S——— Leihbibliothet deutſchex, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Cduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. SLeih- und geſebedingungen. 1. 0flensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis 1 Abends, Uhr offen. Legepreis. ei eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Vuches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurüfterſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mt. 50 Pf 2 Mt. Pf 3 4 ige onnenten“ F für Hin⸗ und Zurückſendung 3 Bter auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Schadenersatz. 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Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. „Er, der der Menſchen Charaktere am beſten kennt, muß auch nothwendig Den eigenen am beſten kennen und vurch ſein Beiſpiel gene beſſern.——— ——— Reine und ſtarke Geiſter Verlangen, wie die Flamme, ſtets nach Oben.“ Die Königin von Corinth⸗ Akt MI. Sc. 4. Ei Me in Auf Tag— kanntſe tigſten und je ſen. K die Fet lebens nung große ſchenſp ſchäfti mir de jetzt v des G Grund verber Jahrh dieſe 2 Bezieh mich f gültig dem das S die G den. an, d muß auch Einleitung des KSelbflbiographen. Mein Leben war reich an Abenteuern und ſtets in Aufregung; es fiel— bis auf den heutigen Tag— in eine bewegte Zeit und hatte ſich der Be⸗ kanntſchaft der damals ausgezeichnetſten und thä⸗ tigſten Geiſter zu erfreuen. Männer aller Stände und jedes Charakters find meine Vertraute gewe⸗ ſen. Krieg, Liebe, Ehrgeiz, die Lehren der Weiſen, die Feſte des Witzes, die Intriguen des Staats⸗ lebens, Alles, was die Menſchen aufregt, Hoff⸗ nung und Furcht, Arbeit und Vergnügen, das große Drama der Eitelkeiten mit den kleinen Zwi⸗ ſchenſpielen der Weisheit— all dies war die Be⸗ ſchäftigung meiner Mannesjahre;— dies wird mir den Stoff zu der Geſchichte liefern, die ſich jetzt vor Euern Augen öffnet. Was auch die Fehler des Geſchichtſchreibers ſein mögen, er hat keinen Grund, was er gethan, zu beſchönigen, oder zu verbergen, was er gefühlt. Kinder eines ſpätern Jahrhunderts— die Zeit ſelbſt, in welcher ihr dieſe Blätter begrüßen werdet, hat genug von den Beziehungen zwiſchen euch und mir zerſtört, um mich für euern Tadel, wie für euer Lob gleich⸗ gültig zu machen. Gerade hundert Jahre nach dem Tage, wo ich dieſen Bericht ſchließe, wird das Siegel, das ich darauf drücke, erbrochen, und die Geheimniſſe, die er enthält, aufgedeckt wer⸗ den. Ich rufe jene Geiſtesverwandtſchaft mit euch an, die ich unter meinen Zeitgenoſſen nicht gefun⸗ den habe. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Anſichten haben nichts, das den meinigen verwandt wäre. Ich ſpreche ihre Sprache, aber nicht als Mutterſprache— ſie verſtehen keine Silbe von der meinigen! Mit einer ſpäteren Zeit mag mein Herz mehr gemein haben— einer ſpäteren Zeit mögen meine Gedanken weniger befremdend, meine Gefühle weniger ſeltſam erſcheinen; dies Geſtänd⸗ niß unterwerfe ich der Probe! Kinder eines ſpä⸗ tern Jahrhunderts, zwiſchen euch und dem Weſen, T welches das vorliegende Buch ſchrieb— dieſem nicht geſchäftigen, veränderlichen, unſtäten Weſen— iſt wand nur ein Schritt— aber dieſer Schritt iſt ein Jahr⸗ digkei hundert! Sein Jetzt iſt von eurem Jetzt durch durch einen Zwiſchenraum von drei Generationen ge⸗ neben trennt! Während jenes ſchreibt, triumphirt dieſes„ eigen in der geſunden Manneskraft— während ihr leſet, ſchen iſt nicht mehr ſo viel Staub von ihm übrig, um Anſic die Würmer damit zu nähren. Dieſe Gemeinſchaft nahe zwiſchen Lebenden und Todten— dieſe Verbin⸗ i dung zwiſchen dem, was athmet und ſich bewegt und und iſt— und dem, in welchem kein Leben mehr Was webt, das die Sterblichkeit nicht mehr kennt— Schil 4 hebt die Unwahrheit auf und dämpft auch die Selbſt⸗ Färb täuſchung zu heiliger Scheu. So kommt denn und einer betrachtet das Bild einer vergangenen Zeit und„ nicht eines dahingeſchiedenen Weſens ohne Beſorgniß derer eines Truges— und während die Schatten und mer Lichter eines bunten, wilden Lebens vor euch hin⸗ mich flattern— gebet genau Acht, ob in euren eigenen Char Herzen etwas ſei, das den Wiederſchein zurück⸗ ſchich ₰ ſpiegelt. ſchle Morton Devereux. i Anmerkung des Berausgebers. Täuſcht ſich der Held des vorliegenden Werkes nicht gänzlich in der Hoffnung einer Geiſtesver⸗ wandtſchaft mit denen, welchen er ſeine Denkwür⸗ digkeiten hinterlaſſen hat, ſo wird ſich der Leſer durch Auftritte eines vergangenen Jahrhunderts neben einem Manne wandeln ſehen, der von der eigenthümlichen Sinnesart und den charakteriſti⸗ ſchen Gefühlen der Gegenwart Vieles beſitzt. Eine Anſicht des Grafen Devereur ſcheint indeſſen bei⸗ nahe ausſchließlich früheren Tagen anzugehören; — nämlich die Anſicht, die er über ſeinen Freund und Zeitgenoſſen, Lord Bolingbroke, ausſpricht. Was mich betrifft, ſo glaube ich nicht, daß ſeine Schilderung dieſes merkwürdigen Mannes die Färbung unziemlicher Parteilichkeit trage. Sind einerſeits Lord Bolingbroke's gute Eigenſchaften nicht zu Fehlern verdreht worden, ſo wurden an⸗ dererſeis auch ſeine Leidenſchaften und Irrthü⸗ mer nicht zu Tugenden erhoben, und ich neige mich zu dem Glauben, daß ſein Charakter— ein Charakter, der nach meiner Auslegung der Ge⸗ ſchichte regellos, nicht laſterhaft— fehlerhaft, nicht ſchlecht geweſen iſt— von den Männern, welche ſein Leben beſchrieben, eben ſo oberflächlich abge⸗ handelt, als von ſeinen politiſchen Gegnern ver⸗ leumdet worden iſt. Wenn ich mich in dieſer An⸗ ſicht täuſche, ſo weiß ich wenigſtens, daß ich nicht in Folge meiner Vorurtheile, ſondern trotz der⸗ ſelben getäuſcht worden bin; denn weder mein Parteiglauben durfte mich ſehr zu Gunſten des Tory Lord Bolingbroke einnehmen, noch meine Anſichten über die Spitzfindigkeiten der Sittenlehre mich ge⸗ neigt machen, ihn als Metaphyſiker hochzuachten.“ Ich muß wegen dieſer Bemerkungen um Nachſicht bitten, ſie ſchienen mir bezüglich der Anmerkungen unerläßlich, die ich(am Ende des Buches, wo Lord Bolingbroke meift in einem günſtigeren Lichte daſteht) dem Texte beigefügt habe. Bedarf es ir⸗ gend einer Entſchuldigung, daß ich in dieſen An⸗ merkungen„den literariſchen Aberglauben“ ange⸗ griffen habe, wornach die Menſchen ihre einmal gebildeten, wenn auch irrthümlichen Meinungen über berühmte Charaktere erſchüttert und geſtört ſehen, ſo bitte ich den Leſer, auf die Worte Horace Walpole's(beiläufig geſagt eines der bitterſten Läſterer Lord Bolingbroke's) Rückſicht zu nehmen, die dem kleinen, aber ſchätzbaren Werke„Unter⸗ ſuchung über Clarendon ꝛc., von dem Ehrenw. G. Agar Ellis“ vorgedruckt ſind. * Uebereinſtimmend mit der im Allgemeinen verbreiteten Anſicht, es ſeien Lord Bolingbroke's philoſophiſche Meinungen oder vielmehr philoſopbiſche Irrthümer, nur zu einem ſehr ge⸗ ringen Theile, wenn überhaupt während ſeines Lebens bekannt geworden, wird der Leſer nicht die leiſeſte Anſpielung auf die⸗ ſelben in dieſen Blättern finden, wo ſie allerdings auch nicht an ihrem Platze wären. Von ſei m Cava um Jako! Gleie der ab ur ange E mänr Vate Brut ner 2 Freir der Erſtes Buch. Erſtes Kapitel. Von der Geburt des Helden und deſſen Verwandtſchaft. Nichts kann von dem Ende der Dinge verſchiedener ſein, als ihr Anfang. Mein Großvater, Sir Arthur Devereur(Friede ſei mit ſeiner Aſche!), war ein edler alter Ritter und Cavalier, deſſen bedeutendes Grundeigenthum hinreichte, um ein halbes Dutzend Pairs, wie ſie ſeit der Zeit Jakobs I. geweſen, in all ihrer Würde zu erhalten. Gleichwohl zog mein Großvater den Ritterſtand dem der Patricier vor, wies jedes Anerbieten zu Erhöhung ab und hinterließ ſeinen Nachkommen die ſeinen Gütern angeſtammten Titel. Sir Arthur hatte zwei Kinder aus ſeiner Ehe— Beide männlichen Geſchlechtes; nach ſeinem Tode ſagte mein Vater, der Jüngere, der alten Halle und dem einzigen Bruder Lebewohl, betete zu den mürriſchen Bildern ſei⸗ ner Vorfahren um Begeiſterung und zog aus— um als Freiwilliger unter die Heere jenes Ludwig zu treten, der in ſpäterer Zeit den Namen der Große erhielt. 10 Von dem Vater werde ich nur wenig ſagen; bas Leben eines Kriegers hat nur zwei erwähnenswerthe Ereigniſſe, veſſen erſten Feldzug und deſſen letzten. Mein Oheim that, wie ſeine Ahnen vor ihm gethan— er ging an den Hof und ließ ſich, ſo wohlfeil dieſe Würde gewor⸗ den war, von Karl II. zum Ritter ſchlagen. Was er in der Hauptſtadt ſah, ſagte ihm dergeſtalt zu, daß er jeden Gedanken, dieſelbe je wieder zu verlaſſen, ver⸗ ſchwor, ſich an Sedley und Champagner hielt, mit Lorchen Gwynne kokettirte, das Doppelte von dem Ein⸗ kommen ſeines Bruders an den ritterlichen Grammont verlor, eine von Etherege corrigirte Komödie ſchrieb, und eine Frau nahm, die ihm Rocheſter empfahl. Die Frau gebar ihm ſechs Monate nach der Heirath ein Kind und zwar an demſelben Tage, an welchem die Komödie geſpielt wurde. Zum Glücke für die Ehre des Hauſes hatte mein Oheim das Schickſal des Köni⸗ ges Plimenus von Sicyon— Alles, was er ſo an Nach⸗ kommenſchaft hatte(d. h. das Kind und die Komödie), „ſtarb an dem Tage, da es zur Welt kam.“ Mein Oheim war jetzt nur in Verlegenheit, was er mit ſeiner Frau— dem ihm gebliebenen Schatze beginnen ſolle, deren Bereitwilligkeit, ihn zu verbinden, ſich auf ſo wunderbare Weiſe kund gegeben hatte. Sie enthob ihn der Mühe langen Nachdenkens— welch letzterer Anſtrengung des Geiſtes er nie abſonderlich zugethan war. Am Hofe lebte ein Edelmann, der wegen ſeiner Gemüthsruhe und ſeines feierlichen Weſens einen Na⸗ men hatte; meine Tante ſetzte ihre Ehre darein, mit Drpheus zu wetteifern, und ſetzte ſechs Wochen nach ſeiner ſolle, auf ſo enthob tzterer gethan ſeiner n Na⸗ „ mit nnach ihrer Niederkunft jenen Felſen in Bewegung— ſie entliefen! Der arme Herr!— es muß eine harte Ge⸗ duldprobe fur einen Mann geweſen ſein, den man zuvor nie anders, als im möglichſt langſamen Schritte hatte dahingehen ſehen— als ihm zwei ſo überaus raſche Er⸗ eigniſſe in einer Woche zuſtießen. Kaum hatte er ſich von dem Schlage erholt, daß meine Tante mit ihm davon gerannt war, ſo rannte ihm, um ſeinen Herum⸗ ſtreifereien für immer ein Ende zu machen, die Degen⸗ ſpitze meines Oheims durch den Leib. Witzige Köpfe machten ein Epigramm auf die Geſchichte, und mein Oheim, tapfer wie ein Löwe, wenn es eine Degenſpitze galt, wurde, offen geſprochen, durch ein ſpitziges Scherz⸗ wort gänzlich außer Faſſung gebracht. Er zog ſich in einem Anfalle von Verdruß und Gicht auf das Land zurück. Hier wuchs ſeine gute Natur über die künſtlichen Pfropfreiſer, welche dieſelbe lange niedergehalten hatten, hinaus, und er tröſtete ſich durch die rechtliche, eines Fürſten würdige Verwaltung ſeiner Güter für die Krän⸗ kungen, welche er in der unehrenhaften Laufbahn eines Höflings erfahren. Bisher habe ich etwas verächtlich von meinem Oheime geſprochen, wie er es während ſeines unregelmäßigen Lebens verdiente, denn er war ſowohl zu ehrlich, wie zu einfach, um auf jener Milchſtraße entwürdigten Genies zu glänzen, deren Mittelpunkt Karl Il. war. Aber in ſeiner Zurückgezogenheit war er ein ganz anderer Menſch, und ich glaube nicht, daß die Elemente der menſchlichen Natur ſich zu einem liebenswürdigeren Charakter ver⸗ einigen konnten, als Sir William Devereur, wenn er zur Chriſtzeit den Vorſitz üher vas frohe Getümmel in ſeiner großen Halle führte. Der gute alte Mann! gerade ſeine Schwächen wa⸗ ren es, die wir am meiſten an ihm liebten— Eitelkeit war mit ſeiner Herzensgüte ſo eng verbunden, daß ſie anſprechen mußte, und wir gerade dieſes Herz am mei⸗ ſten ehrten, wenn wir jenen fortwährend belächelten. Eine Eigenheit hatte er, welche jedoch die Zeit, in welcher er gelebt, und ſeine häuslichen Verhältniſſe als ziemlich natürlich erſcheinen ließen, nämlich einen ent⸗ ſchiedenen Widerwillen gegen den Eheſtand: frühe Ehen ſeien ein Unglück; unkluge Ehen eine Dummheit und die Ehe überhaupt im beſten Falle, pflegte er mit leuchten⸗ den Angen und einigem Erröthen zu ſagen, die Ehe im beſten Falle— ein Werk des Teufels. Nichts deſto weniger darf man ſich zu dem Glauben verleiten laſſen, Sir William Devereux ſei ein ungalanter Mann gewe⸗ ſen. Das ſchöne Geſchlecht hatte im Gegentheile nie einen ergebeneren Diener. Wie nach ſeiner Anſicht einem weiſen Manne nichts weniger ziemte, als die Ehe, ſo diente ihm nichts mehr zur Zierde, als Liebeständeleien. Er hatte die Schwäche alter Leute, Schwatzhaftig⸗ keit, und er erzählte die witzigſten Geſchichten von der Welt, ohne, außer der Pointe, nur ein Wort auszu⸗ laſſen. Dieſe Auslaſſung hatte ihren Grund nicht in einem Mangel an Gedächtniß oder Humor, ſondern nur in der ihm nicht eigenen, allen Spaßmachern natür⸗ lichen Bosheit. Einen bittern Spott, wenn er auch einen Todten oder einen Undankbaren verwundet hätte, konnte er nicht über ſeine Lippen bringen; kam er zu Wil ſchö ſchn viell hatt und Str ſein höc Un zu fre wu der alt 13 dem Tropfen Galle, welcher die Geſchichte würzen ſollte, ſo brach die Milch menſchlicher Herzensgüte wider ſeinen Willen durch und ſchwemmte ihn hinweg. Er war ein ſchönes Wrack, das ein wenig zu frühe an dem aus⸗ ſchweifenden Leben geſcheitert hatte, deßhalb aber gerade vielleicht um ſo anziehenver wurde; ſein ſchlanker Wuchs hatte etwas von dem jovialen, altengliſchen Umfange, und auf ſeinem Geſichte vermiſchten ſich die heiteren Strahlen der Gutmüthigkeit und des Wohllebens. In ſeinem Anzuge war er um zwanzig Jahre zurück und höchſt eigen in der Wahl ſeiner ſeidenen Strümpfe. Unter uns geſagt, er that ſich nicht wenig auf ſein Bein zu Gute, und ein Lobſpruch auf dieſes durfte einer freundlichen Aufnahme ſtets gewiß ſein. Die Einſamkeit in dem Haushalte meines Oheimes wurde durch den Einfall von drei Knaben, die nicht zu den ruhigſten gehörten, unterbrochen; ihre Mutter, die Sanſteſte und Ernſteſte ihres Geſchlechtes, ſchien ihnen als ein Sinnbild jener uranfänglichen Stille zu folgen, aus welcher alles Geräuſch geboren wurde. Dieſe drei Knaben waren meine beiden Brüder und ich. Mein Vater, der eine ſtarke perſoͤnliche Zuneigung zu Lud⸗ wig XIV. gefaßt hatte, trat nie aus deſſen Dienſten, und der große König belohnte ihn durch Orden und zahlloſe Gunſtbezeigungen; er ſtarb an den Wunden, die er in einer Schlacht erhalten— als Graf und Marſchall, reich an Ruhm, arm an Geld. Er hatte ſich zweimal verheirathet; ſeine erſte Frau, welche kinderlos ſtarb, war eine Tochter aus dem edeln Hauſe La Tremouille— ſeine zweite, unſert Mutter, ſtammte von einem jüngeren nem Zweige bes engliſchen Geſchlechtes Howard ab. In ihrer Alle, Heimath aufgewachſen und den Eindrücken einer frühen, daß einſamen Erziehung unterworfen, zeigte ſie nie Liebe yder für das heitere Land, das ihr Gatte zu dem ſeinigen ge⸗ A macht. Nach ſeinem Tode eilte ſie nach England zurück, meine lehnte mit einem gewiſſen ehrenwerthen Stolze den be⸗ den, deutenden Ruhegehalt ab, den Ludwig der Wittwe ſeines men, Günſtlings auszuſetzen wünſchte, und wandte ſich mit Sir 2 ihren Kindern an ein Herz, auf welches, wie ſie wohl ich de wußte, dieſelben rechtmäßige Anſprüche hatten. meine Mein Oheim empfand eine ungeheuchelte Freude zum über unſere Ankunft. Nichts von ſeiner Liebe zu mei⸗ Strü nem Vater und ſeinem Stolze auf die Ehren zu ſagen, Bein welche der Letztere ihrem alten Hauſe errungen, freute Zune ſich der gute Herr nicht wenig bei dem Gevanken, vier Anhe neue Zuhörer gewonnen zu haben, unter welchen er ſich ohne einen Erben auswählen konnte, und bald hatte er uns diſch ſo lieb gewonnen, wie wir ihn. Zur Zeit unſerer über⸗ von ſiedlung hatte ich das zwölfte Jahr erreicht; mein zweiter Ohei Bruder(wir waren Zwillinge) war eine Stunde nach mein mir geboren; mein dritter Bruder war etwa fünfzehn dem Monate jünger. Ich war nie der Liebling von uns man Dreien geweſen. Erſtens waren meine Brüder, vor⸗ nehmlich der Jüngſte, ungewöhnlich hübſch, und ich ſah ich g 1 im beſten Falle ſo erträglich aus; zweitens ſtand ich, der Aret Anſicht nach, auch geiſtig ebenſo unter ihnen, wie kör⸗ man perlich— ich war träge und dumm, eigenſinnig und ſah. hochmüthig— der einzige Witz, den ich je entwickelte, mir gab ſich in ſpöttiſchen Bemerkungen über meine Freunde, 3 die und meine Finzige Lebhaftigkeit in Zänkereien mit mei⸗ 15 nem Zwillingsbruder kund; ſo ſagten oder ſo vachten Alle, welche uns als Kinder ſahen, und daraus folgt, daß ich entweder durchaus nicht liebenswürdig war, „der ſehr verkannt wurde. Aber zu meinem eigenen, wie zu dem Erſtaunen meiner Verwandten, ſollte ſich jetzt mein Schickſal wen⸗ den, und kaum waren wir in Devereur⸗Court angekom⸗ men, ſo wurde ich augenſcheinlich der Gegenſtand von Sir Williams beſonderer Vorliebe. Wirklich liebte auch ich den Ritter und ſeine Geſchichten mehr, als dies bei meinen Brüdern der Fall war, und als ich meinen Oheim zum erſtenmale ſah, hatte ich die Schönheit ſeiner Strümpfe hervorgehoben und die Verhältniſſe ſeines Beines beneidet; aus ſolchen Kleinigkeiten entſpringt Zuneigung! In der That nahm unſere gegenſeitige Anhänglichkeit dergeſtalt zu, daß wir bald nicht mehr ohne einander ſein konnten— und während ich in kin⸗ diſcher Vorwegnahme des Weltlehens den Geſchichten von Höfen und Hofleuten lauſchte, erwiderte mein Oheim dieſe meine Aufmerkſamkeit dadurch, daß er von meinem Verſtande daſſelbe ſagte, wie jener Angler von dem Fluſſe Lea, man könne genug darin finden, wenn man nur lange genug angeln wolle. Aber dies war noch nicht Alles. Mein Oheim und ich glichen ungeheuer den Waſſern des Alpheus und der⸗ Arethuſa— nichts wurde in den einen geſchüttet, was man nicht kurz darauf auch auf dem andern daherfluten ſah. Jeder witzige Einfall, jedes Geſchichtchen, die mir Sir William mittheilte(und einige davon hallten, die Wahrheit zu ſagen, die Zügelloſigkeit der Zeit wie⸗ der, in welcher er gelebt), gab ich bei erſter Gelegenheit, es mochte zuhoͤren, wer da wollte, wieder preis,— und wenige Knaben von dreizehn Jahren können ſich wohl rühmen, ſo oft wie ich das Gelächter der Männer und das Erröthen der Frauen erregt zu haben. Während durch dieſen Umſtand meine Eitelkeit erhöht wurde, ſah ſich mein Oheim auch dadurch geſchmeichelt, und da ich immer durch ſeine Veranlaſſung in die Klemme gerieth, ſah er ſich ſchuldigerweiſe auch immer verpflichtet, mich gegen die Beſchuldigungen zu vertheidigen, deren Ur⸗ ſache er war. Kein Menſch nimmt einen Andern lange in Schutz, ohne daß ſeine Liebe zu dieſem dadurch wächst; und vielleicht waren Sir William Devereur und ſein älteſter Neffe die einzigen Verbündeten auf der Welt, bei denen keine gegenſeitige Eiferſucht ſtatt hatte. Zweites Kapitel. Eine Familienberathung, ein Prieſter und ein Abſchnitt im Leben. „Sie verderben die Kinder, mein lieber Sir Wil⸗ liam,“ ſagte eines Tags meine gute Mutter, als ich eben beſonders witzig geweſen war,„und der Abbé Mont⸗ reuil hält es für unumgänglich nothwendig, daß ſie in die Schule gehen ſollten.“ „In die Schule!“ ſagte mein Oheim, während er ſein rechtes, über das linke gelegtes Bein liebkoste,„in die Schule, Madame! Sie ſcherzen. Wozu, ich bitte doch?“ „Un entgegn „Ah, ſagte m Meine verſank mich un leiſen heftete ihm geg Me einem p „P ſich ſelb Karls I heſſeren ohne de ährend e, ſah da ich tt im Wil⸗ ch eben Mont⸗ ſie in ener e, iit bitte 17 „Um ſie zu unterrichten, mein lieber Sir William,“ entgegnete meine Mutter. „Ah, ah! daran habe ich nicht gedacht; recht, recht!“ ſagte mein Oheim kleinlaut, und es entſtand eine Pauſe. Meine Mutter betete ihren Roſenkranz; mein Oheim verſank in Nachdenken; mein zweiter Bruder kneipte mich unter dem Tiſche in das Bein, was ich durch einen leiſen Fußtritt erwiderte, und mein jüngſter Bruder heftete ſeine großen, dunkeln, ſprechenden Augen auf ein ihm gegenüber hängendes Gemälde der heiligen Familie. Mein Oheim brach das Schweigen; er that es mit einem plötzlichen Auffahren. „Potz Fiſch, Madame“(mein Oheim kleidete, wie ſich ſelbſt, ſo auch ſeine Flüche etwas nach dem Beiſpiele Karls II.)—„potz Fiſch, Madame, ich habe mir einen beſſeren Plan ausgedacht; ſie ſollen Unterricht erhalten, ohne deßhalb in die Schule zu gehen.“ „Und wie, Sir William?“ „Ich will ſie ſelbſt unterrichten, Madame,“ und Sir William täſchelte die Wade des geliebkosten Beines. Meine Mutter lächelte. „Nun, Madame, Sie mögen lächeln; waren doch ich und Lord Dorſet die erſten Gelehrten unſerer Zeit; Sie ſollen mein Luſtſpiel leſen.“ „Thun Sie das, Mutter,“ ſagte ich,„leſen Sie das Stück. Soll ich ihr einige ber varin vorkommenden Witze ſagen, Oheim?“ In einem vorgefühlten Entſetzen ſchüttelte meine Mutter den Kopf und erhob verweiſend den Finger. Mein Oheim ſagte nichts, winkte mir aber zu; ich ver⸗ Bulwer, Devereux, I. 2 ſtand das Zeichen und war eben im Begriffe, anzufan⸗ gen, als die Thüre aufging und der Abbé Montrauil eintrat. Mein Oheim ließ ſein rechtes Bein los und mein Spaß war abgeſchnitten. Nie flößte Jemand eine ſo dunkle, heilige Scheu ein, wie der Abbé Montreuil. Der Prieſter kam mit einem Lächeln. Meine Mutter begrüßte in ihm den Zutritt eines Verbündeten. „Vater,“ ſagte ſie, indem ſie aufſtand,„ich habe ſo eben meinem guten Bruder die Nothwendigkeit vor⸗ geſtellt, meine Söhne in die Schule zu ſchicken; er hat einen Ausweg vorgeſchlagen, deſſen weitere Berathung ich Euch überlaſſe.“ „Und worin beſteht dieſer?“ fragte Montreuil, ließ ſich in einen Stuhl fallen und täſchelte Geralds Kopf mit wohlwollender Miene. „Sie ſelbſt zu erziehen,“ antwortete meine Mutter mit einem gewiſſen ſatiriſchen Ernſte. Mein Oheim bewegte ſich unruhig auf ſeinem Sitze, als gewahrte er zum erſtenmale etwas Lächerliches in ſeinem Vorſchlage. Das Lächeln erſtarb augenblicklich auf den mageren Lippen des Prieſters und machte einem Ausdrucke ehr⸗ erbietiger Billigung Platz.„Ein vortrefflicher Plan,“ ſagte er langſam,„der aber einige kleine Einwendungen. zuläßt, die ich mit Sir Williams Erlaubniß ange⸗ ben will.“ Meine Mutter rief uns, und wir verließen mit ihr das Zimmer. Als wir meinen Oheim das nächſtemal ſahen, hatten die Gründe des Prieſters geſiegt. In der kommenden Woche gingen wir alle Drei in die Schule. Mein Vater war Katholik geweſen, meine Mutter be⸗ kannte ſick und wir w Aber mein tergraben heimniſſe! ihn einen fälſchlich Als uns 2 wollte, w manche, r ſeines Em ſchlau den tige Beſch nun aber den Prieſt tereien, di einziges V müthige G Entſchlüſſ das menſe Thiere bis es nichts e reuil— n ſeine Sitte war ſo we vertraulich Silbe des welche die Worir ſonderhare anzufan⸗ kontréuil los und rand eine ontreuil. Mutter . „ich habe keit vor⸗ n; er hat erathung euil, ließ lds Kopf e Mutter Oheim wahrte er orſchlage. mageren rucke ehr⸗ er Plan,“ iß ange⸗ n mit ihr ächſtemal . In der e Schule. utter be⸗ endungen 19 kannte ſich zu demſelben unvolksthümlichen Glauben⸗ unb wir wurden deßhalb gleichfalls in demſelben erzogen. Aher mein Oheim, deſſen Religion bei Hofe jämmerlich un⸗ tergraben worden, ſpottete gewaltig über die heiligen Ge⸗ heimniſſe des Katholieismus, und während ſeine Freunde ihn einen Proteſtanten nannten, gaben ſeine Feinde, fälſchlich genug, zu verſtehen, daß er ein Skeptiker ſei. Als uns Montreuil zuerſt in Devereux⸗Court beſuchen wollte, waren es der beißenden kleinen Scherze gar manche, mit denen ſich mein würdiger Oheim behufs ſeines Empfanges vorgeſehen, und er pflegte äußerſt ſchlau den Kopf zu ſchütteln, wenn er unſere ehrerbie⸗ tige Beſchreibung von dem erwarteten Gaſte hörte. Was nun aber auch der Grund geweſen ſein mag, ſobald er den Prieſter geſehen hatte, ließen ihn alle ſeine Spöt⸗ tereien, die er anbringen wollte, im Stiche. Nicht ein einziges Witzwort kam ihm zu Hülfe; das ruhige, ſanft⸗ müthige Geſicht des Geiſtlichen ſchien auf die boshaften Entſchlüſſe des luſtigen Ritters ganz ſo zu wirken, wie das menſchliche Auge die böſen Abſichten unedlerer Thiere bis zur Unmacht einſchüchtern ſoll. Dennoch gab es nichts Sanfteres als das Benehmen des Abbé Mont⸗ reuil— nichts Feineres, hinſichtlich ihrer Anmuth, als ſeine Sitten und ſein ganzes Weſen. Seine Kleidung war ſo wenig kirchlich, als möglich, ſein Geſpräch eher vertraulich, als formell, und unabläſſig hörte er auf jede Silbe des guten Ritters, mit einer Haltung und Miene, welche die ehrerbietigſte Achtung verriethen. Worin lag dann der Zauber, vermöge deſſen dieſer ſonderbare Mann jederzeit einen Einfluß, dem ſich ſogar eine gewiſſe Furcht beigeſellte, über Alle errang, mit denen er in nähere Verührung kam? Das war ein Ge⸗ heimniß, das ſich mein Oheim nie zu erklären wußte, und deſſen Entdeckung mir ſelbſt erſt im ſpäteren Leben gelang. Theils wirkte er durch einen außerordentlich kräftigen Geiſt, theils, wenn ich den Ausdruck gebrau⸗ chen darf, durch eine Phyſiognomie des Benehmens, die am meiſten zu ſpotten ſchien, wenn er die größte Achtung zur Schau trug, und theils durch die Miene eines Men⸗ ſchen, der ſich nie ganz behaglich fühlte; nicht als ob er ſchüchtern, ohne Anſtand, oder auch nur ſchweigſam geweſen wäre— nein! es war eine nicht zu beſchrei⸗ bende Verlegenheit, wie wenn Jemand eine ihm zwar vertraute, aber nicht ganz angenehme Rolle ſpielte. Dieſe Verlegenheit war indeſſen hinreichend, um an⸗ ſteckend zu wirken und in Anderen jene Würde unſichet zu machen, die, ſeltſam genug, ihn nie verließ. Er war von niedriger Herkunft; aber weder Sprache, noch äußeres Auftreten verriethen ſeine Geburt. Stolz paßte zu ſeinem Geſichte beſſer als Vertraulichkeit— und ſeine Züge, ſtreng, nachdenklich, und trotz des Lächelns kalt in ihrem Ausdrucke, waren überraſchend gebieteriſch. Er war von etwas mehr als mittleret Größe, und wäre ſein Gliederbau nicht auffallend hart, ſtark und muskulös geweſen, ſo hätte der gänzlicht Mangel an allem überflüſſigen Fleiſche der dürren Knochengeſtalt den Anſchein einer beinahe geſpenſter⸗ artigen Magerkeit gegeben. Er war in Wirklichkeit nicht älter, als achtundzwanzig Jahre; aber ſeine hohe breite Stirne war ſo mit Linien und Furchen gezeich⸗ net, ſeine ſtalt ſo oh daß ſeine eines bede bis zum h Genauigke Andachtsü und Beſtre äußerlich e übrige deutungsv Rauchefau genannt he lehrſamkeit welche ſein ſeiner Ken ihm außer pa's, näml und die ſpe ſo deutlich er hatte ſie denen Vort ſondern er Er war in geachtet ſei unter ſeinet Orden Jeſt die beſten 2 kannt, hert reichen Eife rang, mit ar ein Ge⸗ ren wußte, eren Leben rordentlich uck gebrau⸗ hmens, die ßte Achtung eines Men⸗ icht als ob ſchweigſam zu beſchrei⸗ e ihm zwar lle ſpielte. d, um an⸗ rde unſicher ieß. er Sprache, ls mittleret fallend hart, r gänzlicht der dürren geſpenſter⸗ Wirklichkeit ſeine hohe, hen gezeich⸗ net, ſeine Miene ſo gelaſſen und ruhig, ſeine Ge⸗ ſtalt ſo ohne alle jugendliche Rundung und Elaſtizität, daß ſeine äußere Erſcheinung unwillkürlich den Eindruck eines bedeutend älteren Mannes machte. Enthaltſam bis zum habituellen Hungern, und bis zu mechaniſcher Genauigkeit regelmäßig in ſeinen häufigen und ſtrengen Andachtsübungen, war er innerlich den Vergnügungen und Beſtrebungen der Ingend ſo wenig ergeben, als er äußerlich etwas von deren Friſche und Blüte beſaß. übrigens war ſein Ernſt nichts weniger als der be⸗ deutungsvolle Schleier für Geiſtesſchwäche, welche Rauchefaucauld ſo glücklich, die Gleisnerei des Körpers“ genannt hat. Die Vielſeitigkeit und Tiefe ſeiner Ge⸗ lehrſamkeit hielt die Achtung vollkommen aufrecht, welche ſein Benehmen unmetklich einflößte. Nichts von ſeiner Kenntniß der todten Sprachen zu ſagen, waren ihm außer ſeiner eigenen auch die Hauptſprachen Euro⸗ pa's, nämlich die engliſche, die italieniſche, die deutſche und die ſpaniſche eigen, und er drückte ſich in denſelben ſo deutlich und fließend aus wie ein Eingeborener; und er hatte ſich nicht nur den Schlüſſel zu dieſen verſchie⸗ denen Vorrathskammern geiſtigen Reichthums errungen, ſondern er ſah ſich auch in dem Beſitze ihrer Schätze. Er war in St. Omer erzogen worden und hatte ſich un⸗ geachtet ſeiner Jugend einen nicht unbedeutenden Namen unter ſeinen Brüdern in dem glänzenden und berühmten Orden Jeſu verſchafft, aus welchem die ſchlimmſten wie die beſten Menſchen) welche die chriſiliche Welt je ge⸗ kannt, hervorgegangen find— der in ſeinem erfolg⸗ reichen Eifer für Kenntniſſe und Verbreitung geiſtigen 22 Lichtes der Nachwelt eine große Schuld der Dankbarkeit hinterlaſſen hat; der aber unglücklicher Weiſe gewiſſe ſcholaſtiſche Lehrſätze begünſtigte, die durch einen ſpitz⸗ findigen und zugleich verkehrten Verſtand leicht zu Sank⸗ tionirung der gefährlichſten und im höchſten Grade ſyſtematiſchen Immoralität verdreht werden können; und ſeinen Anhängern einen beinahe durchgängigen Haß zugezogen hat, den der hei weitem größere Theil derſelben nicht verdient. Montreuil's Name ſtand in einem ſo bedeutengen Rufe, daß, als er drei Jahre vor der Zeit, von welcht ich hier ſpreche, zu der Stelle gewählt wurde, die er in unſerer Familie einnahm, man es für uns für einen ebenſo glücklichen Umſtand hielt, einen ſo gelehrten und frommen Erzieher zu erhalten, als für ihn, in dem Hauſe eines Marſchalls von Frankreich und beſenderen Günſtlinges Ludwigs XIV. in ein ſo ſehr vertrautes Verhältniß zu gelangen. Es war äußerſt angenehm zu bemerken, welchen Einfluß er nach und nach über meinen Oheim gewant, ſo wie das ängſtliche Mißbehagen, das der gute Ritter ihm gegenüber empfand, aber zu verbergen ſich bemühte Vielleicht war dies die einzige Zeit in ſeinem Leben, in welcher Sir William Devereur zum Heuchler wurde Genng für jetzt von dem Prieſter— ich kehre zu ſeinem Amte zurück. Wir gingen zur Schule— unſer Abſchied von dem Oheime war ganz rührend— be⸗ ſonders der meinige.„Hör' einmal, Graf,“flüſterte e mir zu(ich führte den Titel meines Vaters),„hör einmal, glaube nicht, was Dir der alte Prieſter ſagl; ein Man ren der ſpielen. lies mein von dem Geiſt mi ſchmier e Gott ſeg mand, a Geſichte nicht zu Lebens iſ einzige 2 ſchreiben Dies beim Ab bunden: angeführ Bewerbet zu ſein. der Begr Fähigkeit Der, we! vollſtändi der Anſick wie Abu die Auſte durch G — In über China bankbarkeit iſe gewiſſe einen ſpitz⸗ t zu Sank⸗ en Grade n können; chgängigen ößere Theil edeutenhen — on welchhr e, die er in s für einen lehrten und n, in dem beſenderen vertrautes n, welchen im gewann, gute Ritter ch emühte 1Leben, in hler wurde ch kehre zu le— unſer rend— be⸗ flüſterte er ers),„hör rieſter ſagl; ein Mann von wahrem Witze braucht die muffigen Leh⸗ ren der Schulen nicht, um eine Rolle in der Welt zu ſpielen. Verkrüpple Deinen Geiſt nicht, guter Junge; lies mein Luſtſpiel und„den Mann nach der Mode“ von dem ehrlichen George Etherege; die werden Deinen Geiſt munter erhalten, wenn Du über dem alten Ge⸗ ſchmier einſchläfſt, vor welchem Homer früher einſchlief. Gott ſegne Dich, mein Kind— ſchreibe mir— Nie⸗ mand, auch Deine Mutter nicht, ſoll Deine Briefe zu Geſichte bekommen— und— und placke Dich doch ja nicht zu ſehr, mein guter Junge. Der Spiegel des Lebens iſt das beſte Buch— und der Mutterwitz, der einzige Diamant, mit welchem man leſerlich darein ſchreiben kann.“ Dies waren die Ermahnungen, die mir mein Oheim beim Abſchied gab; man muß geſtehen, daß ſie, ver⸗ bunden mit den mir zum Geſchenk gemachten, oben angeführten Luſtſpielen, ganz geeignet waren, einem Bewerber um akabemiſche Ehren von unenblichem Nutzen zu ſein. In der That ſtand bei Sir William Devereur der Begriff der damaligen Zeit ungeheuer feſt, als ſeien Fähigkeit und Inſpiration einerlei Ding, und als könne Der, welcher nicht gänzlich müßig gehe, unmöglich ein vollſtändiges Genie ſein. Ich glaube wirklich, daß er der Anſicht war, die Weisheit gelange zu ihren Schätzen, wie Abu Seid Haſſan“ einige chineſiſche Philoſophen die Auſtern zu den Perlen kommen läßt— nämlich durch Gähnen! * In ſeinem Commentar zu dem Berichte zweier Reiſenden über China. — 24 Drittes Kapitel. Eine Veränderung im Benehmen und Charakter— Schlimme Neigungen bringen bisweilen eine gute Wirkung hervor, und im Gegentheile iſt bei einer Aenderung zum Beſſeren in dem Betragen nicht ſelten etwas Verderbliches der Seele mit Urſache; denn die Gefühle ſind ſo miteinander verbunden, daß wir bei Unterdrückung der anderen unangenehmen Empfindungen oft auch diejenigen unterdrücken, welche an ſich liebenswürdig ſind. Mein Zwillingsbruder Gerald war ein ſchlanker, ſtarker, hübſcher Junge, voll Eifer für die orthodoren akademiſchen Studien und von außerordentlich ſchneller Faſſungskraft. Nichts deſto weniger war er von Natur in Allem, was ſeinem Geſchmacke nicht zuſagte, läſſig, liebte das Vergnügen, und neben vielem perſönlichen Muthe ging ein gewiſſer Zug von Unentſchloſſenheit hin, der es einem kalten und entſchloſſenen Geiſte leicht machte, ihn einzuſchüchtern und zu überreden. Auch kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, daß, ſo tüchtig er war, dieſer ſeiner Geſchicklichkeit doch wahre Tiefe abging, und daß ſein Talent von jener mechani⸗ ſchen, ſchnell faſſenden Art war, die Wunderknaben, aher nur mittelmäßige Männer macht. In jeder andern Familie hätte er für die Schönheit gegolten, — in der unſrigen galt er für das Genie. Mein jüngſter Bruder, Aubrey, war, was den Geiſt ſowohl, als den Körper betrifft, ganz anderer Art nach⸗ denklich, ſanft, empfindlich, ſcharfſinnig, hatte er einen unſicheren, gleichſam weiblichen Muth und eine Neigung zum Leſen, die mit der Laune jeder Stunde wechſelte. Er war der Schönſte von uns Dreien und der Liebling meiner A tadelloſe de la Tiſſ ſechstauſi könne; 1 Pagen at dem Tau Son ſchienen ſ zu ſein; wir über theilen, 1 urtheilen unter All dies am r aufgezoge Ich! nicht zug wenig bei nerungen alles And befeſtigen denbock de Schlimme rvor, und nin dem it Urſache; ß wir bei en oft auch g ſind. chlanker, thodoren ſchneller n Natur ,läſſig, ſönlichen heit hin, te leicht Auch daß, ſo ch wahre mechani⸗ rknaben, In jeder zegolten, en Geiſt rt nach⸗ er einen Neigung echſelte. Liebling meiner Mutter. Ich habe in der That nie ein ſo voll⸗ kommenes, blühendes und doch in ſeiner Schönheit ſo zartes Geſicht bei einem Manne geſehen, wie bei Aubrey Devereur. Weiche, glänzende, ſich zu Locken kräuſelnde Haare fielen in dunkler Fülle über eine Stirne, weißer wie Marmor; ſeine Augen waren ſchwarz und zärtlich wie die einer Georgierin; ſeine Lippen, ſeine Zähne, der Umriß ſeines Geſichtes— Alles war von weiblicher, tadelloſer Art; ſeine Hände hätten die von Madame de la Tiſſeure beſchämt, deren Liebhaber jedem Europäer ſechstauſend Mark bot, der ihren Hanbſchuh anziehen könne; um ſeiner Geſtalt willen hätte Titania ihren Pagen aufgegeben, und der König ver Elfen wäre mit dem Tauſche nichts weniger als zufrieden geweſen. So waren meine beiten Brüder, oder vielmehr ſo ſchienen ſie mir(was ihre geiſtigen Eigenſchaften betrifft) zu ſein; denn es iſt eine eigenthümliche Thatſache, daß wir über nahe Verwandte nie mit der Sicherheit ur⸗ theilen, mit welcher uns die Weltkenntniß Andere be⸗ urtheilen läßt; und ich berufe mich auf Jeden, ob nicht unter Allen, von welchen er unrichtig aufgefaßt wurde, dies am meiſten von Denjenigen geſchah, mit welchen er aufgezogen wurde. Ich hatte Aubrey immer geliebt, aber man hatte nicht zugegeben, daß er mich liebte; und wir waren ſo wenig beiſammen geweſen, daß uns keine von den Eein⸗ nerungen aus unſerer Kindheit blieb, die mächtiger als alles Andere im ſpäteren Leben die gegenſeitige Neigung befeſtigen und ſänftigen. In der That war ich der Sün⸗ denbock der Familie. Was ich in früheſter Kindheit ge⸗ weſen, kann ich nicht ſagen— aber noch ehe ich zehn Jahre alt war— war ich der Gegenſtand des Verza⸗ gens und ſchlimmer Ausſichten für meine Verwandte. Mein Vater ſagte, ich habe über la glorie et le grand monarque gelacht, als er mir zum erſtenmale den Werth von jenem und die Größe von dieſem auseinander zu ſetzen verſucht. Die Gräfin ſagte, ich habe weder das Auge meines Vaters, noch ihr Lächeln— ich ſei lang⸗ ſam im Lernen und vorſchnell mit meiner Zunge, und in dem ganzen Hauſe war das Lieblingsthema: meine außerordentliche Rohheit und meine giftigen Antworten. Montreuil theilte bei ſeinem Eintritte in unſere Fa⸗ milie nicht nur die herrſchende Gefinnung gegen mich, ſondern begünſtigte und näherte dieſelbe auch; ob in Folge des ſeiner Gemüthsart ſo angenehmen Syſtems Divide et impera, oder aus bloßer Liebe für Einmi⸗ ſchungen und Intriguen, welche ihm, wie Alberoni, eben ſo in kleinen, wie in großen Kreiſen anklebte, war da⸗ mals nicht ganz augenſcheinlich; nur ſo viel war gewiß, daß er die Uneinigkeiten anfachte und den Bruch zwiſchen meinen Brüdern und mir erweiterte.— Ach! nach Allem glaube ich, daß mein Verbrechen in meiner Auf⸗ richtigkeit beſtand. Ich hatte einen freimüthigen Geiſt, den keine Furcht bändigen konnte, und für jede Züchti⸗ gung meiner Knabenſtreiche rächte ich mich dadurch, daß ich die Wahrheit über meine Beſtrafer ſagte. Sprecht mir nicht von dem Schmerz, den ungegründete Ver⸗ leumdung verurſacht; nichts iſt der feinen Haut der Eitelkeit ſo zum Tod empfindlich, als die Berührung mit einer rauhen Wahrheit! Als freute m tereien g Glauben und ſati war wit daß ich — das Ungerec mich böſ gend de bung ſich nur zuſa Beſchau zuvor ve Mit unverſöh und ſtär tung zu geburt Anſprüc machen, gründete ſten, da Nichts u einen ti allen Er in ihren wir gew beiden G ich zehn Verza⸗ wandte. e grand nWerth mder zu eder das ſei lang⸗ ge, und meine tworten. ſere Fa⸗ en mich, ob in Syſtems Einmi⸗ ni, eben war da⸗ r gewiß, zwiſchen h! nach ter Auf⸗ n Geiſt, Züchti⸗ dadurch, Sprecht te Ver⸗ at eder ung mit Als ich älter wurde, erkannte ich meine Macht und freute mich derſelben; und da ich wegen meiner Spöt⸗ tereien gezankt wurde, ſo ſchmeichelte ich mir mit dem Glauben, ich ſei witzig; ſo witzelte und ſcherzte, hechelte und ſatiriſirte ich, bis ich Anderen ebenſo zur Qual war wie mir ſelbſt. Das Geheimniß von all dem war, daß ich mich unglücklich fühlte. Niemand liebte mich — das fühlte ich in der Tiefe meines Herzens. Die Ungerechtigkeit ſah ich ein, und dieſes Bewußtſein machte mich böſe. Unſere Gefühle gleichen beſonders in der Ju⸗ gend dem Blatte, das nach einer alten Reiſebeſchrei⸗ bung ſich in der Wärme ausdehnt, im Froſte aber nicht nur zuſammenſchrumpft und ſich ſchließt, ſondern dem Beſchauer an ſeiner Rückſeite auch Dornen zeigt, welche zuvor verſteckt geweſen. Mit meinem Bruder Gerald lebte ich in tödtlichem, unverſöhnlichem Streite. Er war viel ſtämmiger, größer und ſtärker als ich; und weit entfernt, mir mit der Ach⸗ tung zu begegnen, welche nach meiner Anſicht der Erſt⸗ geburt gebührte, ergriff er jede Gelegenheit, meine Anſprüche zu verlachen und die ſeinigen geltend zu machen, welche ſich auf größere Kraft und Rüſtigkeit gründeten. Wir ſchlugen uns dergeſtalt mit den Fäu⸗ ſten, daß es eine Freude geweſen ſein muß, zuzuſehen. Nichts unter den menſchlichen Leidenſchaften geht über einen tiefgefühlten Bruderhaß! Meine Mutter ſagte allen Ernſtes, daß ſie oft gefühlt, wie wir uns ſchon in ihrem Schvoß gebalgt haben; wenigſtens verloren wir gewiß keine Zeit, ſobald wir außen waren. Meine beiden Eltern ärgerten ſich im Stillen, daß ich eine Stunde früher zur Welt gekommen als mein Bruder; und Gerald ſelbſt ſah es als eine Art von Betrug— eine Art Prellerei an, durch die er des Vorrechtes der Erſtgeburt verluſtig gegangen. Dies wucherte ſehr frühe in ſeinem Herzen, und er wurde ſo ſehr vor mir be⸗ vorzugt, daß meine guten Eltern, ſtatt dieſe ſeine ſo unſelige Empfindung auszurotten, ſich kein Gewiſſen daraus machten, meine frühere Geburt zu beklagen. Ich glaube, der wahre Grund, weßhalb wir dem häus⸗ lichen Unterrichte des Abbe(der ein ausgezeichneter Leh⸗ rer war) entzogen und nach der Schule geſchickt wurden, lag allein darin, damit mein Oheim nicht mehr Alles zu meinen Gunſten entſcheiden könne. Montreuil be⸗ gleitete uns indeſſen in unſere Anſtalt und blieb die drei Jahre bei uns, während wir den Segen der Erziehung in uns zu vervollkommnen ſuchten. Am Ende des zweiten Jahres wurde demjenigen ein Preis ausgeſetzt, der eine ſehr ſtrenge Prüfung am beſten beſtehen würde; zwei Monate, ehe dieſelbe ſtattfand, gingen wir auf wenige Tage nach Hauſe. Nach Tiſche forderte mich mein Oheim zu einem Spaziergange mit ihm in dem Parke auf. Ich gehorchte; wir ſchlenderten das Ufer eines Baches entlang, der den Anlagen zur Zierde gereichen ſollte. Hier brach mein Oheim zum erſtenmale das Schweigen. „Morton,“ ſagte er mit einem Blicke auf ſein linkes Bein,„Morton— laß ſehen— Du biſt jetzt in einem verſtändigen Alter— mindeſtens Vierzehn.“ „Fünfzehn, wenn Sie erlauben, lieber Oheim,“ ſagte ich und richtete mich zu meiner ganzen Höhe auf. meine Bruder; — chtes der ehr frühe mir be⸗ ſeine ſo Hewiſſen beklagen. m hãäus⸗ eter Leh⸗ wurden, hr Alles reuil be⸗ die drei rziehung igen ein m beſien inge mit „Em! mein Junge— und zudem iſt das eine herr⸗ liche Zeit im Leben. Dein Bruder Gerald iſt um zwei Zolle größer als Du.“ „Aber ich kann ihn dafür prügeln, Oheim,“ ant⸗ wortete ich mit rothem Kopfe und geballter Fauſt. Mein Oheim zerknitterte ſeine rechte Manchette. „Zum Teufel, Morton, biſt ein tapferer Kerl,“ ſagte er;„aber ich möchte, Du wäreſt weniger Held, und mehr Gelehrter. Ich möchte, Du könnteſt es ihm im Griechiſchen ebenſo zuvorthun wie im Boren. Ich will Dir erzählen, was der alte Karl ſagte,“ und mein Oheim verwandte die nächſte Viertelſtunde auf eine Ge⸗ ſchichte. Dieſe öffnete dem guten, alten Herrn das Herz— mein Lachen öffnete es noch mehr.„Hör' ein⸗ mal, Junge!“ ſagte er, plötzlich abbrechend, und faßte dabei liebreich mit feſtem Drucke meine Hand,„hör' einmal, Junge— ich liebe Dich— will verdammt ſein. Ich liebe Dich mehr, als Deine beiden Brüder und die⸗ ſen Murrkopf von einem Pfaffen obendrein; aber was ich von Dir hören muß, thut mir in der Seele wehe. Sie ſagen, Du ſeieſt der trägſte, verworfenſte Junge in der Schule— Du ſchlageſt Deinen Bruder Gerald immer und macheſt gemeine Späße über Deine Mutter, oder mich ſelbſt.“ „Wer ſagt das? wer wagt das zu ſagen?“ rief ich mit einem Nachvruck, der einen weniger unerſchrockenen Mann, als Sir William Devereux, entſetzt haben würde. „Sie lügen, Oheim, bei meiner Seele, ſie lügen. Faul bin ich— ausgelaſſen vielleicht— die Streitigkeiten mit meinem Bruder geſtehe ich ſelbſt zu; aber einen Scherz über Sie vder meine Mutter— nie— nie. Nein, nein, ſchlüfſel, und vollends über Sie, der Sie ſo gütig gegen mich Eine Au geweſen— den Einzigen, der es immer war! Nein, ein Geh nein; glauben Sie nicht, daß ich ein ſolcher Böſewicht Stelle in ſein könne,“ und während ich ſo ſprach, ftürzten mir deren Lö die Thränen aus den Augen. Mein guter Oheim war außerordentlich ergriffen. „Siehe, Kind,“ ſagte er,„ich glaube ihnen nicht. Hol' mich der Teufel, kein Wort— ich möchte Dir jetzt gern einen guten Spaß von Sedley erzählen, meiner Treu, ich möchte gern, aher ich bin jetzt in der That zu weich. Will Dir ſagen, Junge, will Dir ſagen, was Du thun mußt; jetzt gibt's bald eine Prüfung in der Schule— he 7— gut, der Abbe ſagt mir, Gerald werde höchſt nichts Ge wahrſcheinlich der Erſte, Du der Letzte werden. Jetzt, Stand ſetz Morton, mußt Du Deinen Bruder ausſtechen und den ein Knabe Jeſuiten beſchämen. Da— das iſt meine Anſicht— oben ſagte trockne Deine Thränen, Junge, dann will ich Dir den dien— 1 Spaß von Sedley erzählen: Eines Tages in dem Maul⸗ ſonbers be beergarten——“ und der Ritter erzählte ſeine in unſere Geſchichte. wußte, de Ich trocknete meine Thränen— drückte meinem derter wa Oheime die Hand— machte mich, ſobald ich konnte, bis jetzt b. von ihm los— eilte auf mein Zimmer und überließ nie daran mich meinen Betrachtungen. an welcher Wenn mein Oheim mir mit ſo vieler Gutmüthigkeit k zu wetteif vorſchlug, Gerald in der Prüfung hinter mir zu laſſen, nie hoffen ſo ſchien ihm Nichts leichter,— es freute ihn der Ge⸗ dem„Gen vanke, daß ich mehr Talent, als mein Bruder habe, und Jetzt ka Talent war nach ſeiner Anſicht der einzige Univerſal⸗ mit eiferſi n, nein, en mich Nein, öſewicht zten mir rgriffen. ht. Hol' etzt gern er Treu, u weich. Du thun — de höchſt . Jetzt, und den meinem h konnte, überließ 31 ſchlüſſel, um jede Wiſſenſchaft damit aufzuſchließen. Eine Aufgabe im Euklid oder eine Stelle im Pindar, ein Geheimniß in der Aſtronomie, oder eine verwickelte Stelle in den Kirchenvätern waren lauter Räthſel, mit deren Löſung der Fleiß nichts zu thun hatte. Der Mutterwitz war eine koſtbare Art Talisman, der jedes Geheimniß auf den erſten Blick durchſchauen konnte,— und alle Gaben der Erkenntniß kamen nach ſeiner An⸗ ſicht, wie Leſen und Schreiben nach der Meinung des weiſen Dogberry,„aus den Händen der Natur“. Ach! ich befand mich nicht in verſelben angenehmen Täuſchung; ich überſchätzte die Schwierigkeit meiner Aufgade, als daß ich ſie zu nieder anſchlug, und glaubte anfangs, nichts Geringeres als ein Wunder könne mich in den Stand ſetzen, meinen Bruder zu übertreffen.— Gerald, ein Knabe von angeborenem Talent und, wie ich ſchon oben ſagte, von großem Fleiße in den orthodoxen Stu⸗ dien— überdies durch den Unterricht Montreuils be⸗ ſonders begünſtigt— hatte lange für den beſten Schüler in unſerer kleinen Welt gegolten, und wenn ich auch wußte, daß ich in einigen Zweigen des Wiſſens bewan⸗ derter war, als er, ſo hatte ich doch, da mein Ehrgeiz bis jetzt bloß auf körperliche Kämpfe gerichtet geweſen, nie daran gevacht, ihm einen Ruhm ſtreitig zu machen, an welchem mir wenig lag, und mit ihm in einer Sphäre zu wetteifern, in der ich, wie man mir frühe geſagt, nie hoffen könne, eine vortheilhafte Vergleichung mit dem„Genie“ der Devereur aushalten zu können. Jetzt kam ein neuer Geiſt über mich— ich prüfte mich mit eiferſüchtiger, unparteiiſcher Genauigkeit— ich wog meine Kenntniſſe gegen diejenigen meines Bruders ab— rief die ungebrauchten, mir beinahe unbewußten Schätze aus ihren geheimen Schlupfwinkeln hervor, die ich von Zeit zu Zeit in meiner geiſtigen Rüſtkammer niederge⸗ legt hatte, um dort zu ſchimmeln und zu roſten. Ich überblickte ſie mit der Empfindung, daß ſie noch zu nütz⸗ lichem Gebrauche zugerichtet werden können, und ebenſo einerſeits von dem Reize des Ehrgeizes, andererſeits von dem Haſſe angeſpornt— erhob ſich mein Gemüth von der Troſtſoſigkeit zum Zweifel, vom Zweifel zur ſangui⸗ niſchen Hoffnung. Ich ſagte Niemandem etwas von meinem Plane— meinem Oheime nöthigte ich das Ver⸗ ſprechen ab, denſelben nicht zu verrathen— ich ſchloß mich in mein Zimmer ein— ich ſchützte eine Unpäßlich⸗ keit vor— ich ſah Niemanden, ſelbſt den Abbe nicht— wies ſeinen Unterricht zurück, denn ich betrachtete ihn als meinen Feind, und brachte die zwei Monate vor meiner Prüfung Tag und Nacht in einer unaufhörlichen Anſtrengung zu, deren ich mich früher gar nicht fähiz gehalten hatte. Obwohl nicht aufmerkſam auf die Schulübungen, war ich doch nie ganz müßig geweſen. Tiefere Studien zog ich den abgedroſchenen Schulgegenſtänden vor, und wirklich hatten wir während unſerer früheren Jahre vurch den Abbé eine ſo ausgedehnte und gründliche Be⸗ lehrung erhalten, daß es für Jeden von uns beinaht unmöglich geweſen wäre, allen Geſchmack an geiſtigen Beſchäftigungen zu verlieren. Ich ſah voraus, daß bei der Prüfung Vieles, was ich mir früher zu eigen ge⸗ macht, mit Vortheil zu entwickeln ſein werde— manches an einen T ſogar in d keit gerecht Der T ganze Adel zugegen. 2 Abbe an m „Unda ein— ich ders Aubr hinſichtlich „Er ko ſanfte Silb ihn ein, lie „Geht ſeid Beide um meine e leicht habt Bulwer ders ab— en Schätze die ich von niederge⸗ ten. Ich ch zu nütz⸗ ind ebenſo rſeits von müth von ur ſangui⸗ twas von das Ver⸗ ich ſchloß inpäßlich⸗ nicht— ichtete ihn nate vor fhörlichen icht fähig lübungen, Studien vor, und en Jahre liche Be⸗ s beinahe geiſtigen eigen ge⸗ manches 33 Geheimniß, manches verborgene Wiſſen von den Sitten und Gebräuchen der Alten, ſowie von Derer Literatur, zu deren Erlangung mich die Neugierde geführt hatte, und die, wie ich wußte, nie in die Köpfe derjenigen gekommen waren, welche, zufrieden mit ihrem Ruhme in der gewöhnlichen akademiſchen Routine, ſich nie träu⸗ men ließen, auf minder betretenen Pfaden des Wiſſens zu wandern. Zum Glück für mich war Gerald überdies ſeines Erfolges ſo gewiß, daß er in der neueſten Zeit jede Sorge, ſich deſſelben zu vergewiſſern, fahren ließ, und da keiner unſerer Schulgenoſſen die Eitelkeit hatte, an einen Wettkampf mit ihm zu denken, ſo ſchien er ſogar in den Augen des Abbeé wegen ſeiner Sorgloſig⸗ keit gerechtfertigt. Der Tag kam. Sir William, meine Mutter, der ganze Adel der Nachbarſchaft waren bei der Prüfung zugegen. Wenige Stunden vor dem Anfange kam der Abbe an mein Zimmer; er fand die Thüre verſchloſſen. „Undankbarer Knabe,“ ſagte er,„laſſen Sie mich ein— ich komme auf das ernſte Verlangen Ihres Bru⸗ ders Aubrey, um Ihnen einige vorbereitende Winke hinſichtlich der Prüfung zu geben.“ „Er kommt wirklich auf meinen Wunſch,“ rief die ſanfte Silberſtimme Aubrey's in bittendem Tone;„laſſe ihn ein, lieber Morton, um meinetwillen.“ „Geht,“ rief ich bitter von innen,„geht— Ihr ſeid Beide meine Feinde und Verleumder— Ihr kommt, um meine Schande im Voraus zu verhöhnen; aber viel⸗ leicht habt Ihr Euch doch getäuſcht.“ Bulwer, Devereur. I. 3 „Sie wollen die Thüre nicht öffnen?“ ſagte der Prieſter. „Ich will nicht— geht!“ „Er will wirklich ſeine Familie beſchimpfen,“ ſagte Montreuil, ſich entfernend. „Sich ſelbſt wird er beſchimpfen,“ ſagte Aubreh niedergeſchlagen. Ich lachte höhniſch. Wenn überhaupt, ſo iſt das Bewußtſein der Kraft dann am angenehmſten, wenn man uns für ſehr ſchwach hält. Der größere Theil un⸗ ſerer Prüfung beſtand in der ſchriftlichen Beantwortung gewiſſer Fragen, welche man uns in den, dem großen Tage unmittelbar vorausgegangenen drei Tagen gegeben hatte; für dieſen letzten Tag war das ſogenannte Com⸗ poniren in gebundener und ungebundener Rede, ſowie die mündliche Prüfung in gewiſſen in die Augen fallen⸗ den, aber allgemein verſtändlichen Gegenſtänden vorbe⸗ halten. Als Gerald ſeine ſchriftliche Arbeit übergab und die mündlichen Fragen beantwortete, lief ein Geflüſter der Bewunderung und ängſtlichen Erwartung durch den ganzen Saal. Seine Geſtalt war ſo ſchön, ſein Be⸗ nehmen ſo anmuthig, ſeine Stimme ſo ſicher und klar, daß ſich eine allgemeine, lebhafte Theilnahme für ihn regte. Der Hauptlehrer lobte ihn öffentlich. Er bedauerte nur die Unvollkommenheit ſeines Zöglinges in gewiſſen, gleichwohl nicht unbedentenden Nebenpunkten. Nun kam die Reihe an mich, denn ich folgte in un⸗ ſerer Klaſſe gleich auf Gerald. Während ich die Halle hinaufging, blickte ich nach der Galerie empor, wo mein Oheim und ſeine Geſellſchaft ſaß. Ich bemerkte, vaß meir ſtreng, k Oheim le Federhut ſeinigen gefertigte haben un gnügen e geſammel Bei! in der N nach dure ich empo wandt, d wie mein ſeltſame kehrte mi der Haup Seite un Der lich nicht Einzelnhe merkſamk ſagte der fen,“ ſagte gte Aubrey ſo iſt das ſten, wenn e Theil un⸗ ede, ſowie gen fallen⸗ den vorbe⸗ bergab und n Geflüſter gdurch den „ ſein Be⸗ erund klar, me für ihn rbedauerte n gewiſſen, . lgte in un⸗ die Halle mpor, wo bemerkte, vaß meine Mutter auf den Abbe horchte, deſſen Blick ſtreng, kalt und verächtlich auf mir haftete. Aber mein Oheim lehnte ſich über das Geländer der Galerie, den Federhut in ſeiner Hand, den er, als mein Auge dem ſeinigen begegnete, freundlich ſchwenkte— wie wenn er mir vadurch ein Zeichen der Ermuthigung geben wollte. Dabei war ſeine Miene ſo gütig und liebevoll, daß ich meinen Schritt, als ich dem Conklave der Lehrer näher kam, ordentlich ſtolzer werden fühlte. „Morton Devereux,“ ſagte der Vorſteher der Schule, und die ruhige, laute, ernſte Stimme füllte den Saal, „wir haben Ihre, an den drei letztverflofſenen Tagen gefertigten ſchriftlichen Arbeiten durchgeſehen, und dieſe haben uns ebenſo mit Verwunderung wie mit Ver⸗ gnügen erfüllt. Antworten Sie uns jetzt ruhig und geſammelt.“ Bei dieſen Worten ließ ſich ein lautes Gemurmel in der Nähe meines Oheimes hören, das ſich nach und nach durch den ganzen Saal verbreitete. Wieder blickte ich empor— das Antlitz meiner Mutter war abge⸗ wandt, das des Abbe undurchdringlich; aber ich ſah, wie mein Oheim ſich die Augen wiſchte, und fühlte eine ſeltſame Empfindung in meinen eigenen ſich regen. Ich kehrte mich eilig ab und überreichte mein Papier— der Hauptlehrer nahm es in Empfang, legte es auf die Seite und ſchritt zu der mündlichen Prüfung. Der Punkte kundig, in welchen Gerald wahrſchein⸗ lich nicht ganz feſt ſein würde, hatte ich jenen kleinen Einzelnheiten der Schulgelehrſamkeit beſondere Auf⸗ merkſamkeit gewidmet, und meine Vorſorge kam mir 36 jetzt ſehr zu ſtatten. Meine Prüfung war zu Ende— meine letzte ſchriftliche Arbeit geleſen. Ich verbeugte mich und kehrte an vas andere Ende des Saales zurück Ich war nicht ſo beliebt wie Gerald— ein dichter Haufen drängte ſich um ihn her; ich ſtand allein. Wie ich ſo mit übereinander gelegten Armen und einem Ge⸗ ſichte, das, wie ich wohl fühlte, wenig von meinen inneren Bewegungen verrieth, mich gegen eine Säule lehnte, begegnete mein Blick Gerald. Er war ſehr blaß, und ich konnte ſehen, wie ſeine Hand zitterte. Trotz unſerer Feindſchaft hatte ich Mitleid mit ihm. Die ſchlimmſten Leidenſchaften werden durch den Triumph ge⸗ mildert, und ich ſah voraus, daß der meinige nahe war. Die ganze Prüfung war vorüber. Jeder Knabe hatte ſie überſtanden. Die Lehrer zogen ſich einen Augenblick zurück— ſie erſchienen wieder und nahmen ihre Plätze ein. Der erſte Laut, den ich hörte, war mein eigener Name. Ich war der Sieger des Tages— ich war mehr — um hundert Noten war ich meinem Bruder voraus. Mein Kopf ſchwindelte— der Athem verließ mich. Ich habe ſeit jener Zeit manche Prüfungen im Leben be⸗ ſtanden, manche Triumphe erlebt, aber nie war ich ſo überwältigt wie in jenem Augenblicke. Ich verließ den Saal— ich hörte kaum den Beifall, von dem er wieder⸗ hallte. Ich eilte auf mein Zimmer und warf mich in einem wahnſinnigen Rauſche des Eutzückens auf das Bett, wie ſolches nur die Erwiderung der erſten Liebe ober die Befriedigung der erſten Eitelkeit gewähren kann. „ Ach! es verlohnte ſich, unſere Leivenſchaften auf⸗ zureizen, wenn es auch nur wäre, um das Vergnügen der Erim ſollte man als im Hi meines O unterbrack „Potz ein Kind, ner, das i ſein, um — ſiehe, lernen.„ Du, es guter Jun ehrliche G bildet, un man Dich ſagen:„ ker, das m Pob Fiſch dieſe Gel gemacht eines Tag teten auf meine Pe ich dachte K Wa aufziehen Burſche, u Ende— verbeugte einem Ge⸗ on meinen ine Säule ſehr blaß, tte. Trotz ihm. Die iumph ge⸗ nahe war. nabe hatte Augenblick hre Plätze in eigener war mehr er voraus. mich. Ich Leben be⸗ var ich ſo erließ den er wieder⸗ f mich in auf das ſten Liebe ren kann. ften auf⸗ ergnügen der Erinnerung zu genießen; jede heftige Aufregung ſollte man weniger im Gefühl der augenblicklichen Freude, als im Hinblick auf die Zukunft genießen— Der Tritt meines Oheims war das erſte, was meine Einſamkeit unterbrach.* „Potz Fiſch, Junge,“ ſagte er und weinte dabei wie ein Kind,„das iſt wackere Arbeit— hol' mich der Don⸗ ner, das iſt es. Ich möchte beinahe ſelbſt wieder Knabe ſein, um mit Dir wetteifern zu können— meiner Seel — ſiehe, was es hilft, das Leben ein wenig kennen zu lernen. Hätteſt Du mein Stück nicht geleſen, glaubſt Du, es wäre halb ſo gut gegangen?— nein, mein guter Junge, ich habe Dir Deinen Witz geſchärft. Der ehrliche Georg Etherege und ich— wir haben Dich ge⸗ bildet, und wenn Du einſt ein großer Mann wirſt, und man Dich fragt, wer Dich dazu gemacht, ſo wirſt Du ſagen:„„Das Stück meines Oheims““— heim Hen⸗ ker, das wirſt Du. Hör' mal, Junge— lach' nicht!— Potz Fiſch— will Dir eine Geſchichte erzählen, die für dieſe Gelegenheit ſo à propos kommt, als o' ſie dazu gemacht wäre. Rocheſter und ich und Sedley gingen eines Tages ſpazieren— und entre nous— wir war⸗ teten auf ein gewiſſes Rendezvous— hm!— ich für meine Perſon war ein wenig melancholiſch oder ſo, denn ich dachte an meine Kataſtrophe— das heißt, an die Kaſtrophe meines Stückes; und ſo ſagte Sedley, indem er Rocheſter zuwinkte,„„unſer Freund iſt traurig.““ —„„Wahrlich,““ ſagte ich, als ich ſah, daß ſie mich aufziehen wollten— denn Du weißt, es waren ſchlaue Burſche,„„wahrlich, kleiner Sid““(wir nannten den 38 Sedley Sid),„„Du irrſt Dich gewaltig;““— Du ſiehſt, Schatz 3 Morton, ich war ſo ſcharf gegen ihn, weil, wie Du wandern ſchon entbecken wirſt, wenn Du an den Hof kommſt, es De da nie anders gehen darf, als Wurſt wider Wurſt. Dann tretend, ſagte Rocheſter, mich ſchelmiſch anblickend, das Witzigſte, Liebe— was ich je gegen Sedley hörte— drei Wochen lang war„Wa es das gefeiertſte Bonmot am Hofe— er ſagte— nein, ſcheint Junge, potz Fiſch,— es war ſo beißend, daß ich es denheit! Dir nicht ſagen kann; meiner Treu, ich kann's nicht. Du habe Der arme Sid, wenn auch ein bischen boshaft, war er um dieſe doch ein guter Burſche— und jetzt iſt er todt.— Thut„Hi mir leid, daß ich ein Wort davon ſagte. Nun, ſieh' gung ut nicht ſo unbefriedigt drein, Junge. All das Salz von bruder der Geſchichte haſt Du ja doch. Und jetzt ſetz' Deinen neigte ſi Hut auf und komme mit mir. Ich habe für Dich die wie mic Erlaubniß erhalten, daß Du einen Spaziergang mit damals Deinem alten Oheim machen darfſt.“ und mic Als ich mich an jenem Abende auskleidete, hörte ich teſt? C ein leiſes Pochen an der Thüre, und Aubrey trat ein. ich dam Er näherte ſich mir ſchüchtern, ſchlang ſeine Arme um Ehe meinen Hals und küßte mich ſchweigend. Seit Jahren der Abl war mir kein ſolcher Beweis von Zärtlichkeit von ihm in dem zu Theil geworden; ſtumm und verwundert ſaß ich da. Schein Enblich ſagte ich mit dem höhniſchen Tone, den ich, wie—„Ki ich geſtehen muß, gewöhnlich gegenüber von Perſonen Freund annahm, von welchen Schlimmes zu denken ich ein Recht gethan, zu haben glaubte: laſſen e „Verzeihe mir, guter Bruder, eine ſo plötzliche An⸗ Liebe u derung muß etwas zu bedeuten haben Siehe Dich recht Bruder im Zimmer um und ſage mir je eher, je lieber, welchen M Du ſiehſt, „wie Du ommſt, es urſt. Dann lang war e— nein, daß ich es nn's nicht. ft, war er t.— Thut Nun, ſieh' s Salz von 6' Deinen ir Dich die rgang mit , hörte ich trat ein. Arme um eit Jahren t von ihm ſaß ich da. en ich, wie Perſonen ein Recht tzliche An⸗ Dich recht r, welchen Schatz Du gerne aus meinem Beſitze in den deinigen wandern ſehen möchteſt.“ „Deine Liebe, Morton,“ antwortete Aubrey zurück⸗ tretend, aber offenbar ſtolz, nicht erbittert;„Deine Liebe— ich verlange ſonſt nichts.“ „Wahrhaftig, lieber Aubrey,“ ſagte ich,„die Gunſt ſcheint etwas ſeichter Natur, da Dich Deine Beſchei⸗ denheit dieſelbe erſt ſo ſpät verlangen läßt. Ich meine, Du habeſt Dein Gemüth jetzt ſo einige Jahre gekräftigt, um dieſes Verlangen zu äußern.“ „Höre mich, Morton,“ ſagte Aubrey, ſeine Bewe⸗ gung unterdrückend;„Du biſt immer mein Lieblings⸗ bruder geweſen. Von unſerer früheſten Kindheit an neigte ſich mein Herz Dir zu. Erinnerſt Du Dich noch, wie mich einſt ein wüthender Stier verfolgte, und Du, damals erſt zehn Jahre alt, Dich ihm entgegenwarfſt und mich mit Gefahr Deines eigenen Lebens vertheidig⸗ teſt? Glaubſt Du, ich könne dies je vergeſſen— wenn ich damals auch noch Kind war?— nie, Morton, nie!“ Ehe ich antworten konnte, ging die Thüre auf und der Abbe trat ein.„Kinder,“ ſagte er, und das einzige in dem Zimmer brennende Licht warf ſeinen vollen Schein auf ſeine unbewegten, ſtarren, gebietenden Züge —„Kinder, ſeid, wozu Euch der Himmel beſtimmt— Freunde und Brüder. Morton, ich habe Ihnen Unrecht gethan, ich geſtehe es— hier iſt meine Hand; Aubrey, laſſen Sie Alles vergeſſen ſein, nur nicht Ihre frühe Liebe und die Hoffnung auf Auszeichnung, wozu Ihr Bruder jetzt berechtigt.“ Mit dieſen Worten legte der Prieſter unſere Hände 40 ineinander. Ich ſah meinen Bruder an, und mein Herz ſchmolz. Ich warf mich in ſeine Arme und weinte. „So iſt's recht,“ ſagte Montreuil, und betrachtele uns mit einer Art grimmiger Zufriedenheit; vann nahm er meinen Bruder am Arme, ſegnete uns Beide und führte Aubrey hinweg. Mit dieſem Tage begann ein neuer Abſchnitt in meinem Knabenleben. Ich wurde von jetzt an beſſer und ſchlimmer. Nachdem die Lernbegierde und ich nur einmal die Hände geſchüttelt, wurden wir vertraute Freunde. Bisher hatte ich mir etwas varauf zu Gute gethan, daß ich die Schwäche eines zarten Gliederbaues durch eine ungewöhnliche Fertigkeit in allen Leibesübun⸗ gen aufwog. Jetzt bemühte ich mich vielmehr, meinen geiſtigen Mängeln nachzuhelfen und wurde ordnungs⸗ liebend, ſleißig, ein Freund der Studien. So weit war Alles gut— als ich aber klüger wurde, wurde ich auch vorfichtiger. Aufrichtigkeit ſchien mir jetzt nicht mehr die erſte Tugend. Ich dachte, ehe ich ſprach, und nach⸗ kommende Gedanken änderten oft gänzlich das Weſen von dem ab, was ich ſagen wollte; kurz, meine Herren aus dem nächſten Jahrhundert, um Ihnen genau bie Wahrheit zu ſagen, der kleine Graf Devereur bekam etwas von einem Heuchler an ſich. Ein Weit Charakter Der Gerald wiederho Freundſe dieſer H ungeacht nicht un ſeiner ſe weßhalb uns kam. vermiede ſo entfer nien, w Beide und bſchnitt in an beſſer d ich nur vertraute f zu Gute iederbaues eibesübun⸗ r, meinen ordnungs⸗ dweit war de ich auch nicht mehr und nach⸗ das Weſen ne Herren genau die eur bekam 4¹ Viertes Kapitel. Ein Wettſtreit der Liſt und ein Freundſchaftsbündniß— Zwei Charaktere, die ſich gegenſeitig nicht kennen, und der Leſer um nichts klüger, als Jeder von ihnen. Der Abbe war jetzt beſonders höflich gegen mich. Gerald und ich mußten mit ihm frühſtücken, und er wiederholte uns, wie nichts ſo liebenswürdig ſei, als Freundſchaft unter Brüdern. Wir ſtimmten ihm in dieſer Hinſicht bei und wurden, wie alle Philoſophen, ungeachtet der Anerkennung dieſes oberſten Grundſatzes nicht um ein Haar verträglicher. Vielleicht war trotz ſeiner ſchönen Worte der Abbeé die wirkliche Urſache, weßhalb es nie zu einem herzlichen Verhältniſſe zwiſchen uns kam. Indeſſen rauften wir uns nicht mehr— wir vermieden einander und wurden am Ende ſo höflich und ſo entfernt von einander, wie jene mathematiſchen Li⸗ nien, welche ſich alle mögliche Mühe zu einer gegenſei⸗ tigen Annäherung zu geben ſcheinen und deßhalb ſich doch um kein Jota näher kommen. Oh! Höflichleit iſt die ſchönſte Erfindung für gegenſeitiges Mißfallen. Au⸗ hrey und jch waren unzertrennlich und Beide gewannen durch den Umgang. Ich wurde milder und er männlicher; ja, was mich betrifft, ſänftigte ſein liebevolles Gemüth die Satire des meinigen ſo ſehr, daß ich ſpäter ebenſo oft zu lächeln, als zu ſpotten wußte. Der Abbe übte fortwährend einen wunderbaren Ein⸗ fluß auf Aubrey aus; er hatte dem armen Knaben ſo viel von der jenſeitigen Welt vorgeſprochen, daß er allen Geſchmack an dieſer Welt verlor. Er lebte in beſtändiger Furcht vor der Sünde— er war wie ein Chemiker des Gewiſſens, der die geringſten Kleinigkei⸗ ten nach Skrupeln abwog. Spielen, Reiten, Laufen, einen Scherz belachen, ſich eine Melone ſchmecken laſſen, waren lauter Sünden, welche abgebüßt werden mußten, und ich ſah einſt, wie der vierzehnjährige Büßer(dafür, daß er dreiundzwanzig Kirſchen ſtatt achtzehn gegeſſen hatte) in der kälteſten Winternacht baarfuß und beinahe gänzlich nackt auf den Kaminplatten ſtand und aus Froſt, wie aus Andacht wie Eſpenlaub zitterte. Im Anfange ſuchte ich gegen die übertriebene Heiligkeit meines Bru⸗ ders anzukämpfen, als ich aber fand, daß meine Ermah⸗ nungen mit großem Widerwillen, ja mit einem gewiſſen Entſetzen aufgenommen wurden, ſo ließ ich denſelben nach ſeiner eigenen Weiſe glucklich ſein. Nur auf den Abbe blickte ich mit ſehr übelwollendem und eifer⸗ ſüchtigem Auge und prüfte die Gründe ſeiner Annähe⸗ rung an mich, während ich denſelben entgegenkam. Mein Argwohn gegen den Pfaffen wurde noch durch die Wahrnehmung verdoppelt, daß er je nach der Kenntniß, die er von unſeren Charakteren hatte, ſich verſchiedener Mittel zu Gewinnung unſeres Vertrauens zu bedienen ſchien. Auf meinen Bruder Gerald wirkte er bloß durch ſeine geiſtige überlegenheit, bald Ehrfurcht einflößend, bald überzeugend. Bei Aubrey benützte er den Aberglau⸗ ben. Mit mir ſprach er einerſeits weder von Reli⸗ gion, noch wandte er andererſeits Drohungen an, noch ſuchte er mich durch überzeugende Beweiſe zu irgend einem Schritte zu bewegen, den er von mir gethan wünſchte; Alles ſchien meiner Vernunft und meinem ſelbſt kat Weſen z tiſche Ta zu Theil Montreu Endl wir die( mir gega und ich Montreu verſank, Stillſchn „Bitt mit unſer Der ner ſchar tete trock „Me Leute ſeh Knabe a war wie ein Kleinigkei⸗ ten, Laufen, necken laſſen, den mußten, üßer(dafür, ehn gegeſſen und beinahe td aus Froſt, Im Anfange meines Bru⸗ eine Ermah⸗ em gewiſſen ch denſelben Nur auf n und eifer⸗ ier Annähe⸗ ntgegenkam. h durch die r Kenntniß, erſchiedener zu bedienen bloß durch einflößend, n Aberglau⸗ von Reli⸗ en an, noch zu irgend mir gethan nd meinem 43 Ehrgeize überlaſſen zu bleiben. Stundenlang konnte er ſich mit mir über die Welt und ihre Angelegenheiten un⸗ terhalten, über Höfe und Könige in einem leichten, un⸗ pedantiſchen Tone ſprechen, die Vortheile herausheben, wodurch ſich der Geiſt Macht und Herrſchaft über An⸗ dere erringt, und wenn ich je Luſt zeigte, über die menſchliche Natur, ſo weit ſie mir durch Lektüre bekannt war, zu ſpotten, ſo kam er meinem Spotte burch Er⸗ llärungen über die ihm durch Anſchauung bekannte Menſchheit zu Hülfe. Wir Beide, glaube ich(für mich ſelbſt kann ich ſtehen), ſuchten gegenſeitig unſer wahres Weſen zu durchdringen, und vielleicht iſt das diploma⸗ tiſche Talent, für welches mir nach Jahren einiger Beifall zu Theil wurde, in meinem kleinen Kriege mit Abbe Montreuil geweckt worden. Envlich kam der Vorabend des Tages, an welchem wir die Schule verlaſſen ſollten. Aubrey war eben von mir gegangen, um ungeſtört ſein Gebet zu verrichten, und ich ſaß allein neben meinem Kaminfeuer, als Montreuil leiſe hereintrat. Er ſetzte ſich neben mich und verſank, nachdem er nur guten Abend geſagt, in ein Stillſchweigen, das ich zuerſt brach. „Bitte, Abbe,“ ſagte ich,„haben unſere Jahre etwas mit unſerem Alter zu thun.“ Der Prieſter war an den eigenthümlichen Ton mei⸗ ner ſcharfſinnigen Bemerkungen gewöhnt und antwor⸗ tete trocken:„Im Allgemeinen iſt man dieſer Anſicht.“ „Meiner Treu,“ ſagte ich,„dann verſtehen die Leute ſehr wenig von der Sache. Heute bin ich noch als Knabe auf der Schuſe, morgen verlaſſe ich dieſelbe— eile nach der Stadt, werde bei Hofe vorgeſtellt— und ſiehe da! ich bin ein Mann; und dies Alles, ehe die Sonne ein halbes Dutzend Mal auf⸗ und untergeht! — deßhalb, ehrwürdigſter Vater, geht meine beſchei⸗ dene Anſicht dahin, daß ſich das Alter nach Erlebniſſen, nicht nach Jahren berechne.“ „Und macht Sie der Gedanke nicht glücklich, die Zeit der Knechtſchaft hinter ſich zu haben, und vor ſich die zahlloſen, blendenden Herrlichkeiten und Genüſſe der großen Welt zu ſehen?“ fragte Montreuil plötz⸗ lich, indem er ſein dunkles, durchbohrendes Auge auf mich heftete. „Ich bin mit mir noch nicht völlig im Reinen, ob ich mich glücklich fühle, oder nicht,“ erwiderte ich un⸗ bekümmert. „Das iſt eine ſonderbare Antwort,“ ſagte der Prieſter;„aber,“ ſetzte er nach einer Pauſe hinzu,„Sie ſind auch ein ſeltſanier Jüngling— ein Charakter, der einem Räthſel gleicht, iſt in Ihrem Alter ungewöhnlich und, verzeihen Sie mir, nicht liebenswürdig. Das höhere Alter, von Natur abſtoßend, bedarf einer Maske; und in jeder Stirnfalte können Sie irgenv einen An⸗ ſchlag verborgen ſehen; aber das Herz eines Jünglingt ſollte offen ſein, wie ſeine Miene! Indeſſen will ich Sie nicht mit einer Predigt beläſtigen— kommen wir auf etwas Anderes zu ſprechen. Sagen Sie mir, Mor⸗ ton, bereuen Sie, daß Sie in neuerer Zeit Ihre Auf⸗ merkſamkeit jenen ernſteren und mehr ſyſtematiſchen Studien zugewandt haben, durch die Sie ſich allein ſpäter Auszeichnung erwerben können?“ „Ne beugung ſchätzung Ein bendem er ſtand wohl ver tige Mi dem kleit er in tie Rappier ſtänden nachläſſit dann:„ Schule— Ich in welch wortete „Au geſtändni Anderer! „Ein mir, gla zuvorthu „Sie holte der Vergnüge genügen. der Sie! Ich tellt— und les, ehe die untergeht! eine beſchei⸗ Erlebniſſen, lücklich, die und vor ſich d Genüſſe treuil plötz⸗ s Auge auf Reinen, ob erte ich un⸗ agte der hinzu,„Sie arakter, der ngewöhnlich irdig. Dat iner Maske; einen An⸗ s Jünglings ſſen will ich ommen wit mir, Mor⸗ Ihre Auf⸗ ſtematiſchen ſich allein 45 „Nein, Vater,“ ſagte ich mit einer höflichen Ver⸗ beugung,„denn dieſer Wechſel hat mir Ihre Werth⸗ ſchätzung erworben.“ Ein Lächeln von eigenthümlichem, nicht zu beſchrei⸗ bendem Ausdrucke ſpielte um die Lippen des Prieſters; er ſtand auf, ging nach der Thüre und ſah, daß ſie wohl verſchloſſen war. Ich erwartete irgend eine wich⸗ tige Mittheilung, aber vergebens; der Abbe ging in dem kleinen Zimmer ſchweigend auf und ab, als wäre er in tiefes Nachdenken verſunken, bis er vor ein Paar Rappieren ſtehen blieb, die unter verſchiedenen Gegen⸗ ſtänden(Büchern, Papieren, Federbällen u. ſ. w.) nachläſſig in einer Ecke des Zimmers lagen, und ſagte dann:„Wie ich höre, ſind Sie der beſte Fechter auf der Schule— iſt dem ſo?“ „Ich glaube nicht, denn Fechten iſt eine Kunſt, in welcher mir Gerald beinahe gleichkommt,“ ant⸗ wortete ich. „Auch laufen, reiten, ſpringen Sie nach dem Zu⸗ geſtändniſſe Ihrer Kameraden beſſer, als irgend ein Anderer?“ „Ein adeliger Ruhm,“ erwiderte ich,„in dem es mir, glaube ich, nur der älteſte Sohn unſeres Jägers zuvorthut.“ „Sie ſind ein ſonderbarer junger Mann,“ wieder⸗ holte der Prieſter; keine Beſchäftigung ſcheint Ihnen Vergnügen zu machen, kein Sieg ihrer Eitelkeit zu genügen. Können Sie ſich gar keinen Triumph denken, der Sie wirklich erheben würde?“ Ich ſchwieg. 46 „Ja,“ ſagte Montreuil auf mich zutretend—„ja,“ Werkzeug ſagte er,„ich leſe in Ihrem Herzen und ich achte es; gewalt v — das ſind kleinliche Kämpfe und werthloſe Auszeich⸗ per Prieft nungen. Sie brauchen ein edleres Ziel und einen ruhm⸗ Sprache, volleren Lohn. Derjenige, deſſen Seele fühlt, daß ihm weſen, ar das Schickſal eine große, erhabene Rolle im Drama einem rul dieſer Welt aufbehalten hat, kann wohl gleichgültig auf deutend ic dieſe dürftigen Vorübungen gewöhnlicher Charaktere Pfade du herniederblicken.“ Ihren Be Ich ſchlug meine Augen auf, und als ich dem Blicke es je für des Prieſters begegnete, wurde ich unwillkürlich von Freundſch dem ſtolzen, ſtrahlenden Ausdrucke ergriffen, den Mont⸗ und eine reuil's Blick angenommen. Vielleicht war in meinem Ihrer Alt eigenen Blicke etwas ſeinem Weſen Verwandtes, den dürfen. 2 nachdem er mich mit einer größeren Zufriedenheit an⸗„Zwe geſehen, als er mich je zuvor gewürdigt hatte, faßte ich mir di er mich feſt beim Arm und ſagte:„Morton, Sie kennen gefallen mich nicht— viele Jahre habe ich Sie nicht gekannt Nutze mae 4½— dieſe Zeit iſt vorüber. Nicht ſobald traten Ihre Ta⸗ ſchaft ein lente hervor, als ich der Erſte war, welcher Ihrer Macht zeichneten huldigte— laſſen Sie uns fortan einander mehr ſein, Entzücken als wir bis jetzt geweſen— laſſen Sie uns nicht mehr Der Lehrer und Zögling— laſſen Sie uns Freunde ſein fort, und Glauben Sie nicht, daß ich Sie zu einem ungleichen dung hat Tauſche der Dienſtleiſtungen auffordere— Sie ſind tes Vertre der Erbe eines großen Vermögens und eines berühmten Ihnen Er Namens— ich erſcheine Ihnen vielleicht als ein un⸗ Rückſicht bekannter, würdeloſer Prieſter— aber der Wille des horſam ve Allmächtigen kann von dem Pferche und der Hütte des den Sie h Dorfbewohners eine Macht erſtehen laſſen, die als ſein ziehung ar — ja,“ h achte es; e Auszeich⸗ inen ruhm⸗ t, daß ihm m Drama hgültig auf Charaktere dem Blicke ürlich von den Mont⸗ in meinem dtes, denn enheit an⸗ te, faßte Sie kennen ht gekannt n Ihre Ta⸗ re Macht mehr ſein, nicht mehr unde ſein. ungleichen Sie ſind berühmten ls ein un⸗ Wille des Hütte des ie als ſein 47 Werkzeug ihren Fuß auf Secepter ſetzen und der Ober⸗ gewalt von Königen gebieten darf. Und ich— ich,—“ der Prieſter ſchwieg plötzlich, milderte die Wärme ſeiner Sprache, als ob er vächte, dieſelbe ſei nahe daran ge⸗ weſen, an Unbeſcheidenheit zu ſtreifen, und fuhr in einem ruhigeren Tone fort:„Ja, Morton, ſo unbe⸗ deutend ich Ihnen erſcheine, kann ich doch auf jedem Pfade durch dieſes verwickelte Labyrinth des Lebens Ihren Beſtrebungen von größerem Nutzen ſein, als Sie es je für die meinigen werden können. Mit meiner Freundſchaft biete ich Ihnen eine inbrünſtige Wärme und eine Energie der Macht, wie Sie ſolche in keinem Ihrer Alters⸗ und Standesgenoſſen zu finden hoffen dürfen. Nehmen Sie mein Anerbieten an?“ „Zweifeln Sie,“ ſagte ich mit Lebhaftigkeit,„daß ich mir die Dienſte eines Jeden, ſo wenig er mir auch gefallen und ſo werthlos er an ſich ſein mag, mir zu Nutze mache? Wie muß ich alſo um ſo mehr die Freund⸗ ſchaft eines durch Kenntniſſe und Verſtand ſo ausge⸗ zeichneten Mannes, wie Sie ſind, freudig begrüßen. Mit Entzücken nehme ich ſie an.“ Der Prieſter drückte meine Hand.„Aber,“ fuhr er fort, und ſah mir dabei feſt in's Auge,„jede Verbin⸗ dung hat ihre Bedingungen— ich verlange unbeding⸗ tes Vertrauen— und für einige Jahre, bis die Zeit Ihnen Erfahrung verliehen haben wird, erheiſcht die Rückſicht für Ihr eigenes Wohl, daß ich auch Ge⸗ horſam verlange. Nennen Sie irgend einen Wunſch, den Sie hinſichtlich weltlichen Emporkommens, in Be⸗ ziehung auf Reichthum, Ehrenſtellen, das Lächeln von Königen, Staatsämter haben mögen, und ich— ich— will mich verbürgen, dieſen Wunſch zu erfüllen. Nie hatte ein Fürſt des Morgenlandes unter den Schutz⸗ geiſtern und Genien einen ſo getreuen Diener, alz Morton Devereur in mir finden wird; aber fragen Sie mich nicht nach den Quellen meiner Macht— ſeien Sie zufrieden, wenn Ihnen durch deren Kanal der gewünſchte Erfolg zuſtrömt. Noch weniger fragen Sie mich, wem ich meinerſeits(und dies ſoll nur ſelten vorkommen) eine Gunſt von Ihnen verlange, zu welchem Zwecke, und nehmen Sie keinen Anſtand, ſich der Mittel zu bedienen, die ich Ihnen vorſchlagen werde. Sie ſcheinen betrof⸗ fen; ſind Sie mit dieſer Verſtändigung zwiſchen uns zufrieden, oder wollen Sie ſich dem Bunde wieder ent⸗ ziehen?“ „Mein Vater,“ ſagte ich,„in Ihrem Vorſchlage liegt genug, was mich betroffen machen kann; er gleicht gar ſehr dem, welchen der Alte vom Berge ſeinen Unter⸗ thanen machte, und es würde ſich nicht ganz mit meinen Neigungen vertragen, wenn man mich eines ſchönen Morgens aufforderte, ſo in der Stille eine geheime Hinrichtung zu vollziehen.“ Der Prieſter lächelte.„Mein junger Freund,“ ſagie er,„dieſe Zeiten find vorüber; weder Religion, noch Freundſchaft, verlangen von ihren Verehrern blutige Opfer. Seien Sie indeſſen ruhig; wenn ich je etwas von Ihnen verlange, was ſich nicht mit Ihrem Gewiſſen vertrüge, wäre es auch in dem unbedeutendſten Punkte, ſo weiſen Sie meinen Antrag zurück. Was ſagen Sie, nachdem ich dieſe Ausflucht zugeſtanden?“ „Daß Vater, ie Bedenkzei „So wieder Ih reich ab.“ „Nac gewiß wi hindern.“ Der als dieſes ſagte er, nichts mit wird mir Vielleicht geworden. Bulwer nmen) eine wecke, und bedienen, en betrof⸗ iſchen uns vieder ent⸗ Vorſchlage er gleicht nen Unter⸗ mit meinen es ſchönen e geheime ind,“ ſagte zivn, noch en blutige h je etwas Gewiſſen en Punkte, ſagen Sie, 49 „Daß ich ten Bund anzunehmen getenke; aber Vater, ich bin ein unentſchloſſener Menſch— ich muß Bedenkzeit haben.“ „So ſei es denn. Morgen, nachdem ich mein Amt wieder Ihrem Oheime übergeben, reiſe ich nach Frank⸗ reich ab.“ „Nach Frankreich!“ ſagte ich;„und wie dies 2— gewiß wird Sie der Krieg an der überfahrt ver⸗ hindern.“ Der Prieſter lächelte. Nichts mißfiel mir je mehr, als dieſes Lächeln des Prieſters.„Die Geiſtlichen,“ ſagte er,„find die Geſandten des Himmels und haben nichts mit den Feindſeligkeiten der Erde zu ſchaffen. Es wird mir nicht ſchwer werden, den Kanal zu paſſiren. Vielleicht werde ich einige Monate, vielleicht ein ganzes Jahr nicht zurückkehren; bis dahin laſſe ich Ihnen Zeit, ſich über die vorgeſchlagenen Bedingungen zu bedenken. Befriedigen Sie indeſſen meine Eitelleit dadurch, daß Sie meine Macht in Anſpruch nehmen; nennen Sie irgend einen Auftrag, den ich Ihnen in Frankreich be⸗ ſorgen ſoll.“ „Ich kann mich auf keinen beſinnen— voch, halt—“ und ich verſpürte eine gewiſſe Neugierde, die Macht, deren er ſich rühmte, auf die Probe zu ſtellen—„ich habe geleſen, Könige ſeien mit einem äußerſt nachgiebi⸗ gen Gedächtniſſe geſegnet und vergeſſen ihre Günſtlinge gänzlich, ſobald ihnen dieſelben nicht mehr von Nutzen ſein können. Sie ſehen vielleicht, ob der Name meines Vaters ein unbekannter am Hofe des großen Königs geworden. Ich geſtehe, daß ich gerne hierüber Aufſchluß Bulwer, Devereur. I. 4 bekäme, ſo wenig die Sache perſönliches Intereſſe für mich haben kann.“ „Genug, der Auftrag ſoll beſorgt werden. Und jetzt, mein Sohn, ſegne Sie der Himmel! und ſende She Ihnen viele ſolche Freunde, wie den demüthigen Prieſter, der, was auch ſeine Fehler ſein mögen, wenigſtens das Wir n Verdienſt hat, daß er Denjenigen, ſo er liebt, zu dienen reiſe Geiſ wünſcht.“ der, wie Mit dieſen Worten trat der Abbe aus der Thüre. war, und Ich verſank in Nachdenken, als ſeine Tritte allmählig unſerer Ki in meinem Ohr verhallten, und murmelte vor mich hin; frühe in d „Gut, gut, mein weiſer Mönch, das Spiel iſt noch dere ſchme nicht zu Ende; laßt uns doch ſehen, ob wir nicht mit gabe mirk ſechszehn Jahren gegen den dreißigjährigen Spieler die habe zu 2 Karten miſchen und ihn überliſten können. Doch mag Akabemie er es aufrichtig meinen, und ich glaube dies wirklich; glichen, u aber ich muß mich wohl umſehen, ehe ich einen Sprung obenhin be wage oder meine Handlungen ſolch geiſtiger Aufſicht zu wirken, überantworte. Gleichwohl, wenn es zum Schlimmſten Indeſſen 6 kommt, wenn ich dieſen Vertrag eingehe und betrogen ſere werde— wenn ich verführt vder blinblings in eine jene wir erfuhr Fallen gelockt würte, welche Prieſtertücke zuweilen der Reiz des T Ehre legt— nun, pann habe ich ja ein Schwert, das Guttheit . zu führen ich nie in Verlegenheit ſein werde, und dieſe! kn ſpätere kann ſeinen Weg ebenſo gut durch die Mönchskutte, als durch den Harniſch eines Kriegers finden.“ Man wird zugeben, daß ein junger Mann, der ſo ſchnell an ſein Schwert dachte, wohl würdig war, ein ſolches zu tragen. meinen Be ner Geſchi 2 es fällt, reſſe für Fünftes Kapitel. Ländliche Gaſtfreundlichkeit— Ein ungewöhnlicher Beſuch— Ein feiner Mann iſt nicht nothwendig ein Narr. Wir waren alle Drei(meine Brüder und ich) früh⸗ reife Geiſter. Unſer erſter Unterricht unter einem Manne, der, wie der Abbé, zugleich Gelehrter und Weltmann Thüre. war, und die größere Geſellſchaft, in welche uns von allmählig unſerer Kindheit an der Zutriit offen ſtand, weihten uns mich hin: frühe in die Sitten der großen Welt ein, und insbeſon⸗ liſt noch dere ſchmeichelte ich mir, daß eine ſchnelle Beobachtungs⸗ nicht mit gabe mir keinen geringen Vortheil durch die Erfahrneren pieler die habe zu Theil werden laſſen. Uberdies hatte unſere Doch mag Akademie mehr einem Collegium, als einer Schule ge⸗ wirklich glichen, und wir daſelbſt eine Freiheit genoſſen, die, n Sprung obenhin betrachtet, mehr für unſer äußerliches Auftreten r Aufſicht zu wirken, als unſere Sittlichkeit zu kräftigen verſprach. hlimmſten Indeſſen glaube ich nicht, daß die Letztere durch die un⸗ dbetrogen ſere zu geringe Einſchränkung litt. Tout au contraire, eine jenet wir erfuhren um ſo früher, daß die Sünde, ſobald ihr der weilen der Reiz des Verbotes genommen wird, keine ſo verlockende wert, das Gottheit mehr iſt, und unſere Irrthümer und Fehler und dieſe im ſpäteren Leben hatten ihren Urſprung gewiß nicht skutte, als in den uns auf der Akademie geſtatteten Freiheiten. Nothwendig mußte ich der Frühreife unſeres Geiſtes erwähnen, weil ſonſt Vieles in meiner Sprache und meinen Betrachtungen, wie es in dem erſten Buche mei⸗ ner Geſchichte enthalten iſt, dem zarten Alter, worein es fällt, nicht angemeſſen erſcheinen dürfte. Alles 5 m, ber ſo war, ein nähert ſich indeſſen ſo viel als möglich dem damaligen Zuſtande meines Geiſtes, und ich habe wirklich im ſpä⸗ teren Leben oft meine Eitelkeit durch den Gedanken ge⸗ kränkt, wie wenig der Lauf der Zeit meine Fähigkeiten gereift habe, und wie unbedeutend der geiſtige Gewinn meines Mannesalters ſein würde, hätte mir derſelb nicht etwas wie Zufriebenheit gebracht. Mein Oheim ſah auch noch in ſeiner Zurückgezogen⸗ heit ſo viele Gäſte bei ſich, als er aus„dem großen Haufen von Leuten, die ohne Sorgen leben,“ um ſich verſammeln konnte. Nachdem wir die Schule verlaſſen hatten und Männer geworden waren, entſchloß er ſich ſeine Gaſtfreundlichkeit über alle Maßen auszudehnen Seine Thüren ſtanden im buchſtäblichen Sinne offen, und da er, abgeſehen von ſeinen Weinen und ſeinen franzöſiſchen Koch, bei weitem die angeſehenſte Perſon in dem Diſtrikte war, ſo hielten es Viele von der gute Geſellſchaft Londons für keine zu große Ehre, dem rei⸗ chen Repräſentanten der Devereur die Auszeichnun ihres Umganges und ihres Lobes zu Theil werden z laſſen. Himmel! welch merkwürdige Beiſpiele von Hoß erziehung und Faltenſaum luden die Schwanenhalz⸗ kutſchen, gegen welche unſer Familienwagen wie ein vergoldete Schildkröte ausſah, paar und koppelweiſt in der großen Halle ab— während mein galanter Ohein in einer neuen Perüke und ein Paar Strümpfen mi ſilbernen Zwickeln(einem Geſchenke von einer ci-de- vant ſchönen Dame) an dem oberen Ende ſeiner Ge⸗ mäldegalerie ſtand, um ſeine Beſuche mit all dem A ſtande des vorigen Jahrhunderts zu empfangen. Mein halten ha und ſetzte eben erſt ſtaunen. ſtolzeren 2 war inde unſchuldig Leibchen r die letzte geweſen. ſie ſo war: dientenmä des einen Was 2 viel Glück tergrund Glücke als mehr als zu weibiſch die Herzog miges Geſ— flüſterte ſie Schauſpiel dies flößte damaligen ch im ſpä⸗ em großen „ um ſich le verlaſſen loß er ſich, szudehnen. inne offen, ſeinen nſte Perſor n der guten e, dem rei⸗ uszeichnunz werden en wie ein koppelweiſ nter Ohein ümpfen mil iner ci-de- ſeiner Ge⸗ all dem An gen. Meine Mutter, die ihre Schönheit wunderbar er⸗ halten hatte, ſaß in einem Stuhle von grünem Sammt, und ſetzte die Leute vom Hofe durch den Schnitt eines eben erſt in die Mode gekommenen Gewandes in Er⸗ ſtaunen. Die würdige Gräfin(ſie hatte in England den ſtolzeren Titel Madame la Maréchale wieber abgelegt) war indeſſen an jeder beabſichtigten Modeſucht ganz unſchuldig; denn das neue, in London ſo bewunderte Leibchen war einen Monat vor dem Tode meines Vaters die letzte Neuerung in dem Putze der Pariſer Damen geweſen. Iſt dieſe„Move“ nicht eine edle Gottheit, da ſie ſo warme Anhänger hat?— ein jämmerliches, be⸗ dientenmäßiges Weſen, das mit den abgelegten Flittern des einen Landes durch ein anderes dahinſtrotzt! Was Aubrey und Gerald betrifft, ſo machten ſie viel Glück— und ich wäre unwiderruflich in den Hin⸗ tergrund gedrängt worden, wäre ich nicht zum guten Glücke als älteſter Sohn geboren worden. Dies war mehr als hinreichend, um für meine perſönliche Ein⸗ fachheit zu entſchädigen, und als man vollends ent⸗ deckte, daß ich auch von Sir William vorgezogen wurde, ſo wurde ich ganz erſtaunlich hübſch. Man fand Aubrey zu weibiſch; Gerald zu groß. Und als mir eines Tages die Herzogin von Ohneland ein hageres, gelbes, grim⸗ miges Geſpenſt von Tochter auf jede Seite geſetzt hatte, flüſterte ſie meinem Oheime in dem„bei Seite“ eines Schauſpielers, das übrigens für das ganze Publikum berechnet iſt, zu, der junge Graf habe pas imponirendſte Air und die ſchönſten Angen, die ſie je geſehen. All dies flößte mir Muth ein, aber auch Verachtung; und da ich nicht nur meiner Erſtgeburt den Vorzug in der warteien ſchäftigt Geſellſchaft verdanken wollte, beſchloß ich, ſo liebens⸗ würdig als möglich zu werden. Hätte ich in der Eitel⸗ Karls S keit meines Herzens nicht auch zugleich den Entſchluß buchſtäbl gefaßt, nur ich ſelbſt zu ſein, ſo hätte mir das Schick⸗ Name de ſal in dem für erfolgreiche Nachahmung geeignetſten„Fliegen Alter ein bewundernswürdiges Vorbild zuzetheilt. heiten w Die Zeit verſtrich— zwei Jahre waren verfloſſen, mein Oh ſeit ich die Schule verlaſſen, und Montreuil war noch genommi antworte nicht zurückgekehrt. Ich war achtzehn Jahre vorüber, Ich verb als das ganze ungewöhnlich volle Haus, denn es wu Sommer, wo man glaubte, nur Katzen und Arzte ſeien ternd!“ von der Vorſehung mit der Gabe ausgeſtattet, in der kiker.„2 Start zu exiſtiren— als das ganze Haus, ſage ich„Der in ein wahres Erwartungsfieber verſetzt wurde. De der Polit Beſuch eines Gaſtes, wenn nicht von größerer Wich „ tigteit, doch wenigſtens von größerem Intereſſe al Alle, welche bis jetzt meinen Oheim beehrt hatten ſtellte eir war angekündigt. Selbſt der junge Graf mit den imponirendſten Air von der Welt, und den ſchön ſlen Augen, war, aufer von der Herzogin Ohnelah und ihren Töchtern, von Jedermann vergeſſen, welg eben wieder nach Devereur⸗Court gekommen waren, 1 ihre Bewunderung darüber auszudrücken, wie erſtau lich der Graf gewachſen ſei! Oh! welch ein Wund⸗ wäre menſchliche Gelehrſamkeit, wenn ſie mit einem genauen und anhaltenden Gedächtniß geſegnet win wie der menſliche Eigennutz. Betroffen über die allgemeine Aufregung, gingi um ihn nach dem Namen des zu meinem Oheime, g in der liebens⸗ per Eitel⸗ Entſchluß as Schick⸗ eignetſten heilt. verfloſſen, war noch e vorüber, nn es wn AUrzte ſeien et, in der , ſage ich urde. De erer Wich ntereſſe al hrt hatten f mit den den ſchön Ohnelan ſen, welch waren, un vie erſtau ein Wunde nit einem egnet wi ng, ging men bes 6 warteten Gaſtes zu fragen. Dieſer war eben damit be⸗ ſchäftigt, Lady Haſſelton, der Tochter einer von König Karls Schönheiten, zu fächeln. Er hatte nur Zeit, mir buchſtäblich und ohne Commentar zu antworten; der Name des Gaſtes war St. John. Nie hatte ich die „Fliegende Poſt“ſtudirt, und von politiſchen Angelegen⸗ heiten wußte ich nichts.„Wer iſt St. John?“ fragte ich; mein Oheim hatte ſeinen Dienſt als Zephyr wieder auf⸗ genommen. Die Tochter der Schönheit hörte mich und antwortete:„Der liebenswürdigſte Mann in England.“ Ich verbeugte mich und ging.„Wie ungesiein erläu⸗ ternd!“ ſagte ich. Ich begegnete einem glühenden Poli⸗ titer.„Wer iſt St. John?“ fragte ich. „Der gewandteſte Mann in England,“ erwiderte der Politiker, und eilte mit einer Flugſchrift in der Hand vorüber. „Nichts kann befriedigender ſein,“ dachte ich. Ich ſtellte einen Haſenfuß von der erſten Sorte:„Wer iſt St. John?“ fragte ich. „Der eleganteſte Mann in England,“ erwiderte der Haſenfuß und rückte ſeine Halsbinde zurecht. „Vollkommen verſtändlich!“ dachte ich bei vieſer Antwort; ſodann hielt ich einen Geiſtlichen von der Whigpartei an—„Wer iſt St. John?“ war wieder meine Frage. „Der ruchloſeſte Menſch in England!