles Mifvergnügen. Grfo' 3„Iſt es möglich! Ich vachte, Sie ſchon früher ge⸗ Walte ſehen zu haben, aber nur im Traume; wir ſind uns zurüs alſo nicht gänzlich fremd. tet hab Evelinens Auge begegnete dem ſeinigen; obglelch ſie M erröthete und ernſt zu blicken ſtrebte, rief ein halbes din, a Lächeln wieder die Grübchen hervor, die um ihre ſchlauen i e Lippen ſrielten. die erf „Erinnern Sie ſich denn meiner noch?“ fügte Mal⸗ redung travers hinzu. aber ai n ſah; Ihre te ſo⸗ altra⸗ ückkehr d mit n und e Sie führt, en Sie m der atra⸗ gte ſie rave.“ oltra⸗ ügen. er ge⸗ d uns ich ſie halbes lauen Mal⸗ 111 „O ja!“ rief Eveline aus, mit plötzlicher Regung, alsdann hielt ſie ſich zurück. Carvline kam ihrer Freundin zu Hülfe. „Was iſt des? Sie ſetzen mich in Erſtaunen; wo haben Sie jemals früher Herrn Maltravers geſehen?“ „Ib kann die Frage beantworten, Miß Merton. Als Miß Cameron noch ein Kind war, ſo groß wie meine kleine Freunpin dort, verſchaffte mir ein Vorfall auf der Landftraße ihre Bekanntſchaft; die Lieblichkeit und der Muth, den ſie damals zeigte, ließ bei mir einen Eindruck zurück, der fogar bls heute noch nicht abgenutzt iſt. Sy alſo treffen wir uns wieder,“ ſetzte Maltrevers murmelnd hinzu, als ob er mit ſich ſelbſt ſpräche;„wie ſonderbar iſt des Leben!“ „Gut,“ ſagte Miß Merton,„wir müſſen uns Ihnen nicht auforingen; Sie huben ſo viel zu thun. Es thut mir leid, daß Sir John nicht hler iſt, um Sie zu be⸗ willkommnen, ich hoffe iedoch, daß wir gute Nach barn ſein werten. A revoir.“ Crroline verbengte ſich, läckelte und ging mit ihrem Gefo'ge fort, indem ſie ſich für ſehr entzückend hielt. Waltravers blieb unentſchloſſen fiehen. Hätte Eveline zurückgeblickt, ſo würde er die Damen nach Hars beglei⸗ tet hoben; dieſe aber blickte nicht zurück, und er blieb. Mit Merton neckte ohne Gnade ihre junge Freun⸗ din, als ſie nach Haus gingen und entlockte ihr eine kurze und unvollfommene Geſchichte des Abenteuers, welches die erße Bekanntſchaft gebildet hatte, und der Unter⸗ redung, womit dieſelbe erneut worden war. Eroeline aber achtete nicht auf ſie; ſobalb ſie zur Pfarrei gelangt 112 war, eilte ſie auf ihr Zimmer, ſchloß ſich ein und ſchrieb ihrer Muiter einen Bericht ihres Abenteuers. Wie oft hatte ſie in ihren kindiſchen Träumereien an jenen Vorfall und jenen Fremden gedacht! Und jetzt begegnete ſie, gleichſam zufüllig, nach ſo manchen Jah⸗ ren dem Unbekannten an ſeinem eigenen Herde! Und jener Unbekannte war Maitrarers! Es ſchien ihr, als ob ein Traum erfüllt wäre. Während ſie ſo finnend da ſaß, und den Brief noch nicht begonnen hatte, vernahm ſie ein Freudengeläute in der Ferne; ſie errieih ſogleich die Urſache; es war die Begrüßung des Wanderers in ſeiner einſamen Heimath. Viertes Kapitel. Indem ihr euer natürliches Verhältniß erkeunt, broucht Mittel, die ſich vafür eignen, und macht keine Anſprüche ouf anderem Wege, wie auf dem⸗ jenigen, der euch zum König michte, zu regieren. Pascal. Im Herzen wie im Oeean gibt es Ebbe und Flut. Die Wogen, welche einſt Ernſt Maltravers zu den Klip⸗ pen und Untiefen des thätigen Lebens trieben, waren ſchon lang in vas ruhige Meer zurückgefloſſen, und hat⸗ ten den Strand entblößt gelaſſen. Mit ſchwermüthiger, in den Hoffaungen geläuſchter, Ekel empfindender Seele verließ er vas Land ſeiner Geburt; neue Scenen, ſonder⸗ bar und wild, erhoben ſich vor ſeinen wandernden Blicken Der Civiliſativn müde, und an den Triumphen geſät⸗ tigt, wofür die eivilifirten Vö ker ſich plagen, abarbei⸗ ten unt den ger entzoge mußte, entriß i überloſ ben; a wären ihm Gl mannig hatte er den raf den Ka Etelke menſchl Ert kommet ſchen u wegen Guten vom gr lichkeit langt, der wa wir zu zu viel Ni das ſon ſchlend Bul und euers. ien an d jetzt Jah⸗ Und , als end da rnahm ogleich ers in erkennt, d macht f dem⸗ egieren. al. d Flut. n Klip⸗ waren nd hat⸗ üthiger, er Seele ſonder⸗ Blicken. ngeſät⸗ barhei⸗ 1¹3 ten und vergeblich beunruhigen hatte er ſich unter Hor⸗ den gemiſcht, welche kaum der Barbarei erßer Menſchen entzogen waren. Die Abenteuer, kurch die er hindurch mußte, und worin er ſein Leben nur turch behuſſeme Wachſamkeit und ſlets bereite Kraft e halten konnte, entriß ihn einige Zeit der Neigung, ſich Betrachtungen zu überloſſen. Sein Herz war allerdings urthätig geb'ie⸗ ben; allein ſein Verfland und ſeine xhyſiſchen Kräfte wären fündlich geübt worden. Er kehrte in die Welt rer ihm Gleichen mit einer Eeele zurück, die von den Schätzen mannigfacher und großer Erfahrung beladen war; auch hatte er ſich eine ſo düſtere Moral gebildet wie jene, welche den raſtloſen Spekulationen des Reſſel's, a's er ous den Katafomben hervortrat, die überzeugung von der Ettelleit des menſchlichen Lebens und von der Thorheit menſchlicher Beſtrebungen einflöß'e. Ernſt Maltravers, niemals ein fehlerloſer oder voll⸗ kommener Chorakter, war⸗damals, als er ſeine morali⸗ ſchen und geiſigen Fähigkeiten nicht ausübte, gerade wegen ſeines Wunſches, die Grenzen des Goßen und Guten zu überſchreiten, ſcheinbar ſo weit wie jemals vom großen Gehe'mniß des Lebens entſernt. In Wik⸗ lichkeit war dies nicht der Fall; ſeine See e hatte er⸗ langt, wos ſie zuvor entbehrte— die Härte; wir flehen der wahren Tugend und dem woahren G ück näher, wenn wir zu wenig von Menſchen erwarten, als wenn wir zu viel von ihnen verlangen. Nichts deſtoweniger war ſeine Natur theils durch das ſonderbare Leben, welches ihn unter Menſchen ge⸗ ſchlendert hatte, bei denen deſpotiſcher Vefehl zur eigenen Bolwer, Alice. 1. 8 114 Sicherheit nothwendig war, theils aus der Gewohnheit der Macht und Verachtung der Welt, mit einem ſtren⸗ gen, befehlshaberiſchen Weſen umkleidet, welches oft dem Harten und Finſteren nahe kam, obgleich Großmnth und Wohlwollen zu Grunde lag. Manche ſeiner jüngeren Gefühle, obgleich liebens⸗ würdiger und zuſammengeſetzter, hatten ſich zu einer vorherrſchenden Eigenſchaft vereinigt, die mehr oder weniger für ihn immer charakteriſtiſch geweſen war. Dzes war Stolz. Selbſtachtung ohne Thätigkeit, und mißvergnügter Ehrgeiz, erzeugen gewöhnlich hochfahren⸗ des Weſen. Bei Maltravers war vieſe Eigenſchaft, welche, gehörig gehemmt und noch Pflicht beſänftigt, das Weſen und Leben der Ehre bübet, bis zum Laſter getrieben. Er war ſich des übermoßes vollkommen be⸗ wußt, pflegte jedoch daſſelbe wie eine Tugend. Der Stolz hatte dazu gedient, ihn im Kummer zu tröſten; veßhalb war er ihm ein Freund; er haite ihn gehalten, wenn er Ekel am Betrug empfand, oder der Gewalt Wiberſtand leiſtete; deßhalb war er ihm ein Kämpfer und eine Feſtung. Der Stolz war bei ihm von beſon⸗ derer Art; er hielt ſich nicht an einen beſondern Punkt; nicht an Talent, Kenntniß, geiſtige Gaben, noch weni⸗ ger an die Gemeinplätze der Geburt und des Vermögens; er ergab ſich vielmehr ans einer ungewöhnlichen und all⸗ gemeinen Verachtung der Menſchen und ihrer Zwecke, des Ehrgeizes, des Ruhmes, bes rauhen Geſchäfts im Leben. Seine Lieblingstugend war Tapferkeit; hierauf that er ſich jetzt am meiſten zu Gute. Er war ſtolz auf ſeine Kämpfe gegen Andere, noch ſtolzer auf ſeine Siege über ſal al imme ſich d Anme kunft im A der w jahret ſophi wich Afrik⸗ Städt noch unter nie w das E mäſſe wiſſer Plane nur d die ih Wunf Dieſe ein, 1 lieber ſtehen ſeines die R ohnheit ſtren⸗ es ft omnth iebens⸗ neiner der twar. t, und fahren⸗ nſchaft, änftigt, n Laſter nen be⸗ Der tröſten; ehalten, Gewalt ämpfer beſon⸗ Punkt; h weni⸗ nögens; und all⸗ Zwecke, äfts im hierauf ſtolz auf ue Siege 115 über ſeine eigene Leidenſckaft. Er betrachtete das Schick⸗ ſal als ſeinen ewigen Feind, gegen deſſen Angriff er ſich immer vorhereiten ſol Er bildete ſich ein, daß er ſich dn s gegen das Schickſal geſchert habe. In der Anmaßung ſeines Herzens dachte er:„Ich kann der Zu⸗ kunft trotzen.“ Er glaubte an die Prahlerei des Weiſen im Alterthum:„Ich bin mir ſelbſt eine Welt.“ In der wilden Laufbahn, die er in ſeinen ſpätern Männer⸗ jahren zurückgelegt hatte, trieb er übrigens dieſe Philv⸗ ſophie nicht ſo weit, daß er die gewöhnliche Welt ver⸗ warf. Der durch den Tod der Florence bewirkte Stoß wich allmählig der Zeit und dem Wechſel. Er war von Afrika's Wüſten und vom Orient in die glänzenden Städte Europa's übergegangen; aber weder ſein Herz noch ſeine Vernunft war je durch ſeine Leidenſchaft unterworfen worden. Ec haite die Lieblichkeit der Liebe nie wieber erkannt; wäre dies der Fall geweſen, ſo hätte das Eis thauen und die Quelle wieder zum Meere fließen mäſſen. Er war nach England zurückgekehrt, ohne wiſſen, in welcher Abſicht, ſicherlich aber nicht mitt Plane, ins thätige Leben zu treten. Vielleicht hatte n nur die Ermüdung an fremden Scenen und an Sprachen, die ihm nicht vertraulich waren, ſowie ein unbeſtimmter Wunſch des Wechſels ihn zum Vaterlande zurückgeführt. Dieſe unphiloſophiſche Urfache aber geſtand er ſich nicht ein, und ſonderbarerweiſe wollte er ſich auch nicht eine liebenswürdigere und vielleicht wahrere Urſache einge⸗ ſtehen— das höhere Alter und die größere Kränklichkeit ſeines alten Vormundes Cleveland, der ihn liebeyoll um die Rückehr erſuchte. Maltravers wollte nicht glauben, 116 vaß ſein Herz noch ſo gütig war. Eine ſonderbare At des Stolzes! Nein, er hatte ſich vielmehr zu überreden geſucht, daß er Burleigh zu verkaufen beabſichtige, daß er ſeine Angelegenheiten abſchließen, und dann für immer ſein Geburtsland verlaſſen wolle. Um ſich ſelbſt zu beweiſen, daß dies der Fall ſei, hatte er in Dover beabſichtigt, nach Vurleigh zu eilen und dort Cleveland von ſeiner Rückkehr nur bloß ſchriftlich zu benachrichti⸗ gen. Allein ſein Herz erlaubte ihm nicht, dieſen grau⸗ ſamen Lurus der Selbßkränkung zu genießen, und ſeine Pferde wurden nach Richmond gelenkt, als ſie eine Station von London entfernt waren. Er hatte zwei Tage bei dem goten, alten Manne zugebracht, und dieſe zwei Tage hatten ſein Gefühl ſo erwärmt und beſänftigt, daß er über ſich ſelbſt erſchrak, weil er feſte Grüntſätze auf⸗ gegeben habe. Indeß reiste er ab, bevor Cleveland jenen Wechſel an ihm entteckte; auch hatte der alte Mann verſprochen, ihn in Kurzem zu beſuchen. Dies war ter Zuſtand von Eenſt Maltravers im ſechsunddreißigſten Jahre, in einem Alter, worin Körper und Seele die größte Vollkommenheit erlangt haben— in einem Alter, worin die Menſchen anfangen, ſcharf zu fühlen, vaß ſie Bürger find. Alle ſeine Energie war geſtärkt und gekräſtigt, ſein Geiſt mit Gaben verſchwen⸗ deriſch ausgeſtattet; ſein Körper um ſo mehr geſtärkt, da ein Leben voll Mähſeligkeit ihm eine zweite und fri⸗ ſchere Jugend ertheilt hatte. Harte Erfahrung hatte ihn ſo erzogen, daß er durch leichte Anflrengung alle Fehler und Mängel, die einſt aus zu reizbarer Einbildungskraſt und aus einer zu hohen Regel für menſchliche Handlungen entſpr im S dauer: zu ſict heit h ges* Einſt Gebu Weiſe Seele terter Natur blende länget von de war kr ſamem B zählur nicht Herre freund Art reden daß für ſelbſt dover eland ichti⸗ grau⸗ ſeine eie Tage ezwei t, daß auf⸗ ean ate rs im örper en— ſcharf e war hwen⸗ ſtärkt, d fri⸗ te ihn Fehler sraft ungen 117 entſprangen, leicht wieder ausgleichen konnte. Er war im Stende, ſeinem Geſclecht die glänzendſten und dauerndſten Dienfle zu erweiſen unv ſich ſelbſ das G ück zu ſic ern welches ſich bei einer zur größeren Nüchtern⸗ heit herabgeſtimmten Phantaſie ergibt— ein aufrichti⸗ ges Herz und ein billigendes Gewiſſen. Dort alſo war Einſt Maltrave s, ohnedem durch die Hülfsmittel der Geburt und des Vermögens unterſtützt, in verkehrter Weiſe bemüht, ſeines Genius, ſein Leben und ſeine Seele in dornigen Blättern zu verſchliefen— in verbi'⸗ terter Stimmung, weil er nur auf die dunkle Se te der Natur blickte, wie er einſt nur durch die glänzende ver⸗ blendet war— entſchloſſen, Thoren und Schurken nicht länger zu dienen, die von demſelben Staub gebiltet und von demſelben Gott begabt waren. Seine Philoſophie war krankhaft und mürriſch, von ſtolzem Geiſte in ein⸗ ſamem Herzen erzengt. Fünftes Kapitel. Dicjenigen unter uns, welche wie die Kinder werden wollen, wäre es auch nur ſür eme Stunde, müſſen ſich der ſüßen Bez uberung hingeben, welche ſich dem Geiſte emſchmeſchelt, ſobald er ſich der Erinnetung frühen und unſchuldigen Genuſſes über⸗ läßt. Richaroſon. Beim Mittageſſen wurde Cwrolinens lebhafte Er⸗ zählung ihrer Abemeuer mit viel Intereſſe aufgenvmmen, nicht allein von der Familie Merton, ſondern auch von Herren aus der Nachharſchaft, die des Pfarrers Gaſit⸗ freundſchaft theilten. Die plötzliche Rücktehr eines Grundbeſitzers zu ſeinem alten, ererbten Lanbfitz nach einer längeren Abweſenheit macht immer einiges Auf⸗ ſehen auf dem Lande bei den Nachbarn. In dieſem Fall, wo der Grundeigenthümer jung⸗ unverheiraihet, be⸗ rühmt und hübſch war, mußte natürlich dies Auſſehen verhä tnißmäßig geſteigert werden. Caroline und Eve⸗ line wurden mit Fragen bedrängt, worauf nur die Erſtere beſtimmte Antwort gab. Carolinens Bericht war im Allgemeinen anmuthig und günſtig, und ſä ien Allen, nur nicht der Eoeline, Complimente zu machen, welche glanbte, daß Caroline eine nur ſehr unbedeutende Por⸗ trätmalerin ſei. Selten ereignet es ſich, daß ein Mann in ſeiner Nachbarſchaft als Prophet gilt; Maltravers aber war ſo wenig in der Grafſchaft geweſen, und bei ſeinem früheren Beſuch hatte er ein ſo abgeſondertes Leben ge⸗ führt, daß man ihn als Fremden betrachtete. Er hatte vie übrigen Grundbeſitzer weder durch den Glanz ſeines Hauſes übertroffen, noch ſich in ihre Jagden einge⸗ laſſen; im Allgemeinen machten jene, wegen ſeiner Ge⸗ wohnheit, ſich zurückzuhalten, auf ihn keine Anſprüche. Die Zeit und der Umſtand, daß er ſich von dem lärm den Leben während eines Zeitraumes zurückzog, der lang genug war, daß man ihn vermißte, und nicht lang genug für neue Günſtlinge, um ſein en Platz einzunehmen, hatte ſehr dazu gedient, ſeinen Ruf ſowohl zu miltern, wie ſeſter zu begründen, ſo daß alle Herren der Grgſſchaft ſtolz waren, ihn als ihren Landsmann in Anſpruch zu nehmen. Obgleich Maltravers es nicht geglaubt haben würde, hätte es ihm auch ein Engel vom Himmel ver⸗ kündet Rücker Gewol abhän lauf. hörte Stron ſagte: jede 2 Sonde Grafſ das R immer ein ge ziehen in der nach Anf⸗ Fall, „be⸗ ſehen Eve⸗ rſtere rim Allen, welche Por⸗ ſeiner ſeinem genug „hatte n, wie ſſchaft uch zu haben el ver⸗ 1¹9 kündet, ſo ſprach man voch nichts Böſes hinter ſeinem Rücken; tauſend kleine Anekdoten von ſeinen perſönlichen Gewohnheiten, von ſeiner Großmuth, von ſeinem un⸗ abhängigen und ſonderbaren Charakter waren im Um⸗ lauf. Eveline horchte auf Alles mit Eatzückung; ſie hörte dankbar dem Pfarter zu, welcher immer dem Strome folgte, ſobald verſelbe mit gütiger Freundlichkeit ſagte:„Wir müſſen unſerm ausgezeichneten Nachbar jede Aufmerkſemlett erwetſen; wir müſſen gegen ſeine Sonderharkeiten nachſichtig ſein; ich gehöre ſicherlich nicht zu ſeiner Partet, allein ein Mann, der in der Grafſchaft Etwas daran ſetzen kann, beſitzt auch ſicherlich das Recht, ſeine eigene Meinung zu hegen; das war immer mein Grundſotz; dem Himmel ſei Dank, ich bin ein gemäßigter Mann! Wir müſſen ihn zu uns her⸗ ziehen; ſicherlich iſt es unſere huld, wenn er nicht in der Pfarrei durchaus heimiſch wird.“ „Ja,“ ſagte ein mogerer Pfatrer, inte ſchen vor den Damen verbeugte,„da er ziehungskraft beſitzt.“ „Er gäbe eine hübſch fläſterte eine alte Dome; Caroline hörte dies und ſchwollte mit ihrer hübſchen Lippe⸗ Die Whiſttiſche wurden zugerichtet, die Muſik be⸗ gann und Maltravers wurbe in Ruhe gelaſſen. Am nächflen Tage ritt Herr Merton auf ſeinem Klepper nach Barleigh. Maltravers war nicht zu Hauſe. Er ließ ſeine Karte und ein Billet in freund⸗ ſchaftlicher Achtung verfaßt zurück, worin er Herrn Maltravers bat, Complimente wegzulaſſen, und hei tie für Miß Caroline ab,“ 5 iöm am nächßen Dage zu ſreiſen. Der Pfarrer war etwes überraſcht, als er bemerkte, daß der thätige Ge ſt des Maltravers bereits ſich äußerte; dos ſo lang vernachlöſſigte Gat war mit Acbettern gefüllt; Z'm⸗ merlente waren an den Unzänungen beſcöftigt; des Haus war lebendig und munter; die Stall'nechte übten die Pferde im Purk, Alles bezeugte die Wiederkehr des lang Abweſenden Dies ſchien ihm anzuveuten, daß Moltraveis gekommen war, um hier zu wohnen; der Pfarter dachte an Cwroline, und er emfand Vergnügen bei dem Gedanken. Am vächſten Toge war Cäciliens Geburtstag: Ge⸗ burts'age wurten ßets in der Parrei Merton geſeiert; a'sdinn wurten de Kinder der Nachbarſchaft eingela⸗ den ſie ſohten auf dem Raſenplatz an einer langen Tofel ſpeiſen und am Abend tanzen. Die Treibhäuſer gaben die früheſten Erdteeren her und vie Kühe mit blauen Bändern geſtmückt ihre Milch zum Silabub.“ De feine Cwoline warv durch dieſe Art Vergnügen nicht beſonders bezaubert; ſie erſchten anmuthig beim Eſſen küßte die me Uchſten Kinder, gab ihnen Euppe und entſernte fich donn, nachvem fie ihre Pſlicht gethan hatte, auf ihr Zimmer, um Vrieſe zu ſchreiben. Die Kinder waren nicht darüber betrübt, denn dieſe fürch⸗ teten ein wenig die vornehme Caroline; ſie lachten bei weitem lauter, und machten weit mehr Geränſch, als ſie fort war und als die Kuchen und Stachelheeren zum Vorſchein kamen. Eveline war in ihrem Elemente; ſie hatte als Kind * Getränk aus Milch, Zucker und Rum oder Weln⸗ ſo wen Geſpie dem lie tigem hute ſ miethet zeug, aber au heg'e fi Herz w wir zue lieben, jetzt, al und als den Kin Glücklic auch, Cäcilte den Lu verhüte einer Li „E „Niem⸗ von Ey iſt, ſo j Fr⸗ linens wer, v die Bi Zahle fürch⸗ ten bei ch, als en zum s Klind ſo wenig mit Kindern verkehrt— ſie hatte ſo oft ſich Geſpielen erſehnt— ſie war noch ſo kindlich; außer⸗ dem liebte ſie die k'eine Cäeilie, und hatte mit unſchul⸗ tigem Entzücken den Tag erwartet; eine Woche zuvor hute ſie ſich einen Wagen nach der nächſten Stadt ge⸗ miethet, mit ſorgfältig verſeckten Körben von Spiel⸗ zeug, Puppen un- Biltterbüchern zurück zu kehren. Was aber auch der Grund ſein mochte, an jenem Morgen heg'e ſie kein ſo kindliches Gefühl wie gewöhnlich; ihr Herz war dem Vergnügen abgewandt, und ihr Lichen wor zuerſt matt. Für viejenigen aber, welcte Kinder lieben, liegt etwas Anfleckenbes in deren Munterkeit; jetzt, als die Geſellſchaft ſich auf dem Raſen zerſtrente, und als Eoeline den Korb öffnete und mit vielem Ernſt den Kintern befahl ruhig und artig zu ſein; war ſie die Glücklich ſte in der ganzen Groppe. Sie verſtand es aber auch, Vergnügen zu erwecken; ver Behälter ward ker Cäcilie geboten, damit die kleine Königin des Doges den Lurus der Großmuth genieße; um E ferſucht zu verhüten, war man auf das ausgezeichnete Hülfsmittel einer Lotterie verfallen. „Eveline ſoll Fortuna ſein,“ rief Cäcilie aus; „Niemand wird Berkümmerniß fühlen, wenn er etwas von Eveline bekömmt; und wenn Jemand unzufrieden iſt, ſo ſoll Eveline ihn nicht küſſen.“ Frau Merton, deren mütterlickes Herz durch Eve⸗ linens Güte gegen ihre Kinder velllommen gewonnen wer, vergaß alle Vorleſungen ihres Gatten, verfertigte die Billets zu den Looſen und ſchrieb ſorgfältig die Zahlen auf Papierſchnitzel. Ein großer indiſcher Krug ward aus bem nächſten Beſuchszimmer geholt und zur Schickſalsurne beſtimmt; die Zettel wurden hineingelegt und Cäcilte band des Schunpftuch um Evelinens Au⸗ gen. Während Fortuna ſich ſchlau derjenigen Blind⸗ heit widerſetzte, die ihr hätte zukommen ſollen, und während die Kinder in einem Kreiſe ſitzend voll Freude in Erwartung waren, trat eine plötzliche Pauſe ein, das Gelächter hielt an und ebenfalls Cäciliens kleine Hände— was konnte die Urſache ſein? Eveline riß den Verband ihrer Augen fort und ihr Blick fiel auf Maltravers. „Wahrlich, meine theure Miß Camervn,“ ſprach der Pfarrer, welcher zur Seite des Eindringlings ſtand, und welcher ihn wirklich zum Ort gebracht hatte,„ich weiß nicht, was dieſe kleinen Leute zunächſt thun wollen.“ „Ich vielmehr ſollte reren Opfer ſein,“ ſprach Maltravers munter;„die Feen ſrafen uns erwachſene Sterbliche ſtets, wenn wir in ihr Feſt uns einbrängen.“ Während er dies ſagte, ruhte ſein Blick, der be⸗ redteſte aller Meuſchen, auf Gveline, als dieſe, um ihr Erröthen zu verdecken, Cäcilien in ihre Arme ſchloß und auf ſonſt nic hten ſchien; ſein Blick zeugte vabei von ſolcher Bewunberung unb von ſolchem Eut⸗ zücken, wie man bies bei Sterblichen vermuthen könnte, wenn ſie eine ſchöne Seen erſchauten. Sophie, ein ſehr dreiſtes Kind, lief auf Maltravers zu„Wie geht es, Herr,“ liſpelte ſie, indem ſie ihr Ge⸗ ſicht zum Köſſen darreichte,„Ihrem hübſchen Pfau?“ Dieſe Keckheit zur guten Ge egenheit angebrachi, viente dazu, den gehrochenen Zauber zu erneuen, den Fremben genblick und zugeſ travers e dem Raſet lärmend; keiten der „Der ſagte Sop Freund;, Name ſo „Heiſ „Wef „Eve ſagte Soz heinah 3 nicht ann Herr allein die Es war nehmen u rufen wu an Maltr Etröthen des Gewi Die Cäcilie Y terie, ein begierig f nicht hert nd zur gelegt Au⸗ Blind⸗ n Freude ſe ein, kleine ine riß el auf ſprach ſtand, olen.“ ſprach achſene ingen.“ der be⸗ um ihr könnte, ltravers ihr Ge⸗ Pfau 7⁵ ebracht, en, den 123 remven mit den Klndern zu vereinen. In einem Au⸗ genblick ward die Bekanntſchaft in Anſpruch genommen und zugeſtanden. Im nächſten Augenblick war Mal⸗ travers einer im Kreiſe; er ſaß wie die Kinder auf vem Raſen; er war wie ſie ſo munter und beinah ebenſo lärmend; der harte ſtolze Mann, welcher die Kleinig⸗ keiten der großen Welt ſo verachtete! „Der Herr aber muß auch ſeinen Gewinn haben,“ ſagte Sophie, ſtolz auf ihren ſchlank gewachſenen neuen Freund;„was iſt Ihr anderer Name? Weßhalb iſt Ihr Name ſo lang und hart auszuſprechen?“ „Heißen Sie mich Ernſt,“ ſagte Maltravers. „Weßhalb fangen wir nicht an?“ ſchrien die Kinder. „Eveline, kommen Sie, ſeien Sie ein gutes Kind,“ ſagte Sophie, da Eveline ärgerlich und beſchämt und heinah zum Weinen geneigt, den Verband der Augen nicht annehmen wollte. Herr Merton trat mit ſeinem Anſehen dozwiſchen; allein vie Kinper ſchrien und Eveline gab eilig nach. Es war Fortuna's Pflicht, die Zettel aus der Urne zu nehmen und Jedem der Spielenden, deſſen Namen ge⸗ ufen wurbe, den Gewinn zu übergeben; als die Reihe an Maltravers kam, verbarg der Verband nicht das Eiröthen und Lächeln der entzückenden Göttin; die Hand des Gewinnenden zuckte, als ſie die ihrige berührte. Die Kinder brachen in lautes Gelächter aus, als Cicilie Maltravers den geringſten Gewinn in ber Lot⸗ terie, ein blaues Banb, zuſprach, welches jedoch Cäcilte begierig für ſich forderte. Maltravers aber wollte es nicht hergeben. 124 Maltravers blieb den ganzen Tag in ber Pfarrei und nahm Theil am Balle— ja er tanzte mit Eveline— Maltravers, der ſeit dem zweiundzwanzigſten Jahre nie⸗ mals getanzt hatte. Das Eie war gebrochen, Maltravers war bei den Merton's zu Hauſe. Als er ſeinen Weg nach ſeinem einſamen Hauſe ein⸗ ſclug— als er über die kleine Brücke und kurch vas ſchattige Waäldchen ſchritt(vielleicht über ſich ſelbſt erſtaunt)— ſprach jeder der Gäſte, vom Aelteſten bis zum Jüngſten, ſein Urtheil dahin aus, daß er ein zückender Geſell⸗ ſchafter ſei. Caroline hätte ſich vielleicht einige Monate füher geärgert, daß er nicht mit ihr getanzt habe, jetzt aber empfand ihr Herz ſo wie es der Fall war, baß ein Anderer es bereits beſaß. Sechstes Kapitel. Der Geiſt des Mannes iſt rurchdingender wie conſ quent, und umfaßt mehr, als er unter einan⸗ der verbinden kann. Vauvenargues. Jetzt war Maltravers ein bleibender Gaſt in der Fomilie Merton; ſeinerſeits wurde keine Entſchulbigung für Vertraulichkeit erheiſcht. Herr Merton, entzückt, daß ſein zuvorlommendes Weſen nicht zurückgewieſen wurde, zwang ihm vertraute Bekanntſchaft auf. Eines Tages brachte die Familie den Nachmittag in Burleigh zu; Eveline und Carvline beendigten ihre Durch⸗ ſicht des Hauſes, der Tapeten, der Waffen, der Gmälde, kurz, aller Gegenſtände. Dies führte zu einem Beſuch deß arabiſchen ausritt ut natürlich Am näch der Pfarre gen über Bedenllich fahren; ſo Erſtaunen den braun natürlich E lich von ſeit aber Evelit auf einem alten Klep älteren Da leibt wurde travers en Merton da keit gegen gekauft; ke Eoeline fü oder drei k Merton un weilen war gleiche Auf hezeigen.„ eine Entſch Maltraverg einander zu rei und line— re nie⸗ travers uſe ein⸗ chattige mt)— üngſten, Geſell⸗ Monate be, jetzt kaß ein ender wie er einan⸗ ues. tin der ulbigung ickt, daß n wurde, mittag in e Durch⸗ Gemälde, Zeſuch der arabiſchen Pferke. Caroline bemerkte, haß ſie ſehr gerne autritt und gerieth in Entzücken über eines der Thiere, natürlich dasjenige, welches den längſten Sch weif hatte. Am nächſten Tage befand ſich das Pferd in den Ställen der Pfarrei und ein galanter Brief enthielt Entſchuldigun⸗ gen über die koſtbare Gabe. Herr Merton hatte ſeine Bedenllichkeiten, indeß Caroline ſtets ihr beſonderes Ver⸗ fahren; ſomit blieb das edle Noß(ohne Zweifel mit viel Erſtaunen und Verächtung) bei des Pfarrers Klepper und den braunen Wagenpferden. Das Geſchenk veranlaßte natürlich Spazierritte; es wargrauſam, den Araber gänz⸗ lich von ſeinen früheren Vekannten zu trennen. Wie konnte aber Eveline fortgelaſſen werden? Fveline, die niemals auf einem muthigeren Thiere geritten war, als auf einem alten Klepper. Ein ſchönes kleines Pferd, welches einer älteren Dame gehörte, welche jetzt für das Reiten zu be⸗ leibt wurde, ſollte in der Nähe verkauft werden. Mal⸗ travers enidecktesden Schatz und benachrichtigte Herrn Merton davon; er hegte zu viel Zartgefühl um Freigebig⸗ keit gegen die reiche Ecbin zu affektiren. Das Pferd⸗ward gekauft; kein Thier konnte einen ruhigeren Gang haben. Eoeline fürchtete ſich durchaus nicht. Man machte zwei oder drei kleine Spazierritte, bisweilen begleiteten Herr Merton und Maltravers allein die jungen Damen; bis⸗ weilen war die Geſellſchaft zahlreicher; Maltrapers ſchien gleiche Aufmerkſamkeit Carolinen und ihrer Freundin zu bezeigen. Eoelinens Unerfahrenheit im Reiten bot jedoch eine Entſchuldigung, ſich mehr an ihrer Seite zu halten. Maltravers und Eveline hatten tauſend Gelegenheiten mit einander zu verkehren; Eveline fühlte jetzt bei ihm keinen 126 weiteren Zwang; ihre muntere Heiterkeit, ihr phantaſie⸗ reicher, aber dennoch gereinigter Geiſt fand eine Stimme.. Maltravers merkte hald, daß Verſtand, Urtheil und Ein⸗ bildungskraft hinter i Einfachheit lauerte. Unmerklich nahm ſein Geſpräch einen höheren Schwung. Mit der Freiheit, welche ihm ſein reiferes Alter und ſein Ruhm ertheilte, miſchte er beredte Belehrung unter leichtere und unbedeutendere Geſprächsgegenſtände; er leitete der Eve⸗ line ernſten und gelehrigen Sinn nicht allein auf neue Felder geſchriebener Kunde, ſondern auf eben ſo viel feine oder erhabene Geheimniſſe der Natur. Er beſaß wiſſenſchaftliche wie literariſche Kenntniß von dem weiteſten Bereich; die Sterne, Blumen, die Erſcheinungen der phyſiſchen Welt boten Stoff, über den er mit der glühenden Liebe eines Dichters und der leichten Kunde eines Weiſen redeie. Herr Merton fühlte ſich durchaus behaglich, als er bevbachtete, daß wenig oder gar keine Empfinvſamkeit in das vertrauliche Geſpräch ſich miſchte; da er wußte, daß Maltravers mit Lumley genau bekannt geweſen war, ſchloß er auch, daß er deſſen Verlöbniß mit Eveline fannte. Mitlerweile ſchien Maltravers nicht zu wiſſen, vaß ſolch ein Weſen wie Lord Vargrave vorhanden ſei. Man muß nicht erßaunen, vaß die tägliche Gegenwatt, vie ſchmeichelnde Aufmerkſamkeit eines Monnes wie Mal⸗ travers in der Einbildungskraft, wo nicht im Herzen eines ſo empfänglichen Mädchens einen ſtarken Eindrud zuröckloſſen mußte. Eveline, ſchon zuvor zu ſeinen Gun⸗ ſten eingenommen und an eine Geſellſchaft, die ſo manchen Reiz vereinigte, gänzlich ungewöhnt, betrach⸗ tete ihn mit unaus ſprechlicher Verehrung; ſie war blind gegen die allerdings war ſeine oder zwei hervorgeb maßung 3 dige Läche weifung, Arger zeit Mann, ſocialen V bedenklich wunden; Wenn dieſ dere gezei der Geger köſtliche S auszulöſch den Ton; gabe ſtets ihr allein, teten, zeig ſten und derte ſich! Vielleicht Complime dies erklär gewöhnlic plötzlich i müſſen vo ntafie⸗ imme.. dEin⸗ erklich t der Ruhm ere und er Eve⸗ eFelder ne oder ftliche die en Welt be eines ete. , as er vſamkeit rwußte, ſen war, Eveline u wiſſen, nden ſei. genwatt, wie Mal⸗ n Herzen Eindrud nen Gun⸗ t, die ſo „betrach⸗ z blind 127 gegen die dunkleren Schatten ſeines Charakters; dieſe allerdings kamen ihr 4 zum Vorſchein. übrigens war ſeine verachtende und h Stimmung ein oder zweimal in 3 ſtig und hart hervorgebrochen. Gegen Thor eit, und An⸗ maßung zeigte er nur geringe Nachſicht. Das ungedul⸗ dige Lächeln, der heißende Sarkasmus, die kalte Zurück⸗ weiſung, welche kränken konnten, ohne daß man vabei Arger zeigen durfte, Alles dies verrieth in ihm den Mann, welcher ſich von der geglätteten Zurückhaltung ſocialen Verkehrs befreien wollte. Einſt war er viel zu bedenklich geweſen, die Eitelkeit Anderer nicht zu ver⸗ wunden; jetzt war er in dieſer Hinſicht zu gleichgültig. Wenn dieſer unliebenswürdige Charakterzug, gegen An⸗ dere gezeigt, Eveline erſtarrte vper erſchreckte, ſo war der Gegenſatz ſeines Benehmens gegen ſie ſelbſt eine zu eichelei, um nicht jede andere Erinnerung auszulöſchen. Für ihr Ohr milderte ſeine Stimme ſels den Ton; ſ Stele bengte ſich vor ihrer Faſſungs⸗ gabe ſtets wie Sympathie, nicht mit Herablaſſung; ihr allein, der Jungen, Blöden, nur halb Unterrich⸗ teten, zeigte er alle Vorräthe ſeines Wiſſens, die ſchön⸗ ſen und glänzendſten Farben ſeiner Seele. Sie wun⸗ derte ſich beſcheiden über einen ſo auffallenden Vorzug. Vielleicht konnte ihr ein plötz iches und etwas barſches Compiiment, das Maltravers einſt an ſie richtete, ihr dies erklären; eines Tages, als ſie freier und mehr wie gewöhnlich ſich mit ihr unterhalten hatte, brach er plötzlich in den Ausruf aus:„Miß Cameron, Sie müſſen von Ihrer Kindheit an zu ſchönen Seelen geſellt 128 geweſen ſein; ich ſehe ſhon, daß Ste von der Welt, ſo elend ſie iſt, zeine Anſteckung zu beſorgen haben. Ich hörte ſie von den verſchiebenartiaſten Dingen reten; über mauche iſt Ihre Kenntniß unvollommen; Sie haben aber niemals eine niedrige Idee vter eine falſche Em⸗ pfindung geäußert; Ihnen ſcheint Wahrheit durch innere Anſchauung ertheilt zu we den.“ Es war wirklich dieſe eigenthümliche Reinheit des Herzens, worin der hauptſächlichße Reiz in Eveline Cameron ſür den der Welt übervrüſſigen Mann beſtand. Aus dieſer Reinheit entſprangen, wie aus dem Herzen eines Dichters, tauſend neue und vom Himmel eingege⸗ bene Gedanken, welche eigene Weisheit in ſich ent⸗ hielten— Gedanken, welche den finſteren Zuhörer oft zur Jagend zurückführten und ihn mit dem Leben wieder ausſöhnten. Der weiſe Maltravers lernte von Eveline mehr wie Eveline von ihm. Jedoch befand ſich in Maltravers roch ein Zug, tiefer wie ein Zug des Temperaments, welchet mit letz⸗ terem nicht übereinſtimmte, ihr wie Anderen mehr auf⸗ ſiel; ſeine Verachtung für Alles, welches ihr junger und friſcher Enthuſiasmus zu ſchätzen gelernt hatte, für den Rahm, welcher ihn in ihren Blſcken theuer machte und weihte, vor ver Anfregung des Ehrgeizes und deſſen Belohnungen. Er ſprach mit bitterer Verachtung von großen Namen und größen Thaten.—„Es waren Kinder höheren Wuchſes,“ ſagte er eines Toges als Antwort auf ihre Vertheidigung der Sterne unſeres Geſchlechts;„ſie wurden von Spielzeug angelockt, wel⸗ ces ſo ärmlich wie die Kinderklapper und ein Pupper⸗ haus iſt. man dies das Com Spitze e ſeinen G ſtieß ſein auf die P welt von die kindi von jene in Zucker rede— e dies von kunft geſe Armuth digung fi Beweggrt den arme zu ſchwitz zeichneter thätigen zu erweiſ begeiſtert gehandelt ben nach( ſelbſſücht edlere Beſ Fanatism Narren d und höher Bulwet Welt, haben. reten; e hoben eEm⸗ innere heit des Eveline beſtand. Herzen eingege⸗ ich ent⸗ örer oft n wieder Ereline ein Zug, mit letz⸗ nehr auf⸗ jenger atte, ſür er machte und deſſen tung en Fs waren Toges als e unſeret lockt, wel⸗ Pupper⸗ 129 haus iſt. Wie viele wurden durch ihre Laſter groß, wie man dies ſo ſagt. Elende Liſt erwarb dem Themiſtorles das Commando; der liederliche Cäſar ſtellte ſich an die Spitze einer Armee und erwarb ſeine Lorbeeren, um ſeinen Gläubigern zu entgehen. Brutus, der Ariſlokrat, ſtieß ſeinen Wohlthäter nieder, vamit Patrizier wieber auf die Plebejer mit Füßen träten, und damit die Nach⸗ welt von ihm reden möge. Die Liebe des Ruhms iſt die kinbiſche Leidenſchaft bemerkt zu werden, wie ich von jenem Franzoſen einſt erfuhr, daß er 2000 Pfd. in Zuckererbſen angelegt habe, damit man von ihm rede— ein ärmlicher Wunſch! Iſt es nicht einerlei, ob dies von den Klatſchbaſen der Gegenwart oder der Zu⸗ kunft geſchieht. Einige Männer find zum Ruhm durch Armuth getrieben— das iſt allerdings eine Entſchul⸗ digung für die Mühe, vie ſie ſich gegeben haben; der Beweggrund iſt aber nicht ebler als berjenige, welcher den armen Pflüger dahin bringt, in der Mittagshitze zu ſchwitzen. In der That hat der größere Theil ausge⸗ zeichneter Männer, anſtatt vurch einen hohen und wohl⸗ thätigen Wunſch dem Menſchengeſchlechte Wohlthaten zu erweiſen oder die menſchliche Seele zu bereichern, begeiſtert zu werden, ohne anderen beſtimmten Zweck gehandelt oder geſchrieben, als um einem raßtloſen Stre⸗ ben nach Erregung zu genügen oder den Träumen eines ſelbſiſüchtigen Ruhmes ſich hinzugeben. Wurden ſie durch edlere Beſtrebungen beſenert, ſo hat dies nur zu wildem Fanatismus oder blutigem Verbrechen geführt. Welche Narren des Ruhms wurden je von tieferem Glauben und höherem Ehrgeiz beſeelt wie die verrückten Anhänger Bulwer, Alice. 1. 9 Mahomebs? Sie hatten den Glauben gelernt, es ſei eine Tugend, die Erde zu verheeren, und ſie würben mit einem Sprunge vom Schlachtfelde ins Paradies ge⸗ langen. Religion und Freiheit, Vaterlandsliebe, welche glänzende Beweggründe zum Handeln! Sehen Sie die Ergebniſſe, ſobald die Hanblung einmal bei ſo ſcharſen Beweggründen begonnen iſt; ſchauen Sie die Inquifi⸗ tion, die Schreckensherrſchaft, den Rath der Zehn und die Gefängniſſe von Venedig.“ Eveline konnte gegen dieſe düſteren Trugſchlüſſe nicht ankämpfen; allein ihr Inſtinkt der Wahrheit gab ihr eine Antwort ein. „Was wäre die Geſellſchaft, wenn alle Menſchen wie Sie vächten und nach Ihrer Theorie hanbelten? Keine Literatur, keine Kunſt, kein Ruhm, kein Patriotismus, keine Tugend, keine Civiliſativn! Sie zerlegen die Beweg⸗ gründe der Menſchen, wie können Sie gewiß wiſſen, ob Sie richtig urtheilen? Sehen Sie auf das Reſultat, auf unſere Wohlthaten, unſere Erleuchtung! Sind die Reſul⸗ tate groß, ſo iſt Ehrgeiz eine Tugend und nichts daran ge⸗ legen, welch ein Beweggrund ihn erweckt hat, Iſt dies nicht der Fall?“ Cveline ſprach errbihend und furchtſam. Maltravers, ungeachtet ſeiner Behauptungen war über ihre Antwort entzückt. „Sie ſchließen nich“ übel,“ ſagte er mit einem Lächeln; „ſind Sie aber auch deſſen gewiß, daß die Reſultate ſich ſo ergeben, wie Sie dieſelben malen? Clviltſation, Er⸗ leuchtung, ſind unbeſtimmte Ausdrücke, hohle Worte. Sein Sie unbeſorgt die Welt wird niemals ſo ſchließen, wie ich. Di Gold u mögen! vom Lel Fortſchr tion brit hekannt haben d Anbere gewöhnt wie er ſe cher dem Sklav ir bereicher der Men Gibt es theilte d lieners v bare Er welche f für das der gewq ken? W für beſſen taire ode Pitt, me worüber Dichter d Eine ant Menſche ſei rden ge⸗ elche e die arfen uiſi⸗ und nicht r eine en wie Keine ismus, zeweg⸗ en, ob at, auf Reſul⸗ ran ge⸗ Iſt dies travers, Antwort Lächeln; ltate ſich on, Er⸗ rte. Sein en, wie ich. Die Hanblung wird niemals ſtill ſtehen, ſo lang es Gold und Macht gibt. Das Schiff wird weiter fahren, mögen bie Galeerenſtlaven auch harauf ſchalten. Was ich vom Leben ſah, erweckt mir die kberzeugung, daß der Fortſchritt nicht ſtets eine Verbeſſerung iſt. Die Civiliſa⸗ tion bringt übel mit ſich, welche dem wilben Zuſtande un⸗ hekannt find, und umgekehrt. Menſchen aller Staaten haben daſſelbe Verhältniß des Glückes. Wir beurtheilen Andere nur mit Blicken, die an unſere eigenen Umſtände gewöhnt find. Ich ſah den Sklav, den wir bemitleiben, wie er ſeinen Feiertag mit einem Entzücken genoß, wel⸗ cher dem ernſteren Freien unbekannt iſt; ich ſah denſelben Sklav in Freiheit und durch das Wohlwollen ſeines Herrn bereichert; da aber war er nicht mehr heiter. Die Maſſen der Menſchen in allen Ländern ſind ſo ziemlich dieſelben. Gibt es im harten Norden größere Behaglichkeit, ſo er⸗ theilte die Vorſehung ber wollüſtigen Schlaffheit des Ita⸗ lieners vber der zufriebenen Apathie des Hindu eine frucht⸗ bare Erbe, einen herrlichen Himmel und eine Seele, welche für den Genuß ſo empfänglich iſt, wie Blumen es für das Licht ſind. Was können wir eitle Individuen in der gewaltigen Organiſation des Guten und Böſen bewir⸗ len? Wiezweifelhaft iſt der Ruhm derer, welche ammeiſten für deſſen Erwerbung arbeiten? Wer kann ſagen, ob Vol⸗ taire vder Napoleon, Cromwell oder Cäſar, Walpole oder Pitt, mehr Gutes oder Böſes gethan hat? Es iſt eine Frage, worüber Caſuiſten diſputiren können. Einige glauben, daß Dichter das Entzücken und die Lichter der Menſchen waren. Eine andere Philoſophenſchule hat ſie als Verberber des Menſchengeſchlechts, als Kuppler für falſchen Kriegsruhm, 132 für weibiſchen Geſchmack, für bie Pflege ber Leibenſchaften ſtatt der Vernunft behandelt; ſogar diejenigen, welche Er⸗ findungen benrkten, wodurch die Oberfläche der Erde verändert wurde, der Erfinder der Buchdruckerkunſt, des Schießpulvers, der Dampfmaſchinen— Männer als Wohl⸗ thäter von dem nicht nachdenkenden großen Haufen, oder den angeblichen Weiſen begrüßt— ſogar auch dieſe haben früher unbekannte übel eingeführt. Jede neue Verbeſſe⸗ rung der Maſchinen beraubte Hunderte ihrer Nahrung. Die Civiliſation iſt das immerwährende Opfer einer Ge⸗ neration für vie nächſte. Ein fruchtbares Gefühl von der Machtloſigkeit menſchlicher Kräfte hat die erhabenen Be⸗ ſtrebungen für das Wohl der Menſchheit, denen ich einſt mich hingab, niebergedrückt. Was mich ſelbſt betrifft, ſo ſchwebe ich auf dem Meere ohne Pilot und Steuerruder umher und überlaſſe mich leitend den Winben, welche die Hauche Gottes find. Dies Geſpräch hinterließ einen tiefen Einhruck bei Gveline und hauchte ihr ein neues Intereſſe für einen Mann ein, in welchem ſo viele ehle Eigenſchaften daburch betäubt und erſtarrt waren, daß er ſich hinſichtlich ſeiner ſelbſt einer Sophiſtik überließ; obgleich noch ein Mäd⸗ chen, empfand ſie doch, daß letztere ſeiner Gaben durch⸗ aus unwürdig waren. Dieſer Irrthum in Maltravers brachte ihn ihrem Herzen näher, indem er ſeine ſonſtige überlegenheit mit ihr ins Niveau ſetzte. Ach, könnte ſie ihn ſeinem Geſchlechte zurückgeben! Der Wunſch war gefährlich, allein für ſie berauſchend und erfüllte ſie gänzlich. Wie ſüß waren jene ſchönen Abende im holben Juni! Wie entfalteten ſich die ſanften und geſelligen Färbungen von daß zählt wahr borge Inſch tafier ſie gl Wärt heren ſeine die U allein wirkte unter zum ſ der F Freun traver dem 2 verſche lingsſi ſchmäl ihrem es blie lieben aften e Er⸗ Erde „ des Vohl⸗ oder haben beſſe⸗ hrung. r Ge⸗ on der nBe⸗ h einſt etrifft, rruber che die uck bei einen aurch ſeiner Mäd⸗ durch⸗ travers ſonſtige könnte ſch war änzlich. 1Juni! bungen von Maltravers Charakter, wann er ben Kinbern erlaubte, daß ſie ihn ſo lange plagten, bis er von den Wundern er⸗ zählte, die er in fernen Landen geſehen hatte! In dem wahren Genius liegt ſo viel Neigung zur Spielerei ver⸗ borgen, daß es beinah ſcheint, er könne nie altern. Die Inſchrift, welche die Jugend auf die Tafeln einer phan⸗ tafiereichen Seele ſchreibt, wirb niemals gänzlich verwiſcht; ſie gleicht einer unſichtbaren Schrift, welche durch Licht und Wärme allmählig ſichtbar wird. Bringt einen Mann hö⸗ heren Geiſtes mit der Jugend in Verkehr, ſo wird ihm ſeine eigene Jugenb erneut. Eveline bemerkte beßhalb nicht die Ungleichheit der Jahre zwiſchen ſich und Maltravers; allein die Ungleichheit des Wiſſens und der geiſtigen Kraft wirkte für den Augenblick parauf hin, der Gleichheit zu unterſagen, ohne welches die Liebe bei Weibern nur ſelten zum ſtarken Gefühle wirb. Nicht ſo iſt es bei Männern der Fall. Allmählig ward ſie immet mit ihrem finſteren Freunde vertrauter; in jener Vertraulichkeit lag für Mal⸗ travers ein gefährlicher Zauber. Sie konnte ihm in je⸗ dem Augenblick burch Lachen ſeine finſteren Träumereien verſcheuchen, mit niedlicher Hartnäckigkeit ſeinen Lieb⸗ lingsſätzen widerſprechen, ſogar mit bezauberndem Ernſte ſchmälen, wenn er nicht immer ihren Wünſchen und ihrem Eigenfinn zu Befehl ſtand. Damals ſchien es ge⸗ wiß, daß Maltravers ſich in Eveline verlieben würde; es blieb jedoch ſehr zweifelhaft, vb Eveline ſich in ihn ver⸗ lieben könne. Siebentes Kapitel Ziehe die Segel dir ein, Daß zu dem Ufer Dich fahre der nahende Kahn. Seneca. „Hat nicht Miß Cameron ſchöne Geſichtszüge?“ fragte Herr Merton Maltravers, während Eveline, des Complimentes unbewußt, in einiger Entfernung ſaß, indem ſie ihre Augen auf Sophie niederrichtete, welche Geflechte in einem Stickrahmen auf ihren Knieen wob. Sie ſagte Lerſelben, nicht laut zu ſprechen, denn Merton ertheilte Maltravers einige nützliche Belehrung hinſicht⸗ lich der Verwaltung ſeines Gutes, und Eveline war ſchon an Allem intereſſirt, was ihren Freund intereſſiren konnie. Eveline Cameron beſaß eine, beim weiblichen Geſchlecht ausgezeichnete Eigenſchaft; ungeachtet ihrer Heiterkeit war ſie ruhig! Unter dem Dach ihrer ſin⸗ nenden und ſchweigenden Muiter hatte ſie ſich die Ge⸗ wohnheit, niemals Andere zu ſtören, angeeignet. Welch ein glückliches Geheimniß liegt in dem Verkehr des häus⸗ lichen Lebens! „Hat nicht Miß Cameron ſchöne Geſichtszüge?