— Leihbibliothe deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard GOktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und Geſebedingungen. 1. Ofensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 h bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ — den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 2 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt:. 5 6* für wöchentlich Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —— Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mr.— Pf. 80 „ 3 Auswürtige ponnenten ſt für Hin und Zuräckſendung der cher auf eihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersätz. Für beſchmutzte zerriſſene, verlorene und 3 deferte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden. Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt⸗ der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſoſbres darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche di ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben.. WS — 1 Literatur von Morgens zu 24 Stun itgegennahme ende Summ zurückerſtattet werden und 6 Bücher: E. L. Pulwer's ſämmtliche Nomane. Aus dem Engliſchen. Eilfter Band. Maltravers. II. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. Ernſt Maltravers. Ein Roman * von Ednard Lytton Bulwer. neberſetzt von Dr. Frauz Rottenkamp. Zweiter Band. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. ——— Fünftes Buch. Der Verſemacher Hipponax verſcharrt liegt hier, Biſt Du voll Bosheit, darfſt dem Grab Du Dich nie nah'n; Biſt Du ein guter Tropf und auch zu Etwas gut, komm her, Tritt näher, und wenn's Dir helieben wird, ſchlaf' ein. Theocrit. Epigr. in Hipp. Erſtes Kapitel. Es breitet aus mein Dichtergeiſt die Schwingen Um in Britanniens höchſte Welt zu dringen. Um dort die Heyrn de enſchen anzuſehen, Die ſtolz in Blick und Schritt vorübergehen, Voll von gewalt'gen Planen. Goldſmith. Mit ſtolzem und aufgeregtem Gefühl ſollte ein Engländer ſtets nach London gelangen, wenn er län⸗ gere Zeit hindurch andere Länder bereist hat! Von öffentlichen Gebäuden gibt es nur wenige und meiſt nur ſchlechte; die Monumente des Alterthums laſ⸗ ſen ſich nicht mit denen vergleichen, deren ſich die kleinſte Stadt Italiens rühmt; die Paläſte ſind wie ſchlechter Plunder, die Häuſer unſerer Pairs unt Fürſlen beſtehen aus häßlichen und formloſen A Pulwer, Maltravers. II. 1 häufungen von Ziegelſteinen. Aber was hat das Alles zu bedeuten? Der Geiſt Londons befindet ſich in den Straßen, in ſeiner Bevölkerung! Welch ein Reichthum, welche Reinlichkeit, welche Ordnung, welch ein reges Leben! wie majeſtätiſch und dennoch wie lebhaft iſt das Leben, welches durch Myriaden Adern ſtrömt! wann die Lampen des Nachts ihr Licht ausſtrömen, wann eine Straße nach der andern vor enren Rädern vorbeigleitet— in der Symmetrie ſo regelmäßig, in der Civiliſation ſo gleich, dann empfindet ihr mit tiefem Eindruck, daß ihr euch in der Hauptſtadt eines freien Volkes mit geſunden Staatseinrichtungen befindet, welches noch von ber unveränderten Kraft nationaler Jugend und Lebensthätigkeit durchprun⸗ gen iſt. Ja, Maltravers empfand, wie ſein Herz ſich in ſeiner Bruſt hob, als die Poſtpferde ſeinen beſchmutzten Wagen über die Weſtminſterbrücke, Whitehall ent⸗ lang, durch Regent⸗Street an eines der ruhigen Ho⸗ tels rollte, welche, Privathäuſern gleich, in der Nähe von Großvenor⸗Square zerſtreut liegen. Und dann der warme Empfang, die Behaglichkeit, die Aufwar⸗ tung in einem engliſchen Hotel! Wahrlich das Land iſt entzückend für die Reichen; was aber die Armen betrifft—„ah, si vous étes p—— de c——— tant pis pour vous.“* Ernſts Ankunft war erwartet worden; er hatte, um dieſelbe anzukündigen, an Cleveland geſchrie⸗ ben, und Cleveland geantwortet, er habe Zimmer in * Voltaire. Mivart's wieſen ih Zimmer; gerollt; zwei Aber zeitungen hätte emp Bewillkor ein Willk Maltt ſeine Bri von ſeine Bankier, ſchaft, ei ihm gänz und die travers i rücht ein Candidat wohlbeka alle dieſe ein klein Winkel, gangen Nachrich Geſundh ſeinen t! ſehen ho Mal ſo anget t das Alles ſich in den Reichthum, ch ein reges lebhaft iſt tſtadt eines nrichtungen rten Kraft durchdrun⸗ erz ſich in beſchmutzten itehall ent⸗ uhigen Ho⸗ nder Nähe Und dann ie Aufwar⸗ das Land die Armen er hatte, geſchrie⸗ Zimmer in Mivart's Hotel gemiethet. Die lächelnben Kellner wieſen ihn in ein geräumiges und gehörig gelüftetes Zimmer; der Armſtuhl war ſchon an das Kaminfeuer gerollt; ein Schock Briefe lag auf dem Tiſch mit zwei Abendzeitungen. Wie beredt ſprechen dieſe Abend⸗ zeitungen vom geſchäftigen England! ein Fremder hätte empfinden können, er brauche keinen Freund zum Bewillkommen— das ganze Zimmer lächelte Ernſt ein Willkommen zu. Maltravers beſtellte ſein Mittageſſen und öffnete ſeine Briefe: ſie waren von keiner Wichtigkeit; einer von ſeinem Gutsverwalter, ein anderer von ſeinem Bankier, ein dritter über die Weitrennen der Graf⸗ ſchaft, ein vierter von einem Mann, deſſen Namen ihm gänzlich unbekannt war, welcher um die Stimme und die einflußreiche Unterſtützung des Herrn Mal⸗ travers in der Grafſchaft B*** bat, ſollte das Ge⸗ rücht einer Auflöſung ſich beſtätigen. Der unbekannte Candidat berief ſich bei Herrn Maltravers auf ſeinen wohlbekanntenöffentlichen Charakter; Ernſt aber ſchob alle dieſe Schreiben ungeduldig bei Seite und erblickte ein kleines, dreieckig zuſammengefaltetes Billet im Winkel, welches bis dahin ſeiner Aufmerkſamkeit ent⸗ gangen war. Es war von Cleveland und enthielt die Nachricht, daß dieſer ſich in London befinde, daß ſeine Geſundheit ihn am Ausgehen verhindere, aber daß er ſeinen theuren Ernſt ſogleich nach deſſen Ankunft zu ſehen hoffe. Maltravers wurde über die Ausſicht, ſeinen Abend ſo angenehm zuzubringen, entzückt; er war bald mit ſeiner Mahlzeit und mit den Zeitungen fertig und ging beim glänzenden Lampenlicht eines hellen, fro⸗ ſtigen Londoner Abends im Anfang Dezembers zum Hauſe ſeines Freundes in Curzon⸗Street. Die Woh⸗ nung war klein, junggeſellenartig und anſpruchslos, denn Cleveland verbrauchte ſein mäßiges, obgleich nicht unbeträchtliches Einkommen beinahe gänzlich auf ſeinem Landſitze Das freundliche Geſicht des alten Kammer⸗ dieners begrüßte Ernſt an der Thür; er hielt allein an, um zu vernehmen, vaß ſein Vormund beinahe wieder hergeſtellt ſei, ehe er ſich in dem heiteren Be⸗ ſuchzimmer befand und ren herzlichen Händedruck des gütigen Cleveland erwiderte, da die Engländer ſich nicht zu umarmen pflegen. „Wohlan, theurer Ernſt,“ ſprach Cleveland, nach⸗ dem ſie die vorgängige Runde der Fragen und Ant⸗ worten durchgemacht hatten,“ endlich find Sie ange⸗ kommen; dem Himmel ſei Dank! Wie gut ſehen Sie aus! Wie ſehr hat ſich Ihr äußeres Anſehen ver⸗ beſſert! Die jetzige Jahreszeit iſt gerade ausgezeichnet für Ihr erſtes Auftreten in London. Ich werde Zeit haben, Sie mit einigen Leuten genau bekannt zu machen, bevor der Strudel der Saiſon beginnt.“ „Nun, ich wollte nach Burleigh, meinem Land⸗ ſitz, ich habe denſelben ſeit meiner Kindheit nicht geſehen.“ „Nein, nein, Sie haben Einſamkeit in Como genug gehabt, wenn ich Ihrem Briefe glauben darf; Sie müſſen ſich jetzt in die große Welt Londons miſchen; Sie können Burleigh im Sommer deſto mehr genießen.“ „Ich wenig V Leute, di angenehm einförmig da ich v wenig Je Jugend z um an de den, won fparſam „Urth macht hal über Ver Reichthun die Führe loſeſten V ſich ja ni nen ſind glücklich gen Sie gnügen h in Ihrem gutem St wie unve während Folge hal machen, in der G bleihen C fertig und hellen, fro⸗ embers zum Die Woh⸗ hnſpruchslos, adedruck des igländer ſich eland, nach⸗ en und Ant⸗ d Sie ange⸗ ut ſehen Sie Anſehen ver⸗ ausgezeichnet werde Zeit bekannt zu eit einem Lanb⸗ ndheit nicht Fomo genug arf; Sie ns miſchen; genießen.“ „Ich glaube, daß mir dieſe große Welt Lonbons wenig Vergnügen machen wird; ſie mag für junge Leute, die ſo eben von der Univerfität kommen, recht angenehm ſein, allein die gedrängten Ballzimmer und einförmigen Clubs werden mir Langeweile machen, da ich vor der Zeit wähleriſch geworden bin. In wenig Jahren habe ich viel gelebt. Ich habe in der Jugend zu viel vom Kapital des Daſeins verzehrt⸗ um an der prahleriſchen Knickerei Vergnügen zu fin⸗ den, womit unſere großen Männer ihre Vergnügungen fparſam einrichten.“ „Urtheilen Sie nicht, bevor Sie die Probe ge⸗ macht haben,“ ſagte Cleveland. Ein Etwas, welches über Verachtung erhaben iſt, liegt in dem Glanz des Reichthums und der ſtels behaupteten Pracht, womit die Führer der engliſchen Mode ſogar die geſchmack⸗ loſeſten Vergnügungen leiten. Außerdem brauchen Sie ſich ja nicht mit den Schmetterlingen abzugeben. Bie⸗ nen ſind genug vorhanden, und dieſe werden ſich glücklich ſchätzen, Ihre Bekanntſchaft zu machen. Fü⸗ gen Sie dieſem, mein theurer Ernſt, noch das Ver⸗ gnügen hinzu, daß Sie ein Mann von Bedeutung in Ihrem Vaterlande werden. Sie ſind jung, von gutem Stand und ſchön genug, um den verheiratheten wie unverheiratheten Damen Intereſſe zu erwecken, während Ihr Name, ihr Vermögen und Einfluß zur Folge haben wird, daß auch Männer Ihnen den Hof machen, welche Ihr Geld borgen und Ihren Einfluß in der Graſſchaft benutzen wollen. Nein, Maltravers, bleiben Sie in London, amüſiren Sie ſich im erſten Jahr und faſſen Sie über Ihre Beſchäftigung und Laufbahn einen Entſchluß. Zuvor aber müſſen Eie recognoseiren, ehe Sie die Schlacht liefern.“ Maltravers war nicht unzufrieden, den Rath ſei⸗ nes Freundes zu befolgen, weil er dadurch die Füh⸗ rung und Geſellſchaft deſſelben erlangte; außerdem hielt er es für klug und vernünftig, die ausgezeich⸗ neten Männer Englands von Angeſicht zu Angeſicht zu ſehen, mit welchen er die Laufbahn ehrenwerthen Wetteifers betreten ſollte, wenn er Montaigne's Verheißungen erfüllte. Somit willigte er in Cleve⸗ lands Vorſchläge ein. „Haben Sie,“ fragte er nach einigem Bedenken, als er an der Thür noch zauderte, nachdem der Schlag zwölf ihn gewarnt hatte, fortzugehen— haben Sie niemals etwas von meiner— der unglücklichen Alice Darvil vernommen?“ „Von wem? Ach, von dem armen jungen Weibe! — ich erinnere mich ihrer recht wohl— nicht eine Silbe!“ Maltravers ſeufzte tief und entfernte ſich. Zweites Kapitel. Ich erkenne es als eine Thorheit, will man die Welt als Zuſchauer ſiudiren. In der Schule der Welt muß man, wie in der Schule der Liebe, mit der Ausübung veſſen, was man ler⸗ nen will, beginnen. Rouſſeau. Ernſt Maltravers war jetzt auf den weiten Ocean Londyns hinausgeſegelt. Unter ſeinem Eigenthum befand ſich Straße im Luft ohne war es ve zur gelege entzückt, f denn er w Bäume ur Luxus trie Muſik bre loge zu m welches ül det— ein dung in ahmung r wurde. V bei einen ſpielt und dürfniſſe Die vergrößer Schloß, cher nur! hatte. S travers ſ Wie eine ſolc kanntſcha ſten zug und dere außerdem ausgezeich⸗ zu Angeſicht hrenwerthen Montaigne's er in Cleve⸗ m Bedenken, nachdem der en— haben unglücklichen ngen Weibe! — nicht eine e ſich. orheit, will man n. In der Schule er Schule der n, was man ler⸗ Rouſſeau. weiten Ocean Eigenthum befand ſich ein Haus am Seamore⸗Place, der ruhigen Straße im Mittelpunkt der Stadt, welcher die friſche Luft ohne den Staub des Platzes genießt. Bis dahin war es vermiethet geweſen, und da der Miether es zur gelegenen Zeit jetzt verließ, ſo war Maltravers entzückt, ſich eine ſo angenehme Wohnung zu ſichern, denn er war noch romantiſch genug, um lieber auf Bäume und Grün, als auf Ziegelhäuſer zu blicken. Lurus trieb er nur in zwei Dingen; ſeine Liebe zur Muſik brachte ihn in Verſuchung, ſich eine Opern⸗ loge zu miethen, und er beſaß das engliſche Gefühl, welches über den Beſitz ſchöner Pferde Stolz empfin⸗ det— ein Gefühl, welches ihn zu ſolcher Verſchwen⸗ dung in dieſer Hinſicht verleitete, daß die Nach⸗ ahmung reicherer Leute beſiegt und deren Neid erregt wurde. Viertauſend Pfund jährlich reichen aber weit bei einem unverheiratheten Manne, welcher nicht ſpielt und zu philoſophiſch iſt, um überflüſſige Be⸗ vürfniſſe ſich anzugewöhnen. Die große Welt verdoppelte ſein Einkommen, vergrößerte ſeinen alten Landſitz in ein prächtiges Schloß, und entdeckte, daß ſein älterer Bruder, wel⸗ cher nur drei oder vier Jahre älter war, keine Kinder hatte. Somit war die große Welt gegen Ernſt Mal⸗ travers ſehr zuvorkommend. Wie Cleveland ſagte, war die Jahreszeit gerade eine ſolche, worin die Leute Zeit haben, neue Be⸗ kanntſchaften zu machen. Nur wenige der am ſchwer⸗ ſten zugänglichen Häuſer in London ſtanden offen, und deren Thüren wurden bereitwillig dem gebildeten Mündel des allgemein beliebten Cleveland erſchloſſen. Er ward Schriftſtellern, Staatsmännern, Rednern und Philoſophen vorgeſtellt; alle ſchienen über ihn entzückt, und Ernſt kam in Mode, bevor er es noch wußte. Allein er hatte eine richtige Ahnung gehabt. Er hatte das Leben zu früh begonnen und ward ge⸗ täuſcht; einige Perſonen fand er, die er bewundern, einige, die er gern ſehen konnte, allein Niemanven, womit er wirklich vertraut zu werden oder für welchen er Theilnahme zu empfinden vermochte. Weder ſein Herz noch ſeine Einbildungskraft wurde in Anſpruch genommen; Alle erſchienen ihm wie künſtliche Ma⸗ ſchinen; er war mit Perſonen unzufrieden, die nur zu leben ſchienen, denen irgend etwas fehlte. Mehr als jemals erinnerte er ſich der glänzenden Anmuth der Frau von Ventadour, welche einen Zauber ſogar über die gehaltloſeſten Geſellſchaftskreiſe verbreitet halte; er vermißte ſogar die verkehrte und phanta⸗ ſtiſche Eitelkeit Caſtruccio's. Der mittelmäßige Dichter ſchien ihm wenigſtens weniger mittelmäßig, als die Weltlinge, welche ihn umringten. Sogar die ſelbſt⸗ ſüchtige, muntere Laune und die trockene Schlauheit von Lumley Ferrers hätte ihm einen angenehmen Wechſel gegen die gehaltloſe Glätte und ten durch andere Eigenſchaften nicht gehobenen Egoismus von eiferſüchtigen Witzlingen und Parteipolitikern geboten. „Sind das die Blumen des Gartens, wie muß das Unkraut ſein?“ dachte Maltravers, als er von einer Geſellſchaft heimkehrte, wo er ein halbes Schock der gefeiertſten Tageslöwen getroffen hatte. Er be zu empfir Saiſon b Andere ir großen V Ohne worin ſi Ort, wi den ſich Welt da zubrachte dieſelbe Hütte ſit aus der keit der große Q Cirkel, die Mol Leute vr große V dieſelbe Welt iſ allein i kaum i über ihn Miemanven, für welchen Weder ſein n Anſpruch ſtliche Ma⸗ , die nur ite. Mehr en Anmuth uber ſogar verbreitet nd phanta⸗ zige Dichter g„ als die r die ſelbſt⸗ Schlauheit ngenehmen den durch ismus von n geboten. e muß das von einer Schock der erſchloſſen. „Rednern 9 Er begann den heftigen Schmerz der Sättigung zu empfinden. Der Winter aber verſchwand, die Salſon begann und Maltravers gerieth ebenſo wie Andere in den zu Blaſen aufwallenden Wirhel der großen Welt. Drittes Kapitel. Als das Gedränge ward zur Pein, Da ladet Einſamkeit ihn ein. Shenſtone. Dhne Zweifel hält die Schleihe den Fiſchteich, worin ſie lebt, für die große Welt. Es gibt keinen Ort, wie ſehr er auch verſumpft ſein mag, welcher den ſich darin bewegenden Geſchöpfen nicht die große Welt darböte. Leute, die ihr Leben in einem Dorfe zubrachten, ſprechen von der Welt, als wenn ſie dieſelbe geſehen hätten! Kein altes Weib in einer Hütte ſteckt Sonntags ihre Naſe ohne den Glauben aus der Thür, daß ſie im Pomp und in der Eitel⸗ keit der großen Welt einherſpaziert. Somit iſt die große Welt für Alle nichts anders, als der kleine Cirkel, worin wir leben. Da nun Leute von Stande die Mode bilden, ſo heißt der Geſellſchaftskreis der Leute von Stande vorzugsweiſe die große Welt. Dieſe große Welt iſt durchaus nichts Schlechtes, ſobald wir dieſelbe vollkommen durſchſchauen. Die Londoner große Welt iſt wenigſtens eben ſo gut, wie jede andere; allein in den ſchönen Tagen unſerer Jugend find wir kaum im Stande, dieſelbe oder irgend etwas Anderes zu durchſchauen; dieſe ſchönen Tage bieten oft die ſchwermüthigſte und am meiſten verſchwendete Zeit unſeres Lebens, wenn ſie auch bisweilen die vorzüg⸗ lichſten ſein mögen. Maltravers hatte weder die Kotterie, welche ihm gefiel, noch diejenige Art des Vergnügens aufgefunden, welche ein wirkliches Ver⸗ gnügen erregt. Deßhalb ließ er ſich in dem großen Strudel umhertreiben, machte eine Menge Bekannte, ging auf Bälle und zu Gaſtmählern und langweilte ſich über beide, wie es bei Menſchen zu geſchehen pflegt, welche keinen beſtimmten Zweck in der Ge⸗ ſellſchaft haben. Nun beſteht aber die Art und Weiſe, wie man Genuß von der Geſellſchaft erlangt, gerade in einem Lebenszweck, einem Geſchäfte irgend einer Art; man tritt alsdann in die Welt, entweder um den individuellen Zweck zum geſelligen Vergnügen zu machen, oder um eine Erholung vom mühſamen Berufe zu erlangen. Seid ihr zum Beiſpiel Poli⸗ tiker, ſo bildet die Politik eure Beſchäftigung im Studirzimmer und ein geſelliges Verbindungsmittel für euch und Andere, wenn ihr in die große Welt tretet. Daſſelbe läßt ſich von der Literatur, obgleich in geringerem Grade, ſagen; da weniger Perſonen ſich um Literatur, wie um Politik bekümmern, ſo muß eure Geſellſchaft alsdann auch ausgewählter ſein. Seid ihr ſehr jung, ſo mögt ihr gerne tanzen; ſeid ihr ſehr liederlich, ſo wollt ihr vielleicht mit der Frau eures Freundes eine Liebſchaft anfangen. Beides bietet in gewiſſer Weiſe Hauptzwecke eures Strebens, währt aber nicht lange und bildet keine Beſchäftigung, welche ſo Seele be ſtrebung allein iſt neuen S Namen In dem Nützlicht dungsmi Geſchlec Ma wöhnlich gnügen Er verl Clevelar genießt diejenig daß Let ſein eic genöthi wir ge und la ſchaft nigkeit Neben Sorge Theilr oder ſamm Scheit weder die Art des ches Ver⸗ geſchehen der Ge⸗ nd Weiſe, weder um Bergnügen mühſamen piel Poli⸗ gung im ingsmittel oße Welt „obgleich Perſonen mern, ſo lter ſein. zen; ſeid der Frau Beides Strebens, äftigung, 11 welche ſogar dem gehaltloſeſten Menſchen Herz und Seele befriedigt, denn in dieſem liegt ſtets eine Be⸗ ſtrebung nach etwas Nützlichem. Nicht die Eitelkeit allein iſt die Triebfeder des Mannes, welcher einen neuen Schnitt des Rockes zu erfinden, oder ſeinen Namen einer neuen Cabrioletart zu ertheilen ſucht. In dem Einfluß des geheimnißvollen Strebens nach Nützlichkeit liegt eines der hauptſächlichſten Verbin⸗ dungsmittel zwiſchen dem Einzelnen und dem ganzen Geſchlecht. Maltravers war nicht glücklich— ein ganz ge⸗ wöhnliches Schickſal; allein er genoß auch kein Ver⸗ gnügen— ein bei weitem mehr unerträglicher Fall. Er verlor einen großen Theil ſeiner Zuneigung zu Cleveland; denn Jemand, welcher kein Vergnügen genießt, empfindet unwillkürliche Verachtung gegen diejenigen, bei welchen dies der Fall iſt. Er glaubt, daß Letztere an Kleinigkeiten Gefallen finden, welche ſein eigener, überlegener Verſtand zu verachten ſich genöthigt ſieht. Cleveland befand ſich im Alter, worin wir gewöhnlich geſellig werden; wenn wir uns oft und lange Zeit an dem großen Magnet der Geſell⸗ ſchaft gerieben haben, erlangen wir in tauſend Klei⸗ nigkeiten eine Anziehungskraft, die wir mit unſern Nebenmenſchen gemeinſchaftlich beſitzen. Ihre kleinen Sorgen und kleinen Freuden, die Gegenſtände ihrer Theilnahme voder Veſchäftigungen find zu der einen oder andern Zeit auch die unſern geweſen. Wir ſammeln eine große Maſſe moraliſcher und geiſtiger Scheidemünze; ſchwerlich treffen wir einen ſo ſchlechten Kopf, daß wir mit ihm nicht auf die eine oder die andere Weiſe auskommen könnten. In der Jugend aber ſind wir ebenſo egviſtiſch wie ſentimental und Maltravers gehörte zur Brüderſchaft, welche„das Herz mit Leidenſchaft, den Kopf mit Reimen“ zu beſchäftigen pflegt. Endlich, gerade zu der Zeit, wo Lonbon am an⸗ genehmſten wird,— wann das Kokettiren ſich in Zärtlichkeit verwandelt— wann man häufig auf der Thames ſpazieren fährt— wann Vögel in den Hai⸗ nen von Richmond fingen und wann Breitlinge den Staatsmann an den Ufern von Greenwich erfriſchen — gerade zu der Zeit floh Maltravers aus der munteren Hauptſtadt und gelangte an einem Juniabend an ſein mit Epheu überwachſenes Portal in Burleigh. Wie ſüß, friſch war der Abend! er hatte ſeinen Wagen am Parkhauſe verlaſſen und folgte demſelben durch den kleinen aber maleriſchen Park allein und zu Fuß. Seit ſeiner Kindheit hatte er den Ort nicht geſehen und deſſen äußeren Anblick gänzlich vergeſſen. Jetzt wunderte er ſich, wie er irgendwo ſonſt hatte leben mögen. Die Bäume ſtanden nicht in ſtatt⸗ lichen Gängen, noch ſchwebten die Füße des Rehes über das dunkle Farrnkraut. Burleigh war nicht der Wohnſitz eines großen Herrn, ſondern eines alten, engliſchen Landedelmannes mit einer langen Reihe von Ahnen Daß Alterthum ward von dem mit Moos überwachſenen, hölzernen Zaun, von dem ſchattigen Wald, dem ſpitzen Giebel, von den maſſiven Fenſter⸗ kreuzen des Hauſes verkündet. Dies lag am Fuße eines mit durch das hüllt, wel ſichtbares Zwielicht mit dem — dort klöſterliche Spazierga zerbrochen bäumen, hatte dieſe zu ehren, genommer der Vern beinahe a mitleidsvr gen und wöhnliche ſchritt er Studirzin zwei oder hörten, kein Läch den Hai⸗ linge den erfriſchen munteren bend an Burleigh. te ſeinen emſelben lein und Ort nicht ergeſſen. nſt hatte in ſtatt⸗ Rehes ar nicht es alten, n Reihe it Moos chattigen Fenſter⸗ m Fuße 13 eines mit Wald bedeckten Hügels, war zum Theil durch das Gebüſch der vernachläſſigten Anlage ver⸗ hüllt, welche vom eigentlichen Park durch ein nicht ſichtbares Gitter getrennt war. Dort ſchimmerte im Zwielicht die Waſſerfläche des länglichen Fiſchteiches mit dem altmodiſchen Weidengebüſch an jeder Ecke — dort erhob ſich grau und zierlich gemeißelt, die klöſterliche Sonnenuhr; dort befand flch der lange Spaziergang auf der Terraſſe, mit entfärbten und zerbrochenen Gewächskübeln, welche jetzt mit Orange⸗ bäumen, oder Alve gefüllt waren, denn der Gärtner hatte dieſe Pflanzen, um die Ankunft ſeines Herrn zu ehren, aus dem verfallenen Gewächshauſe heraus⸗ genommen. Das überall ſich darbietende Zeugniß der Vernachläſſigung, das Unkraut und Gras des beinahe ausgelöſchten Weges erfüllte Maltravers mit mitleidsvoller und reuiger Neigung zu ſeinem ruhi⸗ gen und einſam liegenden Landſitz. Mit ſeinem ge⸗ wöhnlichen ſtolzen Schritt und aufgerichteten Haupt ſchritt er nicht vvm Thüreingang zu ſeinem einſamen Studirzimmer durch eine Reihe ſeiner Diener— die zwei oder drei alten Lakaien, welche zum Hauſe ge⸗ hörten, waren ihm gänzlich unbekannt und hatten kein Lächeln für ihren fremden Herrn. Viertes Kapitel. Lucian. Wer als Menſch geboren iſt, ſoll und kann nicht edler, beſſer und größer wie ein Menſch ſein. Peregrinus. Aber mein lieber Lueian, er ſoll ſtets ſtreben mehr zu ſein, damit er nicht geringer als ein Menſch wird. Wieland. Erſt nach zwei Jahren erſchien Maltravers wieder in größerer Geſellſchaft. Dieſe zwei Jahre hatten genügt, eine Verändernng ſeines Schickſals hervor⸗ zubringen. Ernſt Maltravers hatte die glücklichen Vorrechte des Privatmannes verloren; er war vor vem Publikum aufgetreten. Er hatte ſeinen Namen den Zungen der Menſchen überliefert und war jetzt ein Etwas geworden, welches zu rühmen, zu tadeln, zu erforſchen und auszuſpioniren Jedermann das Recht hat. Ernſt Maltravers war zum Schriftſteller geworden. Kein Mann verſuche die Götter und die Drucker⸗ ſchwärze ohne die Folgen ſeines Beginnens wohl zu überlegen. Wer ein Buch herausgibt, welches nur ziemlichen Erfolg hat, überſchreitet eine gewaltige Barriere. Er wird oft mit einem Seufzer des Be⸗ dauerns auf das Land, welches er für immer verlaſſen hat, zurückblicken. Die ſchöne und anſtändige Zurück⸗ gezogenheit iſt entſchwunden. Er vermag nicht länger den gerechten Unwillen männlichen Stolzes zu em⸗ pfinden, wenn er verhöhnt, oder heruntergeſetzt wird. Er hat dem Schatten ſeines Lebens Lehewohl geſagt. Es iſt möc geſtellt, ſe nehmen, ſe Gang biete Nahrung. einmal anh natürliche lebendigen vorwärts. fehlt. Er einen Nam Prätenden ſein prahl travers ha ſeinen Trä zum Vert ihm lebent dem gemiſ Bevobachtu ſeinen Ne könnte, de gnügens ſtände und ſeinen Get ſtrömten i die Schrit einſamen Kenntniß vers von C dete ſich, ſt, ſoll und größer wie Lueian, er war vor Namen war jetzt ſu tadeln, nann das riftſteller Drucker⸗ wohl zu lches nur gewaltige des Be⸗ verlaſſen eZurück⸗ ht länger s zu em⸗ ſetzt wird. l geſagt. 1⁵ Es iſt möglich, daß ſeine Beweggründe falſch var⸗ geſtellt, ſein Charakter verleumdet wird; ſein Be⸗ nehmen, ſeine Geſtalt, ſeine Kleidung, ſogar ſein Gang bieten der Krittelei und Carikatur die ſchönſte Nahrung. Er kann nicht mehr zurück, er kann nicht einmal anhalten, er hat ſeinen Pfad gewählt und alles natürliche Gefühl, welches den Nerv und Muskel des lebendigen Seins bildet, drängt ihn immer weiter vorwärts. Hält er an, ſo hat er ſeinen Beruf ver⸗ fehlt. Er hat der Welt einmal geſagt, daß er ſich einen Namen erwerben will; er muß für einen bloßen Prätendent erklärt werden oder ſich abmühen, bis er ſein prahleriſches Verſprechen erfüllen kann. Mal⸗ travers hatte an alles dies nicht gedacht, als er, von ſeinen Träumen und Beſtrebungen berauſcht, die Welt zum Vertrauten zu machen ſtrebte, als er aus der in ihm lebenden Natur, aus der Lehre der Bücher, aus dem gemiſchten Reſultat innerer Studien und äußerer Beobachtung ein Etwas zu ſchaffen ſtrebte, welches ſeinen Namen mit dem ſolcher Männer verweben könnte, deren die Nation als Erwecker geiſtigen Ver⸗ gnügens gedenkt. Seine behaglichen Vermögensum⸗ ſtände und ſein einſames Leben ſetzten ihn in Stand, ſich ſeinen Gedanken und Betrachtungen zuüberlaſſen. Dieſe ſtrömten in ſeine Seele bis dieſelbe überlief und ſich in die Schrift ergoß, welche den Verbindungskanal der einſamen Quelle und des großen Oeeans menſchlicher Kenntniß bildet. Wie wir geſehen haben, war Maltra⸗ vers von Charakter weder reizbar noch furchtſamz er bil⸗ dete ſich, wie ein Bildhauer Formen ſchafft, mit einem = Modell vor ſeinen Augen und einem Ideal in ſeinem Herzen. Er beſtrebte ſich mit Mühe und Geduld dem Gebilde der Auszeichnung mit jerem Schritte näher zu treten, welches nach ſeiner Meinung von einem vernünftigen Ehrgeiz ſich erreichen ließ; als ſeine eigene Beurthellung zuletzt befriedigt war, übergab er mit ruhigem Vertrauen ſein Produkt einem we⸗ niger parteiiſchen Gericht, dem Publikum. Sein erſtes Werk machte Glück, vielleicht deßhalb, weil es den Stempel des Ehrlichen und Wirklichen an ſich trug. Er ſchrieb keine Dinge, die er nicht geſehen, noch Gefühle, die er nicht empfunden hatte. Seins Beſchreibungen waren die eines ruhigen und nachdenklichen Beobachters und um ſo lebhafter, weil ſeine erſten Eindrücke ſich noch nicht verwiſcht hatten. Seine Erfahrung hatte tiefe Wurzeln geſchlagen, nicht auf der dürren Oberfläche des reifen Alters, ſondern im friſchen BVoden jugendlicher Regungen. Ein an⸗ derer Grund, weßhalb er Erfolg hatte, lag vielleicht varin, daß er manigfachere und ſorgfältiger geſammelte Kenntniſſe beſaß, wie junge Autoren ſonſt für nöthig halten. Er machte nicht wie Ceſarini den Verſuch, ein unbebeutendes Kapital von Ideen mit einem Prunk von Worten zu verhüllen. Mochte ſein Styl beredt oder einfach ſein, ſo fand ſich in ihm ſtets ein treuer Abdruck überlegter und durchaus geordneter Gedanken. Ein dritter Grund— ich verweile bei dieſen Ver⸗ hältniſſen ebenſowohl, um vie Laufhahn des Maltra⸗ vers zu erläutern, wie um Anderen nützliche Winke zu geben— ein dritter Grund, weßhalb Maltravers bilden ein a ſogleich eine beſtand dari und Denkeng literariſche 2 Columnen e dem Publiku welcher den wicht anerk ſowohl hin und fortwäh Sätze und machen. ſie zu lange ſteller eine ſeiner zukür ſchmacks ur das Publikt (alle Schri eine ſolche auf beſagte geneigt iſt. Stande, w Jahren ſei welche an empfindet. wird der wegen au falſche So Ehrgeiz, Bulwer eal in ſeinem Geduld dem chritte näher von einem ß; als ſeine ar, übergab einem we⸗ m. icht deßhalb, b Wirklichen die er nicht unden hatte. ruhigen und hafter, weil iſcht hatten. hlagen, nicht s, ſondern n. Ein an⸗ lag vielleicht geſammelte tfür nöthig en Verſuch, inem Prunk Styl beredt s ein treuer Gedanken. iee Ver⸗ es Maltra⸗ iche Winke Maltravers 17 ſogleich eine günſtige Aufnahme beim Publikum fand, beſtand darin, daß er ſeine Beſonderheiten des Styls und Denkens nicht in der ſchlimmſten aller Schulen für literariſche Anfänger abgenutzt hatte— ich meine die Columnen einer literariſchen Zeitſchrift. Zeitſchriften bilden ein ausgezeichnetes Mittheilungsmittel zwiſchen dem Publikum und einem ſchon bekannten Schriftſteller, welcher den Reiz der Neuheit verloren, aber das Ge⸗ wicht anerkannten Rufes erlangt hat, und welcher ſowohl hinſichtlich der Politik wie Kritik häufige und fortwährende Gelegenheit ſucht, ſeine beſonderen Sätze und Lehren dem Publikum eindringlich zu machen. Dieſe Mittheilungsweiſe übt aber, wenn ſie zu lange fortgeſetzt wird, auf einen jungen Schrift⸗ ſteller eine zu ſchädliche Wirkung, ſowohl hinſichtlich ſeiner zukünftigen Ausſicht wie hinſichtlich ſeines Ge⸗ ſchmacks und Styles In Betreff der erſten wird das Publikum mit ſeiner Manier im Styl vertraut (alle Schriftſteller, die des Leſens werth ſind, haben eine ſolche Manier), und zwar in einer Form, wor⸗ auf beſagtes Publikum keinen großen Werth zu legen geneigt iſt. Er bringt in wenig Monaten dasjenige zu Stande, was die Wirkung einer langen Reihe von Jahren ſein ſollte; er ermüdet nämlich die Welt, welche an dem toujours perdrix bald einen Ekel empfindet. Hinſichtlich des Geſchmacks und Styls wird der junge Schriftſteller dadurch bewogen, nur wegen augenblicklicher Wirkung zu ſchreiben, eine falſche Schärfe der Schreibart zu erſtreben, ſeinen Ehrgeiz, im Publikum zu leben, auf den letzten Tag Bulwer, Maltravers. M. es Monats zu beſchränken, und vor der„aufge⸗ ſchobenen Hoffnung“ ernſter Werke zurückzuweichen, wyrüber ein Urtheil ſich nur langſam bilden kann. Der talentvolle junge Mann, der in Zeitſchriften beginnt und lange dafür ſchreibt, zeigt gewöhnlich etwas Unreifes und Verkrüppeltes in ſeinen Werken und in ſeiner Berühmtheit. Er wird das Orakel kleiner Cotterien; wir können uns kaum des Ein⸗ drucks erwehren, daß er die Albernheit und den Dünkel des Einwohners einer großen Stadt, welcher vieſelbe niemals verlaſſen hat, beſitzt und allein ver⸗ tragsmäßig arbeitet. Zeitſchriften haben die Anſprüche verwirkt, welche Hazlitt und andere ſeiner Zeitgenoſſen auf ein großes, in Anwartſchaft ſtehendes Kapital des Ruhmes beſaßen. Hier aber ſpreche ich mit übertrie⸗ bener Klugheit; Manche haben wegen ihrer Armuth keine Wahl. Wie Ariſtoteles und das griechiſche Sprüchwort ſagt, ſo können wir nicht alle Dinge mit dem Meſſer des delphiſchen Meſſerſchmieves zuſchneiden, Das zweite Werk, welches Maltravers achtzehn Monate nach dem Erſcheinen ſeines erſten herausgab, war ernſterer und höherer Art; es diente dazu, ſeinen Ruf zu befeſtigen, und ein ſolcher Erfolg genügt für ein zweites Werk, welches gewöhnlich eine Brücke zum Nachruhm für den Schriftſteller bildet. Wer nach dem glänzenden Epfolge eines erſten Werkes keine Unzufriedenheit beim Publikum durch ein zweites er⸗ weckt, hat gute Ausſicht, eine feſte Stellung in der Literatur zu erlangen. Jetzt aber begannen die Mühen und Gefahren der Nachgeburt. Ein Schriftſteller macht ſie die Hoff klar bewußt angehören w man ſpreche oder ſein 3 aber das zn ſo ſehen ſie heit beginnt ſich gleichſa ſchäften zur Eindringlin handlung, 1 ſion, das h zu glauben, damals, ale Maltrar Temperame zarte Gefüh lichen Mant ſonderbar, erheiſcht, d wenn dieſer leidigt hat kommen un und manch lichen Scht An eine der„aufge⸗ ückzuweichen, bilden kann. Zeitſchriften t gewöhnlich inen Werken das Orakel um des Ein⸗ eit und den tadt, welcher d allein ver⸗ die Anſprüche Zeitgenoſſen s Kapital des mit übertrie⸗ ihrer Armuth s griechiſche lle Dinge mit s zuſchneiden, vers achtzehn n herausgab, dazu, ſeinen lg genügt für e Brücke zum Wer nach Werkes keine tzweites er⸗ llung in der ndie Mühen tſteller macht 19 ſich ſelten Feinde durch ſein erſtes Auftreten. Andere Schriftſteller find noch nicht vorbereitet, ihn als Ne⸗ benbuhler zu betrachten; iſt er ziemlich reich, ſo hegen ſie die Hoffnung(mögen ſie ſich derſelben auch nicht klar bewußt ſein), daß er dem Schriftſtellerſtande nicht angehören wird; er hat etwas herausgegeben, worüber man ſprechen kann; er ſchreibt vielleicht nichts mehr oder ſein zweites Werk wird durchfallen. Kommt aber das zweite Werk heraus und fällt nicht durch, ſo ſehen ſie ſich um; der Neid erwacht und die Bos⸗ heit beginnt. Die ganze alte Schule— Herrn, die ſich gleichſam mit Penſtonen des Ruhms von Ge⸗ ſchäften zurückgezogen haben— betrachten ihn als Eindringling; dann folgt der Hohn, verächtliche Be⸗ handlung, die kauſtiſche Ironie, die beißende Reeen⸗ ſion, das herunterſetzende Lob. Der Neuling beginnt zu glauben, daß er vom Ziele weiter entfernt iſt wie damals, als er zuerſt die Laufbahn betrat. Maltravers hatte im Ganzen ein ziemlich gutes Temperament; allein er war ſtolz und beſaß das zarte Gefühl eines muthigen, rechtſchaffenen und kitz⸗ lichen Mannes von Ehre. Er hielt den Umſtand für ſonderbar, daß die Geſellſchaft von einem Ehrenmanne erheiſcht, derſelbe ſolle ſeinen beſten Freund erſchießen, wenn dieſer Freund ihn mit einem rohen Wort be⸗ leidigt hat; jeder Thor und Lügner aber dürfe voll⸗ kommen ungeſtraft gegen einen Schriftſteller ſchreiben und manches Ries Papier mit den giftigſten perſön⸗ lichen Schmähungen gegen denſelben bedecken. An einem Abende, im Beginn des Sommers, ſchlen⸗ verte Ernſt in düſterer Stimmung, unter ängſtlichen Nachſinnen und Zweifeln an ſich ſelbſt auf ſeine Terraſſe umher, und blickte trüb der Sonne Niedergang, als er einen ſtaubigen Reiſewagen auf dem Wege an ſeine Parkmauer heranrollen und eine Hand au dem offenen Fenſter ihm den Gruß der Wiedererken⸗ nung zuwinken ſah. Seine Gäſte kamen ſo ſelten und ſeiner Freunde waren ſo wenige, daß Maltre⸗ vers nicht vermuthen konnte, wer jetzt wohl einen Beſuch bei ihm beabſichtige. Sein Bruder, wie er wußte, befand ſich in London, Cleveland, von welchen er an dem Tag einen Brief erhalten hatte, war auf der eigenen Villa, Ferrers hielt ſich in Wien auß, wer konnte es ſein? Man mag von Einſamkeit ſagen, was man will, ſtets aber bewirkt ein Beſuch ange⸗ nehme Aufregung nach zweijährigem, einſamem Leben. Maltravers kehrte um, trat in ſein Haus und ſank dort in die Arme des de Montaigne. Fünftes Kapitel. Was haſt du je ſo glücklich begonnen, daß nit der Verſuch dir Mit dem Vorſatz die Reue geweckt? Zuvenal. „Auch ich,“ ſagte de Montaigne,„habe in meiner Weiſe mein Geſchick erfüllt. Ich bin Mitglied der Deputirtenkammer und beſuche England wegen Han⸗ delsangelegenheiten, ich befand mich in Ihrer Nach⸗ barſchaft un derſtehen; S hinweg.„D nach einer die Aufregu zufrieden, Heller zum erſtehen nei dem Schatt Niſche ims erkennen w ſchied zwiſck Sterblichkei „Allerd Sie aber, als ſie zue jenſeits des Geiſt ausz fen, das E menſchen z Muſter, u 21 er ängſtlichen barſchaft und konnte ſomit der Verſuchung nicht wi⸗ bſt auf ſeine derſtehen; Sie müſſen mich alſo einige Tage als Gaſt aufnehmen.“ ang,„Ich ſage Ihnen meinen herzlichen Glückwunſch uf dem Wege wegen Ihren ſenatoriſchen Ehren, das Beginnen Ihres ine Hand au Ruhmes habe ich ſchon vernommen.“ Wiedererken⸗„Den Glückwunſch gebe ich mit gleicher Wärme men ſo ſelten zurück. Sie erfüllen meine Vorherſagungen. Ich habe daß Maltre⸗ Ihre Werke mit um ſo größerem Stolz auf unſere bt wohl einen Freundſchaft geleſen.“ ruder, wie e Maltravers ſeufzte leiſe und wandte ſich zur Hälfte „von welchen hinweg.„Der Wunſch nach Auszeichnung,“ ſprach er hatte, war auf nach einer Pauſe,„erwächst uns immer mehr, bis in Wien auf die Aufregung zur Krankheit wird. Zuerſt war man ſamkeit fagen, zufrieden, einigen Namen zu erlangen und einen Beſuch ange⸗ Heller zum allgemeinen Kapital beizutragen; alsdann nſamem Leben erſtehen neue Viſionen. Die Todten erſcheinen aus aus und an dem Schatten der Zeit; wir träumen, eine leere Niſche im Pantheon der Welt zu füllen; dann aber erkennen wir zum erſtenmal den ungeheuren Unter⸗ ſchied zwiſchen Ruf und Ruhm, zwiſchen Heute und Sterblichkeit.“ „Allerdings,“ erwiderte Montaigne;„glauben vaßu GSie aber, daß die Todten nicht daſſelbe empfanden, ewedt? als ſie zuerſt den Pfad betraten, welcher zum Leben Supenat jenſeits des Lebens führt? Fahren Sie fort, Ihren abe in meiner Geiſt auszubilden, Ihr Genie durch übung zu ſchär⸗ Mitglied der fen, das Entzücken oder die Belehrung ihres Neben⸗ wegen Ham menſchen zu verſuchen! Angenommen, daß Sie jedes Ihrer Nach Muſter, welches Sie vor Augen halten, nicht er⸗ reichen, und daß Ihr Name mit Ihrem Staube ver⸗ mobert, ſo werden Sie dennoch Ihr Leben auf edlere Weiſe zugebracht haben, als der träge große Haufen. Angenommen, daß Ihnen der ruhmwürdige Zufall, Ruhm auf Erden, nicht zu Theil wird, ſo können Sie ſich zu einem hohen Geſchick und hohen Beruf in der Welt der Geiſter, nicht der Menſchen, bereitet haben. Die Seelenkräfte können nicht weniger un⸗ ſterblich ſein, wie das bloße Gefühl deſſelben Seins, hier und dort; die Erwerbungen der Seele begleiten uns ins ewige Leben; möglicherweiſe erlangen wir einen niederern oder einen höhern Grad im Verhält⸗ niß, wie wir durch vie übung unſerer Geiſteskräfte mehr oder weniger geeignet find, den feierlichen Willen des Höchſten zu begreifen und auszuführen⸗ Der Weiſe ſteht den Engeln näher als der Thor. Dieſe Lehre mag unzuverläſſig ſein, bietet aber keine unmögliche Theorie.“ „Vielleicht aber verſchwenden wir den geſunden Genuß unſeres wirklichen Lebens, indem wir eine Hoffnung zu erjagen ſuchen, die Sie ſo eben ganz richtig als unzuverläſſig benannten; all unſer Wiſſen iſt vielleicht nutzlos in den Augen des Allwiſſenden.“ „Schon gut,“ ſprach Montaigne lächelnd,„ant⸗ worten Sie mir aber ehrlich. Verſchwenden Sie den geſunden Genuß des Lebens durch das Trachten Ihres geiſtigen Ehrgeizes? Iſt es der Fall, ſo befinden Sie ſich noch nicht auf ter richtigen Bahn. Dieſe Be⸗ ſtrebungen möchten allein Ihren Sinn für diejenigen Vergnügungen ſchärfen, welche die wahren Erholun⸗ ich Ihnen lie zu ſchreiben. Seele und K werben, betr⸗ teratur, ſond hoch ſteht. Philoſoph w fühlen alle Weiſe, mit „Das iſt vers;„Sie litergriſche T lichen Lebens über den Ge taigne;„alle Landſitze, vi Frau, Gäſte ſehe eine ſe ich kann Jh ten nicht er „Sie ke Verleumdun Talent beſi Männer ha „Denni en Seins, begleiten ungen wir Verhält⸗ eiſteskräfte feierlichen szuführen. der Thor. aber keine geſunden wir eine ben ganz er Wiſſen iſſenden.“ nd,„ant⸗ Sie den ten Ihres nden Sie iee Be⸗ iejenigen Erholun⸗ 23 gen des Lebens darbieten. Dies iſt bei Ihnen um ſo mehr der Fall, da Sie glücklich genug find, lite⸗ rariſche Beſchäftigung nicht als Mittel zum Lebens⸗ unterhalt benutzen zu müſſen; geſchähe dies, ſo möchte ich Ihnen lieber rathen, Kiſten zu verfertigen, als zu ſchreiben. Niemand ſollte die höchſten Pfade der Seele und Kunſt, um ſich das tägliche Brod zu er⸗ werben, betreten; dies gilt nicht allein von der Li⸗ teratur, ſondern von Allem, was in gleicher Weiſe hoch ſteht. Niemand ſoll Staatsmann, Redner ober Philoſoph wegen des Geldes ſein; gewöhnlich auch fühlen alle Menſchen vieſe Wahrheit auf unmerkliche Weiſe, mit Ausnahme des armen Poeten.“ „Das iſt alles ſchön gepredigt,“ ſprach Maltra⸗ vers;„Sie können ſich aber darauf verlaſſen, daß litergriſche Veſchäftigungen von denen des gewöhn⸗ lichen Lebens durchaus verſchieden ſind; man kann über den Genuß beider zugleich nicht verfügen.“ „Ich bin anderer Meinung,“ ſprach de Mon⸗ taigne;„allein der Verſuch läßt ſich nicht auf einem Landſitze, vierzig Stunden von der Hauptſtadt, ohne Frau, Gäſte oder Freunde machen. Maltravers, ich ſehe eine ſchöne Laufbahn vor Ihnen eröffnet und ich kann Ihnen ſchon im Beginn derſelben anzuhal⸗ ten nicht erlauben.“ „Site kennen nicht alle gegen mich vorgebrachten Verleumdungen, um die Verſicherungen, daß ich kein Talent beſitze, nicht zu erwähnen; ſogar tüchtige Männer haben dies Urtheil über mich geſprochen.“ „Dennis war ein tüchtiger Mann und ſagte daſ⸗ ſelbe von Pope. Frau von Sevigne war eine tüch⸗ tige Frau und glaubte, daß Racine niemals Ruhm erlangen würde. Milton ſah in den erſten Werken Drydens nichts anders, als die Arbeit eines gewöhn⸗ lichen Reimers. Ariſtophanes war ein guter Richter der Poeſie; wie ſchlimm aber urtheilte er über Euri⸗ pides! Dies alles find Gemeinplätze; alles aber, was Sie vorbringen, iſt von ſolcher Art, daß man es mit einem Gemeinplatz widerlegen kann.“ „Es iſt aber unangenehm, auf Angriffe nicht zu antworten, ſeinen Feinden nicht zu vergelten.“ „Wohlan, ſo antworten Sie auf Angriffe und vergelten Sie Ihren Feinden!“ „Wäre aber das verſtändig?“ „Ja, wenn es Ihnen Vergnügen macht; mir aber würde es nicht gefallen.“ „De Montaigne, Sie unterhalten ſich mit mir auf ſokratiſche Weiſe. Ich lege Ihnen klar und kurz die Frage vor, würden Sie einem Schriftſteller den Rath ertheilen, mit ſeinen Recenſenten Krieg zu füh⸗ ren oder ſie zu verachten?“ „Beides. Er greife nur wenige und auch bieſe nur ſelten an. Seine Politik erheiſcht jedoch, vaß er ſich als Mann erweist, welchen man nicht zu ſehr reizen darf. Im Kampf gegen die Kritiker hat der Schriftſteller ſtets die Welt auf ſeiner Seite, wenn er zur rechten Zeit ſeine Gelegenheit ſich wählt. Nie⸗ mals darf er vergeſſen, daß er gleichſam einen Staat bildet, welcher mitunter Krieg beginnen muß, um ſich Frieden zu verſchaffen. Die Zeit des Krieges weniger m der Seele nicht bisw oder ſehr ſon und in Zorn „Wan „Noch aber wert zeugung, tigkeit ni her komn um Ihre einer ſtut „In „Ja Satire überzeug ar eine tüch⸗ iemals Ruhm rſten Werken eines gewöhn⸗ guter Richter er über Euri⸗ alles aber, rt, daß man ann.“ riffe nicht zu gelten.“ Angriffe und h; mir aber ſich mit mir lar und kurz iftſteller den rieg zu füh⸗ d auch bieſe jedoch, daß ticht zu ſehr iker hat der eit wenn vählt. Nie⸗ einen Staat muß, um e Krieges 25 und des Friedens muß der Politik und Weisheit des Staates überlaſſen bleiben.“ „Sie wollen uns alſo zu politiſchen Maſchinen machen?“ „Ich möchte das Betragen eines Jeden mehr vder weniger mechaniſch machen; das Syſtem iſt der Triumph der Seele über die Materie; das richtige Gleichgewicht aller Kräfte und Leidenſchaften mag wie eine Ma⸗ ſchinerie erſcheinen. Es ſei, die Natur ſelbſt hat die Welt, die Schöpfung, den Menſchen zu Maſchinen beſtimmt.“ „Alſo muß man auch nach Ihrer Theorie mecha⸗ niſch in Zorn gerathen.“ „Der Mann iſt ein ärmliches Geſchöpf, wenn er nicht bisweilen in Zorn geräth; allein ſehr ungerecht oder ſehr thöricht, wenn er gegen die unrechte Per⸗ ſon und am unrechten Orte oder zur unrechten Zeit in Zorn geräth. Jedoch genug davon, es iſt ſpät.“ „Wann kommt Madame nach England?“ „Noch nicht ſo bald. Dieſes oder nächſtes Jahr aber werden Sie Ceſarini ſehen. Er hegt die über⸗ zeugung, daß Sie ihm und ſeinen Gedichten Gerech⸗ tigkeit nicht haben widerfahren laſſen und wird hier⸗ her kommen, ſobald ſeine Trägheit es ihm erlaubt, um Ihre Verrätherei in der beißenden Vorrede zu einer ſtumpfen Satire öffentlich zu erklären.“ „In einer Satire?“ „Ja, Manche Ihrer Dichter haben durch eine Satire ſich Bahn gebrochen und Ceſarini hegt die überzeugung, daß dies auch bei ihm der Fall ſein ————— wird. Caſtrucciv iſt nicht ſo fernblickend, wie ſein Namensvetter, der Fürſt von Luecca. Gute Nacht, mein theurer Ernſt.“ Sechstes Kapitel., Erwarb man ſich dies Wiſſen ſo mit Mühn,— Wird es von Ungelehrten nie verziehn. Churchill. Im Geſpräche mit de Montaigne lag ein Etwas, welches ohne wirkliche Schmeichelei den jungen Schrift⸗ ſteller mit ſich und ſeiner Laufhahn ausſöhnte. Viel⸗ leicht diente daſſelbe weniger zu ſeiner Aufregung, wie zur Beſonnenheit und Kräftigung ſeiner Seele. De Montaigne hätte bei keinem Manne Kühnheit er⸗ wecken können; er vermochte aber bei Vielen Kraft und Ausdauer zu erſchaffen. Die beiden Freunde hatten einige Berührungspunkte; Maltravers beſaß aber bei weitem mehr Regſamkeit der Natur und Lei⸗ denſchaft, bei weitem mehr Fleiſch und Blut mit deſſen Fehlern und guten Seiten. De Montaigne hielt ſo viel auf ſeine Lieblingslehre moraliſchen Gleich⸗ gewichts, daß er ſich in manchen Dingen zu einer Art Uhrwerk machte Da jegliche Regung ſich durch Gewohnheit bildet, ſo wurden die Regungen von de Montaigne durch die Regelmäßigkeit ſeiner Gewohn⸗ heiten tugendhaft und gerecht; er folgte denſelben eben ſo oft, wie dies bei einem haſtigen Charakter der Fall hätte ſein können; allein dieſe Regungen führten ihn nie zur Spekalation oder Kühnheit. De Mon⸗ taigne kon lung nicht irgend ein kraft begri leiden, ur von allem myſtiſcher achtete nie bildungskr ſophie für Unterſucht Gewiſſen! logiſche W ſelbe eben Thatſache Wiſſenſch errungen nichts gel ſowohl v hätten. in Vermu lingsſätze die Wirk Herzens, ſchweifun bei denje Studien ßen Zwe eigenthür taigne's d, wie ſein Gute Nacht, o mit Mühn,— erziehn. Churchill. g ein Etwas, ngen Schrift⸗ öhnte. Viel⸗ Aufregung, ſeiner Seele. Kühnheit er⸗ Vielen Kraft iden Freunde travers beſaß atur und Lei⸗ nd Blut mit Montaigne iſchen Gleich⸗ en eine ng ſich durch ngen von de ſer Gewohn⸗ nſelben eben harakter der igen führten De Mon⸗ 27 taigne konnte über einen beſtimmten Kreis der Hand⸗ lung nicht hinaus. Er beſaß kein Mitgefühl für irgend eine, auf die Vermuthungen der Einbildungs⸗ kraft begründete Darlegung. Er konnte Plato nicht leiden, und blieb taub gegen das beredte Geflüſter von allem, was in Poeſie erhebend oder in Weisheit myſtiſcher Art war. Maltravers im Gegentheil ver⸗ achtete nicht die Vernunft, ſuchte dieſelbe durch Ein⸗ bildungskraft ſtets zu unterſtützen und hielt jede Philo⸗ ſophie für unvollſtändig und ungenügend, welche ihre Unterſuchungen auf die Grenzen des Bekannten und Gewiſſen beſchränkte. Er hielt vorzugsweiſe auf das logiſche Verfahren der Folgernng, dehnte jedoch daſ⸗ ſelbe ebenſowohl auf die Vermuthung, wie auf die Thatſache aus. Er behauptete, daß alle Siege der Wiſſenſchaft wie der Kunſt durch ähnliche Kühnheit errungen waren— daß Newton und Copernicus gar nichts geleiſtet haben würden, wenn ſie nicht eben⸗ ſowohl vermuthet, wie ſichere Beweiſe vorgebracht hätten. Der Gedanke, daß die Seele der Philoſophie in Vermuthung beſtehe, war ſogar einer ſeiner Lieb⸗ lingsſätze. Er hegte das unbedingteſte Vertrauen auf die Wirkungen des gehörig gebildeten Geiſtes und Herzens, und war der Meinung, daß ſogar Aus⸗ ſchweifungen der Gefühlsaufregung und des Denkens bei denjenigen Männern, welche durch Erfahrung und Studien gehörig erzogen ſind, zu nützlichen und gro⸗ ßen Zwecken führen. Die vorgerückteren Jahre, das eigenthümliche praktiſche Weſen der Anſichten de Mon⸗ taigne s ertheilte ihm in allen Darlegungen eine über⸗ legenheit über Maltravers, unter welche ſich dieſer nur mit Widerſtreben fügte. Andererſeits hegte Mon⸗ taigne das geheime Gefühl, ſein junger Freund er⸗ baue ſeine Darlegungen auf breitere Grundlagen und mit weiterem Umfang; er ſei einerſeits dem Miß⸗ glücken und dem Irrthum mehr ausgeſetzt, andererſeits aber auch fähiger zu neuen Entdeckungen und geiſtigen Erzeugniſſen. Ihre Wege im Leben waren verſchieden, ſtießen aber nicht ſich widerſtrebend zuſammen; de Montaigne, welcher an Ernſt's Schickſalen aufrichtiges Intereſſe empfand, war damit zufrieden, die Seele ſeines Freundes gegen die Hinderniſſe auf ſeinem Pfade zu kräſtigen, und alles übrige dem Verſuch und der Vorſehung zu überlaſſen. Beide reisten zu⸗ ſammen nach London und de Montaigne kehrte nach Paris zurück. Maltravers erſchien wiederum in den Sammelplätzen der Munteren und Großen. Er empfand, daß ſein neuer Charakter ſeine Lage verändert hatte. Man machte ihm nicht länger den Hof und liebkoſte ihn nicht mehr wegen der gemeinen und zufälligen Umſtände des Vermögens, der Geburt und der Verbindungen, wie früher, ſondern wegen anderer Umſtände, die ihm aber in gleicher Weiſe nicht als ſchmeichelhaft erſchienen. Man ſuchte ihn nicht mehr wegen ſeines Verdienſtes, ſeines Geiſtes und ſeiner Talente, ſondern wegen augenblicklicher Berühmtheit auf. Er war ein Schriftſteller in Mode und man ſuchte ihn auf, wie jedes andere Ding, welches gerade in Mode gekommen iſt. Man lud ihn ein, weniger um ſich mit ihm zu unterhalten, er bald di war zurüc Wort füh herunter z unzufriede ſeinem Ve kums gew anderer L wählt; ſo keinen Se glied für Einzelne mit der Während gen fern der Welt eigenem lichen un als Schri ſeinen G und kühn Beſchäfti che ſich dieſer ts hegte Mon⸗ er Freund er⸗ rundlagen und its dem Miß⸗ t, andererſeits nund geiſtigen en verſchieden, ſammen; de en aufrichtiges en, die Seele e auf ſeinem dem Verſuch de reisten zu⸗ e kehrte nach Sammelplätzen daß ſein neuer n machte ihm tmehr wegen s Vermögens, üher, ſondern er in gleicher Man ſuchte ſeines Geiſtes ugenblicklicher eller in Mode andere Ding, t. Man lud unterhalten, 29 als um ihn anzuſtarren. Er war zu ſtolz ſeinem Tem⸗ peramente nach, und zu rein in ſeinem Ehrgeize, um eine Erhebung ſeiner Eitelkeit dadurch zu em⸗ pfinden, daß er den Enthuſiasmus der Geſellſchafts⸗ kreiſe mit einem deutſchen Fürſten oder einem zu Kunſtſtücken abgerichteten Flohe theilte. Somit wies er bald diejenigen, die ihm entgegenkamen, zurück, war zurückhaltend und ſtolz gegen feine Damen, wei⸗ gerte ſich in Mode zu kommen und wurde ſehr un⸗ beliebt bei Jenen, welche in der Literatur das große Wort führen. Dieſe Herren begannen ſeine Werke herunter zu machen, weil ſie mit dem Schriftſteller unzufrieden waren. Maltravers aber hatte ſich mit ſeinem Verſuch an die Maſſen des allgemeinen Publi⸗ kums gewandt, und das Volk Großbrittaniens und anderer Länder ſich zum Publikum und Richter ge⸗ wählt; ſomit konnten alle Coterien der Welt ihm keinen Schaden bringen. Er glich dem Parlaments⸗ glied für eine ungeheuer bevölkerte Stadt, welcher Einzelne nach Belieben beleidigen darf, ſo lange er mit der Maſſe der Wähler auf gutem Fuße ſteht. Während er ſich aber vom Geſchmackloſen und Trä⸗ gen fern hielt, ſonderte er ſich durchaus nicht von der Welt ab. Er bildete ſich ſeine Geſellſchaft nach eigenem Geſchmack, fand Vergnügen an den männ⸗ lichen und aufregenden Tagesgegenſtänden, ſchärfte als Schriftſteller ſeine Beobachtungen und erweiterte ſeinen Geſichtskreis, indem er ſich als Bürger frei und kühn mit allen Klaſſen vermiſchte. Literariſche Beſchäftigung wurde ihm vaſſelbe, was die Kunſt dem Künſtler, die Geliebte dem Liebenden wird— ein Entzücken, welches jede Geiſteskraft und Leidenſchaft in Anſpruch nimmt. Sie ward ihm zur ruhmwür⸗ digen und göttlichen Thätigkeit; er liebte ſie als Thä⸗ tigkeit, weihte ihren Beſtrebungen und Ehren ſeine Jugend, Sorgen und Träume— Geiſt, Herz und Seele. Er war ein ſtiller, aber ſtarkfühlender Enthu⸗ ſiaſt der Prieſterſchaft, in die er eingetreten war. Nach ſeiner Meinung war aus Literatur Alles ent⸗ ſprungen, welches die Völker erleuchtet und die Men⸗ ſchen menſchlich macht. Er liebte literariſche Be⸗ ſchäftigungen um ſo mehr, weil die Auszeichnung, die ſie ertheilt, nicht in den Belohnungen der Welt beſteht— ſie kann weder über Länder, noch Sterne, noch hohe Amter verfügen. Der einzige Lohn, den ſie ertheilt, beſteht in der tiefen Dankbarkeit der Men⸗ ſchen und in dem von einem Geſchlecht dem andern übermachten Entzücken. In ihr beſteht die große urſprüngliche Kirche der Melt, ohne Päpſte und Mufti, ohne Hierarchie, ohne Anhäufung geiſtlicher Amter in einer Perſon, ohne Amter mit reichem Ein⸗ komnien aber keinem Geſchäft. Ihre Diener redeten vor den Menſchen, wie alte Propheten, allein um Gehör und Glauben zu ſich zu erwecken. Von die⸗ ſem Fanatismus erfüllt, verfolgte Ernſt Maltravers ſeinen Pfad im großen Zuge derer, welche Myrten zum Heiligthume trugen. Er trug den Thyrſus und glaubte an den Gott. Allmählig erweckte ſein Fa⸗ natismus bei ihm die Philoſophie, welche de Mon⸗ taigne aus nüchterner Berechnung ſich gebildet haben würde; er ſeinem Pf lernte Vera Verleumde ſchwieg er zurück. W er der Me Waffen oh müßten, war. Allm kannt. Niemand Wollte auf ſeiner dieſes Wer ſicht, die zelnheiten Charakter gedeutet, als origin lich an. nachzuſchre anderes zu was iſt Ge Ordnung und Natur ununterbr erſte Gru dieſem St: Aus tiefe wird— efn d Leidenſchaft zur ruhmwür⸗ te ſie als Thä⸗ d Ehren ſeine iſt, Herz und lender Enthu⸗ getreten war. und die Men⸗ terariſche Be⸗ Auszeichnung, gen der Welt noch Sterne, Lohn, den ſie rkeit der Men⸗ m andern eht die große Päpſte und ung geiſtlicher treichem Ein⸗ Diener redeten en, allein um en. Von die⸗ ſt Maltravers velche Myrten Thyrſus und cte ſein Fa⸗ lche de Mon⸗ gebildet haben tur Alles ent⸗ 31 würde; er ward gleichgültig gegen die Dornen auf ſeinem Pfade, gegen die Stürme am Himmel. Er lernte Verachtung gegen die Feinde, die er reizte, die Verleumder, welche ihn angriffen. Bei Angriffen ſchwieg er bisweilen, bisweilen gab er die Angriffe zurück. Wie ein Krieger, der einer Sache dient, war er der Meinung, daß die von Gott ihm verliehenen Waffen ohne Furcht und Vorwurf gebraucht werden müßten, wann die Sache in ſeiner Perſon verletzt war. Allmählig ward er eben ſo gefürchtet, wie be⸗ kannt. Während Viele ihn ſchmähten, konnte ihn Niemand verachten. Wollte ich hier Schritt vor Schritt Maltravers auf ſeiner Laufbahn folgen, ſo würde ich den Plan dieſes Werkes überſchreiten. Es iſt allein meine Ab⸗ ſicht, die Hauptereigniſſe, nicht die geringeren Ein⸗ zelnheiten ſeines geiſtigen Lebens zu beſchreiben. Der Charakter ſeiner Werke wird dadurch genugſam an⸗ gedeutet, daß man ſie, abgeſehen von ihren Fehlern, als vriginell bezeichnet— ſie gehörten ihm ausſchließ⸗ lich an. Er wurde kein Schriftſteller, um Anderen nachzuſchreiben oder aus gewöhnlichen Büchern ein anderes zuſammenzutragen. Er war ein Künſtler— was iſt Genie anders als Kunſt? Geſetze, Harmonie und Ordnung entlieh er aber dem großen Buch der Wahrheit und Natur, einem Buch, welches angeſtrengtes und ununterbrochenes Studium erheiſcht, obgleich deſſen erſte Grundſätze nur wenige und einfache ſind; von dieſem Studium ward Maltravers nicht zurückgeſchreckt. Aus tiefer Liebe zur Wahrheit ward er ein feiner und — F unterſuchender Analytiker ſogar in Dingen, welche die alberne Welt für Kleinigkeiten hält; er wußte wohl, daß nichts in der Literatur an ſich eine Klei⸗ nigkeit iſt, daß ein alltäglicher Gemeinplatz oft nur um ein Haar breit von einer Entdeckung getrennt wird. Er war um ſo vrigineller, weil er eher das Wahre, als das Neue ſuchte. Niemals ſind zwei Seelen ganz von verſelben Art; ſomit iſt auch jever originell, welcher offen und freimüthig die Reſultat⸗ ſeiner Eindrücke ſo wieder gibt, daß keine ſklaviſche Nachahmung Einfluß auf ihn geübt hat. Maltravert erlangte jedoch nicht ſeinen Namen durch Driginuli tät, worin wirklich ſein vorherrſchendes Verdienſt beſtand, denn jene war bei ihm nicht von der Att, welche den Pöbel gewöhnlich blendet— ſie war we⸗ der ausſchweifend, noch bizarr— er affektirte kein Syſtem und keine Schule. Manche Autoren ſeinet Zeit ſchienen den Oberflächlichen neuer und vrigi⸗ neller. Tiefe und dauerhafte Erfindung ſchreitet nur in feineren Stufenfolgen vorwärts, und hat mit Sprüngen, Auffahren, Krämpfen und Verdrehungen nichts zu ſchaffen, welche nicht die Kraft und Ge⸗ ſundheit, ſondern die Epilepſie und Krankheit der Literatur bezeugen. ſchieden vr einſt die de ſam in eit wandelte, wohnte— Gewohnhei er gern au Freunde, 2 im ſchönen zu Fuß, b An eir einer ſolch von Hecke Gepäck be Welt lag der Ruhe. und gerad Geſellſcha grünem R welches ſi travers ir Bulwet ingen, welche lt; er wußie ſich eine Klei⸗ nplatz oft nur kung getrennt eil er eher das nals ſind zwei iſt auch jeder die Reſultate keine ſklaviſche t. Maltravert rch Driginalꝭ ides Verdienſ von der Art, ſie war we⸗ affektirte kein lutoren ſeiner er und vrigi⸗ ſchreitet nur und hat mit Verdrehungen raft und Ge⸗ drankheit der 33 Siebentes Kapitel. Sobald ich aus der Stadt war, ließ ich ſogleich mein Maulthier nach ſeinem Sinne traben.„ Gil Blat. Obgleich Maltravers Charakter allmählig härter und ſtrenger, und ſeine Vernunft kräftiger wurde, ob⸗ gleich ſeine Einbildungskraft Manches von der frü⸗ heren Blüte verloren hatte und er ſelbſt ſehr ver⸗ ſchieden von dem wilden jungen Manne war, welcher einſt die deutſchen Studenten in Feuer ſetzte und gleich⸗ ſam in ein bezaubert Schloß die kleine Hütte ver⸗ wandelte, worin er mit der Poeſte und mit der Alice wohnte— ſo bewahrte er dennoch manche ſeiner alten Gewohnheiten; in häufigen Zwiſchenräumen verſchwanb er gern aus der großen Welt, ſchaffte ſich Bücher und Freunde, Luxus und Reichthum vom Halſe und machte im ſchönen Garten Englands einſame Reiſen, bisweilen zu Fuß, bisweilen zu Pferde. An einem ſchönen Maitage befand er ſich auf einer ſolchen Reiſe und ritt langſam durch einen der von Hecken beſetzten Wege in***ſhire. All ſein Gepäck beſtand in Mantel und Reiſeſack; die ganze Welt lag vor ihm und bot ſeiner Auswahl den Ort der Ruhe. Der Weg führte zuletzt auf vie Landſtraße, und gerade als er auf dieſelbe kam, begegnete er einer Geſellſchaft zu Pferde. Voran ritt eine Dame in dunkel⸗ grünem Reitkleide auf einem engliſchen Vollblutpferde, welches ſie mit ſo leichter Grazie leitete, daß Mal travers in unwillkürlicher Bewunderung anhielt. E Bulwer, Maltravers. II. 5 felbſt war ein vollendeter Reiter und beſaß einen ſchnellen Blick des Mitgefühls für Alle, welche dieſe Kunſt mit ihm theilten. Als er hinblickte, dachte er, daß er nur ein Weib geſehen hatte, deren Außeres beim Reiten ſo ſehr von der namenloſen Eleganz er⸗ füllt war, welche Geſchicklichkeit und Muth bei jeder Kunſt ertheilt. Dieſe Frau war Valerie von Venta⸗ dour. Zu ſeiner großen überraſchung ritt die Dame von ihrer Geſellſchaft fort auf Maltravers zu und ſprach in einer Stimme, die er zuerſt nicht deutlich erkannte;„Iſt es möglich, ſehe ich Herrn Maltravers?“ ſie hielt einen Augenblick ihr Pferd an, warf ihren Schleier zurück und Ernſt erblickte Frau von Venta⸗ donr. Mittlerweile war ein ſchlanker, dünner Herr zu der Franzöfin hingeritten. „Hat Madame einen Bekannten angetroffen?“ fragte er,„erlaubt ſie mir, wenn dies ver Fall iſt, an Ihrem Vergnügen Theil zu nehmen?“ Die Unterbrechung ſchien der Dame eine Erlöſung; ſie lächelte und errötheie. „Erlauben Sie, Ihnen Herrn Maltravers vorzu⸗ ſtellen. Herr Maltravers, dieſer Herr iſt mein Wirth, Lord Doningdale.“ Die beiden Herrn verbeugten ſich; die übrige Ge⸗ ſellſchaft umringten die drei, und Lord Doningdale lud Maltravers mit ſtattlicher, aber freimüthiger Höf⸗ lichkeit ein, mit der Geſellſchaft nach ſeinem Hauſe ſich zu begeben, welches ungefähr zwei Stunden ent⸗ fernt lag. Wie ſich erwarten ließ, nahm Ernſt die Einladung bereitwillig an. Die Geſellſchaft ritt weiter die Erklär dankenvoll ſonderbare lauf von Lord 2 ſeiner Gäſt an. Maltr nehmen de etwas abſi Ausſprach Park, wel man dieſe eigenthum zungen br digen Ba Umriſſen und Säul neuerer 2 beſaß einen welche dieſe e, dachte er, eren Außeres Eleganz er⸗ th bei jeder von Venta⸗ tt die Dame vers zu und nicht deutlich kaltravers?“ warf ihren von Venta⸗ ünner Herr getroffen?“ er Fall iſt, 4 eErlöſung; ers vorze⸗ ein Wirth, übrige Ge⸗ ningdale higer Höf⸗ em Hauſe nden ent⸗ Ernſt die ritt weiter 35 und Maltravers beeilte ſich, bei Valerie nach der Ver⸗ anlaſſung ihres Aufenthaltes in England zu befragen. Die Erklärung war bald gegeben. Frau von Ventadour beſaß eine jüngere Schweſter, welche kürzlich einen Sohn Lord Doningdale's geheirathet hatte. Die Hoch⸗ zeit war in Paris gefeiert worden und Herr und Frau von Ventadour waren ſeit einer Woche auf Beſuch bei dem engliſchen Pair. Das Zuſammentreffen war ſo plötzlich und uner⸗ wartet, daß keiner der beiden Theile genügende Selbſt⸗ beherrſchung zum fließenden Geſpräch beſaß. Nachdem die Erklärung gegeben war, verſank Valerte in ge⸗ dankenvolles Schweigen, und Maltravers ritt eben⸗ falls ſchweigend an ihrer Seite, indem er über den ſonderbaren Zufall grübelte, welcher jetzt nach Ver⸗ lauf von Jahren ſie wieder zuſammen führte. Lord Doningdale, welcher zuerſt bei den übrigen ſeiner Gäſte zurückgeblieben war, ſchloß jetzt ſich ihnen an. Maltravers erkannte an dem Mann das feine Be⸗ nehmen der höheren Stände und eine eigenthümliche, etwas abſichtlich ausgebildete Glätte in Worten und in Ausſprache derſelben. Sie ritten bald in einen ſchönen Park, welcher bei weitem mehr Sorgfalt bezeugte, wie man dieſelbe dieſem eigenthümlich engliſchen Grund⸗ eigenthum ſonſt zu gewähren pflegt. Junge Pflan⸗ zungen boten den Gegenſatz überall zu den ehrwür⸗ digen Baumgruppen; neue Hütten mit pittoresken Umriſſen ſchmückten die äußeren Theile; Obelisken und Säulen, nach Antiken copirt und offenbar von neuerer Arbeit, glänzten ihnen entgegen, als ſie dem Hauſe näher kamen— einem großen Bau, an wel⸗ chem die Mode aus der Zeit der Königin Anna in die franzöſiſchen Dächer und Fenſter der Architektur verwandelt war, welche ſich in den Tuilerien findet. „Gewiß, Mylord,“ ſagte Maltravers,„wohnen Sie häufig auf dem Lande.“ „Ja,“ erwiverte Lord Doningbale mit gedanken⸗ voller Miene.„Hier beehrte mich Se. Majeſtät, Lud⸗ wig XVIII., als Sie in England war, alle Johr mit einem Beſuche. Um Ihr ein Compliment zu machen bemühte ich mich meine ärmliche Wohnung ſo demüthig in Ahnlichkeit mit dem Tuilerienpalaſt umzubilden, vaß er ſo wenig wie möglich der verlorenen Rechte entbehre. Die Zimmer des Königs wurden gerade ſo ausgeſtattet, wie diejenigen, die er in den Tuilerien einnahm. Ja, dieſer Platz iſt mir theuer geworden. Ich gedenke der alten Zeiten mit Stolz. Ich habe eine bedeutende Ehre erlangt, weil ich einem Bourbon in ſeinem Unglück Obdach lieh.“ „Dieſe Veränderung koſtete Mylord eine große Summe Geldes,“ ſagte Frau von Ventadour, indem ſie Maltravers ſchlau anblickte, und deſſen ſo eben von Stolz erhobenes Antlitz wurde etwas umwölkt, „beinahe 300,000 Pfund, allein die Erinnerungen ſind nicht zu zahlen!“ „Haben Sie Paris ſeit der Reſtauration beſucht, Mylord Doningdale?“ fragte Maltravers. Seine Herrlichkeit ſah ihm ſcharf ins Geſicht und wandte alsdann das Auge auf Frau von Ven⸗ tadvur. „Ich Valerie le „Ja, Paris ger „Sein Gaſtfreun Lord keine Antr „Sie lächelnd., hier ſo lan nur mögli Lord beina Gentilhom nach Part erwartete, er hat köni hat ihn ei ſchied nahr die Verpfli Weiſe ern im größten Erinnerun „Fürſte ſprach Ma „Ach, ein Hund: Maltra gewieſen u henachrichti an wel⸗ Anna in rchitektur en findet. gedanken⸗ ſtät, Lud⸗ u machen demüthig nzubilden, en Rechte gerade ſo Tuilerien geworden. Ich habe Bourbon ur, indem n ſo eben umwölkt, nnerungen n beſucht, Geſicht von Ven⸗ eine große 37 „Ich habe die Frage nicht eingegeben,“ ſagte Valerie lachend. „Ja,“ antwortete Lord Doningdale,„ich hin in Paris geweſen.“ „Seine Majeſtät muß entzückt geweſen ſein, die Gaſtfreundſchaft Eurer Lordſchaft zu erwidern.“ Lord Doningdale ſah etwas verlegen aus, gab keine Antwort und ſetzte ſein Pferd in kurzen Galopp. „Sie haben unſern Wirth geärgert,“ ſagte Valerie lächelnd.„Ludwig XVIII. und ſeine Umgebung wohnte hier ſo lang, als es den Herren gefiel, und mit allem nur möglichen Aufwand; ihre Veſuche richteten den Lord beinahe zu Grunde, welcher das Muſter eines Gentilhomme und preux de Chevalier iſt. Er kam nach Parts, um Zeuge ihres Triumphes zu ſein; er erwartete, wie ich glaube, den Heiligengetſtorden, denn er hat königliches Blut in ſeinen Adern. Seine Majeſtät bat ihn einmal zur Tafel und ſagte ihm, als er Ab⸗ ſchied nahm:„„Lord Doningbale, wir ſind glücklich, die Verpflichtungen gegen Eure Herrlichkeit in dieſer Weiſe erwidern zu können.““ Lord Doningdale kehrte im größten Groll zurück rühmt ſich aber dennoch ſeiner Erinnerung, der arme Mann!“ „Fürſten ſind undankbar, ebenſo wie Republiken,“ ſprach Maltravers. „Ach, wer iſt dankbar?“ meinte Valerie,„nur ein Hund und eine Frau.“ Maltravers wurde in ein großes Ankleidezimmer gewieſen und von einem franzöſiſchen Kammerdiener henachrichtigt, daß Lord Doningdale auf dem Lande um ſechs Uhr ſpeiſe— die erſte Tafelglocke werde in wenigen Minuten läuten. Während der Diener ſprach, trat Lord Doningdale ſelbſt ins Zimmer. Seine Lord⸗ ſchaft hatte mittlerweile erfahren, daß Maltravers aus einem angeſehenen und alten Hauſe von Grund⸗ beſitzern ſtamme, deſſen Ehren in ſeinem Bruder ver⸗ einigt waren; ferner, daß er der Herr Maltravers ſei, von deſſen Schriften Jedermann ſpreche, die Jeder⸗ mann lobe oder ſchmähe. Lord Doningdale beſaß die zwei charakteriſtiſchen Eigenſchaften eines Herrn von feiner Erziehung der alten Schule, Achtung vor alter Familie und Achtung vor Talent; deßhalb war er gegen Ernſt ungewöhnlich höflich und bat ihn mit ſo viel Herzlichkeit, einige Tage zu bleiben, daß Mal⸗ travers ſeine Einwilligung geben mußte. Seine Reiſe⸗ toilette war dürftig beſtellt, indeſſen er kümmerte ſich nicht um die Kleidung. Achtes Kapitel. Pie Seele ſieht. Dem Aug' iſt nur enthüllt Der Gegenſtand. Die Seele ſchafft das Bild, Dem Luſt und Ekel dann und kalt Gefühl entquillt. Crabbe. Als Maltravers den ungeheuren, mit damaſtenen Tapeten behängten und mit den gewichtigen Zierrathen und Möbeln aus der Zeit Ludwigs XIV. geſchmückten Salon betrat(den prunkendſten und am meiſten bar⸗ bariſchen aller Geſchmacksarten, welcher nichts Graziöſes und Maleriſches darbietet, und welcher dennoch gegen⸗ wärtig i geahmt m haben ſol zehn Per welcher ih den übrig Valerie„ nüchterne und mach (ſo laute war ein ihrem G ihren Sch knüpfte e laſſen, die daß ſie ſt aus allen Kindheit auf einer leidenſcha die Ernſt ſchien— Ach, letz Wichtigke befindet ſ wahrlich mit Frem merkſamk ſter auf Gatten e werde in ener ſprach, Seine Lord⸗ Maltravers von Grund⸗ Bruder ver⸗ Maltravers „die Jeder⸗ le beſaß die Herrn von g vor alter alb war er ihn mit ſo „daß Mal⸗ Seine Reiſe⸗ ümmerte ſich nthüllt as Bild, zefühl entquillt. Crabbe. damaſtenen nZierrathen geſchmückten meiſten bar⸗ ts Graziöſes moch gegen⸗ 39 wärtig in lächerlicher Weiſe ſklaviſch von Leuten nach⸗ geahmt wird, die ſicherlich etwas Beſſeres vor Augen haben ſollten)— fand er eine Geſellſchaft von ſech⸗ zehn Perſonen. Sein Wirth trat aus einem Kreis, welcher ihn umringte, und ſtellte ſeinen neuen Beſucher den übrigen vor. Die Ahnlichkeit der Schweſter mit Valerie war ihm ſogleich auffallend; erſtere bot jedoch nüchternere und kältere Züge. Sie war weniger hübſch und machte weuiger Eindruck. Frau George Herbert (ſo lautete der Name, den ſie gegenwärtig führte) war ein hübſches, blödes Weib, voll Zärtlichkeit zu ihrem Gatten und voll furchtſamer Ehrfurcht gegen ihren Schwiegervoter. Maltravers ſaß neben ihr und knüpfte ein Geſpräch an. Er konnte es nicht unter⸗ laſſen, die arme Dame zu bemitleiden als er vernahm, daß ſie ſtets in Doningdalepark wohnen würde— aus allen Bekanntſchaften und Gewohnheiten ihrer Kindheit herausgeriſſen— was ihre Regungen betraf, auf einen jungen Mann beſchränkt, welcher die Jagd leidenſchaftlich liebte, und nach den wenigen Worten, die Ernſt mit ihm wechſelte, nur drei Jveen zu haben ſchien— ſeine Hunde, ſeine Pferde und ſeine Frau. Ach, letztere möchte bald in ſeinen Augen die geringſte Wichtigkeit beſitzen! Eine lebhafte, junge Franzöſin befindet ſich, auf einem engliſchen Landſitze begraben, wahrlich in der allerſchlimmſten Lage! Verheirathungen mit Fremden ſchlagen ſelten glücklich aus! Die Auf⸗ merkſamkeit von Ernſt wurde aber bald von der Schwe⸗ ſter auf Valerie gelenkt, welche auf den Arm ihres Gatten gelehnt in den Saal trat. Bis dahin hatte er nicht ſorgfältig den Wechſel beobachtet, welchen die Zeit an ihr bewirkt hatte; vielleicht hegte er einige Furcht davor. Er blickte ſie jetzt mit neugieriger Theil⸗ nahme an. Valerie war noch immer außerordentlich ſchön, allein ihr Geſicht war ſchärfer, ihre Geſtalt magerer und eckiger geworden; in Augen und Lippen lag etwas Unzufriedenes, Raſtloſes, beinahe Zänki⸗ ſches; ſo iſt der gewöhnliche Geſichtsausdruck derer, welche zur Liebe geboren und zur Gleichgültigkeit ver⸗ urtheilt ſind. Die kleine Schweſter war noch mehr wie Valerie zu beneiden; mochte auch erfolgen was da wollte, ſie liebte ihren Gemahl wie er war; ihr Herz konnte einen Schmerz empfinden, ſtand aber nicht leer. Herr von Ventadour wankte bald auf Mal⸗ travers zu; ſeine Naſe war länger wie jemals.„Hm, hm— wie geht's— wie gehts?— Entzückt, Sie zu ſehen— Sie haben meine Frau ſchon geſehen— hm, hm, ich beargwohne...5 „Herr Maltravers, wollen Sie der Frau von Ven⸗ tadour Ihren Arm geben,“ ſagte Lord Doningvale, als er auf das Speiſezimmer mit einer Herzogin an dem ſeinigen hinſchritt. „Haben Sie Neapel für immer verlaſſen?“ fragte Maltravers. „Wir denken nicht an die Rückkehr.“ „Die Stadt war entzückend, wie ſehr gefiel ſie mir!— ich erinnere mich ihrer noch ganz wohl!“ Ernſt ſprach in ruhigem Ton; ſeine Vemerkung war nur eine allgemeine. Valerie ſeufzte leiſe. Während des Mahles war das Geſpräch zwiſchen Maltravers und verlegen er war aus di Sie hatte E von ihm ſelb verſchencht. löſcht das fa glänzen die J lichen Saale; die Sterne ſo Himmel erbli Valerie. Aber die wahre ge Maltrave ſeiner Geſühl Puls nicht ſc ſchlug, deren war; er war nicht länger m ſondern dieſel höheres Weſe Ernſt bli Landſitz und siner größere 41 lchen die Maltravers und der Frau von Ventadour unbeſtimmt er einige und verlegen. Ernſt war nicht länger in ſie verliebt; er Theil⸗ er war aus vieſer Regung ſeiner Liebe heraushewachſen. rdentlich Sie hatte Einfluß auf ihn geübt; allein der neue, e Geſtalt von ihm ſelbſt geſchaffene Einfluß hatte ihr Bildniß d Lippen verſchencht. So iſt das Leben! Lange Abweſenheit ver⸗ e Zänki⸗ löſcht das falſche Licht, aber nicht das wahre Heute ck derer, glänzen die Lampen nicht mehr in dem geſtern feſt⸗ eit ver⸗ lichen Saale; allein noch nach tauſend Jahren brennen och mehr die Sterne ſo hell, wie wir ſie beute am nächtlichen gen was Himmel erblicken. Maltravers liebte nicht länger mehr var; ihr Valerie. Aber Valerie— ach, vielleicht war ihre Liebe nd aber die wahre geweſen! muf Mal⸗ Maltravers war überraſcht, als er den Zuſtand s.„Hm, ſeiner Gefühle unterſuchte; er erſtaunte, daß ſein ickt, Sie Puls nicht ſchneller hei der Berührung einer Dame ſehen— ſchlug, deren Blick ihm einſt in die Seele gedrungen war; er war überraſcht, aber erfreut. Es war ihm on Ven⸗ nicht länger mehr daran gelegen, Aufregung zu ſuchen, ingvale, ſondern dieſelbe zu meiden; er war ein beſſeres und ogin an höheres Weſen, wie auf dem Strande von Neapel. Neuntes Kapitel. Woher die leiſe Stimme, bas Geflüſter gefiel fie Des Herzent von ſo lang entfloſſenen Tagen? wohl!“— Wordsworth. merkung Ernſt blieb mehre Tage auf Lord Doningdale's 5 Landſitz und ritt täglich mit Valerie, aber ſtets mit zwiſchen einer größeren Geſellſchaft, ſpazieren; er unterhielt ſich mit ihr jeden Abend, allein alle Welt hätte ihr Geſpräch vernehmen könuen. Das Mitgefühl, welches einſt zwiſchen dem jungen Träumer und der ſtolzen, unzuſriedenen Frau beſtand, war in mancher Hinſicht verſchwunden. Maltravers für große Zwecke erwacht, war nicht länger ein Träumer. Valerie war an das Leben voll Kleinigkeiten, vor welchem ſie einſt Ekel empfand, gewöhnt worden und hatte ſich die Ge⸗ bräuche und Gedanken deralltäglichen Welt angeeignet; ſie hatte die überlegenheit der Lebenserfahrung nicht länger vor Maltravers voraus, ſeine Romantik war in der Beredſamkeit nüchterner geworden und ihr Ohr war auch ſtumpfer gegen deren Töne. Dennoch em⸗ pfand Ernſt an ihr eine tiefe Theilnahme und auch ſie ſchien Stolz wegen ſeiner Laufbahn zu fühlen. Eines Abends hatte ſich Maltravers einem Kreiſe angeſchloſſen, worin Frau von Ventadvur mit mehr als gewöhnlicher Lebhaftigkeit den Vorfitz führte und worin ſie in ihrer netten, weiblichen, durchaus fran⸗ zöfiſchen Weiſe über hundert Gegenſtände Geſetze gab — über Philoſophie, Poeſie, Seore⸗Parzellan und das eurvpäiſche Gleichgewicht. Ernſt hörte angenehm unter⸗ halten, aber nicht entzückt ihr zu. Valerie zeigte ſich an dem Abend nicht natürlich, ſie ſprach mit er⸗ zwungener, lebhafter Stimmung. „Wohlan,“ ſagte Frau von Ventadour zuletzt, indem ſie vielleicht der von ihr geſpielten Rolle müde war und eine lebhafte Beſchreibung des vamaligen franzöfiſchen Hofes plötzlich beſchloß—„wir müſſen uns ſchämen. Unſer Geſpräch hat die Mufik unt⸗n brochen. E einer Verl Wink gab lichen Ver ſtören, M Verbrechen Die F ſellſchaftsk Zimmers. winkte fie ihre Seite „Herr Lieblichkeit noch nicht an Ihrem mich in J Ihre Büc bald wiede freimüthig Dies n näher an alle bishe Valerie b Theilnahm Theilnahn nung befa „Das bietet Au die Wolke Gipfel ve Welt hätte ihr gefühl, welches nd der ſtolzen, nancher Hinſicht Zwecke erwacht, rie war an das ſie einſt Ekel te ſich die Ge⸗ elt angeeignet; erfahrung nicht Romantik war en und ihr Ohr . Dennoch em⸗ ame un auch nzu fühlen. ers einem Kreiſe d mit mehr rfitz führte und durchaus fran⸗ inde Geſetze gab arzellan und da mngenehm unter⸗ lerie zeigte ſich ſprach mit er⸗ ntadour zuletzt, lten Rolle müde des vamaligen —„wir müſſer „Mufik unt⸗r⸗ 4³ brochen. Sahen Sie nicht, wie Lord Doningdale mit 3 einer Verbeugung gegen mich den Muſikanten den Wink gab, aufzuhören, als wolle er mit einem höf⸗ lichen Verweiſe ſagen:„„Die Muſik ſoll Sie nicht ſtören, Madame.““ Ich will nicht länger an Ihren Verbrechen des ſchlechten Geſchmackes Theil nehmen.“ Die Franzöſin ſtand auf, ſchlüpfte durch den Ge⸗ ſellſchaftskrris und entfernte ſich in einen Winkel des Zimmers. Ernſt folgte ihr mit den Blicken. Plötzlich winkte ſie ihm zu; er trat näher und ſetzte ſich an ihre Seite. „Herr Maltravers,“ begann Valerie mit großer Lieblichkeit in ihrer Stimme,„ich habe gegen Sie noch nicht das hohe Entzücken geäußert, welches ich an Ihrem Geiſte gefunden habe. Sie erlaubten mir, mich in Ihrer Abweſenheit mit Ihnen zu unterhalten; Ihre Bücher waren mir theure Freunde; da wir uns bald wieder trennen werden, ſo ſage ich Ihnen dies freimüthig und ohne Complimente.“ Dies war die Einleitung zu einem Geſpräch, welches näher an die Grenzen des Vergangenen ſtreifte, als alle bisherigen. Ernſt aber war auf ſeiner Hut und Valerie bewachte ſeine Worte und Blicke mit einer Theilnahme, die ſie nicht zu verbergen vermochte, einer Theilnahme, worin ſich Etwas von getäuſchter Hoff⸗ nung befand. „Das Erklimmen eines Berges,“ ſprach Valerie, bietet Aufregung, wenn auch Ermüdung; obgleich die Wolken uns vielleicht eine Ausſicht von ſeinem Gipfel verſagen, ſo ertheilt uns ehen die Aufregung allgemeines Vergnügen und dies ſcheint beinah ein Reſultat des menſchlichen Inſtinktes zu ſein, welcher in uns den Wunſch, emporzuſteigen, uns über die gewöhnlichen Wege und das Niveau des Lebens zu erheben, erweckt. Ein ſolches Vergnügen müſſen Sie in Ihrem Ehrgeiz, geiſtig ſich zu erheben, empfinden, worin die Seele aufwärts ſleigt.