“ erwiberte der Whig, und ich konnte vor Erſtaunen nicht weiter fragen. Nach fünf Minuten hörte man in dem Hofe bas Rollen von Wagenrädern, dann einleichtes Geräuſch in der Halle; die Thüre des Vorzimmers wurde aufgeriſſen und Herr St. John trat ein. Er ſtand in des Lebens voller Blüte, war von mitt⸗ lerer Größe und von ſo außerordentlich edler Miene und Haltung, daß man erſt nach einiger Zeit von dem all⸗ gemeinen Eindruck ſeiner Perſon hinlänglich zu ſich ſelbſt kam, um deren einzelne Anſprüche auf Bewunderung zu prüfen. Indeſſen verlor er bei einem genaueren über⸗ blicke nichts; er hatte nicht nur ein ausgezeichnet ſchö⸗ nes, ſondern auch ein ſehr ungewöhnliches Geſicht. Hinter eitem gleichgültigen, ja ſogar bisweilen nach⸗ läſſigen Weſen, hinter einer Ungezwungenheit des Be⸗ nehmens, die bald zu weiblicher Weichheit herabſank, bald an unerlaubte Freiheit grenzte, ſchien ſein nach⸗ denkliches und doch unſtätes Auge zu bezeugen, daß ſein Geiſt ſich nur wenig um die augenblickliche Laune, oder jene Kleinlichkeiten des gemeinen Lebens kümmere, denen die Anmuth ſeines Benehmens einen ſo eigenthümlichen Reiz verlieh. Seine Brauen waren vielleicht etwas zu breit und dick für vollkommene Symmetrie, aber es laz darin der Ausdruck hoher, geiſtiger Kraft und Ent⸗ ſchloſſenheit. Seine Züge waren, obwohl zart, doch ſtolz, und ſein Mund, der geſchloſſen einen feſten, und beinahe ſtrengen Ausdruck annahm, ſänftigte ſich beim Sprechen zu einem Lächeln von beinahe magiſchem Zau⸗ ber. Reich, aber nicht übertrieben prächtig gekleidet, ſchien er dem Glanze im äußeren Auftreten eher zu hul digen als ihn zu verachten; und was nur bezaubern oder anziehen kann, ſchien dieſem ſonderharen Manne ſo eigen, daß, was hei Anderen höchſt gekünſtelt geſchienen hätte bei ihm treibung der gute als ein T So1 John; ei ſchaften e Bildung: chem mich rung geb Ich b ich beobac die ſich in gab, die g legenheit, denken ver Umgebung John mit auch den ſchien. S fernung. einen Sch ufgeriſſen von mitt⸗ Miene und n dem all⸗ ſich ſelbſt derung zu eren über⸗ chnet ſchö⸗ s Geſicht. eilen nach⸗ it des Be⸗ herabſank, ſein nach⸗ n, daß ſein aune, oder nere, denen thümlichen t etwas zu aber es lag und Ent⸗ zart, doch und te ſich bein iſchem Zau⸗ ig gekleidet, her zu hul mbern oder me ſo eigen, ienen hätte, 57 bei ihm ganz natürlich war; und ich kann ohne über⸗ treibung beifügen, daß bei ſeiner ſchönen Perſönlichkeit der gute Anzug nicht ſowohl ein Ergebniß der Kunſt, als ein Theil ſeines eigenen Selbſt zu ſein ſchien. So war die äußere Erſcheinung von Henry St. John; eine Erſcheinung, die vollkommen den Eigen⸗ ſchaften eines Geiſtes entſprach, der an Kraft wie an Bildung über jedem anderen Menſchen ſtand, mit wel⸗ chem mich die Wechſelfälle meines Lebens je in Berüh⸗ rung gebracht haben. Ich behielt den neuen Gaſt den ganzen Tag im Auge; ich beobachtete die Miſchung von Lebendigkeit und Milde, die ſich in ſeiner Aufmerkſamkeit gegen die Frauen kund gab, die geiſtige, aber durchaus nicht pedantiſche über⸗ legenheit, die er in ſeiner Unterhaltung mit Männern zeigte, ſein ehrerbietiges Benehmen gegen das Alter⸗ ſeine ungezwungene, und doch nicht zu familiäre Ver⸗ traulichkeit gegen die Jugend, und, was mehr als alles Andere meine Theilnahme erregt, die Wolke, die bis⸗ weilen über ſeinen Zügen ſchwebte, wenn er in Nach⸗ denken verſunken ſchien, das ſich nicht auf ſeine nächſte Umgebung bezog. Gerade vor dem Mittagmahl unterhielt ſich St. John mit einer kleinen Gruppe, welcher die Neugierde auch den vorerwähnten Geiſtlichen zugeſellt zu haben ſchien. Scheu und unbehaglich ſtand er in einiger Ent⸗ fernung. Einer aus der Geſellſchaft benützte eine für einen Scherz ſo günſtige Gelegenheit und machte eine witzige Anſpielung auf den Nebenſtehenden; Alle lach⸗ ten, St. John ausgenommen, der ſich plötzlich gegen den Pfarrer wandte und im ehrerbietigſten Tone einige Worte an ihn richtete. Und er hörte nicht auf, mit ihn zu ſprechen(ſo ermüdend die Unterredung auch geweſen ſein muß, denn nie gab es einen mißlaunigeren Geiſt⸗ lichen als jenen Herrn), bis wir zum Mittageſſen hin⸗ abſtiegen. Damals lernte ich zum erſtenmale, daß Fein⸗ heit des Benehmens nicht ohne eine Grundlage von Herzensgüte gedacht werden kann— und dann macht ich, als ich Lady Barbara Ohneland an der Spitz ihres Zeigefingers in die große Halle führte, noch ein andere Bemerkung. Als ich an dem Prieſter vorüber kam, hörte ich, wie er zu einem Collegen ſagte:„Wahr lich, er iſt der größte Mann in England,“ und i dachte im Stillen, keine Politik geht über Politeſſ und feines Benehmen iſt das beſte Mittel auf der Wel entweder einen guten Namen zu bekommen, oder de Mangel eines ſolchen unfühlbar zu machen. Sechstes Kapitel. Ein Geſpräch, das langweilig werden könnte, wenn es läuze dauerte. Drei Tage nach St. Johns Ankunft entſchlüpft ich dem Haufen der Zudringlichen, nahm einen Ban von Cowley und ſchlenderte in halb dichteriſcher, hal melancholiſcher Stimmung müßig in den Park. Ich ka an das Ufer des Baches und gerade an den Ort, woit Abends mit meinem Oheime geſtanden hatte, als dieſ zuerſt die Begierde in mir weckte, mit meinem Brute eher in geiſtigen als körperlichen Kämpfen zu wetteifen — 29 Leſen keir überließ tungen, Ichr Betrachtr rung an: auf und e „Ver „ich würd nicht Ihr den Mutl wenden.“ Cowley, hatte. „ Ja, neben mi Poeſie ur Cowley z wie Sie, von ihm „Sie wundere aber ich 1 Witzes un innert mi Se einen ſchö one einige f, mit ihm ch geweſen eren Geiſt⸗ geſſen hin⸗ daß Fein⸗ ndlage von inn macht der Spit „noch ein ervorübe e„Wahr „ und it r Politeſſ f der Wel er d enn es längt entſchlüpft einen Bau iſcher, hall rk. Ich ku Ort, wo it e, als dieß nem Brud u wetteifen 59 — Ich ſetzte mich am Ufer nieder, ſtützie, da ich zum Leſen keine Luſt hatte, meine Wange auf die Hand und überließ meine Gedanken als Gefangene den Betrach⸗ tungen, denen ich nicht widerſtehen konnte. Ich war, wie lange weiß ich ſelbſt nicht, in meine Betrachtungen verſunken, bis mich eine leichte Berüh⸗ rung an meiner Schulker aus denſelben weckte; ich ſah auf und erblickte St. John. „Verzeihen Sie mir, Graf,“ ſagte er lächelnd⸗ „ich würde Ihre Betrachtungen nicht geſtört haben, hätte nicht Ihre Vernachläſſigung eines alten Freundes mir den Muth gegeben, in ſeinem Intereſſe mich an Sie zu wenden.“— Und St. John deutete auf den Bind von Cowley, den er, ohne daß ich es bemerkt, aufgenommen hatte. „Ja,“ fuhr er fort und ſetzte ſich auf den Raſen neben mich,„in meinen jüngeren Tagen waren die Poeſie und ich beſſere Freunde als jetzt. Und hätte ich Cowley zum Gefährten gehabt, ſo würde ich mich nicht wie Sie, ſelbſt um meiner eigenen Gedanken willen, von ihm getrennt haben.“ „Sie bewundern ihn alſo?“ ſagte ich. „Nun, das iſt eine zu allgemeine Frage. Ich be⸗ wundere das Schöne an ihm, wie an jedem Anderen, aber ich habe ihn deßhalb wegen der Schärfe ſeines Witzes und ſeiner luſtigen Einfälle nicht lieber. Er er⸗ innert mich an das, was der Cardinal Pallamieino von Seneeca ſagte, nämlich, daß er ſeine Einfälle mit Zibet und Ambra parfümire. Gleichwohl, Graf, habe ich einen ſchönen Denukſpruch für Sie aufgeſchlagen: Hier laſſet ſorgenlos, gedankenlos mich liegen, Lauſchen der Winde ſanftem Hauch, Vor dem die üpp'gen Zweige all' ſich biegen, In denen Vögel ſich melodiſch wiegen; Und ich ſelbſt ſinge auch. Was ſagen Sie zu dieſem Wunſche? Wenn Sie ein Körnchen Poeſie in ſich haben, ſo ſollte es ein ſolcher Vers zum Blühen bringen.“ „Ach,“ antwortete ich, obwohl nicht ganz der Wahr⸗ heit gemäß,„ich beſitze dieſen Keim nicht. Vor vier Jahren habe ich ihn zerſtört. Dos Leſen von Dichter⸗ Dedikationen hat mich von der Liebe zur Poeſie geheilt. Wie Schade, daß die göttliche Begeiſterung ſolch ge⸗ meine Seelen zu ihren Orakeln haben muß!“ „Ja, und wie die guten Herren ſich Mühe geben, ſich ſelbſt zu erniedrigen. Ihr Genie zeigt ſich nie halb ſo ſehr in einem Gleichniſſe wie in einer Schmeichelei, und ich weiß nicht, was ich an Dryden mehr bewun⸗ dern ſoll, ſeine überſetzung der Aneide, oder den Auf⸗ trag an die Zeichner ſeines Titelkupfers(nach der Thron⸗ beſteigung des Königs Wilhelm), dem armen Aneas eine ungeheure Naſe zu geben.“ Ich lächelte über dieſe Anekdote, und St. John fuhr in ernſterem Tone fort: „Ich kenne in der Natur nichts Traurigeres als die Entdeckung irgend einer Niedrigkeit an einem großen Manne. Es findet ſich ſo ſelten Gelegenheit, die dürte Maſſe der Thorheiten und Irrthümer, aus welchen di Elemente dieſes Lebens zuſammengeſetzt ſind, zu löſen, daß jeder Gegenſtand der Liebe oder der Verehrunz gleichſam lich fühlen Zeit zur§ gen, unſer erniedrigt ſondern A iſt die Ze gleichen je beſchreibt Reife gedi fliegen dav jetzt noch zurück. Sy ten? Für Anziehende Lobreden, keit gelegt, en, en, n Sie ein ein ſolcher der Wahr⸗ Vor viet n Dichter⸗ ſie geheilt. ſolch ge⸗ ühe geben, ch nie halb hmeichelei, hr bewun⸗ den Auf⸗ der Thron⸗ Aneas eine St. John res als die em großen „die dürre welchen die , zu löſen, Verehrung 61¹ gleichſam ein Feſttag für das Gemüth wird. Schmerz⸗ lich fühlen wir, wenn wir älter werden, wie ſehr die Zeit zur Ruhe abgekürzt wird, und wie tief die weni⸗ gen, unſerer Bewunderung übrig gelaſſenen Gegenſtände erniedrigt werden. Welche Feindin nicht nur des Lebens, ſondern Alles deſſen, was daſſelbe erhebt und adelt, iſt die Zeit! Unſere Neigungen und unſere Freuden gleichen jenen fabelhaften Bäumen, welche St. Oderie beſchreibt— kaum ſind die Früchte, die ſie tragen, zur Reife gediehen, ſo verwandeln ſie ſich in Vögel und fliegen davon. Aber ſolche Betrachtungen können Ihnen jetzt noch nicht geläufig ſein. Kehren wir zu Cowley zurück. Sympathiſiren Sie mit ſeinen proſaiſchen Schrif⸗ ten? Für manche Gemüther haben dieſelben ſehr viel Anziehendes.“ „So auch für das meinige,“ antwortete ich;„aber freilich bin ich von Natur ein Träumer, und ein con⸗ templativer Egoiſt iſt für mich immer ein Spiegel, in welchem ich mich ſelbſt erblicke.“ „Die Welt,“ erwiderte St. John mit trübem Lächeln,„wird Ihren Geſchmack an Träumerelen bald entweder vernichten oder kräftigen; in jedem Falle wird Ihnen Cowley nicht weniger theuer werden. Aber Sie müſſen wie ich lange in der Hitze und Mühe des Ge⸗ ſchäftslebens oder des Vergnügens ſich herumgetrieben haben, um die ſchönen, auf die Einſamkeit Bezug habenden Lobreden, die vielleicht die ſchönſten Stellen in Cowley ſind, vollſtändig zu verſtehen. Ich habe oft gedacht, daß Derjenige, in welchen Gott die Liebe zur Einſam⸗ keit gelegt, gleichſam einen Sinn mehr als Andere habe. 62 Und in dem, was unſer Dichter ſo bereit die großen und edeln Geſtalten der Natur nennt, finden wir den Balſam für die Wunden, die wir unter den jämmer⸗ lichen Ränken der Politik ertragen haben; denn die Liebe zur Einſamkeit iſt das ſicherſte Schutzmittel gegen die übel des Lebens, und ich weiß nicht, ob die Römer je unter irgend einer Allegorie eine erhabenere Wahr⸗ heit eingeprägt haben, als durch Verbreitung des Glat⸗ bens, daß die von Feronia, der Göttin der Wälder unb Haine, Begeiſterten mit entblößten Füßen unverletz über glühende Kohlen gehen können.“ So weit war unſere Unterredung gediehen, als di Tiſchglocke durch die langen Alleen und über die ſtillen Waſſer tönte, und uns zu dem großen Geſchäfte de⸗ civiliſirten Lebens rief; wir ſtanden auf und ginge langſam nach dem Hauſe. „Langweilt und verdrießt Sie,“ ſagte ich,„dieſi regelmäßige Schlendrian kleiner Ereigniſſe— dieſe feier liche Reihenfolge unbedeutender Dinge nicht? Ich ſü meinen Theil ſehne mich faſt nach den alten Tage der irrenden Ritter und ließe mich beinahe lieber vn einem Rieſen auf den Kopf ſchlagen oder von einen Freif durch die Luft entführen, als daß ich in dieſen Kreiſe dumpfer Einförmigkeit— wie das Vieh in de Mühle, lebte.“ „Und: ſchmeicheln die unſere Galeriefen Deſtillierer ſchaft, mit arten, übe welche Fac S Wechſel der Helden Einen Kapitel ber meinem un zu reiſen; weſenheit n als wir ſchi dringenden von mir m zu benützen. Kaumt „Selbſt in unſern Tagen,“ erwiderte St. Johl auf; ich tre „können Sie ohne übertriebene Einförmigkeit leber leid es mir t Weiber und Politik bieten ein großes Feld zu Abes unterbrechen teuern, und Sie müſſen nicht jedes Leben nach de Plane, als Landlehen beurtheilen.“ Komödie ab die großen en wir den en jämmer⸗ z denn die nittel gegen die Römer nere Wahr⸗ g des Glau⸗ Wälder unb n unverletz en, als di r die ſtillen eſchäfte des und ginge ich,„dieſit dleſe feier Ich ſi Uten Tage e lieber vn von einen h in dieſen Vieh in do St. Johr igkeit lebe ld zu Aben n nach de 63 „Und nicht jede Unterhaltung,“ ſagte ich mit einem ſchmeichelnden Blicke,„nach den ſchalen Müßiggängern, die unſere Säle füllen. Sehen Sie, wie ſie jetzt in dem Galeriefenſter dort unten beiſammen ſtehen; kößeliche Deſtillierer des Geſpräches— Schildwachen der Geſell⸗ ſchaft, mit gleich einem Feldgeſchrei feſtſtehenden Redens⸗ arten, über welche hinaus ſie nie etwas reden; Weiſe, welche Face's Rath an Dapper befolgen: Summe dreimal und brumme eben ſo oft.“ Siebentes Kapitel. Wechſel der Ausſichten— Ein neuer Blick in den Charakter des Helden— Eine Unterredung zwiſchen zwei Brüdern. Einen oder zwei Tage nach dem im vorhergehenden Kapitel berichteten Geſpräche verließ uns St. John zu meinem unausſprechlichen Bedauern, um nach London zu reiſen; indeſſen hatten wir uns während ſeiner An⸗ weſenheit mehre Male mit einander unterhalten, und als wir ſchieden, geſchah dies von ſeiner Seite mit der dringenden Einladung, ihn in London zu beſuchen, und von mir mit dem aufrichtigſten Verſprechen, dieſelbe zu benützen. Kaum war er fort, ſo ſuchte ich meinen Oheim auf; ich traf ihn über einem Lußtſpiele Farghars. So leib es mir that, ihn in einem ſo ehrbaren Studium zu unterbrechen, war ich doch zu voll von meinem neuen Plane, als daß ich mich lange bedacht hätte, den der Komödie abzubrechen. Ich gab dem guten Ritter mit wenigen Worten zu verſtehen, ſeine Beſchreibungen haben mich angeſteckt, und ich ſterbe vor Begierde, mich von deren Wahrheit zu überzeugen; mit einem Worte, ſein hoffnunzsvoller Neffe ſei ernſtlich entſchloſſen, nach der Hauptſtadt zu reiſen. Erſt fuhr mein Oheim auf, dann fluchte er, ſchwieg hierauf, blickte auf ſein Bein, runzelte die Stirn, zog an ſeinem Strumpfe, pfiff und ſagte mir endlich, ich ſolle ein andermal davon reden Nun glaube aber ich für meinen Theil, daß es in der Welt nur zwei Gattungen von Menſchen gibt, welch ein Recht haben, uns auf ein antermal zu vertröſten— nämlich Staatsminiſter und Schuldner— daher wollt⸗ ich mich mit dem Beſcheide meines Oheims nicht zu⸗ frieden geben. Ich hatte Schauſpiele geleſen, Philoſo⸗ phie ſtudirt und dem Abbe Montreuil Schlingen gelegt nicht ohne aus meiner Erfahrung auch etwas Klughei zu ziehen; ſo fing ich an zu quälen, und dies iſt eh nicht ganz zu verwerfender Plan! Wer daſſelbe je vet⸗ ſucht hat, kann den Erfolg errathen! Mein Oheim gil nach und meine Abreiſe wurde auf den vierzehnten Ta von heute an feſtgeſetzt. Oh! mit welchem Entzücken ſah ich der Erfüllun meiner Wünſche, dem Ziele meines Ehrgeizes entgegen Ich eilte fort— ich ſürmte hinaus in den Wald— ich ſang in der Freude meines Herzens wie ein losgelaſſene Vogel— mit einer entzückenden Sympathie für ihn Freiheit ſog ich die Luft ein; kaum berührte mein Fi den Boden, und mein ganzer Körper ſchien ätheriſch— erhaben— gereinigt durch den belebenden Hauch meins Hoffnungen. Ich blieb hei einem Bächlein ſtehen, das über Ste rauſchent Dunkelhe „Wi in Wort nicht län murmel deine Sti einen Wi Laufe we eitel, un fruchtbar Sonne fü Schweige Bett nich Lebens W Segel; j ſchlendert verdrießli deinen fre die verſcht bleichen S aber jetzt Bulwe gen haben mich von n Worte, ſſen, nach heim auf, ſein Bein, pfiff und von reden. es in det bt, welche tröſten— her wollt nicht zu⸗ „Philoſt⸗ gen geleg, Klughei dies iſt eh be je vet⸗ Oheim gal huten Tah Erfüllunz s entgegen Pald— ic sgelaſſens ie für ihn mein Fi itheriſch uch mein tehen, da⸗ 65 über Steine und undurchvringliches Waldesdickicht hin⸗ rauſchend, gleich dem gefeſſelten Ehrgeize durch die Dunkelheit nicht ruhiger ward. „Wildes Bächlein,“ rief ich, als meine Gedanken in Worte ausbrachen,„brauſe dahin, unſer Loos iſt nicht länger daſſelbe; deine Windungen und dein Ge⸗ murmel verzehren ſich in Einſamkeit und Schatten; deine Stimme erſtirbt und erneut ſich wieder, aber ohne einen Wiederhall; deine Wellen verbreiten neben deinei Laufe weder Fruchtbarkeit noch Schrecken; ihr Zorn iſt eitel, und die Friſche, die ſie bringen, wird auf un⸗ fruchtbarem Boden verſchwendet; vergebens ſcheint die Sonne für dich durch die ſich nie ändernden Wüſten von Schweigen und Düſterheit; das Glück beladet dein Bett nicht mit ſeinen angehäuften Schätzen, und des Lebens Wonne anvertraut deiner Flut nicht ihre ſeidenen Segel; ja nicht einmal ein einſamer Müͤßiggänger ſchlendert neben dir hin, um deinen melancholiſchen Lauf durch menſchliche Geſellſchaft zu heiligen; kein Bild der Schönheit beugt ſich über deine trüben Waſſer oder ſpiegelt in deinem Schooß die Anmuth wieder, womit die Erde geſchmückt iſt. Einſam und verdrießlich murrſt du durch Sturm und Sonnenſchein deinen freundloſen Pfad entlang und fängſt nur durch die verſchlungenen Zweige über dir den Schimmer der bleichen Sterne auf, der wie menſchliche Hoffnung auf deinem Bette hinzittert und noch ehe er verliſcht, durch die Unruhe der Fläche, auf die er fällt, gebrochen wird. Woge— zürne— murre fort! Dies war mein Loos, aber jetzt hat es keine Ahnlichkeit mehr mit ir. Pich Bulwer, Devereuy, 1, ————. 41 66 länger werde ich ein einſames, bedauerliches Weſen ſein; meine Neigungen werden ſich nicht mehr auf nufrucht⸗ barem Boden und Stein verzehren., Ich gehe in die lebendige, warme Welt menſchlicher Thatkraft und Wünſche; mein Daſein ſoll abwechslungsweiſe durch von Mauern umgebene Stäbte und durch Haine gleiten, worin die Pveſie der Liebe huldigt; und die klaren Tiefen meines Herzens ſollen zurückſpiegeln, was deſſen junge Träume vorgebildet haben— die in Geſichten erblickte Geſtalt— den ſanften, feenartigen Geiſt— die Eva von meiner Seele eingebildetem und geahntem Paradieſe.“ In dieſem unordentilchen Zuge machte ich der aus⸗ gelaſſenen Freude, die durch meine Gedanken wehie, Luft und ſtreifte den ganzen Tag umher, bis meine Lebensgeiſter ſich durch Befriedigung ihrer Leidenſchaft erſchöpft hatten; ermüdet durch„iſtige Aufregung, wie durch körperliche Anſtrengung, wandte ich mich langſamen Schrittes nach dem Hauſe. Als ich die ſanfte Anhöhe hinanſtieg, worauf es ſtand, ſah ich eine Ge⸗ ſtalt ſich mir nähern; die ſchon dunkler werdenden Schatten des Abends ließen mich dieſelbe erſt erkennen, als ſie beinahe neben mir ſtand— es war Aubrey. In der neueſten Zeit hatte ich ſehr wenig von ihm geſehen. Seine frommen Studien und Gewohnheiten ſchienen ihn dem eiteln Treiben, worin ich mich mit den Gäſten meines Oheims bewegte, zu entziehen; Aubrey war außerordentlich empfindlich gegen Vernach⸗ läſſigung und bei dem bloßen Schein von Unfreundlich⸗ keit krankhaft reizbar, ſo daß er verlangte, man ſolle ſeinen Umgang ſuchen, und ſelten Andere durch Ent⸗ gegenkomt Abende ſei „Ich er und leg Morgen 1 Mortvn, Augen, Di „Mit Mann! u wegen meit „Kann willſt Du glücklich hie ſchied mehr Dich blicke kann daß verlaſſen? mir Zeit z lobt Dich) ſein; rucht⸗ n die und durch, leiten, Tiefen junge rblickte a von dieſe.“ eras⸗ wehie, meine enſchaft regung, ch mich e anfte ine Ge⸗ rdenden rkennen, rey. von ihm hnheiten mich mit ntziehen; Vernach⸗ eundlich⸗ man ſolle arch Ent⸗ 67 gegenkommen beläſtigte; gleichwohl war an dieſem Abende ſein Gruß ungewöhnlich warm. „Ich war Deinetwegen unruhig, Morton,“ ſagte er und legte ſeinen Arm in den meinigen,„ſeit dieſem Morgen ließeſt Du Dich nicht mehr ſehen; und ach! Morton, der Oheim ſagte mir mit Thränen in den Augen, Du wolleſt uns verlaſſen. Iſt dem ſo?“ „Mit Thränen in den Augen? Der gute alte Mann! Und Du, Aubrey, ſollteſt auch Du Dich wegen meiner Abreiſe grämen?“ „Kannſt Du dies fragen, Morton? Aber warum willſt Du uns verlaſſen? Sind wir jetzt nicht Alle glücklich hier? Jetzt, wo keine Schranken, kein Unter⸗ ſchied mehr zwiſchen uns beſteht— jetzt, da ich auf Dich blicken und hören, Dich lieben und Dir ſagen kann! daß ich Dich liebe? Warum willſt Du uns jetzt verlaſſen? Und—(fuhr Aubrey fort, als fürchtete er, mir Zeit zum Antworten zu laſſen)— und Jedermann lobt Dich hier ſo ſehr, und der Oheim, wie wir Alle, iſt ſo ſtolz auf Dich. Warum ſollſt Du Dich von unſeren Herzen trennen, bloß weil ſie Dir nicht mehr neu ſind? Warum Dich in dieſe hohle, kalte Welt ſtürzen, welche Alle, die ſich in verſelben verſucht haben, mit ſo fürch⸗ terlichen Farben ſchildern? Kannſt Du dort Etwas finden, das Dir die Liebe, die Du hier verläſſeſt, erſetzte?“ „Bruder,“ ſagte ich traurig und in einem Tone, der ihn erſchreckte, ſo ſehr war er von dem mir ge⸗ wöhnlichen verſchieden,„Bruder, höre, ehe Du mir einen Vorwurf machſt. Setzen wir uns auf dieſen Raſen, und ich will Dich tiefer in mein unruhiges, geheimes Herz ſehen laſſen, als vies bisher irgend Jemand et⸗ laubt war.“ Wir ſetzten uns auf einen kleinen Hügel— wie gut erinnere ich mich noch dieſer Stelle! In dieſem Augen⸗ blicke kann ich von meinem Fenſter aus den Baum ſehen, ver ſie beſchattet. Wie viele Jahre haben das liebliche Kraut und das ſmaragdene Gras verwelkt und wieder neu hervorſprießen laſſen! Ach, wie iſt dieſe Friſche und jugendliche Wiedergeburt aller Dinge in der äuße⸗ ren Natur nur ein Hohn auf den winterlichen Fleck, der vergangen und unerneubar in derſelben liegt! Wir rückten nahe zuſammen; ich ſchlang meinen Arm um iht und ſagte:„Aubrey, Deine Liebe war mir das koſt barſle Geſchenk, das nur ein Menſch, der, wie ich, nach der Liebe eines Hundes gedürſtet und geſchmachtet faſſen kann. Möge ich nie dieſe Zuneigung verlieren Betrachte mich fortan nicht als einen Menſchen, deſſe Herz alles wiederhallte, was ſein Mund ſprach. Glaub nicht, daß die Jronie, der Spott, die Bitterkeit meins Zunge aus einer boshaften Quelle fließen. Dieſes Be nehmen, das Dir bald heiter, bald düſter erſchien, hall vielleicht ſeinen Grund in einem Gemüthe, das zu hefü in ſeinen Neigungen und zu ſehnſüchtig nach deren G⸗ widerung war. Bis Du vor drei kurzen Jahren mein Freundſchaft ſuchteſt, ſchien ſich außer dem Oheim⸗ veſſen Weſen eben nur jene gegenſeitige Anhänglichket mit dem meinigen gemein hatte, Niemand auch nur un mein Daſein zu bekümmern. Ich tadle die Menſche nicht, ſie tänſchten ſich in mir; aber ſie ſollen auch mit Be nicht zu ſt unter einer kam mir n ſchenhaß zu ken Keim i Einerſeits Spott ande ſo lange be von dem Fl Aubrey. U ſein; und i weil ich nur Du fragſten verlaſſe.„n Ich kann we „Streite auch etwas G noch, ſprech dieſelben nich es auf dieſer emüth der heimes ind er⸗ wie gut Augen⸗ m ſehen, kiebliche d wieder Friſcht er äuße⸗ leck, der 3t! Wir m um ihr das koſt⸗ ich, nach chmachtet verlieren n, deſſen h. Glaub eit meine Dieſes Be⸗ ien, hatie s zu hefü deren Er⸗ hren mein n Oheim⸗ hänglichkit uch nur u e Menſche auch mit nicht zu ſtrenge tadeln, wenn meine Gemüthsſtimmung unter einem ſolchen Irrthume litt. Deine Freundſchaft kam mir nicht zu ſpät, um mich vor frühzeitigem Men⸗ ſchenhaß zu ſchützen, aber doch zu ſpät, um jeden kran⸗ ken Keim in meiner Seele mit der Wurzel auszurotten. Einerſeits eine gewiſſe Strenge, und ein Zug von Spott andererſeits haben ſich meinen beſſeren Gefühlen ſo lange beigeſellt, daß dieſe Färbung unzertrennlich von dem Fluſſe derſelben geworden iſt. Seufze nicht, Aubrey. Unliebenswürdig ſein, heißt nicht undankbar ſein; und ich werde Dich deßhalb nicht weniger lieben, weil ich nur wenige Gegenſtände für meine Liebe habe. Du fragſt mich nach dem Grunde, aus dem ich Euch verlaſſe.„„Die Welt““ iſt eine genügende Antwort. Ich kann weder Deine Verachtung, noch Deine Furcht hinſichtlich derſelben theilen. Es verzehrt mich jetzt, wie überhaupt ſeit neuerer Zeit, ein Durſt— heftig, brennend, unlöſchbar— es iſt der Ehrgeiz!“ „Oh, Morton!“ ſagte Aubrey mit einem zweiten Seufzer, länger und tiefer als der erſte—„welch ſchlimme Leidenſchaft! die Leidenſchaft, welche dem Himmel einen Engel entführt hat.“ „Streiten wir jetzt nicht varüber, Bruder, ob ſie an ſich ſündhaft, oder ob ſie, wenn ihr Ziel edel, nicht auch etwas Edles iſt. Ich verſchließe Dir mein Inneres noch, ſpreche nur von meinen Beweggründen und will dieſelben nicht zu entſchuldigen ſuchen. Vielleicht gibt es auf dieſer Erde nichts Gutes ohne eine, wenn auch geringe, Beimiſchung von Böſem. Sobald ſich mein Gemüth der Erlangung geiſtiger überlegenheit zuge⸗ — 70 wandt hatte, vermehrte jedes noch ſo kleine Reſultat mein Verlangen nach größerem Beſitze, und meine nur partielle Nacheiferung erweiterte ſich bald zu allgemei⸗ nem Ehrgeize. Wir Drei, Gerald und wir Beide, be⸗ wahren einen Schatz, den vieles Gold nicht aufwiegt— den Schatz eines nicht unrühmlichen, nie befleckten Na⸗ mehs. Was mich betrifft, ſo geſtehe ich, daß ich ein heftiges Verlangen fühle, den Schatz an Ehre, den uns unſer Vater hinterließ, zu vermehren. Noch iſt die nicht Alles. Ungeachtet unſerer Geburt find wir arn an Glücksgütern. Wir Alle hängen von der Gunſt un ſeres Oheims ab— und wenn wir dieſelbe auch ver dienen, wäre es doch noch beſſer, wenn wir uns ſelbſ eine Unabhängigkeit gewännen.“ „Das mag,“ ſagte Aubrey,„ein Grund zur An ſtrengung für mich und Gerald ſein, aber nicht für Dic Du biſt der Alteſte und der Liebling des Oheims. D Natur ſowohl als die perſönliche Zuneigung bezeichne Dich als ſeinen Erben.“ „Wenn auch, Aubrey, ſo können doch viele Jahn vergehen, ehe die Erbſchaft mir zufällt. Warum ſolle dieſe Jahre, in denen ſo viel geleiſtet werden kann, brat liegen? Wenn ich mich aber auch nicht zieren und 8 Wahrſcheinlichkeit meines vereinſtigen Vermögens nic läugnen will, ſo mußt Du noch bedenken, daß es eit mögliche, nicht aber gewiſſe Sache iſt. Meine Erſtgebu gibt mir kein Anrecht an den Oheim, der ſeine Güt ganz allein zu vergeben hat, und bloße Gunſt iſt ſel hei dem Guten ein Wind, der leicht umſchlägt, oh daß wir im Stande ſind, die Zeit oder die Urſt davonz liebe de ſehr, de lichkeit ſprechen ſpäter t weil der „Acd „die Ve Stoff ge ſchäftige gehen, d vergeſſen Dich bet daß der: für Dich Wie wunderu wöhnliche keit hat, in die Hö Reſultat neine nur allgemei⸗ geide, be⸗ fwiegt— eckten Na⸗ aß ich ein e, den uns h iſt diet d wir arn Gunſt un e auch ver⸗ r uns ſelb nd zur W heims. Di bezeichne viele Jahr ßarum ſoll⸗ kann, brat eren und nögens nit daß es eit eErſtgebu ſeine Güt unſt iſt ſell chlägt, oh die Urſa 71 davon zu berechnen. Wie dem auch ſein mag— unb ich liebe den Mann, von welchem mein Erbe abhängt, ſo ſehr, daß ich nicht ohne Schmerz von ber bloßen Mög⸗ lichteit eines überganges ſeiner Güter in meine Hände ſprechen kann— wirſt Du wenigſtens geſtehen, daß ich ſpäter den Reichthum nicht weniger verdienen werde, weil der Vortheil der Erfahrung auf meiner Seite iſt.“ „Ach!“ ſagte Aubrey, und ſchlug die Augen auf, „die Verehrung unſers Vaters im Himmel gibt uns Stoff genug, uns ſelbſt in der Zurückgezogenheit zu be⸗ ſchäftigen, und je mehr wir mit ſeinen Geſchöpfen um⸗ gehen, deſto mehr, fürchte ich, möchten wir den Schöpfer vergeſſen. Wenn es aber ſo ſein muß, ſo will ich für Dich beten, Morton, und Du wirſt daran gedenken, daß der unmächtige, arme Aubrey doch ſeine Stimme für Dich erheben kann.“ Wie Aubrey ſo ſprach, ſah ich mit Neid und Be⸗ wunderung auf das Geſicht neben mir, dem eine geiſier⸗ artige Schönheit Milde und Erhebung zu verleihen ſchien. Während unſeres Geſprächs war die Dämmerung des Zwielichts geſchwunden, und der Mond hatte Wald und Wieſen und die ſtille Abwechslung der um uns her ſchlummernden Hügel und Thäler mit jenem Glanze übergoſſen, der, ſo lebendig er iſt, doch mit dem ge⸗ wöhnlichen, unheiligen Alltagsleben ſo gar keine Ahnlich⸗ keit hat,— und als vas ruhige Dämmerlicht auf dos in die Höhe gerichtete Antlitz meines Bruders fiel, ver⸗ lieh es ſeinen Zügen noch eine beinahe überirdiſche Feier⸗ lichkeit des Ausdrucks. In ſeinem Geſichte und ſeiner Miene lag in der That Etwas, was der Maler eines — 72 Seraphs zu eopiren nicht verachtet haben würde; Etwas, das an die Erſcheinung eines Engels erinnerte, ſtrahlte aus den dunkeln, in Thränen ſchwimmenden Augen, worin die Rührung ſo wenig von den Schlacken der Sterblichen an ſich krug— aus den jugendlichen, zarten Wangen, welche der Ernſt frommen Nachdenkens zu einer blaſſen, aber durchſichtigen Farbe geläutert hatte — aus der hohen, nicht unwölkten Stirn, über welche vas in der Mitte geſcheitelte Haar in langen, wellen⸗ förmigen Locken herabfiel— und aus den ſchweigenden, aber doch in ſtillem Gebet ſich bewegenden Lippen, das um ſo inbrünſtiger ſchien, weil man es nicht hören konnte. Ich unterbrach ihn nicht in dem Gebete, das nach dem innern Gefühle meiner Seele, obwohl es mein Ohr nicht vernahm, für mich aufſtieg. Nachdem er aber ge⸗ endet und ſich gegen mich wandte, drückte ich ihn an meine Bruſt.„Bruder,“ ſagte ich,„wir müſſen ſchei⸗ den, das iſt wahr, aber erſt nachdem unſere Herzen die Mauer vernichtet haben, welche zwiſchen ihnen war; erſt nachdem wir gefühlt, daß Bruderliebe noch weiter gehen kann, als die Liebe zu einem Weibe. Was Deiner auch warten mag, ſo wird Dein frommer, heiliger Sinn, wenn nicht Dein Schild gegen Bekümmerniß, Dir doch Balſam auf ihre Wunden ſein. Bleibe hier. Die Ruhe, welche hier um Dich weht, paßt ganz zu der Stille in Deinem Innern, und gedenke zuweilen meiner in Deß⸗ nem Gebete, wie Du ſpeben gethan. Was mich betrifft, ſo glaube ich, das herbe, rauhe Weſen, das Du an mir tadelſt, nicht bereuen zu müſſen; wenn eben ſeine Härte mir Gelegenheit verſchaffen kann, Deine Sanftmuth vor Schade machen harmlo zengun ſchaft anhabe Au die Sti Wange verſchlu O Derjen ſind unt Geburt ſehr ge ſelben Etwas, „ſtrahlte Augen, cken der n, zarten nkens zu ert hatte er welche wellen⸗ eigenden, pen, das en konnte. das nach mein Ohr raber ge⸗ ich ihn an iſſen ſchei⸗ Herzen die en war; och weiter zas Deiner iger Sinn, „Dir doch Die Ruhe, r Stille in er in Dei⸗ ich betrifft, Du an mit ſeine Härte ftmuth vor 73 Schaden zu bewahren oder das Unrecht wieder gut zu machen, gegen das Deine Natur Dich zu ſchützen zu harmlos ſein möchte. Und jetzt laß uns in der über⸗ zeugung nach Hauſe kehren, daß wir in unſerer Freund⸗ ſchaft einen Schatz beſitzen, dem das Schickſal nichts anhaben kann.“ Aubrey antwortete nicht, aber er küßte mich auf vie Stirne, und ich fühlte ſeine Thränen auf meiner Wange. Wir ſtanden auf und gingen mit noch immer verſchlungenen Armen nach dem Hauſe zu. O Erde! was haſt Du Schöneres, als die Liebe Derjenigen, welche durch die Bande der Natur vereinigt ſind und deren Eintracht ſchon von dem Angenblicke ihrer Geburt an vorherbeſtimmt ſcheint? Achtes Kapitel. Erſte Liebe! Wir ſind in dieſer Welt äußerſt wechſelvoller Ein⸗ flüſſen unterworfen! An dem Abende, an welchem die ſo eben berichkete Unterredung mit Aubrey ſtattgefun⸗ den hatte, brannte ich vor Verlangen, Devereux⸗Court zu verlaſſen. Eine kurze Woche ſpäter war meine Be⸗ gierde wunderbar herabgeſtimmt. Der ſcharfſinnige Leſer wird die Urſache dieſer Veränderung leicht entdecken. Etwa acht Meilen von dem Hauſe meines Oheims lag eine Hafenſtadt; mancherlei verſchiedene Wege führten dahin, und die Stadt wurde von der ganzen Familie ſehr gerne beſucht. Einige hundert Schritte von der⸗ ſelben ſtand ein kleines, ſehr hübſch gelegenes Landhaus inmitten eines ſehr ſorgfältig gehaltenen, und mit vielen ſeltenen ausländiſchen Gewächſen geſchmückten Gartens. Mehr als einmal hatte ich in dem Garten bieſes Hauſes eine Dame in der erſten Jugenblüte bemerkt, die ſchön genug war, um in mir den lebhafteſten Wunſch rege zu machen, zu erfahren, wem das Gebäude zugehöre. Ich fragte nach und brachte in Erfahrung, der Bewohner ſei ein vornehmer Spanier, der durch ſein Benehmen und ſein Unglück bei einem ſchwachen, aber tapferen Aufſtande in ſeinem Vaterlande eine traurige Berühmt⸗ heit erworben habe. Nur mit dem Leben und einer ſehr unbedeutenden Geldſumme ſei er entkommen und lebe jetzt in der wenig bekannten Seeſtadt““ als Flücht⸗ ling und Einſiedler. Er war Wittwer und hatte nur ein einziges Kind— eine Tochter; ich war daher nicht mehr im Zweifel, wer die ſchöne Dame ſei, die ich be⸗ merkt und bewundert hatte. Am Tage nach dem in dem vorigen Kapitel berich⸗ teten Geſpräche mit Anbrey ritt ich allein an jenem Landhauſe vorüber und bemerkte eine Menſchenmenge, die ſich an dem Eingange verſammelt hatte; ich hielt an, um nach der Urſache zu fragen. „Nun, Euer Gnaden,“ ſagte ein Alteſter aus dem Dorfe,„ich glaube, die Gerichtsdiener ſind gekommen, um den Fremden gefänglich einzuziehen, weil er ſeine Hausmiethe nicht bezahlte; dieſer verſteht nun unſere engliſche Freiheit nicht, hat den Degen gezogen und ſchwört in ſeinem ausländiſchen Gewälſche, er wolle ſich nicht lebenvig fangen laſſen.“ Dies war mir Veranlaſſung genug, in das Haus zu trei gen ſa Hier ſeinem Männ Perſo nicht Vater derſtat Es m hinwe und b nier i drei 2 widerf it vielen enehmen tapferen zerühmt⸗ nd einer men und s Flücht⸗ hatte nur el berich⸗ an jenem henmenge, h hielt an, raus dem emmen, il er ſeine mn unſere zogen und wolle ſich das Haus zu treten. Die Leute machten Platz, als fie mich abſtei⸗ gen ſahen, und ließen mich in das erſte Zimmer durch. Hier fand ich den tapferen alten Spanier, wie er mit ſeinem gezogenen Degen ein paar ſtämmig ausſehende Männer von ſich abhielt, die nur aus Rückſicht für die Perſon oder mögliche Beſchädigung der jungen Dame nicht zur Gewalt zu ſchreiten ſchienen, welche ihres Vaters Kniee umſchlang und ihn beſchwor, keinen Wi⸗ derſtand zu leiſten, wo ein ſolcher ſogar nichts nütze. Es möge mir erlaubt ſein, ſchnell über dieſen Auftritt hinwegzukommen— ich ſchickte die Gerichtsdiener fort und bezahlte die Schuld. Dann verſuchte ich, dem Spa⸗ nier in franzöſiſcher Sprache, denn er verſtand kaum drei Worte von der unſerigen, den Grund, der ihm widerfahrenen Unhöflichkeit zu erklären, die er fort⸗ während eine große Veleidigung und Ungaſtfreundlich⸗ keit gegen einen Fremden und Verbannten nannte. End⸗ lich gelang es mir, ihn zufrieben zu ſtellen. Ich blieb länger als eine Stunde in dem Landhauſe und verließ vaſſelbe mit klopfendem Herzen und der ſeſten überzeu⸗ gung, daß ich mir daſelbſt einigen Anſpruch auf Be⸗ kanntſchaft und öftere Beſuche erworben habe. Wird der Leſer mir verzeihen, daß ich dieſen Vor⸗ fall abgekürzt habe? Es hängt derſelbe mit einem Ge⸗ genſtande zuſammen, beiwelchem ich beſſer im Verlaufe meiner Erzählung verweilen werde. Von dieſer Zeit an ſtattete ich häufige Veſuche in dem Landhauſe ab; der Spanier wurbe bald mein Freund, und ich glaubte die Bemerkung zu machen, die Tochter erröthe bei meinem Kommen und ſeufze, wenn ich ging. 76 Eines Abends unterhielt ich mich mit Don Diego d'Alvarez(ſo hieß der Spanier). Er ſaß vor ſeiner Thüre und athmete die ſanfte Luft ein, die ihre Friſche von der kräuſelnden See vor uns und Duft von der Erde hatte, über welcher jetzt der Sommer in ſeiner üppigſten Pracht lag. Iſora(die Tochter) ſaß in ge⸗ ringer Entfernung. „Wie kommt es,“ ſagte Don Diego,„daß Sie noch nie mit unſerem engliſchen Freunde zuſammengetroffen ſind, dem Seſor Bar.. Bar... Dieſe engliſchen Na⸗ men entfallen mir immer. Wie heißt er, Iſora?“ „Herr— Herr Barnard,“ ſagte Iſora, die ſehr jung nach England gekommen, unſere Spracht wie ihre Mutterſprache redete, mit ſichtlicher Verlegenheit und niedergeſchlagenem Blicke,„Herrn Barnard werden Sie wohl meinen.“ „Recht, meine Liebe,“ verſetzte der Spanier, der mit großer Gravität aus einer langen Pfeife rauchte und die Verlegenheit ſeiner Tochter nicht bemerkte,„ein feiner junger Mann, aber etwas ſchüchtern und allzu beſcheiden in ſeinem Benehmen.“ „Ein junger Mann!“ dachte ich, und warf einen durchdringenden Blick auf Iſora.„Ja, wie kommt es doch, daß ich ihn noch nicht getroffen? Kennen Sie ihn ſchon länger?“ „Nein, nicht gerade— vielleicht ſechs Wochen länger als Sie, Seſor Don Devereux. Als er heute frühe bei uns vorſprach, drang ich in ihn, Ihre Ankunft abzuwarten, aber der arme Jüngling iſt ſchüchtern und noch nicht daran gewöhnt, ſich unter Fremden, beſon⸗ der in gab mi indemj tende Diegv ſeiner Friſche ier, der rauchte kte,„ein nd allzu rf einen mmt es men Sie Wochen er heute Ankunft tern und „beſon⸗ ie noch 77 ders von Stande, frei zu bewegen; ſelbſt unſere Gegen⸗ wart macht ihn etwas befangen“— und unter Don Diego's grauem Schnurrbarte kam eine noch dichtere Wolke hervor, als gewöhnlich von da aufſtieg. Meine Augen waren noch immer auf Iſora geheftet; ſie ſah auf, begegnete meinem Blicke, erröthete tief, ſtand auf und verſchwand in dem Hauſe. Schon war ich für Eiferſucht empfänglich. Meine Lippe zitterte, als ich wieder begann:„Und wird es Don Diego mir verzeihen, wenn ich frage, woher ſich die Bekanntſchaft mit dieſem anziehenden jungen Manne ſchreibt?“ Dieſe Frage überſchritt die Grenzen der guten Er⸗ ziehung etwas; wahrſcheinlich dachte der Spanier ſo, der in dergleichen Dingen etwas kitzlich war, denn er gab mir keine Antwort. Ich fühlte meinen Verſtoß und indem ich mich deßhalb entſchuldigte, ließ ich gleichwohl meine Frage in ehrerbietiger und verbeckter Form wieder einfließen. Mit erneuter Kraft ſog Don Diego das duf⸗ tende Kraut ein und erwiderte— wie Pions Grab nach Pauſanias— die Frage ſeines Supplikanten nur durch Rauch. Ich wagte nicht, noch weitere Fragen zu machen, und ein langes Schweigen trat ein. Meine Augen hefteten ſich auf die Thüre, durch welche Iſora verſchwunden war. Vergebens; ſie kam nicht wieder— und da jetzt die zunehmende Abendkühle ſich auch einer an wärmere Himmelsſtriche gewöhnte Conſtitution fühl⸗ bar machte, ſo erhob ſich bald auch der Spanier, um in ſein Haus zu treten, und ich verabſchiedete mich für dieſen Abend. Es waren, wie ich zuvor ſchon ſagte, der Wege 78 mehre, auf denen ich nach Hauſe kehren konnte und die an maleriſcher Schönheit einander beinahe gleich kamen; denn die Gegend, in welcher die Beſitzungen meines Oheimes lagen, war voll lebendiger Gewäſſer, und grüne Wälder zogen ſich bis an den Strand, ja bis an vie Klippen der See hinaus. Die kürzeſte, obwohl, außer von Fußgängern, nur wenig betretene Straße, führte der Küſte entlang und auf eben dieſer ritt ich langſam nach Hauſe. Als ich etwa eine Meile von De⸗ verenx⸗Court um eine Straßenkrümmung beugte, kam mir das alte Gebände langſam, Thurm um Thurm, zu Geſichte. Ich habe das Haus noch nicht beſchrieben, und vielleicht iſt es für den Leſer nicht unintereſſant, wenn ich es hier thue. Daſſelbe hatte vor Alters Ralph de Bigod angehört. Nach ihm war es an den damals edelſten Zweig am Stamme der Devereur übergegangen, von welchem es ohne Bruch oder Riß in gerader Erbfolge endlich an den dermaligen Beſitzer gekommen war. Es war eine um drei viereckige Höfe her erbaute Maſſe von beträcht⸗ licher Ausdehnung, deren hinterſter bis zu dem Rande hoher, grauer in die See hinausreichender Klippen hin⸗ auslief; in dieſem Hofe ſtand ein kunſtloſer Thurm, in welchem der Sage nach die Zimmer lagen, die unſer unglücklicher Namensvetter und entfernter Verwandter, Robert Devereur, der Günſtling und das Opfer der Königin Eliſabeth, gewöhnlich bewohnte, wenn er das Schloß mit einem Beſuche beehrte. In dem alten Thurme war wirklich nichts, was jene Sage hätte beſtätigen können, denn er enthielt nur zwei wohnliche, ineinan dergehe oder P Jedern mißtra ſo unſch aber au ren Rat herrſcht ganz vo: daß ma geſetzt ſa unbemer Alleen u den Park kürlich zu ceremoni ſeine Stä von den auf dem Gönner Spenſer zogen, di dürfen, ſi und die kamen; meines er, a bis an obwohl, Straße, ritt ich von De⸗ te, kam Thurm, ſchrieben, tereſſant, angehört. weig am elchem es ndlich an war eine beträcht⸗ em Rande ippen hin⸗ r Thurm, die unſet rwandter, pfer der enn er das en Thurme beſtätigen „ineinan⸗ dergehenbe Zimmer, vie ſich keineswegs durch Gröfe oder Pracht auszeichneten, und außer mir pflegte ſogar Jebermann in unſerem Hauſe dem eiteln Gerüchte zu mißtrauen, das einem ſo ausgezeichneten Gaſte einen ſo unſcheinbaren Aufenthalt anweiſen wollte. Wenn ich aber aus den engen Gittern der Zimmer den ungeheu⸗ ren Raum an Meer und Land überblickte, den ſie be⸗ herrſchten— wenn ich überdies erwog, daß der Thurm ganz von den übrigen Baulichkeiten getrennt war, und daß man ſich durch ſeine bequeme Lage in den Stand geſetzt ſah, nachdem man denſelben verlaſſen, ſchnell und unbemerkt entweder an die einſame Küſte, oder in die Alleen und Gebüſche des großen ſich hinten ausdehnen⸗ den Parkes zu entſchlüpfen,— mußte ich mich unwill⸗ kürlich zu dem Glauben hinneigen, es habe per wenig ceremoniöſe, und auch unromantiſche Edelmann ſich hier ſeine Stätte der Abgeſchiedenheit ausgeſucht; auch fühlte vielleicht der Held eines ſtattlichen Hofes das Verlangen, ſich in wohlgewählten Augenblicken eine kurze Ruhefriſt von den luſtigen Hulbigungen zu ſichern, die ihm auch auf dem Lande pargebracht wurden— pder hatte der Gönner und poetiſche Bewunberer des phantaſiereichen Spenſer jeber prächtigeren Einrichtung den ruhigen und unbemerkten Ausgang zum Meer und zum Ufer vorge⸗ zogen, die, wenn wir dem gebildeten Römer“ glauben dürfen, ſo ſehr geeignet ſind, zu begeiſtern. *0 mare, o littus, vorum soeretumque Mov- o87ov duam multa dictatis! quam multa invenitis! Plinius. Wie dem auch ſein möge, ich hatte mich in den Glauben hineingerebet, daß meine Vermuthung die rich⸗ tige ſei, und als nach unſerem Austritte aus der Schule mein Oheim Jedem von uns ſeine beſonderen Zimmer anwies, hatte ich ihn gebeten, mir das ausſchließliche Recht auf den verfallenen Thurm einzuräumen. Bereit⸗ willig wurde meinem Wunſche entſprochen, und— ſo wunderbar gründet ſich unſer Schickſal auf vorange⸗ gangene Kleinigkeiten— ich glaube wirklich, daß die große Sehnſucht nach dem Beſuche von Höfen und dem Umgange mit Staatsmännern, welche mich fortan er⸗ griff— welche mich ſpäter in Intriguen, Krieg, die Ränke von London, die Zerſtreuungen von Paris, die gefährlichen Plane von Petersburg, ja in das harte Leben unter einem Koſakenzelte warf— zuerſt durch die eingebildete Ehre eniſtand, daß ich daſſelbe Zimmer be⸗ wohne, in dem der glänzende, aber unglückliche Hof⸗ mann meines Namens gelebt hatte. So ahmt die Jugend nach, wo ſie ſich eine Lehre nehmen ſollte, und ſo wurde, was mir hätte eine Warnung ſein ſollen, für mich zum Beiſpiel. In dem eichenen Flur, der zu dem äußeren Zimmer in jenem Thurme führte, öffnete ſich eine Fallthür nach einem unteren, zu einem Bade eingerichteten Ge⸗ mache, eigentlich einer Zelle, und von hier trat mu durch eine hölzerne Thüre in einen langen unterirdiſchen Gang, der zu einer Höhle am ufer des Meeres führie Dieſe Höhle hatte theils durch die Natur, theils durc Kunſt eine ſchöne gothiſche Form erhalten, und his hatte mein Oheim vft an monbhellen Abenden, weh die See ſchlich: bewahrt wie jetz Jahren eignete ſ Schaupl Töne zu ſelten de des Aber die uns: ſchloſſen, Menge n reichen Z ſtreifende bei niebe fand, ſo oder in wurde, n Winters n den ie rich⸗ Schule immer ießliche„ Bereit⸗ d— ſo orange⸗ daß die und dem rtan er⸗ ieg, die aris, die as harte durch die mmer be⸗ iche Hof⸗ ie Jugend ſo wurde, mich zun n Zimmer Fallthür hteten Ge⸗ trat man terirdiſche eres führie heils durs „und hie den, wen 51 die See ſanft über den gelben, weichen Sand einher⸗ ſchlich und der Sommer die Luft vor zu ſtarker Kühle bewahrte, ehe Gicht und Rheumatismen ſo unahläſſic wie jetzt ihm vor der Seele ſchwebten, in jür Jahren ſeine Gäſte verſammelt. Durch ſeine Echo's eignete ſich der Ort beſonders für Muſik, und Ler ganze Schauplatz war berechnet, die Wirkung der lieblichen Töne zu verſtärken. Auch jetzt noch pflegten wir, ſo ſelten der Oheim von der Partie war, die Luſtbarkeiten des Abends dort zu genießen, und die hohen Klippen, die uns nach Art einer Bucht dort von allen Seiten um⸗ ſchloſſen, entzogen unſere Geſellſchaft den Blicken der Menge noch erträglich genug. Wohl drang bei den zahl⸗ reichen Zerklüftungen der Klippen zuweilen ein umher⸗ ſtreifender Bauer, Schiffer oder gar auch Schmuggler bei niederem Waſſerſtande zu uns ein. Aber unſere Londoner Nereiden und hofgerechten Tritonen fanden ein ſolches Abenteuer, wie ſie es luſtig nannten, immer höchſt intereſſant, und unſere Verſammlungen waren zu zahlreich, als daß man ungeſtörte Heimlichkeit für uner⸗ läßliche Bedingung hätte erachten ſollen. Es wurde deßhalb die Höhle beinahe als ein Theil des Hauſes ſelbſt angeſehen, und obwohl ſich an dem Gange, der nach meinen Zimmern führte, eine eiſerne Thüre be⸗ fand, ſo war doch das Vertrauen in unſere Nachbarn oder in uns ſelbſt ſo groß, daß ſie ſelten geſchloffen wurde, wenn nicht gerade dadurch die hohen Fluten des Winters eine ſolche Abwehr nöthig machten. Die Sterne ſchienen ruhig auf die alte graue Burg Bulwer, Devereur. I. 6 82 (denn eine ſolche war es wirklich), als dieſelbe jetzt vor meinen Blicken aufſtieg. Links und hinter dem Hauſe ſchienen die Bäume des Parkes, welche in der Ferne gruppirt waren, in eine einzige dicke Waldmaſſe ver⸗ woben; rechts ſtach, als ich auf einem allmählig ſich ſenkenden Pfade an den Klippen herab auf die Sand⸗ ebene kam, etwa eine Stunde von dem Lande entfernt, eine kleine Inſel, wo bekanntlich kecke Schleichhändler Schutz und Obdach fanden, unmerklich gegen das weit⸗ hin ſich erſtreckende gläſerne Azur der Wellen hervvr. Die Flut war vorüber, und durch einen der in die Vucht gewühlten Vogen kam ich plötzlich in die Höhle, Auf einem Felsſtück fitzend fand ich hier Aubrey. Meine Bekanntſchaft mit Iſora und ihrem Vater war ſo ſchnell auf die oben erwähnte freundliche Unter⸗ redung mit Aubrey gefolgt und hatte meine Zeit wie meine Gedanken ſo gänzlich in Anſpruch genommen, daß ich mir noch nicht alle Vortheile zu eigen gemacht hatte, welche mir die Bruverliebe nach jener Unterre⸗ dung zugeſtanden hätte. Mein Herz tadelte mich jetz wegen dieſer nicht abſichtlichen Vernachläſſigung. Ich ſtieg ab, band mein Pferd an einen der in einer langen Linie in die See hinauslaufenden Poſten, näherte mich Aubrey und redete ihn an. „Allein, Aubrey? und zu einer Stunde, wo der Oheim immer die alten Mauern von Luſt und Fröhlich⸗ keit wiederhallen läßt! Horch, hörſt Du nicht eben jetz Muſik? ſie kommt wohl, denke ich, aus dem Ballſaale, oder nicht?“ „Ja!“ antwortete Aubrey kurz und ſah auf ein Gebetbu ſeinem 2 „Un wird un leicht mi Aubr (ich liebt wie ein ſih ich, „Brt macht D mehr als nicht auch Aubr einem la wegten ſi lächelnd, das Gemi ſchäftigſt wir uns n 83 tzt vor Gebetbuch nieder, vas er nach ſeiner Gewohnheit zu Hauſe ſeinem Begleiter gewählt hatte. Ferne„Und wir ſind allein nicht dabei!— Nun, Gerald ſſe ver⸗ wird unſere Stellen mit leichterem Schritte und viel⸗ lig ſich, peicht mit fröhlicherem Herzen ausfüllen.“ Sand⸗ Aubrey ſeufzte. Ich beugte mich zärtlich über ihn ntfernt,(ich liebte den Jungen nicht nur als Bruder, ſondern händler wie ein Vater), und wie ich mich ſo über ihn bengte, as weit⸗ ſah ich, daß ſeine Augen vom Weinen roth waren. herr.„Bruder— lieber theurer Bruder!“ ſagte ich,„was r in die macht Dir Kummer?— ſind wir nicht Freunde und e Höhle. mehr als Freunde 7— was kann Dich bekümmern, das y. nicht auch in mir dieſelbe Empfindung hervorriefe?“ m Vater Aubrey erhob plötzlich den Kopf und ſah mich mit he Unter⸗ einem langen, forſchenden Blicke an; ſeine Lippen be⸗ Zeit wie wegten ſich, aber er gab keine Antwort. nommen,„Sprich, Aubrey“ ſagte ich, meinen Arm um ſeine gemacht Schulter ſchlingend,„hat Dir irgend Jemand oder Etwas Untert⸗ wehe gethan? Siehe, ob ich das übel nicht heilen kann.“ mich jetz„Morton,“ ſagte Aubrey und ſprach dabei ſehr leiſe, ung. Ich„glaubſt Du, daß der Himmel unſer Schickſal ebenſo er langen vorausbeſtimme, wie er es vorausſieht?“ herte mich„Das iſt eine Frage der Schulgelehrten,“ ſagte ich lächelnd,„aber ich weiß, wie dieſe müßigen Grübeleien e, wo det das Gemüth quälen— und Du, lieber Bruder, be⸗ dFröhlich ſchäftigſt Dich überdies immer zu ſehr mit Betrach⸗ eben jez tungen der Zukunft. Wenn der Himmel wirklich unſer Ballſaa, Schickſal vorherbeſtimmt, ſo wiſſen wir, daß der Himmel auch gnädig iſt, und wir können ohne Furcht ſein, wenn wir uns mit dieſem Bewußtſein waffnen.“ 5 auf ein 84 „Morton Devereur,“ agte Aubrey und wieber⸗ holte dabei meinen Namen mit ſichtlicher innerer An⸗ ſtrengung, welche die Farbe aus ſeinen Lippen verdrängte und ſein dunkles, großes Auge mit einem ſeltenen, un⸗ gewohnten Feuer füllte—„Morton Devereur, ich fühle, daß ich zum Voraus der Macht des Böſen be⸗ ſtimmt bin!“ Ich fuhr in nicht zu beſchreibendem Schrecken zurück. „Guter Himmel!“ rief ich,„was kann Dich verau⸗ laſſen, einer ſo ſchrecklichen Phantaſie Raum zu geben? Was kann Dich bewegen, der Güte und Gnade unſetes Schöpfers ſo fürchterlich Unrecht zu thun 2 Aubrey entwand ſich meinem Arme, der immer noch um ihn geſchlungen geweſen und bedeckte das Geſicht mit den Händen. Ich nahm das Buch auf, in dem er geleſen hatte; es war eine lateiniſche Abhandlung über die Prädeſtination, und ſchien mit den trübfinnigſten und verworrenſten Spitzfindigkeiten angefüllt. Ich ſetze mich neben ihn und hob den mehrſeitigen Mangel a Zuſammenhang und die Wiberſprüche des Werkes un der darin vorgetragenen Lehre heraus— ich ſprach ſo lange und ſo ernſtlich, daß Aubrey endlich dem Am ſcheine nach erheitert und erleichtert aufblickte. „Ich wollte,“ ſagte er furchtſam,„ich wollte, Du liebteſt mich, und liebieſt mich allein— aber Di liebſt Vergnügen und Macht und Pracht und Witz un Luſtbarkeit, und Du weißt nicht, was es heißt, do für mich zu fühlen, was ich bisweilen für Dich fühle ja, vielleicht haſſeſt oder verachteſt Du mich gar!“ Bel dieſen letzten Worten nahm Auhrey's Stimn einen bit der Gede Liebe zu „Wi neuerer weniger Hat Dir daß ich T Aubr „Hat unſere ge rung geth das hat e Aubre unb ſchwi wieder⸗ rer An⸗ drängte en, un⸗ ux, ich öſen be⸗ nzurück. h verau⸗ geben? e unſeres mer noch s Geſicht in dem er lung über finnigſten Ich ſeti Mangel au ßerkes und ſprach ſo em A b Witz un heißt, da ch fühle— gar!“ einen bitteren Ton an, und plötzlich drängte ſich mir der Gedanke auf, es möchte ihm Jemand gegen meine Liebe zu ihm geſprochen haben. „Wie magſt Du ſo denken?“ erwiderte ich;„iſt in neuerer Zeit irgend etwas vorgefallen, woraus Du auf weniger Zuneigung vpn meiner Seite ſchließen kannſi? Hat Dir irgend Jemand die Vermuthung zugeraunt, daß ich Deine brüderliche Liebe nicht erwibere?“ Aubrey gab keine Antwort. „Hat Gerald,“ fuhr ich fort,„eiferſüchtig auf unſere gegenſeitige Anhänglichkeit, irgend eine Vuße⸗ rung gethan, um diefelbe zu vermindern? Ja, ich ſehe, das hat er!“ Aubrey blieb regungslos, ſah düſter vor ſich hin und ſchwieg fortwährend. „Sprich,“ ſagte ich,„Du biſt es uns Beiden ſchuldig — ſprich! Du weißt, Aubrey, wie ſehr ich Dich ge⸗ liebt habe und noch liebe; ſchlinge Deine Arme um mich und ſage, was ich Pir nur auf Erten thun ſoll, und es ſoll geſchehen!“ Aubrey ſah auf; er begegnete meinem Blicke, warf ſich mir an den Hals und brach in einen heftigen Thrä⸗ nenſtrom aus. Ich war ſehr bewegt.„Ich ſehe meinen Fehler ein,“ ſagte ich, ihn beſänftigend;„Du biſt mit Recht darüber empfinblich, daß ich Dich in neueſter Zeit vernachläſſigt habe, und während ich Dein Vertrauen fordere, ver⸗ mutheſt Du vielleicht, es möchte irgend etwas geben, worüber ich Dir das meinige ſchuldig ſei. Du haſt Recht, und in einem gelegeneren Augenblicke will ich es nach⸗ —— holen. Kehren wir jetzt nach Hauſe; der Oheim iſt nie heiter, wenn wir nicht zugegen ſind, und wenn die Mutter Deine dunkeln Locken und Deine ſchönen Wan⸗ gen nicht ſieht, ſo ſieht ſie, glaube ich, wenig Schönes auf dem Balle. Und doch, Aubrey,“ fügte ich hinzu, als er ſich jetzt aus meiner Umarmung losmachte und ſeine Thränen trocknete,„will ich Dir geſtehen, daß mir hier außen wohler iſt als unter all der Heiterkeit drinnen;“ dann wandte ich mich gegen die von den Sternen erhellte See, die mit ihrer Silberſtimme mur⸗ melte, und wurde plötzlich ſtille. Nun folgte eine lange Pauſe. Ich glaube, wir Beide fühlten, wie die Scene um uns einen ſänftigen⸗ den, beruhigenden Einfluß auf unſere Herzen ausübte; denn endlich legte Aubrey ſeine Hand in die meinige und ſagte:„Du warſt immer edelmüthiger und liebevoller als ich, Morton, obwohl es Zeiten gibt, wo Du ganz verſchieden von Dem ſcheinſt, was Du in Wirklichkeit biſt, und ich weiß, Du haſt mir ſchon verziehen.“ Ich zog ihn zärtlich an mich, und wir gingen nach Hauſe. Wenn ich auch von dieſem Abende an die Abſicht hatte, mich Aubrey mehr zu widmen, als ich in neuerer Zeit gethan, ſo ſtand doch meine ſtündlich zunehmende Liebe für Iſora ſehr im Widerſpruch mit meinem Enut⸗ ſchluſſe. um indeſſen jede wieder vorkommende Vernach⸗ läſſigung zu entſchuldigen, vertraute ich mich ihm gleich am folgenden Morgen an. Aubrey ermuthigte meine Leidenſchaft nicht ſehr; er ſtellte mir Iſora's Verhält⸗ niſſe— meine eigene Jugend— meinen weltlichen Ehrgeiz mich at glücklich wißheit, zug eine Mit der war ich geber fe ſchluſſe: ich mein Zeit ver von meit ſüchtig a und den Don Di welches einſt mei mir nie telte der m iſt nie venn die en Wan⸗ Schönes ch hinzu, chte und en, d Heiterkeit von den une mur⸗ ube, wit änftigen⸗ ausübte; e meinige iebevollet Du ganz irklichkeit en ngen nach ie Abſicht in neueret mehmende inem Ent⸗ Vernach⸗ ihm gleich igte mein s Verhält⸗ weltlichen 87 Ehrgeiz vor— und vor Allem behauptete er, indem er mich an meines Oheims Abneigung auch gegen die glücklichſte und paſſendſte Heirath erinnerte, mit Ge⸗ wißheit, daß Sir William nie in den geſetzlichen Voll⸗ zug einer ſo ungleichen Verbindung willigen werde. Mit der Art, wie er meine Erzählung aufgenommen, war ich nicht ſehr zufrieden und beläſtigte meinen Rath⸗ geber ferner nicht wieder mit einem Berichte oder Auf⸗ ſchluſſe über jenen Gegenſtand. Tag für Tag erneuerte ich meine Beſuche in dem Landhauſe des Spaniers; die Zeit verſtrich, und doch hatte ich Iſora noch keine Silbe von meiner Liebe geſagt. Ich war unbeſchreiblich eifer⸗ ſüchtig auf dieſen Barnard, den ihr Vater oft lobte, und den ich nie traf. über ſeiner Bekanntſchaft mit Don Diego ſchien irgend ein Geheimniß zu ſchweben, welches dieſer Letztere ſorgfältig verhehlte; und als ich einſt meine Verwunderung darüber ausdrückte, daß es mir nie gelingen wolle, ſeinen Freund zu ſehen, ſchüt⸗ telte der Spanier bedächtlich den Kopf und ſagte, er habe jetzt den wahren Grund davon in Erfahrung ge⸗ bracht: es gebe Staatsverhältniſſe, welche den Menſchen in ihrem eigenen Lande vor neuen Bekanntſchaften bange machen könnten. Er brach ab, als hätte er zu viel ge⸗ ſagt, und überließ mir die Vermuthung, Barnard ſei mit ihm in eine Intrigue verwickelt, die für die Theil⸗ nehmenden angenehmer, als für die Regierung ſei. In dieſer Anſicht wurde ich noch durch die Bemerkung ge⸗ ſtärkt, daß Alvarez häufig von Hauſe abweſend war, und dies namentlich Abends, wo er doch die Schärfe der engliſchen Luft im Allgemeinen zu vermeiden pflegte — eine Atmoſphäre, die ich einſt von einem trotzigen Franzoſen mit Anguſtus vergleichen hörte, wie er zwi⸗ ſchen Horaz und Virgil geſeſſen, nämlich nach dem eigenen Bonmot des Kaiſers— zwiſchen Seufzern und Thränen. Auch Iſora ſelbſt hörte den Namen bieſes Barnard nie ohne ſichtliche Verwirrung nennen, die mein Herz verwundete; und endlich beſchloß ich, unfähig, meine Ungewißheit über dieſen Gegenſtand noch länger zu er⸗ tragen, mir aus ihrem eigenen Munde die Entſcheidung zu erbitten. Ich wartete lange auf eine Gelegenheit. Als ich eines Abends ziemlich unerwartet in das Land⸗ haus kam, ſagte mir die einzige Dienerin, Don Diegv ſei nach der naheliegenden Stadt gegangen, Iſora aber ſei in dem Garten. So klein dieſer Garten war, ſo ſah man doch, daß er mit Sorgfalt gepflegt werde; auch fehlte es ihm nicht an Abwechslung. Eine hohe, ſehr vicke Buchsbaumhecke, vicht verwoben mit Gaisblatt und wilden Roſen, ſchützte einige mit ſeltenen Blumen gefüllte Beete, einen kleinen Springbrunnen und eine ländliche Laube ſowohl vor den Seewinden, als auch vor den Blicken der Vorübergehenden, welchen nur der offene, nicht verdeckte Theil des Gartens ausgeſest blieb. Als ich durch die in der Hecke angebrachte Offnung trat, war ich etwas verwundert, daß ich Iſora nicht ſogleich erblickte. Vielleicht war ſie in der Laube. Zitternd nahte ich mich dieſer letzteren. Wie groß war mein Erſtaunen, als ich ſie ohne Lebenszeichen an dem Boden liegen ſah. Mit einem lauten Schrei eilte ich auf ſte zu. Ich hob ſie ihr An das kre viel G und ab eben ir ben de augenb war m ihrige, kärliche zu ſchle ſie ſo h noch n Andere merkt ten ab ſtummt und m als ſeie uns vor athemle welcher Lan weilten — auf ebenſo erhob ſi ich mei deren ic trotzigen eer zwi⸗ ach dem ufzern Barnard ein Herz g, meine er zu er⸗ ſcheidung legenheit. s Land⸗ on Diego ſora aber ar, ſo ſah de; auch ohe, ſehr Gaisblatt Blumen und eine s auch vor er offene, ieb. Als ung trut, t ſogleich Zitternd 89 hob ſie von der Erde auf und legte ſie in meine Arme; ihr Antlitz, durch deſſen reines und durchſichtiges Weiß das kreiſende Blut gewöhnlich ſo ſanft, und doch mit ſo viel Glut durchglänzte und in röthlichem Schimmer auf⸗ und abwogte, wie junge Roſenblätter, welche die Luft eben in zitternde Bewegung geſetzt— war zu den Far⸗ ben des Todes erbleicht. Meine Küſſe gaben ihr eine augenblickliche Farbe, die nicht ihr angehörte; und doch war mir, als ich ſie an mein Herz drückte, als ob das ihrige, das bisher ſtill zu ſtehen geſchienen, in unwill⸗ kärlicher Sympathie plötzlich fühlbar gegen das meinige zu ſchlagen anfange. Meine Unruhe legte ſich, als ich ſie ſo hielt— ja, hätte ich es gekonnt, ich würde ſie noch nicht ins Leben zurückgerufen haben;— alles Andere war von mir vergeſſen— unbeachtet— unbe⸗ merkt einige wenige leidenſchaftliche Worte entſchlüpf⸗ ten abgebrochen meinen Lipten, aber auch ſie ver⸗ ſtummten, als ich fühlte, wie ihr Athem rege wurte und mit dem meinigen ſich vermiſchte. Es war mir, als ſeien durch einen Zauber alle lebenden Weſen außer uns von der Erde verſchwunden und wir allein mit der athemloſen, unhörbaren Natur zurückgelaſſen, aus welcher die Liebe und dos Leben aller Dinge entſpringt. Langſam kam Iſora wieder zu ſich; ihre Augen weilten, als ſie dieſelben aufſchlug, auf den meinigen, — auf einmal ſchoß ihr das Blut in die Wangen, und ebenſo plötzlich ließ es dieſeiben wieder farblos. Sie erhob ſich aus meiner Umarmung, aber immer noch hielt ich meine Arme gegen ſie ausgebreitet, und Worlte, deren ich mich nicht mehr erinnere, hrachen aus meinem Munde. Immer noch blaß, und gegen die Wand der Laube gelehnt, hörte mir Iſora zu, wie— verwirrt, unzuſammenhängend, ſtürmiſch, aber vennoch für ſie verſtändlich— mein gelöstes Herz ſich vor ihr aus⸗ ſchüttete. Als ich ſchwieg, wandte ſie ihr Geſicht gegen mich, und plötzlich war es, als ſtocke das Blut in meinen Adern. Angſt, tiefe, unbeſchreibliche Angſt, malte ſich auf jedem ihrer Züge, und als ſie endlich ſprechen wollte, zitterten ihre Lippen ſo heftig, daß ſie nach einem ver⸗ geblichen Verſuche plötzlich abbrach. Wiederum näherte ich mich ihr— ich ergriff ihre Hand und bedeckte ſie mit Küſſen. „Wollen Sie mir nicht antworten, Iſora?“ fragte ich zitternd.„So ſchweigen Sie denn, aber gönnen Sie mir nur einen Blick, einen Strahl der Hoffnung, der Verzeihung aus dieſen theuern Augen, und ich verlange nichts mehr.“ Iſora's ganze Geſtalt ſchien unter ihren verſchie⸗ denen Aufregungen zuſammenzufinken; ſie erhob den Kopf und blickte eilig und bang umher; mein Auge folgte dem ihrigen und erblickte auf dem feuchten Bo⸗ den friſche Fußtritte eines Mannes, die jedoch nicht von mir herrührten; und ganz nahe neben der Stelle, wo ich Iſora gefunden, lag ein Männerhandſchuh. Ein Stich ging mir durch das Herz— ich fühlte, wie meine Augen Feuer ſprühten und meine Brauen ſich verfin⸗ ſterten, als ich zu Iſora gewandt ſagte:„Ich ſehe es — ich ſehe Alles— ich habe einen Nebenbuhler, der Sie ſo eben erſt verlaſſen— Sie lieben mich nicht— Ihr Herz gehört ihm!“ Vand der verwirrt, h für ſie ihr aus⸗ cht gegen in meinen malte ſich en wollte, inem ver⸗ m näherte edeckte ſie 7“ fragie nnen Sie nung, der h verlange verſchie⸗ erhob den nein Auge ichten Bo⸗ nicht von telle, wo huh. Ein wie meine ſich verfin⸗ ch ſehe e uhler, der h nicht— Iſora ſchluchzte heftig, aber ſie gab keine Antwort. „Sie lieben ihn,“ ſagte ich, jedoch in einem milderen, mehr klagenden Tone—„Sie lieben ihn— es iſt genug — ich will Sie nicht länger beläſtigen; und doch—“ ich hielt einen Augenblick inne, denn die Erinnerung an ſo manches Zeichen, das ſich mein Herz ſchmeichel⸗ haft gedeutet hatte, ſtürzte auf mich ein, und meine Stimme zitterte.„Nun, ich habe kein Recht zu murren — nur, Iſora— nur ſagen Sie mir mit eigenem Munde, daß Sie einen Andern lieben, und ich will in Frieden ſcheiden.“ Eehr langſam wandte Iſora ihre Augen auf mich, und ſelbſt durch ihre Thränen hindurch hafteten dieſel⸗ ben mit einem zärtlichen und ſanften Vorwurf auf mir. „Sie lieben einen Anderen?“— fragte ich, und aus ihren kaum geöffneten Lippen kam ein einziges Wort, das mein Herz wie Feuer durchzuckte—„Nein!“ „Nein!“ wiederholte ich,„Nein?— ſagen Sie dies noch einmal;— aber Wer iſt es denn, der es ge⸗ wagt, Sie ſo zu erſchüttern, ſo zu überwältigen? Wer iſt es, der bei Ihnen geweſen, und auf den Sie mich nur mit Zittern zurückkommen hören? Erwidern Sie mir ein einziges Wort— iſt es der geheimnißvolle Fremde, welchen Ihr Vater mit ſeiner Freundſchaft be⸗ ehrt?— iſt es Barnard?“ Unruhe und Furcht ſprachen ſich wieder allein in Iſora's Zügen aus. „Barnard!“ ſagte ſie,„ja— ja— es iſt Barnard!“ „Wer iſt er?“ rief ich heftig—„wer oder was iſt er?— und welchen Einfluß übt er auf Sie Vertrauen Sie mir—“ und ich brach in einen langen Strom von Fragen und Bitten aus. Als ich geendet, ſchien Iſora wieber zu ſich gekom⸗ men. Mit ihrer Sanftmüthigkeit verband ſie eiwas von Begeiſterung und Selbſtbeherrſchung, die in ihrem Lande, wie bei ihrem Geſchlechte ſelten verkommen, die aber, wenn ſie einem Weibe und einer Tochter Spaniens eigen ſind, verſelben eine Würde verleiht, von der wir uns nichts träumen laſſen, als bis wir uns, wenn ſie ſich äußert, vor ihr gebeugt haben. „Hören Sie mich!“ ſagte ſie, und ihre Stimme, welche anfangs etwas zitterte, wurde ruhig und feſt als ſie fortfuhr.„Sie geſtehen mir Ihre Liebe— ich bin Ihrer Liebe nicht würdig; und wenn ich, Graf Deve⸗ reux, dieſelbe weder zurückweiſe noch verwerfe— denn ich bin ein Weib, und ein ſchwaches, zärtliches Weib— ſo will ich wenigſtens nicht dadurch, daß ich Hoffnun⸗ gen in Ihnen etwecke, die ich weder erfüllen kann noch darf, ein Unrecht an Ihnen begehen. Ich kann—“ hier ſprach ſie mit fürchterlicher Beſtimmtheit—„ich kann niemals die Ihrige werden; und wenn Sie dies von mir verlangen, ſo wiſſen Sie nicht, was Sie be⸗ gehren, oder welcher Gefahr Sie ſich ausſetzen.— Ge⸗ nug— ich bin Ihnen dankbar. Das arme, verbannte Mävchen iſt für Ihre Achtung dankbar— und und für Ihre Liebe. Nie wird ſie dieſelbe vergeſſen nie! Aber es ſel dies unſere letzte Zuſammenkunft— unſere allerlette— Gott ſegne Sie, Morton!“ Und, als leſe ſie mein durchbohrtes und geängſtigtes Herz in meinen Zügen, beugte ſich Iſora über mich, denn ich knieete neben Wang „ ter Sie m lieben 2 laſſen, aber b lichen nen A P erfahr mir M „ſo w Je unwill hei Strah verein allein. thend trom von ch gekom⸗ etwas von em Lande, die aber, iens eigen r wir uns nn ſie ſich Stimme, nd feſt als — ich bin raf Deve⸗ fe— denn Weib⸗ Hoffnun⸗ kann noch kann—“ eit—„ich n Sie dies is Sie be⸗ en.— Ge⸗ verbannte d und en nie! — unſere id, als leſe in meinen ich knieete neben ihr, und ich fühlte ihre Thränen auf meiner Wange,—„Gott ſegne Sie— und leben Sie wohl.“ „Sie höhnen, Sie verwunden mich,“ ſagte ich bit⸗ ter,„durch dieſe kalte, ſpottende Freundlichkeit; ſagen Sie mir, ſagen Sie mir nur, wer es iſt, den Sie mehr lieben als mich.“ Iſora war ſchon hinweggegangen, um mich zu ver⸗ laſſen, denn ich war zu ſtolz, um ſie zurückzuhalten; aber bei dieſen Worten kam ſie nach einem augenblick⸗ lichen Bedenken zurück, und legte ihre Hand auf mei⸗ nen Arm. „Wenn es Sie glücklich macht, mein Unglück zu erfahren,“ ſprach ſie, und der Ton ihrer Stimme gab mir Muth, ihr voll in das tief erröthete Geſicht zu blicken, „ſo wiſſen Sie, daß ich nicht unempfindlich bin—“ Ich hörte nichts mehr— meine Lippen druckten ſich unwillkürlich auf die ihrigen— ein langer, langer Kuß — heiß— innig,— der Gefühl, Herz, Seele, alle Strahlen des Lebenslichtes in einen einzigen Brennpunkt vereinigte;— und ſie riß ſich von mir— und ich war allein. Neuntes Kapitel. Eine Entdeckung und eine Abreiſe. Nach meiner ereignißvollen Unterredung mit Iſora eilte ich nach Hanſe und gab mich ſtürmiſchen, wilden Vermuthungen hin. Aubrey ſuchte mich am nächſten Morgen auf— ich erzählte ihm Alles, was vorgefallen — er ſagte wenig, aber dieſes Wenige machte mich wü⸗ thend, denn es lief geradezu meinen Wünſchen entgegen. —— 94 Der Charakter Murrkopfs in der„Stillen Frau“ iſt keineswegs ein ungewöhnlicher. Viele Menſchen— be⸗ ſonders viele Liebende— könnten, gleiche Aufrichtigkeit vorausgeſetzt, mit gleicher Wahrheit ſagen—„Alle Worte außer meinen eigenen, ſind mir widerwärtig; ſie ſcheinen mir rauh, grob, läſtig.“ Wirklich verſpürte ich Aubrey gegenüber dieſe liebenswürdige Empfindung. Ich verließ ihn plötzlich— ein Entſchluß wurde in mir rege—„Ich will,“ ſprach ich,„dieſen Barnard ſehen; ich will ihm auflauern, ich will, und ſei es auch mit Gewalt, nach dem Geheimniſſe fragen und es mir er⸗ zwingen, dasvffenbar zwiſchen ihm und dieſer verbann⸗ ten Familie obwaltet.“ Von dieſem Gedanken erfüllt, warf ich meinen Mantel um und begab mich zu Fuße nach der Gegend, wo das Landhaus des Spaniers lag. Kein Ort in deſſen Nähe war ſo recht geſchickt, um verſteckt da aufzulauern. Indeſſen machte ich einen kleinen Hügel in dem Felbe, dem Hauſe gegenüber, zu meiner Warte, legte mich, in meinen Mantel gewickelt, der Länge nach an den Boden, in der Hoffnung, ſo nicht bemerkt zu werden. Der Tag verging— kein Beſuch ließ ſich blicken. Am andern Morgen ging ich aus meinen Zimmern durchden unterirdiſchen Gang nach der Schloßhöhle, wie man die oben beſchriebene Grotte allgemein nannte. Am ufer ſah ich Gerald bei einem der kleinen Fiſchernachen ſtehen, die dort gewöhnlich in Bereitſchaft lagen. Mit einem Naſerümpfen über ſeine Vergnügungen, die im⸗ mer nur in Kämpfen mit Fiſchen oder Vögeln beſtan⸗ den, ging ich an ihm vorüher. Er antwortete mir etwa ebenſo und in gehſt? von M mander „E wortete nige, 1 ſchränk einen G Charak daß der glücklic Mi gende„ ihm me und pe Frau“ iſt en— be⸗ richtigkeit —„Alle rwärtig; verſpürte pfindung. de in mir rd ſehen; auch mit s mir er⸗ verbann⸗ meinen Gegend, in deſſen zulauern. m Felde, gte mich, an den werden. en. Zimmern höhle, wie nnte. Am hernachen gen. Mit , die im⸗ n beſtan⸗ mir etwa 95 ebenſo, während er ſeine Netze in den Nachen warf⸗ und in die See ſtieß.„Wie kommt es, daß Du allein gehſt?“ fragte ich;„iſt ſo großer Ruhm bei dem Fange von Makrelen und Seehunden zu ernten, daß Du Nie⸗ manden geſtatten willſt, ihn zu theilen?“ „Es gibt andere Unterhaltung für Männer,“ ant⸗ wortete Gerald, vor Unwillen erröthend,„als dieje⸗ nige, welche Du Dir vorſtellſt— mein Geſchmack be⸗ ſchränkt ſich auf eine Unterhaltung, worin nur ein Thor einen Gefährten ſucht; und könnteſt Du beſſer in den Charakteren leſen, mein weiſer Bruder, ſo wüßteſt Du, daß der kühne Abenteurer immer weniger müßig und glücklicher iſt, als der ſinnende Träumer!“ Mit dieſen Worten, die er mit bedeutungsvollem Nachdrucke ſprach, ruderte er kräftig über das Waſſer hin, und bald hatte das kleine Boot das gegenüberlie⸗ gende Inſelchen halbwegs erreicht. Nachbenklich folgten ihm meine Blicke, wie er über das Waſſer vahinglitt, und peinlich wälzten meine Gedanken die Worte hin und her, welche Gerald geſprochen hatte.„Was kann er meinen?“ ſprach ich halblaut,—„doch, was liegt daran?— vielleicht flößt ihm irgend eine niebrige Liebe, die Eroberung eines Dorfmäbchens, vieſen ungeheuren Hochmuth und eitle Prahlerei ein— Glück ſei mit einem ſo kühnen Abenteurer!“ und ich ging weiter der Küſte entlang nach meiner Lauerſtätte; nur noch einmal wandte ich mich nach Gerald um— er hatte jetzt eben die kleine Inſel erreicht, die ebenſo wegen ihrer guten Fiſcherei, als wegen des Schutzes berühmt war, welchen ſie den Schmugglern gewährte. 96 Enblich kam ich auf dem Hügel an und ſtellte mich wieder auf meinen Poſien. Die Zeit verſtrich, bis mit Finbruch der Dämmerung der Spanier heraustrat. Er ging langſam gegen die Stadt; ich folgte ihm in einiger Entfernung. Gerade vor derſelben beugte er in einen Fußpfad, der nach dem Strande führte. Da der Abend ungewöhnlich kalt und froſtig war, glaubte ich mich zu der überzeugung berechtigt, eine doch nicht ſo ganz un⸗ bedeutende Sache veranlaſſe den Spanier, der Witterung Trotz zu bieten. Mein Stolz ſträubte ſich etwas bei dem Gedanken, daß ich ihm nachgehe; aber ich über⸗ redete mich, daß Iſora's Glück und vielleicht das Wohl ihres Vaters davon abhinge, daß ich einige Kunde von dem Charakter und den Abſichten dieſes Barnard erhalte, der offenbar einen ſo gefähr ichen Einfluß über Tochter und Vater beſaß— auch zweifelte ich nicht, daß der Alte ſich jetzt auf den Weg gemacht habe, um mit jenem zuſammenzutreffen. Es war dies in den Zeiten der Ge⸗ heimniſſe und Intriguen— die Emiſſäre des Hauſes Stuart zeigten ſich fortwährend unter allen Klaſſen thätig— viele von ihnen, bekannte Individuen von niedriger Herkunft, verfolgten ihr Ziel eben wegen ihrer ſcheinbaren Unbedeutendheit unter den größten Gefahren. Mein Oheim, ein gemäßigter Tory, war, obwohl ruhig und ohne daß er ſich heftig äußerte, den Anſprüchen des verbannten Hauſes entgegen. Wie Sedley, der ein ſo entſchiedener Anhänger der Revolution wurde, hatte er den Hof Karls Il. und den Charakter ſeines Nachfolgers zu ſehr in der Nähe geſehen, um für den Einen oder den Andern große Achtung zu fühlen; gber er hielt es für unzi auszudr Freunde zu ſehr den Gef men. A obwohl ſprechen Winke über die Ohne 1 Barnar der Dir nerung, engliſch zurückge glaubte Sinnes Nach ſr die näch nach der rückſicht wenigſi dieſer m ſchon it deſſen C in welch Heftigk Wä auf den Bult ſtellte mich h, bis mit ustrat. Er in einiger er in einen der Abend ich mich zu ſo ganz un⸗ Witterung etwas bei r ich über⸗ tdas Wohl Kunde von ard erhalte, ber Tochter , daß der mit jenem ten der Ge⸗ des Hauſes len Klaſſen viduen von wegen ihrer nGefahren. wohl ruhig prüchen des der ein ſo de, hatte er Nachfolgers Einen oder er hielt es für unziemlich, ſeine Oppoſition gegen eine Partei laut auszudrücken, bei welcher ſich viele von ſeinen früheren Freunden befanden, und es war auch der gute alte Ritter zu ſehr durch Bande des Privatlebens gefeſſelt, um an den Gefühlen der Nation ſehr lebhaften Antheil zu neh⸗ men. An ſeiner reich beſetzten Tafel kam man indeſſen, obwohl zu ſeinem Mißfallen, gewöhnlich auf Politik zu ſprechen, und oft hatte ich dort in neuerer Zeit dunkle Winke über die Gefahr, der wir ausgeſetzt ſeien, und über die unruhigen Umtriebe der Jakobiten fallen hören. Ohne mich weiter zu bedenken, verdächtigte ich vieſen Barnard eines Anſchlages gegen die beſtehende Ordnung der Dinge, und es beſtärkte mich hierin noch die Erin⸗ nerung, daß der Spanier oft mit Bitterkeit von dem engliſchen Hofe geſprochen, der einige Anforderungen zurückgewieſen hatte, zu welchen jener ſich berechtigt glaubte, ſowie daß Jener von Natur ſehr unruhiger Sinnesart und zu kühnen Unternehmungen geneigt war. Nach ſolchen Beobachtungen hielt ich es für gerathen, die nächſte Gelegenheit zu ergreifen, um den Mann, der nach dem eigenen Geſtändniſſe des Spaniers aus Staats⸗ rückſichten eine gewiſſe Heimlichkeit um ſich rerbreitete, wenigſtens zu ſehen, wenn auch nicht auszufragen, und dieſer mein Wunſch, einen Mann zu ſehen, deſſen Name ſchon im Stande war, Iſora zittern zu machen, und deſſen Gegenwart ſie in den Zuſtand verſetzen konnte, in welchem ich ſie gefunden hatte, ſteigerte ſich bis zur Heftigkeit der Leidenſchaft. Während Alvarez zur Küſte hinabſtieg, hielt ich mich auf dem oberen Pfade, welcher den Klippen entlang Bulwer, Devereux. J. 7 98 führte. Eine Stelle, wo das Geſtein vielfach zerriſſen und zerklüftet war, gewährte mir einen Platz, von wel⸗ chem aus ich ungeſehen Alles beobachten konnte, was unter mir vorging. Das Erſte, was ich erblickte, war ein Nachen, der ſich raſch dem Uufer näherte; ein einziger Mann ſaß in demſelben; er ſtieß an's Land, und ich er⸗ kannte Gerald. Dies war ein furchtbarer Augenblick Alvarez näherte ſich ihm jetzt langſam; beinahe ein Stunde waren ſie zuſammen. Ich ſah, wie Gerald dem Spanier einen Brief übergab, der den Hauptgegenſtanh ihrer Unterredung auszumachen ſchien. Endlich ſchieden ſie, unter Bezengungen der Ehrerbietung eher, als der Vertraulichkeit. Don Diego kehrte nach Hauſe unz Geralb ſtieg wieder in das Bvot. Mit dunkeln, beinahe unbeſchreiblichen Gefühlen ſah ich daſſelbe über die Wellen dahingleiten.„Mein Feind! mein Nebenbuhler! der Zerſtörer meiner Hoffnungen!— mein Bruder — mein Zwillingsbruder!“— murmelte ich bitter zwiſchen den Zähnen. Das Bovot fuhr nicht in die vffene See— es ſchlich ſich am ufer hin, bis Entfernung und Dunkelheit mir kaum mehr geſtatteten, die Umriſſe von Geralds Geſtall zu erkennen. Jetzt legte er am Ufer an, und ich konnt eben noch wahrnehmen, wie die dunkle Geſtalt eines andern Mannes in den Nachen ſtieg, und Gerald ſiſeß, ſtatt nach Hauſe zu fahren, gegen die kleine Inſel ah. Ich brachte den größern Theil der Nacht unter freiem Himmel zu. Ermüdet und erſchöpft dadurch, daß ich meinen ſtürmiſchen Leidenſchaften nachhing, kam ich endlich anf meinem Zimmer an. Wie anderswo, ſo folgte auf P Alvar Iſora meine demz mir a wies ich ar war! Nein von als v daß nicht Gru ſchw ſen, Erw Vor Bar wen! Nac ſam ſteh auch titã der Dar fach zerriſſen atz, von wel⸗ konnte, was rblickte, war ein einziger ,n ich er⸗ r Augenblick beinahe eine Gerald dem ptgegenſtant dlich ſchieden eher, als der Hauſe unt keln, heinah be über die kebenbuhler! nBruder urmelte ich — es ſchlich nkelheit mit alds Geſtalt ud ich konnte zeſtalt eines Gerald ſtieß, ne Inſel ah. mter freien g„ kam ich derswo, ſo folgte indeſſen auch hier Gedanke auf Gedanke, Plan auf Plan. Sollte ich mit Gerald ſprechen? Sollte ich Alparez vertrauen? Sollte ich meine Bewerbung bei Iſora erneuern? Was konnte ich im erſten Falle von meinem Feinde zu erfahren hoffen? Was konnte ich in demzweiten von dem Vater erlangen, während die Tochter mir abgeneigt blieb? Im dritten Falle— auf dieſen wies mich mein Herz hin, und den dritten Plan beſchloß ich auszuführen. War ich aber gewiß, vaß Gerald dieſer Barnard war? Blieb mir keine Hoffnung, daß er es nicht ſei? Nein, ich konnte keine finden. Alvarez hatte mir nie von einem andern ihm bekannten Engländer geſprochen, als von Barncrd; ich hatte keinen Grund, anzunehmen, daß er je mit einem andern verkehrt habe. Wäre es nicht auch natürlich geweſen, wenn nicht ein triftiger Grund, wie zum Beiſpiel die Liebe zu Iſora, Still⸗ ſchweigen gebot— wäre es nicht auch natürlich gewe⸗ ſen, daß Gerald ſeiner Bekanntſchaft mit dem Spanier Erwähnung gethan hätte?— Wenn nicht ein dunkles Porhaben, wie dasjenige, welches offenbar zwiſchen Barnard und Don Diegv ſtattfand, das Verſteck noth⸗ wendig gemacht hätte, würde wohl Gerald allein— bei Nacht— an einem unbeſuchten Orte mit Alvarez zu⸗ ſammengekommen ſein? Worin dieſes Vorhaben be⸗ ſtehe, konnte ich nicht errathen— und kümmerte mich auch nicht darum. Mein ganzes Intereſſe an der Iden⸗ tität von Barnard und Gerald Devereur entſprang aus der Gewalt, welche Jener über Iſora zu beſitzen ſchien. Damit erklärte ſich auch auf einmal der Wunſch des vor⸗ 100 geblichen Barnard nach Verborgenheit und die Sorgfalt, womit dieſer Wunſch ausgeführt wurbe. Natürlich mußte Gerald, wenn er mein Nebenbuhler war, mich zu vermeiden ſuchen— und ihm, der jeden meiner Schritte beobachten konnte, wurde es natürlich ſehr leicht, ſich die Möglichkeit eines ſolchen Vermeidens zu ſichern. Dann fiel mir auch bei, daß Gerald wegen ſeiner Galanterie für jede weihliche Erſcheinung einen Namen hatte— und ich ſchloß die Augen, gleichſam um das Bild von mir zu verdrängen, wenn ich mich an die Schönheit ſeiner Geſtalt im Gegenſatze zu der ver⸗ hältnißmäßigen Unbedeutendheit der meinigen erinnerte. „Es iſt keine Hoffnung,“ wiederholte ich— und ſank endlich mehr in Bewußtloſigkeit als in Schlaf. Furchtbare, wilde Träume verfolgten mich in meinem Schlummer, und als ich am andern Morgen ſpät anz denſelben auffuhr, war ich nicht im Stande, das Bett zu verlaſſen— Aufregung und nächtliches Umherſtreifen hatten mir ein brennendes Fieber zugezogen. Nach vier Tagen war ich indeſſen hinlänglich hergeſtellt, um zu Pferde zu ſteigen— ich ritt nach der Wohnung des Spaniers— ich fand vort nur die Frau, welche Don Diego's ganze Bebienung ausgemacht hatte. Am Mor⸗ gen zuvor waren Alvarez und ſeine Tochter abgereist, Niemand wußte mit Gewißheit wohin; man glaubte aber annehmen zu dürfen, daß London das Ziel ihrer Reiſe ſei. Die Frau gab mir ein Billet— es war von Iſora— und enthielt nur folgende Zeilen: „Vergeſſen Sie mich— wir find jetzt für immer geſchieden. Wenn Ihnen mein innerer Friede— von geſprä zu erh mehr! Unrech ſtens e wirrun M zu bekt ſchloß ihn al Gefäll „2 e Sorgfalt, Natürlich war, mich den meiner türlich ſehr meidens zu rald wegen nung einen gleichſam ch mich an zu der ver⸗ erinnerte. ch— und in Schlaf. n meinem tſpät aus das Bett herſtreifen Nach vier t, um zu nung des che Don Im Mor⸗ bgereist, tglaubte ziel eihrer war von r immer — von Glück ſpreche ich nicht— theuer iſt, ſo ſuchen Sie un⸗ ſern künftigen Zufluchtsort nicht zu entdecken. Ich be⸗ ſchwöre Sie, denken Sie nicht mehr an das Vergan⸗ gene; Sie ſind jung, ſehr jung. Das Leben hat tauſend Wege für Sie; der eine oder der andere wird Sie der Erinnerung an mich entführen. Leben Sie wohl, noch einmal und noch einmal! Iſora d'Alvarez.“ Dieſem Billet war ein anderes von Don Diego in franzöſiſcher Sprache beigefügt, es war kälter und förm⸗ licher, als ich erwarten konnte— er dankte mir für die ihm bewieſene Aufmerkſamkeit— er bedauerte, daß er nicht perſönlich habe Abſchied nehmen können, und hatte die Summe beigeſchloſſen, durch deren Darleihen ſich unſere ſpätere Bekanntſchaft eröffnet hatte. „Es iſt gut!“ ſprach ich ruhig zu mir ſelbſt,„es iſt gut; ich will ſie vergeſſen,“ und augenblicklich ritt ich nach Hauſe.„Aber,“ fuhr ich in meinem Selbſt⸗ geſpräche fort,„ich will doch Gewißheit über eine Sache zu erhalten ſuchen, die einer Beſtätigung wohl kaum mehr bedarf. Ich will ſehen, ob Gerald ſein großes Unrecht gegen mich läugnen kann— es wird mir wenig⸗ ſtens einiger Troſt ſein, ſeinen Trotz und ſeine Ver⸗ wirrung mit anzuſehen.“ Mit dieſem Entſchluſſe eilte ich, Gerald zu Geſichte zu bekommen. Ich fand ihn in ſeinem Zimmer— ich ſchloß die Thüre, ſetzte mich lächelnd nieder und redete ihn alſo an:„Lieber Gerald, ich muß Dich um eine Gefälligkeit bitten.“ „Worin heſieht dieſelbe?“ „Wie lange kennſt Du einen gewiſſen Herrn Bar⸗ nard?“— Gerald wechſelte die Farbe— mit zitternder Stimme wiederholte er den Namen„Barnard?“ „Ja,“ ſagte ich mit erkünſtelter Ruhe,„Barnard! ein intimer Freund von Don Diego d'Alvarez.“ „Ich ſehe,“ ſagte Gerald ſich faſſend,„daß Du ge⸗ wiſſermaßen mit meinem Geheimniſſe bekannt biſt— in wie weit dies der Fall, kann ich nicht errathen; aber ich ſage Dir ganz offen, daß ich die Summe Deines Wiſſens nicht vermehren werde.“ Wenn Einer ſo recht wüthend iſt, ſo kann er zum Erſtaunen kalt erſcheinen! Allerdings war ich über Ge⸗ ralds Kühnheit und Preiſtigleit etwas betroffen, aber ich fuhr lächelnd fort:„Und wie lange haſt Du, wenn ich Dein Vertrauen nicht zu ſehr in Anſpruch nehme, Donna Iſora gekannt?“ „Ich ſage Dir,“ antwortete Gerald unfreundlich, „daß ich keinerlei Fragen beantworte.“ „Du erinnerſt Dich,“ entgegnele ich,„der alten Geſchichte von den beiden Brüdern Eteveles und Polh⸗ nices, deren Aſche ſich ſogar nicht vereinigen wollte— wahrlich, Gerald, unſere Liebe ſcheint ganz von der⸗ ſelben Art. Ich weiß nicht, oh unſere Aſche eine ſo lobenswerthe Antipathie an den Tag legen wird, aber unſere Herzen und Hände werden dies, denke ich, thun, ſo lange noch ein Funle von Leben in ihnen iſt; ja, wenn auch unſer Blut“(fügte ich mit vor Wuth zitternder Stimme hinzu)„uns am Kampfe mit dem Schwerte hindert, ſo hemmt es doch den Haß und die Flüche des Herzens nicht.“ Ge ſtamme aber we Ich und ver Es des Br jeder 1 zu zeige einer„ ſie ein einen Racheg Dr komme an ant übergl nur ei was ic zuſamt Ein M habe d vertau fällige Gegen und in 103 Gerald wurde blaß.„Ich verſtehe Dich nicht,“ ern Bar⸗ ſtammelte er—„ich weiß, daß Du mich verabſcheuſt; zitternder aber warum, warum bieſes übermaß von Groll?“ d?“ Ich warf ihm einen Blick bitterer Verachtung zu „Barnarb und verließ das Zimmer. 1. Es iſt nicht angenehm dem Leſer dieſe dunkeln Züge aß Du ge⸗ des Bruderhaſſes vorzuführen; aber in der Schilderung nt biſt— jeder Leidenſchaft liegt eine Moral, und weiſe iſt es, then; aber zu zeigen, bis zu welch ungeheurer Summe die Einheiten ne Deines einer Kinderfeindſeligkeit ſich anhäufen können, wenn ſie einmal durch irgend ein gewaltſames Ereigniß auf nn er zum einen Haufen gebracht und mit der Genauigkeit des über Ge⸗ Rachegefühls zuſammengerechnet werden. ffen, aber Doch ich ſehne mich, über vieſe Auftritte hinwegzu⸗ Du, wenn kommen, und der Strom meiner Geſchichte wird jetzt ich nehme, an autereu glänzenden und lachenden Ausſichten vor⸗ übergleiten. Ich ſchreibe, Dank ſei dem Himmel, nicht freundlich, nur eine Liebes⸗, ſondern eine Lebensgeſchichte, und was ich nicht übergehen kann, läßt ſich doch wenigſtens „der alten zuſammendrängen. und Poly⸗ ve Zehntes Kapitel. z von der⸗ Ein ſehr kurzes Kapitel— ſein Inhalt ein Kammerdiener. he eine ſo vird, aber Mein Oheim ſchmeichelte ſich mehre Wochen, ich ich, thun, habe den Wunſch, Derereux⸗Court gegen London zu ja, wenn vertauſchen, vergeſſen oder aufgegeben. Der gute, ge⸗ zitternder fällige Mann! Er war nicht wenig betrübt, als ich den Schwert Gegenſtand mit voppelter Feſtigkeit wieber vorbrachte Flüche des und in kurzer Zeit abzureiſen begehrte. Er handelie in⸗ 104 deſſen immer noch, um den böſen Tag hinauszuſchieben. Das Einemal war es unmöglich, Abſchied von mir zu nehmen, weil das Haus zu voll war, ein anderes Mal wäre es grauſam geweſen, ihn zu verlaſſen, weil das Haus ſo leer war. Inzwiſchen ging eine Veränderung mit mir vor, die bei unglücklichen Liebhabern nicht ge⸗ wöhnlich iſt, die aber meinem hochtrabenden und eiteln Charakter ſehr natürlich war. Ich wurde ein erſtaun⸗ licher Haſenfuß und der mäßigſte Stutzer, den man ſich denken kann. Der Grund lag darin, daß ich, ſobald der erſie Schmerz über Iſora's Abreiſe vorüber war, einigen Zweifel hinſicht ich der Aufrichtigkeit ihrer Gefühle gegen mich zu hegen begann. Konnte nicht Gerald, der ſchöne, der ſtaitliche, der glänzende Gerald unter dem ange⸗ nommenen Namen Barnard ein glücklicher Bewerber geweſen ſein? Konnte nicht daher Iſora's Verwirrung rühren, wenn dieſer Name genannt wurde, nicht daher die Macht, welche der alſo genannte über ſie aus⸗ übte? Kaum war dieſer Gedanke in mir aufgeſtiegen, ſo faßte er ſchon auch Wurzel. Wohl hatte Iſora mir gün⸗ ſtige Sefühle an den Tug gelegt; vielleicht hatte dies aber ſeinen Grund in ihrer Gefallſucht oder ihrem Mit⸗ leid. Meine Liebe war eine Knabenliebe geweſen, ge⸗ gründet auf Schönheit und durch Romantik herausge⸗ hoben Den Charakter der Gelieblen hatte ich nicht geprüft, und auf ihr Gemüth hatte ich nur nach ihrem Geſichte geſchloſſen. Leicht mochte ich getäuſcht worden ſein— ich redete mir ein, dies ſei wirklich der Fall ge⸗ weſen Viellelcht hatte Geralb für den jetzigen Auſent⸗ haltsort lachten bung un glaubte zu beme ich, in Weib w einem a Vergnü die Hül Freuder Bis da Andern verrath zeige, wart ve Di den zal Oheim beſchlot Witzes werben * T Aubrer Liebe. rieth, „E ſtern h buhler Verda zuſchieben. n mir zu deres Mal „weil das ränderung 1 nicht ge⸗ und eiteln n erſtaun⸗ nman ſich ſabald der r, einigen ühle gegen er ſchöne, em ange⸗ Bewerber erwirrung icht daher ſie aus⸗ iegen, ſo mir gůn⸗ ate dies em Mit⸗ eſen, ge⸗ herausge⸗ ich nicht ich ihrem t worden Fall ge⸗ Aufent⸗ 105 haltsort von Vater und Tochter geſorgt— vielleicht lachten ſie in dieſem Augenblicke über meine Mitbewer⸗ bung und meine Thorheit. So vft wir zuſammentrafen, glaubte ich um Geralds Lippen ein verächtliches Lächeln zu bemerken.„Er ſoll keinen Grund dazu haben,“ ſagte ich, in meinem Innerſten verwundet;„ich will dieſes Weib wirklich ganz vergeſſen, und voch, wenn auch auf einem anderen Felde, meinen Nebenbuhler verdunkeln. Vergnügen— Ehrgeiz— der Glanz eines Hofes— die Hülfsmittel des Reichthumes laden mich zu tauſend Freuden ein. Ich will nicht taub für ihre Stimme ſein. Bis dahin will ich weder Jenem, noch irgend einem Andern die Spur, die Narbe der empfangenen Wunde verrathen, und Gerald dadurch demüthigen, daß ich ihm zeige, daß, ſo ſchön er iſt, er doch in meiner Gegen⸗ wart vergeſſen werden ſoll!“ Dieſem vortrefflichen Entſchluſſe zufolge machte ich den zahlreichen Damen, von denen das Haus meines Oheims ſtets bevölkert war, unabläſſig den Hof und beſchloß, unter ihnen den Ruf der Galanterie und des Witzes vorzubereiten, den ich mir in der Stadt zu er⸗ werben vorgenommen hatte. „Du biſt ſeir Deiner Liebe ſehr verändert!“ ſagte Aubrey eines Tages zu mir,„aber nicht durch Deine Liebe. Geſlehe, daß ich Recht hatte, als ich Dir ab⸗ rieth, ihr nachzuhängen!“ „Sage mir!“ ſprach ich, meine Stimme zum Flü⸗ ſtern herabſenkend,„glaubſt Du, Gerald ſei mein Neben⸗ buhler geweſen?“ und ich zählte wieder die für meinen Verdacht ſprechenden Gründe auf. 106 In Aubrey's Zügen ſprach ſich Erſtaunen aus, als er zuhörte. „Es iſt ſeltſam— ſehr ſeltſam,“ ſagte er,„und der Nachen iſt ein faſt entſcheidender Beweis; dennoch halte ich ihn noch für nicht ganz hinreichend, um gar keinen Zweifel mehr zuzulaſſen. Allein was liegt daran? — Du haſt jetzt Deine Liebe beſiegt.“ „Ja,“ ſagte ich lachend,„ich habe ſie beſiegt und hin jetzt ehen daran, eine neue Königin für mein Herz zu finden. Was benkſt Du von der Lady Haſſelton?— eine ſchöne, lebhafte Dame. Ich brauche nur ihre Liebe, um der Beneibenswertheſte, und einen franzöſiſchen valet-de-chambre, um der nnwiderſtehlichſte aller Menſchen zu ſein.“ „Die erſtere iſt wohl leichter zu erhalten, als der letztere,“ verſetzte Aubrey;„gefällige Damen findet man überall, aber franzöſiſche valels macht der Krieg zu eine Seltenheit.“ „Wahr,“ antwortete ich;„es fiel mir aber auch nie ein, eine Vergleichung zwiſchen ihrem reſpektiven Werthe anzuſtellen. Die Lady Haſſelton iſt, vhne ihren Verdienſten Eintrag thun zu wollen, nur ein Weib— ein franzöſiſcher valet aber, der ſein métier verſteht, bewaffuet uns zur Eroberung von Tauſenden“— und ich ging in den Geſellſchaftsſaal. Das Schickſal, das mir die werthvolle Zuneigung der Laby Haſſelton vorausbeſtimmt hatte, gewährte mir auch, und zwar noch früher, das noch ſchätzbarere Ge⸗ ſchenk eines franzöſiſchen valet. Etwa zwei oder drei Wochen nach jener weiſen Unterredung mit Aubrey, ſtellte ſich vor, poU le comte dene Zuv machte ſe und ſeine Ich bewunde ſon des vor, als Der Held gebildete faſhionabl „Ic Du nac nem Ri Du daz Wagen Henker, leinen« ſchen S „Y die, wi Schöne meinem fand,„ aus, als er,„und dennoch um gar gt daran? eſiegt und nein Herz elton?— hre Liebe, nzöſiſchen hſte aller t, als der en findet der Krieg r auch nie eſpektiven hne ihren Weib— verſieht, *— und uneigung ährte mir rere Ge⸗ oder drei Aubrey, 107 ſtellte ſich mir das allerfeinſte Männchen von der Welt vor, pour le ponheur suprèéme de soigner Monsieur ſe comte. Verſtand ſtrahlte in ſeinen Augen, beſchei⸗ dene Zuverſicht thronte auf ſeiner Stirne, Ehrerhietung machte ſeinen Schritt ſo leicht, wie den eines Zephyr, und ſeine Manſchetten waren der Neid der Welt! Ich nahm ihn auf den erſten Blick und ſiellte den vewundernden Hausbewohnern in der ätheriſchen Per⸗ ſon des Jean Desmarais einen noch größeren Stutzer vor, als Graf Devereur war. Elftes Kapttel. Der Held zeigt ſich in allen Ehren als einen Stutzer— Eine gebildete Dame aus dem achtzehnten Jahrhundertt und ein faſhionables Zwiegeſpräch— Das Weſentliche eines ſolchen iſt durch alle Jahrhunderte gleich. „Ich venke, Morton,“ agte mein Oheim,„wenn Du nach der Stadt gehſt⸗ mußt Du auch auf eine Dei⸗ nem Range entſprechende Art erſcheinen. Was ſagſt Du dazu, wenn Du in meinem grün und goldenen Wagen auf der Landſtraße vahinftiegſt? Hol' mich der Henker, will Dir ein Geſchenk damit machen. Nein— teinen Dank— und vier von meinen ſchwarzen flandri⸗ ſchen Stuten ſollſt Du haben, um ſie davor zu ſpannen.“ „Mein lieber Sir William,“ ſagte Lady Haſſelton, die, wie man ſich erinnern wird, die Tochter einer der Schönen von König Karl war, und ſich eben allein mit meinem Oheime und mir in vem Frühſtückszimmer be⸗ fand,„mein lieber Sir William, es wäre, meine ich, 108 noch ein beſſerer Plan, wenn Sie zugeben wollten, daß uns der Graf nach der Stadt begleite. Wir reiſen nächſte Woche. Er ſoll einen Platz in unſerem Wagen haben— Lovell'n unſere Poſtpferde bezahlen helfen— uns in den Gaſthöfen beſchützen— den Kellner in den niedlichen Modeflüchen ſchelten, die ſo unſchuldig find, daß ich ſie Seine gräflichen Würden ſelbſt lehren will. Bin ich nicht abſchreckender, als meine geehrte Mutter, über deren Schönheit Sie ſich in ſo großem Lobe er⸗ gießen, ſo werden Sie wohl geſtehen, Sir William, daß dies für Ihren Neffen beſſer iſt, als wenn er, ein Schnupftuch um den Kopf, die Kälte abzuhalten, ein⸗ ſam in Ihrem grün und goldenen Wagen Buße thut, mit keiner beſſeren Beſchäftigung für die Phantaſie, als Sonette auf die vier flandriſchen Stuten zu machen.