Leihbibfivth deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 65 * von 3 Eduard Ottmann in Cießen, 5 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Teih und Ceſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines gel liehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Eiitgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet S Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: V Mt.— 1 Mt. 50 pf 2 Mk. Pf. 3 4 „ 5. Auswärtige en paben für Hin- und Zurückſendung der uuf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Schadenersatz. Für beſchmutzte zerriſſene, verlörene und iett Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. E Jusleiheneit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf zufneltſa gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, eeti Diejenigen, welche die ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. . ir Em korgens ird von Stun imnahme Summe rſtattet n und her: endung ſorgen. e und uß der e, ver ſo iſt wird eihen he die E. L. Bulwer's ſũmmtliche Romane. Aus dem Engliſchen. Neunter Band. ienzi.. Stuttgart: Scheible, Rieger 6 Sattler. 1815. Rienzi, der Tehte der römiſchen Tribune. Ein Roman von Ednard Lytton Vulwer. — Ueberſetzt von Ehendor Both. Zweiter Band. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. Di Colon des ſto Art, für rä „ Fünftes Buch. Die Entſcheidung. Ouesto ha acceso 1 fuoco e la flamm non la potra spegnere. Vii. di Col. di Rionsi, lib. I. cap. 29. a la quale Dies entzündete das geuer und die Flamme, die er nicht mehr wird löſchen können. Erſtes Kapitel. Das Gericht des Tribuns. Die kurzen Worte, welche der Tribun an Stephan Colonna gerichtet hatte, waren, obwohl ſie die Wuth des ſtolzen, alten Edelmannes reizten, doch von der Art, baß er bei genauerer überlegung es doch nicht für räthlich hielt, nicht zu gehorchen. Demzufolge fand er ſich zu der beſtimmten Stunde mit einer ſtattlichen Schaar ſeiner Standesgenoſſen in einem der Säle des Capitols ein. Rienzi empfing ſie mit außergewöhnlicher Artigkeit. Sie ſetzten ſich mit innerlichem Unbehagen und mit Unruhe an die glänzende Tafel, als ſie ſahen, daß, Stephan Colonna ausgenommen, nur die Ver⸗ ſchworenen zu dem Bankett eingeladen waren. Rienzi beachtete ihr Schweigen und ihre Zerſtreutheit nicht, ſondern war ungewöhnlich heiter— der alte Colonna war mürriſcher als gewöhnlich. „Wir fürchten, mein Herr Colonna, unſere Ein⸗ ladung war Euch unangenehm. Ehemals, dünkt mich, konnten wir Euch leichter ein Lächeln entlocken.“ „Die Sachlage hat ſich geändert, Tribun, ſeit der Zeit, wo Ihr mein Gaſt waret.“ „Nun doch kaum. Ich bin geſtiegen, aber Ihr ſeid nicht gefallen. Bei Tag und Nacht wandelt Ihr in Sicherheit und Frieden durch die Straßen; Euer Leben iſt vor den Räubern ſicher, und nicht länger habt Ihr nöthig, Euch durch Mauern und Zinnen gegen Euere Mitbürger zu ſchützen. Ich bin geſtie⸗ gen, aber wir Alle ſind geſtiegen— aus barbari⸗ ſcher Verwirrung zu einem geſitteten Leben! Mein Herr Gianni Colonna, den wir zum Hauptmann der Campagna ernannt, Ihr werdet einen Becher auf den Buono Stato nicht ausſchlagen;— auch glaubt nicht, daß wir Eurer Tapferkeit mißtrauen, wenn wir ſagen, wir freuen uns, daß Rom keine Feinde habe, um Euer Feldherrntalent zu zeigen.“ „Mich dünkt,“ bemerkte der alte Colonna unhöf⸗ lich,„wir werden, ehe die nächſte Ernte grün iſt, Feinde genug aus Böhmen und Baiern bekommen.“ „Und wenn auch,“ verſetzte der Tribun ruhig, „ſo ſind äußere Feinde immer beſſer als Bürgerkrieg.“ „Ja, wenn wir Geld im Schatze haben, was nicht ſehr wahrſcheinlich ſein dürfte, wenn wir noch mehr ſolche Feſttage haben.“ barbari⸗ 1 Mein nann der auf den bt nicht, ir ſagen, be, um a unhöf⸗ grün iſt, mmen. ruhig, erkrieg.“ as nicht ch mehr „Ihr ſeid unhöflich, mein Herr,“ ſagte der Tri⸗ bun;„und überdies macht Ihr Rom ein ſchlechteres Compliment, als uns. Welcher Bürger würde ſich nicht gerne von ſeinem Gelbe trennen, um Ruhm und Freiheit zu erkaufen?“ „Ich kenne ſehr Wenige in Rom, welche ſo denken,“ antwortete der Baron.„Aber ſagt mir, Tribun, da Ihr doch ein berühmter Caſuiſt ſeid, was iſt beſſer für einen Staat— wenn ſein Regent zu haushälteriſch, oder zu verſchwenderiſch iſt?“ „Ich ſtelle die Frage der Entſcheidung meines Freundes Luea di Savelli anheim,“ erwiderte Rienzi. „Er iſt ein großer Philoſoph, und ich denke wohl, er wird uns ein viel verwickelteres Räthſel löſen, das wir ſogleich ſeinem Scharfſinn aufgeben werden.“ Die Barone, welche durch die kühne Sprache des alten Colonna ſehr in Verlegenheit geriethen, wandten Alle ihre Augen nach Savelli, der mit mehr Faſſung, als ſie vermuthet hatten, antwortete: „Die Frage läßt eine doppelte Antwort zu. Wer als Regent geboren iſt, eine fremde Armee unterhält und durch Furcht regiert, muß karg ſein. Wer zum Regenten gemacht wurde, ſich um das Volk bewirbt und durch Liebe regieren will, muß durch Großmuth deſſen Gunſt gewinnen und ſeine Phantaſie durch Gepränge blenden. Dies iſt, glaube ich, der ge⸗ wöhnliche Grundſatz in Italien, welches in allen Erfahrungen der Staatsklugheit reif iſt“ Die Barone beklatſchten, mit Ausnahme des alten Colonna, einmüthig die kluge Antwort Savellis. „Dennoch verzeiht mir, Tribun,“ ſagte Stephan, „wenn ich von der höfiſchen Entſcheidung unſeres Freundes abweiche und mit aller ſchuldigen Ehrfurcht der Anſicht bin, ſogar die grobe Sarſche eines Mön⸗ ches“, das Symbol der Beſcheidenheit, würde Dir beſſer ſtehen, als dieſer übertriebene Pomp, das Symbol des Stolzes!“ Bei dieſen Worten faßte er die weiten, faltigen, mit Goldfranſen beſetzten Armel an dem Purpurkleide des Tribuns. „Stille, Vater!“ ſagte Gianni, Colonna's Sohn, erblaſſend über die nicht hervorgerufene Derbheit und die gefährliche Offenherzigkeit des Alten. „Nun, es liegt nichts varan,“ ſagte der Tribun mit erkünſtelter Gleichgültigkeit, obgleich ſeine Lippe zitterte und ſein Auge Feuer ſprühte; dann begann er nach einer Pauſe mit tückiſchem Lächeln wieder: „Wenn der Herr Colonna die Sarſche der Mönche liebt, ſo kann er noch genug davon ſehen, ehe wir uns trennen. Und nun, mein Herr Savelli, zu meiner Frage, auf die ich Euch wohl zu achten bitte, denn ſie nimmt all Euern Witz in Anſpruch. Iſt es für den Regenten eines Staates beſſer, wenn er all⸗ zu nachſichtig, oder wenn er allzu gerecht iſt? Schöpft Athem zu der Antwort; Ihr ſeht übel aus— Ihr werdet blaß— Ihr zittert— Ihr bedeckt Euer Ant⸗ litz! Verräther und Mörder, Euer Gewiſſen verräth „„Vestimenta da Bizoco,“ war der von Colonna ge⸗ brauchte Ausdruck, den er von gewiſſen Ketzern(Bizoechi) ent⸗ lehnte, welche ſich den Anſchein der ſtrengſten Lebensart gaben; ſpäter wurde derſelbe zum Sprüchworte.— Man ſehe die Er⸗ klärungen von Zeſerino Re, in Vit. di Cola di Rienzi. Euch! 2 Hülfe u „Ne ſini und wir wen rann!“ Er denn ar führte 1 Bruſt; glitt abe tete den „Bit daß ich zer nöth habt mit Euch.“ Bei plötzlich auf und faßte er Tribun ine Lippe n begann wieder: r Mönche „ehe wir elli, zu hten bitte, h. Iſt es nn er all⸗ 7 Schöpft 8— Ihr Euer Ant⸗ en verräth Colonna ge⸗ izechi ent⸗ sart gaben; ſehe die Er⸗ iensi. 9 Euch! Meine Herren, kommt Eurem Genoſſen zu Hülfe und iitrt⸗ t für ihn.“ „Nein, wenn wir entdeckt ſind,“ ſagte der Or⸗ ſini und ſprang in der Verzweiflung auf,„ſo wollen wir wenigſtens nicht ungerächt fallen— ſtirb, Ty⸗ rann!“ Er ſtürzte auf den Ort zu, wo Rienzi ſtand,— denn auch der Tribun hatte ſich erhoben—, und führte mit ſeinem Dolche einen Stoß nach deſſen Bruſt; der Stahl drang durch den Purpurmantel, glitt aber unſchädlich ab— und der Tribun betrach⸗ tete den getäuſchten Mörder mit verächtlichem Lächeln. „Bis geſtern Nacht ließ ich mir nicht träumen, daß ich unter dem Staatskleide den verborgenen Pan⸗ zer nöthig hätte,“ ſprach er.„Meine Herren, Ihr habt mir eine ſchwarze Lehre gegeben und ich danke Euch.“ Bei dieſen Worten klatſchte er in die Hände und plötzlich flogen die Flügelthüren am Ende des Saales auf und zeigten den Gerichtsſaal, mit blutrother Seide, untermiſcht von weißen Streifen, behangen,— dem Sinnbilde von Verbrechen und Tod. An einer langen Tafel ſaßen die Räthe in ihren Staatskleidern; an den Schranken ſtand eine wilde Geſtalt, welche die Gäſte nur zu gut erkannten. Laßt Rudolph den Sachſen näher treten!“ ſagte der Tribun. Und geführt von zwei Wächtern trat der Räuber in den Saal. „Elender, Ihr alſo habt uns verrathen!“ ſagte einer von den Frangipani. Bulwer, Rienzi. MI, 10 „Rubolph von Sachſen hält ſich immer zu der Meiſtbietenden,“ verſetzte der Schurke mit abſcheul chem Grinſen.„Ihr gabt mir Gold und ich woll Euern Feind erſchlagen; Euer Feind überwältigte mit er ſchenkte mir das Leben und das Leben iſt ein höhen Gut, als Gold!“ „Ihr geſteht Euer Verbrechen, meine Herre Schweigend! Stumm! Wo bleibt Euer Witz, Savell Wo Euer Stolz. Rinaldo di Orſini? Gianni Colonn — dahin iſt es mit Eurer Ritterlichkeit gekommen! „O!“ fuhr Rienzi mit tiefer, leidenſchaftlich Bitterkeit fort;„o, meine Herren, kann Nichts Eu verſöhnen— nicht mit mir, aber mit Rom? W iſt mein Verbrechen gegen Euch und die Eurig geweſen? Zerſtreuung der Räuber(ſolcher Menſch⸗ wie Euer Ankläger)— Schleifung der Feſtungswen — unparteiiſche Geſetze— welcher aus dem Vol hervorgegangene Mann hat je in allen Revolution Italiens deſſen Zügelloſigkeit ſo wenig nachgegebe Nicht ein Pfennig aus Euern Koffern wurde„ frecher Gewalt angerührt,— nicht ein Haar Euerem Haupte durch Privatrache gekrümmt. ₰ Gianni Colonna, wurdet mit Ehren überhäuft,* Oberbefehl Euch anvertraut— Ihr, Alphonſo Frangipani, mit neuen Vorrechten beſchenkt,— innerte ſich der Tribun einer Beleidigung, die als Plebejer von Euch erfahren? Ihr beklagt E über meinen Stolz;— war es mein Fehler, 8 Ihr kriechend meiner Macht Euch ſchmiegtet, Schmeichelei im Munde und Gift im Herzen? N ich hal fahren, ſetz, O neuerte dem Le ſem ſch die Gö Majeſt cher un No und m der alt mit m Rathsſ Di Zimme das B ſein C der G Di lung d terliche von d lichen ſeinem * T dung F Schrift durch d ſogar Murat er zu den gekommen! enſchaftlich Nichts Eu Rom? W die Eurig s dem Vol Revolution nachgegebe a wurde„ in Haar„ ümmt. ₰ berhäuft, Alphonſo henkt,— gung, die beklagt E Fehler, 8 hmiegtet, erzen? N 14 ich habe Euch nicht beleidigt; möge die Welt er⸗ fahren, daß Ihr in mir Freiheit, Gerechtigkeit, Ge⸗ ſetz, Ordnung, die wiederhergeſtellte Größe, die er⸗ neuerten Rechte Roms angegriffen habt! Nach Dieſem, dem Lauteren und Unſterblichen— nicht nach die⸗ ſem ſchwachen Körper ging Euer Streben;— durch die Göttlichkeit derſelben wurdet Ihr beſiegt; für die Majeſtätsbeleidigung an dieſen müßt Ihr— Verbre⸗ cher und Opfer— ſterben!“ Nach dieſen Worten, geſprochen in einem Tone und mit einer Würde, welche dem erhabenſten Geiſte der alten Stadt angeſtanden hätte, begab ſich Rienzi mit majeſtät'ſchen Schritten aus dem Zimmer in den Rathsſaal.* Dieſe ganze Nacht blieben die Verſchwörer in dem Zimmer; die Thüren waren verriegelt und bewacht; das Bankett war nicht hinweggeſchafft worden, und ſein Glanz eontraſtirte ſeltſam mit der Stimmung der Gäſte. Die gänzliche Niedergeſchlagenheit und Verzweif⸗ lung dieſer feigen Verbrecher, ſo unähnlich den rit⸗ terlichen Normannen Frankreichs und Englands, wurde von dem Geſchichtſchreiber mit häßlichen, wider⸗ lichen Farben gemalt. Der alte Colonna allein blieb ſeinem heftigen, gebieteriſchen Charakter treu. Wie *Die Schuld der Barone und ihre beabſichtigte Ermor⸗ dung Rienzi's iſt, obwohl von Gibbon und anderen neueren Schriftſtellern ſchnell übergangen, klar durch Muratori bezeugt, durch die Chronk von Bologna u. ſ. w.— Sie geſtanden [ogar ihr Verbrechen ein.(Siehe Chron. Estens: Muratori, tom. XVIII. p. 442.) ein Löwe in ſeinem Käfig ging er in dem Zimmer auf und ab und äußerte laute Drohungen der Rache und des Trotzes; er ſchlug mit geballten Fäuſten an die Thüre, verlangte, hinausgelaſſen zu werden und verkündigte die Rache des Papſtes. Langſam und grau dämmerte der zu Tobe ge⸗ ängſtigten Verſammlung der Morgen heran; und als ſie nach dem Verſchwinden des letzten Sternes an dem melancholiſchen Horizonte bei dem matten, kraftloſen Tageslichte einander in das Geſicht blick⸗ ten, vor Angſt und Furcht beinahe Geſpenſtern ähn⸗ lich, erſcholl vie große Glocke des Capitols in Tönen, in welchen ſie wohl das Todtengeläute erkannten! Dann öffnete ſich die Thüre und ein furchtbarer, dü⸗ ſterer Zug Franziskaner, für jeden der Barone Ei⸗ ner, trat in das Zimmer! Bei dieſem Anblicke war, wie man berichtet, der Schrecken der Verſchworenen ſo groß, daß ſie ganz und gar der Fähigkeit zu ſpre⸗ chen beraubtwaren.“ Die Meiſten, alle Hoffnung auf⸗ gebend, ergaben ſich endlich ihren geiſtlichen Beichti⸗ gern. Als aber der für Stevhan beſtimmte Mönch ſich dem leidenſchaftlichen alten Manne näherte, ſchüt⸗ telte dieſer ungeduldig die Hand und ſagte:„Quäle mich nicht! quäle mich nicht!“ „Aber, Sohn, bereitete Dich auf die ſchreckliche Stunde vor.“ „Sohn, ja wohl!“ ſagte der Baron.„Ich bin alt genug, um Dein Großvater zu ſein; und im übrigen ſage dem, der Dich geſchickt hat, daß ich *Piventarono si galati, che non peteano fadellare.“ auf der bereiter zwanzi mir ni Nacht Eb ſchrei, als die Wä der Tri ſeiner( Der ed Schmer Handlu hatten rechtes, neigtes fehlt, d Mit trat er „Pe ſem Bü als klug daß die ſten M unſern beſudeln gen müf zu werden Tode ge⸗ kran; und n Sternes m matten, ſicht blick⸗ ſtern ähn⸗ in Tönen, erkannten! blicke war, ſchworenen it zu ſpre⸗ fnung auf⸗ en Beichti⸗ nte Mönch rte, ſchüt⸗ „Quäle ſchreckliche „Ich bin und im „daß ich adellare.“ 13 auf den Tod weber vorbereitet ſei, noch mich vor⸗ bereiten will! Ich habe mir vorgenommen, noch ein zwanzig Jahre, und auch länger zu leben; wenn ich mir nicht durch die Erkältung in dieſer verfluchten Nacht den Tod hole.“ Eben in dieſem Augenblicke hörte man ein Ge⸗ ſchrei, das beinahe das Capitol umzuſtürzen drohte, als die Menge unten einſtimmig brüllte: „Tod den Verſchwörern! Tod! Tod!“ Während dieſes Auftrittes in dem Saale kam der Tribun aus ſeinem Zimmer, in vas er ſich mit ſeiner Gemahlin und Schweſter eingeſchloſſen hatte. Der edle Geiſt der Einen, die Thränen und der Schmerz des Anderen(die durch eine blutdürſtige Handlung das Haus ihres Verlobten vernichtet ſah), hatten ihre Wirkung auf ein zwar ſtrenges und ge⸗ rechtes, von Natur aber dem Blutvergießen abge⸗ neigtes Gemüth, ſo wie auf ein Herz nicht ver⸗ fehlt, das der erhabenſten Art der Rache fähig war. Mit ruhiger Stirne und ſogar heiterem Blicke trat er in die noch ſitzende Verſammlung. „Pandulpho di Guido,“ ſprach er, ſich zu die⸗ ſem Bürger wendend,„Ihr habt Recht; Ihr ſprecht als kluger Mann und Patrivt, wenn Ihr ſagtet, daß die wenn auch verdiente Enthauptung der edel⸗ ſten Männer Roms den Staat in Gefahr bringen, unſern Purpur mit einem unauslöſchlichen Flecken beſudeln und den Adel Italiens gegen uns vereini⸗ gen müſſe.“ „Dies, Tribun, war meine Behauptung, ob⸗ gleich der Rath anders entſchieden hat.“ „Hört das Geſchrei des Volkes; Ihr könnt ſei⸗ nem biederen Grimm nicht wehren,“ ſagte der De⸗ magog Baroneelli. Viele unter der Verſammlung murmelten Beifall. „Freunde,“ ſagte der Tribun mit feierlicher und ernſter Miene,„laßt die Nachwelt nicht ſagen, die Freiheit ſei blutdürſtig; ahmen wir einmal das Bei⸗ ſpiel der Barmherzigkeit unſeres Erlöſers nach! Wir haben geſiegt— laßt uns verzeihen; wir ſind ge⸗ rettet— laßt uns vergeben!“ Die Worte des Tribuns wurden von Pandulpho und Anderen unterſtützt, derer Politik milder und gemäßigter war; und nach einer kurzen, aber leb⸗ haften Frörterung behielt der Einfluß Rienzi's die Oberhand, und das Todesurtheil wurde, obwohl mit einer geringen Stimmenmehrheit, zurückgenommen. „Und jetzt,“ ſagte Rienzi,„laßt uns mehr, als gerecht, laßt uns edelmüthig ſein. Sprecht— und zwar unerſchrocken. Glaubt Einer von Euch, daß ich allzuſtreng, allzuſtolz gegen dieſe widerſpänſtige Gemüther war?— Ich leſe die Antwort auf Eurer Stirne!— Ich war es! Glaubt Einer von Euch, dieſer mein Fehler habe ſie zu dieſer ſchwarzen Rache veran⸗ laßt? Glaubt Einer von Euch, ſie haben, wie wir, eine menſchliche Natur,— ſie haben ein Gefühl für Güte, ſie laſſen ſich durch Edelmuth beſänftigen,— ſie ſeien durch eine Rache zu zähmen und zu entwaffnen, wie ſie das Chriſtenthum edeln Feinden vorſchreibt?“ „Ich Pauſe,„ wenn Ih ſchen beg dem Lebe „Mic mehr thu ſar ſuchte in einen „Und celli raſch Rienz „Wer ſo wäre Wuth det ndulpho der und ber leb⸗ zi's die obwohl ommen. ehr, als — und ch, daß ſpänſtige if Eurer h, dieſer e veran⸗ wir, eine ir Güte ſie ſeien ten, wie bt?“ 15 „Ich glaube nicht,“ ſagte Pandulpho nach einer Pauſe,„daß es in der menſchlichen Natur liegt, daß, wenn Ihr dieſe ſo ſündigen und ſo überwieſenen Men⸗ ſchen begnadigt, ſie zum zweiten Male Euch nach dem Leben trachten!“ „Mich dünkt,“ ſagte Rienzi,„wir müſſen ſelbſt mehr thun, als ſie begnadigen. Der erſte große Cä⸗ ſar ſuchte, wenn er einen Feind nicht zermalmte, ihn in einen Freund umzuwandeln——“ „Und kam bei dem Verſuche um,“ ſagte Barvn⸗ eelli raſch. Rienzi fuhr auf und wechſelte die Farbe. „Wenn Ihr dieſe elenden Gefangenen retten wollt, ſo wäre es beſſer, wenn Ihr nicht wartetet, bis die Wuth des Pöbels unbezähmbar wird,“ flüſterte Pan⸗ dulpho. Der Tribun erhob ſich aus ſeiner Träumerei. „Pandulpho,“ ſagte er in demſelben Tone,„mir ahnt etwas— die Schlangenbrut iſt in meiner Hand, — ich erwürge ſie nicht— ſie könnten mich für meine Barmherzigkeit todtſtechen— es iſt ihr Inſtinkt! Es hat nichts zu bedeuten; man ſoll nicht ſagen, daß der römiſche Tribun mit ſo vielen Leben ſeine eigene Sicherheit erkaufte; auch ſoll man nicht auf meinen Grabſtein ſchreiben: Hier liegt der Feigling, der nicht zu verzeihen wagte! Heda! Gerichtsdiener, ſchließt die Thüren auf! Meine Herrn, machen wir die Gefangenen mit ihrem Urtheil bekannt!“ Mit dieſen Worten ſetzte ſich Rienzi auf den Staats⸗ ſtuhl oben an der Tafel, und die jetzt aufgegangene Sonne warf ihre Strahlen auf die blutrothen Wände, in welchen die Barone, in Orbnung in den Saal ge⸗ führt, ihr Schickſal zu leſen glaubten. „Meine Herren,“ ſagte der Tribun,„Ihr habi gegen die Geſetze Gottes und der Menſchen Euch ver⸗ gangen; Gott aber lehrt den Menſchen Gnade üben. Sehet enbdlich ein, daß mein Leben durch einen mäch⸗ tigen Zauber geſchützt iſt. Auch iſt der, den der Himmel zu hohen Zwecken aus der Hütte auf den Volksthron erhob, nicht ohne unſichtbaren Beiſtand und geiſtigen Schutz. Wenn erbliche Monarchen für heilig gehalten werden, wie viel mehr derjenige, durch deſſen Macht die göttliche Hand ein klares Zeugniß abgelegt hat! Ja, über dem, der nur für ſein Vaterland lebt, deſſen Größe das Geſchenk ſeines Vaterlandes, deſſen Leben die Freiheit ſeines Vaterländes iſt, wachen die Seelen der Gerechten und die ſchlafloſen Augen der mit Schwer⸗ tern bewaffneten Seraphim! Belehrt durch das Fehl⸗ ſchlagen Eures letzten Planes und die Gefahr, in welcher Ihr Euch jetzt befindet, gebet Euren Groll gegen mich auf, ehret die Geſetze, achtet die Freiheit Euerer Stadt und bedenket, daß kein Staat ein edleres Schauſpiel gewähren kann, als wenn Männer, ge⸗ boren wie Ihr— von patriziſchem und berühmtem Range— ihre Macht gebrauchen, um ihre Stadt zu ſchützen, ihren Reichthum, um ihre Künſte zu pflegen, ihre Ritterlichkeit, um ihre Geſetze zu vertheidigen! Nehmt Eure Schwerter zurück— und den Erſteh, j der die Freiheiten Roms angreift, laßt Euer Opftt ſein— und wäre es der Tribun ſelbſt. Eure Sach wurde: Euern heim, g ſonen v — ſeid Erſt die Kni ſagten i ſie mit melten, Blut for Nach der Tribt führte, v und nie über die dendum dus*) i dargetha Volkes derſelben er jetzt r Soba kannte, n Wände, Saal ge⸗ Ihr habt Euch ver⸗ ade üben. nen mäch⸗ er Himmel zolksthron geiſtigen g gehalten ſen Macht elegt hat! ebt, deſſen ſſen Leben die Seelen it Schwer⸗ das Fehl⸗ efahr, in ren Groll ie Freiheit ein edleres inner, ge⸗ berühmtem e Stadt zu zu xflegen theidigen en Erſten, uer Opfet ure Sach 17 wurde unterſucht— Euer Urtheil iſt gefällt. Erneuert Euern Eid, alle Feindſeligkeiten, öffentlich oder ge⸗ heim, gegen die Regierung und die obrigkeitlichen Per⸗ ſonen von Rom zu vermeiden, ſo ſeid Ihr begnadigt — ſeid Ihr frei!“ Erſtaunt, verwirrt, beugten die Barone mechaniſch die Knie; die Mönche, welche ihre Beichte gehört, ſagten ihnen den verlangten Eid vor, und während ſie mit bleichen Lippen die feierlichen Worte ſtam⸗ melten, hörten ſie die Menge unten ungeſtüm ihr Blut fordern. Nachdem dieſe Ceremonie vorüber war, begab ſich der Tribun in den Bankettſaal, der zu einem Balkon führte, von wo aus er gewöhnlich zu dem Volke ſprach, und nie vielleicht war ſeine wunderbare Herrſchaft über die Leidenſchaften ſeiner Zuhörer(ad persua- dendum efficax dictator, quoque dulcis ad lepi- dus*) in höherem Grade erforderlich oder glänzender dargethan, als an dieſem Tage; denn die Wuth des Volkes war aufs Höchſte geſtiegen, und es dauerte lange, ehe es ihm gelang, ſie zu dämpfen. Gleich⸗ wohl waren noch ehe er ſchloß alle Wogen der wilden See beruhigt.— Noch einmal ſprach der Redner an derſelben Stelle für ein Leben, edler als die, welche er jetzt rettete— aber ungehört und vergebens. Sobald der Tribun den günſtigen Augenblick er⸗ kannte, wurden die Barone auf den Balkon geführt: in Gegenwart von Tauſenden von athemloſen Zuhö⸗ rern verpflichteten ſie ſich feierlich zum Schutze des * Petrarka über Rienzi. 18 ßuono Stato. Und ſo war der Morgen, von dem man glaubte, er werde ihre Hinrichtung beſcheinen, Zeuge von ihrer Ausſöhnung mit dem Volke. Die Menge zerſtreute ſich, die Mehrzahl zufrieden und vergnügt; die Scharfſinnigeren ärgerlich und miß⸗ vergnügt. „Er hat nur den Dampf und die Flamme ver⸗ mehrt, die er nicht zu löſchen im Stande war,“ grollte Cecev del Veechiv, und des Schmiedes paſſender Aus⸗ druck wurde zum Sprüchwort und zur Prophezeihung. Nittlerweile hob der Tribun, ſich wenigſtens be⸗ nur halb wußt, die edlere Handlungsweiſe gewählt zu haben, ſter und die Verſammlung auf und begab ſich in das Gemach, Seele ke wo Nina und ſeine Schweſter ſeiner warteten. Dieſe ſchönen jungen Frauen hatten die zärtlichſte Zunei⸗ armer T gung für einander gefaßt. Und die Verſchiedenheit ihrer Charaktere in Gemüthsart und Zügen ſchien Geiſt ha durch eben den Contraſt die Reize Beider zu erhöhen gefühllos wie an einem kunſtreich zuſammengefügten Schmucke Du mich die Perle und der Diamant ihre Schönheit gegenſi Dein He gegenüber tig erhöhen. Und als Irene jetzt ihr blaſſes Antlitz und ihn Irenen a thränenreichen Augen von dem Buſen erhob, an den mel iſt!“ ſie ſich anſchmiegte, um Unterſtützung zu ſuchen, di Der ſchüchterne Schweſter, ängſtlich, zweifelnd, nachden⸗ chen Unte kend— das ſtolze Weib ſanguiniſch und zuverſich⸗ rück; und lich, als ob nie weder der Abſichten, noch der Kriſ ßend, ſei ihres Rienzi mißtraute:— der Contraſt hätte einen Sorge ge Maler ein nicht unwürdiges Vild von der Alles hoh hatte beir fenden, wie von der Alles fürchtenden Liebe gegebe köſllichen ihrer Tré von dem eſcheinen, zufrieden und miß⸗ mme ver⸗ „„grollte nder Aus⸗ hezeihung. gſtens be⸗ zu haben, z Gemach, en. Dieſe ſte Zunei⸗ chiedenheit gen ſchien u erhöhen, Schmuc t gegenſei⸗ tz und ihn b, an den ſuchen, di „ nachden⸗ zuverſicht er Kri hätte einen Alles hof be gegebe 19 „Faſſe Muth, meine holbe Schweſter,“ ſagte der Tribun, der zuerſt Jrenens flehendem Blick begegnete; „nicht ein Haar auf dem Haupte derer, welche ſich des Namens Deines Geliebten rühmen, iſt gekrümmt. — Danke dem Himmel,“ als ſeine Schweſter mit einem ſchwachen Schrei in ſeine Arme ſtürzte,„daß es mein Leben war, gegen das ſie ſich verſchworen! Wäre es ein anderer Römer, ſo wäre Gnade ein Verbrechen geweſen! Theuerſte, möge Adrian Dich nur halb ſo lieben, wie ich; und voch, meine Schwe⸗ ſter und mein Kind, kann Niemand Deine ſanfte Seele kennen, wie ich, der ich ſeit ſie ihre erſte Blüte der Sonne entfaltete, über ihr wachte. Mein armer Bruder! hätte er gelebt, Euer Rath wäre auch der ſeinige geweſen, und mich dünkt, ſein ſanfter Geiſt haucht oft die Härte hinweg, die mich ſonſt gefühllos machen könnte. Nina, meine Königin, die Du mich begeiſterſt und ermahnſt,— laſſe immer Dein Herz männlich in meiner Trübſal, weiblich gegenüber von meiner Macht ſein, und ſei mir mit Irenen auf Erden, was mein Bruder mir im Him⸗ mel iſt!“ Der Tribun zog ſich, erſchöpft von der nächtli⸗ chen Unterſuchung, auf einige Stunden zur Ruhe zu⸗ rück; und als Nina, ihn mit ihren Armen umſchlie⸗ ßend, ſein edles Antlitz betrachtete— da war die Sorge geſtillt, der Ehrgeiz beruhigt, ſeine Heiterkeit hatte beinahe etwas Erhabenes. Und Thränen jenes köſtlichen Stolzes, wie ſie das Weib für den Helden ihrer Träume vergießt, ſtanden ſchwer in den Augen wollet der Gattin, als ſie mehr in der tiefen Stille ihres Colon Herzens des ihr allein zuſtehenden Vorrechtes er⸗ überw freute, ſeine einſamen Stunden zu theilen, als all iſt un der Hoheit, zu welcher ſein Schickſal ſie erhoben hatte, kann f und zu deren Zierde und Genuß ſie ihr Weſen ſo räther ſehr befähigte. In dieſer ruhigen, einſamen Stunde den B täuſchte ſie ihr Herz durch wache Träume— eitler Sendu als die des Schläfers— und malte ſich die lange Lauf⸗ haber, bahn des Ruhmes, das erhabene Abtreten in Frieden von M aus, die ihren Gemahl erwarteten. hat er Und während ſie ſo wachend träumte, verdunkelte Alles, die Wolke, bis jetzt nicht größer als die Hand eines zitternd Mannes, den Horizont eines Schickſales, deſſen Son⸗ ſchlang, nenſchein ſich ſeinem Ende nahte! Tag all Zweites Kapitel. den Sch Die Flucht. Knirſchend in ſeinem ſtolzen Herzen, wie ein Pferd an dem Gebiſſe knirſcht, kam der alte Colonna in ſeinen Palaſt zurück. Ihm, unſchuldig an dem be⸗ abſichtigten Verbrechen ſeiner Verwandten und Stan⸗ desgenoſſen, erſchien die ganze Scene der Nacht und Maske des Morgens als eine Beſchimpfung und Entwürdi⸗ nicht an gung. Kaum war er in ſeinem Palaſte, ſo befahl am hell er, daß Boten, auf die er, wie er wohl wußte, ſich geben verlaſſen konnte, ſich für ſeine Aufträge bereit halten ihn W ſollen.„Dies nach Avignon,“ ſprach er zu ſich ſelbſt ihren 6 gls er einen Brief an den Papſt ſchloß.—„Wir eein Pferd Folonna in in dem be⸗ und Stan⸗ Nacht und Entwürdi⸗ „ſo befahl wußte, ſich 21 wollen ſehen, ob die Freundſchaft des großen Hauſes Colonna den wahnſinnigen Beiſtand ber Pöbelpuppe überwiegt.— Dies nach Paleſtrina,— der Felſen iſt unangreifbar!— Dies an Johann dl Vieo, man kann ſich auf ihn verlaſſen, wenn er auch ſonſt Ver⸗ räther iſt!— Dies nach Neapel; der Colonna wird den Botſchafter des Tribuns verſtoßen, wenn er die Sendung nicht aufgibt und hierhereilt, nicht als Lieb⸗ haber, ſondern als Soldat!— Und dies möge Walter von Montreal treffen! Ha, einen köſtlichen Boten hat er uns geſandt, aber ich will Alles vergeben— Alles, für tauſend Lanzen.“ Und während er mit zitternden Händen den ſeidenen Faden um ſeine Briefe ſchlang, hefahl er ſeinen Pagen, für den kommenden Tag alle die Herren an ſeine Tafel zu laden, welche in der vergangenen Nacht mit angeklagt geweſen waren. Die Barone kamen— weit mehr wüthend über den Schimpf der Begnadigung, als dankbar für die Gnade. Ihre Beſorgniſſe vereinigten ſich mit ihrem Stolze, das Geſchrei des Pöbels, das Winſeln der Franziskaner klang immer noch in ihren Ohren und gemeinſamer Wiſterſtant ſchien ihnen die einzige Maß⸗ regel, ihr Leben zu ſchützen und ihren Schimpf zu rächen. Die öffentliche Begnadigung ſchien ihnen nur eine Maske der Privatrache des Tribuns. Sie glaubten nicht anders, als Rienzi habe es nicht gewagt, ſie am hellen Tage zu vernichten; Vergeſſen und Ver⸗ geben ſchienen ihnen die Mittel, mit welchen man ereit halten ihm⸗ Wachſamkeit einſchläfern wollte, während man u ſich ſelbſ ihren Stolz demüthigte und vas Bewußtſein ihres —„Wir entdeckten Verbrechens machte alle Hoffnung auf Si⸗ cherheit in ihnen ſchwinden. Die Hand ihres eigenen Banditen konnte gegen ſie bewaffnet ſein, oder man konnte ſie einzeln, Einen nach dem Anderen, tödten, wie es die gewöhnliche Tyrannenliſt jener Zeit war. Sonderbär genug war Luca di Savelli derjenige, wel⸗ cher am meiſten auf unverzügliche Empörung drang Furcht vor dem Tode machte den Feigen tapfer. unfähig, die ſchwärmeriſche Großmuth des Tri⸗ buns auch nur zu begreifen, waren die Barone noqh unruhiger, als am folgenden Tage Rienzi ſie Eine nach dem Andern rufen ließ, ſie mit Geſchenken über häufte und bat, das Vorgefallene zu vergeſſen, meh ſich als ſie entſchuldigte und ihre Amter und Würde vermehrte. In der Abenteuerlichkeit eines Herzens, dem ti Königswürde natürlich war, glaubte er, es gebe his keinen Mittelweg— und er könne die Feindſchaft, d er nicht durch den Tod zum Schweigen bringen wollt durch Vertrauen und Gunſtbezeugungen vernichten. Gi ſolches Benehmen hätte bei einem geborenen Fürſin gegenüber von erblichen Unterthanen, von Erfolg ſi können; aber der Edelmuth eines Mannes, der ſ plötzlich über ſeine bisherigen Gebieter erhoben, nur prahleriſcher Hohn. Rienzi beging hierin u vielleicht in ſeiner Vergebung ſelbſt einen unglücklich politiſchen Fehler, der dem finſteren Scharfſinn ein Visconti, oder in ſpäteren Zeiten eines Borgia! zur Laſt gefallen wäre. Aber es war der Irrih einer edeln und großen Seele. N war d De daß es der An merken „3 beleidig phans mit ihr heute v „M „W richten legen. g auf Si⸗ es eigenen oder man n, tödten, Zeit war. nige, wel⸗ ung drang, tapfer. h des Tri⸗ arone noi i ſie Einn enen übe eſſen, meh und Würde ns, dem d es gebe hin ndſchaft, ingen wolli rnichten. E enen Fürſtn n Erfolg ſi mes, der ſ erhoben, g hierin u unglücklich harfſinn eir s Borgie der Irrth Nina ſaß in dem großen Salon des Palaſtes; es war der Empfangstag für die römiſchen Damen. Der Beſuch war ſo wenig zahlreich gegen ſonſt, daß es ihr auffiel, und ſie glaubte in dem Benehmen der Anweſenden eine Kälte und einen Zwang zu be⸗ merken, die ihre Eitelkeit einigermaßen kränkten. „Ich hoffe, wir haben die Signora Colonna nicht beleidigt,“ ſagte ſie zu der Gemahlin Gianni's, Ste⸗ phans Sohn.„Sie war ſonſt gewohnt, unſere Hallen mit ihrer ſtattlichen Gegenwart zu beehren, die wir heute vermiſſen.“ „Madame, meines Gatten Mutter iſt unwohl!“ „Wirklich? wir wollen hinſchicken, um beſſere Nach⸗ richten von ihr zu erhalten. Mich dünkt, wir ſind heute verlaſſen.“ Während ſie ſprach, ließ ſie nachläſſig ihr Taſchen⸗ tuch fallen— bie ſtolze Dame Colonna beugte ſich nicht darnach— keine Hand rührte ſich, und die Tri⸗ buneſſa ſchien einen Augenblick überraſcht und ver⸗ legen. Ihr Blick ſchweifte über die Verſammelten hin, ſie bemerkte, wie Einige, die ſie als Frauen von Fein⸗ den Rienzi's erkannte, mit bedeutungsvollen Blicken zuſammenflüſterten, und mehr als ein höhniſches Lächeln über ihre Kränkung wurde ſichtbar. Sie faßte ſich augenblicklich wieder und ſagte lächelnd zu der Signora Frangipani:„Dürfen wir Eure Fröhlichkeit theilen? Es ſcheint Euch ein heiterer Gedanke gekommen zu ſein, den nicht offen mitzutheilen Sünde wäre.“ Die angeredete Dame erröthete leicht und verſetzte: „Wir dachten, Madame, daß, wäre der Tribun zu⸗ gegen geweſen, ſein Rittergelübde in Anſpruch ge⸗ nommen wäre.“ „Wie ſo, Signora?“ „Es wäre für ihn angenehme Pflicht geweſen, Madame, der Verlaſſenen zu Hülfe zu kommen.“ Und die Signora blickte bedeutungsvoll nach dem noch immer am Boden liegenden Taſchentuche. „So war alſo dieſe Vernachläſſigung abſichtlich, Signora's,“ ſagte Nina, indem ſie ſich mit großer Majeſtät erhob.„Ich weiß nicht, ob Euere Gatten eben ſo keck gegen den Tribun ſind; das aber weiß ich, daß die Gemahlin des Tribuns in Zukunft Euer Nichterſcheinen vergeben kann. Vor vier Jahrhun⸗ derten hätte ſich eine Frangipani wohl vor einer Ra⸗ ſelli gebeugt; heute dürfte die Gattin eines römiſchen Barons in der Frau des erſten Magiſtrates der Stadt wohl die Vornehmere erkennen. Ich nöthige Euch nicht zur Höflichkeit und ſuche auch dieſe gar nicht.“ „Wir ſind zu weit gegangen,“ flüſterte eine der Damen der neben ihr Sitzenden zu.„Vielleicht ge⸗ lingt das Unternehmen nicht, und dann——* Die weitern Bemerkungen wurde durch das plöt⸗ liche Eintreten des Tribuns abgeſchnitten. Er kam mit großer Haſt und auf ſeiner Stirne war das fin⸗ ſtere Runzeln, das Niemand ohne Bangigkeit ſah. „Wie, ſchöne Frauen!“ ſagte er, indem er mit raſchem Blicke ſich in dem Zimmer umſah,„Ihr habt uns noch nicht verlaſſen? Bei dem heiligen Kreuz⸗ Eure Gemahle ſetzen in unſere Ehrenhaftigkeit ein großes Vertrauen, daß ſie uns ſolche liebenswürdig Geiſeln Ehemän Gianni Paleſtri Marinv Frangip ihr ſeid Der mühte ſi als er d ſein Blie vergeſſen „Ja, M ſchönen nicht we Hand de ſchworen ihre Hei als Verr nicht m „Pri kühnes g Haus, die Wor Gemahl Mann, nehmen! „En Schöne, Bulw ruch ge⸗ geweſen, en.“ Und ch immer bſichtlich, tit großer re Gatten aber weiß unft Euer Jahrhun⸗ einer Ra⸗ römiſchen der Stadt hige Euch zar nicht.“ te eine der elleicht ge⸗ 4 hdas plöt⸗ . Er kan ar das fin⸗ gigkeit ſah. dem er mit „„Ihr haht gen Kreuz aftigkeit ein benswürdig 25 Geiſeln laſſen, vder find ſie, bei Gott, keine gefällige Ehemänner. So, Madame,“ ſich raſch gegen die Gattin Gianni Colonna's wendend,„iſt Euer Gemahl nach Paleſtrina geflohen; der Eurige, Signora Orſini, nach Marino; der Eurige ebendahin, ſchöne Frau von Frangipani,— ihr kamet hierher, um——. Aber ihr ſeid unverletzlich und ſicher ſelbſt vor einem Worte.“ Der Tribun hielt einen Augenblick inne und be⸗ mühte ſich ſichtlich, ſeine Aufregung zu bekämpfen, als er den Schrecken bemerkte, den er verurſacht— ſein Blick ſtel auf Nina, die, ihren vorigen Arger vergeſſend, ihn mit ängſtlichem Staunen betrachtete. „Ja, Mavame,“ ſagte er zu ihr,„Ihr ſeid in der ſchönen Verſammlung vielleicht die Einzige, welche nicht weiß, daß die Edeln, welche ich neulich aus der Hand des Henkers rettete, ſich zum zweitenmal ver⸗ ſchworen haben. In der Stille der Nacht haben ſie ihre Heimath verlaſſen und ſchon rufen ſie die Herolde als Verräther und Rebellen aus. Rienzi vergibt nicht mehr!“ „Tribun,“rief die Signora Frangipani, die mehr kühnes Blut in ihren Adern hatte, als ihr ganzes Haus,„wäre ich von Deinem Geſchlechte, ich wollte die Worte Verräther und Rebell, die Du auf meinen Gemahl anwendeſt, Dir ſelbſt vorwerfen!— Stolzer Mann, bald wird der Papſt dieſes Geſchäft über⸗ nehmen!“ „Euer Gemahl iſt mit einer Taube geſegnet, meine Schöne,“ ſagte der Tribun verächtlich.„Damen, fürchtet Bulwer, Rienzi. IM. 3 26 nichts, ſo lange Rienzi lebt, bleibt die Frau auch ſei mißverg nes bitterſten Feindes ſicher und in Ehren. Bald wirt herrſcht das Volk hier ſein; unſere Wachen ſollen euch ſiche ſeinen nach Hauſe geleiten, oder ſoll dieſer Palaſt euer„So Freiſtätte ſein— denn, ich ſage euch, eure Männt mit ſo haben euch in eine große Gefahr geſtürzt. Und binne folgen wenigen Tagen mögen die Straßen Roms Blutbäche„Ne gleichen.“ ſchüchter „Wir nehmen Euer Anerbieten an, Tribun, hekannt ſagte die Signora Frangipani, gerührt und wide„Laßt un ihren Willen durch das Venehmen des Tribuns vo Rebellen Ehrfurcht ergriffen. Und während ſie ſprach, ſan machen, ſie auf ein Knie, nahm das Taſchentuch auf und reich vereinige es Nina ehrerbietig mit den Worten:„Madame, v Dieſi gebt mir. Ich allein unter den Anweſenden achte Euhderen Kl in Euerer Gefahr mehr, als in Euerem Stolze.“ ihr Würt „und ich,“ verſetzte Nina, indem ſie ſich in befeſtigte muthiger Vertraulichkeit auf Rienzi's Arm lehnte, ih der Baro erwidere, wenn Gefahr da iſt, ſo haben wir umflicher Ri mehr Stolz nöthig.“ An t Jenen ganzen Tag und die ganze Nacht ertön trabende die große Glocke des Capitols. Aber als der folgen Flüchtlin Tag anbrach, war die Verſammlung dünn und jbrannte ſtreut; große Furcht hatte die Herzen des römiſch— gerat Volkes bei der Flucht der Barone ergriffen und ſbei den 2 machten Rienzi laute und bittere Vorwürfe, daß beſeelten. ihnen durch ſeine Schonung ein ſo unheilvolles Vdie Gnat fahren möglich gemacht habe. An dieſem Tage dauert An dieſe die Gerüchte fort; die Murrenden blieben größtenthe Antriebe in ihren Häuſern, oder ſammelten ſich in verdroſſen Orſini h rau auch ſeh mißvergnügten Haufen. Der nächſte Tag graute; noch . Bald wirt herrſchte dieſelbe Unthätigkeit. Der Tribun berief neuch ſiche ſeinen Rath(eine Repräſentantenverſammlung). Palaſt euen„Sollen wir ausrücken, wie wir ſind,“ fragte er, ure Mänu mit ſo Wenigen, als gerade dem römiſchen Banner Und binus folgen wollen?“ Blutbäch„Nein,“ erwiderte Pandulpho, der, von Natur ſchüchtern, doch mit der Stimmung des Volkes wohl Tribun, hekannt und deßhalb ein ſcharfſichtiger Rathgeber war. und wid„Laßt uns zurückhalten; laßt uns warten, bis die Lribuns vo Rebellen ſich einer gehäſſigen Gewaltthätigkeit ſchuldig ſprach, ſal machen, und dann wird der Haß die Unſchlüſſigen uf und reich vereinigen, und Rachbegierde ſie führen.“ Nadame, v Dieſe Anſicht drang durch; der Erfolg bewährte en achte Euhderen Klugheit. um die Zögerung zu begründen und n Stolze.“ ihr Würde zu verleihen, wurden Boten nach dem ſtark e ſich in pefeſtigten Marino geſendet, wohin der größere Theil m lehnte, i der Barone ſich geflüchtet hatte, um ſie zu unverzüg⸗ n wir um licher Rückkehr aufzufordern. An dem Tage, an welchem man Rienzi die hoch⸗ Nacht ertön trabende Weigerung der Empörer brachte, kamen der folgen Flüchtlinge von allen Seiten der Campagna. Abge⸗ ünn und brannte Häuſer— geplünderte Klöſter und Weinberge des römiſch— geraubtes Vieh und Pferde— zeugten von der riffen und ſbei den Baronen üblichen Art, Krieg zu führen, und ürfe, daß beſeelten, die erſchlaffenden Römer, indem ſie ihnen eilvolles Vdie Gnade zeigten, die ſie ſelbſt zu erwerben hatten. Tage dauert An dieſem Abende ſtrömten die Römer aus freiem größtenth Antriebe auf den Platz vor dem Capitol:— Rinaldo verbroſſen Orſini hatte eine Veſte in der unmittelharen Nähe Roms eingenommen und Feuer in einen Thurm ge⸗ legt, wovon die Flammen in der Stadt geſehen wurden. Die Bewohnerin des Thurmes, eine edle, alte, ver⸗ wittwete Dame, war lebendig verhrannt worden. Do erhoben ſich wildes Geſchrei— mächtiger Zorn— blinde Wuth. Die Stunde zu Thaten war gekommen. Drittes Kapitel. Die Schlacht. „Ich habe einen Traum gehabt,“ rief Rienzi un ſprang von dem Bette auf.„Der löwenherzige Vont⸗ facius, der Feind und das Opfer der Colonna, iß mir erſchienen und hat mir den Sieg verſprochen.“ Nina, bereite den Lorbeerkranz: der Sieg wird heut unſer ſein!“ „O, Rienzi! heute?“ „Ja! höre die Glocke— höre die Trompete. Je, ich höre ſogar die ſtampfenden Hufe meines weißen Schlachtroſſes! Einen Kuß, Nina, ehe ich mich zun Siege waffne,— halt— tröſte die arme Irene ich will ſie nicht ſehen— ſie weint, daß meine Feind Verwandte ihres Verlobten ſind; ich kann ihre Thrö * Ardea terre, arse la Castelluzza, e case, e u0 mini. Non si schifo di ardere una nobile donna Ve dova, veterana, in una torre. Per tale erudeltade 1 Romani furo piu irati etc.— Vila di Cola di Riens lib. I. Cap. 20. ** In questa notte mi é appardo Santo Bonifaci Papa etc. Viia di Cola Riensi Cap. 32. nen nich Heute d Die Sch zu zähm gegen S ſchnell! Rom, ſ mal ein Dam wo ſeine tetei„. ſie vor 2 viertauſer wollen il Herren. warum b „Ich für Rom Knaben „Got echter St „Und mit ihrer Neuigkeit „Und Aber ma men laſſe ſtung?“ „Ro Bürger, Thurm ge en wurden alte, ver⸗ orden. Da — ekommen. Rienzi und erzige Bont⸗ olonna, iſt ſprochen.“ wird heute mpete. Ja, ines weißen ch mich zun me Irent eine Feind ihre Thrä case, e uo. donn Ve brudeltade di Riensi ſto Bonifaci nen nicht ertragen; ich habe ſie in der Wiege gehütet. Heute darf ich keine Weichheit in der Seele haben! Die Schurken, zweimal meineidig!— Wölfe, die nie zu zähmen ſein werden!— muß ich euch endlich Schwert gegen Schwert begegnen? Fort, theure Nina, zu Irene, ſchnell! Adrian iſt in Neapel, und wäre er auch in Rom, ſo iſt ihr Geliebter ſicher, wenn auch fünfzig⸗ mal ein Colonna.“ Damit ging der Tribun in ſein Ankleidezimmer, wo ſeine Pagen und Diener mit ſeiner Rüſtung war⸗ teten.„Ich höre durch unſere Spione,“ ſagte er,„daß ſie vor Mittag vor unſeren Thoren ſein wollen— viertauſend Fußgänger, ſiebenhundert Reiter. Wir wollen ihnen einen derben Willkomm bereiten, meine Herren. Nun, Angelo Villani, mein hübſcher Page, warum biſt Du nicht im Dienſte Deiner Gebieterin.“ „Ich möchte gerne ſehen, wie ſich ein Krieger für Rom waffnet,“ ſagte der Knabe mit der einem Knaben inwohnenden Kraft. „Gott ſegne Dich, mein Kind; hier ſprach ein echter Sohn Roms!“ „Und die Signora hat mir verſprochen, daß ich mit ihren Wachen an die Thore gehen dürfe, um die Neuigkeiten zu hören——“ „Und den Sieg zu verkünden!— Das ſollſt Du. Aber man darf Dich nicht auf Schußweite nahe kom⸗ men laſſen. Wie! mein Pandulpho, Du in der Rü⸗ ſtung?“ „Rom braucht alle ſeine Lente,“ ſagte der Bürger, deſſen ſchwache Nerven durch die Anſteckung ves allgemeinen Enthuſiasmus Spannkraft erhaltet hatten. „So iſt es— und ich bin wieder ſtolz darauf daß ich ein Römer bin. Jetzt, meine Herren, die Dalmatika;* ich möchte, daß jeder Feind Rienz kenne, und bei dem Herrn der Heerſchaaren, an der Spitze des kaiſerlichen Volkes fechtend, habe ich ein Recht auf das kaiſerliche Gewand. Sind die Mönch bereit? unſerem Marſche an das Thor ſoll ein feierliche Hymne vorangehen— ſo fochten unſen Väter.“ „Tribun, Johann di Vieo iſt mit hundert Pfet⸗ ven zur Unterſtützung des Buono Stato angekommen „Iſt er!— Der Herr hat uns von einem Feind befreit und unſeren Kerkern einen Verräther über geben!— Bringe jenes Käſtchen hierher, Angelb — So— Jetzt merke auf! Pandulpho, lies dieſe Brief.“ Der Bürger las mit überraſchung und Beſtürzun die Antwort des verſchmitzten Präfekten auf den Brie Colonna's. „Er verſpricht dem Baron, mit der Präfekter fahne in der Schlacht zu ihm überzugehen,“ ſag Pandulpho.„Was iſt zu thun?“ „Was!— nimm mein Siegel— hier— ſor dafür, daß er alshald in dem Gefängniſſe des Caß tols untergebracht wird— ſein Gefolge heiße Re „Ein weißer Rock oder Mantel, den Rienzi trug; früß gehörte er dem Prieſterdienſte an, ſpäter war er auch Schm der Kaiſerwürde. verlaſſe machen ſtirbt. zu verl die M Bi groß, vereint auf der der gat gänger waffenf gut au⸗ ronen: ritt der olz darauf die ind Rienz en, an der abe ich ein die Mönch r ſoll ein hten unſer ndert Pfer gekommen. inem Feind äther über er, Angelb , lies dieſe 31 verlaſſen und ſage ihnen, daß, wenn man erfährt, ſie nachen mit den Baronen gemeine Sache, ihr Gebieter ſtirbt. Gehe— beſorge dies, ohne einen Angenblick zu verlieren. Inzwiſchen in die Kapelle— wir wollen die Meſſe hören.“ Binnen einer Stunde war das römiſche Heer— groß, aber gemiſcht— alte Männer und Knaben, vereint mit Männern in des Lebens voller Kraft, auf dem Marſche nach dem Thore St. Lorenzo; von der ganzen Menge, die ſich auf zwanzigtauſend Fuß⸗ gänger belief, konnte man nicht ein Sechstheil als waffenfähige Krieger rechnen; aber die Reiterei war gut ausgerüſtet und beſtand aus den niedrigeren Ba⸗ ronen und den reicheren Bürgern. An ihrer Spitze ritt der Tribun in vollſtändiger Rüſtung und trug auf ſeinem Helme einen in Silber gearbeiteten Kranz von Eichen⸗ und Olivenblättern. Vor ihm flatterte das große Banner von Rom, während vor der un⸗ geheueren Menge her ein Zug Mönche vom Orden des heiligen Franziskus ſchritt(denn die Geiſtlichkeit Roms theilte den Enthuſiasmus des Volkes und ſeines begeiſterten Führers) und langſam die folgende Hymne ſang, die bei dem Schluſſe jeder Strophe durch das Klirren der Waffen, das Schmettern der Trompeten und das dumpfe Wirbeln der Trommeln etwas unbeſchreiblich Schreckendes und Ehrfurcht Gebietendes bekam; Alles dieſes bildete gleichſam einen kriegeriſchen Chor zu dem Geſang: kömiſcher Rriegsgeſang. Voran, voran für die Altäre und die Herde, Der Feigling, der da wanket, ſei verflucht, Die Sünden ſollen ihn wild jagen durch die Erde, Daß er umſonſt den Weg zum Himmel ſucht. Fluch treffe ihm das Herz und treffe den Verſtand, Der Kain Roms ſei der, der jetzt nicht Waffen fand. Die Speere trifft der Sonne Gold, Das Banner flattert hoch, Spirito Santo, Cavaliers!* Blast, Trompeten, blast! Blast, Trompeten, blast! Heiter uns der Ruhm ſchon winkt, Wie ein froher Königsſohn, Wenn die Trompete luſtig klingt Und der Trommel mächt'ger Ton. Die Speere trifft der Sonne Gold, Das Banner flattert hoch. Spirito Santo, Cavaliers! 5 Voran, voran, um eure Freiheit zu erzwingen, Ihr habt der Erde Streit zum eurigen gemacht; Seraph und Heilige, ſie werden mit euch ringen, Der die Aſſyrer ſchlug, der führet euch zur Schlacht. Vor Chriſtus, unſerem Herrn, ſteht Niemand ja ſo hoch, Als der den Niedrigen befreit vom ſtolzen Joch. Die Speere trifft der Sonne Gold, Das Banner flattert hoch, Spirito Santo, Cavaliers! Blast, Trompeten, blast! Blast, Trompeten, blast! Heiter uns der Ruhm ſchon winkt, Wie ein froher Königsſohn, Wenn die Trompete luſtig klingt Und der Trommel mächt'ger Ton. * Rienzi's Schlachtwort. Voran, Deß Fe Um deſ Nur Lu Wenn Dochen J welche Thore beiden in de den 2 „ rief der 2 8 welch n hlacht. a ſo hoch, 33 Die Speere trifft der Sonne Gold, Das Banner flattert hoch. Spirito Santo, Cavaliers!. 3. Voran, voran, wollt ihr des Römers Söhne heißen, Deß Feinde floh'n, ſobald erſcholl ſein Tritt, um deſſen Reich ſich keine Grenzen weiſen, Nur Luſt und Meer ſie hemmten ſeinen Schritt; Wenn euer Ruhm auch ſank ſchon längſt in Grabesnacht, Doch wie die Sonn' erſteh' er wieder aus der Schlacht! Die Speere trifft der Sonne Gold, Das Banner flattert hoch, Spirito Santo, Cavaliers! Blast, Trompeten, blast! Blast, Trompeten, blast! Heiter uns der Ruhm ſchon winkt, Wie ein froher Königsſohn, Wenn die Trompete luſtig klingt Und der Trommel mächt'ger Ton. Die Speere trifft der Sonne Golb, Das Banner flattert hoch. Spirito Santo, Cavaliers! In dieſer Ordnung erreichten ſie die weite Ode, welche Ruinen und Zerſtörung noch innerhalb der Thore bildeten, und erwarteten, in langen Reihen zu beiden Seiten weit hinab in den Straßen aufgeſtellt, in deren Mitte ſie einen breiten Raum frei ließen, den Befehl ihres Führers. „Reißt die Thore auf und laßt den Feind ein!“ rief Rienzi mit lauter Stimme, als die Trompeten der Barone ihr Anrücken verkündeten. Inzwiſchen zogen die aufrühreriſchen Patrizier, welche vieſen Morgen von einem vier Meilen entſern⸗ * 34 ten Orte, das Monument genannt, herkamen, ſtatt⸗ lich und kühn heran. Bei dem alten Stephan, deſſen hoher Wuchs, ha⸗ gere Geſtalt und herriſches Weſen in ſeiner glänzenden Rüſtung ſich gut ausnahmen, ritten ſeine Söhne,— die Frangipani und die Savelli und Giordano Orfini, der Bruder des Rinaldv. „Heute ſoll der Tyrann fallen!“ ſagte der ſtolze Baron,„und das Banner der Colonna ſoll von dem Capitol wehen.“ „Das Banner des Bären!“ ſagte Giordano Orfini zornig.—„Der Sieg wird nicht durch Euch allein erfochten werden, mein Herr!“ „Unſer Haus hat immer das Vorrecht in Rom,“ verſetzte der Colonna übermüthig. „Nie, ſo lange in den Paläſten der Orfini ein Stein auf dem andern bleibt.“ „Stille!“ ſagte Luca di Savelli,„theilt Ihr das Fell, während der Löwe noch lebt? Wir werden heute ein heißes Tagwerk haben.“ „Nicht doch,“ ſagte der alte Colonna;„Johann di Vico wird bei dem erſten Angriffe mit ſeinen Rö⸗ mern abfallen und einige der Mißvergnügten drinnen haben verſprochen, die Thore zu öffnen.— Wie Bube?“ als ein Spion athemlos zu dem Baron heranritt,„was für Nachrichten?“ „Die Thore ſtehen offen— kein Speer blitzt von den Mauern!“ „Sagte ich es Euch nicht, meine Herren?“ fragte der Colonna mit triumphirenden Blicken.„Ich glanbe, wir wer — Enke Dies w geborne Wochen aber ke fuhr de „iſt no der ve und die „S Armen rfini ein Ihr das den heute „Johann inen Rö⸗ drinnen Bube?“ tt,„was litzt von “fragte glaube, wir werden Rom ohne einen Schwertſtreich gewinnen. — Enkel, wo ſind jetzt deine einfältigen Ahnungen?“ Dies war an Pietro, einen ſeiner Enkel— den Erſt⸗ gebornen Gianni's— einen hübſchen, noch nicht zwei Wochen verheiratheten jungen Mann gerichtet, der aber keine Antwort gab.„Mein kleiner Pietro da,“ fuhr der Baron, zu ſeinen Gefährten gewandt, fort, „iſt noch ſo ein neugebackener Ehemann, daß er in der vergangenen Nacht von ſeiner Gattin träumte und dies hält der arme Junge für eine Vorbedeutung.“ „Sie war in tiefer Trauer und entglitt meinen Armen mit dem Ausrufe:„„Wehe, wehe den Co⸗ lonna!““ ſagte der junge Mann feierlich. „Ich habe beinahe neunzig Jahre gelebt,“ erwi⸗ derte der alte Mann,„und mag daher etwa ſo vier⸗ zigtauſend Träume geträumt haben, von denen zwei in Erfüllung gingen, und die übrigen waren falſch. Uurtheilt alſo, wie wenig zu Gunſten dieſer Wiſſen⸗ ſchaft ſpricht!“ Unter ſolchen Geſprächen näherten ſie ſich auf Bogenſchußweite dem noch immer offenen Thore. Alles war ſtill, wie der Tod. Das hauptſächlich aus frem⸗ den Söldnern zuſammengeſetzte Heer machte unſchlüſ⸗ ſig Halt— als, ſiehe da!— plötzlich eine Fackel über die Mauer geworfen wurde; ſie brannte einen Augenblick— und ziſchte dann in dem ſchlammigen Pfuhl unten. „Das iſt das verabredete Zeichen unſerer Freunde innen,“ rief der alte Colonna.„Pietro, rücke vor mit Deiner Compagnie!“ Der junge Edelmann ſchloß ſein Viſir, ſetzte ſich an der Spitze der unter ihm ſtehenden Schaar und ritt in kurzem Galvpp mit ein⸗ gelegter Lanze gegen das Thor. Der Morgen war umwölkt und trübe geweſen und die Sonne, welche nur hie und da ſich zeigte, brach jetzt mit einem glänzenden Lichtſtrom hervor— ſie blitzte auf den wallenden Federbuſch und den glänzenden Harniſch des jungen Reiters, der, um einige Schritte ſeinen Leuten voran, unter der dunkeln Thorwölbung ver⸗ ſchwand. Ihm folgte ſeine Schaar— und dann kam Gianni Colonna, Pietro's Vater, an der Spitze ſei⸗ ner Reiterei.— Es herrſchte eine Minute lang Stille, nur unterbrochen durch das Klirren der Waffen und das Stampfen der Pferde, als plötzlich ein Geſchrei erſcholl—„Rom, der Tribun und das Volk! Spi- rito Santo, Cavaliers!“ Die Hauptmacht hielt be⸗ ſtürzt. Plötzlich ſah man Gianni Colonna mit ver⸗ hängtem Zügel von dem Thore herfliehen. „Mein Sohn, mein Sohn!“ rief er,„ſie haben ihn ermordet!“ Plötzlich hielt er unentſchloſſen, danun ſetzte er hinzu:„Aber ich will ihn rächen!“ lenkte ſein Roß und nun ſprengte es wieder gegen das Thor, als eine ungeheure eiſerne Maſchine, wie eine Art Fallgatter, plötzlich auf den unglücklichen Vater herab⸗ ſtürzte und Mann und Roß zu Boden ſchmetterte— eine zerquetſchte, blutige Maſſe. Der alte Colonna ſah es und traute kaum ſeinen Augen; und ehe ſeine Schaar von ihrer Erſtarrung ſich erholte, erhob ſich die Maſchine wieder und über den Leie auf Tar der, br Seiten geſtellt aushielt „Ri Orfini! —„Sc hörte n dem rat und die ungeſtüt ſchlachte fiel, ri tönte„ ſchrei: „Spirit⸗ pitze ſei⸗ g Stille, ffen und Geſchrei k! Spi- hielt be⸗ mit ver⸗ ſie haben en, dann lenkte as Thor, eine Art er herab⸗ etterte— m ſeinen rſtarrung und über 37 den Leichnam ſtürzte das Volksheer heraus. Tauſende auf Tauſende rückten ſie heran; ein wilder, lärmen⸗ der, brauſender Strom. Sie ſtürzten ſich nach allen Seiten auf ihre Feinde, welche, in feſter Ordnung auf⸗ geſtellt und in vollkommener Rüſtung, den Angriff aushielten und brachen. „Rache und Colonna!“—„Der Bär und vie Orfini!“—„Menſchenliche und die Frangipani!““ —„Schlagt nach der Schlange““ und den Savelli!“ hörte man in den Lüften erſchallen, untermiſcht mit dem rauhen Gebrüll der Deutſchen:„Volle Beute und die drei Könige von Köln.“ Die Römer, mehr ungeſtüm, als disciplinirt, fielen haufenweiſe hinge⸗ ſchlachtet von den Reihen der Söldner; aber wo Einer fiel, rückte ein Anderer nach; und noch immer er⸗ tönte mit unverminderter Heftigkeit das Gegenge⸗ ſchrei:„Rom, der Tribun und das Volk!“— „Spirito Santo, Cavaliers!“ Durch ſein emblemati⸗ ſches Diadem und ſeinen kaiſerlichen Mantel jedem Speer und jedem Schwerte beſonders ausgeſetzt, führte der kühne Rienzi jeden Angriff an, eine ungeheure Streitart ſchwingend, in deren Gebrauch die Italie⸗ ner berühmt waren, und die er als eine National⸗ waffe anſah. Durch jeden dunkleren und ernſteren Trieb ſeiner Natur entzündet, ſein Blut erhitzt, ſeine * Dieſe hatten ihr Motto von einem fabelhaften Vorfahren genommen, der in Zeiten der Hungersnoth ſein Brod mit einem Bettler gebrochen. ** Uebrigens war der Lowe das Thier, das die Savelli in ihrer heraldiſchen Eitelkeit ſich gewöhnlich anmaßten. Leibenſchaften eniflammt, fechtend wie ein Krieger für Freiheit, wie ein Monarch um ſeine Krone, er⸗ ſchien ſeine Kühnheit dem erſtaunten Feinde wie die eines Wahnſinnigen, ſeine Erhaltung die eines Be⸗ geiſterten; bald war er hier, bald dort; wo ſeine Macht wankte, oder die feindliche erlag, da glänzte ſein weißer Mantel, da erhob ſich ſeine blutige Streit⸗ axt; aber ſeine Wuth ſchien mehr gegen die An⸗ führer, als gegen die Maſſe gerichtet, und wohin ſein Streitroß ſich wandte, da hörte man ſeine Stimme, „Wo iſt ein Colonna?“—„Trotz den Orfini!“ „Spirito Santo, Cavaliers!“ Dreimal wurde ein Ausfall von dem Thore gemacht; dreimal wurden die Römer zurückgeſchlagen und bei dem drittenmale wurde das dem Tribun vorgetragene Banner durch und durch geſpalten. Hier ſchien er zum erſtenmale beſtürzt und beunruhigt, und indem er ſeine Augen zum Him⸗ mel erhob, rief er:„O Herr, haſt du mich denn verlaſſen?“ Damit faßte er neuen Muth, ſchwang noch einmal ſeine Waffe und führte ſeinen wilden Haufen wieder vorwärts. Am Abende hörte die Schlacht auf. Der Stolz und der Uebermuth der Barone, welche der Haupt⸗ gegenſtand der Angriffe des Tribuns geweſen, waren gebrochen. Von dem fürſtlichen Hauſe der Colonna lagen drei Todte da. Giordano Orſini war tödtlich verwundet; der wilde Rinaldo hatte keinen Theil an dem Kampfe genommen. Von den Frangipani waren die ſtolzeſten Herren nicht mehr, und Luca, das feige Haupt der Savelli, hatte ſich längſt durch die Flucht gerettet. unter de von der folgte d Bogen, der und chen unt dem Sie beglückw Rier lonna ſe lag, un wo er Gianni ten Bru auf den Krieger one, er⸗ wie die nes Be⸗ wo ſeine glänzte Streit⸗ die An⸗ d wohin Stimme, Orſini!“ urde ein urden die le wurde und durch beſtürzt im Him⸗ ich denn ſchwang n wilden er Stolz Haupt⸗ waren Colonna tödtlich Theil an ni waren das feige die Flucht gerettet. Auf der andern Seite war das Blutvergießen unter den Bürgern fürchterlich geweſen;— der Boden war mit Blut überſchwemmt— und über Haufen von Erſchlagenen(Pferden und Reitern) ſah der Stern der Dämmerung Rienzi und die Römer als Sieger von der Verfolgung zurückkehren. Jubelruf der Freude folgte dem ſchnaubenden Roſſe des Tribuns durch den Bogen, und als er auf den Platz innerhalb des Tho⸗ res kam, waren Schaaren von ſolchen, welche wegen Gebrechen, Geſchlecht oder Jahren nicht hatten an dem Kampfe Theil nehmen können,— Frauen, Kin⸗ der und faſelnde Alte, vermiſcht mit barfüßigen Mön⸗ chen und Ordensbrüdern in ſchwarzen Kutten, von dem Siege benachrichtigt, bereit, ſeinen Triumph zu beglückwünſchen. Rienzi hielt bei dem Leichnam des jungen Co⸗ lonna ſein Roß an, der halb in einem Waſſerpfuhle lag, und nahe dabei, hinweggeſchafft von dem Bogen, wo er gefallen, lag der Gianni Colynna,—(des Gianni Colonna, deſſen Speer das Leben ſeines ſanf⸗ ten Bruders geraubt hatte ¹). Er warf einen Blick auf den Erſchlagenen, als der melancholiſche Heſperus den blutigen Pfuhl und den mit Blut befleckten Pan⸗ zer über der von vielerlei Aufregungen beſchwerten Bruſt beſchien; und als er ſich umwandte, ſah er den jungen Angelo, der mit einigen von Nina's Wäch⸗ tern gekommen war und ſich jetzt dem Tribun ge⸗ nähert hatte. „Kind,“ ſagte Rienzi auf den Todten zeigend, „Glücklich biſt Du, der Du kein Blut von — Verwandten zu rächen haſt!— für denjenigen welcher in dieſem Falle iſt, kommt bälder oder ſpät⸗ 23 die Stunde; und es iſt eine ſchreckliche Stunde!“ ſal! S Dieſe Worte ſenkten ſich tief in Angelo's Herz un„Sie wurden im ſpäteren Leben Wortz des Schickſals ſatien den, der ſie geſprochen, wie für den, der ſie gehij Stimme hatte. dieſes ver Ehe der Tribun recht zu ſich ſelbſt gekommen wa„Hin und während rings um ihn her das Geſchrei und ſchütt Wittwen und Mütter der Erſchlagenen— das Stöhnſdus Leben der Sterbenden— die Ermahnungen der Mönche DPietro! vermiſcht mit Tönen der Freude und des Triumphlunen Ja ſich hören ließ, erhoben die Weiber und Nag nicht ü S btf ß„ zügler auf dem Schlachtfelde draußen ein Geſchrei u der M „der Feind! der Feind!“ rin „Greift zu den Schwertern,“ rief der Tribun nn euch— ül N „ſtellt euch wieder in Ordnung; aber ſie können nich O ſo kühn ſein.“ Be Das Stampfen von Pferden— das Schmetten 3 e . abſtieg un einer Trompete wurde gehört; und jetzt jagten in voll ab auch d Eile etwa dreißig Reiter durch das Thor. 8* trat Adria „Euere Bogen!“ rief der Tribun und ritt vßrebenz ² —„aber halt— der Anführer iſt unbewaffnet bnt 5 iſt unſer eigenes Banner. Bei der Mutter Gottes, Gguch 3 i ſ dter p j iſt unſer Geſandter aus Neapel, der Signor Adrienoch friſch di Caſtello!“ Klu Keuchend— athemlos— mit Staub bedeckt% 8 „Stille hielt Adrian an dem Pfuhl, roth von dem Blugures Na ſeiner Verwandten— und ihre todtblaſſen Geſicht inmal Mi ſtarrten ihn an „Trihr Bulwer 41 denfuit„Zu ſpät— ach! ach!— fürchterliches Schick⸗ P wpätz ſal!— unglückliches Rom!“ btunde„Sie fielen in die Grube, die ſie ſelbſt gegraben 8 Heri uh hatten,“ ſagte der Tribün mit feſter, aber hohler Stimme.—„Edler Adrian, hätten doch Deine Räthe dieſes verhindert!“ „Hinweg, ſtolzer Mann— inweg!“ ſagte Adrian mmen wa hi de und ſchüttelte ungeduldig die Hand,—„Du ſollteſt Stöhne da der Römer irſent tzen, und— v, Gianni! Piet tro!— konnten nicht Geburt, Ruhm und Deine Triumphiungen Jahren, armer Knabe— konnten dieſe Dich Nai nicht retten?“ 3 „Verzeiht ihm, meine Freunde,“ ſagte der Tribun n Geſch zu der Menge,—„ſein Schmerz iſt natürlich, und ibnner kennt nicht ihre ganze Schuld.— Zurück, ich bitte er Tribun Si 5 zeuch— überlaßt ihn unſerer Fürſorge.“ pen p Ohne dieſe wenigen Worte des Tribun hätte Abrian ſehr in Gefahr kommen können. Als de junge Signor abſtieg und ſich jetzt über ſeine Vetter hinbeugte— gab auch der Tribun ſein Schlachtroß ſeinen Knappen, trat Adrian näher und zog ihn trotz ſeines Wider⸗ rebens und Widerwillens bei Seite.—„Junger Freund, ſagte er bekümmert,„mein Herz blutet für Euch aber bedenkt, die Wuth der 6 über ſie iſt o9 friſch: it klug.“ bedeckt. „Stille— bei meiner Ehre, dieſe Männer waren dep Bluures Namens nicht werth. Zweimal meineidig— en Geſich einmal Mörder— zweimal Rebellen— hör mich an!“ „Tribun, ich verlange keine weitere Erklärung von Bulwer, Rienzi. I. 5 4 Schmetten ten in volle d ritt vor affnet— Gottes, nor Adrig i — ſie mögen gerecht geſtorben iſe worden ſein. Aber verber meines Ge⸗ werden? Euer Eid! . dieſe Worte nicht. ück— und wenn nen anderen Tadel, a Laßt leget, ſo entbinde ich( r ſeid frei, um mein Feint Me a ſtiert und gafft auf un nute und ich bin vielleicht nicht mehr im Stande Euch zu retten 6 le des jun triziers waren von der verſpotteten. Er war reibung ni in ſehr vertrautem Umgange geſt er auch mehr als gewöhuliche H ngenoſſen. Aber Geſchlecht bleibt i chlecht! Und hier lagen Folge des ver⸗ nißvollen Kriegsgeſchickes der Stamm und der die Blüte und die Hoffnung ſeines Ge⸗ fühlte, daß er dem Tribun nichts er⸗ ſchlechtes vidern konnte; ſchon der Flatz, wo ſie ihren Tod den, zeigte, daß ſie bei einem 2 lugriffe auf ihre Lanvsleute gefallen waren. Nicht an ihrer Sache, „. il ber an ihrem Schickſal nahm er Antheil. Und da Zorn wie he ihm nicht erlaubt waren, ſo war ſein Herz dem mer noch mehr geöffnet. Er ſprach deßhalb ticht, aber er ſtarrte noch immer die Todten an, während gryße, unverhehlte Thränen ü iber ſeine Wan⸗ gen floff ſich ſo die Men ſeiner 2 zu faſſe mit ſchn nicht, a zu raſch nehmen. habt Re Ihr gut innern, ſeht die mehr zr mit ihr Abgrunt Tadel, entbinde um mein on der Er war Umgange wöhuliche cht bleibt des ver⸗ und der ines Ge⸗ nichts er⸗ hren Tod auf ihre eache, da Zorn, ſein Herz deßhalb dten an, ine Wan⸗ 43 gen floſſen; Kummer und Niedergeſchlagenheit ſprachen ſich ſo ergreifend in ſeinem ganzen Weſen aus, daß die Menge, im Anfange unwillig, jetzt Mitleid mit ſeiner Betrübniß fühlte. Envlich ſchien ſich ſein Geiſt zu faſſen. Er wandte ſich gegen Rienzi und ſagte mit ſchwankender Stimme:„Tribun, ich tadle Euch nicht, auch klage ich Euch nicht an. Wenn Ihr hier zu raſch geweſen ſeid, ſo wird Gott Blut für Blut nehmen. Ich verſuche keinen Kampf mit Euch— Ihr habt Recht, mein Eid verbietet es mir; und wenn Ihr gut regiert, ſo kann ich immer wieder mich er⸗ innern, daß ich ein Römer bin. Aber— aber— ſeht dieſen blutenden Leichnam— wir kommen nicht mehr zuſammen!— Euere Schweſter— Gott ſei mit ihr!— zwiſchen ihr und mir liegt ein dunkler Abgrund!“ Der junge Edelmann hielt, von ſeinen Gefühlen überwältigt, einige Augenblicke inne, und fuhr dann fort:„Dieſe Papiere entbinden mich meines Auftrages. Fahnenträger, legt das Banner der Re⸗ publik nieder. Tribun, ſprecht nicht— ich möchte ruhig bleiben— ruhig. Und ſo lebe denn wohl, Rom.“ Mit einem eiligen Blicke auf die Todten ſchwang er ſich auf ſein Roß und verſchwand, von ſeinem Ge⸗ folge begleitet, durch den Bogen. Der Tribun hatte keinen Verſuch gemacht, ihn zurückzuhalten— ihn nicht unterbrochen. Er fühlte, daß der junge Evelmann gedacht— daß er gehandelt habe, wie es für ihn am paſſendſten war. Er folgte ihm mit den Augen. „Und ſo,“ ſagte er düſter,„reißt mich das Schick⸗ ſal von meinem edelſten Freunde und meinem ge⸗ treueſten Rathgeber los— nie verlor Rom einen edleren Mann!“ Dies iſt das ewige Schickſal in Zerrüttung ver⸗ fallener Staaten. Der Vermittler zwiſchen Stand und Stand,— der wahrhaft Edle— der leidenſchaftloſe Patrivt— der Erſte im Handeln— der Tüchtigſte in ſeinen Thaten— verſchwindet dunkel von dem Schauplatze. Nur trotzigere und weniger gewiſſenhafte Geiſter treten an ihre Stelle, und kein neutrales, vereinigendes Glied bleibt zwiſchen Haß und Haß,— bis Erſchöpfung, der Gräuel überdrüſſig, dem Wahn⸗ ſinn folgt, und der Deſpotismus willkommen geheißen wird in der Hoffnung, Ruhe durch ihn zu erhalten! Viertes Kapitel. Das hohle Fundament. Der raſche und unruhige Gang der Staatsereig⸗ niſſe hat uns lange von der Schweſter des Tribuns, der Verlobten Adrians, entfernt gehalten. Aber die lieblichen Gedanken und holden, wachen Träume dieſes ſchönen, liebenden Mädchens, wenn auch für ſie voll von einem alle Stürme und Gefahren des Ehr⸗ geizes überragenden Intereſſe, können in der Erzäh⸗ lung nicht ſo leicht wiedergegeben werden: ihre ſanfte Eintönigkeit läßt ſich mit wenigen Worten ſchildern. Sie kannte nur ein Bild, ſie lebte nur einer Hoffnung. Zurückſchaudernd vor dem Glanze von der ſie ſich reiftere allesbel die Pr Pupper heit zu tungen mit all und ga Ehrgeiz Hitze il wenig eignet, Be wiſſe 2 Unterſe möglich Herzen Als die vor Hofe b der Tri — und Abreiſe und un welche willkür des Tri und Fl rhalten! tsereig⸗ ribuns, lber die te dieſes ür ſie es Ehr⸗ Erzäh⸗ ihre orten bte nur Glanze 45⁵ von dem Hofe ihres Bruders und verdunkelt, wenn ſie ſich einmal zwang, zu erſcheinen, durch die ge⸗ reiftere und ſtrahlendere Schönheit, wie durch das allesbeherrſchende Auftreten Nina's— erſchienen ihr die Pracht und das Gewimmel als ein weſenloſes Puppenſpiel, vor dem ſie ſich zu des Lebens Wahr⸗ heit zurückzog,— zu den Hoffnungen und Betrach⸗ tungen ihres eigenen Herzens. Das arme Mävchen! mit all dem ſanften und zarten Weſen ihres todten, und ganz ohne den ernſten Geiſt, den ausſchweifenden Ehrgeiz, die das Auge ermüdende Prachtliebe und die Hitze ihres noch lebenden Bruders,— war ſie nur wenig für die unruhige, aber glänzende Sphäre ge⸗ eignet, in welche ſie ſich ſo plötzlich verſetzt ſah. Bei all ihrer Liebe für Rienzi konnte ſie eine ge⸗ wiſſe Furcht nicht überwinden, die, vereint mit dem Unterſchiede des Geſchlechtes und Alters, es ihr un⸗ möglich machte, ſich ihm über den ihr am meiſten am Herzen liegenden Gegenſtand mitzutheilen. Als Adrians Aufenthalt am neapolitaniſchen Hofe die vorausberechnete Zeit überſchritt(denn an keinem Hofe bedurfte, da eben deſſen. Thron beſtritten wurde, der Tribun eines edleren, einſichtsvolleren Vertreters, — und Intriguen und Gegenintriguen verzögerten ſeine Abreiſe von Woche zu Woche), wurde ſie verdrießlich und unruhig. Wie ſo manche unthätige Zuſchauer, welche ſelbſt nicht beobachtet werden, blickte ſie un⸗ willkürlich in weitere Ferne, als der tiefere Verſtand des Tribuns oder Nina's; und ſie ſah und hörte in Blicken und Flüſtern, welche ſchärferen oder argwöhniſcheren 46 1 Ohren und Augen nicht bemerkbar waren, das ge⸗ fährliche Mißvergnügen der Adeligen. Angſtlich, ruhe⸗ los, verlangte ſie nach Adrians Rückkehr, nicht un aus eigennützigen Gründen, ſondern aus wohlbegrün⸗ deten Beſorgniſſen für ihren Bruder. In Adrian d Caſtello, einem Edelmanne und Vaterlandsfreunde, hatten beide Parteien einen Vermittler gefunden un das Bedürfniß ſeiner Gegenwart wuchs mit jeden Tage, bis endlich die Verſchwörung der Barone aus⸗ gebrochen war. Von dieſer Stunde an wagte ſie kaun noch zu hoffen; ihr ruhiger Verſtand, ungeblende durch den hochvollendeten Geiſt, der, wie es nur oft geſchieht, den Tribun die rauhen Wirklichkeite in einem falſchen und glänzenden Lichte ſehen ließ erkannte, daß der Rubikon überſchritten war, un während aller nachfolgenden Ereigniſſe ſchwebten ih immer nur zwei Bilder vor— Gefahr für ihre Bruder, Trennung von ihrem Verlobten. Gegen Nina allein konnte ſich ihr volles Het ausſprechen; denn Nina war bei aller Verſchieden heit des Charakters ein liebendes Weib. Dies ven einigte ſie. In der früheren Zeit von Rienzi's Mach hatten ſie viele ihrer glücklichſten Stunden, ferne vo der glänzenden Welt, allein und unbeſchränkt, in de Sommernächten, im Mondſchein auf den Balkone in jenem Austauſch von Gedanken, Mitgefühl un Troſt verlebt, der für zwei leidenſchaftliche und arz loſe Frauen die anziehendſte Beſchäftigung, der wirk ſamſte Troſt iſt. Aber in neuerer Zeit war dieſs Verkehr häufig geſtört worden. Von dem Morge ſchien liegen. flößen, Worte ihres e Sieg malmt der Co und A tadelte Jeder verlan und d welche vielleis durch klagte über genoß ſich e n, das ge⸗ ſtlich, ruhe⸗ „nicht un vohlbegrüm Adrian ndsfreund⸗ funden un mit jeden arone aut gte ſie kaun ungeblende e es nur 1 irklichkeite ſehen ließ war, un webten ih für ihre volles Hen Berſchieden Dies ver nzi's Mach ferne vy nkt, in der Balkonn gefühl un e und art „der wirk war dieſe m Morg waren, bis zu an, wo vie Barone begnadigt wr dem, wo ſie gegen Rom ir rten, tige Bewegung der anderen das Irene ſah, war terkeit war verbannt— geſ oder bewaffnete Soldate Beſucher des Palaſtes geweſer Nur genblicke hatte ſich Rienzi ſchen laſſen; ſei war in Sorgen gehüllt. Nina war li licher geweſen als. ſchien ein trauriges, ur liegen. Den Verſuchen, flößen, waren ein mattes Worte gefolgt, und Iren ihres eigenen Herzens auf der Sieg ward ihrem Bruder— ſein malmt— Rom war frei— ab der Colonna hatte ſeine ſtattlichſten E und Adrian war für immer für ſi tadelte ihn nicht; ſie konnte ihren Jeder hatte gehandelt, wie es ſeine beſ verlangte. Sie war das arme Opf und des Schickſals— di welche die Barke Roms in den Hafen fü vielleicht in dem Abgrund begra durch den Schlag betäubt; ſie weinte klagte ſich nicht; ſie beugte ſich über ſie hi, und er ging genoß ſie weder Nahrung noch ſich ein; ſie verlangte nur die Wo ie Iphigenia — keit; aber am dritten Morgen erholte ſie ſich wie durch ein Wunder, denn am britten Morgen wurde folgender Brief in den Palaſt gebracht: „Irene— ſchon haſt Du den tiefen Grund meines Kuminers erfahren; Du fühlſt, daß für einen Colonna Rom nicht länger eine Heimath, Roms Tribun nicht Bruder ſein kann. Während ich dieſe Worte ſchreibe, hält mich nur die Ehre mit Mühe aufrecht; alle Hoff⸗ nungen, die ich mir gebildet, alle Ausſichten, die ich mir ausgemalt, alle Liebe, die ich für Dich fühlte und noch fühle, ſtürmen auf mein Herz ein, und ich kann nur fühlen, daß ich unglücklich bin. Irene, Irene, Dein holdes Antlitz ſteigt vor mir auf und ich leſe in dieſen geliebten Augen, daß Du mir ver⸗ gibſt— daß Du mich verſtehſt, und ſo innig Du mich liebſt, ſo weiß ich doch, Du wollteſt lieber, ich wäre für Dich verloren, läge im Grab bei meinen Ver⸗ wandten, als daß ich jetzt lebe, ein Vorwurf für meinen Stand, ein Abtrünniger meines Namens. Ach! warum wurde ich als ein Colonna geboren? Warum machte mich das Schickſal zu einem Edelmanne, während mich Natur und Umſtände an das Volk feſſelten? Liebe und Rache ſind mir unterſagt; alle meine Rache fällt auf Dich und mich. Angebetete! vielleicht ſind wir für immer getrennt; aber bei all dem Glücke, das ich an Deiner Geite kennen lernte— bei all dem Entzücken, von dem ich träumte— bei der wonnigen Stunde, in der ich Dich zum erſtenmale erblickte, als ich die Rückkehr der ſanften Seele in Deinen Augen und Lippen ſah— bei dem erſten erröthenden Ge⸗ ſtändt — b treu Bild die H heilig nicht ſam Nord aus! (welch fand eine ſahen Laß 1 todt — u ehe i Die könnt Finſt hörer ſeiner dem einen herab Vern Mak Mack dem meines Folonna un nicht ſchreibe, e Hoff⸗ die ich fühlte und ich Irene, auf und nir ver⸗ meinen warum machte vährend ſſelten? e Rache cht ſind Glücke, all dem nnigen te, als Augen en Ge⸗ 49 ſtändniſſe Deiner Liebe— bei unſerem erſten Kuſſe — bei unſerem letzten Lebewohl— ſchwöre ich, Dir treu zu ſein auf ewig. Kein anderes ſoll je Dein Bild aus meinem Herzen verdrängen. Und jetzt, wo die Hoffnung verloren ſcheint, wird die Treue doppelt heilig, und Du, meine Schöne, willſt Du meiner nicht gedenken? wirſt Du nicht fühlen, daß wir gleich⸗ ſam Verlobte des Himmels ſind? Die Legenden des Nordens erzählen uns von dem Ritter, der, als er aus dem heiligen Lande zurückkehrte, ſeine Geliebte (welche ihn todt glaubte) als die Braut des Himmels fand und ſich bei dem Kloſter, in dem ſie wohnte, eine Klauſe baute, und obgleich ſie einander nie mehr ſahen, waren doch ihre Seelen getreu bis in den Tod. Laß uns, Irene, auch ſo unſere Treue bewahren— todt für alles übrige— verlobt in der Erinnerung — um oben vermählt zu werden! Und doch, doch ehe ich ſchließe, dämmert mir noch eine Hoffnung. Die Laufbahn Deines Bruders, glänzend und erhaben, könnte doch nur ſein, wie eine Sternſchnuppe; ſollte Finſterniß ſie verſchlingen, ſollte ſeine Macht auf⸗ hören, ſollte ſein Thron zuſammenſtürzen und Rom ſeinen Tribun nicht mehr anerkennen, ſollteſt Du in dem Richter und Verderber meines Hauſes nicht länger einen Bruder haben, ſollteſt Du aus Pomp und Glanz herabgeſtürzt werden; ſollteſt Du ohne Freunde, ohne Verwandte allein ſtehen— dann kann ich ohne einen Makel für meine Ehre, ohne die gehäſſige Schmach, Macht und Glück aus Händen zu empfangen, die von dem Blute meines Geſchlechtes geröthet ſind, Dich„ mein eigen nennen. Die Ehre hört auf, zu gebieten, wenn Du aufhörſt, groß zu ſein. Ich darf dieſem Traume nicht zu innig nachhängen, vielleicht iſt es eine Sünde gegen uns Beide. Aber andeuten mußte ich dies, damit Du Deinen Adrian ganz, in all ſeiner Schwäche, wie in ſeiner Stärke kennſt. Meine Ge⸗ liebte, meine Ewiggeliebte, die ich nur um ſo inniger liebe, als dieſe Liebe ohne Hoffnung iſt, lebe wohl! Mögen Engel Deinen Kummer heilen und mich vor Sünde bewahren, daß wir in einem andern Leben uns wenigſtens wiederfinden!“ „Er liebt mich— er liebt mich noch immer!“ ſagte das Mädchen endlich weinend;„und ich bin wieder ſelig!“* Dieſen Brief auf dem Herzen, erholte ſie ſich äußerlich von ihrer Bekümmerniß; ſie begegnete ihrem Bruder mit einem Lächeln und Nina mit Umarmun⸗ gen, und wenn ſie ſich noch abhärmte und abgrämte, ſo war es duych jene„Verheimlichung,“ welche„der Wurm in der Knoſpe“ iſt. Indeſſen trat nach dem erſten Siegesjubel in Rom Wehklagen an die Stelle der Freude; das Blutbad war ſo ungeheuer geweſen, daß der Kummer der Ein⸗ zelnen auch bedeutend genug war, den öffentlichen Triumph ganz zu verſchlingen, und viele von den Trauernden tadelten ihren Vertheidiger ſogar wegen des Unheils, das er angerichtet,„Roma fu terribil- mente vedovata.“ Die zahlloſen Leichenbegängniſſe ergriffen den Tribun tief, und in gleichem Verhält⸗ niſſe mit ſeinem Mitleid für das Volk wuchs auch ſeine Menſ ſchaft ſehr! trater trächt ſchlas in d Fami und er, wurd beere tism diger nach zerſt zuſa Siel vor. ſcho duri emp lieh lau fur Sch Res klä bieten, dieſem iſt es mußte ſeiner e Ge⸗ nniger wohl! ch vor Leben Rom lutbad Ein⸗ lichen n den wegen ribil- gniſſe rhält⸗ auch 5¹ ſeine ernſte Entrüſtung gegen die Barone. Wie alle Menſchen, welche hinſichtlich der Religion feſt, leiden⸗ ſchaftlich und eifrig ſind, war auch der Tribun nicht ſehr duldſam gegen Verbrechen, welche jener zu nahe traten. Meineid war in ſeinen Augen das nieder⸗ trächtigſte und unverſöhnlichſte Vergehen, und die er⸗ ſchlagenen Barone waren zweimal meineidig geweſen; in der Bitterkeit ſeines Grimmes verbot er ihren Familien einige Tage, ihre Leichname zu begraben und zu beklagen, und nur insgeheim und ſtill erlaubte er, daß ſie in den Grüften ihrer Ahnen beigeſetzt wurden: ein übermaß von Rachſucht, das ſeine Lor⸗ beeren befleckte, aber ganz zu dem ſtrengen Patrio⸗ tismus ſeines Charakters paßte. Ungeduldig, zu been⸗ digen, was er angefangen hatte, begierig, auf einmal nach Marino zu marſchiren, wo die Empörer ihre zerſtreuten Kräfte ſammelten, berief er ſeinen Rath zuſammen und ſtellte ihm als Folge des gewiſſen Sieges vollkommene Wiederherſtellung des Friedens vor. Aber man war den Söldnern den Sold ſchuldig, ſchon murrten ſie, der Schatz war erſchöpft, er mußte durch Erhebung einer neuen Steuer gefüllt werden. Unter den Räthen waren einige, deren Familien empfindlich in der Schlacht geliten hatten— dieſe lichen den Vorſchlägen zu Fortſetzung des Kampfes laue Aufmerkſamkeit. Andere, unter ihnen Pandulpho, furchtſam, aber gutgeſinnt und wohl wiſſend, daß Schmerz und Schrecken ihres eigenen Triumphes eine Reaktion unter dem Volke hervorgebracht hatten, er⸗ klärten, daß ſie es nicht wagen, eine neue Steuer vorzuſchlagen. Eine dritte Partei, an ihrer Spitze Baroncelki— ein Demagog von grundſatzloſem Ehr⸗ End geize— der aber dadurch, daß er den ſchlimmſten Leidenſchaften des Pöbels fröhnte, durch eine plumpe Rohheit ſeines Weſens, das ihnen gefiel— und durch haſt das Vorwärtsſtreben, das wir heute„Bewegung“ muß nennen, und das oft dem heftigſten Narren einen Vor⸗ 1 theil über den klügſten Staatsmann gibt, im Stillen einen großen Einfluß bei den niederen Volksklaſſen und 3 errungen hatte— bildete eine keckere Oppoſition. Sie gebe 1 erdreiſteten ſich ſogar, den ſtolzen Tribun wegen ſeines übermäßigen Aufwandes zu tadeln, den ſie zuerſt ſelbſt dert angerathen hatten— und deuteten halb auf unrechte, wen verrätheriſche Beweggründe hin, die ihn zu Frei⸗ als 1 ſprechung der Barone nach der Anklage Rudolphs be⸗ wogen hatten. In dem Parlamente ſelbſt, das der Tribun zum Schutze der Freiheit wieder heleht und 1 eingeſetzt hatte— fiel man von der Freiheit ab. Seine feurige Beredſamkeit wurde mit düſterem Schweigen 1 aufgenommen und endlich waren die Stimmen gegen ſein Anſinnen hinſichtlich einer neuen Auflage und des Marſches nach Marinv. Rienzi hob eilig und unordentlich die Verſammlung auf. Als er den Saal verließ, wurde ihm ein Brief übergeben; er las ihn und war einige Augenblicke wie vom Donner gerührt. 3 Dann berief er den Anführer ſeiner Wachen und be⸗ fahl, daß ein Zug von fünfzig Reitern ſich für ſeine Befehle bereit halten ſolle; hierauf begab er ſich auf Nina's Zimmer, fand ſie allein und blickte ſie, ihr gegenüberſtehend, einig Augenblicke ſo aufmerkſam an, Spitze Ehr⸗ umſten lumpe durch gung“ Vor⸗ Stillen klaſſen t. Sie ſeines ſelbſt rechte, Frei⸗ s be⸗ as der nd Seine veigen gegen e und g und Saal s ihn rührt. d be⸗ ſeine ch auf „ ihr m an, daß ihr, die vor Furcht ſchauderte, die Sprache verſagte. Endlich ſagte er raſch:„Wir müſſen uns trennen.“ „Trennen!“ „Ja, Nina— Deine Begleitung rüſtet ſich; Du haſt Verwandte, ich habe Freunde in Florenz. Florenz muß Dein Aufenthalt werden.“ „Cola,——“ „Sieh mich nicht ſo an.— In Macht, in Rang und Sicherheit warſt Du meine Zierde und Rath⸗ geberin. Jetzt hinderſt Du mich nur. Und—“ „O, Cola, ſprich nicht ſo! Was hat ſich geän⸗ vert? Sei nicht ſo kalt— runzle die Stirne nicht— wende Dich nicht hinweg. Bin ich Dir nicht mehr, als die Gefährtin fröhlicher Stunden— das Spielzeug Deiner Liebe? Bin ich nich Dein Weib, Cola— nicht Deine Geliebte?“ „Zu theuer— zu theuer mir,“ ſtammelte der Tribun;„biſt Du an meiner Seite, ſo bin ich nur halb ein Römer. Nina, die niedrigen Sklaven, die ich frei gemacht, verlaſſen mich.— Jetzt, gerade in der Stunde, wo ich für immer alle Hinderniſſe der Wiedergeburt Roms hätte hinwegräumen können— jetzt, wo ein Sieg die Bahn zu vollſtändigem Er⸗ folge ebnet— verläßt mich plötzlich mein Glück mitten in den Wogen! Es iſt jetzt größere Gefahr vorhan⸗ den, als nur die Wuth der Barone— die Barone ſind geflohen; das Volk iſt es, das an Rom und mir zum Verräther wird.“ „Und möchteſt Du, daß auch ich unter den Ver⸗ räthern ſei? Nein, Cola, ſelbſt im Tode wird Nina Dir zur Seite bleiben. Leben und Ehre ſind ein Ab⸗ glanz nur von Dir, und der Schlag, der das Weſen tödtet, ſoll auch den armen Schatten vernichten. Ich will mich nicht von Dir trennen.“ „Nina,“ ſagte der Tribun, mit heftiger, krampf⸗ hafter Bewegung kämpfend—„es kann vielleicht huchſtäblich wahr werden, was Du von dem Tode ſprichſt.— Gehe! verlaſſe einen Mann, der weder Dich, noch Rom länger mehr ſchützen kann!“ „Nie— nie.“ „Du biſt entſchloſſen?“ „Ich bin es.“ „Sei es denn, ſagte der Tribun im Tone tiefer Trauer. Bereite Dich für das Schlimmſte.“ „Bei Dir, Cola agibt es kein Schlimmſtes!“ „Komme in meine Arme, tapferes Weib; Deine Worte beſchämen meine Schwäche. Aber meine Schwe⸗ ſter!— wenn ich falle, Nina, wirſt Du mich nicht überleben— damit Deine Schönheit eine Beute werde für das wollüſtigſte Herz und den kräftigſten Arm. Auf den Trümmern der Freiheit Roms werden wir unſer gemeinſchaftliches Grab finden. Aber Irene iſt ſchwächerer Natur; das arme Kind, ich habe ihr den Geliebten geraubt, und jetzt——“ „Du haſt Recht; laſſe Irenen reiſen. Und wir dürften ihr in der That den wahren Grund ihrer Entfernung verhehlen. Veränderung des Aufenthaltes wäre das Beſte für ihren Kummer und unter allen Umſtänden ſchicklich gegenüber von den Neugierigen, Ich will ſie aufſuchen und vorbereiten.“ ger wir ene ihr vir er en „Thue das, ſüßes Herz. Ich wäre gerne einen Augenblick mit meinen Gedanken allein. Aber be⸗ denke, daß ſie noch heute reiſen muß— unſer Sand läuft ſchwach.“ Als ſich die Thüre hinter Nina ſchloß, nahm der Tribun den Brief hervor und las ihn noch einmal aufmerkſam.„So, der Legat des Papſtes verließ Sienna:— erſuchte dieſe Republik, ihre Hülfstrup⸗ pen von Rom zurückzuziehen— erklärte mich für einen Rebellen und Ketzer;— begab ſich dann nach Marinv;— ſteht jetzt in Berathung mit den Ba⸗ ronen. Wie, ſo haben mich alſo meine Träume be⸗ logen— falſch, wie die wachen Bilder, welche bei Tag ſchmeicheln und täuſchen? In ſolcher Gefahr ſollte das Volk mir und ſich ſelbſt untreu werden? Heerſchaar der Heiligen und Märtyrer, Schatten der Helden und Patrioten, habt ihr für immer eure alte Heimath verlaſſen? Nein, nein, ich wurde nicht erhoben, um ſo zu enden; noch will ich ſie beſiegen — und meinen Namen Rom als ein Vermächtniß hinterlaſſen; eine Warnung für den Unterdrücker— ein Beiſpiel für den Freien!“ Fünftes Kapitel. Das Gebäude droht den Einſturz. Die Gewandtheit Nina's hatte Frene glauben gemacht, es wolle die zarte Aufmerkſamkeit ihres Bruders ſie nur von einem Schauplatze entfernen, 56 der ihr durch ihre eigenen Gedanken verbittert würde und wo die allgemein verbreitete Kunde ihres Ver⸗ hältniſſes zu Adrian ſie allen möglichen Kränkungen und Verlegenheiten ausſetzte, weßhalb ihr Beſuch in Florenz vorgeſchlagen worden ſei. Daß es damit ſo raſch gehen ſollte, wurde mit der Gelegenheit einer unerwarteten Sendung nach Florenz(um ein Darlehn an Waffen und Geld) erklärt, die ihr eine ſichere und ehrenvolle Begleitung gewährte.— Geduldig ergab ſie ſich in das, was ſie ſelbſt für eine Erleichterung anſah; und es wurde beſtimmt, ſie ſollte einige Zeit der Gaſt einer Verwandten Nina's, der Abtiſſin eines der reichſten florentiniſchen Klöſter, ſein— der Ge⸗ danke an die klöſterliche Abgeſchiedenheit war dem wun⸗ den Herzen, wie dem ermüdeten Geiſte willkommen. Aber obwohl nicht von der nahen Gefahr Rienzi's unterrichtet, erwiderte ſie doch mit tiefer Betrübniß und düſteren Ahnungen ſeine Umarmung und ſeinen Abſchiedsſegen, und als ſie ſich endlich allein in ihrer Sänfte außerhalb der Thore Roms ſah, bereute ſie eine Reiſe, welcher die Wahrſcheinlichkeit von Gefahr den Anſchein der Flucht gab. Während der ſich neigende Tag die Sänfte und ihre Bezleitung in Schatten hüllte, nehmen ſtürmi⸗ ſchere Perſonen des Drama's unſere Aufmerkſamkeit in Anſpruch. Die Kaufleute und Handwerker Roms hielten damals, und beſonders während der demo⸗ kratiſchen Regierung Rienzi's, wöchentliche Zuſam⸗ menkünfte in jedem der dreizehn Stadtbezirke. Und in der demokratiſchſten derſelben war Cecry del Veechio Wort in we Getöſ „ der tr eine n er he ten 2 dem der E „ ſolle wolle Rath ſchrei Stric ſtehe er do ſagte — et die ren— Sold der g ſaste gewe könn⸗ 2 würde Ver⸗ ungen uch in mit ſo einer arlehn re und ergab terung e Zeit eines Ge⸗ wun⸗ mmen. ienzi's rübniß ſeinen ihrer ute ſie gefahr e und türmi⸗ amkeit Roms demo⸗ uſam⸗ Und eechi Wortführer und Orakel. In dieſer Verſammlung, in welcher der Schmied präſidirte, konnte man das Getöſe vernehmen, das einem Erdbeben vorangeht. „So,“ rief einer von der Geſellſchaft— Luigi, ver treffliche Fleiſcher,—„ſie ſagen, er wolle uns eine neue Steuer auflegen; das iſt der Grund, warum er heute die Rathsverſammlung aufhob; weil die gu⸗ ten Männer revlich waren und Mirleid hatten mit dem Volke; es iſt eine Schande und eine Sünde, daß der Schatz leer ſein ſoll!“ „Ich habe es ihm geſagt,“ rief der Schmied,„er ſolle ſich hüten, das Volk zu beſteuern. Arme Leute wollen nicht beſteuert ſein. Folgt er aber meinem Rathe nicht, ſo hat er ſich die Folgen ſelbſt zuzu⸗ ſchreiben— das Pferd rennt ihm davon und der Strick bleibt ihm in der Hand.“ „Behaltet Euren Rath für Euch, Cecco! Ich ſtehe dafür, ſein Magen iſt jetzt dafür zu velikat. Iſt er voch ſo ſtolz geworden, wie der Papſt.“ „Bei alle dem iſt er doch ein großer Mann,“ ſagte einer der Anweſenden.„Er gab uns Geſetze — er ſäuberte die Campagna von Räubern— füllte die Straßen mit Kaufleuten und die Läden mit Waa⸗ ren— ſchlug die trotzigſten Herren und die kühnſten Soldaten Italiens——“ „Und will jetzt vas Volk beſteuern!— das iſt der ganze Dank dafür, daß wir ihm geholfen haben,“ ſagte der knurrende Cecco.„Was wäre er ohne uns geweſen?— wir, die wir ihn zu Etwas machen, können ihn auch zu Nichts machen.“ Bulwer, Rienzi. U⸗ 5 „Aber,“ fuhr der Vertheidiger fort, als er ſich unterſtützt ſah—„er beſteuert uns ja aber nur um unſerer eigenen Freiheit willen.“ „Wer greift die jetzt an?“ fragte der Fleiſcher⸗ „Nun, die Barone ſammeln in Marino täglich neue Streitkräfte.