“ „Nicht der Ehrgeiz erweckt uns Vergnügen,“ er⸗ widerte Maltravers, ſondern nur der Umſtand, daß wir einen Pfad betreten, der unſern Neigungen ge⸗ nehm iſt und in kurzer Zeit durch Gewohnheit theuer wurde. Nur ſelten ſind die Augenblicke, worin wir über unſer Werk hinausblicken und worin die Phan⸗ taſie uns vorſpiegelt, daß wir unter dem ſtets grü⸗ nenden Lorbeer ſitzen. Nur das Werk ſelbſt, mag es Handlung oder Literatur betreffen, bietet uns Inter⸗ eſſe und Aufregung. Zuletzt wird die Trockenheit der Arbeit zur vertrauten Suße der Gewohnheit. Die geiſtige Arbeit bietet aber noch einen andern Reiz; wir werden mit unſerer Natur vertrauter. Herz und Seele werden gleichſam zu Freunden; Affekte und Be⸗ ſtrebungen verbinden ſich. So ſind wir ſtets in Ge⸗ ſellſchaft und niemals allein; Alles, was wir laſen, lernten und entdeckten, bietet uns Geſellſchaft. Dies iſt für Menſchen angenehm,“ fügte Maltravers hinzu, „welche in der äußeren Welt keine theure Verbin⸗ dungen beſitzen.“ „Befinden Sie ſich in dem Fall?“ fragte v mit furchtſamem Lächeln. „Ach ja! Seitdem ich mir eine Liebe Frau von keit, zu lie nung ſtum; ſere jugendl Eindrücke t nunft oder ausbilden.« zündet an d „Sie ſir „Ich ret Valerie Doningdale Tag einen 6 nen eines al Stunden zu Am näch gewöhnlich; ſeinem Sohn Sie kehrten herte ſich al goß ihre ſchi leinen maler einah ein „welcher über die Lebens zu müſſen Sie nheit theuer worin wir die Phan⸗ ſtets grü⸗ bſt, mag es uns Inter⸗ ockenheit der Die ndern Reiz; er. Herz und fekte und Be⸗ ſtets in Ge⸗ as wir laſen, Uſchaft. Dies travers hinzu, 45 Frau von Ventabvur, glaube ich beinahe, die Fähig⸗ keit, zu lieben, überlebt zu haben. Nach meiner Mei⸗ nung ſtumpfen wir bis auf einen gewiſſen Grad un⸗ ſere jugendliche Empfänglichkeit hinſichtlich der ſchönen Eindrücke des wirklichen Lebens ab, ſobald wir Ver⸗ nunft oder Einbildungskraft in ſehr weitem Umfange ausbilden. Der alte römiſche Dichter ſagt: Die Liebe zündet an der Trägheit ihre Fackel an.“ „Sie ſind zu jung, um ſo zu reden.“ „Ich rede, wie ich fühle.“ Valerie ſagte nichts mehr. Gleich darauf trat Lord Doningdale zu ihnen hin und brachte für den nächſten Tag einen Spazierritt in Vorſchlag, um die Rui⸗ nen eines alten Schloſſes in der Entfernung einiger Stunden zu beſehen. Zehntes Kapitel. Und ſollt' ich Dich erblicken Nach langen Jahren, Wird mich Dein Gruß entzücken. Byron. Am nächſten Tage war die Geſellſchaft kleiner wie gewöhnlich; ſie beſtand allein aus Lord Doningdale, ſeinem Sohn Georg Herbert, Valerie und Ernſt. Sie kehrten von den Ruinen zurück; die Sonne nä⸗ herte ſich almahlig dem weſtlichen Horizont und er⸗ goß ihre ſchrägen Strahlen über die Gärten einer leinen maleriſchen Stadt oder vielmehr eines Dorfes 46 an der nach Schottland führenden Landſtraße. Dieſe Stadt oder dies Dorf iſt einer der niedlichſten Orte in England und rühmt ſich eines ausgezeichneten, alt⸗ modiſchen Wirthshauſes mit einem großen und ſon⸗ derbar verzierten Vergnügungsgarten. Die Geſellſchaft ritt langſam durch eine lange nur von einzeln ſtehenden Häuſern gebildete Straße, als der Himmel ſich plötz⸗ lich überzog und einige große, niederfallende Hagel⸗ körner, die Nähe eines Gewitters verkündeten „Ich ſagte, daß wir heute nicht mit gutem Wetter vavon kommen würden,“ bemerkte Georg Herbert, „jetzt wird es uns eingebrockt.“ „Georg, der Ausdruck iſt gemein,“ ſagte Lord Doningdale, indem er ſeinen Rock zuknöpfte. Bei den Worten fuhr ein heller Blitzſtrahl über den Weg und der Himmel wurde immer dunkler. „Wir dürfen wohl im Wirthshauſe ausruhen,“ ſprach Maltravers„Das Gewitter kommt heran und Frau von Ventadour.4 „Sie haben Recht,“ unterbrach ihn Lord Doning⸗ dale und ſetzte ſein Pferd in kurzen Galvpp. Alle befanden ſich bald an der Thüre des alten Gaſthofes. Die Schellen wurden gezogen, die Hunde bellten, die Kellner liefen. Ein einfacher, dunkler Reiſewagen ſtand vor der Thür des Gaſthofs; eine Dame im erſten Stock Nummer 2 trat, vielleicht durch den Lärm unten aufgeſtört, ans Fenſter. Die Dame war im Reiſewagen gekommen, und damals in dem Zimmer allein. Als ſie ſorglos auf die Ge⸗ ſellſchaſt blickte, ruhte ihr Ange auf einer Geſtalt; ſie erblaßte, nungslos Mittle Gäſte in an das der nur einen lungen und Scheidewan fernen konn Bäume ſeu düſtere Zim Eindruck de derte; ein; ſetzte ſich a „bitte, laſſe „Beküm Palerie in v demſelben Mittlern mermädchen freunblichen Zimmer ver chen von de Geſellſchaft ln ſtehenden l ſich plötz⸗ ende Hagel⸗ eg Herbert, ſagte Lord pfte. Bei den den Weg und e ausruhen,“ nt heran und Lord Doning⸗ alopp. ee des alten en, die Hunde acher, dunkler aſthofs; ein⸗ trat, vielleicht s Fenſter. Die amalt os auf die Ge⸗ ner Geſtalt; ſi 47 erblaßte, ſtieß einen ſchwachen Ruf und ſiel befin⸗ nungslos zu Boden. Mittlerweile wurden Lord Doningdale und ſeine Gäſte in ein Zimmer gewieſen, welches unmittelbar an das der Dame ſtieß. Eigentlich bildeten beide Räume nur einen Saal für Bälle und Grafſchaftsverſamm⸗ lungen und die Trennung wurde nur durch eine dünne Scheidewand bewirkt, welche man nach Belieben ent⸗ fernen konnte. Der Hagel ſiel ſchnell und ſchwer, die Bäume ſeufzten, der Donner brüllte; das große, düſtere Zimmer hewirkte den fühlbaren und widrigen Eindruck der Kälte und Unbehaglichkeit. Valerie ſchau⸗ derte; ein Feuer wurde angezündet und die Franzöfin ſetzte ſich an daſſelbe hin. „Sie find naß, meine theure Dame,“ ſagte Lord Doningdale,„Sie ſollten dies enge Reitkleid ablegen und trocknen laſſen.“ „O nein,“ ſagte Valerie bitter und beinah rauh, „was iſt daran gelegen?“ „Es iſt ſehr viel daran gelegen,“ fiel Ernſt ein, bitte, laſſen Sie ſich Rath geben.“ „Bekümmern Sie ſich denn um mich?“ fragte Palerie in verdrießlichem Ton. „Wie können Sie ſo fragen,“ erwiderte Ernſt mit demſelben Ton, mit liebevoller, freunvlicher Wärme. Mittlerweile hatte der gute, alte Lord das Kam⸗ mermädchen herbeigerufen und veranlaßte mit den freundlichen Befehlen eines Vaters, daß Valerie das Zimmer verließ. Die drei Herrn allein gelaſſen, ſpra⸗ chen vyn dem Gewitter, wunderten ſich, daß es ſo — lange währe und verhanbelten die Zweckmäßigkeit, einen Wagen aus Doningdale holen zu laſſen. Während ſie fich unterhielten, hörte der Hagel plötzlich auf, obgleich Wolken am entfernten Horizont ſchwer heran⸗ zogen, um das Schauer zu erneuen. George Herbert, der ungeduldigſte der Sterblichen, beſonders im Regen⸗ wetter an einem fremden Orte, benutzte die Gelegen⸗ heit und verlangte nach Doningdale zu reiten, um den Wagen herzuſenden. „Georg,“ ſagte der Vater,„ein Reitknecht kann dies eben ſo wohl thun.“ „Mein theurer Vater, nein; ich müßte den Schelm zu ſehr beneiden. Hier empfinde ich tödtliche Lange⸗ weile. Marie wird Beſorgniß hinſichtlich unſerer hegen. Wie Sie wiſſen, bin ich ein abgehärteter Burſch. Guten Tag!“ Der junge Jäger eilte hinweg, und nach zwei Minuten ſaben die übrigen, wie er aus dem Thort des Gaſthofes munter fortſprengte. „Es iſt doch ſehr ſonderbar,“ ſprach Lord Doning⸗ dale nachſinnend,„daß ich einen ſolchen Sohn haben muß, der ſich keine zwei Minuten lang in einem Hauſe unterhalten kann. Ich habe mir doch bei ſeiner Er⸗ ziehung ſo große Mühe gegeben. Wie kann man ſich über ſich ſelbſt fo langweilen, daß man der Aus⸗ ſicht, einige Minuten beim Nachſinnen zuzubringen, nicht zu trotzen vermag— daß ein Regenſchauer und einige Gedanken ſo bittere übel bilden— wirklich ſehr ſonderbar! Dies Klima iſt aber doch wirklich ſehr ſchlecht. Ob ſich wohl der Himmel bald aufklären mag?“ knecht nich ſein Haup Lord hin murn auf und ſeine Peit In dem um anzuk braußen Lord Don erfahren, Jahre lan ſchauer be ausdrückte, ſchien. Lord T ohne ein Maltre leiſe und k danken zu dig, beina hinfuhr, 1 Heiterkeit, daſſelbe oh nicht hätte Mävchens Bulwer —— ßigkeit, einen n. Während plötzlich auf, ſchwer heran⸗ ee Herbert, rs im Regen⸗ die Gelegen⸗ reiten, um eitknecht kann te den Schelm dtliche Lange⸗ htlich unſerer abgehärteter nd nach zwei us dem Thore Lord Doning⸗ n Sohn haben neinem Hauſe bei ſeiner Er⸗ zie kann man man der Aus⸗ nzuzubringen, enſchauer un — wirklich ch wirklich ſehr fklären mag?“ Lorb Doningdale ging, indem er dies vor ſich hin murmelte, mit ſchnellen Schritten im Zimmer auf und ab; ſeine Hände ſteckten im Reitrocke und ſeine Peitſche ragte ſenkrecht aus der rechtem empor. In dem Augenblick trat Ler Kellner in's Zimmer, um anzukündigen, daß ſeiner Lordſchaft Reitknecht draußen ßehe und ihn dringend zu ſprechen wünſche. Lord Doningdale hatte alsdann das Vergnügen, zu erfahren, daß ſein Lieblingszeiter, den er ſchon 15 Jahre lang Sommer und Winter ritt, ein Fieber⸗ ſchauer bekomwen hatte und, wie der Stallknecht ſich ausdrückte, den Koller[Cholera?] im Magen zu haben ſchien. Lord Doningdale erblaßte und eilte in den Stall, ohne ein Wort zu ſagen. Maltravers, im Nachſinnen verſunken, hatte die leiſe und kurze Unterhaltung zwiſchen Herrn und Stall⸗ knecht nicht vernommen. Er ſaß am Feuer allein; ſein Haupt ruhte auf ſeiner Brnſt und ſeine Arme waren gefaltet. Mitt erweile hatte ſich die Dame im Nebenzimmer langſam von ihrer Ohnmacht erholt. Sie legte beibe Hände an die Schläfe, als ſuche ſie ſich ihrer Ge⸗ danken zu erinnern. Ihr Antlitz war ſchön, unſchul⸗ dig, beinah kindlich. Jetzt, da ein Lächeln drüber hinfuhr, lag etwas ſo Süßes und Rührendes in der Heiterkeit, die ſich über die Züge ergoß, daß man daſſelbe ohne ſtarke und beinah peinliche Theilnahme nicht hätte erblicken können. Es war die Heiterkeit eines Mävchens, welche viel Kummer erfahren hat! Plötz⸗ Bulwer, Maltravers. M. 4 lich fuhr ſie auf mit den Worten:„Nein, ich träumte nicht, er iſt zurückgekehrt, er iſt hier— Alles witd wieder gut werden. Hal es iſt ſeine Stimme, o Gott, es iſt ſeine Stimme!“ Sie hielt an, mit dem Finger auf der Lippe und mit niedergebeugtem Geſicht. Ein leiſer, unbeſtimmter Schall von Stim⸗ men erreichte ihr angeſpanntes Gehör und durch⸗ vrang die dünne Scheidewand, welche ſie von Mal⸗ travers trennte. Sie horchte aufmerkſam, allein ſie konnte den Inhalt des Geſpräches nicht verſtehen. Ihr Herz ſchlug heftig.„Er iſt nicht allein, mur⸗ melte ſie traurig vor ſich hin.„Ich will warten, bis der Schall aufhört, und alsdann will ich mich hinein wagen.“ Von welcher Art war das Geſpräch, welches Ernſt in vieſem Zimmer führte? Kehren wir zu Ernſt zurück. Er nahm noch dieſelbe nachdenkliche Stellung ein, als Frau von Ventadour zurückkehrte. Die Franzöſin erröthete, als ſie ſich mit Ernſt allein befand, und Ernſt ſelbſt befand ſich nicht behaglich⸗ „Herbert iſt fort, um den Wagen zu holen, und Lord Doningdale iſt verſchwunden, ich weiß nicht, wohin. Sie befinden ſich doch nicht übel nach dem Regen?“ „Nein.“ „Soll ich Beſtellungen von Ihnen in London ausrichten?“ fragte Maltravers;„morgen kehre ich dorthin zurück.“ „So bald!“ Valerie ſeufzte.„Ach,“ fügte ſie nach einer Pauſe hinzu,„vielleicht treffen wir uns erſt nach langen Jahren wieder. Herr von Venta⸗ dour iſt worden, Was iſt lerie von Dankbark taſie und gen und überzeugt Weib ſei von heut fluß, Val ich hoffe, „O,“ Rührung könnenen Süßigkeit der. Wa bezahlt!“ Ernſt eigene E drückte ſi bei den V Vergang dazu war Ihr Cho ich träumte Alles witd Stimme, o lt an, mit dergebeugtem von Stim⸗ und durch⸗ e von Mal⸗ m, allein ſie ht verſtehen. allein, mur⸗ will warten, ill ich mich ich, welches hren wir zu nachdenkliche zurückkehrte. Ernſt allein cht behaglich. holen, und nicht, wohin. em Regen?“ nin London gen kehre ich fügte ſie ffen wir uns n Venta⸗ 51 dour iſt zum Geſandten am Hofe von*** ernannt worden, ſomit. doch baran iſt nichts gelegen. Was iſt aus der Freundſchaft geworden, die wir uns einſt einander ſchwuren!“ „Sie weilt hier,“ ſprach Maltravers, indem er die Hand ans Herz legte.„Hier wenigſtens weilt die Häfte jener Freundſchaft, welche mir zur Bewahrung übertragen war, und mehr noch als Freundſchaft, Va⸗ lerie von Ventadvur— Achtung, Bewunderung und Dankbarkeit. Während einer Lebenszeit, worin Phan⸗ taſie und Leidenſchaft in aller Stärke mich zum trä⸗ gen und werthloſen Wollüſtling hätte machen können, überzeugten Sie mich, es gebe eine Tugend, das Weib ſei zu edel für unſer Spielzeug, zum Götzen von heute und zum Opfer von morgen. Ihr Ein⸗ fluß, Valerie, machte mich zum nachdenklicheren Mann, ich hoffe, zum beſſeren.“ „O,“ ſprach Valerie von Ventadour in ſtarker Rührung,„ich danke Ihnen für dieſe Worte. Sie können nicht wiſſen, Sie können nicht errathen, welche Süßigkeit ſie mir bieten. Jetzt erkenne ich Sie wie⸗ der. Was koſtete mich mein Entſchluß! jetzt bin ch bezahlt!“ Ernſt wurde durch ihre Rührung und durch ſeine eigene Erinnerung bewegt; er ergriff ihre Hand und vrückte ſie mit freimüthiger, achtungsvoller Zärtlichkeit bei den Worten:„Ich glaubte nicht, Valerie, als ich die Vergangenheit überſah, daß Sie mich lieben könnten; dazu war ich nicht eitel genug; war es der Fall, ſo iſt Ihr Charakter in meinen Augen um ſo mehr gehoben — wie vorausſichtig, wie weiſe war Ihre Tugend! Für uns Beide ſind unſere gegenwärtigen Gefühle weit glücklicher, als hätten wir uns einem kurzen und ſchuldigen Traume der Leidenſchaft hingegeben, im Kampf mit Allem, was der Leidenſchaft keine Ge⸗ wiſſensbiſſe erweckt und dem Glücke keine Verminde⸗ rung bewirkt. Jetzt—“ „— Jetzt,“ unterbrach ihn Valerie ſchnell, in⸗ dem ſie ihre dunkeln Augen auf ihn heftete,„jetzt, lieben Sie mich nicht mehr! Ja, ſo iſt es beſſer; ich will zurück in meine kalte und freudeloſe Stellung im Leben und noch einmal vergeſſen, daß mir der Himmel ein Herz gegeben hat!“ „Valerie, geachtete, verehrte und noch immer ge⸗ liebte, wenn auch nicht mehr mit früherer Flamme, ſondern mit tiefer, ewiger und heiliger Zärtlichkeit! Sagen Sie mir vas nicht; erwecken Sie mir nicht den Glauben, daß Sie unglücklich find! Laſſen Sie mich glauben, daß Sie, weiſe, ſcharfſinnig und glän⸗ zend wie Sie ſind, Ihre Gaben darauf verwandten, ſich ſelbſt mit dem alltäglichen Lvoſe auszuſöhnen. Laſſen Sie mich zu Ihnen empor blicken, wenn ich vie Geſellſchaftskreiſe, worin Sie leben, zu verachten geneigt bin; laſſen Sie mich ſagen, auf dieſem Fuß⸗ geſtell erhebt ſich ein Altar, welchem das Herz die Opfer der Seele bringen darf.“ „Vergeblich kämpfe ich,“ ſprach Valerie, durch Aufregung halb erſtickt, indem ſie leidenſchaftlich ihre Hände feſt zuſammendrückte;„Ernſt, ich liebe Sie noch immer; ich bin unglücklich durch den Gevanken, daß Sie Nichts Jugend kelt, ſog welches ich von« für mich bin nicht — verac „Neit Hand erg zu vergeſſ mich an.“ er in der Valerie il Geſtalt, ein; das Maltrave auf ihren voller Lie trat ein i ſeits der daß ihre eine Ge⸗ zerminde⸗ nell, in⸗ Stellung ß mir der immer ge⸗ Flamme, irtlichkeit! mir nicht Laſſen Sie und glän⸗ erwandten, szuſöhnen. wenn ich u verachten ieſem Fuß⸗ s Herz die erie, durch haftlich ihre h liebe Sie Gedanken, daß Sie mich nicht mehr lieben; ich möchte Ihnen Nichts geben, und dennoch verlange ich Alles; meine Jugend verſchwindet, meine Schönheit wird verdun⸗ kelt, ſogar meine Geiſtesgaben werden durch das Leben, welches ich führe, abgeſtumpft, und dennoch verlange ich von Ihnen dasjenige, was einſt Ihr junges Herz für mich fühlte. Verachten Sie mich, Maltravers, ich bin nicht, was ich ſchien— ich bin eine Heuchlerin — verachten Sie mich.“ „Nein,“ ſprach Maltravers, indem er wieder ihre Hand ergriff und an ihrer Seite aufs Knie ſank,„nie zu vergeſſende, ſtets zu verehrende Valerie, hören Sie mich an.“ Bei den Worten küßte er die Hand, die er in der ſeinigen hielt; mit der andern bedeckte ſich Valerie ihr Geſicht und weinte bitterlich aber ſchwei⸗ gend. Ernſt hielt an, bis ihr heftiges Gefühl ſich gelegt hatte; ihre Hand lag noch in der ſeinigen und wurde von ſeinen Küſſen erwärmt— Küſſe, ſo warm, wie ſie jemals ein Ritter auf die Hand ſeiner Her⸗ zenskönigin drückte. In dem Augenblick öffnete ſich leiſe die Thür des anſtoßenden Zimmers. Eine ſchöne Geſtalt— eine Geſtalt, ſchöner und jünger als die der Valerie, trat ein; das Schweigen hatte ſie getäuſcht; ſie glaubte Maltravers ſei allein. Sie trat ein, mit dem Herz auf ihren Lippen, mit Liebe, ſanguiniſcher, hoffnungs⸗ voller Liebe in jeder Ader, in jedem Gedanken— ſie trat ein im Traume, daß die Sonne des Lebens jen⸗ ſeits der Schwelle ihr wieder dämmern werde— daß ihre Tage wiederum ſein würden, was einſt fie — waren, als ſelbſt die Luft ihr Entzückung bot. So trat ſie ein; jetzt ſtand ſie da wie vom Zauber ge⸗ bunden, vom Schrecken ergriffen, bleich wie der Tod — vas Leben ward verſteinert— Jugend, Hoffnung, Glück war auf immer für ſie entſchwunden! Sie ſah allein, daß Ernſt vor einer Andern kniete!— Deß⸗ halb alſo war ſie ihm ſtandhaft treu unter Stürmen und in tiefſter Betrübniß geblieben! Deßhalb hatte ſie gehofft, geträumt und gelebt!— Die Beiden be⸗ merkten ſie nicht; ſie blieb ungeſehen und ungehört. Und Ernſt, welcher baarfuß von einem Ende der Welt bis zum andern, um ſie zu finden, gewandert ſein würde, befand ſich mit ihr in bemſelben Zimmer und wußte es nicht! „Nennen Sie mich wieder Geliebte,“ ſprach Valerie mit ſanfter Stimme. „Geliebte Valerie, hören Sie mich an.“ Dieſe Worte genügten für die Zuhörerin; ſie ſchlich ſich ſtill hinweg. Die Thür ſchloß ſich hinter ihr; ſie hatte den Wunſch ihres ganzen Lebens erreicht. Der Himmel hatte ihr Gebet erhört; noch einmal hatte ſie den Geliebten ihrer Jugend erblickt; von dem Augenblick an gab es für ſie nur Nacht und Dunkel. Was war an ihrem Schickſal gelegen? Was vermag ein Augenblick auf Jahre hin zu bewirken!— Ein einziger Augenblick!— Tugend, Verbrechen, Ruhm, Scham, Schmerz, Entzücken beruhen auf Augen⸗ blicken! Der Tod ſelbſt iſt nur ein Augenblick, und dennoch folgt auf ihn die Ewigkeit. „Hören Sie mich an,“ fuhr Ernſt fort, ohne zu wiſſen we einander die Form ſchiedenen der Tugen — Freunt auf deren mals eine einſt wied⸗ ſo heilig thum der die Liebe Stoff nich In de druck, in daß Valer erlangte, beſiegt ge wundernde mit ruhige Sie; Ihr In de Doningda hinweg. aufſtand; war gebro beſtanden. fuhr der? thür. Nac ſchaft ein — bt. S Zauber ge⸗ wie der Tod „Hoffnung, en! Sie ſah te!— Deß⸗ ter Stürmen eßhalb hatte eBeiden be⸗ nd ungehört. nde der Welt wandert ſein Zimmer und prach Valerie an.“ ein; ſie ſchlich inter ihr; ſie erreicht. Der einmal hatte t dem und Dunkel. Was vermag en— Ein Verbrechen, en auf Augen⸗ genblick, und fort, ohne zu 55 wiſſen was vorgegangen war,„laſſen Sie uns das einander ſein, was die menſchliche Natur und was die Formen der Welt nur ſelten zwei Menſchen ver⸗ ſchiedenen Geſchlechtes geſtatten— Freunde und Freunde der Tugend— Freunde in jeder Zeit und Entfernung — Freunde in allen Wechſeln des Lebens— Freunde, auf deren Liebe die Scham und Gewiſſensblſſe nie⸗ mals einen Schatten warfen— Freunde, die ſich der⸗ einſt wiederſehen! Keine Liebe iſt ſo wahr, kein Band ſo heilig wie jenes, welches auf dem alten Ritter⸗ thum der Treue und Ehre begründet iſt; ſo würde die Liebe ſein, wenn Herz und Seele durch irdiſchen Stoff nicht verfälſcht wären.“ In den Zügen von Ernſt lag ein ſo edler Aus⸗ druck, in ſeiner Stimme ein ſo durchdringender Ton, daß Valerie plötzlich ihre natürliche Stimmung wieber erlangte, welche durch eine augenblickliche Schwäche beſiegt geweſen war. Sie ſchaute ihn mit einem be⸗ wundernden und dankbaren Blick an und ſprach alsdann mit ruhiger, aber leiſer Stimme:„Ernſt, ich verſtehe Sie; Ihre Freundſchaft iſt mir theurer wie Liebe!“ In dem Augenblick vernahmen ſie die Stimme Lord Doningdale's auf der Treppe; Valerie wandte ſich hinweg. Maltravers reichte ihr ſeine Hand, als er aufſtand; ſie vrückte dieſelbe mit Wärme; der Zauber war gebrochen, die Verſuchung überwunden, bie Probe beſtanden. Als Lord Doningrale ins Zimmer trat, fuhr der Wagen, worin Herbert ſaß, an die Haus⸗ thür. Nach wenigen Minuten war die kleine Geſell⸗ ſchaft eingeſtiegen. Als ſie hinwegfuhr, ſpannten die Stallknechte die Pferde an den dunkelgrünen Reiſe⸗ wagen. Aus dem Fenſter ſchaute ein trauriges und angeſtrengtes Auge auf die geſchmücktere Karoſſe des Pairs, daſſelbe Auge, deſſen Blick Maltravers mit der Hälfte ſeines Vermögens erkauft haben würde! Er ſah jedoch nicht auf; Alice Darvil wandte ſich hinweg und ihr Schickſal war von jetzt an beſiegelt. Elftes Kapitel. Gar ſonderbare Qual ber Leibenſchaft hab ich gekannt und will ſie dir verkünden. Wordsworth. Des Hoffens Nahrung Wird burch bedachte Handlung mir gereicht. Derſelbe. Maltravers verließ Doningdale am nächſten Tage; er hielt mit Valerie kein weiteres Geſpräch; als er aber von ihr Abſchied nahm, legte ſie einen Brief in ſeine Hand, welchen er während ſeines langſamen Rittes durch die Buchengänge des Parkes las. In der überſetzung lautete er auf folgende Weiſe: „Andere würden mich wegen der Schwäche, die ich bewies, verachten; allein bei Ihnen wird dies nicht der Fall ſein. Es war die einzige Schwäche meines Lebens, Niemand weiß, welche Leiden ich beſtand— welche Stunden der Niedergeſchlagenheit und Düſter⸗ keit— ich, welche ſo Manche beneiden! Es iſt beſſer ein Bauernmädchen mit Liebe, als eine Königin zu ſein, deren Leben nur in einem ſchaalen Mechanismus nie vergef bung mir vorüber ut Lippen all ich ihn ne ſchließen. Unterhaltu trafen wir Sie michen wand alle überwindet die des Ki ſelbſt; ich rechtere ur wacht, unt Ihrer Acht lich die Se zufriedenhe kehre ins was ſeinen überwinder Gedenken( zu habenen Gattin oh Sanftmuth der Seele, Sie werde Maltre als er ſein beſteht. Sie, Maltravers, habe ich in der Eutfernung die Dinge, en Reiſe⸗ nie vergeſſen; durch Ihr Bild wurde meine umge⸗ uriges und bung mir noch läſtiger und alltäglicher. Jahre gingen Karoſſe des vorüber und Ihr Name befand ſich plötzlich auf den ravers mit Lippen aller Männer, wohin ich auch kam, ſo hörte ben würde! ich ihn nennen— ich konnte Sie von mir nicht aus⸗ wandte ſich ſchließen. Ihr Ruhm war für mich gleichſam eine m beſiegelt. Unterhaltung mit Ihnen an meiner Seite. Endlich trafen wir uns plötzlich und unerwartet. Ich ſah, daß Sie mich nicht mehr liebten, und dieſer Gedanke über⸗ wand alle meine Entſchlüſſe. Die Qual des Herzens wenſchaft überwindet die Nerven der Seele, wie die Krankheit dir verkünden. die des Körpers. So vergaß und bemüthiate ich mich ſelbſt; ich hätte mich zu Grunde richten können. Ge⸗ ng mir gereicht. rechtere und beſſere Gedanken find wieder in mir er⸗ Veiſeh wacht, und wenn wir uns wieder treffen, werde ich chſten Tage; Ihrer Achtung würdig ſein. Ich erkenne, wie gefähr⸗ räch; als er lich die Schwelgerei in Gedanken, die Sünde der Un⸗ einen Brief zufriedenheit, der ich mich hingab, ſich erweist. Ich s langſamen kehre ins Leben mit dem Entſchluſſe zurück, Alles, las. In der was ſeinen Anſprüchen und Pflichten widerſtrebt, zu iſe: überwinden. Ernſt, der Himmel leite und behüte Sie. chwäche, die Gedenken Sie meiner als einer Frau, die Sie geliebt ird dies nicht zu haben nicht erröthen würden— die Sie einſt Ihrer väche meines Gattin ohne Scham vorſtellen werden. Mit ſo viel ch beſtand— Sanftmuth, Zartheit und Größe im Herzen und in und Düſter⸗ der Seele, werden Sie nicht mein Schickſal theilen— Es iſt beſſer Sie werden nicht allein ſtehen. Leben Sie wohl!“ Königin zu Maltravers las zu wiederholtenmalen dieſen Brief; Mechanismus als er ſein Haus erreichte, legte er ihn ſorgfältig unter r Entfernung die Dinge, die er am meiſten ſchätzte. Eine Locke von Alicens Haar lag daneben— nach ſeiner Meinung kanntſchaft z wurde weder ver Brief noch die Locke durch die Be⸗(hier lächelt rührung entehrt. ein Unbekan Mit Geiſtesanſtrengung wandte er ſich wieder zu allein, um den ſtrengen, aber hohen Verbindungen, welche die hinſichtlich Literatur mit dem wirklichen Leben ſchließt. Vielleicht„Was ſi lag eine gewiſſe Ruheloſigkeit in ſeinem Herzen, welche Schuld redet ihn ſtets bewog, ſeine Seele zu beſchäftigen. Dies„Als ich Jahr war eines der thätigſten ſeines ganzen Lebens, Dichter feie dasjenige, worin er am meiſten Eiferſucht weckte und Sie vor eini ſeinen Ruf befeſtigte. Werkes über erkundigen; Zwölftes Kapitel. 20 Pfund⸗ plaren, betr Er trat wirklich in mein Zimmer. Gil Blas. zu einigen t Ich erſtaune,“ ſagte er,„über die Launen des Slucs, welches oft ein unausſtehlichen iſt gut Lnge Autor mit Gunſt überladet, während es gute man ſich kei Schriſtſteller aus Mangel ſterben läßt.“ ni folgte eine Schuld bezah Gerade ein Jahr nach der letzten Unterredung mit ene Ant Valerie, welche ſchon lange England verlaſſen hatte, ich fertig. 3 ſaß Maltravers eines Morgens allein in ſeinem Studir⸗ Geſundheit zimmer, als Caſtruccio Ceſarini angemeldet wurde.„Ceſarin „Mein theurer Caſtruecio, wie gehts!“ rief Mal⸗„Herr travers freuvig aus, als die ſich öffnende 3 die„Ja 4 Geſtalt des Italieners zeigte. derjenigen g „Herr,“ ſagte Caſtruccio mit großer Steifheit und i t in franzöſiſcher Sprache, die er zu gebrauchen gewohnt ſelten iß. S war, wenn er Andere in der Entfernung halten wollte S Verna —„Herr, ich komme nicht, um unſere frühere Be⸗ tadeln bin. Meinung die Be⸗ wieder zu welche die Vielleicht en, welche en Dies nLebens, veckte und 1 Blas. rdie Launen nausſiehlichen hrend es gute läßt.“ l Blat. edung mit ſſen hatte, m Studir⸗ det wurde. rief Mal⸗ Thür die eifheit und ngewohnt lten wollte rühere Be⸗ kanntſchaft zu erneuen; Sie find ein angeſehener Mann (hier lächelte Caſtrucciv auf bittere Weiſe), ich bin ein Unbekannter(Caſtruccio richtete ſich auf), ich komme allein, um eine Schuld zu zahlen, worin ich mich hinfichtlich Ihrer, wie ich bemerke, befinde.“ „Was ſoll der Ton, Caſtruccio, und von welcher Schuld reden Sie da?“ „Als ich geſtern nach London kam,“ ſprach der Dichter feierlich,„ging ich zum Buchhändler, dem Sie vor einigen Jahren die Herausgabe meines kleinen Werkes übertrugen, um mich nach deſſen Erfolge zu erkundigen; ich fand, daß die Koſten der Herausgabe 120 Pfund, nach Abzug von neunundvierzig Exem⸗ plaren, betrugen. Wie ich höre, werden Ihre Bücher zu einigen tauſend Exemplaren verkauft. Die Sache iſt gut angelegt; mein Werk iſt todt geboren, weil man ſich keine Mühe gab— es iſt einerlei(es er⸗ folgte eine Schwenkung des Armes). Sie haben dieſe Schuld bezahlt und ich erſtatte ſie Ihnen zurück. Hier iſt eine Anweiſung auf das Geld. Jetzt, Herr, bin ich fertig. Ich wünſche Ihnen einen guten Tag und Geſundheit, um Ihren Ruhm zu genießen.“ r iſt Thorheit. 6 „* Herr.. „Ja, es Thorheit, denn keine Thorheit kommt derjenigen gleich, welche irgend eine Freundſchaft in einer Welt von ſich ſtößt, worin die Freundſchaft ſo ſelten iſt. Sie geben mir zu verſtehen, daß ich wegen einer Vernachläſſigung hinſichtlich Ihres Werkes zu tadeln bin. Ihr Vuchhändler kann Ihnen ſagen, daß ich mir mit Ihrem Buche mehr Mühe gegeben habe als mit meinem eigenen.“ „Der Beweis liegt darin, daß neunundvierzig Exrem⸗ plare verkauft wurden!“ „Setzen Sie ſich, Caſtruccio, und nehmen Sie Vernunft an.“ Maltravers ging zur Grläuterung der Sache über, beſänftigte und tröſtete den Schriftſteller. Er ſagte dem armen Dichter, ſeine Verſe ſeien in einer fremden Sprache geſchrieben; ſogar engliſche Dichter von großem Ruf erlangten nur einen beſchränk⸗ ten Abſatz ihrer Werke; es ſei unmöglich, das gei⸗ zige Publikum zum Ankauf von Büchern zu zwingen, woran das einfältige Publikum kein Intereſſe nehmen wolle; kurzum, er brachte alle diejenigen Umſtände vor, die ſich als natürlich und als die zweckmäßigſten varboten, um Caſtrucciv zu überzeugen und zu be⸗ ſänftigen; er ſprach mit ſo offenbarem Mitgefühl und Güte, daß der Italiener zuletzt ſeine Gereiztheit nicht länger rechtfertigen konnte. Eine Ausſöhnung trat ein; dieſe war aufrichtig von Seite des Maltravers, hohl von Seiten des Ceſarini; der Schriftſteller mit, getäuſchter Hoffnung konnte dem glücklichen nicht ver⸗ zeihen. „Wie lange wollen Sie in London bleiben?“ „Einige Monate.“ „Laſſen Sie Ihr Gepäck holen uaAd ſeien Sie mein Gaſt.“ „Nein, ich habe mir eine Wohnung gemiethet, die ſich für mich eignet; ich bin zur Einſamkeit ge⸗ ſchaffen.“ „So lat die große A „Ja, ic ich höre, kö an einem J „Sie hö wenigſtens 8 Auszeichnunt gaſtfrei aufn Cicerone an. „Aber J „Steht zi gehen?“ „Es iſt worden, denl welcher, wie liche Aufmer irgend ein „Man ſa begleiten; ich gerade heute „Fühlen Mannes, det Anſpruch nim „Eiferſuch Prediger auftr „Hätte ich Eiferſucht emp ſpräche.“ „Nein, m geben habe erzig Erem⸗ ehmen Sie uterung der chriftſteller. ſe ſeien in r engliſche beſchränk⸗ , das gei⸗ u zwingen, eſſe nehmen nUmſtände ckmäßigſten und zu be⸗ tgefühl und iztheit nicht hnung trat Maltravers, ftſteller mit n nicht ver⸗ leiben en Sie mein emiethet, ſamkeit ge⸗ 61 „So lange Sie jeboch hier bleiben, werden Sie die große Welt ſich anſehen.“ „Ja, ich habe einige Empfehlungsbriefe, und wie ich höre, können die Engländer das Verdienſt ſogar an einem Italiener ehren.“ „Sie hörten die Wahrheit, und es wird Ihnen wenigſtens Vergnügen machen, unſere Männer von Austeichnung zu beſuchen. Dieſe werden Sie höchſt gaſtfrei aufnehmen. Nehmen Sie meinen Beiſtand als Cicerone an.“ „Aber Ihre werthvolle Zeit!“ „Steht zu Ihrem Befehl; wohin wollen Sie heute gehen?“ „Es iſt Sonntag und meine Neugierde iſt erregt worden, den berühmten Prediger, Herrn*“*, zu hören, welcher, wie man mir ſagt, gegenwärtig die öffent⸗ liche Aufmerkſamkeit mehr in Anſpruch nimmt, wie irgend ein Schriftſteller.“ „Man ſagte Ihnen die Wahrheit, ich will Sie hegleiten; ich hatte ihn noch nicht gehört, allein mir gerade heute es vorgenommen.“ „Fühlen Sie keine Eiferſucht hinſichtlich eines Mannes, der die öffentliche Aufmerkſamkeit ſo in Anſpruch nimmt?“ „Eiferſucht! wie ſo, ich habe ja nie als berühmter Prediger auftreten wollen! Ce mest pas mon métier.“ „Hätte ich als Schriftſteller Erfolg, ſo würde ich Eiferſucht empfinden, wenn man von tanzenden Hunden ſpräche.“ „Nein, mein theurer Ceſarini, das würden Sie gewiß nicht. Jetzt empfinden Sie wegen vereitelter Hoffnung eine natürliche Gereiztheit; derjenige aber, welcher ſo viel Erfolg, wie er verdient, erlangt, iſt niemals in krankhafter Weiſe eiſerſüchtig, nicht ein⸗ mal auf einen Nebenbuhler in ſeiner eigenen Thätig⸗ keit; Mangel an Erfolg erbittert uns, ein wenig Sonnenſchein lächelt die Wolken hinweg. Kommen Sie, wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Maltravers nahm ſeinen Hut, und die beiden jungen Männer gingen nach*** Chapel. Ceſarini hatte ſeinen ſonderbaren Anzug beibehalten, obgleich derſelbe aus feinerem Tuch beſtand und mit mehr Stutzerhaftigkeit und anſpruchsvollem Weſen getragen wurde. Sein äußeres Benehmen war vervollkommnet worden; man hatte ihn in Paris bewundert und ihm geſagt, er ſehe wie ein Mann von Genie aus; mit ſeinen ſchwarzen, über die Schulter ſchwebenden Locken, ſeinem langen Schnurrbart, ſeinem breiten ſpaniſchen Hut und ſeinem excentriſchen Anzug hatte er aller⸗ dings nicht das Anſehen anderer Leute. Er betrachtete mit einem Lächeln ver Verachtung die einfache Klei⸗ dung ſeines Geſellſchafters.„Ich bemerke,“ ſagte et dieſem,„daß Sie der Mode folgen und ein Ausſehen haben, als brächten Sie Ihr Leben mit Elegants, ſtatt mit Gelehrten zu. Ich wundere mich, daß Sie ſich zu ſolchen Kleinigkeiten, wie zu modiſchen Hüten und Röcken herablaſſen.“ Es wäre ſchlimmer, wie Kleinigkeitskrämere wollte man Originalität in Röcken und Hüten zeigen wenigſtens bei uns, im nüchternen England. 36 wurbe als meinen äuf halb ſollte heit von a „Ich ſe die Schwäc haben ſind, gebildeter 2 zu ſein.“ „Ich ha nicht richtig Urtheil eine er ſeinen A tenheit ang⸗ „Handel zeigt, daß e Menſch iſt? perſönliches er ſogar im ungleich iſt? darf ſeine C zu den Kün Königthum Königthum „Sicherli ſchreierei det men, wird werden und männlich, ſt vereitelter nige aber, rlangt, iſt nicht ein⸗ en Thätig⸗ ein wenig Kommen die beiden l. Ceſarini en, obgleich mit mehr en getragen okommnet ert und ihm ie aus; mit nden Locken, n ſpaniſchen tte er aller⸗ r betrachtete e,“ ſagte et ein Ausſehen it Elegants, ich, daß Sie iſchen Hüten keitskrämerei Hüten zeiger ngland. J 63 wurde als Mann von Stande geboren, und bekleibe meinen äußeren Körper wie Meinesgleichen⸗ Weß⸗ halb ſollte ich als Schriftſteller mit einer Verſchieden⸗ heit von andern Menſchen Ziererei treiben? „Ich ſehe,“ erwiderte Ceſarini,„daß Sie über die Schwäche Ihres Landsmanns Congreve nicht er⸗ haben ſind, welcher es für etwas Größeres hielt, ein gebildeter Mann von Stande, wie ein Schriftſteller zu ſein.“ „Ich habe immer geglaubt, dieſe Anekdote werde nicht richtig verſtunden. Congreve beſaß nach meinem Urtheil einen geziemenden und männlichen Stolz, als er ſeinen Wiberwillen ausdrückte, nur als eine Sel⸗ tenheit angeſtarrt zu werden.“ „Handelt man aber klug, wenn man der Welt zeigt, daß ein Schriftſteller durchaus wie ein anderer Menſch iſt? Wird ein Schriftſteller nicht ein größeres perſönliches Intereffe erregen, wenn er darthut, daß er ſogar im Außeren allein der gewöhnlichen Heerde ungleich iſt? Man ſollte ihn nur ſelten ſehen— er darf ſeine Gegenwart nicht abnutzen laſſen; er muß zu den Künſten ſeine Zuflucht nehmen, welche dem Königthum des Geiſtes ebenſo angehören, wie dem Königthum der Geburt.“ „Sicherlich wird ein Schriftſteller mit etwas Markt⸗ ſchreierei der Art mehr ins Gerede der Leute kom⸗ men, wird in Erziehungsinſtituten mehr angebetet werden und ein größeres Gepränge, wenn man ihn öffentlich zeigt, erweiſen. Iſt ſeine Seele jedoch männlich, ſo wird er durch jede Quackſalberei der — 64 Art an Selbſtachtung verlieren. Meine Philoſophie heſteht darin, daß Selbſtachtung allen Ruhm der Welt aufwiegt.“ Ceſarini lächelte ſpöttiſch und zuckte die Achſeln; die beiden Schriftſteller beſaßen offenbar keine durch⸗ aus verſchiedene Anſichten. Zuletzt kamen ſie in das Gotteshaus einer Diſ⸗ ſentergemeinde und erlangten Plätze mit einiger Schwierigkeit. Der Gottesdienſt begann ſogleich. Der Prediger war ein Mann von unzweifelhaftem Talent und glü⸗ hender Beredſamkeit; allein ſeine theatraliſchen Künſte, ſeine affektirte Kleidung, ſeine künſtlichen Töne und Geberden, vor allem aber die fanatiſche Mummerei, die er in das Gotteshaus einführte, erregte Ekel bei Maltravers, während Ceſarini dadurch entzückt, hin⸗ geriſſen und mit Ehrfurcht erfüllt wurde. Der Eine ſah einen Marktſchreier und Betrüger, der Andere erkannte einen tiefen Künſtler und begeiſterten Propheten. Während die Predigt dem Ende ſich nahte, und während der Prediger in einem der heftigſten Aus⸗ brüche ſeiner Bereoſamkeit bei den Oh's und Ach's begriffen war, welche das Vorſpiel zu einem pathe⸗ tiſchen Schluſſe darboten, heftete der dunkle Umriß einer weiblichen Geſtalt in einiger Entfernung den Blick des Maltravers auf einen beſtimmten Punkt und nahm alle ſeine Gedanken in Anſpruch. Ob⸗ gleich die Sonne in der Mittagshshe ſtand, war das Gotteshaus dunkel; das Geſicht der Dame, welches die Aufmerkſamkeit von Ernſt auf ſich zog, wurdt * durch der die Biegu demüthig zurück.„ wohl die Züge zeig ſchaftlich f thümlicher Schultern, die Stellut riſtiſch iſt. war Ernſt nie zu ver ſeine erſte Dame ſaß Prediger g kleines Mä loſophie ihm der Achſeln; ne durch⸗ ner Diſ⸗ einiger Prediger und glü⸗ en Künſte, Töne und Nummerei, te Ekel bei züct, hin⸗ r Eine ſah re erkannte opheten. nahte, und gſten Aus⸗ und Ach's nem pathe⸗ nkle Umriß ernung den nten Punkt ruch. Ob⸗ d, war das ne, welches zog, wurdt 65 vurch deren Kopfputz und Schleier verdeckt. Allein die Biegung des Halſes, ſo einfach anmuthig, ſo demüthig beſcheiden, rief in ſein Herz nur ein Bild zurück. Jedermann hat vielleicht bemerkt, daß ſo⸗ wohl die Körperform wie das Antlitz charakteriſtiſche Züge zeigt, welche zwei Perſonen nur ſelten gemein⸗ ſchaftlich ſind. Dieſe Züge beſtehen meiſt in eigen⸗ thümlicher Wendung des Kopfes, dem Umriß der Schultern, dem unausſprechlichen Etwas, welches für die Stellung jedes Einzelnen in der Ruhe charakte⸗ riſtiſch iſt. Je ſchärfer er hinblickte, deſto feſter war Ernſt überzeugt, daß er die lang verlorene, nie zu vergeſſende Geliebte ſeiner jugendlichen Tage, ſeine erſte Liebe erſchaute. Auf der einen Seite der Dame ſaß ein ältlicher Herr, deſſen Auge auf den Prediger gerichtet war; an der andern ein liebliches kleines Mädchen mit langen ſchönen Locken und den Geſichtezügen, welche Maler und Dichter wegen ihrer außerordentlichen Zartheit und ausdrucksvollen Milde als engelgleiche zu bezeichnen pflegen. Dieſe Perſonen ſchienen zu derſelben Geſellſchaft zu gehören. Mal⸗ travers zitterte im buchſtäblichen Sinne des Wortes, ſo groß war ſeine Ungeduld und Aufregung. Dennoch war der Anzug dieſes vermutheten Ebenbildes der Alice, das Außere ihrer Geſellſchafter ſo offenbar über den gewöhnlichen Rang erhaben, daß Ernſt kaum den Eingebungen ſeines Herzens zu glauben wagte. War es möglich, daß die Tochter von Lucas Darvil, in die weite Welt geſtoßen, ſo hoch ſich über ihre Um⸗ ſtände und ihren Rang erheben konnte? 3 kam Bulwer, Maltravers. M. der Angenblick, ſeine Zweifel zu löſen; die Predigt ſchloß; das Gebet aus dem Stegreif war beendet; die Gemeinde brach auf und Maltravers drängte ſich ſo ſchnell wie möglich durch den dichten Menſchen⸗ haufen, allein jeden Augenblick trat ihm ein verdrieß⸗ liches Hinderniß in der Form eines dicken Herrn oder dreier eingekeilten Damen, in den Weg. Er verlor die von ihm beobachtete Geſellſchaft inmitten einer Maſſe von großen Damenhüten und wallenden Federn. Zuletzt gelangte er athemlos und blaß wie der Tod (ſo groß war der Kampf in ſeinem Innern) an die Thüre des Gotteshauſes. Er kam zur rechten Zeit dort an, um einen einfachen Wagen mit Dienern in grauer ungeſchmückter Livree von dem Eingange hinwegfahren zu ſehen. Innerhalb des Wagens er⸗ blickte er nur ſo eben die goldenen Locken eines Kindes. Er ſprang vorwärts und warf ſich beinahe den Pferden in den Weg. Der Kutſcher hielt dieſelben an, peitſchte ſie ſeitwärts mit einem Ausdruck des Zornes, der wie ein Fluch klang und fuhr alsdann davon. Dieſe augenblickliche Pauſe hatte aber genügt.„Sie iſt es! O Himmel, es iſt Alice!“ murmelte Maltravers vor ſich hin; der ganze Platz drehte ſich vor ſeinen Augen und er hielt ſich überwältigt und bewußtlos, um nicht umzuſinken, an einem nahen Laternenpfahl. Dann riß er ſich durch heftige Anſtrengungen aus der Be⸗ täubung, als der Gedanke ſein Herz durchfuhr, daß er wieder im Begriff ſet, ihre Epur auf immer zu verlieren. Wie ein Wahnſinniger ſtürzte er vor⸗ wärts und folgte dem Wagen; indeſſen fand ſich dort auch eine ein Stror höheren E in jenes regung an müdenden erſchöpft beinahe ül er an jeden haus, abe jeden oͤffe und Vergn Armuth. lberfluß. gnügunge Trinmphe Predigt endet; erdrieß⸗ rn oder verlor n einer Federn. er Tod an die ten Zeit Dienern Fingange gens er⸗ sKindes. Pferden peitſchte „der wie Dieſe ie iſt es! avers vor en Augen um nicht l. Dann der Be⸗ fuhr, daß immer zu er vor⸗ ſich dort 67 auch eine Maſſe anderer Kutſchen; außerdem folgte ein Strom der Fußgänger auf den andern, denn die höheren Stände und die munteren Leute begaben ſich in jenes Gotteshaus zum Zweck einer modiſchen Auf⸗ regung an einem langweiligen Tage. Nach einer er⸗ müdenden und gefährlichen Jagd hielt Maltravers erſchöpft und verzweifelnd an, nachdem er dreimal beinahe überfahren worden wäre. Monate lang ging er an jedem der folgenden Sonntage in daſſelbe Gottes⸗ haus, aber vergeblich; vergeblich auch beſuchte er jeden öffentlichen Sammelplatz der Verſchwendung und Vergnügung. Alice Darvil ſah er nicht wieder. Dreizehntes Kapitel. Sagt mir Herr, Ward Eure Habe gut berechnet auch, habt Euer Landgut richtig Ihr taxirt, Daß ſolchen Wechſel Ihr ertragen könnt? Der adelige Herr. Als Maltravers allmählig von der erſten Erſchüt⸗ terung dieſer unerwarteten Begegnung und vom langen Schmerze vereitelter Erwartung, welcher darauf folgte, ſich erholte, empfand er ein ſonderbares Gefühl des Glücks oder der Zufriedenheit. Alice befand ſich nicht in Armuth; ſie aß nicht das entweihete Brod des Laſters oder erntete den bittern Tagelohn arbeitender Armuth. Er ſah ſie in achtbarer Stellung ſogar im Uüberfluß. Ein düſterer Alp, der oft unter den Ver⸗ gnügungen der Jugend bei jedem ſeiner literariſchen Triumphe ihm die Bruſt ervrückt hatte, war jetzt 68 entfernt. Er athmele freier; er konnte in Frichen ſchlafen. Sein Gewiſſen konnte ihm nicht länger ſagen:„ſie, die an deinem Buſen ſchlief, wandert auf der weiten Erde umher, iſt jeder Verſuchung ausgeſetzt und ſtirbt vielleicht den Hungertod. Der Anblick der Alice wirkte, wie die Erſcheinung der mißhandelten, in Heraclea zur Oberwelt heraufbe⸗ ſchworenen Todten, deren Anblick Denjenigen beru⸗ higen konnte, der einſt denſelben Unrecht zugefügt hatte — deren Anblick die Geſpenſter des Gewiſſensbiſſes zu bannen vermochte. Er war mit ſich ſelbſt wieder ausgeſöhnt und ging der Zukunft mit kühnerem Schritt und einem ſtattlicher erhobenem Auge entgegen. War ſie mit jenem ernſten und nüchtern ausſehenden Herrn vermählt, den er an ihrer Seite erblickt hatte? War das Kind der Sprößling ihrer Verbindung? — dieſer Gedanke war beinah ſeine Hoffnung— es war beſſer, daß er ſie verlor, als daß ſie zu Grunde ging. Die arme Aliee! Konnte ſie einſt ſich träumen laſſen, als ſie ihm zu Füßen lag und in die Augen blickte, daß eine Zeit kommen würde, worin Mal⸗ travers dem Höchſten für den Glauben danken würde, daß ſie glücklich mit einem Andern lebte?— Ernſt Maltravers fühlte ſich jetzt als neuen Menſchen. Die Erleichterung ſeines Gewiſſens übte Rückwirkung auf ſeine literariſchen Arbeiten. Ein noch mehr emporhebender und elaſtiſcher Geiſt durchdrang die⸗ ſelben; ſie ſchienen gleichſam in einer zweiten Ju⸗ gend zu athmen. Mittlerweile ſtürzte ſich Ceſarini in die modiſche * Welt un und geli Perſon, konnte. Perſonen Perſonen Verbindu erſchien 1 junger Y neten Mi vers führ lettanten Nebenbul Ceſarini' pört hab Man ſag Damen Ceſarini, rend für Frichen läuger wandert en beru⸗ sſehenden ckt hatte? bindung? fnung— Grunde träumen die Augen rin Mal⸗ ken würde, — Ernſt chen. Die ickwirkung wch mehr rung die⸗ eite Ju⸗ e wodiſche 69 Welt und wurde zu ſeinem eigenen Erſtaunen gefeiert und geliebkost. Caſtruecio war wirklich gerade die ⸗ Perſon, aus der man einen ſogenannten Löwen machen konnte. Die von ihm aus Paris mitgebrachten Em⸗ pfehlungsbriefe waren an diejenigen einflußreichen Perſonen in England gerichtet, zwiſchen denen und Perſonen von gleichem Einfluß in Frankreich eine Verbindungsbrücke durch die Politik beſteht. Ceſarini erſchien dieſen Herren als ein vollkommen gebildeter junger Mann und als der Schwager eines ausgezeich⸗ neten Mitglieds der franzöſiſchen Kammer. Maltra⸗ vers führte ihn anderſeits bei den literariſchen Di⸗ lettanten ein, welche alle Schriftſteller, die keine Nebenbuhler ſind, bewundern. Der ſonderbare Anzug Ceſarini's, welcher die Leute bei einem Engländer em⸗ pört haben würde, entzückte ſie bei einem Italiener. Man ſagte ihm, er habe das Außere eines Pveten. Damen ſehen gerne, daß man Verſe auf ſie ſchreibt; Ceſarini, welcher ſehr wenig ſprach, reimte fortwäh⸗ rend für das ſchöne Geſchlecht. Des jungen Mannes Kopf füllte ſich bald mit Vergleichungen ſeiner Selbſt in London mit Petrarka in Avignon. Da er ſtets den Gedanken hegte, der Ruhm ſei die Gabe von Lords und hohen Damen und da er keine Idee von der Volksmaſſe hatte, ſo war er in ſeiner Einbildung ſchon ein berühmter Mann. Da ſein ſtärkſtes Gefühl in Eiferſucht auf Maltravers beſtand, empfand er Entzücken, wenn man ihm ſagte, er ſei bei weitem intereſſanter als jene hochmüthige Perſon, welche ihr Halstuch wi⸗ andere Perſonen trug und nicht einmal 70 vie nothwendigen Beigaben des Genies, ſchwarze Locken und verachtenden Hochmuth beſaß. Die höhere Ge⸗ ſellſchaft, welche, wie Frau von Statl richtig ſagt, die Leichtfertigen verſchlimmert und die Kräftigen ſtärkt, vollendete den Untergang alles Männlichen, welches ſich noch in Cefarini's Geiſte vorfand. Er lernte bald ſeine Wünſche nach Wirkung oder Aus⸗ zeichnung auf vergoldete Salons zu beſchränken; ſeine Eitelkeit war bald mit den Fetzen und Biſſen zufrie⸗ den, von welchen das Löwenherz des wahren Ehr⸗ geizes ſich verächtlich abwendet. Dies aber war noch nicht alles. Ceſarini beneidete den größeren Reich⸗ thum des Maltravers. Sein Vermögen beſtand in einem kleinen Kapital von 8 oder 9000 Pfund. Als er in die Mitte der reichſten Geſellſchaft Europa's geſchleudert war, konnte er es nicht ertragen, den geringſten Anſpruch auf veren Achtung aufzugeben. Er begann von der Sättigung des Reichthums zu reden und junge Damen hörten ihm mit auffallender Theilnahme zu, wenn dies der Fall war. Er kam in den Ruf, Schätze zu beſitzen und war zu eitel⸗ um nicht Entzücken darüber zu empfinden. Er be⸗ mühte ſich, den Ruf zu erhalten, indem er die ver⸗ ſchwenderiſche Ausſchweifung der Mode ſich zu eigen machte. Er kaufte Pferde, verſchenkte Juwelen, machte einer Marquiſin von 42 Jahren den Hof, welche ſehr zärtlich gegen ihn war und das Eearté ſehr liebte. Er ſpielte, kurz, er befand ſich auf dem heſten Wege, ſich ſelbſt zu Grunde zu richten.. Viell Hoch An welcher Englan beſtand in fund. Als Europa's agen, den aufzugeben. chthums zu uffallender Er kam r zu eitel, n. Er be⸗ er die ver⸗ ch zu eigen len, machte welche ſehr ſehr liebte. eſten Wege, Sechstes Buch. Vielleicht auch ſagſt du, von dem Gold wird alles das Hoch überſtrahlt und Reichthum bietet Luſt gar viel. Eurip. Ion. Doch unerträglich iſt es mit erſchlafftem Gang Den Böſen auszuweichen. Derſelbe. Erſtes Kapitel. Gewanbtheit, Kunſt in der Intrigue Spiel Drang in mein Herz und unter ſolchem Kleib Iſt Geiſt verhüllt und liſtig Sinnen viel. Regnard. An einem ſchönen Julimorgen ging ein Herr, welcher am Abend zuvor nach mehrjährigen Reiſen in England angekommen war, langſam und nachdenklich über den prächtigen Weg, welcher Regents⸗Park mit St. James' verbindet. Er war ein Mann, welcher bei großen Geiſtesgaben ſeine Jugend in einer wan⸗ dernden, umherſtreifenden Lebensweiſe verſchwendet hatte, an welchem jetzt die Liebe zum Vergnügen abgenützt war und deſſen Ehrgeiz zu erwachen begann. „Dieſe Stadt verſchönert ſich auf erſtaunenswerthe Weiſe,“ dachte er bei ſich.„Alles kommt hier mit eiwas Kraft und Lärm vorwärts, und jeder Mann 72 ſowohl wie jedes Ding. Meine alten Bekannten, Geſellen, nicht halb ſo geſchickt wie ich, befinden ſich ſämmtlich im beſten Zuſtande. Tom Stevens, mein Schulfuchs in Eton— er war noch dazu ein win⸗ ſelnder junger Hund! iſt ſo eben Unterſtaatsſekretär geworden. Pearſon, dem ich die Schularbeiten ſchrieb, iſt jett Rektor einer Schule, gibt griechiſche Trauer⸗ ſpiele heraus und wird nächſtens ein Biſchof werden. Collier, wie ich aus den Zeitungen erſehe, iſt Lord Oberrichter und Ernſt Maltravers(der aber hatte wirkliches Talent) hat ſich einen Namen in der Welt gemacht. Und ich hier— ich bin eben ſo viel werth wie ſie alle zuſammen, der ich ungeachtet meiner Sparſamkeit nichts gethan habe, als daß ich die Hälfte meines Vermögens verbrauchte! Bei Gott, das muß enden! ich muß mich nach etwas Anderem umſehen. Und dennoch hält es mein würdiger Onkel für zweck⸗ mäßig, ſich wieder zu verheirathen, und zwar gerade in einem Augenblick, wo ich am meiſten ſeiner Hülfe bedarf! Hm, ich bin zu gut für dieſe Welt!“ Derjenige, welcher dieſen Monolog hielt, kam mit einem ſchlanken Herrn in Berührung, welcher den Kopf ſehr hoch in die Luft hielt und gar nicht zu bemerken ſchien, daß er beinahe unſerm zerſtreuten Philoſophen die Beine weggeſtoßen hatte. „Zum Henker, Herr, was ſoll das!“ rief letzterer. „Ich bitte um Verzeih...,“ begann der Andere mit hoflichem Ton, als er ſich am Arm ergriffen fählte und als der Beleidiger ausrief:„Wahrhaftig, Herr, ſind Sie es7“ „Ha L „Derſe nicht, daß Abend an „Ja, ſehr wohl „Sind Sie müſſe Herr leichtem al ich michen „Der Ferrers, d „Sacht Templeton etwas gottl wie Sie w verbeugte „Mein ein wilder annten, nden ſich z„ mein ein win⸗ sſekretär ſchrieb, Trauer⸗ werden. iſt Lord er hatte der Welt iel werth meiner ie Hälfte das muß umſehen. ür zweck⸗ r gerade ner Hülfe lt!“ kam mit lcher den nicht zu erſtreuten fletzterer. er Andere ergriffen ahrhaftig, 73 „Ha Lumley?“ „Derſelbe. Wie gehts, lieber Onkel? Ich wußte nicht, daß Sie in London find. Ich bin erſt geſtern Abend angekommen. Wie gut ſehen Sie aus!“ „Ja, dem Himmel ſei gedankt, ich befinde mich ſehr wohl!“ „Sind Sie glücklich in Ihrem neuen Stande? Sie müſſen mich Ihrer Frau vorßtellen.“ Herr Templeton räuſperte ſich und ſagte mit leichtem aber verlegenem Lächeln:„Ich glaubte, daß ich mich nicht wieder verheirathen würde.“ „Der Menſch denkt's und Gott lenkt's,“ bemerkte Ferrers, denn dieſer war es. „Sachte, mein theurer Neffe,“ erwiderte Herr Templeton mit Würde,„dergleichen Ausdrücke ſind etwas gottlos; ich bin ein Mann nach der alten Mode, wie Sie wiſſen.“ „Ich bitte zehntauſendmal um Verzeihung.“ „Einmal wird genügen; dieſe übertreibungen im Ausdruck find beinahe ſündhaft.“ „Verdammtes altes Schwein!“ dachte Ferrers; er verbeugte ſich aber ſehr ſcheinheilig. „Mein theurer Onkel, ich war zu meinen Zeiten ein wilder Geſell; allein das Nachdenken kömmt mit den Jahren und ich hoffe unter Ihrer Führung ein weiſerer und beſſerer Mann zu werden.“ „Schon gut, Lumley,“ erwiderte der Onkel; es freut mich, daß Sie in Ihr Vaterland zurückgekehrt ſind. Wollen Sie morgen bei mir ſpeiſen? Ich wohne bei Fulham. übrigens thäten Sie beſſer, Sie brächten 74 Ihren Reiſeſack mit und blieben bei mir einige Tage; Sie werden herzlich willkommen ſein, beſonders wenn Sie ſich ohne einen fremden Diener behelfen können. Ich hege großes Mitleid gegen Katholiken, aber..“ „O theurer Onkel, ſeien ſie unbeſorgt; ich bin nicht reich genug, um mir einen fremden Bedienten zu halten und habe auch nicht Dreiviertel des Erd⸗ kreiſes bereist, ohne die Erfahrung gemacht zu haben, vaß man ſich ohne Bedienten ſehr wohl behelfen kann.“ „Was Dein Vermögen betrifft,“ bemerkte Herr Templeton mit berechnender Miene, ſo geſtattet ein Vermögen von 795 Pſd. jährlich einem Mannr ſehr wohl, ſich zwei Bedienten zu halten, wenn er Luſt hat. Jedenfalls aber frent es mich, Dich ſparſam zu ſehen. Morgen alſo treffen wir uns um ſechs Uhr.“ „A revoir, ich wollte ſagen, Gott ſchütze Sie.“ „Ein langweiliger alter Kerl,“ murmelte Ferrers vor ſich hin.„Er iſt nicht mehr ſo herzlich wie früher; vielleicht iſt ſeine Frau in der Hoffnung und er er⸗ weist mir die Ungerechtigkeit, einen Erben zu er⸗ langen. Ich muß mir die Sache anſehen; venn ohne Reichthum wäre es beſſer, ich kehrte um und wohnte zu Paris im fünften Stock.“ Nach dieſem Schluß beſchleunigte Lumley ſeine Schritte und war bald auf Seamore⸗Place. Nach wenig Augenblicken befand er ſich in einem mit Bü⸗ chern ausgeſtatteten Studirzimmer, welches mit Mar⸗ morbüſten und Bildern, aus der Werkſtätte Canova' und Flaxmans, geſchmückt war. „Mein Herr wird ſogleich herunterkommen,“ ſprach der fich auf ei einem halb Zügen. Die T Wohlan, ausgetauſe Nachd« Glückwünſ meineren Ferrers:, wieder get mancher 3 hoffe, auc hinſichtlich ſache. Sie find nur e aber an; beinahe ei Runzeln verdammt „Bah, wollen Si „Ja, Alter und digt mich kannten Meinung mir zum 2 kann ich tige Tage; ders wenn en können. ich bin Bedienten des Erd⸗ t zu haben, lfen kann.“ erte Herr eſtattet ein Nannr ſehr er Luſt hat. m zu ſehen. hr.“ ütze Sie.“ elte Ferrers wie früher; und er er⸗ ben zu er⸗ denn ohne und wohnte umley ſeine lace. Nach em mit Bü⸗ s mit Mar⸗ te Canova's erkommen,“ 75⁵ ſprach der Diener, welcher ihn einließ; Ferrers warf fich auf ein Sopha und betrachtete das Zimmer mit einem halb neidiſchen, halb eyniſchen Ausdruck in den Zügen. Die Thür öffnete ſich und„Mein theurer Ferrers! Wohlan, mon cher, wie gehts,“ lautete die haſtig ausgetauſchten Begrüßungen. Nachdem die erſten Sätze der Erkundigungen, der Glückwünſche und der Bewillkommnung einem allge⸗ meineren Geſpräch den Weg gebahnt hatten, ſagte Ferrers:„Wohlan, Maltravers, wir haben uns alſo wieder getroffen, und zwar nach einem Verlauf ſo mancher Jahre; wir ſind Beide älter und, wie ich hoffe, auch klüger geworden. Jedenfalls ſind die Leute hinſichtlich Ihrer der Anſicht und das iſt die Haupt⸗ ſache. Sie ſehen aber ſo jung wie jemals aus und ſind nur etwas bläſſer und magerer. Sehen Sie mich aber an; ich bin noch nicht weit über dreißig und beinahe ein alter Mann, an den Schläfen kahl und Runzeln um Augen und Mund. Die Trägheit macht verdammt alt.“ „Bah, Lumley, Sie ſahen niemals beſſer aus; wollen Sie jetzt in England bleiben? „Ja, wenn ich es ausführen kann. Bei meinem Alter und nachdem ich ſo viel geſehen habe, befrie⸗ digt mich nicht länger das Leben eines trägen unbe⸗ kannten Hageſtolzen. Ich hege ein Gefühl, daß die Meinung der Weit, die ich einſt zu verachten pflegte, mir zum Bedürfniß wird. Ich muß etwas thun. Was kann ich werden? Sehen Sie nur nicht ſo erſchrocken 76 aus, ich will nicht als Ihr Nebenbuhler auftreten. Literariſcher Ruhm iſt etwas Schönes, aber ich möchte eine weſentlichere und weltlichere Auszeichnung. Sie kennen Ihr Vaterland; zeigen Sie mir eine Karte, worauf die Landſtraßen zur Macht verzeichnet ſind.“ „Zur Macht führt allein Rechtsgelehrſamkeit, Po⸗ litik und Reichthum.“ „Zum Rechtsſtudium bin ich zu alt, die Politik könnte ſich vielleicht für mich eignen; aber Reichthum, mein theurer Ernſt— ach, wie ſehr wünſche ich eine gute Abrechnung mit meinem Bankier!“ „Wohlan, hegen Sie Geduld und Hoffnung, find Sie nicht der Erbe eines reichen Onkels!“ „Ich weiß nicht,“ ſagte Ferrers in ſehr traurigem Ton. Der alte Herr hat ſich wieder verheirathet und kann möglicherweiſe eine Familie bekommen.“ „Hat er ſich verheirathet, mit wem?“ „Mit einer Wittwe, wie ich höre, ich weiß nichts weiter; ausgenommen, daß ſie ſchon ein Kind hat, Wie Sie ſehen, hat ſie alſo die verfluchte Art an ſich, Kinder zu bekommen. Vielleicht ſehe ich noch, wenn ich vierzig Jahr alt bin, daß ein ganzer Schwarm von Cherubs mit dem großen Vermögen der Familie Templeton davonfliegt!“ „Ha ha, Ihre Verzweiflung ſchärft Ihren Witz, Lumley. Aber warum benutzen Sie nicht das Beiſpiel Ihres Onkels und heirathen ſelbſt? Machen Sie eine reiche Erbin ausfindig, wenn Sie die Erbſchaft auf⸗ geben müſſen.“ „Mit viel Verſtand geſagt! mit mehr Verſtand, wie man k welche von Dichter au Reich will nicht die d ſtehenden( Dingen ſei das zweite zu bringen „Mittl ſein.“ „Heute ich nach Fr zu loſſen. Sie trägt goldene Ket Schoßhünd „Er Der ich habe di pbyſiſchen Mittageſſe Sie waren zu. Erſt a als er die Tages übe auftreten. ich möchte ung. Sie ne Karte, net ſind.“ tkeit, Po⸗ ie Politik Keichthum, he ich eine ung, find 4 traurigem trathet und weiß nichts Kind hat, te Art an e ich noch, r Schwarm der Familie Ihren Witz, as Beiſpiel en Sie eine bſchaft auf⸗ r Verſtand, 77 wie man bei einer Eingebung hätte erwarten ſollen, welche von einem Schriftſteller und ſogar von einem Dichter ausgeht! Ihr Rath iſt nicht zu verachten. Reich will ich werden; da nun die Väter(ich meine nicht die der Kirche, ſondern die bei Horaz) dem er⸗ ſtehenden Geſchlecht erklärten, das Erſte unter allen Dingen ſei der Entſchluß, reich zu werden, ſo beſteht das zweite in der überlegung, wie dies zu Stande zu bringen iſt.“ „Mittlerweile, Ferrers, ſollen Sie mein Gaſt ſein.“ „Heute will ich bei Ihnen ſpeiſen; morgen muß ich nach Fulham, um mich meiner Tante vorſtellen zu laſſen. Können Sie ſich die Frau nicht denken? Sie trägt ein graues Gros⸗de⸗Naples⸗Kleid, eine goldene Kette mit Augenglas, iſt etwas fett, hat zwei Schoßhündchen und einen Papagei, „Erſchrick nicht Mann, es iſt die Schilderung Der Phantaſie!“ ich habe die achtbare Verwandte noch nicht mit meinen pbyſiſchen Sehwerkzeugen erblickt. Was ſollen wir zu Mittageſſen haben? überlaſſen Sie mir die Auswahl. Sie waren ſtets ein ſchlechter Lieferant.“ Als Ferrers ſo fortſchwatzte, wurde Maltravers vurch Erinnerung verjüngt; alte Zeiten und alte Aben⸗ teuer drängten ſich in ſeine Frinnerung ein; die beiden Freunde brachten einen ſehr angenehmen Tag zuſammen zu. Erſt am nächſten Morgen ſah ſich Maltravers, als er die mannigfachen Geſpräche des vergangenen Tages überdachte, widerſtrebend zu der Erkenntniß —— 77 gezwungen, daß die träge Selbſtſucht von Lumley Ferrers ſich jetzt in einen abſichtlichen und ſyſtema⸗ tiſchen Mangel an Grundſätzen verhärtet hatte, wo⸗ durch er vielleicht ein gefährlicher, intriguirender Mann werden könnte, wenn ihn die Umſtände zum Handeln fortriſſen. Zweites Kapitel. Dauph. Herr, ich muß mit Euch reben, ich bin lange Euer verachteter Verwandter geweſen. Monroſe. Sprich was Du willſi Reffe. Epicene. Ihr Schweigen iſt ziemlich ſanſt— ſie ſpricht ſehr mild und ifi ſo karg mit der Rede, daß ſie kaum ſechs Worte täglich vorbringt. Ebendaſelbſt. Ein Wagen ſetzte Herr Ferrers an das Thor einer Villa ab, die ungefähr anderthalb Stunden von der Stadt entfernt war. Der Aufſeher des Land⸗ hauſes übernahm den Reiſeſack, und Ferrers ſchlen⸗ derte mit den Händen auf dem Rücken(es war ſeine gewöhnliche Art, darüber zu verfügen) durch den ſchö⸗ nen und ſorgfältig unterhaltenen Luſtgarten. „Ein nettes behagliches Landhäuschen!(ich glaube es iſt ihr Wittthum) doch darüber würde ich ſicherlich nicht murren, wenn ich nur das übrige bekäme. Aber hier, beargwohne ich, kömmt der erſte Beweis von der Geſchicklichkeit der Madame, ein Familie zu erlangen.“ Dieſer letzte Gedanke wurde dem betrach⸗ tenden Gehirn des Herrn Ferrers durch ein kleines, liebenswürt und verzog überließ ſie fragte dant „Papa „wer iſt D „Nun, rechter Pap „Gewiß ich verſtehe. „Nun? „Ich w Templeton.“ „So mi „Du ha ner Engel? „Gewiß pferd geſehe „Noch Mama?“ „Die a einer plötzli⸗ nen in den waren noch Verwandten Lumley ſyſtema⸗ tte, wo⸗ erMann Handeln ich bin lange veſen. ene. ſanſt— ſie mit der Rede, orbringt. ndaſelbſt. des Land⸗ ers ſchlen⸗ war ſeine ch den ſchö⸗ en. (ich glaube ch ſicherlich ge bekäme. rſte Beweis Familie zu em betrach⸗ ein kieines, liebenswürdiges Mädchen abgezwungen, die furchtlos und verzogen wie ſie war, auf ihn zulief. Das Kind überließ ſich einem ziemlich langen Anſtarren und fragte dann:„Wollt Ihr Papa beſuchen, Herr?“ „Papa? Was Teufel!“ dachte Lumley; er fragte: „wer iſt Dein Papa?“ „Nun, der Mann von Mama; er iſt nicht mein rechter Papa.“ „Gewiß nicht, meine Liebe, nicht Dein rechter, ich verſtehe.“ „Nun?“ „Ich wollte zu Deinem unrechten Papa, Herrn Templeton.“. „So müßt Ihr hierher gehen.“ „Du haſt Herrn Templeton wohl recht lieb, klei⸗ ner Engel?“ „Gewiß, Ihr habt wohl noch nicht das Schaukel⸗ pferd geſehen, das er mir geben will?“ „Noch nicht, liebes Kind, wie geht's Deiner Mama?“ „Die arme, liebe Mama,“ ſagte das Kind mit einer plötzlichen Veränderung der Stimme und Thrä⸗ nen in den Augen,„befindet ſich nicht wohl.“ „Gewiß iſt ſie in der Hoffnung,“ murmelte Fer⸗ rers mit einem Seufzer vor ſich hin;„aber da iſt mein Onkel; ſcheußlicher Name! Onkels waren im⸗ mer ruchloſe Geſellen. Richard III. und der Mann, welcher den Kindern im Walde ein Böſes anthat, waren noch nichts gegen meinen hartherzigen alten Verwandten, der mich mit ſeiner Wittwe beſtohlen hat! Der geile, beſoffene, alte mein theurer Herr, ich bin ſehr erfreut Sie zu ſehen!“ Herr Templeton, ein Mann, ſehr kalt in ſeinem Benehmen, welcher ſtets den Leuten über die Köpfe oder auf den Boden blickte, berührte nur ſo eben ſeines Neffen ausgeſtreckte Hand, ſagte ihm, er ſei willkom⸗ men und bemerkte, es ſei ein ſehr ſchöner Nachmittag. „Ja wahrhaftig; auch dieſer Ort iſt ſehr ange⸗ nehm. Sie ſehen auch beiläufig, daß ich ſchon mit meiner ſchönen Coufine Bekanntſchaft gemacht habe. Es iſt ein ſehr ſchönes Kind.“ „Das iſt ſie wirklich,“ ſagte Herr Templeton mit einiger Wärme, indem er das Kind zärtlich anblickte, welches die Blumen eines Löwenzahnſtraußes in die Luft warf und wieder zu fangen ſuchte. Herr Ferrers wünſchte in ſeinem Herzen, daß die Blumen Ziegel⸗ ſteine ſein möchten! „Gleicht ſie ihrer Mutter?“ fragte der Neffe. „Wem, Herr?“ „Ihrer Mutter, der Frau Templeton.“ „Nicht beſonders; einige Ahnlichkeit iſt vielleicht vorhanden, aber nicht ſehr bedeutend. Möchten Sie nicht auf Ihr Zimmer vor dem Eſſen?“ „Ich danke Ihnen, kann ich nicht vorher der Frau Templeton vorgeſtellt werden?“ „Sie iſt bei ihrem Gebet, Lumley,“ antwortete Herr Templeton grimmig. „Die Heuchlerin!“ dachte Ferrers, bemerkte aber laut „ich bin entzückt, daß Jor frommes Herz eine ſo mit Ihnen übereinſtimmende Lebensgenoſſin gefunden hat.“ „A dankbar Lun zimmer nen, vo gewieſe und del er jetzt dadurch Alsdanr einfache daß er war, u Weſte e ſitzthum theurer in ſeinem die Köpfe eben ſeines ei willkom⸗ achmittag. ſehr ange⸗ ſchon mit err Ferrers men Ziegel⸗ e Neffe. 1.“ iſt vielleicht Möchten Sie her der Frau antwortete ckte aber laut eine ſo mit funden hat.“ 8¹ „Allerdings iſt das Glück groß und ich bin dafür dankbar; dieſer Weg führt ins Haus.“ Lumley wurde ſo mit Gewalt in ein finſteres Schlaf⸗ zimmer mit Vorhängen von Barchent und dunkelbrau⸗ nen, von hellbraunen Sternen beſetzten Paptertapeten gewieſen; er warf ſich in einen Armſtuhl, gähnte und dehnte ſich mit ſolchem Eifer aus, als könnte er jetzt das Eigenthum ſeines Onkels in das ſeinige dadurch, daß er es ſich bequem machte, verwandeln. Alsdann vertauſchte er ſeinen Morgenanzug mit einem einfachen ſchwarzen Kleide und dankte ſeinen Sternen, daß er bei allen ſeinen Sünden kein Stutzer geweſen war, und niemals ein Entzücken über eine ſchöne Weſte empfunden hatte— ein verbrecheriſches Be⸗ ſitzthum, von dem er wohl wußte, daß ſeines Onkels Gewiſſen dadurch gegen ihn vollkommen verhärtet wor⸗ den wäre. Er verweilte in ſeinem Zimmer bis die Tafelglocke ihn zum zweitenmale gemahnt hatte, als⸗ dann trat er ins Beſuchzimmer, worin man ſogar im Juli fröſteln mußte. Dort ſah er ſeinen Onkel am Kamin ſtehen und ein junges, ſchlankes, hübſches Weib in einem großen, aber gar nicht bequemen Lehnſtuhl, halb begraben ruhen. „Ihre Tante, Frau Templeton; Madame, mein Neffe, Herr Lumley Ferrers,“ ſagte Herr Tem⸗ pleton, indem er die Hand bewegte.„John, das Mit⸗ tageſſen!“ „Ich hoffe nicht zu ſpät zu kommen!“ „Nein,“ ſagte Herr Templeton freundlich, denn er hatte ſeinen Neffen ſtets gern geſehen, be⸗ Bulwer, Maltravers, M. gann jetzt hinſichtlich ſeiner ein wenig aufzuthauen, als er ſah, daß Lumley über den neuen Zuſtand der Dinge kein verdrießliches Geſicht ſchnitt. „Nein, mein lieber Neffe, ich halte aber Ord⸗ nung und Pünktlichkeit für die Haupttugenden in einer geordneten Familie.“ „Das Mittageſſen, Herr,“ ſagte der Tafeldecker, invem er die Flügelthüren am Ende des Zimmers offnete. „Erweiſen Sie mir die Ehre,“ ſagte Lumley, in⸗ dem er ſeinen Arm der Tante anbot.„Wie lieblich iſt dieſer Platz!“ Frau Templeton ſagte etwas als Erwiderung; Ferrers aber konnte nicht entdecken, was es war, ſo leiſe und erſtickt war die Stimme. „Die iſt blöde,“ vachte er;„wie ſonderbar für eine Wittwe!— das iſt aber die Art, wie ſolche Frauenz'mmer, die ſich bei ihren Gatten begraben uns anführen.“ So einfach auch die allgemeine Ausſtattung des Zimmers war, ſo offenbarte ſich die natürliche Prah⸗ lerei Herrn Templetons in dem maſſipen Werth des Stlbergeſchirrs und in der Zahl ſeiner Diener. Er war ein reicher Mann und auf ſeine Reichthümer ſtolz; er wußte, daß Reichthum eine geachtete Stel⸗ lung erwirbt und war der Meinung, eine achtbare tellung ſei zugleich moraliſch. Was aber die Mahl⸗ zeit betraf, ſo kannte Lumley zu genau den Geſchmack ſeines Onkels, um nicht Gerichte und Weine zu er⸗ warten, die ſogar er, als wähleriſcher Feinſchmecker, nicht verachten würde. Wäh ſich Her hen, erk. nehmen! Templeto lancholie, einer ſo ſchmerzlic ſchweigent durch etw rückhaltun liche San Stolze od zuſchreiber „Obgleich — Kerl; es Wittwe, ablenken. dauerte, lamente heit, Lu vernachläff „Ich Lumley's „Das thauen, tand der e Ord⸗ in einer feldecker, s öffnete. mley, in⸗ e lieblich iern; war, ſo erbar für wie ſolche begraben ttung des iche Prah⸗ Verth des ener. Er eichthümer tete Stel⸗ e achtbare die Mahl⸗ Geſchmack ine zu er⸗ nſchmecker, Während der Zwiſchenräume des Eſſens bemühte ſich Herr Ferrers ſeine Tante ins Geſpräch zu zie⸗ hen, erkannte aber, daß all ſein ungezwungenes Be⸗ nehmen hier vergeblich war. In den Zügen der Frau Templeton lag ein Ausdruck tiefer, aber ruhiger Me⸗ lancholie, den die meiſten Perſonen, beſonders bei einer ſo jungen und liebenswürdigen Frau nur mit ſchmerzlichen Gefühlen hätten anblicken können. So ſchweigend und unterwürfig wurde ſie offenbar noch durch etwas Anderes, als durch Blödigkeit und Zu⸗ rückhaltung. In ihrem Schweigen lag ſo viel natür⸗ liche Ganftmuth, daß Ferrers ihr Benehmen dem Stolze oder dem Wunſche, ihn zurückzuſtoßen, nicht zuſchreiben konnte. Er kam etwas in Verlegenheit. „Obgleich,“ dachte er ſehr verſtändig,„mein Onkel nicht jung mehr iſt, ſo iſt er dennoch ein ſehr reicher Kerl; es geht aber über meinen Verſtand, wie eine Wittwe, welche ſich an einen alten und reichen Kerl wieder verheirathet hat, ſo trübſinnig wie die da ſein kann!“ Templeton ſprach mehr wie gewöhnlich, als wolle er die Aufmerkſamkeit von dem Schweigen ſeiner Frau ablenken. Er ließ ſich in die Politik ein und be⸗ dauerte, daß er bei ſo kritiſchen Zeiten nicht im Par⸗ lamente ſitze;„beſäße ich Ihre Jugend und Geſund⸗ heit, Lumley, ſo würde ich mein Vaterland nicht vernachläſſigen; das Papſtthum iſt überall zu ſpüren.“ „Ich möchte ſehr gern im Parlament ſein,“ war Lumley's kühne Rede. „Das glaube ich wohl,“ erwiderte der Onkel mit 84 trockenem Ton.„Das Parlament iſt ſehr koſtbar und eignet ſich bloß für diejenigen, die ein großes Ver⸗ mögen daran ſetzen können.— Schenk' Herrn Ferrers Champagner ein.“ Lumley biß ſich auf die Lippen und ſprach wäh⸗ rend der übrigen Mahlzeit nur wenig. Herr Temple⸗ ton jedoch wurde artig, als der Nachtiſch auf dem Tiſche ſtand, und begann eine Ananas mit vielen Verſicherungen zu zerſchneiden, Gartenanlagen ſeien gar nichts ohne Ananaspflanzungen.„Wenn Sie ſich jemals auf dem Lande niederlaſſen, Neffe, ſo müſſen Sie ſich eine Ananaspflanzung halten.“ „O ja,“ ſagte Lumley mit beinah bitterem Tone, „und eine Rudel Hunde und einen franzöſiſchen Koch; alles das wird ſich trefflich für mein Vermögen eignen.“ „Ueber Gelvangelegenheiten ſind Sie nachdenklicher wie früher,“ ſagte der Onkel. „Herr,“ erwiderte Ferrers mit feierlicher Stimme, „in ſehr kurzer Zeit werde ich ein ſogenannter Mann in mittleren Jahren ſein.“ „Hm,“ ſagte der Wirth. Es entſtand eine neue Pauſe. Lumley war, wie wir früher ſagten oder merken ließen, ein Mann von großer Menſchenkenntniß vder wenigſtens mit der ge⸗ wöhnlichen Art derſelben; er überlegte jetzt die ver⸗ ſchiedenen Verfahrungsweiſen, die er hinſichtlich ſeines reichen Verwandten befolgen könnte. Er erkannte ſehr wohl, daß ſein Onkel gleichſam im Fechten mit kitzlichen Waffen vor ihm denſelben Vortheil voraus hatte, der heim wirklichen Fechten mit Degen einem groß ge gegenübe auf die Waffe i Mann, ſich mit konnte d auch ſich handhabe neuen J dernswür gefaßt ha mit einet ten, obg Die beid ſcheinen Sie find oſtbar und roßes Ver⸗ rn Ferrers rach wäh⸗ rr Temple⸗ hauf dem mit vielen lagen ſeien nn Sie ſich , ſo müſſen terem Tone, iſchen Koch; gen eignen.“ achdenklicher her Stimme, nnter Mann ey war, wie n Mann von z mit der ge⸗ jetzt die ver⸗ fichtlich ſeines Er erkannte Fechten mit rtheil voraus Degen einem groß gewachſenen Mann, einem kurz gewachſenen gegenüber zu Theil wird; ein ſolcher hält den andern auf die Länge eines Armes entfernt, wenn er ſeine Waffe in gehöriger Körperſtellung ausſtreckt. Der Mann, welcher etwas wegzugeben hatte, umhüllte ſich mit großer Zurückhaltung und Würde; Ferrers konnte die Parade nicht durchbrechen, wie thätig er auch ſich hin⸗ und herbewegen und ſein Rappier handhaben mochte. Er entſchloß ſich deßhalb zu einer neuen Jagd, wozu ihn ſein offenes Weſen bewun⸗ dernswürdig eignete. Gerade als er dieſen Entſchluß gefaßt hatte, ſtand Frau Templeton auf und ſchlüpfte mit einer artigen Verbeugung und mit einem ſanf⸗ ten, obgleich ſchmachtenden Lächeln aus dem Zimmer. Die beiden Herren ſetzten ſich wieder zurecht, und Templeton ſchob Ferrers die Flaſche zu. „Schenken Sie ſich ein, Lumley; Ihre Reiſen ſcheinen Ihnen alle gute Laune genommen zu haben, Sie ſind nachdenklich.“ „Herr,“ ſagte Ferrers abgebrochen,„ich wünſche Sie um Rath zu fragen.“ „O junger Mann, Sie haben Ausſchweifungen ſich zu Schulden kommen laſſen— Sie haben ge⸗ ſpielt— Sie haben—“ „Ich habe nichts gethan, Herr, was mich Ihrer Achtung weniger würdig machen könnte. Ich wieder⸗ hole es, ich wünſche Sie um Rath zu fragen; ich habe die heißen Tage meiner Ingend überlebt, ich empfinde jetzt lebhaft die Anſprüche, welche die Welt an mich macht. Wie ich glaube, beſitze ich Talente; 86 wie ich weiß, beſitze ich Fleiß. Ich wünſche eine Stellung in der Welt auszufüllen, welche meine frühere Trägheit wieder auszugleichen und meiner Familie Ehre zu bringen vermag. Herr, ich habe Ihr Beiſpiel vor meinen Augen und frage Sie jetzt um Rath, mit dem Entſchluß, letzteren zu befolgen.“ Templeton fuhr auf; er beſchattete ſein Geſicht zur Hälfte mit der Hand und blickte forſchend auf die hohe Stirn und die kühnen Augen ſeines Neffen. „Ich halte Sie für aufrichtig,“ ſagte er nach einer Pauſe. „Sie können mich dafür halten, Herr.“ „Wohl, ich will die Sache überlegen. Mir ge⸗ fällt ein ehrenwerther Ehrgeiz, nur kein ausſchwei⸗ fender; ein ſolcher iſt ſündhaft; allein eine achtbare Stellung in der Welt iſt ein paſſender Gegenſtand der Wünſche und der Reichthum ein Segen, weil er (der reiche Mann ſagte dies, indem er ſich noch eine Schnitte der Ananas nahm) uns in Stand ſetzt, unſern Nebenmenſchen von Nutzen zu ſein.“ „Wohlan denn,“ ſagte Ferrers mit kühnerer Auf⸗ regung,„ich geſtehe, daß mein Ehrgeiz gerade von der Art iſt, wovon Sie reden. Ich bin unbekannt und wünſche einen achtbaren Namen zu erlangen; mein Vermögen iſt gering, ich wünſche es groß. Ich bitte Sie um Nichts— ich kenne Ihr großmüthiges Herz allein ich wünſche meine eigene Laufbahn mir unabhängig zu ſchaffen.“ „Lumley,“ ſagte Templeton,„ich habe Sie nie ſo ſehr wie gegenwärtig geſchätzt, hören Sie mich an, ich Meinu „J dem G funkelt nſche eine che meine nd meiner ich habe e Sie jetzt befolgen.“ ein Geſicht ſchend auf es Neffen. nach einer Mir ge⸗ ausſchwei⸗ ne achtbare Gegenſtand en, weil er ch enoch eine Stand ſetzt, hnerer Auf⸗ gerade von unbekannt erlangen; groß. Ich roßmüthiges ufbahn mir be Sie nie n Sie mich an, ich will Ihnen Vertrauen ſchenken: nach meiner Meinung iſt mir die Regierung verpflichtet.“ „Ich weiß das,“ rief Ferrers, deſſen Augen bei dem Gedanken, ein Amt ohne Geſchäfte zu erhalten, funkelte(vamals nämlich waren ſolche Amter noch vorhanden). „Und,“ fuhr der Onkel fort,„ich hege die Ab⸗ ſicht, eine Gunſtbezeugung dagegen zu verlangen.“ „O Herr!“ „Ja, ich glaube; hören Sie zu. Mit Klugheit und Gewandtheit kann ich.4 „Nun, theurer Herr?“ „Den Pairsrang für mich und meine Erben er⸗ langen; ich hoffe, daß ich bald eine Familie habenwerde.“ Hätte Jemand Lumley Ferrers eine tüchtige Ohr⸗ feige gegeben, ſo würde er ſich weniger daraus ge⸗ macht haben, als aus dieſer Darlegung der hochge⸗ ſpannten ehrgeizigen Pläne ſeines Onkels. Seine Kinnbacken ſanken nieder und er ſaß vollkommen ſprachlos da. „Ja,“ fuhr Herr Templeton fort,„ich habe lang davon geträumt; mein Ruf iſt fleckenlos, mein Ver⸗ mögen groß. Ich habe ſtets meinen Parlaments⸗ einfluß zum Vortheil der Miniſter gebraucht; in dieſem Handelsſtaate beſitzt Niemand größere Anſprüche, wie Richard Templeton auf die Ehren eines tugendhaften, treuen und religiöſen Standes. Ja, Neffe, mir ge⸗ fällt Ihr Ehrgeiz; Sie ſehen, daß ich dergleichen ſelbſt beſitze. Da Sie Aufrichtigkeit in Ihrem Wunſche, meine Fußſtapfen zu betreten, hegen, ſo werde ich 88 Ihnen wohl eine Stelle verſchaffen können, worin Sie als jüngerer Theilhaber in ein höchſt achtbares Handlungshaus treten können. Laſſen Sie mich zu⸗ ſehen, Ihr Kapital beträgt jetzt.. „Verzeihen Sie mir, Herr,“ unterbrach ihn Lum⸗ ley, indem er wider Willen aus Arger erröthete; ich ehre den Handel ſehr, allein meine väterlichen Ver⸗ wandten ſind nicht von ſolcher Art, daß Sie mir in ein Geſchäft zu treten erlauben würden; auch ent⸗ ſchuldigen Sie meine Bemerkung,“ fuhr er fort, in⸗ dem er mit ſchneller Gewandtheit die neue, ihm dar⸗ gebotene Schwäche benutzte,„gerade dieſe Verwandten, welche immer artig gegen mich geweſen ſind, würden, gehörig behandelt, Ihnen von höchſtem Nutzen ſein, Ihre eigenen Beſtrebungen nach höherem Range zu unterſtützen; ihrethalben will ich mit denſelben nicht brechen. Lord Saxingham iſt noch in der Verwaltung, ja er iſt ſogar Miniſter.“. „Hm, Lumley,“ ſagte Templeton nachdenklich, „wir wollen überlegen— wir wollen überlegen. Be⸗ lieben Sie noch Wein?“ „Nein, ich danke.“ „So will ich meinen Abendſpaziergang machen und die Sache überlegen. Sie können ſich zu meiner Frau begeben. Um neun Uhr leſe ich das Gebet. Vergeſſet nie euren Schöpfer und Er wird Euch nicht vergeſſen. Die Pairswürde wird für mich etwas Vor⸗ treffliches ſein. Ja, ja, eine engliſche Pairswürde! Sehr verſchieden von den bettelhaften Grafſchaften des Feſtlandes!“ Bei d und Stock Speiſezim „Die Schwert: hin; dieſe Zwecke bi ſteller, n ich wenig ren und liegt in t dieſe beſte Zweck bis begab ſich ſehr leiſe geſchah d ſah Frau Buch vert Arbeitstiſ „Wal Ehefrauer zu meine Templeto überſtand geſchlager Er k Fenſter, die Dame haben.“ „Nei „ worin chtbares mich zu⸗ ihn Lum⸗ hete; ich hen Ver⸗ e mir in uch ent⸗ fort, in⸗ ihm dar⸗ wandten, würden, tzen ſein, Range zu ben nicht waltung, hdenklich, gen. Be⸗ g machen zu meiner s Gebet. Fuch nicht was Vor⸗ irswürde! haften des ———— Bei dieſen Worten ließ ſich Herr Templeton Hut und Stock bringen und ging aus der Fenſterthür des Speiſezimmers auf den Raſenplatz. „Die Welt iſt meine Auſter, die ich mit dem Schwert mir öffnen will,“ murmelte Ferrers vor ſich hin; dieſen alten Egviſten will ich mir nach meinem Zwecke bilden, denn da ich weder Geiſt zum Schrift⸗ ſteller, noch Beredſamkeit zum Redner habe, ſo will ich wenigſtens ſehen, ob ich nicht Liſt zum Intrigui⸗ ren und Muth zum Handeln beſitze. Mein Talent liegt in der Leitung meiner ſelbſt und Anderer, und dieſe beſtehe allein in einem beharrlichen Gange vom Zweck bis zur Ausführung.