“ „Hol' mich der Henker, Madame, Sie haben eben ſowohl Ihrer Mutter Witz, wie deren Schönheit ge⸗ erbt,“ rief mein Oheim mit entzückter Miene. „Und Seine gräflichen Würden,“ antwortete ich, „werden die Einladung annehmen, ohne erſt den Oheim um Erlaubniß zu fragen.“ „Wie, das iſt leck für einen Herrn von—, laſſen Sie ſehen, dreizehn— ſo alt ſind Sie wohl?“ „Wirklich,“ antwortete ich,„man lernt die Zeit in Lady Hoſſelton's Geſellſchaft ſo fürchterlich vergeſſen, daß ich mich nicht einmal erinnere, wie lange ſie für mich vorhanden geweſen iſt.“ „Bravo,“ rief der Ritter mit feucht werdendem Auge,„Sie ſehen, Madame, der Knabe hat nicht um⸗ ſonſt mit ſeinem alten Oheime gelebt.“ „Ich mit eine alle Eleg aber— Spiegel ſo Anfiec den. Abe (ʒch ſiun „ach, da ſpiegel v ſich ja vr „Der nicht, ab Ihre Zü „Wi „Der Hand au „Bei mein Oh „Ich meine Bl nie, auch müſſen m „Ich ſchwingen man, der zu begegr Graf, Si ſagen Sie in einem olIten, daß Wir reiſen tem Wagen nhelfen— Uner in den huldig find, lehren will. te Mutter, m Lobe er⸗ r William, enn er, ein aten, ein⸗ Buße thut, Phantaſie, u machen.“ haben eben önheit ge⸗ e. ortete ich, den Oheim P die Zeit in vergeſſen, ge ſie für verdendem nicht um⸗ —, laſſen „Ich bin in Erſtaunen verloren,“ ſagte bie Lady mit einem Blicke in den Spiegel;„nun, Sie werden alle Elegants durch Ihr erſtes Auftreten verdunkeln— aber— aber— Sir William— wie grün ſind dieſe Spiegel geworden! wahrlich, die Landluft hat etwas ſo Anſteckendes, daß ſogar die Spiegel grün davon wer⸗ den. Aber— Graf— Graf— wo ſind Sie, Graf?“ (Ich ſtand der ſchönen Sprecherin gerade gegenüber) „ach, da find Sie— bitte— führen Sie einen Taſchen⸗ ſpiegel von der ächten Art bei ſich? Doch, das verſteht ſich ja von ſelbſt— leihen Sie ihn mir.“ „Den Spiegel, welchen Sie verlangen, habe ich nicht, aber ich führe einen anderen Spiegel bei mir, der Ihre Züge viel getreuer wiederſtrahlt.“ „Wie! Ich verſtehe Sie wahrhaftig nicht!“ „Der Spiegel iſt hier!“ ſagte ich, und legte die Hand aufs Herz. „Bei Gott— ich muß den Jungen küſſen!“ rieſ mein Oheim aufſpringend. „Ich habe geſchworen,“ ſagte ich und heftete dabei meine Blicke auf die Lady;„ich habe geſchworen, mich nie, auch nicht von einem Weibe küſſen zu laſſen. Sie müſſen mir verzeihen, Oheim.“ „Ich erkläre,“ rief Lady Haſſelton, ihren Fächer ſchwingend, der etwas kleiner war, als ver Schirm, den man, der Unbequemlichkeit eines zu großen Zimmers zu begegnen, in große Salons ſtellt—„ich erkläre, Graf, Sie haben ein ziemlich Stück Originalität. Aber ſagen Sie mir, Sir William, wo erwarb ſich Ihr Neffe in einem ſo jugenblichen Alter— elf Jahre, ſagen Sie, 14⁰ zähle er—, einen ſolchen Schatz liebenswürbiger Aſſurance?“ „Laſſen Sie, Madame, den Jungen ſelbſt ant⸗ worten.“ „Imprimis alſo,“ ſagte ich, mit dem Bande meine Stockes ſpielend,„imprimis durch frühes Studium der beſten Autoren— Congreve und Farguhar, Ethereg und Rocheſter. Zweitens durch den beſtändigen Umgan mit einer Geſellſchaft, die einen mit einem ſolchen Uhen maß von Arger erfüllt, daß einem die Verzweiflun die Kühnheit gibt— ſich ihrer zu entledigen. Dritten durch das perſönliche Beiſpiel von Sir William Dey⸗ reux, und viertens durch die Begeiſterung der Hoffnung“ „Hoffnung, Sir!“ rief Lady Haſſelton, ihr Geſich mit dem Fächer bedeckend, ſo daß ich nur einen Schin⸗ mer von dem äußerſten Pfläſterchen auf ihrer linle Wange ſah,„Hoffnung, Sir!“ „Ja— die Hoffnung, Ihnen zu gefallen. Erlaube Sie mir, beizufügen, daß dieſe Hoffnung jetzt zur G. wißheit geworden iſt.“ „Auf mein Wort, Graf—“ „Nein, Sie können es nicht läugnen— wen Unverſchämtheit nicht verläßt, der iſt unwiderſtehlich „Sir William,“ rief Lady Haſſelton,„geben S dem Grafen immer Ihren grün und goldenen Waz und Ihre vier flandriſchen Stuten, und ſenden S ſeiner Mutter Kammerfrau mit ihm. Mit mir ſoll, nicht gehen.“ „Grauſame! und warum?“ ſagte ich. „Sie ſind zu—“ die Lady ſchwieg und ſah mi über ih „Sie f Jahre „V überdie Muſe — ode ſich me der der C ton au Ic was m von der Graf!“ viele G machen dieſelbe zu En aus der L habe i die Hei in klaſſ ſchlug: Gotthe ähnlich „2 himmli benswürdiger n ſelbſt ant⸗ Bande meine Studium de ar, Ethereg igen Umgan ſolchen Uber Verzweiflun en. Dritten illiam Dev⸗ rHoffnung , ihr Geſich einen Schin⸗ ihrer linke en. Erlaube jetzt zur G. n— went viderſtehlich⸗ „„ geben S denen Wag⸗ d ſenden Ei it mir ſoll und ſah mi 114 über ihren Fächer an. Sie war wirklich ſehr hübſch— „Sie ſind zu alt, Graf. Sie müſſen mehr, als neun Jahre zählen.“ „Verzeihen Sie mir,“ſagte ich,„ich bin neun— überdies iſt neun eine ſehr myſtiſche Zahl und ſtellt die Muſen vor, die, wie Sie wiſſen, beſtändig die Venus — oder Sie begleiten, was daſſelbe iſt; ſo können Sie ſich meiner Geſellſchaft ebenſo wenig entſchlagen, wie der der Grazien.“ „Guten Morgen, Sir William!“ rief Lady Haſſel⸗ ton aufſtehend. Ich bot ihr die Hand, ſie zur Thüre zu führen— was mir höchſt ſchwierig wurde, denn ihr Reifrock war von der neueſten Unermeßlichkeit des Umfanges.„ Gut, Graf!“ ſagte ſie,„ich ſehe mit Vergnügen, daß Sie ſo viele Gelehrſamkeit von der Schule mitgebracht haben; machen Sie den beſten Gebrauch davon, ſo lange Ihnen dieſelbe bleibt, denn Ihr Gedächtniß wird Ihnen bis zu Ende kommenden Winters kein einziges Gleichniß aus der Mythologie mehr bieten.“ „Das wäre wirklich Schade!“ ſagte ich,„denn ich habe im Sinne, eben ſo vielen Göttinnen zu dienen, als die Heiden hatten und es wäre mir angenehm, denſelben in klaſſiſchen Formen meine Verehrung darzubringen.“ „Oh, der ruchloſe Junge!“ rief die Schöne und ſchlug mich mit ihrem Fächer.„Bitte, welchen anderen Gottheiten außer der Venus wäre ich denn noch ähnlich?“ „Allen!“ antwortete ich—„wenigſtens allen himmliſchen!“ 11²2 Obwohl ſchon halb außer der Thüre, wand ſie ihren Reifrock noch einmal los und trat zurück.„Behlte, den Göttern ebenſowohl, a's den Göttinnen?“ „Gewiß.“ „Sie ſcherzen— ſagen Sie mir in wie ferne.“ „Nichts leichter! Sie gleichen dem Merkur wegen Ihrer Diebſtähle.“ „Diebſtähle!“ „Ja; geſtohlene Herzen und,“ ſetzte ich flüſternd hinzu,„Blicke— dem Jupiter, theils wegen der Blitze, die ſie in beſagten Blicken verſchießen— hauptſächlich aber, weil Ihnen Alles unterthänig iſt— dem Neptun, weil Sie ſo veränderlich ſind, wie die See— vem Vulkan, weil Sie unter den Flammen leben, die Sie anfachen— und dem Mars, weil—“ „Sie ſo zerſtörend find,“rief mein Oheim. „Ganz richtig, und weil,“ ſetzte ich hinzu, nach⸗ dem ich die Thüre hinter der Schönen zugemacht— „weil Sie, Dank ſei Ihrem Reifrocke, neun Jaucherte Landes bedecken.“ „Potz Fiſch, Morton,“ ſagte mein Oheim, Du ſetzeſt mich oft in Erſtaunen— das eine Mal, weil Du ſo zurückhaltend, ein ander Mal, weil Du ſo dreiſt biſt; heute ſo munter, morgen ſo traurig. Nun, Labh Haſſelton(ſie iſt ſehr hübſch, he! meiner Treu, aber mit der Mutter nicht zu vergleichen) ſagte mir in der vergangenen Woche, ſie habe Dich in der Ver⸗ zweiflung aufgegeben, und weil Du ſo langweilig ſeieſt, alle Hoffnung auf Dich verloren; und jetzt, bei Gott, haſt Du ein Leben in Dir, vas Sidne) ſelbſt ni junger „ führt; ich mick weiſen. „G einem widerſp Bei Go ſagte: von dei nehmen wie ma ſie c NN* gemäß, durch l Wahrh Stelle i „S füchtig wegen denken? „ „A biſt, w die beſt chen— „V Bnl anb ſie ihren Behüte, den ferne.“ erkur wegen ich flüſternd der Blitze, auptſächlich em Neptun, — en, die Sie im. inzu, nach⸗ gemacht— Jaucherte heim, Du Mal, weil Du ſo breiſt Nun, Labh Treu, aber e mir in tder Ver⸗ langweilig und jetzt, as Sidney 11³ ſelbſt nicht übertroffen haben könnte. Wie kommt das, junger Herr, he?“ „Nun, Oheim, Sie haben den Grund ſelbſt ange⸗ führt; gerade weil Sie geſagt, ich ſei langweilig, habe ich mich entſchloſſen, Sie einer Unwahrheit zu über⸗ weiſen.“ „Gut, das hat etwas für ſich, Junge; wir müſſen einem übeln Rufe immer durch perſönliches Vervienſt widerſprechen. Aber was denkſt Du von Ihro Gnaden? Bei Gott, Du weißt, was der alte Bellair von Emilie ſagte:„„Mache viel aus ihr— ſie iſt eine der Beſten von deiner Bekanntſchaft. Ihr Außeres, wie ihr Be⸗ nehmen gefällt mir. Wahrlich, ſie hat eine Sittſamkeit, wie man ſie in unſern Zeiten ſelten trifft; ja, die hat ſie.““ Läßt ſich ſehr leicht anwenden— he, Junge?“ „„Ich kenne ihren Werth, Sir, und ſchätze ſie dem⸗ gemäß,““ antwortete ich aus demſelben Stücke, das ich durch langes Studium auswendig wußte.„Allein, die Wahrheit zu geſtehen,“ ſetzte ich hinzu,„ſch meine, die Stelle über ihre Sittſaukeit hätten Sie auslaſſen können.“ „Siehe doch— Ihr jungen Laffen ſeid ſehr tadel⸗ füchtig— zum Henker, junger Herr, Du wirſt doch wegen ihres Witzes nichts Schlimmes von ihrer Tugend denken?“ „Hm!“ „Ach, Junge— wenn Du einmal in meinem Alter biſt, wirſt Du erfahren haben, daß ſtille Katzen nicht die beſten ſind, und dies erintert mich an ein Geſchicht⸗ chen— ſoll ich Dir's erzählen, Kind?“ „Wenn es Ihnen gefällig wäre, Sir.“ Bylwer, Devereur, 1. 8 114 „Sapperment— wo iſt meine Doſe?— ah, hier meiner iſt ſie. Ja, junger Freund, Du ſollſt das ganze Ding ſugen— von Anfang bis zu Ende hören. Sebley und ich ſprachen andere eines Tages über Weiber. Sid war in dieſem Spiele„Y Meiſter— keine Leidenſchaft kennſt Du— keine Liebe ſolche von ſeiner Seite— nichts der Art— Alles mit Lineal dieſelbe und Compaß ausgemeſſen— kannte die Weiber ſo gut,„N wie die Würfel und berechnete genau den Moment, wenn und da ſeine Schlingen nach den Grundſätzen der Geomeiri Sid ni da, Junge, eine Priſe.— Ja, da ſagte ich zu Sir Chan weſenhe les:„„Allem nach, glaube ich, wird Ihnen die Wittn noch ſel 3 entſchlüpfen— hol' mich der Kuckuk.— Nach welchen„W 3 Prinecipien der Wiſſenſchaft urtheilen Sie ſo, Sir Wil beſſer, liam? fragte er.— Nun, meiner Treu, ſie iſt ſo be⸗ es, daß ſcheiden, wie Sie ſehen, und hat eine ſo nette An Freund fangen mußten. Ein verdammt gewandter Burſche, mei⸗ ſum ſch ner Treu— aber ein verfluchter Spitzbube;— doch Sapper nichts weiter hiervon— ſtille!— müſſen den Todie ſagen, nichts Schlimmes nachſagen— und endlich iſt es ja auc„3 nur ein Verdacht von uns, verſtehſt Du. Der arm„M 31 Burſche— ich glaube nicht, daß er ein ſolcher Schurk einem war; er gab einſt einem Bettler einen Engelthaler,—„S zu erröthen.— Hört einmal, Freund Devereur,“ veutig ſagte Sir Charles, indem er ſeinen Halskragen glalt hob er ſtrich und ſeine Worte, wie er dies ſo in der Gewohn„N heit hatte, gleich einem Mußikſtücke ableierte,„„hört viel ich einmal, Freund Devereur, ich will Euch meine gan zu nehn Lebenserfahrung in einer einzigen Marime geben— do⸗ Alles. für, daß ſie neu iſt, ſtehe ich, und nach meiner Anſicht Glücken iſt ſie auch tief, und dieſe Marime iſt—““ Nein ſeltſame — ah, hier ganze Ding ich ſprachen eſem Spiele keine Liebe mit Lineal iber ſo gut, ment, wenn Geometri urſche, mei⸗ be;— doch den Todter ſt es ja auc Der arm her Schurk elthaler,— u Sir Char⸗ die Wittw lach welchen , Sir Wil ie iſt ſo be⸗ o nette An evereur,“ kragen glatt er Gewohn⸗ rte,„„hört meine ganze geben— di⸗ iner Anſicht —4 Nein meiner Treu, Morton— nein, ich kann Dir's nicht ſagen— es iſt gar zu arg, und dann nimmt es das ganze andere Geſchlecht gar zu ſehr mit.“ „Mein lieber Oheim, laſſen Sie mich doch keine ſolche Tantalusqual ausſtehen— bitte, ſagen ſie mir vieſelbe— es ſoll ein Geheimniß bleiben.“ „Nein, Junge, nein— es würde Dich verderben— und dann wäre es auch für das Andenken des armen Sid nicht gut. Aber, Gott's Tod, es war ein wunder⸗ ſam ſchlaues Wort— meiner Treu, das war es, Aber Sapperment— Morton— ich habe vergeſſen, Dir zu ſagen, daß ich heute einen Brief von dem Abbé erhielt.“ „Ja! und wann kommt er zurück?“ „Morgen, ſo Gott will!“ ſagte der Ritter mit einem Seufzer. „So bald, oder vielmehr nach einer ſo langen Ab⸗ weſenheit! Nun, das freut mich. Ich möchte ihn gerne noch ſehen, ehe ich Sie verlaſſe.“ „Wirklich?“ fragte mein Oheim,„da häſt Du es beſſer, als ich!— Aber, potz Fiſch, Morton, wie kommt es, baß Du mit dem Pfaffen vor ſeiner Abreiſe ſo gut Freund wurdeſt? Früher ſprach er gewöhnlich ſehr zwei⸗ deutig von Dir, und als ich ihn das letztemal ſah, er⸗ hob er Dich bis in den Himmel.“ „Nun, die Geiſtlichen ſeines Glaubens haben, ſo viel ich weiß, die Gewohnheit, den Starken in Schutz zu nehmen und den Schwachen zu zertreten— das iſt Alles. Er glaubte einmal, ich ſei dumm genug, mein Glück mit Füßen zu treten, und dann hatte er einige ſeltſame Zweifel hinſichtlich meines Seelenheiles— jetzt 116 hält er mich für klug genug, um mein Glück zu machen, und es iſt erſtaunlich, welche Achtung er für meine Grundſätze gefaßt hat.“ „Ha! ha!— ha!— Du haſt etwas von dem Humor Deines Oheimes in Dir— und bei Gott, Du haſt nicht wenig Weltkenntniß, wenn ich bedenke, welch kleinen Theil derſelben Du geſehen.“ Ein Hieb auf die katholiſchen Geiſtlichen galt in den Augen meines guten Oheimes für den Culminations⸗ punkt des Witzes und der Weisheit Immer halten uns diejenigen für ſehr verſtändig, welche glauben, wir ſeien mit ihnen einerlei Anſicht. Um einfältig zu ſein, muf man anders denken wie die Leute— um tief zu ſein muß man mit ihnen übereinſtimmen. „Aber Sir,“ antwortete der weiſe Neffe,„Sie vet⸗ geſſen, daß ich mehr von der Welt geſehen habe, alz Manche, die zweimal ſo alt ſind, wie ich. Ihr Ham war, ſo lange ich in demſelben war, von Gäſten voll, und ehe ich dreizehn Jahre alt war, ſtellten Sie mich auf einen Standpunkt, wo ich meine Bemerkungen me⸗ chen konnte. Liest man dann auch Bücher über das wirk⸗ liche Leben, und gerade die Zeit, in welcher man ſelbſ lebt, ſo iſt es erſtaunlich, wie natürlich einem die Bemer⸗ kung erſcheint und wie gut man ſich derſelben erinnert.“ „Beſonders, wenn einer ein Genie dazu hat,— he, Junge? Und dann haſt Du auch mein Stück geleſen— Horazens Satire in ein Spottgedicht auf Deine Mit⸗ ſchüler umgewandelt— während der Ferien regelmäßig den Aſſiſen beigewohnt— auf den Landbällen getanzt und ſehr frühzeitig die männliche Kokette bei den De men geſp Tage mit „Beſ Sir?“ ſo „übe telnd,„ „Ja, ſowohl i Tugend werden! „Po kel. Wo — ſchon „Ne ſpielen, Sie erin Die Er Als der Und ſchmitzte teur, de ſo leicht man ſich Lachen e ſo demüt dann ge oder in ſagt hal minations⸗ halten unt „wir ſeien ſein, muß ef zu ſein, „Sie ver⸗ habe, al Ihr Han äſten voll, n Sie mich ungen m⸗ er das wirk⸗ man ſelbſ die Bemer⸗ erinnert.“ hat,— he, geleſen— ein Mit⸗ regelmäßig en getant ei den Do⸗ 117 men geſpielt. Potz Fiſch, Knabe!— es iſt höchſt merk⸗ würdig, zu ſehen, wie die jungen Stutzer der heutigen Tage mit dem Cvurmachen umzugehen wiſſen.“ „Beſonders, wenn einer ein Genie dazu hat— he, Sir?“ ſagte ich. „überdies haſt Du auch,“ ſagte mein Oheim ſpöt⸗ telnd,„die Belehrungen des Abbe genoſſen.“ „Ja, und wenn die Prieſter ihren Zöglingen eben⸗ ſowohl ihre Erfahrung in der Schwachheit, wie in der Tugend mittheilen würden, wie weiſe müßten wir da werden!“ „Potz Fiſch, Morton, Du ſprichſt ja wie ein Ora⸗ kel. Woher haſt Du dieſe Meinung von den Pfaffen? — ſchon durch Beobachtung des Lebens?“ „Nein, Oheim— durch Beobachtung aus Schau⸗ ſpielen, welche Sie die Spiegel des Lebens nennen— Sie erinnern ſich, was Lee ſagt: Man meint, Die Erde habe den Prieſtern für Körper mehr zu danken, Als der Himmel für Seelen.“ Und der Oheim lachte und nannte mich einen ver⸗ ſchmitzten Burſchen. Geſtehen Sie, Monsieur le Lec- teur, daß, wenn man den Namen eines witzigen Kopfes ſo leichten Kaufes erlangen kann, es Schade wäre, wenn man ſich nicht darum bewerben wollte!— Wenn Sie je Lachen erregen und wegen Ihres Humors gelobt werden, ſo demüthigen Sie ſich und thun Sie Buße— Sie dürfen dann gewiß ſein, daß Sie etwas ungemein Einfältiges, oder im beſten Falle etwas höchſt Ungeſchicktes ge⸗ ſagt haben. 118 Zwölftes Kapitel. Des Abbe's Wiederkehr— Ein Schwert und ein Selbſit⸗ geſpräch. Als ich am folgenden Morgen allein auf meinem Zimmer ſaß, trat plötzlich der Ahbé Montreuil herein. „Ach, ſind Sie es? Willkommen!“ rief ich. Der Prie⸗ ſter breitete ſeine Arme aus und umarmte mich wie der zärtlichſte Vater. „Ihr Freund,“ entgegnete er,„iſt endlich zurück⸗ gelehrt, um Sie zu ſegnen und Ihnen Glück zu wün⸗ ſchen. Sehen Sie, wie erfolgreich meine Bemühungen für Sie waren,“ und der Abbe zog eine lange, lederne, reich mit Gold eingelegte Kapſel hervor. „Wie, Abbé,“ ſagte ich,„ſoll ich dies als ein Ge⸗ ſchenk für Ihren älteſten Zögling anſehen?“ „Gewiß,“ ſagte Montreuil, indem er die Kapſel öffnete und ein Schwert herausnahm; das Licht fiel auf den Griff, und geblendet von deſſen Glanze fuhr ich zurück; er war mit Edelſteinen ganz bedeckt, die augen⸗ ſcheinlich vom höchſten Werthe waren. An den Griff war ein kleines Stück Purpurſammt befefligt, worauf mit goldenen Buchſtaben ſtand:„Dem Sohne des Marſchall Devereux, des Kämpfers für Frankreich und des Freundes von Ludwig XIV.“ Ehe ich mich noch von meinem Erſtaunen über die⸗ ſen Anblick erholt hatte, ſagte der Abbé;„Aus bes Königs eigenen Händen empfing ich dieſen Degen, und ich bin hevollmächtigt, Ihnen zu ſagen, daß, wenn Sie denſel einer Stel würdig iſt „Im gegenwärt Feindes.“ „Fein der Abbé gen von ſchaft des mit der 3 land.“ Den ſtehen, ur chelten E verändert lenkte er gen, den bers anſte Milde ur weilte en denen Lut mich ſelbſ mir, wie zuerſt gel ſich einge mehr nac derte er Hof umg Vergnüg Selbſt⸗ meinem il herein. per Prie⸗ wie der h zurück⸗ zu wün⸗ nühungen lederne, s ein Ge⸗ ie Kapſel t fiel auf fuhr ich ie augen⸗ den Griff worauf ohne des reich und über die⸗ „Aus bes gen, und ß, wenn 119 Sie denſelben je im Dienſie Frankreichs ziehen, er von einer Stelle begleitet ſein wird, die Eures Namens würdig iſt.“ „Im Dienſte Frankreichs!“ wiederholte ich;„im gegenwärtigen Augenblicke wäre dies im Dienſte eines Feindes.“ „Feindes nur von einem Theile Englands!“ ſagte der Abbe mit Nachdruck;„vielleicht habe ich Eröffnun⸗ gen von andern Monarchen an Sie, und die Freunt⸗ ſchaft des franzöſiſchen Hofes dürfte gleichbedentend ſein mit der Freundſchaft des wahren Regenten von Eng⸗ land.“ Den Sinn dieſer Worte konnte man nicht mißver⸗ ſtehen, und ich kehrte mich mitten in meiner geſchmei⸗ chelten Eitelkeit erſchrocken ab. Der Abbe bemerkte den veränderten Ausdruck in meinen Zügen, und gewandt lenkte er das Geſpräch auf Bemerkungen über den De⸗ gen, den ich immer noch mit dem Feuer eines Liebha⸗ bers anſtarrte. Von da kam er zu einer Schilderung der Milde und Größe des königlichen Gebers— und ver⸗ weilte endlich bei den ſchmeichelnden Ausdrücken, in denen Lubwig von meinem Vater geſprochen, und über mich ſelbſt Erkundigungen eingezogen habe; er berichtete mir, wie das erlauchte Haus, in welches mein Vater zuerſt geheirathet hatte, hoffe, deſſen Sohn bald bei ſich eingeführt zu ſehen; mit einer Beredſamkeit, die mehr nach dem Hofe als nach dem Kloſter roch, ſchil⸗ derte er mir denblendenden Kreis, der den franzöfiſchen Hof umgebe, und als Eitelkeit, Neugierde, Liebe zum Vergnügen, Ehrgeiz, Alles, wofür junge Gemüther 12⁰ am meiflen empfänglich ſind, in vollem Aufruhr waren, hrach er plötzlich ab und ſagte mir gute Nacht. „Halt, mon pére!“ ſagte ich; und als ich ihn da⸗ bei aufmerkſamer anſah, als ich bisher gethan, bemerkle ich eine Veränderung in ſeinem äußeren Auftreten, ver mich etwas betroffen machte. Montreuil war früher in ſeinem Anzuge ausnehmend einfach geweſen; jetzt ba⸗ gegen war er reich gekleitet, und an ſeiner Seite hing ein Degen, welcher dieſelbe früher nicht geſchmückt hatte. Auch in ſeinem Blicke ſchien etwas der Verän⸗ derung ſeiner Kleidung zu entſprechen; vb nun bie lange Abweſenheit in mir die Erinnerung an ſeine Züge ſo ſehr verwiſcht hatte, daß ich jetzt für den wirklich in ihnen liegenden Ausdruck empfänglicher war, oder ob der Umgang mit Königen und Edeln in neuerer Zeit dem Geſichte mehr Würde gegeben hatte, wie die Macht Cromwells Solbatenmiene mit dem Herrſcheranſtande bekleidet haben ſollte— will ich zu entſcheiden mir nicht anmaßen; aber in ſeiner hohen Stirne und dem röml⸗ ſchen Profil, den zuſammengebrückten Lippen und der ruhigen, aber ſtolzen Miene ſchien ſich ein mir früher nicht bemerkbar gewordener Abel auszuſprechen.„Halt, mein Vater,“ rief ich mit einem Blicke auf ihn,„ſagen Sie mir, wenn ich mir eine ſolche Frage erlauben darf, ob Goldſtoffe und Degen ſich mit den Geſetzen des Or⸗ dens Jeſu vertragen?“ „Politik, Morton,“ antwortete Montreuil,„ent⸗ hebt uns oft der äußeren Sitte, und die Geſetze des Inſtitutes haben ſich mit ihrer gewöhnlichen Klugheit für weltliche und zeitliche Anläſſe vorgeſehen. Selbſt währen meiden geſtatte renti: bus m „ S der auf wenn( gemach wenn i bahn ſi nichten Sphäre Wünſch ſo will fahren Dan ſetzte ic über die von Kö ſchenke der von lichen C ein niet armen, mehr a denken, Ränke hen, eh hr waren, . ch ihn da⸗ bemerkte reten, der früher in jetzt da⸗ Seite hing eſchmückt r Verän⸗ die lange Züge ſo irklich in „oder ob erer Zeit i Macht ranſtande mir nicht em römi⸗ und der ir früher 1.„Halt, n,„ſagen tben darf, des Or⸗ il,„ent⸗ eſetze des Klugheit Selbſt während unſere Verfaſſung uns hefiehlt, Kleider zu ver⸗ meiden, die unſerer angelobten Armuth widerſprechen, geſtattet ſie doch folgende Ausnahme: Si in occu- renti aliqua occasione vel necessitate quis vesti- bus melioribus, honestis tamen, indueretur.“ „So iſt alſo jetzt Veranlaſſung vorhanden, glänzen⸗ der aufzutreten als gewöhnlich?“ ſagte ich. „Ja, mein Zögling,“ antwortete Montreuil;„und wenn Sie immer das Ihnen vor mehr als zwei Jahren gemachte Anerbieten meiner Freundſchaft annehmen— wenn immer Ihr Ehrgeiz eine erhabene, große Lauf⸗ bahn ſucht,— wenn, Könige zu ſchaffen und zu ver⸗ nichten,— und den Willen Gottes in ſeiner edelſten Sphäre auszuführen— Sie für das Opfer kleinlicher Wünſche und augenblicklicher Leidenſchaften entſchäbigt, ſo will ich Ihnen Pläne anvertrauen, die Ihrer Vor⸗ fahren und Ihrer ſelbſt würdig ſind.“ Damit entfernte ſich der Prieſter. Mir ſelbſt überlaſſen, ſetzte ich mir ſeine Winke auseinander und wunderte mich über die Macht, die er zu beſitzen ſchien.„Der Vertraute von Königen,“ ſprach ich zu mir ſelbſt,—„der ihre Ge⸗ ſchenke durch Heere und mllitäriſche Spionen bringt— der von Königreichen und ihrem Umſturze als von gewöhn⸗ lichen Gegenſtänden des Ehrgeizes ſpricht— und er ſelbſt ein niedrig geborener, würdenloſer Prieſter aus einem armen, wenn auch klugen Orden— nun, darin liegt mehr als ich ergründen kann; aber ich will mich be⸗ denken, ehe ich mich in ſeine gefährlichen, geheimen Ränke einlaſſe— vor Allen will ich mich wohl umſe⸗ hen, ehe ich mein ſicheres Erhe großer Ländereien an 122 den Dienſt eines Hauſes wage, das in dem Gerüchte der Undankbarkeit ſteht und jedenfalls verbannt iſt.“ Nach dieſem klugen und bemerkenswerthen Ent⸗ ſchluſſe nahm ich den Degen wieder in die Hand— prüfte ihn genau— küßte das Gefäß einmal und die Klinge zweimal— legte ihn unter meine Kiſſen— rief nach meinem Diener— kleidete mich aus— ging zu Bette — ſank in Schlaf— und träumte, ich lehre den Mar⸗ ſchall von Villars den Sekondſtoß. Aber Fortuna, die Erzklatſche, die gleich ihren Vor⸗ bildern auf Erden alle unſere Angelegenheiten feſiſetzt, ohne daß wir etwas von der Sache wiſſen, hatte be⸗ ſchloſſen, daß meine Freundſchaft mit dem Abbe Mont⸗ reuil nur von ſehr kurzer Dauer ſein, und daß melne Angelegenheiten hienieden eine andere Bahn gehen ſoll⸗ ten, als aller Wahrſcheinlichkeit nach unter ſeiner geiſt⸗ lichen Leitung der Fall geweſen wäre. Dreizehntes Kapitel. Ein geheimnißvoller Brlef— Ein Duell— Die Abreiſe eines Gliedes der Familie. Am folgenden Morgen theilte ich dem Abbe meine Abſicht mit, mich nach London zu begeben. Er nahm ſie günſtig auf.„Ich ſelbſt,“fagte er,„werde Sie bald dort treffen;— mein Amt in Ihrer Familie iſt vor⸗ über, und Ihre Mutter wird nach einer ſo langen Ab⸗ weſenheit meinen geiſtigen Rath wohl nicht ſehr ver⸗ miſſen. Aber die Zeit drängt— da Sie ſo bald abreiſen, geſtatten Sie mir noch heute Abend eine Unterredung auf Ih von Be Ich und ich und def und Ge wandte, mich eit — und Etn in die g dahin b kleiner, ſchen Vr mich mi Brief, zu übert Bitte,“ mit deſſ ſorgfälti nicht we brach da Brief ve was mir der Abbe Blick au wunderm gewahr n meine He haftete: iſe eines meine nahm ie bald ſt vor⸗ en Ab⸗ hr ver⸗ reiſen, redung 123 auf Ihrem Zimmer. unſer Geſpräch vürfte vielleicht von Bedeutung ſein.“ Ich willigte ein— die Stunde wurbe feſtgeſetzt, und ich verließ den Abbé, um mich zu meinem Oheime und deſſen Gäſten zu begeben. Während ich dort Zeit und Geiſt auf gleich würdige und nützliche Weiſe an⸗ wandte, benachrichtigte mich einer ber Bedienten, daß mich ein Mann an dem Schloßthore zu ſprechen wünſche — und zwar allein. Etwas erſteunt folgte ich dem Diener aus dem Zimmer in die große Halle und ſagte ihm, er möge den Fremden dahin bringen. Nach wenigen Minuten erſchien ein kleiner, ſchwärzlicher Mann, deſſen Kleidung ſo zwi⸗ ſchen Vornehm und Gering die Mitte hielt. Er grüßte mich mit großer Ehrerbietung und übergab mir einen Brief, den er nach ſeiner Ausſage in meine Hände zu übergeben beauftragt war,„mit ver ausdrücklichen Bitte,“ ſetze er in leiſerem Tone hinzu,„daß Niemand mit deſſen Inhalt bekannt werden ſollte, ehe ich ihn ſorgfältig durchleſen.“ über dieſe Forderung war ich nicht wenig betroffen, trat in eines der Fenſter und er⸗ brach das Siegel. Ein in den umſchlag geſchloſſener Brief von der Handſchrift des Abbé war das Erſle, was mir vor Augen kam. In dieſem Augenblicke ſtürzte der Abbe ſelbſt in die Halle. Er warf einen ſchnellen Blick auf den Boten, deſſen Miene etwas wie Ver⸗ wunderung und Beßürzung ausdrückte, als er den Abbe gewahr wurde; dieſer eilte auf mich zu, ergriff heftig meine Hand und rief, während ſein Blick auf dem Briefe haftete;„Leſen Sie ihn nicht— nicht ein Wort— 124 nicht ein Wort— es iſt Gift varin!“ Bei dieſen Wor⸗ ten haſchte er wie ein Verzweiſelter nach dem Briefe. Mit der einen Hand hielt ich denſelben von ihm ferne und drängte ihn mit der andern auf die Seite, indem ich ſagte:„Verzeihen Sie mir, Vater— ſobald ich ihn geleſen, ſollen Sie das Vergnügen haben— nicht eher.“ Als ich ſo ſprach, ſiel mein Auge wieder auf den Brief, und ich bemerkte meinen eigenen Namen an zwei Stellen— mein Verdacht wurde rege. Ich ſah nach der Stelle, wo der Bote geſtanden hatte, um hin⸗ ſichtlich Deſſen, der ihn geſandt, einige Fragen an ihn zu ſlellen, wurde aber zu meiner Verwunderung gewahr, daß er ſchon weggegangen war. Indeſſen hatte ich keine Zeit, ihm zu folgen. „Knabe!“ rief der Abbé, nach Luft ſchnappend, während er mich noch immer mit ſeiner mageren, knö⸗ chernen Hand feſthielt—„Knabe, geben Sie mir augenblicklich dieſen Brief. Ich befehle Ihnen, mir zu gehorchen.“ „Sie vergeſſen ſich, mein Herr,“ erwiderte ich und ſuchte mich von ihm loszumachen,„Sie vergeſſen ſich; es beſteht zwiſchen uns nicht mehr der Unterſchled von Zögling und Lehrer, und wenn Sie noch nicht wiſſen, welche Achtung Sie meiner Stellung ſchuldig ſind, ſo erlauben Sie mir die Bemerkung, daß es an der Zeit wäre, ſich damit bekannt zu machen.“ „Geben Sie mir den Brief, ich bitte Sie,“ ſagte Montreuil und ſenkte ſeine Stimme vom Zorne zur ſtehenden Bitte herab;„ich bitte Sie wegen meiner Heftigkeit um Verzeihung; der Brief betrifft nicht Sie, aber meine welche Sie il Ehre, Ihnen J in me ſchwä Hand hinge, ich, m ſeine auf— Brief „ gericht demſel „6 „L rer!“ und hi Zeilen vorkan meinen lich ge „ich ve darin Lobe, Wor⸗ Briefe. nferne indem — nicht der auf men an 3ch ſeh im hin⸗ an ihn gewahr, ch eine append, n, knö⸗ aber mich; es liegt in dieſen, wie Sie ſehen, von meiner Hand geſchriebenen Zeilen ein Geheimniß, von welchem meine perſönliche Sicherheit abhängt. Geben Sie ihn mir, mein lieber, lieber Sohn— Ihre eigene Ehre, wenn nicht Ihre Liebe zu mir, verlangt dies von Ihnen.“ Ich wurde ſchwankend. Seine Heftigkeit hatte mich in meinem Verdachte beſtärkt, aber ſeine Sanftmuth ſchwächte ihn.„Uberdies,“ dachte ich,„iſt es ſeine Handſchrift, und wenn ſogar mein Leben davon ab⸗ hinge, daß ich den Brief eines Andern leſe, ſo glaube ich, meine Ehre würde es nicht zugeben, daß ich es ohne ſeine Einwilligung thue.“ Ein Gedanke ſchoß in mir auf—„Wollen Sie ſchwören,“ ſagte ich,„daß dieſer Brief mich nicht betrifft?“ „Feierlich,“ antwortete der Abbe mit zum Himmel gerichteten Blicken. „Wollen Sie ſchwören, daß ich nicht einmal in demſelben erwähnt bin?“ „So wahr ich ſelig werden will.“ „Lügner— Verräther— meineidiger Gottesläſte⸗ rer!“ rief ich in unbeſchreiblicher Wuth,„ſiehe hier und hier!“ und ich zeigte dem Prieſter verſchiedene Zeilen, in welchen mein Name leſerlich und wiederholt vorkam. Montreuils Züge veränderten ſich; er ließ meinen Arm los und ſchwankte gegen die Wand; plötz⸗ lich gewann er aber ſeine Faſſung wieder und ſagte: „ich vergaß, mein Sohn, ich vergaß— Ihr Name iſt darin erwähnt, das iſt wahr, aber mit ehrenvollem Lobe, das iſt Alles.“ 126 „Bravo, ehrwürdiger Vater!“ rief ich und verlor meine Wuth in der Bewunderung über ſeine Gewandt⸗ heit;„bravo! Wenn vies indeſſen Alles iſt, ſo ſehe ich nicht ein, warum Sie mich nicht diejenigen Zeilen leſen laſſen wollen, in welchen mein Name vorkommt; Ihre Güte kann mir eine Gunſt, wie der Anblick meines von Ihnen geſchriebenen Lobes iſt, nicht verweigern.“ „Graf Devereur,“ ſagte der Abbe ſtrenge, während vie unterdrückte Leidenſchaft in ſeinen dunklen Zügen arbeitete,„dies heißt mit mir ſpielen, und ich warne Sie, meine Geduld nicht aufs Außerſte zu treiben. Ich will vieſen Brief haben, oder—“ er hielt plötzlich inne und griff nach dem Gefäß ſeines Degens. „Wagen Sie mir zu drohen?“ rief ich, und die natürliche Heftigkeit meines Temperamentes, verſtärkt durch den unbeſtimmten, aber ſtarken Verdacht eines gegen mich beabſichtigten Verrathes ſprach ſich in meiner Stimme aus. „Ob ich es wage!“ wiederholte Montreuil, der ſeine Stimme zu einer Art innerlichem Gekreiſche her⸗ abſenkte und ſchärfte.„Ob ich es wage— ja, und ſtünde Ihr ganzes Geſchlecht gegen mich auf. Geben Sie mir den Brief, vder ich werde Sie jetzt und für immer tödtlich haſſen; tödtlich— ja— tödtlich, tödi⸗ lich!“ und er ſchüttelte die geballte Fauſt mit einem ſo bösartigen und drohenden Ausdruck in ſeinen Zügen gegen mich, daß ich uwillkürlich zurücktrat und die Hand an vas Schwert legte. Dieſe Bewegung ſchien für Montreuil ein Zeichen zu ſein, auf das er bisher gewartet hatte.„So ziehen Zeit ve ſah wa wäre, BVriefet ſchien! mich zu nicht, und je ſeines gegenül welcher müſſe Mittle das S d verlor ewandt⸗ ſo ſehe n Zeilen rkommt; k meines eiern während n Zügen rne Sie, Ich will inne und und die verſtärkt ht eines nmeiner uil, der ſche her⸗ ja, und Geben „tödt⸗ inem ſo Zügen und die Zeichen o ziehen und für — 127 Sie denn,“ rief er mit übereinanbergebiſſenen Zähnen, und entblößte ſeinen Degen. Obgleich von ſeinem Entſchluſſe überraſcht, ſtand ich doch nicht an, demſelben zu begegnen. Ich ſteckte den Brief in meine Bruſt und zog meinen Degen noch zeitig genug, um einen raſchen und wüthenden Ausfall zu pariren. Ich hatte erwartet, Montreuil mit leichter Mühe zu überwältigen, denn ich war nicht ungeſchickt in Führung meiner Waffe— ich hatte mich getäuſcht — ich fand ihn in der Fechtkunſt weit gewandter als wich ſelbſt, und vielleicht möchte es für den Helden dieſer Geſchichte ſchlimm abgelaufen ſein, hätte es Mont⸗ reuil für klug gehalten, alle ſeine Geſchicklichkeit auf⸗ zubieten. Aher in dem Augenblicke, wo ſich unſre Klin⸗ gen kreuzten, kehrte die angeborene Kaltblütigkeit des Mannes, welche durch Wuth vder Furcht auf eine kurze Zeit verdrängt worden war, auf einmal zurück, und er ſah wahrſcheinlich ein, vaß es eben ſo gefährlich für ihn wäre, ſeinen Zögling aus ter Welt zu ſchaffen, als des Vriefes verluſtig zu gehen, für welchen er focht. Er ſchien deßhalb ſeine ganze Anſtrengung daraufzu richten, mich zu entwaffnen. Ob ihm dies gelungen wäre oder nicht, iſt ſchwer zu ſagen, denn mein Blut war erhitzt, und jedes überſehen meines Gegners bei Verfolgung ſeines Zweckes, inem geſchickten und ſchnellen Fechter gegenüber, möchte ihn an den Ort geſandt haben, von welchem die Gebete ſeiner Brüber(wie wir wohl glauben müſſen) ſo viele Tauſende von Seelen ſchon erlösten. Mittlerweile wurden aber die Diener, welche anfangs das Schwertergeklirr für einen bloßen Spaß von ein 128 paar jungen Helden gehalten hatten, welchen die Ehre, Waffen zu tragen, noch neu wäre, da der Lärm nicht aufhörte, unruhig und eilten in Maſſe nach dem Kampf⸗ platze. Bei ihrer Ankunft zogen wir uns Beide zurück. Meine Geiſtesgegenwart wieder gewinnend(ein Beſitz⸗ thum, das ich damals ſehr leicht verlor), ſah ich ein, wie unziemlich es war, mit meinem Lehrer und einem Prieſter zu fechten. Ich brach daher, wenn auch unge⸗ ſchict genug, in ein Gelächter aus, gab mir den An⸗ ſchein, als ſei die Sache nur eine freundſchaftliche Ge⸗ ſchicklichkeitsprobe zwiſchen mir und dem Abbe geweſen, ſteckte meinen Degen wieder in die Scheide und ſchickte die Herbeigeeilten wieder fort, die ſich, ungläubig hin⸗ ſichtlich meiner Auslegung des Vorfalles, immerfort Blicke wechſelnd, entſernten. Montreuil, der meinen Verſuch, unſer Rencontre zu beſchönigen, kaum unter⸗ ſtützt hatte, trat jetzt auf mich zu. „Graf,“ ſagte er ſehr geſammelt in kühlem Tone, „erlauben Sie mir die Bitte, drei Worte mit Ihnen an einem Orte wechſeln zu dürfen, der weniger als vieſer hier einer Störung ausgeſetzt iſt.“ „So folgen Sie mir denn!“ antwortete ich— und ging nach einer abgelegenen, vor Zudringlichen ge⸗ ſicherten Stelle des Parkes voran. Dann wandte ich mich um und bemerkte, daß der Abbe ſeinen Degen zurückgelaſſen hatte.„Was ſoll dies?“ fragte ich und zeigte auf ſeine unbewaffnete Seite—„ſind Sie nicht hierher gekommen, um unſern Kampf fortzuſetzen?“ „Nein!“ antwortete Montreuil,„ich bereue meine„ plötzliche Haſt und wollte mir ſelbſt jede Möglichkeit benehme junger A verlange Recht— für Sie chen, ab abhängt „Si einer ku von Mo heit wil das Ban Mit auf den die große Blatt P es als de geweſen. Sprache „Eit ſchließt f kenntniß „Hn zeig, we Marſcha eine Lin fahren r und aug ſichtlich Buln ie Ehre, m nicht Kampf⸗ e zurück. Beſitz⸗ ich ein, id einem ch unge⸗ den An⸗ iche Ge⸗ geweſen, d ſchickte big hin⸗ nmerfort meinen m unter⸗ m Tone, it Ihnen iger als — und chen ge⸗ andte ich n Degen e ich und Sie nicht iſetzen?“ ue meine öglichkeit benehmen, wieder in dieſelbe zu verfallen. Dieſen Brief, junger Mann, verlange ich noch immer von Ihnen; ich verlange ihn von Ihrem eigenen Sinne für Ehre und Recht— er wurde von mir geſchrieben— er war nicht für Sie beſtimmt— er enthält Geheimniſſe, von wel⸗ chen, abgeſehen von dem meinigen, das Leben Anderer abhängt— jetzt— leſen Sie ihn, wenn Sie wollen.“ „Sie haben Recht, mein Herr!“ ſagte ich nach einer kurzen Pauſe;„hier iſt der Brief; nie ſoll man von Morton Devereur ſagen, daß er um ſeiner Sicher⸗ heit willen ſeine Ehre auf das Spiel geſetzt.— Aber das Band zwiſchen uns iſt jetzt und für immer zerriſſen!“ Mit dieſen Worten warf ich den beſtrittenen Brief auf den Boden und entfernte mich. Ich ging wieder in die große Halle. In einem der Fenſter bemerkte ich ein Blatt Papier— ich nahm es in die Hand und erkannte es als den Umſchlag, in welchem der Brief eingeſchloſſen geweſen. Es enthielt nur folgende, in franzöſiſcher Sprache an mich gerichtete Zeilen: „Ein Freund des verſtorbenen Marſchall Devereur ſchließt für deſſen Sohn einen Brief bei, deſſen Inhalts⸗ kenntniß für die Sicherheit des Letzteren iſt. E. d „Hm!“ ſagte ich— ein ſehr befriedigender Finger⸗ zeig, wenn man bedenkt, daß der Sohn des verſtorbenen Marſchall Devereur ſo zuverſichtlich weiß, daß er nicht eine Linie von dem Inhalte des beſagten Brieſes er⸗ fahren wird. Aber ich muß nach dem Boten ſehen!“ und augenblicklich eilte ich fort, um Nachfragen hin⸗ ſichtlich ſeiner anzuſtellen. Ich erſuhr, daß er fort Bulwer, Devereux. 1. 130 war; ſogleich, nachbem er die Halle verlaſſen, war er wieder zu Pferde geſtiegen und hinweggeritten. Ein Diener haite indeſſen bemerkt, daß er in dem vorderen Hofe einige Worte mit meinem Kammerdiener Desma⸗ rais gewechſelt, welcher gerade dort herumſchlenderte. Ich rief Desmarais und fragte ihn aus. „Der ſchmutzige Kerl,“ ſagte der Franzoſe und deutete mit weinerlicher Miene auf ſeine beſpritzten Strümpfe,„beſudelte mich durch einen Sprung ſeines Pferdes von Kopf bis zu Fuß, und während ich vor Schrecken laut aufſchrie, hielt er an und ſagte:„„Sagen Sie dem Grafen Devereux, ich habe unmöglich länger warten können, der Brief aber bedürfe keiner Ani⸗ wort.““ Ich tröſtete Desmarais über ſein Unglück und eilte zu meinem Oheime mit dem Entſchluſſe, ihm den ganzen Vorfall zu entdecken. Sir William befand ſich in ſeinem Ankleidezimmer, wo ſein Kammerdiener ſehr beſchäftigt war, ſeine Perüke in Stand zu ſetzen. Ich bat ihn um die Gefälligkeit, den Haarkünſtler wegzuſchicken, und erzählte ihm ſodann ohne lange Einleitung Alles, was ſich zwiſchen dem Abbé und mir zugetragen. Der Ritter ſchien erſchrocken, als ich zu Ler Ge⸗ ſchichte mit dem Degen kam.„Mein Gott, Graf, was haſt Du gemacht?“ ſagte er;„weißt Du, daß das uns eine ſehr kitzliche Sache werden kann? Der König von Frankreich iſt ohne Zweifel ein ſehr großer Mann— ein ſehr großer Mann— und ein ſehr feiner Herr; aber Du wirſt Dich gütigſt erinnern, daß wir mit St. Majeſtät im Kriege liegen, und ich weiß nicht, ob nicht die Annal gelegt we Und( Miene., ſchichte z fälligen lebt und meine be ten, daß ein Schu Sie ihn halten?“ „Nu Ehrerbie iſt der( müſſen Junge, doch nic neſt, als Angriff Junge, nur erſt laſſen w gerade d wenden Geiſt v eine kle Glocke, war er n. Ein vorderen Desma⸗ lenderte. oſe und ſpritzten g ſeines ich vor „Sagen länger e Ant⸗ und eilte n ganzen n ſeinem ſchäftigt t ihn um en, und les, was der Ge⸗ raf, was das uns önig von Mann— r Herr; mit Sr. „ob nicht 134 die Annahme eines ſolchen Geſchenkes als Verrath aus⸗ gelegt werden wird.“ Und Sir William ſchüttelte den Kopf mit kläglicher Miene.„Ach,“ ſagte er envlich als meine ganze Ge⸗ ſchichte zum Schluſſe gereift war, mit einem ſelbſtge⸗ fälligen Blicke,„ich habe nicht umſonſt an Höfen ge⸗ lebt und die menſchliche Natur ſiudirt, und ich will meine beſte Allongeperüke gegen eine Nachtmütze wet⸗ ten, daß der ſchlaue alte Fuchs ebenſo ein Jakobite, wie ein Schurke iſt! Der Brief hätte es bewieſen, Junge — der hätte es bewieſen!“ „Was ſoll aber jetzt geſchehen?“ fragte ich;„wollen Sie ihn nur noch einen Augenblick länger im Hauſe be⸗ halten?“ „Nun,“erwiderte der Ritter, der ſich plötzlich ſeine Ehrerbietung gegen das ſchöne Geſchlecht zurückrief,„er iſt der Gaſt Deiner Mutter, nicht der meinige; ihr müſſen wir die Soche vorlegen. Aber Sapperment, Junge, bei aller Ehrerbietung für Mylady können wir doch nicht dulden, daß unſer Haus ein Verſchwörungs⸗ neſt, als eine papiſtiſche Kapelle wird— und dann der Angriff auf Dein Leben— der Teufel! Potz Fiſch, Junge, ich will ſelbſt zu der Gräfin gehen, wenn Du nur erſt Nicholls meine Perüke vollends zurecht machen laſſen willſt— nie Damen en deshabillé aufwarten— gerade dann die meiſte Sorgfalt auf unſer Außeres ver⸗ wenden, wenn wir am meiſten nöthig haben, unſern Geiſt vor ihnen zu entfalten,“ und mein Oheim zog eine kleine, auf ſeinem Toilettetiſche ſtehende, ſilberne Glocke, deren Klang alsbald Nicholls zu ſeinem Amte rief. Ich überließ die Sache dem Eifer meines Oheims, deſſen Haß gegen den Prieſter, wie ich wohl wußte, ein wirkſames Verſtärkungsmittel ſeiner riplomatiſchen Ge⸗ wandtheit abgab, und da ich es nicht ungern vermied, meine Mutter perſönlich von der vermutheten Schurkerei ihres Günſtlings in Kenntniß zu ſetzen, eilte ich aus dem Zimmer des Ritters, um Aubrey aufzuſuchen. Er war nicht in dem Hauſe. Seine Leute(denn mein Oheim hatte nach altmoviſcher Grandezza, die ſeinem großen Reichthume, wie ſeiner ariſtokeatiſchen Geſinnung ent⸗ ſprach, Jedem von uns eine beſondere Anzahl von Be⸗ dienten wie von Zimmern zugewieſen) glaubten, er ſei im Park. Dorthin verfügte ich mich und fand ihn end⸗ lich, unter einem alten Baume ſitzend, ein großes, dem Anſcheine nach religiöſes Buch vor ſich, worauf ſeine Blicke aufmerkſam gerichtet waren. „Es freut mich, daß ich Dich gefunden habe, ſanfter Bruder,“ ſagte ich, und ſtreckte mich auf den grünen Raſen neben ihn nieder;„wirklich, Du haſt einen paſ⸗ ſenden, hübſchen Ort zum Studiren ausgewählt.“ „Ich habe,“ antwortete Aubrey,„einen Platz ge⸗ wählt, der ſich für das beſondere Studium eignet, das mich in Anſpruch nimmt; denn wo können wir beſſer von der Macht und Güte Gottes leſen, als unter den lebendigen Zeugen beider. Schön!— wie unendlich ſchön— iſt dieſe glückliche Welt; aber ich fürchte,“ ſetzte Aubrey hinzu, und die Glut ſeiner Wange erſtarb— „ich fürchte, wir genießen ſie zu ſehr.“ „So legen wir uns denn unſern Glauben auf ver⸗ ſchiedene Weiſe aus,“ ſagte ich,„denn ich halte den Genuß glaube nehmer daß wir worden⸗ Aul nicht. „Je uns als auf den göttlich gen Re ſchaffen mit Bl aufathn lachend froher. tönen le die von einer le ſelbſt, d — glau ſo ſonde durch ſe Dank, ſendeni Waſſer zige Th Gotthe s Oheims, wußte, ein iſchen Ge⸗ n vermied, Schurkerei te ich aus uchen. Er ein Oheim em großen mung ent⸗ hl von Be⸗ ten, er ſei d ihn end⸗ oßes, dem orauf ſeine be, ſanfter en grünen einen paſ⸗ ihtt.“ Platz ge⸗ ignet, das wir beſſer unter den unenblich hte, ſetzte erſtarb— n auf ver⸗ halte den 133 Genuß für den beſten Veweis der Dankbarkeit, und ich glaube nicht, daß wir dem Vater aller Güte eine ange⸗ nehmere Huldigung darbringen können, als dadurch, daß wir ihm zeigen, wie ſehr wir die uns zu Theil ge⸗ wordenen Gunſthezeigungen empfinden.“ Aubrey ſchüttelte ſanft den Kopf, antwortete aber nicht. „Ja,“ nahm ich nach einer Pauſe wieder das Wort —„ja, es iſt wahrlich eine herrliche, ſchöne Welt, die uns als Erbe zufiel. Siehe, wie das Eonnenlicht dort auf dem goldenen Korn der Felder ſchläft und gleich der göttlichen Güte, von welcher Du ſprachſt, auf den üppi⸗ gen Reichthum zu lächeln ſcheint, den ſeine Macht er⸗ ſchaffen hat. Dieſer Teppich zu unſern Füßen, bedeckt mit Blumen, die ſo ſüß wie gute Thaten zum Himmel aufathmen— der Bach, welcher in dem Mittagsglanze lachend durch das ferne Gehölz bricht und wie ein Bote froher Kunde ſeine Stimme über Hügel und Wald er⸗ tönen läßt— die grünen Zweige über unſern Häuptern, die von tauſend Geſängen wiederhallen, den Ergüſſen einer laut ſich hervordrängenden Freude,— das Laub ſelbſt, das vor Entzücken zu tanzen und zu zittern ſcheint — glaubſt Du, Aubrey, irgend eines dieſer Weſen ſei ſo ſonderbar, daß es nicht das Glück zurückſtrahle, das es durch ſein Daſein einathmet— worin beſteht aber dieſer Dank, als in der Außerung ſeiner Freude? Die Blumen ſenden ihn in Düften zum Himmel— die Luft und das Waſſer in Tönen. Soll das Herz des Menſchen der ein⸗ zige Theil in ſeiner Schöpfung ſein, der den Dienſt der Gottheit durch düſtere Klagen entweiht? Wenn die 134 heilige Schrift uns auffordert, unſern Schöpfer zu preiſen, ſagt ſie nicht auch:„„Seid freudig in eurem Gotte?““ „Wie können wir freudig ſein, wenn wir den Tag ves Gerichtes beſtändig vor uns ſehen?“ entgegnete Aubrey—„wie können wir freudig ſein(hier zog ein vunkler Schatten über ſein Geſicht und ſeine Lippe zit⸗ terte vor innerer Bewegung)„ſo lange die tödtlichen Leidenſchaften dieſer Welt ſich in dem Herzen ſtreiten und toben? Ach, nur Diejenigen, welche die volle Se⸗ ligkeit einer Gemeinſchaft mit dem Himmel kennen ge⸗ lernt, können ſich die ganze Angſt und Todesqual des Gewiſſens denken, wenn es ſich von dem Schlamme der Erde beſchmutzt und von deren Laſt beſchwert fühlt!“ Aubrey ſchwieg, und ſeine Worte— ſein Ton, ſein Blick— machten einen tieſen Eindruck auf mich. Eben wollte ich antworten, als er mich mit folgenden Worten unterbrach:„Reden wir nicht von ſolchen Dingen— ſprich mit mir von weltlicheren Gegenſtänden.“ „In dieſer Abſicht,“ antwortete ich,„ſuchte ich Dich auf,“ und ich theilte ihm ſofort ſo viel von meinem Privatverhältniß zu dem Abbé mit, als ich für nöthig hielt, um ihn vor einem allzu innigen Vertrauen mit dem verſchmitzten Geiſtlichen zu warnen. Aubrey hörte mir mit geſpannter Aufmerkſamkeit zu— die Geſchichte mit dem Briefe— die grobe Unwahrheit des Prieſters dadurch, daß er die Erwähnung meines Namens in jenem Schreiben läugnete, erſchreckten ihn ſichtlich.„Aber,“ ſagte er nach langem Schweigen—„es ziemt nicht uns Morton— ſchwach, unwiſſend, unerfahren, wie wir ſind— voreilig über unſere Seelenhirten zu urtheilen. Ihnen ihres? offen, gibt; Gottes Wege „2 ärgerli ges en zur T ihrer. zu preiſen, Gotte?““ den Tag entgegnete jer zog ein Lippe zit⸗ tödtlichen en ſtreiten volle Se⸗ kennen ge⸗ esqual des lamme der rt fühlt!“ Ton, ſein nich. Eben en Worten Dingen— .“ hte ich Dich on meinem für nöthig trauen mit ubrey hörte Geſchichte s Prieſters ns in jenem .„Aber,“ t nicht uns n, wie wir nurtheilen. 135 Ihnen iſt überdies eine weit größere Freiheit hinſichtlich ihres Benehmens geſtattet, als uns; ihnen ſind Wege offen, wo unſere Augen Finſterniß und Schatten um⸗ gibt; ob es viel weniger gottlos iſt, mit den Erwählten Gottes über ihren Pfad rechten zu wollen, als die Wege der Gottheit ſelbſt zu beklügeln.“ „Aubrey, Aubrey, das iſt kindiſch!“ ſagte ich etwas ärgerlich.„Geheimniß iſt immer der Kniff des Betru⸗ ges nur durch höhere Tugend, nicht durch ein Vorrecht zur Täuſchung ſollten ſich die Erwählten Gottes vor ihrer Heerde auszeichnen.“ „Aber,“ entgegnete Aubreh und deutete dahei auf eine Stelle in dem Buche, das er vor ſich hatte,„ſiehe, was ein Prediger des Wortes geſagt hat!“ und er las einen der gefährlichſten Grundſätze des Pfaffentruges mit einer Ehrfurcht, als eitirte er die heilige Schrift ſelbſt.„„Die nackte Wirklichkeit ſoll den Augen des Pöbels nie zu offen dargelegt werden. Es war eine kluge Dichtung der Alten, die Wahrheit liege in dem Brun⸗ nen verborgen!“ „Ja,“ rief ich mit Begeiſterung,„aber dieſer Brunnen iſt gleich dem heiligen Bache zu Dodona, welcher die Gabe hat, Diejenigen zu erleuchten, welche ihn beſuchen und jede Fackel anzuzünden im Stande war, welche die Oberfläche ſeines Waſſers berührte!“ Jede Antwort, die mir Aubrey hätte geben können, wurde durch meinen Oheim abgeſchnitten, der mit un⸗ gewöhnlicher Zufriedenheit auf dem behaglichen Geſichte ſich uns näherte. „Luſtig, Jungen, luſtig,“ rief er, ſobald wir ihn hören konnten—„ein Feſttag für Euch! Potz Fiſch, und zwar ein beſſerer, als meinem alten Hauſe wider⸗ fahren, ſeit ſein früherer Beſitzer, Sir Hugo, tapferen Angedenkens, das Nonnenkloſter zerſtörte, von welchem noch einige überreſte auf der Anhöhe dort vrüben ſtehen. Morton, Du gewaltiger Kerl— Alles iſt im Reinen — der Hof geſäubert— der Schurke iſt fort. Siehe her und freue Dich, wie ich, über unſere Erlöſung,“ und er übergab mir ein Billet von Montreuil's Hand: „An Sir William Devereur, Ritter. Mein geehrter Freund, „In Folge eines Wortwechſels zwiſchen Ihrem äl⸗ teſten Neffen, dem Grafen Morton Devereur, und mir, wobei Derſelbe mich bat, mich zu erinnern, daß nicht nur unſer früheres Verhältniß von Lehrer und Zögling aufgehört habe, ſondern auch, daß Freundſchaft für ſeine Perſon ſich nicht mit der ſeiner höheren Stel⸗ lung ſchuldigen Achtung vertrage, kann ich weder die Würde der Wiſſenſchaft ſo ſehr herabſetzen, noch viel weniger die Heiligkeit meines göttlichen Berufes ſo tief erniedrigen, daß ich noch länger unter Ihrem wirth⸗ lichen Dache verweile— als ein Gaſt, der Ihrem Ver⸗ wandten und muthmaßlichen Erbe nicht nur unwillkom⸗ men wäre, ſondern von dieſem gröblich beleidigt wurde. Erlauben Sie mir, Ihnen meinen Dank für das mir bisher bewieſene Wohlwollen zu bezeigen und Ihnen auf ewig Lebewohl zu ſagen. Ich habe die Ehre zu ſein mit der ausgezeichnetſten Hochachtung u. ſ. w. Julian Montreuil.“ „N Oheim nachden Aubrey der De Iſt au würden „ ſie, zu find ſo bedroh Miene wie ale Aubret daß D Billet⸗ „C zu lieg Oheim „C Herret für ihr „C Theme letzen: ſellſche ich ſel machet „6 s Fiſch, wider⸗ apferen welchem nſtehen. Reinen Siehe öſung,“ Hand: rem äl⸗ r, und rn, daß rer und ndſchaft en Stel⸗ eer die och viel s ſo tief wirth⸗ em Ver⸗ willkom⸗ t wurde. das mir Ihnen u. ſ. w. l.“ 137 „Nun, junger Herr, was ſagſt Du?“ ſagte mein Oheim und ſtemmte ſeinen Stock feſt gegen den Boden, nachdem ich den Brief zu Ende geleſen und ihn an Anbrey gegeben hatte. „Daß der gute Abbe ſeine bekannte Gewandtheit in der Darſtellung eutwickelt hat. Und meine Mutter? Iſt auch ſie unſerer Anſicht hinſichtlich Seiner Ehr⸗ würden?“ „Nicht ganz, fürchte ich. Indeſſen iſt ſie, Gott ſegne ſie, zu ſanft, um Nein zu ſagen. Aber dieſe Jeſuiten find ſo glattzüngig gegen die Weiber. Bei Gott, ſie bedrohen die Verdammniß mit ſo unwiderſtehlicher Miene, daß ſie ſich ebenſo als Wilhelm der Eroberer, wie als Eduard der Bekenner erweiſen. Nun! Meiſter Aubrey, biſt Du denn in den alten Jakobiten verliebt, daß Du über ſein Gekritzel ſeufzeſt, als wäre es ein Billet⸗doux.“ „Es ſcheint in dem, was er ſagt, ſehr viel Gefühl zu liegen, Sir,“ entgegnete Aubrey und gab meinem Oheim den Brief zurück. „Gefühl!“ rief der Ritter; ja, die ehrwürdigen Herren haben immer ein erſtaunlich zärtliches Gefühl für ihr eigenes Intereſſe— he, Morton?“ „Gewiß, Sir,“ ſagte ich mit dem Wunſche, ein Thema zu ändern, das, wie ich wußte, Aubrey ver⸗ letzen mußte;„ſol ten wir uns aber nicht an jene Ge⸗ ſellſchaft von Frauen und Fräulein anſchließen? Wie ich ſehe, ſind ſie im Begriffe, eine Waſſerpartie zu machen.“ „Gott verdamm' mich, Junge, von Herzen gerne,“ rief der gutmüthige Ritter,„ich ſehe es ſo gerne, wenn die lieben Geſchöpfe ſich ſelbſt Spaß machen; denn, Dir die Wahrheit zu ſagen, Morton,“ ſetzte er mit dem Flüſtern eines Kenners hinzu,„das beſte Mittel, um ſie abzuhalten, daß ſie ſich nicht als Teufel geberden, iſt, ſie zu ermuthigen, daß ſie den Narren ſpielen!“ und herzlich lachend über dieſen Scherz, den er einem ſeiner Lieblingsſchriftſteller entlehnt, ſchritt Sir Wil⸗ liam zu ver Waſſerpartie voran. Vierzehntes Kapitel. Enthält nur Nebendinge. Der Abbe war abgereist! Es iſt erſtaunlich, wie leicht ſich Jedermann in ſeine Abweſenheit fügte. Meine Mutter ſprach kaum von der Sache; in der unerſchüt⸗ terlichen Sanftheit ihres Gemüthes glitt Alles ohne Widerſtand oder Spur eines früheren Daſeins hinab. Gerald, der ausſchließlich mit der Jagd und ländlichen Liebſchaften beſchäftigt, ſelten an den Feſtlichkeiten des Hauſes Theil nahm, war ebenſo ſtill darüber. Aubrey ſah einige Tage bekümmert aus; bald aber gewann ſeine Miene ihre gewohnte, ernſte Sanftmuth wieder, und es dauerte keine Woche, ſo wenig wurde von dem Abbe geſprochen oder er vermißt, daß man gebacht haben würde, Julian Montreuil habe nie unſere Schwelle be⸗ treten. Man vergißt einen Begrabenen bei weitem nicht ſo, wie einen in Ungnade Gefallenen. Mittlerweile drängte ich auf meine Abreiſe, und „ der Te dem Le ſelton obwoh nach ih irgend ihn ſo denhei um ſeit lich au dringe geſehe war. entſetz ſelton ausnel es ihr den ju M Die E ſtande er zu Grün habe. habe daß ei um d entſch Ton zugeb , wenn zdenn, nit dem el, um eberden, ielen!“ r einem ir Wil⸗ ch wie WMeine erſchüt⸗ es ohne s hinab. ndlichen iten des Aubrey gewann wieber, von dem t haben velle be⸗ em nicht iſe, und der Tag wurde endlich beſtimmt feſtgeſetzt. Seit der dem Leſer berichteten Unterredung mit der Lady Haſ⸗ ſelton hatte dieſe Dame gezögert und immer gezögert— obwohl das Haus leer zu werden anfing, und London nach ihr zu jeder Saiſon mehr war, als das Land zu irgend einer andern Zeit— bis Graf Devereur mit der ihn ſo beſonders bezeichnenden liebenswürdigen Beſchei⸗ denheit zu vermuthen begann, die Lady Haſſelton zögere um ſeinetwillen. Dies ermuthigte den Schüchternen, ernſt⸗ lich auf den vierten Sitz in dem Wagen der Schönheit zu dringen, der, wie wir in der vorerwähnten Unterredung geſehen haben, ihm früher ſcherzweiſe angeboten worden war. Nachdem ſie ſich lange den Anſchein gegeben, als entſetze ſie ein derartiger Vorſchlag, willigte Lady Haſ⸗ ſelton ein. Wie ſie ſelbſt ſagte, war ſie immer ganz ausnehmend vernarrt in Kinder geweſen, und gewiß wäre es ihr zur Gewiſſensſache geworden, ein Knäblein, wie den jungen Grafen, ſo allein nach London zu ſchicken. Mein Oheim war über dieſe übereinkunft entzückt. Die Schönheit war bei ihm immer ſehr in Gunſten ge⸗ ſtanden und es machte ihm bisweilen Vergnügen, wenn er zu verſlehen geben konnte, daß er ſeine beſondern Gründe zur Zärtlichkeit für die Tochter ihrer Mutter habe. Hinſichtlich der Wahrheit dieſer Andeutung habe ich indeſſen mehr als nur Verdacht, und glaube, daß es nur eine kleine Liſt von dem guten Ritter war, um den Strom ſeiner liebevollen Empfindungen zu entſchuldigen, von welchem(während der herzloſe Ton ver Geſellſchaft, in welcher er ſeine Jugend zugebracht, machte, vaß er ſich ſchämte, dieſelben zuzugeben) ſeine Bruſt überfloß. In Lady Haſſeltons Vertraulichkeit— in ihrem eingezwungenen Benehmen — in einer gewiſſen, mit ihrer Affektation ſich vermen⸗ genden Gutmüthigkeit und einem nie erſchlaffenden hei⸗ teren Gemüthe lag etwas, das ganz darauf berechnet war, ſie bei einem Manne von der Gemüthsart meines Oheims beliebt zu machen. Ein alter Herr, der in ihrer Familie das Amt eines franzöſiſchen„Chevalier“ bekleidete, d. h. der nicht all⸗ zulange Geſchichten erzählte und Denjenigen nicht her⸗ ausforderte, der ihn darin unterbrach— der ein gefäl⸗ liges Außere und einen tadelloſen Stommbaum— Sinn für Witz, Literatur, Villetſtyl und die Behandlung von Schooshunden hatte— der die dame de la maison in Auktionen, Schauſpiele, an den Hof und zu Mario⸗ netten begleiten konnte— der ein Recht auf die beſte Geſellſchaft hatte, aber ſeinen Sitz Jedem, den die ſchöne Capricieuſe, der er diente, aus der ſchlechteſten Geſell⸗ ſchaft auswählen mochte, abzutreten erbötig war— kurz, eine ſehr nützliche, bezaubernde Peroſn, die Alle ſehr gerne leiten mochten, vor der aber Niemand eben ſehr viel Achtung hatte;— dieſer Herr, ſage ich, Namens Lovell, hatte Ihre Herrlichkeit bei ihrem Ausfluge nach Devereur⸗Court begleitet. Aufer ihm war auch eine ver⸗ wittwete Dame, eine entfernte Verwandte, mit einem Auge und einer ſcharfen Zunge, Lady Needleham, ge⸗ kommen, welche die Schönheit als eine Art Ehrendame oder Dueña mit ſich führte. Dieſe ausgezeichneten Per⸗ ſonalitäten bildeten meine Compagnons de voyage und füllten die übrigen Sitze des Wagens. Um die Wahr⸗ heit zu die Lat viel da ich wie Kutſch der Stt der St tons g gut erz Gegen! ſchmack genen 2 ſtadt zu Abreiſe M Schönl kleinert nigenz nen mu „T Worte mit de „Q von O älteſter „V Kind i ſſeltons nehmen ermen⸗ en hei⸗ rechnet meines nt eines icht all⸗ ht her⸗ ngefäl⸗ — Sinn ung von maison Mario⸗ ie beſte e ſchöne Geſell⸗ — kurz, lle ſehr ben ſehr Namens ige nach ine ver⸗ einem m, ge⸗ endame en Per⸗ ge und Wahr⸗ 141 heit zu ſagen, und nichts von meiner Zärtlichkeit für die Lady Haſſelton zu erwähnen, es lag mir gar ſehr viel daran, mich nicht dadurch lächerlich zu machen, daß ich wie ein junger Goldkäfer in meines Oheims grüner Kutſche mit den vier flandriſchen Stuten, die mich in der Stunde keine zwei Meilen fortgebracht hätten, nach der Stadt krappelte. Und endlich hatten Lady Haſſel⸗ tons geheim e Spöttereien— denn ſie war in der That gut erzogen und machte, wenigſtens in meines Oheims Gegenwart, keinen Scherz über ſeinen veralteten Ge⸗ ſchmack— meinen aus eigner Anſchauung hervorgegan⸗ genen Widerwillen gegen dieſe Art, mich nach der Haupt⸗ ſtadt zu bringen, noch vermehrt. Am Tage vor meiner Abreiſe ſprach Gerald zum erſtenmal davon. Mit einem Blicke in den Spiegel, der die prachtvolle Schönheit ſeiner Perſon im vollen Gegenſatze gegen die kleineren Verhältniſſe und einfacheren Züge der mei⸗ nigen zurückſtrahlte, ſagte er höhniſch:„Dein Erſchei⸗ nen muß ein wunderbares Aufſehen in der Stadt machen.“ „Ohne Zweiſel,“ antwortete ich, als nähme ich ſeine Worte buchſtäblich, und legte meine Spitzenhalsbinde mit der Miene eines petit-maitre zurecht. „Wie witzig der Graf iſt!“ flüſterte die Herzogin von Ohneland, die noch nicht alle Hoffnung auf den älteſten Bruder aufgegeben hatte. „Witzig, entgegnete die Lady Haſſelton;„das arme Kind iſt ein vollkommener Einfaltspinſel!“ Fünfzehntes Kapitel. Mutter und Sohn— Lugend ſollte die Gefühle leiten, nicht ſie zerſtören. Ich benützte die erſte Gelegenheit, um der guten Geſellſchaft zu entwiſchen, die hinſichtlich meiner gei⸗ ſtigen Vorzüge ſo getheilter Anſicht war, und begab mich zu meiner Mutter, für die ich, trotz ihrer an Un⸗ empfindlichkeit grenzenden Gemüthsruhe, eine große, nicht zu verwiſchende Zuneigung empfand. Wirklich, wenn Reinheit des Lebens, Rechtlichkeit der Geſinnun⸗ gen und inbrünſtige Frömmigkeit Liebe gewinnen können, ſo verdiente dieſe Niemand in höherem Grade. Schade, daß ſie bei ſo bewundernswürdigen Eigenſchaften ihre Herzlichkeit nicht mehr ausgebildet hatte. Der Keim fehlte nicht, aber er war vernachläſſigt. Urſprünglich für den Schleier beſtimmt, hatte man ſie frühe gelehrt, Glut der Gefühle ſei gleichbedeutend mit Süntenglut, und ſie hatie in ihrem Herzen ſo lange und ſo ſorgfältig den Keim der verbotenen Frucht auch nicht eine Blüte treiben laſſen, daß der Boden endlich zu ſeiner Hervor⸗ bringung unfähig geworden zu ſein ſchien. Wenn in einem Winkel dieſes öden, aber heiligen Raumes noch ein grünes, zartes Fleckchen vorhanden war, ſo blieb es, mit einem parteiiſchen, kleinlichen Vorbehalt für meinen Zwillingsbruder, ausſchließlich Aubrey zugeeignet und geweiht. Seine entſprechende Neigung zu frommer Stille und ſtrenger Andacht, ſeine Sanftmuth, ſeine gänzliche Freiheit von allen Knabenſtreichen, verbunden Spotte meinek ten, nicht er guten iner gei⸗ d begab ran Un⸗ e große, Wirklich, ennn⸗ nkönnen, Schade, ften ihre er Keim prünglich e gelehrt, ndenglut, ſorgfältig ine Blüte r Hervor⸗ Wenn in unes noch blieb es⸗ ür meinen ignet und frommer uth, ſeine verbunden 143 mit ſeiner beinahe engelgleichen Schönheit— eine Ei⸗ genſchaft, die in keinem weiblichen Herzen ungewürbigt bleibt— waren ganz darauf berechnet, ihr Mitgefühl zu erwecken und ſich in ihre Liebe einzuſchleichen. Ge⸗ rald war gleichfalls regelmäßig in ſeinen Gewohnheiten, eifrig in ſeinen Andachtsübungen und hatte von frühe an ſich in der Gunſt ihres geiſtlichen Berathers geſtan⸗ den. überdies beſaß Gerald, wenn auch nicht die zarte, überirdiſche Schönheit Aubrey's, Reize mehr männlicher und entſchiedener Art und ihm wandte daher die Gräfin das bischen Liehe zu, was ſie bei Aubreh erübrigen konnte. Mir bewies ſie die äußerſte Gleichgültigkeit. Mein wun⸗ derliches, ſtolzes Temperament, meine Neigung zum Spotte, meine heftigen, halsſtarrigen Leidenſchaften, meine kühne, rückſichtsloſe und in der Aufregung beinahe wilde Natur(es findet die Eitelkeit eben ſo gut ihre Nahrung in Aufzählung, wie in Verheimlichung unſerer Fehler)— all dies war dem ruhigen, feinen, gleich⸗ mäßigen Charakter meiner Mutter ſehr zuwider. Die kleinen Exceſſe meiner Kindheit erſchienen ihrem reinen, unerfahrenen Gemüthe als Verbrechen eines von Natur verdorbenen und ſchlechten Herzens; meine ſatiriſche Ader, welche übrigens nicht einmal in dem jugendlichen übermuthe das wirklich Gute angriff, aber vor deſſen Form und Schein nie Achtung hatte, betrachtete ſie als einen Erguß der Bosheit, und ſelbſt die Ausbrüche von Zärtlichkeit, Güte und Wohlwollen, die bei meinem wilden und bunten Weſen keineswegs ſelten vorkamen⸗ waren ihrem ſtillen Gemüthe ſo fremd, daß ſie deren Heftigkeit nur entſetzten, ſtatt daß ſie der innere Werth derſelben verſöhnt hätte. Auch ſetzte mich das gegenſeitige Verſtändniß zwi⸗ ſchen meinem Oheime und mir keineswegs bei ihr mehr in Gunſt. Im Gegentheile, abgeſtoßen durch den leich⸗ ten, munteren Ton in der Unterhaltung des Ritters, durch ſeine frivole Sinnesart und ſeine ketzeriſche Miß⸗ achtung kirchlicher Formen, denen ſie mit ſo vieler In⸗ brunſt anhing, war ſie ganz fühllos gegen diejenigen Seiten, welche ſeinen bewährten, edeln Charakter wie⸗ der adelten und erhoben— gänzlich ſtumpf gegen die Wärme ſeines Herzens, gegen ſeine von Natur über⸗ ſtrömende Güte, ſeine Mildthätigkeit, ſein hohes Ehr⸗ gefühl, die Rechtlichkeit ſeiner Grundſätze, von denen ihn nur ſeine grenzenloſe Gutmüthigkeit abbringen konnte— den ſcharfen, durchdringenden Verſtand, der, wenn auch durch Schwächen und einen execentriſchen Humor öfters getrübt, doch die Grundlage ſeiner geiſti⸗ gen Fähigkeiten bildete. Gleichwohl lag, ſo ſehr ſie gegen uns Beide eingenommen war, in ihrem Gemüthe ſo viel Weiches, Zartes, Zornloſes, daß ſogar ihre Un⸗ gerechtigkeit ihren Stachel verlor und man die Sanft⸗ muth ihres Charakters lieben mußte, während man ſich durch deſſen Kälte äußerſt unangenehm berührt fühlte. Nie ſchienen Arger, Hoffnung, Furcht, der ſchwächſte Hauch oder der leiſeſte Wink einer Leibenſchaft die ru⸗ hige Stumpfheit ihrer Gefühle aufzurühren— Ruhe war ſo unzertrennlich von ihrem Bilde, daß es mir bei⸗ nahe vorkam, als könne, wie bei jenem von Herodot be⸗ ſchriebenen Volke, nicht einmal ihr Schlaf durch Träume geſtört werden. Ja! wie innig, wie zärtlich liebte ich ſie! Wie viele ſtille, a Thräne kalter, t ohne daf ihrer T Geſicht der zuri man mi: legte. S einigun eingebor den So Schvoß kaufte! erſtarret in neue noch di alters z du ſelbf ſeuchteſ denen J Ich Bul! niß zwi⸗ ihr mehr en leich⸗ Ritters, he Miß⸗ eler In⸗ iejenigen kter wie⸗ een die ur über⸗ hes Ehr⸗ n denn bbringen ind, der, ntriſchen er geiſti⸗ ſehr ſie Gemüthe ihre Un⸗ Sanft⸗ Träume Bie viele 145 ſtille, aber tief gefühlte— bittere, aber vorwurfsloſe Thränen habe ich im Verborgenen vergoſſen, wenn ihr kalter, theilnahmloſer Blick mich traf. Wie oft habe ich, ohne daß ſie es bemerkte oder ſich darum bekümmerte, vor ihrer Thüre gewacht, gebetet und geweint, wenn ſie wegen eines vorübergehenden Unwohlſeins das Zimmer hüten mußte, und wie ſehnſuchtsvoll zählte ich auf dem eigenen Krankenbette, auf das mich meine anfänglich ſchwache Körperbeſchaffenheit warf, die Augenblicke bis zu ihrem pünktlichen, kurzen Beſuche; wie fuhr ich auf, wenn ich ihren Fußtritt vernahm, und wie fühlte ich mein Herz ſchlagen, wenn ſie ſich nahte, und wenn ich dann ihren kalten Ton hörte und in ihr ungerührtes Geſicht blickte, wie ſchmerzlich wandte ich mich mit all ver zurückgedrängten, unterdrückten Zärtlichkeit ab, die man mir als Verſtocktheit oder Mangel an Achtung aus⸗ legte. O mächtige, dauernde Gewalt jener frühen Ver⸗ einigung, die in ihrer unüberwindlichen Kraft beinahe eingeborener Wille der Natur zu ſein ſcheint, welcher den Sohn an die Mutter bindet, welche ihn in ihrem Schvoße barg und mit Tovesmühen ihm das Leben er⸗ kaufte!— Quell der kindlichen Liebe, den keine Kälte erſtarren, keine Ungerechtigkeit verbittern, kein Stolz in neue Kanäle ableiten kann; den weder die Zeit, noch die heißen Sonnen unſers kämpfenden Mannes⸗ alters zu vertrocknen vermögen— wie lebendig ſtrömſt du ſelbſt in dieſem Augenblicke an mein Herz und be⸗ ſeuchteſt mit deinen göttlichen Wellen die aus entſchwun⸗ denen Jahren noch blühende Erinnerung! Ich näherte mich den von meiner Mutter bewohnten Bulwer, Devereux. I. 10 146 Zimmern— ich klopfte an die Thüre; eine ihrer Zofen ließ mich ein. Die Gräfin ſaß auf einem hochlehnigen, mit Teppichen wunderſam verzierten Armſtuhle. Ihre wegen ihrer Schönheit berühmten Füße ruhten auf einem ſammtenen Kiſſen; drei Kammermädchen ſtanden um ſie her, und ſie ſelhſt war mit einer feinen Stickerei be⸗ ſchäftigt, in welch letzterer Kunſt ſie es zu einem hohen Grade von Auszeichnung gebracht hatte. „Der Graf— gnädige Frau!“ ſagte die Zofe, die mich eingelaſſen, ſetzte einen Stuhl neben meine Mutter und zog ſich dann zu ihren Amtsgenoffinnen zurück. „Guten Tag mein Sohn,“ ſagte die Gräfin, ſchlug die Augen einen Augenblick auf und ſah dann wieder auf ihre Arbeit. „Ich habe Sie hier aufgeſucht, theuerſte Mutter, da ich nicht weiß, ob ich unter der uns umgebenden Menge von Gäſten und Feſtlichkeiten wieder Gelegen⸗ heit finden werde, unter vier Augen mit Ihnen zu reden — wollten Sie vielleicht die Güte haben, Ihre Leute wegzuſchicken?“ Wieder ſchlug meine Mutter die Augen auf.„Und warum dies, mein Sohn?— kann doch wahrlich zwi⸗ ſchen uns nichts vorkommen, wobei ſie nicht zugegen ſein dürften; welchen Grund haſt Du denn?“ „Ich verlaſſe Sie morgen; erſcheint es ſonderbar, daß der Sohn vor ſeiner Abreiſe ſeine Mutter allein zu ſprechen wünſcht?“ „Keineswegs, Morton; aber Deine Abweſenheit wird ja nicht von langer Dauer ſein, oder?— ach, wie unglücklich— ich habe einen Stich fallen laſſen.“ „Ent Mutter ſchicken? „We ungern auch gla— ganz paß widerſpr hieß ihre „Nu „Nu fragen, Londonz Die bin Dir ſehr zart höre, trä als früh Eitelkeit ruhmvol wünſcher Welt zu ſchriftlie ſie wohn ſon, an wenden Erfahru prunkloſ höherer — So, * er Zofen lehnigen, ofe, die eMutter rück. n, ſchlug ieder auf Mutter, gebenden Gelegen⸗ zu reden hre Leute f.„Und rlich zwi⸗ zugegen onderbar, allein zu weſenheit ach, wie n.“ 147 „Entſchuldigen Sie meine Zudringlichkeit, liebe Mutter— wollen Sie Ihre Dienerinnen nicht weg⸗ ſchicken?“ „Wenn Du es wünſcheſt, gewiß; aber ich weiß mich ungern allein, beſonders in dieſen großen Zimmern; auch glaube ich nicht, daß es ſich für unſern Rang ganz paßt, wenn ſich die Frauen entfernen: indeſſen widerſpreche ich Dir nie, mein Sohn,“ und die Gräfin hieß ihre Zofen in tem Vorzimmer warten.“ „Nun, Morton, worin beſteht Dein Wunſch?“ „Nur Lebewohl wollte ich Ihnen ſagen, und an⸗ fragen, ob Sie mir nicht irgend einen Auftrag nach London zu geben hätten.“ Die Gräfin ſah wieder von der Arbeit auf.„Ich bin Dir ſehr verbunden, mein lieber Sohn, dies iſt eine ſehr zarte Aufmerkſamkeit von Deiner Seite. Wie ich höre, trägt man die Leibchen unbedeutend weniger ſpitzig, als früher. Du weißt wohl, daß ich mich um dergleichen Eitelkeiten nicht kümmere; aber die Achtung vor dem ruhmvollen Andenken Deines Vaters macht es mir wünſchenswerth, in einem ſchicklichen Anzuge in die Welt zu treten, und meine Frauen ſollen Dir diesfallſige ſchriftliche Anweiſung an Madame Tourville geben— ſie wohnt in St. James⸗Straße und iſt die einzige Per⸗ ſon, an welche man ſich in dergleichen Angelegenheiten wenden kann. Sie iſt eine Frau, welche unglückliche Erfahrungen gemacht hat, und ſich auf den trüben, prunkloſen Geſchmack Derjenigen verſteht, welche ein höherer Stand nicht vor gleicher Bekümmerniß ſchützte. — So, Du gehſt morgen— gib mir doch die Scheere, 148 welche dort auf dem Elfenbeintiſche liegt.— Wann kehrſt Du zurück?“ „Vielleicht nie!“ ſagte ich ſchnell. „Nie, Morton; wie ſonderbar.— Warum?“ „Vielleicht gehe ich zur Armee und finde den Tod.“ „Ich will nicht hoffen.— Ach, wie kalt iſt es, lieber Sohn— willſt Du das Fenſter zumachen?— verzeihe, daß ich Dir Mühe mache, aber Du ſelbſt wollteſt, daß ich die Zofen wegſchickte.— Zur Armee gehen, ſagteſt Du?— ein ſehr gefäbrlicher Stand! Dein armer Vater wäre wohl noch am Leben, wenn er ihn nicht erwählt hätte; jndeſſen iſt in einer gerechten Sache unter den Bannern des Herrn der Heerſchaaren großer Ruhm zu gewinnen. Nur ſind die für Einzelne damit verbundenen übel zu beklagen!— zu beklagen die Wittwen und Waiſen!— übergib doch gewiß das Billet an Madame Tourville ſelbſt; ihre Gehülfinnen kennen mein Unglück nicht ſo, wie ſie, auch haben ſie mein genaues Leibes⸗ maß nicht; in meinem Alter und in meinem verlaſſenen Zuſtande möchte ich nichts in dieſen Dingen verſäumen — doch, da fällt mir bei, daß es Eſſenszeit iſt. Haſt Du mir noch etwas zu ſagen, Morton?“ „Ja!“ antwortete ich und unterdrückte dabei meine) Gefühle— ja, Mutter! hören Sie nur einen einzigen, innigen Wunſch, nur ein einziges, freundliches Wort, ehe wir ſcheiden— ſehen Sie— ich kniee hier, um Ihren Segen mir zu erbitten— wollen Sie ihn mir ver⸗ weigern?“ „Dich ſegnen, mein Kind— Dich ſegnen!— ſiehe — jetzt habe ich meine Nadel fallen laſſen Ich ſ Mutter Grazie) Geſellſch — ſlürzte keltirte n nung! w vergeſſen Am ſchiede v ließ— n nicht La hätte zu koſung ſ dem gel kam, de der Sch immer! Me alsdenn eines ge der Lei — Wann m?* en T es, lieber verzeihe, lteſt, daß n, ſagteſt mer Vater t erwählt unter den Ruhm zu rbundenen twen und Madame in Unglück es Leibes⸗ verlaſſenen verſäumen iſt. Haſt abei meine neinzigen, Wort, ehe um Ihren mir ver⸗ — ſiehe 1 Ich ſtand eilig auf— verbeugte mich tief—(meine Mutter erwiberte die Höflichkeit mit der ihr eigenen Grazie)— und entfernte mich. Ich eilte in das große Geſellſchafszimmer— fand dort Lady Neebletm allein — ſtürzte wieder hinaus traf Lady Haſſe on und ko⸗ keltirte mit ihr den Reſt des Abends. Vergebliche Hoff⸗ nung! wenn man die wahren Empfindungen dadurch zu vergeſſen glaubt, daß man nie gefühlte vorſchützt. Am folgenden Morgen denn, nach gehörigem Ab⸗ ſchiede von Allen(Gerald ausgenommen), die ich zurück⸗ ließ— nach einigen Thränen meines Oheims, die, wäre nicht Lady Hoſſelton zugegen geweſen, ich mit Zinſen hätte zurückgeben können— und nach einer langen Lieb⸗ koſung ſeines Hundes Ponto, der mir, als ich jetzt von dem geliebten alten Manne ſchied, wie ein Hund vor⸗ kam, den ich nie zuvor geſehen— eilte ich in den Wagen der Schenen und ſagte dem Rubikon des Lebens für immer Lebewohl. Meine Laufbahn als Mann und Stärdter begann ich alsdenn durch das Studium der geweihten Pfiichten eines galanten Höflings und eines Stadt⸗Elegants unter der Leitung der niedlichſten Kokette ihrer Zeit. Pweites Puch. Erſtes Kapitel. Der Held in London— Vergnügen iſt oft der kürzeſte wie der früheſte Weg zur Weisheit, und wir können von der Welt ſagen, was Eifervoll⸗Landemſig von dem Schweineſtalle ſagt: „Dadurch, daß wir denſelben frühe betreten, entgehen wir ſo mancher anderen Eitelkeit.“ Als ich in die Stabt kam, war es eben bei jungen vermöglichen Leuten Mode geworden, ein Haus zu ma⸗ chen und ihrer Junggeſellenwirthſchaft eine Wichtigleit beizulegen, welche bloß der Haushaltung eines ſchon durch die Ehe Beglückten zukam. Der Leſer ſtelle ſich eine Reihe prachtvoll eingerich⸗ teter Gemächer in der Nähe des Hofes vor. Ein Vor⸗ zimmer iſt mit vielen Perſonen, lauter Boten in den verſchiedenen Geſchäften des Vergnügens, angefüllt. Hier beobachtet ein franzöſiſcher Kammerdiener— der unſchätzbare Jean Desmarais— die Operationen eines Kaffeetopfes über einem kleinen Feuer, und unterhält ſich in einem verſtümmelten Verſuche auf unſere Na⸗ tionalſprache, obwohl in der beneidenswerthen Geläu⸗ figkeit ſe renden, ſie beid daß ſiei Repräſe Schneid Muſier Mann langer, ſen beſ großen lichkeit aus rei entſchla ner, at von K um nie mehr v ken nie herrlic jede T ein Sc zu mac ſchafte daſſelb maßen müthi „ cela e te wie der der Welt ſtalle ſagt: hen wir ſo ei jungen zu ma⸗ ichtigkeit es ſchon eingerich⸗ Fin Vor⸗ n in den ngefüllt. e— der nen eines mterhält ſere Na⸗ nOeläu⸗ 151 figkeit ſeiner eigenen Mundart, mit den verſchiedenen Har⸗ renden, welche die Stunden, die ſie warten müſſen, ehe ſie bei dem Herrn Gehör finden können, dadurch verkürzen⸗ daß ſie in der echten engliſchen Artigkeit den galliſchen Repräſentanten des Gebieters auslachen. Dort ſteht ein Schneider mit der ihm eben aus Paris zugekommenen Mufierkarte— dieſer moderne Prometheus, der den Mann zu Dem macht, was er iſt! Neben ihm will ein langer, hagerer Burſche in einem mit abgenutzten Treſ⸗ ſen beſetzten Rocke, mit einer Stutzperüke und einer großen Peitſche für den Stammbaum und die Vontreff⸗ lichkeit von drei Pferden Zeugniß ablegen, deren er ſich aus reiner Liebe und Freundſchaft für den Käuſer zu entſchlagen geſonnen iſt. An dem Fenſter ſteht ein dün⸗ ner, ausgehungerter Pvet, der, wie der Grammatiker von Kos, ſeine Taſchen hätte mit Blei füllen dürfen, um nicht weggeblaſen zu werden, hätte er nicht mit mehr väterlicher Vorſicht ſchon ſo viel in ſeinen Wer⸗ ken niedergelegt, daß ihm keines mehr übrig blieb. Ein herrlicher Zug der Zeit, wenn man mit zehn Guineen jede Tugend unter der Sonne erkaufen kann, und wenn ein Schriftſteller die Fehler ſeines Buches dadurch gut zu machen ſucht, daß er die bewunternswürbigen Eigen⸗ ſchaften des volllommenen Vorbildes nachweist, dem daſſelbe gewidmet iſt.“ Hier ſitzt mit einer Miene an⸗ maßender Verachtung auf ſeiner glatten Wange und über⸗ müthig in der rückwirkenden Nichtigleit eines billet- „ Dank ſei dem Himmel zu Ehren der Literatur, bout cela est changé. Der Herausgeber⸗ doux, ein Page in Purpur und Silber auf bem Tiſche und baumelt mit den Füßen. Hier ſieht der geſchwätzige Galanteriehändler mit einer Schachtel ſilberfranſiger Handſchuhe und Spitzen, welche Diana hätte tragen dürfen. Zu jener Zeit gab es in der That keinen ge⸗ fährlicheren Feind für weibliche Sittenreinheit als den erſtgenannten Artikel des Männerputzes— die zarte Weiße des Handſchuhes, der ſchimmernde Glanz der Franſen waren unwiderſlehlich, und die ſchöne Adorna im Cäſar Borgia des armen Lee iſt keineswegs die ein⸗ zige Dame, welche durch ein Paar Handſchuhe gemor⸗ det wurde. Neben dem Galanteriewaarenhändler beugte ſich, ſchmutzig und düſter von Anſehen, ein Antſquar unter der Laſt alter, aus Buden und Schoppen zuſammenge⸗ handeiter Bücher, entſchloſſen, dieſelben um jenen Preis wieter zu verkaufen, den man allen literariſchen Stutzern abnöthigt, welche den feinen Weltmann mit tem tiefen Gelehrten zu vereinen ſich das Anſehen gaben. Ein klei⸗ nes Mädchen, deſſen dreiſtes Geſicht und bewegliche Zunge den nicht unbeteutenden Grad ihrer geiſtigen Fä⸗ higkeiten verriethen, lehnte ſich gegen das Getäfel und wiederholte in dem Vorzimmer die ſcharfen Antworten, welche ihre Gebieterin(die berühmteſte Schauſpielerin der damaligen Zeit) auf der Bühne ausſprach; während ein breiter, ſtämmiger, ſtierköpfiger Herr in einem grauen überrocke und einer ſchwarzen Perüke dem Wirr⸗ warr von Stimmen des bunten Haufens die zarten Phra⸗ ſen von Hockley in der Hölle beigeſellte, von welchem Orte der feineren Unterhaltung er mit einer Einladungs⸗ botſchaf welche? dem Sa Ein einer V veckt; e lag, bis Marmo beſetzter Auf eir Schlafr kragent Haare allgeme aufgelöt junger? Außere ſchweifu Züge n ſtalt ſch rüſtiger übel gel Die der die (wenn e Porträt Ankunft Plö denkend den Gr m Tiſche chwätzige franfiger e tragen einen ge⸗ t als den die zarte lanz der Adorna die ein⸗ egemor⸗ gte ſich, ar unter nmenge⸗ en Preis Stutzern m tiefen Ein klei⸗ wegliche igen Fä⸗ äfel und tworten, ſpielerin während neinem m Wirr⸗ en Phra⸗ welchem adungs⸗ 153 botſchaft gekommen war. Wenn dies vie Leute waren, welche das Vorzimmer füllten, welches Bild ſoll ich von dem Salon und deſſen Bewohner entwerfen? Ein Tiſch war mit Büchern, einem Paar Roppiere, einer Weibermaske und einer Unmaſſe von Briefen be⸗ deckt; ein rother, reich mit Treſſen beſetzter Mantel lag, bis zum Boden reichend, darüber her. Auf einem Marmvortiſchchen waren ein mit koſtbaren Diamonten beſetzter Hut, ein Degen und eine Damenlaute zu ſehen. Auf einem Sopha ausgeſtreckt, nachläſſig in einen Schlafrock von ſchwarzem Sammt gehüllt, den Hemd⸗ kragen vffen, die Strümpfe ungebunden, ſeine eigenen Haare(unfriſirt und für kurze Zeit von den damals allgemein getregenen falſchen Locken befreit) in kurzen, aufgelösten Ringein von der Stirne wallend, lag ein junger Mann von etwa neunzehn Jahren, deſſen ganzes Außere den Stempel der gewöhnlich auf nächtliche Aus⸗ ſchweifungen folgenden Morgenabſpannung trug. Seine“ Züge waren weder hübſch noch häßlich; und ſeine Ge⸗ ſtalt ſchmal, dünn und eigentlich unbedeutend, doch zu rüſtiger Thatkraft oder Körperanſtrengung vielleicht nicht übel gebaut. Dies, Leſer, iſt das Bild des jungen Verſchwenders, der die oben beſchriebenen Gemächer einnahm, und dies (wenn auch durch Parteilichkeit etwas geſchmeichelt) ein Porträt von Morton Devereux ſechs Monate nach ſeiner Ankunft in London. Plötzlich wurde die Thüre mit jener ſich nicht be⸗ denkenden Haſt aufgeriſſen, durch welche unſere Freunde den Grad ihrer Vertraulichkeit andeuten zu müſſen ———— 154 glauben, und ein reich gekleibeter junger Mann von etwa achtundzwanzig Jahren und einer Miene, in wel⸗ cher ſich die Nachläſſigkeit des Wüſtlings mit dem Stolze des Ariſtokraten um die Oberhand zu ſtreiten ſchien, trat raſch ein. „Wie! he, mein edler Windmacher,“ rief er, ſich in einen Stuhl werfend—„noch die Nachwehen von St. Joſe's Burgunder? Pfui, pfui über Deine Lehr⸗ jahre!— ehe ich halb ſo lange gedient hatte, konnie ich drei Flaſchen ſo leicht zu mir nehmen, als die See das gute Schiff„Revolution“ zu ſich nahm,— ſie auf einen Schluck hinunterſtürzen, ohne daß ich am an⸗ dern Morgen auch nur vas Geringſte verſpürt hätte.“ „Gerne glaube ich Dir, großherziger Tarleton. Die Vorſehung verleiht jedem ihrer Geſchöpfe verſchie⸗ denen Gaben— dem Einen Witz— dem Anderen Kraft zum Trinken. Wie jammerſchade, daß nie Beides bei⸗ ſammen iſt!“ „So bitter, Graf!— was wird Dich je von Dei⸗ nem Spotte kuriren?“ „Ein kluger Mann durch Unterhaltung, oder Nar⸗ ren durch überdruß.“ „Nun, darin liegt einiger Witz, aber des Morgens bewundere ich nie etwas Schönes. Ich loſſe gerne meine Fähigkeiten bis Abends in einem Negligée gehen— ſpre⸗ chen wir leicht und einfach von den Angelegenheiten des Tages. Imprimis, willſt Du nach der neuen Börſe ſchlendern?— es ſind dort ein Paar ſchwarze Augen, welche Bänder abmeſſen und mit dem meine grünen gar, gerne kokettirten.“ „V zu Mei „D Pupper s iſt ei Natur, ſehen— lichteite zu ſehet „W der ſchn laſſen, welche ihnen ze Herzen daß wir ſichten e „Ac das blof meine Y irgend e Kleiderr hafter 3 Devereu daran!“ „Ja mit Dir ſchmeiche Eine G oder Ku ann vn in wel⸗ m Stolze n ſchien, er, ſich hen von ne Lehr⸗ „konnie die See „— ſie am an⸗ thätte.“ arleton. verſchie⸗ en Kraft ides bei⸗ on Dei⸗ e Nar⸗ Morgens ne meine — ſpre⸗ eiten des Börſe Augen, inen gar 155 „Von Herzen gerne— und Du ſollſt mich dagegen zu Meiſter Powells Puppen begleiten.“ „Du ſprichſt ſo weiſe, wie Salomo ſelbſt in dem Puppenſpiele. Ich geſtehe, daß ich ſo etwas gerne ſehe; 's iſt ein Vergnügen für die Kleinheit der menſchlichen Natur, große Dinge durch Nachäfferei erniedrigt zu ſehen— Könige durch Drähte bewegt und die Herr⸗ lichteilen der Erde durch den Hanswurſt perſonifizirt zu ſehen.“ „Wie magſt Du aber nur die Freude des Pöbels, der ſchmutzigen Plebejer, theilen, und dieſe Leute ſehen laſſen, wie gering der Unterſchied der Stände iſt, auf welche Du ſo hohen Werth legſt, dadurch, daß Du ihnen zeigſt, wie Du über dergleichen Dinge ſelbſt von Herzen mitlachſt. Gib zu, mein prächtiger Koriolan, daß wir unſeren Stolz nur auf Koſten konſequenter An⸗ ſichten erkaufen.“ „Ach, Devereux, Du vergifteſt meinen Genuß durch das bloße Wort Plebejer! Oh, welche Beſtie iſt der ge⸗ meine Menſch!— eine Geſtalt aus getretener Erde ohne irgend einen Zuſatz— eine Miſchung aus ſchmutzigen Kleidern— Speckgeruch, gemeiner Ausdünſtung, bettel⸗ hafter Feigheit und katzenähnlicher Wildheit— Pah, Devereur! ſtreiche Zibeth auf den bloßen Gedanken daran!“ „Ja, aber dieſe Leute werden heute dieſelben Dinge mit Dir belachen, und es wird folglich eine äußerſt ſchmeichelhafte Verwandtſchaft zwiſchen Euch beſtehen. Eine Gemüthsbewegung, ſei ſie durch Lachen, Arger oder Kummer— durch ein Marionettentheater, ein —— 156 Leichenbegängniß oder eine Schlacht erregt— macht Alle einander am meiſten gleich. Der Mann, ver immer über den Anderen ſtehen wollte, mußte ſtets gefühl⸗ los ſein.“ „Sehr weiſe, wie immer, Graf— aber horch!— die Glocke ſchlägt.— Ein Uhr, bei Gott!— wirſt Du Dich nicht ankleiden?“ Und ich ſtand auf und kleidete mich an. Wir gingen durch das Vorzimmer, meine getreuen Gehülfen in der Kunſt, Geld zu verſchwenden, ſtellten ſich in einer Reihe auf. „Verzeihen Sie mir, meine Herren,“ ſagte ich (Herren, wirklich! rief Tarleton),„daß ich Sie ſo lange warten ließ. Herr Seivelſnip, Ihre Weſten ſind ausgezeichnet— ſprechen Sie doch gefälligſt mit meinem Kammerdiener über die Vreite der Treſſen für meine Livree— er hat ſchon meine Anweiſungen. Herr Jockel⸗ ton, Ihre Pferde ſollen morgen um ein Uhr probirt werden. Ah, Herr Rymer, ich bitte tauſendmal um Vergebung— verzeihen Sie, ich bitte es der Unwiſſen⸗ heit meiner Burſchen zuzuſchreiben, daß ſie einen Mann von Ihrem Verdienſte nur einen Augenblick warten ließen, ohne ihm aufzuwarten. Ich habe Ihre Ode ge⸗ leſen— ſie iſt glänzend— die Leichtigkeit des Horaz mit dem Feuer des Pindarus— Ihr Pegaſus berührt nie den Boden, und doch lenfen Sie ihn bei ſeinen wildeſten Sprüngen mit eben ſo viel Grazie als Leich⸗ tigkeit— nur gegen Ihre Widmung habe ich Einiges einzuwenden— ſie iſt zu ſchmeichelhaft.“ „Keineswegs, Herr Graf, ſie paßt auf ein Haar.“ V Sie mit er liebt Dedikat — Alle Sie we erfreuer und zn Verlege „Ac „Ei Mylady langſam ſtreichen Ihre ₰H groß ge genaues die Fra kleine E — das genvmm Sage d und laſſ Thau ar ein ganz das näc bekomm Bären: laſſen S Ich hof — macht r immer gefühl⸗ — virſt Du gingen nin der in einer agte ich Sie ſo ſten ſind meinem r meine Jocel⸗ probirt mal um nwiſſen⸗ n Mann warten Ode ge⸗ Horaz berührt iſeinen s Leich⸗ Einiges Haar.“ 157 „Verzeihen Sie,“ unterbrach ich,„und erlauben Sie mir die Ehre auf Lord Halifar zu übertragen— er liebt Männer von Verdienſt— er liebt auch Ihre Dedikationen. Ich werde morgen mit ihm davon ſprechen — Alles, was Sie von mir ſagen, paßt genau auf ihn. Sie werden mich mit einem Exemplar Ihres Gedichtes erfreuen, ſobald es gedruckt iſt, und mir erlauben, jetzt und zwar durch Ihre freundliche Vermittlung Ihren Verleger dafür zu bezahlen. Adieu!“ „Ach, Graf, das iſt zu viel Großmuth.“ „Ein Brief für mich, mein hübſcher Page. Ach, ſage Mylady, ich werde bei Powell ihrer Befehle warten— langſam wie eine Schildkröte wird mir die Zeit hin⸗ ſtreichen, bis ich Ihre Hand küſſe.— Herr Fribbleden, Ihre Handſchuhe wären für die Rieſen von Guidhall groß genug— mein Kammerdiener wird Ihnen mein genaues Maß zuſtellen— ſorgen Sie doch dafür, daß die Franſen die gehörige Breite bekommen.— Meine kleine Schönheit, Du kommſt von Miſtreß Bracegirdle — das Stück ſoll durchgehen— ich habe ſieben Logen genvmmen— Herr St. John verſpricht ſeinen Einfluß. Sage daher, meine Hebe, die Sache ſei abgemacht, unb laſſe Dich küſſen, ma mignonne— Du haſt ſchon Thau auf Deinen Lippen.— Herr Thumpen, Sie ſind ein ganzer Kerl und verdienen, daß man Sie ermuthigt; das nächſte Mal, wenn Sie wieder ein Loch in den Kopf bekommen, ſoll es mit Manier geſchehen— aber den Bären werde ich nicht in Schutz nehmen— darauf ver⸗ laſſen Sie ſich.— Wie, Herr Bücherwurm, ſchon wieder! Ich hoffe, Sie ſind diesmal glücklicher geweſen— die 158 alten Lieder waren von einer Herbſtkrankheit befallen und hatten den größten Theil ihrer Blätter verloren — und Plato hatte die eine Hälfte ſeiner Republik ver⸗ pfändet, wahrſcheinlich um die übermäßige Summe zu bezahlen, die Sie für gut fanden, für die andere einzu⸗ ſetzen. Was Diogenes von Laerte und ſeine Philoſophen betrifft—“ „Bſt!“ unterbrach Tarleton—„willſt Du mich durch Deine theoretiſchen Abhandluugen über Philoſo⸗ phie in dem praktiſchen Theile derſelben unterweiſen und mich durch ein Geplapper über Gelehrſamkeit Geduld lehren?“ „Verzeihen Sie! Herr Bücherwurm— wollen Sie Ihre Bürde bei mir niederlegen und mich morgen zu einer früheren Stunde beſuchen.— Und jetzt, Tarleton, ſtehe ich zu Deinen Dienſten.“ Zweites Kapitel. Heitere Auftritte und Geſpräche— Die neue Börſe und das Puppenſpiel— Der Schauſpieler, der Sakriſtan und die Schöne. „Nun, Tarleton,“ ſagte ich mit einem Blicke auf den Markt der Galanteriewaaren und Liebeshändel, der, ſo berühmt unter der Regierung Karls II., unter Anng noch immer den Schatten ſeines früheren Rufes beibe⸗ hielt—„nun, hier ſind wir auf dem klaſſiſchen Boden; ſo oft wird ſeiner in den Komödien gebacht, zu welchen ſich unſere züchtigen Großmütter als Zuſchauerinnen drängten. Hier können wir unſere Verabredungen treffen, während wir dem Anſcheine nach Handſchuhe kaufen, X und ſollte Ungeduld lerin beth mende At nach den „Rich Ladentiſch ſelbe ange er nach de bis auf di Duftreger mit Jasm Haben Si — pfui!! choleriſch rettig— ſtitution: man Son beſſer, m gewiſſe Ar Dedikatio es iſt eiw kommt ſo Schnupfe Meine Kl Du ſprach daß unſere Galanteri fängt, ſch von Witz efallen rloren ik ver⸗ me zu einzu⸗ ſophen mich hiloſo⸗ en und Hebuld en Sie gen zu rleton, ind das Schöne. cke auf el, der, Ann beibe⸗ Boden; welchen erinnen treffen, kaufen, 159 und ſollte unſere Gebieterin zu lange zögern, unſere Ungeduld durch eine Liebeständelei mit ihrer Putzhänd⸗ lerin bethören. Iſt an dieſem Orte nicht eine luſtath⸗ mende Atmoſphäre?— ſchmeckt er nicht immer noch nach den Etherege's und Sedley's?“ „Richtig,“ ſagte Tarleton, indem er ſich über einen Ladentiſch legte und der hübſchen Kolette, welcher der⸗ ſelbe angehörte, verliebt zuäugelte— dabei beſprengte er nach der damaligen Mode der Elegants ſeine langen, bis auf die Schultern herabhängenden Locken mit einem Duftregen aus einer auf dem Ladentiſche ſtehenden Flaſche mit Jasminwaſſer—„richtig; ſahſt Du je ſolche Augen? Haben Sie Tabak von dem ächten Geruche, meine Schöne — pfui! der iſt für die Naſe eines Walliſer Pfarrers— choleriſch und heiß, meine Schöne— pulverifirter Meer⸗ rettig— wahrlich, eine Naſe von der kälteſten Con⸗ ſtitution müßte davon nieſen wie ein Schulknabe, den man Sonnabend Nachts gewaſchen hat.— Ah, der iſt beſſer, meine Prinzeſſin— in dieſem Tabak liegt eine gewiſſe Artigkeit— er ſchmeichelt dem Gehirn, wie die Dedikation eines Poeten. Ja wohl, Devereux, ja wehl, es iſt etwas Anſleckendes in der Atmoſphäre; man be⸗ kommt ſo leicht einen guten Humor, als ob es ein Schnupfen wäre. Wollen wir weiter ſchlendern?— Meine Klelia ißt auf der andern Seite der Börſe.— Du ſprachſt von den Schauſpieldichtern— wie Schabe, daß unſere Etheretzes und Wycherley's ſo frei in ihrer Galanterie waren, daß das prüdere Publikum ſchon an⸗ fängt, ſcheu an ihnen zu werden.— Es liegt eine Welt von Witz in janen!“ 160 „Ja,“ etwiderte ich,„und wie mein guter Oheim ſagen würde, eine Welt von Menſchenkenntniß, d. h. von dem ſchlimmeren Teile derſelben. Sie ſind ſchlechter als bloß frech— ſie ſind wirklich verderbt— voll von der unvecheſſerlichſten Niederträchtigkeit— Trug, Lug, Diebſtahl und Prellerei; ihr Humor verdirbt das ganze moraliſche Syſtem— ſie ſind wie Sardenkraut— fie machen einen wohl lachen— aber ſie vergiften zu⸗ gleich. Doch, wer kommt hier?“ „O, ehrlicher Coll!— Ach, Cibber, wie geht es Dir? Die alſo angetedele Perſon war ein Mann von etwa mittlerem Alter— ſehr abenteuerlich gekleidet— und mit einer ausnehmend langen Perüke verſehen. Sein in den einzelnen Zügen ziemlich hübſches Geſicht trug das Gepräge einer ſonderbaren Miſchung von Lebhaftigkeit, unverſchämtheit und einem derben, doch nicht unange⸗ nehmen Geiſte rückſichtsloſer Ausſchweifung. Er näherte ſich uns mit einem Kratzfuße und grüßte Tarleton mit einer trotz der angenommenen Vertraulichkeit doch ſehr unterwürfigen Miene. „Wovon glaubt Ihr wohl,“ nahm mein Gefährte wieder das Wort,„daß wir geſprochen haben?“ „Nun, wahrlich, Herr Tarleton,“ antwortete Cibber mit einem tiefen Bücklinge,„wenn es nicht von dem ausgezeichneten Schnitte Ihrer Weſie oder Ihrem Glück bei der Frau Herzogin war, ſo weiß ich nicht, was ich rathen ſoll.“ „Pah, Mann,“ entgegnete Tarleton ſtolz,„nichts von Euern Complimenten,“ und dann fuhr er in mil⸗ —. — * derem To die Unfit waren, e Beiſpielet „Nun, Heiligkeit kraut aus riſſen— „Hör Kerl für „Ger Steele zu Redeweiſ wie mirr ich frager „Nic Saturnal ſchaft; dr kennſt Di „Ich „So reux, laf Cibber zu ſang, ein ſpielerin müthig g gig genu „Her droſſen, bung m Bulw Oheim „d. h. hlechter ol vn g⸗ Lug, is ganze — ten zu⸗ vie geht on etwa — und Sein in trug das aftigkeit, unange⸗ näherte leton mit doch ſehr Gefährte 74 ete Cibber von dem em Glücke „was ich z„nichts er in mil⸗ — — 161 derem Tone fort:„Nein, Colley, wir ſchmäheten über die Unfittlichkeiten, welche auf der Bühne zu Hauſe waren, ehe Du durch das Licht Deines tugendhaften Beiſpieles ſie zu reformiren unternahmſt.“ „Nun,“ verſetzte Cibber mit einer Miene erheuchelter Heiligkeit,„dem Himmel ſei Dank, ich habe einiges Un⸗ kraut aus dem Blumenbeete unſeres Theaters ausge⸗ riſſen——“ „Hörſt Du, Graf? Wäre er nicht ein herrlicher Kerl für einen Cenſor?“ „Gewiß,“ erwiderte Cibber,„ſeit ſich Dickey Steele zum Heiligen aufgeworfen und die methodiſche Redeweiſe angenommen hat, bleibt auch einem Sünder wie mir noch Hoffnung auf Bekehrung. Wo wird, wenn ich fragen darf, Herr Tarleton heute Abend trinken?