“ „Marino iſt nicht Rom,“ ſagte der Fleiſcher Luigi. Warten wir, bis ſie wieder an unſere Thore kom⸗ men— wir wiſſen ſie ſchon zu empfangen. Ob ich gleich, was das betrifft, glaube, wir haben des Fech⸗ tens genug gehabt— S beiden armen Brüder bekamen jeder einen Stich zu viel. Warum will der Tribun, wenn er ein großer Mann iſt, uns nicht Frieden gönnen? Alles, was wir jetzt bedürfen, iſt Ruhe.“ „Ach!“ ſagte ein Pferdegeſchirrverkäufer;„laßt es ihn mit den Baronen ausmachen⸗ Sie waren trotz Allem gute Kunden.“ „Ich für meinen Theil,“ ſagte ein luſtig drein⸗ ſehender Burſche, der in ſchlechten Zeiten ein Todten⸗ gräber geweſen war und jetzt einen Laden mit Waaren für Lebendige eröffnet hatte,„könnte ihm Alles ver⸗ geben, nur das Bad in dem heiligen Porphyrgefäße nicht.“ „Ja, das war ein ſchlechter Spaß,“ ſagten Einige mit Kopfſchütteln. „Und die Annahme der Ritterwürde war ein al⸗ bernes Schauſtück, außer dem Weine, der aus des Pferdes Nüſtern floß,— das hotte noch einigen Sinn.“ daß wo ſere Me nick ſch en trtz drein⸗ Todten⸗ Waaren les ver⸗ rgefäße Einige ein al⸗ us des einigen 59 „Meine Herren,“ ſagte Cecev,„die Thorheit war, daß er die Barone nicht um einen Kopf kürzer machte, wo er ſie doch alle im Netze hatte; ſo ſagt auch Meſ⸗ ſere Baroncelli.(Ach, Baronecelli iſt ein ehrenwerther Mann, der nicht bei halben Maßregeln ſtehen bleibt ¹) Es war eine Art Verrath an dem Volke, daß er es nicht that. Dann hätten wir nicht ſo manchen hüb⸗ ſchen Burſchen am Thore St. Lorenzo verloren.“ „Wahr, wahr, es war eine Schande; Einige ſagen, die Barone haben ihn beſtochen.“ „Und dann,“ ſagte ein Anderer,„die armen Her⸗ ren Colonna— Sohn und Vater— ſie waren die Beſten von der Familie, den Caſtello ansgenommen. Ich geſtehe, ſie dauerten mich.“ „Aber um auf den Hauptpunkt zu kommen,“ ſagte Einer aus der Verſammlung, und zwar der Reichſte von Allen;„die Steuer iſt die Hauptſache.— Die Undankbarkeit, uns zu beſteuern!— Er ſoll es nur wagen!“ „O, er wagt es nicht, denn ich höre, der Papſt ſträube ſich ſehr; ſo kann er ſich dann nur noch auf uns verlaſſen!“ Die Thüre wurde aufgeriſſen— herein ſtürzte ein Mann mit offenem Munde:„Meine Herren, meine Herren, der Legat des Papſtes iſt in Rom an⸗ gekommen und hat nach dem Tribun geſandt, der ihn ſo eben verließ.“ Ehe die, welche ihn gehört, ſich von ihrem Er⸗ ſtaunen erholt hatten, rief das Schmettern der Trom⸗ peten ſie hingus; ſie ſahen Rienzi mit ſeinem ge⸗ wöhnlichen Gefolge und in ſeiner ſtattlichen Tracht vorüberreiten. Schon fing es an zu dämmern, und Fackelträger zogen ihm voran. Auf ſeinem Antlitz lag tiefe Ruhe, aber es war nicht die Ruhe der Zufriedenheit. Er zog vorüber und verlaſſen waren wieder die Straßen. Schweigend erreichte Rienzi in⸗ zwiſchen das Capitol und ſtieg zu den Gemächern des Palaſtes hinan, wo Nina hlaß und athemlos ſeiner Rückkehr harrte. „Gut, gut, Du lächelſt!— Nein, es iſt das fürchterliche Lächeln, ſchlimmer als Grollen. Sprich, Geliebter, ſprich! Was ſagte der Cardinal?“ „Wenig, was Du gerne hören wirſt. Zuerſt ſprach er erhaben und feierlich von dem Verbrechen, die Rö⸗ mer für frei zu erklären; hernach von dem Verrathe, zu behaupten, die Wahl des Königes von Rom ſtehe den Römern zu.“ „Nun— Deine Antwort?“ „War die, welche dem Tribunen Roms geziemte; ich behauptete jedes Recht und bewies es. Dann ging der Cardinal zu anderen Beſchuldigungen über.“ „Wozu?“, „Das Blut der Barone bei St. Lorenzo— Blut das nur zu unſerer Vertheidigung gegen meineidige Angreifer vergoſſen wurde; dies iſt eigentlich das Hauptverbrechen. Die Colonna beſitzen das Ohr des Papſtes. Sodann die Entheiligung— ja, die Ent⸗ heiligung(lache nur, Nina, lache!), daß ich in einem Porphyrgefäße gebadet, das Conſtantin, als er noch Heide war, gebrauchte.“ 5 „Iſt es möglich! Was ſagteſt Du?“ „Ich lachte. Cardinal, ſagte ich, was für einen Heiden nicht zu gut war, iſt auch für einen katholi⸗ ſchen Chriſten nicht zu gut! Und wirklich, der ſauere Franzoſe ſah aus, als ob ich ihn gut getroffen hätte. „Als er zu Ende war, fragte ich ihn dann: iſt ein Beweis gegen mich geführt, daß ich auf meinem Richterſtuhle Jemand Unrecht gethan habe?— Er ſchwieg. Hat man geſagt, daß ich ein Geſetz des Staates verletzt habe?— Er ſchwieg.— Flüſtert man nur, daß der Handel nicht blühe— daß man des Lebens nicht ſicher iſt— daß der römiſche Namen im Ausland oder zu Hauſe nicht geachtet iſt, und zwar dergeſtalt, daß keine frühere Zeit damit verglichen werden kann?— Er ſchwieg. Dann, ſagte ich, Herr Cardinal, erwarte ich Deinen Dank, nicht Deinen Tadel. Der Franzoſe blickte dahin und blickte dorthin, zitterte und bebte und ſprach dann:„„Ich habe von Seiten des Papſtes Dir nur einen Auftrag zu überbringen— verzichte mit einemmale auf Deine Würde als Tribun, oder die Kirche ſchleudert ihren feierlichen Fluch auf Dich!““ „Wie— was!“ ſagte Nina heftig erbleichend; „was erwartet Dich?“ „Excommunication!“ Dieſer ſchreckliche Urtheilsſpruch, durch den die geiſtlichen Waffen ſo oft den kühnſten Feind gebeugt hatten, ſcholl zu Nina's Ohr, wie eine Todtenglocke. Sie bedeckte ihr Antlitz mit den Händen. Rienzi ging mit raſchen Schritten in dem Zimmer auf und ab. „Den Fluch!“ murmelte er;„den Fluch der Kirche — mir— mir!“ „O, Cola! ſuchteſt Du nicht zu begütigen dieſen ſtrengen——“ „Begütigen! Tod und Schande! Begütigen! Car⸗ dinal, ſagte ich, und ich fühlte, wie ſeine Seele bei meinem Anblicke zitterte, von dem Volke habe ich meine Macht empfangen— dem Volke nur gebe ich ſie zurück. Was meine Seele betrifft, ſo können Menſchenworte ſie nicht verderben. Du, hochmüthiger Prieſter, Du ſelbſt biſt der Verfluchte, wenn Du, Puppe und Werkzeug niedriger Cabalen und ver⸗ bannter Tyrannen, nur ein Wort im Namen des Herrn der Gerechtigkeit zu ſprechen wagſt für die Sache der Unterdrücker und gegen die Rechte der Unter⸗ drückten. Hiemit verließ ich ihn und jetzt——“ „Ja, jetzt— was wird jetzt erfolgen? Ercom⸗ municativn! Dazu noch in der Hauptſtadt der Kirche — der Aberglaube des Volkes! O, Cola!“ „Wenn,“ murmelte Rienzi,„mein Gewiſſen mich nur eines Verbrechens überwieſe— wenn ich meine Hände mit dem Blute eines Gerechten befleckt— wenn ich ein Geſetz nicht geachtet, daß ich ſelbſt gegeben— wenn ich Geſchenke angenommen, oder den Armen Unrecht gethan, die Waiſen verachtet, oder mein Herz den Wittwen verſchloſſen hätte— dann, vann— aber nein! Herr, Du wirſt mich nicht ver⸗ laſſen!“ „Aber die Menſchen vielleicht!“ dachte Nina traurig, als ſie bemerkte, daß einer von Rienzi's t, oder dann, ht ver⸗ Nina ienzi's 63 düſtern Anfällen fanatiſcher und myſtiſcher Träumerei über ihn kam— Anfälle, bei welchen er kein menſch⸗ liches Auge, ſelbſt Nina's nicht duldete, wenn ſie ganz zum Ausbruche kamen. Und er verließ jetzt wirklich, nach dem einen kurzen, murmelnden Selbſtgeſpräche, während deſſen ſein Antlitz ſo in Bewegung war, daß die Adern an ſeinen Schläfen wie Stricke anliefen, plötzlich das Zimmer und ſuchte die Privatkapelle, welche an ſein Gemach ſtieß. über die Gefühle, denen er dort Raum gab, wollen wir einen Schleier werfen. Wer könnte die peinlichen, geheimnißvollen Augen⸗ blicke beſchreiben, wo der Mann mit all ſeinen feu⸗ rigen Leidenſchaften, ſtürmiſchen Gedanken, wilden Hoffnungen und kleinmüthigen Beſorgniſſen in der Einſamkeit das Ohr ſeines Schöpfers aufſucht? Lange nach dem vorigen Geſpräche mit Nina, nachdem längſt die Mitternachtsglocke geläutet hatte, ſtand Rienzi allein auf einem der Balkone ſeines Palaſtes, um in dem Sternenlichte die Fieberglut zu kühlen, die noch in ſeinem erſchöpften Körper wü⸗ thete. Die Nacht war ausnehmend ruhig, die Luft klar, aber kalt, denn es war war December. Er blickte aufmerkſam empor nach den feierlichen Himmelskör⸗ pern, denen unſere ſchwärmeriſche Leichtgläubigkeit Vorherverkündung unſeres Schickſales zuſchrieb. „Eitle Wiſſenſchaft!“ dachte der Tribun,„und trübſinnige Einbildung, daß des Menſchen Schickſal von dem Augenblicke ſeiner Geburt an vorherbeſtimmt — unwiderruflich— unabänderlich ſein ſoll! Doch, wäre dieſer Traum nicht grundlos, ſo möchte ich gerne wiſſen, welches von jenen glänzenden Lichtern mein Geburtsſtern iſt,— welcher meine Laufbahn im Leben und das Andenken, das ich im Tode hinter mir laſſe, abbildet und wiederſtrahlt.“ Wie ihn dieſer Gedanke durchfuhr und ſein Blick noch immer nach oben gerichtet war, ſah er, als würde er plötz⸗ lich veutlicher, als die ihn umgebenden Geſtirne, den raſchen, feurigen Kometen, der im Winter 1347 den Aberglauben Derjenigen in Schrecken ſetzte, welche in dem Fremdling des Himmels die Vorbe⸗ deutung von Unheil und Elend erblickten. Er fuhr zurück, als er denſelben anſichtig wurde und mur⸗ melte bei ſich ſelbſt:„Iſt dies wirklich mein Vorbild! oder, wenn die mährchenhafte Wiſſenſchaft Recht hat, und dieſe ſeltſamen Lichtkörper den Ruin von Nationen, den Sturz von Regenten bedeuten, ver⸗ kündigt er mein Schickſal? Ich will nicht mehr daran denken.“* Als er den Blick ſenkte, fiel er auf den coloſſalen Baſaltlöwen auf dem Platze unten, das Sternenlicht übergoß ſeine graue, erhabene Ge⸗ ſtalt mit einem geiſterhaften, weißen Schimmer, und da erkannte er zwei Geſtalten in ſchwarzen Röcken bei dem Geſtelle, auf dem die Bildſäule ruhte, offenbar mit etwas beſchäftigt, deſſen Zweck er nicht errathen konnte Ein Schauder lief durch ſeine Adern, denn er hatte ſich nie der unbeſtimmten Idee begeben * Ach! wenn bei den Römern dieſer Komet mit dem Falle Rienzi's zuſammentraf, ſo war er für das übrige Europa mit dem weit größeren Unheil, der großen Peſt, begleitet, welche bald darauf ausbrach. köni ſcha lösli hört und ſie 2 ihne des Den Ban dem 1347 ſetzte, zorbe⸗ fuhr mur⸗ können, daß zwiſchen ſeinem Schickſal und dieſer ſchauderhaften Reliquie eine gewiſſe feierliche, unauf⸗ lösliche Verbindung ſtattfinden. Gtwas erleichtert, hörte er, wie ſeine Schildwache die Fremden anrief; und als ſie in das Licht vorkamen, bemerkte er, daß ſie Mönchskleider trugen. „Beläſtige uns nicht, Sohn,“ ſagte einer von ihnen zu der Schildwache.„Auf Befehl des Legaten des heiligen Vaters heften wir an dieſes öffentliche Denkmal der Gerechtigkeit und des Grimmes die Bannbulle gegen einen Ketzer und Rebellen. Wehe dem von der Kirche Verfluchten!“ Sechstes Kapitel. Der Fall des Tempels. Es war ein Donnerſchlag an einem heitern Tage— der Sturz des Tribuns von dem Zenith ſeiner Macht, während der Erniedrigung ſeiner Feinde, wo er mit einer Handvoll tapferer Römer— entſchloſſen, frei zu werden,— für immer die der römiſchen Freiheit widerſtreitende Macht hätte zermalmen, die Rechte ſeines Vaterlandes ſicher ſtellen und das Maß ſeines eigenen Ruhmes voll machen können. Ein ſolcher Sturz war offenbar ein Hohn des Schickſals, das ihn durch Unfälle führte, um ihn an dem ſonnen⸗ hellen Mittag ſeines Glückes zu verlaſſen. Am nächſten Morgen war keine Seele in den Straßen zu ſehen; die Läden waren geſchloſſen— die Kirchen ebenfalls; die Stadt war wie unter dem er i Interdikt. Der ſchreckliche Fluch der päpſtlichen Ex⸗ Sie n eommunication gegen die höchſte obrigkeitliche Perſon der päpſtlichen Stadt ſchien alle Lebensadern zu erſtar⸗ einige ren. Der Legat ſelbſt gab ſich den Anſchein, als fürchte Tribu er für ſein Leben und war nach Monte Fiascone g geflohen, wo unmittelbar nach Bekanntmachung des Frene Ediktes die Barone zu ihm ſtießen. Der Fluch wirkte beſolt am Beſten in der Abweſenheit des Uberbringers. tieyi Gegen Abend konnte man einige wenige Perſonen Löhnt über den großen Platz vor dem Capitol gehen ſehen, ergrif die ſich, ſobald ſie die an dem Löwen angeſchlagene nunge Bulle bemerkten, bekreuzten und in den Thoren des A großen Palaſtes verſchwanden. Nach und nach ſam⸗ melten ſich einige ängſtliche Gruppen in den Straßen, zerſtreuten ſich aber bald wieder. Es war eine Läh⸗ mung alles Verkehrs, aller Gemeinſchaft. Dieſer geiſtlichen, unbewaffneten Macht, die wie die unſicht⸗ bare Hand Gottes den Marktplatz verödete und das gekrönte Haupt beugte, konnte keine phyſiſche Ge⸗ walt trotzen oder ſich widerſetzen. Dennoch drang ſich inmitten des allgemeinen Entſetzens eine über⸗ zeugung der Menge auf— um ihretwillen wurde ihr Tribun mitten in ſeiner Herrlichkeit ſo vernichtet! Die Worte der gegen ihn geſchleuderten, an Mauern und Säulen angeſchlagenen Bulle zählten ſeine Ver⸗ gen gehen auf:— Empörung in der Behauptung der ſo Freiheit Roms— Ketzerei, weil er die kirchlichen Mißbräuche läuterte;— und, um dem übrigen als elender Deckmantel zu dienen, war es Entweihung, daß Dieſer nficht⸗ d das e Ge⸗ drang über⸗ wurde ichtet! auern Ver⸗ g der hlichen en als 8, daß er in dem Porphyrgefäße Conſtantins gebadet hatte. Sie wurden überzeugt; ſie ſeufzten— ſie ſchauderten — und in ſeinem ungeheuren Palaſte blieb außer einigen wenigen getreuen und ergebenen Herzen der Tribun allein! Die tüchtigſten ſeiner toskaniſchen Soldaten hatten Irene begleitet. Der Reſt ſeiner Macht war die beſoldete, aus Bürgern beſtehende römiſche Miliz, die, längſt mißvergnügt über das Ausbleiben ihrer Löhnung, jetzt die Ercommunication als Vorwand ergriffen, um unthätig, aber grollend in ihren Woh⸗ nungen zu bleiben. Am dritten Tage unterbrach ein neuer Vorfall die todtenähnliche Lähmung der Stadt; einhundert und fünfzig Söldner, unter dem Befehle Pepin's von Minorbo, eines Neapolitaners, halb Edelmann, halb Bandit(eine Kreatur Montreal's), zogen in die Stadt, beſetzten die Feſte der Colonna und ſandten einen Herold durch die Straßen, der im Namen des Car⸗ dinal⸗Legaten den Preis von zehntauſend Gulden auf den Kopf Cola's di Rienzi ausrief. Da ertönte hell und feierlich, wie früher, die große Glocke des Capitols— das Volk, verdroſſen, entmuthigt, geſchreckt durch die geiſtliche Furcht vor der päpſtlichen Gewalt(die bei ſolchen Veranlaſſun⸗ gen ſeit der Verlegung des heiligen Stuhles nur um ſo größer erſchien) kam unbewaffnet zum Capitol, und hier ſtand bei dem Platze des Löwen der Tribun. Seine Knappen hielten unten an der Treppe ſein Schlachtroß, ſeinen Helm und dieſelbe Streitart, welche in dem Vordertreffen der ſiegreichen Schlacht geglänzt hatte. Neben ihm ſtanden einige ſeiner Wachen, ſeine Begleiter und zwei oder drei der angeſeheneren Bürger. Aufrecht und mit entblößtem Haupte ſtand er da und ſah auf die beſchämte, unbewaffnete Menge mit einem Blicke bitterer Verachtung, in den ſich tiefes Mitleid miſchte; und als die Glocke zu läuten auf⸗ hörte und das Gedränge ſchweigend horchte, ſprach er alſo:„So kommt Ihr denn noch einmal! Kommt Ihr als Sklaven, oder freie Männer? Eine Hand⸗ voll Bewaffnetar find in Eueren Mauern; wollt Ihr, die Ihr die ſtolzeſten Ritter, die geübten Kämpfer Roms von EFueren Thoren verjagtet, jetzt hundert und fünfzig fremden Miethlingen erliegen? Wollt Ihr Euch waffnen für Euren Tribun? Ihr ſchweigt! — Sei es ſo. Wollt Ihr Euch für Eure eigene Freiheit— für Euer Rom waffnen? Noch immer ſtill! Bei den Heiligen, die auf dem Throne der heidniſchen Götter herrſchen! ſeid Ihr ſo tief von Eurem angeborenen Rechte gefallen? Habt Ihr keine Waffen für Euere eigene Vertheidigung? Römer, hört mich! Habe ich Euch Unrecht gethan?— wenn dies der Fall iſt, ſo laßt mich durch Eure Hand ſterben, und dann geht mit den von meinem Blute noch rauchenden Dolchen dem Räuber entgegen, der nur der Herold Eurer Sklaverei iſt— ſo ſterbe ich geehrt, dankbar und gerächt. Ihr weint! Großer Gott, Ihr weint! Ja, und auch ich könnte weinen — daß ich es erleben muß, vergebens zu Römern von 5 Stund Thrän loſigke Euch! dieſen was 3 ſeine —„ot Schickſ nes G Sprac Bulle „T mich, den D Wurde und R mann und b daß ich waren Ihr w gethan ten, f Ihr v und de kann, Ihr vr glücklic von Freiheit zu ſprechen.— Weinen! iſt vies die Stunde für Thränen? Weinet jetzt, ſo werden Eure Thränen zu künftigen Ernten von Verbrechen, Zügel⸗ loſigkeit und Deſpotismus reifen! Römer, waffnet Euch! folgt mir auf den Platz Colonna; vertreibt dieſen Schurken— verjagt Eure Feinde(gleichviel, was Ihr nachher mit mir beginnt);“ er hielt inne; ſeine Worte vermochten keinen Eifer zu entflammen —„oder,“ fuhr er fort,„ich überlaſſe Euch Eurem Schickſale.“ Da entſtand ein langes, leiſes, allgemei⸗ nes Gemurmel; endlich bekam es die Geſtalt der Sprache, und viele Stimmeu riefen zugleich:„Die Bulle des Papſtes!— Du biſt ein Mann des Fluches!“ „Wie!“ rief der Tribun;„und Ihr verlaßt mich, um Derentwillen allein die Menſchen es wagen, den Donner ihres Gottes gegen mich zu ſchleudern? Wurde ich nicht um Euretwillen für einen Ketzer und Rebellen erklärt? Was ſind die Verbrechen, die man mir ſchuld gibt? Daß ich Rom frei gemacht und behauptet habe, Italien müſſe es werden; daß ich die ſtolzen Magnaten beugte, die eine Geißel waren für das Volk, wie für den Papſt. Und Ihr, Ihr werft mir vor, was ich für Euch gewagt und gethan habe! Männer, mit Euch hätte ich gefoch⸗ ten, für Euch hätte ich dem Tode mich geweiht. Ihr verlaßt Euch ſelbſt, indem Ihr mich verlaßt, und da ich nicht mehr über tapfere Männer gebieten kann, ſo trete ich meine Macht dem Tyrannen ab, den Ihr vorzieht. Sieben Monate habe ich Euch regiert, glücklich im Handel, fleckenlos in der Serechtigkeit — ſiegreich in der Schlacht:— ich habe Euch ge⸗ zeigt, was Rom ſein kann; und wenn ich die Re⸗ gierung, die Ihr mir übertruget, niederlege, wenn ich weg bin, ſo kämpft für Eure Freiheit! Gleichviel, wer an der Spitze eines tapferen und großen Volkes ſteht. Zeiget, daß Rom viele Rienzi, aber mit beſ⸗ ſerem Glücke hat.“ „Ich wollte, er hätte uns nicht zu beſteuern beab⸗ ſichtigt,“ ſagte Cecev del Veechio, die wahre Perſoni⸗ ſikation der gemeinen Geſinnung,„und hätte die Barone enthauptet!“ „Ja!“ rief der Extodtengräber;„aber das ge⸗ weihte Porphyrgefäß!“ „Und warum ſollen wir uns die Kehlen abſchneiden laſſen,“ ſagte der Fleiſcher Luigi,„wie meine zwei Brüder?— Gott habe ſie ſelig!“ Auf den Geſichtern der ganzen Menge lag der Ausdruck von Unentſchloſſenheit und Schamgefühl; viele weinten und ſeufzten, Keiner(außer den oben ge⸗ nannten Mißvergnügten) erhob eine Anklage; Niemand tadelte, aber Niemand auch ſchien geneigt, zu den Waffen zu greifen. Es war einer der unent⸗ ſchiedenen paniſchen Schrecken, der ſeltſamen Anfälle„ von Gleichgültigkeit und Lethargie, welche oft ein Volk ergreifen, das die Freiheit zur Sache des An⸗ triebes und der Laune macht, für das ſie nur ein Zauberwort geworden iſt und das nicht lange alle ihre vernünftigen, geſunden, nützlichen und ſegensreichen Früchte genoß, welches die Stürme erſchrecken, die ſeine Dämmerung verkünden— ein Volk, wie es im ken ein in ein kön Nie bler aus von ſich (wi dem vern Ang „aus wün zu k ich r tier mal beim gezie Perſoni⸗ ätte die das ge⸗ chneiden ne zwei lag der hl; viele ben ge⸗ klage; geneigt, unent⸗ Anfälle„ oft ein e An⸗ nur ein ille ihre sreichen en, die es im 71 Süden gewöhnlich iſt und wie es auch der Norden kennen gelernt hat, wie ſelbſt England, hätte Cromwell ein Jahr länger gelebt, es geſehen haben würde; und in der That erlebte England gewiſſermaßen ein ſol⸗ ches Umſchlagen des volksthümlichen Enthuſiasmus zur leichgültigkeit, als ſeine Kinder toll die Früchte eines blutigen Krieges ohne Vorbehalt, ohne Vor⸗ ſicht dem ausſchweifenden Penſionär Ludwigs, dem königlichen Mörder Sidney's, übergaben. Einer ſolchen Niedergeſchlagenheit der Seele, einer ſolchen Ver⸗ blendung des Verſtandes wird ſelbſt das edelſte Volk ausgeſetzt ſein, wenn die Freiheit, die das Erzeugniß von Menſchenaltern ſein und ihre Wurzeln über die Schichten von tauſend Angewöhnungen erſtrecken ſollte, ſich wie die erotiſche Pflanze einer Stunde erhebt und (wie der Baum und die Dryade der alten Fabel) mit dem Geiſte des Einzelnen, der ſie beſchützt, blüht und verwelkt. „O, Himmel, daß ich ein Mann wäre!“ rief Angelo aus, der hinter Rienzi ſtand. „Hört ihn, hört den Knaben,“ rief der Tribun; „aus dem Munde der Kinder ſpricht Weisheit! Er wünſcht, daß er ein Mann ſei wie Ihr, um handeln zu können, wie Ihr handeln ſolltet. Merket auf— ich reite mit dieſen wenigen Getreuen durch das Quar⸗ tier der Colonna, vor die Feſte Eures Freundes. Drei⸗ mal ſollen dort meine Trompeten ertönen; wenn Ihr beim drittenmal nicht kommt, bewaffnet, wie es Euch geziemt— ich ſage nicht Alle, nur drei, nur zwei, nur ein Hundert von Euch— ſo zerhreche ich meinen Befehlshaberſtab, und die Welt ſoll ſagen, daß hun⸗ dertundfünfiig Röuber die Seele Roms vernichteten und Obrigkeit wie Geſetze umſtürzten“ Mit dieſen Worten ging er die Treppe herab und beſtieg ſein Streirroß; ſchweigend machte die Menge Platz, und ihr Tribun und ſein ſchwaches Häuflein zogen langſam dahin und verſchwanden allmählig den Blicken der anwachſenden Menge. Die Römer rührten ſich nicht von der Stelle, und nach einer Pauſe redete ſie der Demagoge Baron⸗ celli, der eine Ausſicht für ſeinen Ehrgeiz erblickte, an. Obgleich weder ein beredter, noch ſehr erleuch⸗ teter Mann, verſtand er doch die Kunſt, die populär⸗ ſten Gemeinplätze vorzutragen. Er kannte die ſchwache Seite ſeiner Zuhörer— ihre Eitelkeit, ihren über⸗ muth, ihren anmaßenden Stolz. „Seht Ihr, meine Herren,“ ſagte er und ſprang zu dem Platze des Löwen hinauf,„der Tribun ſpricht tapfer— das that er immer— aber der Affe braucht die Katze, damit ſie ihm die Kaſtanien holt; er möchte Eure Pfoten gerne in das Feuer ſtecken; aber Ihr werdet nicht ſo einfälti ſein, um es zu dulden Die Heiligen mögen ſich unſerer erbarmen! Der Tribun, der gute Mann, nimmt ſich einen Palaſt und hält Bankette, und badet in einem Porphyrgefäße, in welchem— um ſo ſchändlicher von ihm— der hei⸗ lige Sylveſter den Kaiſer Conſtantin taufte; all dies iſt wohl werth, darum zu fechten; aber Ihr, meine Herren, was habt Ihr davon, als empfindliche Schläge und das Gaffen hei einem Feſte? Nun, wenn Ihr meine chläge Ihr 73 N dieſe Burſche ſchlaget, ſo bekommt Ihr eine neue Auflage auf den Wein, das wird Euer Lohn ſein!“ „Hört,“ rief Cecco,„da tönt die Trompete— Schade, daß er uns beſteuern wollte.“ „Wahr,“ ſagte Baroncelli,„da tönt die Trom⸗ pete; eine ſilberne Trompete, bei Gott! Kommende Woche, wenn Ihr ihm aus der Noth helft, wird er eine von Gold haben! Aber geht— warum rührt Ihr Euch nicht, meine Freunde?— es ſind nur hundertundfünfzig Söldlinge. Wahr, es ſind Teufels⸗ kerle beim Fechten, vom Scheitel bis zur Zehe gewaff⸗ net; aber was iſt's?— wenn ſie auch ſo vier— fünf Hunderten von Euch die Gurgeln abſchneiden, ſchlagt Ihr ſie am Ende doch, und der Tribun ſpeist um ſo fröhlicher zu Nacht.“ „Er bläst zu zweitenmale,“ ſagte der Fleiſcher. Wenn meine alte Mutter nicht ſchon zwei von uns verloren hätte— es iſt eigen— aber ich würde doch für den kühnen Tribunen noch einen Gtreich führen.“ „Ihr hättet ein wenig mehr Queckſilber in Euch thun ſollen,“ fuhr Baroncelli fort,„oder Ihr werdet zu ſpät kommen. Wie jammerſchade wird das ſein! — Wenn Ihr dem Tribunen gl. ubt, ſo iſt er der einzige Mann, der Rom zu retien im Stande iſt. Was, Ihr, das edelſte Volk der Welt— Ihr nicht im Stande, Juch ſelbſt zu relten!— Ohr an einen Mann gefeſſelt— Ihr nicht im Stande, den Colonna und Orfini Geſetze vorzuſchreiben! Nun, wer ſchlug denn die Barone bei San Lorenzo? Waret nicht Ihr es? Ha! Ihr bekamt die Schläge und der Tribun — Bulwer Rienzi. I. 6 das Geld! Still, meine Freunde, laßt den Mann gehen; ich verſichere Euch, es gibt eine Menge, die ebenſo gut, wie er, aber um billigeren Preis zu haben ſind. Und, hört! das iſt das dritte Blaſen; jetzt iſt es zu ſpät!“ Als der lange, ſchwermüthige Ton der Trompete aus der Ferne her tönte, war es wie die letzte War⸗ nung des ſcheidenden Engels der Stadt, und als die Stille den Ton verſchlang, befiel ein düſteres Gefühl die ganze Verſammlung. Sie fingen an zu bedanern, zu bereuen, als Bedauern und Reue nichts mehr nützten. Die Poſſenreißerei Baronecelli's erregte plötzlich Mißfallen, und der Redner mußte zu ſeinem Verdruſſe ſehen, wie ſeine Zuhörer ſich nach allen Seiten hin zerſtreuten, als er eben im Begriffe war, Ihnen mit⸗ zutheilen, welche große Dinge er zu ihrem Beſten ausrichten werde. Inzwiſchen zog der Tribun unverletzt durch das gefährliche Quartier ſeiner Feinde, die, bei ſeiner An⸗ näherung entmuthigt, ſich in ihre Feſte zurückzogen, und ritt nach dem Caſtell St. Angelo, wohin ihm Nina ſchon vorangeeilt war. Bei ſeinem Eintreten fand er die ſtolze Frau, über ſeine Rettung vergnügt — ohne eine Thräne wegen ſeines Falles. Mann e, die haben auern, mehr lötzlich rdruſſe en hin en mit⸗ Beſten ch das er An⸗ zogen, n ihm treten rgnügt Siebentes Kapitel. Die Nachfolger einer verunglückten Revolution— Wer iſt zu tadeln, der Verlaſſene, oder diejenigen, ſo ihn verließen? Heiter ſtrahlte die Winterſonne über die Straßen Roms, als die bewaffnete Mannſchaft der Barone durch ſie einzog. Der Cardinallegat an der Spitze, der alte Colonna(nicht mehr aufrecht und ſtolz, ſon⸗ dern gebeugt und mit gebrochenem Herzen über den Verluſt ſeiner Söhne) zu ſeiner Rechten— Luca di Savelli mit ſeinem glatten Lächeln— Rinaldo Orſini mit ſeinem finſteren Stirnrunzeln, kamen gleich hinter ihm. Es war ein langer, aber barbariſcher Zug, der hauptſächlich aus fremden Söldnern beſtand; auch glich die Prozeſſion nicht der Rückkehr verbannter Bürger, ſondern dem Einzuge angreifender Feinde. „Mein Herr Colonna,“ ſagte der Cardinallegat, ein kleiner, abgelebter Mann, ein Franzoſe von Ge⸗ burt und voll der bitterſten Vorurtheile gegen die Römer, die ihn bei einer früheren Sendung, wie ſie es gegen fremde Geiſtliche gewöhnt waren, übel auf⸗ genommen hatten;„dieſer Pepin, den Montreal zu Euren Befehlen ſtellte, hat uns in der That gute Dienſte geleiſtet.“ Der alte Herr verbeugte ſich, gab aber keine Ant⸗ wort. Sein kräftiger Verſtand war ſchon gebrochen und aus ſeinem gläſernen Auge ſprach der Blödſinn. Der Cardinal murmelte:„Er hört mich nicht; der Kummer hat ihn kindiſch gemacht!“ und rückwärts winkte er Lurg Savelli zu ſich her. „Luca,“ ſagte der Legat,„es war ein Glück, daß der Ungarn ſchwarzes Banner den Provenzalen in Averſa feſthielt. Hätte er Rom betreten, ſo wären wir mit Rienzi's Nachfolger noch ſchlimmer gefahren, als mit dem Tribun ſelbſt. Montreal,“ ſetzte er mit einigem Nachdruck und mit eingebiſſener Lippe hinzu, „iſt Edelmann und Franzoſe. Dieſen Pepin, ſeinen Abgeſandten, müſſen wir beſtechen, oder durch Dro⸗ hungen nach unſerem Willen lenken.“ „Es iſt,“ erwiderte Savelli,„gewiß keine ſchwere Aufgabe; denn Montreal rechnete auf einen hart⸗ näckigeren Kampf, den zu beendigen er ſelbſt Mühe gefunden hätte——“ „Als Podeſta, oder Fürſt von Rom! der beſchei⸗ dene Mann! Wir Franzoſen haben ein gehöriges Bewußtſein von unſeren Verdienſten, aber dieſer plötz⸗ liche Sieg überraſcht ihn, wie uns, Luca, und wir müſſen Pepin die Beute entreißen ehe Montreal ihm zu Hülfe kommen kann! Aber Rienzi muß ſterben. Noch iſt er, wie ich höre, in St. Angelo eingeſchloſſen. Ehe einige Stunden vergehen, ſoll ihn der Orſini da mit Sturm angreifen. Heute beſetzen wir das Ca⸗ pitol— erklären die Geſetze des Rebellen für nichtig — heben ſein lächerliches Parlament auf und über⸗ geben die ganze Regierung der Stadt drei Senatoren — Rinaldo Orſini, Colonna und mir; für Euch, mein Herr, hoffe ich, werden wir ſchon paſſend ſorgen.“ „O! ich bin belohnt genug, wenn ich in meinen Palaſt zurückkehren kann, und ein Einfall in das Quartier der Juweliere wird deſſen Feſtungswerke bald oſſen. rſini Ca⸗ ichtig über⸗ toren Fuch, en. einen das hald wieder aufbauen helfen. Luca Savelli iſt kein ehr⸗ geiziger Mann. Er will nur im Frieden leben.“ Der Cardinal lächelte höhniſch und ſchlug die Rich⸗ tung nach dem Capitol ein. Auf dem Platze vor demſelben hatten ſich die ge⸗ wöhnlichen Gaffer verſammelt.„Macht Platz! macht Platz, Ihr Schurken!“ riefen die Wachen und ritten auf beiden Seiten auf die Menge ein, die, gewöhnt an die ruhige und höfliche Behandlung von Rienzi's Wachen zu langſam zurückwich, ſo daß viele derſelben der ernſten Verletzung durch Piken oder Pferdehufen nicht entgingen Unſer Freund Luigi, der Fleiſcher, befand ſich auch unter ihnen und das mürriſche Weſen römiſchen Blutes ſtieg über die Südhitze, als er mit dem ſtumpfen Ende einer deutſchen Lanze einen Stoß auf ſeinen dicken Bauch erhielt.„Da, Römer,“ ſagte der rohe Eöldner in ſeinem barbariſchen Italieniſch, „macht Platz für beſſere Leute als Ihr ſeid. Ihr habt in der letzten Zeit wahrlich Verſammlungen und Schau⸗ ſpiele genug gehabt.“ „Beſſere Leute!“ platzte der arme Fleiſcher her⸗ aus,„ein Römer kennt keine ſolche, und wenn ich bei San Lorenzo nicht zwei Brüder verloren hätte, ſo würde ich——“ „Der Hund iſt meuteriſch,“ ſagte einer von Or⸗ ſini's Vegleitern, der hinter dem Deutſchen ritt, welcher bereits vorüber war,„und ſpricht von San Lorenzv.“ „O!“ ſagte ein anderer Anhänger der Orſini, der daneben ritt,„ich erinnere mich ſeiner von früher. Er wat einer von Rienzi's Bande.“ „War er?“ ſagte der Andere finſter;„dann kön⸗ nen wir mit heilſamen Beiſpielen nicht zu frühe be⸗ ginnen,“ und erzürnt über etwas Großthueriſches und Trotziges in des Fleiſchers Blick, ſtach ihm der Orſini kaltblütig ſeine Pike durch den Leib und ritt über ſeinen Leichnam weiter. „Schande! Schande!“„Mord! Mord!“ ſchrie die Menge und fing an, ſich in der augenblicklichen Leidenſchaft um die frechen Wachen herzudrängen. Der Legat hörte das Geſchrei und ſah den un⸗ geſtümen Anlauf; er erblaßte.„Die Schurken re⸗ belliren wieder!“ ſtammelte er. „Nein, Euer Eminenz, nein,“ ſagte Luca;„aber es mag gut ſein, ihnen einen heilſamen Schrecken einzuflößen; ſie ſind alle unbewaffnet; laßt mich den Wachen den Befehl ertheilen, ſie auseinander zu jagen. Ein Wort genügt“ Der Cardinal gab ſeine Zuſtimmung; das Wort wurde geſprochen, und in wenigen Minuten zerſtreuten die Soldaten, noch erbittert von der rachgierigen Er⸗ innerung an die durch eine undisciplinirte Menge er⸗ littene Niederlage, das Getümmel durch die Straßen ohne Bedenken oder Erbarmen— überritten die Einen, vurchſtachen die Andern— die Luft erſcholl von Ge⸗ ſchrei und Geheul und der Boden war mit beinahe eben ſo vielen Männern bedeckt, als vor wenigen Tagen hingereicht hätten, Rom zu ſchützen und die Verfaſſung zu vertheidigen! Durch dieſe wilde, tu⸗ multuariſche Scene ritt über die Leichname der Ge⸗ fallenen der Legat und ſein Gefolge, um in den Hallen nel mi un ein lau unt die ger no Wort treuten en Er⸗ ige er⸗ traßen Einen, on Ge⸗ beinahe enien ind die e, t⸗ er Ge⸗ Hallen des Capitols die Huldigung der Bürger entgegenzu⸗ nehmen und den Segen ihrer Rückkehr zu verkünden. Als ſie an der Treppe abſtiegen, fiel ein Anſchlag mit großen Buchſtaben dem Blicke des Legaten auf. Es war an dem Fußgeſtell des Baſaltlöwen befeſtigt und bedeckte gerade die Stelle, welche die Bannbulle eingenommen hatte. Der Worte waren wenige und lauteten alſo:„Zittert! Rienzi kehrt zurück!“ „Wie! was bedeutet dieſe Mummerei?“ rief der Legat und zitterte ſchon, als er ringsum die Edeln anblickte. „Euer Eminenz zu dienen,“ ſagte einer der Räthe, die vom Capitol her kamen, den Legaten zu empfan⸗ gen,„wir ſahen es bei Tagesanbruch; die Tinte war noch feucht, als wir in die Halle traten. Wir hielten es für das Beſte, nichts zu ändern, ehe Befehle Euer Eminenz gegeben waren.“ „Ihr hieltet für das Beſte! Wer ſeid denn Ihr?“ „Eines von den Mitgliedern des Rathes, Euer Eminenz, und ein heftiger Gegner des Tribuns, wie man wohl weiß, als er die neue Steuer verlangte——“ „Rath— Unſinn! Es gibt jetzt keinen Rath mehr! Die Ordnung iſt endlich hergeſtellt. Die Orſini und Colonna wexden künftig Acht auf Euch haben. Einer Steuer habt Ihr Euch widerſetzt? Nun das war gut, weil ſie von einem Tyrannen vorgeſchlagen wurde; aber ich warne Euch, Freund, nehmt Euch in Acht, Euch der Steuer zu widerſetzen, die wir auflegen wer⸗ den. Preist Euch glücklich, wenn Euere Stadt auf jede Bedingung den Frieden mit der Kirche erkaufen kann — und Seine Heiligkeit iſt des Geldes ſehr bedürftig.“ Der Rath zog ſich beſtürzt zurück. „Reißt jenen frechen Anſchlag ab. Nein, halt! Heftet darüber unſer Angebot von zehntauſend Gulden für den Kopf des Ketzers! Zehntauſend? mich dünkt, das ſei jetzt zu viel— wir wollen die Zahl ändern. Inzwiſchen, Rinaldo Orſini, Herr Senator, führe Deine Soldaten nach St. Angelo; wir wollen ſehen, ob der Ketzer eine Belagerung aushalten kann. „Es iſt nicht nöthig, Euer Eminenz,“ ſagte der Rath, der ſich wieder geſchäftig herandrängte;„Sanet Angelo iſt übergeben. Der Tribun, ſeine Gattin und ein Page entwiſchten, wie man ſagt, verkleidet in der letzten Nacht.“ „Ha!“ ſagte der alte Colonna, deſſen ſtumpfer Verſtand endlich zu dem Schluſſe gekommen war, es müſſe etwas Außerordentliches den Gang ſeiner Freunde aufhalten.„Was gibt es? Was ſoll der Anſchlag? Will mir Keiner die Worte ſagen? Meine alten Augen ſind trübe.“ Als er dieſe Fragen in dem ſchrillenden, durch⸗ dringenden Diskant des Alters ſprach, erwiderte eine laute und tiefe Stimme— Niemand wußte, woher ſie kam; die Menge hatte ſich bis auf einige wenige Nachzügler verlaufen, hauptſächlich Mönche in Kutte und Earſche, deren Neugierde ſich durch nichts ab⸗ ſchrecken ließ, und deren Gewand ſie vor Unbilden ſchützte— die Soldaten ſchloſſen die hinterſte Reihe — eine Stimme, ſage ich, ſprach, die Farbe von mancher Wange verſcheuchend— als Antwort auf die Fragen des Colonna:„Zittert! Rienzi kehrt zurück!“ 5 t, halt! Gulden h dünkt, ändern. „führe n ſehen, n. gte der „Sanet ttin und t in der tumpfer war, es Freunde ſchlag? e alten durch⸗ rte eine woher wenige Kutte ts ab⸗ nbilden Reihe be von auf die rück!“ 5 Sechstes VBuch. Die Peſt. Erano gli anni della fruttifera Incar- nazione del Figliulo di Dio al numero pervenuti di mille trecento quarant' otto quando nell' egregia cittä di Fiorenz oltre ad ogni altra Italica bellissima, pervenne la mortifera pestilenza. Boccaccio, Introdusione al Pecamerone. „Es waren die Jahre der heilbringenden Menſch⸗ werdung des Sohnes Gottes zur Zahl 1348 ge⸗ ſtiegen, als in der vortrefflichen Stadt Florenz die ſchöner iſt, als irgend eine andere, die tödt⸗ liche Peſt ausbrach.“— Erſtes Kapitel. Der Zufluchtsort des Liebenden. An deg Uufern eines der ſchönſten Seen Ober⸗ italiens ſtand, das Lieblingsſchloß Adrian's di Caſtello, wohin ſich in ſanfteren, weniger von den Intereſſen des Vaterlandes in Anſpruch genommenen Augen⸗ blicken oft ſeine Seele innig ſehnte; dahin zog ſich der junge Edelmann, nachdem er ſeine höfiſcheren und ausgezeichneteren Begleiter bei der Geſandtſchaft nach Neapel entlaſſen, nach ſeiner unglücklichen Wieder⸗ 82 kehr nach Rom zurück. Die meiſten Derer, die er ſolchergeſtalt entließ, ſchloſſen ſich den Baronen an; der junge Annibaldi, den ſein kühnes, ehrgeiziges Weſen feſt an den Tribun kettete, hielt ſich neutral; er begab ſich auf ſein Caſtell in der Campagna und kehrte erſt nach der Vertreibung Rienzi's nach Rom zurück. Die Zurückgezogenheit von Irenens Geliebten war ganz geeignet, ſeine melancholiſchen Träumereien zu nähren. Ohne unbedingt eine Feſte genannt werden zu können, war ſie doch ſtark genug, um jedem An⸗ griffe der Gebirgsrzuber oder kleinen Tyrannen in der Nachbarſchaft zu wiverſtehen, während, da ein früherer Beſitzer des Gebäudes aus den Materialien der halb zerſtörten Villen der alten Römer hatte aufführen laſſen, ſeine Marmorſäulen und eingelegten Fußböden durch ſchwärmeriſche Anmuth die grauen Mauern und die maſſiven Thürme der feudalen Ar⸗ chitektur hoben. Auf einer grünen Erhöhung, die ſich ſanft gegen den See hinabſenkte, erhob ſich das ſtattliche Schloß und warf weit und dunkel ſeinen Schatten über die ſchöne Waſſerfläche hin; daneben ſtürzte von den hohen, waldigen Bergen im Hinter⸗ grund in unregelmäßigem, geſchlängeltem Laufe ein Waſſerfall herab— hier durch das Gebüſche verſteckt, dort in hellem Lichte glänzend— und ſammelte ſich zuletzt in einem großen Becken;— neben dieſem zeugte ein kleiner, mit halb verwiſchten Buchſtaben beſchriebener Springbrunnen von der entſchwundenen Eleganz des klaſſiſchen Alterthums— eine Erinnerung ren n Ar⸗ „die h das ſeinen neben inter⸗ e ein ſteckt, e ſich ieſem taben enen rung an den Beſitzer und den Dichter, deren Namen ſogar verloren gegangen waren. Durch Mooſe und Leber⸗ kraut und wohlriechende Kräuter ſich hindurch win⸗ dend, trug von dort ein kleiner, verſteckter Bach die Fülle ſeiner Waſſer in den See. Und hier wuchs unter derberen, weniger zarten Pflanzen des Norden wild und maleriſch, mancher in früheren Zeiten aus vem ſonnigen Oſten hierher verpflanzte Baum, ohne zu verderben oder zu verkümmern in dem goldenen Klima, das beinahe jedes Naturprodukt wie mit Mutterſorg⸗ falt pflegt. Der Ort war entlegen und einſam. Die aus den entfernten Städten dahin führenden Straßen waren verwickelt, ſchwierig, bergig und wimmelten von Räubern. Wenige Hütten und ein kleines, eine Viertelmeile von dem Ufer des Sees entferntes Klo⸗ ſter waren die nächſten bewohnten Orte; und außer einigen Pilgern, welche gelegentlich dahin kamen, oder einem verirrten Reiſenden, wurde das einſame Schloß ſelten von Jemand betreten. Es war gerade der Ort, der einem der Welt überdrüſſigen Manne Ruhe bot und die Erinnerungen begünſtigte, die in wollüſtiger üp⸗ pigkeit an den Trümmern der Leidenſchaft emporranken. Und derjenige, deſſen Geiſt, edel und ſelbſtſtändig, die Einſamkeit ertragen kann, hätte die ganze Erde vergebens nach einem ſchöneren und ungeſtörten Aufent⸗ halte durchſuchen können. Aber nicht zu ſolcher Einſamkeit hatten die frü⸗ heren Träume Adrian's den Ort beſtimmt. Hier— hatte er gedacht— ſollte ein herrliches Weſen herr⸗ ſchen— hier ſollte die Liebe ihre Freiſtätte finden, und hierher, wenn endlich die Liebe freinde Gäſte duldete, hierher hätten Reichthum und Geiſtesver⸗ wandtſchaft alle edlere, gebildetere Geiſter einladen ſollen, welche das unruhige Italien wieder zu beleben anfingen und ein zweites Reich der Poeſte, der Wiſ⸗ ſenſchaft und Kunſt verhießen Der anmuthigen und romantiſchen, aber etwas nachdenklichen und trägen Gemüthsart des jungen Edelmannes, der mehr für ruhige und civiliſirte, als für ſtürmiſche und barba⸗ riſche Zeiten paßte, bot der Ehrgeiz keinen ſo reizen⸗ den Lohn, als gelehrte Muße und durch geiſtige Ge⸗ nüſſe verſchönerte Ruhe. In ſeiner durch den Einfluß Petrarka's gefärbten Jugend und noch als Mann hatte er von einem glücklicheren Vaueluſe geträumt, das nicht ohne eine Laura bleiben ſollte. Die Ge⸗ ſichte, welche mit dieſem Orte das Bild Frenens verwebt hatten, belebten den Ort noch immer mit ihren Schatten, und da Zeit und Trennung nur ſeine leidenſchaftlichen Gedanken nährten, nahmen ſeine Melancholie und ſeine Liebe an Tiefe und Innig⸗ keit zu. In dieſer einſamen Zurückgezogenheit— die ſelbſt während ich ſie beſchreibe,(denn meine Augen haben den Ort geſehen, mein Fuß hat ihn betreten und mein Herz ſehnt ſich noch darnach) die, ſage ich, während ich ſie ſchildere, mir, und vielleicht auch dem freundlichen Leſer, als ein angenehmer und willkom⸗ mener Ruhepunkt nach den Stürmen der Thätigkeit und den Wechſelfällen des Lebens, welche ſo lange unſere Erzählung in Anſpruch genommen, erſcheint, komn die n außet Revo die verſc ſten e gen e Höhe ſein ſich Anfe etwa ben, chen lien erwe ſehr ſeine nicht cacci in S Auf oder trägen ehr für barba⸗ reizen⸗ ige Ge⸗ Einfluß Mann träumt, ner mit r ſeine n ſeine Innig⸗ ie ſelbſt haben en und ge ich, ich dem illkom⸗ itigkeit lange ſcheint, — in dieſer einſamen Zurückgezogenheit verlebte Abrian den Winter, der dieſes bezaubernde Klima mit einem ſo milden Wechſel heimſucht. Das Geräuſch der Außen⸗ welt drang, aber nur als ſchwaches, unbeſtimmtes Gemurmel zu ſeinem Ohr. Er erfuhr nur unvoll⸗ kommen und mit vielen Widerſprüchen die Neuigkeiten, vie wie ein Blitz über Italien hereinbrachen, daß der außerordentliche, hochſtrebente Mann— ſelbſt eine Revolution— der das Intereſſe von ganz Europa, die glänzendſten Hoffnungen der Enthuſiaſten, die verſchwenderiſche Schmeichelei der Großen, den tief⸗ ſten Schrecken der Deſpoten, den kühnſten Beſtrebun⸗ gen aller Freigeiſter erweckt hatte, plötzlich von ſeiner Höhe herabgeſtürzt worden, ſein Name gebrandmarkt, ſein Kopf geächtet worden ſei. Dieſes Ereigniß, das ſich gegen das Ende des December zutrug, kam im Anfange des März durch einen wandernden Pilger, etwas mehr als zwei Monate, nachdem es ſich bege⸗ ben, zu Adrian's Kunde; im März dieſes ſchreckli⸗ chen Jahres 1348, das Europa, und beſonders Ita⸗ lien durch die gräulichſte Peſt, deren die Geſyichte erwähnt, verwüſtet ſah, bejammernswerth eben ſo ſehr wegen der Zahl, als wegen der Berühmtheit ſeiner Opfer, und doch ſeltſamer Weiſe mit manchen nicht ungefälligen Bildern durch die Anmuth Boe⸗ caccio's und die Beredſamkeit Petrarka's verkettet. Der Pilger, welcher Adrian von der Revolution in Rom benachrichtigte, war nicht im Stande, ihm Aufſchluß über das gegenwärtige Schickſal Rienzi's oder ſeiner Familie zu geben. Man wußte nur, daß 86 der Tribun und ſeine Gattin entflohen waren, Nie⸗ mand aber wußte wohin. Viele vermutheten, ſie ſeien bereits todt, Opfer der zahlreichen Räuber, die un⸗ mittelbar nach dem Fall des Tribuns ſich wieder in ihren früheren Schlupfwinkeln feſtſetzten und weder Alter noch Geſchlecht, weder Reichthum noch Armuth verſchonten. Da Alles, was den Extribun betraf, Ge⸗ genſtand lebhaften Intereſſes war, ſo hatte der Pilger auch erfahren, daß Rienzi's Schweſter vor ſeinem Falle Rom verlaſſen habe, aber man wußte nicht, wohin ſie geführt worden war. Dieſe Nachrichten riſſen Adrian ſogleich aus ſeinem träumeriſchen Leben. So war denn Irene in der Lage, die ſein Brief zu ſchildern gewagt hatte— von ihrem Bruder getrennt, von ihrer Höhe gefallen, verlaſſen und ohne Freunde„Jetzt,“ ſagte der edle und hoch⸗ herzige Liebende,„kann ſie die Meinige werden ohne Vorwurf für meinen Namen. Welche Fehler Rienzi auch begangen haben mag, ſo iſt ſie nicht darein ver⸗ flochten. Ihre Hände ſind nicht roth von dem Blute meiner Verwandten; auch kann Niemand ſagen, daß Adrian di Caſtello ſich mit einem Fürſten verbindet, deſſen Macht auf den Trümmern des Hauſes Colonna erbaut ſei. Die Colonna ſind wieder in ihrer Macht — triumphiren wieder— Rienzi iſt nichts— unglück und Jammer vereinigen mich auf einmal mit der⸗ jenigen, welche ſie betroffen!“ Aber wie ſollte er dieſe romantiſchen Entſchlüſſe ausführen, da Irenens Aufenthaltsort unbekannt war? Er faßte den Entſchluß, ſich nach Rom zu hegeben, um er verl und geh ren wat Zin laf n„ Nie⸗ ſie ſeien die un⸗ ſeinem te nicht, s ſeinem der Lage, on ihrem verlaſſen und hoch⸗ den ohne er Rienzi rein ver⸗ em Blute gen, daß erbinet, Colonna er Macht unglück mit der⸗ ntſchlüſſe nnt war? begeben, um dort die nöthigen Nachforſchungen anzuſtellen; er berief demzufolge ſeine Leute und verkündigte ihnen — frohe Botſchaft— die nahe Reiſe! Der Harniſch verließ die Rüſtkammer— das Banner die Halle— und nach zwei Tagen geſchäftigen Treibens war die Quelle, bei der Adrian ſo manchen Träumereien nach⸗ gehangen, nur noch von den Vögeln des wiederkeh⸗ renden Frühlinges beſucht, und die nächtliche Lampe warf nicht mehr ihren einſamen Strahl von ſeinem Zimmer in dem Thurme über den Schooß des ver⸗ laſſenen Sees. Zweites Kapitel⸗ Der Suchende. An einem hellen, drückend heißen, ſchwülen Morgen ſah man einen einzelnen Reiter die unebene Straße ſich hinwinden, von deren Höhe unter Feigenbäumen, Weinſtöcken und Oliven der Reiſende nach und nach das reizende Thal des Arno und die Giebel und Dome von Florenz vor ſeinen Augen ſich ausbreiten ſieht. Aber nicht mit den dem Reiſenden gewöhnlichen Blicken voll Verwunderung und Ergötzen zog dieſer einſame Reiter dahin, und dieſe Mittagsſonne ſtrahlte nicht auf das gewöhnliche Treiben, die Freide und Thätig⸗ keit des toskaniſchen Lehens herab. Alles war ſtill, leer und ruhig, und ſelbſt in dem Lichte des Himmels glaubte man einen krankhaften, geiſterartigen Schein zu erblicken. Von den Hütten an der Straße waren einige verſchloſſeu und verriegelt, andere ſtanden offen, dem Anſcheine nach ohne Bewohner. Der Pflug ſtand ſtill, der Spinnrocken arbeitete nicht, Pferd und Menſch hatten einen traurigen Feiertag. Ein Fluch, finſterer als der Fluch Kains lag auf dem Lande! Hie und da ging eine einzelne Geſtalt, gewöhnlich in der düſteren Tracht der Mönche, über die Straße, erhob gegen den Reiſenden ein gelbes, ſtieres Antlitz, eilte dann weiter und verſchwand unter einem Dache, von wo ein ſchwaches Todtenröcheln herdrang, das ohne die ausnehmende Stille rings umher wohl kaum weiter als bis zur Schwelle gedrungen wäre. Als der Rei⸗ ſende ſich der Stadt näherte, wurde die Scene weniger einſam, aber fürchterlicher. Da ſah man Karren und Sänften, ganz in dicke Decken gewickelt, und in den⸗ ſelben Solche, welche ihr Heil in der Flucht ſuchten, nicht bedenkend, daß die Peſt überall war! Und als dieſe traurigen Fuhrwerke, von Pferden gezogen, die ſchwerfällig ihre ſchattenähnlichen Gerippe fortſchlepp⸗ ten, vorüberzogen, unterbrach bisweilen ein Schrei die Stille, in welcher ſie ſich fortbewegten, und das Pferd des Reiſenden ſcheute, wenn ein Unglücklicher, an dem die Krankheit ausgebrochen, mit ſelbſtſüch⸗ tiger Unmenſchlichkeit von ſeinen Gefährten von dem Fuhrwerk herabgeworfen und am Wege liegen gelaſſen wurde, um da umzukommen. Hart an dem Thore hielt ein Wagen, und ein Mann mit einer Maske warf deſſen Inhalt in einen grünen, ſchlammigen Graben, der ſich an der Straße hinzog. Es waren Röcke und Kleider aller Art, von dem verſchiedenſten Werthe; der geſtickte Mantel des Stutzers, Hut und Sch erbl verh die wen moc diej dem den ſein noch Frei Tuc voee ſuchten, nd als en, edie ſchlepp⸗ Schrei ind das cklicher, bſtſüch⸗ n dem gelaſſen Thore Maske nmigen waren denſten ut und Schleier einer Dame und die Lumpen des Bauern. Während der Reiter der Arbeit des Maskirten zuſah, erblickte er eine Herde Schweine, die, mager und halb verhungert, in der Hoffnung, Futter zu finden, auf die Stelle losſtürzten, und der Reiſende ſchauderte, wenn er dachte, welches Futter ſie gefunden haben mochten! Aber ehe er noch das Thor erreichte, fielen diejenigen von den Thieren, welche am eifrigſten in dem anſteckenden Haufen gewühlt hatten, todt unter den andern nieder.“ „Ho, ho,“ ſagte der Mann mit der Maske, und ſeine hohle Stimme tönte unter der Vermummung hervor noch hohler—„kommſt Du hierher, um zu ſterben, Fremdling? Siehe, Dein ſchöner Mantel vom feinſten Tuche und Goldſtickerei wird Dich nicht vor dem Ga⸗ vorciolo“* ſchützen. Reite zu, reite zu— heute ein hübſcher Biſſen für den Kuß einer Dame, morgen zu ſchlecht für Ratten und Würmer!“ Ohne auf dieſen gräßlichen Willkomm zu ant⸗ worten, ſetzte Adrian, denn dieſer war es, ſeinen Weg fort. Die Thore ſtanden weit offen; dies war das erſchreckendſte Zeichen, denn im Anfange hatte man die äußerſte Vorſicht bei dem Eintritte von Fremden gebraucht. Jetzt war alle Sorgfalt, alle Vor⸗ ſicht, alle Wachſamkeit vergebens. Dreimal neue Wächter waren auf dieſem Poſten geſtorben und die Beamten, welche deren Nachfolger ernennen ſollten, waren auch * Boccaccio erzählt, daß er denſelben Vorfall mit angeſehen. ** Die Beule, das verhängnißvolle Symptom. Bulwer, Rienzi. II. 7 90 todt! Geſetz und Polizei, Sanitätsevmmiſfionen und Rettungsausſchüſſe, Alles hatte der Tod gelähmt! Die Peſt tödtete ſelbſt die Kunſt, die geſellige Ein⸗ heit, die Harmonie und den Mechanismus der Civili⸗ ſativn, als wären auch dieſe von Fleiſch und Bein geweſen! So zog der Liebende ſtumm und einſam auf ſeiner Nachforſchung nach der Geliebten weiter, entſchloſſen, ſeine Verlobte zu finden und zu retten, und geleitet (der getreue, ergebene Ritter!) durch dieſe Wildniß des Schreckens von der ſeligen Hoffnung jener uner⸗ hörten Leidenſchaft, der edelſten, wenn Alles edel, der würdigſten, wenn Alles niedrig iſt! Er kam auf einen großen, geräumigen, von Paläſten eingeſchloſ⸗ ſenen Platz, in denen der höchſte, vornehmſte Adel Italiens reſidirte. Der Fremde war nun allein und der Hufſchlag ſeines muthigen Roſſes tönte geiſterhaft und ſchauerlich in ſeinem eigenen Ohr, als, wie er gerade um die Ecke einer von hier ausmündenden Straße bog, er eine Frau mit einem Kinde auf den Armen ſich fortſchleichen ſah, während ein anderes, gleichfalls noch ganz jung, ſich an ihrem Kleide feſt⸗ hielt. Sie hielt ſich einen großen Blumenſtrauß unter die Naſe(eine beliebte Mode, um, wie man glaubte, die Anſteckung abzuhalten) und murmelte gegen die vor Hunger wimmernden Kinder:„Ja, ja, ihr ſollt zu eſſen bekommen! Genug zu eſſen für diejenigen, welche noch am Leben ſind. Aber ach, die noch am Leben ſind!“— und ſie ſah ſich nach allen Seiten um, oh kein Kranker in der Nähe ſei. Adrian hielt an. geleitet Wildniß er uner⸗ ſles edel, kam auf eiſterhaft „wie er ündenden auf den anderes, eide feſt⸗ ß unter glaubte, egen die ihr ſollt jenigen, och am Seiten hielt an. „Gute Frau,“ ſagte er,„könnt Ihr mir den Weg zeigen nach dem Kloſter——“ „Fort, Mann, fort!“ kreiſchte das Weib. „Ach!“ ſagte Adrian mit traurigem Lächeln,„ſehet Ihr denn nicht, daß ich bis jetzt noch nicht zu denen gehöre, welche ſelbſt anſtecken können?“ Aber die Frau floh, ohne weiter auf ihn zu hören; doch nach wenigen Schritten wurde ſie durch das Kind aufgehalten, das ſich an ſie hing. „Mutter, Mutter!“ rief es,„ich bin krank— ich kann nicht mehr weiter.“ Das Weib blieb ſtehen, ſchob das Kleid des Kin⸗ des hinweg, ſah unter dem Arme die verhängnißvolle Peſtbeule und floh, ihr eigenes Fleiſch und Blut im Stiche laſſend, über den Platz hin. Der Schrei gellte lange in Adrian's Ohr, obwohl er die unab⸗ änderliche Urſache deſſelben nicht kannte;— die Mutter fürchtete nicht für ihr Kind, ſon⸗ dern für ſich ſelbſt. Die Stimme der Natur wurde in dieſer Stadt des Todes ſo wenig geachtet, als in dem Grabe ſelbſt! Adrian ritt in ſtärkerem Schritte weiter und kam endlich vor eine ſtattliche Kirche; ihre Thüren ſtanden weit offen, und er ſah darinnen mehrere Mönche(keine anderen Beten⸗ den waren in der Kirche, und dieſe trugen Masken) um den Altar verſammelt, welche das Miſerere Do⸗ mine ſangen;— die Diener Gottes in einer Stadt, welche ſich bisher der frömmſten Einwohnerſchaft ge⸗ rühmt hatte, ohne Heerde! Der junge Ritter hielt vor der Thüre und war⸗ 92 tete, bis der Gottesdienſt vorüber war, und die Mönche die Treppe herab auf die Straße kamen. „Heilige Väter,“ ſagte er dann,„darf ich Euch um die Güte bitten, mir den nächſten Weg nach dem Kloſter Santa Maria de' Pazzi zu ſagen?“ „Sohn,“ erwiderte eines der antlitzloſen Geſpen⸗ ſter, denn ſo ſahen ſie in ihren Sterbetuch⸗ähnlichen Kleidern und plumpen Masken aus,„Sohn, ziehe Deiner Wege weiter, und Gott ſei mit Dir. Räuber oder Schwärmer nehmen vielleicht jetzt das heilige Kloſter ein, das Ihr nanntet. Die Abtiſſin iſt todt und manche Schweſter ſchläft mit ihr. Die Nonnen find vor der Anſteckung geflohen.“ Adrian ſank beinahe vom Pferde und als er wie eingewurzelt auf der Stelle blieb, zog die düſtere Prozeſſion weiter, in feierlichem Tone durch die verlaſſenen Straßen die Mönchshymne ſingend: Bei der Mutter und dem Sohn, Der für uns am Kreuze ſtarb, Gib uns nicht der Sünden Lohn. Miserere Domine! Als ſich ſeine Betäubung verlor, holte Abrian die Brüder wieder ein und als ſie den Refrain ihres Geſanges wiederholt hatten, redete er ſie wieder an. „Heilige Väter, entlaßt mich nicht ſo. Vielleicht kann ich von der Einen, die ich ſuche, doch noch Etwas in dem Kloſter hören. Sagt mir, welchen Weg ich dahin einzuſchlagen habe.“ „Störe uns nicht, Sohn,“ ſagte der Mönch, welcher vorhin geſprochen hatte.„Es iſt ein ſchlimmes Vorz Dien viele Freu Zen Ihr durc der bene ſond mit dem ters heilige ſt todt onnen er wie Adrian ihres er an. Ueicht noch elchen önch, nmes 93 Vorzeichen für Dich, daß Du ſo die Anrufungen der Diener des Himmels unterbrichſt“ „Verzeiht, verzeiht. Ich will reichliche Buße thun. viele Meſſen bezahlen; aber ich ſuche eine theure Freundin— der Weg— der Weg——“ „Rechts, bis Ihr an die erſte Brücke kommt. Jenſeits der dritten Brücke, an dem Fluſſe, findet Ihr das Kloſter,“ ſagte ein anderer Mönch, gerührt durch Adrian's Eifer. „Gott ſegne Euch, heiliger Vater,“ ſtammelte der Ritter und ſpornte ſein Pferd nach der angege⸗ benen Richtung. Die Brüder achteten nicht auf ihn, ſondern begannen wieder ihren Geſang. Vermiſcht mit dem Klang der Hufſchläge ſeines Pferdes auf dem raſſelnden Pflaſter drang zu dem Ohr des Rei⸗ ters die flehentliche Hymne: „Miserere Pomine!“ Ungeduldig flog Adrian mit krankem Herzen in vollem Galvpp durch die Straßen. Er kam über den Marktplatz— dieſer war leer, wie die Wüſte;— durch die düſtern, verrammelten Straßen, in welchen das Geſchrei der Guelfen und Ghibellinen ſo oft die Ritterſchaft und den Adel von Florenz anfeuerte. Jetzt lagen mit einander vermengt in Gruben und Grüften Guelfen und Ghibellinen, Ritterſporen und Bettlerkrücken. Im Vergleich mit dieſer Stille wäre das Geräuſch, ſelbſt eines Bürgerkrieges ein Segen geweſen! Die erſte Brücke, das Ufer, die zweite, die dritte Brücke waren erreicht und Adrian hielt endlich ſein Pferd vor den Mauern des Kloſters an; er band 94 es an das Portal, wo das halb aus den Angeln 4 geriſſene Thor offen ſtand, durchſchritt den Hof, er⸗ wände reichte die gegenüberliegende Thüre, die zu dem mäßie Hauptgebände führte, kam an das ſtrenge Gitter, Roſer jetzt keine Schranken mehr für die einſeitige Welt, Schü und als er hier einen Augenblick inne hielt, um ligen Athem und Kraft zu ſchöpfen, drang wildes Geläch⸗ der ter und lauter Geſang, unterbrochen und vermiſcht ſteher mit Flüchen, zu ſeinem Ohr. Er ſtieß die vergit⸗ Präf terte Thüre bei Seite, trat ein und gelangte, dieſen brau: Tönen folgend, in das Refectortum. An dieſem ſicht, Verſammlungsort der ſtrengen, ſich kaſteienden Bräute ſich e des Himmels ſah er jetzt verſammelt um den oberen natü: Tiſch, früher für den Gebrauch der Abtiſſin beſtimmt, komr eine ſeltſame, mnordentliche Räuberhorde, die auf da? den erſten Anblick allen Ständen anzugehören ſchien, willt denn Einige trugen Sarſche oder gar Lumpen, An⸗ Biſch dere waren aufs Prächtigſte mit Seide und Sammt, mit Federn und Mantel geſchmückt. Aber ein zweiter Blick zeigte deutlich genug, daß die Geſellen eher von 1 einem Schlage waren, und daß die Pracht der glän⸗ zender Gekleideten nur die Beute aus unbewachten Paläſten oder verlaſſenen Bazars war; denn unter mit Juwelen beſetzten Federhüten blickten grimmige, ungewaſchene, unbarbirte Geſichter hervor, über welche die langen Locken der Brüder von dem Fache der ſcharfen Meſſer und der Miethlingswaffe, wie dieſe ſie damals zu tragen anfingen, herabhingen, die ihnen Adr oft ſtatt einer Maske dienten. Unter dieſen wilden ihm Schwärmern waren viele Weiher, junge und von mitt⸗ Angeln lt, um dieſem Bräute oberen ſtimmt, die auf ſchien, n, An⸗ Sammt, zweiter her von glän⸗ vachten unter nmige, welche e der dieſe ihnen vilden mitt⸗ 95 lerem Alter, häßliche und hübſche, und Adrian ergriff ein frommer Schauder, als er unter den weiten Ge⸗ wändern und den entblößten Nacken dieſer handwerks⸗ mäßigen Buhlerinnen die heilige Kleidung und den Roſenkranz von Nonnen erblickte. Weinflaſchen, reiche Schüſſeln, Gold⸗ und Silbergefäße, meiſtens zu hei⸗ ligen Gebräuchen beſtimmt, bedeckten die Tafel. Als der junge Römer wie angezaubert auf der Schwelle ſtehen blieb, rief ihm der Mann, der die Rolle des Präſidenten bei dem Gelage führte, ein großer, ſchwarz⸗ brauner Geſelle, mit einer tiefen Schramme im Ge⸗ ſicht, die, über die ganze linke Wange und Oberlipe ſich erſtreckend, ſeinen groben Geſichtszügen einen un⸗ natürlichen Ausdruck gab, zu:„Kommt herein, Mann, kommt herein— was ſieht Ihr ſo erſtaunt und ſtumm da? Wir ſind gaſtfreie Zecher und heißen Jedermann willkommen. Hier ſind Wein und Weiber. Des Herrn Biſchofs Wein und der Frau Abtiſſin Weiber! Singt fröhlich hier dem königlichen Tode, Der mit dem Hauch ein Heer zerſtreut, Um den Palaſt zu plündern, Kerker öffnet, Und ehrliche Leute von dem Strick befreit. Laßt die Mächt'gen ſich fürchten, hoch lebe die Peſt, Wenn der Reiche todt, feiert der Arme ein Feſt. Hoch lebe die Peſt, befreie ſie immer nur Den Schurken von der Kett', die Nonne vom Schwur, Dem Schließer bring ſie Tod, den Gefangenen gebe ſie los, Hurrah, du Erdenplag, mir iſt dein Segen groß!“ Ehe dieſer furchtbare Vers zu Ende war, verließ Adrian, der wohl fühlte, daß unter ſolchen Orgien ihm keine Wahrſcheinlichkeit für erfolgreiche Nach⸗ 96 forſchungen blühe, das entheiligte Gemach und floh, kaum Athem ſchöpfend, ſo groß war das Entſetzen, das ihn erfaßt hatte, bis er wieder in dem Hofe unter dem heißen, ungeſunden, drückenden Sonnen⸗ lichte ſtand, das für die Scenen, welche es beleuchtete, eine geeignete Atmoſphäre ſchien. Gleichwohl beſchloß er, den Ort nicht zu verlaſſen, ohne noch weitere Nachforſchungen angeſtellt zu haben, und während er nachdenkend und unſchlüſſig außerhalb des Hofes ſtand, erblickte er ganz nahe eine kleine Kapelle, durch deren hohe Fenſter ſchwach und durch das Tageslicht ge⸗ dämpft der Schein von Kerzen ſchimmerte. Er wandte ſich gegen die Thüre, trat ein und ſah neben dem Allerheiligſten eine einzige Nonne kniend beten. In dem engen Flügel zeigte ihm auf einer langen Tafel (an deren beiden Enden die ſchlanken, unſeligen Kerzen brannten, deren Strahlen ihn hergezogen hatten) der Faltenwurf einiger Leichentücher die halbdeutlichen Umriſſe todter Menſchengeſtalten. Ergriffen von der traurigen Heiligkeit des Ortes und dem rührenden Anblicke der einſamen, aufopfernden Wächterin der Todten, kniete Adrian ſelbſt nieder und betete in⸗ brünſtig. Als er ſich mit etwas erleichtertem Herzen erhob, ſtand auch die Nonne auf und erſtaunte, als ſie ſeiner anſichtig wurde. „Unglücklicher Mann!“ ſagte ſie mit einer Stimme, die, leiſe, ſchwach und feierlich, geiſterartig lautete— „welches Verhängniß führt Dich hierher? Siehſt Du nicht, daß Du Dich bei Leichen befindeſt, welche die dahi Alte dart läßt haf Ge „F ein un! ent W Sonnen⸗ leuchtete, beſchloß weitere hrend er es ſtand, wandte ben dem en. In en Tafel Kerzen ten) der utlichen von der hrenden rin der ete in⸗ erhob, ſeiner timme, tete ſ Du he die 97 Peſt berührte— Du athmeſt die Luft, welche ver⸗ nichtet! Hinweg! ſuche inmitten der Zerſtörung einen Ort, den der ſchwarze Feind noch nicht heimgeſucht hat!“ „Heilige Jungfran,“ antwortete Adrian,„die Ge⸗ fahr, der Ihr ausgeſetzt ſeid, ſchreckt mich nicht;— ich ſuche ein Weſen, deſſen Leben mir theurer iſt als mein eigenes.“ „Ich ſehe aus dem Geſagten, daß Du erſt kürzlich nach Florenz gekommen biſt! Hier verläßt der Sohn den Vater und die Mutter ihr Kind. Wenn das Leben am hoffnungsloſeſten iſt, klammert man ſich an das⸗ ſelbe, als wäre es das Heil der Unſterblichkeit! Aber für mich allein hat der Tod keine Schrecken. Lange von der Welt getrennt, habe ich meine Schweſtern dahinſterben— das Haus Gottes entheiligt— ſeinen Altar umgeſtürzt geſehen, und ich kümmere mich nicht darum, ob ich die Letzte bin, welche die Peſt übrig läßt, lebendig und dem Eide getreu.“ Die Nonne ſchwieg einige Augenblicke, blickte ernſt⸗ haft auf das geſunde Antlitz und die unerſchütterte Geſtalt Adrians, ſeufzte tief und fuhr dann fort: „Fremdling, warum fliehſt Du nicht? Du könnteſt eine Lebende eben ſo gut in den angefüllten Gräbern und in der Verweſung des Todes ſuchen, als in dieſer Stadt.“ „Schweſter und Braut des heiligen Erlöſers!“ entgegnete der Römer mit gefalteten Händen,„ein Wort, ich ſlehe Dich an. Du gehörſt, wie ich ver⸗ muthe, zu der Schweſterſchaft jenes verlaſſenen Klo⸗ 98 ſters; ſage mir, weißt Du, ob Irene di Gabrini“ — die Schweſter des gefallenen Tribuns von Rom, die bei der verſtorbenen Abtiſſin auf Beſuch war— noch unter den Lebenden iſt?“ „So biſt Du denn ihr Bruder?“ ſagte die Nonne. „Biſt Du jener gefallene Sohn des Morgens?“ „Ich bin ihr Verlobter,“ verſetzte Adrian traurig. „Sprich.“ „O, Fleiſch! Fleiſch! wie bleibſt du Sieger bis an's Ende, ſelbſt mitten unter den Triumphen und in dem Lazareth der Verweſung!“ ſagte die Nonne. „Eitler Mann! denke nicht an ſolche fleiſchliche Bande; mache Deinen Frieden mit dem Himmel, denn wahrlich, Deine Tage ſind gezählt!“ „Weib!“ rief Adrian ungevuldig,“ ſprich mir nicht von mir ſelbſt, und läſtere nicht auf Bande, deren Heiligkeit Du nicht verſtehen kannſt. Ich frage Dich noch einmal, bei Deiner Hoffnung auf Gnade und Barmherzigkeit, lebt Irene noch?“ Die Nonne wurde von dem Feuer des jungen Liebenden ergriffen und nach einer Pauſe, die ihm wie ein Jahrhundert voll Todesangſt erſchien, erwiderte ſie:„Das Mädchen, von der Du ſprichſt, ſtarb nicht mit den gemeinſamen Tod. Als die wenig übrig⸗ gebliebenen ſich zerſtreuten, verließ ſie das Kloſter— ich weiß nicht, wohin ſie ſich wandte; aber ſie hat Freunde in Florenz— ihre Namen kann ich Dir nicht ſagen.“ „Gott ſegne Dich, heilige Schweſter! Gott ſegne * Rienzi's Familienname war Gabrini. Dich! verliet „ Buhle genor zen, teren 7/ Nont zu ei 2 ließ beſtie ſchwe gab Fürſ trat Behe Futt Ital ware hoch knech Todt getra Leben unter diſche Ber ir nicht „deren ge Dich ade und jungen ihm wie widerte rb nicht übrig⸗ ſter— ſie hat ir nicht t ſegne 99 Dich! Wie lange iſt es her, ſeit ſie das Kloſter verließ?“ „Vier Tage ſind verfloſſen, ſeit die Räuber und Buhlerinnen von dem Hauſe der heiligen Maria Beſitz genommen haben,“ erwiderte die Nonne unter Seuf⸗ zen,„und ſie erſetzten vie Schweſterſchaft ſchnell.“ „Vier Tage!— und Du kannſt mir keinen wei⸗ teren Aufſchluß geben?“ „Keinen— doch halt, junger Mann!“ und die Nonne dämpfte, als ſie ihm näher kam, ihre Stimme zu einem leiſen Flüſtern,„frage die Becchini.“* Adrian bebte zurück, bekreuzte ſich eilig und ver⸗ ließ das Kloſter ohne eine weitere Erwiderung. Er beſtieg ſein Pferd wieder und ritt in das Innere der ſchweigenden Stadt zurück. Schenken und Gaſthöfe gab es keine mehr, aber die Paläſte der verſtorbenen Fürſten ſtanden dem lebendigen Fremden offen. Er trat in einen derſelben— eine geräumige, glänzende Behauſung. In den Krippen der Ställe fand er noch Futter; aber die Pferde, zu jener Zeit in den Städten Italiens ein Anzeichen von Stand und Reichthum, waren mit denen, welche ſie gefüttert, dahin. Der hochgeborne Ritter unterzog ſich dem Dienſte des Stall⸗ knechtes, nahm das ſchwere Geſchirr ab, band ſein * Nach dem in Florenz üblichen Gebrauche wurden die Todten durch Bürger von gleichem Range zu ihrer Ruheſtätte getragen; aber die Peſt hatte einen neuen Erwerbszweig ins Leben gerufen und Männer von der niedrigſten Hefe des Volks unterzogen ſich gegen ungeheure Bezahlung dem Dienſte, die ir⸗ diſchen Reſte der Opfer hinauszutragen. Dieſe nannte man Becchini. 100 Pferd an die Raufe, und als das müde Thier, die Schreckniſſe rings umher nicht erkennend, gierig über ſein Futter herfiel, wandte ſich ſein junger Herr hin⸗ weg und murmelte:„Getreuer Diener und einziger Gefährte! möge die Peſt, die weder Menſchen noch Thiere ſchont, dich verſchonen! und mögeſt du mich mit erleichtertem Herzen von dannen tragen!“ Eine geräumige Halle, mit Waffen und Bannern behangen, eine breite Flucht von Marmortreppen, deren Wände mit den ſteifen Umriſſen und grellen Farben jener Zeit bemalt waren, führte in die un⸗ geheuern, mit Sammt und Goldſtoffen behängten Zimmer— aber alles war ſtille in denſelben, wie das Grab. Er warf ſich auf die Polſter, welche in der Mitte des Zimmers aufgehäuft lagen, denn, wie ſchon ſeit mehren Tagen, war er auch an dieſem Morgen weit geritten und fühlte ſich an Leib und Gliedern erſchöpft und müde; aber er fand keine Ruhe. Ungeduld, Angſt, Hoffnung und Furcht nagten an ſeinem Herzen und durchfieberten ſeine Adern, und nach einem kurzen und vergeblichen Verſuche, ſeine Gedanken zu bernhigen und einen Plan zu erfolg⸗ reicheren Nachforſchungen auszudenken, als wenn er ſich bloß dem Zufall überließ, erhob er ſich und ging durch die Zimmer in der unbegründeten Hoffnung, welche nur der Zufall erfüllen konnte. Man konnte leicht ſehen, daß er ſeine Wohnung in dem Palaſte eines der Fürſten des Landes aufge⸗ ſchlagen hatte, und der Glanz von allem, was ihn umgab, überſtrahlte bei weitem die barbariſche und ier, ie erig über err hin⸗ einziger hen nch du mich 14 Bannern treppen, grellen die un⸗ hängten en, wie velche in nn, wie dieſem rib und te Ruhe. gten an n, und , ſeine erfolg⸗ venn er nd ging ffnung, ohnung aufge⸗ as ihn che und 101 rohe Pracht der weniger verfeinerten und reichen Römer. Hier lag die Laute, welche zuletzt geſpielt worden war— das zuletzt geleſene vergoldete Buch mit Gemälden; dort ſtanden traulich zuſammengerückte Sitze, als ob die Dame und ihr Geliebter zuletzt hier geflüſtert hätten. „Und ſolche Verödung,“ dachte Adrian,„kann bald die Spur des unbegrüßten Gaſtes verſchlingen, wie ſie die des verſchwundenen Beſitzers verſchlang.“ Endlich trat er in einen Saal, worin noch eine mit Weinflaſchen, gläſernen Bechern, und einem von Silber, verwelkten Blumen und halbfaulen Früchten und Fleiſchſpeiſen beſetzte Tafel ſtand. Auf der einen Seite öffneten ſich in der Tapete Flügelthüren nach einer breiten Treppenflucht, welche zu einem kleinen Garten hinter dem Hauſe führte, in dem ein Spring⸗ brunnen munter plätſcherte— das einzige, was, den Fremden ausgenommen, hier noch Leben zeigte! Auf den Stufen lag ein earmefinrother Mantel und unter dieſem ein Damenhandſchuh. Dieſe Reliquien ſchienen dem Herzen des Liebenden von der letzten Werbung und dem letzten Lebewohl eines Geliebten zu zeugen. Er ſeufzte laut, und da er fühlte, daß er ſeine ganze Kraft nöthig haben werde, füllte er einen der Becher aus einer halb leeren Flaſche Cyprier. Er leerte den Becher— und fühlte ſich geſtärkt.„Jetzt,“ ſagte er, „wieder an meine Aufgabe! Ich will forteilen,“ als er plötzlich ſchwere Tritte durch die Zimmer kommen hörte, die er verlaſſen glaubte— ſie kamen näher— ſie traten ein, und Adrian ſah zwei ungeheure, unheilverkün⸗ 102 dende Geſtalten in das Gemach treten. Sie waren in grobes, ſchwarzes Tuch gehüllt, ihre Arme waren entblößt, und ſie trugen große, unförmliche Masken, die bis auf die Bruſt gingen und nur durch drei kleine, runde Sffnungen für Augen und Mund hatten. Der Colonna zog halb ſein Schwert, denn Geſtalt und Anblick dieſer Beſucher waren nicht eben geeignet, Vertrauen einzuflößen. „O!“ ſagte der eine,“ der Palaſt hat heute einen neuen Gaſt bekommen. Fürchte uns nicht, Fremdling; Raum und Reichthum iſt ja genug hier für alle noch Lebende in Florenz! Per Bacco! aber hier iſt noch ein ſilberner Becher übrig— wie kommt das?“ Mit dieſen Worten ergriff der Mann den Becher, den Adrian ſo eben geleert hatte und ſteckte ihn in ſeine Bruſt. Dann wandte er ſich gegen Adrian, der die Hand noch immer an dem Griff des Schwertes hatte, und ſagte mit lautem Lachen, das gebrochen und ge⸗ dämpft durch ſeine Maske drang,„v, wir ſchneiden keine Kehlen ab, Signor; der Unſichthare erſpart uns dieſe Mühe. Wir ſind ehrliche Leute, Diener des Staates, und kommen nur, um nachzuſehen, ob der Karren heute Abend hier zu halten hat.“ „So ſeid Ihr alſo——“ „Becchini!“ Adrians Blut erſtarrte. Der Beechino fuhr fort: „Und bleibt Ihr während Eures Aufenthaltes in Flo⸗ renz in dieſem Hauſe, Signor?“ „Ja, wenn der rechtmäßige Beſitzer es nicht an⸗ ſpricht.“ Herri Band inne iſt im liefer „ wir( uns „abet ſo gi ſuche findi ſtes ſo g leben nend gräb erſtet gera bedü nige eine mich auch Zim e waren e waren Masken, rch drei d hatten. Geſtalt geeignet, ute einen emdling; alle noch iſt noch 7 Mit e, en in ſeine „ der die tes hatte, und ge⸗ ſchneiden part uns ener des „ob der uhr fort: in Flo⸗ nicht an⸗ 103 „Ha! ha! Rechtmäßiger Beſitzer! Die Peſt iſt jetzt Herrin über Alles! Nun, ich habe drei ſtattliche Vanden gekannt, welche dieſen Palaſt letzte Woche inne hatten, und habe ſie Alle begraben— Alle! Es iſt immer ein anſtändiges Haus, das gute Kundſchaft liefert. Seid Ihr allein?“ „Für wirklich, ja.“ „Zeigt uns, wo Ihr ſchlaft, daß wir wiſſen, wo wir Euch zu ſuchen haben. Ihr werdet, wie ich ſehe, uns in den drei nächſten Tagen nicht bedürfen.“ „Ihr ſeid artige Bewillkommer!“ ſagte Adrianz „aber hört auf mich. Könnt Ihr die Lebenden eben ſo gut auffinden, wie Ihr die Todten begrabt? Ich ſuche ein Mädchen in dieſer Stadt, wenn Ihr ſie aus⸗ findig macht, ſoll es ein Jahr Eures Leichenverdien⸗ ſtes aufwiegen!“ „Nein, nein! Das geht über unſern Beruf. Eben ſo gut am Strande ein Sanpkorn ſuchen, als ein lebendiges Weſen in geſchloſſenen Häuſern und gäh⸗ nenden Grüften, aber wenn Ihr die armen Todten⸗ gräber vvrausbezahlen wollt, verſpreche ich Euch den erſten Platz in einer neuen Leichengrube; ſie wird gerade zu der Zeit fertig werden, wo Ihr eine ſolche bedürft.“. „Hier,“ ſagte Abrian, indem er den Elenden ei⸗ nige Goldſtücke hinwarf, hier! und wenn Ihr mir einen angenehmeren Dienſt erweiſen wollt, ſo verlaßt mich wenigſtens, ſo lange ich lebe, oder ich kann Euch auch dieſe Mühe erſparen.“ Damit verließ er das Zimmer. Der Beechino, welcher das Wort geführt hatte, folgte ihm.„Ihr ſeid großmüthig, Signor, haltet; Ihr werdet friſchere Speiſen brauchen können, als dieſe verſchimmelten überreſte. Ich will Euch mit dem Beſten verſehen, ſo lange— ſo lange Ihr noch etwas bedürft. Und hört— wen wünſcht Ihr denn, daß ich aufſuche?“ Dieſe Frage hielt Adrian zurück. Er ſagte ihm Irenens Namen und alle nähern Umſtände, die er ſelbſt kannte; und mit wundem Herzen beſchrieb er Haare, Züge und Geſtalt des geliebten, geheiligten Weſens, die einem Dichter hätten Stoff geben kön⸗ nen, und jetzt für einen Todtengräber als Leitfaden dienten. Die unheilige Erſcheinung ſchüttelte den Kopf, als Adrian zu ſprechen aufhörte.„Volle fünfhundert Beſchreibungen hörte ich in den erſten Tagen der Peſt, als es hier noch ſolche Geſchöpfe, wie Geliebte und Liebende gab; es iſt ein ſchöner Katalog, und es wird ein Stolz für einen armen Becchino ſein, ſo viele Reize zu entdecken, oder auch nur zu begraben! Ich will mein Möglichſtes thun; inzwiſchen kann ich Euch, wenn Ihr in der Eile Eure Zeit noch aufs Beſte benützen wollt, manches hübſche Geſicht und manche anmuthige Geſtalt empfehlen——“ „Hinweg, Satan!“ murmelte Adrian,„ich Narr, mußte ich meine Zeit an einen Menſchen wie Dich verſchwenden!“ Das Gelächter des Todtengräbers folgte ſeinen Schritten. Dieſen ganzen Tag durchwanderte Adrian die Ste erfolglv ſchiener und übe viel Vr verſpre betrunk hie unt übereilt ten, n haften den Hi räuſchle Ad: hatten, das Be ſche S hatte 3 Tafel. mäßig, zu ſuck in neu ſorgfäl Mante er geg Bult hundert er Peſt, t und es in, ſo raben! inn ich h aufs t n Narr, Dich ſeinen ldrian 105 die Stabt, aber Suchen und Nachfragen blieben gleich erfolglos; Alle, denen er begegnete und die er fragte, ſchienen ihn als einen Wahnfinnigen zu betrachten, und überdies waren ſie von der Art, daß er ſich nicht viel Vorſchub in ſeinem Beſtreben von ihnen hätte verſprechen dürfen. Wilde Banden unordentlicher, betrunkener Zecher, Prozeſſionen von Mönchen, oder hie und da einzelne Individuen, welche ſchnell vor⸗ übereilten und jede Annäherung, jede Aurede ſcheu⸗ ten, waren die einzigen Wanderer in den ſchauder⸗ haften Straßen, bis die Sonne vüſter und gelb hinter den Hügeln unterging und vie Dunkelheit den ge⸗ räuſchloſen Schritt der Peſt umhüllte. Drittes Kapitel. Die Blüten unter den Gräbern. Adrian fand, daß die Becchini Sorge getragen hatten, daß der Hunger nicht der Peſt zuvorkomme; das Banket der Todten war hinweggeräumt und fri⸗ ſche Speiſen und Weine aller Art— denn hieran hatte Florenz damals Ueberfluß— ſtanden auf der Tafel. Er genoß von den Erfriſchungen, jedoch ſehr mäßig, und ſchauderte davor zurück, Ruhe in Betten zu ſuchen, unter deren prächtigen Decken der Tod in neuerer Zeit ſo geſchäftig geweſen war, ſchloß ſorgfältig Thüren und Fenſter, wickelte ſich in ſeinen Mantel und legte ſich in dem Zimmer, in welchem er gegeſſen hatte, auf Polſtern zur Ruhe nieder. Bulwer, Rienzi. M. 106 Ermattung warf ihn in einen unruhigen Schlummer, aus dem er plötzlich durch Rollen eines auf der Straße fahrenden Karren und durch das Geklingel von Glocken geweckt wurde. Er horchte, wie der Karren von Haus zu Haus fuhr und ſein Getöſe ſich envlich in der Ferne verlor.— Er ſchlief in dieſer Nacht nicht mehr! Die Sonne war noch nicht lange aufgegangen, als er ſchon ſeine Nachſuchungen fortſetzte; es war noch frühe, als er an einer Kirche vorüberging, aus deren Thüre zwei reich gekleidete Damen kamen, die den jungen Cavalier aufmerkſam durch ihre Mas⸗ ken zu betrachten ſchienen. Der Anblick hielt auch ihn feſt, als eine von den Damen ſagte:„Schöner Signor, Ihr ſeid allzu kühn, daß Ihr kein Maske tragt und auch nicht an Blumen riecht.“ „Dame, ich trage keine Maske, weil ich gerne erkannt werden möchte, ich durchſuche dieſen unſeli⸗ gen Ort nach einem Weſen, deſſen Verluſt mir Ver⸗ luſt des Lebens iſt.“ „Er iſt jung, anmuthig, offenbar von vornehmer Abkunft, und die Peſt hat ihn noch nicht berührt; er wird für unſere Zwecke taugen,“ flüſterte eine der Damen der andern zu, „Ganz meine Gedanken,“ verſetzte ihre Begleite⸗ rin, dann wandte ſie ſich an Adrian und ſagte:„Ihr ſuchet Eine, mit der Ihr nicht vermählt ſeid, da Ihr ſo zärtlich ſucht.“ „Das iſt wahr.“ „Jung und ſchön iſt ſie, hat dunkle Haare und einen führen. / „F „V „ „K „3 „3 2 D Fortſe nen. folgte und d gerede Stand nicht E und tend, Sänf ſproc / 7 dig; den 4 Adri ſeine in Maske ich gerne en unſeli⸗ mir Ver⸗ ornemer berührt; eine der Begleite⸗ te„ ſeid, da aare und 107 einen ſchneeweißen Nacken; ich will Euch zu Ihr führen.“ „Signora!“ „Folgt uns!“ „Wißt Ihr, wer ich bin und wen ich ſuche?“ „Ja.“ „Könnt Ihr mir wirklich etwas von Irenen ſagen.“ „Ich kann; folgt mir.“ „Zu ihr?“ „Ja, ja; folgt uns!“ Die Damen gingen weiter, wie wenn ſie eine Fortſetzung des Geſpräches nicht zu wünſchen ſchie⸗ nen. Erſtaunt, zweifelnd und wie in einem Traume folgte ihnen Adrian. Ihre Kleidung, ihr Benehmen und das reine Toskaniſch der Einen, die ihn an⸗ geredet hatte, zeugten für ihre Geburt und hohen Stand; aber alles Andere war ein Räthſel, das er nicht löſen konnte. Sie erreichten eine der Brücken, wo eine Sänfte und ein Diener zu Pferd einen Zelter am Zügel hal⸗ tend, ihrer warteten. Die Damen ſtiegen in die Sänfte und diejenige, welche zuvor mit Adrian ge⸗ ſprochen, bat ihn, auf dem Zelter zu folgen. „Aber ſagt mir——“ begann er. „Keine Fragen, Herr Ritter, ſagte ſie ungedul⸗ dig; folgt ſchweigend den Lebenden, oder bleibt bei den Todten, wie Ihr für gut findet.“ Hierauf ſetzte ſich die Sänfte in Bewegung und Adrian beſtieg ganz verwundert den Zelter und folgte ſeinen ſeltſamen Führerinnen, die in ziemlich raſchem 108 Schritte ſich bewegten. Sie kamen über die Brücke, ließen den Fluß hinter ſich und erſtiegen bald eine ſanfte Anhöhe, wo ländliche Bäume und Blumen ſtatt der dumpfen Mauern und leeren Straßen ihren Blicken begegneten. Nachdem ſie ſo etwas weniger, als eine halbe Stunde dahingezogen waren, ſchlugen ſie einen grünen Pfad ein, der etwas von der Straße abführte und kamen plötzlich an die Säulenhallen eines ſchö⸗ nen, ſtattlichen Palaſtes. Hier ſtiegen die Damen aus ihrer Sänfte, und Adrian, der vergeblich ver⸗ ſucht hatte, den Diener zum Reden zu bringen, ſtieg gleichfalls ab und folgte ihnen durch einen geräumi⸗ gen Hof, der zu beiden Geiten mit Blumenſtöcken und Orangenbäumen gefüllt war, und durch eine weite Halle in den inneren Raum des Viereckes, wo er ſich dann an einem der lieblichſten Orte befand, die je ein Auge geſehen oder ein Dichter beſungen. Es war eine Anlage von dem friſcheſten Smaragd⸗ grün, Gebüſche von Lorbeern und Myrten öffneten ſich zu beiden Seiten in mit Jasmin und Roſen über⸗ hangenen Ausſichten und Arkaden, in deren Hinter⸗ grund man Bildſäulen oder waſſerreiche Fontänen erblickte; vorne war der freie Platz durch Reihen von mit Blumen gefüllten Vaſen auf marmornen Fuß⸗ geſtellen eingeſchloſſen, und breite, allmählig ſich erhebende Treppenfluchten von dem weißeſten Mar⸗ mor führten von Terraſſe zu Terraſſe, alle mit Bild⸗ ſäulen und Fontänen geſchmückt, einen hohen, aber ſanft ſich erhebenden grünen Hügel hinauf. Ferne in der weiten, abwechſelnden, üppigen Landſchaft wa⸗ ren W fer des erſtreu aber oh gegen Geſant Golddr dem) Damet ſchien, juwele Rang einem ſtrume terein anmu mitte: Grup dolen aufta A näher und Kran vorar willk thau willk e lerw e Brücke, bald eine men ſtatt n Blicken als eine ſie einen abführte nes ſchö⸗ e Damen lich ver⸗ gen, ſtieg geräumi⸗ nenſtöcken urch eine eckes, wo e befand, beſungen. Smaragd⸗ öffneten ſen über⸗ Hinter⸗ Fontänen eihen von ten Fuß⸗ hlig ſich en Mar⸗ nit Bild⸗ en, aber Ferne chaft wa⸗ 109 ren Weinberge und Olivenhaine, die Villen und Dör⸗ fer des Arnothales, das der Silberſtrom durchſchnitt, zerſtreut, während die Stadt mit all ihrer Ruhe, aber ohne ihre Schrecken, ihre Dächer und Kirchthürme gegen die Sonne erhob. Vögel von allerlei Farbe und Geſang, zum Theil frei, zum Theil in Geflechten von Golddraht, trillerten ringsumher, und mitten auf dem Raſen ruhten vier unmaskirte, reich gekleidete Damen, deren älteſte kaum mehr als zwanzig Jahre ſchien, und fünf Cavaliere, jung und hübſch, deren juwelenbeſetzte Kleidung und goldene Ketten ihren Rang verriethen. Wein und Früchte ſtanden auf einem anderen Tiſche zur Seite, und mufikaliſche In⸗ ſtrumente, Schachbrette und Triktraktafeln lagen un⸗ tereinander umher. Eine ſo ſchöne Gruppe, eine ſo anmuthige Scene ſah Adrian nur hier, und zwar in⸗ mitten der ſchauderhaften Peſt Italiens!— eine Gruppe und eine Scene, wie ſie unſerer Stubenin⸗ dolenz aus den Blättern des heiteren Boceacico wieder auftauchen mag! Als man Adrian und ſeine Begleiterinnen ſich nähern ſah, ſtand die Geſellſchaft augenblicklich auf, und eine der Damen, welche auf ihrem Haupte einen Kranz von Lorbeerblättern trug, ſchritt den anderen voraus und rief:„Wohl gethan, meine Mariana! willkommen bei der Wiederkehr, meine ſchöne Unter⸗ thaulnnen. Und auch Ihr, mein Herr, ſeid hier willkommen.“ Die beiden Führerinnen des Colonna hatten mitt⸗ lerweile ihre Masken abgenommen, und die eine, 1¹⁰ welche ihn angeredet hatte, ſchüttelte ihre langen Ra⸗ benlocken über ein glänzendes, lachendes Auge und eine Wange, deren natürliche Olivenfarbe jetzt in ein leichtes Roth überging, und wondte ſich zu ihm, ehe er die ihm gewordene Begrüßung hatte erwidern können. „Herr Ritter,“ ſagte ſie,„Ihr ſeht jetzt, wozu ich Euch angelockt habe. Geſteht, daß dies angeneh⸗ mer iſt, als der Anblick und die Töne in der Stadt, die wir ſo eben verließen. Ihr ſeht mich erſtaunt an. Seht, meine Königin, wie ſprachlos der Zau⸗ ber Eures Hofes unſern neuen Gefährten gemacht hat; ich verſichere Euch, er könnte ſchnell genug reden, wenn er nur mit uns zu verkehren hätte; ja, ich ſah mich genöthigt, ihm Stillſchweigen aufzuerlegen.“ „O! ſo habt Ihr ihn noch nicht über die Sitten und die Entſtehungsart des Hofes belehrt, in den er tritt?“ ſagte die Dame mit dem Lorbeerkranz. „Nein, meine Königin, ich dachte, jede Schil⸗ derung an einem Orte, wie unſer armes Florenz ge⸗ genwärtig iſt, würde ihren Zweck verfehlen. Meine Aufgabe iſt gelöst, ich trete ihn Euer Gnaden ab!“ Mit dieſen Worten hüpfte die Dame leicht hin⸗ weg und fing kokettirend an, ihre Locken vor dem glatten Spiegel eines Marmorbeckens zu ordnen, deſ⸗ ſen Waſſer über den Rand auf das Gras herunter⸗ träufelte; hie und da blickte ſie loſe nach dem Frem⸗ den und blieb nahe genug, um Alles zu hören, was geſprochen wurde. „Vor Allem, Signor, erlaube uns,“ ſagte die Dame Name zu fre „ ließ i treffen Euch gefall ſchen worte deren wiſſet von ſelbet dieſet naht da u liche Cave Tag brin Mu Geſ vom lon wie war ungen Ra⸗ Auge und etzt in ein zu ihm, erwidern etzt, wozu angeneh⸗ e Stdt, herſtaunt der Zau⸗ gemacht mug reden, a, ich ſah legen.“ i Sitten in den er anz. de Schil⸗ lorenz ge⸗ Meine den ab!“ eicht hin⸗ vor dem nen, deſ⸗ herunter⸗ em Frem⸗ ren, was ſagte die 11¹ Dame, welche Königin betitelt wurde, nach Deinem Namen, Deinem Stande und Deinem Geburtsorte zu fragen.“ „Dame,“ erwiderte Adrian,„als ich hierher kam, ließ ich mir nicht träumen, daß ich mich ſelbſt be⸗ treffende Fragen zu beantworten haben werde; was Euch aber zu fragen gefällt, muß mir zu beantworten gefallen. Ich pin Adrian di Eaſtello, von dem römi⸗ ſchen Hauſe Colonna.“ „Eine edle Säule eines edeln Hauſes!“* ant⸗ wortete die Königin.„Was uns betrifft, hinſichtlich deren Eure Neugierde vielleicht rege geworden, ſo wiſſet, wir ſind ſechs Damen aus Florenz; verlaſſen von unſern Verwandten und Beſchützern, oder der⸗ ſelben beraubt, faßten wir den Entſchluß, uns in dieſen Palaſt zurückzuziehen, wo, wenn der Tod ſich naht, er die Hälfte ſeiner Schreckniſſe verliert, und da uns die Gelehrten ſagen, daß Traurigkeit die ſchreck⸗ liche Krankheit befördere, ſo ſehet Ihr in uns ge⸗ ſchworene Feindinnen derſelben. Sechs uns bekannte Cavaliere verſtanden ſich dazu, uns zu begleiten. Unſere Tage, ſeien es deren noch viele oder wenige, ver⸗ bringen wir mit allen nur erdenklichen Zerſtreuungen. Muſik und Tanz⸗ heitere Erzählungen und fröhliche Geſänge füllen neben dem leichten Wechſel der Gegend vom Raſen in den Schatten, von der Allee zur Quelle, „ Hier ſpielt Bulwer wieder mit den beiden Wörtern Co⸗ lonna und Colonne, die gleichlautend ausgeſprochen werden, wie dies in einem früheren Theile des Werkes ſchon der Fall Der Ueberſ⸗ war⸗ 112 unſere Zeit aus und bereiten uns vor für den fried⸗ lichen Schlaf und glückliche Träume. Abwechſelnd iſt immer eine der Damen Königin unſeres anmuthigen Hofes, wie heute mich das Lvos getroffen. Das ganze Geſetzbuch unſerer Verfaſſung beſteht in einer einzigen Regel— daß nichts Trauriges Zutritt findet. Wir wollen leben, als wäre jene Stadt gar nicht vorhanden, und als ob(ſetzte die ſchöne Königin mit einem leichten Seufzer hinzu) Jugend, Anmuth und Schönheit ewig dauern könnten. Einer unſerer Ritter verließ uns thörichterweiſe auf einen Tag, mit dem Verſprechen, wieder zurückzukehren; wir haben ihn nicht mehr ge⸗ ſehen und wollen keine Vermuthungen darüber an⸗ ſtellen, was ihn betroffen haben mag. Es wurde nothwendig, ſeine Stelle zu erſetzen; wir warfen das Loos, wer ſeinen Nachfolger aufſuchen ſollte; es fiel auf die Damen, die— ich hoffe nicht zu Eurer Unzu⸗ friedenheit— Euch bierher gebracht haben. Schöner Signor, meine Erklärung iſt zu Ende.“ „Ach, liebenswürdige Königin,“ ſagte Abrian heftig, aber vergebens gegen die bittere Enttäuſchung an⸗ kämpfend, die er fühlte—„ich kann kein Genoſſe Eures glücklichen Cirkels werden; ſchon in meiner Perſon verletze ich Euer oberſtes Geſetz. Ich bin ganz von einem traurigen, angſtvollen Gedanken durch⸗ drungen, dem alle Heiterkeit als Gottloſigkeit erſchiene. Unter Lebenden und Todten ſuche ich nach einem Weſen, über deſſen Schickſal ich im Ungewiſſen bin, und nur durch die Worte, welche meine ſchöne Führerin fallen ließ, wurde ich von meinem traurigen Vemühen ab⸗ und h ich ne D ſchwa tungs und ſi Verſp der G Irene c /— vergaf Name „Iren berühr ſ ſie, w Dich bringe Tagen wie m Iſt, und n laſſen, Blicke ader e ſagte Zweife „( ſein ſe en fried⸗ hſelnd iſt muthigen as ganze einzigen et. Wir rhanden, nleichten heit ewig ließ uns ſprechen, mehr ge⸗ über an⸗ s wurde rfen das ; es fiel er Unzu⸗ Schöner in heftig, ung an⸗ Genoſſe meiner bin ganz n durch⸗ erſchiene. n Weſen, und nur in fallen ihen ab⸗ und hierher gelockt. Erlaubt mir, holde Dame, daß ich nach Florenz zurückkehre.