“ Mit dieſen Gedanken begab ſich Ferrers zu Frau Templeton. Er öffnete ſehr leiſe die Flügelthür, denn alles, was er that, geſchah durch Gewohnheit ſchnell und geräuſchlos; er ſah Frau Templeton am Fenſter ſitzen und in ein Buch vertieft, welches aufgeſchlagen auf einem kleinen Arbeitstiſche vor ihr lag. „Wahrſcheinlich Fordyce's Rathſchläge für junge Ehefrauen. Die ſchlaue Perſon! Indeß ich muß ſie zu meinen Gunſten ſtimmen.“ Er trat näher; Frau Templeton bemerkte ihn nicht; erſt als er ihr gegen⸗ überſtand, beobachtete er, daß ihre Thränen die auf⸗ geſchlagene Seite benetzten. Er kam etwas in Verlegenheit, wandte ſich ans Fenſter, that als müßte er huſten und ſagte, ohne die Dame anzublicken:„Ich beſorge, Sie geſtört zu haben.“ „Nein,“ erwiderte dieſelbe leiſe, erſtickte Stimme, 90 die vorher auf Lumley's vergebliche Verſuche, ein Ge⸗ ſpräch zu veranlaſſen, geantwortet hatte;„es war eine ſchwermüthige Beſchäftigung und vielleicht han⸗ delte ich nicht recht, mich derſelben hinzugeben.“ „Darf ich fragen, welcher Schriftſteller Sie ſo gerührt hat?“ „Nur ein Band Gedichte, und darüber bin ich kein Richter; er enthält jedoch Gedanken, welche 4 Frau Templeton ſchwieg plötzlich und Lumley nahm das Buch ruhig in die Hand. „Mein Freund,“ ſagte er, indem er das Titel⸗ blatt umſchlug, muß ſich ſehr geſchmeichelt fühlen.“ „Ihr Freund?“ „Ja, wie ich ſehe, iſt dieſes Buch von Ernſt Maltravers, einem ſehr genauen Freund von mir.“ „Ich möchte ihn ſehen,“ rief Frau Templeton beinah in Auftegung aus. Ich leſe nur wenig; durch Zufall bekam ich eines ſeiner Bücher in die Hände, und aus dieſem ſcheint ein theurer Freund mit mir zu reden. Ach, ich möchte ihn ſehen!“ „Gewiß, Madame,“ ſagte die Stimme einer drit⸗ ten Perſon in ſtrengem und tadelndem Tone,„wird Ihre unſterbliche Seele keinen Nutzen erlangen, wenn Sie einen Menſchen ſehen, der ſo eitle Verſe ſchreibt. Dieſelben ſcheinen mir höchſt unmoraliſch zu ſein. Heute Morgen habe ich in dem Buch geblättert und habe nichts darin gefunden, als Geſchwätz, Liebes⸗ ſonnette und dergleichen Zeug.“ Frau Templeton gab keine Antwort und Lumley ſagte, um das Geſpräch zu ändern, welches für ihn zu ſehr Weiſe: „Jo „W „Si ſagte fu „Ne Ihnen. ein Fre Mann ſ zu wert ich hoffe ſteller f von Her Hauſe „Ni Herr, deutend er war geben, Temple „St lung— viel zu ich es Geſund Temple holen. 2 ſie mac Sie ſo che, ein Ge⸗ ;„es war elleicht han⸗ geben.“ ller Sie ſo ber bin ich welche 4 mley nahm das Titel⸗ elt fühlen.“ von Ernſt n mir.“ Templeton eni drch die Hände, nd mit mir e einer drit⸗ one,„wird ngen, wenn erſe ſchreibt. ſch zu ſein. blättert und ätz, Liebes⸗ und Lumleh ches für ihn 91 7 zu ſehr nach der Ehe ſchmeckte, in etwas linkiſcher Weiſe:„Sie ſind ſehr bald zurückgekehrt.“ „Ja, ich mag im Regen nicht ſpazieren gehen!“ „Wahrhaftig, es regnet, ich hatte es nicht bemerkt.“ „Sind Sie naß geworden, wollen Sie ſich nicht. ſagte furchtſam die Frau. „Nein, Madame, ich bin nicht naß, ich danke Ihnen. Beiläufig, Neffe, dieſer Schriftſteller iſt alſo ein Freund von Ihnen. Ich wundere mich, daß ein Mann ſeiner Familie ſich herabläßt, ein Schriftſteller zu werden. Es wird noch übel mit ihm ausgehen; ich hoffe, Sie brechen ſeine Bekanntſchaft ab; Schrift⸗ ſteller ſind gewiß ſehr nutzloſe Genoſſen. Ich hoffe, von Herrn Maltravers Büchern nichts mehr in meinem Hauſe zu ſehen.“ „Nichts deſto weniger ſteht er in großem Anſehen, Herr, und nimmt in der großen Welt keine unbe⸗ deutende Stellung ein,“ ſagte Lumley trotzig, denn er war durchaus nicht Willens einen Freund aufzu⸗ geben, der ihm eben ſo nätzlich ſein konnte, wie Herr Templeton ſelbſt.“ „Stellung in der großen Welt oder keine Stel⸗ lung— ich habe mit Schriftſtellern meiner Zeit nicht viel zu thun gehabt und wenn es der Fall war, habe ich es ſtets bereut. Nichts Geſundes, Herr, nichts Geſundes; bei allen findet ſich irgendwo ein Riß. Frau Templeton, haben Sie die Güte, mein Gebetbuch zu holen. Meine Beinkleider müſſen neu gefüttert werden, ſie machen mir Schmerz am Knie. Lumley, ſeien Sie ſo gut und ziehen Sie die Schelle. Ihre Tante 92 iſt ſehr ſchwermüthig; wahre Religivn iſt nicht finſter; wir wollen eine Predigt über Heiterkeit heute Abend die von leſen.“ 4 in einen „So, ſo,“ ſagte Herr Ferrers zu ſich ſelbſt, als Dame, er ſich den Abend auskleidete,„wie ich ſehe, iſt mein Schönhe Oheim über das nachdenkliche Geſicht meiner Tante nobia h etwas verdrießlich, etwas eiferſüchtig, weil ſie an Jahren etwas anders als an ihn denkt. Deſto beſſer! Die ſtatuena Entdeckung muß ich benützen; ſie dürfen nicht zu glück⸗ durch de lich miteinander leben. Zum Theil in dieſem Sauer⸗ übergeh teig, zum Theil in ſeinen ehrgeizigen Planen glaube eelles, ich einen Weg zu ſehen, um die guten Dinge dieſer Welt wandter Lumley Ferrers um einige Zoll näher zuzuſchieben. Erbin ſeine T 7 rence,“ Drittes Kapitel. durch E Auch ihres Ganges Stolz, ſo leicht, Wenn er auf ſtarrer Erde ſchritt, der Gr Schien, als ob Recht er dargereicht Zu höhrem Element dem Schritt. Moore. Kann's geſchehen, Daß ſolcher edlen Regung, den Ibeen, Die ſo erhaben glühn in eigner Schöne, allein beſchieden iſt, zur Sklavin mich Der Eitelkeit zu machen? Erinna. Iſt ſie von Schönheit nicht zu ſehr umreiht, So daß ſie nie der Jungfrau Milde beut? Die Stirn ja reicht dem Mund den Gegenſatz. Ebendaſelbſi. Etwa zwei ober drei Abende nach dem Datum des letzten Kapitels fand ſich eine von den Geſellſchaften, leicht, ſchritt, gereicht Schritt. e. den Ieen, ner Schöne, lavin mich nna. umreiht, de beut? en Gegenſat. aſelbſt. datum des ellſchaften, die von den Zeitungen ausgewählte genannt werden, in einem der Paläſte Londons verſammelt. Eine junge Dame, nach welcher ſich alle Blicke richteten und deren Schönheit als das Modell einer Semiramis oder Ze⸗ nobia hätte gelten können, majeſtätiſcher wie es ihren Jahren geziemte und ſo elaſſiſch fehlerlos, daß eine ſtatuenartige Kälte in ihren ſtolzen Zügen lag, ſchritt durch das Gedränge, welches Beifall bei ihrem Vor⸗ übergehen murmelte. Dieſe Dame war Florence Las⸗ eelles, die Tochter von Lumley's mächtigem Ver⸗ wandten, Graf Saxingham, die man als die reichſte Erbin in England betrachtete. Lord Saxingham zog ſeine Tochter bei Seite als ſie daher ſchritt.„Flo⸗ rence,“ ſagte er flüſternd,„der Herzog von*** iſt durch Sie überraſcht; ſeien Sie höflich gegen ihn, ich will Sie vorſtellen“ Bei den Worten wandte ſich der Graf an einen kleinen, ſteif ausſehenden Mann von gebräunter Haut und ungefähr 28 Jahren, der ihm zur Linken ſtand und ſtellte den Herzog von*“** der Lady Florenece Lascelles vor. Der Herzog war unvermählt. Die Einführung hatte zwiſchen der mäch⸗ tigſten Partie und der reichſten Erbin in der Pairie ſtattgefunden. „Lady Florene,“ ſagte Lord Saxingham,„hat Pferde eben ſo gern, wie Sie, Herzog, ob ſie gleich kein ganz ſo guter Richter iſt.“ „Ich geſtehe, daß ich Pferde gern habe,“ ſagte der Herzog mit aufrichtiger Miene. Lord Saxingham ging fort. Lady Florence blieb ſtumm; ein Blick ſtrahlender Verachtung drang aus ihren großen Augen; ihre Lippe verzog ſich leicht; ſie wandte ſich ſeitwärts und ſchien zu vergeſſen, daß ihre neue Bekanntſchaft exiſtirte. Der Herzog, wie die meiſten Perſonen hohen Standes, war nicht gewohnt, ſich beleidigt zu fühlen; auch konnte er ſich wirklich nicht einbilden, daß ein wegwerfendes Benehmen gegen einen Mann ſeines Ranges beabſichtigt ſein konnte, jedoch war er der Meinung, es ſchicke fich für Lady Florence, das Geſpräch zu beginnen; er ſelbſt, obgleich nicht blöde, war ſeinem Weſen nach ſchweigſam und daran ge⸗ wöhnt, mit der Zahlung der kleinen Ausgaben in der Geſellſchaft verſchont zu werden. Als er jedoch ſah, daß Lady Florence ſtill blieb, begann er nach einer Pauſe!„Sie reiten bisweilen in den Park, Lady Florence?“ „Sehr ſelten.“ „Allerdings iſt es jetzt zu warm zum Ausreiten.“ „Das ſagte ich nicht.“ „Hm, ich glaubte, Sie ſagten das.“ Wieder eine Pauſe. „Sagten Sie etwas, Lady Florenee?“ „Nein.“ „O, ich bitte um Verzeihung. Lord Saxingham ſieht ſehr gut aus.“ „Es iſt mir lieb, daß Sie der Meinung ſind.“ „Ihr Bild in der Kunſtausſtellung erweist Ihnen kaum Gerechtigkeit, Lady Florence; Lawrence trifft doch ſonſt gewöhnlich gut.“ „Sie ſchmeicheln,“ ſagte Lady Florenee mit leh⸗ hafter und und Benel verzogen u rakters dur neidiſchen richteten, unterhielt. haltung w werth, die in Bezug hatte ſich Dummkop ſie nur da haben, da⸗ ſeicht. De gab ſich n und hatte war jedoch beſaß eine Seele, ob um Ander kommen g Unempfind Sättigung Floren wie lebhaf neigt ſind mann ſon zoge und Range nie ch leicht; ergeſſen, n hohen fühlen; daß ein n ſeines r er der ce, das cht blöde, aran ge⸗ en in der doch ſah, ch einer k, Lady sreiten.“ wingham g ſind.“ st Ihnen e trifft mit leb⸗ — hn 95 hafter und leicht bemerkbarer Ungeduld in Stimme und BVenehmen. Die junge Schönheit war durchaus verzogen und jetzt war der Hohn eines ſtolzen Cha⸗ rakters durch die Beobachtung hervorgelockt, daß die neidiſchen Blicke des Gedränges auf eine Perſon ſich richteten, womit der Herzog von“** ſich wirklich unterhielt. So glänzend auch ihre Gabe der Unter⸗ haltung war, ſo hielt ſie es nicht für der Mühe werth, dieſelbe zu äußern; ſie war eher ariſtokratiſch in Bezug auf Geiſt wie hinſichtlich der Geburt und hatte ſich in den Kopf geſetzt, der Herzog ſei ein Dummkopf. Hierin aber irrte ſie ſich ſehr. Hätte ſie nur das Eis gebrochen, ſo würde ſie gefunden haben, das Waſſer unter demſelben ſei durchaus nicht ſeicht. Der Herzog, wie ſo viele andere Engländer, gab ſich nicht gern die Mühe ſeine Gaben zu zeigen, und hatte ein gar nicht einnehmendes Benehmen; er war jedoch ein Mann von großer Beleſenheit, und beſaß einen geſunden Kopf, ſowie eine ehrenwerthe Seele, obgleich er nicht wußte, was lieben und ſich um Andere bekümmern heißt; er war zugleich voll⸗ kommen geſättigt und vennoch zufrieden, denn die Unempfindlichkeit beſteht aus einer Vereinigung von Sättigung und Zufriedenheit. Florence urtheilte aber über ihn in ſolcher Weiſe, wie lebhafte Perſonen über geſetzte zu urtheilen ge⸗ neigt ſind; außerdem hatte ſie Luſt, ihm und Jeder⸗ mann ſonſt laut zu erklären, daß fie ſich um Her⸗ zoge und um die Heirath eines Mannes von höchſtem Range nicht hekümmere; mit einer leichten Neigung ihres Kopfes wandte ſie ſich deßhalb hinweg und ſtreckte ihre Hand nach einem ſchwarzhaarigen jungen Manne aus, welcher ſie mit jener achtungsvollen aber unverkennbarer Bewunderung anſchaute, welche zu verachten ſtolze Frauen nie ſtolz genug zu ſein pflegen. „Signor,“ ſagte ſie auf Italieniſch,„ich bin et⸗ freut, Sie zu ſehen; man empfindet wirklich eine Erleichterung, erblickt man einen Mann von Geiſt in in einem Gedränge von leeren Köpfen.“ Bei den Worten ſetzte ſich die Erbin auf einen jener bequemen Divans, worauf bloß zwei Platz haben und winkte dem Italiener ſich an ihrer Seite niederzulaſſe. Wie ſchlug das eitle Herz Caſtrueciv Ceſarini's. Welche Viſionen von Liebe, Rang und Reichthum flatterten ſchon vor ſeinen Augen. „Ich glaube beinahe,“ ſagte Caſtruceio, die alten Tage der Romantik wieberkehren, da eine Kö⸗ nigin ſich von Fürſten und Kriegern abwenden konnte, um einem Troubadvur zuzuhören.“ „Troubadours ſind jetzt ſeltener, als Krieger und Fürſten,“ erwiderte Florence, mit heiterer Lebhaftig⸗ keit, die einen auffallenden Gegenſatz gegen die dem Herzoge von“** erwieſenen Kälte bot;„deßhalb wäre es jetzt kein großes Verdienſt bei einer Königin, von Langerweile in Geſchmacklofigkeit zur Poeſie und zum Witz zu fliehen.“ „Nennen Sie den Witz nicht,“ ſagte Ceſarini, „er iſt unverträglich mit dem ernſten Weſen tiefer Gefühle, unverträglich mit Begeiſterung und Ver⸗ ehrung, Lady Fl Flor leichthin geheure und dem Unerfahr der Anm Schmeich beleidigt Geſpräch über ital redſamkei Während Gaſt gek Saxingha und unte „Ladr der That hätte wir nur halb „Sie ley, mit Lord Sa gelehrt, ſchon bei tern und ein Verm Lumley, ternem V Bulwe inwe nd gen jungen tungsvollen ute, welche mg zu ſein ich bin er⸗ irlich eine on Geiſt in « Bei den er beemen und winkte ederzulaſſen. Ceſarini's. Reichthum * io,„daß die da eine Kö⸗ nden konnte, Krieger und er Lebhaftig⸗ gen die dem t;„deßhalb ner Königin, r Poeſie und gte Ceſarini, Weſen tiefer g und Ver⸗ —————— 97 ehrung, unverträglich mit den Gedanken, weſche bei Lady Florence Lascelles ſich erheben.“ Florence erröthete und warf dem Sprechenden leichthin einen unwilligen Blick zu; indeß der un⸗ geheure Unterſchied zwiſchen ihrem eigenen Stande und dem des jungen Freinden, verbunden mit ihrer Unerfahrenheit hinſichtlich des wirklichen Lebens und der Anmaßung eitler Herzen, ließ ſie ſogleich vie Schmeichelei vergeſſen, wodurch ſie von einem Andern beleidigt worden ware. Sie lenkte übrigens das Geſpräch in allgemeine Kanäle und unterhielt ſich über italieniſche Poeſie mit einer Wärme und Be⸗ redſamkeit, welche des Gegenſtandes würdig waren. Während Beide ſich ſo unterhielten, war ein neuer Gaſt gekommen, welcher in Unterredung mit Lord Saxingham von dem Orte, wo er ſtand, einen feſien und unterſuchenden Blick auf das Paar richtete. „Lady Florence,“ ſagte dieſer neue Gaſt,„iſt in der That eine ausgeſeichnete Schönheit geworden. Ich hätte wirklich nicht geglaubt, daß England ſich einer nur halb ſo ſchönen Geſtalt rühmen könne.“ „Sie iſt in Wahrheit ſchön, mein theurer Lum⸗ ley, mit dem Geſichtsſchnitt der Lascelles,“ erwiderte Lord Saxingham,„und ſo begabt! Sie iſt wirklich gelehrt, ein vollkommener Blauſtrumpf. Ich zittere ſchon bei dem Gedanken an das Gedränge von Dich⸗ tern und Malern, die ſich aus ihrem Ezthuſiasmus ein Vermögen ſchaffen werden. Unter uns geſagt, Lumley, ich wünſchte ſie an einen Mann von nüch⸗ ternem Verſtande verheirathet, wie ihn der Herzog Bulwer, Maltravers. II. 7 von** beſitzt. Nüchterner Verſtand iſt gerade dasjenige, was ſie braucht. Sehen Sie einmal, ſchon eine halbe Stunde ſchäkert ſie mit dem ſonderbar ausſehenden Abenteurer, einem Signor Ceſarini, bloß weil er Sonette ſchreibt, und eine Kleidung wie ein Schauſpieler trägt!“ „Das iſt die Schwäche des Geſchlechtes, mein theurer Lord,“ ſagte Lumley;„ſie mögen gerne die Gönnerinnen ſpielen und ſind in alle Sonderbarkeiten von chineſiſchen Porzellanfguren an bis zu verrück⸗ ten Poeten vernarrt. Aus dem raſtloſen, dann und wann aus dem Zimmer umberſchweifenden Blicke ſchließe ich aber, daß meine ſchöne Coufine etwas von einer Kokette an ſich hat.“ „Sie haben Recht, Lumley,“ erwiderte Lord Saring⸗ ham lachend,„ich will jedoch mit ihr darüber nicht zunken, daß ſie Herzen bricht und Heirathsanträge zurückweist, wenn ſie nur zuletzt geſetzt wird und ſich zur Herzogin von*** machen läßt.“ „Herzogin von***“ wi olte Lumley zerſtreut, „ſchon gut, ich will mich ihr vorſtellen. Wie ich ſehe, langweilt ſie der Italiener. Mein theurer Lord, ich will ſie hinſichtlich des Eindrucks ausforſchen, den der Herzog auf ſie gemacht hat.“ „Thun Sie das, ich wage es nicht,“ erwiderte ver Vater;„ſie iſt ein ausgezeichnetes Mädchen, allein die Erbinnen lieben immer ven Widerſpruch. Es war ſehr thöricht, daß man mir alle Aufſicht über ihr Vermögen entzog. Kommen Sie bald wieder zu mir, Lumley; Sie wollen wohl außer Landes reiſen?“ „Ne ich Ihne Mit renee. 2 wegen ſe ſcharfen die vollk räuſchloſ welche vr fen Geg deſſen S einiger „Ach ley mit nach allet Sie Ihr Die Würn erinnern als ich J „O, Vetter, ganzen 2 „Sp klingt ei Verzeihe Bei beugung leer gele ſtand. ſt gerade nal, ſchon ſonderbar rini, bloß g wie ein tes, mein gerne die erharkeiten zu verrück⸗ dann und den Blicke ſfine etwas rd Saxing⸗ rüber nicht thsanträge ird und ſich ey zerſtreut, zie ich ſehe, Lord, ich en, den der erwiderte chen, allein ch Es war über ihr eder zu mir, reiſen?“ „Nein, ich will in England bleiben. Später will ich Ihnen meine Ausſichten unp Plane ſagen.“ Mit den Worten ſchlüpfte Lumley ruhig zu Flo⸗ renee. Ferrers beſaß ein Benehmen, welches gerade wegen ſeiner Einfachheit auffiel. Seine beſtimmten, ſcharfen Züge, ſein kurzes Haar und ſeine hohe Stirn, die vollkommene Schlichtheit ſeines Anzugs, die ge⸗ räuſchloſe, behagliche Ruhe aller ſeiner Bewegungen, welche von Selbſtbeherrſchung zeugten, bot einen ſchar⸗ fen Gegenſatz gegen den prunkenden Italiener, an deſſen Seite er ſich jetzt befand. Florenee ſah ihn mit einiger überraſchung über ſein Vordringen an. „Ach, Sie erinnern ſich meiner nicht,“ ſagte Lum⸗ ley mit ſeinem gefälligen Lächeln,„treuloſe Imogen, nachallen Ihren Gelübden der Standhaſtigkeit! Schauen Sie Ihren Alonzo. Die Würmer krochen alle hinein und krochen dann wiederum heraus; erinnern Sie ſich nicht mehr, wie ſehr Sie zitterten, als ich Ihnen dieſe wahre Geſchichte erzählte? und als wir auf dem Raſen ſitzend ſchwatzten?“ „O,“ rief Florence,„find Sie es wirklich, lieber Vetter, mein theurer Lumley! Schon während eines ganzen Menſchenalters haben wir uns nicht geſehen!“ „Sprechen Sie nicht vom Menſchenalter, das Wort klingt einem Manne in meinen Jahren verdrießlich. Verzeihen Sie, Signor, wenn ich Sie ſtöre.“ Bei den Worten ließ ſich Lumley mit tiefer Ver⸗ beugung ganz kalt auf den Sitz nieder, den Ceſarini leer gelaſſen hatte, indem er mit blödem Weſen auf⸗ ſtand. Caſtruccio ſah verlegen gus; Florenee aber hatte ihn im Entzücken, Lumley wieder zu ſehen, ver⸗ geſſen; Ceſarini ging unzufrieden fort und ſetzte ſich in einiger Entfernung. „So komme ich denn zurück,“ fuhr Lumley fort, „um in Ihnen eine Dame zu finden, der Alle den Preis der Schönheit zuerkennen und welche Koketterie als Geſchäft treibt. Erröthen Sie nur nicht!“ „Nennt man mich wirklich eine Kokette?“ „Ja! die große Welt hat hierin einmal ein rich⸗ tiges Urtheil gefällt.“ „Vielleicht verdiene ich den Vorwurf; o, Lumley, wie verachte ich Alle, die ich ſehe und höre!“ „Was, auch den Herzog von „Ja, ich beſorge, auch der Herzog von*** macht keine Ausnahme.“ „Ihr Vater wird verrückt, wenn er dies hört.“ „Mein Vater! mein armer Vater. Ja, er glaubt, vaß die höchſte Beſtimmung von mir, von Florenee Lascelles, darin beſteht, daß ich eine herzogliche Krone trage und die beſten Bälle in London gebe.“ „Was iſt denn die Beſtimmung der Florenee Las⸗ celles?“ „Die Frage kann ich nicht beantworten; ich be⸗ fürchte jedoch in Unzufriedenheit und Verachtung.“ „Sie ſind mir ein Räthſel; ich will mir aber Mühe geben und nicht eher ruhen, als bis ich es löſe.“ „Ich trotze Ihnen.“ „Danke! Trotz iſt beſſer wie Verachtung“ „Sie müſſen ſich ſonderbar verändert haben, wenn ich Sie verachten kann.“ „Wir „Daf glaube, meinen V unſeres Sie kann Luml er blickte nungen f „Mei und ernſt Verwandt daß Ihre neuen En tigen En „Von „Der „Ach, finden ſick Lumle ſeiner Co licher Ber zu ſpreche Florence! fühl zu. L war nicht Idealiſtin, ziehend hä Alles dies welche die hen, ver⸗ ſetzte ſich nley fort, Alle den Koketterie t 1“ 74 lein rich⸗ „ Lumley, e“ *** macht ies hört.“ er glaubt, Florenee iche Krone renee Las⸗ n; ich be⸗ rachtung.“ mir aber h es löſe.“ ung“ ben, wenn 101 „Wirklich? Wie erinnern Sie ſich denn meiner?“ „Daß Sie freimöthig, kühn und teßhalb, wie ich glaube, aufrichtig waren! daß Sie meine Tanten und meinen Vgter durch Verachtung der gemeinen Heuchelei unſeres geſellſchaftlichen Lebens ärgerten! O nein, Sie kann ich nicht verachten!“ Lumley erhob ſeine Augen zu denen der Florence; er blickte ſe lang und ernſtlich an; ehrgeizige Hoff⸗ nungen füllten ſeine Bruſt. „Meine ſchöne Couſine,“ ſagte er in verändertem und ernſtem Ton,„ich erkenne in ihrem Geiſte eine Verwandtſchaft mit dem meinen, und es freut mich, daß Ihre Stimme eine der erſten iſt, welche meinen neuen Entſchluß bei der neuen Rückkehr zum geſchäf⸗ tigen England beſtätigt!“ „Von weſcher Art iſt dieſer Entſchluß?“ „Der eines Engländers, kräftig und ehrgeizig.“ „Ach, der Ehrgeiz! Wie viel falſche Portraits finden ſich von dieſem großen Original!“ Lumley glaubte er habe den Leitfaden zum Herzen ſeiner Couflne gefunden und begann mit ungewöhn⸗ licher Beredſamkeit über den Adel der kühnen Sünde zu ſprechen, welche einſt Engel aus dem Himmel ſtieß. Florence horchte ihm aufmerkſam, aber ohne Mitge⸗ fühl zu. Lumley hatte ſich getäuſcht. Sein Ehrgeiz war nicht von ſoſcher Art, daß er einer wähleriſchen Ivealiſtin, welche jedoch eine hobe Seele beſaß, an⸗ ziehend hätte erſcheinen können. Imter, Macht, Titel, Alles dies ſchten einer Dame niedrig und gemein welche dieſelben täglich zu ihren Füßen liegen ſah. 102 In einiger Entfernung richtete der Herzog von““* ſeinen kalten Blick von Zeit zu Zeit auf Flprence. Sie gefiel ihm nicht weniger, weil ſie ihm nicht den Hof zu machen ſchien. Er war nicht ohne Edelmuth und konnte ſie verſtehen. Zuletzt ging er fort und vachte ernſtlich an Florence als an ſeine Gemahlin; nicht als eine Gefährtin, Freundin und Geliebte, ſon⸗ vern als Gemahlin, welche ihm die Verdrießlichkeiten des Ranges abnehmen, ihm Ehre machen und ihm einen Erben erziehen würde, den er als den ſeinigen würde betrachten können. Auch Caſtruceio Ceſarini richtete aus ſeinem Winkel ſeine Blicke mit eitleren und kühneren Träumen auf die herrſchergleiche Stirn der hochgeborenen Erbin. O ja, ſie beſaß eine Seele— ſie konnte den Rang verachten und das Genie verehren! Welch ein Sieg über de Montaigne, über Maltravers, über die ganze Welt, wenn er, der vernachläſſigte Dichter, die Hand zu gewinnen vermochte, nach welcher die Großen der Erde vergeblich ſeufzten! So ſehr er ſich für rein und hoch hielt, ſo beſtand der Gegenſtand der An⸗ betung für Ceſarini nur in der Geburt und im Reich⸗ thum der Florence. Lumley, welcher vielleicht dem Ziele näher wie Veide, und dennoch von ihm entfernt war, fuhr mit beredten Lippen und funkelnden Augen zu reden fort, während ſein kaltes Herz jedes Wort überlegte, jeden Blick ihm vorſchrieb und die Land⸗ karte mit der Hauptſtraße zum Vermögen vor ſeiner Phantaſie ausbreitete, denn die am weltlichſten ge⸗ finnten Leute bilden ſich oft am meiſten Viſionen. Florence dränge ſie haften Ri ſten Begi Bild des im Ernſt dasjenige Kriſe bie oder zu„ Allem, w hatte Zu wie es b und wir Um d der Juge und aufge 8 von— Florence. nicht den Edelmuth fort und mahlin; bte, ſon⸗ ßlichkeiten und ihm nſeinigen em Winkel umen auf en Erbin. den Rang ein Sieg die ganze „die Hand Froßen der für rein d der An⸗ im Reich⸗ lleicht dem m entfernt nden Augen jedes Wort die Land⸗ vor ſeiner lichſten ge⸗ 1Viſionen. 103 Florence Lascelles aber vergaß alle drei, als das Ge⸗ dränge ſich verloren hatte, und grübelte mit der krank⸗ haften Romantik, wie ſie den vom Schickſal am mei⸗ ſten Begünſtigten oft eigenthümlich iſt, über das ideale Bild des Einen, den ſie zu lieben vermöchte— im jungfräulichen Sinnen nicht der Launen baar. Viertes Kapitel. Meine Gewalten auch hab ich', ein Thor, ver⸗ ſchwendet, die Strafe Fühl' ich anjetzt, doch die Kraft regt ſich mit Friſche mir noch. Ovid. Und ließe meine Bruſt im Innern ſich Von Andren faſſen, würden tauſend Vücher Noch dort geſchrieben ſein. Graf Sterling. Ernſt Maltravers ſtand auf der Höhe ſeines Rufes, dasjenige Werk, welches nach ſeiner Meinung die Kriſe bieten würde, um ihn zu Etwas zu machen oder zu verderben, fand den glänzendſten Erfolg von Allem, was er bisher herausgegeben hatte. Sicherlich hatte Zufall ebenſowohl mitgewirkt wie Verdienſt, wie es bei allen Werken der Fall iſt, die im Augen⸗ blick populär werden. Wir mögen mit ſtarkem Arm und guter Abſicht vergeblich den Hammer auf das Juwelenkäſtchen ſchlagen; eines Morgens aber trifft ein ſorgloſer Schlag den richtigen Nagel auf den Kopf und wir erlangen den Schatz. Uum die Zeit, als Ernſt Maltravers in der Blüte der Jugend ſtand, als er reich, geliebkost, geachtet und aufgeſucht war, verſlel er in eine ernſtliche Krank⸗ helt. Dieſelbe war nicht heftig oder ſichtbar, ſondern beſtand in einer allgemeinen Reiſbarkeit der Nerven und einem Zuſammenſinken des Leibes durch Schwäche. Geine geiſtige Arbeit hatte vielleicht begonnen, ſich an ihm zu rächen. In ſeinem früheren Leben war er körperlich ſo thätig wie ein Gemſenjäger geweſen; pamals hatte die ſtarke Körperübung die Wirkungen elner raſtloſen und prennenden Seele wieder ausgeglichen. Die Ve tauſchung ſtarker Körperübungen mit ſitzen⸗ der Lebensart, die Ermüdung des Gehirns, die Alles in Anſpruch nehmende Leivenſchaft nach Wiſſen, welche alle ſeine Geiſteskräfte Tag und Nacht geſpannt er⸗ hielt, bewirkte in einer natürlich ſtarken Körpercon⸗ ſtitution eine auffallente Verheerung. Der arme Schrift⸗ ſteller! Von wie wenig Perſonen wird er verſtanden, von wie wenigen erlangt er Verzeihung und Mitleid! Jugend und Geſundheit verkauft er einem harten Beſteller der Arbeit. Blinde und ſelbſtſüchtige Welt, vu erwarteſt von ihm, er ſolle ſo frei im Weſen, ſo gefälliger Eitelkeit und gleichmäßiger Stimmung ſein, als verbringe er vas angenehmſte und geſundeſte Daſeln, welches das Vergnügen nur immer gewähren kann, um die Runeln der See'e hinwegzuglätten, over welches die Arzneikunde zu erfinden vermag, um die Nerven des Leibes in richtigem Stand zu halten! Außerdem aber wirkte noch eine andere Urſache gegen den glücklichen Schriftſteller! Sein Herz war zu ein⸗ ſam; er lebte ohne ſüße Familienbande! Die Ver⸗ bindungen und Freundſchaften, welche er ſchloß, reizten für den Angenblick, beſaßen aber keinen Reiz, zu kräf⸗ tigen vd auf dem und war tägliche Naturen Beiven b nen. Sei Leſer wo förmlich der munt hatte ein ſächlich i während füllte, w boten; d einmal al lich. Hier vers ſtant erweckend Es n niſſen de ſaß ein j Geſichtszi quälender Pfad zun wartende von Zeit melte Etr ſo ſehnſü liehten, ſondern Nerven chwäche. nen, ſich n war er geweſen; irkungen geglichen. it ſitzen⸗ die Alles en, welche annt er⸗ örpercon⸗ e Schrift⸗ erſtanden, Mitleid! m harten ige Welt, mn Weſen, Stimmung geſundeſle gewähren uglätten, mag, um zu halten! che gegen ar zu ein⸗ Die Ver⸗ ß, reizten z zu kräf⸗ 105 tigen oder zu beſänftigen. Cleveland wohnte zu vft auf dem Launde, beſaß ein zu ruhiges Temperament und war im Alter zu ſehr vorgerückt, als daß der tägliche und vertraute Verkehr, deſſen wohlwollende Naturen als Lebensnahrung bedürfen, bei aller zwiſchen Beiden beſtehenden Freundſchaft, hätte ſtattfinden kön⸗ nen. Seinen Bruder ſah Ernſt nur ſelten, wie der Leſer wohl vermuthen wird, weil derſelbe ihm nicht förmlich vorgeſtellt wurde. Oberſt Maltravers, einer der munterſten und hübſcheſten Männer ſeiner Zeit, hatte eine Modedame geheirathet und lebte haupt⸗ ſächlich in Paris, ausgenommen wenn er einige Wochen während der Jagdzeit ſeinen Landſitz mit Genoſſen füllte, welche Ernſt gar keinen Beröhrungspunkt dar⸗ boten; die hriten Bräder ſchrieben ſich regelmäßig einmal alle Vierteljahre und ſahen ſich einmal jähr⸗ lich. Hierin beſtand all ihr Verkehr. Ernſt Maltra⸗ vers ſtand in der Welt mit dem kalten, aber Angſt erweckenden Geſpenſt des Ruhmes allein. Es war ſpät in der Nacht. Vor einem mit Zeug⸗ niſſen des Studirens und Denkeus bedeckten Tiſche ſaß ein junger Mann mit blaſſen und abgeſpannten Geſichtszügen. Die Uhr im Zimmer verkundete mit quälender Genauigkeit jeden Augenblick, welcher den Pfad zum Grabe verkurzte. Ein ängſtlicher und er⸗ wartender Ausdruck lag im Antlitz des Studirenden; von Zeit zu Zeit blickte er auf die Uhr und mur⸗ melte Etwas vor ſich hin Erwartete der junge Mann ſo ſehnſüchtig einen Brief von einer angebeteten Ge⸗ liebten, die ſüße Schmeichelei eines mächtigen Kri⸗ 106 tikers der Künſte und Literatur? Nein, der Kranke hatte alle Beſtrebungen vergeſſen. Ernſt Maltravers erwartete den Beſuch ſeines Arztes; ein plötzlicher Gedanke in ſo ſpäter Stunde hatte ihn bewogen, den⸗ ſelben aus dem Bette holen zu laſſen. Zuletzt wurde der wohlbekannte Schlag an der Hausthür vernommen und nach wenigen Augenblicken trat der Arzt ein. Dieſer war wohlerfahren in den eigenthümlichen Ge⸗ lehrtenkrankheiten und eben ſo freundlich wie geſchickt. „Mein theurer Herr Maltravers, was ſoll das? Wie gehts? Ich hoffe doch, Sie ſind nicht ernſtlich krank! Sie hatten doch keinen Rückfall? Wie ich ſehe, iſt ihr Puls ſchwach und unregelmäßig, Sie haben jedoch kein Fieber, Sie ſind nervös.“ „Doktor,“ ſagte Maltravers,„ich ließ Sie nicht in dieſer Zeit der Nacht aus eitler Furcht oder aus der verdrießlichen Laune eines Kranken holen. Als ich Sie aber vieſen Morgen ſah, ließen Sie einige Be⸗ merkungen fallen, welche mich ſeither immer gequält haben. Zur Beruhigung meines Gewiſſens und meiner Seele ohne Zeitverluſt iſt eine vollkommene Kenntniß meines wirklichen Zuſtandes nothwendig. Verſtand ich Sie richtig, ſo habe ich nur noch kurze Zeit zu leben.“ „Wahrlich“ ſagte der Doktor, indem er ſein Ge⸗ ſicht abwandte,„Sie haben, was ich ſagen wollte, übertrieben. Ich habe nicht geſagt, Ihr Zuſtand ſei ein ſolcher, den wir unſerer Kunſt gemäß einen ge⸗ fährlichen nennen.“ „Werde ich denn wahrſcheinlich lange leben?“ Der theurer, „Spr auf Bere nünſtigert den könne oder feig ſchrecken, ich beſchn auszudrü In d tienten le bei dem „Ich er: Sie an; wer bleibende Monate, müſſen E Urtheil e nießen S Malt genſtand lang in ließ ſich ihm brer als er e Zimmer teten Pf zuhalten r Kranke altravers plötzlicher en, den⸗ tzt wurde rnommen Arzt ein. lichen Ge⸗ geſchickt. ſoll das? t ernſtlich Wie ich ßig, Sie ℳ Sie nicht oder aus n. Als ich inige Be⸗ er gequält d meiner Kenntniß Verſtand e Zeit eze ſein Ge⸗ en wollte, uſtand ſei einen ge⸗ eben?“ * 107 Der Doktor huſtete.„Das iſt ungewiß, mein theurer, junger Freund,“ ſagte er nach einer Pauſe. „Sprechen Sie offenherzig. Der Lebensplan muß auf Berechnungen begründet werden, die wir ver⸗ nünſtigerweiſe nach ſeiner wahrſcheinlichen Dauer bil⸗ den können. Bilden Sie ſich nicht ein, daß ich ſchwach oder feig genug bin, vor einem Abgrunde zurückzu⸗ ſchrecken, dem ich mich bewußtlos nahte. Ich wünſche, ich beſchwöre Sie, ja ich befehle Ihnen, ſich veutlich auszuvrücken.“ In der Stimme und in dem Benehmen des Pa⸗ tienten lag eine ernſte und ſeierliche Würde, welche bei dem guten Arzte eine tiefe Rührung hervorbrachte. „Ich will Ihnen freimüthig antworten,“ ſagte er: Sie ſpannen die Nerven und das Gehirn zu ſehr an; wenn Sie nicht nachlaſſen, ſo werden Sie ſich bleibender Krankheit und frühzeitigem Tode ausſetzen. Monate, vielleicht Jahre lang, vielleicht gänzlich müſſen Sie alle literariſche Arbeit aufgeben. Iſt dies urtheil ein hartes? Sie find ja jung und reich, ge⸗ nießen Sie Ihr Leben, ſo lang es Ihnen möglich iſt.“ Maltravers ſchien zufrieden; er änderte den Ge⸗ genſtand des Geſprächs, unterhielt ſich einige Minuten lang in leichter Weiſe über andere Dinge und über⸗ ließ ſich erſt, als er den Arzt entlaſſen hatte, den in ihm brennenden Gedanken.„O!“ rief er laut aus, als er aufſtand und mit ſchnellen Schritten durchs Zimmer ging,„jetzt, da ich den breiten und erleuch⸗ teten Pfad vor mir erſchaue, bin ich verurtheilt, an⸗ zuhalten und mich hinwegzuwenden! Ein weites Reich 108 erhebt ſich vor meinen Blicken, größer als das der Cäſaren und Eroberer, ein Reich bleibend und all⸗ gemein in den Seelen der Menſchen, weſches die Zeit ſelbſt nicht umzuſtürzen vermag; aber der Tod geht an meiner Seite und die Hand des Skelets ſtößt mich zuruͤck in das Nichts gewöhnlicher Menſchen.“ Er hielt am Fenſter, riß es auf, lehnte ſich her⸗ aus und athmete gierig die friſche Luft. Der Himmel war heiter und ſtill, als der kalte Morgen unter den verſchwinrenren Sternen ſich nahte; die Aufenthalts⸗ orte der Menſchen in ihrem Verkehr des Müßiggangs und Vergnügens waren öde und verlaſſen, nur die Natur war wach. „Wär' ich, ihr Sterne!“ ſprach Maltravers aus des Tiefe ſeines erregten Herzens vor ſich hin,„bei eurer feierlichen Schönheit unempfindlich geblieben— wäre mir Himmel und Erde nur Luſt und Leben geweſen — gehörte ich zum dumpfen und kurzfichtigen großen Haufen— dann dürfte ich leben und durch die Reife nutzloſer Jahre ins Grab ſinken. Weil ich die großen Zwecke unßerblichen Seins erſtrebe, ſchrumpft das Leben wie eine Papierrolle zuſammen. Hinweg! dieſe menſchliche und materielle Warnung will ich nicht vernehmen, ich betrachte das Leben als etwas Größeres, wie die Dinge wegen derer ich leben möchte. Meine Wahl iſt getroffen! Ruhm beſitzt mehr überredung wie das Grab.“ Ungeduldig wandte er ſich vom Fenſter hinweg; ſeine Augen ſtrahlten, ſeine Bruſt hob ſich; er durch⸗ ſchritt das Zimmer mit einer Herrſchermiene. Alle Berechnur thodiſche ſein unge hatte vern bruch der Seele hin ſteigenden Todes in Gedankenk Wie 1 wenig um in ſeinen 8 neue Alpe Vermu hu welche Be eifer und hielt all Er beſaß ſtets die Erde ruht das der und all⸗ s die Zeit Tod geht ſtößt mich ſich her⸗ rHimmel unter den fenthalts⸗ ißiggangs nur die avers aus hin,„bei blieben— ngeweſen en großen die Reife die großen mpft das veg! dieſe ich nicht Größeres, e. Meine berredung hinweg; er durch⸗ ene. Alle 109 Berechnungen der Klugheit, alle beruhigende und me⸗ thodiſche überlegung, wodurch er von Zeit zu Zeit ſein ungeſtümes Weſen zur Maſchine beſchwichtigend hatte verwandeln wollen, verſchwanden vor dem Aus⸗ bruch der gewaltigen Leidenſchaften, die über ſeine Seele hinfuhren. Man ſage einem Mann bei der ſteigenden Flut ſeiner Siege, daß er den Keim des Todes in ſich trägt! Vermag alsdann irgend eine Gedankenkriſe ſchreckender und furchtbarer zu wirken! Wie wir geſehen haben, hatte ſich Maltravers wenig um den Rahm bekümmert, bis ihm derſelbe in ſeinen Bereich gebracht ward; alsdann hatten ſich neue Alpen bei jedem Schritte erhoben. Jede neue Vermu hung brachte eine neue Wahrheit ans Licht, welche Beweis oder Vertheidigung erbeiſchte. Wett⸗ eifer und Mitbewerbung erhitzte ſein Blut, und er⸗ hielt all ſein Geiſtesvermögen in voller Thätigkeit. Er beſaß den edlen Geiſt des Wettkampfes, den das Pferd auf der Rennbahn zeigt; der Wunſch nach Ruhm war ſogar in der Handlung, in ſeinem Vorwärts⸗ ſchreiten zur Gewohndeit des Daſeins geworden, wenn ihn die Spöttereien ſeiner Feinde noch mehr ermun⸗ terten, als der Beifall ſeiner Freunde. Haben wir eine Laufbahn begonnen, ſo konnen wir ſchwerlich bis zum Grabe anhalten— wo iſt die beſtimmte Grenze füͤr den Ehrgeiz, welcher, wie der Vogel des Orients, ſtets die Flügel zu regen ſcheint und niemals auf der Erde ruht? Unſere Namen erhalten erſt nach unſerem Tode eigentlichen Beſtand; die Geiſter unſerer Thaten ſind unſere geſpenſterhaften Mahner, unſere geißeln⸗ 11⁰ den Beſtrafer, wenn wir jemals zu handeln aufhören oder unſerer Vergangenheit nachſtehen! Ruhe iſt Ver⸗ geſſenheit; halten wir an, ſo vernichten wir das Ganze von uns gefertigte Gewebe; das Grab ſchließt ſich über uns und die Menſchen ziehen, gerade wenn es zu ſpät iſt, die richtige Bilanee zwiſchen uns und unſern Neben⸗ buhlern; dann mißt man uns nicht nach den geringſten, ſondern nach der größten Triumphen, die wir erwar⸗ ben. Ach, welch ein niederdrückendes Gefühl der Ohn⸗ macht kommt über uns, ſobald wir empfinden, unſer Körper ſei unſerer Seele nicht gewachſen— wenn die Hand nicht länger auszuführen vermag, was die Seele thätig wie jemals ſich denkt und erſtrebt!— wenn das rege Leben durch die todte Form gebunden wird— wenn Gedanken friſch wie die Unſterblichkeit, reich und gol⸗ den hervorſtrömen, wenn die Nerven aber gebrochen, der Körper krank, die Augen müde ſind! Der Geiſt vürſtet nach der Freiheit und nach dem Himmel; allein uns verurtheilt und erſtickt das Bewußtſein, daß wir uns eingemauert in einem Gefängniſſe befinden, wel⸗ ches unſer Begräbnißort ſein muß! Man ſpreche nicht von Freiheit; Freiheit gibt es nicht für einen Menſchen, deſſen Körper ſein Gefängniß, deſſen krankhafter Zu⸗ ſtand die Folter ſeines Geiſtes bildet! Maltravers hielt zuletzt an und warf ſich müde und erſchöpft aufs Sopha. Unwillkürlich nahm er Briefe in die Hand, die Stuuden lang auf ſeinem Tiſche un⸗ eröffnet gelegen waren, als böten dieſelben ein kaum zum Bewußtſein ihm gekommenes Mittel, ſeinen wi⸗ derſtreitenden und mutzloſen Regungen zu entgehen⸗ Jeber Br zu ſpottet Einige ve höchſten 1 einen glät ter(es n ſtolzen un Verkündig Brief ſeu an, bevor den er er auch befan ſteller von anonyme und Erma in Penfior in den er ſorgloſer der ſeine Die Hand und kecker aufhören e iſt Ver⸗ as Ganze t ſich über es zu ſpät n Neben⸗ geringſten, vir erwar⸗ der Ohn⸗ en, ner wenn die s die Seele wenn das rd— wenn nd gol⸗ gebrochen, Der Geiſt nel; allein , daß wir nden, wel⸗ preche nicht WMenſchen, khafter Zu⸗ h müde und ner Briefe Tiſche un⸗ nein kaum ſeinen wi⸗ u entgehen⸗ 111 Jeber Brief, den er erbrach, ſchien ſeines Zuſtandes zu ſpotten und ein Zeugniß über ſein Glück zu geben. Einige verkündeten das bewundernde Mitgefühl, der höchſten und weiſeſten Männer; ein anderer bot ihm einen glänzenden Eintritt ins Staatsleben— ein zwei⸗ ter(es war ein Brief von Cleveland) enthielt den ſtolzen und entzückten Beifall eines Propheten, deſſen Verkündigungen zuletzt eingetroffen waren. Bei dieſem Brief ſeufzte Maltravers aus tiefer Bruſt und hielt an, bevor er ſich zu den andern wandte. Der letzte, den er eröffnete, war in unbekannter Handſchrift; auch befand ſich kein Name darunter. Wie alle Schriſt⸗ ſteller von einigem Anſeben, erhielt Maltravers häufig anonyme Briefe des Lobes, Tadels, der Warnußg und Ermahnung— hauptſächlich von jungen Damen in Penfionen oder von alten Damen auf dem Lande; in den erſten Sätzen des Briefes, den er jetzt mit ſorgloſer Hand eröffnete, lag ein gewiſſer Ausdruck, der ſeine Aufmerkſamkeit beſonders in Anſpruch nahm. Die Handſchrift war klein und ſchön, aber deutlicher und kecker wie es bei Frauen gewöhnlich der Fall iſt. „Ernſt Maltravers,“ begann dieſer ſonderbare Herzenserguß,„haben Sie ſich ſelbſt wohl geprüft? Sind Sie Ihrer Fähigkeiten ſich bewußt? Hegen Sie ein Gefühl, daß es einen noch mehr verblendenden Ruhm wie denjenigen gibt, womit Sie jetzt zufrieden zu ſein ſcheinen? Sie ſcheinen in die feinſten Wen⸗ dungen des menſchlichen Herzens zu dringen und die Natur wie in einem Spiegel unterfucht zu haben. Ihre Gedanken erſcheinen wie Heere zur Vertheidigung 1¹2 der Wahrheit aufgeſtellt, kühn und unerſchrocken, ohne Flecken auf ihren glänzenden Woffen. Sind Sie aber in Ihrem Alter und mit Ihren Vorzügen dazu geeignet, ſich unter Büchern und Papieren zu begraben? Vergeſſen Sie, daß die große Laufbahn für Männer, welche wie Sie denken, in Handlung beſteht? Wird das Abwägen der Worte, die Schil⸗ dernng Ihrer Anſchauungen, das kalte Lob der Pe⸗ danten, das ſorgloſe Lob literariſcher Müßiggänger allen Beſtrebungen Ihres Ehrgeizes genügen? Sie find nicht allein für das Stuvirzimmer geſchaffen. Die Träume des Pindus und der äoniſchen Jungfrauen können nicht in der Blüte tes Mannesalters aus⸗ vauern. Sie ſind zu praktiſch zum bloßen Dichter und zu pvetiſch, um in die einförmige Haltung eines Gelehrtenlebens zu verſinken. Ich habe Sie nie ge⸗ ſehen, aber dennoch kenne ich Sie; ich leſe Ihren Geiſt in Ihren Büchern; die Beſtrebung nach etwas Beſſerem und Größerem, wie dem Großen und Guten, weſches alle Ihre leidenſchaftlichen Enthüllungen Ihrer ſelbſt und Anderer färbt, kann nicht bloß durch ideale Bilder befriedigt werden. Sie können nicht, wie es bei Dichtern und Hiſtoriker meiſt der Fall iſt, ſich mit einer Größe begnügen, welche allein darauf be⸗ ruht, daß man große Männer ſchildert, große Er⸗ eigniſſe erſinnt, oder eine große Zeit beſchreibt. Iſt es nicht Ihrer würdiger, das zu ſein, was Sie er⸗ ſinnen oder erzählen? Erwachen Sie. Maltravers! Blicken Sie in Ihr Herz und erkennen Sie Ihr wahres Geſchick. Wer iſt es, welcher dieſe Worte an Sie richtet?. füllt iſt! keit, unte das Gefü Weib, w eigenen( welches ſi bittet, al auf der! mich nicht Sie nie g Sie könn denke, un und keine Ich bin verehre et glauben habe; al Ihrer Eit richtig, röthen eit wie erweck nicht aus gung ent Huldigun allein und dasje rſchrocken, n Sind Vorzügen pieren zu Laufbahn Handlung die Schil⸗ b der Pe⸗ higgänger en? Sie ffen. Die ungfrauen ters aus⸗ en Dichter tung eines ie nie ge⸗ eſe Ihren ach etwas nd Guten, en Ihrer urch ideale t, wie es l iſt, ſich darauf be⸗ große Er⸗ reibt. Iſt Sie er⸗ altravers! hr wahres te an Sie 113 richtet?— Ein Weib, deſſen Seele von Ihnen er⸗ füllt iſt!— Ein Weib, bei welchem Ihre Beredſam⸗ keit, unter leichtfertigen und eitlen Geſellſchaftskreiſen, das Gefühl eines neuen Daſeins erweckt hat— ein Weib, welches Sie ſelbſt zum lebenden Ideal Ihrer eigenen Gedanken und Träume machen möchte, und welches ſich kein ander Loos vom irdiſchen Leben er⸗ bittet, als mit den Blicken des eigenen Herzens Ihnen auf der Bahn des Ruhmes zu folgen. Sie dürfen mich nicht mißverſtehen. Ich wiederhole Ihnen, daß ich Sie nie geſehen habe, auch iſt dies nicht mein Wunſch; Sie könnten ja anderer Art ſein, wie ich Sie mir denke, und alsdann würde ich einen Götzen verlieren und keinen Gegenſtand der Verehrung mehr beſitzen. Ich bin eine Art Roſenkrenzer voll Viſionen; ich verehre einen Geiſt, nicht ein Weſen wie ich. Sie glauben vielleicht, daß ich einen Zweck hiebei im Auge habe; allein mir kann nichts daran gelegen ſein, Ihrer Eitelkeit zu ſchmeicheln, und beurtheile ich Sie richtig, ſo iſt dieſer Brief geeignet, Sie ohne Er⸗ röthen eitel zu machen. Wie ſtimmt uns herab und wie erweckt uns eine Bewunderung Widerwillen, welche nicht aus den heiligen und tiefen Quellen der Bewe⸗ gung entſteht! Ich hatte meinen Theil an gemeiner Huldigung und gerade deßhalb fühle ich mich doppelt allein Ich bin reicher wie Sie; ich beſitze Jugend und dasjenige, was man Schonheit nennt; aber weder Reichthum, Jugend, noch Schönheit ertheilte mir je⸗ mals das ſchweigende und tiefe Glück, welches ich im Gedanken an Sie empfinde. Die Verehrung iſt ſolcher Bulwer, Maltravers. II. 8 Art, ich wiederhole es Ihnen, daß Sie ſogar wohl darauf eitel ſein können. Gedenken Sie dieſer Worte, ich flehe Sie an. Werden Sie nicht meiner Gedanken, ſondern der Art und Weiſe würdig, worin dieſelben ſich eine Vorſtellung von Ihnen bilden; jeder Ruhmes⸗ ſtrahl, welcher Sie umringt, wird meinen Weg er⸗ leuchten und mich zu ähnlicher Nacheiferung begeiſtern. Leben Sie wohl. Vielleicht ſchreibe ich Ihnen wieder; Sie werden mich aber nie entdecken und ich„flehe im Gebet, daß wir uns während dieſes Lebens niemals treffen.“ Fünftes Kapitel. Mag unſte Schaar den edlen Amri jetzt Zunächſt begrüßen. Dryden„Abſalom und Architophel.“ Zetzt laß mich, daß ich nimmer Muße mehr mir ſelbft Geſtatten mag, Derenz. „Ich kann mir nicht denken,“ ſagte Jemand aus einer Gruppe junger Leute, die an den Stufen eines Clubhauſes in Saint⸗James⸗Street umherſchlender⸗ ten,„was dem Maltravers ſich ereignet hat. Sehen Sie dort— er geht an der anderen Seite der Straße — wie ſehr er verändert iſt. Er ſchreitet einher wie ein alter Mann und ſchlägt kaum ſeine Augen vom Boden auf. Er ſcheint ſicherlich krank und verdrießlich!“ „Er ſchreibt Bücher, wie ich glaube.“ „Oder hat ſich im Geheimen verheirathet.“ „Oder wird zu reich; reiche Leute ſind immer unglückſelig geweſen.“ „Ha, Ferrers, wie gehts?“ „S „R verurth „A „Zi tiker ge „W gebliebe „Je tiker tr fallend; Krankhe / Si Ferrers, und ern „N „M diger nigkeit ar wohl Worte, edanken, dieſelben Ruhmes⸗ Weg er⸗ geiſtern. wieder; ſlehe im niemals tophel.“ r mir ſelbſt erenz. nand aus fen eines ſchlender⸗ t. Sehen er Straße inher wie ugen vom rießlich!“ het.“ nd immer 1¹⁵ „So ſo, was gibts Neues?“ fragte Lumley. „Radvler iſt zur Geldſtrafe im Ehebruchsprozeß verurtheilt.“ „Ah was! Was gibts Neues in der Politik?“ „Zum Henker mit der Politik! Sind Sie Poli⸗ tiker geworden?“ „Was iſt mir ſonſt in meinem Alter noch übrig geblieben?“ „Ich dachte mir das nach Ihrem Hut; alle Poli⸗ tiker tragen ſonderbare Hüte. Die Sache iſt ſehr auf⸗ fallend; gerade hierin wird ein Hauptſymptom der Krankheit geboten.“ „Sieht denn mein Hut ſo ſonderbar aus?“ fragte Ferrers, indem er das genannte Kleidungsſtück abnahm und ernſthaft betrachtete. „Nun, wer ſah jemals ſolch einen Rand.“ „Mir iſt es lieb, daß Sie die Meinung hegen.“ „Warum?“ „Weil man in unſerem Vaterlande nach verſtän⸗ diger Politik handelt, wenn man irgend eine Klei⸗ nigkeit als lächerlich preisgibt. Können euch die Leute wegen eures Hutes, eures Wagens, wegen der Form eurer Naſe oder einer Warze am Kinn verklatſchen, ſo laſſen ſie tauſend wichtigere Dinge ſich entſchlüpfen. Dies iſt die Weisheit des Kameeltreibers, welcher dem erzürnten Thier ſeinen Rock hinwirft, damit es denſelben mit Füßen trete und damit er ſo der Ge⸗ fahr entgehe!“ „Ferrers, Sie ſind witzig; wohlan, ich will in mich gehen und die Zeitungen leſen, und Sie?“ 116 „Ich werde, über meinen Hut entzückt, Beſuche abſtatten.“ „A revoir. Beiläufig geſagt, Ihr Freund Mal⸗ travers kam ſo eben vorüber; er ſah gedankenvoll aus und hielt einen Monolog. Was hat er?“ „Vielleicht beklagt er, vaß er keinen ſonderbaren Hut trägt, vamit Herren wie Sie über ihn lachen können und ſeine übrige Perſon in Frieden laſſen. Guten Tag.“ Ferrers ging weiter und befand ſich bald auf der Maille⸗Vahn im Park. Dort ſchloß Herr Templeton ſich ihm an. „Nun, Lumley,“ ſagte dieſer(hier muß ich be⸗ merken, daß Herr Templeton jetzt gegen ſeinen Neffen größere Achtung im Weſen und Ton zeigte, als er früher dieſem zu erweiſen für nothwendig hielt)— „haben Sie Lord Saxingham geſprochen?“ „Ja, und ich bedaure ſagen zu müſſen „Das dachte ich, das dachte ich,“ unterbrach Tem⸗ pleton.„Staatsmänner hegen keine Dankbarkeit, Mini⸗ ſter keinen Wunſch, die Tugend zu ehren!“ „Verzeihen Sie mir! Lord Saringham erklärt, daß er mit dem größten Bergnügen Ihre Plane be⸗ fördern wolle; Niemand verdiene mehr die Pairs⸗ würde, aber „Ja, ja, immer ein Aber.“ „Aber es gebe jetzt ſo Viele, welche Anſpruch darauf erheben, daß es unmöglich ſei, dieſelben zu befriedigen, und. und.„ indeß mein Gefühl zwingt mich, nicht weiter fortzufahren.“ „Wr ham iſt eigene 2 theurer Ihrer er Vermöge auf „Au Ihr Vert daß Ihr gelegen, und ſich Rang un Saxingh verbindu Wahrhei keinen E Vetter d lung erle „Abe „Die ſchlechts zeichnetet jedes öff „Bal in der S Beſuche d Mal⸗ kenvoll erbaren lachen laſſen. auf der mpleton ich be⸗ Neffen als er elt)— „ 5 ch Tem⸗ t, Mini⸗ erklärt, lane be⸗ Pairs⸗ Anſpruch elben zu zwingt 1¹7 „Fahren Sie fort, ich bitte Sie.“ „Wohlan denn! Ich muß offen ſein. Lord Saxing⸗ ham iſt ein Mann, der große Rückſicht auf ſeine eigene Familie nimmt. Ihre Heirath, welche mir, theurer Onkel, ein Gefühl der Zufriedenheit wegen Ihrer erregt, entfernt den möglichen Zufall, daß Ihr Vermögen und Titel, wenn Sie ketzteren erlangen, auf„ „Auf Sie übergeht,“ fiel Templeton trocken ein; Ihr Verwandter ſcheint zum erſtenmal entdeckt zu haben, daß Ihr Intereſſe ihm am Herzen liegt.“ „Was meine eigene Perſon betrifft, Herr, ſo kümmert ſich mein Verwandter nicht mehr um mich als um Binſenſtroh; es iſt ihm aber ſehr viel daran gelegen, daß irgend ein Glied ſeines Hauſes reich iſt und ſich in hoher Stellung befindet. Dies erhöht den Rang und Kredit ſeiner Familienverbindung, und Lord Saxingham iſt ein Mann, welcher durch Familien⸗ verbindungen ſeine Macht bewahrt. Um Ihnen die Wahrheit zu ſagen, ſo will er in dieſem Geſchäfte keinen Schritt thun, weil er nicht einſieht, wie ſein Vetter dadurch Vortheil oder ſein Haus feſtere Stel⸗ lung erlangt.“ „Aber die öffentliche Tugend!“ rief Templeton aus. „Die Tugend, theurer Onkel, iſt weiblichen Ge⸗ ſchlechts; als Privatbeſitzthe n iſt ſie etwas Ausge⸗ zeichnetes; öffentliche Tugend aber gibt ſich preis wie jedes öffentliche Frauenzimmer.“ „Bah!“ knurrte Templeton, welcher jetzt nicht in der Stimmung war, ſeinem Neffen eine Vorleſung 1¹8 zu halten, welche ſonſt über die Unzweckmäßigkeit des Gleichniſſes nicht ausgeblieben wäre; Herr Templeton nämlich gehörte zu den Männern, die es für laſter⸗ haft halten, wenn man vom Laſter als wirklich exi⸗ ſtirend ſpricht; es war ihm ſtets anſtößig, wenn er etwas beim rechten Namen nennen hörte. „Hat Ihre Gemahlin keine Verwandte, die Ihnen nützlich ſein können?“ „Nein Herr, rief der Onkel mit donnernder Stimme. „Es thut mir leid, dies zu hören; man kann je⸗ doch nicht Alles zugleich erlangen. Sie haben aus Liebe geheirathet, beſitzen eine glückliche Häuslichkeit und ein reizendes Weib; das iſt veſſer als ein Pairs⸗ titel und eine Modedame als Gemahlin.“ „Herr Lumley Ferrers, erſparen Sie mir Ihre Tröſtungen; meine Frau „Liebt Sie ſicherlich von ganzem Herzen,“ ſagte der nicht aus der Faſſung zu bringende Neffe.„Sie beſitzt ſo viel Empfindung und hat ſo viel Neigung zur Poeſie; ſie muß ſicherlich einen Mann lieben, welcher ſo viel für ſie gethan hat.“ „Wie ſo? Was ſoll das?“ „Bei Ihrem Vermögen, Ihrer Stellung und Ihrem gerechten Ehrgeiz hätten Sie eine Dame vom höchſten Range heirathen können; blieben Sie un⸗ verheirathet, ſo würden Sie meine eigennützigen, ſelbſtſüchtigen Verwandten— der Henker hole ſie!— für ſich gewonnen haben. Jetzt haben Sie eine Dame ohne Familienverbindungen gereirathet, konnten Sie mehr für ſie thun?“ „B Hie er im 8 finſtert „Lumle leicht ſi wieder verdiene „Y „Ur mit Jh ſein. 2 leicht b mittlerr nünftig Sein keit des mpleton r laſter⸗ lich exi⸗ wenn er ie Ihnen Stimme. kann je⸗ aben aus uslichkeit n Pairs⸗ nir Ihre n ſagte ffe.„Sie Neigung n lieben, lung und mme m Sie un⸗ nnützigen, — ine Dame nnten Sie 1¹9 „Bah, Sie wiſſen noch nicht Alles.“ Hier brach Templeton ſeine Rede kurz ab, als ſei er im Begriff geweſen, zu viel zu ſagen; er blickte finſter und begann dann nach einer Pauſe aufs Neue: „Lumley, allerdings habe ich mich verheirathet, viel⸗ leicht ſind Sie nicht mein Erhe; indeß, ich will das wieder ausgleichen, d. h. wenn Sie meine Neigung verdienen.“ „Mein theurer Onkel.“ „Unterbrechen Sie mich nicht; ich habe Pläne mit Ihnen vor. Laſſen Sie unſer Intereſſe doſſelbe ſein. Vielleicht geht der Titel auf Sie über. Viel⸗ leicht bekomme ich keine männliche Nachkommen— mittlerweile beziehen Sie von mir Summen in ver⸗ nünftigem Betrage; junge Männer haben Ausgaben. Sein Sie aber klug und wenn Sie in die große Welt treten, laſſen Sie dieſelbe nie entdecken, daß Sie in der Klemme ſind. Schon gut, jetzt laſſen Sie mich allein!“ „Meinen beſten, herzlichſten Dank.“ „Still! Sie müſſen Lord Saxingham wiederum ausforſchen; ich will und muß dies Spielzeug haben; ich habe mein ganzes Herz daran geſetzt.“ Bei den Worten winkte Templeton ſeinem Reffen, fortzugehen und ſetzte nachdenklich ſeinen Weg nach Hyde⸗Park⸗ Corner fort, wo ihn ſein Wagen erwartete. Sobald er an ſein Landgut gekommen war, ſah er, wie die Tochter ſeiner Frau, um ihn zu begrüßen, über den Raſenplatz lief. Sein Herz wurde erweicht. Er ließ den Wagen anhalten und ftieg aus; er liebkoste das 120 Kind, ſpielte mit ihm und lachte, als es lachte. Kein Vater konnte zärtlicher ſein.„Lumley Ferrers,“ ſagte er ängßtlich,„beſitzt Talent, mir Ehre zu machen; allein ſeine Grundſätze ſind nicht feſt. Gewiß aber iſt ſein offenes Weſen, das Zeichen eines guten Herzens.“ Mittlerweile begab ſich Ferrers in beſter Laune zu Ernſts Wohnung. Sein Freund war nicht zu Hauſe, alleift Ferrers bedurfte nicht der Gegenwart eines Wirthes, um es ſich im Zimmer eines Andern ſo bequem wie in ſeinem eigenen zu machen. Er ſah ſich von Büchern umringt, allein Ferrers war nicht der Mann, der zum Vergnügen las; er ſtreckte ſich in einen Lehnſtuhl und begann ein neues Gewebe des Ehrgeizes und der Intrigue auszuſpinnen. Zu⸗ letzt öffnete ſich die Thür und Maltravers trat ein. „Nun Ernſt, Sie ſehen nicht gut aus.“ „Allerdings war ich unwohl, erhole mich aber gegenwärtig. So wie die Arzte Veränderung der Luft gewöhnlichen Patienten empfehlen, ſo will ich eine Veränderung der Gewohnheit verſuchen. Thätig muß ich ſein; Thätigkeit iſt die Bedingung meines Seins. Für jetzt muß ich die Bücher aufgeben; Sie ſehen mich in einer neuen Stellung.“ „Wie ſo?“ „In der eines Staatsmannes; ich bin Parlamenis⸗ glied.“ „Sie ſetzen mich in Erſtaunen; ich habe doch die Zeitungen dieſen Morgen geleſen. Ich habe weder einen erledigten Parlamentsſitz, noch eine Wahl bemerkt.“ „Die Bankier einen ver „Gut machen. ich wün „Sie Manie h „Dat die beſte zu leben. „Ein Ich glau hänger 2 größte C „Die ſtimme 1 iſt der„ allem E Meinung Verfahre voll Wo aber aus überlaſſe mich ſell „In müthiger „Hie ſchlimme beim Vr s lachte. Ferrers,“ Ehre zu . Gewiß es guten er Laune nicht zu egenwart z Andern en Er ers war r ſtreckte Gewebe en. Zu⸗ trat ein. ich aber ung der will ich Thätig meines en; Sie laments⸗ doch die der einen emerkt.“ 121 „Die ganze Sache iſt vom Rechtsgelehrten und Bankier abgemacht. Mein Parlamentsſitz iſt der für einen verfaulten Flecken.“ „Gut, ſo werden Ihnen die Wähler keinen Arger machen. Ich wünſche Ihnen Glück und hege Neid; ich wünſchte ſelbſt im Parlament zu fitzen.“ „Sie! Ich glaubte nie, daß Sie die politiſche Manie hegten.“ „Das iſt allerdings nicht der Fall; es iſt aber die beſte Weiſe, bei einigem Glück vom Puhlikum zu leben. Beſſer wie Schwindel.“ „Eine aufrichtige Weiſe, die Frage zu betrachten. Ich glaubte aber früher, Sie ſeien ein halber An⸗ hänger Benthams und Ihr Wahlſpruch ſei: Das größte Glück für die größte Zahl.“ „Die Zahl Eins iſt für mich die Hauptzahl. Ich ſtimme mit dem Pythagoräer überein; die Einheit iſt der vollkommene Grundſatz der Schöpfung. In allem Ernſt, wie können Sie die Grundſätze der Meinung für ein und daſſelbe, wie Grundſätze des Verfahrens halten? Ich bin Anhänger Benthams, voll Wohlwollen und ſcharfen Schlüſſen; ſobald ich aber aus meinem Studirzimmer in die Welt trete, überlaſſe ich die Spskülation Andern und handle für mich ſelbſt.“ 4 „In dieſemm Geſtändniß find Sie wenigſtens frei⸗ müthiger wie klug.“ „Hierin haben Sie Unrecht! Gibt man vor, ſchlimmer zu ſein, wie man wirklich iſt, ſo wird man beim Volk beliebt; man erlangt den Ruf, ſowohl 122 ehrlich wie praktiſch zu ſein. Mein Oheim begeht das Verſehen, daß er nur heuchleriſch in Worten iſt; ein ſolches Verfahren entſpricht ſelten dem Zwecke. Seid offen in Worten und Niemand wird bei euch Heuchelei hinſichtlich eurer Pläne beargwohnen.“ Maltravers blickte Ferrers ſcharf an. Etwas in der leichtfertigen Lebensweisheit ſeines alten Freundes empörte ihn und mißfiel ihm bei ſeinen eigenen hoch⸗ geſpannten Ideen. Er empfand jedoch vielleicht zum erſtenmal, daß Ferrers ein Mann ſei, welcher in der Welt vorwärts müſſe. Er ſeufzte— wie ich hoffe, ſeufzte er um der Welt willen! Nach einem kurzen Geſpräch über gleichgültige Gegenſtände wurde Cleveland angemeldet; Ferrers, welcher Cleveland nicht benutzen konnte, entfernte ſich bald. Ferrers war haushälteriſch hinſichtlich ſeiner Zeit geworden.„Mein theurer Maltravers,“ ſagte Cleveland, als Beide allein waren,„ich bin wirklich ſehr erfreut, Sie zu ſehen. Vor Allem erweckt mir die Entdeckung Vergnügen, daß Sie Ihre Laufbahn zur Nützlichkeit hin ausdehnen wollen.“ „Laſſen Sie mich den Glauben hegen! Das Leben iſt ſo ungewiß und kurz, daß wir nicht zu bald das geringe Kapital, welches daſſelbe uns gewährt, im großen Gemeingut der Schönheit und Ehrlichkeit an⸗ legen können; beide aber gehören zum Nützlichen und bilden daſſelbe. Welche Zweifel aber bedrängen uns in der Politik und in einem höchſt künſtlichen Zu⸗ ſtande! Welches Dunkel umringt uns! Tragen wir zur Erhaltung von Mißbräuchen bei, ſo treiben wir Gaukelei wie ſehr u liche und ungeheure wir jene vermag e bahn ſich „Ein Beredſamt wenn er e loſen Ma Menſchen Schwärme wenn er der Vertr teratur er und Vort cherei ver gezogen ſpekulativ getrennt Stellung Der Zw nicht alle das eigen unſere anvertra Erfahrun liche Thä Sie erlai m begeht Worten m Zwecke. bei euch nen Etwas in Freundes enen hoch⸗ leicht zum her in der ich hoffe, eichgültige Ferrers, entfernte lich ſeiner s, ſagte in wirklich rweckt mir Laufbahn Das Leben bald das währt, im ichkeit an⸗ lichen und ängen uns lichen Zu⸗ ragen wir reiben wir 123 Gaukelei mit unſerer Vernunft und Rechtſchaffenheit; wie ſehr und wie verhängnißvoll können wir die feier⸗ liche und hergebrachte Ordnung, die Triebfeder der ungeheuren Maſchine, in Verwirrung bringen, wenn wir jene Mißbräuche angreifen! Wie wenig auch vermag ein Mann, deſſen Talent für die rauhe Lauf⸗ bahn ſich eignet, in jenem mephitiſchen Dunſtkreiſe.“ „Ein Einzelner vermag ſehr viel, ſogar ohne Beredſamkeit oder Arbeit; er vermag vielleicht ſehr viel, wenn er ein Beiſpiel eines ehrlichen und leidenſchafts⸗ loſen Mannes unter dem Schwarme ſelbſtſüchtiger Menſchen, die nach Amtern ſtreben, und erhitzter Schwärmer aufſtellen kann. Er vermag noch mehr, wenn er unter den Repräſentanten der Nation als der Vertreter der bis dahin nicht repräſentirten Li⸗ teratur erſcheint; wenn er durch einen, über Amter und Vortheile erhabenen Ehrgeiz den Ruf der Krie⸗ cherei vertilgt, welchen Hofoichter der Literatur zu⸗ gezogen haben; wenn er zu beweiſen vermag, daß ſpekulatives Wiſſen von der praktiſchen Welt nicht getrennt iſt; wenn er die Würde der uneigennützigen Stellung erhält, welche dem gelehrten Stande gebührt. Der Zweck wiſſenſchaftlicher Moral beſteht aber nicht allein darin, Andern zu dienen, ſondern auch das eigene Selbſt auszubilden und zu vervollkommnen; unſere Seele bildet ein feierliches, unſerm Leben anvertrautes Pfand. Sie ſind jetzt im Begriff, Ihre Erfahrung über menſchliche Beweggründe und menſch⸗ liche Thätigkeit zu vermehren; jede Weisheit, welche Sie erlangen, wird gleicherweiſe in die Augen fallen 124 und nützlich ſein, ob ſie nun durch Handlung oder durch Bücher mitgetheilt wird. Genug davon, theu⸗ rer Ernſt. Ich bin gekommen, mit Ihnen zu ſpeiſen. Heute Abend werden Sie mich in ein Haus begleiten, wo Sie willkommen ſein und ſich auch angenehm unter⸗ halten werden. Keine Entſchuldigung! ich habe Lord Latimer verſprochen, daß er Ihre Bekanntſchaft machen wird; er iſt einer der ausgezeichnetſten Leute, womit das politiſche Leben Sie in Verbindung ſetzen wird.“ Zu dieſer Veränderung ſeines Treibens zum Ein⸗ tritt ins Parlament vom Studirzimmer, war Mal⸗ travers durch ſeinen Geſundheitszuſtand bewogen wor⸗ den, welcher bei den meiſten Leuten eine Entſchul⸗ digung zur Trägheit geboten haben würde. Träg konnte er nicht ſein; er hatte ganz richtig Ferrers geſagt, Thätigkeit ſei die Bedingung ſeines Seins. Wenn das Denken mit fieberartiger und krankhafter Spannung Nerven und Gehirn zu ſtark angeſtrengt hatte, ſo ließ die rauhe und hausbackene praktiſche Politik, Einbildungskraft und das Vermögen des ab⸗ ſrakten Denkens in Ruhe, während es die härteren Eigenſchaften und Geiſtesgaben erregen mußte, welche ohne Erſchöpfung beleben. Dies wenigſtens hoffte Mal⸗ travers. Er gedachte des tiefen Spruches eines ſeiner deutſchen Lieblingsſchriftſteller, es ſei nothwendig, ſich hin und wieder mit dem Treiben der gewöhnlichen Menſchen zu beſchäftigen, um Seele und Leib in voll⸗ kommener Geſundheit zu halten. Hatte auch der anonyme Correſpondent Einfluß auf ſeinen Entſchluß? Ich weiß nicht. Maltravers aber erſchloß ſein Pult als Clevelat den letzten halten hatte waren jetzt In Lor derjenigen in der Lon ausgezeichn Politik unt denjenigen große We Range oder die jungen rümpfen h und finden oder zwei ſowohl vor wo ein Fre digſten Mo Englands einſt Miniſ wande der rückgezogen lung oder on, theu⸗ u ſpeiſen. begleiten, hi unter⸗ habe Lord ft machen te, womit en wird.“ zum Ein⸗ var Mal⸗ ogen wor⸗ Entſchul⸗ en Trä g Ferrers es Seins. rankhafter ngeſtrengt praktiſche n des ab⸗ härteren te, welche offte Mal⸗ nes ſeiner endig, ſich vöhnlichen b in voll⸗ auch der Fntſchluß? ſein Pult 125 als Cleveland ihn verließ, und überlas noch einmal den letzten Brtef, den er von der Unbekannten er⸗ halten hatte. Den letzten Brief? Ja, dieſe Briefe waren jetzt häufig geworden. Sechstes Kapitel. Der Glanz ihres Geiſtes ertheilt Ihrer Geſichts⸗ farbe und ihren Blicken einen ſolchen Schimmer, daß er die Augen verblendet, ob er gleich eigentlich nur *mit den Ohren zu thun hat. Frau von Sevigne. In Lord Latimer's Hauſe waren einige hundert verjenigen Perſonen verſammelt, wie man ſie ſelten in der Londoner Geſellſchuft beiſammen trifft, die ausgezeichneten Männer im Geſchäftsleben, in der Politik und in der Literatur, die gewöhnlich mit denjenigen Häuſern nichts zu thun haben, worin die große Welt nur aus trägen Leuten von hohem Range oder aus prunkenden Reichen beſteht. Sogar die jungen Leute, die nur nach Vergnügen jagen, rümpfen heutzutage die Naſen über Geſellſchaften und finden dieſelben langweilig. Es gibt jedoch ein oder zwei Dutzend Häuſer, deren Eigenthümer ſich ſowohl von der Mode ſondern, wie über ihr ſtehen, wo ein Fremder unter demſelben Dach die merkwür⸗ digſten Männer des denkenden und majeſtätiſchen Englands antreffen kann. Lord Latimer ſelbſt war einſt Miniſter geweſen, er hatte ſich unter dem Vor⸗ wande der Kränklichkeit vom öffentlichen Leben zu⸗ rückgezogen, in Wirklichkeit aber, weil deſſen ge⸗ ſchäftiger Lärm ſich für eine zarte und gebildete, aber etwas ſchwache Seele nicht ſchickte. Bei dem hohen Ruhm und ausgezeichneten Kopf, den er beſaß, war er ſowohl bei ſeiner eigenen Partei, wie bei der großen Welt im Allgemeinen beliebt. Er bildete den Mittelpunkt eines kleinen, aber ausgezeichneten Kreiſes von Bekannten, welche Latimers Wein tranken, La⸗ timers Ausſprüche eitirten und an Latimer um ſo größeres Gefallen fanden, weil er weder als Schrift⸗ ſteller noch Miniſter ihnen im Wege ſtand. Lord Latimer empfing Maltravers mit beſonderer Artigkeit und ſogar Auszeichnung; er lud ihn ein, ſich ſeinem Whiſttiſch anzuſchließen, das höchſte Com⸗ pliment, welches Seine Lordſchaft ſeinen Geiſtes⸗ gaben zollen konnte. Als aber ſein Gaſt die ange⸗ botene Ehre zurückwies, überlieferte ihn der Graf der Gräfin; als ſei er das Eigenthum des weiblichen Geſchlechts geworden; er ſelbſt aber verſank in ſeine Beſtrebungen, Stiche zu machen. Während Maltravers ſich mit Lady Latimer unter⸗ hielt, ſchlug er zufällig die Augen auf und ſah auf der andern Seite des Zimmers eine junge Dame von ſo ausgezeichneter Schönheit, daß er kaum einen Ruf der Bewunderung zurückhalten konnie.„Wer iſt die Dame?“ fragte er, als er wieder zu ſich ge⸗ kommen war.„Sonderbar, daß ich, der ich ſo wenig in die große Welt komme, mich gedrungen fühle, den Namen einer Dame zu erfragen, welche ſicherlich ſchon eine gefeierte Schönheit geworden iſt.“. „Lady Florence Lascelles, ſie iſt vergangenes Jahr in die groß glänzend, Bei 1 ſonderbare celles zur winkte M Als er ſick kannte ſetz mit lebhaf ihn mit bei den ſo einem ſog gewöhnlich ſich durch legenheit ſpät,“ fr entſtehent ete, eaer em hohen eſaß, war ie bei der idete en en Kreiſes nken, La⸗ er um ſo Schrift⸗ . beſonderer dihn ein, chſte Com⸗ Geiſtes⸗ die ange⸗ der Graf weiblichen ik in ſeine mer unter⸗ id ſah auf ige Dame kaum einen e.„Wer zu ſich ge⸗ hſo wenig fühle, den erlich ſchon genes Jahr 127 in die große Welt eingeführt worden; ſie iſt wirklich glänzend, jedoch noch mehr durch Geiſt und Bildung wie durch ihre Züge. Erlauben Sie mir, Sie vorzuſtellen.“ Bei dem Anerbieten empfand Maltravers eine ſonderbare Blödigkeit, gleichſam ein wiverſtrebendes Mißtrauen, eine Art Ahnung von Gefahr und übel. Er trat zurück und würde ſich entſchuldigt haben, allein Lady Latimer bekümmerte ſich nicht um ſeine Verlegenheit und ſtand ſchon der Lady Florenee Las⸗ celles zur Seite. Noch ein Augenblick und die Gräfin winkte Maltravers zu und ſtellte ihn der Dame vor. Als er ſich verbeugte und ſich neben ſeine neue Be⸗ kannte ſetzte, mußte er bemerken, daß ihre Wangen mit lebhafter Röthe übergoſſen waren, und daß ſie ihn mit einer Verlegenheit empfing, welche ſogar bei den ſo eben in die große Welt eingeführten und einem ſogenannten Löwen vorgeſtellten Damen nicht. gewöhnlich iſt. Er ward eher verwirrt, als daß er ſich durch dieſe, den ſeinen ähnliche Zeichen der Ver⸗ legenheit geſchmeichelt fand; die erſten Sätze des Ge⸗ ſpräches wurden mit einer gewiſſen Unbeholfenheit und Zurückhaltung geſprochen. In dem Augenblick trat Lumley Ferrers zur überraſchung, aber vielleicht auch zur Erleichterrng von Ernſt heran. „Lady Florence, ich küſſe Ihre Hände, ich bin entzückt, daß Sie mit meinem Freunde Maltravers ſchon bekannt ſind.“ „Weßhalb kömmt Herr Ferrers heute Abend ſo ſpät,“ fragte die ſchöne Florence; mit einem plötzlich entſtehenden Behagen, welches Maltravers etwas auffiel. 428 „Ein langweiliges Mittageſſen, voilà tout. Ich habe keine andere Entſchuldigung.“ Ferrers ſchlüpfte in den leeren Stuhl neben Lady Florence ſprach mit ihr ſo geläufig, und unaufhörlich, als bemühe er ſich aus⸗ ſchließlich ihre Aufmerkſamkeit in Anſpruch zu nehmen. Ernſt war nicht ſo ſehr über das Benehmen der Florenee eingenommen, als über ihre Schönheit er⸗ ſtaunt geweſen; als er jetzt ſah, daß ſie mit einem Andern im Geſpräch war, ſtand er auf und ging. Er befand ſich bald bei einer Männergeſellſchaft, welche ſich über die Hauptgegenſtände des Tages unterhielt; als der aufregende Gegenſtand ſeine natürliche Bered⸗ ſamkeit und ſeinen männlichen Verſtand hervorlockte, wurden die Redenden zu Hörern, vie Geſellſchaft er⸗ weiterte ſich in einen großen Kreis, und er ſelbſt wurde, ohne es zu ahnen, der Gegenſtand allgemeiner Auf⸗ merkſamkeit und Achtung. „Was halten Sie von Herrn Maltrayers?“ fragte Ferrers ſorglos,„entſpricht er Ihren Erwartungen?“ Lady Florence ſchwieg nachdenklich und Ferrers wiederholte ſeine Frage. „Er iſt jünger als ich glaubte und und „Ich glaube, Sie wollen hübſcher ſagen.“ „Nein, ruhiger und weniger aufgeregt.“ „Jetzt ſcheint er zur Genüge aufgeregt,“ bemerkte Ferrers;„allein Ihr Geſpräch, das einer hohen Dame, verfehlte die Erweckung des prometheiſchen Funkens. Tröſten Sie ſich mit dieſem ſchmeichelhaften Gedanken!“ „Ja, Sie haben Recht; er hielt mich gewiß für ſehr.“ „Schön, ohne Zweifel.“ „ baß ick Ruf, „ „L Floren Lächeln „V Ferrers ſtreifen Soundſ drängen reißen? Wä zerſtreut ſpräch, und heit Florence Grazie aus ihre Ferrers rauh, m Furcht z0 worfenen gen zurü⸗ wodurch Da ſie be zu einem ſie Entzü vollen Y Bulwe . J9 hlüpfte mit ihr ch aus⸗ emen. nen der heit er⸗ t einem ing. Er welche terhielt; e Bered⸗ orlockte, chaft er⸗ ſt wurde, ner Auf⸗ 4 129 „Ferrers, dies Wort iſt mir wiberlich! Ich wünſchte, daß ich nicht ſchön wäre; alsdann könnte ich einigen Ruf, geiſtreich zu ſein, erlangen.“ „Hm,“ ſagte Ferrers mit beveutſamem Tyn. „O, Sie glauben dies alſo nicht, Zweifler?“ ſagte Florence, indem Sie ihr Haupt mit einem leichten Lächeln und einem veränderten Benehmen ſchüttelte. „Was iſt daran gelegen, was ich glaube,“ ſagte Ferrers, mit einem Verſuch, an das Sentimentale zu ſtreifen,„wenn Lord Dieſer und Lord Jener, und Herr Soundſo und Graf Wie⸗heißt⸗er⸗doch ſich auf Sie zu⸗ drängen, um mir mein beneidetes Vorrecht zu ent⸗ reißen?“ Während Ferrers alſo ſprach, gruppirten ſich mehre zerſtreute Müßiggänger um Florence, und das Ge⸗ ſpräch, deſſen Polarſtern ſie bildete, wurde lebhaſt und heiter. Wie lebhaft ward ſie, die unvergleichliche Florence! Mit welcher ausgelaſſenen und funkelnden Grazie ſprudelten Witz und Weisheit und ſogar Genje aus ihren Rubinlippen! ſogar der ſonſt ſo dreiſte Ferrers empfand, ſein feiner Geiſt ſei langweilig und rauh, mit dem ihrigen verglichen; mit widerſtrebender Furcht zog er ſich vor den Pfeilen ihrer ſorglos hinge⸗ worfenen und an Spott verſchwenderiſchen Erwiderun⸗ gen zurück. Im Weſen der Lady Florence lag ein Hohn, wodurch ihr Witz häufiget Pein wie Gefallen erregte. Da ſie beinahe zu einer Gelehrtin erzogen und ſogar bis zu einem Mangel an Weiblichkeit muthig war, ſo fand ſie Entzücken daran, mit unwiſſenden und anſpruchs⸗ vollen Menſchen ihr Spiel zu treihen, ſogar wenn Bulwer, Maltravers. I. 9 130 dieſe die höchſten Stellungen einnahmen; das Lächeln, welches ſie erweckte, glich dem Blitze— Niemand konnte ahnen, wo dieſer zunächſt einſchlagen würde. Florence aber, obgleich man ſie fürchtete und nicht liebte, erlangte dennoch die Huldigung und Schmei⸗ leien Aller und wurde ſtets vorzugsweiſe aufgeſucht. Dies geſchah aus zwei Gründen; erſtens war ſie eine Kokette und zweitens eine Erbin. Somit hatte ſich die Geſellſchaft in zwei haupt⸗ ſächliche Gruppen getheilt; in der einen führte Mal⸗ travers, in der andern Florenee den Vorſitz. Als die erſtere Gruppe ſich trennte, trat Cleveland zu Ernſt hin. „Mein theurer Vetter,“ ſagte Florence, plötzlich und flüſternd, indem ſie ſich Lumley zuwandte,„Ihr Freund ſpricht von mir, ich ſehe das. Gehen Sie, ich flehe, und verkünden Sie mir, was er ſagt.“ „Der Auftrag iſt nicht ſchmeichelhaft,“ ſagte Ferrers beinahe verdrießlich. „Nun, ein Auftrag, der Neugierde einer Frau Genüge zu thun, bildet immer eine der ſchmeichel⸗ hafteſten Geſandtſchaften, die wir einem geſchickten Unterhändler auftragen können.“ „Gut, ich muß Ihren Befehl vollführen, ob ich gleich die Gunſtbezengung nicht zugeſtehen kann.“ Ferrers ging hinweg und trat zu Cleveland und Malkravers. „Sie iſt wirklich ſchön; ſo einen vollkommenen Umriß habe ich nie geſehen; ſie iſt das einzige, jemals von mir geſehene Weib, bei welcher eine Adlernaſe ſogar klaſſiſcher erſcheint als die griechiſche.“ E ſchön / „ Ern laſſen einen „ beinal v ich me widert Fe: ſich hin ebenfal mit der ſich nac jetzt zur zu ihm „N nahe at Zimmer „W / Si Freund „De aber niq iſt verli „Ve „Ja Liebe vo Lächeln, knnte nd nicht Schmei⸗ fgeſucht. ſie eine haupt⸗ rte Mal⸗ Als die rnſt hin. plötzlich te,„Ihr 4 te Ferrers ner Frau chmeichel⸗ geſchickten 131 „So, dies alſo iſt Ihre Meinung von meiner ſchönen Coufine?“ fiel Ferrers ein;„Sie find gefangen.“ „Ich wollte, das wäre der Fall,“ ſagte Cleveland. „Ernſt iſt jetzt alt genug, um ſich häuslich niederzu⸗ laſſen, und es gibt keine Dame, deren Erwerbung einen glänzenderen Preis in England darbieten könnte.“ „Und was ſagen Sie!“ fragte Lumley ſeinen Freund beinahe verdrießlich. „Daß ich niemals eine Dame gefunden habe, die ich mehr bewundern, aber weniger lieben könnte,“ er⸗ widerte Ernſt, als er das Zimmer verließ. Ferrers ſah ihm nach und murmelte etwas vor ſich hin; alsvaun ſchloß er ſich der Florenee an, welche ebenfalls aufſtand, um fortzugehen, und Lumley's Arm mit den Worten ergriff:„Ich ſehe, mein Vater ſieht ſich nach mir um. Einmal in meinem Leben will ich ihm jetzt zuvorkommen. Kommen Sie, Lumley, wir wollen zu ihm; ich weiß, daß er Sie zu ſehen wünſcht.“ „Nun?“ fragte Florenee tief erröthend und bei⸗ nahe athemlos, als ſie die ſchon zur Hälfte geleerten Zimmer durchſchritten. „Was meinen Sie, Coufine?“ „Sie ärgern mich, wohlan denn, was ſagte Ihr Freund?“ „Daß Sie Ihren Ruf als Schönheit verdienen, aber nicht nach ſeinem Geſchmack wären. Malträvers iſt verliebt.“ „Verliebt!“ „Ja, in eine kleine Franzöſin; eine romantiſche Liehe von mehren Jahren ſchon.“ 132 Florence wandte das Geſicht ab und ſagte nichts mehr. „Lumley, Sie ſind ein guter Geſell,“ ſagte Lord Saxingham;„Florenee iſt meinen Augen niemals will⸗ kommener als um zwei Uhr Morgens, wenn ich meine Gedanken an ſie mit denen an den Schlaf und meine unglücklichen Kutſchenpferde in Verbindung bringe. Beiläufig geſagt, ich wünſchte, daß Sie nächſten Sonn⸗ abend bei mir ſpeiſen.“ „Unglücklicherweiſe bin ich an dem Tage bei meinem Onkel verſagt.“ „Der hat ſich gut gegen Sie benommen.“ „Ja. 4 „Befindet ſich Frau Templelon ziemlich gut?“ „Ich glaube.“ „Sowie die Damen wünſchen ꝛc.,“ flüſterte Seine Herrlichkeit. „Nein, dem Himmel ſei Dank!“ „Nun, wenn der alte Mann Sie zum Erben machen könnte, ſo ließe ſich ſeine Pairswürde in überlegung ziehen.“ „Mein theurer Lord, halt! ich bitte Sie um eine Gunſt! Schreiben Sie mir ein paar Zeilen, um dieſen Wink auf zarte Weiſe zu geben.“ „Nein, nein, keine Briefe. Briefe nehmen immer ihren Weg in die Zeitungen.“ „Wenn der Brief aber vorſichtig gefaßt und keine Gefahr der Bekanntmachung— bei meiner Ehre!— zu fürchten iſt.“ „Ich will es überlegen, gute Nacht.“ Ma varf abe kann. Lum welche n handeln Fall ger hatte er des Gen des Alter ts mehr. gte Lord als will⸗ ch meine id meine bringe. nSonn⸗ i meinem n.“ gut?“ rte Seine en machen berlegung ie um eine um dieſen nen immer und keine Ehre!— Siebentes Buch. Man muß ſich bemühen, ſelbſt ſo gut wie möglich zu werden, varf aber nicht glanben, daß man ganz allein ſo trefflich werden kann. Plotin. En. Erſtes Kapitel. Betrug iſt die ſtarke aber ſeine Kette, welche fich um alle Glieder der Geſellſchaft ſchlingt und ſie zu⸗ ſammen hält; man hat nur zu wählen zwiſchen be⸗ trügen oder betrogen werben; ſo iſt der Lauf der Welt; ohne denſelben müßte der Verkehr aufhören. Anonymer Schriftſteller aus bem Jahre 1772. Sie war ein lieblich Kind, von heitrem Blick Und einem Weſen, welches überall Auf ſchale Dinge Anmuth, Süßigkeit, Die ihr entſprang, ergoß. Shelley. An Jahren jung, doch an Erfahrung alt. Shakſpeare. Er jagt nach Ehren— ich erjage nur Mir Liebe. Derſelbe. Lumley Ferrers war einer der wenigen Menſchen, welche nach einem tief überlegten und geordneten Syſtem handeln; dies war ſchon während ſeiner Kindheit der Fall geweſen; im Alter von einundzwanzig Jahren hatte er ſich ſelbſt geſagt:„Die Jugend iſt die Zeit des Genuſſes; die Siege des Mannes, der Reichthum des Alters wiegen eine Jugend nicht auf, vie in wider⸗ 134 licher Arbeit vollbracht wurde.“ Dieſem Grundſatz gemäß hatte er ſich entſchloſſen, kein beſtimmtes Ge⸗ ſchäft zu üben; da er gern reiste und von raſtloſem Temperament war, hatte er ſich im Auslande allen Genüſſen hingegeben, die ihm ſein mäßiges Einkommen gewähren konnten. Dies Einkommen reichte auf dem Feſtlande weiter wie zu Hanſe, und eben deßhalb hatte er ſeine Reiſe verlängert. Jetzt, da die Grillen und Leivenſchaften der Jugend geſättigt waren, da die här⸗ teren Eigenſchaften ſeiner Seele durch vollkommene und mannigfache Menſchenkenntniß gereift, ſich zu einem ſolchen Ehrgeiz, wie er ihn von Natur faſſen konnte, entwickelten und ſich in demſelben coneen⸗ trirten— jetzt handelte er ebenſo nach einem regel⸗ mäßigen und methodiſchen Plane, welchen er in die Einzelnheiten zerlegte. In ſich ſelbſt fand er nur ſehr wenig Hinderniß, welches ſeine kalten Theorien durch entgegengeſetztes Verfahren zu hemmen vermocht hätte; er war durch keine Grundſätze gezähmt und ſeine Hand⸗ lungsweiſe nur durch wenige Neigungen und Gewohn⸗ heiten beſtimmt; letztere bilden ja oft ſtärkere Hemm⸗ niſſe wie unſere Grundſätze. Ferrers erkannte deutlich genug, als er ſich in der engliſchen Welt umſah, daß er bei ſeinem Alter und bei ſeiner zweideutigen Stellung keinen ſich darbietenden Vortheil hinwegſtoßen dürfe, und vaß er aller Beigaben zum Charakter eines Wan⸗ derers und jungen Hageſtolzen ſich entäußern müſſe. „Nichts Achtbares liegt in der Miethwohnung und im Wirthshaus,“ ſprach Ferrers zu ſich ſelbſt(dies Gelbſt war ſein großer Vertrauter),„nichts Geſetztes! Es man dann und E Wort nung geben Hauſ lange ihr ei eine auf, lag; K alter Marq zierte Ferrei wohne und G 25 Je zigen einem einem fragte fältig bemer gleiche ich we rundſatz tes Ge⸗ aſtloſem de allen kommen auf dem lb hatte llen und die här⸗ kommene ſich zu ur faſſen concen⸗ m regel⸗ er in die nur ſehr ien durch cht hätte; ne Hand⸗ Gewohn⸗ Geſetztes! Es ſind die Eigenthümlichkeiten einer Lebensart, wo man heute hier, morgen dort iſt. Man erlangt erſt dann ein geſetztes Ausſehen, wenn man Steuern zahlt und eine Rechnung beim Schlächter hat.