“ Maltravers fuhr bei der Frage auf; ſie war in dem Augenblick eine überſetzung ſeiner eigenen Gedanken; er unterdrückte den Enthuſiasmus, welcher ſich zu ſei⸗ ner Lippe erhob, und ſagte ruhig:„Wirklich, ſehr ſchön.“ „Und ſo ſanft und unaffektirt— fſie iſt auf be⸗ wunderungswürdige Weiſe auferzogen worden; ich glaube, Lady Vargrave iſt eine exemplariſche Dame; Miß ſein; blaß „ iyh 1 de 1W Lords unter tillſc Sie n V nerun hört, aber damal Seele ſchwu greve an Lo Rede dies wenn A Erreg dem 2 raſchu der P Kahn. üge7 ne, des ig ſaß, welche n wob. Rerton inſicht⸗ ine war reſſiren iblichen et ihrer rer ſin⸗ die Ge⸗ . Welch es häus⸗ üge?“ rin dem edanken; ch zu ſei⸗ ich, ſehr ſtauf be⸗ den; ich he Dame; 135 Miß Cameron wird wirklich ihrem Verlobten eln Schatz ſein; er iſt zu beneiden.“ „Ihr Verlobter!“ ſagte Maltravers, indem er ſehr blaß wurde. „Ja, Lord Vargrave. Wiſſen Sie nicht, daß ſie iy von ihrer Kindheit an verlobt geweſen iſt? Es war de Wunſch, ober vielmehr der Befehl des verſtorbenen Lords, welcher ihr ſein ungeheures Vermögen, wo nicht unter der als unumgänglich ausgeſprochenen, doch als ſtillſchweigend verſtandenen Vedingung hinterließ. Haben Sie nie davon gehört?“ Während Herr Merton dies ſagte, kam die Erin⸗ nerung plötzlich über Maltravers. Er hatte ja ſeibſt ge⸗ hört, wie Lumley dieſes Berhältniß erwähnte; dies aber geſchah in der Krankenſtube der Florence, war damals wenig von ihm beachtet worden, und aus ſeiner Seele durch tauſend andere Gedanken und Scenen ver⸗ ſchwunden. Herr Merton fuhr fort:„Wir erwarten Lorb Var⸗ gräve hier in Kurzem; wie ich vermuthe, iſt er ein heißer Liebhaber; allein das öffentliche Leben kettet ihn ſo ſehr an London. Neulich hielt eine bewunderuntswürdige Rede im Oberhauſe, wenigſtens ſcheint unſere Partei dies zu glauben. Beide ſollen verheirathet werden, wenn Miß Cameron des achtzehnte Jahr erreicht hat.“ An Erdulden gewöhnt, und in der ſtolzen Kunſt, Erregung zu verbergen, geſchickt, verrieth Maltravers dem Blicke des Herrn Merton kein Symptom der über⸗ raſchung oder des Kummers bei dieſer Nachricht. Hatte der Pfarrer früher Vervacht gefaßt, daß⸗Maltravers 136 vnrch mehr als durch Bewunberung der Schönheii ge⸗ r rt ſei, ſo wäre der Verdacht verſchwunden, als er von ſeinem Gaſte die kalte Antwort vernahm:„Ich hoffe, Lord Vargrave wird ſein Glück verbienen. Um jedoch zu Herrn Juſtis zurückzukehren, ſo beſtätigen Sie meine Meinung von jenem glattzüngigen Herrn.“ Das Geſpräch wandte ſich wieder zum Geſchäft. Zuletzt erhob ſich Maltravers, um zu gehen. „Wollen Sie heute nicht mit uns ſpeiſen?“ fragte der gaſtfreie Pfarrer „Vielen Dank, nein; ich habe auf einige Tage ſehr viel Geſchäfte zu Hans.“ „Küſſen Sie Sophie, Herr Ernſt. Sophie, ſei heute ein artig Kind; laß den hübſchen Schmetterling fort, weil Eveline ſagte, es ſei grauſam, ihn in dem Kartenfutteral einzuſchließen; küſſen Sie Sophie.“ Maltravers nahm das Kind, deſſen Herz er voll⸗ kommen gewonnen hatte, auf den Arm, küßte es zärt⸗ lich, trat zu Cveline und hielt ihr die Hand hin, während ſein Auge mit tiefer und trauriger Theilnahme, die ſie verſtehen konnte, auf fie geheftet war. „Gott ſegne Sie, Miß Cameron,“ ſagte er, und ſeine Lippe zitterte. Tage vergingen und die Mertons ſahen Maltravers nicht mehr; er entſchuldigte ſich bei allen Einladungen des Pfarrers bald unter dem Vorwand von Geſchäf⸗ ten, bald von anderen Einladungen. Herr Merton nahm ohne Argwohn die Enutſchuldigung an, denn er wußte, daß Maltravers nothwendig ſehr beſchäftigt ſein mußte. D Grafſe welche ihre G freund hei M welche Einlad Dies 1 in der Herr Rentm Seine rechtig „ ſen hat darübe Grund ter erd find m tel ver Pächte (weßha Leſchra ſchaft. nungsl vokatet müſſen Ihrer eii ge⸗ er von hoffe, jedoch meine ſchäft. fragte ge ſehr ie, ſei tterling in dem ie.“ er voll⸗ es zärt⸗ vährend „die ſie er, und ltravers adungen Geſchäf⸗ Merton denn er tigt ſein 137 Die Nachricht ſeiner Ankunft hatte ſich jetzt in der Grafſchaft verbreitet, und diejenigen Seinesgleich„ welche noch ſonſt in B— ſhire wohnten, eilten herbei, bin ihre Glückwünſche anzubringen und Maltravers ihre Gaſt⸗ freundſchaft aufzunöthigen. Vielleicht war es der Wunſch, hei Merton gültige Entſchuldigungen vorzubringen, welche den Herrn von Burleigh bewogen, den anderen Einladungen, womit er überhäuft wurde, anzunehmen. Dies war aber noch nicht Alles; Maltravers erlangte in der Nachbarſchaft den Ruf eines Geſchäftsmannes. Herr Juſtis ward plötzlich entlaſſen; mit Hülfe des Rentmeiſters ward Maltravers ſein eigener Verwalter. Seine Abſchiedsrede an jene Perſon war charakteriſtiſch für Maltravers durch ein Gemiſch von Härte und Ge⸗ rechtigkeit. „Herr,“ ſagte er, als ſie ihre Rechnung abgeſchloſ⸗ ſen hatten,„ich entlaſſe Sie, weil Sie ein Schuft ſind; darüber kann kein Streit herrſchen. Sie haben Ihren Grundeigenthümer geplündert, und dennoch ſeine Päch⸗ ter erdrückt und die Armen vernachläſſigt. Meine Dörfer find mit Armen gefüllt, meine Einkünfte um ein Vier⸗ tel vermindert; und dennoch, während einige meiner Pächter nur dem Namen nach Zins zu zahlen ſcheinen (weßhalb, wiſſen Sie am beſten), ſind andere höher geſchraubt, wie auf irgend einem Gute in der Graf⸗ ſchaft. Sie ſind ein Schuft, Herr Juſtis, Ihr Rech⸗ nungsbuch zeigt das; ſchickte ich vaſſelbe an einen Ad⸗ vokaten, ſo würden Sie mir eine Summe erſtatten müſſen, die ich ſehr vortheilhaft auf vie Ausgleichung Ihrer Fehler würde verwenden können.“ „Ich hoffe, Herr,“ ſprach der Verwalter, ſeiner Schuld ſich bewußt und beſtürzt,„daß Sie mich nicht zu Grunde richten werden; müßte ich Ihnen Summen erſtatten, ſo würde ich ins Schuldgefängniß kommen.“ „Sein Sie unbeſorgt, Herr; es iſßt gerecht, daß ich eben ſo wohl leide, wie Sie. Die Vernachläſſigung mei⸗ ner Pflichten führte Sie in Verſuchung, ein Schelm zu werden. Sie waren ehrlich unter dem wachſamen Auge von Herrn Cleveland. Sie mögen ſich mit Ihrem Ge⸗ winn zurückziehen; ſind Sie gänzlich verhärtet, ſo kann Sie keine Strafe berühren; iſt dies nicht der Fall, ſo iſt Ihre Strafe genügend, daß Sie dort grauhaarig und mit einem Fuße im Grabe ſtehend, ſich einen Schurken nennen hören, und ſehr wohl wiſſen, daß Sie ſich nicht vertheidigen können. Gehen Sie.“ Maltravers heſchäftigte ſich zunächſt mit allen An⸗ gelegenheiten, die ein ſchlecht verwaltetes Gut ihm auf⸗ bürvete. Er ſchaffte ſich einige Pächter vom Halſe, ließ andern nach Billigkeit in der Pacht nach, nahm Arbeiter für eine Menge Verbeſſerungen in Anſpruch, achtete ſorgfältig auf die Armen, nicht aber mit der Schwäche eines ſorgloſen, nicht unterſcheidenden Mitleids, wo⸗ durch man Popularität ſo leicht erwirbt und die Unob⸗ hängigkeit ſo leicht entwürdigt. Den Ehrgeiz unb die Nachelferung, die er ſich ſo vergeblich ſelbſt abläug⸗ nete, erkannte er als die nützlichſten Hebel bei den armen Taglöhnern, deren Charaktere er ſtudirte und bei venen er den Wunſch, daß ſie ihren Zuſtand zu beſſern frebten, zu erwecken ſuchte. Ohne ſelbſi es zu ahnen, widerlegte er durch ſeine Handlungsweiſe ſeine Theorien; die M Grafſe ſeine be gab iht geltend um alt wollen Grund Verwa zweck d haltun viduell der Gt allgem ſtrenge er fuͤr Geſetz ſchalen hieten thätigk Maltr⸗ gen, di Schwä Mang — der Sp tare. D Klauen verdien vattuge geben k „ſeiner ch nicht ummen mmen.“ daß ich ing mei⸗ chelm zu en Auge rem Ge⸗ „ſo kann l, ſo iſt arig und Schurken ſich nicht Ulen An⸗ ihm auf⸗ alſe, ließ nArbeiter , achtete Schwäche eids, wo⸗ die Unah⸗ z unb die ſt abläug⸗ el bei den te und bei zu beſſern zu ahnen, Theorienz 139 die Mißbräuche des alten Armengeſetzes waren in ſeiner Grafſchaft gereift; ſein ſchneller Blick und vielleicht ſeine befehlshaberiſche Gewohnheit, ſchnell zu entſcheiden, gab ihm mehre ver beſten Verfahrungsweiſen des jetzt geltenden Geſetzes an die Hand; er war jedoch zu weiſe, um als bloßer Philoſoph ein Syſtem durchführen zu wollen. Er verſuchte nicht zu viel; er erkannte einen Grundſatz, den die vom neuen Armengeſetz geſchaffene Verwaltung noch nicht genug entdeckt hat. Ein Haupt⸗ zweck des neuen Armengeſetzes war der, durch Nieder⸗ haltung öffentlicher Mildthätigkeit die Thätigkeit indi⸗ viduellen Wohlwollens deſto mehr anzuregen. Wenn der Grundeigenthümer oder der Geiſtliche bei einem allgemeinen und heilſamen Geſetz einzelne Beiſpiele von ſtrenger Unterdrückung oder Härte auffindet, ſo ſollte er für dieſe einzelnen Fälle handeln, anſtatt gegen das Geſetz zu ſchmähen; Privatmildthätigkeit ſollte die Wag⸗ ſchalen gleichhalten und ſtets die Ausgleichung dar⸗ bieten, wo ein gerechter Mangel von nationaler Mild⸗ thätigkeit ſich zeigt.“ Hierauf achtete hauptſächlich Maltravers in den veränderten und klugen Anordnun⸗ gen, die er auf ſeinen Gütern zu treffen gedachte. Alter, Schwäche, augenblickliche Verlegenheit, unverdienter Mangel fand an ihm einen ſtandhaften, wachſamen, „ Der Gegenſtand der Kirchſpielreform iſt nicht allein der der Sparſamkeit, nicht allein eine Herunterſetzung der Armen⸗ taxe. Der, welcher ſie zahlt, ſollte bedenken, daß jemehr er den Klauen des handſeſten Bettlers entreißt, er deſto mehr auch un⸗ verdientem Unglück geben ſollte. Ohne die Milderung der Pri⸗ vattugend würde jedes Geſetz, welches wohlwollende Menſchen geben könnten, zu hart ſein. 140 Knermübeten Freund. In dieſen Arbeiten, die er mit ungewöhnlicher Schnelle und mit der Kraft eines ein⸗ zigen Zweckes und einer ſtrengen Seele begann, kam MWaltravers nothwendig in Berührung mit den benach⸗ barten Friedensrichtern und Landebelleuten. Er be⸗ kämpfte übel und beförberte Zwecke, worin Alle gleich intereſſirt waren; ſein kräftiger Verſtand und ſein frü⸗ herer parlamentariſcher Ruhm, verbunden mit der Ach⸗ tung, welche in Provinzen ſtets mit alter Geburt ver⸗ knüpft iſt, gewannen ihm allgemeine und unerwartete Gunſt für ſeine Anſichten. In ber Pfarrei hörte man fortwährend von ihm nicht allein von gelegentlichen Be⸗ ſuchern, ſondern von Herrn Merton ſelbſt, mit dem er ſtets zuſammentraf. Er hielt ſich aber bleibend vom Hauſe entfernt. Jebermann, nur nicht Herr Merton, vermißte ihn dort, ſogar Caroline, deren fähige, ob⸗ gleich weltlich geſinnte Seele ſein Geſpräch zu würdigen wußte. Die Kinder beklagten ihren Geſpielen, welcher weit freundlicher geweſen war wie jemals ihre Brüder mit ſteifen Halsbinden; Eveline war wenigſtens ernſter und nachdenklicher wie je zuvor, und das Geſchwätz Anderer erſchien ihr ermübend, abgetreten und albern. War Maltravers in ſeinen neuen Beſtrebungen glücklich? Sein Seelenzuſtand ließ ſich damals nicht wohl erkennen. Sein männlicher Geiſt kämpfte hart gegen ein Gefühl, das zur Leidenſchaft geworden war. Allein des Nachts drängte ſich in ſeinem einſamen⸗ freuveloſen Hauſe ein Gebild auf, zu ſchön, als daß er ſich ihm hätte hingeben ſollen. Dann fuhr er aus ſeiner Träumerei empor und ſagte zu ſeinem rebelliſchen Her⸗ zen:„2 gilt in weniger mern ha betrüger Son ſich in ſi maten, regunget In der: und vere gen, ohr ſich der( ihren Br weitern; rannei d fich belel geſunde vinz, da und zum vom Sk ſeinen N freier S Weisheit es der H allein,„ auch aus Ausdruch Natur d er mit nes ein⸗ n, kam benach⸗ Er be⸗ e gleich ſein frü⸗ der Ach⸗ burt ver⸗ rwartete t man chen Be⸗ mit dem end vom Merton, hige, ob⸗ würdigen „welcher e Brüder ns ernfler Heſchwätz d albern. pfte hart rden war. einſamen, als daß er aus ſeiner chen Her⸗ 141 zen:„Noch wenige Jahre und du wirſt ſtill ſein. Was gilt in dieſem kurzen Leben ein Schmerz mehr oder weniger? Beſſer, daß du dich um Nichts zu beküm⸗ mern haſt! So kannſt du das Schickſal täuſchen, deinen betrügeriſchen Feind! Sei zufrieden, doß du allein biſt!“ Somit war es ein Glück für Maltravers, daß er ſich in ſeinem Geburtslande befand, und nicht in Kli⸗ maten, wo Vergnügen eher in der Aufſuchung von Auf⸗ regungen, wie in der Befolgung von Pflichten beſteht! In der rauhen Luft des freiſinnigen Englands ſtärkte und veredelte er ſeinen Charakter und ſeine Beſtrebun⸗ gen, ohne daß er es ſelbſt wußte. Unſre Inſel rühmt ſich der Gabe, daß der Sklav frei wird, ſobald ſein Fuß ihren Boden berührt. Dieſer Ruhm läßt ſich noch er⸗ weitern; wo das Leben der Civiliſation durch die Ty⸗ rannei des centralifirenden Deſpotismus nicht gehemmt, ſich belebend, raſtlos, blühend, durch jede Ader eines geſunden Körpers ergießt, erhebt die entfernteſte Pro⸗ vinz, das unbedeutendſte Dorf uns zur Kraftäußerung und zum Bürgerthum. Der Geiſt der Freiheit, welcher vom Sklaven die Kette ſtreift, feſſelt den Freien an ſeinen Nebenmenſchen. Dies iſt die Religion der Frei⸗ heit. Deßhalb geſchieht es, daß die ſtürmiſchen Kämpfe freier Staaten mit den Reſultaten der Jugend, der Weisheit und des Genius geſegnet ſind.— So fügte es der Höchſte, der uns einander zu lieben gebot— nicht allein, weil Liebe an ſich vorzüglich iſt, ſondern weil auch aus der Liebe(im weiteren Sinne nur ein geiſtiger Ausdruck für Freiheit) Alles entſpringt, was in unſerer Natur das Werthvollſte bleibt. Drittes Buch. Rauhes ja mildert er, und beſänftigt das Herz⸗ Solon, Fragment. Erſtes Kapitel. Ihr ſeid geblieben, was 6 Ihr ie geweſen. Auch gut verſtand er ſchnel zu behn und dann Zurückzukehren, Knoten euch zu ſchürzen, Und ſie zu löſen Rath dabei zu geben, Der ſtets zwei Spitzen bot. Volpone, der Fuchs. Lumley, Lord Vargrave, ſaß vor einem großen mit Parlamentspapieren bedeckten Tiſche. Seine Geſichts⸗ farbe, obgleich noch friſch, hatte von ver Friſche, wo⸗ durch ſie ſich während ſeiner Jugend auszeichnete, Eini⸗ ges verloren. Seine Züge, ſtets ſcharf, waren noch eckiger geworden; ſeine Brauen ſchienen ſich mit ſtärkerem Ausdruck des Brütens auf ſeine Augen zu ſenken, welche von ihrer ſchnellen Raßtloſigkeit viel verloren hatten. Der Charakter ſeiner Seele haite ſich ſeinem Geſicht einzuprägen begonnen; letzteres war durch den Ausdruck ſchlauer Schärfe und großer Wil⸗ lenskraft auffallend; es ſtand jedoch Etwas darauf geſchrieben, welches Hütet Euch auszuſprechen ſchien Jeber mußte empfir Lu gleich Außer Jugen mers b das He weiſe„ zu milt heren( den erf ſein gar an dem Ton de vereinig ſeine vr bei gew ſellſcha eine nüt von wir auf eine thobiſch ſeine A verſunke für die Vo gelangt ſchreite nent. eſen. und dann rzen, ben, hs. oßen mit Geſichts⸗ ſche, wo⸗ te, Eini⸗ aren noch ſich mit e Augen igkeit viel hatte ſich teres war oßer Wil⸗ as darauf hen ſchien⸗ 143 Jebermann, der viel mit Menſchen verkehrt hatte, mußte dabei unbeſtimmten Verdacht und Mißtrauen empfinden. Lumley war in ber Kleidung ſtets ſorgfältig, vb⸗ gleich einfach geweſen. Jetzt aber verwandte er auf ſein Außeres offenbar größere Sorgfalt, wie jemals in ſeiner Jugend. Auf ſeiner Stirn fand ſich etwas von des Rö⸗ mers berühmter Ziererei in der Geſchicklichkeit, wwmit das Haar auf der Stirn geordnet war, um eine theil⸗ weiſe Kahlheit der Schläfen entweber zu verbergen oder zu mildern. Vielleicht auch hatte ſich wegen ſeiner hö⸗ heren Stellung oder nur durch die Gewohnheit unter den erſten Ständen zu leben, eine gewiſſe Würde über ſein ganzes Weſen verbreitet, welches in ſeiner Jugend an demſelben nicht hemerkbar war, worin ein gewiſſer Ton de garnison mit Leichtigkeit des Benehmens ſich vereinigte; dennoch war die äußere Würde auch jetzt nicht ſeine vorherrſchende charakteriſtiſche Eigenthümlichkeit; bei gewöhnlichen Gelegenheiten, oder in gemiſchter Ge⸗ ſellſchaft, übte er noch den vertraulichen Freimuth als eine nützlichere Art der Verſtellung. Zu der Zeit, wo⸗ von wir jetzt reden, ſtützte Lord Vargrave ſeine Wange auf eine Hand, während die andere müßig auf den me⸗ thodiſch vor ihn hingelegten Papieren ruhete. Er ſchien ſeine Arbeiten unterbrochen zu haben und in Nachdenken verſunken zu ſein. Auch war dieſe Periode ſehr kritiſch für die Laufbahn des Lord Vargrave. Vom Augenblick an, wo Lumley Ferrers zur Pairie gelangte, war ſein Steigen weniger ſchnell und fort⸗ ſchreitend geweſen, wie er es vorherſehen konnte. Zuerſt war alles vor ihm Sonnenſchein; es war ihm gelungen, ſich ſeiner Partei nützlich zu machen; perſönlich auch war er populär geworden. Zur Leichtigkeit und Herz⸗ lichkeit ſeines trefflichen Benehmens fügte er ſcheinbar eine ſorgloſe Aufrichtigkeit hinzu, die man irrigerweiſe ſo häufig für Ehrlichkeit hält; da in ſeinen Fähigkeiten oder in ſeiner Rednergabe nichts Prunkendes oder Glän⸗ zendes, überhaupt keine Eigenſchaft ſich vorfand, die ſich über die Anſprüche Anderer zu erheben trachtete, und Neid durch Kränkung der Selbſtliebe erweckte, ſo veranlaßte er ſogar nur wenig Eiferſucht bei Nebenbuh⸗ lern, vor denen er den Vorzug erlangte. Einige Zeit ſchritt er leiſe deßhalb vorwärts, indem er fort⸗ fuhr, ſich im Anſehen bei ſeiner Partei zu heben und eine gewiſſe Achtung beim neutralen Publikum ſich zu erwerben, da er anerkannte und ausgezeichnete Talente für die Einzelnheiten ber Geſchäfte beſaß. Sein ſchneller Verſtand und ſeine Gewohnheit kogiſchen Denkens ſetz⸗ ten ihn in den Stand, alle Einzelnheiten offizieller Ar⸗ beiten, oder der Beſtimmungen hinſichtlich der Ge⸗ ſetzgebung mit meiſterhaftem Erfolge aufzufaſſen und unter allgemeine Geſichtspunkte zu bringen. Als aber der Pfad für ſeine Schritte ebener wurde, lag auch ſein kecker Ehrgeiz mehr am Tage. Von Charakter be⸗ fehleriſch und anmaßend, haite er ſeine frühere Geſchmei⸗ vigkeit gegen Obere mit eigenwilliger Hartnäckigkeit jetzt vertauſcht, welche den ſolzen Parteiführern vft mißfiel, und die eitleren verletzte. Seine Anſprüche wurden jetzt mit eiferſüchtigeren und weniger toleranten Blicken wie früher geprüft. Stolze Ariſtokraten erin⸗ nerten ärmlich blenden krämer für die lor vie Geheim aber erl blikums welche r worin e hatten. der nach Lord Ve mit Sch ken Ver ihm und letzteres Partei Lord Vq nung des daß ſein Miniſte einer Re daß er ſi erhielt e hatte, 3 eigentlich Zorn un ach! er n Bulw ungen, h auch Sert⸗ einbar erweiſe gkeiten Glän⸗ d, vie achtete, ckte, ſo enb⸗ Einige er fort⸗ en nd ſich zu Talente ſchneller ens ſetz⸗ ller Ar⸗ e Ge⸗ ſen und Als aber lag auch akter be⸗ eſchmei⸗ äckigkeit rern oft nſprüche oleranten ten erin⸗ 145 nerten ſich, daß die neugebackene Pairie nur vurch ein ärmliches Vermögen gehalten ward. Männer von mehr blendenden Geiſtesgaben begannen über den Kleinigkeits⸗ krämer von Miniſter zu ſpotten, als ſei verſelbe nur für die vffiziellen Einzelnheiten zu gebrauchen; er ver⸗ lor viel von der perſönlichen Beliebtheit, welche ein Geheimniß ſeiner Gewalt geweſen war. Am meiſten aber erlitt er in den Augen ſeiner Partei und des Pu⸗ blikums durch gewiſſe geheime Umſtände Schaben, welche mit einer kurzen Periode in Verbindung ſtanden, worin er ſelbſt und ſeine Collegen ihre Amter verloren hatten. Auffallend war es damals, daß die Zeitungen der nachfolgenden Regierung ſich beſonders höflich gegen Lord Vargrave zeigten, während ſie alle ſeine Collegen mit Schmähung überſchütteten. Man hegte einen ſtar⸗ ken Verdacht, daß geheime Unterhandlungen zwiſchen ihm und dem neuen Miniſterium im Werke wären, als letzteres ſich plötzlich auflöste und Lord Vargrave's Partei wieder ans Ruder kam. Der unbeſtimmte, mit Lord Vargrave verknüpfte Verdacht ward in der Mei⸗ nung des Publikums noch durch die Thatſache verſtärkt, daß ſein Name ſich in der Liſte des wiedereingeſetzten Miniſteriums zuerſt nicht vorfand; als er hierauf nach einer Rede wieder eingeſetzt wurde, worin er bewies, daß er ſchaden könne, wenn man ihn nicht beſänftige, erhielt er allein daſſelbe Amt, das er früher bekleidet hatte, zurück— ein Amt, welches ihm keinen Sitz im eigentlichen Kabinet ertheilte. Lumley enthrannte in Zorn und wünſchie das Amt zurückzuweiſen— aber ach! er war arm, und noch ſchlimmer verſchulbet:„ſeine Bulwer, Alice⸗ 1. 10 146 Armuth, nicht ſein Entſchuß willigte ein“. Er ward wieder in ſein Ami eingeſetzt; obgleich er in den De⸗ batten größere Gewandtheit zeigte, hatte er dennoch als Staatsmann keine Fortſchritte gemacht. Da ſein Ehr⸗ geiz durch Unzufriebenheit geſteigert war, hatte er ſeit ſeiner Rückkehr ins Miniſterium jeden Nerv angeſtrengt, ſeine Stellung zu befeſtigen. Er mußie Spöttereien üher ſeine Armuth vernehmen, da er noch ſeinen Auf⸗ wand ſteigerte, und überall ſein Verlöbniß mit einer Erbin verkündete, deren Vermögen, ſo groß es auch ſein mochte, in Gerüchten noch mehr zu vergrößern ihm leicht gelang. Da ſein altes Haus in Great⸗George⸗ Street, welches für den geſchäftigen Gemeinen ſich trefflich eisnete, für den beamteten und modiſchen Pair nicht länger paßte, hatte er, als er zu dem Titel ge⸗ langte, daſſelbe mit einem großen Hauſe auf Hamilton⸗ Place vertauſcht; auf ſeine einfachen Mittageſſen folgten glänzende Feſte. Seinem Charakter nach hatte er keine Frende an ſolchen Dingen; ſein Geiſt war zu nervös und die Stimmung ſeines Temperaments zu fühllos, um Vergnügen am Lurus oder am Prunk zit finden. Allein auch jetzt, wie ſtets früher, handelte er nach einem Syſteme. Da er in einem Lande lebte, welches von der mächtigſten und reichſten Ariſtokratie der Welt regiert wird, wo äußerer Prunk von den höchſten bis zur niedrigſten Klaſſe ſich überall vorfindet(gleichſam als Rückgrat und Mark der Geſellſchaft)— ſo empfand er ſehr wohl, daß er ſeinen Nebenbuhlern, im Fall er ihnen hinſichtlich des Aufwandes nachſtand, einen Vor⸗ theil in die Hand gab, den er nicht wieder ausgleichen konnie, noch du ſich ein Solgen Privatv er groß Gerecht Zweck, nicht ge Staatsi dadurch einbilde vermöge weiſe zu verpfän dieſer M licher G deten T ſchickten Steis in zu ſehr betrügen den Bet Niemals war, ſie trag dei Zwecke aber auf dieſe ih auch wo ward De ch als Ehr⸗ er ſeit trengt, tereien n Auf⸗ t einer s auch rn ihm Heorge⸗ en ſich n Poair itel ge⸗ milton⸗ folgten er keine nervös fühllos, finden. er nach welches der Welt hſten bis gleichſam empfand 147 konnte, weder burch den Einfluß ſeiner Verbindungen, noch durch Charakter und Genie. Da er in hohes Spiel ſich eingelaſſen hatte, und die Augen hinſichtlich aller Solgen ſiets offen hielt, war es ihm gleichgültig, ſein Privatvermögen in eine Lotterie zu ſetzen, in welcher er großen Gewinn erwarten konnte. Um Vargrave Gerechtigkeit zu erweiſen, ſo war das Geld ihm nie Zweck, ſondern allein Miitel— er war habſüchtig, aber nicht geizig. Wenn reichere Leute wie Vargrave hohe Staatsämter als ſehr koſthar erkennen und ſich oft vadurch zu Grunde richten, ſo kann man ſich wohl einbilden, daß ſein Gehalt mit dem mäßigen Privat⸗ vermögen nicht genügte, um die Ausgaben ſeiner Lebens⸗ weiſe zu decken. Sein Einkommen war ſchon bedeutend verpfänvet und Schuld auf Schuld gehäuft. Auch beſaß dieſer Mann, ſo ausgezeichnet für die Führung öffent⸗ licher Geſchäfte, keines der auf Gerechtigkeit begrün⸗ deten Talente, wodurch der Beſitzer derſelben zum ge⸗ ſchickten Leiter ſeiner eigenen Angelegenheiten wirb. Stets in Intriguen und Entwürfe vertieft, war er viel zu ſehr beſchäftigt, Andere nach großem Maßſtabe zu betrügen, als daß er Zeit gehabt hätte, ſich ſelbſt gegen den Betrug Anderer in kleinerem Maßſtabe zu ſchützen. Niemals ſah er Rechnungen an, als bis er genöthigt war, ſie zu bezahlen. Niemals berechnete er den Be⸗ trag der Ausgaben, welcher zur Erreichung ſeiner Zwecke nothwendig ſchien. Lord Vargrave verließ ſich aber auf ſeine Heirath mit der reichen Eveline, daß dieſe ihn aus allen Verlegenheiten erretten würde. Kam auch wohl über ihn ein Zweifel an der Verwirklichung 148 vieſes Phantafiegebildes, ſo bot ihm das öffentliche Le⸗ ben noch glänzenden Lohn. Sollte ſogar ſeine Ausſicht auf die Hand der Miß Cameron vereitelt werden, ſo glaubte er durch kluges Verfahren es dahin zuletzt brin⸗ gen zu können, daß ſeine Collegen ſeine Entfernung um den glänzenden Preis der Generalgouverneurſtelle in In⸗ vien erkauften. Da Beredſamkeit eine Kunſt iſt, welche durch übung und Würde der Stellung wunderbar geſteigert wird, ſo hatte Lumley kürzlich im Hauſe der Lords Wirkungen hervorgebracht, deren man ihn früher für unfähig hielt. Allerdings kann keine übung und keine Stellung den Menſchen Eigenſchaften ertheilen, welche denſelben gänz⸗ lich fehlen; allein dieſe Vortheile können die Eigenſchaf⸗ ten, welche ſie beſitzen, im günſtigſten Lichte herausſtellen. Die Glut einer edlen Begeiſterung, der umfaſſende Blick eines tiefen Staatsmannes, der Enthuſiasmus einer edlen Natur ließ ſich durch keine übung in der Beredſamkeit des Lumley Lord Vargrave hervorlocken, denn dieſe Eigenſchaf⸗ ten waren ihm gänzlich fremd; allein kecker Witz fließende und kräftige Sätze, wirkſame Darlegung parlamentari⸗ ſcher Logik, Beſonnenheit für plötzliche Antworten, paſſen⸗ bes Benehmen, welches durch eine eigenthümliche Art des Ausdrucks und durch Leichtigkeit gehoben wurde, eine helle und durchdringende Stimme(an deren gellenden Ton ohne Leidenſchaft, als ihren einzigen Fehler, die Zuhörer ſich gewöhnt hatten), Geſichtszüge, welche durch den Aus⸗ druck von Verſtand und Muth zu Lord Vargrave's Gun⸗ ſten einnahmen; alles dies hatte dem einſt vielverſpre⸗ chenden Redner in ſeiner gereifteren Stellung den Ruhm eines k Je meh deſto m Feinpſe Liſt un Rebner hatten wenn t Beifall Mann, läßt ſie ſchlüpf Zuhöre Unfähi achtung ihn hät zwar d Männe ten, Parteig tungen jener e kes dri bringen Sache, theidigt rer Kec muthig allem mag ei che Le⸗ usſicht en, ſo t brin⸗ ung um in In⸗ übung vird, ſo rkungen igchielt. ung den en gänz⸗ enſchaf⸗ sſtellen. ve Blick ner edlen nkeit des genſchaf⸗ fließende eines kräftigen und furchtbaren Sprechers erworben. Je mehr er ſich aber in Darlegung ſeiner Talente erhob, veſto mehr erweckte er bis dahin unbekannten Neid und Feinvſchaft. Auch war Lord Vargrave, ungeachtet ſeiner Liſt und Kälte, ein ſehr gefährlicher und unheilvoller Redner für die Intereſſen ſeiner Partei. Seine Collegen hatten oft urſache zu zittern, wenn er ſich erhob, ſogar wenn die alten Tapeten an den Wänden bei dem lauten Beifallsrufe ſeiner Partei hin⸗ und herſchwebten. Ein Mann, welcher kein Mitgefühl mit dem Publikum hegt, läßt ſich manche und unheilvolle Unbedachtſamkeiten ent⸗ ſchlüpfen, wenn das Publifum eben ſowohl wie ſeine Zuhörer ſeine Richter ſind. Lord Vargrave's gänzliche unfähigkeit, politiſche Moral zu begreifen, ſeine Ver⸗ achtung für alle Zwecke ſoeialen Wohlwollens verleiteten ihn häufig zu Geſtändniſſen von Grundſätzen, welche zwar durch vie leichte Art des Vortrags geglättet, die Männer der Welt, vor denen er ſprach, nicht erſchreck⸗ ten, jedoch tiefen Ekel in denjenigen ſeiner eigenen Parteigänger hervorriefen, die ſeine Reden in Zei⸗ tungen laſen. Niemals äußerte Lord Vargrave einen jener edlen Gedanken, welche in das Herz des Vol⸗ kes dringen, mag ein Radikaler oder Tory ſie vor⸗ bringen, und welche alsdann einen bleihenden Dienſt der Sache, welche ſie zieren, erweiſen. Niemand aber ver⸗ theidigte einen noch ſo auffallenden Mißbrauch mit größe⸗ rer Keckheit oder trotzte einer populären Forderung mit muthigerem Hohn. Bisweilen, wenn der Grundſatz, allem Populären Trotz zu hieten, gerade in Kraft iſt, mag ein ſolcher Parteiführer von Nutzen ſein; im Au⸗ 150 genblick unſerer Erzählung war er jedoch ein ſehr zwei⸗ deutiger Bundsgenoß Ein beträchtlicher Theil der Mi⸗ niſter, und der Premierminiſter ſelbſt, ein Mann von weiſer Anſicht und unbefleckter Ehre, betrachtete bereits Lord Vargrave nach mannigfacher Erfahrung mit Wider⸗ willen und Mißtrauen; man hätte ihn ſich gern vom Halſe ſchaffen mögen, allein Lord Vargrave war nicht der Mann, der aus eigenem Antrieb wegen kleinerer Kränkungen ſich zurückzog; noch war auch ver witzige und kecke Redner keine Perſon, deſſen Rache und Oppo⸗ ſition ſich verachten ließ. Er bewegte ſich ſlets in der erſten Geſellſchaft, war ein großer Günſtling bei weib⸗ lichen Diplomaten, deren Stimmen damals großen Ein⸗ fluß beſaßen; mit dieſen hatte der höfliche Miniſter vurch tauſend Ketten der Galanterie und der Intrigue eine enge Verbindung geſchloſſen. Was Salons füß ihn thun konnten, blieb ihm niemals aus. Dazu noch war er perſönlich bei ſeinem königlichen Herrn beliebt; der Hof hegte von ihm eine goldene Meinung; die ärmeren, mehr verdorbenen und bigotteren Miniſter betrachteten ihn mit offen eingeſtandener Bewunderung. Auch im Hauſe der Gemeinen und in der Büreau⸗ kratie heſaß er beträchtlichen Anhang. Lumley nahm nie⸗ mals die Gewohnheit perſönlicher Schroffheit und Un⸗ höflichkeit an, welche Männern der Staatsgewalt ge⸗ wöhnlich iſt, die Bittſteller ſich vom Leibe halten wollen. Er war ſchmeichelnd und verſöhnlich gegen Männer jedes Ranges; ſein Verſtand und ſeine Selbſtgefälligkeit er⸗ hob ihn über die kleinliche Eiferſucht, welche Männer von hoher Stellung gegen die ſich Erhebenden empfinden. . Sobal gezeich Vargr mentir werber E unter muß n drigere Felſen war al der V keit; k Colleg eines ſ dringli teten t Eiſer warb angeſp Ab lichkeit über d Er ſo papier⸗ mit ſo interef Zeugni handen zwei⸗ rMi⸗ n von ereits Pider⸗ n vom nicht einerer witzige Oppo⸗ in der i weib⸗ en Ein⸗ Niniſter pfinden. Sobald ein junges Parlamenisglieb ſich irgendwie aus⸗ gezeichnet hatte, ſuchte Riemand ſo eifrig wie Lord Vargrave veſſen Bekanntſchaft; Niemand becympli⸗ mentirte, ermuthigte und beförderte die neuen Be⸗ werber ſeiner Partei mit ſo herzlicher Gutmüthigkeit. Ein ſolcher Miniſter mußte nothwendig Anhänger unter den Fähigen, Ehrgeizigen und Eitlen haben. Auch muß man geſtehen, Lord Vargrave brauchte keine nie⸗ drigeren und weniger zu rechtfertigenden Mittel, ſeine Macht zu beſeſtigen, als daß er ſie auf dem ſicheren Felſen der Selbſtſucht begründete. In dieſer Hinficht war aber keine Mäkelei zu grob für ihn. Er zeigte in der Verwendung ſeines Schutzes ſchamloſe Beſtechlich⸗ keit; keine abſchlägige Antworten, keine Rüge ſeiner Collegen im Amte konnte ihn zurückhalten, Anſprüche eines ſeiner Geſchöpfe auf die Einkünfte des Staats zu⸗ vringlich geltend zu machen. Seine Anhänger betrach⸗ teten dieſe barmherzige Selbſtſucht als Feſtigkeit und Eifer der Freundſchaft. Der Ehrgeiz von Hunderten ward durch den Ehrgeiz des grundſatzloſen Miniſters angeſpornt. Abgeſehen von ſeiner allgemein bekannten Beſlech⸗ lichkeit in Bezug auf den Staat, hegten Einige Verdacht über die Unehrlichkeit Lord Vargrave's als Privatmann. Er ſollte Staatsgeheimniſſe an Spekulanten in Staats⸗ papieren verkauft, und an einigen Anſprüchen, die er mit ſo großer Hartnäckigkeit vertrat, ebenfalls ein Gelb⸗ intereſſe haben. Obgleich nun auch nicht das kleinſte Zeugniß über eine ſo gänzliche Aufgebung der Ehre vor⸗ handen war, obgleich das Gerücht nur ein verleumde⸗ 152 riſches Geflüſter zu ſein ſchien, ſo ſchärfte doch der bloße Verdacht ſolcher Schliche die Abneigung ſeiner Feinde und rechtfertigte den Widerwillen ſeiner Nebenbuhler. In dieſer Stellung befand ſich jetzt Lord Vargrave, von eigemützigen, aber geſchickten und mächtigen An⸗ hängern gehalten, vom Volke gehaßt, von einigen ſeiner Collegen gefürchtet, von anderen verachtet, von den übri⸗ gen als ihnen überlegen angeſehen. Die Lage war von ſolcher Art, daß ſie weniger entmuthigte wie entzückte, denn ſie ſchien jenen zu Intriguen, Manövern und Ent⸗ würfen ſtets bereiten Geiſt nothwendig zu machen, deſſen Nahrung gleichſam dergleichen darbot. Wie ein alter Grieche, liebte er vie Intrigue um der Intrigue willen; ſelbſt wenn ſie zu keinem Zwecke führte, wäre ſie ihm dennoch angenehm als Mittel geweſen. Er umgab ſich gern mit den verwickeltſten Geweben und Netzen, um in der Mitte von tauſend Plänen zu ſitzen; es küm⸗ merte ihn wenig, ob einige verſelben raſch und wild ent⸗ worfen waren. Er verließ ſich auf ſeine nnerſchütter⸗ lichkeit, Schnelligkeit und gewöhnliches Glück, um jebe Springfeder, die er in Bewegung ſetzte, auf die Haupt⸗ maſchine, ſein theures Selbſt, zu leiten. Sein letzter Beſuch bei Lady Vargrave und ſeine Unterhaltung mit Cveline hatte viel Unzufriedenheit und Beſorgniß in ſeinem Geiſte zurückgelaſſen. In den erſten Jahren ſeines Verkehrs mit Eveline hatte ſeine gute Laune, ſeine Galanterie und ſeine Geſchenke dem Kinde Zuneigung zu ihrem angenehmen und freigebigen Be⸗ ſucher beigebracht und vaſſelbe gelehrt, ihn als Ver⸗ wandten zu betrachten. Erſt als Eyeline zum Weibe —,—— herant lerute, erſt da lung d Beſuch hoben große Neben Evelin würfe, Lady 2 ſtets b ſtellun nen we müſſen wie die eine S ten in ſich un Gedan verführ ſechszel Politit noch ni er vor ſtrebte, loſen L Er war Dutzen geringſt bloße einde hler. grave, n An⸗ ſeiner übri⸗ r von zückte, d Ent⸗ deſſen malter willen; ſie ihm ab ſich n, um s küm⸗ ild ent⸗ hütter⸗ um jede Haupt⸗ ſeine heit und n erſten ne gute n Kinde gen Be⸗ ls Ver⸗ Weibe 5 15⁵3 heranwuchs und die Natur der Verbindung zu begreifen lerute, war ſie vor ſeiner Vertraulichkeit zurückgewichen; erſt damals hatte ſich ihm ein Zweifel über die Erfül⸗ lung der Wünſche ſeines Oheims erhoben. Der letzte Beſuch hatte ſeinen Zweifel zur peinlichen Beſorgniß er⸗ hoben; er erkannte, daß er nicht geliebt wurde, daß große Geſchicklichkeit und die Abweſenheit glücklicherer Nebenbuhler erforderlich war, um ihm die Hand der Eveline zu ſichern; er verfluchte die Geſchäfte und Ent⸗ würfe, die ihn von ihr entfernten. Er hatte geglaubt, Lady Vargrave nach London bringen zu können, wo er ſtets hei der Hand geweſen wäre, und wo ſeine Vor⸗ ſtellungen in dieſer Hinſicht, da die Saiſon jetzt begon⸗ nen war, als verſtändig und gerecht hätten erſcheinen müſſen. Aber dann kam er wieber in größere Gefahren wie diejenigen, die er vermeiden wollte. London!— eine Schönheit und eine Erbin hei ihrem erſten Auftre⸗ ten in London! welche furchtbare Bewunderer mußten ſich um ſie verſammeln! Vargrave ſchauderte bei dem Gedanken, daß die jungen, hübſchen, wohlgekleideten, verführeriſchen Elegants einem jungen Mädchen von ſechszehn Jahren bezaubernder ſcheinen möchten, wie der Politiker in mittlerem Alter. Dies war gefährlich, aber noch nicht Alles! Lord Vargrave wußte, daß alles, was er vor ber jungen Dame vorzugsweiſe zu verhehlen ſtrebte, in London— im frohen, ſchwatzenden, rückſichts⸗ loſen London— nothwendig an den Tag kommen würde. Er war der Liebhaber nicht von einer, ſondern von einem Dutenb Frauen geweſen, um die er ſich übrigens nicht im geringſten bekümmerte; die Gunſt derſelhen hatte aber 154 mitgewirkt, ihm in der Geſellſchaft eine feſte Stellung zu ertheilen, oder ihr Einfluß hatte ſeinen Mangel an ererbten politiſchen Verbindungen ausgeglichen. Die Art, wie er ſich dieſe mannigfachen Ariadnen, ſobald ihm vies als rathſam erſchien, vom Halſe ſchaffte, gab einen auffallenden Beweis von ſeinen diplomatiſchen Fä⸗ higkeiten. Wenn er die Damen verließ, machie er ſie ſich nie zu Feinden. So wie er die Löſung des Geheim⸗ niſſes gab, nahm er ſich in Acht, jemals den Galanten bei Duleineen unter einem gewiſſen Alter zu ſpielen. „Weiher in mittleren Jahren,“ pflegte er zu ſagen,„ſind ſehr verſchieden von Männern mittleren Alters; ſie be⸗ irachten die Dinge mit Verſtand, und faſſen dieſelbe mit Kälte auf.“— Nun konnte Eveline keine drei Wo⸗ chen, vielleicht keine vrei Tage in London ſein, ohne von der einen over der andern dieſer Liais ons etwus zu vernehmen. Welche Entſchuldigung, mit ihm zu brechen, wenn ſie eine ſolche ſuchte! übrigens war Lord Vargravt nur verdrießlich, nicht aber niebergeſchlagen. Evelinens Vermögen war ihm nothwendiger wie jemals, und er war entſchloſſen, Eveline zu erlangen, da dies Vermö⸗ gen als unzertrennbar an ihrer Perſon hing. Zweites Kapitel. Du ſollſt Horaz ſein, ich bin dein Tibull! Pope. Lord Vargrave wurde in ſeinem Nachſinnen durch das Eintreten des Lord Saxingham geſtört. lich, da liren! — Di tion zu heuer, „Je grave, zu hab⸗ Frage d „VW mürriſc zige We „S „B rer Lor Ihrem verächtl Ihre E 155 „Bie find willkommen,“ ſagte Lumley.„Sie find gerade der Mann, den ich zu ſehen wünſchte.“ Lord Sarinham, der ſich kaum verändert hatte, ſeitdem wir ihn zum letztenmale in dem vorgehenden Theile dieſes Werkes antrafen, mit Ausnahme, daß er etwas bläſſer und dünner geworden war, und daß ſein Haar das Eiſengrau mit ver Schneeweiße vertauſcht hatte,— Lord Saringham warf ſich in den Lehnſtuhl neben Lumley und erwiderte:„Vargrave, wie verdrieß⸗ lich, daß unſere eigenen Anhänger uns ſtets fo contro⸗ liren! Ich kann vie neugebackene Politik nicht begreifen. — Dieſe Einrichtung von Maßregeln, um der Oppoſi⸗ tion zu gefallen, und Biſſen dem tauſendköpfigen Unge⸗ heuer, öffentliche Meinung genannt, hinzuwerfen! Ge⸗ wiß, das nimmt einen argen Ausgang!“ „Ich bin davon überzeugt;“ antwortete Lord Var⸗ grave,„alle Kraft und Einigkeit ſcheint uns verlaſſen zu haben! Setzt man gegen unſern Willen die**„ Frage durch, ſo weiß ich nicht, was zu thun iſt.“ „Was mich betrifft,“ ſagte Lord Saringham ſehr mürriſch,„ſo gebe ich meine Entlaſſung, es iſt die ein⸗ zige Wahl, die Männern von Ehre noch übrig bleibt“ „Sie haben Unrecht; ich kenne noch eine andere Wahl.“ „Wie ſo?“ „Bilden Sie ſelbſt ein Cabinet! Sehen Sie, then⸗ rer Lord, man hat Sie mißhandelt. Man geht mit Ihrem hohen Charakter, Ihrer langen Erfahrung ſehr verächtlich um. Sie find beſchimpft und mit Ihnen Ihre Stellung. Sie allein Siegelbewahrer! Sie ſoll⸗ ten Premier⸗Miniſter ſein! Laſſen Sie ſich von mir leiten, ſo werden Sie Premier⸗Miniſter. Lord Saxingham erröthete und ſeufzte. „Lumley, Sie haben mir ſchon oft den Wink gege⸗ ben, allein Sie find zu parteiiſch, und mir zu ſehr be⸗ freundet.“ „Durchaus nicht! Haben ſie den Hauptartikel in der*** heute geleſen? Zwei andere werden nach fünf Stunden in den Abendblättern folgen. Wir haben einen Halt in der Preſſe, im Unterhauſe und am Hofe. Wir müſſen nur zuſammenhalten.— Dieſe*** Frage, wodurch ſie ſich was vom Halſe zu ſchaffen hoffen, ſoll ſie zu Grunde richten. Noch in dieſem Jahre werden Sie Premier⸗Miniſter. Wahrhaftig, das ſollen Sie werben!— Aber alsvann hoffe ich auch ins Kabinet zu kommen.“ „Wie ſo, Lumley, Sie find zu raſch, zu keck.“ „Bis jetzt iſt vies nicht mein Fehler geweſen. Keck⸗ heit aber wird bei unſern Umſtänden zur Vorſicht. Drängt man uns jetzt fort, ſo ſehe ich den unvermeid⸗ lichen Gang der Ereigniſſe. Wir ſind auf Jahre lang, vielleicht für unſer ganzes Leben von der Regierung ausgeſchloſſen. Das Kabinet wird ſich von unſern Grundſätzen und von unſerer Partei immer mehr ent⸗ fernen. Jetzt müſſen wir einen feſten Stand ein⸗ nehmen; jetzt müſſen wir uns erheben oder verderben. Ich reiche meine Entlaſſung nicht ein. Der König iſt für uns; bald ſoll man unſere Kraft erkennen. Dieſe ſtolzen Einfaltspinſel ſollen in die Schlinge fallen, die ſie uns gelegt haben. ————. Lu trauen Sorin flattert mier⸗V und kin ten der „S Hülfsq Wahler In der im Unte tigen“ im Kal bei Hofe — ein Könige denklichk kenne di er wird zu ſeine Alsdann auf— wir habe ſtill und erwecken ſchlagen; unſere S würden: Verſicher Lumley ſprach mit Wärme und mit dem Selbſlver⸗ trauen einer Seele, die des Erfolges gewiß war. Lord Soringham ward aufgeregt; glänzende Traumgeſtalten flatterten an ihm vorüber.— Die Stelle eines Pre⸗ mier⸗Miniſters, ein Herzogthum! Er war aber alt und kinderlos, ſeine Ehren mußten mit ihm, dem letz⸗ ten der Saxingham ausſterben. „Sehen Sie,“ fuhr Lumley fort,„ich habe unſere Hülfsquellen ſo genau berechnet, wie ein Agent bei Wahlen die Liſten der Stimmenden entwerfen würde. In der Preſſe haben wir uns*** und**„geſichert; im Unterhauſe haben wir den gewandten““, den kräf⸗ tigen“**, und alle Stimmen, worüber“** verfügt; im Kabinet haben wir“**; Sie kennen unſere Kraft bei Hofe. Laſſen Sie uns unſern Augenblick wählen, — ein plötzlicher coup— eine Unterredung mit dem Könige— eine Darlegung unſerer gewiſſenhaften Be⸗ denklichkeiten über dieſe ſcheußliche Maßregel.— Ich kenne die eitele, ſtarre Seele des Premier⸗Miniſters; er wird zornig werden und ſeine Entlaſſung einſenden; zu ſeinem Erſtaunen wird dieſe dann angenommen. Alsdann läßt man Sie rufen; wir löſen das Parlament auf— wir ſpannen jeden Nerv in den Wahlen an; wir haben ſicherlich Erfolg. Mittlerweile ſein Sie aber ſtill und vorſichtig; kein Wort darf Ihnen entwiſchen; erwecken Sie bei Jenen den Glauben, wir ſeien ge⸗ ſchlagen; ſchläfern ſie jeden Verdacht ein; beklagen wir unſere Schwäche und laſſen einige Worte fallen, wir würden unſere Entlaſſung einſenden, dabei aber die Verſicherung geben, wir würden guch ferner die Mi⸗ niſter unierſtützen. Ich weiß, wie wir die Herren blenden müſſen, wenn Sie mir nur die ganze Sache überlaſſen.“ Der ſchwache Geiſt des alten Grafen war eine Ma⸗ rivnette in der Hand jenes ſchlauen Verwanbten. In einem Augenblick hegte er Furcht, an anderen Hoff⸗ nung; bald war ſein Ehrgeiz erregt, bald war ſein Ehrgefühl beunruhigt. Die Intrigue Lumley's, die Regierung, woran er Theil nahm, zu verdrängen, bot etwas Liſtiges und Nievriges, welches Lord Saxing⸗ ham, deſſen perſönlicher Charakter der eines trefflichen Mannes war, durchaus nicht billigen konnte. Allein Vargrave beſchwatzte ihn mit vollendeter Gewandtheit, und als Beide ſich trennten, trug der Graf ſeinen Kopf um2 Zoll höher; er bereitete ſich für ſein Steigen im Leben. „Das iſt gut,“ ſagte Lumley, als er ſich allein ge⸗ laſſen, die Hände rieb.