“ „Nicht mit Dir, Coll. Man feiert nicht alle Tage Saturnalien. Befreie uns jetzt von Deiner Geſell⸗ ſchaft; doch halt, ich will Dir ein Vergnügen machen— kennſt Du dieſen Herrn?“ „Ich habe nicht die hohe Ehre.“ „So lerne denn einen Grafen kennen. Graf Deve⸗ reux, laſſen Sie ſich herab, bisweilen ſich des Colley Cibber zu erinnern; er iſt ein trefflicher Kerl für Ge⸗ ſang, eine Flaſche und eine Beſtellung an eine Schau⸗ ſpielerin; ein munterer Burſche, der aber weder gut⸗ müthig genug iſt, um geliebt zu werden, noch unabhän⸗ gig genug, als daß man ihn achten könnte.“ „Herr Cibber,“ ſagie ich, den Tarletons Worte ver⸗ vroſſen, obwohl der Gegenſtand derſelben dieſe Beſchrei⸗ bung mit dem ungeſtörteſten Gleichmuthe anzuhören Bulwer, Devereur. I. 4¹ 162 ſchien,„Herr Cibber, ich bin glücklich und ſtolz über die Bekanntſchaft mit dem Verfaſſer des„ſorgloſen Gat⸗ ten.“ Hier iſt meine Adreſſe; erfreuen Sie mich mit einem Beſuche, wenn Sie Zeit dazu finden.“ „Wie mochteſt Du nur ſo unartig gegen den armen Teufel ſein?“ ſagte ich, als Cibber nach zahlloſen Bück⸗ lingen und Complimenten uns verlaſſen hatte. „Ach, hole ihn der Henker— ein gemeiner Kerl, der all ſein Glück an den Saum höherer Stände heftet, ſtolz darauf iſt, verachtet zu werden, und mit dem, was der Eitelkeit Anderer ewig peinlich wäre, der ſeinigen ſchmeichelt. Und jetzt zu meiner Klelia——“ Nachdem mein Gefährte zu ſeiner Unterhaltung in der Eile einer jungen Dame den Hof gemacht hatte, welche die erbaulichſie Schüchternheit zur Schau mu verließen wir die Börſe und gingen zu dem Puppenſpiel Bei dem Eintritte in die Piazza, wo, wie ich alsz Schriftſteler für das nächſie Jahrhundert ſagen muß, Punch ſeinen Hof hielt, ſahen wir einen langen dürren Kerl unter den Säulen umherſchlendern, auf deſſen Ge⸗ ſicht ſich das Mißvergnügen auf eine höchſt komiſche, Weiſe malte. In Tarletons angeborner Gutmüthigkeit lag ein unverſchämter übermuth, der ihn ſtets verlei⸗„ tete, ſich der Laune des Augenblickes auf Koſten jedes anderen Betrachtens hinzugeben, beſonders wenn es einem Gliede der Canaille galt, welche mein ariſtokra⸗ tiſcher Freund als einen niedrigen Theil des ausſchließ⸗ lichen, deſpotiſchen Beſitzes der Leute von Stande anſah. „Potz, Devereur,“ ſagte er,„ſiehſt Du den Bur⸗ ſchen da? er hat die Kühnheit, Spleen zu affektiren. Wahrlick nete Vo Tarletor ihn mit ſammen Tarletor Ihr Eue „Nr müthig, geſchlag fälle ne können. „St Stirne Falle D klagen dagegen lichteit. „D der Me Geld zu gewöhn ich Unte und me zu läut ein Me zu welc heit ſo ber die n Gat⸗ ich mit tarmen n Bück⸗ rKerl, heftet, m, was ſeinigen tung in t hatte, m trug, enſpiel, ich als en muß, dürren ſſen Ge⸗ komiſche ithigkeit verlei⸗ en jedes venn es riſtokra⸗ sſchließ⸗ e anſah. en Bur⸗ ffektiren. Wahrlich, ich glaubte, Melancholie ſei das ausgezeich⸗ nete Vorrecht der Adeligen— wir wollen ihn foppen.“ Tarleton näherte ſich dem düſteren Manne und berührte ihn mit dem Ende ſeines Stockes. Der Mann fuhr zu⸗ ſammen und wandte ſich um.„Bitte, Freund,“ ſagte Tarleton kalt,„bitte, wer zum Teufel ſeid Ihr, daß Ihr Euch herausnehmt, ſo unzufrieden drein zu ſehen?“ „Nun, Herr,“ antwortete der Menſch äußerſt gut⸗ müthig,„ich habe einiges Recht, ärgerlich zu ſein.“ „Das bezweifle ich, mein Freund,“ ſagte Tarletvn. „Worüber klagt Ihr denn? Haben die Kaldaunen auf⸗ geſchlagen, oder ſäuft Euer Weib? die einzigen Un⸗ fälle nach meiner Anſicht, die Euern Stand treffen können.“ „Sollen wir,“ ſagte ich, als ich eine Wolle auf der Stirne unſeres neuen Freundes bemerkte,„in dieſem Falle Deine Leiden heilen? Sage uns, worüber Du zu klagen haſt, und wir wollen Dir ein ſilbernes Mittel vagegen verſchreiben; hier eine Probe unſerer Geſchick⸗ lichteit. „Dank Ihnen unterthänig, meine Herren,“ ſagte der Mann und ſteckte mit aufgeklärtem Geſichte das Geld zu ſich;„aber im Ernſte, der meinige iſt ein un⸗ gewöhnlich harter Fall. Bis vor wenigen Wochen war ich Unterküſter in der St. Paulskirche in Covent⸗Garden, und mein Amt war, die Glocken zum täglichen Gebet zu läuten; aber ein Sohn Velials kam hierher, ſiellte ein Marionettentheater auf und richtete die Stunden, zu welchen er Vorſtellungen gab, mit ſündhafter Schlau⸗ heit ſo ein, daß die Glocke, welche ich zur Kirche läutete, 164 Zuſchauer für Punch herbeiführten,— ſo daß, meine Herren, ſobald Ihr unterthäniger Diener zum Gebet des Herrn läutete, ſeine verkehrte Gemeinde anfing, dem Teufel zuzuſtrömen, und ſtatt ein Werkzeng zur Ret⸗ tung der Seelen zu ſein, wurde ich das ſchuldloſe Mittel, ſie zu verderben. Oh, meine Herren, es war hart, um vier Schillinge wöchentlich an dem Seile zu ziehen, bis einem der Schweiß herunterlief, und dabei immer zu fühlen, daß man die eigene Gemeinde dünner und die eigenen Taſchen leerer mache.“ „Dies war allerdings ein beklagenswerthes Dilemma, und was thatet Ihr, Herr Küſter?“ „Was ich that, Herr? nun, ich konnte mein Ge⸗ wiſſen nicht erſticken, und gab meine Stelle auf. Seit⸗ her, mein Herr, habe ich mich immer in der Piazza aufgeſtellt, um meine armen, verleiteten Mitgeſchöpfe vor ihrem Irrthurme zu warnen und ſie zu verſichern, daß, wenn die St. Paulsglocke geläutet wird, ſie zum Gebete, nicht zum Puppenſpiele rufe— und, der Herr ſtehe uns bei, da geht es in dieſem Augenblicke an, und ſehen Sie, ſehen Sie, meine Herren, wie die Perüken und Hauben ſich dem Punch zudrängen, anſtatt dem Herrn Pfarrer.“ „Ha! ha! ha!“ rief Tarleton,„Herr Powell iſt nicht der erſte, der heilige Dinge zu einem irdiſchen Zwecke benützte und ſich der Kirchenglocken bediente, um Geld in die weite Taſche der Feinde der Kirche zu läu⸗ ten. Hört, Freund, folgt meinem Rathe und werdet ſelbſt Prediger; beſteigt einen Karren, den Marionetten gegenüber, und ich wette, die Menge verläßt das Theatet ries auf des Mat je heilig „St küſter, „Th einfaler Ausſehe Mi uns geſ williger dem K gute Ki penſpiel Die diejenig war La und tra „als ich Wort ſi ton, w Engel chen ve — ſon ihrer V ſo plötz „ ſem ung —— chen auf meine Gebet dem Ret⸗ Mittel, rt, um n, bis mer zu und die ſemma, in Ge⸗ Seit⸗ Piazza ſchöpfe ſich ern, ie zum erHerr in, und ßerüken tt dem well iſt diſchen nte, um zu läu⸗ werdet onetten Theater 165 des Marktſchreiers und läuft dem Frommen zu, denn je heiliger ein Schauſtück, um ſo ſicherer der Gewinn.“ „So wahr ich lebe, meine Herren,“ rief der Er⸗ küſter,„ich will Ihren Rath befolgen.“ „Thut das, Mann, und laßt Euch ja nicht wieder einfallen, betrübt auszuſehen; üherlaßt ein langweiliges Ausſehen beſſeren Leuten.“* Mit dieſem Rathe und einer zweiten Vergütung des uns geſchenkten Vertrauens verließen wir den unfrei⸗ willigen Gehülfen Herrn Powell's und gingen unter dem Klange eben der Glocken, deren Mißbrauch der gute Küſter ſo pathetiſch bejammert hatte, in das Pup⸗ penſpiel. Die erſte Perſon, die ich dort erhlickte, und gerade diejenige, um derentwillen ich eigentlich gekommen war, war Lady Haſſelton. Ich trennte mich von Tarleton und trat zu der Kokette:„Engel der Huld!“ ſagte ich, „als ich mich Ihnen näherte, und ehe ich ein weiteres Wort ſage, bemerken Sie, beiläufig geſagt, Ladv Haſſel⸗ ton, wie vollkommen dieſer Ausdruck für Sie paßt! Engel der Huld! Sie haben ja alle Ihre Schönpfläſte⸗ chen verrückt!— eins— zwei— drei— ſechs— acht — ſo wohr ich ein Gentleman bin, von der linken Seite ihrer Wange auf die rechte! Was iſt der Grund einer ſo plötzlichen Emigrativn.?“ „Ich habe meine politiſchen Anſichten geändert,““ „Man ſehe im Spectator Nr. 14 einen Brief von die⸗ ſem unglücklichen Unterküſter. * Damen von der Whigpartie trugen ihre Schönpfläſter⸗ chen auf der einen Seite der Wange, Anhängerinnen der To⸗ ries auf der anderen. Der Herausgeber. — 166 Graf, vas iſt Alles, und ich habe mich eniſchloſſen, vieſe Veränderung' ſo bald als möglich zu verkündigen. Aber iſt es wahr, daß Sie im Begriffe ſind, ſich zu verheirathen?“ „Heirathen! Da ſei der Himmel für! welcher meiner Feinde hat ein ſo grauſames Gerücht ausge⸗ ſprengt?“ „Oh, das Gerücht geht allgemein!“ und Lady Haſſelton bewegte ihren Fächer mit einer äußerſt ſchmeichelhaften Heftigkeit. „Nichts deſto weniger iſt es falſch! Noch bin ich nicht im Stande, mir eine Frau zu erkaufen, denn, Dank den Leibgedingen und den Nadelgeldern, iſt ja ſo etwas reine Handelsſache; und(ſehen Sie, wie ſehr vas civilifirte Leben dem wilden gleicht!) der engliſche, wie der tatariſche Mann von Stande erlangt ſeine Frau nur durch Kauf. Wer aber iſt die Braut?“ „Des Herzogs von Neweaſtle reiche Tochter, Lady Henriette Pelham.“ „Wie, das Ziel von Harley's Ehrgeiz!“ Wahrlich, Mylady, das Gerücht iſt nicht ſo grauſam, als ich gedacht!“ „Oh, wie Sie ſich zieren!— hat es aber nicht Grund?“ „Auf Ehre, ich fürchte nein; meine Nebenbuhler“ ſind zu zahlreich und zu mächtig. Sehen Sie dort „ Lord Volingbrole erzählt uns, der Hauptzweck von Har⸗ ley's Adminiſtration ſei die Verbindung ſeines Sohnes mit dieſer Dame geweſen. So iſt das Schickſal von Nationen ein Bündel aus tauſend kleinen Privatplanen. Der Herausgeber. unten!t Erbin 1 Schmun die Bar und ſich ſchneide wegen 2 wollte ney's* mal in verbran 8 — Sie ni Ihnen „ Ei und we leiſeſtet jetzt, 1 wenigſ glaube in dem Vorſte Vertre Natur verein Ende, haltur * und S zahrlich, als ich er nicht nbuhler ie drt von Har⸗ hnes mit ionen ein er. unien! wie ſie ſich ſchon in Schaaren um die erlauchte Erbin herdrängen— ſehen Sie dieſes Lächeln und Schmunzeln. Iſt es nicht hübſch, viöſe ſo feinen Herren die Bauernburſchen auf einer Kirchweihe nachahmen und ſich um einen goldenen Ring im Geſichter⸗ ſchneiden überbieten zu ſehen! Aber Sie dürfen meinet⸗ wegen Nichts fürchten, Lady Haſſelton, meine Liebe iſt, wollte ſie auch anders ſein, unwandelbar. Nach Sid⸗ ney's“ artigem Gedanken hat Amor, nachdem er ein⸗ mal in mein Herz geſlogen war, dort ſeine Schwingen verbrannt und kann nicht wieder entfliehen.“ „Sehen Sie da!“ ſagte die Schöne,„ich verſtehe Sie nicht ganz— Ihr Lehrer in den Grazien bringt Ihnen Ihre Complimente nicht garz zweckmäßig bei.“ „Ei doch, aber in Ihrer Gegenwart vergeſſe ich ſie; und werden Sie jetzt,“ ſetzte ich, meine Stimme zu dem leiſeſten Flüſtern herabſenkend, hinzu,„werden Sie jetzt, wo Sie von meiner Treue überzeugt ſind, nicht⸗ wenigſtens lernen, Gerüchten zu mißtrauen und mir zu glauben?“ „Ich liebe Sie zu ſehr!“ antwortete Lady Haſſelton in demſelben Tone, und dieſe Antwort gibt die richtigſte Vorſtellung von der Liebe jeder Kolette!— Liebe und Vertrauen find bei ihnen Eigenſchaften, welche von Natur eine Antipathie gegen einander haben und nie vereinigt werden können. Unſer téte-à-téte war zu Ende, man wurde um uns her geſprächig und die Unter⸗ haltung algemein. * In ſeinem Arkadien, dieſem Muſeum des Abenteuerlichen und Schönen. Der Herausgeber. 168 „Betterton ſpielt morgen Abends,“ rief Lady Prat⸗ terly,„wir müſſen hin!“ „Wir müſſen hin!“ rief Lady Haſſelton. „Wir müſſen hin!“ riefen Alle. Und ſo verſtrich die Zeit, bis das Puppenſpiel vor⸗ über und ich meines Dienſtes enthoben war. Es iſt etwas Reizendes, der Anbeter einer Mode⸗ dame zu ſein! Wer dieſe Ehre genießt, thut mit ſeinen Stunden nur das, was ein Geizhals mit ſeinen Gui⸗ neen, d. h. ſie zählen. Drittes Kapitel. Weitere Perſonen von Wichtigkeit. Am folgenden Abende ſchlenderten Tarleton und ich nach dem Theater zu Will. Ein halbes Dutzend Witz⸗ linge war da verſammelt. Himmel! was dieſe ſchwatz⸗ ten! Schauſpieler, Schauſpielerinnen, Dichter, Staats⸗ männer, Philoſophen, Kritiker, Geiſtliche, wurden mit dem höchſten Genuſſe der Bosheit Alle in Stücke ge⸗ riſſen. Wir ſetzten uns, und während Tarleton ſich mit einer Taſſe Kaffee und der„Fliegenden Poſt“ unter⸗ hielt, horchte ich ſehr aufmerkſam auf das Geſpräch. Wollten wir jede Gelegenheit benutzen, einige Körn⸗ chen des Wiſſens zu ſammeln, wahrlich, wir hätten bald eine Kiſte voll;— ein Mann ſchuf ſich ein vor⸗ treffliches Auskommen dadurch, daß er Jeden, der aus dem Laben eines gewiſſen Tabakshänblers kam, um eine Priſe anſ bald er ſe Wäh Herr auf gutgeklei Aufmerk ſagend u ganzes 2 zwungen drücken, Natur 1 überkleid „Ha bigen F Wichtigt wollen ſ oder der ganzen gnügen Hert ärgerlich ſiegte ü dieſer an welcher ſich, der weiß, L und deß gewechſ — bei *2 Prat⸗ ſeinen Gui⸗ und ich Witz⸗ chwatz⸗ taats⸗ en mit cke ge⸗ ich mit unter⸗ präch. Körn⸗ hätten n vor⸗ er aus neine 169 Priſe anſprach, und die Miſchung wieder verkaufte, ſo⸗ bald er ſeine Doſe gefüllt hatte.“ Während ich zuhörte, wie ein langer, munterer Herr auf den Schauſpieler Dogget ſchmähte, trat ein gutgekleideter Mann ein und zog ſogleich die allgemeine Aufmerkſamkeit auf ſich. Seine Züge waren ſehr nichts⸗ ſagend und häßlich, ſein Auge aber lebhaft und ſein ganzes Außere anſtändig; gleichwohl war etwas Ge⸗ zwungenes und Künſtliches in ſeiner Art, ſich auszu⸗ drücken, und es ſchien, als bemühe er ſich, eine von Natur muntere Laune mit einer gewiſſen Ziererei zu überkleiden, welche nie recht dazu paſſen wollte. „Ha, Steele!“ rief ein Herr in einem vrangefar⸗ bigen Rocke, der durch eine moderne, prahleriſche Wichtigthuerei der Geſellſchaft den Ton angeben zu wollen ſchien—„Ha Steele! woher? aus der Kapelle oder der Taverne?“ und der Sprechende ſah ſich in dem ganzen Zimmer um, als möchte er, daß wir das Ver⸗ gnügen eines ſo köſtlichen Spaßes theilen. Herr Steele richtete ſich dem Anſcheine nach etwas ärgerlich auf; aber ſeine natürliche Gutmüthigleit ſiegte über die angenommene Heiligkeit, mit welcher dieſer ausgezeichnete Schriftſteller ſich zu der Zeit, von welcher ich ſpreche, zu umgeben gefiel; er begnügte ſich, dem Sprecher zuzunicken und ſagte;„Jedermann weiß, Oberſt Cleland, daß Sie ein witziger Kopf ſind, und deßhalb nehmen wir Ihre ſchönen Redensarten wie gewechſeltes Geld von einem ehrlichen Handelsmann, — bei dem wir ganz beruhigt üher die erhaltene * Aus dem Plauderer. 170 Münze ſind, ohne noch einen Blick darauf zu werfen.“ „Wetter, Cleland, Sie kommen hier zu kurz,“ rief ein Herr in einer Flachsperüke. Und Steele ließ ſich neben mir in einen Stuhl nieder. Tarleton, der eine Erziehung genoſſen, die ihn wohl auf den Ruf eines Literaten Anſpruch machen ließ, hielt es nunmehr für nöthig, die„Fliegende Poſt“ bei Seite zu legen und mich meinem Nachbarn vor⸗ zuſtellen. „Bitte,“ ſagte Oberſt Cleland, indem er Tabal nahm und ſich mit der grazisſen Haltung eines Faſhio⸗ nable hin und her ſchaukelte,„hat Jemand das neue Blatt geſehen.“ „Was“ rief der Herr in der Flachsperüke,„was! des Plauderers Nachfolger, den Spektator?“ „Denſelben,“ antwortete der Oberſt. „Nun freilich— wer hätte den nicht geleſen?“ erwiderte Der mit dem flachſenen Haarſchmucke.„Man ſagt, Congreve ſchreibe das Blatt.“ „Dann irrt man ſich ſehr,“ rief ein kleiner, ſtäm⸗ miger Mann mit einer Brille;„ſo viel ich für ganz gewiß gehört, iſt Swift der Verfaſſer.“ „Pah!“ ſagte Cleland gebieteriſch, pah! weder der Eine, noch der Andere; ich, meine Herren, weiß um das Geheimniß— aber— Sie verſtehen mich, he? Man muß ſich nicht ſelbſt loben— darum ſtille davon.“ „Dann,“ fragte Steele ruhig,„dürfen wir alſo annehmen, daß Sie, Oherſt, der Verfaſſer ſind?“ „Das habe ich nicht geſagt, Richard; aber die Wei⸗ ber mein ſeine Ha „Bit ver Herr Ewift o an einen richtet, Anſchein mit ſeine erwiderte ſterblich Zeugniſſ ſchaft de wiſſen w „Wo mit eine „aber m ein Blat das Vert Freunde „W meine A daß Ihn Oberſt G Perſon uf zu „rief ieß ſich die ihn machen e Poſt“ rn vor⸗ Tabal Faſhio⸗ as neue „was! . leſen?“ 17¹ her meinen, ich müſſe es ſein;“ und der Oberſt ſtrich ſeine Halsbinde glatt. „Bitte, Herr Addiſon, was ſagen Sie vazu?“ fragte ver Herr in der Flachsperüle,„ſind Sie für Congreve, Swift oder den Oberſt Cleland 2 Dieſe Worte waren an einen Herrn von ernſter, einnehmender Miene ge⸗ richtet, der mit geſenktem Blicke ſehr ruhig und allem Anſcheine nach ohne auf etwas Anderes zu merken, ſich mit ſeiner Pfeife tröſtete; ohne die Augen aufzuſchlagen, erwiderte dieſer ſchon damals ausgezeichnete, ſpäter un⸗ ſerblich geworbene Mann:„Oberſt Cleland muß andere Zeugniſſe aufbringen, um ſeine Anſprüche auf die Autor⸗ ſchaft des„Spectators“ darzuthun; die Frauen, das wiſſen wir wohl, find für ihn eingenommen.“ Wohl wahr, alter Freund,“entgegnete der Oberſt mit einem Seitenblicke auf ſeinen vrangefarbigen Rock, „aber meiner Treu, Addiſon, ich wollte, Sie ſchrieben ein Blatt dieſer Art; Sie ſind ein feiner Richter über das Verdienſt, und Ihre Charakterſkizzen würden Ihren Freunden Gerechtigkeit widerfahren laſſen.“ „Wenn ich dies je thue, Oberſt, ſo werde ich oder meine Mitarbeiter wenigſtens darauf Bedacht nehmen, daß Ihnen Gerechtigkeit widerfahre.““ „Ich bitte, Steele,“ rief der Fremde mit der Brille, „ich bitte, ſage uns, was Du von der Sache denkſt; kennſt Du den Verfaſſer dieſer vrolligen Zeitſchrift?“ »Dies ſcheint die beſtehende Vermuthung zu beſtätigen, daß Oberſt Cleland mit Will Honeycomb in dem Spectator einerlei Perſon ſei. Der Herausgeber. 172 „Ich ſah ihn dieſen Morgen,“ antwortete Steele gleichgültig. „Aha! und was ſagteſt Du zu ihm?“ „Ich fragte ihn um ſeinen Namen.“ „Und er antwortete?“ fragte der mit der Flachs⸗ perüke, während wir uns Alle um den Sprecher dräng⸗ ten, neugierig auf den Autor eines Werkes, welches damals die allgemeinſte und lebhafteſte Theilnahme er⸗ regte. „Er antworte mir feierlich,“ ſagte Steele,„mit folgenden Worten:„Graeci carent ablativo— Kali dativo— Ego nominativo.“ „Herrlich— köſtlich!“ rief der Herr mit der Brille, und dann ſetzte er, Oberſt Geland zupfend, hinzu: „Was will das eigentlich heißen?“ „Ignorant!“ ſagte Cleland verächtlich,, jeder Schul⸗ knabe kennt den Virgil.“ „Devereur,“ ſagte Tarleton gähnend,„was für eine verdammt liebliche Sache iſt es doch, ſo viel Witz anzu⸗ hören— Schade, daß die Atmoſphäre ſo fein iſt, daß Lungen, welche nicht daran gewöhnt ſind, ſie nicht lange ertragen können. Erholen wir uns durch einen Spazier⸗ gang?“ „Gerne,“ antwortete ich; und wir ſchlenderten durch die Straßen. „Bei Will's iſt es nicht mehr, wie früher,“ ſagte Tarleton,„es iſt nur noch ein bedauernswürdiges Ge⸗ ſpenſt ſeines früheren Selbſt, und hätten ſie nicht die Karten eingeführt, ſo müßte man vor Dampf dort er⸗ ſticken.“. „Ich Nachäffun ſo ſehr üb vom Geſſf und Sylviſ zenhandſch „ Pfui friſcheren Maſham Riviere Y „Zu Worte, w Dame, we „Pah Abigailen verſproche „Wie Wein bek Marlboro In di Tarleton Tories ſo von den“ nennen la für jeden große Nie ſein ſollet ſich links ten Zimm Steele dräng⸗ welches hme er⸗ e,„mit — Itali Brille, hinzu: Schul⸗ für eine tz anzu⸗ iſt, daß ht lange pazier⸗ ndurch ſagte es Ge⸗ icht die ort er⸗ „Ich kenne nichts ſo Fades,“ ſagte ich,„als dieſe Nachäffung literariſcher Bildung, welche gegenwärtig ſo ſehr üblich iſt. Es iſt nur eine ermüdende Erholung vom Geſpräche, wenn bisweilen Lieder von Strephon und Sylvia eingeſchoben werden, die ein Herr mit Fran⸗ zenhandſchuhen und ſchmachtendem Blicke herliſpelt.“ „Pfui darüber,“ rief Tarleton,„ſuchen wir einen friſcheren Gegenſtand. Biſt Du heute Abend zu Abigail Maſham gebeten, oder gehſt Du mit zu Frau von la Riviere Manley?“ „Zu Frau von, was 7— im Namen aller langen Worte, wer iſt ſie?“ „Oh! Literatur kann auch üppig machen: eine Dame, welche den Catull liest und ſich zu Nutzen macht.“ „Pah, nein, um ihretwillen wollen wir die zarte Abigail nicht aufgeben. überdies habe ich St. John verſprochen, ihn bei der Maſham zu treffen.“ „Wie Du willſt. Bei Abigail werden wir auch etwas Wein bekommen, was uns in dem Hauſe der Baſe Marlboroughs nie zu Theil wurde.“ In dieſer tröſtlichen Vorausſetzung begleitete mich Tarleton gutwillig zu der berühmten Frau, welche den Tories ſo ausgezeichnete Dienſte leiſtete und ſich dafür von den Whigs eine große doppelſeitige Niederlage nennen laſſen mußte, nämlich eine große Niederlage für jeden Schilling, der Anderen gehörte, und eine große Niederlage jeder Tugend, welche ihr hätte eigen ſein ſollen. Wie wir die Treppen hinaufſtiegen, öffnete ſich links die Thüre eines zum Privatgebrauche beſtimm⸗ ten Zimmers, und ich ſah, wie die Favoritin meinen 174 alten Lehrer, den Abbe Montreuil, mit den ſchmeichel⸗ hafteſten Ausdrücken der Achtung entließ. Er nahm ihre Höflichkeit als etwas ihm Gebührendes hin und ſtand, als er die Treppe herabſtieg, plötzlich mir gerade gegen⸗ „ über. Er trat zurück— ohne die Farbe zu wechſeln oder eine Bewegung zu verrathen— verbeugte ſich ſehr höf⸗ lich und verſchwand. Ich hatte keine Zeit, viel über vieſen Umſtand nachzudenken, denn St. John und Herr Domville— beide ausgezeichnete Geſellſchafter— traten ein, und da die Geſellſchaft nur klein war, ſo genoſſen wir das ungewohnte Glück, mit einander zu ſprechen und uns gegenſeitig eine Verbeugung machen zu koͤnnen. Es war unmöglich, an irgend etwas Anderes zu denken, wenn es St. John geſiel, ſich zu zeigen, und ſo glitt der Abbe Montreuil ſo ſchnell aus meinem Gehirn wie St. Johns Witz in doſſelbe drang. Wir hatten Alle die⸗ ſelben politiſchen Anſichten und waren deßhalb geiſt⸗ reich, ohne zankſüchtig zu ſein— eine große Seltenheit. Die treue Abigail erzählte uns Geſchichten von der guten Königin, und wir fügten als Zugabe Bonmonts bei. überdies ſchloß uns Wein— Wein, den ſelbſt Tarleton gut fand, die Geiſter auf, und ſo brachten wir einen Abend zu, wie Leute von Stande und Tories ihn ſelten zu genießen verſtehen. Pieu de Esprit! Ich möchte wohl wiſſen, ob die Tories des nächſten Jahrhunderts ſo gewandte, bezau⸗ bernde, wohlunterrichtete Vurſche ſein werden wie wir. Etw die mein ſchlender einen ur zwei Ne jungen natürlich kaum ha zogen wi liſchen 2 zu ihrer Theile z „M Nachtwe find von ſchen Ur er ſeiner Kopfe d „Go Herren um gepr Euch zu und trol Stimme „Ge meichel⸗ hm ihre nd ſtand, e gegen⸗ ſeln oder ſehr höf⸗ ie über nd Herr — traten genoſſen ſprechen können. u denken, ſo glitt hirn wie Alle die⸗ alb geiſt⸗ eltenheit. von der nmonts den ſelbſt brachten id Tories n, ob die , beza⸗ wie wir. — 175 Viertes Kapitel. Ein intellektuelles Abenteuer. Etwas angegriffen von dem Genuſſe des Weines, die mein Gefährte in ſo hohem Grade voraus empfunden, ſchlenderten Tarleton und ich nach Hauſe und bemerkten einen ungewöhnlich langen Menſchen im Streite mit zwei Nachtwächtern. Nachtwächter waren in meinen jungen Tagen unter allen Umſtänden die ſpeziellen und natürlichen Feinde aller abenteuernden Liebhaber, und kaum hatten wir den ungleichen Kampf bemerkt, ſo zogen wir auch ſchon unſere Degen mit jener echt eng⸗ liſchen Ritterlichkeit, die alle Streitigkeiten Anderer zu ihrer eigenen Sache macht, und eilten dem ſchwächeren Theile zu Hülfe. „Meine Herren,“ ſprach zurücktretend der ältere Nachtwächter,„das ſind keine gemeinen Händel; wir find von dieſem Tollen hier ſchmählich geſchlagen wor⸗ den, und zwar ohne die geringſte Urſache auf Erden.“ „Wer ſchlug je einen Nachtwächter aus einer irdi⸗ ſchen Urſache, Du Schurke?“ rief der Beklagte, indem er ſeinen Spazierſtock mit drohender Miene über dem Kopfe des Klägers ſchwang. „Ganz richtig,“ ſagte Tarleton kaltblütig.„Ihr Herren von der Wache ſeid beide geſchaffen und bezahlt, um geprügelt zu werden; ergo— habt Ihr kein Recht, Euch zu beklagen. Laßt dieſen würdigen Cavalier los und trollt Euch anderswohin, um die Nacht mit Euren Stimmen anzukrächzen.“ „Geht, geht,“ ſagte ber jüngere Nachtwächter, der 176 Verſtärkung herankommen ſah,„macht Euch fort, gute Leute, und hindert uns nicht an Erfüllung unſerer Pflicht.“ „Welche darin beſteht,“ unterbrach der ältere Nacht⸗ wächter,„dieſen Schlingel von Schreier mit auf die Wache zu nehmen.“ „Du ſprichſt weiſe, Mann des Friedens,“ ſagte Tarleton;„vertheidige Dich,“ und ohne noch ein Wort zu ſagen, rannte er den Nachtwächter— nicht durch den Leib, aber durch den Rock— indem er mit großer Gewandtheit die körperlichen Beſtandtheile des Ange⸗ griffenen vermied, denſelben aber gleichwohl ſo nahe kam, um dem Straßenhüter gegründete Urſache zur Beſorgniß zu geben. Kaum fühlte der Nachtwächter das Gefäß des Degens gegen ſeine Bruſt drücken, als er einen jämmerlichen Schrei ausſtieß, und, als wäre er von einer Kugel getroffen, aufs Pflaſter niederſtürzte. „Jetzt an Dich, Schuft,“ rief Tarleton und ſchwang ſeinen Degen vor den Augen des andern Nachtwächters, „zittere vor dem Schwerte Gideons.“ „O Gott, o Gott!“ platzte der Erſchreckte Gefährte des Gefallenen heraus und fiel auf ſeine Kniee,„um des Himmels willen, üben Sie Barmherzigkeit.“ „Welchen Grund kannſt Du anführen, Du kräch⸗ zende Eule der Hauptſtadt, daß Du nicht daſſelbe Schick⸗ ſal verdient wie Dein Eulenbruder?“ „O Herr!“ rief der feigherzige Nachtvogel, der in ſeiner Art nicht ohne Humor war,„weil ich ein Neſt mit ſieben kleinen Eulchen zu Hauſe habe, die andere Eule aber iſt nur ein Junggeſelle.“ „T ſpaßeſt gerettet wir bef wir unt Ta ſchickte „₰ ehrenvo von der zubring nehmen Abe und rüc wirklich hätte n der anr Stimm wozu al heute N einige G Eure F unter C Mi Beredſa Wächte der Ein Bu rt, gute unſerer Nacht⸗ auf die “ ſagte n Wort t urch großer s Ange⸗ ſo nahe che zur hter das als er wäre er rſtürzte. andere 177 „Du biſt ein unverſchämter Kerl, daß Du mit uns ſpaßeſt,“ ſagte Tarleton,„aber Dein Witz hat Dich gerettet, ſtehe auf.“ In dieſem Augenblicke kamen zwei andere Nacht⸗ wächter herbei. „Meine Herren,“ ſagte der lange Unbekannte, den wir befreit hatten,„wir würden beſſer thun, wenn wir uns davon machten.“ Tarleton warf ihm einen verächtlichen Blick zu und ſchickte ſich an, dem Angriffe zu begegnen. „Hört einmal,“ ſprach ich, verſuchen wir, einen ehrenvollen Frieden zu Stande zu bringen. Meſſieurs von der Wache, Euch kommt es zu, die Gefallenen weg⸗ zubringen, und uns, die Gefangenen in Anſpruch zu nehmen.“ Aber unſere neuen Feinde verſtanden keinen Spaß und rückten mit einer Heftigkeit gegen uns heran, die wirklich zu einem ernſtlichen Gefechte hätte führen können, hätte nicht der lange Unbekannte ſeine ſtämmige Figur der anrückenden Schaar entgegengeſtellt und mit lauter Stimme geſchrien:„Wetter, meine guten Burſchen, wozu all dies? Nehmt Ihr uns feſt, ſo bekommt Ihr heute Nacht Löcher in den Kopf und morgen vielleicht einige Schillinge. Laßt Ihr uns frei, ſo behaltet Ihr Eure Köpfe ganz und bekommt eine Guinee, um ſie unter Euch zu theilen. Was ſagt Ihr jetzt? Mit Recht hat Phädra gegen die Gefahren der Beredſamkeit geſprochen x0hol Mlav A6yot. Die Wächter ſahen einander an.„Nun ja, Herr,“ nahm der Eine das Wort,„was Sie da ſagen, ändert die Bulwer, Devereuz. J. 12 178 Sache ſehr; und iß Dick da nicht ſehr beſchäbigt, ſo weiß ich nicht, was wir zu dem Anerbieten ſagen ſollen.“ Nach dieſen Worten hoben ſie den gefallenen Nacht⸗ wächter auf, der nach vrei oder viermaligem Gebrumme langſam zu ſich ſelbſt zu kommen anfing. „Biſt Du todt, Dick?“ ſagte die Eule mit den ſieben Eulcheu. „Ich glaube ſo,“ antwortete ächzend der Andere. „Biſt Du im Stande einen Krug Bier zu trinken, Dick?“ rief der lange Unbekannte. „Ich glaube ſo,“ wiederholte der Todte ſehr herz⸗ brechend. Dieſe Antwort beruhigte ſeine Gefährten und man ging die Friedensbedingungen ein. Jetzt fing der lange Unbekannte an, ſeine Taſchen mit einer ſehr gewichtigen Miene auszuſuchen. „Bei Gott!“ ſagte er endlich,„nicht in meiner Hoſentaſche!— nun, da muß ſie wohl in meiner Weſte ſtecken. Nein! das iſt doch ſonderbar— verdammt ſeisl Meine Herren, ich habe das unglück gehabt, meine Vörſe zu verlieren— vermehren Sie Ihre mir erwie⸗ ſene Güte durch ein Anleihen, mit welchem ich dieſe ehrlichen Leute zufrieden ſtellen kann.“ Tarleton borgte ihm eine Guinee. Die Nachtwächter verließen uns ſofort, und wir ſahen uns mit unſerem ſtattlichen Verbündeten allein. Mit der Hand auf dem Herzen machte uns bieſer ein halbes Dutzend tiefe Bücklinge, dankte uns in einigen ſehr höflichen Phraſen für unſern Beiſtand und bat, ihm zu geſtatten, daß er unſere nähere Bekanntſchaft mache. Wir wechſelten Karten und gingen Jeder ſeines Weges⸗ „ ſagte Fieldi ringer „ ſeine? „ Stutze Bruſt weibli „2 Clevel Abriß dem N mögen gekomt mit ei ſcher L einherf Verwa wärtig Hof— und ſo am W löbniſſe ſich fü 179 idigt, ſo„Ich habe vieſen Herrn früher ſchon getroffen,“ 8 ſollen.“ ſagte Tarleton.„Sehen wir doch nach ſeinem Namen. n Nacht⸗ Fielding— Fielbing— ja, bei Gott, Niemand Ge⸗ ebrumme ringeres!— es iſt der große Fielding ſelbſt!“ „„Iſt Herrn Fieldings Ruhm denn eben ſo groß wie mit den ſeine Jigur?“ „Wie, iſt es möglich, daß Du noch nichts von dem Andere. Stutzer Fielding gehört haſt, der in dem Theater ſeine ntrinken, Bruſt entblößte, um das bewundernde Mitgefühl des weiblichen Publikums auf ſich zu ziehen?“ ſehr herz⸗„Wie!“ rief ich,„der Fielding der Herzogin von hrten und Cleveland?“ „Derſelbe— der hübſcheſte Kerl ſeiner Zeit! Ein e Taſchen Abriß ſeiner Geſchichte ſteht in dem„Plauderer“ unter 1 dem Namen„Orlando des Schönen.“ In ſeinen Ver⸗ in meiner mögensumſtänden iſt er ſeit der Zeit ſchrecklich herab⸗ ner Weſte gekommen, wo er in einem Wagen wie eine Seemuſchel, mmt ſei's! mit einem halben Dutzend langer Kerle in öſterreichi⸗ bt, meine ſcher Livree, ſchwarz und gelb, vor und hinter ihm, ir erwie⸗ einherfuhr. Du weißt, er macht Anſprüche auf die ich dieſe Verwandtſchaft mit dem Hauſe Habsburg. Im gegen⸗ wärtigen Augenblicke ſchreibt er Gedichte— macht den chtwächter Hof— iſt noch immer gut— muthig, voll Humor t unſerem und ſonderbar— hängt unglücklicherweiſe faſt zu ſehr am Wein und Borgen und hält ſtrenge an jenem Ge⸗ uns dieſer löbniſſe der Karthäuſer, nach welchem ſie nie Geld bei in einigen ſich führen dürfen.“ d bat, ihm„Eine Bekanntſchaft, von der man ſich alſo mehr aft mache. Unterhaltung als Gewinn verſprechen dürfte.“ es Weges.„Ganz ſo. Er wird Dich mit einem Beſuche heehren 180 — vielleicht morgen, und Du wirſt Dich ſeiner Nei⸗ gung erinnern.“ „Ach! wer vergäße je eine Warnung in Bezug auf ſeine Börſe!“ „Wohl wahr!“ ſagte Tarleton mit einem Seufzer. „Ach, meine Guinee; du und ich waren zum letzten⸗ male beiſammen! vale, vale, inquit Jolas!“ Fünftes Kapitel. Der Stutzer in ſeiner Höhle— Entveckung eines Philoſophen⸗ Herr Fielding hatte mich zweimal mit einem Be⸗ ſuche beehrt, ohne mich zu Hauſe zu finden, und ſo hielt ich es denn für ſchicklich, ihm meine Aufwartung zu machen; demgemäß begab ich mich eines Morgens nach ſeiner Wohnung. Sie lag in einer Straße, welche etliche und dreißig Jahre früher ausnehmend in der Mode ge⸗ weſen war, und noch bot das Haus ein ſtattliches, etwas prunkhaftes Außere dar. Vor dem Hauſe ſiel mir ein anſehnlicher Haufe zerlumpter Jungen auf, und kaum hatte ſich die Thüre auf mein Klopfen geöffnet, als Dieſe ſich auf eine Art hereindrängten, die weit mehr von Neugier, als von Ehrerbietung zeugte. Ein Be⸗ vienter in öſterreichiſcher Livree, mit einem breiten Gürtel um den Leib, verſah das Amt des Thürſtehers.„Seht, ſeht!“ rief einer von den jugendlichen Gaffern,„ſeht, vas iſt der Schließer des Stutzers!“ Dieſer Hohn der eigenen, wie der Würde ſeines Gebieters, ſchien dem Diener keineswegs zu gefallen; er murmelte eine ver⸗ wünſch hielt,! die Th und fre Contin bieter, „N an eine keinen „D Ihrem wie ſeh Hie ruhig a Buchſta lichem( Ach, m Nicht ſ „ G „D ein wen Sie aus „Al unpäßli „La Standet Mi er Nei⸗ ezug auf Seufzer. nletzten⸗ 4 hiloſophen. inem Be⸗ nd ſo hielt artung zu gens nach lche etliche Mode ge⸗ hes, etwas el mir ein und kaum ffnet, als Ein Be⸗ ten Gürtel s.„Scht, eine ver⸗ weit mehr wünſchende Drohung, welche ich anfänglich für deuiſch hielt, die ſich aber nachher als irländiſch erwies, ſchlug die Thüre den zudringlichen Kerlen vor der Naſe zu und fragte in einem Accente, der ſehr ſchlecht zu ſeinem Continentalanzuge paßte:„Verlangen's zu meinem Ge⸗ bieter, Herr?“ „Svo iſt es.“ „Und wollen ihn ſogleich ſprechen?“ „Richtig errathen, mein ſcharfſichtiger Freund.“ „Nun denn, Euer Edeln, mein Herr liegt im Beit an einem ſchrecklichen Anfall von Influenſcha und kann keinen Menſchen nicht ſehen— keinen Menſchen!“ „Dann werden Sie mir den Gefallen thun und Ihrem Herrn dieſe Karte übergeben und ihm ſagen, wie ſehr ich ſeine Unpäßlichkeit bedaure.“ Hierauf ſchickte ſich der vrangefarbige Bediente ganz ruhig an, die Adreſſe auf der Karte zu leſen und ſagte, Buchſtabe um Buchſtabe buchſtabirend, in vernehm⸗ lichem Gemurmel:„G— r— a— f Graf D— e— v. Ach, meiner Seele, Allem nach heißt's Graf Devereur? Nicht ſo?“ „Gewiß, Sir, Sie denken eben ſo tief, als richtig.“ „Da mögen Euer Gnaden Recht haben. Treten's ein wenig ein— will's meinem Herrn melden— wird Sie augenblicklich ſelbſt ſehen!“ „Aber Sie vergeſſen, Herr Carroll, daß Ihr Herr unpäßlich iſt?“ ſagte ich. „Laſſen Sie ſich das nicht anfechten— für eine Standesperſchon iſt mein Herr nie unpäßlich.“ Mit dieſer Verſicherung nöthigte mich, der Schließer des Stutzers“ eine vrächtige Treppe hinauf in ein großes, trauriges, verblichenes Gemach und überließ es mir, mich mit den darin enthaltenen Merkwürdigkeiten zu unter⸗ halten, während er ging, um die Influenſcha ſeines Ge⸗ bieters zu heilen. Dem Hauſe, wie deſſen Beſitzer ent⸗ ſprechend, ſah das Zimmer wie ein Ort in der andern Welt aus, beſtimmt zur Aufnahme der Schatten dahin⸗ geſchiedenen Geräthes. Die Tapeten waren verſchoſſen und farblos, Stühle und Sopha's im höchſten Grade unfubſtantiell, die Spiegel ſtrahlten Alles in einem grabähnlichen Meergrün zurück; ſogar ein großes, über dem Kamin hängendes Gemälbe von Herrn Fielding ſelbſt erſchien nur wie das Geſpenſt eines Porträts, ſo trübe, wäſſerig und unbeſtimmt war es durch Vernach⸗ läſſigung und Rauch geworden. Auf einem ungeheuern, grabſteinähnlichen Tiſche in der Mitte des Zimmers lagen zwei mit Bleiſtift gezeichnete Profile von Fielding, der Empfangſchein eines Pfänderleihers, ein Paar Manſchetten, ein ſehr kleiner Muff, ein ungeheurer Haudegen, ein Einſchlagekamm, ein Kurierſtiefel und ein alter Federhut; hiezu geſellten ſich ein zerbrochener, mit Tinte angefüllter Pomadetopf und ein mit allerlei Abdrücken von Herzen und Fackeln geſchmückter Papier⸗ ſtreifen, auf welchen mit einer derben, abgerundeten Hand mehre Zeilen gekritzelt waren, daß ich, obwohl ich meine Augen ſo ſchnell als möglich wieder davon wegwandte, nicht umhin konnte, den erſten Vers zu leſen. Dieſer Vers lautete, ſo weit mir noch erinnerlich iſt, alſo:„Sag', ſchöne Lesbia, wenn Dein Hirt.“ Auf dem Boden lagen eine Schachtel mit Schönpfläſterchen, eine Pet bücher. ding, u Manne alberne fechters närriſch gangene gibt es und fül witzigſt Tropf ſchreckli fortune Adonis, Na gewarte hinſicht Schlaft dürfte, als dere ein klein ſaß auf ſtacken i bemerkt Ebenme ſeine Zi roth un zu einen *D woßes, r, mich unter⸗ es Ge⸗ er ent⸗ andern dahin⸗ ſchoſſen Grade einem s, über Fielding ochener, allerlei Papier⸗ undeten obwohl eine Perüke, und zwei vder drei wohl abgegriffene Lieder⸗ bücher. So war das Empfangzimmer des Stutzers Fiel⸗ ding, unzweideutig gut berechnet, die Neigungen eines Mannes kund zu geben, der halb Renommiſt, halb alberner Geck war; eines Dichters, Zierbengels, Klopf⸗ fechters, eines Adonis, eines wandelnden Muſeums aller närriſchen Einfälle und eines lebendigen Schattens ver⸗ gangener Herrlichkeit.„Im Witze, wie in der Mode gibt es Veränderungen,“ ſagt Sir William Temple, und führt als Beiſpiel einen Edelmann an, welcher der witzigſte Kopf an dem Hofe Karls I., und der größte Tropf am Hofe Karls II. war.“ Aber Himmel, wie ſchrecklich ſind die Umwälzungen in der Welt der bonnes fortunes! Welch ein Wechſel von Schön⸗Fielding dem Adonis, zu Schön⸗Fielding dem Sonderling! Nachdem ich etwa zehn Minuten in dieſem Zimmer gewartet, erſchien der große Mann ſelbſt. Er trug einen hinſichtlich des Stoffes wie der Farbe ſehr prächtigen Schlafrock, der jedoch ſo alt war, vaß es ſchwer werden dürfte, ſich eine Periode der Vergangenheit zu denken, als deren Zeugen man ihn nicht hätte annehmen können; ein kleines Sammtkäppchen miteiner vergoldeten Troddel ſaß auf ſeinem Kopfe, und ſeine unteren Gliedmaßen ſtacken in einem Poar Reiterſtiefeln. An ſeiner Geſtalt bemerkte man noch immer die Spuren des vollkommenſten Ebenmaßes, deſſen er ſich einſt rühmen konnte, und ſeine Züge waren noch jetzt hübſch, obwohl die Farbe roth und kupferig geworden war und der Ausdruck ſich zu einem breiten, frechen, fratzenartigen Gemiſche von *Der Graf von Norwich. 184 Unverſchämtheit, Humor und Verſchmitztheit feſtgeſetzt hatte. Aber wie verſchieden war ſein Koſtüme von dem der alten Zeiten! Wo war die lange Perüke mit ihren Myriaden Locken? wo der von goldenen Treſſen ſteife Rock? wo die Diamantknöpfe— wo„Pomp, Stolz und Pracht des ruhmvollen Krieges?“ des ruhmvollen Krieges, den der Stutzer Fielding mit der ganzen Frauen⸗ welt geführt hatte— wo er in jedem Salon ein Blen⸗ heim— in jedem Schauſpielhauſe ein Ramilies gefun⸗ den? Ach! zu welchem Abgrunde des Schickſals führt die Sucht nach Notorität die Menſchen! Wos Anderem, als der Luſt zum Gepränge haben wir den Menſchenhaß Timons, oder den Ruin Stutzer Fieldings zu verdanken! „Bei Gott!“ rief Fielding, indem er auf mich zu⸗ trat und mir vertraulich die Hand ſchüttelte,„bei Gott, es freut mich herzlich, Dich zu ſehen! ſo wahr ich ein Soldat bin, ich dachte, Du ſeieſt ein unſichtbarer, körper⸗ loſer Geiſt— und ſo lange ich auf dieſem Glauben war, zitterte ich für Deine Seligkeit, denn daß Du kein Geiſt des Himmels ſeieſt, wußte ich mindeſtens, da Deine Thüre gerade das Gegentheil der Thore da oben iſt, die, wie man uns verſichert, aufgethan werden, ſobald wir anklopfen. Aber Du biſt frühe, Graf; wie der Geiſt in Hamlet, athmeſt Du Morgenluft. Willſt Du die dicke Atmoſphäre nicht burch eine Flaſche Wein und eine ge⸗ röſtete Brodſchnitte austreiben?“ „Ich danke Ihnen vielmals, Herr Fielding; aber ich habe wenigſtens eine Eigenſchaft eines Geiſtes, ich trinke nicht nach Tagesanbruch.“ artigere in der Flaſche Morger „ N liebte; und ehe erſchein Geſtehe Vormit jungen warten. „Be ſtattlich Vernun Schein, mich, 2 ich will ſie iſt n locken h Riegel; meiner Geſchö Ehrenn ſie liebe ſeidener und Me ſtgeſetzt dem der it ihren n ſteife „Stolz mvollen Frauen⸗ n Blen⸗ gefun⸗ ls führt nderem, ſchenhaß danken! mich zu⸗ ei Gott, ich ein „körper⸗ en war, ein Geiſt a Deine niſt, die, bald wir Geiſt in die dicke eine ge⸗ g; aber iſtes, ich „Nun, das iſt eine ſchlechte Gewohnheit! eine ab⸗ ſcheulich ſchlechte Gewohnheit, paßt nur für Geiſter und Graubärte. Wir jungen Leute, Graf, ſollten groß⸗ artigere Grundſätze haben. Komme nur; wo haſt Du in der vergangenen Nacht getrunken? Hat Dir die Flaſche übelſein oder Kopfweh hinterlaſſen, die heute Morgen Reue und Enthaltſamkeit predigen?“ „Nein, aber ich beſuche dieſen Morgen meine Ge⸗ liebte; wollen Sie, daß ich nach ſtarken Getränken rieche und eher als ein Anhänger eines„„Glaſes in Ehren““ erſcheinen, als des Glaſes, dem unſere Geſtalt inwohnt? Geſtehen Sie, Herr Fielding, daß die Frauen einen Vormittagszecher nicht lieben und daß ſie von ein paar jungen Leuten, wie wir, nüchterne und ſüße Küſſe er⸗ warten.“ „Bei Gott,“ rief Herr Fielding, indem er ſeinen ſtattlichen Bauch ſtrich,„es liegt ein großer Schein von Vernunft in Deinen Entſchuldigungen, aber nur der Schein, nicht das Weſen, mein edler Graf. Du kennſt mich, Du lennſt meine Erfahrung bei den Weibern— ich will nicht prahlen, ſo wahr ich Soldat bin— aber ſie iſt nicht zu verachten! neunhunbertundfünfzig Haar⸗ locken habe ich in meinem feſten Koffer unter Schloß und Riegel; fünfzig von der letzten Woche— wahr— meiner Seel— ſo daß ich behaupten darf, die lieben Geſchöpfe ein wenig zu kennen; nun gebe ich Dir mein Ehrenwort, Graf, daß ſie einen Windmacher lieben; ſie lieben einen Kerl, der ſeine ſechs Flaſchen unter dem ſeidenen Kamiſol mitnehmen kann; darin liegt Kraft und Mannheit— und welch ein Heer von Toaſten kann ————————— dann ein Sechsflaſchenmann ſeiner Geliebten zutrinken! Oh, das iſt jetzt unſer einziges Ritterthum— unſer neues Surrogat für Lanzenbrechen und Turnier; wahrhaftig, Graf, ſo gewiß ich ein Soldat bin!“ „Da muß ſich denn meine Duleinea von den übri⸗ gen unterſcheiden, denn ſie ſchalt mich, daß ich vor prei Tragen bei St. John zu Nacht gegeſſen, und—“ „St. John,“ unterbrach Fielding und ſchnitt mir einen Witz im Munde ab,„St. John, ein famöſer Kerl, nicht wahr? Bei Gott, trinken wir auf ſein Mi⸗ niſterium, Du in Chokolade, ich in Madeira. O'Caroll, Du Hund— O' Caroll— Schuft— Schurke— Eſel, Tölpel!“ „Zu dienen, Euer Gnaden,“ ſagte der orangenfar⸗ bige Lakai, indem er ſein mageres Geſicht hereinſteckte. „Ja freilich, zu dienen— Du anatomirter Sohn St. Patricks; warum wirſt Du nicht fett? Du beſchämſt mein gutes Haus, und an Deinem Bauch haſt Du einen ſchurkiſchen Diener, der Alles für ſich allein frißt, ohne ein einziges Glied des ganzen übrigen Körpers zu mä⸗ ſten. Schan mich an, Du Hund, bin ich mager? Gehe und werde fett, oder ich jage Dich fort— bei Gott, das thue ich! die Sonne ſcheint durch Dich, wie durch ein leeres Weinglas.“ „Und ſoll ich denn von dem Abhub Euer Gnaden fett werden?“ entgegnete Herr O'Carroll mit einem ehrerbietigen Fragegeſichte. „So wahr ich lebe, Du biſt der unverſchämteſte Schuft!“ rief Herr Fielding und ſtampfte mit zorni⸗ gem Stirnrunzeln auf den Boden. „W ja freili ner, int Daumer „Fo zum Se Geröſte „Ja Diener „Ei „aber eh das Gol Hiet Herr O eingelös geſtern den zu die ich Gehe ſe Betrag De „A Du da famöſer inſteckte. Sohn eſchämſt du einen ßt, ohne zu mä⸗ 7 Gehe ei Gott, ie durch Gnaden teinem hämteſte t zorni⸗ „Weil ich von dem Abhub Euer Gnaden ſpreche? ja freilich, der iſt Nichts, gar Nichts,“ ſagte der Die⸗ ner, indem er in ſich rechtfertigender Unſchuld ſeine Daumen umeinander drehte. „Fort, Schurke!“ rief Herr Fielbing,„fort; gehe zum Salop und hole uns eine Flaſche Madeira, ein Geröſtetes und eine Kanne Chokolade.“ „Ja, Euer Gnaden, im Augenblicke,“ ſagte der Diener und verſchwand. „Ein entſetzlicher Burſche,“ ſagte Herr Fielding, „aber ehrlich und treu, und liebt mich, wie ein Heiliger das Gold; eben dieſe ſeine Liebe macht ihn ſo vertraut.“ Hier ging die Thüre wieder auf und wieder ſteckte Herr O Carroll ſein ſpitziges Geſicht herein. „Heda, Burſche!“ rief ſein Gebieter. Ohne mit Worten ſich zu erklären, machte Herr O'Carroll eine wunderliche Art von Zeichen— halb Wink, halb Verbeugnung. Herr Fielding erhob ſich, murmelte einen Fluch und flüſterte mit ſeinem Diener. „Bei Gott,“ rief er, dem Anſcheine nach wüthend vor Leidenſchaft,„und Du haſt den Wechſel noch nicht eingelöst, obwohl ich Dir zweimal geſagt, Du ſolleſt es geſtern Abend thun! Hatte ich nicht meine Ehrenſchul⸗ den zu bezahlen, und gab ich nicht die leste Guinee, die ich noch hatte, geſtern für einen Spazierſtock hin? Gehe ſogleich in die Stadt, Kerl, und bringe mir den Betrag des Wechſels.“ Der Diener flüſterte wieder etwas. „Ach,“ begann dann Fielding wieder,„ach— was Du da ſagſt, iſt wahr; der Weg iſt weit, und der —— 188 Graf kann vielleicht nicht bis zu Deiner Rückkehr war⸗ ten. Ich bitte Dich(ſich an mich wendend), jetzt bitte ich Dich, iſt es nicht, um ſich zu Tode zu ärgern— kein baares Geld bei mir, und mein Tölpel vergißt, mir einen kleinen Wechſel von Tauſend oder ſo was auf die Herren Child einzuziehen— und der verdammte Salop gibt ſelbſt Prinzen keinen Kredit— ſo machens ſie's— bei Gott— haſt Du nicht eine Guinee bei Dir?“ Was konnte ich ſagen? Meine Guinee folgte der⸗ jenigen Tarletons zu einem Beſuche in das Land, von wo ein ſolcher Reiſender nie wiedergekehrt iſt. Herr O'Carroll verſchwand jetzt im Ernſte, Wein und Chokolade erſchienen bald. Herr Fielding ſtrahlte, deklamirte ſeine Gedichte, pries ſein gutes Glück, ver⸗ ſprach mir einen Beſuch in den nächſten Tagen und verſicherte mich mit einem kräftigen Fluche, daß er das nächſtemal, wo er wieder die Ehre haben werde, mich zu ſehen, mich mit einer andern Flaſche Madeira von derſelben Sorte bewirthen würde. Ich erinnere mich genau, daß, als ich an dem Abende deſſelben Tages, an welchem ich dem gefürchteten Herrn Fielding meinen Beſuch abgeſtattet hatte, aus einer Geſellſchaft der Lady Heſſelton zurückkehrte, wo ich zum großen Mißfallen der alten Herren und zur großen Erbauung ter jungen Damen die Rolle eines Schmet⸗ terlinges geſpielt hatte, ich mit ſo geräuſchloſem Schritie in mein Vorzimmer trat, daß mich ſelbſt Monſieur Desmarais mit ſeinen ſcharfen Sinnen nicht bemerkte. Er ſaß, den Kopf auf die Hände geſtützt, an dem Feuer und beſchäftigte ſich ſehr emſig mit einem ungeheueren Foliant Literat nichts chern b er in de eine hef zu lerne in der! Geſchm Menſch ſchien u mers, 1 haglich prägte, zend vo die ich Genuß etwas Treiber einen ſi von Ge wo kein ſagte at nützeſt ſenheit, Sie mi mehr R niß der „V ehrerbie hr war⸗ tzt bitte n— kein ßt, mir auf die e Salp ſie's— 7 lgte der⸗ nd, von Wein ſtrahlte, ick, ver⸗ gen und us einer großen Schmet⸗ Schritte Monſieur bemerkte. Folianten. Ich hatte oft bemerkt, daß er Geſchmack für Literatur beſaß, und in allen Stunden, in welchen er nichts für mich zu thun hatte, ſich gewöhnlich mit Bü⸗ chern beſchäftigte. Wie ich ſo daſtand und ſah, wie ſehr er in den Inhalt des Buches vertieft war, befiel mich eine heftige Neugierde, die Art ſeiner Studien kennen zu lernen; ja der Schlendrian von Lappalien, dem ich in der letzten Zeit gefolgt, entſprach ſo wenig meinem Geſchmacke, daß bei dem Anblicke der ernſten Züge dieſes Menſchen, welche das einſame Licht ruhig und voll be⸗ ſchien und ihm die tiefe Ruhe und Einſamkeit des Zim⸗ mers, verbunden mit der ungeſtörten Heiligkeit des be⸗ haglich und hell breunenden kleinen Kaminfeuers ein⸗ prägte, im Gegenſatze zu der glänzenden Scene— glän⸗ zend vor prunkender, läſtigec, langweiliger Kleinigkeiten, die ich ſo eben verlaſſen, ein neidiſches Gefühl über den Genuß meines Dieners meine Bruſt beſchlich, dem ſich etwas wie Demüthigung über die Art meines eigenen Treibens beigeſellte. Gewöhnlich hält man mich für einen ſtolzen Mann, allein ich bin nie ſtolz gegenüber von Geringeren, auch kann ich mir keinen Stolz denken, wo kein Wetteifer iſt. Ich näherte mich Desmarais und ſagte auf Franzöſiſch:„Wie kommt das? warum be⸗ nützeſt Du nicht, wie Deine Kameraden, meine Abwe⸗ ſenheit, um Deinen eigenen Vergnügungen nachzugehen? Sie müßten wahrlich langweilig ſein, wenn ſie nicht mehr Reiz für Dich haben, als dieſes koloſſale Erzeug⸗ niß der Preſſe.“ „Verzeihen Sie, mein Herr,“ ſagte Desmarais ſehr ehrerbietig, indem er das Buch zumachte,„verzeihen ——— † Sie, ich hatte nicht bemerkt, daß Sie zurückgekehrt waren. Will Monſieur ſeinen Rock ausziehen?“ „Nein; mache die Thüre zu— rolle jenen Stuhl herbei und laſſe mich einen Blick in Dein Buch thun.“ „Monſieur möchte, fürchte ich,“ indem er meinen„ heiden erſten Befehlen Folge leiſtete, hinſichtlich des dritten aber noch zögerte,„über meine Lektüre ärgerlich werden; ich geſtehe, ſie paßt nicht recht für meine Stellung.“ „Ach, irgend ein langer Roman, die Klelia— ver⸗ muthlich— nein, bringe ihn her— das heißt, wenn Du ihn allein fortſchleppen kannſt.“ Alſo genöthigt, brachte mir Desmarais beſcheiden das Buch. Man denke ſich mein Erſtaunen, als ich in demſelben einen Band von Leibnitz fand,— einem da⸗ mals ſo beliebten Philoſophen— weil man mit aller Sicherheit von ihm ſprechen konnte, ohne ihn geleſen zu haben.“ Ungeachtet meiner Verwunderung konnte ich mich eines Lächelns nicht erwehren, als mein Blick von dem Buche wieder auf deſſen Leſer fiel. Unmöglich kann man ſich ein Ausſehen denken, welches weniger dem eines Philoſophen ähnlich geweſen wäre, als dasjenige von Jean Desmarais. Seine Perüke war ſo zierlich, daß ſie nicht die Unregelmäßigkeit eines einzigen Haares er⸗ tragen hätte, ſeine Kleidung war nicht abgeſchmack, denn weder unter Vornehmen, noch Dienern erinnere ich mich je eine beſſere Wahl bemerkt zu hahen, als be * Was vielleicht der Brund iſt, warum es im gegenwär⸗ tigen Augenblicke ſo viele Schüler Kant's gibt. Der Herausgeber. Desn an di ein b zu ein derun ſtehlie langer den ve Roth Pikant einen nem T ckgekehrt 24 en Stuh h thun.“ rmeinen“ tlich des ärgerlich ür meine ia— ver⸗ ißt, wenn beſcheiden als ich in einem da⸗ mit aller hn geleſen konnte ich Blick von öglich kann dem eines sjenige von erlich, duß Haares er⸗ bgeſchmackt, en erinnert en, als bei 194 Desmarais; aber in jedem einzelnen Stücke erinnerte ſie an die Künſte der Toilette. Auf ſeinen Lippen weilte ein beſtändiges Lächeln— bisweilen geſtaliete es ſich zu einem Grinſen— das war aber die einzige Verän⸗ derung, die man daran gewahr wurde; ein unwider⸗ ſtehlicher Ausdruck einer Idee von ſich ſelbſt, gab ſeinen langen, markirten Zügen, dem glänzenden Auge und den verwelkten Wangen, auf welchen ein zartes, ſanftes Roth den Veroacht künſtlicher Nachhülfe erregte, etwas Pikantes. Eine ſehr paſſende Körperbeſchaffenheit für einen Kammerdiener,— weniger ziemlich, nach mei⸗ nem Dafürhalten für einen Schüler von Leihnitz. „Und was,“ ſagte ich nach einer kurzen Pauſe,„iſt Deine Meinung über dieſen Philoſophen? Ich höre, er habe ſo eben ein Werk geſchrieben, das über alles Lob und allen Begriff erhaben ſei.“* „Es iſt wahr, Monſieur, es geht über ſein eigenes Begreifen. Er weiß nicht, welch ſchlaue Folgerungen aus ſeinen Prämiſſen gezogen werden können; aber ich bitte Monſieur um Vergebung, ich werde langweilig und zudringlich erſcheinen.“ „Nicht im geringſten; ſprich Dich aus, und zwar ausführlich. So, nach Deiner Anſicht dreht Leihnitz Stricke, woraus Andere Leitern machen?“ „Ganz ſo,“ antwortete Desmarais;„alle ſeine Be⸗ weiſe gehen dahin, die Segel des großen philoſophiſchen Lehrſatzes— der Nothwendigkeit— zu ſchwellen! Wir ſind Geſchöpfe und Spielzeuge des Schickſales, * Die Theodicee. 192 und ſeine ewige Kette nöthigt die Macht, welche ſchafft, ſo gut, wie die Dinge, welche erſchaffen werden.“ „Ha!“ entgegnete ich, denn, ſo wenig ich auch da⸗ mals in den metaphyſiſchen Spitzfindigkeiten bewandert war, hatte ich doch St. John oft von der ſonderbaren Lehre ſprechen gehört, welche Desmarais hier im Auge hatte,„Du glaubſt alſo an den Fatalismus Spinoza's?“ „Nein, Monſieur,“ ſagte Desmarais mit ſelbſt⸗ gefälligem Lächeln,„ich habe mein eigenes Syſtem— es iſt aus den Gedanken Anderer zuſammengeſetzt— aber meine Gedanken ſind die Stricke, welche die ver⸗ ſchiedenen Reiſer in ein Bündel zuſammenbinden.“ „Gut,“ antwortete ich, lächelnd übe die ſichere Miene des Menſchen,„und was iſt denn Dein Haupt⸗ grundſatz?“ „Unſer gänzliches Unvermögen.“ „Spaß! Meinſt Du, wir haben keinen frein Willen?“ „Keinen.“ „Nun, dann läugneſt Du die Eriſtenz von Laſter und von Tugend; und nach Dir ſündigen wir, oder handeln wir recht, nicht nach eigener Wahl, ſondern weil wir vazu genöthigt und voraus beſtimmt ſind.“ Desmarais' Lächeln verzog ſich zu dem Grinſen, mit welchem es, wie bereits geſagt, abwechſelte. „Monſieurs Scharffſinn iſt außerordentlich— ſoll ich aber nicht ſein Nachtzeug herrichten?“ „Nein; antworte mir ausführlich und ſage mir den Unte: die N T Behut und v Unmö wegun ſativn unabhe unabhi nicht. abhäng Freiheit beſtimm Erziehu Einfluß ter, ver über un unſere — Wir Können derer— die aber nen— z Sie kön wir wede len könn antwortl ſind, ſo dienen n Bulw welche rſchaffen auch da⸗ ewandert„ derbaren hier im talismus tit ſelbſt⸗ yſtem— geſetzt— e die ver⸗ von Laſter l, ſondern t ſind.“ Grinſen, wir, oder Unterſchied zwiſchen Gut und Böſe, wenn wir vurch die Nothwendigkeit zu beiden getrieben werden.“ Desmarais räuſperte ſich und begann. Trotz ſeiner Behutſamkeit hörte ſich der Haſenfuß doch gerne reden und verbreitete ſich vaher wie folgt:„Freiheit iſt etwas Unmögliches! Können Sie auch nur die einfachſte Be⸗ wegung wollen, die unabhängig von Ihrer Organi⸗ ſation— unabhängig von der Organiſation Anderer— unabhängig von der Ordnung der Vergangenheit— unabhängig von der Zukunft wäre? Sie können es nicht. Sind Sie aber nicht unabhängig, ſo find Sie abhängig; wenn Sie abhängig ſind, wo iſt dann Ihre Freiheit? wo Ihr ſelbſtſtändiger Wille? Die Erziehung beſtimmt unſeren Charakter— können Sie auf Ihre Erziehung, die mit der Stunde der Geburt anfängt, Einfluß üben?— Sie können es nicht. Unſer Charak⸗ ter, verbunden mit dem Betragen Anderer, entſcheidet über unſer Glück unſern Schmerz, unſere Verbrechen, unſere Tugend. Können Sie Ihren Charakter leiten? — Wir haben bereits geſehen, daß Sie es nicht können. Können Sie Einfluß üben auf die Handlungsweiſe An⸗ derer— Anderer, die Sie vielleicht nie geſehen hahen, die aber Sie mit einem einzigen Worte verderben kön⸗ nen— zum Beiſpiel ein Deſpot, oder ein Krieger?— Sie können es nicht. Was bleibt übrig?— daß, wenn wir weder unſere Charaktere, noch unſer Schickſal wäh⸗ len können, man uns auch für keines von beiden ver⸗ antwortlich machen kann. Wenn Sie ein guter Menſch ſind, ſo ſind Sie ein glücklicher Menſch; aber Sie ver⸗ dienen wegen deſſen kein Lob, wozu Sie Nichts bei⸗ Bulwer, Devereur, I. 1³ 194 tragen können. Wenn Sie ein ſchlechter Meuſch ſind, ſo ſind Sie auch unglücklich; aber Sie ſind wegen deſſen nicht zu verdammen, was Sie nicht verhindern konnten.“* „Dann biſt Du alſo, höchſt weiſer Desmarais, wenn Du dieſen Diamantknopf von meinem Huie ſtiehlſt, 6 nur ein unglücklicher, kein ſchuldiger Menſch, und ver⸗ dienſt mein Mitleid, nicht meinen Zorn?“ „Ganz gewiß— aber Sie müſſen mich dafür hängen laſſen. Sie können die Ereigniſſe nicht leiten, aber Sie können den Menſchen beſtimmen. Erziehung, Geſetz⸗ 6 Uungemach, Wohlergehen, Beſtrafung, Lob beſtimmen ihn— ohne ſeine Wahl, ja bisweilen, ohne daß er es nur bemerkt. Aber, einmal die Nothwendigkeit anerkannt, hören alle ſchlimmen Leidenſchaften auf; Sie können Andern zum Heil und Frommen des allgemeinen Beſten beſtrafen, Sie können ſie vernichten; aber die Beweg⸗ gründe hiefür beziehen ſich nicht mehr auf den Einzelnen; Sie können keinen perſönlichen Haß gegen Jemand haben, weil er eine Handlung begeht, zu welcher er unabwendbar genöthigt wird.“ Ich fühlte, daß, wenn ich auch auf dieſe Anſichten hören und ſie mißbilligen konnte, es ſich doch für den Herrn nicht ſchicken möchte, mit dem Diener zu dispu⸗ tiren, beſonders, wenn die Möglichkeit nicht ferne lag, daß der Erſtere den Kürzeren zog. Und ſo befiel mich denn plötzlich eine Schlafſucht, welche unſer Geſpräch * Welche Anſprüche Monſieur Desmarais auch auf Origi⸗ nalität gemacht haben mag, ſo iſt doch dieſes Gewebe von Meinungen ſo alt als die Philoſophie ſelbſt. Der Herausgeber. abbra nern, entlaf Böſe „ widerſ ſchöner konnte Je ſchluß Schurk den er Beifall mich ni ſpekula auch we lachen, Grund 5 h ſind, deſſen ten.* narais, ſiehlſt, nd ver⸗ hängen ber Sie Geſetz⸗ ſtimmen er es nur erkannt, önnen en Beſten Beweg⸗ inzelnen; Jemand belcher er — 195 abbrach. Mittlerweile beſchloß ich aber in meinem In⸗ nern, bei der nächſten Gelegenheit einen Diener zu entlaſſen, der keinen Unterſchied zwiſchen Gut und Böſe ſah, als das Glück, und der in Folge eines un⸗ widerſtehlichen Triebes der Nothwendigkeit an einem ſchönen Morgen das unwillkürliche Unglück haben konnte, ſeinem Herrn den Hals abzuſchneiden. Ich brachte indeſſen dieſen unphiloſophiſchen Ent⸗ ſchluß nicht zur Ausführung. Wirklich verpoppelte der Schurke, wahrſcheinlich beſorgt wegen des Eindruckes, den er auf mich gemacht, ſeine Bemühungen um meinen Beifall in der Kunſt ſeines Gewerbes ſo eifrig, daß ich mich nicht entſchließen konnte, einen ſolchen Schatz einer ſpekulativen Anſicht wegen aus den Händen zu geben; auch war ich zu ſehr gewöhnt, über meinen Soſia zu lachen, als daß ich hätte glauben können, es ſei irgend Grund vorhanden, ihn zu fürchten. Sechstes Kapitel. Ein Unlverſal⸗Genie— Perikles in der Geſtalt eines Barbiers — Namen der Schönheiten von 1710— Die Trinkſprüche des Kit⸗Cat⸗Club. Als ich eines Tages mit Tarleton gegen Chelſea ritt, fragte er mich, ob ich je den berühmten Herrn Salter geſehen hätte.„Nein,“ antwortete ich,„aber ich hörte Steele am vergangenen Abende bei Will von ihm reden. Er iſt Alterthumsforſcher und Barbier, nicht wahr?“ „Ja, ein bartſcherender Kunſlliebhaber; wirklich 196 ein höchſt komiſcher und ſonderbarer Charakter, deſſen Menge von Kurioſitäten hinlänglich dafür entſchädigen, daß man ſich mit einem Manne ſeines Standes in ein Geſpräch eingelaſſen.“ „Gehen wir ſogleich zu ihm, ſagte ich und ſpornte mein Pferd in kurzen Galopp. „Ouod petis hic est!“ ſagte Tarleton;„hier iſt ſeine Wohnung.“ Und mein Gefährte deutete nach einem Kaffeehauſe. „Wie!“ ſprach ich,„iſt er nicht nur Zahn⸗, ſon⸗ dern auch Weinzieher?“ „Gewiß; Don Saltero iſt ein Univerſal⸗Genie. Steigen wir ab.“ Wir übergaben unſere Pferde der Sorge unſerer Reitknechte und betraten den ſonderbarſten Ort, den ich je das Glück hatte, zu ſehen. Ein langes, ſchmales Kaffeezimmer war mit Dingen aller Art ausgeſchmückt, die, da ſie weder dem Himmel, noch der Erde, noch dem Waſſer unter der Erde angehörten, der furchtbare Saltero wohl anbeten konnte, ohne ſich des Verbrechens der Abgötterei ſchuldig zu machen. Der erſte Gegen⸗ ſtand, der mir in die Augen fiel, war ein Ochſenkopf mit einem grimmigen Paar Geierflügel auf ſeinem Nacken. Während ich dieſen beſah fühlte ich, daß Etwas meinen Hut berühre. Ich blickte auf und ent⸗ veckte einen ungeheueren Alligator, der von dem Getäfel herabhing und ein wüthendes Puar gläſerne Augen auf mich heftete. Ein Ding, das mir wie ein unermeßlicher Schuh vorkam, vehnte ſich, als ich näher hinzutrat, zu einem indianiſchen Kanoe, und ein ſcheußliches Geſicht, — mit m mir e Zettel eines V des Z wie ei reiben „Sie einer „ ſagte „Aber ſchen; melt, „C es mit / 2 ſpielen „2 Sie, d Er mit ein rück. 1 in ſein einleite knirſcht hielt. deſſen ädigen, in ein ſpornte „hier iſt te nach ⸗, ſon⸗ l⸗Genie. unſerer rt, den ſchmales ſchmückt, de, noch rchtbare brechens Gegen⸗ chſenkopf ſeinem ich, daß und ent⸗ Getäfel Geſicht, — 197 mit mumienhafter Haut und glänzenden Zähnen, das mir einen kalten Schauer verurſachte, war mit einem Zettel verſehen, auf welchem ſtand:„Schönes Exemplar eines Kalmucken⸗Tatars.“ Während ich, in Staunen verloren, in der Mitte des Zimmers ſtand, kam ein kleines Männchen, ſo dürr wie ein Geizhals, auf mich zu und ſagte ſeine Hände reibend:„Wundervoll, Herr, nicht wahr?“ „Wundervoll, in der That, Don!“ ſagte Tarleton, „Sie ſehen aus wie ein chineſiſcher Adam, umgeben von einer japaniſchen Schöpfung.“ „Hi, hi, hi, Herr, Sie ſind immer ſo ſpaßhaft,“ ſagte der kleine Don mit ſcharfer, kreiſchender Stimme. „Aber all das, Herr, wurde von einem einzigen Men⸗ ſchen zuſammengebracht; Alles wurde von mir geſam⸗ melt, ſo einfältig ich hier ſtehe.⸗ „Einfältig, gewiß,“ ſagte Tarleton;„und wie geht es mit der Geige?“ „Prächtig, Sir, prächtig; ſoll ich Ihnen Etwas ſpielen?“ „Nein, nein, mein guter Don, ein andermal.“ „Doch, Herr, doch,“ rief der Antiquar,„erlauben Sie, daß ich Sie geziemend willlommen heiße.“ Er verſchwand nun und kehrte in einem Augenblicke mit einer über alle Maßen häßlichen, alten Geige zu⸗ rück. Unſer Don zwängte einen ſchmachtenden Ausdruck in ſeine dürren Wangen und begann dann mit einigen einleitenden Kratzſtrichen, daß ich mit den Zähnen knirſchte und Tarleton ſich beide Hände vor die Ohren hielt. Drei ruhig ausſehende Bürger, welche ſich eben 198 zu Pfeife und Zeitung niedergeſetzt, ſprangen auf, wie oft Männchen auf einem Uhrwerk; kaum aber hatte Ungel Don Saltero mit ungezwungener Miene und anmuthi⸗ Man! ger Melancholie das wirklich begonnen, was er eine Me⸗— ru lodie zu nennen be iebte, ſo ergriff eine allgemeine Ner⸗„ venirritation die ganze Geſellſchaft. Bei der Ouvertüre der K ſchworen und fluchten die drei Bürger, bei dem zweiten„ſetze Theile des Stückes ergriffen ſie ihre Hüte, bei dem Alder dritten verſchwanden ſie. Was mich betrifft, ſo zuckten 2 mir alle Glieder, als wäre ich vom Veitstanz befallen; Limor ſogar die Kellner verſchwanden; der Alligator wirbelte den Y 3 herum als wäre er durch ein ſo fürchterliches Experi⸗ Biſcht ment auf das Nervenſyſtem wieder zum Leben gekom⸗ Fracht men; und ich glaube wirklich, das ganze Muſeum, der„ Ochſe, die Schwingen, das indianiſche Kanve und der Sie ſo Kalmuckentatar wären durch dieſen zweiten Orpheus 5 in Bewegung geſetzt worden, hätte nicht Tarleton in Don. einem Anfalle von Wuth ihn an einem Rockſchoße ge⸗ und w faßt und ihn nebſt Geige und Allem mit einer ſolchen zu fall Schnelligkeit herumgewirbelt, daß der arme Muſiker das„ Gleichgewicht verlor und gegen eine Reihe chineſiſcher länder Ungeheuer fiel, die er ſämmtlich zu Boden warf. Hier quetſch lag er, bedeckt von den Trümmern, die ſeinen Sturz in die begleiteten, kreiſchend und kämpfend; immer noch hielt Spaße er ſeine Geige in der Hand, die, wenn hie und da un⸗„C willkürlich ſeine Finger dieſelbe berührten; ein trauri⸗ wohl n ges Quieken von ſich gab, als fühlte ſie den Unfall mit, ſagt S den ſie verurſacht, bis endlich der Kellner hereinſtürzte, großer den unglücklichen Antiquar aufhob und in einen großen und de Stuhl ſetzte. Mande uf, wie r hatte muthi⸗ ne Me⸗ ne Ner⸗ wertüre zweiten ei em zuckten efallen; wirbelte Experi⸗ gem⸗ um, der und der Orpheus leton in ſiker das 199 „OGott!“ ſtöhnte Don Ealtero,„v Gott— meine ungeheuer— meine Ungeheuer— die Pagode— der Mandarin und der Götze— wo ſind ſie?— zerbrochen — ruinirt— vernichtet!“ „Nein, Herr— alle wohlbehalten, Herr,“ ſagte der Kellner, ein lebendiger, kleiner, ſchmucker Menſch, „ſetzen Sie es doch auf die Rechnung, Herr. Iſt es Aldermann Atkins oder Herr Higgins?“ „Pah,“ ſagte Tarleton,„bringen Sie mir ein Glas Limonade— ſchicken Sie die Pagode zum Maurer— den Mandarin zum Wundarzt— und den Götzen zum Biſchof von London! Hier iſt eine Guinee, um die Fracht zu bezahlen. Wie befinden Sie ſich, Don?“ „Oh, Herr Tarleton, Herr Tarleton! wie konnten Sie ſo grauſam ſein?“ „Die Natur der Dinge verlangte es ſo, mein guter Don. Nannte ich Sie nicht einen chineſiſchen Adam? und wie konnten Sie dieſen Namen tragen, ohne auch zu fallen?“ „Oh, Herr, damit iſt nicht zu ſpaßen— das Ge⸗ länder meiner Pagode zerbrochen— meinen Arm ge⸗ quetſcht— meine Geige entzwei— und mich mitten in dieſer ſchönen Arie unterbrechen!— Nichts zum Spaßen.“ „Gehen Sie, Herr Salter,“ ſagte ich, das iſt wohl wahr! aber erheitern Sie ſich.„„Die Götter,““ ſagt Seneca,„„ſehen es mit Vergnügen, wenn ein großer Mann mit den Staatsmännern, den Tempeln und den Gottheiten ſeines Landes falle;““ das Alles, Mandarin, Pagode und Götze begleiteten Ihren 200 Fall. Geben Sie uns eine Flaſche von Ihrem beſten Wein und erweiſen Sie uns die Ehre, dieſelbe mit uns auszutrinken.“ „Nein, Graf, nein,“ ſagte Tarleton ſtolz;„trinken können wir nicht mit dem Don, aber wir wollen den Wein kommen laſſen, und er ſoll ihn trinken. Unter⸗ veſſen, Don, erzähle uns, welche nur denkbare Ver⸗ kettung von Umſtänden Dich zum Geiger, Barbier, Ana⸗ tomiker und zum Virtuoſen gemacht hat?“ Don Saltero liebte das Geigen mehr, als irgend etwas in der Welt, gleich nach dem Geigen aber kam das Schwatzen. Zufrieden, daß er für ſeine Pagode be⸗ zahlt war, gab er, nachdem er ſich mit einigen Gläſern von ſeinem eigenen Weine geſtärkt hatte, Tarletons Verlangen nach, und erzählte uns ſeine Geſchichte. Ich glaube, dem guten Varbier ſchien ſie ſehr unterhaltend, Tarleton und ich aber fanden nichts Außerordentliches varin, und lange eh' er zu Ende gekommen, wünſchten wir ihm einen guten Tag und einen neuen Stamm chineſiſcher Ungeheuer. Für dieſen Abend waren wir in den Kit⸗Cat⸗Club“ geladen; denn obwohl meine politiſchen Anſichten denen der Mitglieder deſſelben zuwiderliefen, erhielt ich wegen meiner literariſchen Anſprüche doch Zutritt. Halifar war dort, und ich empfahl den Dichter ſeiner Gunſt. Wir waren ſehr heiter, und Halifar gab uns drei neue, „Eine Geſellſchaft in London, zu welcher Addiſon und Steele gehörten; ihren Namen hatte ſie von Chriſtoph Cat, welcher den Mitgliedern mit Hammelspaſteten aufwartete. Der Ueberſ. von il Venu welche die w Götte Kinde mal di dem B verurſ lisle ein Bl grazi die Gö Bridge der He ſchlecht Die vo ſeltſam beſchrie grün, 1 für mic wart; der Blä 201 eſten f von ihm ſelbſt kommende Trinkſprüche zum Beſten. O t uns Venus! welche Schönheiten haben wir gemacht und welche Charaktere haben wir gemordet! Nie gab es für rinken vie weibliche Welt eine ſo wichtige Synode, als die e den Götter des Kit⸗Cat⸗Club. Ach! ich ſchreibe für die Unter⸗ Kinder eines ſpäteren Jahrhunderts, welche nicht ein⸗ Ver⸗ mal die Namen derjenigen mehr kennen werden, welche „Ana⸗ dem Blute in den Adern ihrer Vorfahren Wallungen verurſachten. Welche Wange wird bei dem Namen Car⸗ irgend lisle erröthen? Welche Hand wird zittern, wenn ſie er kam ein Blatt berührt, das Brudenel überſchrieben? Die ode be⸗ graziöſe Godolphin, der blendende Zauber der Harper, läſern die Götterſtimme der Claverien, die zarte, ſchamhafte rletons Bridgewater, die damaſtenen Wangen und Rubinlippen te. Ich der Hebe Mancheſter— was werden dieſe für das Ge⸗ altend, ſchlecht ſein, welchem allein dieſe Blätter beſtimmt find? ntliches Die vorliegende Geſchichte iſt die Vereinigung zweier nſchten ſeltſamen Gegenſätze! gleich dem von Marco Paolo Stamm beſchriebenen Sonnenbaume, der von der einen Seite grün, von der anderen weiß war— ſteht die Erzählung „Club“ für mich in dem Glanze und dem Frühlinge der Gegen⸗ denen wart; zu dem Leſer gelangt ſie unter dem Staube und der Bläſſe der Vergangenheit. welcher berſ. 202 Siebentes Kapitel. Ein Geſpräch über das Gefühl mit nachfolgender Stizze eines Charakters, in deſſen Augen Gefühl für Leute von Verſtand das war, was die Religion für Narren, nämlich— ein Gegen⸗ ſtand des Belächelns. St. John war jetzt im Amte und in dem vollen Drange ſeiner vielen ehrgeizigen und raſtloſen Plane. Ich ſah ihn ſo vft als die hohe Stelle, welche er im Staate bekleidete, und die damit verbundenen Geſchäfte, welche auf ihm laſteten, es mir geſtatteten— mir, der durch ſeine religiöſen Anſichten von einem thätigen An⸗ ſchluſſe an irgend eine politiſche Partei abgehalten war, und der ſich deßhalb ziemlich gleich gut mit allen ver⸗ trug, obwohl ich dem Torysmus zugethan war. St. John und ich ſchloſſen eine innige Freundſchaft, eine Freund⸗ ſchaft, welche kein ſpäterer Wechſel oder Zufall auf⸗ löſen konnte, und welche, gekräftigt und gereift durch die Zeit, noch bis zu der Stunde fortdauert, in welcher ich hier ſchreibe. Eines Abends ließ er mir ſagen, er werde allein ſein, wenn ich mit ihm zu Nacht ſpeiſen wollte; ich begab mich daher nach ſeiner Wohnung. Er ging mit ungleichen, raſchen Schritten im Zimmer auf und ab, und ſein Geſicht glühte von einem Ausdrucke des Tri⸗ umphes und der Freude, der gegen die nachvenkliche und ernſte Ruhe, welche man an ihm zu bemerken gewohnt war, auffallend abſtach.„Wünſchen Sie mir Glück, Devereur,“ ſagte er und drückte mir freudig die Hand, „wünſchen Sie mir Glück!“ „ Sie kö ausſpr kleiner unſeret irgend ſteht in „A langſan ſichtes, „aber t ſprecher Da Stolz paſſen, die leich wir balt die Frat „Jc ich durc gelangw würdige einer mi edeln Sc keit für 2 — für t chener u die Sehn e eines erſtand„ Gegen⸗ vollen Plane. er im ſchäfte, tir, der zen An⸗ en war, len ver⸗ „Wozu?“ „Ach, ja— Sie ſind noch immer kein Politiker— Sie können noch nicht begreifen wie theuer— wie un⸗ ausſprechlich theuer für einen ſolchen ein augenblicklicher, kleiner Sieg iſt— aber— wenn ich Premierminiſter unſeres Landes wäre, was würden Sie dazu ſagen?“ Daß Sie dem Amte beſſer vorſtehen könnten als irgend ein Menſch— aber erinnern Sie ſich, Harley ſteht im Wege.“ „Ach, das iſt eben der Anſtand,“ ſagte St. John langſam, und der triumphirende Ausdruck ſeines Ge⸗ ſichtes geſtaltete ſich wiederzu einer nachdenklichen Miene; „aber dieſes Thema iſt nicht nach Ihrem Geſchmacke— ſprechen wir von etwas Anderem.“ Damit warf ſich dieſer ſonderbare Mann, der ſeinen Stolz darein ſetzte, ſeine Unterhaltung Jedem anzu⸗ paſſen, in einen Stuhl und fing an, ſich mit mir über die leichteren Tagesneuigkeiten zu beſprechen; dieſe hatten wir bald erſchöpft und kamen endlich auf die Liebe und die Frauen zu reden. „Ich geſtehe,“ ſagte ich,„daß, was dies betrifft, ich durch die Vergnügungen eben ſo ſehr getäuſcht als gelangweilt worden bin. Ich ſehne mich nach einem würdigeren Gegenſtande meiner Huldigungen, als nach einer modehaften Caprieleuſe, oder dem noch weniger edeln Schvoskind der Sinne. Ich verlange Einpfänglich⸗ keit für Begeiſterung— für Hingebung— für Romantik — für tauſend zarte und geheime Ergüſſe unausgeſpro⸗ chener und unausſprechlicher Gefüh'e. Oft meine ich, die Sehnſucht und den Sinn der Dichtergabe in mir zu 204 tragen, obgleich ich nicht im Stanbe bin, mich demge⸗ mäß auszudrücken, und es iſt mir, als drängten und preßten ſich dieſe Sehnſucht und dieſer Sinn, ihres natürlichen Ausweges beraubt, in eine verzehrende Lei⸗ denſchaft zuſammen— nämlich in das Bedörfniß der Liebe. Wo ſoll ich dieſe Leitenſchaft befriedigen? Ich blicke mich um in dieſen großen Kreiſen des Vergnügens, welche wir Welt nennen— ich ſende mein Herz als einen Wanderer hinaus in ihre Regionen und verbor⸗ genſten Stellen, aber es kehrt überſättigt, niederge⸗ ſchlagen und muthlos zu mir zurück⸗“ „Wir ſprechen da von einem Bedürfniſſe, das alle minder weltliche oder zartfühlende Naturen empfinden,“ erwiderte St. John,„von einem Bedürfniſſe, das ich durch Erfahrung kenne, und ohne deſſen Empfindung ich mich vielleicht nie dem Staatsleben zugewandt hätte, um in dem letzteren Troſt oder Beſchäftigung zu finden. Schmeicheln Sie ſich aber ja nicht, doß dieſes Bedürf⸗ niß je befriedigt werden wird. Die Natur ſtellt uns allein in dieſe ungaſtfreundliche Welt, und kein Herz iſt gerade ſo beſchaffen wie dasjenige, welches wir in uns tragen. Wir ſchmachten nach Mitgefühl; wir er⸗ ſchaffen uns ſelbſt eine ideale Welt, worin wir daſſelbe zu finden hoffen— aber dieſer Schöpfung entſpricht keine Wirklichkeit— ſie iſt ein Trugbild des Gemüthes, welches das Gemüth anbetet— und weil dieſes Trug⸗ bild nicht zum wirklichen Weſen werden kann, verzwei⸗ felt die Seele. Während des ganzen Lebens, von der Wiege bis zu dem Grabe, wünſchen wir uns nichts in der Wirklichkeit Vorhandenes, ſondern die Realifirung der i Gött uns i aber nicht unſere „ uns ſe Das ₰ mern, Irrgla blicke d einer 2 eigenes fließt. in demf unſrige geboren Sympa des Glü Weſen i mente d wenn a liegt, u nicht vet ſten Ver 7 A h Segnung Grundla Liebe iſt emge⸗ und ihres e Lei⸗ iß der 7 Ich ügens, erz als verhor⸗ ederge⸗ das alle finden,“ das ich finden. Bedürf⸗ tellt uns ein Herz s wir in wir er⸗ ntſpricht bemüthes, es Trug⸗ verzwei⸗ von der ealifirung daſſelbe nichts in 205 der in uns geſchaffenen Idee, die wir, da wir keine Götter ſind, nie ins Leben rufen können. Wir verlieben uns in die Bildſäule, die wir ſelbſt gemeißelt haben; aber ungleich der Statue der Cypria entzündet ſie ſich nicht durch unſere Huldigungen, belebt ſich nicht durch unſere Umarmungen.“ „Ich glaube Ihnen,“ antwortete ich;„aber es wird uns ſchwer, uns ſelbſt aus dem Irrthume zu reißen. Das Herz iſt der leichtgläubigſte unter allen Schwär⸗ mern, und ſeine herrſchende Leidenſchaft der dauerndſte Irrglaube. Oh! was kann bis zu dem letzten Augen⸗ blicke die Hoffnung, das Verlangen, die Sehnſucht nach einer Bruſt aus uns reißen, die, während ſie unſer eigenes Selbſt zurückſtrahlt, in dem Abglanze nicht zer⸗ fließt. Ich habe geleſen, daß in derſelben Stunde, ja in demſelben Augenblicke unſerer Geburt auch ein dem unſrigen nach Geiſt und Geſtalt ganz ähnliches Weſen geboren werde, und daß eine geheime, unbegreifliche Sympathie dieſe Ahnlichkeit ſelbſt durch alle Wechſel des Glückes und der Umſtände erhalte, bis die beiden Weſen in demſelben Augenblicke ſich wieder in die Ele⸗ mente der Erde auflöſen. Geben Sie zu, daß in dieſem, wenn auch grundloſen Mährchen etwas Anziehendes liegt, und daß wir auf wenige der weltlichen Ehren nicht verzichten würden, um in dem nächſten und innig⸗ ſten Verwandten dieſes Abbild unſerer ſelbſt zu beſitzen?“ „Ach!“ erwiderte St. John,„wie alle irdiſche Segnungen, ſo trägt auch der Beſitz in ſich ſelbſt die Grundlage der Verderbniß. Die tödtlichſte Feindin ver Liebe iſt nicht Veränderung, nicht Mißgeſchick, nicht 206 Eiferſucht, nicht Zorn, nicht irgend Etwas, das aus der Leidenſchaft fließt oder dem Glücke entſtrömt— die tödtlichſte Feindin derſelbeniſt Gewohn⸗ heit! Mit ihr erſterben die Täuſchungen und Geheim⸗ niſſe, welche die Liebe umgaben; von dem dichteriſchen Grün, in welchem ihre Schönheit beſteht, finkt und weltt Blatt um Blatt, bis nur noch der nackte, rohe Stamm übrig iſt. In jeder Leidenſchaft verlangt die Seele etwas Unausgeſprochenes, einen unbeſtimmten Hintergrund, um ihn zu durchforſchen oder zu bewun⸗ dern— einen Schleier über die geiſtige, wie über die körperliche Gottheit. Gewohnheit läßt der Romantik nichts, und ſelbſt der gegenſeitigen Achtung oft nur wenig. Der ganze Charakter liegt offen vor uns, wie eine Ebene, und das Auge des Herzens wird der Ein⸗ förmigleit dieſes überblickes müde. Auf dleſen überdruß folgt Abneigung, und auf die Abneigung eine von den Myriaden Geſlalten des Proteus— Widerwillen— ſo daß die Leidenſchaft, die wir zu unſerem koſtbarſten Schatze machen möchten, zu einem Belege des gewöhn⸗ lichſten Sprüchwortes zerbröckelt— und aus der Ver⸗ traulichkeit Verachtung entſteht!“ „Und ſollen wir denn,“ fragte ich,„dem lieblich⸗ ſten unſerer Träume für immer entſagen? Sollen wir die Liebe als eine gänzliche Täuſchung betrachten und uns in eine ewige Ode und Einſamkeit des Herzens fügen? Was ſoll dann die ſchreiende, nicht zu beſchwich⸗ tigende Leere unſerer Seele ausfüllen? Was ſoll aus dieſen mächtigen Quellen der Zärtlichkeit werden, die, wenn ihnen jeder Kanal in dem ſteinigen Boden der „ b Welt men v „1 keine ſuchen bleibt. wender Gege in un Liebe den L auch ſie wenn n Wander Grenzer wir uns Genuß uns anf edelſte 2 denheit. Leidenſch Bäume wiſſe Hi ſo ſterbe Ehe für dieſe Die Thi mit rau ſchob, 1 Mißacht aus hn⸗ eim⸗ ſchen und rohe t die mten ewun⸗ er die mantik ft nur s, wie r Ein⸗ erdruß Welt verſagt wird, irgend einen anderen Ausweg neh⸗ men oder verſumpfen müſſen?“ „Unſere Leidenſchaften,“ ſagte St. John,„kennen keine Ruhe und werden ihre Kraft auf jede Art ver⸗ ſuchen, wenn auch das Ergebniß immer eine Täuſchung bleibt. Sind ſie in der Liebe nicht glücklich geweſen, ſo wenden ſie ſich dem Ehrgeize zu, und da wir den Gegenſtand des Ehrgeizes nie ſo gänzlich in unſere Gewalt bekommen wie den der Liebe, ſo iſterſtere die dauerhaftere der bei⸗ den Leidenſchaften. Aber bälder oder ſpäter wird auch ſie wie alle Leidenſchaften endlich überſättigt, und wenn wir, ermattet von einem zu weiten Fluge, unſere Wanderungen beſchränken und um uns blickend die engen Grenzen des uns geſtatteten Raumes entdecken, tröſten wir uns über den Verluſt der Begeiſterung, wenn wir Genuß dafür eintauſchen können; die Erfahrung, welche uns anfänglich ſo bitter zu täuſchen ſchien, wird unſere edelſte Wohlthäterin und führt uns endlich zur Zufrie⸗ denheit. Denn das übermaß, nicht vas Weſen unſerer Leidenſchaften iſt hinfällig. Dieſelben blühen wie die Bäume an dem Grabe des Proteſilaus, bis ſie eine ge⸗ wiſſe Höhe erreichen; kaum aber find ſie da angelangt, ſo ſterben ſie ab.“ Ehe ich antworten konnte, wurde unſere Unterredung für dieſen Abend plötzlich und vollſtändig abgebrochen. Die Thüre ging auf, und ein Mann, welcher den Diener mit rauher, vbwohl nicht würdeloſer Miene auf die Seite ſchob, trat unangemeldet und mit der vollkommenſten Mißachtung aller Höflichkeitsformen in das Zimmer. „Wie geht's, St. John,“ ſagte er—„wie geht's? — Haben einen ſauberen Tag gehabt.— Gut, daß ich Sie zu Hauſe finde— das heißt, wenn Sie mir einige gebratene Auſtern und Champagner zum Nachteſſen geben wollen.“ „Von Herzen gern, Doktor,“ ſagte St. John und änderte plötzlich ſein Benehmen von der ernſten zu einer leichten und eiwas brüsken Vertraulichkeit—„von Herzen gern; es freut mich, zu hören, daß Sie ſich wieder mit dem Champagner ausgeſöhnt haben; in der verfloſſenen Woche brachten Sie einen ganzen Abend mit dem Verſuche zu, mir von der perlenden Sünde ab⸗ zurathen.“ „Bſt! Ich hatte den Tag zuvor von ihr gelitten; ſo hielt ich denn eine Galgenpredigt zur Bekehrung An⸗ derer, nicht aus Beſorgniß für ihr Wohlergehen, ſon⸗ dern im bitteren Arger über mein eigenes Unglück. Wo haben Sie heute Mittag gegeſſen? Zu Hauſe! Oh⸗ der Teufel! ich ſtarb bei dem Herzoge von Ormond über drei Gängen beinahe Hungers.“ „Aha! Da war wohl der ehrliche Matthes?“ „Ja, und zwar auf meine Kbſten. Er borgte einen Schilling von mir für eine Sänfte. Verdammt ſei dieſes Wetter, es koſtet mich ſieben Schillinge Fuhrlohn des Tags, außerdem daß ich die Kutſcher all meiner armen Pfarrbrüder bezahle, welche von Irland herüberkommen, um meine Fürſprache für ein Bisthum zu erbitten, und inzwiſchen eine halbe Krone von mir borgen. Doch denke ich, Prior Matthes wird mich aus dem Staais⸗ ſchatze wieder bezahlen.“ Er ſa Reim „„Ki ausfit mache den tüchti ſten, nicht Dokto Graf D por, abſtac ſogar wenn den A gab, e längli anmut ganz b ten, g Geſtal baut „ Bu hts ß ich inige teſſen n und einer „von ie ſich in der nd mit de ab⸗ litten; ng An⸗ „ſon⸗ ck. Wo „Gewiß, wenn Chloe ihn nicht vorher zu Grunde richtet.“ „Verdammt ſei die Schlumpe; ſprechen Sie nicht von ihr. Wie der Prior über ſeine Stelle loszieht!* Er ſagt, die Aceiſe plündere ſeinen Witz, und der einzige Reim, von dem er noch träume, ſei—„„Liſte““ und „Kiſte.“ 6 „Ha, ha! wir müſſen für Matthes etwas Beſſeres ausfinden— ihn zum Biſchof oder zum Geſandten machen. Aber verzeihen Sie mir, Graf, ich habe Ihnen den geſuchteſten, abſprechendſten, unverſchämteſten, tüchtigſten, unabhängigſten, hochmüthigſten, angenehm⸗ ſten, unruhigſten Pfarrer ſeines Jahrhunderts noch nicht vorgeſtellt; huldigen Sie dem Dokter Swift. Doktor, ſeien Sie gnädig gegen meinen lieben Freund, Graf Devereur. Doktor Swift richtete ſich mit einer Haltung em⸗ por, die ſtark genug gegen ſein vorheriges Benehmen abſtach, und grüßte mich mit einer Würde, welche man ſogar geziert nennen konnte. Man ſah daraus, daß, wenn er auch in ſeinem gewöhnlichen Benehmen ſich gerne den Anſchein der Nachläſſigkeit, ja beinahe der Rohheit gab, er doch aus ſeinem Umgange mit den Großen hin⸗ länglichen utzen gezogen hatte, um es ihnen in der anmuthigen Leichtigkeit des äußern Benehmens, die ſie ganz beſonders als ihrem Stande angehörig betrachte⸗ ten, gleich zu thun, ſobald er Lzſt dazu hatte. Seiner Geſtalt nach iſt Swift von mittlerer Größe, ſtark ge⸗ baut/ Hals und Bruſt von ausnehmend feinen Umriſſen; * Beim Zollamt. Bulwer, Devereur. J. 14 2¹⁰ von vorne geſehen mißfällt ſein Geſicht allerdings, oß⸗ gleich es nichts weniger als häßlich iſt; dagegen machen der ſcharfe Schnitt der Naſe, die eingebogene Ober⸗ lippe, das volle, runde, römiſche Kinn, die herabhän⸗ genden Vrauen und die feſte Entſchloſſenheit, welche ſich auf der breiten Stirn und in dem klaren, blauen Auge ausſpricht, ſein Profil zu einem der überraſchend⸗ ſten, die ich je geſehen. Zu meiner großen Verwunde⸗ rung beehrte er mich mit einer artigen Anrede und einem Complimente; dann ſetzte er mit einem Blicke, welcher St. John den darauf folgenden Vorwurf verkündete, hinzu:„Immer wird es mich freuen, vaß ich Ihre Be⸗ kanntſchaft dem Herrn Staatsſekretär verdanke, der, wenn er weniger von Opern und Sängerinnen ſpräche — wenn er weniger an Aleibiades und Perikles vächte— wenn er ſich nicht immer über die ſeinem Temperamente nicht zuſagende Geſchäftslaſt beklagte, und zwar in dem Augenblicke, wo er wie ein Laſtträger arbeitet, um be⸗ ſagte Laſt auf ſeine Schulter zu bekommen, und wenn er uns überzeugen könnte, daß ſeine Aufrichtigkeit eben ſo groß ſei, wie ſein Genie, alle Zeit mit den auserle⸗ ſenſten Gaben geſchmückt erſchiene, welche Gott bis jetzt den Menſchenkindern zu verleihen für gut gefunben. Sagen Sie mir jetzt, Herr Sekretär, wann werden wir die Auſtern bekommen? Wollen Sie heute Nacht luſtig ſein; Graf?“ „Gewiß, wenn man für ven Champagner Abſolulion finden kann.“ „Die will ich Ihnen geben und mich dafür rächen, unter der Bedingung, daß Sie mich nach Hauſe führen und! Schu Nach gen. durch — all ſchmu koſten ten, i * werde das hi Ich kö als ei Moha Whig ſei Da Un Chamz verfein ungewi Laune ſamen bei; un lichſten eine vr *5 ings, ob⸗ en machen ene Ober⸗ herabhän⸗ it, welche n, blauen rraſchend⸗ zerwunde⸗ und einem e, welcher erkündete, Ihre Be⸗ anke, der, en ſpräche dächte— peramente ar in dem t, um be⸗ und wenn gkeit eben auserle⸗ tt bis jetzt gefunden. erden wir cht luſtig lbſolution ir rächen, ſe führen 211 und den armen Pfarrer gegen unſere Mohawks“ in Schutz nehmen. Durchſtießen ſie doch in der verwichenen Nacht die Sänfte des jungen Davenant mit einem De⸗ gen. So viel ich höre, haben ſie geſchworen, ſie wollten durch meine Torykutte das Tageslicht ſchimmern laſſen — alle Whiss ſind, wie Sie wiſſen, Graf Devereux, ſchmutzige, gefährliche Beſtien— wie ich ſie haſſe; ſie koſten mich wöchentlich fünf bis ſechs Pence für Sänf⸗ ten, in welchen ich Schutz gegen ſie ſuchen muß.“ „Laſſen Sie das gut ſein, Doktor, meine Bedienten werden Sie nach Hauſe geleiten,“ ſagte St. John. „Hm, ein ſchöner Weg, die Sache zu verbeſſern— das hieße das Jucken durch Abkratzen der Haut kuriren. Ich könnte Ihren langen Schlingeln nicht weniger geben, als eine Krone für den Kopf, und den blutdürſtigſten Mohawk in dem Königreiche könnte ich, wenn er ein Wbig iſt, mit der Hälfte abkaufen. Doch, dem Himmel ſei Dank, das Eſſen iſt fertig.“ Und wir ſetzten uns zu Tiſche. Die Auſtern und der Champagner ſchienen des Doktors Witz, wenn nicht zu verfeinern, doch zu erheitern. St. John zeigte ſich in ungewöhnlichem Glanze. Auch ich wurde von Beider Laune angeſteckt, und trug meinen Theil zu der gemein⸗ ſamen Summe von Scherz und beißenden Antworten bei; und dieſer mit den zweikräftigſten und außerortent⸗ lichſten Männern ihrer Zeit zugebrachte Abend gewährte eine vollkommenere und ungezwungenere Frende, als * Früher der Name gewiſſer Straßenräuber in London. Der Ueberſ. 242 irgend ein anderer, den ich in Geſellſchaft der jüngſten und lärmendſten Anhänger der Punſchbowle und ihres Zubehöres je verlebt habe. Selbſt durch die rauhe Art von Swifts Unterredung brach der Diamant unaufhör⸗ lich durch; ſeine Rohheit war nie die einer rohen Seele. Schade, daß er, während er St. Johns übertriebenes Streben nach den Grazien des geſelligen Umganges ver⸗ dammte, nie bemerkte, daß die erkünſtelten grossiére- tés in ſeinem eigenen Betragen der Einfachheit eines höheren Geiſtes eben ſo unwürdig ſei;“ und daß der * Man hat geſagt, Swift ſei erſt in ſeinen ſpäteren Jahren derb geworden und(mit einer merkwürdigen Unkunde der That⸗ ſachen wie der Charaktere) Pope ſei die Urſache der Derohelt in dem Geſchmacke des Dechanten geweſen. Keinem Zweifel iſt es unterworfen, daß er mit zunehmendem Alter auch derber wurde; eben ſo gewiß iſt aber, daß, ſo anmuthig und wärde⸗ voll dieſer große Geiſt ſein konnte, wenn es ihm geſiel, er zu einer früheren Zeit, als in welcher wir ihn hier kennen lernen, Derbheit ſowohl in ſeiner Redeweiſe wie in ſeinem Benebmen erkünſtelte. Ich benutze dieſe Gelegenheit, ſo mal ä propos ſie auch iſt, zu der Bemerkung, daß der Vorzig, den Swiſt dem Ha ley vor St. John gegeben haben ſoll, keineswegs ſo erwieſen iſt, we Schriftſteller gewöhnlich zu verſichern beliebten. Warton hat bereits auf eine Stelle in einem von Swifts Brie⸗ fen an Bolingbroke aufmerkſam gemacht, welche ich den Leſer zu beachten bitte: „Sie waren mein Held, der andere aber(Lord Oxford) war es nie: wäire er es, ſo hätten Sie dies nur ſich zuzu⸗ ſchreiben, der Sie mich ihn lieben lehrten und ihn im Anfange Ih'es Miniſteriums oft gegen meine Anſchuldigungen verthei⸗ digten. Ich behauptete, er vereinige in ſio die größten Wider⸗ ſprüche, die ich je bei einem Menſchen kennen gelernt, und ſein ganzes Auftreten ſei fünfzigmal ein Ding ohne Namen, als das Ihrige; denn ich erkläre, daß in dem Ihrigen Einheit Abſch mal ſ verack und a das E mächt ſter, 1 Chara Abnei verleit Tugen Fehler Kunſt daran. armen gend h aber ſi falſche ſtreiche legt wi war, ur Welt üb Ich eingeſcho nicht zu Lord Br jener Ze Tage. er jüngſten und ihres rauhe Art unaufhör⸗ ohen Seele. ertriebenes ganges ver⸗ grossiöre- chheit eines n daß der äteren Jahren nde der That⸗ der Derdheit m Zweifel iſt r auch derber und würde⸗ gefiel, er zu kennen lernen, em Benebmen al à propos g, den Swiſt keineswegs ſo hern beliebten. Swifts Brie⸗ ich den Leſer nur ſich zuzu⸗ 2¹13 Abſchen vor affektirter Sprache das bezeichnendſte Merk⸗ mal ſeines Charakters, ihn gerade zu den von ihm ſo verachteten Fehlern verleitete, nur in einer mißfälligeren und anſtößigeren Weiſe. Dieſe nämliche Abneigung gegen das Scheinweſen iſt, beiläufig geſagt, die größte und mächtigſte Feindin des Ruhmes hoher, kräftiger Gei⸗ ſter, und namentlich hei der Beurtheilung von Swifts Charakter ſollten wir deſſen immer eingedenk ſein. Dieſe Abneigung— der eigentliche Antipode der Heuchelei— verleitet die Menſchen nicht nur, die ihre ihnen eigenen Tugenden zu verläugnen, ſondern auch die Miene von Fehlern anzunehmen, welche ſie nicht haben. Thörichter Kunſtgriff verkappter Eitelkeit! die Welt glaubt gerne daran.— Wie der Richter Overdo in den Lumpen des armen Arthur von Bradley mögen ſie es für eine Tu⸗ gend halten, die Verkleidung angenommen zu haben; aber ſie dürfen ſich dann auch nicht wundern, wenn der falſche Arthur für den wirklichen genommen, als Land⸗ ſtreicher geprügelt und als Spitzbube in den Stock ge⸗ legt wird. war, und ich wollte, Sie würden es ſo einrichten, doß die Welt über dieſen Punkt ebenſo aufgeklärt würde wie ich.“ Ich muß um Entſchuldigung bitten, daß ich dieſes Citat eingeſchoben habe. Es geſchah(und ich bitte den Leſer, dies nicht zu überſehen), weil ich bemerke, doß Graf Devereur von Lord Bolingbroke immer ſo ſpricht, wie die grotzen Männer jener Zeit— nicht wie die kleinen Geſchichtſchreiber unſerer Tage. Der Herausgeber. 244 Achtes Kapitel. Wie gewonnen, ſo zerronnen— Ein ebenſo lehrreiches als un⸗ terhaltendes Geſpräch— Beſuch bei Sir Gottfried Kneller. Eines Morgens frühſtückte Tarleton bei mir.„Ich ſehe den kleinen Pagen nicht,“ ſagte er,„der ſonſt im⸗ mer in Deinem Vorzimmer Wache hielt— was, zum Henker, iſt aus ihm geworden?“ „Das mußt Du ſeine Gebieterin fragen; ſie hat Streit mit mir bekommen und mir Gunſt und Boien entzogen.“ „Wie, Lady Haſſelton Streit mit Dir? Teufel! Weßhalb?“: „Weil ich nicht genug den„Angenehmen“ machte, — weil ich müde wurde, ihr Hut und Schleier nachzu⸗ tragen und während fünf langer Akte eines langweili⸗ gen Stückes hinter ihrem Stuhle zu ſitzen— weil ich ſie in ihren Erwartungen dadurch täuſchte, daß ich ſie nicht bei jedem Drum und bei jeder Quadrille auf⸗ ſuchte— weil ich ihren Affen nicht bewunderte— und weil ich ihr einen Theetopf zerbrach, deſſen Deckel eine Kröte vorſtellte.“ „Und iſt dies nicht genug?“ rief Tarleton,„Him⸗ mel! welch ein ſchwarzes Regiſter von Sünden; Miſtreß Merton würde mich für eine derſelben verabſchiedet haben. Indeſſen öffnet mir Dein Bericht die Augen; ich hörte, wie ſie Dich nenlich lobte— ſo lange ſie Dich liebte, ſchalt ſie immer auf Dich wie auf einen Beutelſchneider.“ Tippetl haßt D aus Art ſie Gele „St einer K mich nie „Se denn D oder La Beide z immer ſ Indeſſer Anſprüc Claneatl „Ni wahrer e Du doch Verein 1 „ Eit Sie wüt s as un⸗ Kneller. ir.„Ich ſonſt im⸗ as, zum ſie hat id Boten Teufel! machte, ille auf⸗ — und ckel eine „„Him⸗ Miſtreß bſchiedet 215 „Ha!— ha!— ha!— und was ſagte ſie Vor⸗ theilhaftes von mir?“ „Nun, Du ſeieſt, wenn auch klein, doch gewiß ſehr hübſch; Du ſeieſt in der That ein großes Genie, ob⸗ gleich es nicht Jedermann entdecken könne; man ſehe Dir ſogleich Deine hohe Geburt an, obgleich Du Dich bei weitem nicht ſo vortheilhaft kleideſt, als Schön⸗ Tippetly. Aber entre nous, Devereux, ich glaube, ſie haßt Dich und würde Dir gerne einen Streich ſpielen aus Urger— Rache iſt ein zu ſcharfes Wort— wenn ſie Gelegenheit dazu finden könnte.“ „Sehr wahrſcheinlich, Tarleton; aber der Liebhaber einer Kokette iſt immer auf ſeiner Hut; ſo wird ſie mich nicht unvorbereitet finden.“ „Sei es ſo. Aber ſage mir, Devereur, wer wird denn Deine nächſte Geliebte ſein— Miſtreß Denton, oder Lady Clancathcart?— Die Welt theilt Dir Beide zu.“ „Die Welt iſt mit dem, was keinen Werth hat, immer ſo freigebig wie ein Biſchof mit ſeinem Segen. Indeſſen verſpreche ich Dir, Tarleton, daß ich Deinen Anſprüchen weder bei Miſtreß Denton, noch bei Lady Claneatheart entgegentreten werde.