“ Somit miethete ſich Ferrers, ohne Jemand ein Wort zu ſagen, auf längere Zeit eine größere Woh⸗ nung in einer der ruhigen Straßen, welche Kunde geben, daß die dort Wohnenden durch die Lage ihres Hauſes in einem Moveviertel nicht zu Anſehen ge⸗ langen wollen— Straßen, wo man vermuthet, daß ihr eine große Wohnung bezahlen könnt, wenn ihr eine ſolche miethet. Mit vieler Sorgfalt ſah er dar⸗ auf, daß die Wohnung in einer achtbaren Straße lag; er wählre Great⸗George⸗Street, Weſiminſter. Kein Flitterputz oder Spielzeug, den Wohnungen alter Junggeſellen gewöhnlich, kein Balkon, keine Marquetterie, kein Sevre⸗Porzellan, kein Kabinetſtück zierte das alte, dunkle Beſochzimmer von Lumley Ferrers. Er kaufte alle alten Möbel des letzten Be⸗ wohners, theefarbene, zitzene Vorhänge, Lehnſtühle und Sophas, die durch den angehäuften Staub von 25 Jahren feierlich und ehrwürdig waren. Die ein⸗ zigen Dinge, worin er wähleriſch war, beſtanden aus einem ſehr langen Speiſetiſch für 24 Perſonen und einem neuen Nebentiſch von Mahagoni. Jemand fragte ihn, weßhalb er in dieſen Artikeln ſo ſorg⸗ fältig ſei; ſeine Antwort lautete:„Ich weiß es nicht, bemerke aber, daß alle achtbaren Familienväter der⸗ gleichen Dinge haben; es muß etwas darin liegen; ich werde das Geheimniß ſchon entdecken.“ In bieſem Hauſe vergrub ſich Heer Ferrers mit zwei Mägden mittleren Alters und einem Bedienten ohne Livree, den er aus einer Menge Candidaten herausſuchte, weil der Mann beſonders gut genährt ausſah. Nachdem er ſich ſo eingerichtet und Jedermann geſagt hatte, daß er ſein Haus für 26 Jahre ge⸗ miethet hätte, berechnete er ſeine wahrſcheinlichen Ausgaben, und machte ausfindig, daß dieſelben bei gutem Haushalt etwa ein Viertel mehr, als ſein Ein⸗ kommen betragen würden. „Den Ausfall nehme ich vom Capital,“ dachte er,„und mache fünf Jahre lang den Verſuch; ge⸗ lingt dieſer mir nicht, ſo daß ich keine gehörigen Zinſen davon erlange, ſo gibt es entwever keine Menſchen, von denen man leben kann, oder Lumley Ferrers iſt ein ſo dummer Hund, wie er ſelbſt nicht glaubt!“ Herr Ferrers hatte den Charakter ſeines Onkels tief erforſcht, ſo wie ein kluger Spekulant die Eigen⸗ ſchaften eines Bergwerkes berechnet, bei welchem er ſein Capital anlegen will; bei ſeinem jetzigen Verfahren hatte er ſowohl ſeinen Onkel, wie die Welt über⸗ haupt im Auge. Er erkannte deutlich, daß Herr Templeton ihn um ſo höher ſchätzen müßte, je mehr er für ſich nicht einen geräuſchvollen Ruf in der Modegeſellſchaft, ſondern den guten Namen eines nüchternen, vermöglichen Munnes erlangen würde, vaß er auch mit um ſo größerer Wahrſcheinlichkeit ſeinen Onkel beerben werde— d. h. vorausgeſetzt, Frau einen Beſor der Fi glaubt größer gang e jedoch obgleich vor All ſeiner 6 ſundhei Vergnül allein ih licher. ſie plag der nie Feder( er in ſe dies ſchi bei welcdh in dem der bew außerord an jeden und der Tempera zärtelung mochte, rs mit dienten didaten enährt ermann hre ge⸗ inlichen ben bei in Ein⸗ dachte ch; ge⸗ ehörigen er keine Lumley bſt nicht Frau Templeton erſetzte nicht das Nebenreis durch einen Olivenzweig am Stamme ſelbſt. Dieſe letzte Beſorgniß erſtarb mit der Zeit, als kein Zeichen der Fruchtbarkeit zum Vorſchein kam. Somit auch glaubte Ferrers, er könne bei aller Vorſicht einen größeren Einſatz im Spiele wagen, auf deſſen Aus⸗ gang er ſich gegenwärtig verließ. Seine Seelenruhe jedoch wurde durch einen Umſtand ſehr geſtört; Herr Templeton hegte offenbare Zuneigung zu ſeiner Frau, obgleich er ſich hart und ſtreng gegen ſie benahm; vor Allem empfand er die zärtlichſte Zuneigung zu ſeiner Stieftochter. Er zeigte hinſichtlich ihrer Ge⸗ ſundheit, ihrer Erziehung, ihrer kleinen, kindlichen Vergnügungen die größte Sorgfalt, als ſei er nicht allein ihr Vater, ſondern ſogar ein übertrieben zärt⸗ licher. Er konnte nicht ertragen, daß irgend Etwas ſie plagte oder verdrießlich machte. Herr Templeton, der nie etwas verdorben hatte, nicht einmal eine alte Feder(ſo ſorgfältig berechnend und methodiſch war er in ſeinem Weſen) that all ſein Möglichſtes, um dies ſchöne Kind durch Verzärtelung zu verderben, bei welchem er nicht einmal den Genuß der Eitelkeit in dem Gedanken empfinden konnte, er habe daſſelbe der bewundernden Welt hervorgebracht. Sanft und außerordentlich liebenswürdig war das kleine Mädchen; an jedem Tage mehrte ſich der Reiz ihrer Geſtalt und der Zauber ihrer kindiſchen Liebkoſungen. Ihr Temperament war ſo ſüß und gelehrig, daß die Ver⸗ zärtelung, wie unzweckmäßig ſie auch angebracht ſein mochte, nur die Eigenthümlichkeiten einer dankbaren 138 und lieblichen Natur um ſo mehr hervorzurufen ſchien. Vielleicht hätte die abgemeſſene Freundlichkeit einer mehr zurückgehaltenen Zuneigung ein Kind bei wei⸗ tem mehr verziehen können, deſſen Inſtinkt nur Liebe erheiſchte und zuruckgab. Sie war eine Pflanze, welche durch eine weniger wärmere Sonne beſchädigt und erſtarrt hätte werden können. Unter einem nicht launenhaften und unverhüllten Sonnenſchein wuchs ſie empor in üppiger Blüte des Herzens und Süße des Charakters. Jedermann, ſogar Leute, welche ſonſt an Kindern keinen Gefallen finden, entzückte ſich an dem lieblichen Geſchöpf, nur nicht Herr Lumley Ferrers. Dieſer Herr, weniger mild als Pope's Nareiſſa, Vermochte wohl ſehr gern das Kind zu kochen, Anſtatt in heißem Waſſer es zu baden“ Er hatte den Vorfall ſehr oft bemerkt, daß ein reicher, in höherem Alter verheiratheter Mann ſein Vermögen einer jungen Wittwe und deren Kindern aus früherer Ehe vermachte, wenn er einmal An⸗ hänglichkeit zu venſelben fühlte; auch empfand er ſehr deutlich, daß er über Templeton nur geringe Gewalt durch das Band der Zuneigung beſaß. Er beſchloß deßhalb, ſoviel wie möglich den Onkel der jungen Frau zu entfremden; er hoffte, daß der Einfluß des Kindes ſich mindern müßte, ſo wie derjenige, den die Gattin übte, ſich ſchwächen würde; daß er ferner in Templeton's Eitelkeit und Ehrgeiz ſich einen Ver⸗ bündeten wohl erſchaffen könne, welche den Mangel an Liebe hinſichtlich ſeiner ſelbſt ziemlich zu erſetzen verms meiſter er ſich choliſc auffall erreich müthig die Ku oder pe Heiterk einem ſ daß die und ſei ihr jede mürriſch cher ke Kumme mochte, Ehrenp möglich Der darin, 1 bewaffne an die„ und an Zwecke 8 Da er berührte Templei Gedanke n ſchien. it einer bei wei⸗ mur Liebe Pflanze, eſchädigt nem nicht in wuchs d Süße n Kindern lieblichen Dieſer en, daß ein Nann ſein n Kindern inmal An⸗ and er ſehr nge Gewalt Er beſchloß der jungen Einfluß des jenige, den ß er ferner einen Ver⸗ en Mangel zu erſeten vermöge. Dieſen zweifachen Plan verfolgte er mit meiſterhafter Kunſt und Gewandtheit. Zuerſt ſuchte er ſich das Vertrauen und die Rückſicht der melan⸗ choliſchen und ſanften Mutter zu erwerben; va ſie in auffallender Weiſe ohne Argwohn und Erfahrung war, erreichte er vollkommen ſeine Abſicht. Sein frei⸗ müthiges Weſen, ſeine achtungsvolle Aufmerkſamkeit, die Kunſt, womit er ſie vor dem mürriſchen Weſen oder ver üblen Laune Herrn Templeton's ſchützte, die Heiterkeit, welche ſein leichtes, munteres Weſen in einem ſehr düſteren Hauſe verbreitete, hatte zur Folge, daß die arme Dame ſeine Beſuche mit Freuden begrüßte und ſeiner Freundſchaft vertraute. Vielleicht war ihr jede Unterbrechung der Unterredungen mit einem mürriſchen und unfreundlichen Gatten angenehm, wel⸗ cher keine Sympathie mit dem an ihr nagenden Kummer empfand, von welcher Art derſelbe auch ſein mochte, welcher ferner es gleichſam zum moraliſchen Ehrenpunkte machte, überall, wo es nur immer möglich war, einen Tadel aufzufinden. Der nächſte Schritt in Lumley's Politik beſtand varin, vaß er Templeton's Eitelkeit gegen ſeine Frau bewaffnete, indem er deſſen Bewußtſein fortwährend an die Opfer, die er durch ſeine Ehe gebracht hatte und an die Gewißheit erinnerte, daß er alle ſeine Zwecke durch eine klügere Wahl hätte erreichen können. Da er auf ſehr ſchlane Weiſe dieſe kranke Seite ſtets berührte, erweckte er eine bleibende Reizbarkeit in Templeton's Stimmung, und dieſe äußerte auf alle Gedanken deſſelben, ſowohl auf die des Ehrgeizes 140 wie der Häuslichkeit eine Rückwirkung. Zu Lumley's großer Ueberraſchung und Irger wurde Templeton jedoch um ſo zärtlicher gegen ſein Kind, je mehr ſeine Neigung zu ſeiner Frau ſich abkühlte. Lumley hatte den Durſt, und die Begierde nach Liebe, welche in den meiſten menſchlichen Herzen ſich vorfindet, nicht genugſam in ſeine Berechnungen gezogen. Auch beſaß Templeton, ob er gleich kein eigentlich liebenswürdiger Mann war, einige vorzügliche Eigenſchaften; hätte er mit weniger Rückſicht die Meinung der Welt beachtet, ſo würde er weder pietiſtiſches Geſchwätz ſich angeeignet, noch ein krankhaftes Verlangen nach einer Pairswürde empfunden haben; ſowohl ſeine Ziererei im heiligen Leben, wie ſein nagender Wunſch nach Rang, entſtand aus einer außergewöhnlichen und krankhaften Rückſicht auf die Meinung Anderer und aus einem Wunſch nach weltlicher Ehre und Achtung, die er ſich, wie er wohl erkannte, durch bloßes Talent nicht erwerben konnte. Im Grunde war er aber ein gutmüthiger Mann, wohlthätig gegen Arme und rückſichtsvoll gegen ſeine Diener; er fühlte das Bedürfniß zu lieben und geliebt zu werden, eines jener Begehren, womit die Atome des Weltalls zuſammengehalten und in Harmonie gebracht werden. Hätte Frau Templeton ihm Liebe erwieſen, ſo hätte er aller Schlauheit Lumley's vielleicht getrotzt, ſich wegen weltlicher Nachtheile getröſtet und als guter und ſogar zärtlicher Gatte ſich gezeigt. Allein es war offenbar, daß ſie ihn nicht liebte, obgleich ſie eine bewunderungswür⸗ vige, geduldige und vorſichtige Hausfran war; aber ihre Toe Mutter, reich alt und ſtet weiſe ur doch die verſtehen ſchen, n ihnen in die Natt Charakte ſie ihm d deres, al Templett men zu ſorgfälti als ausſe und woh haben, da Temp auch nic einen bet hatte, ſ gab viele Plane vr geben, durchaus wie die Thorheit tig iſt, kumley's mpleton je mehr Lumley „welche det, nicht uch beſaß würdiger hätte er beachtet, geeignet, irswürde heiligen entſtand Rückſicht Wunſch ſich, wie erwerben empleton chlauheit weltlicher zärtlicher ihre Tochter hegte Liebe zu ihm, ebenſo wie zu ihrer Mutter, und der harte Weltling hätte kein König⸗ reich als den Kaufpreis dieſer kleinen Quelle reiner und ſtets erfriſchender Zärtlichkeit angenommen. So weiſe und ſcharfblickend Lumley auch war, konnte er doch dieſe Schwäche, wie er es nannte, nicht ganz verſtehen; wir kennen niemals durchaus ganz die Men⸗ ſchen, wenn wir nicht vollkommenes Mitgefühl mit ihnen in allen ihren natürlichen Regungen empfinden; die Natur aber hatte die Ausführung von Lumley's Charakter unvollendet und unvollſtändig gelaſſen, indem ſie ihm die Möglichkeit verweigerté, ſich um etwas an⸗ deres, als um ſein Selbſt zu bekümmern. Gein Plan, Templeton's Achtung und deſſen rückſichtsvolles Beneh⸗ men zu erlangen, gelang ihm vollkommen. Er ſah ſorgfältig darauf, daß Nichts in ſeiner Haushaltung als ausſchweifend erſchien; Alles war nüchtern, ruhig und wohlgeordnet. Er erklärte, ſich ſo eingerichtet zu haben, daß er mit ſeinem Auskommen leben könne; da Templeton keinen Wink über Zuſchuß erhielt, und auch nicht wußte, daß Ferrers auf dem Feſtlande einen beträchtlichen Theil ſeiner Vermögens verbraucht hatte, ſo glaubte er ſeiner Verſicherung. Ferrers gab viele Mittageſſen, jedoch nicht nach dem albernen Plane von Leuten, welche das Leben zu kennen vor⸗ geben, um ſich dadurch beliebt zu machen— er machte vurchaus keine Anſprüche, daß ſeine Mittageſſen beſſer wie die anderer Leute wären. Er wußte, daß keine Thorheit, wenn man nicht ſehr reich oder ſehr mäch⸗ tig iſt, derjenigen gleichkömmt, daß man die Herzen 142 der Freunde mit Suppen à la bisque und mit Wer⸗ muthwein, die Flaſche zu einer Guinee, erweichen will. Dann gehen alle Gäſte mit den Worten fort: „welch ein Recht hat dieſer verfluchte Kerl, beſſere Eſſen wie wir zu geben? welch ein ſcheußlicher Ge⸗ ſchmack! welch eine lächerliche Anmaßung!“ Nein, obgleich Ferrers ſelbſt ein kundiger Epi⸗ kuräer war und den Genuß des Gaumens ſo hoch, wie nur immer möglich, ſchätzte, ſo ſetzte er ſeinen Freunden dennoch nur ſogenannte Hausmannskoſt vor; ſein Koch miſchte viel Mehl in die Auſternſauee; ſein Fiſch beſtand nur aus dem Kopf und dem Ober⸗ theil eines Kabliau's; vier Entrées ohne Duft oder Anſprüche wurden pflichtgemäß vom Paſietenbäcker geliefert und vom Gaſtgeber ſorgfältig zerkaut. Auch war Herrn Ferrers nichts daran gelegen, muntere Witzlinge und Leute, die durch Reden glänzten, an ſeinem Tiſche zu verſammeln. Er beſchränkte ſich auf Leute von gewichtigem Anſehen und trug gewöhn⸗ lich Sorge, daß er der Klügſte unter Allen war, wäh⸗ rend er ſelbſt das Geſpräch auf ernſte für die Ge⸗ legenheit herbeigezogene Dinge richtete, wie auf Politik, Staatsſchuldſcheine, Handel und Kriminal⸗ geſetze. Indem er ſeine Munterkeit niederhielt, ob⸗ gleich er ſeinen Freimuth bewahrte, ſuchte er als ein ſehr gelehrter und fleißiger Mann bekannt zu werden, welcher ſicherlich in der Welt höher ſteigen würde; ſeine Bekanntſchaften und ein gewiſſer namenloſer Reiz in ſeinem Weſen, welcher hauptſächlich in einem an⸗ genehmen Geſicht, einem kecken, gber gewinnenden Freimutl und allet einfachen wenn er genügend gezeichnet ſprach. Parlamer mählig 1 ein häufi welche do: wodurch e So wurd⸗ ſaß, allm lungen ve litik er ſi brauchte i für ihn t ſatzloſen die Eröffn Maltrave Hemmnifſ die Denkt Erfolg in noch plötz ſamkeit be ungeachtet ihn kein Er traf au nit Wer⸗ rweichen en fort: „beſſere cher Ge⸗ ger Epi⸗ ſo hoch, er ſeinen nannskoſt ernſauee; m Ober⸗ ut der tenbäcker ut. Auch muntere zten, an inkte ſich gewöhn⸗ ar, wäh⸗ die Ge⸗ wie auf Kriminal⸗ hielt, ob⸗ er als ein u werden, en würde; loſer Reiz einem an⸗ winnenden 143 Freimuth und in der Abweſenheit alles Hochmuths und aller Anmaßung beſtand, verſammelte an ſeinem einfachen Tiſche, welcher keine Selbſtliebe verwundete, wenn er auch keinem Geſchmacke angenehm war, eine genügende Zahl Staatsmänner von Rang und aus⸗ gezeichneter Geſchäftsleute, welche ſeinem Zwecke ent⸗ ſprach. Die Lage ſeiner Wohnung in der Nähe der Parlamentshäuſer, war den Politikern bequem; all⸗ mählig wurde das große, ſchmutzige Beſuchzimmer ein häuſiger Verſammlungsort für Staatsmänner, welche dort jene tauſend kleineren Entwüfe beſprachen, wodurch eine Partei unterſtützt oder angegriffen wird. So wurde Ferrers, ob er gleich nicht im Unterhauſe ſaß, allmählig mit Parlamentsgliedern und Verhand⸗ lungen vertraut; die miniſterielle Partei, deren Po⸗ litik er ſich anſchloß, ertheilte ihm hohes Lob, ge⸗ brauchte ihn und meinte, ſle würde eines Tagos etwas für ihn thun. Während die Laufbahn dieſes fähigen und grund⸗ ſatzloſen Mannes in ſolcher Weiſe ſich öffnete(und die Eröffnung geſchah nicht an einem Tage) ſtieg Maltravers auf einem rauhen, dornigen und mit Hemmniſſen angefüllten Pfade dem Gipfel zu, worauf die Denkmale der Menſchen errichtet werden. Sein Erfolg im öffentlichen Leben war weder glänzend, noch plötzlich. Ob er gleich Kenntniß und Bereb⸗ ſamkeit beſaß, verachtete er doch oratoriſchen Prunk; ungeachtet ſeiner Leidenſchaft und Kraft konnte man ihn kein Parteimitglied mit Wärme und Eifer nennen. Er traf auf manchen Neid und auf manches Hinderniß. 144 Die anmuthige und brauſende Geſelligkeit im Tem⸗ perament und Benehmen, die ihn während ſeiner Jugend zum Abgott ſeiner Kameraden in der Schule und der Univerſität gemacht hatte, war ſchon längſt in eine kalte, feſte und ſtolze, obgleich ſanfte Zu⸗ rückhaltung verſchwunden, welche die ſinnlichen Lebens⸗ geiſter der großen Maſſe nicht an ſich zog. Obgleich er nur ſelten als Redner auftrat und vernahm, wie manche mehr enthuſiaſtiſchen Beifall erhielten, die nicht zur Hälfte ſeine Gaben beſaßen, ſo erweckte er doch jedesmal Aufmerkſamkeit und Achtung; ob er gerade kein Liebling von Coterien und Parteien war, ſo erwuchs doch in der großen Volksmaſſe, dem Publikum, den beiden Richtern, an welche ſich Mal⸗ travers als Schriftſteller und Politiker wandte, ein ſich weit verbreitender Glaube an ſeine Wahr⸗ haftigkeit, ſeine nie zu erkaufende Ehre und ſeine richtigen, wohl überlegten Anſichten. Er erkannte, ſein Name ſei ſicher angelegt, obgleich die Heim⸗ zahlung des Kapitals nur langſam und in mäßigen Summen geſchah. Er war zufrieden, ſeine Zeit zu erwarten. Mit jedem Tage ſagte er ſich mehr jener einzig wahren Philoſophie zu, welche dem Menſchen, ſoweit die äußere Welt es erlaubt, eine Welt an ſich bildet; von der Höhe einer ruhigen und heiteren Selbſtachtung empfand er den Sonnenſchein über ſeinem Haupte, wann bösartige Wolken ſich finſter und unfreundlich zu ſeinen Füßen ausdehnten. Die öffentliche Meinung verachtete er nicht, noch trotzte er ihr wiſſentlich; eben ſo wenig aber kroch er vor — ihr mi der We Veracht Meinur erzogen ein beff Unrecht Heller r ſchrecken aufgibt. freien L baſe, w ſie kein hineinſie ſich imp miſchung Stolz, n verſchämt ewigen A achtung des auge travers z und zu e wollenden gen Mant mus im( „beſteht i ſichtlich de findet ſich Bulwe n Tem⸗ ſeiner n längſt ufte Zu⸗ Lebens⸗ Obgleich hm, wie ten, die erweckte tung; ob Parteien aſſe, dem und ſeine erkannte, ie Heim⸗ mäßigen ne Zeit zu mehr jener uten. Die ihr mit Schmeicheleien. Wann er glaubte, er müſſe der Welt willfahren, ſo geſchah es; wo er ſie der Verachtung würdig hielt, verachtete er die öffentliche Meinung. In manchen Fällen iſt der ehrliche, wohl erzogene, mit hoher Empfindung begabte Einzelne, ein beſſerer Richter, wie die Menge über Recht und Unrecht; in ſolchen Fällen iſt der Staatsmann keinen Heller werth, wenn er von der Volksmaſſe ſich ſo ſchrecken oder ſchmeicheln läßt, daß er ſein Urtheil aufgibt. Das Publikum beſteht, wenn man ihm freien Lauf läßt, in einer höchſt albernen Klatſch⸗ baſe, welche in anderer Leute Angelegenheiten, wo ſie kein Recht und Nichts zu thun hat, die Naſe hineinſteckt; in ſolchen Dingen, wo das Publikum ſich impertinent erweiſt, bot Maltravers ſeiner Ein⸗ miſchung Hohn und Widerſtand, mit eben ſo großem Stolz, womit er ein unverſchämtes Mitglied des un⸗ verſchämten Ganzen zurückgewieſen haben würde. Eine Miſchung von tiefer Liebe und Achtung vor dem ewigen Volke und von ruhiger leidenſchaftsloſer Ver⸗ achtung hinſichtlich des eigenſinnigen Quackſalbers, des augenblicklichen Publikums, machte Ernſt Mal⸗ travers zum vriginellen und einſam ſtehenden Denker und zu einem in Wirklichkeit beſcheidenen und wohl⸗ wollenden, ſcheinbar aber anmaßenden und ungeſelli⸗ gen Mann ſobald er als handelnd auftrat.„Pauperis⸗ mus im Gegenſatze zu Armuth,“ pflegte er zu ſagen, „beſteht in der Abhängigkeit von andern Leuten, hin⸗ ſichtlich des Lebensunterhaltes; moraliſcher Pauperismus findet ſich bei einem Menſchen, welcher um die Stütze Bulwer, Maltravers. 1II. 10 146 des moraliſchen Lebeus, um Selbſtachtung zu erlan⸗ gen, von Andern abhängig iſt.“ In dieſe Philoſophie gehüllt, verfolgte er ſeinen hohen und einſamen Pfad und empfand, daß die Menſchheit Mitgefühl in der Tiefe des Herzens mit ſeinen Beweggründen und ſeiner Laufbahn hegen mußte, wenn Vorurtheil und Neid erſtorben ſein würden. Der Verſuch entſprach übrigens in Betreff ſeiner Geſundheit ſeinem Zwecke. Keine alltäglichen Geſchäfte, Parlamentsſitzungen bis in die Nacht hin⸗ ein und langweilige Reven vermögen die furchtbare Erſchöpfung hervorzubringen, welche den Anſtren⸗ gungen folgt, womit man ſich in die höhere Luft des ſtrengen Denkens oder geſpannter Einbildungskraft emporzuſchwingen ſucht. Die zu ſehr angeſtrengten Geiſtesvermögen lagen jetzt brach und der Körper er⸗ langte wieder ſeine frühere Geſundheit. Ernſt genoß übrigens nur wenig die Annehmlichkeit und Begei⸗ ſterung des Privatumgangs. Seinem alten Freunde Ferrers ward er allmählig entfremdet, als die Ge⸗ wohnheiten Beider entgegengeſetzt wurden. Cleveland wohnte immer mehr auf dem Lande und war mit ſeines vormaligen Zöglings Lebensart und wachſendem Ruf zu ſehr zufrieden, um ihm mit Ermahnungen oder Rathſchlägen zur Laſt zu fallen. Ceſarini war zum literariſchen Löwen geworden, deſſen Genie großes Loh von allen Recenſenten nach demſelben Grundſatz erlangte, welcher uns fremde Sänger oder todte Men⸗ ſchen hoch zu preiſen bewegt; etwas nämlich müſſen wir hochpreiſen, während wir Lente, die uns ver⸗ drängen ſehr eir das ein nicht lär Berühm des Mi Er ſuch mit ſole mahners auch die hartnäck gen. Zu kommen. ans Hal ſchmolzer De ihn für mit ihm ein hervt Der um Letzterem ihm jem« ſeine Eite unbekann geregt. darf, da jetzt eine durchaus ben zu kürzlich merlan⸗ r ſeinen daß die zens mit n hegen ben ſein Betreff ſtäglichen acht hin⸗ urchtbare Anſtren⸗ eLuft des ungskraft eſtrengten Freunde die Ge⸗ Cleveland Grundſatz odte Men⸗ ich müſſen uns ver⸗ drängen, nicht rühmen mögen. Ceſarini war beßhalb ſehr eingebildet geworden; er ſchwur, England ſei vas einzige Land für wahres Verdienſt und verhehlte nicht länger ſeinen eiferſüchtigen Arger über die größere Berühmtheit von Maltravers. Ernſt ſah unter Seufzen des Mitleids, wie er ſein Vermögen verſchwendete. Er ſuchte ihn zu warnen; Ceſarini hörte ihm aber mit ſolcher Ungeduld zu, daß er das Amt eines Er⸗ mahners aufgab. Er ſchrieb an de Montaigne und auch dieſer hatte nicht mehr Erfolg. Ceſarini blieb hartnäckig entſchloſſen, ſeine eigenen Karten zu ſchla⸗ gen. Zur letzteren war er zuletzt ohne Metapher ge⸗ kommen. Seine Begierde nach Aufregung wagte ſich ans Hazardſpiel und ſeine noch übrigen Goldſtücke ſchmolzen täglich zuſammen. De Montaigne's Briefe an Maltravers tröſteten ihn für den Verluſt verjenigen Freunde, die weniger mit ihm übereinſtimmten. Der Franzoſe war jetzt ein hervorragender und berühmter Mann geworden. Der Umſtand, daß er Maltravers hochſchätzte, war Letzterem angenehmer, als der Zuruf der Volksmaſſe ihm jemals hätte ſein können. Mittlerweile wurde ſeine Eitelkeit durch den fortgeſetzten Briefwechſel ſeiner unbekannten Egeria befriedigt und ſeine Neugier auf⸗ geregt. Dieſer Briefwechſel, wenn man ihn ſo nennen darf, da die Briefe nur von einer Seite kamen, hatte jetzt eine beträchtliche Zeit gedauert, und Ernſt war durchaus nicht im Stande, die Verfaſſerin der Schrei⸗ ben zu entdecken. Der Ton derſelben hatte ſich kürzlich verändert, er war düſterer und demüthiger 148 geworden; jene handelten von der Hohlheit und der Belohnung des Ruhms und gaben mit einer Färbung wahrer weiblicher Empfindung weit öfter Winke über die Entzückung ſüßer Melancholie, als über das freu⸗ dige Gefühl an den Triumphen von Ernſt Theil zu nehmen. In allen dieſen Briefen fand ſich ein un⸗ läugbares Zeugniß hohen Geiſtesvermögens und tiefen Gefühls; ſie erweckten in Maltravers eine ſtarke und ſcharf gefühlte Theilnahme; letztere war jedoch nicht von ſolcher Art, daß er den Wunſch gehegt hätte, die Schreiberin zu entdecken, um ſie lieben zu können. Sie enthielten meiſt zuviel Ironie und die Bitterkeit eines männlichen Geiſtes, um einen Mann bezaubern zu können, welcher Sanftmuth als das Weſen weib⸗ licher Gewalt betrachtete. Charakter äußerte ſich varin nicht weniger, wie Herz und Seele; dieſer Charakter aber war nicht von ſolcher Art, daß ihn ein Mann, welcher die Weiblichkeit bei Frauen liebt, wirklich hätte bewundern können. Einer dieſer ſonderbaren Briefe lautete in folgen⸗ der Weiſe:„Ich höre oft von Ihnen reden und fühle beinah gleichen Zorn, ob Thoren Sie rühmen oder tadeln. Wie gewährt mir dieſe elende Welt, worin wir leben, Ekel und Verachtung! Dennoch wünſche ich, daß Sie derſelben dienen und ſie bewältigen! Ein ſchwacher Widerſpruch, ein weiblicher Parador! Vermöchten Sie doch aus den elenden Verſuchungen und den ärmlichen Belohnungen der Welt zu entflie⸗ hen!— Wäre die Wüſte Ihr Wohnort und Sie wünſchten einen Diener, ſo könnte ich Allem ent⸗ ſagen, der W Einſt b Krankh ich Sie vers, ie ſehen u dieſe At ſehen he Menſche Die Na heit nich tauſend Lippen d In dem Stirn le eines M ſeines Zi ſich mit betrübt Zwecke E folg. M im enge licher, w neres Zi⸗ Leben kra Malt vorwärts und der Färbung nke über as freu⸗ Cheil zu ein un⸗ b tiefen arke und och enicht zt hätte, können. Bitterkeit eern en weib⸗ ſich darin Fharakter n Mann, wirklich n folgen⸗ und fühle men oder lt, worin wünſche wältigen! Parador! ſuchungen u entflie⸗ und Sie llem ent⸗ 149 ſagen, dem Reichthum, der Schmeichelei, dem Ruf, der Weiblichkeit, nur um Ihnen zu dienen Einſt bewunderte ich Sie wegen Ihres Genies. Die Krankheit iſt bei mir eingewurzelt und jetzt verehre ich Sie beinahe wegen Ihrer ſelbſt. Ernſt Maltra⸗ vers, ich habe Sie geſehen; ich habe Sie öfter ge⸗ ſehen und zu Zeiten, wo Sie nicht vermutheten, daß dieſe Augen auf Ihnen ruhten. Seitdem ich Sie ge⸗ ſehen habe, verſtehe ich Sie beſſer. Wir können die Menſchen nach Büchern und Thaten nicht beurtheilen. Die Nachwelt kann von dem Weſen der Vergangen⸗ heit nichts wiſſen. Tauſend nie geſchriebene Bücher, tauſend nie vollbrachte Thaten ſind den Augen und Lippen der Wenigen größer wie dem großen Haufen. In dem kalten zerſtreuten Blick, der blaſſen und hohen Stirn leſe ich die Verachtung der Hinderniſſe, wie ſie eines Mannes werth iſt, welcher an der Erreichung ſeines Zieles nicht zweifelt. Meine Augen aber füllen ſich mit Thränen, wenn ich fie anſchaue! Sie find betrübt und allein. Wenn ein Fehlſchlagen Ihrer Zwecke Sie nicht kränkt, ſo erhebt ſich auch kein Er⸗ folg. Maltravers, ich, die ich ein Weib bin, die ich im engen Kreiſe lebe, ich ſogar weiß es, daß Jeg⸗ licher, welcher edlere Wünſche hegt und ein erhabe⸗ neres Ziel wie Andere vor Augen hat, das wachende Leben krankhaften und trübſinnigen Träumen hingibt. Maltravers, ſchreiten Sie in der großen Welt vorwärts, oder geben Sie dieſelbe gänzlich auf. Sie 150 müſſen Ihren Feinden entgegentreten. Dieſe häufen gericht ſich an und werden ſtark— Sie find zu ruhig und Parlat langſam in den Schritten zu dem Siegespreiſe, welcher und ſi der Ihrige werden muß, um meine Ungeduld und die den ſe Wünſche Ihrer Freunde zu befriedigen. Sein Sie Reicht! weniger geläutert in Ihrem Ehrgeiz, damit ſie mehr lament 1 für den Augenblick nützlicher werden. Die Füße von andere⸗ 1 irdiſchem Thon ſind doch noch immer die ſchnellſten kleinere auf der Rennbahn. Sogar Lumley Ferrers wird Sie einem ſ 11 einholen, wenn Sie ſich nicht beeilen. Die M Weßhalb überlaſſe ich mich ſo meinen Gedanken? ſ — Sie lieben eine Andere und find nichts deſto weniger Partei das Ideal, welches ich lieben könnte, wenn ſch iemals erſfenn liebte— Sie lieben, und dennoch— 6 1 9 nichts gelegen. 1 k 5 Zweites S Pn, ſo wird er weite cieller Edelmann. Doch iſt ni er wird Edelmann, und a 194 Ein anonyptet⸗ 1 Jährs 1 Die Muſik iſt das einzige Taleni, es an ſich ſelbſt Genuß darbietet; alle anderen Talente erheiſchen Zeugen. Marmontel. Einen Sattel wünſcht ſich der Ochs, wenn er faul iſi. Horaz. Herr Templeton hatte die Pairie nicht erlangt und war mürriſch geworden, ob ihm gleich keine be⸗ ſtimmte abſchlägige Antwort ertheilt und nicht ein⸗ ſchlecht 1 mal eine direkte Bitte ans Hauptquartier von ihm eſe häufen ruhig und ſe, welcher ld und die Sein Sie t ſie mehr Füße von ſchnellſten swird Sie Gedanken? ſto weniger ich iemals eni, es an inderen Talente armontel. Ochs, wenn er Horaz. icht erlangt ch keine be⸗ dnicht ein⸗ er von ihm 151 gerichtet war. Er beſaß großen Einfluß auf die Parlamentswahlen, zwar keinen verfaulten Flecken und ſomit keinen unrechtmäßigen Einfluß, ſondern den ſehr orthodoren des guten Rufs, des großen Reichthums u. ſ. w. Er konnte wenigſtens ein Par⸗ lamentsglied für eine größere Stadt und beinahe ein anderes für eine Grafſchaft wählen laſſen; in drei kleineren Städten konnte Thätigkeit von ſeiner Seite einem ſchwankenden Wahlkampf die Entſcheidung geben. Die Miniſter waren ſtark, durften aber bis dahin eif⸗ rige Anhänger nicht verlieren; auch iſt ja das Bei⸗ ſpiel anſteckend, ſobald ein Mitglied zu einer anderen Partei übergeht. Für die Stadt, welche Temvleton Früfrnpprsſentirt hatte, und worin er über die Wähler te war der Parlamentsſitz plötzlich er⸗ e ein Candidat betrat von Seiten der yn den Fampfplatz und begann, ſich um die zu bewerben; zum Erſtaunen des Sekretärs r Schatzkammer ſchlug keinen Cundidaten vor und unterließ es, »zu üben. Lord Saringham begab ſich eilt umley. „Mein lieber Vetter, was iſt das? Was kann Ihr Onkel vorhaben? Wir werden dieſen Parlamentsſitz, gleichſam einen unſerer feſteſten Plätze, verlieren. Die Stimmen heider Parteten ſtehen gleich.“ „Nun, Sie müſſen ja einſehen, daß Ihr Herren von der Regierung Euch ſämmtlich gegen meinen Onkel ſchlecht benommen habt; es thut mir wirklich lein, aber ich kann hier nicht helfen.“ 152 „Was, die verfluchte Pairie! Läßt er ſich nur dadurch zufrieden ſtellen und mit nichts Seringerem 7“ „Nur durch die Pairie.“ „So ſoll er ſie haben, bei Gott!“ „Aber jetzt iſt es vielleicht zu ſpät!“ „Ha, glauben Sie das wirklich?“ „Wollen Sie mir die Angelegenheit überlaſſen?“ „Gewiß! Sie find ein ſehr gewandter Mann und wir ſämmtlich achten Sie.“ „So ſetzen Sie ſich und ſchreiben Sie, wie ich diktire, mein theurer Lord.“ „Gut,“ ſagte Lord Saxingham, indem er ſich an Lum⸗ ley's ſehr großes Pult ſetzte.„Wohlan, fangen Sie an.“ „Mein theurer Herr Templeton.“ „Das iſt zu vertraut,“ ſagte Lord Saxingham. „Nicht im Geringſten, fahren Sie fort zu ſchreiben.“ „Mein theurer Herr Templeton! „Es iſt uns ſehr daran gelegen, Ihren Einfluß bei der Wahl in C“* auf gehörige Weiſe zu ver⸗ wenden, nämlich auf Ihre eigene Familie, worin ſich die beſten Vertheidiger der Regierung befinden, die Sie mit Ihrer Unterſtützung beehren. Zugleich wün⸗ ſchen wir Ihnen einen Beweis über unſer Vertrauen in Ihre Grundſätze und über unſere Dankbarkeit für die uns erzeigte Unterſtützung zu geben.“ „Eine verdammt widrige Unterſtützung,“ murmelte Lord Saxingham vor ſich hin. „Somit erlauben Sie mir,“ fuhr Ferrers fort, „die Vitte, da unſere Verbindung mit Ihnen mir die Freiheit geſtattet, daß Sie unſern beiderſeitigen Ver⸗ wandte lenden Lor zwei M ganz au ich nich „Je erwidert ſchreiber „W Sie kei Ihre eit Treue: Eine Pe Frühjah Hinzufi ſtät ſeh Pairswt Nachkon 2 „Je Privat ben ſog! „Da legenheit Sie ſint ſich nur gerem?“ rlaſſen?“ tann und „wie ich h an Lum⸗ nSie an.“ aringham. chreiben.“ wandten, Herrn Ferrers, als den ſogleich zu erwäh⸗ lenden Candidaten vorſchlagen.“ Lord Saxingham ließ die Feder fallen und lachte zwei Minuten lang unaufhörlich,„ganz ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet, Lumley! Wahrhaftig, daran habe ich nicht vorher gedacht.“ „Jedermann für ſich und Gott für uns Alle,“ erwiderte Lumley ernſt;„bitte, fahren Sie fort zu ſchreiben, mein theurer Lord.“ „Wir hegen die vollkommene überzeugung, daß Sie kein Parlamentsglied erhalten können, welches Ihre eigene Meinung und unſer Intereſſe mit größerer Treue wird vertreten können. Nur noch ein Wort. Eine Pairsernennung wird wahrſcheinlich während des Frühjahrs ſtatthaben, und ich bin überzeugt, daß die Hinzufügung Ihres Namens in der Liſte Seiner Maje⸗ ſtät ſehr angenehm ſein wird. Natürlich wird die Pairswürde auf Ihre Söhne und im Fall Sie keine Nachkommen erhalten, auf Ihren Neffen übergehen. Mit großer Rückſicht und Achtung Ihr Saringham.“ „Jetzt ſchreiben Sie auf die Adreſſe: vertraute Privatmittheilung, und ſchicken Sie das Schrei⸗ ben ſogleich auf das Landgut meines Onkels.“ „Das ſoll geſchehen,“ theurer Lumley. Die Ange⸗ legenheit macht mir eben ſo viel Freude wie Ihnen. Sie find wirklich ein Mann, der uns Ehre macht. Halten Sie die Sache für beendet?“ „Ohne Zweifel.“ „Wohlan denn! Guten Tag. Lumley, beſuchen 154 Sie mich, wenn Alles in Ordnung iſt. Florence ſieht Sie immer ſehr gern. Sie ſagt mir, daß ihr Nie⸗ mand ſo viel Vergnügen macht. Wahrhaftig, dies Lob iſt ein ſeltenes, denn ſie iſt ein ſonderbares Mäd⸗ chen, ein Timon im Unterrock.“ Lord Saxingham ging fort; Lumley faltete die Arme auf dem Rücken und ging im Zimmer auf und ab, indem er vor ſich hinſprach:„So, Florence fieht mich gern! der zweite Plan beginnt hinter dem vor⸗ wärtsſchreitenden Schatten des erſten Planes mir zu⸗ zulächeln. Kann ich nur andere Freier von meiner ſchönen Couſine hinweghalten, bis ich mich ſelbſt an⸗ zutragen im Stande bin, ſo gewinne ich vielleicht als Preis die größte Partie in den drei Königreichen. Courage, mon brave Ferrers, Courage!“ Spät an jenem Abend kam Ferrers zum Land⸗ hauſe ſeines Onkels. Er traf Frau Templeton im Beſuchzimmer am Clavier. Leiſe trat er ein; ſie hörte ihn nicht und fuhr fort zu ſpielen. Ihre Stimme war ſo ſüß und voll, ihr Geſchmack ſo rein, daß Ferrers, ein guter Muſikkenner, in entzücktem Erſtaunen da⸗ ſtand. So oft er auch im Hauſe jetzt Beſuche abge⸗ ſtattet hatte und ſo ſehr er auch ſogar als Hausgenoß gelten konnte, hatte er dennoch von Frau Templeton nur religiöſe Lieder gehört; das Lied, welches ſie jetzt ſang, war ein beliebtes, gefühlvolles Gevicht. Er be⸗ merkte, daß ihr Gefühl zuletzt ihre Stimme über⸗ wältigte; fie ſchwieg plötzlich und als ſie ſich umwandte, ſprachen ihre Züge die innere Bewegung ſo beredt aus, daß Ferrers über deren Ausdruck ſtutzte. Er war durchar unmitte hinſicht Gewöh tiefer G einer b verwelk cheln, il zog ſich ten mit welche t eher ni ſchwer, derſelbe rung, r niſchen ſelben: am erſt ein Schl erſchloſſ erſchien „Tl trat, a geſtört; Zeit. V „Er wie er ence ſieht ihr Nie⸗ tig, dies res Mäd⸗ altete die auf und ence fieht dem vor⸗ z mir zu⸗ n meiner ſelbſt an⸗ lleicht als igreichen. um Land⸗ leton im ſie hörte mme war Ferrers, unen da⸗ che abge⸗ ausgenoß empleton mwandte, ſo beredt Er war 155 durchaus nicht neugierig in Dingen, die ihn nicht unmittelbar angingen; dennoch empfand er Neugier hinſichtlich dieſer ſchwermüthigen und ſchönen Frau. Gewöhnlich zeigte ſie den unausſprechlichen Ausdruck tiefer Ergebung, welcher die bleibende Erinnerung einer bittern Vergangenheit bezeugt; ein vor der Zeit verwelktes Herz ſprach aus ihrem Auge, ihrem Lä⸗ cheln, ihrem ſchwachen, freudeloſen Schritt. Sie unter⸗ zog ſich aber der einförmigen Reihe ihrer ſtillen Pflich⸗ ten mit der ruhigen und gewiſſenhaften Regelmäßigkeit, welche den Beweis gab, daß der Gram ihre Gedanken eher niederdrückte, wie verſtörte. War ihre Bürde ſchwer, ſo ſchien die Gewohnheit ſie mit der Ertragung derſelben ohne Reue ausgeſöhnt zu haben; die Rüh⸗ rung, welche Ferrers jetzt in ihren ſanften, harmo⸗ niſchen Zügen bemerkte, war ſolcher Art, wie er die⸗ ſelben nur einmal früher geſehen hatte— nämlich am erſten Abend, wo er ſie beſuchte, als die Poeſie, ein Schlüſſel des Gedächtniſſes, offenbar eine Kammer erſchloſſen hatte, wo trübſinnige und verſtörte Geiſter erſchienen. „Theure Madame,“ ſagte Ferrers, indem er vor⸗ trat, als er ſich entdeckt ſah,„ich hoffe, Sie nicht geſtört zu haben. Mein Beſuch kömmt zur unrechten Zeit. Wo iſt mein Onkel?“ „Er iſt den ganzen Morgen in London geweſen; wie er mir ſagte, wollte er außer dem Hauſe eſſen und ich erwarte ihn jetzt jede Minute.“ „Sie haben ſich bemüht, das ſchmerzliche Gefühl ſeiner Abweſenheit hinwegzuzaubern. Darf ich Sie 156 bitten, im Spiele fortzufahren? Nur ſelten höre ich ſchüttelte eine ſo ſüße Stimme bei ſo vollendeter Muſikkenntniß. zu, äußer Sie müſſen von dem beſten italieniſchen Mufiklehrer warfſich Unterricht erhalten haben.“ ich glaub „Nein,“ ſagte Frau Templeton mit einer leichten befolgen: Röthe auf ihren zarten Wangen,„ich habe in der halten Jugend Muſikunterricht vyn einem Manne genoſſen, eine Paire welcher dieſe Kunſt liebte und empfand; er war aber ich für di kein Fremder.“ die Minif „Wollen Sie mir das Lied noch einmal vorfingen? wieſen.“ Sie ertheilen den Worten eine Schönheit, die ich nie„Ich darin entveckte; das Gedicht wie die Mufik iſt von„Staatsm meinem armen Freunde, den Herr Templeton nicht Furcht, ſ leiden kann, verfaßt— von Herrn Maltravers.“ e „Iſt auch dies von ihm?“ fragte Frau Templeton geſchätzt, mit Gemüthsbewegung.„Wie ſonderbar, daß ich vas iſt vas al nicht wußte. Ich hörte das Lied auf der Straße und haben?“ es fiel mir auf. Ich erkundigte mich nach dem Titel„Ich des Liedes und kaufte es; wie ſonderbar!“„Verz „Was iſt ſonderbar?“ Templ „Daß in der Muſik und Poeſie Ihres Freundes unterſuchte eine Art Sprache liegt, welche gleich Worten, die ich haſtig und vor Jahren vernahm, meine Erinnerung berührt! ein Fluch Iſt dieſer Herr Maltravers noch jung?“ er Ferrers „Ja, er iſt noch jung.“ Sache iſt „Und— und...“ hier wurde Frau Templeton Sie hatter durch die Ankunft ihres Gatten unterbrochen. Er hielt wirſt Myl den noch uneröffneten Brief Lord Saxringhams in der Warum li Hand. Dem Anſchein nach war er verdrießlich; aber Kind— dieſe Stimmung war bei ihm gewöhnlich. Mit Kälte„Zu L — höre ich enntniß. fiklehrer leichten in der genoſſen, war aber rfingen? ie ich nie iſt von on nicht vers.“ empleton ß ich das aße und em Titel Freundes , die ich berührt! empleton Er hielt as in der 157 ſchüttelte er die Hand Lumley's, nickte ſeiner Frau zu, äußerte ſich mißfällig über das Kaminfeuer und warf ſich in ſeinen Lehnſeſſel mit den Worten:„Lumley, ich glaube, daß ich ein Narr war, Ihren Rath zu befolgen und bei dieſer neuen Wahl mich neutral zu halten. In den Abendzeitungen habe ich geleſen, daß eine Pairsernennung in kurzem ſtattfinden wird. Wäre ich für die Regierung thätig aufgetreten, ſo hätten die Miniſter mir wohl aus Scham Dankbarkeit er⸗ wieſen.“ „Ich glaube, Recht zu haben,“ erwiderte Lumley, „Staatsmänner werden oft zur Dankbarkeit durch Furcht, ſelten durch Scham bewogen. Feſte Abſtim⸗ mungen werden wie alte Freunde dann am meiſten geſchätzt, wenn man ſie zu verlieren beſorgt. Was iſt vas aber für ein Brief, den Sie in der Hand haben?“ „Ich glaube, ein Bettelbrief.“ „Verzeihen Sie, er hat ein officielles Ausſehen.“ Templeton ſetzte die Brille auf, erhob den Brief, unterſuchte die Adreſſe und das Siegel, öffnete ihn haſtig und ſtieß einen Ausruf aus, der beinah wie ein Fluch klang; als er ihn durchgeleſen hatte, ſagte er Ferrers:„Geben Sie mir die Hand, Neffe— die Sache iſt abgemacht— ich bekomme die Pairie— Sie hatten Recht, ha ha— meine theure Frau, Du wirſt Mylady, bedenke doch— freuſt Du Dich nicht? Warum lächelt Eure Herrlichkeit nicht? Wo iſt das Kind— wo iſt iſt das Kind, ich will es wiſſen.“ „Zu Bett,“ ſagte Fran Templeton halb erſchreckt. 158 „Zu Beit! ich muß ſie küſſen— zu Bett? Lumley, zünden Sie jenes Licht an.(Herr Templeton ſchellte) „John,“ ſagte er dem eintretenden Bedienten,„ſage James, daß er morgen früh ſogleich zu Barter geht und dieſem ſagt, daß er bis auf weitere Beſtellung meine Kutſche nicht bemalt. Ich muß das Kind küſſen. Wahrhaftig, ich muß das Kind küſſen!“ „Verdammtes Kind,“ murmelte Lumley vor ſich hin, als er ſich an den Kamin ſetzte, nachdem er dem Onkel das Licht gegeben hatte.„Was zum Henker hat es mit der Sache zu thun!— Ihr kleines Mädchen, Madame, iſt wirklich bezaubernd! ich liebe es ſehr. Auch mein Onkel iſt ſehr zärtlich gegen das Kind; kein Wunder!“ „Er liebt es wirklich ſehr,“ ſagte Frau Tem⸗ pleton mit einem Seufzer, der aus der Tiefe ihres Herzens zu dringen ſchien. „Liebte er es auch ſchon ſo ſehr, bevor Sie ſich verheirathet hatten?“ „Ja, ich glaub es— o ganz gewiß!“ „Der eigene Vater des Mädchens könnte es nicht mehr lieben.“ Frau Templeton gab keine Antwort, ſondern zün⸗ dete ihr Licht an, wünſchte Lumley gute Nacht und ſchlüpfte aus dem Zimmer. „Ich ſollte mich wundern, wenn meine ernſte Tante und mein ernſter Herr Onkel nicht in den Apfel gebiſſen hätten, bevor ſie ſich das Recht am Baume erkauften. Es ſieht verdächtig aus, aber es kann nicht ſein, in dem alten Kerl ſteckt kein Verführer und nichts Ve hier komnr Templ ſeine Stir „Wie „Das“ Kinder ger „Wirk doch, daß „Da i Ferrer ſein eigen eines anor „Wie Zartgefühl leicht ſtim Wünſchen „In n „Nun, „Hinſi dem Briefe mich ſehen „Mein ich mir ge Der S wieder dur er ſehr ku „Ein einen arm gleich er Lumley, ſchellte) 1„ſage ter geht eſtellung d küſſen. vor ſich mer dem Henker Mädchen, es ſehr. Kind; 159 nichts Verfuͤhreriſches. Es iſt nicht wahrſcheinlich, hier kommt er.“ Templeton trat ein; ſeine Augen waren naß und ſeine Stirn geſenkt. „Wie gehts dem kleinen Engel?“ fragte Ferrers. „Das Kindküßte mich, obgleich ich es weckte; ſonſt ſind Kinder gewöhnlich verdrießlich, wenn man ſie aufweckt.“ „Wirklich? Die liebe Kleine! Nun, Sie ſehen voch, daß ich Recht hatte. Darf ich den Brief leſen?“ „Da iſt er.“ Ferrers rückte ſeinen Stuhl an's Feuer und las ſein eigenes Geiſtesprodukt mit aller Zufriedenheit eines anonymen Schriftſtellers. „Wie gütig, wie wohl überlegt! Mit wie viel Zartgefühl verfaßt, eine doppelte Gunſt! Aber viel⸗ leicht ſtimmt der Brief doch nicht ganz mit Ihren Wünſchen überein?“ „In welcher Hinſicht?“ „Nun, hinſichtlich meiner.“ „Hinſichtlich Ihrer? Steht von Ihnen etwas in dem Briefe? Das hab' ich nicht bemerkt, laſſen Sie mich ſehen.“ „Mein Onkel iſt ſelbſtſüchtig genug! Das muß ich mir gehörig merken,“ pachte Ferrers. Der Onkel runzelte die Stirn, als er den Brief wieder durchlas.„Das geht nicht, Lumley,“ ſagte er ſehr kurz, als er mit dem Leſen fertig war. „Ein Parlamentsſitz iſt alſo zu viel Ehre für einen armen Neffen,“ ſagte Lumley ſehr bitter, ob⸗ gleich er durchaus kein bitteres Gefühl hegte; der 160 Ton aber war gerade paſſend—„ich habe Alles in meiner Macht gethan, um Ihren Ehrgeiz zu fördern, und Sie wollen mir nicht einmal eine Hand bieten, damit ich einen Schritt in meiner Laufbahn thun kann! Allein verzeihen Sie mir, Herr, ich beſitze kein Recht, dies zu erwarten.“ „Lumley“ erwiderte Templeton freundlich,„Sie mißverſtehen mich. Ich hege von Ihnen eine weit höhere Meinung, wie früher; Sie zeigen eine ſehr lobenswerthe Feſtigkeit und Nüchternheit im Weſen, und Sie ſollen ins Parlament, wenn Sie den Wunſch hegen, aber nicht für C***. Ich werde meinen Einfluß auf einen andern Anhänger der Regierung verwenden und dafür können Ihnen die Miniſter einen Parlamentsſitz geben, worüber ſie verfügen. Ihnen kann dies einerlei ſein.“ Lumley zeigte ſich ſehr angenehm überraſcht, drückte mit Wärme die Hand ſeines Onkels und dankte ihm herzlich. Herr Templeton legte ihm weiter dar, es ſei unpaſſend, ſich für Orte wählen zu laſſen, wo die Familie bekannt ſei, und Lumley gab Allem ſei⸗ nen vollkommenen Beifall. „Was die Pairie betrifft, ſo iſt Alles in Ord⸗ nung,“ ſagte Templeton; alsdann ſank er in Nach⸗ finnen, woraus er munter mit den Worten wieder auffuhr:„Ja, das iſt Alles in Ordnung; ich hahe Entwürfe und Zwecke im Auge, die ſich ſämmtlich vereinigen laſſen. Alles das geht vortrefflich. Sie werden der nächſte Lord ſein, was— ich wollte ſagen, welchen Titel ſollen wir annehmen?“ „O, Wie ich eigenthum „Ich 2000 Pfd. „Gruh „Lord ſcheußlich! „Ich. einer ſehr „Aber einmal das „Ja,„ Cyurval.“ „Das i ſammentref Das Wapy bringen. 4 Auf dem G Weiler, der heißt Cobdle „Coddle— brehung des Cvurval! ſu „Ha, he ſeinem dreif ſich unterhal dem Landhat * Grub, a Bulwer, T Alles in fördern, d bieten, eine ſehr Weſen, Wunſch meinen egierung ſter einen . Ihnen t, drückte nkte ihm dar, es ſſen, wo Allem ſei⸗ in Ord⸗ in Nach⸗ en wieder ich habe ſämmtlich ich. Sie lte ſagen, 161 „O, Sie müſſen einen wohlklingenden annehmen. Wie ich glaube, beſitzen Sie nur wenig Grund⸗ eigenthum.“ „Ich habe in ver Grafſchaft*4 2000 Pfd. jährlichen Einkomme „Grubley?“* „Lord Grubley! Baron Grubley von Gruhley O ſcheußlich! Wer hatte vor Ihnen das Gut?“ „Ich kaufte es von Herrn Sheepsfhanks,“ aus einer ſehr alten Familie.“ „Aber irgend ein alter Ny einmal das Gut beſeſſen?“ „Ja, Heinrich II. gab es ſeinem Barbier Bertram Cyurval.“ ein Gut von us, Alles in Allem.“ rmane hat doch auch „Das iſt's! Lord de Courval— ſonderbares Zu⸗ ſammentreffen! Sie ſtammen von der alten Linie. Das Wappenamt wird die Sache ſchon in Orbnung bringen. Lord de Courval! Wie ſchön es klingt! Auf dem Gute liegt ja doch noch ein Dorf oder ein Weiler, der Courval heißt.“ „Ich beſorge, das iſt nicht der Fall. Der Ort heißt Cobdle⸗End.“ „Coddle⸗End, Codble⸗End, eine offenbare Ver⸗ drehung des Wortes Courval. Lord de Courval von Courval! ſuperb, ha, ha!“ „Ha, ha,“ lachte Templeton zun erſtenmale nach ſeinem dreißigſten Jahre. Die Verwandten ſaßen, ſich unterhaltend, lang beiſammen. Ferrers ſchlief auf dem Landhauſe und ſein Schlaf war geſund, denn * Grub, ausjäten.** wörtlich; Schafbein. Bulwer, Maltravers. II. 11 162 er vachte nicht mehr an Pläne, die er einmal gebilbet und zur Hälfte ausgeführt hatte; nur die Jagd hielt ihn wach und er ſchlief wie ein Hund, wenn die Beute erhaſcht war. Nicht ſo Templeton, der die ganze Nacht kein Auge ſchloß—„ja⸗ ja,“ dachte er,„ich muß Vermögen und Titel durch kluges Ver⸗ fahren in einer Linie bewahren. Ferrers verdient Alles, was ich für ihn thun will. Er iſt ſtandhaft, gutmüthig, offen, und wird in der Welt vorwärts kommen. Ja, ja, ich ſehe Alles. Mittlerweile han⸗ delte ich verſtändig, ſeine Bewerbung in C*** zu verhindern. Er könnte dort Klatſcherei über Frau Templeton und andere Dinge hören, die mir unan⸗ genehm ſein würden. Ha, ich bin ein ſchlauer Kerl!“ Drittes Kapitel. Lauzun: Marquis, ich hab's gethan. Monteſpan: Wahrhaftig eine ſchöne That! Die Herzogin La Valliere. Lumley beeilte ſich, das Eiſen zu ſchmieden, ſo lange es heiß war. Am nächſten Morgen ging er geraden Wegs zur Schatzkammer und traf dort den leitenden Sekretär, einen gewandten, ſcharfblickenden Mann, der, wie Ferrers, Intriguen und Partei⸗ manöver auf kecke, ſorgloſe, trotzige Weiſe ausführte. Ferrers kündigte an, er wolle als Candidat in der freien, achtbaren, ſelbſtſtändigen Stadt C*** mit einer Bevölkerung von 2500 Wählern, auftreten; der Parlamentsſitz für dieſen Ort ertheilte in der alten Zeit vor durchaus ihm Gliü Wi Stäbten „Leit Monate Parlamer „Hat fragte Lu mentsredt pularität dienten; denjenige nützlichſte ſtützte unt Unabhäng er Amter gebildet gd hielt enn die der die dachte ges Ver⸗ verdient tandhaft, vorwärts eile han⸗ S*** zu ber Frau nir unan⸗ er Kerl!“ ethan. ſchöne That! alliere. nieden, ſo ging er f dort den fblickenden d Partei⸗ ausführte. andidat in C“** mit auſtreten; in der alten Zeit vor der Reform großes Anſehen und galt für durchaus unabhängig. Der Staatsſekretair wünſchte ihm Glück unter vielen Complimenten. „Wir haben bei den Wahlen in den großen Städten kürzlich viel Verluſt gehabt,“ ſagte Lumley. „Leider iſt es der Fall; während der letzten ſechs Monate haben wir drei Städte verloren. Unſere Parlamentsglieder ſtarben zu ſehr unpaſſender Zeit.“ „Hat Lord Staunch ſchon einen Sitz erhalten?“ fragte Lumley. Lord Staunch war einer der Parla⸗ mentsredner, deren ſich die Miniſter, wenn ſie Po⸗ pularität brauchten, als des groben Geſchützes be⸗ dienten; er hatte zwar kein Amt, gehörte aber zu denjenigen Perſonen, welche allen Regierungen am nützlichſten ſind, indem er Miniſter ſtandhaft unter⸗ ſtützte und dabei ſtets Grundſätze der vollkommenflen Unabhängigkeit ausſprach; man wußte von ihm, daß er Amter ausgeſchlagen hatte und daß er ſich auf ſeine Unabhängigkeit etwas zu Gute that; er war ein Mann, welcher der Regierung über den Sieg half, wenn dieſelbe für den Augenblick an lahmen Beinen litt, und welcher in großem Anſehen auf dem Lande ſtand. Lord Staunch war albern genng ge⸗ weſen, einen verfaulten Flecken aufzugeben und in einer großen Stadt als Candidat aufzutreten. Sein Verſuch war mit einer Nieterlage belohnt worden und dieſe Niederlage wurde überall als Beweis eitirt, daß die Miniſter immer mehr an Popularität verloren.“ „Hat Lord Staunch ſchon einen Parlamentsſitz?“ fragte Lumley. 164 „Nun, er muß den alten wieder einnehmen, den für Drei⸗Eichen. Drei⸗Eichen iſt ein netter, ruhiger, kleiner Ort mit ſehr achtbaren Wählern, ſämmtlich von Staunch's eigener Familie.“ „Gerade das eignet ſich für ihn; Schade iſt es aber doch, daß er nicht für C*** als Candidat auf⸗ geſtanden iſt.“ „Ja, ich dachte das im Augenblick, wy S* vacant wurbe; jetzt aber iſt es zu ſpät.“ „Es wäre ein großer Sieg geweſen, wenn Lord Staunch hätte zeigen können, daß eine große Menge Wähler ihn ohne Koſten zum Repräſentanten er⸗ nennen wollten.“ „Ohne Koſten? wahrhaftig, ja! das würde be⸗ weiſen, die Reinheit der Wahl ſei noch vorhanden, die brittiſche Verfaſſung ſei noch in voller Blüte.“ „Das könnte noch geſchehen.“ „Nun, ich dachte, Sie wollten 4 „Als Candidat auftreten— allerdings, und mein Onkel wird ſich nur mit einiger Schwierigkeit über⸗ reden laſſen; allein er liebt mich ſehr— Sie wiſſen, ich bin ſein Erbe— ich glaube, daß er ſich überreden ließe; d. h. wenn Sie der Meinung ſind, der Partei werde ein großer Vortheil, und der Regierung ein ſehr großer Dienſt erwieſen werden.“ „Allerdings, Herr Ferrers, würde dies beides der Fall ſein.“ „Und in dem Fall würde ich Drei⸗Eichen be⸗ kommen?“ „Laſſen Sie mich ſehen— gewiß. Sie bringen aher wir teten Pa „Sa Deputati treten er eine Dep werden, aber nich iſt ein ſo ich verma „Sie nach Vert Der Hand un konnte er durchaus ſei; der rers als den man träglich i Herrn Fe Bald ſei für C Wahlkam; Die minif Entzücken Wähler v klärten, H werde die geſchah. en, den uhiger, mmtlich e iſt es t au⸗ o F* un Lord Menge iten er⸗ ürte be⸗ rhanden, Blüte.“ ind mein eit über⸗ e wiſſen, berreden er Partei ung ein eides der chen be⸗ Pringen aber wirklich ein Opfer, wenn Sie einen ſo geach⸗ teten Parlamentsſitz aufgeben.“ „Sagen Sie nichts mehr, es ſoll geſchehen. Eine Deputation ſoll Lord Staunch als Candidat aufzu⸗ treten erſuchen. Ich will meinen Onkel aufſuchen und eine Depeſche ſoll heute Abend nach C** geſchickt werden, wenigſtens hege ich die Hoffnung. Ich darf aber nicht zu viel Selbſtvertrauen hegen. Mein Onkel iſt ein ſonderbarer Mann und Niemand anders wie ich vermag ihn zu leiten. Ich will ſogleich zu ihm gehen.“ „Sie können ſich varguf verlaſſen, Ihre Güte wird nach Verdienſt geſchätzt werden.“ Der Staatsſekretär ſchüttelte Lumleh herzlich die Hand und pieſer entfernte ſich. Dem Staatsſekretär konnte er keine„Flanſen“ vormachen; auch hegte er durchaus nicht die Erwartung, daß dies ihm möglich ſei; der Staatsſekretär merkte ſich aber Lumley Fer⸗ rers als einen Mann, der nach Imtern ſtrebte und den man weiter bringen müſſe, wenn er ſich nur er⸗ träglich im Parlament benehme, und damit war des Herrn Ferrers Zweck erreicht. Bald darauf berichtete die Gazette, Lord Staunch ſei für C***, nach einem ſcharfen und entſcheidenden Wahlkampf zum Parlamentsglied ernannt worden. Die miniſteriellen Zeitungen ſtimmten Lobgeſänge voll Entzücken an; die Oppofitivnszeitungen ſchmälten die Wähler von C*** mit allen Schimpfnamen und er⸗ klärten, Herr Stout, der Opponent von Lord Staunch, werde die Wahl ſtreitig machen, was jedoch niemals geſchah. Inmitten dieſes Lärms ſchlich ſich Lumley Ferrers ruhig und unbemerkt in den Parlamentsfitz für Drei⸗Eichen ein. Am Abend nach ſeiner Wahl beſuchte er Lord Saringham, was jedoch dort geſchah, verdient ein beſonderes Kapitel. Viertes Kapitel. Ich kenne Prinzen von Seblüt, fremde Für⸗ ſien, Männer vom höchſten Stande, Staatsmini⸗ ſter, Gerichtsräthe und Philoſophen, die aus Liebe zu Ihnen ſpinnen würden. Können Sie noch mehr erwarten? Briefe der Frau v. Sevigne. Lindor. Ich glaube, es wird mich erſticken. Halt dein Maul. Palner. Du verliebt! ha, ha! Lindor. Du lachſt! Dalner. Rein, ich bin wirklich wegen Deiner be⸗ kümmert. Deutſches Schauſpiel. Wat gibts da? Gold! Shakſpeare. Gerade an dem Abend hatte Maltravers zum er⸗ ſtenmal eine der vielen Einladungen angenommen, womit er von Lord Sarxingham beehrt worden war. Seine Lordſchaft und Maltravers gehörten zu zwei verſchiedenen politiſchen Parteien, und eigneten ſich auch in anderer Hinſicht nicht wohl für einander. Lord Saxingham war in ſeiner Art ein kluger Mann, aber ſo weltlich geſinnt, daß er ſogar bei weltlich geſinnten Leuten zum Sprüchwort wurde. Der Ausſpruch wie dieſer:„Der Menſch iſt geboren, aufrecht zu ſchreiten und auf die Sterne zu blicken,“ iſt eine Lüge der Beredſam genügen! herſchreit ſo waren Obgleich Familie lichen Ru eines Em dem Amt Geſchick weil es e tigkeit ſei ſammenle wie ein 2 ſpielte er fernten S bis zum richtete ſ ihm unn vers, we achtete i Maltrave er hielt zu ſein, Außerden er Leute. Er war um bei vorauszu klärte, e tentsfitz er Lord ient ein emde Für⸗ taatsmini⸗ e aus Liebe noch mehr evigne. cken. Halt Deiner be⸗ ſpiel. are. zum er⸗ nommen, den war. zu zwei neten ſich der. Lord nn, aber geſinnten ruch wie ſchreiten Lüge der Beredfamkeit, zu deren Widerlegung Lord Saringham genügen konnte. Er ſchien nur zum gebeugten Ein⸗ herſchreiten geboren; blickte er jemals auf Sterne, ſo waren dies allein die Sterne des Hoſenbandordens. Obgleich er aus einer berühmten und hiſtoriſchen Familie ſtammte, hohen Rang und einigen perſön⸗ lichen Ruf beſaß, ſo hegte er dennoch allen Ehrgeiz eines Emporkömmlings. Er hegte große Achtung vor dem Amte, nicht aus der erhabenen Beſtrebung, das Geſchick einer glorreichen Nation zu leiten, ſondern weil es etwas ſehr Gemeines erhöhte— die Wich⸗ tigkeit ſeiner Selbſt unter Leuten, mit denen er zu⸗ ſammenlebte. Er betrachtete ſeine Miniſteruniform⸗ wie ein Büttel die Golbtreſſen auf ſeinem Rock. Auch ſpielte er gern den Beſchützer, ertheilte Vortheile ent⸗ fernten Verbindungen und beförderte ſeine Familie bis zum letzten Grad der Verwandtſchaft; kurz, er richtete ſeinen Blick nicht von der Erde ab. Es war ihm unmöglich, Maltravers zu verſtehen; Maltra⸗ vers, welcher mit jedem Tage ſtolzer wurde, ver⸗ achtete ihn. Man ſagte jedoch Lord Saxingham⸗ Maltravers ſei ein im Steigen begriffener Mann; er hielt es für zweckmäßig, gegen ſolche Leute höflich zu ſein, welcher Partei ſie auch angehören mochten. Außerdem fand ſich ſeine Eitelkeit geſchmeichelt, wenn er Leute, von denen man ſprach, im Gefolge hatte. Er war eine zu ſehr geſchäftige und hohe Perſon⸗ um bei Maltravers etwas anderes als Aufrichtigkeit vorauszuſetzen, wenn derſelbe in ſeinen Billeten er⸗ klärte, es thne ihm ſehr leid, auf die Ehre, bei Lord 168 Saringham zu ſpeiſen, heute verzichten zu müſſen ze.; deßhalb ſetzte er ſeine Einladungen fort, bis Maltra⸗ vers zuletzt die angebotene Auszeichnung nach der Schickſalsbeſtimmung annahm, welche uns ohne Zweifel leitet und unſern Handlungen die Richtung gibt. Er kam ſpät; die meiſten Gäſte waren ſchon ver⸗ ſammelt; nachdem er einige Worte mit ſeinem Gaſt⸗ geber gewechſelt hatte, miſchte er ſich in die allge⸗ meine Gruppe der Eingelabenen und befand ſich dicht neben der Lady Florence Lascelles. Dieſe Dame hätte gerade nicht das Gefallen von Maltrayers erweckt, denn dieſer machte ſich nicht viel aus männlichen oder koketten Helvinnen, und Lady Florenee ſchien ihm beide Beiwörter zu verdienen; deßhalb hatte er ſich gewöhn⸗ lich mit einer entfernten Verbeugung oder einer vor⸗ ühergehenden Begrüßung begnügt, obgleich er mehre Male ſeit ſeiner erſten Vorſtellung mit ihr zuſammen⸗ traf. Jetzt aber, als er ſich umwandte und ſie er⸗ blickte, ſaß ſie wunderbarerweiſe allein; in ihrem Antlitz von blendender Schönheit und Adel lag ſo offenbar der Anſchein des übelbefindens, daß dies Maltravers auffiel, und daß er dadurch gerührt wurde. Auch lag wirklich in Antlitz und Form, im Auge und in der Blüte der Lady Florence, ſo ſchön ſie auch ſein mochte, ein gewiſſes Elwas, welches ein geſchickter Arzt nur mit prophetiſchem Schmerze hätte erblicken können. Wenn gelegentliche Krankheit die Roſen ihrer Wangen erbleichte und das Spiel ihrer Lippen min⸗ derte, ſo hätte ſogar ein gewöhnlicher Beobachter an das alltägliche Sprüchwort denken können:„Der glän⸗ zendſten S Vielleicht t wurde das Er redete an und ſet „Wie i Maltravers „Ja, j große Schle ſtimmung; „Gefäll „Es bi beſtimmten „Und d „Ich be Im ganzen hafte Bewe und ſo viel Bereitwillig ſchreiben, ſi zu benützen Mittel ſind „Ich wu rief Lady 3 „Wirklie ſein Intereß „Ich hielt e thung ſo m würben.“ „Dann ſſen ꝛe.; Maltra⸗ ach der Zweifel ibt. on ver⸗ n Gaſt⸗ e allge⸗ ich dicht ne hatte erweckt, en oder m beide ewöhn⸗ er vor⸗ mehre ummen⸗ ſie er⸗ ihrem lag ſo ß dies wurde. ige und ie auch ſchickter rblicken n ihrer n min⸗ hter an rglän⸗ zendſten Schönheit ſei das kürzeſte Leben beſchieben.“ Vielleicht durch irgend eine Empfindung dieſer Art wurde das Mitgefühl von Maltravers jetzt erweckt. Er redete ſie mit größerer Höflichkeit wie gewöhnlich an und ſetzte ſich an ihre Seite. „Wie ich glaube, waren Sie im Parlament, Herr Maltravers?“ fragte Lady Florence. „Ja, jedoch nicht lange; heute Abend wird keine große Schlacht geliefert. Man erwartete keine Ab⸗ ſtimmung; jetzt wird das Haus leer ſein.“ „Gefällt Ihnen das Leben?“ „Es bietet Aufregung,“ ſagte Maltravers, ver beſtimmten Antwort ausweichend. „Und die Aufregung iſt edler Art.“ „Ich beſorge, daß ſich dies kaum behaupten läßt. Im ganzen Getreibe finden ſich ſo niedrige und bos⸗ hafte Beweggründe, ſo viel Eiferſucht auf Freunde und ſo viel unedles Verfahren gegen Feinde, ſolche Bereitwilligkeit, Andern die niedrigſten Zwecke zuzu⸗ ſchreiben, ſolche Liebhaberei, die ärmlichſten Schliche zu benützen! Der Zweck mag groß ſein, aber die Mittel ſind ſehr zweiveutiger Art.“ „Ich wußte, daß Sie dies Gefühl hegen würden,“ rief Lady Florence mit erhöhter Farbe aus. „Wirklich?“ fragte Maltravers, indem ſowohl ſein Intereſſe rege wurbe, wie er ſich überraſcht fand. „Ich hielt es kaum für möglich, daß Sie zur Erra⸗ thung ſo unbeveutender Geheimniſſe ſich herablaſſen würden.“ „Dann erwieſen Sie mir keine Gerechtigkeit,“ ſagte Laby Florence mit einem ſchlauen aber halb kummervollen Lächeln,„denn— ich bin jedoch im Begriff, unbeſcheiden zu reden.“ „Nein, fahren Sie nur fort.“ „Nun ſo glaube ich, daß Sie geneigt find, ſich ſelbſt Ungerechtigkeit zu erweiſen.“ „O, Sie glauben, ich ſei voll von Anmaßung und Hochmuth. So ſagt man gewöhnlich, und Sie haben vielleicht Recht, dies zu glauben.“ „Iſt nicht Jeder ſeines eigenen Verdienſtes ſich bewußt?“ fragte Lady Florence mit Stolz.„Denje⸗ nigen, welche Mißtrauen auf ſich hegen, fehlt es nicht an gutem Grunde.“ „Sie ſuchen die Wunde, die Sie mir ſchlugen, wieder zu heilen,“ erwiderte Maltravers lächelnd. „Nein, was ich ſagte, war ſowohl Vertheidigung für mich, wie für Sie. Sie bedürfen nicht der Worte, ſich zu rechtfertigen; Sie ſind ein Mann und können aller Anmaßung mit dem königlichen Mottv: Pieu et mon droit trotzen. Bei Ihnen können Thaten An⸗ ſprüche erhalten; ich aber bin ein Weib. Dadurch beging die Natur an mir einen Mißgriff!“ „Welche Triumphe des Mannes aber erreichen einen ſo unmittelbaren, ſo handgreiflichen Lohn, wie vie einer ſchönen und bewunderten Dame, welche in jedem Zimmer ihr Reich, in jeder Volksklaſſe ihre Unterthanen findet.“ „Dieſe Herrſchaft iſt verächtlich.“ „Was! iſt die Macht verächtlich, vaß Sie befehlen und gewinnen, daß die Größten, Höchſten und Streng⸗ ſten ſich in ſich als Jh als ihre H neiden, we Lady Fl und heftete wollte ſie i ſie ſich mit hinweg.— ihre Worte. Bevor 2 Eſſen angek die Hand de ſah, daß e ſehr hellem ins Speiſe; eelles mehr Er ſaß (Lord Saxir und Lady Fl befand ſich 2 worin unſer dungsgaben dringen. 6C Geſpräch; rence richtet fraglichen P ſolchem Aus der Strom er in ſonde ber halb edoch im ſind, ſich ßung und Sie haben nſtes ſich „Denje⸗ lt es nicht ſchlugen, ichelnd. heidigung er Worte, nd können to: Dieu haten An⸗ Dadurch erreichen Lohn, wie welche in laſſe ihre e befehlen d Streng⸗ ſten ſich in Ihrer Anbetung beugen, vaß diejenigen ſich als Ihre Sklaven erweiſen, welche die Männer als ihre Herren erkennen! Welche Macht iſt zu be⸗ neiden, wenn dieſe verächtlich iſt?“ Lady Florence wandte ſich ſchnell zu Maltravers und heftete auf ihn ihre großen, dunklen Augen, als wollte ſie in ſeinem Herzen leſen, dann aber wandte ſie ſich mit Erröthen und mit leichtem Stirnrunzeln hinweg.—„Spott liegt auf Ihren Lippen,“ waren ihre Worte. Bevor Maltravers antworten konnte, wurde das Eſſen angekündigt, und ein fremder Geſandter nahm die Hand der Lady Florence in Anſpruch. Maltravers ſah, daß eine junge Dame mit goldenen Ahren in ſehr hellem Haar ihm anheimfiel, und führte dieſelbe ins Speiſezimmer, indem er an Lady Florence Las⸗ eelles mehr wie jemals früher vachte. Er ſaß der jungen Dame des Hauſes gegenüber (Lord Saxingham, wie der Leſer weiß, war Wittwer und Lady Florence ſein einziges Kind); an jenem Tage befand ſich Maltravers in jener glücklichen Stimmung, worin unſere Lebensgeiſter, unſere Geiſtes⸗ und Bil⸗ dungsgaben gleichſam auf vie Oberfläche vorwärts dringen. Er führte ein allgemeines und gewandtes Geſpräch; einmal, als er ſein Auge auf Lady Flo⸗ rence richtete, um ihre Meinung über irgend einen fraglichen Punkt zu vernehmen, fing er ihren mit ſolchem Ausdruck auf ihn gehefteten Blick auf, daß der Strom ſeiner Heiterkeit gehemmt ward, und daß er in ſonderbares, zerſtörtes Nachſinnen verſank. In dem Blicke lag ernſtliche und herzliche Bewunderung; verſelbe war jedoch mit ſo viel Schwermuth gemiſcht, daß die Bewunderung an Berevſamkeit veclor und daß der, welcher ihn bemerkte, eher traurig geſtimmt als durch die Schmeichelei erheitert wurde. Als Maltravers nach der Tafel in den Salon trat, fand er denſelben mit dem gewöhnlichen Pöbel guter Geſellſchaft angefüllt. In einem Winkel entpeckte er Caſtruccio Ceſarini, welcher auf einer an hlanem Bande über ſeine Bruſt hängenden Gnuitarre ſpielte. Der Italiener ſang gut; manche junge Damen hatten ſich um ihn gruppirt, unter anderen Florence Las⸗ celles. Maltravers, ſo ſehr er auch Muſik liebte, be⸗ trachtete Caſtruceio's Geſang als eine unangenehme Schauſtellung. Er hegte eine Don Quirotiſche Idee von der Würde des Talentes; ob er gleich ſelbſt muſikali⸗ ſche Ausbildung und eine melodiſche Stimme beſaß, welche den ganzen Saal in Entzücken verſetzt haben würde, ſo hätte er eben ſo gern Taſchenſpieler oder Gaukler zum Vergnügen der feinen Geſellſchaft werden mögen, als daß er ſich mit dem Bravo des Salons begnügt hätte. Gerade weil Maltravers zu den ſtol⸗ zeſten Männern gehörte, war er einer der am wenig⸗ ſten eitlen. Beifall in kleinen Dingen war ihm durch⸗ aus gleichgültig. Ceſarini aber würde die ganze Welt herbeigerufen haben, damit ſie Taſchenſpielerkünſte von ihm ſehe, wenn er der Meinung geweſen wäre, daß er dieſelben auf geſchickte Weiſe ausführen könne. „Schön, göttlich, entzückend,“ riefen die jungen Damen, als Ceſarini aufhörte; Maltravers bemerkte, daß Flore pries, da eine unge Florence runzelte fi „Sie kent ſie zu Me begabter „Ohn Talente a bald verw eine einzi zubringen „Er Maltrave wenn ich Arbeit er „Still uns gerie welches E zu wiſſen dies der 2 gehenden „Neir ein Mann ich ihn be⸗ ob ſeine wird. D Bitterkeit „6s wunderung; h gemiſcht, lor und daß eſtimmt als Salon trat, Pöbel guter entveckte er an hlanem trre ſpielte. umen hatten orence Las⸗ liebte, be⸗ nangenehme he Idee von ſt muſikali⸗ mme beſaß, rſetzt haben ſpieler oder haft werden des Salons den ſtol⸗ am wenig⸗ ihm durch⸗ ganze Welt pielerkünſte een wäre, hren könne. die jungen s bemerkte, vaß Florence ihn mit größerem Ernſt wie die ührigen pries, daß Ceſarini's dunkle Augen funkelten und daß eine ungewohnte Röthe über ſeine blaſſe Wange flog. Florence wandte ſich zu Maltravers und der Italiener runzelte finſter die Stirn, als er ihren Blicken folgte. „Sie kennen Signor Ceſarini,“ ſagte Florence, als fie zu Maltravers trat;„er iſt ein intereſſanter und begabter Mann.“ 6 „Ohne Zweifel; ich bebaure nur, daß er ſeine Talente auf einem Boden verſchwendet, der nur wenige, bald verwelkende Blumen zu gewähren vermag, ohne eine einzige nützliche oder produktive Frucht hervor⸗ zubringen.“ „Er genießt die entſchwindende Stunde, Herr Maltravers; bisweilen glaube ich, daß er Recht hat, wenn ich die Kränkungen erblicke, welche die ernſtere Arbeit erwarten.“ „Still,“ ſagte Maltravers,„ſeine Augen ſind auf uns gerichtet; er horcht athemlos auf jedes Wort. welches Sie äußern, Ich beſorge, daß Sie, ohne es zu wiſſen, das Herz des Poeten erobert haben; iſt dies der Fall, ſo erkauft er den Genuß der vorüber⸗ gehenden Stunde mit furchtbarem Preiſe.“ „Nein,“ ſagte Lady Florence gleichgültig; er iſt ein Mann, dem die Phantaſie das Herz erſetzt. Wenn ich ihn begeiſtere, ſo iſt der Genuß für ihn gleich groß, ob ſeine Leier zur Hoffnung oder Täuſchung geſtimmt wird. Die Lieblichkeit ſeiner Verſe wird ihm jede Bitterkeit im wirklichen Leben ausgleichen.“ „Es gibt zwei Arten der Liebe,“ erwiderte Mal⸗ 174 travers,„Liebe und Selbſtliebe; vie Wunden der letz⸗ teren ſind oft die unheilbarſten bei denen, welche in der erſteren am wenigſten verwunghär ſcheinen. Ach, Lady Florence, beſäße ich das Vorrecht, Ihnen Er⸗ mahnungen zu geben, ſo würde ich eine Warnung wagen, wie ſehr dieſelbe Sie auch verletzen mag.“ „Und dieſe iſt...“ „Koketterie zu unterlaſſen.“ Maltravers lächelte bei den Worten, ſprach aber mit ernſtem Ausdruck; zugleich auch ſchlüpfte er mit leichter Körperbewegung hinweg; Lady Florence aber legte ihm die Hand auf den Arm. „Herr Maltravers,“ ſprach ſie mit ſanfter, bei⸗ nahe ſtockender Stimme,„thue ich Unrecht, wenn ich Ihnen ſage, daß mir an Ihrer guten Meinung viel gelegen iſt? Urtheilen Sie nicht hart über mich, ich bin verſtimmt, unzufrieden und unglücklich; ich hege mit der Welt keine Sympathie. Was ſind die Männer, von denen ich mich umgeben ſehe? Die Maſſe beſteht aus fühlloſen, in Seide gehüllten Egoiſten— Männern von ſchlechtem Urtheil, ſchlechter Erziehung und in guter Kleidung; die Wenigen, welche man ausgezeichnet nennt— wie ſelbſtſüchtig ſind ſie im Ehrgeiz, wie leidenſchaftslos in ihrem Treiben! Bin ich zu tadeln, wenn ich über ſolche Leute bisweilen eine Gewalt übe, welche eher meine Verachtung hinſichtlich ihrer, wie meine Eitelkeit beweist?“ „Ich beſitze kein Recht, Ihnen zu widerſprechen.“ „Ja, widerſprechen Sie mir, überzengen Sie mich, leiten Sie Führers bet Lady Fl Vorurtheile ſogar durch ihre unerwe ſein Herz o kurzen Pau rence, ſeher zu beneiden und Stolzee Sie ſich Ur Sie verächt Ihrem Pfat Sie nicht m Gottes, wie nen? Welch oder die Eit durch höher über Ihrem irgend einen welchen Sie ſein! Aber ich war ſeh „Ich fü Florence, i halten ſucht zu glücklich das ſtolzeſte das Gegentl nder letz⸗ welche in nen. Ach, hnen Er⸗ Warnung mag.“ rach aber te er mit ence aber fter, bei⸗ wenn ich nung viel mich, ich ich hege Männer, ſſe beſteht Männern g und in gezeichnet geiz, wie zu tadeln, walt übe, hrer, wie ſprechen.“ Sie mich, leiten Sie michſ Pe Himmel weiß, daß ich eines Führers bedarf/ ugeſtüm und ſtolz ich auch bin.“ Lady Florence's Auge ſchwamm in Thränen. Ernſls Vorurtheile gegen ſie waren ſehr erſchüttert; er wurde ſogar durch ihre Schönheit etwas verblendet und durch ihre unerwartete Milde gerührt; allein dennoch blieb ſein Herz ohne Eindruck und er erwiderte nach einer kurzen Pauſe beinahe mit Kälte:„Theure Lady Flo⸗ rence, ſehen Sie ſich in der Welt um; wer iſt mehr zu beneiden wie Sie? Welche Quellen des Glückes und Stolzes find Ihnen erſchloſſen! Warum ſchaffen Sie ſich Urſachen zur Unzufriedenheit, warum zeigen Sie verächtlichen Stolz den Leuten, die Ihnen auf Ihrem Pfade kein Hemmniß bieten? Warum blicken Sie nicht mit Mitleid auf die weniger begabten Kinder Gottes, wie ſehr ſie auch unter Ihnen zu ſtehen ſchei⸗ nen? Welchen Troſt erlangen Sie, wenn Sie das Herz oder die Eitelkeit Anderer verletzen? Steigen Sie da⸗ durch höher in Ihrer Selbſtachtung? Sie geben vor, über Ihrem Geſchlechte zu ſtehen; verachten Sie aber irgend einen weiblichen Charakter mehr als denjenigen, welchen Sie annehmen? Semiramits ſollte keine Kokette ſein! Aber hier habe ich Sie beleidigt; ich geſtehe, ich war ſehr rauh.“ „Ich fühle mich durchaus nicht beleidigt,“ ſagte Florence, indem ſie beinahe ihre Thränen zurückzu⸗ halten ſuchte; innerlich fügte ſie hinzu:„ach, ich bin zu glücklich!“— Von einigen Lippen vermag ſogar das ſtolzeſte Weib Tadel zu vernehmen, wenn derſelbe das Gegentheil der Gleichgültigkeit zu heweiſen ſcheint. 176 Um dieſe Zeit trat Lumley Ferrers vom Erfolge ſeiner Plane und Intriguen angenehm aufgeregt ins Zimmer; ſein ſchneller Blick fiel auf den Winkel, worin er etwas entdeckte, welches ihm eine ſehr be⸗ unruhigende Tändelei ſeiner reichen Couſine mit Ernſt Maltravers zu ſein ſchien. Er trat vor und bot Beiden mit ſeiner gewöhnlichen Offenheit die Hand. „Ah, meine theure und ſchöne Coufine, wünſchen Sie mir Glück und bitten Sie mich um meinen erſten Brief, um ihn in eine Sammlung von Auto⸗ graphen ausgezeichneter Senatoren einbinden zu laſſen; eines Tages wird er um hohen Preis verkauft werden. Ihr gehorſamſter Diener, Herr Maltravers! Wie wer⸗ den wir bei unſeren politiſchen Flauſen ins Fäuſtchen lachen, wenn Sie und ich, die beſten Freunde, auf feindlichen Bänken im Parlament ſitzen! Warum, Laby Florence, haben Sie mich nicht Ihrem italieniſchen Liebling vorgeſtellt? Allons! im Alfieri bin ich ihm gewachſen, bei welchem er natürlich ſchwört, und deſſen Verſe, beiläufig geſagt, aus Buchsbaumholz geſchnitzelt ſcheinen, dem härteſten Material, um die Art Maſchinerie daraus zu vrechſeln, worauf irgend eine Erfindung jemals kommen kann.“ Bei den Worten gelang es Ferrers, wie er es auch ſehr ſchlau bedachte, ein Paar zu trennen, welches, wie er ſehr beſorgte, gerade ſo gebildet war, daß es ſich nach dem natürlichen Gange der Dinge begegnen mußte; zu ſeiner großen Freude ent⸗ fernte ſich Maltravers gleich darauf.. Ferrers wurde bald mit Ceſarini durch die glück⸗ liche Leicht obgleich it oder drei! travers hir menten gec kommen d Florence w gewöhnlich ernſter, als wort gab. welche ein verſank Lu Geſpräch ſe er in die 2 lagen, vert „Ach,“ ſprache,„ Schatten d Himmel ſc Nacht; iſt welcher auf „Warut wären Sie „Sie wu der kalte M redete.“ Lady Fl ſagte ſie, u fuhr mit Y weder, noch Bulwer, EFfolge eregt ins Winkel, ſehr be⸗ nit Ernſt und bot ie Hand. wünſchen meinen on Auto⸗ laſſen; werden. Wie wer⸗ Fäuſtchen nde, auf m, Lady ieniſchen ich ihm rt, und aumholz um die f irgend ie er es trennen, gebilbet nge der ude ent⸗ e glück⸗ 177 liche Leichtigkeit vertraut, welche ſeinem gefälligen, obgleich intriguirenden Charakter eigen war; zwei oder drei herabſetzende Ausdrücke, die er über Mal⸗ travers hinwarf, mit einigen übertriebenen Compli⸗ menten gegen den Italiener verbunden, gewann voll⸗ kommen das Herz des Dichters. Die glänzende Florence war ſchweigender und herabgeſtimmter wie gewöhnlich; ihre Stimme war ſanfter, wenn auch ernſter, als ſie den beredten Worten Caſtruccio's Ant⸗ wort gab. Caſtruccio gehörte zu den Männern, welche eine gute Converſation führen. Allmählig verſank Lumley in Schweigen und horchte auf das Geſpräch ſeiner Couſine und ves Italieners, während er in die Anſichten des Rheins, die auf dem Tiſche lagen, vertieft zu ſein ſchien. „Ach,“ ſagte der Letztere in ſeiner ſanften Mutter⸗ ſprache,„könnten Sie doch wiſſen, wie ich jeden Schatten des Antlitzes überwache, welches meinen Himmel ſchafft! Iſt es umwölkt, ſo umringt mich Nacht; iſt es ſtrahlend, ſo gleiche ich dem Perſer, welcher auf die Sonne blickt.“ „Warum reden Sie zu mir in ſolcher Weiſe? wären Sie kein Dichter, ſo würde ich zornig.“ „Sie wurden nicht zornig, als der engliſche Dichter, der kalte Maltravers vielleicht eben ſo kühn mit Ihnen redete.“ Lady Florence erhob ſtolz ihr Haupt.„Signor,“ ſagte ſie, unterdrückte jedoch ihre ernſte Regung und fuhr mit Milde fort:„Herr Maltravers ſchmeichelt weder, noch„ Bulwer, Maltravers. II. 12 178 „Iſt er anmaßend, wollten Sie ſagen,“ unter⸗ brach ſie Ceſarini, indem er mit den Zähnen knirſchte; einſt zeigten Sie ſich weniger kalt bei den Außerungen meiner tiefen Anbetung.“ „Niemals, Signor Ceſarini, ausgenommen, wenn ich glaubte, dies ſei die gewöhnliche Galanterie ihrer Na⸗ tivn. Laſſen Sie noch jetzt mich dieſe Meinung hegen!“ „Nein, ſtolze Dame!“ ſagte Ceſarini trotzig, „nein, hören Sie die Wahrheit.“ Lady Florence ſtand unwillig auf. „Hören Sie mich an,“ fuhr er fort,„ich, ich, der arme Fremde, der verachtete Sänger, wage meine Blicke zu Ihnen zu erheben!“ Niemals hatte Florence Laseelles ſolche Demü⸗ thigung und Arger empfunden. Wie ſehr ſie auch mit Ceſarini's Eitelkeit geſpielt haben mochte, ſo hatte ſie ihm nach ihrer Meinung nie ein Recht gegeben, ſie, die hohe Lady Florence, den Sieges⸗ preis für Herzöge und Fürſten, in dieſer kecken Weiſe anzureden; ſie hielt ihn beinahe für wahnſinnig; im nächſten Augenblick aber erinnerte ſie ſich an Mal⸗ travers Warnung und hegte die Empfindung, als habe ihre Strafe begonnen. „Herr, wenn wir uns wieder treffen, werden Sie mit mehr Ruhe denken und reden;“ mit den Worten eilte ſie fort. Ceſarini blieb feſt gewurzelt auf dem Platze; ſeine dunkeln Züge zeigten den Ausdruck von Leidenſchaften, wie man ſie ſelten im Antlitz eiviliſirter Menſchen erblickt. „Wo die ſchmei „laſſen Si gehen, d. h. Ceſarit Ferrers fo kommen C der Italier einige Au es war eit Ferrers:„ Sie haber ſonderbarer von den R Jederm leben, bek Veitter ein Bewerber! viele mitte keinen geſt ſehr natür ſo ſehr be ein lebhaft ſollte; er« der Schlag ſtets war ſ mir redete erklärt und „Habe ſichtlich 3 unter⸗ ürſchte; erungen n, wenn rer Na⸗ hegen!“ trotzig, ich, der e meine Demü⸗ ſie auch chte, ſo n Recht Sieges⸗ en Weiſe mig; im in Mal⸗ ng, als werden mit den tze; ſeine ſchaften, Menſchen — 179 „Wo wohnen Sie, Signor Ceſarini?“ fragte die ſchmeichelnde, vertraute Stimme von Ferrers; „laſſen Sie uns einen Theil des Weges zuſammen gehen, d. h. wenn Sie dieſer heißen Zimmer müde ſind.“ Ceſarini ſeufzte.„Sie ſind nicht wohl,“ fuhr Ferrers fort,„friſche Luft wird Sie wieder herſtellen, kommen Sie.“ Er ſchlüpfte aus dem Zimmer und der Italiener folgte ihm mechaniſch. Beide gingen einige Augenblicke ſchweigend neben einander her; es war eine liebliche, mondhelle Nacht. Zuletzt ſagte Ferrers:„Verzeihen Sie mir, mein theurer Signor, Sie haben wohl ſchon in mir einen freimüthigen, ſonderbaren Geſellen bemerkt; wie ich ſehe, ſind Sie von den Reizen meiner grauſamen Coufine gefangen.