“ Die Königin blickte in ſtummem Arger auf die ſchwarzäugige Mariana, die den Blick ebenſo bedeu⸗ tungsvoll zurückgab, dann plötzlich auf Adrian zuging und ſagte:„Aber, Signor, wenn ich dennoch mein Verſprechen hielte, wenn ich im Stande wäre, Dich der Geſundheit und des Wohlergehens Deiner— Deiner Irene zu verſichern.“ „Irene!“ wiederholte Adrian erſtaunt, denn er vergaß in dieſem Augenblicke, daß er zuvor ſchon den Namen derjenigen, die er ſuchte, genannt hatte— „Irene— Irene di Gabrini, Schweſter des einſt ſo berühmten Rienzi!“ „Dieſelbe,“ verſetzte Mariana raſch;„ich kannte ſie, wie ich Euch geſagt. Nein, Signor, ich täuſche Dich nicht. Es iſt wahr, daß ich Dich nicht zu ihr bringen kann, aber um ſo beſſer— fie ging vor vielen Tagen ſchon in eine der lombardiſchen Städte, wohin, wie man ſagt, die Geißel noch nicht gedrungen iſt. Iſt, edler Herr, jetzt Euer Herz nicht erleichtert? und wollt Ihr ſo bald den Hof der Anmuth ver⸗ laſſen, und vielleicht,“ ſetzte ſie mit einem ſanften Blicke aus ihren großen, ſchwarzen Augen hinzu— „der Liebe?“ „Darf ich, Dame, Euch in Wahrheit glauben?“ ſagte Adrian ganz entzückt, doch aber noch halb im Zweifel. „Sollte ich einen treuen Liebenden, wie Ihr zu ſein ſcheint, hintergehen wollen? Seid hierüber ruhig. 1¹4 Nun, Königin, ich bitte Dich, nimm Deinen neuen Unterthanen auf.“ Die Königin reichte Adrian die Hand und führte ihn zu der Gruppe, die in einiger Entfernung noch immer auf dem Grasplatze ſtand Sie empfingen ihn wie einen Bruder und verziehen ihm aus Artigkeit gegen ſein gutes Ausſehen und ſeinen berühmten Namen bald ſeine etwas zerſtreute Höflichkeit. Die Königin klatſchte in die Hände und die Ge⸗ ſellſchaft ſetzte ſich wieder auf dem Raſen, jede Dame neben ihren Cavalier.„Ihr, Mariana, wenn Ihr nicht zu müde ſeid,“ ſagte die Königin,„ſollt die Laute nehmen und dieſe lärmenden Heuſchrecken zum Schweigen bringen, die ſo anmaßend um uns her zirpen, als ob ſie Nachtigallen wären. Singe, holde Unterthanin, ſinge, und zwar das Lied von unſerem theuren Freunde Signor Visdomini,“ als eine Art von Einweihungsgeſang für die an unſerem Hofe Auf⸗ genommenen.“ Mariana, welche ſich an Adrian's Seite nieder⸗ gelaſſen hatte, nahm vie Laute und ſang nach einem kurzen Vorſpiel die folgenden, hier mangelhaft über⸗ ſetzten Strophen: Lied der florentiniſchen Dame. Genieße doppelt du des Mittags Sonnenſchein, Wenn zweifelhaſt dir iſt das Morgen; „Ich weiß nicht, ob dies derſelbe Visdomini iſt, der drei Jahre ſpäter mit einem der Medici eine ſo bedeutende Verſtär⸗ kung nach dem damals von dem Visconti d' Oleggio belagerten Scarperia führte. — —(%) 6„)(66 888 (6 8 8 8 folate welch Volte ſobal! nahm jede t Müßi Zu je des jt an di glänze von ſ Herze Nacht tete a einen en neuen d führte ung noch ngen ihn Artigkeit erühmten it. die Ge⸗ ede Dame venn Ihr „ſollt die ecken zum uns her ge, holde tunſerem eine Art Hofe Auf⸗ te nieder⸗ ach einem haft über⸗ i iſt, der drei nde Verſtär⸗ io belagerten „ 115 Und wiſſe, baß des Lebens Feſte bald Verrathen an den Tod durch Sorgen! Der Tod ruft Alle, drum ſei der Kummer fern, Es ſoll uns jetzt kein kleinrer Meiſter zwingen, Verdunkelt ſich der Tag durch Wo'ken trüb und ſchwer, So können ſie die Nacht nur ſchneller noch uns bringen. O, ſchwelge nur in Lieb', ergib dich jeder Luſt, Denn die Moral ſollt' dich das ſchwarze Grab ſchon lehren; Sogar der grauſe Tod, er iſt der Freude Freund Und pflanzet auf das Grab den Kranz von Lorbeeren. Wenn ich das Auge ſeb', das mir das Herz entzückt, Gewinnt mein Auge ſelsſt ein neues, friſches Leben; Wenn Freud im Himmel iſt der Heil'gen ſchönes Lvos, So muß ſie wohl auch hier den Himmel ſchon uns geben. Dieſem ſehr beifällig aufgenommenen Geſange folaten jene leichten und witzigen Erzählungen, in welchen die italieniſchen Novelliſten ein Vorbild für Voltaire und Marmontel wurden— während Jedes, ſobald die Reihe kam, den Faden des Geſpräches auf⸗ nahm und mit gleicher Gewandtheit jedes düſtere Bild, jede traurige Betrachtung vermied, das die anmuthigen Müßiggänger an die Nähe des Todes erinnern konnte. Zu jeder anderen Zeit hätten Gemüthsart und Talente des jungen Signor di Caſtello ihn ganz dazu befähigt, an dieſem arkadiſchen Hofe ſich zu ergötzen und zu glänzen. Jetzt aber ſuchte er vergebens die Düſterheit von ſeiner Stirne, die ängſtlichen Gedanken aus ſeinem Herzen zu verſcheuchen. Er dachte an die erhaltene Nachricht, wunderte ſich, muthmaßte, hoffte, fürch⸗ tete aber immer noch, und wenn ſein Geiſt ſich für einen Augenblick zu der Scene um ihn her wandte, 116 ſo fragte ſich ſein beſſeres Ich, zu wahrhaft poetiſch für die unbeſtändigen Gefühle dieſes Ortes— worin, vie äußere Feinheit und die angenehme Lage ausge⸗ nommen, die Fröhlichkeit, von der er hier ſo wider ſeinen Willen Zeuge geweſen, ſich von dem rohen Gelage in dem Kloſter Sante Maria unterſcheide— denn hier, wie dort, war ungeachtet der Verſchieden⸗ heit in dem äußerlichen Benehmen— die gleiche Hart⸗ herzigkeit und Selbſtſucht, welche den Schrecken zur Fröhlichkeit machte. Die ſchöne Mariana, die, wie die Königin erzählt hatte, ihres Gefährten beraubt worden war, hatte ganz und gar keine Luſt, den Neugewonnenen auch wieder zu verlieren. Sie drang ihm von Zeit zu Zeit die Weinflaſche und Früchte auf, und bei dieſen nichtsſagenden Höflichkeiten ruhte ihre Hand leicht auf der ſeinigen. Endlich kam die Stunde, wo ſich die Geſellſchaft über die drückende Mittaghitze in den Palaſt zurückzog— um mit Sonnen⸗ untergang wieder ins Freie zu kommen, um neben der Fontäne zu Nacht zu ſpeiſen, zu tanzen, zu ſingen und bei dem Lichte der Fakeln und der Sterne fröh⸗ lich zu ſein, bis man ſich zur Ruhe begab. Aber Adrian, nicht willens, dieſe Unterhaltung länger fort⸗ zuſetzen, beſchloß, ſo bald er ſich allein in dem ihm angewieſenen Zimmer befand, ſich in der Stille davon zu machen, als jedenfalls die kürzeſte, und vielleicht nicht einmal die am wenigſten höfliche Art, ſich zu verabſchieden, die ihm übrig blieb. Demzufolge ver⸗ ließ er, als Alles ruhig und in Schlummer verſunken ſchien, dem zu dieſer Stunde die Bewohner des Südens ſich g Trepp ſchon rufen ſchien. „C ſchaft oder wie d vent woller 34 der F meine an E dem k laſten baldig V das 2 Arme „ Auger die 2 Bleib weſen „ ohne „ich den pvetiſch worin, ausge⸗ o wider n rohen cheide— ſchieden⸗ he Hart⸗ ecken zur die, wie beraubt ſt, den ie drang Früchte ten ruhte kam die drückende Sonnen⸗ im neben zu ſingen rne fröh⸗ b. Aber nger fort⸗ dem ihm tille davon ielleicht t, ſich zu folge ver⸗ verſunken es Südens 117 ſich gewöhnlich überlaſſen, ſein Zimmer, ging die Treppe hinab, ſchritt über den äußeren Hof und war ſchon an dem Thor, als er eine Stimme ſeinen Namen rufen hörte, welche Verdruß und Unruhe zu verrathen ſchien. Er wandte ſich um und erblickte Mariana. „Ei, wie, Signor di Caſtello, iſt unſere Geſell⸗ ſchaft ſo unerfreulich, unſere Muſik ſo ſchnarrend, oder ſind unſere Stirnen ſo gerunzelt, daß Ihr flieht, wie der Reiſende vor den Hexen, die er in Bene⸗ vent trifft? Nein, Ihr könnt uns doch nicht verlaſſen wollen?“ „Schöne Dame,“ verſetzte der Cavalier, etwas aus der Faſſung gebracht,„vergebens bemühe ich mich, meinen Trübſinn zu verſcheuchen, oder mich in die an Eurem Hofe nothwendige Stimmung zu verſetzen, dem keine Traurigkeit ſich nahen ſoll. Eure Geſetze laſten auf mir wie auf einem Verbrecher— beſſer baldige Flucht als ſtrenge Ausſtoßung.“ Mit dieſen Worten ging er weiter und wäre durch das Thor geſchritten, wenn nicht Mariana ihn beim Arme gefaßt hätte. „Nein,“ ſagte ſie ſanft;„find hier denn keine Augen voll dunkeln Lichtes und kein ſchneeweißer Nacken, die Dich für die Abweſende entſchädigen können? Bleibe und vergiß, wie ohne Zweifel in Deiner Ab⸗ weſenheit auch Du vergeſſen biſt!“ „Dame,“ antwortete er mit tiefem Ernſte und nicht ohne eine Beimiſchung von übel verhehlter Verachtung, „ich habe nicht lange genug im Angeſichte und unter den Tönen des Schmerzens verweilt, daß mein Herz 1¹8 gegen Alles, was um mich vorgeht, unempfindlich wäre. Genieße, wenn Du kannſt, und pflücke die Roſen, die um das Grab ſich ranken; aber mir, dem ſich noch immer die Bilder des Todes aufdrängen, ſcheint Schönheit vergebens Entzücken einzuflößen, und Liebe— ſelbſt heilige Liebe— ſcheint nur durch den Schatten des Todes verdunkelt. Verzeihe mir und lebe wohl!“ „So gehe denn,“ ſagte die Florentinerin beleidigt und erzürnt über ſeine Kälte,„gehe und ſuche Deine Geliebte unter den Umgebungen, bei denen Deine Phantaſie ſich ſo gerne verweilt. Ich täuſchte Dich nur, blinder Thor! ich hoffte für Dein eigenes Beſte, wenn ich Dir ſagte, Irene(war dies der Name ²) ſei aus Florenz gegangen. Ich wußte und hörte nichts von ihr, außer durch dich. Kehre zurück, durchſuche die Gruft und ſiehe, ob Du ſie noch immer liebſt!“ Viertes Kapitel. Wir erreichen, was wir ſuchen, und wiſſen es nicht. In der heftigſten Mittagshitze, zu Fuß, kehrte Adrian nach Florenz zurück. Als er ſich der Stadt näherte, kam ihm die ganze heitere, feſtliche Seene, die er verlaſſen, wie ein Traum vor, wie eine Viſion von den Gärten und Lauben einer Zauberin, woraus er plötzlich erwachte, wie ein Verbrecher am Morgen ſeiner Hinrichtung erwachen mag, um das Schaffot und den Henker zu erblicken— ſo ſehr führte jeder ſchweigende und einſame Schritt in die Leichenſtadt ſeine v zurück. eine T weiter ſchwüle Erſchö Enttäu Verluf ſeine ſchens und d ſeinen zu füh lichem laſſen er ſei N. bende welch fühle — ic auch E Kran er da die 2 Häu ſeine kreis über findlich icke die ir, dem rängen, en, und r durch mir und beleidigt e Deine n Deine hte Dich es Beſte, me?) ſei te nichts urchſuche liebſt!“ nicht. ß, kehrte der Stadt he Seene, ine Viſion woraus n Morgen Schaffot thrte jeder eichenſtadt 1¹9 ſeine verwirrten Gedanken zugleich zu Leben und Tod zurück. Die Abſchiedsworte Marianens tönten wie eine Todtenglocke in ſeinem Herzen. Und als er jetzt weiter ſchritt, vereinte ſich die Hitze des Tages, die ſchwüle Atmoſphäre, lange Anſtrengung, abwechſelnde Erſchöpfung und Aufregung mit dem Schmerz über Enttäuſchung, dem quälenden Bewußtſein von dem Verluſte koſtharer, unwiederbringlicher Augenblicke, und ſeine völlige Verzweiflung, wieder einen ſyſtemati⸗ ſchen Plan für ſeine Nachforſchungen zu entwerfen— und das Fieber brannte raſch durch ſeine Adern. Auf ſeinen Schläfen glaubte er den Druck eines Berges zu fühlen, ſeine Lippen waren trocken von unerträg⸗ lichem Durſte, die Kraft ſchien ihn plötzlich zu ver⸗ laſſen, und nur mit Mühe und Anſtrengung ſchleppte er ſeine matten Glieder weiter. „Ich fühle ihn,“ dachte er mit dem ſich ſträu⸗ benden Wiverwillen und der ſchauernden Angſt, mit welcher die Natur immer gegen den Tod kämpft,„ich fühle ihn an mir— den verſchlingenden Unſichtbaren — ich werde unterliegen, und zwar ohne ſie zu retten; auch wird nicht ein Grab uns umhüllen!“ Doch dieſe Gedanken vermehrten nur raſch die Krankheit, welche anfing, an ihm zu nagen, und ehe er das Innere der Stadt erreichte, verließ ihn auch die Beſinnungskraft. Die Bilder von Menſchen und Häuſern wurden unbeſtimmt und ſchattenartig vor ſeinen Augen; der brennende Boden ſchwankte und kreiste unter ſeinen Tritten; das Delirium zog ſich über ihm zuſammen, und abgebrochene, unzuſammen⸗ 120 hängende Worte murmelnd, ſetzte er ſeinen Weg fort; die Wenigen, welchen er begegnete, flohen aus Schrecken vor ihm. Sogar die Mönche, die noch immer ihre feierlichen und traurigen Prozeſſionen hielten, zogen ſich, ein hene vobis murmelnd, auf die entgegen⸗ geſetzte Seite der Straße, um ſeinen ſchwankenden, taumelnden Schritten nicht in den Weg zu kommen. Und vor einer Bude an einer Straßenecke warfen vier zuſammen trinkende Becchini unter ihren ſchwarzen Masken hervor Blicke, wie ſie etwa Geier auf einen ſterbenden Wanderer der Wüſte warfen. Noch immer ſchlich er weiter, ſtreckte die Arme aus wie ein im Dunkeln Tappender und ſuchte mit der ſchwachen Be⸗ ſinnungskraft, die noch gegen das Delirium kämpfte, das Gebäude zu finden, in dem er ſeine Wohnung aufgeſchlagen hatte, obgleich viele, eben ſo ſchön, um darin zu leben, und eben ſo brauchbar, um darin zu ſterben, mit offenen Portalen vor und neben ihm ſtanden. „Irene! Irene!“ rief er, bald mit murmelndem, leiſem Tone, bald mit wildem, durchdringendem Krei⸗ ſchen,„wo biſt Du, wo? Ich komme, Dich ihnen zu entreißen; ſie ſollen Dich nicht haben, die ſchmutzi⸗ gen, häßlichen Feinde! Pah! wie riecht die Luft nach Todtenfleiſch! Irene, Irene! wir wollen fort, nach meinem eigenen Palaſte und dem himmliſchen See— Irene!“ Wie er ſo mit umnachteten Sinnen rief, traten plötzlich zwei weibliche Geſtalten in Masken und Män⸗ teln aus einem nahe liegenden Hauſe. kaniſch und ge drei nicht k renz ſ werden gefährl welcher treuen „3 einer! denn 1 nein! Todten lauter gere d war, Bu Beg fort; Schrecken mer ihre n, zogen entgegen⸗ ankenden, kommen. rfen vier ſchwarzen auf einen ch immer e ein im ichen Be⸗ kämpfte, Wohnung hön, um darin zu ben ihm melndem, em Krei⸗ ich ihnen ſchmutzi⸗ Luft nach rt, nach n See— ,etraten d Män⸗ 12¹ „Eitle Klugheit!“ ſagte die Größere und Schlan⸗ kere von Beiden, deren Mantel, was ich hier bemer⸗ ken muß, von tiefem Blau, mit Silber geſtickt, Schnitt und Farbe hatte, wie ſie in Florenz nicht häufig, wohl aber in Rom getragen wurden, wo die Kleidung der Damen aus höheren Ständen außerordentlich reich in Farbe und Faltenwurf war— und hierin unterſchied ſie ſich von der einfacheren und weniger vollen tos⸗ kaniſchen Tracht;„eitle Kugheit, einem unerbittlichen und gewiſſen Schickſal entfliechen zu wollen!“ „Nun, Du wirſt doch nicht wollen, daß wir mit drei Todten im nächſten Zimmer, die wir überdies nicht kennen, die Wohnung theilen ſollen— wo Flo⸗ renz ſo viele leere Hallen hat? Glaube mir, wir werden nicht weit gehen dürfen, ehe wir eine weniger gefährliche Wohnung für uns finden.“ „Bisher wurden wir in der That wunderbar be⸗ wahrt,“ ſeufzte die Andere, deren Stimme und Ge⸗ ſtalt auf große Jugend ſchlicßen ließen;„aber ich wollte, wir wüßten, wohin fliehen— welcher Berg, welcher Wald, welche Höhle meinen Bruder mit ſeiner treuen Nina birgt! Ich bin krank vor Schrecken!“ „Irene, Irene! Wenn Du in Mailand oder ſonſt einer lombardiſchen Stadt biſt, warnm verweile ich denn noch hier? Zu Pferde, zu Pferde! O, nein! nein!— nicht das Pferd mit den Glocken! nicht den Todtenkarten!“ Mit einem Schrei, einem Gekreiſche, lauter als das lauteſte der Kranken, riß ſich die jün⸗ gere der beiden Damen von ihrer Begleiterin los. Es war, als hätte ſie ein einziger Schritt an Adrians Bylwer, Rienzi I. 9 122 Seite gebracht. Sie ergriff ſeinen Arm— ſie blickte ihm in das Geſicht, ſie begegnete ſeinem bewußtloſen Auge, das von fürchterlichem Feuer leuchtete.„Sie hat ihn ergriffen!“(ſagte ſie dann in tiefem, aber ruhigem Tone)—„die Peſt!“ „Hinweg, hinweg! ſeid Ihr toll?“ rief ihre Be⸗ gleiterin;„fort, fort— berühre mich nicht, denn eben haſt Du ihn berührt— gehe! hier trennen wir uns!“ „Helft mir, ihn irgend wöhin tragen; ſeht, er wird ohnmächtig, er taumelt, er fällt!— helft mir, theure Signora, um der Barmherzigkeit, der Liebe Gottes willen!“ Aber gänzlich von der ſelbſtſüchtigen Furcht er⸗ griffen, welche in jener ſchreckensvollen Zeit alle Menſchlichkeit überwog, floh die ältere Dame, ob⸗ wohl im Grunde ihres Herzens gütig, mitleidig und wohlwollend, eilig davon und verſchwand bald. Trotz dem, daß ſich das junge Mäbchen nun mit Adrian allein ſah, der jetzt durch die Heftigkeit des in ſeinem Inneren wüthenden Fiebers zu Boben gefallen war, verließen ſie Körperſtärke und Beſonnenheit nicht. Sie riß den ſchweren Mantel ab, der ihre Arme bedeckte, und warf ihn von ſich; dann hob ſie das Angeſicht ihres Geliebten auf— denn Niemand anders als Irene war das ſchwache Weib, die nicht vor der tödtlichen Anſteckung zurückſchrack— legte es an ihre Bruſt und rief mehre Male laut um Hülfe. Endlich näherten ſich die Becchini aus der vorhin erwähnten Bude— ab⸗ gehärtet in ihrem Geſchäfte, entgingen ſie durch ehen dieſe A ſten— Chriſti ich wil nächſte „ ein A „Wir und di „ laßt d⸗ denn Un Irene, ſonder: jetzt g durch ein na von de nur Fr ſame U Reizba erſt De leicht Leute Arzt z Geldz überla Urtheil fie blickte wußtloſen te.„Gie em, aber ihre Be⸗ cht, denn ennen wir ſeht, er helft mir, der Liehe Furcht er⸗ Zeit alle ame, ob⸗ leidig und Ud. Trotz nit Adrian in ſeinem llen war, nicht. Sie e bedeckte, Angeſicht als Irene tödtlichen Bruſt und herten ſich de— ab⸗ durch eben 123 dieſe Abhärtung der Peſt leichter, als die Vorſichtig⸗ ſten— träge.„Schneller, ſchneller, um der Liebe Chriſti willen!“ rief Irene.„Ich habe viel Gold; ich will Euch gut belohnen; helft mir ihn unter das nächſte Dach tragen.“ „überlaßt ihn uns, junge Dame; wir hatten ſchon ein Auge auf ihn,“ ſagte einer der Todtengräber. „Wir wollen unſere Pflicht an ihm erfüllen, die erſte und die letzte.“ „Nein— nein! berührt ſein Haupt nicht— über⸗ laßt das mir. So, ich will Euch helfen, ſo— nun denn— aber haltet ihn ſanft!“ Unterſtützt von dieſen ſchauderhaften Leuten trug Irene, welche ihren Verlobten nicht los laſſen wollte, ſondern die geliebten Augen und Lippen(obwohl beide jetzt geſchloſſen) zu bewachen ſchien, als wollte ſie da⸗ durch die Seele vom Scheiden abhalten, Adrian in ein nahe gelegenes Haus und legte ihn auf ein Bett; von dem aber Irene(die, wie in ſolchen Augenblicken nur Frauen fähig ſind, die Geiſtesgegenwart und wach⸗ ſame Umſicht behielt, die zu ihrer ſonſtigen lebhaften Reizbarkeit einen bedeutenden Gegenſatz bildeten) zu⸗ erſt Decken und überzüge hinwegnehmen ließ, die viel⸗ leicht angeſteckt ſein mochten. Dann ſchickte ſie die Leute nach andern Bettſtücken fort, ſo wie um einen Arzt zu holen, wo ſie nur immer einen ſolchen mit Geld zu einer Pflichterfüllung bewegen könnten, welche jetzt hauptſächlich den heldenmüthigen Brüderſchaften überlaſſen blieb. Dieſe, wie ſehr auch durch das Urtheil der neueren Zeit wegen der Verbrechen einiger 124 unwürdigen Mitglieder geringgeſchätzt, waren doch in jenen trüben Zeiten die beſten, die unerſchrockenſten und die heiligſten Diener, welchen Gott je die Macht übertrug, den Unterdrückern zu widerſtehen— die Hungrigen zu ſpeiſen— die Traurigen zu tröſten, und die allein inmitten der heftigen Peſt(die, gleich⸗ ſam wie ein losgelaſſener Dämon des Abgrundes, alles zermalmt, was die Welt an Tugend und Geſetz bindet) wie durch den Schall einer Engelspoſaune zu der edelſten Rittertugend des Kreuzes zu erwachen ſchienen— deſſen Glaube die Selbſtverläugnung— deſſen Hoffnung jenſeits des Lazarethes iſt— deſſen Fuß, ſchon für die Unſterblichkeit beflügelt, mit Sie⸗ gerſchritten über die Gräber des Todes hinwandelt! Während ſo die Liebe ihre edelſte Pflicht übte, kam die Straße herab, in welcher Adrian und Irene ſich endlich getroffen— ſingend, taumelnd und tobend die verworfene, zügelloſe Bande, welche ihr Quartier in dem Kloſter Santa Maria de Pazzi aufgeſchlagen hatte, ihren Banditenhauptmann, der an jedem Arme (doch nicht mehr in Nonnenkleidern) eine Nonne führte.„Hoch lebe die Peſt!“ jauchzte der Elende; „Hoch lebe die Peſt!“ wiederholten die tollen Zecher. „Hoch lebe die Peſt, befreie ſie immer nur Den Schurken von der Kett', die Nonne vom Schwur, Dem Schließer bring' ſie Tod, den Gefangenen geb' ſie los, Hurrah, du Erdenplag', mir iſt dein Segen groß.“ „Hollah!“ rief der Anführer und blieb ſtehen; „hier Margaretha, hier iſt ein hübſcher Mantel für Dich, mein Mädchen; Silher genug daran, Deine Börſe möglic „Y heerun Schön dotto, „ wirf i und w dere T M ihn ba ſie„ h der G nach i ßen de doch in ockenſten ie Macht n— die tröſten, , gleich⸗ grundes, nd Geſetz ſaune zu erwachen nung— — deſſen mit Sie⸗ wandelt! cht übte, nd Irene d tobend Quartier eſchlagen em Arme Nonne Elende; n Zecher. ſie los, ſtehen; antel für Deine 125 Börſe zu füllen, wenn ſie je leer wird, was wohl möglich iſt, wenn die Peſt nachläßt.“ „Nein,“ ſagte das Mädchen, die unter aller Ver⸗ heerung der Ausſchweifung noch viel Jugend und Schönheit in Geſtalt und Antlitz hatte;„nein, Gui⸗ dotto, er könnte angeſteckt ſein.“ „Pah, Kind, Silber ſteckt nie an. Wirf ihn um, wirf ihn um. ueberdies, Schickſal bleibt Schickſal, und wenn Deine Stunde da iſt, ſo gibt es noch an⸗ dere Mittel, als den Gavocciolv.“ Mit dieſen Worten ergriff er den Mantel, warf ihn barſch über ihre halbentblößten Schultern und zog ſie, halb erfreut über den Putz, halb in Angſt vor der Gefahr, wie zuvor weiter, während nach und nach in der qualmenden Luft und den traurigen Stra⸗ ßen der Geſang dieſer elendeſten der Freuden verhallte. Fünftes Kapitel., Der Irrthum. Drei Tage, drei verhängnißvolle Tage blieb Adrian ſeiner Kraft und ſeines Bewußtſeins beraubt. Aber er war nicht von der Peſt befallen, wie ſeine edel⸗ müthige Wärterin voraus angenommen hatte. Es war ein heftiges, gefährliches Fieber, die Folge der grotzen Anſtrengung, der Ruheloſigkeit und der ſchrecklichen Gemüthsbewegung, die er erduldet. Kein Arzt vom Fach konnte aufgefunden werden, um ihn zu pflegen, aber ein guter Mönch, vielleicht 126 beſſer in der Heilkunde bewandert, als Mancher, der ſie zum ausſchließlichen Berufsgeſchäfte machte, be⸗ ſuchte ihn täglich. Und während der langen und häufi⸗ gen Abweſenheit, wozu ſeine übrigen zahlreichen Be⸗ rufsgeſchäfte den Mönch nöthigten, war immer ein Weſen da, um das Kiſſen zurecht zu legen, ſein Ach⸗ zen zu belauſchen, ſeinen Schlaf zu bewachen. Und ſelbſt während dieſer traurigen Dienſtleiſtungen durch⸗ bebte, wenn in dem Fieberwahnfinn ihr Name, ver⸗ bunden mit Ausdrücken leidenſchaftlicher Zärtlichkeit, von ſeinen Lippen ſtrömte, ein Schauer ſonderbarer Luſt das Herz der Verlobten, worüber, als wäre es ein Verbrechen, ſie ſich ſelbſt tadelte. Aber auch die erhabenſte Liebe iſt ſelbſtſüchtig in dem Entzücken, ſich geliebt zu wiſſen! Die verſchiedenartigſten Bewegun⸗ gen, welche ſich ihrer bemächtigten, wenn ſie aus manchen unzuſammenhängenden Fieberworten ſich dun⸗ kel zuſammenreimte, daß er um ihretwillen in die Stadt gekommen; dem Tode ſich ausgeſetzt, der Ge⸗ fahr getrotzt hatte. Und wenn ſie ſich dann über ihn beugte, um leidenſchaftlich dieſe brennende Stirne zu küſſen, ſielen ihre Thränen dicht auf das Idol ihrer Jugend, und die Quellen, denen ſie entſtröm⸗ ten, unergründlich und unberechenbar, waren von der Art, daß ein Leben ſie nicht erſchöpfen konnte. Keine Saite des menſchlichen und weiblichen Herzens, die hier nicht in Anregung gebracht worden wäre; die anbetende Dankbarkeit, die demüthige Verwunderung, vaß ſie ſo geliebt werde, während ſie es für ein ſo einfaches Verdienſt hielt, ſo zu lieben;— als ob jedes — jed gend n die We Opfer abhäng ſie Da ihren Verehr retten tiefe G nehmer — die chende Un dieſer wich, ſie nich ſchließe Grund auf iht tigen 2 ſie ein erſtaun friſche terin ſ ſicht u natürli Aufgal ſie nick cher, der chte, be⸗ nd häufi⸗ ichen Be⸗ mer ein ſein Ach⸗ en. Und en durch⸗ me, ver⸗ rtlichkeit, nderbarer wäre es auch die icken, ſich Bewegun⸗ tſie aus fich dun⸗ en in die der Ge⸗ ann über de Stirne das Idol entſtröm⸗ n von der te. Keine zens, die väre: die underung, für ein ſo — als ob 127 jedes ihrer Opfer ſich ganz von ſelbſt verſtände, — jedes, welches für ſie gebracht wurde, eine Tu⸗ gend wäre, der nichts in der Welt gleich komme, die die Welt nicht vergelten könne! Und da lag er, das Opfer ſeiner furchtloſen Treue, hülflos— von ihr abhängig— zwiſchen Leben und Tod— ein Weſen, dem ſie Dank, dem ſie Pflege ſchuldig war— das auf ihren Stolz, ihren Schutz, ihr Mitleiden und ihre Verehrung Anſpruch hatte— ihr Retter, den fie jetzt retten ſollte! Nie ſchien ein Gegenſtand ſo viele tiefe Empfindungen eines Herzens in Anſpruch zu nehmen; die romantiſche Begeiſterung des Mädchens — die zärtliche Vergötterung der Braut— die wa⸗ chende Vorſorge der Mutter über ihr Kind. Und ſonderbar! bei all ser Kufregung während dieſer einſamen Wache, wo ſie kaum von ſeiner Seite wich, nur Nahrung zu ſich nahm, damit ihre Kraft ſie nicht verlaſſe,— nicht im Stande, ein Auge zu ſchließen— obwohl ſie aus dem eben genannten Grunde gerne geruht hätte, wenn der Schlummer ſich auf ihren Pflegbefohlenen ſenkte— bei all dieſer hef⸗ tigen Anſtrengung des Körpers und des Herzens zeigte ſie eine wunderbare Stärke. Und der heilige Mann erſtaunte bei jedem Beſuche, wenn er die noch ſo friſche Wange, das noch ſo glänzende Auge der Wär⸗ terin ſah. In ihrem Aberglauben war ſie der An⸗ ſicht und fühlte ſogar, daß ſie der Himmel mit über⸗ natürlicher Kraft ausgerüſtet habe, um eine ſo heilige Aufgabe zu löſen, und in dieſer Einbildung irrte ſie nicht ganz:— denn der Himmel begabte ſie wirk⸗ 128 lich mit einer göttlichen Kraft, als er in ein ſo ſanf⸗ Sie f tes Herz die ansdauernde Kraft und Stärke der Liebe wenige pflanzte! Der Mönch hatte den Kranken noch ſpät in der Dieſe dritten Nacht beſucht und ihm ein ſtarkes Beruhigungs⸗ ober 1 mittel verordnet.„Dieſe Nacht,“ ſagte er zu Irene, wine „wird die Kriſis eintreten; ſollte er, wie ich hoffe, unter mit wiederkehrendem Bewußtſein und ruhigem Pulſe graber erwachen, ſo iſt er gerettet; wenn nicht, junge Tochter, ſchick ſo bereitet Euch auf das Schlimmſte. Eolltet Ihr aber Nacht bemerken, daß die Krankheit eine beunruhigende Wen⸗ quicket dung nimmt, ſo daß meine Anweſenheit erforderlich brache würde, ſo wird Euch dieſe Rolle belehren, wo ich, wenn unhein Gott mich verſchont, zu jeder Stunde der Nacht und Straß des Morgens zu treffen bin.“ wieder Der Mönch entfernte ſich, und Irene trat ihre ſchaue— Wache wieder an. er näl Im Anfange war Adrians Schlaf unruhig und der ge unterbrochen; ſeine Züge, ſeine Phantaſten, ſeine ſchwer Geberden— Alles zeugte von einem heftigen Kam⸗ heraus pfe des Geiſtes, oder des Körpers; es ſchien, und loſem war vielleicht wirklich ein heftiger und zweifelhafter das di Kampf zwiſchen Leben und Tod in dem Schlafenden. Geſtal Geduldig, ſchweigend, nur lange, tiefe Athemzüge„4 holend, ſaß Irene an dem oberen Ende des Bettes. den L Die Lampe ſtand in der fernſten Ecke des Zimmers riſch; und ihr durch Vorhänge geſchwächter Strahl ließ für m ſie nur die Umriſſe des Antlitzes erkennen, über wel⸗„ ches ſie wachte. In dieſer ſchrecklichen Ungewißheit die P lagen ſtumm und erſtarrt alle die Gedanken darnie⸗„ der, welche bis jetzt ihren Geiſt aufgeregt hatten⸗ ärgerl t ſo ſanf⸗ der Liehe pät in der uhigungs⸗ zu Irene, ich hoffe, em Pulſe e Tochter, Ihr aber nde Wen⸗ forderlich ich, wenn Nacht und trat ihre uhig und en, ſeine en Kam⸗ ien, nd ifelhafter lafenden. lthemzüge s Bettes. Zimmers rahl ließ über wel⸗ gewißheit darnie⸗ t hatten. 129 Sie fühlte nur jene unbeſchreibliche Angſt, welche wenige von uns nicht zu kennen das Glück haben. Dieſe zermalmende Laſt, unter der wir kaum athmen ober uns rühren können, die ſchrecklich drohende La⸗ wine über uns, der wir nicht entfliehen können und unter der wir jeden Augenblick fürchten müſſen be⸗ graben und verſchüttet zu werden. Das ganze Ge⸗ ſchick des Lebens lag in der Hoffnung dieſer einzigen Nacht! Gerade als Adrian in einen tieferen, er⸗ quickenderen Schlummer zu werſinken ſchien, unter⸗ brachen die Glocken des Todtenkarrens mit ihrem unheimlichen Geläute die auffallende Stille in den Straßen. Bald verſtummten ſie, bald hörte man ſie wieder, je nachdem der Karren anhielt, um ſeine ſchauerliche Laſt aufzunehmen; nach jedem Halten kam er näher. Endlich hörte ſie, wie die ſchweren Rä⸗ der gerade unter dem Fenſter hielten und eine tiefe, ſchwer vernehmliche Stimme rief:„Bringt den Todten heraus!“ Sie ſtand auf und näherte ſich mit geräuſch⸗ loſem Schritte der Thüre, um dieſe zu ſchließen, als das dämmernde Licht auf die dunkeln, vermummten Geſtalten der Becchini fiel. „Ihr habt die Thüre nicht bezeichnet und auch den Leichnam nicht ausgeſetzt,“ ſagte der eine mür⸗ riſch;„aber es iſt die dritte Nacht! er iſt fertig für uns.“ „Stille, er ſchläft— fort, geſchwind, es iſt nicht die Peſt, was ihn befallen hat.“ „Nicht die Peſt?“ brummte der Beechino in ärgerlichem Tone,“ ich dachte keine andere Krank⸗ heit dürfe in die Rechte des Gavvecciolo eingrei⸗ fen!“ „Geht, hier iſt Geld; verlaßt uns.“ Der gräßliche Kärrner entfernte ſich mürriſch. Der Karren fuhr weiter, man hörte wieder den Ton der Glocken, bis das entſetzliche Geläute nach und nach ſchwächer wurde und endlich in der Entfernung erſtarb. Die Lampe mit der Hand beſchattend, ſchlich ſich Irene an das Bett, fürchtend, der Ton und der läſtige Beſuch möchte den Schlummernden geſtört haben. Aber ſein Antlitz war noch wie von der eiſernen Maske des Schlafes bedeckt. Er rührte ſich nicht— kaum ſtrömte ſein Athem über ſeine Lippen— ſie fühlte ſeinen Puls, als ſeine bleiche Hand auf der Decke lag— er ſchlug ſchwach— ſie war zufrieden— ſie entfernte das Licht von dem Bette, zog ſich in eine Ecke des Zimmers zurück, ſtellte das kleine Kreuz, das ſie um den Hals trug, auf den Tiſch und betete in der Inbrunſt ihres leidenden Herzens zu Ihm, der auch den Tod erlitten und der— wenn auch der Sohn des Himmels und Herr der Seraphim— doch auch in ſeiner irdiſchen Trübſal gebetet hatte, der Kelch möchte von ihm genommen werden. Der Morgen brach an, nicht wie im Norden, langſam und dämmernd, ſondern in der überraſchenden Pracht, womit unter dieſem Himmelsſtriche der Tag auf die Erde ſpringt— wie ein Rieſe aus ſeinem Schlafe. Ein plötzliches Lächeln— ein helles Glühen — und die Nacht war verſchwunden. Adrian ſchlief noch im ſein Se Schwei wegen d gerin u wurde ein Lar mitten als ſie keine B ruhig 1 nicht ſi Schlaf, ſich ab zögerte ſie wol nicht le ihr der an,“ kloſter gerafft. den Or Sie bl aus denr liſpelte zumn Beſtim W laſſen, Augen eingrei⸗ nürriſch. den Ton ach und tfernung lich ſich er läſtige en Aber Maske — kaum e fühlte er Decke en— ſie in eine Kreuz, id betete hm, der uch der — doch tte, der Norden, ſchenden der Tag ſeinem Glühen n ſchlief 134 noch immer; keine Muskel ſchien ſich gerührt zu haben; ſein Schlaf war ſogar noch tiefer wie zuvor; das Schweigen wurde eine Bürde für die Luft. Jetzt wurde wegen dieſer todtähnlichen Erſtarrung die einſame Pfle⸗ gerin unruhig und erſchreckt. Die Zeit verging— es wurde aus dem Morgen Mittag— noch immer weder ein Laut, noch eine Bewegung. Die Sonne ſtand mitten am Himmel— der Mönch kam nicht. Und als ſie wieder Avrians Puls befühlte, da fühlte ſie keine Bewegung deſſelben— ſie blickte ihn an, un⸗ ruhig und beſtürzt; gewiß konnte ein lebendes Weſen nicht ſo ruhig und ſo blaß ſein.„Iſt es wirklich Schlaf, könnte es nicht——“ Eiskalt wandte ſie ſich ab; ihre Zunge klebte an den Lippen. Warum zögerte der Vater?— ſie wollte ihn aufſuchen— ſie wollte das Schlimmſte erfahren— ſie konnte es nicht länger ertragen. Sie ſah in die Rolle, welche ihr der Mönch zurückgelaſſen.„Von Sonnenaufgang an,“ ſagte dieſe,„werde ich in dem Dominikaner⸗ kloſter ſein. Der Tod hat viele der Brüder hinweg⸗ gerafft. Das Kloſter lag etwas ferne, aber ſie kannte ven Ort, und die Furcht ſollte ihre Schritte beflügeln. Sie blickle den Schläfer gedankenvoll an und ſtürzte aus dem Hauſe.„Ich werde Dich gleich wieder ſehen,“ liſpelte ſie. Ach! welche Hoffnung kann weiter als zum nächſten Augenblicke rechnen? Und wer kann mit Beſtimmtheit zählen auf den Beſitz des„Wieder?“ Wenige Minuten, nachdem Irene das Zimmer ver⸗ laſſen, öffnete Adrian mit einem langen Seufzer die Augen— ein ganz anderer, verwandelter Menſch; 132 das Fieber war vorüber, der wiederauflebende Puls ſchlug zwar langſam, aber ruhig. Sein Geiſt war wieder Herr über ſeinen Körper, und obwohl noch ſchwach und kraftlos, war doch die Gefahr vorüber, Leben und Bewußtſein wie ergekehrt. „Ich habe lange geſchlafen,“ murmelte er,„und o, welche Träume! Ich glaubte Irene zu ſehen, aber ich konnte nicht zu ihr ſprechen, und als ich ſie zu umfaſſen mich bemühte, veränderten ſich ihre Züge, ihre Geſtalt vergrößerte ſich, und ich war in den Krallen der ſchändlichen Todtengräber. Es iſt ſpät— die Sonne ſteht hoch— ich muß aufſtehen und mich auf den Weg machen. Irene iſt in der Lombardei. Nein, nein; das war eine Lüge, eine gottloſe Lüge; ſie iſt in Florenz, ich muß meine Nachforſchungen wieder beginnen.“ Als er ſich an dieſe Pflicht erinnerte, ſtand er von dem Bette auf— er erſtaunte ſelbſt über ſeine Kraft⸗ lofigkeit; anfangs konnte er nicht ſtehen, ohne ſich an der Mauer zu halten; nach und nach gewann er jedoch ſo weit wieder den Gebrauch ſeiner Glieder, daß er, obwohl mühſain und mit Anſtrengung, gehen konnte. Gieriger Hunger nagte an ihm; er fand einige ſpärliche und leichte Nahrungsmittel in dem Zimmer, die er gierig verſchlang. Und beinahe ebenſo begierig wuſch er ſeinen Körner und ſein entſtelltes Geſicht mit dem in der Nähe ſtehenden Waſſer Jetzt fühlte er ſich erfriſcht und geſtärkt und fing an, ſeine Kleider anzuziehen, die er auf einem Haufen neben ſeinem Bette fand. Er blickte verwundert und mit einer Art von Mi Hände daß er haben n mand ir meine e Zeit ma betete J blick me Bal Luft bel ſeit Wo Lüftchen weiter, ſowie d deſſelber Wuchſe war zut kummer habenen ſchrocker mehr er Stempe ausgepr die einz dem ſch Adrian zweifeln ſche ich nde Puls eiſt war ohl noch vorüber, er,„und en, aer ch ſie zu re Züge, Kralfen t— die mich auf i. Nein, e; ſie iſt n wieder d er von e Kraft⸗ e ſich an er jedoch e, daß gehen nd einige Zimmer, begierig s Geſicht szt föhlte e Kleider ſeinem einer Art 133 von Mitleid mit ſich ſelbſt auf ſeine abgemagerten Hände und Glieder und kam jetzt auf den Gedanken, daß er bewußtlos eine ſchwere Krankheit überſtanden haben müſſe.„Und zwar allein,“ dachte er,„Nie⸗ mand in der Nähe, um mich zu warten! die Natur meine einzige Pflegerin! Aber ach! ach! wie lange Zeit mag hier unnütz verfloſſen ſein, und meine ange⸗ betete Irene— ſchnell, ſchnell, ich will keinen Augen⸗ blick mehr verlieren.“ Bald befand er ſich auf der offenen Straße; die Luft belebte ihn, und an dieſem Morgen hatte ſich, ſeit Wochen zum erſtenmale, ein wohlthuendes, ſanftes Lüftchen erhoben. Er ging ſehr langſam und ſchwach weiter, bis er auf einen großen Platz kam, von deſſen Mitte aus man eines der Hauptthore von Florent, ſowie die Feigenbäume und Olivengärten außerhalb deſſelben ſehen konnte. Da kam ein Pilger von hohem Wuchſe von dem Thore her auf ihn zu; ſein Hut war zurückgeſchlagen und ließ ein majeſtätiſches, aber kummervolles Antlitz ſehen, ein Antlitz, in deſſen er⸗ habenen Zügen, hoher Stirne und ſtolzem, uner⸗ ſchrockenem Blicke, überſchattet von einem Ausdrucke mehr ernſter, als ſaufter Melancholie, die Natur den Stempel der Hoheit, das Schickſal den des Unglückes ausgeprägt zu haben ſchien Und als die beiden Männer, die einzigen Wanderer in der Straße, ſich jetzt auf dem ſchweigenden, traurigen Platze begegneten, blieb Adrian plötzlich ſtehen und ſagte mit überraſchter, zweifelnder Stimme:„Träume ich noch immer, oder ſehe ich Rienzi vor mir?“ 134 Der Pilger blieb, als er den Namen hörte, eben⸗ falls ſtehen und ſagte, nachdem er lange in das ein⸗ gefallene Geſicht des jungen Signor geblickt hatte: „Ich bin derjenige, welcher Rienzi war! und in Euch, blaſſer Schatten, begegne ich in dieſem Grabe Ita⸗ liens dem glänzenden, ſtolzen Colonna? Ach, junger Freund,“ ſetzte er mit milderer, freundlicherer Stimme hinzu,„hat die Peſt die Zierde des römiſchen Adels nicht verſchont? Komme, ich, der grauſame und harte Tribun, will Dein Wärter ſein; derjenige, welcher mein Bruder hätte werden ſollen, hat auch Anſpruch auf meine brüderliche Fürſorge.“ Mit dieſen Worten ſchlang er den Arm zärtlich um Adrian, und der junge Edelmann, von ſeiner Theilnahme gerührt und von der überraſchung er⸗ griffen, lehnte ſich ſchweigend an Rienzi's Bruſt. „Armer Jüngling,“ begann der Trihun wieder, der, mehr geſtürzt als abgeſetzt, auch jetzt noch ſo genannt werden mag;„ich habe die Jugend immer geliebt(mein Bruder ſtarb jung), und Euch mehr, als irgend Einen. Welches unglückliche Verhängniß brachte Dich hierher?“ „Irene!“ verſetzte Adrian ſtammelnd. „Iſt es ſo, wirklich? Biſt Du ein Colonna und achteſt noch die Gefallenen? Dieſelbe Pflicht hat auch mich in die Stadt des Todes gerufen. Von dem fern⸗ ſten Süden— über die Berge der Räuber— durch die feſten Plätze meiner Feinde— durch Städte, in welchen der Herold vor meinen Ohren den auf meinen Kopf geſetzten Preis verkündete— hin ich zu Fuß und alle gen des Aufgabe ein Zau für ein Der Innern Blicke 1 theilen, gert und „Ab Rienzi's zu finde keinen 2 ſchätzbar iſt oft: „Re erwacher daß ich meines e, eben⸗ das ein⸗ t hatte: in Euch, be Ita⸗ „junger Stimme en Adels n harte welcher Anſpruch zärtlich n ſeiner hung er⸗ Zruſt. wieder, noch ſo d immer ch mehr, rhängniß nna und hat auch em fern⸗ — durch tädte, in f meinen z Fuß 135 und allein hierher gekommen, ſicher unter den Schwin⸗ gen des Allmächtigen. Junger Mann, Du hätteſt dieſe Aufgabe Einem überlaſſen ſollen, über deſſen Leben ein Zauber ſchwebt, und den Himmel und Erde noch für ein feſt beſtimmtes Ziel aufbewahren!“ Der Tribun ſagte dies mit einer tiefen, aus dem Innern kommenden Stimme, und aus ſeinem erhobenen Blicke und ſeiner feierlichen Stirne konnte man beur⸗ theilen, wie ſehr ſein Unglück ſeinen Fanatismus geſtei⸗ gert und ſeine ſanguiniſchen Hoffnungen vermehrt hatte. „Aber,“ fragte Adrian, indem er ſich ſanft von Rienzi's Arm losmachte,„Du weißt alſo, wo Irene zu finden iſt; laſſe uns zuſammen hingehen. Verliere keinen Augenblick mit Reden; die Zeit iſt von un⸗ ſchätzbarem Werthe und ein Augenblick in dieſer Stadt iſt oft nur die Brücke zur Ewigkeit.“ „Recht,“ ſagte Rienzi, wieder für ſeinen Zweck erwachend.„Aber fürchte nicht; ich habe geträumt, daß ich ſie retten werde, die Perle und den Liebling meines Hauſes. Fürchte nichts, ich habe keine Furcht.“ „Wißt Ihr, wo Ihr ſie zu ſuchen habt?“ ſagte Adrian ungeduldig;„das Kloſter beherbergt jetzt ganz andere Gäſte.“ „Ha! ſo träumte ich!“ „Sprecht jetzt nicht von Träumen,“ ſagte der Liebende;„wenn Ihr aber keinen anderen Leitfaden habt, ſo wollen wir uns plötzlich trennen, um ſie aufzuſuchen. Ich will dieſe Straße übernehmen und Ihr nehmt die andere, und bei Sonnenuntergang treffen wir uns wieder hier,“ 136 „Vorſchneller Mann!“ ſagte der Tribun ſehr feier⸗ lich;„ſpotte nicht über Geſichte, durch welche der Himmel zu ſeinen Auserwählten ſpricht. Du ſuchſt Rath bei Deiner menſchlichen Klugheit; ich, weniger anmaßend, folge der Hand der geheimnißvollen Vor⸗ ſehung, die ſich gerade jetzt wie eine Feuerſäule durch die Wüſte des Schreckens vor meinen Blicken hinbe⸗ wegt. Ja, treffen wir uns hier wieder bei Sonnen⸗ untergang und ſehen dann, welcher Führer der ſicherere iſt. Wenn mir mein Traum die Wahrbeit ſagt, ſo finde ich meine Schweſter am Leben, ehe die Sonne hinter jenem Hügel untertaucht, bei einer dem hei⸗ ligen Markus geweihten Kirche. Der tiefe Ernſt, mit welchem Rienzi ſprach, flößte Adrian eine Hoffnung ein, die doch ſeine Vernunft nicht anerkennen wollte. Er ſah ihn mit jenem ſtolzen und ſtattlichen Schritte dahingehen, dem ſeine flie⸗ genden Gewande eine noch erhabenere Würde verliehen, und beugte dann in die Straße rechter Hand. Noch hatte er ſie nicht zur Hälfte durchlaufen, als er ſich bei dem Mantel gezogen fühlte. Er wandte ſich um, und ſah die unförmliche Larve eines Beechino. „Ich fürchtete, Ihr habt geeilt, und ein Anderer habe mich um meinen Dienſt betrogen,“ ſagte der Todtengräber,„als ich ſah, daß Ihr nicht in den Palaſt des alten Fürſten zurückgekehrt ſeid. Ihr könnt mich, wie ich ſehe, nicht von meinen übrigen Ge⸗ noſſen unterſcheiden, aber ich bin derjenige, dem Ihr auftruget, zu forſchen nach——“ „Irene!“ „Ja ſehnlich⸗ „Di „Fo Der großes gang, 1 „Fürchte gräber; ſprach. Palaſte, die eine Andere? „Ire ſagte Di len Vor⸗ Sonnen⸗ r ſicherere ſagt, ſo ie Sonne ch, flößte Vernunft em ſtolzen ſeine flie⸗ verliehen, nd. Noch ls er ſich e ſich um, no. n Anderer ſagte der t i den Ihr könnt igen Ge⸗ dem Ihr 137 „Ja, Irene di Gabrini; Ihr verſprachet eine an⸗ ſehnliche Belohnung. „Die Ihr auch erhalten ſollt.“ „Folgt mir.“ Der Beechino ging voran und erreichte bald ein großes Haus. Er pochte zweimal an des Pförtners Ein⸗ gang, und eine alte Frau öffnete ſorgfältig die Thüre. „Fürchtet nichts, gute Muhme,“ ſagte der Todten⸗ gräber;„dies iſt der junge Herr, von dem ich Euch ſprach. Du ſagteſt, Du habeſt zwei Damen in dem Palaſte, die allein alle Bewohner überlebt hätten; die eine heiße Bianca di Medici und— wie hieß die Andere?“ „Irene di Gabrini, eine römiſche Dame. Aber ich ſagte Dir, daß ſie, erſchreckt durch die hier befind⸗ lichen Todten, das Haus ſchon vor vier Tagen ver⸗ laſſen haben.“ „Ganz richtig, und war etwas Auffallendes in der Kleidung der Signora di Gabrini?“ „Ja, ich habe es Dir ja geſagt; ein blauer, mit Silber durchwirkter Mantel, wie ich ihn noch ſelten ſah.“ „Waren Sterne, ſilberne Sterne darein gewirkt,“ rief Adrian,„mit einer Sonne in der Mitte?“ „Gerade ſo!“ „Ach! ach! das Familienwappen des Tribuns! Ich erinnere mich, wie ich den Mantel lobte, als ſie ihn das erſtemal trug— an dem Tage, an dem wir uns verlobten!“ Und auf einmal errieth der Liebende, warum Irene ſo ſorgfältig ein ihr durch daran ſich Bulwer, Rienzi. II. 10 138 knüpfende Erinnerungen theuer gewordenes Kleidungs⸗ ſtück beibehalten hatte. „Weiter wißt Ihr Nichts von Euren Hausleuten?“ „Nichts“ „Und Das iſt Alles, was Ihr in Erfahrung ge⸗ bracht, Burſche?“ rief Adrian. „Seduld. Ich muß Euch von Beweis zu Beweis, von Glied zu Glied führen, um meine Belohnung zu verdienen. Folgt mir, Signor.“ Der Beechino ging nun durch mehrere Gäßchen und Straßen und kam dann an ein Haus von min⸗ der prächtiger Geſtalt und Bauart. Er pochte wie⸗ der dreimal an die Thür des Sprachzimmers, und diesmal kam ein verwitterter, lahmer, alter Mann her⸗ aus, den der Tod aus Verachtung nicht abzurufen ſchien. „Signor Aſtuceio,“ ſagte der Beechino,„verzeihe mir, aber ich ſagte Dir, ich werde Dich einmal be⸗ mühen. Dies iſt der Herr, der zu wiſſen verlangt, was nicht zu wiſſen oft am beſten iſt— aber das geht mich Nichts an. Kam eine Dame— jung un ſchön— mit ſchwarzen Haaren und von ſchlanken Wuchs, mit den erſten Anzeichen der Peſt behafte, vor drei Tagen in dieſes Haus?“ „Ja, Du weißt das ſelbſt am beſten; und noch heſſer weißt Du, daß ſie es vor zwei Tagen verlaſſen hat; es ging ſchnell mit ihr, ſchneller als mit den Meiſten!“ „Trug ſie etwas Auffallendes an ſich?“ „Ja, Plagegeiſt; einen blauen Mantel mit Sil⸗ berſternen.“ Nann her⸗ fen ſchien. „verzeihe inmal be⸗ verlangt, aber das jung und ſchlankem behaftet, und noch verlaſſen mit den 4 mit Sil⸗ 139 „Haſt Du irgend welche Vermuthungen hinſicht⸗ lich ihrer früheren Verhältniſſe?“ „Nein, außer daß ſie Viel von dem Nonnenklo⸗ ſter Santa Maria de' Pazzi, von Banditen und Ent⸗ heiligung phantaſirte.“ „Seid Ihr zufrieden geſtellt, Signor?“ fragte der Todtengräber, indem er ſich mit triumphirender Miene gegen Adrian wandte.„Aber nein, Du ſollſt noch mehr erfahren, wenn Du den Muth haſt. Willſt Du mir folgen?“ „Ich verſtehe Dich; geh voran. Muth! was habe ich jetzt noch auf der Erde zu fürchten?“ Der Todtengräber murmelte vor ſich hin:„Ja, nur mich machen laſſen. Ich habe einen Kopf, der etwas werth iſt; ich verlange von keinem Herrn, daß er mir auf mein Wort glaubt; er ſoll ſich mit eige⸗ nen Augen überzeugen, was meine Mühe werth iſt,“ und damit ging er durch eines der Thore etwas vor die Stadt. Hier ſaßen unter einem Schuppen ſechs ſeiner geſpenſterartigen, unheimlichen Genoſſen mit Spaten und Hauen zu ihren Füßen. Der Führer kehrte ſich jetzt gegen Adrian um, deſſen Angeſicht in der Verzweiflung ruhig und ent⸗ ſchloſſen war. „Schöner Signor,“ ſagte er in einem Anflug zögernden Mitleids,„wollteſt Du wirklich Deine Augen und Dein Herz überzeugen?— Der Anblick kann Dich erſchrecken, die Anſteckung Dich tödten— wenn nicht, wie es mir freilich ſcheint, der Tod ſchon ſein „Mein“ Dir aufgedrückt hat.“ 140 „Unglücks⸗ und JFammerrabe!“ antwortete Adrian, ſiehſt Du nicht, daß ich nur vor Deiner Stimme und Deinem Anblicke zurückſchaudre! Zeige mir die ich ſuche, lebendig oder todt.“ „So will ich ſie Euch denn zeigen,“ ſagte der Beechinv mürriſch,„ſo wie ſie mir vor zwei Näch⸗ ten übergeben wurde. Umriß und Züge mögen ſchon etwas verwiſcht ſein, denn die Peſt führt einen ra⸗ ſchen Beſen; aber ich habe das an ihr gelaſſen, wor⸗ an Ihr erkennen kennt, daß der Beechinv kein Lüg⸗ ner iſt. Bringt Fackeln her Kameraden, und macht die Thüre auf. Starrt mich nicht an; es iſt eine Grille des Herrn und er bezahlt ſie gut.“ Sie wandten ſich rechts und Adrian folgte mecha⸗ niſch ſeinen Führern, ein Schauſpiel, deſſen gräßliche Philoſophie wie mit einem Rade allen Stolz eines Sterblichen zermalmt— das Schauſpiel der Gruft, worin die Erde alles verbirgt; was auf Erden blühte, genoß und frohlockte— erwartete ſein Auge! Die Beechini erhoben ein ſchweres Gatter, ſenk⸗ ten ihre Fackeln(was kaum nöthig war, denn durch die Oeffnung ſtrömte mit gräßlichem Glanze das helle Sonnenlicht), und winkten Adrian, näher zu treten. Er ſtand auf dem Gipfel vor dem Abgrunde und blickte hinab. Es war ein großer, tiefer, kreisförmiger Raum, wie der Boden eines leeren Brunnens. In rings in die Erdwände geſchnittenen Niſchen lagen, wie es ſich g welche nicht folgte Bodet die A beklei beicht ben! hell 1 fen, lenen dende in E Fleiſ unve war dem der den (unt geſti auf, ben des rer Ste ldrian, timme ir die te der ſchon en ra⸗ „wor⸗ n Lüg⸗ macht ſt eine mecha⸗ räßliche z eines Gruft, blühte, , ſenk⸗ n durch as helle treten. de und Raum, trings wie es ſich gehört, in Särgen die früheſten Opfer der Peſt, welche dahin kamen, als der Markt der Beechini noch nicht überfüllt war, als noch Prieſter den Todten folgten und Freunde ſie betrauerten. Aber auf dem Boden unten, da war Abſcheu nud Schrecken! Auf Haufen zuſammengepreßt— die Einen nackt, die Anderen in ſchon ſchwarzen und verfaulten Ster⸗ bekleidern— lagen die ſpäteren Gäſte, die ohne zu beichten, ohne den Segen empfangen zu haben, ſtar⸗ ben! Das Licht der Fackeln und der Sonne ſtrömte hell und roth über die Verweſung in allen ihren Stu⸗ fen, von der blaßblauen Farbe und dem aufgeſchwol⸗ lenen Körper bis zu der feuchten, nicht zu unterſchei⸗ denden Maſſe oder den abgeſchälten Knochen, woran in Streifen und Fetzen noch das ſchwarze, zerriſſene Fleiſch hing. Bei Vielen blieb das Angeſicht beinahe unverändert, während der übrige Körper nur Geripp war; das lange Haar, das menſchliche Antlitz auf dem ſcheußlichen Skelett. Da lag das Kind noch an der Bruſt der Mutter, dort der Liebende quer über den zarten Glicdern der Angebeteten! Die Ratten (und es kamen unzählige zu dieſem Feſte) fuhren nur geſtört, nicht verſcheucht von ihrem abſcheulichen Mahle auf, als das Licht auf ſie hinabfiel, und Tauſende derſel⸗ ben lagen ſtarr undtodt umher, vergiftet von ihrem Fraß! Da hatte auch der rohe Spott der Todtengräber, obwohl des Goldes und der Edelſteine beraubt, die Zeichen frühe⸗ rer hoher Stellung hinabgeworfen— den zerbrochenen Stab des Richters, den Feldherrnſtab, die prieſterliche Mütze Die unreinen, ſchwarzblauen Dunſtgebilde ſetz⸗ ten ſich, wie das Fleiſch ſelbſt, ſchwammig und faul an den Wänden an und das* Aber wer wollte die unausſprechlichen, undenkba⸗ ren Schauer beſchreiben, die in dem Palaſte herrſch⸗ ten, wo der große König die Gefangenen empfing, welche das Schwert der Peſt bezwungen hatte? Aber von der ganzen zahlreichen Verſammlung— ſo reich an Schönheit und hoher Geburt, an Stärke der Jugend und Ehren des Alters, an Muth der Ta⸗ pferen und Weisheit der Gelehrten, an Witz der Spöt⸗ ter und Frömmigkeit der Gläubigen— zog nur eine Geſtalt Adrian's Auge auf ſich. Abgeſondert von den übrigen, ein neuer Gaſt— lag, während die langen, ſchwarzen Locken Arme und Bruſt übergoſ⸗ ſen— eine weibliche Geſtalt, das Antlitz halb auf die Seite gekehrt, daß ſelbſt die Mutter der Todten an dem Wenigen, was man ſehen konnte, ſie nicht erkannt hätte,— aber eingehüllt in jenen unglückli⸗ chen Mantel, auf dem, obwohl ſchwarz und beſchmutzt, noch die heraldiſchen Sterne ſichtbar waren, vas Ab⸗ zeichen Derjenigen, welche auf den Namen des ſtol⸗ zen Tribuns von Rom Anſpruch hatten. Adrian ſah nichts mehr— er fiel rückwärts in die Arme der Todten⸗ gräber; als er wieder zu ſich kam, befand er ſich * Wer das fürchterlich getreue Abbild des Inneren des Grabes, das einen Theil der öffemlichen Schauousſtellungen in Florenz ausmacht, geſehen hat, wird in demſelben die Quelle der Schilderung in dem Texte erkennen. noch au grünen und hiel hen gebl ſen der wieder / St dachte r luft ger Und da da ich wenn Pferd. verließe benverd Komm leid m Ihr de welcher zu küm geſtellt zeigte, ten, n „ um D den, zu ka bes ſ längſt Gefal nd faul denkba⸗ errſch⸗ npfing, 7 — Stärke er Ta⸗ Spöt⸗ ur eine t n nd die ergoſ⸗ b auf Lodten nicht lückli⸗ mutzt, 8 Ab⸗ ſtol⸗ n ſah odten⸗ ſich en des lungen Quelle noch außerhalb der Thore von Florenz— auf einem grünen Hügel liegend— ſein Führer ſtand neben ihm und hielt ſein Roß am Zügel, das geduldig das ſte⸗ hen gebliebene Gras abweidete. Die andern Genoſ⸗ ſen der Haue hatten ihren Sitz unter dem Schuppen wieder eingenommen. „So kommt Ihr wieder zum Leben! Ach! ich dachte mir, daß es nur das Ausſtrömen der Peſt⸗ luft geweſen ſei; Wenige ertragen es ſo, wie wir. Und da Euer Nachforſchen jetzt vorüber iſt, holte ich, da ich mir dachte, Ihr werdet Florenz jetzt verlaſſen, wenn Ihr noch einigen Verſtand habt, Euer gutes Pferd. Ich habe es gefüttert, ſeit Ihr den Palaſt verließet. Ich glaubte in der That, es ſei ein Ne⸗ benverdienſt für mich, aber es gibt gleich gute genug. Kommt, junger Herr, ſteigt auf. Ich fühle Mit⸗ leid mit Euch, ich weiß nicht, warum, außer weil Ihr der Einzige ſeid, den ich ſeit vier Wochen traf, welcher ſich mehr um Jemand anders, als um ſich ſelbſt, zu kümmern ſchien. Ich hoffe, jetzt ſeid Ihr zufrieden geſtellt, daß ich in Eurem Dienſte einigen Verſtand zeigte, he!— und wie ich mein Verſprechen gehal⸗ ten, werdet auch Ihr das Eurige halten,“ „Freund,“ ſagte Adrian,„hier iſt Gold genug, um Dich reich zu machen, hier iſt auch ein Juwel, den, wie Dir die Kaufleute ſagen können, Fürſten zu kaufen wetteifern werden. Trotz Deines Gewer⸗ bes ſcheinſt Du mir ehrlich, ſonſt hätteſt Du mich längſt ermordet und beraubt. Erweiſe mir noch einen Gefallen.“ „Bei meiner armen Mutter Seele, ja.“ „Nimm jenen— jenen Leichnam von dem ſchreck⸗ lichen Orte weg. Begrabe ihn an einer ruhigen, fer⸗ nen Stelle— bei Seite— allein! Du verſprichſt— Du heſchwörſt es mir?— es iſt gut! Und jetzt hilf mir auf mein Pferd. Lebe wohl Italien, und wenn ich dieſem Schlage nicht unterliege, ſo möge ich ſterben, wie es der Ehre und Verzweiflung ge⸗ ziemt— Trompeten und Fahnen um mich— auf einem gegen einen würdigen Feind tapfer behaupte⸗ tem Schlachtfelde! Außer einem ritterlichen Tode habe ich in dieſem Leben Nichts mehr zu wünſchen!“ Avigno . Zwif beinahe Unterſch durch eir 3 laufende Verſchie Endreſu Ortes, uns dure den Han das Int ſchreck⸗ zen, fer⸗ richſt— nd jetzt en, und o möge ung ge⸗ — auf ehaupte⸗ ode habe n 1 Siebentes Vuch. Das Gefängniß. Fu rinchiuso in una torre grossa e larga; aven libri assai, suo Pito Livio, suo storie di Roma, la Biblia, ete. Vit. di Col. di Riensi, lib. II. cap. 13. Er wurde eingeſch'oſſen in einem großen, weiten Thurme; Bücher hatte er genug, ſeinen Titus Livius, ſeine Geſchichte von Rom, die Bibel u. ſ. w. Erſtes Kapitel. Avignon— Die beiden Pagen— Die fremde Schönheit. Zwiſchen den Dramen Shakeſpeare's und denen beinahe aller übrigen dramatiſchen Dichter iſt der Unterſchied, daß in den erſteren die Kataſtrophe ſelten durch eine einzige Urſache, durch eine einfache und fort⸗ laufende Kette von Ereigniſſen herbeigeführt wird. Verſchiedenartige und verwickelte Kräfte bewirken das Endreſultat. Entfeſſelt der Regeln der Zeit und des Ortes, ſchildert er jede Zeit, jeden Ort, und erfreut uns durch den ihm eigenen geſchickten Wechſel zwiſchen den Handlungen und den Handelnden. Bisweilen ſcheint das Intereſſe anzuhalten, ſich abzuwenden, und uns 146 unverſehens auf bisher unbeachtete Gegenſtände, oder Petrus auf bisher nur angedeutete, nicht entwickelte Eige⸗ Kaiſerſ ſchaften der Charaktere zu bringen. In der Wirk⸗ oder der lichkeit aber dient der Stillſtand in der Handlung nr riſchen dazu, alle die verſchiedenen Umſtände, die zu dem Stuhles großen Endergebniß führen, zu ſammeln und zu⸗ war den ſammenzufaſſen; und die übliche Gewohnheit der Dicht⸗ Zeit viel kunſt wird nur aus Rückſicht für die edlere Treue der in Euro Geſchichte verlaſſen. Wer der Welt die wahre Dar⸗ mens V) ſtellung von dem Leben und der Zeit eines Mannes nerung vorlegen will, und während er das Dramatiſche zum breitet, Epiſchen erweitert, ſeine Erzählung über die wechſel⸗ immer ſe vollen Ereigniſſe von Jahren ausdehnt, wird finden, und die, daß er, ohne ſich deſſen bewußt geweſen zu ſein, Inno Shakeſpeare hierin nachahmte. Neue Charaktere, und wele deren jeder dem Schluſſe förderlich iſt,— neue Scenen, Gelehrſa deren jede auf die letzte hinführt, erheben ſich vor ſtens Ken ihm während ſeines Weiterſchreitens und ſcheinen den anmuthige Leſer bisweilen die gefürchtete Kataſtrophe aufzuhalten Vergnüge während ſie dieſelbe gerade beſchleunigen. Die Opfer ganzen Oi prozeſſion zieht dahin; ſie wird durch neue Ankömm daß ſie de linge vermehrt und verliert Viele von Denjenigen ſelbſt ein welche ſich zuerſt anſchloſſen, ehe endlich der Zug haftem Le als ein Ganzes, aber in den einzelnen Theilen, au gänger, denen er beſteht, verändert, das verhängnißvolle Ziel Innorenz des Altars und des Opfers erreicht! geiz. Da Fünf Jahre ſind ſeit den zuletzt erzählten Ereig⸗* Matte niſſen verfloſſen und meine Geſchichte führt uns un V an den päpſtlichen Hof in Avignon— dieſen ruhige b Sitz der Macht, wohin die Nachfolger des heilige Toulouſe. 147 e, oe Petrus die üppigkeit, die Pracht und die Laſter der Eigen⸗ Kaiſerſtadt verpflanzt hatten. Sicher vor dem Trug, r Wirk⸗ oder der Gewaltthätigkeit eines mächtigen und barba⸗ ung nur riſchen Adels, überließen ſich die Höflinge des heiligen zu dem Stuhles einem Feſttage des Vergnügens— ihre Ruhe und zu⸗ war dem Genuß geweiht, und Avignon hatte zu jener er Dicht⸗ Zeit vielleicht die heiterſte und wollüſtigſte Geſellſchaft Treue der in Eurvopa aufzuweiſen. Die Prachtliebe von Cle⸗ re Dar mens VI. hatte einen Schein von gelehrter Verfei⸗ Mannes nerung über die finnlichen Genüſſe des Ortes ver⸗ iſche zun breitet, und der Geiſt Petrarka's bahnte ſich noch wechſe⸗ immer ſeinen Weg durch die Intriguen der Parteien rd finden und die Orgien der Ausſchweifung. zu ſein, Innveenz VI. war kürzlich auf Clemens gefolgt, haraktere, und welcher Art auch ſeine eignen Anſprüche auf e Scenen Gelehrſamkeit? ſein mögen, ſchätzte er doch wenig⸗ ſich vo ſtens Kenntniſſe und Geiſt an Anderen, ſo daß die einen em amuthie Pedanterie ſich mit dem Streben nach ufzuhulten, Vergnügen vereinte. Die Verderbniß, die an dem die Opfer ganzen Orte herrſchte, war zu ſehr eingewurzelt, als Ankömn daß ſie dem Beiſpiele Innocenz's gewichen wäre, der enjenigen⸗ ſelbſt ein Mann von einfachen Sitten und muſter⸗ er Zi haftem Lebenswandel war. Obgleich, wie ſein Vor⸗ heilen, a gänger, der Politik Frankreichs gehorſam, beſaß ßvolle Zil Innorenz doch einen unbeugſamen, bedeutenden Ehr⸗ geit. Da ihm die Intereſſen der Kirche ſehr am lten Ereig⸗*WMatteo Villani(Buch 11I. Kap. 44) ſagt, die Anſprüche Inoncknz VI. auf Gelehrſamkeit ſeien gering. Indeſſen behaup⸗ rt uns hl zen nach Zeferino Re andere Autoritäten, er ſei ein„occellente ſen ruhig canonistas geweſen. Er war Lehrer an der Univerſität zu es heiligen Toulouſe. 148 Herzen lagen, entwarf er den Plan, ihre erſchüttert⸗ Herrſchaft in Italien zu befeſtigen und wieder her⸗ zuſtellen, und betrachtete die Tyrannen der verſchie⸗ denen Staaten als Diejenigen, welche ſeinem kirch⸗ lichen Ehrgeize am meiſten im Wege ſtanden. G war dieß aber nicht nur die Politik Innocenz VI.— Abgeſehen von Ausnahmen, wie ſie beſondere Un⸗ ſtände gelegentlich herbeiführen mußten, war de päpſtliche Stuhl der politiſchen Freiheit Italiens ir Ganzen gewogen. Die Republiken des Mittelalte wuchſen unter dem Schatten der Kirche auf; un auch hier, wie anderswo, zeigte ſich, der gewöhr lichen Meinung zuwiderlaufend, daß die Religin wie ſehr auch herabgewürdigt und verdreht, doch i Allgemeinen zum Schutze der Freiheit diente, Niederen erhob, und den Unterdrückern ſich widerſezi Zu dieſer Zeit erſchien in Avignon eine Dar von außerordentlicher, unvergleichlicher Schönheit. 6 war mit einem kleinen, aber auserleſenen Gefolge Florenz gekommen, gab ſich ſelbſt aber für eine N. politanerin, die Wittwe eines Edeln von dem glänz den Hofe der unglücklichen Johanna aus. Ihr Nn war Cäſarini. In einer Stadt, wo ſogar in der Gi delle der Chriſtenheit Venus noch ihre alte Ho ſchaft ausübte, wo die Liebe das Hauptgeſchäft! Lebens ausmachte und Schönheit gleichbedeutend* mit Macht, durfte Signora Cäſarini nur eim öffentlich erſchienen, um die Hälfte von Avigno Adel und Ritterſchaft zu ihren Füßen zu ſehen. 3 Dienerinnen wurden mit Geſchenken und Billets iß Heiligkeit häuft; u die klage heiteren theilten dichten J finſtere 2 mand aut Ruf war unter den Ehrgeiz haben, 1 Albornoz, ſchon die Es w der ſchöne gekleidete der Vorn⸗ „Bei Dienſtleut denen er vertreiben ſchäftigung Unſere G⸗ „Und gezogen,“ leidig ſein „Stillq „ſchweige draußen ſchütterie eder her⸗ verſchie⸗ em kirch⸗ den. G enz VI.— dere Un⸗ war de taliens in Nittelalten auf; un ergewöh Religin t, edoch i diente, 8 widerſetz eine Don hönheit. 6 Gefolge w ir eine Ne em glän Ihr Nat in der Cü alte He tgeſchäftn edeutend w nur ein en Anine ſehen. 3 Billets i 149 häuft; und jede Nacht hörte man unter ihrem Fenſter die klagende Serenade. Sie warf ſich eifrig in die heiteren Zerſtreuungen der Stadt, und ihre Reize theilten die Bewunderung des Tages mit den Ge⸗ dichten Petrarka's. Wenn ſie gleich Niemand durch finſtere Blicke zurückwies, konnte ſich doch auch Nie⸗ mand ausſchließlich eines Lächelns rühmen. Ihr guter Ruf war noch unbefleckt; und wenn ſie je Einen unter den Vielen vorzog, ſo ſchien ſie mehr der Ehrgeiz als die Liebe in ihrer Wahl geleitet zu haben, und Giles, der kriegeriſche Cardinal von Albornoz, allmächtig an dem heiligen Hofe, ahnte ſchon die Stunde ſeines Triumphes. Es war hoher Mittag, und in den Vorzimmern der ſchönen Signora warteten zwei ſchöne und reich gekleidete Pagen, wie ſie damals die Lieblingsdiener der Vornehmen beiderlei Geſchlechtes waren. „Bei meiner Treu,“ ſagte Einer von den jungen Dienſtleuten, indem er die Würfel von ſich ſtieß, mit denen er und ſein Gefährte ſich bisher die Zeit zu vertreiben geſucht hatten,„das iſt eine geiſtloſe Be⸗ ſchäftigung, und der beſte Theil des Tages iſt vorbei. Unſere Gebieterin kommt ſpät.“ „Und ich habe meinen neuen Sammtmantel an⸗ gezogen,“ verſetzte der Andere und betrachtete mit⸗ leidig ſeinen Putz. „Stille, Giacvmo,“ ſagte ſein Kamerad gähnend; „ſchweige doch mit Deiner Eitelkeit.— Was es draußen Neues gibt, bin ich begierig. Iſt ſeine Heiligkeit jetzt zum Verſtand gekommen?“ 15⁰ „Zum Verſtand! wie, iſt er denn toll?“ fragt⸗ Giacomo mit ernſtem, erſtauntem Flüſtern. „Ich glaube ſo; wenn er als Papſt nicht begreift, daß er Maske und Hut endlich ablegen kann. Ein enthaltſamer Cardinal— ein ausſchweifender Papſ, iſt, wie Du weißt, das alte Sprüchwort; Etwas muß in dem Gehirn des guten Mannes fehlen, wenn fortfährt, zu leben wie ein Eremit.“ „O, ich verſtehe Dich! aber wahrlich, ſeine Hei⸗ ligkeit hat Stellvertreter genug. Die Biſchöfe ſorgen Gott ſegne ſie! daß die Frauen nicht aus der A ſchlagen; und ſeine Eminenz von Albornoz bewähr Dein Sprüchwort hinſichtlich der Cardinäle ſchlecht, „Wahr, jedoch Giles iſt ein Krieger,— ein Can vinal in der Kirche, aber ein Soldat in der Stadt“ „Glaubſt Du, er werde die Feſtung hier ein nehmen, Angelo?“ „Nun, die Feſtung iſt ein Weib, aber——“ „Aber was?“ „Die Stirne der Signora iſt bei all ihrer Schör heit mehr für die Herrſchaft als die Liebe geſchaffen Sie ſieht in Albornoz den Fürſten, nicht den Lieben den. Mit welchem Schritt ſie über den Boden hin geht! er verachtet ſogar die goldenen Teppiche!“ „Horch!“ ſagte Giacomo und eilte an das Fen ſter,„hörſt Du die Huftritte unten? Ha, ein ſtat⸗ licher Zug!“ „Der von der Falkenjagd heimkehrt,“ antwort Angelo und betrachtete nachdenklich die Cavaleade, w ſie durch die enge Straße zog.„Schwankende Fede kurbett lier ſic „S nige,“ Als wegte, zog, ur der Pfe da trat von der vor die ſchien tr welchen Ritzen n ein auffa her, den der ſich ſchienen zogen ſic „Ich Angelo, denkſt, j „Und ſo hoch hätte,“ „Und nen, der „Erz ſagte Gig ein Röm wenn et eine Hei⸗ fe ſorgen, der An bewähr ſchlecht“ ein Can er Stadt. hier ein 0 rer Schör geſchaffn den Lieben Boden hin ppiche!“ tdas Fen „ein ſüt⸗ antworte aleade, nde Feden 151 kurbettirende Roſſe— ſieh, wie jener hübſche Cava⸗ lier ſich nahe an jene Dame drängt!“ „Sein Mantel hat dieſelbe Farbe wie der mei⸗ nige,“ ſeufzte Giacomo. Als der ſtattliche Zug ſich langſam vorwärts be⸗ wegte, bis eine Straßenbiegung ihn dem Auge ent⸗ zog, und der Schall des Gelächters und der Hufſchlag der Pferde nur noch undeutlich ſich vernehmen ließen, da trat zur Rechten ein dunkler, muſſiver Thurm, von der gewaltigen Bauart des elften Jahrhunderts, vor die angeſtrengten Blicke der Pagen; die Sonne ſchien trübe an ſeine großen, unheimlichen Seiten, an welchen nur hier und dort Gucklöcher und ſchmale Ritzen mehr als Fenſter bemerkbar waren Es war ein auffallender Gegenſatz zu der Heiterkeit rings um⸗ her, den glänzenden Läden und dem fröhlichen Zuge, der ſich eben unten hinbewegt hatte. Dieſen Contraſt ſchienen die jungen Leute unwillkürlich zu fühlen; ſie zogen ſich zurück und ſahen einander an. „Ich weiß, was Du jetzt denkſt, Giacomo,“ ſagte Angelo, der Hübſchere und Altere von Beiden.„Du denkſt, jener Thurm ſei eine traurige Wohnung?“ „Und ich danke meinen Sternen, die mich nicht ſo hoch erhoben, daß ich ein ſo großes Käſig nöthig hätte,“ verſetzte Giacomv. „Und doch,“ bemerkte Angelv,„iſt Einer darin⸗ nen, der nicht höher geboren wurde wie wir.“ „Erzähle mir etwas von dem ſonderbaren Manne,“ ſagte Giacomo, indem er ſich wieder ſetzte;„Du biſt ein Römer und mußt es wiſſen.“ „Ja!“ antwortete Angelo, ſich ſtolz aufrichtend. „Ich bin ein Römer! und unwürdig wäre ich meiner Geburt, hätte ich noch nicht gelernt, welche Ehre dem Namen Cola di Rienzi's gebührt.“ „Aber Deine Landsleute in Rom hätten ihn bei⸗ nahe geſteinigt, glaube ich,“ murmelte Giacomv.„Die Ehre ſcheint mehr in Fußtritten, als in Geld zu be⸗ ſtehen. Kannſt Du mir ſagen,“ fuhr der Page in lauterem Tone fort,„kannſt Du mir ſagen, ob es wahr iſt, daß Rienzi in Prag vor dem Kaiſer er⸗ ſchien und prophezeihte, der vorige Papſt und alle Cardinäle würden ermordet und ein neuer italieniſcher Papſt gewählt, der den Kaiſer als Fürſten von Si⸗ eilien, Calabrien und Apulien“ mit einer goldenen, und ſich ſelbſt als König von Rom und ganz Italien mit einer ſilbernen Krone krönen werde? und——“ „Schweige!“ unterbrach ihn Angelo ungeduldig. „Höre mir zu und Du ſolli den Hergang der Sache genau erfahren. Als der Tribun das letzte mal Rom verließ(Du weißt, daß er nach ſeinem Falle verkleidet bei der Feier des Jubeljahres zugegen war),„hiet hielt Angelo inne, blickte ſich überall um, und ſagte vann mit rötherer Wange und erhobener Stimme, „ja, der Tribun, das war er⸗ und das wird er wieder ſein— reiste er, als Pilger verkleidet, über Berge und Wälder, Tag und Nacht, dem Regen und dem Sturm ausgeſetzt, ohne ein anderes Obdach als Höhlen, er, der, wie man ſagt, das verzärtelte Kind „Eine alberne Fabel, die gewiſſe Geſchichtſchreiber auj⸗ nahmen. des Lur men, en erhielt Karl.“ „Eit „filzig w geht nac von mei „Wa chermenſ mäßig iſ lien! Vr großer 5 Gott ber mit Ger Adeligen Geſetze. und Nei hoch Ihr das Secep können. Eures C Heinrichs rollt in Verhältn Von Eue rechtigkeit * Ohe Mor phen,“ By Bulwe chtend. meiner edem hu bei⸗ Dit zu be⸗ zage in oh es iſer er⸗ nv alle eniſcher n SSi⸗ oldenen, Italien d—— eduldig. er Sache tal Rom erkleidet „ hiet und ſagte Stimme, wird er det, über egen und bdach als elte Kind reiber auß⸗ 153 des Luxus ſelbſt war. Endlich in Böhmen angekom⸗ men, entdeckte er ſich einem Florentiner in Prag und erhielt durch deſſen Hülfe eine Audienz bei Kaiſer Karl.“ „Ein kluger Mann, der Kaiſer!“ ſagte Giacomo, „filzig wie ein Geizhals. Seine Siege erkauft er und geht nach Lorbeeren auf den Markt— ſo hörte ich von meinem Bruder, der unter ihm diente.“ „Wahr; aber ich habe auch gehört, daß er Bü⸗ chermenſchen und Gelehrte liebe— daß er weiſe und mäßig iſt, und viel hofft man noch von ihm in Ita⸗ lien! Vor den Kaiſer, ſage ich, kam Rienzi. Wiſſe, großer Fürſt, ſagte er, daß ich der Rienzi bin, den Gott bevollmächtigte, Rom zu regieren in Frieden, mit Gerechtigkeit und in Freiheit. Ich zügelte die Adeligen, rottete die Verderbniß aus, verbeſſerte die Geſetze. Die Mächtigen verfolgten mich— Stolz und Neid vertrieben mich aus meinem Staate. So hoch Ihr ſteht, ſo tief bin ich gefallen; auch ich habe das Seepter geſchwungen und hätte eine Krone tragen können. Wißt auch, daß ich ein illegitimer Sprößling Eures Geſchlechtes bin; mein Vater war der Sohn Heinrichs VII.;* das Blut der teutoniſchen Könige rollt in meinen Adern, ſo niedrig meine früheren Verhältniſſe, ſo beſcheiden mein früherer Name war! Von Euch, o König, verlange ich Schutz und Ge⸗ rechtigkeit.“** * Oheim von Kaiſer Korl. ** Man ſehe über dieſe Anrede den„gleichzeitigen Biogra⸗ phen,“ Buch II, Kap. 12. Bylwer, Rienzi. M⸗ 1¹ „Eine kühne Sprache, wie etwa zwei Gleich⸗ geſtellte mit einander; ſicherlich haſt Du die Worte noch aufgeblaſen.“ „Nicht im geringſten; der Schreiber des Kaiſers hat ſie niedergeſchrieben, und jeder Römer, der ſie einmal gehört, weiß ſie auswendig; einſt war jeder Römer einem Könige eber irtig und Rienzi behauptete unſere Würde, während er die ſeinige vertheidigte.“ Giacomo kannte die ſchwache E ite ſeines Freundes und vermied verſtändig Zu und obgleich er in ſeinem Herzen dachte, vie Römer ſeien ein ſo un⸗ taugliches Volk von unruhigen Memmen, als nur eines in Italien exiſtire, nahm er doch nur einen Strohhalm von ſeinem Mantel und ſagte in etwas ungeduldigem Tone;„Hin! fahre ſort! entließ ihn der Kaiſer?“ „Nichts weniger; Karl war über ſein Benehmen und ſeinen Geiſt erſtaunt und nahm ihn gnädig, gaſt⸗ freunvlich auf. Er blieb einige Zeit in Prag und ſetzte alle Gelehrte durch ſeine Kenntniſſe und ſcine Beredſamkeit in Erſtaunen.“* „Wenn er aber in Prag ſo mit Ehren überhäuft wurde, wie kam er dann als Gsfangener nach Avignonk“ „Giacomo,“ ſagte Angelo nachdenkend,„es gibt Männer von anberem Geiſte und anderem Schlage, „Sein italieniſcher Zeitgenoſſe findet ein Vergnügen daran, dieſen merkwürdigen Mann als einen zweiten Chrichthon dar⸗ zuſtellen.„Disputava,“ ſagt er aus Veranlaſſung ſeines Auf⸗ enthalts in Prag von ihm,„disputava con Mastri di teolo- gia; molto diceva, Parlava cose meravigliose, lingus diserta appäir fea ogni persona.“ 6 die wir ich habe gewöhnl Seelena iſt. Du ſich mit ſteigen in dem lichkeite ſpielen, Einige aber, e geben ſich ohn „T „Ur Einzige Page. rend ſe Legaten der Ket auf ihr Wie al Kein m Volkes. Adel a Geiſt„ er ſich von de nigen, Gleich⸗ Du die Kaiſers der ſie ar jeder hauptete idigte.“ Freundes gleich er n ſo un⸗ als nur ur einen in etwas tließ ihn enemen ig, gaſt⸗ rag und ind ſeine äberhäuft vignon?“ „es gibt Schlage, igen daran, chthon dar⸗ ſeines Auf⸗ i di teolo- e, ling 155 die wir ſelten begreifen, nie ergründen können. Und ich habe bemerkt, daß bei ſolchen Männern ein un⸗ gewöhnliches Vertrauen auf ihr Glück oder ihren Seelenadel ein ſehr häufig vorkommender Charakterzug iſt. Durch ſolche Ideen aufrecht erhalten, ſtürzen ſie ſich mit anſcheinender Tollkühnheit in Gefahr und ſteigen aus dieſer entweder zur Bröße oder verſinken in dem Abgrunde. So auch Rienzi; der leeren Höf⸗ lichkeiten überdrüſſig, und müde, den Pedanten zu ſpielen, verließ er, der früher den Fürſten geſpielt— Einige ſagen aus eigenem Antriebe, Andere berichten aber, er ſei von Karl dem Legaten des Papſtes über⸗ geben worden— den kaiſerlichen Hof und begab ſich ohne Waffen, ohne Geld plötzlich nach Avignon!“ „Tollheit, fürwahr!“ „Und doch in ſeinen Verhältniſſen vielleicht das Einzige, was ihm übrig blieb,“ verſetzte der ältere Page.„Einmal vor ſeinem Falle und einmal wäh⸗ rend ſeiner Abweſenheit von Rom war er von dem Legaten des Papſtes excommunizirt worden. Er war der Ketzerei angeklagt— der Bann lag noch immer auf ihm. Es war nothwendig, daß er ſich reinigte. Wie aber war dies dem armen Verbannten möglich? Kein mächtiger Freund erhob ſich für den Freund des Volkes. Kein Höfling beſchützte den Mann, der dem Adel auf den Nacken getreten hatte. Sein eigener Geiſt war ſein einziger Freund; nur auf ihn konnte er ſich verlaſſen. Er reiste nach Avignon, um ſich von den gegen ihn erhobenen Beſchuldigungen zu rei⸗ nigen, und ohne Zweifel hoffte er, von ſeiner Frei⸗ 156 ſprechung zu ſeiner Wiedereinſetzung werde nur ein Schritt ſein. überdies weiß man gewiß, daß an dem Kaiſer wegen der förmlichen Auslieferung Rienzi's emſig gearbeitet wurde. Er hatte die Wahl vor ſich, denn bälder oder ſpäter mußte es dazu kommen— frei oder in Feſſeln— als Verbrecher oder als ein Römer hinzugehen. Er wählte das letztere. In jeder Stadt, in jedem Dorfe, wo er durchkam, lief das Volk zuſammen. Der Name des großen Tribuns war in ganz Italien geehrt. Sie baten ihn, er möchte ſich nicht tollkühn in die Gefahr ſtürzen— ſie flehten ihn an, er möchte ſich für das Land erhalten, das zu erheben er geſtrebt. Ich gehe, mich zu verthei⸗ digen und zu triumphiren, war die Antwort des Tri⸗ buns. Feſtliche Ehren wurden ihm in den Städten zu Theil, die er durchreiste,“ und ich ließ mir er⸗ zählen, daß nie ein Geſandter, Fürſt oder Baron mit einem ſo langen Zuge nach Avignon gekommen ſei, wie derjenige war, der in eben dieſen Mauern den Schritten Cola di Rienzi's folgte.“ „Und nach ſeiner Ankunft?“ „Bat er um eine Audienz, um die gegen ihn er⸗ hobenen Beſchuldigungen zu widerlegen. Er warf den ſtolzen Cardinälen, die ihn excommunizirt, den Hand⸗ ſchuh hin. Er bat um eine Unterſuchung.“ „Und was ſagte der Papſt?“ „Nichts— mit Worten. Jener Thurm war ſeine Antwort!“ * Per tutto la via li furo fatti solenni onoriete.— Vi. di Col. di Riensi, lih. M, cap. 13. „Eit „Ab zu mach Gott ha Ketten Als Enthuſie nen Tri hörte er etwas be Zimmer von edl Gold ur ſchwarze gebieten! für eine Schönhe und ein „Ve „ich ſpr Römer, „Ri geeignet keine E Lippen hielt pl ſie in das Sc einſetzt, „W nur ein n dem Rienzi's vor ſich, men— als ein In jeder lief das uns war möchte e flehten en, das verthei⸗ des Tri⸗ Städten mir er⸗ ron mit nen ſei, tern den ihn er⸗ varf den n Hand⸗ ar ſeine ri ete.— 157 „Eine etwas unhöfliche!“ „Aber man hat manchmal einen längeren Weg zu machen, als vom Kerker zu dem Palaſte, und Gott hat Männer, wie Rienzi, nicht für Kerker und Ketten geſchaffen.“ Als Angelv dies mit lauter Stimme und all dem Enthuſiasmus ſagte, welchen der Ruhm des gefalle⸗ nen Tribuns der römiſchen Jugend eingeflößt hatte, hörte er einen Seufzer hinter ſich. Er wandte ſich etwas beſtürzt um, und an der Thüre, die zu dem Zimmer der Signora Cäſarini führte, ſtand eine Frau von edlem Außern. Aufs Reichſte gekleidet, waren Gold und Edelſteine nur matt gegen den Glanz ihrer ſchwarzen Augen, und wie ſie ſo aufrecht und Achtung gebietend daſtand, ſchien nie eine Stirne geeigneter für eine Königskrone— nie vollendete menſchliche Schönheit in höherem Grade das Ideal einer Heldin und einer Königin. „Verzeiht mir, Signora,“ ſagte Angelo ſtockend, „ich ſprach laut, ich ſtörte Euch; aber ich bin ein Römer, und mein Gegenſtand war——“ „Rienzi!“ ſagte die Dame, näher tretend;„ganz geeignet, ein römiſches Herz aufzuregen. Nein— keine Entſchuldigungen; ſie würden auf Deinen edeln Lippen übel klingen: Ach, wenn—“ die Signora hielt plötzlich inne und ſeufzte wieder; dann begann ſie in verändertem, ernſtem Tone wieder:„wenn das Schickſal Rienzi in ſein früheres Glück wieder einſetzt, ſo ſoll er erfahren, wie Du von ihm denkſt.“ „Wenn Ihr, Gebieterin, die Ihr aus Neapel 158 ſeid,“ ſagte Angelo mit bedentungsvollem Nachdrucke, „ſo von einem gefallenen Verbannten ſprecht, was muß ich gefühlt haben, der ich ihn als Oberhaupt des Staates anerkannte?“ „Nicht Rom allein— Italien— der Welt ge⸗ hörte Rienzi an,“ verſetzte die Signvra.„Und Du, Angelo, der Du die Kühnheit hatteſt, ſo von einem Gefallenen zu ſprechen, haſt dadurch einen Beweis gegeben, mit welcher Ergebenheit Du denjenigen dienen kannſt, welche das Glück haben, Dich für ihr Eigen⸗ thum zu erkennen“ Bei dieſen Worten ſah die Signora lang und aufmerkſam auf das niedergeſchlagene, erröthende Ant⸗ litz des Pagen, mit einem Blicke, der gewohnt war, die Seele in den Zügen zu leſen. „Die Männer werden oft betrogen,“ ſagte ſie traurig, aber doch halb lächelnd;„die Frauen ſelten — außer in der Liebe. Ich wollte, Rom hätte viele Deinesgleichen! Genug! Horch! Iſt dies der Schall von Huſtritten im Hofe unten?“ „Madame,“ ſagte Giacomo, während er ſeinen Mantel ſtattlich über die Schulter warf, ich ſehe die Diener Seiner Eminenz, des Cardinals von Albornoz. — Es iſt der Cardinal ſelbſt.“ „Es iſt gut!“ ſagte die Signora mit glänzendem Auge.„Ich erwarte ihn!“ Mit dieſen Worten ent⸗ fernte ſie ſich durch die Thüre, aus welcher ſie kam, als ſie den römiſchen Pagen überraſchte. Der Ch war ei geiſtert mung Leon, beinah erhalte Laufbe Ehren ſtreitet gnüget König Hand erhalt gehan und e bei J verbre des P Krieg Wiede Händ * tend m Zeit w hdrucke, t, was erat Pelt ge⸗ d Du, n einem Beweis ndienen Eigen⸗ ung und nde Ant⸗ nt war, ſagte ſie en ſelten itte viele r Schall er ſeinen ſehe die Albornoz. änzendem rten ent⸗ ſie kam, 159 Zweites Kapitel. Der Charakter eines kriegeriſchen Prieſters— Eine Unterredung — Die Intrigue und Gegenintrigue an Höfen. Giles(oder Egidio*), Cardinal von Albornoz, war einer der merkwürdigſten Männer jener an Kraft⸗ geiſtern ſo reichen Zeit. Er r hmte ſich der Abſtam⸗ mung von den königlichen Häuſern von Aragon und Leon, war frühe in die Kirche getreten und hatte beinahe noch als Jüngling das Erzbisthum Toledo erhalten. Aber eine friedliche, wenn auch glänzende Laufbahn genügte ſeinem Ehrgeize nicht. Mit den Ehren der Kirche, außer es wären die Ehren einer ſtreitenden Kirche geweſen, konnte er ſich nicht be⸗ gnügen. In dem Kriege gegen die Mauren hatte ſich kein Spanier mehr ausgezeichnet, und Alphons KI., König von Caſtilien, war darauf beſtanden, von der Hand des kriegeriſchen Prieſters den Ritterſchlag zu erhalten. Nach dem Tode Alphons, der ſehr an ihm gehungen war, begab ſich Albornoz nach Avignon und erhielt von Clemens VI. den Cardinalshut. Auch bei Innvcenz ſtand er in hoher Gunſt, und ſchon verbreiteten ſich, da er immer bei den Berathungen des Papſtes zugegen war, an dem Hofe Gerüchte von Kriegsrüſtungen unter den Fahnen von Albornoz zur Wiedereroberung des päpſtlichen Gebietes aus den Händen der verſchiedenen Thrannen, die es an ſich r1i * Egidio iſt der eigentliche italieniſche Name, gleichbedeu⸗ tend mit dem franzöſiſchen Gilles— von den Schriftſtellern jener Zeit wird aber der Cardinal gewöhnlich Gilio dAlbornoz genannt. füh 160 geriſſen.“ Kühn, ſcharfſinnig, unternehmend und kalt⸗ herzig— mit der Tapferkeit des Ritters die Liſt des Pfaffen verbindend— dies war der Charakter von Giles, Cardinal von Albornoz. Albornoz ließ ſeine Begleiter in dem Vorzimmer und wurde in das Gemach der Signora Cäſarini ein⸗ geführt. Er war ein Mann von mittlerer Größe; die dunkle Geſichtsfarbe Spaniens war durch immerwäh⸗ rendes Nachdenken über ehrgeizige Plane in ein dauer⸗ haftes Blaßgelh übergegangen; ſeine Stirne war tief gefurcht, und ob er gleich des Lebens Blüte noch nicht überſchritten, hätte es doch den Anſchein ge⸗ winnen können, als nähere er ſich ſchon ſehr dem Alter, hätten nicht die Feſtigkeit ſeines Trittes, die ſchlanke Elaſtieität ſeines Körpers und ein Auge da⸗ gegen geſprochen, das durch Nachdenken Ruhe und Tiefe erhalten hatte, ohne etwas von dem Glanze der Jugend zu verlieren. „Schöne Signora,“ ſagte der Cardinal, indem er ſich üͤber die Hand der Cäſarini mit einer Anmuth hinbengte, welche mehr den Fürſten, als den Prieſter verrieth,„die Befehle Seiner Heiligkeit haben mich, wie ich fürchte, länger als nur bis zu der Stunde * Eine charakteriſtiſche Aneldote dieſes kühnen Geiſtlichen iſt folgende: Urban v. verlangte eines Tages Rechenſchaft über die auf ſeinem Kriegszuge gegen die italieniſchen Tyrannen ver⸗ wendeten Summen. Der Cardinal ließ dem Papſte einen Wagen mit den Schlüſſeln der von ihm eroberten Städte und Feſten vor⸗ en.„Hier meine Rechnung,“ ſagte er,„Ihr begreift jetzt, wie ich Euer Geld angewandt.“ Der Papſt umarite ihn und beläſtigte ihn ferner nicht mehr mit 2 Rechnungsablegungen. aufgeha zu nehn war, ſe „Di die Sig ſich,„i Ruhmes es für halte, 1 Aufmerl „Ac „nie he dieſem? Euren heiligen Ein der Sig Unwille ausnehn antwort auf den Stimme als verf nicht at Ich bin ein, Ih liebt mi „Ei „Hi jenige, nd kalt⸗ Liſt des ter von zimmer ini ein⸗ ße; die terwäh⸗ dauer⸗ ar tief te noch ein ge⸗ hr dem es, die uge da⸗ he und Glanze indem Unmuth Prieſter n mich, Stunde eiſtlichen aft über nen ver⸗ Wagen ſten vor⸗ eift jetzt, ihn und en. 161 aufgehalten, die Ihr, meine Huldigungen entgegen zu nehmen, zu beſtimmen geruhtet; allein mein Herz war, ſeit wir uns trennten, doch bei Euch.“ „Die Zeit des Cardinals von Albornoz,“erwiderte die Signora, zog ſanft ihre Hand zurück und ſetzte ſich,„iſt durch die Pflichten ſeines Standes und ſeines Ruhmes ſo vielfach in Anſpruch genommen, daß ich es für eine Art von Verrath an dieſem Letzteren halte, wenn man nur auf wenige Augenblicke ſeine Aufmerkſamkeit auf minder evle Gegenſtände lenkt.“ „Ach, gnädige Frau,“ antwortete der Cardinal, „nie hatte mein Ehrgeiz ein ſo edles Ziel, als in dieſem Augenblicke. Es wäre ein ſtolzeres Glück, zu Euren Füßen zu liegen, als auf dem Throne des heiligen Peter zu ſitzen.“ Eine augenblickliche Röthe flog über die Wange der Signora, doch ſchien es eben ſo die Röthe des Unwillens als der Eitelkeit zu ſein; ihr folgte eine ausnehmende Bläſſe. Sie ſchwieg einige Zeit ehe ſie antwortete, heftete denn ihr großes, ſtolzes Auge auf den verliebten Spanier und ſagte mit lauter Stimme:„Mein Herr Carvinal, ich ſtelle mich nicht, als verſtehe ich Eure Worte nicht; auch ſetze ich ſie nicht auf Rechnung einer gewöhnlichen Galanterie. Ich bin ettel genug, zu glauben, Ihr bildet Euch ein, Ihr ſprecht die Wahrheit, wenn Ihr ſagt, Ihr liebt mich.“ „Einbilden!“ wiederholte der Spanier. „Hört mich an,“ fuhr die Signora fort.„Die⸗ jenige, welche der Cardinal von Albornoz mit ſeiner — 162 Liebe beehrt, hat ein Recht, Beweiſe verſelben von ihm zu verlangen. Weſſen Macht iſt an dem päpſt⸗ lichen Hofe der ſeinigen gleich?— Ich bitte Euch, ſie in meinem Intereſſe zu gebrauchen.“ „Sprecht, theuerſte Gebieterin, wurden Fure Be⸗ ſitzungen von den Barbaren dieſer geſetzloſen Zeit er⸗ obert? Hat es Jemand gewagt, Euch zu beleidigen? Sind Länder und Titel Euer Wunſch?— Meine Macht iſt Eure Sklavin.“ „Nein, Cardinal! Für ein Weib, eine Italienerin, gibt es noch etwas Theureres als Reichthum oder hohe Stellung— das iſt die Rache!“ Der Cardinal fuhr zurück vor dem auf ihn ge⸗ richteten flammenden Ange; aber ver Geiſt ihrer Worte berührte eine verwandte Saite. „Hier,“ ſagte er nach einigem Zögern,„hiet ſprach hohe Abkunft. Rache iſt die Wonne der Hoch⸗ geborenen. Sklaven und Bauern mögen eine Belei⸗ digung verzeihen. Sprecht, gnädige Frau.“ „Habt Ihr die neueſten Nachrichten aus Ron gehört?“ fragte die Sißnora. „Gewiß,“ verſetzte der Cardinal, etwas über⸗ raſcht;„wir wären armſelige Staatsmänner, wenn wir nicht von dem Zuſtande der Hauptſtadt der päpſt⸗ lichen Beſitzungen unterrichtet wären; mein Herz trauert um dieſe unglückliche Stadt. Aber weßhalb fragt Ihr mich über Rom?— Ihr ſeid—“ „Eine Römerin! Wißt, mein Herr, daß ich nicht ohne Grund mich für eine Neapolitanerin ausgab. Eurer Verſchwiegenheit vertraue ich mein Geheimniß an— Zuſtand „M hätte er tung ni Vernun der Be Roms, bald be fähigen Minor! treiben aber er die Bat jagt. Johan vertriel folgten ſchwac Waffer legte e den er der S Heilig beſchat dauert ſtimm gewäh ben von m päpft⸗ te Euch, Fure Be⸗ Zeit er⸗ eidigen? WMeine lienerin, oder hohe f ihn ge⸗ er Worte n,„hier der Hoch⸗ ne Belei⸗ us Rom as übet⸗ e, wenn der päpſt⸗ erz trauert fragt Ihr ß ich nicht ausgab Heheimniß 163 an— ich bin aus Rom! Erzählt mir von ſeinem Zuſtande.“ „Meine Schönſte,“ verſetzte der Cardinal,„ich hätte erkennen ſollen, daß dieſe Stirne und dieſe Hal⸗ tung nicht aus dem leichten Campanien ſtamme. Meine Vernunft hätte mir ſagen ſollen, daß ſie den Stempel der Beherrſcherin der Welt tragen. Der Zuſtand Roms,“ fuhr Albornoz in ernſterem Tone fort,„iſt bald berichtet. Ihr wißt, daß nach dem Falle des fähigen, aber übermüthigen Rienzi, Pepin, Graf von Minorbino(eine Kreatur Montreals), der ihn ver⸗ treiben half, Nom an Montreal verrathen wollte— aber er war weder ſtark noch klug genug dazu, und die Barone verjagten ihn, wie er den Tribunen ver⸗ jagt. Nach einiger Zeit wurde ein neuer Demagoge, Johann Cerroni, auf dem Capitol eingewieſen. Er vertrieb die Barone noch einmal; neue Umwälzungen folgten— die Barone wurden zurückgerufen. Der ſchwache Nachfolger Rienzi's rief das Volk zu den Waffen— vergebens; in Verzweiflung und Schrecken legte er ſeine Gewalt nieder und überließ die Stadt ven endloſen Fehden der Orſini, der Colonna und der Savelli zum Raube.“ „Das weiß ich längſt, mein Herr; als aber Seine Heiligkeit auf den Stuhl Clemens VI. gelangte——“ „Dann,“ ſagte Albornoz, und eine leichte Wolke beſchattete ſeine gelbe Stirne,„dann kam der be⸗ dauernswerthere Theil der Geſchichte. In überein⸗ ſtimmung mit dem Papſte wurden zwei Senatoren gewählt.“ 164 „Ihre Namen?“ „Bertoldo Orſini und ein Colonna. Wenige Wochen ſpäter ſtachelte der hohe Preis der Lebensmittel die ſchuftigen Magen des Pöhels an— ſie erhoben ſich, ſie ſchrien, ſie bewaffneten ſich, ſie bolagerten das Capitol——“ „Gut, gut,“ rief die Signora mit gefalteten Händen und verrieth in jedem Zuge, wie ſehr ſie an dem Berichte Theil nehme. „Nur unter einer ſchimpflichen Verkleidung ent⸗ ging Colonna dem Tode; Bertoldo Orſini wurde geſteinigt“ „Geſteinigt!— da fiel Einer!“ „Ja, gnädige Frau, Einer aus dem großen Hauſe, deſſen unbeveutendſter Blutstropfen einen Ocean von plebejiſcher Pfütze werth war. Jetzt herrſcht in Rom nur Unordnung, Verwtrrung und Geſetzloſigkeit. Die Kämpfe des Adels erſchüttern die Stadt in ihren Grundſeſten; Fürſt und Volk, ermüdet von ſo vielen Verſuchen, eine Regierung einzuſetzen, haben jetzt kei⸗ nen Regenten, als die Furcht vor dem Schwert. Dies, ſchöne Frau, iſt der Zuſtand Roms. Seufßzt nicht, wirklich denkt unſere Sorge an Abhülfe. Es ſoll dem Unfug geſteuert werden, und ich, Madame, bin viel⸗ leicht das glückliche Werkzeug, das den Frieden in Eurer Vaterſtadt wiederherſtellt.