— Der alte Narr wird mein Stellvertreter ſein, bis Jahre und Ruhm mich zu ſei⸗ nem Nachfolger befähigen. Mittlerweile werde ich dasjenige ſein, wovon er den Titel führt.“ Jetzt trat Lord Vargrave's wohlgenährter Diener, welcher mittlerweile zur Würde eines Herrn von Stande und eines Verwalters vorgerückt war, mit einem Briefe in der Hand ein. Das Ausſehen des Briefes war von ſchlimmer Vorbebeutung; jener war nur mit einer Oblate verſtegelt, das Papier hläulich, die Handſchrift die eines Gewerbtreibenben; ein Couvert war nicht vorhanden.— Der Brief zeigte ſchon von außen ein hölliſches Ausſehen; es war ein Mahnbrif. — Lun lichen (Lumler ſchon 3 die Sut droht— Reichen, wöhnte, ſo hohen nung ſo daß ihn vor dem wieder z kleines V Sicherhe — Er ka zu thun? „Nut ſein; Sa geliehen; dammte 2 Schurken Ich noch könnte, w man ſein mein Mit alter Cor kennt die 2 ich wenigſt 159 Lumleh eröffneie das Schreiben mit einem verbrieß⸗ lichen Pah! Der Schreiher war ein Silberarbeiter (Lumley's Silbergeſchirr warb ſehr bewundert!), hatte ſchon Jahre lang vergeblich um BVezahlung gemahnt; die Summe war groß; jetzt wurbe mit Exeeutivn ge⸗ droht— mit Execution!— eine Lumperei für einen Reichen, allein nicht für ihn, den man als arm bearg⸗ wöhnte, welcher gerade in dem Angenblick nach einem ſo hohem Ziele ſtrebte, dem ferner die öffentliche Mei⸗ nung ſo nothwendig war, welcher ſehr wohl wußte, daß ihn nur jener Titel, und auch kaum noch dieſer, vor dem Rufe eines Abenteurers rettete! Er mußte wieder zu Geldverleihern ſeine Zuflucht nehmen. Sein kleines Vermögen war ſchon zu ſehr verpfändet, um neue Sicherheit zu bieten.— Wucher und wieber Wucher! — Er kannte deſſen Preis; er ſeufzte— aber was war zu thun? „Nur noch wenige Monate unb Eveline muß mein ſein; Saringham hat mir ſchon Alles, was er konnte, geliehen; jetzt iſt er ſelbſt in Verlegenheit. Dieſes ver⸗ vammte Amt, was iſt das für eine Tare! Und die Schurken ſagen noch, daß wir zu hoch bezahlt ſind! Ich noch dazu, der ich in einer Dachſtube glücklich leben könnte, wenn dies gelbſtolze England nur erlaubte, daß man ſein Einkommen nicht überſchreitet! Ha mir fällt mein Miteurator ein, der Bankier, meines Oheims alter Correſpondent! Der Gedanke iſt gut.— Er kennt die Bevingungen des Teſtaments! Er weiß, daß ich wenigſtens 30,000 Pfund erhalte, wenn ich noch einige Monate länger lebe!“ — Drittes Kapitel. Bald theilt bieſes, bald jenes den ſchnell zu er⸗ regenden Geiſt dir. Virgil. Der verſtorbene Hr. Templeton war ein Bankier in einer Provinzialſtadt geweſen, worin ſich der Mittel⸗ punkt großer Unternehmungen in Handel und Ackerbau befand. Er hatte den Grund zu ſeinem Vermögen in den glücklichen Tagen des Krieges und des Papier⸗ geldes gelegt. Außer ſeiner Bank auf dem Lande beſaß er einen beträchtlichen Antheil an einer ziemlich ange⸗ ſehenen in der Hauptſtadt. Zur Zeit ſeiner Ver⸗ heirathung mit Lady Vargrave zog er ſich gänzlich aus dem Geſchäft zurück, und kam ſeitdem nie wieder an den Ort, wo er ſein Vermögen angehäuft hatte. Er hatte jedoch eine vertraute Bekanntſchaft mit dem hauptſächlichſten und älteſten Theilhaber an der er⸗ wähnten Bank in der Hauptſtadt erhalten; er war nämlich ein Mann, der ſtets gern über Geldangelegen⸗ heiten mit denjenigen, welche dieſelben verſtanden, ſprach. Dieſer Herr, Guſtav Douce, war mit Lum⸗ ley zum Curator des Vermögens ernannt worden. Beide beſaßen Vollmacht, das Vermögen der Eveline in den Stocks, die ſie für die zweckmäßigſten hielten, anzulegen. Die Curatoren ſchienen trefflich gewählt zu ſein, da der Eine, welcher beſtimmt war, das Ver⸗ mögen zu theilen, an der ſicheren Anlegung deſſelben ein bedeutentes Intereſſe haben mußte, und da der An⸗ dere, nach ſeiner Gewohnheit und nach ſeinem Geſchäft gls ein vorttfflicher Rathgeber ſich erwarten ließ. Lo ſehen;t Allein L reiche A legenhei bat ihn Dafür glänzen; Silberg beneide fälligkeit wollte, Vargray Er Wagen Uhr, un Caſerta wähnte L Herr ſchien ſei er ſich ve Geſchenk er ſich ſe der ander Taſche ur ergriff er Hand hle ein gleich zügen; zu erhob er Bulwer er⸗ 161 Lord Vargrave hotte Herrn Douce uur ſelten ge⸗ ſehen; die Verhältniſſe Beiver führten ſie nichtzuſammen. Allein Lord Vargrave, welcher der Meinung war, jeber reiche Mann könne ihm, bei einer vder der andern Ge⸗ legenheit eine wünſchenswerthe Bekanntſchaft werden, bat ihn regelmäßig einmal jährlich zum Mittageſſen. Dafür hatte er zweimal bei Herrn Douce in einem der glänzendſten Landhänſer und auf dem prächtigſen Silbergeſchirr geſpeist, bas er jemals zu ſehen und zu beneiden das Glück gehabt hatte, ſo doß die kleine Ge fälligkeit, um welche Lorb Vargrave ihn jetzt erſuchen wollte, nur eine unbedeutende Erwiberung für Lord Vargrave's Herablaſſung war. Er fand den Bankier in ſeinem Heiligthum; ſein Wagen ſtand an der Thür, denn es war gerade vier Uhr, um welche Zeit Herr Dyuce regelmäßig nach Caſerta fuhr— ſo benannte er etwas affektirt das er⸗ wähnte Lundhaus. Herr Doure war ein kleiner, nervöſer Mann; er ſchien ſeiner Glieder nicht gänzlich Herr zu ſein; wenn er ſich verbengte, ſchien er zu beabſichtigen, euch ein Geſchenk mit ſeinen Beinen machen zu wollen; wenn er ſich ſetzte, zupfte er zuerſt an ver einen, dann an der anderen Seite; dann ſieckte er die Hand in die Taſche und ſah ſie gleichſam mit Erſtaunen an; bann ergriff er eine Feder, womit er glücklicherweiſe ſeiner Hand blelbende Beſchäftigung gab. Unterbeß zeigte er ein gleichſam feendarliges Spiel mit ſeinen Geſichts⸗ zügen; zuerſt lächelte er, vann blickte er ernſthaft, dann, ethob er die Brauen wie einen Regenbogen zu dem Bulwer, Alice. 1, 4¹ 162 Horizont ſeines blaſſen, ſtrohfarbenen Haares; daun ließ er ſie wie eine Lawine über die blinzelnden, raſt⸗ loſen, unruhig hin undherrollenden kleinen blauen Augen herniederſchießen, welche alsdann kaum ſichthar waren. Herr Donce beſaß das Außere eines peinlich blöden Mannes; dies aber war um ſo ſonderbarer, da er den Ruf eines unternehmenden und ſogar kühnen in ſeinem Geſchäft beſaß, und die Geſellſchaft der Großen liebte. „Mein theurer Herr,“ ſprach Lord Vargrave nach den vorausgegangenen Begrüßungen,„ich habe Sie beſucht, um Sie um eine kleine Gefälligkeit zu erſuchen, die Sie mir ohne Bedenken verweigern können, wenn dieſelbe Ihnen die geringſie Verdrießlichkeit verurſacht. Sie kennen mein Verhältniß zu meinem Mündel, Miß — Cameron. In wenig Monaten, hoffe ich, wird ſie Lady. Vargrave ſein.“ Herr Douce zeigte dreimal ſeine drei kleinen Zähne, die einzigen, welche das Schickſal ihm vorn im Munde gelaſſen hatte; alsdann gleichſam beſchämt über die Unzartheit eines Lächelns bei ſolchem Gegenſtand, ſchob er ſeinen Stuhl zurück und zupfte ſeine löſchpapierfar⸗ benen Hoſen herauf. „Ja, in wenigen Monaten, hoffe ich, wird ſie Lady Vargrave ſein, ja wiſſen, bin ich nicht mehr des Geldes bedürftig.“ „Ich hoffe— das heißt— ich bin überzeugt— ich vertraue— daß dies nicht wird der Fa— Fa— Fall bei Gurer Lordſchaft ſein,“ fiel Herr Douce mit blödem Bedenken ein. Herr Douce fügte zu ſeinen übrigen treff⸗ lichen Eigenſchaſten auch noch das Stottern hinzu. und alsdann, Herr Douce, wie Sie Fal ſön) pfä Auß Sie Han nicht auch Sun es ni ſchaf ſchäf „ meine genir leihen kann armen E Douee — Eu „Z gefälli mein Q „S eben h Dobsf an ₰ raſt⸗ ugen aren. löden r den einem iebte. e nach e Sie uchen, wenn ſacht. 1, Miß ie Lady„ 163 „Sie ſind ſehr artig; indeß das iſt gerabe jetzt der Fall; ich brauche einige tauſend Pfund auf meine per⸗ ſönliche Sicherheit. Mein Vermögen iſt ſchon etwas ver⸗ pfändet, und ich wünſche es nicht noch mehr zu belaſten. Außerdem wäre das Anlehen nur auf einige Zeit; wie Sie wiſſen, verwirkt Miß Cameron, wenn ſie meine Hand ausſchlägt(eine Vorausſetzung, die zwar hier nicht zur Frage gehört, allein im Geſchäft muß man auch Unwahrſcheinlichkeiten berechnen), gegen mich vie Summe von 30,000 Pfd.“ „O ia— bas heißt— auf mein Wort— ich weiß es nicht mehr genau— aber Eure Lord— L— L— Lord⸗ ſchaft weiß das am beſten; ich habe— ſo viele Ge⸗ ſchäfte— ich vergaß die Summe... Hm, hm!“ „Schlagen Sie das Teftament nach und Sie werben meine Angabe beſtätigt finden. Würde es Sie nicht geniren, mir einige tauſend Pfund auf kurze Zeit zu leihen 7 Ich ſehe, Sie mögen es nicht. Einerlei, ich kann die Summe ſonſt erlangen, da Sie aher meines armen Oheims Freund waren.„ Eure Lor— L— L— orbſchaft irrt ſich,“ ſagte Herr Douce, indem er in Aufregung zitterte,„auf mein Wort — ja, ja— einige t— 1— tauſend Pfund— gewiß — Euer Lordſchaft Bankier iſt.. „Drummond, ein unangenehmer Mann, gar nicht gefällig; ich werde Sie zum Bankier nehmen, ſobald mein Vermögen der Verwaltung werth iſt.“ „Sie erweiſen mir— große Ehre; ich will nur ſo eben herausgehen— und— und— und— mit H. Dobs ſprechen,— Sie mögen ſich darguf verlaſſen— eniſchuldigen Sie mich— Mo— Mo— Morning⸗Chro⸗ nicle, Mylord!“ Herr Douee ſtand mus in Bewegung ge wobei er ſich noch bei der nicht einen Augenblick entfer „Ein guter kleiner Kerl, „murmelte Lord Vargrave, nicle aufnahm, welches auf Aufmerkſamkeit empfohlen w artikel blickte, bemerkte er e auf ſich ſelbſt. Lumley war in folch tig; er ſah es gern, vaß man ihn angriff; ſeine Wichtigkeit. Herr Douce kehrte zurück. Lord Vargrave erſtaunte und war entzückt, als er erfuhr, daß 10,000 Pfd. ſo⸗ gleich bei dem Herrn Drummond auf ihn angewieſen ſeien. Sein Handſchein, in drei Monaten mit fünf Prozent Zinſen zu hezahlen, war genügend. Drei Mo⸗ nate boten zwar einen kurzen Termin; allein jener ließ ſich ja von Zeit zu Zeit verlängern, bis es ſeiner Lord⸗ ſchaft zu bezahlen belieben würde.„Würde auch Lord Vargrave ihm nicht die Ehre etweiſen, nächſten Montag bei ihm in Caſerta zu ſpeiſen?“ Lord Vargrave bemühte ſich, bei dieſem Auerbieten von baar Geld kalt zu bleiben; allein Freude verdrehte ihm beinahe den Kopf; er ergriff ſchnell Herrn Donce's vünne, kleine, bebenbe Hand, und war ſprachlos aus Dankbarkeit und Entzücken. Die Summe, welche die erwartete beinahe um das Doppelie überſtieg konnte auf, als ſei er durch Galvanis⸗ ſetzt und lief aus dem Zimmer, Erklärung umvrehte, daß er nt ſein würde. ein galvaniſirier Froſch,“ als er das MorningChro⸗ ſo beſondere Weiſe ſeiner ar; als er auf den Haupt⸗ inen ſehr beredten Angriff en Dingen dickhäu⸗ vies erwies ih the gal ihn übe mü wat wie alle es d Wec Gelt ich ſe Geſa in de deſ. etwas anzul wortl im Er Verhi aus wußte das D Geſche ro⸗ 2 nis⸗ mer, ß er ſch, 4 hro⸗ ſeiner aupt⸗ ugriff ckhäu⸗ erwies ſtaunte belche die ⸗ konnte 165 ihm aus aller augenblicklichen Verlegenheit helfen; als er ſeine Stimme wieder erlangte, dankte er ſeinem theuren Herrn Douee mit ſolcher Wärme, daß der kleine Mann gänzlich vor derſelben zuſammenſchrumpfte; er gab ihm die Verſicherung, daß er jeden Montag bei ihm ſpeiſen wolle, wenn Herr Douce ihn darum bitten würde! Alsdann wünſchte er fortzugehen, allein er überlegte mit Recht, daß er ſelbſſüchtig erſcheinen müßte, wenn er ſogleich fortginge, ſohald er dasjenige, was er wünſchte, erlangt hätte. Somit ſetzte er ſich wieder und Herr Douce ebenfalls; das Geſpräch wandte ſich auf Politik und Neuigkeiten; Herr Douce, welcher alle Dinge wie ein Handelsmann betrachtete, brachte es dahin(Vargrave wußte ſelbſt nicht wie), daß er vom Wechſel im franzöſiſchen Miniſterium auf den engliſchen Geldmarkt gelangte. „Wahrhaftig— es iſt, Mylord— ganz gewiß— ich ſage es mit Bedauern— ſchlechte 3— 3— Zeit für Geſchäftsleute— ja, für alle Leute— ärmliche Zinſen in den engliſchen Fonds— Spekulationen und Schwin⸗ del.— Ich empfahl meinem Freund Sir Giles Grimsby, etwas Geld in die amerikaniſchen Pa— Pa— Papiere anzulegen— eine ſehr große Ve— Ve— Ve— Verant⸗ wortlichkeit für mich— ich bin vorſichtig— vorſichtig im Empfehlen— aber Sir Giles, ein alter Freund— Verbindung darf ich ſagen— glücklicherweiſe ſchlug es aus— das heißt, fiel es aus— ja, wie ich gewiß wußte— dreißig Prozent, und die Aktien ſtiegen um das Doppelte! Aber ſo etwas iſt ſehr ſelten!— Ein Geſchenk vovm Himmel!“ 166 „Gut, Herr Douce, wenn ich Geld anzulegen habe, ſo will ich Sie um Rath fragen.“ „Ich werde mich ſtets ſehr glücklich fühlen— Euer Lordſchaft zu rathen— thue es aber nicht gern— da hleibt Miß Camerons Vermögen in den Fonds ange⸗ legt!— nur vrei Prozent!— Jetzt wäre es eine Mi— Mi- Millivn— wenn der alte Herr— bitte um Ver⸗ zeihung, der verſtorbene Lo— L0— Lord— mein armer Freund, noch am Leben wäre.“ „Wahrhaftig,“ ſagte Lumley gierig, indem er die Ohren ſpitzte,„mein Oheim war ein guter Haushälter.“ „Niemand beſſer, Niemand beſſer— ich darf wohl ſagen ein Genie fürs Geſchäft— hm! hm!— Ver⸗ ſteht Miß Cameron das Geſchäft?“— „Ich beſorge nein— eine Million ſagten Sie?“ „Wenigſtens!— wahrhaftig— wenigſtens— Geld ſo rar— Spekulation ſo ſicher in Amerika!— großes Volk die Amerikaner! ſich erhebendes Volk! Rie— Rie— Rieſen!“ „Ich nehme alle Ihre Zeit vor dem Mittageſſen in Anſpruch! vas iſt Unrecht von mir!“ ſagte Vargrave, als die Glocke fünf ſchlug⸗„heute Abend tommen die Lords zuſammen; wir haben wichtige Geſchäfte— noch ein⸗ mal tauſend Dank— guten Cag!“ „Guten Tag, Mylord— kei— keinen Dank— er⸗ ſprach Herr Douce, freut, Ihnen ſets zu d— dienen,“ d und ſtolzirend, als unruhig um Lord Vargrave hüpfen Letzterer aus dem Comtoire zum Wagen ging. „Kein Schritt weiter! Sie erkälten ſich; guten Tag, alſo Montag um fieben Uhr.— Zum Oberhauſe!“ zure hauſ der um d verſc wenn zu br Ende glückl Tage wie e große ſteht; lunge Arche Cröſu grave Seine er wa ander delte überſe 167 Lumley legte ſich mit beſter Laune in ſeinem Wagen zurecht. Viertes Kapitel. Schaut, Tullius vergaß ihn ſchier, es trotzt Ihm der Senat. Voltaire, Brutus. An jenem Ahend war die Verhandlung im Ober⸗ hauſe lebhaft und lang; es war die letzte Parteidebatte der Seſſion. Die ſchlaue Oppofition unterließ nichts, um die Frage, worüber, wie es hieß, eine Meinungs⸗ verſchiebenheit im Kabinet ſich vorfand, in auffallender, wenn auch ſcheinbar nur in zufälliger Weiſe zur Sprache zu bringen. Lord Vargrave erhob ſich erſt gegen das Ende der Sitzung; ſeine Stimmung war durch ben glücklichen Ausweg ſeines Privatgeſchäftes an jenem Tage geſteigert; er fühlte ſeine Wichtigkeit erhöht, ſo wie es bei bedürftigen Leuten der Fall iſt, wenn eine große Summe bei einem Bankier ihnen zur Verfügung ſteht; außerdem war er durch einige perſönliche Anſpie⸗ lungen gereizt, die ein alter Lord mit einer aus der Arche Noahs ſich herſchreibenden Familie und reich wie Cröſus fich gegen ihn erlaubt hatte. Somit ſprach Var⸗ grave mit einer mehr wie gewöhnlich geſteigerten Kraft⸗ Seine erſten Sätze wurden mit lautem Beifall begrüßt; er ward warm, hitzig und ſprach die beſtimmieſten, nicht anders auszulegenden Sätze über die damals verhan⸗ delte Frage aus, ſo daß er bei weitem die Beſonnenheit überſchritt, welche die Parteihäupter zu bewahren ſtreb⸗ 168 ten. Anſtatt die Oppoſition zu beruhigen, ärgerte er dieſelbe und gellte ſich ſelbſt bloß. Der zornige Lärm der Oppoſition fand Wiederhall in dem lauten Beifall ſeiner hitzigſten Anhänger. Der Premierminiſter jedoch und einige ſeiner Collegen beobachteten ein mürriſches Schweigen. Der Premierminiſter notirte einmal etwas in ſein Toſchenbuch und zog den Hut tiefer über die Stirn. Dies war für Lumley ein Zeichen böſer Vorbe⸗ veutung; indeß er hatte nur die Oppofition im Auge und bemerkte ſomit nicht jene Außerung des Mißver⸗ gnügens. Der Führer der Oppoſition antwortete mit ruhiger Bitterkeit und fragte, als er einige von Lum⸗ ley's ſcharfen Sätzen wiederholt hatte, den Premier⸗ miniſter:„Eind dieſe Meinungen auch die des edlen Lords? ich verlange eine Antwort, ich beſitze darauf ein Recht!“— Lumley ſtutzte bei dem Ton, womit vas Haupt der Regierung die heteichnenden Worte: „Hört, hört!“ ausrief. Gegen Mitternacht ſchloß der Premierminiſter die Debatte. Seine Rede war kurz und durch Mäßigung charakteriſtiſch. Er kam auf die ihm vorgelegte Frage. Im Hauſe herrſchte eine ſolche Stille, daß man das Nieverfallen einer Navel hätte vernehmen können. Die Unterhausmitglieber hinter dem Throne vrängten ſich mit dern Ausvruck der Geſpanntheit auf ihren Geſich⸗ tern eifrig vorwärts. „Man hat mich aufgefordert“ ſprach der Miniſter, „zu erklären, ob jene Gevanken, die mein edler Freund ausſprach, auch die meinigen, als des erſten Nathgebers der Krone, ſind.— Mylords, in der Hitze der Debatte tiger klärn meir Er5 der? In ſ e er ärm ifall edoch ſches twas er die orbe Auge ißver⸗ e mit Lnm⸗ emier⸗ ee varauf„ womit Worte: iſter die äßigung Frage. athgebers Debatte iſt nicht jedes Wort ſo genau abzuwägen unb ſo ſtreng auszulegen!(Hört! Hört ironiſch von der Oppoſition, billigend von den Miniſterialbänken.) Mein ebler Freund wird ohne Zweifel, was er ſagen wollte, näher erklären. Ich hoffe, oder vielmehr ich bezweifle nicht, daß ſeine Erklärung bem edlen Lord, dem Hauſe und der Nation genügend ſein werde. Da ich aber zu einer beſtimmten Antwort auf eine beſtimmte Frage aufgefordert wurde, ſo erkläre ich hier ein für allemal, daß dieſe Gebanken, wenn ſie von dem zuletzt redenden eblen Lord richtig ausgelegt wurben, nicht die meinigen ſind, und niemals das Ver⸗ fahren eines Kabinets leiten können, deſſen Mitglied ich bin.“—(Langer Beifall von der Oppoſition.)„Zugleich bin ich überzeugt, daß der Ausſpruch meines edlen Freun⸗ ves nicht richtig ausgelegt wurde; ſo lange ich nicht von ihm ſelbſt höre, daß er das Gegentheil beſtinmt aus⸗ ſpricht, glaube ich auch, daß er nur meinen Gedanken Euren Lordſchaften hat varlegen wollen.“— So entzog der Premierminiſter mit einem Taet, durch den Nie⸗ mand getäuſcht werden konnte, und den Jebermann be⸗ wundern mußte, Lord Vargrave's unglücklichen Sätzen jede Silbe, welche bei irgend Jemand Anſtoß erregen konnte, und übergah die ſpitzigen Epigramme und hef⸗ tigen Anklagen einer durchaus harmloſen alltäglichen Er⸗ klärung.— Das Haus war ſehr aufgeregt,— Man rief allge⸗ mein nach Lord Vargrave und dieſer erhob ſich ſchnell. Er befand ſich in einer jener Verlegenheiten, woraus er per Mann war, ſich mit Geſchicklichkeit herauszuhelfen. In ſeinem Weſen lag ſo viel männlicher Freimuth, ſo viel feine Schlauheit in ſeiner Seele! Er beklagte ſich mit ſtolzer und ehrlich ſcheinenber Bitterkeit über die Aus⸗ legung, die man ſeinen Worten aufgezwungen habe. „Wenn jeber Satz,“ fügte er hinzu,(Niemand kannte beſſer die rheotoriſche Wirkung, ſich an ſeinen Gegner perſönlich zu wenden)„wenn jeber Satz, den der edle Lord in ſeinem Eifer für Freiheit ausſprach, in vergan⸗ genen Tagen mit berſelben Strenge ausgelegt ober mit gleicher Willkür verkehrt worden wäre, ſo hätte jener edle Lord ſchon längſt als Brandſtifter angeklagt und vielleicht als Verräther enthauptet werden müſſen!“ Heftiger Beifall von den Miniſterialbänken, der Ruf: „Ordnung!“ von der Oppoſition. Ein militäriſcher Lord erhob ſich, um zur Ordnung zu rufen und appellirte an den Lordkanzler.— Lumley ſetzte ſich, als ſei er üͤber die Unterbrechung zor⸗ nig; er hatte die erwünſchte Wirkung hervorgebracht; er hatte die vorliegende öffentliche Frage in einen Privatzank verwanbelt; eine neue Aufregung war erweckt worden; er hatte den Lords Sanb in die Augen geſtreut. Mehre Spre⸗ cher erhoben ſich, um die Sache beizulegen. Nach einer halben Stunbe verſchwendeter Zeit gab der edle Lord auf der einen, und der eble Lord auf der anbern Seite gehörige Erklärungen. Beide richteten an ſich die höchſten Cympli⸗ mente, und Lumley beſchloß ſeine Rechtfertigung, welche jetzt nach der kurz vorhergegangenen Exploſion etwas nur ſehr Unbebeutendes zu ſein ſchien. Er erreichte ſeinen Zweck, ſo daß er ſcheinbar alle Parteien befriebigte, denn alle Parteien waren jetzt der Sache müde und wollten zu Bette. Am nächſten Morgen aber gab es Geflüſter in der Staht bar d bie O daß d Sefſir jetzt n ſeinen mit g mit L ſelben Lord grave Vargr „ich ſt Ihner Mini Anſpi langt aus de bies g ſehe z ſicht a . einige miniſt ich ſei V 174 Staht, Artikel in den verſchiebenen Zeitungen, bie offen⸗ bar denſelben von den Parteihäuptern zugeſchickt waren; die Oppoſitition war erfreut, und ein Gefühl allgemein, daß die Uneinigkeit unter den Miniſtern vor ber nächſten Seſſion ausbrechen würde, wenn auch die Regierung für jetzt noch zuſammen halten möchte.— Als Lumley ſich nach dieſer ſtürmiſchen Debatte in ſeinen Mantel hüllte, kam ber Marzuis von Raby, ein Pair mit großem Grundeigenthum, und ein Mann, welcher mit Lumley's Anſichten gänzlich übereinſtimmte, zu dem⸗ ſelben hin und machte ihm den Vorſchlag, daß Beide in Lord Raby's Wagen zuſammen heimkehren ſollten. Var⸗ grave willigte ein und entließ ſeine Diener.— „Sie haben bewundrungswürdig geſprochen, theurer Vargrave“ ſprach Lord Raby, als Beibe im Wagen ſaßen, „ich ſtimme mit allen Ihren Gedanken überein; ich erkläre Ihnen, mein Blut kochte, als ich hörte, daß der Premier⸗ Miniſter geneigt iſt, Sie über Bord zu werfen. Ihre Anſpielung anf*** war vortrefflich; er wird einen Monat lang daran zu thun haben.— Sie ſelbſt haben ſich gut aus der Sache geholfen.“ „Es iſt mir lieb, daß Sie mein Verfahren billigen, dies gibt mir Troſt,“ ſprach Vargrave mit Gefühl;„ich ſehe zwar alle Folgen, kann benſelben aber auch mit Rück⸗ ſicht auf meinen Charakter und mein Gewiſſen trotzen.“ „Ich hege daſſelbe Gefühl,“ erwiberte Lord Raby mit einiger Wärme,„und ſollte ich glauben, daß der Premier⸗ miniſter hier in dieſer Frage nachgeben würde, ſo würde ich ſeiner Regierung vpponiren.“ Vargrave ſchüttelte ſein Haupt und ſagte Nichts, ſo 172 vaß Lord Raby eine hohe Ibee von ſeiner Klugheit be⸗ kam. Nach einigen anderen Vemerkungen über Politik lud Lumley Lord Raby ein, ihn auf ſeinem Landſitze zu beſuchen. „Ich reiſe nächſten Montag nach Knaresdean; wie Sie wiſſen haben wir Wettrennen im Park, und dieſe ſind bisweilen ſehr angenehm; jedenfalls bleten ſie eine ſehr hübſche Anſicht. Im Oberhauſe kömmt jetzt doch Nichts mehr vor. Die Schließung der Seſſion iſt nahe und können Sie Zeit ſparen, ſo wird Lady Rabh, ſo wie ich, ſehr vergnügt ſein, Sie zu ſehen.“ „Gewiß kann ich, mein theurer Lord, Ihre Einladung nicht abweiſen; auch hatte ich die Abſicht, Ihre Grafſchaft naͤchſte Woche zu beſuchen. Sie kennen vielleicht Herrn Merton?“ „Carl Merton? Gewiß! Ein ſehr achtungswerther Mann, ein ausgezeichneter Herr, ber beſte Pfarrer der GPrafſchaft, kein Schwätzer, durchaus orthodor.“ „Er hält ſeinen Bruder bei uns, der bei gewiſſen Fragen ſchwankt, ob er gleich ſo oft ein ſehr thätiges Parla⸗ mentsglied iſt. Haben Sie Merton ſchon lang gekannt?“ „Ich kenne ihn überhaupt noch nicht. Meine Bekannt⸗ ſchaft betrifft allein ſeine Frau und ſeine Tochter. Bei⸗ läufig geſagt, ein ſehr hübſches Mädchen. Meine Mün⸗ del Miß Cameron, iſt bei ihnen.“ „Miß Cameron! Ha, ich verſtehe; ich glaube gehört zu haben;— aber Geklatſch ſagt nicht immer die Wahrheit.“ Lumley lächelte bebeutſam und der Wagen ſtand jetzt an ſeiner Thür. 4 Wage „2 aber a „( werder W Laufbe Lord A möglic Erklär Es ger derhole erkaun war, r eine Ft ſichtlich liſten ſ Di Ausbri wieder ober b ſollten erſtere 173 „Vielleicht wollen Sie uns am Montag in unſerem Wagen begleiten,“ fragte Lord Raby? „Am Montag? Unglücklicherweiſe bin ich beſchäftigt, aber am Dienfiag können mich Ew. Lordſchaft erwarten.“ „Gut! Das Wettrennen beginnt am Mitwoch; wir werden ein vodles Haus haben. Gut Nacht!“— Füunftes Kapitel. Wann ich überlege, wie elend die Menſchen ſind. Plautus. Wegen mancher Gründe müſſen wir über die politiſche Laufbahn kurz ſein, in welche der intriguirende Geiſt des Lord Vargrave ſich eingelaſſen hatte. Es wäre uns kaum möglich, vas nothwendige Mittel zwiſchen einer offenen Erklärung und einer zu verwickelten Umkleidung zu halten. Es genüge deßhalb, in kurzen Worten dasjenige zu wie⸗ derholen, was der Leſer ſchon aus dem Vorhergehenden erkannt haben wird, daß die zu löſende Frage eine ſolche war, wie ſie oft genug in allen Miniſterien vorkömmt— eine Frage, worüber das Kabinet getheilt war, und hin⸗ ſichtlich welcher der ſchwächere Theil den ſtärkern zu über⸗ liſten ſtrebte.— Die Unzufriedenen, welche den frühern oder ſpätern Ausbruch bes aufſteigenden Gewitters vorausſahen, waren wieber unten ſich getheilt, ob ſie ihre Stellen niederlegen oder bleiben und ihre Gollegen zur Abdankung zwingen ſollten— die Reichern und Ehrlicheren waren für das erſtere Verfahren; die ärmeren und mehr abhängigen für pas anbere. Wir haben geſehen, haß die letztere Politik piejenige war, welche Lord Vargrave annahm und empfahl (obgleich derſelbe nicht im Cabinet ſaß, gelang es ihm doch immer, deſſen Geheimniſſe herauszubringen); zugleich aber auch ließ er ſich freie Hand hinſichtlich des Andern. Wäre es möglich, ſeine Partei zu biseipliniren und zu krüftigen, ſo daß bei dem Staatsſtreich ber plötzlichen Re⸗ ſignation eines furchtbaren Körpers die ganze Negierung getrennt würde, und eine neue aus den Zurücktretenden ſich bilden ließe, ſo war dies offenbar der beſte Plan. Aber alspann zweifelte Lord Vargrave an ſeiner Kraft, und beſorgte, zu Gunſten ſeiner Collegen zu ſpielen, die ohne ihn und ſeine Verbündeten einen feſteren Stand erhalten, und durch Ausſöhnung der Oppoſition in politiſcher Be⸗ wegung einen Schritt vorwärts machen würden, durch welchen Vargrave auf lange Jahre ohne Amt und Macht bleiben müßte.— Er bereute ſeine Raſchheit in der kürzlichen Debatte, die allerdings als voreilige Keckheit aus augenblicklicher Aufregung entſprungen war;— ver ſchlauſte Redner iſt bisweilen unbebacht. Die nächſten Tage brachte er hamit zu, abwechſelnd eine Partei durch Erklärungen zu verſöhnen und die andere zu erforſchen, zu vereinigen und zu befeſtigen. Sein Verſuch in der erſteren wurden von dem Premier mit der kalten Arligkeit eines beleibigten, aber vorſichtigen Staatsmannes aufgenommen, der gerade ſo viel glaubte, wie es ihm beliebte, unb der es vorzog⸗ ſeine eigene Gelegen⸗ heit zu einem Bruch mit einem ihm Untergeordneten abzu⸗ warten, als eine Unbeſonnenheit dadurch zu wagen, daß er ſich ſeinem Arger hingab. Bei der letztern Partei ſah der ſcharft unſich⸗ zu ſeit Manc ſten er ſchnell würde. er auf wo die tung ül aufzun ſtürzen verbeſſe Candid lich, e lachten Miniſt zu verf daß er von we ſein mi Vertra bumme Be guant,: gen; m Eveline glücklich war ihr Arger, litik fahl ihm leich dern. nd zu Re⸗ erung enden Aber „und ohne alten, r Be⸗ durch Macht 8 ſcharfblickende Abenteurer, baß ber Boden, woraufer ſtanb, unſicherer war, wie er vermnthet hatte.— Er bemerkte zu ſeiner großen Täuſchung und geheimen Wuth, daß Manche berjenigen, welche ſich am lauteſten zu ſeinen Gun⸗ ſten erklärten, ſo lange er in der Regierung ſaß, ihn am ſchnellſten verlaſſen würden, ſobald er herausgeworfen würde. Als ein untergeorbneter Miniſter beliebt, wurde er aufganz verſchiedene Weiſe in dem Augenblick betrachtet, wo die Frage ſich erhob, ob die Menſchen ſich ſeiner Lei⸗ tung überlaſſen ſollten, anſtatt ſeine Außerungen günſtig aufzunehmen. Einige wünſchten nicht die Regierung zu ſtürzen, Andere ſuchten ſie nur zu ſchwächen, um ſie zu verbeſſern. Einer ſeiner aufrichtigſten Anhänger war ein Candidat für die Pairie, ein Anderer erinnerte ſich plötz⸗ lich, er ſei ein Vetter des Premier⸗Miniſters; Einige lachten über die Idee einer Marionette als Premier⸗ Miniſter in Lorb Saxenham; Andere gaben Lord Vargrave zu verſtehen, er habe kein ſolches Anſehen im Lanbe, daß er einer neuen Partei Achtung verſchaffen könne, von welcher er, der Sprecher, wenn auch nicht das Haupt ſein müſſe; ſie ſelbſt ja hegten zu ihm Bewunderung und Vertrauen, aber die verdammten Landebelleute und das dumme Publikum! Beunruhigt, ermüdet und verdrießlich, ſah der Intri⸗ guant, wenigſtens für jetzt, ſich zur Unterwürfigkeit gezwun⸗ gen; mehr wie jemals fühlte er die Nothwenbigkeit, an Evelinens Vermögen einen Rückhalt zu haben, wenn un⸗ glückliches Spiel ihn ſeines Amtes berauben ſollte. Es war ihm lieb, auf einige Zeit den Plackereien und dem ärger, gleichſam um Athem zu ſchöpfen, zu entgehen; mit —— 176 dem eifrigen Intereſſe einer ſanguiniſchen und elaſtiſchen Seele, bie ſtets von einem Entwurf zum andern überging, blickte er auf ſeine Reiſe nach B— ſtire. Auf dem Lanbhauſe von Herrn Donce truf Lorb Var⸗ grave einen jungen Ehelmann, welcher gerabe ein nicht allein großes und ſchuldenfreies Gut beſaß, ſondern auch ein ſolches ererbt hatte, welches ihm Wichtigkeit in den Augen der Politiker ertheilte. Da es in einer ſehr kleinen Graf⸗ ſchaft lag, ſo ward dem Eigenthümer, Lord Doltimore, als denr größten Grunbbeſitzer wenigſtens die Ernennung eines der Parlamentsglieber für dieſelbe gefichert, während ein kleines Dorf, hinter ſeinem Park gelegen, einen ver⸗ faulten Flecken abgab und zwei Mitglieder ins Parlament ſandte. Lord Doltimore, erſt kürzlich zum Feſtlonde zu⸗ rückgekehrt, hatte noch nicht einmal ſeinen Sitz im Ober⸗ hauſe eingenommen; obgleich ſeine Familienverbindungen miniſteriell waren(weder beſonders hoch, noch in der Mobe) war ſeine eigene Partei noch unbekannt. Lord Vargrave richtete auf dieſen jungen Ebelmann hauptſächlich ſeine Aufmerkſamkeit; derſelbe ſchien geeignet, jüngere Leute, wie er ſelbſt war, an ſich zu ziehen, auch gelang es ihm in ausgezeichneter Weiſe ſeine Pläne auf Lord Doltimore' Neigung. Seine Lorbſchaft war ein kleiner, blaſſer Mann mit ſehr geringem Verſtande, hochmüthig im Weſen, ſorgfäl⸗ tig in der Kleidung im Grunbe nicht bösartig, und in ſeinem Charakter mit manchen Eigenſchaften eines engli⸗ ſchen Gentleman, d. h. er war ehrenwerth in ſeinen Ge⸗ panken und Handlungen, ſobalb ſeine natürliche Dumm⸗ heit und ſeine vernachläſſigte Erziehung ihn in Stand — „ 7 ſetzten Ander chen C zu erke und E abgege aber ſe bei ihn ihm mi mit her „Sie h wahrha Sie, T Sie ha Di nicht d timore ſehr gu ſtand ſ merken tänzeri haften ſeiner g gutmüt „S die Sai nach Ti ſich entf „Me Bult tiſchen rging, d Var⸗ n nicht uch ein Augen Graf⸗ timore, ennung vährend en ver⸗ rlament nde zu⸗ Ober⸗ ſorgfäl⸗ ſetten, ungeachtet ſeiner Vorurtheile, der Täuſchungen Anderer und ber falſchen Anſchauungsweiſe der lieberli⸗ chen Geſellſchaſt, worin er lebte, bas Recht und Unrecht zu erkennen. Allein ſein Hauptcharakterzug war Eitelkeit und Eigenliebe. Er hatte ſich viel mit jüngeren Söhnen abgegeben, die geſchickter wie er ſelbſt waren, bie ihm aber ſein Geld abborgten, ihm ihre Pferbe verkauften und hei ihm im Kartenſpiel gewannen. Dafür bezahlten fie ihm mit der Art von Schmeichelei, welche junge Männer mit herzlichem Anſchein von Bewunderung geben können: „Sie haben ſicherlich bie beſten Pferde in Paris; Sie ſind wahrhaftig ein teufliſch guter Kerl, Doltimore; wifſen Sie, Doltimore, was die kleine Deſire von Ihnen ſagt? Sie haben ſicherlich des Mädchens Kopf verdreht.“ Dieſe Art Schmeichelei vom einen Geſchlecht wurde nicht durch Härte vom andern ausgeglichen. Lord Dol⸗ timore war im Alter von zweiundzwanzig Jahren eine ſehr gute Partie. Wie mangelhaft ſonſt auch ſein Ver⸗ ſtand ſein mochte, ſo beſaß er doch genug, um zu he⸗ merken, daß ihm größere Aufmerkſamkeit von Opern⸗ tänzerinnen, die einen Freund ſuchten, oder von tugend⸗ haften Damen, die einen Gatten ſuchten, als von einem ſeiner gewöhnlichen Geſellſchafter erwieſen wurde, wie gutmüthig manche derſelben auch ausſehen mochten. „Sie werben jetzt nicht mehr in London hleihen, va die Saiſon vprüber iſt,“ fragte Lord Vargrave, als er nach Tiſche bei Lord Doltimore ſaß, ſobalb die Damen ſich entfernt hatten. „Nein! ſogar in der Saiſon gefällt mir London Bulwer, Alice. I. 12 nicht beſonders; Paris hat mich für jeden andern Ort verzogen.“ „Paris iſt ſicherlich ſehr angenehm; das laisse?- aller bes franzöſichen Lebens hat einen Zauber, deſſen unſer förmlicher Prunk entbehrt. Nichtsdeſtoweniger muß London für einen Mann, wie Sie, manche Anzie⸗ hung beſitzen.“ „Nun, ich habe dort viele Freunde; dennoch erregt es mir Langeweile, mit Ausnahme der Wettrennen von Ascot.“ „Halten Sie Pferde zum Wettrennen?“ „Noch nicht, aber Legard(Sie kennen ihn vielleicht, ein ſehr guter Kerl) reizt mich an, daß ich mein Glück verſuche. Bei dem Wettrennen von Paris war ich ſehr glücklich; wie Sie wiſſen, haben wir dort ein ſolches eingerichtet. Natürlich gefällt es dem Franzoſen.“ „So? Seit langer Zeit bin ich nicht in Paris ge⸗ weſen— ein ſehr aufregendes Vergnügen!— Apropos der Wettrennen, morgen reiſe ich nach Lord Raby's Gut. Wie ich glaube, las ich in einer Morgen⸗Zeitung, daß Sie auf ein Pferd in Knaresdean ſehr viel ein⸗ geſetzt haben.“ „Ja, auf den„„Donnerer.““ Ich gedenke ihn zu kaufen. Legard— Obrit Legard—(er war Kapitän in der Garde, hat aber ſeine Stelle verkauft)— iſt ein guter Richter und emtſiehlt den Ankauf. Wie ſonder⸗ har, daß auch Sie na) Knaresdean reiſen!“ „Allerdings ſonderbar, aber höchſt glücklich!— Wir können zuſammenreiſen, wenn Sie keine beſſere Geſell⸗ ſchaft haben.“ L ſeits e zu ſeir er erh wenige ſchuld verpfli Lu machte ſellſcha Hand legen ſ Salſe Wohl n „Je etwas z „Al Unge Begegnn n Ort S8e7— deſſen eniger Anzie⸗ erregt ten von n Glück ich ſehr 1 ſolches .. aris ge⸗ Lorb Doltimore erröthete und trug Bedemen. Einer⸗ ſeits erſchrak er, mit einem ſo gewandten Manne allein zu ſein; andererſeits wurde ihm eine Ehre erwieſen, und er erhielt Stoff, Legarb Etwas zu erzählen; nichtsdeſtu⸗ weniger überwand die Blödigkeit ſeine Eitelkeit; er ent⸗ ſchuldigte ſich und beſorgte, daß er Legard mitzunehmen verpflichtet ſei.. Lumley lächelte und wechſelte das Geſpräch; er machte ſich ſo angenehm, daß Doltimore, als die Ge⸗ ſellſchaft aufbrach und Lumley ſeinem Gaſigeber vie Hand geſchüttelt hatte, zu ihm hintrat und etwas ver⸗ legen ſagte:„Wie ich glaube, kann ich mir Legard vom Halſe ſchaffen, wenn Sie—“ „Das iſt entzückend! wann ſollen wir fortfahren? Wohl nicht zu frühe vor dem Eſſen. Um ein Uhr? „Ja! nicht zu früh vor dem Eſſen; ein Uhr iſt etwas zu frühe.“ „Alſo um zwei. Wo wohnen Sie?⸗ „In Fentons⸗Hotel.“ „Ich will Sie abrufen. Gute Nacht! Wie wünſche ich den Donnerer zu ſehen!“ Sechstes Kapitel. Die Geſundheit der Seele iſt nicht ſicherer, wie die des Körpers; obgleich mon von Leidenſchaften entfernt ſcheint, befindet man ſich nicht weniger in Gefahr, ſich von ihnen fortreißen zu laſſen, wie krank zu werden, wenn man geſund iſt. La Rochefaucould. Ungeachtet der Bemühungen des Maltravers, eine Begegnung ber Eveline zu vermeiden, trafen Beide in 180 ver Runde provinzieller Gaßfreundſchaft nothwendig zuſammen. Wenn Herr Merton voder Caroline(eine ſchärfere Beobachterin, wie ihr Vater) jemals Verbacht gehegt hatten, daß Eveline eine Eroberung an Maltra⸗ vers gemacht hahe, ſo mußte ſein Benehmen bei ſolchen Gelegenheiten, denſelben nothwendig entfernen. Mal⸗ travers war ein Mann von tiefem Gefühl, aber nicht mehr ein Kind, um dem erſten Antriebe der Verſuchung ſich hinzugeben. Ich ſagte, Tapferkeit ſei ſeine Lieb⸗ lingstugend geweſen; Tapferkeit iſt aber nur eine Tu⸗ gend großer und ſeltener Augenblicke; noch eine andere Tugend, die auf gleiche Weiſe wenig Lohn und Glanz verſchafft, hielt er für die Hauptform ſeiner thätigen und täglichen Pflichten; dieſe Tugend war Gerechtigkeit. In ſeiner Jugend war er in die eonventionelle Formel verliebt geweſen, die wir Ehre nennen, ein wechſelndes und ſchattenhaftes Phantom, welches nur den Refler der Meinung, der Zeiten und Klimate bildet. Die Ge⸗ rechtigkeit aber enthält etwas Bleibendes und Feſtes; aus Gerechtigkeit entſpringt die wahre, nicht die falſche Ehre. „Die Ehre,“ ſagte Maltravers,„verhält ſich zur Gerechtigkeit, wie die Blume zur Pflanze; ſie iſt deren höchſter Lebenspunkt! Die Ehre aber, welche nicht aus Gerechtigkeit entſpringt, gleicht einem bemalten Lum⸗ pen, einer künſtlichen Roſe, welche die männlichen Putz⸗ macherinnen uns als natürlicher, wie vie wahre, pflanzen wollen.“ Dieſen Grundſatz der Gerechtigkeit ſuchte Maltra⸗ vers in allen Dingen durchzuführen— vielleicht nicht mit eine dennt unter ſchwe und f ſchwe / Umſte erwec thätig heit d N gerech Erfüll man ſi ihn lie wiſſen verſpri mißrie laſſen. und ri Jugent verehrt gab, u muß— auf Na Erzeug Verfah leitete. wendig e(eine ervacht Naltra⸗ ſolchen WMal⸗ r nicht ſuchung e Lieb⸗ ine Tu⸗ e andere d Glanz thätigen chtigkeit. Formel ſich zur pflanzen Maltra⸗ icht nicht mit fortwährendem Erfolg, denn welche Praris kann je eine Theorie zur Wirklichkeit immer erheben? Aber dennoch ward ſein Bemühen, Erfolg zu erlangen, nie unterbrochen. Dies vielleicht hatte ihn von den Aus⸗ ſchweifungen zurückgehalten, zu welchen ausſchweifende und freifinnige Naturen geneigt ſind— von den Aus⸗ ſchweifungen eines Pſeubogenius. „Niemand,“ pflegte er zu ſagen,„kann in ſeinen Umſtänden verſtört ſein, ohne Andern Verlegenheit zu erwecken. Wer kann gerecht ſein vhne Olonomie? Milb⸗ thätigkeit und Großmuth iſt uns die Poeſie und Schön⸗ heit der Gerechtigkeit.“ Niemand forverte Maltravers z. V. zweimal eine gerechte Schuld ab; Niemand forberte ihn zweimal zur Erfüllung eines Verſprechens auf. Man fühlte, daß man ſich jedenfalls auf ſein Wort verlaſſen konnte; auf ihn ließ ſich die witzige Lobrede Johnſons auf einen ge⸗ wiſſen Edelmann anwenden:„Wenn er Euch eine Eichel verſprochen hätte, und wenn die Eichelernte in England mißrieth, ſo hätte er eine ſolche aus Norwegen holen laſſen.“ Deßhalb war es nicht der bloße normanniſche und ritterliche Geiſt der Ehre, welchen er in ſeiner Jugend als einen Theil des Schönen und Geziemenden verehrt hatte, der aber damals der Verſuchung nach⸗ gab, wie ein Gefühl ſteis der Leivenſchaft nachgeben muß— ſonbern es war vielmehr der härtere, hartnäckige, auf Nachſinnen beruhende Grundſatz, ein ſpäteres Erzeugniß tieferer und edlerer Weisheit, welcher vas Verfahren des Maltravers in dieſer Krifis ſeines Lebens leitete. Gewiß hatte er niemals ſo geliebt, wie jetzt 182 Eveline; dennoch hatte er ſich nie ſo wenig der Leiben⸗ ſchaft überlaſſen.„Iſt ſie mit einem Andern verlobt,“ vachte er,„ſo gezlemt keiner dritten Perſon ein Ver⸗ ſuch, das Verlöhniß aufzulöſen. Ich bin der Letzte, der ein richtiges urtheil von der Kraft oder Schwäche ber Bande zu bilden vermag, welche ſie an Lord Vargrave knüpfen. Meine Aufregung würde mich ungeachtet mei⸗ nes Willens auf Abwege leiten. Ich kann mir benken, vaß ihr Verlobter ihrer nicht würdig iſt; varüber aber muß ſie ſelbſt entſcheiden. So lange die Bande halten, beſitzt Niemand das Recht, ſie zu zerreißen.“ Dieſen Vegriffen gemäß, welche die Welt vielleicht für übertrieben hält, verſchanzte ſich Maltravers in eine ſtarre und ſogar erkaltende Förmlichkeit. Wie ſchwierig wwar dies Verfahren bei einem ſo einfachen und natür⸗ lichen Mädchen! Die arme Eveline dachte, ſie habe ihn beleidigt; ſie wünſchte ihn nach der Urſache, weßhalb er gereizt ſei, zu fragen; vielleicht hatte ſie in ihrem Beſtreben, ſeinen Genius zu erwecken, eine geheime und ſchmerzende, eine verborgene Wunte der Ereinnerung berührt; ſie rief ſich alle ihre Geſpräche wieder ins Ge⸗ dächtniß. Ach, weßhalb ließen ſich dieſelben nicht er⸗ neuen! Maltravers hatte auf ihre Phantaſie und ihre Gedanken einen nicht zu verwiſchenden Eindruck hervor⸗ gebracht. Sie ſchrieb häufiger wie jemals an Lady Var⸗ grave, und der Name Maltravers fand ſich auf jeder Seite ihrer Briefe. Eines Abends trat Miß Cameron nebſt den Mertons beinahe in demſelben Augenblick ins Zimmer, wie Mal⸗ travers. Die Geſellſchaft war klein und ſo Wenige wa⸗ Leiben⸗ rlobt,“ nVer⸗ te, der che der grave et mei⸗ denken, er aber halten, ielleicht in eine ren noch angelangt, daß es für Maltravers unmöglich war, ohne auffallende Unhöflichkeit ſeine Bekannten aus dem Pfarrhauſe zu vermeiden. Frau Merton ſetzte ſich zu Evelinen und machte Herrn Maltravers an⸗ muthig den Vorſchlag, den dritten leeren Sitz auf bein Sopha einzunehmen, auf welchem fie in der Mitie ſaß. „Wir grollen Ihnen wegen der Verbeſſerungen auf Ihren Gütern, Herr Maltravers, da dieſelben uns Ihre Geſellſchaft koſten. Wir wiſſen aber, daß unſer kleiner langweiliger Kreis Jemandem nicht gefallen kann, der ſchon ſo viel geſehen hat. Wir erwarten jedoch, Ihnen bald eine Anlockung in Lord Vargrave bieten zu können. Er iſt ein ſo lebhafter, angenehmer Mann.“ Maltravers erhob ruhig und durchbringend ſeine Augen zu Eyelinen bei dem letzteren Theil dieſer Rede. Er bemerkte, daß ſie blaß ward und unwillkürlich ſeufzte. „Er beſaß einen heitern Geiſt, als ich ihn kannte,“ ſagte er,„und weniger Urſache, ſich glücklich zu fühlen.“ Frau Merton lächelte und wandte ſich etwas ſpitzig zu Evelinen. Maltravers fuhr fort:„Ich habe niemals den ver⸗ ſtorbenen Lord geſehen. Wie ich glaube, beſaß er nicht die Lebhaftigkeit ſeines Neffen.“ „Ich habe gehört, daß er ſehr ſtreng war,“ ſprach Frau Merton, indem ſie ihr Augenglas auf eine Ge⸗ ſellſchaft, die eintrat, richtete. „Streng!“ rief Eveline aus,„ach, Sie hätten ihn noch kennen ſollen! Der gütigſte und nachſichtigſte Maun; Niemand liebte mich wie er.“ Sie ſchwleg, denn ſie empfand, wie ihre Lippe bebte. 184 Ich bitte Sie um Verzeihung, meine Theure,“ ſagte Frau Merton kalt. Frau Merton hatte keinen Begriff von der Pein, welche dadurch erregt wird, daß man ein Gefühl verletzt. WMaltravers warb gerührt und Frau Merton ſetzte das Geſpräch fort mit den Worten:„Kein Wunder, daß er gegen Sie gütig war, Eveline; ein roher Menſch würde dieſes ſein; allgemein hielt man ihn aber für einen ſtrengen Mann.