“ Jedermann, welcher mit der Welt, worin wir leben, bekannt iſt, hätte bei ſolcher Herzlichkeit beim Vetter einer Erbin gegen einen ſehr unpaſſenden Bewerber Argwohn gefaßt. Ceſarini aber beſaß, wie viele mittelmäßige Dichter, und wie wenige gute, keinen geſunden Menſchenverſtand. Er hielt es für ſehr natürlich, daß ein Mann, welcher ſeine Poeſie ſo ſehr bewunderte, wie Lumley es ihm erklärt hatte, ein lebhaftes Intereſſe an ſeinem Wohl empfinden ſollte; er erwiderte deßhalb mit Wärme:„Ja, Herr, der Schlag iſt furchtbar! ich träumte, ſie liebe mich; ſtets war ſie ſchmeichelhaft und gütig, wenn ſie mit mir redete; in Verſen hatte ich ihr ſchon meine Liebe erklärt und keine Zurückweiſung erfahren.“ „Haben Ihre Verſe wirklich und deutlich und hin⸗ ſichtlich Ihrer eigenen Perſon Liebe ausgeſprochen?“ 180 „Nun, das Gefühl war vielleicht verdeckt, einem erdichteten Charakter in den Mund gelegt, oder in einer Allegorie ausgedrückt.“ „O!“ rief Ferrers aus, indem er es für ſehr wahrſcheinlich hielt, vaß die ſtolze, von tauſend Bar⸗ den beſungene Florenee, etwa nur einen Blick über die Zeilen geworfen hatte, welche dem armen Ceſarini ſo ängſtliche Arbeit gekoſtet und ihm ſo kühne Hoff⸗ nung eingeflößt hatte.„Heute Abend war ſie ſtrenger; la belle Florence iſt eine furchtbare Kokette! viel⸗ leicht aber haben Sie einen Nebenbuhler!“ „Ich empfinde es, ich ſah es, ich weiß es.“ „Wen beargwöhnen Sie?“ „Den verruchten Maltravers; er kömmt mir über⸗ all in den Weg; mein Geiſt ſinkt unter dem ſeinigen, wo wir uns begegnen; ich leſe mein Unglück.“ „Iſt es Maltravers,“ ſagte Ferrers ernſt,„ſo kann die Gefahr nicht groß ſein. Florenece hat ihn nur wenig geſehen und bewundert ihn nicht ſehr; ſie aber iſt eine reiche Partie und er iſt ehrgeizig; wir müſſen uns gegen ihn bei Zeiten ſchützen, Ceſa⸗ rini; erfahren Sie, daß ich Maltravers ebenſo wenig leiden kann, wie Sie; ich will Ihnen mit Freuden in irgend einem Plane helfen, um ſeine Hoffnungen in dem Punkt zu vereiteln.“ „Großmüthiger, edler Freund! er iſt aber reicher und von beſſerer Familie, wie ich.“ „Das mag ſein, indeß alle geringeren Grade des Ranges ſcheinen bei einer Dame von der Lady Flo⸗ rence Stellung ziemlich gleicher Art. Kommen Sie! ich möchte mit einen gleichem 6 gefallen n iſt ſehr r und ſchrei paſſen für meine Cot „Wie „Nun Liebe erkle Können E Lady Flor jemals wi Bewerbun „Ich „Laſſe man mit nen Rath gung, gef Mitleid at Charakter noch als? hören Sie meine Cou heit wird ihr die E die Fortſc hinter Ih eines allt einem oder in ür ſehr d Bar⸗ ck über Feſarini e Hoff⸗ renger; e! viel⸗ s.“ ir über⸗ einigen, 4 4 ſt,„ſo hat ihn t ſehr; rgeizig; Ceſa⸗ ſo wenig Freuden fnungen reicher rade des dy Flo⸗ en Sie! 181 ich möchte nicht ſagen, daß mir eine Verheirathung mit einem Landsmann und mit einem Manne aus gleichem Stande bei weitem lieber wäre; Sie aber gefallen mir und ich verabſcheue Maltravers. Sie iſt ſehr romantiſch, liebt leidenſchaftlich die Poeſie und ſchreibt ſelbſt Verſe, wie ich glaube. Sie gerade paſſen für ſie; aber ach! wie können Sie jetzt noch meine Couſine antreffen?“ „Wie ſo? Was wollen Sie ſagen?“ „Nun, haben Sie ihr heute Abend nicht Ihre Liebe erklärt? Ich glaube es doch gehört zu haben. Können Eie ſich noch einen Augenblick einbilden, daß Lady Florence nach einem ſolchen Geſtändniß Sie jemals wieder empfangen wird, d. h. wenn ſie Ihre Bewerbung zu verwerfen geſonnen iſt?“ „Ich Thor! aber nein, ſie muß, ſie ſoll.“ „Laſſen Sie ſich überreden; hier zu Lande richtet man mit Heftigkeit nichts aus; hören Sie auf mei⸗ nen Rath, ſchreiben Sie eine demüthige Entſchuldi⸗ gung, geſtehen Site Ihren Fehler und rufen Sie ihr Mitleid an; geſtehen Sie, daß Sie auf immer dem Charakter eines Liebhabers entſagen und flehen Sie, noch als Freund erkannt zr werden. Seien Sie ſtill, hören Sie mich an; ich bin älter wie Sie, ich kenne meine Couſine; dies wird ſie reizen, Ihre Beſcheiden⸗ heit wird ſie beſänftigen, während Ihre Kälte bei ihr die Eitelkeit aufregt. Mittlerweile werden Sie die Fortſchritte von Maltravers beobachten; ich will hinter Ihnen ſtehen und wir wollen Beide, um mich eines alltäglichen Ausdrucks zu bedienen, ihn ſchon 182 herunterbringen; alsbann können Sie Ihre Gelegen⸗ heit benutzen, Sie haben dann ja einen von Feinden gereinigten Schauplatz und ein gutes Spiel.“ Ceſarini war zuerſt rebelliſch, zuletzt aber erkannte er die Politik des Rathes. Lumley wollte ihn nicht eher verlaſſen, als bis derſelbe angenommen war. Er führte Caſtruccio in einen Club, diktirte den Brief an Florence und übernahm deſſen Beſorgung. Dies war noch nicht Alles; nach kurzem, nachdenk⸗ lichem Stillſchweigen ſagte Lumley:„Sie müſſen auch an Maltravers ſchreiben.“ „Weßhalb?“ „Ich habe meine Gründe; fragen Sie ihn in offenherziger und freundſchaftlicher Weiſe um ſeine Meinung über Lady Florenee; ſprechen Sie Ihren Glauben aus, daß Sie von ihr geliebt werden, und fragen Sie geradezu, was er von Ihren Ausſichten auf Glück in dieſer Vereinigung hält?“ „Aber weßhalb?“ „Seine Antwort kann von Nutzen ſein,“ erwi⸗ derte Lumley nachdenklich.„Warten Sie, ich will den Brief diktiren.“ Ceſarini ſtaunte und trug Bedenken. In Ferrers Weſen lag aber ein Etwas, welches ſchon eine über⸗ legenheit über den ſchwachen und leidenſchaftlichen Dichter erlangt hatte. Er ſchrieb deßhalb wie Lumley diktirte, begann mit einigen alltäglichen Zweifeln über das Glück der Ehe im Allgemeinen, entſchul⸗ digte ſich über ſeine kürzliche Kälte gegen Mal⸗ travers und fragte ihn im Vertrauen um ſeine Meinung, renee wie Lumlet mit dem f kurz dem Briefes be deutlichen Florence ſolche Aus buhler zei zu Bett, wohl, me zu ſeinem als er in wilde Mä travers g daß ſolch habe ich brauche. Caſſio we ihn Jago und hätte würde er nigſtens Blaß nach ein Wohnun war jetzt lichſte N elegen⸗ Feinden . rkannte nicht n war. rte den orgung. achdenk⸗ müſſen ihn in n ſeine e Ihren en, und usſichten *erwi⸗ will den Ferrers ne über⸗ aftlichen Lumley Zweifeln entſchul⸗ en Mal⸗ m ſeine Meinung, ſowohl über den Charakter der Lady Flo⸗ renee wie über ſeine eigenen Ausſichten auf Erfolg. Lumley verſiegelte dieſen Brief und ſchickte ihn mit dem früheren an die Adreſſe; alsdann ſagte er kurz dem Ceſarini:„Sie ſehen, der Zweck dieſes Briefes beſteht darin, daß man Maltravers zu einem deutlichen und ehrlichen Geſtändniß, er könne Lady Florence nicht leiden, verlockt; ſpäter können wir ſolche Ausdrücke benutzen, wenn er ſich als Neben⸗ buhler zeigen ſollte. Jetzt gehen Sie nach Haus und zu Bett, Sie ſehen erſchöpft aus. Schlafen Sie wohl, mein neuer Freund.“ „Schon lange habe ich geahnet,“ ſprach Lumley zu ſeinem einzigen Rathgeber, ſein geliebtes Selbſt⸗ als er in ſeine Wohnung heimkehrte,„daß dieſes wilde Mädchen eine romantiſche Neigung zu Mal⸗ travers gefaßt hat. Ich kann jedoch leicht verhindern, daß ſolch ein Vorfall zum Unglück reift. Mittlerweile habe ich mir ein Werkzeug verſchafft, wenn ich eins brauche. Bei Jupiter, welch ein Eſel iſt der Poet. Caſſiv war aber auch ein Eſel und dennoch brauchte ihn Jagv. Wäre Jagv in unſern Tagen geboren und hätte er ſeine alberne Rachſucht aufgegeben, ſo würde er ein trefflicher Mann geworden ſein, we⸗ nigſtens Premierminiſter!“ Blaß, abgemagert, erſchöpft, gelangte Ceſarini nach einem langen Wege endlich zu ſeiner elenden Wohnung in der Vorſtadt Chelſea. Sein Vermögen war jetzt verſchwendet— verſchwendet, um die ärm⸗ lichſte Nahrung einer gierigen und thörichten Eitel⸗ 184 keit zu reichen, damit deſſen Eigenthümer dasjenige zu ſein ſcheine, wozu ihn die Natur nie beſtimmte — ein eleganter Lothario, ein zierlicher Mann des Vergnügens, ein Troubadour des neueren Lebens!— verſchwendet in Pferden und Juweilen und ſchönen Kleidern, und im Spiel und in der Herausgabe von Gedichten, die auf Velinpapier gedruckt und mit ver⸗ goldeten Zierrathen im Einbande nicht verkauft wur⸗ den— verſchwendet, demit er nicht größer, aber mehr in der Mode wie Ernſt Maltravers ſein könnte! Dies iſt dos gewöhnliche Geſchick der armen Aben⸗ teurer, welche ihren Ruhm auf Boudoirs und Sa⸗ lons beſchränken. Es iſt einerlei, ob ſie Dichter oder Stutzer, reiche Emporkömmlinge oder ariſtokratiſche jüngere Söhne find; ſie beweiſen fämmtlich die Wahr⸗ heit des Sprüchwortes, daß der falſche Pfad zum Ruhm mit den Trümmern des Friedens, des Ver⸗ mögens, des Glückes und zu oft auch der Ehre be⸗ ſtreut iſt. Und dennoch hatte dieſer arme junge Mann es gewagt, nach der Florenee Lascelles zu ſtreben! Er hegte die gewöhnliche Meinung rer Fremden, daß engliſche Mädchen aus Liebe heirathen und ſehr ro⸗ mantiſch ſind; daß Erbinnen auf unſerer Inſel in eben ſolcher Menge wie Brombeeren wachſen; auch war ſeine Eitelkeit ſo verzogen worden, daß ſie jetzt jede Fiber ſeines geiſtigen und moraliſchen Syſtems durchdrungen hatte. Ceſarini ſah ſich vorſichtig um, als er an ſeine Hausthür kam; er bildete ſich nämlich ein, daß die Leute ſogar in dieſem Stadtviertel ver niedrigen Volks⸗ klaſſe begie Poeten zu Wohnung, nicht zum Adreſſe im er ſich um gehüllte Ge volkreichere ſtalt aber Ceſarini be Am nächſte ſeiner Thü doch kein 6 hielt. Ceſ nicht; ſein nem Mang Schweſter( de Montai muthungen. bei Seite, Seelenadel! Noth hat k Ceſarini Fe wort. Lun Gefühl vor Florence zu Italiener z er werde ſi Dies geſcha Lumley vor zjenige timmte an des ns!— chönen e n it ver⸗ twur⸗ aber önnte! Aben⸗ d Sa⸗ r oder atiſche Wahr⸗ m Ver⸗ re be⸗ Mann eben! „daß r r⸗ ſel in auch ie jetzt ſtems ſeine ß die Bolks⸗ klaſſe begierig ſein könnten, einen Blick des berühmten Poeten zu erhaſchen; er verheimlichte Allen ſeine Wohnung, verſpeiste ein rundes Brödchen, wenn er nicht zum Mittageſſen eingeladen war, und ließ ſeine Adreſſe im Club der Reiſenden; wie ich ſagte, ſah er ſich um und bemerkte eine ſchlanke, in einen Mantel gehüllte Geſtalt, die ihm aus einem entfernteren und volkreicheren Theile der Stadt gefolgt war. Die Ge⸗ ſtalt aber wandte ſich um und verſchwand ſogleich. Ceſarini begab ſich auf ſein Zimmer im zweiten Stock. Am nächſten Tage gab ein Bote gegen Mittag an ſeiner Thür einen Brief ab, welcher 100 Pfd., je⸗ doch kein Schreiben, ſondern nur eine Adreſſe ent⸗ hielt. Ceſarini kannte die Handſchrift der letzteren nicht; ſein Stolz war tief verwundet; bei allem ſei⸗ nem Mangel hatte er ſich nicht einmal an ſeine Schweſter gewandt. Konnte das Geld von ihr, von de Montaigne geſchickt ſein? Er verlor ſich in Ver⸗ muthungen. Er legte auf einige Tage die Summe bei Seite, denn er, der arme Dichter, beſaß einigen Seelenadel! Die Rechnungen aber drängten, und Noth hat kein Gebot. Zwei Tage ſpäter überbrachte Ceſarini Ferrers die von Maltravers erhaltene Ant⸗ wort. Lumley hatte richtig vorhergeſehen, das hohe Gefühl von Ernſt werde durch die Koketterie der Florence zum Unwillen aufgeregt werden, daß ſie den Italiener zu unerreichbaren Hoffnungen verleitete; er werde ſich mit Offenheit und Wärme ausſprechen. Dies geſchah allerdings, ollein mit mehr Milde, wie Lumley voraus geſagt hatte. 186 „Der Brief iſt nicht gerade ſo, wie wir ihn brauchen,“ ſagte Ferrers, nachdem er ihn zweimal geleſen hatte;„er kann uns aber immer noch eine gute Karte bleiben.“ Bei den Worten verſchloß er den Brief in ſeinen Pult, und Ceſarini vergaß bald, daß derſelbe vor⸗ handen ſei. Fünftes Kapitel. Als ein Phantom nur zum Entzücken, Erſtrahlte ſie vor meinen Blicken; Nur als Erſcheinung mir geſendet, Die Augenblicken Zierde ſpendet. Wordsworth. Maltravers ſah Lady Florenee einige Wochen lang nicht wieder; mittlerweile war Lumley Ferrers im Par⸗ lament aufgetreten; indem er ſeinen Plan, nach über⸗ legtem Syſtem zu handeln, ſtreng befolgte und durch⸗ aus nicht geneigt war, ſeine Gaben zu überſchätzen, machte er nicht, wie die meiſten vielverſprechenden jungen Mitglieder, den gewagten Verſuch einer erſten langen Rede. Er beſaß keine Beredſamkeit, obgleich er keck und fließend ſprach und ſtets zu reden bereit war; er wußte, daß Redner, welche als ſchweres Geſchütz einer Partei gelten, bei großen Angelegen⸗ heiten, wo man große Reden braucht, ſelbſt gerne Feuer geben wollen. Auch ſcheiterte er nicht am ent⸗ gegengeſetzten Felſen der vielverſprechenden jungen Männer, welche ſich wie Blutegel an das Geſchäfſt des Hauſes hängen und an Einzelnheiten klauben, wo man dann langweilig werthes th muthig, n guter Lau ſtets gebra mußte, w er mit ſo Verletzung Er ward! mentariſche welche am ken des H eigentliche Maltraver der Letzter Grundſätze cher Ernſt den Zeitu klaren W Geſellſchaf leriſchen A ihm nicht halb Wille Er hielt e wo möglick muthlichen Verwanbte können. ſomit hielt wir ihn zweimal och eine n ſeinen lbe vor⸗ tzücken, en; det, et. worth. chen lang s im Par⸗ ach über⸗ nd durch⸗ erſchätzen, wechenden ner erſten „obgleich den bereit ſchweres lngelegen⸗ bſt gerne tam ent⸗ en jengen s Geſchäft auben, wy 187 man dann als Dank für die Arbeit ſie gewöhnlich für langweilige Menſchen erklärt, die nichts Bemerkens⸗ werthes thun können. Er ſprach aber häufig, kurz, muthig, mit einer ſtarken Beimiſchung perſönlicher guter Laune. Er war der Mann, den ein Miniſter ſtets gebrauchen konnte, wenn etwas geſagt werden mußte, was Andere nicht ſagen wollten; dann trat er mit ſo freimüthiger Keckheit auf, daß jede etwaige Verletzung des guten Geſchmackes überſehen wurde. Er ward bald ein beliebter Redner bei ſeiner parla⸗ mentariſchen Clique; vorzüglich bei denjenigen Herren, welche am Schluſſe der Verhandlung an den Schran⸗ ken des Hauſes einander drängen, aber niemals die eigentliche Debatte hören wollen. Zwiſchen ihm und Maltravers war jetzt eine ſichtbare Kälte vorhanden; der Letztere betrachtete ſeinen alten Freund(deſſen Grundſätze früher ſogar republikaniſch waren und wel⸗ cher Ernſt oft anzuklagen pflegte, daß er ſich nach den Zeitumſtänden richte und die Anwendung von klaren Wahrheiten auf den künſtlichen Zuſtand der Geſellſchaft zurückweiſe), als einen kalten und heuch⸗ leriſchen Abenteurer; Ferrers dagegen ſah, daß Ernſt ihm nicht länger nützlich ſein könne, und war deß⸗ halb Willens, eine nutzloſe Bekanntſchaft aufzugeben. Er hielt es ſogar für klug, einen Streit mit ihm wo möglich zu beginnen, weil er dadurch ſeinen ver⸗ muthlichen Nebenbuhler aus dem Hauſe ſeines edlen Verwanbten, des Lord Saxingham, würde entfernen können. Hierzu jedoch zeigte ſich keine Gelegenheit; ſomit hielt Lumley einen Ausfall zweckmäßiger Rauh⸗ 188 heit oder einen bitteren Spott aus dem Stegreife im Rückhalt, wenn er den einen oder anderen jemals brauchen ſollte. Die Saiſon und die Parlementsſeſſion nahte ſich ihrem Ende, als Maltravers eine dringende Einla⸗ dung von Cleveland erhielt, um eine Woche in ſeiner Villa zuzubringen, welche, wie er Ernſt die Ver⸗ ſicherung gab, von angenehmen Leuten gefüllt ſein würde; da nun alles eigentliche Geſchäft für Debatten oder Abſtimmungen vorbei war, war es Maltravers lieb, friſche Luft zu ſchöpfen und einen Wechſel der Geſellſchaft zu verſuchen. Somit ſchickte er ſein Ge⸗ päck und ſeine Lieblingsbücher fort und ritt eines Nach⸗ mittags im Anfange Auguſt nach Temple⸗Grove. über ſeine Erfahrung im öffentlichen Leben war er ſehr unzufrieden und fand ſich auch vielleicht in ſeinen Hoffnungen getäuſcht; bei ſeinen hochgeſpannten und zu viel verlangenden Anſichten hinſichtlich der Mängel anderer mehr hervorragender Männer, befand er ſich auch in ſolcher Stimmung, daß er Tadel hinſichtlich ſeiner Selbſt mit jenen Anſichten verband; er hahe, dachte er, zu oft den Zweifeln und Bedenklichkeiten nachgegeben, welche den ehrlichen und aufrichtigen Staatsmann im Beginn ſeiner Laufbahn bei dem un⸗ ruhigen Wirbel der Politik bedrängen und ſtets die kräftige Wangenröthe, welche der Handlung gebührt, „mit bleichem Schein des Sinnens krankhaft färben.“ Seine Seele öffnete ſich langſam die Bahn zu jenen Schlüſſen, wodurch die höchſten Theoretiker hisweilen zu den beſ er die ſch andern Sta als derſelb zu ehrlich, ziemlicher e Mehre bekannten( die Zeit w zwei Jahre bieſe Briefe und Ermah deklamatori ihm oft vet folge erhöht in ſeiner E Weiſe wurd gierigem S die Schönhe chens auf, auf dem F Ich ſagte, dieſer Ausdr handen gem Anziehungs lichen Wirk derſelbe aug reife im jemals ahte ſich e Einla⸗ in ſeiner die Ver⸗ üllt ſein Debatten altravers echſel der ſein Ge⸗ nes Nach⸗ ove. über rer ſehr in ſeinen unten und er Mängel und er ſich hinſichtlich er hahe, nklichkeiten ufrichtigen ei em n⸗ d ſtets die g gebührt, färben.“ nzu jenen r bisweilen zu den beſten Praktikern werden; vielleicht auch ſah er die ſchöne Ausſicht in der Ferne, welche einem andern Staatsmann aus Schmeichelei dargeboten wurde, als derſelbe ſich beklagte, er ſei zum Parteigetreibe zu ehrlich, nämlich:„er werde ſchon bei Zeiten ein ziemlicher Schuft werden!“ Mehre Wochen lang hatte er von ſeinem un⸗ bekannten Correſpondenten keine Briefe erhalten und die Zeit war bereits vorhanden, daß er dieſe ſchon zwei Jahre lang fortgeſetzte Correſpondenz vermißte; vieſe Briefe hatten durch beredte Miſchung von Klagen und Ermahnungen, düſterer Niedergeſchlagenheit und deklamatoriſchem Enthuſiasmus ſeine trübe Stimmung ihm oft verſüßt und ſeine Freude über errungene Er⸗ folge erhöht. Als er die hiermit verknüpften Gedanken in ſeiner Seele herumtrug(auf die eine oder andere Weiſe wurden ſeine ehrgeizigen Träumereien mit neu⸗ gierigem Sinnen über jene Dame gemiſcht) fiel ihm die Schönheit eines kleinen, ungefähr elfjährigen Mäd⸗ chens auf, welches mit einer weiblichen Begleiterin auf dem Fußpfade an der Landſtraße umherſpazierte. Ich ſagte, daß ihm deſſen Schönheit auffiel, indeß dieſer Ausdruck iſt nicht ganz der richtige; der Zauber des Geſichtes zog weit mehr den Blick von Maltra⸗ vers auf ſich, wie die Vollkommenheit der Züge— ein Zauber, welcher vielleicht für Andere nicht vor⸗ handen geweſen wäre, der aber eine unausſprechbare Anziehungskraft auf ihn äußerte und von der gewöhn⸗ lichen Wirkung bloßer Schönheit ſo entfernt war, daß derſelbe auch eine Saite in ſeinem Herzen hätte be⸗ rühren müſſen, wäre er mit gewöhnlichen Zügen oder mit einer blütenloſen Wange verbunden geweſen. Dieſer Zauber lag in einer wunderbaren Unſchuld und taubengleichen Sanftmuth des Ausdrucks. Wir Alle bilden uns ein Schönheitsideal des lieblichen We⸗ ſens, das wir als irdiſche Begleiterin erſtreben und meſſen unſere Bewunderung lebender Geſtalten etwas launenhaft nach jenem Ideal der Schönheit ab, je⸗ mehr oder weniger daſſelbe verkörpert oder annähe⸗ rungsweiſe dargeſtellt erſcheint. Eine Schönheit der⸗ jenigen Art, welche mit dem Treiben unſerer Phantaſie nicht übereinſtimmt, mag die kalte Huldigung unſeres urtheils gewinnen, während ein Blick, ein Zug, ein Etwas, welches elne Viſivn unſeres Knabenalters als wirklich hinaufbeſchwört und ſogar in Entfernung dem in uns getragenen Bilde ſich annähert, eine unſern Blicken eigenthümliche Lieblichkeit beſitzt und eine Regung weckt, die beinah dem Gevächtniß an⸗ zugehören ſcheint. Ein ſolches Gefühl hegten Plato⸗ niker bei ihren wilden Phantaſien, daß die auf der Erde ſich anziehenden Seelen in früherem Sein und in göttlicher Sphäre vereint geweſen wären. In dem jugendlichen Antlitz, welches Ernſt anblickte, lag ge⸗ rade die unausſprechliche Harmonie mit ſeinen vorher⸗ gefaßten Vorſtellungen des Schönen. Manche nächt⸗ liche und mittägliche Träumerei war in jenen milden und lächelnden Augen vom tiefſten Blau verwirklicht, in jener offenen Breite der Stirn, mit leicht gezeich⸗ neten Braunen, in der Naſe, welche nicht in der ſcharfen und reinen Symmetrie gebildet war, die im Marmor ſ Blut gewö rakter erth zarteren G in der rein ſchen Forn geringſt mö in einer niedlichere ertheilte, w zu lächeln keit, ſonder borenen hei Ausdruck in Maltravers dernden En Rafael ode trachten, u Das Kind offenbare, 1 empfinden, gegnete den und beredt d ohne allen dem ſchnell⸗ den hellen ſ Nacken von Nun er kleinen Geg Abenteuer, en der eweſen. nſchuld Wir en We⸗ en und etwas b, je⸗ annähe⸗ eit der⸗ hantaſie unſeres ug, ein lters als fernung rt, eeine ſitzt und tniß an⸗ Plato⸗ auf der ein und In dem lag ge⸗ tvorher⸗ e mächt⸗ en milden wirklicht, t gezeich⸗ t in der r, die im 194 Marmor ſo lieblich ausſieht, aber dem Fleiſch und Blut gewöhnlich einen entſchiedenen und harten Cha⸗ rakter ertheilt, welcher mehr dem ernſteren wie dem zarteren Geſchlecht geziemt— nein, ſie war weder in der reinen griechiſchen, noch in der reinen römi⸗ ſchen Form gebildet, ſondern klein, zart, mit der geringſt möglichen Neigung nach oben, die ſich allein in einer Haltung des Kopfes entdecken ließ und eine niedlichere Schlauheit den ſüßen, biegſamen Lippen ertheilte, welche unbewußt in der Lieblichkeit der Ruhe zu lächeln ſchienen, nicht im Schwindel der Munter⸗ keit, ſondern vielmehr aus einer glücklichen, ange⸗ borenen heiteren Stimmung. Von ſolcher Art war der Ausdruck im Antlitz dieſes ſchönen Kindes, dem ſich Maltravers hinwandte, das er mit jener Art bewun⸗ dernden Entzückens, womit wir eine Inngfrau von Rafael oder eine Abendlandſchaft von Claude be⸗ trachten, unwillkürlich und achtungsvoll anſchaute. Das Kind ſchien keine vorzeitliche Koketterie über die offenbare, wenn auch achtungsvolle Bewunderung zu empfinden, deren Gegenſtand ſie war. Ihr Blick be⸗ gegnete den auf fle gerichteten Augen, ſo glänzend und beredt dieſe auch waren, mit furchtloſem Ausdruck ohne allen Argwohn und zeigte ihrer Gefährtin mit dem ſchnellen und ungehemmten Antrieb eines Kindes den hellen ſchwarzen Glanz, den gewölbten und hohen Nacken von Ernſt's ſchönem Araberpferde. Nun ereignete ſich zwiſchen Maltravers und dem kleinen Gegenſtand ſeiner Bewunderung ein kleines Abenteuer, welches vielleicht dazu diente, dies kurze Zuſammentreffen mit einem Fremden in der Erinne⸗ rung des Mädchens zu befeſtigen; ſie erinnerte ſich nämlich noch nach Jahren der umſtände des Aben⸗ teuers und der Züge von Maltravers. Sie trug einen jener großen Strohhüte, welche Kindern ſo ſchön ſte⸗ hen, und die Hitze des Tages hatte ſie veranlaßt, das Band, welches denſelben feſthielt, zu löſen. Ein Wind erhob ſich als die Gegend durch eine Oeffnung des Weges offener wurde, und wehte plötzlich den Hut vom Kopfe weg⸗ faſt unter die Hufe von Ernſt's Pferde. Das Kind ſprang vorwärts, um den Hut wieder zu holen; ihr Fuß ſchlüpfte den etwas ſteilen Abhang an der Landſtraße hinab; ſie ſtieß einen leiſen Ruf des Schmerzes aus. Abzuſteigen, den Hut zu fangen und dem Kinve zurückzugeben, war bei Ernſt das Werk eines Augenblicks; das arme Mädchen hatte ſich die Ferſe verrenkt und ſtützte ſich auf ihre Kinds⸗ magd. Als ſie aber die Angſt und beinah den Schrecken auf dem Antlitz des Fremden ſah(ihr Schmerzensruf hatte dieſem im eigentlichen Sinne des Wortes das Herz durchdrungen— ſo ſehr hatte ſie ſeine Theil⸗ nahme erregt, ohne daß er ſich über ſeine Regung Rechenſchaft geben konnte), gewann ſie Selbſtbeherr⸗ ſchung durch eine in ihren Jahren nicht gewöhnliche Kraftäußerung und gab ihm mit erzwungenem Lä⸗ cheln die Verſicherung, ſie habe keinen großen Schaden erlangt— es ſei nichts, ſie ſei gleich zu Hauſe. „O, Miß,“ ſagte die Dienerin,„gewiß befinden Sie ſich ſehr ſchlecht; o Gott, wie böſe wird der Herr ſein! Es war nicht meine Schuld, nicht wahr, Herr?“ „O fürchten ſchmälen zu tragen, ſamkeit ve war. Me denn ſie k Schrecken nerzensruf zortes das ine Theil⸗ ne Regung Abſtbeherr⸗ gewöhnliche igenem Lů⸗ en Schaden Hauſe. viß befinden rd der Herr hr, Herrt“ „O nein, es war nicht Ihre Schuld, Margarethe, fürchten Sie ſich nicht; Papa wird nicht mit Ihnen ſchmälen; auch befinde ich mich jetzt weit beſſer.“ Bei den Worten verſuchte ſie zu gehen, allein die Anſtrengung war vergeblich, ſie wurde bläſſer und ihre Thränen floſſen die Wange hinab, obgleich fie einen Schrei zu unterdrücken ſtrebte. Sonderbarerweiſe hatte Maltravers nie eine ſtär⸗ kere Rührung empfunden; Thränen ſtanden ihm in den Augen; er wünſchte das Mäbchen auf dem Arm zu tragen, allein eine ſonderbare Art nervöſer Furcht⸗ ſamkeit verbot ihm dies, obgleich es noch ein Kind war. Margarethe vielleicht erwartete es von ihm, denn ſie blickte ihm ſcharf ins Geſicht, hevor ſie eine Bürde übernahm, der ſie als kleine, leicht ge⸗ wachſene Perſon durchaus nicht gewachſen war. Nach einer Pauſe nahm fle jedoch das Kind auf den Arm, welches, ſeiner Thränen ſich ſchämend und beinahe von Schmerz überwältigt, den Kopf an den Buſen der Magd drückte. Maltravers ging daneben, wäh⸗ rend ſein gelehriges und gut zugerittenes Pferd in der Entfernung folgte, dann und wann mit den Vor⸗ derfüßen an dem Abhange kratzte und einen Mund voll Blätter von der Hecke riß. „O, Margarethe,“ ſagte die kleine Dulderin,„ich kann den Schmerz nicht ertragen.“ Maltravers hemerkte, daß Margarethe den ge⸗ lähmten Fuß lange Zeit ohne Stütze hatte herunter⸗ hängen laſſen, ſo daß der Schmerz wirklich kaum er⸗ 13 Vulwer, Maltravers. IM. träglich ſein mußte. Er konnte ſich nicht länger zu⸗ rückhalten. „Sie ſind nicht ſtark genug, das Kind zu tragen,“ ſagte er ſcharf zur Dienerin; im nächſten Augenblick lag daſſelbe in ſeinen Armen. Er trug es mit ängſt⸗ licher Zärtlichkeit und fühlte ſich glücklich, wenn ſie ihm ihr Geſicht zuwandte und lächelte, und wenn ſie ihm ſagte, jetzt fühle ſie kaum noch den Schmerz. Wenn es möglich wäre, ſich in ein Kind von elf Jahren zu verlieben, ſo war dies jetzt beinah mit Maltravers der Fall. Seine Pulſe zitterten, als er ihren reinen Athem auf ſeiner Wange empfand, als hr reiches, ſchönes Haar vom Winde über ſeine Lippen geweht wurde. Er milderte ſeine Stimme zum Ge⸗ flüſter, als er alle beſänftigenden und tröſtenden Aus⸗ vrücke vorbrachte, welche den kinderfreundlichen Leuten natürliche Beredſamkeit ertheilen und Ernſt Maltra⸗ vers war der Abgott der Kinder; er verſtand ſie und ſympathetifirte mit ihnen; er ſelbſt hatte unter der rauhen und kalten Hülle ſeiner ſtolzen Zurückhaltung viel Kindliches. Zuletzt kamen ſie an die Portier⸗ wohnung eines Landhauſes und Margarethe ſchien nach ihren eifrigen Fragen, ob Herr und Madame zu Hauſe ſei, über die Nachricht entzückt, daß dieſes nicht der Fall war. Ernſt jedoch beſtand darauf, das Kind über den Raſenplatz zum Hauſe zu tragen⸗ welches, wie die meiſten Villen bei den Vorſtädten, nur einen Steinwurf von der Portierwohnung ent⸗ — fernt war. Als er nun das beſtimmteſte Verſprechen erlangt hatte, man werde ſogleich für ärztliche Hülfe ſorgen, daß er zimmer und gal weitem ſie küſſer zuletzt vo ben, nic Würde, war offe Rückſicht. auf die ſeiner D das Kind Empfindu welchem halb geſch der Zärtli lichkeit/ei „Kön travers, ger zu⸗ ragen,“ en Lenten Maltra⸗ nd ſie und unter der ückhaltung e Portier⸗ the ſchien Madame daß dieſes arauf, das zu tragen⸗ Borſtädten, nung ent⸗ Berſprechen tliche Hülfe ſorgen, war er genöthigt, ſich damit zu begnügen, daß er die kleine Kranke auf ein Sopha im Beſuch⸗ zimmer hinlegte; ſie dankte ihm auf ſo nette Weiſe und gab ihm die Verſicherung, ſie befinde ſich bei weitem beſſer, daß er alles hingegeben haben würde, ſie küſſen zu dürfen. Das Mädchen hatte ihn dadurch zuletzt vollkommen eingenommen, daß es die gewöhn⸗ liche Unart der Kinder, einen Schmerz zu übertrei⸗ ben, nicht theilte, um ſo die Wichtigkeit und die Würde, bemitleidet zu werden, zu erlangen— ſie war offenbar nicht ſelbſtſüchtig und nahm auf Andre Rückſicht. Er küßte das kleine Mädchen, aber nur auf die Hand und kein Cavalier küßte jemals vie Hand ſeiner Dame mit größerer Achtung. Da erröthete das Kind zum erſtenmal und hegte zum erſtenmal eine Empfindung, als werde einſt ein Tag kommen, an welchem es nicht länger ein Kind ſein würde. Weß⸗ halb geſchah dies 2— vielleicht weil das erſte Zeichen der Zärtlichkeit, welche Achtung, aber nicht Vertrau⸗ lichkeit einflößt, einen Abſchnitt im Lehen bildet. „Könnte ich mich jemals verlieben,“ dachte Mal⸗ travers, als er auf der Landſtraße weiter ritt,„ſo würde es hei dieſem ausgezeichneten Kinde der Fall ſein. Mein Gefühl kommt dem der Liebe beim erſten Anblick näher als irgend eine Regung, welche die Schönheit in mir jemals erweckte. Aliee— Valerie* — nein; beim erſten Anblick Beider war es nicht der Fall— aber was iſt das für eine Thorheit! ein elfiähriges Kind und ich den Dreißig nahe!“ So thöricht dies auch ſein mochte, ſchwebte das 196 Bilb des kleinen Mädchens mehre Tage lang Mal⸗ travers vor Augen, his der Wechſel der Ereigniſſe, die Zerſtreuungen der Geſellſchaft, die ernſten Gedan⸗ ken des Mannesalters und vor Allem eine Reihe auf⸗ regender Umſtände, die jetzt erzählt werden ſollen, den ſonderbaren und höchſt lieblichen Eindruck ver⸗ wiſchten. Er hatte jedoch erfahren, daß die Villa, wo das Kind zu Hauſe war, Herrn Templeton ge⸗ hörte Er ſchrieb an Ferrers, erzählte den Vorfall und erkundigte ſich nach der kleinen Kranken. Jeuer Herr antwortete ihm zur gehörigen Zeit, das Kind ſei wieder hergeſtellt und mit Herrn und Frau Tem⸗ pleton nach Brigthon abgereist, um Wechſel der Luft und Seebäder zu gebrauchen. Cleve Leuten, dieſen be alte Man zu jung den Wun zu verſchi Regung alten Gef mäßigſte, die Vernu Leidenſcha kannte er des häusli Mal⸗ igniſſe, Gedan⸗ he auf⸗ ſollen, ick ver⸗ Villa, ton ge⸗ Vorfall Jener s Kind Tem⸗ der Luft Achtes Puch. Dort— naht Pallas, zugleich Kypris auf Unheil bedacht. Eurip. Iph. in Aul. Erſtes Kapitel. Es erſchuf der Berkehr als Nachbarn uns die Be⸗ kanntſchaft Mit den erſten Stufen der Liebe. Ovid. Clevelands Villa war gefüllt, und zwar von ſolchen Leuten, die man gewöhnlich angenehm nennt. Unter dieſen befand ſich Lady Florence Lascelles. Der kluge alte Mann hatte Maltravers ſtets gerathen, ſich nicht zu jung zu verheirathen; eben ſo wenig hegte er aber den Wunſch, dieſen wichtigen Lehensſchritt ſo lange zu verſchieben, bis alle Blüte des Herzens und der Regung vorüber wären. Er war der Meinung der alten Geſetzgeber, vas dreißigſte Jahr ſei das zweck⸗ mäßigſte, um in die Ehe zu treten, bei deren Wahl die Vernunft des Mannesalters ſich vielleicht mit der Leidenſchaft der Jugens verbinden ließe. Ferner er⸗ kannte er, daß nur wenig Männer für die Genüſſe des häuslichen Lebens empfänglicher waren, wie Mal⸗ travers. Auch hatte er lange gedacht, daß keine Dame geeigneter wäre mit Ernſts Anſichten übereinzuſtimmen und ſeinen beſonderen Charakter zu ſchätzen, als die hochbegabte und glänzende Floreng Lascelles. Cleve⸗ land betrachtete mit Nachſicht ihre mannigfachen Son⸗ derbarkeiten des Denkens und Benehmens; er war der Meinung, dieſe würden ſchnell unter dem Einfluß der Liebe hinwegſchmelzen, welche ſtets eine ſo große Veränderung an Frauen hervorbringt, und welche ſtark und heftig gefühlt, ſogar die hartnäckigſten weiblichen Charaktere zur Nachgiebigkeit oder Ahnlichkeit mit den Gefühlen und Gewohnheiten ihres Geliebten umbildet. Die ſtattliche Selbſtbeherrſchung des Maltravers war nach ſeiner Meinung gerade diejenige Eigenſchaft, welche Männern eine hewußtloſe Herrſchaft über die Gedanken einer Frau ertheilt, deren Neigung dieſe gewinnen; andererſeits hoffte er, die Phantaſie und der Enthuſtasmus der Florenee würde dahin zielen, einen Ehrgeiz ſchärfer und praktiſcher zu bilden, der dem nüchternen Weltmann zu wähleriſch hinſichtlich der Mittel und der Zwecke weltlicher Auszeichnung zu ſein ſchien. Außerdem war Cleveland ein Mann, welcher die Vortheile des Reichthums und der Stellung durchaus zu ſchätzen wußte; der Rang und die Mitgift der Florence war von ſolcher Art, daß Maltravers da⸗ durch in eine geſellige Stellung kommen würde, welche nothwendig neue Forderungen an ſolche Talente erheben mußte, die ſich nach Clevelands Meinung eher zum Befehl als zum Dienſte eigneten. In Ferrers erkannte er einen Mann, der zur Staatsgewalt kommen mußte; in Ma wenn haben erweckt travers land de hohen( ſich kein ſelbſt de geben. heiten i der beid geeignet keine Ze geeignet ſogar di Dame immen als die Cleve⸗ n Son⸗ er war Einfluß ſo große che ſtark eiblichen mit den mbildet. altravers enſchaft, über die ung dieſe taſie und in zielen, lden, der inſichtlich chnung zu m, welcher durchaus litgift der ravers da⸗ ede, welche nte erhehen eher zum rs erkannte nen mußte; in Maltravers dagegen einen ſolchen, der die Gewalt, wenn er ſie jemals erlangen ſollte, mit Würde hand⸗ haben und zu großen Zwecken üben würde. Deßhalb erweckte etwas Höheres wie die bloße Gier des Mal⸗ travers, gemeinen Vortheil zu befördern, bei Cleve⸗„ land den Wunſch, ihm das Herz und die Hand der hohen Erbin zu ſichern; nach ſeiner Meinung konnten ſich keine Hinderniſſe im Willen der Lady Florence ſelbſt darbieten, mochten vielleicht auch andere ſich er⸗ geben. Er beſchloß jedoch klugerweiſe, die Angelegen⸗ heiten ihrem natürlichen Laufe zu überlaſſen. Keinem der beiden Theile gab er einen Wink. Kein Ort iſt geeigneter, um ſich zu verlieben, wie ein großer Landſitz, keine Zeit bei hochgeborenen Müßiggängern wehr dazu geeignet, als der Schluß einer Londoner Saiſon, wenn ſogar die Kälteſten durch kleinliche Sorgen abgemattet und kränkelnd durch hohle Vertraulichkeiten nach den Tönen der Liebe, nach der Aufregung einer rechtlichen Leidenſchaft ſich ſehnen können. Auf die eine oder andere Weiſe traf es ſich, daß Florence und Ernſt nach den erſten zwei Tagen ſtets zuſammen kamen. Sie ritt aus und Maltravers befand ſich an ihrer Seite; ſie fuhren auf dem Fluß ſpazieren und ſaßen auf derſelben Bank in dem dahingleitenden Vergnü⸗ gungsbovt. Des Abends hielten die jüngeren Gäſte mit Hülfe einiger benachbarten Familten öftere Bälle in einem für den Sommer gebauten Pavillon am Speiſezimmer. Ernſt tanzte niemals, Florence nur im Anfang. Als ſie ſich einſt mit Maltravers unterhielt und als ein munterer Tänzer herantrat, um die ihm verſprochene Hand für einen Walzer in Anſpruch zu nehmen, ſchien ihr ein ernſter Wechſel in Ernſts Antlitz aufzufallen. ſ „Walzen Sie niemals?“ ſagte fie, während der Tänzer einen Winkel ſuchte, worin er ſeinen Hut in Sicherheit bringen konnte. „Nein,“ antwortete er,„obgleich mein Walzen nicht unſchicklich ſein würde.“ „Und glauben Sie, daß dies bei meinem der Fall iſt?“ „Verzeihen Sie, das habe ich nicht geſagt.“ „Aber Sie glauben es?“ „Nun, bei näherer überlegung iſt es mir vielleicht lieb, daß Sie walzen.“ „Sie ſprechen geheimnißvoll.“ „Wohlan denn, ich wollte ſagen, daß Sie gerade eine Dame ſind, in die ich mich nie verlieben würde. Ich empfinde, wie die Gefahr ſich vermindert, wenn ich ſehe, daß Sie jede meiner Selbſttäuſchungen zer⸗ ſtören, oder ich ſollte vielmehr ſagen, daß Sie jedes meiner Vorurtheile bekämpfen.“ Lady Florence erröthete; der Tänzer und die Muſik ließen ihr keine Zeit zur Antwort. Nach jenem Abend aber walzte ſie nicht mehr; ſie befand ſich nicht wohl, erklärte, es ſei ihr vom Arzt vorgeſchrieben, nicht zu tanzen, und ſomit wurden die Quadrillen wie der Walzer aufgegeben. Maltravers mußte durch dieſe Rückſicht auf ſeine Meinung gerührt werden und ſich geſchmeichelt finden; Florenee aber richtete es ſo ein, daß fie ſeine Erkennt⸗ lichkeit ausgefu der weg wurde, mit den ſtehen b digen,: Düſterke Antlitz 1 „Me beſorge, wollen. liebenden tiger au machte, Stunde Liebende Als ſterthür empfand verfuhr, drücken; uch zu Antlitz end der Hut in Walzen em der gt. 4 vielleicht ie gerade würde. t wenn gen zer⸗ Sie jedes die Muſik em Abend icht wohl, en, nicht n wie der auf ſeine t finden; Grkennt⸗ lichkeit unterſagte, da ein anderer Beweggrund vafür ausgefunden war. Am zweiten Abend nach demjenigen, der wegen der rauhen Aufrichtigkeit von Ernſt erwähnt wurde, trafen ſich Beide in dem Gewächshauſe, das mit dem Ballzimmer in Verbindung ſtand; als Ernſt ſtehen blieb, um ſich nach ihrer Geſundheit zu erkun⸗ digen, war ihm die verdroſſene und niedergeſchlagene Düſterkeit auffallend, weſche ihre Stimme und ihr Antlitz bei der Erwiderung ausſprach. „Meine theure Lady Florence,“ ſagte er,„ich beſorge, Sie befinden ſich ſchlimmer, als Sie geſtehen wollen. Sie ſollten jene Genüſſe vermeiden; den Sie liebenden Verwandten find Sie es ſchuldig, ſorgfäl⸗ tiger auf Ihre Geſundheit zu achten.“ „Liebende Verwandte,“ ſagte Florenee mit Bitter⸗ keit,„ich habe keine! Sogar mein armer Vater würde eine Woche nach meinem Tode bei keinem miniſieritllen Gaſtmahl ausbleiben. Aber das iſt die Bedingung des öffentlichen Lebens. Sein heißer und brennender Hauch verlöſcht die Lichter jeder geringeren, aber nicht unhei⸗ ligeren Leidenſchaft. Liebende Verwandte! Das Schick⸗ ſal, welches Florence Laseelles zur beneideten Erbin machte, verſagte ihr Brüder und Schweſtern; die Stunde ihrer Geburt entriß ihr die Liebe einer Mutter! Liebende Verwandte? wo ſoll ich die finden?“ Als ſie ſchwieg, wandte fie ſich an die offene Fen⸗ ſterthür und ging in den bedeckten Gang hinaus. Ernſt empfand aus dem Zittern ihrer Stimme, daß fie ſo verfuhr, um ihre Thränen zu verbergen oder zu unter⸗ drücken; dennoch ſagte er, indem er ihr folgte:„Gibt 202 es keine Klaſſe entfernter ſtehender Freunde, deren Theilnahme Lady Florenee Lascelle's ohne Zweifel als ſicher erwirbt, wie ſehr ſie dieſelbe auch verachten mag? Erlauben Sie mir, daß ich mich unter die Demüthigſten derſelben einreihe. Kommen Sie, ich übernehme das Vorrecht eines Rathgebers; die Nacht⸗ luft bietet Ihnen eine Schwelgerei, der Sie ſich nicht hingeben müſſen.“ „Nein, nein! ſie erfriſcht und beſänftigt mich. Sie mißverſtehen mich; ich leide an keiner Krankheit, welche durch die Stille des Himmels und durch ſchla⸗ fende Blumen genährt wird.“ Maltravers war in Florence offenbar nicht ver⸗ liebt; da er aber ſeit Kurzem unter dem unmittel⸗ baren Einfluß ihrer ſeltenen und mannigfachen Gaben, der geiſtigen wie perſönlichen, ſtand, ſo war eine ſtarke und ſogar warme Theilnahme die natürliche Folge. Sogar der Freimuth, womit er ſie anzureden gewöhnt war, und die mannigfachen Verbindungs⸗ glieder zwiſchen ihm und einer von der Natur ſo be⸗ gabten und ſo trefflich ausgebildeten Seele, hatten ſchon eine Bekanntſchaft auf vertrautem Fuße her⸗ vorgerufen. „Ich kann Sie nicht zurückhalten, Lady Florenee,“ ſagte er halblächelnd;„allein mein Gewiſſen erlaubt mir nicht, Ihr Mitſchuldiger zu ſein. Ich werde Zeugniß gegen Sie ablegen und Lord Saxingham auf⸗ ſuchen, um ihn zu Ihnen zu ſchicken.“ Lady Florence, deren Geſicht von ihm abgewandt war, ſchien ihn nicht zu hören; ſie wandte ſich ſchnell um mit liebende allein ö gibt, fü wie als „Lad die mir nah; all dem wir Sein üb er nach ſehr ſelt mich auf wo mich brechen mögen E der Men aber in nicht. W Sie ſich es gibt vom Sc erwacht, Ern Stimme und Sic Romane mich zu — der „deren eifel als erachten nter die Sie, ich Nacht⸗ ich nicht gt mich. ankheit, ch ſchla⸗ cht ver⸗ nmittel⸗ Gaben, ar eine atürliche nzureden ndungs⸗ r ſo be⸗ „hatten ße her⸗ orenee,“ erlaubt h werde m a⸗ gewandt ch ſchnell um mit den Worten:„Herr Maltravers, beſitzen Sie liebende Verwandte? Empfinden Sie, daß es nicht allein öffentliche und Privatneigungen und Pflichten gibt, für die uns das Leben weniger als Eigenthum, wie als anvertrautes Gut übertragen iſt?“ „Lady Florence, nein! Allerdings beſitze ich Manche, die mir nahe ſtehen, und Cleveland ſteht mir ſehr nah; allein das Leben im Leben, das zweite Selbſt, dem wir Recht und Herrſchaft über unſer eigenes Sein übertragen, iſt mir unbekannt. Aber,“ fügte er nach einer Pauſe hinzu,„iſt dieſe Entbehrung ſo ſehr ſelten? Vielleicht iſt ſie eine glückliche. Ich lernte mich auf meine eigene Seele zu ſtützen und nicht ſonſt wo mich nach Binſen umzuſehen, die ein Sturm zer⸗ brechen kann.“ „Dieſe Philoſophie iſt kalt; in der großen Welt mögen Sie deren Weisheit im Lärm und beim Stoß der Menſchen mitſich ſelbſt in Einklang bringen können; aber in der Einſamkeit und allein in der Natur gewiß nicht. Während die Seele nur beſchäftigt iſt, können Sie ſich mit dem Stolze des Stvikers befriedigen; es gibt aber Augenblicke, worin das Herz gleichſam vom Schlafe erwacht, gleichwie ein erſchrecktes Kind erwacht, um ſich allein und im Dunkeln zu fühlen.“ Ernſt ſchwieg und Florenee fuhr in veränderter Stimme fort:„Wir halten ein ſonderbares Geſpräch, und Sie müſſen mich wirklich für ein wildes, von Romanen verdrehtes Mädchen halten, wie es der Welt mich zu nennen beliebt Wenn ich aber lebe— bah! — der Ehrgeiz iſt Weibern verſagt.“ „Wenn eine Dame wie Sie, Lady Florenee, jemals einen Mann lieben ſollte, ſo wird dies ein ſolcher ſein, an deſſen Laufbahn Sie vielleicht die edelſte von allen Arten des Ehrgeizes finden werden, den Ehr⸗ geiz, welchen Frauen allein zu fühlen vermögen— Ehrgeiz um einen Andern.“ „Ach, ich werde niemals lieben,“ ſagte Lady Flo⸗ renee, und ihre Wange wurde blaß, als das Sternen⸗ licht varauf ſchien.„Jedoch,“ fügte ſie ſchnell hinzu, „kann ich wenigſtens das Glück der Freundſchaft kennen lernen“—(bei den Worten trat ſie Maltravers näher und legte mit einnehmendem Freimuth ihm die Hand auf den Arm)—„ſollen wir nicht zu einander in dem Verhältniß ſtehen, als wäre die Liebe, wie Sie ſagen, nichts für die Erde— als würde fie durch Freundſchaft erſetzt?— Es iſt keine Gefahr vorhanden, daß wir uns in einander verlieben. Sie find nicht eitel genug, um dies von mir zu erwarten, und ich bin, wie Sie wiſſen, eine Kokette; laſſen Sie uns einander Freunde und Vertraute ſein, wenigſtens bis Sie ſich verheirathen, oder ich übertrage einem Andern das Recht, mich als Freund zu leiten und meine Ge⸗ heimniſſe vorzugsweiſe zu theilen.“ Maltravers ſtutzte; den Gedanken, welchen Flo⸗ rence vor ihm ausſprach, hatte er einſt mit nicht unähnlichen Worten gegen Valerie geäußert; er küßte die Hand, welche noch auf ſeinem Arme lag, mit den Worten:„Die Welt wird.. „O, ihr Männer! die Welt, die Welt! Jedes Sanfte, Reine, Eble, muß nach der Regel und dem Maaß ve ſtümmelt Welt? ihre meth „Von mit Trotz Götter u Krieg gel den Groß ihren ſch gegen All wie ich t ſcheue die venetianiſ oben anſt fältig ver Weiſe, al Gedanken e, jemals n ſolcher delſte von den Ehr⸗ nögen— Lady Flo⸗ Sternen⸗ ell hinzu, aft kennen ers näher die Hand nander in „ wie Sie ſie durch pvorhanden, find nicht „und ich Sie uns igſtens bis em Andern meine Ge⸗ elchen Flo⸗ mit nicht t; er küßte g, mit den ßelt! Jedes el und dem Maaß ver Welt abgezirkelt, eingezwängt und ver⸗ ſtümmelt werden! Sind Sie ein Sklave der großen Welt? Verachten Sie nicht ihr hohles Geſchwätz, ihre methodiſche Heuchelei?“ „Von ganzem Herzen,“ ſagte Maltravers beinahe mit Trotz;„Niemand verachtete jemals ſo ihre falſchen Götter und ihr elendes Glaubensbekenntniß, ihren Krieg gegen die Schwachen und ihre Kriecherei vor den Großen, ihre Undankbarkeit gegen Wohlthaten, ihren ſchmutzigen Bund' mit der Mittelmäßigkeit gegen Alles, was hervorragt. Ja, im Verhältniß wie ich die Menſchheit liebe, verachte und verab⸗ ſcheue dieſe Oligarchie, welche ſchlimmer wie die venetianiſche ſich erweist, und welche die Menſchen oben anſtellen und die große Welt nennen.“ Dieſer Mann, gewöhnlich ſo ruhig und voll Selbſtbeherrſchung, ergoß jetzt durch die Aufregung frei gegebener Gefühle, die er lange Zeit und ſorg⸗ fältig verdeckt hatte, in heißer und leidenſchaftlicher Weiſe, alle jene brauſenden und beinahe furchtbaren Gedanken, welche ſtets, wie ſehr wir ſie auch beherr⸗ ſchen, beſchränken oder verſtecken, tief in den Seelen von uns Allen, als der Same zum ewigen Kriege zwiſchen dem natürlichen und künſtlichen Menſchen, zwiſchen unſerem wilderen Geiſt und unſeren geſelli⸗ gen Formen lauern; Gedanken, die von Zeit zu Zeit als Vorboten eitler und fruchtloſer Revolutionen, ohnmächtiger Kämpfe gegen das Geſchick hevorbrechen; — Gedanken, wie ſie gute und weiſe Männer zu verbreiten und fortzupflanzen Bedenken tragen, denn 206 ſie enthalten ein Feuer, welches ebenſowohl brennt als ſtrahlt, und welches ſich von Herz zu Herz, wie ein Funke im Flachs verbreitet;— Gevanken, welche in den höchſten Naturen am entſchiedenſten zur Reife kommen, die aber zu Wahrheiten gehören, welche die Tugend nicht laut zu verkünden wagt. Als die Augen von Maltravers während ſeiner Worte ein beinahe unerträgliches Licht ergoſſen— als ſeine Bruſt ſich hob, ſeine Form ſich erweiterte, da er⸗ ſchien er ſo groß vor den Blicken der Florence Las⸗ celles; die Ketten, welche die ſtarken Gliever ſeines Geiſtes gebunden hielten, ſchienen geſprengt und ſeine ganze Seele ſichtbar ſich zu erheben, als ſei ſie der Sklaverei entgangen, richte ihr Haupt zum Himmel auf und empfinde, daß fie frei ſei. Dieſer Abend erblickte einen neuen Bund zwiſchen zwei jungen, ſchönen Perſonen verſchiedenen Ge⸗ ſchlechts. Sie kamen überein, Freunde zu ſein und nichts weiter! die Thoren! Zweites Kapitel. Feſte Freunbſchaft beſteht barin, baß man daſſelbe will, und daſſelbe nicht will. Salluſi. Prinzſſin Eboli. Meinen Brief. geben Sie mir wieder O Himmel; Wie ſchrecklich hab' ich mich verſtrickt! den Brief! Heraus damit? Ich muß ihn wieder haben! Schiller,„Don Carlos.“ Der Vertrag, den Maltravers und Lady Florence eingegangen waren, ſchien jebe frühere Verlegenheit und Zuri ſich mit Perſonen finbet, b war im g von war wo nicht Es war genommer die ihn e tigſten w ſtarker un eine Stir duum ebe würde— Theil wi Flore durch ein ſanfter, weniger ob ſie A früher an ſie in de kannte Y des Temz über die ſüchtige Beobacht frei zu e des Verſt brennt erz, wie „welche ur Reife welche Als die horte ein als ſeine „ da er⸗ ence Las⸗ i. d zwiſchen enen Ge⸗ ſein und in, baß man t will. alluſi. nir wieder. den Brief! ben Carlos.“ Florence erlegenheit 207 und Zurückhaltung entfernt zu haben; ſie unterhielten ſich mit ſolcher Heiterkeit und Freiheit, wie ſie bei Perſonen verſchiedenen Geſchlechtes ſelten ſich vor⸗ finbet, bevor ſie ins höhere Alter getreten ſind. Ernſt war im gewöhnlichen Leben, wie die meiſten Männer von warmer Regung und ſtarker Einbildungskraft, wo nicht ſchweigend, doch wenigſtens zurückhaltend. Es war ihm, als ſei eine Laſt von ſeiner Bruſt genommen, nachdem er eine Perſon gefunden hatte, die ihn am beßten verſtand, wann er am aufrich⸗ tigſten war. Seine Beredſamkeit, ſeine Poeſie, ſeine ſtarker und zuſammengedrängter Euthuſiasmus fand eine Stimme. Er konnte jetzt mit einem Indivi⸗ duum ebenſo reden, als er fürs Publikum ſchreiben würde— ein Glück, welches Schriftſtellern ſelten zu Theil wird. Florenee ſchien Geſundheit und heitere Laune wie vurch ein Wunder wieder zu erlangen; ſie war aber ſanfter, unterwürfiger wie früher; ſie bemühte ſich weniger zu glänzen und war weniger gleichgültig, ob ſie Andere verletzte. Perſonen, welche ſie nicht früher angetroffen hatten, wunderten ſich, daß man ſie in der Geſellſchaft fürchte. Bisweilen jedoch er⸗ kannte Maltravers eine ſtarke natürliche Reizbarkeit des Temperaments, einen ſchnell gefaßten Verdacht über die Beweggründe ihrer Umgebung, eine herrſch⸗ ſüchtige und hartnäckige Heftigkeit des Willens; dieſe Beobachtung wirkte vielleicht darauf hin, ſein Herz frei zu erhalten. Er betrachtete ſie mit den Augen des Verſtandes, nicht mit denen der Leidenſchaft, und 208 vachte an ſie nicht als ein Weib; ihre Talente, die Großartigkeit ihrer Ideen, die in ihren Zwecken dar⸗ gelegte Charakterſtärke, entzückten ihn im Geſpräch, ließen aber ſeine Einbildungskraft bei ihrer Schön⸗ heit nicht verweilen. Er betrachtete ſie als ein von ihrem Geſchlecht geſondertes Weſen, als ein glor⸗ reiches Geſchöpf, welches verdorben ſei, weil es ein Weib war. Er ſagte ihr dies einſt lachend, und Florence nahm es als Compliment auf. Die arme Florenee! ihr Stolz rächte ihr Geſchlecht und beraubte ſie des Geſchickes, welches ihr gebührte. Cleveland beobachtete ſchweigend das vertraute Verhältniß Beider und horchte mit ruhigem Lächeln auf die Klatſchereien, welche die Unterredungen auf der Terraſſe oder die Spaziergänge bemerkten und den Ausgang vorherſagten. Lord Saxingham war blind. Seine Tochter war mündig, beſaß ein fürſt⸗ liches Vermögen und hatte ihn ſchon lange Zeit ihr unabhängiges Temperament fühlen laſſen. Seine Herrlichkeit konnte durchaus nicht die beſondere Art ihres Stolzes verſtehen, und hegte die vollkommene überzeugung, ſie werde mit keinem Geringeren, wie mit einem Herzoge ſich vermählen. Tändelei hielt er für natürliche und unſchuldige Vergnügung. Außerdem war er nur wenig in Temple⸗Grove. Jeden Morgen fuhr er nach London, wenn er auf ſeinem Zimmer gefrühſtückt hatte, kam zum Eſſen zurück und ſchwatzte gutlaunigen Unſinn mit Florenee in ſeinem Ankeidezimmer, jedoch nur drei Minuten lang, während des Zeitraums, welcher don dem Augenblie bis ſein die übrige weiter an ten; ſomi läſtigt, ol travers we nicht dara: Gefahr ge Männern Ein Weib gleich ſie Fall iſt. beſteht in beſtimmter aufgeregt. Ferrers il hatte und Herz in 2 für den 4 ſein; fie a Morgenen Seit d von Ernſt kum als m jedoch die Ideen und perament, hat, ſo ſch hei der verl Bulwer ente, die cken dar⸗ Geſpräch, rSchön⸗ ein n ein glor⸗ eil es ein end, und Die arme beraubte vertraute m Lächeln ungen auf rkten und ham war ein fürſt⸗ e Zeit ihr . Seine ndere Art Ukommene eringeren, Tändelei rgnügung. ble⸗Grove. nn er auf Minuten don dem 209 Augenblick an eintrat, wo er ein Glas Waſſer trank bis ſein Kammerdiener zum Vorſchein kam. Was die übrigen Gäſte betraf, ſo ging ſie die Sache nichts weiter an, als daß ſie darüber untereinander klatſch⸗ ten; ſomit trieben Florence und Maltravers unbe⸗ läſtigt, obgleich nicht unbemerkt, ihr Weſen. Mal⸗ travers war nicht ſelbſt verliebt und dachte deßhalb auch nicht daran, daß Lady Florence ihn liebe, oder in ſolche Gefahr gerathen könne— ein Verſehen, welches bei Männern öfters, bei Weibern niemats ſich findet. Ein Weib weiß ſteis, wenn ſie geliebt wird, ob⸗ gleich ſie ſich dies öfter einbildet, wo es nicht der Fall iſt. Florence war nicht glücklich, denn Glück beſteht in ruhigem Gefühl; ſie war jedoch von un⸗ beſtimmter, wilder, berauſchender Gemüthsbewegung aufgeregt. Sie hatte von Maltravers erfahren, daß Ferrers ihr eine fälſchliche Nachricht hinterbracht hatte und daß keine Andere die Herrſchaft über ſein Herz in Anſpruch nahm; ob er ſie liebte oder nicht, für den Augenblick ſchienen ſte einander Alles zu ſein; ſie aber lebte nur für heute und wollte an Las Morgen nicht denken. Seit der ſchweren Krankheit, welche die Lebensart von Ernſt ſo verändert hatte, war er vor dem Publi⸗ kum als Autor nicht wieder aufgetreten. Kürzlich war jedoch die alte Gewohnheit wieder ausgebrochen. Die Ideen und Gefühle, welche auf ein pvetiſches Tem⸗ perament, ſobald man ihnen ſich einmal hingegeben hat, ſo ſchnell und in Menge eindringen, hatten ſich hei der verhältnißmäßigen Trägheit der letzten Jahren Bulwer, Maltravers. II. 14 21⁰ bei ihm zu ſolchem übermaß angehäuft, daß er ihnen Luft machen mußte. Vei Einigen beruht ja das Schrei⸗ ben auf unbeſtimmtem Wunſche, bei Andern auf einem unausweichlichen Geſchick. Das Feuer iſt entzündet und muß vorwärts brechen; die Flügel ſind flügge und die Vögel müſſen ihr Neſt verlaſſen. Die Mit⸗ theilung des Gedankens iſt beim Menſchen als Ju⸗ ſtinkt in diejenige Bruſt gepflanzt, denen Gott die feierliche Wirkſamkeit des höheren Geiſtes vertraute. Bei dem Werke, welches Maltravers jetzt verfaßte, fragte er Florence um Rath; ſein Vertrauen erweckte ihr Entzücken; es war ein Compliment, das ſie wür⸗ digen konnte. Wild, glühend, leidenſchaftlich war dies Werk, die kurze Schöpfnng einer glücklichen Stimmung, vas jüngſte und geliebteſte der Kinder ſeines Seies. Als ſein glänzender Entwurf Tag für Tag die Form erhielt, als der Gedanke und das Bild dort ſeine Wohnung fand, hegte Florence die Empfindung, als ſei ſie in dem Palaſt der Genien zugelaſſen und mit dem Mechanismus der Zauberworte und Zanbermittel bekannt worden, womit übernatürliche Geiſteskräfte die Bezauberung der Welt entwerfen. Wie verſchieden an Tiefe und Majeſtät waren dieſe Ideenmittheilungen zwiſchen Ernſt Maltravers und einem Weibe, welches ihm kaum an Fähigkeit und Bildung untergeordnet war, im Vergleich mit jener Brücke ſchattenhafter und dunkler Sympathien, welche der enthuſiaſtiſche Jüngling einſt zwiſchen ſeiner Poeſie des Wiſſens und Alicens Pveſie der Liebe erbaut hatte! An einem Septemberabend, als die Synne lang⸗ ſam ſich a Florence, geweſen u Rückſtand eher auf eigenen, d die pünktli zigſten Gr ſchickt, in deutung: dieſem Ber Die Herre men waren ausgefahre allein. Durch Florence k raturgattu die Wahrl ſiſche Men Literaturth „Wie feinen Scht einzuführer Sie empfit ches beſſer, Wie lieber zarten Gal Tochter; t für mütter er ihnen als In⸗ Gott die vertraute. verfaßte, nerweckte s ſie wür⸗ h war dies Stimmung, es Seipes. die Form dort ſeine dung, als n und mit mbermittel eiſteskräfte verſchieden theilungen e, welches ergeordnet attenhafter hufiaſtiſche Ziſſens und nne lang⸗ 241 ſam ſich am Horizont nach Weſten ſenkte, ging Lady. Florence, welche den ganzen Tag auf ihrem Zimmer geweſen war, um, wie ſie ſagte, den langweiligen Rückſtand ihrer Correſpondenz zu beſeitigen, und zwar eher auf Lord Saringham's Antrieb, als aus ihrem eigenen, denn dieſer verlangte äußerſt genau von ihr die pünktlichſte Aufmerkſamkeit gegen Vettern im fünf⸗ zigſten Grade, vorausgeſetzt, dieſe waren reich, ge⸗ ſchickt, in guter Stellung oder irgendwie von Be⸗ deutung:— an einem Abend ging Lady Florence, von dieſem Beruf erlöst, mit Cleveland im Park ſpazieren. Die Herren jagten auf den Stoppelfeldern, die Da⸗ men waren in Pirutſchen oder Phaetons mit Kleppern ausgefahren und Cleveland war mit Lady Florenee allein. Durch Veranlaſſung der Correſpondenz von Lady Florence kam das Geſpräch auf jene liebliche Lite⸗ raturgattung, welche mit dem Intereſſe des Romans die Wahrheit der Geſchichte verbindet, auf franzö⸗ ſiſche Memoiren und Briefſammlungen. In dieſem Literaturtheile war Cleveland durchaus zu Hauſe. „Wie ſehr, ſagte er,„ſind dieſe angenehmen und feinen Schwätzereien geeignet, die Natur in die Kunſt einzuführen! Alles Künſtliche ſcheint ihnen natürlich. Sie empfinden gleichſam mit einer Art Uhrwerk, wel⸗ ches beſſer, wie ſogar das Herz ſelbſt, zu gehen ſcheint. Wie liebenswürdig ſind die niedlichen Gefühle und zarten Galanterien der Frau von Seévigné mit ihrer Tochter; dennoch kann ich dieſelben durchaus nicht für mütterlich halten, Ziemt ſich folgendes elegante — 212 Compliment für einen mütterlichen Brief:„„Hetzen Sie die Meinung, daß kein Herz unier allen, die Sie beherrſchen, vorhanden iſt, worin Ihre Herrſchaft ſo feſt, wie in dem meinigen, ſich begründet findet.““ Kaum kann ich mir einbilden, daß Lord Saxingham Ihnen ſo ſchreiben könnte.“ „Allerdings nicht,“ erwiderte Florence lächelnd. „Weder Väter noch Mütter ſind in England zu Com⸗ plimenten geneigt. Ich muß jedoch geſtehen, daß ich eine Art Galanterie ſogar in unſern vertrauteſten Familienverbindungen gerne ſehe. Weßhalb ſollen wir nicht der Einbildungskraft bei allen unſern Neigungen einen Antheil gönnen?“ „Auf vdies Weßhalb kann ich kaum eine Antwort geben,“ erwiderte Cleveland.„Nach meiner Meinung würde aber dadurch die Wirklichkeit zerſtört. Ich ge⸗ höre noch etwas zur alten Schule. Beſäße ich eine Tochter und bäte ich ſie, mir die Pantoffeln zu holen, ſo möchte ich es wohl für etwas langweilig halten, müßte ich meinen Dank für deren Empfang in ſchönen Phraſen abſtatten“ Während ſie ſo ſich unterhielten und Lady Florenee ihre Meinung weiter zu beweiſen ſuchte, kamen ſie durch ein kleines Gehölz, welches zu einem Arme kes vden Park verſchönernden Stromes führte und der durch ſein ruhiges, ſchattiges Dunkel einen Gegenſatz zu den lebhafter verſchönerten Theilen des Gutes bot. Hier begegnelen ſie Maltravers; er ging offenbar in Gedanken verſunken am ufer des Baches ſpazieren. gin Zittern der Hand von Lady Florenee, welche auf * Cleveland' haften Erl derung des „Ha, neue Mor grübelt?“ „Ich b wünſchte 6 ſorence, daß meine waren un wandeln 1 pfangen E die ich im iſt keine e mit Ihnen „Und viel?“ ſag „Verze vor Ihnen dieſen Ant verhandeln armen Ce gern— n „Erröt wurfs von „Und; gelegen.„ eine lebha rament er! „Heten „ die Sie erſchaft ſo findet.““ axingham lächelnd. z Com⸗ t, daß ich rtrauteſten ſollen wir Neigungen e Antwort Meinung t. Ich ge⸗ e ich eine nzu holen, lig halten, in ſchönen y Florenee kamen fie Arme tes dder durch egenſatz zu Gutes bot. offenbar in ſpazieren. welche auf 213 Cleveland's Arm ruhte, bewog dieſen, in einer leb⸗ haften Erklärung über Rochefoucauld's Charakterſchil⸗ derung des Cardinal Retz anzuhalten und ſich umzuſehen. „Ha, ſinnender Jack,“ rief er aus,„über welche neue Moral haſt Du in unſerem Ardennerwalde ge⸗ grübelt?“ „Ich bin erfreut, Sie anzutreffen! Cleveland, ich wünſchte Sie um Rath zu fragen. Zuerſt aber, Lady Florence, will ich Sie und unſeren Wirth überzeugen, daß meine Umherſchweifungen nicht gänzlich nutzlos waren und daß ich nicht von Dan nach Berſeba wandeln und Alles wüſt und öde finden konnte; em⸗ pfangen Sie deßhalb meine Gabe, eine wilde Roſe, die ich im dickſten Theile des Waldes entdeckte. Es iſt keine eiviliſirte Roſe. Jetzt, Cleveland, ein Wort mit Ihnen.“ „Und jetzt, Herr Maltravers, bin ich wohl zu viel?“ ſagte Florence. „Verzeihen Sie mir, ich habe keine Geheimniſſe vor Ihnen in dieſer Angelegenheit, oder vielmehr in dieſen Angelegenheiten, denn wir müſſen deren zwei verhandeln. Die erſte, Lady Florench, betrifft den armen Ceſarini, Sie kennen ihn ja und ſehen ihn gern— nun erröthen Eie nur nicht.“ „Erröthete ich? dann gedachte ich eines alten Vor⸗ wurfs von Ihnen.“ „Und zwar eines gerechten! jedoch daran iſt nichts gelegen. Ich hegte hinſichtlich dieſes Mannes ſtets eine lebhafte Theilnahme. Sein krankhuftes Tempe⸗ rament erhöhte allein meine Veſorgniß wegen ſeines 214 zukünftigen Schickſals. Ich habe einen Brief von ſeinem Schwager de Montaigne erhalten, welcher hin⸗ ſichtlich Caſtruccio's ernſtlich beunruhigt zu ſein ſcheint. Er wünſcht, vaß er England verläßt— das einzige Mittel, ſeinen zerrütteten Umſtänden wieder aufzu⸗ helfen. De Montaigne hat Gelegenheit, ihm einen viplomatiſchen Poſten zu verſchaffen, die nicht wieder eintreffen wird und— nun Sie kennen ja den Mann! was ſollen wir thun? Er wird ſicherlich nicht auf mich hören wollen; er betrachtet mich als einen ei⸗ gennützigen Nebenbuhler hinſichtlich des Ruhms.“ „Glauben Sie, daß ich eine feinere Beredſamkeit heſitze?“ fragte Cleveland;„auch ich bin ja Schrift⸗ ſteller. Nach meiner Meinung muß Lady Florenee vie Unterhändlerin machen.“ „Er beſitzt Genie und Verdienſt,“ ſagte Maltra⸗ vers, für Caſtruccio ſprechend;„er braucht nichts als Zeit und Erfahrung, um ihn ſeiner Schwächen zu entwöhnen. Lady Florence wollen Sie verſuchen, ihn zu retten?“ „Nun, ich darf nicht verhärtet ſein, ich will ihn ſehen, wenn ich nach London komme. Es ſieht Ihnen ähnlich, Herr Maltravers, daß Sie dieſe Theilnahme an einem Manne empfinden, welcher 4 „Mich nicht leiden kann, wollen Sie ſagen; indeß das wird ſchon zu einer oder der andern Zeit auf⸗ hören. An ſeinen Schwächen habe ich manche erkannt, worin alle Schriftſteller, ohne genaue Selbſtbeob⸗ achtung, verfallen können; auch laſſen Sie mich hin⸗ zufügen, daß ich ſeiner Familie ſehr verpflichtet bin.“ „Glat an die L forſchend. „Aller Haupteige Maltr ſein Einfl — ach, m hinſichtlich ſtellte, we durch ſein hatte ihn ſchen dem ihrem Beſ eher mürr gefühl mit „Spre den zweite würde viel „O ne gleichgülti, Bewundert welche ihr Sie fort.“ „Nun, einen Vert ſenheit ver über den 9 verſion zu zu jeder a rief von cher hin⸗ n ſcheint. s einzige r aufzu⸗ m einen wieder Mann! nicht auf einen ei⸗ hms.“ edſamkeit Schrift⸗ Florence Maltra⸗ nichts als ächen zu hen, ihn will ihn ht Ihnen einme n; indeß Zeit auf⸗ erkannt, elbſtbeob⸗ nich hin⸗ tet bin.“ 245 „Glauben Sie an bie Reinheit ſeines Herzens und an die Lauterkeit ſeiner Ehre?“ fragte Cleveland forſchend. „Allerdings! dieſe ſind ja— dieſe müſſen die Haupteigenſchaften der Dichter ſein.“ Maltravers ſprach mit Wärme und damals war ſein Einfluß über Florence ſo groß, daß ſeine Worte — ach, mit verhängnißvollen Folgen!— ihre Achtung hinſichtlich des Charakters von Caſtruccio wieder her⸗ ſtellte, welche zuerſt bedeutend geweſen, kürzlich aber durch ſeine Anmaßung erſchüttert worden war. Sie hatte ihn drei⸗ oder viermal in dem Zeitraum zwi⸗ ſchen dem Empfang ſeines Entſchuldigungsbriefes und ihrem Beſuch bei Cleveland geſehen und er ſchien ihr eher mürriſch wie gedemüthigt. Allein ſie hegte Mit⸗ gefühl mit der Eitelkeit, vie ſie ſelbſt verwundet hatte. „Sprechen wir jetzt,“ fuhr Maltravers fort,„über den zweiten Punkt; allein der iſt politiſcher Art und würde vielleicht Lady Florence langweilen.“ „O nein, hinſichtlich der Politik bin ich niemals gleichgültig; ſie erfüllt mich ſtets mit Verachtung oder Bewunderung, je nach den Beweggründen derer, welche ihr Wiſſen in Handlung ſetzen; bitte, fahren Sie fort.“ „Nun,“ ſagte Cleveland,„diesmal müſſen Sie nur einen Vertrauten haben, Sie werden meine Abwe⸗ ſenheit verzeihen, denn ich ſehe, daß meine Gäſte über den Raſenplatz kommen; ich darf wohl eine Di⸗ verſion zu ihren Gunſten ausführen; Ernſt kann mich zu jeder andern Zeit um Rath fragen.“ 246 Cleveland ging fort; das vertraute Verhältniß letzten Z zwiſchen Maltravers und Florence war von ſo frei⸗ Herrn* müthiger Art, daß der Gedanke eines Téte-à-téte einen ur bei keinem der Beiden Verlegenheiten erweckte. Meinung „Lady Florence,“ ſagte Eenſt,„es gibt Niemand„ dies nich in der Welt, den ich ſo gern wie Sie um Rath Citadelle fragen könnte. Clevelands Abweſenheit iſt mir bei⸗ inconſequ nahe lieb, denn bei allen ſeinen liebenswürdigen und die übere guten Eigenſchaften ſteht die große Welt bei ihm zu tauſend n hoch im Preiſe, und wir gehen nicht in unſern Dar⸗ der Zuku ſ legungen von denſelben Vorderſätzen aus. Verzeihen„ und nicht 3 Sie dieſe meine Einleitung; kommen wir zur Haupt⸗ für ſchlin ſache. Ich habe einen Brief von Herrn*** em⸗ gendes iſt 3 pfangen. Dieſer Staatsmann, welchen nur diejenigen Geiſt, nu 4 richtig verſtehen und ſchätzen können, die mit der ich ihn, ritterlichen Schönheit ſeines Charakters bekannt find, Verrath erblickt vor ſich die glänzendſte Laufbahn eröffnet, meiner Z wie ſie ſich jemals einem Staatsmann von nicht ari⸗ ſelbſt Ve ſtokratiſcher Geburt erſchloß. Er hat mich erſucht, innerem an der neuen Regierung, die er zu bilden im Begriffe. zuerſt ſch iſt, Theil zu nehmen; dos Amt, welches er mir an⸗„Sie bot, iſt zu hoch für mein Verbienſt und eignet ſich Wa . nicht für das, was ich gethan habe, wenn auch für„ vas, was ich thun könnte. Ich mache dieſen Unter⸗ ſchied,“ fügte Ernſt mit ſtolzem Lächeln hinzu,„denn, wie Sie wiſſen, bin ich ſanguiniſch und hege Selbſt⸗ vertrauen.“ „Sie nehmen den Vorſchlag an?“ der Welt „Nein, muß ich ihn nicht zurückweiſen? Unſere Gefühl, Politik iſt nur für den Augenblick dieſelbe, unſere vorwärts rhältniß ſo frei⸗ atéte kte. Niemand m Rath mir bei⸗ igen und ihm ze en Dar⸗ erzeihen Haupt⸗ ** em⸗ iejenigen mit der nnt find, eröffnet, icht ari⸗ erſucht, Begriffe mir an⸗ ignet ſich auch für n Unter⸗ „„denn, e Selbſt⸗ ? Unſere „ unſere 217 letzten Zwecke liegen weit auseinander. Will ich mit Herrn*** in die Regierung treten, ſo kann ich nur einen ungleichen Vertrag ſchließen und muß neun Meinungen aufgeben, um eine zu befördern. Iſt dies nicht eine Capitulation hinſichtlich der großen Citadelle des Gewiſſens? Niemand wird mich für inconſequent ausgeben, denn im Staatsleben wird nur die übereinßimmung bei einer Parteifrage erheiſcht; tauſend noch nicht gereifte, dunkel und verborgen in der Zukunft liegende Fragen werden nicht beachtet und nicht errathen; ich geſtehe jevoch, daß ich mich für ſchlimmer als inconſeqnent halten müßte. Fol⸗ gendes iſt mein Dilemma: Benütze ich dieſen edlen Geiſt, nur um einen Zweck zu befördern, und verlaſſe ich ihn, wenn er anhält, ſo begehe ich gegen ihn Verrath— halte ich mit ihm an, nachdem nur einer meiner Zwecke erreicht iſt, ſo begehe ich gegen mich ſelbſt Verrath. Dies iſt meine Anſicht. Nur mit innerem Schmerz habe ich mir dieſelbe gebildet, denn zuerſt ſchlug mein Herz mit ſelbſtſüchtigem Ehrgeiz.“ „Sie haben Recht,“ rief Florence mit glühenden Wangen aus,„wie konnte ich an Ihnen zweifeln? Ich begreife das Opfer, welches Sie bringen, denn ein hoher Stolz wird erweckt, erhebt man ſich im Fluge hoch über die Vorherſagungen der Feinde auf jenem Allen erkennbaren Pfade zur Ehre, welchen das harte Auge der Welt erblicken und das kalte Herz der Welt ermeſſen kann; aber noch ſtolzer iſt das Gefühl, daß man niemals einen Schritt zum Ziele vorwärts machte, welchen die Erinnerung zurückwün⸗ 248 ſchen möchte. Nein, mein Freund, warten Sie auf Ihre Zeit, im Vertrauen, daß ſie kommen muß, wenn das Gewiſſen und der Ehrgeiz Hand in Hand zu gehen vermag, wenn die weiten Zwecke einer erleuchteten, vielumfaſſenden Politik, wie eine Karte vor Ihnen ausgebreitet liegen, wenn Sie jeden Schritt des Weges ohne Gefahr, ſich zu verirren, zu berechnen vermö⸗ gen, bann mag die Welt Hoheit des Zweckes und Reinheit der Seele als Träume der Theoretiker be⸗ zeichnen; wenn dies der Fall ſein wird, ſo iſt das Ideal in dieſem Falle beſſer, als das praktiſche. Mitt⸗ lerweile iſt Ihre Stellung von ſolcher Art, daß Sie dieſelbe nicht leichthin verwirken ſollten. Vor Ihnen erhebt ſich jener Thron der Literatur, deſſen Gewin⸗ nung keine zweifelhaften Schritte erheiſcht, wenn Sie, wie ich glaube, die geiſtige Macht ihn zu erreichen beſitzen. Dieſer Ehrgeiz kann leicht aufgegeben werden, wenn eine unruhigere Laufbahn jene öffentlichen Zwecke leichter erreichen läßt, wohin Literatur und Politik ſtreben ſollte; dieſer Ehrgeiz darf aber nicht als Dank für ein Amt oder für eine Beförderung bei Hofe aufgegeben werden.“ Als Florence Lascelles dieſe edlen und begeiſtern⸗ den Gedanken ausſprach, erlangte ſie plötzlich in Ernſts Augen eine Liebenswürdigkeit, womit letztere ſie früher nicht bekleidet hatten. Mit einer plötzlichen inneren Regung erhob er ihre Hand zu den Lippen mit den Worten:„Geſegnet ſei die Stunde, in welcher Gie mir Ihre Freundſchaft ertheilten! Dieſe Gedanken ſehnte ich mich von lebendigen Lippen zu vernehme bens kam nur ein Als L Geſtalt v tiſche Si aber entz In d Blume fa Unwillkür verbergen men. Hie travers be zuvorzuko: in der Ha geſchriebe in ſelbſtg auf die berin. mit der 4 empfand, Wäre mir men, ſo w „Laſſe Gotteswil „Nich Ernſt in nachſtand, Sie auf wenn zu gehen uchteten, Ihnen s Weges vermö⸗ kes und tiker be⸗ iſt das Mitt⸗ daß Sie r Ihnen Gewin⸗ enn Sie, erreichen werden, n Zwecke Politik ls Dank ei Hoe geiſtern⸗ tzlich in t letztere lötzlichen Lippen nde, in Dieſe ppen zu vernehmen, wenn ich in die Verſuchung des Glau⸗ bens kam, Patriotismus ſei Täuſchung und Tugend nur ein Name.“ Als Lady Florence dies vernahm, ſchien ihre ganze Geſtalt verändert; ſie war nicht länger die majeſtä⸗ tiſche Sibylle, ſondern ein liebendes, furchtſames, aber entzücktes Weib. In der Verwirrung ließ ſie aus der Hand die Blume fallen, welche Maltravers ihr gegeben hatte. Unwillkürlich über einen Vorwand, ihr Geſicht zu verbergen, erfreut, bückte ſie fich, dieſelbe aufzuneh⸗ men. Hierbei fiel ein Brief aus ihrem Buſen; Mal⸗ travers beugte ſich vor, um ihrer eigenen Bewegung zuvorzukommen und erblickte, daß die Adreſſe an ihn in der Handſchrift ſeines unbekannten Correſpondenten geſchrieben war. Er ergriff den Brief und ſchaute in ſelbſtgefälligem und entzücktem Erſtaunen zuerſt auf die Handſchrift, dann auf die entdeckte Schrei⸗ berin. Florence ward leichenblaß, bedeckte ihr Geſicht mit der Hand und brach in Thränen aus. „Thor, der ich war,“ rief Ernſt im Angenblick der Leidenſchaft aus,„daß ich nicht wußte— nicht empfand, es gäbe keine zwei Florencen in der Welt! Wäre mir aber auch der Gedanke in den Sinn gekom⸗ men, ſo würde ich nicht gewagt haben, ihn zu hegen.“ „Laſſen Sie mich allein,“ſchluchzte Florenee,„um Gotteswillen, laſſen Sie mich allein.“ „Nicht bevor Sie mir gebieten, aufzuſtehen,“ ſagte Ernſt in einer Aufregung, welche kaum der ihrigen nachſtand, indem er zu ihren Füßen auf ein Knie ſank. 220 Brauche ich mehr zu ſagen?— als Beide den Ort verließen, war ein ſüßes Bekenntniß gegeben, tief gefühlte Gelübde waren ausgetauſcht worden und Ernſt Maltravers der angenommene Bewerber um Florenee Lascelles. Drittes Kapitel. Hundert Väter würden in meiner Lage dir ſagen, du müßteſt einen Edelmann heirathen, weil Du von edler Geburt biſt. Ich aber will das nicht ſagen und mein Kind keinem Vorurtheil aufopfern. Kotzebue. bab Acht, Mylord, die Wohlfahrt von uns Allen Hängt davon ab, daß wir den hinterliſt'gen Verräther dort vernſchten. Shakſpeare„Heinrich der Sechste“ Wie gleicht der Liebe Frühling doch Dem Tag, den der April uns ſchenkt. Die Sonne ſtrahlt, die Wolke naht, Und Regen wird herabgeſprengt. Shakſpeare„zwei Edelleute von Verona.“ Als Maltravers ſich auf ſeinem einſamen Zimmer befand, ſchien ihm Alles ein Traum zu ſein; er war ſeiner inneren, vielleicht unwiderſtehlichen Regung ge⸗ folgt, allein das Gewiſſen ſeines Herzens war nicht befriedigt. Eine Stimme flüſterte ihm zu„Du haſt ſie und Dich betrogen, Du liebſt ſie nicht!“ Ver⸗ gebens gedachte er ihrer Schönheit, ihrer Anmuth und ihres Seiſtes— ihrer eigenthümlichen und enthufiaſti⸗ ſchen Liebe zu ihm; die Stimme erwiderte ſtets:„Du liebſt ſie nicht, ſage Deinen ſüßen Träumen über ein Leben von höherem Glück wie dem der Sterblichen auf imme iſt in der Dich ver vermagſt mit der« Ideal un Andern l Du muß leben, m Liebe ſteh „Ein⸗ als er vr Dame, w wäre thö Jahre de funden, wie der Viſionen Tränmer eide den gegeben, den und ber m r Lage dir heirathen, aber will Vorurtheil ebne. nuns Allen liſ'gen Sechste n Verona Zimmer er war gung ge⸗ ens war zu:„Du t1“ Ver⸗ muth und thuſiaſti⸗ ts:„Du über ein erhlichen 221 auf immer Lebewohl! Calhpſo und ihre goldene Inſel iſt in der ſtürmiſchen See der Zukunft auf immer für Dich vertilgt. In dem dunkeln Bilde Deines Sehnens vermagſt Du die Form von ihr nicht mehr zu malen, mit der Du auf ewig leben möchteſt. Du biſt Deinem Ideal untreu geweſen; Du haſt Dich auf immer einer Andern hingegeben und auf die Hoffnung verzichtet; Du mußt wie in einem Gefängniß mit einem Weſen leben, mit welchem Du nicht in der Harmonie der Liebe ſtehſt.“ „Einerlei,“ ſagte Maltravers, heinahe beunruhigt, als er von ven Gedanken auffuhr;„ich bin mit einer Dame, welche mich liebt, verlobt; Bedauern und Reue wäre thöricht und ſchmachvoll. Ich habe die beſten Jahre der Jugend durchlebt und die Egeria nicht ge⸗ funden, in deren Nähe die Höhle mir lieblicher wäre wie der Thron. Warum ſoll ich als ein eitler und in Viſionen lebender, von ren Nymphen verſchmähter Träumer ins Grab ſteigen? Konnte ich in der Welt, wie ſie iſt, eine edlere Wahl treffen?“ Während Maltravers ſo mit ſich ſelbſt redete, begab ſich Lady Florence in ihres Vaters Ankleidezimmer und erwartete dort deſſen Rückkehr von London. Sie kannte deſſen weltliche Anſichten, ſie kannte auch den Stolz ihres Verlobten und empfand, vaß ſie allein die Vermittlerin ſein könnte. Lord Saxingham kehrte zuletzt zurück, geſchäftig, ſich tummelnd, voll Wichtigkeitsgefühl und guter Laune wie gewöhnlich.„Nun, Florence, ich bin erfreut, Sie zu ſehen; wahrhaftig, Sie blühen wie eine Roſe; ich 222 habe niemals an Ihnen eine ſolche Farbe geſehen; wahrhaftig, darin gleichen Sie mir. Wir haben ſtets in unſerer Familie ſchöne Geſichtsfarbe und ſchöne Angen gehabt; aber ich bin etwas ſpät gekommen; die Glocke zum Mittageſſen wurde ſchon zum erſtenmal geläutet. Wir Ci-devant jeunes hommes brauchen längere Zeit zum Ankleiden und auch Sie find, wie ich ſehe, mit Ihrem Anzuge noch nicht fertig.“ „Theuerſter Vater, ich wünſche mit Ihnen über eine Sache von Wichtigkeit zu reden.“ „Was, ſogleich?“ „Ja.“ „Nun, was iſt der Gegenſtand? vermuthlich Ihr Gut Slingsby.“ „Nein, theurer Vater, ſetzen Sie ſich und hören Sie mir geduldig zu.“ Lord Saringham empfand ſowohk Unruhe wie Neugier. Er ſetzte ſich ſchweigend und ſah ſeiner Tochter ängſtlich ins Geſicht. „Sie ſind ſtets ſehr nachſichtig gegen mich geweſen,“ begann Florence mit einem halben Lächeln,„und ich verfuhr in meiner eigenen Weiſe weit mehr wie die meiſten jungen Damen. Glauben Sie mir, theuerſter Vater, ich bin Ihnen ſehr dankbar, nicht allein wegen Ihrer Liebe, ſondern auch wegen Ihrer Achtung. Ich bin ein ſonderbares, wildes Mädchen geweſen, hege aber jetzt die Abſicht, mich zu beſſern; was den erſten Schritt dazu betrifft, ſo bitte ich Sie jetzt um Ihre Einwilligung, mir einen Lehrer und Führer zu geben.“ „Was!“ rief Lord Saringham aus. 7 t „Mit nun, die! „Iſt „Nich zoge meit tenere W Maltraver „Herr Mädchen i Zu ſolcher Landedelm geſchickt ur werth, dat — noch d „Theu mich nicht über mein mündig bi „Das an, wir „Nein ſie ſorglos Herrn M kommenen geſehen; ben ſtets ſchöne ommen; rſtenmal brauchen nd, wie g. en über lich Ihr d hören the wie h ſeiner meſen,“ und ich wie die heuerſter nwegen ng. Ich en, hege en erſten m Ihre geben“ 223 „Mit andern Worten, ich bin im Begriff mich— nun, die Wahrheit muß heraus, mich zu verheirathen.“ „Iſt der Herzog von** heute hier geweſen?“ „Nicht daß ich wüßte; ich habe aber keinem Her⸗ zoge meine Hand verſprochen; eine edlere und ſel⸗ tenere Würde hält meinen Ehrgeiz gefangen. Herr Maltravers hat... „Herr Maltravers!— Herr Teufel!— Das Mädchen iſt verrückt. Kind, ſage mir nicht bergleichen. Zu ſolchem Unfinn gebe ich keine Einwilligung. Ein Landevelmann— von ſehr achtbarer Familie, ſehr geſchickt und dergleichen, aber— es iſt nicht der Mühe werth, davon zu reden— mein Entſchluß iſt gefaßt — noch dazu mit Ihrem Vermögen!“ „Theurer Vater! ohne Ihre Einwilligung will ich mich nicht verheirathen, obgleich mir die Verfügung über mein Vermögen übertragen iſt und obgleich ich mündig bin.“ „Das iſt ein gutes Kind. Kleiden wir uns jetzt an, wir werden ſpät kommen.“ „Nein, noch nicht,“ ſagte Lady Florence, indem ſie ſorglos ihres Vaters Nacken umſchlang;„ich werde Herrn Maltravers heirathen, aber mit Ihrer voll⸗ kommenen Einwilligung. Bedenken Sie! heirathe ich den Herzog von**“, ſo wird er mein ganzes Ver⸗ mögen, wie es iſt, erwarten. Zehntauſend Pfund jähr⸗ lichen Einkommens ſtehen mir zur Verfügung; hei⸗ rathe ich Herrn Maltravers, ſo wird die Summe Ihnen übertragen; ich hegte immer die Abſicht. Der Dank iſt nur ärmlich für Ihre Güte und Nachſicht, wird 22⁴ Ihnen aber beweiſen, daß Ihre Florenee nicht un⸗ dankbar iſt.“ „Davon will ich nichts hören.“ „Halt, hören Sie auf Vernunft. Sie ſind nicht reich; Sie beſitzen nur Anſprüche auf eine kleine Pen⸗ ſion, wenn Sie jemals Ihr Amt aufgeben; ſchon oft hörte ich Sie ſagen, Ihr officielles Einkommen hin⸗ dere nicht, daß Sie in Verlegenheit kämen— wem anbers als einem Vater ſollte eine Tochter von ihrem überfluß mittheilen? Von wem ſonſt, als von einem Kinde, welches nie die elierliche Liebe zurückzahlen kann, ſollte ein Vater ein Geſchenk annehmen?— Ach, dies iſt unbedeutend; aber Sie, der Sie nie⸗ mals die geringſte Laune Ihrer Florence hemmten, Sie zerſtören ſicherlich nicht alle Hoffnung auf Glück, die Ihre Florenee ſich jemals bilden kann.