“ „Es gibt nur ein Mittel, den Frieden in Rom wiederherzuſtellen,“ antwortete die Signorg raſch,„und das iſt— die Wiedereinſetzung Rienzi's!“ Der Cardinal fuhr auf.„Madame,“ ſagte er, höre ic könnt Sprach um Gn „H haft,„ ſchict ſ langen. Geſchlet Patriei von Ar Euer G von St iſt Eue chen, n nur au Euerm ſich mit „M ſagte de „und C dem ich weiter!“ 6 Stolze daß er In Mä kennen machen hiervon Wochen ttel die en ſich, en das Händen an dem ng ent⸗ wurde Hauſe, an von n Rom it. Die tihren o vielen etzt kei⸗ Dies, t nicht, oll dem in viel⸗ den in n Rom h„und gte er, 165 höre ich recht?— ſeid Ihr nicht edel geboren?— könnt Ihr die Erhebung eines Plebejers wünſchen? Sprachet Ihr nicht von Rache, und jetzt bittet Ihr um Gnade?“ „Herr Cardinal,“ ſagte die ſchöne Signora ernſt⸗ haft,„ich bitte nicht um Gnade; ein ſolches Wort ſchickt ſich nicht für Lippen, welche Gerechtigkeit ver⸗ langen. Edel geboren bin ich— ja, und von einem Geſchlechte, gegen deſſen alte Abſtammung von den Patriciern des alten Roms ſogar die erhabene Linie von Aragon von geſtern her iſt. Nein, ich wollte Euer Eminenz nicht beleidigen; Eure Größe iſt nicht von Stammbäumen und Grabſteinen geborgt— ſie iſt Euer eigenes Werk; wolltet Ihr aufrichtig ſpre⸗ chen, mein Herr, ſo würdet Ihr geſtehen, daß Ihr nur auf Eure eigenen Lorbeeren ſtolz ſeid und in Euerm Herzen die dünkelhaften Thoren verlacht, die ſich mit dem modernden Schmuck der Todten brüſten!“ „Muſe! Prophetin! Ihr ſprecht Wahrheit,“ ſagte der ſtolze Cardinal mit ungewöhnlicher Wärme; „und Eure Stimme iſt wie die des Ruhmes, von dem ich in meiner Jugend träumte. Sprecht, ſprecht weiter!“ „Gleich,“ fuhr die Signora fort,„gleich Eurem Stolze iſt der gerechte Stolz Rienzi's Er iſt ſtolz, daß er der Schöpfer ſeiner eigenen Berühmtheit iſt. In Männern, wie ber Tribun von Rom iſt, aner⸗ kennen wir die Gründer edler Geſchlechter. Die Ahnen machen nicht ſie— ſie machen die Ahnen. Genug hiervon. Ich ſtamme aus einem edlen Hauſe; es iſt 166 wahr; aber, wie viele andere, iſt auch mein Haus unter dem Joche der Orfini und Colonna zuſammen⸗ geſunken und gebrochen— gegen dieſe verlange ich Rache. Aber ich bin mehr, als eine Italienerin— ich bin eine Römerin— ich weine blutige Thränen über die Zerrüttungen in meiner unglücklichen Vater⸗ ſtadt. Ich traure, daß ſelbſt Ihr, mein Herr,— ja, daß ein Barbare, wie ausgezeichnet und groß er immer ſei, um Rom trauern ſoll. Ich wünſche, ſein Glück wiederherzuſtellen.“ „Rienzi aber würde nur ſein eigenes wiederher⸗ ſtellen.“ „Nicht doch, mein Herr Cardinal; nicht doch. Eitel, ehrgeizig, ſtolz mag er ſein— große Seelen ſind das— aber nie hat er einen Wunſch gehabt, welcher der Wohlfahrt Roms zuwidergelaufen wäre. Aber legt jeden Gedanken an ſein Intereſſe bei Seite — nicht von dieſem ſpreche ich jetzt. Ihr wünſcht die päpſtliche Gewalt in Rom wiederherzuſtellen. Eur⸗ Senatoren haben es nicht vermocht. Demagogen haben es vergebens verfucht— Rienzi allein kann es; er allein kann die wilden Leidenſchaften der Ba⸗ rone zügeln— er allein kann den launigen, verän⸗ derlichen Pöbel beherrſchen. Setzt Rienzi in Freiheit, ſetzt ihn in ſeine Macht wieder ein, und durch Rienzi gewinnt der Papſt Rom wieder!“ Der Cardinal gab einige Augenblicke keine Antwort. Wie in einen Traum verſunken, ſaß er bewegungs⸗ los da, die Hand vor das Geſicht haltend. Vielleicht gab er im Stillen zu, daß in den Einflüſterungen ver Sig geſtehen Bruſt, litz der Lächeln wir die ich Eu Rathſch druck de Rienzi auch ei Giles ſteht?“ „Y hebend lung fi kann n habe ie zu wel Geſetz bunger muß e nen H „E Worte kräfter Liebe, nach 1 liche Rienz Haus mmen⸗ nge ich erin— Chränen Vater⸗ err,— groß er he, ſein ederher⸗ ht doch. Seelen gehabt, n wäre. ei Seite wünſcht n. Eure magogen in kann der Ba⸗ „verän⸗ Freiheit, h Rienzi Antwort. vegungs⸗ Vielleicht ſterungen 167 der Signora eine klügere Politik liege, als er offen geſtehen wollte Endlich erhob er die Hand von der Bruſt, heftete ſeine Augen auf das aufmerkſame Ant⸗ litz der Signvra und ſagte mit einem erzwungenen Lächeln:„Verzeiht mir, Madame, aber während wir die Politiker ſpielen, vergeſſen wir nicht, daß ich Euer Anbeter bin! Scharfſinnig mögen Eure Rathſchläge ſein, aber warum legt Ihr ſolchen Nach⸗ druck darauf? Woher dieſe ängſtliche Theilnahme an Rienzi? Wenn durch ſeine Freilaſſung die Kirche auch einen Verbündeten gewinnt, bin ich ſicher, daß Giles von Albornoz kein Nebenbuhler in ihm er⸗ ſteht?“ „Mein Herr,“ ſagte die Signora, ſich halb er⸗ hebend,„Ihr ſeid mein Anbeter; aber Eure Stel⸗ lung führt mich nicht in Verſuchung— Euer Gold kann mich nicht erkaufen. Wenn Ihr mich liebt, ſo habe ich ein Recht, über Eure Dienſte zu gebieten, zu welchem Zwecke ich ihrer bedarf— dies iſt das Geſetz des Ritterthums. Wenn ich je den Bewer⸗ bungen eines ſterblichen Liebhabers Gehör gebe, ſo muß es der Mann ſein, der meinem Vaterlande ſei⸗ nen Helden, ſeinen Retter wieder gibt.“ „Schöne Patriotin,“ ſagte der Cardinal,„Eure Worte ermuthigen meine Hoffnung, aber ſie ent⸗ kräften meinen Ehrgeiz; denn gerne möchte ich, daß Liebe, nicht Dienſte, mir allein den Schatz verſchaffte, nach welchem ich verlange. Aber hört mich, lieb⸗ liche Dame, Ihr überſchätzt meine Macht: ich kann Rienzi nicht befreien— er iſt als Aufrührer ange⸗ 168 klagt, er iſt als Ketzer excommunizirt. Seine Frei⸗ ſprechung beruht auf ihm.“ „Ihr könnt ſeine Unterſuchung befördern?“ „Vielleicht, gnädige Frau.“ „Dieſe iſt auch ſeine Freiſprechung. Und eine Privatandienz bei Seiner Heiligkeit?“ „Ohne Zweifel.“ „Dieſe iſt ſeine Wiedereinſetzung! Hier habt Ihr Alles, was ich verlange!“ Und dann, holde Römerin, iſt es an mir, zu bitten,“ ſagte der Cardinal leivenſchaftlich, ließ ſich auf ein Knie nieder und ergriff die Hand der Sig⸗ nora. Einen Augenblick fühlte die ſtolze Dame, daß ſie ein Weib war— ſie erröthete, ſie zitterte; aber nicht(hätte der Cardinal in ihrem Herzen leſen kön⸗ nen) aus Leidenſchaft oder Schwäche— ſondern aus Schrecken und Scham. Ohne Wiverſtand überließ ſie dem Cardinal ihre Hand, ver ſie mit Küſſen be⸗ deckte.* „So begeiſtert,“ ſagte Albornoz, indem er auf⸗ ſtand,„will ich nicht an dem Erfolge zweifeln. Mor⸗ gen warte ich Euch wieder auf.“ Er drückte ihre Hand an ſein Herz— die Dame fühlte es nicht. Er ſeufzte ſein Lebewohl— ſie hörte es nicht. Zögernd blickte er ſie an und ent⸗ fernte ſich langſam. Aber es dauerte einige Augen⸗ blicke, ehe die Signora wieder zu ſich kam und be⸗ merkte, daß ſie allein war. „Allein!“ ſagte ſie halblaut und mit heftigem Nachdrucke—„allein! Ach, was habe ich unter⸗ nommer in Ged den Ku an ſeine lige M terlich 1 war ein ſtand ſi währent langſam aus; d ſie kühlt Dunkel mit ſein Gefang« ihn lan und zog nen, ſch retten!“ der Ent Heilige 2 Beſc So nien in habenen die Lieb als der Bulr ine Frei⸗ n2* Und eine habt Ihr mir, zu ließ ſich der Sig⸗ me, daß te; aber ſen kön⸗ dern aus überließ iſſen be⸗ er auf⸗ 1. Mor⸗ Dame l— ſie und ent⸗ Augen⸗ und be⸗ heftigem unter 169 nommen— was habe ich geſagt! Untreu, auch nur in Gedanken, ihm! Ach, nie! nie! Ich, vie ich den Kuß ſeiner heiligenden Lippen fühlte— die ich an ſeinem königlichen Herzen ſchlief— ich!— hei⸗ lige Mutter, ſchütze und kräftige mich!“ fuhr ſie bit⸗ terlich weinend fort, ſank auf die Kniee nieder und war einige Augenblicke im Gebete vertieft. Dann ſtand ſie bernhigt, aber tödtlich blaß auf und trat während ihr dicke Thränen über die Wangen rollten, langſam zum Fenſter, öffnete es und beugte ſich hin⸗ aus; die Abendluft ſpielte ſanft um ihre Schläfe, ſie kühlte und linderte das innerhalb tobende Fieber. Dunkel und gewaltig erhob ſich vor ihr der Thurm mit ſeinen düſteren Schatten, in welchem Rienzi als Gefangener und Verbrecher ſchmachtete; ſie blickte ihn lange nachdenklich an, wandte ſich dann hinweg und zog aus den Falten ihres Gewandes einen klei⸗ nen, ſcharfen Dolch.„Ihn will ich für den Ruhm retten!“ murmelte ſie;„und dieſer ſoll mich vor der Entehrung retten!“ Drittes Kapitel. Heilige Männer— Scharfſinnige Berathungen— Gerechte Beſchlüſſe— Und zu all dem ſchmutzige Beweggründe. So verliebt der kriegeriſche Cardinal von Spa⸗ nien in die Schönheit und beinahe ebenſo in den er⸗ habenen Geiſt der Signora Cäſarini war, war doch die Liebe bei ihm nicht ſo ſehr herrſchende Leidenſchaft, als der nach völligem Gelingen ſeiner thätigen Le⸗ Bulwer, Rienzi. IM. 12 17⁰ bensplane ſtrebende Ehrgeiz, der bisher ſeinen Cha⸗ rakter beſeelt, ſeine Laufbahn bezeichnet hatte. Er dachte, als er die Signora verlaſſen, über ihren Wunſch hinſichtlich der Wiedereinſetzung des römiſchen Tribuns nach, und ſein erfahrener, tiefer Verſtand durchlief ſchnell die möglichen Vortheile, welche für ſeine eigene politiſche Abſichten aus dieſer Wieder⸗ einſetzung entſpringen könnten. Wir haben bereits geſehen, daß der neue Papſt einen Verſuch zu Wie⸗ dererlangung ſeiner Erbländereien beabſichtigt. Zu dieſem Zwecke war ſchon eine militäriſche Macht in Bereitſchaft, und der Cardinal war ſchon insgeheim zum Befehlshaber derſelben ernannt. Aber dieſe Macht ſtand in durchaus keinem Verhältniſſe zu dem Unter⸗ nehmen, und Albornoz rechnete ſehr darauf, daß die moraliſche Kraft der Sache ſeiner Fahne noch viele Kekruten während ſeines Zuges durch die italieniſchen Staaten bringen werde. Die wunderbare Erhebung Rienzi's hatte unter allen freien Völkerſtämmen Itn⸗ liens eine außerordentliche Begeiſterung zu ſeinen Gun⸗ ſten erweckt. Und dieſe war durch die einflußreiche Beredſamkeit Petrarka's noch mehr entzündet und ent⸗ flammt worden, der zu jener Zeit eine größere Gewalt ausübte, als dies je, vor oder nach ihm(ſelbſt den Weiſen von Ferney nicht ausgenommen) von einem einzelnen Gelehrten der Fall geweſen war, und ſein kühnſtes Genie zu Gunſten des römiſchen Tribuns angewendet hatte. Ein Gefährte, wie Rienzi, in dem Lager des Cardinals konnte ein lockender Mag⸗ net für Italiens unternehmende Jugend werden. Nis herte theilen Rienzi ſetzen. ſehr vr Adel z ſöhnen um eir kerung könne. allgem ker wa kaniſch und pl hältnif ſchale ihn zu Kerker fangen ſelbſt, ein, d Euern andere ſolchen tief in den G Al⸗ ſteren unbehe wendu en Cha⸗ te Er er ihren ömiſchen Verſtand elche für Wieder⸗ nbereits zu Wie⸗ igt. Zu Macht in nsgeheim ſe Macht m Unter⸗ „daß die och viele lieniſchen Frhebung nen Ita⸗ nen Gun⸗ flußreiche und ent⸗ e Gewalt ſelbſt den on einem und ſein Tribuns ienzi, in e Mag⸗ enn Ni herte mau ſich Rom, ſo konnte er ja ſelbſt beur⸗ theilen, in wie weit es räthlich erſcheinen würde, Rienzi als päpſtlichen Bevollmächtigten wieder einzu⸗ ſetzen. Und inzwiſchen konnte der Einfluß des Römers ſehr von Nöthen ſein, um entweder den rebelliſchen Adel zu ſchrecken, oder das hartnäckige Volk zu ver⸗ ſöhnen. Anvererſeits war der Cardinal ſchlau genug, um einzuſehen, daß aus der gegenwärtigen Einker⸗ kerung Rienzi's unmöglich etwas Gutes entſtehen könne. Mit jedem Monate erregte er tiefere und allgemeinere Theilnahme. Zu ſeinem einſamen Ker⸗ ker wandte ſich die Hälfte der Herzen des republi⸗ kaniſchen Italiens. Die Literatur hatte ihre neue und plötzliche, und daher mächtige, ja ſogar unver⸗ hältnißmäßige Gewalt für ſeine Sache in die Wag⸗ ſchale gelegt, und der Papſt, der es nicht wagte, ihn zu richten, lud die Gehäſſigkeit auf ſich, ſein Kerkermeiſter zu ſein.„Ein beim Volke beliebter Ge⸗ fangener,“ ſagte der ſcharfſinnige Cardinal zu ſich ſelbſt,„iſt der gefährlichſte Gaſt. Setzt ihn wieder ein, damit er Euch diene, oder vernichtet ihn als Euern Feind! Im vorliegenden Falle ſehe ich keine andere Wahl, als Freilaſſung, oder den Dolch!“ In ſolchen Betrachtungen trennte der geſchickte Rechner, tief in den Macchiavellismus ſeiner Zeit eingeweiht, den Geliebten gänzlich von dem Staatsmanne. Als er ſich jetzt aber wieder in die Rolle des er⸗ ſteren zurückverſetzte, fühlte er gewiſſe unangenehme, unbehagliche Ahnungen hinſichtlich der ernſten Ver⸗ wendung ſeiner Geliebten. Gerne hätte er die Be⸗ 172 ſorgniß ver Cäſarini phantaſtiſcher Vaterlandsliebe oder irgend einem Racheplane zugeſchrieben, und es war viel in ihrem ernſten, ſtolzen Charakter, was dieſen Glauben begünſtigte Aber er konnte nicht umhin, ſich die eiferſüchtige Vermuthung eines geheimen, unwillkommenen Beweggrundes einzugeſtehen, die ſeine Eitelkeit angriff und ſeine Liebe beunruhigte. „Wie dem auch ſei,“ dachte er, als er die unangenehme Beſorgniß verſcheuchte,„ich kann ihre eigenen Waffen gegen ſie gebrauchen; ich kann die Freilaſſung Rienzi' bewirken und meine Belohnung fordern. Wird mir dieſe verweigert, ſo kann die Hand, welche den Kerker öffnete, auch die Kette wieder ſchmieden. Ihre ängſt⸗ lichen Beſorgniſſe geben ſie in meine Macht!“ Mit ſolchen Gedanken ging der Cardinal in ſeinem Palaſte noch immer um, als er plötzlich zu dem Papſte berufen wurde. Der päpſtliche Palaſt zeigte nicht mehr die koſt⸗ bare, obwohl anmuthige Pracht Clemens VI., und der ſarkaſtiſche Cardinal lächelte bei ſich ſelbſt über die trübſelige Ruhe in den Vorzimmern.„Er glaubt ein Beiſpiel aufzuſtellen— der arme Landesſohn von Limoges!“ dachte Albornoz;„und hat nur die Krän⸗ kung, daß er von dem ärmſten Biſchofe verdunkelt wird. Er erniedrigt ſich ſelbſt und bildet ſich ein, dieſe Selbſterniedrigung werde anſteckend ſein.“ Seine Heiligkeit ſaß vor einem kleinen, rauhen, mit Papieren überdeckten Tiſche, das Geſicht in die Hände begraben; das Zimmer war einfach einge⸗ richtet, und in einer kleinen Riſche nehen dem Fenſter war e Schäde die m ſtellten dachten bens 1 Beſte des pä ſtunger waren. wurde, gefühlr „Mein nach de „kaum dieſen bald d Wahrl dreifach der be Toulor überlad „G Lamm, leidiger In ren, a Kreuz Seit n Botſch ebe oder es war dieſen umhin, heimen, n, die ruhigte. enehme Waffen Rienzi'e ird mir Kerker e ängſt⸗ 4 ſeinem Papſte ie koſt⸗ I., und ſt eüber glaubt ohn von e Krän⸗ rdunkelt ſich ein, t.“ rauhen, t in die einge⸗ Fenſter war ein elfenbeinernes Crueifir, darunter lag der Schädel und die gekreuzten Knochen, welche damals die meiſten Mönche etwa im ähnlichen Sinne auf⸗ ſtellten, den die Alten ſich bei dieſen Zierrathen dachten— als die Erinnerung an die Kürze des Le⸗ bens und deßhalb eine Ermahnung, daſſelbe auf das Beſte zu nützen! Auf dem Boden lag eine Karte des päpſtlichen Gebietes, worauf beſonders die Fe⸗ ſtungen deutlich und in die Augen fallend, bezeichnet waren. Der Papſt erhob, als der Cardinal gemeldet wurde, leicht den Kopf und zeigte ein einfaches, aber gefühlvolles und gewiſſermaßen einnehmendes Antlitz. „Mein Sohn!“ ſagte er mit freundlicher Artigkeit nach der demüthigen Begrüßung des ſtolzen Spaniers, „kaum wirſt Du nach unſerer langen Unterredung dieſen Morgen gevacht haben, daß neue Sorgen ſo bald den Beiſtand Deines Rathes nöthig machen. Wahrlich, der Dornenkranz ſticht ſcharf unter der dreifachen Krone, und ich ſehne mich bisweilen nach der behaglichen Ruhe meines alten Lehrſtuhles in Tonlouſe: mein Beruf iſt mit Mühen und Arbeiten überladen.“ „Gott ſänftigt den Wind für das geſchorene Lamm,“ verſetzte der Cardinal mit frommem, mit⸗ leidigem Ernſte. Innocenz konnte ſich kaum eines Lächelns erweh⸗ ren, als er antwortete:„Das Lamm, welches das Kreuz trägt, muß die Stärke eines Löwen haben. Seit wir uns trennten, mein Sohn, habe ich ſchlimme Botſchaft erhalten; unſere Eilboten ſind von der 174 Campagna angekommen— die Heiden wüthen raſend — die Macht Johann di Vieo's hat ſich fürchterlich vermehrt und der gefürchtetſte Abenteurer Europa's hat ſich unter ſein Banner geſtellt.“ „Sprechen Eure Heiligkeit,“ fragte der Cardinal ängſtlich,„von Fra Moreale, dem Johanniterritter?“ „Von keinem weniger bedeutenden Körper,“ ver⸗ ſetzte der Papſt.„Ich fürchte den ungeheuren Ehr⸗ geiz dieſes wilden Abenteurers.“ „Eure Heiligkeit haben Urſache,“ ſagte der Car⸗ dinal trocken. „Einige ſeiner Briefe ſind in die Hände der Diener der Kirche gefallen; hier ſind ſie— lies ſie, mein Sohn.“ Albornoz nahm die Briefe und durchlas ſie be⸗ dächtig; dann legte er ſie wieder auf den Tiſch und blieb einige Augenblicke ſchweigend und in Gedanken vertieft ſtehen. „Was denkſt Du, mein Sohn?“ ſagte der Papſt endlich in ungeduldigem, ja verdrießlichem Tone. „Ich denke, daß bei Montreals hitzigem Geiſte und Johann di Vieo's kaltblütiger Schändlichkeit, Eure Heiligkeit es noch erleben können, daß Sie, wenn nicht die Ruhe, ſo doch wenigſtens die Ein⸗ künfte des Lehrſtuhls beneiden. „Wie, Cardinal!“ ſagte der Papſt hitzig und mit einer ärgerlichen Röthe auf ſeiner blaſſen Stirne. Der Cardinal fuhr ruhig fort: „Nach dieſen Briefen ſcheint Montreal an alle Anführer von Freilanzen in ganz Italien geſchrieben, und ihn unter ſe eines P demnach „Gu „Iſt einem „Kein 2 muß pl Kirche „Ab gering, der Ba mehr!“ „Eu „daß es zum Kr die Reli Wort ge — und gleiche( Willen beſſer w neren G „Gi druck un dinals, Euch ur ſpäter daß da raſend terlich ropa's ardinal tter “ ver⸗ Ehr⸗ r Car⸗ Diener „mein ſie be⸗ ch und danken Papſt ne. Geiſte ichkeit, ß Sie, Ein⸗ nd mit Stirne. n alle rieben, 175 und ihnen den höchſten Sold für jeden Mann, der unter ſeine Fahne tritt, wie auch die reichſte Beute eines Plünderers verſprochen zu haben. Er brütet demnach über großen Planen! Ich kenne den Mann!“ „Gut,— und unſer Verfahren?“ „Iſt einfach,“ ſagte der Cardinal ſtolz und mit einem Blicke, aus dem kriegeriſches Feuer blitzte. „Kein Augenblick darf verloren werden! Dein Sohn muß plötzlich zu Felde ziehen. Das Banner der Kirche aufgepflanzt!“ „Aber find wir ſtark genug? unſere Zahl iſt gering, der Eifer erſchlafft! Die Frömmigkeit der Balduine kennt man in unſeren Tagen nicht mehr!“ „Eure Heiligkeit wiſſen wohl,“ ſagte der Cardinal, „daß es für den großen Haufen zwei Loſungsworte zum Kriege gibt— Freiheit und Religion. Wenn die Religion verſagt, müſſen wir das unwürdigere Wort gebrauchen—„Auf mit dem Banner der Kirche — und nieder mit den Tyrannen!“ Wir proklamiren gleiche Geſetze und freie Regierung, und mit Gottes Willen wird unſer Lager unter dieſen Verheißungen beſſer wachſen, als Montreal's Zelte mit dem gemei⸗ neren Geſchrei:„Sold und Beute.““ „Giles von Albornoz,“ ſagte der Papſt mit Nach⸗ druck und ſetzte, erwärmt durch den Geiſt des Car⸗ dinals, die übliche Redeweiſe hintan,„ich vertraue Euch unbevingt. Jetzt die rechte Hand der Kirche, ſpäter— vielleicht ihr Haupt. Zu gut fühle ich, vaß das Lvos auf einen Unwürdigen gefallen iſt. 176 Mein Nachfolger muß meine Unvollkommenheit er⸗ ſetzen.“ Kein Wechſel der Farbe, keine leuchtenden Blicke verriethen dem forſchenden Auge des Papſtes die Bewegung, welche dieſe Worte in der Bruſt des ehr⸗ geizigen Cardinals erweckt hatten. Er neigte ſein ſtolzes Haupt tief, als er antwortete:„Gebe der Himmel, daß Innorenz VI. lang lebe, um die Kirche zum Ruhme zu führen. Für Giles von Albornoz, weniger Prieſter, als Soldat, bietet der Lärm des Lagers, das Wiehern des Schlachtroſſes die einzigen lockenden Ausſichten dar, denen er je nachhängen darf. Haben aber Eure Heiligkeit ihrem Diener Alles mit⸗ getheilt, was——“ „Nein,“ unterbrach ihn Innveenz,„ich habe noch eine andere, ebenſo unheilvolle Nachricht. Dieſer Johann di Vicv,— die Peſt über ihn!— der ſich (der ercommunizirte Schurke!) noch immer Präfekt von Rom nennt, hat dieſe unglückliche Stadt ſo mit ſeinen Emiſſären angefüllt, daß wir nächſtens den Sitz des Apoſtels verloren haben werden. Rom, lange in Anarchie, ſcheint jetzt in offenem Aufſtande zu ſein. Die Adeligen— die Söhne Belial's!— ſind wieder gedemüthigt, das iſt wahr; aber wi? — Ein gewiſſer Barvneelli, ein neuer Demagoge, der trotzigſte— der blutdürſtigſte, dem je der böſe Feind beiſtand— hat ſich erhoben— wurde vom Pöbel mit Macht bekleidet, und gebraucht ſie, um das Volk zu ſchlachten und dem Papſte Hohn zu ſprechen. Der Verbrechen dieſes Mannes müde(die nicht einmal durch t Tag ut vem T „H Fehler Stadt übrigen ruhiger ſagte A wie ſie uns eir das nü Tyrann Städter lichen daß die Volkes, werden ſein Na keit nick werden zu verd winnen ſieben( Rienzi ch eit er⸗ en Blicke pſtes die des ehr⸗ igte ſein ebe der ie Kirche Ubornvz, ärm des einzigen gen darf. lles mit⸗ abe noch Dieſer der ſich Präfekt ſo mit ens den Rom, ufſtande 6!— er wi⸗? magoge, er höſe n Pöbel as Volk n. Der einmal 177 durch das Talent geſchmückt find), ruft das Volk Tag und Nacht durch die Straßen nach Rienzi, vem Tribunen.“ „Ha!“ ſagte der Cardinal,„ſo ſind alſo Rienzi's Fehler in Rom vergeſſen, und man fühlt in dieſer Stadt dieſelbe Begeiſterung für ihn, wie in dem übrigen Italien?“ „Ach! ſo iſt es.“ „Es iſt gut, ich habe daran gedacht. Rienzi kann mich auf meinem Zuge begleiten——“ „Mein Sohn! Der Rebell, der Ketzer——“ „Wird durch die Abſolution Eurer Heiligkeit ein ruhiger Unterthan und rechtgläubiger Katholik,“ ſagte Albornoz.„Die Menſchen find gut oder ſchlecht, wie ſie für unſere Zwecke taugen. Was bekümmert uns eine Tugend, die nutzlos, was ein Verbrechen, das nützlich iſt? Das Heer der Kirche zieht gegen Tyrannen zu Felde— es verheißt den päpſtlichen Städten überall Wiederherſtellung ihrer volksthüm⸗ lichen Verfaſſungen. Sieht Eure Heiligkeit nicht, daß die Freiſprechung Rienzi's, des Lieblings des Volkes, als ein Beweis Eurer Anfrichtigkeit begrüßt werden wird?— ſieht Eure Heiligkeit nicht, daß ſein Name für uns fechten wird?— ſieht Eure Heilig⸗ keit nicht, daß der große Demagoge Rienzi gebraucht werden muß, um den kleinen Demagogen Baroncelli zu verdunkeln? Wir müſſen die Römer wieder ge⸗ winnen, entweder in der Stadt ſelbſt, oder in den ſieben Städten Johann di Vico's. Wenn ſie hören, Rienzi ſei in unſerem Lager, ſo werden eine Menge überläufer von den Thrannen zu uns kommen— glaubt mir, wir werden Nichts mehr von Baroneelli hören.“ „Immer ſcharfſehend,“ ſagte der Papſt nachdenk⸗ lich;„es iſt wahr, wir können dieſen Mann ge⸗ brauchen— aber mit Vorſicht. Sein Geiſt iſt zu fürchten——“ „Und muß deßhalb verſöhnt werden; wenn wir ihn freiſprechen, müſſen wir ihn zu dem Unſrigen machen. Meine Erfahrung hat mich dies gelehrt: wenn man einen Demagogen nicht durch das Geſetz erwürgen kann, ſo erſticke man ihn mit Ehrenbezei⸗ gungen. Er darf nicht mehr Volkstribun bleiben. Gebt ihm den patriciſchen Titel Senator, ſo iſt er dann der Statthalter des Papſtes!“ „Ich will dies überlegen, mein Sohn,— Deine Vorſchläge gefallen mir, aber ſie erſchrecken mich; ſeine Angelegenheit ſoll wenigſtens unterſucht werden; — wird er aber als Ketzer erfunden——“ „Sollte man, iſt mein beſcheidener Rath, ihn für einen Heiligen erklären.“ Der Papſt runzelte einen Augenblick die Stirne, aber die Anſtrengung war zu groß für ihn, und nach einem kurzen Kampfe lachte er laut auf. „Gehe mein Sohn,“ ſagte er und tätſchelte den Cardinal liebreich auf die gelbe Wange.„Gehe.— Wenn die Welt Dich hörte, was würde ſie ſagen?“ „Daß Giles von Albornoz Religion genug habe, um ſich zu erinnern, daß der Staat eine Kirche iſt⸗ aber nicht zu viel, um zu vergeſſen, daß die Kirche ein Staat iſt.“ Mit d an dieſen verlangte Es als Albo an die( „Eut ſeines 6 wenn er es mit dig berie als Das welche k dingt ei Durch t der eine des Gef Euch g neuen 2 Ach, V ſein un Deinen Als ſeinen der in nen— roneelli chdenk⸗ nn ge⸗ iſt zu enn wir nſrigen gelehrt: 3 Geſetz enbezei⸗ bleiben. o iſt er Deine mich; werden; ihn für Stirne, nd nach lte den — agen?“ 8 habe, rche iſt⸗ Kirche 179 Mit dieſen Worten endete die Beſprechung. Noch an dieſem Abend befahl der Papſt, daß Rienzi die verlangte Unterſuchung bewilligt werden ſolle. Viertes Kapitel. Die Gebieterin und der Page⸗ Es fehlten noch drei Stunden zu Mitternacht, als Albornoz, ſeine Rolle als Liebhaber aufnehmend, an die Signora Cäſarini folgendes Billet abſandte. „Eure Befehle ſind vollzogen. Rienzi wird wegen ſeines Glaubens verhört werden. Es wäre gut, wenn er darauf vorbereitet würde. Vielleicht ſtimmt es mit Eurer Abſicht, über die ich nur ſo unvollſtän⸗ dig berichtet bin, überein, daß Ihr dem Gefangenen als Das erſcheint, was Ihr wirklich ſeid— Diejenige, welche dieſe Gnade ausgewirkt? Seht, wie unbe⸗ dingt ein edles Herz einem anderen vertrauen kann! Durch den überbringer ſende ich Euch einen Befehl, der einem Eurer Diener Zutritt zu dem Gewahrſam des Gefangenen verſchaffen wird. Laßt es, wenn es Euch gefällt, Eure Aufgabe ſein, ihn von dieſer neuen Wendung ſeines Schickſals zu benachrichtigen. Ach, Madame, möge das Glück mir ebenſo günſtig ſein und mir dieſeibe Fürſprache gewähren— von Deinen Lippen kommt mein urtheilsſpruch.“ Als Albornoz dieſen Brief geſchloſſen, berief er ſeinen vertrauten Diener, einen ſpaniſchen Edelmann, der in ſeiner adeligen Geburt Nichts ſah, was ihn von Vollziehung der verſchiedenen Aufträge des Car⸗ vinals hätte abhalten ſollen. „Alvarez,“ ſagte er,„Dies der Signora Cäſa⸗ rini durch eine andere Hand; Du biſt in ihrem Hauſe nicht bekannt. Begib Dich in das Staatsgefängniß; Dies an den Befehlshaber verſchafft Dir Zutritt. Be⸗ obachte, wer zu dem Gefangenen Cola di Rienzi zu⸗ gelaſſen wird! Suche ſeinen Namen zu erfahren; frage ihn, woher er kommt. Sei dreiſt, Alvarez Suche zu erfahren, aus welchem Grunde die Cäſa⸗ rini an dem Schickſal des Gefangenen Antheil nimmt. Alles was ſie betrifft, Geburt, Vermögen, Abſtam⸗ mung, wäre mir willkommene Botſchaft. Du ver⸗ ſtehſt mich? Es iſt gut. Eine Vorſicht— Du haſt keinen Auftrag von mir, ſtehſt nicht mit mir in Ver⸗ bindung. Du biſt ein Beamter des Gefängniſſes, oder des Papſtes,— wie Du willſt. Gib mir den Ro⸗ ſenkranz, zünde die Lampe vor dem Crueifir an, lege jenes härene Hemd unter jene Waffen. Es ſoll den Anſchein haben, als beabſichtigte ich, es zu verſtecken. Sage Gomez, daß der Dominikanerprediger eingelaſ⸗ ſen werden ſolle. „Dieſe Mönche haben Eifer,“ ſprach z Car⸗ dinal zu ſich ſelbſt, als Alvarez nach Vollziehung ſei⸗ ner Befehle ſich entfernte.„Sie würden einen Men⸗ ſchen verbrennen— aber nur der Bibel wegen! Sie find würdig, daß man ſich mit ihnen gut ſtellt, wenn die dreifache Krone werth iſt, daß man nach ihr trach⸗ tet; wäre ſie mein, ich wollte eine Ablersfeder hin⸗ zufügen.“ In die vergaß der Leidenſchaft gewiſſen A iſt nur wi bei denn wenn auch Liehe. Lie Müßiggan Die C dinals ank aſſen war alle Rückſi Kälte der der Page Das einbrechen er konnte Geſtalt ſe Tone ihrer „Ange —“ und Athem zu allein haſ ſere Fluch — Du a von mein es war e iſt geſunk ſchen Vo es Car⸗ Cäſa⸗ Hauſe ingniß; t. Be⸗ enzi zu⸗ ahren; llvarez. nimmt. lbſtam⸗ u ver⸗ du haſt in Ver⸗ 8, oder en Ro⸗ n, lege ſoll den rſtecken. ingelaſ⸗ Car⸗ ung ſei⸗ n Men⸗ n Sie wenn r trach⸗ er hin⸗ 181 In vie Hoffnungen auf die Zukunft verſunken, vergaß der kühne Mann ſogar den Gegenſtand ſeiner Leidenſchaft. In dem wirklichen Leben lieben in einem gewiſſen Alter ehrgeizige Männer wirklich; aber es iſt nur wie ein Zwiſchenſpiel. Und in der That hat bei den meiſten Männern das Leben“ anziehendere, wenn auch nicht häufigere Intereſſen, als die der Liehe. Liebe iſt das Geſchäft der Müßigen, aber der Müßiggang der Geſchäftigen. Die Cäſarini war allein, als ver Bote des Car⸗ dinals ankam, und ſobald er mit einigen Zeilen ent⸗ zaſſen war, die eine Dankbarkeit ausdrückten, welche alle Rückſichten hintanzuſetzen ſchien, mit welchen die Külte der Dame gewöhnlich ihren Stolz umgab, wurde der Page Angelv vor ſie gerufen. Das Zimmer war dunkel durch die Schatten der einbrechenden Nacht, als der Jüngling eintrat und er konnte nur undeutlich die Umriſſe der majeſtätiſchen Geſtalt ſeiner Gebieterin unterſcheiden; aber an dem Toneihrer Stimme merkte er, daß ſie ſehr aufgeregt war. „Angelo,“ ſagte ſie, als er näher trat,„Angelv — und die Stimme verſagte ihr. Sie ſchwieg, um Athem zu holen, und fuhr dann wieder fort:„Du allein haſt uns treu gedient; Du allein theilteſt un⸗ ſere Flucht, unſere Wanderungen, unſere Verbannung — Du gllein kennſt mein Geheimniß— Du allein von meinem Gefolge biſt ein Römer!— Römer! es war einſt ein großer Name. Angelo, der Name iſt geſunken; aher nur, weil der Charakter des römi⸗ ſchen Volkes zuerſt ſank. Stolz find ſie, aber unbe⸗ 182 ſtändig; hitzig, aber feig; eilig in Verſprechungen, aber worthrüchig. Du biſt ein Römer, und obwohl ich Deine Treue erprobt, flößt mir ſchon Deine Ge⸗ burt Furcht vor Falſchheit ein.“ „Madame,“ ſagte der Page,„ich war nur ein Kind, als Ihr mich in Eure Dienſte nahmet, und jetzt ſtehe ich erſt an der Grenze des Mannesalters. Aber obgleich ich noch ein Knabe bin, wollte ich doch der tapferſten Lanze eines Ritters oder Freibeuters muthig entgegentreten in, Behauptung der Treue An⸗ gelo Villani's gegen ſeine Gebieterin und ſein Va⸗ terland.“ „Ach! ach!“ ſagte die Signora bitter,„das wa⸗ ren die Worte von Tauſenden Deines Volkes. Was waren ihre Thaten? Aber ich will Dir vertrauen, wie ich Dir ſtets vertraute. Ich weiß, daß Du nach Ehren begehrſt, daß Du den ſchicklichen, ſtolzen Ehr⸗ geiz der Ingend haſt.“ „Ich bin ein Waiſe und Baſtard,“ ſagte Angelb offen.„Die Verhältniſſe treiben mich heftig zur That ich möchte mir ſelbſt einen Namen erringen.“ „Das ſollſt Du,“ ſagte die Signora,„Es wird noch eine Zeit kommen, wo wir Dir lohnen können. Und jetzt ſei raſch. Bringe einen Deiner Pagenanzüge, Mantel und Kopfbeveckung her. Raſch, ſage ich, und laſſe gegen keine Seele verlauten, was ich von Dir verlangte.“ Die oberſten Z der den 5 ſtand, ſaf Lampe br und warf — und Tapferkei in der Ge Kette hin feſſelte de Theil der Grün un Wänden, um ſie z ſiel in la Bett in e Dies wa der die ſ tators de Sorg an Rien Verhältn früherer * Ave la Bibbia e Cola di F 183 Fünftes Kapitel. Der Bewohner des Thurmes. Die Nacht rückte langſam voran, und in dem ur ein oberſten Zimmer des finſteren, unfreundlichen Thurmes, t, und der den Fenſtern des Palaſtes der Cäſarini gegenüber⸗ salters. ſtand, ſaß ein einſamer Gefangener. Eine einzige ich doch Lampe brannte vor ihm auf einem ſteinernen Tiſche ibeuters und warf ihre Strahlen auf eine aufgeſchlagene Bibel eue An⸗— und jene ernſten, phantaſtiſchen Sagen von der in Va⸗ Tapferkeit des alten Rom, welche der Geiſt des Livius in der Geſchichte zu erwähnen gewürdigt hat.“ Eine das wa⸗ Kette hing von der Decke des Thurmes herunter und Was feſſelte den Gefangenen, doch ſo, daß er den größeren en, wie Theil der Zelle nach Belieben durchſchreiten konnte. mnach Grün und feucht waren die mächtigen Steine an den en Ehr⸗ Wänden, und durch eine enge Offnung, viel zu hoch, um ſie zu erreichen, kam das Mondlicht herein und Angelo ſiel in langen Schatten über den rauhen Boden. Ein rThat Bett in einer Ecke war der übrige Inhalt des Zimmers. Dies war ſeit Monaten die Wohnung des Mannes, ird noch der die ſtolzeſten Varone beſiegt, des üppigen Dik⸗ . Und tators der herrlichſten Stadt der Welt! anzüge, Sorgen, Reiſen, Zeit und Unglück machten ſich , und an Rienzi's Außerem bemerkbar. Seine körperlichen on Dit Verhältniſſe hatten ſich über die gedrungene Kraft früherer Mannhaftigkeit ausgedehnt, die durchſichtige * Aven libri assai, suo Tito Livio, sue storie di Romn, la Bibbia et altri libri assni; non finnva di studiaro.— Vit. d Cola di Riensi; lip, Il, cap. 13 184 Bläſſe ſeiner Wange war mit einem hektiſchen, trüg⸗ lichen Roth bedeckt. Selbſt in ſeinen jetzigen Studien, ſo ernßlich ſie ihn zu beſchäftigen ſchienen, und ſo angemeſſen die Lektüre ſeinem bis zum Fanatismus enthuſiaſtiſchen Geiſte ſein mochte, konnten doch ſeine Augen nicht ſo feſt wie ſonſt, ſich auf die Blätter heften. Die Buchſtaben hatten ihren Reiz verloren. Alle Angenblicke bewegte er ſich unruhig, ſprang auf, ſetzte ſich wieder und murmelte abgebrochene Aus⸗ rufungen, wie ein Menſch in einem hangen Traume. Bald richtete er ungevuldig die Blicke aufwärts, hinter ſich, in die Runde, und dann glühte in dieſen großen, tiefen Augen ein ſeltſames, unſtätes Feuer, welches demjenigen, der es ſah, einen unbeſtimmten, uner⸗ klärlichen Schauer einflößen konnte. In der Hauptſache hatte Angelo die neueren Aben⸗ teuer Rienzi's nach ſeinem Falle richtig erzählt. Dieſer hatte ſich zuerſt mit Nina und Angelo nach Neapel begeben und dort eine trügeriſche und kurze Gunſt bei Ludwig, König von Ungarn, gefunden. Dieſer barſche, aber ehrenwerthe Fürſt hatte ſich geweigert, ſeinen berühmten Gaſt auf das Verlangen von Cle⸗ mens auszuliefern, aber offen ſein Unvermögen er⸗ klärt, ihn ſicher zu beſchützen. Während er noch immer geheime Verbindung mit ſeinen Anhängern in Rom unterhielt, ſuchte der Flüchtling dann einen Zufluchts⸗ ort bei den Eremiten, die ſich in die Abgeſchieden⸗ heit des Monte Maiella zurückgezogen, wo er, die Zeit ausgenommen, in welcher er nach Florenz und wieder zurückreiste, in Einſamkeit und Nachdenken ein ganzes Rom, k ſchen Ri Berge di loſer, eh ſchwörut dinal di ſchüttelt Statt in welck und rie als dein als deir Im letzt du Böhmer zeuge 6 hatte. Kaiſers Bericht geſandt aber ar Tribun geglich Abente nunger tigkeit klärun der he Br perloren. s, hinter großen, welches 1, uner⸗ en Aben⸗ t. Dieſer Neapel ze Gunſt Dieſer eweigert, von Cle⸗ ögen er⸗ ch immer in Rom ufluchts⸗ ſchieden⸗ er, die renz und nken ein 185 ganzes Jahr zubrachte. Er benützte vas Jubiläum in Rom, hatte, als Pilger verkleidet, die an melancholi⸗ ſchen Ruinen des alten Rom noch ſo reichen Thäler und Berge durchwandert, und betrat die Stadt, wo ſein ruhe⸗ loſer, ehrgeiziger Geiſt ſich in neue, aber vergebliche Ver⸗ ſchwörungen einließ.*“ Zum zweitenmale von dem Car⸗ dinal di Ceceano excommunizirt, und abermals flüchtig, ſchüttelte er den Staub von ſeinen Füßen, als er die Stadt verließ, erhob die Hand gegen die Mauern, in welchen noch Spuren von den Tarquiniern zeugen und rief laut:„Geehrt als dein Regent— verfolgt als dein Opfer— Rom, Rom, wirſt du mich noch als deinen Eroberer empfangen!“ Immer als Pilger gekleidet, wande letzt durch Italien an den Hof des Kaiſers Karl von Böhmen, wo der Page, der wahrſcheinlich Augen zeuge geweſen war, ſeine Aufnahme richtig erzählt hatte. Indeſſen iſt zweifelhaft, ob das Benehmen des Kaiſers ſo ritterlich geweſen, wie es aus Angelo's Bericht hervorging, oder ob er nicht Rienzi den Ab⸗ geſanvten des Papſtes überliefert habe. So viel iſt aber auf alle Fälle gewiß, daß die Reiſe des gefallenen Tribuns von Prag bis Avignon einem Triumphzuge geglichen. Der Verfluß von Jahren— ſeine ſeltſamen Abenteuer— ſein ungebrochener Geiſt— die Unord⸗ nungen in Rom, ſobald ſeine unwandelbare Gerech⸗ tigkeit fehlte— die neue Gewalt, welche die Auf⸗ klärung wunderbarerweiſe täglich über die Gemüther der heranwachſenden Generation gewann— die Be⸗ *Rainald, Ann. 1350, N. 4, K. 5. Bulwer, Rienzi. M. te er ner⸗ redſamkeit Petrarka's und das gewöhnliche Mitgefühl des großen Haufens für gefallene Größe— Alles vereinigte ſich, um Rienzi zu dem Helden des Zeit⸗ alters zu machen. Da war keine Stadt, durch die er kam, die nicht, um ihn zu ſchützen, eine Belagerung ausgehalten hätte— kein Haus, das ihm nicht ein Obdach gewährte— keine Hand, die ſich nicht zu ſeiner Vertheidigung bewaffnet hätte. Alle Anerbie⸗ tungen von Hülfe zurückweiſend, jede Gelegenheit zur Flucht verſchmähend, begeiſtert von ſeiner unbeſieg⸗ haren Hoffnung und ſeinem echten Glauben an den Glanz ſeines Schickſales, ſuchte der Tribun Avignon — und fand einen Kerker! Dieſe ſeine äußeren Abenteuer ſind kurz und leicht zu erzählen; wer aber vermöchte zu beſchreiben, was in ihm vorging?— wer erzählte die fürchterliche Geſchichte ſeines Herzens?— wer malte den raſchen Wechſel von Gefühlen und Gedanken— den zornigen Schmerz— die trübe Niedergeſchlagenheit— die er⸗ habene Täuſchung, welche die Entſchloſſenheit der großen Seele trübten, aber nie vernichteten? Wer kann ſagen, was er erduldet, was er gedacht haben muß in der Einſiedelei des Maiella— auf den verlaſſenen Hügeln des untergegangenen Reiches, von deſſen Wiederher⸗ ſtellung er geträumt— an den Höfen barbariſcher Könige— und vor Allem, als er verkleidet und uner⸗ kannt in das Gewimmel der chriſtlichen Welt, zu dem Sitze ſeiner früheren Macht zurückkehrte? Wie vielerlei Erinnerungen, und in welch einem wilden und feu⸗ rigen Gehirn! Welche Betrachtungen mußten in den Kerkern ſich auf hatte— maß, g Leidenſe der Tr Wahnſi von K 7 find tr immer er bed Ehrfur und ſe Ecke de Freunt Stund bei Se wie d einem den v heran hin u mit ei er ſch als ſ wird Stah weni und zornigen die er⸗ er großen nn ſagen, ß in der n Hügeln ziederher⸗ rbariſcher ind uner⸗ „zu dem vielerlei und feu⸗ n in den 187 Kerkern von Avignon in einem Manne entſtehen, der ſich auf Alles mit der Hitze des Fanatismus geſtürzt hatte— vier Leidenſchaften, deren jede allein, im über⸗ maß, genügte, die ſtärkſte Vernunft zu zerſtören— Leidenſchaften, die ſehr ſchwierig ſich vereinigen— der Träumer— der eifrig Trachtende— ja der Wahnſinnige von Freiheit und doch von Macht— von Kenntniſſen und doch von Religion! „Ja,“ murmelte der Gefangene,„ja, dieſe Sätze find tröſtend— tröſtend. Der Gerechte wird nicht immer unterdrückt.“ Mit einem langen Seufzer legte er bedächtig die Bibel bei Seite, küßte ſie mit großer Ehrfurcht, blieb einige Minuten ſtill und nachdenkend und ſagte dann, als ein leichtes Geräuſch in einer Ecke der Zelle ſich hören ließ, freundlich:„Ach, meine Freunde, meine Genoſſen, die Ratten! es iſt ihre Stunde— ich bin froh, daß ich das Brod für ſie bei Seite legte!“ Sein Auge glänzte, als er jetzt ſah, wie dieſe ſchüchternen, ungeſelligen Thiere ſich aus einem Loch in der Mauer hervorwagten und ſich über den vom Monde beſchienenen Boden furchtlos zu ihm heranſtahlen. Er warf ihnen einige Stückchen Brod hin und beobachtete einige Augenblicke ihre Sprünge mit einem Lächeln.„Manchino, der weißkopfige Schelm! er ſchlägt alle Anderen— ha! ha! er iſt vornehmer als ſeine Kameraden— er befehligt den Stamm und wird zuerſt in die Falle gehen. Wie wird er in den Stahl beißen, der nette Kerl! während die ganze, weniger edle Schaar ihn von ferne angafft, zittert und ſich fürchtet, aber ihm nie zu Hülfe kommt. Doch könnten ſie, wenn ſie ſich vereinigten, die Falle durch⸗ nagen und ihren Führer befreien! Ach, ihr ſeid ge⸗ meines Gefindel, und obwohl ihr mein Brod eßt, würdet ihr, ſobald der Tod über mich käme und ich eine Leiche wäre, doch an meinem Körper praſſen. Fort!“ er klatſchte in die Hände, die Kette um ihn klirrte heftig und die ekelhaften Mitbewohner ſeines Kerkers verſchwanden in einem Augenblicke. Dieſer eigenthümliche und excentriſche Humor, den Rienzi beſaß, und der der thörichten Halsſtarrig⸗ keit der römiſchen Edeln als Poſſenreißerei erſchienen war, behauptete noch immer den alten Ausdruck in ſeinen Zügen, und er lachte laut, als er die Thiere in ihren Schlupfwinkel zurückeilen ſah. „Ein wenig Lärmen und das Klirren einer Kette — pfui, wie ahmt ihr die Menſchen nach!“ Er ver⸗ ſank wieder in Stillſchweigen, zog dann langſam und verdroſſen die belebten Erzählungen des Livius zu ſich her und ſagte:„Noch eine Stunde bis Mitternacht! — wachende Träume ſind beſſer als Schlaf. Nun, die Geſchichte erzählt uns, wie Männer— ja auch wie Völker— nach einem tieferen Falle, als dem Rienzi's oder Roms, ſich wieder erhoben haben!“ Rach wenigen Minuten war er offenbar in Leſen vertieft; ſeine Aufmerkſamkeit wurde durch dieſe Be⸗ ſchäftigung dermaßen gefeſſelt, daß er die Tritte nicht hörte, welche die zu ſeiner Zelle führende Wendel⸗ treppe heraufkamen, und erſt, als die Schlöſſer unter dem gewaltigen Schlüſſel raſſelten und die Thüre in ihren Angeln knarrte, erhob Rienzi, erſtaunt über ie St Augen ſchloſſe Lampe halten Fuße Tage ſchatte verhar La 3 an die Einſat verble nicht ſträub „bin ſteht? Ach, T ſah ſ laute er,„ zu de Hut, eines Thrä die und und e durch⸗ ſeid ge⸗ od eßt, und ich praſſen. um ihn r ſeines Humor, sſtarrig⸗ rſchienen er Kette Er ver⸗ gſam und us zu ſich ternacht! f. Nun, ja auch als dem aben!“ in Leſen dieſe Be⸗ ritte nicht Wendel⸗ ſſer unter Thüre in munt über ¹89 die Störung zu einer ſo ungewohnten Stunde, ſeine Augen. Die Thüre des Kerkers hatte ſich wieder ge⸗ ſchloſſen, und bei dem einſamen, blaſſen Scheine der Lampe ſah er eine Geſtalt, die ſich, wie um ſich zu halten, gegen die Mauer lehnte. Von Kopf bis zu Fuße war dieſe Geſtalt in den langen Mantel jener Tage gehüllt, der nebſt dem breiten, von Federn über⸗ ſchatteten Hute ſelbſt die Geſichtszüge des Beſuches verbarg. Lange betrachtete Rienzi den Fremden aufmerkſam. „Sprecht,“ ſagte er endlich und legte die Hand an die Stirne.„Mich dünkt, entweder hat die lange Einſamkeit mich verwirrt gemacht, oder, hübſcher Herr, verblendet mich Eure Erſcheinung. Ich kenne Euch nicht— bin ich gewiß?—“ und Rienzi's Haare ſräubten ſich, während er ſich langſam erhob— „bin ich gewiß, daß ein lebendes Weſen vor mir ſteht? Engel ſind früher ſchon in Kerker gevrungen. Ach, nie war der Troſt eines Engels nöthiger.“ Der Fremde antwortete nicht, aber der Gefangene ſah ſogar, wie ſein Herz unter dem Mantel ſchlug; lautes Schluchzen erſtickte ſeine Stimme; endlich ſprang er, wie mit einer heftigen Anſtrengung, vor und ſank zu den Füßen des Tribuns nieder. Der entſtellende Hut, der lange Mantel fielen zu Boden— das Antlitz eines Weibes blickte durch leidenſchaftliche, glänzende Thränen empor— die Arme eines Weibes umſchloſſen die Knie des Gefangenen! Rienzi ſtarrte ſie ſtumm und regungslos wie ein Stein an.„Himmliſche Mächte und Heilige!“ murmelte er endlich,„verſucht Ihr mich noch ferner!— es iſt?— nein, nein— doch ſprecht!“ „Geliebter— Angebeteter!— kennſt Du mich nicht?“ „Sie iſt's— ſie iſts!“ rief Rienzi ſchwärme⸗ riſch,„es iſt meine Nina— mein Weib— meine —— die Stimme verſagte ihm. Während ſie ſich in den Armen lagen, ſchienen die Unglücklichen einen Augenblick ſogar das Gefühl der Wonne über ihre Wiedervereinigung vergeſſen zu haben. Es war wie eine bewußtloſe, tiefe Entzückung, durch welche etwas wie ein Traum ſchwach und unbeſtimmt zum Vor⸗ ſchein kommt. Als ſie endlich zu ſich ſelbſt kamen, als ſie ſich endlich erholten, nachdem die erſten Ausrufungen, die erſten ſtürmiſchen Liebkoſungen der Freude vorüber waren, erhob Nina ihr Haupt von der Bruſt ihres Gatten und blickte kummervoll in ſein Antlitz.— „Ach, was haſt Du ſeit unſerer Trennung erduldet! was ſeit der Stunde, wo Du, durch Dein kühnes Herz und Dein wildes Verhängniß angetrieben, mich an dem kaiſerlichen Hofe verließeſt, um das Diadem wieder zu ſuchen und die Kette zu finden! Ach! warum befolgte ich Deine Befehle? warum gab ich zu, daß Du allein obreisteſt? Wie oft während Deiner Reiſe hierher, in Zweifel und in Gefahr, hätteſt Du an dieſem Buſen ausruhen können, und dieſe Stimme hätte Deiner Seele Troſt zugeflüſtert? Du biſt wohl, mein Geliebter, mein Cola? Dein Puls ſchlägt ſchneller wie früher— Deine Stirne iſt gefurcht. Ach! ſage mir, daß Du wohl biſt!“ liche Le Dich w heit ge von De brach e Und TD iſt mei daß ick das Le Gnade Leben ſten V ſagen. „2 hielt i froher Die C freige . ( wirſt „ Dir! K nicht Herz geſtri verär — doch nicht?“ wärme⸗ meine ſie ſich n einen ber ihre war wie he etwas m Vor⸗ ſie ſich gen, die vorüber uſt ihres tlit.— erduldet! kühnes en, mich Diadem Ach! gab ich id Deiner ätteſt Du Stimme iſt wohl, ſchneller lch! ſage 194 „Wohl!“ ſagte Rienzi mechauiſch.„Ich glaube ſo! Der kranke Geiſt ſtumpft alles Gefühl für körper⸗ liche Leiden ab. Wohl— ja! Und Du— Du haſt Dich wenigſtens nicht verändert, nur iſt Deine Schön⸗ heit gereifter, die Glorie des Lorbeerkranzes iſt nicht von Deiner Stirne gewichen. Du wirſt noch—“ dann brach er plötzlich ab:„Rom— erzähle mir von Rom! Und Du— wie kamſt Du hierher? Ach, vielleicht iſt mein Urtheil gefällt und ihre Gnade hat bewilligt, daß ich Dich noch einmal ſehe, ehe der Henker mir das Lebenslicht ausbläst. Ich erinnere mich, dieſe Gnade erzeigt man Miſſethätern. Als ich Herr über Leben und Tod war, geſtattete ich auch dem gemein⸗ ſten Verbrecher, denen, die er liebte, Lebewohl zu ſagen.“ „Nein— nicht ſo, Cola!“ rief Nina aus und hielt ihre Hand vor ſeinen Mund.„Ich bringe Dir frohere Botſchaft. Morgen ſollſt Du verhört werden. Die Gunſt des Hofes iſt wieder gewonnen. Du wirſt freigeſprochen werden.“ „Ha! ſage es noch einmal.“ „Du wirſt verhört werden, mein Cola— Du wirſt freigeſprochen werden!“ „Und Rom wird frei!— Großer Gott, ich danke Dir!“ Der Tribun ſank auf die Knie, und nie, auch nicht in den jüngſten und reinſten Stunden hatte ſein Herz heißere, weniger ſelbſiſuchtige Dankgebete aus⸗ geſtrömt. Als er wieder aufſtand, ſchien er ein ganz veränderter Mann. Sein Auge hatte den früheren 192 tiefen und heiteren Herrſcherblick wieder angenvmmen. Majeſtät thronte auf ſeiner Stirne. Der Kummer der Verbannung war vergeſſen. In ſeinen ſanguini⸗ ſchen, blitzſchnellen Gedanken ſtand er wieder als der Beſchirmer— als der Fürſt ſeines Vaterlandes da! Nina blickte ihn mit all der innigen, ergebenen Verehrung an, welche ihre eitleren und härteren Ei⸗ genſchaften in alle Zärtlichkeit des ſanfteſten Weibes tauchte.„So,“ dachte ſie,„war ſein Blick vor acht Jahren, als er mein jungfräuliches Zimmer verließ, voll von mächtigen Planen für die Befreiung Roms — ſo, wenn er mit Sonnenaufgang unter den krie⸗ chenden Baronen und der knieenden Bevölkerung der Stadt, die er zu ſeinem Throne gemacht hatte, ſich erhob!“ „Ja, Yina!“ ſagte Rienzi, als er ſich umwandte und ihrem Blicke begegnete.„Meine Seele ſagt mir, daß meine Stunde gekommen iſt. Wenn meine Un⸗ terſuchung öffentlich geführt wird, ſo wagen ſie es nicht, mich für ſchuldig zu erklären— wenn ſie mich freiſprechen, ſo können ſie nicht anders, als mich wieder einſetzen. Morgen, ſagſt Du, morgen?“ „Morgen, Rienzi; halte Dich bereit!“ „Ich bin es— zum Triumphe! Aber, ſage mir, welcher glückliche Zufall brachte Dich nach Avignon?“ „Zufall, Cola!“ ſagte Nina mit vorwurfsvoller Zärtlichkeit.„Konnte ich bei dem Gedanken, daß Du in den Kerkern des Papſles ſchmachteſt, in ſicherer Muße in Prag verweilen? Auch an dem kaiſerlichen Hofe hatteſt Du Deine Anhänger und Gönner. Gold konnte Floren— kam hi zu erri Dir D Augen Thurm unbedet „H die M Dich, das At Ni leiſer, menſch habe i Hofe 1 weicht entarte Dein( häßlich einer wollte Furcht für R der C „L tete A jeder 1 ung der te, ſich nwandte agt mir, ine Un⸗ n ſie es ſie mich ils mich 2 ge mir, gnon?“ fsvoller daß Du ſicherer ſerlichen Gold 193 konnte ich mir leicht verſchaffen. Ich begab mich nach Florenz— nahm einen anderen Namen an— und kam hierher, um durch Kunſt und Liſt Deine Freiheit zu erringen oder mit Dir zu ſterben. Ach! ſagte Dir Dein Herz nicht, daß Morgens und Abends die Augen Deiner treuen Nina nach Deinem düſteren Thurme ſchauten, und daß eine Freundin, wenn auch unbedeutend, Dich nie verlaſſen könne!“ „Holde Nina! Aber— aber— in Avignon weicht die Macht der Schönheit nicht umſonſt. Erinnere Dich, daß es noch einen ſchlimmeren Tod gibt, als das Aufhören des Lebens.“ Nina erblaßte.„Fürchte nichts,“ ſagte ſie mit leiſer, aber beſtimmter Stimme,„fürchte nicht, vaß menſchliche Lippen je ſagen könnten, Rienzi's Gattin habe ihn befreit. Niemand an vieſem verdorbenen Hofe weiß, daß ich Dein Weib bin.“ „Weib,“ ſagte der Tribun ernſt;„Dein Mund weicht der Antwort aus, die ich wünſchte. In unſerer entarteten Zeit und unſerem ſittenloſen Lande vergißt Dein Geſchlecht, wie das meinige, zu leicht, zu welch häßlichem Ausſatze der geringſte Makel an der Ehre einer Frau wird. Daß Dein Herz mich nie kränken wollte, glaube ich; wenn aber Deine Schwäche, Deine Furcht um mein Leben mich entehrten, ſo biſt Du für für Rienzi eine ärgere Feindin, als die Schwerter der Colonna. Nina, ſprich!“ „O, daß meine Seele ſprechen könnte,“ antwor⸗ tete Nina. Deine Worte ſind Muſik für mich und jeder meiner Gedanken hallt ſie wieder. Könnte ich 194 vieſe Hand berühren, könnte ich dieſem Auge begegnen und nicht wiſſen, daß der Tod Dir lieber iſt als Schande? Rienzi, als wir das letztemal in Trauer, aber in Hoffnung ſchieden, was ſagteſt Du zu mir?“ „Ich erinnere mich deſſen wohl,“ verſetzte der Tri⸗ bun;„ich verlaſſe Dich, ſagte ich, um durch Deinen Geiſt die große Sache an dem kaiſerlichen Hofe rege zu erhalten. Du biſt jung und ſchön— und an Höfen gibt es unſittliche, rohe Bewerber. Ich warne Dich nicht, es wäre unter meiner und Deiner Würde Aber ich laſſe Dir die Macht zu ſterben! Und damit, Nina——“ „Legte zitternd Deine Hand dieſen Dolch in die meinige. Ich lebe— brauche ich mehr zu ſagen?“ „Meine edle, geliebte Nina, es iſt genug. Be⸗ halte den Dolch noch.“ „Ja, bis wir auf dem Capitol in Rom uns treffen!“ Man hörte ein leiſes Pochen an der Thüre, Nina nahm ſchnell ihre Verkleidung wieder an. „Es iſt beinahe Mitternacht,“ ſagte der Gefan⸗ genwärter, als er unter der Thüre erſchien. „Ich komme,“ gab ihm Nina zur Antwort. „Und Du mußt Deine Gedanken ſammeln,“ flü⸗ ſterte ſie Rienzi zu;„waffne all Deinen glänzenden Geiſt. Ach! ſchon wieder müſſen wir uns trennen? Wie entſinkt mir der Muth!“ Die Anweſenheit des an der Schwelle ſtehenden Gefangenwärters benahm dem Abſchiede dadurch ſeine Bitterkeit, daß ſie ihn abkürzte. Der falſche Page vrückt und 1 D blick: die V nieder damit, in die agen?“ Be⸗ om uns Nin Gefan⸗ t. n, flü⸗ inzenden ennen ehenden ch ſeine e Page 195 drückte ſeine Lippen auf die Hand des Gefangenen und verließ die Zelle. Der Gefangenwärter zögerte noch einen Augen⸗ blick und legte ein Pergament auf den Tiſch. Es war die Vorladung des zu der Unterſuchung des Tribuns niedergeſetzten Gerichtshofes. Sechstes Kapitel. Die Witterung trügt nicht— Der Prieſter und der Soldat. Als ſie die Treppen hinabſtieg, begegnete Nina Alvarez. „Schöner Page,“ ſagte der Spanier heiter,„Dein Name, ſagteſt Du mir, iſt Villani?— Angelo Vil⸗ lani— nun, ich kenne Deinen Vetter, glaube ich. Seid ſo gut, junger Herr, tretet in dieſes Zimmer und trinket einen Nachtpokal auf die Geſundheit Eurer Dame; ich hörte gerne Botſchaft von meinen alten Freunden.“ „Ein andermal,“ antwortete der falſche Angelo und zog den Mantel dichter ins Geſicht;„es iſt ſpät — ich habe Eile.“ „Nein,“ ſagte der Spanier,„ſo leicht entkommſt Du mir nicht,“ und faßte den Knaben derb an der Schulter. „Laßt mich los, Herr!“ ſagte Nina ſtolz und bei⸗ nuhe weinend, denn ihre ſtarken Nerven waren jetzt abgeſpannt.„Gefangenwärter, auf Deine Gefahr— öffne das Gatter!“ „So hitzig,“ ſagte Alvarez, erſtaunt über ſo viel Würde an einem Pagen,„nein, ich wollte Dich nicht beleidigen. Darf ich Dir morgen meine Aufwartung machen?“ „Ja, morgen, ſagte Rina, begierig zu entkommen. „Und inzwiſchen,“ ſagte Alvarez,„will ich Dich nach Hauſe begleiten— wir können unterwegs noch reden.“ Mit dieſen Worten trat er, ohne auf die Gegen⸗ vorſtellungen des vermeintlichen Pagen zu achten, mit Nina ins Freie.„Eure Gebieterin,“ ſagte er gleich⸗ gültig,„iſt wunderſchön; ihr leiſeſter Wille iſt dem vornehmſten Abeligen in Avignon Befehl. Ich glaube, ſie iſt von Neapel— iſt es ſo? Biſt Du ſtumm— holder Jüngling?“ Der Page antwortete nicht, ſondern eilte mit ſo ſchnellem Schritte, daß der langſame Spanier beinahe den Akhem verlor, über den kleinen Platz zwiſchen dem Thurme und dem Palaſte der Cäſarini; alle Be⸗ mühungen des Alvarez entlockten ſeinem Begleiter nicht eine Silbe gegen ſeinen Willen, bis ſie an dem Thore des Palaſtes ankamen und er ſich unhöflicherweiſe außen zurückgelaſſen fand. „Die Peſt über den Knaben!“ ſagte er, ſich in die Lippen beißend;„wenn der Cardinal eben ſo glück⸗ lich iſt, wie ſein Diener, bei der Mutter Gottes, ſo iſt ſeine Eminenz ein glücklicher Mann!“ Keineswegs zufrieden in der Ausſicht auf eine Un⸗ terredung mit Albornoz, der, wie die meiſten gewandten Männer, die Fähigkeiten derer, die er zu ſeinen Dienſter rechnete rück. Y barſch i in ernſt Schnurt der glä Mantel deuten. varez ei danken währen Liebe g Die Geſprä kürzen. „Je Schwer bei Se Cardine unſer( ſieht. Viterb auf das „V Cardin Untern tritt— verſteht „1 e mit ſo rbeinahe zwiſchen alle Be⸗ iter nicht m Thore icherweiſe „ſich in ſo glück⸗ ottes, ſo eine Un⸗ ewandten u ſeinen 197 Dienſten verwendete, genau nach dem Erfolge be⸗ rechnete, kehrte der Spanier langſam nach Hauſe zu⸗ rück. Mit der ihm geſtatteten Freiheit trat er etwas barſch in das Zimmer des Cardinals und traf dieſen in ernſthaftem Geſpräche mit einem Cavalier; der Schnurrbart des letzteren war aufwärts gebogen und der glänzende Bruſtharniſch, den er unter ſeinem Mantel trug, ſchien ſeinen kriegeriſchen Beruf anzu⸗ deuten. Vergnügt über den Aufſchub zog ſich Al⸗ varez eilig zurück, und in der That waren die Ge⸗ danken des Cardinals in dieſem Augenblicke und während dieſer Nacht guf andere Gegenſtände, als Liebe gerichtet. Die Unterbrechung trug indeſſen dazu bei, das Geſpräch zwiſchen Albornoz und ſeinem Gaſte abzu⸗ kürzen. Der Letztere ſtand auf. „Ich denke,“ ſagte er, ſich auf ein kurzes, breites Schwert ſtützend, das er während der Unterredung bei Seite gelegt hatte,—„ich denke, mein Herr Cardinal, Ihr ermuthigt mich zu dem Gedanken, daß unſer Geſchäft einem glücklichen Abſchluſſe entgegen⸗ ſieht. Zehntauſend Gulden, ſo verläßt mein Bruder Viterbv und ſchleudert den Donnerkeil der Compagnie auf das Gebiet von Rimini. Von Eurer Seite——“ „Von meiner Seite wird zugeſtanden,“ ſagte der Cardinal,„daß das Heer der Kirche den kriegeriſchen Unternehmungen Eures Bruders nicht in den Weg tritt— ſomit iſt Friede zwiſchen uns. Ein Krieger verſteht den andern!“ „Und das Wort von Giles von Albornoz, Sohn 198 des königlichen Geſchlechtes von Aragon, iſt ein Pfand für die Treue des Cardinals,“ verſetzte der Ritter lächelnd.„In Eurer früheren Eigenſchaft habe ich mit Euch verhandelt.“ „Hier iſt meine Rechte,“ erwiderte Albornoz, zu politiſch, als daß er auf die Anſpielung geachtet hätte. Der Cavalier führte ſie ehrfurchtsvoll an die Lippen und bald hörte man ſeinen bewaffaeten Tritt die Treppe hinabgehen. „Sieg,“ rief Albornoz, ſeine Arme in die Höhe werfend,„Sieg, jetzt biſt du mein!“ Mit dieſen Worten ſtand er eilig auf, legte ſeine Papiere in eine eiſerne Kiſte, öffnete eine verbor⸗ gene Thüre hinter der Tapete und trat in ein Zimmer, das eher einer Mönchszelle, als dem Gemache eines Fürſten glich. Ueber einer gemeinen Pritſche hingen ein Schwert, ein Dolch und ein rohes Bild der hei⸗ ligen Jungfrau. Ohne Alvarez noch zu berufen, ent⸗ kleidete ſich der Cardinal und ſchlief nach wenigen Augenblicken. Siebentes Kapitel. Vaucluſe und ſein genius 10ei— Eine alte Bekanntſchaft wird erneuert. Am folgenden Tage ſah man den Ritter, wel⸗ chen unſer letztes Kapitel dem Leſer vorgeführt, ſchon früh Morgens langſam einen grünen, anmuthigen Pfad, einige Meilen von Avignon, hinreiten. End⸗ lich befand er ſich in einem wilden, romantiſchen Thale, det, d liebliche ſchützt ufer ſi und W Sorgia ſteres 1 eingeen tauſend herabra Scene lich in man ut Häusch Reiter ſeinen Nachlä ligten auf ein Ufer de des Mi näherte dachte größere die M ſie zu Nachw wandte Dr he eines hingen der hei⸗ en, ent⸗ wenigen chaft wird r, wel⸗ t, ſchon nuthigen t. End⸗ antiſchen 199 Thale, durch welches jener entzückende Fluß ſich win⸗ det, deſſen Namen die Gedichte Petrarka's eine ſo liebliche Berühmtheit verſchafften. Durch Felſen ge⸗ ſchützt und in dieſer Gegend durch die grünendſten ufer ſich hinwindend, vurch tauſend wilde Blumen und Waſſerpflanzen geſchmückt, ſtrömte die kryſtallene Sorgia. Weiterhin gewann die Landſchaft ein dü⸗ ſteres und unfruchtbares Anſehen. Das Thal ſchien eingeengt oder geſchloſſen durch phantaſtiſche Felſen tauſenderlei Geſtalt, über welche tauſend Bächlein herabrauſchten und ſchimmerten. Und gerade, wo die Seene am wildeſten war, öffnete ſich das Gebiet plötz⸗ lich in einen ſchmucken, bebauten Garten, in welchem man unter üppigem Laubwerke ein kleines, niederes Häuschen ſah— die Einſiedelei des Ortes. Der Reiter war in dem Thale von Vaueluſe, und vor ſeinen Augen lagen Garten und Haus Petrarka's! Nachläſſig glitt indeſſen ſein Auge über den gehei⸗ ligten Ort; und bewußtlos ruhte es einen Augenblick auf einer einſamen Geſtalt, die nachdenklich un dem ufer des Fluſſes ſaß. Ein großer Hund zur Seite des Mittagsträumers bellte den Reiter an, als er ſich näherte.„Ein ſchönes Thier und ſchlägt tief an!“ dachte der Reiſende; ihm ſchien der Hund von weit größerem Intereſſe, als ſein Herr. Und ſo,— wie die Menge kleiner Menſchen unbekümmert, ohne auf ſie zu achten, an ſolchen vorübergeht, welche die Nachwelt als die Gefeiertſten ihres Zeitalters erkennt, wandte der Reiter ſeinen Blick von dem Dichter ab! Dreimal geſegneter Name! Unſterblicher Floren⸗ tiner!“ nicht vor dem geheiligten Andenken des Lie⸗ benden oder des Dichtes beuge ich mich— ich verehre dich als ein Weſen, das anders als dem Namen nach, wie einen Schatten, in dieſe unwürdigen Blätter ein⸗ zuführen, Entweihung wäre; ſondern ſo ferne du der erſte warſt, der vor Völkern und Fürſten die heilige Erhahenheit der Wiſſenſchaften behauptete, der für das Genie das Recht anſprach, einen Einfluß auf die Staaten auszuüben, die Meinungen zu beherr⸗ ſchen, die Herzen der Menſchen zu regieren und durch begeiſternde Leidenſchaft und leitende Gedanken Ereig⸗ niſſe vorzubereiten! Was(obgleich man es nur ſchwach empfindet und nur dunkel ſteht)— was ver⸗ danken wir noch jetzt dir, wenn die Wiſſenſchaft jetzt eine Macht iſt; wenn der Geiſt ein Prophet und eine Macht iſt, welche die künftigen Dinge vorherſagt und beſtimmt! Für den Größten, wie für den Ge⸗ ringſten von uns, denen die Feder Scepter und Schwert iſt, iſt der niedriggeborene Florentiner der Vorgän⸗ ger geweſen, der den Weg geebnet und den Empfang vorbereitet hat. Ja! der Geringſte der Nachkommen — ſelbſt derjenige, welcher jetzt ſeine Dankbarkeit ausſpricht,— iſt dein ewiger Schuldner! Wie groß iſt deine Ehre, wenn ſeine Arbeiten, ſo gering ſie auch ſind, ein Publikum ſinden, wo man nur die Literatur kennt, die in den entfernteſten Ländern die Moral vergeſſener Revolutionen predigen und in Pa⸗ „ Es iſt kaum zu erwähnen nöthig, daß ſeine Abſtammung, nicht ſeine wirkliche Geburt uns berechtigt, Petrarka einen Flo⸗ rentiner zu nennen, läſten die zur Ausſäer i 4 men d jedes E machen Million geträum ſterblich Bet den Ge ſpätern Weg. Das wurde i aufhört nenlicht in eine nen ein Der Re hinan, der obd Menge mit ein und bef Zimmer Auf lich in gewickel Bul verehre rherſagt den Ge⸗ Schwert Vorgän⸗ Empfang kommen nkbarkeit Pie groß ering ſie nur die wern die d in Pa⸗ tammung, einen Flo⸗ 201 es Lie⸗ läſten und auf Marktplätzen die Saaten ausſtreuen, die zur Frucht reifen ſollen, wenn tie Hand des Ausſäenden Staub, ſein Name vielleicht verſchollen iſt! Denn ach! nur Wenige find es, deren Na⸗ men das Grab überleben; aber die Gevanken jedes Schriftſtellers werden unſterblich;— Andere machen ſie ſich zu eigen, fördern, ſteigern ſie; und Millionen unbekannter Geiſter, von denen man nie geträumt, find erforderlich, um einen Einzigen un⸗ ſterblich zu machen! Betrachtungen nachhängend, ſehr verſchieden von den Gedanken, welche der Name Petrarka's in einer ſpätern Zeit erweckten, verfolgte der Cavalier ſeinen Weg. Das Thal hatte er längſt hinter ſich und der Weg wurde immer ungebahnter, bis er in einem Walde aufhörte, durch deſſen verſchlungene Zweige das Son⸗ nenlicht ſpielend brach. Zuletzt öffnete ſich der Wald in eine weite Heide, auf welcher eine mit den Rui⸗ nen einer alten Vurg gekrönte Höhe ſteil ſich erhob, Der Reiſende ſtieg ab, führte ſein Pferd die Anhöhe hinan, erreichte die Ruinen, ließ das Thier in einem der obdachloſen, mit dem längſten Graſe und einer Menge Geſträuch bewachſenen Zimmer, erſtieg dann mit einiger Mühe eine ſchmale, zerbrochene Treppe und befand ſich in einem kleinen, beſſer erhaltenen Zimmer, deſſen Dach und Boden noch ganz waren. Auf dem Boden ausgeſtreckt, den Kopf nachdenk⸗ lich in die Hand geſtützt, lag hier in ſeinen Mantel gewickelt ein Mann von hohem Wuchſe und mittlerm Bulwer, Rienzi. I. 14 202 Alter. Behend richtete er ſich auf den einen Arm auf, als der Cavalier eintrat. „Nun, Brettone, ich habe die Stunden gezählt — was für Botſchaft?“ „Albornoz willigt ein.“ „Frohe Kunde! Du gibſt mir neues Leben. Par- dieu, ich werde um ſo beſſer veßhalb frühſtücken, mein Bruder. Haſt Du daran gedacht, daß ich hung⸗ rig bin?“ Brettone zog unter ſeinem Mantel eine anſehn⸗ lich große Weinflaſche und einen ziemlich gut gefüll⸗ ten, kleinen Korb hervor; der Bewohner der Ruine machte ſich mit großem Eifer über die Lebensmittel her. Und beide Krieger, denn dies waren ſie, ſtreckten ſich nun auf den Boden hin, labten ſich mit bedeu⸗ tender Gier und ſprachen heftig und vertraut zwiſchen jedem Biſſen. „Ich ſage Dir, Brettone, Du theilſt nicht ehr⸗ lich; Du haſt ſchon mehr als die halbe Paſtete ver⸗ ſchlungen, ſchiehe ſie mir zu. Und der Cardinal willigt alſo ein! Was iſt er denn für ein Mann? Gewandt, wie man ſagt?“ „Raſch, ſcharf und ernſt, mit einem feurigen Auge, macht nicht viel Worte und trifft die Hauptſache.“ „Alſo keinem Pfaffen ähnlich;— iſt ein guter Räuber an ihm verdorben. Was haſt Du von der Macht gehört, die er befehligt? Ho, nicht ſo ſchnell mit dem Weine!“ 3 „Unbedeutend für jetzt. Er verläßt ſich auf Re⸗ kruten aus Itglien.“ betrifft fallen nach Die S neuen zu mei die Se völkert der B um Rr Erobe „ Ehrge lierſt dem u nen m „ heute nerſt lien g Haſtir Ich ſ Kron Lanze gefaß und e der i 203 „Was ſind ſeine Abſichten bezüglich Roms? Da⸗ hin, mein Bruder, dahin geht mein geheimes Stre⸗ ben! Was dieſe kleinen Städte und kleinen Tyrannen betrifft, ſo kümmere ich mich nicht darum, ob ſie fallen und durch Wen. Aber der Papſt darf nicht nach Rom zurückkehren. Rom muß mein werden. Die Stadt eines neuen Reiches, die Eroberung eines neuen Attila! Hier vereinigeh ſich alle Umſtände zu meinen Gunſten!— die Abweſenheit des Papſtes, die Schwäche der Mittelklaſſen, die Armuth der Be⸗ völkerung, die ſchwache, wenn auch wilde Barbarei der Barone— das Alles hat lange zuſammengewirkt, um Rom zur leichteſten und zugleich zur ruhmvollſten Eroberung zu machen!“ „Mein Bruder, gebe der Himmel, daß Dich Dein Ehrgeiz nicht am Ende zu Grunde richte; Du ver⸗ lierſt immer das Land aus dem Geſicht. Gewiß, mit dem ungeheuren Reichthum, den wir bekommen, kön⸗ nen wir——“ „Nach etwas Höherem ſtreben, als Freibeuter, heute Generale— morgen Abenteurer zu ſein. Erin⸗ nerſt Du Dich, wie der Normannen Schwert Siei⸗ lien gewann, und wie der Baſtard Wilhelm auf dem Haſtngsfelde ſeinen Stab in ein Scepter verwanvelte. Ich ſage Dir, Brettone, dieſes lockere Italien hat Kronen auf den Hecken, die eine geſchickte Hand mit der Lanzenſpitze hinwegnehmen kann. Mein Entſchluß iſt gefaßt, ich werde das ſchönſte Heer in Italien bilden und einen Thron auf dem Capitol gewinnen. Narr, der ich vor ſechs Jahren geweſen!— Hätte ich, 204 ſtatt dieſen einfältigen Tölpel Pepin von Minorbien abzuſenden, ſelbſt den Ungarn verlaſſen und wäre mit meinen Kriegern auf Rom marſchirt, ſo wäre auf den Fall Rienzi's Montreals Erhebung gefolgt. Pepin wurde überliſtet und warf eine Beute weg, nachdem er ſie erjagt hatte. Der Löwe wird dem Schakal nicht wieder die Jagd anvertrauen!“ „Walter, Du ſprichſt von Rienzi's Schickſal, laß es Dir zur Warnung dienen!“ „Rienzi!“ verſetzte Montreal;„ich kenne den Mann! in friedlichen Zeiten oder bei einem ehrbaren Volke hätte er eine große Dynaſtie gegründet. Aber er träumte von Geſetzen und Freiheit für Leute, die jene verſchmähen, und dieſe nicht beſchützen. Wir, die wir von einem härteren Stamme ſind, wiſſen, daß ein neuer Thron durch das kriegeriſche, nicht durch das bürgerliche Syſtem erbaut werden muß; in die Stadt ſelbſt müſſen wir das Lager verſetzen. Durch die Menge errang der ſtolze Tribun ſeine Macht,— durch die Menge verlor er ſie; durch das Schwert will ich ſie erringen und durch das Schwert mir auch erhalten!“ „Rienzi war zu grauſam, er hätte die Barone nicht reizen ſollen,“ ſagte Brettone, im Begriff die Flaſche zu leeren, als die ſtarke Hand ſeines Bruders ſie ihm entriß und ſeiner Abſicht zuvorkam. „Pah,“ ſagte Montreal mit einem langen Seufzer nach dem Zuge,„er war nicht grauſam genug. Er wollte nur gerecht ſein und keinen Unterſchied machen zwiſchen Edelmann und Bauer. Er ſollte unterſchieden haben ausrot Dies „2 zuſamt „ hinwet den kü weiß auch Macht Rienzi Kerke 2 02 ſonder Bewe ſagte, werde man, 3 dies geſchi gar g höre, „ geweſ wäreſ Ange torbien äre mit re auf Pepin achdem Schakal al, laß te den rbaren Aber te, die Wir, wiſſen, t durch in die Durch — chwert ir auch Barone riff die rders Seufzer Er machen chieden 205 haben! Er hätte die Edeln mit Wurzeln und Aſten ausrotten ſollen. Aber dies vermag kein Italiener. Dies iſt mir aufbehalten.“ „Du wollteſt doch nicht alles edle Blut Roms zuſammenſchlachten?“ „Schlachten! Nein, aber ich würde ihre Güter hinwegnehmen und damit einen neuen Adel belehnen, den kühnen, trotzigen Adel des Nordens, der wohl weiß, wie er ſeinen Fürſten zu ſchützen hat, und ihn auch gerne ſchützt, als die Quelle ſeiner eigenen Macht. Für jetzt genug hiervon. Und da wir von Rienzi ſprechen— ſchmachtet er noch in ſeinem Kerker?“ „Nun, ehe ich dieſen Morgen abreiste, hörte ich ſonderbare Neuigkeiten. Die ganze Stadt war in Bewegung— an allen Ecken ſtanden Gruppen. Man ſagte, Rienzi's Unterſuchung ſollte heute vorgenommen werden und nach den Namen der Richter vermuthet man, das ſeine Freiſprechung bereits beſchloſſen iſt.“ „Ha, das hätteſt Du mir früher ſagen ſollen.“ „Wenn er wieder in Rom eingeſetzt würde, würde dies Deinen Planen zuwiderlaufen?“ „Hm! ich weiß nicht— tiefes Nachdenken und geſchicktes Handeln wären dann nöthig. Ich würde gar gerne dieſen Ort nicht eher verlaſſen, als bis ich höre, was beſchloſſen iſt.“ „Gewiß, Walter, wäre es klüger und ſicherer geweſen, wenn Du bei Deinen Leuten geblieben wäreſt und mir die vollſtändige Beſorgung dieſer Angelegenheit anvertraut hätteſt.“ 206 „Nicht ſo, antwortete Montreal;„Du biſt ein Burſche— keck genug und auch verſchlagen—— aber mein Kopf iſt in ſolchen Dingen beſſer, wie der Deinige. überdies,“ fuhr der Ritter mit gedämpfter Stimme, pie Hand vor das Angeſicht haltend, fort: „hatte ich eine Wallfahrt an den geliebten Fluß und an den alten Standort gelobt. O Gott!—— Doch all dies, Brettone, verſtehſt Du nicht— ſchweigen wir davon. Was meine Sicherheit betrifft, ſo fürchte ich, nachdem wir die Amneſtie mit Albornoz ins Reine gebracht haben, nur wenig Gefahr, ſelbſt wenn ich entdeckt werde; überdies brauche ich Geld. Es ſind Leute in dieſer Gegend, Deutſche, die ein italieniſches Heer mit Haut und Haar auffreſſen könnten, und die ich gerne anwerben möchte; ihre Anführer ver⸗ langen baares Geld— die gierigen Schurken!— Wie ſollen die Gulden des Cardinals bezahlt werden?“ „Die eine Hälfte jetzt— die andere, wenn Deine Truppen vor Rimini ſtehen.“ „Rimini! der Gedanke ſchärft mein Schwert. Er⸗ innerſt Du Dich, wie dieſer verfluchte Malateſta mich von Averſe“ vertrieb, mein Lager erſtürmte, und alle meine Beute in ſeine Hände fiel? Da ging das Werk von Jahren verloren! Aber dafür ſoll jetzt mein Banner über St. Angelo flattern. Ich will die Schuld *Dieſer Malateſta, ein Signor einer erlauchten Familie, war einer der gewandteſten Krieger Italiens. Er und ſein Bruder Galeotto waren durch die Stimme der Bürger zu der Doppeltyrannei von Rimini erhoben worden. Nachdem ſie lange Zeit Feinde der Kirche geweſen, wurden ſie envlich durch den Cardinal Albornoz zu deren Hauptleuten ernannt. mit Fe mer ſe Da Worter ſeines ſichtlich Leivenſ und de urſprü dem P St dem di ſein El Rienzi Das G An menge war de mit jed des Ur an der Fremd ſogar zoſen Einwo wie ber impfter „fort: 1 und Doch weigen fürchte Reine enn ich s ſind niſches „ und er⸗ — Wie Deine t. Er⸗ a mich d alle Werk mein Schuld Familie, ind ſein zu der e ane rch den 207 mit Feuer und Schwert zurückbezahlen, ehe der Som⸗ mer ſeine Blätter abgeſtreift.“ Das ſchöne Angeſicht Montreal's wurde bei dieſen Worten furchtbar; ſeine Hände faßten den Griff ſeines Schwertes, und ſein ſtarker Körper bebte ſichtlich; Zeichen von den trotzigen, ſchonungsloſen Leidenſchaften, mit deren Hülfe ein Leben des Raubes und der Rache eine Natur verdorben hatte, welche urſprünglich eben ſo voll von der Milde, wie von dem Muthe provenzaliſcher Ritterſchaft war. So war der furchtbare Mann, der jetzt(nach⸗ dem die Wildheit ſeiner Jugend nüchterner geworden, ſein Ehrgeiz gehärtet und eoneentrirt war) ſich neben Rienzi um die Herrſchaft Roms bewarb. Achtes Kapitel. Das Gedränge— Die gerichtliche Verhandlung— Die Entſchei⸗ dung— Der Krieger und der Page. Am folgenden Abende war eine bedeutende Volks⸗ menge in den Straßen von Avignon verſammelt. Es war der zweite Tag der Unterſuchung Rienzi's, und mit jedem Augenblicke erwartete man die Verkündigung des Urtheiles. Unter den aus allen Gegenden hier an dem Sitze des päpſtlichen Glanzes verſammelten Fremden herrſchte lebhafte Theilnahme. Die Italiener, ſogar aus den höchſten Ständen, waren für, die Fran⸗ zoſen gegen den Tribun geſtimmt. Was die guten Einwohner von Avignon ſelbſt betrifft, ſo fühlten dieſe nur wenig Begeiſterung für eine Sache, die kein Gelb in ihre Taſchen brachte, und wenn es einer Abſtimmung überlaſſen worden wäre, ſo hätte ſich ohne Zweifel eine ungeheure Stimmenmehrheit dafür ergeben, den Gefangenen zu verbrennen, was man als eine einträgliche Spekulation angeſehen hätte! Unter der Menge befand ſich ein großer Mann in einfacher, roſtiger Rüſtung; aber er hatte ſo viel ritterlichen Anſtand, daß die ſchlechte Beſchaffenheit ſeines Panzers etwas Lügen geſtraft wurde; er trug keinen Helm, ſondern eine kleine Sturmhaube von ſchwarzem Leder mit großem Schilde, wie ſie von Reiſenden in den heißen Klimaten des Süden häufig gebraucht werden. Ein ſchwarzes Pflaſter bedeckte die eine Wange beinahe ganz und er hatte durchaus das Anſehen eines grimmigen Kriegers, deſſen Beutel und Körper der Krieg übel mitgeſpielt hatte. Viele Scherze wurden auf Koſten des ſchäbigen Kriegers gemacht, mit denen die lebhaften Leute ihre Ungeduld befriedigten, und obgleich der Schild der Haube ſeine Augen verbarg, ſo zeigte doch ein ſchlaues, luſtiges Lächeln um ſeine Mundwinkel, daß er einen Scherz über ſich ſelbſt wohl ertragen könne. „Nun,“ ſagte Einer von der Menge(ein reicher Mailänder),„ich bin aus einem Staate, der frei war, und hoffe, man wird dem Mann des Volkes Gerechtigkeit widerfahren laſſen.“ „Amen,“ ſagte ein ernſter Florentiner. „Man ſagt,“ flüſterte ein junger Pariſer Stu⸗ dent einem gelehrten Doktor der Rechte zu, bei dem er woh geweſer reicht,“ Freund den Rt Di Jongle mit gr 8 der M beſung und ir die Sck von P De Sänge er thei gegen ſänger Kriege ſhicht Ir ungedi „ dringe Maſſe kann doch, Rienz che, die es einer ätte ſich it dafür man ätte Mann ſo viel affenheit er trug ube von ſie von nhäufig eckte die as das utel und chäbigen ute ihre hild der ſchlaues, er einen nreicher der frei Volkes er Stu⸗ bei dem 209 er wohnte,„ſeine Vertheidigung ſei ein Meiſterſtück geweſen.“ „Er hat die Ehrenſtufe eines Doktors nicht er⸗ reicht,“ verſetzte der Rechtsgelehrte zweifelnd.„He, Freund, warum ſtößeſt Du mich ſo? Du haſt mir den Rock zerriſſen.“ Dieſe Worte galten einem Minneſänger oder Jongleur, der, eine kleine Laute um ſich gehängt, ſich mit großem Eifer durch das Gedränge Bahn brach. „Ich bitte um Verzeihung, würdiger Herr,“ ſagte der Minneſänger; aber das iſt ein Schauſpiel, das beſungen werden muß! Noch nach Jahrhunderten, ja, und in fernen Landen werden Sagen und Geſänge vie Schickſale Cola di Rienzi's erzählen, des Freundes von Petrarka und des Tribuns von Rom!“ Der junge Franzoſe wandte ſich raſch gegen den Sänger um und eine Glut trat auf ſeine Wangen; er theilte die allgemeine Stimmung ſeiner Landsleute gegen Rienzi nicht und fühlte, daß, wenn ein Minne⸗ ſänger ſo von den Helden des Geiſtes— nicht des Krieges ſpreche, dies eine Epoche in der Weltge⸗ ſchichte ſei. In dieſem Augenblicke wurde dem großen Soldaten ungeduldig auf den Rücken geklopft. „Ich bitte Dich, großer Herr,“ ſagte eine durch⸗ vringende, gebieteriſche Stimme,„Deine ungeheure Maſſe ein wenig auf die Seite zu ſchieben— ich kann nicht durch Dich hindurchſehen, und ich möchte doch, daß meine Augen unter den erſten wären, die Rienzi erblicken, wenn er das Gericht verläßt.“ 240 „Schöner Herr Page,“ verſetzte der Krieger gut gelaunt, als er Angelo Villani Platz machte,„Du wirſt finden, daß man in der Welt nicht immer da⸗ durch weiter kommt, daß man den Starken befiehlt. Wenn Du älter geworden, wirſt Du die Schwachen am Bart zupfen und den Starken ſchmeicheln.“ „So muß ich alſo mein Weſen ändern,“ antwortete Angelo(der von etwas kleiner Statur und noch nicht völlig ausgewachſen war) und verſuchte immer, ſich über die Köpfe der Menge zu erheben. Der Krieger blickte ihn beifällig an, und wie er ihn ſo betrachtete, ſeufzte er, und ſeine Lippen waren in heftiger Bewegung. „Du ſprichſt gut,“ ſagte er nach einigem Schwei⸗ gen.„Verzeihe mir die zudringliche Frage— biſt Du aus Italien?— Deine Zunge hat etwas von dem römiſchen Dialekte; doch habe ich den Deinigen ähn⸗ liche Züge dieſſeits der Alpen geſehen.“ „Wohl möglich, guter Mann,“ ſagte der Page ſtolz,„aber ich danke dem Himmel, daß ich ein Römer bin.“ In dieſem Augenblicke ertönte ein lautes Geſchrei von der Stelle zunächſt dem Gerichtshofe her. Der Schall von Trompeten brachte unter der Menge wieder tiefes, athemloſes Schweigen hervor, während die längs dem zu dem Gerichtshofe führenden Wege aufgeſtellten päpſilichen Wachen eine aufrechtere Haltung annahmen und einige Schritte gegen die Menge zurücktraten. Als die Trompeten verſtummten, hörte man die Stimme eines Heroldes, aber ſie drang bei weitem nicht bi ſtanden, das plö — dure — durch zu Mun freigeſpi Je der Pa „De Knaben ſtärke, lend, n Rienzi Der ſich ein dies nie Beeintr „Ho biſt der erhob u zu Liebe Abe und der zu ſeher kam Ri eigenem ſchritt e dahin 1 tung w ger gut „Du ner da⸗ befiehlt. wachen t.“ wortete ch nicht er, ſich wie er waren Schwei⸗ biſt Du on dem n ähn⸗ rPage Römer eſchrei Der wieder e längs ſtellten ahmen ten. ran die weitem 211 nicht bis zu der Stelle, wo Angelo und der Krieger ſtanden, und nur durch ein ungeheures Jubelgeſchrei, das plötzlich ringsum ertönte und überall wiederhallte — durch das Wehen von Tüchern aus den Fenſtern — durch abgebrochene Ausrufungen, die ſich von Mund zu Mund fortpflanzten, erfuhr der Page, daß Rienzi freigeſprochen war. „Ich wollte, ich könnte ſein Antlitz ſehen!“ ſeufzte der Page kläglich. „Das ſollſt Du,“ ſagte der Krieger, nahm den Knaben auf den Arm und drängte ſich mit Rieſen⸗ ſtärke, den lebendigen Strom rechts und links thei⸗ lend, nach einem Platze näher bei den Wachen, wo Rienzi vorbeikommen mußte. Der Page, halb vergnügt, halb unwillig, ſträubte ſich ein wenig, ergab ſich aber, als er fand, daß dies nichts nütze, ſchweigend in das, was er für eine Beeinträchtigung ſeiner Würde hielt. „Hat nichts zu ſagen,“ ſagte der Krieger,„Du biſt der erſte, den ich je abſichtlich über mich ſelbſt erhob und ich thue es jetzt Deinem hübſchen Geſichte zu Liebe, das mich an Jemand erinnert, den ich liebte.“ Aber dieſe letzten Worte wurden leiſe geſprochen, und der Knabe in ſeiner Begierde, den Helden Roms zu ſehen, hörte ſie nicht und beachtete ſie nicht. Jetzt kam Rienzi vorüber; zwei Edelleute von des Papſtes eigenem Gefolge gingen zu ſeiner Seite. Langſam ſchritt er unter den Beglückwünſchungen der Menge dahin und ſah weder rechts noch links. Seine Hal⸗ tung war feſt und männlich, und außer der Röthe * 2¹2 auf ſeinen Wangen bemerkte man an ihm kein äußer⸗ liches Zeichen von Freude oder Gemüthsbewegung. Blumen flogen von allen Balkonen auf ſeinen Pfad, und als er auf einen freieren Platz kam, wo der Boden etwas erhöht war, und er von den Häuſern umher beſſer geſehen werden konnte, ſtand er ſtille — entblößte ſein Haupt und dankte für die ihm dar⸗ gebrachte Huldigung mit einem Blicke— einer Ge⸗ berde— unvergeßlich Jedem, der es ſah. Sogar der fröhliche, gedankenloſe Hof erinnerte ſich daran, als die letzte Nachricht von Rienzi's Leben zu ſeinen Ohren kam. Und Angelo, der ſich an dem Nacken des Krie⸗ gers feſthielt, erinnerte ſich— doch wir dürfen nicht vorgreifen. Aber nicht in den finſteren Thurm kehrte Rienzi zurück. In dem Palaſte des Cardinals Albornoz wurde ihm eine Wohnung eingerichtet. Am folgenden Tage wurde er bei dem Papſte vorgelaſſen, und am Abende vieſes Tages rief man ihn als Senator von Rom aus. Unterdeſſen hatte der Krieger Angelo wieder auf den Boden geſtellt, und als der Page nicht höfiſche Dankſagungen ſtammelte, unterbrach er ihn in traurig freundlichem Tone, der den Pagen heftig ergriff, ſo wenig paßte er zu dem rauhen, gemeinen Außern des Mannes. „Wir ſcheiden,“ ſagte er,„als Fremde, hübſcher Junge, und da Du ſagſt, Du ſeieſt ein Römer, ſo iſt kein Grund vorhanden, warum mein Herz ſich ſo für Dich erwärmt, wie es geſchehen; wenn Du aber je eines Freundes bevarfſt— ſo ſuche ihn“— und die Sti herab— Ehe dieſen ge er in ſe hanniter Aber dem An! war dief wartete hörte da von Tau Sieg ert fand end Angelo's was vor dämpft, fürchteter die, wen Stelle de verbunde des Card körperlich krank we Senator näußer⸗ wegung. en Pfad, wo der Häuſern er ſtille ihm dar⸗ ner Ge⸗ ogar der ran, als n Ohren es Krie⸗ fen nicht e Rienzi oz wurde en Tage n Abende Kom aus. ieder auf t höfiſche n traurig griff, ſo ußern des hübſcher ömer, ſo rz ſich ſo Du aber — 213 die Stimme des Kriegers ſank zu einem Flüſtern herab—„in Walter von Montreal.“ Ehe der Page ſich von ſeinem Erſtaunen über dieſen gefürchteten Namen erholt hatte, den zu ſcheuen er in ſeiner früheſten Kindheit lernte, war der Jo⸗ hanniter unter der Menge verſchwunden. — Neuntes Kapitel. Albornoz und Nina. Aber den Augen, die mehr als alle andere nach dem Anblicke des erlösten Gefangenen ſich ſehnten, war dieſe Wonne verſagt. Allein in ihrem Zimmer, wartete Nina das Ergebniß der Unterſuchung ah. Sie hörte das Jubelgeſchrei, die Ausrufungen, die Tritte von Tauſenden in der Straße; ſie fühlte, daß der Sieg errungen war, und ihr lange beſchwertes Herz fand endlich in leidenſchaftlichen Thränen Linderung. Angelo's Rückkehr unterrichtete ſie bald von Allem, was vorgegangen; aber ihre Freude wurde etwas ge⸗ dämpft, als ſie hörte, daß Rienzi der Gaſt des ge⸗ fürchteten Cardinals ſei. Die Erſchütterung, welche die, wenn auch glückliche Gewißheit, die nun an die Stelle des Zweifels trat, hervorgebracht hatte, übte, verbunden mit der peinlichen Furcht vor einem Beſuche des Cardinals einen ſo fürchterlichen Einfluß auf ihren körperlichen Zuſtand aus, daß ſie drei Tage bedenklich krank war und erſt fünf Tage, nachdem Rienzi zum Senator von Rom ernannt worden war, ſah ſie ſich ſo weit hergeſtellt, um Albornoz bei ſich empfangen zu können. Der Cardinal hatte ſich alle Tage nach ihrem Befinden erkundigen laſſen, und ſeine Nachfragen waren ihrem beunruhigten Geiſte als Mahnungen an ſeine rechtmäßigen Anſprüche erſchienen. Unterdeſſen hatte Albornoz genug, was ſeinen Gedanken eine andere Richtung gab und ihn beſchäftigte. Nachdem er den gefürchteten Montreal durch Geld dem Dienſte Johann di Vieo's, eines der ſtärkſten und trotzigſten Feinde der Kirche, entzogen hatte, beſchloß er, ſo ſchnell als möglich gegen das Gebiet dieſes Tyrannen zu mar⸗ ſchiren, um ihm ſo keine Zeit zu laſſen, ſich des Bei⸗ ſtandes einer anderen Bande beſoldeter Abenteurer zu verſichern, welche Italien damals als einen Markt für ihre kriegeriſche Tapferkeit betrachteten. Mit Auf⸗ bringung von Truppen, Anſchaffung von Geld, Brief⸗ wechſel mit den verſchiedenen Freiſtaaten und dem Abſchluſſe von Bündniſſen im Intereſſe ſeiner weiter⸗ gehenden, ehrgeizigen Plane an dem Hofe von Avig⸗ non beſchäftigt, wartete der Cardinal mit ziemlicher Ergebung auf die Zeit, wo er von der Signora Cäſarini den Lohn anſprechen konnte, zu welchem er ſich be⸗ rechtigt glaubte. Unterdeſſen hatte er ſeine erſten Be⸗ ſprechungen mit Rienzi gehabt, und unter dem Scheine der Höflichkeit gegen den freigeſprochenen Tribun, hatte ihn Albornoz als ſeinen Gaſt aufgenommen, um den Charakter und die Stimmung eines Mannes in ſeine Gewalt zu bekommen, den er zu ſeinem Diener und Werkzeng zu machen ſich beſtrebte. Die wunderbare N und zau niſſe der mit den auch in ausübte Papſte Roms g Heilmitt ſanguini legenhei Ausſicht das Wo eröffnete und etn doch dur bert wu „Iſt wir wä Verbrec der Chr Beit allen Ze Würde ebenſo ſich ger unterne nur, un ſondern benhüge auszude fangen ihrem hfragen ngen an erdeſſen e andere er den Johann Feinde hnell als zu mar⸗ des Bei⸗ eurer zu Markt Mit Auf⸗ , Brief⸗ und dem rweiter⸗ on Avig⸗ iemlicher Cäſarini ſich be⸗ rſten Be⸗ nScheine Tribun, men, um s in ſeine iener und underbare N 21⁵ und zauberähnliche Gewalt, welche nach dem Zeug⸗ niſſe der Geſchichtſchreiber jener Zeit Rienzi auf Alle, mit denen er in Berührung kam, wie verſchieden ſie auch in Gemüthsart, Anſichten und Stand waren, ausübte, verließ ihn auch in ſeiner Andienz bei dem Papſte nicht. So getreu hatte er den wahren Zuſtand Roms geſchildert, ſo vernunftgemäß die Urſachen und Heilmittel der vorhandenen übelſtände entwickelt, ſo ſanguiniſch von ſeinen eigenen Fähigkeiten, die Ange⸗ legenheiten zu lenken, geſprochen und ſo glänzend die Ausſichten dargeſtellt, welche ſeine Verwaltung für das Wohl der Kirche und das Intereſſe des Papſtes eröffnete, daß Innvcenz, obwohl ein feiner, ſchlauer und etwas ſkeptiſcher Berechner menſchlicher Dinge, doch durch die Beredſamkeit des Römers ganz bezau⸗ bert wurde. „Iſt dies der Mann,“ ſoll er geſagt haben,„den wir während zwölf Monaten als Gefangenen und Verbrecher behandelten? Wollte Gott, daß das Reich der Chriſtenheit nur auf ſeinen Schultern ruhte!“ Beim Schluſſe der Unterredung hatte er unter allen Zeichen von Gunſt und Auszeichnung Rienzi die Würde eines Senators übertragen, was eigentlich ebenſo viel war als Vicekönig von Rom, und hatte ſich gerne zu allen Entwürfen verſtanden, welche der unternehmende Rienzi jetzt wieder machte— nicht nur, um das Gebiet der Kirche wieder zu gewinnen, ſondern auch um das diktatoriſche Seepter der Sie⸗ benhügelſtadt über die früheren Beſitzungen in Italien auszudehnen. 