“ „Ich habe niemals einen ſtrengen Blick von ihm ge⸗ ſehen, ich hörte niemals ein ſtrenges Wort von ihm; ich erinnere mich ſogar niemals, daß er vas Wort„„Be⸗ fehl““ gebrauchte,“ſagte Eveline beinah ärgerlich. Frau Merton war im Begriff zu antworten, alz ihre mütterlichen Gedanken durch den Anblick einer Dame, deren kleine Tochter vie Maſern gehabt hatte, in einen neuen Kanal geleitet wurden; ſie ſchlüpfte mit jener Sympathie hinweg, welche alle Häupter einer heranwachſenden Familie vereinigt. Eveline und Maltravers blieben allein. „Sie erinnern ſich noch wohl Ihres Vaters?“ fragte Maltravers. „Keines Vaters, als des Lord Vargrave; ſo lange er lebte, kannte ich niemals den Verluſt eines Vaters.“ „Gleicht Ihnen Ihre Mutter?“ „Ach, ich wünſchte, dies wäre der Fall; ſie hat die ſanfteſten Züge.“ „Haben Sie kein Bilb von ihr?“ „Nein, ſie wollte ſich niemals porträtiren laſſen.“ ſagte Begriff an ein ſetzte under, Menſch er für m ge⸗ ihm; „„Be⸗ h. , als einer hatte, te mit einer —.— „Ihr Vater war ein Cameron; ich habe die⸗ ſes Namens gekannt.“ „Wir haben keine Verwandte; meine Mutter ſagt, keiner derſelben ſei am Leben.“ „Werbden wir nicht vielleicht Lady Vargrave in B— ſhire ſehen?“ „Sie verläßt nie ihr Haus, ich hoffe jedoch, bald nach Brvok⸗Green zurückzukehren.“ Maltravers ſeufzte, und die Unterredung nahm eine neue Wendung. „Ich habe Urſache, Ihnen für die Bücher zu danken, die Sie ſo gütig waren, mir zu ſenden. Ich hätte ſie Ihnen ſchon längſt zurückſchicken ſollen,“ ſprach Eveline „Ich brauche dieſelben nicht; Poeſie hat für mich den Reiz verloren, haupiſächlich ſolche, welche mit der Methode und Symmetrie der Kunſt etwas von deren Kälte verbindet. Wie geſiel Ihnen Alſieri?“ „Seine Eprache iſt eine Art von ſpartaniſchem Franzöſiſch,“ erwiderte Eveline mit einem jener glück⸗ lichen Ausdrücke, womit ſie dann und wann die ſchnelle Faſſungsgabe ihres natürlichen Talentes erwies.“ „Ja,“ ſagte Maltravers lächelnd,„die Kritik iſt treffend. Armer Alfieri! Er verſchwendete all ſeinen überſtrömenden Genius auf ſein wildes Leben und auf ſeine ſtürmiſchen Leidenſchaften; ſeine Poeſie iſt nur die Darſtellung ſeiner Gedanken, nicht ſeiner Regungen. Glücklicher iſt der Mann von Geiſt, welcher allein nach ſeiner Vernunft lebt, und Gefühl auf ſeine Verſe allein verſchwendet!“ „Sie glauben voch nicht, haß wir Gefühl auf menſch⸗ liche Weſen verſchwenden,“ ſagte Cveline mit niehlichem Lächeln. „Legen Sie mir die Frage vor, wenn Sie meine Jahre erreicht haben und auf die Felder ſchauen können, worauf Sie Ihre wärmſten Hoffnungen, Ihre evelſten Beſtrebungen, Ihre zärtlichſten Neigungen verſchwen⸗ deten, und wann Sie vann den Boden unfruchtbar und nutzlos erblicken.„„Setzet euer Herz nicht auf Dinge dieſer Erde!““ ſpricht der Prediger.“ Eveline ward durch den Ton, die Worte und den ſchwermüthigen Geſichtsausdruck des Redenden gerührt. „Sie ſollten unter allen Menſchen am wenigſten ſo denken,“ ſprach ſie mit liebenswürdigem Eifer—„Sie, die Sie ſo viel gethan haben, um die Herzen Anderer zu erwecken und zu mildern.“— Sie hielt an und fügte ernſter hinzu:„Ach, Herr Maltravers, ich kann mit Ihnen nicht diſputiren, jedoch ich hoffe, daß Sie Ihre eigenen Anſichten an ſich widerlegen werden.“— „Würde Ihr Wunſch erfüllt,“ erwiverte Maltra⸗ vers beinahe finſter und mit dem Ausdruck großen Kum⸗ mers an ſeinen zuſammengepreßten Lippen,„ſo würde ich Ihnen viel Unglück zu verdanken haben.“— Er ſtand plötzlich auf und wandte ſich fort. „Wie, habe ich ihn beleidigt?“ vachte Eveline be⸗ trübt,„ich ſpreche nie, ohne daß ich ihn verwunde.⸗ Sie hätte in ihrer einfachen Güte gewünſcht, ihm zu folgen und ihn zu beruhigen; allein er befand ſich jetzt in einer Geſellſchaft Fremder und verließ bald var⸗ auf das Zimmer. Ste ſah ihn mehre Wochen nicht wieder. Ei des he gens, ſie die ſtritter währe Merto wöhnl Schar die M „weil gehen arme „Sie u kann! ſein; leiſten 5 leid, t ſie ſeh wenn F zärtli Kopf Siebentes Kapitel. Das Große iſt nichts Anderes, als vieles Kleine Alter Schriftſteller. Ein ängſtlicher Vorfall trübte den ruhigen Strom ar und des heitern Lebens in der Pfarrei Merton. Eines Mor⸗ Dinge gens, als Eveline aus ihrem Zimmer kam, vermißte ſie die kleine Sophie, der es gelungen war, ein unbe⸗ nd den ſtrittenes Vorrecht auf einen Stuhl bei Miß Cameron erührt. während des Fröhſtücks in Anſpruch zu nehmen. Frau ſten ſo Merton erſchien mit einem ernſteren Geſicht wie ge⸗ „Sie, wöhnlich. Sophie war unkvohl und lag im Fieber; das nderer Scharlachfieber herrſchte in der Gegend. fügte„Dies trifft ſich um ſo unglücklicher, Caroline,“ fügie un mit die Mutter hinzu, indem ſie ſich an Miß Merton wandte, e Ihre„weil wir morgen auf einige Tage nach Knaresdean gehen wollten, um das Wettrennen zu ſehen. Wenn die kaltra⸗ arme Sophie nicht beſſer wird, ſo beſorge ich, daß Kum⸗„Sie und Miß Cameron ohne mich fort müſſen.— Ich würde kann Frau Hare holen laſſen, um Ihre Begleiterin zu ſein; dieſe würde dort ſehr gern Ihnen Geſellſchaft leiſten.“ ne be⸗„Arme Sophie,“ ſprach Caroline,„es thut mir de.⸗ leid, daß ſie unwohl iſt; ich glaube jedoch Taylor wird „ihm ſie ſehr in Acht nehmen; Sie brauchen nicht zu bleiben, nd ſich wenn ſie nicht ſchlimmer wird.“ d dar⸗ Frau Merton, welche, ſo kalt ſie auch ſchien, eine nicht zärtliche und aufmerkſame Mutter war, ſchüttelte den Kopf und ſagte nichts; Sophie aber befand ſich ſchlimmer 188 am Vormittage. Man ließ den Doktor holen, und bieſer erklärte die Krankheit für ein Scharlachfieber. Jetzt war es nothwendig, ſich vor Anſteckung zu ſchützen. Caroline hatte die Krankheit gehabt und theilte willig die Wache am Krankenbett mit ihrer Mutter. Frau Merton gab die Vergnügungspartie auf; man erließ an Frau Hare(die Frau eines reichen Grundbe⸗ ſitzers in der Grafſchaft) ein Schreiben und jene Dame willigte gern ein, Carvline und ihre Freundin zu be⸗ gleiten. Sophie hatte man ſchlafend verlaſſen. Als Frau Merton zu deren Bett zurückkehrte, fand ſie Eveline dort ruhig ſitzen. Sie erſchrak, denn Eveline hatte nie das Scharlachfieber gehabt, und man hatte ihr das Krankenzimmer unterſagt. Allein die kleine Sophie war erwacht und hatte verdrießlich nach ihrer theuren Eve⸗ line gefragt, und Eveline, die in der Nähe des Zimmers hin und herging, hörte die Frage von der geſchwätzigen Krankenwärterin und wollte hereinkommen. Das Kind blickte ſie ſo bittend an, als Frau Merton eintrat und ſagte ſo traurig:„Nehmen Sie doch Eveline nicht fort,“ daß Eveline beſtimmt erklärte, ſie habe nicht die geringſte Furcht vor Anſteckung und müſſe bleiben. Ihr Antheil an der Pflege würde um ſo nothwendiger ſein, da Ca⸗ roline am nächſten Tage nach Knaresdean wolle. „Aber Sie fahren ja dort ebenfalls hin, Miß Ca⸗ meron?“ „Gewiß, ich mag nicht, ich kümmere mich um Wettrennen nicht; ich wünſchte niemals dorthin zu gehen; ich möchte hei weitem lieber zu Hauſe hleiben. Gewiß meine 2 „O entfernt „Al Deine kann oh mich,„ „Je ton, mi line. An die Mut und Höf Ein Bruſt, e einen Se Wochen verloren. tereſſe ur war jetzt darum g linens ₰H Lilahut u Sophie, ſie richtet von Putz Caroline line ſieht Carol Angenblic Ca⸗ Gewiß wird ohne mich Sophie meine Theure?“ „Oja, wenn ich Sie von dem hübſchen Wettrennen entfernt halte, wird mir ſchlimmer hei dem Gedbanken.“ „Aber ich liebe nicht die hübſchen Wettrennen wie Deine Schweſter Carvline; ſie muß hingehen; man kann ohne ſie nicht fertig werden; aber Niemand kennt mich, mich wirb man nicht vermiſſen.“ „Ich kann ſo etwas nicht hören,“ ſagte Frau Mer⸗ ton, mit Thränen in den Augen; ſomit ſchwieg Eve⸗ line. Am nächſten Morgen aber war Sophie kränker und die Mutter zu ängſtlich und zu traurig, um an Umſtände und Höflichkeit zu denken; demnach hlieb Eveline. Ein augenblicklicher Schmerz durchſchoß Evelinens Bruſt, als Alles verabredet war; ſie erbrückte jedoch einen Seufzer bei dem Gevanken, ſie habe auf mehre Wochen vie einzige Gelegenheit, Maltravers zu ſehen, verloren. Allerbings hatte ſie vieſe Gelegenheit mit In⸗ tereſſe und furchtſamem Vergnügen erwartet; dieſelbe war jetzt für ſie verloren; allein weßhalb ſollte ſie ſich darum guälen, was ging ſie Maltravers an?— Carv⸗ linens Herz machte ihr Vorwürfe, als ſie mit ihrem Lilahut und neuen Kleide ins Zimmer trat. Die kleine Sophie, als ſie ihre, obgleich ſchmachtenden Augen auf ſie richtete, rief mit kinvlichem Vergnügen beim Anblick von Putz:„Wie niedlich und hübſch ſehen Sie aus, Caroline! Nehmen Sie Evelinen doch mit ſich; Eve⸗ line ſieht auch ſo hübſch aus!“ Caroline küßte ſchweigend das Kind und hielt einen Augenblick nnentſchloſſen an; ſie blickte auf ihre Klei⸗ nicht beſſer! Nicht wahr, ¹90 vung und dann auf Evelinen, welche ohne an Neid zu denken, ihr zulächelte; ſie hatte ſchon halb im Sinne zu bleiben, als ihre Mutter mit einem Briefe von Lord Vargrave eintrat. Derſelbe war kurz; Lord Vargrave würde beim Wettrennen ſein; er hoffte die Familte dort zu treffen und würde ſie nach Hauſe begleiten. Dieſe Nachricht beſtimmte den Entſchluß der Caroline, wäh⸗ rend ſie bereits der Eveline eine Belohnung ertheilte. Nach wenigen Minuten trat Frau Hare ins Zimmer. Caroline, vielleicht froh, ihren Selbſtvorwürfen zu ent⸗ gehen, eilte in den Wagen mit einem haſtigen:„Gott ſchütze euch Alle, macht euch keine Sorgen; gewiß iſt ſie morgen beſſer; Gveline, nehmen Sie ſich in Acht, vaß Sie nicht das Fieber bekommen!“ Herr Merton blickte ernſt und ſeufzte, als er ſie in den Wagen hob; als ſie aher vort ſitzend ſich umwandte und ihm einen Kuß zuwarf, ſah ſie ſo hübſch und aus⸗ gezeichnet aus, daß ein Gefühl väterlichen Stolzes ſeinen Arger über ihren Mangel an Empfindung verſüßte. Er ſelbſt gab den Beſuch auf; gleich darauf aber, als Sophie in einen ruhigen Schlaf verſunken war, glaubte er wohl einen Ritt durch die Grafſchaft zum Wettrennen wagen zu vürfen und um Mittag zurückkehren zu können. Mehre Tage, ſogar eine Woche, ging vorüber; das Wettrennen war geſchloſſen, aber Caroline nicht zurück⸗ gekehrt. Mittlerweile war Sophiens Fieber vvrüber⸗ gegangen; ſie konnte ihr Bett, ihr Zimmer verlaſſen, wiever unten ſein, und die Familie war glücklich. Es iſt erſtaunenswerth, wie die geringſte Störung in den täglichen Kleinigkeiten die Räder der häuslichen Maſchin aufhält worden etwas g der Mu des Va ſtellung zweimal Lady R die Geſe richt üb Lort kommen übergeri gehalten zu gefall die Erin ſchaft b lichen C Vorwür ſeine B den Wüt Lum von Cart Schönhe von ihm Die Elte letzte Sa Etne Gevatter vor zwei keid zu Sinne Lord rgrave lie dort Dieſe „wäh⸗ theilte. immer. zu ent⸗ „Gott aufhält! Eveline war glücklicherweiſe nicht angeſteckt worden; ſie war blaß und durch Mühe und Stubenluft etwas geſchwächt; ihr ward aber reichlich gelohnt durch der Mutter ſchwimmenden Blick der Dankbarkeit, durch des Vaters Händedruck, durch Sophiens Wiederher⸗ ſtellung und ihr eigenes gutes Herz. Caroline hatte zweimal geſchrieben, um ihre Heimkehr aufzuſchieben; Lady Raby war ſo artig, daß ſie nicht fort konnte, ehe die Geſellſchaft aufbrach; ſie war ſo erfreut, gute Nach⸗ richt über Sophien zu erfahren. Lord Vargrave war noch nicht in die Pfarrei ge⸗ kommen, um dort zu bleiben, er war aber zweimal her⸗ übergeritten, und hatte ſich einige Stunden dort auf⸗ gehalten; er gab ſich die äußerſte Mühe, um Evelinen zu gefallen; durch ſein Benehmen getäuſcht und durch die Erinnerung einer langen und vertrauten Bekannt⸗ ſchaft beſtimmt, ward ſie jetzt hinſichtlich ſeines wirk⸗ lichen Charakiers verblendet, und machte ſich bitterere Vorwürfe, wie jemals über ihren Widerwillen gegen ſeine Bewerbung und ihre undankbare Bedenklichkeit, den Wünſchen ihres Stieſvaters zu gehorchen. Lumley erzählte den Mertons mit gutmüthigem Lob von Carolinen; ſie ward ſo ſehr bewundert; ſie war die Schönheit in Knaresdean; ein gewiſſer junger Freund von ihm, Lord Doltimore, war offenbar in ſie verliebt. Die Eltern dachten Großes bei den Ideen, welche der letzte Satz heraufbeſchwor. Eines Morgens kam die geſchwätzige Frau Hare— die Gevatterin der Nachbarſchaft— in die Pfarrei; ſie war vor zwei Tagen aus Knaresdean zurückgekehrt und hatte 192 ebenfalls ihren Bericht von Carolinens Eroberung zu erzählen. „Ich verſichere Ihnen, theure Frau Merton, hätten wir nicht Alle gewußt, daß ſein Herz bereits eingenom⸗ men war, ſo hätten wir geglaubt, Lord Vargrave ſei ihr wärmſter Vewunderer. Lord Vargrave iſt ein bezau⸗ bernder Mann! Was jedoch Lord Doltimore betrifft, ſo macht er ihr förmlich den Hof. Entſchuldigen Sie mich, keine Klatſcherei— ein hübſcher junger Mann, nur ſteif und zurückhaltend; nicht mit dem einnehmen⸗ den Weſen von Lord Vargrave.“ „Kehrt Lord Raby nach London zurück odet hleibt er den Herbſt über in Knaresdean?“ „Er reist am Freitag, wie ich glaube, ab.— Sehr wenig Gäſte find jetzt noch dort. Lady A““ und Lord B*“ und Lord Vargrave und Ihre Tochter und Herr Legard und Lord Doltimore und Frau und Miſſes „Cipher; alle übrigen ſind am jWen Tage mit mir ah⸗ gereist.“ „Wahrhaftig, rief Herr Merton etwas erſtaunt aus. „Ha! ich leſe in Ihren Gedanken; Sie erſtaunen, daß Ihre Tochter noch nicht zurück iſt, nicht wahr?— Aber vielleicht hat Lord Doltimore— ha! ha!— aber keine Klatſcherei, entſchuldigen Sie mich.“ „War Herr Maltravers in Knaresdean?“ fragte Frau Merton, beſorgt, den Stoff zu wechſeln und auf eine andere Frage nicht vorbereitet. Eveline ſchnitt ein Pferd aus Papier für Sophie, welche, aller Munterkeit enthehrend, auf dem Sopha lag, und at Evelin⸗ „₰ er war lich zu Erwart pos! it Ihnen ſeinen ließ ich Worte und daf halb S Er war ihm, w geſteckt — keine „He er die T Ma Schritte blickte! Ausdruc „Si wir habe „Ich travers! „Ich hal ſei; Mi nicht kra Buln ung zu hätten genom⸗ ave ſei bezau⸗ betrifft, en Sie Mann, rehmen⸗ r bleibt ab.— — und ter und mir ab⸗ unt aus. ſtaunen, ahr?— fragte Sophie, pha lag, Miſſes — aber und auf 193 und aufmerkſam ihren Feenfingern folgte.„Unartige Eveline, Sie haben des Pferdes Kopf abgeſchnitten!“ „Herr Maltravers? Nein! ich glaube nicht; nein, er war nicht dort. Lord Raby bat ihn ſehr angelegent⸗ lich zu kommen, und war, wie ich weiß, ſehr in ſeiner Erwartung getäuſcht, vaß er nicht kam. Aber, à pro- pos! ich traf ihn vor einer Viertelſtunde, als ich zu Ihnen fuhr. Sie wiſſen, daß er uns erlaubt hat, durch ſeinen Park zu fahren; und als ich durch den Park kam, ließ ich meinen Wagen halten, um mit ihm ein paar Worte zu ſprechen. Ich ſagte ihm, daß ich hieher führe, und daß Sie das Scharlachfieber im Hauſe hätten, weß⸗ halb Sie nicht zu dem Wettrennen gekommen wären. Er ward ganz blaß und ſchien beunruhigt; ich ſagte ihm, wir beſorgten fämmtlich, daß Miß Cameron an⸗ geſteckt würde, und entſchuldigen Sie mich— ha! ha! — keine Klatſcherei; ich hoffe aber—“ „Herr Maltravers!“ ſagte der Kellermeiſter, indem er die Thür öffnete. Maltravers trat mit ſchnellem und ſogar eiligem Schritte ein, er hielt plötzlich an, als er Evelinen er⸗ blickte! ſein ganzes Antlitz erglänzte ſogleich von dem Ausdruck der Freude, der eben ſo ſchnell wieber verſchwand. „Sie ſind wirklich gütig,“ ſagte Frau Merton,„denn wir haben uns ſchon lange nicht mehr geſehen!“ „Ich bin ſehr beſchäftigt geweſen,“ murmelte Mal⸗ travers beinahe unhörbar und ſetzte ſich neben Eveline. „Ich habe ſo eben gehört, daß eine Krankheit im Hauſe ſei; Miß Cameron, Sie ſehen blaß aus, Sie ſind doch nicht krank, ich hoffe?—“ Bulwer, Aite. I. 13 194 „Nein! ich bin ganz geſund,“ ſprach Cveline mit einem Lächeln, und fie fühlte ſich glücklich, daß ihr Freund noch einmal gegen ſie artig war. „Ich war allein krank, Herr Ernſt,“ ſprach So⸗ phie,„Sie haben mich vergeſſen.“ Maltravers beeilte ſich, eine Rechtfertigung auszu⸗ ſprechen; Sophie und er waren balb wieder Freunbe. Frau Hare, welche aus überraſchung bei der plötz⸗ lichen Zuſammenkunft zuerſt geſchwiegen hatte, und jetzt wieder elegantes Geklatſch erſehnte, eröffnete noch ein⸗ mal ihre Schätze. Sie ſchwatzte bald mit dem Einen, bald mit dem Andern, hls ſie ſich außer Athem geſchwatzt hatte, bis die orthodore halbe Stunde vorüber war, bis man ſchellte, den Wagen beſtellte, und bis fie ſc fortzugehen erhob. „Kommen Sie doch an die Thür, Frau Nertun, und ſehen Sie meinen Klepper⸗Phakton an! Er iſt ſo hübſch. Lady Raby bewundert ihn ſo ſehr; Sie ſollten gerade einen ſolchen Wagen ſich anſchaffen;“ dabei beehrte ſie die Frau Merton mit einem bezeichnenden Blick, der ſo deutlich, wie nur möglich ausdrückte: ich habe Ihnen Etwas mitzutheilen. Frau Merton benutzte den Wink und folgte der guten Dame aus dem Zimmer. „Wiſſen Sie, theure Frau Merton,“ fragte Frau Hare flüſternd, als Beibe zwiſchen dem Billardzimmer und der Halle in Sicherheit waren,„wiſſen Sie, ob Lord Vargrave und Herr Maltravers gute Freunde find?“ „Nein! weßhalb fragen Sie? „Oh! als ich Lord Vargrave von ihm erzählte, ſchüt⸗ telte er den Kopf; ich weiß wirklich nicht mehr, was Se. eine dann die T hörte entſch Freut möcht Sie n heit, nicht zum ihn h Klatſ Mann Wink Comp D waren blieber beuger währe Hare dern at ſelben „E liſpelte beküm ben.— Ihnen e mit ß ihr So⸗ muszu⸗ nde. plötz⸗ d jetzt h ein⸗ Einen, hwatzt war, ſie ſich Se. Lordſchaft ſagte, aber er ſchien ſo zu reden, als ob eine kleine Feindſchaft zwiſchen Beiden herrſchte, und dann fragte er ſehr beſorgt, ob Herr Maltravers oft in die Pfarrei käme, und er ſchien etwas verlegen, als er hörte, Sie ſeien ſo nahe Nachbarn. Sie werden mich entſchuldigen— ha! ha!— aber Beide waren ja alte Freunde! und wenn Lord Vargrave hieher kömmt, ſo möchte es ihm unangenehm ſein, Jenen zu treffen— Sie werden mich entſchuldigen. Ich nahm mir die Frei⸗ heit, ihm zu ſagen, er hrauche auf Herrn Maltravers nicht eiferſüchtig zu ſein— ha! ha!— gar kein Mann zum Heirathen. Aber ich dachte, Miß Caroline zöge ihn herbei— Sie werden mich entſchuldigen, keine Klatſcherei, ha! ha! Aber Lord Doltimore muß der Mann ſein. Guten Morgen! Ich habe Ihnen nur den Wink geben wollen. Iſt nicht der Phatton hübſch? Meine Complimente an Herrn Merton!“ Die Dame fuhr davon. Während dieſes Geſpräches waren Maltravers und Eveline mit Sophie allein ge⸗ blieben. Maltravers fuhr fort, ſich über das Kind zu beugen und ſcheinbar auf deſſen Geſchwätz zu hören, während Eveline, welche ſich erhoben hatte, um Frau Hare die Hand zu drücken, ſich⸗nicht wieder ſetzte, ſon⸗ dern ans Fenſter ging und ſich mit den Blumen vor dem⸗ ſelben zu thun machte. „Sehr ſchön, Herr Ernſt,“ ſprach Sophie(ſie liſpelte ſtets den Namen beim letzten Buchſtaben)„Sie bekümmern ſich viel um uns, daß Sie ſo lange wegblei⸗ ben.— Nicht wahr, Eveline? Ich habe keine mit Ihnen zu ſprechen, Herr!“ 196 „Das wäre eine ſchwere Strafe, Miß Sophie; glücklicherweiſe würbe dies aber eine Strafe für Sie ſelbſt ſein; Sie können ja ohne zu ſchwatzen nicht leben.“ „Aber ich würde nie mehr geſprochen haben, Herr Ernſt, wenn Mama und die hübſche Eveline nicht ſo gütig gegen mich geweſen wären;“ das Kind ſchüttelte dabei den Kopf, als habe es Mitleid mit ſich ſelbſt. „Aber Sie müſſen nicht ſo lange fortbleiben, ſpielen Sie morgen mit Sophie, kommen Sie morgen und ſchaukeln Sie Sophie; ich bin nicht mehr angenehm ge⸗ ſchaukelt, ſeit Sie fort find.“ Während Sophie ſprach, wandte ſich Eveline halb um, als wolle ſie Maltravers Antwort hören. Er trug Bedenken, und Eveline ſagte:„Sie müſſen Herrn Mal⸗ travers nicht ſo quälen! Herr Maltravers hat zu viele Geſchäfte, um uns zu beſuchen.“ Eveline ſagte dies etwas empfindlich; ihre Wange glühte bei den Worten, aber ein ſchlaues, herausfor⸗ derndes Lächeln ruhte auf ihren Lippen. „Dies kann allein mir elne Veraubung ſein, Miß Cameron,“ ſagte Maltravers aufſtehend, und vergeblich verſuchend, dem Andrang zu widerſtehen, der ihn zum Fenfler zog. Der Vorwurf in Ton und Worten machte ihm ſowohl Kummer wie Vergnügen; alsdann auch erinnerte ihn die Scene und das leidende Kind an ſeine erſte Unterredung mit Evelinen. Er vergaß im Augen⸗ blick den Verlauf der Zeit, vas neue von ihr eingegan⸗ gene Band und ſeinen eigenen Entſchluß. „Ein ſchlechtes Compliment für uns,“ erwiberte Eveline vhne Zwang.„Halten Sie uns Ihre Geſellſchaft hi; ſelbſt Herr ht ſo ttelte elbſt. ielen und n ge⸗ halb trug Mal⸗ viele 197 für ſo wenig werih, daß wir Sie nicht zu ſchätzen wüß⸗ ten?— Vielleicht aber,“ fügte ſie hinzu, indem ſie die Stimme ſenkte,„haben wir Sie beleivigt, vielleicht ſagte ich etwas, das Sie verletzte.“ „Sie?“ wiederholte Maltravers mit Aufregung. Sophie, die aufmerkſam zugehört hatte, ſiel ihr ein.„Geben Sie Evelinen die Hand und verſöhnen Sie ſich mit ihr. Sie haben ſich mit ihr gezankt, unar⸗ tiger Ernſt!“ Eveline lachte und ſchüttelte ihre ſonnigen Locken zu⸗ rück.„Ich glaube,“ ſagte ſie mit bezaubernder Einfalt, „Sophie hat Recht. Söhnen wir uns aus!“ Mit dieſen Worten hielt ſie ihre Hand Maltravers hin. Maltrayers prückte die ſchöne Hand an ſeine Lippen. „Ach!“ ſprach er, von verſchiedenen Gefühlen aufgeregt, die ſeiner tiefen Stimme ein Zittern ertheilten,„Ihr einziger Fehler beßeht darin, daß Ihre Geſellſchaft mich mit meinem einſamen Hauſe unzufrieden macht, und da Einſamkeit mein Schickſal im Leben ſein muß, ſo ſuche ich mich bei Zeiten gagegen abzuhärten.“ Bei den Worten trat Frau Merton ins Zimmer, ob gelegentlich oder nicht, mag der Leſer entſcheiden. Frau Merton kehrte zum Zimmer zurück. Sie entſchul⸗ digte ſich wegen ihrer Abweſenheit, ſprach von Fran Hare und den kleinen Hares, hübſchen aber unruhigen Knaben; alsbann fragte ſie Maltravers, ob er Lord Vargrave geſehen habe, ſeit Seine Lorbſchaft in der Grafſchaft ſei. Maltravers erwiberte mit Kälte, daß er vie Ehre nicht gehabt habe, Lorb Vargrave habe bei ihm neulich 198 auf ſeinem Wege zur Pfarrei eingeſprochen, er ſei jedv nicht zu Hauſe geweſen, und er habe ihn ſchon viele Jahre nicht geſehen. „Er iſt eine Perſon von ſehr einnehmenden Manie⸗ ren,“ ſagte Frau Merton. „Gewiß, ſehr einnehmend und ſehr geſchickt.“ „Er hat Talente.“ „Er ſcheint ſehr liebenswürdig.“ Maltravers verbeugte ſich und blickte auf Evelinen, deren Geſicht jedoch ihm abgewandt war. Die Wendung des Geſprächs war dem Beſucher peinlich; er erhob ſich, um zu gehen. „Vielleicht,“ ſagte Frau Merton,„werden Sie morgen Lord Vargrave beim Mittageſſen treffen; er wird einige Tage bei uns bleiben, ſo lange, als man ihn entbehren kann.“ Maltravers Lord Vargrave treffen! den glücklichen Vargrave! den Verlobten der Eveline! Maltravers Zeuge der vertraulichen Rechte, der entzückenden Vor⸗ rechte eines Andern! und dieſer Andere ein Mann, den er nicht für würdig der Eveline hielt! Er empfand hef⸗ tige Pein bei dem Gemälde, welches die Einladung ihm heraufbeſchwor. „Sie find ſehr gütig, meine liebe Frau Merton, allein ich erwarte einen Beſuch in Burleigh, einen alten und theuren Freund, Herrn Cleveland.“ „Herrn Cleveland! wir werden erfreut ſein, auch den zu ſehen; wir kannten ihn viele Jahre lang, wäh⸗ rend Ihrer Minderjährigkeit, als er zwei⸗ oder dreimal jährlich Burleigh zu beſuchen pflegte.“ und ich doch n ſeine G Er erl gung Seine überle Gram noch tung, leidige worin ſaßen von„ hatte hörte Lord beſten Dolti eboch viele anie⸗ „Er hat ſich ſeitdem veränvert, er iß öfter kränklich, und ich beſorge, daß ich nicht für ihn ſlehen kann; je⸗ voch wird er Sie beſuchen, ſobald er ankömmt und ſelbſt ſeine Entſchuldigung anbringen.“ Maltravers erhob ſich ſchnell, um fort zu gehen. Er erlaubte ſich nicht mehr, als eine entfernte Verben⸗ gung gegen Eveline; ſie blickte ihn mit Vorwurf an. Seine Abweſenheit von ver Pfarrei war alſo vorher überlegt und beſchloſſen— weßhalb? Sie empfand Gram und war zugleich gekränkt; erſteres war vielleicht noch mehr wie letzteres ver Fall, vielleicht weil Ach⸗ tung, Intereſſe und Bewunderung toleranter und mit⸗ leidiger wie Liebe find. Achtes Kapitel. Arethuſa. Schon gut, Mylord, Sie machen Hof den Damen Et er mon t. Gewiß, die Dame da hat eintnStreich Verübt, der gegen ihren Willen iſt. Philaſter. An vemſelben Tage und beinahe in derſelben Stunbe, worin vas berichtete Geſpräch in der Pfarrei ſtattfand, ſaßen Lord Vargrave und Caroline im Frühſtückzimmer von Knaresdean allein zuſammen. Die Geſellſchaft hatte ſich, wie gewöhnlich, um Mittag zerſtreut; Beibe hörten in der Entfernung den Schall der Billardkugeln. Lord Doltimore ſpielte mit Oberſt Legard, einem der beſten Spieler in Europa, welcher jedoch zum Glück für Doltimore es ſich ſeit Kurzem zur Regel gemacht hatie, nie um Geld zu ſpielen. Die meiſten Gäſte waren Zuſchauer im Billarzimmer. Lady Raby ſchrieb Briefe; Lord Raby ritt über bas zum Hauſe gehörige Pachtgut; Caroline und Lumley waren ſeit einiger Zeit im ernſten Geſpräch; Miß Merton, die in einem großen Armſtuhl ſaß, war ſehr auf⸗ geregt, und brachte das Schnupftuch an ihre Augen. Lord Vargrave brehte dem Kamin ben Rücken zu, beugte ſich zu ihr nieder, und ſprach mit ſehr leiſer Stimme, während ſein ſchnelles Auge von der Dame Geſicht fortwährend zu den Fenſtern und der Thür blickte, als wolle er ſich auf jebe Unterbrechung vorbereiten. „Nein, meine theure Freunbin,“ ſagte er,„glauben Sie mir, ich bin aufrichtig. Meine Gefühle für Sie ſind ſolcher Art, baß keine Worte ſie malen können.“— „Warum denn wünſchen Sie „Daß Sie an einen Andern verheirathet werden?— Warum muß ich ſelbſt eine Anbere heirathen?— Caro⸗ line, ich habe Ihnen oft ſchon vargelegt, daß wir hierin die Opfer eines unvermeiblichen Schickſals find. Es iſt durchaus nothwenbig, daß ich Miß Cameron heirathe. Ich habe Sie vom erſten Augenblick an nicht betrogen. Ich hätte Jene geliebt; mein Herz hätte meine Hand be⸗ gleitet, hätte ich Ihre verführeriſche Schönheit, Ihre über⸗ legene Seele nicht getroffen! Ja, Caroline, Ihre Seele zog mich mehr an, wie Ihre Schönheit, Ihre Seele ſchien der meinigen verwanbt, von dem zweckmäßigen und weiſen Ehrgeiz erfüllt, der die Thoren der Welt als Marionetten, als Zahlen, als Schachfiguren betrachtet. Was mich be⸗ trifft ſo könnte kein Engel vom Himmel mich dem großen Spiele des Lebens entziehen! Meinen Feinben weichen, — von entwirt ſchaft, würbig vorhan Kinder „TL geſtehe 6 ſehen n chelt. theilen, kehren mein 2 gemein heiten, geiz ge eine är Denker komme Schulb leckene möchte Blüte Denke Sie es in ſchu verbitt großm uns B ſchauer Raby ne unb Miß hr auf⸗ Lorh ſich zu ährend end zu uf jede lauben ie ſind n7— Caro⸗ hierin Es iſt rathe. rogen. id be⸗ über⸗ Seele ſchien veiſen etten, h be⸗ roßen ichen, — von ber Leiter fallen,— das von mir gefertigte Gewebe entwirren! Niemals! Mein Herz theilen, meine Freunb⸗ ſchaft, meine Entwürfe theilen!— Das iſt die wahre und würdige Neigung die zwiſchen Seelen wie den unſtigen vorhanden ſein ſollte.— Alles Anbere iſt Vorurtheil von Kindern.“ „Vargrave, ich bin ehrgeizig, eigennützig geſinnt, ich geſtehe es; aber ich könnte Alles um Ihretwillen aufgeben.“ „Sie glauben das, Sie kennen das Opfer nicht, Sie ſehen mich jetzt als ſcheinbar reich, mächtig und geſchmei⸗ chelt. Dies Schickſal wollen Sie theilen; dies würden Sie thellen, wäre es das wirkliche, das ich Ihnen geben könnte; kehren Sie aber die Medaille um. Des Amtes beraubt, mein Vermögen verſchwunden, drängende Schulden, all⸗ gemein bekannter Mangel, das Lächerliche der Verlegen⸗ heiten, die Schande, die an Armuth und getäuſchten Ehr⸗ geiz geknüpft iſt, Verbannung in eine fremde Stadt und eine ärmliche Penſion, worauf ich allein Anſpruch habe.— Denken Sie Sich in mir einen Bettler beim Staats⸗Ein⸗ kommen, und noch dazu einen ſolchen, der ſo ſehr durch Schulben bedrängt iſt, daß kein Krämer des nächſten Markt⸗ fleckens das Einkommen des früheren Miniſters theilen möchte! In Zurückgezogenheit, gefallen, verachtet, in der Blüte des Lebens, auf ber Höhe meiner Hoffnungen! Denken Sie ſich, daß ich dies Alles ertragen kann! Können Sie es ertragen? Sie, die dazu geboren ſind, einen Hof zu ſchmücken, können Sie mich ſo ſehen?— Mein Leben verbittert— meine Laufbahn verloren— können Sie, großmüthig wie Sie find, empfinden, daß Ihre Liebe mir, uns Beiben und unſern Kindern ein ſo elenbes Loos ertheilt 202 hat?— Unmöglich, Caroline! Wir ſind zu weiſe fuͤr ſolche Romantik. Nicht weil wir zu wenig lieben, ſondern weil unſere Liebe unſerer werth iſt; verſchmähen wir es, dieſelbe uns zum Fluch zu machen. Wir können nicht gegen die Welt ankämpfen, ſondern wir müſſen ihr die Hand drücken und dem Geizhals ſeine Schätze entwenbden. Mein Herz muß ſtets das Ihre bleiben, meine Hand muß bie der Miß Cameron werden. Geld muß ich haben! Meine ganze Laufbahn hängt davon ab. Mir bleibt buchſtäblich nur die Wahl des Räubers: das Geld ober vas Leben!“ Vargrave ſchwieg unb ergriff Carolinens Hanb.„Ich kann mit Ihnen nicht ſtreiten,“ ſagte ſie,„Sie kennen die ſonderbare Gewalt, die Sie über mich erlangten; gewiß ungeachtet Alles deſſen, was vorgefallen iſt(Ca⸗ roline erblaßte), könnte ich eher Alles ertragen, als haß Sie mir ſpäter eine ſelbſtſüchtige Rückfichtsloſigkeit auf Ihre Intereſſen, auf Ihren gerechten Ehrgeiz zum Vor⸗ wurfe machten.“ „Meine theure Freunbin, ich ſage nicht, daß ich kei⸗ nen tiefen und ſcharfen Schmerz, wenn Sie einen An⸗ dern heirathen, empfinden werde; ich werde mich aber bei dem Gebanken tröſten, daß ich Ihnen eine Stellung verſchaffe, welche Ihres Verdienſtes würdiger iſt, als biejenige, welche ich Ihnen darbieten kann. Lord Dolti⸗ more iſt reich— Sie werden ihn lehren, ſeine Reichthü⸗ mer gut anzuwenden; er iſt ſchwach— Ihr Verſtand wird ihn regieren; er iſt verliebt— Ihre Schönheit wird genü⸗ gen, ſeine Gefühle zu bewahren; wir werden ſtets Freunde bleiben!—“ Noch mehr rebete dieſer geſchickte und ſchlane Schurke „ zu bemſell ſänftigte, Sie liebt konnte; v gedient, heit nicht muthigt, Eveline hatte ſie Schlange bis ſie d nicht mel auf Viel fie ſtutzt legenheit vielleicht ausgepu einer ge mehr A der Ma müßte horchte danke war mi das Se liebensn len ſchie „Vo Hoffnu betracht iſe für ondern wir es, gegen Hand Mein uß die Meine täblich ben!“ „Ich ennen gten; (Ca⸗ ls baß t auf Vor⸗ h kei⸗ An⸗ aber Uung „ als olti⸗ hthü⸗ wird en⸗ ſtets hurke * zu demſelben Zwecke mit Caroline, die er abwechſelnd be⸗ ſänftigte, reizte, der er ſchmeichelte, und die er empörte. Sie liebte ihn ſicherlich, ſo weit ſie Liebe empfiaden konnte; vielleicht aber hatte ſein Rang, ſein Ruf dazu gedient, ihre Liebe zu erwerben; da ſie ſeine Verlegen⸗ heit nicht kannte, hatte ſie eine eigennützige Hoffnung er⸗ muthigt, daß ſeine Hand ihr angetragen würde, wenn Eveline dieſelbe verwerfen ſollte. Unter dieſem Einbruck hatte ſie ſich mit ihm eingelaſſen, kokettirt und mit der Schlange geſpielt, bis dieſelbe fie umſchlungen hielt und bis ſie dem Zauber und ben Schlingungen derſelben ſich nicht mehr entreißen konnte. Sie war aufrichtig, ſie hätte auf Vieles für Lord Vargrave verzichten können; allein ſie ſiutzte und erſchrak bei ſeiner Schilderung. Auf Ver⸗ legenheiten in einem Palaſt war ſie vielleicht vorbereitet; vielleicht ſogar auf Entbehrungen, in einem kleinen her⸗ ausgeputzten Landhauſe, aber nicht auf den Mangel in einer gemietheten Wohnung! Sie horchte allmählig mit mehr Aufmerkſamkeit auf Vargrave's Beſchreibung von der Macht und Hulbigung, welche ihr zu Theil werden müßte, wenn ſie Lord Doltimore ſich ſichern könnte; ſie horchte auf unb ward zum Theil getröſtet, allein der Ge⸗ danke an Eveline fuhr ihr durch den Sinn; vielleicht war mit natürlicher Eiferſucht einige Zerknirſchung über das Schickſal verbunden, wozu Lorb Vargrave ein ſo liebenswürdiges und unſchuldiges Geſchöpf zu verurthei⸗ len ſchien. „Vargrave,“ ſagte ſie,„hegen Sie keine zu ſanguiniſche Hoffnung; Eveline kann Ihre Hand zurückweiſen, Sie betrachtet Sie nicht mit meinen Angen. Nur aus Ehrge⸗ 204 fühl weißt ſie vffen die Erfüllung eines Verlöbniſſes zu⸗ rück, vor dem ihr Herz zurückſchaudert, wie ich dies aus Erfahrung weiß; und wenn ſie Ihre Hand ausſchlägt und Sie frei find, und ich einen Anderen. „Sogar in dem Fall,“ uuterbrach ſie Vargrave,„muß ich mich zum golbenen Götzen wenden; mein Rang und mein Name muß mir eine Erbin erkaufen, welche, wenn auch nicht ſo begabt, wie Eveline, boch reich genug iſt, von meinen Rädern den Hemmſchuh unehrenvoller Schul⸗ den hinweg zu nehmen. Aber ich zweifle nicht an Eveline, Ihr Herz iſt noch frei, ſie hat Niemand geſehen; in Ihres Vaters Hauſe kann ſie Niemand geſehen haben.“ „Nein, ihre Neigung iſt noch nicht gewonnen.“ „Aber Maltravers— ſie iſt romantiſch, wle ich glaube, ſchien er durch ihre Schönheit ober ihr Vermögen gefangen?“— „Nein, ich glaube nicht, er iſt kürzlich wenig bel uns geweſen. Er ſprach mit ihr faſt nur, wie mit einem Kinde. Es finbet ſich eine Ungleichheit der Jahre.“ „Ich bin aber um mehrere Jahre älter, wie Maltra⸗ vers,“ murmelte Vargrave verdrießlich. „Sie? Aber Ihr Weſen iſt lebhafter und deßhalb jünger.“ „Schöne Schmeichlerin! Maltravers liebt mich nicht! Ich beſorge, ſein Bericht über meinen Charakter.. „Ich hörte ihn nie von Ihnen ſprechen, Vargrave, und ich muß Eveline die Gerechtigkeit erweiſen, daß ſie im Verhältniß, wie ſie nicht liebt, Sie ſchätzt und achtet.“ „Schätzt unb achtet! das ſind Gefühle für eine Ver⸗ nunft⸗Heirath,“ ſprach Lord Vargrave lächelnd. * „Aber man möcht trennen.“ Lord V jungen Leu den Donner hatte, und! Vargrave Unwiſſenhe mit zahlrei tertheil, 9 verdeckt ha zu ziehen, mit dem e „Dolt reiſen; wi nes Paket nehmen? „Gen Onkel zu Hunde ſü „Ha, beſteht ge in der Gr „Ich timore, i vergrub: Merton i doch, ob 205 „Aber ſtill! ich höre nicht mehr die Billardkugeln; man möchte uns hier finden, es iſt beſſer, daß wir uns trennen.“ Lord Vargrave ſchlenberte in das Billarbzimmer. Die jungen Leute hatten gerabe ihr Spiel beendigt und wollten den Donnerer beſehen, der bas Wettrennen gerade gewonnen hatte, und das Eigenthum Lord Doltimore's geworden war. Vargrave begleitete ſie in die Ställe und indem er ſeine Unwiſſenheit hinſichtlich der Pferde ſo gut wie möglich mit zahlreichen Complimenten über Vordertheil und Hin⸗ tertheil, Race, Knochen, Fleiſch und auffallende Theile verdeckt hatte, gelang es ihm, Lord Doltimore in den Hof zu ziehen, während Oberßt Legard ein eifriges Geſpräch mit dem erſten Stallknecht anknüpfte. „Doltimore, ich verlaſſe morgen Knaresbean; Sie reiſen; wie ich glaube, nach London. Wollen Sie ein klei⸗ nes Palet von mir für das Miniſterium des Innern mit⸗ nehmen?“ „Gewiß; ich glaube jedoch einige Tage bei Legards Onkel zu bleiben, dem alten Abmiral. Dieſer hält ſich Hunde für die Fuchsjagb und hat uns Beibe eingeladen.“ „Ha, ich kann bie anziehende Kraft mir denken; ſie beſteht gewiß in einer Schönen, bem hübſcheſten Mädchen in der Grafſchaft; Schade, baß ſie kein Geld hat.“ „Ich kümmere mich nicht um Geld,“ ſagte Lord Dol⸗ timore, indem er erröthete und ſein Kinn in der Halsbinde vergrub:„Sie irren ſich, ich denke nicht haran. Miß Merton iſt ein ſehr hübſches Mäbchen. Ich bezweifle je⸗ doch, ob ſie ſich um mich bekümmert. Ich möchte ein Mäh⸗ 206 chen heirathen, die ſehr in mich verliebt iſt.“ Lord Dolti⸗ more lachte etwas humm. „Sie find mehr beſcheiden, wie hellblickend,“ ſagte Vargrave lächelnd;„aber merken Sie ſich meine Worte. — Ich ſage Ihnen vorher: die Schönheit der nächſten Sai⸗ ſon wirb eine gewiſſe Caroline, Laby Doltimore ſein.“— Hiemit brach das Geſpräch ab.„Ich glaube, bie Sache iſt in der Orbnung,“ ſagte Vargrave zu ſich ſelbſt, als er ſich zum Mittageſſen ankleibete.„Caroline wirh über Doltimore verfügen und ich über eine Stimme bei den Lords und brei bei den Gemeinen. Ich habe ihn ſchyn gehörig in Politik hineingeſchwatzt; ich hatte aber ſonſt Nichts, womit ich mich amäſiren konnte, und man darf nie eine Gelegenheit vorbeilaſſen. Außerdem iſt Doltimore reich, und reiche Freunbe ſind ſtets nützlich. Auch habe ich Caroline in meiner Gewalt, und ſie kann mir vielleicht von Nutzen ſein, in Bezug auf dieſe Eveline, die ich an⸗ ſtatt zu lieben jetzt beinahe haſſe—; ſie iſt mir früher in bie Quere gekommen und hat mir Reichthum geraubt; jetzt, wenn ſie mich ausſchlägt— aber jetzt will ich nicht daran denken.— Neuntes Kapitel. Uns haben Götter nicht erkoren Zukunft'ger Zeiten Kunden. Sie lachen, wen erſchreckt die Thoren Weil Schurken Schlich' erfunden. Sedley. Am nächſten Tage kehrte Caroline zur Pfarrei im Wagen der Laby Raby zurück. Herr Merton hatte die hauptſi Geſellſchaſ und Lord zen, entzück Eveline ſch er ihr den jetzt mehr ſchauen; it dem von V theil des Leichtigkei eſſe erweck ſeine Aber großen W wöhnlich erzwungen Am Frühſtück kam, welq fiſcher Wi erhob, e langſam ⸗ erkannte hen ſeit Gewiſſe ten.— jungen, ſeinen F bahn Be teuer un Sai⸗ „die elbſt, wirb e bei ſchon ſonſt darf more habe eicht an⸗ er in ubt; nicht en tte. 207 die hauptſächlichſten Perſonen in der Nachbarſchaft zur Geſellſchaft für einen ſo ausgezeichneten Gaſt eingelaben, und Lord Vargrave, im Beſtreben, vor Cveline zu glän⸗ zen, entzückte Alle durch Leutſeligkeit und Witz. Er glaubte, Eveline ſcheine blaß und übler Laune; hartnäckig weihte er ihr den ganzen Abend. Ihr gereifter Verſtand war jetzt mehr wie früher geeignet, ſeine Fähigkeit zu durch⸗ ſchauen; in ihren Gebanken verglich ſie ſein Geſpräch mit dem von Maltravers und der Vergleich fiel nicht zum Vor⸗ theil des Erſteren aus. In Lord Vargrave's fließender Leichtigkeit war viel Amüſantes, aber Nichts, was Inter⸗ eſſe erweckte. Als er gefühlvoll zu ſein verſuchte, war ſeine Aber hart und hohl; er war allein in Dingen der großen Welt zu Hauſe. Carolinens Lanne war wie ge⸗ wöhnlich in Geſellſchaft munter; aber ihr Lachen ſchien erzwungen und ihr Auge abweſend. Am nächſten Tage ging Lorb Vargrave nach dem Frühſtück allein nach Burleigh; als er durch das Gebüſch kam, welches den Park begränzte, ſprang ein großer per⸗ ſiſcher Windhund laut bellend auf ihn zu; als er ſeine Augen erhob, erblickte er die Geſtalt eines Mannes, welcher langſam auf dem Pfade im Walbe ſpazieren ging. Er erkannte Maltravers. Beide hatten ſich nicht mehr geſe⸗ hen ſeit ihrer letzten Begegnung vor Florence's Tode; Gewiſſensangſt fuhr burch bas kalte Herz des Intrignan⸗ ten.— Jahre waren vorübergerollt; er erinnerte ſich des jungen, großmüthigen, glühenden Mannes, den er einſt ſeinen Freund nannte, ehe der Charakter oder die Lauf⸗ bahn Beiber ſichentwickelte. Er gebachte ihrer wilben Aben⸗ teuer und munteren Thorheiten in fernen Ländern, worin 208 ſie einſt feft zuſammenhingen;— ber bartloſe Knabe, deſ⸗ ſen Herz und Börſe ihm ſtets offen offen ſtanden, für deſſen Jugendirrthümer und unerfahrnen Leihenſchaft er der Al⸗ tere und Weiſere, ber Führer und Verſucher geweſen war— dieſer ſtand vor ihm im Gegenſatz zu ber ernſten und me⸗ lancholiſchen Geſtalt des getäuſchten und einſamen Mannes, deſſen ſtolze Laufbahn zu durchkreuzen er mitgewirkt hatte, — deſſen Herz ſeine Entwürfe vor der Zeit verbitterten, deſſen beſte Jahre in der Verbannung verbracht waren— einem Opfer dem Grabe, welches ſelbſtſüchtige und unehren⸗ werthe Schurkerei gegraben hatte!— Ceſarini, der Be⸗ wohner eines Tollhauſes— Florence in ihrem Leichentuch — dies waren die Geſichte, welche der Anblick des Mal⸗ travers bei ihm herauf beſchwor. Der Seele, welche beim ungewohnten und augenblicklichen Gewiſſensbiß er⸗ wachte, flüſterte eine ahnende Stimme zu: Und glaubſt du, daß deine Entwürfe gelingen, deine Beſtrebungen Erfolg haben?— Vielleicht zum erſtenmale in ſeinem Le⸗ 6 ben empfand ber kalte Vargrave das Geheimniß der Ah⸗ 6 nung und des Böſen.— Die beiden Männer begegneten ſich; mit einer Re⸗ gung, welche die eines ehrlichen und wirklichen Gefühles zu ſein ſchien, ſtreckte Lumley ſchweigend ſeine Hand aus und wandte zur Hälfte ſeinen Kopf weg. „Lord Vargrave,“ ſagte Maltravers mit gleicer Aufregung.„Es iſt lange Zeit, daß wir uns nicht begegneten.“ „Lang, ſehr lange,“ erwiderte Lumley, indem er ſich ſtark anſtrengte, ſeine Selbſtbeherrſchung wieder zu erlangen;„die Jahre haben uns Beide veränbert. . doch hoffe Freundſch Malt „Sie ant ſcher Str Verlauf d rufbaren wir nicht „Fret wird das Band wir wir noch „Läßt „Unſe Ihre Be ſchenden uns dies dem Gaul für Leute welche en „Ver zuſamme wie Sie. „Ach halb bitte „We niſſe zu u doch ernſi Privatfre dies war Bulwe „deſ⸗ deſſen r Al⸗ ar— dme⸗ mnes, hatte, erten, en— hren⸗ Be⸗ ntuch Mal⸗ velche ß er⸗ laubſt mgen n Le⸗ Ah⸗ Re⸗ ühles b aus eicher nicht m er ieer dert. voch hoffe ich, haben ſie eine Erinnerung unſerer alten Freundſchaft zurückgelaſſen, wie es bei mir der Fall iſt.“ Maltravers ſchwieg, Lord Vargrave fuhr fort: „Sie antworten mir nicht, Maltravers! Kann politi⸗ ſcher Streit, entgegengeſetzte Beſtrebung vder der bloße Verlauf der Zeit ſchon allein genügen, einen unwider⸗ rufbaren Abgrund zwiſchen uns zu eröffnen? Können wir nicht wiederum Freunde ſein?“ „Freunde?“ ſagte Maltravers.„In unſerem Alter wird das Wort nicht ſo leicht hingeworfen; ein ſolches Band wird nicht unbedacht gebildet, wie damals, als wir noch jung waren.“ „Läßt ſich das alte Band erneuen?“ „Unſere Lebenswege find verſchieden. Wollte ich Ihre Beweggründe und Ihre Laufbahn mit dem for⸗ ſchenden Auge der Freundſchaft erforſchen, ſo würde uns vies nur um ſo mehr trennen. Ich bin erkrankt an dem Gaukelſpiel ves Ehrgeizes; ich hege kein Mitgefühl für Leute, welche in eine Flaſche hineinkriechen, oder welche entblöste Schwerter verſchlingen.“ „Verachten Sie das Schauſpiel, ſo laſſen Sie uns zuſammen varüber lachen, denn ich bin ſo cyniſch, wie Sie.“ „Ach,“ ſprach Maltravers lächelnd, halb betrübt, halb bitter,„Sie gehören doch nicht zu den Betrügern?