“ Florence weinte; Lord Saxingham war ſehr ge⸗ rührt und vergoß einige Thränen. Vielleicht ſage ich zu viel in der Bemerkung, daß der finanzielle Theil des Anerbietens ihn gänzlich gewann; die Art jevoch, wie vaſſelbe vorgebracht wurde, erweichte ſein Herz. Möglicherweiſe war er der Meinung, es ſei beſſer für ihn, eine gute und dankbare Tochter in der Gattin eines Landedelmannes, als eine mürriſche und keinen Dank gegen ihn hegende in einer Herzogin zu beſitzen. Vie dem auch ſei, bevor Lord Saxingham ſeine Toilette hegann, verſprach er, kein Hinderniß der Ehe in den Weg zu legen, und verlangte dagegen allein die Er⸗ füllung der Bedingung, daß wenigſiens drei Monate Cieſe Zeit hätten ſchon die Juriften erheiſcht) vor dem Vo dieſem lend und einen Ga ſie an ih erſchien d Abend. 2 und Flore ches ihr u ſeinen Bli ſich Beide gen Theil auf das„ zu äußern. an jede( einen Scha Fremder macht, das und Maltr⸗ Abend den ſuchte. Zu jährlicher Aber ſo w Bulwer, nicht un⸗ ind nicht ine Pen⸗ ſchon oft men hin⸗ — wem on iem wn einem rückzahlen men?— Sie nie⸗ hemmten, uf Glück, 4 ſehr ge⸗ t ſage ich elle Theil lrt jedoch, ſein Herz. ſei beſſer der Gattin nd keinen zu beſitzen. ne Toilette he in den in die Er⸗ ei Monate eiſcht) vor dem Vollzug derſelben entſchwinden ſollien; nach dieſem übereinkommen verließ ihn Florence ſo ſtrah⸗ lend und heiter wie Flora, wenn die Frühlingsſonne einen Garten aus der Welt bildet. Niemals hatte ſie an ihre Schönheit ſo wenig gedacht und niemals erſchien dieſelbe ſo herrlich als an jenem glücklichen Abend. Mältravers aber war blaß und nachdenklich und Florence ſuchte während des Mittageſſens, wel⸗ ches ihr unerträglich lang zu ſein ſchien, vergeblich ſeinen Blicken zu begegnen. Nachher jevoch trafen ſich Beide und unterhielten ſich abgeſondert am übri⸗ gen Theil des Abends; Florence's Schönheit begann auf das Herz des Ernſt's die natürliche Wirkung zu äußern. Florenee aber bewahrte die Erinnerung an jede Stunde, jede Minute des Abends als einen Schatz. Fremden Zeugen hätte es ſicherlich Vergnügen ge⸗ macht, das kurze Geſpräch zwiſchen Lord Saringham und Maltravers zu vernehmen, als der Letztere am Abend den Grafen im Zimmer ſeiner Lorbſchaft auf⸗ ſuchte. Zu Lord Saringhams überraſchung äußerte Maltravers kein Wort über ſeine geringere geſell⸗ ſchaftliche Stellung, als er um die Hand der Lady Florence nachſuchte. Kalt, trocken und beinahe ſtolz machte er den förmlichen Antrag, als ob(wie Lorb Saringham ſpäter Ferrers ſagte)„der Mann mir die höchſte Ehre erwieſe, wenn er meine Tochter, die größte Schönheit in London, mit 50,000 Pfund jährlicher Einkünfte, mir von ver Hand nähme.“ Aber ſo war Maltravers, hätte er um die Tochter Bulwer, Maltravers. U. 1⁵ 226 eines Landpfarrers ohne einen Heller Vermögen nach⸗ geſucht, ſo wäre er der Demüthigſte unter den De⸗ müthigen geweſen. Der Graf kam in Verlegenheit und außer Faſſung; das ſtolze Antlitz ſeines zukünf⸗ tigen Schwiegerſohns machte ihn beinahe ſcheu; er ließ keinen Wink über den Vergleich hinſichtlich der Zeit fallen, den er mit ſeiner Tochter geſchloſſen hatte und hielt es für zweckmäßig, daß Lady Florence die An⸗ gelegenheit in Ordnung brächte. Beide ſchüttelten ſich beim Abſchiede kalt die Hand. Maltravers ging alsdann in Cleveland's Zimmer und machte dem ent⸗ zückten alten Mann die Mittheilung, deſſen Glück⸗ wünſche mit ſolcher Wärme ausgeſprochen wurden, daß Maltravers ſehr wohl empfand, es werde ſünd⸗ haft ſein, wenn er ſich nicht für den glücklichſten Mann der Welt hielte. An jenem Abend ſchrieb er den Brief, worin er das ihm angetragene Amt zu⸗ rückwies. Am nächſten Tage begab ſich Lord Saxing⸗ ham wie gewöhnlich in ſein Miniſterium und das neue Paar fand Gelegenheit im Parke allein umher zu wandeln. Alsdann geſchahen die Geſtändniſſe, die man ſo⸗ wohl mit ſüßem Gefühl ausſpricht, wie vernimmt. Florenee erzählte von ihrer Kindheit, von ihrer nur durch ſich ſelbſt gebildeten und einſam ſtehenden Seele, von ihrem jugendlichen Sinnen und Träumen. Als nichts in ihrer Umgebung ihre Theilnahme oder Bewunderung, die romantiſchen oder höheren oder ſanfteren Eigenſchaften ihres Charakters aufzuwecken vermochte, wandte ſie ſich zur Betrachtung und zu Büchern. Denkens dem Gef bannt, k deßhalb ſtehend n bevor die ſo auch Seelen er gepflegte beſtimmt Hochachtut Seele des pfungen ſi Enthüllun Sie empf nahme hin drückliche ſich mit kannt; ſie en nach⸗ den De⸗ legenheit zukünf⸗ ;er ließ der Zeit atte n die An⸗ hüttelten ers ging dem ent⸗ n Glück⸗ wurden, de ſünd⸗ ücklichſten ſchrieb er Amt zu⸗ Saxing⸗ und das in umher man ſo⸗ vernimmt. ihrer nur en Seele, men. Als hme oder eren oder ufzuwecken ig und ze Büchern. Poeſie, das Kind der Leidenſchaft und bes Denkens wird durch Verbindung ber Geiſteskräfte mit dem Gefühl erzeugt, welches von der Handlung ver⸗ hannt, keine Außerung im Treiben der Welt findet, deßhalb ſind junge Leute, fähiger aber einſamer ſtehend wie ihre Genoſſen, beinahe immer Dichter, bevor die wirklichen Sorgen ſie in Anſpruch nehmen; ſo auch war Florence eine Dichterin. In ſolchen Seelen erſchafft das erſte Buch, welches die am meiſten gepflegte und geliebte Empfindungs⸗ und Ideenweiſe beſtimmt darzuſlellen ſcheint, eine tiefe begeiſterte Hochachtung. Die einſame, ſtolze und ſchwermüthige Seele des Maltravers, die in allen ſeinen Schö⸗ pfungen ſich als ſichtbar zeigte, bot ver Florenee die Enthüllung aller Geheimniſſe ihres eigenen Weſens. Sie empfand eine ſtarke und geheimnißvolle Theil⸗ nahme hinſichtlich des Mannes, welcher eine ſo nach⸗ drückliche Gewalt auf ihre Seele übte. Sie machte ſich mit ſeinen Beſtrebungen, ſeiner Laufbahn be⸗ kannt; ſte glaubte ein Ebenmaß und eine Harmonie zwiſchen dem wirklichen Weſen und dem athmenden Geiſt zu finden; ſie glaubte das zu verſtehen, was Anderen dunkel erſchien. Obgleich ſie ihn nie geſehen hatte, ward er ihr ein niemals abweſender Freund. Sein Ehrgeiz, ſein Ruf war gleichſam ihr eigener Beſitz. So ſchrieb ſie ihm zuletzt in der Thorheit ihrer jugendlichen Romantik, indem ſie von keiner Entdeckung träumte, kein Reſultat vorausſah; als ſie der Gewohnheit ſich einmal hingegeben hatte, ward dieſelbe für ſie zu derjenigen Schwelgerei, welche 228 vas Schreiben für das Auge der Welt einen von der Bürde ſeiner Gedanken erdrückten Autor dar⸗ bietet. Zuletzt ſah ſie ihn und er zerſtörte ihre Täu⸗ ſchung nicht. Sie hätte vom Zauber befreit werden können, wenn ſie ihn bereit fand, an ihrem Altar anzubeten. Das Gemiſch von Zurückhaltung und Freimuth— Freimuth der Sprache und Zurückhal⸗ tung des Weſens, welchen Maltravers zeigte— bot für ſie einen neuen Reiz. Ihre Eitelkeit kam ihrer Einbildungskraft zu Hülfe. Zuletzt trafen ſich Beide in Clevelands Haus; ihr Verkehr ward ungebundener, ihre Freundſchaft wurde geſchloſſen und ſie entdeckte, daß ſie ihr Glück abſichtlich mit den Träumereien, venen ſie ſich hingab, verflochten hatte; ſogar da⸗ mals glaubte ſie, daß Maltravers ſie liebe, obgleich er darüber ſchwieg. Sein Benehmen und ſeine Worte bezeugten ſeine Theilnahme in ihr und ſeine Stimme war immer ſanft, wenn er mit Frauen ſprach, denn er hegte die alte ritterliche und zärtliche Achtung vor vem ſchönen Geſchlecht. Es war ganz natürlich, daß ſie das Allgemeine auf ſich anwandte; ſie war ja durch die große Welt geſchritten, nur um zu be⸗ zaubern und zu beſiegen. Wahrſcheinlich bot ihr großer Reichthum und ihre ſociale Stellung dem zartfühlenden Stolz des Maltravers ein Hemmniß; ſo war ihre Hoffnung und ihr Glaube; dennoch em⸗ pfand ſie die Gefahr und ihr Stolz wurde zuletzt beunruhigt. In ſolchem Augenblick trat ſie auf als der unbekannte Correſpondent mit Maltravers; ſie hatte Maltravers geſchrieben und ihren Brief an ſeine V ſie nach ſie wuß In dieſ veland1 wenn er ermahnt wünſcht dem Br und der Allen e Florenee ihre Er ſein beſ Maltrav barkeit ihm der wird ſch breitete iſt ſüßer nen von or dar⸗ re Täu⸗ werden m Altar ing und urückhal⸗ e— bot am ihrer ich Beide undener, entdeckte, mereien, ogar da⸗ obgleich ne Worte eStimme ch, denn htung vor rlich, daß war ja m zu be⸗ bt ihr lung dem Hemmniß; nnoch em⸗ rde zuletzt ie auf als avers; ſie Brief an ſeine Wohnung adreſſirt, am nächſten Tag wollte ſie nach London und denſelben dorthin abſenden, da ſie wußte, daß Maltravers ihn bald erhalten müßte. In dieſem Briefe hatte ſie ſeinen Beſuch bei Cle⸗ veland und ſeine Stellung hinſichtlich ihrer beſprochen, wenn er ſie liebe zum Geſtändniß, wo nicht zur Flucht ermahnt. Sie hatte klug und beredt geſchrieben; ſie wünſchte ihr eigen Schickſal zu beſchleunigen; mit dem Briefe im Buſen hatte ſie Maltravers getroffen und der Leſer weiß das übrige. Etwas von dem Allen enthüllte jetzt die erröthende und glückliche Florence, als ſie mit der ſanften weiblichen Furcht ihre Erzählung ſchloß, daß ſie zu kühn geweſen zu ſein beſorge,— da war es nicht wunderbar, daß Maltravers ſie an ſeinen Buſen ſchloß, die Dank⸗ barkeit und Entzückung der Eitelkeit empfand, welche ihm der Liebe zu gleichen ſchien, und dies Gefühl wird ſchnell und entzückend ſich in Liebe verſenken, wenn das Schickſal und der Zufall es erlaubt! Jetzt befanden ſich Beide am Ufer des Stromes; die Sonne bot denſelben lieblichen Untergang, wie am Abend zuvor. Es war ungefähr dieſelbe Stunde⸗ die ſchönſte an einem Herbſttage; Niemand war ihnen nah; der Abhang des Hügels verbarg das Haus vor ihren Blicken. Selbſt in einer Wüſte hätten ſie nicht einſamer ſein können. Sie wurden nicht von Sckwei⸗ gen umringt, als ſie ſich auf die Bank ſetzten, über welche eine breite Buche das zitternde Laubdach aus⸗ breitete; allein dies Murmeln der lebendigen Natur iſt ſüßer, als das Schweigen ſelbſt; die Vögel ſangen; —— 230 am entgegengeſetzten Ufer klangen die Schellen der Schafe; der Wind ſeufzte in den Bäumen und das ſanfte Schwellen der glänzenden Wogen wuſch die duftende Binſe und Waſſerlilie zu ihren Füßen. Einige Augenblicke ſaßen ſie ſchweigend, dann unterbrach Flo⸗ rence die Pauſe, aber mit leiſerer Stimme wie gewöhnlich. „Ach,“ ſagte ſie, indem ſie ſich zu ihm wandte, „dieſe Stunden find glücklicher wie alle, die wir in der gedrängten Welt vorfinden werden, wohin uns Ihr Geſchick beruft. Was mich betrifft, ſo ſcheint der Ehrgeiz beendet. Ich habe Alles gefunden; ich werde nicht länger von den Wünſchen ein unbeſtimmtes Etwas zu gewinnen gejagt— ein ſchattenhaftes Reich, das wir Ruhm oder Macht nennen. Der einzige Ge⸗ danke, welcher den ruhigen Strom meiner Seele ſtört, beſteht in der Furcht, ein Theilchen des reichen Be⸗ ſitzes, den ich erlangte, zu verlieren.“ „Mag Ihre Furcht ſtets eitel ſein!“ „Sie lieben mich wirklich! Dieſen einen Satz wiederhole ich ſtets in meinen Gedanken. Einſt hätt' ich ertragen können, Sie zu verlieren. Jetzt wäre Ihr Verluſt mein Tod. Ich verzweifelte, jemals wegen meiner ſelbſt geliebt zu werden; mein Reich⸗ thum war meine verhängnißvolle Mitgift; ich arg⸗ wöhnte Habſucht in jedem Gelübde und ſah die nie⸗ drige Welt im Grunde jedes Herzens lanern, welches an meinem Altare anbetete. Aber Sie, Ernſt— ich empfinde dies— Sie konnten nie das Geld in die Wagſchale legen; wenn Sie mich lieben, ſo lieben Sie mich wegen meiner ſelbſt.“ „Un „Da weniger Ich beſr erſcheine Eiferſüc dieſe her wollte je für mich Dies es hätte verliebt ſo heftig furchtbar „Sat er mit e trauen a iſt Zwei Ein volles G Um ſah Lum Terraſſe ſam eine 231 llen der„Und ich werde Dich mehr mit jeder Stunde lieben.“ und das„Das weiß ich nicht; ich beſorge, daß Sie mich uſch die weniger lieben werden; wenn Sie mich mehr kennen. Einige Ich beſorge, daß ich Ihnen als zu viel verlangend ach Flo⸗ erſcheinen werde. Schon jetzt bin ich eiferſüchtig. öhnlich. Eiferſüchtig war ich ſogar auf Lady D***, als ich wandte, dieſe heute Morgen an Ihrer Seite erblickte. Ich wir in wollte jeden Ihrer Blicke beſitzen, jedes Ihrer Worte hin uns für mich in Anſpruch nehmen.“ ſcheint Dies Geſtändniß gefiel Maltravers durchaus nicht; den; ich es hätte ihm höchſtens gefallen können, wenn er tiefer ſtimmtes verliebt geweſen wäre. Eiferſucht bei einer Fran von es Reich, ſo heftigem und befehlendem Weſen war wirklich eine zige Ge⸗ furchtbare Leidenſchaſt. ele ſtört,„Sagen Sie das nicht, theure Florence,“ ſprach chen Be⸗ er mit ernſem Lächeln. Liebe ſollte unbedingtes Ver⸗ trauen als Pfand und Weſen enthalten; Eiferſucht iſt Zweifel und Zweifel iſt der Tod der Liehe.“ ten Satz Ein Schatten flog über Florence's zu ausdrucks⸗ inſt hätt' volles Geſicht und ſie ſeufzte ſchwer. etzt wäre Uum dieſe Zeit erhob Maltravers den Blick und jemals ſah Lumley Ferrers vom entgegengeſetzten Ende der n Reich⸗ Terraſſe auf ſie zukommen; zugleich erhob ſich lang⸗ ich arg⸗ ſam eine dunkle Wolke über dem Himmel; das Waſſer die nie⸗ ſchien getrübt und der ſanfte Wind hörte auf. Eine „welches kalte und ſonderbare Ahnung von übel durchzuckte ſt— ich vas Herz von Ernſt, welcher, wie ſo manche Per⸗ d in die ſonen mit lebhafter Einbildungskraft, ohne es zu ſo lieben wiſſen, hinſichtlich der Ahnungen abergläubiſch war. „Wir ſind nicht länger allein,“ ſagte er auf⸗ 232 ſtehend;„Ihr Vetter hat ohne Zweifel unſere Ver⸗ lobung vernommen und kommt, um Ihrem Bräuti⸗ gam Glück zu wünſchen.“ „Sagen Sie mir,“ fuhr er ſinnend fort, als ſie Ferrers entgegen gingen,„hegen Sie von Lumley eine ſehr gute Meinung? Was halten Sie von ſei⸗ nem Charakter? Dieſer ſetzt mich wirklich in Ver⸗ legenheit. Bisweilen glaube ich, daß er ſich verändert hat, ſeit wir uns in Italien trennten, bisweilen aber, daß er ſich nicht verändert hat, ſondern zur Reife gediehen iſt.“ „Seit meiner Kindheit habe ich Lumley gekannt,“ erwiderte Florence,„und ſehe an ihm manche Eigen⸗ ſchaften, die ich bewundern und lieben muß; ich be⸗ wundere ſeine Kühnheit und Aufrichtigkeit, ſeine Ver⸗ achtung, die er gegen die Kleinlichkeit und Falſchheit der großen Welt hegt. Mir gefällt ſeine Gutmüthig⸗ keit und Heiterkeit und ich glaube, ſein Herz iſt beſſer, als es einem oberflächlichen Beobachter ſcheint.“ „Mir aber ſcheint er ſelbſtfüchtig und grundſatzlos.“ „Nur aus ſchöner Verachtung der Laſter und Thor⸗ heiten der Menſchen hat er die Gewohnheit angenom⸗ men, allein ſeinen eigenen entſchloſſenen Willen um Rath zu fragen; weil er Alles auf dieſer lärmenden Bühne für Betrug hält, hat er ſeinen Ehrgeiz dieſer allgemeinen Mode anbequemt; obgleich er diejenige Geiſtesgabe, welche man Genie nennt, nicht beſitzt, wird er hohe Stellung und Macht erlangen, wie ſie nur ſelten ein Mann von Genie erreicht.“ „Weil das Genie ſeinem Weſen nach ehrlich iſt,“ ſagte Me mit größe den wirkl Heuchler iſt mein 1 „Dritt trat,„ſin ich ſchmeie dasjenige digung det dürfen.“ „Sie „Die Seite; int mich ſchon ca va-t-il ſehr liebe ſpottet. gebackenen ſchämtheit tönenden allein mei ere Ver⸗ Bräuti⸗ , als ſie Lumley von ſei⸗ in Ver⸗ verändert bisweilen dern zur gekannt,“ e Eigen⸗ eine Ver⸗ Falſchheit utmüthig⸗ iſt beſſer, int.“ dſatzlos.“ und Thor⸗ angenom⸗ Lillen um lärmenden geiz dieſer diejenige n, wie fie hrlich ißt,“ 233 ſagte Maltravers.„Sie belehren mich jedoch, ihn mit größerer Nachſicht zu betrachten. Ich beargwöhne den wirklichen Freimuth von Menſchen, die ich als Heuchler im öffentlichen Leben kenne. Vielleicht aber iſt mein Urtheil zu hart.“ „Dritte Perſonen,“ ſagte Ferrers, als er zu ihnen trat,„ſind auf dem Lande niemals unwillkommen; ich ſchmeichle mir mit der Hoffnung, daß ich gerade dasjeuige Ding bin, deſſen Sie zur Vervollſtän⸗ digung des Zaubers an dieſer ſchönen Landſchaft be⸗ dürfen.“ „Sie ſind ſtets beſcheiden, Vetter.“ „Die Beſcheidenheit kenne ich als meine ſchwache Seite; indeß mit Jahren und mit Weisheit will ich mich ſchon beſſern. Ah, cher Maltravers, comment da va-t-il?“ Bei den Worten umſchlang Ferrers ſehr liebevoll Ernſt's Arm.„Beiläufig geſagt, ich bin zu vertraut; ich bin in die Welt verſunken und ein Menſch, über den ihr altmodiſchen Familienleute ſpottet. Jetzt bin ich der nächſte Erbe einer neu⸗ gebackenen Pairie. Sott, ich fühle bereits Unver⸗ ſchämtheit in mir!“ „Was, iſt Herr Templeton....?“ „Herr Templeton iſt nicht mehr, er iſt verſtor⸗ ben, erloſchen; aus der Aſche erhebt ſich der Phönir Lord Vargrave. Zuerſt dachten wir an einen voll⸗ tönenden Titel: de Courval iſt ein edlerer Klang; allein mein guter Onkel hat nichts vom Normannen an ſich, und ſo gaben wir das„de“ als lächerlich auf. Vargrave klingt gut und iſt zweckmäßig. Mein Onkel 234 beſitzt ein Gut des Namens. Baron Vargrave von gerrer Vargrave—“ ins Geſicht „Ich wünſche Ihnen Glück.“ alsdann ſc „Danke! Lady Vargrave kann noch alle meine gänger an Hoffnungen über den Haufen werfen; allein nichts erſten Läut⸗ gewagt, nichts gewonnen. Mein Onkel kommt heute land beriet in die Zeitungen; der arme Mann, wie er ſich freuen eine neue 3 wird! und da er mir ſicherlich viel verdankt, ſo Meinung a wird er, wie ich glaube, ſehr dankbar ſein, oder mich menbeetes v ſpäter ſehr haſſen; das iſt die gewöhnliche Ausglei⸗ weide entſp chung. Eine Wohlthat iſt ein vollkommener Einſatz Verhandlun im Hazardſpiel zwiſchen dem Daumen des Stolzes Cvuſine bei und dem kleinen Finger der Neigung. Vorne Dank⸗ ſagte mit barkeit, hinten Haß. Das Gleichniß iſt nach Art der theure Flor alten Schriftſteller in vollkommenem, unbeflecktem Eng⸗ zu ſein; ich liſch, hm!“ London tra „Iſt das ſchöne Kind der Frau Templeton oder ſind. So ſe vielmehr der Lady Vargrave eine Tochter aus früherer konnte ich« Ehe?“ fragte Maltravers zerſtreut. her zu kom „Ja, er liebt es auf erſtaunenswerthe Weiſe. lichſten Glü Ein hübſches, kleines Geſchöpf, aber verflucht liſtig. ich ſorglos — Beiläufig geſagt, Maltravers, wir hatten in der mein Herz letzten Sitzung der vergangenen Seſſion einen uner⸗ ſeine Theiln warteten Sturm. Die Abſtimmung erwies eine ſehr eifrigeres un große Stimmenzahl, die Miniſter kamen in große wie jetzt derq Noth. Ich habe für ſie eine ganz gute Rede ge⸗ halten, glaube jedoch, daß ein Wechſel ſtattfinden wird. Die Moderirten werden Theil an der Regie⸗ rung bekommen. Vielleicht kann ich Ihnen nächſte den Druck Saiſon Glück wünſchen?“ aber mit Ri grave von alle meine lein nichts mmt heute ſich freuen dankt, ſo oder mich e Ausglei⸗ ner Einſatz es Stolzes rne Dank⸗ ch Art der cktem Eng⸗ leton oder us früherer the Weiſe. lucht liſtig. tten ein der einen uner⸗ s eine ſehr in große e Rede gi⸗ ſtattfinden der Regie⸗ nen nächſle Ferrers ſah Maltravers bei den Worten ſcharf ins Geſicht; Ernſt aber erwiderte kalt und ausweichend; alsdann ſchloß ſich ihnen eine Geſellſchaft Spazier⸗ gänger an, die auf dem Grasplatze in Erwartung des erſten Läutens der Tafelglocke umherſchlenderten. Cleve⸗ land berieth ſich eifrig über den paſſenden Platz für eine neue Fontaine; er forderte Maltravers auf, ſeine Meinung abzugeben, ob ſie aus der Mitte eines Blu⸗ menbeetes oder unter dem Schatten einer großen Trauer⸗ weide entſpringen ſollte. Während dieſe intereſſante Verhandlung im Gange war, nahm Ferrers ſeine Couſine bei Seite, drückte ihr liebevoll die Hand und ſagte mit ſanfter und zärtlicher Simme:„Meine theure Florence, jetzt erlauben Sie mir, vertraulich zu ſein; ich hörte von Lord Saringham, den ich in London traf, daß Sie mit Maltravers verſprochen ſind. So ſehr ich auch mit Geſchäften überhäuft war, konnte ich es dennoch nicht unterlaffen, ſogleich hier⸗ her zu kommen, um Ihnen meine beſten und ernſt⸗ lichſten Glückwünſche darzubringen. Vielleicht ſcheine ich ſorglos und man hält mich für ſelbſtfüchtig, allein mein Herz fühlt warm für diejenigen, die wirklich ſeine Theilnahme erregen. Niemals hat ein Bruder ein eifrigeres und zärtlicheres Gebet zum Himmel geſandt, wie jetzt der arme Lumley Ferrers für Florenee Lascelles.“ Florence ſtutzte und wurde gerührt; der ganze Ton und das ganze Weſen Lumley's war von ſeinem gewöhnlichen durchans verſchieden. Sie gab mit Wärme den Druck ſeiner Hand zurück und dankte ihm kurz, aber mit Rührung. 236 „Niemand iſt groß und gut genug für Sie, Flo⸗ renee,“ fuhr Ferrers fort.„Ich bewundere aber Ihre uneigennützige und großmüthige Wahl. Maltravers und ich, wir ſind ſeit Kurzem keine Freunde geweſen, allein ich achte ihn ſo, wie ihn Alle achten müſſen. Er beſitzt edle Eigenſchaften und großen Ehrgeiz; außer der tiefen und glühenden Liebe, die Sie ihm noth⸗ wendig einflößen müſſen, wird er auch zur ewigen Dankbarkeit verpflichtet ſein. In unſerem ariſtokra⸗ tiſchen Staate ſichert ihm Ihre Hand das glänzendſte Vermögen und die ſtolzeſte Laufbahn. Sein Talent wird jetzt nach einem verſchiedenen Maßſtabe gemeſſen werden. Sein Verdienſt wird nicht durch untergeord⸗ nete Stufen hindurch müſſen, ſondern auf einmal ſich zu den höſten Poſten erheben. Wie muß er, da er mehr ſtolz wie ehrgeizig iſt, Dankbarkeit gegen eine Dame fühlen, welche ihn auf einmal in die höchſten Stellungen erhebt.“ „Er denkt nicht an ſolche weltliche Vortheile; er beſitzt zu reines und feines Gefühl,“ ſagte Florenee, indem ſie vor Aufregung zitterte.„Er hegt keinen Geiz, keine Habſucht in ſeinem Charakter.“ „Darin erweiſen Sie ihm Gerechtigkeit; in ſeiner Seele findet ſich kein Theilchen niederen Sinnes; das habe ich nicht geſagt. Die Größe ſeiner Beſtrebungen, ſein unwilliger und verachtender Stolz erheben ihn über die Berückſichtigung Ihres Reichthums und Ran⸗ ges; daran denkt er allein als an ein Mittel zum Zweck.“ „Darin irren Sie ſich ebenfalls,“ ſagte Florenee, indem ſie lächelte, aber erblaßte. „Nein, ſie nicht zu auszuführen Maltravers Verbindung einem niedr geben. Sein im Herzen; geurtheilt, Bei den als ſie in d umwölkte S Er benahm und ſprach erweckte bei barkeit, der gab. Um ſie erinnern, d ſchaften nich werben. Sie, Flo⸗ aber Ihre Maltravers egeweſen, müſſen. Er geiz; außer ihm noth⸗ zur ewigen n ariſtokra⸗ glänzendſte ein Talent be gemeſſen untergeord⸗ einmal ſich er, da er gegen eine die höchſten ortheile; er te Florenee, hegt keinen it; in ſeiner Sinnes; das eſtrebungen, erheben ihn s und Ran⸗ zum Zweck.⸗ te Flrene, 237 „Nein,“ begann Ferrers aufs Neue, indem er ſie nicht zu hören und nur ſeine Gedanken weiter auszuführen ſchien,„ich habe ſtets vorher geſagt, Maltravers werde in der Ehe eine ausgezeichnete Verbindung ſchließen, er werde ſich nie der Liebe zu einem niedrig geborenen oder armen Mädchen hin⸗ geben. Seine Liebe liegt eben ſo ſehr im Stolz, wie im Herzen; er iſt ein hoher Mann, Sie haben klug geurtheilt, Gott möge Sie beglücken!“ Bei den Worten verließ ſie Ferrers, und Florenee, als ſie in den Speiſeſal ging, zeigte eine düſtere und umwölkte Stirn. Ferrers blieb drei Tage im Hauſe. Er benahm ſich beſonders herzlich gegen Maltravers und ſprach wenig mit Florence. Indeß dies Wenige erweckte bei ihr eine eiferſüchtige und unruhige Reiz⸗ barkeit, der ſie ſich mit krankhafter Leichtigkeit hin⸗ gab. um ſie vollkommen zu verſtehen, muß man ſich erinnern, daß ſie bei allen ihren blendenden Eigen⸗ ſchaften nicht geeignet war, die Liebe Anderer zu er⸗ werben. Eine gewiſſe Härte ihres Charakters hatte ſchon in ihrer Kindheit verhindert, daß ſie die Herzen ihrer umgebung ſich gewann. Sie war der Sorgfalt einer Mutter beraubt; ſie hatte wenig oder gar keinen umgang mit Kindern ihres eigenen Alters gehabt; ſie war von einer ſteifen Gouvernante oder von ar⸗ men und ſtolzen weiblichen Verwandten auferzogen worden; ſo hatte ſie niemals die Sanftmuth des Be⸗ nehmens ſich angeeignet, welches die Wechſelſeitigkeit häuslicher Liebe gewöhnlich hervorbringt. Sie wuchs einſam, ungeſellig, herriſch und mit dem ſtolzen Be⸗ 238 wußtſein ihrer Vorzüge, ihrer Geburt, ihrer Stellung und Vortheile auf, womit man ſtets vor ihren Ohren lärmte. Ihr Vater empfand hinſichtlich ihrer eher Stolz wie Liebe; ihre Diener liebten ſie nicht; ſie nahm zu wenig Rückſicht auf Andere und beſaß zu wenig gütiges und angenehmes Benehmen, um die Neigung von Untergebenen zu erwecken; ſie war zu gelehrt und ſtolz, um Vergnügen an der Unterhaltung und Geſellſchaft junger Damen ihres eigenen Alters zu finden; ſie beſaß keine Freunde. Da ſie nun wirk⸗ lich ein ſtarkes Bedürfniß nach Liebe hegte, ſo em⸗ pfand ſie Alles dies eher mit Arger wie Gram; ſie ſehnte ſich, geliebt zu werden, aber ſuchte dies nicht; ſie glaubte, es ſei ihr Schickſal, nicht geliebt zu wer⸗ den, ſie klagte das Schickſal an, nicht aber ſich ſelbft. Als ſie mit der ſtolzen, reinen und edelmüthigen Aufrichtigkeit ihres Charakters Ernſt ihre Liebe ge⸗ ſtand, erwartete ſie eine glühende und leidenſchaftliche Erwiderung; nichts Geringeres konnte ſie zufrieden ſtellen; allein die Gewohnheit und Erfahrung der ganzen Vergangenheit erweckte bei ihr den ewigen Verdacht, ſie werde nicht geliebt; Wermuth und Gift war ihr der Gedanke, daß Maltravers die Vortheile ihrer äußeren Verhältniſſe in anderer Weiſe als eine Schranke für ſeine Anſprüche und als ein Hemmniß für ſeine Leidenſchaften ſollte betrachtet haben. Ihr war es einerlei, ob ihr Liebhaber durch den klein⸗ lichſten Geiz oder die höchſten Beſtrebungen zu ſeiner Bewerbung angeregt wurde, wenn überhaupt ein an⸗ deres Gefühl wie Liehe irgend einen Einfluß auf ſein Herz übte; ſehr genau alle ihre vi haren Zweif „Sonder Florenee ſich vollſtändigſte können Sie ein Vorurth er ſagte ſog geliebt zu w „Ha! wi „Aber w ficherlich alle „Welche Florence mit „Nun, ken, daß er det; mit we ſich auch beſe veland und zu ſuchen. ſpruch auf fuhr fort:, ändert, ſei Stimme ih icht; ſie beſaß zu um die war zu müthigen iebe ge⸗ ſchaftliche zufrieden rung der newigen und Gift Vortheile e als eine Hemmniß enn Ihr en klein⸗ zu ſeiner t ein an⸗ auf ſein 239 Herz übte; Ferrers nun kannte dieſe ihre Schwäche ſehr genau und wußte wohl, wie ſein Lob auf Ernſt alle ihre vielverlangende Eiferſucht und ihren reiz⸗ haren Zweifel gegen Ernſt aufregen konnte. „Sonderbar,“ ſagte er eines Abends, als er mit Florenee ſich unterhielt,„Sie haben an Ernſt die vollſtändigſte und ſiegreichſte Eroberung gemacht! können Sie es wohl glauben? Er hatte gegen Sie ein Vorurtheil gefaßt, als er Sie zum erſtenmal ſah; er ſagte ſogar, Sie ſeien geſchaffen, bewundert, nicht geliebt zu werden.“ „Ha! wirklich? Ja, ja, daſſelbe hat er mir geſagt.“ „Aber wie muß er Sie jetzt lieben! er offenbart ficherlich alle Zeichen.“ „Welche Zeichen, höchſt gelehrter Lumley?“ fragte Florenee mit erzwungenem Lächeln. „Nun, erſtens werden Sie ohne Zweifel bemer⸗ ken, daß er ſeinen Blick niemals von Ihnen abwen⸗ det; mit wem er ſich auch unterhalten und womit er ſich auch beſchäftigen mag, ſo irren ſeine Augen ruhe⸗ los und ſehnſuchtsvoll umher, um einen Blick von Ihnen zu erhaſchen.“ Florenee ſeufzte und blickte auf; am andern Ende des Zimmers unterhielt ſich ihr Liebhaber mit Cle⸗ veland und ſeine Blicke wanderten nie umher, um ſie zu ſuchen. Ferrers ſchien dieſen praktiſchen Wider⸗ ſpruch auf ſeine Theorie nicht zu bemerken, ſondern fuhr fort:„Sein ganzer Charakter hat ſich auch ver⸗ ändert, ſeine Stirn hat die ruhige Majeſtät, ſeine Stimme ihren ſicheren und ruhigen Ton verloren. 240 Iſt er nicht demüthig und verlegen und ärgerlich ge⸗ worden? Lebt er nicht von Ihrem Lächeln? Scheint er Ihnen nicht Vorwürfe zu machen, wenn Sie einen Andern anſehen, und Kummer zu empfinden, wenn Ihre Lippe weniger lächelt? Iſt er nicht ein Weſen des Zweifels, der Furcht und der zitternden Aufre⸗ gung, Sklave eines Schattens, nicht länger Herr der Schöpfung? So iſt die Liebe, die Sie einflößen müſſen, die Liebe, deren Maltravers fähig iſt, denn ich habe geſehen, wie er dieſelbe einer Andern er⸗ wies; aber“ fügte Lumley ſchnell hinzu, als beſorge er zu viel geſagt zu haben,„Lord Saxingham fieht ſich nach mir um, damit ich ſeine Whiſtpartie aus⸗ fülle. Morgen reiſe ich ab. Wann werden Sie wieder nach London kommen?“ „Im Lauf der Woche,“ erwiderte die arme Flo⸗ rence mechaniſch, und Lumley ging fort. In der nächſten Minute ſetzte ſich Maltravers zu ihr hin, welcher ſchärfer beobachtet hatte, wie er es zu thun ſchien. „Theure Florenee,“ ſagte er zärtlich,„Sie ſehen blaß aus; ich beſorge, daß Sie ſich heute Abend nicht wohl befinden.“ „Affektiren Sie keine Theilnahme, welche Sie nicht empfinden,“ ſprach Florenee mit ſtolzer Lippe, aber thränenden Augen.“ „Wie ſo?“ „Es iſt wenigſtens zum erſtenmal, vaß Sie bemerkt haben, ob ich mich gut oder ſchlecht befinde Aber varan iſt nichts gelegen.“ „Theut Sie beleidi „Nichte nicht, Sie ſprechen ka halten. G ja allein ge Lady Fl ſuchte Malt gekränkt au⸗ Blick von il wurfsvoll ſi Florence wr zu wiſſen„ ließ ſich jed ſie befinde ſ Enblich von Zimmert aber nicht ſi und ſah dor ſam mit gef leuchteten R weibliche Li⸗ Kampf. Le „Vergeb⸗ ihm die Ha Ernſt kü rendem Ton zu verwundet Der Himme Bulwer, Herr der einflößen iſt, denn dern er⸗ s beſorge ham fieht rtie aus⸗ ie wieder eme Flo⸗ ravers zu wie er es Sie ſehen bend nicht Sie nicht ppe, aber e bemerkt e Aber „Theure Florence, weßhalb der Ton? Habe ich Sie beleidigt? ſagte Lumley.. „Nichts als zu Ihrem Lobe, fürchten Sie ſich nicht, Sie ſind kein Mann, von dem man leichtfertig ſprechen kann; jevoch ich will Sie hier nicht zurück⸗ halten. Gehen wir zu Cleveland, Sie haben ihn ja allein gelaſſen.“ Lady Florenee erwartete keine Erwiverung, auch ſuchte Maltravers nicht, ſie zurückzuhalten. Er ſah gekränkt aus, und als ſie ſich umwandte, um einen Blick von ihm zu erhaſchen, der, wie ſie hoffte, vor⸗ wurfsvoll ſein würde, war er verſchwunden. Lady Florence wurde nervös und verſtimmt, ſchwatzte vhne zu wiſſen was, und lachte krampfhaft. Cleveland ließ ſich jedoch von ihr zu der Meinung betrügen, ſie befinde ſich in beſter Laune. Enblich ſtand ſie auf und ging durch eine keihe von Zimmern; ihr Herz war bei Maltravers, er war aber nicht ſichtbar. Zuletzt trat ſie ins Gewächshaus und ſah dort aus dem offenen Fenſter, wie er lang⸗ ſam mit gefalteten Armen auf dem vom Monbe be⸗ leuchteten Raſenplatz umherging. Weiblicher Stolz und weibliche Liebe hielten in ihrer Bruſt einen kurzen Kampf. Letztere fiegte und ſie trat zu ihm. „Vergeben Sie mir, Ernſt,“ ſagte ſte, indem fie ihm die Hand reichte,„ich war zu tadeln.“ Ernſt küßte die ſchöne Hand und ſagte in rüh⸗ rendem Ton:„Florence, Sie beſitzen die Macht, mich zu verwunden, ſeien Sie ſchonend in deren Ausübung. Der Himmel weiß es, daß ich nicht wegen des eitlen Bulwer, Maltravers, 1I. 16 242 Wunſches, Gewalt über Sie zu zeigen, einen einzigen Kummer Ihrem Herzen erwecken möchte. Glauben Sie nicht, daß im Zanke von Verliebten eine Süßig⸗ keit liegt, welche den Stachel wieder ausgleicht.“ „Ernſt, ich ſagte Ihnen, daß ich meine Forde⸗ rungen zu hoch ſpanne. Ich ſagte Ihnen, Sie würden mich nicht mehr ſo lieben, wenn Sie mich beſſer kennten.“ „Da waren Sie eine falſche Prophetin. Jeden Tag, jede Stunde, Florenee, liebe ich Sie mehr, mehr als ich es für möglich gehalten hätte.“ „Alſo,“ rief das wunderliche Mädchen, begierig ſich ſelbſt zu quälen, aus,„einmal alſo liebten Sie mich nicht?“ „Florenee, ich will aufrichtig ſein, es war aller⸗ dings nicht der Fall. Jetzt aber erlangen Sie mit Schnelle eine noch größere Herrſchaft über mich, wie meine Vernunft Ihnen zugeſtehen ſollte. Aber hüten Sie ſich! Wenn meine Liebe wirklich ein von Ihnen erſehnter Beſitz iſt, ſo hüten Sie ſich, meine Vernunft gegen Sie zu waffnen. Florenee, ich bin ein ſtolzer Mann. Mein Bewußtſein der glänzenderen Verbin⸗ dungen, welche Sie bilden könnten, macht mich zu einem weniger demüthigen Liebhaber, wie Sie einen ſolchen bei Andern finden könnten. Ich wäre Ihrer nicht würdig, hielte ich nicht ſtreng auf meine Selbſt⸗ achtung.“ „Ach,“ ſagte Florence, in deren Herzen dieſe Worte eine ähnliche Saite berührten,„vergeben Sie mir noch dies einemal. Ich ſelbſt werde mir nicht ſo bald vergeben können.“ Ernſt daß Floret wurde, o machen zu Herzen em glücklich z Gedanken, Liebe hatt müthigen beſtand nu vergelten Sie gi Raſen; Fl „Verki „der heite uns eine nicht, wie dem erhab Zänkereien wirklichen den Vewei Süße Flor welchem Dichter di brüteten, wie Licht, ſtürmiſche einzigen Glauben kennten.“ Jeden Sie mehr, e.“ „begierig ebten Sie war aller⸗ Sie mit mich, wie Aber hüten von Ihnen e Vernunft ein ſtolzer en Verbin⸗ ht mich zu Sie einen wäre Ihrer ine Selbſt⸗ dieſe Worte tSie mir icht ſo bald 243 Ernſt drückte ſie an ſeine Bruſt und empfand, vaß Florence, bei allen ihren Fehlern, ihm ſehr theuer wurde, obgleich er beſorgte, ſie nicht ſo glücklich machen zu können, wie ihr Opfer verdiente. In ſeinem Herzen empfand er, daß ſie nicht geſchaffen ſei, ihn glücklich zu machen; allein darauf waren weder ſeine Gedanken, noch ſeine Beſorgniſſe gerichtet. Seine Liebe hatte jeden Gedanken an ſich ſelbſt in der edel⸗ müthigen Bruſt ausgerottet; ſeine einzige Beſorgniß beſtand nur darin, daß er vielleicht ihre Opfer nicht vergelten könne. Sie gingen ſchweigend und nachſinnend auf dem Raſen; Florenee ſchwermüthig aber glücklich. „Verkünden uns nicht,“ ſagte endlich Maltravers, „der heitere Himmel und die lieblichen Sterne über uns eine Lehre des Friedens? Verkünden ſie uns nicht, wie die Ruhe der Würde des Menſchen und dem erhabenen Weſen der Seele geziemt? Kleinliche Zänkereien und ſelbſtgeſchaffene Sorgen find unſerer wirklichen Natur nicht gemäß. Ihre Störung gibt den Veweis, daß ſie unſerem Weſen widerſtreben. Süße Florence, erlernen wir von jenem Himmel, über welchem nach dem Glauben der alten griechiſchen Dichter die Schwingen der erſten und heiligſten Liebe brüteten, was irdiſche Liebe zu ſein vermag— rein wie Licht, friedlich wie die Unſterblichkeit, welche die ſtürmiſche Welt, damit ſie den Sturm überlebt, be⸗ wacht und hoch über den unten rollenden Wolken und Dünſten ſchwebt. Kleine Seelen mögen in die heiligſte der Regungen glle Bitterkeit und allen Lärm 244 des gemeinen Lebens übertragen! Wir aber wollen als Weſen lieben, welche eines Tages die Bewohner der Sterne ſein werden!“ Viertes Kapitel. Ein glatter und ſchlauer Schurke, ein Aus⸗ finder von Gelegenheiten, mit einem Auge, welches Vorfälle zu verfälſchen und unterzu⸗ ſchieben vermag. Shakſpeare. Der Schurkerei Geſicht läßt nimmer ſich erſchauen, Als bis ſie thätig wird. Derſelbe. „GSie ſehen, theurer Lumley,“ ſagte Lord Saxing⸗ ham, als die zwei Verwandten am nächſtdn Tage, in der Kutſche des Grafen nach London heimfuhren, „Sie ſehen, daß dieſe Ehe von Florence im beſien Fall verflucht verdrießlich iſt.“ „Nun ja, ſie hat ihren Nachtheil; Maltravers iſt ein Mann von Stand und von Genie; allein Männer von Stande ſind im übermaß zu haben und ſein Genie gereicht uns zum Nachtheil, da er nicht einmal zu unſerer Partei gehört.“ „Wahrhaftig, mein Schwiegerſohn wird gegen mich ſeine Stimme geben.“ „Ein praktiſcher, vernünftiger Mann würde die Partei wechſeln, Maltravers aber nicht. Alle Güter aller Parlamentseinfluß und aller Reichthum, der in Familie und in der Partei bleiben müßte, kommt aus der Familie und aus der Partei. Sie haben ganz Recht, mein theurer Lord, die Ehe iſt verflucht ärgerlich.“ „Sie von 100, können. travers eit wahr?“ „Steif Schlimmer müthig ge „Luml ſohn habe Lumle Ich beſitz meiner C meine Fe weniger „Was Florenee ſo gelten wie norm trifft, ſo pleton un wollen ewohner „ein Aus⸗ em Auge, d unterzu⸗ eare. h erſchauen, mfuhren, m beſien altravers e; allein ben und er nicht d gegen ürde die e Büter „der in kommt e haben verflucht 245 „Sie hätte den Herzog von***, einen Mann von 100,000 Pfund jährlichen Einkünften, haben können. Es iſt zu lächerlich! Auch iſt dieſer Mal⸗ travers ein verdammt unangenehmer Menſch, nicht wahr?“ „Steif und ſtattlich; ſeit einigen Jahren ſehr zum Schlimmen verändert. Er iſt eingebildet und hoch⸗ müthig geworden.“ „Lumlei, ich möchte Sie lieber zum Schwieger⸗ ſohn haben.“ Lumley ſtutzte.„Iſt das Ihr Ernſt, Mylord? Ich beſitze nicht das Vermögen von Ernſt; ich könnte meiner Cvuſine keine ſolche Einkünfte bieten; auch iſt meine Familie wenigſtens von mütterlicher Seite weniger alt.“ „Was das Vermögen betrifft, ſo muß das der Florenee bei ihr verbleiben; hinſichtlich der Familie, ſo gelten Verbindungen heutzutage bei weitem mehr, wie normanniſche Abkunft; und was das übrige be⸗ trifft, ſo werden Sie ja der Erbe des alten Tem⸗ pleton und hekommen eine Pairie(eine große Summe baar Geld iſt immer von Nutzen), Sie ſteigen im Parlament, gehören zu unſerer Partei, werden bald im Amt ſein und ſind noch dazu, Schmeichelei bei Seite, ein ſehr angenehmer Geſell. O, ich möchte tauſendmal lieber, daß Florenee ſich in Sie verliebt hätte!“ Lumley Ferrers beugte den Kopf, aber ſagte nichts. Er verſank in Nachfinnen; Lord Saxingham nahm ſein officielles Portefeuille, vertiefte ſich in 246 deſſen Inhalt und vergaß Alles, was die Ehe ſeiner Tochter betraf. Lumley ſchloß die Wagenthür auf, als die Kutſche in Pall⸗Mall hineinfuhr, und bat, man möge ihn an dem Club der Reiſenden ausſteigen laſſen. Wäh⸗ rend Lord Saringham die Angelegenheiten der Nation in Ordnung zu bringen ſuchte, da er doch denen ſeines Haushalts nicht gewachſen war, erkundigte ſich Fer⸗ rers nach der Adreſſe Caſtruccio Ceſarini's. Der Portier konnte ſie ihm nicht geben. Der Signor erkundigte ſich jedoch täglich nach den für ihn ange⸗ kommenen Briefen, Niemand im Club wußte aber, wo er wohnte. Ferrers ſchrieb und ließ bei dem Portier ein Billet an Ceſarini mit der Bitte, ihn ſobald als möglich zu beſuchen und begab ſich dann zu ſeiner Wohnung. Er trat ſogleich in ſein Bibliv⸗ thekzimmer, erſchloß ſein Schreibpult und nahm den Brief heraus, welchen Maltravers wie der Leſer ſich erinnern wird, an Ceſarini geſchrieben und welchen Lumley ſicher verwahrt hatte; ſorgfältig überlas er zweimal dieſe Herzensergießung; beim zweiten Mal glänzte ſein Geſicht und funkelten ſeine Augen. Es iſt jetzt an der Zeit, dieſen Brief dem Leſer vorzu⸗ legen; er lautete folgendermaßen: Vertrauliche Mittheilung. „Mein theurer Ceſarini! „Die Verſicherung Ihrer freundſchaftlichen Ge⸗ fühle iſt mir ſehr willkommen. Obgleich mit Wider⸗ ſtrehen bin ich dennoch geneigt, in Manchem, was Sie über di Was Lady Perſonen bezaubern. zu verſchaff zu befehlen barkeit, we iſt, zu begr — ſich mit zu begnüg Frage zu e tiefe Beſor, zu empfind und eitlen( ihr Vermög ſind nicht wenn wir lichkeit det hinſichtlich gern Erg Ihre Ei ſchlechtes; ſeiner Kutſche ge ihn Wäh⸗ Nation ſeines ch Fer⸗ Der Signor nange⸗ e aber, ei dem e, ihn h ann Bibliv⸗ hm den ſer ſich welchen rlas er n Mal en. Es vorzu⸗ n Ge⸗ Wider⸗ 247 Sie über die Ehe ſagen mit Ihnen übereinzuſtimmen. Was Laby Florenee ſelbſt betrifft, ſo find wenig Perſonen mehr geeignet, zu blenden, vielleicht zu bezaubern. Iſt ſie aber eine Perſon, häusliches Glück zu verſchaffen— Eympathie zu empfinden, wo ſie zu befehlen gewohnt war, die Launen und die Reiz⸗ barkeit, welche unſerem grillenhaften Geſchlechte eigen iſt, zu begreifen und dieſen ſich nachgiebig zu zeigen — ſich mit der Huldigung eines einzigen Herzens zu begnügen? Ich kenne ſie nicht genug, um die Frage zu entſcheiden; ich kenne ſie aber genug, um tiefe Beſorgniſſe und Angſtlichkeit wegen Ihres Glücks zu empfinden, wenn daſſelbe an einen ſo herriſchen und eitlen Charakter gekettet iſt. Sie werden mich an ihr Vermögen, an ihre Stellung erinnern; Sie werden mir ſagen, darin beſtänben die Quellen, aus welchen eine ehrgeizige Seele ein Glück ſich ſchöpfen kann. Ach! ich beſorge, der Mann, welcher Lady Florence heirathet, wird wirklich ſeine Träume über Glück auf dieſe alle Hoffnung tänſchenden Dinge der rauhen Wirklichkeit beſchränken müſſen. Indeß, Ceſarini, dies ſind nicht die Worte, welche ich an Sie richten möchte, wenn wir vertrauter wären. Ich bezweifle die Wirk⸗ lichkeit der Neigungen, die Sie ihr zuſchreiben und hinſichtlich Ihrer vorausſetzen. Sie macht offenbar gern Eroberungen und ſpielt mit ihren Opfern. Ihre Eitelkeit ſpielt mit Perſonen unſeres Ge⸗ ſchlechtes; zuletzt wird ſie davurch getäuſcht werden; Sie dürfen aber nicht glauben, daß ihre Zeit ſchon gekommen iſt. Erlauben Sie mir, Ihnen Vorſicht 248 um Ihrer ſelbſt willen anzurathen. Mehr will ich nicht ſagen. Der Ihrige Maltravers. „Hurrah,“ rief Ferrers aus, als er den Brief wegwarf und ſich mit Entzücken die Hände rieb; als ich Pläne hinſichtlich dieſes Schreibens bildete, glaubte ich nicht, der Zufall werde ihn mir ſo unſchätzbar nützlich machen. Ich brauche jetzt weniger zu ändern, als ich glaubte; der plumpeſte Pfuſcher könnte mit der Sache fertig werden. Laß mich ſehen, hm, hm, die erſte zu verändernde Phraſe iſt folgende: ich kenne ſie aber genug, um tiefe Beſorgniſſe und Angſilichkeit wegen Ihres Glückes zu empfinden— ich kritzle Ihres aus und ſchreibe meines— alles übrige iſt gut, bis zur Phraſe,„ich bezweifle die Wirklich⸗ keit der Neigungen, die Sie Ihr zuſchreiben und hiü⸗ ſichtlich Ihrer vorausſetzen— für Ihrer ſchreibe ich meiner, Jetzt noch muß das Datum in den jetzigen Monat verändert werden und die Sache iſt abgemacht. Ich wünſche, daß der italieniſche Dummkopf kommt. Vermag ich einmal eine nicht auszufüllende Breſche zwiſchen ihr und Maltravers hervorzuhringen, ſo hege ich keinen Zweifel, ſeine Stelle einnehmen zu können; ihre Gereiztheit und ihr Arger wird ſie bewegen, den erſten, welcher ſich anbietet, aus Rache zu nehmen. Bei Jupiter ſelbſt, wenn es mir mißlingt(das ſoll nicht der Fall ſein), ſo iſt es ſchon genug, wenn man Florence als Herzenskönigin für einen Herzog un⸗ ſerer Partei aufbewahrt. Durch eine ſolche Verbin⸗ dung würd alles und rathet; er ich beginne ſoll ſie hab der mir g ſein würde. Lumley „kein Feder Federn— mir eines h Federmeſſer als der Klo nach einer „Es fre indem er ei digen Sie, t habe. Sie er wie geht's? etwas anbie „Wein, Wein.“ Der Di⸗ erhielt den bringen. Lu verſchiedene ihm auf, da der offenbar Als er meh ſchwarzen A will ich rs. en Brief rieb; als glaubte ſchätzbar ändern, nte mit m, hm, ch kenne ſtlichkeit h kritzle übrige und hin⸗ reibe ich jetzigen gemacht. kommt. Breſche ſo hege können; en, en nehmen. das ſoll nn man n⸗ Berbin⸗ 249 dung würde ich unenblich gewinnen; ich verliere aber alles und gewinne nichts, wenn ſie Maltravers hei⸗ rathet; er gehört zur entgegengeſetzten Partei und ich beginne ihn wie Gift zu haſſen. Aber kein Herzog ſoll ſie haben; Florence Ferrers iſt der einzige Klang, der mir gefällt, wie rauh er auch in der Poeſie ſein würde.“ Lumley ſchob ſeinen Schreibzeug zu ſich hin— „kein Federmeſſer? Ach, ja, ich ſchneide mir nie die Federn— eine nutzloſe Zeitverſchwendung! ich muß mir eines holen laſſen.“ Er ſchellte, beſtellte ſich ein Federmeſſer und der Bepiente war kaum aus der Thür, als der Klopſer an der Hausthüre gerührt wurde; nach einer Minute trat Ceſarini ein. „Es freut mich, daß Ste da ſind,“ ſagte Lumley, indem er eine trübſelige Miene annahm;„entſchul⸗ digen Sie, daß ich ſo ohne Umſtände Ihnen geſchrieben habe. Sie empfingen mein Billet?— ſetzen Sie ſich— wie geht's? Sie ſehen ſchwächlich aus, kann ich Ihnen etwas anbieten?“ „Wein,“ ſagte Ceſarini kurz;, Ihr Klima erheiſcht Wein.“ Der Diener trat mit dem Federmeſſer ein und erhielt den Auftrag, Wein und Butterſchnitten zu bringen. Lumley unterhielt ſich hierauf leichthin über verſchiedene Gegenſtände, bis der Wein kam; es fiel ihm auf, daß Ceſarini ein Glas nach dem andern, mit der offenbaren Gier nach Aufregung, ſich einſchenkte. Als er mehre Gläſer geleert hatte, wandte er ſeine ſchwarzen Augen auf Ferrers mit den Worten:„Sie 250 haben mir Nachrichten mitzutheilen, ich ſehe dies an Ihrer Stirn; jetzt bin ich bereit, Alles anzuhören.“ „Wohlan, hören Sie mich an; Ihr Verdacht war richtig; die Eiferſucht pflegt ſtets das Wahre zu er⸗ rathen; ich hege keinen Zweifel, daß Othello recht hatte, und daß Desdemona nicht beſſer war wie er glaubte. Maltravers hat meiner Couſine einen Heiraths⸗ antrag gemacht, und dieſer iſt angenommen worden.“ Ceſarini's Geſicht wurde todtenbleich; ſein ganzer Leib zitterte wie ein Eſpenblatt; für einen Augen⸗ blick ſchien er gelähmt. „Er ſei verflucht,“ ſagte er zuletzt, indem er tiefen Athem ſchöpfte und mit den Zähnen knirſchte;„er ſei verflucht aus der Tiefe des Herzens, das er ge⸗ brochen hat!“ „Und nach einem ſolchen an Sie geſchriebenen Brief! Erinnern Sie ſich veſſelben, hier liegt er; er warnt Sie hinſichtlich der Lady Florence und ſichert ſie ſich dann ſelbſt. Das iſt Verrath!“ „Verrath der Hölle; ich bin ein Italiener,“ rief Ceſarini aus,“ indem er aufſprang und alle Leiden⸗ ſchaften ſeiner Nation in ſeinen Zügen zeigte;„ich will mich rächen! Bankerot im Vermögen, hinſichtlich ver Hoffnungen getäuſcht, im Herzen verſengt, habe ich noch den göttergleichen Troſt der Verzweifelten— ich habe Rache!“ „Wollen Sie ihn herausforbern?“ fragte Lumley nachdenklich und ruhig.„Verfehlen Sie mit der Piſtole niemals Ihr Ziel? Iſt dies der Fall, ſo kann man daran denken, ſonſt wird es zur Spielerei— Ihr Schuß tri danten tre fort, daß ein Poſſer „Herr legenheit i „Auch noch mehr eoncentrirt bei weitem verabſcheue ſeine kalte 1 ſo erzürnt, rath, daß dieſe Ehe Methode u Verfahren Ceſarin murmelte et Sie nicht Füßen, ſo nünftig, o allein.“ dies an uhören.“ acht war re zu er⸗ ello recht rwie er Heiraths⸗ worden.“ in ganzer n Augen⸗ ner tiefen ſchte;„er as er ge⸗ ſchriebenen egt er; er und ſichert ner, rief le Leiden⸗ igte;„ich hinſichtlich engt, habe eifelten— igte Lumley der Piſtole kann man rei— Ihr 251 Schuß trifft nicht; er ſchießt in die Luft; die Seeun⸗ danten treten dazwiſchen und ihr geht Beide vergnügt fort, daß ihr ſo gut davon kommt. Ein Druell iſt ein Poſſen ſpiel.“ „Herr Ferrers,“ ſagte Ceſarini trotzig,„die Ange⸗ legenheit iſt kein Stoff zum Scherzen.“ „Auch betrachte ich ſie nicht als Scherz, und was noch mehr iſt, Ceſarini,“ ſagte Ferrers mit einer eoncentrirten Kraft, welche der Wuth des Italieners bei weitem überlegen war,„was noch mehr iſt, ich verabſcheue Maltravers in ſolcher Weiſe, ich bin durch ſeine kalte überlegenheit ſo verletzt, über ſeinen Erfolg ſo erzürnt, haſſe ſo ſehr den Gedanken an ſeine Hei⸗ rath, daß ich mir gern die Hand abhauen ließe, um dieſe Ehe zu verhindern. Ich ſcherze nicht, aber habe Methode und Verſtand in meinem Haß; dies iſt das Verfahren von uns Engländern.“ Ceſarini blickte ihn düſter an, ballte die Fauſt, murmelte etwas vor ſich hin und ging ſchnell im Zimmer auf und ab. „Sie wollen Rache, ich ebenfalls; mit welchen Mitteln ſollen wir ſie erreichen,“ ſagte Ferrers. „Ich will ihm den Dolch ins Herz ſtoßen, ich will..“ „Laſſen Sie dieſe tragiſche Verrücktheit; blicken Sie nicht zornig und ſtampfen Sie nicht mit den Füßen, ſondern ſetzen Sie ſich und ſeien Sie ver⸗ nünftig, over verlaſſen Sie mich und handeln Sie allein.“ „Herr,“ ſagte Ceſarini mit einem Auge, welches einen weniger entſchloſſenen Mann wie Ferrers ge⸗ 252 ſchreckt hätte,„hüten Sie ſich, ſich gegen mein Elend etwas herauszunehmen.“ „Sie ſind im Elend und weiſen Hülfe zurück; Sie ſind bankerot im Vermögen und raſen wie ein Poet, während Sie Pläne entwerfen ſollten, um gren⸗ zenloſen Reichthum zu erlangen. Rache und Ehrgeiz kann von Ihnen erreicht werden; beides aber find Preiſe die man nur mit vorſichtigen Fuß und kühner Hand erreicht.“ „Was wvollen Sie, daß ich thun ſoll? Nur ſein Tod kann mich zufrieden ſtellen.“ „Nehmen Sie ihm das Leben, wenn Sie es können, ich habe nichts dagegen; bedenken Sie aber dies: Wenn Sie Ihr Ziel verfehlen oder wenn er als der ſtärkere Mann Sie niederſchlägt, ſo wird man Sie wenigſtens auf ein oder zwei Jahre in ein Tollhaus ſperren, und das iſt nicht der Ort, wo ich den Winter zubringen möchte— thun Sie aber wie es Ihnen gefällt.“ „Aher was ſind Sie mir denn? Ich will gehen, guten Tag, Herr.“ „Bleiben Sie noch einen Augenblick,“ ſagte Ferrers, als er ſah, daß Ceſarini das Zimmer verlaſſen wollte; ſetzen Sie ſich und hören Sie mir zu. Sie thäten beſſer, wenn..5 Ceſarini zauderte und gehorchte dann gleichſam mechaniſch. „Wenn Sie dieſen Brief läſen, welchen Maltra⸗ vers Ihnen geſchrieben hat.— Sie ſind mit vem Leſen fertig, nun bedenken Sie— wenn Florence den Brief ſieht, ſo1 ver ihn ſe „Mein ja, in den ſtolzes We her, ich w „Bah, daß dieſer als Maltra ſelbſt hat il um ſo mel Florence w ſagen; jetzt „Wolle das heißen mals, wen rathen wür „Ja, Wir müſſe datiren; T müſſen ang ein Schrei Ehe mit wurde, ſo von Ihnet Heirath E einem and der Brief andern leſe Sie ſelbſt ein Elend fe zurück; n wie ein um gren⸗ id Ehrgeiz aber find ind kühner Nur ſein es können, aber dies: er als der d man Sie n Tollhaus den Winter es Ihnen will gehen, gte Ferrers, iſſen wollte; Sie thäten n gleichſam hen Maltra⸗ it dem Leſen ce den Brief * ſieht, ſo wird und kann ſie ben Mann nicht heirathen, ver ihn ſchrieb; Sie müſſen ihr denſelben zeigen.“ „Mein Schutzengel! ich durchſchaue jetzt den Fall; ja, in dem Briefe finden ſich Worte, welche ein ſo ſtolzes Weib nie verzeihen wird; geben Sie mir ihn her, ich will ihn ſogleich überreichen.“ „Bah, Sie find voreilig; haben Sie nicht bemerkt, daß dieſer Brief vor fünf Monaten geſchrieben iſt, als Maltravers Lady Florence noch wenig kannte. Er ſelbſt hat ihr geſtanden, daß er ſie damals nicht liebte, um ſo mehr wird ſie ihre jetzige Eroberung ſchätzen. Florence würde nur lächeln und nach Leſung des Briefes ſagen jetzt beurtheilt er mich auf verſchiedene Weiſe.“ „Wollen Sie mich wahnfinnig machen? Was ſoll das heißen? ſagten Sie nicht ſo eben, daß ſie nie⸗ mals, wenn ſie den Brief ſähe, den Schreiber hei⸗ rathen würde?“ „Ja, ja, aber der Brief muß verändert werden. Wir müſſen das Datum ausradiren und ihn von heute datiren; Maltravers kehrt nämlich heute zurück. Wir müſſen angeben, daß der Brief nicht als Antwort auf ein Schreiben von Ihnen, worin Sie ihn über Ihre Ehe mit Lady Florence um Rath fragten verfaßt wurde, ſondern daß er die Antwort auf einen Brief von Ihnen bildet, worin Sie ihm über ſeine nahe Heirath Glück wünſchen. Wird ein Pronomen mit einem andern an zwei Stellen erſetzt, ſo läßt ſich der Brief in der einen Weiſe ſo gut wie in der andern leſen; überleſen Sie ihn noch einmal und ſehen St ſelbſt, oder halt, ich will den Brief vorleſen.“ 254 Ferrers las den Brief vor, welcher durch die kleinen, von ihm vorgeſchlagenen Veränderungen allerdings den Sinn erlangen konnte, den er demſelben zu er⸗ theilen wünſchte. „Die Aufforderung am Schluß, hinſichtlich der Vorſicht, läßt ſich,“ ſagte Ferrers, als er geſchloſſen hatte,„in der Art auslegen, daß Ihnen Heimlichkeit und Schweigen hinſichtlich dieſer vertraulichen Privat⸗ mittheilung anempfohlen wird. Geht Ihnen jetzt ein Licht auf? Sind Sie bereit eine Rolle zu übernehmen, welche Schlauheit, Delikateſſe, Gewandtheit und vor Allem Selbſtbeherrſchung erheiſcht? Alle dieſe Eigen⸗ ſchaften find ja Ihren Landsleuten gewöhnlich.“ „Seien Sie unbeſorgt, ich will Alles thun. Die Handlung mag elend und niedrig ſein, aber daran iſt mir nichts gelegen. Maltravers ſoll nicht in allen Dingen als mein Nebenbuhler auftreten, mich über⸗ winden und in Schatten ſtellen.“ „Wo wohnen Sie?“ „Nun, etwas außerhalb der Stadt.“ „Wohnen Sie einige Tage in meinem Hauſe; ich darf Sie nicht außer Augen laſſen. Laſſen Sie Ihr Gepäck holen, ein Zimmer von mir ſteht zu Ihren Dienſten.“ Ceſarini gab zuerſt eine abſchlägige Antwort. Wer jedoch ſich zu einem Verbrechen entſchloſſen hat, empfindet Scheu vor der Einſamkeit und fühlt das Bedürfniß eines Gefährten. Er ging fort, um ſeine Sachen zu holen, und verſprach zum Eſſen wieder zn kommen.„Ich muß geſtehen,“ ſagte Lumley, indem er ſich Streich ſpielte; e Mittel. 1 nur das Q Herr Ma Nach des Feder um wiede doch ließ terer übe noch vor, werden m „Bede erzogen w nach mein ändert. B Verändert ie kleinen, allerdings en zu er⸗ chtlich der geſchloſſen eimlichkeit n Privat⸗ jetzt ein ernehmen, t und vor ſe Eigen⸗ lich.“ thun. Die ber daran t in allen nich über⸗ Hauſe; ich Sie Ihr zu Ihren Antwort. loſſen hat, fühlt das um ſeine wieder zn y, indem 255 er ſich wieder an ſein Schreibpult ſetzte,„dieſer Streich iſt der ſchlechteſte von allen, die ich jemals ſpielte; allein das glorreiche Ende heiligt die elenden Mittel. übrigens iſt eine ſolche Bedenklichkeit ja auch nur das Vorurtheil einer anſtändigen Erziehung. Jetzt, Herr Maltravers, iſt Ihre Sache abgemacht.“ Nach wenig Sekunden hatte Ferrers mit Hülfe des Federmeſſers, um auszuradiren, und der Feder, um wieder zu ſchreiben, ſein Tagewerk ausgeführt; doch ließ er das Datum noch ſtehen, denn bei wei⸗ terer überlegung behielt er ſich deſſen Veränderung noch vor, da dieſelbe nach den Umſtänden beſtimmt werden müßte. „Bedenke ich, daß ich zu dergleichen Sachen nicht erzogen wurde,“ ſagte er zu ſich ſebſt,„ſo habe ich nach meiner Meinung die Buchſtaben ziemlich gut ver⸗ ändert. Bei genauerer Anſicht läßt ſich aber doch die Veränderung erkennen. Deßhalb muß ihr Ceſarini den Brief vorleſen und wenn ſie ihn dann überſieht, ſo geſchieht es ſicherlich mit verſtörten Augen und mit ſchwindelndem Hirn. Vor Allem aber darf er ihr den Brief nicht laſſen und muß ſie zur tiefſten Heimlich⸗ keit verpflichten. Sie beſitzt Ehrgefühl und wird ihr Wort halten; hiemit iſt die Sache abgemacht. Ich habe noch gerade Zeit vor dem Eſſen, zum Hauſe meines Onkels zu reiten und dem alten Kerl Glück zu wünſchen.“ —— 256 Fünftes Kapitel. Auch hat Mylord noch Manches auf bem Herzen, Das er Euch mitzutheilen wünſcht. Crabbe. Lord Vargrave ſaß allein in ſeiner Bibliothek und hatte ſeine Handlungsbücher aufgeſchlagen. Sorgfältig berechnete er die verſchiedenen Summen, die in man⸗ nigfachen Spekulationen angelegt, ſein Einkommen erhöhten. Das Reſultat war befriedigend; der reiche Mann legte mit ſtrahlendem Antlitz ſeine Fever nieder, „120,000 Pfd. will ich auf Landgüter anlegen, jes doch nur 120,000 Pfd.; ich laſſe mich nicht in Ver⸗ ſuchung führen, mehr darauf zu verſchwenden; ich muß ein ſchönes Haus kaufen— ein Haus, wie es ſich für einen Pair geziemt, ein Haus aus den Zeiten der Eliſaheth, ein ſchönes, altes Haus von hiſtori⸗ ſchem Intereſſe. Ich muß Wälder und Seen beſitzen, vor Allem aber einen Park mit Rothwild. Rothwild eignet ſich ſehr ſür Perſonen von Stande. Wie ich weiß, wird Clifford's Gut verkauft; man forbert einen hohen Preis, aber das baare Geld iſt anlockend; ich will handeln und das verſtehe ich. Wäre ich jetzt Lord Baron Vargrave, wenn ich Alles hergegeben hätte, warum mich die Leute baten? Ich will meine Unter⸗ zeichnungen für die Bibelgeſellſchaft und den philan⸗ thropiſchen Verein und für das Bauen neuer Kirchen verdoppeln. Die Welt ſoll nicht ſagen, daß Richard Templeton ſeine Größe nicht verdient. Ich will. wer iſt da? herein!“ Die neuen La bitte um „Te Eurer La Lady „Sie übereinan Händen! im Armf die mir in unſerer ple. e haus iſt edelmann mäß wohr dem Tite zu meiner als mein dem Herzen, abbe. othek und orgfältig in mau⸗ inkommen der reiche er nieder, egen, je⸗ t in Ver⸗ en Zeiten n hiſtori⸗ n beſitzen, Rothwild Wie ich dert einen ckend; ich jetzt Lord en hätte, ine Unter⸗ n philan⸗ er Kirchen ß Richard will.. Die Thür öffnete ſich leiſe; das ſanfte Geſicht der neuen Lady kam zum PVorſchein,„ich ſtöre Sie, ich bitte um Verzeihung.“ „Treten Sie ein, meine Theure; ich muß mit Eurer Ladyſchaft ſprechen; ſetzen Sie ſich, ich bitte.“ Lady Vargrave gehorchte. „Sie ſehen,“ ſagte der Pair, indem er die Beine übereinanderſchlug und ſein linkes Knie mit beiden Händen liebkoste, während er ſeinen ſtattlichen Leib im Armſtuhl hin⸗ und herrückte—„Sie ſehen, daß die mir übertragene Ehre eine große Veränderung in unſerer Lebensart hervorbringen wird, Frau Tem⸗ ple ich wollte ſagen Lady Vargrave. Dies Land⸗ haus iſt ſchon recht gut, recht gut für einen Land⸗ edelmann, jetzt aber müſſen wir unſerem Range ge⸗ mäß wohnen. Das Gut, welches ich beſitze, geht mit dem Titel auf Lumley über, ich will mir ein anderes zu meiner Verfügung kaufen, ein ſolches, welches ich als mein Eigenthum durchaus betrachten kann. Der Ort ſoll ein prächtiger ſein, Lady Vargrave.“ „Dies Haus hier iſt prächtig genug für mich,“ ſagte Lady Vargrave furchtſam. „Unſinn! Lady Vargrave, Sie müſſen jetzt höhere Ideen erlernen; Sie ſind noch jung und können leicht neue Gewohnheiten annehmen, weit leichter wie ich. Von Natur ſind Sie zu einer großen Dame geeignet, ob ich gleich es vielleicht nicht ſagen ſollte; Sie be⸗ ſitzen guten Geſchmack. Sie ſprechen nicht viel und zeigen ſo nicht Ihre Unwiſſenheit— ganz recht. Sie müſſen bei Hofe vorgeſtellt werden, Lady Vargrave; Bulwer, Maltravers. II. 17 258 wir müſſen große Mittageſſen geben, Lady Vargrave. Bälle find ſündhaft; das iſt auch die Oper, wenig⸗ ſtens nach meiner Meinung; indeß eine Opernloge wäre eine zweckmäßige Zuthat zu Ihrem Rang, Lady Vargrave.“ „Mein theurer Herr Templeton 4 „Lord Vargrave, wenn es Enrer Ladyſchaft ge⸗ fällig iſt.“ „Ich bitte Sie um Verzeihung; mögen Sie noch lange leben, um Ihre Ehren zu genießen; aber ich, mein theurer Lord, bin nicht geeignet, dieſelben zu theilen; nur in unſerem jetzigen Leben kann ich ver⸗ geſſen, was ich war. Sie erſchrecken mich, wenn Sie vom Hofe ſprechen, von.4 „Albernes Zeug! Lady Vargrave, albernes Zeug! Wir gewöhnen uns an derlei Dinge. Sehe ich wie ein Mann aus, der hinter dem Ladentiſch ſtand? Der Rang iſt ein Handſchuh, welcher ſich nach der Hand ſtreckt, die ihn trägt, und das Kind, das liebe Kind, die theure Eveline, wird die Bewunderung Londons, die Schönheit, die Erbin ſein; ſie wird uns Ehre machen.“ „Gewiß,“ ſagte Lady Vargrave, und Thränen floſſen aus ihren Augen. Lord Vargrave ward gerührt; er erhob ſich von ſeinem Lehnſtuhl, nahm ſeine Frau bei der Hand und küßte mit Liebe ihre Stirn. „Niemals erwarb eine Mutter größeres Verdienſt um ein Kind, wie Sie um Eveline.“ „Ich hoffe, nur meine Pflicht gethan zu haben,“ ſagte Lady Vargrave, indem ſie ſich die Thränen trocknete. „Papa des Kindes ſpiele Ball Am Fe glühten vo Haar flatt lächelte mi „Liebes Dich nicht ſchlimmen will ſogleich „Bleib gut wie D Freude nicke Lord Va halten Sie er kurz. „Er ſch beſitzen, Fre Lord Va ich bin der „und ich hof beabſichtige, wurde Lumle Erbe zu bet ihn zu thun welches mit nügt, denſe Mein Haupt hinterlaſſen. Bargrave. „wenig⸗ pernloge ng, Lady chaft ge⸗ Sie noch aber ich, ſelben zu mich ver⸗ wenn Sie es Zeug! ich wie d? Der der Hand Kind, die ons, die machen.“ Thränen ſich von er Hand Verdienſt haben,“ rocknete. „Papa, Papa!“ rief die ungeduldige Stimme des Kindes, das an's Fenſter klopfte,„komm und ſpiele Ball mit mir, Papa!“ Am Fenſter ſtand das ſchöne Kind; ſeine Wangen glühten von Geſundheit und Heiterkeit; das leichte Haar flatterte von der Stirn hinab, der ſüße Mund lächelte mit manchen Grübchen. „Liebes Kind, geh' auf den Raſenplatz; ſtrenge Dich nicht zu ſehr an, Du haſt Dich von jener ſchlimmen Verrenkung noch nicht genug echolt; ich will ſogleich zu Dir kommen.“ „Bleib nicht ſo lange Papa, Nlemand ſpielt ſo gzut wie Du.“ Die junge Fee lief eilig fort, aus Freude nickend und lachend. Lord Pargrave wandte ſich zu ſeiner Frau.„Was halten Sie von meinem Neffen, von Lumley?“ fragte er kurz. „Er ſcheint alle liebenswürdigen Eigenſchaften zu beſitzen, Freimuth und Güte.“ Lord Vargrave's Stirn wurbe nachdenklich.„Auch ich bin der Meinung,“ ſagte er nach einer Pauſe, „und ich hoffe, Sie werden dasjenige, was ich zu thun beabſichtige, billigen. Wie Sie wiſſen, meine Theure, wurde Lumley in dem Gedanken erzogen, ſich als mein Erbe zu betrachten; ich bin verpflichtet, etwas für ihn zu thun, abgeſehen von dem ärmlichen Gute, welches mit dem Titel vererbt wird, aber nicht ge⸗ nügt, denſelben in gehörigem Glanze zu erhalten. Mein Hauptvermögen werde ich dem lieben Mädchen hinterlaſſen. Könnten wir gber nicht Vermögen und Titel vereinigen? Dann wird ihr der Rang geſichert und alle meine Wünſche, alle meine Pflichten erfüllt.“ „Aber,“ ſagte Ladh Vargrave mit offenbarem Erſtaunen,„wenn ich Sie richtig verſtehe, ſo iſt ja die Ungleichheit der Jahre.... „Was bedeutet das, Lady Vargrave? Findet ſich zwiſchen uns keine Ungleichheit der Jahre? Dieſe iſt ja größer als zwiſchen Lumley und dem großen Miädchen dort. Lumley iſt ja noch immer ein junger Mann von 25; er wird wenig älter als 40 ſein, wenn ſich Beide verheirathen. Ich war zwiſchen 50 und 60 Jahr alt, als ich Sie heirathete, Lady Var⸗ grave, und ich ſchmeichle mir mit dem Gedanken, daß ich Ihnen einen trefflichen Ehemann abgegeben habe.“ „Gewiß, aber.5 „Ehen unter Knaben und Mädchen kann ich nicht leiden; denn der Mann muß älter ſein, wie die Frau. Sie aber ſind zu romantiſch geſtimmt, Lady Var⸗ grave; außerdem iſt Lumley ſo munter und ſieht ſo gut aus und benimmt ſich ſo gut. Er war ſehr nahe daran, ſich ſonſt zu verlieben; aber das iſt jetzt, wie ich hoffe, aus ſeinem Kopf; Beide müſſen ſich ein⸗ ander gern ſehen. Sie müſſen mir nicht widerſpre⸗ chen, Lady Vargrave, und wenn mir etwas zuſtößt — nun, das Leben iſt ungewiß.“ „O, ſagen Sie das nicht, mein Freund, mein Wohlthäter!“ „Nun,“ begann Se. Lordſchaft mit mildem Ton, „dem Himmel ſei Dank, ich befinde mich ſehr wohl; ich fühle mich jünger wie jemals; aber das Lehen iſt ungewiß, Sie meiner legen.“ „Gewiß Geſchick de aber ſo ju gleichen Alt „Bah! Kopf, wen wollen ſie: habe ich no Geheimniß! nicht aus de ich nicht ru barkeit, me Lord Ve dann nahm indem er v Beſten!“ dem Raſenp ſelben, er, wie ſie und müdet und nen Garten ungeordnete Stirn und werde zu al meine Stell „Gewiß, mir eine ſchö g geſichert n erfüllt.“ offenbarem , ſo iſt ja Findet ſich e Dieſe em großen ein junger s 40 ſein, wiſchen 50 Lady Var⸗ anen, daß eben habe.“ nn ich nicht ie die Frau. Lady Var⸗ ind ſieht ſo r ſehr nahe ſt jetzt, wie en ſich ein⸗ widerſpre⸗ was zuſtößt eund, mein nildem Ton, ſehr wohl; as Lehen iſt 261 ungewiß, und wenn Sie mich überleben, ſo müſſen Sie meinem Hauptplane kein Hinderniß in den Weg legen.“ „Gewiß nicht! Sie beſitzen das Recht, über das Geſchick des Kindes in allen Dingen zu verfügen; aber ſo jung, ſo ſanftmüthig! wenn ſie Jemand gleichen Alters lieben ſollte....“ „Bah! Liebe kommt dem Mädchen nicht in den Kopf, wenn ſie dorthin nicht verpflanzt wird. Wir wollen ſie in der Liebe gegen Lumley erziehen. Auch habe ich noch einen andern wichtigen Grund— unſer Geheimniß! ihm darf ich es vertrauen. Es darf nicht aus der Familie kommen; ſogar im Grabe würde ich nicht ruhen, wenn ein Flecken auf meine Acht⸗ barkeit, meinen Namen geheftet würde.“ Lord Vargrave ſprach feierlich und mit Wärme; dann nahm er ſeinen Hut und verließ das Zimmer, indem er vor ſich hinmurmelte:„Ja, ſo iſt's am Beſten!“ Bald war er bei ſeinem Stiefkinde auf dem Raſenplatz; er ſchäkerte und ſpielte mit dem⸗ ſelben, er, der ſteife, ſtolze Mann! er lachte lauter wie ſie und lief beinahe eben ſo ſchnell. Als fle er⸗ müdet und athemlos war, ließ er ſie in einem klei⸗ nen Gartenhauſe neben ſich hinſitzen, ſtrich ihr die ungeordneten Haarflechten mit Zärtlichkeit von der Stirn und ſagte:„Kind, Du ermüdeſt mich; ich werde zu alt, um mit Dir zu ſpielen. Lumley muß meine Stelle erſetzen. Du liebſt Lumley?“ „Gewiß, er iſt ſo gut gelaunt und artig; er hat mir eine ſchöne Puppe mit ſo großen Angen gegeben“ „Du ſollſt ſeine kleine Frau werden. Magſt Du ſeine kleine Frau werden?“ „Nun, meine arme Mama iſt eine Frau und iſt nicht ſo glücklich wie ich.“ „Deine Mama iſt nicht geſund, meine Theure,“ ſagte Lord Vargrave, ein wenig außer Faſſung ge⸗ bracht;„aber es iſt doch etwas Schönes, eine Frau zu ſein und einen Wagen zu haben und ein ſchönes Haus und Juwelen und Geld genug, und über ſich ganz nach Gefallen verfügen zu können. Lumley wird Dich auch recht lieben.“ „O ja, daus Alles möchte ich gern.“ „Und dann auch wirſt Du einen Beſchützer haben, wenn ich nicht mehr bin.“ Der Ton eher als die Worte des Stiefvaters er⸗ füllte das Herz des Kindes mit Trübſinn. Eyveline ſchlug die Angen auf, blickte ihm ernſthaft ins Ge⸗ ſicht, umſchlang ihn mit den Armen und brach in Thränen aus. Lord Vargrave wiſchte ſich die Augen und bedeckte ſie mit Küſſen. „Ja, Du ſollſt Lumley's Frau werden, ſeine geehrte Frau, die Erbin meines Ranges und Vermögens.“ „Ich will Alles thun, was Papa wünſcht.“ „So wirſt Du Lady Vargrave werden und Lumley Dein Gemahl,“ ſagte der Stiefvater mit Nachdruck. „Vergiß nicht, was ich ſagte; jetzt komm zur Mama. Wahrhaſtig, da iſt ja Lumley ſelbſt; inveß iſt es noch nicht Zeit, ihn auszuforſchen. Ich hoffe, er hat bei jener Lady Florence kein Glück.“ Mittle Wege nach heit des V zu Pferde bende ſeier wären, un ſo gut aus In der Ste artigen Un tung des keit dieſer Vergleich! ſtellen ließ jeder Verc Thore fort ſammelt we herrſchte ei Glückes, w — ein allg Leib vorzu Lage war v bei gewöhn blick waren auf ſie blick im Auge f Nagſt Du u und iſt Theure,“ ſſung ge⸗ eine Frau in ſchönes über ſich mley wird tzer haben, vaters er⸗ Eyeline t ins Ge⸗ brach in die Augen ine geehrte rmögens.“ ſt. ud Lumley Nachdruck. ur Mama. weß iſt es ffe, er hat Sechstes Kapitel. Herrliche Begegnung Zweifacher Liebe, die ſich ſelten ſindet. Shakſpeare. Mittlerweile befanden ſich die Verlobten auf dem Wege nach London. Die balſamiſche und heitere Schön⸗ heit des Wetters hatte ſie veranlaßt, die kurze Reiſe zu Pferde zurückzulegen. Irgend Jemand ſagt, Lie⸗ hende ſeien nie ſo ſchön, als wenn ſie bei einander wären, und weder Florence noch Ernſt hatten jemals ſo gut ausgeſehen, als wie ſie damals zuſammen ritten. In der Stattlichkeit und Anmuth, ſogar in dem avler⸗ artigen Umriß ihrer Geſichtszüge und der ſtolzen Hal⸗ tung des Halſes lag ein Etwas, welches eine Ahnlich⸗ keit vieſer jungen Leute hervorrief, obgleich ſich kein Vergleich hinſichtlich des Grades ihrer Schönheit an⸗ ſtellen ließ, denn die Reize der Florence ſprachen jeder Vergleichung Hohn. Als ſie aus Clevelands Thore fortritten, wo die andern Gäſte zaudernd ver⸗ ſammelt waren, um den Gruß des Lebewohls zu ſagen, herrſchte eine allgemeine überzeugung hinſichtlich des Glückes, welches den beiden Verlobten beſchieden war — ein allgemeiner Eindruck, daß Beide in Seele und Leib vorzugsweiſe ſich für einander eigneten. Ihre Lage war von der Art, wie ſie immer Intereſſe, ſogar bei gewöhnlichen Leuten, erregt, und in dem Augen⸗ lick waren Beide vollkommen bellebt, bei Allen, welche auf ſie blickten. Als der gute alte Cleveland mit Thränen im Auge ſich hinwegwandte und„Gott ſegne ſie!“ 264 murmelte, befand ſich nicht ein Einziger in der Ge⸗ ſellſchaft, welcher Bedenken getragen hätte, dem Ge⸗ bete ſich anzuſchließen. Florence empfand eine namenloſe Niebergeſchlagen⸗ heit, als ſie einen durch ſo liebliche Erinnerungen geheiligten Ort verließ.„Wann werden wir wieder ſo glücklich ſein,“ ſagte ſie ſanft, als ſie umblickte, um die Landſchaft anzuſchauen, die heiter durch Blumen und Geſträuch und durch das friſche, engliſche Grün wie ein Garten hinter ihnen lächelte. „Wir wollen einen Verſuch machen, ob mein alter Landſitz mit ſeinen düſtern Schatten uns an dieſe ſchönere Landſchaft, meine Florence, erinnern kann.“ „Beſchreiben Sie mir den Charakter Ihres Gutes. Wir werden dort hauptſächlich wohnen, nicht wahr? Gewiß wird er mir beſſer gefallen als Marsden⸗Court, venn ſo heißt ein großer Bau mit Gewölben und Säulen, nach Vanburghs ſchwerfälligſtem Geſchmack, welcher hald Ihr Eigenthum ſein wird.“ „Ich beſorge, wir werden all Ihr großes Gefolge, Kammerbdiener und patagoniſche Lakaien, und der Himmel weiß was ſonſt noch in den Löchern und Win⸗ keln von Burleigh niemals unterbringen können,“ ſagte lächelnd Maltravers. Alsdann beſchrieb er den alten Landſitz mit dem nicht unangenehmen Stolze eines Landedelmanns; Florence horchte und Beide bildeten Pläne, veränderten, fügten hinzu und verbeſſerten und entwarfen ſich eine Charte für die Zukunft. Von dieſem Gegenſtand kamen ſie auf einen andern, welcher Flo⸗ rence in gleicher Weiſe intereſſirte. Das Werk, womit ſich Maltre in den Hä mit Verm die überze fallen hatt würde; ſie mit Ausna So entſcht der Landſt mit der 2 hatte. M rigen Red und Erinn lich und fi war nicht Ort auch allmählig, ſtadt gelan Dame von nahe verge Takt genu Rittes ein witzig und und Gefüh „Werd rence furch „Ich b habe mehr bevor ichen ich dort hir tein alter e ſchönere 0 es Gutes. t wahr n⸗Court, lben und eſchmack, Gefolge, und der und Win⸗ können,“ b er den olze eines bildeten erten und on dieſem cher Flo⸗ k, womit 265 ſich Maltravers beſchäftigt hatte, war vollſtändig und in den Händen des Druckers; Florence unterhielt ſich mit Vermuthungen über die Recenſionen. Sie hegte die überzeugung, daß Alles, was ihr beſonders ge⸗ fallen hatte, für das größere Publikum Caviar ſein würde; ſie wollte nicht glauben, daß irgend Jemand, mit Ausnahme ihrer ſelbſt, Maltravers verſtehen könne. So entſchwand ihnen die Zeit, bis ſie auf die Stelle der Landſtraße kamen, wo das Abenteuer von Ernſt mit der Tochter der Frau Templeton ſich ereignet hatte. Maltravers hielt plötzlich inmitten ſeiner eif⸗ rigen Rede an, als der Ort ſeine Ideenverbindungen und Erinnerungen in ihm erweckte; er ſah ſich ängſt⸗ lich und forſchend um, allein die ſchöne Erſcheinung war nicht wieder ſichtbar, und welchen Eindruck der Ort auch erweckt haben mochte, ſo erſtarb derſelbe allmählig, als ſie in die Vorſtädte der großen Haupt⸗ ſtadt gelangten. Zwei andere Herren und eine junge Dame von zweiunddreißig Jahren(ich hatte dieſe bei⸗ nahe vergeſſen) gehörten zur Geſellſchaft, beſaßen aber Takt genug, um während des größeren Theils des Rittes ein wenig zurückzubleiben, und die junge Dame, witzig und kokett, hatte für beide Reiter Geſchwätz und Gefühl zur Hand. „Werden Sie heute Abend kommen?“ fragte Flo⸗ rence furchtſam. „Ich beſorge, dies wird mir nicht möglich ſein. Ich habe mehre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, bevor ich nach Burleigh reiſe, und nächſte Woche muß ich dort hin. Drei Monate, theuerſte Florence, werden kaum genügen, um Burleigh ſo herauszuputzen, wie es ſich für die Begrüßung der neuen Herrin geziemt. Ich habe ſchon die großen modernen Künſtler der Drapperien und des Malergoldes herbei beſtellt, um mit ihnen zu berathen, wie Aladins Palaſt zur Auf⸗ nahme der neuen Prinzeſſin geeignet iſt. Und dann noch die Juriſten! kurzum, ich erwarte, alle Hände voll Geſchäfte zu haben. Morgen aber um drei Uhr werde ich bei Ihnen ſein, und wenn der Tag ſchön iſt, können wir ausreiten.“ „Wahrhaftig,“ ſagte Florence,„da iſt Signor Ceſarini; wie abgemagert und verändert er ausſieht.“ Maltravers wandte den Blick auf den Ort, worauf Florence zeigte, und ſah Ceſarini aus einem Neben⸗ wege hervorkommen; ein Laſtträger hinter ihm trug einige Bücher und einen Koffer. Der Italiener, welcher mit ſich ſelbſt ſprach und geſtikulirte, bemerkte ſie nicht. „Der arme Caſtruceio, er ſcheint ſeine Wohnung zu verlaſſen,“ dachte Maltravers.„Ich beſorge, daß er jetzt die letzte Summe, die ich ihm zukommen ließ, verbraucht haben wird. Ich darf nicht vergeſſen, ihn ausfindig zu machen und ſeine Börſe wieder zu füllen. Vergeſſen Sie nicht,“ ſagte er laut,„mit ihm zu ſprechen und ihm zuzureden, daß er die Anſtellung, vie wir früher erwähnten, nicht zurückwelst.“ „Ich will es nicht vergeſſen; morgen vor unſerer Zuſammenkunft will ich ihn ſehen, aber Ernſt, die Aufgabe iſt wirklich peinlich.“ „Das geſtehe ich zu, aber Florence, Sie find ihm einigen Erſatz ſchuldig. Ohne Zweifel hielt er ſich einmal zu hinſichtlich fremde Ge erkannte.“ „Glar ſolche Err „Sie e ach, Flore nichteter„ „Wah nahe ſchau mir frühe empfinde ſchöpf ein „Eine „Wohlan heit; könr Jugend v hängigkeit ſo dürfen nie verzeil raubt hab die wir ei werbungen Ihre Bere den Eindr nicht verfe Als T hatte, na viener kon en, wie geziemt. ſtler der ellt, um zur Auf⸗ nd dann e Hände drei Uhr ag ſchön Signor usſieht.“ „worauf Neben⸗ hm trug „welcher ſie nicht. Vohnung rge, daß men ließ, ſſen, ihn u füllen. ihm zu ſtellung, unſerer nſt, die ſind ihm er ſich 267 einmal zu Hoffnungen berechtigt. Seine Unwiſſenheit hinſichtlich unſerer engliſchen großen Welt und ſeine fremde Geburt verhinderte, daß er die Eitelkeit jener erkannte.“ „Glauben Sie mir, ich ertheilte ihm kein Recht, ſolche Erwartungen ſich zu bilden.“ „Sie entmuthigten aber dieſelben nicht zur Genüge; ach, Florence, ſchlagen Sie niemals die Schmerzen ver⸗ nichteter Hoffnung oder verachteter Liebe zu gering an.“ „Wahrlich, es iſt furchtbar,“ ſagte Florence bei⸗ nahe ſchaudernd;„wie ſonderbar! mein Gewiſſen machte mir früher niemals ſolche Vorwürfe. Seit ich liebe, empfinde ich zum erſtenmal, welch ein ſchlechtes Ge⸗ ſchöpf eine.. „Eine Kokette iſt,“ unterbrach ſie Maltravers. „Wohlan! denken wir nicht mehr an die Vergangen⸗ heit; können wir aber einem begabten Mann, deſſen Jugend viel verſprach, zu einer ehrenvollen Unab⸗ hängigkeit und einer geſunden Seele wieder verhelfen, ſo dürfen wir es nicht unterlaſſen. Mir kann Ceſarini nie verzeihen; er wird glauhen, daß ich Sie ihm ge⸗ raubt habe. Bei uns Männern aber beſitzt die Frau, die wir einmal liebten, ſogar wenn ſie unſere Be⸗ werbungen zurückweist, noch immer einige Gewalt; Ihre Beredſamkeit, die ſo oft mich aufrichtete, kann den Eindruck auf eine noch mehr erregbarere Natur nicht verfehlen.“ Als Maltravers, nachdem er Florence verlaſſen hatte, nach Hauſe kehrte, ließ er ſeinen Lieblings⸗ viener kommen, gab ihm Ceſarini's Adreſſe in Chel⸗ 268 ſea, befahl ihm, auszufinden, wo bieſer wohnte, wenn er ſeine Wohnung verlaſſen hätte, und in ſeinem jetzigen Hauſe, oder wenn er daſſelbe nicht entvecken könne, im Reiſenden⸗Club ein Brieſcouvert zurückzulaſſen, deſſen Abreſſe er den Diener ſchreiben ließ und welches eine Banknote von einigem Betrag enthielt. Wundert ſich der Leſer, weßhalb wohl Maltravers ſich zum unbekannten Wohlthäter des Italieners in dieſer Weiſe aufwarf, ſo muß ich ihm ſagen, daß er Maltravers nicht richtig verſteht. Ceſarini war nicht der einzige Literat, deſſen Fehler er bemitleidete und den er in ver Noth unterſtützte. Obgleich ſein Name nur ſelten in den pomphaften Liſten öffentlicher Subſeriptivnen erglänzte, obgleich er den Mäcen und Beſchützer zu ſpielen verachtete, hegte er warmes Mitgefühl für ſeine Nebenmenſchen und eine Art Dankbarkeit für Alle, welche dieſelbe aufzurichten oder zu entzücken ſuchten. Da er ſelbſt ein Schriftſteller war, ſo ver⸗ mochte er die ungeheure Schuld zu ſchätzen, welche die Schriftſteller an die Welt zu fordern haben, und nur mit Verleumdung im Leben und dürrem Lorbeer nach dem Tode bezahlt erhalten. Die Liebe zum Schönen bewahrte das Herz von Ernſt Maltravers als ſanft und mitleidig, zum Wohlthun geneigt und großmüthig. Ferrere ſchwiegen, Auge, als erhielt.