216 Albornoz, welchem der Papſt dieſe Unterredung wieder mittheilte, war ein wenig eiferſüchtig auf die Gunſt, in welche ſich der neue Senator ſo plötzlich zu ſetzen gewußt, und ſuchte, kaum nach Hauſe zu⸗ rückgekehrt, ein Geſpräch mit ſeinem Gaſte. In ſei⸗ nem Herzen betrachtete der Fürſt⸗Carbinal, wirklich ein Mann von reger Thatkraft, Rienzi mehr als einen luſtigen, wie als einen klugen— mehr als einen glück⸗ lichen, denn als einen großen Mann— als eine Miſchung von Gelehrten und Demagogen. Aber nach einer langen, forſchenden Unterredung mit dem neuen Senator wich auch er dem Zauber ſeines unwider⸗ ſtehlichen, hinreißenden Geiſtes. Wider ſeinen Wil⸗ len mußte ſich Albornoz geſtehen, daß Rienzi's Er⸗ hebung nicht ein Werk des Zufalles war, aber mit noch größerem Widerwillen erkannte er in dem Se⸗ nator einen Mann, den er als Gleichgeſtellten be⸗ handeln, nicht aber als Günſtling lenken könne. Und er hegte ernſtlich Zweifel, ob es gerathen ſchiene, ihn wieder in eine Gewalt einzuſetzen, welche zu er⸗ weitern und auszudehnen er die Fähigkeit bewies. Noch immer bedauerte er indeſſen nicht, daß er zu Rienzi's Freiſprechung mitgewirkt. Seine Anweſenheit in einem ſo ſchwach bevölkerten Lager war höchſt wün⸗ ſchenswerth. Und durch ſeinen Einfluß hoffte der Cardinal mehr als je die Römer für ſein Unter⸗ nehmen, die Wiedereroberung des Gebietes des hei⸗ ligen Peters zu gewinnen! Rienzi, der heſtig darnach verlangte, ſeine ihm durch die Prüfung und Abweſenheit, wie durch eine „ neue B zuſehen dem vo entdecke nal wo tung be Briefe Winke, daß die ſeinem gewiſſer ſtehen z wöhnlic sieri 8 der eife dinals ebenſo ters zu lani auf launiſch zu vielf ſen er liche Ar ſei, we In entflam er ſie Albornt ſarini. Er Bul redung auf die plötzlich uſe zu⸗ In ſei⸗ wirklich s einen n glück⸗ ls eine er nach n neuen nwider⸗ n Wil⸗ zi's Er⸗ ber mit em Se⸗ lten be⸗ te. Und ſchiene, e zu er⸗ bewies. ß er zu eſenheit ſt wün⸗ ffte der Unter⸗. des hei⸗ ine ihm vch eine „ 217 neue Brautzeit nur theurer gewordene Nina wieder⸗ zuſehen, war gleichwohl nicht im Stande, ſie unter dem von ihr angenommenen Namen in Avignon zu entdecken; und der Umſtand, daß er bei dem Cardi⸗ nal wohnte, wo er zwar genau, aber mit aller Ach⸗ tung beobachtet wurde, benahm Nina alle Gelegenheit, Briefe mit ihm zu wechſeln. Einige halb ſcherzhafte Winke, welche Albornoz darüber hatte fallen laſſen, vaß die gefeiertſte Schönheit in Avignon Antheil an ſeinem Wohlergehen genommen, hatten ihn mit einer gewiſſen Unruhe erfüllt, welche er ſich ſelbſt zu ge⸗ ſtehen zitterte. Aber der volto sciolto, der wie ge⸗ wöhnlich bei allen italieniſchen Politikern ſeine pen- sieri stretti verbarg,— ſetzte ihn in den Stand, der eiferſüchtigen, luchsartigen Beobachtung des Car⸗ dinals gänzlich zu ſpotten. Auch Alvarez war es ebenſo wenig gelungen, die Neugierde ſeines Gebie⸗ ters zu befriedigen Er hatte zwar den Pagen Vil⸗ lani aufgeſucht, aber das kurze, herriſche Weſen dieſes launiſchen, ſtolzen Jungen hatte bald alle Verſuche zu vielfältigen Fragen abgeſchnitten. Und Alles, deſ⸗ ſen er ſich vergewiſſern konnte, war, daß der wirk⸗ liche Angelo Villani nicht derjenige Angelo Villani ſei, welcher Rienzi beſucht hatte. In dem feſten Vertrauen, Alles zu erfahren, und entflammt von einer Leivenſchaft und Hoffnung, wie er ſie nur zu fühlen im Stande war, machte ſich Albornoz auf den Weg nach dem Palgſte der Cä⸗ ſarini. Er wurde mit der ſeinem Range ſchuldigen Bulwer, Rienzi IM⸗ 218 in das Gemach der Signora geführt. Er fand ſie blaß, und Spuren der Kräkheit in ihren edeln, ſtatuenähnlichen Zügen. Sie erhob ſich, als er eintrat, und als er näher kam, beugte ſie halb das Knie und führte ſeine Hand an ihre Lippen. Erſtaunt und er⸗ freut über einen ihm ſo neuen Empfang, beeilte ſich der Cardinal, ihrer Herablaſſung zuvorzukommen; er hielt ihre beiden Hände feſt und verſuchte ſanft, ſie an ſein Herz zu ziehen. „Schönſte!“ flüſterte er,„wüßteſt Du, wie ſehr ich Deine Krankheit betrauerte— und doch hat ſie Dich nur noch liebenswürdiger gemacht, wie der Regen den Glanz der Blumen erhöht. Ach! glücklich bin ich, wenn ich Deinen leiſeſten Wunſch erfüllt habe, und wenn ich fortan in Deinen Augen einen Engel ſuchen darf, der mich führt und zugleich ein Paradies, das mich belohnt.“ Nina machte ihre Hand los, und bedeutete durch eine anmuthige Bewegung derſelben dem Cardinal, er möge ſich ſetzen. Sie ſelbſt ſetzte ſich nicht weit von ihm und ſprach dann mit großem Ernſte und nieder⸗ geſchlagenen Augen:„Mein Herr, Eure Vermittlung iſt es, die, verbunden mit ſeiner Unſchuld, den er⸗ wählten Beherrſcher des römiſchen Volkes aus jenem Thurme befreite. Aber Freiheit iſt die geringſte Eurer edelmüthigen Gaben; eine größere iſt die Wiederher⸗ ſtellung des guten Namens und die Wiederverleihung rechtmäßiger Ehren. Hiefür bleibe ich ewig Eure Schuldnerin; hiefür ſollen, wenn ich Kinder gebäre, dieſe Euren Namen ſegnen lernen; hiefür wird der Geſe Zeit neut gen. habe mich nich ſchu ehrt Col wiet jetzt fand ſie llt habe, n Engel aradies, ete durch dinal, er weit von nieder⸗ mittlung den er⸗ s jenem te Eurer iederher⸗ rleihung i Eure gebäre, ird der 2¹9* Geſchichtſchreiber, welcher die Begebenheiten dieſer Zeit und die Schickſale Cola di Rienzi's erzählt, einen neuen Kranz zu denen fügen, die Ihr bereits errun⸗ gen. Herr Cardinal, ich habe vielleicht gefehlt. Ich habe Euch vielleicht beleidigt— vielleicht klagt Ihr mich einer Weiberliſt an. Sprecht nicht, erſtaunt nicht, hört mich zu Ende. Ich habe nur eine Ent⸗ ſchuldigung, wenn ich ſage, daß ich alle Mittel, Ent⸗ ehrung ausgenommen, für gerechtfertigt halte, um Cola di Rienzi das Leben zu retten, ſeine Macht wiederherzuſtellen. Wißt, mein Herr, diejenige, welche jetzt mit Euch ſpricht, iſt ſeine Gattin.“ Der Cardinal blieb bewegungslos, ſtumm. Aber ſein gelbes Geſicht wurde plötzlich von der Stirne bis auf den Nacken roth, ſeine dünnen Lippen zit⸗ terten einen Augenblick und brachen dann in ein mattes, bitteres Lächeln aus. Endlich erhob er ſich ſehr langſam von ſeinem Sitze und ſagte mit einer leidenſchaftlich zitternden Stimme:„Es iſt gut, Ma⸗ dame. Giles von Albornoz iſt alſo ein Spielzeug in den Händen, eine Stufe zu der Erhebung des ple⸗ bejiſchen Demagogen von Rom geweſen! Ihr ſpieltet nur mit mir für Eure Zwecke, und nichts Geringeres, als ein Cardinal von Spanien, ein Fürſt von dem königlichen Blute von Aragon wurde zum Werkzeuge einer Marktſchreiergaukelei auserſehen! Madame, Ihr ſelbſt und Guer Gemahl könntet mit Recht des Ehr⸗ geizes beſchuldigt werden——“ „Haltet ein, mein Herr,“ ſagte Nina mit unaus⸗ ſprechlicher Würde;„welche Beleidigung Ench wider⸗ 220 fahren, von mir kam ſie allein. Denn bis nach un⸗ ſerer letzten Unterredung wußte Rienzi nicht einmal, daß ich in Avignon anweſend war.“ „Bei unſerer letzten Unterredung, gnädige Frau (Ihr thut wohl, daß Ihr daran erinnert!), wurde, dünkt mich, ſtillſchweigend ein Vertrag geſchloſſen. Ich bin meiner Obliegenheit nachgekommen— ich verlange daſſelbe von Euch. Hört mich! Ich gebe meine Anſprüche nicht auf. Eben ſo leicht, wie ich dieſen Handſchuh zerreiße, kann ich das Pergament zerreißen, das Deinen Gatten zu dem Senator von Rom ernannt. Der Kerker iſt nicht der Tod, und ſeine Thüre kann ſich auch zum zweitenmaleöffnen.“ „Mein Herr— mein Herr!“ rief Nina, krank vor Schrecken,„thut Eurer edlen Natur, Eurem großen Namen, Eurem heiligen Stande, Eurem ritterlichen Blute nicht ſolche Schmach an. Ihr ſeid von dem ritterlichen Geſchlechte Spaniens; die ſchmutzigen, nie⸗ drigen, unerbittlichen Laſter, welche die kleinen Tyran⸗ nen dieſes unglücklichen Landes beflecken, ſind Euch nicht eigen. Ihr ſeid kein Visconti— kein Caſtra⸗ eani— Ihr könnt Eure Lorbeeren nicht durch Rache gegen ein Weib beſudeln. Hört mich,“ fuhr ſie fort und fiel plötzlich zu ſeinen Füßen;„die Männer täu⸗ ſchen und betrügen unſer Geſchlecht— und zwar aus eigennützigen Abſichten; ihnen wird verziehen— ſelbſt von ihren Opfern. Betrog ich Euch durch eine falſche Hoffnung? Gut— was war mein Zweck?— was iſt meine Entſchuldigung? Die Freiheit meines Gatten — die Rettung meines Vaterlandes! Euer Geſchlecht, „krank großen terlichen on dem en, nie⸗ Tyran⸗ d Euch Caſtra⸗ 5 Rache ſie fort ner täu⸗ var aus — ſelbſt e falſche — was Gatten ſchlecht, 221 mein Herr, verſteht nur zu ſelten die Schwäche vder die Größe eines Weibes! Irrend— ganz menſchlich gegenüber von Andern— begabt ſie Gott mit tauſend Tugenden für den Einen, den ſie liebt! Aus dieſer Liebe allein ſchöpft ſie ihre edlere Natur. Für den Helden, den ſie anbetet, hat ſie die Sanftmuth der Tanbe— die Ergebung einer Heiligen; für ſeine Rettung aus Gefahr, für ſeine Befreiung aus dem Unglücke ſaugt ihr arg⸗ loſer Sinn die Liſt der Schlange— ihr ſchwaches Herz den Muth der Löwin ein! Das iſt es, was während der Trennung mein Antlitz mich unter Lächeln verbergen ließ, damit die Freunde des heimathloſen Verbannten nicht an ſeinem Schickſale verzweifelten— das iſt es, was mich durch Wälder trieb, in denen Räuber hausten, um die Sterne über jenem einſamen Thurme zu bewa⸗ chen— das war es, was meine Schritte zu den rau⸗ ſchenden Luſtbarkeiten Eures mir verhaßten Hofes führte — das ließ mich einen Befreier in dem Edelſten ſeiner Großen ſuchen— das endlich öffnete dem Gefangenen, der jetzt in Euren Mauern ſich befindet, die Kerkerthüre, und das, Herr Cardinal,“ fuhr Nina fort, indem ſie aufſtand und ihre Arme auf ihrem Herzen kreuzte,„das wird, wenn Euer Zorn ein Opfer ſucht, mich ermuthi⸗ gen, daß ich ohne einen Seufzer— aber auch ohne Ent⸗ ehrung ſterbe!“ Albornoz blieb wie in den Boden gewurzelt. Er⸗ ſtaunen, Bewegung, Bewunderung, Alles ſtürmte auf ſein Herz ein. Auf Nina's flammendes Auge und wo⸗ genden Buſen blickte er wie ein Krieger des Alterthums auf eine begeiſterte Prophetin. Wie durch einen Zauber blieben ſeine Augen auf die ihrigen geheftet. Er ver⸗ ſuchte zu ſprechen, aber die Stimme verſagte ihm. Nina fuhr fort:„Ja, mein Herr, dies ſind keine eiteln Worte! Wenn Du Rache ſuchſt, ſo ſteht ſie in Deiner Gewalt. Vernichte Dein Werk. Gib Rienzi dem Kerker, der Ungnade wieder preis, und Du biſt gerächt; aber nicht an ihm. Alle Herzen Italiens werden ihm eine zweite Nina werden! Ich bin allein die Schuldige und ich will das Opfer ſein. Höre meinen Schwur— in vem Augenblicke, wo Rienzi neues Unrecht widerfährt, macht dieſe Hand meinem Leben ein Ende. Mein Herr, ich flehe Euch nicht länger an!“ Noch immer war Albornoz tief bewegt. Nina beur⸗ theilte ihn jedoch richtig, wenn ſie den hochſtrebenden Spanier von den barbariſchen, grauſamen Wollüſtlin⸗ gen Italiens unterſchiedv. Trotz der Verworfenheit, welche ſein heiliges Gewand befleckte, trotz all der er⸗ worbenen und geſteigerten Unempfindlichkeit eines hef⸗ tigen, ränkevollen und ſkeptiſchen Mannes, noch ge⸗ führlicher bei einer ſchlimmen Natur in dieſer ſchlimmen Zeit— war doch in ſeiner Seele viel von der ritterlichen Ehrenhaftigkeit ſeines Geſchlechtes und ſeines Vater⸗ landes. Erhabene Gedanken und ein kühner Geiſt be⸗ rührten eine verwandte Saite ſeines Herzens und dies um ſo mehr, da er fie nur ſelten während ſeiner Er⸗ fahrungen in Lagern und an Höfen angetroffen hatte. Zum erſtenmale in ſeinem Leben fühlte er, daß er das Weib erblickt, die ihn auch im Eheſtande befriedigt und ihn die ſtolze und treue Liebe gelehrt haben könnte, welche die Minneſänger Spaniens beſangen. Er ſeufzte und ich küßt „ich mein alle ich: und Helt ſo ſ Blat fleck ſo aber der nich 223 und näherte, während er Ning noch immer anblickte, aich ihr beinahe ehrfurchtsvoll; er kniete nieder und küßte den Saum ihres Kleides.„Dame,“ ſagte er, „ich wollte, ich könnte glauben, Ihr hättet richtig in meinem Innern geleſen, aber ich wäre fürwahr für alle Ehre verloren und edler Geburt unwürdig, wenn ich noch einen einzigen Gedanken gegen den Frieden und die Tugend eines Weſens wie Du hegte. Süße g Helbin,“ fuhr er fort,„ſo lieblich, und doch ſo rein, fäh ſo ſtolz und doch ſo ſanft— Du haſt mir das ſchönſte hr Blatt aufgeſchlagen, das dieſe Augen je in dem be⸗ n Herr⸗ ſleckten Buche der Menſchheit durchlaſen. Mögeſt Du ſo glücklich ſein, als Dich das Leben es machen kann; a beur⸗ enten aber Seelen, wie die deinige, bauen ihr Neſt, wie L der Adler, auf Felſen und unter Stürmen. Fürchte nichts mehr von mir, denke nicht mehr an mich— enheit ferheit⸗ außer ſpäter, wenn Du die Leute von Giles von — Albornoz ſprechen hörſt, magſt Du bei Dir ſelbſt S denken,“ und hier zuckte die Lippe des Cardinals ver⸗ 5. 8* ächtlich,„er entſagte nicht allen eines Mannes wür⸗ e digen Geſühlen, als Ghrgeiz und Schicſal ihn nit Be dem Prieſterrock bekleideten.“. Ggeiſt be⸗ Ehe Nina eine Antwort fand, war der Spanier fort. und dies iner Er⸗ n hatte. ß er das digt und könnte, r ſeufzte Achtes Vuch. Die große Compagnie. Montreal— nourrissoit de plus vastes projets il donnoit à sa compagnie un gouvernement régulier. Par cette discipline il faisoit regner l'abondance dans son camp; les gens de guerre ne parloient, en ltalie, que des richesses du'on acquéroit à son service. Sismondi, Mist. dee RApubliyues Naliennes, tom. VI. cap. 42. Montreal— nährte weiter gehende Plane er gab ſeiner Compagnie eine beſtimmte Regierung.„ Durch dieſe Mannszucht bewirkte er, daß Ueberfluß in ſeinem Lager herrſchte; das italieniſche Kriegsvolk ſprach nur von den Reichthümern, die man in ſeinem Dienſte er⸗ werbe.— Erſtes Kapitel. Das Lager. Es war ein wunderlieblicher Tag, gerade in der heißeſten Glut eines italieniſchen Sommers, als man eine kleine Schaar Reiter ſich einen Hügel hinwinden ſah, von welchem aus man eine der ſchönſten Land⸗ ſchaften Toskana's überblickte. An ihrer Spitze war hübſi dunk währ Eine ſtarke roß f kaum valier daß e ſtrahl ernſt liennes, Plane ſtimmte bewirkte te; das on den nſte er⸗ in der s man inden Land⸗ e war 225 ein Ritter in einem vollſtändigen Schuppenpanzer, deſſen einzelne Theilchen ſo fein waren, daß das Ganze einem zarten, merkwürdigen Netzwerke glich, aber gleichwohl ſo feſt zuſammengefügt, daß ſie dem Speer, oder Schwert eben ſo kräftig widerſtanden hätten, wie der ſtärkſte Harniſch, während ſie ſich mit Leichtigkeit genau jeder Bewegung des ſchlanken, hübſchen Reiters fügten. Er trug einen Hut von dunkelgrünem Sammt, von langen Federn überhangen, während von zwei hinten folgenden Knappen der Eine ſeinen Helm nebſt Lanze trug, der Andere ein ſtarkes, vollſtändig mit Eiſenplatten übervecktes Streit⸗ roß führte, die jedoch ſeinen ſtolzen und leichten Gang kaum zu beſchweren ſchienen. Das Geſicht des Ca⸗ valiers war hübſch, aber ſtark markirt und dadurch, daß es in verſchiedenen Klimaten lange den Sonnen⸗ ſtrahlen ausgeſetzt geweſen, zu einer tiefen Bronze⸗ farbe geſchwärzt; einige rabenſchwarze Locken quollen unter ſeinem Hute hervor und fielen auf die glatt⸗ geſchorene Wange. Der Ausdruck ſeiner Züge war ernſt und bis zur Traurigkeit ruhig; und all die Anmuth der unvergleichlichen Scene vor ihm konnte die ruhige Schwermuth, die auf ſeinen Augen la⸗ gerte, nicht verbannen. Außer den Knappen folgten zehn von Kopf bis zu Fuß bewaffnete Reiter dem Ritter; und das leiſe, murmelnde Geſpräch, das ſie bisweilen führten, ſo wie ihr ſchönes, langes Haar, ihr hoher Wuchs, ihr dicker, kurzer Bart, die ſorg⸗ fäitige, genaue Ausrüſtung an Waffen, wie an Pferden, zeigten, daß ſie einem härteren und krie⸗ 226 geriſchen Volke angehörten, als die Kinder des Sü⸗ dens. Der Zug ſchloß mit einem Manne von beinahe rieſenähnlicher Größe, der ein reich verziettes Banner trug, auf welchem eine Säule mit der Inſchrift zu ſehen war:„Allein unter Trümmern.“ Wahr⸗ lich ſchön war die Ausſicht, die mit jedem Schritte ihre mannigfaltige Pracht weiter ausdehnte. Vorne zur Rechten dehnte ſich ein langes Thal aus, hier mit grünem Gehölze bedeckt, das in dem goldenen Son⸗ nenlichte ſchimmerte, dort ſich in enge, von kleinen Hügeln eingeſchloſſene Ebenen öffnend, aus deren Moo⸗ ſen von allen Fyrben phantaſtiſch duftende Gebüſche hervorwuchſen; zwiſchen dieſen hindurch wand ſich ein breiter Silk rſtrom und trat an verſchiedenen Stellen bald an das kicht, bald wurde er durch Wald und Hügel dem Auge entzogen, um plötzlich durch ſein helles Erſcheinen wieder zu überraſchen. Der gegen⸗ überliegende, ſanfte Berghang war, wie derjenige, welchen die Reiter jetzt hinabritten, mit Weingärten bedeckt, welche in Bogengängen ſich hinzogen, und die üppigen Beeren lachten hinter all den glänzenden Laubdächern ſo heiter hervor, als ob die Faune in dem Schatten einen Feſttag hielten. Das Auge des Ritters glitt unachtſam über dieſe bezaubernde Seene hin, die in dem roſigen Lichte des toskaniſchen Him⸗ mels ſchlief, und heftete ſich dann mit ernſter Auf⸗ merkſamkeit auf die grauen, finſteren Mauern einer fernen Burg, die von dem ſteilſten der gegenüber⸗ liegenden Berge das Thal überſchaute. „Siehe da,“ murmelte er vor ſich hin,„wie jedes Eben freun Zelt: K gegan horne Wege hielt ſein ſuchte unabl Ohr Gefa ſchwe Dicki nuten „ „ich E Ritt⸗ Schl eine geſch mit die zwei war Aus beg erjenige, ingärten en, und inzenden aune in luge des de Seene en Him⸗ ter Auf⸗ rn einer genüber⸗ wie jedes 227 Eden in Jalien ſeinen Fluch hat! Wo das Land am freunblichſten löchelt, findet man gewiß des Räubers Zelt und des Tyrannen Schloß!“ Kaum war ihm dieſer Gedanke durch den Kopf gegangen, als plötzlich der gellende Ton eines Hüft⸗ hornes, das nahe unter den Weinbergen zur Seite des Weges ertönte, die ganze Schaar überraſchte. Der Zug hielt ſogleich an. Der Anführer gab dem Knappen, der ſein Streitroß führte, ein Zeichen. Das edle, ver⸗ ſuchte Thier blieb ganz rähig ſtehen, außer daß es unabläſſig an ſeinem Gebiſſe kaute and ſein ſchnelles Ohr hin⸗ und herbewegte, als ahnte es eine nahe Gefahr— während der Knapye, ohne ſich durch die ſchwere deutſche Rüſtung beſchwert zu f len, in das Dickicht ſtürzte und verſchwand. Nach wenigen Mi⸗ nuten kam er ganz erhitzt und athemlos zurück. „Wir müſſen auf unſerer Hut ſein,“ flüſterte er; „ich ſehe Stahl durch das Weinlaub ſchimmern.“ „Unſer Terrain iſt unglücklich gewählt,“ ſagte der Ritter, als er eilig ſeinen Helm umſchnallte und ſein Schlachtroß beſtieg; er deutete mit der Hand gegen eine breitere Stelle der Straße, wo die Reiter zum geſchloſſenen Gefechte mehr Raum hatten, und eilte mit ſeiner kleinen Schaar raſch nach dem Orte— die Rüſtungen der Krieger raſſelten ſchwer, als fie zwei und zwei dahinritten. Die Stelle, nach welcher ver Ritter gedeutet hatte, war ein grüner Halbkreis von einigen Ruthen in ſeiner Ausdehnung, hinten von dichtem Gebüſch und Gehölz begrenzt, welches ſich das Thal hinabzog. Sie erreichten 228 dieſelbe ſicher; Bruſt an Bruſt ſtellten ſie ſich halb⸗ mondförmig auf; alle Vifire waren geſchloſſen, nur das des Ritters nicht, der kühn und lebhaft ſich rings in der Gegend umſah. „Haſt Du gehört, Güulio,“ ſagte er zu ſeinem Lieblingsknappen(dem einzigen Italiener von der Truppe),„ob man in neuerer Zeit in dieſen Gegenden Räuber geſehen hat?“ „Nein, mein Gebieter; im Gegentheile ſagte man mir, daß alle Lanzen die Gegend verlaſſen haben, um ſich der großen Compagnie von Fra Moreale anzu⸗ ſchließen. Die Liebe für Sold und Beute bei ihm hat ihm die Sölvlinge aller toskaniſchen Herren zu⸗ geführt.“ Kaum hatte er geſprochen, als vas Hüfthorn wieder beinahe von demſelben Orte her, wie zuvor, ertönte; es wurde durch ein kurzes, kriegeriſches Geſchrei ge⸗ rade im Rücken der Reiter beantwortet. In demſelben Augenblicke brach aus dem Dickicht hinten der Schim⸗ mer von Panzern und Speeren. Einer nach dem Andern, Zug auf Zug, tauchten aus dem Gebüſche, hinter ihnen Bewaffnete hervor, während plötzlich aus den Wein⸗ bergen vor ihnen noch viel größere Maſſen mit lautem trotzigem Geſchrei erſtanden. „Für Gott, für den Kaiſer und für Colonna!“ rief der Ritter, ſein Vifir ſchließend, und die kleine Schaar ſtürzte ſich, feſt geſchloſſen, mit eingelegter Lanze auf den vor ihnen ſtehenden Feind. Etliche zwanzig, welche durch den Angriff niedergerannt waren, bahnten für die Reiter einen Durchgang, und ohne — den 2 ſein beina ihnen eiſern / „ſo f u Feind Hüge Fluch P vor e nahe unter nenſtr in S welle Gefol d — V erſt ſ ſchlo Ange führe Ritte Man ich k n, nur h rings ſeinem on der egenden te man en, m anzu⸗ ei im ren zu⸗ wieder rtönte; rei ge⸗ mſelben Schim⸗ Andern, rihnen Wein⸗ lautem onna!“ e kleine gelegter Etliche waren, id ohne — 229 den Angriff ver übrigen abzuwarten, wandte der Ritter ſein Streitroß und jagte trotz des ſteilen Abhanges beinahe in vollem Galvpp den Hügel hinab; ein Hagel ihnen nachgeſchickter Pfeile fiel wirkungslos auf ihre eiſerne Rüſtungen. „Wenn ſie keine Pferde haben,“ rief der Ritter,“ „ſo find wir gerettet!“ Und wirklich glaubten ſie auch kaum, daß der Feind an eine Verfolgung denke, denn, oben auf dem Hügel geſammelt, ſchien er ſich mit Beobachtung ihrer Flucht zu begnügen. Plötzlich brachte ſie eine Krümmung der Straße vor eine breite, ausgedehnte Strecke Landes, die bei⸗ nahe eine Ebene bildete und die Senkung des Berges unterbrach. Am Saume dieſer Ebene ſielen die Son⸗ nenſtrahlen auf die Bruſtharniſche einer langen Reihe in Schlachtordnung aufgeſtellter Reiter, welche die welleuförmige Straße bis jetzt dem Ritter und ſeinem Gefolge verborgen hatte. Die kleine Truppe hielt plötzlich an— Rückzug — Vorrücken— beides war ihnen abgeſchnitten; zu⸗ erſt ſahen ſie nach dem Feinde, der noch immer ge⸗ ſchloſſen vor ihnen ſtand, und dann richteten ſich Aller Augen auf den Ritter. „Wenn Du willſt, mein Gebieter,“ ſagte der An⸗ führer der Nordländer, der die Unentſchloſſenheit des Ritters bemerkte,„ſo fechten wir bis auf den letzten Mann. Du biſt der einzige Italiener von allen, die ich kennen lernte, für den ich gern ſterbe!“ Dieſes kunſtloſe Geſtändniß wurde mit heifälligem 230 Gemurmel von den übrigen aufgenommen, und die Krieger drängten ſich näher um den Ritter.„Nein, tapfere Burſche,“ ſagte der Colonna, ſein Viflr auf⸗ ſchlagend,„näch ſo mancherlei Schickſalen ſind wir nicht beſtimmt, in einem ſo unrühmlichen Kampfe unterzugehen. Wenn dies Räuber find, wie wir an⸗ nehmen müſſen, ſo können wir unſeren Durchzug er⸗ kaufen. Eind es die Truppen eines Herrn, ſo haben wir mit der Fehde, in der er begriffen iſt, nichts zu ſchaffen. Gebt mir jenes Panier— ich will zu ihnen hinüberreiten.“ „Nein, mein Gebicter,“ fagte Giulio;„ſolche Plünderer achten eine Fahne zum Waffenſtillſtande nicht immer. Es iſt Gefahr——“ „Gerade dieſer trotzt Euer Anführer. Raſch!“ Der Ritter nahm das Banner und ritt bedächtig gegen die Reiter hin. Als er näher kam, konnte ſein kriegeriſches Auge die Vollkommenheit ihrer Ausrü⸗ ſtung, die Stärke und Schönheit ihrer Pferde, und die feſte Ordnung ihrer langen, ſchimmernden Linie nur bewundern. Als er heranritt und ſein prächtiges Banner in der Mittagsſonne ſchimmerte, begrüßten ihn die Sol⸗ daten. Es war ein gutes Vorzeichen und als ein ſolches ſah er es auch an.„Edle Herren,“ ſagte der Ritter,„ich komme als Herold zugleich und Anführer der kleinen Truppe, die ſo eben dem unerwarteten Angriffe der Bewaffneten auf jenem Hügel entging— und als Ritter von dem Ritter, als Soldat von dem Solvaten Beiſtand verlangend, ſtelle ich meine Leute —ZY—— unt mat leid halt Wa blick jede brin ich: gefi nerc gege ind die „Nein, ſir auf⸗ nd wir Kampfe wir an⸗ zug er⸗ o haben „ nichts will zu „ſolche illſtande ach!“ bedächtig unte ſein Ausrü⸗ de, und en Linie auner in die Sol⸗ als ein ſagte der Anführer warteten itging— von dem ine Leute 231 unter den Schutz Eures Anführers. Führk mich zu ihm.“ „Herr Ritter,“ antwortete einer, ber der Haupt⸗ mann der Abtheilung zu ſein ſchien,„es thut mir leis, einen Mann von ſo ſtattlichem Benehmen auf⸗ halten zu müſſen, und dies um ſo mehr, da ich das Wappen eines der mächtigſten Häuſer Italiens er⸗ blicke. Aber unſere Befehle ſind ſtreng und wir müſſen jeden Bewaffneten in das Lager unſeres Generals bringen.“ „Lange von meinem Vaterlande abweſend, wußte ich nicht,“ verſetzte der Ritter,„daß in Toskana Krieg geführt wird. Erlaubt mir, nach dem Namen des Ge⸗ nerals, von dem Ihr ſprecht, und nach dem des Feindes, gegen den Ihr zieht, zu fragen.“ Der Hauptmann lächelte. „Walter von Montreal iſt der General der großen Compagnie und Florenz gegenwärtig ſein Feind.“ „So ſind wir, wenn auch in kühne, doch in Freun⸗ deshand gefallen,“ verſetzte der Ritter nach einem augen⸗ blicklichen Schweigen.„Mit Herrn Walter von Mont⸗ real bin ich aus alten Zeiten bekannt. Erlaubt mir, daß ich zu meinen Gefährten zurückkehre und ſie in Kenntniß ſetze, daß, wenn der Zufall uns zu Ge⸗ fangenen gemacht, wir wenigſtens nur genöthigt find, uns dem geſchickteſten Krieger unſerer Zeit zu ergeben.“ Der Italiener wandte dann ſein Pferd, um zu ſeinen Gefährten zu reiten. „Ein ſchöner Ritter und von keckem Benehmen,“ ſagte der Hauptmann der Abtheilung zu ſeinem Nach⸗ 232 bar;„obgleich ich kaum glaube, daß es die Partei iſt, die wir aufzuheben befehligt ſind. Gelobt ſei übri⸗ gens die Jungfrau, ſeine Leute ſcheinen aus dem Norden zu ſein. Dieſe können wir vielleicht hoffen anzuwerben.“ Der Ritter ſtieß mit ſeinen Leuten jetzt wieder zu der Truppe, und nachdem ihnen ihr Wort abge⸗ nommen war, daß ſie keinen Verſuch zur Flucht machen wollen, wurde eine Abtheilung von dreißig Reitern abgeſandt, um die Gefangenen in das Lager der großen Compagnie zu führen. Nachdem ſie die Hauptſtraße verlaſſen, ſah ſich der Ritter in einem engen, zwiſchen Hügeln hinfüh⸗ renden Paſſe, der über einen düſteren Waldweg die Schaar auf eine Stelle brachte, von wo aus ſie einen vollkommenen überblick über eine große, mit den Zelten eines für die damalige Kriegführung in Italien be⸗ deutenden Heeres bedeckte Ebene hatten. Ein Fluß, über welchen von dem Holze in der Nähe in der Eile kunſtloſe Brücken geſchlagen waren, trennte die Reiter allein noch von dem Lager. „Ein ſchöner Anblick!“ ſagte der gefangene Ritter mit Begeiſterung, als er ſein Pferd anhielt und die bunten, kriegeriſchen, breiten, ſich durchkreuzenden Straßen von Leinwand überſah. Einer der Hauptleute der großen Compagnie, der neben ihm ritt, lächelte wohlgefällig. „Es gibt wenige Meiſter in der Kriegskunſt, welche Fra Moreale gleichkommen,“ ſagte er,„und wild, zügellvs, aus gllen Ländern und Gegenden zuſammen⸗ getr dem ſind, brac Pfer ſich deſſe dem Lob glar ſcher Ritt man das ihre ſtan und Grt der in tru alle nah ein wil beg ſcht ihr Partei ei übri⸗ us dem hoffen wieder t abge⸗ machen Reitern großen ſah ſich weg die ie einen Zelten ien be⸗ n Fluß, in der inte die Ritter und die uzenden tie, der „welche d wild, mmen⸗ ———— 233 getrieben— aus Höhlen und von Marktplätzen, aus dem Gefängniſſe und aus Paläſten, wie es ſeine Truppen ſind, hat er doch ſchon eine Mannszucht unter ſie ge⸗ bracht, welche ſelbſt das Reichsheer beſchämen dürfte.“ Der Ritter erwiderte nichts, ſpornte aber ſein Pferd über eine der kunſtloſen Brücken und befand ſich bald mitten in dem Lager. Aber derjenige Theil deſſelben, den er nun betreten, verdiente wenig von dem der Armee hinſichtlich ihrer Diseiplin geſpendeten Lobe. Ein unordentlicheres, ungeſtümeres Getümmel glaubte der an die ernſte Regelmäßigkeit der engli⸗ ſchen, franzöſiſchen und deutſchen Mannszucht gewöhnte Ritter nie geſehen zu haben; da und dort konnte man trotzige, bärtige, halbnackte Räuber ſehen, welche vas Vieh vor ſich hertrieben, das ſie ſo eben auf ihren räuberiſchen Streifzügen erbeutet. Bisweilen ſtand ein Haufen liederlicher Weiber— ſchnatternd und zankend mit heftigen Geberden— verſammelt um Gruppen wilder, zottiger Nordländer, die ungeachtet der reinen Helle des Sommernachmittages ſchon tief in Trinkgelagen begriffen waren. Flüche, Gelächter, trunkene Heiterkeit und trotziges Geſchrei ertönten von allen Seiten, und gerade vor den Augen und bei⸗ nahe in dem Wege der Truppe wurde in der Eile ein Kampf mit gezogenen Meſſern von den rohen, wilden Bravos von Calabrien und den Appenninen begonnen und zu Ende geführt. Gaukler und Markt⸗ ſchreier, Taſchenſpieler und Trödeljuden trugen überall ihre Kunſtſtücke und Waaren zur Schau, uffenbar ganz an das geſetzloſe, ſtürmiſche Treiben gewöhnt Bulwer, Rienzi. II. 234 in welchem ſie ihre verſchiedene Erwerbszweige aus⸗ übten. Trotz dem Schutze der Reiter, welche ſie be⸗ gleiteten, konnten die Gefangenen doch nicht unbe⸗ läſtigt durchkommen. Gruppen von garſtigen, unver⸗ ſchämten, zerlumpten Kindern ſchienen aus dem Boden zu wachſen und umgaben ihre Pferde wie Bienen⸗ ſchwärme, während ſie das gellendſte Geſchrei aus⸗ ſtießen und mit wilden Geberden Geld mehr forderten, als ſich erbaten, das, wenn man ihnen welches gab, ſie nur noch unerſättlicher machte. Bisweilen ſah man, mit den übrigen vermengt, die hellen Augen und olivenfarbigen Wangen, das halb zänkiſche, halb fröh⸗ liche Lachen von Mädchen, deren große Jugend, kaum der Kindheit entwachſen, ihre gänzliche, unverbeſſer⸗ liche Verworfenheit doppelt ſchrecklich machte. „Ihr habt den Anſtand der großen Compagnie nicht übertrieben!“ rief der Ritter ernſt ſeinem neuen Bekannten zu. „Signor,“ erwiderte der Andere,„Ihr dürft den Kern nicht nach der Schale beurtheilen. Wir ſind kaum noch in dem Lager angekommen. Das ſind die mehr von dem Pöbel als den Soldaten beſetzten Vor⸗ ſtädte. Zwanzigtauſend Mann, wie man geſtehen muß, von der Hefe aller Städte Italiens folgen dem Lager, um, wenn es nöthig wird, zu fechten, mehr aber, um zu plündern und zu rauben— ſolche Leute ſeht Ihr jetzt. Bald werdet Ihr einen anderen Schlag ſehen.“ Das Herz des Ritters ſchwoll hoch.„Und ſolchen Leuten iſt Italien preisgegeben!“ dachte er. Aus ſeinen Träumereien wurde er durch lautes Beifallrufen einiger luſtig um, Tiſch, etwa Minſt und 2 eine begleit kriege Stimn „ unver⸗ Bienen⸗ ches gab, ompagnie em neuen dürft den Wir find ſind die ten Vor⸗ hen muß, m Lager, ehr aber, ente ſeht g ſehen.“ d ſolchen us ſeinen n einiger 235 luſtigen Zecher am Wege geriſſen. Er wandte ſich um, und unter einem langen Zelte, um einen breiten Tiſch, auf welchem Wein und Speiſen ſtanden, ſaßen etwa dreißig oder vierzig Bravos. Ein zerlumpter Minſtrel oder Jongleur, mit ungeheurem Schnurr⸗ und Backenbarte, ſchlug mit ziemlicher Geſchicklichkeit eine Laute, die ihn auf allen ſeinen Wanderungen begleitet hatte— plötzlich ging er in eine wilde, kriegeriſche Melodie über und begann mit tiefer, lauter Stimme folgenden Geſang: Das Lob der großen Compagnie. 4 Ho, dunkler Mann vom goldnen Süd— ho Blonder von dem Nord, Ho Eiſenkleid und heller Speer— was eilet Ihr denn fort? Von Bergen, aus Höhlen und auch von fernem Strand Lockt uns die große Compagnie, zu ziehen in dies Land. O, dieſer heit're fröhliche Schwarm Mit leichtem Herz und ſchwerem Arm— O, die Lanzen der Freien! 2. Ho, Bürger in der weiten Stadt— ho, Fürſten auf dem Schloß, Apuliens Kraft, Romagna's Stolz, Toskana's alter Sproß! Ihr zaget, erbleichet, erſchreckt bis in den Tod, Seht Ihr von Montreals Compagnie die Fahne blutigroth. O, wie glänzt Euer Leben ſo hell— O, wie blitzt Euer Stahl ſo ſchnell! Wilde Lanzen der Freien! 3. Ho, Wappenſchild, was zitterſt du auf des Normann's Grab ſo ſehr, Du ſchwankſt ja, es treibet der Wind dich hin und her? 236 „Ich ſchwanke ohne Athem— der Tod will auferſtehn, um Montreals Compagnie und ſeinen Ruhm zu ſehn.“ Seit Roger gewann das Königreich, Wer kam da Eurem Ruhm je gleich, Tapfre Lanzen der Freien? 4. Ho, die Ihr einen Namen ſucht, durch tapfre That erreicht, Ho, die Ihr Schätze häufen wollt, hier wird es Euch ſo leicht; Ho, die Ihr Ruh' und Stille haßt und des Geſetzes Zwang, Ho, ſpornt zu Montreals Compagnie. Die Dirne theilt den Lagerplatz, Der Geizhals ſeinen reichen Schatz 3 Mit den Lanzen der Freien! Der Freien! Der Freien! O, die Lanzen der Freien! Dann griff, wie durch ſeinen eigenen Geſang zu wilderer Begeiſterung hingeriſſen, der Jongleur auf einmal in die Saiten und ſtimmte einen Geſang an, ver bewundernswerth das Gemälde bezeichnete, das ſeine in rohen, aber lebhaften und munteren Knitte⸗ verſen ſich bewegenden Worte zu ſchildern verſuchten. Der Marſch der großen Compagnie. Tira, tirala— es ſchmettern die Trompeten Und von des Berges Höh die mächt'ge Trommel ſchallt, Germanen und Hunnen und. Inſelländer viel, Die den Franzoſen ſchlugen ſo wacker bei Crezy, Daß ſeine Roſe tauſchte die Farbe mit Ueur-de-lis, Lombarden und Viele von Piemont und Rom, Und von des Südens Landen der ſchwarzgelockte Sohn. Lira, tirala, ſie kommen raſch herbei, Wie ſtatllich ſie erſcheinen, gerüſtet Reih an Reih Und ſchwarz, wie eine Wolke, erſcheint es hintendrein, Wie die See ihre Wogen wirſt ans Ufer herein⸗ jauchz und 1 Ohrer drang freche Es we zu th trotzi ſelbſt hörte, wandl G ſeinen hatte, niſche kennt, beeile erſtehn, ſehn.“ hat erreicht, uch ſo leicht; tzes Zwang, Geſang zu ngleur auf Heſang an, hnete, das en Knittel⸗ verſuchten. 5 ue. mel ſchallt, 39 de-lis, ckte Sohn. Reih ntendrein, rein. 237 Schnell öffnet Eure Thore, heraus mit Eurem Gold, Um Euer Blut zu ſchonen, gebt uns den reichen Sold. Weh, Bürger, weh; es führt ſie heran Der hellſte Kopf und der tapferſte Mann. Auf dem rothen Mantel trägt er ein weißes Kreuz, Er blicket wie ein Adler, und nach des Löwen Art Trägt er wohl anzuſchauen den königlichen Bart. Der Fürſt und die Geißel des Landes iſt er hie Der königliche Ritter der großen Compagnie. Hurrah— hurrah— hurrah! Hurrah für die Armee, hurrah für Montreal, Hurrah auch für das Gold, gewonnen durch den Stahl. Hurrah— hurrah— hurrah! Für die Lanzen der Freien! Als der volle Chor dieſer verzweifelten Geſellen jauchzend einfiel und von allen Seiten der vertraute und wohlbekannte Refrain, als die Worte zu den Ohren der entfernteren Gruppen oder Nachzügler vrangen, wiederhallte, war die Wirkung, welche dieſer freche, zügelloſe Geſang hervorbrachte, unbeſchreiblich. Es war unmöglich, nicht den eigenthümlichen Eindruck zu theilen, welchen dieſes verwegene Leben auf die trotzigen Männer übte, die ſich ihm ergeben, und ſelbſt der tapfere und ſtolze Ritter, der es mit an⸗ hörte, tadelte ſich wegen einer unwillkürlichen An⸗ wandlung von Sympathie und Wohlgefallen. „ Er wandte ſich etwas ungeduldig und gereizt zu ſeinem Begleiter, der Theil an dem Geſang genommen hatte, und ſagte:„Herr, für die Ohren eines italie⸗ niſchen Edelmannes, der das Elend ſeines Vaterlandes kennt, iſt dies kein vollkommener Geſang. Ich bitte, heeilen wir uns.“ 238 „Ich bitte Euch höflich um Verzeihung, Signor,“ ſagte der Mann von der Freicompagnie;„aber das Leben, das man bei den Freilanzen führt, iſt wahr⸗ haftig ſo anziehend unter Fra Moreale, daß wir bis⸗ weilen vergeſſen—— aber verzeiht mir— wir wollen weiter.“ Nach wenigen Augenblicken ſprengte ber Zug über eine kleine Umſchanzung und befand ſich in einem Quartier, das zwar auch, aber in ganz anderer Art, belebt war. Lange Reihen Bewaffneter waren zu beiden Seiten des nach einem großen Zelte auf einem kleinen Hügel führenden Weges aufgeſtellt, über welchen eine blaue Fahne wehte; auf dieſem Wege gingen be⸗ waffnete Soldaten in großer Ordnung hin und her, aber mit einem heiteren, ſelbſtgefälligen Ausdrucke auf ihren ſchwärzlichen Geſichtern. Einige welche in dez Zelt gingen, trugen Päcke und Ballen auf ihren Schul⸗ tern— diejenigen, welche heraus kamen, ſchienen ihre Laſt los geworden zu ſein; ſie öffneten dann und wann ungeduldig ihre Hände und ſchienen wieder und noch einmal das darin enthaltene Geld zu zählen. Der Ritter ſah ſeinen Begleiter fragend an. „Das iſt das Zelt der Kaufleute,“ſagte der Haupt⸗ mann;„ſie haben freien Zutritt in dem Lager; ihr Eigenthum, wie ihre Perſon, werden ſtrenge reſper⸗ tirt. Sie kaufen jedes Soldaten Antheil an der Beute um wohlfeiles Geld, und beide Theile ſind mit dem Handel zufrieden.“ „So ſcheint es alſo, daß eine Art grober Gerech⸗ tigkeit unter Euch beobachtet wird,“ ſagte der Ritter. die a teiiſch Zelte Sold Das der 2 gen geht Maſe nung 2 Mitt in Jt ihm man Dien Reyu ſetzlo zählu der g die 2 weite das ſ ſchen dieſer den währ dene Signor,“ aber das iſt wahr⸗ wir bis⸗ ir wollen Zug über in einem derer Art, zu beiden em kleinen chen eine ingen be⸗ und her, drucke auf he in des ren Schul⸗ ſchienen dann und vieder und zählen. d an. er Haupt⸗ ager; ihr ige reſper⸗ der Beute dmit dem er Gerech⸗ er Ritter. 239 „Grob! Diavolo! Keine Stadt iſt in Italien, die an ſolcher Gerechtigkeit und an ſolchen unpar⸗ teiiſchen Geſetzen nicht froh wäre. Dort ſtehen die Zelte der Richter, die beſtimmt ſind, alle unter den Soldaten vorkommenden Streitigkeiten zu unterſuchen. Das Zelt rechts, mit der goldenen Kugel, bewohnt der Zahlmeiſter des Heeres. Fra Moreale bleibt ge⸗ gen ſeine Soldaten nicht im Rückſtande. Im Inneren geht Alles, wie die Räder einer Maſchine; aber die Maſchine ſelbſt, das gebe ich zu, verurſacht Unord⸗ nung genug nach Außen.“ Wirklich hatte der Johanniterritter durch dieſe, Mittel die beſtgerüſtete und zufriedenſte Streitmacht in Italien zuſammen gebracht. Jeder Tag brachte ihm Rekruten. Unter den Söldlingen Italiens ſprach man nur von den Reichthümern, die man in ſeinem Dienſte erwerbe und jeder Krieger, im Sold einer Republik oder eines Tyrannen, ſeufzte nach der ge⸗ ſetzloſen Fahne von Fra Moreale. übertriebene Er⸗ zählungen von dem Glücke, das man in den Reihen der großen Compagnie machen könne, drangen über die Alpen, und eben jetzt erblickte der Ritter, als er weiter in das Lager hineinkam, von manchem Zelte das ſtolze Banner und den Wappenſchmuck des deut⸗ ſchen Adels und franzöſiſcher Ritterſchaft. „Ihr ſeht,“ ſagte der Hauptmann, indem er nach dieſen Inſignien deutete,„wir haben in unſerer wil⸗ den Stadt auch unſere verſchiedenen Stände. Und während wir hier ſprechen, eilt vielleicht mancher gol⸗ dene Sporn vom Norden hierher!“ 240 In dem Quartier, das ſie nun betreten hatten, war Alles ſtill und feierlich; nur von ferne kam das undeutliche Summen, oder das plötzliche Geſchrei der Menge draußen, das durch die Entfernung zu einem nicht widerlichen Tone gemäßigt wurde. „Seht! hier ſind wir vor dem Zelte des Generals,“ ſagte der Hauptmann. Mit Purpur und Gold verziert, lag Montreals Zelt etwas von den übrigen entfernt. Ein Arm des Stromes, den ſie überſchritten, tönte lieblich zum Ohr und eine große, weithin ihre Aſte ausbreitende Buche warf ihren Schatten über das prächtige Zelt. Die Truppe wartete außen und der Ritter wurde ſofort zu dem gefürchteten Abenteurer geführt. Zweites Kapitel. Adrian zum zweitenmal Montreals Gaſt. Oben an einem Tiſche, umgeben von Männern theils kriegeriſchen, theils bürgerlichen Standes, die er ſeine Räthe nannte, und mit denen er anſcheinend alle ſeine Plane berieth, ſaß Montreal. Dieſe Män⸗ ner, aus verſchiedenen Staaten ausgewählt, waren ge⸗ nau mit den inneren Angelegenheiten der Staaten denen ſie angehörten, bekannt. Bis auf einen Bruch konnten ſie die Stärke und Streitmacht eines Sig⸗ nors, den Reichthum eines Kaufmanns, die Macht des Pöbels angeben. Und ſo präſidirte Montreal in ſeinem geſetzloſen Lager ebenſo als Staatsmann, wie Befe mac des die konn hand gebe daß Mat und leich nur Offi flüft ſagt ſeine rieb Laßt und in a getä gene derte di C thatten, kam das chrei der zu einem enerals,“ kontreals Arm des ich zm breitende tige Zelt. e wurde rt. Männern ndes, die nſcheinend eſe Män⸗ waren ge⸗ Staaten en Bruch ines Sig⸗ die Macht Montreal aatsmann, 241 wie als General. Solche Kenntniſſe waren für den Befehlshaber der großen Compagnie unſchätzbar. Sie machten es ihm möglich, die rechte Zeit zum Angriffe des Feindes zu berechnen, ſo wie auch die Summe, die er für Einſtellung der Feindſeligkeiten verlangen konnte. Er wußte, mit welchen Parteien er unter⸗ handeln konnte— wo er fordern— wo er nach⸗ geben mußte. Und gewöhnlich wollte es der Zufall, daß das Erſcheinen von Montreals Banner vor den Mauern einer Stadt das Signal zu Streitigkeiten und einem Aufſtande innerhalb derſelben war. Viel⸗ leicht förderte er dadurch eine noch weitergehende, als nur ſeine jetzige Politik. Der Divan war in voller Berathung, als ein Offieier eintrat und Montreal einige Worte ins Ohr flüſterte. Seine Angen glänzten.„Führt ihn herein,“ ſagte er eilig.„Meine Herren,“ fuhr er dann, gegen ſeine Räthe gewandt, fort, indem er ſich die Hände rieb,„ich denke, der Vogel iſt in unſerem Netze. Laßt uns. ſehen.“ In dieſem Augenblicke öffnete ſich der Vorhang und der Ritter trat ein. „Wie!“ murmelte Montreal, die Farbe wechſelnd, in augenſcheinlichem Verdruſſe.„Soll ich immer ſo getäuſcht werden?“ „Herr Walter von Montreal,“ ſagte der Gefan⸗ gene,„ich bin wieder Euer Gaſt. In dieſen verän⸗ derten Zügen erkennt Ihr wohl kaum noch Adrian di Caſtello.“ „Verzeiht mir, edler Signor,“ ſagte Montreal, 242 als er ſich mit großer Höflichkeit erhob;„der Miß⸗ griff meiner Leute ſtörte mein Gedächtniß einen Augen⸗ blick.— Ich freue mich, eine Hand wieder einmal zu drücken, die, ſeit wir das letzte Mal ſchieden, ſo viele Lorbeeren erworben hat. Gerne hörte ich von Euerem Ruhme. Heda!“ fuhr der Häuptling, in die Hände klatſchend, fort,„ſorgt⸗dieſem edeln Ritter und ſeinem Gefolge für Erfriſchungen und Ruhe. Signor Adrian, ich werde augenblicklich bei Euch ſein.“ Adrian entfernte ſich. Montreal, die Anweſen⸗ heit ſeiner Räthe ganz vergeſſend, ging mit eiligen Schrilten im Zelte auf und ab; dann berief er den Offiecier, der Adrian eingeführt hatte, und ſagte: „Graf Landau bewacht den Paß noch immer?“ „Ja„General!“ „So begib Dich eilig wieder dahin— der Hin⸗ terhalt muß bis Einbruch der Nacht aushalten. Wir haben den falſchen Fuchs gefangen.“ Der Oſſicier ging und kurz darauf hob Mont⸗ real die Verſammlung auf. Er begab ſich zu Adrian, der ein Zelt neben dem ſeinigen bewohnte. „Mein Herr,“ ſaßte Montreal,„es iſt wahr, meine Leute hatten den Befehl, Jeden anzuhalten auf den Straßen nach Florenz. Ich liege mit dieſer Stadt in Fehde. Gleichwohl erwartete ich einen ganz an⸗ deren Gefangenen, als Euch. Ich habe wohl nicht nöthig, zu ſagen, daß Ihr und Euere Leute frei ſeid.“ „Ich nehme, edler Montreal, die Höflichkeit ſo offen an, als ſie erwieſen wird. Darf ich hoffen, ſie irge hät Ge geh Anf geri jetzt uns Ase verſ Ger Bei Unſ ger verl Kir ſetzt da Erz zern ſten auf daß die lang eMiß⸗ Augen⸗ einmal eden, ſo ich von ling, in n Ritter Ruhe. ch ſein.“ Unweſen⸗ t eiligen f er den d ſagte: 2* der Hin⸗ en. Wir b Mont⸗ 1Adrian, ſſt wahr, alten auf ſer Stadt ganz an⸗ ohl nicht eute frei lichkeit ſo ch hoffen, 243 ſie ſpäter zu erwidern? Indeſſen erlaubt mir, ohne irgend eine Unehrerbietigkeit zu geſtehen, daß ich, hätte ich gewußt, daß die große Compagnie in dieſer Gegend liegt, meinen Weg geändert hätte. Ich hatte gehört, Euere Waffen ſeien(etwas edler nach meiner Anſicht) gegen Malateſta, den Tyrannen von Rimini, gerichtet!“ „So war es. Er war mein Feind; er iſt mir jetzt tributpflichtig. Wir beſiegten ihn. Er bezahlte uns den Preis ſeiner Freiheit. Wir marſchirten über Asciano nach Siena. Für ſechszehntauſend Gulden verſchonten wir die Stadt und hängen jetzt wie eine Gewitterwolke über Florenz, das ſeinen unbedeutenden Beiſtand zu Rimini's Vertheidigung zu ſchicken wagte. Unſere Märſche find eilig und raſch, und unſer La⸗ ger in dieſer Ebene eben kaum aufgeſchlagen.“ „Ich höre, die große Compagnie ſei mit Albornoz verbündet, und ihr General insgeheim ein Soldat der Kirche. Iſt es ſo?“ „Ja— Albornoz und ich verſtehen einander,“ ver⸗ ſetzte Montreal nachläſſig;„und dies um ſo mehr, da wir einen gemeinſamen Feind in Visconti, dem Erzbiſchof von Mailand, haben, den wir Beide zu zermalmen ſchworen.“ „Visconti! der mächtigſte der italieniſchen Für⸗ ſten! Daß er den Zorn der Kirche mit Recht auf auf ſich geladen hat, weiß ich— und begreife leicht, daß Innocenz die Verzeihung widerrufen hat, welche die Intriguen des Erzbiſchofs von Clemens VI. er⸗ langten. Aber ich verſtehe nicht ganz, warum Mont⸗ 244 real einen ſo verſteckten, furchtbaren Feind aus freien Stücken gegen ſich reizt.“ Montreal lächelte grimmig.„Kennt Ihr,“ fragte er,„den ungeheueren Ehrgeiz dieſes Visconti nicht? Beim heiligen Grabe, er iſt gerade der Feind, mit dem meine Seele zuſammentreffen möchte! Er hat einen Geiſt, würdig, mit dem von Montreal zu käm⸗ pfen. Ich habe mich zum Herrn ſeiner geheimen Plane gemacht— ſie ſind rieſenmäßig! Mit einem Worte, der Erzbiſchof beabſichtigt die Eroberung von ganz Italien. Sein unermeßlicher Reichthum beſticht die Feilen— ſein durchdringender Scharffinn beſtrickt die Leichtgläubigen— ſein kühner Muth ſchreckt die Schwachen. Jeden Feind unterdrückt er— jeden Verbündeten macht er zum Sklaven. Er iſt gerade der junge Fürſt, deſſen Weitergreifen Walter von Montreal verhindern muß. Denn dieſer(ſagte er leiſe zu ſich ſelbſt) iſt gerade der Fürſt, der, wenn man ihn ſeine Macht noch weiter ausdehnen läßt, die Plane Walters von Montreal vereitelt und ſeine Kraft bricht.“ Adrian ſchwieg, und zum erſtenmale drängte ſich ein Verdacht hinſichtlich der wahren Plane des Pro⸗ venzalen in ſeine Bruſt. „Aber, edler Montreal,“ nahm der Colonna dann das Wort,„gebt mir, wenn, wie ich nicht zweifle, Ihr es im Stande ſeid— gebt mir die neueſten Nach⸗ richten über meine Vaterſtadt. Ich bin ein Römer, und ſtets beſchäftigt Rom meine Gedanken.“ „Und zwar mit Recht,“ verſetzte Montreal raſch⸗ s freien fragte nicht? d, mit Er hat zu käm⸗ eheimen teiem ung von beſticht beſtrickt reckt die — jeden t gerade te n ſagte er wenn äßt, die nd ſeine ingte ſich des Pro⸗ nna dann zweifle, en Nach⸗ Römer, 4 eal raſch. 245 „Du weißt, daß Albornoz als Legat des Papſtes das Heer der Kirche in die päpſtlichen Staaten führte. Er nahm Cola di Rienzi mit ſich. Als er in Monte Fiascone ankam, eilte eine Menge Römer aus allen Ständen dahin, um bem Tribun ihre Huldigungen darzubringen. über der Liebe des Volkes zu ſeinem Gefährten wurde der Legat vergeſſen. Ob Albornoz eiferſüchtig wurde oder nicht— denn er iſt ſtolz, wie Lueifer— auf die vem Tribun gezollten Achtungs⸗ bezeigungen, oder ob er die Wiederherſtellung von deſſen Macht fürchtete, weiß ich nicht. Aber er hielt ihn in ſeinem Lager zurück und weigerte ſich trotz aller Bitten und Deputativnen der Römer, ihn gehen zu laſſen. Liſtig, erreichte er gleichwohl einen der Hauptzwecke durch Rienzi's Freilaſſung. Durch ſeine Vermittlung bewirkte er die Unterwerfung Roms unter die Kirche, und der Reiz ſeiner Gegenwart füllte ſein Lager mit römiſchen Rekruten. Als ſie gegen Viterbo marſchirten, zeichnete ſich Rienzi rühmlich durch Waffenthaten gegen den Tyrannen“ Johann di Vico aus. Ja, er focht wie ein Mann, der wür⸗ dig iſt, der großen Compagnie anzugehören. Dies ſteigerte den Eifer der Römer, und die Stadt ſtrömte die Hälfte ihrer Einwohner aus, die ſich unter die Befehle des tapferen Tribuns ſtellten. Auf die drin⸗ genden Bitten dieſer würdigen Bürger—(vielleicht dieſelben, welche früher ihren Liebling in St. Angelo eingeſchloſſen hatten) antwortete der feine Legat nur: „„Waffnet Euch gegen Johann di Vico— beſiegt * Vita di Cola di Rienzi. 246 die Thrannen auf dem Gebiete der Kirche— ſtellt das Erbe des heiligen Petrus wieder her, ſo ſoll Rienzi zum Senator ernannt werden und nach Rom zurückkehren.“ Dieſe Worte flößten den Römern einen ſo großen Eifer ein, daß ſie dem Legaten willig ihre Hülfe liehen. Aquapendente, Bolzena ergaben ſich, Johann di Vico wurde halb durch Gewalt, halb durch Furcht zur Unterwerfung gebracht und Gabrielli, der Tyrann von Agobbio, iſt ſeither unterlegen. Der Ruhm gehört dem Cardinal, aber das Verdienſt Rienzi.“ „Und jetzt?“ „Albornoz behandelte den Senator⸗Tribun fort⸗ während mit großer Pracht und ſchönen Worten, ſprach aber keine Silbe von ſeiner Wiedereinſetzung in Rom. Dieſer Ungewißheit übervrüſſig,(ſo erfuhr ich durch geheime Nachrichten) verließ Rienzi das Lager und begab ſich mit einer geringen Begleitung nach Florenz, wo er Freunde hat, die ihn mit Waffen und Geld verſehen werden, damit er nach Rom ziehen kann.“ „Aha! nun errathe ich,“ ſagte Adrian halb lä⸗ chelnd,„für wen man mich hielt!“ Montreal erröthete leicht.„Richtig gerathen!“ ſagte er.. „Mittlerweile ſtritten ſich in Rom,“ fuhr der Pryovenzale fort,„Euer würdiges Haus und das der Orfini, die zur höchſten Gewalt erwählt worden waren und das Anſehen nicht behaupten konnten, das ſie errungen hatten. Francesco Baroneelli,“ ein neuer „Dieſer Bgroncelli, der dem Leſer ſchon in einem früheren Dem ſich nen dieſel hatte antip den( den U Theile geſchil Gelehr Y unter! des Ce Wichti durch Waffer in ein Rienzi' im An ſeiner ſeine e machter verdank und die gezeicht Rienzi, bei ihn Sturzet zu flieh indeſſen Andere Sode eap. 7 dal Bz ſtellt o ſoll Rom rßen liehen. i Viev t er in von gehört fort⸗ zorten, ſetzung uhr ich er und lorenz, d Geld kann.“ alb lä⸗ athen!“ hr der das der twaren das ſie n neuer früheren 247 Demagog, ein unwürdiger Nachahmer Rienzi's, erhob ſich auf den Ruinen des von den Adeligen gebroche⸗ nen Friedens, erhielt den Titel Tribun und trug dieſelben Inſignien, deren ſich ſein Vorgänger bedient hatte. Aber weniger klug, als Rienzi, ergriff er die„ antipäpſtliche Partei; und ſo ſah ſich der Legat in den Stand geſetzt, den päpſtlichen Demagogen gegen den Ufurpator zu ſpielen. Baronecelli war ein ſchwacher Theile des Werkes vorgeführt wurde, wird von Matteo Villant geſchildert als„ein Mann von niedriger Geburt und wenig Gelehrſamkeit— er war Schreiber auf dem Capitol.“ Mitten unter den mit Waffengewalt geführten Zwiſtigkeiten unter den Baronen, ging Baroncelli damit um, ſich zum Herrn des Cäpitols und, was als ein Beiſtand von nicht geringer Wichtigkeit betrachtet wurde— der großen Glocke zu machen, durch deren Töne Rienzi ſo oft das römiſche Volk unter die Waffen gerufen hatte. Baroncelli wurde als Tribun gekrönt, in ein Gewand von Goldbrokat gekleidet und mit dem Scepter Rienzi's belehnt. Seine Grauſamkett gegen die Großen erſchien im Anfange als Beſchützung der Niederen; aber die Ausartungen ſeiner Söhne(die in dem Terte nicht übertrieben ſind), und ſeine eigene thieriſche, und zugleich verwegene Grauſamkeit machten ihn bald bet dem Volke verhaßt, dem er ſeine Erhebung verdankte. Er war ſo thöricht, ſich gegen den Papſt zu erklären, und dies veranlaßte Innocenz häuptſächlich, den früheren, aus⸗ gezeichneteren Tribunen in ſein Amt wieder einzuſetzen. Wie Rienzi, wurde auch Baroncelli ercommunizirt, und ſo war auch bei ihm der Fluch der Kirche die unmittelbare Urſache ſeines Sturzes. Im December 1353 wurde er bei einem Verſuche, zu fliehen, von dem Pöbel niedergemacht. Einige behaupteten indeſſen, er ſei im Kampfe gegen Rienzi erſchlagen worden, Andere ließen durch eine Zahlenverwechslung, ihn nach dem Tode Rienzi's auf dieſen folgen.— Matleo Vllani, lib. III. cap. 78. Osservaz. Stor. di Zeferino Re, MS. Vat. Rip. dal Bzovio, ann. 1353 N. 2. 248 Mann, ſeine Söhne begingen in poſſenhafter Nach⸗ wieder ahmung der hochgeborenen Thrannen von Padua und Erfah: Mailand alle Ausſchweifungen. Schändung von Jung⸗ einſehe frauen und Entehrung von Matronen contraſtirten ah etwas ſtark gegen den feierlichen, majeſtätiſchen Anſtand Baron von Rienzi's Regierung; kurz, Barvncelli wurde von Gine dem Volke ermordet. Und wenn Ihr mich jetzt fragt, Hof b wer Rom regiere, ſo antworte ich: die Hoffnung auf winne Rienzi.“ ſtener: „Ein ſeltſamer Mann und ein wandelbares Schick⸗ italien ſal. Wie werden beide enden!“ Norde „Der erſtere durch plötzlichen Mord, das letztere abfall in ewigem Ruhme,“ antwortete Montreal kaltblütig. führen „Rienzi wird wieder eingeſetzt werden; dieſer tapfere meine Phönir wird durch Sturm und Wolken ſich zu ſeinem eigenen Holzſtoß ſchwingen; ich ſehe es vorher, ich„C bemitleide, ich bewundere ihn.— Und dann,“ ſetzte Gott Montreal hinzu,„ſehe ich noch weiter!“ Montt „Aber warum fühlt Ihr ſo beſtimmt, daß Rienzi, den al wenn er wieder eingeſetzt wird, fallen muß?“ einer „Iſt es nicht jedem Auge klar, außer dem ſeini⸗ blicke, gen, das von Ehrgeiz geblendet iſt? Wie kann der die W Geiſt eines Sterblichen, wie groß er auch ſein mag, Norde dieſes höchſt verdorbene Volk durch gewöhnliche Mittel kiſchen regieren? Die Barvne— Ihr kennt den unbe⸗ künftit zähmbaren Trotz Euerer römiſchen Standesgenoſſen Al — ſind an Mißbrauch gewöhnt und haſſen Alles, ſchwer was nur einem Geſetze ähnlich iſt; die Barone, für ihrem einen Augenblick gedemüthigt, werden auf eine Ge⸗ den vr legenheit lauern und ſich erheben; das Volk wird ihn Züge Bu e Nach⸗ dua und Jung⸗ raſtirten Anſtand urde von tzt fragt, nung auf es Schick⸗ s letztere kalthlütig. er tapfere zu ſeinem rher, ich n, ſetzte aß Rienzi, 7 dem ſeini⸗ kann der ſein mag, iche Mittel den unhe⸗ esgenoſſen ſſen Alles, arone, für f eine Ge⸗ lk wird ihn 249 wieder verlaſſen. Oder auch, in einer Hinſicht durch Erfahrung klug geworden, wird der neue Senator einſehen, daß die Volksgunſt eine laute Stimme, aber einen feigen Arm hat. Er wird, gleich den Baronen, ſich mit fremden Schwertern umgeben. Eine Abtheilung der großen Compagnie wird ſeinen Hof bilden; ſie werden die Herrſchaft über ihn ge⸗ winnen. Um ſie zu bezahlen, muß er das Volk be⸗ ſtenern. Dann wird das Idol verabſcheut. Keine italieniſche Hand kann dieſe harten Dämonen des Nordens beherrſchen; ſie werden ſich empören und abfallen. Ein neuer Demagoge wird das Volk an⸗ führen und Rienzi wird das Opfer ſein. Denkt an meine Prophezeihung!“ „Und dann das weiter, das Ihr ſeht?“ „Gänzlicher Verfall Roms, für undenkliche Zeiten; Gott erſchafft nicht zwei Rienzi: oder,“ ſagte Montreal ſtolz,„Einſtrömen eines neuen Lebens in den abgenützten, kranken Körper,— die Gründung einer neuen Dynaſtie. Wahrlich, wenn ich um mich blicke, ſo glaube ich, daß der Lenker der Nationen die Wiederherſtellung des Südens durch Einfälle des Nordens beabſichtigt, und daß aus dem alten frän⸗ kiſchen und germaniſchen Geſchlechte die Throne der künftigen Welt werden erbaut werden!“ Als Montreal ſo ſprach, geſtützt auf ſein Schlacht⸗ ſchwert, mit ſeinen ſchönen, heroiſchen Zügen— in ihrem freien, kühnen, furchtloſen Ausdruck ſo verſchie⸗ den von dem finſtern, verſchmitzten Verſtande, der die Züge des Süden charakteriſirt— beredt durch En⸗ Bulwer, Rienzi. U. 17 250 thuſiasmus und Nachdenken— da mochte er als kein unwürdiger Stellvertreter des Geiſtes der nordiſchen Ritterſchaft, von dem er ſprach, erſcheinen. Und Adrian glaubte beinahe einen von den alten Gothen, den Geißeln der weſtlichen Welt, vor ſich zu ſehen. Ihre Unterredung wurde hier durch den Ton einer Trompete unterbrochen, und eben trat ein Offizier mit der Meldung ein, daß florentiniſche Geſandte angekommen ſeien. „Ihr müßt mich ſchon wieder entſchuldigen, eblet Adrian,“ ſagte Montreal,„und mir erlauben, daß ich Euch wenigſtens für heute Nacht als meinen Gaſt betrachte. Hier könnt Ihr ſicher ruhen, und wenn Ihr reiſet, ſollen meine Leute Euch bis an die Grenzen des Gebietes begleiten, das Ihr zu beſuchen beabſichtigt.“ Adrian, der einen ſo berühmten Mann nicht ungern näher kennen lernte, nahm die Einladung an. Als er allein war, ſtützte er das Haupt auf die Hand und war bald in Nachdenken verloren. Drittes Kapitel. Getreue und unglückliche Liebe— Der Ehrgeiz überlebt die Liebe. Seit der ſchrecklichen Stunde, in welcher Adrian Colonna die lebloſe Geſtalt ſeiner angebeteten Irene geſehen, hatte der junge Römer den gewöhnlichen Wechſel eines wandernden, abenteuerlichen Lebens in jenen regen Zeiten erfahren. Sein Vaterland ſchien ſeinem Herzen nicht mehr thener. Sein Stand ſchloß ihn 1 ſtellu Beſir je eit könn Gebr verw ihrer ſeine zu r und felde nur Auf⸗ neue zerſt Ron geſc eine bish nach dem Kut mel lich tes unt der ſpi rals kein nordiſchen en. Und n Gothen, zu ſehen. Ton einer in Offizier Geſandte igen, edler uben, daß einen Gaſt wenn Ihr renzen des abſichtigt.“ Nann nicht nladung an. pt auf die ren. überlebt ie cher Adrian eteten Irene wöhnlichen n Lebens in rland ſchien Stand ſchloß 251 ihn von der Stelle aus, welche bei der Wiederher⸗ ſtellung der Freiheit Roms einzunehmen nicht ſein Beſtreben geweſen war, und er fühlte, daß, wenn je eine ſolche umwälzung zu Stande gebracht werden könne, dies einem Manne vorbehalten ſei, für deſſen Geburt und Gewohnheiten das Volk Sympathie und verwandte Gefühle hegte, und der ſeine Hand zu ihrem Schutze erheben könnte, ohne der Abtrünnige ſeines Standes, der Richter ſeines eigenen Hauſes zu werden. Er war an verſchiedene Höfe gereist und hatte mit Auszeichnung auf mehreren Schlacht⸗ feldern gedient. Geliebt und geehrt, wo er ſich auch nur vorübergehend aufhielt, hatte kein Wechſel des Aufenthaltes ſeine Schwermuth gelindert— keine neuen Bande hatten das Andenken an die Verlorene zerſtört. In jener Zeit leidenſchaftlicher und poetiſcher Romantik, welche durch Petrarka mehr vertreten, als geſchaffen wurde, hatte die Liebe bereits angefangen, einen zarteren und heiligeren Charakter als man bisher gekannt, anzunehmen— ſie hatte nach und nach den göttlichen Geiſt eingeſogen, welcher ſie von dem Chriſtenthum erhält, und der ihren irdiſchen Kummer mit den Gefühlen und Hoffnungen des Him⸗ mels verbindet. Demjenigen, der an eine Unſterb⸗ lichkeit glaubt, iſt Treue bis in den Tod ein Leich⸗ tes, weil der Tod die Hoffnung nicht verwiſchen kann und die Seele des Trauernden ſchon halb in der an⸗ deren Welt iſt. Es gibt eine Zeit, die an einem ſpäteren Fortleben verzweifelt— den Tod als eine Trennung für ewig darſtellt— und in dieſer eilen 252 die Menſchen, während ſie um die Todten trauern, ſich wieder mit dem Leben auszuſöhnen. Denn wahr iſt der alte Lehrſatz, daß es keine Liebe ohne Hoff⸗ nung gibt. Und alle jene romantiſche Verehrung, welche der Eremit von Vaueluſe für Laura fühlte oder erdichtete, fand ihren Tempel in dem öden Herzen Adrian Colonna's. Er war wirklich der Liebende ſeiner Zeit! Wenn er auf ſeiner Pilgerſchaft von Land zu Land an den Mauern eines ſtillen, einſamen Kloſters vorüberkam, dachte er ernſtlich über die feierlichen Gelübde nach und faßte in ſeinem Innern den Entſchluß, daß ein Kloſter in ſpäteren Jahren auch ihn aufnehmen ſolle. Die jahrelange Abweſen⸗ heit hatte indeſſen die verdunkelte und erſchütterte Liebe zu ſeinem Vaterlande wieder einigermaßen belebt, und er fühlte ein Verlangen, die Stadt wieder ein⸗ mal zu beſuchen, in welcher er Irene zum erſten Male erblickt.„Vielleicht,“ dachte er,„hat die Zeit unvorhergeſehene Veränderungen heryorgebracht, und ich kann noch bei der Wiederherſtellung meines Va⸗ terlandes behülflich ſein.“ Aber mit dieſem überreſte von Patriotismus war kein Ehrgeiz verbunden. Auf dieſer heißen Bühne des Handelns, auf welcher das Verlangen nach Macht jede Bruſt aufzuregen ſchien, und Italien für Tau⸗ ſende von kräftigen Armen und unternehmenden Gei⸗ ſtern das Eldorado des Reichthumes oder das Utopien der Herrſchaft geworden war, gab es wenigſtens eine Bruſt, welche die wahre Philoſophie des Eremiten fühlte. Adrigns Weſen, obgleich tapfer und männ⸗ lich, perar zurüc Muſ Erfa weit aufd welch ſuchte was reinſt ihre hatte edler dem d aus ſ diente Zwed voll ſo m tigun Inne alle eine Zerſtt findet und ſtürm noch Bode trauern, enn wahr ne Hoff⸗ erehrung, ra fühlte en Herzen Liebende ſchaft von einſamen über die m Innern n Jahren Abweſen⸗ rſchütterte en belebt, ieder ein⸗ um erſten die Zeit acht, und ines Va⸗ mus war en Bühne ch Macht für Tau⸗ nden Gei⸗ s utopien ſtens eine Eremiten d männ⸗ 253 lich, war doch beſonders von jener Eleganz des Tem⸗ peramentes durchdrungen, welche vor roher Berührung zurückbebt und für die eine gebildete, wiſſenſchaftliche Muſe der höchſte Genuß iſt. Seine Erziehung, ſeine Erfahrung und ſein Geiſt hatten ihn ſeinem Zeitalter weit vorangeſtellt und er blickte mit tiefer Verachtung auf die gemeinen Schurkereien und elenden Tücke, durch welche italieniſcher Ehrgeiz ſeinen Weg zur Macht ſuchte. Die Erhebung und der Fall Rienzi's, der, was auch ſeine Fehler ſein mochten, wenigſtens der reinſte und ehrenhafteſte unter den Regenten war, die ihre Erhebung nur ſich ſelbſt zu verdanken hatten, hatten dazu beigetragen, ihn auch an dem Erfolg edler Beſtrebungen verzweifeln zu machen, wie er vor dem der ſelbſtſüchtigen zurückbebte. Und die träumeriſche, aus ſeiner unglücklichen Liebe entſproſſene Schwermuth diente noch mehr dazu, ihn den alltäglichen, ſchalen Zwecken der Welt zu entwöhnen. Sein Charakter war voll von Schönheit und Poeſie— und dies nur um ſo mehr, als ſeine Gefühle in der wirklichen Beſchäf⸗ tigung des Dichters nicht ausſtrömten! In ſeinem Inneren eingeſchloſſen, verbreiteten ſich dieſelben über alle ſeine Gedanken und gaben ſeiner ganzen Seele eine Färbung. Bisweilen malte er ſich in der ſeligen Zerſtreuung ſeiner Träume das Loos aus, das er hätte finden können, wenn Irene am Leben geblieben wäre und das Schickſal ſie vereinigt hätte— ferne von dem ſtürmiſchen und gemeinen Getreibe Roms— in einer noch unbefleckten Einſamkeit des ſchönen italieniſchen Bodens. Vor ſeinem Auge erhob ſich die liebliche 254 Landſchaft, das Schloß an den Ufern des wellenloſen Sees, die Weingärten in dem Thale, die dunkeln auf dem Hügel wogenden Wälder, und dieſe Heimath der Verſammlungs⸗ und Zufluchtsort alles Geſanges und aller Liebe Italiens, erleuchtet von dem„Lampeg- gier del' angelico riso, das ein Paradies in dem Antlitz ſchafft, das wir lieben. Oft durch ſolche Träume in vllige Vergeſſenheit ſeines Verluſtes gewiegt, fuhr der junge Wanderer aus ſeiner eingebildeten Seligkeit auf und ſah um ſich die einſame, leere Straße, oder die von dem Monde beſchienenen Kriegszelte, oder, ſchlimmer als alles, das Gewimmel und die Feſtlich⸗ keiten eines fremden Hofes. Mochten nun ſolche Gedanken für einen Augen⸗ blick, vielleicht durch den Namen von Irenens Bruder heraufbeſchworen, der nie zu ſeinem Ohr drang, ohne tauſend Erinnerungen zu wecken, den Geiſt des jungen Colonna bewegen vver nicht, er blieb gedankenvoll und vertieft, bis er durch ſeinen eigenen Knappen geſtört wurde, der, von Montreals Dienern begleitet, ſein einſames aber reichliches Mahl auftrug. Flaſchen mit dem edelſten Florentiner Weine— Speiſen, mit all der Kunſt zubereitet, die, ach! Italien jetzt verloren hat!— Becher und Teller von Gold und Silber, verſchwenderiſch mit fremden Edelſteinen geſchmückt— zeugten von dem fürſtlichen Luxus, der in dem Lager der großen Compagnie herrſchte. Allein Adrian ſah in Allem nur die Beraubung ſeines entwürdigten Vaterlandes, in dieſem Glanze beinahe einen Hohn. Sein einſames Mahl war bald beendist; er wurde des e der k er na hin, gelte geriſe er ſi Well tanzt entge Geſa Atmi von Wo!l tiefer ten malt mert Aus terbr bisw regel Schr Link und hobe oder deſſe ellenloſen inkeln auf imath der nges und Lampeg- es in dem e Träme iegt, fuhr n Seligkeit raße, oder elte, oder, ie Feſtlich⸗ en Augen⸗ ens Bruder rang, ohne des jungen kenvoll und pen geſtört leitet, ſein laſchen mit en, mit all tzt verloren nd Silber, dem Lager Adrian ſah ntwürdigten inen Hohn. er wurde des einförmigen Zeltes überdrüſſig, und, gelockt von der kühlen Luft des ſich neigenden Abends, ſchlenderte er nachläſſig hinaus. Er ging an dem Ufer des Baches hin, der ſich glänzend an Montreals Zelt hinſchlän⸗ gelte, und als er eine etwas einſame, von den krie⸗ geriſchen Wohnungen abgelegene Stelle fand, warf er ſich am Rande des Waſſers nieder. Die letzten Strahlen der Sonne zitterten auf der Welle, die mufikaliſch über ihr ſteinigtes Bett hin⸗ tanzte, und von einem kleinen Buſchholz auf dem entgegengeſetzten Ufer tönte der kurze, abgebrochene Geſang der kühneren Bewohner dieſer purpurnen Atmoſphäre herüber, welche der Lärm des Lagers nicht von ihrem grünen Wohnſitze verſcheucht hatte. Die Wolken lagen regungslos im Weſten, in jenem ſo tiefen, ſatten Blau, das man nur über den Landſchaf⸗ ten ſieht, die ein Claude oder ein Roſa ſo gerne malten, und dämmernde, köſtliche Roſenfarben ſchim⸗ merten über den grauen Gipfeln der fernen Appenninen ⸗ Aus der Ferne tönte das Summen des Lagers, un⸗ terbrochen von dem Wiehern zurückkehrender Pferde, bisweilen von dem Schall des Hüfthornes, und in regelmäßigen Zwiſchenräumen von dem bewaffneten Schritte der nahen Schildwache. Und gegenüber, zur Linken des Gehölzes, auf einer von Schilf, Moos und ſchwankendem Geſträuche bedeckten Anhöhe, er⸗ hoben ſich die Ruinen einer alten etruskiſchen Mauer oder eines Gebändes, deſſen Name verloren gegangen, deſſen Benützung unbekannt war. Die Seene, welche vor Abrians Blicken lag, war ſo ruhig und lieblich, daß man beinahe unmöglich ſich mit dem Gedanken vertraut machen konnte, gerabe jetzt ſei hier der Aufenthalt kühner Räuberbanden, in deren größerem Theile die menſchliche Seele zum Thier herabgeſunken war, und für die Mord oder Raub die gewöhnliche Beſchäftigung des Lebens war. Noch in ſeine Träumereien verſunken und gedan⸗ kenlos Steine in den plätſchernden Bach hinabwerfend, wurde Adrian durch den Schall von Tritten aufgeſchreckt. „Ein hübſcher Ort, um der Laute und den Balla⸗ den der Provence zuzuhören,“ ſagte Montreals Stimme, als der Johanniterritter ſich auf dem Raſen neben dem jungen Colonna niederſtreckte. „Ihr hegt alſo immer noch Eure alte Liebe für Eure Nativnalmelodien?“ ſagte Adrian. „Ja, ich habe noch nicht meine ganze Jugend überlebt,“ antwortete Montreal mit einem ſchwachen Seufzer. Aber wie dem auch ſei, die Weiſen, welche einſt meiner Einbildungskraft ergötzten, gehen jetzt meinem Herzen zu nahe. So laſſe ich, wenn ich gleich jeden Jongleur und Minneſänger willkommen heiße, ſie nur ihre neueſten Melodien ſingen. Ich kann nicht wünſchen, je vie Poeſie wieder zu hören, die ich hörte, als ich jung war!“ „Verzeiht mir,“ ſagte Adrian mit großer Theil⸗ nahme,„aber gerne hätte ich, wenn ich nicht durch eine geheime Scheu bis jetzt davon abgehalten worden wäre, gerne hätte ich mir erlaubt, mich nach jener liebenswürdigen Dame zu erkundigen, mit der wir vor ſieben Jahren dem Monde zuſahen, der über den wohl von 2 ſeine dum; 2 höchf ſo ſa real mäßi ſes— Wech ihres ihren hes in de ſanft lichke geht, ſcheid anbre 2 dann von in di mir 1 und f dies glich ſich e, gerade anden, in zum Thier Raub die nd geban⸗ bwerfend, fge ſchreckt. en Balla⸗ Stimme, ſen neben Liebe für e Jugend ſchwachen n, welche ehen jetzt ich gleich en heiße, Ich kann ören, die er Theil⸗ icht durch en worden tach jener der wir üher den wohlriechenden OHrangenhainen und roſigen Waſſern von Terraeina aufging.“ Montreal wandte ſein Antlitz hinweg; er legte ſeine Hand auf Adrians Arm und ſagte mit tiefer, dumpfer Stimme:„Ich bin jetzt allein!“ Adrian drückte ſchweigend ſeine Hand. Er war höchſt überraſcht bei der Nachricht von dem Tode eines ſo ſanften, ſo lieblichen und ſo unglücklichen Weſens. „Die Gelübde meines Ritterordens,“ fuhr Mont⸗ real fort,„welche Adeline der Rechte einer geſetz⸗ mäßigen Gattin beraubten— die Schmach ihres Hau⸗ ſes— der zornige Kummer ihrer Mutter— die wilden Wechſel meines gefahrvollen Lebens— der Verluſt ihres Sohnes— alles dies nagte in der Stille an ihrem Leben. Sie ſtarb nicht(ſterben iſt ein zu rau⸗ hes Wort!), ſondern ſie ſank hin und entſchwebte in den Himmel. Wie an einem Sommermorgen ein ſaufter Traum über uns hineilt, und immer an Deut⸗ lichkeit verliert, bis er gleichſam ganz in Licht über⸗ geht, und wir erwachen— ſo entſchwand Adelinens ſcheidender Geiſt, bis ihm das Tageslicht Gottes anbrach.“ Montreal hielt einen Augenblick inne und begann dann wieder:„Solche Gedanken machen den Kühnſten von uns bisweilen ſchwach, und wir Provenzalen find in dieſen Dingen närriſch!— Gott weiß, ſie war mir ſehr theuer!“ Der Ritter verbeugte ſich, bekreuzte ſich andãchtig und ſeine Lippen murmelten ein Gebet. So ſonderbar dies unſerem aufgeklärteren Zeitalter erſcheinen mag, 258 ſo trug doch die Moralität damals ein ſo kriegeri⸗ ſches Gewand, daß dieſer Mann, auf deſſen Wort Städte in Brand geſteckt wurden und Ströme von Blut floſſen, weder in ſeinen, noch in den Augen des größeren Theiles ſeiner Zeitgenoſſen ein Verbrecher war. Sein Orden, halb mönchiſch, halb kriegeriſch, war das Sinnbild ſeines Charakters. Er trat die Menſchen mit Füßen, aber er demüthigte ſich vor Oott, und ſo genau er den feinen Skepticismus Ita⸗ liens kannte, hatte derſelbe doch den ſtarren, ein⸗ fachen Glauben des kühnen Provenzalen nicht erſchüt⸗ tert. Weit entfernt, einen Mangel an übereinſtim⸗ mung zwiſchen ſeinem Gewerbe und ſeinem Glauben zu erkennen, hielt er, wie ein ächter Normanne, den⸗ jenigen für keinen wahren Ritter, der nicht ebenſo dem Kreuze ergeben, als ſchonungslos mit dem Schwerte ſei. „Und Ihr habt außer dem Einen, das Ihr ver⸗ loret, kein Kind?“ fragte Adrian, als er Montreals gewöhnliche Ruhe wiederkehren ſah. „Keines!“ ſagte Montreal, und ſeine Stirne wurde wieder düſter.„Kein liebentſproſſener Erbe wird mir in dem Glücke nachfolgen, das ich zu gründen hoff. Nie auf Erven werde ich in den Zügen ihres Kindes das Gbenbild Adelinens ſehen! Doch ſah ich in Avignon einen Knaben, auf den ich gerne Anſpruch gemacht hätte; denn ich meine, ſie müſſe ihre Seele in ſeine Augen gepflanzt haben, ſo ähnlich waren ſie den ihri⸗ gen. Gut, gut, der Provencebaum hat noch andere Zweige, und ein noch nicht geborener Neffe muß keit, nach Nacht terer ich vi und Vette unſer will Barv wer: Edel: murt ſein! die( laut kriegeri⸗ en Wort öme von lugen des erbrecher iegeriſch, trat die ſich vor mus Ita⸗ ren, ein⸗ t erſchüt⸗ ereinſtim⸗ Glauben ane, den⸗ ht ebenſo mit dem Ihr ver⸗ kontreals s Kindes Avignon geinacht in ſeine den ihri⸗ ch andere effe muß werden— was? die Sterne haben es noch nicht ent⸗ ſchieden! Aber der Ehrgeiz iſt jetzt noch das Einzige, was mir in der Welt zu lieben übrig bleibt.“ „So verſchieden wirkt daſſelbe Unglück auf ver⸗ ſchiedene Charaktere,“ dachte der Colonna.„Für mich hatten die Kronen keinen Werth mehr, als ich nicht mehr träumen konnte, ſie auf Irene's Stirne zu drücken!“ Die Ahnlichkeit ihres Schickſals zog indeſſen Adrian mächtig zu ſeinem Wirthe hin, und die beiden Ritter beſprachen ſich mit mehr Freundſchaft und Offenherzig⸗ keit, als dies bisher der Fall geweſen war. Endlich ſagte Montreal:„Beiläufig, ich habe noch nicht einmal nach dem Ziel Eurer Reiſe gefragt.“ „Ich muß nach Rom,“ ſagte Adrian,„und die Nachrichten, die Ihr mir gegeben, ſind mir ein wei⸗ terer Grund zur Eile. Wenn Rienzi zurückkehrt, bin ich vielleicht ſo glücklich, zwiſchen dem Tribun⸗Senator und den Edeln zu vermitteln, und wenn ich meinen Vetter, den jungen Stephanello, jetzt das Haupt unſeres Hauſes, willfähriger finde, als ſeine Väter, ſo will ich nicht daran verzweifeln, die minder mächtigen Barone zu verſöhnen. Rom bedarf der Ruhe, und wer regiert, muß, wenn er nur gerecht iſt, von den Edeln und den Plebejern unterſtützt werden!“ Montreal hörte mit großer Aufmerkſamkeit zu und murmelte dann vor ſich hin:„Nein, es kann nicht ſein!“ Er ſann eine kleine Weile nach, während er die Stirne mit der Hand bedeckte, und ſagte dann laut:„Nach Rom wollt Ihr. Gut, wir werden uns bald unter ſeinen Trümmern begegnen. Wißt, bei⸗ läufig geſagt, daß mein Zweck hier ſchon erreicht iſt dieſe florentiniſchen Kaufleute haben in meine Be⸗ dingungen gewilligt; ſie haben einen zweijährigen Frie⸗ den erkauft; morgen wird das Lager abgebrochen und die große Compagnie marſchirt nach der Lombardie. Dort vereinige ich, wenn meine Plane gelungen und die Venetianer die verlangte Summe zahlen, die Burſche (unter Landau, meinem Lieutenant), dem Viskonti zum Trotze, mit der Seeſtadt und werde dann meinen Herbſt in Frieden unter den Feierlichkeiten Roms zu⸗ bringen.“ „Herr Walter von Montreal,“ ſagte Adrian,„Eure Offenheit macht mich vielleicht vermeſſen; aber wenn ich Euch wie einen feilſchenden Krämer von dem Ver⸗ kaufe Eurer Freundſchaft und Schonung ſprechen höre, ſo frage ich mich ſelbſt:„„Iſt das der große Johanniter⸗ ritter, und haben die Menſchen ihn richtig beurtheilt, wenn ſie verſichern, der einzige Makel an ſeinen Lor⸗ beeren ſei ſeine Habſucht?““ Montreal biß ſich in die Lippe; nichts deſto weniger antwortete er ruhig:„Meine Offenherzigkeit duldet die verdiente Buße, Herr Adrian. Gleichwohl kann ich einen ſo geehrten Gaſt nicht mit dem Eindrucke ſcheiden laſſen, der den Schein zwar für ſich hat, aber nicht gerecht iſt. Nein, tapferer Colonna; das Gerücht thut mir Unrecht. Ich ſchätze das Gold, denn durch Gold erwirbt man Macht! Es füllt das Lager — es erſtürmt die Stadt— es erkauft den Markt — es erhebt den Palaſt— es gründet den Thron. uns die aus den vergold dieſelbe den St Zeit, e ſo willt verſchwi Proven⸗ Adr danken Montre Hauptle von wel⸗ ſo zart er in ein ißt, bei⸗ rreicht iſt reine Be⸗ igen Frie⸗ ochen und ombardie. ngen und e Burſche Viskonti n meinen toms zu⸗ n,„Eure ber wenn dem Ver⸗ chen höre, hanniter⸗ eurtheilt, inen Lor⸗ Ich ſchätze das Gold— es iſt das nothwendige Mittel zu meinem Zwecke!“ „Und dieſer Zweck——“ „Iſt— gleichviel welcher,“ ſagte der Ritter kalt⸗ blütig.„Gehen wir in unſere Zelte, der Thau fällt ſtark, und die Malaria weht über dieſe häuſerloſe Ode.“ Das Paar erhob ſich— aber bezaubert von der Schönheit der Stunde, zögerten ſie noch einen Augen⸗ blick bei dem Bache. Die früheſten Sterne beſchienen ſeine ſich kräuſelnden Wellen und ein köſtliches Lüft⸗ chen ſäuſelte lieblich in dem glänzenden Laubwerk. „Wenn wir ſo hinblicken,“ ſagte Montreal ſanft, „ſo kehren wir die alte Fabel von der Meduſa, welche uns die Dichter erzählen, um, und ſehen und denken uns aus dem Stein heraus. Erſt vor einer kleinen Weile vergoldete das Sonnenlicht die Welle— jetzt glänzt dieſelbe ebenſo hell und gleitet eben ſo munter unter den Sternen dahin; gerade ſo rollt der Strom der Zeit, ein leuchtender Körper folgt dem andern, eben ſo willkommen— ebenſo erhellend— ebenſo ſchnell verſchwindet er wieder!— Ihr ſeht, die Poeſie der Provence blüht immer noch unter meinem Panzer!“ Adrian begab ſich bald zur Ruhe; aber ſeine Ge⸗ danken und die Töne lauter Fröhlichkeit, die von Montreals Zelt herüberſchollen, wo der Anführer die Hauptleute ſeiner Bande bewirthete, eine Luſtbarkeit, von welcher er den römiſchen Edelmann auszuſchließen ſo zart war, hielten ihn lange wach, und kaum war er in einen untuhigen Schlummer verfallen, ſo ſtörten noch unwillkommenere Laute ſeine Ruhe. Mit der früheſten Dämmerung war das ganze Lager in Be⸗ wegung— das Knarren des Seilwerkes— die Tritte von Menſchen— laute Befehle und laute Flüche— das langſame Rollen von Bagagewagen— und das Klirren der Waffen deuteten auf den Aufbruch des Lagers und den nahen Abzug der großen Com⸗ pagnie. Noch ehe Adrian angekleidet war, trat Montreal in ſein Zelt. „Ich habe,“ ſagte er,„hundert Lanzen unter einem zuverläſſigen Führer befehligt, die Euch, edler Adrian, an die Grenzen der Romagna begleiten ſollen; ſie warten, bis es Euch genehm iſt. In einer Stunde breche ich auf; der Vortrab iſt ſchon in Bewegung.“ Adrian hätte gerne die angebotene Begleitunz abgelehnt, aber er ſah, daß es den Stolz des Anfüh⸗ rers nur kränken würde, der ſich bald entfernte. Eiliz legte Adrian ſeine Waffen an— die friſche Morgen⸗ luft und die heitere Sonne, welche ſtolz über die Hügel kam, belebten ſeinen müden Geiſt. Er ging in Montreals Zelt und fand ihn allein; vor ihm lagen die nöthigen Schreibmaterialien, und ein triumphi⸗ rendes Lächeln verbreitete ſich über ſeine Züge. „Das Glück überſchüttet mich mit neuen Gunf⸗ bezeugungen!“ ſagte er heiter.„ Geſtern erſparten mir die Florentiner die Mühe einer Belagerung— und heute(erſt ſeit ich Euch zuletzt ſah— vor wenigen Minuten) kommt Enuer neuer Senator von Rom in meine Gewalt.“ Mit der er in Be⸗ die Tritte Flüche— und das fbruch des en Com⸗ Montreal izen unter uch, edler iten ſollen; er Stunde wegung.“ Begleitunz des Anfüh⸗ rnte. Eilig eMorgen⸗ z über die Er ging in ihm lagen triumphi⸗ Züge. uen Gunſ⸗ erſparten agerung— or wenigen on Rom in 263 „Wie! haben Eure Leute Rienzi feſtgenommen?“ „Nicht ſo— viel beſſer! Der Tribun änderte ſeinen Plan und begab ſich nach Perugia, wo ſich meine Brüder gegenwärtig aufhalten— er ſuchte ſie auf— ſie verſahen ihn mit Geld und Solbaten genug, um den Gefahren des Weges zu trotzen und die Schwerter der Barone zu verachten. So ſchreibt mein guter Bruder Arimbaldo, ein Gelehrter, der den Tribun gewiß mit alten Erzählungen von römiſcher Größe und anſehn⸗ lichen Verſprechungen von anerkennender Beförderung geködert zu haben glaubt. Ich bin eben im Begriffe, in der Eile meine Zufriedenheit mit der übereinkunft auszudrücken. Meine Brüder werden den Senator⸗ Tribun ſelbſt bis an die Mauern des Capitols be⸗ gleiten.“ „Ich verſtehe immer noch nicht, wie dies Rienzi in Eure Gewalt bringt.“ „Nicht! Seine Soldaten ſind meine Geſchöpfe— ſeine Kameraden meine Brüder— ſein Gläubiger bin ich! Laßt ihn denn Rom beherrſchen— bald kommt die Zeit, wo der Vieeregent weichen muß dem——“ „Anführer der großen Compagnie,“ unterbrach ihn Adrian mit einem Entſetzen, das der kühne Mont⸗ real, zu ſehr mit ſeinen aufregenden Gedanken be⸗ ſchäftigt, nicht bemerkte.„Nein, Ritter von der Pro⸗ vence, ſchmählich ſind wir den heimiſchen Tyrannen unterlegen; aber nie, hoffe ich, werden die Römer ſo verwerflich ſein, daß ſie das Joch eines fremden uſurpators duldeten.“ Montreal ſah Adrian ſcharf an und lächelte finſter. 264 „Ihr mißverſteht mich,“ ſagte er,„und es wird Zeit für Euch ſein, den Brutus zu ſpielen, wenn ich mir die Rolle Cäſars anmaße. Inzwiſchen find wir nur Wirth und Gaſt. Sprechen wir von etwas An⸗ derem.“ Nichtsdeſtoweniger kühlte dieſe letztere Beſprechung die beiden Ritter für die kurze Zeit ab, welche ſie noch beiſammen waren, und ſie ſchieden mit einer Förmlichkeit, welche ſchlecht zu der freundſchaftlichen Unterredung am Abende zuvor paßte. Montreal fühlte, daß er ſich unvorſichtigerweiſe entdeckt habe, aber Vorſicht lag nicht in ſeinem Charakter, wenn er ſich an der Spitze eines Heeres und vom Glück begün⸗ ſtigt wußte; und in eben dieſem Augenblicke vertraute er ſo feſt auf das Gelingen ſeiner kühnſten Plane, daß er ſich wenig darum kümmerte, wen er beleidigte oder beunruhigte. Langſam machte ſich Adrian mit ſeiner ſeltſamen, wilden Begleitung auf den Weg. Er zog ſich von der Ebene aus eine ſteile Anhöhe hinauf— und als er oben angekommen war, zeigte ihm die Straßen⸗ biegung das ganze, auf dem Marſche begriffene Heer — die wehenden Fahnen— die in der Sonne blitzenden Rüſtungen, Linie hinter Linie, wie ein Strom von Stahl, und die ganze Ebene, auf welcher ſich die Kriegsmacht hinbewegte— während der feierliche Tritt von Tauſenden Bewaffneter bisweilen von jauchzender, kriegeriſcher Muſik übertäubt und erſtickt wurde. Als ſie ſo dahinzogen, entdeckte Adrian endlich die ſtatt⸗ liche, über die Anderen hervorragende Geſtalt Mon⸗ trealt in di präch ausze — ir einer jetzt E reiche d es wird wenn ich find wir twas An⸗ ſprechung welche ſie mit einer chaftlichen eal fühlte, be, aber an er ſich ck begün⸗ vertraute en Plane, beleidigte ſeltſamen, ſich von und als Straßen⸗ fene Heer blitzenden rom von ſich die iche Tritt chzender, urde. Als die ſtatt⸗ lt Mon⸗ 265 treals auf einem ſchwarzen Streitroſſe, die ſich ſogar in dieſer Entfernung noch eben ſo ſehr durch ſeine prächtige Rüſtung, wie durch ſeinen ſtolzen Wuchs auszeichnete. So zog er dahin mit ſeinem ſtolzen Heere — in der Blüte ſeiner Hoffnungen— das Haupt einer mächtigen Armee— der Schrecken Italiens— jetzt ein Held— ſpäter vielleicht ein Monarch! Drei kurze Monate ſpäter— und ſechs Fuß Erde reichen für all dieſe Größe hin. Bulwer, Rienzi. II. 18 Meuntes Vuch. Die Rückkehr. „Allora la sua venuta fu a Roma sentita; Romani si apparecchiavano a riceverlo con letizia furo fatti archi trionfali ete.“ Vita di Cola di Riensi, lib. IM. cap. 17 „Da erfuhr man, daß er nach Rom komme; die Römer rüſteten ſich, ihn freudig zu empfan⸗ gen man machte Triumphbögen u. ſ. w.“ Erſtes Kapitel. Der Triumpheinzug. Ganz Rom war in Bewegung!— von St. An⸗ gelo bis zu dem Capitol wimmelten Fenſter, Balkone und Dächer von Tauſenden. Nur hier und port herrſchte in den feindſeligen Quartieren der Colonna, Orfini und Savelli eine todtenähnliche Einſamkeit und traurige Düſterheit. In dieſen Feſtungen, denn das waren ſie eher, als Straßen, hörte man nicht ein⸗ mal den gewohnten Schritt der barbariſchen Schild⸗ wachen. Die geſchloſſenen Thore— die verriegelten Fenſter— das düſtere Schweigen umher— zeugte von der Abweſenheit der Barone. Sobald fie die gewiſſ Stadt der Ce lingen drüſſie komm D Bewe ber g punkt komm ſtande Lorbe — vr Thürt ſteln Bann Arme U Mant borge geſſen achtet geweſ übern gern Color Liebli „ gewy sentita; verlo con li ete.“ 1. cap. 17 m komme; zu empfan⸗ ſ. w.“ St. An⸗ Balkone und port Colonna, nkeit und denn das icht ein⸗ Schild⸗ riegelten — zeugte ſie die gewiſſe Annäherung Rienzi's erfahren, hatten ſie die Stabt verlaſſen. In den Dörfern und Schlöſſern ver Campagna erwarteten ſie, umgeben von ihren Söld⸗ lingen, die Stunde, wo das Volk, ſeines Idols über⸗ drüſſig, ſogar dieſe wilden Bilderſtürmer wieder will⸗ kommen heißen würde. Dieſe allein ausgenommen, war ganz Rom in Bewegung! Triumphbögen von mit Gold und Sil⸗ ber geſtickten Tüchern erhoben ſich an allen Haupt⸗ punkten der Straßen und trugen Inſchriften des Will⸗ komms und der Freude. In kurzen Zwiſchenräumen ſtanden Knaben und Mädchen mit Blumenſträußen und Lorbeerkränzen. Hoch über der verſammelten Menge — von dem ſtolzen Thurme Hadrians— von den Thürmen des Capitols— von den Giebeln der Apo⸗ ſteln und Heiligen geweihten Gehäude— flatterten Banner, wie für einen Sieg. Rom öffnete ſeine Arme noch einmal, um ſeinen Tribun zu empfangen! Unter die Menge gemiſcht,— in ſeinen großen Mantel gemummt— im Gedränge ber Maſſen ver⸗ borgen— ſtand, von den Meiſten in der That ver⸗ geſſen— und in der Verwirrung von Keinem be⸗ achtet— Adrian Colonna! Er war nicht im Stande geweſen, ſeine Theilnahme an Irenens Bruder zu überwinden. Einſam ſtand er unter ſeinen Mitbür⸗ gern— der Einzige von dem ſtolzen Geſchlechte der Colonna, der Zeuge war von dem Triumphe des Lieblings des Volkes. „Man ſagt, er ſei in ſeinem Gefängniſſe ſtark geworden,“ zußerte einer der Umſtehenden;„er war 268 mager genug, als er bei Tagesanbruch aus der Kirche St. Angelo kam!“ „Ja,“ ſagte ein anderer, ein kleiner Mann mit einem ſchlauen, unruhigen Auge,„ſie haben Recht; ich ſah, wie er ſich von dem Legaten verabſchiedete.“ Aller Augen richteten ſich auf den Mann, der zuletzt geſprochen; auf einmal wurde er eine Perſon von Wichtigkeit.„Ja,“ fuhr der kleine Mann mit ſtolzer, hochtrabender Miene fort,„ſeht Ihr, ſobald er Meſſere Brettone und Meſſere Arimbaldo, die Brüder von Fra Moreale, vermocht hatte, ihn von Perugia nach Monte Fiascone zu begleiten, begab er ſich plötzlich zu dem Legaten von Albornoz, der mit ſeinen Hauptleuten im Freien ſprach. Eine Men⸗ ſchenmenge folgte. Auch ich war darunter, und der Tribun nickte mir zu— ja, das that er!— und ſo trat er mit ſeinem Scharlachmantel und ſeiner Scharlachmütze vor den ſtolzen Cardinal mit einem noch größeren Stolze„„Obgleich Euer Eminenz,““ ſagte er,„„mir weder Geld noch Waffen bewilligt, um den Gefahren der Straße zu trotzen und dem Hin⸗ terhalte der Barone muthig entgegenzutreten, bin ich doch zur Abreiſe bereit. Als Senator von Rom, wozu Seine Heiligkeit mich gemacht, erſuche ich Eure Emi⸗ nenz, mich der Sitte gemäß ſofort in dieſem Range zu beſtätigen.““ Ich wollte, Ihr hättet ſehen können, wie der ſtolze Spanier die Augen aufriß und errä⸗ thete und die Stirne runzelte; aber er biß ſich in Lippe und ſprach wenig.“ „Und heſtätigte Rienzi als Senator?“ 3 „ reiſen. „C Rieſe einen fürchte „ Brum durch den„ Senat Tribu genug ſchlimt De von 2 beitent Kaufn neigt hier ſ folge ganger Ke Volks: und gl „Platz erlauch D Gemu und , ſobald aldo, die ihn von , begab rnoz, der ine Men⸗ und der — und nd ſeiner mit einem minenz,““ bewilligt, dem Hin⸗ n, bin ich om, wozu ure Emi⸗ m Range nkönnen, und errö⸗ iß ſich in 269 „Ja; und ſegnete ihn und befahl ihm, abzu⸗ reiſen.“ „Senator!“ ſagte ein ſtarker, aber grauhaariger Rieſe mit übereinander gelegten Armen;„ich habe einen Titel nicht gerne, den ein Patricier trug. Ich fürchte, er vergißt in dem neuen Titel den alten.“ „Pfui, Cecev del Veechiv, Ihr waret immer ein Brummbär!