“ „Wer vermag beſſer über die eleufiniſchen Geheim⸗ niſſe zu urtheilen, als einer der Eingeweihten? Um je⸗ voch ernſtlich zu reden: weßhalb ſoll politiſcher Streit Privatfreundſchaft trennen? Dem Himmel ſei Dank! dies war nie mein Grundſatz.“ Bulwer, Alice. I. 14 2¹⁰ „Sind vie Meinungsverſchiebenheiten das Reſultat ehrlicher überzeugung von beiden Seiten,— gewiß nicht!— Sind Sie aber ehrlich, Lumley?“ „Wahrlich! Ich habe die Gewohnheit, dies zu glauben angenommen und Gewohnheit iſt eine zweite Natur. Inbeß wir treffen uns vielleicht noch auf dem Kampfplatz, und ſomit varf ich meine ſchwachen Sei⸗ ten nicht verrathen. Wie kömmt es, Maltravers, daß man Sie ſo wenig in der Pfarrei ſieht? Sie ſind dort ein großer Günſtling. Haben Sie eine Pfründe zu vergeben, die Hr. Merton gern für ſich haben möchte* Sie ſchütteln den Kopf. Was halten Sie von Miß Cameron, meiner Verlobten?“ „Sie ſprechen leichtfertig; Sie mögen vielleicht.„ „Tief fühlen,“ wollten Sie ſagen; Allerbings! Mit der Hand meines Mündels Eveline Cameron hoffe ich dasjenige zu erlangen, was mir bisher fehlte: häus⸗ liches Glück und den für meine Laufbahn nothwendigen Reichthum.“ Lord Vargrave fuhr nach einer kurzen Pauſe fort: „Obgleich mein Beruf mich viel von ihr getrennt hat, ſo hege ich doch keinen Zweifel an ihrer Neigung und ich varf hinzufügen, an ihrem Ehrgefühl. Sie allein kann mir wieder ausglechen, was ſonſt Ungerechtigkeit an meinem Oheim geweſen wäre.“ Er ſetzte hierauf ſeine Rede fort, indem er die moraliſchen Verpflich⸗ rungen wiederholte, die der verſtorbene Lord Evelinen auferlegt hatte, Ve pflichtungen, die er noch ſehr ver⸗ größerte. Maltravers hörte aufmerkſam zu und ſprach wenig. „Be fügte Ve benbuhle kaum m löbniß zt andere 2 werden. worin m Verbind Band.“ „Si frieden 1 das Ge ſchaftsar keit wiet nahm zu WMa und ſei „So!“ rückbeha des Sch würdige irrende halb di meinem währent heit mei gende G ings! hoffe häus⸗ digen fort: hat, und allein tigkeit ierauf flich⸗ elinen r ver⸗ ſprach „Betrachtet man dieſe Verpflichtungen gehörig,“ fügte Vargrave lächelud hinzu;„ſo könnten dieſe Ne⸗ benbuhler, wenn ich dergleichen wirklich beſäße, es kaum mit ihrer Ehre vereinbaren, das beſtehende Ver⸗ löbniß zu vereiteln. „Allervings nicht, ſo lange das Verlöbniß vorhan⸗ den iſt,“ erwiderte Maltravers,„bis der eine voder andere Theil es zu erfüllen ablehnt, ſo daß beide frei werden. Ich hoffe jedoch, dies wird eine Ehe werden, worin man Alles, nur nicht die Liebe vergißt. Eine Verbindung durch die Ehre allein wäre nur ein hartes Band.“ „Sicherlich,“ ſprach Vargrave, und gleichſam zu⸗ frieden mit dem, was vorgegangen war, wechſelte er das Geſpräch, rühmte Burleigh, ſprach von Graf⸗ ſchaftsangelegenheiten, nahm ſeine gewöhnliche Heiter⸗ keit wieder an, verſprach bald wieder vorzuſprechen und nahm zuletzt Abſchieb. Maltravers ſetzte ſeinen einſamen Spaziergang fort und ſein Selbſtgeſpräch war finſter und forſchend. „So!“ dachte er,„dieſer Gewinn iſt für Vargrave zu⸗ rückbehalten. Warum ſollte ich glauben, er ſei unwerth des Schatzes? Iſt er nicht vielleicht jedenfalls deſſelben würdiger, als dies verbitterte Temperament und dies irrende Herz? Iſt er aber auch ihrer Liebe gewiß? Weß⸗ halb die Eiferſucht? Weßhalb wird die Quelle in meinem Innern nie erſchöpft? Weßhalb habe ich noch während ſo mancher Seenen und Leiden die eitle Thor⸗ heit meiner Jngend bewahrt, die überall hin mir fol⸗ gende Empfänglichkeit zur Liebe 7 Piertes Vuch. Ein Mann erwirbt ſich größre Koſtbarkeit Wohl niemals, wie ein trefflich Weib. Simonides. Erſtes Kapitel. Verdrießlich ſtets im Ausland, unzufrieden Zu Haus. Die Weisheit zeigt das Uebel nur und reicht Nicht Heilung dar. Hammond. Zwei ober drei Tage nach der Unterredung zwiſchen Vargrave und Maltravers ward die Einſamkeit Bur⸗ leighs durch die Ankunft Clevelands unterbrochen. Der gute alte Herr war noch eben ſo heiter und verſtändig, wie früher, ſobald er nicht an der Gicht litt, die ſich jetzt etwas häufiger, wie ſonſt einſtellte.— Liebens⸗ würdig, höflich, gebildet und wohlwollend, beſaß er gerade ſo viel Weltklugheit, um ſeine Anſichten, ſo weit ſie reichten, eindringlich zu machen, aber ihren Spielraum zu beſchränken. Alles, was er ſagte, war vernünftig, und dennoch war ſein Geſpräch für eine Perſon mit ſtarker Einbildungskraft nicht genügend und ſeine Anſichten etwas erſtarrend. „Ich ich über alten Or Spariert ſtüzend, ſehe über Und befand ſi waren w die Pfad ohne ger drückt zu zweckmäß welche di maleriſch Anſchein rend den zurückblie bindunget eine gerit hatte. „Mie ſprach M Ode des kehr. V menſchlich ſprüche a Schwäche „Ein trifft, ſo arkeit ib. es. reicht nd. ſchen Bur⸗ Der nbig, ſich bens⸗ aß er „ ſo ihren war eine igend 2¹3 „Ich kann nicht ſagen, wie vergnügt und überraſcht ich über Ihre Sorgfalt und Bemühungen für dieſen alten Ort bin,“ ſagte er zu Maltravers, als er auf ſein Sparierrohr und auf ſeines alten Mündels Arm ſich ſtüzend, beobachtend durch den Park ſchlenderte.„Ich ſehe überall die Gegenwart des Herrn.“ Und ſicherlich war das Lob verdient; der Garten befand ſich in Ordnung; die verdorbenen Einhägungen waren wieder hergeſtellt; Unkraut bedeckte nicht länger die Pfade; die Natur war durch die Kunſt verſchönert, ohne gerade durch zu eifrigen Dienſt ihrer Magd er⸗ drückt zu ſein. Im Hauſe ſelbſt hatten paſſende und zweckmäßige Ausbeſſerungen und Ausſchmückungen, welche die moderne Bequemlichkeit mit den alten und maleriſchen Formen früherer Mode verbanden, allen Anſchein der Ode und Vernachläſſigung entfernt, wäh⸗ rend den ſchönen Hallen und Zimmern der Charakter zurückblieb, welcher der Architektur und den Ideenver⸗ bindungen gehörte. Es war überraſchend, wie viel eine geringe Ausübung einfachen Geſchmackes bewirkt hatte. „Mich freut es, daß Sie mein Werk billigen,“ ſprach Maltravers.„Ich weiß nicht wie, allein die Ove des Ortes machte mir Vorwürfe bei meiner Rück⸗ kehr. Wir ſchließen Freundſchaft mit Orten, wie mit menſchlichen Weſen, und bilden uns ein, daß ſie An⸗ ſprüche auf uns haben; wenigſtens iſt dies meine Schwäche.“ „Eine liebenswürdige, die ich theile; was mich be⸗ trifft, ſo betrachte ich Temple⸗Grove wie ein Ehemann 2¹14 ſein ſchönes Weib. Ich bin ſtets bemüht, es zu ſchmü⸗ cken und eben ſo ſtolz auf ſeine Schönheit, als könnte mich der Ort verſtehen und dankte mir für meine Be⸗ wunderung. Wenn ich Sie verlaſſe, beabſichtige ich nach Paris zu reiſen, um einer Auetlon von Gemälden und Möbeln des Hrn. de**“ beizuwohnen. Dergleichen Auctionen find für mich daſſelbe, was eines Juwellers Laden einem Liebhaber iſt. Aber, Ernſt, ich bin ein Jenggeſell.“ „Und ich auch bin ein Arkadier,“ ſprach Maltra⸗ vers lächelnd. „Sie aber ſind noch nicht zu alt für die Reue. Burleigh erheiſcht jetzt nichts, als eine Gebieterin.“ „Vielleicht erhält es bald vieſe Zugabe; ich bin noch nnentſchloſſen, ob ich es verkaufe.“ „Was, verkaufen! Burleigh, das letzte Andenken an die Ahnen Ihrer Mutter, den klaſſiſchen Wohnſitz des anmuthigen Digby! 6 „Ich hatte beinah den Entſchluß gefaßt, als ich hieherkam. Dann gab ich meine Abſicht auf und kehre nur betrübt darauf zurück.“ „Um des Himmels Willen, weßhalb?“ „Meine alte Raſtlofigkeit kehrt mir wieder. So ſehr ich auch hier geſchäftig bin, finde ich den Bereich mei⸗ ner Handlung monoton und beſchränkt. Ich habe mich zu früh mit den großen Kreiſen der Literatur und Hand⸗ lung umgeben; ber kleine provinziale Kreis ſcheint mir ein Rückſchritt. Vielleicht würde ich dies Gefühl nicht hegen, wäre meine Heimath weniger einſam; wie dies jetzt der Fall iſt, treibt es mich ſort. Ich wende mich wieder teuer.“ „3 ſo einſe und pe Ihr Te Vermö Ihnen zu treff Sie ſie Burlei Me „J dem J ein blo liebens vom Le rechnet „S vrießlic cher di ſchwun etwas u Sie ſa von ſol wünſch⸗ „D eine Pr große 1 jener U ſchmü⸗ könnte ne Be⸗ ige ich mälden leichen wellers bin ein Naltra⸗ Reue. in.“ ich bin denken zohnſitz als ich d kehre So ſehr ch mei⸗ be mich Hand⸗ int mir l nicht ie dies de mich wieder zu den Ländern der Aufregung und der Aben⸗ tener.“ „Ich verſtehe dies, Ernſt; aber weßhalb iſt ihr Haus ſo einſam? Sie befinden ſich noch im Alter, worin weiſe und paſſende Verbindungen häufig gebildet werden. Ihr Temperament iſt zur Häuslichkeit geneigt, Ihr großes Vermögen und Ihr nüchtern gewordener Ehrgeiz erlaubt Ihnen vhne Bezug auf weltliche Rückſichten eine Wahl zu treffen. Sehen Sie ſich in der Welt um und miſchen Sie ſich wieder in die Welt; alsdann ertheilen Sie Burleigh die Gebieterin, welche daſſelbe erheiſcht.“ Maltravers ſchüttelte den Kopf und ſeufzte. „Ich will nicht haben,“ fuhr Cleveland fort, von dem Intereſſe des Gegenſtandes hingeriſſen,„daß Sie ein bloßes Mäbchen heirathen ſollten, ſondern eine liebenswürdige Frau, welche, wie Ste ſelbſt, Eiwas vom Leben geſehen hat, und veßhalb auf deſſen Sorgen rechnet, um mit ſeinen Genüſſen zufrieven zu ſein.“ „Sie haben genug geſagt,“ ſprach Maltravers ver⸗ vrießlich,„eine in der Welt erfahrene Frau, bei wel⸗ cher die Friſche der Hoffnung und des Herzens ver⸗ ſchwunden iſt! Welch ein Bild! Nein, für mich liegt etwas unausſprechlich Schönes in Jugend und Unſchulb. Sie ſagen indeß mit Recht, meine Jahre ſeien nicht von ſolcher Art, daß eine Verbindung mit der Jugend wünſchenswerth oder paſſend ſein würde.“ „Das ſage ich nicht,“ ſprach Cleveland, indem er eine Priſe Schnupftabak nahm;„Sie aber ſollten eine große Ungleichheit des Alters vermeiden— nicht wegen iener Ungleichheit ſelbſt, ſondern weil eine Mißſtim⸗ 216 mung der Temperamente und der Beſtrebungen damit verbunden iſt. Eine ſehr junge, in der Welt neue Frau wird nicht allein mit der Häuslichkeit zufrieden ſein; Sie find ſowohl zu ſanft, um ihre Wünſche zu beugen, wie auch ein wenig zu ſtreng und zurückhaltend(verzeihen Sie mir den Ausdruck), um der erſten und ſangniniſchen Ingend gleichgefinnt ſein zu können.“ „Allerbings,“ ſagte Maltravers, mit einem Tone, welcher bewies, daß ihn die Wahrheit der Bemerkung überraſcht hatte. Wie ſind wir aber auf den Gegenſtand gekommen? Laſſen Sie uns ihn wechſeln; ich hege keinen Gedanken, mich zu verheirathen. Die düſtere Erinne⸗ rung an Florence Lascelles kettet mich an die Ver⸗ gangenheit.“ „Die arme Florente! Einſt wäre ſie paſſend für Sie geweſen, jetzt aber find Sie älter und erheiſchen ein ruhigeres und geſchmeidigeres Temperament.“ „Stille, ich bitte Sie.“ Das Geſpräch wechſeſte. Um Mittag kam Herr Merton, als er von Clevelands Ankunft gehört hatte, nach Burleigh, um die alte Bekanntſchaft zu ernenern. Er lud Beide ein, ven Abend in der Pfarrei zuzubrin⸗ gen; Cleveland, als er hörte, daß Whiſt eine regel⸗ mäßige Vergnügung ſei, nahm die Einlabung für ſich und ſeinen Wirth an; als aber der Abend kam, gab Maltravers Unpäßlichkeit vor und Cleveland mußte allein gehen. Als der alte Herr um Mitternacht zurückeehrte, fand er, daß Maltravers ihn in der Bibliothek erwar⸗ tete, Cleveland, welcher vlerzehn Points gewonnen hatte, Laune. „V chen vr milie k verdien Ihnen. bleiben des Ha „S liche iſt „Ei eyniſche grave al „Vi „Je ſelbſt eit „H „Er Abends jemals hübſches Währen ich meh mein H „So meron? „Ge rathen. grave iſt damit te Frau n ſein; beugen, rzeihen niſchen Tone, erkung enſtand keinen rinne⸗ e Ver⸗ ür Sie en ein Herr hatte, enern. ubrin⸗ regel⸗ ür ſich „ gab mußte kehrte, rwar⸗ onnen hatte, war in ſehr heiterer und zum Geſpräch geneigter Laune. „Verkehrter Einſiebler,“ ſprach er,„Sie ſpre⸗ chen von Einſamkeit und haben eine ſo angenehme Fa⸗ milie kaum hundert Ellen entfernt in der Nähe; Sie verdienen Ihr Schickſal, ich habe keine Geduld mit Ihnen. Man beklagt ſich dort bitterlich, daß Sie aus⸗ bleiben, und ſagt, Sie ſeien im Anfange wie ein Kind des Hauſes geweſen.“ „So? gefallen Ihnen alſo bie Mertons? Der Geiſt⸗ liche iſt ein verſtändiger, aber etwas alltäglicher Mann.“ „Ein ſehr angenehmer Mann, ungeachtet Ihrer eyniſchen Definition; er ſpielt ſehr gut Whiſt. Var⸗ grave aber iſt ein Spieler erſten Ranges.“ „Vargrave iſt noch dort?“ „Ja, er frühſtückt morgen hei uns, er lud ſich ſelbſt ein.“ „Hm!“ „Er ſpielte einen Rubber; den übrigen Theil des Abends wibmete er dem hübſcheſten Mädchen, vas ich jemals geſehen habe, der Miß Cameron. Welch ein hübſches Geſicht, ſo beſcheiden und doch ſo verſtändig! Während des Kartengebens, wobei ich abnahm, habe ich mehre Male mit ihr geſprochen. Ich habe beinahe mein Herz an ſie verloren.“ „So? widmete ſich Lord Vargrave der Miß Ca⸗ meron?“ „Gewiß! Sie wiſſen, Veibe ſollen ſich bald verhei⸗ rathen. Merton ſagte mir dies. Sie iſt ſehr reich. Var⸗ grave iſt doch ver glücklichſte Mann, den man ſich denken 218 kann! Er iſt aber viel zu alt für fie; auch ſie ſcheint dies zu glauben. Weßhalb ich vies glaube, kann ich nicht erklären; ſie ſuchte aber durch ihr niebliches, zurück⸗ haltendes Weſen den munteren Miniſter in Entfernung zu halten, obgleich es ihr nicht gelang. Wären Sie zehn Jahre jünger vder Miß Cameron zehn Jahre älter, ſo böte ſich Ihnen einige Möglichkeit Ihren alten Freund auszuſtechen.“ „So glauben Sie ebenfalls, daß ich für einen Lieb⸗ haber zu alt bin?“ „Wenigſtens für ein Mäbchen von fiebzehn Jahren. Sie ſcheinen hinſichtlich des Alters empfindlich.“ „O nein!“ und Maltravers lachte. „Nein! Nein! Dort war auch ein Herr, woran Vargrave, wie ich glaube, wirklich einen gefährlichen Nebenbuhler finden kann, ein Oberſt Legard, einer der ſchönſten Männer, die ich in meinem Leben geſehen habe, gerade in der Art, um einem romantiſchen jungen Mädchen den Kopf zu verdrehen: eine Miſchung von Wildheit und feinſter Erziehung; mit ſchwarzen Locken, ſchönen Angen und dem ſanfteſten Benehmen der Welt. Gewiß aher hat er ſein Leben in der beſten Geſellſchaft zugebracht. Nicht ſo ſein Freund Lord Doltimore, wel⸗ cher etwas zu viel vom Herumſchlendern der Vorzimmer und vom Benehmen der franzöſiſchen Cafés für meinen Geſchmack beſitzt.“ „Doltimore, Legard? Die Namen ſind mir neu; ich habe die Herrn nie in der Pfarrei getroffen.“ „Möglich, ſie hallen ſich auf dem Guie des Admi⸗ ral Legard in der Nähe auf. Miß Merton machte ihre Bekaunt die volll fen hahe welche a gab mir verliebt noch eit hübſch „Si Camero „O die gan verdreht leiden; wie Lor von Lor für ſie, ſcheinlie Sei ſten Mo ſeine ve cheint nicht urück⸗ rnung e zehn er, ſo reund Lieb⸗ ahren. woran rlichen er der eſehen ungen ig von ocken, Welt. ſchaft „wel⸗ immer neinen nen; Abmi⸗ te ihre Bekanniſchaft in Knaresdean. Eine gute alte Dame— die vollkommenſte Klatſchbaſe, die ich jemals angetrof⸗ ſen habe, welche den kurzen Namen Hare führt, und welche als meine Mitſpielerin meinen König ſtach!— gab mir die Verſicherung, Lord Doltimore ſei ſterblich verliebt in Caroline Merton. Beiläufig geſagt, es gibt noch eine junge Dame von paſſendem Alter für Sie, hübſch und geſchickt vazu.“ „Sie ſprechen von Gegengift für die Ehe; alſo Miß Cameron„ „O! nichts mehr von Miß Cameron, oder ich bleibe die ganze Nacht auf; ſie hat mir beinahe den Kopf verdreht. Ich kann es nicht unterlaſſen, ſie zu bemit⸗ leiden; an einen ſorgloſen und weltlich gefinnten Mann, wie Lord Vargrave, verheirathet! ſo jung in den Wirbel von Lonbon gefürzt! Das arme Ding! es wäre beſſer für ſie, wenn ſie ſich in Legard verliebt hätte. Wahr⸗ ſcheinlich wird das noch der Fall ſein. Gute Nacht!“ Zweites Kapitel. Die Leidenſchaft, wie oſt geſehn, Sobald ſie ſchweigt, gibt uns den Spleenz Dann wird Partelkampf mir gemieden, Als Peſt allein dem Glück beſchieden. Oratel dort aus hohlen nEſchen Verkünden, was die Zeiten reichen. Math. Green. Seiner Angabe gemäß frühſtückte Vargrave am näch⸗ ſten Morgen in Burleigh. Maltravers bemühte ſich zuerſt, ſeine vertraute Herzlichkeit mit gleicher Anmuth zurück⸗ 220 zugeben. Indem er ſich ſelbſt wegen ſeines früheren, unbegründeten Verbachts verurtheilte, kämpfte er gegen ein Gefühl an, das er ſich nicht erklären konnte ober wollte, wodurch Lumley ein unwillkommener Beſucher und mit peinlichen Ideenverbindungen, ſowohl für die Gegenwart wie die Vergangenheit, verknüpft war. Es gab jedoch gewiſſe Punkte, wobei des Maltravers durch⸗ vringender Blick ſeine Abneigung zu rechtfertigen ſchien. Das Geſpräch, welches hauptſächlich von Cleve⸗ land und Vargrave geführt wurde, hetraf hauptſächlich öffentliche Fragen; während der Eine dem Andern vppo⸗ nirte, bot Vargrave's Darlegung von Anſichten und Beweggründen ſo viel Selbſtſucht des Miniſters, daß dadurch jeder hätte beleidigt werden können, welcher eine Färbung von der hohen Manie politiſchen Don⸗ Quixotismus beſaß. Mit ſonderbarer Miſchung von Ge⸗ fühlen hörte Maltravers zu; in einem Augenblick wünſchte er ſich mit Stolz Glück, daß er eine Laufbahn verlaſſen habe, wo ſolche Meinungen zu gedeihen ſchienen; im andern erweckten ſeine beſſeren und gerechteren Empfin⸗ dungen ſein lange Zeit ſchlafendes Vermögen zum Kampfe und er ſehnte ſich beinahe nach dem unruhigen aber erha⸗ benen Kampſplatz, wo die Wahrheit verfochten und der Fortſchritt des Menſchengeſchlechtes befördert wird. Die Unterredung veranlaßte nicht die Erneuerung der Vertrautheit, welche Vargrave zu ſuchen ſchien. Maltravers war froh, als der Miniſter fich empfahl. Lumley, welcher eine Morgenviſite bei Lord Dol⸗ timore beabſichtigte, hatte Herrn Mertons Cabriolet ge⸗ liehen, weil daſſelhe beſſer wie ein ſtattliches Fuhrwerk v— ſchnell ül zum Har kleinen G ſagte er! Herrn L Würde, Lum viel mu einfach, ihm der Minutet verhärte Ehrgeize Sob allein, w ein erem ſtreifte: kung, w Bauern und ver tigen. ſind ſch ſchönere erſcheine Zweck de fie hatte gewöhnl mals ei weilen und gůt heren, gegen oer ſucher ür die r. Es durch⸗ ſchien. Cleve⸗ ichlich oppo⸗ n und „ daß elcher Don⸗ n Ge⸗ inſchte rlaſſen n; im npfin⸗ ampfe erha⸗ nd der rd. nerung ſchien. pfahl. Dol⸗ let ge⸗ hrwerk 221 ſchnell über die vielen Nebenwege kommen konnte, welche zum Hauſe des Admirals führten; als er ſich auf den kleinen Sitz, mit ſeinem Diener zur Seite, zurecht legte, ſagte er lachend:„Ich venke mich jetzt wieder als jungen Herrn Lumley in dieſer zweiräderigen Nußſchale, ohne Würde, aber raſch.“ Lumley's Antlitz, als er die Worte ſagte, zeigte ſo viel muntern Freimuth, und ſein Benehmen war ſo einfach, daß Maltravers nur mit Schwierigkeit ſich in ihm denſelben Mann denken konnte, welcher einige Minuten zuvor Gedanken geäußert hatte, wie ſie ein verhärteter und alter Intriguant im Treibhauſe des Ehrgeizes jemals faſſen konnte. Sobald Lumley fort war, ließ Maltravers Cleveland allein, weil dieſer Briefe zu ſchreiben hatte(Cleveland war ein exemplariſcher und ſehr eifriger Correſpondent), und ſtreifte mit ſeinen Hunden im Dorfe umher. Die Wirt⸗ kung, welche die Gegenwart des Maltravers unter ſeinen Bauern hervorbrachte, verfehlte ſelten, ſeine bittern und verſtörten Gedanken zu erfriſchen und zu beſänf⸗ tigen. Die Bauern hatten allmählig(denn die Armen ſind ſcharfſichtig) ſeine Gerechtigkeit erkannt— eine ſchönere Eigenſchaft als diejenigen, welche liebenswürdig erſcheinen. Sie erkannten ſehr wohl, daß ſein wirklicher Zweck darauf ziele, ſie beſſer und glücklicher zu machen; ſie hatten bemerkt, daß die von ihm angewandten Mittel gewöhnlich zum Ziele führten; außerdem war er nie⸗ mals eigenfinnig oder unvernünftig, wenn auch bis⸗ weilen finſter. Dazu noch pflegte er geduldig zu hören und gütig zu rathen. Die Lente waren ein wenig ſchen hinſichtlich ſeiner, allein dies wirkte nur darauf hin, ſie fleißiger und ordentlicher zu machen, den Faulen anzuregen und den Trunkenbold zu beſſern. Er hing dem Syſtem der kleinen Pachtungen an, das er zwar nicht als eine Panacee, aber als ein ausgedehntes Reiz⸗ mittel zur Thätigkeit und Unabhängigkeit betrachtete; ſeine Belohnung für gutes Benehmen beſtand in ſolchen Bequemlichkeiten, welche unter den bisher Leidenden, Stumpfen und Hoffnungsloſen den Wunſch, ihre Lage zu verbeſſern, erweckten. Auf die eine oder andere Weiſe erkannte die gute Frau, vhne daß ſie Allmoſen erhielt, ihre kleinen Erſparniſſe im zerbrochenen Theetopf oder im alten Strumpfe hätten ſich ſeit der Rückkehr des Gutsherrn ſehr vermehrt, während ihr Mann nüch⸗ terner und in beſſerer Stimmung aus dem Wirthshanſe kam. Die vorhandene Erſparniß war ein Grund, die Summe zu vermehren. Auch war die neue Schule weit beſſer geleitet wie die alte; die Kinder gingen wirklich gern hinein; dann und wann wurden kleine Dorffeſte mit der Schule verbunden, Spiel und Arbeit zu ein⸗ ander geſellt. Maltravers beſah die Hütten und die kleinen Pach⸗ tungen; es war ihm angenehm, ſich ſelbſt ſagen zu können: „ich bin im Leben doch nicht ganz vhne Nutzen.“ Als er aber ſeinen einſamen Spaziergang fortſetzte und als der Strahl der Selbſtbilligung mit den Seenen erſtarb, welche den⸗ ſelben hervorgerufen hatten, ſenkte ſich die Wolke wieber auf ſeine Stirne; er empfand wieder, vaß die Leidenſchaf⸗ ten in ver Einſamkeit am Herzen nagten. Als er ſo durch ven engen, von Hecken begrenzten Pfad wandelte, wäh⸗ rend das gen Lar rauſchte all ſeine ein in L Ohnmac und eine „ W „Ei Cabriole Vor ein um mir Er gab ſchöpf! zwungen er mir h „De Folgen vers vor unterſuck „Er beamte, Ich glau Pfarrei, ner; da „W Ihr ſie Betracht grave's „ Ne tle weit wirklich orffeſte zu ein⸗ n Pach⸗ können: ser aber Strahl che den⸗ wieder enſchaf⸗ ſo durch ,wäh⸗ rend vas Inſektenleben des Sommers hörbar im ſchatti⸗ gen Laube und im dichten Graſe an beiden Seiten rauſchte, kam er plötzlich auf eine kleine Gruppe, die all ſeine Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahm. Dort war ein in Lumpen gekleitetes, blutendes und ſcheinbar in Ohnmacht liegendes Weib vom Aufſeher des Kirchſpiels und einem Arbeiter getragen. „Was gibt's?“ fragte Maltravers. „Ein armes Wejb iſt von einem Herrn in einem Cabrivlet überfahren worden,“ erwiderte der Aufſeher. Vor einer halben Stunde hielt er vor meinem Hauſe, um mir zu ſagen, daß die Frau auf der Straße liege. Er gab mir für ſie zwei Sonvereigns. Das arme Ge⸗ ſchöpf! Sie war zu ſchwer für mich und ich war ge⸗ zwungen, ſie hier zu laſſen und Tom zu rufen, bamit er mir helfe.“ „Der Herr hätte wohl bleiben können, um vie Folgen ſeiner Handlung zu ſehen,“ murmelte Maltra⸗ vers vor ſich hin, als er die Wunde an der Schläfe unterſuchte, woraus das Blut reichlich hervorrann. „Er ſagte, er habe große Eile,“ ſprach der Dorf⸗ beamte, indem er die Worte von Maltravers überhörte. Ich glaube, er gehörte zu den vornehmen Leuten in der Pfarrei, denn ich wußte, es ſei Herrn Mertons Brau⸗ ner; das iſt ein feuriges Thier.“ „Wohnt das arme Weib in der Nachbarſchaft, kennt Ihr ſie?“ fragte Maltravers, indem er ſich von der Betrachtung dieſes neuen Beiſpieles der Selbſiſucht Var⸗ grave's zu ber Frage wandte. „Nein! das alte Weih ſcheint hier fremd zu ſein; 224 eine Landſtreicherin oder eine Bettlerin, wie ich glaube. Indeß, wir brauchen ſie doch nicht zu unterhalten, wenn wir ſie hereinnehmen Wie können ſie zum Wirthshaus ins Dorf bringen, Euer Gnaden.“ „Was iſt das nächſte Haus? Euer eigenes?“ „Ja, aber wir find jetzt ſo beſchäftigt!“ „Sie ſoll nicht in Euer Haus und vernachläſſigt werden, und das Wirthshaus iſt zu lärmend. Wir müſſen ſie nach meiner Wohnung ſchaffen.“ „Euer Gnaden!“ rief der Aufſeher aus, indem er die Augen weit aufriß. „Es iſt nicht weit; die Frau iſt ſchwer verletzt; ver⸗ ſchafft Euch eine Bahre und legt eine Matraze darauf; ich will warten, bis Ihr wiederkehrt.“ Die arme Frau ward ſorgfältig auf vas Gras am Wege gelegt, während die Beiden forteilten, ſeinen Be⸗ fehlen zu gehorchen. Drittes Kapitel. Auf jene Höhen, den geprieſnen Sitz Des fleiß'gen Friedens, der Philoſophie, Entſendet bennoch Zorn gar oft den Blitz⸗ Weſt. Herr Cleveland wollte einen ſeiner Briefe mit einem Citat aus Arioſt bereichern, deſſen er ſich nur unvoll⸗ kommen erinnerte. Er hatte das Buch, welches er nach⸗ zuſchlagen wünſchte, im kleinen Studirzimmer am Tage zuvor geſehen, und er verließ die Bibliothek, um es zu ſuchen. Als Schreibt lehrten, decken. größere und Rar gebrauch ſenſchaft ſächlichſt Maltrar hören,1 zwar in „Sondet deren P Alter zu Denken Ach ben gibt die ſelbe weniger wenn w Welt er ſuchung verwant treffen 1 wir une intelleet Papiere Büchert Bul nen Be⸗ 6 phie, Blitz⸗ eſt. t einem unvoll⸗ er nach⸗ m Tage n es zu Als er über die Bücher taumelte, die auf dem Schreibtiſche lagen, empfand er die Neugier eines Ge⸗ lehrten, um die Lieblingslektüre ſeines Wirthes zu ent⸗ decken. Zu ſeiner überraſchung bemerkte er, daß der größere Theil der Bücher, die durch eingeſchlagene Blätter und Randbemerkungen bezeichneten, daß ſie am meiſten gebraucht wurden, nicht literariſcher Art, ſondern wiſ⸗ ſenſchaftliche Werke waren. Aſtronomie ſchien das haupt⸗ ſächlichſte Studium zu ſein. Er erinnerte ſich, daß er Maltravers neulich mit einem Baumeiſter hatte ſprechen hören, der bei den Ausbeſſerungen beſchäftigt war, und zwar in Bezug auf die Errichtung einer Sternwarte. „Sonderbar,“ dachte Cleveland,„Literatur gibt er auf, deren Preiſe er erreichen kann, und wendet ſich in einem Alter zur Wiſſenſchaft, worin ſeine Seele an ſtrenges Denken ſich nicht mehr gewöhnen läßt.“ Ach! Cleveland bedachte nicht, daß es Zeiten im Le⸗ ben gibt, wo die Seelen mit lebhafter Einbildungskraft vieſelbe zu betäuben und abzuſtumpfen ſuchen; noch weniger empfand er, daß unſere thätigen Fähigkeiten, wenn wir ſie vergeblich den allgemeinen Intereſſen der Welt entziehen, ſich krankhaft zu Kanälen der Unter⸗ ſuchung wenden, die dem wirklichen Genius am wenigſten verwandt ſind. Jede Seele entdeckt durch das Zuſammen⸗ treffen mit Seelen das ihr paſſende Benehmen. Bleiben wir uns ſelber überlaſſen, ſo wenden ſich unſere Talente intellectuellen Sonderbarkeiten zu. Einige zerſtreute Papiere mit Maltravers Hanpſchrift fielen aus den Büchern; unter dieſen enthielten einige algebraiſche Be⸗ Bulwer, Alice. J. 1⁵ 226 rechnungen vber kurze wiſſenſchaftliche Angaben, deren Werth zu beſtimmen Herrn Clevelands Studien ihm nicht erlaubten. Auf andern befanben ſich Bruchſtücke von trauriger oder leivenſchaftlicher Poeſie, welche er⸗ wieſen, daß die alte Quelle noch immer floß, obgleich auch nicht mehr im Tageslichte. Cleveland hielt ſich für berechtigt, dieſe Verſe durchzuleſen. Sie ſchienen einen Zuſtand der Seele zu ſchildern, der ſein tiefes Intereſſe, aher auch ſeinen großen Kummer erweckte. Sie ſprachen allerdings den feſten Entſchluß aus, gegen die Erinne⸗ rung und vie Furcht des Böſen anzukämpfen. Geheimniß⸗ volle Anſpielungen und Winke hier und vort ſchienen aber einen neuen und noch vorhandenen Kampf anzudeuten, ven das Herz nur vor dem Genins ausſprach. In dieſen theilweiſen und unvollkommenen Selbſtmittheilungen und Geftändniſſen lag das Zeugniß trauernder Neigung, verſchwendeten Lebens, des einſamen Herdes; ſo ruhig aber zeigte ſich Maltravers ſogar gegen den Freund ſeiner Jugend, ſo vaß Cleveland nicht wußte, ob er an die Wirklichkeit der gemalten Gefühle glauben ſollte. War ver glühende und romantiſche Geiſt wiever durch einen lebenden Gegenſtand erweckt worden? Wen aber hatte Maltravers geſehen? Clevelands Gebanken wandten ſich auf Caroline Merton und Eveline; als er aber von Bei⸗ den geſprochen hatte, verrieth Nichts im Geſicht und Benehmen von Maltravers eine Aufregung. Einſt hatte ſich das Herz von Mltravers ſo ſchnell verrathen! Cle⸗ veland wußte nicht, wie der Stolz, die Jahre und Leiben vie Geſichtszüge meiſtern und die äußern Zeichen innerer Regung unterdrücken, Als er ſo heſchäftigt war, öffnete ſich plöt diente m „Ta „ich beſo Lord D wünſchte ich, ich in große Ort mit ich höre zeigen; ſehen die Clev artig un Carolin more, A „Ich und Ihr ſuch, Lot raſchung Stunde ſuchen; ſchung.“ ein etwa aber, bie welche 1 mir nich „M beſonher deren n ihm chſtücke che er⸗ bgleich ſich für neinen tereſſe, prachen Frinne⸗ eimniß⸗ nen aber deuten, n dieſen ilungen keigung, „öffnete ſich plötzlich die Thüre des Stubirzimmers und der Be⸗ diente meldete Herrn Merton. „Tauſend Verzeihung,“ ſprach der höfliche Pfarrer, „ich beſorge, Sie zu ſtören, allein Admiral Legard und Lord Doltimore, die mich dieſen Morgen beſuchten, wünſchten ſo ſehr, Burleigh zu ſehen; deßhalb dachte ich, ich dürfe mir wohl die Freiheit nehmen. Wir find in großer Geſellſchaft hiehergekommen und haben den Ort mit Sturm genommen. Herr Maltravers iſt, wie ich höre, ausgegangen, Sie werben uns aber das Haus zeigen; meine Alliirten ſind ſchon in der Halle und be⸗ ſehen die Rüſtungen.“ Cleveland, immer geſellig und höflich, antwortete artig und ging mit Herrn Merton in die Halle, wo Cagroline mit ihren Schweſtern, Eveline, Lord Dolti⸗ more, Admiral Legard und ſein Neffe verſammelt waren. „Ich bin ſehr ſtolz, der Repräſentant meines Wirthes und Ihr Führer zu ſein,“ ſprach Cleveland.„Ihr Be⸗ ſuch, Lord Doltimore, iſt wirklich eine angenehme über⸗ raſchung. Lord Vargrave hat uns vor ungefähr einer Stunde verlaſſen, um Sie beim Abmiral Legard aufzu⸗ ſuchen; wir kaufen unſer Vergnügen mit ſeiner Täu⸗ ſchung.“ „Es iſt dies ſehr unglücklich,“ ſagte der Admiral, ein etwas barſch und hart ausſehender Herr;„wir wußten aber, bis wir Herrn Merton ſahen, Nichts von der Ehre, welche uns Lord Vargrave erweiſen wollte; ich kann mir nicht vorſtellen, wie wir ihn unterwegs vermißten.“ „Mein theurer Onkel,“ ſagte Colonel Legard mit beſonders wohlklingender und angenehmer Stimme, 2²8 „Sie vergeſſen, daß wir drei Mellen auf der Heerſtraße einen Umweg gemacht haben, und Herr Merton ſagte, Lord Vargrave habe einen kürzeren Weg eingeſchlagen. Mein Oheim, Herr Cleveland, fühlt ſich zu Lande nie in Sicherheit, wenn der Weg nicht ſo breit iſt wie der brittiſche Kanal, und die Pferde vor dem Wind im ſchnellen Schritt von zwei Knoten die halbe Stunde laufen.“ „Ich wollte, Sie wären zur See geweſen, Hans Narr!“ erwiderte der Abmiral, indem er zornig ſeinen hübſchen Neffen anblickte und ihm mit dem Spazierrohre vrohte. Der Neffe lächelte, wandte ſich fort und ſprach mit Eveline. Die Geſellſchaft wurde jetzt im Hauſe umher⸗ geführt, und Lord Doltimore war beſonders laut im An⸗ preiſen deſſelben. Es glich einem Schloß, daß er einſt in ver Normandie gemiethet hatte; es zeigte einen fran⸗ zöſichen Charakter; vieſe alten Lehnſtühle waren von ausgezeichnetem Geſchmack, ganz im Style Franz I. „Ich kenne keinen Mann, den ich mehr wie dieſen Herrn Maltravers achte,“ ſagte der Abmiral.„Seit er unter uns lebt, iſt er das Muſter eines Landedelmanns. Er böte einen trefflichen Collegen für Sir John. Wir müſſen ihn wirklich bewegen, gegen jenen jungen Gelb⸗ ſchnabel aufzutreten, der Mitglied des Hauſes der Ge⸗ meinen allein deßhalb iſt, weil ſein Vater zur Pairie gehört, und welcher nur zweimal in einer Seſſion ſeine Stimme abgibt.“ Herr Merton nahm einen ernſten Blick an. „Ich wünſchte, Sie könnten ihn bereden, daß er hier bli Burleig „S ſie ſich p Geſpräc „M rufen, a mir lieb das Kar „St inbem er druck au ſehe ich durchau Sie nich und neh können! Lor ſeiner H Oberſt! iſt ein Leg⸗ Antwort „Al zu Hülf will, ſo! „EFr beim T erſtraße nſagte, ſchlagen. ande nie wie der Bind im Stunde „Hans ig ſeinen zierrohre rach mit umher⸗ t im An⸗ ß er einſt nen fran⸗ aren von ranz I. ie dieſen „Seit er delmanns. hn Wir gen Gelb⸗ s der Ge⸗ ur Pairie ſſion ſeine . , aß er hier bliebe; er hat ſich in den Kopf geſetzt, ſich von Burleigh zu trenenn.“ „Sich von Burleigh trennen,“ rief Eveline aus, indem ſie ſich plötzlich vom hübſchen Oberſt wegwanbte, in deſſen Geſpräch ſie verſunken ſchien. „Meine theure junge Dame, daſſelbe habe ich ausge⸗ rufen, als ich ihn jenes ſagen hörte.“ „Ich wuͤnſchte, daß ers verkaufte,“ ſagte Lord Dol⸗ timore haſtig, indem er auf Caroline blickte,„es wäre mir lieb, es zu kaufen.„Wie hoch, glauben Sie, wird ſich das Kaufgeld belaufen?—“ „Sprechen Sie nicht ſo kaltblütig“ ſagte der Admiral, indem er die Spitze ſeines Spazierrohrs mit großem Nach⸗ druck auf den Boden ſtieß. Ich kann es nicht ertragen, ſehe ich alte Familien ihre alten Lanbſitze verkaufen— durchaus gottlos! Sie wollten Burgleigh kaufen! Haben Sie nicht ſelbſt einen Landſitz, Mylord? Wohnen Sie dort und nehmen Sie Herrn Maltravers zum Muſter! Sie können kein beſſeres vorfinden.“ Lord Doltimore blickte ſpötttſch, erröthete, zupfte an ſeiner Halsbinde; ſah höchſt beleidigt aus, wandte ſich zu Oberſt Legard und flüſterte:„Legard, Ihr guter Onkel iſt ein Flegel.“— Legard ſah ein wenig verdrießlich aus, gab aber keine Antwort. „Aber,“ ſagte Caroline, indem ſie ihrei Bewunberer zu Hülfe kam,„wenn Herr Maltravers den Ort verkaufen will, ſo könnte er ficherlich keinen beſſern Nachfolger finden.“ „Er ſoll aber den Ort nicht verkaufen, Madame, beim Teufel,“ erwiderte der Apmiral,„die ganze Graf⸗ 230 ſchaft ſoll eine Vorſtellung erlaſſen, um ihm die Schaude zu erklären, und wenn Jemand es zu kaufen wagt, ſo ſpie⸗ len wir ihm einen beſchimpfenden Streich.“— Miß Merton lachte; ſie ſah ſich die alten getäfelten Wände mit ungewöhnlichem Intereſſe an; ſie glaubte, daß es für ſie doch etwas Schönes ſein würbe, könnte ſie ſpäter in Burleigh walten! „Was iſt vas für ein ſorgfältig verhülltes Portrait“ fragte der Admiral, als ſie in ber Bibliothek ſtanden. „Die verſtorbene Frau Maltravers, die Mutter von Ernſt,“ erwiberte Cleveland langſam.„Er zeigt es Frem⸗ den nicht gerne, das andere Porträt iſt ein Digby.“ Eveline heſah ſich das verſchleierte Porträt und dachte an ihre erſte Unterredung mit Maltravers, indeß die ſanfte Stimme des Oberſt Legard murmelte in ihr Ohr und ihre Träumerei ward unterbrochen. Cleveland ſah ihn wieber an und murmelte vor ſich hin:„Vargrave ſollte auf ſeiner Hut ſein.“ Sie hatten jetzt ihre Runde in den Prunkzimmern voll⸗ bracht, die wirklich wenig mehr, als ihr Alterthum und ihre alten Porträts zur Empfehlung hatten, und befanden ſich jetzt in einem kleinen Saal hinten im Hauſe, der mit einem Hof in Verbindung ſtand, an welchem zwei Seiten mit Ställen beſetzt waren. Die Anſicht der Ställe erinnerte Caroline an bie arabiſchen Pferde; bei dem Worte Pferde ergriff Lord Doltimore Legards Arm ung führte ihn fort, die Thiere zu beſehen; Caroline, ihr Vöter und der Ad⸗ miral folgten. Herr Cleveland trug zufällig Pantoffeln; die Quadern im Hofe ſchienen feucht zu ſein; Herr Cle⸗ veland, wie viele alten Junggeſellen, fürchtete ſich zu er⸗ kälten; ſprach n poten ül ſo abgeb Intereffſ Der alt nung, T Kinderl zu erneu auf Pfet ſonnte. „Es wiſſe Fa liefern. der Digl Stirn, Einſt at Seele; loren. — ich ha ſeine Lau Verbindt würbe ic mals, al tingen ve chen, ſo wohl kau Zeit halb mit Mal Perſon— Schande ſo ſpie⸗ etäfelten bte, daß ie ſpäter zortrait“ den. tter von s Frem⸗ ad dachte ie anfte und ihre vor ſich tern voll⸗ m befanden , der mit ei Seiten erinnerte te Pferde ihn fort, der Ad⸗ mtoffeln; ert Cle⸗ ich zu et⸗ kälten; ſomit entſchulbigte er ſich und blieb zurück. Er ſprach mit Eveline über die Digbys, war voll von Anek⸗ doten über Sir Kenelm im Angenblick, als die übrigen ſo abgebrochen und plöplich fortgingen; Eveline fand daran Intereſſe und beſtand darauf, ihm Geſellſchaſt zu leiſten. Der alte Herr fand ſich geſchmeichelt; er war der Mei⸗ nung, Miß Cameron habe eine treffliche Erziehung. Die Kinder liefen heraus, um die Bekanntſchaft mit dem Pfau zu erneuen, welcher auf einem alten Steine, zum Aufſteigen auf Pferde, ſtehend ſein buntes Gefieder im Mittagsſtrahle ſonnte. „Es iſt erſtaunenswerth,“ ſagte Cleveland,„wie ge⸗ wiſſe Familienzüge von Geſchlecht zu Geſchlecht ſich über⸗ liefern. Maltravers hat noch die Stirn und die Brauen der Digbys, jene eigenthümliche brütende, nachfinnende Stirn, die Sie am Bilde von Sir Kenelm beobachten. Einſt auch beſaß er denſelben träumenden Charakter der Seele; jenen aber hat er wenigſtens gewiſſermaßen ver⸗ loren. Er beſitzt ſchöne Eigenſchaften, Miß Cameron; — ich habe ihn gekannt, ſeit er geboren warb.— Ich hoffe, ſeine Laufbahn iſt nochnicht geſchloſſen; könnte er nur eine Verbindung eingehen, die ihn an England feſſelte, ſo würde ich mich höheren Erwartungen hingeben, wie da⸗ mals, als der wilde Knabe die Hälfte der Köpfe in Göt⸗ tingen verdrehte! Da wir aber von Familienporträts ſpra⸗ chen, ſo befindet ſich auch eines auf ber Flur, das Sie wohl kaum bemerkt haben werben. Es iſt durch Rauch unh Zeit halb verdunkelt— dennoch iſt dies eine merkwürbige, mit Maltravers durch Ehen ſeiner Vorfahren verwandte Perſon— Lord Falkland, der Falkland Clarenpyns, ein 232 Mann ſchwach im Charakter aber vurch Geſchichte inter⸗ eſſant. Gänzlich unpaſſend für die ſtrenge Prüfung jener ſtürmiſchen Kämpfe, nach Frieden ſeufzend zu einer Zeit, wo ſeine ganze Seele im Kriege hätte ſein ſollen, gleicher⸗ weiſe reuig, ob er mit dem Parlament vber dem König kämpfen ſollte, aber dennoch eine Perſon, zu welcher ſich anmuthige und unangenehme Ideen geſellen: ein Krieger von gebildetem Geiſt, mit hohem Herzen, und tapferem Muthe. Blicken Sie auf vieſe Züge, ſie ſind gewöhnlich und abgenutzt, jedoch mit dem charakteriſtiſchen Ausdruck der Verfeinerung und Schwermuth. In ſolchem Geſpräch zog der angenehme alte Herr Eve⸗ linen in die äußere Flur. Als fie burch einen kleinen Gang vorthin gelangt waren, erſtaunten ſie, die alte Haushälterin und eine andere Magd an einer Art rohen Lagers zu finden, worauf die Geſtalt der im letzten Kapitel beſchriebenen Frau lag. Maltravers und zwei andere Lente waren ebenfalls dort. Maltravers gab ſeinen Dienern Befehle, während er ſich über die Leidende lehnte, die jetzt ſowohl ihrer Schmerzen wie des ihr erwieſenen Dienſtes ſich bewußt war. Als Eveline plötzlich und erſtaunt am Fuße der einfachen Bahre ſtand, erhob ſich die Frau auf einen Arm, ſchaute ihr wild ins Geſicht, murmelte alsdann einige unverſtänbliche Worte, welche Wahnſinn zu bezeugen ſchienen, ſank auf ihr Lager zurück und war wieder bewußtlos. Di und M Er erz erwähr letzung keit de bot der vorzüg Theori Verfal Maltr ſchnell line de muthi ſie zur traver blaß 1 über f ſie ſei das A warer doch e inter⸗ ng jener er Zeit, leicher⸗ n König cher ſich Krieger apferem wöhnlich Ausdruck er Ee⸗ en Gang shälterin zu finden, nen Frau falls dort. nd er ſich öchmerzen war. Als hen Bahre te ihr wild rſtändliche mk auf ihr Viertes Kapitel. Daß trotz'ge Mädchen er beſiege Fügt Amor zu der Zauberkette, Sehr gern des bärt'gen Kriegers Züge Das Schwert, Kokard' und Epaulette. Marriott. Die Halle war gereinigt, die Leidende war entferut, und Maltravers war mit Cleveland und Eveline allein. Er erzählte kurz und einfach das Abenteuer des Morgens, erwähnte aber nicht, daß Vargrave die Uurſache der Ver⸗ letung ſeines neuen Gaſtes geweſen war. Die Menſchlich⸗ keit des Erſtern, ſo natürlich und alltäglich ſie auch war, bot der Eveline Gedanken, welche ihn ihr theurer machten, vorzüglich weil Maltravers dadurch erwies, baß ſeine kalte Theorie über Verachtung der Maſſe nicht ſein wirkliches Verfahren gegen Individuen betraf. Andererſeits hatte Maltravers vielleicht noch ftärkeren Eindruck durch das ſchnelle und aufrichtige Mitgefühl erlangt, welches Eve⸗ line der Leidenden bezeugte. Offenbar war ihre erſte an⸗ muthige und weibliche Regung von der Art geweſen, daß ſie zur armen Fremden eilte. Bei jenem Antrieb war Mal⸗ travers ſelbſt beinahe vergeſſen worden; als die arme Frau blaß und bewußtlos dalag und als die junge Eveline ſich über fie in ſchönem Mitleiden beugte, glaubte Maltravers, ſie ſei nie ſo liebenswürdig und unwiderſtehlich geweſen— pas Mitleib bei einem Weibe wirkt ſtets verſchönernd. Als Maltravers ſeine kurze Erzählung beendigt hatte, waren Evelinens Augen auf ihn mit ſo freimüthigem und doch ſanftem Beifall gerichtet, baß der Blick ihm ins Herz 234 drang. Er wandte ſich plötzlich hinweg und änderte bas Geſpräch. „Wie lange ſind Sie ſchon hier, Miß Cameron? Wer find Ihre Begleiter?“ „Wir haben uns wieber eingebrängt, aber biesmal war es nicht meine Schuld.“ „Nein!“ ſagte Cleveland,„wunderbarer Weiſe hat die Neugier eines Manues, nicht die einer Dame ſich in Blaubarts Kammer eingebrängt; um jedoch Ihren Zorn zu mildern, ſo erfahren Sie, daß Miß Cameron Ihnen einen Käufer für Burleigh gebracht hat. Wir können die Aufrichtigkeit Ihres Wunſches, ſich von Ihrem Gute zu trennen, bezeugen. Ich gebe Ihnen mittlerweile die Ver⸗ ſicherung, daß Miß Cameron über den Gebanken ebenſo erſchrak, wie ich. Nicht wahr?“ „Sie haben doch nicht die Abſicht, Burleigh zu ver⸗ kaufen?“ fragte Eveline ängſtlich. „Ich beſorge, meine eigenen Gebanken nicht zu kennen.“— „Gut,“ ſagte Cleveland,„hier kömmt unſer Verſu⸗ cher. Lord Doltimore! laſſen Sie mich Herrn Maltravers Ihnen vorſtellen.“— Lord Doltimore verbeugte ſich. „Herr Maltravers, wir haben Ihre Pferde bewundert. Ich ſah noch nie ein ſo vollkommenes Thier, wie Ihr ſchwarzes Pferd; darf ich Sie fragen, wo Sie es gekauft haben?“— „Es ward mir geſchenkt,“ antwortete Maltravers. „Geſchenkt?“— „Ja, von Jemand, der has Pferh nicht für das Löſe⸗ gelb ei alten a ſchaft i fähig 5 ſo viel mir ſeit „At Doltim Sie ber „Le Tone g „J holte de „N gelernt Freund ſolchen „D Burleig timore und wil „Ji was ur wenn C „Ji bin, der lächelnt Er beinahe ſen hat rte das 7 Wer iesmal iſe hat ſich in Zorn Ihnen nen die zute zu e Ver⸗ ebenſo u ver⸗ cht zu Verſu⸗ travers undert. ie Ihr gekauft vers. Löſe⸗ 235 geld eines Königs hergegeben haben würde, von einem alten arabiſchen Häuptling, mit dem ich eine Art Freund⸗ ſchaft in der Wüſte bildete. Eine Wunde machte ihn un⸗ fühig zum Reiten und er ſchenkte mir das Pferd mit eben ſo viel feierlicher Zärtlichkeit bei der Gabe, als habe er mir ſeine Tochter zur Ehe gegeben.