“ „Nun,“ ſagte Tarleton,„ich geſtehe, Du biſt ein wahrer Seipio; aber bei all Deiner Spottſucht mußt Du doch zugeben, daß Lady Clancotheart einen ſchönen Verein von Geſichtszügen hat.“ „Ein hübſches Geſicht, aber ſo häßlich gewachſen. Sie würde ein herrliches Gemälde geben, wenn man 216 ſie, wie die Göttin Laverna, als einen Kopf ohne Leib malen könnte.“ „Ha!— ha!— ha!— Du haſt eine ſcharfe Zunge, Graf; aber Miſtreß Denton, was haſt Du gegen dieſe einzuwenden?“ „Nichts; ſie hat keine Anſprüche, die ich läugnen könnte. Sie hat grüne Augen, eine kreiſchende Stimme, einen affeklirten Gang und einen breiten Fuß. Jeder, der es gut mit Miſtreß Denton meint, kann ihr daher nur zu einer klugen Zurückgezogenheit rathen.“ „Sie hatte nur einen elnzigen Anbeler auf der Welt,“ ſagte Tarletvn,„welcher alt, blind, lahm und arm war; ſie ließ ſich ſeine Bewerbung gefallen und wurde Miſtreß Denton.“ „Ja,“ ſagte ich,„ſie gleicht dem Magnet, denn ſie ethielt ihren Namen von der erſten Perſon,“ welche ſich empfänglich für ihre Reize zeigte.“ „Nun, Du verſtehſt es, Jemanden Artigkeiten zu ſagen,“ bemerkte Tarleton;„aber ich muß geſtehen, daß Du ſie ſelten oder nie perſönlich gegen ein Weih richteſt. Weßhalb gehſt Du ſo von Deiner Gewohn⸗ heit ab?“ „Weil ich erſtens auf die Weiber im Allgemeinen böſe bin und meinem Spleen durch den nächſten heſten Ranal Ausfluß verſchaffen muß. Und zweitens waren die Denton wie die Clancatheart perſönlich grob gegen mich, ſo daß den Arger meiner ungünſtigen Anſichten noch ein ſchärferes Gift berauſcht.“ „Den letzteren Grund laſſe ich gelten,“ entgegnete * Magnes. — Tarlet Ich ſe — Dr höchſt dieſe 2 „1 ekeln1 loſe V von ih „( Deine reiche Lebent ſo glä die an geſtell dour Neid ein M zugew Geſch biſt! erwar „ ich ſp 58 gemeit ſie! 2 wegen Ich v ohne Leib fe Zunge, gen dieſe läugnen Stimme, . Jeder, hr daher auf der ahm und llen unh denn ſie * welche keiten zu geſtehen, in Weib Jewohn⸗ emeinen nbeſten s waren b gegen nſichten tgegnete b 217 Tarleton,„aber der erſtere ſetzt mich in Erſtaunen. Ich ſelbſt verachte die Weiber— hobe es ſtets gethan — Du aber warſt noch vor ein oder zwei Monaten ihr höchſt begeiſterter und ritterlicher Vertheidiger. Woher dieſe Veränderung, mein Amadis?“ „überdruß!— ſie langweilen, ärgern mich und ekeln mich an— ſelbſtſüchtige, frivole, gemeine, herz⸗ loſe Weſen— fort mit ihnen— es iſt eine Schande, von ihnen geliebt zu werden.“ „O ciel! Welches Aufſehen wird die Nachricht von Deinem Weiberhaſſe machen— der junge, muntere, reiche Graf Devereur— der mit ſeinem Witze, ſeiner Lebendigkeit und ſeinem in Equipage, wie in Kleidung ſo glänzendem Auftreten im Laufe einer einzigen Saiſon die anerkannteſten Elegants und Stutzer in Schatten geſtellt hat; für welchen Dedikationen, Oden, Billet⸗ dour Makulaturpapier ſind— der den allgemeinſten Neid und Widerwillen auf ſich lud, mit welchem ſich je ein Menſch geſegnet ſah, ſeit ſich St. John der Politik zugewandt— wie Du ſo plötzlich gegen das göttliche Geſchlecht wüthen, das Dich zu dem gemacht, was Du biſt! Fliehe— fliehe— unglücklicher Apoſtat, oder erwarte zum mindeſten das Schickſal des Orpheus!“ „Keine von Deinen Spöttereien, Tarleton, oder ich ſpreche Dir von dem Pöbel und der Canaille.“ „Sacre! ſchon knirſchen mir die Zähne! O, dieſe gemeine— niederträchtige Canaille, wie verabſcheue ich ſie! Nein, Devereur, Scherz bei Seite, ich habe Dich wegen Deiner jetzigen Gemüthsſtimmung doppelt lieb. Ich verachte dieſes Geſchlecht von ganzem Herzen. In 2¹8 der That, es gibt, unter uns geſagt, wenige lebenbige Dinge, die ich nicht verachte. Die menſchliche Natur ſcheint mir ein höchſt jämmerliches Bündel von Lumpen und Schnitzeln, welche die Götter als Staub und Keh⸗ richt aus dem Himmel werfen.“ „Freundliche Anſicht von Deinem Geſchlechte,“ ſagte ich. „Meiner Seele, ſo iſt es. Verachtung iſt für mich eine üppigkeit. Ich möchte das Vorrecht der Gering⸗ ſchätzung nicht gegen all Das hergeben, was die Narten je bewundert haben. Was fagt der alte Perſius hierüber? — Uoe ridere meum tam nil, nulla tibi vendo Miade.“ „Und doch, Tarleton,“ entgegnete ich,„iſt Freude bei der Wahrnehmung der Kleinheit Anderer das aller⸗ kleinlichſte Gefühl. Nichts iſt verächtlicher, als Ver⸗ achtung aus Gewohnheit.“ „Ich bitte Dich,“ erwiderte der hochmüthige Ari⸗ ſtokrat,„ſprechen wir nicht ſo ſpitzfindig von dergleichen Dingen— laſſe mir meine Freude, ohne Dich darüber zu ärgern. Was wirſt Du dieſen Morgen zunächſt beginnen?“ „Nun, ich habe meinem Oheime ein Gemälde der unſchätzbaren Züge verſprochen, welche Lady Haſſelton ſo hubſch findet, und ich bin eben im Begriffe zu Kneller zu gehen, um ihm zum letzten Male zu ſitzen.“ „So, ſo, ich will Dich begleiten; ich mag den alten, eiteln Kerl wohl leiden, es iſt ein Vergnügen, wenn man hört, wie er mit ſo viel Witz ſich ſelbſt bewundert.“ „S Degen nach de Wi Lady G „W Kott, Malen ſchäft, des gr fried K E von ke lente 0 geude. ſolches — wie ſeine Model ler die 2 Kenne Augen Mann „2 Sie m will i einem Alexa Freude s aller⸗ Ver⸗ e Ari⸗ leichen rüber nächſt e der ſelton neller den igen, elbſt * 219 „So komm denn!“ ſagte ich, und nahm Hut und Degen; wir ſtiegen in Tarletons Wagen und fuhren nach der Wohnung des Malers. Wir fanden ihn damit beſchäftigt, ein Porträt der Laby Godolphin zu vollenden. „Hi— hi!“ rief er, als er mich kommen ſah.„Bei Kott, es freut mich, Sie zu ſehen, Graf Tevereur, ties Malen iſt an und für ſich ein vertammt armſeliges Ge⸗ ſchäft, wenn nicht immer Jemand dabei iſt, welcher des grands yeux macht und ruft:„„Oh, Sir Gott⸗ fried Kneller, wie ſchön iſt dies!““ „Sehr wahr, in der That,“ ſagte ich,„man kann von keinem großen Manne erwarten, daß er ſeine Ta⸗ lente ohne die ihm gebührende Belohnung an Lob ver⸗ geude. Aber, Himmel, Tarleton, haſt Du je ein ſolches Wunber geſehen?— dieſe Hand— dieſer Arm — wie ausgeſucht! Wenn Apollo Maler würde und ſeine Farben dem Regenbogen entnähme und ſeine Modelle den Göttinnen, er dürfte Sir Gottfried Knel⸗ ler die Palette nicht halten.“ Bei Kott, Graf Tevereur, Se ſind ein ganzer Kenner der Malerei,“ rief der Künſtler mit funkelnden Augen,„und ich will Sie als einen vertammt hübſchen Mann malen.“ „Nein, mein Apelles, noch beſſer wäre es, wenn Sie mir einige Ahnlichkeit erhielten.“ „Ahnlichkeit, bei Kott! ähnlich und hübſch zugleich will ich Sie machen. Bei Kott, wenn Sie mich zu einem Apelles machen, ſo mache ich Sie zu einem Alexander!“ 220 „Im Allgemeinen glaubt man,“ ſagte Tarleton ernſt,„Alerander habe einen krummen Hals gehabt und ſei ein ganz gewöhnlich ausſehender Menſch geweſen; Niemand aber kann ſo viel über Alexander wiſſen, als Sir Gottfried Kneller, der die Kriegswiſſenſchaft ſo genau ſtudirt hat, und der, hätte er ſtatt des Pinſels den Degen ergriffen, mindeſtens ſelbſt ein Alexander geworden wäre.“ „Bei Kott, Herr Tarleton, Sie ſind ein eben ſo richtiger Beurtheiler der kriegeriſchen Talente, wie Graf Tevereur des Malergenies! Bei Kott, Herr Tar⸗ leton, ich will Ihr Bild malen und Ihre Augen um einen gutten Zoll größer machen, als ſie in Wirklich⸗ keit ſind!“ „Groß ober klein,“ ſagte ich(denn Tarleton, wel⸗ cher die vornehme Gewohnheit hatte, ſeine Augäpfel zuſammenzuziehen, bis ſie kaum mehr bemerlbar waren, war ſo ärgerlich geworden, daß ich es für gerathen hielt, ſeine Antwort abzuſchneiden),„groß oder klein, Sir Gottfried, Herr Tarleton's Augen ſind im Stande, Ihr Genie zu bewundern; Ihre Malereien ſind ja wie der Blitz, und ein einziger Strich Ihres Pinſels wäre hinreichend, um einem Blinden das Geſicht wieder zu geben.“ „Das iſt vertammt wahr,“ ſagte Sir Gottfried im Ernſte;„meine Malerei gab wirklich einmal einem Manne das Geſicht wieder. Meiner Seele, das hat ſie gethan! aber ſetzen Sie ſich doch, Graf Tevereur, und blicken Sie über Ihre linke Schulter— ſo, ſo iſt's recht — und jetzt fahren Sie in Ihrem Lobe fort, Graf Te⸗ vereur nennen verſieh Un dete de eigene ſchöne Worte nigſte verlan * Beſitze t Giſicht Naſe i Augen des Ge iſt nich die ſtn übe wie die St dringer ſoger Gegen des G Beſitze Unifor thümli einem Farbe wie a die at Wang ganze dem Tarleton habt und geweſen; ſſen, als ſchaft ſo Pinſels lexanter eben ſo te, wie err Tar⸗ igen um irklich⸗ n, wel⸗ ugäpfel waren, erathen rklein, Stande, ja wie s wäre der zu ied im einem hat ſie ,nd recht f Te⸗ — — 221 vereur; der Getanke an mein Genie gibt Ihnen— wie nennen Sie's doch— eine Animagion— ein Feuer, verſtehen Sie, bei Kott, ſo iſt's!“ Und mit Hülfe einer ſo gemäßigten Lobrede vollen⸗ dete der würdige Sir Gottfried mein Gemälde zu ſeiner eigenen, wie des Originales Zufriedenheit. Wie ver⸗ ſchönert doch die Schmeichelei— e nige freundliche Worte werden den Grafen Devereur der Nachwelt we⸗ nigſtens dreimal ſo ſchön übergeben, als er mit Recht verlangen konnte.“ »Dieſes Gemälde, welches ſich gegenwärtig in meinem Beſitze befindet, ſtellt den Grafen in einem Negligee vor. Das Geſicht iſt entſchieden, obwohl keineswegs auffallend ſchön;— die Naſe iſt adlerſörmig,— die Oberlippe kurz und fein— die Augen ſind grau, und die Stirne, bei weitem der ſchönſte Theil des Geſichtes, iſt beſonders hoch, breit und maſſiv. Der Mund iſt nicht beſondets ſchön; er iſt ſtreng, kauſtiſch, und wird durch die ſterke Zuſammenpreſſung der Lippen faſt unangenehm. Der übe wiegende Hauptausdruck des Geſichtes iſt Kraft. Das Auge, die Stirne, die Wendung ves Kopfes, die aufgeweckte, durch⸗ dringende Miene, dies Alles iſt auffallend kühn, belebt, und ſoger verwegen. Dieſer Ausdruck bildet einen auffallenden Gegenſotz gegen ein anderes, in einer ſpäteren Lebensperiode des Grafen entworfenes Bild, das ſich gleichfalls in meinem Beſitze befindet. Letzteres Porträt ſtellt ihn in einer fremden Uniſorm, mit mehreren Orden geſchmückt, dar. Der eigen⸗ thümliche, ſpöttiſche Zug um den Mund verbirgt ſich hinter einem ſehr langen und dicken Schnurrbarte von weit dunklerer Farbe, als das Haupthaar(auf beiden Gemälden iſt nämlich wie auf Jerva's Gemälde von Lord Bolingbroke, das Haar durch die abſcheuliche Mode jener Zeit nicht en ſtellt)⸗ Ueber die eine Wange geht eine leichte Narbe, wie von einem Säbelhieb. Der ganze Charakter dieſes Bildes unterſcheidet ſich bedeutend von dem des erſteren. Keine Spur des Feuers— der Lebendigkeit 222 Neuntes Kapitel. Eine Charakterenthüllung und ein langer Brief— Ein Kapitel, das im Ganzen wichtiger iſt, als es ſcheint. Die Seenen, durch welche ich den Leſer in der letz⸗ ten Zeit geführt habe, ſind keineswegs Abſchweifungen; weit mehr, als eine einfache Erzählung, beleuchten ſie die Laufbahn, der ich mich ſo ehrenvoll gewidmet habe. Verſchwendung— Weiber— Wein— Tarleton zum Freund— Lady Haſſelton zur Geliebten. O terque quaterque beatus! Laßt uns jetzt die Maske ablegen. Für Menſchen, welche von Natur ſehr warm und innig fühlen, iſt nichts ſo widerlich, ſo bis ins Herz hin⸗ ein läſtig, als die alltäglichen Liaiſons, oder die zuge⸗ ſtutzten Neigungen, welche die Eigenthümlichkeiten und Erzeugniſſe ver großen Welt ſind. Wir haben ſchon ge⸗ ſehen, wie Vögel mit unbeſchnittenen Flügeln von Kin⸗ dern an einem Stocke feſtgebunden wurden. Die Thier⸗ chen ſuchen zu enitfliehen, werden aber zurückgezogen, ehe ſie ihre Flügel recht ausgebreitet haben, bis ſie end⸗ lich ſich entweder an dem Ende des kurzen Fadens fort⸗ — die in der Phyſiognomie des zwanzigjährigen Jünglings ſo auffallend hervortraten, iſt in dem ruhigen, geſetzten, feſten, aber etwas ernſten Ausdrucke zu finden, der über die bleichere Farbe und die vorſpringenderen Züge des Mannes von etwa vier⸗ oder fünfunddreißig Jahren unbeweglich ausgegoſſen zu ſein ſcheint. Doch iſt im Ganzen das Geſicht auf dem letzteren Por⸗ trät ſchöner und durch die würdige, nachdenkende Miene ſelbſt noch ergreifender, als das auf dem zuerſt beſchriebenen Bilde. Der Herausgeber. währent mächtige und ver fliegen o geſtatter einer ſte chen; e Sklaver men un! gung od oder ab armſelig ten, ve ſignatio friedenh nicht t wenn fi endlich Wa die Zun einen be mit Ve ſtreuun Zeit au welchen dieſes( Stände für die geweile wahre Kapitel, der letz⸗ ungen; ten ſie t habe. n zum terque blegen. m und rz hin⸗ e zuge⸗ en und on ge⸗ n Kin⸗ Thier⸗ zogen, e end⸗ s fort⸗ nglings „feſten, leichere a vier⸗ zu ſein enPor⸗ e ſelbſt Bilde. während abmühen und vurch ihre Angſt und ihre un⸗ mächtige Ungeduld nur Lachen erregen, oder verſtockt und verzweifelt ſitzen bleiben, ohne auch nur ſo weit zu fllegen oder zu gehen zu verſuchen, als ihre Feſſeln ihnen geſtatten würden. So verhält es ſich mit den Gefühlen einer ſtarken, kräftigen Natur, von denen ich geſpro⸗ chen; entweder ſuchen ſie aus dem engen Kreiſe der Stlaverei, zu welchem ſie verdammt find, herauszukom⸗ men und machen ſich dann durch übertriebene Anſtren⸗ gung oder den Mangel entſprechender Kraft lächerlich, oder aber ſie bleiben bewegungslos und verdrießlich, die armſelige Gunſtbezeigung, die ſie noch benützen könn⸗ ten, verachtend, bis man ihre Verdrießlichkeit als Re⸗ ſignation auslegt und die Verzweiflung als ſtille Zu⸗ friebenheit erſcheint. Die Zeit heilt indeſſen, was ſie nicht tödtet, und der Vogel, wie das Herz, werden, wenn fie nicht Anfangs der Gram verzehrt, zahm und endlich ruhig. Was war für mich der Umgang mit Tarleton oder die Zuneigung der Lady Haſſelton? Ich hatte mich dem einen bequemt, die andere halb mit Verlangen, halb mit Verachtung geſucht. Dieſe Beide, ſo wie die Zer⸗ ſtreuungen, welche ſie mit ſich brachten, zehrten meine Zeit auf, und es gibt einen Geiſt der gemordeten Zeit, welchen wir Langeweile nennen. Die Verfolgungen vieſes Geſpenſtes ſind der beſondere Fluch der höheren Stände, und aus ihnen entſpringt ein gewiſſes Geſetz für die Leidenſchaften: Menſchen aus dieſen ſo der Lan⸗ geweile preisgegebenen Klaſſen der Geſellſchaft find für wahre Liebe entweder gänzlich unfähig, ober ſie liehen mit einer Innigkeit, welche den niederen Ständen fremd iſt; denn die Neigungen des Herzens zerſplittern ſich bei ihnen entweder gänzlich auf tauſend kleinliche Ge⸗ genſtände(ärmliche Verſuche, dem verfolgenden Ge⸗ ſpenſie zu entfliehen), oder das Herz, frühe von der Werthloſigkeit derſelben angeekelt, zieht ſich in ſich ſelbſt zurück und ſchmachtet nach etwas, das ſich in dem Schlen⸗ drian des alltäglichen Lebens nicht findet. Iſt dies der Fall, die Sehnſucht des Herzens einmal befriedigt, und der Gegenſtand der Liebe gefunden, ſo gibt es dann zwei mächtige Gründe, warum die Liebe ſo leidenſchaft⸗ lich genährt wird. Der erſte iſt die gänzliche Unthätig⸗ keit, in welcher das Leben der Großen dahinfließt und welche der Betrachtung ein geräumiges Feld darbietet, welche in ſicherer Folgereihe den ſchwächſten Wunſch zur heftigſlen Leidenſchaft reifen kann, und der zweite Grund iſt, daß die Abgeſchmacktheit und Leere aller ariſtokra⸗ tiſchen Beſchäftigungen und Vergnügungen den Reiz der Liebe entzückender und nothwendiger für die„ignavi terrarum domini“ macht, als für diejenigen Klaſſen der Geſellſchaft, welche auf sine nützlichere, anhalten⸗ dere und anziehendere Weiſe beſchäftigt ſind. Ermattet und überſättigt durch die Verfolgung des Werthloſen, verlangte mein Herz endlich mit all ſeiner Kraft nach etwas Reinem. Mit einer Zärtlichkeit, gegen welche ich anfangs ankämpfte, und die ich, nachdem ſie geſiegt, mir nur mit Erröthen bekannte, kehrte ich zu der Erinnerung an Iſora zurück. Und in der großen Welt, umgeben von Allem, was nach der allgemeinen Anſicht ſie vielleicht hätte aus meinem Gedächtniſſe ver⸗ vrängen ſie an, war, in macht. liebte, ti welche di Herrſcha die unge ſich eben dahin ſti ſchwande loren, d Strom f ekelten r begierde war mir — denn Art dieſ Hoffnun men, we geweſen Die reiche m hatten n Zerſtreu ſucht m unwürd weckte i Redner verſtärk Bult en fremd tern ſich iche Ge⸗ den Ge⸗ von der ſich ſelbſt Schlen⸗ dies der digt, und es dann enſchaft⸗ inthätig⸗ ließt und darbietet, unſch zur te Grund ariſtokra⸗ Reiz der „ignavi Klaſſen anhalten⸗ gung des all ſeiner eit, gegen chdem ſie te ich zu r großen gemeinen niſſe ver⸗ vrängen können, klammerte ſich mein Herz inniger an ſie an, als dies in der ländlichen Einſamkeit der Fall war, in welcher ſie den erſten Eindruck auf daſſelbe ge⸗ macht. Die Urſache war folgende: als ich ſie früher liebte, theilten andere Leidenſchaften— Leidenſchaften, welche der Liebe an Macht beinahe gleich kamen— die Herrſchaft mit ihr. Ehrſucht und Vergnügungsluſt— die ungeheuren Strudel für unſere Gedanken— hatten ſich eben einen Zugang in mein Gemüth errungen, und vahin ſtürzten ſich die Fluten meiner Wünſche und ver⸗ ſchwanden. Jetzt hatten die Strudel ihre Gewalt ver⸗ loren, die Dämme waren wieder aufgebaut, und der Strom jloß zurück in meine Bruſt. Die Vergnügungen ekelten mich jetzt an, und vas einzige Feld der Ehr⸗ begierde, auf dem ich mich bis jetzt herumgetummelt, war mir noch mehr entleidet. Ich ſage das einzige Feld — denn bis jetzt hatte die erhabenere und dauerndere Art dieſes Verlangens mich noch nicht gelockt, und die Hoffnung, welche Nemen und Rang deſſelben angenom⸗ men, war mehr die Hoffnung zu glänzen, als zu ſteigen geweſen. Dieſe Leidenſchaften, welche noch außer dem Be⸗ reiche meiner Erfahrung lagen, als ich Iſpra verlor, hatten mir damals einen ſchnellen Troſt und eine ſichere Zerſtreuung gewährt. Indem ich der vorſchnellen Eifer⸗ ſucht meines Gemüthes nachgab, indem ich Iſora für unwürdig und Gerald für meinen Nebenbuhler hielt, er⸗ weckte ich natürlich in meinem Stolze einen gewandten Redner und einen ſtarken Bundesgenoſſen. Dieſer Stolz verſtärkte nicht nur meine Neigungen, ſondern er ver⸗ Bulwer, Devereux 1. 15⁵ 226 blendete ſie auch durch ſeine Stimme, und erſt als mich die müde, tiefe Stille überſättigter Wünſche und zum Ekel gewordener Beſtrebungen befiel, fing ich an, die leiſe Sprache einer in meinem Herzen immer noch fort⸗ lebenden Liebe zu verſtehen. Ich ſah jetzt Iſora's Benehmen in einem anbern Lichte. Ich fing jetzt an zu zweifeln, wo ich früher ge⸗ glaubt hatte, und der Zweifel, mit welchem anfangs auch noch Furcht verbunden war, heiterte ſich nach und nach zur Hoffnung auf. Geralds Nebenbuhlerſchaft, wenigſtens ſeine Identität mit Barnard, und folglich ſeine Gen über Iſora erſchien mir als erwieſen, und wußte dies auch. Aber von welcher Art war dieſe Ge⸗ walt? Hatte mich nicht Iſora verſichert, daß es nicht Liebe ſei? Warum ſollte ich ihr nicht glauben? Ja, liebte ſie nicht mich ſelbſt? Hatte ſich nicht ihre Wange geröthet und ihre Hand gezittert, wenn ich ſie anredete? Waren dieſe Zeichen die Heuchelei der Liebe? Trugen ſie nicht vielmehr jene Farbe des Herzens; welche keine Kunſt erheucheln kann? Sie hatte erklärt, ſie könne nicht, ſie könne nie die Meinige werden; ſie hatte dies mit einem fürchterlichen Ernſte erklärt, der jede Hoff⸗ nung zu vernichten ſchien; hatte ſie aber nicht auch bei derſelben Zuſammenkunft geſtanden, daß ich ihr theuer ſei? Hatten nicht iht Lippen mir eine ſüßere, eine be⸗ redtere Verſicherung pifes Geſtändniſſes gegeben, als nur durch Worte?— und konnte ich die Hoffnung ver⸗ lieren, ſo lange noch Liebe da war? Sie hatte mich ver⸗ laſſen— ſie hatte mir auf ewig Lebewohl geſagt; dies war aber kein Beweis von Mangel an Liebe oder von Unwür einen C von** ſie mo nen Wi ſelbe vi leicht g ihretwi Vereini We Autorit welche litiſche wahrlic Umſtan erklärt weder: bekannt daraus Court maliger haben? lenden blicken die Tri hen unt den ſeir auf wel Innern in einen tals mich und zum han, die noch fort⸗ m anbern rüher ge⸗ anfangs nach und lerſchaft, d folglich eſen, und dieſe Ge⸗ es nicht en? Ja, re Wange anredete? Trugen lche keine ſie könne atte dies de Hoff⸗ auch bei hr theuer eine be⸗ ben, als ung ver⸗ nich ver⸗ igt; dies oder von unwürbigkeit. Gerald, oder Barnard, beſaß vffenbar einen Einfluß über Vater und Tochter. Ihre Abreiſe von*** mochte durch ihn veranlaßt worden ſein und ſie mochte dieſelbe beweint haben, während ſie doch kei⸗ nen Widerſtand entgegenſetzen konnte, oder hatte ſie die⸗ ſelbe vielleicht auch nicht beweint; ja, ſie hatte ſie viel⸗ leicht gewünſcht, dazu gerathen, um meinet⸗, wie um ihretwillen, wenn fie ſo feſt überzeugt war, daß die Vereinigung unſerer Herzen unmöglich ſei. Welcher Natur war aber dann die geheimnißvolle Autorität, welche Gerald über ſie ausübte? Diejenige, welche ihm über den Vater zuſtand, ließ ſich durch po⸗ litiſche Plane erklären; dieſe letzteren konnten aber doch wahrlich kein Gewicht bei ter Tochter haben. Dieſer umſtand mußte daher immer noch zweifelhaft und un⸗ erklärt bleiben. Eine Vermuthung, daß Gerald ent⸗ weder nicht der begünſtigte Liebhaber, oder daß er un⸗ bekannt mit ihrem Aufenthaltsorte ſein muſſe, ließ ſich daraus abnehmen, daß er ſich fortwährend in Devereux⸗ Court aufhielt. Wenn er Iſora liebte und ihren der⸗ maligen Wohnort kannte, würde er ſie nicht aufgeſucht haben? Konnte er, dachte ich, ferne von dieſem ſtrah⸗ lenden Antlitze leben, wenn er nur einmal in daſſelbe blicken durfte, es müßte denn(ſchrecklicher Gedanke!) die Trübung ſchuldbefleckter Vertraulichkeit darüber ru⸗ hen und Gleichgültigkeit die Folge des Beſitzes gewor⸗ den ſein. War aber dieſes zarte, jungfräuliche Geſicht, auf welchem, in übereinſtimmung mit dem Wechſel im Innern, jede Veränderung hervortrat— wie die Schatten in einem Thale die Wolken des Himmels zurückwerfen— 228 war dieſes Geſicht, vas ſo aufrichtig, ſo mädchenhaft jede, ſelbſt die unbedeutendſte, die vorübergehendſte Emvfindung zurückſtrahlte, das Antlitz einer verhärte⸗ ten Betrügerin, einer mit der Schande Vertrauten? Aller dings iſt das Antlitz nur ein unſicherer Spiegel; aber welcher Mann, der die Weiber ſtudirt hat, wird nicht zugeben, daß, wenigſtens ſo lange der Duft der erſten Jugend noch nicht abgeſtreift iſt, in Auge und Wange einer reinen, unbefleckten Unſchuld etwas liegt, das ſelbſt den Genuß geſeslicher Liebe nicht überdauert und in einem ſchuldbefleckten Antlitze auch nicht eine ſchattenhafte, unvollkommene Ahnlichkeit findet? über⸗ dies, hätte ſich in Iſora's Bruſt hinſichtlich meiner ein mehr weltliches, feiles Gefühl eingeſchiichen, würde ſie ſich da wohl der Bewerbung des älteſten Sprößlinges aus dem reichen Hauſe der Devereur entzogen haben? — und hätte ſie, arm und verlaſſen, die Tochter eines Fremdlinges, eines Verbannten, hätte ſie freiwillig die Hoffnung auf eine Verbindung aufgegeben, welche zu begehren Mädchen aus den vornehmſten Häuſern Eng⸗ lands nicht verſchmäht haben würden? Alſo verwirrt und unzuſammenhängend, aber eben ſo innig nach ihrem Bilde und deſſen von mir geglaubter Reinheit ſchmach⸗ tend, reihten ſich meine Gedanken täglich und ſtündlich aueinander, und in vemſelben Verhältniſſe, als ich die gewöhnlichen Bande allmählig von mir abſtreifte, knüpf⸗ ten ſich ſolche Betrachtungen um ſo inniger an dieſes Band, das, wenn auch hinausgeworfen aus dem reich beladenen Schiffe fröherer Hoffnung, doch noch immer unzertrennlich an deſſen Anker feſthielt. lieber geleſen. durchtr Stadt einigen wickelſt innerſt Deiner hatte, drücken. ſpräche Du Far „ Al Sohn, Botſch Vögel, ausflieg dem lat dem S⸗ ſelbſt ſi jetzt abe Jungen Brüder noch Ze rathen: derer d alter es chenhaft ehendſte erhärte⸗ rauten 7 Spiegel; t, wird uft der uge und as liegt, erdauert cht eine ? über⸗ iner ein ürde ſie ößlinges haben7 er eines illig die elche zu rn Eng⸗ erwirrt ch ihrem chmach⸗ tündlich s ich die „knüpf⸗ n dieſes em reich immer In dieſer Zeit wiederauflebender Liebe erhielt ich folgenden Brief von meinem Oheime: „Ich danke Dir für Deinen langen Brief, mein lieber Junge; ich habe ihn dreimal mit großer Freude geleſen. Potz Fiſch, Morton, ich fürchte, Du biſt ein durchtriebener Schelm, denn Du ſcheinſt alle Wege der Stadt eben ſo gut zu kennen als Dein alter Oheim vor einigen und dreißig Jahren! In Deinen Briefen ent⸗ wickelſt Du eine recht artige Menſchenkenntniß. Du er⸗ innerſt mich an den kleinen Sid, der etwa gerade in Deiner Größe war und ebenſo eine neite, launige Art hatte, ſich in Gleichniſſen und Stachelworten auszu⸗ drücken. Ach, man ſieht wohl, daß Du Dir die Ge⸗ ſpräche Deines alten Oheimes zu Nutze gemacht und daß Du Farquhar und Etherege nicht umſonſt ſtudirt haſt. „Aber ich habe traurige Nachrichten für Dich, mein Sohn, oder vielmehr es iſt traurig für mich, Dir ſolche Botſchaft mitzutheilen. Es iſt betrübt für die alten Vögel, in ihrem Neſte zu bleiben, wenn die Jungen ausfliegen; aber es iſt luſtig für die jungen Vögel, von dem langweiligen, alten Baume wegzukommen und in dem Sonnenſcheine umherzuflattern— luſtig für ſie, ſelbſt ſich zu paaren und Junge zu bekommen. Glänbe jetzt aber nicht, Morton, weil ich vom Paaren und von Jungen ſpreche, werde ich Dir jetzt mittheilen, Deine Brüder haben ſich ſchon verheirathet; nein, dazu iſt es noch Zeit genug, und ich bin nicht ſehr für frühe Hei⸗ rathen und, offen geſtanden, auch kein großer Bewun⸗ derer dieſer heiligen Feierlichkeit, in welchem Lebens⸗ alter es ſein möge; ich mag wohl hiefür meine beſondere 230 Gründe haben, doch würde es hier zu ſehr auffallen, wenn ich Dir dieſelben mittheilen wollte. überdies fürchte ich, meine jüngeren Tage fielen in eine verderbte Zeit— eine ſchrecklich verderbte Zeit— und wir lachten ſo lange über den Eheſtand, bis, hol' mich der Henker, Einige von uns fanden, daß es darum durchaus nichts Lächerliches ſei. „Aber um zurückzukehren, Morton— und wieber von Deinen Brüdern zu ſprechen— ſo haben mich Beide verlaſſen, und das Haus ſcheint mir gar nicht mehr das gute alte Haus als zu der Zeit, wo ihr Alle um mich verſammelt waret, und woher es nun kommen mag, ich blicke jetzt öfter nach dem Kirchhoſe, als ich wohl ſonſt thun mochte. Ihr ſeid jetzt Alle fort— Alle aufge⸗ ſchoſſen und Männer geworden, und wenn Euch Euer alter Oheim nicht mehr ſieht, und daran denkt, daß alle ſeine eigenen Jngendgenoſſen dahingegangen ſind, ſo kann er nicht umhin, zu ſagen, wie William Temple, der arme Kerl, einmal ſo hübſch ſagte: Mich däucht es wie eine Unart von meiner Seite, daß ich noch am Leben bin. Du gingſt zuerſt, Morton, und ich vermißte Dich mehr als ich Dir gerne ſagte; aber Du warſt immer ein guter Junge gegen Diejenigen, welche Dich liebten, und ſchreibſt dem alten Ritter luſtige Briefe, die ihn lachen und glauben machen, er ſei wieder jung— (meinet Treu, Junge, das war eine hübſche Geſchichte von den drei Squires bei Button!)— und jede Woche einmal kommt Dein wohlgefülltes Paket, als ob es keine Aufgabe für Dich wäre, mich glücklich zu machen, wie dies durch Deine Briefe immer geſchieht, und als hielteſt grauen welche 2 daß mir übergege ich Dei und Du — eine abzulege etwas z Jungen Oheime Morton ſagte ſi viel an ten Ver beſt. N aber da es aus „N ten Aul eigenhä einen harte 2 Gerald austras Gotts Aubrey und be haſt, n ffallen, tberdies erderbte lachten Henker, s nichts dwieder ch Beide nehr das um mich nag, ich ohl ſonſt eaufge⸗ ch Euer t, edaß en ſind, Temple, hdäucht noch am ermißte ſtimmer liebten, die ihn ung— eſchichte e Woche s ob es machen, und als hielteſt Du es für keine Schande, daß ich trotz meiner grauen Haare noch an denſelben Dingen Freude habe, welche Dich ergötzen! So ſiehſt Du wohl, mein Sohn, daß mir Deine Abweſenheit noch ſo ziemlich leidlich vor⸗ übergegangen iſt, außer daß ich Niemand hatte, dem ich Deine Briefe hätte vorleſen können, denn Gerald und Du, Ihr ſeid noch immer eiferſüchtig auf einander — eine große Sünde von Dir, Morton, die ich Dich abzulegen bitte. Und Aubrey, der arme Schelm, iſt etwas zu ſtreng für ſein Alter, und es ſteht dem guten Jungen nicht wohl an, wenn er über die Poſſen ſeines Oheimes den Kopf ſchüttelt. Deiner Mutter endlich, Morton, las ich einen Deiner Briefe vor, und darauf ſagte ſie, Du ſeieſt ein gottloſer Sünder, weil Du ſo viel an dieſe verderbte Welt denkeſt und Deinem bejahr⸗ ten Verwandten in einem ſo vertraulichen Tone ſchrei⸗ beſt. Nun bin ich zwar kein junger Mann, Morton, aber das Wort bejahrt klingt ſcharf, beſonders wenn es aus dem Munde einer Dame kommt. „Nun, nachdem Du einen Monat fort warſt, mach⸗ ten Aubrey und Gerald, wie ich Dir in meinem letzten eigenhändigen Briefe ſchon vor geraumer Zeit ſagte, einen kleinen Ausflug zuſammen, und dies war eine harte Zeit für mich. Aber nach einigen Wochen kehrte Gerald zurück, und ich ließ mich in meiner Sänfte hin⸗ austragen, um den guten Jungen ſchießen zu ſehen— Gotts Tod, Morton, er geht brav mit der Flinte um. Aubrey kam ſpäter allein zurück; aber er ſah bekümmert und betrübt aus und ſchloß ſich ein; da Du ihn ſo lieb haſt, wollte ich Dir nicht ſagen, wie ſehr er mich beun⸗ 232 ruhigte, bis jetzt, wo er wieder ganz munter iſt. Das arme Kind hängt zu ſehr an ſeinen Gebeten und ſcheint zu vergeſſen, daß die Hoffnung auf die künftige Welt uns ſchon in dieſer glücklich machen ſollte. Nun, Mor⸗ ton, es verließ uns endlich Aubrey vor zwei Monaten wieder, und Gerald trat in der vergangenen Woche eine Reiſe durch das Schweſterreich an, wie man es nennt. Wahrlich, Junge, wenn Schottland und England Schwe⸗ ſterreiche find, ſo iſt es Jammerſchade für Schottland, daß ſie nicht zu gleichen Theilen erbten. „Ich würde Dir dieſe Nachrichten früher mitge⸗ theilt haben; allein ich hatte, wie Du weißt, die Gicht ſo teufelmäßig in meiner Hand, vaß ich noch geſtern keine Feder halten konnte— und der alte Nicholls, mein Schreiber, iſt nur ein armſeliger Sekretär; auch mochte ich den Hund Dir nicht über alle unſere Fami⸗ lienangelegenheiten ſchreiben laſſen— beſonders da ich Dir ein Geheimniß zu eröffnen habe, das mich verteu⸗ felt unruhig macht. Du mußt wiſſen, Morton, daß Gerald nach Deiner Abreiſe mich um Deine Zimmer bat, und obwohl ich nicht gerne ſah, daß ein Anderer das haben ſollte, was Dir angehört, ſo hatte ich doch immer einen närriſchen Widerwillen, Nein! zu ſagen. So bekam ſie denn Dein Bruder unter der Bedingung, ſie ganz in ihrem bisherigen Zuſtande zu laſſen und ſie Dir alsbald abzutreten, wenn Du zurückkommeſt und dieſelben anſprecheſt. Nun, Morton, als Gerald mit Deinem jüngeren Bruder abgereist war, ſagte mir der alte Nicholls— Du weißt, er iſt ein geſchwätziger Burſche— eines Abends, ſein Sohn Hugh— Du er⸗ innerſt 2 — habe ſchlender höhle ko: gegenübe bei mehr Montret ſehr unr Gerald mit dem Nicholls Ende det dem es 1 noch ein⸗ nicht dm Bruder den Sch zu frech bleibe, ihm, je von ſein weiteren Dein B an, alle „Ni zweitenr ſchied v ſagen, der Tre Montre iſt. Das d ſcheint ige Welt n, Mor⸗ Monaten oche eine s nennt. Schwe⸗ ottland, mitge⸗ ie Gicht geſtern Nicholls, ir; auch e Fami⸗ es da ich verten⸗ on, daß Zimmer Anderer ich doch u ſagen. ingung, und ſie teſt und ald mit mir der wätziger Du er⸗ 233 innerſt Dich des Hugh, eines langen, mageren Jungen — habe, als er eines Abends an der Küſte umherge⸗ ſchlenbert, einen Mann in einem Mantel aus der Schloß⸗ höhle kommen, eines der Boote losbinden und nach der gegenüber liegenden Inſel rudern ſehen. Hugh ſchwört bei mehr, als nur Ja und Nein, der Mann ſei Vater Montreuil geweſen. Nun, Morton, machte mich dies ſehr unruhig, und ich begriff, warum Dein Bruder Gerald Deine Zimmer haben wollte, die ſo heimlich mit dem Meere in Verbinduug ſlehen. Ich ſagte daher Nicholls liſtig, er ſolle das große, eiſerne Thor am Ende des Durchganges ſorgſältig verſchließen, und nach⸗ dem es verſchloſſen war, ließ ich über das ganze Schloß noch eine eiſerne Platte machen, damit der dürre Jeſuit nicht durch das Schlüſſelloch ſchlüpfen könnte. Als Dein Bruder zurückkam, erzählte ich ihm ein Mährchen von den Schmugglern, welche wirklich in neuerer Zeit gar zu frech würden, und beſtand darauf, daß das Thor ſo bleibe, wie ich angeordnet hatte; überdies ſagte ich ihm, jedoch durchaus nicht ſo, als vermuthe ich etwas von ſeinem Verkehre mit dem Pfaffen, daß ich allen weiteren umgang mit dieſem Gliede der Kirche verbiete. Dein Bruder hörte mich mit leidlich ſaurem Geſichte an, allein ich blieb unbeweglich, und die Sache ging hin. „Nun, mein Sohn, den Tag, ehe uns Gerald zum zweitenmale verließ, wollte ich in ſeinem Zimmer Ab⸗ ſchied von ihm nehmen— um Dir die Wahrheit zu ſagen, ich hatte ſein Reiſegeld vergeſſen— als ich auf der Treppe des Thurmes war, hörte ich— bei Gott— Montreuils Stimme ſo deutlich in dem vorderen Zimmer, 234 als ich ſie je beim Gebet gehört hatte. Potz Fiſch, Mor⸗ ton, ich gerieth in Zorn und ging ſo haſtig auf die Thüre zu, daß mein Fuß unterwegs ausglitt; Dein Bruder hörte mich fallen und kam heraus— aber ich ſah ihn an, wie ich Dich nie angeſehen habe, Mortyn, und trat in das Zimmer. Siehe da! der Pfaffe war fort; ich durchſuchte beide Zimmer vergebens; ich hieß alſo Deinen Bruder die Fallthürs aufheben und ein Licht anzünden, und durchſuchte das untere Zimmer und den Gang. Der Pfaffe war nicht zu ſehen. Du weißt, Morton, es hat der Gang nur eine Thüre, und dieſe war, wie ſchon geſagt, verſchloſſen; wo alſo beim Teufel— ja beim Teufel— konnte Dein Lehrer hin⸗ ausgekommen ſein? Auf der Treppe hätte er nicht an mir vorüber gekonnt, ohne daß ich ihn geſehen hätte; das Fenſier konnte er nicht zu ſeiner Flucht benützt haben, ohne daß er den Hals gebrochen hätte, aus dem Gange konnte er nicht gekommen ſein, außer er hätte ſich in Luft verwandelt! Potz Fiſch, Morton, das könnte einen elügeren Mann als Deinen Oheim in Velegenheit brin⸗ gen. Gerald ſtellte ſich äußerſt entrüſtet über meinen Verdacht; allein, Gott vergebe es ihm, ich ſah, daß er eine Rolle ſpielte. Man ſchreibt nicht ſelbſt Koms⸗ vien, mein Sohn, ohne einen ſcharfen Blick in der⸗ gleichen kleinen Intriguen zu bekommen, und überdies iſt es unmöglich, daß ich mich in der Stimme Deines Lehrers geirrt hätte, die, um ihr Gerechtigkeit wider⸗ fahren zu laſſen, muſikaliſch genug und die eigenthüm⸗ lichſte Stimme iſt, die ich je hörte— ausgenommen die des kleinen Sid. „4 P daß, als i de Gramr einer mele ton, der Waſſer d Sedley, ſtrahle ſie andern G ſprich eit ſagte Gra Schurke, was iſt he ſtandes? dens?““ „„und S Sinnbild verſichere „„Wie! Friedens Du unte das Ho Scherzen dem ich r es doch g thun— „Po heraus g mer zur * Ein ire, und nicht an n hätte; st haben, n Gange e ſich in ite einen eit brin⸗ meinen ah, daß Komö⸗ in der⸗ überdies Deines t wider⸗ enthüm⸗ nommen 235 „A propos vom kleinen Sid. Ich erinnere mich, daß, als ich einmal in der Mall“ allein ſpazieren ging⸗ de Grammont und Sid mir begegneten. Ich war in einer melancholiſchen Stimmung—(Gotts Tod, Mor⸗ ton, der Eheſtand macht einen Mann zahm, wie das Waſſer die Maus)—„„Ach, Sir William,““ rief Sedley,„„es ſchwebt eine Wolke über Dir— bitte, ſtrahle ſie hinweg; ſiehe, Deine Frau ſcheint von dem andern Ende der Mall auf Dich herüber.““„„Ach, ſprich einem Sterbenden nicht von ſeiner Arznei!““ ſagte Grammont—(dieſer Grammont war ein widriger Schurke, Morton). Sagen Sie mir doch, Sir William, was iſt hauptſächlich das bezeichnende Merkmal des Ehe⸗ ſtandes? iſt es ein Stand des Krieges oder des Frie⸗ dens?““„„Oh, des Friedens gewiß!““ rief. Sedley⸗ „„und Sir William und ſeine Gattin tragen ja das Sinnbild an ſich.““„„Wie?““ rief ich— denn ich verſichere Dich, Morton, ich war ganz anderer Anſicht. „„Wie!““ ſagte Sid ernſt,„„nun das Sinnbild des Friedens iſt das Füllhorn, welches Deine Frau und Du unter ſich theilen— ſie trägt die Fülle, und Du das Ho—““ Nein, Morton, nein, ich kann den Scherz nicht ausſchreiben, denn von dem kleinen Sib, dem ich mit Herz und Beutel ein Bruder geweſen, war es doch gewiß nicht recht, mir ſo ſchmerzlich wehe zu thun— aber ſo machen es die Spaßmacher. „Potz Fiſch, wie bin ich jetzt aus meiner Geſchichte heraus gekommen! Nun, ich ging nicht auf mein Zim⸗ mer zurück, Morton, bis ich die eiſerne Thüre unter⸗ * Eine Straße in London. Der Ueberſ. . 235 ſucht und geſehen hatte, daß die Platte ſo feſt als je war; ſo, jetzt haſt Du Alles. Gerald reiste den folgen⸗ den Tag ab, und ich fürchte ſehr, er möchte ſchon in einer Jakobitenſchlinge ſtecken. Theile mir doch Deinen Rath über dieſe Sache mit. Inzwiſchen habe ich doch die Vor⸗ ſicht gebraucht, die Fallthüre wegzunehmen und die Offnung ſtark mit Brettern überdecken zu laſſen. „Aber es iſt Zeit, aufzuhören. Ich war vier Tage über dieſem Briefe, denn die Gicht ſucht mich jetzt öfter heim, als ehedem, und ich weiß nicht, wenn ich Dir wieder eigenhändig ſchreiben kann; ſo nahm ich mir vor, meinen ganzen Vorrath auf einmal auszukramen. Deine Mutter iſt wohl und blühend; gegenwärtig iſt ſie un⸗ aufhörlich mit einer reichen Stickerei beſchäftigt, die, wie mir der alte Nicholls ſagt, das Wunder aller weib⸗ lichen Arbeiten iſt. „Der Himmel ſegne Dich, mein Kind! Nimm Dich in Acht und ſei mäßig im Trinken. Es iſt in Deinem Alter ſchädlich, auf einen Sitz mehr, als eine Gallone zu trinken. Noch einmal, der Himmel ſei mit Dir; wenn das Wetter wärmer wird, mußt Du mit Deinen freundlichen Augen zu mir kommen, daß ich mich wieder ſo recht zu Hauſe fühle. Gegenwärtig hat das Land ein freudeloſes Anſehen, und Alles um uns her iſt rauh und kalt, ausgenommen das ſchlichte, wenig nützende Herz Deines Oheims, das Winter und Sommer gleich warm für Dich ſchlägt. William Devereux.“ „N. S. Ich danke Dir herzlich für den kleinen Wachtelhund von der neuen Zucht, den Du mir von der Herzogin von Marlborvugh beſorgteſt. Er hat das ſchönſte die es gibt ein Weib und ich ka ſo werde buhler, D Dieſe heit, Sch Schreiben zum Nach daß Geral die verbat genommer die politif von d'Al Verheiml daß irgen flochten w mit Mon Wiederei zugeſtand Letztere i leicht zu in einer nen Rath die Vor⸗ und die ſt ſie un⸗ tigt, die, Uer weih⸗ mim Dich Deinem Gallone tit Dir; t Deinen ch wieder Land ein rauh und de Herz ch warm ur. kleinen nir von hat das 237 ſchönſte Roth und Weiß und die ſchwärzeſten Augen, die es gibt. Aber der arme Ponto iſt ſo eiferſüchtig wie ein Weib, die noch keine drei Jahre verheirathet iſt, und ich kann nicht ſehen, wie das alte Thier ſich quält; ſo werde ich denn das kleine Geſchöpf, ſeinen Neben⸗ buhler, Deiner Mutter überlaſſen.“ Dieſer Brief, welcher die Vereinigung von Einfach⸗ heit, Scharfſinn und überfließender Herzensgüte in dem Schreibenden ſo genau bezeichnet, gab mir vielen Stoff zum Nachdenken. In meinem Innern blieb kein Zweifel, daß Gerald und Montreuil in irgend einen Anſchlag für die verbannte Königsfamilie verwickelt ſeien. Der an⸗ genommene Name, unter welchem der Erſtere auftrat, die politiſchen Gründe, welche nach dem Geſtändniſſe von d Alvarez Barnard, oder vielmehr Gerald, zur Verheimlichung hatte, und welche wenigſtens bewieſen, daß irgend ein politiſcher Plan, in welchen Gerald ver⸗ flochten war, dem Spanier bekannt war, in Verbindung mit Montreuils Ausdrücken, welche alle einen Plan zu Wiedereinſetzung der vertriebenen Herrſcherlinie beinahe zugeſtanden, und die Macht, welche, wie ich wußte, der Letztere über Gerald beſaß, deſſen eben ſo kühner als leicht zu erregender Sinn, durch die Abenteuerlichkeit der Intrigue angezogen, ſich gern Montreuils Einflüſte⸗ rungen über deren Natur fügte— dieſe Umſtände zu⸗ ſammengenommen, ließen in mir keinen Zweifel über eine Sache, bei welcher die Ehre unſers Hauſes in ſo hohem Grabe, ja ſogar des Leben eines Gliedes aus demſelben betheiligt war. Indeſſen fiel mir nichts ein, was ich hätte thun können, um Montreuils Plane zu vernichten und die Gefahr für Gerald aus dem Wege zu räumen. Gleich heftig in meinem Zorn, wie in meiner Liebe, ſagte ich zu mir ſelbſt:„Was liegt daran, ob Einer, den die Bande des Bluts mir nie ſehr geneigt machten, mit dem ich von meiner Kindheit an wie mit einem Feinde gerungen, was liegt daran, ob ein Solcher Ruhm voder Tod in dem gefährlichen Spiele findet, in welches er ſich eingelaſſen?“ Von dieſer ſo edeln und höchſt brüberlichen Anſicht der Sache wandte ich mich zu dem Gedanken, ob die Aufſuchung oder die Geſellſchaft Iſora's wohl auch theilweiſe Schuld an Geralds Ab⸗ weſenheit von Hauſe ſein mochten. Nach einem frucht⸗ loſen, zu keinem Reſultate führenden Nachdenken hier⸗ über nahmen meine Betrachtungen eine minder ſelbſt⸗ ſüchtige Wendung und verweilten mit der ganzen Sanft⸗ muth des Mitleidens und der Beſorgniß der Liebe bei dem kränkelnden Temperamente und den beſchaulichen Andachtsübungen Aubrey's. Was ließ ſich für ein Ge⸗ müth, das den irdiſchen Freutben bereils ſo fremd ge⸗ worden, das von abergläubiſchen Mißverſtändniſſen des wahren Weſens Gottes und des wahren Zweckes ſeiner Geſchöpfe ſo verfinſtert war— was ließ ſich da Anderes vorausſehen, als vergeudete Kräfte und ein verkehrtes Leben? Ach! wann werden die Menſchen den Untei⸗ ſchied zwiſchen Religion und Prieſtertücke einſehen? wann werden ſie einſehen, daß die Vernunft, weit ent⸗ fernt, die Religion durch ein flimmerndes Licht zu ver⸗ nichten, gerade all ihre Helle derſelben zuwendet? wann werden ſie einſehen, daß Nichts, was dem Verſtand zu⸗ widerläuft, der Tugend gefällig iſt, und daß die Tugend ſelbſt blo ſeligkeit Geſetzgel nen Stal Erde ſch Orte den und dort errichten. ſchätzbare Stab; di hörlich z Boden d Wiberſta und unſe: Ein kurzes Liebe bei chaulichen r ein Ge⸗ fremd ge⸗ niſſen des kes ſeiner Anderes erkehrtes n Untei⸗“ inſehen? weit ent⸗ zu ver⸗ t? wann tand zu⸗ Tugend 239 ſelbſt bloß dadurch Werth bekommt, daß ſie zur Glück⸗ ſeligkeit führt? Nach einer Mythe erhielt ver erſte Geſetzgeber der Peruauer von der Gottheit einen golde⸗ nen Stab, mit dem er auf ſeinen Wanterungen auf die Erde ſchlagen ſollte, bis dieſe an einem beſtimmten Orte denſelben ganz verſchlingen würde, und dort— und dort allein— ſollte er der Gottheit einen Tempel errichten. Was iſt dieſe Fabel, als die Hülle einer un⸗ ſchätzbaren Moral? Unſere Vernunft iſt der goldene Stab; die weite Welt ver Wahrheit liefert den unauf⸗ hörlich zu unterſuchenden Boden, und nur, wo dieſer Boden den Stab, der uns führte und leitete, ohne Wiberſtand in ſich aufnimmt, wird unſer Altar heilig, und unſere Verehrung angenehm ſein. Zehntes Kapitel. Ein kurzes Kapitel, das tin höchſt wichtiges Ereigniß enthält. Sir William's Brief war mir noch friſch im Ge⸗ dächtniſſe, als ich in Ermangelung eines minder edeln Ortes, wohin ich in meiner Langeweile hätte gehen können, mich zu St. John begab. Als ich durch die Vorhalle nach ſeinem Zimmer ging, ſchritten zwei Männer, die er eben entlaſſen, raſch an mir vorüber; den Einen kannte ich nicht, über den Andern aber war ich nicht im Zweifel— es war Montreuil. Ich war ungeheuer überraſcht; der Prieſter ſchien mich nicht zu bemerken, eilte in leiſem, aber dem Anſcheine nach leb⸗ haftem Geſpräche mit ſeinem Begleiter an mir vorüber 240 und verſchwand durch die Hausthüre. Ich trat in St. John's Zimmer; er war allein und empfing mich mit ſeiner gewöhnlichen Heiterkeit. „Verzeihen Sie, Herr Staatsſekretär,“ ſagte ich, „wenn es keine Staatsangelegenheiten betrifft, theilen Sie mir voch mit, was Sie über den Größeren der beiden Herren wiſſen, welche Sie ſo eben verließen?“ „Es betrifft eine Staatsangelegenheit, mein lieber Devereur, und ſomit muß meine Antwort kurz ſein— ſehr wenig.“ „Sie wiſſen, wer er iſt?“ „Ja, ein Jeſuit, und zwar ein erſtaunlich ſchlauer, ver Abbe Montreuil.“ „Er war mein Lehrer.“ „Ja, das habe ich gehört.“ „Und Ihre Bekanntſchaft mit ihm iſt in der That nur hona ſide politiſcher Natur?“ „In der That nur bona fide.“ „Ich könnte Ihnen Etwas über ihn ſagen; er ſteht gewiß in Dienſten des Hofes von St. Germain und iſt ein ſchrecklicher Ränkeſchmied auf dieſer Seite des Kanals.“ „Wohl möglich, aber ich wünſche keine Auskunft über ihn.“ Eine große politiſche Tugend beſaß St. John, und nie habe ich einen Staatsmann gekanut, dem ſie in ſo hohem Grade eigen war; es war die gänzliche Unterſchei⸗ dung zwiſchen Freunden des Staatsmannes und Freun⸗ den des Menſchen. Ungeachtet ich mit St. John auf dem vertrauteſten Fuße ſtand, konnte ich doch nie ein einzi⸗ ges politiſches Geheimniß aus ihm. herausbringen, bis ich mich in politiſchen auch jetzt und erſt al berühmte ich, was de und warun lichkeit bel meinem B gegen St. das Geſpr dieſe mein ſagten, ſta * Es i die Mittheil tenden ſelbſ Unterhandlu immer noch jener Zeit. handlungen ſteht ſo übe fübren brau Schuld frei Wohl der 2 ten, als r der geſunde Blicke von muß,— G und dem fr Zweck jeder Großen unl würden, hé des Menſc Bulwe gie ich, er That er ſteht id iſt ein kanals.“ luskunft hn, und ſie in ſo terſchei⸗ Freun⸗ auf dem n einzi⸗ en, bis 241 ich mich in einer ſpätern Periode einem Thelle ſeiner politiſchen Plane wirklich anſchloß. So fand ich ihn denn auch jetzt ganz unerſchütterlich gegen meine Fragen; und erſt als ich erfuhr, Montreuil's Begleiter ſei der berühmte Intriguant Abbe Gaultier geweſen, begriff ich, was der Pfaffe hei St. John zu thun haben mochte, und warum er von Abigail Maſham mit ſolcher Höf⸗ lichkeit behandelt worden.“ Da ich mich endlich zu meinem Vedauern genöthigt ſah, von jedem Verſuche gegen St. John's Zufriedenheit abzuſtehen, ließ ich ihn das Geſpräch auf andere Gegenſtände bringen, und da dieſe meiner augenblicklichen Stimmung nicht ſehr zu⸗ ſagten, ſtand ich bald auf, um mich zu entfernen. * Es iſt hier von der Zeit die Rede, wo Graf Devereur die Mittheilungen und Eröffnungen des Prieſters von dem Prä⸗ tenden ſelbſt erſuhr. Wie weit ſich Bolingbroke's geheime Unterhandlungen mit dem vertriebenen Fürſten erſtreckten, iſt immer noch einer der dunkelſten Abſchmtte in der Geſchichte jener Zeit. Daß aber ſehr ausgedehnte und ſehr geheime Unter⸗ handlungen von Harley, wie von St. John gepflogen wurden, ſteht ſo über allem Zweifel, daß ich es hier nicht noch anzu⸗ fübren brauche. Ob dieſe Unterhandlungen wirklich nicht von Schuld frei waren— d. h. ob eine vernünftige Polittk und das Wohl der Nation dieſelben nicht in demſelben Grade verlang⸗ ten, als rechtfertigten— iſt eine Frage, deren Entſcheidung der geſunden Kaſuiſtik und dem klaren, unparte iſchen, tiefen Blicke von Geſchichtſchreibern, wie Galliculus überlaſſen bleiben muß,— Galliculus, dieſem Vertheidiger der Whiggrundſätze und dem freiſinnigen Publiciſten, deſſen Schriften den wahren Zweck jeder politiſchen Parteiuung— die Verleumdung der Großen und die Erhebung der Kleinen ſo wunderbar erfüllen würden, hätte nicht der Groll des Advokaten durch die Schwäche des Menſchen ſein Gift verloren. Der Herausgeber. Bulwer, Devereur. I. 16 242 „Halt, Graf,“ rief St. John,„werben Sie hente reiten?“ „Wenn Sie mir Geſellſchüft leiſten wollen.“ „Volontiers— die Wahrheit zu ſagen, wollte ich Sie eben bitten, Ihren Braunen vorerſt mit mir nach den Frühlingsgärten* galoppiren zu laſſen, wo ich dem Direktor eine Zuſage zu machen habe; und dann mich auf einem Gange der Nächſtenliebe zu einem armen Frem⸗ den von Stand und Geburt zu begleiten, der in ſeiner gänzlichen Unbekanntſchaft mit unſerem Lande es für gut fand, ſich mit einigen klugen Köpfen in ein Com⸗ plot einzulaſſen und dieſes einigen albernen Zungen anzuvertrauen, welche es mit einem ſolchen Lärm zu uns brachten, als wäre es eine zweite Pulververſchwö⸗ rung. Ich brachte ihn leicht aus dieſer Schlinge und bin jetzt im Begriffe, zu ihm zu gehen, um ihm eine War⸗ nung für die Zukunft zu geben. Der arme Mann iſt, wie ich höre, in ſchwerer Geldverlegenheit, und ich war immer gefällig gegen Verbannte. Wer weiß, ob nicht auch uns noch Verbannung bevorſteht! und dieſer Fremdling ſtammt aus einem ſo guten Geſchlechte, wie das von St. John oder Devereur. Die res augusta domi muß ihn ſchmerzlich drücken!“ „Gewiß,“ ſagte ich langſam,„wie heißt wohl der Fremde?“ „Nun— beklagen Sie ſich künftig nicht mehr, daß ich Ihnen keine Staatsangelegenheiten anvertraue— ſch will den Namen nennen— d'Alvarez— Don Diego — ein Hibalgo von dem beſten Blute Andaluſiens, der * Vauxh⸗ll. vemſelben,( keine Schant immer der b — wird Ih „Nein, „Nie!“ Bei die ſchauer, den lich ſeiner Gründe zu „St. ihn genau Können S mich Ihre! er Unterſtü den, ſich e nicht zulaſſ lichen Frey ſo ſchöne dern zu ve „Eh b erweiſen z ſeine Wol Sagen S aber ſagen jede Verb ces gens chen Sich ben in H Nicht aug und bin te War⸗ ann iſt, ich war b nicht dieſer te, wie ugusta ohl der r, daß me— Diego is, der vemſelben, glaube ich, durch den Gebrauch des Degens keine Schande machen würde, wenn auch ſein Rath nicht immer ver beſte ſein meg. Aber— Himmel! Devereur — wird Ihnen übel?“ „Nein, nein Haben Sie dieſen Mann je geſehen?“ „Nie!“ Bei dieſem Worte vurchfuhr mich ein Freuden⸗ ſchauer, denn ich wußte, wie berühmt St. John hinſicht⸗ lich ſeiner Galanterie war, und ich beargwohnte die Gründe zu dieſem ſeinem Beſuche. „St. John, ich kenne dieſen Spanier— ich kenne ihn genau und ſtehe auf vertrautem Fuße mit ihm. Können Sie nicht mir Ihr Geſchäft übertragen und mich Ihre Warnung ausrichten laſſen? Von mir dürfte er Unterſtützung annehmen; von Ihnen, einem Frem⸗ den, ſich eine ſolche reichen zu laſſen, könnte ſein Stolz nicht zulaſſen; ja Sie würden mir ſelbſt einen weſent⸗ lichen Freundſchaftsdienſt erweiſen, wenn Sie mir eine ſo ſchöne Gelegenheit geben wollten, mich einem An⸗ dern zu verbinden.“ „Eh bien! Es freut mich, Ihnen einen Gefallen erweiſen zu können. Hier iſt ſeine Adreſſe; Sie ſehen, ſeine Wohnung iſt in einer ſehr ärmlichen Vorſtadt. Sagen Sie ihm von mir, daß er jetzt ganz ſicher iſt, aber ſagen Sie ihm auch er ſolle fortan jede Untlugheit, jede Verbindung mit Pfaffen, Ränkeſchmieden et tous ces gens-läà vermeiden, wenn ihm an ſeiner perſönli⸗ chen Sicherheit oder wenigſtens an ſeinem ferneren Blei⸗ ben in dieſem ſo gaſtfreundlichen Lande gelegen ſei. Nicht aus jedem Holze machen wir einen Merkur, und 244 auch nicht aus jedem Gehirn können wir das Intriguen⸗ genie eines Merkur ſchnitzeln. „Niemand dürfte ſich wohl auf den zu ſolchen Er⸗ gebniſſen erforderlichen Stoff befſer verſtehen, als der Herr Staatsſekretär St. John!“ ſagte ich,„und mun Adieu!“ „Adieu, wenn Sie nicht mit mir reiten wollen. Wir treffen uns morgen bei Sir William Wyndham.“ Ich verbarg meine Bewegung, bis ich allein war, und überließ mich der Freude erſt auf der offenen Straße. Ich rief eine Miethkutſche und fuhr ſo ſchnell, als der Kutſcher nur konnte, nach der kleinen, dunkeln Vorſtadt, wohin mich St. John gewieſen. Der Wagen hielt vor der Thür eines ſehr beſcheidenen, aber nicht geradezu elenden Gebäudes. Ich klopfte an die Thüre. Eine Frau öffnete und antwortete auf meine Fragen, der arme Herr ſei ſehr krank— wirklich ſehr krank— habe einen Schlag⸗ anfall erlitten— man dürfe nur geringe Hoffnung für ſein Aufkommen haben. Seine Tochter ſei bei ihm— wolle Niemanden ſehen— ſelbſt Herr Barnard ſei nicht vorgelaſſen worden. Zuerſt durch die unerwartete Nachricht von ber Ge⸗ fahr des alten Spaniers ergriffen und betäubt, durch⸗ fuhr bei dieſem Namen plötzlich eine wilde Umwälzung meine Gefühle— ich bekämpfte ſie. Jetzt iſt keine Zeit dachte ich, zu eiferſuchtiger, ſelbſtiſcher Bewegung. Wenn ich ihr dienen, wenn ich ihrem Vater Hülfe lei⸗ ſten kann, will ich zufrieden ſein.„Mich wird ſie vor⸗ laſſen,“ ſagte ich laut und ließ einiges Gelb in die Hand des Weibes gleiten.„Ich bin ein alter Frennd der Fa⸗ milie und w Krankenzimr „Beſuch iſt ſchon gan Bei dieſ halten. Iſt vrängte ſich jedes Beden plötzlich. Ve hinauf— a Stockwerke blieb einen Muth, und gemacht. 2 gen. Nebe Arzneigläſe ſpannter, Mann hör andeutete. Fläche ſeit Vorſchrifte ihn nur m bige Zuhör ſchluß wo gibt. Mor über Wehe er ſich zu äußerſt di ſah, wie f der Armu Porſtabt, hielt vor geradezu ine Frau me Herr Schlag⸗ ung für ihm— ſei nicht er Ge⸗ durch⸗ älzung e Zeit egung. fe lei⸗ e vor⸗ Hand r Fa⸗ 245 milie und werde kein unwillkommener Beſuch in dem Krankenzimmer des Leidenden ſein.“ „Beſuch, Herr— Gott behüte, der arme Mann iſt ſchon ganz ſprachlos und kennt Niemand mehr.“ Bei dieſen Worten konnte ich mich nicht länger mehr halten. Iſora's troſtloſe, einſame, verlaſſene Lage drängte ſich mir mit unwirerſtehlicher Gewalt auf, und jedes Bedenken zarterer und formeller Art verſchwand plötzlich. Von der alten Frau gefolgt, ſtieg ich die Treppe hinauf— an der Schwelle eines Zimmers im zweiten Stockwerke hielt ſich mich an und flüſterte„hier.“ Ich blieb einen Augenblick flehen— ſammelte Athem und Muth, und trat ein. Ein Theil des Zimmers war dunkel gemacht. Die Vorhänge waren feſt um das Bett gezo⸗ gen. Neben einem Tiſche, auf welchem zwei oder drei Arzneigläſer ſtanden, erblickte ich Iſora, die mit ge⸗ ſpannter, höchſt geſpannter Aufmerkſamkeit auf einen Mann hörte, deſſen Kleidung ſeinen ärztlichen Beruf andeutete. Dieſer legte einen Finger auf die ausgeſtreckte Fläche ſeiner andern Hand und ſchien ſeine genauen Vorſchriften mit orakelartiger Miene zu geben— für ihn nur menſchliche Worte— für ſeine zitternde, gläu⸗ bige Zuhörerin ein Ausſpruch des Schickſales— ein Be⸗ ſchluß, wovon Alles abhing, was dem Leben einen Werth gibt. Monarchen der Erde, ihr habt nicht die Allgewalt über Wehe und Glück, die ein Dorfbarbier ausübt. Als er ſich zum Gehen anſchickte, nahm Iſora aus einer äußerſt dünnen Börſe einige kleine Mänzſtücke, und ich ſah, wie fie einige Worte murmelte, welche die Scham der Armuth andeuteten, während ſie vieſelben zitternd der ausgeſtreckten Hand darreichte. Zweimal ſchloß und geſunken öffnete ſich dieſe Hand über der dürftigen Summe; beim ſich hall drittenmale ſiegte der natürliche Inſtinkt des Herzenz auszudri über den ſpäter erwachten Inſtinkt des Gewerbes. Der vrückte; Sohn Galens trat zurück, ſchüttelte mit einer ſanften liegen, Schwingung ſein Haupt, legte das Geld ſachte auf den neigläſer Tiſch und knöpfte, wie um fernerer Verſuchung zu w blicken! derſtehen, die Taſche ſeines Unterkleides zu. Er drückte hatte. die noch immer gegen ihn ausgeſtreckte, arme Hand, ein Mal beugte ſich mit einer ehrerbletigen Freundlichkeit, für nem St die ich ſeine verwelkte, farbloſe Wange hätte küſſen mi⸗ End gen, darüber hin, wandte ſich dann raſch um und wäre Geberte in der gedankeuloſe Haſt, womit er hinauseilte, beinahe und im üher mich gefallen. mein Le „Bſt„ſagte ich leiſe.„Welche Hoffnung haben Sie Silbe n für Ihren Kranken?“ Der Arzt ſah mich bedeutungsvoll an, und ich fli⸗. ſterte ihm zu, er möge mich unten erwarten. Iſora hatte mich noch nicht bemerkt. Ein auffallender Unterſchied findet bei den Gefühlen ſtatt: wöhrend alle andere die Schärfe ter Sinne bis zu ter Empfänglichkeit eins Me bloß liegenden Nerven ſteigern, ſtumpft ſie nur ter ber gehi Schmerz zu einem fühlloſen Nebel ab. Noch zauterte ich, Wohnu Welches vorzutreten, und ſo ſtand ich, den Hut in der Hand, an Arzten der Thüre, ohne zu wiſſen, daß mir bei dem Anblicke Wunſc Iſoras die Thränen über die Wangen rollten. Auch gufmer ſie blieb genau an der Stelle, wo der Arzt ſie verlaſſer, werden mit auf den Boden gehefteten Blicken und geſenktem ich Ihr Kopf ſtehen. Die rechte Hand, welche der Mann gedrückt ſelbe 3 hatte, war langſam und ſchwer an ihrer Seite herab⸗ 3 ſchloß und nme; beim es Herzenz erbes. Der er ſanften e auf den ung zu wi⸗ Er drückte me Hand, chkeit, für küſſen mö⸗ kund wäre e, beinahe haben Sie und ich fli⸗ ßſora hatte ndere die eit eines nur der terte ich, and, an Anblicke . Auch erlaſſen, ſenktem gedrückt herah⸗ Unterſchied geſunken, und die kleinen, ſchneeweißen Finger hatten ſich halb geſchloſſen. Nichts vermag die Verzagtheit auszudrücken, welche ſich in dieſer müden Hand aus⸗ vrückte; die Linke blieb ehenſo regungslos auf dem Tiſche liegen, den einen Finger ausgeſtreckt und nach den Arz⸗ neigläſern deutend, gerade wie er vor wenigen Augen⸗ blicken die Weiſungen des affektirten Arztes begleitet hatte. Ich für meinen Theil würde wahrlich, wenn ich ein Maler wäre, bisweilen ein Krankenzimmer zu mei⸗ nem Studium machen. Endlich bewegte ſich Iſora mit einer ſehr ruhigen Geberte wiedergewonnener Beſinnung gegen das Bett, und im nächſten Augenblicke ſtand ich neben ihr. Hinge mein Leben davon ab, ſo könnte ich keine, keine einzige Silbe weiter über dieſen Auftritt ſchreiben. Elftes Kapitel. Welches mehr enthält, als irgend ein anderes Kapitel in dem zweiten Buche dieſer Geſchichte. Mein erſter Vorſchlag war, den Patienten mit all der gehörigen Sorgfalt und Sanftheit nach einer beſſeren Wohnung in einer dem Beſuche der ausgezeichnetſten Arzte näher gelegenen Gegend zu bringen. Als ich vieſen Wunſch gegen Iſora äußerte, ſah ſie mich lange und aufmerkſam an und brach dann in Thränen aus.„Sie werden uns nicht betrügen,“ ſagte ſie,„und ſo nehme ich Ihre Güte unbedenklich an— ihm ſchlug ich daſ⸗ ſelbe Anerbieten ab.“ „Ihm?— von wem ſprechen Sie?— von dieſem 248 Barnard oder vielmehr— aber ich kenne ihn!“ Ein Ausdruck des Schreckens flog über Iſora's ſprechendes Geſicht. „Ihn kennen!“ rief fle, mich unterbrechend,„Sie kennen ihn nicht— es iſt unmöglich!“ „Faſſen Sie Muth, theuerſte Iſora— wenn ich es wagen darf, Sie ſo zu nennen— faſſen Sie Muth; es iſt ſchrecklich, auf ſolchem Felde einen Nebenbuhler zu haben— aber ich bin darauf vorbereitet.— Dieſer Barnard, ſagen Sie mir das noch einmal, lieben Sie ihn?“ „Lieben— O Gott, nein!“ „Was dann; fürchten Sie ihn immer noch?— Fürchten Sie ihn auch noch, geſchützt von dem ſchlaf⸗ loſen Auge und der kampffertigen Hand einer Liebe, wie der meinigen?“ „Ja!“ antworteie ſie ſtammelnd,„ich fürchte für Sie!“ „Für mich!“ ſagte ich mit verächtlichem Lachen, „für mich! Nein, Theuerſte, der Mann lebt nicht, den Sie meinetwegen zu fürchten brauchten.— Aber, antworten Sie mir, iſt nicht—“ „Um des Himmels willen— um der Barmherzig⸗ keit willen!“ rief Iſora heftig,„fragen Sie mich nicht — ich kann Ihnen nicht ſagen, wer oder was dieſer Mann iſt— ich bin durch einen heiligen Eid verpflichtet, dieſes Geheimniß nie zu enthüllen.“ „Wozu ſollte ich auch?“ erwiderte ich ruhig;„ich bedarf keiner Beſtätigung deſſen, was ich weiß— Hleſer verlarvte Nebenbuhler iſt mein eigener Bruder!“ Bei dieſen Worten heftete ich meine Blicke feſt auf Iſora, — ihre druck ti Antlitze „J mein B Sie ab Wort d Iſo zu klebe gung: ein Eid nicht ei über m den um men fre bezeich Sie ſick ſich, d deten 2 vor Al nomme Ihr Le Sie ge laut w Ich wurde mit ve nicht g etwas 14 Ein rechendes nd,„Sie enn ich es Muth; es buhler zu Dieſer Sie ihn?“ noch?— em ſchlaf⸗ iebe, wie irchte für Lachen, bt nicht, — Aber, mherzig⸗ ich nicht ks dieſer flichtet, s;„ich dieſer eſt auf Iſora, und ſie zitterte unter denſelben; ihre Wangen — ihre Lippen— verloren alle Farbe, und ein Aus⸗ druck tödtlichen, fürchterlichen Bangens war auf ihrem Antlitze geſchrieben.— Sie antwortete nicht. „Ja!“ begann ich wieder mit Bitterkeit,„es iſt mein Bruder— ſei es ſo— ich bin bereit— können Sie aber, Iſora, oh! können Sie, ſo ſagen Sie ein Wort der Verneinung.“ Iſora's Zunge ſchien buchſtäblich an ihrem Munde zu kleben; endlich ſtammelte ſie mit heftiger Anſtren⸗ gung:„Ich habe Ihnen geſagt, Morton, daß mich ein Eid bindet, das Geheimniß nicht zu enthüllen; auch nicht eine Silbe, wodurch dies möglich wäre, darf alſo über meinen Mund— bezeichne ich einen Namen als den unrichtigen, ſo können Sie mich über andere Na⸗ men fragen— und einen Nomen als den unrichtigen bezeichnen, hieße ſomit meinen Eid brechen. Aber hüten Sie ſich!“ ſetzte ſie aufgeregt hinzu,„oh! hüten Sie ſich, durch Ihren Verdacht— einen bloßen, ungegrün⸗ deten Verdacht— einen Bruder zu beſchuldigen; und vor Allem, wen Sie auch wirklich unter dieſem ange⸗ nommenen Namen verſieckt glauben— ſo lieb Ihnen Ihr Leben, und ſomit auch dos meinige iſt— laſſen Sie gegen ihn nicht eine Silbe von Ihrem Glauben laut werden.“ Ich war über den Nachdruck, womit dies geſprochen wurde, ſo betroffen, daß ich nach kurzem Schweigen mit veränderter Stimme wieder begann:„Ich kann nicht glauben, daß ich von der Hand eines Brubeis etwas für mein Lehen zu fürchten habe— voch will ich Ihnen verſprechen, gegen eine verborgene Gefahr auf meiner Hut zu ſein. Iſt aber Ihr Eid wirklich ſo ſtreng, daß Sie auch nicht einen Namen als unrichtig be⸗ zeichnen dürfen?— iſt dies nicht der Fall und dürfen Sie mir einen ſolchen Wink geben, ſo ſchwöre ich Ihnen, daß ich Sie über keinen anderen Namen ausfragen werde.“ Abermals zuckte ein wilder Krampf um Iſora's kippe und verzerrte ihre vollkommenen Züge. Sie ſchwieg einige Augenblicke und ſagte dann:„Mein Eid ver⸗ bietet mir ſelbſt dieſes einzige Wort— verſuchen Sie mich nicht länger— jetzt und für immer bin ich ſtumm über dieſe Sache.“ Vielleicht verrieth ſich ein leichter, augenblicklicher Unwille oder Zweifel oder Verdacht in meinen Zügen, denn Iſora ſagte, nachdem ſie mich lange und traurig angeblickt hatte, in ruhigem, kummervollem Tone: „Ich durchſchaue Ihre Gedanken und mache Ihnen keine Vorwürfe darüber— es iſt natürlich, daß Sie übel von einem Mädchen denken, welches von einem ſolchen Geheimniſſe umgeben iſt— von einem Mädchen, wel⸗ ches ſich ſo ſehr der Erniedrigung und dem Argwohne vreisgegeben ſieht. Ich habe lange in Ihrem Lande ge⸗ lebt— ich habe in den letzten paar Monaten viele ſeiner Bewohner geſehen; ich habe überdies auch die Werke ſtudirt, welche ſeinen eigentlichen Nationalcha⸗ rakter zu enthüllen behaupten; ich weiß, daß ihr miß⸗ trauiſch gegen fremde Völler ſeid; ich weiß, daß ſelbſt in euerem Verkehre unter einander Vorſicht und Arg⸗ wohn euch leiten; ich weiß auch(und Iſora's Herz ſchwoll eurer! ein Ve Vertra Graf langen Sie vo herabg heimni denklen nem 2 der gel welche los be wie E Vater „noch und i Deineſ wandt hätte willſt heimn haben glücke mein ſein G Guies Deini a's Lippe ſchwieg Eid ver⸗ blicklicher n Zügen, d traurig m Tone: en keine Sie übel m ſolchen e, wel⸗ lrgwohne ande ge⸗ ten viele auch die ionalcha⸗ ihr miß⸗ daß ſelbſt und Arg⸗ a's Herz ſchwoll ſichtlich bei dieſen Worten), daß in den Augen eurer kaufmänniſchen Landsleute Armuth an ſich ſchon ein Verbrechen iſt, und daß ſie in Unglückliche ſelten Vertrauen ſetzen vder ihnen Glauben ſchenlen— warum, Graf Devereur, warum ſollte ich von Ihnen mehr ver⸗ langen als von Anderen Ihrer Nativn? Warum ſollten Sie von dem mittel⸗ und freundloſen Mädchen— der herabgekommenen Verbannten— dem Opfer des Ge⸗ heimniſſes, das ſo oft eine Hülle der Schuld iſt, beſſer denken als jeder Andere— als Jeder, ſelbſt unter mei⸗ nem Volke von Derjenigen denken würde, welche all der gebührenden, von der Sitte geforderten Schranken, welche ein Mädchen umgeben ſollten, ſo erbarmungs⸗ los beraubt iſt? Nein— nein— laſſen Sie mich, wie Sie mich gefunden— laſſen Sie meinen armen Vater, wo Sie ihn ſehen— wir können überall ſterben.“ „Iſora!“ rief ich und ſchlang meine Arme um ſie, „noch kennſt Du mich nicht; hätte ich Dich im Glücke und in Anſehen gefunden— hätte ich in den Hallen Deines Vaters, umgeben von den Freunden und Ver⸗ wandten Deines Geſchlechtes um Dich geworben— ſo hätte ich auf mehr gedrungen, als Du mir jetzt ſagen willſt— ich hätte Verdacht geſchöpft, wo ich ein Ge⸗ heimniß bemerkt hätte, und würde Dich nicht geliebt haben, wie ich Dich jest liebe! Jetzt, Iſora, im Un⸗ glücke, in der Verlaſſenheit übergebe ich rückhaltslos mein ganzes Herz— ſeinen Glauben, ſeine Inbrunſt, ſein Gebet— Dir zum Eigenthum; möge Böſes oder Gnies, Sturm oder Sonnenſchein kommen, ich bin der Deinige ganz und für ewig. Verſtoße mich, wenn Du 252 willſt, ich werde dennoch zu Dir zurückkehren; und nie — nie will ich ein Zeugniß gegen Deine Reinheit an⸗ nehmen, außer von meinen eigenen Augen oder aus Deinem eigenen Munde, oder, Iſora— meine, meine Iſora— darf ich nicht auch hinzuſetzen— von Deiner Liebe?“ „Zu, zu edelmüthig!“ flüſterte Iſora, heftig mit ihren Thränen kämpſend,„möge Gott mich verlaſſen, wenn ich je undankbar gegen Dich bin; und glaube mir — glaube, daß, wenn Liebe, zärtlichere, treuere, hin⸗ gebendere Liebe, als je ein Weib gefühlt, Dich beloh⸗ nen kann, ſo ſollſt Du belohnt werden!“ Warum ſchlug in dieſem Augenblicke mein Herz ſo freudig?— warum ſagte ich zu mir ſelbſt:„Der Schatz, nach welchem ich ſo lange begehrt, iſt enblich entdeckt; wir haben uns gefunden, und durch die dahineilenden Jahre wollen wir zuſammen wandeln und uns nie wie⸗ der trennen!“ Warum fühlte ich in dieſem Augenblicke der Seligkeit nicht vielmehr einen Vorgeſchmack zukünf⸗ tigen Wehes? Oh, blindes, eigenſinniges Schickſal, das uns heute ein Vorgefühl gibt, morgen uns daſſelbe vorenthält! Wiſſen, Klugheit, berechnende Vorſicht — was ſeid ihr?— Warnungen für Andere, nicht für uns. Die Vernunft iſt eine Lampe, welche überall hin in die Ferne ein ſtrahlendes Licht wirft, Alles um ſie her aber in Finſterniß und Dunkel läßt! Wir ſehen und ſagen das Schickſal Anderer voraus— aber leicht⸗ gläubig und umnachtet gehen wir dem eigenen entgegen, und wie zu Lakoon kriechen unter dem Altar ſeibſt, an welchem wir als Seher und Prieſter ſtehen, unvermuthet und ung find, un Noc einer W ſener we geneſung ein ſicht! mende K finnung dem Gre Arzten, — verſc ſie ihn g tener Wi gen, zu Zeugen( zu Gunſt Ehe niers ver ſungen hi go's und gab mir d gen, und „aber ich künftiger bleiben vo „Bart ſei es ſo!“ nem eigene Diego'sen und nie heit an⸗ oder aus e, meine Deiner eftig mit verlaſſen, aube mir ere, hin⸗ ch beloh⸗ Her ſi er Schatz, entdeckt; neilenden nie wie⸗ genblicke k zukünf⸗ Schickſal, z daſſelbe Vorſicht re, nicht erall hin es um ſie zir ſehen er leicht⸗ entgegen, elbſt, an ermuthet 253 und ungeahnt die Schlangen hervor, welche heſtimmt ſind, uns zu verderben! Noch an demſelben Tage wurde Don Alvarez nach einer Wohnung gebracht, die ſeinem Stande angemeſ⸗ ſener war, und in welcher man eher auf ſeine Wieder⸗ geneſung hoffen konnte. Den Auszug ertrug er ohne ein ſichtbares Zeichen von Ermüdung, aber die zuneh⸗ mende Krankheit hatte ihn der Sprache, wie der Be⸗ finnung beraubt, und ſchon gehörte er mehr als halb dem Grabe an. Gleichwohl fandte ich nach den beſten Arzten, welche London aufzuweiſen hatte. Sie kamen — verſchrieben— und ließen den Patienten gerade wie ſie ihn gefunden. Ich weiß nicht, was bei vorgeſchrit⸗ tener Wiſſenſchaft die Arzte für die Nachwelt ſein mö⸗ gen, zu meiner Zeit aber find ſie gezwungen falſche Zeugen gegen den Tod, deren Ausſage immer weniger zu Gunſten des Beklagten als des Klägers ſpricht. Ehe wir die bisherige Wohnung bes armen Spa⸗ niers verließen, wollte ich der Hausfrau einige Wei⸗ ſungen hinſichtlich des Ortes geben, wohin Don Die⸗ go's und Iſora's kleine Habe zu bringen ſei, Iſora aber gab mir durch ein Zeichen zu verſtehen, ich ſollte ſchwei⸗ gen, und ich gehorchte.„Verzeihe,“ ſagte ſie nachher, „aber ich geſtehe, daß ich dringend wünſche, unſer zu⸗ künftiger Aufenthaltsort möge unbekannt— geſichert bleiben von der Zudringlichkeit dieſes— dieſes—“ „Barnard, wie Du ihn nennſt. Ich verſtehe Dich; ſei es ſo!“ und ich ließ demgemäß ihre Habe nach mei⸗ nem eigenen Hauſe bringen, von wo dieſelbe nach Don Diego's neuer Wohnung geſchafft wurde; beſonders trug ich Sorge, der guten Hautfrau keine andere Spur zur Auffindung von Alvarez und ſeiner Tochter zurück⸗ zulaſſen, als eine ſolche, welche über mich hinweg führen mußte Dem ſich mir bietenden Vergnügen, Ge⸗ ralds Aufmerkſemkeit auf mich zu lenken, konnte ich nicht widerſtehen.„Sagen Sie Herrn Barnard, wenn er kommt,“ ſprach ich,„daß er nur durch Graf Mor⸗ ton Devereur von Don Diego dAlvarez und deſſen Fräulein Tochter Nachrichten erhalten könne.“ „Ganz recht, Euer Gnaden,“ ſagte die Hausfrau; dann ſah fie mich aufmerkſamer an und fuhr fort:„Ge⸗ rechter Gott, wenn Sie ſo ſprechen, ſo ſehen Sie dem Herrn Barnard ganz ähnlich.“ Ich fuhr zurück, als hätte mich eine Natter ge⸗ ſtochen, und ſprang in den Wagen, um den Kranken, der ſchon hineingebracht worden, zu unterſtützen. Von nun an war mein täglicher Poſten am Betie der Krankheit und der Leiden; in dem Todtenzimmer wurde der Schwur meiner Liebe angenommen, und unter Kummer und Sorgen wurde er erwidert. Aber gerade in ſolcher Umgebung entſteht die tieffle, die dauerndſte, vie heiligſte Art der Leidenſchaft. Wenn ich Iſora's leiſe Stimme in der Ungewißheit zittern hörte, welche mit jeder Stunde der Zerreißung eines Bandes ent⸗ gegenſieht, das Natur und frühe Jahre geknüpft haben; wenn ich ſie mit leichtem Schritte ſich um das Kiſſen bewegen ſah, das ſie glättete, wenn ihre Wange abwech⸗ ſelnd roth und blaß wurde, während ſie auf Bedürf⸗ niſſe Acht hatte, um ſolchen abzuhelfen; wenn ich ihre ſumme, unermübliche Zärtlichkeit beobachtete, die ſich in tauſent ſprach un kleinſten ich ſie da am lieben wunderun Dies war lich zu ein ſie ſich en die ärmliec mich nich Eines begab, be Straße M einander; leichte, ri wurde ro meinte, e anreden, über, unt biß ſich he Nach wen daß ich ih „Ich hätt Iſora's y Drohunge ihren Beſt Schilde fü Indeſſ danken. A tter ge⸗ Kranken, n. m Bette nzimmer nd unter er gerade nerndſie, Iſora's , welche ides ent⸗ ft haben; as Kiſſen e abwech⸗ Bedürf⸗ nich ihre „die ſich in tauſend namenloſen, aber wichtigen Geſchäften aus⸗ ſprach und wie ein wachender Engel in jeden— ja den kleinſten— Bereich dieſer Geſchäfte eindrang— ſah ich ſie da nicht in der Sphäre, in welcher das Weib am liebenswürdigſten iſt, in welcher die Liebe ihre Be⸗ wunderung heiligt und ihre heißeſten Wünſche läutert? Dies war keine Zeit, in welcher unſere Herzen vernehm⸗ lich zu einander ſprechen konnten, aber wir fühlten, daß ſie ſich enger und enger verbanden, und wir brauchten die ärmliche Beredſamkeit durch Worte nicht. Doch laßt mich nicht länger bei dieſer Stene verweilen. Eines Morgens, als ich mich zu Fuße zu Iſora begab, bemerkte ich auf der entgegengeſetzten Seite der Straße Montreuil und Gerald; ſie ſprachen lebhaft mit einander; Beide erblickten mich. Montreuil machte eine leichte, ruhige und würdevolle Verbeugung; Gerald wurde roth und wußte nicht, was er thun ſollte. Ich meinte, er wollte ſeinen Gefährten verlaſſen und mich anreden, aber ich ging mit ſtolzer, ernſter Miene vor⸗ über, und Gerald, wie durch mein Benehmen verletzt, biß ſich heftig in die Lippe und folgte meinem Beiſpiele. Nach wenigen Minuten wollte es mich beinahe gereuen, daß ich ihm nicht Gelegenheit gegeben, mich anzureden. „Ich hätte,“ dachte ich,„ihm dann ſeine Verfolgung Iſora's vorwerfen und ihn auffordern können, ſeine Drohungen gegen mich auszuführen, die er, wie aus ihren Beſorgniſſen für meine Sicherheit hervorging, im Schilde führte.“ Indeſſen hatte ich nicht viel Muße zu ſolchen Ge⸗ danken. Als ich in Alvarez Wohnung ankam, fand ich, 256 daß eine große Anderung in ſeinem Zuſtande eingetreten war; die Sprache war ihm, wenn auch unvollkommen, wiedergekehrt, auch zeigte ſich wieder die Beſinnung. Mit leichtem Schritte flog ich die Treppen hinauf, um Iſora zu gratuliren; ſie kam mir an der Thüre ent⸗ gegen.„Bſt!“ flüſterte ſie,„der Vater ſchläft!“ Aber ſie ſprach nicht mit der Freude, die ich erwartet. „Was gibt es, Geliebte?“ fragte ich, indem ich ihr in ein anderes Zimmer folgte;„Du ſcheinſt be⸗ kümmert, und Deine Augen ſind roth von Thränen, die ich nicht für Thränen der Freude über die glückliche Veränderung Deines Vaters halte.“ „Ich bin zum Leiden auserſehen,“ erwiderte Iſora in ſchärferem Tone, als ich ſonſt an ihr gewohnt war. Ich drang in ſie, mir zu erklären, was ſie damit ſagen wolle; anfänglich zögerte ſie, endlich aber geſtand ſie mir, ihr Vater habe eine Verbindung mit dieſem Soi⸗ disant Barnard immer eifrigſt gewünſcht, und ſeine erſten Worte, als er wieder zur Beſinnung kam, ſeien ein dringendes Bitten geweſen, ſie möge ſich ſeinen Wünſchen fügen. „Mein armer Vater,“ ſagte ſie weinend,„ſpricht und denkt nur an das, was er für mein Glück hält; aber er hat bis jetzt nur theilweiſe ſeine Beſinnung und verſteht mich nicht einmal, wenn ich von Dir rede, „Ich werde ſterben,“ ſagte er,„ich werde ſterben, und Du wirſt allein in der weiten Welt ſtehen!“ Vergebens ſuchte ich ihm begreiflich zu machen, daß ich einen Be⸗ ſchützer habe— mit Thränen in den Augen und ſiets dieſe Worte murmelnd, ſchlief er ein.“ „Weif fragte ich. „Him: Verbindur „Weiß „Ja!“ erſt ſeit K Hiert und ſagte Vorbote d mehr ſei. Nachricht als ich mit ins Herz z ſeinen letzt nie erfülle Ich ge komme zu war ich b Stunden merung m von welche ſtens eine gewähren. ſicht, zu gewöhnlich „Sie befi „ſeit der f „Der „Ja.“ Suwe mit ſagen eſtand ſi⸗ „Weiß er von dieſem Barnard ſo viel als Du?“ fragte ich. „Himmel, nein!— ſonſt hätte er mich nie zu der Verbindung mit einem ſo Elenden gedrängt.“ „Weiß er wenigſtens, wer Barnarb iſt?“ „Ja!“ antwortete Iſora nach einer Pauſe,„aber erſt ſeit Kurzem.“ Hier trat der Arzt herein, nahm mich auf die Seite und ſagte mir, daß, wie er vorhergeſehen, der Schlaf Vorbote des Todes geweſen, und daß Don Diego nicht mehr ſei. So ſchonend als möglich überbrachte ich die Nachricht Iſora; aber ihr Schmerz war weit heftiger, als ich mir vorgeſtellt hatte. Nichts ſchien ihr ſo tief ins Herz zu ſchneiden als der Gedanke, deß ſie nicht in ſeinen letzten Wunſch gewilligt habe und denſelben auch nie erfüllen könne. Ich gehe über die erſte Zeit der Trauer hinweg und komme zu dem Tage nach Diego's Vegräbniß. Morgens war ich bei Iſora geweſen, hatte ſie dann auf wenige Stunden verlaſſen und kehrte in der erſten Abenddäm⸗ merung mit einigen Büchern und mit Muſik wieber, von welchen ich vergebens hoffte, ſie würden ihr wenig⸗ ſtens eine augenblickliche Zuflucht gegen ihren Kummer gewähren. Ich ſchickte meinen Wagen fort, in der Ab⸗ ſicht, zu Fuße nach Hauſe zu gehen, und fragte wie gewöhnlich die Dienerin, welche mich einließ, nach Iſora. „Sie befindet ſich ſehr übel,“ antwortete mir dieſe, „ſeit der fremde Herr fort iſt.“ „Der fremde Herr?“ „Ja.“ Trotz der Abweiſung, welche die Magd allen Dulwer Deyfreur. 1. 47 258 Fremden zu eriheilen den Auftrag hatte, ſei er gewalt⸗ ſam die Treppen hinaufgedrungen. Er ſei in Iſora's Zimmer getreten, und auf meine dringenden Fragen ſetzte die Frau noch hinzu, ſeine Stimme habe laut und barſch aus dem Zimmer wiedergetönt; er ſei etwa eine Viertelſtunde dort geblieben und dann anſcheinend in großer Unordnung und Aufregung davon geeilt. „Wie ſah der Menſch aus?“ fragte ich. Die Frau erwiderte, er ſei von Kopf bis zu Fuß in einen reich beſetzten Mantel gehüllt geweſen; ſein mit Diamanten verzierter Hut habe den vom Mantel⸗ kragen freigelaſſenen Theil des Geſichtes ſo ſehr bedeckt, daß ſie ihn nur als einen Mann von hochfahrendem, barſchem Weſen bezeichnen könne, der offenbar den höheren Ständen angehöre. überzeugt, daß Gerald der Zudringliche ſei, eilt ich die Treppe hinauf zu Iſora. Sie empfing mich mit einem krankhaften, matten Lächeln und bemühte ſich, die Spuren ihrer Thränen zu verbergen. „So!“ ſagte ich,„dieſer unverſchämte Verfolger hat Deinen Aufenthaltsort entdeckt und Dich aufs Neue beſchimpft oder in Schrecken geſetzt. Er wird es nicht wieder thun!— Ich will ihn morgen aufſuchen— und keine Blutsverwandtſchaft ſoll mich hindern—“ „Morton, lieber Morton!“ erwiderte Iſora in großer Unruhe und doch mit einer gewiſſen Entſchloſſen⸗ heit in ihren Zügen,„höre mich!— es iſt wahr, dieſer Mann iſt hier geweſen— es iſt wahr, daß er, furcht⸗ bar und ſchrecklich, wie er iſt, mich geängſtigt und beun⸗ ruhigt hat; voch nur um Deinetwillen, Morton— bei der heilis dem Aug mir ſchat dem Aug ſein Neb Todesurt „Hoe kochte vo Natur ſo dere Sach Belieben oder entr los! Ich ſuchen un „Thu „thue das blicke, wi läſſeſt, ſe und mich ich lebe, im Verda erkennen Devereur Erlöſers, verehren Reihe vot erbte— lichen Ge gewalt⸗ Iſora's Fragen laut und twa eine inend in zu Fuß ſen; ſein Mantel⸗ r bedeckt, hrendem, nbar den ſei, eilte mich mit ühte ſich, Verfolger aufs Neue es nicht en— und 4 Iſora in tſchloſſen⸗ ahr, dieſer r, furcht⸗ und beun⸗ ton— hei 259 der heiligen Jungfrau, bloß um Deinetwillen!„„In dem Augenblicke,““ ſagte er, und ſeine Stimme fuhr mir ſchaudernd durch das Herz, wie ein Dolch,„„in dem Augenblicke, wo Morton Devereur erfährt, wer ſein Nebenbuhler iſt, in dieſem Augenblicke iſt ſein Todesurtheil unwiderruflich befiegelt!““ „Hochmüthiger Prahler!“ rief ich, und mein Blut kochte von jener innigen Wuth, die bei meinem von Natur ſo hitzigen Temperamente eine weit unbedeuten⸗ dere Sache entflammt hätte.„Glaubt er, er könne nach Belieben über mein Leben verfügen, mir daſſelbe laſſen oder entreißen?— Laſſe mich los, Iſora, laſſe mich los! Ich ſage Dir, ich will ihn im Augenblicke auf⸗ ſuchen und ihn auffordern, ſein Argſtes zu thun!“ „Thue das,“ ſagte Iſora ruhig und ließ mich los; „thue das, aber höre mich vorher an; in dem Augen⸗ blicke, wo Du Peinen Verdacht gegen ihn laut werden läſſeſt, ſetzeſt Du eine ewige Scheidewand zwiſchen Dich und mich! Gelobe mir, daß Du nie, wenigſtens ſo lange ich lebe, weder ihm— noch einem Anderen— den Du im Verdacht haſt— Deinen Zorn, Deine Verachtung, Dein Wiſſen— ja nur den leiſeſten Verdacht, daß er mit meinem Verfolger eine und dieſelbe Perſon ſei, zu erkennen geben willſt— verſprich mir dies, Morton Devereux, oder ich ſchwöre bei dieſem Bilde unſeres Erlöſers, deſſen Heiligkeit wir Beide anerkennen und verehren— bei dieſem Bilde, das in ununterbrochener Reihe von drei Jahrhunderten in meinem Stamme fort⸗ erbte— das meinen dahingeſchiedenen Vätern bei feier⸗ lichen Gelübden und in der Stunde des Todes ſtets Zeuge, Troſt und Bundeszeichen zwiſchen der Seele und ihrem Schöpfer geweſen iſt— bei dieſem Bilde, das meine ſterbende Mutter an ihre Bruſt drückte, als ſie mich als ein Kind der Fürſorge des Himmels empfahl, der unſere unbedeutendſten Worte hört und im Gedächt⸗ niſſe behält— bei dieſem Bilde ſchwöre ich, daß ich nie die Deinige werde!“ „Iſora!“ rief ich in Angſt und Beſtürzung, aber doch gegen den Eindruck kämpfend, den der Nachdruck, womit ſie geſprochen, auf mich gemacht hatte;„Du weißt nicht, wos Du gelobeſt oder was Du von mit forderſt. Suche ich dieſen Mann nicht auf— ſage ich ihm nicht, daß ich von ſeiner Bewerbung, von der ſchändlichen Art, wie er Dich verfolgt, unterrichtet bin— verbiete ich ihm nicht geradezu alle weiteren Schritte— ſo bedenke wohl, welche Bürgſchaft ich daun für Deinen inneren Frieden— ja ſelbſt für die Sicher⸗ heit Deiner Ehre oder Deines Lebens habe. Was haſt Du von einem ſo kühnen, verwegenen, in ſeinem Vorhaben ſo ſchwer einzuſchüchternden Manne zu fürch⸗ ten, von einem Manne, ber in der Wahl von Zeit und Gelegenheit ſo wachſam und geſchickt iſt— daß trotz meines beſtändigen, angeſtrengteſten Bemühens, ihn bei Dir zu treffen, mir dies doch nie gelungen iſt— was, ſuge ich, haſt Du nicht Alles von einem in ſeinem Vorhaben ſo hartnäckigen, in deſſen Verheimlichung ſo liſtigen Manne zu befürchten, wenn Du ihm durch fort⸗ währende Strafloſigkeit alle Furcht benimmſt? Bedenle ferner, Iſora, daß Dich das Geheimniß ebenſo entehrt, gls Dich die Gefahr bedroht. Zievit es ſich, daß weine Verlobte fürchterl Manne, Heftigkei bung dar überlegt was ich haltung „Wi Arm me die Toch Geliebter einzigen „Nei in die S gürten wollteſt wollte i Verlobt folger ge ſeinen d iſt, hat e nicht der fenden meiden, die Sich zwang ſich fürc zutreten eele und lde, das „als ſie empfahl, Gedächt⸗ ß ich nie ng, aber lachdruck, tte;„Du von mir ſage ich von der terrichtet weiteren tich dann ie Sicher⸗ be. Was in ſeinem ezu fürch⸗ von Zeit iſt— diß Bemühens, ngen iſt— in ſeinem nlichung ſo durch fort⸗ Bedenle nſo eniehrt, „doß weine 261 Verlobte, meine zukünftige Gattin ſolche geheime und fürchterliche Beſuche erhalte— Beſuche von einem Manne, der ſelne Neigung für ſie offen erklärt und die Heftigkeit ſeiner Leidenſchaft durch die ſeiner Bewer⸗ bung darthut? Iſora— Iſora— Du haſt dies nicht überlegt— Du weißt nicht, was Du von mir verlangſt.“ „Ich weiß es!“ antwortete Iſora,„ich weiß Alles, was ich von Dir verlange— ich verlange nur die Er⸗ haltung Deines Lebens.“ „Wie,“ entgegnete ich ungeduldig,„kann nicht mein Arm mein Leben ſchützen? und ſchickt es ſich für Dich⸗ die Tochter eines Stammes von Kriegern, von Deinem Geliebten und Gatten zu verlangen, er ſolle vor einem einzigen Feinde zittern?“ „Nein, Morton,“ antwortete Iſora.„Gingeſt Du in die Schlacht, ich ſelbſt wollte Dir das Schwert um⸗ gürten— ja, wäre dieſer Menſch ein Anderer, und Du wollteſt ihm im offenen Kampfe gegenüber treten, ſo wollte ich aus Furcht Dir keine Unbill zumuthen, Deine Verlobte nicht erniedrigen. Aber ich kenne meinen Ver⸗ folger genau— trotzig, unbeugſim— fürchterlich in ſeinen dunkeln, unbezähmbaren Leibenſchaften, wie er iſt, hat er den Muth nicht, ſich Dir zu ſtellen; ich fürchte nicht den offenen Feind, aber den lauernden, ſicher tref⸗ fenden Meuchler. Seine ängſtliche Sorge, Dich zu ver⸗ meiden, die Vorſichtsmaßregeln, die er getroffen— ja die Sicherheit, die er ſich zu dieſem Zwecke von mir er⸗ zwang— können Dich hinlänglich überzeugen, daß er ſich fürchtet, perſönlich Deinen Anſprüchen entgegen⸗ zutreten oder ſeine Sache ſelbſt zu verfechten.“ „Was habe ich dann zu fürchten?“ „Alles! Weißt Du nicht, das Meuchelmörder ſieis blutdürſtige, liſtige Männer ſind, welche offene Gewalt ſcheuen? Und brauchte ich auch einen noch ſprechenderen Beweis für ſeine Abſichten, als dieſe Folgerung, ſo genügt ja ſein Schwur— noch klingt er mir in meinen Ohren:„„In dem Augenblicke, wo Morton Devereur erfährt, wer ſein Nebenbuhler iſt, in dieſem Augenblicke iſt ſein Todesurtheil unwiderruflich beſiegelt.““ Mor⸗ ton, ich fordere Dein Venſprechen, oder, und bräche auch mein Herz, ich werde mich meines Gelübdes erinnern.“ „Halt— halt,“ rief ich in Zorn und Beſorgniß, „verſpräche ich dies und wollte ich um meiner eigenen Sicherheit willen die Deinige auf's Spiel ſetzen, was müßteſt Du von mir denken?“ „Fürchte nichts für mich, Morton,“ antwortete Iſora;„Du haſt keine Urſache dazu. Ich ſage Dir, daß dieſer Menſch bei all ſeiner Verworfenheit immer gede⸗ müthigt und niedergeſchlagen von mir geht. Glaube nicht, daß ich zu allen Zeiten und unter allen Verhält⸗ niſſen das thörichte, ſchwache Geſchöpf bin, das Du jetzt erblickſt. Erinnere Dich, daß Du richtig ſagteſt, ich ſei die Tochter eines Heldenſtammes; ich trage in mir, was mich vor jeder Befleckung meiner Abkunft ſichert.“ „Aber, Geliebte, Deine Entſchloſſenheit kann Dir eine Zeitlang helfen, aber ſie kann die verhärtete Natur eines Mannes nicht für immer zum Schweigen bringen. Ich kenne mein Geſchlecht, ich kenne meine eigne Wild⸗ heit, wenn ſie einmal aufgeregt iſt.“ „Aber Iſora ſto ruhig, ja Dich denke Menſchen der Fall w zu verthei feſte, ruh überſtröm „Oder „Oder wich mein Der T erweichten vrückte Iſ Lippen m bares We Wangen Heldin.“ „Mor wäre, kön „Aber „wo iſt di verläſſeſt „Hier von mirl gen Dolck wandes v Vergnüge anſcheiner rder ſiets e Gewalt chenderen rung, ſo nmeinen Devereur genblicke Mor⸗ äche auch rinnern.“ eſorgniß, reigenen e, was ttwortete Dir, daß ner gede⸗ Glaube Verhält⸗ das Du ſigteß, trage in Abkunft ann Dir te Natur bringen. ſe Wild⸗ 263 „Aber, Morton, Du kennſt mich nicht,“ ſagte Iſora ſtolz, und ihre Miene wurde bei dieſen Worten ruhig, ja ſtreng.„Ich hin nur ängſtlich, wenn ich an Dich denke; ein Wort— ein Blick von mir kann dieſen Menſchen niederſchmettern, und wenn dies auch nicht der Fall wäre, ſo bin ich nie hne eine Waffe, um mich zu vertheidigen, oder— oder——“ Iſora's bisher feſte, ruhige Stimme zitterte, und eine tiefe Röthe überſtrömte die Marmorbläſſe ihres Antlitzes. „Oder was?“ fragte ich unruhig. „Oder Dich, Morton!“ flüſterte Iſora zärtlich und wich meinem Blicke aus. Der Ton, der Blick, welche dieſe Worte begleiteten, erweichten mich mit Einemmale. Ich ſprang auf— drückte Iſora an mein Herz— bedeckte ihre ſanften Lippen mit Küſſen und ſagte:„Du biſt ein wunder⸗ bares Weſen, holde Elfin; aber dieſe Lippen— dieſe Wangen— dieſe Augen— ſind nicht die Züge einer Heldin.“ „Morton, wenn mein Herz weniger entſchloſſen wäre, könnte ich Dich nicht ſo innig lieben.“ „Aber ſage mir,“ flüſterte ich mit einem Lächeln, „wo iſt die Waffe, auf welche Du Dich ſo zuverſichtlich verläſſeſt?“ „Hier!“ antwortete Iſora erröthend, machte ſich von mir los und zeigte mir einen kleinen, zweiſchneidi⸗ gen Dolch, den ſie ſorgfältig in den Falten ihres Ge⸗ wandes verborgen trug. Mit Staunen und doch mit Vergnügen über die verborgene Entſchloſſenheit eines anſcheinend ſo ſanften Charakters, blickte ich auf die 264 funkelnde, ſcharfe Klinge. Ich ſage mit Vergnügen, denn ein ſolcher Zug entſprach ganz meiner eigenen, kahnen, wilden Sinnesart. Lächelnd und mit einen Scherzworte gab ich ihr die Waffe zurück. „Ach!“ ſagte Iſora, meinem Kuſſe ausweichend, „ich wäre nicht ſo kähn, wenn ich nur für mich Gefaht fürchtete.“ Wenn wir auch in dem Erguſſe unſerer Zärtlichlet den Gegenſtand unſeres Geſpräches und Streites ver⸗ gaßen, ſo kamen wir doch bald wieder darauf zurück Iſora war die Erſte, welche denſelben wieder aufnahm. Sie erinnerte mich an die von ihr verlangte Zuſage, un ſprach mit einem Ernſte, einer Feierlichkeit, welchen it kaum zu widerſtehen vermochte. „Aber,“ ſagte ich,„wenn er Dich je ſpäter wiede beläſtigt; wenn ich dieſe blühende Wange wieder en blaßt, dieſe theuren Augen wieder durch Thränen g⸗ trübt finde, und wenn ich weiß, daß Jemand gewagt hat, in meinem eigenen Hauſe deſſen Gebieterin zu nahe zu treten, ſoll ich da immer noch dumpf und unthätiz bleiben, damit nicht eine feige, verzagte Hand die Ver⸗ theidigung Deiner und meiner Ehre räche?“ „Nein, Morton; nach unſerer Vermählung, wem dieſe je ſtattfindet, haſt Du aus dem bisherigen Grunde nichts mehr zu fürchten; auch wird meine Angſt für Dich nicht mehr dieſelbe ſein, wie bis jetzt; Deine Ehre iſt dann mit der meinigen verknüpft, und Nichts poll mich bewegen, ſie auf's Spiel zu ſetzen— neln, auch vicht Deine Sicherheit. Ich habe allen Grund, zu glau⸗ ben daß ich nach dieſem Schritte ſeiner Zubringlichkei nicht län auch wag ſtehe? o wenn er ewig und dann noc dringlichk und laſſe Bitte u vertrauen Was Wunſch und Beh blieb, veré zum Nac ernſt ent fürchten: ſprechen, fühlte ich meiner Ar weit mehr und ich ke viel wenig ſcher oder Schein der mir auch heimnißvv hinderung ſchen geles ſprechen, Vergnügen, er eigenen, mit einem usweichend, nich Gefaht Zärtlichkeſt reites ver⸗ auf zurück raufnahm uſage, unt welchen ic iter wiede wieder et⸗ hränen ge nd gewagt rin zu nahe unthäti d die Ver ung, wem en Grunde Angſt für eine Ehre lichts ſoll en, auch „zu glau⸗ inglichkeit nicht länger werde ausgeſetzt ſein— wie könnte er es auch wagen, wenn ich unter Deinem beſtändigen Schutze ſtehe k oder aus welchem Grunde ſollte er es verſuchen, wenn er es auch könnte? Ich gehöre dann Dir an— ewig und allein nur Dir— welche Hoffnung könnte alſo dann noch ſeine Hartnäckigkeit nähren oder ſeine Zu⸗ dringlichkeit reizen? Vertraue in jener Zeit auf mich und laſſe mich— noch einmal wiederhole ich meine Bitte um Dein Verſprechen hiefür— jetzt auf Dich vertrauen!“ Was konnte ich machen? Ich bekämpfte fortan ihren Wunſch und ihre Forderung; aber die Standhaftigkeit und Beharrlichkeit, womit ſie auf ihrem Entſchluſſe blieb, veranlaßten mich, wenn auch wider meinen Willen, zum Nachgeben. Sie ſchien in der That ſo wahr und ernſt entſchloſſen, daß ich, hätte ich mich geweigert, fürchten mußte, ſie möchte in der Eile den Eid aus⸗ ſprechen, der uns für immer getrennt hätte. überdies fühlte ich dasjenige Vertrauen zu ihr, welches nach meiner Anſicht den ſpäteren Graden einer wahren Liebe weit mehr entſpricht, als Eiferſucht und Mißtrauen, und ich konnte nicht glauben, daß ſie jetzt, und noch viel weniger nach unſerer Verbindung, aus ſchwärmeri⸗ ſcher oder abergläubiſcher Furcht ihre Ehre oder den Schein derſelben einer Gefahr ausſetzen würde. So ſehr mir auch an der vollkommenen Entdeckung dieſes ge⸗ heimnißvollen Verfolgers, und noch mehr an der Ver⸗ hinderung aller künftigen Entwürfe dieſes frechen Men⸗ ſchen gelegen war, zwang ich mich doch zu dem Ver⸗ ſprechen, ich wolle unter keiner Bedingung die von mir vermuthete Perſon aufſuchen, ober derſelben burch Wort oder That meinen Glauben an ihre Identität mit Bar⸗ nard verrathen. Obgleich mit dieſem mir angethanen Zwange im höchſten Grade unzufrieden, bemühte ich mich doch, mich mit dem Grunde deſſelben auszuſöhnen. In der That lag in den eigenthümlichen Verhältniſſen Iſora's— in ihrem noch friſchen Schmerze— in ihrer ſreudeloſen und verlaſſenen Lage Manches, vas, während es einer⸗ ſeits ihren Stolz hervorrief und ihr von Natur ſo ſanftes und zartes Gemüth widerſpänſtig machte, mich anderer⸗ ſeits auch veranlaßte, Wünſchen, die ich für unver⸗ nünftig hielt, nachzugeben und die ihrer Lags ſchuldige Zartheit und Schonung zu bedenken, flatt auf Opfern zu beſtehen, die ich, wäre ſie in glücklicheren Umſtänden geweſen, als ein mir zukommendes Recht betrachtet haben möchte. Noch weniger geneigt, mich ihrem Wunſche zu widerſetzen und die dafür angedrohte Strafe zu leiden, war ich, wenn ich bedachte, daß ihr Verlangen aus ven bloßen übermaße und der Angſt ihrer Liebe entſpringe Ich fühlte, daß ſie aufrichtig ſprach, wenn ſie erklärte, ſie ſei bloß um meinetwillen ſo verzagt. Nichts deſto weniger und all dieſer Betrachtungen ungeachtet nahn ich mit einem geheimen Mißbehagen von ihr Abſchied und machte mich auf den Weg nach Hauſe. Eben hatte ich das Ende der Straße erreicht, in welcher das Haus ſtand, als ich da ſehr undeutlich— denn die Nacht war erſchrecklich finſter— die Geſtalt eines ganz in einen langen Mantel gehüllten Mannes bemerkte, wie ihn damals gewöhnlich Liebhaber bei ge⸗ heimen An blaſſen Lich ſtand, ſchin auf dem b Stirne ged Beſchreibu Barnards daß dieſer alle Fälle, Gewißheit darf, undl auch nichte Ich benütz Ortlichkeit, vorüber, ſp an den Aus der Iſora's barg ich mi hatte nicht des Fremde Er ging di und jedesm trügen konr deſſen mach und ſchienk der Thüre? duldig, kam meinen Ver ich, meines Unhekannte rch Wort mit Bar⸗ nge im och, mich der That a— in eudeloſen es einer⸗ ſo ſanftes anderer⸗ ir unver⸗ ſchuldige f Opfern mſtänden tet haben unſche zu 267 heimen Angelegenheiten ober Intriguen trugen; in dem blaſſen Lichte einer einzigen Lampe, in deren Nähe er ſtand, ſchimmerte etwas wie der Glanz von Ebelſteinen auf dem breiten ſpaniſchen Hute, den er tief in die Stirne gedrückt hatte. Plötzlich erinnerte ich mich der Beſchreibung, welche die Hausfrau mir von dem Anzuge Barnards gegeben, und es durchfuhr mich der Gedanke, daß dieſer ſelbſt es ſei, den ich vor mir erblicke.