“ ſagte ein Tuchhändler, deſſen Vortheil durch die Feſtlichkeit durchaus nicht beeinträchtigt wor⸗ den war.„Pfui!— ich für meine Perſon halte Senator für einen weniger neugebackenen Titel, als Tribun. Ich hoffe, es wird wenigſtens Feſtlichkeiten genug geben. Rom iſt lange traurig geweſen. Eine ſchlimme Zeit für einen Kram, bei meiner Seele!“ Der Handwerker grinste verächtlich. Er war Einer von Denen, welche zwiſchen den Mittel⸗ und den ar⸗ beitenden Klaſſen unterſchieden, und er haßte einen Kaufmann ebenſo, wie einen Adeligen.„Der Tag neigt ſich,“ ſagte der kleine Mann;„er muß gleich hier ſein. Seine Gemahlin und ſein ganzes Ge⸗ folge ſind ihm ſchon vor zwei Stunden entgegen ge⸗ gangen.“ Kaum waren dieſe Worte geſprochen, als die Volksmenge zur Rechten unruhig hin und herwogte, und gleich darauf ritt ein Reiter eilig durch die Straße. „Platz da! Zurück! Platz— macht Platz für den erlauchten Senator von Rom!“ Die Menge wurde ſtille— dann entſtand ein Gemurmel— und wieder Stille. Von Balkonen und Fenſtern reckten alle Zuſchauer den Hals. In 270 der Entfernung hörte man Huftritte— den Schall von Zinken und Trompeten;— dann ſah man wie durch die ferne Straßenbiegung das Wehen von Fah⸗ nen ſchimmerte— dann das Blinken von Gpeeren — und dann brach die ganze Menge, wie mit einer Stimme, in den Ruf aus:„Er kommt! er kommt!“ Adrian drängte ſich jest noch mehr gegen die Menge zurück, lehnte ſich an die Mauer eines der Häuſer und hetrachtete den herannahenden Pracht⸗ aufzug.„ Zuerſt/kam, je ſechs neben einander, der Zug römiſcher Reiter mit Olivenzweigen in der Hand, welche dent Senlör entgegengezogen waren; je Hun⸗ vert davon wurde ein Banner mit der Inſchriſt: „Wiederherſtellung der Freiheit und des Friedens“ vorgetragen⸗ Als dieſe bei der Gruppe neben Adrian vorüberkamen, wurde jedet der bekannteren und he⸗ liebteren Bürger mit lautem Beifallsrufen hegrüßt An der Kleidung und Ausrüſtung der Reiter ſih Adrian, daß ſie hauptſächlich dem Handelsſtande von Rom angehörten, eine Klaſſe, die, wie er wohl wußte, wenn ſie ſich nicht auffallend verändert hatte, die Frei⸗ heit mit als eine Handelsſpekulation ſchätzte.„Eine unzuverläſſige Stütze,“ dachte der Colonna;—„was wird jetzt folgen?“ Heran kamen jetzt in blanken Rüſtungen die deutſchen Sölblinge, gemiethet durch das Gold der Brüder des Provenzalen, zweihundert und fünfzig an der Zahl und früher im Solde Ma⸗ lateſta's von Rimini;— groß, finſter, ruhig, dit⸗ eiplinirt,— betrachteten ſie das Volk mit einem Blick müth begri ihr 2 / „Bra einen Scha g zufri Adrie iſt zu ₰ kana eine zutr ſiren Frei liche — u i bri E gere der träg Jub zum en Schall man wie nit einer kommt!“ gegen die eines der der Hand, nz je Hun⸗ Inſchrift Friedens“ eben Adrian ren und be⸗ fen begrüßt. Reiter ſih lsſtande von wohl wußte, tte, die Frei⸗ ätzte.„Eine — in blanken tiethet durch zweihundert Solde Ma⸗ ruhig, dis⸗ mit einem von Fah⸗ Speeren 271 Blicke halb barbariſcher Verwunderung, halb über⸗ müthiger Verachtung. Kein jubelnder Glückwunſch begrüßte dieſe trotzigen Fremden, offenbar brachte ihr Anblick einen Schauer über die Verſammlung. „Schaüde!“ brummte Cecco del Veechio hörbar. „Brayicht der Freund des Volkes die Schwerter, welche einen Orſini, oder einen Malateſta bewachen!— Schande!“ Diesmal ethob ſich keine Stimme, um den un⸗ zufriedenen Rieſen zum Schweigen zu bringen. „Sein einziger Schutz gegen die Barone,“ dachte Adrian,„wenn er ſie gut bezahlt! Aber ihre Zahl iſt zu gering!“ Hierauf kamen zweihundert Fußſoldaten von Tos⸗ kana mit den Harniſchen und Waffen ſchwerer Soldaten, eine tapfere Compagnie, deren freudige Blicke und zutrauliches Benehmen mit dem Polke zu ſympathi⸗ ſiren ſchienen. Es war dies auch wirklich der Fall, — denn ſie waren Toskaner und daher Freunde der Freiheit. Auch ſchienen die Römer in ihnen natür⸗ liche und rechtmäßige Bundesgenoſſen zu erkennen, — und es entſtand ein allgemeines Geſchrei:„Vivano i bravi Toscani!“ „Armliche Vertheidigung!“ dachte der ſcharfſichti⸗ gere Colona;„die Barone können ſie ſchrecken, und der Pöbel verführen.“ Dann kam eine Reihe Trompeter und Fahnen⸗ träger; und jetzt wurde der Schall der Muſik durch Jubelrufe übertönt, welche ſich in allen Stadttheilen zumal zu erheben ſchienen;—„Rienzi! Rienzi!— 272 Willkommen, willkommen!— Freiheit und Rienzi! Rienzi und der gute Staat!“ Blumen regneten auf ſeinen Pfad, Tücher und Fahnen wehten aus allen Häuſern;— unbeachtet rollte wohl manche Thräne über bärtige Wangen;— Jung und Alt knieeten mit erhobenen Händen neben einander nnd erflehten Segen auf das Haupt des Wiedereingeſetzten. Heran kam er, der Senator⸗Tribun— der Phönix zu ſeinem Holzſtoße!“ In Purpur gekleidet, der buchſtäblich von Gold ſchimmerte, ſein ſtolzes Haupt in der Sonne entblößt und gegen den Sattelbogen ſich niederbeugend, zog Rienzi langſam durch die Menge. In der Aufregung dieſer Stunde waren auf ſeinem ſtrahlenden Antlitze keine Spuren von Krankheit oder Sorge zu bemerken; die Ausdehnung ſeiner körperlichen Verhältniſſe gab ihm ein noch mehr majeſtätiſches Anſehen. Hoffnung glänzte in ſeinem Auge— Triumph und Herrſchaft thronten auf ſeiner Stirne. Das Volk konnte ſich nicht halten; Einer um den Andern drängten ſie ſich begierig herbei, einen Blick ſeines Auges zu erhaſchen, den Saum ſeines Gewandes zu berühren. Er ſelbſt war von ihrer Freude tief ergriffen. Er hielt an und ver⸗ ſuchte mit ſtammelnden, abgebrochenen Worten, zu ihnen zu reden.„Ich bin entſchädigt,“ ſagte er,— „entſchädigt für Alles;— möge es mir gelingen, Euch glücklich zu machen.“ Die Menge theilte ſich wieder— der Senator zog weiter— wieder drängte ſich das Volk heran. Hinter dem Tribnn glaubte ihre aufgeregte Einbildungskraft die ſeher ſchne ten, Die war kaum ihr( ihre — n gebo: präc als Adri ſich d Rienzi! neten auf aus allen e Thrne t knieeten erflehten n. Heran zhönix zu von Gold e entblößt gend, zoß Aufregung en Antlitze bemerken; tniſſe gah Hoffnung Herrſchaft te ſich nicht ich begierig ſchen, den ſelbſt war n und ver⸗ Lorten, zu te er, igen, Euch enator zog an. Hinter ldungskraft 273 die Göttin des alten Rom ſelbſt einherziehen zu ſehen. Auf einem Roſſe mit goldenem Geſchirr kam in ſchneeweißem, mit Edelſteinen, die den Tag beſchäm⸗ ten, beſetztem Gewande— die ſchöne, königliche Nina. Die Erinnerung an ihren Stolz, ihre Prachtliebe, war in dieſem Augenblicke vergeſſen und ſie wurde kaum weniger bewillkommt, weniger vergöttert, als ihr Gemahl. Ihr Lächeln ſtrahlte vor Freude,— ihre Lippen zitterten vor ſtolzer, erhabener Rührung, — nie hätte ſie ſo für Liebe, wie für Herrſchaft geboren geſchienen; eine Zenobia, die durch das prächtige Rom zog,— nicht als Gefangene, ſondern als Königin. Aber nicht auf vieſe ſtattliche Geſtalt hefteten ſich Adrians Blicke— blaß, athemlos, zitternd hielt er ſich an der Mauer, an der er lehnte. War es ein Traum? Waren die Todten wieder auferſtanden? Oder war es ſeine— ſeine lebende Irene— deren ſanfte, ſchwermüthige Lieblichkeit traurig an Nina's Seite glänzte— ein Stern neben dem Monde? Der Prachtaufzug verſchwand vor ſeinen Augen— Alles wurde ihm düſter und dunkel. Einen Augenblick war er ohne Beſinnung. Als er wieder zu ſich kam, eilte die Menge dahin, vermiſcht und vereint mit dem mächtigen Strome, welcher dem Zuge folgte. Durch die wogende Menge erblickte er Irenens an⸗ muthige Geſtalt, die bald durch die vielen Fahnen des Zuges ſeinem Auge wieder verborgen wurde. Sein Blut ſtrömte von dem Herzen durch alle Adern zurück. Er war wie ein Mann, der jahrelang in einer fürchterlichen Erſtarrung gelegen hatte, und plötz⸗ lich zum Lichte des Himmels erwacht. Ein Mann von dem gewaltigen Gewühle blieb regungslos bei Adrian zurück. Es war Ceeco del Veecchio. „Er ſah mich nicht,“ murmelte der Schmied vor ſich hin;„alte Freunde ſind jetzt ver⸗ geſſen. Gut, gut, Cecev del Veechio haßt Tyran⸗ nen noch immer— gleichviel, wie ſie heißen, oder wie freundlich ſie ſich verkleiden. Er ſah mich nicht! Hm!“ Zweites Kapitel. Die Maskerade. Der ſcharfſinnigere Leſer hat ohne die abſolute Intervention des Verfaſſers als Erzähler die Schick⸗ ſale Rienzi's ſeit ſeiner Freiſprechung in Avignon und ſeiner Rückkehr nach Rom bereits erfahren. Als der Eindruck, welchen Nina auf die ſanftere und beſſere Natur in Albornoz gemacht hatte, ſich verlor, fing er an,— wie die tiefen Politiker jener Zeiten Jedermann beurtheilten— ſeinen Gaſt als eine Figur auf dem großen Schachbrett zu betrachten, die man bewegte, vorrückte oder opferte, wie es für den ver⸗ ſolgten Plan am geeignetſten war. Nachdem er ſeinen Zweck dadurch erreicht, daß er das Kirchengebiet wieder erobert, Johann di Vieo unterworfen, den noch wirk er ir einet wo Er! geſel Gelt Joh bilde liche Sei! und wuß ihn elang in ind plötz⸗ e blieb eeco del Schmied tzt ver⸗ t Tyran⸗ n, oder h mich abſolute e Schick⸗ Avignon ren. Als tere und ch verlor, er Zeiten ne Figur die man den ver⸗ er ſeinen hengebiet fen, den Demagogen Baroneelli geſtürzt und geopfert hatte, hielt es der Cardinal durchaus nicht für räthlich, den gewandten und ehrgeizigen Rienzi mit einer ſo hohen Würde in Rom wieder einzuſetzen. Vor dem kühnen Römer erſchlaffte ſogar ſein eigener kühner Geiſt, und er war gänzlich außer Stand, die Politik zu begreifen oder zu berechnen, welche der neue Senator annehmen würde, wenn er wieder Herr von Rom wäre. Ohne gerade die Abſicht zu haben, ihn zurück⸗ zuhalten, weigerte er ſich, zu ſeiner Wiedereinſetzung mitzuwirken. Und ſo ſah ſich Rienzi eine Tagereiſe von Rom entfernt, aber ohne einen einzigen Solvaten, der ihn unterwegs gegen die Barone geſchützt hätte. Doch der Himmel hatte beſchloſſen, vaß nicht ein einzelner Mann, wenn auch noch ſo begabt und noch ſo mächtig, lange dem Schickſale Rienzi's entgegen wirken oder es beherrſchen ſollte; und vielleicht zeigte er in keinem glänzenderen Augenblicke ſeines Lebens einen ſo gewandten und feinen Verſtand, als hier, wo er ſich von den Tücken des Cardinals losmachte. Er hatte ſich nach Perugia begeben, und, wie wir geſehen, durch Montreal's Brüver Mannſchaft und Geld für ſeine Rückkehr ſich verſchafft. Aber der Johanniter irrte ſich bedeutend, wenn er ſich ein⸗ bildete, Rienzi erkenne nicht ganz genau die gefähr⸗ liche, verrätheriſche Natur des erhaltenen Beiſtandes. Sein ſcharfes Auge las mit einem Blicke die Abſichten und den Charakter von Montreal's Brüdern— er wußte, daß, während ſie ihm ſcheinbar dienten, ſie ihn nur beobachten wollten— daß, als Schuldner des anmaßenden, hochſtrebenden Montreal, und um⸗ geben von den durch Montreal's Brüder befehligten Truppen, er ſich in einem Netze befinde, das, wenn er es nicht zerriß, bald ſein Glück und ſein Leben in ſeinen verhängnißvollen, tödtlichen Maſchen verwickeln würde. Aber in dem Vertrauen auf die ſtets bereiten Quellen ſeines Geiſtes hoffte er doch zuverſichtlich, diejenigen noch zu ſeinen Puppen zu machen, welche ihn für die ihrige hielten; und galt es die Herr⸗ ſchaft, ſo kümmerte er ſich nicht, wie ſchlau die Gegner waren, mit welchen er ſich zu meſſen hatte. Da er übrigens mit all ſeinen heftigeren und edleren Eigenſchaften eine tiefe Verſtellungskunſt ver⸗ band, ſo gab er ſich den Anſchein, als traue er ſeinen provenzaliſchen Bundesgenoſſen unbedingt, und ſeine erſte Handlung, als er nach dem Triumphein⸗ zug das Capitol betrat, war, daß er Meſſere Arim⸗ baldo und Meſſere Brettone von Montreal mit den höchſten, ihm zu Gebote ſtehenden Würden belohnte! Glänzende Feſte wurden in dieſer Nacht in den Hallen des Capitols gefeiert; aber theurer, als all vie Pracht des Tages war Rienzi Nina's Lächeln. Ihre ſtolzen bewundernden Augen, die in köſtlichen Thränen ſchwammen, auf ſeine Züge geheftet, fühlte ſie nur, daß ſie wieder vereinigt waren und daß die Stunden, wenn auch vor Glanz ſtrahlend, dem Augenblicke zueilten, wo ſie nach einer ſo traurigen und trüben Trennung wieder einmal allein ſein ſollten. Ganz anders waren die Gedanken Adrian Colon⸗ na's, als er allein in dem traurigen Palaſte in dem noch ſaß. ſeltſa der v des ihm Als Entzü beruh vorleg ſollten Steph ders) hatte ben. Feſte — au die n hatte. en und nſt ver⸗ traue er gt, und mphein⸗ e Arim⸗ mit den elohnte! in den als all Lächeln. öſtlichen fühlte daß die d, dem aurigen ſollten. Colon⸗ in dem noch traurigeren Quartiere ſeines ſtolzen Geſchlechtes ſaß. So lebte denn Irene noch,— er war in einem ſeltſamen Irrthum befangen geweſen,— ſie war der verheerenden Peſt entgangen, und in der Bläſſe des Kummers an dieſem Tage des Triumphes ſagte ihm Etwas, daß er noch immer im Andenken lebe. Als aber nach dem erſten wilden und ſtürmiſchen Entzücken nach und nach ſein Gemüth ſich wieder beruhigte, mußte er ſich unwillkürlich die Frage vorlegen, ob ſie nicht immer noch getrennt werden ſollten! Stephanello Colonna, der Enkel des alten Stephan und(nach dem Tode ſeines Vaters und Bru⸗ ders) das jugendliche Haupt des mächtigen Hauſes, hatte bereits ſeine Fahne gegen den Senator erho⸗ ben. Er hatte ſich in der beinahe uneinnehmbaren Feſte von Paleſtrina verſchanzt, alle Anhänger ſeiner Familie um ſich verſammelt, und ſeine zügelloſen Soldaten verheerten jetzt weit und breit die benach⸗ barten Ebenen. Adrian ſah voraus, daß wenige Tage hinreichten, um den Colonna und den Senator in offene Fehde zu bringen. Konnte er Partei gegen ſein eigenes Blut nehmen? Schon der Umſtand, daß er Irene liebte, mußte ein ſolches Beginnen alles Anſcheines von uneigennützigem Patriotismus entkleiden und ſeinen ritterlichen Ruf noch tiefer und unheilbarer beflecken, wo immer ſeine Standesgenoſſen mit der Sache der Colonna ſympathifirten. Auf der andern Seite waren nicht nur ſeine Liebe zu der Schweſter des Senators, ſondern änch ſeine eigene geheime Neigung und red⸗ liche überzengung auf der Seite des Mannes, der ihm allein mit dem innigen Wunſche den Geiſt zu verbinden ſchien, die Unordnungen ſeiner gefallenen Stadt zu dämpfen. So lange er nachdachte, ſah er ein, daß ihm keine andere Wahl bleibe, als dieſelbe grauſame Neutralität, zu der er ſich ſchon früher verurtheilt geſehen; allein er beſchloß, wenigſtens den Verſuch zu machen— wobei ihm ſeine Geburt und ſein Ruf günſtig zur Seite ſtanden— die ſtreitenden Parteien zu verſöhnen. Um dies zu Stande zu bringen, mußte er, wie er wohl einſah, mit ſeinem ſtolzen Vetter den Anfang machen. Wenn man erfuhr, daß er zuerſt eine Unterredung mit Rienzi gehabt,— ſo gewann es den Anſchein, als ſei er von dem Se⸗ nator mit Vorſchlägen beauftragt— und wenn auch Stephanello für ſeine Perſon geneigt war, ſeinen Vorſtellungen nachzugeben, ſo wußte er wohl, daß die übermüthigen, trotzigen Barone, die ihn umgaben, ſich nicht herbeilaſſen würden, auf die Sendung eines von dem Volke Gewählten zu hören; und ſtatt ihn als Vermittler zu ehren, würde man ihn als Ver⸗ räther beargwohnen. Er beſchloß alſo, am nächſten Tage nach Paleſtrina aufzubrechen; aber(und ſein Herz ſchlug laut) war es nicht möglich, vorher eine Zuſammenkunft mit Irene zu Stande zu bringen? Es war keine leichte Aufgabe, beobachtet, wie ſie war, aber er beſchloß, es zu wagen. Er berief Giuliv. „Der Senator gibt heute Abend ein Feſt— glaubt Ihr, die Verſammlung werde zahlreich werden?“ „Wie ich höre,“ antwortete Ginliv, ſoll auf das Bank⸗ geben alle der T das kl Maske kerade Ad gebniß Eigent die M Di reszeit weil da Anhän aber u dadurch pitols, mächer Al dem Se⸗ enn ach r, ſeinen l, daß die umgaben, ung eines ſtatt ihn als Ver⸗ n nächſten (und ſein rher eine bringen? ie ſie war, Giuliv. — glaubt rden?“ U auf das 279 Banket, das heute den Geſandten und Adeligen ge⸗ geben wird, morgen eine Maskerade folgen, wobei alle Stände Zutritt haben. Beim Bacchus, wenn der Tribun nur Adelige einladen wollte, ſo würde das kleinſte Gemach auf dem Capitol hinreichen, ſeine Masken aufzunehmen. Ich glaube, daß man eine Mas⸗ kerade gewählt, um den Stand der Gäſte zu verhehlen.“ Adrian dachte einen Augenblick nach, und das Er⸗ gebniß dieſes Nachdenkens war der Entſchluß, von der Eigenthümlichkeit vieſes Feſtes Vortheil zu ziehen und die Maskerade zu beſuchen. Dieſe Art von Luſtbarkeit, vbwohl zu dieſer Jah⸗ reszeit ungewöhnlich, war von Rienzi gewählt worden, weil daran alle ſeine zahlreichen und verſchiedenartigen Anhänger am beſten Theil nehmen konnten, hauptſächlich aber und insgeheim, weil er und ſeine treuen Freunde dadurch Gelegenheit bekamen, ſich unverdächtig unter die Menge zu miſchen und die wirklichen Vermuthungen der Römer hinſichtlich ſeiner Politik und ſeiner Stärke beſſer zu erfahren, als der Enthuſiasmus bei einem öffentlichen Schauſpiele auf dieſelben ſchließen ließ. Dieſer Entſchluß verſchob Abrians Reiſe nach Pa⸗ leſtrina um einen Tag. Die folgende Nacht war von bewundernswürdiger Schönheit und Helle. Um die zahlreichen Gäſte beſſer unterzubringen und die angenehme, mondhelle Friſche der Luft zu benützen, war der offene Hof des Ca⸗ pitols, mit dem Löwenplatze(außer den Prunkge⸗ mächern innerhalb), dem Feſte gewidmet. Als Adrian unter dem Gedränge des Volkes in 3 280 den Feſthof trat, geſchah es, daß durch die heftige von det 6 Ungeduld einiger Masken, hitziger als die übrigen, und un ſeine Maske verſchoben wurde. Er ſetzte ſie eilig Leidenſi wieder zurecht, aber doch hatten einige Gäſte ſeine danken 6 Züge erkannt. nicht ge Aus Höflichkeit blieb Rienzi mit ſeiner Familie nicht m anfangs unmaskirt. Sie ſtanven oben an der Treppe, eine ze 3 welcher der alte egyptiſche Löwe den Namen gab. Die zu den 3 Lichter beſchienen das koloſfale Denkmal, das, ſeiner hatte e antiken Heimath entriſſen, in ſeiner düſteren Ruhe Das re Zeuge von dem Steigen und Fallen zahlloſer Ge⸗ irgend ihr Mu ſchlechter und von den dunkeln und ſtürmiſchen Un⸗ wälzungen eines rächenden Schickſales geweſen. 6s nicht ei * war eine ſchlimme Vorbedentung, deren oft nachhet Erinne erwähnt wurde, daß der Platz dieſer öffentlichen Feſ⸗ ihrem lichkeit zugleich auch der Platz für öffentliche Hinrich⸗ die ihr tungen war. Aber in dieſem Angenblicke, als Gruppe die Au um Gruppe ſich herandrängte, um ein Lächeln, ein aber n Wort von dem gefeierten Maune zu erhaſchen, deſſen Liebe 8 Schickſale das Geſpräch von Europa geweſen waren, Sanftn oder um ſich vor der erhabenen Schönheit Nina's hul⸗ jungfre digend zu beugen, trübte keine Vorbedeutung, keine welche Beſorgniß die allgemeine Heiterkeit. Italier Hinter Nina ſtand, froh, den Blicken der Menge das It 1 zu entgehen und ihre ſanftere Schönheit von den blen⸗ ausgez denden und glänzenden Reizen ihrer Schwägerin ver⸗ dieſen dunkelt zu ſehen, Irene. Mitten unter der Menge danken 3 waren Adrians Blicke allein auf ſie gerichtet. Di⸗ gangen ſi Jahre, welche über die ſchöne Stirne des ſechszehr⸗ und w jährigen Mädchens hingeflohen waren— die damals ſich 6 e heftige übrigen, ſie eilig iſte ſeine Familie rTreppe, gab. Die as, ſeiner ren Ruhe loſer Ge⸗ ſchen Un⸗ eſen. Es ſt nachhet ichen Feſt⸗ e Hinrich⸗ ls Gruppe icheln, ein en, deſſen ſen waren, ſtina's hul⸗ ung, keine der Menge n den blen⸗ ägerin ver⸗ der Menge chtet. Die s ſechszehn⸗ die damals 284 von dem erſten wilden Hauche der Liebe beſeelt war und unter ihm zitterte— Jugend in allen Adern— Leidenſchaft und kindliche Zärtlichkeit in jedem Ge⸗ danken, hatten den Ausvruck von Irenens Schönheit nicht geſchwächt, aber verändert. Ihre Wange, welche nicht mehr jeden Augenblick die Farbe wechſelte, hatte eine zarte, nachdenkliche Bläſſe— ihre Geſtalt, mehr zu den Verhältniſſen römiſcher Schönheit gerundet, hatte eine würdevolle, ruhige Haltung angenommen. Das raſtloſe Auge ſchweifte micht mehr umher, um irgend einen Gegenſtand ſeiner Neigung aufzuſuchen; ihr Mund verzog ſich zu keinem Lächeln über eine noch nicht eingeſtandene Hoffnung oder eine halbunbewußte Erinnerung. Ein ernſter, trauriger Ausdruck verlich ihrem Antlitze(wie lieblich noch immer) eine Würde, die ihrem Alter nicht gewöhnlich war. Die Blüte, die Aufwallung, der April des Herzens war dahin; aber weder Zeit, noch Kummer, noch unglückliche Liebe hatten ihren Zügen die ſeltene, engelgleiche Sanftmuth geraubt— auch nicht jene unausſprechliche, jungfräuliche Beſcheidenheit in Form und Ausdruck, welche im eſie zu den kühneren Schönheiten Italiens mehr, als irgend etwas anderes, für Adrian das Idol ſeines Herzens vor allen andern Weibern ausgezeichnet hatte. Und als er jetzt ſeine Blicke an dieſen dunkeln, tiefen Augen weidete, welche von Ge⸗ danken zeugten, die weit hinweg und mit der Ver⸗ gangenheit beſchäftigt waren, fühlte Adrian wieder und wieder, daß er nicht vergeſſen war! Indem er ſich ihr näherte und einen nach dem andern von der Bulwer; Rienzi. IM. 19 282 Menge an ſich vorüberbrängen ließ, bemerkte er nicht, daß er das Adlerauge des Senators auf ſich gezogen hatte. In der That flüſterte eine von den Masken, als ſie an Rienzi vorbeiging:„Nehmt Euch in Acht, ein Colonna iſt unter den Masken! unter dem Domino des Nachtſchwärmers lauerte oft der Dolch des Mör⸗ ders. Dort ſteht Euer Feind— habt Acht auf ihn!“ Dieſe Worte waren die erſte ſcharfe, durchdrin⸗ gende Mahnung an die Gefahren, in die er ſich ge⸗ ſtürzt, die der Tribun ſeit ſeiner Rückkehr erhalten hatte. Er wechſelte leicht die Farbe, und für einige Augenblicke machte das höfliche Lächeln und der freun⸗ liche Empfang, womit er bis jetzt jeden Gaſt entzüc hatte, einer düſteren Zerſtreutheit Platz. „Warum ſteht jener ſonderbare Mann ſo ſtumn und regungslos da?“ flüſterte er Nina zu.„Er ſpricht mit Niemand— er nähert ſich uns nicht— ein Grobian, ein Grobian!— man muß Acht auf ihn haben.“ „Ohne Zweifel ein deutſcher oder engliſcher Bar⸗ har,“ antwortete Nina.„Laßt, mein Gemahl, ein ſo leichte Wolke Eure Heiterkeit nicht trüben.“ „Du haſt Recht, Theuerſte; wir haben Freunde hier; wir find wohlgeſchützt. Und bei der Aſche meines Vaters, ich fühle, daß ich mich an Gefahr gewöhnen muß. Nina, gehen wir weiter; ich denke, wir könnten, ſelbſt maskirt, uns jetzt unter die Masken miſchen. Die Muſik ſpielte laut und heiter, als der Se⸗ nator mit den Seinigen unter die Menge trat. Noch immer war aber ſein Auge auf den grauen Domino Adriat dem F Capitt Verfol er abe umwer genbli den. er hat er) er Y tete wegur Palaſ ſeine ſcherz und W gewol es iſt Masl Dein ſehen mein erwit 8 * als iſt d mach nigf te er nicht, gen hatte. tasken, als n Acht, ein m Domino e Mör⸗ t auf ihn!“ durchdrin⸗ er ſich ge⸗ hr erhalten für einig⸗ der freun⸗ aſt entzück nſo ſtumn icht— ein cht auf ihn liſcher Bar⸗ emahl, ein üben.“ e Freund lſche meines r gewöhnen wir könnten, n miſchen.“ s der Ee⸗ trat. Noch en Domino 283 Abrians gerichtet und er bemerkte, daß er ihm auf dem Fuße folgte. Als er ſich dem Privateingang des Capitols näherte, verlor er ſeinen unwillkommenen Verfolger einige Angenblicke aus dem Geſichte; als er aber eben eintrat, bemerkte Rienzi, ſich plötzlich umwendend, ihn hart neben ſich— im nächſten Au⸗ genblicke war der Fremde unter der Menge verſchwun⸗ den. Aber dieſer Augenblick hatte Adrian genügt— er hatte Irene erreicht.„Adrian Colonna(flüſterte er) erwartet Dich neben dem Löwen.“ Mit ſeinen eigenen Gedanken beſchäftigt, beach⸗ tete Rienzi zum Glücke die plötzliche Bläſſe und Be⸗ wegung ſeiner Schweſter nicht. Er trat in ſeinen Palaſt, er ließ ſich Wein geben— der Trank belebte ſeine Geiſter wieder— lächelnd horchte er den feinen, ſcherzhaften Bemerkungen Nina's und indem er Maske und Vermummung wieder umnahm, ſagte er mit ſeiner gewohnten Heiterkeit:„Nun, die Wahrheit anlangend, es iſt doch ſeltſam, daß ſie bei Feſten nur hinter einer Maske reden ſoll! Meine holde Schweſter, Du haſt Dein altes Lächeln verloren und ich würde lieber dieſes ſehen, als— ha! iſt Irene verſchwunden?“ „Nur, glaube ich, um die Kleider zu wechſeln, mein Cola, und ſich unter die Gäſte zu miſchen,“ erwiderte Nina.„Laß mein Lächeln vas ihrige erſetzen.“ Rienzi küßte die glänzende Stirn ſeiner Gattin, als ſie zärtlich an ſeiner Bruſt hing.„Dein Lächeln iſt das Sonnenlicht,“ ſagte er;„aber dies Mädchen macht mich beſorgt. Ich meine, ſie könnte jetzt we⸗ nigſtens eine frohere Miene zeigen.“ 284 „Liegt denn nicht Liebe unter der Traurigkeit meiner ſchönen Schweſter verborgen?“ erwiderte Nina.„Er⸗ innerſt Du Dich nicht, wie ſehr ſie Adrian Colonng liebte?“ „Dauert dieſe Phantaſie noch immer?“ verſetzte Rienzi nachdenklich.„Gut, und ſie iſt eine Braut für einen Monarchen.“ „Und doch wäre dies eine Verbindung, die mehr, als eine ſolche mit Monarchen, Deine Macht in Rom befeſtigen würde.“ „Ja, wenn es thunlich wäre; aber dieſes über⸗ müthige Geſchlecht!— Vielleicht war gerade die Maske, die uns ſo auf dem Fuße folgte, ihr Geliebter. Ich will ſehen. Gehen wir, meine Nina. Bin ich gut vermummt?“ „Vortrefflich— und ich?“ „Die Sonne hinter einer Wolke.“ „Ha, verweilen wir nicht lange; welche Stunde des Vergnügens gleicht derjenigen, wo, deine Hand in der meinigen, dieſes Haupt an Deiner Bruſt, wir den Kummer, den wir erlebt, und ſogar die Triumphe, die wir getheilt, vergeſſen?“ Inzwiſchen war Irene, verwirrt und in freudigem Entzücken, ſchon umgekleidet und maskirt, auf dem Wege durch das Gewühl zurück nach der Löwentreppe⸗ Seit dem Weggehen des Senators war dieſer Platz verhältnißmäßig leer geworden. Muſik und Tanz zogen die Masken nach einer anderen Seite des großen Raumes. Als ſich Irene jetzt näherte, ſah ſie, wie das Mondlicht ſich über die Bildſäule und eine Geſtalt eit meiner ina.„Er⸗ n Colonng verſetzte Braut für . die mehr, t in Rom ſes über⸗ ie Maske, bter. Ich n ich gut e Stunde e Hand ruſt, wir riumphe, reudigem auf dem entreppe⸗ er Platz nz zogen großen ſie, wie Geſtalt 285 ergoß, die ſich gegen deren Fußgeſtell lehnte. Sie blieb ſtehen, die Geſtalt kam auf ſie zu, und wieder hörte ſie die Stimme ihres früheren Geliebten. „O, Jrene! auch in dieſer Vermummung erkenne ich Dich,“ ſagte Adrian, indem er ihre zitternde Hand ergriff;„noch einmal in dieſem Leben ſoll ich dieſe Geſtalt erblicken— dieſe Hand berühren? Sahen Dich nicht dieſe Augen leblos in jenem fürchterlichen Begräbniſſe, an vas ich mich nur mit Schaudern er⸗ innere? Durch welches Wunder wurdeſt Du wieder erweckt? Durch welche Mittel erhielt der Himmel dieſer Erde ein Weſen, das er ſchon unter ſeine Engel ein⸗ gereiht zu haben ſchien?“ „Glaubteſt Du dies wirklich?“ ſagte Irene ſtam⸗ melnd, aber mit offenbarer Freude.„So verließeſt Du mich nicht abſichtlich? Wie ungerecht war ich gegen Deine edle Natur, wenn ich glaubte, daß der Fall meines Bruders, meine niedrige Herkunft, Dein glänzendes Geſchick Dich veranlaßt hätten, Irenen zu entſagen!“ „Ungerecht in der That,“ antwortete der Geliebte. „Aber gewiß, ich ſah Dich unter den Todten!—“ Dein Mantel mit den Silberſternen— wer ſonſt trug die Abzeichen des römiſchen Tribuns?“ „So war es alſo nur der Mantel, der mir in den Straßen entfallen und wahrſcheinlich von einem un⸗ glücklicheren Opfer aufgenommen worden war; ließ dieſer⸗Anblick allein Dich ſo bald verzweifeln? Ach! Adrian,“ fuhr Irene zärtlich, aber vorwurfsvoll fort, „nicht einmal, als ich Dich anſcheinend leblos auf 286 dem Lager ſah, bei welchem ich drei Tage und drei Nächte gewacht hatte, nicht einmal da gab ich die Hoffnung auf!“ „Wie, ſo täuſchte mich alſo die Erſcheinung nicht! Du warſt es, die in jener furchtbaren Stunde an meinem Bette wachte, deren Liebe mich ſchützte, deren Sorgfalt mich rettete! Und ich, Elender, der ich war!——“ „Nein,“ antwortete Irene,„Dein Gedanke war natürlich. Der Himmel ſchien, ſo lange ich bei Dir nöthig war, mich mit übermenſchlicher Kraft auszu⸗ rüſten. Aber denke Dir meinen Schrecken. Ich verließ Dich, um den guten Mönch aufzuſuchen, der Dich als Arzt behandelte; ich kehrte zurück und fand Dich nicht. Gemüthskrank und geängſtigt durchſuchte ich die verlaſſene Stadt vergebens. So ſtark ich war, während die Hoffnung mich aufrecht hielt, ſo erlag ich doch unter der Furcht.— Mein Bruder fand mich bei der Kirche St. Marko befinnungslos am Boden liegen.“ „Bei der Kirche St. Marko?— ſo ſagte ihm ſein Traum!“ „Er ſagte mir, daß er Dir begegnet ſei; wir ſuchten Dich vergebens; endlich hörten wir, Du habeſt die Stadt verlaſſen, und— und— ich freute mich, Adrian, aber ich empfand auch Kummer!“ Einige Minuten überließen ſich die Liebenden dem Entzücken der Wiedervereinigung, während neue Ver⸗ ſtändigungen neue Ausbrüche der Freude hervorriefen. „Und jetzt,“ flüſterte Irene,„jetzt, da wir uns ſeine„ ſchätze meine und drei b ich die ing nicht! tunde an te, ederen „der ich anke war bei Dir ft auszu⸗ ch verließ der Dich fand Dich ſuchte ich ich war, wieder gefunden—“ ſie hielt inne und ihre Maske verbarg ihr Erröthen. „Jetzt, da wir uns wieder gefunden,“ ſagte Adrian⸗ das Schweigen unterbrechend,„wollteſt Du ſagen, werden wir uns nicht mehr trennen? Glaube mir, Theuerſte, das iſt die Hoffnung, die mein Herz be⸗ ſeelt. Nur um dieſe wenigen glückliche Augenblicke hei Dir zu genießen, ſchob ich meine Abreiſe nach Pa⸗ leſtrina auf. Könnte ich nur hoffen, meinen jungen Vetter mit Deinem Bruder zu verſöhnen, keine Schranke ſtünde unſerer Vereinigung mehr im Wege. Gerne vergeſſe ich das Vergangene— den Tod meiner un⸗ glücklichen Verwandten(Opfer, wahrlich ihrer eigenen Fehler), und vielleicht weiß unter der ganzen Menge, welche die Rückkehr Cvla di Rienzi's begrüßte, Keiner ſeine großen und erhabenen Eigenſchaften ſo ſehr zu ſchätzen, wie Adrian Colonna.“ „Wenn dies ſo iſt,“ ſagte Irene,„ſo laſſe mich das Beſte hoffen; inzwiſchen iſt es Troſt und Glück genug für uns, zu wiſſen; daß wir uns wie früher lieben. Ach, Adrian, ich bin traurig verändert und hielt es oft für einen zu kühnen Traum, daß Du mich wieder ſehen und immer noch lieben ſollteſt.“ „Schöner biſt Du und liebenswürdiger als je,“ antwortete Adrian leidenſchaftlich,„und die Zeit, welche Deine Blüte gereift, lehrte mich nur um ſo tiefer Deinen Werth fühlen. Lebe wohl, Irene, ich zögere hier nicht länger; Du wirſt, ſo hoffe ich, bald von dem glücklichen Erfolge meiner Unterhandlungen mit meinem Hauſe hören, und ehe die Woche um iſt, 288 kehre ich vielleicht zurück, um öffentlich um Hand zu werben.“ Die Liebenden ſchieden; Adrian zögerte, und Irene eilte hinweg, ihre Aufregung und ihr Entzücken in ihrem Zimmer zu begraben. Als ihre Geſtalt verſchwand und der junge Colonna ſich langſam hinwegwandte, ging eine große Maske plötzlich auf ihn zu. „Du biſt ein Colonna,“ ſagte ſie,„und in der Gewalt des Senators. Zitterſt Du?“ „Wenn ich ein Colonna bin, unhöfliche Maske,“ erwiderte Adrian kühl,„ſo ſollteſt Du wiſſen, daß ein Colonna nie zittert.“. Der Unbekannte lachte laut, lüftete dann ſeine Laske, und Adrian ſah den Senator vor ſich ſtehen. „Mein Herr Adrian di Caſtello,“ ſagte Rienzi, wieder all ſeinen Ernſt annehmend,„habt Ihr als Freund oder Feind heute Nacht unſere Luſtbarkeiten 1 beehrt?“ „Senator von Rom,“ erwiderte Adrian mit eben ſo viel ſtolzem Weſen,„nur als Freund mache ich von Jemandes Gaſtfreundlichkeit Gebrauch. Als Feind, wenigſtens als der Eurige, werde ich hoffentlich nie mit Recht betrachtet werden.“ „Ich wollte,“ verſetzte Rienzi,„ich könnte dieſe ſchmeichelhaften Worte ohne Rückhalt auf mich an⸗ wenden. Hegt Ihr dieſe Gefühle für mich als den Beherrſcher des römiſchen Volkes, oder als den Bruder des Weibes, die auf Euer Gelübde gehorcht hat?“ Abrian, der, als der Senator ſeine Maske abnahm, dieſem vor d Geiſte deſſen Einen „( Ihr n wenn zwiſch Schwe würdi hinzut und vürft, tors 1 hochge „ nur b antwo daß J hofft, würde dann mit 2 Verſö Volke Grün hätten eines mit C n Deine nd Irene ücken in Colonna e Maske d in der Maske, daß ein nn ſeine h ſtehen. Rienzi, Ihr als barkeiten mit eben nache ich ls Feind, ntlich nie inte dieſe mich an⸗ als den n Bruder ht hat abnahm, vieſem Beiſpiele folgte, fühlte, vas ſein Auge ſich vor dem Blicke Rienzi's ſenkte. Mit der gewohnten Geiſtesgegenwart eines Italieners ſammelte er ſich in⸗ deſſen gleich wieder und antwortete lakoniſch:„Dem Einen, wie dem Anderen.“ „So!“ ſagte Rienzi.„Dann, edler Adrian, ſeid Ihr wahrlich hier willkommen. Und doch, meine ich, wenn Ihr auch ahnt, daß kein Grund zur Feindſchaft zwiſchen uns vorhanden iſt, ſo hättet Ihr um die Schweſter Cola di Rienzi's auf eine Eurer Geburt würdigere Weiſe werben können, und erlaubt mir, hinzuzuſetzen, der Stellung, welche Gott, Schickſal und mein Vaterland mir angewieſen haben. Ihr dürft, junger Colonna, bei der Schweſter des Sena⸗ tors von Rom nicht an Entwürdigung denken. So hochgeboren Ihr ſeid, ſie iſt Eure Ebenbürtige.“ „Wäre ich der Kaiſer, deſſen bloßer Ritter ich nur bin, Eure Schweſter wäre meine Ebenbürtige,“ antwortete Adrian warm.„Rienzi, es thut mir leid, daß Ihr mich jetzt ſchon entdeckt habt. Ich hatte ge⸗ hofft, als Vermittler zwiſchen Euch und den Baronen würde ich mir zuerſt Euer Vertrauen erwerben und dann meinen Lohn anſprechen. Wißt, daß ich morgen mit Tagesanbruch nach Paleſtrina abreiſe, um eine Verſöhnung meines jungen Vetters mit der Wahl des Volfes und des Papſtes zu verſuchen. Verſchiedene Gründe, die ich jetzt nicht auseinander zu ſetzen brauche, hätten es mir wünſchenswerth gemacht, dieſes Amt eines Friedensheroldes ohne vorgängige Beſprechung mit Euch zu übernehmen. Aber da wir uns nun ein⸗ mal getroffen haben, ſo vertraut mir einige Bedin⸗ gungen der Ausſöhnung, und ich verpfände Euch die rechte Hand, nicht eines römiſchen Edeln— ach! die prisca ſides iſt von dieſem Pfande gewichen!— ſondern eines Ritters des kaiſerlichen Hofes, daß ich Euer Vertrauen nicht verrathen werde.“ Rienzi, gewohnt, in dem menſchlichen Angeſichte zu leſen, hatte, ſo lange Adrian ſprach, ſeine Augen feſt auf ihn geheftet; als der Colonna ſchwieg, drückte er die dargebotene Hand und ſagte mit jener ver⸗ traulichen und gewinnenden Anmuth, welche ſeinem Weſen bisweilen eigen war:„Ich vertraue Euch, Adrian, von ganzer Seele. Ihr waret in ruhigeren, viel⸗ leicht glücklicheren Jahren, frühe mein Freund. Nie ſtrahlte ein Fluß die Sterne heller zurück, als Euer Herz damals die Wahrheit abſpiegelte. Ich vertraue Euch!“ Während er ſo ſprach, hatte er mechaniſch den Colonna zu dem Denkmale des Löwen zurückgeführt; hier ſtand er ſtille und begann dann wieder:„Wißt, daß ich dieſen Morgen meinen Bevollmächtigten zu Eurem Vetter Stephanello abgeſandt habe. Mit aller gebührenden Höflichkeit habe ich ihn von meiner Rück⸗ kehr nach Rom in Kenntniß geſetzt und ſeine geehrte Perſon wieder hierher eingeladen. Alle alten Fehden, meine eigene frühere Verbannung vergeſſend, habe ich ihm hier die dem Haupte der Colonna gebührende Stellung und Würde zugeſichert. Alles, was ich da⸗ gegen verlange, iſt Gehorſam gegen das Geſetz. Jahre und Schickſale haben den Stolz meiner jüngeren Jahre gedemi ters b Niema beklage „3 ſchaft hätte t ſei, I es mir nung; verkleid „U Colonn dem E ich imn Schickſe „S ſetzte 2 Häupte Fußgeſt Planme um all Macht Denn, einem „D ſind die nahme, mich, d gibt ſei Bedin⸗ Fuch die ngeſichte e Augen „ drückte ner ver⸗ e ſeinem „Adrian, en, viel⸗ nd. Nie als Euer vertraue niſch den kgeführt; „Wift, tigten zu Mit aller ner Rück⸗ e geehte Fehden, habe ich bührende s ich da⸗ tz. Jahre en Jahre 291 gebemüthigt, und obgleich ich die Strenge des Rich⸗ ters beibehalten werde, ſoll ſich doch von nun an Niemand mehr über den übermuth des Tribuns zu beklagen haben.“ „Ich wollte,“ antwortete Adrian,„daß Eure Bot⸗ ſchaft um einen Tag aufgeſchoben worden wäre; ich hätte deren Inhalt gerne vorbereitet. Wie dem nun ſei, Ihr verſtärkt mein Verlangen, abzureiſen; ſollte es mir gelingen, eine ehrenvolle, friedliche Ausſöh⸗ nung zu Stande zu bringen, ſo werde ich nicht mehr verkleidet um Deine Schweſter werben.“ „Und nie,“ verſetzte Rienzi ſtolz,„führte ein Colonna eine Jungfrau in ſein Haus, deren Beſitz dem Ehrgeize mehr ſchmeichelte. Ich ſehe noch, wie ich immer geſehen habe, in meinen Planen und meinen Schickſalen die Karte des neuen römiſchen Reiches!“ „Sei nicht zu ſanguiniſch, tapferer Rienzi,“ ver⸗ ſetzte Adrian,„bedenke, auf wie viele plänemachende Häupter dieſes ſtumme, ſteinerne Bild von ſeinem Fußgeſtell herabgeſehen— auf Plane von Sand und Planmacher von Staub. Du haſt genug für jetzt, um alle Deine Thatkraft anzuwenden— nicht Deine Macht auszudehnen, ſondern Dich ſelbſt zu behaupten. Denn, glaube mir, nie ſtand menſchliche Größe an einem ſo ſchauerlichen, dunkeln Abgrunde!“ „Du biſt redlich,“ ſagte der Senator,„und dies ſind die erſten Worte des Zweifels und doch der Theil⸗ nahme, die ich in Rom gehört. Aher das Volk liebt mich, die Barone ſind von Rom geflohen, der Papſt gibt ſeine Zuſtimmung und die Schwerter der Nord⸗ länder bewachen die Zugänge des Capitols. Aber dies iſt nichts; in meiner eigenen Redlichkeit beſtehen mein Speer und mein Schild. O, nie,“ fuhr Rienzi in Begeiſterung fort,„nie ſeit den Tagen der alten Republik träumte ein Römer von einem reineren und glänzenderen Streben, als dasjenige, welches mich jetz begeiſtert und aufrecht erhält. Der Friede iſt herge⸗ ſtellt— das Geſetz gegründet— Kunſt, Wiſſenſchaften, Intelligenz dämmern aus der Nacht der Zeit hervor; die Patricier, nicht länger räuberiſche Banditen, ſon⸗ dern Beſchützer der Ordnung; das Volk von einem Pöbel geadelt, tapfer, ſich zu ſchützen, aufgeklärt, ſich ſelbſt zu lenken. Denn nicht durch Waffengewalt, ſondern durch die Würde ihrer moraliſchen Kraſt ſoll die Mutter der Nationen ſich den Gehorſam ihrer Kinder ſichern. Sollte ich mit ſolchen Träumen, ſolchen Hoffnungen zittern oder verzweifeln? Nun, Adrian Colonna, komme Wohl oder Wehe, ohne zurückzu⸗ ſchrecken, ohne Scheu harre ich bei den Wechſelfällen meines Geſchickes aus!“ Das Weſen und der Ton des Senators erhob ſeine Sprache ſo ſehr, daß ſogar der nüchterne Sinn Adrians bezaubert und hingeriſſen wurde. Er küßte die Hand, die er feſthielt, und ſagte mit Ernſt: „Ein Geſchick, welches zu theilen ich mir zum Stolz rechnen will— eine Laufbahn, welche zu ebnen mein Ruhm ſein ſoll. Wenn ich den Zweck meiner jetzigen Sendung erreiche—— 7“ „Seid Ihr mein Bruder!“ ſagte Rienzi. „Wenn nicht?“ ob Iht in mei geiz fü mir ni daß ich zu diet ſtände überwu des de: nur G züchtigt here K noch m Worte Fehler ſo verg nur, de Geiſt,“ leiſer E beginne wohl!“ s. Aber t beſtehen hr Rienzi der alten neren und mich jetzt iſt herge⸗ nſchaften, it hervor; iten, ſon⸗ on einem klärt, ſich fengewalt, hen Kraft rſam ihret en, ſolchen n, Adrian zurückzu⸗ echſelfällen tors erhob terne Sinn Er küßte nit Ernſt: zum Stolj nen mein ner jetzigen nzi. 293 „So könnt Ihr gleichwohl dieſe Verbindung ver⸗ längen. Ihr ſchweigt— Ihr wechſelt die Farbe.“ „Kann ich mein Haus verlaſſen?“. „Junger Mann,“ ſagte Rienzi ſtolz,„ſagt lieber, ob Ihr Euer Vaterland verlaſſen könnt? Wenn Ihr in meiner Redlichkeit zweifelt, wenn Ihr meinen Ehr⸗ geiz fürchtet, ſo ſteht von Eurem Plane ab, raubt mir nicht einen Feind. Wenn Ihr aber glaubt, daß ich den Willen und die Macht habe, dem Staate zu dienen— wenn Ihr in dem Wechſel der Um⸗ ſtände und in dem Unglück, das ich erfahren und überwunden habe, die ſchützende Hand des Heilan⸗ des der Nationen erkennt— wenn dieſe Unfälle nur Gnadenbezeigungen von Dem waren, der da züchtigt— nothwendig vielleicht, um meine frü⸗ here Kühnheit zurechtzuweiſen und meinen Verſtand noch mehr zu ſchärfen— wenn Du mich mit einem Worte für einen Mann hälſt, den, was auch ſeine Fehler ſein mögen, Gott Roms wegen erhalten hat, ſo vergiß, daß Du ein Colonna— erinnere Dich nur, daß Du ein Römer biſt!“ „Du haſt mich beſiegt, ſeltſamer, gebieteriſcher Geiſt,“ ſagte Abrian, vollkommen hingeriſſen, mit leiſer Stimme;„und was auch meine Verwandten beginnen mögen, ich gehöre Dir und Rom. Lebe wohl!“ 294 Drittes Kapitel. Adrians Erlebniſſe in Paleſtrina. Es war ſchon Mittag, als Adrian die hohen Berge vor ſich ſah, welche Paleſtrina, das Präneſte der alten Welt, ſchützen. Bis zur Periode von Ro⸗ mulus, in die erſten Zeiten der geheimnißvollen Ci⸗ viliſation, welche in Italien der Erbauung Roms voranging, konnte man die Macht dieſer Felſenſtadt zurückführen. Acht abhängige Städte anerkannten ihre Herrſchaft und ihren Reichthum; ihre Lage und die Stärke dieſer furchtbaren Mauern, in deren Ruinen man noch das Gemäuer der fernen Pelasger entdecken kann, hatten lange dem Ehrgeize des benachbarten Rom ge⸗ trotzt. Von eben dieſer Feſte, der Mauerkrone“ des Berges, hatte die Fahne des Marius geweht, und auf der Straße, welche Adrians kleine Truppe lang⸗ ſam dahinzog, hatte der Marſch des blutdürſtigen Sulla bei ſeiner Rückkehr aus dem mithridatiſchen Kriege wiedergehallt. Unten, wo die Stadt ſich gegen die Ebene ausbreitet, ſah man noch die zer⸗ trümmerten, obdachloſen Säulen des einſt berühmten Tempels der Fortuna; und noch drängten ſich die uralten Olivenbäume grau und traurig um die Rui⸗ nen her. — Eine furchtbarere Feſte hätten die römiſchen Ba⸗ „ Daher wahrſcheinlich ihr griechiſcher Näme; Stephane⸗ Pa⸗ leſtrina iſt noch jetzt einer der vielen Beweiſe in der Nihe Roms, welche von der alten griechiſchen Civiliſation in Italien zengen. rone 1 geriſch maß, ſchickli miſcher fruchtb zertret heit de Augen riſchen Heerde ben, d hatten. Lieblin rend ſe man d De trug, Als er zog, n pen f mit Fl ber,— untern peln u Sonne und E Moſai lehrten ben je e Berge neſte der von Ro⸗ vollen Ci⸗ Romt Felſenſtadt nnten ihre e nd edie uinen man cken kann, Rom ge⸗ rone? des weht, und ppe lang⸗ utdürſtigen ridatiſchen Stadt ſich ch die zer⸗ berühmten en ſich di⸗ m die Rui⸗ niſchen Va⸗ tephane. Pa⸗ in der Nähe on in Italien 295 rone nicht auswählen können, und als Abrians krie⸗ geriſcher Blick den ſteilen Pfad und die rohen Mauern maß, fühlte er wohl, das man mit gewöhnlicher Ge⸗ ſchicklichkeit Monate lang der ganzen Macht des rö⸗ miſchen Senators trotzen könne. Unten in dem fruchtbaren Thale zeugten niedergeriſſene Hütten und zertretene Ernten von der Gewaltthätigkeit und Roh⸗ heit der aufrühreriſchen Barone, und in eben dieſem Augenblicke ſah man in der alten Ebene des kriege⸗ riſchen Hernici Truppen von Bewaffneten, welche Heerden von Schafen und Rindvieh vor ſich hertrie⸗ ben, die ſie auf ihren zügelloſen Streifereien erbeutet hatten. Wenn man dieſes Präneſte anſah, das der Lieblingsaufenthalt der üppigen Großen Roms wäh⸗ rend ſeiner höchſten Verfeinerung geweſen war, glaubte man das eiſerne Zeitalter erneuert. Das Banner der Colonna, das Adrians Truppe trug, fand bei der Porta del Sole leicht Einlaß. Als er durch die unregelmäßigen und engen Straßen zog, welche zu der Citadelle führten, ſtanden Grup⸗ pen fremder Söldlinge— halb zerlumpte, halb mit Flittern herausgeputzte Haufen liederlicher Wei⸗ ber,— hier und dort mit den Livreen der Colonna untermengt, müßig unter den Ruinen von alten Tem⸗ peln und Paläſten, oder wärmten ſich träge in der Sonne auf Terraſſen, durch welche unter Geſträuch und Gras hervor die unvergänglichen Farben reicher Moſaik hervorſchimmerten, welche der Stolz des ge⸗ lehrten und kunſtliebenden Adels geweſen, deſſen Er⸗ ben jetzt die wilden Freibeuter waren. 296 Der Gegenſatz zwiſchen Vergangenheit und Ge⸗ genwart fiel Adrian, als er ſo dahinzog, gewaltig auf; und trotz ſeinem Stande fühlte er, als wäre Civiliſation auf die Seite Rienzi's gegen ſein Haus getreten. Adrian ließ ſein Gefolge in dem Hofe der Ci⸗ tadelle und verlangte, vor ſeinen Vetter geführt zu werden. Er hatte bei ſeiner Abreiſe von Rom Site⸗ phanello als ein Kind verlaſſen und es konnte deß⸗ halb ungeachtet ihrer Verwandtſchaft nur eine flüchtige und nicht vertraute Bekanntſchaft zwiſchen ihnen be⸗ ſtehen. Schallendes Gelächter drang zu ſeinem Ohr, als er einem von Stephanello's Dienern durch einen ſich ſchlängelnden Gang folgte, der zu dem vornehm⸗ ſten Zimmer führte. Die Thüre wurde aufgeriſſen und Adrian befand ſich in einem rohen Saale, den man in der Eile einen Anſtrich von Pracht und Be⸗ quemlichkeit zu geben verſucht hatte. Koſtbare Ta⸗ peten bekleideten unvollkommen die ſteinernen Wände, und die reichen Sitze und verzierten Tiſche, welch⸗ die wachſende Civiliſation der nörblichen Städte Ita⸗ liens ſchon in den Paläſten der italieniſchen Edeln eingeführt hatte, ſtachen ſonderbar gegen den rohen Fußboden ab, der mit Haufen nachläſſig umherge⸗ worfener Waffen bedeckt war. An dem fernſten Ende des Zimmers entdeckte Adrian mit Schaudern die in vollſtändiger Ordnung gehaltenen Folterwerkzeuge. Stephanello Colonna ſaß mit zwei anderen Ba⸗ ronen in einer Fenſtervertiefung nachläſſig auf Stüh⸗ len, die um einen Tiſch her ſtanden; von hier aus ſah m den di Hann hatte! St gend, Spure ſchafte Seine ihrem das re welche— bisweil aber di Augen! dünner müthig kalt ur ben R ſchweif ſaßen( die Er verſchm contraf Miene Da Herzlic „Willk zur rec militär Bul und Ge⸗ „gewaltig als wäre ſein Haus fe der Ci⸗ geführt zu Rom Sie⸗ onnte deß⸗ ne flüchtige ihnen be⸗ inem Ohr, urch einen vornehm⸗ aufgeriſſen aale, dem t. und Be⸗ ſtbare Ta⸗ en Wände, he, welche Städte Ita⸗ chen Edelt den rohen mherge⸗ nſten Ende ern die in erkzeuge. deren Ba⸗ auf Stüh⸗ n hier aus 297 ſah man noch die herrliche Landſchaft, begrenzt von den dunkeln Giebeln Roms, welche zu überſehen einſt Hannibal und Pyrrhus eben dieſe Feſte erſtiegen hatte! Stephanello ſelbſt, in der erſten Blüte der Ju⸗ gend, trug auf ſeinem unbärtigen Geſichte ſchon die Spuren, welche gewöhnlich die Folgen der Leiden⸗ ſchaften und Laſter des gereiften Mannesalters ſinb. Seine Züge glichen denen des alten Stephan; in ihrem klaren, ſcharfen, ſtolzen Umriſſe konnte man das regelmäßige und anmuthige Ebenmaß erkennen, welches das Blut, bei Menſchen wie bei Thieren, bisweilen durch mehrere Generationen fortpflanzt; aber die Züge ſelbſt waren verwüſtet und mager; ſeine Augenbraunen waren beſtändig zuſammengezogen; ſeine dünnen, blutloſen Lippen hatten jenen Ausdruck über⸗ müthiger Verachtung, der bei früher Jugend doppelt kalt und widerwärtig erſcheint; und die tiefen, gel⸗ ben Ringe um ſeine Augen verriethen gewohnte Aus⸗ ſchweifung und frühzeitige Erſchöpfung. Neben ihm ſaßen(ausgeſöhnt durch den Haß gegen einen Dritten) die Erbfeinde ſeines Geſchlechtes; die ſanften, aber verſchmitzten und ſchlauen Züge des Luca di Savelli contraſtirtengegen die breite Geſtalt und die trotzige Miene des Fürſten Orſini. Das junge Haupt der Colonna ſtand mit einiger Herzlichkeit auf, um ſeinen Vetter zu empfangen. „Willkommen,“ ſagte er,„theurer Adrian; Ihr kommt zur rechten Zeit, um uns mit GFurer wohlbekannten militäriſchen Geſchicklichkeit heizuſtehen. Glaubt Ihr Bulwer, Rienzi, I. 20 298 nicht, wir werden eine lange Belagerung auszuhalten haben, wenn der übermüthige Plebejer eine ſolche wagen ſollte? Ihr kennt unſere Freunde, die Or⸗ ſini und die Savelli? Dank dem heiligen Petrus, oder dem Stellvertreter des heiligen Petrus, wir ha⸗ ben glücklicher Weiſe gemeinere Gurgeln zum Ah⸗ ſchneiden, als unſere eigenen!“ Mit dieſen Worten warf ſich Stephanello wieber ſorglos auf ſeinen Stuhl, und die gellende Weiber⸗ ſtimme Savelli's nahm Theil an dem Geſpräche. „Ich wollte, edler Signor, Ihr wäret einige Stunden früher gekommen; wir beluſtigen uns noch an der Erinnerung— hi, hi, hi!“ „Ach, köſtlich,“ rief Stephanello und ſtimmie mit in das Gelächter ein;„unſer Ve tter hat viel ver⸗ loren. Wißt, Adrian, dieſer gemeine Burſche, den der Papſt die Unverſchämtheit patte⸗ zum Senator zu ernennen, erkühnte ſich erſt geſtern, uns einen Diener zu ſchicken, den er— bei der Mutter Got⸗ tes!— ſeinen Geſandten nannte!“ „Ich wollte, Ihr hättet ſeinen Mantel ſehen kön⸗ nen, Signor Adrian,“ fiel der Savelli ein,„Pur⸗ purſammt, ſo wahr ich lehe, mit Gold geſtickt und das Wappen Roms parauf; wir haben ihm den Staat bald beſchmutzt.“ „Wie!“ rief Adrian,„Ihr prachet doch die Ge⸗ ſetze alles Adels und aller Ritterſchaft nicht? Ihr fügtet doch einem Herolde keine Beleidigung zu!“ „Herold, ſagſt Du?“ rief Stephanello, die Angen⸗ brannen zuſammenziehend, daß man die Augen kaum mehr ſ Recht, man m pator d „W „W ben in quartier „Un Savelli ſeine Z wollte, Adr handſch: auslöſch daß 3h Geſetze Ihr an zzuhalten ne ſolche die Or⸗ Petrus, wir ha⸗ um Ab⸗ o wieber Weiber⸗ räche. et einige uns noch mmie mit viel ver⸗ ns einen tter Got⸗ ſehen kön⸗ n,„Pur⸗ ſtickt und den Staat h die Ge⸗ ht Ihr g zu!“ ie Augen⸗ igen kaum 299 mehr ſah.„Nur Fürflen und Barone haben das Recht, ſich eines Herolbes zu bedienen. Und hätte man mir meinen Willen gelaſſen, ich hätte dem Uſur⸗ pator den Kopf des Elenden zurückgeſchickt.“ „Was thatet Ihr denn?“ fragte Adrian kalt. „Wir ließen durch unſern Schweinhirten den Bu⸗ ben in die Goſſe tauchen und gaben ihm ein Nacht⸗ guartier in dem Gefängniſſe, um ſich zu trocknen.“ „Und dieſen Morgen— hi, hi, hi!“ ſetzte der Savelli hinzu, ließen wir ihn vor uns kommen und ihm ſeine Zähne einen nach dem andern ausziehen— ich wollte, Ihr hättet ihn um Gnade murmeln hören!“ Adrian erhob ſich haſtig und ſchlug ſeinen Panzer⸗ handſchuh heftig auf den Tiſch. „Stephanello Colonna,“ ſagte er, in edler Entrü⸗ ſtung erröthend,„antwortet mir: wagtet Ihr es, den Namen, den wir Beide führen, mit dieſem un⸗ auslöſchlichen Makel zu beflecken? Sagt mir wenigſtens, daß Ihr Euch dieſem ſchändlichen Verrath an allen Geſetzen der Civiliſativn und der Ehre widerſetztet. Ihr antwortet nicht Haus Colonna, kann dieſer Dein Vertreter ſein!“ „Mir dieſe Worte!“ ſagte Stephanello, vor Wuth zitternd.„Nimm Dich in Acht. Ich glaube, Du biſt der Verräther, verbündet vielleicht mit jenem ſchurkenhaften Pöbel. Ich erinnere mich wohl, wie Du, der Verlobte der Schweſter des Demagogen, Dich früher nicht meinem Oheim und meinem Vater anſchloſſeſt, ſondern ehrlos die Stadt ihrem plebeji⸗ ſchen Tyrannen überließeſt.« 300 „Das that er!“ ſagte der trotzige Orſini und trat drohend Adrian näher, während der gemeine Feigling Savelli ihn vergebens am Mantel zurückzuhalten ver⸗ ſuchte,„das that er! und wäreſt Du nicht zugegen, Stephanello——“ „Memme und Prahler!“ unterbrach ihn Adrian, vor Wuth und Scham ganz außer ſich, und warf ſeinen Handſchuh dem ihm näher tretenden Orſini ge⸗ rade ins Angeſicht;„willſt Du einem Manne drohen, der in allen Schranken Europa's und gegen die tapferſte Ritterſchaft des Nordens die Ehre Roms behauptete, welche Deine Thaten nur verunglimpften? Bei dieſen Pfande, ich ſpeie Dich an und verachte Dich! Mit Lanze und mit Schwert, zu Pferde und zu Fuß, be⸗ haupte ich gegen Dich und Dein ganzes Geſchlecht, daß Du kein Ritter biſt, der Du einen friedlichen und unbewaffneten Herold in Deiner Feſte ſo mißhandel⸗ teſt. Ja, gerade hier, auf dem Platze Deiner Schande, fordere ich Dich zum Kampfe!“ „In den Hof hinunter! Folge mir, ſagte Orfini boshaft und ſchritt gegen die Schwelle. Heda, hollal! meinen Helm und Bruſtharniſch!“ „Haltet, edler Orſini,“ ſagte Stephanello.„Die Dir zugefügte Beleidigung iſt meine Sache, mein war die That, und gegen mich ſpricht dieſer entartete Sprößling unſeres Stammes. Adrian di Caſtello— einſt Colonna genannt— gebt Euer Schwert ab; Ihr ſeid mein Gefangeuer!“ „O!“ ſagte Adrian zähneknirſchend,„daß das Blut meiner Ahnen nicht in Deinen Adern flöße— ſonſ — doc günſtig die Gr wagt„ ich, ne treffen, Bis da keinen Adr Thüre entſchlo Sa ehe we Signor nigen. mit der Euch v dürfen des Pö ſtürzt n „S Lächeln. Det nete ei worin „S jenen 3 ihn nic für ſeit das Th i und trat e Feigling alten ver⸗ zugegen, n Adrian, und warf Orſini ge⸗ ne drohen, e tapferſte eatete, Bei dieſem ich! Mit Fuß, be⸗ Geſchlecht, lichen und mißhandel⸗ r Schande, gte Orfini da, hollal ello.„Die mein war entartete Caſtello— hwert ab; ß das Blut e— ſonſ 301 — doch genug! Mich! Euern Ebenbürtigen, den be⸗ günſtigten Ritter des Kaiſers, deſſen Heranrücken jetzt die Grenzen Italiens mit Freude erfüllt!— mich— wagt Ihr nicht, feſtzuhalten. Eure Freunde werde ich, noch ehe wenige Tage verfließen, an einem Orte treffen, wo Niemand unſere Schwerter trennen ſoll. Bis dahin bedenke, Orſini, daß Du Deine Ehre gegen keinen ungeübten Arm einzulöſen haſt!“ Adrian ſchritt mit gezogenem Schwerte gegen die Thüre an dem Orſini vorbei, der zögernd und un⸗ entſchloſſen mitten in dem Zimmer ſtand. Savelli flüſterte gegen Stephanello hin:„Er ſagt, ehe wenige Tage veefließen! Seid verſichert, theurer Signor, daß er geht, um ſich mit Rienzi zu verei⸗ nigen. Erinnert Euch der Verbindung, die er einſt mit der Schweſter des Tribuns beabſichtigte. Nehmt Euch vor ihm in Acht! Soll er die Feſte verlaſſen dürfen? Der Name eines Colonna auf der Seite des Pöbels würde die Hälfte unſerer Streitkräfte be⸗ ſtürzt machen und zerſtreuen.“ „Seid ruhig,“ verſetzte Stephanello mit boshaftem Lächeln.„Ehe Ihr ſprachet, hatte ich ſchon beſchloſſen!“ Der junge Colonna hob den Vorhang auf, öff⸗ nete eine Thüre und trat in einen niederen Saal, worin zwanzig Sölvlinge ſaßen. „Schnell!“ ſagte er.„Ergreift und entwaffnet jenen Fremden in dem grünen Mantel— aber tödtet ihn nicht. Sagt der Wache unten, man ſolle Kerker für ſein Gefolge ausfindig machen. Schnell! ehe er das Thor erreicht.“ 302 Adrian war bis zu der offenen Halle unten ge⸗ kommen— ſchon konnte er ſein Gefolge und ſein Pferd in dem Hofe ſehen— als plötzlich die Sol⸗ vaten Colonna's durch einen anderen Gang daher⸗ ſtürzten, als den, durch welchen er gekommen war, ihn umringten und ihm ſo den Rückzug abſchnitten. „Ergib Dich, Adrian di Caſtello,“ rief Stephe⸗ nello oben von der Treppe herab;„oder Dein Blut komme über Dein eigenes Haupt.“ Drei Schritte machte Adrian durch das Gedräng⸗ und Drei von ſeinen Feinden fielen unter ſeinen Schwerte.„Zu Hülfe!“ rief er ſeiner Truppe w und ſchon hatten die kühnen, muthigen Reiter die Halle erreicht. In dieſem Augenblicke ertönte laut die Sturmglocke— der Hof wimmelte von Soldaten. Von der überzahl überwunden, erdrückt mehr, alz bezwungen, war Adrinns kleine Truppe bald verwahrt und die Blüte der Colonna war verwundet, athem⸗ los, entwaffnet, aber immer noch laut Trotz bietem, ein Gefangener in der Feſte ſeines Vetters. Viertes Kapitel. Die Lage des Senators— Das Werk von Jahren— Die Belohnungen des Ehrgeizes. Den Zorn Rienzi's bei der Rückkehr ſeines ver⸗ ſtümmelten und entehrten Heroldes kann man ſich leicht denken. Sein von Natur ſo heſtiges Temperament war durch die Erinnerung an das erlittene Unrecht und das phan L rolde Das ſten 2 Feſtn ſelbſt Die vermt züge ſchön Eid währ tone reals ſchaft Wald zu ſu T ſch an, 1 Seele lich? adelig ich ihr Brett dunkle unten ge⸗ und ſein die Sol⸗ ng daher⸗ nmen war, abſchnitten. ef Stephe⸗ Dein Blut Gedränge, ter ſeinen Truppe z Reiter die rtönte laut Soldaten. mehr, alz d verwahrt et, athen⸗ otz bieten, rs. e— Die ſeines ver⸗ an ſich leicht emperament ene Unrecht und die Prüfungen noch gefühlloſer geworden, und das Ergebniß ſeiner Verſöhnnngsverſuche mit Ste⸗ phanello Colonna gab ihm einen Stich in das Herz. Binnen zehn Minuten nach der Rückkehr des He⸗ roldes rief die Glocke des Kapitols zu den Waffen. Das große Banner von Rom ließ man auf dem höch⸗ ſten Thurme wehen und ſchon am Abende nach Adrians Feſtnehmung war die Streitmacht des Senators, Rienzi ſelbſt an der Spitze, auf der Straße nach Paleſtrina. Die Truppen der Barone hatten indeſſen, wie man vermuthete, mit Einſtimmung der Bewohner, Streif⸗ züge bis Tivoli gemacht, und Rienzi hielt bei dieſem ſchönen Orte an, um Rekruten auszuhehen und den Eid der Treue von den Verdächtigen leiſten zu laſſen, während ſeine Soldaten unter Arimbaldo und Bret⸗ tone auszogen, um die Plünderer aufzuſuchen. Mont⸗ reals Bruder kehrte ſpät in der Nacht mit der Bot⸗ ſchaft zurück, daß die Truppen der Barone ſich in den Wald Pantano zurückgezogen haben, um dort Schutz zu ſuchen. Der rothe Flecken trat auf Rienzi's Stirne. Er ſah Brettone, der ihm die Nachricht üherbrachte, ſcharf an, und ein natürlicher Verdacht durchkreuzte ſeine Seele. „Wie!— entkommen!“ ſagte er.„Iſt es mög⸗ lich? Genug ſolcher unnützen Scharmützel mit den adeligen Räubern. Wird je die Stunde kommen, wo ich ihnen Mann gegen Mann gegenüber ſtehen werde? Brettone,“ und der Bruder Montreals fühlte das dunkle Ange Rienzi's ſich ins Herz dringen;„Bret⸗ 304 tone!“ ſagte er mit einem plötzlichen Wechſel des Tones,„kann man ſich auf Eure Leute verlaſſen? Beſteht kein Einverſtändniß mit den Baronen?“ „Wie!“ ſagte Brettone mürriſch, aber etwas verlegen. „Wie! keine Wie!“ ſagte der Tribun⸗Senator heftig.„Ich weiß, Du biſt ein tapferer Hauptmann tapferer Männer. Du und Dein Bruder Arimbaldo habt mir gut gedient, und ich habe Euch gut belohnt! Oder nicht? Sprich!“ „Senator,“ nahm Arimbaldo das Wort,„Ihr habt uns Euer Verſprechen gehalten. Ihr habt uns zu den höchſten Würden erhoben, deren Verleihung in Euerer Macht ſteht, und dadurch unſere geringe Dienſte reich⸗ lich belohnt.“ „Es freut mich vieſes Euer Zugeſtändniß,“ ſagie der Tribun. Arimbaldi fuhr etwas ſtolzer fort:„Ich hoffe, mein Herr, Ihr hegt hinſichtlich unſerer keinen Zweifel?“ „Arimbaldo,“ erwiderte Rienzi im Tone tiefer, aher halbunterdrückter Aufregung,„Ihr ſeid ein Ge⸗ lehrter und ſchienet meine Plane für die Wiedergeburt unſeres gemeinſchaftlichen Geſchlechtes zu theilen. Ihr ſolltet mich nicht verrathen. Es liegt in uns eine verwandte Saite. Aber tadelt mich nicht, ich bin voß Vertath umgeben, und ſogar die Luft, die ich athme ſcheint Gift für meine Lippen.“ Es lag ein Pathos in Rienzi's Worten, der den ſanfteren Bruder Montreals rührte. Er verneigte ſich ſ und ſ dere 2 lagert Ruhe. A Augen baldv etwas Gegen warun die V „ Hand zügeln es auc von! wenig hſel des ſich ſchweigend. Rienzi betrachtete ihn aufmerkſam aſſen? und ſeufzte Dann gab er der Unterredung eine an⸗ n?* dere Wendung und ſprach von der beabſichtigten Be⸗ retwas lagerung Paleſtrina's und begab ſich bald darauf zur Ruhe. Senator Als die Brüder allein waren, ſahen ſie ſich einige ptmann Augenblicke ſchweigend an.„Brettone,“ ſagte Arim⸗ rimbaldo baldo endlich mit gedämpfter Stimme,„mir ahnt belohnt! etwas. Walters ehrgeizige Plane gefallen mir nicht. Gegen unſere Landsleute ſind wir offen und redlich, Ihr habt warum ſollen wir gegen dieſen hochherzigen Römer s zu den die Verräther ſpielen?“ n Euerer„Stille!“ ſagte Brettone.„Allein die eiſerne ſte reich⸗ Hand unſeres Bruders kann vieſes unruhige Volk zügeln, und wenn Rienzi verrathen wird, ſo werden ſag es auch ſeine Feinde, die Barone. Nichts mehr hie⸗ von! Ich habe Nachricht von Montreal; er wird in ch hoffe, wenigen Tagen in Rom ſein.“ e keinen„Und dann?“ „Wenn Rienzi durch die Barone geſchwächt iſt ne tiefer, Genn er darf nicht ſiegen), und vie Barone ebenſo ein Ge⸗ durch Rienzi, ſo bemächtigen ſich unſere Nordländer dergeburt des Capitols, und die jetzt in Italien zerſtreuten Sol⸗ ſen. Ihr daten werden der Fahne des großen Capitäns zueilen. uns eine Montreal muß zuerſt Podeſta, dann König von Rom h bin von Perden.“ ich athme Arimhaldo bewegte ſich unruhig auf ſeinem Stuhle und die Brüder ſprachen nicht weiter von ihren Planen. „ der den Die Lage Rienzi's war genau diejenige, welche verneigte vas ſchönſte Gemüth verbittern und verhärten mußte. 306 Mit einem ver erhabenſten Plane fähigen Geiſte, mit einem Herzen, das von den edelſten Regungen ſchlug, auf den ſonnigen Gipfel der Macht erhoben und von lautſchreienden Schmeichlern umgeben, kannte er unter den Männern nicht eine Bruſt, der er hätte vertrauen können. Er war wie Einer auf einem ſteilen Pfade, wo der Boden weicht, während jeder Buſch, nach welchem er haſcht, bei der Berührung ſich loszumachen ſcheint. Er fand das Volk beredter als je in ſeinem Lobe, aber während ſie vor Entzücken jubelten, wem er vorüberging, war voch Keiner fähig, ein Opfer für ihn zu bringen! Die Freiheit eines Staates wird nie durch einen einzigen Mann feſigeſtellt; wenn nicht das Volk— wenn nicht der größere Theil— muß wenigſtens eine eifrige, glühende Minorität Hand in Hand mit ihm gehen. Rom verlangte Opfer von Allen, welche an Roms Wiedergeburt arbeiteten— Opfer an Zeit, Bequemlichkeit und Geld. Die Menge folgte dem Zuge des Senators, aber nicht ein Römer weihte ſeiner Fahne unbezahlt ſein Leben; nicht ein Pfennig wurde zu Vertheidigung der Freiheit un⸗ terzeichnet. Ihm gegenüber ſtanden die mächtigſten und grimmigſten Barone Italiens, von denen jeder auf ſeine eigenen Koſten ein kleines Heer geübter Krieger unterhalten konnte. Auf Rienzi's Seite waren Kauf⸗ leute und Handwerker, welche die Früchte der Freiheit genießen, aber keine Arbeit für dieſelbe übernehmen wollten; welche für leeres Beifallgeſchrei Frieden und Reichthum forderten, und welche erwarteten, daß ein Mann in einem Tage zu Stande bringe, was durch die! gew von daß Reg aus noch ſcher ſchů ſehn rend orga die il wie minc Stut zig mäßi zahlr und L öffen Men laſſer dann zu e e Stub „ ſchicht iſte, mit n ſchlug, und von er unter ertranen n Pfade, ſch, nach zumachen in ſeinem n, wenn Opfer Staates lt; wenn Theil— ität Hand pfer n iteten— ie Menge n Römer en; nicht eiheit un⸗ ächtigſten nen jeder er Krieger ren Kauf⸗ r Freiheit ernemen ieden un „ daß ein was durch 307 die Anſtrengung eines Menſchenalters wohlfeil erkauft geweſen wäre. Ihr ganzer dunkler und roher Begriff von einem verbeſſerten Staatsleben beſtand darin, vaß ſie von den Baronen nicht ermordet, von dein Regenten nicht beſteuert werden. Rom, ſage ich, gab aus freien Stücken ſeinem Senator weder Menſchen noch Geld? Wohl wiſſend, welche Gefahr den Herr⸗ ſcher umgibt, der ſeinen Staat durch fremde Schwerter ſchützt, gingen Rienzi's innigſter Wunſch und ſein ſehnſüchtigſter Traum dahin, unter den Römern wäh⸗ rend der erſten Begeiſterung über ſeine Rückkehr eine organifirte, freiwillige Streitmacht ins Leben zu rufen, die ihn und zugleich die Römer ſelbſt ſchützen ſollte— nicht wie früher während ſeiner erſten Regierung eine No⸗ minalgewalt von zwanzigtauſend Mann, die in jeter Stunde(wie dies der Fall war) auf Hundertundfünf⸗ zig zuſammenſchmelzen konnte; ſondern eine regel⸗ mäßige, gut disciplinirte und zuverläſſige Truppe, zahlreich genug, um einem Angriffe zu widerſtehen, und nicht ſo zahlreich, um ſelbſt anzugreiſen. Bisher waren alle ſeine Privatbeſtrebungen, ſeine oͤffentlichen Ermahnungen fruchtlos geblieben; vie Menge horchte— jubelte— ſah ihn die Stadt ver⸗ laſſen, um den Tyrannen entgegenzugehen und kehrte dann Jeder in ſeine Werkſtätte zurück, während ſie zu einander ſagten:„Welch ein großer Mann!“ Der Charakter Rienzi's wurde hauptſächlich von Stubengelehrten beurtheilt, welche menſchliche Weſen *Dieſe einfache Thatſache iſt durchgängig von allen Ge⸗ ſchichtſchreibern herausgehoben. 308 wie Dampfmaſchinen anſahen, welche große Männer nicht nach ihrem Verdienſte, ſondern nach den Erfolgen bemeſſen, und die den Tribun da tadelten oder über ihn die Naſe rumpften, wo ſie das Volk hätten ver⸗ dammen ſollen! Hätte Rom nur die Hälfte von dem Geiſte gehabt, der in jeder einzelnen Ader Cola di Rienzi's lebte, die herrliche Republik, wenn nicht das majeſtätiſche Reich von Rom, beſtünde noch! Seine Blicke vom Volke ahwendend, ſah der Senator ſeine rohen und wilden Truppen an die Zügelloſigkeit eines Tyrannenlagers gewöhnt und unter Befehlshabern, denen vollſtändig zu trauen, wie offenes Mißtrauen zu zeigen gleich verderblich war. Auf allen Seiten von Gefahren umringt, wurde ſein Charakter täglich un⸗ ruhiger, wachſamer und finſterer, und bei allen Be⸗ ſtrebungen des Vaterlandsfreundes fühlte er all den Fluch des Tyrannen. Ohne die rauhe, verhärtende Laufbahn, die durch ein kriegeriſches Leben Cromwell zu einer ähnlichen Macht geführt— mit mehr An⸗ muth und geiſtiger Sanftmuth in ſeinem Gemüthe, glich er in einigen Charakterzügen dieſem noch größeren Manne— in ſeiner religiöſen Begeiſterung, in ſeiner ſtrengen, durch die Umſtände oft zur Härte gezwun⸗ genen, aber nie muthwillig grauſamen, oder blutdür⸗ ſtigen Gerechtigkeit, in ſeinem ſeltſamen Nationalſtolze und ſeiner geheimnißvollen Herrſchaft über die Ge⸗ müther Anderer. Aber er glich dem rieſenhaften Eng⸗ länder weit mehr den äußeren Umſtänden, als dem urſprünglichen Charakter nach, und dieſer Umſtand machte an dem Ende ihrer beiderſeitigen Laufbahn ihre gehei Dolch und Gefal lich a litzes das t die v broch dies 7 D verlaf ſich ir zugezo recht, ihm 1 ihm, wenn reizba Leben lenden Aufres die W einer daß er bltere jünger ſich je mehr Männer Frfolgen der über ten ver⸗ n em Cola di nicht das Seine or ſeine eit eines shabern, ißtrauen iten vn lich un⸗ Uen Be⸗ all den härtende Fromwell tehr An⸗ Hemüthe, größeren in ſeiner gezwun⸗ blutdür⸗ onalſtolze die Ge⸗ ten Eng⸗ als dem Umſtand Laufbahn ihre Charaktere einander ähnlich. Wie Cromwell von geheimen oder offenen Feinden umringt, ſah er den Dolch des Mörders immer vor ſeinen Augen blinken, und ſein muthiges Herz zitterte, ohne vor wirklichen Gefahren zurückzuſchrecken, bei ſolchen Gevanken. Plötz⸗ lich auf einander folgende Röthe und Bläſſe des Ant⸗ litzes— das mit Blut unterlaufene, unruhige Auge, das die ruhige Majeſtät der Miene Lügen ſtrafte— die vor ſich hin murmelnden Lippen— der unter⸗ brochene Schlummer— der verborgene Harniſch— dies war für Beide der Lohn der Macht! Die Schnellkraft der Jugend hatte den Tribun verlaſſen. Sein Körper, der ſo vieles erduldet, hatte ſich in dem Kerker zu Avignon eine läſtige Krankheit zugezogen— ſein hoher Geiſt hielt ihn noch auf⸗ recht, aber die Nerven unterlagen. Thränen traten ihm leicht in die Augen, und oft glaubte man von ihm, wie von Cromwell, er weine aus Heuchelei, wenn es in Wahrheit die Hyſterie der überarbeiteten, reizbaren Aufregung war. In ſeinem ganzen früheren Leben ausnehmend mäßig, nahm er von ſeinen quä⸗ lenden Gedanken ſeine Zuflucht jetzt zu der täuſchenden Aufregung des Weines. Er trank viel, obwohl ſich die Wirkungen an ihm in nichts offenbarten, als in einer freieren und heftigeren Stimmung und darin, daß er ſich jener geiſtreichen, halb fröhlichen, halb bllteren Laune hingab, durch welche er ſich in ſeinen jüngeren Jahren auszeichnete. Die Fröhlichkeit äußerte ſich jetzt lärmender, aber die Bitterkeit hatte auch mehr Galle. Dies waren die Kennzeichen von Rienzi's Cha⸗ rakter, als er die Herrſchaft wieder erlangte— und mit jedem Tage traten ſie deutlicher hervor. Nina liebte er noch mit derſelben Zärtlichkeit, und ſie betete ihn wo möglich noch mehr an als je; nachdem aber der Duft und die Friſche des triumphirenden Ehrgeizes dahin war, hatte ihr Zuſammenſein, was nun der Grund ſein mochte, nicht mehr den alten Zauber. Früher ſprachen ſie immer vyn der Zukunft— von den glänzenden Tagen, die ſie erwarteten. Jetzt wandte ſich Rienzi mit ungeſtümer, unbehaglicher Bangigleit von allen Gedanken an das„heitere Morgen“ ab. Für ihn gab es kein„heiteres Morgen!“ So dunkel und dornenvoll für ihn die gegenwärtige Stunde war, ſchienen doch alle künftigen noch weniger heiter und unheilvoller. Immer hatte er noch manche kurze, aber glänzende Angenblicke, wo er, das eiſerne Geſchlecht, in das er geſtürzt war, vergeſſend, ſich in gelehrte Träumereien von der angebeteten Vergangenheit ver⸗ tiefte und halb ſich einbildete, daß er einem ſeines Geiſtes und ſeiner Aufopferung würdigen Volke ange⸗ höre. Wie die meiſten Menſchen, welche großen Ge⸗ fahren glücklich entgangen ſind, nährte er mit ſtei⸗ gender Zuverſicht den Glauben an die Größe ſeiner eigenen Beſtimmung. Er konnte ſich nicht denken, daß er ſo ohne Zweck hefreit worden ſei! Er war der Anserwählte und deßhalb das Werkzeug des Himmels Und ſo war die Bibel, die in ſeiner Einſamkeit, auf ſeinen Wanderungen und in ſeinem Gefängniſſe ſein Troſt mehr e Ei einen 2 ganz vertrau daß er geſtorb müde 1 ſchen 1 zu ſeine ſich zut ein Th Angele von fre umgebe die Me päpſtlie und W im Sit belehnt der frü gaß, u redung unerſcht gen. S waren konnte. hntte e s Cha⸗ — und Nina e betete em aber hrgeizes nun der Zauber. — t wandte angigleit en ab. o dunkel nde war, ite d ze, aber eſchlecht, gelehrie heit ver⸗ em ſeines ke ane⸗ oßen Ge⸗ mit ſtei⸗ ße ſeiner nken, daß war der Himmels nkeit, auf gniſſe ſein 311 Troſt und ſeine Stütze geweſen, ihm in ſeiner Größe mehr als je Bedürfniß. Ein weiterer Grund zu Sorge und Kummer für einen Mann, der unter ſo gefährlichen Staatszuſtänben ganz beſonders der Unterſtützung und Theilnahme vertrauter Freunde bedurfte— war die Enideckung, daß er unter ſeinen früheren Gehülfen die gewöhn⸗ liche Folge der Abweſenheit empfand. Einige waren geſtorben, Andere, der Stürme des öffentlichen Lebens müde und abgekühlt in ihrer Hitze durch die ſtürmi⸗ ſchen Umwälzungen, welchen Rom bei jedem Verſuche zu ſeiner Verbeſſerung unterworfen geweſen war, hatten ſich zurückgezogen— ein Theil ganz aus der Stadt, ein Theil von aller Einmiſchung in die politiſchen Angelegenheiten. In ſeinen Hallen war der Senator von fremden Geſichtern, von einer neuen Generation umgeben. Von den Häuptern der Volkspartei waren die Meiſten von einer ernſten Abneigung gegen die päpſtliche Herrſchaft beſeelt und blickten mit Argwohn und Widerwillen auf einen Mann, der, wenn er auch im Sinne des Volkes regierte, doch von dem Papſte belehnt und geehrt war. Rienzi war nicht der Mann, der frühere Freunde, wenn auch noch ſo gering, ver⸗ gaß, und bereits hatte er Zeit gefunden, eine Unter⸗ redung mit Cecco del Veechio zu ſuchen. Aber dieſer unerſchütterliche Republikaner hatte ihn kühl empfan⸗ gen. Seine fremden Soldaten und ſein Senatorstitel waren Dinge, welche der Handwerker nicht verdauen konnte. Mit ſeiner gewöhnlichen ungeſchliffenheit hnite er ſich in dirſer Art gegen Rfenzi ansgeſprochen, 312 „Was das Letztere betrifft,“ antwortete der Tribun leutſelig,„ſo ändern Namen die Charaktere nicht. Wenn ich vergeſſe, daß der Bevollmächtigte des Papſtes ſein, ſo viel heißt, als der Hüter ſeiner Heerde ſein, ſo verlaßt mich. Was das Erſte anbelangt, ſo laßt mich nur fünfhundert Römer ſehen, welche ſchwören, daß ſie Tag und Nacht bewaffnet zur Vertheidigung Roms daſflehen, ſo entlaſſe ich die Nordländer.“ Cecev del Veechio war nicht zufrieden; ehrlich, aber ungebildet— unlenkſam und von Natur miß⸗ vergnügt, glaubte er zu fühlen, daß er dem Senatvt künftig entbehrlich ſei, und dies beleidigte ſeinen Stolz, So ſeltſam es erſcheinen mag, hegte der verdrießlich Handwerker auch einen geheimen Groll gegen Rienz deßhalb, weil dieſer an dem Tage ſeines Triumph⸗ einzuges ihn unter der Menge von Tauſenden nicht erblickt und ausgezeichnet hatte. Dies ſind die kleinen Kränkungen, welche die Großen oft ſehr in Gefahr bringen! Die Handwerker hielten noch immer ihre Zuſam⸗ menkünfte, und Cecco del Veechio's Stimme hört man laut in unzufriedenen Weiſſagungen. Was aber Rienzi noch mehr als die Entfremdung der übrigen verwundete, war das ſonderbar veränderte Benehmen ſeines alten Freundes und Vertrauten, Pandulpho di Guidv. Als er dieſen leutſeligen Bürger unter der⸗ jenigen vermißte, welche täglich ihre Huldigungen auf dem Capitol darbrachten, hatte er nach ihm geſchickt und bemühte ſich vergebens, ihre alte Innigkeit wieder zu belebrn. Pandulpho gab ſich den Anſchein großit Ehrer Senat überw ehrgei Pandt nicht Sicher der T Leichti ein ur gen V bietet, welche teien D ſo ſon betet; ſeiner eerde ſein, t, ſo laßt ſchwören, t; ehrlich, katur miß⸗ m Senator inen Stolz. erdrießliche egen Rienz Triumph⸗ enden nicht die kleinen in Gefaht hre Zuſam⸗ imme hörte Was aber e übrigen Benehmen ndulpho di unter den⸗ igungen auf h geſchickt gkeit wieder hein großer 313 Ehrerbietung, aber alle Herablaſſung von Seiten des Senators konnte ſeine Kälte und Zurückhaltung nicht überwinden. In der That hatte Panvulphy gelernt, ehrgeizige Plane auf eigene Rechnung zu hegen, und Pandulpho di Guido fühlte, daß er, wäre Rienzi nicht nach Rom zurückgekehrt, er ſelbſt mit größerer Sicherheit und in der That mit Zuſtimmung der Barone der Tribun des Volkes hätte werden können. Die Leichtigkeit, in der Gunſt des Volkes zu ſteigen, welche ein unordentlicher und verdorbener, einer regelmäßi⸗ gen Verfaſſung entbehrender Staat dem Ehrgeize dar⸗ bietet, nährt die Eiferſucht und Nebenbuhlerſchaft, welche die Einigkeit vernichten und die Bande der Par⸗ teien auflockern. Dies war die Lage Rienzi's, und doch ſchien er, ſo ſonderbar es klingt, noch von der Menge ange⸗ betet; Geſetz und Freiheit, Leben und Tod waren in ſeiner Hand! Unter allen denen, welche ſeine Perſon bedienten, war Angelo Villani der Beliebteſte; dieſer Jüngling, welcher Rienzi in ſeiner langen Verbannung begleitet hatte, war ihm auf den Wunſch Nina's auch von Avignon, und während ſeines Aufenthaltes in dem Lager des Albornoz gefolgt. Sein Eifer, ſein Ver⸗ ſtand, ſeine freimüthige, augenſcheinliche Zuneigung machten den Senator für die Fehler ſeines Charakters blind und ſicherten ihm mehr und mehr Rienzi's Dank⸗ barkeit. Das Gefühl that ihm wohl, daß ein treues Herz in ſeiner Nähe ſchlug, und der zum Range eines Bulwer, Rienzi. M. 2¹ 314 Kämmerers erhobene Page bediente ſiets ſeine Perſon und ſchlief in ſeinem Vorzimmer. Als der Senator an dieſem Abende in Tivoli ſich in das fuͤr ihn bereitete Gemach zurückgezogen, ſetzt er ſich an das offene Fenſter, durch welches man die dunkeln Fichten, welche die Hügel krönten, in dem Sternenlichte ſchwanken ſah, während die Stille der Stunde das Rauſchen der Waſſerfälle trug, das man deutlicher als den regelmäßigen, abgemeſſenen Schritt der Schildwachen unten vernahm. Rienzi ſtützte die Wange auf die Hand, überließ ſich lange düſteren Gedanken, und ſah, als er aufblickte, das helle blaue Ange Villani's, das mit ängſtlicher Theilnahme auf ſeinem Antlitze ruhte. „Iſt mein Gebieter unwohl?“ fragte der junge Kämmerer ſtockend. „Nicht doch, mein Angelo; aber ein wenig krank am Herzen. Für eine Septembernacht ſcheint mir die Luft kalt.“ „Angelo,“ begann Rienzi wieder, deſſen ſich ſchon jene unbehagliche Neugier bemächtigt, welche gewöhn⸗ lich mit einer ungewiſſen Macht verbunden iſt— „Angelo, bringe mir jenes Schreibzeug hieher; haſt Du etwas gehört, was die Leute von dem wahrſchein⸗ lichen Erfolge unſeres Zuges gegen Paleſtrina ſagen?“ „Wünſcht mein Gebieter all ihr Geſchwätz z hören, gleichviel ob angenehm oder nicht?“ erwiderte Villani. „Wenn ich nur hören wollte, was mir gefiele, Angelo, ſo wäre ich nie wieder nach Rom gekommen.“ leicht, eigene fürcht roſtig und i / „unſe dieſe „ Comß ine Perſon Tivoli ſich pgen, ſetzte s man die n, in dem Stille der „das man nen Schritt ſtützte die ge düſteren helle blau lnahme auf der junge wenig krank int mir die en ſich ſchon che gewöhn⸗ den iſt— er; haſt Du wahrſchein⸗ ina ſagen?“ eſchwätz zu erwiderte mir gefiele, gekommen.* 315⁵5 „Nun denn, ich hörte einen Conſtabel von den Nordmännern bedeutungsvoll ſagen, der Platz werde nicht genommen werden.“ „Hm! Und was ſagen die Hauptleute meiner rö⸗ miſchen Legion?“ „Mein Gebieter, ich habe ſie flüſtern hören, daß ſie weniger eine Niederlage, als die Rache der Ba⸗ rone für den Fall des Gelingens fürchten.“ „Und mit ſolchen Werkzeugen glaubt das lebende Geſchlecht Europa's und die falſch urtheilende Nach⸗ welt, daß der Arbeiter das Ideal und das Vollkom⸗ mene zu Stande bringen könne! Gib mir jene Bibel her.“ Als Angelo ehrerbietig das heilige Buch Rienzi brachte, ſagte er: „Gerade ehe ich meine Gefährten unten verließ, ging das Gerücht, daß der Signor Adrian Colonna von ſeinem Vetter gefanhen geſetzt worden ſei.“ „Ich habe es auch gehört, und glaube es ſehr leicht,“ verſetzte Rienzi; dieſe Barone werden ihre eigenen Kinder in Eiſen ſchmieden, wenn je zu be⸗ fürchten wäre, daß ihre Feſſeln aus Mangel an Beute roſtig werden. Aber die Elenden ſollen gedemüthigt und ihre feſten Plätze ſollen zerſtört werden.“ „Ich wollte, mein Gebieter,“ ſagte Villani, „unſere Nordländer hätten andere Hauptleute, als dieſe Provenzalen.“ „Warum?“ fragte Rienzi raſch. „Haben die Creaturen des Hauptmanns der großen Compagnie je einem Manne Trene gehalten, den der 316 Ehrgeiz Montreal's zu verrathen für gut fand? War er nicht vor wenigen Monaten der rechte Arm Jo⸗ hann di Vieo's, und verkaufte er dann nicht ſeine Dienſte an den Feind Johann di Vico's, den Car⸗ dinal Albornoz? Dieſe Krieger verhandeln die Me⸗ ſchen wie das Vieh.“ „Du ſchilderſt Montreal richtig; ein gefährlicher, ſchrecklicher Mann. Aber mich dünkt, ſeine Brüder ſind von ſchläfrigerer, mehr untergeordneter Gemüths⸗ art; ſie wagen die Verbrechen des Räuberhauptmanns nicht. Wie dem nun ſei, Angelv, Du haſt eine Saite berührt, welche heute Nacht meinen Schlummer ſtören wird. Guter Junge, Deine jungen Augen bedürfen Schlaf; begib Dich zur Ruhe, und wenn Du die Leute Rienzi beneiden hörſt, ſo denke, daß——“ „Gott den Genius nicht geſchaffen hat, daß man ihn beneide!“ unterbrach ihn Villani mit einem Un⸗ geſtüm, das ſeine Ehrerbietung überſtieg.„Wir be⸗ neiden nicht die Sonne, ſondern eher die Thäler, die unter ihren Strahlen reifen.“ „Wahrhaftig, wenn ich die Sonne bin,“ ſagte Rienzi mit einem bittern, melancholiſchen Lächeln, „ſo ſehne ich mich nach der Nacht,— und kommen wird ſie für den irdiſchen, wie für den himmliſchen Pilger!— Dank ſei dem Himmel wenigſtens, daß unſer Ehrgeiz uns nicht unſterblich machen kann!“ A herab merkt Wolke Ariml ſeinen / Rienz herab and? War Arm Jo⸗ nicht ſeine den Car⸗ efährlicher, ine Brüder rGemütht⸗ hauptmanns eine Saite nmer ſtören en bedürfen nn Du die —— t, daß man einem Un⸗ „Wir be⸗ Thäler, die bin,“ ſagte en Lächeln, ind kommen himmliſchen ſtens, daß en kann!“ die Men⸗ 317 Fünftes Kapitel. Der überliſtete Betrüger. Als Rienzi am folgenden Morgen in das Zimmer herabkam, wo ſeine Hauptleute ihn erwarteten, be⸗ merkte ſein ſcharfes Auge, daß immer noch eine Wolke über der Stirne des Meſſere Brettone ſchwebe. Arimbaldo, durch eine Fenſtertiefung geſchützt, entging ſeinem Blicke. „Ein ſchöner Morgen, meine Herren,“ ſagte Rienzi,„die Sonne lacht auf unſer Unternehmen herab. Ich erhielt ſchon frühe Botſchaft aus Rom — vor Mittag werden neue Truppen zu uns ſtoßen.“ „Es freut mich, Senator,“ antwortete Brettone, „daß Ihr Nachrichten habt, welche die ſchlimmen, die ich Euch zu melden habe, aufwiegen werden. Die Soldaten murren laut— man ſchuldet ihnen ihren Sold; und ich fürchte, ſie werden ohne Geld nicht auf Paleſtrina marſchiren. „Wie ſie wollen,“ verſetzte Rienzi gleichgültig; „Erſt vor wenigen Tagen kamen ſie nach Rom; Sold erhielten ſie im Voraus— wenn ſie mehr verlangen, mögen die Colonna und Orſini mich überbieten. Zieht ab mit Euern Kriegern, Herr Ritter, und lebet wohl.“ Brettone verlor ſeine Faſſung— es war ſeine Abſicht, Rienzi mehr und mehr in ſeine Gewalt zu bekommen, und er wollte ihn die Kraft nicht gewin⸗ nen laſſen, die ihm aus dem Falle von Paleſtrina 318 zuwachſen mußte; die Gleichgültigkeit des Senatorz verblüffte ihn und verſtrickte ihn in ſeinem eigenen Netze. „Das darf nicht ſein,“ ſagte Montreal's Bruder nach einem verlegenen Schweigen;„wir können Euch nicht ſo Euern Feinden preisgeben— die Soldaten, das iſt wahr, verlangen Sold——“ „Und ſollen ihn haben,“ ſagte Rienzi.„Jh kenne dieſe Söldlinge— ſo iſt es immer bei ihnen, Meuterei oder Geld. Ich will mich meinen Römern anvertrauen, und mit ihnen ſiegen— oder fallen, wie es der Himmel beſchließt. Macht Euern Con⸗ ſtabel mit meinem Entſchluſſe bekannt.“ Kaum waren dieſe Worte geſprochen, ſo erſchien, wie wenn es vorher ſo mit Brettone verabredet ge⸗ weſen wäre, der Oberconſtabel der Söldlinge en der Thüre.„Senator,“ ſagte er, mit anſcheinend geringer Ehrerbietung,„Eure Befehle zum Marſche habe ich erhalten; ich wollte meine Leute führen— aber——“ „Ich weiß, was Ihr ſagen wollt, Freund,“ unterbrach ihn Rienzi, die Hand ſchüttelnd;„Meſſete Brettone wird Euch meine Antwort bringen. Ein ander Mal, Herr Hauptmann, mehr Höflichkeit gegen den Senator von Rom— Ihr könnt Euch entfernen.“ Die unerwartete Würde Rienzi's beſchämte den Conſtabel und brachte ihn aus der Faſſung; er ſah Brettone an, der ihm wegzugehen bedeutete. Er ſchloß die Thüre und entfernte ſich. „ uns v Im e ſonder nicht! bei E für u „ worte „( Verſp ſehr mein dies, keine s Senatorz em eigenen al's Bruder önnen Euch e Soldaten, enzi.„30 bei ihnen, nen Römern oder fallen, Fuern Com⸗ ſo erſchiet, rabredet ge⸗ öldlinge an anſcheinend um Marſche führen— „Freund,“ „Meſſere igen. Ein Höflichkeit könnt Euch ſchämte den ug; er ſah eutete. Er 3¹9 „Was iſt zu thun?“ ſagte Brettone. „Herr Ritter, verſetzte Rienzi ernſt,„wir müſſen uns verſtändigen. Wollt Ihr mir dienen, oder nicht? Im erſteren Falle, ſeid Ihr mir nicht gleichgeſtellt, ſondern untergeordnet— und Ihr müßt gehorchen, nicht befehlen; im andern dagegen ſoll meine Schuld bei Euch getilgt werden und vie Welt iſt weit genug für uns Beide.“ „Wir haben Euch Gehorſam verſprochen,“ ant⸗ wortete Brettone,„und werden ihn leiſten.“ „Eine Warnung, ehe ich zum zweiten Male bas Verſprechen Eurer Treue annehme,“ ſagte Rienzi ſehr langſam.„Für einen offenen Feind habe ich mein Schwert— für einen Verräther, merkt auf vies, hat Rom das Beil; vor dem erſten habe ich keine Furcht; für den letzteren— keine Gnade.“ „Dies ſind keine Worte, die unter Freunden fallen ſollten,“ ſagte Brettone erbleichend, während er ſeine Gemüthsbewegung unterdrückte. „Freunden!— ſo ſeid Ihr alſo meine Freunde? — Eure Hände! Freunde, das ſeid Ihr!— und ſollt es beweiſen! Theurer Arimbaldo, Du biſt, wie ich, ein Büchergelehrter,— ein gelehrter Soldat. Erinnerſt Du Dich, wie die römiſche Geſchichte uns erzählt, daß der Schatz kein Geld mehr für die Krieger hatte. Der Conſul verſammelte die Edeln.„„Wir,““ ſprach er,„„die wir die Amter und Würden haben, müſſen die Erſten ſein, welche ſie bezahlen.““ Ihr verſteht mich, meine Freunde; die Edeln benützten den Wink, ſie brachten vas Geld auf— das Heer wurde 320 bezahlt. Dieſes Beiſpiel iſt für Euch nicht verloren. Ich habe Euch zu Führern meiner Streitkräfte ge⸗ macht, Rom hat ſeine Würden auf Euch ausgeſchüttet. Euer Edelmuth wird mit einem Beiſpiele vorangehen, au dem die Römer von Fremden lernen können. Ihr ſeht mich an, meine Freunde! Ich leſe in Euren edlen Seelen— und danke Euch im Vor⸗ aus. Ihr habt die Würden und Umter; Ihr halt auch die Mittel!— bezehlt die Söldlinge, bezahl . Wäre ein Donnerkeil zu Brettone's Füßen gefallen, er hätte nicht heftiger erſchrecken können, als übn vieſen einfachen Wink Rienzi's. Er erhob ſein Augen zu dem Antlitze des Senators und ſah dort jenes Lächeln, das er, ſo kühn er war, doch ſchon fürchten gelernt hatte. Er fühlte, daß er ſelbt gänzlich in die Grube gefallen war, die er einen Anderen gegraben hatte. Es lag Etwas auf der Stirne des Senator⸗Tribuns, das ihm ſagte, Wei⸗ gerung ſei eben ſo viel als offene Kriegserklärung, und für dieſe war der Augenblick noch nicht reif. „Ihr verſteht Euch dazu,“ ſagte Rienzi;„Ihr habt wohl gethan.“ Der Senator klatſchte in die Hände— ſeine Wache erſchien. „Ruft die Oberconſtabel der Soldaten.“ Die Brüder blieben immer noch ſtumm. Die Conſtabel traten ein. „Meine Freunde,“ ſagte Rienzi,„Meſſere Bret⸗ „ Man ſehe den gleichzeitigen Biographen, Buch II. Kap 19. tone unter Dieſe 6 ſtaun einen feiert gebet Sum das Platz bis Bret laß ſchei bezal Ohr ſchei ſo v tone auf Str und ht verloren. eitkräfte g⸗ usgeſchüttet. vorangehen, ten können. Ich leſe in h im Vor⸗ ; Ihr haht nge, bezahlt en gefallen, , as übe erhob ſein ind ſah dort „doch ſchon aß er ſelbſt ie er einem s a det ſagte, Wei⸗ egserklärung, nicht reif. ienzi;„Iht de— ſeine en.