“ „Auch ich gedenke in den Orient zu reiſen,“ ſagte Lord Doltimore mit großem Ernſt,„ich vermnthe, Nichts wird Sie bewegen, das ſchwarze Pferd zu verkaufen!“ „Lord Doltimore!“ rief Maltravers aus mit dem Tone großer überraſchung. „Ich bekümmere mich nicht um den Preis,“ wieder⸗ holte der junge Edelmann ein wenig verlegen.. „Nein! ich verkanfe nie ein Pferd, das mich kennen gelernt hat. Es würde mir eben ſo wohl einfallen, einen Freund zu verkaufen. Ich bin beinahe wie ein Araber in ſolchen Angelegenheiten.“ „Da Sie aber vom Hanbeln ſprechen, ſo fällt mir Vurleigh wieber ein,“ ſagte Cleveland boshaft. Lord Dol⸗ timore iſt ein allgemeiner Käufer, er hat Luſt auf Ihr Gut und will bas Haus, ba er den Stall nicht bekommen kann.“ „Ich wollte nur ſagen,“ ſprach Lord Doltimore et⸗ was unbeholfen,„daß ich den Vorkauf haben möchte, wenn Sie Burleigh losſchlagen wollen.“ „Ich will mich daran erinnern, wenn ich entſchloſſen bin, den Ort zu verkaufen,“ erwiderte Maltravers ernſt lächelnd.„Gegenwärtig bin ich unentſchloſſen.“ Er wandte ſich bei den Worten zu Evelinen und ſtutzte beinahe, als er bemerkte, daß ein Fremder ſich ihr angeſchloſ⸗ ſen hatte, deſſen Annäherung ihm vorher nicht aufgefallen 236 war— ein Fremder von ſoauffallend einnehmendem per⸗ ſönlichem Außern, daß Maltravers, wäre er an Vargrave's Stelle geweſen, den Schmerz eiferſüchtiger Beſorgniß hätte empfinden müſſen. Nur etwas größer wie der gewöhnliche Wuchz zu ſein pflegt, ſchlank und vennoch mit kräftigen Glie⸗ dern, von jedem Vortheil der Kleibung und der Miene unter⸗ ſtützt, mitdem namenloſen Ton und der überall vorherrſchen⸗ den Verfeinerung, welche aus frühem und gewöhnlichem umgang mit der feinſten weiblichen Geſellſchaft bisweilen, wenn auch nicht immer entſteht— mit allen dieſen Eigen⸗ ſchaften hatte Oberſt Legard einen beinahe ebenſo populä⸗ ren Ruf hinſichtlich der Schönheit erlangt, wie Männer purch geiſtige Vorzüge ſich ſonſt erwerben. Dennoch lag etwas Weibiſches in ſeinem Antlitz, deſſen ſymmetriſche Züge männlich und ausbrucksvoll durch die dunkle Oli⸗ venfarbe ſeines Geſichts und die bichten Locken ſeines Antinouz⸗gleichen Haares wurben. Beide, als ſie dort ſtanden, Eveline und Legard, ſchienen ſich in perſönlichen Vorzügen ſo trefflich für einander zu eignen, indem die ver⸗ ſchiedenen Charaktere ihres äußeren Weſens einen glück⸗ lichen Gegenſatz boten; Legard betrachtete ſie im Augen⸗ blick mit ſo achtungsvoller Bewunderung und flüſterte ihr Complimente in ſo demüthigem Tone zu, daß der gewöhn⸗ lichſte Veobachter eine Prophezeihnng hätte wagen können, welche keineswegs angenehm für die Hoffnungen Lord Vargrave's ſein konnten. Ein ſolches Gefühl der Furcht kam jedoch nicht über Maltravers, oder gab ihm einen plötzichen Ausruf der überraſchung ein. Legard blickte auf, als er dieſen Ausruf hörte und ſah Maltravers, der ihm bisher den Rücken gedreht hatte. G legen au erblaßte. „Ol Verzeihr lich nich dere Th vorſtelle Leg troffen, Venebig Me aber— reichte „O die Flu Carolir willkom barſchet vers be Da gebrach Es ſie beg die Letz mirals Gicht Al ſtand, Naivet m per⸗ grave's iß hätte öhnliche nGlie⸗ e unter⸗ rrſchen⸗ nlichem zweilen, Eigen⸗ populä⸗ Männer ich lag netriſche le Oli⸗ n ſeines ſie dort ſönlichen die ver⸗ n glück⸗ Augen⸗ ſterte ihr gewöhn⸗ können, zen Lord er Furcht m einen örte und gebreht hatte. Er war ebenfalls offenbar überraſcht und ſah ver⸗ legen aus. Das Blut ſtieg in ſeine Wangen, die alsbann erblaßte. „Oberſt Legard,“ ſagte Cleveland,„ich bitte Sie um Verzeihung wegen meiner Nachläſſigkeit; ich ſah Sie wirk⸗ lich nicht eintreten. Ich glaube, Sie kamen durch die vor⸗ dere Thür. Laſſen Sie mich Herrn Maltravers Ihnen vorſtellen!“ Legard verbeugte ſich tief.„Wir haben uns ſchon ge⸗ troffen,“ ſagte er mit verlegenen Worten,„ich glaube in Venebig.“— Maltravers neigte zuerſt ſein Haupt etwas ſteif, dann aber— gleichſam durch eine zweite Regung bewegt— reichte er ihm herzlich die Hand. „Oh, Herr Ernſt, hier find Sie,“ rief Sophie auf die Flur ſpringend; Herr Merton, der alte Admiral, Caroline und Cäcilie folgten. Die Unterbrechung ſchien willtommen und gelegentlich; der Admiral drückte mit barſcher Herzlichkeit ſein Vergnügen aus, mit Maltra⸗ vers bekannt zu werden. Das Geſpräch ward allgemein, Erfriſchungen wurden gebracht und abgelehnt, der Beſuch nahte ſich dem Ende. Es traf ſich, daß Eveline, von deren Seite der ſtets ſie begleitende Oberſt unbemerkt verſchwunden war, als die Letzte zurückblieb— mit Ausnahme jeboch des Ad⸗ mirals, welcher mit Cleveland ein neues Mittel für die Gicht verhandelte. Als Maltravers auf ven Stufen vor der Hausthür ſtand, wandte ſich Eveline zu ihm mit all ver ſchönen Naſvetät gemiſchter Furchtſamkeit und Güte, bei den 238 Worten:„Und werden wir Sie niemals wieber ſehen? werden wir niemals wieder Ihre Erzählungen von Egyp⸗ ten und Arabien vernehmen, niemals mehr üher Taſſo und Dante ſprechen? keine Bücher, kein Geſchwätz, kein Diſput, kein Zank? Was haben wir gethan? Ich dachte, wir hätten uns verſöhnt, Sie verzeihen aber noch immer nicht. Schmälen Sie mit mir und dann laſſen Sie uns Frennde ſein.“ „Freunde! Sie haben keinen ängſtlicheren, keinen ergebeneren Freund, wie mich. Jung, reich, bezaubernd, wie Sie ſind, werden Sie keinen Eindruck auf menſch⸗ liche Herzen tiefer einſchneiden, wie denjenigen, der hier eingegraben iſt.“ Von dem Zauber ihrer kindlichen Vertraulichkeit und ihrer bezaubernden Süße fortgeriſſen, hatte Mal⸗ travers mehr geſagt als er beabſichtigte. Indeß ſeine Augen, ſeine Bewegung ſprachen mehr wie ſeine Worte. Eveline erröthete tief und ihr ganzes Benehmen än⸗ verte ſich. Sie wandte ſich jedoch hinweg und ſagte mit erzwungener Heiterkeit:„Wohlan denn, Sie werden uns nicht verlaſſen, wir werden uns noch einmal ſehen.“ Bei dieſen Worten eilte ſie die Treppe hinab, um ſich ihrer Geſellſchaft anzuſchließen. Fünftes Kapitel. Sieh, wie der geſchickte Freier ſeine Netze ſpannt. Stillingfleet. Die Geſellſchaft war zur Pfarrei zurückgekehrt und des Admirals Wagen beſtellt, als Lord Vargrave zum Vorſche lange 3 Erwart alsbann gewöhn „Theut Ihnen, Fähigle In zwe aufſeher Herrn Antwor Antwor hoffe ic ſchaffen don abr Vo geiz bur Bebenke „M Dankba „G nach Lo „W — ich „Je habe ich reich, n Eröffnu keine U r ſehen? Egyp⸗ er Taſſo eſchwätz, m? Ich en aer nd dann „ keinen aubernd, menſch⸗ der hier mlichkeit te Mal⸗ deß ſeine e Worte. men än⸗ agte mit werden lſehen.“ um ſich tze ſpannt. fleet. ehrt und rave zum Vorſchein kam. Er ſchwatzte mit guter Laune über ſeine lange Fahrt, die ſchlechten Wege und ſeine vereitelte Erwartung bei dem Mißgeſchick, das ihn erwartete; alsdann aber nahm er Oberſt Legard bei Seite, der un⸗ gewöhnlich ſchweigend und zerſtreut ſchien, und ſagte: „Theurer Oberſt, mein Beſuch dieſen Morgen galt eher Ihnen, wie Doltimore. Ich geſtehe, daß ich gern Ihre Fähigkeiten auf Seiten der Regierung verwenden möchte. In zwei oder drei Tagen iſt die Stelle des Munitions⸗ aufſehers in der Artillerie durch das Vorrücken von Herrn*** vakant. Ich ſchrieb, um der abſchlägigen Antwort zuvorzukommen— die heutige Poſt bringt mir Antwort. Ich biete Ihnen das Amt an; in Kurzem hoffe ich auch, Ihnen einen Sitz im Parlament ver⸗ ſchaffen zu können. Sie müſſen aber ſogleich nach Lon⸗ don abreiſen.“ Vor einer Woche wäre noch Legards äußerſter Ehr⸗ geis durch dieſen Poſten befriebigt worden, jetzt trug er Bedenken. „Mein theurer Lord,“ ſagte er,„ich kann Ihnenmeine Dankbarkeit für Ihre Güte nicht ausbrücken, aber—“ „Genug, keinen Dank! Legard! Gehen Sie morgen nach London?“ „Wahrhaftig!“ ſagte Legard,„ich glaube— nein! — ich muß meinen Oheim um Rath fragen.“ „Ich kann für ihn antworten; bevor ich ſchrieb, hahe ich ihn erforſcht; bedenken Sie! Sie ſind nicht reich, mein theurer Legard, dies iſt eine ausgezeichnete Eröffnung für Ihre Laufbahn. Nun! Sie können voch keine Urſache zum Bedenken haben?“ 240 In dem Tone ves Fragers lag etwas Bedeutungs⸗ volles und Forſchendes, ſo daß vie Wange des Oberſten erröthete. Würde ſein Onkel, von dem er abhängig war, mit ſeiner Weigerung übereinſtimmen?— Lord Vargrave ſah die Unentſchloſſenheit und fuhr fort. Er brachte zehn Minuten damit zu, jebe Bedenklichkeit, jeden Einwurf zu bekämpfen; er legte alle Vortheile des Amtes, wirkliche und eingebildete, von jedem denk⸗ baren Geſichtspunkte aus dem Oberſten vor, er ſuchte zu ſchmeicheln, zu liebkoſen, zu ermüben, damit Jener vas Amt annähme, und zuletzt gelang ihm dies auch zum Theil. Der Oberſt bat um preitägige Bebenkzeit, die Vargrave widerſtrebend zugeſtand. Legard betrat als⸗ dann den Wagen ſeines Oheims eher mit der Miene eines Märtyrers, wie eines neuernannten Beamten. Aha! vachte Vargrave kichernd, als er in dem Garten ſpazirte, ich habe mir den hübſchen Schelm vom Halſe geſchafft; jetzt werde ich Eveline für mich allein haben. Sechstes Kapitel. Ich bin zu ewiger Schande verurtheilt, wenn Sie mich nicht bemitleiden. So gehen Sie denn und erheben Sie ſich. Ben Johnſon. Am nächſten Morgen unterhielt ſich Abmiral Legard mit ſeinem Neffen in einem kleinen kajütenartigen Ka⸗ binet, welches vas Privatzimmer des Admirals hieß. „Ja,“ ſagte ver Veteran,„es wäre Mondſchein unb Tol obgleich ſehen ka ſo hübſe So lan ben Das ven Hof immer ſ wiſſen C ſchäfte b Der telhund; denſelbet kann als „St Ha, ha ſchlanker ihm über „Gu eutungs⸗ Oberſten bhängig — Lord fort. Er nklichkeit, Vortheile em den⸗ er ſuchte nit Jener auch zum kzeit, die trat als⸗ er Miene mten. in dem helm vom tich allein heit, wenn Sie ſich. non ral Legard tigen Ka⸗ ls hieß. Nondſchein 241 und Tollheit, Vargrave's Anerbieten nicht anzunehmen, obgleich man durch ſolchen Mühlſtein mit halbem Auge ſehen kann. Seine Lordſchaft ißt eiferſüchtig auf einen ſo hübſchen jungen Kerl wie Sie, und das mit Recht. So lange er ſich aber mit Miß Cameron unter demſel⸗ ben Dache befindet, haben Sie keine Gelegenheit, ihr den Hof zu machen. Wenn er fort iſt, können Sie es immer ſo einrichten, daß Sie in der Nähe find; dann wiſſen Sie ja, Gelbſchnabel, der Sie find, Ihre Ge⸗ ſchäfte bald abzumachen.“ Der Admiral betrachtete den hübſchen Oberſt mit grimmiger Zärtlichkeit. Legard ſeufzte. „Haben Sie in*** etwas zu beſtellen?“ fragte er, „ich will hinüberreiten, bevor Doltimore aufgeſtan⸗ den iſt.“ „Ein fauler Hund, Ihr Freund!“ „Um zwölf Uhr bin ich wieder zurück!“ „Weßhalb wollen Sle nach*24 „Brvokes, der Roßſchmied, hat einen kleinen Wach⸗ telhund; Miß Cameron hat gern Hunde. Ich kann ihr venſelben mit meinen Empfehlungen zuſenden. Dies kann als eine Art Abſchied gelten.“ „Schlauer Schelm! Ha, ha! Verdammt ſchlau, Ha, ha!“ Der Abmiral ſtieß mit der Fauſt auf ben ſchlanken Leib ſeines Neffen und lachte bis die Thränen ihm über die Waugen floſſen. „Guten Tag, Herr!“ „Halt! Georg! Ich vergaß, Ihnen eine Frage vor⸗ zulegen; Sie ſagten mir nie, daß Sie Herrn Maltra⸗ Bulwer, Alice. I. 16 242 vers kannten. Weßhalb ſetzen Sie ſeine Bekanntſchaft nicht fort?“ „Wir trafen uns zufällig in Venedig; ich wußte ſeinen Namen damals nicht. Wie Sie ſagten, muß ich ſeine Bekanntſchaft fortſetzen.“ „Ein trefflicher Charakter!“ „Gewiß,“ ſagte Legard mit Nachbruck, indem er plötzlich das Zimmer verließ. Georg Legard war eine Waiſe. Sein Vater, des Admirals älterer Bruder, war ein modiſcher Verſchwen⸗ der der guten Geſellſchaft mit einem ziemlich großen ſchuldenfreien Gute geweſen. Er heirathete eines Her⸗ zogs Tochter ohne einen Pfennig Vermögen. Güterbeſitz bringt Plackerei mit ſich. Deßhalb ward Hrn. Legards Gut verkauft. Das glückliche Paar lebte einige Jahre lang von dem Kaufgelde in großem Glanze, als Herr Legard an einer Hirnentzündung ſtarh; ſeine troßtloſe Wittwe beſaß einen ſchönen, lockenköpfigen Knaben und eine Rente von tauſend Pfund, wogegen ihr Witthum vertauſcht war; das übrige Vermögen war verſchwunden; eine Entdeckung, die erſt bei Herrn Le⸗ gards Tode gemacht warb. Lady Loniſa überlebte nicht lang den Verluſt ihres Gatten und ihre Stellung in der großen Welt; ſomit ging auch das Einkommen mit ihrem Tode aus. Der einzige Sohn ward im Hauſe ſeines Großvaters, des Herzogs, erzogen, bis er alt genug war, unter die Pa⸗ gen des Königs treten zu können. Nachher erhielt er, wie gewöhnlich, eine Offiziersſtelle in der Garde. Die herzogliche Familie fügte zu ſeinem hohen Solde ein Einkon tetem trächtl Schönl Benehi die Mo Sache. vom Y Lebens Bi bekümn mit ein zwei K nahmen zu herr land u ſich det wandte ihn bal Der A nichts zu Geo und ver Der He daß er älteſte erhöhte ja ſchy Reſulte dem ju auntſchaft ich wußte „muß ich indem er zater, des er ſchwen⸗ ch großen ines Her⸗ üterbeſitz t. Legards ige Jahre als Herr troſtloſe n Knaben gegen ihr ögen war Herrn Le⸗ luſt ihres t; ſomit us. Der ters, des er die Pa⸗ erhielt er, arde. Die Solbe ein 243 Einkommen von zweihundert Pfund hinzu; bei letz⸗ tetem gelang es dem Unterlientenant Legard, be⸗ trächtliche Schulden zu machen. Die ungewöhnliche Schönheit ſeiner Perſon, ſeine Verbinbungen und ſein Benehmen verſchafften ihm alle Berühmtheit, welche die Mode ertheilen kann, aber Armuth ift eine ſchlimme Sache. Glücklicherweiſe war der Admiral, ſein Oheim, vom Meere zurückgekehrt, um den übrigen Theil ſeines Lebens in England zuzubringen. Bis bahin hatte der Admiral ſich um Georg nicht bekümmert; er ſelbſt hatte vie Tochter eines Kaufmanns mit einer hübſchen Mitgift geheirathet und war mit zwei Kindern geſegnet, die alle ſeine Liebe in Anſpruch nahmen. In der Legard'ſchen Familie ſchien Sterblichkeit zu herrſchen; ein Jahr nach ſeiner Rückkehr nach Eng⸗ land und nach ſeiner Nieverlaſſung in B— ſhire fand ſich der Admiral ohne Frau und Kinder. Erſt vann wandte er ſich zu ſeinem verwaisten Neffen; er liebte ihn bald mehr als früher ſogar ſeine eigenen Kinder. Der Admiral, obgleich wohlhabend, war nicht reich; nichts deſtoweniger ſchoß er die Summen her, welche zu Georgs Vorrücken in der Armee erheiſcht wurden, und verdoppelte das vom Herzog gewährte Einkommen. Der Herzog hörte von dieſer Großmuth, und entdeckte, daß er ſelbſt eine große Familie erlangt habe, daß der älteſte Sohn ſich verheirathen werde und deßhalb ein erhöhtes Einkommen haben müſſe; ferner auch, daß er ia ſchon ſehr viel für ſeinen Enkel gethan habe. Das Reſultat der Entbeckung beſtand darin, daß der Herzog dem jungen Mann die zweihunbert Pfund entzog. Le⸗ 244 gard jedoch, welcher ſeinen Oheim als eine unerſchöpf⸗ liche Goldmine betrachtete, fuhr fort, Herzen zu brechen und Schulben zu machen, bis er eines Morgens im Schuldgefängniß erwachte. Der Admiral ward haſtig nach London berufen; er kam on, bezahlte die Gläu⸗ biger— eine Güte, die ihn ſehr ernſtlich in Verlegen⸗ heit ſetzte, ſchwur, fluchte, ſchmälte und weinte; zu⸗ letzt beſtand er darauf, Legard ſollte das verdammte alberne Regiment aufgeben, worin er jetzt Capitän war, ſich mit Halbſold zurückziehen und Sparſamkeit, ſo wie eine Inderung der Lebensart auf dem Continent erlernen. Der Admiral, ein rauher und gutmüthiger Mann im Ganzen, hatte zwei oder drei Eigenthümlichkeiten. Erſtlich that er ſich auf eine Art John Bull⸗Unabhän⸗ gigkeit etwas zu Gute; er war eine Art Radikaler(eine ſonderbare Anomalie in einem Admiral), vielleicht deß⸗ halb, weil zwei oder drei junge Lords im Beginn ſeiner Laufbahn ihm vorgezogen worden waren; er machte es peßhalb zum Ehrenpunkt hei ſeinem Neffen, auf welchen er eiferſüchtig war, daß dieſer mit ſeinen vornehmen Bekanntſchaften brechen ſollie, die ihn in eine Flut von Verſchwendung verſenkten, und ihm niemals ein Tau hinwarfen, um ihm vom Ertrinken zu retten. Zweitens beſaß der Abmiral, ohne gerade geizig zu ſein, in ſeinem Charakter Neigung zur Sparſamkeit. Er hegte einen außerordentlichen alimodiſchen Abſcheu vor dem Spiel, einer vornehmen Gewohnheit Georgs; er erklärte beſtimmt, ſein Neffe müſſe, ſo lange er Jung leben D näckig er mi Gelbſ vas hi ſchreit haben ſei det denloſ Geor in der dem 6 C ſchwä Die g einen mittel Geſel licher wohn ihn zu Lob d 3 ſchlec guter als S komm „tenf 245 erſchöpf⸗ Junggeſelle ſei, jährlich von ſiebenhundert Pfund zu u brechen leben lernen. ₰ gens im Drittens konnte der Abmiral ein ſehr finſterer, hart⸗ ed haſiig näckiger und leidenſchaftlicher Grobian ſein und wann. ie Gläu⸗ er mit Kälte zu Georg ſagte:„Hören Sie, junger Berlegen⸗ Gelbſchnabel, wenn Sie wieder Schulden machen und inte; zu⸗ vas hühſche Einkommen, das ich Ihnen ertheile, über⸗ rdammte ſchreiten, ſo will ich mit Ihnen nichts mehr zu ſchaffen Capitän haben“— wußte Georg auch ſehr wohl, ſein Onkel ˙ rſomkeit, ſei der Mann, ſtreng ſein Wort zu halten. Indeß Schul⸗ Sontinent denloſigkeit und Schönheit hatte etwas zu bedeuten. Georg Legard, deſſen Rang in der Garde ihn zum Oberſt Mann in der Linie machte, verließ England ſehr zufrieden mit ichkeiten. dem Stand der Angelegenheiten. nabhän⸗ George Legard hatte ungeachtet ſeiner Jugend⸗ ler(eine ſchwächen manche hohe und großmüthige Eigenſchaften. eicht beß⸗ Die gute Geſellſchaft hatte ihr Möglichſtes gethan, um nn ſeiner einen ſchönen und aufrichtigen Charakter mit mehr als nachte es mittelmäßigen Gaben zu verderben; dies war der guten f welchen Geſellſchaft jedoch nur zum Theil gelungen. Unglück⸗ ornehmen licherweiſe aber war Verſchwendung bei ihm zur Ge⸗ Flut von wohnheit geworden, und alle ſeine Talente machten ein Tau ihn zum Rückfall geneigt. In ſeinem Alter mußte das Lob der Salons noch alle Süßigkeit für ihn behalten. geizig zu Zu den Eigenſchaften, welche dem ſanfteren Ge⸗ rſamkeit. ſchlecht gefallen, kemen noch andere. Legard war ein Abſcheu guter Whiſtſpieler, ausgezeichnet im Billard, berühmt Georgs; als Schütze, ohne Gleichen als Reiter; kurzum, ein voll⸗ lange er kommen äußerlich gebildeter Mann, der alle Dinge ſo „tenfliſch gut“ verſtand. Dieſe Gaben halfen ihm aber 246 nicht viel in Italien; obgleich mit Wiberſtreben und Gewiſſensbiſſen ließ er ſich dennoch wieber ins Spiel ein— er wußte wirklich nicht, was er ſonſt anfangen ſollte. In Venedig befand ſich einſt eine Geſellſchaft nach Art der Salons von Paris. Einige reiche Venezianer gehörten dazu; ſie heſtand jedoch hauptſächlich nur für Fremde, Franzoſen, Engländer, Sſterreicher. In einem Zimmer wurde geſpielt, während ein anderes zum Club diente. Viele, die niemals ſpielten, gehörten zu dieſer Geſellſchaft, waren aber nicht die täglichen Gäſte. Legard ſpielte; zuerſt gewann er, dann verlor er, dann gewann er wieder; die Aufregung war angenehm. Eines Abends, nachbem er viel im Roulette gewonnen hatte, ſetzte er ſich zum Eearte und ſpielte mit einem Franzoſen hohen Ranges. Legard verſtand vortrefflich dies Spiel, wie alle anderen, wobei Berechnung erheiſcht wird. Er glaubte vom Franzoſen ein Vermögen gewin⸗ nen zu können. Das Spiel erregte viel Intereſſe; eine Verſammlung bilbete ſich am Tiſche, man wettete hoch; Legards Eitelkeit, wie ſein Intereſſe ward in Anſpruch genommen; es wurde bald offenbar, daß der Franzoſe ebenſogut wie der Engländer ſpielte. Der Einſatz, zuerſt hoch, ward verdoppelt; Legard wettete viel; die Karten waren gegen ihn; er verlor viel, verlor Alles was er hatte, mehr wie er hatte, mehre hundert Pfund, die er am nächſten Morgen zu bezahlen verſprach. Das Spiel war zu Ende, die Zuſchauer trennten Ausſch brodlo füllt, würbe. ſich d uns n zahlen wohl! „2 Errett „C haben Ihre G achtun Sie be wandte entzoge denſelb mir D „V durchdr thäters „S die Thi Als auf ſei eine S ſtieg. ſprech Der ben und is Spiel mnfangen aft nach nezianer nur für ers Jü eres zum gehörten täglichen erlor er, igenehm. rtrefflich erheiſcht n gewin⸗ orgen zu trennten 251 Ausſchweifung zu unterſtützen, ſo denken Sie an die brodloſen Lippen, welche dies verſchwendete Gold ge⸗ füllt, an die troſtloſen Herzen, die es getröſtet haben würde. Sie ſprechen davon, mich zu bezahlen; bietet ſich die Gelegenheit, ſo thun ſie dies— treffen wir uns niemals wieder und Sie vermögen jenes, ſo be⸗ zahlen Sie die Summe den Armen. Jetzt leben Sie wohl!“ „Bleiben Sie! nennen Sie mir den Namen meines Erreiters! Meiner iſt—“ „Stille! was iſt an Namen gelegen? Dieſes Opfer haben wir Veide der Ehre gebracht. Sie werden eher Ihre Selbſtachtung wieder erlangen(und ohne Selbſt⸗ achtung gibt es weder Treue noch Ehre), wenn Sie hedenken, daß Ihrer eigenen Familie, Ihren Ver⸗ wandten jede Ideenverbindung mit Ihrem Jrrthum entzogen bleibt, damit ich deren Namen höre und mit venſelben verkehren kann, ohne mir einzubilden, daß Sie mir Dankbarkeit ſchuldig ſind.“ „Wohlan denn! Ihren Namen,“ ſagte Legard, tief vurchdrungen von der zarten Großmuth ſeines Wohl⸗ thäters. „Still! murmelte der Fremde ungeduldig, als er die Thüre verſchloß. Als Legard am nächſten Morgen erwachte, ſah er auf ſeinem Tiſche ein keines Paket. Daſſelbe enthielt eine Summe, welche die genannte Schuld noch über⸗ ſtieg. Auf dem Umſchlag ſtand: Gedenke des Ver⸗ ſprechens! Der Frembde hatte Venedig ſchon verlaſſen Er 252 war vurch die italieniſchen Städte nicht unter ſeinem eigenen Namen gereist. Aus den Wüſten des Orients zurückgekehrt, war er noch nicht an die Offentlichkeit der Klatſcherei gewöhnt, welche in den von ſeinen Landsleuten beſuchten Städten einen wohlbekannten Namen erwartete. Der Name, welchen der Wirth des Hotels, vurch italieniſche Ausſprache verſtümmelt, Le⸗ gard ſagte, war von demſelben noch nie gehört und bald vergeſſen. Er bezahlte ſeine Schulden und hielt gewiſſenhaft ſein Wort. Das Abentener jener Nacht beſſerte und veredelte die Geſinnung und Gewohnheit von Georg Legard. Die Zeit verſchwand und er ſah nie mehr ſeinen Wohlthäter wieder, bis er in den Hal⸗ len von Burleigh ven Fremden in Maltravers erkannte. Siebentes Kapitel. Weßhald denn prahlſt du mit der Seele Kraft, Sie wechſelt ſtets und wird dir oft entrafft. Hawkins Browne. Maltravers lag, von ſeinen Hunden umgeben, un⸗ ter einer Vuche, welche ihre Zweige über einen der ruhi⸗ gen Seen ausbreitete, welche das Wäldchen von Bur⸗ leigh ſchmückten, als Oberſt Legard vom Reitwege aus, welcher durch den Park zum Hauſe führte, ihn erſpähte. Der Oberſt ſtieg ab, und warf die Zügel über ſeinen Arm. Maltravers wandte ſich beim Schall der Hufe um, ſih den Beſucher und ſtand auf. Er hielt Legard vie Hond hin und begann ſogleich von gleichgültigen Dingen zu ſprechen. Leg ſolcher über di „G tung, darauf gen des Ma Legard mein B nicht in aher— chen S Pfarrei „N B— ſhi Familie „U „If nur dar ſo viel wird?“ „Si lobt iß. aus, ob „O derbaret ich glau ſolches ſeinem Orients ntlichkeit n ſeinen ekannten irth des elt, Le⸗ hört und und hielt er Nacht wohnheit nd er ſah den Hal⸗ erkannte. e Kraft, rafft. rowne. eben, un⸗ der ruhi⸗ wege aus, erſpähte. ber ſeinen von Bur⸗ 253 Legarb war verlegen, indeſſen ſein Weſen war nicht ſolcher Art, daß er das Schweigen ſeines Wohlthäters über die Angelegenheit hätte nachahmen ſollen. „Hr. Maltravers!“ ſagte er mit anmuthiger Rüh⸗ rung,„obgleich Sie mir noch keine Gelegenheit boten, varauf anzuſpielen, ſo glauben Sie nicht, daß ich we⸗ gen des mir erwieſenen Dienſtes undankbar bin.“ Maltravers ſah ernſt aus, gab aber keine Antwort. Legard begann wieder mit erhöhter Röthe:„Ich kann mein Bedauern nicht genug ausdrücken, daß es noch nicht in meiner Gewalt liegt, meine Schuld abzutragen, aher—“ „Thun Sie das, wenn Sie es können; bitte, ſpre⸗ chen Sie nicht mehr davon. Begeben Sle ſich in die Pfarrei?“ „Nein, heute Morgen nicht; morgen muß ich B— ſhire verlaſſen. Die Mertons find eine angenehme Familie.“ „Und Miß Cameron?“ „Iſt gewiß ſchön und ſehr reich. Wie konnte ſie nur daran denken, Lord Vargrave zu heirathen, der um ſo viel älter iſt, ſie, die ſo viel Bewunderer haben wird?“ „Sicherlich nicht, ſo lange ſie an einen Andern ver⸗ lobt iſt.“ Dies Zartgefühl verſtand Legard nicht durch⸗ aus, obgleich er ein ehrenwerther Mann war. „Oh,“ ſagte er,„vas war der Einfall eines ſon⸗ derbaren alten Verwandten, ihres Stiefvaters, wie ich glaube. Sind Sie der Meinung, daß Sie durch ein ſolches Verlöbniß gebunden iſt?“ 254 Maltravers gab keine Aniwort, ſondern amüſirte ſich, einen Stock ins Waſſer zu werfen, und denſelben durch einen Hund holen zu laſſen. Legard ſah zu, und ſuchte nach ſeinem für Zunei⸗ gung empfänglichen Charakter Eröffnungen zu machen, welche etwas Zurückhaltenbes im Benehmen des Mal⸗ travers mit Kälte zurückwies. Als Legard fortging, folgte ihm Maltravers mit den Blicken.„Dies alſo iſt der Mann, den Eveline, wie Cleveland glaubt, lieben ſollte. Ich könnte ihr ver⸗ zeihen, Vargrave zu heirathen; abgeſehen von dem Ge⸗ fühl der Gewiſſenhaftigkeit, welches zu dieſem Verlöb⸗ niß gehört, beſitzt Vargrave Witz Talent und Verſtand; dieſer Mann aber hat nichts als ſeine Pantherhaut. That ich Unrecht, ihn zu retten? Nein! Jedes menſch⸗ liche Leben, wie ich vermuthe, hat ſeinen Nutzen, aber Eveline könnte ich verachten, wenn ihr Herz ein Narr ihres Auges wäre.“ Dieſe Bemerkungen waren ungerecht gegen Legard, zeigten jevoch gerade vieienige Art von Ungerechtigkeit, welche der Mann von Talent öfters gegen den Mann von änßeren Vorzügen begeht, und welche der Letztere dem Mann von Talent noch öfters zurückgibt. Als Maltravers dieſes Selbſtgeſpräch hielt, trat Herr Cleve⸗ land zu ihm hin. „Kommen Sie, Ernſt! Sie müſſen dieſe unglück⸗ lichen Mertons nicht länger links liegen laſſen. Wiſſen Sie, was die Welt ſagen wird, wenn Sie dies Beneh⸗ men fortſetzen?“ „Nun was?“ „O liebt ſi Me zog der Pauſe: zur Kla Da auf Eve fältig„ ihn ein ſprüche konnte gebenhe wart Ar ein Res ſpruch achtung kein Ber da er w täuſchte amüfirte denſelben r Zunei⸗ machen, des Mal⸗ vers mit line, wie ihr ver⸗ dem Ge⸗ Verlöb⸗ Verſtand; therhaut. s menſch⸗ tzen, aber ein Narr echtigkeit, en Mann er Letztere ibt. Als err Cleve⸗ „Daß Sie von Miß Merton einen Korb bekommen haben!“ „Das wäre eine Verleumdung,“ ſagte Ernſt lä⸗ chelnd. „Oder daß Sie in Miß Cameron hoffnungslos ver⸗ liebt ſind.“. Maltravers ſtutzte, ſein ſiolzes Herz ſchwoll; er zog den Hut über die Stirn, und ſagte nach kurzer Pauſe:„Gut, Frau Hare und die Welt ſoll den Stoff zur Klatſcherei nicht haben.“ Achtes Kapitel. Je mehr er ſtrebt zu frei'n Wird um ſo ferner er dem Ziele ſein. Dryden,„Theodore und Honoria.“ Das Verfahren, welches Vargrave jetzt in Bezug auf Eveline annahm, war liſtig erdacht und wurde ſorg⸗ fältig verfolgt. Er äußerte keine Silbe, welche für ihn eine abſchlägige Antwort hinſichtlich ſeiner An⸗ ſprüche hätte zur Folge haben können; zugleich aber konnte kein Liebender größere Standhaftigkeit und Er⸗ gebenheit in Anfmerkſamkeiten beweiſen. In Gegen⸗ wart Anderer zeigte er ein vertrauliches Weſen, welches ein Recht zu üben ſchien, das er bei ihr in An⸗ ſpruch zu nehmen ſorgfältig vermied. Nichts konnte achtungsvoller, ſogar blöder wie ſeine Sprache ſein; kein Benehmen konnte ein ruhigeres Vertrauen beweiſen; da er weder Eitelkeit, noch große Selbſtliebe beſaß, ſo täuſchte er ſich nicht mit der Idee, Evelinens Neigung 256 zu gewinnen; er ſuchte vielmehr ihr Urtheil zu verwir⸗ wirren und ſie mit Netzen zu umſtricken, welche, weil unfichtbar, nicht weniger gefährlich waren. Das Ver⸗ löbniß betrachtete er als etwas ſich von ſelbſt Ver⸗ ſtehendes, welches durch keinen möglichen Zufall ge⸗ trennt werden könne. Ihre Hand war ſein als ſein Recht, nur ihr Herz ſuchte er ſo ängßlich zu gewinnen! Allein dieſer Unterſchied war auf ſo zarte Weiſe gezogen, und ſo wenig in berührbarer Form bemerkbar gemacht, vaß— wie ſehr auch Eveline ein Verſtändniß wünſchen mochte— auch ein erfahreneres Weib im Nachtheile geweſen wäre, um ein ſolches zur Reife zu bringen. Eveline wünſchte Carolinen zu vertrauen, um ſie um Rath zu fragen. Caroline, obgleich noch artig, hielt ſich in der Entfernung. „Ich möchte,“ ſagte Eveline, als fie einſt in Caro⸗ linens Ankleidezimmer ſaß,„ich wünſchte zu wiſſen, welchen Ton ich gegen Lord Vargrave annehmen ſoll; ich fühle immer ßärker die überzeugung, daß eine Ver⸗ bindung zwiſchen uns unmöglich iſt und gerade, weil er nicht darauf vringt, iſt es mir nicht möglich, ihm dies offen zu ſagen. Ich wünſchte, daß Sie den Auftrag übernähmen; Sie ſcheinen ihm befreundet.“ „Ich?“ ſagte Caroline, indem ſie erröthete. „Ja, Sie! erröthen Sie nicht, oder ich glaube, Sie beneiden mich. Können Sie uns nicht Beide von dem Kummer erretten, der ſonſt früher oder ſpäter über uns kommen muß.“ „Lord Vargrave würde mir für eine ſolche Handlung der Freundſchaft keinen Dank wiſſen. Außerdem heden⸗ ken Sie jetzt ab „ „A neben i tritt. Ihrer“ mitleid „Je zurück, dem ſie „S jungen farbene mit ſein vielleich röthen! „N „N „S line mi ihr Zim „M ihren o mir, da mel geſi wie ſie heirath allen.! der Lieb Bulr verwir⸗ e, weil as Ver⸗ ſt Ver⸗ fall ge⸗ nRecht, Allein en, n gemacht, vünſchen achtheile bringen. nſie um ig, hielt ine Ver⸗ „weil er ihm dies Auftrag e. b glaube, eide von ter über bandlung n beden⸗ ken Sie, Eveline, es iſt kaum möglich, dies Verlöbniß jetzt abzubrechen.“ „Jetzt, warum nicht?“ fragte Eveline erſtaunt. „Alle Welt denkt daran; bemerken Sie nur, Wer neben ihnen ſitzt, ſteht auf, wenn Lord Vergrave näher tritt. Die ganze Gegend ſpricht von Nichts als von Ihrer Helrath; Ihr Spickſal, Eveline, iſt nicht zu be⸗ mitleiden.“ „Ich will dieſen Ort verlaſſen, ich will zur Mutter zurück, ich kann das nicht ertragen,“ ſagte Eveline, in⸗ dem ſie leidenſchaftlich die Hände rieb. „Sie lieben doch nicht einen Andern? nicht den jungen Herrn Hare mit ſeinem grünen Rock und ſtroh⸗ farbenen Backenhart? nicht den Sir Henry Forglove mit ſeinem guten Tag, das wie ein Jagdhalloh klingt? vielleicht Oberſt Legard? der iſt hübſch! was! Sie er⸗ röthen bei ſeinem Namen?“ „Nein!“ „Nein! ſagen Sie, wer iſt ſonſt noch da?“ „Sie ſind grauſam, Sie quälen mich,“ ſagte Eve⸗ line mit betrübtem Vorwurf und ſie ſtand auf, um in ihr Zimmer zu gehen. „Mein theures Mädchen,“ ſagte Caroline, durch ihren offenbaren Kummer gerührt,„erfahren Sie von mir, vaß Ehen, wenn ich ſo ſagen darf, nicht im Him⸗ mel geſchloſſen werden; die Ihrige wird ſo glücklich ſein, wie ſie die Erde Ihnen gewähren kann. Eine Liebes⸗ heirath iſt gewöhnlich die am wenigſten glückliche von allen. Unſer thörigtes Geſchlecht verlangt ſo viel von der Liebe, und Liebe iſt doch im Ganzen nur ein Glück Bulwer, Alice. I. 17 258 unter vielen. Reichthum und Rang verbleibt, wenn die Liebe nur ein Haufen Aſche iſt. Was mich betrifft, ſo habe ich mein Schickſal und meinen Gatten gewählt.“ „Ihren en 22 ltimore; ich glanbe, ſein, wie irgend me Carvlinens, 6e ernßlich und die den Abend. igte Caroline zu ud welcher „daß ich hei einer jün⸗ aber ch für „Mein Schi ſelbſt; der M gibt, mi wi ieber 3 einem Andern ü ren und ſ ge will ich ihm geh eite iſt zu bitter ihren. Vargrave vus, und wenn une ich, daß er griffen liegt den⸗ vi mich entzückt und ein⸗ Beiet einen nat Auſtra und wilde Mojeſt njmm. Die Sfiiung Anbe Rrih; ſeine und meine Natur iſt daz Neuntes Kapitel. Ein Rauch, erhoben durch den von Stufzern. Shakſpeare. Es iſt gewiß, daß Eveline für Maliravers Gefühle 1 Gut, in erſterem ſichtbn e nich der Lie den Ei daß es wenn die trifft, ſo wählt.“ glanbe, vie irgend arolinens, ne aber nd die nd. groline zu 1z u biiter und wenn h, daß er liegt den⸗ und ein⸗ atürlichen n SSufzern are. rs Gefühle 259 he, wenn ſie auch nicht in Liebe beſtanden, thümlich leicht konnten. Ob es nun dieſe herr ſchei eidenſchaft oder nnr eine ähn⸗ iſt Liebe wickelt war, ha Ihr Abenteuer geſſen worben. travers menen Form Einbildu nverehre anten bes n„ ſie nicht im der Liebe ſo viel g den Einen be! 260 gibt, als die Liebe, die er erſchafft unb als Erbe hinter⸗ läßt. Er vringt tſefer, wie der Verſtand; er feſſelt einen edleren Gefangenen, wie die Phantaſie; er ertheilt dem Menſchenh Schatten und Licht, wie die Sonne der Sonnenuhr. ien ſind ſeine Verehrer und Freier; die Nachwelt lernt von ſeinen Orakeln Träume, Be⸗ ſtrebungen und Anbetungen! Hätte Maltravers die Leivenſchaft, vie ihn verzehrte, eingeſtanden, ſo würde ſie wahrſcheinlich eine ähnliche hervorgerufen haben. Allein ſeine häufige Abweſenheit, fein zurückhallendes Benehmen hatte darauf hingewirkt, Geſühle zu er⸗ drücken, die in einem jungen und jungfräulichen Her⸗ zen ſelten mit großer Kraft fließen, bis man ſie einge⸗ laten und erweckt hat. Das Bebürſniß zu lieben iſt vielleicht bei Mäbchen ſelbſt von großer Kraft, wird aber durch ein anderes, das Bedürfniß geliebt zu wer⸗ den, genährt! Wenn Eveline deßhalb gegenwärtig für Maltravers Liebe fühlte, ſo war dieſelhe nicht in bdas Herz des Lebens gebrungen; der Banm haite nicht ſo tiefe Wurzeln geſchlagen, doß er Verpflanzung nicht hätte ertragen können. Sie hegte zu ſehr den Stolz des Geſchlechtes, um nſcht vor dem Gedanken zurückzu⸗ ſchrecken, daß ſie Liebe Jemanden ertheilen würde, wel⸗ cher ſie um den Schatz nicht gebeten habe. Der Neigung fähig, vertrauender und deßhalb, wenn auch weniger heftig, lieblicher und dauernder wie die Liebe, welche die kurze Tragödie der Florence Lascelles belebte, hätte die Liebe der Eveline nicht die unbekannte Correſpon⸗ denz veranlaſſen, oder die Seele enthüllen können, weil die Züge eine Maske trugen. manch was it vorfar Jahre gemiſ dreißi nie, 1 als bi plötzii weiſe regte Achtu die S welche ihr H hatte, fühl: golber tes u Y ſich de dort n was h denſel viellei Lord klärli Triun leicht e hinter⸗ ſſelt einen heilt dem d Freier; ime, Be⸗ avers die ſo würde en haben. haltendes le zu er⸗ chen Her⸗ ſie einge⸗ t z wer⸗ värtig für cht in bas te nicht ſo ung nicht Stolz des zurückzu⸗ irde, wel⸗ rNeigung wenger be„welche bte, hätte orreſpon⸗ inen, weil a Eeline noch in erfahren war, um Alles, würdig und anzlehend ſich gen. Im vlerundzwanzigſten Auch muß man zugeſtehen, mancher Hinſicht zu jung und n was in Maltravers als lieb vorfand, durchaus zu w Jahre würde ſie vielleicht keine Furcht mit ihrer Achtung gemiſcht haben; abe i ſchen fiebzehn und ſechsund⸗ dreißig iſt ein zu großer Zwiſchenraum. Sie empfand nie, daß d inurſat in Jahren vorhanden war, i begniff ſie denſelben c er war nicht zu weiſe und zu hoch Gedanken. Er er⸗ regte weniger ihre Ein skraft und weniger ihre Achtung. Allein auf die eine oder andere Weiſe brang die Stimme, welche ihre Macht ausſprach, das Auge, welches ſich nie von dem ihrigen abwanbte, tiefer in ihr Herz ein. Wie St einſt der Caroline geſagt hatte, war es ihr ein ithſel. Ihr eigenes Ge⸗ fühl war ihr ein Gehe iß; ſie lehnte ſich an den goldenen Waſſerfall, ohne ihr Bild auf ten Spiegel tes unten liegenden Teis es hinzuwerſen. Maltravers erſchien wieder in der Pfarrei. Er ſchloß ſich den Geſellſchaften derſelben bei Tage an und brachte dort wie früher ſeine Abende zu. Ich weiß nicht genan, was hierin ſein Beweggrund war; vielleicht kannte er denſelben ſelbſt nicht; vie t war ſein Stolz erwacht; vielleicht konnte er den Gedanken nicht ertragen, daß Lord Vargrave ſein Geheimniß durch eine ſonſt uner⸗ klärliche Abweſenheit errathen würde, wobei er dieſen Triumph Vargrave's nicht hätte ertragen können; viel⸗ leicht hegte er bei der Strenge ſeiner Selbſtachtung die plö cbi i Evelinens St eitel auf ſeine konnte er erſchauen erſt frieden und i erwartender eſen Beweggründen oder wo er die ſt nicht des S t mit dem jungen „Meine Theure,“ ſagte der Pf Uhr aufzog, bevor er ſich ins Ehebett beg nicht, doß Her s heirathet.“ „Ich wollte ade dieſelbe Bemerkur ſagte Fran Merton, indem ſie die Bettt herzog.„Lord Doltimore iſt ein ſehr pubſher jniht Mann; ſein Gut iſt noch nicht belaſtet.“ in den Herr wider zugebe 263 „Ich habe ihn außerordentlich gern, meine Theure; er iſt offenbar in Caroline verliebt, wie uns Lord Var⸗ e Bun Frau H ſagien. 8 6 geſagt, w e iß zu einer Dan „Und oder vermiet „Das e ſehr angenehm.“ „Wollen Sie nicht Caroline darüber einen Wink geben?“ „Mein Theurer, fi unſere Tochter ihren eigenen „Sie haben Recht, meine theure Betſy; ich werde ſleis ni daß Niemand geſunderen Verſtand wie Sie an dem beſitzen; Sle haben unſere Kinder vortrefftich aufge⸗ 6 zogen!“ W rton„Theurer Karl!“ „Es iſt etwas kalt heute Nacht,“ ſagte der Pfarrer, als er das Licht löſchte. 1 Von jener Zeit an war es nicht der Fehler des Herrn und Frau Merton, wenn Lord Doltimore nicht ihr Haus für das angenehmſte in der Grafſcaft hielt.. Eines Abenbs war die Geſe t in der Pfarrei in dem heſteren Beſochzimmer verſammelt Cleveland, über ſich Herr Merton, Sir John und Lord Vargrave(letzterer er nnge wider ſeinen Willen S ngen, den vierten Mann ab⸗ zugeben) ſaßen am Whißtiſche; Eveline, Cuoline und Lord Doltimore am Feuer, und Frau Merton arbeitete an einem Schemel. Das Feuer brannte hell; die Vor⸗ hänge waren heruntergelaſſen, die Kinder zu Bett. Es war ein Familienbild eleganter Behaglichkeit. Herr Maltravers ward gemeldet. „Ich hin erfrent, daß Sie zuletzt gekommen ſind,“ ſagte Carvline, indem fie ihm ihre ſchöne Hand reichte. „Herr Cleveland konnte für Sie nicht einſtehen. Wir ſtritten gerade, welche Lebensweiſe die glücklichſte iſt.“ „Und Ihre Meinung?“ fragte Maltravers, indem er ſich auf einen leeren Stuhl ſetzte(vieſer ſtand zufällig Evelinen am nächſten). „Meine Meinung iſt eniſchieden zu Gunſten Lon⸗ dons, für ein Leben in der Hanptſtadt mit deren fort⸗ währenden und angenehmen Aufregungen, mit der beſten Muſik, der beſten Geſellſchaft, kurzum den beſten Din⸗ gen. Das Leben in der Provinz iſt ſo dumpf, deren Vergnügungen ſo langweilig; von den Neuigkeiten des vergangenen Jahres zu ſprechen— vie Kleider des ver⸗ gangenen Jahres abzutragen— ein Gewächshaus zu be⸗ ſtellen und in Kinberſpiele ſich einzulaſſen— wie furcht⸗ bar!“ „Ich ſtimme mit Miß Merton überein,“ ſprach Lord Doltimore feierlich;„ich liebe zwar das Land auf drei oder vier Monate im Jahr, mit guter Jagd und einem gehörig gefüllten Hauſe, übrigens unabhängig von der Nachbarſchaft; ſollte ich mir aber einen Ort, um dort zu leben, wählen, ſo wäre dies Paris.“ „Ach, Paris! ich war noch nie in Paris, ich möchte ſo gerne reiſen,“ ſagte Caroline. ſagte Leute ſo vie in Vet ſtoche rung. N worte gleite Entſc „ 5 timor „ 5 mieth „ mol e Y ſtand line z und L 3 junge grane „. „ innere narbeitete ;die Vor⸗ Bett. Es nen ſind,“ nd reichte. ehen. Wir lichſte iſt.“ ers, indem nd zufällig nſten Lon⸗ eren fort⸗ tder beſten eſten Din⸗ pf, deren gkeiten ves er des ver⸗ aus zu be⸗ wie furcht⸗ 1,“ ſprach z Land auf Jagd und nabhängig einen Ort, is.“ ich möchte „Aber die Gaſthöfe im Auslande ſind ſo ſehr ſchlecht,“ ſagte Lord Doltimore;„ich kann nicht begreifen, wie die Leute ſo wahnfinnig auf Italien find. Ich habe niemals ſo viel in meinem Leben gelitten wie in Calabrien, und in Venedig ward ich durch Schnaken beinahe zu Tode ge⸗ ſtochen; Nichts gleicht Paris, ich gebe Ihnen die Verſiche⸗ rung. Eind Sie nicht der Meinung, Herr Maltravers?“ „Vielleicht kann ich Ihnen in kurzer Zeit beſſer ant⸗ worten; ich gedenke Herrn Cleveland nach Paris zu be⸗ gleiten,“ ſagte Maltrevers. „Wirklich,“ ſagte Caroline, ich beneide Sie. Der Entſchluß iſt ein plötzlicher.“ „Das gerade nicht.“ „Werden Sie lang ausbleiben?“ fragte Lord Dol⸗ timore. „Die Zeit meines Aufenthalts iſt noch ungewiß.“ „Und wollen Sie nicht Burleigh mittlerweile ver⸗ miethen?“ „Burleigh vermiethen? Nein, gebe ich es ein⸗ mal aus meinen Händen, ſo iſt das für immer.“ Maltravers ſprach ernſt und der Geſprächsgegen⸗ ſtand ward verändert. Lord Doltimore forderte Caro⸗ line zum Schachſpiel auf; Beibe ſetzten ſich abgeſondert und Lord Doltimore ſtellte die Figuren auf. „Ein verſtändiger Mann iſt Maltravers,“ ſagte der junge Lord;„aber ich komme nicht mit ihm aus. Var⸗ grave iſt angenehmer, glauben Sie nicht daſſelbe?“ „J— a!“ „Lord Vargrave iſt gegen mich ſehr artig; ich er⸗ innere mich niemals, daß Jemand ſich ſo gegen mich 266 benommen hat; er verſchaffte Legard die Stelle, ganz allein, weil er mir einen Gefallen thun wollte; i gedenke mich unter ſeine Flügel nächſte Saiſon zu be⸗ geben.“ „Gewiß können Sie Caroline,„er iſt ſo an ſlens Premierminiſter „Ich nehme en den Läufer wirklich, Sie verßtehen ja wohl Politit?“ „O nein, gerade nicht; allcin mein Vater und mein Onkel ſind gr i W ker; Herrn ſind darin geſchickter wie Damen. Wir müſſen ſtets ihren Melnungen folgen. — Ich glaube, ich darf Ihnen den Bauer dort bei der Königin nehmen— Ihre Partei iſt dieſelbe, wie die Lord Pakte 8 2* „Ja, ich glaube, wenigſtens will ich meine Voll⸗ macht zum Stimmen ihm laſſen; ich bin erfteut, daß Sie ſich nicht in Politik n n„ ſie iſ ſo lungweſlig.⸗ „Wie, ſo jung, und mit ſolchen Verbindungen?“ Cgroline hielt an und machte einen falſchen Zug. „Ich wünſchte, wir reisten zuſammen nach Paris — wir würden den Ott ſo genießen.“ Doltimore's Springer bedrohte den re und die Königin. Caroline huſiete und ſtreckte ſchnell ihre Hand aus. „Verzeihen Sie, ſo Ste das Spiel!“ Dol⸗ timore legte ſeine Hand auf pie ihrige, ihre Augen be⸗ gegueten ſich. Caroline wandte ſich hinweg und Lord Doltimore zupfte an ſeinem Rockkragen. 2 „Iſt es wahr, wollen Sie uns verlaſſen?“ fragte Eveline. Sie fühlte wirklich Kummer; aber ihr Kam⸗ nich eres thun“ ſagte geſehen; er wird gewiß näch⸗ Sie das bei Zei eſchickter n folgen. t bei der e Lord ich Paris ltimore's igin. n 3. 1!