„Auf alle Fälle,“ dachte ich,„kann ich meine Zweifel zur Gewißheit machen, wenn ich ſie auch nicht mittheilen darf, und kann für ihre Sicherheit wachen, wenn es mir auch nicht erlaubt iſt, ein ihr Zunahetreten zu ahnden.“ Ich benützte daher meine Kenntniß der umliegenden Hrtlichkeit, ging mit raſchem Schritte an dem Fremden vorüber, ſprang dann raſch und kam auf einem Umwege an den Ausgang eines engen, finſteren Gäßchens zurück, der Iſora's Wohnung gerade gegenüber lag. Hier ver⸗ barg ich mich unter einem hervorſtehenden Portale und hatte nicht lange gewartet, als ich die dunkle Geſtalt des Fremden ſich langſam gegen das Haus bewegen ſah. Er ging drei oder viermal vor demſelben auf und ab, und jedesmal glaubte ich— vbwohl die Finſterniß mich trügen konnte— er ſehe nach den Fenſtern hinauf. In⸗ deſſen machte er keinen Verſuch, eingelaſſen zu werden, und ſchien keinen anderen Zweck zu haben als den, vor der Thüre Wache zu halten. Endlich müde und unge⸗ duldig, kam ich aus meinem Verſtecke hervor.„Ich kann meinen Verdacht zur Gewißheit machen,“ wiederholte ich, meines Eides eingevenk, und ging gerade auf den Unhekannten zu. 268 „Mein Herr,“ ſagte ich ſehr gelaſſen,„ich bin auf der ganzen Welt am wenigſten der Mann, der das Vergnügen eines anderen Gebildeten ſtört; meiner be⸗ ſcheidenen Anſicht nach kann aber in einer ſo kalten Nacht Niemand vor dieſem Hauſe paradiren, ohne den Freunden von deſſen Bewohnern gerechten Grund zum Verdachte zu geben. Ich gehöre zu dieſer glücklichen Zahl und wage daher, Sie mit aller geziemenden Ve⸗ ſcheidenheit und Ehrerbietung zu bitten, ſich irgend einen anderen Ort für Ihre nächtlichen Spaziergänge aus⸗ zuſuchen.“ Ich war in meiner Anrede abſichtlich weitſchweifi, um Zeit genug zu haben, die Perſon, an welche die⸗ ſelbe gerichtet war, zu erkennen. Das Dunlel der Nacht und die weite Kleidung des Fremden verhinderten mith allerdings an einem entſchiedenen Erfolge meiner Nach forſchung; trotz meiner vorgefaßten Meinung aber ſchie mir die Geſtalt nicht die ſtattliche Höhe und die umfanz⸗ reichen Verhältniſſe von Gerald Devereux zu haben Gleichwohl muß ich geſtehen, daß meine nothwenbiz mangelhafte Beobachtung dieſen Gedanken ziemlich zwei⸗ felhaft ließ und die feſte überzeugung, daß ich Gerel vor mir ſehe, keineswegs verminderte. Während ich ſprach, zog ſich dieſer, ohne jedoch eine Antwort zu geben, ſchnell zurück— ich trat auf ihn zu— und mit noch raſcheren Schritten wich er mir aus; als ich geendet, wandte er ſich hübſch ordentlich um und entfloh eiligſt durch die dunkle Gaſſe, in welcher ich mich zuvor auf⸗ geſtellt hatte. In demſelben Tempo, wie er, eilte ich hinter ihm her— ſein Mantel hinderte ihn an der Flucht — ſchon eine ſchar eine breit berauſchte Haufe jer Mohawks um unter ſucht mit plötzlich m mein Flüc günſtigte Eile verſt glücklich. und flellte oder Tort ſprich ode „Neht wüthend: „Vert ſprochen, „Ja freili Dich in „Ha! des Staat — auf ih Schot er den De nung, di meine Fl Namens: ich bin auf „der das meiner be⸗ rſo kalten „ohne den Grund zum glücklichen nenden Be⸗ rgend einen gänge aus⸗ eitſchweifi welche die⸗ l der Nacht derten mit einer Nac⸗ aber ſchie ie umfanz zu haben othwendiz lich zwei⸗ ich Geralb ährend ich twort zu und mit h geendet, oh eiligſt vor auf⸗ eilte ich r Flucht 269 — ſchon war ich ihm auf den Ferſen— er beugte um eine ſcharfe Ecke— ließ mich hinter ſich und ſtürzte in eine breite Durchfahrt. Als ich ihm nachrannte, drangen berauſchte Stimmen zu meinem Ohr, und ein großer Haufe jener jungen Leute, welche unter dem Namen Mohawks gewöhnlich die Stadt bei Nacht durchſtreiften, um unter dem Deckmantel von Parteieifer ihre Händel⸗ ſucht mit dem Degen in der Hand auszulaſſen, wurde plötzlich mitten in der Straße ſichtbar. Ungeſtüm ſtürzte mein Flüchtling durch dieſelben; ihre überraſchung be⸗ günſtigte ihn und er entkam unbeläſtigt. Mit gleicher Eile verſuchte ich ihm zu folgen, war aber weniger glücklich.„Hollah!“ rief der Vorderſte des Haufens und flellte ſich mir in den Weg.„Nicht ſo haſtig! Whig oder Tory?— Unter welchem Könige— Hallunke, ſprich oder ſtirb!“ „Nehmen Sie ſich in Acht, mein Herr!“ rief ich wüthend und zog meinen Degen. „Verrath, Verrath!“ rief Derjenige, welcher ge⸗ ſprochen, und trat mir ebenſo entſchloſſen entgegen. „Ja freilich: nehmen Sie ſich in Acht— nimm Du Dich in Acht!“ „Ha!“ rief ein Anderer,„es iſt ein Tory; es iſt des Staatsſekretärs papiſtiſcher Freund, es iſt Devereur — auf ihn, auf ihn.“ Schon hatte ich meinem Gegner den Arm, womit er den Degen führte, durchrannt und nährte die Hoff⸗ nung, dieſe That werde die übrigen einſchüchtern und meine Flucht begünſtigen; aber bei Nennung meines Namens und der politiſchen Partei, zu welcher ich mich 270 bekannte, bei dem Anblicke des Blutes, das ihrem Ge⸗ noſſen entſtrömte, ſtürzten die Patrioten mit der lie⸗ benswürdigen Wuth auf mich, welche gewöhnlich allen Denjenigen eigen iſt, welche ihr Vaterland wahrhaft lieben. Zwei Degen drangen zu gleicher Zeit durch meinen Leib und ich ſtürzte blutend und bewußtlos zu Boden Als ich die Beſinnung wieder erhielt, war ich in meinen eigenen Zimmer, wohin mich zwei der beſſergeſinnten Mohawks gebracht hatten; die Wundärzte ſtanden au meinem Bette; ich ſtöhnte hörbar, als ich ſie erblickt Wenn es in der Welt etwas gibt, das ich haſſe, ſo find dies gewiſſermaßen die Jünger des Aſeulapj ſt erinnern mich immer an das indianiſche Volk(die Pe däer, glaube ich), deſſen Herodot erwähnt, das ſih durch Auffreſſen ſeiner Kranken ernährte.„Alles ſteht gut,“ ſagte der Eine, als er mein Stöhnen hörte.„6 wird nicht ſterben,“ ſagte ein Zweiter.„Wenigſten nicht, ehe wir noch meht Honorar erhalten haben,“ bemerkte ein Dritter, aufrichtiger als die übrigen. Un darauf packten ſie mich und fingen von Neuem an mein Wunden durchzumartern, bis ich vor Schmerzen in ein Ohnmacht fiel. Am folgenden Tage erklärten ſie in⸗ deſſen, es ſei keine unmittelbare Gefahr vorhanden, und der erſte Beweis, den ich von meiner Wiederge⸗ neſung gab, beſtand darin, daß ich Desmarais den Be⸗ fehl gab, vier von den fünf Wundärzten fortzuſchicken; mit dem Einen, welcher dann noch übrig blieb, dachte ich würden meine Jugend und Conſtitution fertig werden. Als ich mich an demſelben Abende unruhig in mei⸗ nem Bette hin und her wälzte und mit ausgedortien Lippen meiner langen S Stimme ſchien, fl Ich und mei ſchlug de „Ja! wie Balſe fiel,„ja ihrerſeits zu leiſten gekommet Dich zu! Dienerin Ichr an die Li Stunde loſch, un oder mic kühlen Fi ich aus il nahm, ſt neuer K fühlte der Leben vo Stelle de Daſeins In d s ihrem Ge⸗ mit der lie⸗ öhnlich allen id wahrhaft urch meinen s zu Boden. h in meinen ſſergefinnten ſtanden a ſie erblickt ch haſſe, lſeulap; ſi olk(die P t, das ſih „Alles ſteht hörte.„6 Wenigſten en haben,“ brigen. Un m an mein vorhanden, Wiederge⸗ ais den Be⸗ tig werden. hig in mei⸗ sgedorrten Lippen den Namen Iſora murmelte, bemerkte ich an meiner Seite eine von Kopf bis zu Fuß mit einem langen Schleier bedeckte Geſtalt, und eine leiſe, weiche Stimme, die mir aber neues Leben ins Herz zu hauchen ſchien, flüſterte:„Sie iſt hier.“ Ich vergaß meine Wunden, vergaß meine Schmerzen und meine Mattigkeit— ich fuhr auf— die Fremde ſchlug den Schleier zurück und ich erkannte Iſora! „Ja!“ ſagte ſie in ihrem weichen, ſüßen Tone, der wie Balſam auf meine Wunden und meine Lebensgeiſter fiel,„ja, ſie, welche Du bisher gepflegt haſt, iſt nun ihrerſeits gekommen, um Dir einige unbedeutende Dienſle zu leiſten, welche nur Frauenhand leiſten kann. Sie iſt gekommen, um Dich zu warten, Dich zu pflegen, für Dich zu beten, und bis Du ſie wieder fortſchickſt Deine Dienerin, Deine Sklavin zu ſein.“ Ich wollte antworten, aber ſie legte ihren Finger an die Lippen, ſtand auf und verſchwand; von dieſer Stunde an heilten meine Wunden, mein Fieber er⸗ loſch, und wenn ich ſie um mein Bett her ſchweben, oder mich beobachten ſah, wenn ich fühlte, wie ihre kühlen Finger mir die feuchte Stirn wiſchten, oder wenn ich aus ihrer Hand meine Arznei oder meine Nahrung nahm, ſo ſchien in ſolchen Augenblicken das Blut mit neuer Kraft durch meine Adern zu fließen, und ich fühlte deutlich, wie ein friſches köſtliches Leben— ein Leben voll Jugend, Leidenſchaft und Hoffnung an die Stelle des bisher geführten unbeſtimmten, dumpfen Daſeins trat. In dem geheimnißvollen Weſen der Sympathie 272 liegen gewiſſe ſeltſame Ungereimtheiten. Man ſollie glauben, die Beſchreibung einer Sache, bei welcher alle Menſchen am meiſten betheiligt ſind, würde auch die größte Theilnahme finden; dennoch glaube ich, daß nur wenige Perſonen die fortlaufende Geſchichte eines Kran⸗ kenbettes mit ſehr viel Aufmerkſamkeit anhörten. Welch köſtliches Intereſſe bieten gleichwohl die fortſchreitenden Stufen vyn der Gefahr zur Geneſung für alle Die⸗ jenigen, welche von der einen zur anderen geklimmt ſind! und wer hat nicht irgend einmal auf ſeiner Reiſe vurch dieſes Land der Schwächen— das eiviliſirte Leben — dieſen ſtillen Weg gemacht?„Jch wollte für die Wonne, geſund zu werden, jeden Tag krank ſein,“ ſagte Fontanelle eines Morgens mit ſeiner gewöhnlichen Naivetät zu mir; wer aber wollte nicht krank ſein un des bloßen Vergnügens der Krankheit willen, wennet von Derjenigen gepflegt werden könnte, die er am mei⸗ ſten auf der Welt liebt? Ich werde mich jedoch nicht lange bei dieſem köſ⸗ lichen Abſchnitte meines Lebens— bei meinem Kranken⸗ bette und meiner Erſtehung von demſelben aufhalten. Ich gehe zu einem gewiſſen Abende über, an welchen ich von Iſora's Lippen ihre ganze Geſchichte vernahm, außer was ſie über den wahren Namen des Mannes wußte, deſſen Verfolgung den kleinen Roman, der in ihr unſchuldiges und reines Lehen verwoben war, aus⸗ machte. An jenem Abende— wie gut erinnere ich mich ſeiner! waren wir allein— noch immer ſchwach und hinfällig, lag ich auf dem Sopha neben dem theilweiſe gebffneten Fenſter und die ſiille Abendluft aus der erſten K gleichſa wiederau wie Kint einer na ſein zu e dicht bevi Licht, de grobe M ihr Schi Lager au Drucke ü Blick füh und über hörten wi unmerklick feſter, ur unſeren ten uns 2 Trennung Was Welt, ale Staubes: in ein eir was hart zige, heil das Gehe ſiedelei iſ Ruheſtätt Vuſwe k ſein um wenn er am mei⸗ ſem köſ⸗ ranken⸗ fhalten. 273 erſten Kindheit des Frühlings wehte friſch und brachte gleichſam die Ahnung ſchimmernder Wälder und das wiederauflebende Grün meinen Wangen. Die Sterne, wie Kinder des Himmels und des Zwielichts, fingen einer nach dem an rem nächtlichen Da⸗ ſein zu erwachen; und durch den Dunſt und Qualm der dicht bevölkerten Stadt ſtrömte heilig und rein ihr ſtilles Licht, dem Strahle ähnlich, grobe Menſchennatur ausgie i ruhig ſiel ihr Schimmer auf Iſpra's Antlitz, die neben meinem Lager auf dem Boden ſaß und, pie eine Hand meinem Drucke überlaſſend, zu mir emporſah, bis ſte meinen Blick fühlte und erröthend die Wange abwandte. um und über uns war Alles ſtille, aber unter dem Fenſter hörten wir bisweilen die Töne der gemeinen Erde, unb unmerklich umſchloſſen ſich dann unſere Hände noch feſter, und wir fühlten deutlich, wie ihr Zittern in unſeren Herzen wiederhallte, tenn dieſe Töne erinner⸗ ten uns Beibe an unſer irdiſches Daſein und an unſere Trennung von der großen Heerde unſeres Geſchlechtes. i e Anberes, afs Seſchiedenheit von der Vereinigung zwejer Seelen, zweier des Staubes und der Aſche entkleideten unſterblichen Weſen in ein einziges? Tauſend Bande werden aus Allem, was hart und ſelbſtiſch iſt, gelöst, um ſich in eine ein⸗ zige, heilige Schleife zu verknüpfen! Wer liebt, hat das Geheimniß des Einſiedlers gefunden, und pie Ein⸗ ſiedelei iſt ihm theurer geworden, als die Welt. O Ruheſtätte von den Mühen und dem Fluche unſeres Buſwer, Devereur. 1. 18 274 geſelligen und gefeſſelten Zuſtandes, eine kurze Zwiſchen⸗ zeit biſt Du, ſchwebend zwiſchen zwei Ewigkeiten— der Vergangenheit und der Zukunft— ein Stern, der zwiſchen Morgen und Nacht dahingeht und in den unge⸗ heuern Abgrund einen einzigen Strahl vom Himmel ſendet, der aber zu ferne und zu ſchwach iſt, als daß er die Erde erleuchtete, die er heiligt! Iſora's Erzählung enthielt nichts, was der Leſer nicht ſchon erfahren oder ſich gedacht hat. Ihre anda⸗ luſiſche Heimath hatte ſie in früher Kindheit verluſſen, aber ſie erinnerte ſich verſelben genau und verweile lange dabei, wenn ſie von derſelben erzählte. Augen⸗ ſcheinlich hatte auf unſerer kälteren, weniger heiteren Inſel Wenig ihr Mitgefühl erregt, oder ihre Thei nahme erweckt. Gleichwohl glaube ich, daß ihr von Natur träumeriſcher, verſunkener Charakter von ihren hieſigen Aufenthalte und den hier erfahrenen Prüfungen Viel vyn der Kraft und dem Helbenfinne eingeſogn hatte, die ihm jetzt eigen waren. Allein erzogen, waren Muſit und einige wenige nicht übel gewählte Vüche ihre Unterhaltung und ihr Studium. Unter den lez⸗ teren befand ſich Shakeſpeare, der den bleibendſten Ein⸗ druck auf ſie gemacht und ihrem Gemüthe vielleicht bie verborgene, aber reiche petiſche Färbung gegeben hatte, welche an demſelben zu bemerken war. Allein wer weiß nicht, daß das Herz eines Weibe ſeine vollſte Beſchäftigung in ſich findet? Hier liegt ihr eigentliches Studium, und in vieſem beſchränklen Kreiſe ſtrahlt der Spiegel der Gedanken den ganzen Bereich der Erte wunderbar zurück. Hier war es, wo Ein⸗ ſamkeit u in Iſora men, der hatte er zu erken mit einer gar bald! ich ſie be ſelbſt ihr er, wie ie wahren 2 wilde Ver mit den Deſſen er Vater be Wort von Barnard und zitte ſie erſchr blicke, w und der hört wer Rache ſc Eide gefi den unge⸗ n Himmel als daß er der Leſer hre anda⸗ verluſſen, Ange⸗ er heiteren von ihren Prüfungen eingeſogen en, waren te Bücher den lez⸗ dſten Ein⸗ eicht bie ben hatte, s Weibu Hier liegt chränkten n ganzen wo Ein⸗ 275 ſamkeit und Betrachtung den Sinn weckten, der ſpäter in Iſora zur Liebe reifte. Doch will ich jetzt nicht ſo⸗ wohl ihren Charakter beſchreiben, als einen Abriß ihrer kurzen Geſchichte geben. Der erſte engliſche Mann, mit welchem ihr Vater ſie bekannt machte, war Barnard. Dieſen Mann knüpften, wie ich vermuthet, gewiſſe po⸗ litiſche Plane, deren Natur ſie nicht genau kannte, an Don Diegv. Ich nenne ihn noch immer bei einem Na⸗ men, der nach Iſora's Zugeſtändniß falſch war. Nie hatte er ihr durch eine förmliche Erklärung ſeine Liehe zu erkennen gegeben, obgleich vieſelbe in Verbindung mit einer Art von Wildheit, welche ſie frühe abſtieß, gar bald bemerkbar wurde. An dem Abende, an welchem ich ſie bewußtlos in dem Garten liegen gefunden und ſelbſt ihr zum erſtenmale meine Liebe geſtanden, hatte er, wie ich jetzt erfuhr, ihr ſeine Leidenſchaft und ſeinen wahren Namen entdeckt; hatte ihre Abweiſung ihn in wilde Verzweiflung geſtürzt— hatte er ſein Geſtändniß mit den füchterlichſten Drohungen gegen mich, wegen Deſſen er ſich zurückgeſetzt glaubte, und gegen ihren Vater begleitet, den, wie er behauptete, ein einziges Wort von ihm verrathen könne; hatte der Gedanke, daß Barnard uns— uns— ja, denn Iſora liebte mich und zitterte für meine Sicherheit— verderben könne, ſie erſchreckt und überwältigt— und in dem Augen⸗ blicke, wo man die Hufſchläge meines Pferdes hörte und der rohe Bewerber für den Fall, daß er nicht er⸗ hört werde, Alvarez und mir töbtliche und gewiſſe Rache ſchwor, hatte ſie ſich dem von ihm verlangten Eide gefügt— dem Eſbe, daß ſie das ihr anvertraute 276 Geheimniß nie enthüllen, nie mir zu wiſſen thun wolle wer mein Nebenbuhler ſei. Dies war Alles, was ich von ihrem vorſichtigen Vertrauen erfahren konnte; er hörte den Eid und ver⸗ ſchwand, und ſie war bewußtlos, bis meine Arme ſi umſchlagen; dann ſah ſie in der Liebe und Rachſucht meines Nebenbuhlers ein Hinderniß unſerer Verkin⸗ dung; da ſiegte ihre edelmüthige Beſorgniß meinetme⸗ gen über ihre Liebe, und ſie entſagte mir. Ihre kunz darauf erfolgte Abreiſe aus dem Landhauſe wurde auf den Wunſch ihres Vaters und auf den Antrieb Barnardsſt Förderung von Beider politiſchen Planen ins Werk geſetz von Barnard kam das Geld, womit mir mein Darleihen an Alvarez zurückerſtattet wurde. Ohne Zweifel ver vächtigte mich dieſer Menſch bei dem Vater, denn von nun an ſprach Alvarez nie mehr mit der Zuneigung vnn mir wie früher. Sie begaben ſich nach London; iht Vater war oft abweſend und verkehrte oft mit Leuten, die ſie nie zuvorgeſehen; er blieb nachbenklich und ve⸗ ſchloſſen, und noch immer kannte ſie die Art ſeins Plane und Abſichten nicht. Enblich erſchien nach einer Abweſenheit von meh⸗ reren Wochen auch Barnard wieder, und ſeine Beſucht wurden regelmäßig; er erneuerte ſeine Vewerbung bei ihrem Vater wie bei ihr. Jetzt begann jene häuslich Verfolgung, welche in dieſer tyranniſchen Welt ſo häufz vorkommt, die den Hörer krank macht, und welcher, wäre Iſora ein ſpaniſches Mädchen geweſen, ſie alle Wahrſcheinlichkeit nach nie widerſtanden wäre, ſo ſeht liegen Sitten unt Venehmen ſchon in der Luft der Klt ſal ſie hät gehangen Tages Ba Haus, big ſahen, in Barnard mächtigen mit ſeiner! wurde ihr Iſora auft Vaters wi rettet hätte Nur e angegeben) für welche nachdem w und warte Von der„ vergaß,“ ſ Weiblichke gaß den B nigen; ich thun wolle vorſichtigen id und ver⸗ te Arme ſi d Rachſucht er Verbin⸗ meinetwe⸗ Ihre kun irde auf den Zarnards zt erk geſetzt; Darleihen weifel ver⸗ „denn von eigung von ondon; iht nit Leuten, ch und ver⸗ Art ſeine t von meh⸗ ne Beſuche erbung bei häusliche t ſo häufi d welcher, „ſie aller t der Kli⸗ e, ſo ſeht 277 mate. Aber ſie widerſtand, theils weil ſie mich liebte — und dadurch, daß wir getrennt waren, nur mehr und mehr liebte— theils weil ſie die wilde, bösartige Leidenſchaft meines Nebenbuhlers weit mehr fürchtete, als irgend ein anderes Unglück, mit welchem das Schick⸗ ſal ſie hätte bedrohen können.„So ſoll denn Dein Vater gehangen werden oder Hungers ſterben!“ ſagte eines Tages Barnard in ungezähmter Wuth und verließ ſie. Er kam nicht wieder in das Haus. Des Spaniers Quel⸗ len, welche wahrſcheinlich nur durch Barnard flüſſig er⸗ halien wurden, verſiegten. Sie zogen von Haus zu Haus, bis ſie ſich zu der dürftigen Wohnüng genöthigt ſahen, in welcher ich ſie gefunden hatte. Hier ſuchte ſie Barnard wieder auf; hier drang er, den Mangel als mächtigen Fürſprecher im Hiniergrunde, von Neuem mit ſeiner Bewerbung in ſie, und eben in dieſer Stunde wurde ihr Vater vom Schlage gerührt.„Hier,“ ſagte Iſora aufrichtig,„hätte ich vielleicht um meines armen Vaters willen mich gefügt, wenn Du mich nicht ge⸗ rettet hätteſt.“ Nur ein einzigesmal(ich habe die Zeit oben näher angegeben) machte ihr Barnard in der neuen Wohnung, für welche ich ihr geſorgt, einen Beſuch, und der Tag nachdem wir über dieſen Vonfall geſprochen, wartete und wartete Iſora auf mich, aber ich erſchien nicht. Von der Hausfrau erfuhr ſie endlich die Urſache.„Ich vergaß,“ ſagte ſie ſchüchtern als ſle ſchloß,„ich vergaß Weiblichkeit, Sittſamkeit und Zurückhaltung; ich ver⸗ gaß den Brauch Deines Landes, den Anſtand des mei⸗ nigen; ich vergaß Alles in der Welt, außer Dir— 278 Deinen Leiden und Deiner Gefahr; ſelbſt das Vewußt⸗ ſein meines Daſeins ſchien mich zu verlaſſen, und an veſſen Stelle trat ein athemloſer, verwirrter, betäu⸗ bender Sturm tödtlicher Ungeduld, der nicht nachließ bis ich in Deinem Zimmer und an Deiner Seite war Und— und jetzt, Morton, verachte mich nicht, wei ich nicht mehr überlegt und Dich nicht weniger geliel habe.“ „Dich verachten!“ flüſterte ich und ſchlang mein Arme um ſie und zog ſie an meine Bruſt. Ich fühll ihr Herz gegen das meinige ſchlagen; dieſe Herzen ſpr chen, obwohl unſere Lippen ſchwiegen, und ihre Spras ſchien zu ſagen:„Wir find jetzt vereint und werdh uns nie mehr trennen.“ Das in ſanfter, tiefer Stille herabſcheinende Stu nenlicht war die einzige Leuchte, bei welcher wir ei ander ſahen— es ſchien als Zeuge und Heiligung b inneren Stimme, die wir vernahmen, aber nicht hörtn Unſere Lippen kamen ſich näher und näher, bis ſie ſt begegneten! und in dieſem Kuſſe lag das Vorbild u Verſprechen jener ſpäteren Weihe, welche zwei Lebeni eines verknüpft. Schweigen ſank um uns her, wie ⸗ Schleier, und die ewige Nacht mit ihrem friſchen Thr und ihren hellen Sternen blickte allein auf ven Bun unſerer Herzen— ein Sinnbild der Ewigkeit, der 3 ſche und des überirdiſchen, hehren Glanzes der Lieb auf welche ſie heiligend herabſah. „ ——— 6 v un⸗ Luſt die dan ergö über unſc noza Anfi ſchen Natt ein woll * Philo lich r „die Schie tdeidi gunge das Bewußi⸗ ſſen, und an rte, betä⸗ icht nachließ r Seite war ch nicht, wei eniger gelieb ſchlang mein Herzen ſpn ihre Sprac t wer einende Sts cher wir ei Heiligung b nicht hörts r, bis ſie ſt Vorbild n zwei Lebeni her, wie ⸗ friſchen Thu muf ven Bun keit, der F zes der Lieh 6 u un 8 Drittes Buch. Erſtes Kapitel. Worin die Geſchichte große Fortſchritte macht und durch ein im menſchlichen Leben wichtiges Ereigniß bezeichnet iſt. Von Spinoza erzählt man, es ſei ihm die größte Luſt geweſen, Fliegen in ein Spinnengewebe zu ſetzen; die Abmühungen dieſer ſo gefangenen Inſekten ſollen dann den Augen dieſes ernſten Philoſophen ſo drollig und ergötzlich geſchienen haben, daß er dabei ſtehen und dar⸗ über lachen konnte, bis die Thränen„einander ſeine unſchuldige Naſe herunterjagten.“ Nun war aber Spi⸗ noza trotz der allgemeinen(und, meiner beſcheidenen Anſicht nach, gerechten) Verdammniß ſeiner thevreti⸗ ſchen Lehrſätze“ hinſichtlich ſeines Charakters wie ſeiner Natur, nach dem Ausſpruche Aller, die ihn kannten, ein ausnehmend gutmüthiger, freundlicher und wohl⸗ wollender Menſch; und es ſcheint daher uns ernſten nüch⸗ * Man ſollte indeſſen ſehr vorſichtig ſein, ehe man einen Philoſophen verdammt. Die Anſichten des Lehrers ſind gewöhr⸗ lich rein— die Folgerungen und Zuſätze ſeiner Schüler ſind es, „die das Giſt herausziehen, das die Menſchen verwirrt macht.“ Schiegel ſcheint Spinoza de fonte ſtudirt zu haben und ver⸗ teidigt ihn ſehr ernſtlich gegen ihm zur Laſt gelegte Beſchuldi⸗ gungen— wie Atheismus u. ſ. w. Der Herausgeber. 280 ternen Mitgliedern des unphiloſophiſchen 6 w0 etwas ſeltſam, daß die Kämpfe und Schrecken jenn beflügelten Geſchöpfchen dem guten Metaphyſiker unter Sn einem ſo überaus ſpaßhaften und ergötzlichen Geſichts⸗ punkie erſcheinen konnten. Ich für meinen Theil glaube, daß der phantaſiereiche, ſchwärmeriſche Denker in den umgarnten Fliegen nur ein lebendiges Gleichniß ſah— eine natürliche Erläuterung— ſeiner beliebten Vor⸗ ſtellung von der Nokhwendigkeit; und man darf ihn wegen des Wohlgefallens, womit er auf die gequälten Abbildungen ſeiner Lehre blickte, nicht für grauſamer halten als Lukan, der mit der Wonne eines Dichters bei den verſchiedenen ſinnreichen Arten verweilte, wo⸗ durchdieſer Großinguiſitor in Verſen eine Abwechs⸗ lung ü den einfachen Akt des Sterbens zu bringen ſuchte. Für den Dichter war der hingeſchlachtete Krieger nur eine epiſche Zierde; für den Philoſophen war die ge⸗ mordete Fliege nur eine metaphyſiſche Illuſtration. Denn ohne Fataliſt oder Schüler Baruch“ Spinoza's zu ſein, muß ich geſtehen, daß mir keine größere Ahnlichkeit mit unſerem menſchlichen und irdiſchen Zuſtande denk⸗ bar iſt, als die peinliche Lage der geopferten Fliegen. Plötzlich ſehen wir uns in das große Gewebe— die Welt— verfangen; und wie das Thierchen, wenn es ſich zum erſtenmale einem ſolchen Zufalle der Nothwen⸗ digkeit ausgeſetzt ſieht, erſtaunt ſtill hält und nur nach und nach zur vollen Einſicht ſeiner Lage erwacht, ſo bleiben auch wir im Anfange ſcheu und verwirrt in dem * Spinoza überſetzte dieſen Vornamen in Benedict. Der Ueberſetzer. Bewuol d arer uns u uns Feind ſchon wir dieſer meſſen uns u migen wir a komme tern, 1 Winke wir pr hutſam vas gr wir an bleibt ſ Schrit wir un neuen unbeſti welche — die Verwat bewußt Seele i wir ver hinaus Bewuol enend ater uns umgebenden Netze, noch unkundig der Mühen um uns her und des ſchlauen, finſteren, unverſöhnlichen Feindes, der dort im Winkel lauert und ſich innerlich ſchon über unſere Vernichtung freut. Jetzt erwachen wir— bewegen uns— flattern— und das Schickſal, dieſer Feind, die alte Erzſpinne, deren Magen nicht zu meſſen iſt— heftet jetzt eines ihrer vielen Augen auf uns und läßt uns einen Theil ihres häßlichen, grim⸗ migen Geſichtes ſehen. In ſtummem Schrecken halten wir an— wir blicken auf das häßliche, nur unvoll⸗ kommen ſichtbare Geſpenſt— das Netz hört auf zu zit⸗ tern, und der hinteriiſtige Feind zieht ſich ſtill in ſeinen Winkel zurück. Jetzt fangen wir wieder an zu athmen, wir prüfen den unheimlichen Voden unter uns— be⸗ hutſam ſchreiten wir darauf vorwärts und wieder kommt das gräuliche Ungehener auf uns zu; abermals halten wir an— der Feind zieht ſich nicht zurück, ſondern bleibt ſtehen und überblickt uns;— wir ſehen, daß jeder Schritt mit Gefahr verbunden iſt— verzweifelnd blicken wir uns überall hin um— plötzlich fühlen wir einen neuen Antrieb, neue Kraft in uns!— wir fühlen eine unbeſtimmte Sympathie mit der unbekannten Gegend, welche ſich jenſeits dieſes großen Netzes ausbreitet; — dieſes grenzenloſe Jenſeits hat eine geheime Verwandtſchaft mit einem Theile unſeres Selbſt— un⸗ bewußt breiten wir unſere Schwingen aus Genn die Seele iſt für uns, was die Flügel für die Muͤcke)— wir verſuchen uns zu erheben— über dieſe gefährliche inze emporzuſchweben, über die wir nicht einmal hinaustlechen können. Die alte Spinne bewacht uns in verborgener Stille, und indem wir zu unſerer heimath⸗ lichen Luft aufblicken, denken wir— jetzt wollen wir vir entrinnen. Vergebens! wir erheben uns nicht ein Haarbreit— wir haben wohl die Flügel, aber unſere Füße ſind angefeſſelt. Wieder mühen wir uns verzweif⸗ lungsvoll ab— das ganze Netz zittert unter der An⸗ ſtrengung— es will unter unſerer Kraft zerreißen. Nicht voch!— wir laſſen ab— wir verſtricken uns feſter als je! Flügel— Füße— der ganze Körper ſind von modrigem Schleime überzogen!— wohin ſollen wir uns wenden? jeder Faden des Gewebes führt der einen Höhle zu,— wir wiſſen nichts— wir wollen nichts— wir ſind blind— verwirrt— verloren. Die Augen un⸗ ſeres häßlichen Feindes ſtieren uns an— er feuchtet ſeinen unerſättlichen Kropf— er macht einen Sprung gegen uns— er umklammert uns mit ſeinen Fängen— und ſo endet mein Gleichniß! Aber was hat daſſelbe mit meiner Erzählung zu thun? Ja, Leſer, das iſt deine Frage, und ich will ſie purch eine ſolche von mir beantworten. Wenn du einen Men⸗ ſchen moraliſiren und vom Schickſal predigen hörſt, biſt Du dann nicht überzeugt, daß er dir irgend ein heſon⸗ deres Unglück erzählen wird, das ihn betroffen? Der Schmerz liebt die Parabel, wie die Fröhlichkeit den Spaß, und ſo bereite ich dich ſchon jetzt beim Beginn dieſes dritten Abſchnittes, in welche die Geſchichte mei⸗ nes bunten, wilden Lebens zerfällt, noch in der Ferne auf das Ereigniß vor, das den beſagten Sit be⸗ ſchließen ſoll.— Drei Monate ſeit meiner vollkommenen delelun von meine Iſora ver geheim noch ein g Von: um mich; hatte, ver bald nach ich über d rung. Wé gen, ſehr in Devere wärme atl er in unſ fühle, daß wenn er v fungen ſpr wieder las wenn ich tet, meine zeugen, de kleinen Br gewöhnlick vereux⸗Co William, hin, und Zeiten ein und Buße Nun! Oheim we heimath⸗ llen wir nicht ein ber unſere verzweif⸗ r der An⸗ zerreißen. uns feſter ſind von ollen wir der einen nichts— Augen un⸗ r feuchtet n Sprung Fängen— zu thun lſie purch nen Men⸗ hörſt, biſt ein heſon⸗ fen? Der chkeit den m Begin ichte mei⸗ der Ferne ſchnitt be⸗ —— Zeſtellung von meinen Wunden ſind verfloſſen, und ich bin mit Iſora verheirathet!— verheirathet— ja, aber ins⸗ geheim verheirathet, und dieſe Ceremonie iſt bis jetzt noch ein großes Geheimniß. Ich will mich erklären. Von dem Augenblicke an, wo Iſora's Beſorgniß um mich ſie über die Schwelle meines Hauſes geführt hatte, verlangte ihre Ehre, daß unſere Vermählung als⸗ bald nach meiner Herftellung ſtattfinde— ſo weit war ich über die Maßregel entſchieden— und zur Ausfüh⸗ rung. Während meiner Krankheit erhielt ich einen lan⸗ gen, ſehr zärtlichen Brief von Aubrey, der ſich damals in Devereur⸗Court befand. So viel Liebe und Herzens⸗ wärme athmete aus dieſem Briefe— ſo eingetaucht war er in unſere häuslichen Erinnerungen und Kinderge⸗ fühle, daß er, verbunden mit einer gewiſſen Düſterheit, wenn er von ſich, ſeinen weltlichen Sünden und Prü⸗ fungen ſprach, mir Thränen auspreßte, ſo oft ich ihn wieder las;— und oftmals, oftmals ſpäter nahm ich, wenn ich glaubte, des Bruders Liebe ſei für mich erkal⸗ tet, meine Zuflucht zu dieſem Briefe, um mich zu über⸗ zeugen, daß ich irre. Kurz darauf erhielt ich auch einen kleinen Brief von meinem Oheime; er war liebevoll, wie gewöhnlich, und erwähnte Aubrey's Rückkehr nach De⸗ vereux⸗Court;„dieſer unglückliche Junge,“ ſagte Sir William, gibt ſich mehr als je ſeinen Andachtsübungen hin, und ich glaube nicht, daß ſelbſt in den finſteren Zeiten ein von Pfaffen gerittener armer Teufel Geißel und Buße dermaßen in Anwendung brachte.“ Nun habe ich bereits bemerkt, daß ich wußte, mein Oheim werde Vieles gegen meine heabſichtigte Verbin⸗ — dung einzuwenden haben, und als ich hörte, vaß Aubrey wieder zu Hauſe ſei, beſchloß ich, dieſen bei Beantwor⸗ tung ſeines Briefes zu bitten, er möge Sir William über den mir am meiſten am Herzen liegenden Gegen⸗ ſtand ausforſchen und ſich genau über die Art und Aus⸗ dehnung des Widerſpruches vergewiſſern, auf welchen ich bei meinem Vorhaben ſtoßen würde. Mit derſelben Poſt ſchrieb ich dem guten, alten Ritter mit ſo viel Kunſt, als mir nur möglich war, und verbreitete mich etwas weitſchweifig über meine Leirenſchaft, ſo wie über die zahlreichen guten Eigenſchaften des Gegenſtandes Leſ⸗ ſelben, nannte aber ihren Namen nicht; ich fügte noch Alles hinzu, wovon ich hoffen konnte, es werde mir das gütige, warme Gemüth meines Oheimes gewinnen. Auf dieſe Briefe erhielt ich nachſtehende Antworten: Von Sir Willium Devereur. „Gott's Tod! Neffe Morton— doch ich will Dich nicht ſchelten, obwohl Du es verdienſt. Sehen wir doch, kaum biſt Du zwanzig Jahre alt, und redeſt vom Hei⸗ rathen, dem ausſchließlichen Geſchäfte des mittleren Alters, ſo vertraut wie ein dreizehnjähriges Mädchen von ihrem Schvoßhunde. Heirathen!— hänge Dich lieber auf. Heirathen, mein lieber Junge, iſt im beſten Falle ein verrätheriſches Ding, und ein Freund— ein wahrer Freund wird einem anderen nie rathen, ſich da⸗ mit zu beeilen. Siehe— ich habe Erfahrung in dieſer Geſchichte, und ich glaube, in dem Augenblicke, wo ein Weib unter eine Haube koinmt, geht irgend eine ſchreck⸗ liche Veränderung in ihrem ganzen Syſteme vor; alle ihre frühe wie Eier a erſcheinen Seite, we armen Ehe Fiſch, Mo ich Erfahr Du Dir v endlich ein griffe ſtünt Hofe dadu für Dich ſ keine Entſe wie ein Ju denken kant die heißen, Lande iſt? noch ein ſt einem engli wäre, mußt machen! N ſem Lande tere bei dem ich nun nie Enterbung etwas für d wieſen, un unbedeutent ſpaniſchen? alſo nicht m Aubrey ntwor⸗ zilliam Gegen⸗ d Aus⸗ velchen rſelben ſo viel te mich ie über es deſ⸗ te noch nir das n. Auf 285 ihre früheren guten Eigenſchaften verſchwinden im Nu, wie Eier aus der Schachtel eines Taſchenſpielers,— ſie erſcheinen zwar auf der andern Seite der Schachtel, der Seite, welche anderen Leuten zugewandt iſt, für den armen Ehemann aber ſind ſie auf immer verloren. Potz Fiſch, Morton, laß ab! Ich ſage Dir noch einmal, daß ich Erfahrung in dieſem Dinge habe, die Du, ſo klug Du Dir vorkommſt, noch nie gemacht haſt. Wäre es endlich eine gute Partie, welche Du zu machen im Be⸗ griffe ſtündeſt— wenn Du Macht, Geld, Stellen bei Hofe dadurch errängeſt, nun, ſo ließe ſich noch etwas für Dich ſagen. Wie die Sachen aber ſtehen, gibt es keine Entſchuldigung— gar keine. Und ich bin erſtaunt, wie ein Junge von Deinem Verſtande an ſolchen Unſinn denken kann. Geburt, Morton, was zum Teufel will die heißen, ſo lange es eine Geburt in einem anderen Lande iſt? Ein fremdes Dämchen, und vollends gar noch ein ſpaniſches! Gott's Tod, Junge, als ob in einem engliſchen Weibe nicht Queckſilber genug für Dich wäre, mußt Du gar eine Mereurialeinfuhr aus Spanien machen! Na, Morton,— Morton, die Frauen in die⸗ ſem Lande ſind zum Sprüchworte geworden.— Ich zit⸗ tere bei dem bloßen Gedanken. Meine Zuſtimmung werbe ich nun nie geben— nie, und obwohl ich Dir nicht mit Enterbung und dergleichen drohe, ſo fordere ich doch etwas für die große Liebe, die ich ſtets gegen Dich be⸗ wieſen, und ich zweifle nicht, daß Du mir in einer ſo unbedeutenden Sache, wie das Aufgeben einer bloßen ſpaniſchen Donna gerne zu Willen ſein wirſt. Denke alſo nicht mehr an ſie. Willſt Du nur den Hof machen, ſo gibt es ja Damen genug, die Du nicht zu heirathen brauchſt. Ich für meinen Theil glaubte, Du ſeieſt Alles in Allem bei der Lady Haſſelton— der Himmel ſegne ihr hübſches Geſicht! Nun, glaube nicht, ich wolle Dich ſchelten— und halte Deinen alten Oheim nicht für hart — Gott weiß es, er iſt es nicht; aber mein lieber, lie⸗ ber Junge, davon kann nie die Rede ſein, und Du mußt mir nicht mehr davon ſprechen. Die Gicht lähmt mich dergeſtalt, daß ich ſchließen muß. Stets Dein alter Oheim William Devereur.“ „N. S. Bel reiflicher überlegung denke ich, mein guter Junge, Du müſſeſt Geld brauchen; Du biſt immer zu ſparſam. Die Herren Child oder meine Bankiers in Aldersgate ſind von mir angewieſen, gegen Deine Un⸗ terſchrift auszubezahlen, was Du auch verlangen magſt; und ich hoffe, es werde Dir an Nichts fehlen, um Dich ſtiets luſtig zu machen. Warum ſchreibſt Du keine Ko⸗ mödie? Iſt dies nicht mehr Mode?“ PVon Aubrey Devereur. „Deinem Wunſche gemäß, lieber Mortvn, habe ich den Oheim ausgeforſcht und muß Dir zu meinem Bedauern ſagen, daß ich ihn unerbittlich gefunden habe. Der Brief, den Du ihm geſchrieben, hatte ihn ſehr verbroſſen, und er erklärte, er werde Dir alsbald über die Sache ſchreiben. Ich habe ihm Alles vorgeſtellt, was Du über die Vorzüge Deiner künftigen Braut ſagſt; auch behauptete ich, Dein klares Urtheil und Dein ſcharfer Verſtand in faſt allen Beziehungen ſeien hin⸗ reichend kennſt di urtheil: und er brechen halten g einer un iſt, an Hier liebevoll mein eig beleidige bei einer ſtand, u Steckenp eine per mir auch mich gef daß es m wenn ni Punkte dieſer Tl ternden zuruͤck. Nun ſo viel a * Eir male des mit dem irgend ein dafür mae heirathen ſeieſt Alles nmel ſegne wolle Dich ht für hart! lieber, lie⸗ d Du mußt ähmt mich reux.“ ich, mein biſt immer Bankiers in Deine Un⸗ en magſt; „um Dich keine Ko⸗ 1 rton, habe zu meinem inden habe te ihn ſehr lsbald über eſtellt, was raut ſagſt; und Dein ſeien hin⸗ reichende Bürgſchaft auch in dieſem Punkte. Aber Du kennſt die ungebundenen Anſichten und das herabſetzende urtheil über Frauen, welche bei dem Oheime feſtſtehen; und er wäre, glaube ich, über das abſcheuliche Ver⸗ brechen einer ungeſetzlichen Verbindung weniger unge⸗ halten geweſen als über die liebenswürdige Schwäche einer unklugen Heirath, ſo lange es nicht an der Zeit iſt, an einen Erben des Gutes zu denken.“ Hier brach Aubrey ab und deutete mir ſofort in dem liebevollſten und wärmſten Tone die Gefahr an, der ich mein eigenes Intereſſe ausſetze, wenn ich den Oheim beleidige, der ungeachtet ſeiner großen Gutmüthigkeit bei einem Zerwürfniſſe über einen ſo delikaten Gegen⸗ ſtand, wie ſeine ſchwache Seite und ſein geliebtes Steckenpferd nun einmal ſeien, meinen Ungehorſam als eine perſönliche Beleidigung anſehen würde. Er rief mir auch Alles ins Gedächtniß, was mein Oheim für mich gefühlt und gethan, und beſtand jedenfalls darauf, daß es meine unerläßliche Pflicht ſei, mein Vorhaben, wenn nicht aufzugeben, doch aufzuſchieben. über dieſe Punkte verbreitete er ſich weitläufig und beredt, und dieſer Theil ſeines Briefes ließ wahrlich keinen aufhei⸗ ternden oder tröſtlichen Eindruck in meinem Gemüthe zuruͤck. Nun verſtand aber mein guter Oheim von der Liebe ſo viel als Lucius Mummius von den ſchönen Künſten,* „Ein römiſcher Conſul, der, als er die berühmten Denk⸗ male des griechiſchen Alterthums nach Rom bringen ließ, den mit dem Transport beauftragten Perſonen verſicherte, wenn ſie irgend ein Kunſtwerk zerbrächen, müßten ſie ſogleich ein neues dafür machen laſſen. 288 und ihn zu überzengen, daß bei dem einmal gefühlten Bedürfniſſe nach einer zärtlichen Leidenſchaft das eine Weib nicht genau eben ſo gut ſei als das andere— gleiche Schönheit vorausgeſetzt— war unmöglich. ch ſah daher ein, daß er unfähig ſei, einerſeits meine Liebe zu Iſora, andererſeits ihre Anſprüche an mich zu begreifen. Ich hatte natürlich der edelmüthigen Unkluz⸗ heit, welche Iſora auf die Kunde von meiner Verwun⸗ dung in meine Wohnung geführt hatte, nicht erwähnt, denn hätte ich es gethan ſo würde doch mein Ohein mit dem Auge eines Höflinges Karls II. nur den Vor⸗ theil, der aus einer ſolchen Ungereimtheit zu ziehen war, nicht aber die der Aufopferung ſchuldige Dant⸗ barkeit eingeſehen haben; auch hatte ich dieſes Umſtandes nicht gegen Aubrey erwähnt— er ſchien mir für ein ſchriftliche Mittheilung zu belikat, und ſo konnte dieſer, wenn er mir rieth, meine Verbindung aufzuſchieben, nichts von der Nothwendigkeit wiſſen, welche die Aus⸗ führung dieſes Rathes unmöglich machte. So befand ich mich denn in ver Verlegenheit, entweber ſogleich zu heirathen und ſo durch eine dem Anſcheine nach höchſt übereilte und grobe Verletzung des Anſtandes einen Mann, den ich ſo ſehr liebte wie meinen Oheim, auf⸗ zubringen, zu verletzen und, je nachdem er die Sache auslegte, zu verachten— oder die Heirath aufzuſchie⸗ ben, mich von Iſora zu trennen und meine zukünftige Gattin den bösartigen Folgerungen preiszugeben, welche man nothwendig aus einem wochenlangen Aufenthalte unter meinem Dache ableiten mußte. Eine ſolche That⸗ ſache etwa zu verheimlichen, war nicht möglich; Be⸗ vienten mehr 3 lichemt Peſt der unmögli dritten? ſolche be räumte ungedul Schutz, lichen A ſelbe feſt Indelika durch N gegenzuh und Gel endlich 1 oder ſpä ſichtlich! Daß Einwürf Einwürf mich, un von dem überwind Iſora's( einen Ma ſchaft. Weſen, 1 war ſie1 Bulw al gefühlten aft das ein s andere— möglich. Ich rſeits meine e an mich zu igen Unklug⸗ ner Verwun⸗ cht erwähnt, mein Ohein ur den Vor⸗ it zu ziehen uldige Dank⸗ es Umſtandes mir für eine onnte dieſer, ufzuſchieben, che die Aus⸗ So befand r ſogleich nach höchſ ndes einen heim, auf⸗ die Sache aufzuſchie⸗ zukünftige ben, welche dienten— die Schurken, wie haſſe ich ſie!— haben mehr Zungen als Argus Augen hatte, und in jngend⸗ lichem übermuthe hatie ich mein ganzes Haus mit dieſer Peſt der Geſellſchaft gefüllt. Der letztere Ausweg war unmöglich, der erſtere höchſt peinlich. Gab es keinen vritten?— Dieſer war eine geheime Heirath. Eine ſolche begegnete zwar nicht jedem übelſtand, allein ſie räumte manchen aus dem Wege; ſie befriedigte meine ungeduldige Liebe, ſtellte Iſora unter einen ſicheren Schutz, wahrte in dem Augenblicke, wo man den kirch⸗ lichen Akt bekannt machte, ihre Ehre und ſtellte die⸗ ſelbe feſt, und umging die ſcheinbare Undankbarkeit und Indelikateſſe, meinem Oheime, ohne den Verſuch, ihn durch Nachgiebigkeit milder zu ſtimmen, gerabezu ent⸗ gegenzuhandeln. Ich bekomme dadurch, dachte ich, Zeit und Gelegenheit, ihn zu erweichen, zu überreden und endlich die Einwilligung zu erlangen, die ich früher oder ſpäter ſeiner Herzensgüte abzugewinnen zuver⸗ ſichtlich hoffte. Daß ſich auch dieſem vermittelnden Auswege mehre Einwürfe entgegenſtellten, war nicht zu läugnen. Dieſe Einwürfe bezogen ſich jedoch mehr auf Iſora als auf mich, und ſie war die Erſte, als ich ihr einen Wink von dem Plane gab, welche deſſen Schwierigkeiten zu überwinden wußte. Großmuth war der Hauptzug in Iſora's Charakter, und wahrlich, ich kenne weder für einen Mann noch für ein Weib eine gefährlichere Eigen⸗ ſchaft. Sie ſelbſt war gewiß das letzte menſchliche Weſen, das ſie in Betracht zu ziehen ſchien, und kaum war ſie mit ſich über die Maßregel einig, welche bie Bulwer, Deverenr. 1. ¹9 290 räthlichſte für mich ſei, ſo beſtand ſie alsbald darauf. Wäre es mir möglich geweſen— der ich für einen Welt⸗ und Lebemann galt— nein, mein guter Oheim, ſo ſehr es mir zu Herzen ging, dich ſo im Stillen zu ver⸗ letzen— es wäre mir nicht möglich geweſen, wenn ich auch nicht mein ganzes Weſen in Liebe umgeſchmolzen hätte; ſelbſt wenn Iſora mir nicht geweſen wäre, was mir ein einziges Lächeln Iſora's war— es wäre mir nicht möglich geweſen, ein ſo edles, ſo göttliches Herz aufzuvpfern und mich durch dieſes Opfer auf immer elend zu machen. Nein, mein guter Oheim, dieſe Un⸗ terwürfigkeit unter deine Erfahrung, und vollends unier deine Vorurtheile, wäre mir nicht möglich geweſen. Wenn ich indeſſen dem Charakter des Ritters nicht ſehr Unrecht gethan habe, ſo hoffe ich, daß ihm ſelbſt die jüngſten Leſer einen Mangel an Mitgefühl für die ein⸗ zige Empfindung vergeben werden, wenn ſie bedenken, wie empfänglich der treffliche alte Mann für alle anderen Gefühle war. Und hiemit könnie ich eine Fülle von Weisheit über die ſo höchſt geheimnißvolle Leidenſchaft der Liebe ent⸗ wickeln. Ich könnte durch Nachweiſung ihrer Urſachen und ihrer unzertrennlichen Verkettung mit der Einbil⸗ dungskraft zeigen, daß nur unter gewiſſen Ständen der Geſellſchaft, wie auch nur in gewiſſen Abſchnitten des Lebens wirkliche, teine, hohe Liebe aufkeimen kann Ju ich könnte bis zur Genauigkeit eines wahren Problems darthun, daß es am Hofe Karls II. für ein ſolches Gefühl eben ſo unmöglich war, Wurzel zu faſſen, als für einen Myrtenbaum ans einer Duvillierperüke auf⸗ meines Zeugen, ſie beina kleines umgeben trotzte. 4 beſtimmt angenehn ich ſie m verſchwer hin brach junge Ge meiner Z nommen, ſich mein welche di machte, und Ma ſcher Un alb darauf. inen Welit⸗ Dheim, ſo len zu ver⸗ , wenn ich geſchmolzen wäre, was wäre mir liches Herz auf immer „dieſe Un⸗ lends unter h geweſen. nicht ſehr n ſelbſt die für die ein⸗ e bedenken, Me anderen isheit über Liebe ent⸗ er Urſachen der Einbil⸗ tänden der hnitten des nkann. Ju Problems ein ſolches faſſen, als erüe auſ⸗ zuſproſſen. Von keinem Menſchen, wenn er auch noch ſo zartfühlend und liebevoll iſt, dürfen wir erwarten, daß er Mitgefühl für ſolche Empfindungen eines An⸗ deren habe, die nach der Art ſeiner Geburt und Stellung nur ein Wunder in ihm hätte erſtehen machen können. Wir wurden dann insgeheim durch einen katholiſchen Prieſter getraut. St. John und eine alte Dame, welche meines Vaters Pathin geweſen, waren die einzigen Zeugen, denn ich wünſchte, daß ein weibliches Weſen bei dieſer Feierlichkeit anweſend war, und dieſe alte Dame konnte kein Geheimniß ausplaudern, da wegen ihrer ungeheuren Taubheit Niemand mit ihr ſprach und ſie beinahe nie aus dem Hauſe kam. Ich miethete ein kleines Haus in der ummittelbaren Nähe von London; auf allen Seiten war dafſelbe von einer hohen Mauer umgeben, welche der Neugierde wie einem Angriffe trotzte. Dies war wirklich der einzige Grund, der mich beſtimmt hatte, ſie mancher anderen glänzenderen oder angenehmeren Wohnung vorzuziehen. Im Inneren hatte ich ſie mit all dem Aufwand ausgeſtattet, den mir der verſchwenderiſcheſte Reichthum verſchaffen konnte. Dort⸗ hin brachte ich unter einem angenommenen Namen meine junge Gattin und dort verlebte ich den größeren Theil meiner Zeit. Die Leute, welche ich in das Haus ge⸗ nommen, glaubten, ich ſei ein reicher Kaufmann, womit ſich meine häufigen Abweſenheiten—(Abweſenheiten, welche die Klugheit gebot)— der Aufwand, den ich machte, und die Vorſichtsmaßregeln mit Rie gel, Thor und Mauer, welche ſie als das Ergebniß kaufmänui⸗ ſcher Ungſtlichkeit anſahen, wohl vertrugen. 292 O Wonnerauſch des ſüßen Elyſiums, des Tabmor in der Wüſte des Lebens— des Beſitzes Derjenigen, welche wir zuerſt liebten! Es iſt, als vereinigten ſich Poeſie, Muſik, Licht und friſcher Blumenduft zu einem Weſen, und aus dieſem Weſen entſpränge unſer Da⸗ ſein! Es iſt zum Entzücken geſteigerte Zu⸗ friedenheit— Nichts mehr zu wünſchen und doch Alles zu fühlen War dies die Luft, die ich bisher geath⸗ met? dies die Erde, die ich bisher geſehen? Nein, mein Herz wohnte in einer neuen Welt, und all die unſtäten, ruheloſen Gefühle waren in ein Gefühl verſchmolzen — in tiefe, ſtille, unerſchöpfliche Wonne 1 Doch zu viel von dieſer Art ver Liebe paßt nicht für eine Erzählung aus der großen Welt, und ich will im Intereſſe des Leſers zu weltlichem Umgange zurück⸗ kehren. Seit ich Iſora zum erſtenmale wieder getroffen, hatte ich alle früheren Beſchäftigungen und Bekannt⸗ ſchaften, welche meine Zeit ſo angenehm in Anſpruch genommen, vermieden. Tarleton war der Erſte, dem mein neues Leben unangenehm auffiel. „Was hat Dich ſo verändert?“ fragte er;„Du trinkſt nicht, Du ſpielſt nicht? Die Damen ſagen, Du ſeieſt langweiliger geworden als ein Pfarrer aus Nor⸗ folt, und weder das Puppenſpiel, noch das Waſſer⸗ theater, weder die Frühlingsgärten noch der Ring, weder Billi's, noch der Kit⸗Cat, weder der Maulbeet⸗ garten, noch die neue Börſe ſind jetzt Zeugen Deiner Huldigung und Ergebenheit.— Was iſt über Dich g⸗ kommen?— ſprich!“ „ſberdruß!“ Gelder an, wo eine Si Man ke leton ge in eine ärgerlic in demſ von mir unſerer geſchlur kleinen des Tadmor Derjenigen, einigten ſich ftzu einem e unſer Da⸗ gerte Zu⸗ en und doch bisher geath⸗ Nein, mein die unſtäten, verſchmolzen aßt nicht für d ich will im ange zurück⸗ er getroffen, nd Bekannt⸗ in Anſpruch Erſte, dem te er;„Du ſagen, Du er aus Nor⸗ das Waſſer⸗ der Ring, Maulbeer⸗ „Ha!— Ich verſtehe— Du biſt vieſer Dinge mübe — pfui, Mann!— gehe auf's Land, die grünen Na⸗ deln werden Dich wieder lebendig machen und Dich als einen neuen Menſchen nach London zurückſchicken! Man würde doch die Stadt unerträglich langweilig finden, wenn nicht glücklicherweiſe das Land noch tauſendmal langweiliger wäre— gehe auf's Land, Graf, oder ich künde Dir die Freundſchaft auf.“ „Kündige!“ ſagte ich gähnend, und Tarleton ward empfindlich und that, wie ich ihn gebeten. Nun war ich meines Freundes ſo leicht los geworden, als ich ihn gefunden— eine Sache, die ſich wohl nicht ſo bald ge⸗ macht hätte, hätte mir nicht Herr Tarleton gewiſſe Gelder geſchulbet, hinfichtlich deren von dem Augenblicke an, wo er„mir die Freundſchaft aufgeſagt,“ nur noch eine Silbe zu ſagen ihm die gute Erziehung verbot. Man kennt den Werth des Geldes nicht, ſo lange man nicht ſparſam damit umzugehen weiß. So viel von dem Freunde; jetzt von der Gebieterin. Laby Haſſelton hatte, wie Tarleton ſchon angedeutet, beſchloſſen, mir einen kleinen Streich zu ſpielen; die Gründe unſeres Bruches waren wirklich, wie ich Tar⸗ leton geſagt, die großen Folgen kleiner Dinge. Sie lebte in einem Meer von Kleinigkeiten und war verzweifelt ärgerlich, wenn der Anbeter nicht immer ein Luſtbvot in demſelben Ocean umhertrieb. Dies hieß nun zu viel von mir erwarten, und nachdem wir die ſeidenen Fäden unſerer Liebe in olle nur mögliche phantaſtiſche Formen geſchlungen, zerfielen wir eines Abends und riſſen die kleinen Knoten entzwei. Kaum hatte ich mit Tarleton 294 gebvochen, ſo nahm ihn Lady Haſſelton an meine Stelle an, und eine Woche ſpäter wurde ich durch einen ano⸗ nymen Brief beglückt, der mir ſagte, wie eine Dame vom Hofe eine heftige Leidenſchaft gefaßt habe und mich aufforderte, an einem beſtimmten Orte mit ihr zuſammenzutreffen. Ich überflog den Brief zweimal und entdeckte an einer Stelle deſſelben zwei g's, welche Lady Haſſeltons Hand eigenthümlich waren, wenn auch das übrige(die ſchlechte Orthographie ausgenommen) ziem⸗ lich gut entſtellt war. Fielding war eben bei mir.„Was beunruhigt Sie?“ fragte er und brachte ſeine Knie⸗ ſchnallen in Orbnung. „Leſen Sie!“ antwortete ich und gab ihm den Brief. „Gott verdamm' mich, Sie find ein glücklicher Kerl!“ rief der Stutzer.„Auf den Flügeln der Liebe werden Sie dahin eilen.“ „Keineswegs,“ ſagte ich;„ich vermuthe, daß es von einer reichen, alten Wittwe kommt, die mir in den Tod zuwider iſt.“ „Von einer reichen, alten Wittwe!“ wiederholte Herr Fielding, für deſſen Augen ein Leibgedinge etwas ſehr Anziehendes hatte, und welcher daher der Anſicht war, daß ſelten jungfräuliche Blüte ein Wittwengewand aufwäge.„Eine reiche, alte Wittwe— Sie haben Recht, Graf, Sie haben Recht. Gohen Sie nicht, den⸗ ken Sie nicht daran. Ich kann dieſe verdorbenen Krea⸗ turen nicht ausſtehen. Eine Wittwe, natürlich— ein ſchöner Hohn auf Ihre Galanterie.“ Sehr wahr,“ bemerkte ich.„Gedenken Sie meine Stelle zu vertreten?“ „Li ving un um übe Bre ſich an einer tü gunſt er erzähler ganzen narrani me fab werden miséral Ich gangen, obiger e ebenſo als es f ſehen he liche No und Fre monmor finden d zählung Ich wendun! lichem„ Ich ſchr daß ich Devereu teine Stelle einen ano⸗ ine Dame t habe und te mit ihr weimal und welche Lady in auch das men) ziem⸗ mir.„Was ſeine Knie⸗ nden Brief. cher Kerl!“ werden Sie he, daß es mir in den wiederholte dinge etwas der Anſicht wengewand Sie haben nicht, den⸗ enen Krea⸗ rlich— ein Sie meine „Lieber mich tobt ſchießen laſſen,“ ſagte Herr Fiel⸗ ving und bat mich, als er ſich empfahl, um den Brief, um überzuckerte Pflaumen darein zu wickeln. Brauche ich noch hinzuzufügen, daß Herr Fielbing ſich an den bezeichneten Ort begab, wo er in der Form einer tüchtigen Tracht Prügel die mir zugedachte Liebes⸗ gunſt erhielt? Jetzt war es an mir, die Geſchichte zu erzählen, nicht an Lady Haſſelton— und das macht ten ganzen Unterſchied in der Art zu erzählen aus— me narrante, de te fabula narratur— te narrante, de me fahula etc. Arme Laby Haſſelion! Ausgelacht zu werden und Tarleton zum Liebhaber zu haben, quelle misérable! Ich bin in meiner Geſchichte etwas rückwärts ge⸗ gangen, um meines Freundes und meiner Gebieterin in obiger ehrenhaften Weiſe zu erwähnen. Ich glaube dies ebenſo ſehr ihren eigenen Verdienſten ſchuldig zu ſein, als es für junge Herren, welche die Welt noch nicht ge⸗ ſehen haben, eine Lehre ſein mag, um ihnen die eigent⸗ liche Natur und die wahrſcheinliche Dauer aller Liebe und Freundſchaft zu zeigen, wie ſie ſich in der Groß⸗ monmvuthſtraße glänzender, beſchädigter Zuneigungen finden dürften! Jetzt nehme ich den Faden meiner Er⸗ zählung wieder auf. Ich ſchrieb an Aubrey, dankte ihm für ſeine Ver⸗ wendung, verheimlichte ihm aber noch bis zu perſön⸗ lichem Zuſammentreffen den Ausweg, den ich ergriffen. Ich ſchrieb auch an meinen Oheim und verſicherte ihn, daß ich in Bälde eine Gelegenheit ergreifen werde, nach Devereur⸗Court zu eilen und den Inhalt ſeines Briefes 296 mit ihm zu beſprechen. Nach Verfluß einiger Wochen erhielt ich nachſtehende Antworten; die zweite traf mehre Tage nach der erſten ein. Von Aubrey Pevereur. „Mit Vergnügen erſehe ich aus Deinem Briefe, ſo undeutlich Du Dich auch darin ausdrückſt, daß Du mei⸗ nen Rath befolgt haſt. Binnen Kurzem werde ich Dir ausführlicher ſchreiben; in dieſem Augenblicke ſtehe ich im Begriffe, nach dem Norden von England abzureiſen, und habe nur Zeit, Dich meiner Liebe zu verſichern. Aubrey Devereur.“ „N. S. Gerald iſt in London— haſt Du ihn ge⸗ ſehen? O dieſe Welt! dieſe Welt! wie ſie ſich an uns klammert trotz unſerer Erziehung— unſeren Wünſchen, unſerem Gewiſſen, unſerem Vewußtſein von dem furcht⸗ haren Jenſeits!“ Prief von Sir Willium Pevereur. „Mein lieber Neffe! „Habe Dank für Deinen Brief, die neuen Komödien, die Du mir geſchickt haſt, und das drollige, neue Blatt, den Speetator; es iſt ziemlich leicht gehalten— obwohl nicht ſo geiſtreich als Rocheſter oder der kleine Sid es geſchrieben haben würden; aber ich danke Dir dafür, weil es mir beweist, daß Du auf Deinen alten Oheim nicht böſe biſt, daß er ſich Deinen Liebesgrillen wider⸗ ſetzte(in welch letzterem Punkte die meiſten jungen Leute verzweifelt hartnäckig ſind), indem Du ſo freundlich füt ſeine Unterhaltung ſorgteſt. Nun, ich hoffe, Morton, Du ha und ich zu mir als ein dieſem „A allein- währen terer Z wenni ſie ein Gott's Weſen deſſen 2 betrifft weiß ni Geſicht Neues, ich mich in ſich! möglich einen 2 komme, ſicht wi Aubrey doppelt 3ch füh niß zu viele M mal üb iger Wochen te traf mehre m Briefe, ſo daß Du mei⸗ ere ich eDir licke ſtehe ich d abzureiſen, verſichern. erur Du ihn ge⸗ e ſich an uns n Wünſchen, ndem furcht⸗ ut. en Komödien, „neue Blatt, en— obwohl kleine Sid es e Dir dafür, alten Oheim rillen wider⸗ jungen Leute freundlich für ffe, Morton, 297 Du haſt Dir dieſe Grille ganz aus dem Kopfe geſchlagen, und ich bitte Dich, ſprich mir Nichts davon, wenn Du zu mir kommſt. Ich haſſe die Heirathsgeſpräche mehr, als ein Knabe das Stäupen— potz Ziſch, ſo iſt's. In dieſem Punkte mußt Du mir alſo ſchon nachgeben. „Aubrey hat mich wieder verlaſſen, und ich bin ganz allein— nicht als ob ich viel beſſer daran geweſen wäre, während er ſich noch hier befand, denn er mied in letz⸗ terer Zeit mein armes Zimmer wie ein Lazareth, und wenn ich mit ſeiner Mutter darüber ſprach, ſo murmelte ſie etwas von„„Beiſpiel““ und„„Verführung.““ Gott's Tod, Morton, iſt Dein alter Oheim, der alle Weſen bis zu dem armen Ponto hinab liebt, der Mann, deſſen Beiſpiel die Jugend verdirbt? Was Deine Mutter betrifft, ſo wird ſie jeden Tag einſiedleriſcher, und ich weiß nicht, wie es kommt, aber mir ſelbſt ſind fremde Geſichter nicht ſo lieb, wie ſonſt. Es iſt mir etwas Neues, daß man mich meidet und allein läßt. Erinnere ich mich doch eben, daß der kleine Sid, der ſo viel Gift in ſich hatte, als irgend Einer, einmal ſagte, es ſei un⸗ möglich— doch pfui— da wollte ich eine Predigt über einen Text zu meinen eigenen Gunſten halten. Aber komme, Morton, komme, es verlangt mich, Dein Ge⸗ ſicht wieder einmal zu ſehen; es iſt nicht ſo ſanft, wie Aubrey's, noch ſo regelmäßig, wie Geralds, aber es iſt doppelt ſo lieb, als Beide. Komme ehe es zu ſpät iſt. Ich fühle, daß ich fort muß, und, um Dir ein Geheim⸗ niß zu ſagen, die Doctoren behaupten, ich werbe es nicht viele Monate mehr treiben Komme und lache noch ein⸗ mal über des alten Ritters Geſchichten. Komme und 298 zeige ihm, daß noch Jemand lebt, der ſich nicht für zu gut hält, ihn zu liehen. Komme, dann will ich Dir etwas Famoſes von dem alten Rowley erzählen, eine Geſchichte, für vie ich jetzt zu krank und zu traurig bin. William Devereurx.“ Brauche ich zu ſagen, daß ich nach Empfang dieſes Briefes beſchloß, unverzüglich nach Devereur⸗Court abzureiſen? Ich klingelte Desmarais, er antworteie nicht; er war nicht zu Hauſe— ein Umſtand, der bei dieſem Nothwendigkeitsdiener ſelten vorkam. Um ihm verſchiedene Aufträge hinſichtlich meiner Abreiſe zu geben, wartete ich ſeine Rückkehr ab, die jedoch erſt nach einigen Stunden erfolgte. Der vortreffliche Des⸗ marais räuſperte ſich dreimal—„Wollte Monſienr die Gewogenheit haben, mir die Begleitung anf der Reiſe zu erlaſſen?“ ſagte er mit ſeiner gewöhnlichen Miene und Stimme unterwürfigen Reſpektes. „Und warum?“ Der Kammerdiener erklärte ſich. Ein Verwandter von ihm war nur für wenige Tage in England— der Philoſoph wünſchte ſehr, ſeine Geſell⸗ ſchaft zu genießen— ein Vergnügen, das ihm das Schickſal vielleicht nicht wieder zuführen möchte. Obgleich ich mich an die Dienſte des Mannes ge⸗ wöhnt hatte und ihn auch für kurze Zeit nicht gerne ent⸗ behrte, konnte ich ihm doch ſeine Bitte nicht abſchlagen und ließ daher meinen Gaderobediener ſein Amt verſehen. Dieſer Wechſel beſtimmte mich indeſſen zu dem ſchon vorher bedachten Plane, mich zu Pferde nach Devereur⸗ Court zu begeben und den Bedienten mit meinem Ge⸗ päcke in einer Poſichaiſe dahin zu ſchicken. Das Reiten iſt mir reiſen; ſpäter Hi ich wet Diener oder m in dieſe wiſſern meiſten den, ſe hedauer Selbſt die Anl Stande Stande ählen, eine traurig bin. antworteie nd, der bei m. Um ihm Abreiſe zu e jedoch erſt effliche Des⸗ te Monſieur ung auf der gewöhnlichen Mannes ge⸗ t gerne ent⸗ t abſchlagen mt verſehen. dem ſchon iſt mir in der That noch heute die angenehmſte Art zu reiſen und der Leſer wird finden, daß ich viele Jahre ſpäter nach demſelben Orte auf die nämliche Weiſe kam. Hier kann ich auch die Bemerkung einflechten, daß ich weder Desmarais, noch irgend einen meiner anderen Diener in das Geheimniß meiner Verbindung mit Iſora, oder meine Beſuche bei ihr, eingeweiht hatte. Ich bin in dieſem Punkte äußerſt eklig, und unter allen Mit⸗ wiſſern, auch der unbedeutendſten Dinge, fliehe ich am meiſten jene gemeinen, lügenſchmiedenden, aufhaſchen⸗ den, ſelbſtſüchtigen Winkelſeelen, von welchen wir die hedauernswürdige Ehre haben, bedient zu werden. Selbſt Desmarais, der wie ein Edelmann auftrat und die Anlagen eines Gelehrten hatte, war wegen ſeines Standes in meinen Augen verloren. Es liegt in dieſem Stande etwas ſo Erniedrigendes, Entſittlichendes, daß, wenn ich, um mich von der Nothwendigkeit einer Re⸗ ſorm in den verſchiedenen Einrichtungen der menſchlichen Geſellſchaft zu überzeugen, noch eines Beweiſes bedürfte, dieſer in dem Verhältniſſe zwiſchen Herrn und Diener läge. Uum mir alſo mein Pferd nicht von einem dieſer feilen Spionen vor Iſora's Wohnung bringen laſſen zu müſſen, beſtieg ich das für meine Reiſe ausgewählte Thier und ritt zu Iſora, in der Abſicht, den Abend dort zuzubringen, und den anderen Tag mit dem Früheſten von da aus meine Reiſe anzutreten. 300 Zweites Kapitel. Liebe— Abreiſe— Ein Sterbebett. Die menſchliche Natur iſ endlich doch ein ſchöner Bau, und ſelbſt ihre Unvollkommen⸗ heiten ſind für Den nicht abſtoßend, der die Wiſſenſchaft ihrer Architektur ſtudirt und ſich von ihrem Schöpfer eine ehrfurchts⸗ volle Vorſtellung gemacht hat. Es iſt bemerkenswerth, wie ſehr die Liebe durch Furcht vermehrt wird. Ich meine— denn der Sat braucht eine Erläuterung— wie viel heftiger wit lieben, je mehr wir fürchten, den geliebten Gegenſtan zu verlieren, oder von einer Gefahr bedroht zu ſehen. Es iſt dies ein Beiſpiel von der Wechſelwirkung der Empfindungen— die Liebe bringt Furcht hervor, und umgekehrt die Furcht wieder Liebe. Dies iſt einer von ven vielen Gründen, warum die Frauen ſo viel zärtliche und inniger lieben, als wir! und es iſt auch eine Urſache, warum auf allen Stufen der Liebe häufige Abweſenhelt die ſtärzſte Anregung der Leidenſchaft iſt. Ich athmet⸗ kaum mehr, als ich von Iſpra weg war, ohne für ihr Sicherheit zu zittern. Ich fürchtete, dieſer Barnard, um ihren Verfolger immer noch ſo zu nennen, könnte ſie wieder entdecken und heunruhigen. So oft ich,(un dies geſchah beinahe täglich) nach der ſtillen, abgele⸗ genen Wohnung ritt, die ich ihr verſchafft, ſchlug mein Herz ſo heftig, war meine Aufregung ſo ſtark, daß ich bei der Ankunft an dem Thore häufig mehre Minuten nicht fähig war, Einlaß zu begehren. Es lag daher in der geheimnißvollen Gefahr, welche immer über Iſora zu ſchweben ſchien, ein fortwährender Reiz n einer Lie geneigt die Mat und ſtei Glückſel Als Fenſter ihre ſchr blickte! aufwallt blaſſere Anfangs Schritt bei ihrer anmuthi dige, all iſt ein w ten Nac ſo gelieb bedenkt, nen! E macht! des gew ſich nie vereinig aller De tzigen, i Andere großen knickten liche Natur iſt Unvollkommen⸗ iſſenſchaft ihrer ine ehrfurchts⸗ Liebe durch nn der Sat heftiger wir n Gegenſtand oht zu ſehen. lwirkung der hervor, und iſt einer von viel zärtlichet eine Urſache, e Abweſenheit Ich athmete ohne für ihre eſer Barnard, nnen, könnte oft ich,(und illen, abgele⸗ t, ſchlug mein ſtark, daß ich ehre Minuten Es lag daher immer über ender Reiz iu einer Liebe, die auch ohne dieſen nicht zum Schlummer geneigt war; und dieſe beſtändige Spannung beſeitigte die Mattheit, woran eheliche Liebe gewöhnlich leidet, und ſteigerte meine Leidenſchaft, während ſie meine Glückſeligkeit minderte. Als ich jetzt bei Iſora ankam, fand ich fie ſchon am Fenſter ſtehend und meiner harrend. Zu welchem Glanze ihre ſchwarzen Augen aufleuchteten, als ſie mich er⸗ blickte! Wie das volle Blut unter den zarten Wangen aufwallte, welchen das Gefühl in der letzteren Zeit eine blaſſere Farbe aufgedrückt hatte, als ich ſie, wie ich fie Anfangs ſah, zu tragen pflegten! Wie mir ihr leichter Schritt dann entgegenflog! Wie ihre ſanfte Stimme bei ihrem Gruße zitterte! Wie aus jeder Geberde ihrer anmuthigen, ſchöngeformten Geſtalt das innige, freu⸗ dige, allbelebende Entzücken ihres Herzens ſprach! Es iſt ein wehmüthiges Vergnügen für die trockenen, har⸗ ten Nachgedanken im ſpäteren Leben, daß man einmal ſo geliebt worden iſt; und man wundert ſich, wenn man bedenkt, was man jetzt iſt, wie es je habe ſo ſein kön⸗ nen! Solche Liebe war nie für die ſpäteren Jahre ge⸗ macht! Sie hatte nie in das gemeine, kalte Flußbett des gewöhnlichen Treibens übergehen können! Sie hätte ſich nie mit den kleinen Sorgen und niederen Zwecken vereinigen können, welche früher oder ſpäter der Liebe aller Derjenigen zufallen, welche lange auf dieſer ſchmu⸗ tzigen, irdiſchen Welt zuſammen leben! Wir hätten für Andere auch nicht das geringſte Theilchen aus dem großen Schatze unſerer Liebe erübrigen können. Wir knickten mit jedem Bischen dieſes unerſchöpflichen Vor⸗ 302 cathes. Es würde mir die Seele vurchbohrt haben, hätte ich Iſora einem Andern zulächeln ſehen. Ja, ich weiß nicht, ob ich, hätten wir Kinder gehabt, nicht auf mein Kind eiferſüchtig geweſen wäre! War dies ſelbſt⸗ ſüchtige Liebe? ja ſie war vollkommen, gänzlich ſelbſt⸗ ſüchtig; aber ſie war es nur durch ihr übermaß geworden; keine Selbſtſucht aus einer niederen Sphäre befleckte ſie Es gab Nichts auf Erden, das nicht Jedes von uns auf den leiſeſten Wunſch dem Andern geopfert haben würde. So eng waren mein Glück und Iſora vet⸗ flochten, daß ich mir ohne die Lestere gar keine Vor⸗ ſtellung von dem erſteren machen konnte. War dieſe Liebe für die vielfältigen, kothigen Pfade gemacht, durch welche der Menſch wandern muß? War ſie für das höhere Alter, oder was noch ſchlimmer wäre, für jene kalte, ehrgeizige, Pläne machende Periode des mittleren Lebens geſchaffen, worin der Dinge üppiges Grün in die zahmen Geſtalten eines nachgebildeten, jedoch der Natur entfremdeten Lebens geformt wird, in welchem Kunſt die einzige Schönheit, Regelmäßigkeit die einzige Anmuth iſt? Nein, in dem Innerſten meines Herzens fühle ich, daß unſere Liebe für die Stufen des Daſeins, welche ich bereits durchgangen habe, nicht geſchaffen war; es würde uns unglücklich gemacht haben, hätten wir ſehen müſſen, wie ſie zerfallen wäre, und uns erin⸗ nert, was ſie einſt war. Beſſer ſo, wie es iſt! beſſer um den grünen Zweiß trauern, als den ſaftloſen Stamm vor ſich ſehen. Du, die du jetzt dieſe Blätter über⸗ blickſt, biſt du Mutter? wenn dies, ſo beantworte mir eine Frage—= Wollteſt du nicht licher, vaß das Kind, das du m an deine deine At Schmerz geweint! Schlaf di teres Loo falt unb machteſt; gend unt gethan,: mal in da lieber die den, als und reift um es ir die Jahr pfen kam ſchon Lei dieſelben wonn ſch wölkte H verfinſter verwelker es in ſei worte mi milder, Grab ge wie die k Zärtlicht haben, hätte Ja, ich weiß „nicht auf r dies ſelbſt⸗ izlich ſelbſt⸗ ßgeworden; befleckte ſie. es von uns opfert haben Iſora vet⸗ r keine Vor⸗ War dieſe nacht, durch ſie für das re, für jene des mittleren zes Grün in , jedoch der in welchem it die einzige ines Herzens des Daſeins, ht geſchaffen aben, hätten nd uns erin⸗ es iſt! beſſer loſen Stamm lätter über⸗ antworte mir aß das Kind⸗ vas du mit der Sorgfalt deiner Seele pflegteſt, das du an deinem Buſen nährteſt, bei deſſen junger Freude veine Augen leuchteten, bei deſſen unbedeutendſtem Schmerze du weinteſt, wie du um deine eigenen nicht geweint haben würdeſt, über deſſen reinen, ungeſtörten Schlaf du gewacht und gebetet haſt, und für deſſen ſpä⸗ teres Loos du dir, während es ſo ſtill und deiner Sorg⸗ falt unbewußt, vor dir lag, ſo ſchöne Hoffnungen machteſt; wollteſt du nicht lieber, daß es in dieſer Ju⸗ gend und Unſchuld, wo noch keine Sorge ihm wehe gethan, noch keine Verbrechen es befleckt hat, auf ein⸗ mal in das dunkle Grab hinabginge? Wollteſt Du nicht lieber dieſen, wenn auch noch ſo bittern Schmerz erlei⸗ den, als ſehen, wie das vorausbeſtimmte Opfer wächſt und reift und ſich immer inniger um dein Herz ſchlingt, um es im vollen und kräftigen Alter, wenn dich ſelbſt die Jahre drücken und du keine neuen Bande mehr knü⸗ pſen kannſt, um die alten aufgelösten zu erſetzen, wenn ſchon Leiden den Liebliug deiner Hoffnungen, der nie dieſelben hätte kennen lernen ſollen, gebeugt haben, wonn ſchon Sünden das helle, engelgleiche, unum⸗ wölkte Herz, das nie eine Sünde hätte trüben ſollen, verfinſtert haben, um es dann Tag für Tag entartend, verwelkend, zerfallend in vas Grab finken zu ſehen, dem es in ſeiner Kindheit vergebens entronnen war? Ant⸗ worte mir, wäre das erſtere Schickſal nicht bei weitem milder, als das zweite? Und haſt Du dieſes frühe Grub gekannt und hinabgeweint— haſt Du geſehen, wie die kindliche Blume auf dem grünen Voben deiner Zirtlichkeit erſtarb— haſt du den hüpfenden Schritt, 304 vas lachende Auge, die heitere Freude einmal verloren, welche dieſe öde Welt zu einem beſtändigen Feſttag machten— Mutter des Verlornen, wenn du bies ge zannt und immer noch darnach ſchmachteſt, ſo antwort mir noch einmal— Iſt es nicht ein Troſt, ſelbſt miten in deiner Trauer an all das zurückzudenken, wyvor ſih dieſe jetzt ſo ſtille Bruſt gerettet hat? Die Sahne, Blume, das Elixir des Lebens hat ſie in langen Zügen getrunken; iſt es nicht ein ſüßer Gedanke, daß ſie den Wermuth und den Träbern entging? Antworte mi, wenn auch unter Thränen! Trauernde, dein Kind wn für dich, was meine frühe und einzige Liebe für mich; und könnteſt du durch die tiefe Kluft ſich theilender Ge⸗ danken hinabſchauen in die Tiefe meines Herzens, ſowi⸗ deſt du da einen Kummer und einen Troſt erblicken der dem deinigen in einigen Stücken ähnlich iſt. Als die Strahlen des nächſten Morgens in unſt Zimmer drangen, ſchlief Iſora noch. Habt ihr je be merkt, daß die Jugend, im Schlafe und beim Morzi⸗ lichte geſehen, noch jünger erſcheint als ſie wirklich iſt theils weil die Luft und der leichte Schlaf der Morgen ſtunde die Wange mit einer friſcheren Blüte krönn theils weil die der Jugend ausſchließlich zukommen ſorgloſe Nachläſſigkeit und Anmuth der Stellungen nt Sitte und Förmlichkeit den Tag über verhoten ſind u vurch ihre unbewußte Entwicklung während des Schl fes dem ungewohnten Auge wie die Leichtigkeit un Freiheit eines Kindes erſcheinen. Der letztete der bi⸗ gen Gründe iſt nicht klar— ich verſuche es nicht, iht in beſſere Worte zu kleiden, denn er iſt mir ſelbſ nich ganz klar. jugendlich ſprechliche der Vorſt die zarten eine zarter konnte ich Veſen ber ben ſchien und jede ſchuldigen ich, als ic ruhiger 2 meiner Ah Empfindu eigene Rei der Schme mich bei d Ich ſte und kleide wiehern,! Ich trat n Abſchied zu ſagte ich, fend und Dir vorüb „Ach! Sinne ver Geliebte Bulwer nmal verloten, digen Feſttag nn du dies ge⸗ ſt, ſo antworte t, ſelbſt mitten en, wovor ſich die Sahne, pi langen Zügen ke, daß ſie den Antworte min dein Kind wn iebe für mich; theilender Ge⸗ erzens, ſowit⸗ ro ſt erblicken lich iſt. rgens in unſ Habt ihr je b⸗ beim Morzi⸗ ſie wirklich iſt af der Morgen⸗ n Blüte krönen ich zukommend tellungen dn rboten ſind u rend des Schl⸗ Leichtigkeit un letztere der vbi⸗ e es nicht, ihn mir ſelbſt nih jugendliche Schönheit blickte, über welcher eine unaus⸗ ſprechliche Unſchuld athmete und ſchwebte— wie nach der Vorſtellung jener phantaſiereichen Dichter, welche die zarten Gebilde der Najaden und Nymphen erſchufen, eine zartere und reinere Luft um eine Göttin herfloß— konnte ich nicht glauben, daß irgend ein Unheil dem Weſen bevorſtehe, welchem die Kindheit ſelbſt zu blei⸗ ben ſchien— zu bleiben, wie wenn jede ältere Geſtalt und jede weniger zarte Farbe zur Hülle eines ſo un⸗ ſchuldigen, zarten Herzens nicht taugte. Wirklich hatte ich, als ich mich über ſie beugte und ihr regelmäßiger, mhiger Athem meine Wange berührte, gerade die meiner Ahnung von etwas Schlimmem entgegengeſetzte Empfindung. Es war mir, als ob ſle, ſicher durch ihre eigene Reinheit, nichts zu fürchten hätte, ſo daß ſelbſt der Schmerz der Trennung in Zuverſicht überging, die nich bei dieſem Anblicke erfaßte. Ich ſtand leiſe auf, ging in das anſtoßende Zimmer und kleidete mich an— ich hörte mein Pferd unten wiehern, das der Bediente langſam auf⸗ und abführte. Ich trat wieder in das Schlafzimmer, um von Iſora Abſchied zu nehmen; ſie war ſchon aufgeſtanden.„Wie!“ ſagte ich,„erſt vor drei Minuten verließ ich Dich ſchla⸗ fend und ſchlich mich ſo leiſe hinweg, wie die Zeit an Dir vorübergeht.“ „Ach!“ erwiderte Iſora mit erröthendem Lächeln, ich für meinen Theil glaube, ſelbſt wenn alle unſere Sinne verſchloſſen ſind, ſagt uns ein Inſtinkt, oh der Geliebte bei uns iſt oder nicht. In dem Augenblicke, Bulwer, Devereux. 1. 20 ganz klar. Als ich aber auf Iſora's ruhige und höchſt 306. wo Du mich verließeſt, fühlte ich es trotz des Schlaſe⸗ ſogleich und erwachte. Aber jetzt ſchon, nein, jetzt wir Du noch nicht von hier gehen!“ Ich meine, ich ſehe Iſora noch am offenen Fenſtn ſtehen, mit der Frauen eigenen Angſtlichkeit das Aus ſehen der Wolken prüfen und mich um Vorſicht gege den trügeriſchen Himmel bitten. Ich meine, ich ſehe ſie noch, wie ſie, nachdem ich mich aus ihrer Umg⸗ mung geriſſen und an der Thüre noch einmal nach einn Abſchiedsblicke mich umſchaute, daſtand— die Augn voll Zärtlichkeit, die Lippen geöffnet und zitternd hi dem Verſuche zu lächeln— die langen, glänzenbn Locken, durch deren Rabenfarbe das purpureum lumen wie ein gefeſſelter Sonnenſtrahl brach, in feſſelloſ Schönheit über ihren durchſichtigen Nacken hinabwalln der Hals in ſtummer Trauer gebeugt; den Kopf geſenl vie Arme halb ausgebreitet, die allmählig, wie mih Schritt ſich entfernte, herabſanken; der niedergebrüct überwältigte Ausbruck in Geſicht, Geſtalt und Gebetbe getränkt mit der ganzen Bitterkeit des Schmerzes— all vas ſteht noch kummervoll vor mir, aber lieblich in Kummer, wie ich es vor langen Jahren bei dem gral kallen, unfreundlichen Morgenlichte ſah „Gott ſegne Dich— meine theure, theure Go liebte,“ ſagte ich und ſetzte, als mein Blick noch imn auf ihr ruhte, mit vollem, aber zuverſichtlichem Hrih hinzu:„und er wird es!“ Ich zögerte nicht länget warf mich aufs Pferd und ſprengte dahin, als eilte i zu, nicht von meiner Braut. Es war hoher Mittag, als ich an dem Tage, uh⸗ dem ich Devereur häuschen war ganz rückgelegt ſtieg dahet über mein Als ich di Park wie Wege füt ging ein 2 Weg. Er denken ver aber hatte geſehen, hrachte ih in prlitiſe Wald nie nach dem ein Feld hielt inde trachtunge Schritte n wißheit ül Die g gewöhnlic des Hauſe gewichtige Schrei au als Freud des Schlaſe ein, jetzt wirſ offenen Fenſte hkeit das Aus⸗ Vorſicht gegen neine, ich ſehe s ihrer Uman⸗ mal nach einen — die Augn nd zitternd hi en, glänzenbn pureum lunen „ in feſſelloſt en hinabwallen n Kopf geſent⸗ lig, wie men niedergedrüct, lt und Geherte, s Schmerzes— aber lieblich in bei dem graue . re, theure G⸗ lick noch imn htlichem Herzn nicht länger— hin, als eilt it em Tage, nach⸗ 307 dem ich Iſora verlaſſen, in den Park ritt, in welchem Devereur⸗Court gelegen iſt. Ich vermied die Thor⸗ häuschen und ritt durch eine Nebenthüre. Mein Pferd war ganz abgetrieben, denn die Strecke, welche ich zu⸗ rückgelegt, war groß, und ich war ſcharf geritten; ich ſieg daher am Eingange des Parkes ab, warf den Zügel über meinen Arm und ging langſam zu Fuße weiter. Als ich durch ein dichtes, langes Gehölz kam, das den Park wie ein Gürtel umgab, und worein verſchiedene Wege für Fußgänger und Reiter eingehauen waren, ging ein Mann in einiger Entfernung quer über meinen Weg. Er ſah auf den Boden und ſchien ſo in Nach⸗ denken vertieft, daß er mich weder ſah noch hörte. Ich aber hatte in dieſem kurzen Augenblicke genug von ihm geſehen, um ſicher zu ſein, daß es Montreuil war. Was hrachte ihn hierher, ihn, den ich in London mit Geralb in politiſche Plane vertieft glaubte, ihn, für den dieſer Wald nicht nur verbotener Grund war, ſondern auch nach dem Zutritte bei Miniſtern und Vornehmen nur ein Feld von beſcheidenem Intereſſe ſein konnte 7 Ich hielt indeſſen nicht an, um über ſeine Erſcheinung Be⸗ trachtungen anzuſtellen; ich verdoppelte vielmehr meine Schritte nach dem Hauſe, in der Erwartung, bort Ge⸗ wißheit über den Grund ſeines Beſuches zu erhalten. Die großen Thore des äußeren Hoſes ſtanden wie gewöhnlich offen; ich ritt ein und war bald an ver Pforte des Hauſes. Der Portier, welcher auf mein Pochen die gewichtige Thüre öffnete, ſtieß bei meinem Anblicke einen Schrei aus, der für mein Ohr mehr etwas Bängliches, ls Frendiges hatte. 308 „Wie geht es Eurem Herrn?“ fragte ich.„Es Der Mann ſchüttelte den Kopf, beeilte ſich jedoch ter,„ni nicht mit der Antwort. Von einer unbeſtimmten Angſ„Es i ergriffen, eilte ich, ohne meine Frage zu wiederholen, antwort fort. Auf der Treppe begegnete ich dem alten Nicholl, das Aug dem Kammerdiener meines Oheimes; ich blieb ſtehen Mei und fragte ihn. Den Tag zuvor war meinem Ohein nach dem die Gicht in den Magen getreten; man hatte ſich ärzt⸗„Ge liche Hülfe verſchafft, man fürchtete aber, es ſei ve⸗ tete mein gebens, denn die Arzte hatten etwa eine Stunde wor„In meiner Ankunft erklärt, der Kranke könne nach menſh mein O licher Berechnung die Nacht nicht wohl überleben. D.„Pfui— Aufregung meines Herzens unterdrückend, wartete it„Iſt nicht, um noch mehr zu hören— ich flog die Treppe„Ne hinauf— ich war an der Thüre von dem Zimmer m nein— nes Oheimes— ich blieb da ſtehen und horchte; Al— iſt es war ſtill— ich öffnete die Thüre leiſe— ich ſchlih„Se hinein, näherte mich dem Bette, knieete nieder und b⸗ Sie kön deckte mein Geſicht mit den Händen, denn ich bedurft Mei einer Pauſe, um Faſſung zu gewinnen, ehe ich den Muth hatte, aufzublicken. Als ich die Augen aufſchlug ſah ich mir gegenüber, an der anderen Seite des Belte meine Mutter; ſie ſaß auf einem Stuhle, ein Arznet glas in der einen Hand, eine Uhr in der anderen. Sie be⸗ gegnete meinem Blicke, aber ſie ſprach nicht; ſie gi mir ein Zeichen der Erkennung und ſah dann wieder uf Madame die Uhr. Mein Oheim hatte mir den Rücken zugewant zen, ſo und lag ſo ruhig da, daß ich einige Augenblicke glaubt Ritter? er ſei eingeſchlafen; enblich bewegte er ſich jedoch m blickte u ruhig. ich. te ſich jedoch mmten Angß wiederholen, lten Nicholle, blieb ſtehen inem Oheim atte ſich ärzt⸗ r, es ſei vet⸗ Stunde vor nach menſch⸗ berleben. Di⸗ „wartete ich die Treppe Zimmer mel rchte; All — ich ſchliz ieder und b n ich bevurft „ehe ich den gen aufſchluh ite des Belte ,ein Arznet deren. Sie be nicht; ſie g nn wieder auf ken zugewanb blicke glaubt⸗ ch jedoch un⸗ „Es iſt Mittag vorüber!“ ſagte er zu meiner Mut⸗ ter,„nicht wahr?“ „Es iſt drei Minuten und ſechs Sekunden über Vier,“ antwortete meine Mutter und hielt die Uhr näher an das Auge. Mein Oheim ſeufzte.„Man hat einen Expreſſen nach dem guten Jungen geſchickt, Madame?“ fragte er. „Genau um halb zehn Uhr geſtern Abend,“ antwor⸗ tete meine Mutter mit einem Blicke auf mich. „In dieſer Zeit könnte er kaum hier ſein,“ ſagte mein Oheim und bewegte ſich wieder in dem Bette. „Pfui— wie einem das Kiſſen wehe thun kann.“ „Iſt es zu hoch?“ fragte meine Mutter. „Nein,“ erwiderte mein Oheim ſchwach,„nein— nein— das übel liegt nicht in dem Kiſſen; Allem nach — iſt es ein ſchöner Tag— nicht wahr?“ „Sehr ſchön!“ ſagte meine Mutter;„ich wollte, Sie könnten hinaus.“ Mein Oheim gab keine Antwort; es entſtand eine Panſe.„Potz Fiſch, Madame, find das Wagenräder?“ „Nein, Sir William— aber—“ „Ich höre etwas— meine Sinne werden trübe,“ ſagte mein Oheim, ohne auf die Antwort zu achten, „wollte, ich könnte noch einen Tag leben— möchte nicht ſterben, ohne ihn geſehen zu haben. Gott's Tod, Madame, ich höre etwas hinter mir!— Ein Schluch⸗ zen, ſo wahr ich lebe!— Wer ſchluchzt für den alten Ritter?“ und mein Oheim wandte ſich um und er⸗ blickte mich. 310 „Mein theurer— theurer Oheim!“ rief ich, ohn etwas Weiteres hervorzubringen. „Ach, Morton!“ enigegnete der gute alle Mam und legte ſeine Hand zärtlich auf die meinige.„Ver⸗ wünſcht will ich ſein, wenn es mir nicht iſt, als hätte ich den grimmigen Feind beſiegt, ſeit Du hier biſt. Aber was ſoll das, mein Sohn?— Thränen— Thränen, — nun, der kleine Sid, nein— und auch Rocheſte nicht, hätten mir vas geglaubt, wenn ich auch daruf geſchworen hätte! Heitere Dich auf— ſei munter.“ Als er aber ſah, daß ich nur um ſo mehr weint und ſchluchzte, fuhr er in etwas bilderreicher Spracht welche der Leſer ſchon hie und da an ihm bemerlt hat, und die vielleicht eine Folge ſeiner dramatiſchen Studien ſein mochten, alſo fort:„Nun, Morton, worüber trauerſt Du?— daß das Alter ſein Bündel Schmerzen und Mühen abwirft und nicht länger auf ſeinem beſchwerlichen Wege daherächzt, wo es nur kalien Blicken und unfreundlichen Grüßen begegnet, weil Wirth und Kameraden des nämlichen Geſichtes über⸗ drüſſig werden, und das verſchwenderiſche Herz keinen Spaß und kein Lächeln mehr hat, um die Rechnung de⸗ mit zu bezahlen? Nein— nein— laſſe den armen Hau⸗ ſirer ſeinen ſchweren Pack abwerfen und einſchlafen. Aber es freut mich, daß Du gekommen biſt; ein einziger Deiner freundlichen Blicke zu den abgenützten Sprüchen oder Scherzen Deines Oheimes iſt mir lieber, als alle die langen Geſichter um mich her, ausgenommen die Ge⸗ genwart Deiner Mutter,“ und mit der ihm eigene Galanterie wandte ſich mein Oheim artig gegen jene. „Tl vaß Sie auch gu wartet „P ſo ma zu hoffe nichts 3 Madan Morto Arznei ihn geh Dir abe — und Me —ſe bemerkt Kaplar „N ging ſi tete ihr M Morto verſpüt über, gewinn Wahrl parteii denken leſen t rief ich 5 ohne te alle Mam inige.„Ver⸗ iſt, als hätt⸗ ch auch darauf ei munter.“ cher Spracht, ihm bemerlt dramatiſchen n„ Morton, ſein Bündel t länger af es nur kalten egnet, weſl eigenen n jene. „Theurer Sir William!“ ſagte dieſe,„es iſt Zeit, vaß Sie Ihre Mediein nehmen, und wäre es dann nicht auch gut, wenn Sie den Kaplan ſehen wollten— er wartet draußen.“ „Potz Fiſch,“ ſagte mein Oheim zu mir gewandt, „ſo machen ſie es Alle— wenn für den Leib nichts mehr zu hoffen iſt, kommt der Arzt, und wenn an der Seele nichts zu verbeſſern iſt, ſo kommt der Pfarrer. Nein, Madame, nein, für beide iſt's zu ſpät.— Dank Dir, Morton, Dank Dir(ich war aufgeſprungen— hatte die Arznei aus der Hand meiner Mutter genommen und ihn gebeten, ſie zu ſchlucken),„es hilft nichts; wenn Dir aber ein Gefallen damit geſchieht, ſo muß ich wohl,“ — und er trank die Arznei. Meine Mutter ſtand auf und ging gegen die Thüre — ſie ſtand halb offen, und als ihr mein Blick folgte, bemerkte ich durch den Spalt das ſchwarze Gewand des Kaplans. „Noch nicht,“ ſagte ſie ruhig;„warten Sie. Dann ging ſie ans Fenſter, ſetzte ſich dort ſchweigend und be⸗ tete ihren Roſenkranz. Mein Oheim fuhr fort:„Sie ſind an mir geweſen, Morton, als wäre ich ein Heide, und ich glaube, ſie verſpüren in ihrem Herzen kein geringes Argerniß dar⸗ über, daß ich die andere Welt nicht unter Zittern zu gewinnen ſuche, wie Einer, den das kalte Fieber ſchüttelt. Wahrlich, ich konnte nie glauben, daß der Himmel ſo parteiſch gegen Memmen ſei; auch kann ich mir nicht denken, Morton, daß es mit der Seligkeit wie beim Ver⸗ leſen der Soldaten iſt, und wir in der Zwiſchenzeit des 312 Teufels Spiel treiben können, wenn wie nur noch im letzten Augenblicke einſchlüpfen und auf den Ruf unſeret Namen mit„Hier!“ antworten. Potz Fiſch, Morton, ich könnte Dir eine Geſchichte darüber erzählen, aber ſie iſt lang, und wir haben jetzt keine Zeit. Nun, nun, ich für meinen Theil glaube ehrerbietig und dankbar an Gott und denke, er werde eben nicht ſehr zornig dar⸗ über ſein, daß wir das Leben genoſſen haben, wenn wir Sorge getragen, daß auch Andere ſich deſſelben freuen; auch glaube ich nicht mit Deiner guten Mutter und Al⸗ brey, dem lieben Kinde, daß ein müßiges Wort auf der Wagſchale des Allmächtigen daſſelbe Gewicht habe, wi⸗ eine ſchlechte That.“ „Selig, ſelig ſind die,“ rief ich unter Thränen, „auf deren Seele ſo wenige Flecken liegen, wie auf der Ihrigen!“ „Wahrlich, Morton, das iſt liebevoll geſproche, und Du glaubſt nicht, wie ſeltſam es nach ihren Ermah⸗ nungen zur Buße lautet. Ich weiß, ich habe meine Fehler gehabt und bin auf einer ſehr unregelmäßigen Linie un⸗ ſerem gemeinſchaftlichen Ziele zugewandert; aber nie habe ich den Lebenden etwas zu Leide gethan ober den Todten etwas Schlimmes nachgeſagt, auch nie den Ar⸗ men mein Herz verſchloſſen— eite ſolche Sünde würde ſchwer auf mir laſten, und alle Menſchen und alle Dinge habe ich geliebt und nie einem Geſchöpfe übel gewollt. Der arme Ponto, Morton, Du wirſt für den armen Ponto ſorgen, wenn ich todt bin— nein, nein, nimm Dir's nicht ſo ſchwer. Gehe, mein Sohn, gehe— faſſe⸗ Dich, während der Geiſtliche bei mir iſt, denn ich werde wenig ſ mich G er ſcho ſobald i erkläre erwider obwohl len, un ihn geſt der und bebette ſollen. „W „N wachen. mich ne ſein Sc Ich blie Veränd blide zu lag doc lange a freundl n nch ein n Ruf unſeret iſch, Morton, rzählen, abet t. Nun, nun, nd dankbar an zrnig edar⸗ en, wenn wit elben freuen; utter und Al⸗ Wort auf der icht habe, wie ter Thränen, „wie auf der U geſprochen ihren Ermah⸗ meine Fehlet ben Linie un⸗ rt; aber nie han oder den nie den Ar⸗ rden armen nein, nimm ehe— faſſe, un ich werde Deiner guten Mutter vadurch einen Gefallen erweiſen; wenn ſie auch jetzt Schlimmes von mir denkt, ſo möchte ich doch nicht, daß ſie morgen noch derſelben Meinung iſt. Gehe, meine lieber Junge, gehe.“ Ich verließ das Zimmer und wartete vor der Thüre, bis das Amt des Prieſters vorüber war. Dann kam meine Mutter heraus und ſagte, Sir William wolle ein wenig ſchlaſen. Während ſie noch ſprach, öberraſchte mich Gerald durch ſeine Erſcheinung. Ich erfuhr, daß er ſchon ſeit drei Tagen im Hauſe ſei und wußie mir, ſobald ich dies vernahm, auch Montreuils Begegnen zu erklären. Ich grüßte ihn aus der Entfernung, und er erwiderte meinen Gruß eben ſo ſtolz. Indeſſen ſchien er, obwohl in geringerem Grade, meine Bewegung zu thei⸗ len, und mein Herz wurde deßhalb freundlicher gegen ihn geſtimmt. Gleichwohl blieben wir ferne von einan⸗ der und begegneten uns nicht, wie Brüder an dem Ster⸗ bebette eines gemeinſchaftlichen Wohlthäters hätten thun ſollen. „Willſt Du außen warten?“ fragte meine Mutter. „Nein,“ gab ich zur Antwort,„ich will bei ihm wachen.“ Damit ſchlich ich mich leiſe hinein und ſetzte mich neben das Vett meines Oheims. Er ſchlief, und ſein Schlaf war ſo ſtill und ruhig, wie der eines Kindes. Ich blickte auf ſein Geſicht und bemerkte, daß da eine Veränderung vorgegangen war, die mit jedem Augen⸗ blide zunahm; aber ſo furchthar dieſe Veränderung war, lag doch nichts Hartes, nichts Düſteres darin. Die ſo lange an Wohlwollen gewöhnte Seele konnte auch der freundlichen Hülle, welche ihre Anregungen ſo genau ——— 344 befolgt, im Scheiden kein rauhes Gepräge zurück⸗ laſſen. Der Abend war gerade hereingebrochen, als mein Oheim erwachte; er wandte ſich ſehr ſanft um und lächelte, als er mich ſah. „Iſt es ſpät?“ fragte er, und mit wundem Herzen bemerkte ich, daß ſeine Stimme ſchwächer war. „Nein, Sir, nicht ſehr,“ ſagte ich. „Spät genug, mein Sohn; die warme Sonne iſt hinunter, und es iſt die rechte Zeit, daß man die Augen ſchließt, wenn Alles draußen grau und froſtig ausſieht; ich glaube, es wird mir leichter, von Dir Abſchied z nehmen, Morton, wenn ich Dein Geſicht undeutlich ſehe. Ich bin froh, daß ich nicht bei Tag ſterben muß. Gib mir Deine Hand, mein Sohn, und ſage mir, daß Du nicht böſe auf Deinen alten Oheim biſt, weil er ſich Deinem Liebeshandel widerſetzte. überdies habe ich Ge⸗ ſchichten von dem Mädchen gehört, wegen deren es mit um Deinetwillen lieb iſt, daß Alles ein Ende hat, ob⸗ wohl ich Dir früher nichts davon ſagen mochte. Es iſ ſehr dunkel, Morton. Ich habe einen angenehmen Schlaf gehabt.— Potz Fiſch, ich glaube nicht, daß ein ſchlechter Kerl ſo gut geſchlafen hätte.— Das Feuer brennt dü⸗ ſter, Morton— es iſt ſehr kalt. Decke mich zu— lege mir die geſteppte Bettdecke doppelt auf die Füße, Mor⸗ ton. Ich erinnere mich, daß einmal auf einem Spazie⸗ 144 gange in der Mall— der kleine Sid ſagte:„„Devereur — Es wird immer kälter, Morton—„Devereux,“ ſagte der kleine Sid— wahrhaftig, Morton, es wird ganz eifig— wo biſt Du?— iſt das Feuer aus, weil Zimme bewoh ab, bis kam, 1 rufen. gingen, nicht m daß ich möchte an ihn 93 „Y „6 Ich ha „U lichem mit di weiter. me Sonne iſt an die Augen bſtig ausſieht; r Abſchied zu cht undeutlich ſterben muß. ſage mir, beß „weil er ſich ßhabe ich Ge⸗ deren es mir nde hat, ob⸗ evereux!““ pevereux,““ n, es wird aus, weil ich Dich nicht ſehen kann? Denke an Deinen alten Oheim, Morton— und— und vergiß den armen Ponto nicht!— Gott ſegne Dich, mein Sohn— ſeinen Segen über Euch Alle!“ Und mein Oheim ſtarb! Drittes Kapitel. Eine große Veranterung in den Ausſichten. Ich ſchloß mich in die für mich hereit gehaltenen Zimmer ein(es waren nicht diejenigen, welche ich früher bewohnt) und wies jeden Zutritt in meine Einſamkeit ab, bis nach Verfluß von einigen Tagen meine Mutter kam, um mich zur Eröffnung des letzten Willens zu rufen. Sie war bewegter als ich erwartet hatte.„Es iſt ärgerlich,“ ſagte fle, als wir die Treppe hinab⸗ gingen,„daß Aubrey nicht hier iſt, und daß wir ſo gar nicht mit Veſtimmtheit wiſſen, wo er etwa ſein könnte, daß ich fürchte, der Brief, den ich an ihn abſandte, möchte ziemlich lange unterwegs bleiben oder gar nicht an ihn gelangen.“ „Iſt nicht der Abbe hier?“ fragte ich gleichgültig. „Nein, antwortete meine Mutter.„Gewiß nicht.“ „Geweſen iſt er hier,“ ſagte ich ſehr erſtaunt. Ich habe ihn ja an dem Tage meiner Ankunft geſehen.“ „Unmöglich!“ entgegnete meine Mutter mit ſicht⸗ lichem Erſtaunen, und als ich ſah, daß jedenfalls ſie mit dieſem Umſtande unbekannt war, ſagte ich nichts weiter. 316 Das Teſtament ſollte in dem kleinen Zimmer ge⸗ leſen werden, wo ſich mein Oheim gewöhnlich aufhielt. Die Wahl dieſes Ortes für ein ſolches Geſchäft kam mir wie eine Entheiligung ſeines Andenkens vor, aber ich ſagte nichts. Gerald und meine Mutter, der Rechts⸗ gelehrte(ein Advokat aus der Nachbarſchaft, Namens Oswald) und ich waren allein zugegen.— Herr Oswald räuſperte ſich dreimal und erbrach dann das Siegel. Nach einem den Erblaſſer ſehr bezeichnenden Eingange kam er zu der Vertheilung der Güter. Seit dem Tode meines armen Oheimes hatte ich nie an den möglichen Inhalt ſeines letzten Willens gedacht— ja bei dem Be⸗ wußtſein, wie ausſchließlich ich ſein Liebling geweſen, hätte ich, wäre ich auch auf den Gedanken verfallen, keinen Augenblick an dem Ergebniſſe zweifeln können. Wie groß war daher mein Erſtaunen, als unter den Ausdrücken der innigſten Zärtlichkeit die ganze Haupt⸗ maſſe Gerald vermacht wurde— Aubrey erhielt vierzig⸗, ich ſelbſt zwanzigtauſend Pfund, ein Kapital, das be⸗ trächtlich geringer war als ein einziges Jahreseinkommen aus den fürſtlichen Gütern meines Oheimes. Dann folgte ein Verzeichniß kleinerer Vermächtniſſe— meiner Muttet eine jährliche Leibrente von dreitauſend Pfund mit der Einräumung von Zimmern in dem Schloſſe auf Lebens⸗ zeit; jedem Diener ein Legat, das ihm Unabhängigkeit ſicherte; einigen Freunden und entfernten Verwandten der Familie Zeichen des Andenkens an den Erblaſſer— ſelbſt die Wagenpferde und die Hunde, welche von dem Geſindetiſche gefüttert wurden, waren nicht vergeſſen, ſondern ſollten jeder Arbeit enthohen werten und in kam. überbli unterſi lung d Name keine E derung des Te — Ni Ausdri dies we ſeine 2 von ſei „8 noch g von n ſind di „5 Schrei Zimmer ge⸗ lich aufhielt. geſchäft kam ns vor, aber „der Rechts⸗ ift, Namens Herr Oswald das Siegel. en Eingange it dem Tode en möglichen bei dem Be⸗ ing geweſen, en verfallen, feln können. s unter den anze Haupt⸗ vergeſſen, en und in Ruhe ihre Nahrung für die noch übrige Zeit ihres Lebens verzehren. Das Teſtament war abgeſchloſſen— ich konnte meinen Sinnen nicht trauen; kein Wort er⸗ klärte den Grund, warum Gerald der Vorzug gegeben war. Ich ſtand ziemlich gelaſſen auf. „Erlauben Sie, mein Herr,“ ſagte ich zu dem Rechtsgelehrten,„daß ich mich mit eigenen Augen über⸗ zeuge.