“ nm. Neſſere Brei⸗ ich II. Kap 10. tone und Meſſere Arimbaldo ſind von mir angewieſen, unter Eure Leute tauſend Gulden zu vertheilen. Dieſen Abend lagern wir unter Paleſtrina.“ Die Conſtabel entfernten ſich in ſichtlichem Er⸗ ſtaunen. Rienzi ſah, innerlich lachend, die Brüder einen Augenblick an— denn ſein ſarkaſtiſcher Humor feierte einen Triumph:„Ihr beklagt doch Eure Er⸗ gebenheit nicht, meine Freunde?“ „Nein,“ ſagte Brettone ſich erhebend;„dieſe Summe vermehrt unſere Schuld nur unbedeutend.“ „Oſſen geſprochen— nochmals Eure Hände!— das gute Volk von Tivoli erwartet mich auf dem Platze— ſie bedürfen einiger Ermahnungen. Adieu bis Mittag.“ Als ſich die Thüre hinter Rienzi ſchloß, fuhr Brettone wüthend nach dem Griffe ſeines Schwertes. —„Der Römer verlacht uns,“ ſagte er.„Aber laß nur Walter von Montreal einmal in Rom er⸗ ſcheinen, ſo ſoll der ſtolze Spaßmacher theuer hiefür bezahlen.“ „Stille!“ ſagte Arimbaldo,„die Wände haben Ohren, und dieſer kleine Teufel, der junge Villani, ſcheint uns immer auf den Ferſen zu ſein!“ „Tauſend Gulden! Ich hoffe ſein Herz hat eben ſo viele Blutstropfen,“ brummte der wüthende Bret⸗ tone, ohne auf ſeinen Bruder zu achten. Die Soldaten wurden bezahlt— vas Heer brach auf— die Beredſamkeit des Senators hatte ſeine Streitmacht durch Freiwillige von Tivolt vermehrt, und wilde, halbbewaffnete Bauern aus der Campagna 322 und den benachbarten Bergen ſchloſſen ſich ſeiner Fahne an. Paleſtrina wurde belagert; Rienzi beobachtete fort⸗ während die Brüder Montreals ſorgfältig. Unter dem Vorwande, den italieniſchen Freiwilligen den Vortheil ihrer Kriegskunſt mitzutheilen, trennte er ſie von ihren Söldlingen und übertrug ihnen den Befehl über die weniger diseiplinirten Italiener, mit denen ſich einzulaſſen, ſie, wie er beſtimmt glaubte, ſich nicht wagen würden. Er ſelbſt übernahm die Füh⸗ rung der Nordmänner— und gegen ihren Willen wurden ſte durch ſeine ſchlaue, aber würdevolle Leut⸗ ſeligkeit und den perſönlichen Muth, den er bei eini⸗ gen Ausfällen der belagerten Barone an den Taz legte, bezaubert. Aber wie die Jäger die feinſte Fährte ihrer Beute,— ſo verfolgte das ſchonungs⸗ loſe, eilige Schickſal Cola di Rienzi! Sechstes Kapitel. Die Ereigniſſe drängen ſich gegen das Ende. Während ſich die Belagerer in dem ſo eben ge⸗ ſchilderten Zuſtande befanden, waren Luca di Savelli und Stephanello Colonna mit einem Fremden ein⸗ geſchloſſen, der in der Nacht, ehe die Römer ihre Zelte unter Paleſtrina's Mauern aufgeſchlagen, heim⸗ lich dahin gekommen war. Dieſer Beſucher, der das vierzigſte Jahr überſchritten haben mochte, beſaß noch beina Geſta Juge mehr bei ſ ben. heit i Feinh mens ein w nige gehiet wilde der ü vertat und ſ Locken gefure durch Mäm blüher Einwi förmi erſchie Fleiſc Doch Zeit: jetzt t irrend mehr ſich ſeiner ichtete fort⸗ ig. Unter illigen den trennte et ihnen den liener, mit nt glaubte, m die Füh⸗ ren Willen evolle Leut⸗ er bei eini⸗ tden Taß die feinſte ſchonungs⸗ nde. o eben ge⸗ di Savelli emden ein⸗ Römer ihre gen, heim⸗ er, der das beſaß noch beinahe unverändert die ungewöhnliche Schönheit in Geſtalt und Geſichtszügen, wegen deren er in ſeiner Jugend berühmt geweſen war. Aber es war nicht mehr jener Charakter von Schönheit, wie wir ihn bei ſeinem erſten Auftreten dem Leſer geſchildert ha⸗ ben. Es war nicht mehr die beinahe weibliche Zart⸗ heit in Zügen und Geſichtsfarbe, vder die vornehme Feinheit und die anmuthige Lieblichkeit des Beneh⸗ mens, die Walter von Montreal ausgezeichet hatten; ein wechſelvolles Kriegsleben hatten endlich das Sei⸗ nige gethan. Sein Benehmen war jetzt kurz und gehieteriſch, wie das eines Mannes, der gewohnt iſt, wilde Geiſter zu lenken, und er hatte die Anmuth der überredungsgabe mit der Strenge des Befehles vertauſcht. Seine athletiſche Geſtalt war magerer und ſehniger geworden und ſtatt von ſchönen, dichten Locken beſchattet, war ſeine Stirne, obwohl nur leicht gefurcht, doch an den Schläfen vollkommen kahl; durch ihre ungewöhnliche Höhe wurde die Würde und Männlichkeit ſeiner Geſtalt noch vermehrt. Seine blühende Geſichtsfarbe war weniger in Folge äußerer Einwirkung, als inneren Nachdenkens einer gleich⸗ förmigen bräunlichen Bläſſe gewichen, und ſeine Züge erſchienen markirter und ausgezeichneter, ſeit das Fleiſch der früher vollen Wangen etwas eingefallen war. Doch paßte dieſe Veränderung zu dem Wechſel Ler Zeit und der Umſtände; und wenn der Provenzale jetzt der Vorſtellung von einem tapferen, ſchönen, irrenden Ritter weniger entſprach, ſo glich er um ſo mehr Dem, was der irrende Ritter geworden war 324 — dem ſcharfſinnigen Rathgeber und dem mächtigen Heerführer. „Ihr müßt wiſſen,“ ſagte Montreal in einem Geſpräche fortfahrend, das auf ſeine Geſellſchafter einen großen Eindruck gemacht zu haben ſchien,„daß in dieſem Kampfe zwiſchen Euch und dem Senator ich allein das Gleichgewicht halte. Rienzi iſt gänz⸗ lich in meiner Macht— meine Brüder ſind die An⸗ führer ſeines Heeres; ich ſelbſt bin ſein Gläubiger. Bei uns ſteht es, ihn auf dem Throne ſicher zu ſtellen, oder ihn auf das Schaffot zu ſchicken. Ich darf nur den Befehl geben, und die große Com⸗ pagnie zieht in Rom ein; aber auch vhne ihr Mit⸗ wirken kann, wenn Ihr mir Treue haltet, unſer Zwet erreicht werden.“ „Aber mittlerweile wird Paleſtrina von Euen Brüdern belagert!“ ſagte Stephanello ſpitzig. „Sie haben meine Befehle, ihre Zeit vor defſen Mauern zu vergenden. Seht Ihr nicht, daß gerade durch dieſe, wenn ich will, fruchtloſe Belagerung Rienzi ſeinen Ruhm im Auslande, ſeine Beliebtheit bei dem Volke in Rom verliert?“ „Herr Ritter,“ ſagte Luca di Savelli,„Ihr ſprecht wie ein in der tiefen Politik der Zeiten wohl bewanderter Mann, denn bei all den uns bedrohen⸗ den Umſtänden erſcheint uns Euer Vorſchlag nur paſ⸗ ſend und vernünftig. Auf der einen Seite verbürgt Ihr Euch, uns und die übrigen Barone in Ron wieder einzuſetzen und Rienzi auf die Löwentreppe ſi liefern——“ „N „Ich digen Eueret Anſehe ſich ge den QL möchte außer das St ſollte mögen „3 Luca bin zi unſere ſetze ie Senat verſpr 6 „— „L dazu, Podeſt „C E „— ein,“ bin die vaß e handhe iſt, w mächtigen in einem ſellſchafter ien,„aß 3 n Senatot iſt gänz⸗ nd die An⸗ Gläubiger. ſicher z icken. Ich oße Com⸗ e ihr Mit⸗ mſer Zwec von Euern itzig. vor deſſen daß gerade Belagerunz Beliebtheit elli,„Iht Zeiten wohl s bedrohen⸗ ag nur paſß⸗ ite verbürgt ne in Ron entree 325 „Nicht ſo, nicht ſo,“ verſetzte Montreal raſch. „Ich ſtimme damit überein, ſeine Macht ſo zu bän⸗ digen und zu lähmen, daß er zu einer Puppe in Eueren Händen, zu einer bloßen Schattengeſtalt von Anſehen herabſinkt— oder, wenn ſein ſtolzer Geiſt ſich gegen den Käfig ſträubt, ihm die Freiheit unter den Wilden Deutſchlands wieder zu gönnen. Ich möchte ihn feſſeln oder verbannen, nicht verderben; außer(ſetzte Montreal nach einer kurzen Pauſe hinzu) das Schickſal nöthigt uns durchaus dazu. Die Macht ſollte keine Opfer verlangen, aber um ſie zu ſichern, mögen ſolche nothwendig werden.“ „Ich verſtehe Eure feine Unterſcheidung,“ ſagte Luca di Savelli mit ſeinem eiſigen Lächeln,„und bin zufrieden. Sind die Barone wieder eingeſetzt, unſere Paläſte wieder mit Mannſchaft angefüllt, ſo ſetze ich mich gerne der aus einem langen Leben des Senators entſpringenden Gefahr aus. Dieſen Dienſt verſprecht Ihr zu leiſten?“ „Ich verſpreche es.“ „Und dagegen verlangt Ihr unſere Zuſtimmung dazu, daß Ihr durch fünf Jahre die Würde eines Podeſta bekleidet?“ „Ganz richtig.“ „Ich für meine Perſon gehe dieſe Bedingungen ein,“ ſagte der Savelli,„hier iſt meine Hand; ich bin dieſes Habers, ſogar unter uns, müde und glaube, vaß ein fremder Regent am beſten die Ordnung handhaben kann, um ſo mehr, wenn er ein Ritter iſt, wie Ihr, deſſen Geburt und Ruhm ihn befähi⸗ 326 gen, den Unterſchied zwiſchen Baronen und Plebejern zu begreifen.“ „Was mich betrifft,“ ſagte Stephanello,„ſo fühle ich wohl, daß wir nur zwiſchen zwei Uebeln wählen können— ich liebe einen fremden Podeſta nicht, aher noch weniger einen Plebejer als Senator;— hier iß auch meine Hand, Herr Ritter.“ „Edle Herren,“ ſagte Montreal nach einer kurzen Pauſe, während er ſeinen durchdringenden Blick ſehr bedeutſam bald auf dieſen, bald auf jenen richtete, „unſer Vertrag iſt beſiegelt; ein Wort noch als Cv⸗ dieill. Walter von Montreal iſt kein Graf Pepin von Minorbino! Einmal früher, als ich, ich geſtehe es, nicht entfernt daran dachte, daß der Sieg ſo leicht ſein würde, vertraute ich Euere und meine Sache einem Bevollmächtigten an; die Eurige hat er gefördert, die meinige verloren. Er vertrieb den Tribun und ließ ſich dann von den Baronen vertreiben. Diesmal werde ich meine Angelegenheiten ſelbſt führen, und, merkt hier⸗ auf, ich habe in der großen Compagnie eine Lehre mir zu eigen gemacht, nämlich: nie einen Spion oder Verräther zu begnadigen, welches Standes er auch ſei. Verzeiht dieſe Andeutung. Sprechen wir von etwas Anderem. So, Ihr haltet in Eurer Feſte meinen alten Freund, den Varon di Caſtello, gefangen?“ „Ja,“ antwortete Luca di Savelli; denn Ste⸗ phanello, verwundet durch Montreals Drohung, di⸗ er nicht öffentlich zu rügen wagte, beobachtete ein finſteres Schweigen;„ja, ein Edelmann weniger in Rathe des Senators.“ 8 ſeinen blicke 1 ihn gu ſein. müde; Allen e „Y wir Er Savelli „B bin ke Pagen und ra jedes einem unter f Sa Podeſte hierauf mit lar „A raſch; „V iſt der unſeren nicht v Heere; ſere St was m Plebejern „ſo fühle in wählen icht, aber — hier iſt ner kurzen Blick ſehr n richtete, h als Co⸗ Pepin von geſtehe es, leicht ſein che einem örvert, die nd ließ ſich lwerde ich merkt hier⸗ ine Lehre Spion oder er auch ſei. von etwas einen alten 27“ denn Ste⸗ ohung, die achtete ein veniger im „Ihr handelt klug. Ich kenne ſeine Anſichten und ſeinen Charakter; beide ſind im gegenwärtigen Augen⸗ blicke unſeren Intereſſen gefährlich. Aber behandelt ihn gut, ich bitte; er kann uns ſpäter von Nutzen ſein. Und jetzt, meine Herren, find meine Augen müde; erlaubt, daß ich mich zur Ruhe begebe. Uns Allen angenehme Träume von der neuen Revolution!“ „Mit Eurer Erlaubniß, edler Montreal, werden wir Euch zu Eurem Lager begleiten,“ ſagte Luca di Savelli. „Bei meiner Treu', das ſollt Ihr nicht. Ich bin kein Tribun, daß ich große Herren zu meinen Pagen annähme, ſondern ein einfacher Edelmann und rauher Krieger; Eure Diener mögen mich in jedes Zimmer führen, das Eure Gaftfreundlichkeit einem Manne anweist, der in der rauheſten Hecke unter freiem Himmel geſund ſchlafen könnte.“ Savelli beſtand indeſſen darauf, den künftigen Podeſta nach ſeinem Gemache zu führen. Er kehrte hierauf zu Stephanello zurück, der in dem Saale mit langen, unruhigen Schritten auf und abging. „Was haben wir gethan, Savelli?“ ſagte er raſch;„unſere Stadt an einem Barbaren verkauft!“ „Verkauft!“ ſagte Savelli,„nach meiner Anſicht iſt der uns betreffende Theil des Vertrages ganz in unſerem Intereſſe. Wir haben gekauft, Colonna, nicht verkauft— gekauft unſer Leben von jenem Heere; gekauft unſere Macht, unſer Vermögen, un⸗ ſere Schlöſſer von dem Demagogen Senator, gekauft, was mehr als Alles werth iſt, Triumph unb Rache. „ 328 Wie, Colonna, ſeht Ihr nicht, daß, wenn wir die Anerbietungen dieſes großen Kriegers ausgeſchlagen hätten, wir verloren geweſen wären. Verbunden mit dem Senator wäre die große Compagnie nach Rom marſchirt, und ob nun Montreal Rienzi beigeſtanden wäre, oder ihn ermordet hätte(denn ich halte ihn für einen Romulus, der keinen Remus duldet), üm uns wäre es auf jeden Fall geſchehen geweſen. Jetzi haben wir ſelbſt unſere Bedingungen feſtgeſetzt, und unſer Vortheil iſt gleich. Ja, die erſten Schritte, welche gethan werden, ſind zu unſeren Gunſten. Rienzi win eine Falle gelegt und wir ziehen nach Rom.“ „Und dann wird der Provenzale Deſpot der Stadt.“ „Podeſta, wenn es Euch beliebt. Podeſta's, welche das Volk mißhandeln, werden oft verbannt, und bit⸗ weilen geſteinigt— Podeſta's, welche die Adeligen beleidigen, werden vft erdolcht und bisweilen vergiftet,“ ſagte Savelli.„Es iſt genug, daß jeder Tag ſein Plage habe. Inzwiſchen ſagt dem Bären Orfini nichts vavon. Solche Männer vereiteln alle Klugheit. Kommt, ſeid munter, Stephanello.“ „Luca di Savelli, Ihr habt in Rom nicht ſo viel zu verlieren, wie ich,“ ſagte der junge Baron über⸗ müthig;„kein Podeſta kann Euch den Rang des erſten Signors von der Hauptſtadt Italiens ſtreitig machen!“ „Wenn Ihr dies dem Orfini geſagt hättet, ſo wären wieder Schwerter gezogen worden,“ ſagte Si⸗ velli.„Aber ſeid fröhlich, ſage ich; muß es nicht unſer⸗ erſte Sorge ſein, Rienzi zu vernichten, und gibt e denn zwiſchen dem Tode des einen Feindes und der Erhebr Ezzelin munter wir nu Luea di dieſe g Montr Fenſter ausdehr lichte ſ und gl brannte „V Krieger neuen E ſich au wandwi blicke, vor Alt entſtand für die von den gründet und dat ſein. V Vergehe dachte e erweckte „ Je Bult in wir die sgeſchlagen bunden mit nach Rom eigeſtanden hate ihn uldet), üm eſen. Jetzt eſetzt, und itte, welche Rienzi win om.“ der Stadt.“ ta's, welche t, und bis⸗ ie Adeligen vergiftet,“ Tag ſeine orfini nichts it. Kommh) icht ſo viel zaron über⸗ ig des erſten ig machen!“ hättet, ſo ſagte S⸗ nicht unſere und gibt es es und eder Erhebung des anderen nicht Verwahrungsmittel, wie Ezzelino da Romano ſie Kriegsleute gelehrt hat? Seid munter, ſage ich, und nächſtes Jahr werden, wenn wir nur zuſammenhalten, Stephanello Colonna und Luea di Savelli mit einander Senatvren von Rom, und dieſe großen Männer die Speiſe für Würmer ſein!“ Während die Barone ſich ſo beſprachen, ſtand Montreal, ehe er ſich zur Ruhe begab, an dem offener Fenſter ſeines Zimmers und überblickte die unten ſich ausdehnende Landſchaft, die in dem herbſtlichen Mond⸗ lichte ſchlief, während in einiger Entfernung, blaß und gleichförmig, die Lichter rings um die Strecke brannten, wo die Belagerer hausten. „Weite Ebenen und breite Thäler,“ dachte der Krieger,„bald werdet ihr in Frieden unter einem neuen Seepter ruhen, gegen das kein kleiner Thrann ſich aufzulehnen wagen wird. Und ihr, weiße Lein⸗ wandwände, ihr erinnert mich, während ich euch an⸗ blicke, wie man Königreiche gewinnt. Ebenſo, wie vor Alters aus Nomadenzelten das ſtattliche Babylon“* entſtand, das„nicht war, bis der Aſſyrer es gründele für diejenigen, ſo in der Wüſte wohnen,“ ſo ſoll von den neuen Ismaeliten Eurvpa's ein Geſchlecht ge⸗ gründet werden, an das man jetzt noch nicht denkt, und das Lager von geſtern wird morgen eine Stadt ſein. Wahrlich, als der Papſt für ein unbedeutendes Vergehen mich aus dem Schoos der Kirche ſchleuderte, dachte er wohl nicht daran, welchen Feind er Rom erweckte! Wie ſeierlich iſt die Nacht!— wie ruhig * Jeſaias, Kap. 23. Bulwer, Rienzi II. 330 Himmel und Erde!— ſogar die Sterne ſind wie beſänftigt und ſcheinen aufmerkſam auf die Ereigniſſe, welche unten vorgehen werden! Dieſe Feierlichkeit und dieſe Stille theilt ſich meinem Geiſte mit, und ein mir bisher unbekannter Schauer warnt mich, daß ich mich der Entſcheidung meines gefahrvollen Schickſales nähere!“ Die Zuſe An nachder führun windlic zurück, überlas enthiel wenige feſſeln deſſen e hatte, günſtig dinal, eiern h teie Al e ſind wie Ereigniſſe, rlichkeit und t, und ein ch, daß ich 8. Scicſule Zehntes Buch. Der Baſaltlöwe. Ora voglio contare la morte del Tribuno. Vit. di Cola di Riensi, lib. II. cap. 24. 3 Zetzt will ich erzählen den Tod des Tribunen. Erſtes Kapitel. Die Zuſammenkunft feindſeliger Planeten in dem Hauſe des Todes. Am vierten Tage der Belagerung kehrte der Senator, nachdem er die Soldaten der Barone unter der An⸗ führung des Fürſten Orſini in ihre beinahe unüber⸗ windlichen Mauern zurückgeſchlagen hatte, in ſein Zelt zurück, wo Depeſchen von Rom ſeiner warteten. Er überlas ſie haſtig, bis er an die letzte kam, und doch enthielt jede einzelne Nachrichten, die das Auge eines weniger an Gefahren gewöhnten Mannes länger hätten feſſeln können. Aus der einen erſah er, daß Albornoz. deſſen Segen ihn in der Würde des Senators beſtätigt hatte, die Geſandten der Orſini und Colonna äußerſt günſtig aufgenommen hatte. Er wußte, daß der Car⸗ vinal, deſſen Anſichten ihn zu den römiſchen Patri⸗ eiern hinzogen, ſeinen Sturz wünſchte; aber er fürch⸗ teie Albornoz nicht; vielleicht wünſchte er in der Tiefe 332 ſeines Herzens, daß ein offener Angriff von Seiten des päpſtlichen Legaten ihn dem Volke gänzlich in dir Arme werfen möge. „ Er erfuhr ferner, daß Pandulpho di Guido wäh⸗ rend ſeiner ſo kurzen Abweſenheit zweimal bei den Volke nicht zu Gunſten des Senators geſprochen, ſon⸗ rern ſchlau auf den Verluſt angeſpielt habe, der dem Handel Roms aus der Abweſenheit ſeines reichſten Adels erwachſe. „Aus dieſem Grunde alſo hat er mich verlaſſen,“ ſprach Rieuzi zu ſich ſelbſt.„Er nehme ſich in Acht!“ Die Nachrichten, welche der nächſte Brief enthielt, gingen ihm zu Herzen. Walter von Montreal wa offen in Rom erſchienen. Der gierige, geſetzloſe Bau⸗ dite, deſſen Raubſucht alle Banken in Europa mit Räuberbeute füllte— deſſen Compagnie das Heer eines Königes war— deſſen ungeheuren, grundſatz⸗ loſen und tiefen Ehrgeiz er ſo genau kannte— deſſen Brüder, hinſichtlich deren er ſchon mehr als nur Verdacht hegte, in ſeinem Lager waren— Walter von Montreal war in Rom! Der Senator wurde ganz beſtürzt über dieſe neue Gefahr und ſagte dann mit über einander gebiſſenen Zähnen:„Wilder Tiger, Du biſt in der Höhle ves Löwen!“ Er hielt inne und brach dann wieder los: „Ein falſcher Tritt, Walter von Montreal, und all die bewaffneten Hände der großen Compagnie retten Dich nicht von dem Abgrunde! Aber was kann ich thun? Nach Rom zurückkehren— ſo lange Mon⸗ treals Plane nicht bekannt find— keine Anklage gegen ihn vo Ehren heißt de im Sti jede S Verrat real— kühnen danke die mi Eltern ich bin und de Angelo „J gethan nöthig Ich be bedarf — güt An ſeines „S Freund „3 vor Go von Seiten zlich in die al bei dem ochen, ſor⸗ e, der den s reichſten verlaſſen,“ in Acht!“ ef enthielt, ntreal war tzloſe Ban⸗ uropa mit das Heer grundſatz⸗ e— deſſen als nut — Waltet dieſe neue gebiſſenen Höhle ves ieder ls l, und all nie retten ann ich ige Mon⸗ lage gegen 333 ihn vorliegt! Unter welchem Vorwande kann ich mit Ehren die Belagerung aufheben? Paleſtrina verlaſſen, heißt den Baronen einen Triumph einräumen— Adrian im Stiche laſſen— meine Sache entehren. Doch brütet jede Stunde, ſo lange ich von Rom abweſend bin, Verrath und Gefahr. Pandulpho, Albornoz, Mont⸗ real— Alle wirken gegen mich zuſammen. Jetzt einen kühnen, zuverläſſigen Spivn— ha, glücklicher Ge⸗ danke— Villani!— Heda— Angelo Vlllani!“ Der junge Kämmerer erſchien. „Ich meine,“ ſagte Rienzi,„oft gehört zu haben, daß Du eine Waiſe ſeieſt? „Wahr, mein Gebieter; die alte Auguſtinernonne, die mich aufzog, hat mir oft erzählt, daß meine Eltern todt ſeien. Beide edel, mein Gebieter, aber ich bin das Kind der Schande. Und ich ſage es oft und denke immer daran, daß ich es nicht vergeſſe, Angelo Villani habe erſt einen Namen zu gewinnen.“ „Junger Mann, diene mir, wie Du es bisher gethan, ſo ſollſt Du, wenn ich am Leben bleibe, nicht nöthig haben, Dich eine Waiſe zu nennen. Höre mich! Ich bedarf eines Freundes— der Senator von Rom bedarf eines Freundes— nur eines einzigen Freundes — gütiger Himmel! nur eines einzigen!“ Angelv ſank auf ſeine Knie und küßte den Mantel ſeines Herrn. „Sagt einen Diener. Ich bin zu gering, Rienzi's Freund zu heißen.“ „Zu gering!— was ſagſt Du?— Nichts iſt vor Gott gering, als eine gemeine Seele unter hohen 334 Titeln. Bei mir, Knabe, gibt es nur einen Ab, Du e und dieſen verleiht die Natur. Merke auf: Du hörß erfaht jeden Tag von Walter von Montreal, dem Bruber ziehen dieſer Provenzalen— dem großen Hauptmann große„ Räuber?“„ „Ja, und ich habe ihn geſehen, mein Gebietet.— au „Nun denn, er iſt in Rom. Ein kecker Gedan Vertr — ein wohl unterſtützter und tief angelegter Schu⸗ kenſtreich konnte allein den Banditen veranlaſſen, ſih offen in eine italieniſche Stadt zu wagen, deren Ge⸗ biet er noch vor wenigen Monaten mit Feuer un Meo Schwert verheerte. Aber ſeine Brüder haben mir Geb vorgeſtreckt— ſind mir bei meiner Rücklehr zur Sei D geſtanden— zwar um ihrer eigenen Zwecke willey, Mont es iſt wahr; aber die anſcheinende Verbindlichkeit ve⸗ Der leiht ihnen wirkliche Macht. Dieſe nordiſchen Kriege bardei würden mir die Kehle abſchneiden, wenn der groß ni 3 Hauptmann es ſie hieße. Er rechnet auf meine ſchein⸗ biſchy hare Schwäche. Ich kenne ihn von früher. Ich errath eit — ja, ich leſe ſeine Plane; aber ich kann fie nicht im ko beweiſen. Ohne Beweis kann ich Paleſtrina nicht en gedach laſſen, um ihn anzuklagen und feſtzunehmen. Du biſ Heiml ſchlau, verſtändig, ſcharfſinnig— könnteſt Du nas leſtrin Rom gehen?— Tag und Nacht ſeine Bewegungn das ir beobachten— ſehen, ob er Boten von Albornoz odn Leblich von den Baronen empfängt— ob er it Pandulth nator di Guido verkehrt— ſeine Wohnung Peobachten, ſez, andert ich, Tag und Nacht? Er liebt Heimlichkeiten niht Rienz ſehr, und Deine Aufgabe wird weniger ſchwierig ſein, S als ſie erſcheint. Theile der Signora Alles mit, was geſehe inen Adeh, Du hörſ em Brde tann große Gebietet.“ ker Gedank⸗ gter Schur⸗ nlaſſen, ſih „deren Ge⸗ Feuer un en mir Gelh r r Seit vecke willen, dlichkeit ven chen Krieger n der große neine ſchein Ich errathe nn ſie nicht a nicht ven ſen. Du biſ ſt Du nach Bewegungen lbornoz ode Pandulpho achten, ſag keiten nicht wierig ſein, s mit, was Du erfährſt. Berichte mir täglich, was Du Neues erfahren. Willſt Du Dich dieſer Sendung unter⸗ ziehen?“ „Ich will, mein Gebieter.“ „Raſch dann zu Pferde!— und erinnere Dich — außer dem Weibe meines Herzens habe ich keinen Vertrauten in Rom.“ Zweites Kapitel. Montreal in Rom— Wie er Angelo Villani aufnimmt. Die Gefahr, welche Rienzi durch die Ankunft Montreal's bedrohte, war in der That furchtbar. Der Johanniterritter hatte ſein Heer in die Lom⸗ bardei geführt und es zu der Verfügung des vene⸗ zianiſchen Staates in ſeinem Kriege mit dem Erz⸗ biſchof von Mailand geſtellt. Für dieſen Dienſt erhielt er eine ungeheure Summe; ſeinen Truppen, die er im kommenden Frühjahre hinlänglich zu beſchäftigen gedachte, ſorgte er inzwiſchen für Winterquartiere. Heimlich und in Verkleidung verließ Montreal Pa⸗ leſtrina und begab ſich mit einem kleinen Gefolge, dus in Tivoli zu ihm ſtieß, nach Rom. Sein an⸗ geblicher Zweck war, aüf der einen Seite dem Se⸗ nator zu ſeiner Rückkehr Glück zu wünſchen, auf der andern, das Geld zurückzuempfangen, das ſeine Rienzi vorgeſtreckt hatten. Seinen geheimen Zweck haben wir zum xei geſehen; aber nicht zufriedon mit dem Beiſtande der — 336 Barone, hoffte er durch die verberblichen Mittel ſeines ungeheuren Reichthumes eine dritte Partei zu Unter⸗ ſtützung ſeiner weitergehenden Abſichten zu bilden. Reichthum war zu jener Zeit und in jenem Lande beinahe eben ſo ſehr das Mittel, Diademe zu erwerben, wie er daſſelbe in den ſpäteren Zeiten des römiſchen Reiches geweſen war. Und in mancher, von erblichen Fehden zerriſſenen Stadt ſtieg der Parteihaß zu einer ſolchen Ausdehnung, daß ein fremder Tyrann, der die Luſt und die Macht hatte, eine Partei zu ver⸗ treiben, wenigſtens die zeitweiſe Unterwerfung der anderen erlangen konnte Sein ſpäterer Erfolg hing hauptſächlich davon ab, ob er ſeine Stellung dutch eine von den Bürgern unabhängige Macht behaupten und über einen Schatz verfügen konnte, der nicht vurch verhaßte Auflagen Zuſchüſſe nöthig hatte. Aber mehr habſüchtig, als ehrgeizig, mehr grauſam, als feſt, ſielen ſolche Uſurpatoren gewöhnlich in Folge von drückenden Erpreſſungen, oder unnöthigem Blut⸗ vergießen. Montreal, der die häufigen Revolutionen jener Zeit mit ruhigem, forſchendem Auge erwogen hatte, traute ſich die Kraft zu, dieſe beiden Fehler vermeiden zu können; und wie der Leſer ſchon geſehen, hatt er den tiefen, ſcharfſinnigen Plan ſich entworfen, ſeine Uſurpation durch ein ganz neues Geſchlecht von Aveligen zu befeſtigen, die, durch den Feudalverband des Nordens ihm zu Dienſten verpflichtet und jeder Zeit bereit ihn zu ſchützen, weil ſie eben dadurch auch ihre eigenen Intereſſen wahrten, ihm bei der Grün⸗ dung einer e Feſte behülfl ſtien d obgleie in der lichen wie ge Di erſtreck und E mit de beſchäft hügelſt Ke ſeiner von R geſchaff ſich das gegen e betrifft, vorſicht Werkze benützet mit de Zeuge. mit all laſſen u Materi ittel ſeines zu Unter⸗ zu bilden. em Lande erwerben, römiſchen nerblichen ß zu einer rann, der i zu vet⸗ rfung der folg hing ung durch behaupten der nicht tte. Aber ſam, als in Folge gem Blut⸗ nen jener gen hatte, vermeiden en, hatte entworfen, hlecht von alverband und jeder durch auch der Grün⸗ dung nicht des morſchen und ſchutzloſen Gebändes einer einzelnen Tyrannenherrſchaft, ſondern der ſtarken Feſte einer neuen, feſten, geſchloſſenen Ariſtokratie, hehülflich ſein ſollten. So waren die großen Dyna⸗ ſtien des Nordens gegründet worden, und der König, obgleich von den Baronen ſcheinbar unterdrückt, wurde in der Wirklichkeit doch in Folge eines gemeinſchaft⸗ lichen Intereſſes ſowohl gegen ein unterwovfenes Volk, wie gegen fremde Einfälle geſchützt. Dies waren die ungeheuern Plane— und ſie erſtreckten ſich auf ein noch weiteres Feld von Ruhm und Eroberung, das nur die Alpen begrenzten— mit denen ſich ver Hauptmann der großen Compagnie beſchäftigte, als er die Säulen und Bogen der Sieben⸗ hügelſtadt erblickte. Keine Beſorgniß beunruhigte den langen Strom ſeiner Gedanken. Seine Brüder waren die Anführer von Rienzi's Miethtruppen— dieſe Armee hatte er geſchaffen. Gegenüber von Rienzi ſelbſt maßte er ſich das Recht eines Gläubigers an. So glaubte er ſich gegen eine Partei ſicher. Was die Freunde des Papſtes betrifft, ſo war er im Beſitze von geheimen, obwohl vorſichtigen Brieſen von Albornoz, der ihn nur als Werkzeug zu der Rückkehr der römiſchen Barone zu benützen wünſchte; und von ſeinen Unterhandlungen mit den Häuptern ver Letzteren waren wir bereits Zeuge. So war er ſeiner. Anſicht nach im Stande, mit allen Parteien zu unterhandeln und ſich einzu⸗ laſſen und aus jeder die ihm für ſeine Zwecke nöthigen Materiale auszuwählen. Das offene Erſcheinen Montreal's erregte in Rom großes Aufſehen. Die Freunde der Barone ſprengten aus, Rienzi ſei im Bunde mit der großen Compagnie und er wolle die Kaiſerſtadt den barbariſchen Räubern zu Rauh uhd Plünderung verkaufen. Die Frechheit, mit welcher Montreal, gegen den der Papſt mehr, als einmal ſeine Bullen geſchleudert hatte, in der Hauptſtadt der Kirche erſchien, wurde noch auffallen⸗ der durch die Erinnerung an die ſirenge Gerechtig⸗ keitspflege, welche den Tribun hewogen hatte, allen Räubern Italiens offenen Krieg zu erklären; und vieſe Kühnheit ließ ſich leicht erklären, wenn man ſich erinnerte, daß die Brüder des kecken Provenzalen die Werkzeuge zu Rienzi's Rückkehr geweſen waren. So ſchnell verbreitete ſich der Argwohn durch die Stadt, daß Montreal's Gegenwart binnen wenigen Wochen allein hingereicht hätte, den Senator zu verderben. Inzwiſchen brachte Montreal's natürliche Kühnheit vie ſchwache Stimme der Klugheit zum Schweigen, und verblendet durch ſeine glänzenden Hoffnungen, nahm der Johanniter, wie wenn er ſeiner Anweſen⸗ heit doppelte Wichtigkeit dadurch hätte geben wollen, ſeine Wohnung in einem prächtigen Palaſte und ſein Gefolge wetteiferte hinſichtlich der Pracht und dem Glanze in ſeinem Außeren mit der Schauſtellung Rienzi's während der früheren, glänzenderen Periode ſeiner Macht. Mitten unter dieſer wachſenden Aufregung kam Angelv Villani in Rom an. Der Charakter des jungen Mannes war durch ſeine eigenthümlichen Verl welc Er haft Geb liche Gäh mach ſcha verſi Cha für die ſe nicht Veri zuſch er d ſeine aber zieht mit Vor wede Ehr Ital Betr dient ohne Befr vurc in Rom prengten mpagnie Räubern Frechheit, ſt mehr, in der uffallen⸗ erechtig⸗ te, allen en; und enn man ovenzalen n waren. ie Stadt, Wochen erderben. Kühnheit chweigen, ffnungen, Anweſen⸗ n wollen, und ſein und dem auſtellung n Periode zung kam akter des hümlichen 339 Verhältniſſe beſtimmt worden. Ey beſaß Eigenſchaften, welche häufig den illegitimen Kindern eigen ſind. Er war übermüthig,— wie die Meiſten von zweifel⸗ haftem Range; und während er ſich ſeiner unehelichen Geburt ſchämte, war er doch ſtolz auf den vorgeb⸗ lichen Adel ſeiner unbekannten Eltern. Die allgemeine Gährung und Bewegung in Italien zu jener Zeit machte den Ehrgeiz zu der häufigſten aller Leiden⸗ ſchaften und ſo drängt ſich derſelbe in all ſeinen verſchiedenen Schattirungen und Nüancen in die Charakterſchilderungen unſerer Geſchichte. Obgleich für Angelo Villani die der höheren und edleren Art dieſer erhabenen Schwäche angehörenden Träume nicht vorhanden waren, war er doch ſehr von dem Verlangen und dem Entſchluſſe beſeelt, ſich empor⸗ zuſchwingen. Mit einer warmen Zuneigung verband er die Gefühle der Dankbarkeit, und die Treue gegen ſeinen Gönner hatte ſich zu einer Tugend geſteigert, aber in Folge ſeiner ungeregelten, flüchtigen Et⸗ ziehung, und der ſorgloſen Verworfenheit Derer, mit denen er einen großen Theil ſeiner Jugend in Vorzimmern und Wachtſtuben zugebracht, hatte er weder erhabene Grundſätze, noch ein aufgeklärtes Ehrgefühl. Liſtig und verſchlagen, wie die meiſten Italiener, machte er ſich kein Bedenken über einen Betrug, der irgend einem Zwecke, oder einem Freunde diente. Seine innige Anhänglichkeit an Rienzi war, ohne daß er ſich deſſen bewußt geweſen, durch die Befriedigung des Stolzes und der Eitelkeit vermehrt, vurch die Gunſt eines ſo berühmten Mannes ge⸗ 340 ſchmeichelt worden. Eigenes Intereſſe und Anhäng⸗ lichkeit konnten ihn zu jeder That beſtimmen, welche vie Plane, oder die Sicherheit eines Mannes förderte, der zugleich ſein Wohlthäter und ſein Gönner war, und bei übernahme ſeiner jetzigen Sendung war ſein einziger Gedanke, dieſelbe mit dem vollſtändigſten Erfolge auszurichten Weit tapferer und muthiger, äls die meiſten Italiener, gab Etwas von der Kühn⸗ heit des ultramontanen Geſchlechtes ſeiner Schlauheit Kraft und Lebendigkeit, und nie bebte ſein Muth vor den Eingebungen ſeiner Liſt zurück. Als ihm Rienzi zum erſten Male den Gegenftand ſeiner nunmehrigen Aufgabe näher erklärte, rief er ſich angenblicklich ſein Abentener mit dem großen Krieger unter dem Volksgedränge in Avignon wieder in das Gedächtniß.„Wenn Du je eines Freundes bedarfſt, ſo ſuche ihn in Walter von Montreal,“ waren die Worte, die oft in ſeinem Ohr wieder⸗ klangen und jetzt mit prophetiſcher Deutlichkeit vor ſeine Seele traten Er zweifelte nicht daran, daß es Montreal ſelbſt war, den er geſehen. Warum ſich der große Hauptmann ſo ſehr für ihn intereſſirt hatte, machte Angelo nicht viel zu denken. Höchſt wahrſcheinlich war es nur ein ſchlauer Vorwand— elnes der gewöhnlichen Mittel, durch welche der Hauptmann der großen Compagnie die Jugend Ita⸗ liens, wie die Krieger des Nordens an ſich zog. Er dachte jetzt nur daran, wie er aus dem Verſprechen des Ritters Vortheil ziehen könnte. Was war leichter, als ſich Montreal vorzuſtellen— ihn an ſein Ver⸗ ſprec — u Das das j Gefül fürcht dem h ſeines junge falſche Gefüh hegte Brüde verwu ihn d die Fi immer zu den ihm ſe Unrech hatte, Wahrl wie ſie Villan und verrath jede Li ſeinen Unhäng⸗ welche örderte, er war, var ſein indigſten uthiger, r Kühn⸗ chlauheit Muth genſtand rief er großen n wieder Freundes ntreal,“ wieder⸗ keit vor an, daß Warum ntereſſirt Höchſt wand— che der end Ita⸗ zog. Er rſprechen leichter, ein Ver⸗ 341 ſprechen zu erinnern— in ſeine Dienſte zu treten — und ſo ſein Handeln mit Erfolg zu beobachten? Das Amt eines Spionen war nicht gerade vasjenige, das jedem Geiſte gefallen hätte, aber Angelv Villani's Gefühl ſträubte ſich nicht ſehr dagegen; und der fürchterliche Haß, mit welchem ſein Gönner oft von dem habſüchtigen, barbariſchen Räuber— der Geißel ſeines Geburtslandes geſprochen hatte,— hatte dem jungen Manne, der viel von dem übermüthigen, falſchen Patriotismus der Römer hatte, ein ähnliches Gefühl eingepflanzt. Mehr rachſüchtig, als dankbar, hegte er auch einen geheimen Groll gegen Montreal's Brüder, deren rohes Benehmen oft ſeinen Stolz verwundet hatte, und mehr als Alles veranlaßten ihn die Erinnerungen aus ſeinen Knabenjahren an die Furcht und die Verwünſchungen, womit Urſula immer von dem ſchrecklichen Fra Moreale geſprochen, zu dem unbeſtimmten Glauben, daß der Provenzale ihm ſelbſt oder ſeinem Geſchlechte früher irgend ein unrecht zugefügt habe, welches er nicht übel Luſt hatte, bei vorkommender Gelegenheit zu rächen. In Wahrheit hatten Urſula's Worte, dunkel und myſtiſch wie ſie in ihren Drohungen waren, in dem Knaben Villani ein unerklärbares Gefühl von Widerwillen und Haß gegen den Mann zurückgelaſſen, den zu verrathen jetzt ſein Plan war. übrigens ſchien ihm jede Liſt anſtändig und gerechtfertigt, wenn er dadurch ſeinen Gebieter rettete, ſeinem Vaterlande diente und ſich weiter brachte. Montregl war allein in ſeinem Zimmer, als man 342 ihm meldete, daß ein junger Italiener um eine Au⸗ vienz bitte. Seinem Charakter und Gewerbe nach zu⸗ gänglich, ließ er den Bittſteller augenblicklich vor. Der Johanniter erkannte ſogleich den Pagen, mit dem er in Avignon zuſammengetroffen war, und als Angelo Villani mit freimüthiger Keckheit ſagte:„Ich bin gekommen, um Herrn Walter von Montreal an ein Verſprechen zu erinnern——“ unterbrach ihn der Ritter mit herzlicher Freundlichkeit:„Deſſen be⸗ darf es nicht— ich erinnere mich. Kann Dir meine Freundſchaft nützen?“ „Ja, edler Signor!“ erwiderte Angelo;„ich weiß nicht, wo ich anders einen Gönner ſuchen ſoll.“ „Kannſt Du Leſen und Schreiben? Ich fürchte nein.“ „Man hat mich in beidem unterrichtet,“ verſetzie Villani. „Es iſt gut. Biſt Du von edler Geburt?“ „Ich bin es.“ „Oder beſſer— Dein Name?“ „Angelv Villani.“ „Ich nehme Deine blauen Augen und Deine nie⸗ vere breite Stirne,“ ſagte Montreal mit einem leichten Seufzer,„zum Pfand Deiner Treue. Von nun an⸗ Angelv Villani, gehörſt Du zu meinen Geheimſchrei⸗ hern. Ein andermal ſollſt Du mir mehr von Dir ſelbſt erzählen. Dein Dienſt beginnt mit dem heu⸗ tigen Tage. übrigens fehlt es Keinem, der Walter von Montreal dient, an Geld, und auch nicht an Be⸗ förderung, wenn er ihm treu dient. Mein Gemach, zu weſchem jene Thüre führt, iſt Dein Wartzimmer⸗ Frage her; e dürfniff terweiſ Anſ denkend ben ent We richtetet die eine wecken leſtrina von ſei vergende Streitig lagen i Römer beſiegen ſchlimm Orfini, man, d Wie ſeines S die Feſt e Au⸗ ach zu⸗ vor. n, mit und als „Ich real an ach ihn ſſen be⸗ r meine ich weiß I.“ e, nein.“ verſetzte t?“ eine nie⸗ leichten nun an, imſchrei⸗ von Dir em heu⸗ Walter t an Be⸗ Gemach, tzimmer. Frage nach Luſignan von Lyon und ſende ihn hier⸗ her; er iſt mein Oberſchreiber, wird für Deine Be⸗ dürfniſſe ſorgen und Dich in Deinem Geſchäfte un⸗ terweiſen.“ Angelo entfernte ſich— Montreal's Auge folgte ihm. „Eine ſonderbare Aehnlichkeit!“ ſagte er nach⸗ denkend und traurig;„mein Herz ſchlägt dieſem Kna⸗ ben entgegen!“ Drittes Kapitel. Montreals Banket. Wenige Tage nach den in dem letzten Kapitel be⸗ richteten Vorfällen erhielt Rienzi Nachrichten aus Rom, die eine freudige, erhebende Aufregung in ihm zu er⸗ wecken ſchienen. Seine Truppen lagen noch vor Pa⸗ leſtrina, und die Banner der Barone wehten noch von ſeinen unbezwungenen Mauern. In Wahrheit vergendeten die Italiener die Hälfte ihrer Zeit in Streitigkeiten untereinander ſelbſt; die von Velletri lagen in Fehde mit dem Volke von Tivoli und die Römer fürchteten ſich immer noch, die Barone zu beſiegen.„Die Horniß,“ ſagten ſie,„ſticht noch ſchlimmer, wenn ſie todt iſt, und weder von einem Orfini, noch von einem Savelli oder Colonna weiß man, daß je Einer verziehen.“ Wieder und immer wieder hatten die Hauptleute ſeines Heeres den ungehaltenen Senator verſichert, daß die Feſte uneinnehmbar ſei, und daß Zeit und Geld 344 vergebens bei der Belagerung verſchwendet werden. Rienzi wußte es beſſer, aber er verheimlichte ſeine Gedanken. Er herief jetzt die Brüder aus der Provence in ſein Zelt und machte ſie mit ſeiner Abſicht bekannt, ſogleich nach Rom zurückzukehren.„Die Sölvlinge ſollen die Belagerung unter unſerem Lieutenant fort⸗ ſetzen, und Ihr ſollt mich mit meiner römiſchen Le⸗ gion begleiten. Euer Bruder Walter und ich bedürfen Eurer Anweſenheit; wir haben Geſchäfte unter uns zu ordnen. Nach wenigen Tagen werde ich in der Stadt Rekruten ausheben und dann zurückkehren.“ Gerade dies wünſchten die Brüder; mit ſichtlicher Freude willigten ſie in den Vorſchlag des Senators. Nun ſandte Rienzi zunächſt nach dem Lieutenant ſeiner Leibwache, demſelben Riccardo Annibaldi, deſſen ſich der Leſer aus einem früheren Theile des Werks als eines Gegners von Montreals Lanze erinneru wird. Dieſer junge Mann— einer von den wenigen Adeligen, welche der Sache des Senators beitraten— hatte großen Muth und militäriſche Geſchicklichkeit be⸗ wieſen und verſprach(falls das Schickſal ſein Leben verſchonen ſollte)“ einer der tüchtigſten Hauptleute ſeiner Zeit zu werden. „Theurer Annibaldi,“ ſagte Rienzi,„endlich kann ich den Plan ausführen, den wir ſchon insgeheim be⸗ ſprochen. Ich nehme die beiden provenzaliſchen Haupt⸗ „ Es ſcheint dies derſelbe Annibaldi geweſen zu ſein, der ſpäter in einer Schlägerei umkam; Petrarka lobt ſeine Tapfer⸗ keit und beklagt ſein Geſchick. leute n nein; f glücklich man ſche Der einander und An die Mö Mit einen vr nach Ro In d und ein reits eir kalt für Banket. Pan! und Mo Aufmerk „Thi Thale Cl Bulw werden. te ſeine ence in bekannt, ölblinge int fort⸗ chen Le⸗ bedürfen nter uns in der hren.“ ſichtlicher Senators. eutenant i, deſſen Werks erinnern wenigen traten— chkeit be⸗ in Leben auptleute lich kaun eheim be⸗ nHaupt⸗ zu ſein, der ne Tapfer⸗ leute mit mir nach Rom— ich laſſe Euch an der Spitze des Heeres. Paleſtrina wird ſich jetzt ergeben — h!— ha, ha, ha!— Paleſtrina wird ſich jetzt ergeben!“ „Bei meiner Rechten, ich denke ſo, Senator,“ verſetzte Annibaldi.„Dieſe Fremden haben bis jetzt nur Streit unter uns ſelbſt veranlaßt, und wenn nicht Schurken, find ſie ganz gewiß Verräther!“ „Bſt, bſt, bſt! Verräther! Der gelehrte Arim⸗ baldv, der tapfere Brettone! Pfui darüber! Nein, nein; ſie ſind ausgezeichnete Ehrenmänner, aber nicht glücklich im Feld— nicht glücklich im Feld— beſſer, man ſchafft ſie in die Stadt! Und jetzt an das Geſchäft.“ Der Senator ſetzte Annibaldi jetzt den Plan aus⸗ einander, den er zu Einnahme der Stadt entworfen, und Annibaldi's militäriſcher Scharfblick ſah ſogleich die Möglichkeit der Ausführung ein. Mit ſeinen römiſchen Truppen und zu jeder Seite einen von Montreals Brüdern, reiste Rienzi dann nach Rom ab. In dieſer Nacht gab Montreal Pandulpho di Guibo und einigen vornehmen Bürgern, von denen er be⸗ reits einen nach dem andern ausgeforſcht und ſehr kalt für die Sache des Senators gefunden hatte, ein Banket. Pandulpho ſaß zur Rechten des Johanniterritters und Montreal überhäufte ihn mit den yöflichſten Aufmerkſamkeiten. „Thut mir in dieſem Beſcheid— er iſt aus dem Thale Chiana, nahe bei dem Mont Puleiano,“ ſagte Bulwer, Rienzi. IMI. 23 346 Montreal.„Ich meine, ich habe Gelehrte ſagen hören (Ihr wißt, Signor Pandulpho, wir ſollten jetzt Alle Gelehrte ſein!), die Lage ſei von Alters her berühmt. Wein hat wirklich eine ſtorke Blume.“ „Ich höre,“ ſagte Bruttini, einer der niedrigeren Barone(ein echter Freund der Colonna),„in dieſer Beziehung habe des Gaſtwirthes Sohn ſeine Bücher⸗ gelehrſamkeit nützlich angewendet; er weiß jeden Ort, wo ein vorzüglicher Wein wächst.“ „Wie! der Senator iſt ein Weinſäufer geworden?“ agte Montreal, einen großen, vollen Becher hinun⸗ terſtürzend;„das muß ihn für Geſchäfte untauzlich machen— es iſt Schade.“ „Wahrlich, ja,“ ſagte Pandulpho,„ein Man an der Spitze eines Staates ſollte mäßig ſein— ich trinke nie lauteren Wein.“ „Ach,“ flüſterte Montreal,„wenn Euer ruhiget, heller Verſtand Rom regierte, dann wahrlich möcht vie Hauptſtadt Staliens den Frieden zu koſten bekon⸗ men. Signor Vivaldi“— und der Wirth wandte ſich gegen einen reichen Tuchhändler—„dieſe Un⸗ ruhen bringen dem Handel Nachtheil.“ Gewiß, gewiß,“ ſeufzte der Tuchhändler. „E „Die Barone ſind Eure beſten Kunden,“ ſagte der kleine Baron. „Bei weitem, bei weitem!“ antwortete der Tuch⸗ händler. „Es iſt Schade, daß ſie ſo roher Weiſe verbannt ſind,“ ſagte Montreal in melancholiſchem Tone.„Wäre es nicht möglich, wenn der Senator(ich trinks guf ſeine Ge eifrig w kehr der ſollte di nes ſein „ Ge Savelli übrige „Ich tini,„ alle Sc Stande zu mach „Ge langen hoffe ich gleichen. Rienzi e „Ich erhalten ſung— geſonder „Ab Verſuch fordern. „Wr Schiedsr Intereſſe der den wie wir en hören jetzt Alle berühmt. edrigeren in dieſer Bücher⸗ den Ort, vorden?“ rhinun⸗ ntauglich n Mam in— ich ruhiger, ch möchte en bekom⸗ h wandte dieſe U⸗ ler. , ſagte der Tuch⸗ verbannt e.„Wäre trinks guf ſeine Geſundheit) weniger raſch— oder eher weniger eifrig wäre— freiſinnige Einrichtungen mit der Rück⸗ kehr der Barone in Einklang zu bringen? Dies ſollte die Aufgabe eines wahrhaft weiſen Staatsman⸗ nes ſein!“ „Gewiß wäre es möglich,“ verſetzte Vivaldi;„die Savelli allein geben mehr bei mir aus, als das ganze übrige Rom.“ „Ich weiß nicht, ob es möglich iſt,“ ſagte Brut⸗ tini,„aber das weiß ich, daß es ein Hohn gegen alle Schicklichkeit iſt, wenn ein Gaſtwirthsſohn im Stande ſein ſoll, eine Einöde aus den Paläſten Roms zu machen.“ „Gewiß zeugt dies von einem zu niedrigen Ver⸗ langen nach Pöbelgunſt,“ ſagte Montreal.„Indeſſen hoffe ich, wir werden alle dieſe Mißhelligkeiten aus⸗ gleichen. Vielleicht— ja, ohne Zweifel meint es Rienzi gut!“ „Ich wollte,“ ſagte Vivalbi, der ſeine Anweiſung erhalten hatte,„wir bildeten eine gemiſchte Verfaſ⸗ ſung— Plebejer und Patricier, beide in ihren ab⸗ geſonderten Ständen.“ „Aber,“ ſagte Montreal ernſt,„ein ſo neuer Verſuch würde eine bedeutende phyſiſche Macht er⸗ fordern.“ „Wohl wahr; aber wir könnten dann einen Schiedsrichter berufen— einen Fremden, der kein Intereſſe für die eine oder andere Partei hätte— der den neuen Buono Stato beſchützte; einen Podeſta, wie wir ſie früher ſchon hatten— Branegleone zum Beiſpiel. Wie gut und weiſe regierte er! Das war ein goldenes Zeitalter für Rom. Ein Podeſta für immer!— das iſt meine Thevrie.“ „Nach dem Präſidenten Eures Rathes braucht Ihr nicht weit zu ſuchen,“ ſagte Montreal und lächelte Pandulpho an;„ein Bürger, der zugleich belieht, wohlgeboren und reich iſt, findet ſich zu meiner Rechten.“ Pandulpho räuſperte ſich und erröthete. Montreal fuhr fort:„Ein Handelsausſchuß göbe eine ehrenvolle Stelle für Signor Vivaldi, und die Beſorgung aller auswärtigen Angelegenheiten, die Anführung der Heere u. ſ. w. könnte den Baronen überlaſſen werden, mit einer freieren Bewerbung, Signor di Bruttini, für die Barone zweiten Ranges, als ihrer Geburt und Wichtigkeit bis jetzt eingeräumt wurde. Meine Herren, wollt ihr den Malvaſet koſten?“ „Indeſſen,“ ſagte Vivaldi nach einer Pauſe Gi⸗ valdi verſah im Geiſte ſchon wenigſtens die gante große Compagnie mit dem nöthigen Tuche),„indeſſen würde Rienzi nie einer ſo gemäßigten und wohlüber⸗ dachten Verfaſſung beitreten.“ „Warum auch? Wozu brauchen wir Rienzi?“ rief Bruttini aus.„Rienzi mag wieder eine Reiß nach Böhmen machen.“ „Sachte, ſachte,“ ſagte Montreal;„ich verzweife noch nicht. Alle offene Gewalt gegen den Senator würde ſeine Macht verſtärken. Nein, nein, demüthigl ihn, laßt die Barone ein, und dann beſteht auf eneren Bedingungen. Zwiſchen den heiden Parteien könnt. Und um beider 3 Ritter Ranges ſoldaten Leute vr theilt; r wir keir ich— „Ja Die ſamkeit, die grof „Ho zur Hin „Wi rief Pat „Ne Räuber, fangen ſterben.“ Bei leicht di läutete raſchung mehr de „We Vivaldi. „Ja Das war deſta für aucht Ihr d lächelte beliebt, Rechten.“ ſchuß göbe „und die iten, die Baronen ewerbung, n Ranges, ingeräumt Malvaſter zauſe(B⸗ die gan „indeſen wohlübet⸗ Rienzi?“ eine Reiſe verzweiſſe n Senator demüthigt eſteht auf n Parteien könnt Ihr dann herrlich das Gleichgewicht halten. und um Eure neue Verfaſſung vor der Anmaßung beider Parteien zu ſchützen, gibt es ja Krieger und Ritter genug, die gegen Ertheilung eines gewiſſen Ranges in der großen Stadt Rom Reiter und Fuß⸗ ſoldaten zu ihrem Dienſte unterhalten würden. Wir Leute von jenſeits der Alpen werden oft hart beur⸗ theilt; wir ſind Wanderer und Jsmaeliten, nur weil wir keinen ehrenvollen Ruheplatz haben. Wenn jetzt ſch—— „Ja, wenn Ihr, evler Montreal!“ ſagte Vivalbi. Die Geſellſchaft ſchwieg in athemloſer Aufmerk⸗ ſamkeit, als man plötzlich tief, feierlich, gedämpft— die große Glocke des Capitols hörte! „Horcht!“ ſagte Vivaldi,„die Glocke; ſie läutet zur Hinrichtung; eine ungewohnte Stunde!“ „Wahrlich, der Senator iſt doch nicht zurück!“ rief Pandulpho di Guido erblaſſend. „Nein, nein,“ ſagte Bruttini,„es iſt nur ein Räuber, der vor zwei Tagen in der Romagna ge⸗ fungen wurde. Ich hörte, er ſollte heute Nacht ſterben.“ Bei dem Worte„Räuber“ wechſelte Montreal leicht die Farbe. Der Wein kreiste— die Glocke läutete fortwährend— nachdem die erſte Ueber⸗ raſchung vorüber war, beunruhigte man ſich nicht mehr deßhalb. Die Rede kam wieder in Gang. „Was wolltet Ihr ſagen, Herr Ritter?“ fragte Vivaldi. „Ja, ich muß mich befinnen;— ja, als ich von der Nothwendigkeit ſprach, einen neuen Staat mit Gewalt aufrecht zu erhalten, ſagte ich, daß, wenn ich— ℳ „Ja, vas war es!“ rief Bruttini, auf den Tiſch ſchlagend. „Wenn ich aufgefordert würde, Euch beizuſtehen — aufgefordert,(bemerkt es wohl, und durch den Legaten des Pabſtes von meinen früheren Sünden abſolvirt— fie laſten ſchwer auf mir, edle Herren—) ſo wollte ich eure Stadt gegen auswärtige Feinde und innere Unruhen mit meinen tapferen Kriegern ſchützen. Kein römiſcher Bürger ſollte mir einen Denaro zu den Koſten beiſteuern.“ „Viva, Fra Moreale!“ rief Bruttini, und der Ruf hallte in der ganzen munteren Verſammlung wieder. „Mir genügt,“ fuhr Montreal fort,„meine Si⸗ den wieder gut zu machen Ihr wißt, meine Herren, mein Orden iſt Gott und der Kirche geweiht— ich bin ein Krieger⸗Mönch! Mir, ſage ich, genügt, meine Sünden wieder gut zu machen durch die Ver⸗ theidigung der heiligen Stadt. Aber ich habe auch meine geheimen, irdiſchen Abſichten— wer iſt über dieſe erhaben? Ich—— die Glocke ändert ihren Ton!“ „Es iſt nur der Wechſel, welcher der Hinrichtung vorangeht; der arme Räuber iſt im Begriffe zu ſterben!“ Montreal bekreuzte ſich und fuhr dann fort: „Ich bin ein Ritter und ein Edelmann,“ ſagte et ſtolz;„der Beruf, dem ich gefolgt, iſt das Waffen⸗ handwerk, aber, ich will es nicht verhehſen, meine Standesgenoſſen haben mich als einen Mann be⸗ trachte nach R mit m Namer dem Pe Winke beſten lichen. Legat ein wa „V unten S — * taat mit ß, wenn den Tiſch eizuſtehen durch den Sünden errene ge Feinde Kriegem mir einen d der Ruf ig wieder. eine Sün⸗ te Herren, iht— ich , genügt, die Vet⸗ habe auch tüber dieſe ren Ton!“ inrichtung ſlerben!“ ann fort ſagte et s Waffen⸗ en, meine Mann be⸗ 351 trachtet, der ſeinen Schild vurch zu raſtloſes Streben nach Ruhm und Gewinn befleckte. Ich wünſche, mich mit meinem Orden auszuſöhnen, mir einen neuen Namen zu erringen, mich vor dem Großmeiſter und dem Papſfte zu rechtfertigen. Ich habe, edle Herren, Winke— Winke bekommen, paß ich meine Sache am beſten dadurch fördern könne, daß ich in der päpſt⸗ lichen Hauptſtadt die Ordnung wiederherſtelle. Der Legat Albornoz(hier iſt ſein Brief) empfiehlt mir, ein wachſames Auge auf den Senator zu haben.“ „Wahrlich,“ unterbrach ihn Pandulpho,„ich höre unten Tritte.“ „Der Pöbel, der zu der Hinrichtung des Räubers geht,“ ſagte Bruttini;„fahrt fort, Herr Ritter!“ „Und,“ begann dann Montreal wieder, nachdem er ſeine Zuhörer überblickt, ehe er weiter ſprach, „was meint Ihr(ich frage nur nach Eurer beſſer Anſicht), was meint Ihr, wäre es nicht eine zweck⸗ mäßige Vorſichtsmaßregel gegen einen zu willkür⸗ lichen Gebrauch der Macht von Seiten des Senators, was haltet Ihr von der Rückkehr der Colonna und der kühnen Barone von Paleſtrina?“ „Auf ihre Geſundheit!“ rief Vivaldi, ſich er⸗ hebend. Wie von einer plötzlichen Regung ergriffen, ſtand die Geſellſchaft auf.„Auf die Geſundheit der bela⸗ gerten Barone,“ tönte es laut. „Und dann, wie, wenn— ich ſchlage es nur be⸗ ſcheiden vor— wie, wenn ihr dem Senator einen „Collegen gähet? Es iſt keine Beleidigung für ihn. Grſt kürzlich bekam einer von den Colonna, als Se⸗ nator, einen Collegen in Bertoldv Orſini.“ „Eine höchſt weiſe Vorſichtsmaßregel,“ rief Vi⸗ valdi.„Und wo findet man einen Collegen, wie Pandulpho di Guido?“ „Viva Pandulpho di Guido!“ riefen die Gäſte und wieder wurden die Becher bis auf den Grund geleert. „Und wenn ich euch hierin mit guten Worten bei dem Senator dienen kann(ihr wißt, er ſchulvet uns Geld, meine Brüder haben ihm gedient), ſo ge⸗ bietet über Walter von Montreal.“ „Und wenn ſchöne Worte Nichts helfen?“ ſagte Vivaldi. „So iſt die große Compagnie— verſteht mich wohl, Ihr entſcheidet— ſo iſt die große Compagni⸗ an Eilmärſche gewöhnt!“ „Viva Fra Moreale!“ riefen Bruttini und Vi⸗ valdi in einem Athem.„Auf die Geſundheit Aller, meine Freunde,“ fuhr Bruttini fort;„auf die Ge⸗ ſundheit der Barone, der alten Freunde Rom's; Pan⸗ dulpho di Guido's, des neuen Collegen des Senators, und Fra Moregle's, des neuen Podeſta von Rom.“ „Die Glocke hat zu läuten aufgehört,“ ſaßte Vivaldi, ſeinen Becher niederſetzend. „Der Himmel erbarme ſich des Räubers!“ ſetze Bruttini hinzu. Kaum hatte er geſprochen, als man dreimal an der Thüre pochen hörte, Die Gäſte blickten einander in ſtummem Erſtaunen an. „N vertrat Drei t Senatt vor. den ge ſtrahlt lernen Di wie ve Rienzi ſchlug merkſa endlich ſtander dem a Ur gewan Stirne ob die nung ſich g durch werde Beide durch Wuch weſent als Se⸗ rief Vi⸗ en, wie e Gäſte, Grund Worten ſchuldet , ſo ge⸗ 2“ ſagie eht mich ompagnie und Vi⸗ eit Aller, die Ge⸗ s; Pan⸗ Senators, Rom.“ „ ſagte s!“ ſetzte reimal an einandet „Neue Gäſte!“ ſagte Montreal.„Ich bat einige vertraute Freunde, den Abend mit uns zuzubringen. Bei meiner Treue, ſie find willkommen. Herein!“ Die Thüre öffnete ſich langſam; zu Drei und Drei traten in vollſtändiger Rüſtung die Wachen des Senators ein. In ſchweigender Ordnung rückten ſie vor. Sie umringten die feſtliche Tafel, ſie füllten den geräumigen Saal, und die Lichter des Bankettes ſtrahlten von ihren Harniſchen, wie von einer ſtäh⸗ lernen Mauer wieder. Die Feſtgenoſſen ſprachen keine Silhe, ſie waren wie verſteinert. Jetzt machten die Wachen Platz und Rienzi ſelbſt erſchien. Er näherte ſich der Tafel⸗ ſchlug die Arme übereinander und ließ ſein Auge auf⸗ merkſam von Gaſt zu Gaſt wandern, bis ſein Blick endlich auf Montreal haften blieb, der auch aufge⸗ ſtanden war und allein von der Geſellſchaft ſich von dem augenblicklichen Erſtaunen erholt hatte. Und als jetzt dieſe beiden ſo berühmten, ſo ſtolzen, gewandten und ehrgeizigen Männer ſich Stirne gegen Stirne gegenüber ſtanden, war es buchſtäblich, als ob die wetteifernden Mächte Stärke und Geiſt, Ord⸗ nung und Streit, das Schwert und die Liktorſtäbe ſich gegenüber ſtänden, wie kämpfende Prineipe⸗ durch welche Reiche beherrſcht und Reiche geſtürzt werden, verkörpert und kampfgerüſtet ſich begegneten. Beide ſtanden ſie ſchweigend da, als wäre Jeder durch den Blick des Andern bezaubert, höher von Wuchs und edler in ihrer Erſcheinung, als alle An⸗ weſende. 354 Montreal ſprach zuerſt, und mit erzwungenem Lächeln. „Senator von Rom! darf ich glauben, mein be⸗ ſcheidenes Banket locke Dich hierher, und darf ich mir ſchmeicheln, dieſe Bewaffneten ſeien ein Beweis von Aufmerkſamkeit gegen einen Mann, dem die Waffen ein Zeitvertreib geweſen ſind?“ Rienzi antwortete nicht, ſondern winkte mit der Hand ſeinen Wachen. Montreal wurde augenblicklich feſtgenommen. Abermals überblickte er die Gäſte— wie ein Vogel vor der Klapperſchlange, ſo bebte Pandulpho di Guido zitternd, regungslos, beſtürzt vor dem funkelnden Auge des Senators zurück. Lang⸗ ſam erhob Rienzi ſeine verderbliche Hand gegen den unglücklichen Bürger— Pandulpho ſah— fühlte ſein Schickſal— ſchrack zuſammen— und fiel be⸗ ſinnungslos in die Arme der Soldaten. Noch einen zweiten, raſchen Blick ließ der Se⸗ nator rund um die Tafel ſchweifen und wandte ſich dann mit verächtlichem Lächeln, als ob er ſich wenig um gemeinere Beute bekümmerte, ab. Kein Hauch war bis jetzt über ſeine Lippen gekommen— Alles war ein ſchweigendes Schauſpiel geweſen— und ſein grimmiges Schweigen hatte ſeiner unerwarteten Er⸗ ſcheinung noch einen erkältenderen Schrecken verliehen. Erſt als er die Thüre erreichte, wandte er ſich um, blickte in das kühne, unverzagte Angeſicht des Johan⸗ niters und ſagte beinahe flüſternd:„Walter von Montreal, Ihr habt die Todtenglocke gehört!“ S Comp Die 2 daſſell Ander die Fi auf d daß et voran „ niterr verleb „ baldo rthe 5. zum e ſeinen der F „ mögli die N den F 8 mürri S „ ungenem mein be⸗ darf ich Beweis dem die mit der nblicklich Häſte— ſo bebte beſtärzt . Lang⸗ egen den fühlte fiel be⸗ der Se⸗ ndte ſich h wenig n Hauch — Alles und ſein ten Er⸗ erliehen. ſich um, Johan⸗ lter von t!“ Viertes Kapitel. Walter von Montreals Urtheil. Schweigend ließ ſich der Hauptmann der großen Compagnie in das Gefängniß des Capitols bringen. Die Nebenbuhler um die Herrſchaft Roms bewohnten vaſſelbe Gebäude; der Eine in dem Gefängniſſe, der Andere in dem Palaſte. Die Wachen erſparten ihm die Förmlichkeit der Feſſeln und ließen eine Lampe auf dem Tiſche, bei deren Schein Montreal bemerkte, vaß er nicht allein war— ſeine Brüder waren ihm vorangegangen. „Glückliches Zuſammentreffen!“ ſagte der Johan⸗ niterritter;„wir haben angenehmere Nächte zuſammen verlebt, als dieſe wahrſcheinlich werden dürfte.“ „Kannſt Du noch ſcherzen, Walter?“ ſagte Arim⸗ baldo, halb weinend.„Weißt Du nicht, daß unſer urtheil beſchloſſen iſt? der Tod gähnt uns an.“ „Tod!“ wiederholte Montreal und wechſelte jetzt zum erſtenmale die Farbe; zum erſtenmale vielleicht in ſeinem Leben empfand er den durchdringenden Schauer der Furcht. „Der Tod!“ wiederholte er noch einmal.„Un⸗ möglich! Er wagt es nicht, Brettone; die Soldaten, die Nordländer!— ſie werden ſich empören und uns den Krallen des Henkers entreißen!“ „Nähre keine ſo eitle Hoffnung,“ ſagte Breitone mürriſch;„die Soldaten lagern vor Paleſtrina.“ „Wie! Einfältiger Tölpel! So kamſt Du allein nach Rom! Sind wir allein mit dieſem fürchter⸗ lichen Manne?“ „Du biſt der Tölpel! Warum kamſt Du hierher?“ antwortete der Bruder. „Nun, wahrlich! weil ich wußte, daß Du ſein Heer befehligteſt, und— aber Du hatteſt Recht— von mir war es eine Thorheit, dem Tribun einen ſo wenig gewachſenen Kopf wie den Deinigen gegen⸗ über zu ſtellen. Genug! Vorwürfe nützen nichts. Wann wurdet ihr feſtgenommen?“ „Mit der Dämmerung— in dem Augenblicke, als wir die Thore Roms hinter uns hatten. Rienzi kam in der Stille hierher.“ „Hm! Was kann er wiſſen, das gegen mich ſpricht? Wer kann mich verrathen haben? Meine Geheim⸗ ſchreiber ſind erprobt— Alle des Vertrauens würdig — den Jüngling ausgenommen, der allem Anſcheine nach ſo eifrig iſt— den Angelo Villani!“ „Villani!— Angelo Villani!“ riefen die Brüder in einem Athem.„Haſt Du ihm Etwas anvertraut?“ „Nun, ich fürchte, er hat— wenigſtens theil⸗ weiſe— meine Correſpondenz mit Euch und den Barv⸗ nen geſehen— er war einer meiner Schreiher. Wißt ihr mehr von ihm?“ „Walter— der Himmel' hat Dich verblendet,“ verſetzte Brettone;„Angelo Villani iſt der Lieblings⸗ diener des Senators.“ „So haben mich denn dieſe Augen betrogen,“ murmelte Montreal feierlich mit Schandern,„und als ob ihr Geiſt auf die Erde zurückgekehrt wäre, ſo rie michz N Montr peram „C das iſ „L „ unſere ſein a Un legung Mant Ecke d „2 der R Minut M ſeinen waren ſtumm Die Z Mitte ihrer auf, ſ dern v „4 umwat „ha! ürchter⸗ erher 7“ Du ſein Kecht— n einen gegen⸗ Wann enblicke, Rienzi ſpricht? Geheim⸗ würdig nſcheine Brüder traut?“ s theil⸗ n Baro⸗ r. Wißt lendet,“ eblings⸗ trogen,“ t„„und t wäre, ſo rief Gott aus dem Grabe eine Erinnerung, die mich zum Verderben führte!“ Nun folgte ein langes Schweigen. Endlich ſprach Montreal wieder, deſſen kühnes, ſanguiniſches Tem⸗ perament nie lange getrübt blieb. „Sind die Koffer des Senators gefüllt?— Doch das iſt unmöglich.“ „Leer, wie die eines Dominikaners.“ „Dann ſind wir gerettet. Er ſoll den Preis für unſere Köpfe nennen. Geld muß ihm mehr von Nutzen ſein als Blut.“ Und wie wenn dieſer Gedanke jede weitere über⸗ legung überflüſſig gemacht hätte, warf Montreal ſeinen Mantel ab und ſtreckte ſich auf eine Pritſche in einer Ecke des Zimmers nieder. „Ich habe auf ſchlechteren Betten geſchlafen,“ ſagte der Ritter, als er ſich niederlegte, und nach wenigen Minuten ſchlief er feſt. Mit Neid und Verwunderung lauſchten die Brüder ſeinen tiefen, aber regelmäßigen Athemzügen; doch waren ſie nicht zu Geſprächen geſtimmt. Still und ſtumm ſaßen ſie wie Bildſäulen neben dem Schläfer. Die Zeit verſtrich und die erſte kühle Luft der auf die Mitternacht folgenden Stunde drang durch die Gitter ihrer Zelle. Die Riegel knarrten, die Thüre ging auf, ſechs Bewaffnete traten ein, gingen an den Brü⸗ dern vorbei, und Einer von ihnen berührte Montreal. „Ha!“ ſagte dieſer, indem er ſich im Schlafe umwandte, in der ſanften provenzaliſchen Mundart, „ha! ſüße Adeline, wir wollen noch nicht aufſtehen 358 — es iſt ſo lange, ſeit wir nicht mehr beiſammen waren!“ „Was ſagt er?“ brummie die Wache und ſchüttelte Montreal derb. Der Ritter ſprang raſch auf und ſeine Hand fuhr nach dem oberen Theile des Bettes, als ſuchte ſie nach ſeinem Schwerte. Er blickte wild umher, rieb ſich die Augen, ſtarrte die Wache an und erwachte dann zu dem Bewußtſein ſeiner Lage. „Ihr ſteht frühe auf hier in dem Capitol,“ ſagte er.„Was wollt Ihr von mir?“ „Sie wartet auf Euch!“ „Sie! Wer?“ ſagte Montregl. „Die Folter!“ antwortete der Soldat mit bos⸗ haftem Blicke. Der große Hauptmann ſagte kein Wort. Einen Angenblick betrachtete er die ſechs Männer, als wollte er ſeine Stärke gegen die ihrige vergleichen. Dann ſchweifte ſein Auge durch das Zimmer. Die roheſte Eiſenſtunge wäre ihm jetzt mehr werth geweſen, als je der gediegenſte Stahl von Mailand. Er endigte ſeinen Blick mit einem Seufzer, warf ſeinen Mantel über die Schultern, nickte ſeinen Brüdern zu und folgte der Wache. In einem mit der unheilvollen Seide von weißen Streifen auf rothem Grunde behangenen Saale des Capitols ſaßen Rienzi und ſeine Räthe. über eine Vertiefung des Gemaches war ein ſchwarzer Vorhang niedergelaſſen. „Walter von Montreal,“ ſagte ein kleiner Mann unten an der Tafel,„Ritter des erlauchten Ordens des heiligen Johannes von Jeruſalem——“ „Ur der Ge „Il und des Apulien „D und we tend,„n Hinſicht — Fah „St rung ge einſetzur rätheriſ in Pale „M „Tr „D feſt.„ von Ro bekenne meine 2 Rie beugung „De mehr ül die nähe „De läſſig. „Un ſammen chüttelte auf und Bettes, kte wild ache an er Lage. „ſagte nit bos⸗ Einen s wollte Dann roheſte ſen, als endigte Mantel zu und weißen aale des ber eine Borhang r Mann Ordens 4 359 „Und Hauptmann der großen Compagnie!“ ſetzte der Gefangene mit feſter Stimme hinzu. „Ihr ſeid mehrer Verbrechen angeklagt: des Raubes und des Mordes in Toskana, der Romagna und Apulien——“ „Des Raubes und des Mordes; tapfere Männer und wehrhafte Ritter,“ ſagte Montreal, ſich aufrich⸗ tend,„würden die Worte„Krieg und Sieg“ gebrauchen. Hinſichtlich dieſer Anklagen bekenne ich mich ſchuldig. — Fahrt fort.“ „Sodann ſeid ihr einer verrätheriſchen Verſchwö⸗ rung gegen die Freiheit Roms, behufs der Wieder⸗ einſetzung der geächteten Barone— und eines ver⸗ rätheriſchen Briefwechſels mit Stephanello Colonna in Paleſtrina angeklagt.“ „Mein Ankläger?“ „Tretet vor, Angelo Villani!“ „Du alſo haſt mich verrathen?“ ſagte Montreal feſt.„Ich habe es verdient. Ich bitte Euch, Senator von Rom, laßt dieſen jungen Mann abtreten. Ich bekenne meinen Briefwechſel mit dem Colonna und meine Abſicht, die Barone wieder einzuſetzen.“ Rienzi winkte Villani, der ſich mit einer Ver⸗ beugung entfernte. „Dann bleibt Euch, Walter von Montreal, nichts mehr übrig, als vollſtändig und der Wahrheit gemäß die näheren Umſtände Eurer Verſchwörung anzugeben.“ „Das iſt unmöglich,“ verſetzte Montreal nach⸗ läſſig. „Und warum?“ 360 „Weil, wenn ich auch über mein eigenes Leben nach Belieben ſchalte, ich das Leben Anderer nicht verrathen werde.“ „Bedenke Dich— Du wollteſt das Leben Deinez Richters verrathen!“ „Nicht verrathen— Du ſchenkteſt mir kein Ver⸗ trauen.“ „Das Geſetz, Walter von Montreal, hat ſcharf⸗ Fragmittel— fiehe her!“ Der ſchwarze Vorhang wurde auf die Seite ge⸗ zogen und Montreals Auge fiel auf den Henker und die Folter! Seine ſtolze Bruſt hob ſich vor Ent⸗ rüſtung. „Senator von Rom,“ ſagte er,„dieſe Werk⸗ zeuge ſind für Knechte und Schurken. Ich war ein Krieger und Heerführer; Leben und Tod waren in meiner Hand— nach Gutdünken habe ich darüber geboten; aber Meinesgleichen und meinen Feinden bot ich nie die Schmach der Folter.“ „Herr Walter von Montreal,“ antwortete der Senator ernſt, aber mit einer gewiſſen achtungsvollen Höflichkeit,„Eure Antwort iſt ſo, wie ſie von tapferen Lippen erwartet werden muß. Aber lernt von mir, den das Schickſal zu Eurem Richter gemacht, daß für Knechte und Schurken eben ſo wenig wie für Ritter und Edle dieſe Werkzeuge die anwendbaren Mittel des Geſetzes, oder die Proben der Wahrheit ſind. Ich gab nur dem Wunſche dieſer ehrwürdigen Räthe nach, um Deine Nerven zu erproben. Aber wäreſt Du auch der gemeinſte Bauer gus der Cam⸗ pagna, vor der unter de unter de leiſten w „Ich „die Ba nicht nas Rien er raſch. Deine ge ſich nicht gegen m Lehen R Dir noch Mon ſammen. „Sen ich um eine Mir Die „Mei „ohne Z ihm nicht „Gef Pauſe,„ vergebene heimniß; „Hör Bulwe es Leben rer nicht n Deines kein Ver⸗ t ſcharf⸗ Seite ge⸗ ener und vor Ent⸗ eWetk⸗ war ein waren in darüber inden bot rtete der ngsvollen tapferen von mir, icht, daß wie für enaren Wahrheit würdigen n. Aber e Cam⸗ 36¹ pagna, vor meinem Richterſtuhle dürfteſt Du nicht vor der Folter bangen. Walter von Montreal, iſt unter den Fürſten Italiens, die Du kennen gelernt, unter den römiſchen Baronen, welchen Du Beiſtaud leiſten wollteſt, Einer, der ſich teſſen rühmen könnte?“ „Ich wollte nur,“ ſagte Montreal etwas zögernd, „die Barone mit Dir vereinigen; auch trachtete ich nicht nach Deinem Leben!“ Rienzi runzelte die Stirne.—„Genug,“ ſagte er raſch.„Ritter des heiligen Johannes, ich kenne Deine geheimen Plane; Ausflüchte und Behelfe ſchicken ſich nicht für Dich und nützen Dir nichts. Wenn nicht gegen mein Lehen, ſo verſchworſt Du Dich gegen das Leben Roms. Nur eine Gunſt haſt Du auf Erden Dir noch zu erbitten, das iſt die Art Deines Todes.“ Montreals Lippen zogen ſich convulſiviſch zu⸗ ſammen. „Senator,“ ſagte er mit leiſer Stimme,„varf ich um eine Unterredung mit Dir allein für nur eine Minute bitten?“ Die Räthe ſahen auf. „Mein Gebieter,“ flüſterte der Alteſte von ihnen, „ohne Zweifel trägt er verborgene Waffen— traut ihm nicht.“ „Gefangener,“ verſetzte Rienzi nach einer kurzen Pauſe,„wenn Ihr Gnade ſucht, ſo iſt Euer Begehren vergebens, und vor meinen Räthen habe ich kein Ge⸗ heimniß; ſprecht aus, wos Ihr mir ſagen wollt!“ „Höre mich dennoch an,“ ſagte der Gefangene, Bulwer, Rienzi. II. 24 362 indem er die Arme über einander legte;„es betriſt nicht mein Leben, ſondern die Wohlfahrt Roms.“ „Dann,“ ſagte Rienzi in verändertem Tone, iſ Deine Bitte gewährt. Du kannſt vielleicht Deine Schuld durch einen Mordverſuch vergrößern) für Ran aber würde ich mich noch größerer Gefahr ausſetzen“ Bei dieſen Worten winkte er den Räthen zu, wel ſich ſofort langſam durch die Thüre entfernten, dur welche Villani eingetreten war, während ſich die Wachn an das äußerſie Ende des Saales zuvückzogen⸗ „Jetzt, Walter von Montreal, faſſe Dich kunh Deine Augenblicke ſind gezählt.“ „Senator/“ ſagte Montreah,„mein Tod kat Euch nur wenig nützen; die Leute werden ſagen Ihr habt Eure Gläubiger vernichtet, um Euch eins Schuld zu entledigen Beſtimmt eine Summe fürme Leben, ſchlagt es ſo hoch an, wie das eines Mong chen; jeder Gulden ſoll Euch bezahlt werden un Euer Schatz wird auf fünf Jahre voll ſein. Wen der Buono Stato von Deiner Regierung abhängh ſo wird Dir Deine Sorge für Rom nicht geſtatter, meine Bitte zurückzuweiſen.“ „Ihr irrt Euch in mir, kecker Räuber?“ ſaßt Rienzi ernſt;„gegen Euren Verrath könnte ih mich ſchützen und deßhalb verzeihen, gegen Eurn Ehrgeiz nie Merkt auf, ich kenne Euch! Legt Eut Hand aufs Herz und ſagt mir, ob Ihr, könntenwi unſere Plätze wechſeln, als Rienzi um Alles Golh der Welt das Leben Walters von Montreal Euch al⸗ kaufen ließet? Was die Menſchen über mein Ve⸗ nehmen eigenen gegen B fahrt R lange da tenden C von Mo ſchlau 2 Sonten Monr tors, da und ſein und mu zweier A über un⸗ anzuſaße — binn geren al Wäl ſein Au vor, ſch Hand. „Di Stimme „De für ein⸗ nator, 5 S es heiriſſt t Roms Tone, iſ icht Deine für Ron ausſetzen“ zu, welch ten, durg die Wachen gen⸗ Dich ku) Tod kam den ſagen Euch eing ne für mei tes Mongn werden un in Wen abhäng, geſtatten, ber? ſagt könnte i en Euren Legt Eute könnten wir Alles Golb al Euch ab⸗ mein Ve⸗ nehmen ſagen, muß ich dulden; aber um meines eigenen Vewußtſeins willen müſſen meine Augem rein gegen Beſtechung ſein. Ich bin Gott für die Wohl⸗ fahrt Roms verantwortlich. Und Rom zittert, oſo lange das Haupt der großen Compagnie in dem brü⸗ tenden Gehirne und in dem kühnen Herzen Walters von Montreal lebt. Mann— ſo reich, groß und ſchlau Du biſt, Deine Stunden ſind gezühtt. mit Sontenaufgang mußt Du ſterben!“ Montreals Auge läs auf dem Antlitz des Seua⸗ tors, daß ihm keine Hoffnung mehr blieb; und ſeine Kraft kehrten ihm zurück. „Wir haben unnütze Worte verſchwendet,“ ſagte eriich ſpielte ein großes Spiel, habe es verloren und muß dafür büßen! Ich bin bereit.⸗An der Gtenze zweier Welten kommt der dunkle Geiſt der Weiſſagung über uns. Großer Senator, ich gehe Dir voran, um anzuſägen, daß— in dem Himmel oder in der Hölle — binnen weniger Tage Raum für einen Mächti⸗ geren als ich bin, geſchafft werden muß!“ Während er ſprach, wurbe ſeine Geſtalt größer, ſein Ange funkelte; Rienzi bebte, wie noch nie zu⸗ vor, ſchrack zurück und bedeckte ſein Antlitz mit der Hand. „Die Art Eures Todes?“ fragte er mit hohler Stimme. „Das Beilz als diejenige, welche ſch am beſten für einen Ritter und Krieger ſchickt⸗ Für Dich, Se⸗ nator, hat das Schickſal einen minder edeln Tod.“ „Schweige, Ränber!“ ſagte Rienzi kidenſchaft⸗ 364 lich;„Wachen, führt den Gefangenen zurück. Mit Sonnenaufgang, Montreal——“ „Geht die Sonne der Geißel von Italien unter,“ ſagte der Ritter bitter.„Sei es ſo. Noch eine Bitte. Die Johanniterritter rühmen ſich ihrer Verwandtſchaft mit dem Auguſtinerorden, gewährt mir einen Augt⸗ ſtiner zum Beichtiger.“ „Zugeſtanden, und zur Vergeltung Deiner An⸗ drohungen will ich, der ich Dir auf Erden keine Gnade widerfahren laſſen kann, den Richter Aller um Gnad für Deine Seele bitten!“ „Senator, menſchliche Vermittlung hat für mich keinen Werth mehr. Meine Brüder? Ihr Tod if für Deine Sicherheit oder Rache nicht nothwendig* Rienzi ſann einen Augenblick nach.„Nein,“ ſagt er,„ſie waren gefährliche Werkzeuge, aber ohne die ſie leitende Hand werden ſie unſchädlich verroſten. ueberdies leiſteten ſie mir einmal Dienſte. Gefan⸗ gener, ihr Leben wird geſchont.“ Fünftes Kapitel. Die Entdeckung. Der Rath war aufgehoben— Rienzi eilte in ſeine Gemächer. Unterwegs begegnete er Villan und drückte dem jungen Manne leidenſchaftlich die Hand.„Du haſt Rom und mich aus einer großen Gefahr gerettet,“ ſagte er,„die Heiligen mögen e Dir lohnen!“ Ohne Villani's Antwort ahzuwarten, eilte er ruhe in „No ſelbſt D nicht tro „Ich Ich höre beſt Wal ſolle dur „Der ſtarb,“ entkleidet „Col litik auch genügt, über ihr Dich um Mannes. „Nin „Hör tereſſe! keit und ſeinen Fe der über verabſche ren Dir wird Di Dir Gel ſagen— „Hal ück. Mit unter,“ eine Bitte. vandtſchaft nen Augu⸗ einer An⸗ ine Gnade um Gnade für mich e Tod iſ hwendig!“ ein, ſagt⸗ r ohne die verroſten. Gefan⸗ i eilte in er Villaui aftlich die er grßen mögen es bzuwarten, eilte er fort. Nina erwartete ihn voll banger Un⸗ ruhe in ihrem Zimmer. „Noch nicht zu Bette?“ ſagte er,„ei, Nina! ſelbſt Deine Schönheit wird dieſen Nachtwachen nicht trotzen““ „Ich konnte nicht ruhen, ehe ich Dich geſehen. Ich höre(ganz Rom hat es zuvor gehört), Du ha⸗ beſt Walter von Montreal feſtnehmen laſſen, und er ſolle durch die Hand des Henkers ſterben.“ „Der erſte Räuber, der je eines ſo tapfern Todes ſtarb,“ antwortete Rienzi, während er ſich langſam entkleidete. „Cola, ich habe nie Deine Plane,— Deine Po⸗ litik auch nur durch einen Wink durchkreuzt. Mir genügt, mich des Gelingens derſelben zu freuen, über ihr Fehlſchagen zu trauern. Jetzt bitte ich Dich um eine Gnade— ſchone das Leben dieſes Mannes.“ „Nina——“ „Höre mich,— ich rede nur in Deinem In⸗ tereſſe! Trotz ſeiner Verbrechen haben ſeine Tapfer⸗ keit und ſein Geiſt ihm Bewunderer, ſogar unter ſeinen Feinden erweckt. Mancher Fürſt, mancher Staat, der über ſeinen Fall frohlockt, wird ſeinen Richter verabſcheuen. Höre mich weiter; ſeine Brüder wa⸗ ren Dir zu Deiner Rückkehr behülflich; die Welt wird Dich undankbar nennen. Seine Brüder liehen Dir Geld, die Welt—(Pfui über ſie!)— wird ſagen——“ „Halt!“ unterbrach ſie der Senator.„Alles, was 366 Du ſagſt, ſah ich im Geiſte voraus Aher Du kenſ mich— Dir verberge ich nichts. Kein Verttag kann Montreals Treue binden— keine Gnade ſein Dankbarkeit gewinnen Wahrheit und Gerechtigkei verſchwinden vor ſeiner blutigen Rechte. Wenn ich Montreal verurtheile, ſo ſetze ich mich böſen Nach⸗ reden und Gefahren aus— das göbe ich zu. Wem ich ihn freigebe, werden noch, ehe wir die Uerſte Regenſchauer des Aprils empfinden, die Schlacht roſſe der Nordmänner in den Hallen des Capi⸗ tols wiehern. Was ſoll ich bei dieſer Wahl auf das Spiel ſetzen— mich ſelbſt, oder Rom? Dring nicht weiter in mich— zu Bette, zu Bette!“ ( Könnteſt Du meine Ahnungen Dir denken, geheimnißvoll— düſter— unerklärlich!“ „Ahnungen!— Ich habe meine eigenen,“ u wortete Rienzi trübſinnig und ſtierte in die leere Luft als ſähe er ſie mit Geſpenſtern bevölkert. Dann hob er ſeine Augen zu dem Himmel und ſagte mit jener fanatiſchen Heftigkeit, in welcher ſeine Stärk⸗ wie ſeine Schwäche begründet war„Herr, di Sünde Sauls ſei wenigſtens nicht die meinige! Det Amalekiter ſoll nicht gerettet werden!“ Während Rienzi einen kurzen, unruhigen, niit erquickenden Schlummer genvß, über welchen Nine wachte— ohne Schlaf, voll Angſt und Thränen von vunkeln, furchtbaren Ahnungen niedergedrückt— war der Ankläger glücklicher, als der Richter. Die letzten vunkeln Gedanken, welche dem jungen Geiſt Angelo Villani's vorſchwebten, ehe er in Schlaf ve⸗ ſank, w keine G eines At daß ſein Die dan und die dem See Schlaf 1 Kau äls er b ſelbſt nu mir, M Vote un tet Euch, iſt auf d unverzüg Angr lich ſein aber ehr vete ſich mit dieſe pitols m Lärmen ſah Ang — ſchla der Dät ſchwer v lief ihn⸗ frühe w ſchen be Du kemſt Vertr nade ſeine erechtigkeit Wenn ich ſen Nach⸗ zu. Wen die erſter Schlacht⸗ des Capi⸗ Wahl auf 2 Dring tte1 nken, Cylh nen,“ ant leere Luft, Dann ⸗ ſagte mi ine Stärk⸗ Herr, die nige! Det gen Geiſte Schlaf ver⸗. 367 ſank, waren glänzend und hoffnungsvyll. Er fühlte keine Gewiſſensbiſſe varüber, daß er dem Vertrauen eines Andern eine Schlinge gelegt— er fühlte nur, vaß ſein Plan gelungen, ſein Auftrag vollzogen war. Die vankbaren Worte Rienzi's klangen in ſeinem Ohr und die Hoffnung auf Vermögen und Macht unter dem Seepter des römiſchen Senators wiegten ihn in Schlaf und umgankelten ihn in ſeinen Träumen. Kaum hatte er jedoch zwei Stunden geſchlafen, als er vurch einen der Bevienten des Palaſtes, der ſelbſt nur halb wach war, geweckt wurde„Verzeiht mir, Meſſere Villani,“ ſagte dieſer,„aber es iſt ein Vote unten von der guten Schweſter Urſuln; er bit⸗ tet Euch, augenblicklich in das Kloſter zu eilen— ſie iſt auf den Dod krank und hat Nachrichten, die Eure unverzügliche Gegenwart etheiſchen.“ Angelo, deſſen krankhafte Empfindlichkeit hinſicht⸗ lich ſeiner Abſtammung ſich immer mit unbeſtimmten, aber ehrgeizigen Hoffnungen trug— ſtand auf, klei⸗ vote ſich eilig an, traf unten den Boten und ging mit vieſem nach bem Kloſter. In dem Hofe des Ca⸗ pitols und hei der Löwentreppe hörte man ſchon den Lirmen ver Zimmerleute, und als er zurückblickte, ſah Angelo Villani das Schaffot, ſchwarz verhängt — ſchlafend, wie eine Wolke in dem grauen Lichte der Dämmerung— in bieſem Augenblicke ertönte ſchwer vie Glocke ves Capitols. Ein Schander übet“ lief ihn, Er eilte fort;— ungeachtet es noch ſehr frühe war, begegnete er doch Gtuppen von Men⸗ ſchen beiverlei Geſchlechtes, welche durch die Straßen 368 eilten, um Augenzeugen von der Hinrichtung des ge⸗ fürchteten Hauptmannes der großen Compagnie zu ſein. Das Auguſtinerkloſter lag an dem fernſten Ende der ſelbſt damals noch ſo ſehr ausgedehnten Stadt, und der rothe Schimmer auf den Kuppen der Hügel ver⸗ kündete ſchon die aufgehende Sonne, ehe der junge Mann die ehrwürdige Pforte erreichte. Sein Namt verſchaffte ihm augenblicklichen Zutritt. „Gebe der Himmel,“ ſagte eine alte Nonne, di ihn durch einen langen, krummen Gang führte,„daß Du der kranken Schweſter Troſt bringeſt; ſie hat ſeit der Frühmette ſchmerzlich nach Dir verlangt.“ In einer Zelle, eingerichtet zum Empfange von weltlichen Beſuchen, bei ſolchen Schweſtern, welch die nöthige Diſpenſation erhalten hatten, ſaß die betagte Nonne. Nur einmal hatte Angelo ſie ſeit ſeiner Rückkehr nach Rom geſehen und ſeither hatte die Krankheit eine bedeutende Verheerung in Ge⸗ ſtalt und Zügen terſelben angerichtet. Und jett, in ihren leichenähnlichen Kleidern und mit ihren abgemagerten Körper ſchien ſie bei der Helle des Morgens wie ein Geſpenſt, das der Tag noch auf der Erde überraſcht hatte. Dennoch ging ſie mit kräſtigerer, raſcherer Bewegung auf den Jüngling zu, ols bei ihrem abgezehrten, geiſterhaften Aus⸗ ſehen möglich ſchien.„Du biſt gekommen,“ ſagte ſie.„Gut, gut! dieſen Morgen nach der Frühmette nahm mich mein Beichtiger, ein Auguſtiner, der allein die Geheimniſſe meines Lebens kennt, bei Seite und ſagte mir, daß Walter von Montreal von d zum T der B um ih es ſo? „ gelo Du zu oft ge K ter! tors, werfe auf G das Le „C „ ſter w war. erhabe lobte — wl — eit Tod entriß es for bracht Sünd hiſt d Vater 3des ge agnie zu ſten Ende tadt, und ügel ver⸗ er jenge ein Name onne, die te,„daß ſie hat langt.“ inge von welche ſaß die o ſie ſeit her hat in Ge⸗ und jetzt, nit ihrem Helle des noch auf ſie mit Jüngling ten Aus⸗ ſagte Frühmette ner, der ennt, bei Montreal von dem Senator feſtgenommen worden— daß er zum Tode verurtheilt ſei, und daß man einen von der Brüverſchaft der Auguſtiner habe holen laſſen, um ihm in ſeiner letzten Stunde beizuſtehen— iſt es ſo?“ „Man hat Dir die Wahrheit erzählt,“ ſagte An⸗ gelv verwundert.„Der Mann, bei deſſen Namen Du zu ſchaudern pflegteſt— vor dem Du mich ſo oft gewarnt haſt,— ſtirbt mit Sonnenaufgang.“ „So bald!— ſo bald!— O, barmherzige Mut⸗ ter!— fliehe! Du biſt um die Perſon des Sena⸗ tors, Du ſiehſt in hoher Gunſt bei ihm; fliehe! werfe Dich vor ihm auf die Knie— und wenn Du auf Gottes Gnade hoffſt, ſo ſtehe nicht auf, ehe Du das Leben des Provenzalen erfleht haſt.“ „Sie rast,“ murmelte Angelo mit bleichen Lippen. „Ich raſe nicht,— Knabe!“ ſchrie die Schwe⸗ ſter wild,„wiſſe, daß meine Tochter ſeine Geliebte war. Er entehrte unſer Haus,— ein Haus, das erhaben über das ſeinige war. Ich Sünderin ge⸗ lobte Rache. Sein Knabe— ſie hatten nur einen! — wurde in dem Lager eines Räubers auferzogen; — ein Leben voll Blutvergießen— ein ſchmählicher Tod— die ewige Verdammniß lagen vor ihm. Ich entriß das Kind einem ſolchen Schickſale— ich ſchaffte es fort— ich ſagte dem Vater, es ſei todt— ich brachte es auf ven Pfad der Ehre. Möge meine Sünde mir vergeben werden! Angelo Villani, Du biſt dieſes Kind.— Walter von Montreal iſt Dein Vater. Aber jetzt, am Rande des Grabes, ſchaudere 370 ich bei den Rachegedanken, die ich einſt nährte. Viel⸗ leicht——“ „Eine verfluchte Sünderin!“ unterbrach ſie Vil⸗ lani mit lautem Brüllen,— eine veyfluchte Sün⸗ derin biſt Du in der That! Wiſſe, daß ich es war der den Geliebten Deiner Tochter verrieth!— durch den Verrath des Sohnes ſtirbt der Vater!“ Keinen Augenblick zögerte er länger; er wartele den Eindruck nicht ab, den ſeine Worte hervorge⸗ bracht hatten. Wie ein Wahnſinniger— wie Einer, den ein böſer Geiſt beſitzt ober verfolgt— ſtürzte er aus dem Kloſter— er flog durch die leeren Stra⸗ ßen. Die Todtenglocke drang zuerſt undeutlich, dann laut zu ſeinem Ohr. Jeder Schlag ſchien ihm wie der Fluch Gottes; fort— fort— rannte er durch die verlaſſenen Straßen— Menſchenhaufen ſtrömten jetzt vor ihm her— er wurde in ven le⸗ bendigen Strom hineingeriſſen, aufgehalten, zurück⸗ gedrängt— Taufende und aber Tauſende waren um ihn un? vor ihm. Athemlos, keuchend drängte er ſich immer noch vor— er machte ſich mit Gewalt Platz— er hörte nicht— er ſah nicht— Alles war wie ein Traum. Auf ging die Sonne über den fernen Hügeln!— die Glocke verſtummte! Rechts und links ſtieß er die Menge bei Seite— ſeine Kraft war die eines Rieſen. Er näherte ſich dem ver⸗ hängnißvollen Orte. Ein tödtliches Schweigen lag wie Gewitterluft über der Menge. Er hörte, als er ſich vorwärts drängte, eine tiefe, klare Stimme — es war die Stimme ſeines Vaters!— ſie ver⸗ ſtumm murm raunte verſpe die S vurch Platze — ab das fu Ehe e vund Walte V bebte ſeine triefer gemäß ſeß— das ei ſich de lich l zu rä W Maria Viel⸗ e Sün⸗ es war, — durch wartele evorge⸗ Einer, ſtürzte n Stra⸗ eutlich, en i unte er haufen ven le⸗ zurück⸗ ren un ngte er Gewalt Alles ber den Rechts e Kraft m ver⸗ en lag te, als Stimme ſie ver⸗ ſtummte— die Verſammlung athmete ſchwer— ſle murmelten— ſie wogten hin und her. Fort, fort raunte Angelb Villani. Die Wachen des Senators verſperrten ihm den Weg; er ſtieß ihre Piken auf die Seite— er entwand ſich ihren Armen— er drang durch die bewaffnete Schranke— er ſtand auf dem Platze des Capitols.„Halt, halt!“ wollte er rufen — aber der Schtecken machte ihn ſtumm! Er ſah das funkelnde Beil— er ſah den hingebogenen Nacken. Ehe er noch einmal Athem holte, wurde ein entſtelltes, vun dem Rumpfe getrenntes Haupt emporgehoben— Walter von Montreal war nicht mehr! Villani ſah es— er wurve nicht ohnmächtig— bebte nicht zurück— athmete nicht!— aber er wandte ſeine Augen von dem in die Höhe gehaltenen, blut⸗ triefenden Haupte nach dem Balkon, wo ver Sitte gemäß in feierlichem Prunke ver Senator von Rom ſeß— und das Antlitz des jungen Mannes war wie das eines Dämons! „Ha!“ murmelte er vor ſich hin, und erinnerte ſich der Worte Rlenzi's ſteben Jahre früher:„Glück⸗ lich biſt Du, der Du kein Verwandtenblut zu rächen haſt!“ Sechſtes Kapitel⸗ Die drohende Geſahr. Walter von Montreal wurde in der Kirche Sanet Maria dell' Araceli begraben. Aber„das Unheil, das 372 er angerichtet, lebte noch nach ihm!“ Obgleich der Pöbel bis zu ſeiner Gefangennehmung gegen Rienzi gemurrt hatte, daß er einen ſo offenkundigen Frei⸗ beuter ſo ungeſtört ſein Weſen treiben laſſe, war er doch kaum todt, als ſie ſchon den Gegenſtand ihres Abſchenes bemitleideten. Zufolge der eigenthümlichen Art von Frömmigkeit, welche Montreal als einen ehrenwerthen, natürlichen Charakterzug an einem Krieger ſtets bewieſen hatte, überließ er ſich, ſobald ſein Urtheil gefällt war, der andächtigen Vorberei⸗ tung zum Tode. Mit dem Auguſtinermönche brachte er den kurzen Reſt der Nacht in Gebet und Beichte hin, tröſtete ſeine Brüder und beſtieg das Schoffot mit dem Schritte eines Helden und der Schuldbewußt⸗ loſigkeit eines Märtyrers. In der wunderbaren Ver⸗ irrung des menſchlichen Herzens waren, weit entfernt, Gewiſſensbiſſe über ein Leben von handwerksmäßig verübtem Raub und Mord zu fühlen, beinahe die letzten Worte des tapferen Kriegers eine ſtolze An⸗ rühmung ſeiner Thaten.„Seid tapfer, wie ich,“ ſagte er zu ſeinen Brüdern,„und bedenkt, daß Ihr jetzt die Erben ves Mannes ſeid, der Apulien, Toskana und die Mark gedemüthigt.“* Dieſes Selbſtvertrauen behielt er noch auf dem Schafſot.„Ich ſterbe,“ ſagte er in ſeiner Anrede an die Römer,„ich ſterbe zufrieden, da meine Gebeine *Die Worte Montreals lauten in dem Originale noch ſtärker und ſelbſtgefälliger;„Pregovi che vi amiate e siate valorosi al mondo, come fui io, che mi feci fare ob- pedienza a la Puglia, Toscana, e a la Marca.“— Vi. di Col. di Riensi, lih. M. ecnp. 22. in det heilige den B ungere brecher gerin. Stund real, gegen langſa bewahr das S nehme Streich De und di was in real“ und Y dulpho ſpäter Mißbil * T ſind von Schriftſt ſo große alle Miſ geſſend, überdies Freund vernomm eich der Rienzi en Frei⸗ war er id ihres imlichen s einen einem ſobald orberei⸗ brachte Beichte Schoffot bewußt⸗ en Ver⸗ entfernt, ksmäßig tahe die ze An⸗ „ ſagte hr jetzt Toskana auf dem nrede an Gebeine nale noch e e siate fare ob- — Vi. in der heiligen Kirche des heiligen Peter und ves heiligen Paul ruhen werden, und der Krieger Chriſti den Begrähnißplatz der Apoſtel theilt. Aber ich ſterbe ungerechter Weiſe Mein Reichthum iſt mein Ver⸗ brechen— die Armuth Eures Staates meine Anklä⸗ gerin. Senator von Rom, Du magſt meine letzte Stunde beneiden— Männer, wie Walter von Mont⸗ real, ſterben nicht ungerächt.“ Hierauf wandte er ſich gegen Morgen, murmelte ein kurzes Gebet, kniete langſam nieder und ſagte, wie zu ſich ſelbſt:„Rom bewahre meine Aſche!— die Erde mein Andenken— das Schickſal meine Rache— und jetzt, Himmel, nehme meine Seele auf!— Hautzu!“ Auf den erſten Streich war das Haupt von dem Rumpfe getrennt. Da man ſeine Verrätherei nur unvollſtändig kannte, und vie Furcht vor ihm bald vergaß, ſo war alles, was in der Erinnerung Roms von Walter von Mont⸗ real“ fortlebte: Bewunderung ſeines Heldenmuthes und Mitleid mit ſeinem Ende. Das Schickſal Pan⸗ dulpho di Guido's, welcher Montreal einige Tage ſpäter folgte, erregte noch tiefere, obwohl ruhigere Mißbilligung des Senators.„Er war einſt Rienzi's »Der militäriſche Ruf und die kühnen Thaten Montreals ſind von allen italieniſchen Autoritäten anerkannt. Einer ver Schriftſteller erklärt, daß ſeit den Zeiten Cäſars Ztalien nie einen ſo großen Feldherrn geſehen. Der Biograph Rienzi's ſcheint, alle Miſſethaten des glänzenden uud ritterlichen Räubers ver⸗ geſſend, nur Vedauern mit ſeinem Schickſale zu fühlen. Er ſagt überdies noch, in Tivoli ſei einer ſeiner Diener(vielleicht unſer Freund Rudolph, der Sachſe) den Tag, nachdem er ſeinen Tod vernommen, aus Kummer geſtorben. 374 Freund!“ ſagte der Eine.„Er war ein ehrbarer, rechtſchaffener Bürger,“ murmelte ein Anderer.„Er war ein Vertreter des Volkes!“ grollte Ceceb del Verchio. Aber der Senator hatte den Entſchluß ge⸗ faßt, unbeugſam gerecht zu ſein und jede Gefahr; die Rom bedrohte, anzuſehen, wie es einem Römer ge⸗ ziemte. Rienzi erinnerte ſich, vaß ſein Vertrauen ſtets verrathen worden ſei, daß er nur vergeben habe, um die Feindſchaft zu verſtärken. Er war unter einem trotzigen Pöbel, unter unzuverläſſigen Freunden und ſchlauen Feinden, und unzeitige Gnade war nur eine Aufmunterungsprämie zu neuen Verſchwörungen. Und doch zeigte ſich der Kampf, den er beſtand, deutlich in den hyſteriſchen Aufregungen, die er verurſachte. Baldweinte er bitterlich, bald lachte er laut.„Soll ich nie wieder die Wonne der Vergebung genießen?