“ Dol⸗ ugen be⸗ und Lord fragte hr Kum⸗ 267 nicht der der Liebe; ſie war betrübter ß ich lang fortbleiben werde,“ ähte, gleichgürtig i tre den wie h mi bflichten erſchaffen en hi inſam und nutzlos r Sie werden doch noch nicht (Eveline wurde wieder heiter.)„Haben das ich Ihnen überſandte“(es „Weßhaib, es iſt doch ſ „Aber iſt es wahr?. ſinn? Iß die Liebe ſo v tri ⸗ ſo bin 3 ſo glück ich, wenn ich mich bei denen wenn ich bei meiner Mutter bin, tel blauer— ien wir aber die Liebe niem kaunt, ſ ürden r vir ſie nicht vermſſen und die glän⸗ ht 3, ihrer Erinnerung; während ihrem Ge⸗ niß, gl leichſam de der Freude Sicher⸗ lich jedoch liegt Bt„wenn man ſich der Liebe hingibt, bei Zeiten in verſelben ein gewiſſer Trübſinn, eine ge⸗ wiſſe Furcht. Haben Sie dies Gefühl nie gehegt, ſogar nicht bei Ihrer Mutter?“ „O ja, wenn ſie krank war, oder wenn ich vachte, ſie liebe mich weniger, wie ich wünſchte.“ „Das muß ein eitler Gedanke geweſen ſein; gleicht Ihnen Ihre Mutter?“ „Ich wünſchte, ich könnte dies glauben; o würden Sie doch meine Mutter kennen! Ich habe ſo oft ge⸗ wünſcht, daß Sie miteinander bekannt wären; ſie hat mich Ihre Lieder gelehrt.“ Neine theure Frau Hare, wir können unſere Kar⸗ ten auflegen,“ ſprach die helle und ſcharſe Stimme des Lord Vargrave;„Sie hahen hewunderungswürdig ge⸗ ſpielt und ich weiß, daß Ihre letzte Karte Trumpfaß ſein wird. Das Glück iſt aber gegen uns.“ „Nein, ſpielen Sie weiter, Mylord.“ „Ganz nutzlos, Madame,“ ſagte Sir John, indem er zwei Honneurs zeigte;„wir hrauchen allein das Trick zu machen.“ „Ganz nutzlos,“ wieberholte zn indem er ſeine Souvereigus einräffte und mit ſorgloſem Gähnen anf⸗ ſtand. „Wie geht's, Maltravers?“ Maltravers erhob ſich und Vargrage wandte ſich zu Eveline und flüſterte ihr etwas zu. Der ßolze Maltra⸗ vers ging fort und unterbrückte einen Seufzer. Nach einem Augenblick ſah er, daß Lord Vargrave den Stahl einnahm, den er leergeleſſen hatte. Er legte ſeine Hand auf Clevelands Schulter. „Der Wagen wartet, ſind Sie hereit?“ tels rit Hertn durch d für die welcher nes ſeie eſſe ove ſicherlic Wer he würde; „Ei Kraft e ſagte de ſollen, d mann a „C Diener, geſieht: aber au tet— 1 daß der Mann von alle egt, ſogar ich vachte, nz gleicht o würden ſo oft ge⸗ ; ſie hat ſere Kar⸗ imme des ürdig ge⸗ rumpfaß n, indem das Trick m er ſeine hnen auf⸗ te ſich zu Maltra⸗ r. Nach en Stahl ine Hand Zehntes Kapitel. Mit dem Dunklen das Wahre vermiſchend. Virgil. Einige Tage nach ben Vorgängen bes letzten Kapl⸗ tels riti Eveline und Caroline mit Lord Vargrave und Hertn Merton ſpazieren; auf ihrer Rückkehr kamen ſie durch das Dorf Burleigh. „Maltravers, ich, hat einen Parlamenisſitz für die Grafſchaft im Auge,“ ſagte Lord Vargrave, welcher ehrlich die Meinung hegte, die Blicke jedes Man⸗ nes ſeien ßets S Etwas gerichtet, welches ſein Inter⸗ eſſe vder ſein Vorrücken befördere;„ſonſt gäbe er ſich ſicherlich nicht die Fih mit Arbeitshäuſern und Armen. Wer hätte jemals gevacht, mein romantiſcher Freund würde zu einem Lithetret mann herabfinken!“ „Es iſt erſtaunenswerth, welches Talent und welche Kraft er auf Alles, was er unternimmt, verwendet,⸗ ſagte der Pfarrer.„Man hätte wirklich nicht glauben ſollen, doß ein Mann von höherem Geiſt einen Geſchäfts⸗ mann abgeben könne.“ „Sehr ſchmeichelhaft für Ihren unterthänigſten Diener, welchem alle Welt die erſtere Eigenſchaft zu⸗ geſteht und die letztere t⸗ Ihre Bemerkung zeigt aber auch, welch einen traurigen Beſitz der Genins bie⸗ tet— wie älle Welt hegen Sie ſogleich die Melnung, daß derſelbe nicht zu brauchen iſt. Erklärt man einen Mann für ein Genie, ſo heißt vas ſo viel, als daß er von allen guten Dingen bieſes Lebens ausgeſchloſſenwird; die Ta Mais à 270 er eignet ſich für nichts, als für eine Bringt ein Gente in Amter, macht ein Genie zum 2 ſchof, oder zum Lorbkanzler? Die Welt wt kehrt werden! Sie er ein Beamter der f zwiſchen einem S kann! Jahre iechals auf zwei ich das Leben hegann, war cher M Niemand für ein Genie pielt: alein„7 letzten oder während ter lebien 2 Jahre ehal ſich abe gewagt, ein Feni aus Lor kriechen. Mir iſt es deßh d indeß ſck neller fortgekommen wä Fu we Mann war. Der W Haſen und der ſie b weil einmal eine ikrzte ei 4 Hn en halte jene Fabel für wohr) a fen können wie Haſen. M ausgeſp das Monpol der Brode und F ſprach n lent ſich im Leben erhe bt, iſt er ve Talent mehr Kraf„E „Sie find b Fecht, lachend,„Sie hal tigkeit, ſich über bie zu geringe ſauben klagen.“„ A „Gm! Hätte ich einen Gran mehr Talent, ſo wäre bohen 2 ich dadurch niedergebrückt. Eine feine Allegorie liegt in weil er der Geſchichte vom mageren Poeten, welcher Blei„R 271 die Taſchen ſteckte, um nicht hinweggeblaſen zu werten. Mais à nos moutons, um auf Maltravers zurück zu kehren— laſſen Sie unz vorausſetzen, daß er nur ein Mann war und eim geringſten Genie in fleißiger, geſe rHerr von gutem Ruf ger,— ſo hätte er älfte des Ber⸗ rklommen; was iſt ed aber jetzt? Ir Publikums weniger Jahre— ein unzufriebener cher Müßiggänger.“ „Nein, nicht das,“ ſagte ſich aber alsdann zurück. Lord Vargrave wa ſ ihr einen forſ ndeß ſeine Kennt tniß2 b Ln weit gefähr li des Seete faßte und ward keine ernſte Beſorgniß. „worin Eveline ihre beſtimmt eusgeſproch en hatte, war ihm höchſt mi ſprach mit leichtem Spott:„Wenn er vas nich iſt er benn?“ „Einer, welcher durch Fecht⸗ faul zu ſein, erka tigkeit,„ein Mann, deſ lauben wird, träge zu ſein.“ „Außerdem,“ ſagte Herr Merton,„hat er ſich einen bohen Ruf erworben, den er unmöglich verlieren kaun, weil er h nicht zu vermehren ſucht. „Ruf!— O ja, wir ertheilen Leuten wie ihm, 272 Männern von höherem Geiſt, ein großes Eigenthum in den Wolken, damit wir uns ſelbſt rechtfertigen, wenn wir ſie aus unſerem Wege hienieden fortſchaffen. Sind ſie mit Ruhm zufrieden, ſo verbienen ſie ihr Schickſal. Zum Henker mit dem Ruhm, gebt mir Macht.“ „Beſitzt der Genins keine Macht?“ fragte Eveline mit größerer Hitze,„keine Macht über Herzen, Seelen und Gedanken? Keine Macht über die eigene Zeit, über die Nachwelt— über noch uneivilifirte Nationen, noch ungeborene Geſchlechter?“ Dieſe Heſtigkeit bei einem ſo einfachen und jungen Mädchen wie Eveline, ſchien Vorgrave ſo überra⸗ ſchend, daß er ſie ſtarr anblickte, ohne ein Wort zu ſagen. „Ste werden über mein Aufireten als Kämpferin lachen,“ fügte ſie mit Etröthen und Lächeln hinzu; „Sie aber haben das Gefecht veranlaßt.“ „Und Sie haben die Schlacht gewonnen,“ ſagte Vargrave mit ſchneller Galanterie.„Mein entzückendes Mündel, jeder Tag entwickelt in Ihnen eine neue Na⸗ turgabe.“ Caroline, mit einer Bewegung des Argers, ſetzte ihr Pferd in kurzen Galopp. Gerade um dieſe Zeit kam aus einem Kreuzwege ein Reiter hervor; es war Maltravers. Die Geſellſchaft hielt; Begrüßungen wurden ausgetauſcht. „Ich glaube, Sie genießen das ſüße Geſchäft des Grundbeſitzes,“ ſogte Vargrave munter—„Attſeus und ſein Gut! Clofſiſche Ideenverbindungen! Günſtiges Wetter für den Ackerhau Was gibts Neues über Weizen und Ge über de Alle e George Angele Weizen an den „W Wetter mels; die Sie ernten.“ en, noch d jungen überra⸗ Wort zu ämpferin hinzu; 1,“ ſagte zückendes neue Na⸗ rs, ſetzte zwege ein ſellſchaft ſchäft des „Attſeus Hünſtiges erWeizen und Gerſte7 Ich glaube, unſere engliſche Gewohnheit, über das Wetter zu ſchwatzen, iſt entſtanden als wir Alle ein gutsherrliches, bäuerliches Volk nach Art Georgs III. waren. Das Wetter iſt wirklich eine ernſte Angelegenheit für Herren, die an Bohnen und Wicken, Weizen und Heu Intereſſe haben. Sie hängen ihr Gluck an den Montswechſel.“ „Wie Sie an das Lächeln eines Min ſters. Das Wetter eines Hofes iſt launenhafter als des des Hm⸗ mels; wenigſtens find wir beſſere Landwirthe wie Sie, die Sie den Wind ſäen, und nur den Wirbelwind ernten.“ „Gut geantwortet, und wirklich, wenn ich mich umſehe, ſo bin ich beinahe geneigt, Sie zu benelden wäre ich nicht Vargrave ſo möchte ich Maltravers ſein.“ Die Scene war wirklich von ſolcher Art, daß Rahe und Heiterkeit mit ber engliſchen Vereinigung des ſeu⸗ dalen und idylliſchen Lebens ſich darbot; das grüne Dorf mit den niedlichen, zerſtreuten Hütten, die ſich aus⸗ breitenden Felder und Weiden, der Raſen des Parks, im Hintergrunde durch den Schatten des ungleichen Bodens mit ſeinen Erddämmen, ſeinen Hohlwegen und ehrwürdigen Hainen unterbrochen, aus welchen vie Thürme des alten Hauſes ſich erhoben, während die Senſter in der Abendſonne glühten— eine Stene, welche Ruhe und Zufriedenheit ausſprach, und welche demü⸗ thigen Philoſophen, wie einem Erben aus altem Ge⸗ ſchlecht gleich angenehm ſein mußte. „Ich habe nie ein Landgut mit ſo beſtimmt ausge⸗ Bulwer, Alice. I. 18 ſprochenem Charakter wie Burleigh geſehen,“ ſagte der Pfarrer;„die alten in England voch übrigen Landſitze ſind haupiſüchlich die unſerer erſten Edelleute. Man ſieht ſo ſeiten einen ſolchen, welcher keine andere An⸗ ſprüche macht, als den, der Wohnſitz eines Privatmannes zu ſein und der dennoch alle überbleibſel der Tadorzeiten ſich erhalten hat.“ „Ich glaube,“ ſagte Vargrave, indem er ſich zu Cveline wantte,„daß wir kein beſſeres Landgut wie Burleigh finden könnten, da Ihr Vermögen nach dem Willen meines Onkels auf den Ankauf von einem Land⸗ ndt werden ſoll. Wenn Sie, Maltravers, deß⸗ Verkruf geneigt find, ſo glaube ich, müßlen more überhieten. Was ſagen Sie dazu, mein ſchönes Mündel?“ „Laſſen Sie Burleigh in Ruh, ich bitte Sie,“ ſagte Maltrevers ärgerlich. „Das heißt wie ein Digby geſprochen,“ erwiberie Vargrave.„Alons! Wollen Sie nicht mit uns heim⸗ kehren?“ „Ich danke Ihnen, heute nicht.“ „Nächßen Donnerſtag treffen wir uns bei Lord Raby: es wird Lort ein Boll gegeben, beinah zu Ehren Ihrer Rückkehr nach Burleigh; wir Alle gehen hin.* Meine junge Conſine tritt dort zum erſtenmal in Kna⸗ resdean auf; wir ſämmilich beſitzen ein Intereſſe an Ihrer Eroberung.“ As Moltravers aufblickte, um zu antworten, he⸗ gegnete ſein Auge dem der Eveline, und ſeine Stimme ſtammelte hei den Worten:„Jo, wir werden uns treffen — noc und me trevers ſchätzt; doß ſie zen bei Rechte doch, 1 glanber Be über de durch 2 Hütte« chen de Malta fältige D erweck ſagte der Landſitze e. Man ndgut wie nach dem em Land⸗ vers, deß⸗ h müßlen azu, mein Sie,“ ſagte erwiberte uns heim⸗, z bei Lord h zu Ehren gehen hin. l in Kna⸗ ntereſſe an orten, be⸗ ne Stimme uns treffen er ſich zu 275 — noch einmal— Adien!“ Er warf ſein Pferd herum und trennte ſich von der Geſellſchaft. „Ich kann dies nicht mehr ertragen,“ ſprach Mal⸗ trevers zu ſich ſelbſt;„ich habe meine Kraft über⸗ ſchätzt; ſie Tag für Tag ſo zu ſehen, und zu wiſſen, doß ſie einem Andern angehört!— Unter den Schmer⸗ zen bei ſeiner ruhigen, bewußlloſen Ammaßung ſeiner Rechte mich zu winden! Glücklicher Vugrave! Und doch, wird ſie glücklich ſein? Künnte ich dies doch glanben!“ Bei dieſen Worten ließ er die Zügel des Pferdes über deſſen Nocken fallen, welches langſam, gleichſam durch Mechantsmus der Gewohnheit an der Thür einer Hütte anhielt, die etwa einen Steinwurf von tem Häus⸗ chen des Parkhüters entfernt war. An dirſer Thür hatte Maltraveis mehre Tage hinter elnander regelmäßig an⸗ gehalten; es war jetzt von einer armen Frau bewohnt, von welcher früher erzählt wurde, wie Maltravers mit ihr zuſammentraf. Sſe hatte ſich jetzt von der unmit⸗ telbaren Wirkung der erlittenen Verletzung erholt, alein ihre Körperkraft, durch früheres Leiden und Eeſchö⸗ pfung ſchon gebrochen, hatte einen tödtlichen Schlag erhalten. Sie war innerlich verletzt worden; der Wund⸗ arzt henachrichtigte Maltraveis, daß ſie nicht mehr viele Monate zu leben habe. Er hatte ſie unter das Dach eines ſeiner Lieblingsbauern hringen leſſen, wo ſie ellen Veiſtand und alle Unterſtützung erhlelt, welche ſorg⸗ fältige Pflege und ärztlicher Rath ihr ertheilen konnte. Dieſe arme Frau, deren Name Sara Elton war, erweckte ſehr die Theilnahme von Maltrcvers; ſie hatte 276 beſſere Tage gekannt; ihre Worte zeigten eine gewiſſe Wahl, welche eine, ihren Umſtänden überlegene Erzie⸗ hung andeuteten; Maltravers ward am meiſten dadurch gerührt, daß ſie mehr durch den Tod ihres Gatten, wie durch ihre eigenen Leiden zu dulden ſchien, ein Fall, der bei Wittwen nach vierzig Johren nicht ſo häufig iſt! Wir ſagen zwar, die Jugend tröſte ſich leicht über den Raub des Grabes; beim mittleren Alter iſt dies noch mehr der Fall. Als Frau Eiton ſich in der Hütte fand, blickte ſie umher und brach in Thränen aus. „Wilhelm iſt nicht hier,“ ſagte ſie;„Freunde! Hätte er nur einen ſolchen Fteund gehabt, bevor er ſtarb.“ Maltravers war erfrent, doß ihr erſter Gedanle eher Kummer über die Tovten, wie Dankbarkeit für die Lebenden hetraf. Dennoch war Frau Elton vankbar, einfach, ehrlich, tieffühlend dankbar! Ihr Weſen, ihre Stimme bezengten dies. Sie ſchien ſo vergnügt, wenn ihr Wohlthäter gütig ſprach und herzlich ſich erkun⸗ vigte, wie dies Maltravers beharrlich that, zuerſt aus Mitleid, dann aus ſelßfüchtigem Beweggrund— wer empfinbet keine Heiterkeit bei Erweckung von Vergnü⸗ gen? Maltravers hatte ſo wenig Menſchen auf der Welt, die ſich um ihn bekümmerten, daß er vielleicht geſchmeichelt ſich durch die dankbare Achtung dieſer ar⸗ men Fremden fühlte. Als ſein Pferd anhielt, öffuete die Tochter des Pächters die Thür und knirte; dies war eine Einladung einzutreten; er warf den Zügel über das Pfahlwerk und trat in die Hütte. Fra um ihn nieterſi Bäueri gingen entfern 5D gen zu Frage mich zu ſie hiel unterdr ſank in ſchnapf Frage: Dame „ E Hälfte kam ſie geworf wandte e gewiſſe ne Etzie⸗ ndadurch tten, wie ein Fall, ſo häufig eicht über r iſt dies lickte ſie Freunde! bevor er Gedanle eit für die vankbar, eſen, ihre igt, wenn ich eren⸗ zuerſt aus — Vergnü⸗ auf der vielleicht dieſer ar⸗ öffnete die war eine über das Frau Elon, die am voffenen Fenſter ſaß, ſtand auf, um ihn zu empfangen; Maltravers aber ließ ſie wieder neterſitzen, und machte es ihr bald behaglich. Die Bäuerin und ihre Tochter, die in der Hütte waren, gingen in den Garten; Frau Elton, welche, bis jene ſich entfernten, gewartet hatte, rief plötzlich aus: „O Herr, ich habe mich geſchnt, Sie dieſen Mor⸗ gen zu ſehen; ich ſehne mich die Kühuheit zu einer Frage zu erlangen, ob ich träumte, oder ob ich, als ſie mich zuerſt in Ihr Haus nahmen, ſah, wirklich ſih—“ ſie hielt plötzlich an, und obgleich fie ihre Regung zu untervrücken ſuc te, war dleſelbe zu ſtark für ſie. Sie ſank in ihren Lehnßuhl zurück, bleich wie ber Tod und ſchnappte beinah nach Luft. Maltravers wartete erſtaunt, bis ſie wieder zu ſich kam. „Ich bitte um Verzeihung, Herr, ich vachte an längſt vergangene Tage und— und ich möchte fragen, ob damals, als ich beinahe unempfinblich in Ihrem Hauſe lag, irgend Jemand ſonſt, wie Sie ſelbß und ihre Bedienten gegenwärtig waren? Oder war es,“ fügte das Weib mit einem Schauder hinzu,„eine Todte?⸗ „Ich erinnere mich,“ ſagte Maltravers durch die Frage und das Weſen erſtaunt und aufgeregt,„daß eine Dame gegenwärtig war.“ „So iſt es, ſo iſt es!“ rief die Frau, indem ſie zur Hälfte aufſtand und ihre Hände falteke;„vor kurzem kam ſie bei der Hütte vorüber; ihr Schleier war zurück⸗ geworfen, als ſie das ſchöne juntze Geſicht zur Hütte wandte. Ihr Nuue, Herr? Es war daſſelbe Geſicht, 278 welches mir in jener Stunde des Kummers escietg ich habe nicht geträumt; ich war nicht wahnſinnig.“ „Beruhigen Sie ſich; wie ich glaube, konnten Sie niemals früher Miß Cameron geſehen ho ben.⸗ „Cameron!“ Die Frau ſchüttelte betrübt den Kopf. „Nein, der Name iſt mir fremd; iſt ihre Mutter todt, Herr?“ „Nein, ihre Mutter lebt.“ Ein Schatten kam über das Geſicht der Leidenden, und ſte ſagte nach einer Pauſe:„Donn Herr, täuſchten mich meine Augen; ich föhle wirklich bisweilen, daß es mit meinem Kopfe nicht in Ordnung iß, und meine Gedanken ſchweifen umher. Jadeſſen vie Ahnlichkeit wer ſo groß; nur daß jene junge Dame noch liebenswürdi⸗ ger war.“ „Ahnlichkeiten ſind ſehr trögeriſch und ſehr ſonder⸗ har; eine Perſon entdeckt Uhnlichkeit zwiſchen durchaus unähnlichen Geſichtern, wo Andere durchaus nichts Prige ſehen; wem aber gleicht Miß Cameron?“ „Einer jetzt vor manchen Jahren verſtorbenen Frau; allein die Geſchichte iſt lang, und liegt ſchwer auf mei⸗ nem Gewiſſen. Eines Toges, Herr, will ich es vor Ihnen entlaſten, wenn Sie es mir erlauben.“ „Wenn ich Ihnen irgendwie helſen kann, ſo ver⸗ fügen Sie über mich. Mittlerweile haben Sie keine Freunde, oder Verwandte, oder Kinder, die Sie zu ſehen wünſchen?“ „Kinder! Nein, Herr. Ich hatte nur ein Kind als mein eigenes,“ ſorah fie mit Nachdruck auf den letzten Worten,„und dieſes ſtarb in einem ftemden Lande.“ „He „N fach. J Kind. 2 ich ſechz Dame u als Geſe war da junger machte hänglich Eltern Ich wa er mich Klughe ten ich mißhan in meir denn id ſeine C in Sch Herr, mich ni Dienſt viel Ge erſten! Wilhel Neu Y ich wa von ga htete; ich g. inten Sie . den Kopf. tter todt, eidenden, täuſchten n, daß es und meine chkeit wor enswürdi⸗ hr ſonder⸗ urchaus us nichts ron?“ nen Fran; n, ſo ver⸗ Sie kelne ie Sie z n Kind als den letzten Lande.“ 279 „Haben Sie keine andere Verwondte?“ „Nein, Herr; meine Geſchichte iſt ſehr kurz und ein⸗ fach. Ich wurde ſehr gut aufe en; ich war ein einziges Kind. Mein Vater war ein kleiner Pächter; er tarb, als ich ſechzehn Jahre altwar undichtrat bei einer guten alten Dame und ihrer Tochter in Dienſt, welche mich mehr als Geſellſchafterin, wie als Dienerin behantelten; ich war damals ein eitles, unbeſonnenes Mädchen. Ein junger Mann, der Sohn eiues benachbarten Pächters, machte mir den Hof und ich hegte zu ihm große An⸗ hänglichkeit; aber Keines von uns hatte Geld, und ſeine Eitern wollten die Einwilligung zur Ehe nicht geben. Ich war albern genng zu glauben, vaß Wilhelm, wenn er mich liebte, auch Allem hätte trotzen ſollen; ſeine Klugheit kränkte mich; ſomit hei eich einen Antern, en ich nicht liebte. Ich wurde gerecht beſtraft, denn jener mißhandelte mich und ergab ſich dem Trunke; ich kehrte in meinen alten Dienſt zurück, um ihm zu entgehen, denn ich war in der Hoffnung und mein Leben war durch ſeine Gewaltthätigkeit bedroht; er ſtarb plöszlich und in Schulden und alsdann gab mir ein Herr, ein reicher Herr, dem ich einen Dienſt erwieſen hatte(Sie müſſen mich nicht falſch verſtehen, wenn ich Ihnen ſoge, der Dienſt ſei von ſolcher Art geweſen, daß ich ihn bereuc), viel Geld, und machte mich ſo reich, daß ich meinen erſten Liebhaber heirathen konnte; ich reiste darauf mit Wilhelm nach Amerika; wir lebten manche Jahre in Neu York behaglich von unſerem kleinen Vermözen und ich war lange Zeit glücklich, venn ich liebte Wilhelm von ganzem Herzen. Mein erſtes Unglück beſtand in dem — 280 Tode des Kindes aus erfter Ehe, allein ich wurde hald aus meinem Gram erweckt. Wilhelm machte Entwürfe und Spekulationen wie Jedermann in Amerika, und wir verloren Alles. Wilhelm war ſchwach und konnte nicht arbeiten. Zuletzt erhielt er die Stelle eines Auf⸗ ſehers der Lebensmittel auf einem Paketſchiff von Nen⸗ York nach L verpool, und ich wurde angeellt, um in der Kjüte aufzuwarten. Wir wollten nach London; ich glaubte, mein alter Wohlthäter würde etwas für uns thun, obgleich er die Briefe, die ich ihm ſchickte, nie beantwortet hatte. Allein mein armer Mann wurde an Bord kronk und ſiarb, als wir Land erblickten.“ Freu Eiton weinie bitterlich, jedoch mit dem ſanf⸗ teren Gram derjentgen, die ſchon mit Thränen vertraut ſind; als ſie wieder zu ſich kam, heendete ſie ihre de⸗ müthige Eczählung. Sie ſelbſt, zu aller Arbeit durch Kummer und gebrochener Conſtitution unfähig, befand ſich in den Straßen von Liverpool ohne andere Hülfs⸗ mittel, als d'e Almoſen der Reiſenden und Matroſen am Bord des Schiffs. Mit dieſer Suinme begab ſie ſich nach London, wo ſie erfuhr, daß ihr alter Beſchützer ſchon längſt geſtorben war, und daß ſie auf deſſen Fa⸗ milie keine Anſprüche machen konnte. Als ſie England verließ, hatte ſie einen Verwandten in einer Stabt des Nortens zurückgelaſſen; dorthin begab ſie ſich jetzt, um auch ihre letzte Hoffnung zertrümmert zu ſehen; der Verwandte war todt. Ihr Geld war jetzt verbraucht, und ſie hatte ihre Reiſe auf der Landſtraße oder auf Nebenwegen bettelnd fortgeſetzt und wußte nicht, wohin, bis der an defſ 5 ſchichte ven ich Hauſe Hütte von 2 einen gene erhalt Schle mein Reiſe begle Som E Lord biete Lond Stir geſch vurde bald Entwürfe rika, und ind konnte eines Auf⸗ von Nen⸗ um in der onn; ich s für uns chickte, nie wurde an n.“ dem ſauf⸗ n vertrant ie ihre de⸗ rbeit durch ig, befand ere Hülfs⸗ Matroſen gab ſie ſich Beſchützer deſſen Fa⸗ e England Stabt des h jetzt, um ſehen; der verbraucht, e oder auf cht, wohin, 281 pis ver Zufall, der ihr Leben verkürzte, ihr einen Freund an deſſen Schluß verſchaffte. „Dies, Herr,“ ſagte ſie ſchleßlich,„iſt die Ge⸗ ſchichte meines Lebens, mit Ausnahme eines Theiles, ven ich beſſer erzählen kann, wenn ich mich etwas ſtärker fühle; jetzt aber werden Sie mich entſchuldigen.“ „Meine arme Freundin, finden Sie ſich behaglich und zufrieden, ſind dieſe Leute artig gegen Sie?“ „Ach ja! Und jede Nacht beten wir für Sie, Herr; Sie müßten glücklich ſein, wenn der Segen der Armen den Reichen etwas hilft.“ Maltravers ſtieg wieder zu Pferde und kehrte nach Hauſe; ſein Herz war leichter wie zuvor, als er jene Hütte betrat. An jenem Abend aber ſprach Cleveland von Vargrave und Eveline, von dem guten Glück des einen und den Reizen der anvern; die ſo gut verbor⸗ gene Wunde blutete aufs Neue. „Ich habe geſtern einen Brief von de Montaigne ethalten,“ ſagte Ernſt, gerade, als Veide ſich auf Ihr Schlafzimmer begeben wollten,„und pieſer Brief hat mein Verfahren entſchieden. Wollen Sie mich als Reiſegefährten annehmen, ſo will ich Sie nach Paris begleiten. Haben Sie ſich entſchloſſen, Burleigh am Sonnabend zu verlaſſen?“ „Ja, ſo erhalten wir noch einen Tag, um von Lord Raby's Ball auszuruhen. Ich bin über Ihr Aner⸗ bieten entzückt; wir werden nur einen oder zwei Tage in London bleiben; die Reiſe wird Ihnen wohl thun. Ihre Stimmung, theurer Ernſt, ſcheint ſogar noch nieber⸗ geſchlagener wie damals, als Sie zuerſt nach England zurückkehrten; Sie leben hier zu ſehr allein; bei Ihrer Rückkehr werden Sie Burleigh um ſo mehr genteßen. Vielleicht auch werden Sie dann Ihr altes Haus ben Nachbarn und Ihren Freunden mehr eröffnen. Man erwartet dies; Gie werden bereits als ein Canbidat für den Parlamentsfitz der Graſſchaft betrachtet.“ „Mit Politik bin ich fertig, ich wünſche nur Frieden.“ „Verheirathen Sie ſich in Paris, dann werden Sie ſehen, daß Frieden ein unmöglicher Beſitz iſt,“ ſagte lachend der alte Junggeſelle. Siehe d Stets 1 ieden.“ en Sie ſogte Fünftes Vuch. Siehe die Thoren! Sie wiſſen noch nicht, daß die Hälſte zum 5 Ganzen Stets jn geringer ſich weist. Heſiod. Erſtes Kapitel. Verfahre wie der Himmel euch verſuhr, Vergiß dein Unheil und debei dich ſelbſt. Die lieblichſte Genoſſin, worauf je Ein Mann die Hoffnung baute. Shakſpeare. Der Pfarrer von Brook Green ſaß vor ſeiner Thür, ſein Haus war ein einſam liegendes, uuregelmäßiges aber maleriſches Gebäude, beſcheiden genng eingerichtet, um ſich für den Pfarrer zu eignen, aber auch groß genug, um für einen höheren Geiſtlichen zu poſſen. Es war zu einer Zeit erbaut, worin vie Indigentes et Pauperes,* für welche die Univerſitäten gegründet wurven, mehr die Quellen des chriſtlichen Hirtenamtes darreichten— als der Hirt zur Heerde noch in größerer Gleichheit ſtand. En roher und gewölbter Eingang, mit einem eiche⸗ nen Sitz an beiden Seiten für den armen Beſucher, führte * Bedürftige und Arme⸗ plötlich in das altmodiſche Beſuchzimmer, einen ſchlich⸗ ten, aber angenehmen Raum, mit einem weiten, aber niedrigen Fenſter und darunter mit dem vunklen Tiſch, wyrauf die große, in grünem Tuch eingebundene Bibel, die Concordanz und vie Prebigt des letzten Sonntags, in einem Rahmen von Ebenholz lag. Am Kamin ſtund des Junogeſellen rundlicher Lehnſtuhl, mit einem ge⸗ ſtickten Kiſſen auf der Rücklehne, ein Schrank von Wall⸗ nußholz und noch ein oder zwei Tiſche; ein halb Dutzend Stühle hildeten die übrigen Möbeln; zwei ober drei⸗ hundert Bücher waren auf nettem Geſtell an der rein⸗ lichen, weißangeſtrichenen Wand aufgeſtellt. Es befand ſich noch ein anderes Zimmer im Hauſe, worauf man auf zwei Stufen ſtieg, welches mit vieſem Beſuchzimmer in Verbindung ſtand; es war kleiner und ſchöner und wurde allein an Feſttagen bewohnt, wenn Lady Var⸗ grave oder ein anderer ſtiller Nachbar mit dem guten Pfarrer Thee trank. Die Haushaltung des beſcheidenen Pfarrers beſtand ferner aus einer alten Magd mit ihrem Enkel von ungeführ zweiundzwanzig Jahren, welcher den Garten wartete, die Kuh melkte und Geſchäfte, die man ſonſt in der Houshaltung von ihm brauchte, ausführte. Wir haben uns aber eine Abſchweifung von Herrn Aubrey ſelbſt erlaubt. Der Pfarrer alſo ſaß an einem ſchönen Sommer⸗ morgen auf ber Bank links an ſeinem Eingang, vor ber Sonne durch pie kühlenden Zweige eines Kaſtanien⸗ baums geſchützt, deſſen Schatten einen kleinen Raſen⸗ platz bebeckte, welcher den Bereich des Hauſes von dem des ſchweigenden Todes und der ewigen Hoffunng trennte. 38 Hinter d zaun erh den Bäu die weiß im fern den roll ruhig di die Wär nicht w vön ſell und ein wo wir Seins gleichſa ſeres T ſprechl zu The gen, bi durch! Schidſ milder äußere wenn Greiſe Jugen A kleine nung Laby T tem ge⸗ Wall⸗ Dutzend er drei⸗ er rein⸗ befand uf man zimmer ner unb 9 Var⸗ guten eidenen t ihrem cher den ie man führte. Herrn mmer⸗ or er anien⸗ Raſen⸗ n dem ennte. 285 Hinter dem unregelmäßigen und moosbewachſenen Pfahl⸗ zunn erhob ſich die Dorfkirche; durch bie Sffaung von den Bäumen jenſeits des Kirchhofs ſchimmerte zum Theil die weiße Mauer von Lady Vargrave's Landhaus, und im fernſten Hintergrunde erblickte man die Segel auf den rollenden Meereswogen. Der alte Mann genoß ruhig die Schönheit des Morgens, die Friſche der Luft, die Wärme des flimmernden Sonnenſtrahls und vielleicht nicht weniger ſeine eigenen friedlichen Gedanken, die obn ſelbſt erzengten Kinder eines nachdenklichen Geiſtes und eines ruhigen Gewiſſens. Er befand ſich im Alter, wo wir mit tiefem Gefühl die bloße Empfindung des Seins genießen, wo der Anblick der Natur und eine gleichſam duldende überzeugung vom Wohlwollen un⸗ ſeres Vaters genügend iſt, um ein heiteres und unaus⸗ ſprechliches Glück zu erwecken, welches uns ſelten eher zu Theil wird, als bis alle unſere Leidenſchaften ſchwei⸗ gen, bis das Gedächtniß, wenn auch lebhafter wie früher, durch die Farben der Zeit beſänftigt iſt, und bis das Schidſal deren Rauhheiten und Härte zur Harmonie mildert— bis nichts in uns bleibt, einen Schatten auf äußere Dinge zu werfen— am letzten Rande des Lebens, wenn die Engel uns näher find wie früher. Es gibt ein Greiſenalter, welches mehr Jugend des Herzens als die Jugend ſelbſt enthält. Als der alte Mann ſo daſaß, öffnete ſich leiſe das kleine Thor, wodurch er aus ſeiner demüthigen Woh⸗ nung zur Kirche am Sonntage zu gehen pflegte, und Lady Vargrave kam zum Vorſchein. Der Pfarrer ſtand auf, als er fie erhlickte; die ſchönen 286 Züge der Dame leuchteten von ſanftem Vergnügen, alz er ihr die Hand drückte und den Gruß zurückgab. Laty Vorgrave's Geſichtszüge boten eine Eigenthümlichkeit, die man ſelten antrifft. Ihr ungewöhnlich ausdrucks⸗ volles Lächeln lag weniger in den Lippen als in den Augen; die Stirn ſchien gleichſam zu lächeln; es war, als ob die trübſinnige, auf hren gefälligen Zügen ge⸗ wöhnlich rahende Wolke für den Augenblick plötzlich ver⸗ ſchwinde. Beide ſetzten ſich anf die ländliche Bank und ein Seewind ſpielte unter den zitternden Blättern des Ka⸗ ſtaniensbaums, ber ihren Sitz überragte. „Ich bin, wie gewöhnlich, meinen gütigen Freund um Rath zu fragen gekommen, und wie gewöhnlich iſt wieder Eveline die Urſache meines Beſuchs.“ „Haben Sie heute Morgen von ihr wieder einen Brief bekommen?“ „Ja, und der Brief vermehrt die Beſorgniß, welche Ihre tieferdringende Bevbachturg zuerſt erweckte.“ „Schreibt ſie viel von Lord Vargrave?“ „Nein, das Wenige aber, was ſie ſchreibt, ver⸗ räth mir ihren Schauder vor einer Verbindung, welche mein armer Gatte wünſchte; ihr Schauder iſt wirklich größer wie jemals. Aber dies iſt noch nicht das Schlimmſte. Sie wiſſen, daß der verſtorbene Lord gegen vieſen mög⸗ lichen Fall Vorkehrung getroffen hat ler liebte ſie ſo tärtlich, ſein Ehrgeiz hinſichtlich ihrer entſtand nur aus ſeiner Liebe); der Brief, den er zurückließ, verzeiht ihr und nimmt ihr die Verpflichtung, wenn ſie ſich gegen die von ihm ſelbſt heſtimmte Wahl empört fühlt.“ * tung fi ſein, 1 Lu er ſich biswei ſum zu mit ve beende Brille „ „ legun ungea ſo zu tügen, alz ab. Laty imlichkeit, usdrucks⸗ ls in den ;es war, gen ge⸗ tlich ver⸗ und ein des Ka⸗ n Freund hnlich iſt er einen , welche e„ bt, ver⸗ „welche wirklich limmſte. en mög⸗ e ſie ſo nd nur verzeiht ſie ſich fählt.“ * 287 „Lorp Vargrave iſt velleicht ebenſo etelmüthig, wie er aufrichtig iſt, und er muß erkennen⸗ daß ſein Onkel ſchon Alles für ihn gethan hat, was die Gerechtigkeit für ihn erheiſchte „Ich glaube bas; aber dies, wie ich ſagte, iſt nicht Alles; ich habe Ihnen den Brief mitgebracht. Alles ſcheint mir ſich ſo zu verhalten, wie Sie es beſorgten⸗ Dieſer Herr Maltravers hat ſich mehr in ihre Gedanken verſchlungen, wie ſie es ſelbſt ſich einbildet; Sie ſehen, wie ſie bei Allem verweilt, was ihn betrifft, und wie ſie, wenn ſie auch ihren Antrieb zurückgehalten hat, immer wieder auf den Gegenſtaud zurücktömmt.“ Der Pfarrer ſetzte die Brille auf und nahm den Brief. Wie ſonderbar, daß jener grauhaarige Pfarrer ſolch ernſtes Intereſſe an den Geheimniſſen jener jungen Dame nahm. Diejenigen aber, welche die Verantwor⸗ tung für eine Seele übernehmen, dürfen nie zu weiſe ſein, um nicht auch dos Herz zu berückſichtigen. Lady Vargrave blickte ihm über die Schulter, als er ſich zum Leſen niederbeugte, und ihr Finger zeigte bisweilen auf ſolche Stellen, worauf ſie ihn aufmerk⸗ ſum zu machen ſuchte. Alsdann nickte der alte Pfarrer mit dem Kopfe, ſagte aber kein Wort, bis der Brief heendet war; dann faltete er ihn zuſammen, nahm ſeine Brille ab, huſtete und ſah ſehr ernſt aus. „Nun?“ fragte Lady Vargräve ängſtlich. „Meine theure Freundin, der Brief heiſcht über⸗ legung. Eeſtens iſt es mir klar daß Lord Vargrave, ungeachtet er in der Pfarrei gegenwärtig iſt, die Sache ſo zu führen verſteht, daß jenes arme Kind allein die 288 Angelegenheit nicht zum Schluß bringen kann, und ſicherlich iſt es keine leichte Aufgabe für eine ſo zarte und ehrenwerthe Dame.“ „Soll ich Lord Vargrave ſchreiben?“ „Laſſen Sle uns dies bedenken; mittlerweile iſt die⸗ ſer Herr Maltravers. „Nun, was iſt mit Herrn Maltravers?“ „Das Kind zeigt uns mehr von ihrem Herzen, wie ſie glaubt; ich ſelbſt komme in Verlegenheit. Bemerken Sie nur, wie ſie nur ein⸗ oder zwelmal von Oberſt Le⸗ gard ſpricht, deſſen Bekanntſchaſt ſie gemacht hat, wäh⸗ rend ſie weitläufig von Herrn Maltravers handelt, und den Eindruck eingeſteht, den er auf ihre Seele hervor⸗ gebracht hat. Nun aber beſorge ich mehr wegen ihrer Zurückhaltung hinſichtlich des Erſleren, wie wegen alles Einfluſſes, den ſie hinſichtlich des Letzteren eingeſteht; es liegt ein großer Unterſchied zwiſchen der erſten Auf⸗ regung der Phantafle und der erſten Liebe.“ „Iſt das der Fill?“ fragte die Dame zerſtreut. „Alsdann iſt Niemand von uns mit dieſem eigenthüm⸗ lichen Manne bekannt— ich meine Herrn Maltravers— mit ſeinem Charakter, Temperament und Grundſätzen. Eveline iſt noch zu jung und arglos, um für ſich ſelbſt zu urtheilen; Etwas jedoch ſpricht aus dieſem Briefe zu ſeinen Gunſten.“ „Was iſt das?“ „Er hält ſich von ihr entfernt; dies Verfahren, wenn er ihr Geheimniß entdeckt hat, oder wenn er ſelbſt einen zu großen Zauber in ihrer Gegenwart empfindet, würde d 6 „ dern ve „A lieben ſ Unglüc „V kehrte zu ſpät ſo wür und det und au derniſſ Anſpri „G Fremd Frager ſtockte und ei gen. Auftr durch beſſer dieſer verme ihrer kann, und o zarte und eile iſt die⸗ 7 erzen, wie Bemerken Oberſt Le⸗ hat, wäh⸗ indelt, und ele hervor⸗ egen ihrer wegen alles eingeſteht; erſten Auf⸗ ſtreut. eigenthüm⸗ travers— rundſätzen. ſich ſelbß Briefe zu Berfahren, in er ſelbſt empfindet, — 289 würde vas natürliche Verfahren für einen ehrenwerthen und ſtarken Charakter ſein.“ „Was? Wenn er ſie liebt!“ „Ja, ſo lange er glaubt, vaß ihre Hand einem An⸗ dern verſagt iſt.“ „Allerdings; was ſollen wir thun, wenn Cveline lieben ſollte und vergeblich liebte? Ach, dies iſt das unglück eines ganzen Lebens 1* „Vielleicht wäre es beſſer, daß ſie zu uns zurück⸗ kehrte,“ ſagte Herr Aubrey;„und doch, wenn es ſchon zu ſpät iſt, und ihre Neigung ſchon gewonnen wurde, ſo würden wir in Unwiſſenheit über die Beweggründe und den Charakter jenes von ihr geliebten Herrn bleiben, und auch er würde vielleicht die wahre Natur des Hin⸗ verniſſes nicht kennen, welches mit Lord Vargrave's Anſprüchen verbunden iſt.“ „Soll ich zu ihr reiſen? Sie wiſſen, wie ich vor Fremden mich ſchene, wie ich Neugier, Zweifel und Fragen fürchte— wie. Laby Vargrave's Stimme ſockte—„wie unpaſſend ich bin, um„ Sie hielt an und eine ſchwache Röthe verbreitete ſich über ihre Wan⸗ gen. Der Pfarrer verſtand ſie und ward gerührt. „Theure Freundin,“ ſagte er,„wollen Ste dieſen Auftrag mir übergeben? Sie wiſſen, wie Eveline mir durch gewiſſe Erinnerungen theuer iſt. Vielleicht bin ich beſſer wie Sie befähigt, ſchweigend zu unterſuchen, ob dieſer Mann ihrer würdig iſt und ihr Glück zu ſichern vermag; vielleicht auch vermag ich beſſer wie Sie die Art ihrer Gefühle hinſichtlich ſeiner zu erforſchen; vielleicht Bulwer, Alice. I. 19 290 auch kann ich beſſer wie Sie ein Verſtänbniß mit Lord Vargrave herbeiführen.“ „Sie waren immer mein gütigſter Freund,“ ſagie Ihnen au die Dame mit Rührung,„wie viel verdanke ich Ihnen ſchon! Welche Hoffunng jenſeits des Grabes, welche—“ „Still,“ unterbrach ſanft ver Pfarrer;„Ihr eige⸗ nes gutes Herz und Ihre reinen Anſichten haben ſchon Ihre Sühne bewirkt; dürfte ich auch hoffen, daß Ihre Zufriedenheit wieder hergeſtellt ſei! Doch kehren wir zu Eveline zurück. Das arme Kind! Wie ungleich iſt dieſer Brief voll Niedergeſchlagenheit gegen ihren heiteren, leichten Geiſt, als ſie noch bei uns war. Wir haben mit guten Zwecken gehandelt, vielleicht aber hatten wir Unrecht, daß wir ſte Fremden übergaben. Und dieſer Maltravers!— Bei ihrem Enthuſtasmus und ihrer ſchnellen Empfänglichkeit für die Einvrücke des Genius war ſie ſchon zur Hälfte vorbereitet, an ihm ſich Alles zu denken, was ſie an ihm ſchildert. Es muß in ſeinen Werken ein Zauber liegen, den ich noch nicht entdeckt habe; bei Zeiten ſogar ſcheint er auch auf Sie Einfluß zuüben.“ „Weil,“ ſagte Lady Vargrave,„jene mich an ſein Geſpräch, ſeine Denkungsweiſe erinnern; wenn er ihm in andern Dingen gleicht, ſo kann Eveline wirk⸗ lich glücklich ſein!“ „Und wenn,“ ſagte der Pfarrer neugierig,„wenn Sie jetzt, wo fie frei ſind, ihn wieber träfen und wenn ſein Gevächtniß eben ſo tren wäre wie das Ihrige— und wenn er den einzigen Erſatz, der in ſeiner Gewalt ſteht, für Alles, was ſein Ingendirrthum Sie koſtete, füllen de Der der auße des Zitte „So Stimme wie Sie wie ich mögen verände Sie da ertrage noch ei Worte über ſi Augen nug,“ entſch Liebe auf de Ede! in d ß mit Lord d,“ ſagte ich Ihnen nd dieſer und ihrer es Genins ſich Alles ein ſeinen deckt habe; zuüben.“ han ſein wenn er line wirk⸗ 6„wenn und wenn Ihrige— r Gewalt ie koſtete, 291 Ihuen anböte, wenn ſolch ein Zufall in den Wechſel⸗ füllen des Lebens ſich ereignete. würden Sie dann. Der Pfarrer ſchwieg plötzlich, denn er ſtutzte wegen der außergewöhnlichen Bläſſe ſeiner Freundin und wegen des Zitterns ihrer zurten Glieder. „Sollte ſich das ereignen,“ ſagte ſie mit ſehr leiſer Stimme,„ſollten wir uns wieder treffen, und wäre er, wie Sie und Frau Leslie zu venken ſcheinen, arm und wie ich ſelbſt von niedriger Geburt— wenn mein Ver⸗ mögen ihm beiſtehen könnte, wenn ihn meine Liebe, ſo verändert wie ich bin, noch entzückte— ach, ſprechen Sie davon nicht, ich kann den Gedanken des Glücks nicht ertragen. Und dennoch, bevor ich ſterbe, möchte ich ihn noch einmal ſehen!“ Sie faltete ihre Hände bei den Worten und die Röthe auf ihrem Antlitz verbreitete dar⸗ über ſolche Blüte und Friſche, vaß ſelbſt Eveline in dem Angenblick kaum jünger hätte erſcheinen können.„Ge⸗ nug,“ fügte ſie nach einer Pauſe hinzu, als die Röthe eniſchwand,„die Hoffnung iſt thöricht, alle irdiſche Liebe iſt begraben und mein Herz iſt dort!“ Sie zeigte auf den Himmel und Beide ſchwiegen! Zweites Kapitel · Diejenigen, welche in Muße, Pracht und Weich⸗ lichkeit lebten, zogen das Ungewiſſe dem Gewiſſen vor. Salluſt. Lord Raby, einer der reichſten und glänzendſten Edelleute Englands war vielleicht auf ſeine Auszeichnung in der Provinz ſtolzer als auf ſeinen hohen Rang oder die Stellung ſeiner Frau in der großen Welt Londonz Die prächtigen Schlöſſer, die großen Güter der eng⸗ liſchen Pairs wirken darauf hin, ungeachtet unſerer Freiheit und unſerer Handelsgröße mehr von normanni⸗ ſchen Aittributen der Ariſtokratie zu erhalten, wie man in anderen Ländern finden kann. Der große Edelman iſt in ſeiner Grafſchaft ein kleiner Fürſt, ſein Haus ein Hof, ſeine Beſitzungen und ſeine Pracht ein Ruhm für jeden Grundbeſitzer des Diſtriktes. Die Grundbeſitzr ſchwatzen eben ſo gern von dem Treiben und von den Zeſten des Grafen oder Herzogs, wie Dangeau üher die Klatſchereien der Tuilerien und von Verſailles. Lord Raby, als Lordlieutenant der Grafſchaft, machte keinen politiſchen Unterſchieb zwiſchen den Gutsbeſitzern, war gaſtfrei und leutſelig gegen Alle und ertheilte durch die Abweſenheit jeder Ausſchließung der Politik der ganzen Grafſchaft einen gewiſſen Ton; ſo bekehrte er Manche, die einſt in ganz verſchiedener Weiſe über Whigs und Tories gevacht haiten. Ein mächtiger Mann verliert nie ſo viel, als wenn er Unbuldſamkeit zeigt, oder mit dem Rechte, Andere zu verfolgen, Parabe macht. „Meine Pächter ſollen gerade ſo ſtimmen, wie es Ihnen gefällt,“ ſagte Lord Raby, und es war nie be⸗ kannt, daß je ein Pächter gegen ſeinen Willen ſtimmte; da er ein wachſames Auge auf alle Intereſſen hielt und alle Grunbbefitzer ver Grafſchaft ſich gewogen erhlelt, verlor er nicht allein niemals einen Freund, ſondern hielt auch ein Cyrps Anhänger zuſammen, deſſen Zahl ſlets anwuchs. Sir John Mertons College, ein junger Lorb Nel⸗ thorpe, weun ma render 2 meme ni keine Au thorpe's Pair u der Gra hörten, wohnter ſie zuſa Fürſten Lor Neltho bar ſei Partei und m dings! Porlor Clique Politi traute macht und 2 nicht Malt geänt ſcher Ange trave elt Londons ter der eng⸗ normanni⸗ t„ wie man e Edelmann in Haus ein n Ruhm für ßrundbeſitzer ngeau über rſailles. haft, machte utsbeſitzern, heilte durch Politik der bekehrte er Weiſe über tiger Mann mkeit zeigt, rabe macht. en, wie es var nie be⸗ n ſtimmie; nhielt und en erhielt, nbern hielt Zahl ſtets Lorb Rel⸗ btet unſeret ind von den 293 thorpe, welcher keine drei Sätze ausſprechen konnte, wenn man ihm den Hut abnahm, und der, ein fortwäh⸗ render Beſucher bei Almack's, nicht allein im Parla⸗ mente nie gehört, ſondern auch nie geſehen wurde, hatte keine Ausſicht, wieder gewählt zu werden. Lord Nel⸗ thorpe's Vater, der Graf Mainwaring, war ein neuer Pair und näckſt Lord Raby der reichſte Evelmann ver Grafſchaft; obgleich beide zu derſelben Partei ge⸗ hörten, haßte Lord Raby Lord Mainwaring. Sie wohnten einander zu ſehr in der Nähe; ſomit ſtießen ſie zuſammen und hegten die Eiferſucht zweier rivalen Fürſten. Lord Raby war über den Gevanken entzückt, Lorb Nelthorpe zu verdrängen; der Schlag würde ſo fühl⸗ bar ſein für das Intereſſe von Mainwaring. Die Partei hatte ſich einen neuen Candidaten ausgeſucht, und man hatte öfter von Maltravers geſprochen Aller⸗ dings hatte Maltravers, als er vor einigen Jahren im Porlament war, zur Partei des Lord Raby und ſeiner Clique nicht gehört; allein er hatte ſeit Kurzem an Politie keinen Amheil genommen; er ſtand auf ver⸗ trautem Fuß mit den Mertons, die Wahlumtriebe machten; man hielt ihn für einen unzufriedenen Mann, und Politiker glouben an keine, Unzufriedenheit, die nicht politiſcher Natur iſt. Ein Geflüſter ging herum, Maltravers ſei weiſe geworden und habe ſeine Anſichten geändert; einige ſeiner Bemerkangen, mehr theoreti⸗ ſcher wie praktiſcher Natur, wurben zu Gunſten dieſer Angabe eitirt; auch hatten ſich die Parteien, ſeit Mal⸗ travers auf der bewegten Bühne erſchienen war, ſehr verändert; neue Fragen waren erſtanden, und die alien erlebigt. Lord Raby und ſeine Partei glaubten, Niemand würbde beſſer wie Maltravers für ihre Zwecke paſſen, im Fall ſie ſich dieſen Mann ſichern könnten. Politiſche Parteien lieben neue Bekehrte, ſogar noch mehr, wie vie ſtandhafteſten Anhänger. Die Erhebung eine Mannes im Leben ſtammt in der Regel von einem Par⸗ teiwechſel zur rechten Zeit. Maltravers hoher Ruf, ſein Anſehen in der Provinz als Repräſentant der älteſten Familie unter den Gemeinen in der Grafſchaft— ſein Alter, welches die Kraft der einen Periode mit der Er⸗ fahrung der andern verband: Alles dies vereinigte ſich, um ihm den Vorrang vor reicheren Männern zu er⸗ theilen. Lord Raby war außerordentlich artig un ſchmeichelnd gegen den Herrn von Burleigh geweſen, und hatte die Sache ſo eingerichtet, daß ein glänzendes Feſt, welches er zu geben im Begriff war, als ein Compliment ſeinem ausgezeichneten Nachbar erſchien, welcher, ſeinen Wohnſitz auf ſeinem Familiengute einzu⸗ nehmen, zurückgekehrt war, während es in Wirklichkeit nur für Wahlzwecke diente, nämlich Maltravers bei der Grafſchaft gleichſam unter den Schwingen ſeiner Lordſchaft einzuführen und ihn zu politiſchen Zwecken zu gebrauchen, die über die bloße Repräſentatlon der Grafſchaft hinausgingen. Lord Vargrave hatte während ſeines Aufenthalts in der Merton⸗Pfarrei mehre Beſuche in Knaresdean gemacht und mehre Privatgeſpräche mit dem Marquis gehalten; das Reſultat dieſer Geſpräche war eine ge⸗ naue A ſchen! mit de auch unter Einflu ſenbar Vargr Seite wollte henutz T Geleg gen, dacht wurd rathe 2 ſchlo den denn 2 Lord verg Unte noch unte men ſchle Lort Politiſhe mehr, wie haft— ſein nit ber Er⸗ einigte ſich, nern zu er⸗ artig un hgeweſen, glänzendes r, als ein ar erſchien, gute einzu⸗ Wirklichkeit travers bei ngen ſeiner n Zwecken tation der lufenthalts naresdean Marquis reine ge⸗ der älteſten 295 naue Vereinigung von Intereſſen und Entwürfen zwi⸗ ſchen den zwei Edelleuten. Lord Raby, unzufrieden mit dem politiſchen Benehmen der Regierung, wat auch deßhalb mißvergnügt, weil ein Edelmann, der unter ihm im Range und nach ſeiner Meinung auch an Einfluß ſtand, ihm bei einer kürzlichen Vakanz im Ho⸗ ſenbandorden vorgezogen worden war. Beſaß aber Vargrave ein Talent, ſo war es die Fähigkeit, ſchwache Seiten der Männer zu enibecken, die er gewinnen wollte, und die Eitelkeit Anderer für ſeinen Ehrgeiz zu henutzen. Die Feſtlichkeiten in Knaresdean gaben Lord Raby Gelegenheit, die Ausgezeichneſten derjenigen zu vereini⸗ gen, welche in übereinſtimmung mit Lord Vargrave dachten und handelten; in dieſem geheimen Senate wurde das Verfahren der folgenden Seſſion ernſtlich be⸗ rathen und beſtimmt. Am Tage, welcher mit dem Ball in Knaresbean be⸗ ſchloſſen werden ſollte, begab ſich Lord Vargrave vor ven ührigen Mitglieder der Merton⸗Familie dorthin, denn er war eingeladen mit dem Marquis zu ſpeiſen. Bei ſeiner Ankunft in Knaresdean fand er dort Lord Saxingham und einige andere Politiker, die am vergangenen Tage angekommen waren, in vertrauter Unterredung mit Lord Raby; Vargrave, welcher mit noch größerem Vortheil in der Diplomatie der Partei⸗ unterhandlung als auf dem Kampfplatz des Parla⸗ ments glänzte, Frachte Scharffinn, Kraft und Eni⸗ ſchloſſenheit in den furchtſamen und ſchwankenden Rath. Lord Vargrave zauderte noch im Zimmer, als der erſte Schall der Glocke die übrigen Gäſte zum Mittageſſen gemahnt hatte. „Mein theurer Lorb,“ ſagte er bamals;„Niemand wäre gewiß mehr erfreut, wie ich, könnten wir Mal⸗ travers unſerer Partei ſichern; ich bezweifle jevoch ſehr, ob Ihnen dies gelingen wird. Einerſeits ſcheint er volltommen üherdruß an der Politir und am Parla⸗ ment zu haben; andererſeits bilde ich mir wohl ein, daß die Gerüchte über ſeinen Meinungswechſel wo nicht gänzlich ungegründet, doch keine richtige Färbung er⸗ halten haben. Ferner auch, um ihm Gerechtigkeit wi⸗ derfahren zu laſſen, glaube ich nicht, daß er ſich durch Verblendung und Schmeichelei zu einer Partei her⸗ über bringen läßt; Ihr Vogel wird forifliegen, nach⸗ dem Sie einen Eimer Salz ihm vergeblich auf den Schwanz geſtreut haben.