“ Herr Oswald verbeugte ſich und übergab das Teſtament meinen Händen. Als ich darnach griff, hef⸗ tete ich meinen Blick auf Gerald; ſein Geſicht verrieth ober erheuchelte ein Erſtaunen, das dem meinigen gleich kam. Mit argwöhniſchem, prüfendem, forſchendem Auge überblickte ich die Worte des Vermächtniſſes; beſonders unterſuchte ich(denn ich beargwohnte eine Verwechs⸗ lung der Namen) die Stelle, wo Geralds und mein Name vorkamen. Vergebens; Alles war glatt und rein, keine Spur eines etwaigen Radirens oder einer Verän⸗ derung war zu bemerken. Dann beachtete ich die Faſſung des Teſtamentes; offenbar war es von meinem Oheime — Niemand hätte die eigenthümliche Wendung ſeiner Ausdrücke ſo erfinden oder nachahmen können, und über⸗ dies waren mehre Stellen in dem Teſtamente, wo ſich ſeine Zärtlichkeit und perſönliche Zuneigung ausſprach, von ſeiner eigenen Hand geſchrieben. „Das Datum,“ ſagte ich,„iſt, wie ich bemerke, noch ganz neu; das Teſtament iſt außer von Ihnen von noch zwei Zeugen unterſchrieben. Wer und wo ſind dieſe?“ „Robert Liſter, die erſte Unterſchrift, iſt mein Schreiber; ſeitdem geſtorben, Sir.“ ———— S 318 „Geſtorben!“ wiederholte ich,„und der andere Zeuge, George Davis?“ „Iſt einer von Sir Williams Pächtern und wartet unten, Sir.“ „Laſſen Sie ihn heraufkommen,“ und ein ſtämmiger Mann von mittlerer Größe, mit plumpem, ehrlichem, offenem Geſichte trat ein. „Habt Ihr dieſes Teſtament unterſchrieben?“ fragte ich. „Ja, Herr!“ „Und iſt dies Eure Handſchrift?“ ſagte ich, auf das kaum leſerliche Gekritzel zeigend. „Ja, Sir,“ ſagte der Mann und kratzte ſich am Kopfe.„Ich glaube ſo; das iſt mein s und G und D, ja freilich.“ „Und kennt Ihr den Inhalt des Teſtamentes, das Ihr unterſchrieben?“ „Herr?“ „Ich meine, wißt Ihr, wem Sir William— halt, Herr Oswald— erlauben Sie, daß der Mann mir ant⸗ worte— wem Sir William ſein Vermögen vermacht hat?“ „Nein, wahrhaftig nicht, Herr; das Teſtament war mächtig lang, und Herr Oswald da ſagte mir, es ſei nicht nöthig, daß ich es leſe, ich ſolle es nur unter⸗ zeichnen als Zeuge für Sir Williams Unterſchrift.“ „Genug; Ihr könnt gehen,“ und George Davis verſchwand. „Herr Oswald,“ ſagte ich, indem ich auf den Notar zutrat,„es kann ſein, daß ich Ihnen Unrecht thue, und wenn argwöl bin d Anordt aufmer vor ei mein L — erw büßen Icd ich ſpra konnte / D nicht a ſchen vt Ge ſcheine einiger weiß ic „L ich kan nicht e „L Herr d G und D, mentes, das am— halt, nn mir ant⸗ vermacht 319 wenn bies der Fall iſt, ſo thut es mir leid, aber ich argwöhne, es ſei hier eine Fälſchung vorgegangen. Ich bin durch Gründe überzeugt, daß Sir William dieſe Anordnung nie treffen konnte. Ich mache Sie darauf aufmerkſam, mein Herr, daß ich die Sache unverweilt vor einen Gerichtshof bringen werde und daß, wenn mein Verdacht Ihrer Schuld— ja, zittern Sie, Herr — erwieſen wird, Sie für dieſe That unter dem Galgen büßen ſollen.“ Ich wandte mich dann zu Gerald, der noch während ich ſprach aufgeſtanden war. Ehe ich zum Worte kommen konnte, rief er augenblicklich in der größten Beſtürzung: „Du kannſt, Morton, Du kannſt— Du wirſt doch nicht andeuten wollen, daß ich, Dein Bruder, nieder⸗ trächtig genug geweſen wäre, dieſes Teſtament zu fäl⸗ ſchen ober fälſchen zu laſſen?“ Geralds Heftigkeit machte mich noch weniger an ſeiner Schulbd zweifeln. „Die Sache, mein Herr,“ erwiderte ich kaltblütig, „iſt vieſe: Dies kann nicht der Wille des Oheims ſein — es iſt eine Anorbnung, die Jebem unglaublich er⸗ ſcheinen wird, der unſere häuslichen Verhältniſſe nur einigermaßen kennt. Ein Betrug iſt vorgegangen, wie, weiß ich nicht! aber ich weiß von wem.“ „Morton, Morton— das iſt nicht zu dulden— ich kann ſolche Beſchuldigungen auch von einem Bruder nicht ertragen.“ „Beſchulbigungen!— Ihr Gewiſſen ſpricht, mein Herr— nicht ich! Niemand gewinnt durch dieſe Fäl⸗ 320 ſchung als Sie; verzeihen Sie, wenn ich aus einer Thatſache Folgerungen ziehe.“ Damit drehte ich mich auf dem Abſatze um und ver⸗ ließ ſchnell das Zimmer. Ich ſtieg die Treppe hinauf in mein eigenes Gemach; dort fand ich meinen Diener mit Zubereitung des Trauerprunkes beſchäftigt, in wel⸗ chem ich noch dieſen Abend dem Leichenbegängniſſe meines Oheimes beiwohnen ſollte. Mitruhiger, gefaßter Stimme gab ich ihm die nöthigen Anweiſungen, daß er mir ſo⸗ gleich nach dieſer Feierlichkeit nach London zu folgen habe, und ging dann in den Saal, wo der Verſtorbene auf dem Paradebette lag. Daſſelbe war ſchwarz ausge⸗ ſchlagen— das prächtige, mit dem ſtolzen Wappen unſeres Hauſes durchwirkte Leichentuch war über den Sarg ausgebreitet, und bei den Lichtern, welche in dem alterthümlichen Raume einen glänzenberen, aber unheimlicheren Tag als gewöhnlich verbreiteten, ſaßen die gemietheten Wächter des Verſtorbenen. Ich hieß ſie weggehen, kniete neben dem Sarge nieder und überließ mich dem letzten Ausbruche meines Schmerzes. Ich ſtand auf und wollte wieder in mein Zimmer zurück, als Gerald mir entgegenkam. „Morton,“ ſagte er,„ich geſtehe Dir, ich ſelbſt bin erſtaunt über des Teſtament des Oheimes. Ich komme nicht, um Dir Anerbietungen zu machen— Du würdeſt ſie nicht annehmen— ich komme nicht, um mich zu rechtfertigen— es iſt unter meiner Würde; auch haben wir nie wie Brüder gelebt und kennen keine bri⸗ derliche Sprache— aber ich komme, um Dich um Zurück⸗ nahme des finſteren, grundloſen Verdachtes zu bitten, daß, wen ſetzeſt, ich zu legen, unterſtütz tragen w Nur rüſtung b ſah den meiner 2 mir von des niedr lichen Ve gehaltene das mich gen Haß in den A meinen C ſucht fühl mich gew nicht das jedenfalle überzeug nen Vert Gera Bruder, Dich für alſo ente „Eir mit veré Buln im und ver⸗ ppe hinauf inen Diener igt, in wel⸗ niſſe meines ter Stimme ß er mir ſo⸗ n zu folgen Verſtorbene warz ausge⸗ en Wappen ur über den „welche in deren, aher eten, ſaßen um mich de; auch eine brü⸗ Zurück⸗ u bitten, 324 den Du gegen mich geäußert, und Dich zu verſichern, daß, wenn Du Zweifel in die Achtheit des Teſtamentes ſetzeſt, ich, weit entfernt, Dir Hinderniſſe in den Weg zu legen, Dich in Deinen angeſtellten Nachforſchungen unterſtützen und die geſetzlichen Sporteln eileiſe tragen werde.“ Nur mit Schwierigkeit vermochte ich meine Ent⸗ rüſtung bei dieſen Worten S65 zu unterdrücken. Ich ſah den Verfolger Iſora's, Spen trügeriſchen Räuber meiner Rechte vor mir, und hörte, wie dieſer Feind mir von Hülfe in der Unterſuchung ſprach, welche ihn des niedrigſten, wenn nicht des ſchwärzeſten der menſch⸗ lichen Verbrechen überweiſen ſollte; es lag auch in dem gehaltenen und doch barſchen Tone ſeiner Stimme etwas, das mich nur zu deutlich an unſeren langen gegenſeiti⸗ gen Haß erinnerte, ſo daß mir vor Abſcheu das Blut in den Adern ſtockte. Ich wandte mich ab, um Iſora meinen Eid nicht zu brechen, wozu ich mich ſtark ver⸗ ſucht fühlte, und ſagte mit ſo viel Ruhe, als ich über mich gewinnen konnte:„In der Sache wird, hoffe ich, nicht das Zeugniß eines Mitſchuldigen nöthig ſein, und jedenfalls möchte ich mich von dem Manne, den meine überzeugung verdammt, für keine Hülfe in ſeiner eige⸗ nen Verurtheilung anſehen laſſen.“ Gerald ſah mich finſter an:„Wäreſt Du nicht mein Bruder,“ ſagte er mit leiſer Stimme,„ſo würde ich Dich für eine Beſchuldigung, welche meinen guten Namen alſo entehrt, todt zu meinen Füßen niederſtrecken.“ „Ein Muſterzug von Bryuderliebe,“ entgegnete ich mit verächtlichem Lachen, aber tauſendmal grimmiger Bulwer, Devereux, 1. 2 322 als Verachtung, blitzten Wuth und Zorn aus meinen Auge,„der Dich abhält, Deine letzte Gunſt an das an⸗ zureihen, was Du mir ſchon geleiſtet haſt.“ Mit einem Fluche zwiſchen den Zähnen legte Geral die Hand an den Degen; auch meine Klinge war in Augenblicke halb gezogen, als, uns von der großen Schuld blutigen Streites zu retten, Schritte ertönten, und eine Anzahl Bedienten, mit den traurigen Oblie⸗ genheiten für die nahe Ceremonie beſchäftigt, in ſchwar⸗ zen Kleidern auf der gegenüber liegenden Galerie lang⸗ ſam vorüberzog. Vielleicht brachte dieſe Unterbrechun uns Beide wieder zu Sinnen, denn wir ſagten beinaht in einem Athem und mit denſelben Worten:„Dieſt Art, unſern Streit zu ſchlichten, paßt nicht für uns.“ Gerald wandte ſich damit langſam hinweg, ging di Treppe hinab und verſchwand. Die Beiſetzung fand hei Nacht ſtatt; ein zahlreiches Gefolge von Pächtern und Bauern ſchloß ſich an. Arme Oheim! Kein Auge blieb um Deinetwillen trocken, außer denen Deiner eigenen Verwandten. Groß, ſtait⸗ lich, aufrecht in der Macht und Majeſtät ſeiner über⸗ ragenden Geſtalt ſtand Gerald ſchon mit der Würde und Herrſchaft da, die, offen geſagt, ihm ſo gut anſtanden, das Antlitz meiner Mutter war von mir abgewandt aber man ſah an ihrer Stellung, daß ſie ganz in das Gebet vertieft war. Was mich betrifft, ſo ſchien mein Herz verhärtet; ich konnte den Blicken von Hunderten von Fremden die Gefühle nicht preisgeben, die ich ſelbſt vor Denen gern verborgen hätte, welche ich am meiſten liebte; in meinen Mantel gehüllt, lehnte ich mit auf einen J Al⸗ ſenken willkür frühere Todten Grupp andern zukehre zu verge und ewi Es noch an mein Pf fügte m meiner 2 als je zi „ G Stirne, denken, wiverſp mußt. überraſe von uns aus meinen ſt an das an⸗ ℳ legte Geralb inge war in der grßen itie ertönten, migen Oblie⸗ gt, in ſchwar⸗ Galerie lanz⸗ interbrechunz gten beinahe rten:„Dieſe cht für uns.“ eg, ging di in zahlreiches ch an. Armer illen trocken, Groß, ſtatt⸗ ſeiner über⸗ rWürde und t anſtanden; r abgewandt ganz in das o ſchien mein n Hunderten die ich ſelbſt am meiſten ich mit auf der Bruſt gekreuzten Armen und zu Voben geſenkien Blicken abſeits und dem Anſcheine nach ungerührt gegen einen Pfeiler der Kapelle. Als man jedoch gerade die Leiche in das Grab hinab⸗ ſenken wollte, kum eine augenblickliche Schwäche. Un⸗ willkürlich machte ich einen Schritt vorwärts, ein ein⸗ ziger, aber tiefer Schmerzenslaut entfuhr mir; ich be⸗ deckte das Geſicht mit meinem Mantel, nahm meine frühere Stellung wieder an, und Alles war ſtille. Das Todtenamt war vorüber; in vielen und vereinzelten Gruppen verließen die Zuſchauer die Kapelle; Einige, um Anſchläge auf den neuen Herrn zu machen, Andere, um über den Verſtorbenen zu trauern, und Alle, um am andern Morgen zu ihrem gewohnten Geſchäfte zurück⸗ zukehren und im heitern Sonnenſcheine das Vergangene zu vergeſſen, bis auch ihnen keine Sonne mehr ſcheinen und ewige Vergeſſenheit Alles bedecken würde. Es war ſo ſpät, daß ich mein Vorhaben, das Haus noch an dieſem Abende zu verlaſſen, aufgab; ich befahl, mein Pferd mit Tagesanbruch bereit zu halten, und ver⸗ fügte mich, ehe ich mich zur Ruhe begab, in die Zimmer meiner Mutter; ſie empfing mich mit mehr Herzlichleit, als je zuvor. „Glaube mir, Morton,“ ſprach ſie und küßte meine Stirne,„glaube mir, ich kann mich ganz in das Gefühl denken, das Du bei einem Deinen Erwartungen ſo widerſprechenden Ereigniſſe natürlich in Dir tragen mußt. Ich kann Dir nicht verhehlen, wie ſehr ich ſelbſt überraſcht bin. Wirklich gab Sir William nie Einem von uns Grund zu der Vermuthung, er liebe einen von 324 Deinen Brüdern— Gerald noch weniger, als Aubrey— ſo ſehr, wie Dich; und doch war der gute Mann in allen andern Dingen keineswegs geneigt, ſeine Geſin⸗ nungen zu verbergen.“ „Das iſt wahr, Mutter,“ antwortete ich,„das iſt wahr. Haben deßhalb nicht auch Sie einigen Verdacht gegen die Echtheit des Teſtamentes?“ „Verdacht!“ rief meine Mutter!„Nein! unmög⸗ lich!— Verdacht auf wen? Du wirſt doch Gerald nicht für ſo niederträchtig halten, und wer hätte ſonſt einen Vortheil bei der Fälſchung?— überdies iſt die Unter⸗ ſchrift ohne allen Zweifel Sir Williams Hand, und das Teſtameut hat ſeine rechtmäßigen Zeugen; Verdacht, Morton— nein, unmöglich! Berenke auch, welch wun⸗ verliche Einfälle der Oheim immer hatte; Verdacht!— nein, unmöglich!“ „Solche Sachen, liebe Mutter, ſind ſchon vorge⸗ zommen und kommen noch häufig vor; die Menſchen wagen ihre Seele, ja, was für Manche noch einen grö⸗ ßeren Werth hat, ihr Leben für die elende Scholle, Geld genannt. Doch jetzt genug hievon; das Geſetz— vieſer große Schiedsrichter— der die Auſter verzehrt und die Schalen theilt— das Geſetz wird zwiſchen uns entſcheiden, und fällt, wie ich vorausſetzen und fürchten muß, der Spruch gegen mich aus— nun ſo muß ich Fortuna dienen, ſtatt ihr zu gebieten. Gib mir Deinen Segen, theuerſte Mutter; ich kann nicht länger in die⸗ ſem Hauſe bleiben; morgen verlaſſe ich Euch.“ Meine Mutter ſegnete mich, ich fiel ihr um den Hals und hing mich feſt daran.„Ach!“ dachte ich ich mir meinen gleicher Thale des Kr Faseen — was und bal aller G den Go ſchrum die Feu Kamee über de unbeſie denſche vergoſſ ſcheine in! unmög⸗ Gerald nicht eſonſt einen die Unter⸗ nd, und das ; Verdacht, welch wun⸗ Verdacht— „dieſer Segen wiegt beinahe das Vermögen meines Oheims auf.“ Bei meiner Rücklehr auf mein Zimmer ſah ich den Degen, welchen mir der König von Frankreich geſandt, in ſeiner Scheide auf dem Tiſche liegen. Als ich nach der Stadt abging, hatte ich ihn meinem Oheime zurück⸗ gelaſſen, jetzt ihn wieder unter deſſen Relikten gefunden und reklamirt. Ich nahm den Degen und zog ihn aus der Scheide. „Komm,“ ſprach ich, und eine vüſtere, aber tiefe Begeiſterung entflammte mich, als ich auf die Klinge blickte,„komm, mein glänzender Freund, mit dir will ich mir durch dieſes Labyrinth, das wir Welt nennen, meinen Weg bahnen! Schönſter und ſchnellſter Aus⸗ gleicher auf Erden, du gründeſt den Pfab aus dem tiefen Thale zu dem ſteilen Berge und machſt die Partiſane des Kriegers zum Seepter des Fürſten! Lorbeer und Fascen, der kuruliſche Stuhl und des Kaiſers Purpur — was ſind ſie, als dein Spielzeug, bald dein Hohn und bald dein Lohn? Gründer aller Relche, Verbreiter aller Glaubensbekenntniſſe, du führteſt den Gallier und den Gothen, und die Götter Roms und Griechenlands ſchrumpften auf ihren Altären ein! Unter dir wurden die Feuer der Ghebera bleich, und das Wahrzeichen des Kameeltreibers ſtrahlte auf deiner Spitze wie eine Sonne über dem erſchreckten Oſten! Ewiger Schiedsrichter, unbeſiegbarer Machthaber, ſo lange es menſchliche Lei⸗ denſchaften gibt! Du prunlendſter der Heuchler— der vergoſſenes Blut mit Ruhm, wie mit einem Heiligen⸗ ſcheine umgibt, und Mord und Metzelei burch einen 326 hohlen Nainen adelt, den die vertrocknete Kehle beines Geweihten in Schlacht und Todeskampf noch mit dem letzten Athemzuge ausruft! Leitſtern aller menſchlichen Schickſale! Ich kniee vor dir und rufe deine glänzende Aſtrologte um ein Vorzeichen und um ein Lächeln an.“ Viertes Kapitel. Eine Epiſode— Der Sohn des größten Mannes, der(mit ſich von Ausnahme eines Einzigen) je einen Thron beſtieg, aber keines⸗ wegs des größten Mannes, der(Einen ausgenomnen) je gelebt hat. in Verb Vor Sonnenaufgang hatte ich am nächſten Morgen wäre ſe ſchon meine Rückceiſe nach London angetreten. Das ſichtlich königliche Geſcheak und(ſonderbare Zuſammenſetzung!) heten Er den armen Ponto, den Hund meines Oheimes, hatte ſprach. ich dem Stellvertreter des klugen Desmarais anvertraut, den unei Möge es mir erlaubt ſein, hier einen Augenblick anzu⸗ nem per halten, um das Schickſal des ererbten Thieres zu be⸗ verirant richten, da ſich mir keine andere Gelegenheit bieten wird, zeſten P ſeiner zu erwähnen. Es begleitete mich einige Jahre har ſpäter nach Frankreich und ſtarb dort in ſehr hohem Lobesta Alter. Ich vergoß Thränen, als ich das letzte Uber⸗ Erhlaſſe bleibſel meines guten Oheimes hinſcheiden ſah, und es theile, n tröſtete mich nicht, daß der Hund in dem Garten des tapferen Villars begraben und durch eine Grabſchrift Alles in aus ver Feder des golanten Chaulien verewigt wurd nir kein Ich ließ mein Pferd gehen, wie es eben mochte, und die und gab mich meinen Betrachtungen über den ſonder⸗ dem gan Kehle beines och mit dem menſchlichen ne glänzente Lächeln an.“ es, der(mit „aber keines⸗ nomnen) je ſien Morgen reten. Das nenſetzung!) imes, hatte anvertraut. nblick anzu⸗ ieres zu be⸗ bieten wirb, inige Jahre ſehr hohem letzte über⸗ ſah, und es Garten des Grabſchrift wigt wurde. ben mochie, den ſonder⸗ 32 baren Wechſel hin, der in meinen Vermögensangele⸗ genheiten eingetreten war. In meinem Inneren blieb mir kein Zweifel, daß bezüglich des Teſtamentes irgend ein Schurkenſtreich geſpielt worden ſei. Des Oheimes fortwährende, unveränderliche Gunſt gegen mich, die unzweideutigen Ausdrücke, worin er von Zeit zu Zeit ſeine Abſichten hinſichtlich meiner angedeutet hatte, die ungezwungene, natürliche Art, womit er meine Erb⸗ ſchaft und die Nachfolge in ſeinen Gütern als etwas ſich von ſelbſt Verſtehendes zu betrachten ſchien; all das in Verbindung mit dem offenen, gütigen Charakter mei⸗ nes Oheimes, der ſo gar nicht gewohnt war, Hoffnun⸗ gen zu erwecken, die er nicht zu erfüllen beabſichtigte, wäre ſchon hinreichend geweſen, meinen Verdacht hin⸗ ſichtlich eines Teſtamentes zu erwecken, das allen frü⸗ heren Erfahrungen über den Erblaſſer ſo offenbar wider⸗ ſprach. Vereinigte ich damit das kühne Temperament, den unerſchrockenen Verſtand meines Bruders nebſt ſei⸗ nem perſönlichen Haſſe gegen mich, dachte ich an ſeinen vertrauten Umgang mit Montreuil, den ich der ſchwär⸗ zeſten Plane für fähig hielt, an die plötzliche und offen⸗ har verheimlichte Erſcheinung des Letzteren an dem Todestage meines Oheimes, an die Beſtürzung und das Erblaſſen des Rechtsgelehrten, die ungeheuren Vor⸗ iheile, welche nach der Faſſung des Teſtamentes Nie⸗ mand anders als Gerald zufielen; vereinigte ich dies Alles in einen Brennpunkt der Beweiskraft, ſo ſchien mir kein Zwejfel über die Fälſchung des Teſtamenies und die Schuld Geralds übrig zu bleiben.“ Auch lag in dem ganzen Benehmen meines Bruders nichts, was 328 meinen Vervacht hätte ſchwächen können. Eine heftige Bewegung war augenſcheinlich, ſein Erſtaunen mochte erheuchelt ſein, ſein Anerbieten, mir in der Nachfor⸗ ſchung beizuſtehen, war leere Großthuerei; ſein Be⸗ tragen gegen mich zeugte von ſeinen fortwährend feind⸗ ſeligen Geſinnungen— einer Feindſeligkeit, welche ihn zu dem Betruge wohl in gleichem Grade angetrieben haben mochte, wie die Einflüſterungen des Eigennutzes und der Habſucht. Während ſich aber dieſer natürliche Eindruck un⸗ zerſtörbar in meinem Inneren feſtſtellte, konnte ich mir die außerordentlichen Schwierigkeiten nicht verhehlen, die meiner in dem Kampfe gegen die Anſprüche meines Bruders warten dürften. So weit meine gänzliche Un⸗ renntniß des Geſetzes mir eine Entſcheidung geſtatteie, konnte ich in dem Teſtamente ſelbſt nichts entdecken, da einem Rechtsgelehrten Grund zu Sophismen gegeben hätte, wovon er ſich einigen Erfolg verſprechen durfte; meine Verdachtgründe mußten bei aller Bündigkeit für mich ſelbſt einem Richter eitel erſcheinen. Mein Oheim war als ein wunderlicher Mann bekannt, und iſt ein⸗ mal erwieſen, daß ein Menſch in einer einzigen Sache von Andern ſich unterſcheitet, ſo glaubt die Welt, er weiche in tauſend Sachen von ihnenab. Seine Vorliebe für mich würde, wie ich vorausſah, in den Augen der Menge nur als eine Wunderlichkeit und die unvermuthete Au⸗ ordnung ſeines letzten Willens nur als eine Laune er⸗ ſcheinen. Uberdieß gab der Beſitz Gerald ſchon einen ſprüchwörtlichen Vortheil, in deſſen Bekämpfung mein ganzes Leben aufgehen konnte, und es war mehr als wahrſche er gebie mein Ve liches 2 Allmäch gütern z zu laſſen ges. Ve Straflo ſagt, ni Rechtsſt für Refr Bis ähnlichet Reiſe fo ſelbſtfück miſchte; vereinigt die Verg Als Weg ma zu Iſore vorherrſ iſt es, d macht, ſtand ble erweckt, eines A ſeits d lindern Eine heftige angetrieben Eigennutzes indruck un⸗ nnte ich mit t verhehlen, üche meines änzliche Un⸗ g geſtatteie, tdecken, das ren gegeben chen durfte; digkeit für kein Oheim d iſt ein⸗ igen Sache Welt, er orliebe für er Menge thete An⸗ wahrſcheinlich, daß der unermeßliche Reichthum, über den er gebieten konnte, meinen Muth durch Verzögerung, mein Vermögen durch Ausgaben erſchöpfen würde. Herr⸗ liches Vorrecht der Rechtswiſſenſchaft, den Weg des Almächtigen umzukehren! ten Reichen mit Glücks⸗ gütern zu überhäufen, den Armen aber leer ausgehen zu laſſen! In corruplissima republica plurimae le- ges. Verwickelte Geſetzgebung iſt gleichbedeutend mit Strafloſigkeit; eine Bemerkung, die ich, beiläufig ge⸗ ſagt, nie gemacht haben würde, wenn ich nie einen Rechtsſtreit gehabt hätte— wer im Nachtheil, iſt immer für Reform. Bis ſich der Tag neigte, ſetzte ich unter dieſen und ähnlichen ängſtlichen und unbehaglichen Gedanlen meine Reiſe fort, mit welchen ſich bald der reinere, weniger ſelbſtſüchtige Schmerz um den verlorenen Freund ver⸗ miſchte; in dem ſchönen Vorgenuſſe, wieder mit Iſora vereinigt zu ſein, trank ich aus ihren Augen Troſt für die Vergangenheit und Hoffnung für die Zukunft. Als ich mich am folgenden Tage wieder auf den Weg machte und den Augenblick nahen fühlte, der mich zu Iſora bringen ſollte, wurde etwas wie Freude das vorherrſchende Gefühl in meinem Gemüthe. So wahr iſt es, daß das Unglück nur wenig Eindruck auf uns macht, ſo lange uns jenſeits deſſelben noch ein Gegen⸗ ſtand bleibt, der dadurch, daß er Hoffnungen in uns erweckt, uns der Betrübniß entrückt. Ach! die Qnal eines Augenblickes wird unerträglich, wenn wir jen⸗ ſeits dieſes Augenblickes Nichts ſehen, was dieſelbe lindern könnte. Das Glück lebt in dem Lichte der Zu⸗ 330 kunft:— greife die Gegenwart an, und es bietet vir Trotz; verbunkle die Zukunft, und du zerſtörſt es. Es war ein ſchöner Morgen; herrlich brach die Sonne durch die Dünſte hervor, welche ſich langſem unter ihren Strahlen dahinwälzten; und in ſtiller Wonne lag ihr Lächeln über Wald und Hügel und der niederen Ebene, die ſich, mit goldenem Korne bedeck, unmittelbar vor mir ausdehnte. Aus dem Gebüſche und dem zerſtreuten Unterholze, das häufig neben der Strafe ſich zeigte, ſandten die heiteren Vögel eine lieh⸗ liche, fröhliche Muſik, die ſich mit der lieblichen Friſche der Luft paarte. Ich hatte den größeren Theil der Reiſe zurückgelezt und war in eine mehr waldige und gartenähnliche Ge⸗ gend des Landes gekommen, als ich in einer Art niede⸗ ren Chaischen einen alten Mann bemerkte, der ſich ver⸗ gebens bemühte, ein kleines, aber muthiges Pferd im Zaume zu halten, das an irgend einem Gegenſtande ſcheu geworden war und mit ſeinem Lenker durchgehen wollte. Das Alter des Herrn und die Leichtigkeit der Chaiſe flößten mir Beſorgniſſe hinſichtlich des Erſteren ein; ich band daher mein eigenes Pferd an ein Gatter, vamit ſein Hufſchlag die Eile und Furcht des Flücht⸗ lings nicht noch vermehren möchte, lief mit raſchen, geräuſchloſen Schritten auf der anderen Seite der Hecke hin, und da ich gerade vor des Pony's Kopf wieder auf die Straße kam, gelang es mir, venſelben an einer gefährlichen Stelle und in einem eben ſolchen Augenblicke anzuhalten. Der alte Herr erholte ſich bald von ſeiner Veſtürzung und bat mich unter vielen Dankesbezei⸗ gungen begleiten entſernt Obn aufgehal druſſe wi ſpäter g durch die ehemals Ich über lumpten nen als ſi und brac Zügel feſ in einen: „Gu an,„gut ſchwache und wenr wirſt, le meinem( nerung g Empörun „Ihr über dieſ ju Gunſ es bietet dir örſt es. ch brach die ſich langſam d in ſtiller ügel und ber orne bedeck, zebüſche und neben der el eine lieb⸗ ichen Friſche zurückgelegt ihnliche Ge⸗ r Art niede⸗ der ſich ver⸗ es Pferd im Gegenſtande durchgehen chtigkeit der es Erſteren ein Gatter, des Flücht⸗ mit raſchen, te der Hecke dopf wieder en an einer Augenblick d von ſeiner ankesbezei⸗ 331 gungen für meine Hülfe, ihn nach ſeinem Hauſe zu begleiten, das, wie er ſagte, zwei oder drei Meilen entſernt ſei. Obwohl ich kein Verlangen trug, in meiner Reiſe aufgehalten zu werden bloß um das Haus eines alten Herrn zu ſehen, ſo dachte ich doch, die Sicherheit mei⸗ nes neuen Vekannten erforbere es, daß ich mich wenig⸗ ſens als Wagenlenker anbot, bis wir jenes Haus erreicht hätten. Zu meinem damaligen geheimen Ver⸗ druſſe wurde das Anerbieten angenommen, ob ich gleich ſpäter geßehen mußte, daß die kleine Unbequemlichkeit durch die Unterhaltung mit einem ſehr ſonderbaren und ehemals allbekannten Charakter reichlich belohnt wurde. Ich übergab mein eigenes Pferd der Obhut eines zer⸗ lumpten Burſchen, der mir verſprach, es ebenſo beſon⸗ nen als ſorgfältig zu führen, ſtieg in den kleinen Wagen und brachte, unter beſtändiger Aufmerkſamkeit, den Zügel feſt in der Hand, dos widerſpänſtige Thier bald in einen ruhigen, gleichmäßigen Schritt. „Guter Hans,“ redete der alte Herr ſein Pferd an,„guter Hans, wie Dein Gebieter weißt Du die ſchwache Hand wohl von der ſtarken zu unterſcheiden, und wenn Du nicht durch Gewalt im Zaume gehalten wirſt, lehnſt Du Dich gegen die Liebe auf. Du haſt meinem Gemüthe ſeinen Lieblingsſatz wieder in Erin⸗ nerung gebracht, nämlich: die einzige Vorkehr gegen Empörung iſt Zwang!“ „Ihre Bemerkung, mein Herr,“ entgegnete ich, über dieſe Worte ziemlich betroffen,„ſpricht ſehr wenig zu Gunſten der edleren Gefühle, welche uns leiten 332 ſollen. Es iſt ein ſchlechtes Gemüth, das immer des Gebiſſes und des Zaumes bedarf.“ „Ja, mein Herr,“ antwortete der Alte,„ich gebe es zu; ich fühle zwar einige Liebe, aber keine Achtung für die menſchliche Natur, und während ich ihre Schwä⸗ chen bejammere, muß ich dieſelben doch zugeſtehen.“ „Nach meiner Anſicht, mein Herr,“ antwortete ich, „haben Sie in dieſen Worten mehr geſunde Philoſophie ausgeſprochen, als ich ſeit Monaten hörte. Es iſt weiſe, nicht allzu hoch von der menſchlichen Hülle zu denken, und wohlwollend, nicht zu hart, üher dieſelhe zu un⸗ theilen. überdies liegt in ſolcher Mäßigung ein Veweſt von Großmuth, denn wir verdammen ſelten die Menſch⸗ heit, ehe ſie uns wehe gethan hat; iſt dies aber einmel geſchehen, ſo verabſchenen wir ſie gewöhnlich für de Unrecht.“ „Sie ſprechen für Ihre Jugend ſehr ſcharffinnih, mein Herr,“ entgegnete der Alte und ſah mich aufmerl⸗ ſam an;„ich wollte ſchwören, Sie haben irgend eine Kummer gehabt, denn wir fangen nie an zu denken, hi wir in unſeren Hoffnungen etwas abgekühlt ſind.“ Mit einem Seufzer antwortete ich:„Es gibt, glaub⸗ ich, Menſchen, deren Gemüthsbeſchaffenheit die Stell des Kummers vertritt; die, von Natur düſter, ſich leicht dem Nachvenken hingeben, und Nachdenken iſt ein Bo⸗ den, der uns bald die auf ſeinen Anban verwandte Mih vergilt.“ „Wahr, mein Herr!“ ſagte mein Gefährte, und trat eine Pauſe ein. Der alte Herr nahm wieder dot Wort.„Wir ſind jetzt nicht mehr weit von mein Wohnun Aufenthe bende He noch hoc hoffentlie eſſen. N Sie, daß neswegs ich glaub es ſpäter Meit angeregt niger Ru duld nack kamen al ziemlich ſein gege alt wie ſchwerfi as immer des lte,„ich gebe keine Achtung ihre Schwä⸗ geſtehen.“ ntwortete ich, e Philo ſophie Es iſt weiſe, lle zu denken, ieſelhe zu u⸗ g ein Bewei ndie Menſch⸗ s aber einmal hnlich für des ſcharffinnig mich aufmerk⸗ nirgend eine zu denken, his t ſind.“ Ss gibt, glaub⸗ heit die Stell ſier, ſich leicht en iſt ein Vo⸗ rwandte Mih⸗ fährte, und m wieder das it von meine 333 Wohnung, oder vielmehr von meinem gegenwärtigen Aufenthalte entfernt, denn meine eigentliche und blei⸗ hende Heimath iſt in Cheshunt in Herfordſhire; da es noch hoch am Tage iſt, werben Sie es einem Einſiedler hoffentlich nicht abſchlagen, eine Suppe mit ihm zu eſſen. Nein, nein, keine Entſchuldigung; ich verſichere Sie, vaß ich gewöhnlich nicht viele Worte mache und kei⸗ neswegs mit meinen Einladungen ſehr freigebig bin; ich glaube, daß, wenn Sie es mir jetzt abſchlagen, Sie es ſpäter bereuen werden.“ Meine Neugier wurde durch dieſe Drohung ziemlich angeregt; da ich überdies bedachte, daß mein Pferd ei⸗ niger Ruhe bedurfte, ſo unterdrückte ich meine Unge⸗ duld nach der Stadt und nahm die Einladung an. Wir kamen alsbald an ein Haus von mäßigem Umfange und zemlich alter Bauart. Dies, ſagte mir der Alte, ſei ſein gegenwärtiger Aufenthalt. Ein Diener, beinahe ſo alt wie ſein Herr, kam an den Eingang, gab meinem Wirthe den Arm und führte ihn, denn er war etwas lahm und auch ſonſt ſchwächlich, über einen kleinen Flur in ein langes, niederes Zimmer. Ich folgte. Ein Miniaturbild von Oliver Cromwell über dem Kamin feſſelte meine Aufmerkſamkeit. „Von allen Gemälden von dem Protektor,“ ſagte ich,„die ich je geſehen, iſt dieſes das einzige, das mir die Gewißheit gibt, daß es getroffen iſt; dieſe entſchloſ⸗ ſene düſtere Stirne— dieſe trotzige Lippe— dieſer ſchwerfällige, aber nicht ſlumpfe Ausdruck— all dies ſcheint mir ein Ebenbild des ſonderbaren, glücklichen Mannes zu verbürgen, für welchen die Thorheit ein 334 eben ſo großes Werkzeug des Erfolges geweſen zu ſei ſcheint, als die Weisheit, und der vielleicht eben ſo durg bejammernswerthen Fanatismus, als durch bewunderns⸗ würdiges Genie zur höchſten Macht aufſtieg. So wah iſt es, daß große Männer ſich häufig durch Eigenſchaß ten zu ihrer Höhe eiſporſchwingen, welche dem Veh⸗ achter am wenigſten auffallen, und(um ein Gleichn zu gebrauchen) dem Thiere“ ähnlich ſind, bei welchen ein gemeines Gelenkband die Stelle und Eigenſchaf der Flügel vertritt.“ Der Alte lächelte bei dieſer Bemerkung ein weni „Wenn dies richtig iſt,“ ſagte er in bedeutungsvollen Tone,„ſo dürften wir zwar die Talente des Protekton weniger bewunbern, müßten aber nachſichtiger gege ſeinen Charakter ſein und ihn, der ſich im eigenen Hen⸗ zen getäuſcht fand, nicht wegen Falſchheit verdammen“ „Von dieſem Geſichtspunkte aus,“ ſagte ich,„hal ich ſein Benehmen ſtets angeſehen. Und obwohl ich mei⸗ nen Vorurtheilen nach ſelbſt ein Cavalier und ein Tor) bin, ſo geſtehe ich doch, daß mir Cromwell, ſo ſehr e auch für einen Heuchler gilt, ſeinem königlichen Gegue und Opfer in der Tugend der Aufrichtigkeit eben ſo ſeh überlegen ſcheint, als er es hinſichtlich der Größe ſeine Geiſtes und der tiefen Conſequenz ſeines Ehrgeizes war.“ „Herr,“ ſagte mein Wirth mit einer Wärme, welche mich in Erſtaunen ſetzte,„man meint, Sie hätten den Mann gekannt, ſo richtig beurtheilen Sie ihn. Jo,“ fuhr er nach einer Pauſe fort, ja, vielleicht bemäntelit Niemand ſeine Plane ſo ſehr für die eigene Bruſt— *Das fliegende Eichhörnchen. der alte merher Zimmer in dem war, ve Anzahl für ihre das une auch ül bemerkt am gen⸗ poetiſch als Tief Zufried regung wäre, konnte. geweſen zu ſeh ht eben ſo dnc ch bewundeins ſtieg. So wah rch Eigenſchaß che dem Veol⸗ nein Gleichni , bei welchen nd Eigenſchaſt ung ein weni etungsvollen des Protekton ichtiger gege meigenen Her⸗ tverdammen⸗ igte ich,„hab bwohl ich mei⸗ und ein Tor) ell, ſo ſehr e ichen Gegne it eben ſo ſehr Größe ſeine hrgeizes war.“ Bärme, welce ie hätten den ie ihn. Je, ht bemäntele ene Bruſt— vielleicht wurde Niemand bei gleicher Ruhmbegierde je durch ſein Gewiſſen ſo geblendet— vielleicht gelangte Niemand zu ſolcher Höhe durch ſo wenige Handlungen, die er ſo ſehr bereuen zu müſſen glaubte.“ So weit waren wir in unſerg Untfrhaltung gekom⸗ men, als der Diener eintrat und das Eſſen aukündigte. Wir begaben uns in ein anderes Zimmer und ſetzten uns zu einem hausmänniſchen, aber nicht nneinladenden Mahle. Wenn Menſchen ſich gegenſeitig gefallen, ſo überſteigt die Unterhaltung hald die gewöhnliche Ober⸗ fläche des Geſpräches, und ein Austauſch tieſerer Ge⸗ finnungen wir ſchnell durch das hervorgebracht, was der alte Varnes ſo ſinnreich„den dienſtthuenden Kam⸗ merherrn— die Converſation“ nennt. Wir ſpeisten in einem hübſchen, obwohl kleinen Zimmer, und ich bemerkte, daß in dieſem Gemache, wie in demjenigen, in welches ich zuerſt geführt worden war, verſchiedene Bücher in einer Unordnung und einer Anzahl durcheinander lagen, welche zeigten, daß ſie für ihren Beſitzer der ausgeſuchteſte Lurusartikel, wie das nnentbehrlichſte Bedürfniß ſeien. So ſprachen wir auch über Tiſch hauptſächlich über Literatur, und ich bemerkte, daß diejenigen Werke, welche mein Wirth amn genaueſten zu kennen ſchien, jener Claſſe eleganter, poetiſcher Philoſophen angehörte, die mit mehr Schein als Tiefe das Glück einer nutzloſen Einſamkeit und einer Zufriedenheit anpreiſen, die, aller Leidenſchaft, Auf⸗ regung und Thatkraft beraubt, wenn ſie je denkbar wäre, nur ein ſchöner Name für ein Vegetiren ſein konnte. 336 „So,“ ſagte er, nachdem das Eſſen weggeräumt war und wir uns mit jenem Stellvertreter aller Geſell⸗ ſchaft— dem Weine— allein befanden,„ſo, Sie gehen nach London, noch vier Stunden und Sie werden ſich in dieſem großen Brennpunkte von Geräuſch, Falſch⸗ heit, hohler Freude und wirklicher Sorge befinden. Wiſſen Sie, daß ich ſo ſehr an dem Lande hänge, daß ich alle Diejenigen, welche daſſelbe mit der lärmenden Stadt vertauſchen, nur aus dem halb ſtaunenden, halb bemitleidenden Geſichtspunkte betrachten kann, unter welchem den Alten die verhärteten Abenteurer erſchie⸗ nen, die das ſichere Land und ihre glückliche Heimath verließen, um ſich freiwillig auf ſchwachem Fahrzeuge ven Gefahren der ungewiſſen See auszuſetzen. Blicke ich hier auf die grünen Felder, den blauen Himmel, die ruhigen Heerden, die ſich im Sonnenſchein wärmen oder über die unbefleckte Ebene zerſtreut ſind, ſo kann ich nicht umhin, mit Plinius auszurufen:„„Dies iſt der wahre Sitz der Muſen, dies die Quelle, aus welcher das Gemüth ſeine Begeiſterung, das Herz ſeine Ruhe ſchöpft!““ Und in meiner Liebe zu der Natur— die vertrauensvoller und beſtändiger iſt, als je eine Liebe für ein Weib war— rufe ich mit dem zärtlichen, ſüßen Tibull aus: Rgo composito securus acervo Pespiciam dites— despiciamque famem.“ „Dies,“ ſagte ich,„ſind die Empfindungen, die wir Alle(die Unruhigſten von uns vielleicht am meiſten) bisweilen erfahren. Aber in unſerem Herzen liegt ein geheimer, unwiderſtehlicher Drang, der uns wie einen von we angehal den. S ſehe, S ſage, de mir abe Herrſch Strom fährdet, Lunde. Sie ſich ich dieſe Höc dieſes ſe ſprach i Grade: fahrung „N „erſt we alten E Lebewol Sie mit mehr in gefallen fuhr er Vul weggeräumt aller Geſell⸗ ſo, Sie gehen e werden ſich iuſch, Falſch⸗ rge befinden⸗ e hänge, daß er ärmenden unenden, halb kann, unier eurer erſchie⸗ liche Heimath em Fahrzeuge en Blicke ich Himmel, die wärmen oder „ſo kann ich „„Dies iſt der aus welcher z ſeine Ruhe Natur— die je eine Lieb tlichen, ſüßen mem.“ ndungen, die t m meiſten) rzen liegt ein uns wie einen ſich drehenden Reif auf der großen Bahn unſers Schick⸗ ſals vorwärts und vorwärts treibt; einen Ruhepunkt finden wir erſt, wann die Räder, auf welchen wir uns bewegen, zerbrochen ſind— in dem Grabe.“ „Doch, entgegnete mein Wirth,„der innere Drang, von welchem Sie ſprechen kann noch vor dem Grabe angehalten, wenigſtens ſtiller und ruhiger gemacht wer⸗ den. Sie werden vielleicht ungläubig lächeln(denn ich ſche, Sie wiſſen nicht, wer ich bin), wenn ich Ihnen ſige, daß ich einſt hätte Monarch werden können, daß mir aber Verborgenheit heneidenswerther erſchien, als Herrſchaft; ich ließ die Gelegenheit entſchlüpfen; der Strom des Schickſals rollte fort und ließ mich unge⸗ fährdet, aber einſam und verlaſſen auf dem trockenen Lande. Wundern Sie ſich über meine Wahl, ſo werden Sie ſich noch mehr wundern, wenn ich Ihnen ſage, daß ich dieſelbe nie bereute.“ Höchſt erſtaunt, ja beſtürzt, hörte ich meinen Wirth dieſes ſeltſame Geſtändniß ablegen.„Verzeihen Sie,“ ſprach ich,„allein Sie haben meine Neugier in hohem Grade rege gemacht; darf ich fragen, von weſſen Er⸗ fahrung mir hier eine Lehre zu Theil wird?“ „Noch nicht,“ antwortete mein Wirth lächelnd, „erſt wenn unſere Unterredung zu Ende iſt und Sie dem alten Einſiedler aller Wahrſcheinlichkeit nach für immer Lebewohl geſagt haben; dann werden Sie erfahren, vaß Sie mit einem Manne geſprochen haben, der vielleicht mehr in allgemeine Vernachläſſigung und Mißachtung gefallen iſt, als irgend einer ſeiner Zeitgenoſſen. Ja,“ fuhr er fort,„ja, ich verzichtete auf die Macht, erntete Vulwer, Devereux. I. 22 338 aber nicht Lob für meine Mäßigung, ſondern Gering⸗ ſchätzung wegen meiner Thorheit; kein Menſch wollte glauben, daß ich aus Geringachtung ſeines Veſitzes einen Schatze entſagte, den Andere nur aus Mangel an Kraft aufgegeben hätten, denſelben feſtzuhalten, und was man, wäre es in einer Geſchichte des Alterthums auf⸗ gezeichnet, als Gipfel der Philoſophie betrachtet haben würde, verachtete man, weil es unter den eigenen Auzen vorging, als die größte Erniedrigung der Schwachheit. Wenn ich jedoch mein Loos mit demjenigen des großen Mannes vergleiche, deſſen Ehrſucht man auch von mit erwartete und deſſen Größe ich hätte überkommen kön⸗ nen, ſo bin ich überzeugt, daß ich in dieſer Zurückge⸗ zogenheit mehr zu beneiden bin, als er in der Fülle ſeine Gewalt und auf der Höhe ſeines Ruhmesz; iſt aber nicht Glückſeligkeit das Ziel der Weisheit? und wenn mein Wahl mich glücklicher macht, als die ſeinige, iſt ſie nicht weiſer?“ „Ach,“ dachte ich,„die weiſeſten Menſchen haben gewöhnlich nicht das erhabenſte Genie, und Glückſelig⸗ keit fällt vielleicht mehr einer Mittelmäßigkeit des Geiſtes als der äußeren Verhältniſſe zu;“ ich ließ jedoch ein ſo unhöfliche Erwiderung gegen meinen Wirth nicht laut werden; im Gegentheile.„Ich zweifle nicht,“ ſagt ich, als ich mich zun Weggehen anſchickte,„an t Wetsheit einer Wahl, die Ihren eigenen Beifall hat. Auch ſagte ein ebenſo großer, als guter Mann— en Mann, deſſen Geiſte die Ausheute der Stubirzimme und die Erfahrung der Höfe zu Gebote ſtand— hinſicht⸗ lich der Weisheit oder der Thorheit„„beſteht der einzi dern Gering⸗ Menſch wollt⸗ Beſitzes einem ngel an Kraft en, und was terthums auf⸗ trachtet haben eigenen Augen Schwachheit. en des großen auch von mit rkommen kön⸗ eſer Zurückge⸗ er Fülle ſeiner ziſt aber nicht id wenn mein ge, iſt ſie nicht eß jedoch ein Wirth nicht enicht,“ ſagte ckte,„an der n Beifall hat. Mann— ein Studirzimmet d— hinſicht 339 Unterſchied zwiſchen den Menſchen darin, ob ein Menſch ſeine Leidenſchaften, oder ob die Leidenſchaften ihn be⸗ herrſchen.““ Dieſem Grundſatze zufolge, der in der That ein klaſſiſcher, goldener Spruch iſt, mochte Alexander auf ſeinem Throne von Perſien ein Tropf gegen Dioge⸗ nes in ſeiner Tonne geweſen ſein. Und indem ich Ihnen jest Lebewohl ſage, mein Herr, laſſen Sie mich noch einmal Ihre Geneigtheit hinſichtlich der Befriedigung meiner Neugier in Anſpruch nehmen.“ „Noch nicht, noch nicht,“ erwiberte mein Wirth; und er führte mich wieder in das andere Zimmer. Wäh⸗ rend man mein Pferd in Stand ſetzte, erneuerten wir unſer Geſpräch. Soviel ich mich erinnere, ſprachen wir von Plato; aber ich ſehnte mich jetzt ſo heftig nach Jſora, daß ich meinem würvigen Wirth nicht mehr die geduldige Aufmerkſamkeit ſchenkte wie bisher. Als ich Abſchied von ihm nahm, ſegnete er mich und gab mir ein Stück Papier in die Hand.„Offnen Sie dies nicht,⸗ ſagte er,„bis Sie wenigſlens zwei Meilen von hier entfernt ſind; dann ſoll Ihre Neugierde befriedigt wer⸗ den. Kommen Sie je wieder dieſe Straße, ober reiſen Eie über Cheshunt, ſo halten Sie an und ſehen Sie, ob der alte Philoſoph geſtorben iſt. Adieu.“ Und ſo ſchieden wir. Man darf verſichert ſein, daß ich über das feſtge⸗ ſetzte Ziel von zwei Meilen noch nicht weit hinaus war, als ich das Papier öffnete und folgende Worte las: „Vielleicht, junger Fremdling, mag Ihnen in einer ſpäteren Periode eines Lebens, das ich als unruhig und ereignißvoll voraus zu hezeichnen wage, die Erinnerung 340 einen Gegenſtand des Nachdenkens, vielleicht einen An⸗ haltyunkt für Ihre ſittliche Bildung geben, daß Sie in hohem Alter und in Zurückgezogenheit den Sohn Des⸗ jenigen geſehen haben, der ein Reich erſchütterte, ein Volk rächte, und einen Thron erlangte, bloß um das Opfer ſeiner eizenen Leidenſchaften und das Spielzeug ſeines eigenen Verſtandes zu ſein. Ich wiederhole jetzt die Ihnen ftüher vorgelegte Frage— war das Schic⸗ ſal des großen Protektors ſchöner, als dasjenige des verachteteten und vergeſſenen Richard Cromwell?“ „So,“ dachte ich,„habe ich wirklich mit dem Sohne des größten Herrſchers, den England, oder in neueren Zeiten vielleicht Europa, hervorgebracht, dieſes Ge⸗ ſpräch über Zufeiedenheit geführt. Ja, vielleicht iſ dein Schickſal mehr zu beneiden als das deines erlauchten Vaters; aber wer wird es mehr beneiden? Sonderbn, daß, während wir behaupten, Glückſeligkeit ſei der Ge⸗ genſtand all unſerer Wünſche, Glückſeligkeit gerade da letzte iſt, wornach wir trachten. Liebe, Reichthum, Ver⸗ gnügen und Ehre,— dies ſind die Bahnen, welche wir ſo lange verfolgen, daß wir, an das bloße Fortwander gewöhnt, vergeſſen, daß vie Wanderung anfangs nicht um des Laufes, ſondern um des Zieles willen untet⸗ nommen wurde; und in der allgemeinen Verblendun unſeres Geſchlechtes machen wir die Mühe zum Ge⸗ winn und verlieren durch Verfolgung der Mittel den Zweck.“ Nie ſah ich meinen Wirth wieder; ſehr bald nah aber in Mitthe ſein ge des Di und ſo hinauf Augenk Liebe! Erde— kreiſe ſ eminös *5 ht einen An⸗ „daß Sie in Sohn Des⸗ ütterte, ein bloß um das as Spielzeug iederhole jetzt r das Schic⸗ asjenige des well?“ it dem Sohne er ein neueten t„ dieſes Ge⸗ vielleicht iſt nes erlauchten 7 Sonderbar, Verblendun ühe zum Ge⸗ r Mittel un ehr bald nah 341 dieſer Zeit ſtarb er;“ und das Schickſal, das zwiſchen dem Leben des Vaters und des Sohnes eine ſo ſcharfe Grenzlinie gezogen hatte, vereinte durch dieſen Tod— ſein größtes, wie ſein einzig allgemeines Geſchenk— den Philoſophen und Einſiedler mit dem Krieger und Staatsmanne! Fünftes Kapitel. Worin der Held in mehr als einem Punkte Entſchloſſenheit beweist— Weitere Entwicklung von Iſora's Charakter. Es war, um das ſchöne Bild aus der Arkadia zu gebrauchen, zur Zeit„wo die Sonne, wie ein edles Herz, den größten Anblick auf dem niederſten Stand⸗ punkte gewährt,“ als ich vor Iſora's Thüre ankam. Ich hatte ihr ein mal geſchrieben, um ihr den Tod mei⸗ nes Oheimes und den Tag meiner Rückkehr anzuzeigen, den Umſturz meiner Vermögensverhältniſſe hatte ich aber in meinem Briefe nicht berührt; ich ſchob dieſe Mittheilung auf, bis ſie durch perſönliches Zuſammen⸗ ſein gemildert werden könnte. Ich las in dem Geſichte des Dieners, der mich einließ, daß Alles gut ſtehe; und ſo flog ich, ohne eine Frage zu thun, die Treppe hinauf— ſtürzte in Iſora's Zimmer, und in einem Augenblicke war dieſe in meinen Armen. Oh, Lieke, Liebe! warum biſt du eine ſo flüchtige Pilgerin auf der Erde— eine Abendwolle, die an unſerem Geſichts⸗ kreiſe ſchwebt und die Farben der Sonne trinkt, die eminös glänzender wird, je mehr es der Dämmerung *Richard Cromwell ſtarb im Jahre 1712. Der Herausgeber. 342 und der Nacht zugeht, die aber, ſobald die Sonne hin⸗ unter iſt, in Finſterniß weiter zieht, oder in Thränen herabträufelt! „Und nun, mein Paradiesvögelchen,“ begann ich, als wir allein in dem von mir zum Speiſezimmer be⸗ ſtimmten Gemache ſaßen, worin ich, ſo beſchränkt auch der Raum war, all meine Neigung zu Lurus und Ge⸗ pränge, eine meiner hauptſächlichſten Schwachheiten, verſchwendet hatte,„nun, wie haſt Du die Zeit ſeit unſerer Trennung verlebt?“ „Brauchſt Du das zu fragen, Morton? Ach, haſt Du nie einen armen Hund geſehen, den ſein Herr verließ oder vielmehr nicht verließ, denn dies iſt, wie Du weißt, doch nicht mein Fall,“ fuhr Iſora ſcherzend fort,„ſondern zu Hauſe ließ, während er verrelste? Haſt Du bemerkt, wie unruhig das arme Thier iſt— wie es jede Geſellſchaft und jeden Genuß verſchmäht— wie es huntertmal täglich in das Zimmer geht, wo ſich ſein Herr gewöhnlich aufhielt — wie es ſich in den Sopha oter in den Stuhl ſchmiegt. wo der abweſende Herumſchwärmer zu ſitzen pflegte— wie es ſogar ein Stück von ſeinen Kleidern auswählt, eiferſüchtig um daſſelbe herläuft, es verbirgt und be⸗ wacht, wie ich dieſen Handſchuh verborgen und bewacht habe, Morton? Haſt Du je ein ſo demüthiges Weſen hängt, geſehen, wenn dieſes Lächeln ferne war?— vann, Morton, kannſt Du Dir ſelbſt ſagen, wie mit die Zeit während Deiner Abweſenheit verfloß.“ Ich antwortete Iſora durch Liebkoſungen und Schme cheleien. Die letzteren mochte ſie nicht hören. deſſen Glück von dem Lächeln eines einzigen Weſens 4 das wei chen ſin Schönh Anderet mir alſ anzured „Je das Vei fremden reifen K deriſche dieſe zat Dichter von Au und Sc nicht ei dene La weichere auf wel Mit ei ein Zau ſeres G „Es „S ſeinen W dürfen, zu ſein ſ e Sonne hin⸗ in Thränen begann ich, ſezimmer be⸗ ſchränkt auch rus und Ge⸗ chwachheiten, die Zeit ſeit Ach, haſt Du r verließ oder weißt, doch t,„ſondern zu ubemerkt, wie eſellſchaft un und bewacht higes Weſen Weſens ab⸗ „Nenne mich nie mehr bei dieſen ſchönen Namen, ich beſchwöre Dich,“ flüſterte ſie;„nenne mich nur mit den ſüßen, zärtlichen Werten, mit welchen Du, das weiß ich, ſonſt Niemand benennſt. Biene und Vögel⸗ chen ſind meine Namen, die mir allein gehören; aber Schönheit und Engel find ſolche, die Du ſchon hundert Anderen gegeben haſt oder noch geben kannſt! Verſprich mir alſo, mich nur in dieſer unſerer eigenen Sprache anzureden.“ „Ich verſpreche es, und ſiehe, hiermit beſiegle ich das Verſprechen. Aber ſage mir, Iſora, liebſt Du dieſe fremden Düfte nicht, die ein Arabien aus dieſem un⸗ reifen Himmelsſtriche machen? Liebſt Du das verſchwen⸗ deriſche Licht nicht, das einen ſo blendenden Glanz auf dieſe zarte Wange und die Augen wirft, die dem alten Dichter“ vorgeſchwebt ſein müſſen, wenn er ſo finnig von Augen ſpricht, die ein Tempel ſchienen, worin Liebe und Schönheit ſich vermählten? Nimmt jene Frucht nicht eine lockendere Farbe an, weil ſie in dieſes gol⸗ dene Laub gebettet iſt? Scheint nicht der Schlaf mit weicheren Schwingen über dieſen Sophas zu ſchweben, auf welchen die Glieder einer Fürſtin geruht haben? Mit einem Worte, liegt nicht in Aufwand und Pracht ein Zauber, gegen den kein zärter fühlendes oder wei⸗ ſeres Gemüth unempfindlich bleiben wird?“ „Es mag ſein,“ ſagte Iſora ſeufzend;„aber der * Sir Philipp Sidney, der, wenn wir nach den vielen ſeinen Werken entnommenen Citaten in dieſem Buche urtheilen dürfen, ein beſonderer Liebling des Graſen Devereur geweſen zu fein ſcheint. Der Herausgeber⸗ 344 Glanz, der uns umgiht, blickt mich kalt an und er⸗ ſchreckt mich beinahe. Ich meine, jeter Beweis Deinez Reichthumes und Deiner hohen Stellung entferne mich weiter von Dir; vann ſtehen auch ber grüne Raſen unt das Silberbächlein und die Bäume, durch welche die jungen Winde ſingen und ſäuſeln, im Geiſte vor mit — und ich geſtehe, daß alle meine Vorſtellungen vyn Pracht dem Lande, nicht der Stadt angehören.“ „Aber die zahlreichen Diener, die lange Reihe von Livreebedienten, durch welche Du, wie durch eine Gaſſt, gehen kannſt, die ſchwer behängten Pferde, die prãch⸗ tige Equipage, das mit Juwelen beſetzte Diadem, das herrliche Gewand, das vornehme Damen nachmachen und beneiden, die Muſik, welche Dich in Schlaf lull, das ſtrahlende Gepränge, die überall ſich zeigende Pracht — all dieſem, den Attributen oder Gaben des Reic⸗ thumes, all dem, was Du früher oter ſpäter zu be⸗ fitzen mit Recht hoffen darfſt, würdeſt Du doch, geſiehe es, ſehr ungerne entſagen?“ „Glaubſt Du dies, Morton? Ach, ich wollie, Di hätteſt meinen ſtilleren Sinn; je mehr wir das Glül einengen und beſchränken, deſſo ſicherer ſind wir, glanbe ich, es zu erhalten.— Wer den Kreis weit zieht, über⸗ ſchreitet die Grenze der Gefahr, und wer hundert Schift mit ſeinen Reichthümern beladet, Morton, iſt der nicht der Gefahr der Winde und Wetter mehr auszeſetzt als der, welcher ſeine Habe nur einem einzigen Fahrzeuge anvertraut?“ „Vortrefflich geſchloſſen, meine kleine Sophiſlin wenn aber das einzige Schiff unterſinkt?“ „5 ſchiffen „E leicht b ich Dir „U ₰5 Nein, reden! Wi dem W und wit arm hie wenige ſchwend her ſtete fiel ich! zu beme der dam art ehet mit ein⸗ mich m ſeinen§ trachtete ich, als nicht uu ihm bez die Häl hatte ich geräthe, an und er⸗ eweis Deinez entferne mich ne Raſen unt welche bie eiſte vor mit ellungen von ören.“ ge Reihe von ch eine Gaſſe, „ die präch⸗ Diadem, das nachmachen Schlaf lullt, gende Pracht n des Reich⸗ päter zu b doch, geſtehe wollle, Du ir das Glüt wir, glaub zieht, übe⸗ ndert Schift iſt der nicht usgeſetzt as n v Sophiſi 345 „Nun, ich würbe mich ſelbſt mit meiner Habe ein⸗ ſchiffen und mit vemſelben untergehen,“ „Gut, gut, Iſora, Deine Philoſophie wird viel⸗ leicht bald auf die Probe geſtellt werden. Morgen will ich Dir von Geſchäften ſprechen.“ „Und warum nicht noch dieſen Abend?“ „Dieſen Abend, wo ich eben erſt zurückgekehrt bin! Nein, heute Abend will ich nur von Liebe mit Dir reden!“ Wie man ſich denken kann, war Iſora ſehr leicht mit dem Wechſel meiner Vermögensumſtände ausgeſöhnt, und wirklich ſchien die Summe, mit ter ich mich für arm hielt, ihr unbedingter Reichthum. Vielleicht ſind wenige Menſchen von Nutur der üppigkeit und Ver⸗ ſchwendung mehr ergeben als ich; von meinem Oheime her ſtets an verſchwenderiſche Ausgaben gewöhnt, ver⸗ fiel ich bei meinem erſten Auftreten in London, ohne es zu bemerken und con amore in alle Kbertreibungen der damaligen Zeit. Sir William, über meine Lehens⸗ art eher erfreut als unzufrieden, beſonders da dieſelbe mit einem gewiſſen Eelat verbunden war, überhäufte mich mit Beweiſen ſeiner Großmuth, die ich, da ich ſeinen Reichthum kannte und mich als deſſen Erben be⸗ trachtete, kein Bedenken trug, anzunehmen. So hatte ich, als ich nach ſeinem Tode nach London zurücklehrte, nicht nur das ganze fürſtliche Einkommen, das ich von ihm bezog, aufgebrancht, ſondern ich ſchuldete noch über die Hälfte meines nunmehrigen Vermögens. Indeſſen hatte ich Pferde und Equipagen, Juwelen und Silber⸗ geräthe, und nach einem kurzen Kampfe mit meinem Stolze gewann ich es über mich, alles Werthvolle in die Verſteigerung zu ſchicken. Im Ganzen wurde Alles ziemlich hoch verkauft, denn ich war in der großen Welt wegen meines Geſchmackes und meiner Prachtliebe ge⸗ wiſſermaßen bekannt; nachdem ich den Erlös erhalten und meine Schulden bezahlt hatte, fand ich, daß der ganze mir bleibende überſchuß, mit Einrechnung des Vermächtniſſes meines Oheimes, fünfzehntauſend Pfund Sterling betrug. Es war dies kein ſchlechtes Erbtheil für einen jün⸗ geren Bruder, ich war aber keineswegs geſonnen, mich widerſtandlos zu einem jüngeren Bruder machen zu laſſen. So ging ich denn zu den Advokaten; ſie ſahen das Teſtament an, überlegten die Sache und nahmen ihre Gebühren. Der Ehrlichſte von ihnen ſagte mir mit der ruhigſten Miene von der Welt, ich ſolle mich mit meinem Legat begnügen, denn die Sache loſſe nicht die geringſte Hoffnung zu; das Teſtament reiche hin, um zehn ältere Söhne auszuſchließen. Ich brauche nicht beizufügen, daß ich dieſen Rechtsgelehrten mit einer ſehr verächtlichen Meinung von ſeinem Verſtande verließ. Ich ging zu einem Andern, der mir daſſelbe, nur auf eine andere Weiſe ſagte; ich hielt ihn für einen eben ſo großen Narren wie ſeinen Amtsbruder. Endlich kom ich zu einem kleinen, munteren Herrn mit lebhaftem Auge, helltönender Stimme und einer Perüke, die in jeder Locke überzeugung trug; er hatte eine unabhängige, offene Miene und eine ſo logiſche, nachdrückliche Art ſich auszuvrücken, daß ich ganz bezaubert von ihm wurde. Kaum hatte mich dieſer Herr zu Ende gehört, ſo ver⸗ buben, a ganges ſi daß ich z thun, al gefunden großes 2 weder an dieſes P Stnatsm zige, in fragte it ſelben kommen hauſe ve nöthige lehrſam verſicht gute W thvolle in urde Alles oßen Welt htliebe ge⸗ s erhalten , daß der end Pfund einen jün⸗ nen, mich nzu laſſen. ſahen das hmen ihre tir mit der it meinem e geringſte ſicherte er mich, dies ſei ein ausgezeichneter Fall, er gehe gerne raſch und kräftig zu Werke, er haſſe Schurken und Verzögerung, die immer das Merkmal eines Spitz⸗ buben, aber nicht das nothwendige Merkmal des Rechts⸗ ganges ſei; ich ſei der glücklichſte Menſch in der Welt, daß ich zu ihm gekommen, und kurz, ich habe nichts zu thun, als einen Prozeß anzufangen und alles Weitere ihm zu überlaſſen. Ich war ſehr bald in dieſen Vor⸗ ſchlag hineingeredet und befand mich bald auf dem koſt⸗ ſpieligen Meere der Rechtshändel. Nachdem ich das Geſchäft ſo befriedigend geordnet hatte, ging ich, Condolenz und Mitleiden bei St. John entgegenzunehmen. So ſehr dieſen Vergnügen und Amt fortwährend in Anſpruch nahmen, hatte er doch Zeit gefunden, oft bei mir vorzuſprechen und ſchriftlich ſein großes Bedauern auszudrücken, daß ich ſeine Beſuche weder angenommen noch erwidert habe. Gerührt durch dieſes Phänomen von ſo viel Freundlichkeit bei einem Stnatsmanne, erwies ich ihm zur Erwiverung die ein⸗ zige, in meinen Kräften ſtehende Artigkeit, d. h. ich fragte ihn um ſeinen Rath, in der Abſicht, den⸗ ſelben zu befolgen. „Politik— Politik, mein lieber Graf,“ war ſeine Antwort auf dieſe Bitte,—„Nichts über Politik; kommende Woche will ich Ihnen einen Sitz im Unter⸗ hauſe verſchaffen,— Sie haben, glaube ich, gerade das nöthige Atter. Himmel! ein Mann wie Sie, der Ge⸗ lehrſamkeit genug für einen deutſchen Profeſſor— Zu⸗ verſicht, die einen Mileſter beſchämen könnte— eine gute Wahl des Ausdruckes und eine ſcharfe Art zu ſpaßen hat— mit Ihnen an meiner Seite, lieber Graf, will ich bald—“ „St. John,“ unterbrach ich ihn,„Sie vergeſſen, daß ich Katholik bin“ „Ach ja, daran dachte ich nicht,“ erwiderte Dieſet langſam.„Der Himmel verzeihe es mir, Graf, es thut mir leid, daß Ihre Vorfahren nicht bekehrt wurdenz es iſt ſchrecklich, daß ſie Ihnen ihr Glaubensbekenntniß hinterlaſſen haben, ohne das Geld, es zu ertragen, venn das Papſtthum iſt eine furchtbare Steuer für ſeine Anhänger geworden.“ „Ich wäre begierig, zu wiſſen,“ ſagte ich,„ob die Erde je von Chriſten, und nicht von Wortklaubern re⸗ giert werden wird, von Nachfolgern unſeres Heilandes und nicht von Helfershelfern des Teufels; von Men⸗ ſchen, welche dem Erſteren folgen und einander lieben, nicht von Menſchen, die mit dem Letzteren(dem brül⸗ lenden Löwen) herumwandeln und ſuchen, wen ſie ver⸗ ſchlingen. Unduldſamkeit bringt den ſonderbarſten Un⸗ ſinn hervor, und Narrheit iſt nie ſo komiſch, als wenn ſie ſich mit etwas Heiligem verbindet— ſie gleicht dann dem Punch und ſeiner Frau in Powell's Puppenſpiel, wie ſie in der Arche tanzen. Par exemple, zu behaupten, daß Diejenigen, welche von uns abweichen, in einer Täuſchung befangen ſind, und ſie doch wegen dieſer Täuſchung verfolgen, gleicht nur zu ſehr jener Weisheit unſerer Väter, die, wie wir aus der Dämo⸗ nologie des ſchottiſchen Salomon erfahren, ein ganzes Nonnenkloſter verbrannten, weil deſſen Bewohnerinnen „ friedenhe Macht, liche Zu Narr iſt Narren lachen i haben be in Teſta wie ein ihn und lieber Graf, ergeſſen, erte Dieſe raf, es thut wurden; es sbekenntniß ertragen, er für ſeine ch,„ob pie laubern re⸗ Heilandes von Men⸗ der lieben, (dem brül⸗ en ie ver⸗ arſten Un⸗ „als wenn leicht dann uppenſpiel, emple, zu abweichen, doch wegen ſehr jener e Dämo⸗ ein ganze ohnerinnen 349 nicht durch Menſchen, ſonvern durch Träume verführt wurden!“ Und da ich etwas aufgeregt war, fuhr ich lange Zeit in einem ſehr beredten Tone über die Nachtheile der Intoleranz fort, die, wie ich behauptete, jetzt eine dem Proteſtantismus ſo gewöhnliche Politik geworden ſei, wie ſie es in dunkleren Zeiten für das Papſtthum geweſen: ganz vergeſſend, daß es nicht das Unrecht einer beſondern Sekte, ſondern einer herrſchenden Partei iſt. St. John, der über dieſen Punkte ſehr verſchieden von mir dachte, oder wenigſtens that, als denke er ſo, ſchüttelte etwas mit dem Kopfe, hielt aber bei ſeiner feinen Erziehung dieſen Gegenſtand für zu zart, um weiter darüber zu ſprechen. „Ich will Ihnen eine Entdeckung mittheilen, die ich gemacht,“ ſagte ich. „Und worin beſteht dieſe?“ „Hören Sie: der glücklichſte Menſch iſt der Wei⸗ ſeſte— das iſt klar. Worin beſteht das Glück? In Macht, Reichthum, Beliebtheit und vor Allem in Zu⸗ friedenheit! Nun denn, Niemand beſitzt je ſo viel Macht, Geld, Beliebtheit und vor Allem eine ſo gänz⸗ liche Zufriedenheit mit ſich ſelbſt, als ein Narr; ein Narr iſt veßhalb(ohne Paradorie) der weiſeſte Menſch. Narren regieren die Welt in Purpur— die Weiſen lachen über ſie, aber ſie lachen in Lumpen. Narren haben bei Hofe— in Kabinetten— in Bondvirs— in Teſtamenten reicher Leute Erfolg. Wer iſt ſo beliebt wie ein Narr? Jedermann ſucht ihn auf, lacht über ihn und liebt ihn. Wer iſt ſo ſicher in der eigenen Mei⸗ 350 nung— ſo ſelbſtſüchtig, wie ein Narr? Sua virtute involvit. Hören Sie, St. John, laſſen Sie uns Narren werden— ſie ſind die einzigen Machthaber, die einzi⸗ gen Philoſophen auf Erden. O Welt, das Narrenkleid iſt deine einzige Tracht!“ „Ha! ha!“ lachte St. John; damit erhob er ſich, und beſtand darauf, mich zu der Probe eines neuen Luſt⸗ ſpiels mitzunehmen, um, wie er ſich ausdrückte, meinen Spleen zu vertreiben, und mich zu der reiflichen Ent⸗ ſcheidung über den Plan, mein Schickſal zu verbeſſern, vorzubereiten. Allein, offen geſagt, es ſchien ſich nichts darzu⸗ bieten, daß mich zu einem ſo tröſtlichen, preiswürdigen Ziele hätte führen können. Mein kirchlicher Glaube war eine wirkliche Schranke für jede Hoffnung, mich im Staatsdienſte emporzuſchwingen. Europa hatte eben ein Anſehen gewonnen, das allgemeinen Frieden zu verſprechen ſchien, und den Degen, den ich ſo poetiſch angerebet hatte, ſollte ich wahrſcheinlich in keinem rühm⸗ licheren Kampfe ziehen, als in einem Hendgemenge mit den Mohawks, einer Brüderſchaft, der ich einige un⸗ vorſichtige Naſen aufzuſchlitzen feſt eniſchloſſen war, ſobald mir ſolche in die Quere kämen. Als Zugabe für den ungünſtigen Stand meiner zeitlichen Verhältniſſ hatte der Tod meines Oheimes das einzige begründete Hinderniß hinweggeräumt, weßhalb ich meine Verbin⸗ dung mit Iſora nicht veröffentlichte, und ich war ihr jetzt ſchuldig, dieſen Schritt zu proklamiren. Wenn es nun in der Welt irgend einen Zeitpunkt gibt, wo die Freunde eines Mannes äußerſt kalt auf ihn blicken, wo Feinde v beſondert Staatsle Feinde n alle lache herabgek welche, haben w ſobald ſi ralb hüb Oheim noch die Lippe d es iſt el achten, ben; kei pua virtute te, meinen verbeſſern, ichts darzu⸗ eiswürdigen cher Glaube nung, mich a hatte eben Frieden zu ſo poetiſch inem rühm⸗ emenge mit einige un⸗ 351 ſie über ſeine Föhigkeit, ſich emporzuſchwingen, höchſt abſprechend urtheilen, kurz, wo ſie am meiſten geneigt ſind, ihn für einen einfältigen Menſchen zu erklären, den es gar nichts helfen würde, wenn man ſich auch be⸗ mühen wollte, ihm unter die Arme zu greifen, ſo iſt es in dem Augenblicke, wo er, was die ſogenannten Freunde eine unkluge Heirath zu nennen belieben, geſchloſſen hat! Es war daher kein beſonderes Glück, daß der Augen⸗ blick, wo ich den Abſchluß einer ſolchen Art von Hei⸗ rath anzukündigen hatte, gerade in die Zeit fiel, wo ich des Beiſtandes dieſer gutherzigen Freunde bedurfte, Dann iſt auch vermöge der angenehmen Sympathieen in der Meinung der Welt Vernachläſſigung von Seiten eines Freundes, verdammt nahe mit dem Jubel unſerer Feinde verwandt. Nie gab es einen Mann, der, ohne beſonders hübſch, beſonders grob, oder beſonders in das Staatsleben verwickelt geweſen zu ſein, ſich mehr Feinde machte, als ich. Wie mochten die Schurken alle lachen und bumme Witze reißen, wenn ſie mich ſo herabgekommen ſahen! Selbſt die alten Jungfern, welche, ſo lange ſie mich für ehelos hielten, erklärt haben würden, das Teſtament ſei verfälſcht, mußten, ſobald ſie von meiner Heirath hörten, fragen, ob Ge⸗ rald hübſch ſei, und mit klugen Blicke verſichern, mein Oheim hahe wohl gewußt, woran er geweſen. Dann noch die Freude der Laby Haſſelton und die gekrümmte Lippe des ſtolzen Tarleton! Es iſt ſehr ſeltſam, aber es iſt ebenſo wahr, daß die Leute, welche wir ver⸗ achten, den größten Einfluß auf unſere Handlungen ha⸗ ben; kein Menſch ruinirt ſich durch Diners, die er ſeinem 352 Vater gibt, over dadurch, daß er ſein Haus zu einen Palaſte macht, um einen Buſenfreund zu fetiren;— im Gegentheile, der arme Teufel von Freund wird an ſchlechteſten behandelt und behilft ſich mit Hausmanns⸗ koſt, während der Wirth ſich ſelbſt zu Grunde richtet, um dieſen widerwärtigen Herrn A., der ein ſo uner⸗ träglicher Eſel iſt, feſtlich zu bewirthen, und während die Wirthin ihren Mann nach dem Fleet ſendet, un mit„dieſer widerwärtigen Frau B. die ihr immer ſ zuwider war,“ zu wetteifern. Ganz in derſelben Art guälte mich bei dem Schritte, den ich vorhatte, kein Gedanke halb ſo ſehr, als die Er⸗ innerung an Lady Haſſelton, die Kokette, und an Hern Tarleton, den Spieler. Indeſſen habe ich an einem a⸗ veren Orte geſagt, daß keine Selbſiſucht aus einer ni⸗ deren Sphäre meine Liebe zu Iſora befleckt habe— 6 war auch hier nicht der Fall. Ich hatte beſchloſſen, ihr alsbald volle Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, und wenn ich bisweilen auf die Nachtheile zurückkam, welch für mich daraus erwuchſen, ſo machte es mir imme Freude, zu denken, daß es Opfer für ſie ſeien. ich jedoch Iſora meine Abſicht mittheilte, unſere Ven bindung zu veröffentlichen, bemerkte ich zu meiner große Verwunderung in ihrer Miene, die immer ihre Empfin⸗ dungen verrieth, einen ganz anderen Ausdruck, als ich erwartet hatte. Eine Todtenbläſſe verbreitete ſich übe das ganze Geſicht, und ein Schaner ſchien ihren Körpe zu durchzucken. Sie ſuchte jedoch die Unruhe, die ſie in mir erweckt, hinwegzulächeln, und ich war nicht im Stande, den Grund einer ſo unvermutheten Bewegung endlich übe unb zeigte willen mit um Tag ur Heirath ni ganz mit 2 mehr mein es iſt in de Vermögen ſehen, die bekümmert — und zer Sonderbar ſelben. Der mit St. J Geſchichte hatte er g wie die der Bulwer s zu einen tiren;— in d wird am ausmanns⸗ nd während ſendet, un r immer ſ m Schritte, als die Et⸗ dan Hernn einem an⸗ s einer nie⸗ habe— e loſſen, ihr aſſen, und f, als ich ſich über zu durchſchauen. Da ich aber fortfuhr, von der öffent⸗ lichen Bekanntmachung unſerer Verbindung als von einer ausgemachten Sache zu ſprechen, hörte ſie mich endlich über die Art und Weiſe, wie dies geſchehen ſollte, und zeigte Theilnahme für die Plane, die ich für unſere Zukunft entwarf. Aber auch jetzt noch fuhr ſie, wenn ich eine beſtimmte Zeit zu der abermaligen Feier unſerer Vermählung vorſchlug, zuſammen und ließ mich merken, daß ſie dieſelbe gern noch länger aufgeſchoben wüßte. „Nicht ſo bald, lieber Morton,“ konnte ſie unter Thränen ſagen,„nicht ſo hald; wir ſind jetzt glücklich, und vielleicht liebſt Du mich, wenn wir immer beiſam⸗ men ſind, nicht mehr ſo warm!“ Ich bekämpfte dieſe Vorſtellung und dieſen Wiber⸗ willen mit Gründen, allein vergebens; es verſtrich Tag um Tag und Woche um Woche, und noch war unſere Heirath nicht erklärt. Ich lebte indeſſen jetzt beinahe ganz mit Iſora, denn geſchäftige Zungen konnten nicht mehr mein Geheimniß meinem Oheime zutragen, und es iſt in der That erſtaunlich, wie wenig, ſeit ich das Vermögen verloren, als deſſen Erben man mich ange⸗ ſehen, die Leute ſich um mein Thun ober mich ſelbſt bekümmerten. So lebte ich alſo beinahe ganz mit Iſora — und zerſtörte der vertraute Umgang meine Liebe? Sonderbar, er vernichtete nicht einmal die Poeſie deſ⸗ ſelben. Der Leſer erinnert ſich vielleicht an ein Geſpräch mit St. John, deſſen ich in dem zweiten Buche dieſer Geſchichte erwähnt:„Die tödtlichſte Feindin der Liebe,“ hatte er geſagt(er, der jede Liebe— die der Sinne, wie die der Seele— kennen gelernl),„iß nicht Verän⸗ Bulwer, Devereux, I. 2²⁸ 354 derung, nicht Mißgeſchick, nicht Eiferſucht, nicht Zom, noch irgend etwas, das aus der Leidenſchaft oder aus äußeren Verhältniſſen entſpringt. Ihre tödtlichſte Fein vin iſt Gewohnheit!“ Hatte St. John Recht?— Ich glaube in den mei⸗ ſten Fällen— ja, und vielleicht hielt die Gewohnheit in meinem Falle nicht lange genug an, um die Wahr⸗ heit des Satzes zu widerlegen. Für jetzt aber war ſelbſ ver Schimmer auf den Flügeln der Götter noch friſch wie an dem Tage, als ich zum erſtenmale ihre Macht erfuhr. Noch immer war Iſora für mich das Licht und die Muſik des Daſeins!— Noch immer bebte un ſtürmte mein Herz, wenn ihre zärtliche Silberſtimn die Luft zu einem Paradieſe machte. Noch immer hin ich über ihr, wenn ihre ſchoönen Züge ſchweigend ſchlummernd vor mir lagen, und beohachtete, wie di Farben auf ihrer Wange wechſelten, und ſtellte mir vor, jeder leiſe, ſüße Athemzug, den mein Mund von ihren Lippen ſog, flüſtere mir Liebe und Zärtlichkeit zu Noch immer ſchien, wenn ich abweſend war, meine Serle wegen der Trennung von ihrem beſſeren, geliebteren Theile zu trauern, und die volle Empfindung des Du⸗ ſeins verkümmerte und verſchrumpfie in dieſem gefühlten Bevürfniſſe! Immer noch war ihre Gegenwart meinen Herzen eine athmende Atmoſphäre der Poeſie, die alle menſchliche Dinge umfloß und ihnen eine Färbung ver⸗ lieh; immer noch war mein Weſen von jener köſtlichen, unbeſtimmten Melancholie erfüllt, welche nur durch bos übermaß des Entzückens hervorgebracht wird— durh jenes Bewußtſein, das wir uns ſelbſt nicht eſehn Gemüthe, die harmo Reine, K iſt, für we für welche die nun en Iſora Romantik heit war ihrem Gen die Weiber ſo wenig C Empfindlie Hingebung reich und Gefühle fi vom Erde weiblichen hält, und e erinnert, 1 Geſellſchaf nichts, we Gedächttf Natur bin nicht Zotn, t oder aus lichſte Fein⸗ in den mei⸗ ewohnheit die Waht⸗ rwar ſelbſt noch friſch ihre Mict s Licht un bebte un ilberſtimm⸗ immer hin eigend un e, wie die lte mir vo dvon ihren it zu! Noch teine Seele geliebteren ng des De⸗ m gefühlten art meinem ie, die all⸗ irbung ver⸗ r köſtlichen, r durch das d— durch ht geſtehen 355 vürfen, daß das Kleinod unſeres Herzens nicht über den Zufälligkeiten des Schickſales ſtehe. Der Seufzer, der dem Kuſſe folgt, die Thräne, die in dem liebevollen, ſehnſüchtigen Blicke glänzt, die tiefe Flut in unſerem Gemüthe, über welche Mond und Sterne Gewalt haben; die harmoniſche Kette von Gedanken, die alles Schöne, Reine, Klare und Liebenswürdige in der Natur gleich⸗ ſam mit der Liebe verknüpft!— all dies, wofür ich keine Worte habe— Alles, was der Jugend bekannt iſt, für welche die wirkliche Welt wenige Zauber hatte, für welche die Welt der Träume eine Heimath war, und die nun endlich zum erſlenmale liebt, gehörte noch mein. Iſora war aber auch in Wahrheit geſchaffen, die Romantik zu erhalten und zu befeſtigen. Ihre Schön⸗ heit war ſo überirdiſch, und doch ſo wechſelnd— in ihrem Gemüthe lag ſo wenig von dem, was gewöhnlich die Weiber bezeichnet; es war barin ſo wenig Eigenſinn, ſo wenig Eitelkeit, ſo durchaus keine Eiferſucht, keine Empfindlichkeit, es beſtand ſo ganz aus Zärtlichkeit und hingebung, und war doch in ſeiner Glut ſo phantafle⸗ reich und ätheriſch, daß es ſchwer wurde, nur irdiſche Gefühle für ein Weſen in ſich zu tragen, vas ſo wenig vom Erdenſtaube an ſich hatte. Sie glich mehr den weiblichen Geſchöpſen, die man für Kinder der Poeſie hält, und an die uns doch außer Shakeſpeare keine Ppeſie erinnert, und noch heutigen Tages finde ich, wenn ich in Geſellſchaft komme, unter dem Menſchengeſchlechte nichts, was mir ſie ſelbſt, oder nur einen ihrer Züge ins Gedächtüß zurückriefe. Aber wenn ich allein mit der Ratur bin, ſo iſt es mir, wie wenn ein lieblicher Ton 356 oder eine neu entſproſſene Blume etwas wie eine ver⸗ traute Macht über die wohlverwahrten und tiefen Ein⸗ drücke habe, welche ihr Bild macht, und ſie lebendiget vor meine Augen bringen, als irgend eine noch ſo ſchöne Geſtalt oder Geſicht ihrer eigenen Gattung. Auch noch ein anderer Zug ihres Charakters, deſſen Grund zwar in einer Schwäche, keinem Vorzuge, lag, trug dazu bei, die überirdiſchen, ſchwärmeriſchen Eigen⸗ ſchaften unſerer Liebe zu kräftigen. Dies war ein ſchwer müthiger Aberglaube, der ſich in Ahnungen und Vor zeichen bemerklich machte, die durch die Poeſie und tieß Wahrhaftigkeit ihres Weſens Theilnahme erregten. Im mer drängte ſich ihr ſonderbarerweiſe das unwiderſtehlich Gefähl auf, ihr Schickſal ſei zu vunkler Bahn und frü⸗ hem Ende voraus beſtimmt; und ſie zog aus Allen um ſie her Nahrung für den beſchaulichen Charakiet ihrer Gedanken. Das Schweigen des Mittags— di heilige, beredte Ruhe der Dämmerung, ihr Roſenhim⸗ mel, ihre ſanfte Luft, ihr Schatten und ihr Thau hatten in gleichem Grade einen Zauber und ein Flüſtern füt ihr Herz. Die bleichen Sterne, in welchen der Menſch von den früheſten Zeiten her eine Karte für die unent⸗ veckbare Zukunft zu finden glaubte; der geheimnißvolle Mond, welchem der große Ocean aus nie betretenen Heiligthum ſein Opfer aufſteigen läßt: die Winde, welche die ungeheuren Lufträume durchziehen, Pilger aus einer ewigen Heimath nach einer unerforſchten Grenze; ver grenzenloſe Himmel, zu welchem Niemand empot⸗ blickt, ohne eine unbeſtimmte Sehnſucht nach Etwas, das die Erde nicht geben kann, und ohne ein unbe⸗ ſtimmtes( wir dieſes feierliche, unſeren T hatte für 3 des Schickf unter den r ihren Auf ſehr liebte ſank, mein pen ſo nah Amoſphär die Seele welche ſich Beſond hige Zwieli an einem ſe geſtutzten, Iſora ſpra wenn von! uns ihren die Stille: anderen Se Schatten u gen verbar men, wo dünnen Kr erlöster 6 ie eine vet⸗ tiefen Ein⸗ e lebendiger ch ſo ſchöne ters, deſſen rzuge, lag, chen Eigen⸗ ein ſchwer nund Vo⸗ ſie und tieß egten Im⸗ iderſtehliche hn und fri⸗ aus Allen Charakiet ags— di Roſenhim hau hatten lüſtern füt der Menſch die unent⸗ eimnißvolle betretenem i Winde, Pilger aus en Grenze; nd empo⸗ ein unhe⸗ 357 ſtimmtes Gefühl eines früheren Daſeins, in weſchem wir dieſes Etwas genoſſen; die heilige Nacht— der feierliche, umfaſſende Schlummer, der in ſeiner Ruhe unſeren Tod, und in ſeinen lebendigen Welten die unvergänglichen Regivnen anzudeuten ſcheint, die wir nur in Folge dieſes Todes überblicken können;— all das hatte für Iſora's tiefes Herz eine deutungsvolle Sprache des Schickſals. Oft wanberten wir ſtundenlang allein unter den ruhigen, wilden Gehölzen und Bächen, welche ihren Aufenthaltsort umgaben, und die wir Beide ſo ſehr liebten; und oft, wenn die Nacht über uns herab⸗ ſank, mein Arm ſie umſchlungen hielt, und unſere Lip⸗ pen ſo nahe kamen, baß unſer gegenſeitiger Athem unſere Amoſphäre wurde, ſprach ſie mit jener Stimme„welche die Seele in das Ohr ruft,“— die Ahnungen aus, welche ſich an ihrem Herzen genährt hatten. Beſonders erinnere ich mich eines Abends! Das far⸗ bige Zwielicht hatte ſich um uns gelagert, und wir ſaßen an einem ſchmalen, ſtillen Bächlein im Schatten einiger geſtutzten, aber alten Bäume. Beide hatten wir, ehe Iſpra ſprach, mehrere Minuten geſchwiegen, und nur, wenn von Zeit zu Zeit die Vögel aus dem Gehölze hinter uns ihren einſamen Abendgeſang ertönen ließen, wurde die Stille um uns her unterbrochen. Vor uns auf der anderen Seite des Baches, lag ein Thal, in welchem Schatten und Gehölz jede Spur von Menſchenwohnun⸗ gen verbargen, einen einzigen fernen Fleck ausgenom⸗ men, wo ans einer vereinzelten Hütte der Rauch in dinnen Kreiſen emporſtieg,— wie ein von der Erde erlöster Geiſt, der ſeine irdiſchen Beſtandtheile all⸗ 358 mählig verliert, wenn er in die reinere Atmoſphäre des Himmels kommt. Da ſchmiegte ſich Iſora feſter an mich und pyrah nur leiſe von der Ahnung ihres Todes.„Du wirſt Dich,“ ſprach ſie mit ſanftem Lächeln,„Du wirſt Dich auf der erhabenen, glänzenden Bahn, die Deiner noch wariet, meiner erinnern; und ich weiß kaum, ob mir dies An⸗ denken— frei wie es ſein wird von aller Erinnerung an meine Fehler und Schwächen und Allem, was Du mir geopfert, nicht lieber ſein ſollte, als die Möglichkei, daß Du ferner kälter gegen mich werden oder mich we⸗ niger lieben könnteſt.“ Als ſich Iſora umwandte, ſah ſie, daß Thränen in meinen Augen ſtanden; ſie küßte dieſelben hinweg und fuhr nach einer Pauſe fort:„Es liegt nichts daran, mein Schutzengel, was aus mir wird; und jetzt, wo ic noch bei Dir bin, iſt es Unrecht von mir, Dir durch meine Thorheit einen einzigen Schmerz zu verurſachen Aber warum ſollteſt Du Dich über meine Ahnungen grämen! Für mich haben fie nichts Peinliches oder Hartes, und ich lege ſie ſo aus:„„wenn mein Lehen vor dem gewöhnlichen Zeitpunkte erliſcht, ſo iſt mein Tod vielleicht ein Opfer für Dich.““ Und das wird er ſeln, Morton— das wird er ſein. Meine Liebe fü Dich kann ich jetzt nur ſchwach ausbrücken. Wir Alle möchten Beweiſe unſerer Gefühle ablegen, und alſo ich vafür, was ich für Dich fühle. Es iſt mir, als ſei ich nur zu einem einzigen Zwecke erſchaffen worden— näm⸗ lich zu dem, Dich zu lieben; und ich erfreue mich daher an der Hoffnung, mein Tod werde eine Art Aufopferung präge aufg Habe i aufgehalte eine abente alters wird jenigen, w loſen und Diplomate ſchloſſenen zu erzählen einſt geweſ Ein unverm Der T dung war mir für di glaubte, w bieten, un ſten Geſick eine ſo wi ſphäre des 359 für Dich ſein— ein Zeichen der einzigen Leidenſchaft und des ganzen Zieles meines Lebens.“ und ſprach virſt Dich,“ ich auf der och wartet, ir dies An⸗ Erinnerung t„ was Dy Möglichkeit, r mich we⸗ Lhränen in hinweg un chts daran, etzt, wo ich Dir durch erurſachen Ahnungen liches odet mein Leben ſo iſt mein das wird er e Liebe für Wir Alle ind alſo ich als ſei ich en— näm⸗ mich daher ufopferung Während Iſora ſo ſprach, ſchien das Licht des eben aufgegangenen Mondes voll auf ihre Wange, welche won einem tieferen Roth als gewöhnlich überflogen war, und ihrem Auge— ihren Zügen— ihrer Stirne— ſchien das erhabene Weſen ihrer Liebe das göttliche Ge⸗ präge aufgedrückt zu haben. Habe ich mich bei dieſem Lebensabſchnitte zu lange aufgehalten— ſo nähert er ſich jetzt ſeinem Schluſſe und eine abenteuerlichere, unuhigere Periode des Mannes⸗ lters wird demſelben folgen. Ach, wenig wußten die⸗ jenigen, welche in ſoäteren Jahren in mir nur den ſorg⸗ loſen und harten Krieger— den verſchmitzten, feinen Diplomaten— den bald ſo leichten, bald ſo düſter ver⸗ ſchloſſenen Diplomaten ſahen— wenig wußten ſie davon zu erzählen, wie ſanſt, weich und verliebt mein Herz einſt geweſen! Sechstes Kapitel. Ein unvermuthetes Zuſammentreffen— Vermuthungen und Vor⸗ genuß. Der Tag für die öffentliche Feier unſerer Verbin⸗ dung war endlich feſtgeſetzt. Der Plan, von dem ich mir für die Zukunft am meiſten verſprechen zu dürfen glaubte, war, meine Dienſte einem fremden Hofe anzu⸗ bieten, und der rufſiſche erſchien mir unter dem lockend⸗ ſten Geſichtspunkte. Es war mir daher daran gelegen, eine ſo wichtige Angelegenheit ſo bald als möglich ins 3 Reine zu bringen, und eine Woche darauf wollte ich das Land verlaſſen. Mein kleiner Advokat verſicherte mich, mein Prozeß werde auch in meiner Abweſenheit ganz gut von Statten gehen, und wenn meine Gegen⸗ wart je nothwendig werden ſollte, ſo werde er nicht verſäumen, mich davon zu benachrichtigen. Hinſichtlich des letzteren Punktes ſetzte ich keinen Zweifel in ihn— es iſt gar angenehm, Fenn man Vertrauen auf ſeinen Geſchäftsführer haben kann. Von Montreuil ſah ich nichts; aber ich hörte zu⸗ fällig, er ſei auf Beſuch bei Gerald, und letzterer laſſe ſchon die alten Mauern von voreiliger Gaſtfreundlichkeit ertönen. Von Aubrey's augenblicklichem Aufenthalte wußte ich gar nichts, und die unbefriedigende Kürze ſeines letzten Briefes, verbunden mit den wilden Aus⸗ drücken frommer Schwärmerei in der Nachſchrift, hatte mich ſeineiwegen oft beängſtigt und beunruhigt. Vor Allem wünſchte ich ihn zu ſehen— mit ihm über alte Zeiten und Plane für die Zukunft zu ſprechen und zu erfahren, ob einem Gemüthe, das ſich ſo ſtark zu einem ſelbſtpefnigenden Aberglauben hinzuneigen ſchien, nicht eine anbere Richtung gegeben werten könne. Etwa eine Woche vor dem zu meiner öffentlichen Vermählung feſt⸗ geſetzten Tage erhielt ich endlich folgenden Brief: „Theuerſter Bruder! „Ich hin lange von Hauſe abweſend geweſen— abweſend in Geſchäften, von welchen wir ſpäter ſprechen wollen. Ich habe Dich, obwohl ich nichts von mir hören ließ, nicht vergeſſen, und die Nachricht von dem Tode des armen Oheimes hat mich tief erſchüttert. Bei meiner Hoffnun ſetze De Schmerz raſcht,: als von Deines 2 beabſicht ebenſo u mehr, n richten! Winken ſo viel r ſchen, es Lohe für teren Ze endlich v habeſt u ſein Teſi dieſe Au Drohun ſie indeſſ thumes, überdies datirt iſt Du kanr ich glaub geſpielte „Ich fortdaue ollte ich rſicherte veſenheit Gegen⸗ er nicht nſichtlich nihn— uf ſeinen örte zu⸗ erer laſſe dlichkeit fenthalte e Kürze en Aus⸗ ft, hatte gt. Vor über alte tund zu zu einem en, nicht twa eine ung feſt⸗ ef: veſen— ſprechen von mir von dem tert. Bei 361 meiner Zurückkunft erſuhr ich, wie ſehr Du in Deinen Hoffnungen getäuſcht worden, und daß Du zu dem Ge⸗ ſetze Deine Zuflucht genommen. Wenn ich auch Deinen Schmerz fühle wie Du, ſo bin ich doch weniger über⸗ raſcht, und ich will Dir jetzt ſagen, was mir früher als von gar keiner Wichtigkeit ſchien. Bei Empfang Deines Briefes, worin Du um Einwilligung zu Deiner beabſichtigten Verbindung nachſuchteſt, ſchien der Oheim ebenſo unwillig als gekränkt, und ſpäter erfuhr er noch mehr, was ihm ſehr mißfiel; woher ihm dieſe Nach⸗ richten wurden, weiß ich nicht; auch ſprach er nur in Winken und ärgerlichen Andeutungen davon. Ich ſuchte ſo viel möglich ſeine Anſicht über die Sache zu erfor⸗ ſchen, es wollte mir aber nicht gelingen, und meinem Lohe für Dich, ſo ſchien es mir wenigſtens in der letz⸗ teren Zeit, lieh er nur ein kaltes Ohr; als ich mich endlich von ihm verabſchieden wollte, ſagte er mir, Du habeſt undankbar gegen ihn gehandelt, und er werde ſein Teſtament abändern. Ich dachte damals kaum an dieſe Außerung, oder hielt ſie vielmehr bloß für die Drohung eines augenblicklichen Argers Vielleicht war ſie indeſſen das Vorſpiel zu der Vertheilung ſeines Eigen⸗ thumes, die Dich ſo ſehr verletzt hat— ich will Dir überdies bemerken, daß das Teſtament von jener Zeit datirt iſt. Ich erwähne dieſes Umſtandes gegen Dich— Du kannſt beliebige Folgerungen daraus ziehen; aber ich glaube ſicherlich, daß Verald an jedem gegen Dich geſpielten Betruge unſchuldig iſt. „Ich wünſche eifrigſt zu hören, ob Deine Liebe noch fortdauert. Ich bitte Dich, mir augenblicklich zu ſchrei⸗ 362 ben und mir hierüber, wie über alles Andere Nachricht zu geben. Bald werden wir uns ſehen. Immer Dein Dich liebender Bruder Aubrey Devereux.“ Es war etwas an dleſem Briefe, das mich ärgerte und mir mißfiel; ich glaubte darin einen unfreundlichen und gleichgültigen Ton zu erkennen, den ich in meiner dermaligen Lage gar nicht zu entſchuldigen wußte. Weit entfernt daher, ſogleich zu antworten, beſchloß ich, erſt nach der Feier ineiner Vermählung eine Erwiderung darauf zu geben. Die Erzählung über den Oheim er⸗ ſchreckte mich ein wenig, wenn ich ſie mit den Worten zuſammenhielt, welche dieſer auf ſeinem Sterbebette zu mir geſprochen hatte, nämlich mit der Andeutung, daß er manches Ungünſtige über Iſora gehört habe, das er damals zu wiederholen für unnöthig hielt; wenn aber auch der Oheim ſeine Geſinnungen gegen mich geändert hatte, würde er dieſer Anderung und ſeiner Gründe dazu nicht erwähnt haben? Hätte er mir ſo freundlich geſchrleben, oder mich ſo liebevoll empfangen? Ich konnte es nicht glauben, und meine Anſicht von der Fälſchung und deren Urheberwurde durch Aubrey's Brief nicht im mindeſten wankend gemacht. Eo viel lag aber am Tage, daß dieſer meiner Gegenpartei beigetreten war, und dieſer Gedanle war mir um ſo ſchmerzlicher, da ich ihn außerordentlich liebte. „Alles,“ ſprach ich,„verläßt mich in meinem Un⸗ glücke— Alles, nur Iſora nicht!“ und mit neuer Be⸗ friedigung dachte ich an den Schritt, der ihr eine ſichere Heimath und eine ehrenvolle Stellung verſchaffen ſollte. Meine Befi Verfolger b ſeitigt; da meinem In thum und 2 leicht verge Preis, nach in meinen drigung in den war.„ ſten ſchlech einen ſolche daher, wer loren habe, ſunkeuen G Als der Kleinmuth nahme an Pläne jen zweite Ver und ohne unſerer Ge John und die ganze meine Hei halten. Je winſche ve dit mehre wirden w tachricht er n. ärgerte mdlichen nmeiner te. Weit ich, erſt viderung heim er⸗ Worten ebette zu ung, daß „ das er enn aber geändert Gründe reundlich en? Ich von der y's Brief lag aber igetreten erzlicher, nem Un⸗ euer Be⸗ ne ſichere en ſollte. 363 Meine Befürchtungen, Iſora möchte wieder von ihrem Verfolger beläſtigt werden, waren nun ſo ziemlich be⸗ ſeitigt; da ich über die Perſon dieſes Verfolgers in meinem Innern keinen Zweifel hatte, ſo dachte ich mir, derſelbe werde in ſeinem nunmehrigen Veſitze von Reich⸗ thum und Anſehen eine knabenhafte, unerwiderte Liebe leicht vergeſſen und vielleicht kaum bedauern, daß der Prels, nach welchem er geſtrebt, mir zugefallen ſei, da in meinen veränderten Vermögensverhältniſſen Ernie⸗ vrigung in den Augen der Welt für mich damit verbun⸗ den war. Kurz, ich ſchrieb ihm den Charakter der mei⸗ ſten ſchlechten Menſchen zu, auf welche die Liebe nie einen ſolchen Eindruck macht, wie der Haß, und glaubte daher, weun er auch den Gegenſtand der erſteren ver⸗ ſoren habe, werde er ſich durch den Jubel über die ge⸗ ſunkenen Glücksumſtände des Gehaßten leicht tröſten. Als der feſtgeſetzte Tag näher kam, ſchien ſich Iſora's Kleinmuth zu verlieren, und mit der gewohnten Theil⸗ nahme an Allem, was mich betraf, hörte ſie auf meine Pläne jenſeits des Oceans. Ich beſchloß, daß unſere weite Vermählung, obwohl öffentlich, doch beſcheiden und ohne Gepränge, mehr unſerem Vermögen, als unſerer Geburt entſprechend gefeiert werden ſolle. St. John und einige wenige alte Freunde der Familie waren die ganze Geſellſchaft, die ich bat, und ich erſuchte ſie, meine Heirath bis zu dem Tage ihrer Feier geheim zu halten. Ich that dies in der Abſicht, um einen in Glück⸗ winſche verkleideten Spott und Beſuche abzuſchneiden, di mehr aus Neugierde, als aus Freundſchaft gemacht wirden wären. Die Zeit verſtrich, und der letzte Tag 364 vor meiner Hochzeit erſchien. Ich kleidete mich an, um wegen eines mit der Ceremonie in Verbindung ſtehenden Geſchäftes auszugehen, und als mir Desmarais den Hut reichte, hielt ich es zum Erſtenmale für angemeſſen, dieſen vollendeten Gentleman mit dem morgenden Feſte bekannt zu machen. Monſieur Desmarais war zu gut erzogen, um eine andere Empfindung, als Freude über dieſe Nachricht laut werden zu laſſen; er empfing meine Ve⸗ fehle und Anordnungen für den folgenden Tag ganz mit der anmuthigen Höflichkeit, die in Einem immer das Gefühl erweckte, als wolle er Einem durch ſeine Dienſt⸗ leiſtungen eine heſondere Ehre erweiſen. „Und wie geht es mit der Philoſophie?“ fragte ich, „wahrlich, da ich im Begriffe bin, mich zu verehelichen, könnte ich wohl ihren Troſt nöthig haben.“ „In der That, Monſieur,“ erwiderte Desmarais mit jenem Ausdrucke von Selbßſchätzung, der mit ſeiner Dienſtbefliſſenheit ſo wunderbar verwebt war,„in der That, Monſieur, ich war in der letzten Zeit mit Zube⸗ reitung eines für die Toilette ſehr weſentlichen Pulvers ſo ſehr beſchäftigt, daß ich keine Zeit hatte, an ernſtere, obwohl kaum wichtigere Geſchäfte zu denken.“ „Pulver— was für eines?“ „Will Monſieur ſich herablaſſen, deſſen Wirlung zu betrachten?“ antwortete Desmarais und zog ein Paar Handſchuhe von der zarteſten Fleiſchfarbe heraus; die Färbung war ſo ſchön, daß, wenn die Handſchuhe an der Hand waren, es in einiger Entfernung keum möglich geweſen wäre, ſie von dem nockten Fleiſche u unterſcheiden. „Das „Mo ſelbſt, da verbreitet dienſte ſei talismus Rebe mitt Punkt iſt Ich h endigt un tiefem Na Stimme a derung rie Ich ſ lichen, ſch mir nicht Augenblic meinem ſeiner nich Bücklinge wundert h an, um ſtehenden s den Hut en, dieſen e bekannt erzogen, ber dieſe neine Ve⸗ ganz mit nmer das e Dienſt⸗ ragte ich, ehelichen, esmarais nit ſeiner in der nit Zube⸗ Pulvers mernſtere, Wirkung zg ein e heraus; andſchuhe ing kaum ſeiſche zu 365 „Das iſt eine ſeltene Erfindung,“ ſagte ich.„* „Monſieur iſt ſehr gütig, allein ich ſchmeichle mir ſelbſt, daß es ſo ſei,“ entgegnete Desmarais; vamit verbreitete er ſich noch weit ernſtlicher über die Ver⸗ dienſte ſeines Pulvers, als ich ihn je die Reize des Fa⸗ talismus hatte anpreiſen hören. Ich ſchnitt ihm ſeine Rede mitten ab; zu viel Beredſamkeit über irgend einen Punkt iſt bei einem Untergebenen unangenehm. Ich hatte mein Geſchäft außer dem Hauſe eben be⸗ endigt und ging, die Augen zu Boden geſenkt und in tiefem Nachdenken, zurück, als ich plötzlich durch eine laute Stimme aufgeweckt wurde, welche im Tone der Verwun⸗ derung rief:„Wie!— Graf Devereur— wie glücklich!“ Ich ſah auf und erblickte einen kleinen, ſchwärz⸗ lichen, ſchäbig gekleideten Menſchen; ſein Geſicht ſchien mir nicht unbekannt, doch konnte ich mich im erſten Augenblicke nicht erinnern, wo ich daſſelbe geſehen,— meinem Blicke mochte er wohl anſehen, daß ich mich ſeiner nicht entſinne, denn er ſagte mit einem tiefen Bücklinge:„Sie haben mich vergeſſen, Graf, und das wundert mich nicht; ich bin mit Ihrer Erlaubniß die Perſon, die Ihnen einſt einen Brief aus Frankreich nach Devereux⸗Court brachte.“ Nun erkannte ich den überbringer des Schreibens, das Veranlaſſung zu dem Auftritte mit dem Abbé Mon⸗ treuil gegeben hatte. Ich war zu erfreut über die Ve⸗ gegnung, als daß ich in der Aufnahme dieſes Herrn irgend Kälte gezeigt hätte, und, offen geſprochen, ich ſah nie einen Maun, den die mauvaise honte ſo wenig aus der Faſſung brachte. * — 366 „Mein Herr!“ ſprach er, ſeine Stimme zu einem Flüſtern dämpfend,„es iſt ein großes Glück, daß ich Sie gleich treffe; ich kam dieſen Morgen und einzig in der Abſicht in die Stadt, um Sie aufzuſuchen. Ich trage ein Paket bei mir, das, glaube ich, für Sie von der größten Wichtigkeit ſein wird. Aber,“ fügte er ſich umblickend hinzu,„die Straße iſt kein paſſender Ort für meine Mit⸗ theilung— parbleu und morbleu! es gibt Leute, welche das leiſeſte Geſpräch durch eine Mauer hindurch hören — erlauben Sie mir, morgen bei Ihnen vorzuſprechen.“ „Morgen! das iſt ein Tag, in welchem ich ſehr in Anſpruch genommen bin, vielleicht kann ich aber ein paar Augenblicke für Sie erübrigen, wenn ihnen dies genügt, oder kommen Sie übermorgen, wo die Dauer unſeres Geſpräches ganz von Ihrem Belieben abhän⸗ gen ſoll.“ „Parbleu, Monsieur, ſehr verbunden— ſehr; doch will ich Ihnen mit einem Worte ſagen, wer ich bin und was mein Geſchäft iſt. Ich heiße Maria Oswald, bin in Frankreich geboren und der Halbbruder jenes Os⸗ wald, der Ihres Oheims Teſtament verfaßte.“ „Guter Himmel!“ rief ich aus,„iſt es möglich, daß Sie etwas von dieſer Sache wiſſen?“ „Stille— ja, Alles! mein armer Bruder iſt ſo eben geſtorben, und ich trage, mit einem Worte, ein Paket bei mir, das er mir auf ſeinem Todtenbette übergak. Wollen Sie mich alſo vorlaſſen, wenn ich es morgen bringe?“ „Gewiß; kann ich Sie nicht heute Abend ſehen?“ „Heute Abend?— Nein, nicht wohl— parbleu und morb der Beloh gezeichnete Nein, laf „Gut es auf den „Um „Topz Und„ zen, kurze zu ſein ſchi verbengte während e unzuſamm ſanguiniſch ſchwachen denloſen A ihr Hoffnu kunft zu Sternen e theilt, und u einem daß ich inzig in ch trage größten nblickend ine Mit⸗ e, welche ch hören rechen ſehr in aber ein nen dies ie Dauer abhän⸗ ehr; doch ich bin Oswald, enes Os⸗ 4 glich, daß iſt ſo eben ein Pakei übergab. morgen ehen parbleu 367 und morbleu! Ich brauche einige Zeit, um mich wegen der Belohnung zu bedenken, die mir für einen ſo aus⸗ gezeichneten, Euer Gnaden geleiſteten Dienſt gebührt. Nein, laſſen wir es bis morgen.“ „Gut! um welche Stunde 7 Ich fürchte, ich muß es auf den Abend verſchieben.“ „Um ſieben Uhr, s'il vous plait, Monsieur. „Topp) ſei es ſo.