„Z hatte,„kot wünſcht Si gelegt, we Hier iſt es Ceſarir es war ſe Wunſch, i „Was entſchuldig „Nein wiſſen Wo muthe ich ſichtlich we Gedanke f Lumler diente der „Ja, „So lo wir mit di „wenn jetzigen könne, ulaſſen, welches Pundert ichzm rWeiſe ltravers einzige ner in r ſelten iptionen ützer zu fühl für keit für ntzücken ſo ver⸗ „ welche en, nd Lorbeer Schönen als ſanft ßmüthig. 269 Siebentes Kapitel. Don Juan. Wie 2 kannſt Du dieſe Ehe Borachiv. ehrliche Weiſe, Herr. ſondern ſo verdeckt, daß in mir keine Unehrlichkeit zum Vor⸗ ſchein kommen wird. Ferrers und Ceſarini ſaßen beim Wein und Beide ſchwiegen, denn ſie hotten nur denſelben Zweck im Auge, als Lumley Ferrers ein Billet von Florence erhielt.„Dies Billet, ſagte er, nachdem er es geleſen hatte,„kommt zur glücklichen Stunde. Lady Florenee wünſcht Sie zu ſehen und hat ein Billet an Sie bei⸗ gelegt, welches Sie mich bittet, Ihnen einzuhändigen. Hier iſt es.“ Ceſarini nahm das Billet mit zitternder Hand; es war ſehr kurz abgefaßt und enthielt allein den Wunſch, ihn morgen um zwei Uhr zu ſprechen. „Was mag es ſein,“ rief er aus,„wird ſie ſich entſchuldigen wollen?“ „Nein, Florence wird ſo nicht handeln; aus ge⸗ wiſſen Worten, die fie im Geſpräch fallen ließ, ver⸗ muthe ich aber, daß Sie Ihnen einen Antrag hin⸗ ſichtlich weltlicher Vortheile zu machen hat. Ha, ein Gedanke fällt mik ein.“ Lumley ſprang auf und ſchellte:„Wartet der Be⸗ diente der Lady Florence auf eine Antwort?“ „Ja, Herr.“ „So laſſen Sie ihn warten. Ceſarini, jetzt müſſen wir mit doppelter Keckheit handeln; kommen Sie ins 270 nächſte Zimmer, ſetzen Sie ſich dort an mein Pult und ſchreiben Sie an Maltravers ein Billet, das ich Ihnen diktiren will.“ Ich?“ „Ja, Sie müſſen ſich jetzt gänzlich in meine Ge⸗ walt begeben; ſchreiben Sie! wenn Sie fertig find, will ich Ihnen den Grund darlegen.“ Ceſarini gehorchte und der Brief lautete auf fol⸗ gende Weiſe: Theurer Maltravers! Ich habe Ihre nahe Heirath mit Lady Florence Lascelles erfahren. Erlauben Sie mir, Ihnen Glück zu wünſchen. Was mich betrifft, ſo habe ich eine eitle und thörichte Leidenſchaft überwunden und kann Ihr Glück ohne einen Seufzer betrachten. Ich habe alle meine alten Vorurtheile gegen die Ehe wieder überdacht und halte dieſelbe für einen Stand, welcher nur durch die vollkommenſte über⸗ einſtimmung des Temperaments der Zwecke und der Geſinnungen erträglich werden kann. Wie ſelten findet ſich eine ſolche übereinſtimmung! In Ihrem Fall iſt ſie vielleicht vorhanden Die Liebe dieſes ſchönen We⸗ ſens iſt ohne Zweifel eine glühende und dieſe wurde Ihnen zu Theil! Schreiben Sie dem überbringer dieſes einige Zeilen, worin Sie mik die Verſicherung geben, daß Sie an meine Aufrichtigkeit glauben. Der Ihrige Caſtruccio Ceſarini. „Copiren Sie dieſen Brief, ich brauche die Ab⸗ ſchrift; ſchnell! Jetzt verſiegeln Sie das Billet und ſchreiben S die Hausflur der Lady Fl Seamor⸗Pla und dieſe al Billet an Le nur, ich we entſchuldigen Krone.“ „Ich ver rini, als er darlegen?“ „Gewiß! Billets werde Beweis Ihre zeigen; merke frühere Brie auf zu ſein dieſes Ihr Bi befolgen Sie freiwillig un nen, wie wir vielmehr dieſſ wegen des un unwürdigen G ihren Augen hat die Karte geſchlagen; ic Maltravers i Wohnung he tein Pult „ das ich neine Ge⸗ rtig find, auf fol⸗ Florence en Glück eine eitle kann Ihr gegen die für einen ſte über⸗ und eder ten findet n Fall iſt önen We⸗ eſe wurde erbriner rſicherung auben. arini. e die Ab⸗ Billet und 271 ſchreiben Sie die Adreſſe. Recht ſo, gehen Sie in die Hausflur, geben Sie das Schreiben dem Bevienten der Lady Florenee und bitten Sie dieſen, es nach Seamor⸗Place zu bringen, die Antwort zu erwarten und dieſe abzuliefern; mittlerweile können Sie ein Billet an Lady Florence beendet haben. Sagen Sie nur, ich werde den Aufitrag bei Ihrer Ladyſchaft entſchuldigen und geben Sie dem Manne dieſe halbe Krone.“ „Ich verſtehe kein Wort von dem,“ ſagte Ceſa⸗ rini, als er zurückkehrte, wollen Sie mir die Gründe darlegen?“ „Gewiß! die Copie des an Maltravers geſchickten Billets werde ich heute Abend Lady Florence als einen Beweis Ihres beruhigten und großmüthigen Gefühles zeigen; merken Sie ſich, es iſt ſo verfaßt, daß der frühere Brief Ihres Nebenbuhlers eine Antwort dar⸗ auf zu ſein ſcheint. Morgen wird eine Berufung auf dieſes Ihr Billet unſern Entwurf leichter durchführen; befolgen Sie meine Anleitungen, ſo werden Sie nicht freiwillig unſere geſchmiedeten Briefe zu zeigen ſchei⸗ nen, wie wir zuerſt die Abſicht hegten; Sie müſſen vielmehr dieſelben aus großmüthigem Antrieb und wegen des unwiderſtehlichen Wunſches, ſie vor einem unwürdigen Gatten und einem unglücklichen Schickſal ihren Augen nur widerſtrebend darlegen. Das Glück hat die Karten für uns gemiſcht und Trumpfaß auf⸗ geſchlagen; ich wette drei gegen eins, wir gewinnen. Maltravers iſt ohnedem zu Hauſe. Ich hielt an ſeiner Wohnung heute an, als ich von meinem Onkel heim⸗ kehrte und erfuhr, daß er den ganzen Abend nicht ausgehen würde.“ In gehöriger Zeit kam die Antwort von Ernſt; ſie war kurz und eilig, aber voll von der männlichen Güte ſeiner Natur; ſie ſprach Bewunderung und Ent⸗ zücken über den Ton in Ceſarini's Brief aus; ſie wiverrief alle früheren Bemerkungen, welche der Lady Florence zum Nachtheile gereichten; ſie geſtand die Härte und den Irrthum ſeiner erſten Eindrücke; ſie enthielt jeden Ausbruch des Zartgefühls, welcher Ce⸗ ſarini beſänftigen und wieder ausſöhnen konnte und ſchloß mit den Gefühlen der Freundſchaft und dem Wunſch, zu dienen, in ſo herzlicher, ehrlicher und von aller Ziererei der Gönnerſchaft freien Weiſe, daß ſogar Ceſarini beinahe gerührt wurde, obgleich er durch Leidenſchaft ſchon halb verrückt war. Lumleh ſah den Wechſel in ſeinen Zügen, riß ihm den Brief aus der Hand, überlas ihn und warf ihn mit den Worten ins Feuer:„Wir müſſen uns gegen Zufälle ſichern.“ Dann klopfte er dem Italiener vertraut auf die Schulter und fuhr fort:„Jetzt können Sie keine Gewiſſensbiſſe mehr fühlen, denn noch nie habe ich ein ſo jeſuitiſches Geſchwätz voll Hohn und Schmei⸗ chelei geleſen. Wo iſt jetzt Ihr Billet an Lady Flo⸗ renee. Empfehlen Sie ſich ihr beſtens; Sie werden dieſelbe um zwei Uhr beſuchen. Gut!— jetzt iſt die Probe vorüher, die Scene geordnet, ich will mich an⸗ eröffnen. — kleiden und für Sie die Bühne mit einem Prolog Am nä nach der Ve redung mit ſtets zu trei ſchung beſitz wiedergab, Worte und ihrem Kiſſer ben hatten. Sie erho regung, als beugte. Na erlangte ſie ſtellte dem„ bend nicht on Ernſt; nännlichen un Ent aus; fie e er Lad eſtand die drücke; ſie welcher Ce⸗ konnte und t und dem rlicher und Weiſe, daß obgleich er r. Lumleh den Brief hn mit den gen Zufälle vertraut auf n Sie keine ie habe ich inb Schmei⸗ n Lady Flo⸗ Sie werden jetzt iſt die vill mich an⸗ em Prolog Achtes Kapitel. In der Tieſe des Herzens erkochte die Scham und der Wahnfinn Mit der Trauer gemiſcht, und die Liebe ge⸗ peiſcht von der Geißel, Welche die Furie ſchwang, und Bewußtſein eigener Tugend. Virgil. Am nächſten Tage ſtellte ſich Ceſarini pünktlich nach der Verabredung zu ſeiner entſcheidenden Unter⸗ redung mit Lady Florence ein. Ihr Geſicht, welches ſtets zu treu, wie bei den meiſten keine Selbſtbeherr⸗ ſchung beſitzenden Perſonen, die inneren Eindrücke wiedergab, war ungewöhnlich geröthet. Lumley hatte Worte und Winke fallen laſſen, die den Schlaf von ihrem Kiſſen und die Ruhe aus ihrer Seele vertrie⸗ ben hatten. Sie erhob ſich von ihrem Sitz mit nervöſer Auf⸗ regung, als Ceſarini eintrat und ſich mit Ernſt ver⸗ beugte. Nach einer kurzen Pauſe der Verlegenheit erlangte ſie jedoch ihre Selbſtbeherrſchung wieder und ſtellte dem Italiener mit dem zarten und gewandten weiblichen Takte die Zweckmäßigkeit vor, daß er ein jett ihm dargereichtes Anerbieten ehrenvoller Selbſt⸗ ſtändigkeit annehmen möge. „Sie beſitzen Fähigkeiten,“ ſagte Sie zum Schluß; Sie beſitzen Freunde und Jugend; benützen ſie dieſe Gaben der Natur und des Glücks und betreten Sie eine Laufbahn(Lady Florence fügte dies mit einem Licheln hinzu), welche Dante als nicht unverträglich mit der Poeſie erkannte.“ Bulwer, Maltravers. 1I. —— 274 „Ich kann gegen eine Laufbahn nichts einwenden,“ ſagte Ceſarini mit erzwungener Ruhe, welche mich von einem Lande entfernt, wo ein Reiz für mich nicht länger vorhanden iſt. Ich danke Ihnen für Ihre Güte und will Ihnen gehorchen; mögen Sie glücklich ſein — und dennoch— v nein— glücklich müſſen Sie ſein! Sogar Er wird früher oder ſpäter Sie mit meinen Augen betrachten! „Ich weiß,“ erwiderte Florence mit bebender Stimme, daß Sie weiſe und großmüthig eine ver⸗ gangene Täuſchung überwunden haben. Herr Ferrers erlaubte mir, den Brief, den Sie an Er. an Herrn Maltravers ſchrieben, zu leſen; er war Ihrer würdig und rührte mich tief. Ich hoffe, daß Sie noch die Vorurtheile aufgeben, die Sie gegen 4 „Halt,“ unterbrach ſie Ceſarini;„hat Ihnen Fer⸗ rers auch die Antwort auf dieſen Brief mitgetheilt?“ „Nein.“ „Es iſt mir lieb.“ „Weßhalb?“ „Daran iſt nichts gelegen; Gott ſegne Sie! Leben Sie wohl.“ „Nein, ich flehe Sie an, gehen Sie noch nicht. Was ſtand in dem Briefe, das mir Schmerz erwecken könnte? Lumley gab mir dunkle Winke, wollte mir aber Nichts ſagen. Seien Sie freimüthiger.“ „Ich kann nicht; ich würde Maltravers verrathen; ich würde gegen Sie grauſam ſein. Dennoch wäre ich wirklich grauſam?“ „Nein gewiß nicht; Sie wären gütig und gnädig. 3 bei ſich.“ „Sie 1 leſen; Sie den er Iht „Manr Sie mich d verleumden Gehen Sie „Lady hen, daß i der Brief, leſen? ich „Ich glauben, g „Wohl verſprechen willigung 2 den Brief ich ſeinen indem ich nung erthe Andern zu ſprechen.“ wenden,“ ſche mich nich nicht hre Güte cklich ſein üſſen Sie Sie mit bebender eine ver⸗ rr Ferrers an Herrn rer würdig e noch die Ihnen Fer⸗ tgetheilt?“ Sie! Leben noch nicht. erz erwecken wollte mir ger.“ z verrathen; nnoch wäre gütig un 275 gnädig. Zeigen Sie mir den Brief, Sie haben ihn bei ſich.“ „Sie würden es nicht ertragen können, ihn zu leſen; Sie würden mich wegen des Kummers haſſen, den er Ihnen ertheilt. Laſſen Sie mich ſcheiden.“ „Mann! Sie erweiſen Maltravers Unrecht; laſſen Sie mich den Brief ſehen. Sie wollen ihn im Dunkeln verleumden, da Sie ihn nicht offen überweiſen können. Gehen Sie, ich handelte Unrecht, Ihnen zuzuhören.“ „Lady Florenee, hüten Sie ſich, mich ſo zu ſchmä⸗ hen, daß ich Sie aus der Täuſchung reiße. Hier iſt der Brief, es iſt ſeine Handſchrift, wollen Sie ihn leſen? ich warne Sie nicht länger.“ „Ich werde allein dem Zeugniß meiner Augen glauben, geben Sie ihn her.“ „Wohlan denn! unter zwei Bedingungen. Erſtens verſprechen Sie mir heilig, daß Sie ohne meine Ein⸗ willigung Maltravers nicht enthüllen wollen, daß Sie den Brief geſehen haben. Glauben Sie nicht, daß ich ſeinen Zorn fürchte. Nein! Bei dem tödtlichen Zuſammentreffen, welches, wenn Sie mich verriethen, erfolgen müßte, würde auch Ihr Ruf in den Augen der Welt heruntergeſetzt werden und ſogar ich, deſſen Entſchuldigung unbekannt wäre, müßte in ſolcher Weiſe erſcheinen, als hätte ich, im Gehorſam gegen Ihre Wünſche, nicht die Geſetze der Ehre befolgt, indem ich Ihnen, ſo lange es noch Zeit iſt, die War⸗ nung ertheile, Ihre Liebe nicht für die Habſucht eines Andern zu verſchleudern. Geben Sie mir dies Ver⸗ ſprechen.“ 276 „Ich verſpreche es Ihnen feierlich.“ „Zweitens, geben Sie mir die Verſicherung, daß Sie mich nicht bitten werden, den Brief zu behalten; Sie müſſen ihn mir ſogleich zurückgeben.“ „Auch dies verſpreche ich; her damit.“ „Hier iſt der Brief“ Florence ergriff das verhängnißvolle und verfälſchte Schreiben und durchlas es ſchnell; ihr Gehirn ward ſchwindlig, ihre Augen verdunkelt; die Ohren ſchienen ihr zu klingen; ſie wurde krank und betäubt durch Aufregung, aber ſie las genug. Dieſer Brief alſo war die Antwort auf den, welchen Caſtruecio am vergangenen Abend geſchrieben hatte; er ſprach Wider⸗ willen gegen ihren Charakter, die Unmöglichkeit, ſie zu lieben, aus; er gab genügende Andeutung über die habſüchtige Beſchaffenheit ſeiner Gefühle. Auch dort, wo ſie ihr Herz als Kleinod verſchenkt hatte, war ſie nicht Florence, das liebenswürdige und ge⸗ liebte Weib, ſondern die reiche und hochgeborene Erbin. Die Welt, welche ſie ſich auf die Treue und das Herz des Maltravers erbaut hatte, zerbröckelte an ihren Füßen. Der Brief fiel ihr aus der Hand; ihre ganze Geſtalt ſchien zuſammenzuſchrumpfen und zu runzeln; ihre Zähne waren zuſammengebiſſen, ihre Wange ſo weiß wie Marmor. „O Gott!“ rief Ceſarini, von Gewiſſensbiſſen erſchüttert;„Florence, ſagen Sie mir nur ein Wort! Ich that Unrecht, vergeſſen Sie den verhaßten Brief, ich war falſch!“ „Ha, ſagen Sie das noch einmal! Nein, nein, ich erinnet und tiefe 6 ſich für J Ihr Herz Ich danke baren Sch „O Le rence, wü murmelte( Schläfe dr letzt blieb ins Geſicht ſagen und „Nein, Sie verlaff zitternd, j Wuth über „Gehe einer auff „Fürchten Stolz als der Bruſt einer Mut beſitze kein wieder tre daß er auf Bald d ueeiv am ch Wider⸗ . Auch kt hatte, und ge⸗ hgeborene reue und erbröckelte er Hand; pfen und ngebiſſen, ſensbiſſen in Wort! en Brief, in, nein, ich erinnere mich, daß er mir ſagte, er, der weiſe und tiefe Richter des menſchlichen Charakters, er wolle ſich für Ihre Rechtlichkeit verbürgen; Ihre Ehre und Ihr Herz ſei ohne Flecken. Es iſt die Wahrheit. Ich danke Ihnen, Sie haben mich vor einem furcht⸗ baren Schickſal bewahrt.“ „O Lady Florence, theure, zu theure Lady Flo⸗ rence, würde dies ach, ſie hört mich nicht,“ murmelte Caſtruccio, als Florence, die Hand an ihre Schläfe drückend, im Zimmer auf⸗ und abging; zu⸗ lett blieb ſie Ceſarini gegenüber ſtehen, blickte ihm ins Geſicht, gab ihm den Brief ohne ein Wort zu ſagen und wies auf die Thür. „Nein, nein, befehlen Sie noch nicht, daß ich Sie verlaſſe,“ ſagte Ceſarini, aus reuiger Erregung zitternd, jedoch halb außer ſich, wegen eiferſüchtiger Wuth über ihre Liebe zu ſeinem Nebenbuhler. „Gehen Sie, mein Freund,“ ſagte Florence mit einer auffallend beherrſchten und ſanften Stimme. „Fürchten Sie mich nicht; ich fühle in mir mehr Stolz als Neigung; es gibt aber gewiſſe Kämpfe in der Bruſt eines Weibes, welche ſie Niemandem, als einer Mutter verrathen ſollte. Gott helfe mir! ich beſitze keine Mutter. Gehen Sie, wenn wir uns wieder treffen, werde ich ruhiger ſein. Bei den Worten ſtreckte ſie ihre Hand aus. Der Italiener ließ ſich auf ein Knie nieder, küßte dieſelbe krampfhaft und verſchwand aus dem Zimmer, voll Beſorgniß, daß er auf ſich ſelbſt kein Vertrauen mehr hegen könne. Bald darauf ritt Maltravers durch die Straße. 278 Als er vom Pferbe ſtieg, ſah er zum Fenſter hinauf und warf der Lady Florence einen Kuß zu; dieſe aber erwartete ſeine Ankunft mit einem Gefühl, welches von demjenigen, das er vorausſetzte, ſehr verſchieden war. Leicht und munter trat er ins Zimmer. Florence rührte ſich nicht, um ihn zu bewill⸗ kommnen. Er trat näher und ergriff ihre Hand. Sie zog vieſelbe mit einem Schauder zurück. „Befinden Sie ſich nicht wohl, Florence?“ „Ich befinde mich wohl, denn ich habe mich wieder erholt.“ „Was ſoll das? Weßhalb wenden Sie ſich von mir hinweg?“ Lady Florence heftete den Blick auf ihn; ihr Auge flammte im wirklichen Sinne des Ausdrucks; ihre Lippe zitterte aus Stolz. „Herr Maltravers, endlich kenne ich Sie. Ich verſtehe das Gefühl, welches Sie bewog, um meine Hand nachzuſuchen. O Gott! weßhalb ruht auf mir der Fluch des Reichthums, warum ward ich zu einer Sache des Dingens und des Handelns, zum Ziel der Habſucht und des niedrigen Ehrgeizes? Nehmen Sie meinen Reichthum, Herr Maltravers, da Sie auf dieſen nur Werth ſetzen. Der Himmel weiß es, ich kann ihn willig hinwegwerfen; verlaſſen Sie jedoch die Unglückliche, die Sie ſo lange betrogen und welche jetzt, ſo unglücklich ſie auch ſein mag, Ihnen entſagt und Sie verachtet.“ „Lady Florence, höre ich richtig, wer hat mich bei Ihnen angeklagt?“ „Niem manden ge Ich bin ül nen von u mich nicht immer abg „Halt, lichem Ern wird nie m „Treib aus, durch heit verhär Ziererei mi mich nicht während ie bin frei; i habſüchtig Ihrer See in's Lehen ich Lady F allein wert Als ſie ihres Antli heit vor de Zauberei; kalt, bitte auf das ve „Merk ſehr ruhig zurückzunel e ſich von ihr Auge ucks; ihre Sie. Ich um meine ht auf mir ch zu einer m Ziel der lehmen Sie a Sie auf eiß es, ich Sie jedoch und welche nen entſagt rhat mich 279 „Niemand, Herr, Niemand. Ich würde Nie⸗ manden geglaubt haben. Nur dies genüge Ihnen: Ich bin überzeugt, daß unſere Vereinigung für kei⸗ nen von uns Beiden glücklich ſein kann; fragen Sie mich nicht weiter, jeder Umgang zwiſchen uns iſt für immer abgebrochen.“ „Halt,“ ſprach Maltravers mit kaltem und feier⸗ lichem Ernſt—„noch ein Wort, und der Abgrund wird nie mehr zu überſchreiten ſein. Halten Sie ein!“ „Treiben Sie nicht,“ rief die unglückliche Dame aus, durch dies Benehmen, welches ſie für die Sicher⸗ heit verhärteter Heuchelei hielt, gereizt,„eine ſolche Ziererei mit Ihrer ſtolzen überlegenheit; dieſe vermag mich nicht länger zu hetrügen. Ich war Ihre Sklavin während ich Sie liehte; das Band iſt zerriſſen. Ich bin frei; ich haſſe und verachte Sie! Weil Sie ſo habſüchtig und ſchmutzig find, ruft die Niedrigkeit Ihrer Seele den Unterſchied unſeres Ranges wieder in's Leben. Von jetzt an, Herr Maltravers, bin ich Lady Florenee Lascelles, und unter dieſem Titel allein werden Sie mich kennen. Gehen Sie, Herr!“ Als ſie ſo ſprach, während Leidenſchaft jeden Zug ihres Antlitzes verdrehte, verſchwand alle ihre Schön⸗ heit vor den Blicken des ſtolzen Maltravers wie durch Zauberei; der Engel ſchien in eine Furie verwandelt; kalt, bitter und verwelkend war der Blick, den er auf das veränderte Antlitz heftete. „Merken Sie ſich, Florence Lascelles,“ ſprach er ſehr ruhig; Sie haben jetzt geſagt, was Sie niemals zurückzunehmen vermögen. Wären Sie meine Gattin, 280 die Mutter meiner Kinder, und wären dies die erſten Worte der Beſchimpfung nach langen Jahren der Hingebung in unſerer Ehe, ſo würden ſolche Worte genügen, alle Liebe und alle Erinnerung auszulöſchen — nur die Erinnerung an dieſe Worte würde mir ver⸗ bleiben. Entdeckten Sie dann, daß Sie Unrecht mir erwieſen hätten, und kröchen Sie dann auf Ihren Knieen, um mich um Verzeihung zu bitten, ſo würde ich dieſelbe nicht gewähren. Weder bei Männern noch bei Frauen vergaß oder vergab Ernſt Maltravers je⸗ mals einen Ausſpruch, der ihn der Unehre anklagte. Auf ewig ſage ich Ihnen Lebewohl; mit meinen letzten Worten verurtheile ich Sie zum tiefſten Mißgeſchick, zur Reue, welche zu ſpät kommt!“ Langſam entfernte er ſich; als die Thür ſich hinter der hohen und ſtolzen Geſtalt verſchloß, empfand be⸗ reits Florence, ſein Fluch beginne ſich zu erfüllen. Sie ſtürzte an's Fenſter; ſie warf einen letzten Blick auf ihn, als ſein Pferd ihn ſchnell hinweg trug. Ach! wann werden ſie ſich wieder begegnen? Neuntes Kapitel. Und leb' ich noch, und weßhalb leb' ich noch! Mit dieſem Schmerzenkruf erfleh' ich mir Den Tod. Wordsworth. Gegen neun Uhr an jenem Abend war Maltra⸗ vers allein auf ſeinem Zimmer. Sein Wagen ſtand vor der Thür; ſeine Bedienten brachten ſein Gepäck in Ordnung, er wollte noch an dem Abend nach Burleigh fe Welt war zorniger G trat Lumle „Verz ſagte der „b „Was „Ich w alter Freu Neigung 3 bensweiſe: komme zu renee; zwi getreten. das Haus ſine hat hergekomm irgend eine gläubige, Coufine u Ordnung „Ferrei was mir L oder das daß ich W zur Schuld mals bei e dachte, ve „Bah, die erſten hren der he Worte szulöſchen mir ver⸗ ſo würde nern noch ravers je⸗ anklagte. en letzten ißgeſchick, ſich hinter pfand be⸗ erfüllen. tzten Blick leb' ich noch! ich mir dsworth. r Maltra⸗ agen ſtand in Gepäck hend nach 281 Burleigh fahren. London, die Geſellſchaft, die große Welt war ihm verhaßt geworden; ſein gequälter und zorniger Geiſt erheiſchte Einſamkeit. Um dieſe Zeit trat Lumley Ferrers ohne Umſtände ein. „Verzeihen Sie, daß ich mich eindränge,“ ſagte der Letztere mit ſeinem gewöhnlichen Freimuth, „b „Was für ein Aber, Herr? ich bin beſchäftigt.“ „Ich will kurz ſein. Maltravers, Sie ſind mein alter Freund; auf Sie nehme ich Rückſicht und hege Neigung zu Ihnen, obgleich unſere verſchiedene Le⸗ bensweiſe uns kürzlich einander entfremdet hat. Ich komme zu Ihnen von meiner Coufine her, von Flo⸗ renee; zwiſchen Ihnen iſt ein Mißverſtändniß ein⸗ getreten. Ich habe ſie heute beſucht, nachdem Sie das Haus verlaſſen hatten. Der Gram meiner Cyu⸗ ſine hat mich bekümmert; ich bin ſo eben von ihr hergekommen. Man hat ihr irgend eine Klatſcherei, irgend eine Geſchichte hinterbracht; Weiber ſind leicht⸗ gläubige, thörichte Geſchöpfe. Enttäuſchen Sie meine Couſine und ich hoffe, daß Alles ſich noch wieder in Ordnung bringen läßt.“ „Ferrers, hätte mir ein Mann daſſelbe geſagt, was mir Lady Florence äußerte, ſo hätte ſein Blut oder das meinige fließen müſſen. Und glanben Sie, daß ich Worte, die von einem Mann geäußert, mich zur Schuld des Mordes hätten verleiten können, je⸗ mals bei einer Frau, die ich mir als meine Gattin dachte, verzeihen würde? Niemals!“ „Bah, Weiberworte im Wind; werfen Sie eine 282 ſo glänzende Heirath wegen einer ſolchen Kleinigkeit nicht von ſich.“ „Wollen auch Sie, Herr, mir habſüchtige Be⸗ weggründe zuſchreiben?“ „Gott behüte; Sie wiſſen, daß ich kein Feigling bin, aber ich habe wirklch keine Luſt, mich mit Ihnen zu ſchlagen. Kommen Sie, ſeien Sie vernünftig.“ „Ich glaube, daß Sie eine gute Abſicht haben, aber der Bruch iſt entſchieden; alle Erwähnung der Sache iſt ſchmerzhaft und überflüſſig. Ich muß Ihnen einen guten Abend wünſchen.“ „So haben Sie ſich durchaus dazu entſchloſſen?“ a. „Sogar, wenn Lady Florenee Sie um Verzeihnng bittet?“ „Nichts von Seiten der Lady Florenee kann mei⸗ nen Entſchluß verändern. Das Weib, welches ein ehrenwerther Mann, ein engliſcher Gentleman zur Gefährtin ſeines Lebens macht, darf nie auf eine Silbe gegen ſeinen guten Ruf horchen; ſeine Ehre iſt die ihrige und wenn ihre Lippen, die ihm Troſt bei der Verleumdung hauchen ſollten, allein dazu dienen, die Lüge zu wiederholen, dann mag ſie ſchön, begabt, reich und hochgeboren ſein, er empfängt dennoch einen Fluch in ſeinen Armen. Dieſem Fluche bin ich entgangen.“ „Und ſoll ich das meiner Couſine ſagen?“ „Wie Sie wollen. Jetzt bleiben Sie, Lumley Ferrers, und hören Sie mich an; ich klage Sie weder an, noch hege ich gegen Sie Verdacht; ich wünſche in Ihr Herz Ihre Bewe aber ereign der Lady t haben, die dann müßt ſpäter wird zwiſchen m „Herr! ſtattfinden, anſteht, ſo für eine fei Ich kann zeihen, ob Sie, Man Freunde,( „Lumle ſind Sie u than.“ Lumley alten Freu ihm Maltt Street ein vorüber, 1 Maltraver Es fie einer jene Ende des lich des T gedankenvt 283 Ihr Herz nicht zu dringen und kann in dieſem Fall Ihre Beweggründe nicht erforſchen. Sollte es ſich aber ereignet haben, daß Sie in irgend einer Weiſe der Lady Florenee Lascelles Meinungen beigebracht haben, die meiner Rechtlichkeit und Ehre widerſtreiten, dann müßten Sie viel verantworten und früher oder ſpäter wird der Tag kommen, worin die Rechnung zwiſchen mir und Ihnen abgemacht wird.“ „Herr Maltravers, zwiſchen uns kann kein Streit ſtattfinden, worin meiner Couſine ſchöner Name oben⸗ anſteht, ſonſt würden wir uns ohne Vorbereitung für eine feindlichere Zuſammenkunft jetzt nicht trennen. Ich kann Ihre Sprache ertragen; auch ich kann ver⸗ zeihen, obgleich ich kein Philoſoph bin. Kommen Sie, Mann! Sie find erhitzt; trennen wir uns als Freunde, geben Sie mir Ihre Hand.“ uß Ihnen chloſſen?“ erzeihnng kann mei⸗ 4„Lumley, können Sie meine Hand nehmen, ſo e 4 ſind Sie unſchuldig und ich habe Ihnen Unrecht ge⸗ than.“ ine Ehre Lumley lächelte und drückte herzlich die Hand ſeines hm Troſt alten Freundes. Als er die Treppe hinabging, folgte lein dazu ihm Maltravers, und gerade, als er nach Curzon⸗ ſie ſchön, Street einlenkte, wirbelte eine Karoſſe ſchnell an ihm empfängt vorüber, worin er das blaſſe und finſtere Geſicht des Si Maltravers erblickte. Es fiel ein langſamer, dünner Regen, es war 2 3 einer jener ungeſunden Abende, die zu London gegen zie Ende des Herbſtes eintreten. Ferrers jedoch hinſicht⸗ lich des Wetters unempfindlich, ging langſam und znſche ji ch etter pfindlich, ging langſ ² gedankenvoll zum Hauſe ſeiner Couſine. Er ſpielte 284 um einen hohen Satz und bis dahin waren die Karten zu ſeinen Gunſten gefallen; dennoch war er mißge⸗ ſtimmt und verſtört. Sein Gewiſſen war gegen Be⸗ unruhigung ziemlich abgehärtet, ſowohl wegen der Leichtfertigkeit, wie wegen der Kraft ſeines Charak⸗ ters; war Maltravers einmal entfernt, ſo hoffte er hei ſeiner Kenntniß des menſchlichen Herzens und bei der angenehmen Glätte ſeines Benehmens, den Zweck ſeines Ehrgeizes in der Hand der Lady Florence zu⸗ letzt zu gewinnen. Er verließ ſich nicht auf ihre Nei⸗ gung, ſondern auf ihre Gereiztheit und ihre Rache. „Glaubt ein Weib, ſie ſei von ihrem Geliebten un⸗ würdig behandelt, ſo muß der erſte darauffolgende Bewerber ein wahrlich tölpelhafter Freier ſein, wenn er fie nicht gewinnt.“ So dachte Ferrers, dennoch aber war er verſtört und beunruhigt; ich muß die Wahrheit ſagen— ſo geſchickt, keck, ſanguiniſch und ſtolz er auch war, ſo verzagte ſein Geiſt dennoch vor dem des Maltravers. Er fürchtete den Löwen, wann derſelbe zum Sprunge gereizt wäre; ſein eigener Charakter hatte etwas vom weiblichen; gleichſam ein grundſatzloſes, begabtes, hochanſtrebendes und ſchlaues Weib, erkannte er in dem ſtolzen, einfachen, männ⸗ lichen Maltravers die höhere Würde des Herrn der Schöpfung. Er ward beſorgt bei der Vorausſetzung des Grimms und der Rache, die er als wohlverdient erkannte und die er als tödtlich fürchtete. Während indeſſen ſein Geiſt die gewöhnliche Spann⸗ kraft wieder erlangte, kam er in die Nähe von Lord Sarxinghams Wohnung, als ihn plötzlich Jemand an der Straßene ſprechlichen( Figur, die i rence Laseell „Guter Straße, zu Nacht. Wie „Reden( finnig. Ich weniger dem mir unmögli ſeine Entſch will mich ar „Iſt diet „Nein, Mit meinen „Ach, w kann er es „Läugne „Er läu (dies war ſi ſein, womit unwürdig, Florenee mit dem ſein ſchuh entblö war kalt wi „Was r ſchuldigung als Beide a ie Karten er mißge⸗ egen Be⸗ egen der Charak⸗ hoffte er s und bei den Zweck rence zu⸗ ihre Nei⸗ re Rache. ebten un⸗ ffolgende in, wenn dennoch muß die iniſch und nnoch vor en, wann eigener hſam ein d ſchlaues männ⸗ errn der usſetzung hlverdient eSpann⸗ von Lord mand an 285 der Straßenecke am Arm faßte. Zu ſeinem unaus⸗ ſprechlichen Erſtaunen erkannte er in der verhüllten Figur, die ihn anredete, die Geſtalt der Lady Flo⸗ rence Laseelles. „Guter Gott!“ rief er aus,„Sie allein in der Straße, zu dieſer Stunde und noch dazu in ſolcher Nacht. Wie unrecht, wie unvorſichtig!“ „Reden Sie nicht mit mir, ich bin beinah wahn⸗ finnig. Ich konnte der Ruhe, der Einſamkeit, noch weniger dem Antlitz meines Vaters trotzen— es war mir unmöglich— geſchwind, was ſagt er, was iſt ſeine Entſchuldigung? Sagen Sie mir Alles— ich will mich an einem Strohhalm feſthalten.“ „Iſt dies die ſtolze Florenee Lascelles?“ „Nein, es iſt die gedemüthigte Florenee Lascelles. Mit meinem Stolze iſt's vorbei; ſprechen Sie.“ „Ach, welch ein Schatz iſt ſolch ein Herz! Wie kann er es wegwerfen.“ „Läugnet er?“ „Er läugnet Nichts; er ſprach ſeine Freude aus (dies war ſein Ausdruck), einer Ehe entkommen zu ſein, womit ſein Herz nie zu thun hatte. Er iſt Ihrer unwürdig, vergeſſen Sie ihn.“ Florence ſchauderte und als Ferrers ihren Arm mit dem ſeinigen umſchlang, berührte ihre vom Hand⸗ ſchuh entblößte Hand die ſeinige, und die Berührung war kalt wie Eis. „Was werden die Diener glauben, welche Ent⸗ ſchuldigung können wir vorbringen?“ fragte Ferrers, als Beide am Thoreingange ſtanden. 286 Florence gab keine Erwiderung, ſondern ſagte leiſe, als die Thüre ſich öffnete:„Ich bin unwohl und klammerte ſich an Ferrers mit dem ſchwachen und ſchweren Gewicht, welches gänzliche Hinfälligkeit bezeugt. Das Licht ſtrahlte ihr entgegen; die Geſichter der Lakaien bezeugten unverſtelltes Erſtaunen; mit heftiger Anſtrengung erlangte Florence wieder ihre Selbſtbe⸗ herrſchung, denn mit ihrem Stolze war es noch nicht vorbei; ſie ging durch die Hausflur mit ihrem ge⸗ wöhnlichen, ſtattlichen Schritt, beſtieg langſam die breite Treppe und erreichte die Einſamkeit ihres eige⸗ nen Zimmers um beſiunungslos auf den Boden zu ſinken. Mit Dies Obwohl Werke erke darf ich ſt zu emfinder nur kopirt. Stoff der1 du geſchaffe Du, Alice taſie eines wörtliche Noch vor hätte ich di zurückwirft laſſen und überladen über dein G n unwohl ſchwachen nfälligkeit ſichter der it heftiger Selbſthe⸗ noch nicht ihrem ge⸗ gſam die hres eige⸗ Boden zu ern ſagte Meuntes PVuch. Mit dem Acheron nur werd' ich vermählt.. Sophokl. Antig. Dies harrt der Zukunſt. Ebendaſelbſt. Erſtes Kapitel. Auch ich hab' hier Hrakel, die des Hörens werth. Ariſtophanes. Obwohl vie Welt die Wahrheit in dieſem meinem Werke erkennen wird! Meine ſüße Alice, von dir darf ich ſprechen, ohne die Eitelkeit eines Autors zu emfinden. Die Natur bildete dich und ich habe nur kopirt. Wird man entdecken, wie herrlich dein Stoff der Unſchuld war, welchen die Sünde, woraus du geſchaffen wurdeſt, nicht zu beflecken vermochte? Du, Alice, deren Schöpfung keine ſchaffende Phan⸗ taſie eines Dichters hätte bilden können, du biſt die wörtliche und einfache Abſchrift der Wirklichkeit! Noch vor zwei Jahren, vor zwei kleinen Jahren hätte ich die Leinwand verdorben, welche kalt dein Bild zurückwirft. Ich würde mich dem Enthuſiasmus über⸗ laſſen und dein beſcheidenes, zartes Kolorit mit Farben überladen haben— aber Geduld, der wahre Bericht über dein Schickſal iſt mir noch vorbehalten. Und dann 288 mein Bankier, mein ausgezeichneter, achtbarer Ban⸗ kier! Tölpel wünſchen vielleicht, daß ich ſtarke Farben hei dir auftragen und dich zum Tartüffe vder Richard III. hätte machen mögen. Lumley Ferrers, mit deinem Benehmen, geſchmeidig wie Wachs, und deinem Her⸗ zen, kalt wie Stein; Florence, du, die ſtolze und vor Allen hervorragende, und Ernſt Maltravers, du ſelbſt mit veinem allmähligen Wechſel und verſchiede⸗ nen Farben— ja, Tölpel hätten mich für einen beſſern Schriftſteller gehalten, wenn ich anſtatt dieſer neuen Verbindungen des Menſchenlebens einen Schur⸗ ken, einen Tugendhaften, einen Zwerg und einen Carikaturhumoriſten mit einer Phraſe gezeichnethätte! Ernſt Maltravers, wird das Publikum glauben, daß ich mich ſelbſt in dir ſchildern wollte, weil du Schrift⸗ ſteller und Politiker biſt? Der Verdacht wäre ſchmei⸗ chelhaft für mich; aber zwiſchen mir und dir findet ſich nicht einmal eine Familienähnlichkeit. Ach! ich wünſche, daß ich mich ſelbſt zeichnen könnte. Welcher Schriftſteller kann jemals ſeine eigenen Züge nach⸗ ahmen; wir ſelbſt find zu mannigfach und unſere Regungen zu verwickelt, als daß wir eine Ahnlich⸗ keit mit uns in einer unſerer Schöpfungen darzu⸗ bieten vermöchten. Nein, Ernſt Maltravers, du biſt ein Original, keine Copie; du wirſt junge Damen und Herren nicht halb ſo ſehr intereſſiren, als wärſt du ein kecker Betrüger mit ſpöttiſchem Lächeln und un⸗ verſchämtem Benehmen. Ernſt, was kümmert das uns? Wir müſſen unſere Zeit abwarten, und den⸗ noch, ſind die Urtheile von heute hohl, ſo werden wir bie vr wie verwe — wie oft zerbrochen! ich noch ke ches man war— ok kehrt miri euer Licht Alles geſehe Punkt zurü Spiegel des auf die Gef mit Ihrer ſtrenger Re Verzeihung, ſteller bezieh von uns iſt Antwort in An eine Lumleh von Hauſe. Die Bulwer, rer Ban⸗ e Farben ichard III. it deinem nem Her⸗ tolze und ers, du erſchiede⸗ ür einen att dieſer en Schur⸗ nd einen ethätte! ben, daß Schrift⸗ re ſchmei⸗ dir findet Ach! ich Welcher üge nach⸗ nd unſere Ahnlich⸗ en darzu⸗ s, du biſt amen und wärſt du tund un⸗ mert das und den⸗ ſo werden wir die von morgen vielleicht nicht vernehmen. Ach, wie verwelkt die Blüte auf der Oberfläche des Lebens — wie oft wird der goldene Becher an der Ciſterne zerbrochen! Ach ihr ſchönen Tage der Jugend, als ich noch keinen Namen hatte, als jenes Ding, wel⸗ ches man Erfahrung nennt, noch nicht vorhanden war— v könnte ich euch nur zurückrufen! Vielleicht kehrt mir im Alter euer Schatten wieder, wenn auch euer Licht alsdann verloren iſt; haben wir nämlich Alles geſehen und erprobt, ſo kehren wir zu demſelben Punkt zurück, von welchem wir ausgingen, und im Spiegel des Gedächtniſſes blicken wir dann noch einmal auf die Geſtalt der Hoffnung.„Was hat das aber mit Ihrer Geſchichte zu ſchaffen?“ ruft mir ein ſtrenger Recenſent zu. Herr, ich bitte Sie um Verzeihung, aber Alles, was ſich auf einen Schrift⸗ ſteller bezieht, erläutert deſſen Werk. Nicht die Hälfte von uns iſt genug egviſtiſch! Sie kommen mit Ihrer Antwort in Verlegenheit, laſſen Sie uns fortfahren. Zweites Kapitel. bier iſt die Handlung klar, In ihrem wahren Weſen.. Was bleibt denn jetzt noch übrig. Als der Verſuch der Reue. hamlet. Ich glaub', er ſtirbt, ehe ich zurück noch kehre. König Johann. An einem ſchönen Decembernachmittage kehrte Lumley von Lord Saringhams Thür nach ſeinem Hauſe. Die Thürklopfer waren umwickelt, die Fenſter Bulwer, Maltravers. II. 19 —— 290 im dritten Stockwerk zum Theil geſchloſſen. In dieſem Hauſe litt Jemand an einer gefährlichen Krankheit. Lumley's Züge zeigten ungewöhnlichen Ernſt und ſogar Trübſinn.„So jung, ſo ſchön,“ murmelte er vor ſich hin; habe ich jemals ein Weib geliebt, ſo war ſie es; dieſe Liebe muß mir zur Entſchuldi⸗ gung dienen. Ich bereue, was ich that; ich konnte aber nicht vorherſehen, daß die bloße Liſt eines Lieb⸗ habers mit ſolchen Wirkungen enden würde; der Philoſoph hatte ganz Recht, welcher ſagte, wir em⸗ pfinden allein Sympathie für Gefühle, die uns ſelbſt bekannt find. Eine kleine Täuſchung in der Liebe hätte mich nicht ſehr verletzt; es iſt verdammt ver⸗ vrießlich, daß dies bei ihr der Fall war überhaupt iſt mir das Glück entgegen, der alte Templeton— ich bitte ihn um Verzeihung, Lord Valgrave— wird alle Tage munterer— was hat er doch für eine ausgezeichnete Conſtitution!— jetzt ſcheint er über mich verdrießlich. Der Gedanke, daß ich Lady Flo⸗ rence heirathen ſollte, mißfiel ihm höchlichſt; als ich nun dachte, mein Phantafiegebild könne zur Wirk⸗ lichkeit gelangen, gab er mir einen Wink, daß ich einigen ſeiner Erwartungen in den Weg trete; ich kann nicht begreifen, wos er will. Außerdem hat die Regierung das Amt Maltravers anſtatt meiner angeboten. Wahrhaftig, mein Stern iſt nicht im Steigen begriffen. Die arme Florenee, ich gäbe wirklich viel darum, wäre ſie wieder geſund! Ich habe einen ſchlechten Streich geſpielt; aber ich hielt denſelben iſt die Le rend ich Blaß über die e einem dun wildem 2 Straße u „Ferr uns bis; „Spr kein Poet „Sie hohler St das Haus Sagen S „Ich h Stimme. den Anſch ſtand ſie Lady Flor einer reg fürchtet m hat; wen ſo wird d „Iſt „Gewi ſich keine zu ſchaffe durch eine ſen. In fährlichen Ernſt und murmelte b geliebt, Entſchuldi⸗ ich konnte ines Lieb⸗ ürde; der „wir em⸗ uns ſelbſt der Liebe ammt ver⸗ überhaupt pleton— lgrave— doch für int er über Lady Flo⸗ ſt; als ich zur Wirk⸗ k, daß ich Beg trete; Außerdem tatt meiner ſt nicht im „ich gäbe ſund! Ich er ich hielt denſelben nur für einen gewandten. Indeß die Reue iſt die Leidenſchaft eines Narren. Bei Jupiter! wäh⸗ rend ich an Narren denke, kommt. Ceſarini!“ Blaß, mager, beinahe geſpenſterartig, den Hut über die Stirn gedrückt, mit vernachläſſigten Kleidern, einem durch Verzweiflung theils gleichgültigem, theils wildem Ausdruck im Antlitz, ging Ceſarini über die Straße und redete Lumley mit den Worten an: „Ferrers, wir haben ſie gemordet; ihr Geiſt wird uns bis zum Todestage quälen.“ „Sprechen Sie in Proſa, Sie wiſſen, ich bin kein Poet; was wollten Sie ſagen?“ „Sie iſt heute ſchlimmer,“ ſtöhnte Ceſarini mit hohler Stimme.„Wie ein Geſpenſt umwandle ich das Haus und frage Alle, welche herauskommen. Sagen Sie mir, iſt Hoffnung vorhanden?“ „Ich hoffe dies,“erwiderte Ferrers mit inbrünſtiger Stimme.„Die Krankheit hat erſt ſeit Kurzem den Anſchein der Gefahr angenommen. Zuerſt be⸗ ſtand ſie allein in einer ſtarken Erkältung, welche Lady Florence durch einen unvorſichtigen Ausgang in einer regneriſchen Nacht ſich zugezogen hatte. Zetzt fürchtet man, daß die Krankheit die Lungen ergriffen hat; wenn wir ſie nur außer Landes bringen können, ſo wird das übel einen günſtigen Verlauf nehmen.“ „Iſt dies Ihre ehrliche Meinung?“ „Gewiß! Freund, hegen Sie Muth; machen Sie ſich keine Vorwürfe; die Krankheit hat mit uns nichts zu ſchaffen; ſie wurde durch eine Erkältung, nicht durch einen Brief krank.“ 292 „Nein, nein, ich beurtheile Ihr Herz nach meinem eigenen. O könnte ich die Vergangenheit zurückrufen! ſehen Sie mich an, ich bin das Wrack von dem, was ich war; Tag und Nacht auält mich die Erinnerung an meine Falſchheit mit Gewiſſensbiſſen.“ „Bah, wir reiſen zuſammen nach Italten und in Ihrem ſchönen Vaterlande wird Liebe durch Liebe erſetzt werden.“ „Zur Hälfte bin ich ſchon entſchloſſen, Ferrers.“ „Ha, wozu?“ „Ihr zu ſchreiben und Alles zu enthüllen.“ Die ſonſt niemals wechſelnde Geſichtsfarbe Ferrers wurde leichenblaß; ſeine Stirn umwölkte ſich mit furcht⸗ barem Ausdruck. „Wie Sie wollen, aber am nächſten Tage fallen Sie von meiner Hand; mein Ziel habe ich noch nie verfehlt, bei unbedeutenderem Streit.“ „Sie wagen mir zu drohen?“ „Sie wagen mich zu verrathen? Einen Mann zu verrathen, der, wenn er ſündigte, um Ihretwegen, in Ihrer Sache ſündigte, welcher Ihnen die lieblichſte Braut und die ſfürſtlichſte Mitgift in England ſichern wollte, und deſſen Fehl gegen Sie allein darin beſteht, daß er über Leben und Geſundheit nicht zu verfügen vermag.“ „Vergeben Sie mir,“ ſagte der Italiener mit großer Rührung,„vergeben Sie mir und verſtehen Sie mich nicht falſch; Sie wollte ich nicht verrathen; auch bei Schurken herrſcht Ehrgefühl. Nur mein Ver⸗ brechen hätte ich geſtanden; das Ihrige hätte ich nicht enthüllt unnöthig. „Spre „Bei „Woh würdig; ſich nehme eine Umſc „Ja.“ Ferrer dann plötz „Woll „Bei „Merk Florence n niß nicht w ſein, daſſe Einfluß, allein daz und Ihnen Sie ſo au gellebtes V buhlers üb lenadel. J haben. Th um die Ech Lumley u „ Herr h meinem ückrufen! em, was innerung en und ein rch Liebe Ferrers.“ Sü e Ferrers nit furcht⸗ ge fallen noch nie Mann zu retween, lieblichſte nd fichern in beſteht, verfügen iener mit verſtehen errthen; mein Ver⸗ e ich nicht enthüllt— weßhalb ſollte ich ſo handeln, es wäre unnöthig.“ „Sprechen Sie ernſtlich und aufrichtig?“ „Bei meiner Seele!“ „Wohlan denn! Sie ſind meiner Freundſchaft würdig; wollen Sie denn die ganze Fälſchung auf ſich nehmen?— Das Wort iſt gehäſſig, macht jevoch eine Umſchreibung unnöthig.“ „Ja.“ Ferrers bedachte ſich einen Augenblick und fuhr dann plötzlich auf. „Wollen Sie dies beſchwören?“ „Bei Allem, was heilig iſt!“ „Merken Sie ſich's, Ceſarini; befindet ſich Lavy Florence morgen ſchlimmer, ſo will ich Ihr Geſtänd⸗ niß nicht weiter verhindern, ſollten Sie noch entſchloſſen ſein, daſſelbe abzulegen; ich werde ſogar denjenigen Einfluß, welchen Ste mir noch zurücklaſſen, ganz allein dazu benützen, um Ihren Fehl zu beſchönigen und Ihnen Verzeihung zu verſchaffen. Wahrlich, wenn Sie ſo auf Ihre Hoffnungen verzichten und ein ſo gellebtes Weib den Armen eines ſo verbaßten Neben⸗ buhlers überlaſſen, ſo zeigen Sie Großmuth und See⸗ lenadel. Ihr Verfahren aber iſt über das meine er⸗ haben. Thun Sie wie Sie wollen.“ Ceſarini war im Begriffe eine Antwort zu geben, als ein Bedienter zu Pferde heinahe in vollem Galopp um die Ecke ſprengte. Er hielt an, ſein Blick fiel auf Lumley und er ſtieg ab. „Herr Ferrers,“ ſagte der Mann athemlos,„ich 294 bin in Ihrer Wohnung geweſen; man ſagte mir, daß ich Sie bei Lord Saringham antreffen könnte. Ich war gerade auf dem Wege..“ „Nun, was gibt's?“ „Mein armer Herr, Mylord, wollte ich ſagen...“ „Was gibt's mit ihm?“ „Hatte einen Schlaganfall, Herr. Die Doktoren ſind bei ihm; meine Herrin, denn Myvlord kann nicht ſprechen, ſchickte mich zu Ihnen.“ „Leihen Sie mir Ihr Pferd; verlängern Sie die Steigbügel etwas.“ Während der Bediente ſich am Sattel beſchäftigte, wandte ſich Ferrers zu Ceſarini mit den Worten; „Handeln Sie nicht zu raſch; ich wollte ſagen, thun Sie nichts ohne meinen Ruth; jedenfalls aber, merken Sie ſich das, verlaſſe ich mich auf Ihr Verſprechen, auf Ihren Eid.“ „Das dürfen Sie,“ erwiderte Ceſarini finſter. „So leben Sie alſo wohl,“ ſagte Lumley, indem er zu Pferde ſtieg; nach wenig Augenblicken war er verſchwunden. Drittes Kapitel. d Welt, du warſt ein Forſi für dieſen Hirſch! Port liegſi du Zulius Cäſar. Als Lumley vor der Thür ſeines Onkels vom Pferde ſprang, war ihm die Unordnung und der Lärm der Wohnung auffallend, worin ſonſt das ſtrenge Auge des Herrn ein ſo tiefe legenheiten Die alten zu halten! einen Hau Köpfe, um merkungen lehnte ſich ſchlang mit (es war d geſehen ha der häuslie Anſchein, Nachlaß de hervorgebr bisher ihre „Wie „Mylo geſprochen. In den angeſchwol unter, un „O, ki in Ihrer C ſo voll Le glauben do mich mit, „Still ſo iſt's re mir, daß nte. Ich ſagen..0 Doktoren kann nicht en Sie die ſchäftigte, Worten: gen, thun er, merken erſprechen, finſter. ley, indem en war er bieſen Hirſch! s Cäſar. vom Pferde Lärm der renge Auge des Herrn gewöhnlich eine vollkommene Ruhe und ein ſo tiefes Schweigen erhielt, als würden die Ange⸗ legenheiten des Lebens durch ein Uhrwerk geregelt. Die alten Frauen, welche die Wege der Anlage rein zu halten beſchäftigt waren, hatten ſich ſämmtlich in einen Haufen geſammelt, ſchüttelten einſtimmig die Köpfe, um Böſes zu verkünden und gaben ihre Be⸗ merkungen in einem verwirrten Flüſtern. In der Halle lehnte ſich die Hausmagd auf ihren Beſen und ver⸗ ſchlang mit offenem Munde den Bericht eines Bedienten (es war die erſte Magd, welche Lumley im Hauſe geſehen hatte, ſo unſichtbar bewegten ſich die Räder ver häuslichen Maſchine). Der ganze Zuſtand bot den Anſchein, als ob die menſchliche Natur beim erſten Nachlaß des ſtrengen Zügels aus der angelernteu Ruhe hervorgebrochen ſei, worin die förmliche Haushaltung bisher ihren ſtillen Gang zurückgelegt hatte. „Wie geht es ihm?“ „Mylord befindet ſich beſſer; ich glaube, er hat geſprochen.“ In dem Augenblick ſah ein kindliches, von Weinen angeſchwollenes und geröthetes Geſicht die Treppe her⸗ unter, und ſogleich ſtürzte Eveline auf die Flur. „O, kommen Sie herauf, Vetter Lumley; er kann in Ihrer Gegenwart nicht ſterben; Sie ſcheinen ſtets ſo voll Leben zu ſein! Er kann nicht ſterben; Sie glauben doch nicht, daß er ſterben wird? Nehmen Sie mich mit, man will mich nicht herein laſſen.“ „Still, liebes, kleines Mädchen, folge mir ſacht, ſo iſt's recht.“ Lumley erreichte die Thür, klopfte ſacht an und trat ein; auch das Kind ſchlich fich unbemerkt, wenig⸗ ſtens ungehindert herbei. Lumley ſchlug die Bettvor⸗ hänge aus einander; der neue Lord lag im Bett; ſein Kopf war durch Kiſſen geſtützt, ſeine Augen ſtanden weit offen, mit einem ſtarren, gläſernen, aber noch nicht bewußtloſen Blick; ſein Antlitz war furcht⸗ bar verändert. Lady Vargrave kniete an der andern Seite des Bettes, hielt mit der einen Hand die ihres Gatten und wuſch mit der andern ſeine Schläfe; ihre Thränen rollten ohne Schluchzen oder Schall ſchnell und reichlich ihre ſchöne Wange hinunter. Zwei Arzte unterhielten ſich am Fenſter; ein Apotheker miſchte Arzneien auf dem Tiſch; die zwei älteſten Hausmägde ſtanden bei den Arzten und bemühten ſich, was dieſe ſagten zu vernehmen. „Theurer Onkel! wie gehts?“ fragte Lumley. „Sie ſind alſo gekommen?“ fragte der ſterbende Mann mit ſchwacher aber deutlicher Stimme; das iſt gut, ich habe Ihnen viel zu ſagen.“ „Aber jetzt nicht, jetzt nicht, Sie ſind nicht ſtark genug,“ ſagte die Gattin flehend. Die Doktoren traten ans Beit. Lord Vargrave winkte mit der Hand und erhob den Kopf. „Meine Herren,“ ſagte er,„ich empfinde, daß der Tod ſich mir naht; ich habe mit meinem Neffen viel zu reden, ſo lange ich noch bei Sinnen bin. Iſt vie gegenwärtige Zeit eine paſſende? Wiſſen Sie gewiß, daß mir keine andere zu Gebote ſtehen wird, wenn ich zögere?“ Die Do einer,„vie ruhigt, we Nachher m „So ne Doktor. Der K Lumley unt „Soller ſchicken?“ „Ich bi ley.„Nein Wunſch aut Onkel auch Ordnung g Der Do ſagen, wen „Was g kiſch,„geht Neffen allei Die Dr folgten wid lich hervor, Bruſt und „Mein Liebling,“ ſchnappte u ſchlang.„G Liebe Frau, hinzu, wie f tan und t, wenig⸗ Bettvor⸗ im Bett; ne Augen nen, aber var furcht⸗ er andern d die ihres läfe; ihre all ſchnell Zwei Arzte er miſchte ausmägde was dieſe Lumley. ſterbende te; das iſt nicht ſtark Vargrave finde, daß tem Neffen n bin. Iſt Sie gewiß, ird wenn Die Doktoren ſahen einander an.„Mylord,“ ſagte einer,„vielleicht wird Ihre Seele erleichtert und be⸗ ruhigt, wenn Sie ſich mit Ihrem Neffen unterhalten. Nachher müſſen Sie ein wenig ſchlafen.“ „So nehmen Sie dieſe Medizin,“ ſagte der andere Doktor. Der Kranke gehorchte. Einer der Irzte trat zu Lumley und winkte ihm bei Seite. „Sollen wir zum Advokaten Seiner Lordſchaft ſchicken?“ flüſterte der Blutegel. „Ich bin ſein geſetzmäßiger Erbe,“ dachte Lum⸗ ley.„Nein, mein theurer Herr, wenn er nicht den Wunſch ausſpricht. Ohne Zweifel hat mein armer Onkel auch ſchon ſeine weltlichen Angelegenheiten in Ordnung gebracht. Wie ſleht's mit ihm?“ Der Doktor ſchüttelte den Kopf:„Ich will es Ihnen ſagen, wenn Sie Seine Lordſchaft verlaſſen haben.“ „Was gibt's?“ fragte der Patient ſcharf und zän⸗ kiſch,„geht aus dem Zimmer, ich will mit meinem Neffen allein ſein.“ Die Doktoren verſchwanden; die alten Frauen folgten widerſtrebend; die kleine Eveline ſprang plötz⸗ lich hervor, warf ſich dem ſterbenden Mann auf die Bruſt und ſchluchzte als ob ihr Herz brechen wollte. „Mein armes Kind, mein ſüßes Kind, Du mein Liebling,“ ſprach Lord Vargrave, indem er nach Luft ſchnappte und ſeine ſchwachen Arme um die Kleine ſchlang.„Gott ſegne Dich! Gott wird Dich ſegnen. Liebe Frau,“ fügte er mit einer zärtlicheren Stimme hinzu, wie ſie Lumley jemals zuvor bei ihm vernommen hatte, wenn er mit Lady Vargrave ſprach,„ſind dieſe Worte vie letzten, die ich gegen Sie äußere, ſo mögen vieſelben alle Dankbarkeit, die ich hinſichtlich Ihrer hege, ausdrücken, denn Niemand hat ſeine Pflichten mit größerer Treue wie Sie erfüllt. Allerdings liebten Sie mich nicht; ſo lange ich geſund und ſtolz war, bin ich wegen dieſes Bewußtſeins oft ungerecht gegen Sie geweſen. Ich war ein ſtrenger Gatte; Sie hatten viel von mir zu ertragen; verzeihen Sie mir.“ „Sagen Sie das nicht; Sie waren edler und gütiger als ich verdiente; wie viel verdanke ich Ihnen! wie wenig habe ich Ihnen dafür erwieſen!“ „Ich kann das nicht ertragen; gehen Sie, meine Liebe! Ich kann vielleicht noch leben, ich hoffe dies; ich mag noch nicht ſterben. Vielleicht geht der Becher der Bitterkeit an mir vorüber; geh auch Du, mein Kind.“ „Ach, laſſen Sie mich bleiben.“ Lord Vargrave küßte das kleine Geſchöpf, als ſie mit liebevoller Neigung ſeinen Nacken umſchlang, legte ſie auf den Arm ihrer Mutter und ſank erſchöpft auf ſein Kiſſen zurück. Lumley, mit dem Schnupf⸗ tuch vor den Augen, öffnete der ſchluchzenden Lady Vargrave die Thür, verſchloß dieſelbe ſorgfältig und nahm ſeinen Platz am Bette ſeines Onkels wiever ein. Als Lumley Ferrers das Krankenzimmer verließ, ſchien ſein Antlitz eher düſter und aufgeregt als be⸗ trübt. Er eilte in das Zimmer, welches er gewöhnlich einnahm, und blieb dort einige Stunden, während ſein Onkel in einen langen und tiefen Schlaf verſank. Die Mutter: kenzimmer g Ungefähr der ältere A ich glaube v Angenblicke: „Iſt er „Ja, er zugebracht; „Hm!“ Das Zim ſchattete Lar Gebetbuch le eher mit den auf ihrem 2 „Komm, der ſchnell ſ drei, die N Lumley, Si Kind, gib 2 Ihr verlobt. Du erfahren letztes Gebet wirſt. Lum gleiche ich a wieder aus u und die Ehr men bin un jetzt verbiete „ſind dieſe ſo mögen lich Ihrer Pflichten igs liebten ſtolz war, recht gegen Sie hatten mir.“ und gütiger hnen! wie Sie, meine hoffe dies; der Becher Du, mein öpf, als ſie hlang, legte ik erſchöpft n Schnupf⸗ enen Lde gfältig und wieder ein. mer verließ, regt als be⸗ gewöhnlich n, während hlaf verſank. Die Mutter und das Stiefkind waren wieder ins Kran⸗ kenzimmer gekommen und blieben am Bette. Ungefähr eine Stunde vor Mitternacht begab ſich der ältere Arzt zum Neffen. „Ihr Oheim verlangt nach Ihnen, Herr Ferrers; ich glaube vorherſagen zu können, daß ſeine letzten Angenblicke nahen. Wir thaten alles, was wir konnten.“ „Iſt er ſich ſeiner Gefahr vollkommen bewußt?“ „Ja, er hat ſeine letzten zwei Stunden im Gebet zugebracht; er ſtirbt wie ein Chriſt.“ „Hm!“ murmelte Ferrers, als er dem Arzt folgte. Das Zimmer war verdunkelt, eine ſorgfältig be⸗ ſchattete Lampe brannte auf dem Tiſche, worauf ein Gebetbuch lag; Mutter und Kind knielen am Bette, eher mit dem Ausdruck der Ehrfurcht, wie des Grams auf ihrem Antlitz. „Komm, Lumley,“ ſprach mit abgebrochenen Tönen der ſchnell ſterbende Mann; Niemand iſt hier als ihr drei, die Nächſten und Theuerſten— ſo iſt's gut. Lumley, Sie wiſſen alſo alles— Frau, er weiß alles. Kind, gib Deinem Vetter die Hund. So, jetzt ſeid Ihr verlobt. Eveline, wenn Du groß wirſt, ſo wirſt Du erfahren, es ſei mein letzter Wunſch und mein letztes Gebet, daß Du Gattin des Lumley Ferrers wirſt. Lumley, indem ich Dir dieſen Engel gebe, gleiche ich alle ſcheinbare Ungerechtigkeit gegen Dich wieder aus und Dir, mein Kind, ſichere ich den Rang und die Ehren, zu denen ich mit Mähe emporgeklom⸗ men bin und deren Genuß der Rathſchluß Gottes mir jetzt verbietet. Lumley, ſei gütig gegen ſie; Du haſt 300 ein gutes und freimüthiges Herz; es ſei ihr Schutz; ſie hat nie ein hartes Wort gehört. Gott ſchütze euch Alle und Gott vergebe mir— betet für mich. Lumley, morgen wirſt Du Lord Vargrave ſein und dann auch ſpäter(hier verbreitete ſich ein geiſterhaftes, aber ent⸗ zücktes Lächeln über des Redners Antlitz) wirſt Du Mylady— Lady Vargrave werden. Lady— ſo— ſo— Lady Var—“ Die Worte erſtarben auf den zitternden Lippen; Lord Vargrave wandte ſich um und ſprach nie mehr eine Silbe weiter, obgleich er noch länger als eine Stunde athmete. Viertes Kapitel. Hoffnung, Furcht Fährt auß erſchreckt; ſchau von dem ſchmalen Rand Des Lebens in die Tiefe; was erblickſt duf Rur einen bodenloſen Abgrund. Voung. Verachtung, lebe wohl, du jungfräulicher Stolz, Auch dir ſei jetzt mein Lebewohl geboten. Viel Lärm um Nichts. Die Wunde, welche Maltravers empfangen hatte, war außerordentlich ſchmerzhaft und um ſich freſſend; allerdings hätte er nie ſogenannte leivenſchaftliche Liebe zu Florenee Lascelles empfunden; in dem Augenblick aber, worin er die Stellung eines erklärten Bewerbers durch Rührung und überraſchung erlangte, war es ſeinem gewiſſenhaften und pflichtgetreuen Charakter gemäß, daß er nur die glänzende Seite der Gaben und Eigenſchaften der Florenee im Auge behielt und ſeiner dankb zu ihrem Gei So waren a ſam erzwung renee und d bedeutende T ihre plötzliche durchaus ung halb mit ſo g als ſeine Ne Entſchuldigur die eine leide rückgerufen h des Unrechts verbitterte ſe Stolz, ſeine der Schlag i andern Ausſi Wiberwillen Kleinlichkeit! hatte Veracht literariſchen§ er natürlich Jugend über! ſchäft und Eh: pferd demer bereits zerbrr und Hohes vr empörte jeder ſchen und Dit ihr Schutz; ſchütze euch ch. Lumley, dann auch „aber ent⸗ wirſt Du — den Lippen; h nie mehr er as eine t ſchmalen Rand lickſt dn? Voung. ulicher Stolz, eboten. m Nichts. angen hatte, fich freſſend; aftliche Liebe n Augenblick n Bewerbers te, war es n Charakter der Gaben behielt und ſeiner dankbayen Phantaſie Liebe zu ihrer Schönheit, zu ihrem Geiſt und ihrer Zärtlichkeit zu erwecken ſuchte. So waren alle ſeine Gedanken und Hoffnungen gleich⸗ ſam erzwungen auf einen Gegenſtand gerichtet; Flo⸗ rence und die Zukunft waren für ihn zwei gleich⸗ bedeutende Worte geworden. Vielleicht empfand er ihre plötzliche und betäubende Anklage, wie ſie in eine durchaus ungemilderte Sprache gehüllt war, nur deß⸗ halb mit ſo großer Bitterkeit, weil ſie eher ſeinen Stolz, als ſeine Neigung verletzte und nicht durch tauſend Entſchuldigungen und Erinnerungen gemildert wurte, die eine leidenſchaftliche Liebe ſonſt erfunden und zu⸗ rückgerufen hätte. Das tiefe und concentrirte Gefühl des Unrechts und der Beſchimpfung verhärtete und verbitterte ſeine ganze Natur; ſeine Eitelkeit, ſein Stolz, ſeine Ehre war verwundet. Außerdem traf der Schlag ihn zu einer Zeit, worin er mit allen andern Ausſichten höchſt unzufrieden war; er empfand Widerwillen gegen das politiſche Leben, wegen der Kleinlichkeit der Handelnden und der Triebferern; er hatte Verachtung und überdruß gegen die Dürre des literariſchen Rufes gefaßt. Im dreißigſten Jahre hatte er natürlich die ſangniniſche Biegſamkeit ſeiner erſten Jugend überlebt; manches ſpätere Spielzeug in Ge⸗ ſchäft und Ehrgeiz, welches Kinderklapper und Stecken⸗ pferd dem reiferen Mannesalter darbietet, hatte er bereits zerbrochen. Da er ſtets etwas zu geläutertes und Hohes vom Menſchen verlangte, ſo betrübte oder empörte jeder neue Beweis des Unwerthes der Men⸗ ſchen und Dinge eine Seele wie die ſeine; welche für die ruhige Zuſriedenheit mit der Welt wie ſie iſt, ſchon zu wähleriſch war— eine Zufriedenheit, die wir ſämmtlich durch Erfahrung erwerben müſſen, ehe wir unſere Philoſophie wahrhaft praltiſch und unſern Geiſt eben ſo fruchtbar für die Ernte zu machen ver⸗ mögen, wie er ſich vielleicht verſchwenderiſch in Blüten zeigt. Maltravers, ſtolz, einſam und ungeſellig le⸗ bend, konnte nicht zu den gewöhnlichen Hülfsmitteln der in ihren Hoffnungen getäuſchten Männer ihre Zuflucht nehmen. Auf ſeinem Landſitz ſtreng zurück⸗ gezogen, verbrachte er ſeine Tage in düſteren Wan⸗ derungen; des Abends wandte er ſich zu den Büchern, mit verachtendem und ermüdendem Geiſt. Er hatte ſchon ſo viel gelernt, daß Bücher ihm wenig mit⸗ theilen konnten, was er nicht ſchon wußte Die Bio⸗ graphien von Autoren, dieſer geiſterhaften Weſen, welche kein anderes Leben gehabt zu haben ſcheinen, als im Schatten ihrer geſpenſterähnlichen und unver⸗ gänglichen Gedanken, verdüſterten die Begeiſterung, die er aus ihren Schriſten hätte ſchöpfen können. Dieſe Sklaven der Lampe, dieſe Seidenwürmer des Studirzimmers genoſſen ſo wenig, und lebten ſo wenig! Zu einem geheimnißvollen Schickſal durch den Lauf der Welt verurtheilt, ſchienen ſie nur ge⸗ boren, für den gemeinen Haufen zu arbeiten und Gedanken auszuſpinnen, und wenn ſie die ihnen zu⸗ beſchiedene Arbeit in Plackerei und Dunkel vollbracht hatten, dem Tode anheimgegeben, ſobald kein wei⸗ terer Dienſt aus ihrer Schöpfung zu erlangen wat. Namen hatten ſie im Leben und als Namen lebten ſie für imu weſentliche einen neugi loſchene Ph verglich die Epikuräern, Enthaltſam ſich auslegt Schmerz zu Alles zu tra bisher ſo er ſchloſſen, be oft vorkomr ſchläfernden Garten Epi Halle Zeno' chiſchen Hal verſtändiger bungen aufz ſeines Herze die wollüſti aufzuſuchen, der Jugend Wie eine T Pläne ſtets lichen Eindr pfänglich, u Dies iſt de Einbildungs Revolution wie ſie iſt, denheit, die müſſen, ehe und unſern machen ver⸗ ſch in Blüten ngeſellig le⸗ Hülfsmitteln Nänner ihre reng zurück⸗ iſteren Wan⸗ den Büchern, t. Er hatte wenig mit⸗ te Die Bio⸗ ften Weſen, ben ſcheinen, und uner⸗ Begeiſterung, pfen können. nwürmer des nd lebten ſo hickſal durch ſie nur ge⸗ arbeiten und die ihnen zu⸗ kel vollbracht ald kein wei⸗ rlangen war. tamen lebten ſie für immer, im Leben wie im Tode luftige, un⸗ weſentliche Phantome. Maltravers geſiel es damals, einen neugierigen Blick auf die dunkle und halb er⸗ loſchene Philoſophie der alten Welt zu werfen. Er verglich die Stoiker mit den Cpikuräern— mit jenen Epikuräern, welche die einfache Nützlichkeitslehre der Enthaltſamkeit ihres Meiſters auf ihre eigene Weiſe ſich auslegten. Er fragte ſich, was wohl weiſer ſei, Schmerz zu ertödten oder Vergnügen zu ſchärfen— Alles zu tragen oder Alles zu genießen— bieſer Mann, bisher ſo ernſt, thätigen Geiſtes und zu Großem ent⸗ ſchloſſen, begann nach einer natürlichen und im Leben oft vorkommenden Rückwirkung, ſich nach den ein⸗ ſchläfernden Vergnügen der Trägheit zu ſehnen. Der Garten Epikurs bot ihm größere Verſuchung als die Halle Zeno's. Er bedachte ernſtlich die alte, dem grie⸗ chiſchen Halbgott dargebotene Wahl. Wäre es nicht verſtändiger für ihn, ſeine bisherigen ernſten Beſtre⸗ bungen aufzugeben, das erhabene aber ſtrenge Ideal ſeines Herzens zu entthronen, die leichte Liebe und die wollüſtigen Kleinigkeiten des großen Haufens ſich aufzuſuchen, und den kurzen ihm noch gelaſſenen Raum der Jugend mit Myrten und Roſen zu bepflanzen? Wie eine Welle die andere drängt, ſo rollten neue Pläne ſtets über andere, verlöſchten den augenblick⸗ lichen Eindruck und ließen die Oberfläche gleich em⸗ pfänglich, um aufzunehmen und zu vergeſſen, zurück. Dies iſt der gewöhnliche Zuſtand der mit lebhafter Einbildungskraft begabten Menſchen, wenn eine große Revolution von Abſichten und von Plänen und Hoff⸗ Wechſel des Windes zu ſehr empfänglich find. Der Schwache geht ſo zu Grunde, der Starke aber finkt nach furchtbaren und unbekannten Zuckungen in die feierliche Harmonie und Ordnung wieder zurück, woraus Schickſal und Gottheit das Menſchengeſchlecht erſchafft. Aus dieſer Unentſchloſſenheit im Kampf entgegen⸗ geſetzter Grundſätze wurde Maltravers durch folgenden Brief von Florence Lascelles herausgeriſſen. „Drei Tage und drei ſchlafloſe Nächte lang habe ich mit mir gekämpft, ob ich dieſen Brief Ihnen ſchreiben muß oder nicht. Ernſt, wäre ich in Geſund⸗ heit und Stolz noch dasjenige, was ich einſt war, ſo würden Eie bei allen Ihrem Edelmuth dieſen meinen Schritt mißverſtehen; aber das iſt jetzt un⸗ möglich. Unſere Vereinigung kann niemals ſtatthaben, und meine Hoffnungen ſind jetzt auf eine zugleich ſüße und ſchwermüthige beſchränkt— daß Sie von meinen Todesſtunden den kalten und düſtern Schatten Ihres Zornes entfernen werden. Wir Beive wurden grau⸗ ſam getäuſcht und verrathen. Vor drei Tagen ent⸗ deckte ich die gegen uns verübte Treuloſigkeit. Ach! vamals empfand ich bei allem ſchwachen, menſchlichen Schmerz der zu ſpäten Entdeckung(Ihr Fluch, Ernßt, iſt erfüllt) wenigſtens einen Augenblick lang ein ſtolzes und ausgeſuchtes Vergnügen. Ernſt Maltravers, der Held meiner Träume, der Gott meiner Ver⸗ ehrung ſtand rein und hoch wie früher da— ein Weſen, nicht unwürdig der Liebe, der Trauer und nungen Elemente zuſammenwirft, welche für jeden eines für il Handſchrift es ſcheint, Sie ſelbſt niß gegen andere Zeu in meinen erwieſen S ich hatte mi iſt mir vo Grab gedri geliebt, bie Schlag die ein Wort den mir gl habe, dent wenn Sie verhältnißn mich ſelig uns Beide kurzſichtiger glauben kö iſt, wo ich meinem ei zu verkehre einſt irrig die ich Sie bindung J Elend, Jh würde. M Bulwer, für jeden find. Der aber ſinkt gen in die e urück, engeſchlecht entgegen⸗ folgenden n. lang habe rief Ihnen in Geſund⸗ einſt war, uth dieſen tjetzt un⸗ ſtatthaben, gleich ſüße von meinen ttten Ihres rden grau⸗ Tagen ent⸗ keit. Ach! nenſchlichen ch, Ernſt, lang ein Naltravers, iner Ver⸗ da— ein rauer und eines für ihn zu leidenden Todes. Ein Brief in Ihrer Handſchrift wurde mir verfälſcht und verändert, wie es ſcheint, gezeigt; aber ich entveckte den Betrug nicht; Sie ſelbſt nur legten falſches und furchtbares Zeug⸗ niß gegen Sich ab! konnten Sie glauben, daß jeves andere Zeugniß, die Worte und Eide Anderer Sie in meinen Augen hätten überführen können? Darin erwieſen Sie mir Unrecht; aber ich verdiente dies; ich hatte mich zum Geheimniß verpflichtet; das Siegel iſt mir von den Lippen genommen, um auf mein Grab gedrückt zu werden. Ernſt, geliebter Ernſt— geliebt, bis der letzte Hauch erliſcht— bis der letzte Schlag dieſes Herzens ſchweigt— ſchreiben Sie mir ein Wort des Troſtes und der Verzeihung. Sie wer⸗ den mir glauben, was ich nur undeutlich angegeben habe, denn Sie trauten ſtets meiner Rechtlichkeit, wenn Sie auch meine Fehler tadelten. Jetzt bin ich verhältnißmäßig glücklich; ein Wort von Ihnen wird mich ſelig machen. Das Schickſal iſt vielleicht gegen uns Beide gnädiger geweſen, als wir bei unſeren kurzſichtigen und unzufriedenen, menſchlichen Blicken glauben können; jetzt, wo mein Körper gebrochen iſt, wo ich in der Einſamkeit meines Zimmers mi meinem eigenen Herzen pflichtgemäß und demüthig zu verkehren vermag, erkenne ich die Fehler, die ich einſt irrig für Tugenden hielt, und empfinde, daß ich, die ich Sie auf ewig liebe, vielleicht bei unſerer Ver⸗ bindung Ihr Glück nicht gemacht, und deßhalb vas Elend, Ihre Neigung zu verlieren, gekannt haben würde. Mag Er, welcher für Sie glorreiche und noch Bulwer, Maltravers. M. 20 306 nicht erfüllte Zwecke bildete, Sie ſtärken, wenn dieſe meine Augen nicht mehr bei Ihren Triumphen fun⸗ keln, oder bei Ihrem leichteſten Kummer weinen. Sie werden auf Ihrer weiten und glänzenden Laufbahn fortſchreiten; nach wenig Jahren wird die Erinnerung an mich nur die Spur eines Traumes zurückgelaſſen haben; aber— ich kann nicht mehr ſchreiben, Gott ſchütze Sie!“ Fünftes Kapitel. O haltet an den heft'gen Strom der Güte; Zu reißend dringt er auf mich ein. Dryden, Sebaftian und Dorat. Der Arzt mit glattem Benehmen hatte ſeine Abend⸗ viſite abgeſtattet; Lord Saxingham hatte ſich auf ein miniſterielles Eſſen begeben, denn das Leben varf dem Tode nie zur Seite gehen; Lady Florence Lascelles war allein; ſie befand ſich im Zimmer neben ihrem Schlafgemach, in einem Zimmer, wo ſie einſt in den ſiegreichen Tagen der glänzenden und launiſchen Erbin vorzugsweiſe ihrem beſonderen Geſchmacke freies Spiel ließ. Dort war ſie gewohnt geweſen, zu ſinnen, zu ſchreiben und zu ſtudiren; dort war ſie zuerſt vom neuen Glanz der ungewöhnlichen und ſtattlichen Ge⸗ danken Ernſt's geblendet worden; dort hatte ſie zuerſt den romantiſch mädchenhaften Gedanken gefaßt, wel⸗ cher ſie bewog, mit ihm unbekannt in Briefwechſel zu treten; dort hatte ſie ſich zuerſt geſtanden, die Phantafie h kurze und e Regung zur die Hoffnun Schrecken, deskampf de traurig un unvermeidli und mufika Hälfte von alle zarte( das Zimme wenn Juge würden. D allein die b lichen! Florene ſtarb ſie ni ſchen Kran Geſundheit barer und allmählig u Ernſt ſeine der großen glänzenden lange den E worin ihr r auf die Stre zu erfahren ſchickt, ohr wenn dieſe phen fun⸗ r weinen. Laufbahn rinnerung ückgelaſſen ben, Gott der Gäte; in. n und Dorat. ine Abend⸗ ch auf ein darf dem Lascelles ben ihrem inſt in den hen Erbin eies Spiel ſinnen, zu uerſt m lichen Ge⸗ e ſie zuerſt faßt, wel⸗ riefwechſel nden, die 307 Phantafie habe ihre Liebe erzeugt; dort hatte ſie die kurze und erſchöpfende Stufe der Liebe, die einſame Regung zurücklegen müſſen; dann folgte der Zweifel, die Hoffnung, die Entzückung; der Gegenſatz, der Schrecken, die lebloſe Niedergeſchlagenheit, der Ty⸗ deskampf der Verzweiflung! Dort erwartete ſie jetzt traurig und geduldig den allmähligen Gang des unvermeidlichen Hinſchwindens. Bücher, Gemälde und muſikaliſche Inſtrumente und Marmorbüſten zur Hälfte von klaſſiſcher Drapperie beſchattet, kurz, alle zarte Eleganz weiblicher Veredlung umkleideten das Zimmer mit einer ſo heiteren Grazie, als wenn Jugend und Schönheit auf immer dort weilen würden. Das düſtere und widrige Gewölbe war nicht allein die bleibende Wohnung des irdiſch Vergäng⸗ lichen! Florence Lascelles nahte ſich dem Tode; jedoch ſtarb ſie nicht durchaus an jener gewöhnlichen myſti⸗ ſchen Krankheit, einem gebrochenen Herzen; ihre Geſundheit war ſtets zart, weil ein nervöſer, reiz⸗ barer und fieberhafter Geiſt an ihr nagte; jene war allmählig unſichtbar untergraben worden, noch bevor Ernſt ſeine Liebe geſtand. In dem eigenthümlichen Glanz der großen Augen, in der üppigen Durchſichtigkeit der glänzenden Wangenblüte konnte der Erfahrene ſchon lange den Samen des Todes erkennen. An dem Abend, worin ihr raſtloſes und verſtörtes Herz ſie unvorſichtig auf die Straße geführt hatte, um Lumley's Mittheilung zu erfahren(ſie hatte denſelben an Maltravers ge⸗ ſchickt, ohne den Zweck recht zu wiſſen, oder eine 308 beſtimmte Hoffnung zu hegen)— an bem Abende befand ſie ſich ſchon im Fieberzuſtund. Der Regen und die Kälte reizten die im Innern ſchlummernde Krankheit; ihre Aufregung ertheilte ihr Nahrung und Feuer— Anfälle die Fieberwahnſinns traten ein— die Urzte hatten mit dem furchtbarſten und verhäng⸗ nißvollſten aller medieiniſchen Fehler, welcher dem Körper, wenn er gerade am meiſten der Kraft be⸗ darf, das Lebensprineip raubt, einigemale zu Ader gelaſſen und ſo eine augenblickliche Ruhe, aber eine bleibende und unheilbare Schwäche bewirkt. Die Schwindſucht ergriff ihr Opfer; ihre Arzte waren die erſten in London, und Lord Saringham hegte die feſte überzengung, es ſei keine Gefahr vorhanden. Seinem Charakter gemäß, kam er nicht auf den Ge⸗ danken, daß der Tod ſich bei Lady Florence viel heraus⸗ nehmen dürfe, da es doch ſo viele arme Leute in der Welt gebe, die es gar nicht unzweckmäßig ſei daraus zu entfernen. Allein Florence erkannte die Gefahr, und ihr hoher Muth erſchrack nicht vor derſelben. Als aber Ceſarini der Furchtharkeit ſeiner Gewiſſens⸗ biſſe unterlag, ihr einen Brief ſchrieb und ſeinen Antheil an dem verhängnißvollen Verrath geſtand, ob er gleich den ſeines Mitſchuldigen verhehlte— da, ach! empfand ſie wirklich Schmerz über ihr Schick⸗ ſal, und ſehnte ſich, noch einmal mit Blicken der Liebe und Freude auf die ſchöne Welt zu ſchauen. Allein die Krankheit des Körpers ruft gewöhnlich eine verborgene Kraft und Ruhe der Seele hervor, welche der Geſundheit unbekannt iſt; Gott hat in ſeiner Gnade den daß der ab uns nahen, wird; je Blicken ſch Außere des ſeine Arme, ner Mutte Mit ſch den eintön Scheiden d aber ihr d kündete. beugte ſie gab ſich ſe Haupt wat einſt zur T war entner rence hatte Jugend gen Als fie der Wagen derſelbe un ſah auf. vor ſich 5 ſchwache R Wange, u zuſammeng ihrem Klei unendlich z em Abende der Regen lummernde hrung und ten ein— derhän⸗ elcher dem Kraft be⸗ e zu Ader aber eine irkt. Die zte waren hegte die vorhanden. den Ge⸗ iel heraus⸗ eute in der ſei daraus ie Gefahr, derſelben. Gewiſſens⸗ ind ſeinen h geſtand, rhehlte— ihr Schick⸗ licken der u ſchauen. hnlich eine or, welche in ſeiner Gnade den gewöhnlichen Lauf der Natur ſo geordnet, daß der abhängige Pfad, je mehr wir dem Grabe uns nahen, unſern Füßen eben und ſanft gemacht wird; je mehr der Nebel der Erde von unſern Blicken ſchwindet, verliert der Tod das falſche Außere des Geſpenſtes, und wir finken zuletzt in ſeine Arme, wie ein müdes Kind an den Buſen ſei⸗ ner Mutter. Mit ſchwerem Herzen borchte Lady Florence auf den eintönigen Schall des Uhrpendels, welcher das Scheiden der wenigen, zwar noch nicht koſtbaren, aber ihr doch nur ſparſam zugemeſſenen Zeit ver⸗ kündete. Ihr mit den Händen bedecktes Geſicht beugte ſie über einen kleinen Tiſch am Sopha und gab ſich ſchwermüthigen Gedanken hin. Das hohe Haupt war gebeugt; die elaſtiſche Geſtalt, welche einſt zur Majeſtät und zum Befehl geboren ſchien, war entnervt; keine Freunde waren nah, denn Flo⸗ rence hatte nie Freunde gehabt. Einſam war ihre Jugend geweſen und einſam waren ihre Todesſtunden. Als ſie ſo ſinnend daſaß, erſchütterte der Schall der Wagenräder leicht das Zimmer; dann entſchwand derſelbe und der Wagen hielt an der Thür. Florenee ſah auf.„Nein, es kann nicht ſein,“ murmelte ſie vor ſich hin; während ſie aber ſprach, flog eine ſchwache Nöthe über ihre eingeſunkene und gewelkte Wange, und ihr Buſen, gleichſam„zu groß für ſeine zuſammengeſchrumpften Verhältniſſe“, hob ſich unter ihrem Kleide. Es herrſchte ein Schweigen, das ihr unenplich zu ſein ſchien; ſie wandte ſich mit tiefem 310 Seufzer und. ſchmerzhafter Muthloſigkeit des Herzens hinweg. Hierauf trat ihre Kammerfrau mit aus⸗ drucksvollen und verſtörten Blicken ein. „Ich bitte Sie um Verzeihung, Mhlaby, aber.. „Nun?“ „Herr Maltravers iſt gekommen und hat ſich nach Ihrer Ladyſchaft erkundigt. Da ließ mich Herr Burton rufen, ich aber ſagte, Mylady befinde ſich zu unwohl, um Jemand zu ſehen; aber Herr Maltravers ließ ſich nicht abweiſen und wartet in Mylords Bibliothek; er beſtand darauf, daß ich hinaufging und ihn an⸗ meldete.“ Die Worte der Frau Shinfield waren nicht wohl⸗ klingend und ihre Stimme gar nicht lieblich, aber niemals ſchien eine Beredſamkeit der Florence ſo wirk⸗ ſam. Jugend, Liebe und Schönheit kehrte plötzlich bei ihr zurück; ihre Augen glänzten, ihre Wange röthete ſich und ihr Antlitz überſtrahlte die Verwelkung mit plötzlichem und täuſchendem Licht.„Wohlan,“ ſagte ſie nach einer Pauſe,„laſſen Sie Herrn Maltravers heraufkommen.“ „Was, Mylady? Gott ſchütze mich! Laſſen Sie mich Ihr Haar ordnen. Euer Ladyſchaft befindet ſich ja im Negligée.“ „Das macht nichts aus, Shinfield; er wird Alles entſchuldigen, gehen Sie.“ Frau Shinfield zuckte die Achſeln und ging; nach wenig Augenblicken vernahm man Schritte auf der Treppe, die Thür knarrte und Maltravers war mit Florence wieder allein. Bewegungslos ſtand er auf der Schwe ſo ſtanden der Lampe wann wir! zu quälen ſtalt nicht ſcheinen! in der Ein in der He es im Dut vor ihm v dort für ir ſo ſchön g ein ſchwar hin; die L lebensmüde lenden Bli Geiſtes un und worin ſondern au chen ſchien zuletzt brac vor; er ſti ſchloß ihre mit Küſſer Natur war nen Regun bar, warer „Wein burch ſeine des Herzens mit aus⸗ aber hat ſich nach err Burton zu unwohl, ravers ließ Bibliothek; nd ihn an⸗ nicht wohl⸗ blich, aber nee ſo wirk⸗ plötzlich bei nge röthete velkung mit lan,“ ſagte Maltravers Laſſen Sie ft befindet wird Alles ging; nach te auf der s war mit and er auf 311 ver Schwelle. Sie hatte ſich unwillkürlich erhoben; ſo ſtanden Beide einander gegenüber und der Schein der Lampe fiel voll auf ihr Geſicht. O Himmel! wann wird dieſer Anblick das Herz des Maltravers zu quälen aufhören! wann wird dieſe veränderte Ge⸗ ſtalt nicht mehr als Geſpenſt vor ſeinen Augen er⸗ ſcheinen!— dort ſteht es, treu und anklagend ſowohl in der Einſamkeit, wie im Gedränge— er ſieht es in der Helle des Mittags— düſter und bleich geht es im Dunkel der Nacht zwiſchen Sternen und Erde vor ihm vorüber— es blickte in ſein Herz und ließ dort für immer ſein Ebenbild! Die Wangen, einſt ſo ſchön gerundet, waren jetzt eingeſunken und hohl; ein ſchwarzblauer Streifen zog ſich unter den Augen hin; die Lippe war bleich; ein ſcharfer, ängſtlicher, lebensmüder Ausdruck hatte den herrlichen und ſtrah⸗ lenden Blick erſetzt, in welchem einſt das Leben des Geiſtes und der ſüße Stolz der Weiblichkeit erglühte und worin nicht allein jegliches Vermögen der Seele, ſondern auch deren Unſterblichkeit ſichtbar ausgeſpro⸗ chen ſchien! Er ſtand da, erſchreckt und wie betäubt; zuletzt brach ein tiefer Seufzer aus ſeiner Bruſt her⸗ vor; er ſtürzte vorwärts, ſank auf ſeine Knie, um⸗ ſchloß ihre Hände und ſchluchzte laut, als er dieſe mit Küſſen bedeckte. Alles Eiſen ſeiner kräftigen Natur war gebrochen und ſeine lange niedergehalte⸗ nen Regungen, jetzt unwiderſtehlich und unbeherrſch⸗ bar, waren furchtbar anzuſchauen! „Weinen Sie nicht ſo,“ murmelte Lady Florence, burch ſeine Heftigkeit erſchreckt;„ich habe mich furcht⸗ 1 312 bar verändert, aber der Fehler iſt mein— Ernſt, er iſt mein. Beſier, gütigſter, theuerſter Mann, wie konnte ich ſo wahnfinnig ſein! Sie vergeben mir? Ich bin wieder die Ihrige noch auf eine kleine Zeit. Grämen Sie ſich nicht ſo, während ich mich ſo glüc⸗ lich fühle!“ Bei dieſen Worten fielen ihre Thränen— Thri⸗ nen, die aus ganz verſchiedener Quelle wie bei ihm entſprangen, wo ſie aus verſengendem, unerträglichem Seelenſchmerz hervorbrachen— auf ſein gebengtes Haupt und die Hände, welche die ihrigen krampfhaft umſchloſſen hielten. Maltravers blickte ihr wild ins Geſicht und ſchanderte als er ſah, daß ſie zu lächeln ſuchte. Er ſtand plötzlich auf, warf ſich in einen Lehnſtuhl und bedeckte ſein Geſicht. Dann ſuchte er durch heftige Anſtrengung ſich ſelbſt zu bemeiſtern; nur durch das Heben ſeiner Bruſt und dann und wann durch tiefes Athemholen verrieth er den ſtür⸗ miſchen Kampf in ſeinem Innern. Florenee blickte auf ihn einen Augenblick in bitterer, beinah ſelbſt⸗ ſüchtiger Reue.„Dies alſo war der Mann, welcher mir ſo verhärtet gegen ſanfteres Geſühl ſchien— dies iſt das Herz, das ich mit Füßen trat, der Cha⸗ rakter, dem ich mißtraute.“ Sie trat zitternd und mit ſchwachem Schritt zu ihm hin; ſie legte die Hand auf ſeine Schulter; die Zärtlichkeit der Liebe kam über ſie und ſie umſchlang ihn mit den Armen. „Es iſt mein Schickſal,“ ſagte Maltravers zuletzt, gleichſam aus einem grauenhaften Traum erwachend, mit hohler und ruhiger Stimme—„wir ſind ein Spielzeug zerſchmetter Zuſtand des dem Menſe feinere Nal Wünſche, e ſo die Wer kleinlichſten ſein, ſogar jedem Dun In Ert ein Ausdru erſchien, d Furcht emp erweckt hatt hin, und gt nicht bemer blieb er ſt rence und Tone:„W unglücklich „Nein, Abſicht auf leſe. Er h vergeben, „Sein Geſicht, fr „Verg⸗ „Sein travers ſta Ernſt, er Rann, wie een mir kleine Zeit. ch ſo glüc⸗ — Thrä⸗ ie bei im rträglichem gebeugtes krampfhaft r wild ins e zu lächeln h ein einen n ſuchte er bemeiſtern; dann und r den ſtür⸗ enee blickte nah ſelbſt⸗ in, welcher ſchien— t„ der Cha⸗ tternd und te die Hand e kam über vers zuletzt, erwachend, ir ſind ein Spielzeug des Schickſals und deſſen Rad hat uns zerſchmettert. Das Menſchenleben iſt ein furchtbarer Zuſtand des Seins; was iſt Weisheit, Tugend, Treue dem Menſchen— Frömmigkeit dem Himmel— alle feinere Nahrung, die wir uns reichen— alle unſere Wünſche, eine höhere Sphäre zu erreichen, wenn wir ſo die Werkzeuge des bloßen Zufalles, die Opfer der kleinlichſten Niederträchtigkeit ſind, wenn unſer Da⸗ ſein, ſogar unſer Verſtand, jedem Verräther und jedem Dummkopf anheim gegeben iſt?“ In Ernſt's Stimme, wie in ſeinen Gedanken lag ein Ausdruck, welcher ſo unnatürlich ruhig und tief erſchien, daß Florence eine noch mehr ſchneidende Furcht empfand, wie ſeine Heftigkeit früher bei ihr erweckt hatte. Er ſtand auf, murmelte etwas vor ſich hin, und ging auf und ah, als ob er ihre Gegenwart nicht bemerke; dies war wirklich der Fall. Zuletzt blieb er ſtehen, heftete ſeinen Blick auf Laty Flo⸗ rence und ſagte mit flüſterndem und durchdringendem Tone:„Wohlan, der Name des Elenden, der uns unglücklich machte!“ „Nein, Ernſt, niemals, wenn Sie mir nicht die Abſicht aufzugeben verſprechen, die ich in Ihren Blicken leſe. Er hat geſtanden und iſt reuig; ich habe ihm vergeben, auch Sie werden ihm verzeihen.“ „Sein Name,“ wiederholte Maltravers und ſein Geſicht, früher geröthet, ward unnatürlich blaß. „Vergeben Sie ihm, verſprechen Sie mir dies?“ „Sein Name, ſage ich, ſein Name!“ und Mal⸗ travers ſtampfte wüthend auf den Boden. 