“ „Wohl möglich,“ ſagte Lord Raby lachend,„Sie kennen ihn beſſer wie ich; doch kommen hier eine Menge Zwecke zuſammen, vie zu ſehr provinzieller Art find, um Ihr Intereſſe zu erwecken. Erſtlich würden wir die Partei von Nelthorpe demüthigen, bloß dadurch, daß wir zeigen, wir dächten an ein neues Parlaments⸗ glied; zweitens würden wir eine Aufregung hervor⸗ bringen, die unmöglich wäre, beſäßen wir keinen ſol⸗ chen Mittelpunkt der Anziehung; drittens werden wir eine gewiſſe Nacheiferung unter andern Landebelleuten erwecken und, wenn Maltravers ablehnt, genug Candi⸗ daten bekommen; viertens, vorausgeſetzt, Maltravers ändert ſeine Meinung nicht, ſo machen wir ihn der⸗ jenigen Partei, zu der er gehört, vervächtig; vieſe aber kö Spitze Grafſe verſteh „J den Si es ſage ver ſch Halle „2 Schön Kerl! Verlöl N bekann zu ver! „6 „2 tauſen Zeit m mich e 8 leben Manr auch: ittageſſen Niemand vir Mal⸗ ch ſehr, cheint er m Parla⸗ ein, daß wo nicht bung er⸗ ſich durch rtei her⸗ n, nach⸗ auf den d„„Sie e Menge Art find, rden wir dadurch, laments⸗ hervor⸗ inen ſol⸗ rden wir delleuten g Candi⸗ altravers ihn der⸗ 8; dieſe aber könnte wirklich furchtbar werden, wenn er an ihre Spitze träte. Sicherlich dieſe Taktik hat allein die Grafſchaft im Auge, und Sie können jene deßhalb nicht verſtehen.“ „Ich ſehe, daß Sie Recht haben; mittlerweile wer⸗ den Sie wenigſtens die Gelegenheit haben(obgleich ich es ſage, der es nicht ſagen ſollte), der Graßſchaft eine per ſchönſten jungen Damen vorzuſtellen, die jemals bie Halle von Knaresdean geziert hat.“ „Ach, Miß Cameron! Ich habe viel von ihrer Schönheit gehört. Vargrave, Sie find ein glücklicher Kerl! Beiläufig geſagt, ſollen wir etwas von dem Verlöbniß ſagen?“ „Nun, mein theurer Lord, es iſt jetzt ſo öffentlich bekannt, daß man nur aus falſcher Delikateſſe die Sache zu verbergen ſuchen würde.“ „Schon gut, ich verſtehe.“ „Wie lange habe ich Sie jetzt aufgehalten; ich bitte tauſendmal um Vergebung! Ich habe nur noch gerade geit mich anzukleiden. In vier over fünf Monaten muß ich mich erinnern, Ihnen längere Zeit zur Toilette zu laſſen.“ „Warum?“ „Oh, der Herzog von“** kann nicht mehr lange leben; und ich bemerkte noch ſtets, daß ein hübſcher Mann, ſobald er den Hoſenbandorben bekommen hat, auch mehr Zeit hraucht, ſeine Strümpfe aufzuziehen.“ „Ha, ha! Sie find drollig, Vargrave!“ „Ha, ha! ich muß fort.“ „Je mehr Offentlichkeit dem Verlöbniß gegeben wird, deſto ſchwieriger wird es für Eveline bei dem 298 Sprunge ſich ſcheu zu zeigen,“ murmelte Vargrave vor ſich hin, als er die Thür verſchloß;„ſo benutze ich alle Dinge für einen Zweck.“ Die Geſellſchaft war im großen Salon verſammelt, als Maltravers und Cleveland, ebenfalls eingeladen, angemeldet wurden. Lord Raby empfing den erſteren mit auffallendem Eifer, und die ſtattliche Marquifin beehrte ihn mit ihrem anmuthigſten Lächeln Förmliche Vorſtellungen bei den übrigen Gäſten wurden ausge⸗ tauſcht; erſt als der Kreis förmlich durchgangen war, erblickte Maltravers neben ſich in einem Winkel einen grauhaarigen, einſamen Mann, der ſich vorthin bei Maltravers Eintritt zurückgezogen hatte— es war Lord Saxinham! Das letztemal hatten Beide ſich am Todtenbett ver Florenee getroffen; der alte Mann vergaß für den Augenblick ſeine erwartete Herzogswürde und ſein er⸗ träumtes Amt des Premierminiſters! Beide grüßten ſich und drückten ſich ſchweigend die Hände. Vargrave, beſſen Auge ſie erblickte, Vargrave, deſſen Schliche den alten Mann kinberlos gemacht hatte, fühlte keine Ge⸗ wiſſensbiſſe! Stets in der Zukunft lebend, ſchien Var⸗ grave ſein Gedächtniß verloren zu haben; er wußte nicht, was Kummer war. Leute von vurchaus eigennützi⸗ ger Geſinnung haben die Eigenthümlichkeit, daß ſie nie⸗ mals zurückblicken. Das Zeichen ward gegeben, vie Geſellſchaft warb in gehöriger Ordnung zur großen Halle geführt, einem wei⸗ ten und hohen Raum, welche ſeine letzte Veränderung von Inigo Jones empfangen hatte, obgleich die maſſive Täfe ren 1U im E die 2 Kries Napr Brut bei V teren krieg der 2 geſch Dian Das einer balb ſchw durc den zunã alltä trave ſorgt deret pös Gra tuirt der C verſe grave vor tze ich alle rſammelt, ngeladen, nerſteren Narquifin Förmliche en ausge⸗ igen war, kel einen rthin bei es war nbett der für den ſein er⸗ grüßten gargraye, liche den eine Ge⸗ ien Var⸗ e wußte gennützi⸗ ß ſie nie⸗ warb in nem wei⸗ änderung e maſſive Täfelung mit alten und grotesken Masken einen frühe⸗ ren Urſprung verrieth und zu den korinthiſchen Säulen im Gegenſatz ſtand, welche die Mauern ſchmückten und die Muſikgallerie irugen, wovon die Fahnen neuerer Kriege und deren Nachäfferei hinabhingen. Der Adler Napoleons, ein Zeichen der Dlenſte von Lord Raby's Bruder(eines ausgezeichneten Cavallerieoffiziers, der bei Waterlov commandirte), fand ſich neben einem bun⸗ teren und mehr prunkenden Banner, dem Emblem des kriegeriſchen Ruhms von Lord Raby ſelbſt, als Oberſten der B— ſhire⸗Freiwilligen. Die Muſtk erklang von der Galerie, das Silber⸗ geſchirr glänzte auf dem Tiſche; die Damen trugen Diamanten und Herren Sterne, wenn fie ſolche beſaßen. Das Feſt bot eine ſchöne Anſicht, wie dieſe ſich für einen Lordlientenant geziemte, deſſen Ahnen der Krone bald getrotzt, bald ſich mit der königlichen Familie ver⸗ ſchwägert hatten. Man ſprach jevoch wenig und war vurchaus nicht heiter. Die Leute oben am Tiſche tranken den unten Sitzenden zu; Herrn und Damen, die ſich zunächſt ſaßen, fläſterten ſchmachtend und einſilbig in alltäglichen Phraſen. Auf der einen Seite hatte Mal⸗ travers eine Dame bei ſich, die etwas taub und be⸗ ſorgt war, er möchte Griechiſch ſprechen; auf ſeiner an⸗ deren Seite ſaß Sir John Merton, ſehr höflich, pom⸗ pös und in flüchtigen Zwiſchenräumen ſchwatzhaft über Grafſchaftsangelegenheiten, mit abgemeſſener Aececen⸗ tuirung, die beim Ende der Sätze nach dem im Hauſe der Gemeinen üblichen Nachdruck, im Gegenſatz des Con⸗ verſationstons, ſchmeckte. Als das Mittageſſen ans Ende 300 kam, ſprach Sir John etwas weitläufiger, obgleich ſeine Stimme in ein Flüſtern verſank. „Ich beſorge, noch vor der Zuſammenkunft des Parlaments wird es einen Riß in ber Rezierung geben.“ „Wahrhaftig.“ „Ja, Vargrave und der Premier können nicht lange an einem Karren ziehen. Vargrave iſt ein geſchickter Mann, hot aher nicht genug Einfluß im Lande, um Partelführer zu ſein.“ „Alle Staatsmänner müſſen durch ihren Gharakter Einſtuß üben; iſt der gut, ſo denke ich, kein Einfluß kann heſſer ſein.“ „Hm! ja, Sie haben Recht, aber doch wenn ein Mann Landgüter und Vermögen beſitzt, ſo haben ſeine Meinungen in einem Lande wie England mehr Gewicht. Beſäße Vargrave z. B. Raby's Vermögen, ſo wäre Niemand paſſender für einen Parteiführer, einen Pre⸗ mierminiſter. Wir wüßten alsdann gewiß, daß er kein ſelbßſüchtiges Intereſſe im Ange zu haben brauchte; er würde ſeiner Partei keinen Streich ſpielen— Sie ver⸗ ſtehen mich?“ „Vollkommen.“ „Ich gehöre zu keiner Partei, wie Sie wohl wiſſen; Sie erinnern ſich noch, ich habe mit Ihnen bei venſelben Fragen geſtimmt; Maßregeln, nicht Menſchen, das iſt mein Grundſatz; mir gefällt es jedoch nicht, ſehe ich Menſchen über ihre geziemende Stellung erhoben.“ „Maltravers, Glas Wein,“ rief Lord Var⸗ grave über den Tiſch herüber. Wollen Sie ſich uns an⸗ ſchließen, Sir John“ ſo der ten ka entfer muß. ſo zn Der unſer glaul hegi, Obg ch ſeine nft des geben.“ t lange ſchickter de, um arakter Einfluß enn ein en ſeine ewicht. o wäre en Pre⸗ er kein chte; er ie ver⸗ wiſſen; nſelben das iſt ſehe ich n.“ d Par⸗ ins an⸗ Sir John verbeugte ſich.„Sicherlich,“ begann er wieder,„iſt Vargrave ein ſehr angenehmer Mann und ein guter Redner; man ſagt jedoch, er ſei nicht reich und ſogar in Geldverlegenheit. Wenn er jedoch Miß Cameron heirathet, ſo wird die Sache wohl etwas an⸗ ders. Gebt ihm mehr Anſprüche auf Achtbarkeit! Wiſſen Sie, wie hoch ſich ihr Vermögen beläuft? Wohl etwas Ungeheures?“ „Ja, ich glaube das, ich weiß es aber nicht.⸗ „Mein Bruder ſagt, Vargrave ſei ſehr liebens⸗ würdig. Die junge Dame iſt ſehr hübſch, vielleicht zu hübſch für eine junge Frau. Glauben Sie das nicht? Schönheiten paſſen ſich für einen Ballſaal, aber nicht für häusliches Leben; ſicherlich ſtimmen Sie mit mir überein. Auch habe ich gehört, Miß Cameron ſei etwas gelehrt; die Leute find ſo boshaft; gewißlich iſt ſie nicht gelehrter wie andere junge Damen. Das arme Mäbchen! Was iſt Ihre Meinung?“ „Miß Cameron iſt ſehr gebildet, wie ich glaube; ſo denken Sie denn, daß die Regierung ſich nicht hal⸗ ten kann?“ „Ich wollte das nicht ſagen, ich bin weit davon entfernt; ich beſorge jevoch, daß ein Wechſel eintreten muß. Wenn jedoch die Grunbbeſitzer zuſammenhalten, ſo zweifle ich nicht, daß wir den Sturm überdauern. Der Grundbeſitz, Herr Maltravers, iſt die große Feſte unſeres Vaterlandes, gleichſam ſein Pflichtanker. Ich glaube Lord Vargrave, welcher hierin richtige Begriffe hegt, will Miß Camerons Vermögen in Land anlegen. Högleich man jedoch ein Gut kaufen kann, ſo kann man 302 keine alte Familie kaufen, Herr Maltravers! Sie und ich, wir dürfen für dieſen Umſtand vankbar ſein. Bei⸗ läufig geſagt, wer war Miß Camerons Mutter, Laby Vargrave? Von niederem Stande, wie ich beſorge; Niemand weiß etwas davon.“ „Ich bin mit Lady Vargrave nicht bekannt, Ihre Schwägerin ſpricht von ihr in den höchſten Ausdrücken; die Tochter gibt eine genügende Bürgſchaft für die Tu⸗ genden der Mutter.“ „Ja, Vargrave auf einer Seite hat wenigſtens nichts, deſſen er ſich hinſichtlich ſeiner Familie rühmen könnte.“ Die Damen verließen die Halle, die Herrn ſetzten ſich wieder. Lord Raby machte einige Bemerkungen über Politik gegen Sir John Merton, und Alle, welche in der Runde ſprachen, folgten dem Beiſpiele ihres Führers. „Wie ſchade, Sir John,“ ſagte Lord Raby,„daß Sie keinen Collegen haben, der Ihrer würdiger iſt. Nelthorpe erſcheint nie in einem Ausſchuſſe, nicht wahr?“ „Ich kann nicht ſagen, daß er ein thätiges Mitglied iſt. Indeſſen, er iſt jung und wir müſſen ihm Einiges nachſehen,“ ſagte Sir John mit kluger Bebachtſamkeit. Er wünſchte durchaus nicht, ſeinen Collegen zu verdrän⸗ gen; es war ihm ſehr angenehm, daß er das wirkſame Parlamentsmitglied der Grafſchaft war. „In unſeren Zeiten,“ ſagte Lord Rahy ſtolz,„darf man eine ſyſtematiſche Vernachläſſigung von Pflichten nicht verzeihen. Wir werden eine ſtürmiſche Seſſion be⸗ kommen; die Oppoſition darf nicht länger verachtet werden. Vielleicht iſt eine Parlamentsauflöſung näher wie wi nicht w „U von gri allein! hat au beantw 3 indem hob;„ ſind de „H rief Va Runde Lor Ihre C Nachba Di die Rei welcher wurde, zu befo Rede, zu nehr vielleic politiſe Rabye auf Pa hindur gehüllt 5ie und 1 Bei⸗ „ Lady eſorge; „ Ihre rücken; ie Tu⸗ igſtens rühmen ſetzten en über elche in ührers. „„daß ger iſt. wahr?“ itglied Einiges ſamkeit. erdrän⸗ irkſame „„darf flichten ſivn be⸗ erachtet gnäher wie wir glauben. Was Nelthorpe betrifft, ſo darf er nicht wieder gewählt werden.“ „Um keinen Preis,“ ſagte ein fetter Landedelmann von großem Anſehen in der Grafſchaft;„er war nicht allein bei der großen Malzfrage nicht gegenwärtig und hat auch meinen Brief über die Canalevmpagnie nicht beantwortet.“ „Ihren Brief nicht beantwortet?“ ſagte Lord Raby indem er ſeine Hände und Augen mit Erſtaunen empor⸗ hob;„welch ein Benehmen! Herr Maltravers, Sie ſind der Mann für uns.“ „Hört! hört!“ rief ver fette Grundbeſitzer;„hört, rief Vargrave,“ und der Schall des Beifalls machte die Runde um den Tiſch. Lord Raby ſtand auf.„Meine Herrn, füllen Sie IZhre Gläſer; eine Geſundheit unſerem ausgezeichneten Nachbarn!“ Die Geſellſchaft gab Beifall, Jeber lächelte, als die Reihe an ihn kam, nickte und trank Maltravers zu, welcher zwar durch überraſchung gleichſam genommen wurde, aber ſogleich das Verfahren erkannte, vas er zu befolgen hatte. Er bedankte ſich in einfacher, kurzer Rede, und ohne von der Anſpielung Lord Raby's Notiz zu nehmen, bemerkte er nur gelegentlich, er habe ſich vielleicht auf einige Jahre, vielleicht auf immer vom politiſchen Leben zurückgezogen. Vargrave zeigte Lord Raby ein bebeutſames Lächeln und führte das Geſpräch auf Parteiverhandlungen. Maltravers ſchwieg den Ahend hindurch, in ſeine ſtolze Verachtung der Parteikämpfe gehüllt, die er als Spielzeng und Schatten hetrach⸗ 304 tete. Die Geſellſchaft brach auf und begab ſich ins Ball⸗ zimmer. Drittes Kapitelt Der größte Fehler des Scharfſinns beſteht darin, daß er nicht auf das Ziel hingeht, ſondern daſſelbe umgeht. La Rochefoucault. Eveline hatte den Ball von Knaresdean mit tie⸗ ferem Gefühl erwartet, wie es gewöhnlich die Phan⸗ taſie eines Mädchens entzündet, welches ſtolz auf ihre Kleidung und voll Vertrauen auf ihre Schönheit iſt. Mochte ſie Maltravers in der wahren Bedentung des Wortes lieben oder nicht, ſo hatte er ſich wenigſtens einen bedeutenden Einfluß auf ihre Seele und Einbil⸗ dungskraft erworben. Sie empfand das tiefſte Intereſſe an ſeinem Wohl, den ängſtlichſten Wunſch, ihm zu ge⸗ fallen, den tiefſten Kummer beim Gedanken ihrer Ent⸗ fremdung. In Knaresdean konnte ſie Maltravers treffen; allerdings im Gedränge, aber ſie konnte ihn doch treffen; ſie konnte ihn ſehen, wie er vor dem großen Haufen hervorragte; ſie konnte ihn rühmen hören; ſie konnte ihn, den Alle heobachteten, beſonbers beachten. Jedoch hatte noch eine andere Urſache eine tiefere Freude ver⸗ anlaßt. Sie hatte an dem Morgen einen Brief von Aubrey erhalten, worin er ſeine Ankunft für den näch⸗ ſten Tag ankündigte. Der Brief, obgleich liebevoll, war kurz; Eveline war einige Monate entfernt geweſen; Lady Vargrave war bereits beſchäftigt, Anordnungen für ihre Rückkehr zu treffen; es war jedoch ihrer Wahl O— ——— anheim wollte. theuren zu verr glücklic ſich aus zu helf Widerr Lord V travers travers Seufze deine e deinem In der Kle Eveline line. Y laſſen: Wange „J blickent Kutſch Sie an blickte: rung a und au erröthe „J geben, Bul eht darin, ndaſſelbe ult. mit tie⸗ Phan⸗ auf ihre heit iſt. ing des nigſtens ntereſſe zu ge⸗ er Ent⸗ treffen; treffen; Haufen konnte Jevoch de ver⸗ e on nnäch⸗ l, war weſen; nungen Wahl anhelingeſtellt, vb ſie den Pfarrer nach Haus begleiten wollte. Abgeſehen von ihrer Freude, noch einmal den theuren, alten Mann zu ſehen, und von ſeinen Lippen zu vernehmen ihre Mutter befinde ſich wohl und ſei glücklich, begrüßte Eveline in ſeiner Ankunft das Mittel, ſich aus ihrer Lage in Bezug auf Lord Vargrave heraus zu helfen. Sie konnte dem Pfarrer ihren geſteigerten Wiberwillen gegen die Ehe eingeſtehen; ſie würde mit Lord Vargrave eine Unterredung haben, und dann? Mal⸗ travers ſiel ihr wieder ein? Nein! Ich beſorge, Mal⸗ travers war es nicht, welcher dies Lächeln und dieſen Seufzer erweckte!— Sonderbares Mädchen, du kennſt deine eigene Seele nicht; aber das iſt bei Wenigen in deinem Alter der Fall. In aller Heiterkeit der Hoffnung, in dem Stolz der Kleidung und der halbbewußten Lieblichkeit, trat Eveline mit leichtem Schritt in das Zimmer ver Caro⸗ lne. Miß Merton hatte ſchon ihre Kammerjungfer ent⸗ laſſen und ſaß an ihrem Schreibtiſch, indem ſie die Wange nachbenklich auf die Hand ſtützte. „Iſt es Zeit, daß wir abfahren?“ fragte ſie auf⸗ blickend;„gut, wir werden Papa, die Pferde und den Kutſcher in gute Laune bringen. Eveline, wie gut ſehen Sie aus! Eveline, Sie ſind wirklich ſchön!“ Caroline blickte mit ehrlicher, aber doch halb neidiſcher Bewunde⸗ rung auf die ſo gerundete und doch ſo zarte Feengeſtalt und auf das Antlitz, welches üher ſeine eigenen Reize zu erröthen ſchien. „Ich darf Ihnen gewiß die Schmeichelei zurück⸗ geben,“ ſagte Eveline, invem ſie verſchämt lächelte. Bulwer, Alice. I. 20 „Was mich betrifft, ſo bin ich in meiner Art hübſch genug; vielleicht werden wir dereinſt rivalifirende Schön⸗ heiten. Ich hoffe jedoch wir bleiben gute Freundinnen und beherrſchen die Welt mit getheiltem Reich. Wün⸗ ſchen Sie ſich nicht das Getümmel, die Aufregung und den Ehrgeiz Londons? Der Ehrgeiz iſt uns ebenſowohl wie den Männern eröffnet.“ „Nein, wirklich nicht,“ erwiderte Eveline lächelnd; „wenn ich ihn hegte, ſo wäre es nicht für mich ſelbſt, ſondern für. „Vielleicht für einen Gatten; gut, Sie werden großen Bereich für Ihr Mitgefühl haben. Lord Var⸗ grave „Wieder Lord Vargrave!“ Cvelinens Lächeln ver⸗ ſchwand, und ſie wandte ſich fort. „Ach!“ ſagte Caroline;„ich würde Lord Vargrave eine ausgezeichnete Frau abgegeben haben; Schade, daß er vas nicht glaubt. Wie die Sache ſich verhält, ſo muß ich für mich ſelbſt ſorgen und eine Maitresse femme werden— Sie glauben alſo, daß ich heute Abend gut ausſehe? Es iſt mir lieb. Lord Doltimore iſt ein Mann, der ſich nur nach dem, was andere Leute ſagen, leiten lãßt.⸗ „Hinſichtlich Lord Doltimore's ſprechen Sie nicht im Ernſt?“ „Allerdings, leider!“ „Unmöglich; dies könnten Sie nicht mehr ſagen, wenn Sie ihn wirklich liebten.“ „Wenn ich ihn liebte? Nein, aber ich gebenke ihn zw heirathen!“ ——— „———— E nicht ( ſank. dem „Blat auch Ihre Bew Einf ehrli leide Läch⸗ ann Süt 5 oder 1 terke ich h trete Ball rt hübſch e Schön⸗ undinnen Wün⸗ zung und enſowohl ächelnd; ſch ſelbſt, werden ord Var⸗ heln ver⸗ Vargrave hade, daß ,o muß femme bend gut n Mann, n, leiten nicht im r ſagen, denke ihn Eveline war empört, aber noch ungläubig. „Und auch Sie werden Jemand heirathen, den Sie nicht lieben; es iſt unſer Schickſal.“ „Niemals!“ „Wir wollen ſehen.“ Evelinens Herz ward niebergebrückt und ihr Muth ank. „Sagen Sie mir jetzt,“ fügte Caroline hinzu, in⸗ dem ſie noch weiter auf das verletzte Glied drückte— „glauben Sie nicht, daß dieſe Aufregung, mag ſie auch nur theilweiſe und provinziell ſein, das Gefühl Ihrer Schönheit, die Hoffnung der Eroberung, das Bewußtſein Ihrer Macht beſſer iſt, als die dumpfe Einförmigkeit der Hütte von Devonſhire. Seien Sie ehrlich.“ „Nein, gewiß nicht,“ erwiderte Eveline betrübt und leivenſchaftlich,„eine Stunde bei meiner Mutter, ein Lächeln von ihren Lippen iſt das Alles werth!“ „In Ihren Träumereien von Ehe denken Sie alſo an nichts, als an Roſen und Tauben, Liebe in einer Hütte!“ „Liebe im häuslichen Leben, einerlei, ob im Palaſt oder in der Hütte,“ erwiderte Eveline. „Häusliches Leben,“ erwiderte Caroline mit Bit⸗ terkeit,„iſt ſynonym mit dem franzöfiſchen ennui; ich höre jedoch meinen Vater auf der Treppe.“ Wie alltäglich iſt ein Ballſaal! In Novellen abge⸗ treten, eben ſo im gewöhnlichen Leben; dennoch haben Ballſäle einen beſtimmten Charakter und erwecken ein beſtimmtes Gefühl bei allen Charakteren und zu jeder Zeit. Ein Eiwas in der Erlenchtung, im Gebränge, in ver Muſik, erweckt Gevanken, die der Phantaſie und Romantik angehören. Er bietet Männern von gewiſſem Alter eine ſchwermüthige Scene; er erweckt manche leichtere und anmuthigere Bilder, welche mit den wech⸗ ſelnden Wünſchen der Jugend in Verbinvung ſtehen; Schatten, die unſere Pfabe durchkreuzen und Liebe ſchie⸗ nen, aber dies nicht waren; welche Manches von der Anmuth und dem Reiz, aber nichts von der Leivenſchaft ver Liebe bieten! So manche unſerer lieblichſten Jugend⸗ erinnerungen find mit jenem Fußboden, jener ſchmerz⸗ lich heiteren Muſik, mit jenen ruhigen Ecken und Winkeln verknüpft, wo vas Geſchwätz, welches am Herzen umherſchwärmt und daſſelbe nicht berührt, ge⸗ halten wird. Abgeſondert und ohne Sympathie bei jener ſtrengeren Klugheit, welche auf Erregung ver Lei⸗ denſchaften folgt, ſehen wir nur Geſtalt nach Geſtalt wie die Schmetterlinge vorbeijagen, die uns nicht länger unter den Blumen blenden, welche ihren Duft für uns auf immer verloren haben. Auf die eine oder andere Weiſe erinnern uns dieſe Seenen ſehr eindringlich an den Verluſt ver Jugenb. Wir werden zu genau mit den jungen und kurz leben⸗ den Vergnügungen in Berührung gebracht, die uns einſt gefielen und alle Blüte für uns verloren haben. Glück⸗ lich iſt der Mann, welcher von der klimpernden Muſi und von der Galerie der Porträts ſich hinwegwenden und an ein wachendes Auge und an ein gütiges Herz zu Haus benken kann. Allein ſie, denen keine Häuslichteit zu Theil iſt(der Stamm iſt zahlreich), fühlen ſich liſte viell alst ten. Dig ſchm die ſ mur moch milie Lebe kreiſ Töch höht der( Inie ſamn mere gehe Evel in al Tem zendſ cher! dert nge, in ſie und wiſſem manche wech⸗ ſtehen; e ſchie⸗ von der nſchaft gend⸗ chmerz⸗ en und es am rt, ge⸗ hie bei er Lei⸗ alt wie länger ür uns s dieſe ugend. leben⸗ s einſt Glück⸗ Muſik enden erz z lichkeit n ſich niemals als einſamere Eremiten oder traurigere Mora⸗ liſten, wie in ſolchem Gepränge. Maltravers lehnte ſich zerſtreut an die Mauer, und vielleicht drangen ſolche Gebanken durch ſein Inneres, als die Federn wallten und die Diamanten um ihn glänz⸗ ten. Zu ſtolz, um eitel zu ſein, hatte ihn das Monstrari Digito“ ſelbſt im Beginn ſeiner Laufbahn nicht ge⸗ ſchmeichelt. Jetzt bekümmerte er ſich nicht um die Angen, die ſeinen Blick ſuchten, nicht um das bewundernde Ge⸗ murmel der Lippen, die gerne von ihm Etwas hören mochten. Ernſt Maltravers, als reich, aus alter Fa⸗ milie, als unverheirathet und noch in der Blüte des Lebens, wäre ſchon an ſich in ven kleinen Provinzial⸗ kreiſen der Gegenſtand der Diplomatie für Mütter und Töchter geworden; der falſche Glanz des Ruhmes er⸗ höhte nothwendig die Neugier und erweiterte den Kreis der Spekulanten und Bewunderer. Plötzlich jevoch erweckte ein neuer Gegenſtand neues Intereſſe; ein neues Geflüſter drang durch die Ver⸗ ſammlung und erweckte Maltravers aus ſeiner Träu⸗ merei. Erblickte auf und ſah alle Angen aufe ine Form geheftet! Seine eigenen Angen begegneten denen der Eveline Cameron! Es war das erſtemal, daß er dieſe junge Schönheit in allem Glanz und Pomp als die Erbin des reichen Templeton ſah— das erſtemal, daß er fle als das glän⸗ zendſte Geſtirn im Schwarm der Andern erblickte, wel⸗ cher die Reize ihres Vermögens in ihrem Geſichte bewun⸗ dert haben würden, wären auch ihre Züge unbedeutend » Mit dem Finger gezeigt werden. geweſen. Als ſie jetzt, von Jugend ſtrahlend, und mit erröthender Aufregung auf ihrer ſanften Wange ſeinem Auge begegnete, ſagte er zu ſich ſelbſt:„Hätte ich mir eine Dame, die in der Welt ſo neu iſt, als Ge⸗ fährtin für mich wünſchen können, für welchen Alles was ſie entzückt, langweilig und ſchaal geworden iſt? Hätte ich mich jemals rechtfertigen können, wenn ich ſie der Bewunderung entzog, welche für ihr Alter und Geſchlecht ſo ſüße Schmeichelei beſitzt? Oder hätte ich andererſeits auf ihre Jahre zurückgehen und mit Gefühlen ſympathiſiren können, welche die Zeit mich verachten gelehrt hat? Beſſer ſo, wie es jetzt iſt.“ Durch dieſe Gedanken beſtimmt, täuſchte Maltra⸗ vers durch ſeinen Gruß die Hoffnung der Eveline und machte ſie betrübt, ſie wußte nicht weßhalb; jener war zurückhaltend und ernſt. „Sieht Miß Cameron nicht recht gut aus?“ flü⸗ ſterte Frau Merton, auf deren Arm vie Erbin ſich ſtützte;„bemerken Sie, welchen Eindruck ſie macht?“ Eveline hörte dies und erröthete, als ſie einen ver⸗ ſtohlenen Blick auf Maltravers warf. Etwas Schwer⸗ müthiges lag in der Bewunderung, welche aus ſeinen tiefen, ernſten Augen ſprach. „überall,“ ſagte er ruhig und in vemſelben Ton, „überall wo Miß Cameron erſcheint, muß fie alle Andere überſtrahlen.“ Er wandte ſich an Eveline und ſprach mit einem Lächeln:„Sie müſſen es erlernen, ſich gegen Bewunderung abzuhärten; nach einem oder zwei Jah⸗ ren werden Sie nicht mehr über Ihre eigenen Gaben erröthen!“ pfui ſpät ſeien 5 niem ſhon dort ſerer 6 einen und 5 Soll den? Wiſſ heira E es ni Lord Ich g ges; und mit ſeinem itte ich ls Ge⸗ n Alles den iſt? enn ich lter und ätte ich mefühlen erachten Maltra⸗ line und ner war 7 flü⸗ bin fich acht?“ nen ver⸗ Schwer⸗ ts ſeinen e Tn, le Andere rach mit ch gegen vei Jah⸗ n Gaben 311 „Auch Sie tragen dazu bei, mich zu verziehen; pfui!“ „Laſſen Sie ſich ſo leicht verziehen? Treffe ich Sie ſpäter, ſo werden Sie glauben, meine Complimente ſeien kalt gegen die gewöhnliche Sprache Anderer.⸗ „Sie kennen mich nicht; vielleicht werden Sie mich niemals kennen lernen.“ „Ich bin zufrieben mit ven ſchönen Seiten, die ich ſchon geleſen hahe.“ „Wo iſt Lady Raby?“ fragte Frau Merton;„ah dort— Eveline, meine Theure, wir müſſen uns un⸗ ſerer Gaſtgeberin vorſtellen.“ Die Damen gingen fort. Als Maltravers zunächſt einen Blick der Eveline auffing, war ſie bei Laby Raby und Lord Vargrave an ihrer Seite. Das Geflüſter um Maltravers ward lauter. „Sehr liebenswürdig!— Noch pazu ſo jung!— Soll ſie wirklich an Lord Vargrave verheirathet wer⸗ den? Er iſt ja viel älter wie ſie; wahrhaftig ein Opfer!“ „Wohl nicht, er iſt ſo angenehm und noch ſo hübſch. Wiſſen Sie aber gewiß, daß die Sache abgemacht iſt?“ „Ja, Lord Raby ſelbſt hat es mir geſagt. Die Ver⸗ heirathung wird hald ſtattfinden.“ „Wiſſen Sie denn, wer die Mutter war? Ich kann es nicht herausbringen.“ „Nichts Beſonderes. Sie wiſſen, der verſtorbene Lord Vargrave war ein Mann von niedriger Geburt, Ich glaube, ſie war eine Wittwe ſeines eigenen Ran⸗ ges; ſie lebt ganz in Einſamkeit.“ „Wie geht's, Herr Maltravers? Erfrent, Sie zu 312 ſehen,“ ſprach die ſchnelle und durchbringende Stimme der Frau Hare.„Schöner Ball— nichts geht über das, was Lord Raby thut— tanzen Sie nicht?“ „Nein, Madame.“ „Ihr junge Herren ſeid jetzt ſo fein geworden!“ (auch auf das Wort jung legte Frau Hare einen großen Nachdruck; ſie glaubte nämlich ein ſehr elegantes Compli⸗ ment gemacht zu haben und ſprach weiter mit geſteiger⸗ ter Selbſtgefälligkeit:)„Ich höre, Sie wollen Burleigh an Lord Doltimore vermiethen, iſt das wahr?“ „Nein!“ „Wahrhaftig, was die Lente für Geſchichten er⸗ zählen. Ein eleganter Mann, Lord Doltimore! Iſt es wahr, daß Miß Caroline Seine Lorbſchaft heirathen wird? Große Heirath!— Keine Klatſcherei, wie ich hoffe, Sie werden mich entſchulbigen!— Zwei Hei⸗ rathen im Werke— aufregende Dinge für unſere lang⸗ weilige Grafſchaft— Laby Vargrave und Lady Doltimore, zweineue Pairinnen— welche halten Sie für die ſchönſte? Miß Merton iſt die ſchlankeſte, aber es liegt etwas Hoch⸗ müthiges in ihren Augen. Glauben Sie das nicht? Bei⸗ läufig geſagt, ich wünſche Ihnen Glück, Sie werden mich entſchuldigen.“ „Sie wünſchen mir Glück, Madame?“ „Oh, Sie find ſo zurückhaltend! Mein Mann ſagt, er wolle Sſe unterſtützen. Sie werden alle Damen für ſich haben.— Wahrhaftig, Lord Vargrave will tanzen! Wie alt wird er ſein?“ Maltravers äußerte ein hörbares„Pah“ und ging fort; allein ſeine Buße war noch nicht vorüber. Lord Var klug line die muß Sch dig Pein ſehn zu e wür ſie a mit verle warf fenſt er di hatt Lieb ſolch Her Mä dieſe niſſe weck Auft jeder vers Stimme ber das, orden!“ großen Compli⸗ eſteiger⸗ Burleigh hten er⸗ Iſt es eirathen wie ich wei Hei⸗ re lang⸗ timore, chönſte? s Hoch⸗ Bei⸗ werden nn ſagt, men für tanzen! ind ging r. Lord —— Vargrave tanzte zwar nicht gern, hielt es aber doch für klug, Eveline um ihre ſchöne Hand zu erſuchen. Eve⸗ line konnte keine abſchlägige Antwort geben. Als nun die Geſellſchaft um die Tanzenden den Kreis bildete, mußte Maltravers neue Ausrufungen über Evelinens Schönheit und Vargryve's Glück vernehmen. Ungedul⸗ dig wandte er ſich vom Ort hinweg, mit der nagenden Pein im Herzen, die allein der Eiferſüchtige kennt. Er ſehnte ſich fortzugehen, beſorgte aber dadurch Aufſehen zu erregen. Es war das letztemal, daß er Eveline ſehen würde, vielleicht auf Jahre lang; das letztemal, daß er ſie als Miß Cameron ſehen würde! Er ging in ein anderes Zimmer, welches von allen, mit Ausnahme vier alter Herren, die Whiſt ſpielten, verlaſſen war; Cleveland war einer derſelben. Dort warf er ſich auf eine Ottomane, die an einem Neben⸗ fenſter ſtand. Von den Vorhängen halb verdeckt, hielt er dort ein Selbſtgeſpräch. Sein Herz war betrübt; er hatte noch niemals zuvor ſo tief und leidenſchaftlich ſeine Liebe zu Eveline empfunden, noch niemals zuvor ein ſolches Gefühl gehegt, wie feſt jene Dame mit ſeinem Herzen verwachſen war. Sonderbar, daß ein ſo junges Mädchen, von dem er ſo wenig geſehen hatte und auch dieſes Wenige unter ſo ruhigen und alltäglichen Verhält⸗ niſſen, eine ſo ſtarke Leivenſchaft bei einem Manne er⸗ weckte, welcher bereits ſo ſtrenge Prüfungen und heftige Aufregungen durchgemacht hatte! Allein die Entſtehung jeder Liebe iſt ſeltſam. Die Einſamkeit, worin Maltra⸗ vers lebte, die Abweſenheit jeder andern Aufregung hatte vielleicht bedentend dazu beigetragen, die Flamme 314 anzufachen. Seine Liebe hatte ſo lange geruht, und nach langem Schlaf erwachen vie Leidenſchaften mit rieſen⸗ mäßiger Kraft. Er empfand jetzt, daß die letzte Roſe des Lebens für ihn blühe; ſie war ſchon in der Geburt verwelkt, ließ ſich aber niemals wieder erſetzen. Von jetzt an mußte er allein ſein— die Hoffnungen der Häuslichkeit waren für immer entſchwunden und andere Thätigkeit des Geiſtes und der Seele, Literatur, Ver⸗ gnügen und Ehrgeiz waren ſchon in demjenigen Alter abgeſchworen, worin die Menſchen ihnen ſich haupt⸗ ſächlich hingeben. O Jugend! Beginne nicht zu balb deine Laufbahn und laß eine Leidenſchaft auf die andere in gehöriger Orbnung folgen, ſo daß jede Zeit des Le⸗ bens ihre paſſende Beſchäftigung und ihren Reiz hat! Stunden verſchwanden, Maltravers rührte ſich nicht; ſein Nachſinnen ward auch nicht weiter geſtört, als daß nur die vier alten Herren gelegentliche Ausrufe verneh⸗ men ließen, wann ſie unter ſich über die Launen des Kartenſpiels moralifirten. Zuletzt hörte er dicht neben ſich eine Stimme, deren leiſeſter Schall ihm das Blut durch die Abern treiben konnte; von ſeinem verborgenen Ort aus ſah er Carv⸗ line und Eveline in der Nähe fitzen. „Ich bitte Sie um Verzeihung,“ ſagte die erſtere, „ich bitte Sie um Verzeihung, daß ich Sie hinwegrief, allein ich ſehnte mich, Ihnen Mittheilungen zu machen. Der Würfel iſt gefallen; Lord Doltimore hat ſich mir angetragen und ich habe ſeine Hand angenommen— — ach, ich wünſchte beinah, daß ich zurücktreten könnte.“ „Thenerſte Caroline,“ ſprach die filberne Stimme der nicht unre ziget Sie Bin et 3 Ver nicht mein Rüh Mut Lehr Kun habe und ihret line mit ſelbe meir verg 6 auf Aug und nach t rieſen⸗ zte Roſe Geburt n. Von gen der d andere r, Ver⸗ en Alter haut⸗ zu bald e andere des Le⸗ z hat! ch nicht; als daß verneh⸗ men des e, deren treiben erCare⸗ erſtere, wegrief, machen. ſich mir men— önnte.“ Stimme der Eveline;„um des Himmels willen, beſchließen Sie nicht leichtfinnig über Ihr eigen Glück! Gie thun ſich unrecht, Caroline! Sie beſitzen nicht den eitlen ehrgei⸗ zigen Charakter, den Sie vorgeben!— Was erſtreben Sie— Reichthum? Eind Gie nicht meine Freundin? Bin ich nicht für Beide reich genug— Rang? Kann er Ihnen das Elend einer Ehe ohne Liebe ausgleichen? Verzeihen Sie mir, daß ich ſo rede; halten Sie mich nicht für anmaßend, oder romantiſch, ich weiß von meinem eigenen Herzen, was das Ihrige dulden muß.“ Caroline vrückte die Hand ihrer Freundin mit Rührung. „Eveline, Sie find eine ſchlimme Tröſterin; meine Mutter und mein Vater werden eine ganz verſchiedene Lehre predigen; ich bin wirklich thöricht mit meinem Kummer, da ich das Ziel, welches ich erſtrebte, erreicht habe. Armer Doltimore! Er kennt wenig den Charakter und das Gefühl derjenigen, die er zur Glücklichſten ihres Geſchlechtes gemacht zu haben glaubt.“— Caro⸗ line ſchwieg, ward blaß wie der Tod und fuhr dann mit ſchwacher Stimme fort: Sie, Eveline werden daſ⸗ ſelbe Schickſal haben, wir werden es zuſammen ertragen.“ „Nein, nein! Glauben Sie das nicht; wenn ich meine Hand vergebe, ſo werde ich auch mein Herz vergeben.“ In dem Augenblick richtete fich Maltravers etwas auf und ſeufzte hörbar. „Still,“ ſagte Caroline erſchreckt; in demſelben Augenblick brach der Whiſttiſch auf und Cleveland trat mit den Worten zu Maltravers:„Ich ſtehe zu Ihren 346 Dienſten, ich weiß, vaß Sie nicht bis zum Abenbeſſen bleiben. Sie werden mich im nächſten Zimmer treffen; ich will nur ein paar Worte mit Lord Saringham ſprechen.“ Der galante alte Herr machte darauf den Damen ein Compliment und ging fort. „So, auch Sie ſind ein Deſerteur vom Balle,“ ſagte Miß Merton zu Maltravers, als ſie aufſtand. „Ich hefinde mich nicht ganz wohl; laſſen Sie ſich aber durch mich nicht verſcheuchen.“ „O nein, ich höre die Muſtk; es iſt die letzte Qua⸗ drille vor dem Abendeſſen, und hier ſteht mein glück⸗ licher Tänzer und fieht ſich nach mir um.“ „Ich habe Sie überall aufgeſucht,“ ſprach Lord Doltimore mit dem Tone des zarten Vorwurfs;„kom⸗ men Sie, wir werden beinah zu ſpät anlangen.“ Carvline ſchlang ihren Arm in den des Lord Dol⸗ timore, der mit ihr in das Ballzimmer eilte. Miß Camerdn ſah unentſchloſſen aus, ob ſie blei⸗ ben oder folgen ſollte, als Maltravers ſich zu ihr ſetzte, die Bläſſe ſeiner Stirn und ein Ausdruck der Pein in den zuſammengedrückten Lippen ging ihr zu Herzen. In ihrer kindlichen Zärtlichkeit hätte ſie alles hingeben mögen für das Vorrecht einer Schweſter zu Mitgefühl und zur Tröſtung. Das Zimmer war jetzt verlaſſen und Beide allein. Die Worte, die er von Evelinens Lippen gehört hatte:„Wenn ich meine Hand vergebe, vergebe ich auch mein Herz.“ legte Maltravers nur in dem Sinne aus, daß ſie ihren Verlobten liebe. So ſonderbar es auch ſcheinen mag, ſo empfand er doch bei dem Gevan⸗ ken, Schn ſo at Mit Sie, ihren und Trau liebte daß nicht undz anneh geſehe bin ie ich da geſche müthi Schm Inger welche Freun Inter daß le Vielle Ihrem beſtim die ich Vorth endeſſen treffen; ingham uf den Balle,“ and. Sie ſich e Qua⸗ glück⸗ Lord „kom⸗ . d Dol⸗ ſie blei⸗ r ſetzte, zein in zen. In ingeben tgefühl ſen und gehört ebe ich Sinne bar es Gedan⸗ —à, S ken, welcher ſein enbliches Schickſal beſiegelte, weniger Schmerz, wie tiefes Mitleib. So jung, ſo geſchmeichelt, ſo auf die Probe geſtellt und mit ſolchem Beſchützer! Mit dem kalten, gefühlloſen, herzloſen Vargrave! Sie, deren Gefühl ſo warm ſtets auf ihrer Lippe und in ihren Augen zitterte. Ach, wie herb würbe ihr Schickſal und wie groß ihre Gefahr ſein, wenn ſie aus ihrem Traum erwachte und Denjenigen erkannte, welchen ſie liebte. „Miß Cameron,“ſagte Maltravers,„erlauben Sie, daß ich Sie einen Augenblick aufhalte; ich will mich nicht lange Ihnen aufdrängen. Darf ich noch einmal und zum letztenmal das ſtrenge Recht der Freurdſchaft annehmen? Miß Cameron, ich habe viel vom Leben geſehen, und meine Erfahrung theuer erkauft; vielleicht bin ich hart und einſtevleriſch geworden, jedoch habe ich basjenige Gefühl nicht überlebt, das zu erregen Sie geſchaffen find. Nein“(Maltravers lächelte ſchwer⸗ müthig),„ich will Ihnen kein Compliment, keine Schmeichelei ſagen; ich rebe nicht mit Ihnen, wie die Ingend zur Jugend; die Verſchiedenheit der Jahre, welche der Schmeichelei die Süße benimmt, läßt der Freundſchaft die Aufrichtigkeit. Sie haben mir ein tiefes Intereſſe eingeflößt; ein tieferes, wie ich jemals dachte, daß lebendige Schönheit mir wiederum erwecken könnte! Vielleicht, daß etwas im Tone Ihrer Stimme, in Ihrem Benehmen, eine namenloſe Anmuth, die ich nicht beſtimmt bezeichnen kann, mich an eine Dame erinnert, die ich in der Ingend kannte; eine Dame, die nicht Ihre Vortheile der Erziehung, der Gehurt und des Reich⸗ 318 thums beſaß, gegen die aber die Natur zütiger war, wie vas Glück.“ Er ſchwieg einen Augenblick, und ohne aufzublicken begann er dann aufs Neue:„Sie betreten das Leben unter glänzenden Vorbedeutungen; laſſen Sie mir die Hoffnung, daß Ihr Mittag die Verſprechungen des Morgens halten wird! Sie find für Gefühl empfäng⸗ lich und von lebhafter Einbildungskraft, verlangen Sie nicht zu viel, oder überlaſſen Sie ſich zu zärtlichen Träumereien. Wenn Sie verheirathet find, ſo glauben Sie nicht, daß die Ehe ihrer Prüfungen und Sorgen entbehrt; wenn Sie ſich geliebt wiſſen(und dies iſt wird ſicherlich der Fall ſein), ſo verlangen Sie nicht von dem geſchäftigen und ängſtlichen Geiſt Ihres Man⸗ nes, was die Romantik verſpricht, aber das Leben ſelten gewährt. und ach!“ fuhr Maltravers fort, indem eine ernſte Leidenſchaft ihn erfüllte und ſeine Worte mit beinah athemloſer Schnelle ihm eingab:„Empört ſich je Ihr Herz, und iſt es jemals unzufrieden, ſo fliehen Sie dies falſche Gefühl, wie eine Sünde! In die große Welt voll tauſend Gefahren geworfen, wie dies hei Ihrem Range der Fall ſein muß— mit keinem ſo be⸗ harrlichen und ſo ſicheren Zührer, wie ihre Unſchuld, machen Sie ſich dieſe Welt nicht zu ſehr befreundei! Wäre es möglich, daß Ihre Häuslichkeit jemals einſam oder unglücklich ſein könnte, ſo bebenken Sie, daß die unglücklichſte Häuslichkeit für ein Weib glücklicher iß, wie alle Aufregung außerhalb jener. Später werben ſich tauſend Bewerber Ihnen nahen“ glauben Sie, daß die Wespe unter der Zunge des Schmeichlers lanert, und ihre und wel ihre mich die hin wel⸗ daß an Ruh gott bare ſie dies Sie line Wo er L war allei ket; und r war, ublicken Leben mir die en des pfäng⸗ en Sie rtlichen glauben Sorgen dies iſt e nicht s Man⸗ n ſelten em eine rte mit ört ſich fliehen ie große dies bei n ſo be⸗ nſchulb, eundet! einſam daß die cher iſt, werden ie, aß lauert, —— 3¹9 und eniſchließen Sie ſich, was auch kommen mag, mit ihrem Lvoſe zufrieden zu ſein. Wie viele liebenswürdige nnd reine Damen, wie Sie, habe ich ſchon gekannt, welche durch ihre Neigungen und durch die Schönheit ihres Charakters den Untergang fanden. Vernehmen Sie mich als einen Warnenden, als einen Bruber, welcher die See bereits befahren hat, worauf ihr Schiff erſt hinäusgelaſſen wird. Laſſen Sie mich immer wiſſen, in welchen Ländern Ihr Name mich auch erreichen wird, daß eine Dame, welche in mir allen meinen Glauben an menſchliche Vorzüglichkeit wieder erweckt hat, der Ruhm Ihres Geſchlechtes bleibt, während ſie der Ab⸗ gott des unſeren iſt. Verzeihen Sie mir dieſe ſonder⸗ bare Zudringlichkeit, mein Herz iſt voll und mußte über⸗ fließen. Und jetzt, Miß Cameron— Eveline Cameron, vies iſt das letztemal, daß ich Ihnen Anſtoß gebe, leben Sie wohl.“ Er ſtreckte ſeine Hand aus; unbewußt drückte Eve⸗ line dieſelbe, als wolle ſie ihn zurückhalten, bis ſie Worte zur Erwiberung finden würde. Plötzlich vernahm er Lord Vargrave's Stimme hinter ſich. Der Zanber war gebrochen; im nächſten Augenblick war Eveline allein; das Gebränge wogte in das Zimmer zum Ban⸗ ket; Lachen und heitere Stimmen wurden vernommen, und Lord Vargrave war wieder Evelinen zur Seite. ——