“ Und Herr Maria Oswald, der während bieſer gan⸗ zen, kurzen Unterredung in großer Beſorgniß geweſen zu ſein ſchien, er möchte geſehen oder belauſcht werden, verbengte ſich und verſchwand in einem Augenblicke, während er mein Gemüth in einem ſehr bunten Gewirre unzuſammenhängender, unbefriedigender und doch ſehr ſanguiniſcher Vermuthungen ließ. Siebentes Kapitel. Die Ereigniſſe einer einzigen Nacht— Augenblicke geben die Tinten her, womit Jahre gefärbt ſind. Menſchen vergangener Jahrhunderte! was Wunder, daß ihr in der Schwärmerei eines dunkeln Glaubens und in der unbeſtimmten Vermuthung, die wir von der ſchwachen Arche der Vernunft über einen dunkeln, bo⸗ denloſen Abgrund ſchweben laſſen, was Wunber, vaß ihr Hoffnung und Leben an den Kampf ſetztet, die Zu⸗ kunft zu durchdringen! Was Wunder, daß ihr den Sternen eine Sprache, der Nacht einen Zauber zuge⸗ theilt, und von der unverſtandenen Erde eine Antwort 368 auf die Räthſel des Schickſals aufgeleſen! Wir find wie Schläfer, die, von einem Traume getrieben, am Rande eines Abgrundes hinwandeln, während ihre trügeri⸗ ſchen Geſichte ſie vielleicht mit Roſenlauben umgeben und ihnen diejenigen beigeſellen, welche ſie lieben, oder vielmehr kann unſere Vernunft, dem Blinden gleich, der Schritt für Schritt auf einem einmal betretenen Pfade zurückmachen kaun, der aber keinen Zoll breit auf dem Wege ſicher iſt, den er noch nicht gegangen, und mit ſicherer, nie trügender Weisheit auf der Bahl der Erfahrung leiten, während ſie ſcheu und verwirrt vor der Macht des kleinſten Augenblickes zurückweicht, veſſen Grenzen wir nicht überſchreiten wollen. Die wenigen Freunde, welche ich zu meiner Hochzel gelaben, waren noch bei mir, als einer meiner Dienen nicht Desmarais, mir ſagte, Herr Oswald warte auf mich. Ich ging zu ihm hinaus. „Parbleu!“ ſagte er, ſich die Hände reibend,„ich bemerke, Sie haben da luflige Zeit, und ich wunder mich nicht, daß Sie nur wenige Augenblicke für mich erübrigen können.“ Die Güter von Devereux durfte ich um einer Klei⸗ nigkeit willen nicht aufs Spiel ſetzen; Herr Maria He⸗ wald aber erſchien ausnehmend unbeſcheiden.„Mein Herr,“ ſagte ich ſehr ernſt,„wollen Sie gefälligſt Plaß nehmen. Und jetzt zu unſerem Geſchäfte. Darf ich vor Allem fragen, wem ich für überſenbung des Briefes Dank verpflichtet bin, den Sie mir in Devereur⸗Court übergaben? und Lann, was der Inhalt jenes Briefes war?— denn ich habe ihn nie geleſen.“ haben, mei ſuiten und „Gewi „Gut mir ſelbſt ſ Alter, in d obwohl All ten, in de waren verd Beſonderes ungenannt war(weni ſeine Freun wald. Wit wurde zu endlich Sek Kammerdie haften Ant! thende Jan nung. Um Gerede von ſamkeit eine Montreuil. einige ſeine veröffentlich mein Herr, Bulwer, Pir find wie „am Rande re trügeri⸗ n umgeben ieben, oder nden gleich, hetretenen Zoll breit t gegangen, f der Bahn id verwirtt urückweicht, n er Hochzei ner Dienen warte auf ibend,„ich ch wundere e für mich einer Klei⸗ Maria Os⸗ n.„Mein illigſt Plat arf ich vor Briefes zu reur⸗Court es Briefes 369 „Mein Herr,“ antwortete der Mann,„die Ge⸗ ſchichte des Briefes iſt gänzlich verſchieden von der Ge⸗ ſchichte des Teſtamentes, und die erſtere(um mit dem minder Wichtigen anzufangen) iſt kurz folgende. Sie haben, mein Herr, von den Streitigkeiten zwiſchen Je⸗ ſuiten und Janſeniſten gehört?“ „Gewiß.“ „Gut— doch zuerſt, Graf, laſſen Sie mich von mir ſelbſt ſprechen. Es gab drei junge Leute von gleichem Alter, in demſelben Dorfe in Frankreich geboren, die, obwohl Alle von niederer Herkunft, auch Alle wünſch⸗ ten, in der Welt ihr Glück zu machen. Zwei davon waren verdammt geſcheite Burſche, der Dritte nichts Beſonderes. Einer von den beiden Erſteren ſoll für jetzt ungenannt bleiben der Dritte, der nichts Beſonderes war(wenigſtens ſeiner eigenen Meinung nach, obwohl ſeine Freunde anders denken mögen), war Maria Os⸗ wald. Wir trennten uns bald; ich ging nach Paris, wurde zu verſchiedenen Geſchäften verwendet, und endlich Sekretär und(warum ſollte ich es läugnen) Kammerdiener bei einer Dame von Stande, die ſehr leb⸗ haften Antheil an der Politik nahm. Sie war eine wü⸗ thende Janſeniſtin ich wurde natürlich auch ihrer Mei⸗ nung. Uum dieſe Zeit war unter den Jeſuiten vieles Gerede von dem großen Geiſte und der tiefen Gelehr⸗ ſamkeit eines jungen Mitgliedes des Ordens— Julian Montreuil. Er wohnte zwar nicht im Lande, hatte aber einige ſeiner Werke nach Frankreich geſchickt, die dort veröffentlicht wurden und großes Aufſehen erregten. Nun, mein Herr, war meine Gebieterin die größte Intriguan⸗ Bulwer, Devereur, 1. 24 370 tin ihrer Partei, ſie war ſehr reich und erträglich freiſin⸗ nig; unter anderen Paketen, deren ein Bote aus England zwiſchen Calais und Abbeville mit Behutſamkeit beraubt wurde(verſtehen Sie mich, mein Herr, mit Behutſamkeit beraubt wurde, parbleu! ich wollte, ich würde alle Tage meines Lebens auf gleiche Weiſe beraubt) war eines von beſagtem Julian Montreuil an einen ſeiner politiſchen Freunde. Unter anderen— lauter wichtigen— Briefen in dieſem Pakete enthielt einer eine Beſchreibung der engliſchen Familie, bei welcher er ſich aufhielt. Er beſchrieb ſämmtliche Glieber derſelben, ſo ließ ich mir ſagen, auf ein Hanr, beſon⸗ ders ſchilderte er aber einen gewiſſen Grafen Morton Devereur, den muthmaßlichen Erben der Güter. Da Sie ſagen, Sie haben den Brief nicht geleſen, ſo will ich Ihnen ein Erröthen erſparen und nicht dabei ver⸗ weilen, was er von Ihren Talenten, Ihrer Thatkraft, Ihrem Ehrgeize u. ſ. w. ſagte. Nur das will ich noch anführen, daß er ſich weit mehr über Ihre Ausſichten, als Ihre Fähigkeiten verbreitete, und ausdrücklich an⸗ gab, was er durch ſeinen fortwährenden Aufenthalt in Ihrer Familie und durch ſeine Bewerbung um Ihre Freundſchaft bezwecke— ausdrücklich ſagte er, daß dreißigtauſend Pfund jährlicher Einkünfte einer gewiſſen politiſchen Sache, die ihm ſehr am Herzen liege, von großem Nutzen ſein dürften.“ „Ich verſtehe Sie,“ ſagte ich,„der Sache des Chevaliers?“ „Natürlich.„„Dieſer Schwamm,““ ſchrieb Mont⸗ renil, wie ich mich des Ausbruckes genan erinnere, „„dieſer E behandle i Bedürfniſſ liegt, den „Kein antwortete „Gew bieterin d Vater, de geweſen— Recht hat ſie augenb nen und t den Brief nach Engl ben— un den Abbé alter Beka Leuten we geſcheite S hatte er ſ umgeände gekommen Collinet ſ mir außer lieb genu wollen; d Ich ſetzte ich gleich ich jene lich freiſin⸗ us England ttſamkeit Herr, mit ich wollte, iche Weiſe ontreuil an anderen— te enthielt milie, bei che Glieder tar, beſon⸗ en Morton Güter. De en, ſo wil dabei vet⸗ Thatkraft, ill ich noch Ausſichten, rücklich an⸗ Aufenthalt gum Ihte te er, daß er gewiſſen liege, von Sache dis ieb Mont⸗ merinnere, 371 „„bvieſer Schwamm ſoll gut gefüllt werden, und ich behandle ihn jetzt ſanft, um ihm ſpäter je nach den Bedürfniſſen der Partei, die uns ſo ſehr am Herzen liegt, den Saft ausdrücken.““ „Kein ſchmeichelhaftes Bild, nach meiner Anſicht,“ antwortete ich. „Gewiß nicht, mein Herr. Sobald nun meine Ge⸗ bieterin die Sache erfuhr, erinnerte ſie ſich, daß Ihr Vater, der Marſchall, einer ihrer plus chers amis geweſen— mit einem Worte, wenn die böſe Welt Recht hat, daß er der cher ami geweſen. Indeſſen war ſie augenblichlich entſchloſſen, Ihnen die Augen zu öff⸗ nen und den maudit Jésuite zu ruiniren; ſie ſchloß den Brief in einen Umſchlag und ſandte mich damit nach England. Ich kam— übergab Ihnen das Schrei⸗ ben— und entdeckte in demſelben Augenblicke, als ich den Abbe erblickte, daß dieſer Julian Montreuil ein alter Bekannter von mir— einer von den zwei jungen Leuten war, die, wie ich Ihnen ſagte, ſo verdammt geſcheite Burſche waren. Wie viele andere Abenteurer, hatte er ſeinen Namen bei dem Eintritte in die Welt umgeändert, und nie war es mir bis dahin in den Sinn getommen, vaß Julian Montreuil der frühere Bertrand Collinet ſei. Als ich jetzt ſah, was ich gethan, that es mir außerordentlich leid, venn ich hatte meinen Geſpielen lieh genug gehabt, um ihm nicht gerade ſchaden zu wollen; dazu kam noch, daß ich ihn ein wenig fürchtete. Ich ſetzte mich zu Pferde und ging anders wohin, wo ich gleichfalls ein Geſchäft zu beſorgen hatte; auch ſah ich jene Gegend nicht wieder, bis vor einer Woche —— 3 372 (ietzt omme ich zu dem anderen Geſchäfte), wo ich an das Sterbebett meines Halbbruders, des Advokaten, Friede ſei mit ihm, gerufen wurde. Er litt in ſeinen letzten Augenblicken viel von Hypochondrie— ich glaube, das iſt ſo gewöhnlich bei Leuten ſeines Standes— und gab mir ein verſiegeltes Paket, mit der dringenden Bitte, es in Ihre und nur in Ihre Hände zu über⸗ geben. Kaum war er todt—(halten Sie mich nicht für gefühllos, mein Herr, ich hatte ihn nur ſelten ge⸗ ſehen, und er war nur mein Halbbruder: mein Vater hatte in zweiter Ehe eine ausländiſche Dame, ein Schenkwirthin, geheirathet, die ihn mit mir geſegnete) — kaum, ſage ich, war er todt, als ich nach London eilte; die Vorſehung führte Sie mir in den Weg, und Sie ſollen das Dokument unter zwei Bedingungen erhalten.“ W find, erſtens Sie zu belohnen, und zweitens— „Zu verſprechen, daß Sie das Paket erſt nach ſᷣ Tagen öffnen wollen.“ „Der Teufel! und warum? „Ich will es Ihnen offen— eines von den Papieren in dem Pakete iſt, wie ich glaube, das ſchrift⸗ liche Geſtändniß meines Bruders— ja, ich weiß dies gewiß— und dieſes würde Jemanden anklagen, für den ich einige Zuneigung habe, und der, wie ich entſchloſſen bin, Zeit zum Entkommen erhalten ſoll.“ „Wer iſt dieſer Jemand? Montreuil?“ „Nein— von dieſem ſpreche ich nicht, aber ich kann Ihnen nicht mehr ſagen. Ich fordere das Ver⸗ ſprechen, vaſſelbe kommen Es w ſchämtes ſollte ich noch das geweſen, von Deve auf das eigenen 2 auch nicht daß das reichen, den dazu Dies der ich 1 unterwer den Verh nöthig, überdies ſüchtig z Vorſchla Herr Ot daß icht wo ich an 373 Advokaten, ſprechen, Graf— es iſt unumgänglich. Wenn Sie mir t in ſeinen baſſelbe nicht geben, parbleu und morbleu! ſo be⸗ ich glaube, kommen Sie das Paket nicht.“ des— und Es war etwas ſo Kaltes, Zuverſichtliches und Unver⸗ ringenden ſchämtes an dieſem Menſchen, daß ich nicht wußte, zu übe ſpollte ich lachen oder unwillig werden. Weber das Eine mich nicht noch das Andere wäre indeſſen in meiner Lage politiſch ſelten ge⸗ geweſen, und wie ich ſchon früher ſagte, die Güter ein Vater; von Devereur waren nicht um einer Kleinigkeit willen ame, eine auf das Spiel zu ſetzen. Keſegnete)„Bitte,“ ſagte ich indeſſen mit einer Schlauheit, ch London die mir nach meiner Anſicht Anſehen gab—„ſagen Weg, und Sie mir doch, Herr Maria Oswald, erwarten Sie die dingungen Belohnung, ehe ich das Paket eröffne?“ „Keineswegs,“ antwortete der Herr, der nach ſeiner en, und eigenen Anſicht nichts Beſonderes war,„keineswegs; auch nicht ehe Ihre Sachwalter darüber im Reinen ſind, ach fieben daß das Paket Papiere enthält, welche vollkommen hin⸗ reichen, Sie in das Erbrecht von Devereux⸗Court und den dazu gehörigen Gütern wieder einzuſetzen.“ s von den Dies klang ziemlich billig, und da die einzige Vuße, as ſchrift⸗ der ich mich in Folge der feſtgeſetzten Bedingung zu weiß vies nnterwerfen hatte, darin zu beſtehen ſchien, daß ich ,für den den Verbrecher entwiſchen laſſe, ſo hielt ich es für un⸗ tſchloſſen nöthig, meine Sache bloß aus Strafluſt zu verlieren. überdies fühlte ich mich damals zu glücklich, um rach⸗ ſüchtig zu ſein; ſo ging ich nach kurzer überlegung den aber ich Vorſchlag ein und gab mein gräfliches Ehrenwort— das Ver⸗ Herr Oswald überhob mich verbindlich eines Eides— daß ich das Paket nicht vor Ablauf des ſiebenten Tages 374 öffnen wolle. Herr Oswald zog ſofort ein Papier her⸗ aus, auf welches verſchiedene Schriftzeichen gemalt waren, des Inhaltes, daß, wenn die mir von Maria Oswald übergebenen Papiere meinen Sachwaltern die überzeugung verſchaffen, daß ich Herr der Hinterlaſſen⸗ ſchaft meines Oheimes werde, welche ſich damals in dem Beſitze Geralds befand, ich beſagtem Oswald fünſf⸗ tauſend Pfund Sterling bezahlen ſolle, und zwar die Hälfte nach Abgabe jenes juriviſchen Ausſpruches, die Hälfte nach Empfangnahme der Hinterlaſſenſchaft ſelbſ. Ich konnte mich eines Lächelns nicht enthalten, wem ich bedachte, daß das Wort eines Ehrenmannes hin⸗ längliche Bürgſchaft für die Sicherheit des Menſchen bieten ſollte, für den Herr Oswald einige Zuneigung beſaß, daß aber Dieſer eine ſchriftliche Verbinvlich⸗ machung für die Sicherheit ſeiner Belohnung verlangte. Man iſt bereitwillig genug, ſeine Freunde dem Ge⸗ wiſſen eines Anderen anzuvertrauen, ſo lange man aber ſtatt deſſen ein gerichtliches Inſtrument erhalten kann, iſt man in Betreff ſeines Geldes ſelten ſo vertrauensoll. „Die Belohnung ſoll verdoppelt werden, wenn die Sache gelingt,“ ſagte ich und unterzeichnete das Papier; hierauf zog Oswald ein Palet hervor, worauf mit zitternder Hand geſchrieben war:„An Graf Morton Devereux— geheim— und eilig.“ Sobald er mir dieſes koſibare Pfand übergeben und mich noch einmal an mein Verſprechen erinnert hatte, entfernte ſich Oswald. Ich ſteckte das Paket in die Bruſt und lehrte zu meinen Gäſten zurück. Nie war ich ſo heiter geſtimmt geweſen wie an dieſen Abende. die Ehe macht. J fort ware erlangten ein kleiner aufbewah Mit man meinem A lade des redete mi Monſient einen Fre Monſiem einer gen ſich bei e Gewohnl nach ſein daran ne eigenem anſtändig Trunkenl liche Zei ſtimmt u vermeſſer „ Sie heit vort gehe und einmal lu es nicht: Papier het⸗ en gemat von Maria waltern die interlaſſen⸗ damals in swald fünf⸗ d zwar die ruches, die chaft ſelbſ. lten, wem annes hin⸗ Menſchen Zuneigunz zerbindlich⸗ verlangte. e dem Ge⸗ e man abet alten kant, rauensvoll. „wenn die as Papier; rauf mit af Morton mir dieſes tal au mein swald. Ich zu meinen e an dieſem 375 Abende. Die guten Leute, die ich eingeladen, meinten, die Ehe habe noch nie Jemanden ſo wenig Sorge ge⸗ macht. Indeſſen blieben ſie nicht lange, und ſobald ſie fort waren, eilte ich in mein Schlafzimmer, um den erlangten Schatz in Sicherheit zu bringen. Dort ſtand ein kleiner Schreibtiſch, in melchem ich gewöhnlich Alles aufbewahrte, was von beſonderem Werthe für mich war. Mit manchem tiefſinnigen Blicke und Gemurmel über meinem Verſprechen vertraute ich das Paket einer Schieb⸗ lade des Schreibtiſches an. Als ich dieſelbe verſchloß, redete mich die ſüße Stimme von Desmarais an:„Wollte Monſieur erlauben,“ fragte er,„daß ich dieſen Abend einen Freund beſuche, um ein ſo freudiges Ereigniß in Monſieurs Schickſal zu feiern? Er gebe ſich nicht oft einer gemeinen Luſtigkeit hin, er geſtehe aber, daß er ſich bei einer ſolchen Gelegenheit verſucht fühle, ſeine Gewohnheit zu überſchreiten; er wiſſe, daß Monſieur nach ſeinem gewohnten feinen Geſchmacke ein Argerniß daran nehmen müſſe, wenn ſein Diener in Monſteurs eigenem Hauſe in ſeiner Freude die Grenzen der Wohl⸗ anſtändigkeit überſchreite und ſich dem Lärmen und der Trunkenheit hingebe, beſonders da Monſieur jedes äußer⸗ liche Zeichen von außergewöhnlicher Heiterkeit ſo be⸗ ſtimmt unterſagt habe. Er bitte mille pardons für ſeine vermeſſene Bitte.“ „Sie wurde mit Deiner gewöhnlichen Beſcheiden⸗ heit vorgebracht— hier find fünf Guineen für Dich; gehe und trinke Dich mit Deinem Freunde voll und ſei einmal luſtig, anſtatt weiſe zu ſein. Aber ſage mir, iſt es nicht unter ver Würde eines Philoſophen, ſich durch 376 Etwas, beſonders Etwas, das einem Andern wider⸗ fährt, rühren zu laſſen— geſchweige denn, ſich deßhalb zu betrinken?“ „Verzeihen Sie, Monſieur,“ antwortete Desma⸗ rais und verbeugte ſich bis auf den Boden;„man ſollte ſich bisweilen betrinken, weil man ſicherlich am fol⸗ genden Morgen nachdenklich wird, und überdies ſollt ſich der praktiſche Philoſoph jeder Rührung überlaſſen, um beurtheilen zu können, wie dieſe Rührung auf An⸗ dere wirkt; wenigſtens iſt dies meine Anſicht.“ „Gut, gehe nur.“ „Monſieur, meinen unterthänigſten Dank; Mom⸗ ſieurs Nachttvilette liegt ſchon gänzlich in Bereitſchaft.“ Und Desmarais entfernte ſich mit dem leichten, abn langſamen Schritte, in welchem er Anmuth mit Würde zu verbinden ſuchte. Ich begab mich jetzt in das Zimmer, das ich zu Iſora's Boudvir hatte einrichten laſſen. Ich fand fi am Fenſter lehnend und bemerkte, daß ſie geweint hatte, Als ich ſtehen blieb, um die rührende, unbewußte Trauer in der ſchönen, ruhigen Haltung ihrer Geſtalt zu he⸗ trachten, hob eine freudigere Empfindung, als ſich ge⸗ wöhnlich meiner Zärtlichkeit für ſie beigeſellte, mein⸗ Bruſt.„Ja,“ dachte ich,„Du biſt nicht länger die einſame Verbannte oder die verfolgte Tochter eines edeln, aber herabgekommenen Geſchlechtes; Du biſt auch nicht die Gattin eines Mannes, der unter fernen Himmelsſtrichen durch Gefahr und Mühſal ſuchen muß, ein verlorenes Vermögen wieder herzuſtellen und ſich den Namen eines Abenteurers zu erwerben hat! Endlich ſind die Sterne Alles, w ſein.“ B eine tauſ ſehr ſie — je vor Icht ter und ſondern beugte u des Wein den Kun klagen. an, mich Zukunftz nene Sch Tages ha das Weſe wald; m und ich ſe Farben, geweſen. Wälder, ſchlängelr hüpfend ihr von mich mit meiner Li glänzende dern wider⸗ ſich deßhalb ete Desma⸗ „man ſollie ich am fol⸗ erdies ſollie überlaſſen, ng auf An⸗ t. 4 ank; Mon⸗ reitſchaft.“ ichten, aber mit Würde das ich zu ch efand ſi veint hatte. ßte Trauer ſtalt zu he⸗ als ſich ge⸗ lite, mein länger bie chter eine ; Du biſ nier fernen uchen muß, n und ſich t! Endlich 377 ſind die Wolken hinweggewälzt von dem glänzenden Sterne Deines Schickſals— Reichthum, Pracht und Alles, was Englands edelſte Frauen beſitzen, ſoll Dein ſein.“ Bei ſolchen Gedanken ſchienen mir Glücksgüter eine tauſendmal werthvollere Gabe als ſie mir— ſo ſehr ſie mein Hang zur Verſchwendung geſchätzt hatte — je vorgekommen waren. Ich trat näher, legte meine Hand auf Iſora's Schul⸗ ter und küßte ihre Wange. Sie wandte ſich nicht um, ſondern ſuchte dadurch, daß ſie ſich über meine Hand beugte und dieſelbe an ihre Lippen drückte, die Spuren des Weinens zu verbergen. Ich hielt es für freundlicher, den Kunſtgriff zu begünſtigen, als mich darüber zu be⸗ klagen. Ich ſchwieg einige Augenblicke und fing dann an, mich über die ſanguiniſchen Erwartungen von ver Zukunft zu verbreiten, zu welchen mich der neugewon⸗ nene Schatz berechtigte. Das Ereigniß des geſtrigen Tages hatte ich ihr ſchon erzählt— jetzt wiederholte ich das Weſentliche meiner heutigen Unterredung mit Os⸗ wald; mein Feuer wuchs im Sprechen mehr und mehr, und ich ſchilderte endlich meine Erbſchaft mit glühenden Farben, als wäre ſie ſchon wieder in meinem Beſltze geweſen. Ich malte ihrer Einbildungskraft die dichten Wälder, den kryſtallenen See und den unſtäten, ſich ſchlängelnden Bach, der durch Gebüſch und Schatten hüpfend ſeinen romantiſchen Weg ſuchte; ich erzählte ihr von meinen jugendlichen Wanderungen und hielt mich mit dem Entzücken eines Knaben bei Schilderung meiner Lieblingsplätze auf. Lebendig ſtellte ich vor ihren glänzenden, lebhaften Blick das dichte Schlagholz, wo 378 ich Stunde um Stunde in unbeſtimmtem Dichten und in noch unbeſtimmterem Träumen ſo oft den Tag ver⸗ tändelt hatte; den alten Baum, den ich erklettert, um die Vögel in ihrer Freude zu belauſchen, oder ungt⸗ ſehen auf den traurigen Ton des Wildes zu horchen; die alterthümliche Galerie und die große Halle, die ich im dämmernden Zwielichte mit frommer Scheu durch⸗ ſchritten, auf die Gemälde meiner tapferen Vorfahren geblickt und mit Ernſt und Inbrunſt über mein derein⸗ ſtiges Schickſal nachgevacht hatte; den alten, grauen Thurm, den ich mir allein zugeeignet, und den gehei⸗ men Pfad, der nach der gelben Küſte und zu dem weiten Spiegel der einſamen See führte; die kleine Laube, dir mein erſter Ehrgeiz errichtet hatte, von wo aus man di fröhlichen Blumen und denluſtigen Springbrunnen über⸗ blickte, und wo durch Epheu und Jasmin die Stimm der Vögel und das Summen der Bienen drang. Als ich mit meiner Beſchreibung zu Ende war, wandte ich mich zu Iſora und ſagte in leiſerem Tone:„Und all dies werde ich wieder ſehen, und mit Dir.“ Iſora ſeufzte ſchwach und erſt auf meine dringende Aufforderung ſprach ſie:„Ich wollte, ich könnie mich ſelbſt täuſchen, Morton, aber ich kann es nicht— i kann das Gefühl nicht aus meinem Herzen reißen, deß ich dieſe dumpfe Stadt mit ihren düſtern Mauern und ihrer ſchweren Luft nicht mehr verlaſſen werde. Es iſ als ſagte mir eine innerliche Stimme:„„Siehe von dieſem Fenſter aus vie Grenzen Deiner irdiſchen Lauß⸗ bahn. 44 Iſora's Worte machten meine vorige Begeiſterun erkalten. ihres Kle Du habeſ Idee, als Dich über lichen Fei ßeres Ve Sprich, 2 entdeckte Nur dem raſche daß wir u „Ja, Ereigniß ich jenen f er:„„JIc noch grim zeit mit Y Werde ſei ich von E dulde, ſoll hohren!“ wieder dur Ohr gerau ren und he Bruſt. E ſtreng ver tungen zu Als aber u wußte, de ichten unt en Tag ver⸗ lettert, um oder unge⸗ zu horchen; alle, die ich cheu durch⸗ Vorfahren nein derein⸗ en, grauen en gehei⸗ dem weiten Laube, dir us man di unnen über⸗ die Stimm ung. Als ich die ich mich d all dies e ringente könnie mich nicht— ih reißen, daß Nauern und rde. Es iſ, „Siehe von iſchen Lauf⸗ Zegeiſterun 379 erkalten.„Vergebens,“ ſprach ich, nachdem ich ſie wegen ihres Kleinmuthes verwieſen,„vergebens ſagſt Du mir, Du habeſt keinen andern Grund für dieſe unheimliche Idee, als ein unbeſtimmtes Vorgefühl. ZJetzt muß ich Dich über all Das, was mit dem unſerm gemeinſchaft⸗ lichen Feinde geleiſteten Eide zuſammenhängt, um grö⸗ ßeres Vertrauen bitten, als Du mir bisher geſchenkt. Sprich, Theuerſte, haſt Du nicht andere, mir noch nicht entdeckte Urſachen zur Beſorgniß?“ Rur einen Augenblick zögerte Iſpra, ehe ſie mit dem raſchen Tone antwortete, an welchem man erkennt, daß wir uns Worte gegen unſern Willen abzwingen. „Ja, Morton, ich will es Dir jetzt ſagen; vor dem Ereigniß des heutigen Tages wollte ich es nicht. Als ich jenen fürchterlichen Menſchen das letztemal ſah, ſagte er:„„Ich ſage Dir, Iſora d'Alvarez, meine Liebe iſt noch grimmiger, als Haß; ich ſage Dir, Deine Hoch⸗ zeit mit Morton Devereur ſoll mit Blut befleckt werden. Werde ſein Weib, und Du biſt verloren! Ja, obwohl ich von Stunde an für ewige Zeiten Höllenqualen er⸗ dulde, ſoll doch meine eigne Hand Dein Herz durch⸗ hohren!““ Morton, dieſe Worte haben mich immer wieder durchbebt, als wären ſie mir immer wieter ins Ohr geraunt worden, und oft bin ich Nachts aufgefah⸗ ren und habe geglaubt, ſchon blinke der Dolch an meiner Bruſt. So lange unſere Verbindung verborgen, ſo ſreng verborgen blieb, gelang es mir, meine Befürch⸗ tungen zu beſchwichtigen, bis es kaum mehr ſolche waren. Als aber unſere Ehe veröffentlicht werden ſollte, als ich wußte, daß dieſe Nachricht das Ohr des kühnen, uner⸗ 380 klärlichen Menſchen treffen müſſe, glaubte ich mein Todesurtheil ausſprechen zu hören. Dies, mein inniz Geliebter, muß Deine Iſora entſchuldigen, wenn ſi undankbar ſchien bei Deinem edelmüthigen Eifer, unſer Verbindung bekannt zu machen. Ja, ſie würde ſich viel⸗ leicht hierein nicht ſo willig gefügt haben, hätte ſie nicht erſtens gefühlt, es ſei unter der Würde eines Weibes, ſich bloß um ihrer ſelbſt willen ſo ſehr einer Beſorgnif hinzugeben, daß ſie vor dem ſtolzen Glücke, in den Augen der Welt die Deinige zu ſein, zittert; und hätte ſi ferner nicht empfunden(hier verbarg Iſora ihr erröthen⸗ des Antlitz an meiner Bruſt), daß ſie ein zweites Lebe in ſich trage, und daß die Verkündigung unſerer Eh⸗ für Deine, wie für ihre Ehre nothwendig geworden ſei!“ Wenn ich auch, als ich von Iſora's Lippen eine ſt gerechte Urſache für ihre Ahnung erfuhr, wirklich bö zum Entſetzen erſchrack— ergriff mich auch, als ich ein von ſo tödtlicher und entſchloſſener Leidenſchaft zeugen Drohung vernahm, ein meine Wuth überſteigende Schauer— ſo verbarg ich doch meine Aufregung un dachte nur daran, Iſora zu beſänftigen und zu tröſten Ich ſtellte ihr vor, wie ſorgfältig und wachſam forin die Obhut ihres Gatten ſein werde— daß Nichts ih wieder von ihrer Seite trennen ſolle— daß die ſchrec⸗ liche Bosheit und kecke Verfolgung jenes Menſchen iht Gewiſſen ſelbſt von dem geleiſteten Eide der Verhein⸗ lichung entbinde— daß ich ihr die Losſprechung de heiligen Oberhauptes unſerer Kirche von dieſem Gelübn verſchaffen wolle— daß ich, ſobald das Geheimniß auß höre, ein ſolches zu ſein, Schritte thun könne, um mei geringſte L überdies,: feierlich ve Hand eine ich ſagie A und endlich ſchwichtige als ich ſie ſehen. Glei Eide nicht; Heiligkeit ſ wiſſenhaft; gung, daß i fordere und lution von ſen wolle. Endlich ab, der vor deutete auf Lichtaugen e ter,“ ſprach feſter umſchl eine Heimat erleſen?“ Ich zeig ſand, und de te ich mein mein inniz n, wenn ſi ifer, unſer de ſich viel⸗ itte ſie nicht nes Weibes, r Beſorgniß n den Augen nd hätte ſi hr erröthen⸗ weites Leber unſerer Eh worden ſei!“ ppen eine ſt wirklich b „als ich ein aft zeugenbe berſteigender fregung un dzu tröſter hſam forin Nichts ih die ſchre⸗ Menſchen ih er Verheim⸗ rechung de ſem Gelübb 381 nen Nebenbuhler an Ausführung ſeiner Drohungen zu verhindern— daß, wenn er auch mein nächſter Bluts⸗ verwandter wäre, keine Folge irgend eines Streites zwiſchen uns ſo furchtbar für mich ſein könne, als das geringſte Leid, das Iſora widerfahre— und daß ich überdies, um ihre Beſorgniſſe zu beſchwichtigen, ihr feierlich verſprechen wolle, daß Jener nie von meiner Hand einen Angriff vder Schaden erleiden ſolle— kurz, ich ſagte Alles, was mir meine Angſt eingeben konnte, und endlich gelang es mir, ihre Befürchtungen zu be⸗ ſchwichtigen, und ſie lächelte ſo hold, wie das Erſtemal, als ich ſie in dem kleinen Landhauſe ihres Vaters ge⸗ ſehen. Gleichwohl ſchien ſie eine Entbindung von ihrem Eide nicht zu wünſchen— benn ſie war in Betreff der Heiligkeit ſolcher religiöſen Verbindlichkeiten äußerſt ge⸗ niſenhaft; ich gewann jedoch im Stillen die überzeu⸗ gung, daß ihre Sicherheit dieſe Maßregel unumgänglich fordere und daß ich mir jedenfalls die päpſtliche Abſo⸗ lution von dem ihr gegebenen Verſprechen verſchaf⸗ ſen wolle. Endlich kehrte ſich Iſora von dieſem Gegenſtande ab, der von ſo düſterem Intereſſe für uns war, und deutete auf den Himmel, der mit ſeinen Tauſenden von Lichtaugen auf uns niederſchaute.„Sage mir, Gelieb⸗ ier,“ ſprach ſie ſcherzend, während ihr Arm mich noch feſer umſchloß,„wenn wir unter den Sternen da oben eine Heimath wählen könnten„welchen würdeſt Du aus⸗ erleſen?“ Ich zeigte auf einen Stern, der links vom Monde eimniß auf ſund, und der, obwohl nicht größer, mit einem helleren ne, um mii⸗ 382 Glanze, als die übrigen, zu leuchten ſchien. Seit jener Nacht iſt derſelbe für mich immer ein Quell tiefen, leidenſchaftlichen Nachdenkens geweſen, ein Born, worin Furcht und Hoffnung begraben liegen, ein Spiezl worin ich in ſtürmiſchen Zeiten mein Schickſal zu leſen und ein geheimnißvolles Vorzeichen für meine künftigen Handlungen zu finden glaubte; ein Hafen, in welchen gewiß Andere vor mir eingelaufen ſind, und eine un⸗ ſterbliche, ſich nie ändernde Heimath⸗ wohin meine müde, gefeſſelte Seele, nachdem ſie der irdiſchen Hülle entfle⸗ hen, fliegen und dort Ruhe finden wird. „Was hältſt Du von meiner Wahl?“ fragte ic Iſora blickte empor, antwortete aber nicht; und als ic ſie anblickte(während das blaſſe Himmelslicht auf ih Antlitz ruhig nieberſtrömte) mit ihren dunkeln Auge wo die Thräne noch weilte, doch mehr um dieſe zu ſün tigen als zu trüben, mit ihren edeln, und doch ſo zarte Zügen, über welchen eine melanchvliſche Ruhe lag, mi ihren geöffneten Lippen und ihren reichen, über ti Marmorſtirne ſich ſchlängelnden Locken, noch mehr her⸗ vorgehoben durch eine einzige weiße Roſe—(dieſe Roſ habe ich noch— nicht um ein Königreich möchte ich ei einziges ihrer verwelkten Bläter verlieren)— ſo erſchin mir ihre Schönheit ſo außerordentlich, und nie hatt ſich meine Seele mit ſo inniger Liebe gegen ſie geneig Mitternacht war vvrüber. Alles war ſtille in un ſerem Brautgemache. Die einzige Lampe an der Dei hrannte ſtill und hell, und durch die halbgeſchloſſen Fenſtervorhänge ſchien ruhig, rein und heilig das Mont⸗ licht, als trage es uns Segnungen zu. „Bſt! Geräuſch Ich hi cher als n antwortet Deinigen.“ „So„ und jetzt feſter an n ihre friebli Entzücken, Welt The beſitze nicht über mich. Plötzlic an meiner ſah ich in e einen lange ſtehen; all ſtarrten m und völlig des Zimme ich das wie maskirter 2 licher Farb wandte ſich der Schrei Hand war. — ich ſtree Bette aus, Seit jener mell tiefen, Born, worin in Spiezel, ſäl zu leſen ne künftigen in welchen nd eine un⸗ meine müde, ülle entſl⸗ fragte ic und als i6 icht auf ih weln Augen ieſe zu ſänf⸗ och ſo zart uhe lag, mi n, über di ch mehr het⸗ —(ieſe Roſ öchte ich ei ſo erſchin nd nie hatt ſie geneizt ſtille in un⸗ an der Dec geſchloſſene g das Mon⸗ Beite aus, auf welchem ſtets mein Degen lag; er war 383 „Bſt!“ ſagte Iſpra leiſe;„hörſt Du unten nicht ein Geräuſch 7“ Ich horchte— mein Gehör iſt von Natur ſchwä⸗ cher als meine übrigen Sinne.„Keinen Athemzug,“ antwortete ich.„Ich höre keinen Athemzug als den Deinigen.“ „So war es Einbildung von mir!“ ſagte Iſora, und jetzt hat es aufgehört;“ damit ſchmiegte ſie ſich feſter an meine Bruſt und ſchlief ein. Ich betrachtete ihre frieblichen, kinblichen Züge mit dem ganzen, vollen Entzücken, womit wir Alles umfaſſen, was uns die Welt Theures enthält, und wo wir glauben, die Welt heſite nichts Anderes— und ſo kam der Schlaf auch über mich. Plötzlich erwachte ich; ich fühlte, wie Iſora heftig an meiner Seite zitterte. Ehe ich zu ihr ſprechen konnte, ſah ich in einiger Entfernung von dem Bette einen in einen langen Mantel gehüllten Mann mit einer Maske ſtehen; allein ſeine Augen glänzten durch die Maske und ſtarrten mich feſt an. Er ſtand mit gekreuzten Armen und völlig regungslos da; aber an dem anderen Ende des Zimmers ſtand vor dem Schreibtiſche, in welchem ich vas wichtige Paket verſchloſſen hatte, ein ebenfalls maskirter Mann, der auch in einen Mantel von ähn⸗ licher Farbe und Schnitt gehüllt war. Wie erſchreckt, wandte ſich dieſer plötzlich um, und ich bemerkte, daß der Schreibtiſch ſchon offen und vas Paket in ſeiner Hand war. Ich riß mich aus Iſora's Umarmung los — ich ſtreckte die Hand nach dem Tiſche neben meinem 384 fort Gleichviel!— Ich war jung, kräftig und muthig, und Großes ſtand auf dem Spiele. Ich ſprang aus den Bette und ſtürzte mich auf den Mann, der das Paket hielt. Mit der einen Hand griff ich nach dem wichtigen Dokumente, mit der andern ſuchte ich dem Räuber die Maske vom Geſichte zu reißen. Er ſchien eher bemüht, mich ferne zu halten, als mich anzugreifen, und erſt alz es mir beinahe gelungen war, ihm die Maske abzureißen, zog er einen kurzen Dolch heraus und ſtach ihn mir in die Seite. Der Stoß, der auf keine tödtliche Verwun⸗ dreung berechnet ſchien, betäubte mich, doch nur fit einen Augenblicke. Von Neuem griff ich nach dem Paket — ich riß es aus des Räubers Hand, und indem ih meine ſchon ſchwindende Stärke zu einer einzigen Kraft⸗ anſtrengung zuſammen nahm, ſtürzte ich meinen Gegner zu Boden und fiel ringend mit ihm nieder. Allein das Blut floß ſtark aus meiner Wunde, und war auch mein Gegner weniger kräftig als ich, ſo hatt er doch durch Gewicht und Größe einen bedeutenden Vortheil über mich. Nur einen Augenblick war ich oben, ſchon in dem nächſten war ſein Knie auf meiner Bruſt, und hoch herab funkelte ſeine Klinge im blaſſen Licht der Lampe und des Mondes. Ich glaubte dem Tode ins Angeſicht zu ſchauen— wollte Gott, es wäre ſo ge⸗ weſen! Mit einem durchdringenden Schrei ſprang Iſors aus dem Bette, warf ſich vor den aufgehobenen Dolch des Räubers und hielt ſeinen Arm auf. Während des ganzen Kampfes war dieſer Menſch mit äußerſter Scho⸗ nung zu Werke gegangen— auch jetzt noch war dies der Fall— er hielt einen Augenblick inne und ließ die Diener un Eopha, a tritt, def Klarheit nach Iſor wandte m Bette lier dienten u meinem 8 ich die L Namen c ich neben jedes Ben eigenen E in einem Bulw und muthig, mng aus dem das Paket m wichtigen Räuber die her bemüht, und erſt alz abzureißen, ihn mir in e Verwun⸗ ch ener füt h dem Paket d indem ich igen Kraft nen Gegner Bunde, und ch, ſo hatie bebeutenden ar ich vben, einer Bruſ, laſſen Licht m Tode inz äre ſo ge⸗ rang Iſorn enen Dlch ährend des rſter Schy⸗ h war dies nd ließ die 385 Hand finken. Bis jetzt hatte ſich der Andere nicht aus ſeiner ruhigen Stellung bewegt, nun trat er aber einen Schritt gegen uns vor und ſchwang einen Dolch, ganz ähnlich dem ſeines Gefährten. Flehend hob Iſora die Hand gegen ihn auf und rief:„Schone ihn, ſchone ihn!— Oh, Gnade, Gnade!“— Mit einem Sprunge war der Schurke an meiner Seite; er murmelte einige Worte, welche ſeine Wuth unverſtändlich machte, ſtieß ſeinen Gefährten halb bei Seite und die erhobene Waffe blitzte vor meinem dämmernden, trüben Blicke. Ver⸗ gebens verſuchte ich aufzuſtehen— die Klinge fuhr herab — Iſora, nicht im Stande ſie aufzuhalten, warf ſich ihr entgegen— ihr Blut, ihr Herzblut ſtrömte über mich hin— ich ſah und fühlte nichts mehr. Als ich wieder zur Beſinnung kam, waren meine Diener um mich— ein hochrother, naſſer Fleck auf dem Sopha, auf welchem ich lag, rief mir den ganzen Auf⸗ tritt, deſſen Augenzeuge ich geweſen, mit furchtbarer Klarheit ins Gedächtniß. Ich ſprang auf und fragte nach Iſpra; ein leiſes Flüſtern traf mein Ohr— ich wandte mich um und ſah eine dunkle Geſtalt auf dem Bette liegen, die, wie ich ſelbſt, von Gaffern und Be⸗ dienten umgeben war— ich ſchwankte zu dem Bette, meinem Brautbette— mit heftiger Geberde drängte ich die Leute hinweg— ich hörte vernehmlich meinen Namen ausſprechen— im nächſten Augenblicke ſtand ich neben Iſora. Jeder Schmerz— jede Schwäche— jedes Bewußtſein meiner eigenen Verwundung— meines eigenen Selbſt waren verſchwunden— das Leben ſchien in einem einzigen tödtenden, fürchterlichen Gedanken zu Bulwer, Devereur. J. ²5 386 erſtarren. Ich hefiete meinen Blick auf ihre Augen; und obwohl ſich das Starrfell des Todes dunkel und raſch zuſammenzog, erkannte ich doch noch beutlich und unüberwunden die innige Liebe des treuen, warmen Herzens, das ſein Leben für mich weggeworfen hatte. Ich ſchlang meine Arme um ſie— ich preßte meine Lippen wild auf die ihrigen.„Sprich— ſprich!“ rief ich, und mein Blut ſtromte in Folge der Anſtren⸗ gung über ſie hin;„um des Erbarmers willen ſprich!“ Selbſt in dem Todeskampfe rang das zarte Weſen, das wie Wachs gegen den Eindruck meiner Wünſche war, mir zu gehorchen.„Gräme Dich meinetwegen nicht,“ ſagte ſie mit zitternder, gebrochener Stimme,„es iſt ſüßer für Dich zu ſierben als zu leben!“ Dies waren ihre letzten Worte. Ich fühlte wie ihr Athem plötzlich aufhörte. Ihr Herz, das ſie an das meinige gedrückt, ſtand ſiill! In Verzweiflung fuhr ich auf— das Licht ſchien hell auf ihr Antlitz. O Goit! daß ich leben muß, um es zu ſchreiben; Iſora war— nicht mehr! Wieberein Mor kehrte. aber ruh und des richte wa den, abet ich, der weit hert anzugebe hen, als ſentlicher jede gerie daß er w fall ſtatt Dies hie Werkzeug der Bray ich i re Augen dunkel unb eutlich und „ warmen en hatte. eßte meine ſprich!“ er Anſtren⸗ en ſprich!“ rte Weſen, inſche war, en nicht,“ ne,„es iſt lte wie ihr ſie an das ng fuhr ich O Goit! ra war— Piertes Duch. Erſtes Kapitel. Wiedereintritt in das Leben durch die ſchwarze Pforte— Srauer. Monate vergingen, ehe mir das Bewußtſein wieber⸗ kehrte. Still, geſammelt, unbeweglich— verändert, aber ruhig erſtand ich endlich von dem Bette ter Leiden und des Wahnſinnes. Die ganze Wachfamkeit der Ge⸗ richte war zu Entdeckung der Mörder aufgeboten wor⸗ den, aber vergebens. Das Paket war fort, und ſobald ich, der allein in der Sache ſprechen konne, wieder ſo weit hergeſtellt war, um den Verluſt des Dokumentes anzugeben, blieb der Verdacht natürlich auf Gergld ru⸗ hen, als demjenigen, welchem mein Verluſt allein we⸗ ſentlichen Nutzen brachte. Sffentlich kam er zuvor, um jede gerichtliche Unterſuchung abzuſchneiden. Er bewies, daß er während der ganzen Woche, in welcher der Vor⸗ fall ſtattgefunden, nicht von Hauſe weggekommen war. Dies hielten Andere für ziemlich wahrſcheinlich;— das Werkzeng iſt es, welches handelt,— nicht der Anſtifter; der Bravo— nicht ver, welcher ihn bezahlt; ich aber, der ich in ihm nicht nur den Räuben, ſondern jenen 388 furchtbaren Nebenbuhler ſah, welcher Iſora ſchon längſt gedroht hatte, meine Hochzeit ſolle mit Blut befleckt werden, war vurch die unläugbaren Beweſſe, daß er an dem Auftritte jener Nacht keinen Theil genommen, et⸗ was betroffen, und noch verwirrter wurden meine Ver⸗ muthungen, wenn ich bedachte, daß, ſo weit die Ver⸗ mummungen und mein eiliger, unordentlicher überblick mir ein Urtheil geſtatteten, keiner von den beiden Schur⸗ ken, am wenigſten aber Iſora's Mörder, den Körper⸗ verhältniſſen und der Größe Geralds entſprach. In⸗ deſſen blieb, mochte er nur mittelbar oder unmittelbar — als Vollzieher oder als Auftraggeber— gehandelt haben, in meinem Inneren kein Zweifel, daß ſein Haupt der Gerechtigkeit verfallen ſei. Ich leitete die Unter⸗ ſuchung gegen Montreuil ein— er war zur Zeit meinet Wiedergeneſung nicht im Lande; allein augenblicklich nach ſeiner Rückkehr trat er keck und unverzüglich auf, ſich der von mir eingeleiteten Unterſuchung zu ſtellen, ja dieſelbe zu verlangen— noch mehr, er fragte, worauf, außer auf meine eigene Aüsſage, ſich die Vehauptung ſtützt, vaß dieſes Paket je in meinem Beſitze geweſen ſei, und zu meiner Verwunderung und Verlegenheit war es ganz unmöglich, auch nur die unbedeutendſte. Spur von Herrn Maria Oswald aufzufinden. Sein Halbbruder, der Notar, war allerdings gerade vor dem Ereigniſſe in jener Nacht geſtorben und es war auch wahr, daß er Maria auf ſeinem Todtenbette geſprochen hatte; eine weitere Bekräftigung meiner Angabe konnte jedoch nicht ermittelt werden und eben ſo unmöglich war es, irgend eine Kunde über dieſen Menſchen zu erhalten — hab troffen ihm jet Boden er habe Begleit in meit benszei tiſch er Di Polizei ſondert der daz Kleide marais Wie n man v fahren n längſt tt befleckt daß er an nmen, et⸗ eine Ver⸗ die Ver⸗ überblick en Schur⸗ Körper⸗ ach. In⸗ mmnittelbar gehandelt ein Haupt die Unter⸗ eit meiner enblicklich üglich auf, zu ſtellen, e, worauf, ehauptung e geweſen erlegenheit deutendſle enn Sein de vor dem war auch geſprochen zabe konnte öglich war nerhalten Geralds Anhaͤnger ermangelten daher nicht, auf das große Intereſſe hinzudeuten, das ich dabei hätte, hin⸗ ſichtlich eines Teſtamentes, um deſſen Achtheit ich pro⸗ zeſſire, ein Mährchen zu ertichten. Die Räuber waren durch eine Hinterthüre, die man offen fand, in das Haus gekommen Desmarais aus⸗ genommen hatte Niemand ihr Hereinkommen oder Weg⸗ gehen bemerkt. Dieſer gab an, er habe ein Geſchrei ge⸗ hört— und zwar, da er den größeren Theil der Nacht auswärts zugebracht habe, kaum eine Stunte, nachdem er zu Bette gegangen— er ſei aufgeſtanden und nach meinem Zimmer geeilt, woher der Lärm gekommen ſei — habe auf der Treppe zwei vermummte Männer ge⸗ trofſen— habe den einen davon ergriffen, dieſer habe ihm jedoch einen Dolch in die Bruſt geſtoßen, ihn zu Boden geworſen und ſei auf dieſe Weiſe entkommen— er habe hierauf unverzüglich Lärm gemacht und ſei in Begleitung der übrigen Dienerſchaft, trotz ſeiner Wunde, in mein Zimmer geeilt, wo er Iſora und mich ohne Le⸗ benszeichen in unſerem Blute liegend und den Schreib⸗ tiſch erbrochen gefunden habe. Dieſer Erzählung widerſprach nur die Angabe der Polizeibeamten, welche den Schreibtiſch nicht erbrochen, ſondern unverſchloſſen undohne Schlüſſel gefunden hatten; der dazu gehörige Schlüſſel fand ſich in einer in meinen Kleidern befindlichen Brieftaſche, wo ich ihn, wie Des⸗ marais mit Recht behauptete, immer zu tragen pflegte. Wie war denn der Schreibtiſch aufgeſchloſſen worden? mon vermuthete mit einem Hauptſchlüſſel, wie ſie er⸗ fahrene Nachtdiebe ſlets bei ſich tragen; dies gab dem 390 Verdachte eine andere Richtung, und man vermuthete, Raub und Mord ſeien wirklich von gemeinen Dieben verübt worden. Man entdeckte ferner, daß eine volle Golbbörſe und ein Kreuz von Diamanten, welche in dem Schreibtiſche lagen, gleichfalls ſehlten. Auch wurden ei⸗ nige Gegenſtände gewöhnlichen Schmuckes, die ich aus vem Schifföruche meines ehemaligen überfluſſes an ſol⸗ chem Tande gerettet hatte, und die in einem Zimmer im Erdgeſchoſſe aufbewahrt waren, vermißt Dieſe Um⸗ ſtände heſtärkten alsbald die Anſicht derjenigen, welche die Schuld auf gemeine Räuber warfen, und eine ſehr wahrſcheinliche, annehmbare Vermuthung wurde auf vieſe Vorausſetzung gegründet. Konnte nicht dieſer Oswald, im beſten Falle ein Abenteurer von mittel⸗ mäßigem Rufe, dieſe Geſchichte mit dem Paket erfunden haben, um Zutritt in das Haus zu erhalten und wäh⸗ rend des Durcheinanders einer Hockzeit zu erforſchen, wo die am leichteſten fortzuſchoffenden Gegenſtände von Werth aufbewahrt ſeien? Das Offnen und Schließen der Hausthüren mußte einem liſtigen Spitzbuben tau⸗ ſendfache Gelegenheit geben, hereinzuſchlüpfen; ja er konnte ſich in mein eigenes Zimmer verſleckt und den Ort geſehen haben, wohin ich das Paket legte— und mit Gewißheit durfte er dann annehmen, daß ich zu Aufbewahrunz eines für mich ſo wichtigen Dokumentes den Ort wählte, wo alles Andere, was ich von Werth beſaß, lag natürlich mußte er dann das Erbrechen des Pnites beſchließen, während dem ununterrichteten Räu⸗ ber mancher andere Ort nicht nur weniger gefahrvoll geſchienen hätte, ſondern dieſer auch mit gleicher Wahr⸗ ſcheinlich thet habe wald mög ſtecken, n ſchaffen ſ gewann d auf beſtar Zeit nicht würde ich worden, gelegt, d Nach Eri das Paket Mühe we von einem natürlich ner Betr ſolche fiel für ſo un liegen mo Kommen Anſichts liches geh all vieſe Männer nutheie, Dieben ne volle e in dem rden ei⸗ ich aus an ſol⸗ Zimmer ieſe Um⸗ ,welche eine ſehr u„de auf t dieſer mittel⸗ erfunden nd wäh⸗ forſchen, ände von Schließen ben tau⸗ n; ja er und den — ich zu kumentes n Werth chen des ten Räu⸗ efahrvoll eWahr⸗ 391 ſcheinlichkeit anderswo Gegenſtände von Werth vermu⸗ thet haben pürfte. Dieſelbe Unordnung, welche es Os⸗ wald möglich machte, hereinzukommen und ſich zu ver⸗ ſecken, mußte auch ſein Wegſchleichen und das Herbei⸗ ſchaffen ſeines Mitſchuldigen begünſtigen. Dieſe Anſicht gewann dadurch Wahrſcheinlichkeit, daß er ſo feſt dar⸗ auf beſtanden, daß ich das Paket vor einer beſtimmten Zeit nicht öffne; hätte ich dies augenblicklich gethan, ſo würde ich bemerkt hahen, daß mir ein Betrug geſpielt worden, und hätte es nicht an dem ſichern Orte nieder⸗ gelegt, deſſen Entdeckung der Schurke beabſichtigte. Nach Eröffnung des Schreibtiſches mußte er natürlich das Paket, das andere Diebe zu ſtehlen nicht für der Mühe werth gehalten hätten, ſo gut als andere Dinge von einem mehr reellen Werthe wieder mitnehmen— natürlich wieder mitnehmen, damit ſein vorausgegange⸗ ner Betrug nicht entdeckt wurde und der Verdacht auf ſolche fiele, welche an der Entwendung eines von mir für ſo ungemein wichtig gehaltenen Paketes ſcheinbar liegen mochte. Was noch mehr für bieſe Annahme ſprach, war ber Umſtand, daß keiner von den Bedienten Oswald hatte aus dem Hauſe gehen ſahen, obwohl viele ſein Kommen bemerkt hatten. Und was ſeine Schuld in der Anſicht Vieler außer alle Zweifel ſetzte, war ſein plötz⸗ liches geheimnißvolles Verſchwinden. Für mich reichten all dieſe Umſtände noch zu keinem Schluſſe hin. Beide Männer hatten mir größer geſchienen, als Oswald; und ich wußte, daß jene Unordnung— Dank meinem großen Ekel an dergleichen Dingen— auf welcher man ſo ſehr beſtand, nicht ſtattgefunden hatte Ich war auch vollkommen überzeugt, daß Oswald, ſo lange ich das Paket verſchloß, ſich nicht in meinem Zimmer verſteckt haben konnte; und in dem Benehmen des Mörders hatte Etwas gelegen, das einem gemeinen, aus gemeinem Antrieb handelnden Diebe durchaus nicht ähnlich ſah. Alle dieſe Gegengründe waren jedoch von einer Art, vaß ſie die Welt für nichtig halten mußte, und in Be⸗ zug auf die einzige Thatſache, der ſie einige Wichtigkeit beilegen mochte, nämlich die Verſchiedenheit der Größe Oswald's von derjenigen der Räuber, war es doch wohl ſehr wahrſcheinlich, daß ich mich bei einem ſo furcht⸗ baren, kurzen, verwirrten Votfalle leicht getäuſcht haben konnte. Einmal in dieſe Richtung eingegangen, kam die öffentliche Meinung bald zu der vollen über⸗ zeugung, daß Oswald der wahre Verbrecher ſei, und gegen Oswald wandte ſich endlich die ganze Kraft der Unterſuchung, allein immer noch vergebens. Einig⸗ Perſonen jener freundlich geſinnten Kluaſſe, welche Familiengeheimniſſe lieben und den Gedanken an die Schuld eines Bruders nicht gern gegen das Verbrechen eines gemeinen Diebes aufgaben, ſchüttelten zwar imm noch den Kopf und ſprachen von Gerald; allein dieſet Vervacht war unbeſtimmt und parteiiſch und wurde nur im vertrauten Geſpräche von Privatkreiſen laut. über die Unſchuld des Herrn Jean Desmarais hattt ich eine keineswegs günſtige Anſicht gewonnen und triz beſondere Sorge, daß der Vertheidiger der Lehre von der philoſophiſchen Nothwendigkeit, der Raub un Mord bloß für Mißgeſchick hielt, einem ſehr ſirengen Verhör ur geſchen, und dieſer tege zu m ziös gegen ſprach er, ſolche Na wäre, aus tigkeit we wenn er dem Gede Mord bet marais g dem Verl mein Ver Röthe tr Wangen einem Bi irgend ei mal dazu dachtes zu war auch ge ich das er verſteckt rders hatte gemeinem nlich ſah. einer Art, ind in Be⸗ Wichtigkeit der Größe s doch wohl ſo furcht⸗ t getäuſcht ingegangen, llen über⸗ r ſei, und e Kraft der ns. Einige ſſe, welche nken an die Verbrechen zwar immer llein dieſer und wurde iſen laut. narais hatt en und trih r Lehre von Raub und ehr ſirengen 393 Verhör unterworfen wurde. Ich erinnerte mich, daß er geſchen, wie ich das Paket in den Schreibtiſch legte, und dieſer Umſtand reichte ſchon hin, meinen Verdacht tege zu machen. Desmarais entblößte ſeine Bruſt gra⸗ ziös gegen den Richter.„Würde ein Mann, mein Herr,“ ſprach er,„ein Mann von meiner Jugend ſich eine ſolche Narbe heibringen laſſen, wenn es ihm möglich wäre, auszuweichen?“ Der Richter lachte; Geckenhaf⸗ tigkeit wäre oft die beſte Liſt für einen Spitzbuben, wenn er es nur wüßte. Nur ſchwer läßt man ſich zu dem Gedanken verleiten, daß ein Haſenfuß Raub und Mord begehen könne. Wie dem auch ſein mag, Des⸗ marais ging ſiegreich hervor, und augenblicklich nach dem Verhöre, das ſein zweites geweſen und nur auf mein Verlangen angeſtellt worden war, kam er mit einer Röthe tugendhafter Entrüſtung auf ſeinen dünnen Wangen zu mir. Er maße ſich nicht an, ſagte er mit einem Bücklinge, tiefer als je, Monsieur le comte irgend eines Fehlers für ſchuldig zu halten; er ſei ein⸗ mal dazu beſtimmt, das Opfer eines undankbaren Ver⸗ dachtes zu werden; aber philoſophiſche Wahrheiten ſeien nicht immer im Stande, die Gefühle des Menſchen zu heſiegen, und er komme, um ſeine Entlaſſung zu er⸗ hitten. Ich gab ihm ſolche mit Vergnügen. Nun muß ich meine eigene Anſicht über die Sache erklären, will aber kurz ſein Es ſtand, ich wiederhole es, meine innerliche überzeugung feſt, daß Gerald der wirkliche und der Hauptverbrecher war; dreimal faßte ich den Entſchluß, mich nach Devereur⸗Cvurt zu be⸗ geben, wo er ſich noch immer aufhielt, ihm auftulauern, 394 ſeine Schuld vorzuwerfen und im Kampfe auf Leben und Tod durch des Schwertes Spitze deren irdiſche Ausgleichung zu ſuchen. Ich erſpare dem Leſer die Schilderung der furchtbaren Kämpſe, welche Natur, Gewiſſen, alle Bedenklichkeiten und Vorurtheile der Erziehung und des Blutes mit dieſem blutdürfligen Entſchluſſe zu beſtehen hatten, deſſen Ruchloſigkeit ich mit dem Namen der Sühne für Iſora zu umhüllen mich bemühte. Es genüge die Bemerkung, daß ich dieſen Entſchluß zuletzt aufgab; ich that dies, weil trotz meiner überzengung von Geralds Schuld ein nicht grundloſer Zweifel immer noch durch den Umſtandunterſtützt wurbe, daß mir der Mörder kleiner als Gerald geſchienen hatte; auch war mir der Mann, den ſch in jener Nacht ver⸗ folgt, in welcher ich die Wunte erhalten, welche Iſorg an meiv Krankenbett geführt hatte, und der, wie ich natürlich glauben mußte, mein Nebenbuhſer war, nicht nur ebenfalls ſchmächtiger und kleiner, als Geralt, ſondern auch von ziemlich gleicher Geſtalt mit dem Mörter vorgekommen. Dieſer einzige Umſtand, der meinen übrigen Em⸗ pfindungen widerſprach, trug, ſage ich, mehr dazu bei, daß ich den Gedanken einer perſönlichen Rache an Ge⸗ rald aufgab, als die Gründe, welche Tugend und Re⸗ ligion hätten eingeben ſollen. Des heftige Verlangen nach Rache iſt die ruhigſte von allen Leibenſchaften, und die einzige, welche Gewißheit von dem Verſtande fordert, ehe ſie ihren Sturm losläßt und deſſen Ein⸗ gebungen folgt. Der Schlag, der Iſora rächen ſollie, durfte, ſo hatte ich beſchloſſen nicht cher fallen, als bis ic vollkom wahren Ve ſch durch al Vunſch na ſelben gehei zu deſſen E ich meinen ſchehen, ko irgend ein aber einmal der Zeit m fühlte mie hahn zurück und Zwecke Dieſe ei kewährte, Gerald zu k ließ meinen nur wenige auf. Ich w er durch B er durch lange Duk ſpäter der der Erde ar und Dein wenn ich a auf Leben en irdiſche Leſer die che Natur, rtheile der utdürſtigen loſigkeit ich umhüllen ß ich dieſen trotz meiner grundloſer tützt wurde, enen hatte; Nacht ver⸗ eche Iſore er, wie ich war, nicht s Geralb, lt mit dem brigen Em⸗ hr dazu bei, ache an Ge⸗ nd und Re⸗ Verlangen denſchaften, Verſtande deſſen Ein⸗ chen ſollte, en, als bis 395 ih vollkommene Gewißheit erlangt hatte, daß er den wahren Verbrecher treffe. So ſah ich mich, obwohl ich durch alle Zeiten und Glückswechſel den brennenden Vunſch nach Vergeltung nährte, dazu verurtheilt, den⸗ ſelben geheim zu halten und Jahrelang keine Hoffnung zu deſſen Erfüllung zu erblicken. Nur einmal machte ich meinen Gefühlen gegen Gerald Luft. Ehe dies ge⸗ ſchehen, konnte ich weder ruhen, noch ſchlafen, noch irgend ein Geſchäft verrichten; hatte ich meine Gefühle aber einmal ausgeſprochen, ſo glaubte ich, den Willen der Zeit mit mehr Geduld abwarten zu können, und ſühlte mich, als ich wieder in die gewöhnliche Lebens⸗ bahn zurückkehrte, äußerlich kräftiger, ihren Pflichten und Zwecken vachzukommen. Dieſe einzige Freiheit, welche ich meinen Gefühlen kewährte, folgte unmittelbar auf meinen Entſchluß, Gerald zu keinem perſönlichen Kampſfe zu zwingen. Ich ließ meinen Degen zurück, um nicht zu einer Nichtach⸗ iung meines Vorſatzes verlockt zu werden. Ich ritt nach Levereur⸗Court— und trat in Geralds Zimmer, wäh⸗ rend mein Pferd geſattelt am Thore ſtand. Ich ſprach nur wenige Worte, aber jedes derſelben wog ein Buch auf Ich wünſchte ihm Glück zu dem Vermögen, das er durch Betrug erworben, und zu dem Gewiſſen, das er durch Mord hefleckt habe.—„Genieße Beides, ſo lange Du kannſt,“ ſagte ich,„aber wiſſe, daß bälder oder ſpäter der Tag kommen wird, wo das Blut, das von der Erde auſſchreit, im Himmel gehört werden wird— und Dein Blut zur Sühne vafür fließen muß. Wiſſe, venn ich auch der Stimme in meinem Herzen nicht zu „ „ 396 folgen ſcheine, ich ſie doch Tag und Nacht höre— daß ich nur lebe, ihre Gebote einſt zu erfüllen.“ Ich ließ ihn ſtumm und vor Erſtaunen erſtarrtſ rück. Ich ſchwang mich auf mein Pferd und warfkeinn Blick rückwärts, als ich von den mir geraubten Mauen und Ländereien wegritt. Von dieſer Zeit an wolltei den Räuber nie wieder ſehen oder ihm begegnen. einziges Mal, gleich nachvem ich ihn in ſeinem ang maßten Schloſſe alſo Trotz geboten, ſchrieb er mi Uneröffnet ſchickte ich den Brief zurück. Genug hlero der Leſer wird jetzt die wahre Art meines Rachefühl begreifen und die Gründe billigen, wegen deren ichh Verlaufe dieſer ganzen Geſchichte nie oder ſelten m zu dieſem Gefühle zurückkehre, bis er endlich eine gereh Hoffnung zu ſeiner Befriedigung vor ſich ſehen wi Mit ruhiger Miene und heiterer Stirne trat icht die Welt. Es war eine Zeit großer politiſcher Auft gung. Obwohl mein Glaube mich von dem voffen Senat ausſchloß, konnte er mich doch nicht an derz heimen Intrigne verhindern. St. John beſchäftt meinen Ehrgeiz hinlänglich, und ich ließ mich in Plane und Entwürfe meiner Mitmenſchen mit eins Eifer ein, der dem Anſcheine nach noch lebendiger u umfaſſender war, als ihr eigenes. Hieraus folgt begre lich eine große Veränderung in dem Charakter mein Memviren. Bisher habe ich hauptſächlich mich ſell gezeichnet. Mein Herz und mein Gemüth— mi Leidenſchaften und die Gedanken, welche vieſen au hören, habe ich offen dargelegt. Von jetzt an werde mehr das Gemüth und die Natur Anberer ſchilde Der Lieben Als Satiril menſchliche auch er ſick ſtieler in d nige Abthei Pforte ihr mögen, we ihr werdet Verſchwend keiten Dere der Witz u oder geheir vitzige Geſt füllt müßig Leidenſchaf Ungeheuer den erfriſch Strom wo thöre— i illen.“ n erſtarrtn d warf keinn bten Mauen an wollie i egegnen. G ſeinem ang hrieb er m enug hien s Rachefühl nderen icht er ſelten mih h eine gereh ch ſehen win rne trat icht itiſcher Auf dem vffen icht an derz n beſchäfti ß mich in en mit einn lebendiger u s folgt begri arakter mein h mich ſeli üth— m e dieſen anß t an werde erer ſchilden 397 der Liebenbe, der Träumer— ſie ſind nicht mehr. Als Satiriker und Beobachter— als den Verlacher der nenſchlichen Thorheiten, denen trotz ſeines Hohnes auch er ſich ergibt— als den kecken, weltlichen Mit⸗ ſpieler in dem Drama der Menſchheit wird mich dieje⸗ nige Abtheilung meiner Geſchichte darſtellen, an deren Pforte ihr ſtehet. Was auch die Qualen geweſen ſein mögen, welche mich zu dieſer Umänderung vermochten, ihr werdet bei verſelben nur gewinnen. Die üppige Verſchwendung an Höfen; die Wechſelfälle und Eitel⸗ eiten Derer, welche ſich derſelben ergeben; ſchimmern⸗ der Witz und leichter Scherz; vorübergehender Spott oder geheimes Bevbachten; Charaktere der Großen, vitige Geſpräche;— all dies erfeut das Gemüth und füllt müßige Stunden beſſer aus, als die Farben der Leidenſchaft und das Schickſal der Liebe. Wenn das Ungeheuet des Nil unter den ſonnigſten ufern und in den erfriſchendſten Wogen ſich aufhält, ſo ſcheint der Strom wohl in Melodie und Freude— plätſchernd und im Sonnenſtrahl dahinzufließen, Wer aber kann ſagen, was ſchwarz und furchtſam und immer wachſam unten lauert! Zweites Kapitel. Ehrgeizige Entwürfe. Es liegt nicht in meiner Abſicht, eine politiſche Ge⸗ ſchichte ſtatt der Lebensbeſchreibung eines einzeluen Mannes zu ſchreiben. Ohne Zweifel werden im nächſten 398 Jahthundert Werke genug zur Verherrlichung der Epoche geſchrieben werden, welche meine Zeitgenoſſen ſo getn für vie größte der neueren Zeit ausgeben. Kberbies lo in den mehr verborgenen, geheimen Intriguen, zu we⸗ chen mich St. John verwandte, Manches, deſſen Ge⸗ heimheltung mir die Rückſicht für Andere gebieten würde Ich führe daher nur kurz an, daß im Jahre 1712 St. John die Pairswürde mit jenem Titel“ ſchmückte, de ſeine Verbannung und ſein Geiſt ſo berühmt gemach haben. An dem Tage, an welchem dieſe Ehre öffentlich he kannt gemacht wurde, kam ich zu ihm. Er ging mil gekreuzten Armen und einer ganz eigenthümlichen Zi⸗ ſammendrückung ſeiner Unterlippe in dem Zimmer uuf und ab, wie es ſo ſeine Gewohnheit war, wenn ihr irgend ein Etwas beſonders aufregte oder beunruhigie „Nun,“ ſagte er und blieb, ſobald er mich ſih plotzlich ſtehen,„nun, wenn wir bedenken, welch glät⸗ zende Feder der Pfau Harley in ſein Neſt getragen ha, müſſen wir die Großmuth bewundern, welche für d meinige dieſe ſaubere Feder vom Düngerhaufen übriz ließ!“ „Wie!“ antwortete ich, obgleich ich die Urſacht dieſer bitteren Methapher wohl kannte. St. John ſprab mündlich beinahe eben ſo häufig in Bildern, wie in ſeinen Schriften. „Wie!“ rief der neue Pair lebhaft mit einem jene blitzenden Blicke, welche dem Ausdruck ſeines Zorne eine Gewalt gaben, wie ich ſie nie geſehen.„Wie! * Bolingbrole durfte das zugleich m tend die das Gehä deſpotiſche zurückbebte da eine Be nung werd Spielzeuge ich kümmer ſelbſt; aber wenn ſie z witd, oder? geht. Höre digt— der man mich mächtig bir würde, die Entfernun worin ichen ßeren Einfl in dem Kör eine erbärn tergeordnet ſtößt mich bieſer Prah iſt; man g ganz wüthe durch eine Partei, der gber Epoch⸗ ſen ſo getu überdies en, z we deſſen G ieten würbe e 1712 St. mückte, de mt gemacht ffentlich be⸗ Fr ging mi mlichen Zi⸗ Zimmer auf wenn ihr eunruhigi „mich ſih, welch glät etragen hal, ſche für da kufen übriz die Urſich Pohn ſprah n, wie in 399 durfte das heilige Verſprechen, baß ich die Grafenwürde zugleich mit ihm erhalten ſolle, verletzt werden; wäh⸗ tend die Wucht— die Mühe— die Schwierigkeit— das Gehäſſige der Geſchäfte, vor welchen Harley, der deſpotiſche Schwachkopf, aus Unvermögen wie aus Furcht zurückbebte, ausſchließlich mein Antheil war, mußte da eine Beleidigung in Geſtalt einer Ehre meine Beloh⸗ nung werden? Sie wiſſen, es iſt nicht meine Art, bloße Spielzeuge des Ehrgeizes zu überſchätzen— Sie wiſſen, ich kümmere mich wenig um Titel und Orden an ſich ſelbſt; aber die werthloſeſte Sache bekommt Bedeutung, wenn ſie zum Symbol von etwas Werthvollem gemacht witd, oder der Beweis einer Hintanſetzung daraus hervor⸗ geht. Hören Sie: eine Collateralgrafſchaft wird erle⸗ digt— der eine Theil wird mir zugeſagt. Plötzlich zieht man mich aus dem Hanſe der Gemeinen, wo ich all⸗ mächtig bin, hervor und gibt mir— nicht dieſe Grafen⸗ würde, die, als meinem Hauſe zugehörig, mich mit der Entfernung aus einer Sphäre verſöhnt haben würde, worin ich nach dem Zugeſtändniſſe meiner Feinde grö⸗ ßeren Einfluß hatte, als irgend ein einzelner Gemeiner in dem Königreiche— man gibt mir nicht dieſe, ſondern eine erbärmliche Ehrenabfindung— einen neuen, un⸗ tergeordneten Rang— gegen meinen Willen— man ſößt mich in das Oberhaus, um zu vertheidigen, was dieſer Prahlhans Oxford nicht durchzuführen im Stande iſt; man gibt mich nicht nur der übeln Nachrede einer ganz wüthenden Gegenpartei preis, ſondern kränkt mich durch eine abſichtliche Schmach von Seiten derjenigen Partei, der ich mit Herz und Seele angehört hatte. Sie 400 wiſſen, daß meine Geburt derjenigen Harley's nicht nachfleht— Sie wiſſen, daß mein Einfluß im Unter⸗ hauſe weit größer iſt— Sie wiſſen, daß mein Nam in England, ja in ganz Europa beliebter iſt— Sie wiſſen, die mir zugetheilte Arbeit war weit wichtizer — Sie wiſſen, daß der letzte Utrechter Frieden ganz mein Werk war— daß die Feinde dieſer Maßregel all ihr Gift gegen mich richteten— daß die Freunde der⸗ ſelben mich mit Ehren überhäuſen:— wenn man nun gerade dieſe Zeit wählt, um ein mir früher gegebenes Verſprechen zu brechen— wenn eine vorgebliche Ehre die ich bekanntlich gar nicht leiden mag, mir nachge⸗ worſen wird— wenn auch noch gerade in dieſem Augen⸗ blicke ſechs erledigte Hoſenbandorden vor mir prunken —deren einer an dem Knie dieſes Harley hängen bleibt, dem es gelungen, eine Grafenwürde zu erhalten— und die anderen Männern zufallen, welche, wenn ſie auch nicht von geringerem Range ſind, doch weit weniger Au⸗ ſprüche haben als ich— während man mich auf eine merkliche, auffallende Weiſe übergeht— wie kann ich mich da der Empfindung entſchlagen, daß an ſich ge⸗ ringfügige Dinge durch die in die Augen fallende Ab⸗ ſicht, mich zu beleidigen, zur Lebensfrage für mich werden! Die Inſekten, welche wir verachten, wenn ſie um uns her ſummen, werden gefährlich, wenn ſie ſich auf uns ſetzen und wir ihren Stich fühlen! Aber,“ ſetzte Vr⸗ lingbroke hinzu, in ein plötzliches Lächeln verfallend, „ich habe lange keinen übernamen gehabt, jetzt habe ich ſelbſt einen für mich gefunden. Sie wiſſen, man nein Orford„den Drachen;“ gut, nennen Sie mich fortan „ St. Ge chen übe meine es Luft gen dichte ſp mal gele „Ack aber ich läuſig ge Dichter kraft, di hierin R „Me ten Zeite tion zut „Me je größer Gefühle. durch da und zu d engliſche herrlicher künſtlich Reifrock „Ha man erſc Marmor Bildſäul bar kleid auf den Bulw ey's nicht im Unter⸗ ein Name ſt— Sie wichtiger jeden gan ßregel all eunde der⸗ man nun gegebenes liche Ehre, ir nachge⸗ em Augen⸗ ir prunken gen bleibt, ten— und n ſie auch eniger Au⸗ ſetzte Vo⸗ verfallend, tzt habe ich man nennt nich fortan 401 „St. Georg;“ tenn ſo ich lebe, ich will den Dra⸗ chen überwältigen. Ich ſage dies im Scherze, aber ich meine es ernſtlich. Und nachdem ich nun meiner Golle Luft gemacht, laſſen Sie uns von dieſem herrlichen Ge⸗ dichte ſprechen, das ich, obgleich ich es ſchon hundert⸗ mal geleſen habe, nicht müde werde, zu bewundern.“ „Ach— der Lockenraub! Es iſt in der That ſchön, aber ich bin jetzt nicht für Pveſie empfängl Bei⸗ läufig geſagt, wie kommt es, daß alle unſere neueren Dichter zu dem Geſchmacke, dem Geiſte, der Urtheils⸗ kraft, doch nie zu dem Gefühle ſprechen? Haben ſie hierin Recht?“ „Mein Freund, wir leben jetzt in einem verſeiner⸗ ten Zeitalter. Was haben die Gefühle mit der Civiliſa⸗ tion zu thun?“ „Mehr als Sie vielleicht zugeſtehen. Vielleicht ſind, je größer unſere Civiliſativn, um ſo zahlreicher unſere Gefühle. Unſere körperlichen Leidenſchaften verlieren durch das übermaß, unſere geiſtigen aber gewinnen, und zu den geiſtigen ſollte die Poeſie ſprechen. Unſere engliſche Muſe ſcheint ſich mir aber ſelbſt in vieſem herrlichen Gedichte, wie unſere engliſchen Schönen, zu künſtlich zu putzen— ſie legt Roth auf und trägt einen Reifrock!“ „Ha! ha!— ja, man ſchmückt jetzt mehr als vaß man erſchaffen würde— und ſchneidet eher Stoffe als Marmor. Unſere Gevichte mahnen mich an die alten BVildſäulen. Phidias machte ſie, und Bubo und Bom⸗ bar kleideten ſie in Purpur. Allein dies läßt ſich nicht auf den jungen Pope anwenden, der in eben dieſem Bulwer, Devereux. 1. 26 402 Gevichte gezeigt hat, baß er ebenſowohl in dem Sieln⸗ bruche arbeiten als Edelſteine wählen kann. Aber ſehen Sie, der Wagen wartet auf uns. Ich habe unmenſch⸗ lich viel zu thuu— zuerſt muß ich Swift beſuchen— dann einen ausgezeichneten Burgunder koſten— Sie verſtehen ſich darauf und müſſen mir beiſtehen; dann iſt die neue Schauſpielerin angekommen; und, beiläufig geſagt, Sie müſſen mir Ihre Anſicht über Bentley's Horaz mittheilen; wir wollen zuerſt bei meinem Buch⸗ händler vorfahren, um denſelben einzuſehen— Swift kann warten— Himmel! wie würde er toben, wenn er dies hörte. Eben wollte ich ſagen, wie Schade es ſei, daß dieſer Mann ſo viel kleinliche Eitelkeit beſitze; aber ich hätte damit etwas ſehr Thörichtes ausgeſpro⸗ chen!“ „Und warum?“ „Weil, wenn er nicht ſo viel Kleinliches hätte, er vielleicht nicht ſo groß wäre; was anderes als Eitelkeit macht, daß ein Mann ſchreibt und ſpricht und ſich plackt und berühmt wird? Ach!“ hier ging St. John's heitere Miene wieder in Nachdenken über;„es iſt traurig für die menſchliche Natur, daß ſo wenig an ſich, wie nach ſeiner Quelle gut und evel iſt! Gerade unſere ſchlim⸗ men Eigenſchaften bringen oft Größeres hervor als unſere beſten. Phidias(um ihn von einer anderen Seite zu betrachten) fertigte die wundervolle Vildſäule der Mi⸗ nerva für ſeine Vaterſtadt; um ſich nun an letzterer zu rächen, verdunkelte er ſein Werk durch die noch herrli⸗ chere Statue ves olympiſchen Zeus. So entſprang aus dem fehlerhaften Gefühle noch größerer Ruhm, als aus —— —,— erhaben tiker un längere Jemant venſcha ſchafter Di währen dem ut in das niſſen; vergebe ſpäter Diener „unter em Stein⸗ Aber ſehen unmenſch⸗ eſuchen— en— Sie en; dann „beiläufig Bentley's nem Buch⸗ — Swift ben, wenn Schade es eit beſitze; ausgeſpro⸗ hätte, er s Eitelkeit ſich plackt n's heitere raurig für wie nach re ſchlim⸗ als unſere Seite zu der Mi⸗ etzterer zu ch herrli⸗ rang aus „als aus 403 erhabenem Antriebe; und der Künſtler wurde durch das Denkmal ſeines Patriotismus weniger verherrlicht als vurch das ſeiner Rache! Aber allons, mon cher, wir werden belehrend und langweilig. Wählen wir unſeren Burgunder und die Freunde, die ihn mit uns theilen ſollen.“ Obgleich Lord Bolingbroke nach ver ihn bezeichnen⸗ den Ziererei ſeine Ehrbegierde, und folglich ſeine Hoff⸗ nung nicht auf einen beſonderen Gegenſtand zu beſchrän⸗ ken, und ſehr unwichtige Angelegenheiten mit denen von vem größten Intereſſe zu vermengen ſich das Anſehen gah, als möge er nicht auf die Urſachen ſeiner Erbit⸗ terung zurückkommen, oder ſich über dieſelben verbreiten, ſo hörte dieſe doch von dieſer Zeit an nicht auf, einen großen, und für einen Staatsmann unverzeihlichen Ein⸗ fluß auf ihn zu üben. Indeſſen dürfen wir einen Poli⸗ tiker um ſeines Haſſes willen nicht tadeln, bis wir ſelbſt längere Zeit in Staatsgeſchäften gelebt haben, ohne Jemand zu haſſen; ſtarke Gemüther ſind in ihren Lei⸗ denſchaften heftig, und Menſchen von heftigen Leiden⸗ ſchaften müſſen ebenſowohl haſſen als lieben. Die nächſten zwei Jahre verfloſſen mir unter fort⸗ währenden diplomatiſchen Intriguen, verbunden mit vem unaufhörlichen, wenn auch geheimen Beſtreben, in das Geheimniß einzudringen, das über den Ereig⸗ niſſen jener ſchrecklichen Nacht hing. Alles war indeſſen vergebens. Ich weiß nicht, was die engliſche Polizei ſpäter ſein wird, zu meiner Zeit aber ſchienen ihre Diener, gleich ben Gefährten des ehrlichen Dogberry, „unter denn ſfinnloſeſten und tanglichſten Menſchen“ 404 ausgewählt. Sie ſind indeſſen unſtreitig eben ſolche Schurken als Dummköpfe, und eine vernünftigere Nach⸗ welt wird vielleicht kaum glauben, daß, wenn Gegen⸗ ſtände von dem größten Werthe geſtohlen wurden, die Eigenthümer von dem Polizeibirektor oft die Antwort erhielten, hier könne nicht geholfen werden, während⸗ ſich dieſer oder jener Polizeidiener erbietet, die Gegen⸗ ſtände zurückzuſchaffen, wenn man den Dieben eine ge⸗ wiſſe Summe als Entſchädigung bezahle— verſteht man ſich nicht hiezu— dann adieu pour jamais à vos eſtets! Ein hübſcher Zuſtand innerer Verwaltung! Etwa ein Jahr nach dem Morde zeigte mir meine Mutter ein Ereigniß an, das von meinem Herzen das einzige übrig gebliebene Familienband abſchnitt, näm⸗ lich den Tod Aubrey's. Der letzte Brief, den ich von ihm erhalten, iſt dem Leſer vorgelegt worden; er war in Devereur⸗Court geſchrieben, gerade ehe mein Bruder dieſen Ort für immer verließ. Montreuil war währenh der Krankheit bei ihm geweſen, welche ihn in Irland befiel und ſein Ende herbeiführte. Er ſtarb an der Aus⸗ zehrung, und als ich von meiner Mutter hörte, der Abbe ſchildere mit glühenden Farben die Frömmigkeit, die der Verſtorbene während der letzten Monate ſeines Lebens bewieſen, konnte ich mich der Beſorgniß nicht erwehren, daß krankhafter Aberglaube die Wirkung phy⸗ ſiſchen Unwohlſeins gehabt habe. Auf dieſe Trauerbot⸗ ſchaft hin zog ſich meine Mutter von Devereur⸗Court in eine Geſellſchaft von Damen unſeres Glaubens zurüch welche beiſammen wohnten und die ſtrengen Regeln eines Nonnenkloſters hielten, obgleich ſie ihrem Hanſe dieſen Namen Plan lä traurige Zeit an nuch beb meine B ihr uner Was den Ver rühmlich er liebe lich wu Treiben ſeſtgeſes nommen hätte ſic alte Dai meiner e ließ mir rden, die Antwort e Gegen⸗ eine ge⸗ ſteht man is à vos ltung! herzen das itt, näm⸗ nich von 1; er war in Bruder r während in Irland nder Aus⸗ hörte, der mmigkeit, ate ſeines gniß nicht kung phy rauerbot⸗ eur⸗Court ens zurück, geln eines mſe dieſen während Namen nicht gaben. Meine Mutter hatte ſich dieſen Plan längſt ausgedacht, und es gewährte ihr jetzt eine traurige Freude, denſelben auszuführen. Von dieſer Zeit an hörte ich ſelten mehr von ihr, und nach und nach bebte ſie ſo ſehr vor weltlichen Dingen zurück, baß meine Beſuche, und ich glaube auch die von Gerald, ihr unerwünſcht und ſtörend wurben. Was meinen Prozeß anlangt, ſo ſchritt dieſer nach den Verſicherungen meines lebhaften, kleinen Advokaten rühmlich vor, der mit ſolcher Beſtimmtheit erklärt hatte, er liebe es, wenn ein Prozeß raſch vorwärts gehe. End⸗ lich wurde mit Hülfe von Belohnen, Beſtechen und Treiben ein Tag zum Enbyrtheil über meine Anſprüche ſeſtgeſetzt— dieſer kam— die Sache wurde vorge⸗ nommen und ging verloren. Ich wäre rninirt geweſen, hätte ſich nicht noch ein günſtiger Umſtand gezeigt. Die alte Dame, meines Vaters Pathin, welche Zeuge bei meiner erſten, geheimen Vermählung geweſen, hinter⸗ ſieß mir ein hübſches Gut in der Nähe von Epſom. Ich verwantelte daſſe be in Geld und wie der Leſer alsbald ſehen wird, war es ein Glück, daß ich damit nicht ſäumte. Die Königin ſtarb— und alsbald zeigte ſich den Blicken des Viscount Volingbroke und ſomit auch denen des Grafen Devereur eine drohende Wolke. „Wir wollen den Regen aushalten,“ ſagte Boling⸗ broke. „Könnten Sie nicht,“ ſagte ich,„unſern Freund Orford zum Talapat machen 7** Und Bolingbroke „Ein Ding, das die Stameſen zu demſelben Zwecke ge⸗ brauchen, wie wir den Regenſchtrm. Ein Werk über Siam von 406 lachte. Jedermann findet einen Scherz über ſeinen Geg⸗ ner witzig! Eines Morgens erhielt ich indeſſen ein lakoniſches Billet von ihm, aus dem ich trotz ſeiner Kürze und anſcheinenden Heiterkeit entnehmen konnte, daß etwaz vorgefallen ſein müſſe, was durchaus nicht lächerlich ſei. Ich ging zu ihm und erfuhr, daß die neue Majeſtät ihm die Siegel abgenommen und Beſchlag auf ſeine Papiere gelegt hatte. Wir ſahen einander ziemlich ver⸗ blüfft an. Endlich lächelte Bolingbroke. Ich geſtehe, daß er als Politiker in manchen Punkten ſehr ſtraſbar ſein mochte— ſtrafbar, nicht weil er ehrgeizig war (denn ich gäbe nicht viel um den Staatsmann, der es nicht iſt), ſondern weil er ſeinen Ehrgeiz nicht lieher an die Wohlfahrt ſeines Landes als an die einer Partei feſſelte— denn trotz Allem, was über ihn geſagt worden iſt, war doch ſein Ehrgeiz nie ſelbſtſüchtig;— ſo ſtraf⸗ bar er aber auch ſein mochte, wenn die Ehre ihn ver⸗ lockte, war er doch höchſt bewundernswürdig, wenn Gefahr ihm drohte!* und bei dem Schatten jenes Tul⸗ de la Loubere, in welchem der Talapat etwas umſtändlich be⸗ ſchrieben wird, war einige Jahre ehe der Graf Devereur hier dieſen Ausdruck gebrauchte in das Engliſche überſetzt worden und hatte einiges Aufſehen erregt, ſo daß die Anſpielung wahr⸗ ſcheinlich allgemein verſtändlich war. Der Herausgeber. *Ich weiß wohl, daß es hierüber verſchiedene Anſichten gibt und daß Bolingbroke der Feigheit angeklagt wurde, weil er nicht in England blieb und Herrn Robert Walpole ſe nen Kopf zum Geſchenk machte. Der geſchmackvolle Autor von„De Vere,s der mir Lord Bolingbroke's Charakter unter einem Ge⸗ ſichtspunkie aufzufaſſen ſcheint, welcher mehr der affektirten Sprache lius, de die Phil einer Hal lichen Na Thatſache lichen Irt deßhalb l Erſtere ſ dagegen den volle chung zn Gleichbei fand. Or zahl eiche und es n von Bo „wiederhe welche di worden ſ Lagen, i willig ſe lächerlich geſtehe, ſtrafbar eizig war n, der es cht lieher er Partei gt worden ſo ſtraf⸗ ihn ver⸗ i, wenn enes Tul⸗ änblich be⸗ vereux hier etzt worden ung wahr⸗ sgeber. e Anſichten urde, weil vole ſe nen r von„De einem Gr⸗ en Sprache lius, den er ſo vergötterte, nie ſah ich Zemat, de die Philoſophie mehr im rechten Augenblicke zu zeigen einer Halbphiloſophie, als einer tieferen Betrachtung der menſch⸗ lichen Natur oder einer fleißigen Zuſammenſtellung hiſtoriſcher Thatſachen entſpricht, iſt in einen ſehr großen, obwohl alltäg⸗ lichen Irrthum verfallen, wenn er Oxfords politiſches Benehmen deßhalb lobt und das von Bolingbroke deßhalb tadelt, weil der Erſtere ſich einer gerichtlichen Unterſuchung ſtellte, der Letztere dagegen einer ſolchen auswich. Nur ein wenig Nachdenken hätte den vollendeten Novelliſten belehren müſſen, daß keine Verglei⸗ chung zwiſchen den beiden Fällen ſtattfinden könne, weil keine Gleichbeit der Gefahr zwiſchen Orford und Bolingbroke ſtatt⸗ fand. Orford war, wie die nachfolgende Anklage bewies, weit zahl eicher und mächtiger unterſtützt als ſein berühmter Gegner, und es war durchaus kein Grund vorhanden, an der Wahrheit von Bolingbroke's Verſicherung zu zweifeln, nämlich daß er „wiederholte und zuverläſſige Winke erhielt, daß von Männern, welche die Macht hatten, ihn auszuführen, ein Beſchluß gefaßt worden ſei, ihn auf das Blutgerüſt zu bringen.“ Es gibt gewiſſe Lagen, in welchen ein muthiger, rechtſchaffener Mann bereit⸗ willig ſein Leben zum Opſer bringen ſoll; nach meiner beſchei⸗ denen Anſicht kann es aber auch eine Lage geben, wo er es er⸗ halten ſoll, und wenn ſich je ein Menſch in dieſer letzteren befand, ſo war es Lord Bolingbroke. Ohne Noth den Kopf unter das Beil legen, wenn dadurch bloß dem Feinde ein Vortheil er⸗ wächst, iſt in meinen Augen die Handlung eines Thoren, nicht eines Helden, und einen Mann deßhalb anzugreiſen, weil er ſeinen Kopf nicht in dieſe angenehme und ſo nützliche Lage ge⸗ bracht hat— weil er es, kurz geſagt, vorzog, für eine Welt zu leben, als durch eine Faktion unterzugehen, ſcheint mir eine Art des Beweiſes, die einem Unſinne außerordentlich ähnlich ſieht. Als Lord Bolingbroke angeklagt wurde, ließen von den zahlreichen Anhängern im Unterhauſe, welche dem Staatsſekretär bei Verfolgung derſelben Maßregeln, um deretwillen man ihn ietzt anklagte, ſo lauten Beifall zugerufen, nur zwei(General Roß und Herr Hungerford) ein einziges Wort zu Vertheidigung des in Ungnade gefallenen Miniſters fallen. Dies iſt, beilaufig 408 Wo es hinderlich geweſen wäre— bei dem ſen einer Schauſpielerin— bei dem Lever eines — in dem Boudvir einer Schönheit— in der Arena des Senates— in den Intriguen des Kabinels bekam man nichts, keinen Saum von dem guten, alten Mantel zu ſehen. Aber ſobald es nöthig wurde— in merzens— am Tag der Gefahr— Ungewißheit der Verbannung— in(was am en iſt) der Stumpfheit der Ruhe, enifaltete ihn mein außerordentlicher Freund Stück für Stück— hüllte ſich in denſelben— ſetzte ſich nieder— bot der Trotz und ergoß ſich über die Bequemlichkeit und keit ſeiner Kleidung in den ſchönßten Betrach⸗ die man ſich denken kann. Seine Philoſophie h an das verzauberte Zelt in dem arabi⸗ chen⸗ das in dem einen Augenblicke in eine packt war und im nächſten eine Armee Fürſten lächelte und eitirte Cicero. Nach einem nGeſpräche des ſeinerſeits keineswegs der Unterhaltung eines Mannes glich, teſſen Kopf ſich in keinem beneidenswerthen Zuſande der Sicherheit be⸗ fand, ſ rvon einem Witze über Steele plötzlich erathung der Maßregeln über, welche nun ſelen. Ich will mich über dieſen Punkt kurz tterliche Geſellſchaſt von ble, muthige, uner Wännern, welche Lord John Ruſſel in ſeinem letzten Werke einen„bewundernswürdigen Verein“ genannt hat. Es iſt ganz „welch ein großer Vorrath unerwarteter Intelligenz in den elaſtiſchen Raum eines einzigen Beiwörtchens gepack werden kann. Der Herausgeber. faſſen. 2 benahm Verſtant ganzen hatte. Y lichkeit recht. S verſelbet bemühte lament währent berechne klebte, und der Talente klage ſe Feſtſetn vollen( Da verſchw wurde kleinen Zimme meinen ſpräch wandie mit, b der Tl langſar wohl n (was am enifaltete Stück— bot der chkeit und Betrach⸗ hiloſophie em arabi⸗ ke in eine ne Armee ach einem swegs der pf ſich in erheit be⸗ e plötzlich eche nen Bunkt kurz ſchaſt von tzten Werke Es iſt ganz Intelligenz ens gepackt sgeber. benahm er ſich mit ſolcher Schonung und ſois E Verſtande, wie er nach meiner Anſicht während ſeiner ganzen früheren Verwaltung nicht an den Tag gelegt hatte. Mit der ſtandhafteſten, unermüblichſten Geſchick⸗ lichkeit hielt er den Muth ſeiner Parteigenoſſen auf⸗ recht. Ohne eine Handlung ober auch nur den Schein verſelben, die Zeitdienerei hätte genannt werden können, bemühte er ſich, den König zu verſöhnen und das Par⸗ lament zu gewinnen— mit würdevoller Klugheit, die, während ſie über kleinlichen Groll erhaben ſchien, wohl berechnet war, den Schein der Ungunſt, der ihm an⸗ klebte, zu entfernen, und genau zwiſchen dem Könige und der neuen Verwaltung unterſchied, wibmete er ſeine Taente der Unterſtützung des Monarchen, der ſeine An⸗ klage ſchon beſchloſſen hatte, und ſtand jenem bei der Feſtſetzung der Civilliſte bei, während er ſich in der vollen Erwartung eines Kriminalprozeſſes fand. Das neue Parlament trat zuſammen und jeder Zweifel verſchwand. Eine Anklage gegen das vorige Miniſterium wurde beſchloſſen. Als ich eines Morgens mit meinem kleinen Advokaten abrechnete, trat Volingbroke in mein Zimmer. Er nahm einen Stuhl, winkte mir, damit ich meinen Anwalt nicht entlaſſe, miſchte ſich in unſer Ge⸗ ſpräch, und als ſich dieſes wieder den Rechnungen zu⸗ wandie, nahm er ein Liederbuch und unterhielt ſich da⸗ mit, bis mein Geſchäft abgemacht war und der Jünger der Themis ſich entfernt hatte. Dann ſagte er ſehr langſam und mit einem leichten Gähnen:„ Sie ſind wohl nie in Paris geweſen?“ — Sie ſind bezaubert von dieſer luſtigen Stadt.“ „Ja, als ich aber vas letztemal da war, ſchmeichelten die guten Leute meiner Eitelkeit ſo ſehr, daß mein Ge⸗ ſchmack wohl beſtochen ſein könnte. In wenigen Tagen werde ich im Stande ſein, ein weniger parteitſches Urtheil zu fällen.“ „In wenigen Tagen?“ „Ja, mein lieber Graf; erſchreckt Sie dies? Ich bin begierig, ob die hübſche De Tenein noch ſo gütig gegen mich ſein wird wie früher, und ob tout le monde (dieſe vortreffliche Bezeichnung für fünfhundert Per⸗ ſonen) noch aufſtehen wird, wenn ich in die Oper komme. Glauben Sie, ein verbannter Miniſter habe auch nur die geringfle Ahnlichkeit mit dem, was er zur Zeit ſeiner Macht war? Beim hölliſchen Drachen, wie unſer Freund Swift ſo wohlklingend und zierlich ſagt oder ſchwört, beim hölliſchen Drachen, ich glaube nicht! Was änderte den Satan ſo ſehr nach ſeinem Falle? was gab ihm Hörner und Schwanz? Nichts als die Ungnade, in die er gefallen, Ach! Jahre, Krankheit, Fieber, Peſtilenz und Hunger ändern einen Mann nicht ſo wie der Ver⸗ luſt der Macht.“ „Sie ſprechen weiſe; aber was ſoll ich aus Ihren Worten abnehmen? Iſt im Ernſte Alles mit uns aus?“ „Mit uns! mit mir iſt in der That Alles aus — Sie können immer hier bleiben. Ich muß fliehen— ein Paketbvot nach Calais, vder ein Zimmer im Tower — zwiſchen dieſen heiden habe ich zu wählen. Ich habe wohl daran gedacht, ob ich nicht dableiben und vffen meiner A Narrheit mir. Er ich habe werde i zwanzig alt und verzehrt Nein, n ſparen, Samen meiner 2 meiner 2 cere et ich habe Freund Stürme der Ent ſchützt ſ Wohlfal haben. geweſen gilt— zum Op unter m Vaterla und jetz Noch ei luſtigen ichelten ein Ge⸗ Tagen teiiſches s 7 Ich o gütig monde rt Per⸗ komme. uch nur it ſeiner Freund ſchwört, änderte im „in die ßeſtilenz er Ver⸗ s Ihren s aus?“ lles aus — Tower habe nd offen 41¹ meiner Anklage entgegentreten ſolle, allein es wäre eine Narrheit— es iſt ein Unterſchied zwiſchen Orford und mir. Er hat, wenn er auch ſein Amt verloren, Freunde; ich habe keine. Wird er angeklagt, ſo ſchlüpft er durch; werde ich angeklagt, ſo ſperren ſie mich entweder auf zwanzig Jahre wie eine Ratte in einen Käfig, bis ſich, alt und vergeſſen, mein Herz in der Gefangenſchaft verzehrt, oder ſie hringen mich gleich unter das Beil. Nein, nein— ich muß mich für eine ſpätere Zeit auf⸗ ſparen, und während ſie mich verbannen, will ich den Samen der guten Sache hier laſſen, damit er bis zu meiner Rückkehr aufgehe. Kluge, vortreffliche Politit meiner Feinde— Frustra Cassium amovisti, si glis- cere et vigere Brutorum æmulos passurus es. Aber ich habe keine Zeit zu verlieren— leben Sie wohl, mein Freund— Gott ſegne Sie— Sie ſind vor dieſen Stürmen ſicher, und eben die Unduldſamkeit, welche der Entwicklung Ihres Genies hindernd im Wege ſtand, ſchützt ſie jetzt vor der Gefahr, dieſes Genie für die Wohlfahrt Ihres Vaterlanbes in Thätigkeit geſetzt zu haben. Gott weiß es, ich habe, was auch meine Fehler geweſen ſein mögen, meinem Lande, was mir am meiſten gilt— wiſſenſchaftliche Beſchäftigung und Vergnügen zum Opfer gebracht. In Leſſen Kriegen habe ich ſogar unter meinem Feinde Marlborough gedient, um meinem Vaterlande nützlich zu ſein; der Friede iſt mein Werk und jetzt büße ich dafür. Sei es denn, ich bin Fidens animi atque in utrumque paratus. Roch einmal umarme ich Sie— leben Sie wohl.“ „Nein,“ erwiderte ich,„hören Sie mich, Sie ſollen nicht allein gehen. Frankreich iſt ohnehin mein eigent⸗ liches Vaterland; dort wurde ich geboren, es iſt an ſich nichts Hartes, zu meinem natale locum zurückzukehren — mit Henry St. John dahin zu kommen, iſt eine Ehre. Ich will keine Einwendungen; mein Prozeß iſt zu Ende, Papiere habe ich nur wenige, und mein Geld will ich ſchon hinüberbringen. Erinnern Sie ſich an die Anek⸗ vote, die Sie mir geſtern von Anaragoras erzählten, der, als er nach ſeinem Vaterlande gefragt wurde, nach dem Himmel zeigte. Es läßt ſich dies, hoffe ich, ſo gut auf mich, wie auf Sie anwenden; auf mich, den Unberühm⸗ ten und Unbekannten— auf Sie, den Senator und Staatsmann.“ Vergebens fuchte mir Bolingbroke meinen Entſchluß auszureden; er war der einzige Freund, den mir das Schickſal gelaſſen, und ich war entſchloſſen, daß das unglück uns nicht trennen ſolle. Endlich umarmte er mich zärtlich und willigte in das, was er nicht hindern konnte.„Aber Sie können,“ ſprach er,„England nicht morgen Abend verlaſſen, wie ich es muß.“ „Verzeihen Sie, erwiderte ich,„je kürzer die Vor⸗ bereitung, deſto größer die Aufrezung, und was käme im Leben dieſer gleich?“ „Wahr,“ antwortete Bolingbroke,„manchen Na⸗ turen, die zu unruhig find, um glücklich zu ſein, kann Aufregung Erſatz für Alles bieten; Erſatz für vergen⸗ vete Jahre und zu Waſſer gewordene Hoffnungen— Erſatz für bittere Reue über falſch angewandte Talente und ungezügelte Leidenſchaften. Doch ſparen wir philo⸗ ſophiſche Geſpräche für eine Zeit, wo wir mehr Muſe dazu haben. Sie werden morgen mit mir zu Mittag ſpeiſen, wir gehen dann zuſammen in das Schauſpiel— ich verſprach der armen Luch, ich wolle ſie im Theater auffuchen eine Stu Paris beg theilen, 1 Die Es n Logen we Volingbt Würde mit den zu Zeit „Se von ausn lord, we zogin he Augen, Loge rick zu viel( keit zu e lehnte, ihm geg ſich mit einem le wohl ih bung in gefährde Lächeln Herz un e ſollen eigent⸗ an ſich ukehren e Ehre. 1Ende, vill ich Anek⸗ en, der, ch dem gut auf erühm⸗ or und tſchluß mir das aß das rmte er hindern id nicht ie Vor⸗ s käme en Na⸗ kann vergen⸗ igen— Talente hil⸗ r Muſe Mittag ſpiel— Theater 413 aufſuchen, und ich kann mein Wort nicht brechen; eine Stunde ſpäter wollen wir unſern Ausflug nach Paris beginnen. Und jetzt will ich Ihnen den Plan mit⸗ theilen, den ich zu unſerer Flucht ausgebacht.“ Drittes Kapitel. Die wahren Schauſpieler ſehen den uneigentlichen zu. Es war ein glänzender Abend in dem Theater! Die Logen waren gebrängt voll. Aller Augen waren auf Lord Bolingbroke gerichtet, der ſich mit ſeiner gewöhnlichen Würde und der vollendeten Anmuth ſeines Benehmens mit den verſchiedenen Leuten unterhielt, welche von Zeit zu Zeit ſeine Loge anfüllten. „Sehen Sie dorthin,“ ſagte ein ganz junger Mann von ausnehmender Schönheit,„ſehen Sie dorthin, My⸗ lord, welch vollſtändige Rüſtung von Lächeln die Her⸗ zogin heute Abend trägt, und wie triumphirend ſie die Angen, die einſt ſo ſchön geweſen ſein ſollen, nach Ihrer Loge richtet.“ „Ach,“ ſagte Bolingbroke,„Ihro Gnaden thun mir zu viel Ehre an; ich darf nicht verſäumen, dieſe Artig⸗ keit zu erwidern,“ und indem er ſich über die Loge hin⸗ lehnte, wartete Bolingbroke die Gelegenheit ab, bis die ihm gegenüberſitzende Herzogin von Marlborongh, die ſich mit großer und offenbar heiterer Lebhaftigkeit mit einem langen, dünnen Manne neben ihr unterhielt, ſo⸗ wohl ihre, als die Aufmerkſamkeit ihrer ganzen Umge⸗ bung in einem langen, gemeinſchaftlichen Blicke auf den gefährdeten Miniſter heftete. Mit einem würdevollen Lächeln legte dann Lord Bolinghroke die Hand aufs Herz und verbengte ſich tief; die Herzogin ſah ein wenig 414 verlegen aus, erwiberte jedoch die Begrüßung ſchnell und obenhin und fuhr im Geſpräche fort. „Wahrlich, Mylord,“ rief der junge Mann, wel⸗ cher vorhin geſprochen hatte,„das haben Sie gut ge⸗ macht! Kein Vorwurf kommt demjenigen gleich, welchen wir in ein Lächeln kleiden und mit einer Verbeugung übergeben.“ „Ich bin glücklich,“ ſagte Lord Volingbrole,„daß meinem Benehmen durch den Sohn meines politiſchen Gegners eine ſo gewichtige Unterſtützung zu Theil wird.“ „Gewichtige Unterfützung, Mylord! Sie irren ſich— wenden Sie dieſes Wort nie auf etwas an, das von Philipp Wharton kommt. Aber in vollem Ernſte, ich bin nun lange genug bei Ihnen geſeſſen, um alle meine Freunde in Schrecken zu ſetzen, und muß jetzt mein huldigendes Antlitz in einem anberen Theile des Hauſes zeigen. Graf Devereur, wollen Sie mich zu der Herzogin begleiten?“ „Wie! zu der Herzogin gleich nach Lord Boling⸗ broke— Whig nach Tory— dies wäre eine ſo gefähr⸗ liche Probe für die Geiſtesgegenwart, als ein ſchneller übergang aus dem kalten Babe in das heiße für die Ge⸗ ſundheit.“ „Nun, und was iſt denn ſo angenehm als eine ſieg⸗ reich überſtandene Probe? und ein Ubergang, bei wel⸗ chem man nicht einmal die Farbe wechſelt?“ „Hüten Sie ſich, Mylord,“ ſagte Bolingbroke la⸗ chend;„für einen Mann wie Sie, auf welchen die Hoffnungen zweier großen Parteien gerichtet find, iſt es gefährlich, auch über eine an ſich unbedeutende Sache und im Scherze derartige Anſichten ſo offen auszu⸗ ſprechen.“ „Ehen aus dieſem Grunde ſpreche ich ſie aus. Es macht mir Freude, wenn ich zugleich Gegenſtand der Hoffnung unglücklich verheirathe verheirathe Bedfort zu „Und uns zu Ti „Nein, wi aber wir k Der e zu, verſch Herzogin * Dag in einem 2 hat, der g aller Wah werden wi gewiß, eit iſt) bleibt ein Federk ſehen Sie „Ja,“ iſt eben in tague ſolle „Wie ruhige Ar zu haben. „Aber dernd.„ ſchmutzig derbe Ane Frau von machte.„ * Laut ſchnell wel⸗ gut ge⸗ velchen eugung „„baß itiſchen wird.“ ie irren m, das Ernſte, um alle ß jetzt ile des z der Boling⸗ gefähr⸗ chneller die Ge⸗ ne ſieg⸗ ei wel⸗ roke la⸗ hen die ind, iſt e Sache auszu⸗ 13. Es and der 41⁵5* Hoffnung und der Furcht für die Männer bin, da mein unglückliches Schickſal mich ſchon mit vierzehn Jahren verheirathete und ich daher für die Weiber nur noch ein verheirathetes Ding bin. Aber ſpeiſen Sie mit mir im Bedfort zu Nacht— Sie, Mylord, und der Graf.“ „Und Sie wollen Walpole, Abdiſon und Steele“ uns zu Tiſchgenoſſen bitten, he?“ ſagte Bolingbroke. „Nein, wir ſind für dieſe Nacht ſchon anderswo verſagt; aber wir kommen bald wieder zuſammen.“ Der excentriſche junge Mann nickte uns Lebewohl zu, verſchwand und ſaß nach einer Minute neben der Herzogin von Marlborvugh. „Da geht ein Knabe weg,“ ſagte Bolingbroke,„ber in einem Alter von fünfzehn Jahren die Kraft in ſich hat, der größte Mann ſeiner Zeit zu werden, der aber aller Wahrſcheinlichkeit nach nur der größte Sonderling werden wird. Ein beharrlicher Mann iſt ſeines Erfolges gewiß, ein ſchwankender oder launiſcher(was daſſelbe iſt) bleibt ſelbſt bei ſeiner Erhebung ſo ungewiß, wie ein Federball. Aber blicken Sie nach der Loge rechts— ſehen Sie die ſchöne Lady Mary?“ „Ja,“ ſagte Herr Trefuſis, der mit uns war,„ſie iſt eben in die Stadt gekommen. Sie und Eduard Mon⸗ tague ſollen wie Tauben zuſammen leben.“ „Wie!“ ſagte Lord Bolingbroke,„dieſes raſche, un⸗ ruhige Auge ſcheint ſehr wenig von der Taube in ſich zu haben.“ „Aber wie ſchön ſie iſt!“ bemerkte Trefuſis bewun⸗ vernd.„Wie Schade, daß dieſe zierlichen Hände ſo ſchmutzig find! Das erinnert mich(Trefuſis liebte eine verbe Anekdote) an die Antwort, welche ſie der alten Frau von Noailles gab, als dieſe dieſelbe Bemerkung machte.„„Meine Hände nennen Sie ſchmutzig?““ ſagte ⸗Lauter politiſche Gegner von Lord Bolingbrole. * 416 Lady Mary, indem ſie vieſelben mit der unſchuldigſten Naivetät hinhielt,„Ah, Madame, si vous voyier mes pieds!““ Fi donc!““ rief ich und wandte mich ab. Aber wer iſt dieſer genz kleine, ungeſtaltete Menſch hinter ihr— der mit dem lebhaften, ſchwarzen Auge?“ „Kennen Sie ihn nicht?“ fragte Bolingbroke;„ſagen Sie dies ja Niemanden!—s iſt eine aufgehende Sonne, vie ich ſchon verehren gelernt habe— der junge Ver⸗ faſſer des„Verſuch über die Kritik“ und des„Locken⸗ raubs.“ Bei Gott, der petit poste ſcheint uns bei den Frauen, wie bei den Männern zu verdunkeln. Sehen Sie, wie aufmerkſam ihin Lady Mary zuhört— ob⸗ wohl man den großen, ſchwarzgekleideten Herrn, der ſich umſonſt bemüht, ihre Aufmerkſamkeit zu feſſeln, für den ſchönſten Mann in London hält? Ach, alle Weiber lächeln dem Genie zu, nur Fortuna nicht— der junge Dichter denkt in dem erſten Rauſche der Schmeicheleien und des Ruhmes wohl wenig daran, welch ein Loos des Zankes und Haders ſeiner wartet. Selbſt die Luft, welche ein Schriftſteller einathmet, iſt von Haß vurchglüht, und der junge Proſelyte betritt die Laufbahn, welche ihm ſo glänzend ſcheint, wie Dame Pliants Bruder in dem Alchemiſten die Stadt betrat— nicht um üppig zu ſpeiſen und nur dem Vergnügen zu leben, ſondern, um zunken und von ſeinem Wite leben zu lernen!“ Pos Stüc var beinahe zu Ende. Mit großem Eruſe beſchied Lord Bolingbroke einen der erſten Schauſpieler in ſeine Loge und beſtimmte eine Vorſtellung für die nächſte Woche; hierauf verlitß er Arm in Arm mit mir das Theater. Wir eilten nach ſeiner Wohnung, legten unſere Verkleidung an, bewerkſtelligten vhne irgend ein bemerkenswerthes Begeguiß unſere Flucht und landeten wohlhehalten in Calais. —2—— uldigſten voyieꝛ dte mich Menſch Auge?“ z„ſagen e Sonne, nge Ver⸗ „Locken⸗ s bei den Sehen t— oh⸗ rrn, der ſſeln, für e Weiber der junge eicheleien Loos des ft, welche urchglüht, n, welche Bruder in üppig zu dern, um ℳ em Ernſte hauſpieler ig für die n mit mit g, legten irgend ein d landeten S ——