314 „Iſt dies gütig? Sie erſchrecken mich, Sie werden ſank mit un mich tödten,“ ſprach Florence mit bebender Stimme der ihm R und ſank erſchöpft aufs Sopha; ihre Nerven, bereits Es wa geſchwächt, wurden durch ſeine Heſtigkeit gleichſam Unterredun⸗ zerriſſen; ſie rang die Hände und weinte bitterlich. ſich nach E „Sie wollen mir alſo ſeinen Namen nicht nennen?“ Vorbereitur ſagte Maltravers mit lauter, unveränderter Stimme; Allein das „es ſei, ich will nicht mehr fragen. Ich kann ihn kahles Ausſ ſelbſt entdecken. Der rächende Gott wird ihn mit fortgenomm enthüllen.“ theten iſt Bei dem Gedanken wurde er gefaßter; als Flo⸗ ſobald er 6 rence zu weinen fortfuhr, wich die unnatürliche Auf⸗ geſchäftig, regung und Trotzigkeit ſeiner Seele; er ſetzte ſich zu etwas in ihr und ſprach Alles aus, was zu beſänftigen, zu wollte nicht 1 beruhigen und zu tröſten vermag. Florenee ward bald und flackern beruhigt. Während das düſtere Skelet das Leichen⸗ mer war g tuch über ihrem Haupte ausbreitete, tauſchten Beide erfüllen; a wieder ihre Liebesgeſtändriſſe aus und ſprachen mit und Brochi 3 einem noch zärtlicheren Gefühl wie früher wiederum geren Auto von Liebe. der ſiets he Weltmaſchi vers nicht b Sechstes Kapitel. feberhaften liebte, wie Erichto haucht 3 Ihr furchtbar vnn ei Schattenteich ſtuttfand, 1 Ihr grauenvoll Geheimniß hinzutragen ſchürte das Ihn zwingt. 3½ Marlow. rock zurecht 6 Herrn Fra 3 MWit ſchweren Schritten ſtieg Maltravers die Stufen kleinen Rä ſeines einſamen Hauſes an jenem Abend hinauf und wenn das Sie werbden der Stimme en, bereits it gleichſam e bitterlich. t nennen er Stimme; h kann ihn d ihn mir ; als Flo⸗ ürliche Auf⸗ etzte ſich zu ftigen, zu ward bald as Leichen⸗ chten Beide rachen mit wiederum Schattenreich en rlow. die Stufen in en 31⁵ ſank mit unterdrücktem Seufzer auf den erſten Stuhl, der ihm Ruhe darbot. Es war heftig kalt. Während ſeiner langen Unterredung mit Lady Florence hatte ſein Bedienter ſich nach Seamore⸗Place begeben und einige haſtige Vorbereitungen zur Rückkehr ſeines Herrn getroffen. Allein das Schlafzimmer zeigte ein unbehagliches und kahles Ausſehen. Die Vorhänge und Teppiche waren fortgenommen(die Haushälterin eines Unverheira⸗ theten iſt in dieſen Dingen merkwürdig vorſichtig; ſobald er den Rücken dreht, iſt ſie voll Entzücken geſchäftig, und kehrt das ganze Haus um, um es etwas in Ordnung zu bringen); ſogar das Feuer wollte nicht hell brennen, ſondern glühte nur trübe und flackernd auf den rauchenden Kohlen. Das Zim⸗ mer war groß und das Licht vermochte es kaum zu erfüllen; auf dem Tiſche lagen Parlamentszeitungen und Brochüren und Rechnungen und einige von jün⸗ geren Autoren eingeſchickte Bücher— Zeugniſſe von der ſtets hervorbringenden Geſchäftigkeit der raſtloſen Weltmaſchine. Alles dies wurde aber von Maltra⸗ vers nicht bemerkt; der Winterfroſt erſtarrte nicht ſeine fieberhaften Adern. Sein Kammerdiener, der ihn liebte, wie dies bei Allen, die viel um ihn waren, ſtattfand, machte ſich ängſtlich im Zimmer zu thun, ſchürte das düſtere Feuer, legte den bequemen Schlaf⸗ rock zurecht, ſtellte Wein auf den Tiſch, legte ſeinem Herrn Fragen vor, die dieſer nicht beantwortete. Die kleinen Räder des Lebens nehmen ihren Fortgang, wenn das große Rad gelähmt oder zerbrochen iſt. 316 Maltravers befand ſich, um mich des Ausdrucks zu bedienen, in einer Art geiſtiger Entrückung. Seine Aufregung hatte ihn gänzlich erſchöpft. Er empfand die Erſtarrung, welche auf großen Schmerz folgt und wiederum den Vorläufer eines großen Schmerzes bildet. Zuletzt war er allein, und ohne daß er ſich deſſen bewußt war, brachte ihn die Einſamkeit wieder zu ſich. Man muß nämlich beachten, daß die Gegen⸗ wart eines Andern, wenn ein Unglück uns im In⸗ nerſten berührt hat, die Verbindung zwiſchen Ge⸗ dächtniß und Herz zu hindern ſcheint. Entferne den Eindringling, und der erhobene Hammer fällt ſo⸗ gleich auf den Ambos! Maltravers ſprang auf als die Thür ſich hinter ſeinem Diener ſchloß und riß den Hut von ſeiner gerunzelten Stirn. Er ging einige Augenblicke auf und ab und die Luft des Zimmers, ſo kalt ſie auch war, erdrückte ihn. Es gibt Augenblicke, worin der Pfeil in uns zit⸗ tert, worin jeder Raum uns zu eng erſcheint. Wie ein verwunderter Hirſch vermöchten wir dann auf ewig dahin zu eilen; wir hegen dann einen unbeſtimmten Wunſch zu entkommen, eine beinahe wahnſinnige Sehnſucht aus uns ſelbſt zu entfliehen; die Seele kämpft mit dem Körper, um ſich auf den Flügeln des Morgens hinwegzuſchwingen. Zuletzt riß Maltravers ungeduldig ſein Fenſter auf; es führte auf einen Balkon, von welchem man eine weite Ausſicht über einen Theil des nahen Parks hatte. Er trat auf den Balkon und entblößte ſeine Brußi der ſcharfen Luft. Der unbehagliche und eiſige Himmel blie geſpenſterha Alle Dinge den Gedank an das Ver Bei der füh der Tod ſelb loſen Armer müde war, ſeinem Herz Leiden nacht der Hausthü wußte nicht Zimmer beſ Schulter füt weiße, leiche „Die N lich, Maltra Lächeln;„d Unterredung „Hinwe „ich habe keit „Nein. Ich habe Ih gezählt, wo in Ihre Wi Leidenſchafte ertrocknet ſe zu begegnen in dieſem 2 usdrucks zu ng. Geine Fr empfand merz folgt Schmerzes daß er ſich keit wieder die Gegen⸗ ns im In⸗ iſchen Ge⸗ ntferne den r fällt ſo⸗ ng auf als oß und riß ging einige s Zimmers, in uns zit⸗ heint. Wie in auf ewig beſtimmten vahnſinnige die Seele Flügeln des ein Fenſter chem man ahen Parks lößte ſeine e und eiſige 317 Himmel blickte auf den Reif am Graſe und auf die geſpenſterhaften Zweige entlaubter Bäume hernieder. Alle Dinge der äußeren Welt brachten ſeiner Seele den Gedanken an das Grab, an die Pauſe des Seins, an das Verwelken der Schönheit näher und näher. Bei der fuhlbaren, ſchneidenden Winterkälte ſchien der Tod ſelbſt ihn mit ſeinem Skelet und ſeinen freude⸗ loſen Armen zu umſchlingen. Als er ſo daſtand und müde war, gegen die bittern Leidenſchaften, die an ſeinem Herzen nagten, zu kämpfen und als er dieſen Leiden nachgab, vernahm er nicht den Klopfer an der Hausthür noch die Fußtritte auf der Treppe; er wußte nicht eher, daß ein Beſucher ſich in ſeinem Zimmer befand, als bis er eine Hand auf ſeiner Schulter fühlte; er wandte ſich um und erblickte das weiße, leichenfarbene Antlitz Caſtruccio Ceſarini's. „Die Nacht iſt ſchrecklich und die Stunde feier⸗ lich, Maltravers,“ ſagte der Italiener mit verdrehtem Lächeln;„die Nacht und die Zeit iſt paſſend zu einer Unterredung mit Ihnen.“ „Hinweg,“ rief Maltravers mit zornigem Ton, „ich habe keine Zeit zu ſolchem Comödiantenhervismus.“ „Nein, Sie ſollen mich bis zum Schluß anhören. Ich habe Ihre Ankunft überwacht; ich habe die Stunden gezählt, worin Sie bei ihr blieben; ich bin Ihnen in Ihre Wohnung gefolgt. Hegen Sie menſchliche Leidenſchaften, ſo muß die Menſchlichkeit ſelbſt in Ihnen ertrocknet ſein. Dem wilden Thiere in ſeiner Höhle zu begegnen, kann nicht furchtbarer ſein, wie Ihnen in dieſem Augenblick. Ich aber ſuche Sie auf und 318 trotze Ihnen. Schweigen Sie! Hat Florence Ihnen den Namen deſſen enthüllt, der Sie verleumdete und welcher Florenee ſelbſt durch Verrath dem Tode über⸗ lieferte?“ „Ha,“ rief Maltravers aus, indem er ſehr blaß wurde und ſeinen Blick auf Ceſarini heftete,„Du biſt nicht der Mann, mein Verdacht traf einen Andern.“ „Ich bin der Mann, vollbringe das Schlimmſte, was Du kannſt.“ Kaum waren dieſe Worte geſprochen, als Mal⸗ travers mit wildem Schrei ſich auf den Italiener ſtürzte; er riß ihn empor, packte ihn wie ein Kind, wirbelte ihn im wörtlichen Sinne des Ausdrucks umher. In dieſem Anfall der Wuth war Maltravers bei den käm⸗ pfenden Elementen der Rache und Vernunft vielleicht nur ein Haar breit von der That entfernt, daß er den Verbrecher von der furchtbaren Höhe, worauf ſie ſtanden, hinabſtürzte. Die Verſuchung ging vorüber; Ceſarini lehnte ſich ſicher und unbeſchädigt, aber aus Wuth und Furcht beinahe von Sinnen, an die Wand, Er war allein, Maltravers hatte ihn verlaſſen; er war vor ſich ſelbſt in ſein Schlafzimmer, vor den menſchlichen Leidenſchaften unter die ſchützenden Schwin⸗ gen des Allgegenwärtigen und Allſehenden geflohen, „Vater,“ ſeufzte er, auf die Knie finkend,„hilf mir und rette mich, ohne Dich bin ich verloren.“ Langſam kam Ceſarini wieder zu ſich und trat ins Zimmer. Ein Nerv in ſeinem Gehirn war ſchon zer⸗ riſſen; finſter und wild kehrte er zurück, um den Löwen, der ihn geſchont hatte, zu ſtacheln. Maltra⸗ vers hatte f hoben. Mit Arme über d liener entgeg auf ihn zutr herriſchen St „Wohlan unnatürlich 1 der Mann, ſi „Ihren naten von de Recht beſaß, über meine E mals geantwr ſetzung, mit ſelbe Weib, rätherei mein riſſen. Dieſer die Sie über Zweifeln über ich gab dem bei ihrer erſt ihrem Verlöb ſchrift überfi ſchmutziger B „Das we oder fühlſt 2 „Was ic nicht. Nein, Du haſt mir ence Ihnen umdete und Tode über⸗ ſehr blaß „„Du biſt Andern.“ Schlimmſte, als Mal⸗ ner ſtürzte; d, wirbelte mher. In ei den käm⸗ ft vielleicht nt, daß er worauf ſie g vorüber; „aber aus die Wand. verlaſſen; r„ vor den en Schwin⸗ n geflohen, „hilf mir . nd trat ins ſchon zer⸗ „ um den . Maltra⸗ vers hatte ſich ſchon von ſeinem kurzen Gebet er⸗ hoben. Mit verſchloſſenen, ſtarren Zügen und die Arme über die Bruſt gefaltet, ſtellte er ſich dem Ita⸗ liener entgegen, der mit drohender Stirn und Arm auf ihn zutrat, aber unwillkürlich beim Anblick der herriſchen Stellung ſtehen blieb. „Wohlan,“ ſprach Maltravers zuletzt mit einem unnatürlich ruhigen und leiſen Ton,„Du alſo biſt der Mann, ſprich, welche Künſte haſt Du gebraucht?“ „Ihren eigenen Brief; als ich vor mehren Mo⸗ naten von der Hoffnung ſchrieb, die ich zu hegen ein Recht beſaß, und als ich Sie um Ihre Meinung über meine Geliebte fragte, wie haben Sie mir da⸗ mals geantwortet? Mit Zweifeln, mit ihrer Herunter⸗ ſezung, mit verdecktem und artigem Hohn über daſ⸗ ſelbe Weib, das Sie nachher mit überlegender Ver⸗ rätherei meiner verehrenden und anbetenden Liebe ent⸗ riſſen. Dieſen Brief habe ich entſtellt. Die Zweifel, die Sie über mein Glück ausdrückten, machte ich zu Zweifeln über Ihr eigenes. Ich veränderte das Datum; ich gab dem Briefe den Anſchein, als ob ſie ihn nicht bei ihrer erſten Bekanntſchaft mit ihr, ſondern nach ihrem Verlöbniß geſchrieben hätten. Ihre eigene Hand⸗ ſchrift überführte ſie des niedrigen Verdachtes und ſchmutziger Beweggründe. Dies waren meine Künſte.“ „Das war eine ſehr edle Liſt; beharrſt Du dabei oder fühlſt Du Reue?“ „Was ich hinſichtlich Deiner that, bereue ich nicht. Nein, ich betrachte Dich als den Angreifenden. Du haſt mir ſie geraubt, die mir eine Welt war; 320 von welcher Art auch Deine Entſchuldigung ſein mag, ſo verabſcheue ich Dich mit einem nie ſchlummernden Haſſe, welcher den verworfenen Namen des Gewiſſens⸗ biſſes abſchwört! Ich empfinde Entzücken an Deinen Schmerzen. Aber ſie, die Getroffene, vie Sterbende! O Gott, der Schlag fällt ſchwer auf mein Haupt!“ „Sie ſtirbt!“ ſprach Maltravers langſam und mit Schauder. Nein, ſie kann nicht ſterben— oder was biſt Du? Ihr Mörder! Und was muß ich ſein? Ihr Rächer!“ Von ſeinen Leidenſchaften überwältigt, ſank Ceſa⸗ rini nieder und bedeckte ſein Antlitz mit den geballten Händen Maltravers ging finſter im Zimmer auf und ab. Einige Augenblicke herrſchte Schweigen. Zuletzt blieb Maltravers Ceſarini gegenüber ſtehen und redete ihn folgendermaßen an:„Sie ſind hierher gekommen, nicht um das niedrigſte Verbrechen, welches ein Menſch begehen kann, zu geſtehen, ſondern m ſich an meiner Qual zu weiven und meiner Rache zu trotzen. Gehe, Menſch! für jetzt biſt Du ſicher. So lange ſie lebt, gehört mein Leben nicht mir, um es zu wagen; erlangt ſie ihre Geſundheit wieder, ſo kann ich Sie bemitleiden und Ihnen verzeihen. Für mich iſt Ihr Verbrechen, ſo ſcheußlich es auch ſein mag, viel zu niedrig, als daß ich es ſelbſt verachten könnte. Nur die Folgen dieſes Verbrechens, in Bezug auf jene edle und leidende Dame, können das Ver⸗ ächtliche zum Tragiſchen erheben und Ihr Leben zum werthvollen und nothwendigen Opfer machen— nicht aus Rache, ſondern aus Gerechtigkeit— Leben um Leben, Op gerecht.“ „Sie ſol mich nach J zu verwunde fuhr Ceſarit „ich will keit Ihnen! Si Gegentheil! Sie hätte ſi geworden— nur wegen, ſleckt und de Grabe gebre ſein, Sie al zum Verbrec Ihnen ins 6 verblieben— dürſtet nach ſie zu ſehen der ich ſie können, die einerlei, ich Sie einen( mich aufs C den Sie au— „Fort, Knie und bit die Rechnun ſpreche, ſeh Bulwer, ng ſein mag, lummernden s Gewiſſens⸗ an Deinen Sterbende! in Haupt!“ ſam und mit — oder was hein? Ihr „ſank Ceſa⸗ en geballten mer auf und gen. nüber ſtehen ſind hierher hen, welches ſondern um er Rache zu ſicher. So mir, um es wieder, ſo zeihen. Für s auch ſein ſt verachten s, in Bezug n das Ver⸗ r Leben zum hen— nicht Lehen um Leben, Opfer um Opfer! Dies Geſetz iſt alt und gerecht.“ „Sie ſollen nicht mit Ihrer verfluchten Kälte über mich nach Ihrem Willen verfügen und die Wahl, mich zu verwunden oder zu retten, ſich anmaßen! Nein,“ fuhr Ceſarini fort, indem er mit dem Fuße ſtampſfte, „ich will keine Schonung von Ihren Händen, ich trotze Ihnen! Sie glauben, ich habe Sie verletzt; ich im Gegentheil betrachte Sie als den Angreifenden. Ohne Sie hätte ſie mich vielleicht geliebt, ſie wäre mein geworden— doch ſtill davon! Wenigſtens habe ich nur wegen Ihrer meine Seele mit elender Sünde be⸗ ſleckt und das glänzendſte der menſchlichen Weſen zum Grabe gebracht. Stirbt ſie, ſo mag ich der Mörder ſein, Sie aber ſind die Urſache, der Teufel, der mich zum Verbrechen verführte! Ihnen trotze ich und ſpeie Ihnen ins Geſicht— in mir iſt nichts Sanftes mehr verblieben— meine Adern ſind Feuer— mein Herz dürſtet nach Blut. Sie beſitzen noch das Vorrecht, ſie zu ſehen, ſie zu ſegnen und ihr zu warten; ich, der ich ſie ſo liebte, der ich die Erde hätte küſſen können, die ſie mit dem Fuß berührte, ich— doch einerlei, ich haſſe Sie, ich beſchimpfe Sie, ich nenne Sie einen Elenden und einen Schurken, ich berufe mich aufs Geſetz der Ehre und verlange den Kampf, den Sie aufſchieben oder verweigern.“ „Fort, alberner Schwätzer, fort! falle auf Deine Knie und bitte den Himmel um Verzeihung— ſchließe die Rechnung mit Deinem Leben ab. Während ich ſpreche, ſehe ich zu wohl voraus, daß ihre Tage ge⸗ Bulwer, Maltravers. 1. 2 322 zählt ſind; mit ihrem Nebensfaden iſt der Deinige verwoben. Innerhalb der nächſten zwölf Stunden nach ihrem letzten Augenblick treffen wir uns wieder; aber jetzt bin ich wie Eis und Stein, Du vermagſt mich nicht zu reizen. Der Schluß ihres Lebens ſoll nicht vurch den Anblick von Blut, durch den Gedanken an das von ihrem Tode erheiſchte Opfer verdüſtert werden. Gehe, oder Knechte ſollen dich aus meiner Thür werfen. Deine Lippen ſfind zu niedrig, um dieſelbe Luft wie ehrliche Männer zu athmen; fort mit Dir, ſage ich, aus der Thür!“ Ob ſich gleich keine Muskel in dem Antlitz des hohen Maltravers bewegte— obgleich keine Runzel die majeſtätiſche Stirn verdüſterte— obgleich kein Feuer aus dem feſten und verachtenden Auge hervor⸗ brach— ſo lag ein königliches Anſehen in ſeinem Anblick, im ausgeſtreckten Arm, in dem ſtattlichen Kopf, ſo wie eine Macht in dem Schwellen der ſtrengen Stimme, welche das unglückliche Weſen niederbeugten und zur Ehrfurcht zwangen, deſſen eigene Leidenſchaf⸗ ten nur erſchöpfend und entmannend wirkten. Er bemühte ſich Stolz mit Stolz zurückzugeben, allein ſeine Lippen zitterten und ſeine Stimme erſtarb mit hohlem Gemurmel in der Bruſt. Maltravers betrach⸗ tete ihn mit niederwerfender, durchdringender Ver⸗ achtung. Der Italiener rang voll Scham und Grimm mit ſich ſelbſt, allein vergeblich; der kalte, auf ihn geheftete Blick glich einem Zauber, gegen welchen der Teufel in ſeinem Innern ſich nicht auflehnen oder kämpfen konnte. Mechaniſch ging er zur Thür, wandte ſich um, ſchü und ſtürzte dem Zimmer Kein Ta Seite von 2 ſpät; er tra angenommen⸗ ein Wort üb blieb der La entledigte ſie Herrlichkeit nahe traurig travers berüh Veruneinigur nie einer ſcü wie heftig di mals Selbſtv Verzweiflung Kämpfe er e gefaßt und ſt beherrſchung. Wunſch und Stunden der ziehen und d ten und zu der Deinige tunden nach wieder; aber rmagſt mich is ſoll nicht edanken an ſtert werden. teiner Thür um dieſelbe rt emit Dir, Antlitz des eine Runzel bgleich kein luge hervor⸗ n in ſeinem n ſtattlichen der ſtrengen iederbeugten Leidenſchaf⸗ irkten. Er eben, allein erſtarb mit ers betrach⸗ gender Ver⸗ und Grimm lte, auf ihn welchen der flehnen oder hür, wandte ſich um, ſchüttelte gegen Maltravers die geballte Fauſt und ſtürzte mit wildem, wahnſinnigen Lachen aus dem Zimmer. Siebentes Kapitel. Beim Scheiden ihrer Seele ruhet ſie An der geliebten Bruſt. Gray. Kein Tag verging, worin Maltravers an der Seite von Florenece fehlte; er kam früh und ging ſpät; er trat wieder in ſeine frühere Stellung als angenommener Bewerber, ohne gegen Lord Saxingham ein Wort über das Vorgefallene zu äußern. Dies blieb der Lady Florence überlaſſen. Ohne Zweifel entledigte ſie ſich geſchickt dieſes Geſchäftes, denn Seine Herrlichkeit ſchien zufrieden, obgleich ernſt und bei⸗ nahe traurig zum erſtenmal in ſeinem Leben. Mal⸗ travers berührte niemals die Urſache der unglücklichen Veruneinigung. Seit jenem Abende überließ er ſich nie einer ſchmerzhaften und zornigen Empfindung, wie heftig dieſelbe auch ſein mochte; er heuchelte nie⸗ mals Selbſtvorwürfe; er beklagte niemals mit eitler Verzweiflung die nahe Trennung. Wie viel innere Kämpfe er auch überſtehen mochte, ſo blieb er doch gefaßt und ſtviſch durch die ſtarke Gewalt ſeiner Selbſt⸗ beherrſchung. Er hatte bloß einen Zweck, einen Wunſch und eine Hoffnung vor Augen, den letzten Stunden der Florence Lascelles jeden Schmerz zu ent⸗ ziehen und den Pfad vom Leben zum Tode zu erleuch⸗ ten und zu ebnen, Sein Vorbedacht, ſeine Geiſtes⸗ 324 gegenwart, ſeine Sorgfalt, ſeine Zärtlichkeit verließ ihn keinen Augenblick, überſtieg beinahe die Eigen⸗ ſchaften der Menſchen und ging ſogar auf alle feinen unbeſchreibbaren Kleinigkeiten ein, wodurch ein Weib in Kummer und Schmerz ſich zum heilenden Engel macht. Es war als ob er ſeine ganze Natur zur Er⸗ füllung einer Pflicht gekräftigt und geſtählt habe— als werde dieſe Pflicht noch tiefer empfunden, wie die Liebe, als ſei er entſchloſſen, Florence ſolle ſich nie erinnern, daß ſie keine Mutter beſitze! Wie liebte ihn Florence! Um wie viel ſchwelge⸗ riſcher war jene Liebe in dankbarer und anhänglicher Zärtlichkeit, wie das wilde und eiferſüchtige Feuer ihrer früheren Verbindung! Ihr eigener Charakter, wie es bei ſchleichender Krankheit oft der Fall iſt, wurde weit ſanfter und gemilderter, jemehr die Todes⸗ ſchatten ſich nahten. Sie empfand ſolches Vergnügen, wenn er ihr vorlas und mit ihr redete; ihre frühere Pveſie des Denkens ward jetzt gleichſam zur Religion gemildert, welche gleichſam in Poeſle mit ſtärkeren Schwingen beſteht. Eine Welt lag jenſeits des Grabes — ein Lehen war vorhanden nach der Verpuppung des Todes; dann würden Beide wieder vereint werden. Maltravers, welcher einen feierlichen und ſtarken Glau⸗ ben auf Unſterblichkeit hegte, vernachläſſigte nicht die reinſte und höchſte aller Quellen des Troſtes. In jenem ruhigen Zimmer des prächtigen Palaſtes, welcher ſo oft die Bühne eitler und weltlicher Ent⸗ würfe, der Cotterien und Gaſtereien, der politiſchen, Zuſammenkünfte und der miniſterieſlen Eſſen, üben⸗ haupt aller 2 weſen war— ſonen, deren verbar veränd und göttliche Himmel antr „Wie gl Tages,„daß Eie denkt, fie Worte! Einſ um Ihren Gl mer oder Kra als ein Erq der Glaube, ligeren Nam Betrug noch von der Phil rohr, welche Ernſt, mein erkenne— 6 terlaſſe ich d werden wiſſe nicht auf den lichen Raum, den Gie wiſſ Geiſtes iſt u Gottes ſich e des Seins, fi thätige und wir vielleicht chkeit verließ e die Eigen⸗ f alle feinen rch ein Weib enden Engel atur zur Er⸗ ählt habe— den, wie die ſolle ſich nie iel ſchwelge⸗ anhänglicher ichtige Feuer e Charakter, der Fall iſt, hr die Todes⸗ Vergnügen, ihre frühere zur Religion mit ſtärkeren s des Grabes Verpuppung reint werden. ſtarken Glau⸗ igte nicht die roſtes. gen Palaſles, ltlicher Ent⸗ er politiſchen, Eſſen, ühet⸗ — haupt aller Blaſen der vorübergehenden Wellen ge⸗ weſen war— unterhielten ſich oft dieſe beiden Per⸗ ſonen, deren Lage zu einander ſo plötzlich und ſon⸗ verbar verändert worden war, über jene kühn gedachte und göttliche Lehre, welche„als Braut die Erde dem Himmel antraut“ „Wie glücklich bin ich,“ ſagte Florenee eines Tages,„daß meine Wahl auf einen Mann, der wie Sie denkt, fiel! Wie erheben und entzücken mich Ihre Worte! Einſt aber hätte ich nie daran gedacht, Sie um Ihren Glauben hierüber zu fragen. Nur in Kum⸗ mer oder Krankheit erkennen wir, weßhalb der Glanbe als ein Erquicker dem Menſchen gegeben ward— der Glaube, welcher die Hoffnung unter einem hei⸗ ligeren Namen iſt; die Hoffnung, welche weder von Betrug noch Tod etwos weiß. Wie weiſe reden Sie von der Philoſophie des Glaubens; er iſt das Fern⸗ rohr, welches unſern Blick zu den Sternen leitet. Ernſt, mein Geliebter, den ich zuletzt begreife und erkenne— Ihnen, wenn ich geſchieden bin, hinter⸗ terlaſſe ich dieſen Ermahner und vieſen Freund; Sie werden wiſſen, was Sie mich lehren. Blicken Sie nicht auf den Himmel ollein, ſondern in den unend⸗ lichen Raum, in die unbegrenzte Schöpfung, ſo wer⸗ den Gie wiſſen, daß ich dort bm. Die Heimath des Geiſtes iſt überall, wohin die allgemeine Gegenwart Gottes ſich ausdehnt. Für welche zahlreiche Stufen des Seins, für welche Pfade, weiche Pflichten, welches thätige und glorreiche Wirken in andern Welten find wir vielleicht beſtimmt— vielleicht um ſie alle zu 326 kennen und zu theilen und von einem Daſein nach dem andern in der Stufe des Seins höher zu ſteigen. Im Himmel ſicherlich findet ſich kein Stillſtand und keine Erſtarrung; dyrt können wir nicht in träger und nicht fortſchreitender Ruhe unthätig liegen; Be⸗ wegung und Fortſchritt wird das Geſetz und die Be⸗ dingung des Daſeins bleiben. Dort oben werden unz Anſtrengungen und Pflichten beſchieden ſein, wie ez hier unten der Fall war.“ In dieſer auch von Maltravers geglaubten An⸗ ſicht äußerte ſich noch der Charakter der Florence, ihr überflutendes Leben und die Thätigkeit ihres Den⸗ keus, ihre Beſtrebungen und ihr Ehrgeiz. Sie richtete nicht ſo ſehr ihren widerſtrebenden Blick auf die Stille und die Ruhe des Grabes, als auf das Licht und die Glorie eines erneuten und fortſchreitenden Daſeins. Als ſie einſt ſo daſaßen, während die Stimme von Ernſt ruhig und dennoch durch die Regungen die er zurückzuhalten ſuchte, beinahe zitternd, die Ge⸗ danken der Florence bisweilen zur Nüchternheit herab⸗ ſtimmte, bisweilen noch mehr erhob, wurde Lord Var⸗ grave angemeldet und Lumley Ferrers, welcher den Titel jetzt ererbt hatte, trat ins Zimmer. Es war das erſtemal, daß Florenee ihn ſeit dem Tode ſeines Onkels, daß Maltravers ihn ſeit jenem für Florence ſo verhängnißvollen Abend ſah. Beide ſtutzten; Mal⸗ travers ſtand auf und ging ans Fenſter. Lord Var⸗ grave nahm die Hand ſeiner Cvufine und drückte ſie ſchweigend an ſeine Lippen, während ſeine Blicke Ge⸗ fühle bezengten, die diesmal wirklich ächt waren. „Sie ſel Schickſal erg „Ich bin ge Lumley kalten, forſe er etwas ver blick erlangte lich erfreut, Ton,„Herrt wir jetzt das Maſtrav Sie noch jet bedeutungsv „Bereitn er zeigte kei „Ich bit einer Pauſe wie ſeine V Manche daß ihr Sch vers konnte Maske halte unbekannt. brechen zu drängten; ſi gerade dame denn er heg nemn Charal hervorrufen Leidenſchaft Daſein nach er zu ſteigen. tillſtand und cht in träger liegen; Be⸗ und die Be⸗ n werden uns ſein, wie ez glaubten An⸗ e Flrene, it ihres Den⸗ Sie richtete auf die Stille Licht und die den Daſeins. die Stimme Regungen, rnd, die Ge⸗ rnheit herab⸗ de Lord Var⸗ welcher den er. Es war; Tode ſeines für Florenee utzten; Mal⸗ Lord Var⸗ id drückte ſie e Blicke Ge⸗ ht waren. „Sie ſehen, Lumley, ich habe mich in mein Schickſal ergeben,“ ſagte Florence mit ſüßem Lächeln⸗ „Ich bin gefaßt und glücklich.“ Lumley ſah Maltravers an und begegnete einem kalten, forſchenden, durchdringenden Blicke, vor dem er etwas verlegen zurückfuhr; jedoch in einem Augen⸗ blick erlangte er ſeine Faſſung wieder.„Ich bin wirk⸗ lich erfreut, meine Coufine,“ ſagte er mit ernſtem Ton,„Herrn Maltravers hier wieder zu ſehen. Hoffen wir jetzt das Beſte.“ Maltravers ging bedächtig auf Lumley zu,„wollen Sie noch jetzt meine Hand annehmen?“ ſprach er mit bedeutungsvollem Ausdruck in ſeinem Ton. „Bereitwilliger wie jemals,“ antwortete Lumley; er zeigte keine Scheu vor Ernſts Blicken. „Ich bin zufrieden,“ erwiderte Maltravers nach einer Pauſe und mit einer Stimme, welche noch mehr wie ſeine Worte ausdrückten. Manche Naturen beſitzen eine ſolche Großmuth, daß ihr Scharfblick dadurch gemindert wird. Maltra⸗ vers konnte jenen Freimuth nicht durchaus für eine Maske halten; mit ſolcher Heuchelei war er gänzlich unbekannt. Er ſelbſt war nicht unfähig, große Ver⸗ brechen zu begehen, wenn ihn die Umſtände dahin vrängten; ſogar der Plan eines Verbrechens lauerte gerade damals tödtlich und düſter in ſeinem Herzen; denn er hegte Leidenſchaften, welche in ſö entſchloſſe⸗ nem Charakter ſchreckliche und furchtbare Wirkungen hervorrufen konnten, im Fall etwa ein Sturm jene Leidenſchaften heftig anregte. Sogar im dreißigſten 328 sjahre war es noch ungewiß, ob Ernſt Mal⸗ traders ein muſterhafter oder ein böſer Mann werden follte. Er hätte aber eher einen Feind ervroſſeln, als die Hand eines Mannes annehmen können, den er irgendwie einmal verrathen hatte. „Ich denke Sie mir gerne als Freunde,“ ſagte Florence, indem ſie Beide liebevoll anblickte,„und Ihnen wenigſtens, Lumley, müßte vieſe Freundſchaft ein Glück ſein. Lumley ich hatte Sie ſlets ſehr gerne; ich liebte Sie wie einen Bruder, obgleich unſere Charaktere ſich öfter wiverſtrebten.“ Lumley wich aus.„Um des Himmels willen,“ ſagte er,„reden Sie mit mir nicht ſo zärtlich; ich kann dies nicht ertragen, denken Ste an ſich und vergeſſen Sie nicht.„ „Daß ich eine Sterbende bin. Gütige Worte ge⸗ niemen uns am meiſten, wenn wir dem Ende uns nähern; doch genug davon. Der von Ihnen erlittene PVerluſt hat mich bekümmert.“ „Mein armer Onkel,“ ſagte Lumley, indem er die Gelegenheit begierig benutzte, um den Gegenſtand ves Geſprächs zu wechſeln;„der Schlag war plötzlich. Traurige Pflichten haben mich bis jetzt ſo in Anſpruch genvmmen, daß ich nicht einmal Sie beſuchen konnte. Die Kunde jedoch beruhigte mich, daß Ernſt hier ſei, als ich dies auf meine täglichen Erkundigungen er⸗ fuhr. Was mich betrifft, fügte er mit ſcharfem Lä⸗ cheln hinzu, ſo ſind mir ſowohl Pflichten wie Ehren übertragen worden. Ich bin der Vormund einer Erbin und der Verlobte eines Kindes.“ „Was „Nun zur Tocht lichſtes Ve Gut, mit geht auf: vazu ein heiſcht, u um indeß ſeinem Sc zu ſichern mögens zu vaß ich di geſetzt bin heirathe— mrückgelet veiften Br nur 30,0 und dieſe Biſſen, ne der junge wiſſen Si plariſche men von nicht viel, Die L pörte Ma Lord Var Gegenſtan war, auf Ernſt Mal⸗ ann werden roſſeln, als en, den er nde,“ ſagte ickte,„und reundſchaft ſehr gerne; eich unſere s willen,“ ärtlich; ich n ſich und Worte ge⸗ Ende uns nerlittene indem er Gegenſtand r plötzlich. n Anſpruch hen konnte. nſt hier ſei, unen er⸗ harfem Lä⸗ wie Ehren iner Erbin „Was wollen Sie ſagen?“ 5 „Nun, mein armer Onkel hegte ſolche Zärtlichkeit zur Tochter ſeiner Frau, daß er ihr ſein hauptſäch⸗ lichſtes Vermögen hinterlaſſen hat; ein ſehr kleines Gut, mit keinen 2000 Pfd. jährlichen Einkünften geht auf mich mit dem Titel über. Der Titel iſt noch vazu ein neuer; welcher zweimal ſo viel Aufwand er⸗ heiſcht, um ſein Tomback als Gold gelten zu laſſen. um indeß einen doppelten Zweck zu erfüllen, um ſeinem Schützlinge die von ihm ſo ſehr geliebte Pairie zu ſichern und ſeinen Neffen für den Verluſt des Ver⸗ mögens zu tröſten, hat er die letzte Bitte hinterlaſſen, vaß ich die junge Dame, als deren Vormund ich ein⸗ geſetzt bin, wenn ſie das achtzehnte Jahr erreicht hat, heirathe— doch dann werde ich ſchon das vierzigſte zurückgelegt haben. Mag ſie einen ſo an Jahren ge⸗ veiften Bräutigam nicht nehmen, ſo verliert ſie 30 000, nur 30,000 von den ihr übertragenen 200.000 Pfb. und vieſe kleine Summe iſt mir dann ein verſüßender Biſſen, nachdem ich die widerliche Medizin des„Nein“ der jungen Deme habe hinunterwürgen müſſen. Jetzt wiſſen Sie Alles. Seine Wittwe, wirklich eine exem⸗ plariſche junge Dame, erhält ein jährliches Einkom⸗ men von 1500 Pfd. und das Landhaus. Das iſt zwar nicht viel, allein ſie iſt zufrieden.“ Die Leichtfertigkeit im Ton des neuen Pairs em⸗ pörte Maltravers und er wandte ſich ärgerlich fort. Lord Vargrave aber war entſchloſſen, keinen düſtern Gegenſtand des Geſpräches, der ihm immer zuwider war, aufkommen zu laſſen; er wandte ſich zu Ernſt 330 mit den Worten:„Nun theurer Ernſt, ich ſehe aus den Zeitungen, daß Sie das Amt, welches bisher N⸗ beſaß, erhalten werden. Es iſt eine Stufe zum wei⸗ teren Steigen. Ich wünſche Ihnen Glück.“ „Ich habe das Amt ausgeſchlagen,“ ſagte Mal⸗ travers trocken. „Wahrhaftig! warum?“ Ernſt biß ſich auf die Lippe und blickte ſtolz; als aber ſein Blick unwillkürlich ſich auf Florence richtete, glaubte Lumley die wahre Antwort auf ſeine Frage entdeckt zu haben und ſchwieg. Das Geſpräch wurde hierauf verlegen und abge⸗ brochen. Lumley ging fort, ſobald es ihm möglich war; Lady Florence hatte an jenem Abend einen hef⸗ tigen Krankheitsanfall und konnte ihr Bett am nächſten Tage nicht verlaſſen. Bis zuletzt hatte ſie gegen dieſe Folge der Krankheit angekämpft; Tag für Tag aber trat dieſelbe häufiger und unvermeidlicher ein. Lord Saringham erwachte endlich zur Erkenntniß der traurigen Wahrheit, nahm ſeinen Stand am Bette ſeiner Tochter ein und vergaß, daß er Kabinets⸗ miniſter war. Achtes Kapitel. pinweg, ihr Freunde, gebt euch Mühe nicht, Zu wiſſen, was ein Stein bald als Bericht Von mir auf einem Kirchhof künden wird. Crabbe. Maltravers hatte Lady Florence niemals ſo ſehr wie jetzt geliebt; vielleicht ſcheint dies ſonderbar. War es die V ſterbliche wie ſie u gleich, de Schwinge hatte er der Seele um ſo m Wie theu und Beſä zu ſtehen ſich anzul Geſchlecht Ich ü durch der⸗ regen wü keine kal Es kam Tage die konnten. bei Seite einige St halten, renee jetz ihr hohet Ende. L liehen un nen Poſt lichkeit w Sie beſti ſehe aus her N*** um wei⸗ te Mal⸗ te ſtolz; Florence auf ſeine nd abge⸗ möglich inen hef⸗ nächſten e geen für Tag her ein. tniß der m Bette abinets⸗ e nicht, richt vird. ſehr r. War es die Verkehrtheit der menſchlichen Natur, welche ſterbliche Dinge uns theuer macht, im Verhältniß, wie ſie unſern Hoffnungen entſchwinden, den Vögeln gleich, deren Farben ſich nur entfalten, wenn ſie die Schwingen regen und am Himmel verſchwinden; oder hatte er ſtets größere Zärtlichkeit über die Lieblichkeit der Seele wie der Form empfunden, wovon die erſtere um ſo mehr emporblühte, jemehr die letztere verfiel. Wie theuer iſt dem Stolz des Mannes Beſchützung und Beſänftigung! Das ſtolze Weib, welches allein zu ſtehen vermag und an unſerem Herzen keinen Ort ſich anzulehnen erheiſcht, verliert den Zauber ihres Geſchlechtes. Ich übergehe die Stufen der Abnahme des Lebens, durch deren Bericht ich mir nur willkürliche Pein er⸗ regen würde; in dieſem Fall vermag meine Hand keine kalte und künſtliche Zeichnung zu entwerfen. Es kam die Zeit, worin die Arzte bis auf wenige Tage die endliche Stunde der Erlöſung beſtimmen konnten. Zuletzt wurde die Sprödigkeit des Ranges bei Seite gelegt; Maltravers hatte wenigſtens auf einige Stunden täglich neben dem Lager Wache ge⸗ halten, worauf die bewunderte und glänzende Flo⸗ renee jetzt beinah fortwährend ruhen mußte. Allein ihr hoher und herviſcher Geiſt blieb ihr bis ans Ende. Bis zum letzten Augenblicke konnte ſie dulden, liehen und hoffen. Eines Tages, als Maltravers ſei⸗ nen Poſten verließ, erſuchte ſie ihn mit mehr Feier⸗ lichkeit wie gewöhnlich, an jenem Abend zurückzukehren. Sie beſtimmte genau die Stunde und ſeufzte ſchwer als er fortging. Maltravers blieb auf ver Hausflur ſtehen, um mit dem Arzt zu reden, welcher gerade vie Bibliothek Lord Saxinghams verließ. Ernſt unter⸗ hielt ſich ruhig mit ihm einige Augenblicke; als er den entſcheidenden Ausſpruch vernahm, verrieth er keine andere Regung als ein leichtes Zittern der Lippen. „Jetzt darf ich ſie noch nicht bewemen,“ murmelte er vor ſich hin, als er von der Thüre ging. Er be⸗ gab ſich von vort in das Haus eines Herrn von ſeinem Alter, mit welchem er jene Art von Bekanntſchaſt gebildet hatte, die ſich nie zu vertrauter Freundſchaft erhebt, die aber auf gegenſeitiger Achtung beruht und zu gegenſeitigem Dienſtoft bereitwilliger iſt, wie eine ausgeſprochene Freundſchaſt. Oberſt Danvers war ein Mann, der gewöhnlich neben Maltravers im Parlamente ſaß; Veide ſtimmten zuſammen und hegten über Grundſätze der Politik und Ehre dieſelben Gedanken; Beire hätten ſich Tauſende ohne Handſchrift oder ohne es aufzuzeichnen, geltehen; Keiner von Beiden entbehrte je eines warmen und unwilligen Vertheidigers, wenn er hinter ſeinem Rücken in Gegenwart des Andern geſchmäht wurde. Dennoch ſtimmten ihre Neigungen und Gewohnheiten nicht überein; wenn ſie ſich in den Straßen begegneten, ſagten ſie niemals, wie ſie zu weniger geachteten Geſellſchaftern geſagt haben würten. Laſſen ſie uns den Tag mit einander zubringen! Solche Bekannt⸗ ſchaftsformen find unter ehrenwerthen Leuten nicht ungewöhnlich, die ſich bereits ſolche Gewohnheiten und Beſchäftigungen gebildet haben, vaß ſie dieſelben ſogar der Danvers Club; de er, daß 2 war und wiederkehr nieder. D müßigen Gedränge empfand Inneres Staatsma Feuer m politiſche: keit, dent So ſonde travers de lebhaft u ſeine eige deßhalb willen ge über den ſie nicht und reine Verdacht des Patr Schminke meine po ein Atzmi gend, mi Hausflur gerade ſt unter⸗ als er rieth er Lippen. murmelte Er be⸗ ſeinem mtſchaſt ndſchaft uht und wie eine wöhnlich timmten litik und auſende eltehen; nen und Rücken Dennoch n nicht egneten, achteten ſie uns ekannt⸗ n nicht nheiten ieſelben ſogar der Freundſchaft nicht opfern können. Oberſt Danvers war nicht zu Hauſe; es hieß er ſei in ſeinem Club; dorthin ging Maltravers. Als er ankam fand er, daß Danvers vor einer Stunde im Club geweſen war und dort zurückgelaſſen hatte, er werde bald wiederkehren. Maltravers trat ein und ſetzte ſich ruhig nieder. Das Zimmer war voll von den gewöhnlichen müßigen Beſuckern: er zog ſich aber nicht von dem Gedränge zurück, das er nicht einmal bemerkte. Er empfand nicht das Bedürfniß der Einſamkeit, ſein Inneres war einſam genug. Mehre ausgezeichnete Staatsmänner waren gegenwärtig und ſtanden am Feuer mit vielen Nachzüglern und Trabanten des politiſchen Lebens; man ſprach mit Eifer und Heftig⸗ keit, denn es war die Zeit eines großen Parteikampfes So ſonderbar es auch ſcheinen mag, bemerkte Mal⸗ travers damals kaum ihr Geſpräch, erinnerte ſich aber lebhaft und treu aller Einzelnheiten, ſobald er über ſeine eigene Lebensplane nachdachteſ, und faßte eben deßhalb einen um ſo ſtärkeren und feſſeren Wider⸗ willen gegen die große Welt. Jene unterhielten ſich über den Charakter eines großen Staatsmannes, den ſie nicht verſtehen konnten, weil derſelbe von hohen und reinen Beweggründen beſeelt war. Ihr grober Verdacht, ihre plumpe Eiferſucht, ihre Berechnung des Patriotismus nach Aemtern, Alles, was die Schminke vom Antlitz der ſchönen Buhlerin— ich meine politiſchen Ehrgeiz— hinwegreißt, drang wie ein Atzmittel in ſein Herz. Ein Herr, der ihn ſchwei⸗ gend, mit dem Hut üher die düſteren Brannen da⸗ 334 ſitzen ſah, reichte ihm höflich die Zeitung, worin er las. „Es iſt die zweite Ausgabe, Sie werden hierin die letzten Nachrichten aus Frankreich finden.“ „Ich danke Ihnen,“ ſagte Maltravers, und der höfliche Mann ſtutzte bei der kurzen Antwort; es lag eine unausſprechliche Niedergeſchlagenheit und ein ge⸗ brochener Sinn in der Stimme. Maltravers Blick fiel mechaniſch auf die Spalten und er ſah ſeinen eigenen Namen. Jenes Werk, welches er in der lieblichen Zurückgezogenheit von Temple⸗ Grave mit ſo viel Vergnügen verfaßt hatte, wo er bei jeder Seite und jedem Gedanken Florence um Rath fragte— welches ſo unzertrennbar mit ihrem Bilde verbunden und mit dem Licht ihres verwandten Geiſtes verherrlicht war— dies Buch war ſo eben heraus⸗ gekommen. Zwar war der Druck ſchon längſt fertig geweſen, allein der Herausgeber hatte wegen irgend einer Spekulation auf Zeitumſtände, wie ſie dieſem Handelszweige gewöhnlich iſt, die Herausgabe ver⸗ ſchoben. Maltravers wußte nichts von der Herausgabe; er glaubte nach ſeiner Rückkehr in die Hauptſtadt dem Buchhändler das Erſcheinen ſeines Werkes unterſagt zu haben; allein ſeine Gedanken hatten kürzlich Alles aus ſeinem Gedächtniſſe verdrängt; er hatte das Da⸗ ſein ſeines Werkes vergeſſen. Und jetzt war es im Prunk und im Pompe der Autorſchaft in die Welt geſandt worden! Jetzt, wo es wie ein unziemlicher Hohn am Todtenbett, als eine ruchloſe Entweihung erſchien. Furchthar iſt die Trennung zwiſchen dem Autor und dem Leben Triumphes unentdeckter teſſen Verf leicht die 2 der Welt ur beſte von C Idee in ei erhaſcht; e heit ausgef zur Kunſten dem Schlaf an den Loh gedacht! V enthülle, ur für die gro hatte Florer Herzens au fällig war Kritik war perſönlicher Beweggrün waren ihm einer niedri Hätte der? welcher M nach der a! kleinlichen e zurückgewic „ worin n hierin 4 und der es lag d ein ge⸗ Spalten „welches Temple⸗ „ wo er um Rath m Bilde Geiſtes heraus⸗ ſt fertig nirgend dieſem abe ver⸗ usgabe; adt dem mterſagt ich Alles das Da⸗ r es eim ie Welt emlicher weihung hen dem Autor und den Menſchen, dem Leben des Autors und dem Leben des Menſchen; die Zeit des ſichtbaren Triumphes iſt vielleicht die unerträglichſte, voll von unentdeckten und nicht vermutheten Qualen. Das Buch, teſſen Verfaſſung uns zuerſt entzückte, betritt viel⸗ leicht die Welt in einer Stunde, wenn alle Dinge der Welt uns freudlos erſcheinen. Dies Werk war das beſte von Ernſt Maltravers geweſen. Er hatte deſſen Idee in einer glücklichen Stunde großen Ehrgeizes erhaſcht; er hatte es mit dem Wunſch nach Wahr⸗ heit ausgeführt, welcher in der Seele des Begabten zur Kunſt wird. Wie wenig hatte er in den einſamen, dem Schlaf entwandten Stunden an ſich ſelbſt und an den Lohn des Arbeiters, den man Ruhm nennt, gedacht! Wie hatte er geträumt, daß er Geheimniſſe enthülle, um ſein Geſchlecht beſſer, weiſer und wahrer für die großen Zwecke des Lebens zu machen! Wie hatte Florence, und Florence allein, die Schläge ſeines Herzens auf jeder Seite verſtanden! Und jetzt! Zu⸗ fällig war ſein Werk in der Zeitung recenfirt; die Kritik war nicht allein feindlich, ſondern auch ein perſönlicher Angriff und eine giftige Schmähung. Alle Beweggründe, die verdüſtern oder herabſetzen können, waren ihm zugeſchrieben. Alle elenden Schmähungen einer niedrigen Seele waren gegen ihn ausgeſchüttet. Hätte der Verfaſſer den furchtbaren Schlag gekannt, welcher Maltravers damals erwartete, ſo würde er nach der allgemeinen menſchlichen Natur vor ſeiner kleinlichen Gallenäußerung gegen den Schwergequälten zurückgewichen ſein; wie ich aber ſagte, findet ſich ——— 336 ſtets eine furchtbare Trennung zwiſchen dem Schrift⸗ ſteller und dem Menſchen. Der erſtere iſt ſtets unſerer Willkür überliefert, von dem andern wiſſen wir nichts. In dieſer Stunde konnte Maltravers nicht die Ver⸗ achtung der ſtolzen, nicht ven Grimm der eitlen Seelen über dieſe kleinen Stiche empfinden. Er konnte nur einen unbeſchreiblichen Widerwillen gegen die Welt und die von ihm ſo lang verfolgten Zwecke faſſen. Indeß auch in jenem Augenblicke empfand er nicht dies Gefühl. Er befand ſich in einem Traume; wie ſich aber die Menſchen der Träume erinnern, ſo fühlte er Widerwillen, als er erwachte, hinſichtlich ſeiner früheren Beſtrebungen und ward gleichſam krank über deren niedrigen Lohn. Zum erſtenmal nach ſeinem erſten Jahre der unerfahrenen Autorſchaft beſaß die Schmähung über ihn die Macht, ihn auf einen Augen⸗ blick zu guälen. Allein gerade dies war der Tropfen, der den Becher zum überfließen brachte, als dieſer ſchon voll war. Die Säule ſeiner vergangenen Welt war zerbrochen und Alles ſchien unter ihm zu finken. Zuletzt trat Oberſt Danvers ein. Maltravers nahm ihn bei Seite und beide verließen den Club. „Danvers,“ ſagte Maltravers,„die Zeit, wovon ich Ihnen ſagte, daß ich Ihrer Dienſte bedürfen würde, iſt gegenwärtig nah; wo möglich richten Sie es ſo ein, daß ich Sie heute Abend ſprechen kann.“ „Gewiß!“ ich werde im Parlament bis elf Uhr bleiben; nach dieſer Stunde können Sie mich zu Hauſe finden.“ „Ich danke Ihnen.“ „Kan gleichen! „Nei „Die dergleiche die Meir Kriege g ſündhaft Vorwänt wenn er theidigt, wenn er Spiel ſe abforder nie zu e kommen Moral, wir aus nahmen und ſtol wenn a keit 2 wird, heftige Bul nnte nur ume; wie ſo fühlte ich ſeiner rank über ch ſeinem beſaß die en Augen⸗ Tropfen, als dieſer nen Welt zu finken. er am . t, wovon en würde, Sie es ſo n.“ elf uhr zu Hauſe „Kann die Sache ſich nicht freunbſchaftlich aus⸗ gleichen laſſen?“ „Nein, es iſt ein Streit auf Leben und Tod.“ „Die Welt aber wird wirklich zu aufgeklärt für dergleichen alt hergebrachte Poſſenſpiele des Duells.“ „Es gibt gewiſſe Fälle, worin die menſchliche Natur und deren tiefe Verletzung ſtärker wirken, wie die Meinung und Philoſophie der Welt. Duelle und Kriege gehören zu demſelben Grundſatz; beide ſind ſündhaft bei leichten Veranlaſſungen und ärmlichen Vorwänden; allein der Soldat begeht keine Sünde, wenn er ſein Vaterland gegen fremden Angriff ver⸗ theidigt, noch der Mann mit männlichem Herzen, wenn er für Wahrheit und Ehre ſein Leben auf das Spiel ſetzt. Ich darf den Räuber, der mir mein Geld abfordert, erſchießen; ſoll der Räuber, welcher mir nie zu erſetzende Schätze entreißt, ohne Strafe davon⸗ kommen? Jenes ſind Inconſequenzen einer falſchen Moral, die wir niemals unterſchreiben dürfen, ſo lange wir aus Fleiſch und Blut beſtehen.“ „Aber die Alten,“ ſprach Danvers lächelnd,„waren doch eben ſo leidenſchaftlich wie wir ſelbſt und ließen ſich auf Duelle nicht ein.“ „Ja, weil ſie zum Meuchelmord ihre Zuflucht nahmen. Vielleicht,“ fügte Maltravers mit finſterem und ſtolzem Ausdruck hinzu,„befolgten ſie das klügere, wenn auch nicht das edlere Verfahren der Gerechtig⸗ keit. Wie alles Geſetz bei Revolutionen aufgehoben wird, ſo gibt es im Leben ftürmiſche Ereigniſſe und heftige Beleidigungen, die den Revolutionen der Ein⸗ Bulwer, Maltravers. II. 338 zelnen gleichen Genug davon. Wir haben keine Zeit, wie Gelehrte zu ſtreiten. Treffen wir uns, ſo ſollen Sie Alles erfahren und Sie werden alsdann ebenſo wie ich urtheilen. Guten Tag.“ „Wie, Sie gehen ſchon? Maltravers, Sie ſehen ſchlecht aus; Ihre Hand iſt fieberhaft. Sie ſollten Rath annehmen.“ Maltravers lächelte; ſein Lächeln aber war nicht wie gewöhnlich; er ſchüttelte ſein Haupt und ging ſchnell hinweg. Drei Londoner Uhren hatten eine nach der andern vie neunte Stunde geſchlagen, als eine ſchlanke und ſtolze Geſtalt die Straße nach Saxingham⸗Houſe hinab⸗ ſchritt. Fünf Häuſer bevor man dies Gebäude er⸗ reicht, beſindet ſich ein Kreuzweg; auf dieſem Platze ſtand ein junger Mann, in deſſen Antlitz die Jugend als ſaftlos und verwelkt erſchien. Es war März— der dritte März; das Wetter war ungewöhnlich ſchnei⸗ dend kalt; zu kalt ſogar für dieſen nicht gerade an⸗ genehmen Monat. Am Morgen war Schnee gefallen und dieſer lag weiß und widerlich in den Rinnen der Straße. Der Wind ſchwieg nicht bei dem ſcharfen Froſte; im Gegentheil, er heulte wie ein Orkan durch die einſamen Gaſſen und die Lampen flackerten un⸗ beſtimmt bei ſeinen heftigen Stößen. Vielleicht er⸗ höhte dieſer Lichtſchein das eingefallene Außere des jungen von mir erwähnten Mannes. Sein Haar, länger wie man es gewöhnlich trägt, flatterte wild von den unnatürlich eingeſunkenen, hohlen und blaſſen Wangen; die ſchwache, dünne Form ſchien — kaum im zu halten. Als di und Verh ausſprechli ſatz gegen Kreuzweg „So. — ſo iſt's Stimme 1 kunft, wi „Ich Stimme, kämpfte, befindet— „ Ihr travers; denn es i Gottes ve Stunde n „Sie den letzten — Sie li Verabſche Stimme e Malt aufgericht Gnade; vers allet „Sch eine Zeit, ſo ſollen anke und ſe hinab⸗ äude er⸗ em Platze e Jugend März— ich ſchnei⸗ erade an⸗ gefallen innen der ſcharfen kan durch erten un⸗ leicht er⸗ ßere des in Haar, erte wild en n m ſchien — kaum im Stande zu ſein, ſich gegen ven Windſtoß zu halten. Als die ſchlanke Geſtalt, die in männlichem Wuchs und Verhältniß, und im eigenthümlichen ſowie un⸗ ausſprechlichen Stolz der Haltung, einen ſtarken Gegen⸗ ſatz gegen die des jüngeren Mannes bot, an den Kreuzweg kam, hielt ſie plötzlich an. „So ſind Sie alſo wieder hier, Caſtruceiv Ceſarini — ſo iſt's recht,“ ſprach die leiſe, aber durchdringende Stimme von Ernſt Maltravers.„Dieſe Zuſammen⸗ kunft, wie ich glaube, wird nicht unſere letzte ſein.“ „Ich bitte Sie, Herr,“ ſagte Ceſarini mit einer Stimme, worin der Stolz mit innerer Aufregung kämpfte,„ich bitte Sie, mir zu ſagen, wie ſie ſich befindet— ob Sie wiſſen— ich kann nicht reden.“ „Ihr Werk iſt beinah vollbracht,“ erwiderte Mal⸗ travers;„noch wenige Stunden, und Ihr Opfer, denn es iſt das Ihrige, wird Sie vor dem Gericht Gottes verklagen. Zittre, Mörder, Deine eigene Stunde naht!“ „Sie ſtirbt und ich kann ſie nicht ſehen! Sie dürfen den letzten Blick menſchlicher Vollkommenheit erhaſchen — Sie liebten ſie nie wie ich— Sie der Verhaßte, Verabſcheute! Sie...“ Ceſarini ſchwieg, ſeine Stimme erſtarb, durch krampfhaftes Athemholen erſtickt. Maltravers betrachtete ihn von der Höhe ſeiner aufgerichteten und hohen Geſtalt mit einem Blicke ohne Gnade; denn in dieſer einen Hinſicht hatte Maltra⸗ vers alles Mitleid aus ſeiner Seele verbannt. „Schwacher Verbrecher,“ ſprach er,„höre mich 340 an; Du empfingſt von meiner Hand Vergebung, Freundſchaft, pflegende und ängſtliche Sorgfalt. Als Deine Thorheit Dich in Armuth geſtürzt hatte, hat meine Hand ungeſehen Dich von Hunger und Ge⸗ fängniß erlöst. Ich ſtrebte Dich zu retten und zu erheben, Deinem elenden Geiſte den Durſt nach Ehre und Unabhängigkeit einzuflößen, und Dir die Macht für deren Erreichung zu ertheilen. Das Werk⸗ zeug in dieſem meinem Wunſche war Florence Las⸗ eelles; Du haſt uns trefflich vergolten! Mir mit einer niedrigen und betrügeriſchen Fälſchung, die mir eine elende Geſinnung zuſchrieb, und welche Schmerzen und Tod ihr bewirkte! Dein Gewiſſen hat Dich zu⸗ letzt getroffen— Du haſt ihr Dein Verbrechen ent⸗ hüllt; ein Funke von Männlichkeit auch bewirkte, daß Du es mir enthüllteſt. So friſch mir auch in dem Augenblick der Eindruck des von Dir angeſtifteten Un⸗ heils war, unterdrückte ich den Antrieb, welcher Dein Leben aus Deinem Buſen geriſſen hätte. Ich ſagte Dir, Du dürfteſt leben, ſo lange noch das Leben ihr verblieb. Würde ſie ihre Geſundheit erlangen, ſo könnte ich vergeben, ſollte ſie ſterben, ſo würde ich ſie rächen. Wir gingen dieſen feierlichen Vertrag ein und in wenig Stunden wird deſſen Urkunde des Sie⸗ gels bedürfen— dies aber iſt das Blut des einen von uns Beiden. Caſtruceio Ceſarini, es gibt eine Gerechtigkeit im Himmel. Täuſche Dich nicht, Du wirſt durch meine Hand fallen. Kommt die Stunde, ſo wirſt Du von mir hören. Laß mich vorüber, ich habe nichts mehr zu ſagen.“ Jede dringender Empfindu Ceſarini e zu verſteh ſchaute ihr „Sagt die Frage läufig, S Sie nicht Todeskam ich Ihnen langſames zu einem ſten Ruhr waren Si „Weil konnte, 1 war, das dürfen. Maltr weiter. ſchallte hi als er die bett der! Malt jenige ſti liebliche Unterredr habt hatt hatte, hat und Ge⸗ und zu virkte, daß ich ei dem iſteten Un⸗ lcher Dein Ich ſagte Leben ihr angen, ſo würde ich ertrag ein e des Sie⸗ des einen gibt eine nicht, Du ie Stunde, rüber, ich Jede Silbe dieſer Rede wurde mit jener vurch⸗ dringenden Deutlichkeit geſprochen, als ob die tiefſte Empfindung des Herzens in der Stimme ſich äußere. Ceſarini aber ſchien nicht die Bedeutung der Worte zu verſtehen. Er ergriff Maltravers am Arm und ſchaute ihm mit wildem, drohendem Blick ins Geſicht. „Sagten Sie nicht, ſie ſterbe? Ich lege Ihnen die Frage vor, warum antworten ſie nicht? Ha! bei⸗ läufig, Sie drohen mir mit Ihrer Rache. Wiſſen Sie nicht, daß ich Ihnen Stirn gegen Stirn im Todeskampfe gegenüber zu ſtehen mich ſehne? Habe ich Ihnen das nicht geſagt? Suchte ich nicht Ihr langſames Blut aufzuregen? Sie durch Beleidigung zu einem Kampf zu reizen, den ich als meinen höch⸗ ſten Ruhm betrachtet haben würde? Damals aber waren Sie Marmor.“ „Weil ich das mir erwieſene Unrecht vergeben konnte, und weil damals noch Hoffnung vorhanden war, das ihr erwieſene werde der Strafe nicht be⸗ bürfen. Hinweg!“ Maltravers ſtieß den Italiener zurück und ging weiter. Ein wilder, ſcharfer Verzweiflungsruf er⸗ ſchallte hinter ihm her und klang noch in ſeinen Ohren, als er die lange, düſtere, einſame Treppe zum Todten⸗ bett der Lady Florenee Lascelles hinaufſchritt. Maltravers betrat das Zimmer, welches an das⸗ jenige ſtieß, worin die Kranke lag— daſſelbe noch liebliche und heitere Zimmer, worin er ſeine erſte Unterredung mit Florence ſeit ihrer Ausſöhnung ge⸗ habt hatte. 342 Der Arzt ſchlummerte in einem Lehnſtuhl. Lady Florence war während der zwei oder drei letzten Stunden in Schlaf verſunken; Lord Saxingham be⸗ fand ſich auf ſeinem Zimmer tief betrübt und ſchluch⸗ zend, denn man war der Meinung, Lady Florence werde die Nacht nicht üherleben. Maltravers ſetzte ſich ruhig nieder; vor ihm lagen mehrere prächtig eingebundene Manuſeripte auf dem Tiſche. Er ſchlug dieſelben mechantſch auf. Auf jeder Seite traf er die ſchöne, edle Handſchrift der Florenee ſein Auge. Ihre reiche und thätige Seele, ihre Liebe zur Poeſie, ihr Durſt nach Wiſſen, ihre Neigung zum tiefen Denken redeten wie ihre Geiſter aus jeder Seite. Oft traf er auf Auszüge aus ſeinen eigenen Werken, welche zum Zeichen ihres Beifalls unterſtrichen waren; bisweilen auf Gedanken der Flo⸗ rence ſelbſt, die den ſeinigen an Wahrheit und Tiefe nicht nachſtanden; auf hingeworfene wilde Verſe, die, obgleich unvollſtändig, eine Kraft bezeugten, welche der zarten Anmuth der Dichterin weit überlegen war; auf kurze, kräftige Kritiken über Bücher, die ſich über die gemeinen Feiertagsſtudien der Weiber erhoben; auf unwillige, beißende Aphorismen über die wirkliche Welt, mit hohen und ſchwermüthigen Ausbrüchen des Gefühls hinſichtlich der Ideale. Alles dies, die verſchiedenen Bände bereichernd, verkändete ſeltene Gaben dieſes ſonderbaren Mädchens— gleich⸗ ſam einer Pflanze mit verwelkten Blüten, welche hesperiſche Früchte hätte tragen können. Bisweilen fanden ſich in dieſen Ergüſſen einer vollen Seele und eines übe ſo zart, Gedächtn Geſichtsz und Geſſt Stunde, genden w Geiſtesga holde Ge haſt ſie n derruflich Malt auf ihn unbekann ihr Eifet loſen un und Ehr gewöhnl Wie Schlag verfloſſer weſenhei ſie in ſ Glückes niederge gedemütl und erhe ſo gelieb welchen innerten Florence ihm lagen e auf dem auf. Auf ſchrift der ige Seele, iſſen, ihre hre Geiſter aus ſeinen es Beifalls en der Flo⸗ und Tiefe Berſe, die, en, welche überlegen ücher, die er Weiber men über ermüthigen eale. Alles verkündete — gleich⸗ n, welche Bisweilen„ Seele und eines überladenen Herzens Anſpielungen auf ihn ſelbſt ſo zart, und rührend— ſeine mit Bleiſtift nach dem Gedächtniß in mannigfachen Anſichten gezeichneten Geſichtszüge— Angaben über frühere Unterredungen und Geſpräche, die Anführung des Datums und der Stunde, mit der genauen, von Anhänglichkeit zeu⸗ genden weiblichen Sorgfalt!— Alle dieſe Pfänder der Geiſtesgaben und der Liebe ſagten ihm jetzt:„dies holde Geſchöpf iſt auf immer für dich verloren; du haſt ſie nicht geſchätzt bis die Zeit der Trennung unwi⸗ derruflich feſtgeſetzt war.“ Maltravers ſeufzte tief; die Vergangenheit drang auf ihn ein, ihre romantiſche Liebe für einen noch unbekannten— ihre Theilnahme an ſeinem Ruhm— ihr Eifer für ſein Leben im Leben; ſeinen flecken⸗ loſen und ſtolzen Namen. Mit ihr erſtarb Ruhm und Ehrgeiz und von jetzt an verblieb ihm allein gewöhnlicher Erdenthon und ſchmutzige Beweggründe. Wie plötzlich— wie furchtbar plötzlich hatte der Schlag getroffen! Allerdings waren einige Monate verfloſſen, ſeit der Wechſel eintrat. Allein die Ab⸗ weſenheit iſt ein Nichts, eine leere Seite. Er hatte ſie in ſcheinbarer Geſundheit, in der Höhe ihres Glückes und Stolzes verlaſſen; er ſah ſie wieder— niedergeworfen an Körper und Geiſt— geſtraft, gedemüthigt, ſterbend. Dies Weſen, ſo glänzend und erhaben, wie hatte ſie ihn geliebt! Nie war er ſo geliebt worden, mit Ausnahme des Morgentraums, welchen das Bild der verlorenen und nur dunkel er⸗ innerten Alice hinaufbeſchwor. Niemals konnte er 344 auf Erden wieder ſo geliebt werden. Die Luft und vas Außere des Zimmers wurde ihm ſchmerzhaft und erdrückend; überall ließ ſich die Eigenthümerin er⸗ kennen. Dort ſtand die Harfe, die für ihre muſen⸗ gleiche Form ſo vollkommen paßte, daß dieſelbe ein Theil von ihr zu ſein ſchien; dort hingen Bilder von ihrer Hand, friſch und glühend— Anmuth, Har⸗ monie, ein klaſſiſcher und einfacher Geſchmack ent⸗ hüllte ſich überall! Rouſſeau hat uns ein unſterbliches Bild des Lie⸗ benden, wie er die erſte Umarmung ſeiner Geliebten erwartet, hinterlaſſen. Erwartet der Liebende aber mit ebenſo fieberhaftem Puls, ebenſo ſchwindelndem Gehirn ihren letzten Blick— erwartet er den Augen⸗ blick der Verzweiflung, nicht des Entzückens— em⸗ pfindet er in der langſamen und ſchwerfälligen Zeit eine ebenſo drückende Laſt auf dem Herzen und ſchaudert er dennoch vor ſeiner Ungeduld und wünſcht er, der Schmerz der Ungewißheit möge für immer dauern— vann ergiebt ſich ein Bild heftiger Leidenſchaft— der Wirklichkeit von Fleiſch und Blut— der ſeltenen und feierlichen Zeitabſchnitte unſeres geheimnißvollen Le⸗ bens, welches der Geiſtesgaben dieſes„Apoſtels der Betrübniß“ würdiger geweſen wäre! Zuletzt öffnete ſich vie Thür; die Lieblingsdienerin der Florence blickte ins Zimmer. „Iſt Herr Maltravers hier? O Herr, meine Gebieterin wacht und wünſcht Sie zu ſehen.“ Maltravers ſtand auf, allein ſeine Füße waren an den Boden geheftet, ſein entmuthigtes Herz ſtand ſill— t5 tiefem Se ab und tr von Kiſſe und ihre an mit ei „Sie ſie nach ſogar ſeit „und Ihr haben der die Natur glänzendf macht. ſegne Si Einig Wangen ſie ihre! „Nic Wohnun ſchen, n zeit hätt Erde zu ſchauen Sonne t wir einf ſchied vr gelegen? überall.“ Mal bes Lie⸗ de aber 3 en eit eine haudert er, der — — der ten und len Le⸗ els der ienerin meine waren z ſtand 345 ſtill— töbtlicher Schrecken hatte ihn ergriffen. Mit tiefem Seufzer ſchüttelte er den erſtarrenden Zauber ab und trat an das Bett der Florenee. Sie ſaß auf, von Kiſſen geſtützt und als er neben ihr niederſank, und ihre bleiche, dürre Hand drückte, blickte ſie ihn an mit einem Lächeln bemitleidender Liebe. „Sie ſind ſehr gütig gegen mich geweſen,“ ſagte ſie nach einer Pauſe und mit einer Stimme, welche ſogar ſeit ihrer letzten Zuſammenkunft verändert war, „und Ihre Belohnung wird nicht ausbleiben. Sie haben denjenigen Theil meines Lebens, vor welchem die Natur mit Furcht ſchaudert, zum glücklichſten und glänzendſten meines kurzen und eitlen Daſeins ge⸗ macht. Mein theurer, angebeteter Ernſt— Gott ſegne Sie!“ Einige Zähren der Dankbarkeit rannen ihr die Wangen hinab und fielen auf die Hand, die zu küſſen ſie ihre Lippen beugte. „Nicht hier, nicht inmitten der Straßen und Wohnungen unruhiger und weltlich geſinnter Men⸗ ſchen, nicht in dieſer rauhen und traurigen Jahres⸗ zeit hätte ich gewünſcht, meinen letzten Blick auf vie Erde zu werfen. Hätte ich das Antlitz der Natur ſchauen können, hätte ich noch einmal unter der Sonne des Sommers die lieblichen Orte erblickt, die wir einſt ſo liebten, ſo hätte der Tod keinen Unter⸗ ſchied vom Schlaf geboten; jedoch, was iſt daran gelegen? In Ihrer Nähe iſt Sommer und Natur überall.“ Maltravers erhob ſein Antlitz und ihre Blicke be⸗ 346 gegneten ſich, während Beide ſchwiegen. Der Blick war lang und feſt und ſprach mehr aus wie Worte vermochten. Ihr Haupt ſank auf die Schulter und lag dort ruhig und bewegungslos einige Augenblicke. Ein leiſer Schritt ſchlüpfte in das Zimmer; es war der des unglücklichen Vaters. Er trat an die andere Seite ſeiner Tochter und ſchluchzte krampfhaft. Sie richtete ſich auf und ſogar in dem Schatten des Todes flog eine leichte Röthe über ihre Wange. „Mein guter, theurer Vater! welchen Troſt wird Ihnen der Gedanke gewähren, daß Sie ſo zärtlich gegen Ihre Florence waren!“ Lord Saxingham konnte nicht antworten. Er umſchloß ſie mit den Armen und weinte. Alsdann riß er ſich los blickte auf ſie mit einem Schauder und rief:„O Gott, ſie iſt todt!“ Maltravers fuhr auf und warf den armen, alten Mann zornig bei Seite. Der Arzt trat ſanft zu Lord Saxingham, nahm ihn bei der Hand und führte ihn aus dem Zimmer; dieſer ging ſtumm und ge⸗ horſam wie ein Kiud. Der Kampf des Lebens mit dem Tode war jedoch noch nicht beendet; Florenee ſchlug noch einmal die Augen auf und Maltravers ſtieß einen Ruf der Freude aus. Der Nebel aber verdunkelte ſchnell die Augen, welche noch ſtets in Dunſt und Schatten das geliebte, über ſie ſich hinbeugende Antlitz mit den Blicken ſuchte, als hauche daſſelbe neues Leben in das erſterbende. Zweimal bewegten ſich ihre Lippen, aber ihre Stimme blieb aus und fie ſchüttelte traurig den Kopf. Mal⸗ travers 1 die auf dieſelbe ſchwerer Haupt ſ ihre Har „Dy Ernſt!“ Ja d ſie war ein Läch dem Ant ches von breitete die Lipr allein ih er ohne Haupt ſeinen 2 Ung das Ha er durc ſeinem verzaub übergeg . Er lsdann er und alten ft zu führte id ge⸗ jedoch Augen aus. welche über uchte, ende. imme Mal⸗ 3 . travers hielt ihr haſtig eine Mediein an den Mund, die auf dem Tiſche bereit ſtand; kaum aber hatte dieſelbe ihre Lippen benetzt, als ihr ganzer Leib ſchwerer und ſchwerer auf ſeinen Armen ruhte. Ihr Haupt ſank auf ihren Buſen— zuletzt erhob ſie ihre Hand und das Leben war im Scheiven begriffen. „Dort— oben!— Ernſt— dieſer Name— Ernſt!“ Ja dieſer Name war der letzte, den ſie ausſprach; ſie war ſich dieſes Gedankens offenbar bewußt, denn ein Lächeln, ſüß und heiter, wie man es nur auf dem Antlitz eines Sterbenden und Todten ſieht, wel⸗ ches von einem überirdiſchen Licht erborgt iſt, ver⸗ breitete ſich, als ihre Stimme ſtockte, über die Stirn, die Lippen, ihr ganzes Antlitz; ſie athmete noch, allein ihr Athem ward ſchwächer; zuletzt entſchwand er ohne Murmeln, Ton oder Todeskampf— das Haupt ſank von ſeinem Buſen, die Geſtalt fiel aus ſeinen Armen— Alles war vorüber! Neuntes Kapitel. Iſt dies das Ende, bas verhießen war? König Lear. Ungefähr zwei Stunden ſpäter verließ Maltravers das Haus. Die Uhr ſchlug Eins Morgens. Während er durch die Straßen ging und der ſcharfe Wind auf ſeinem Pfade heulte, war es, als ob ein ſonderbares verzaubertes Leben, ein mechaniſches Leben in ihn übergegangen ſei und die Bewegungen ſeines Körpers 348 bewirke.— Eine Art ſchlaftrunkenen bumpfen Daſeins. Sient Er glich einem Schlafwandler und hegte kein Bewußtſein ſise ber äußerer Dinge; ſeine Schritte aber traten ſicher und frei wie den vo auf; der eine Gedanke, welcher ſein Weſen erfüllte, drückte all 1 worin jede geiſtige Kraft zuſammengeſchrumpft ſchien„ 3— der nicht feurige oder heftige, ſondern ruhige, der Wagt ſtrenge und feierliche Gedanke der Rache, ſchien gleich⸗ vom niede ſam hei ihm zur Seele geworden zu ſein. Er kam Gänſer i an die Thür des Oberſten Danners, ſtieg die Treppe wegten ſi 1 hinauf und ſagte ruhig, als ihm ſein Freund ent⸗ i 1 gegentrat:„Jetzt iſt die Stunde gekommen.“ hatte der „Was haben Sie vor?“ genen Th „Kommen Sie mit mir, Sie ſollen es erfahren.“ auch die „Gut, mein Wagen wartet. Wollen Sie die Güte und ging haben, den Bedienten Anweiſung zu geben.“„O⸗ Maltravers nickte, gab dem unbekümmerten La⸗ ſagte ein 11 kaien einen Anftrag und die beiden Freunde fuhren hald immer ſe durch die weniger bekannten und modiſchen Gegenden„Hie der rieſenhaften Stadt. Maltravers berichtete hierauf ſtillſtehen ganz genau den von Ceſarini ausgeübten Betrug. Namens „Begeben Sie ſich jetzt,“/ſchloß Maltravers,„in ſeine„Ja, Wohnung. Ich muß ihm Gerechtigkeit erweiſen, er iſt Ihnen g kein Feigling; er hat ſich nicht geſcheut, mir ſeine Adreſſe. ich mein 3 zu geben und wird nicht vor der Genugthuung, die ich„Wo verlange, zurückſchrecken. Während Sie hinſichtlich des„Nu Duells Anordnungen treffen, werde ich unten warten. 6 Beſtimmen Sie die Zeit morgen auf Tagesanbruch.“ niedrige Danvers war durch die ihm gemachte Entdeckung welcher eſtnnt und ſogar betäubt. Etwas Ungewöhnlices% der Mein und Sonderbares ließ ſich in der ganzen Sache er⸗ Freund: 1 — 2 349 kennen. Allein weder ſeine Erfahrung noch ſeine Grund⸗ ſätze der Ehre konnten eine andere Handlungsweiſe wie den vorgeſchlagenen Plan ihm andeuten. Er unter⸗ drückte alle Einwürfe, die er etwa machen wollte, und gab ſeinem Freunde die Hand. Beide ſchwiegen, bis der Wagen an einer Thür in der engen Gaſſe einer vom niederen Volke bewohnten Vorſtadt anhielt. Alle Häuſer in der Runde waren dunkel; Lichter aber be⸗ wegten ſich hin und her an den Fenſtern des obern Stocks in dem Hauſe, wo Ceſarini wohnte; kaum hatte der laute Schall des vom Bedienten geſchwun⸗ genen Thürklopfers die düſtere Gaſſe durchſchallt, als auch die Thür ſich ſchon öffnete. Danvers ſtieg aus und ging auf die Hausflur. „O, Herr, ich bin ſo froh, daß Sie kommen,“ ſagte eine alte Frau blaß und zitternd,„er wird immer ſchlimmer.“ „Hier iſt doch kein Irrthum?“ fragte Danvers, ſtillſtehend;„hier wohnt doch ein italieniſcher Herr Namens Ceſarini?“ „Ja, Herr, das arme Geſchöpf; ich habe nach Ihnen geſchickt, damit Sie ihn beſuchen, denn, ſagte ich meinem Sohne 4 „Wofür haltet Ihr mich?“ „Nun ja, Herr, Sie ſind ja der Doktor?“ Danvers gab keine Erwiderung; er hegte eine niedrige Meinung von dem Muthe eines Mannes, welcher als Schurke handeln konnte; ſomit war er der Meinung, man habe einen Plan im Sinn, ſeinen Freund um die Rache zu betrügen. Deßhalb ſtieg er 350 die Treppe hinauf, indem er dem Weibe ſagte, ihm voran zu gehen. Nach wenigen Minuten war er zur Wagenthür zurückgekehrt.„Maltravers,“ ſagte er,„gehen wir nach Hauſe; dieſer Mann befindet ſich nicht im Zu⸗ ſtande, ſich mit Ihnen zu duelltren.“ „Ha,“ rief Maltravers mit finſterem Blick, indem ſein lang zurückgehaltener Zorn wie Feuer durch jede Ader ſeines Körpers drang;„er wagt es, vor der Genugthuung zurückzuſchrecken?“ Dann ſtieß er Dan⸗ vers ungeduldig bei Seite, ſprang aus dem Wagen und ſtürzte die Treppe hinauf; Danvers folgte. Vor Wuth außer ſich, vrang Maltravers in das kleine und ſchmutzige Zimmer; das Licht, welches aus vielen Ritzen der geſchloſſenen Thür drang, verkün⸗ dete ihm, Ceſarini ſei zu Hauſe. Ceſarini's Augen, von furchtbarem Feuer flammend, boten den erſten Gegenſtand, welchen ſein Blick traf. Maltravers blieb wie verſteinert ſtehen. „Ha ha,“ lachte eine durchdringende, kreiſchende Stimme, welche einen furchtbaren Gegenſatz zu den Tönen des weichen Toskaniſchen bot, worin die wilden Worte ausgeſtoßen wurden.„Wer kommt dort mit blutigen Kleidern? Du kannſt mich nicht anklagen— mein Schlag vergoß kein Blut— er ging gerade zum Herzen und riß kein Feiſch hinunter; wir Ita⸗ liener vergiften unſere Opfer! Wo biſt Du, Mal⸗ travers? ich bin bereit— ha, da biſt Du! Piſtolen? — ſo will ich nicht kämpfen. Ich bin ein wildes Thier, zerreißen wir uns mit Zähnen und Klauen!“ Wie ein Haufen ungeordneter und unverbundener Glieder zuſammengekauert, lag der Elende, ein Ra⸗ ſender, im fernſten Winkel des Zimmers; zwei Männer hielten ihn gepackt, die er dann und wann mit der gewaltigen beſinnungsl ſinken; ſeir ſtarrten au an ſeinen zu Berge, ſich in ein Zuſamment ſchreckendes travers, u Gewalt, ſe entſchloſſen ſtanden ger er war der Vertheidigt gerüſtet— einmal au wäre, und ſatz aus de ſam zerſch keit des M Gegenwart Donnerkeil ihn ein me brecher ſie Unglück. „Ja, mir, ſie ſt reißt ihn ſoll ihn ni tödtet, ſo im Tode. ich will ſi Mit dieſen gewaltigen Kraft des Wahnſinns fortſchüttelte, um beſinnungslos und erſchöpft auf den Boden zurückzu⸗ ſinken; ſeine ſtieren, von Blut unterlaufenen Augen ſtarrten aus den Höhlen; der Geifer ſammelte ſich an ſeinen Lippen; ſein rabenſchwarzes Haar ſtand zu Berge, ſeine zarten und ebenmäbßigen Züge hatten ſich in ein ſcheußliches Gorgonenantlitz verdreht. Das Zuſammentreffen der Feinde bot wahrlich ein er⸗ ſchreckendes, furchtbares Schauſpiel. Hier ſtand Mal⸗ travers, ungewöhnlich kräftig, voll Geſundheit und Gewalt, ſeiner Uberlegenheit ſich bewußt, zur Rache entſchloſſen, weiſe und begabt; alle ſeine Fähigkeiten ſtanden gereift und entwickelt zu ſeiner Verfügung;— er war der vollkommene und gewaffnete Mann, zur Vertheidigung und zum Angriff gegen jeden Feind gerüſtet— ein Mann, der zum gerechten Kampfe einmal aufgeregt, vor einem Heere nicht gewichen wäre, und dennoch ward ſein düſterer und ſtolzer Vor⸗ ſatz aus der Seele ihm geriſſen und ſank ihm gleich⸗ ſam zerſchellt zu Füßen. Er empfand die Nichtig⸗ keit des Menſchen und des menſchlichen Grimms in Gegenwart des Verrückten, auf deſſen Haupt der Donnerkeil eines größeren Fluches geſunken war, wie ihn ein menſchlicher Fluch jemals ausſprach. Der Ver⸗ brecher ſiegte über den Rächer durch ſein furchtbares Unglück. „Ja, ja,“ rief Ceſarini wiederum aus,„man ſagt mir, ſie ſterbe, aber er befindet ſich an ihrer Seite; reißt ihn fort, er ſoll ihre Hand nicht berühren; ſie ſoll ihn nicht ſegnen; ſie iſt mein; habe ich ſie ge⸗ tödtet, ſo habe ich ſie vor ihm gerettet; ſie it mein im Tode. Laßt mich herein, ſage ich— ich will herein, ich will ſie ſehen und ihn zu ihren Füßen erdroſſeln.“ Mit dieſen Worten riß er ſich durch furchtbare An⸗ 352 ſtrengung aus den Händen der ihn haltenden Männer, erhob ſich jauchzend zu einem plötzlichen wilden Sprunge und ſtand Maltravers gegenüber. Der ſtolze Mann wurde blaß und trat einen Schritt zurück—„iſt er es,“ kreiſchte der Verrückte und ſprang wie ein Tiger an die Kehle ſeines Nebenbuhlers. Maltravers packte ihn ſchnell am Arm, wirbelte ihn umher und Ceſarini fiel ſtumm, bewußtlos und in heftigen Zuckungen auf den Boven. „Geheimnißvolle Vorſehung!“ murmelte Maltra⸗ vers,„Du haſt gerecht ven Sterblichen aus dem Traume errettet, er dürfe dein Vorrecht der Rache ſich an⸗ maßen; Gott vergebe dem Sünder wie ich— wie du mein trotziges Herz Vergebung lehrſt— wie ſie ihm vergab, die jetzt bei vir, eine Heilige im Himmel iſt!“ Als einige Minuten ſpäter der Doktor ankam, den man hatte holen laſſen, ruhte das Haupt des ge⸗ ſchlagenen Kranken auf dem Schooße ſeines Feindes; die Hand des Maltravers wiſchte den Schaum von den weißen Lippen; die Stimme des Maltravers be⸗ mühte ſich zu beſänftigen und die Thränen des Mal⸗ travers fielen auf die glühende Stirn. „Pflegen Sie ihn wie meinen Bruder,“ ſagte Mal⸗ travers und verbarg ſein Antlitz, als er den Kranken übergab;„verſchaffen Sie ihm Alles, was ſeine Krank⸗ heit zu mildern und zu heilen vermag; bringen Sie ihn von hier auf einen paſſenderen Ort; laſſen Sie ihm die beſte ärztliche Hülfe zukommen; ſtellen Sie ihn wieder her und..“ er konnte nicht mehr ſagen und verließ plötzlich das Zimmer. Nachher erfuhr man, Ceſarini ſei in der Straße nach ſeiner kurzen und ernſten Unterhaltung mit Ernſt geblieben; zuletzt habe er an Lord Saringhams Haus⸗ thür gerade in der Stunde geklopft, worin der Tod Nänner, prunge Mann „iſt er n Tiger packte Feſarini gen auf Maltra⸗ Traume ich an⸗ wie du ſie ihm el iſt!“ ankam, des ge⸗ eindes; m von ers be⸗ s Mal⸗ e Mal⸗ dranken Krank⸗ en Sie en Sie en Sie ſagen Straße t Ernſt Haus⸗ er Tod ſein Opfer raubte. Er vernahm die Kunde und ſuchte mit Gewalt vie Treppe hinaufzukommen; man warf ihn aus dem Hauſe und wußte von ihm nichts wei⸗ teres, als bis er an ſeine Hausthür in raſendem Wahnſinn eine Stunde früher kam, ehe Danvers und Maltravers anlangten. Vielleicht war ihm während eines der hellen Zwiſchenräume, die im Dunkel des Wahnfinns ſtets einzutreten pflegen, eine ſchwache Erinnerung ſeiner Verabredung und des Duells mit Maltravers eingefallen, und dieſe hatte ſeine Schritte zu ſeiner Wohnung glücklicherweiſe zurückgeführt. Zwei Monate nach dieſem Auftritt ſaß Lumley Lord Vargrave an einem lieblichen Sonntag Morgen allein am Fenſter im Landhauſe ſeines verſtorbenen Onkels, und in ſeines verſtorbenen Onkels Lehnſtuhl; ſinnend heftete er ſeine Augen auf den grünen Raſen⸗ platz vor dem Fenſter, oder vielmehr auf zwei weib⸗ liche Geſtalten, die in der Mitte des Raſens auf einer ländlichen Bank ſaßen. Die eine Geſtalt war die der Wittwe in ihrem Trauerkleide, die andere die des ſchönen und liebenswürdigen Kindes, welches zur Braut des neuen Lords beſtimmt war. Im Antlitz Beider lag der Ausdruck der Trauer; bei der älteren Dame war er tiefer, zeugte aber von mehr Ergeben⸗ heit; das Kind ſuchte die Mutter zu tröſten; der Gram der Kindheit ſchwebt gleichſam auf den Flügeln des Schmetterlings. Lumley blickte auf Beide, auf das Kind mit größerem Ernſt. „Sie iſt ſehr liebenswürdig,“ dachte er,„und wird ſehr reich ſein. Im Ganzen bin ich nicht zu bemitleiden. Ich bin Pair und ich habe jetzt genug zum Leben. Ich bin im Aufſteigen begriffen; unſere Partei bevarf der Pairs; obgleich ich nur ein unter⸗ Bulwer, Maltravers. MI. 2 354 geordnetes Amt in der Schatzkammer vor ſechs Mo⸗ naten erhalten konnte, als ich ein thätiges, eifriges und geſchicktes Mitglied des Unterhauſes war, ſo brauche ich jetzt als Lord mit Einfluß auf dem Lande nur den Mund zu öffnen, damit ſehr viele der treff⸗ lichſten Früchte vom Baume hineinfallen. Mein Onkel war klüger, wie ich dachte, als er ſeine Pairie zu er⸗ langen ſtrebte, die er endlich gewann und die ich ge⸗ nieße, und dann find wir ja auch im Alter, worin ich heirathen und einen Erben erlangen muß(ein hübſches Weib erſpart viel Mühe), 200,000 Pfund und eine junge Schönheit beſchieden! Ja, ja, ich habe gute Karten in der Hand, wenn ich nur ziemlich ſpiele. Ich muß dafür ſorgen, daß ſie ſich verzweifelt in mich verliebt. Die Sache will ich ſchon einrichten. Ich kenne das Geſchlecht und habe niemals Unglück ge⸗ habt, als bei der armen Florence. Die iſt jest nicht mehr des Bedauerns werth! Wie ſparſame Maler müſſen wir jetzt ein nicht verkäufliches Bild über⸗ malen und glücklichere Geſchöpfe herbeiſchaffen, um dieſelbe Leinwand auszufüllen“ Hier wurde Lord Vargrave in ſeinen Gedanken von einem Bedienten unterbrochen, welcher Briefe und Zeitungen aus ſeiner Wohnung brachte. Lord Vargrave hatte am vergangenen Freitag im Ober⸗ hauſe eine Rede gehalten und wünſchte zu ſehen, was vie Abendzeitungen darüber ſagten. Somit nahm er eine Hauptzeitung in die Hand, bevor er die Briefe öffnete Sein Blick fiel auf zwei Artikel, die dicht nebeneinander ſtanden, der erſte lautete: „Der berühmte Herr Maltravers hat plötzlich ſeinen Parlamentsſitz für*** aufgegeben und London geſtern verlaſſen, um eine ausgedehnte Reiſe auf dem Feſtlande auszuführen. Man bildet allerlei Vermu⸗ thungen unerwart neten He Ruhms! „So melte Lu tiſcher Y Aber wa „Wit der Regi Miniſter Talenter nennung beſten u auch, da wird. D grave iſ deklamir klarer C glied de Er verr wecken wird je äußern. Numme über ſe Lords ſ reichen Herrlich ſich die wurde Siegel theilun thungen über die Urſachen dieſer auffallenden und unerwarteten Selbſtverbannung eines ſo ausgezeich⸗ neten Herrn, der ſich auf dem Gipfelpunkt ſeines Ruhms befindet.“ „So hat er alſo das Spiel aufgegeben,“ mur⸗ melte Lumley vor ſich hin;„er war nie ein prak⸗ tiſcher Mann— es iſt mir lieb, daß er fort iſt. Aber was ſteht da über mich?“ „Wir vernehmen, daß wichtige Veränderungen in der Regierung ſtattfinden werden; man ſagt, daß die Miniſter wenigſtens die Nothwendigkeit, ſich mit neuen Talenten zu ſtärken, bemerken. Neben andern Er⸗ nennungen, von denen man im Vertrauen in den am beſten unterrichteten Kreiſen ſpricht, erfahren wir auch, daß Lord Vargrane das Amt des*** erhalten wird. Die Ernennung witd populär ſein. Lord Var⸗ grave iſt kein bloßer Feiertagsredner, kein bloßer veklamirenper Phraſenmacher, ſondern ein Mann von klarer Geſchäftsanſicht; auch ſtand er ſchon als Mit⸗ glied des Hauſes der Gemeinen in großem Anſehen. Er vermag die Anhänglichkeit ſeiner Freunde zu er⸗ wecken und ſein freimüthiger männlicher Charakter wird jedenfalls Wirkung auf das engliſche Publikum äußern. In einer andern Spalte unſerer heutigen Nummer wird der Leſer einen vollſtändigen Bericht über ſeine ausgezeichnete erſte Rede im Hauſe der Lords ſehen; die dort ausgeſprochenen Gedanken ge⸗ reichen dem Patriotismus und dem Scharfſinn Seiner Herrlichkeit zur höchſten Ehre“ „Wahrhaftig ſehr gut,“ ſagte Lumley und rieb ſich die Hände; als er ſich zu den Briefen wandte, wurde ſeine Aufmerkſamkeit von einem mit großem Siegel und der Aufſchrift„vertrauliche Privatmit⸗ theilung“ in Anſpruch genommen. Bevor er den Brief 356 öffnete, wußte er, daß derſelbe das Anerbieten der Ernennung enthielt, welche in der Zeitung erwähnt war. Er las und ſtand entzückt auf, ging durch die Fenſterthür und ſchloß ſich der Lady Vargrave und Eveline auf dem Raſenplatz an; als er der Mutter zulächelte und das Kind liebkoste, bildete die Seene und die Gruppe ein liebliches Gemälde der engliſchen Häuslichkeit. Hier endet der erſte Theil dieſes Werkes; der Schluß iſt ſolcher Art, wie er gewöhnlich im Men⸗ ſchenleben, obgleich ſelten in Romanen, vorkommt. Er offenbart die Bekümmerniß des Guten und den Sieg des Grundſatzloſen— Ernſt Maltravers, ein ein⸗ ſamer Wanderer, voll Widerwillen gegen die Welt, iſt vor der Zeit hinſichtlich ſeines nützlichen und glor⸗ reichen Ehrgeizes niedergebeugt und entfernt ſich freun⸗ delos und ſchwermüthig— Lumley Ferrers iſt im Glück und erhoben; vas Leben lächelt ihm; er ſteigt im Rathe der ſtolzeſten und vielleicht weiſeſten euro⸗ päiſchen Nation; er hüllt ſich in einen hartherzigen Stoieismus des Leichtſinns und der Selbſtſucht, der nicht allein dem Grame trotzt, ſondern auch das Ge⸗ wiſſen zum Schweigen bringt. Empfindet der Leſer Theilnahme an ben noch übrigen Ereigniſſen— wünſcht er noch mehr von den verſchiedenen Charakteren zu erfahren, welche in dieſer Geſchichte athmeten und ſich bewegten, ſo wird er bald im Stande ſein, ſeine Neugier zu befriedigen und dasjenige zu vervollſtändigen, was der Verfaſſer für eine treue überſicht der Philoſophie des Men⸗ ſchenlebens hält. Anerbieten der ſtung erwähnt bing durch die Vargrave und rder Mutter hete die Seene der engliſchen uten und den vers, ein ein⸗ zen die Welt, errers iſt im hm; er ſteigt eiſeſten euro⸗ hartherzigen lbſtſucht, der auch das Ge⸗ an den noch nehr von den* lche in dieſer ſo wird er befriedigen. er Verfaſſer e des Men⸗ — „—