“ ſagte er. Die rohen Zeugen einer ſolchen Aufregung hielten es— für Schwäche, für Hruchelei. Aber die Hinrichtung hatte für den Augenblick die gewünſchten Folgen! Aller Aufruhr war gedämpft/ Schrecken verbveitete ſich durch die Stabt, Ordnung und Friede zeigte ſich äußerlich wieder; aber in der Tiefe, nach dem kräftigen Aut⸗ vrucke eines Zeitgenoſſen,„Lo mormorito queta- menté suonawa.““ Wenn wir das Benehmen Rienzi's während dieſer furchtbaren Periode ſeines Lebens ohne Leidenſchaſt prüfen, ſo iſt es kaum mößlich, ihn hinſichtlich ſeinet Politik auch nur eines einzigen Mißgriffes zu über⸗ „ Dauerte das Gemurmel leiſe fort⸗ weiſen. unnöth trunker Einbilt Trihun war di ſelfälle ſtandes aufmer ein un lichen? an die er Alle der St Kriege. und di und ſch lich. Lienten leſtring und G ſchwier bemerk ſich de linge baldi Thätig Feinde dem ne nachga hrbarer, r. 9 Er ecc del luß ge⸗ hr, die mer ge⸗ en ſtets be, um einem den und nur eine en Und ich in den ldweinte ie wieder er. Die nes— nrichtung en! Aller ſich durch äußerlich gen Ait⸗ uet end dieſer idenſchaſt ich ſeinet zu über⸗ weiſen. Von ſeinen Fehlern geheilt, ſtellte er keinen unnöthigen Prunk mehr zur Schau— er legte keinen trunkenen Stolz mehr an den Tag— die glänzende Einbildungskraft mehr, als die Eitelkeit, welche den Trihun zu dem offenen Gepränge veranlaßt hatte, war durch die nüchterne Erinnerung an ernſte Wech⸗ ſelfälle, und durch die ernſte Ruhe eines reiferen Veb⸗ ſtandes in Schlummer gewiegt. Mäßig, umſichtig, aufmerkſam, geſammelt, wie er,„ſah man,“ bemerkt ein unparteiiſcher Zeuge,„nie einen ſo außerordent⸗ lichen Mann. In ihm vereinigten fich alle Gedanken an die Bebürfniſſe Roms. Unermüblich thätig, nahm er Alles in Angenſchein, ordnete und regelte es, in der Stadt und bei dem Heere, im Frieden und im Kriege. Aber er fand nur ſchwache Unterſtützung, und diejenigen, welche er verwandte, waren nur lau und ſchläfrig.“ Noch immer waren ſeine Waffen glück⸗ lich. Platz um Platz) Feſte um Feſte ergaben ſich dem Lientenant des Senators und die übergabe von Pa⸗ leſtring ſelbſt wurde ſtünblich erwartet. Seine Feinheit und Gewandtheit zeigten ſich immer überraſchend in ſchwierigen Lagen, und der Leſer hat ohne Zweifel bemerkt, wie augenſcheinlich ſie hervortraten, als er ſich der eiſernen Vormundſchaft ſeiner fremden Söld⸗ linge entledigte. Von Rom entfernt und unter Anni⸗ baldi gegen die Barone beſchäftigt, hielten beſtändige Thätigkeit und vauerndes Glück dieſe nothwenbigen Feinde ab, ihren Gebieter anzufallen, während Rienzi dem natürlichen Widerwillen der Römer gerne dadurch nachgab, daß er die Männer des Nordens außer aller 376 Berührung mit der Stadt hielt und, wie er ſich rühmte, ver einzige Herrſcher in Italien war, der, nur von ſeinen Bürgern bewacht, in ſeinem Palaſte regierte⸗ Trotz ſeiner gefährlichen Lage, trotz ſeines Arg⸗ wohns und ſeiner Beſorgniſſe befleckte doch keine muthwillige Grauſamkeit ſeine ſtrenge Gerechtigkeit— Montreal und Pandulpho di Guido waren die ein⸗ zigen politiſchen Opfer, die er forderte. Wenn nach dem dunkeln Macchiavellismus der italieniſchen Weisheit die Hinrichtung dieſer Feinde unklug war, ſo verdiente vieſen Tadel nicht die Handlung ſelbſt, ſondern die Art ihrer Ausführung. Ein Fürſt von Bologna oder Mailand hätte es vermieden, das Mitgefühl durch das Schaffot rege zu machen, und Gift oder Dolch hätten mit weniger Gefahr den Dienſt des Beiles verrichtet. Aber trotz aller ſeiner wirklichen, oder ihm zur Laſt gelegten Fehler förderte keine einzige Handlung jener ſchändlichen, mörderiſchen Politik, worin die Weisheit der glücklicheren Fürſten Italiens beſtand, je den Ehr⸗ geiz, oder verbürgte die Sicherheit des letzten der rä⸗ miſchen Tribunen. Was auch ſeine Fehler waren, er lebte und ſtarb, wie es einem Manne geziemte, der den eiteln, aber rühmlichen Traum träumte, er werde bei einem verdorbenen und feigen Volke den Geiſt der alten Republik wieder in das Leben zu rufen im Stanve ſein. Von allen, welche dem Senator dienten, war Angelo Villani immer noch der Eifrigſte und Geehr⸗ teſte. Rienzi beförderte ihn zu einem hohen bürger⸗ lichen Amte und fühlte es wie eine Rückkehr der Ju⸗ gend, d Dankba traute i ſeiner G rern de verkehre Eifer u zu unter würfe, fuhr un die Stel getreten Auf nur mit hahe eit Worten Als ſagte er bieter, auszeicht mich zu „Ich gelo; al „Me Wachen „Ich „We trauen? „Nu Bulw rühmte, nur von regierte. es Arg⸗ ch keine igkeit— die ein⸗ enn nach Weisheit verdiente dern die gna oder urch das h hätten errichtet⸗ zur Laſt ng jener Weisheit den Ehr⸗ tder rä⸗ waren, geziemte, umte, er olke den zu rufen en, war Geehr⸗ bürger⸗ der Ju⸗ gend, daß er Jemand fand, der Anſprüche auf ſeine Dankbarkeit hatte; er liebte den Jüngling und ver⸗ traute ihm wie einem Sohne. Villani wich nie von ſeiner Seite, außer, um mit den verſchiedenen Füh⸗ rern des Volkes in den verſch'edenen Stadttheilen zu verkehren, und bei dieſen Beſprechungen war ſein Eifer unermüdlich— er ſchien ſogar ſeine Geſundheit zu untergraben, und Rienzi machte ihm zärtliche Vor⸗ würfe, wenn er aus ſeinen eigenen Träumereien auf⸗ fuhr und das irre Auge, die gelbe Bläſſe, welche an die Stelle des Glanzes und der Blüte der Jugenb getreten, gewahrte. Auf ſolche Vorwürfe antwortete der junge Mann nur mit den immer gleichen Worten:„Senator, ich habe eine große Pflicht zu erfüllen,“ und bei dieſen Worten lächelte er. Als eines Tages Villani bei dem Senator war, ſagte er plötzlich:„Erinnert Ihr Euch, mein Ge⸗ bieter, wie ich mich vor Viterbo ſo in den Waſffen auszeichnete, daß ſelbſt der Cardinal von Albornoz mich zu bemerken geruhte?“ „Ich erinnere mich Deiner Tapferkeit wohl, Au⸗ gelo; aber warum dieſe Frage?“ „Mein Gebieter, Bellini, der Hauptmann der Wachen des Capitols iſt gefährlich krank.“ „Ich weiß es.“ „Wem kann mein Gebieter dieſen Poſten anver⸗ trauen?“ „Nun, dem Lieutenant.“ Bulwer, Rienzi. MI. 25 „Wie!— einem Krieger, der unter den Orfini grdient!“ „Wahr. Nun! da haben wir Tommaſo Filangieri.“ „Ein ausgezeichneter Mann; iſt er aber nicht ein Blutsverwandter von Pändulpho di Guido?“ „Ha— iſt er dies? Daran muß man denken. Haſt Du mir einen Freund zu nennen?“ ſagte der Senator lächelnd. Ich glaube, Deine Sophismen zielen varauf hin.“ „Mein Gebieter,“ verſetzte Villani erröthend,„ich bin vielleicht zu jung; aber der Poſten verlangt mehr Treue als Jahre. Soll ich es geſtehen? Ich würde Dir lieber mit dem Schwerte als mit der Feder dienen.“ „Würdeſt Du in der That den Poſten annehmen? Es ſind weniger Würde und Vortheile mit demſelben verbunden, als mit demjenigen, welchen Du gegen⸗ wärtig bekleideſt, und Du biſt noch ſehr jung, um vieſe unbiegſamen Geiſter zu lenken.“ „Senator, ich führte bei dem Kampfe von Vi⸗ terbö größere Männer an, als dieſe hier. Aber ſei es, wie es Deiner beſſern Einſicht gefällt. Was Du thun magſt, ſo bitte ich Dich, ſei vorſichtig. Wenn Du zu dem Befehle über die Wachen des Ca⸗ pitols einen Verräther wählteſt!— Ich zittere bei dem Gedanken!“ „Bei meiner Treue, Du wirſt blaß darüber, guter Knabe; Deine Liebe iſt ein ſüßer Tropfen in einen bitteren Trank. Wo kann ich einen Beſſeren wählen, als Dich?— Du ſollſt den Poſten haben, wenigſtens ſo lange Bellini unwohl iſt. Ich werde heute Deine jenige arbeit „G nur w erfülle Ne vrückt, des pä waren, einen ſeiner ging de Legion theidig er unte Mann Ab dieſer verdam Vaterl derjeni erhielte großen n Orfin angieri.“ nicht ein 4 denken. ſagte der en zielen end,„ich ngt mehr ch würde dienen.“ nehmen demſelben u gegen⸗ ung, um von Vi⸗ Aber ſei llt. Was vorſichtig. n des Ca⸗ zittere hei darüber, ropfen in Beſſeren ken haben, Ich werde heute dafür ſorgen. Das Geſchäft wird übervies Deinen jungen Geiſt weniger anſtrengen, als das⸗ jenige, welches Dir gegenwärtig obliegt. Du über⸗ arbeiteſt Dich in unſerem Dienſte.“ „Senator, ich kann meine oft gegebene Antwort nur wiederholen:— Ich habe eine große Pflicht zu erfüllen!“ Siebentes Kapitel. Die Steuer. Nachdem dieſe furchtbaren Verſchwörungen unter⸗ drückt, die Barone beinahe beſiegt, und drei Viertheile des päpſtlichen Gebietes wieder mit Rom vereinigt waren, glaubte Rienzi, er werde jetzt mit Sicherheit einen ſeiner Lieblingsplane zur Erhaltung der Freiheit ſeiner Vaterſtadt ins Werk ſetzen können; und dieſer ging dahin, in jedem Quartiere von Rom eine römiſche Legion aufzubringen und zu organiſtren. Zu der Ver⸗ theidigung ihrer eigenen Verfaſſung bewaffnet, hoffte er unter den Bürgern die geſammte, für Rom nöthige Mannſchaft aufzubringen. Aber ſo elend waren die Werkzeuge, mit welchen dieſer große Mann ſeine edeln Plane auszuführen verdammt war, daß ſich Niemand fand, der ſeinem Vaterlande ohne eine Bezahlung dienen wollte, die derjenigen gleichkam, welche die fremden Sölblinge erhielten. Mit dem übermuthe, der einem früher großen Geſchlechte ganz beſonders eigen iſt, ſagte 380 jeder Römer;„Bin ich nicht beſſer, als ein Deut⸗ ſcher?— So bezahlt mich auch in dieſem Verhältniſſe.“ Der Senator unterdrückte ſeinen Unmuth— er hatte endlich einſehen lernen, daß das Zeitalter der Catone vorüber war. Von einem kühnen Enthu⸗ ſiaſten hatte ihn die Erfahrung in einen praktiſchen Staatsmann verwandelt. Die Legionen waren für Rom nothwendig— ſie wurden gebildet— ſtattlich war ihr Außeres, tadellos ihre Ausrüſtung. Aber wie ſollten ſie bezahlt werden? Es gab nur ein Mittel, Rom zu erhalten— Rom mußte beſteuert werden. Es wurde auf Wein und Salz Auflage gemacht. Die Proklamation lautete, wie folgt: „Römer! Zu der Würde Eures Senators erhoben, waren alle meine Gedanken auf Eure Freiheit und Wohlfahrt gerichtet; ſchon zeugen die Vereitlung des Verrathes in unſerer Stadt, unſere ſiegenden Banner im Felde von dem Wohlgefallen, womit die Gottheit auf Männer herabblickt, welche Freiheit und Geſetz zu vereinigen trachten. Laßt uns Italien und der Welt ein Beiſpiel geben! Laßt uns beweiſen, daß das römiſche Schwert das römiſche Forum zu beſchützen im Stande iſt! In jedem Quartiere der Stadt iſt eine aus ſtädtiſchen Gewerbetreibenden und Hand⸗ werkern beſtehende Legion gebildet worden; dieſe ſagen, ſie können ohne Entſchädigung ihre Geſchäfte nicht verlaſſen. Euer Senator fordert Euch auf, ihm be⸗ reitwillig zu Eurer eigenen Vertheidigung beizuſtehen. Er hat Euch Freiheit gegeben; er hat den Frieden unter ſind jetzt, haltet Opfe zu g ich er mir z beſteu D T Plätz eine 2 heftig ſie ſi „ Barv „ „uns ſere. ſollen Koſte Man wirth ſagte 1Deut⸗ ltniſſe.“ — er lter der Enthu⸗ aktiſchen wen für ſtattlich Aber nur ein beſteuert Auflage erhoben, iheit und lung des Banner Gottheit nd Geſetz und der „daß das beſchützen Stadt iſt d Hand⸗ eſe ſagen, ifte nicht ihm be⸗ izuſtehen. n Frieden unter Euch wieder hergeſtellt; Euere Unterdrücker ſind über die Erde hin zerſtreut. Er bittet Euch jetzt, den Schatz, den Ihr gewonnen, auch zu er⸗ halten. Um frei zu ſein, müßt Ihr Etwas zum Opfer bringen; welches Opfer wäre für die Freiheit zu groß? Im Vertrauen auf Euern Beiſtand übe ich endlich zum erſten Male das kraft meines Amtes mir zuſtehende Recht aus— und für das Heil Roms beſteure ich die Römer!“ Dann folgte die Verkündigung der Auflage. Die Proklamation wurde auf den öffentlichen Plätzen angeſchlagen. Um eines der Plakate war eine Menge Volkes verſammelt. Ihre Geberden waren heftig und übereilt— ihre Blicke ſprühten Feuer— ſie ſprachen leiſe, aber lebhaft. „So wagt er uns alſo zu beſteuern! Nur die Barone, oder der Papſt haben ein Recht hiezu!“ „Schande! Schande!“ ſchrie ein hageres Weib; „uns, die wir ſeine Freunde waren! Wie ſollen un⸗ ſere Kinder Brod bekommen?“ „Er hätte ſich das Geld des Papſtes aneignen ſollen!“ ſagte ein ehrbarer Weinhändler. „Ach! Pandulpho di Guido hätte auf ſeine eigene Koſten eine Armee unterhalten. Er war ein reicher Mann. Welche Frechheit von dem Sohne des Gaſt⸗ wirthes, Senator ſein zu wollen!“ „Wir find keine Römer, wenn wir dies dulden!“ ſagte ein Ausreißer von Paleſtrina. „Mitbürger!“ rief mürriſch ein großer Mann, der ſich bis jetzt von einem Schreiber die einzelnen Punkte der aufgelegten Steuer hatte vorleſen laſſen und deſſen ſchweres Hirn endlich begriff, daß der Wein theurer werden ſollte—„Mitbürger, wir müſſen eine neue Revolution haben! Das heißt wahr⸗ lich Dankbarkeit! Was haben wir dadurch gewonnen, daß wir dieſen Mann wieder einſetzten? Sollen wir immer in den Staub getreten werden? Zahlen — zahlen— zahlen! Sollen wir nur dazu zu ge⸗ brauchen ſein?“ „Hört auf Cecco del Vecchio!“ „Nein, nein; jetzt nicht;“ grollte der Schmied. „Heute Nacht haben die Handwerker für ſich eine Zuſammenkunft. Wir wollen ſehen— wollen ſehen!“ Ein junger, in einen Mantel gehüllter Mann, der bis jetzt nicht bemerkt worden war, berührte den Schmied. „Wer übermorgen in der Dämmerung das Ca⸗ pitol ſtürmt, ſoll die Wachen ferne von ihren Poſten finden!“ Er war fort, ehe der Schmied ſich umblicken konnte. In dieſer Nacht ſagte Rienzi, als er ſich zur Ruhe begeben wollte, zu Angelo Villani:„Eine kühne, aber nothwendige Maßregel, die ich getroffen! Wie nimmt ſie das Volk auf?“ „Sie murren ein wenig, ſcheinen aber die Noth⸗ wendigkeit einzuſehen. Cecco del Veechio war der lauteſte Schreier, aber jetzt iſt er Derjenige, welcher am lauteſten ſich einverſtanden erklärt.“ „Der Mann iſt rauh; er verließ mich einmal; — ab Er ur bittere ſie eh Friede Jahrer ſein S dann „Q „ in Fri tiefe 6 für u Hunge Ange ſterb „Y ſagte 2 hänget „ als er Lächeln er eine Am großen laſſen ß der „ wir wahr⸗ onnen, Sollen Zahlen zu ge⸗ chmied. h eine ſehen!“ Mann, rte den as Ca⸗ Poſten — aber damals war es die fatale Ercommunication! Er und die Römer bekamen durch dieſen Abfall eine bittere Lehre, und die Erfahrung hat, ſo hoffe ich, ſie ehrlicher gemacht. Nun, wenn die Steuer im Frieden erhoben werden kann, ſo wird binnen zwei Jahren Rom wieder die Königin von Italien ſein; ſein Heer vollzählig— die Republik gebildet, und dann— dann——“ „Was dann, Senator?“ „Nun dann, mein Angelo, kann Cola di Rienzi in Frieden ſierben! Es gibt ein Bedürfniß, das eine tiefe Erfahrung in Macht und Glanz endlich fühlbar für uns macht— ein Bedürfniß, nagend wie der Hunger, ermüdend wie das des Schlafes!— mein Angelo, es iſt dies das Bedürfnißzu ſterben!“ „Mein Gebieter, ich gäbe meine rechte Hand,“ ſagte Villani ernſt,„wenn ich Euch ſagen hörte, Ihr hänget noch an dem Leben!“ „Du biſt ein guter Junge, Angelo!“ ſagte Rienzi, als er von ihm in Nina's Zimmer ging; in ihrem Lächeln und in ihrer ſorglichen Zärtlichkeit vergaß er eine Weile— daß er ein großer Mann war! Achtes Kapitel. Die Schwelle des Ausganges. Am nächſten Morgen hielt der Senator von Rom großen Hof im Capitol. Von Florenz, von Pabua, 384 von Piſa, ſogar von Mailand(wo der Visevuti herrſchte), von Genua, von Neapel— kamen Ge⸗ ſandte, ihm zu ſeiner Wiederkehr Gluͤck zu wünſchen. oder für die Beſreiung Italiens von dem Freibeuter Montreal zu danken. Venedig allein, welches die große Compagnie im Solde hatte, ſtand ferne. Nie war Rienzi dem Anſchein nach glücklicher und mäch⸗ tiger geweſen und nie hatte in der Majeſtät ſeines Benehmens ſo viel Leichtigkeit und Heiterkeit gelegen. Kaum war die Audienz vorüber, als ein Bote von Paleſtrina ankam. Die Stadt hatte ſich ergeben, die Colonna waren abgegangen und das Banner des Genators wehte von den Mauern der letzten Feſte der aufrühreriſchen Barvne. Rom konnte ſich endlich als frei betrachten, und nicht ein Feind ſchien mehr übrig, die Ruhe Rienzi's zu bedrohen. Der Hof löste ſich auf. Voll ſtolzer Freude begab ſich der Senator vor dem Bankette, das den Geſandten gegeben wurde, auf ſeine Zimmer. Villani begegneie ihm mit ſeiner gewöhnlichen, traurigen Miene. „Keine Traurigkeit heute, mein Angelo,“ ſagte der Senator heiter;„Paleſtrina iſt unſer!“ „Ich bin erfreut über ſolche Botſchaft und ſehe meinen Gebieter gerne ſo aufgeräumt,“ erwiderte Angelv.„Hat er jetzt nicht wieder Freude am Leben?“ „Wenn römiſche Tugend wieder auflebt, vielleicht — ja! Aber ſo find wir die Narren des Schickſals; — heute froh— morgen niedergeſchlagen!“ „Morgen,“ wiederholte Villani mechaniſch; ja — morgen vielleicht niedergeſchlagen!“ „D Rienzi Ab ters ni Da Rienzi höfliche Mo eiferten nators Compli Unterſt auf ſei Da Anläſſe Weine ſeine e die blaf unterg ſchweb Auf ei und B nachde die me Berge, Purpu nenlich die du etwas die ve gisevuti en Ge⸗ ünſchen. eibeuter ches die ne. Nie d mäch⸗ t ſeines gelegen. in Bote ergeben, nner des en Feſte h endlich en mehr de begab eſandten begegneie ene. , ſagte und ſehe erwiderte Leben vielleicht chickſals; iſch;„ju „Du ſpielſt mit meinen Worten, Knabe,“ ſagte Rienzi halb ärgerlich und wandte ſich hinweg. Aber Villani beachtete den Unmuth ſeines Gebie⸗ ters nicht. Das Banket war ſtark beſucht und glänzend, und Rienzi machte an jenem Tage ohne Anſtrengung den höflichen Wirth. Mailänder, Paduaner, Piſaner, Neapolitaner wett⸗ eiferten mit einander, ein Lächeln des mächtigen Se⸗ nators auf ſich zu ziehen. Verſchwenderiſch waren ihre Complimente— demüthigend ihre Anerbieten von Unterſtützung. Kein Monarch Italiens ſchien ſicherer auf ſeinem Throne. Das Banket war, wie gewöhnlich bei ſolchen Anläſſen, bald vorüber, und Rienzi, etwas von dem Weine erhitzt, verließ allein das Capitol. Er lenkte ſeine einſamen Schritte gegen den Palatinus und ſah die bla ſſen, ſchleierähnlichen Nebel, welche nach Sonnen⸗ untergang folgen, über dem wildwachſenden Graſe ſchweben, das über den Paläſten der Cäſaren wuchert. Auf einem Trümmerhaufen von umgeſtürzten Säulen und Bogen ſtand er mit über einander gelegten Armen nachdenklich und in ſich gekehrt. In der Ferne lagen die melancholiſchen Grabmale der Campagna, und die Berge, welche die Ausſicht begrenzten, waren mit den Purpurfarben gekrönt, welche bald unter dem Ster⸗ nenlichte verſchmelzen ſollten. Kein Lüftchen bewegte die dunkeln Cypreſſen, die ruhigen Pinien. Es lag etwas Unheimliches in der Stille des Himmels, das die verlaſſene Größe der Erde unten zu beruhigen 386 ſchien. Unzählige Gedanken verſchiedener Art drängten ſich in Rienzi's Bruſt; die Erinnerung war in ſeinem Inneren geſchäftig. Wie oft hatte er in ſeiner Jugend dieſelbe Stelle betreten!— welche Träume hatte er genährt!— welche Hoffnungen gefaßt! In dem un⸗ ruhigen Treiben ſeines ſpäteren Lebens hatte das An⸗ denken lange geſchlafen; aber in dieſer Stunde machte es ſeine Herrſchaft mit einem beinahe prophetiſchen Deſpotismus geltend. Er wandelte als Knabe Hand in Hand mit ſeinem jüngeren Bruder Abends an dem Ufer des Fluſſes hin; bald ſah er ein blaſſes Antlitz und eine blutende Seite und ſtieß wieder ſeine Racheverwün⸗ ſchungen aus! Seine erſten Erfolge, ſeine jugend⸗ lichen Triumphe, ſeine geheime Liebe, ſein Ruhm, ſeine Macht, ſein Unglück, die Einſiedelei von Maiella, der Kerker in Avignon, ſeine triumphirende Rückkehr nach Rom— Alles dieſes trat mit einer Klarheit vor ſeine Seele, als ob er dieſe Seenen noch einmal vurchlebte!— und jetzt!— er ſchrack vor der Ge⸗ genwart zurück und ſtieg den Hügel hinab. Der bereits aufgegangene Mond goß ſein Licht auf das Forum herab, als er durch deſſen unordentliche Trümmer ſchritt. Neben dem Tempel des Jupiter tauchten plötzlich zwei Geſtalten auf; das Mondlicht fiel auf ihre Ge⸗ ſichter, und Rienzi erkannte Cecco del Veechio und Angelv Villani. Sie ſahen ihn nicht, ſondern verſchwanden in lebhaftem Geſpräche hinter dem Bogen des Trajan⸗ „Villani! immer in meinem Dienſte thätig!“ dachte der Senator;„ich glaube, ich ſprach dieſen Morgen barſch mit ihm— es war grob von mir!“ Er 1 ſtand an auf dem Hinrichtu lichem S ſtiſche Lie alten egy Die ſteit Blick an ſchienen zu verfol nicht erkl eilte, ſeit machten „Sen ſere Ang wir ſolle „Gen gehen. T gerne geſ Er ging und Irer ſeinem V neuerer fühlte di Bekümme tigtes Ar „Geli um ſie ſi Dein Au räugten Gr betrat wieder den Platz des Capitols— er ſeinem ſtand an der Löwentreppe; da war ein rother Flecken Jugend auf dem Pflaſter, noch nicht verwiſcht ſeit Montreals atte er Hinrichtung, und der Senator entfernte ſich mit inner⸗ em un⸗ lichem Schauder. War es das geiſterartige, geſpen⸗ as An⸗ ſtiſche Licht des Mondes, oder hatte das Geſicht des machte alten egyptiſchen Bildes einen lebendigen Ausdruck? etiſchen Die ſteinernen Augäpfel ſahen ihn mit boshaftem Hand in Blick an, und als er weiter ging und ſich umſah, em ufer ſchienen ſie unnatürlicherweiſe beinahe ſeine Schritte ind eine zu verfolgen. Ein Schauder, deſſen Urſache er ſich erwün⸗ nicht erklären konnte, ſenkte ſich in ſein Herz. Er jugent⸗ eilte, ſeinen Palaſt zu erreichen. Die Schildwachen Ruhm, machten ihm Platz. Maiella,„Senator,“ ſagte eine derſelben hedenklich,„Meſ⸗ Rückkehr ſere Angelo Villani iſt unſer neuer Hauptmann— larheit wir ſollen ſeinen Befehlen gehorchen?“ einmal„Gewiß,“ antwortete der Senator im Weiter⸗ der Ge⸗ gehen. Der Mann zögerte unſchlüſſig, wie wenn er . Der gerne geſprochen hätte, aber Rienzi bemerkte es nicht. auf das Er ging nach ſeinem Zimmer und fand dort Nina rümmer und Irene ſeiner harrend. Sein Herz ſehnte ſich nach plötzlich ſeinem Weibe. Sorgen und Geſchäfte hatten ſie in 6 hre Gr⸗ urnerer Zeit aus ſeinen Gedanken verdrängt und er Angelo fühlte dies reuevoll, als er in ihr edles, von der wanden Bekümmerniß unermüdlicher, ängſtlicher Liebe geſänf⸗ Trajan. tigtes Antlitz blickte. “dachte„Geliebte,“ ſagte er, indem er zärtlich ſeine Arme Morgen um ſie ſchlang,„Dein Mund tadelt mich nie, aber Dein Auge thut es bisweilen! Wir ſind gar zu lange 388 getrennt geweſen. Schönere Tage vämmern uns heran, wo ich Muße genug haben werde, Dir für all Deine Sorgfalt zu danken. Und Du, meine ſchöne Schweſtet, Du lächelſt mich an!— ach, Du haſt gehört, daß Dein Geliebter vor Kurzem durch die übergabe von Paleſtrina befreit wurde, und daß die morgende Sonne ihn zu Deinen Füßen ſehen wird. Trotz aller Sorgen des Tages gedachte ich Deiner, meine Irene, und ſandte einen Boten ab, um dieſer blaſſen Wange die Röthe wieder zu bringen. Kommt, kommt, wir werden wieder glücklich ſein!“ Und mit dieſer ihm, wem ernſtere Gedanken ſie zuließen, gewohnten häuslichen Zärtlichkeit ſetzte er ſich neben die zwei theverſten Weſen ſeines Herdes und ſeines Herzens. „So glücklich— wenn wir viele ſolche Stunden hätten!“ flüſterte Nina und ſank an ſeine Bruſt.„Doch wünſche ich bisweilen——“ „Und ich auch,“ unterbrach ſie Rienzi,„dem ich leſe Deine weiblichen Gedanken— auch ich wünſche bisweilen, daß uns das Schickſal in die niederen Re⸗ gionen des Lehens verſetzt hätte! Aber es kann noch werden! Wenn Irene mit Adrian verbunden iſt— wenn Rom im Beſitze der Freiheit iſt— dann, Nina, meine ich, könnten Du und ich irgend eine ruhige Einſiedelei auffinden und von Herrlichkeiten und Tri⸗ umphen, wie von einem Sommernachtstraum reden⸗ Schöne, küſſe mich! Könnteſt Du auf dieſen Glanz verzichten?“ „Um mit Dir, Cola, in eine Wüſte zu ziehen!“ „Laß mich nachdenken,“ fuhr Rienzi fort,„iſt heute nic wohlbeme Sieben! oder Böſe Tribun abweſend Feinde ſi kehr!“ „Und die römi nach der Würde d und fügt glänzend „An! und vor That,“ haben fi * Ei Avignon hauptſächl — T ſeltſamen in der T tember. 2 Ritterwün neuere S legten, n bildliche! darſtellte der polit königlich. ns heran, all Deine Schweſter, ört, daß gabe von de Sonne r Sorgen ene, und Vange die ir werden m, wenn häuslichen theuerſten. Stunden ſt.„ Doch zi,„den ch wünſcht deren Re⸗ kann noch den iſt— nn, Nina, ine ruhige 1und Tri⸗ um reden. eſen Glan u ziehen!“ fort, viſt 2 heute nicht der ſiebente Oktober? Ja! am fiebenten, wohlbemerkt, unterlagen meine Feinde meiner Macht! Sieben! meine Schickſalszahl, die entweder Gutes oder Böſes bedeutet! Sieben Monate regierte ich als Lribun— ſieben* Jahre war ich als Verbannter abweſend; der morgende Tag, der mich ohne alle Feinde fieht, ſchließt die ſiebente Woche meiner Rück⸗ kehr!“ „Und ſieben war auch die Zahl der Kronen, womit die römiſchen Klöſter und der römiſche Rath Dich nach der Ceremonie beſchenkten, welche Dich mit der Würde des Santo Spirito bekleidete!“** ſagte Nina und fügte dadurch mit weiblich zartem Witze die aller⸗ glänzendſte Erinnerung hinzu! „Anderen erſcheinen ſolche Gedanken Narrheiten, und vor der Philoſophie ſind ſie dies auch in der That,“ ſagte Rienzi;„aber mein ganzes Leben lang haben ſich Vorbedeutungen, Zeichen und Vorbilder „Ein Jahr verſtrich zwiſchen der Freilaſſung Rienzi's in Avignon und ſeinem Triumpheinzuge in Rom; ein Jahr, das hauptſächlich der Feldzug von Albornoz ausfüllte. Dieſer Aberglaube fand eine Entſchuldigung in einem ſeltſamen hiſtoriſchen Zuſammentreffen, und die Zahl ſieben war in der That für Rienzi, was für Cromwell der dritte Sep⸗ tember. Die Ceremonie mit den ſieben Kronen, die er nach ſeiner Ritterwürde empfing und hinſichtlich deren Beſchaffenheit viele neuere Schriftſteller eine lächerliche Unwiſſenheit an den Tag legten, war in Wirklichkeit hauptſächlich eine religiöſe und ſinn⸗ vildliche Begebung(die ſinnbildlich die Gaben des heiligen Geiſtes darſtellte), dargebracht von den Vorſtehern der Klöſter— und der politiſche Theil der Ceremonie war republikaniſch, nicht königlich. 390 mit Thaten und Ereigniſſen verflochten, und die Atmo⸗ ſphäre Anderer war nicht die meinige. Das Leben iſt ſelbſt ein Räthſel; warum ſollen uns da andere Räthſel in Erſtaunen ſetzen? Die Zukunft!— welches Geheimniß liegt in dem Worte! Hätten wir die ganze Vergangenheit, ſeit es eine Zeit gibt, durch⸗ lebt, ſo könnte uns doch unſere gründlichſte Erfah⸗ rung von tanſend Menſchenaltern keine Vermuthung über die Ereigniſſe an die Hand geben, welche in dem nächſtkommenden Augenblicke uns erwarten! Was Wunder, wenn wir, ſo von der Vernunft im Stiche gelaſſen, zu der Einbilbung unſere Zuflucht nehmen, welcher Gott durch Träume oder Zeichen bisweilen das Abbild künftiger Dinge eingibt? Wer wäre im Stande jeder Vermuthung hinſichtlich der Zukunft zu entſagen und demüthig dazuſitzen und unter der Bürde der Gegenwart zu ſeufzen? Nein, nein! das, was die Thörichtweiſen Fanatismus nennen, gehört dem⸗ ſelben Theile von uns an, wie die Hoffnung. Beide führen uns vorwärts— von einem unfruchtbaren Ufer auf die ruhmvolle, unbegrenzte See. Beide ſind die Sehnſucht nach dem großen Jenſeits, das für unſere Unſterblichkeit ſpricht. Beide haben ihre Ge⸗ ſichte und Chimären— einige falſch, aber einige auch wahr! Wahrlich, ein Mann, der zur Größe gelangt, hat dies oft nur einer Art von Magie in ſeiner eigenen Seele— einer Pythia zu verdanken, welche prophezeiht, daß er zur Größe gelangen werde — und ſo ſtrebt er durch ſein ganzes Leben nur nach dem einen Zwecke, die Weiſſagung zu erfüllen! Nt dies Thr hörte, je keiten ſch tiges Zi ſolcherge hohe Beſ es behau Wäh Rom in lige und In d des groß Villani ſehen. dem Hir ſah man Männer urtheiler dieſen R Sohn h — ein die Tho Lateran wachen! find in e Villani einzig nen, w wachen Atmo⸗ Leben andere ft!— ten wir durch⸗ Erfah⸗ muthung elche in n Was n Stiche nehmen, isweilen väre im kunft zu rBürde s, was zrt dem⸗ Beide ren Uufer ſind die das für ihre Ge⸗ einige r Größe Nagie in erdanken, nwerde nur nach len! Iſt 394 dies Thorheit?— wenn Alles mit dem Grabe auf⸗ hörte, ja! Vielleicht aber ſoll, was hier vie Fähig⸗ keiten ſchärft, übt und erhöht, obwohl für ein nich⸗ tiges Ziel auf Erden— den Zweck haben, die ſolchergeſtalt beflügelte und veredelte Seele für eine hohe Beſtimmung jenſeits vorzubereiten! Wer kann es behaupten? Ich nicht— laſſet uns beten!“ Während der Senator ſo beſchäftigt war, bot Rom in ſeinen verſchiedenen Stadttheilen weniger hei⸗ lige und ruhige Auftritte dar. In der Feſte der Orfini ſah man durch das Gitter des großen Hofes Lichter hin und her flimmern. Angelo Villani konnte man durch das Hinterthor ſich ſtehlen ſehen. Eine Stunde ſpäter ſtand der Mond hoch an dem Himmel; gegen die Trümmer des Coloſſeums ſah man aus Gäßchen und Straßen je zwei und zwei Männer ſich ſchleichen, welche, der Kleidung nach zu urtheilen, zu den niederſten Ständen gehörten; an dieſen Ruinen glitt wieder die Geſtalt von Montreals Sohn hin. Noch ſpäter— der Mond iſt im Sinken — ein graues Licht dämmerte in dem Oſten— und die Thore von Rom bei dem heiligen Johann von Lateran find offen! Villani ſpricht mit den Schild⸗ wachen! der Mond iſt untergegangen— die Berge ſind in einen traurigen, erſtarrenden Nebel gehüllt— Villani ſteht auf dem Platze vor dem Capitol— der einzige Soldat daſelbſt! Wo ſind die römiſchen Legiv⸗ nen, welche die Freiheit und den Befreier Roms be⸗ wachen ſollten? 392 Letztes Kapitel. Der Schluß der Jagd. Es war der Morgen des achten Oktobers 1354. Rienzi, der gewöhnlich frühe aufſtand, wälzte ſich unruhig in ſeinem Bette hin und her.„Es iſt noch frühe,“ ſagte er zu Nina, deren ſanfter Arm ſeinen Nacken umſchlang;„noch ſcheint Niemand von meinen Leuten auf zu ſein. Wie dem auch ſei, mein Tag fängt vor dem ihrigen an.“ „Ruhe noch, mein Cola, Du haſt Schlaf nöthig.“ „Nein; ich fühle Fieber, und der alte Schmer in der Seite quält mich. Ich habe Briefe zu ſchreiben.“ „Laß mich den Dienſt Deines Sekretärs verſehen, Theueſter,“ ſagte Nina. Rienzi lächelte liebreich, als er aufſtand; er be⸗ gab ſich in ſein Gemach, welches an das Schlaf⸗ zimmer ſtieß und nahm, wie er dies gewohnt war, ein Vad. Dann kleidete er ſich an und kehrte zu Nina zurück, die, bereit zu ihrem Liebesdienſte, ſchon leicht gekleidet an dem Schreibtiſche ſaß. „Wie ſtill Alles iſt!“ ſagte Rienzi.„Welch küh⸗ les, köſtliches Vorſpiel hieten uns dieſe Frühſtunden für den mühevollen Tag.“ über ſein Weib ſich hinlehnend, diktirte er ver⸗ ſchiedene Briefe und unterbrach ſich nur von Zeit zu Zeit durch Bemerkungen, wie ſie ihm gerade ein⸗ fielen. „So, jetzt an Annihaldi! Beilänfig geſagt, der junge 2 freue ich Cola, ir „Wo Schreibe höre ein nen— Rien wurde b⸗ ſtändiger „Wie gezogenen Der war Adri „Fliel Himmel, durch die Gefolge Wunde d war mit ergeben mich heu — ich er weit offer „Wie „Euet auf eine Infignien Bulwe 6 1354. ilzte ſich iſt noch m ſeinen nmeinen ein Tag nöthig.“ Schmer reiben.“ verſehen, er be⸗ Schlaf⸗ hnt war, ehrte zu e, ſchon elch küh⸗ hſtunden er ver⸗ n Zeit ade ein⸗ agt, der 393 junge Abrian ſollte heute bei uns eintreffen; wie freue ich mich für Frene!“ „Die liebe Schweſter— ja! ſie liebt,— wenn, Cola, irgend Jemand ſo lieben kann,— wie wir.“ „Wohl, aber an Deine Arbeit, meine ſchöne Schreiberin. Ha! Was iſt das für ein Lärm? Ich höre einen bewaffneten Tritt— die Treppen erts⸗ nen— man ruft meinen Namen.“ Rienzi eilte nach ſeinem Schwerte; die Thüre wurde barſch aufgeſtoßen und eine Geſtalt in voll⸗ ſtändiger Rüſtung trat in das Zimmer. „Wie! was bedeutet dies?“ ſagte Rienzi, der mit gezogenem Schwerte vor Nina ſtand. Der zudringliche Gaſt ſchlug das Viſir auf— es war Adrian Colonna. „Fliehe, Rienzi!— eilt, Signvra! Dank dem Himmel, noch kann ich Euch retten! Nachdem ich durch die Einnahme von Paleſtrina nebſt meinem Gefolge frei war, hielt mich der Schmerz meiner Wunde die letzte Nacht in Tivoli auf. Die Stadt war mit Bewaffneten angefüllt— die nicht Dir ergeben ſind, Senator. Ich hörte Gerüchte, die mich beunruhigten. Ich beſchloß, weiter zu reiſen — ich erreichte Rom, die Thore der Stadt ſtanden weit offen!“ „Wie!“ „Euere Wachen waren fort. Sogleich ſtieß ich auf eine Rotte von den Leuten der Savelli. Meine Infignien als ein Colonna führten ſie irre. Ich er⸗ Bulwer, Rienzi, II. 26 394 fuhr, vaß zu dieſer Stunde ein Theil Eurer geint in der Stadt ſei; die übrigen ſind auf dem Marſche — das Volk waffnet ſich gegen Euch. In den ſet⸗ neren Straßen, durch welche ich kam, verſammelt; ſich ſchon der Pöbel. Sie hielten mich für einen Dei⸗ ner Feinde und jubelten. Ich kam hierher— Deine Schilbwachen waren verſchwunden. Die geheime Thüre unten iſt unverriegelt und offen. Nicht eine Seele ſcheint in dem Palaſte geblieben zu ſein. Eile— fliehe — rette Dich!— Wo iſt Irene?“ „Das Capitol verlaſſen!— unmöglich!“ rief Rienzi. Er ging durch die Gemächer in vas Vorzim⸗ mer, wo ſeine Wachen die Nacht über ſich aufhielten — es war leer! Er eilte nachher in Villani's Zimmer — fand aber Niemand! Er wäre noch weiter ge⸗ gangen, aber die Thüren waren von außen verſchloſ⸗ ſen. Außenſcheinlich war, die geheime Thüre unten ausgenommen, aller Ausweg abgeſchnitten,— und dieſe hatte man für ſeine Mörder offen gelaſſen! Er kehrte in ſein Zimmer zurück— Nina war ſchon fort, Irene zu wecken und vorzubereiten, deren Zimmer auf der anderen Seite neben einem von den ihrigen lag. „Schnell, Senator!“ ſagte Abrian.„Mich dünkt, es iſt noch Zeit. Wir müſſen die Tiber gewinnen. Meine treuen Knappen und Nordländer ſind dort aufgeſtellt. Ein Boot erwartet uns.“ „Horch!“ unterbrach ihn Rienzi, deſſen Sinne in neueſter Zeit eine übernatürliche Schärfe bekom⸗ men hatten.„Ich höre ein fernes Jauchzen— ein wohlbeke ſo rufe Freund „Bſt reite Ir „Bi „Ne ich mit C mich bei Ohne m Schweſte gen ſich di Rienz Inzn mit ihr. heilbring — wach „Jet Miene, rend Ad Obhut g „Ja wir! W ich in n ſegnen u ein groß zärtlich die— d Rien er Feinde Marſche den fer⸗ erſammelt; inen Dei⸗ — Deine me Thüre ne Seele — fliehe h!“ rief Vorzim⸗ ufhielten Zimmer eiter ge⸗ verſchloſ⸗ re unten — und aſſen! in war n, deren von den ch dünkt, ewinnen. ind dort Sinne bekom⸗ ein wohlbekanntes Jauchzen:„Viva 1Popolo!“ Nun, ſo rufe auch ich! das müſſen Freunde ſein.“ „Täuſche Dich nicht; Du haſt wohl kaum einen Freund in Rom.“ „Bſt!“ ſagte Rienzi flüſternd,„rette Nina— reite Irene. Ich kann Dich nicht begleiten.“ „Biſt Du toll?“ „Nein! aber furchtlos. überdies würde ich, wenn ich mit Euch ginge, Euch Alle verderben. Fände man mich bei Euch, ſo würdet Ihr mit mir ermordet Ohne mich ſeid Ihr ſicher. Ja, ſelbſt Weib und Schweſter des Senators haben nie die Rachſucht ge⸗ gen ſich erweckt. Rette ſie, edler Colonna! Cola di Rienzi vertraut auf Gott allein!“ Inzwiſchen war Nina zurückgekommen; Irene mit ihr. Von ferne hörte man die Tritte der un⸗ heilbringenden Menge— gleichförmig— langſam — wachſend. „Jetzt, Cola,“ ſagte Nina mit kühner, frendiger Miene, als ſie den Arm ihres Gatten ergriff, wäh⸗ rend Adrian bereits in Irene den Gegenſtand ſeiner Obhut gefunden hatte. „Ja, jetzt, Nina!“ ſagte Rienzi;„endlich ſcheiden wir! Wenn dies meine letzte Stunde iſt— ſo bitte ich in meiner letzten Stunde Gott, er möge Dich ſegnen und beſchützen! denn wahrlich, Du warſt mir ein großer Troſt— vorſorglich wie eine Mutter, zärtlich wie ein Kind, das Lächeln meines Herdes, die— die——“ Rienzi verlor heinahe den Muth. Tieſe, kämpfende, 396 unausſprechlich zärtliche und dankbare Aufregungen erſtickten buchſtäblich ſeine Worte. „Wie!“ rief Nina, ſich an ſeine Bruſt klammernd und ſtrich ſich das Haar aus den Augen, als ſie ſein abgewandtes Antlitz ſuchte.„Scheiden!— nie! Hier iſt mein Platz— ganz Rom ſoll mich nicht von dem⸗ ſelben reißen!“ Adrian ergriff in der Verzweiflung ihre Hand und ſuchte ſie fortzuziehen. „Berührt mich nicht, Signor!“ ſagte Nina, als ſie mit zürnender Majeſtät ihren Arm losmachte, wäh⸗ rend ihre Augen funkelten wie die einer Löwin, die der Jäger von ihren Jungen trennen will.„Ich bin das Weib Cola di Rienzi's, des großen Senators von Rom, und an ſeiner Seite will ich leben oder ſterben!“ „Nehmt ſie fort von hier: ſchnell!— ſchnell! Schon höre ich die Menge nahen.“ Irene riß ſich von Adrian los und ſfiel zu Rienzi's Füßen— ſie umklammerte ſeine Knie. „Komm, mein Bruder, komm! Warum dieſe koſt⸗ baren Augenblicke verlieren? Rotn verbietet Dir, ein Leben wegzuwerfen, an welches ſein eigenes Daſein gefeſſelt iſt.“ „Recht, Irene, Rom iſt an mich gefeſſelt, und wir werden zuſammen uns erheben oder fallen!— nichts weiter hievon!“ „Ihr verderbt uns Alle!“ ſagte Adrian mit edler, ungeduldiger Wärme.„Noch wenige Minuten, und wir find verloren. Tollkühner Mann! nicht um einem Rienzi „Vwal gebadete „Wi Jetzt nur dur⸗ brochen der raſe verloren ruhig: ich ſuch regungen ammernd s ſie ſein ie! Hier von dem⸗ Hand und ina, aſs te, wäh⸗ win, die „Ich bin Senators ben oder ſchnell! Rienzi's ieſe koſt⸗ Dir, ein Daſein elt, und len!— nit edler, en, und m einem wüthenden Pöbel zu unterliegen, wurbeſt Du aus ſo vielen Gefahren gerettet.“ „Ich glaube es,“ ſagte der Senator, und ſeine hohe Geſtalt ſchien mit der Größe ſeiner Seele zu wachſen.„Ich werde noch triumphiren! Nie ſollen meine Feinde— nie ſoll die Nachwelt ſagen, daß Rienzi zum zweitenmale Rom verließ! Horcht! „Viva 1 Popolo!“ noch immer das Geſchrei des Volkes. Dieſes Geſchrei erſchreckt nur Tyrannen! Ich werde triumphiren und leben!“ „Und ich mit Dir!“ ſagte Nina feſt. Rienzi ſchwieg einen Augenblick, blickte ſein Weib an, drückte ſie leidenſchaftlich an ſein Herz, küßte ſie wieder und noch einmal und ſagte dann:„Nina, ich befehle Dir — Gehe!“ „Nie!“ Er ſchwieg, ſein Blick fiel auf Irenens in Thränen gebadetes Antlitz. „Wir Alle wollen mit Dir untergehen,“ ſagte ſeine Schweſter;„Ihr allein, Abrian, Ihr verlaßt uns.“ „Sei es ſo,“ ſagte der Ritter kummervoll;„wir wollen Alle ſterben,“ und auf einmal ſtand er von allem weiteren Zureden ab. Jetzt folgte eine tödtliche, aber kurze Pauſe, die nur durch das eonvulfiviſche Schluchzen Irenens unter⸗ brochen wurde. Furchtbar deutlich wurden die Fußtritte der raſenden Tauſende. Rienzi ſchien in Gedanken verloren— dann erhob er ſein Haupt und ſagte ruhig:„Ihr habt geſiegt— ich gehe mit Euch— ich ſuche nur dieſe Papiere zuſammen und folge dann. 398 Schnell Adrian— rette ſie!“ und er warß einen vielſagenden Blick auf Nina. Ohne einen zweiten Wink abzuwarten, faßte der junge Colonna Nina mit ſtarkem Arme— mit der linken Hand unterſtützte er Irene, welche vor Schrecken und Aufregung die Beſinnung beinahe verloren hatte. Rienzi nahm ihm die leichtere Bürde ab— er nahm ſeine Schweſter in die Arme und ſtieg ſo die Wendel⸗ treppe hinab. Nina verhielt ſich leidend— ſie hört die Tritte ihres Gatten hinter ſich, vas genügte ih — nur einmal wandte ſie ſich um, mit einem Blicke, ihm zu danken. Ein großer Nordländer in Waffen⸗ rüſtung ſtand an der offenen Thüre. Rienzi übergab die jetzt völlig lebloſe Irene in die Arme des Kri⸗ gers und küßte ſchweigend ihre blaſſe Wange. „Schnell, Herr,“ ſagte der Nordländer,„ſie drängen von allen Seiten!“ Nach dieſen Worten eilte er mit ſeiner Bürde den Abhang hinab. Adrian folgte mit Nina; der Senator blieb einen Augenblick ſtehen, wandte ſich um und war in ſeinem Zimmer, ehe Adrian bemerkte, daß er verſchwunden war. Schnell riß er den überwurf von ſeinem Bette, befeſtigte ihn an dem Fenſterkreuze und ließ ſich mit deſſen Hülfe einige Fuß weit auf den Balkon unten hinab.„Ich will nicht ſterben wie eine Ratte,“ ſagte er,„in des Falle, die ſie mir geſtellt haben! Der ganze Haufen ſoll mich wenigſtens ſehen und hören.“ Dies war das Werk eines Augenblickes. Nina war indeſſen kaum ſechs Schritte weiter ge⸗ gangen, als ſie bemerkte, daß ſie mit Adrian allein war. „He „Fa geheime Er wir „St „De beißend, vorwärt rang in der Ver ſie ſich zu— tafteten ſchob de Bemühr Sie wa Rienzi durch di zu den renden los unt Sie eilt er hina ſeinen ſie getr uns,“ ſelbe ſei Ergebu Mi Paaren wf einen faßte der mit der Schrecken en hatte. er nahm Wendel⸗ ſie hört⸗ nügte iht in Blicke, Waffen⸗ übergab es Krie⸗ ge. edrängen e er mit olgte mit k ſtehen, ner, ehe Schnell ſtigte ihn en Hülfe ab.„Ich „„in der e Haufen ies war eite e lein war. „Ha! Cola!“ rief ſie,„wo iſt er? er iſt fort!“ „Faßt Muth, Dame, er iſt nur wegen einiger geheimen Papiere, die er vergeſſen, zurückgegangen. Er wird uns ſogleich folgen.“ „So laßt uns denn warten.“ „Dame,“ ſagte Adrian, die Zähne über einanber beißend,„hört Ihr die Menge nicht?— vorwärts, vorwärts!“ und er floh mit raſcherem Schritte. Nina rang in ſeinem Arme— die Liebe gab ihr die Kraft der Verzweiflung. Mit einem wilden Gelächter riß ſie ſich von ihm los. Sie floh zurück, die Thüre war zu— aber nicht geriegelt— ihre zitternden Hände taſteten einen Augenblick nach der Klinke. Sie öffnete, ſchob den ſchweren Riegel vor und vereitelte ſo alle Bemühungen Adrians, ſich ihrer wieder zu verſichern. Sie war auf der Treppe— ſie war in dem Zimmer. Rienzi war fort! Sie rannte, ſeinen Namen rufend, durch die Prunkgemächer— Alles war leer. Die Thüren zu den verſchiedenen, nach den untern Zimmern füh⸗ renden Gängen fand ſie von außen verriegelt. Athem⸗ los und keuchend kehrte ſie in das Zimmer zurück. Sie eilte an das Fenſter— ſie entdeckte die Art, wie er hinabgekommen war— ihr tapferes Herz ließ ſie ſeinen tapferen Entſchluß errathen— ſie ſah, daß ſie getrennt waren—„aber daſſelbe Dach iſt über uns,“ rief ſie freudig,„und unſer Schickſal ſoll daſ⸗ ſelbe ſein!“ Mit dieſem Gedanken ſank ſie in ſtummer Ergebung auf den Boden. Mit dem edeln Entſchluſſe, das treue, ergebene Pagar nicht ohne noch einen weiteren Verſuch zu ver⸗ laſſen, war Adrian Nina gefolgt, aber zu ſpät— die verſchloſſene Thüre trotzte ſeinen Bemühungen. Die Menge kam heran— er hörte, wie ihr Geſchrei ſich plötzlich änderte— es lautete nicht mehr„Es lebe das Volk!“ ſondern„Tod dem Verräther!“ Sein Diener war ſchon verſchwunden, und jetzt nur noch von Jrenens Gefahr bennruhigt, wandte ſich der Colonna in bitterem Schmerz hinweg, flog raſch den Berg hinab und eilte nach dem Ufer, wo das Boot und ſeine Leute ihn erwarteten. Der Balkon, auf welchen ſich Rienzt hinabgelaſſen, war verjenige, von welchem er gewöhnlich zu dem Volke geſprochen hatte— er ſtand mit einem großen Saale in Verbindung, der bei feierlichen Gelegenhei⸗ ten zu öffentlichen Feſtlichkeiten benützt wurde— und zu beiden Seiten waren viereckige, vorſtehende Thürme, deren vergitterte Fenſter nach dem Balkon zu gingen. Einer dieſer Thürme diente als Waffenkammer, in dem anderen war das Gefängniß von Brettone, dem Bruder Montreals. Jenſeits von dem letzteren war das allgemeine Gefängniß des Capitols. Denn da⸗ mals waren Kerker und Palaſt in furchtbarer Nach⸗ barſchaft! Die Fenſter des Saales waren noch offen— und Nienzi ging in denſelben von dem Balkon aus— die üeberreſte von dem geſtrigen Bankette waren noch da — der noch nicht getrocknete Wein röthete den Boden und goldene und filberne Pokale ſchimmerten aus den Ecken. Er ging ſchnell in den Waffenſaal und wählte von den verſchiedenen Rüſtungen diejenige, welche er vor beit von de den Pe Rechte ner Ro mand! war, d men, v nator Het nung, Straße See ne Leidenſi wurden hafte 2 gereizte und vi dem T hat!— — Mo dies da die nie einem weiten leer— nach T li auf de war en ſpät— ühungen. Geſchrei ehr„Es äther!“ jetzt nur e ſich der raſch den as Boot gelaſſen, zu dem tgroßen legenhei⸗ — und Thürme, gingen. mer, in ne, dem ren war enn da⸗ r Nach⸗ — und s— die noch da Boden aus den wählte elche er vor beinahe acht Jahren getragen, als er die Barone von den Thoren Roms verjagte. Er hüllte ſich in den Panzer und ließ das Haupt unbedeckt, in ſeine Rechte nahm er dann von der Wand das große Ban⸗ ner Roms und ging wieder in den Saal zurück. Nie⸗ mand begegnete ihm. In dem ungeheueren Gebäude war, die Gefangenen und ein treues Herz ausgenom⸗ men, von deſſen Nähe er nichts wußte— der Se⸗ nator allein. Heran kamen ſie, nicht mehr in geregelter Ord⸗ nung, wie Strom auf Strom— aus Gaſſen, aus Straßen, aus Paläſten und Hütten— die wüthende See neue Zuflüſſe erhielt. Heran kamen ſie— deren Leidenſchaften durch die große Zahl noch geſteigert wurden— Weiber und Männer, Kinder und bos⸗ hafte Alte— in all dem ſchrecklichen Ungeſtüm auf⸗ gereizter, losgelaſſener, ungehemmter phyſiſcher Stärke und viehiſcher Wuth:„Tod dem Verräther— Tod dem Tyrannen— Tod Ihm, der das Volk beſteuert hat!— Mora 1 traditore che ha fatta la gabella! — Mora!“ Dies war das Geſchrei des Volkes— dies das Verbrechen des Senators! Sie brachen über die niederen Palliſaden des Capitols herein— in einem plötzlichen ungeſtümen Anlaufe füllten ſie den weiten Raum, der— vor einem Augenblicke noch ſo leer— jetzt von menſchlichen Weſen net die nach Blut dürſteten! Plötzlich entſtand ein tödtliches Schweigen, und auf dem Balkon oben ſtand Rienzi— ſein Haupt war entblößt und die Morgenſonne beſchien die erha⸗ 402 bene Stirne und das im Dienſte vieſer tollen Menge vor der Zeit grau gewordene Haar. Blaß und auf⸗ recht ſtand er da— weder Furcht, noch Zorn, noch Drohung— nur tiefen Kummer und hohe Entſchloſ⸗ ſenheit in ſeinen Zügen! Eine augenblickliche Scham — eine augenblickliche Scheu ergriff die Menge. Er deutete auf das mit dem Motto der Republik und dem Wappen Roms durchwirkte Banner und begann alſo:„Auch ich bin Römer und Bürger, hört mich!“ „Hört ihn nicht! hört ihn nicht! ſeine falſche Zunge kann unſeren Verſtand hinwegzaubern!“ ſchrie eine Stimme noch lauter als die ſeinige, und Rienzi erkannte Cecco del Vecchiv. „Hört ihn nicht! nieder mit dem Tyrannen!“ rief eine mehr ſchrille und jugendliche Stimme, und neben dem Handwerker ſtand Angelo Villani. „Hört ihn nicht! Tod tem Todtſchläger!“ ſchrie eine Stimme ganz nahe, und aus tem Gitter des anſtoßenden Gefängniſſes ſtierte ihn, wie das Auge eines Tigers, der rachedürſtende Blick von Montreals Bruder an. Dann tönte von der Erde bis zu dem Himmel das Gebrüll:„Nieder mit dem Thrannen— nieder mit Ihm, der das Volk beſteuerte!“ Ein Hagel von Steinen praſſelte auf den Har⸗ niſch des Senators— noch wankte er nicht. Keine Bewegung einer Muskel verrieth Furcht. Die über⸗ zeugung von der wundervollen Macht ſeiner Bered⸗ ſamkeit, wenn er nur angehört wurde, flößte ihm noch in ſeineni gerade ſein 1⁵ terten könnt zeitige Wort delt u Die Gedrän kamen Wurfſſ eine S in dem tanzten als ob wären töller S andere des Ca wirbelt zurück. Ri ihm di Banne Repub vor de Er chen Menge ind auf⸗ n, nch ntſchloſ⸗ e Scham enge. Republik ner und Bürger, falſche ſchrie d Rienzi annen!“ me, und i. ſchrie tter des s Auge ontreals Himmel nieder en Har⸗ Keine e über⸗ Bered⸗ te ihm noch immer Hoffuung ein; er ſtand da, geſammelt in ſeinen unwilligen, aber entſchloſſenen Gedanken; aber gerade die Kenntniß dieſer Beredſamkeit war jetzt ſein töbtlichſter Feind. Die Anführer der Menge zit⸗ terten bei dem Gedanken, daß er gehört werden könnte;„und ohne Zweifel,“ ſagt der gleich⸗ zeitige Biograph,„hätte er, wenner nur zum Worte gekommen wäre, ſie Alle umgewan⸗ delt und das Werkwäre vereitelt geweſen!“ Die Soldaten der Barone hatten ſich ſchon in das Gedränge gemiſcht— tödtlichere Waffen, als Steine, kamen der Wuth des Pöbels zu Hülfe— Pfeile und Wurfſpieße verdunkelten die Luft, und jetzt hörte man eine Stimme rufen:„Platz für die Fackeln!“ Roth in dem Sonnenlichte flackerten und wehten ſie und tanzten über den Köpfen der Menge hin und her, als ob die Teufel unter den Pöbel losgelaſſen worden wären! Und welche Hölle hat Teufel, wie ſie ein toͤller Pöbel aufzuweiſen vermag? Stroh, Holz und andere Brennſtoſſe wurden eilig um die großen Thore des Capitols herum aufgehäuft, und der plötzlich auf⸗ wirbelnde Rauch ſchlug den Andrang der Stürmenden zurück. Rienzi war nicht mehr ſichtbar, ein Pfeil hatte ihm die Hand durchbohrt— die Rechte, welche das Banner Roms emporgehoben, die Rechte, welche der Republik eine Verfaſſung gegeben hatte. Er zog ſich vor dem Sturme in den leeren Saal zurück. Er ſetzte ſich nieder— und Thränen, keiner ſchwa⸗ chen oder weibiſchen Quelle entſpringend, ſondern 404 Thränen aus dem erhabenſten Grunde der Bewegung — Thränen, wie ſie einem Krieger ziemen, wenn ihn ſeine eigenen Truppen verlaſſen— einem Pa⸗ trivten, wenn ſeine Landsleute in ihr eigenes Ver⸗ derben rennen— einem Vater, wenn ſeine Kinder ſich gegen ſeine Liebe empören— ſolche Thränen drängten ſich gewaltſam aus ſeinen Augen und er⸗ leichterten— aber ſie veränderten auch ſein Herz! „Genug, genug,“ ſagte er, indem er aufſtand und verächtlich die Tropfen abſchüttelte;„ich habe genng auf das Spiel geſetzt, gewagt, mich abgemüht für dieſes feige, entartete Geſchlecht. Ich will ihre Bos⸗ heit noch verſöhnen— ich verzichte auf den Gedanken, deſſen ſie ſo wenig würdig ſind! Mag Rom unter⸗ gehen!— Ich fühle endlich, daß ich edler bin, als mein Vaterland!— es verdient kein ſo großes Opfer!“ Mit dieſem Gefühle verlor der Tod ganz die edle Geſtalt, unter welcher er ihm zuvor erſchien, und er beſchloß, ſeinen undankbaren Feinden zum Hohne, trotzend ihrer unmenſchlichen Wuth, einen Verſuch zu der Rettung ſeines Lebens zu machen! Er legte ſeine ſchimmernden Waffen ab; ſeine Gewandheit, ſeine Geſchicklichkeit, ſeine Schlauheit kehrten ihm zurück. Sein ſchneller Geiſt durchflog die Möglich⸗ keiten der Verkleidung— des Entrinnens; er verließ den Saal— ging durch die geringeren, den Dienern und dem Geſinde angewieſenen Zimmer— fand in einem derſelben eine grobe Handwerkerkleidung— legte dieſelbe an— nahm einen Theil der Vorhänge und Teppiche des Palaſtes auf den Kopf, wie wenn er mit ſeinem Freunde nen!“ Inz ſchnell: ſchon v brach de Holz k ſtürzten bare E ſtolze C ſturze 1 das bre — unv befand darinne miſchen bergend Pöbel! er gew Straße Freiheit Ein ſieht ih „H einer V — es wurde deckt da 405⁵ wegung er mit dieſen zu entkommen ſuchte, und ſagte mit „wen ſeinem alten„fantastico riso“;„Wenn alle andern em Pa⸗ Freunde mich verlaſſen, darf ich mich wohl ſelbſt verläug⸗ es Ver⸗ nen!“ Dann wartete er auf den geeigneten Augenblick. Kinder Inzwiſchen griffen die Flammen gewaltig und Chränen ſchnell um ſich; die äußere Thüre unten hatten fie und er⸗ ſchon verzehrt; aus dem Zimmer, das er verlaſſen, n Herz! brach das Feuer ſchon in Rauchwolken hervor— das and und Holz knarrte— das Blei ſchmolz— mit Kracheu genug ſtürzten die verſchiedenen Thore zuſammen— der furcht⸗ üht für bare Eingang ſtand der ganzen Menge offen— das re Bos⸗ ſtolze Capitol der Cäſare ſchwankte ſchon, ſeinem Ein⸗ danken, ſturze nahe! Jetzt war es Zeit!— er ging durch unter⸗ das brennende Thor— über die rauchende Schwelle; in, a— uerſehrt am er durch das äußere Thor— er Opfer!“ befand ſich mitten in dem Gedränge.„Beute genug die edle darinnen,“ ſagte er zu den Umſtehenden in dem rö⸗ und er miſchen Patvis, ſein Geſicht durch ſeine Bürde ver⸗ Hohne, bergend,„Suso, suso a gliu traditore!“ Der Verſuch Pöbel drängte an ihm vorüber— er ſchritt weiter— r legte er gewann die letzte Treppe, welche auf die offene ndheit, Straße führte— er ſtand an dem letzten Thore— en ihm Freiheit und Leben lagen vor ihm. köglich⸗ Ein Soldat(und zwar einer von den ſeinigen) verließ ſieht ihn an.„Halt— wohin gehſt Du?“ dienern„Habt Acht, daß der Senator nicht unter irgend fand in einer Verkleidung entkommt!“ rief hinten eine Stimme es war die Villani's. Die verbergende Bürde rhänge wurde ihm vom Kopfe geriſſen— Rienzi ſtand ent⸗ e wenmn deckt da! 406 „Ich bin der Senator!“ ſagte er mit lauter Stimme.„Wer wagt es, den Vertreter des Volkes anzutaſten?“ In einem Augenblicke war er von der Menge um⸗ ringt. Nicht geführt, ſondern geſchoben und gewir⸗ belt wurde der Senator nach dem Platze des Löwen. Von dem heſtigen Glanze der lodernden Flammen warf das graue Bild einen ſchwarzgelben Schein zu⸗ rück und glühte(das grimmige, eruſte Denkmal!), als wäre es ſelbſt von Fever! Dort angekommen, macht die Menge, erſchrect über die Größe ihres Opfers, Platz. Schweigend ſtand er da und ſah ſich in der Runde um; weder ſein ſchmutziger Anzug, noch die Schreckniſſe der Stunde, noch der ſtolze Schmerz über ſeine Ent deckung konnten die Majeſtät ſeiner Haltung nieder⸗ ſchlagen, oder den Muth der ihn ſtaunend umringen⸗ den Tauſende wieder beleben. Das ganze Capitol war in Feuer gehüllt und beleuchtete mit ſchauerlicher Pracht die ungeheure Menſchenmenge So weit man die Straßen hinabſah, erſtreckte ſich der feurige Glanz und die gedrängte Menge, bis ſie ſich mit den ſchim⸗ mernden Fahnen der Colonna— der Orfini— der Savelli ſchloß! Roms wahre Tyrannen zogen ein! Als der Schall ihrer nahenden Hörner und Trom⸗ peten durch die glühende Luft drang, ſchien der Pöbel wieder Muth zu faſſen. Rienzi wollte eben ſprechen; ſein erſtes Wort war das Signal zu ſeinem Tode. „Stirb, Tyrann!“ ſchrie Ceeco del Veechio und ſtieß ſeinen Dolch in des Senators Bruſt. „Sti Stoß. werker Leidenſch jauchzen ſah, 7 bitterer Schwert Haufen und Di wandt Sie ihn nich ohne eir benden? ten,— Stimme Fenſter! ſtand N Armen dernden dieſes d loren,! mächtig chende? In die Tib gelbe( ſchein t lauter Volkes uge um⸗ gewir⸗ Löwen. lammen ein zu⸗ kmal), rſchreckt weigend weder ſſe der e Ent nieder⸗ ringen⸗ tol war Pracht an die Glanz ſchim⸗ — der en ein! Trom⸗ Pöbel rechen; Tode. iv und „Stirb, Henker Montreal's!“ murmelte Villaui „ſo iſt die Pflicht erfüllt!“ und er führte den zweiten Stoß. Als er ſich dann zurückzog und den Hand⸗ werker in all der trunkenen Wuth ſeiner viehiſchen Leidenſchaft ſeine Mütze in die Höhe werfen, laut jauchzen und den gefallenen Löwen mit Füßen treten ſah,— blickte ihn der junge Mann mit matter, bitterer Verachtung an und ſagte, während er ſein Schwert einſteckte, ſich langſam abwendend, um den Haufen zu verlaſſen:„Thor, elender Thor! Du und Dieſe, Ihr hattet wenigſtens kein Ver⸗ wandtenblut zu rächen!“ Sie achteten nicht auf ſeine Worte— ſie ſahen ihn nicht weggehen; denn als Rienti ohne ein Wort, ohne einen Seufzer zur Erde fiel,— und die to⸗ benden Wogen der Menge über ihm zuſammenſtröm⸗ ten,— hörte man eine gellende, ſcharfe, verzweifelnde Stimme, welche all das Geſchrei übertönte. An dem Fenſter des Palaſtes(vem Fenſter ihres Brautgemaches) ſtand Nina!— nur ihr Antlitz und ihre ausgeſtreckten Arme waren durch die unter ihr und um ſie her lo⸗ dernden Flammen ſichtbar! Doch noch ehe der Schall dieſes durchdringenden Schreies ſich in der Luft ver⸗ loren, donnerte dieſer ganze Flügel des Capitols mit mächtigem Krachen zuſammen,— eine ſchwarze, rau⸗ chende Maſſe. In dieſer Stunde ſegelte ein einzelnes Boot raſch die Tiber hinab. Rom war fern, aber der ſchwarz⸗ gelbe Schimmer des Brandes warf ſeinen Wieder⸗ ſchein auf den ruhigen, ſpiegelhellen Strom; ſchön 408 über alle Beſchreibung war die Landſchaft; ſanfter, als alle Kunſt des Malers und Dichters es darzu⸗ ſtellen vermag, zitterte das Sonnenlicht über dem herbſtlichen Grün und goß milde Ruhe über die Wellen des goldenen Flufſes! Adrian's Auge richtete ſich angeſtrengt nach den Thürmen des Capitols, die in den Flammen ſich von den Giebeln und Domen umher deutlich unterſchieden; — beſinnungslos an ſeine ſchützende Bruſt ſich ſchmie⸗ gend, wußte Irene glücklicherweiſe Nichts von den Schreckniſſen dieſer Stunde. „Sie wagen es nicht— ſie wagen es nicht,“ ſagte der tapfere Colonna,„ein Haar auf dieſem geheiligten Haupte zu krümmen!— wenn Rienzi fällt, ſo fällt Rom's Freiheit für immer! Wie dieſe Thürme, welche die Flammen überragen, der Stolz und das Denkmal Rom's, ſo wird er ſich über die Gefahren der Stunde erheben. Siehe, noch unverletzt unter dem wüthenden Elemente iſt das Capitol ſelbſt ſein Sinnbild!“ Kaum hatte er geſprochen, als eine ungeheure Rauchſäule die fernen Flammen verdunkelte, und ein dumpfes Krachen(geſchwächt vurch die Entfernung) zu ſeinem Ohr drang! im nächſten Augenblicke waren die Thürme, nach welchen er blickte, von dem Schau⸗ platze verſchwunden und ein heſtiger, widriger Glanz ſchien ſich über der Atmoſphäre zu lagern,— und ganz Rom zur Leichenflamme zu machen für den Letzten der römiſchen TDribune! ————— Einige B Die ihren 2 geſchöp phie v geſchrie dem fr durch rung betitelt gebeut welche der fr tori in lich w verſeh gelehr berühr die T ſcharf Abbe betrac B ſanfter, es darzu⸗ iber dem ie Wellen nach den ſich von ſchieden; h ſchmie⸗ von den t,“ ſagte heiligten ſo fällt e, welche Denkmal Stunde ithenden d 4 igeheure und ein ernung) e waren Schau⸗ r Glanz — und ür den Anhang. Einige Bemerkungen über das Leben und den Charakter Rienzi's. Die Hauptautorität, aus welcher Geſchichtsſchreiber ihren Bericht über das Leben und die Zeiten Rienzi's geſchöpft haben, iſt eine ſehr merkwürdige Biogra⸗ phie von einem nicht bekannten Zeitgenoſſen; dieſelbe, geſchrieben in dem römiſchen Patvis jener Zeit, wurde dem franzöſiſchen und engliſchen Leſer einigermaßen durch das Werk des Peter di Cereeau,„Verſchwö⸗ rung des Nicolaus Gabrini, genannt von Rienzi“ betitelt, der den römiſchen Biographen zugleich aus⸗ gebeutet und entſtellt hat. Die Biographie, von welcher ich geſprochen, wurde, nachdem die Irrthümer der früheren Ausgabe verbeſſert waren, von Mura⸗ tori in ſeiner großen Sammlung veröffentlicht; neuer⸗ lich wurde ſie in veredeltem Texte beſonders gedruckt, verſehen mit Anmerkungen von reifem Urtheil und gelehrtem Geſchmacke nebſt einem Commentar zu dem berühmten Gedichte Petrarka's„Spirlo Gentil,“ das die Mehrzahl der italieniſchen Kritiker, trotz der ſcharffinnigen Beweiſe für das Gegentheil von dem Abbe de Sade, einſtimmig als an Rienzi gerichtet betrachtet. Dieſe Biographie wurde wegen ihrer ſeltenen Bulwer, Rienzi. B. 27 110 Unparteilichkeit allgemein gelobt. Und in der That lobt und tadelt der Verfaſſer mit einem höchſt ſon⸗ derbaren Anſchein von alberner Aufrichtigkeit. Das Werk iſt wirklich einer der nicht ungewöhnlichen Be⸗ weiſe, unter denen ſich Boswell's„Johnſon“ am meiſten auszeichnet, daß ein ſehr einfacher Mann ein ſehr ſchätzbares Buch zu ſchreiben im Stande iſt. Der Biograph Rienzi's ſcheint mehr der Biograph von Rienzi's Kleidern, ſo genau beſchreibt er alle Details der Farbe und Beſchaffenheit— ſo tief ſchweigt er über Alles, was ein Licht auf die Be⸗ weggründe Deſſen, der ſie trug, werfen könnte. Wenn man auch in der That dem Verfaſſer alles Streben, unparteiiſch zu ſein, zugeſteht, er iſt zu thöricht dazu. Es gehört einige Geſchicklichkeit dazu, um einen ſehr ausgezeichneten Mann in ſehr ſchwierigen Lagen rich⸗ tig zu beurtheilen, und der würdige Biograph iſt nichts weniger als im Stande, uns einen Schlüſſel zu den Handlungen Rienzi's zu geben— gänzlich unfähig, uns die Handlungsweiſe des Mannes durch die Zeitverhältniſſe zu erklären. Sein ſchwaches Ge⸗ ſicht macht ihn daher oft ſchielen. Neben dieſem Mangel an Verſtand müſſen wir auch noch den an Wahrheitsliebe tadeln, den jedoch ſeine herodot⸗ ähnliche Einfachheit ſeines Styles häufig verbirgt. Er beſchreibt Dinge, welche keine Zeugen hatten, ebenſo genau und beſtimmt, wie ſolche, die er ſelbſt geſehen. Zum Beiſpiel— vor dem Tode Rienzi's, in dieſen ſchauerlichen Augenblicken, wo der Senator allein war, von Niemand geſehen oder gehört wurde, berie Gede derſe ſeine habe Glar ſcheit dem einet gebe verm Ein Ver nicht die wah Gele Bei Zeu fühl der ſein eite acht an wir Ru er Ple in er That hſt ſon⸗ t. Das hen Be⸗ n m Mann ande iſt. iograph er alle ſo tief die Be⸗ Wenn Streben, cht dazu. nen ſehr en rich⸗ raph iſt Schlüſſel gänzlich es durch ches Ge⸗ n dieſem toch den herodot⸗ verbirgt. hatten, er ſelbſt Rienzi's, Senator rt wurde, 414 herichtet er uns ganz kalt jede Vewegung, jeden Gedanken Rienzi's mit ſolcher Genauigkeit, als wäre verſelbe aus dem Grabe auferſtanden, um ihm bei ſeiner Erzählung zu helfen. Gibbon und Andere haben dieſe offenbaren Erfindungen mit mehr gutem Glauben aufgenommen, als die Geſetze der Augen⸗ ſcheinlichkeit rechtfertigen dürften. Gleichwohl kann dem geduldigen und vorſichtigen Leſer dieſe Biographie einen weit klareren Begriff von Rienzi's Charakter geben, als wir aus den Geſchichtſchreibern zu ſammeln vermögen, welche ſtückweiſe aus derſelben entlehnten. Ein ſolcher Leſer wird alle unhaltbare Schlüſſe des Verfahrens bei Seite legen, ſein Lob oder ſeinen Tadel nicht hoch anſchlagen und nur ſein Augenmerk auf die von ihm erzählten Thatſachen richten, die er für wahr oder zweifelhaft hält, je nachdem der Verfaſſer Gelegenheit gehabt haben konnte, ſelbſt zu beobachten. Bei einer ſolchen Prüfung wird der Leſer hinreichende Zeugniſſe von Rienzi's Geiſte und von Rienzi's Ge⸗ fühlen finden; wenn er ſorgfältig unterſcheidet zwiſchen der Periode ſeiner Macht als Tribun und derjenigen ſeiner Macht als Senator, ſo wird er den Tribun eitel, übermüthig, prachtliebend finden, aber unge⸗ achtet des Räſonnements des Biographen dieſe Fehler an dem Senator nicht mehr bemerken. Andererſeits wird ihn der Unterſchied zwiſchen der Jugend und dem Rufe— zwiſchen Hoffnung und Erfahrung auffallen; er wird an dem Tribun ungeheuenen Ehrgeiz, große Plane, unternehmende Thätigkeit bemerken— die in der Zeſchnung des Senators zu weniger glänzenden 4¹2 und ruhigeren Farben gemilbert ſind. Er wird finden, vaß Rienzi beide Male nicht durch ſeine eigenen Fehler ſiel— er wird finden, daß die gemeine Moral des durch ſeine eigene übertreibung vernichteten Ehrgeizes nicht die wahre Moral von dem Leben des Römers iſt; er wird finden, daß beide Male, bei ſeiner Ab⸗ dankung als Tribun ſowohl, wie bei ſeinem Tode als Senator, Rienzi durch die Fehler des Volkes fiel. Der Tribun war das Opfer unwiſ⸗ ſender Feigheit,— der Senator ein Opfer trotzigen Geizes. Dies iſt es, was neuere Geſchichtſchreiber darzuſtellen ermangelten. Gibbon ſagt richtig, daß ver Graf von Minorbinv mit einhundertfünfzig Krie⸗ gern nach Rom kam und das Quartier der Colonna verbarrikadirte— daß die Glocke des Capitols ertönte — daß Rienzi das Volk anredete— daß ſie ſtille und unthätig blieben— und daß Rienzi dann die Regierung niederlegte. Aber hiefür nennt er Rienzi „kleinmüthig.“ Iſt dieſer Ausdruck nicht auf das Volk anzuwenden? Rienzi forderte ſie auf, gegen den Räuber zu ziehen— das Volk verweigerte den Gehorſam. Rienzi wünſchte zu fechten, das Volk wollte ſich nicht rühren. Nicht die Sache Rienzi's allein verlangte ihre Thätigkeit— es war die Sache des Volkes— auf ſie, nicht auf ihn ſiel die Schmach, wenn hundertundfünfzig fremde Krieger Rom unter⸗ warfen, ihre Freiheit umſtürzten und ſeine Tyrannen wieder einſetzten! Was auch Rienzi's Fehler waren, was auch ſeine Unpopularität, ihre Freiheit, ihre Geſetze, ihre Republik ſtanden auf dem Spiele; und dieſe Dieſ unpr fand Stöl die A nicht neue die S eomn ſache cativ gebli habe e licher ren Kein keine Hin: Guit Sal rann unte Auft und ſchri gem ſh finden, Fehler ral des rgeizes Römers ter Ab⸗ Tode er des unwiſ⸗ rotzigen chreiber 8, daß g Krie⸗ olonna ertönte ie ſtille ann die Rienzi uf das gegen erte den s Volk Rienzi's e Sache chmach, unter⸗ hrannen waren, t, ihre e; und vieſe gaben ſie hundertundfünfzig Söldlingen preis! Dieſe Thatſache verdammt ſie! Aber Rienzi war nicht unpopulär, als er ſie anredete und beſchwor: ſie fanden keinen Fehler an ihm.„Das Seufzen und Stöhnen des Volkes,“ ſagte Sismondi richtig,„war die Antwort,“— ſie konnten weinen, aber ſie wollten nicht fechten. Dieſe auffallende Apathie haben die neueren Geſchichtſchreiber nicht erklärt, und doch war die Haupturſache ganz einleuchtend— Rienzi war ex⸗ communieirt! Dieſe Geſchichtſchreiber führen die That⸗ ſache an, und ſchienen zu glauben, daß die Exeommuni⸗ cation im vierzehnten Jahrhundert zu Rom wirkungslos geblieben ſei!— Die Wirkung, welche ſie hervorbrachte, habe ich in dieſen Blättern zu ſchildern geſucht. Die urſachen des zweiten Sturzes und der end⸗ lichen Ermordung von Rienzi wurven von den neue⸗ ren Geſchichtſchreibern ebenſo unrichtig verſtanden. Keiner ſeiner Fehler war es— keine Ungerechtigkeit, keine Grauſamkeit, keine Unbeſonnenheit— nicht die Hinrichtung Montreal's, nicht die Pandulpho di Guido's— es war eine Auflage auf Wein und Salz, die ihn ſtürzte. uUm Rom gegen die Ty⸗ rannen ſicher zu ſtellen, mußte eine bewaffnete Macht unterhalten werden, um dieſe zu bezahlen, war eine Auflage nöthig, die Steuer wurde ausgeſchrieben— und das Volk verband ſich mit den Tyrannen und ſchrie:„Tod dem Verräther, der die Auflage gemacht hat!“ Das war ihre einzige Beſchwerde — dies das einzige Verbrechen, das ihre Leiden⸗ ſchaften und ihre Wuth gegen ihn vorbringen konnten. Die Fehler Rienzi's waren augenſcheinlich genug und ich habe ſie ſchonungslos geſchildert; aber wir müſſen die Menſchen nicht nach dem Grade ihrer Annäherung an die Vollkommenheit beurtheilen, ſon⸗ dern darnach, ob ihre guten, oder ihre ſchlimmen Eigenſchaften überwiegen— ob ihre Talente, oder ihre Schwächen— ob das Gute, das ſie gethan, oder das Böſe, das ſie angeſtiftet. Für einen Mann, der ſich zu einer ſo großen Macht empor geſchwun⸗ gen hatte, waren Rienzi's Fehler äußerſt wenige— Verhrechen beging er keine. Er iſt beinahe der einzige Mann, der ſich je aus dem Bürgerſtande zu einer Macht erhob, welche der eines Monarchen gleich kam, ohne eine einzige Handlung der Gewaltthat voder der Verrätherei. In dem Beſitze der Macht, war er eitel, übertrieden prächtig und unbedachtſam, immer ein Enthuſiaſt, oft ein Fanatiker; aber gerade in ſeinen Fehlern lag Seelengröße, und eben dieſer Fa⸗ natismus beförderte ſeine ſchwärmeriſchen Unterneh⸗ mungen und zeigte von ſeiner ſtrengen Rechtlichkeit. Es iſt klar, daß ſeine Feinde keine gehäſſige Beſchul⸗ digung gegen ihn vorbringen konnten, denn alle An⸗ klagen, denen er als Excommunieirter, als Verbannter, als Gefallener ausgeſetzt war, betrafen zwei Ver⸗ gehen, welche Petrarka mit Recht für Beweiſe ſeiner Tugend und ſeines Ruhmes hält; nämlich, daß er Rom für frei erklärte, und zweitens, daß er be⸗ behauptete, die Römer haben ein Recht bei der Wahl des römiſchen Kaiſers.“ So ſtreng, gerecht und un⸗ „Die Beſchuldigung der Ketzerei ließ man fallen. beugſ Grau edle er ni volut patri er ai Hinr des ſeine Glät ledig tücht ſolch die ſuch dure Eur deſſe unv kauf wäh Ver als mei vent weit ober Mo Ita du genug er wir ihrer t, ſon⸗ eſer Fa⸗ terneh⸗ lichkeit. Beſchul⸗ alle An⸗ annter, ei Ver⸗ e ſeiner daß er er be⸗ er Wahl ind un⸗ 41⁵ beugſam er als Tribun war, ſo war doch muthwillige Grauſamkeit nie ſein Fehler. Die Klage, welche der edle Petrarka über ihn führte, war wirklich die, daß er nicht entſchloſſen genug geweſen, daß er die Re⸗ volutivn nicht dadurch vollendet habe, daß er die patrieiſchen Thrannen vertilgte. Als Senator wurbe er aus Veranlaſſung der gerechten und nothwendigen Hinrichtung Montreal's* phne hinreichenden Grund des Geizes angeklagt. Es war ſehr natürlich, daß ſeine Feinde und der Pöbel glaubten, er laſſe einen Gläubiger hinrichten, um ſich einer Schuld zu ent⸗ ledigen; aber von ſpäteren, einſichtsvolleren und tüchtigeren Schriftſtellern war es unverzeihlich, eine ſolche Verleumdung zu wieverholen, ohne wenigſtens die nahellegende Bemerkung beizufügen, daß die Hab⸗ ſucht Rienzi's weit leichter durch die Schonung, als durch die Hinrichtung eines der reichſten Männer Europa's hätte befriedigt werden können. Montreal, deſſen dürfen wir ſicher ſein, hätte ſein Leben um eine unvergleichlich größere Summe, als das Wenige er⸗ kauft, was ſeine Brüder Rienzi vorgeſtreckt hatten. „Gibbon unterläßt, wo er der Hinrichtung Montreal's er⸗ wähnt, anzuführen, daß Montreal der Verſchwörung unb des Verrathes zum Behufe der Wiedereinſetzung der Colonna mehr als nur verdächtig war. Matthev Villani führt es als allge⸗ meine Annahme an, daß dies wirklich das Verbrechen des Pro⸗ venzalen geweſen. Der Biograph Rienzi's liefert weitere Be⸗ weiſe für die Thatſache. Gibbon's Kenntniß von dieſer Zeit war oberflächlich. Als Beiſpiel hiefür ſchildert er ſonderbarer Weiſe Montreal als das Haupt der erſten Freicompagnie, welche Italien verheerte; dieſen Irrthum entlehnte er von dem Pater du Cerceau. 416 Dies iſt nicht nur eine wahrſcheinliche Vorausſetzung, ſondern eine beſtimmte Thatſache, denn man berich⸗ tet ausdrücklich, daß Montreal,„der den Tribun in Geldverlegenheit gewußt, Rienzi für den Fall ſeiner Freilaſſung angeboten habe, er, Montreal, wolle ihm nicht nur zwanzigtauſend Gulben(den vierfachen Betrag von dem, was Rienzi ihm ſchuldete) zahlen, ſondern ſo viel Soldaten und Geld zu ſeiner Ver⸗ fügung ſtellen, als er verlangen werde.“ Dieſes Anerbieten ſchlug Rienzi aus. Hätte er es zurück⸗ gewieſen, wenn Habſucht ſein leitendes Prineip ge⸗ weſen wäre? Und welch' ſtrafbare Ungerechtigkeit, der unbeſtimmten Verleumdung zu erwähnen, ohne die widerſprechenden Thatſachen anzuführen! Wenn Gibbon uns auch erzählt, daß„der tugendhafteſte Bürger Rom's(worunter er Pandulpho, oder Pan⸗ dulphicciv di Guido“ verfteht) ſeiner Eiferſucht ge⸗ opfert worden ſei,“ ſo übertreibt er den Ausdruck „virtuosi assai“ ein wenig, der auf Pandulpho an⸗ gewendet wurde; und dieſer Ausdruck wurde überdies von einem Manne gebraucht, der den Räuber Mon⸗ treal ſchildert als„excellente uomo— di quale ſama suono per tutta la Kalia di virtude“— ein ſolcher Moraliſt war dirſer Schriſtſteller!— er unter⸗ läßt auch jede Erwähnung tder ſo augenſcheinlichen Wahrſcheinlichkeiten von dem Plane Pandulpho's, Rienzi zu verdrängen und die„Signoria del Popolo“ * Mattheo Villani ſpricht von ihm als einem weiſen, gulen Bürger, von großem Anſehen bei dem Volke. Dies ſcheint er auch in der That geweſen zu ſein. für Par ang ſein ſein dem wiet meh der keit er ſeine kühn zuge unte nete war und Erſt gewe lehr bühr beiu gew falls Ron Siet ſein etzung, berich⸗ bun in ſeiner wolle fachen ahlen, Ver⸗ Dieſes urück⸗ ip ge⸗ igkeit, ohne Wenn afteſte Pan⸗ t ge⸗ sdruck an⸗ erdies Mon⸗ uale — ein nter⸗ lichen hs, olo“ guten int er 417 für ſich anzuſprechen. Wenn aber auch der Tod Pandulpho's als ein Makel in dem Andenken Rienzi's angeſehen werden will, ſo war es dieſer nicht, der ſein eigenes Schickſal herbeiführte. Der Pöbel, der ſeinen Palaſt umgab, ſchrie nicht:„Nieder mit dem Henker Pandulpho's,“ ſondern— man muß es wieder und immer wieder ſorgfältig beachten— nichts mehr und nichts weniger, als:„Nieder mit Ihm, der die Auflage gemacht hat!“ Gibbon ſpöttelt über die militäriſche Geſchicklich⸗ keit und den Muth Rienzi's. Für das Letztere hat er keinen Grund. Seine erſten Unternehmungen, ſeine erſte Erhebung zeigten hinlänglich für ſeinen kühnen, tapferen Geiſt; bei jeder Gefahr war er zugegen, nie wich er, ſo lange er von dem Volke unterſtützt wurde, vor einem Feinde zurück. Er zeich⸗ nete ſich, als er noch in dem Lager von Albornoz war, bei Viterbo durch mehrere Waffenthaten aus,“ und ſein Ende war das eines Helden. Was das Erſtere betrifft, ſo wäre es gewiß zu entſchuldigen geweſen, wenn Rienzi, der beredte und begabte Ge⸗ lehrte, aus dem Studirzimmer und von der Redner⸗ bühne zu der Uebernahme des Befehles über ein Heer beiufen, in ſeinen militäriſchen Kenntniſſen ſchwach geweſen wäre, aber ſeine Waffen waren doch jeden⸗ falls im Ganzen glücklich. Er ſchlug die Ritterſchaft Rom's vor deſſen Thoren, und wenn er nach ſeinem Siege nicht auf Marino los marſchirte, weßwegen ſein Biograph und Gibbon ihn tadeln, ſo iſt der „*vita di Cola di Rionzi, lip. II. cnp. 14. Grund hiezu klar genug:„Volea pecunia per Sol- dati“— es fehlte ihm an Geld für die Sol⸗ vaten! Nach ſeiner Rückkehr als Senator muß man bedenken, hatte er Paleſtrina zu belagern, das wegen ſeiner Lage ſogar von den alten Römern für beinahe unbezwinglich⸗ gehalten wurde; doch ergab ſich Pa⸗ leſtrina während der wenigen Wochen ſeiner Herr⸗ ſchaft, alle ſeinen offenen Feinde wurden geſchlagen, die Tyrannen vertrieben, Rom war frei; und dies Alles, ohne daß er weder von der päpſtlichen, noch von der Volkspartei unterſtützt worden wäre, viel⸗ mehr, wie Gihbon richtig ſagt,„von dem Volke verdächtigt, von dem Kirchenfürſten verlaſſen.“ Wenn man in Betracht zieht, was Rienzi leiſtete, müſſen wir auch ſeine Mittel in das Auge faſſen, die Schwierigkeiten, welche ihn umgaben, ſeine beſchränkten Hülfsquellen. Wir ſehen einen Mann ohne hohe Geburt, ohne Vermögen und ohne Freunde zu dem Haupte einer Demokratie in der Hanptſtadt der Kirche, in der erſten Stadt des Kaiſerreiches ſich aufſchwingen. Wir ſehen ihn jeden Titel, außer dem eines Magiſtrates des Volkes, verſchmähen, mit einem Schlage eine neue Verfaſſung gründen, ein neues Geſetzbuch einführen. Wir ſehen ihn die ſtolzeſte Ariſtokratie in Europa zuerſt vertreiben, dann unterwerfen— ſehen ihn die trotzigſten Banditen beſtegen, das unruhigſte, durch die Gewaltthaten von Jahrhunderten in geiſtiges und ſinnliches Verderben herabgeſunkene Volk unparteiiſch regieren. Wir ſehen ihn den Handel wieder beleben⸗ die Otdnung befeſtigen, die Civiliſation wie durch ein V digun die ſe überli ſtabt Ueber hinſie Civil Män ben, fanat müth der( Ritte gleic Zeit wir nicht ſollt welc nach Anl⸗ emp er r zu j die verſ Ein Rie Vol te einer erſten r ſehen tes des e nee führen. uropa ihn die durch es und rteiiſch eleben, durch 4¹9 ein Wunder gründen, von gekrönten Häuptern Hul⸗ digungen und Glückwünſche empfangen— ſehen ihn die ſchlaueſte Prieſterſchaft der päpſtlichen Diplomatie überliſten, verſöhnen oder ſchrecken, und ſeine Vater⸗ ſtadt mit einem Male zu plötzlicher, aber anerkannter ueberlegenheit aller anderen Staaten erheben, die hinſichtlich der Künſte, ihres Reichthums und ihrer Civiliſation über ihr ſtanden; wir fragen, welche Mängel wir in die andere Wagſchale zu legen ha⸗ ben, und wir finden eine unnöthige Prachtliebe, eine fanatiſche Abenteuerlichkeit und eine gewiſſe über⸗ müthige Strenge Aber was ſind ſolche Fehler, was der Glanz eines Bankettes, oder das Gepränge des Ritterſchlages, oder einige anmaßende Worte, im Ver⸗ gleiche zu den Laſtern beinahe aller Fürſten ſeiner Zeit? Dies iſt die Art, Charaktere zu beurtheilen; wir müſſen Menſchen mit Menſchen vergleichen, und nicht mit Idealen deſſen, was die Menſchen ſein ſollten. Wir ſehen die erſtaunlichen Wohlthaten, welche Rienzi ſeinem Vaterlande brachte. Wir fragen nach ſeinen Mitteln und finden nur ſeine perſönlichen Anlagen. Sein Schatz wird geſchwächt— ſeine Feinde empören ſich— die Kirche benützt ſeine Schwäche— er wird ercommunicirt— die Soldaten weigern ſich, zu fechten— das Volk will ihm nicht beiſtehen— die Barone verwüſten das Land— die Wege werden verſperrt, die Zufuhr iſt von Rom abgeſchnitten. Eine Handvoll Banditen dringt in die Stadt— Rienzi will, daß man ihnen Widerſtand leiſte— das Volk verläßt ihn— er dankt ab. Raub, Hunger, Mord folgen nun— die, welche ihn verlaſſen, be⸗ dauern, bereuen— gleichwohl bleibt er vhne Bei⸗ ſtand, allein— bald ein Verbannter, bald ein Ge⸗ fangener, ſein Geiſt rettet ihn aus jeder Gefahr und erhebt ihn wieder zur Größe. Er kehrt zurück, der päpſtliche Legat verweigert ihm ſeine Waffen— das Volk verweigert ihm das Geld. Er ſtellt Geſetz und Ordnung wieder her, vertreibt die Tyrannen, legt ſeine früheren Fehler ab“— ed iſt klug, ſchlau, „Dieſe zweite Periode ſeiner Macht wurde als diejenige geſchildert, in welcher ſeine hauptſächlichſten Fehler ſich kund geben und er iſt zu dieſer Zeit bei ſeinem Biographen offenbar nicht in Gunſten; richten wir aber unſer Augenmerk auf das, was er leiſtete, ſo finden wir Staunen erregende Gewandt⸗ heit, Klugheit und Thatkraſt in der ſchwierigſten Kriſis, und keinen ſeiner früheren Fehler. Wahr iſt, daß er nicht mehr die glänzende Abenteuerlichkeit an den Tag legte, die, wie ich ver⸗ muthe, mehr als ſeine geſundern Eigenſchaſten ſeine Zeitgenoſſen blendete; aber wir finden, daß er binnen wen'gen Wochen alle ſeine mächtigen Feinde beſiegte— daß ſeine Beredſamkeit ſo groß war, als je— noch größer ſeine Schnelligkeit— uner⸗ müdlich ſein Fleiß— wachſam ſeine Vorſicht.„Er allein,“ ſagt der Biograph,„führte die Angelegenheiten Roms, denn ſeine Officialen waren ſehr läſſig und gleichgültig.“ Und dies Alles, gemartert von einer ſchmerzlichen Krankheit— ſchon, obwohl noch jung, gebrochen und ſchwach. Die einzigen gegen ihn als Senator vorgebrachten Beſchuldigungen waren die Hinrichtungen Montreal's und Pandulpho di Guido's, die Auflage der Steuer, die Ablegung ſeiner früheren enthaltſamen Lebensweiſe und ſeine Neigung zum Weine und zum Schmauſen. Hinſichtlich der erſteren Beſchuldigungen iſt der Lefer ſchon in den Stand geſetzt, ſich ein eigenes Urtheil zu bilden. Was dann die letztere betrifft, ach! der Leſer muß ſeine Nachſicht ausdehnen und er wird auch hiefür eine Entſchuldigung finden. Ja, wir müſſen den Mann mehr bedauern, als verdammen, dem die Aufregung zur anderen vorſicht das Vr zerriſſe hin, ſe zu räc nochn nach C zenden klagte kein T daß er Das Unpop geht v Volke Untert Fehler Beſtin ob er haßt ermor ſo liet Natur zu der ſtigen 2 ihn zu die Rö trieben ihm ei verurſa letzten berichte diejenige ſich kund offenbar ſis, und mehr die ich ver⸗ tgenoſſen chen alle mkeit ſo — uner⸗ in,“ ſagt enn ſeine es Alles, obwohl ihn als ichtungen Steuer, und ſeine tlich der d geſetzt, betrifft, vird auch n Mann randeren 42¹ vorfichtig— er regiert wenige Wochen— beſteuert das Volk zu deſſen eigenem Beſten und wird in Stücke zerriſſen! Ein Tag der nun folgenden Regierung reicht hin, ſein Regiment zu rechtfertigen und ſein Andenken zu rächen— und ſo oft dieſes elende, entartete Volk noch nach Jahrhunderten von Ruhm träumte, oder nach Gerechtigkeit ſeufzte, erinnerte es ſich des glän⸗ zenden Traumbildes, das es ſelbſt geopfert, und be⸗ klagte das Schickſal von Cola di Rienzi. Daß er kein Tyrann war, geht daraus augenſcheinlich hervor, daß er nach ſeinem Tode ſchmerzlich bedauert wurde. Das Volk bedauert nie einen Tyrannen! Aus der Unpopularität, welche aus andern Fehlern entſpringt, geht oft eine Reaktion hervor; es iſt dies bei dem Volke aber keine Reaktion gegen ihren Verräther oder Unterdrücker. Tauſend Biographen können über die Fehler oder Verdienſte eines Regenten nicht mit ſolcher Beſtimmtheit entſcheiden, wie die einzige Thatſache, ob er zehn Jahre nach ſeinem Tode geltebt oder ge⸗ haßt wird. Wenn aber der Regent von dem Volke ermordet wurde, und er wird dann von ihnen bedauert, ſo liegt in eben dieſer ihrer Reue ſeine Freiſprechung. Natur geworden iſt, und der zu dem phyſiſchen Reizmittel oder zu der augenblicklichen Lethe ſeine Zuflucht nimmt, wenn die gei⸗ ſtigen Aufheiterungen der Hoffnung, der Jugend und des Ruhmes ihn zu verlaſſen anfangen. Seine behauptete Unmäßigkeit, welche die Römer(ein äußerſt nüchternes Volk) vielleicht auch über⸗ trieben haben, und die er mit einem Durſte entſchuldigte, den ihm eine in dem Kerker von Avignon ſich zugezogene Krankheit verurſachte— verminderte offenbar, auch nach Zeugniſſen, in der letzten Zeit ſeinen Geſchäftseifer nicht, der, wie ſein Biograph berichtet, zu dieſer Zeit noch größer war als je. Ich habe geſagt, die Moral von dem Leben des Tribuns und von dieſer freien Darſtellung deſſelben ſei nicht die abgenützte, zweckloſe Moral, welche den Ehrgeiz des Einzelnen warnt:— unfaſſender, feier⸗ licher, nützlicher— wendet ſie ſich an Nativnen. Wenn ich nicht irre, ſo ſagt ſte, daß, um groß und frei zu ſein, ein Volk ſich nicht auf Einzelne, ſondern auf ſich ſelbſt verlaſſen muß— daß es nicht ein plötzlicher Sprung von der Knechtſchaft zur Freiheit iſt— daß ſie von Einrichtungen, nicht von Männern, Refor⸗ men zu erwarten haben, welche von Dauer ſein ſollen — daß ihre eigenen Leidenſchaften die wahren De⸗ ſpoten ſind, welche ſie bezwingen müſſen, ihre eigene Vernunft das wahre Mittel zu Abſchaffung von Miß⸗ bräuchen. Bei einem ruhigen und edeln Volke kann der Ehrgeiz eines Bürgers nie gefährlich werden:— ungeduldig die Feſſeln tragen, heißt nicht, der Frei⸗ heit würdig ſein— eine obrigkeitliche Perſon nieder⸗ machen, heißt nicht, das Geſetz verbeſſern.“ Das Volk ſchreibt ſein eigenes Verdammungsurtheil, wenn es ſich blutiger Schriftzüge bedient; ihm allein iſt vie Thorheit oder das Verbrechen zuzuſchreiben, wenn es einen Thrannen krönt, oder ein Opfer mordet. * Rienzi wurde ermordet, weil die Römer die Gewohnheit hatten, zu morden, ſobald ſie mißvergnügt waren. Ganz kurz vorher hatten ſie einen Magiſtrat geſteinigt, einen anderen in Stücke geriſſen. Aus denſelben Urſachen und auf demſelben Wege kann ein Volk einem Bravo ähnlich werden, deſſen Hand bei der geringſten Beleidigung nach dem Meſſer fährt, und wenn er heute den Feind erſticht, der ihn angreift, er morgen den Freund erſchlägt, der ihn zurückhalten will. —— — „Grſellſch im Verlal Geſ Schu . Erſchein Alle Dies Haltung, Standes gleich für geachtet un Verfaſſer r Erzählung ſondern eir der Geiſt d und der E Reiches— ſcher, in k welcher üb im Innerr ganze Krie finden. J finden, in auch das nen Verſte ieder⸗ Das wenn in iſt wenn et. hnheit z kurz ren in Wege nd bei wenn en den Herausgegeben von der „Geſellſchaft zur Verbreitung guter und wohlfeiler Jücher“ erſcheint ſo eben im Verlage von Scheible, Rieger& Sattler in Eituttgart: Geſchichte des deutſchen Volkes und des dentſchen Landes für Schule und Haus und für Gebildete überhaupt. Von Profeſſor der Geſchichte an der Univerſität zu Erlangen. Dritte verbeſſerte und vermehrie Auſtage. Erſcheint in 8 Cheilen à 15 kr. oder 5 ſgr. vollſtändig im Luufe des Jahres 1845. Alle Buchhandlungen Deutſchlands liefern dieſes Werk. Dies Buch gibt wirklich in vopulärer— darum nicht trivialer— Haltung, eben nicht dem Gelehrten aber dem Gebildeten jeden Standes eine unterhaltende und belehrende Lektüre, während es zu⸗ gleich für obere Klaſſen der Schulen, wo deutſche Geſchichte noch geachtet und gelehrt wird, brauchbar iſt. Populäre Darſtellung iſt dem Verfaſſer nicht jene ermüdende Verflächung, nicht jene troſtloſe Breite der Erzählung, die den gegebenen Stoff mechaniſch hirn⸗ und mundrecht macht, ſondern eine im Geiſte des Volkes ſelbſt geſchriebene, darum auch jeden, der Geiſt dazu bringt, wieder anſprechende Schilderung der Entwicklung und der Schickſale des deutſchen Landes und Volkes— nicht bloß des Reiches— in religiöſer wie politiſcher, in wiſſenſchaftlicher wie äſtheti⸗ ſcher, in künſtleriſcher wie in gewerblicher Hinſicht, eine Darſtellung, in welcher über den ſtarren Formen des Reichs nicht die lebendige Geſtaltung im Innern vergeſſen iſt, in welcher Ereigniſſe wie Sitten und Gebräuche, ganze Kriege wie einzelne charakteriſtiſche Momente und Worte ihren Platz finden. In einer vovulären Geſchichte muß Jeder ſich ſelbſt wieder finden, in ſeiner Darſtellung und Umgebung kennen lernen; es muß ihm auch das rein Menſchliche menſchlich näher treten, er muß nicht bloß ſei⸗ nen Verſtand dabei lernen, ſondern auch ſein Herz dabei fühlen laſſen. In demſelben Verlage iſt erſchienen und kann durch alle Buch⸗ handlungen bezogen werden; Swift's humoriſtiſche Werke. Aus dem Engliſchen überſetzt und mit der Geſchichte ſeines Lebens und Wirkens bereichert von Dr. Franz Kottenkamp. Vollſtändig in drei Bänden. Zroſchirt 3 fl. 12 kr. oder 2 Bthlr. Wir übergeben hiemit dem deutſchen Publikum in Swiſt denjenigen Schriftſteller, welchen die unmittelbar auf die Begrün⸗ dung derengliſchen Verfaſſung folgende Zeit als den erſten und ausgezeichnetſten jener Periode überliefert hat, welcher wegen ſeines Reichthums an Gedanken und Erfindung, wegen ſeines umfaſſenden Geiſtes und ſeines Scharfblickes, womit er das Trei⸗ ven der Menſchen durchſchauete, wegen ſeines unvergleichlichen Witzes, ſowie auch wegen ſeines klaren, gedrängten Styles ein Lieblingsſchriftſteller der Nation geblieben iſt und für immer bleiben wird, welcher endlich, ebenſo wie Shalſpeare und Byron, durch die durchdringende und wahre Schilderung des allgemein Menſchlichen auch dem Auslande zu gefallen ſo ſehr geeignet 5 iſt.— Durch gediegene Uebertragung, ſchöne Ausſtattung und billigen Preis, glauben wir mit dazu beigetragen zu haben, daß die Leſewelt dieſe Geſammtausgabe der humoriſtiſchen Werke Swifts willtommen heißen werde. ———————— in Swiſt ie Begrün⸗ erſten und cher wegen egen ſeines r das Trei⸗ gleichlichen Styles ein für immer und Byron, z allgemein hr geeignet attung und zu haben, ſchen Werke 3„* 2